Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht Vom 15. März 2017 (810 16 119) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Straffälligkeit Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Claude Jeanneret , Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Oliver Borer , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 534 vom 19. April 2016) A. Der bosnische Staatsangehörige A.____, geboren a m 30. Januar 1994, reiste am 17. November 1997 mit seiner Familie zwecks Durchfü hrung eines Asylverfahrens in die Schweiz ein. Ihre Asylgesuche wurden abgelehnt, abe r die Familie wurde zufolge Vorliegens von Vollzugshindernissen vorläufig aufgenommen. A._ ___ verfügt seit dem 8. November 2005 über eine Aufenthaltsbewilligung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2006 beantragte di e Jugendanwaltschaft Basel- Landschaft (Jugendanwaltschaft), A.____ sei wegen mehrfa cher Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrf acher Sachbeschädigung und Drohung für fehlbar zu erklären und es sei eine besondere Beha ndlung anzuordnen. Entsprechend dem Antrag der Jugendanwaltschaft erklärte die Vormundscha ftsbehörde B.____ A.____ mit Be- schluss vom 11. April 2007 wegen der genannten Delikte für fehlbar und ordnete eine besonde- re Behandlung in Form einer Psychotherapie an. In der Folge wurde A.____ am 24. September 2007 vom Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) verwarnt. C. Am 4. April 2013 wurde A.____ von der Jugendanwa ltschaft wegen Raubes, mehrfa- chen, teilweise versuchten Diebstahls, unrechtmässiger An eignung, mehrfacher Sachbeschädi- gung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher PW-En twendung zum Gebrauch, mehrfa- chen Führens eines Personenwagens in fahrunfähigem Zustand, Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrfähigkeit, mehrfachen Führens e ines Personenwagens ohne im Besitz des erforderlichen Führerausweises der Kategorie B zu se in, Nichtgenügens der Meldepflicht nach einem Verkehrsunfall ohne verletzte Personen, Rückwär tsfahrens auf der Autobahn, un- genügenden Abstands beim Hintereinanderfahren mit Ge fährdung, unvorsichtigen Fahrstrei- fenwechsels mit Gefährdung des überholten Fahrzeuges, Üb erschreitens der signalisierten Höchstgeschwindigkeit innerorts und auf der Autobahn, m ehrfachen Führens von Personenwa- gen ohne Fahrzeugausweis und ohne gültigen Versicherung sschutz, Inverkehrbringens von mehreren Personenwagen ohne Kontrollschilder, Gefährd ung eines Fussgängers beim Über- queren des Fussgängerstreifens und mehrfachen Führens ein es Personenwagens ohne Licht zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von dre i Monaten sowie zu einer Busse in der Höhe von Fr. 1'000.-- verurteilt. D. Mit Schreiben vom 21. Juni 2013 wurde A.____ vom Af M erneut verwarnt und darauf aufmerksam gemacht, dass er mit der Wegweisung aus der S chweiz rechnen müsse, falls er erneut in relevanter Weise straffällig würde. Das AfM behielt sich zudem die Anordnung weite- rer ausländerrechtlicher Massnahmen für den Fall des Bekan ntwerdens weiterer bereits began- gener Straftaten vor. E. Am 23. Juli 2015 wurde A.____ von der Staatsanwalt schaft des Kantons Basel-Stadt wegen mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls und Tät lichkeiten zu einer Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu Fr. 30.-- sowie einer Busse von Fr. 800.-- verurteilt. F. A.____ wurde am 16. September 2015 das rechtliche Gehör zur allfälligen Nichtverlän- gerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung au s der Schweiz gewährt, welches er mit Schreiben vom 22. September 2015 wahrnahm. G. Am 14. Oktober 2015 verfügte das AfM die Nichtverläng erung der Aufenthaltsbewilli- gung von A.____ und forderte diesen auf, die Schweiz bis spätestens 31. Dezember 2015 zu verlassen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Die von A.____, vertreten durch Oliver Borer, Advokat in Basel, dagegen erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kantons Basel-Land schaft (Regierungsrat) mit Be- schluss Nr. 0534 vom 19. April 2016 (RRB) ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz innert 30 Tagen ab Rechtskraft des Beschlusses an. I. Dagegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch A dvokat Oliver Borer, mit Eingabe vom 29. April 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren: 1. Es sei in Gutheissung der Beschwerde die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu verlänge rn; 2. Eventualiter sei in Gutheis- sung der Beschwerde die Aufenthaltsbewilligung des Beschwe rdeführers zu verlängern und er zu verwarnen; unter