Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juni 2022 (735 21 158 / 135) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Prüfung des zeitlichen und sachlichen Konnexes Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Klägerin, vertreten durch Nathalie Lang, Rechtsanwältin, advo5 Rechtsanwälte, Waltersbachstrasse 5, Postfach, 8021 Zürich 1 gegen Valora Pensionskasse VPK , Hofackerstrasse 40 , 4132 Muttenz , Be- klagte 1, vertreten durch Max B. Berger, Rechtsanwalt, Advokatur Berger AG, Amthausgasse 1, 3011 Bern Stiftung Auffangeinrichtung BVG , Freizügigkeitskonten, Elias-Ca- netti-Strasse 2, Postfach, 8050 Zürich, Beklagte 2 Betreff Forderung A. A.____, geboren 1959, arbeitete vom 1. September 1996 bis 31. Dezember 2001 bei der B.____ AG, an diversen Verkaufsstellen als Verkäuferin mit Teilzeit-Pensum und vom 1. Januar Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2002 bis 31. März 2006 als Kioskleiterin bzw. Geschäftsführerin in einem 100 % Pensum, eben- falls bei der B.____ AG (Arbeitszeugnis vom 28. März 20 06, iv-act. 39). Ab 1. Januar 1999 war sie bei der Valora Pensionskasse VPK berufsvorsorgeversichert (Klagebeilage 3). Mit Schreiben vom 29. Dezember 2005 kündigte die B.____ AG das Arbeitsverhältnis per 31. März 2006 (iv-act. 23). In der Folge meldete sich A.____ bei der Arbeit slosenversicherung zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Arbeitslosentaggeldern an. Während de r Zeit, in der sie Arbeitslosenent- schädigung bezogen hatte, war sie bei der Stiftung Auf fangeinrichtung BVG berufsvorsorgever- sichert. Am 11. August 2008 meldete sie sich bei der IV- Stelle des Kantons C.____ (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an (iv-act 14). Nach mehrjährigen Ab klärungen der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach ihr die IV-Stelle gestützt auf ein polydisziplinäres asim-Gutach- ten vom 2. März 2017 mit Verfügung vom 9. April 2018 b ei einem Invaliditätsgrad von 100 % rückwirkend ab 1. August 2007 eine ganze Invalidenrente zu (iv-act. 236). In der Begründung führte die IV-Stelle unter anderem aus, dass die Versicherte mindestens seit Januar 2006 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei. Da sie sich am 11. August 2008 angemeldet habe und der Rentenanspruch vor dem 1. Januar 2008 beginne, komme das alte Recht zum Zug, weshalb ihr ein Jahr rückwirkend ab Eingang der Anmeldu ng eine Rente ausgerichtet werden könne. Den Einwänden der Valora Pensionskasse VPK gegen den Vorbescheid gab die IV-Stelle ausdrücklich nicht statt und hielt an der Zusprache einer ganzen Invalidenrente mit Beginn der Wartezeit per Januar 2006 fest. In der Folge forderte die Arbeitslosenkasse die Arbeitslosentag- gelder für die Zeit vom 1. August 2007 bis 31. Dezember 2007 zurück, verzichtete aber auf die Rückforderung der Taggelder für die Zeit vom 4. April 2006 bis 31. Juli 2007. B. Mit Eingabe vom 17. Mai 2021 erhob A.____, vertret en durch Rechtsanwältin Nathalie Lang, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt), Klage gegen die Valora Pensionskasse VPK (Beklagte 1) und die Stiftung Auffangeinrich- tung BVG (Beklagte 2). Unter o/e-Kostenfolge liess sie beantragen, es sei die Beklagte 1 zu ver- pflichten, ihr rückwirkend ab 1. August 2007 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditäts- grad von 100 % gemäss den gesetzlichen und reglementarisch en Bestimmungen auszurichten. Eventualiter sei die Beklagte 2 zu verpflichten, ihr rückwirkend ab 1. August 2007 eine Invaliden- rente aufgrund eines Invaliditätsgrads von 100 % gemäss den gesetzlichen Bestimmungen aus- zurichten. Die Beklagten 1 und 2 seien sodann zu verpfl ichten, ihr auf den Invalidenleistungen einen Verzugszins von 5 % spätestens ab dem Zeitpunkt der Klageeinleitung zu bezahlen. C. Mit Klageantwort vom 14. Juli 2021 beantragte die Beklagte 2 unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Klägerin, es sei die Klage gegen die Beklagte 2 vollumfänglich abzuweisen. D. Mit Klageantwort vom 3. August 2021 beantragte die Beklagte 1, vertreten durch Für- sprecher Max B. Berger, die Abweisung der Klage unter o/e-Kostenfolge. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten di e Parteien an ihren Rechtsbegeh- ren und wesentlichen Begründungen fest (vgl. Replik der Klägerin vom 17. November 2021, Dup- lik der Beklagten 2 vom 14. Dezember 2021 sowie Duplik der Beklagten 1 vom 20. Januar 2022). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Nach Beizug der IV-Akten überwies die instruierende Präsidentin der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts mit Verfügung vom 15. Februar 2022 die Angelegenheit der Dreierkammer zur Beurteilung. Gleichzeitig wies sie d en Beweisantrag der Beklagten 1, es sei von der ehemaligen Arbeitgeberin das Zwischenzeugnis vom Herbst 2005 zu edieren, vorläu- fig ab. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die be rufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vom 25. Juni 1982 bestimmt sich der Gerichtsstand nach dem schweizerischen Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei ode r dem Ort des Betriebes, bei dem die versicherte Person angestellt worden war, wobei die klagende Partei den Gerichtsstand wäh- len kann (BGE 133 V 488 E. 2.1). Da die Klägerin bei der B.____ AG mit Hauptsitz in D.____ gearbeitet hatte, ist das angerufene Kantonsgericht örtlich und – gestützt auf § 54 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 – auch sachlich für die Klage vom 17. Mai 2021 gege n die Beklagte 1 zuständig. In Bezug auf die Klage gegen die Beklagte 2 stellt sich die Fr age, ob das Kantonsgericht ebenfalls örtlich zuständig ist. Die Beklagte 2 hat ihren Sitz in Zürich, womit sich eine örtliche Zuständigkeit nicht direkt aus Art. 73 Abs. 3 BVG ergibt. Da die passive subje ktive Klagenhäufung nach Art. 15 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008 im Rahmen der Gerichts- standsregelung von Art. 73 Abs. 3 BVG zulässig ist (BGE 13 3 V 488 E. 4), und sich namentlich bei Streitigkeiten über die Abgrenzung der Leistungspflicht mehrerer Vorsorgeeinrichtungen ge- stützt auf Art. 23 BVG ein einheitlicher Gerichtsstand aufdrängt, ist die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts betreffend die Klage gegen die Beklagte 2 zu bejahen. Da das Kantonsgericht sachlich ebenfalls zuständig ist, ist auf die Klage einzutreten. 