JAAC69.107 Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 13. April 2005 betreffend Verwaltungsbeschwerde der F. AG gegen das Eidgenössische Departement des Innern in Sachen Filmförderung [exe 2005.0661] Encouragement du cinéma. Contribution fédérale en faveur d’une coproduction. Art. 8 OECin; art. 6 et art. 8 Conv. européenne sur la coproduction cinématographique. Les dépenses prévues en Suisse représentent moins de 5% du total des coûts de production, raison pour laquelle aucune contribution ne peut être allouée (consid. 3). Filmförderung. Bundesbeitrag an Gemeinschaftsproduktion. Art. 8 FiFV; Art. 6 und Art. 8 Europäisches Übereink. über die Gemeinschaftsproduktion von Kinofilmen. Die in der Schweiz vorgesehenen Ausgaben machen weniger als 5% der gesamten Produktionskosten aus, weshalb kein Beitrag gesprochen werden kann (E. 3). Promozione del cinema. Contributo federale a favore di una coproduzione. Art. 8 OCin; art. 6 e art. 8 Conv. europea sulla coproduzione cinematografica. Le spese previste in Svizzera rappresentano meno del 5% del totale dei costi di produzione, ragione per cui non può essere concesso alcun contributo (consid. 3). 1ZusammenfassungdesSachverhalts: A. MitGesuchvom19. Mai2003beantragtedieX.AGdemBundesamtfür Kultur(BAK)einenHerstellungsbeitragfürihrKinofilmprojekt«LaFemmede Gilles»vonFrédéricFonteyne,DrehbuchvonFrédéricFonteyneundPhilippe Blasband(nacheinemRomanvonMadeleineBourdouxhe). DieVerfilmungdesRomansspieltineinemfranzösischenArbeiterdorfMitte der1930erJahre. ErzeigtdieGeschichtevonElisaundihremMannGilles, welchezuBeginneineglücklicheEheführen,bisGillesmitderjüngeren SchwestervonElisaeinVerhältnisbeginnt,wogegensichElisanichtzu wehrenvermag. DerFilmisteineGemeinschaftsproduktioneinerschweizerischen ProduktionsgesellschaftundProduktionsgesellschaftenausBelgien(1), Frankreich(2),Luxemburg(1)undItalien(1). B. DasBAKunterbreitetedasGesuchdemBegutachtungsausschuss«Kino», welcherdasFilmprojekt«LaFemmedeGilles»anseinerSitzungvom23./24. Juni2003zurAblehnungempfahl. DieExpertenbegründetendieAblehnungmiteinerVerletzung desGrundsatzesderReziprozitätbeiderFilmförderungvon Gemeinschaftsproduktionen. DasFilmprojekt«LaFemmedeGilles»selbst wurdewegenseineswunderschönenDrehbuchsgerühmt,undderRegisseur wurdealstalentiertbezeichnet. DieEinzelheitenderAblehnungsindeinem SchreibendesBAKandieX.AGvom11. Juli2003zuentnehmen. Demzufolge gibteshinsichtlichderFinanzierungvonGemeinschaftsproduktionen (Punkt2.1.1.ddesFörderungskonzeptsdesBAK2003-2005=Anhangzur VerordnungdesEDIvom20. Dezember2002überdieFilmförderung[FiFV], SR443.113)imIdealfallindemSinneeinedirekteReziprozität,dasssich einausländischermajoritärerProduzentbeieinemkonkretenProjektdes SchweizerProduzentenalsminoritärerPartnerengagiert. Essolltedabeiauf jedenFallmöglichsein,dasseinSchweizerProduzentdankseinerBeteiligung alsminoritärerPartnerProjektevonSchweizerRegisseurendurchführen kann,indeneneralsverantwortlicher(inderRegeldelegierter)Produzent zeichne. WeilbeiFernsehfilmenmeistanderePartnerbeteiligtseienund andereVoraussetzungenbestünden,werdedabeivorallemdieListeder Kinofilmegeprüft. AuchKinofilme,dieohneBundesförderungzustande gekommenseien,würdennichtausserAchtgelassen,weilsolcheFilmenach derFertigstellungüber«SuccèsCinéma»voneinerBundesfilmförderung profitierenkönnten. ZudemseidieX.AGbeimFilm«LaFemmedeGilles»alsKoproduzentinmit 15%beteiligt,dochbetragederAnteilderAusgabeninderSchweizimRahmen dergesamtenProduktionsausgabennur5%,wasgegenArt. 8desfürdie Schweizam1. April1994inKraftgetretenenEuropäischenÜbereinkommens vom2. Oktober1992überdieGemeinschaftsproduktionvonKinofilmen (SR0.443.2)verstosse,weildieserAnteilnichtderfinanziellenBeteiligung entspreche. 