o/e-Kostenfolge. Mit der am 1. Jul i 2016 eingereichten Beschwerdebe- gründung beantragte der Beschwerdeführer in verfahren srechtlicher Hinsicht, es sei eine Par- teiverhandlung vor dem Kantonsgericht anzuordnen. J. Mit Eingabe vom 22. August 2016 liess sich der Beschwe rdegegner vernehmen und schloss auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. K. Mit präsidialer Verfügung vom 12. September 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Gleichzeitig erhielt der Besch werdeführer eine Frist zur Einreichung seines Lohnausweises des Jahres 2016 sowie der Lohnabrechn ung des Monats Januar 2017 sowie zur Mitteilung weiterer verfahrensrelevanter Ände rungen des Sachverhalts (inklusive Be- lege). L. Am 24. Februar 2017 reichte der Beschwerdeführer sei nen Jahreslohnausweis 2016, die Lohnabrechnung Januar 2017, einen Verlaufsbericht des Männerbüros C.____ vom 17. Januar 2017, einen ärztlichen Bericht von D.____, P raxisgemeinschaft E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Januar 2017, ein Z wischenzeugnis der Arbeitgeberin vom 30. Januar 2017 sowie ein Hochzeitsfoto ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdige s Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Als Adressat des angefochtenen Entsch eids weist der Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf. Da auch die übrigen formellen Voraus- setzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Bei der Beurteilung der verwaltungsgerichtlichen B eschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a VPO darauf besch ränkt, den angefochtenen Ent- scheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu über prüfen bzw. zu prüfen, ob der Be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegner ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Ferner kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat (§ 45 Abs. 1 lit. b VPO). Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht dagegen verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 1.3 Gemäss § 15 Abs. 1 VPO kann die präsidierende Person eine Parteiverhandlung anordnen. Gestützt darauf hat der Beschwerdeführer eine n Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung gestellt, welcher durch präsidia le Anordnung einer Urteilsberatung abgewiesen wurde. Der Beschwerdeführer macht diesbezügl ich geltend, vorliegend sei praxis- gemäss eine Parteiverhandlung durchzuführen, damit sic h das Gericht ein unmittelbares Bild des Beschwerdeführers machen und ferner entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung auf die Umstände im Urteilszeitpunkt abstellen könne . Im Rahmen der anzusetzenden Parteiverhandlung sei auch seine Verlobte F.____ zu befragen. Mit präsidialer Verfügung vom 12. September 2016 wurde dem Beschwerdeführer eine F rist zur Einreichung seines Lohnaus- weises des Jahres 2016 sowie der Lohnabrechnung des Mona ts Januar 2017 gewährt. Ferner wurde er darauf hingewiesen, dem Gericht innert dersel ben Frist allfällige verfahrensrelevante Änderungen des Sachverhalts inklusive entsprechender Bel ege mitzuteilen. Mit Eingabe vom 24. Februar 2017 reichte er sowohl die eingeforderte n als auch weitere Belege (insbesondere Verlaufsbericht Männerbüro C.____ vom 17. Januar 2017 ; ärztlicher Bericht von D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Januar 2017, sowie ein Zwischenzeugnis der G.____ vom 30. Januar 2017) ein. Es ist nicht ersichtlich, und wir d vom Beschwerdeführer auch nicht näher substantiiert, welche zusätzlichen Erkenntnisse aus e iner Parteiverhandlung bzw. Befra- gung seiner Verlobten hätten hervorgehen können, zumal dem Gericht mit der Eingabe vom 24. Februar 2017 sämtliche relevanten Sachverhaltselemente im Urteilszeitpunkt vorlagen. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Nichtverlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit einhergehende Wegwei- sung zu Recht erfolgten. 3.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständ ige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und Art. 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlich en Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Ertei lung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; MARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/ Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Auf lage, Zürich 2015, N 1 ff. zu Art. 3 AuG; P ETER ÜBERSAX , in: Übersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerre cht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 3.2 Vorab ist festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und B osnien-Herzegowina keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, welche dem Besc hwerdeführer einen Anspruch auf Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufenthalt in der Schweiz einräumt. Demzufolge sind, v orbehältlich anderer völkerrechtlicher Verträge, die Bestimmungen des AuG anwendbar. 