2.1 Gestützt auf Art. 23 lit. a BVG haben diejenigen Personen Anspruch auf Invalidenleis- tungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge, die im Sinne der IV zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität führte, versichert waren. Das Vorsorgereglement der Beklagten 1, in Kraft seit 1. Januar 2007, sieht in Art. 13 Abs. 1 den gleichen Invaliditätsbegriff vor (vgl. Klagbeilage 9). Ein Anspruch auf Invalidenleistungen besteht unter anderem, wenn die versicherten Personen im Sinne der IV zu mindestens 40 % invalid sind, sofern sie bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität führte, in der Leistungs- primatkasse versichert waren. 2.2 Tritt die Invalidität erst nach Beendigung eines Vorsorgeverhältnisses ein, so setzt die Leistungspflicht der betreffenden Vorsorgeeinrichtung einen engen sachlichen und zeitlichen Zu- sammenhang zwischen der Invalidität und der während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) e ingetretenen Arbeitsunfähigkeit voraus (BGE 130 V 270 E. 4.1). Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsscha- den, der zur Arbeitsunfähigkeit führte, im Wesentlichen auch der Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt (BGE 134 V 20 E. 3.2). Die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsun fähigkeit, deren Ursache zur Invalidität Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht führte, nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfä hig war. Eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs ist dann anzunehmen, wenn während mehr als drei Monaten eine Arbeitsfähig- keit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2018, 9C_533/2017, E. 2.1.2). Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als Eingliederungsversu ch zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung un- wahrscheinlich war (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2019, 9C_765/2018, E. 3.2). Diese Grundsätze gelten sinngemäss auch, wenn eine Vorsorgeeinrichtung ihre Leistungspflicht mit der Begründung verneinen will, eine berufsvorsorgerechtlic h bedeutsame Arbeitsunfähigkeit habe bereits vor Beginn des Vorsorgeverhältnisses bestanden un d ohne wesentliche Unterbrechung bis zum Beginn der Versicherungsdeckung gedauert. 2.3 Für den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23 lit. a BVG ist die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf zu v erstehen; sie ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und sich auf das Arbeitsverhältn is sinnfällig auswirkt oder auswirkte (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Dezember 2012, 9C_536/2012, E. 2.1.3 mit weiteren Hinwei- sen). Zwar bedarf es zum (rechtsgenüglichen) Nachweis einer vorsorgerechtlich relevanten Ein- busse an funktionellem Leistungsvermögen nicht zwingend einer echtzeitlich attestierten Arbeits- unfähigkeit, es darf aber nicht auf einen hinreichend kl aren Nachweis verzichtet werden. Nach- trägliche Annahmen und spekulative Überlegungen, so bei spielsweise eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit, reichen nicht aus. Von einer echtzeitlichen ärztlichen Bestätigung kann insbesondere dann abgesehen werden, wenn andere Umstände – zum Beispiel eine prozentmässige zeitliche Ei nschränkung der Leistungsfähigkeit, ein Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder gehäufte aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle – den Schluss nahelegen, dass objektiv betrachtet gesundheitliche Gründe für eine arbeitsrechtlich in Erschei- nung getretene (sinnfällige) Leistungseinbusse zu bejahen sind (Urteile des Bundesgerichts vom 25. Januar 2019, 9C_333/2018, E. 6.2.1, und vom 6. M ai 2019, 9C_765/2018, E. 3.3.2). In die- sem Zusammenhang ist gemäss bundesgerichtlicher Praxis eine zuverlässige Einschätzung des zeitlichen Zusammenhangs nur möglich, wenn die Entwicklung gesamthaft betrachtet wird, wobei die Frage, ob eine nachhaltige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit möglich war, auch im Lichte von Erkenntnissen zu beurteilen ist, die erst später gewonnen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_100/2018, E. 4.2.2). 2.4 Praxisgemäss sind die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvor- sorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsun- fähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, wenn die Vor- sorgeeinrichtung rechtzeitig ins invalidenversicherungsr echtliche Verfahren einbezogen und ihr die IV-Rentenverfügung eröffnet wurde und die IV-re chtliche Beurteilung des Sachverhalts auf- grund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 9C_246/2016, E. 5.2). 3.1 Schliesslich ist auf folgende verfahrensrechtliche Gr undsätze hinzuweisen: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gülti gen Grundsatz der freien Beweis- würdigung – wie alle anderen Beweismittel – frei, d. h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungs- gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und da- nach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strei- tigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizi- nischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbericht es ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BG E 125 V 351 E. 3a). 