<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 117 S.431</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">431</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Ausländerrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>117 Ausländerrechtliche Kriterien betreffend Zulassung zu einer schweizeri-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schen Universität oder Fachhochschule</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Auszug aus dem Entscheid des Rechtsdienstes des Migrationsamts Kanton</span><br/> <span class="ft4">Aargau vom 5. Februar 2004 in Sachen A.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1</span><br/> <span class="ft6">Art. 32 der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Aus-</span><br/> <span class="ft6">länder vom 6. Oktober 1986 (BVO; SR 823.21), mit dem für Stu-</span><br/> <span class="ft6">denten bedingt eine Aufenthaltsmöglichkeit vorgesehen wird, lautet</span><br/> <span class="ft6">wie folgt: (...)</span><br/> <span class="ft6">Im Hinblick auf die grosse Anzahl von Ausländern, die hier eine</span><br/> <span class="ft6">Ausbildung absolvieren möchten, sind die Voraussetzungen von Art.</span><br/> <span class="ft6">32 BVO konsequent einzuhalten. Zu vermeiden ist, dass der</span><br/> <span class="ft6">Ausbildungsaufenthalt zur Umgehung der Begrenzungsmassnahmen</span><br/> <span class="ft6">missbraucht wird. Insbesondere muss darauf geachtet werden, dass</span><br/> <span class="ft6">die ausländischen Schüler und Studenten ihre Teil- und Schlussex-</span><br/> <span class="ft6">amen innerhalb angemessener Frist bestehen (Weisungen und Erläu-</span><br/> <span class="ft6">terungen des IMES zu Einreise, Aufenthalt und Niederlassung,</span><br/> <span class="ft6">Ziff. 51 und 513).</span><br/> <span class="ft6">3.2</span><br/> <span class="ft6">3.2.1 Die Bewilligung des Aufenthaltes zur Ausbildung wird</span><br/> <span class="ft6">unter diesen Voraussetzungen von der Glaubhaftmachung triftiger</span><br/> <span class="ft6">Gründe für die hiesige Ausbildung - insbesondere von deren Nutzen</span><br/> <span class="ft6">für das berufliche Fortkommen des Ausländers in seinem Herkunfts-</span><br/> <span class="ft6">staat und einer dort fehlenden adäquaten Ausbildungsmöglichkeit -</span><br/> <span class="ft6">abhängig gemacht (vgl. Aargauische Gerichts- und Verwaltungsent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">432</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">scheide [AGVE] 1993, S. 570 f.). Ein triftiger Grund bzw. ein kon-</span><br/> <span class="ft6">kreter Nutzen ist etwa bei einem ausländischen Studenten zu beja-</span><br/> <span class="ft6">hen, der mit einem Stipendium gezielt gefördert werden soll. Das</span><br/> <span class="ft6">Interesse an der Ausbildung in der Schweiz kann auch angenommen</span><br/> <span class="ft6">werden, wenn der ausländische Student hier ein Gastsemester zur</span><br/> <span class="ft6">Vertiefung seiner im Herkunftsstaat erworbenen Ausbildung absol-</span><br/> <span class="ft6">vieren will.</span><br/> <span class="ft6">3.2.2 Konkret ist nicht ersichtlich, was für einen speziellen Nut-</span><br/> <span class="ft6">zen die Einsprecherin aus dem Studium gerade an der ETH Zürich</span><br/> <span class="ft6">für ihren beruflichen Werdegang im Iran ziehen könnte. Dies wird</span><br/> <span class="ft6">durch die wenig überzeugende Begründung der Einsprecherin unter-</span><br/> <span class="ft6">strichen, die sie der Botschaft abgegeben hat (Schweiz als "geeigne-</span><br/> <span class="ft6">tes Land"; Sicherheitsaspekt; mit dem erworbenen Wissen dem Land</span><br/> <span class="ft6">sowie den Mitbürgerinnen und Mitbürgern dienen). Ohnehin ist nicht</span><br/> <span class="ft6">bekannt, dass die Studierenden im Iran keinen staatlichen Schutz vor</span><br/> <span class="ft6">nicht näher bezeichneten Gefahren geniessen. Nicht zu hören ist</span><br/> <span class="ft6">weiter der Hinweis, als Frau könne "sie mit einem höheren ausländi-</span><br/> <span class="ft6">schen - wie ETH anerkannten - Abschlusszeugnis eine bessere</span><br/> <span class="ft6">Startmöglichkeit im Iran in Aussicht gestellt bekommen". Frauenför-</span><br/> <span class="ft6">derung in islamischen Staaten mag zu einem gewissen Masse zwar</span><br/> <span class="ft6">auch im aussenpolitischen Interesse westlicher Staaten liegen. Ihre</span><br/> <span class="ft6">individuelle Förderung kann die Einsprecherin indessen nicht damit</span><br/> <span class="ft6">begründen, sie sei "als Frau in einer von Männern dominierten Ge-</span><br/> <span class="ft6">sellschaft auf höhere Bildungsausweise für eine - wenn überhaupt -</span><br/> <span class="ft6">bessere Startmöglichkeit angewiesen". Die Durchsetzung der Chan-</span><br/> <span class="ft6">cengleichheit von Mann und Frau ist nämlich in erster Linie (Dauer-)</span><br/> <span class="ft6">Aufgabe des jeweiligen Staates und der dortigen Gesellschaft. An-</span><br/> <span class="ft6">dernfalls müsste allen Studentinnen, die in ihrem Herkunftsstaat</span><br/> <span class="ft6">möglicherweise schwierige Startvoraussetzungen für eine akademi-</span><br/> <span class="ft6">sche Laufbahn haben, schon aus Gründen der rechtsgleichen Be-</span><br/> <span class="ft6">handlung die Aufnahme eines Studiums an einer schweizerischen</span><br/> <span class="ft6">Universität oder Fachhochschule gestattet werden. Diesbezüglich</span><br/> <span class="ft6">käme den Migrationsbehörden eine Schiedsrichterfunktion bei der</span><br/> <span class="ft6">Verteilung der (knappen) Studienplätze zu. Das würde aber eine un-</span><br/> <span class="ft6">zulässige Einmischung in die Bildungspolitik und Ressourcenpla-</span><br/> <span class="ft6">nung des entsprechenden Hochschulkantons darstellen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">433</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">3.3</span><br/> <span class="ft6">Überdies fehlt es konkret an der in Art. 32 lit. d BVO vorausge-</span><br/> <span class="ft6">setzten schriftlichen Bestätigung der Schulleitung über die Aufnahme</span><br/> <span class="ft6">des Studenten an der Hochschule. Daher könnte der Einsprecherin</span><br/> <span class="ft6">zum Vornherein nur die Einreise zur Absolvierung der Auf-</span><br/> <span class="ft6">nahmeprüfung bewilligt werden. Dieser Entscheid fällt jedoch in die</span><br/> <span class="ft6">abschliessende Kompetenz der Bundesbehörden (vgl. Art. 11 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">lit. c bzw. lit. f i.V.m. Art. 18 f. der Verordnung über Einreise und</span><br/> <span class="ft6">Anmeldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar</span><br/> <span class="ft6">1998 [VEA; SR 142.211]). Diesbezüglich ist auf die Einsprache</span><br/> <span class="ft6">mangels Zuständigkeit nicht einzutreten. Ebenso wenig ist das Stu-</span><br/> <span class="ft6">dienprogramm festgelegt (Art. 32 lit. c BVO).</span><br/> <span class="ft6">Ob die Finanzierung des Studiums gemäss Art. 32 lit. e BVO</span><br/> <span class="ft6">gesichert ist, kann offen gelassen werden, da die ausländerrechtliche</span><br/> <span class="ft6">Zulassung zum Studium schon aus anderen Gründen scheitert. Im</span><br/> <span class="ft6">Zusammenhang mit der neu beigebrachten Garantieerklärung der Y.</span><br/> <span class="ft6">AG fällt aber auf, dass diese von einem iranischen Direktor geführte</span><br/> <span class="ft6">Unternehmung vorwiegend im Teppichhandel und Pizzageschäft tä-</span><br/> <span class="ft6">tig ist. Die Finanzierung von Auslandstudien für Iranerinnen und Ira-</span><br/> <span class="ft6">ner gehört jedoch nicht zum Gesellschaftszweck. Wenn nun eine in</span><br/> <span class="ft6">der Schweiz domizilierte Unternehmung entgegen ihrem Gesell-</span><br/> <span class="ft6">schaftszweck Studien Dritter finanziert, muss davon ausgegangen</span><br/> <span class="ft6">werden, dass diese später in der Unternehmung beschäftigt werden</span><br/> <span class="ft6">sollen. Andernfalls läge (wohl) eine reine Gefälligkeits-Garantieer-</span><br/> <span class="ft6">klärung vor. Solches lässt sich mit dem Erfordernis der gesicherten</span><br/> <span class="ft6">fristgerechten Wiederausreise gemäss Art. 32 lit. f BVO nicht mehr</span><br/> <span class="ft6">vereinbaren.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>