3.3 Vorliegend kann einleitend festgehalten werden, d ass auch die innerstaatliche Auslän- derrechtsgesetzgebung dem Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Erteilung einer Aufent- haltsbewilligung gewährt. 3.4 Aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schut ze der Menschenrechte und Grund- freiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. November 1950 sowie dem inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverf assung der Schweizerischen Eidgenos- senschaft (BV) vom 18. April 1999 geschützten Recht auf Achtung des Privat- und Familienle- bens können ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen einen Anspruch auf Aufent- halt oder Verbleib in einem anderen Staat ableiten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnah- me zur Trennung von Familienmitgliedern führt (ANDREAS ZÜND /THOMAS HUGI YAR , Aufenthalts- beendende Massnahmen im schweizerischen Ausländerrecht, ins besondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, Europäische Grundrechte-Z eitschrift [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Wie der Beschwerdegegner grund sätzlich zutreffend festhält, ist der Anspruch auf Familienleben auf die Kernfamilie beschränkt, welche bei erwachsenen Personen deren Ehepartner und die eigenen Kinder umfasst (BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1). Dies trifft im vorliegenden Fall nicht zu. Indessen gehen der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und das Bundesgericht in ihrer Re chtsprechung in Fällen von aufent- haltsbeendenden Massnahmen erwachsener Ausländer der zwe iten Generation von einem kombinierten Schutzbereich von Privat- und Familienleben aus (BGE 130 II 281 E. 3.2.2; BGE 129 II 193 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichtes 2C_445/ 2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.4.1; Urteil des EGMR M.P.E.V. et al. gegen die Schweiz [3910/2013] vom 8. Juli 2014 § 32; Urteil des EGMR Maslov gegen Österreich [1638/03] vom 23. Juni 2008 § 63). N ach der Rechtsprechung fallen die so- zialen Bindungen eines Ausländers im Aufenthaltsstaat un d zur Gemeinschaft, in der er lebt – insbesondere wenn er im Aufenthaltsstaat geboren wurde –, in den Schutzbereich des Privatle- bens. Unabhängig vom Bestehen eines Familienlebens wir d deshalb bei im Aufenthaltsstaat geborenen und aufgewachsenen (erwachsenen) Ausländerin nen und Ausländern der zweiten Generation insbesondere dann ein Anspruch aus der kombi nierten Garantie des Privat- und Familienlebens angenommen, wenn eine aufenthaltsbeendende Massnahme die Trennung von den hier lebenden Eltern und Geschwistern bedeutet (vg l. z.B. Urteil des Bundesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_551/2 013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4; Ur- teil des EGMR Emre gegen die Schweiz [42034/04] vom 23 . Juni 2008 § 60; Urteil des EGMR Üner gegen die Niederlande [46410/99] vom 18. Oktober 2006 § 59; MARTIN BERTSCHI /T HOMAS GÄCHTER , Der Anwesenheitsanspruch aufgrund der Garantie des Privat- und Familienlebens, Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsr echt [ZBl] 2003, S. 231). Der heute 23-jährige Beschwerdeführer ist im Rahmen des Familien nachzugs im Alter von drei Jahren in die Schweiz eingereist, wo er seither sein Leben verbrach t hat. Entsprechend befinden sich auch seine sozialen Bindungen in der Schweiz. Allerding s verweilte er bis zu seiner vorläufigen Aufnahme im Jahr 2002 bzw. bis zur Erteilung der Aufent haltsbewilligung im Jahr 2005 vor- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nehmlich aufgrund der aufschiebenden Wirkung eines Rech tsmittels hier und praxisgemäss wird dem Aufenthalt, der aufgrund der aufschiebenden Wirkung eines Rechtsmittels toleriert wird, kein besonderes Gewicht beigemessen. Es ist somit fr aglich, ob mit Blick auf die Dauer des ordnungsgemässen Aufenthalts des Beschwerdeführers vorli egend ein auf Art. 8 EMRK gestützter potenzieller Anspruch auf Verlängerung der A ufenthaltsbewilligung gegeben ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_833/2015 vom 24. März 2016 E. 1.4). Die Frage braucht indes- sen nicht beantwortet zu werden, zumal – wie die nachs tehenden Erwägungen aufzeigen wer- den – die vorliegende Beschwerde ohnehin gutzuheissen i st. 4.1 Selbst wenn der Beschwerdeführer das Recht auf A chtung des Familien- und Privatle- bens