3.3 Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz ha- ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu sorgen (Art. 73 Abs. 2 BVG; BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a). Dabei schliesst der Untersuchungs- grundsatz die Beweislast im Sinne einer Beweisführungsp flicht begriffsnotwendig aus. Die Par- teien tragen in der Regel eine Beweislast nur insofern , als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Demzufolge liegt die Beweislast bei anspruchsbegründenden Tatfragen bei jener Partei, die den Anspruch geltend macht (Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2018, 9C_523/2018, E. 1.2). Diese Beweisregel kommt allerdings erst dann zur Anwendung, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgru ndsatzes aufgrund einer Beweis- würdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zuminde st die überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). 4.1 In der Klagebegründung wird zusammenfassend ausgef ührt, dass die Klägerin seit spä- testens 1. Januar 2006 zu 100 % arbeitsunfähig sei. Es sei ihr deshalb mit Verfügung vom 9. April 2018 von der IV-Stelle eine ganze Invalidenrente ab 1. August 2007 zugesprochen worden. Zum Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit sei sie bei der B.____ AG angestellt und bei der Beklagten 1 für die berufliche Vorsorge berufsvorsorgeve rsichert gewesen. Sie habe daher ge- genüber der Beklagten 1 Anspruch auf eine 100 %-ige Invalidenrente gemäss den gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen. Sollte das Kantons gericht wider Erwarten zum Schluss kommen, dass die Klägerin erst nach der Kündigung durch die B.____ AG arbeitsunfähig gewor- den sei, so sei die Beklagte 2 für leistungspflichtig zu erklären. Der sachliche Zusammenhang sei gegeben. Die Akten würden belegen, dass die Klägerin seit ihrer Geburt und Kindheit an diversen gesundheitlichen Beeinträchtigungen leide, die letztlich zur Arbeitsunfähigkeit und zur Invalidität geführt hätten. In Bezug auf den zeitlichen Zusammenhang sei nachgewiesen, dass der B.____ AG der Leistungsabfall der Klägerin aufgefallen sei. Dies habe am 20. April 2005 zu einem Ge- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht spräch zwischen der Vorgesetzten und der Klägerin geführt, wobei verschiedene Dinge bemän- gelt worden seien, die auf die krankheitsbedingte Übe rforderungssituation der Klägerin zurück- zuführen seien. Es sei der Klägerin in der Folge nicht g elungen, ihre Leistungen zu verbessern, weshalb am 20. Dezember 2005 ein weiteres Gespräch stattgefunden habe, bei dem der Klägerin die Kündigung mitgeteilt worden sei. Die Arbeitgeber in begründe die Kündigung mit dem Um- stand, dass die Klägerin die Verkaufsstelle nicht richtig habe führen können. Grund für die Kün- digung sei deshalb die ernsthafte Behinderung der Klägerin gewesen und die schlechte Arbeits- leistung sei ein Resultat der Erkrankung gewesen. Der Le istungsabfall sei während der Anstel- lung bei der B.____ AG im Verlauf des Jahres 2005 eindeutig in Erscheinung getreten. Aufgrund der von den medizinischen Sachverständigen beschriebenen gesundheitlichen Probleme habe sie lediglich einfache Aufgaben erfüllen können. Die Arbeit am Kiosk sei nur deshalb länger mög- lich gewesen, weil die Klägerin nicht in einem Team h abe arbeiten müssen und einen Grossteil ihrer Arbeitszeit alleine in der Verkaufsstelle verbracht habe. Es sei ihr deshalb gelungen, ihre Überforderung länger als bei anderen Arbeitsstellen z u verbergen. Sie habe aber bereits 2004/2005 an Erschöpfungszuständen gelitten, die sie habe behandeln lassen. Sie sei ihren Auf- gaben aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen nich t mehr gewachsen gewesen und habe sie nicht mehr kompensieren können. Es sei daher nicht erstaunlich, dass sie die geforder- ten wirtschaftlichen Resultate nicht habe erbringen können. Da sie krankheitsbedingt keine Ein- sicht in ihre Behinderung gehabt habe, sei sie fälschliche rweise von einer 100 %-igen Vermitt- lungsfähigkeit ausgegangen und habe sich bei der Arbe itslosenversicherung zur Arbeitsvermitt- lung angemeldet. Dort habe sie aber nur Zwischenverdie nste von kurzer Dauer gehabt. Diese kurzen Arbeitseinsätze könnten lediglich als Arbeitsversuche gewertet werden. Somit würden der Bezug von Arbeitslosentaggeldern und die kurzen Arbeits einsätze retrospektiv keine Wiederer- langung der Arbeitsfähigkeit belegen. Es sei zu kein er Unterbrechung des zeitlichen Konnexes gekommen. Auch das IV-Verfahren habe bestätigt, dass ei ne dauerhafte Wiedereingliederung der Klägerin nicht möglich gewesen sei. Den Eventualant rag betreffend führt sie aus, dass die medizinischen Unterlagen alternativ festhalten würden, dass es allenfalls nach der Kündigung bei der B.____ AG zu einer Verschlechterung der neurokognit iven Leistungen gekommen sei, was erklären könne, dass die Klägerin seit 2006 keine Anstellung mehr im ersten Arbeitsmarkt gefun- den habe. Jedenfalls sei die Klägerin seit mindestens 2008 nicht mehr arbeitsfähig. Dieser Zeit- punkt falle in den Zeitraum, als sie bei der Beklagten 2 versichert gewesen sei, weshalb diese eventualiter zu verpflichten sei, ihr rückwirkend per 1 . August 2007 eine ganze Invalidenrente auszurichten. 