Abteilung V E-3953/2010/ame {T 0/2} U r t e i l v o m 9 . A u g u s t 2 0 1 0 Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Markus König, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. A._______, geboren (...), Türkei, vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt, Gesuchstellerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern. Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. April 2010 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandE-3953/2010 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 14. November 2005 wies das BFM das Asylgesuch der Gesuchstellerin vom 31. Oktober 2005 ab und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. B. Die gegen diese Verfügung mit Eingaben vom 12. und 14. Dezember 2005 erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 22. April 2010 vollumfänglich abgewiesen. C. Mit an das BFM gerichteter, als "zweites Asylgesuch" betitelter Einga- be ihres Rechtsvertreters vom 25. Mai 2010 ersuchte die Gesuchstel- lerin unter Beilage mehrerer Beweismittel um Anerkennung als Flücht- ling und Gewährung des Asyls, eventualiter um Gewährung der vor- läufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Weg weisungsvollzugs. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie darum, die zuständige Fremdenpolizeibehörde sei anzuweisen, von allfälligen Vollzugsmassnahmen abzusehen. D. Das BFM erachtete sich in der Sache als unzuständig und leitete die Eingabe vom 25. Mai 2010 mit Begleitschreiben vom 1. Juni 2010 ge- stützt auf Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständigkeits- halber an das Bundesverwaltungsgericht weiter. E. Mit Telefax-Verfügung vom 3. Juni 2010 ersuchte der zuständige Ins- truktionsrichter die kantonalen Behörden darum, von allfälligen Voll- zugsmassnahmen bis zum Entscheid über allfällige vorsorgliche Mass- nahmen abzusehen. F. Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2010 stellte der zuständige Ins- truktionsrichter fest, die Eingabe vom 25. Mai 2010 werde als gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. April 2010 gerich- tetes sinngemässes Revisionsgesuch entgegengenommen und behan- delt. Ferner wurde festgestellt, dass der Vollzug der Wegweisung man- Seite 2E-3953/2010 gels eines überwiegenden privaten Interesses der Gesuchstellerin am Verbleib in der Schweiz nicht ausgesetzt werde, und sie wurde zur Ein- bezahlung eines Kostenvorschusses aufgefordert. G. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. Juni 2010 ersuchte die Gesuchstellerin darum, es sei auf die Zwischenverfügung vom 10. Juni 2010, soweit die Aussetzung des Vollzugs betreffend, zurückzukom - men und ihr zu erlauben, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten. H. Mit Zwischenverfügung vom 24. Juni 2010 wies der zuständige Ins- truktionsrichter das Gesuch um wiedererwägungsweise Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung ab. I. Der eingeforderte Kostenvorschuss wurde fristgerecht einbezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM. Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242). 1.2 Gemäss Art. 45 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) gelten für die Revision von Urteilen des Bun- desverwaltungsgerichts die Art. 121-128 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) sinngemäss. Nach Art. 47 VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67 Abs. 3 VwVG Anwendung. 1.3 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Un- abänderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwer- deentscheides angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. Seite 3E-3953/2010 PIERRE T SCHANNEN /ULRICH Z IMMERLI , Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus den in Art. 121-123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revision nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwer- deverfahren hätte geltend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG). 2. 2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisions- grund anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 BGG darzutun. 2.2 Die Gesuchstellerin macht den Revisionsgrund des Vorliegens neuer erheblicher Tatsachen und Beweismittel (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG) geltend und zeigt ausserdem die Rechtzeitigkeit des Revisions- begehrens auf. Auf das im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Revisionsgesuch ist deshalb einzutreten. 3. 3.1 Gemäss Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a VGG kann die Revision eines Entscheids des Bundesverwaltungsgerichts verlangt werden, wenn die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tatsach- en erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im frühe- ren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind. 3.2 Die Gesuchstellerin macht zunächst ein exilpolitisches Engage- ment geltend und reicht zur Stützung dieses Vorbringens ein Unter- stützungsschreiben der "(...)