2AufgrunddieserFeststellungenverfügtedasBAKam21. Oktober2003die AbweisungdesBeitragsgesuchsderX.AG. C. Am21. November2003erhobdieX.AG(imFolgenden: Beschwerdeführerin)beimEidgenössischenDepartementdesInnern (EDI)BeschwerdegegendieVerfügungdesBAKvom21. Oktober2003. D. DasEDIwiesdieBeschwerdederX.AGam27. Oktober2004ab. GegendiesenBeschwerdeentscheiderhobdieX.AGam26. November2004 BeschwerdebeimBundesrat. AusdenErwägungen: 1.1. (...) NachArt. 71derBundesverfassungderSchweizerischenEidgenossenschaft vom18. April1999(BV,SR101)kannderBunddieSchweizerFilmproduktion unddieFilmkulturfördern(Abs. 1)sowieVorschriftenzurFörderungder VielfaltundderQualitätdesFilmangebotserlassen(Abs. 2). GemässArt. 3desBundesgesetzesvom14. Dezember2001überFilmproduktionund Filmkultur(Filmgesetz[FiG],SR443.1)unterstütztderBunddiekulturelle Ausstrahlung,diewirtschaftlicheLeistungsfähigkeit,dieKontinuitätunddie EntwicklungsfähigkeitderunabhängigenschweizerischenFilmproduktion. ErkannzudiesemZweckfürdieEntwicklungvonProjektensowiefürdie HerstellungunddieVerwertungvonSchweizerFilmenundvonzwischender SchweizunddemAuslandkoproduziertenFilmenFinanzhilfenundandere FormenderUnterstützungleisten. DieseBundesbeiträgekönnennurim RahmendesvonderBundesversammlungfürdieFilmförderungnachdenArt. 3und4FiG füreinemehrjährige Beitragsperiodegewährten Zahlungsrahmens zugesprochenwerden(Art. 15Abs. 1FiG). (...) DaaufFilmförderungsbeiträgedesBundes-wiebereitsaufgrunddesfrüheren Filmgesetzesvom28. September1962(AS19621706)-keinRechtsanspruch besteht(vgl. dieBotschaftendesBundesratesandieBundesversammlung vom18. September2000zumBundesgesetzüberFilmproduktionund Filmkultur,Filmgesetz[FiG],BBl20005429ff.,insbesondere5450,und vom28. November1961zumEntwurfeinesBundesgesetzesüberdas Filmwesen,BBl1961II1029,S.1060f.;WilhelmBirchmeier,Kommentar zumEidgenössischenFilmgesetz,Zürich1964,S.50f.; VPB52.25,mit weiterenHinweisen)undFilmförderungsbeiträgenuraufgrundeines beschränktenKreditsundbesondererFörderungskonzeptezugesprochen werdenkönnen,istnachArt. 99Abs. 1Bst. hdesBundesgesetzesvom16. Dezember1943überdieOrganisationderBundesrechtspflege(OG,SR173.110) dieVerwaltungsgerichtsbeschwerdeandasBundesgerichtausgeschlossen. 3DieangefochteneVerfügungdesEDIunterliegtdamitnachArt. 44und72ff. desBundesgesetzesvom20. Dezember1968überdasVerwaltungsverfahren (VwVG,SR172.021)derVerwaltungsbeschwerdeandenBundesrat. 2.1. (...). 2.2. DerBundunterstütztnachArt. 3Bst. bFiGauchFilme,welchezwischen derSchweizunddemAuslandkoproduziertwerden. Art. 33FiGbestimmt, dassderBundesratzurFörderungderinternationalenBeziehungenaufdem GebietdesFilmsvölkerrechtlicheundprivatrechtlicheVerträgeabschliessen kann,namentlichüber«a. Koproduktion». NachArt. 8FiFVhabensichauchGemeinschaftsproduktionen,unterEinbezug derPostproduktion,übereinenAnteilanschweizerischenkünstlerischen undtechnischenMitwirkendenauszuweisen,derdemschweizerischen Finanzierungsanteil,hier15%,entspricht(Abs. 1). NachAbs. 2ergebensich dieMindestanteilederBeteilunganGemeinschaftsproduktionenfüreine AnerkennungalsSchweizerFilmoderalsGemeinschaftsproduktionausden internationalenKoproduktionsabkommen. WoeinsolchesAbkommenfehlt, hatderSchweizerAnteilwenigstensfünfzigProzentzubetragen. NachAbs. 3 istdieFinanzhilfe,vonbegründetenAusnahmenabgesehen,inderSchweiz zuinvestieren. VorbehaltenbleibenanderslautendeAbmachungeninden internationalenKoproduktionsabkommen. IndiesemSinnesollengemässZiff. 2.1.1Bst. ederFilmförderungskonzepte 2003-2005(AnhangzurFiFV)diegefördertenGemeinschaftsproduktionen demschweizerischenAnteilentsprechendschweizerischekünstlerische odertechnischeMitarbeiterundMitarbeiterinnenbeschäftigenund InvestitioneninfilmtechnischeBetriebederSchweizauslösen. DerAnteil derSchweizerundSchweizerinnenindenleitendenkünstlerischenund technischenFunktionenistzuverstärken. GemässZiff. 