anrufen könnte, gilt der von Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantierte Anspruch auf Achtung des Familien- und Privatlebens nicht absolut. Vielmehr ist nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ein Eingriff in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut statthaft, soweit er gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellscha ft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ord- nung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig ist . Die Konvention verlangt insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Bewilligungserteilung und den öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wo bei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (BGE 1 39 I 145 E. 2.2; 135 I 153 E. 2.2.1; 135 I 143 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_833/2015 vom 24. März 2016 E. 3.1). 4.2 Gemäss Art. 33 Abs. 3 AuG ist die Aufenthaltsbewil ligung befristet und kann verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Die Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 33 AuG ist die ordentliche Bewilligungsart für Drittstaatsangehörige für Aufent- haltszwecke in der Schweiz, die nicht nur vorübergehender Natur sind (vgl. TAMARA NÜSSLE , in: Caroni/Gächter/Turnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N 4 zu Art. 33 AuG). Neben der Befristung der Aufenthaltsbewilligung für Dritt- staatsangehörige zeigt sich die vorläufige Natur dieser Bewilligung auch darin, dass die Schwel- le für einen Widerruf niedrig angesetzt ist (vgl. N ÜSSLE , a.a.O., N 5 zu Art. 33 AuG). Nach Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG kann die zuständige Behörde die Bewilligung widerrufen, wenn die Aus- länderin oder der Ausländer erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ord- nung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz gefährdet. 4.3 Der Tatbestand von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG ist gru ndsätzlich dann erfüllt, wenn die ausländische Person erheblich oder wiederholt gegen gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen verstossen hat, welche die öffentliche Sich erheit und Ordnung betreffen (vgl. SPESCHA , a.a.O., N 7 zu Art. 62 AuG). Die öffentliche Sicher heit und Ordnung bildet den Ober- begriff der polizeilichen Schutzgüter: Die öffentliche Ordnung umfasst die Gesamtheit der unge- schriebenen Ordnungsvorstellungen, deren Befolgung nach der herrschenden sozialen und ethischen Anschauung als unerlässliche Voraussetzung eines geordneten menschlichen Zu- sammenlebens anzusehen ist. Die öffentliche Sicherheit bedeutet die Unverletzlichkeit der ob- jektiven Rechtsordnung, der Rechtsgüter der Einzelnen so wie der Einrichtungen des Staates Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. S ILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Turnherr [Hrsg.], a.a.O., N 32 zu Art. 62 AuG). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung li egt gemäss Art. 80 Abs. 1 der Verord- nung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit ( VZAE) vom 24. Oktober 2007 insbeson- dere vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vorschrift en und behördlichen Verfügungen (lit. a); bei mutwilliger Nichterfüllung der öffentl ich-rechtlichen oder privatrechtlichen Verpflich- tungen (lit. b) oder wenn die betroffene Person ein Verbrechen gegen den Frieden, ein Kriegs- verbrechen, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit od er terroristische Taten öffentlich billigt oder dafür wirbt oder wenn sie zum Hass gegen Teile d er Bevölkerung aufstachelt (lit. c). Nach Art. 80 Abs. 2 VZAE liegt eine Gefährdung der öffent lichen Sicherheit und Ordnung vor, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Versto ss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führt. Aufgrund des Wortlauts von Art. 80 VZAE ist die Aufzählung nicht ab- schliessend zu verstehen. Selbst wenn einzelne Verstösse für si ch allein noch keinen Widerruf rechtfertigen, kann deren wiederholte Begehung jedoch darauf hinweisen, dass die betreffende Person nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich an die g eltende Ordnung zu halten. Um dies beur- teilen zu können, ist eine Gesamtbetrachtung des Verha ltens der ausländischen Person über einen längeren Zeitraum erforderlich (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_833/2015 vom 24. März 2016 E. 3.3; H UNZIKER , a.a.O., N 33 zu Art. 62 AuG; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Übersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 8.29). 