4.2 Die Beklagte 2 verweist in der Klageantwort grundsä tzlich auf die in der Klage gemach- ten Ausführungen und vertritt ebenfalls den Standpunkt, dass die relevante Arbeitsunfähigkeit der Klägerin spätestens im Januar 2006 eingetreten sei. Si e sei somit nicht für die Ausrichtung der Invalidenleistungen zuständig. Es gebe keine Anhaltspu nkte dafür, dass die Feststellungen der IV-Stelle offensichtlich unrichtig seien, weshalb die Er öffnung des Wartejahres im Januar 2006 für die Beklagte 1 verbindlich sei. Der sachliche Konne x sei gegeben und der zeitliche Konnex sei nach dem Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit im Januar 2006 nicht mehr unterbrochen worden. Bei einer Gesundheitsschädigung, die sich als ein seit langem gegebener Grundzustand darstelle, der sich je nach beruflicher Anforderung mehr oder minder leistungseinschränkend aus- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewirkt habe, bevor er, ohne sich selber erheblich verändert zu haben, leistungswirksam gewor- den sei, sei es unwahrscheinlich, dass dies in einer Phas e der Arbeitslosigkeit geschehen sei, also in diesem Zeitraum die invalidisierende Arbeitsunfähigkeit eingesetzt habe. Vielmehr sei da- von auszugehen, dass sich eine derartige latente Arbeitsunfähigkeit erst manifestiere, wenn die funktionelle Beeinträchtigung durch die Belastungen d er Erwerbstätigkeit gleichsam herausge- fordert werde. In Bezug auf den Eventualantrag sei festzuhalten, dass der effektive Taggeldan- spruch aufgrund der nachträglich zugesprochenen Invalidenrente bloss bis 31. Juli 2007 und nicht bis 3. April 2008, wie von der Klägerin behauptet, bestanden habe. Der Anspruch und der Bezug von Arbeitslosentaggeldern habe am 31. Juli 2007 geendet. Daher sei die Klägerin im Jahr 2008 nicht mehr bei der Beklagten 2 berufsvorsorgeversichert gewesen. Sie sei für die Leistungsaus- richtung nicht zuständig. Schliesslich sei festzuhalten, da ss erstmals am 12. Oktober 2018 ein Gesuch um Verjährungsverzicht bei der Beklagten 2 gestellt worden sei, weshalb allfällige Leis- tungen vor diesem Zeitpunkt ohnehin verjährt wären. 4.3 Die Beklagte 1 stellt sich demgegenüber auf den St andpunkt, dass die Klägerin vor Be- ginn der Tätigkeit bei der B.____ AG einen erheblichen Vorzustand gehabt haben müsse. Es sei aktenmässig nicht erstellt, seit wann die Klägerin in i hrer Arbeitsfähigkeit gesundheitlich beein- trächtigt sei. Ein Geburtsgebrechen sei nicht erstellt, allerdings sei nachweisbar, dass die Kläge- rin im Berufsleben vor dem Eintritt in die B.____ AG Mühe gehabt habe und dann bei der Beklag- ten 1 immer nur teilzeitlich versichert gewesen sei. Gest ützt auf die Aussagen der Klägerin und die medizinischen Akten sei belegt, dass die Klägerin in die berufliche Vorsorge der Beklagten 1 mit einer bereits vorbestehenden Arbeitsunfähigkeit von über 20 % eingetreten sei. Diese sei nicht weiter aufgefallen, da sie teilzeitlich gearbeitet habe. In Bezug auf den Beginn der Arbeits- unfähigkeit führt die Beklagte 1 aus, dass es keinen einzi gen Beleg in den Akten gebe, wonach die Klägerin während der versicherten Zeit in ihrer Leistung abgefallen wäre, insbesondere gebe es keine echtzeitlichen Belege einer Arbeitsunfähigkeit. Es würden einzig rückwirkende Beurtei- lungen vorliegen, die praktisch ausnahmslos von einem vermuteten Beginn der Arbeitsunfähigkeit zwischen März 2007 bis 2008 ausgehen würden. Im Kündigungsschreiben und im Arbeitszeugnis sei nichts zu entdecken, was als klares Indiz einer bereits bestehenden gesundheitlichen Beein- trächtigung gewertet werden könne. 4.4 Die Klägerin bestreitet in der Replik, dass vor und im Zeitpunkt des Beginns des Arbeits- verhältnisses bei der B.____ AG eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Sie habe ab 2002 bis zur Kündigung zu 100 % gearbeitet und einen Monatslohn von Fr. 3'900.-- bezogen, der bis Ende des Anstellungsverhältnisses auf Fr. 4'030.-- erhöht worden sei. Sie bestreite, im Herbst 2005 ein Zwischenzeugnis verlangt oder erhalten zu haben und dass dieses gut ausgefallen sei. Selbst wenn dem so wäre, könne die Beklagte 1 nichts zu ihren Gunsten ableiten, da die Mitarbeiterbe- urteilung vom 20. April 2005 schlecht ausgefallen sei. Die bemängelten Punkte hätten sich sowohl auf persönliche Eigenschaften als auch auf das Sozialver halten bezogen. Von rein wirtschaftli- chen Gründen, die zur Kündigung geführt hätten, könne nicht gesprochen werden. Die Ursache für die Nichterzielung der wirtschaftlichen Resultate ha be in den krankheitsbedingten Defiziten gelegen, die in der Mitarbeiterbeurteilung bemängelt worden seien. Dies sei vom asim-Gutachten letztlich bestätigt worden. Es sei realitätsfremd anzunehmen, dass das Arbeitszeugnis Bezug auf eine Krankheit oder eine Leistungseinbusse hätte nehmen müssen. Die mangelnde Leistung, die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht krankheitsbedingt gewesen sei, sei der Grund für die K ündigung gewesen. Aus dem Umstand, dass sich die Klägerin bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet und sich selber offenbar als vermittlungsfähig erachtet habe, lasse sich nicht ablei ten, dass die Klägerin tatsächlich vermitt- lungsfähig gewesen sei. Sie sei genau das Gegenteil gewesen. Dies würden schon die verschie- denen Arbeitseinsätze zeigen, die alle wieder nach kürzester Zeit von Arbeitgeberseite abgebro- chen worden seien und deshalb nur als Arbeitsversuche gewertet werden könnten. Zu Recht sei RAD-Ärztin Dr. med. E.____, FMH Arbeitsmedizin und FMH Allgemeinmedizin, bereits am 20. April 2011 von einer 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten der freien Wirtschaft aus- gegangen, und dies seit mindestens 2006 (iv-act. 82). Mit Nachdruck werde bestritten, dass die Akzentuierung der Persönlichkeitsstörung und somit der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit erst nach der Kündigung erfolgt seien. Aus dem Urteil des Sozial versicherungsgerichts C.____ könne die Beklagte 1 nichts zu ihren Gunsten ableiten. Das Gericht sei zum Schluss gekommen, dass ge- stützt auf die aktuelle Aktenlage kein Entscheid gefällt werden könne. Die Klägerin sei überzeugt, dass aus dem asim-Gutachten ganz klar hervorgehe, dass die leistungsauslösende Arbeitsunfä- higkeit während der Anstellung bei B.____ AG eingetreten sei und die gesundheitlichen Defizite letztendlich zur Kündigung geführt hätten. Bezüglich der Klageantwort der Beklagten 2 bestreitet die Klägerin den Eintritt der Verjährung in Bezug auf die eventualiter gegenüber der Beklagten 2 geltend gemachten Ansprüche. 4.5 Die Beklagten halten im Rahmen des zweiten Schrif tenwechsels an ihren wesentlichen Begründungen fest. 5.1 Strittig zwischen den Parteien ist zunächst, ob die Beklagte 1 eine Leistungspflicht trifft. 