2.2.7unterstütztder BunddieHerstellungvonGemeinschaftsproduktionenmitausländischer RegiedurchdieerfolgsabhängigeFörderungvonSchweizerFilmenund GemeinschaftsproduktionenindenKinos(a.) sowiedurchFinanzhilfennach Qualitätskriterien(b.). ImVerteilplan(Art. 15Abs. 3FiG;Verteilplan2005: vgl. http://www.kultur-schweiz.admin.ch/film/d/vertplan.htm [Stand: 30. Juli 2005])istdafürnachArt. 7Abs. 1FiFVeinbesondererBetragauszuscheiden. ImVerteilplan2005istallerdingsfürGemeinschaftsproduktionen(mit ausländischerRegie)keinbesondererBetragausgeschieden. Fürdas vorliegendeVerfahrenkommtdemindeskeineBedeutungzu. 2.3. Wieeingangsdargelegt(s. vorne,A.),istderFilm«LaFemmede Gilles»eineGemeinschaftsproduktionderBeschwerdeführerinmitfünf ausländischenProduktionsgesellschaften. DadieschweizerischeBeteiligung amFilmprojekt«LaFemmedeGilles»nur15%beträgt,ergibtsichohne weiteres,dasseineFörderungdiesesFilmsals«SchweizerFilm»nichtinFrage kommt(s. Art. 2Abs. 2Bst. aFiG). 2.4. (...). 2.5. BilateraleAbkommen(z. B.dieVereinbarungüberdieBeziehungen zwischenderSchweizundFrankreichaufdemGebietdesFilmsvom22. Juni1977[SR0.443.934.9],mitErgänzungvom22. September1986[SR 0.443.934.91],oderdasKoproduktionsabkommenzwischenderSchweiz undItalienaufdemGebietdesFilmsvom15. Mai1990[SR0.443.945.4]), 4findenaufdasKinofilmprojekt«LaFemmedeGilles»keineAnwendung, weildieseskeinebilateraleKoproduktiondarstellt. AufKoproduktionenvon FirmenausmindestensdreiVertragsstaatenfindetalleindasEuropäische ÜbereinkommenüberdieGemeinschaftsproduktionvonKinofilmen Anwendung. 2.6. (...). 3. GemässArt. 6Abs. 1desEuropäischenÜbereinkommensüberdie GemeinschaftsproduktionvonKinofilmendarfbeieinermehrseitigen GemeinschaftsproduktiondieMindestbeteiligungnichtweniger als10ProzentunddieHöchstbeteiligungnichtmehrals70Prozent derGesamtproduktionskostendesKinofilmsbetragen. Beträgtdie Mindestbeteiligungwenigerals20Prozent,sokanndiebetreffende VertragsparteiMassnahmenergreifen,umdenZugangzunationalen Produktionsförderprogrammeneinzuschränkenoderauszuschliessen. Solche MassnahmenstehenhiernichtzurDiskussion. HinsichtlichdertechnischenundkünstlerischenBeteiligunghältArt. 8Abs. 1desEuropäischenÜbereinkommensüberdieGemeinschaftsproduktion vonKinofilmenfest,dassderBeitragjedesGemeinschaftsproduzenten einetatsächlichetechnischeundkünstlerischeBeteiligungumfassenmuss. GrundsätzlichundimEinklangmitdeninternationalenVerpflichtungen derVertragsparteienmussderBeitragderGemeinschaftsproduzentenan schöpferischem,technischemundkünstlerischemPersonal,anDarstellern undantechnischenEinrichtungenihrerfinanziellenBeteiligung(hier15%) entsprechen. DenBeschwerdeaktenistzuentnehmen,dassdiefürdie Gemeinschaftsproduktion«LaFemmedeGilles»inderSchweizvorgesehenen Ausgaben(...) wenigerals5%dergesamtenProduktionskostenausmachen. DadiesoffensichtlichArt. 8Abs. 1desEuropäischenÜbereinkommensüber dieGemeinschaftsproduktionvonKinofilmennichtentspricht,stehtfürden BundesratausserZweifel,dassdasEDIdennachgesuchtenHerstellungsbeitrag bereitsausdiesemGrundezuRechtverweigerthat. 4. (...). 5. (...). 6. DieBeschwerdeistdaherabzuweisen. (...) 5Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 69.107 - Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 13. April 2005 betreffend Verwaltungsbeschwerde der F. AG gegen das Eidgenössische Departement des Innern in Sachen Filmförderung [exe 2005.0661] In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2005 Année Anno Band 69 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 743 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.