4.4 Der Beschwerdeführer räumt ein, aufgrund der bega ngenen drei Straftaten wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen zu haben (Beschwerdebegründung vom 1. Juli 2016, S. 7). Demgegenüber stellt er sich auf den Standpunkt, dass die abgeurteilten Straftaten nicht als erhebliche Verstösse im Sinne von Ar t. 62 AuG zu qualifizieren seien (Be- schwerdebegründung vom 1. Juli 2016, S. 7. ff.). Die De likte sollen zwar nicht bagatellisiert werden, doch es gelte zu berücksichtigen, dass er diese meh rheitlich unter Alkoholeinfluss und zusammen mit dubiosen Freunden begangen habe. Er habe sich als Mitläufer zu den jeweiligen Straftaten mitreissen lassen. Demzufolge erfülle er die Voraussetzungen von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG mangels Erheblichkeit der Verstösse nicht. Selbst w enn der Widerrufsgrund zu bejahen wäre, hätte ihm bei pflichtgemässer Ermessensausübung dur ch die Vorinstanzen eine weitere Bewährungschance eingeräumt werden müssen. Eine Wegweisu ng erweise sich als absolut unverhältnismässig und würde sein Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens in unge- rechtfertigter Weise verletzen. 4.5 Demgegenüber stellen sich die Vorinstanzen zusamme nfassend auf den Standpunkt, dass der Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG aufgrund der Deliktsserie im Jugendalter sowie der weiterführenden Straffälligkeit im Erwachsen enalter gegeben sei. Der Beschwerde- gegner führt weiter aus, dass es sich bei den Verurteilun gen gesamtheitlich betrachtet zwar nicht um erhebliche Straffälligkeiten handle, sie aber auch nicht nur Bagatellfälle im Sinne von geringfügigen Ordnungsverstössen betreffen würden. So sei der Beschwerdeführer unter ande- rem wegen Raubes verurteilt worden. Es würden zweifelsohne wiederholte Verstösse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung vorliegen und die ses Verhalten über die Jahre zeuge von einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber der schweize rischen Rechtsordnung (vgl. RRB Nr. 0534 vom 19. April 2016, S. 7). Bei einer Gesam tbetrachtung der begangenen Delikte falle Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf, dass der Beschwerdeführer wiederholt insbesondere im Bereich der Beschaffungskriminali- tät sowie der Gewalt- und Strassenverkehrsdelikte straffällig geworden sei, weshalb davon aus- gegangen werden könne, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage sein werde, sich künftig an die geltenden Gesetze zu halten. Aus diesem Grund bestehe ein gewichtiges öffentliches Interesse an einer Fernhaltung des Beschwerdeführers von der Schweiz, welches seine priva- ten Interessen überwiege. Die Wegweisung des Beschwerd eführers erweise sich somit als ge- boten und verhältnismässig. 4.6 Den Verfahrensakten kann entnommen werden, dass de r Beschwerdeführer erstmals im Alter von zwölf Jahren straffällig wurde und seither unbestrittenermassen wiederholt zu Kla- gen Anlass gegeben hat. Dabei ist insbesondere auf den Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. April 2013 zu verweisen, mit we lchem der Beschwerdeführer wegen Raubes, mehrfachen teilweise versuchten Diebstahls, unrec htmässiger Aneignung, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie za hlreicher teilweise mehrfacher Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG) vo m 19. Dezember 1958 für schuldig erklärt und zu einer unbedingt vollziehbaren Fr eiheitsstrafe von drei Monaten sowie zu einer Busse in der Höhe von Fr. 1'000.-- verurteilt wurde. Die begangenen Delikte hat der Be- schwerdeführer vornehmlich im Alter von 17 Jahren vorgen ommen, doch während des laufen- den Verfahrens und trotz der zur Abklärung und Sicherung eingeleiteten, verschiedenen Mass- nahmen delinquierte der Beschwerdeführer – zwischenzeitl ich als 18-Jähriger – weiter (vgl. Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. April 2013, S. 13 f.). Auch die aus- länderrechtliche Verwarnung vom 21. Juni 2013 hielt i hn nicht davon ab, erneut straffällig zu werden, wurde er doch im Jahr 2015 erneut wegen mehrf achen, teilweise versuchten Dieb- stahls sowie Tätlichkeiten für schuldig erklärt und zu e iner Geldstrafe von 75 Tagessätzen à Fr. 30.-- sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 800.