5.2.1 Dabei ist zu klären, ob die Beklagte 1, soweit e s um die Frage geht, in welchem Zeitpunkt die massgebliche Arbeitsunfähigkeit eintrat, an die Ei nschätzung der Invalidenversicherung ge- bunden ist. 5.2.2 Dem IV-Aktendossier ist zu entnehmen, dass der Beklag ten 1 die IV-Rentenverfügung vom 9. April 2018 nicht eröffnet wurde, obwohl sie da mals gegen den Vorbescheid Einwand er- hoben hatte. Die IV-Verfügung enthält einen Zustellu ngshinweis zuhanden der Arbeitslosen- kasse, der Gesundheitsorganisation X.____ und der Klägerin, nicht aber zuhanden der Beklagten 1. Der damalige Rechtsvertreter der Klägerin fragte am 10. Juli 2018 bei der IV-Stelle nach, ob eine Zustellung der Verfügung an die Beklagte 1 erfolgt sei. Mit Schreiben vom 13. Juli 2018 teilte er mit, dass sich die Angelegenheit in der Zwischenzeit e rledigt habe, weshalb sich dazu in den Akten der IV-Stelle keine Stellungnahme finden lässt. Die IV-Akten weisen ausserdem ein Akten- einsichtsgesuch der Beklagten 1 vom 6. Mai 2020 aus. 5.2.3 Aufgrund dieser Aktenlage ist davon auszugehen, d ass die IV-Rentenverfügung der Be- klagten 1 nicht zugestellt wurde. Damit hatte die Beklagte 1 keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen. Erst zwei Jahre später erlangte sie von der IV-Rentenverfügung Kenntnis. Mangels ursprünglicher Zustellung entfaltet die Verfügung vom 9. April 2018 somit gegenüber der Beklag- ten 1 keine Bindungswirkung. Im vorliegenden Verfahren kann somit in Bezug auf die Beklagte 1 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht frei und ohne Bindung an die Feststellungen der IV-Stelle überprüft werden, in welchem Zeitpunkt die relevante Arbeitsunfähigkeit eintrat, deren Ursache zur Invalidität führte. 5.3.1 Zunächst ist der sachliche Zusammenhang zu prüfen. Die Fachärzte des asim diagnos- tizieren nach psychiatrischen, internistischen, neurologischen, neuropsychologischen und otorhi- nolaryngologischen Untersuchungen im Gutachten vom 2. Mär z 2017 (iv-act. 210) aus interdis- ziplinärer Sicht mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltens störungen aufgrund einer Krankheitsschädi- gung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10 F07.8) - Kongenitale Fehlbildung des Gehirns im Rahmen einer Entwicklungsstörung mit Verdacht auf zusätzlichen peripartalen hypoxischen Hirnschaden mit/bei -- Symptomen einer ADHS im Kindesalter mit Persistenz im Erwachsenenalter --- bestehend seit Kindheit/Jugend -- hochgradiger Hypakusis beidseits mit Hörgeräteversorgung beidseits --- aktuell mit guter Kommunikationsfähigkeit --- seit Jahren ohne wesentliche Progredienz -- hochgradiger Visusminderung links (0,3) -- leichter Extremitäten-, Stand- und Gangataxie 2. Leichtgradige neuropsychologische Störung - am ehesten im Rahmen der Diagnose 1 Als Kioskleiterin und auch in allen anderen Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt attestiert das Gutachterteam der Klägerin eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit ab mindestens 2008. 5.3.2 Das asim-Gutachten vom 2. März 2017 genügt den An forderungen, die rechtspre- chungsgemäss an den Beweiswert eines Arztberichts zur Beurteilung von Leistungsansprüchen im Sozialversicherungsrecht gestellt werden (vgl. dazu Erw ägung 3.2 hiervor). Das Gutachter- team sichtete die vorhandenen Akten und listete sie im Gutachten auf, untersuchte die Klägerin persönlich und erhob in allen Bereichen eine vollständige Anamnese (Familie, Kindheit, Schule, Lehre und Beruf). Es berücksichtigte die von der Klägerin geltend gemachten Beschwerden und setzte sich mit den in den Akten vorhandenen medizinischen Einschätzungen auseinander. Seine Beurteilung erweist sich sodann bezüglich der Diagnosen als differenziert und begründet. Die Gutachter führen auf S. 14 f. aus, dass die psychiatrische Diagnose insbesondere deutliche Ein- schränkungen der psychischen Stabilität, des Selbstvertrauens, der emotionalen Funktionen und höheren kognitiven Funktionen sowie der Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibi- lität und Umstellungsfähigkeit sowie insbesondere auch der Offenheit gegenüber neuen Erfah- rungen hervorrufe. Die Kontaktfähigkeit zu anderen Pe rsonen müsse als mittelgradig einge- schränkt eingestuft werden. Die Probleme im zwischenmenschl ichen Bereich könnten bei der Versicherten als vorherrschendes tiefgreifendes und langandauerndes Merkmal verfolgt werden, wenn berücksichtigt werde, dass die 15 bisherigen Stellen immer wieder von Seiten des Arbeit- gebers gekündigt worden seien, teilweise noch in der Probezeit, und weil es zu Auseinanderset- zungen mit den Arbeitgebern gekommen sei. In der letz ten Position als Geschäftsführerin in ei- nem Kiosk sei die Versicherte überfordert gewesen, sie kön ne den Anforderungen hinsichtlich Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitstakt und Flexibilität nicht genügen. Sie sei aus neuropsychologischer Sicht für den ersten Arbeitsmarkt nicht einsetzbar. Dies aufgrund der beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten sowie der testpsychologisch objektivierten Defizite. Man vermute, dass der Versicherten bei einem er- neuten Versuch an einer Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt sicher bald wieder gekündigt werde, zumal sie sich trotz Medikation mit dem Arbeitgeber in der Vergangenheit immer wieder überwor- fen habe und dies auch wieder eintreten werde. 