<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2023-04-04-4A_556-2022.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4A_556/2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 4. April 2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. zivilrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichterin Jametti, Präsidentin, </div> <div class="para">Bundesrichterin Kiss, </div> <div class="para">Bundesrichter Rüedi, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Brugger. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Jens Onnen, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bank B.________ AG, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Beschwerdefrist, Postaufgabe, rechtliches Gehör. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen die Verfügung des Obergerichts </div> <div class="para">des Kantons Schaffhausen vom 1. November 2022 (40/2022/23). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Mit Schlichtungsgesuch vom 27. Juni 2022 beantragte die Bank B.________ AG (Beschwerdegegnerin) beim Friedensrichteramt des Kantons Schaffhausen, A.________ (Beschwerdeführer) sei zur Zahlung von Fr. 2'102.55 samt Zinsen sowie verschiedener weiterer Beträge im Zusammenhang mit der Rechtsverfolgung zu verurteilen. Anlässlich der Schlichtungsverhandlung vom 28. Juli 2022, welcher A.________ unentschuldigt fernblieb, reduzierte die Bank B.________ AG ihre Forderung auf Fr. 2'000.-- und verlangte einen Entscheid. Mit Entscheid vom 29. Juli 2022 hiess das Friedensrichteramt die Klage gut und verpflichtete A.________, der Bank B.________ AG Fr. 2'000.-- zu bezahlen, und hob den Rechtsvorschlag in diesem Umfang auf. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Gegen den Entscheid des Friedensrichteramts erhob der nicht anwaltlich vertretene A.________ Beschwerde beim Obergericht des Kantons Schaffhausen. Er beantragte die Aufhebung des Entscheids des Friedensrichteramts und ersuchte gleichzeitig um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 1. November 2022 trat das Obergericht auf die Beschwerde nicht ein, erhob keine Kosten und schrieb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos ab. </div> <div class="para">Das Obergericht erwog, dass die 30-tägige Beschwerdefrist gegen den Entscheid des Friedensrichteramts nicht eingehalten worden sei. Die Beschwerdefrist habe am 24. August 2022 zu laufen begonnen und sei am 22. September 2022 abgelaufen. Das die Beschwerdeschrift enthaltende Couvert sei mit einem "WebStamp" frankiert und weise keinen Poststempel auf. Aus der Sendungsverfolgung ergebe sich, dass die Sendung am Samstag, 24. September 2022, im Postfach des Obergerichts eingegangen sei. Da eine A-Post-Plus-Sendung für gewöhnlich am folgenden Werktag zugestellt werde, sei davon auszugehen, dass A.________ die Beschwerde am Freitag, 23. September 2022, der Schweizerischen Post übergeben habe. Eine frühere Aufgabe bei der Post habe er innert Beschwerdefrist weder geltend gemacht noch belegt. Auf die Beschwerde sei daher wegen Verspätung nicht einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Gegen diese Verfügung des Obergerichts erhebt der neu anwaltlich vertretene Beschwerdeführer Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht. Er beantragt, die Verfügung des Obergerichts sei aufzuheben. Das Obergericht habe auf seine Beschwerde einzutreten und diese materiell zu beurteilen. Gleichzeitig ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands für das bundesgerichtliche Verfahren. </div> <div class="para">Die Vorinstanz begehrt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die Beschwerdegegnerin beantragt, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten bzw. soweit auf diese einzutreten sei, sei sie abzuweisen. </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 8. Februar 2023 wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Der Streitwert des vorinstanzlichen Verfahrens beträgt unbestrittenermassen Fr. 2'000.-- und damit weniger als Fr. 30'000.