- - verurteilt (vgl. Strafbefehl der Staatsan- waltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 23. Juli 2015). Bei der Beurteilung des Widerrufstatbe- stands von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG dürfen auch jugend strafrechtliche Verfehlungen mitberück- sichtigt werden. Das Alter des Beschwerdeführers zum Tatze itpunkt ist hingegen im Rahmen der Interessenabwägung (E. 5.1 ff. hiernach) zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_833/2015 vom 24. März 2016 E. 3.4). Aus den vorstehen den Erwägungen erhellt, dass der Beschwerdeführer über einen längeren Zeitraum und tr otz des laufenden Verfahrens sowie ausdrücklicher ausländerrechtlicher Verwarnung wiederhol t gegen die hiesige Rechtsordnung und damit gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnun g im Sinne von Art. 62 Abs. 1 lit. c AuG verstossen hat. 5.1 Liegt ein Widerrufsgrund im Sinne von Art. 62 A bs. 1 lit. c AuG vor, muss die Mass- nahme im konkreten Fall auch verhältnismässig sein (Art. 9 6 Abs. 1 AuG). Dies erfordert eine umfassende Interessenabwägung, welche die wesentlichen Um stände des Einzelfalls berück- sichtigt (BGE 135 II 110 E. 2.1). Wie vorstehend ausge führt (vgl. E. 4.1), lässt eine Delinquenz einer ausländischen Person – bei ansonsten gegebenen Vora ussetzungen – den grundrechtli- chen Schutz ihrer sozialen Bindungen nicht dahinfallen. D em deliktischen Verhalten und den übrigen Umständen ist vielmehr im Rahmen der vorzunehmenden Interessenabwägung (Art. 96 AuG, Art. 8 Ziff. 2 EMRK; BGE 135 II 377 E. 4.3 ff.) angemessen Rechnung zu tragen. Somit ist über die landesrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung hi naus eine solche gemäss dem Kon- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ventionsrecht vorzunehmen (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; Urteile des Bundesgerichts 2C_91/2014 vom 18. Dezember 2014 E. 4.1 und 2C_372/2012 vom 7. Deze mber 2012 E. 4.1). Die konventions- rechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung entspricht jener n ach Art. 96 Abs. 1 AuG. Die Prüfung kann in einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteile des Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. Mä rz 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). Bei der Prüfung sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die der betro ffenen Person und ihrer Familie drohen- den Nachteile zu beachten (BGE 139 I 31 E. 2.3.3 mit Hinweisen; 135 II 377 E. 4.3). Einem Ausländer, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll der weitere Aufenthalt zwar nur mit besonderer Zurückhaltung verweigert werden, doch ist die s bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bis- heriges Leben im Land verbracht hat. Bei schweren Str aftaten, Rückfall und wiederholter Delin- quenz besteht – überwiegende private oder familiäre B indungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein öffentliches Interesse daran, zur Aufrechterh altung der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straftaten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1 f. mit Hinweisen). 5.2 Gemäss der Rechtsprechung des EGMR und des Bundesger ichts besteht bei jugendli- chen Straftätern, welche im Gaststaat sozialisiert wurden , im Falle überwiegend nicht gewalttä- tiger Delikte grundsätzlich nur wenig Raum für die Rec htfertigung einer Aufenthaltsbeendigung (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_833/2015 vom 24. Mä rz 2016 E. 3.5; 2C_166/2013 vom 12. November 2013 E. 2.3). Es bedarf in der Regel "se hr gewichtiger Gründe", um die aufent- haltsbeendende Massnahme bei dieser Ausgangslage nicht a ls konventionswidrig erscheinen zu lassen. Das Wohl des Jugendlichen und dessen Wiedereing liederungschancen, die gefähr- det erscheinen, wenn die familiären und sozialen Banden aufgelöst werden und er im Gaststaat seine Wurzeln verliert, ist bei der Interessenabwägung j eweils von besonderem, aber nicht al- lein ausschlaggebendem Gewicht, falls den Jugendlichen mit seinem Heimatstaat mehr verbin- det als lediglich (noch) seine reine (weitgehend nicht mehr gelebte) Staatsbürgerschaft (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_166/2013 vom 12. November 2013 E. 2.3 und 2C_1026/2011 vom 23. Juli 2012 E. 4.5). Handelt es sich bei den beg angenen Straftaten jedoch um Gewaltde- likte, so vermag das öffentliche Interesse an einer Ausreise des Straftäters, je nach Gewichtung der übrigen, ebenfalls bei der Interessenabwägung (Ar t. 8 Ziff. 2 EMRK) zu berücksichtigenden Elemente, dessen privates Interesse an einem Verbleib i m Aufnahmestaat zu überwiegen (Ur- teil des Bundesgerichts 2C_445/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 2.5). 5.3 Im Strafbefehl vom 4. April 2013 erachtete die Ju gendanwaltschaft Basel-Landschaft aufgrund des Verschuldens und der persönlichen Verhält nisse des Beschwerdeführers eine Freiheitsstrafe als angemessene Sanktion (Strafbefehl d er Jugendanwaltschaft Basel- Landschaft vom 4. April 2013, S. 13 f.). Das Verhalten und die Entwicklung des Beschwerdefüh- rers seien allerdings über einen längeren Zeitraum beobachtet worden, und es habe festgestellt werden können, dass er sich seit dem letzten Delikt vom 5. April 2012 wohl verhalten habe (Überwachung mittels Electronic Monitoring, Begutachtun g im Aufnahmeheim H.