5.3.3 Gestützt auf diese nachvollziehbaren Ausführungen ist ohne Zweifel erstellt, dass der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit führte, im Wesentlichen auch der Erwerbsunfä- higkeit zugrunde liegt, womit der sachliche Zusammenhang gegeben ist. 5.4.1 Zu prüfen bleibt der zeitliche Konnex. Die Beklag te 1 wendet ein, dass die Klägerin mit einer bereits vorbestehenden Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20 % in ihre Vorsorgeeinrichtung eingetreten sei. Dies sei nicht weiter aufgefallen, weil sie teilzeitlich gearbeitet habe. Somit habe die Klägerin eine Verschlechterung eines nicht versicher ten Vorzustands erlitten, weshalb die Beklagte 1 keine Leistungspflicht treffe. Vor allem ab er sei keine Leistungspflicht gegeben, weil die Arbeitsunfähigkeit, die zur Invalidität geführt hab e, sich so oder so erst nach der Versiche- rungszeit bei der Beklagten 1 manifestiert habe. Aus d iesem Grund könne offenbleiben, ob es sich um eine weitere Verschlechterung handle oder ob die Arbeitsunfähigkeit neu aufgetreten sei. 5.4.2 Gestützt auf das asim-Gutachten ist davon auszuge hen, dass die gesundheitlichen Probleme im Ansatz bereits seit der Geburt der Klägerin bestehen. Folglich ist durchaus möglich, dass die Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen in weniger ausgeprägter Form schon vor Be- ginn des Arbeitsverhältnisses mit der B.____ AG bestanden, denn die Gutachter halten fest, dass diese gesundheitlichen Beschwerden auch dafür verantwortlich gewesen seien, dass die Klägerin Probleme bei der Ausbildung und bei den vielen früher en Arbeitsstellen (15 Arbeitsstellen zwi- schen 1979 und 2008) gehabt habe. Die Klägerin litt s omit schon immer unter gewissen Ein- schränkungen durch ihren psychischen und physischen Gesundheitszu stand. Weiter ist festzu- stellen, dass die Klägerin bei der B.____ AG ab 1. Januar 2002 bis zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses per 31. März 2006 einen Arbeitsvertrag für ein vollzeitliches Pensum innehatte. Soweit die Beklagte 1 ausführt, die Klägerin habe nur teilzeitlich gearbeitet, kann ihr nicht gefolgt werden. Immerhin ist klar ausgewiesen, dass die Klägerin während der 100 %-igen Anstellung ab 1. Ja- nuar 2002 zumindest anfänglich und sicher während einer Dauer von weit über drei Monaten eine Leistung erbrachte, die als nicht wesentlich eingeschrän kt zu beurteilen ist. Denn hätte es sich anders verhalten, so hätte die Klägerin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Voll- zeitstelle nicht während vier Jahren behalten können. Damit steht fest, dass der Vorzustand nicht ins Gewicht fällt, weil der zeitliche Zusammenhang in Bezug auf eine allenfalls schon vorher ma- nifeste Leistungseinschränkung durch die mehrjährige Vollzeittätigkeit der Klägerin als Kioskan- gestellte zweifellos unterbrochen wurde. 5.4.3 Zu prüfen ist weiter, ob während der Versicherun gsdeckung bei der Beklagten 1 auf- grund einer Gesamtschau und Würdigung aller vorliege nden Einzelfallaspekte davon auszuge- hen ist, dass eine erhebliche Veränderung im Sinne einer Akzentuierung der Persönlichkeitszüge und damit einhergehend eine massgebende Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit stattfand. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5.1 Es steht fest, dass es keine echtzeitlichen medizinischen Beurteilungen gibt, die über den Eintritt der Arbeitsfähigkeit Auskunft erteilen, weshalb gestützt auf die übrigen Aktenstücke im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu prüfen ist, ob sich die Arbeitsunfähigkeit bereits bei der B.____ AG zeigte. 5.5.2 Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FM H, und Dr. med. G.____, Innere Medizin FMH, spez. Rheumaerkrankungen, diagnostizieren in ihrem psychiatrisch-rheumatologi- schen Gutachten vom 7. August 2009 (iv-act. 37) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine nicht näher bezeichnete hyperkinetische Störung (ICD-10 : F90.9), bestehend seit Kindheit, und eine Akzentuierung der abhängigen Persönlichkeitszüge (IC D-10: Z73.1), bestehend seit ca. 2006 nach dem Verlust der Arbeitsstelle. Dr. F.____ hält fest, dass die Versicherte als Kassiererin zu 50 % arbeitsfähig sei, wobei die zeitliche Präsenz vo m Arbeitsplatz abhängig sei. Falls sie unter Stress arbeiten müsse, wäre eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit bei mindestens sechsstündiger Arbeitspräsenz sinnvoll. In Bezug auf die Frage nach dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit führt Dr. F.____ aus, dass es kaum möglich sei, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten rückwirkend zu re- konstruieren. Seit März 2007 stehe sie in regelmässiger psychiatrischer Behandlung und mindes- tens seit diesem Zeitpunkt bestehe eine 50 %-ige Arbeit sunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Der Explorandin seien Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die Konzentration, sehr ho- hen Anforderungen an die Flexibilität, Arbeiten in einem grossen Team und die Nachtarbeit nicht zu empfehlen. Dem asim-Gutachten ist zum Beginn der Leistungseinbusse zu entnehmen, dass eine Arbeitsunfähigkeit seit mindestens 2008 bestehe. Gemeint ist die im Begutachtungszeitpunkt aktuelle Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Damit ist alle rdings nichts ausgesagt über eine frühere, allenfalls nur teilzeitliche Arbeitsunfähigkeit bzw. Lei stungseinbusse. In der Gesamtbeurteilung stellt das Gutachterteam fest, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kioskleiterin bzw. Verkäu- ferin 2006 gekündigt worden sei und es der Versicherte n nachher nicht mehr gelungen sei, im ersten Arbeitsmarkt eine Stelle zu bekleiden, die länge r als die Probezeit gedauert habe. Dem- nach sei die Versicherte in der bisherigen Tätigkeit seit 2008 nicht mehr arbeitsfähig, weil sie dort nachvollziehbarer Weise überfordert gewesen sei und e s eher verwunderlich sei, dass sie dort nicht schon früher die Stelle verloren habe. Diese Schl ussfolgerungen im asim-Gutachten sind insofern widersprüchlich, als seit der Kündigung der Arbeitsstelle 2006 eine bleibende Arbeitsun- fähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt attestiert wird, gleichzeitig dann aber eine Arbeitsunfähig- keit ab mindestens 2008 im Konsensteil angegeben wird. Da die Gutachter aber klar davon aus- gehen, dass ab Kündigung des Arbeitsverhältnisses als Kioskmitarbeiterin keine verwertbare Ar- beitsfähigkeit mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt bestand, muss die Kündigung des Arbeitsver- hältnisses bei der B.