“ vom 17. Mai 2010, eine Mitgliederkarte des "(...)" in B._______ in Kopie, sowie zwei Zeitungsartikel vom Juni 2006 über ein Volleyballturnier des „(...)", an welchem sie teilgenom- men habe, ein. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass diese Umstände der Gesuchstellerin vor Abschluss des ordentlichen Verfahrens be- kannt waren und sie nicht dargetan hat, weshalb es ihr bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt und in Beachtung der ihr obliegenden Mitwir- kungspflicht nach Art. 8 AsylG nicht möglich oder nicht zumutbar gewesen wäre, diese bereits im Beschwerdeverfahren vorzubringen beziehungsweise die entsprechenden Beweisunterlagen zu beschaf- fen. Den genannten Vorbringen und Dokumenten ist somit die revisi- onsrechtliche Neuheit abzusprechen und ihre Einreichung im Revisi- Seite 4E-3953/2010 onsverfahren als verspätet zu qualifizieren. Zudem liegen keine kon- kreten Anhaltspunkte für eine drohende menschenrechtswidrige Behand lung und damit ein völkerrechtswidriges Wegweisungshindernis aufgrund dieser Umstände vor, welche gemäss konstanter Recht- sprechung eine Berücksichtigung dieses Revisionsvorbringens trotz verspäteter Geltendmachung gebieten würde (vgl. Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts E-808/2009 vom 10. September 2009, E. 4.2, mit weiteren Hinweisen). 3.3 Ebenso als verspätet und damit revisionsrechtlich unbeachtlich erweist sich das Vorbringen, sie stehe in regelmässigem Briefkontakt mit zwei inhaftierten PKK-MItgliedern, zu dessen Beleg sie Briefe die- ser Personen vom 29. März 2009, 28. September 2009, 30. Oktober 2009 und 11. Februar 2010 eingereicht hat. Zudem sind auch bezüg- lich dieser Umstände die Voraussetzungen für eine Berücksichtigung trotz verspäteter Geltendmachung nicht gegeben, da nicht schlüssig dargetan wurde, dass die Gesuchstellerin aus diesen Gründen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften Gefahr men schenrechtswidriger Behandlung ausgesetzt wäre. 3.4 Im Weiteren reicht die Gesuchstellerin mehrere Beweismittel (Re- ferenzschreiben des Menschenrechtsvereins IHD vom 15. Mai 2010, ein Unterstützungsschreiben ihres Bruders C._______ vom 12. Mai 2001 [recte: 12. Mai 2010] und eine von zahlreichen Landsleuten und schweizerischen Bekannten der Gesuchstellerin unterzeichnete Petiti- on vom 14. Mai 2010) ein, welche die von ihr im ordentlichen Verfahren vorgebrachten Asylgründe stützen sollen. Im Schreiben des IHD wird dargelegt, dass nach der Gesuchstellerin in ihrem Heimatdorf einige Male gefragt worden sei, jedoch keine Kenntnis darüber bestehe, ob gegen sie gefahndet werde oder ein Haftbefehl bestehe. Demnach las- sen sich diesem Dokument keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Gefährdung in asylrechtlich relevantem Ausmass entnehmen. Ebenso sind das Schreiben des Bruders sowie die Petition zugunsten der Gesuchstellerin nicht geeignet, die im ordentlichen Verfahren getroffene Einschätzung ihrer Gefährdungssituation umzustossen, da sie lediglich den bereits im ordentlichen Verfahren bekannten Sach- verhalt wiedergeben. Die genannten Beweismittel sind demnach – ungeachtet der Frage ihrer Neuheit – jedenfalls als nicht erheblich im revisionsrechtlichen Sinne zu qualifizieren. Seite 5E-3953/2010 3.5 Schliesslich beruft sich sich die Gesuchstellerin auf eine Ver- schlechterung der allgemeinen Menschenrechtslage in der Türkei, ins- besondere in ihrer Herkunftsregion, sowie auf das Risiko frauenspe- zifischer Behelligungen. Aus diesen unspezifischen Ausführungen las- sen sich indessen keine konkreten Hinweise auf eine individuelle Ge- fährdung der Gesuchstellerin ableiten, weshalb es diesen Vorbringen ebenfalls an der revisionsrechtlichen Erheblichkeit fehlt. 3.6 Aus den restlichen Dokumenten (Referenzschreiben der Asylkoor- dination D._______ und Bestätigungsschreiben des E._______-Spitals D._______) lässt sich schliesslich ebenfalls nichts zugunsten der Ge- suchstellerin ableiten. Diese Unterlagen beziehen sich auf die Integra- tion der Gesuchstellerin in der Schweiz, was indessen revisionsrecht- lich irrelevant bleibt. 4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich rele- vanten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. April 2010 ist demzufolge abzuweisen. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1'200.– der Gesuchstellerin aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem in dieser Höhe einbezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) Seite 6E-3953/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.– werden der Gesuchstellerin auf- erlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe einbezahlten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter der Gesuchstellerin, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Nicholas Swain Versand: Seite 7