____ vom 13. April 2012 bis 27. Juli 2012). Das Gutachten der Psychologischen Abteilung des Aufnahme- heims H.____ vom 26. Juli 2012 habe das künftige Wohl verhalten des Beschwerdeführers bei Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer persönlichen Betreuung sowie einer ambulanten B ehandlung in Form einer Psychothera- pie als positiv prognostiziert. Die Jugendanwaltschaft sei daher davon ausgegangen, dass beim Beschwerdeführer eine nachhaltige Verhaltensänderung eingetreten sei (Strafbefehl der Ju- gendanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. April 2013, S. 15). Die Staatsanwaltschaft des Kan- tons Basel-Stadt hielt fest, dass der Beschwerdeführer zw ar einschlägig vorbestraft sei, was sich straferhöhend ausgewirkt habe. Dennoch könne aufgru nd der Umstände angenommen werden, der Beschwerdeführer werde sich künftig wohl ve rhalten, weshalb ihm im Sinne einer letzten Chance der bedingte Strafvollzug gewährt wurde , allerdings unter Ansetzung einer ver- längerten Probezeit von drei Jahren (Strafbefehl vom 2 3. Juli 2015, S. 3). Im vorliegenden Fall kann festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer wegen Raubes verurteilt wurde und dabei das Opfer zunächst gegen eine Glaswand gedrückt und anschli essend mit einem Messer be- droht habe (Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Basel-L andschaft vom 4. April 2013, S. 11). Beim letzten Vorfall sei der Beschwerdeführer nicht un erheblich alkoholisiert gewesen (Atem- luft-Alkohol-Konzentration von 1.32 Promille) und habe zusammen mit seinem Kollegen be- schlossen, drei ihnen unbekannte Männer zu bestehlen un d eventuell zu schlagen (Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 23. J uli 2015, S. 2). Der Beschwerdefüh- rer und sein Kollege hätten einen der Männer zu Bode n gerissen und ihm einen Schlag mit der Faust, evtl. mit dem Knie, gegen die Nase verpasst. Ein em weiteren hätten sie je eine Ohrfeige geschlagen und der Dritte sei zu Boden gerissen worden ( Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 23. Juli 2015, S. 2). Nachd em sich die Situation beruhigt habe, hätten alle fünf Männer gemeinsam noch Zigaretten ger aucht (Strafbefehl der Staatsanwalt- schaft des Kantons Basel-Stadt vom 23. Juli 2015, S. 3) . Aus den vorstehenden Ausführungen kann geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer auch gewalttätige Delikte begangen hat, wobei dies auf eine Minderzahl der insgesamt begangenen Delikte zutrifft. Relativierend zu be- rücksichtigen gilt es ferner, dass der Beschwerdeführer die meisten Straftaten als Minderjähri- ger verübt hat. Zu Ungunsten des Beschwerdeführers fällt demgegenüber ins Gewicht, dass er immer wieder delinquiert hat und er teilweise hochwe rtige Rechtsgüter verletzt hat. Hinzu kommt, dass ihn weder die laufenden Verfahren bzw. Prob ezeiten noch die ausländerrechtliche Verwarnung vom 21. Juni 2013 daran zu hindern vermocht en, weitere Straftaten in den ein- schlägigen Deliktskategorien zu begehen. Zusammenfassend e rgibt sich daraus, dass der Be- schwerdeführer wiederholt gegen die öffentliche Sicherh eit und Ordnung verstossen hat und damit ein sicherheitspolizeiliches Interesse daran besteht, dem Beschwerdeführer die Verlänge- rung der Aufenthaltsbewilligung zu verweigern. 5.4 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Be schwerdeführers sind die priva- ten Interessen an dessen Verbleib in der Schweiz gegenü berzustellen. Der Beschwerdeführer ist als Dreijähriger in die Schweiz eingereist und hier aufgewachsen. Er hat seine gesamte Schulzeit in der Schweiz verbracht und hält sich zwischenzei tlich seit knapp zwanzig Jahren hier auf. Seine Eltern und seine Schwester leben ebenfalls in der Schweiz. Der Beschwerdefüh- rer hat sich offenbar im Februar 2016 mit seiner Freun din F.____ verlobt und wohnt seit dem 1. August 2016 mit ihr zusammen (Mietvertrag zwischen de r I.____ AG und A.____ sowie F.____ vom 25. Mai 2016). Auch seine übrigen sozialen Bindungen befinden sich hier. Auf- grund seines langen Aufenthalts ist der Beschwerdeführer in der Schweiz verwurzelt. Der Be- schwerdeführer spricht fliessend deutsch. Bezüglich der be ruflichen Situation ist dem Be- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer zu Gute zu halten, dass er die Berufslehr e als Fachmann Betriebsunterhalt ab- geschlossen hat und seit dem 1. Oktober 2015 über eine unbefristete Anstellung bei der G.