--. Die Streitwertgrenze für eine Beschwerde in Zivilsachen wird nicht erreicht (<span class="artref">Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe die Beschwerde gegen den Entscheid der Schlichtungsbehörde als einzige kantonale Instanz beurteilt. Die Beschwerde in Zivilsachen sei deshalb gestützt auf <span class="artref">Art. 74 Abs. 2 lit. b BGG</span> streitwertunabhängig zulässig. </div> <div class="para">Die Schlichtungsbehörde fällte in casu einen Entscheid im Sinne von <span class="artref">Art. 212 ZPO</span>. Trifft die Schlichtungsbehörde einen solchen Entscheid, so handelt sie als erste Entscheidinstanz (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-III-440%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page440">BGE 147 III 440</a> E. 3.3.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-III-638%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page638">142 III 638</a> E. 3.4.2). Die Vorinstanz hat somit nicht als einzige, sondern als zweite kantonale Instanz entschieden, mithin als Rechtsmittelinstanz gegen den Entscheid der Schlichtungsbehörde. <span class="artref">Art. 74 Abs. 2 lit. b BGG</span> ist nicht anwendbar. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> Erreicht der Streitwert den massgebenden Betrag wie in casu nicht, ist die Beschwerde in Zivilsachen dennoch zulässig, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (<span class="artref">Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG</span>). Der Beschwerdeführer legt nicht dar (<span class="artref">Art. 42 Abs. 2 Satz 2 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-III-501%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page501">BGE 140 III 501</a> E. 1.3; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-III-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">135 III 1</a> E. 1.3), dass sich vorliegend eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellen würde, weshalb auch diese Ausnahme bezüglich des Streitwerts nicht zur Anwendung gelangt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.4.</b> Die Beschwerde in Zivilsachen steht damit nicht offen, weshalb die Eingabe als subsidiäre Verfassungsbeschwerde zu behandeln ist (<span class="artref">Art. 113 BGG</span>). </div> <div class="para">Mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde kann die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden (<span class="artref">Art. 116 BGG</span>). Die Verletzung verfassungsmässiger Rechte ist in der Beschwerdeschrift vorzubringen und zu begründen (Art. 117 i.V.m. <span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-III-232%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page232">BGE 135 III 232</a> E. 1.2<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-I-83%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page83">134 I 83</a></span> E. 3.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Vorinstanz qualifizierte die Beschwerde des Beschwerdeführers als verspätet und verlangte von ihm, dass er die rechtzeitige Postaufgabe innerhalb der Beschwerdefrist unaufgefordert hätte darlegen und beweisen müssen. Dieses Vorgehen der Vorinstanz rügt der Beschwerdeführer vor Bundesgericht zu Recht als Verstoss gegen seinen verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Gemäss <span class="artref">Art. 143 Abs. 1 ZPO</span> sind Eingaben spätestens am letzten Tag der Frist beim Gericht einzureichen oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung zu übergeben. Entscheidendes Kriterium für die Rechtzeitigkeit einer schriftlichen Eingabe ist demnach nicht das Eintreffen der Eingabe am letzten Tag der Frist beim Gericht (sog. Empfangsprinzip), sondern deren Übergabe an die Schweizerische Post bzw. an eine schweizerische diplomatische oder konsularische Vertretung (sog. Expeditionsprinzip; Urteil 5A_536/2018 vom 21. September 2018 E. 3.2; Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], BBl 2006 S. 7221 ff. S. 7308 Ziff. 5.9.3. Vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-V-90%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page90">BGE 145 V 90</a> E. 6.1.1 zum ATSG). </div> <div class="para">Die Frist darf bis zur letzten Minute des Tages ausgeschöpft werden. Der Absender trägt jedoch die Beweislast für die rechtzeitige Aufgabe. Ihm obliegt mithin der Nachweis, dass er seine Eingabe bis um 24:00 Uhr des letzten Tages der laufenden Frist der Post übergeben hat. Der Beweis wird in der Regel mit dem Poststempel erbracht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-IV-526%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page526">BGE 147 IV 526</a> E. 3.