Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Oktober 2015 (715 15 185 / 274) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Arbeitslosenentschädigung; Verletzung des rechtlichen Gehörs bejaht; Aufhebung des Einspracheentscheids, weil die Arbeitslosenkasse zur Begründung der Einstellung nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG Tatsachen in Betracht gezogen hat, die für die Kündigung des Arbeitsverhältnisses nicht ursächlich waren Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Arbeitslosenkasse Syndicom , Looslistrasse 15, Postfach 382 , 3027 Bern, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____ arbeitete vom 11. September 2006 bis zum 30. November 2014 in einem unbe- fristeten Teilzeitarbeitsverhältnis bei der Pflegeorganisation Z.____ als Pflegehelferin SRK. Die- ses Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin u nter Wahrung der ordentlichen dreimonati- gen Kündigungsfrist am 28. August 2014 per 30. Nove mber 2014 aufgelöst. Am 18. November 2014 meldete sich die Versicherte beim RAV Y.____ z ur Arbeitsvermittlung an und erhob ab Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem 1. Dezember 2014 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Mit Verfügung vom 6. Januar 2015 stellte die Arbeitslosenkasse Syndicom (Arbeitslosenkasse) die Versicherte wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Dezember 2014 fü r die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Eine gegen diese Verfügung gerichtete Einsprache hiess die Ar- beitslosenkasse mit Entscheid vom 16. Februar 2015 teilwe ise gut und reduzierte die Einstell- dauer von 31 auf 18 Tage. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit E ingabe vom 15. März 2015 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons X.____. Darin beantragte sie, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es seien ihr Fr. 2‘327.40 (18 Tagessätze à Fr. 129.--) auszubezahlen zuzüglich Zins von 5 % seit dem 1. Januar 2015. Nach Einholung der Vernehmlassung (Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 22. April 2015) und Durch- führung eines Schriftenwechsels zur örtlichen Zuständigkei t des Sozialversicherungsgerichts des Kantons X.____ (Eingaben der Beschwerdegegnerin v om 4. Mai 2015 und vom 11. Mai 2015 sowie Eingabe der Beschwerdeführerin vom 17. Mai 2015) überwies dieses die Angele- genheit an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorisch e Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 AVIV das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versi cherte Person zur Zeit des Verfü- gungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 A bs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwerden gegen E inspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Die Beschwerdeführe rin erfüllt ihre Kontrollpflicht beim RAV Y.____. Örtlich und sachlich zuständig ist daher da s Kantonsgericht. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Umfang von 18 Tagen bei einem Taggeld von Fr. 129.30 und deshalb ein Streitwert von Fr. 2‘327.40 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerd eführerin infolge selbstverschul- deter Arbeitslosigkeit zu Recht für die Dauer von 18 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein- gestellt hat. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Sch adenminderungspflicht; BGE 114 V 285 E. 3, 111 V 239 E. 2a, 108 V 165 E. 2a). Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versiche- rung für Schäden, die die versicherte Person hätte verm eiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältn ismässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizeri- sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, Basel 2007, Rz. 822 ff.). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor , wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertra glicher Pflichten, der Arbeitgeberin An- lass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. a der Verord- nung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV] vom 31. August 1983). Die Einstellung in der Anspruchsb erechtigung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine fristlose Auflösung des Ar beitsverhältnisses aus wichtigen Grün- den nach Art. 337 beziehungsweise Art. 346 Abs. 2 des Sc hweizerischen Obligationenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht zwingend eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten innerhal b und ausserhalb des Betriebs be- rechtigten Anlass zur Kündigung gab (Urteil des Eidgenö ssischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Erf orderlich ist demnach lediglich ein von der Verwaltung beziehungsweise dem Gericht nachgewiesenes ver meidbares Fehlverhalten der versicherten Person (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zü- rich 1998, S. 108). Dabei müssen nicht zwingend Beansta ndungen in beruflicher Hinsicht vor- gelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass charakterli che Eigenschaften im weiteren Sin- ne, die die Arbeitnehmende für den Betrieb als untra gbar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (BGE 112 V 244 f. E. 1). Von selbstversch uldeter Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung ist folglich dann auszugehen, wenn und soweit der Eintritt der Arbeits- losigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sonde rn in einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten P erson liegt (ARV 1998 Nr. 9 S. 44 E. 2b mit Hinweisen; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bern und Stuttgart 1987, Bd. I, N 8 zu Art. 30). 3.