____ AG, allenfalls auch schon der Z eitpunkt der ausgesprochenen Mah- nung, als massgebender Zeitpunkt des Eintritts der releva nten Arbeitsunfähigkeit gelten. Diese Auffassung wird im neurologischen Teilgutachten insof ern bestätigt, als dort retrospektiv seit 2006 in einer angepassten Tätigkeit in geschütztem Rahm en von einer Arbeitsfähigkeit bis zu 70 % ausgegangen wird und eine Tätigkeit auf dem fre ien Arbeitsmarkt als nicht mehr möglich eingestuft wird. Die IV-Stelle ihrerseits sprach eine ganze Invalidenrente bereits ab 1. August 2007 zu, obwohl im asim-Gutachten eine Arbeitsunfähigkeit seit 2008 angegeben wird. Dies weist darauf hin, dass auch die IV-Stelle von einer fehlenden verwertbaren Arbeitsfähigkeit vor dem 1. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht August 2007 bzw., wie sie in der Verfügung vom 9. April 2018 schrieb, ab Beginn der Wartezeit im Januar 2006 ausging (vgl. dazu auch Dr. E.____ in der Stellungnahme vom 20. April 2011). 5.5.3 Soweit die Klägerin angibt, dass die Tätigkeit im Kiosk wahrscheinlich nur darum länger möglich gewesen sei, weil sie nicht im Team habe arbeiten müssen und einen grossen Teil ihrer Arbeitszeit alleine auf der Verkaufsstelle verbracht habe, trifft dies wahrscheinlich zu und stimmt auch mit den Angaben im asim-Gutachten überein. Gemäss neuropsychologischem Teilgutach- ten ist es der Klägerin dank hohem Integrationswillen und hoher Leistungsbereitschaft unter letzt- lich überfordernden Bedingungen gelungen, bis 2006 im Erwerbsleben tätig zu bleiben. Die dabei ausgeübte Tätigkeit als Kioskverkäuferin sei ideal angepasst gewesen. Die extravertierte, etwas skurrile Persönlichkeit sei in diesem Rahmen gerade noch mit diesem Arbeitsplatz im ersten Ar- beitsmarkt kompatibel gewesen, habe aber im Jahr 2006 zur Kündigung geführt. 5.5.4 Die Klägerin behauptet, dass ihre Leistungen in der Mitarbeiterbeurteilung vom 20. April 2005 als schlecht bewertet worden seien. Aus dem Formular zum Mitarbeiter-Gespräch vom 20. April 2005 (Klagebeilage 4) geht zwar das Gegenteil hervor, indem die Leistungen insgesamt als gut eingestuft werden. Trotzdem werden einige Kritikpunkte erwähnt. Als unter den Erwartungen liegend bewertet werden die persönlichen Eigenschaften, wie zum Beispiel sich zu helfen wissen bei alltäglichen Problemen, und auch das Sozialverhalte n, insbesondere das Team- und Füh- rungsverhalten. Aus dem Kündigungsschreiben vom 29. De zember 2005 geht nicht hervor, aus welchen Gründen die Auflösung des Arbeitsverhältnisses dur ch die B.____ AG erfolgte (Klage- beilage 5). Die B.____ AG teilte der Arbeitslosenkasse am 12. September 2008 im Zusammen- hang mit der Abklärung der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit jedoch mit, dass sie die Klägerin am 30. November 2005 mündlich bzw. mit schriftlicher Ziel vereinbarung verwarnt habe. Es sei der Klägerin nicht gelungen, die für die Arbeitgeberin notwendigen wirtschaftlichen Resultate an der geführten Verkaufsstelle zu erreichen. Die Entlassung sei ausschliesslich auf das Selbstver- schulden der Klägerin zurückzuführen. Sie habe der Klägerin keinen neuen Arbeitsvertrag ange- boten, weil sie keine passende Einsatzmöglichkeit für sie gehabt habe. Diese Ausführungen der B.____ AG zeigen, dass die ehemalige Arbeitgeberin mit den Leistungen der Klägerin nicht mehr zufrieden war und den Arbeitsvertrag – nach entsprechender Mahnung – aus diesem Grund auf- löste. Dass die ehemalige Arbeitgeberin die mangelhaft e Leistung nicht auf gesundheitliche Gründe zurückführte, ist für das vorliegende Klageverfa hren nicht ausschlaggebend. Massge- bend ist, dass die B.____ AG am 12. September 2008 a ngab, dass die Entlassung der Klägerin ausschliesslich auf ein Selbstverschulden zurückzuführen und nach vorgängiger Mahnung erfolgt sei, weil keine passende Einsatzmöglichkeit zur Verfügung gestanden habe, was im Klartext heisst, dass die ehemalige Arbeitgeberin weder eine Einsatzmöglichkeit als Kioskleiterin noch als Mitarbeiterin ohne Führungsfunktion sah. Dies bedeutet mit anderen Worten, dass die erhebliche Leistungseinbusse bereits während des Arbeitsverhältnisses bei der B.____ AG auftrat und auch Anlass für die B.____ AG war, das Arbeitsverhältnis durch Kündigung aufzulösen. Damit ist, im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die Einbusse an funktionellem Leistungsvermö- gen arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten, indem die Leistungen für eine Fortführung des Ar- beitsverhältnisses nicht mehr genügten und sich auch nach Ermahnung durch die Arbeitgeberin nicht mehr verbesserten. Es liegen zwar keine echtzeitlichen ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbe- scheinigungen bei den Akten. Dies lässt sich mit der fehl enden Krankheitseinsicht der Klägerin Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht erklären, weshalb aus dem Umstand, dass sie in dieser Zeit keine nachweisliche psychiatrische Hilfe in Anspruch nahm, nichts zu ihren Ungunsten abgeleitet werden kann. 5.5.5 Da bei der Beurteilung der Frage, wann die re levante Leistungseinbusse bzw. Arbeits- unfähigkeit eintrat, eine gesamthafte Betrachtungsweise notwendig ist, sind die beruflichen Er- fahrungen seit der Kündigung per Ende März 2006 ebenf alls zu berücksichtigen. Es steht fest, dass die Klägerin ihre Leistungsfähigkeit während ihr er Arbeitslosigkeit, unmittelbar anschlies- send an die Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch die B.____ AG, nicht hatte unter Beweis stellen müssen. Unbestritten ist auch, dass sie sich in den späteren Anstellungen nicht hatte be- haupten können und alle innerhalb der Probezeit auf gelöst wurden. Eine verwertbare Arbeitsfä- higkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt lag deshalb nicht vor. In Anbetracht des Umstands, dass die Klägerin selbst ihre Vermittelbarkeit aufgrund krankh eitsbedingter Umstände nicht in Frage stellte, ist nachvollziehbar, dass die Arbeitslosenkasse die fehlende Vermittlungsfähigkeit nicht feststellen konnte. Daraus kann die Beklagte 1 aber nichts zu ihren Gunsten ableiten. 5.6 In einer Gesamtsicht ist deshalb zu folgern, dass die K lägerin ihre Arbeit bei der B.____ AG dank Arbeitsumständen, die ihrer Persönlichkeitsprob lematik bis zu einem gewissen Punkt gut Rechnung trugen, über mehrere Jahre in einem Vo llzeitpensum ausüben konnte, bis eine Akzentuierung eintrat, die zu einer massgebenden Leistungseinbusse führte, sodass die Arbeit- geberin das Arbeitsverhältnis nicht mehr weiterführen konnte. Die latente Arbeitsunfähigkeit der Klägerin manifestierte sich erst, als ihre funktionellen Beeinträchtigungen durch die (gesteigerten) Anforderungen und Belastungen der Erwerbstätigkeit der Klägerin als Kioskleiterin von ihr nicht mehr kompensiert werden konnten. Diese Leistungseinbusse, die als erheblich im berufsvorsor- gerechtlichen Sinn zu qualifizieren ist, trat folglich w ährend des Arbeitsverhältnisses bei der B.____ AG ein. Im weiteren Verlauf ist keine Wiederh erstellung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen von über 80 % feststellbar. Die im Rahmen der Arbeitsl osigkeit getätigten Arbeitsbemühungen sind rückblickend lediglich als Arbeitsversuche zu werten. 6. Damit ist zum Schluss zu gelangen, dass die Klägerin geg enüber der Beklagten 1 aus der beruflichen Vorsorge ein Anspruch auf die reglementarischen Leistungen hat. Das Vorsorge- reglement der Beklagten 1 sieht in Art. 13 Abs. 4 vor, dass die Invalidenrente ab Rentenbeginn der IV ausbezahlt wird, frühestens jedoch nach Beend igung des Lohnanspruches oder des Er- satzeinkommens. Der Klägerin wurde von der IV mit Verfü gung vom 9. April 2018 ab 1. August 2007 eine ganze Invalidenrente basierend auf einem I nvaliditätsgrad von 100 % zugesprochen. Die in dieser Zeit von der Arbeitslosenkasse ausgerichte te Arbeitslosenentschädigung verrech- nete diese rückwirkend mit den Rentenleistungen. Die Bekl agte 1 ist deshalb verpflichtet, der Klägerin ab 1. August 2007 eine Invalidenrente aufgr und eines Invaliditätsgrads von 100 % ge- mäss den gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen auszurichten. 7. Die Klägerin beantragt im Weiteren, es sei ihr a uf den Invalidenleistungen ein Verzugs- zins von 5 % spätestens ab dem Zeitpunkt der Klageeinleitung zu bezahlen. Die Beklagte 1 stellt sich auf den Standpunkt, dass für den Fall, sie müsse Rentenleistungen ausrichten, Art. 20 Abs. 3 des Reglements von 2005 einen Verzugszins erwähne und auf Anhang 2 verweise. Nach die- sem betrage der Verzugszins 3,5 %. Ebenso sehe dies das Reglement 2007 vor. Soweit ein Ver- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht zugszins geschuldet sei, sei dieser folglich höchstens auf 3,5 % zu bemessen. Rechtsprechungs- gemäss gelangt bei Rentenleistungen Art. 105 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergän- zung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil : Obligationenrecht) vom 30. März 1911 zur Anwendung, wonach Verzugszinsen erst vom Tage der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an zu bezahlen sind. Sofern da s Reglement keine andere Regelung kennt, ist auf die geschuldete Invalidenrente ein Verzug szins von 5 % zu bezahlen (BGE 119 V 131). Anhang 2 zum Vorsorgereglement 2007 sieht – wie von der Beklagten 1 dargelegt – einen Verzugszinssatz von 3,5 % vor. Demgemäss sind die Rentenleistungen ab 19. Mai 2021 mit 3,5 % zu verzinsen. 8. Damit ist die Klage in diesem Sinne gutzuheissen, al s die Beklagte 1 verpflichtet wird, der Klägerin mit Wirkung ab 1. August 2007 aufgrund e ines Invaliditätsgrads von 100 % eine Invalidenrente gemäss den gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen zuzüglich 3,5 % Zins ab 19. Mai 2021 auszurichten. 9.1 Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG i.V.m. § 20 Abs. 2 VPO i st das Verfahren vor dem kantona- len Versicherungsgericht in der Regel kostenlos. Es sind deshalb keine Verfahrenskosten zu er- heben. 9.2 Die Klägerin ist mit ihrem Rechtsbegehren, mit Au snahme der Höhe des Verzugszinses, durchgedrungen. Damit ist ihr eine Parteientschädigung zu Lasten der Beklagten 1 zuzuspre- chen. Ihre Rechtsvertreterin hat mit Schreiben vom 22. Februar 2022 vier Honorarnoten einge- reicht. Daraus geht ein Aufwand von insgesamt 56 Stunden hervor, der sich im Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als zu hoch erweist, insbesondere was den Aufwand für die die Ausar- beitung der Klage mit ca. 26 Stunden betrifft. Dieser Aufwand ist deshalb um sieben Stunden zu kürzen, was ein Total von 49 Stunden ergibt, die mit d em im Sozialversicherungsrecht üblichen Stundenansatz von Fr. 250-- zu vergüten sind (vgl. 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte). Unter Berücksichtigung der geltend gemachten K leinspesenpauschale von 3 % und von 7,7 % Mehrwertsteuer ist der Klägerin eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 13'589.05 (49 Std. x Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 367 .-- und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beklagten 1 zuzusprechen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Klage wird die Beklagte 1 v erpflichtet, der Klägerin aus beruflicher Vorsorge die reglementarischen Leistunge n auszurich- ten und ihr ab 1. August 2007 eine Invalidenrente basi erend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % zuzüglich Zins von 3,5 % sei t 19. Mai 2021 auszurichten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beklagte 1 hat der Klägerin eine Parteientsch ädigung in der Höhe von Fr. 13'589.05 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezah- len. http://www.bl.ch/kantonsgericht