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-389%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page389">142 V 389</a> E. 2.2; Urteile 4A_466/2022 vom 10. Februar 2023 E. 2; 5A_972/2018 vom 5. Februar 2019 E. 4.1). Soweit der Einwurf bei der Post nach Schalterschluss erfolgt und deshalb offensichtlich ist, dass der Eingangsstempel auf ein späteres Datum lauten wird, hat der Absender aufgrund der Vermutung, wonach das Datum des Stempels mit demjenigen der Übergabe übereinstimmt, geeignete Beweisvorkehrungen zu treffen für die Behauptung, die Sendung schon am Vortag der Abstempelung oder sogar noch früher in einen Briefkasten eingeworfen zu haben, um so die Vermutung zu widerlegen (Urteile 4A_466/2022 vom 10. Februar 2023 E. 2; 5A_503/2019 vom 20. Dezember 2019 E. 4.1). </div> <div class="para">Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss ein Rechtsanwalt sich des Risikos bewusst sein, dass seine Sendung nicht am gleichen Tag abgestempelt wird, wenn er sie nicht am Postschalter aufgibt, sondern nach Schalterschluss in einen Briefkasten einwirft. Schafft ein Rechtsanwalt eine derartige verfahrensmässige Unsicherheit über die Fristwahrung, muss er unaufgefordert ("spontanément") und vor Ablauf der Rechtsmittelfrist Beweismittel für die Behauptung der Rechtzeitigkeit anbieten, indem er beispielsweise auf dem Briefumschlag vermerkt, die Postsendung sei kurz vor Fristablauf in Anwesenheit von Zeugen in einen Briefkasten gelegt worden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-IV-526%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page526">BGE 147 IV 526</a> E. 3.1; Urteile 4A_466/2022 vom 10. Februar 2023 E. 2; 5A_185/2022 vom 21. Dezember 2022 E. 6; 5A_965/2020 vom 11. Januar 2021 E. 4.2.3; 5A_503/2019 vom 20. Dezember 2019 E. 4.1; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Auf diese Rechtsprechung bezog sich die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid. </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer hat seine Beschwerdeschrift jedoch nicht nach Schalterschluss in einen Briefkasten eingeworfen und damit eine verfahrensmässige Unsicherheit geschaffen. Vielmehr hat er seine Beschwerdeschrift unbestrittenermassen bei der Post als eine A-Post-Plus-Sendung aufgegeben. Bei dieser Versandmethode wird der Brief mit einer Nummer versehen und ähnlich wie bei einem eingeschriebenen Brief mit A-Post spediert. Die Sendung wird von der Post elektronisch erfasst und sie kann in der Folge mit dem von der Post zur Verfügung gestellten Suchsystem "Track &amp; Trace" nachverfolgt werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-57%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page57">BGE 144 IV 57</a> E..3.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-III-599%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page599">142 III 599</a> E. 2.2). Wie bei einem Einschreiben kann bei einem A-Post-Plus-Schreiben daher der Nachweis der rechtzeitigen Aufgabe der Postsendung nachträglich einfach erbracht werden (Urteil 1C_581/2015 vom 10. November 2015 E. 2.3; Tano Barth, Le Courrier A Plus, Anwaltsrevue 2019, S. 127 ff. Rz. 7). In diesem Sinne preist die Post auch an, dass A-Post-Plus für die Möglichkeit stehe, den Verlauf des Versandprozesses "von der Postaufgabe bis zur Zustellung zu verfolgen" (Factsheet der Schweizerischen Post zu A-Post-Plus, abrufbar auf https://www.post.ch/de/briefe-versenden/briefe-schweiz/a-post-plus). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die vorliegende Aufgabe der kantonalen Beschwerdeschrift durch den Beschwerdeführer als A-Post-Plus-Sendung unterscheidet sich daher grundlegend von der Konstellation, in welcher ein Anwalt seine Sendung nach Schalterschluss in einen Briefkasten einwirft. Nimmt die Post eine Eingabe einer Partei als A-Post-Plus-Sendung entgegen, besteht für die Partei kein Anlass an der Rechtzeitigkeit der Übergabe der Sendung an die Schweizerische Post zu zweifeln und unaufgefordert Behauptungen zur Rechtzeitigkeit der Eingabe aufzustellen und dafür Beweismittel anzubieten (vgl. betreffend die Übergabe einer Sendung am Geschäftskundenschalter der Post während der Öffnungszeiten kürzlich Urteil 4A_466/2022 vom 10. Februar 2023 E. 4.2). Ob solches überhaupt von einer nicht anwaltlich vertretenen Partei - wie dem Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren - verlangt werden könnte, braucht bei dieser Sachlage nicht entschieden zu werden (offengelassen im Urteil 5A_965/2020 vom 11. Januar 2021 E. 4.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Was die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin in ihren Vernehmlassungen dagegen vorbringen, überzeugt nicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.1.</b> Sie berufen sich darauf, dass der Beschwerdeführer die Sendung nach dem "öffentlich publizierten Annahmeschluss" der Post übergeben habe und damit eine Unsicherheit geschaffen habe. </div> <div class="para">Wann der "öffentlich publizierte Annahmeschluss" der Poststelle im konkreten Fall genau war, braucht nicht geklärt zu werden, denn dies tut nichts zur Sache. Mit dem sog. Annahmeschluss regelt die Post, bis wann ihr bestimmte Sendungen zu übergeben sind, damit sie die Sendung innerhalb ihres Leistungsangebots dem Adressaten zustellen kann. Sie regelt beispielsweise, bis wann eine Sendung bei der Post eintreffen muss, damit diese am nächsten Werktag zugestellt wird (vgl. Urteil 8C_237/2017 vom 4. Oktober 2017 E. 5.2.1 zur irritierenden Praxis der "Vordatierung" durch die Post). Für die Beurteilung der Rechtzeitigkeit der Übergabe einer Eingabe an die schweizerische Post im Sinne von <span class="artref">Art. 143 ZPO</span> hat dieser interne Annahmeschluss der Post keine Relevanz. Entscheidend ist lediglich, dass die Sendung am letzten Tag der Frist an die schweizerische Post übergeben wurde (Erwägung 2.1). Ob die Post die Sendung, die nach Annahmeschluss aufgegeben wurde, entsprechend ihrem Leistungsangebot rechtzeitig zustellen kann, braucht die Partei nicht zu interessieren, denn es gilt das Expeditionsprinzip (dazu oben Erwägung 2.1). </div> <div class="para">Der Annahmeschluss ändert auch nichts an den oben beschriebenen prozessualen Anforderungen an eine Partei: Nimmt die Post (nach dem Annahmeschluss) die Sendung am Postschalter als A-Post-Plus-Sendung entgegen, braucht die Partei nicht an der rechtzeitigen Übergabe der Eingabe zu Handen der Post zu zweifeln. Sie braucht in diesem Fall auch nicht von sich aus, unaufgefordert Behauptungen zur Rechtzeitigkeit der Aufgabe aufzustellen und dafür Beweismittel anzubieten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.2.</b> Die Vorinstanz erwähnt in der Vernehmlassung, dass sich der Beschwerdeführer der Onlinefrankierlösung "WebStamp" ohne Datumsangabe bedient und damit eine Unsicherheit hinsichtlich der Rechtzeitigkeit bewusst in Kauf genommen habe. </div> <div class="para">Auch dieses Vorbringen geht fehl, denn der Beschwerdeführer hat seine Eingabe nicht bloss mit einem "WebStamp" ohne Datum frankiert, sondern er hat sein Schreiben als A-Post-Plus-Sendung bei der Post aufgegeben. In dieser Situation hat er keine verfahrensrechtliche Unsicherheit geschaffen, noch musste er an der Rechtzeitigkeit der Postaufgabe zweifeln. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.3.</b> Es bleibt damit dabei, dass der Beschwerdeführer nicht unaufgefordert und vor Ablauf der Rechtsmittelfrist Behauptungen und Beweismittel für die Rechtzeitigkeit seiner Beschwerde vorzubringen hatte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.