____ verfügt. Gemäss Auszug aus dem Betreibungsregister der Zi vilrechtsverwaltung Basel- Landschaft vom 10. Mai 2016 ist der Beschwerdeführer mi t keinerlei Betreibungen oder Ver- lustscheinen registriert. Zu berücksichtigen ist ferner, da ss der Beschwerdeführer seit Novem- ber 2015 regelmässige Beratungsgespräche zwecks einer Ge waltberatung im Männerbüro C.____ wahrnimmt (Verlaufsbericht Männerbüro C.____ vom 17. Januar 2017). Zusätzlich be- findet sich er sich seit November 2015 in einer psychotherapeutischen Behandlung (Verlaufsbe- richt von D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Januar 2012), im Rahmen derer auch deliktrückfallprophylaktisch mit ihm gearbeitet wer de (Verlaufsbericht von D.____ vom 2. Januar 2012, S. 2). Zudem habe er seinen Alkoholko nsum auf ein Minimum reduziert (Ver- laufsbericht von D.____ vom 2. Januar 2012, S. 1, Ver laufsbericht Männerbüro C.____ vom 17. Januar 2017, S. 3). Angesichts dieser freiwilligen Bemühungen des Beschwerdeführers darf angenommen werden, dass er sich künftig rechtsgetreu verh alten wird und ein Rückfallrisiko deutlich verringert ist. Vor dem geschilderten Hintergr und erweist sich die von der Vorinstanz geschützte Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung mit Blick auf die privaten Interessen des Beschwerdeführers als unverhältnismässig. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 6.1 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Di e Verwarnung soll als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsprinzips verhindern, dass es überhaupt zu einer aufenthaltsbeendenden Massnahme kommt, und den Betroffenen auf sein problemat isches Verhalten zu einem Zeit- punkt hinweisen, in welchem sich die Anordnung der anged rohten Massnahme gerade noch nicht rechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts 2C_114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1). 6.2 Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer mit N achdruck darauf hinzuweisen, dass er trotz langer Anwesenheit mit einer Nichtverlängerun g seiner Aufenthaltsbewilligung rechnen muss, sollte er erneut in relevanter Weise straffällig w erden oder in relevanter Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz ode r im Ausland verstossen oder diese ge- fährden oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährden und damit das durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen. Der Beschwerdeführer wird in diesem Sinne ausdrück- lich verwarnt (Art. 96 Abs. 2 AuG). 7.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sow ie die Beweiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auf- erlegt. Den Vorinstanzen werden – abgesehen von hier nicht vorliegenden Fällen – keine Ver- fahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Deme ntsprechend sind im vorliegenden Ver- fahren keine Verfahrenskosten zu erheben. Der geleist ete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'800.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausgan g des Verfahrens ist dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung zulasten der Vo rinstanz zuzusprechen. In seiner Ho- norarnote vom 13. März 2017 macht der Rechtsvertreter de s Beschwerdeführers einen Auf- wand von 14.25 Stunden à Fr. 250.-- geltend. Aus der detaillierten Auflistung ergibt sich, dass Leistungen, welche aktenmässig nicht belegt oder nicht in direktem Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren erbracht wurden, geltend gema cht werden (etwa "Schreiben Kantons- gericht BL West" vom 3. Juni 2016, Schreiben ans Kantonsge richt vom 5. Juli 2016, Schreiben ans AfM vom 2. Mai 2016 etc.). Nach Abzug sämtlicher unb elegter oder nicht das vorliegende Beschwerdeverfahren betreffender Aufwandposten resultiert ein Aufwand von 11 Stunden. Un- ter diesen Umständen kann das Zustandekommen der entstan denen Auslagen nicht abschlies- send beurteilt werden, weshalb sie ermessensweise um Fr. 19.-- gekürzt werden. Damit hat der Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer eine reduzierte P arteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'089.35 (inkl. Auslagen in der Höhe von Fr. 110.50 sowie 8 % MWST) zu bezahlen. 7.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und das Amt fü r Migration des Kantons Basel-Landschaft angewiesen, die Aufenthaltsbewi lligung des Beschwerdeführers zu verlängern. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägunge n ausländerrecht- lich verwarnt. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'089.35 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin