<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 96 S.410</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">410</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>96</b></span> <span class="ft1"><b>Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Keine Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts für Beschwerden gegen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Beschwerdeentscheide des Verwaltungsrates der AGVA.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Zur Beurteilung von Schadenersatzansprüchen gegen die AGVA ge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>stützt auf das GebVG ist das Verwaltungsgericht im Klageverfahren</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zuständig.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>-</b></span> <span class="ft1"><b>Der Verwaltungsrat der AGVA kann im Rechtsmittelverfahren nach</b></span><br/> <span class="ft1"><b>§ 14 Abs. 3 GebVG keine rechtskraft- und vollstreckungsfähigen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Verfügungen über vermögensrechtliche Streitigkeiten erlassen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 12. April 2000 in Sa-</span><br/> <span class="ft2">chen H. gegen Entscheid der Aargauischen Gebäudeversicherungsanstalt und</span><br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 6. Dezember 2002 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen H. gegen die Aargauische Gebäudeversicherungsanstalt.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. a) Nach Auffassung des Beschwerdeführers folgt die sachli-</span><br/> <span class="ft4">che Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts aus § 52 Ziff. 20 VRPG,</span><br/> <span class="ft4">da es sich beim gegenüber der AGVA geltend gemachten Schadener-</span><br/> <span class="ft4">satzanspruch um einen zivilrechtlichen Anspruch nach Art. 6 EMRK</span><br/> <span class="ft4">handle. Die AGVA vertritt demgegenüber die Ansicht, der Entscheid</span><br/> <span class="ft4">des Verwaltungsrats sei kantonal letztinstanzlich, ein kantonales</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittel somit nicht gegeben.</span><br/> <span class="ft4">b) Das Verwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen letztin-</span><br/> <span class="ft4">stanzliche Verfügungen und Entscheide von Verwaltungsbehörden</span><br/> <span class="ft4">über Anordnungen im Einzelfall, bei denen Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span><br/> <span class="ft4">einen Anspruch auf richterliche Überprüfung gewährt und weder im</span><br/> <span class="ft4">Kanton noch im Bund eine konventionsgemässe richterliche Prüfung</span><br/> <span class="ft4">besteht (§ 52 Ziff. 20 VRPG). Geht es nun aber wie im vorliegenden</span><br/> <span class="ft4">Falle um finanzielle Ansprüche, ist die Frage zu prüfen, ob nicht die</span><br/> <span class="ft4">verwaltungsgerichtliche Klage nach § 60 VRPG zu ergreifen wäre,</span><br/> <span class="ft4">bevor aus § 52 Ziff. 20 VRPG eine Ersatzzuständigkeit abgeleitet</span><br/> <span class="ft4">werden kann. Das Verwaltungsgericht urteilt gemäss § 60 Ziff. 3</span><br/> <span class="ft4">VRPG als einzige kantonale Instanz u.a. über vermögensrechtliche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Streitigkeiten, an denen der Kanton, eine Gemeinde oder eine öffent-</span><br/> <span class="ft4">lich-rechtliche Körperschaft oder Anstalt des kantonalen oder kom-</span><br/> <span class="ft4">munalen Rechts beteiligt ist, sofern nicht die Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft4">schwerde gegeben oder das Zivilgericht zuständig ist.</span><br/> <span class="ft4">Zum Verhältnis der beiden Subsidiaritäten der Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richtsbeschwerde nach § 52 Ziff. 20 VRPG und der verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richtlichen Klage nach § 60 Ziff. 3 VRPG hat das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft4">in einem kürzlich ergangenen Entscheid erwogen, mit der Ergänzung</span><br/> <span class="ft4">des Kompetenzkatalogs von § 52 VRPG durch eine Ziff. 20 gemäss</span><br/> <span class="ft4">Dekret vom 24. September 1996 (Inkraftsetzung am 15. Februar</span><br/> <span class="ft4">1997) habe der Dekretsgeber ausschliesslich sicherstellen wollen,</span><br/> <span class="ft4">dass das Ergreifen der Verwaltungsgerichtsbeschwerde möglich sei,</span><br/> <span class="ft4">wenn die EMRK ein Rechtsmittel an ein Gericht vorschreibe und</span><br/> <span class="ft4">dies auf Grund der bestehenden Normen nicht vorgesehen sei (vgl.</span><br/> <span class="ft4">dazu und zum Folgenden: AGVE 1999, S. 375 ff.). § 52 Ziff. 20</span><br/> <span class="ft4">VRPG sei demzufolge im Sinne einer <i>absoluten</i> Subsidiarität auch</span><br/> <span class="ft4">subsidiär gegenüber der in § 60 Ziff. 3 VRPG normierten Subsidia-</span><br/> <span class="ft4">rität der verwaltungsgerichtlichen Klage. Dies bedeute, dass ein Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeverfahren mit Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ge-</span><br/> <span class="ft4">stützt auf § 52 Ziff. 20 VRPG ausser Betracht falle, wenn die Vor-</span><br/> <span class="ft4">aussetzungen einer verwaltungsgerichtlichen Klage gemäss § 60</span><br/> <span class="ft4">Ziff. 3 VRPG erfüllt seien. Ein EMRK-konformes Gerichtsverfahren</span><br/> <span class="ft4">sei mit der verwaltungsgerichtlichen Klage sichergestellt.</span><br/> <span class="ft4">c) Nach dem Gesagten ist daher vorab zu prüfen, ob die Voraus-</span><br/> <span class="ft4">setzungen der verwaltungsgerichtlichen Klage gemäss § 60 Ziff. 3</span><br/> <span class="ft4">VRPG erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft4">aa) Bei der AGVA handelt es sich um eine juristische Person</span><br/> <span class="ft4">des kantonalen öffentlichen Rechts; sie ist ein selbständiges staatli-</span><br/> <span class="ft4">ches Unternehmen zur Versicherung der Gebäude im Kantonsgebiet</span><br/> <span class="ft4">(§ 1 Abs. 1 GebVG [in der Fassung vom 18. Juni 1996]). Als selb-</span><br/> <span class="ft4">ständige Anstalt des öffentlichen Rechts fällt sie unter § 60 Ziff. 3</span><br/> <span class="ft4">VRPG.</span><br/> <span class="ft4">bb) In den Anwendungsbereich von § 60 Ziff. 3 VRPG fallen</span><br/> <span class="ft4">ausschliesslich vermögensrechtliche Streitigkeiten. Vermögensrecht-</span><br/> <span class="ft4">licher Natur sind Klagen über behauptete Rechte, die zum Vermögen</span><br/> <span class="ft4">gehören; die in der Klage anbegehrte Leistung muss sich dabei un-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">412</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">mittelbar auf das Vermögen des Klägers auswirken (Michael Merker,</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aar-</span><br/> <span class="ft4">gauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu</span><br/> <span class="ft4">den §§ 38-72 VRPG, Zürich 1998, § 60 N 31). Gemäss § 2 lit. b</span><br/> <span class="ft4">GebVG ersetzt die AGVA an den versicherten Gebäuden entstandene</span><br/> <span class="ft4">Schäden, soweit diese nach Massgabe der in der gleichen Bestim-</span><br/> <span class="ft4">mung enthaltenen Aufzählung ersatzpflichtig sind. Beim Schadener-</span><br/> <span class="ft4">satzanspruch des Versicherten gestützt auf das GebVG handelt es</span><br/> <span class="ft4">sich um einen finanziellen Anspruch. Vorliegend geht es zwar (noch)</span><br/> <span class="ft4">nicht um die Höhe einer Entschädigungsleistung, sondern vorerst um</span><br/> <span class="ft4">die Klärung der Rechtsfrage, ob überhaupt ein versichertes Ereignis</span><br/> <span class="ft4">vorliegt bzw. ob ein Entschädigungsanspruch des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft4">gegen die Anstalt besteht. Dass es sich dabei um eine vermögens-</span><br/> <span class="ft4">rechtliche Streitigkeit im Sinne von § 60 Ziff. 3 VRPG handelt, kann</span><br/> <span class="ft4">indessen nicht bezweifelt werden. Der Umstand, dass die Schaden-</span><br/> <span class="ft4">höhe derzeit noch nicht genau bezifferbar ist, ändert am vermögens-</span><br/> <span class="ft4">rechtlichen Charakter des geltend gemachten Anspruchs ebenfalls</span><br/> <span class="ft4">nichts und schliesst die verwaltungsgerichtliche Klage nicht aus (vgl.</span><br/> <span class="ft4">auch Art. 42 Abs. 2 OR).</span><br/> <span class="ft4">cc) Die verwaltungsgerichtliche Klage in vermögensrechtlichen</span><br/> <span class="ft4">Streitigkeiten ist nur zulässig, sofern nicht die Verwaltungsgerichts-</span><br/> <span class="ft4">beschwerde gegeben ist; dies gilt aber wie dargelegt nicht im Ver-</span><br/> <span class="ft4">hältnis zur absolut subsidiären Zuständigkeit gemäss § 52 Ziff. 20</span><br/> <span class="ft4">VRPG (siehe vorne, Erw. b). Eine andere sachliche Zuständigkeit des</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgerichts als Beschwerdeinstanz ist vorliegend nicht ge-</span><br/> <span class="ft4">geben; weder der Zuständigkeitskatalog des § 52 VRPG noch ein</span><br/> <span class="ft4">Sondererlass (§ 51 Abs. 1 und 2 VRPG) kennen eine entsprechende</span><br/> <span class="ft4">Bestimmung. Insbesondere sieht auch das GebVG die Beschwerde</span><br/> <span class="ft4">an das Verwaltungsgericht nicht vor. Auch unter diesem Gesichts-</span><br/> <span class="ft4">punkt ist die verwaltungsgerichtliche Klage somit zulässig. Daran</span><br/> <span class="ft4">vermag im Übrigen auch das Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft4">10. März 1999 in Sachen M. (2P.341/1997), auf das sich die AGVA</span><br/> <span class="ft4">beruft, nichts zu ändern. Das Bundesgericht stellt darin zwar fest,</span><br/> <span class="ft4">beim angefochtenen Entscheid des Verwaltungsrats der AGVA</span><br/> <span class="ft4">handle es sich um einen kantonal letztinstanzlichen Entscheid, wes-</span><br/> <span class="ft4">halb die staatsrechtliche Beschwerde zulässig sei; indessen betraf der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">413</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">fragliche Entscheid der AGVA die Nichtzusprechung einer "Härte-</span><br/> <span class="ft4">fallsubvention" für den Bau einer Brandmauer, mithin die Ausrich-</span><br/> <span class="ft4">tung von Staatsbeiträgen, für die § 60 Ziff. 3 Satz 2 VRPG die ver-</span><br/> <span class="ft4">waltungsrechtliche Klage explizit ausschliesst.</span><br/> <span class="ft4">d) Als Zwischenergebnis ist demnach festzuhalten, dass die</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgerichtsbeschwerde im vorliegenden Falle nicht gegeben</span><br/> <span class="ft4">ist, was zu einem Nichteintretensentscheid führt.</span><br/> <span class="ft4">2. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Verwaltungsrat der</span><br/> <span class="ft4">AGVA habe eine Verfügung erlassen, zu der er kompetent gewesen</span><br/> <span class="ft4">sei und die es nun aufzuheben gelte. Dies sei im verwaltungsgericht-</span><br/> <span class="ft4">lichen Klageverfahren, das zur ursprünglichen Verwaltungsgerichts-</span><br/> <span class="ft4">barkeit gehöre, nicht möglich; dieses komme nur zum Zug, wenn der</span><br/> <span class="ft4">betroffenen Verwaltungsbehörde im betreffenden Sachbereich keine</span><br/> <span class="ft4">Verfügungskompetenz zukomme.</span><br/> <span class="ft4">Gemäss § 14 Abs. 3 GebVG können Verfügungen des Direktors</span><br/> <span class="ft4">der AGVA (bzw. der an seiner Stelle handelnden Abteilungsleiter)</span><br/> <span class="ft4">mit Beschwerde beim Verwaltungsrat der AGVA angefochten werden</span><br/> <span class="ft4">(vgl. auch die §§ 3 und 8 der Verordnung über die Organisation des</span><br/> <span class="ft4">Aargauischen Versicherungsamtes vom 15. Oktober 1997). Dieser</span><br/> <span class="ft4">anstaltsinterne Rechtsmittelweg macht im Rahmen der Führungs-</span><br/> <span class="ft4">aufgabe, welche der Verwaltungsrat wahrzunehmen hat, durchaus</span><br/> <span class="ft4">Sinn. Richtigerweise ist aber dieser Instanzenzug in vermögens-</span><br/> <span class="ft4">rechtlichen Streitigkeiten nicht mit einer rechtskraft- und voll-</span><br/> <span class="ft4">streckungsfähigen Verfügung abzuschliessen, sondern es hat die Ab-</span><br/> <span class="ft4">lehnung des Anspruchs durch die AGVA zu erfolgen, zusammen mit</span><br/> <span class="ft4">dem Hinweis, dass der Gebäudeeigentümer verwaltungsgerichtliche</span><br/> <span class="ft4">Klage erheben könne (so wie es im umgekehrten Fall, nämlich bei</span><br/> <span class="ft4">Abzügen von der Versicherungsentschädigung, in § 49 GebVG aus-</span><br/> <span class="ft4">drücklich vorgesehen ist, wobei dort die AGVA klagen muss). § 14</span><br/> <span class="ft4">Abs. 3 GebVG ist einer solchen Auslegung durchaus zugänglich.</span><br/> <span class="ft4">Wird nun - wie im vorliegenden Falle - fälschlicherweise eine</span><br/> <span class="ft4">eigentliche Verfügung erlassen (wie dies das AGVA selber annimmt),</span><br/> <span class="ft4">so kann dies die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts als Klagein-</span><br/> <span class="ft4">stanz nicht ausschliessen (vgl. Merker, a.a.O., § 60 N 36; AGVE</span><br/> <span class="ft4">1979, S. 272 ff.). Anderseits muss dem Beschwerdeführer ein ausrei-</span><br/> <span class="ft4">chendes Rechtsschutzinteresse an der gerichtlichen Feststellung zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">gebilligt werden, dass der von ihm angefochtene Entscheid der</span><br/> <span class="ft4">AGVA nicht vollstreckungsfähig ist. Analog wird - aus praktischen</span><br/> <span class="ft4">Gründen - bei behauptungsweise nichtigen Verfügungen vorgegan-</span><br/> <span class="ft4">gen, obwohl es dort bei bejahter Nichtigkeit streng logisch an einem</span><br/> <span class="ft4">Anfechtungsobjekt fehlt (vgl. BGE 115 Ia 4; AGVE 1981, S. 147;</span><br/> <span class="ft4">VGE III/76 vom 4. Juni 1999 [BE.97.00279] in Sachen S. AG, S. 4;</span><br/> <span class="ft4">VGE II/100 vom 26. Oktober 1999 [BE.99.00029] in Sachen S., S. 9</span><br/> <span class="ft4">f.; Merker, a.a.O., § 38 N 14). Insoweit ist auf die Beschwerde ein-</span><br/> <span class="ft4">zutreten und eine entsprechende Feststellung in das Dispositiv auf-</span><br/> <span class="ft4">zunehmen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>