</b> Auszugehen ist von den tatsächlichen Angaben, auf welche die Vorinstanz ihren Nichteintretensentscheid abstellte: Sie stellte fest, dass die Eingabe des Beschwerdeführers am Samstag, 24. September 2022, im Postfach des Obergerichts eingegangen sei. Die Vorinstanz stützte sich dafür auf die Angaben der Sendungsverfolgung der Post. In dieser Sendungsverfolgung ist entgegen dem Versprechen der Post (oben Erwägung 2.2) nur der Zeitpunkt der Zustellung, nicht aber der Aufgabezeitpunkt vermerkt. Auf dem Couvert der Eingabe des Beschwerdeführers befindet sich kein Poststempel mit Datum, da die Sendung mit einem sogenannten "WebStamp" ohne Datumsangabe frankiert wurde. Auch auf dem Aufkleber der Sendungsverfolgung für die A-Post-Plus-Sendung findet sich kein Datum. Die Vorinstanz hatte somit keine konkreten Anhaltspunkte über den Zeitpunkt der Aufgabe der Beschwerdeschrift durch den Beschwerdeführer. </div> <div class="para">Finden sich in den Akten keine Angaben über den Zeitpunkt der Postaufgabe und trifft die Beschwerdeschrift, wie in casu, bloss zwei Tage nach Fristablauf bei der Vorinstanz ein, so darf sich diese nicht damit begnügen, gestützt auf das Zugangsdatum Mutmassungen zum Aufgabezeitpunkt anzustellen und gestützt darauf auf die Beschwerde nicht einzutreten. Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach <span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span> garantiert dem Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz in einer solchen Situation bei ihm eine Rückfrage vornimmt, damit er sich zum Zeitpunkt der Aufgabe der Eingabe äussern und allfällige Beweismittel vorbringen kann (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-III-364%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page364">BGE 139 III 364</a> E. 3.2.3; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=7&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-IA-8%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page8">115 Ia 8</a> E. 2c; Urteile 5A_185/2022 vom 21. Dezember 2022 E. 6; 5A_28/2015 vom 22. Mai 2015 E. 3.1.1). Dadurch wird sichergestellt, dass der Beschwerdeführer seiner Behauptungs- und Beweislast für die rechtzeitige Aufgabe der Eingabe (Erwägung 2.1) nachkommen kann. </div> <div class="para">Die erhobene Gehörsrüge erweist sich als begründet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung der Vorinstanz vom 1. November 2022 (40/2022/23) ist aufzuheben. Die Sache ist zur erneuten (formellen und gegebenenfalls materiellen) Beurteilung der Beschwerde an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese hat dem Beschwerdeführer eine ausdrückliche Gelegenheit im oben genannten Sinn einzuräumen, sich zum Zeitpunkt der Aufgabe der Beschwerdeschrift zu äussern und allfällige Beweismittel für die Rechtzeitigkeit der Postaufgabe vorzubringen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdegegnerin kosten- und entschädigungspflichtig (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1, <artref id="CH/173.110/68/1" type="start"></artref>Art. 68 Abs. 1 BGG</span><artref id="CH/173.110/66/1" type="end"></artref>). Die Parteientschädigung wird entsprechend der bundesgerichtlichen Praxis festgelegt, wonach bei einer Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.-- die Entschädigung Fr. 3'000.-- beträgt. Gründe, davon ausnahmsweise abzuweichen, liegen nicht vor. Dem Antrag des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Beschwerdeführers um Zusprechung einer Parteientschädigung von Fr. 3'877.15.-- kann daher nicht entsprochen werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung vom 1. November 2022 des Obergerichts des Kantons Schaffhausen (40/2022/23) wird aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Beurteilung der Beschwerde an die Vorinstanz zurückgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdegegnerin hat den unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Onnen, Schaffhausen, für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 3'000.-- zu entschädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Schaffhausen schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 4. April 2023 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Präsidentin: Jametti </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Brugger </div> </div></body></html>