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Inte rnationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (Über- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht einkommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft trat, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienst- ausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitseinstell ung ohne Unterbrechung des Beschäfti- gungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt we rden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheides im Einzelfall dienen zu können (vgl. BGE 122 V 54 ff.; BGE vom 17. Oktober 2000, C 53/00); er ist daher direkt anwen dbar. Aufgrund des grundsätzlichen Pri- mats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Ver halten der versicherten Person, das der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhä ltnisses gegeben hat, zu einer Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhal- ten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich er- folgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urteile des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b, und vom 8. August 2002, C 14/01, E. 1.2). Somit darf im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgen (JACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 76 f.; implizit auch BGE 124 V 236 E. 3b mit Hinweis auf BGE vom 17. Oktober 2000, C 53/00). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten erg ebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2 009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, S. 446 f., 489 f.; FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 4.2 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt wer den (BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/ 00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Ein derartiges Verhalten muss demnach als solches au ch bewiesen werden und nicht Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bloss mit dem ansonsten im Bereich des Sozialversicherungsre chts erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein (Urt eile des EVG vom 26. April 2006, C 11/06, E. 3, vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 u nd vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr. 72 S. 220 E. 3b/bb; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und der Arbeitnehmerin darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitnehmers geschlossen werden, wenn die Arbeitgeberin nur unbestimmte Gründe gelten d zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (Urteil des EVG vom 26. Apr il 2001, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4.3 Sowohl der Versicherte wie auch die Arbeitgeberi n sind gemäss Art. 96 Abs. 1 AVIG verpflichtet, alle erforderlichen Auskünfte zu erteilen und die zur Anspruchsbeurteilung notwen- digen Unterlagen vorzulegen. In diesem Zusammenhang i st der gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) vom 18. April 1999 bestehende Anspru ch der versicherten Person auf rechtliches Gehör zu berücksichtigen. Für das sozialversicheru ngsrechtliche Verfahren wurde dieser Anspruch in Art. 42 ATSG verankert. Das rechtli che Gehör dient einerseits der Sachauf- klärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift, dar. Dazu gehört insbesondere das Recht der betroffenen Person, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Ent- scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubrin gen, Einsicht in die Akten zu neh- men, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Be- weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370 E. 3). Der Anspruch auf rechtli- ches Gehör ist formeller Natur. Die Verletzung des Recht s auf Akteneinsichtnahme und Äusse- rung führt unabhängig davon, ob die fraglichen verfahrensrechtlichen Mängel einen Einfluss auf das Ergebnis haben, grundsätzlich zur Aufhebung des ange fochtenen Entscheids (BGE 126 V 132 E. 2b mit Hinweisen). 5. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zur Kündig ung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob ein vor- sätzliches Verhalten der Beschwerdeführerin, das zur Kündig ung geführt hat, in beweismässi- ger Hinsicht klar feststeht. 6.1 Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich vorliege nd wie folgt dar: 6.2 Der Kündigung der Arbeitgeberin vom 28. August 20 14 ist zu entnehmen, dass die ordentliche Kündigung „aufgrund diverser und gehäufte n Beschwerden“ erfolgt sei. Aufgrund der erschwerten Zusammenarbeit werde die Arbeitnehmeri n freigestellt. Auf die weitere Tätig- keit bei der Pflegeorganisation Z.____ werde per sofort verzichtet. 6.3 Im Zuge der Abklärungen ersuchte die Beschwerdegeg nerin die ehemalige Arbeitgebe- rin um Auskunft zum Kündigungsgrund. Mit Stellungnahme vom 16. Dezember 2014 hielt die Arbeitgeberin fest, dass diverse Kundenbeschwerden bet reffend Kommunikation und Umgang Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit den Kunden zur Kündigung geführt hätten. Dabei s eien arbeitsvertragliche Pflichten verletzt worden, indem die Sorgfaltspflicht gegenüber den Kun den nicht eingehalten worden sei. Die Arbeitnehmerin sei nicht verwarnt worden. Die Frage , ob die Entlassung auf ausschliessliches Selbstverschulden der Arbeitnehmerin zurückzuführen sei, bejahte die ehemalige Arbeitgeberin. Unterlagen, die die Kundenbeschwerden belegen, wurde n von der Arbeitgeberin nicht beige- legt. 6.4 Mit Schreiben vom 18. Dezember 2014 räumte die B eschwerdegegnerin der Be- schwerdeführerin die Möglichkeit ein, zum Kündigungsgr und und zur Auskunft der ehemaligen Arbeitgeberin Stellung zu nehmen. Mit Schreiben vom 27 . Dezember 2014 führte die Be- schwerdeführerin aus, dass die Kunden mit ihrer Arbeit s tets zufrieden gewesen seien, ansons- ten sie diese Tätigkeit nicht acht Jahre bei der gleichen Arbeitgeberin hätte ausüben können. Die Beschwerdeführerin bestritt zudem, je die Sorgfaltspflicht gegenüber den Kunden und damit arbeitsvertragliche Pflichten verletzt zu haben. Sie sei von Herrn B.____ bereits zwei Wochen nach dessen Dienstantritt verwarnt worden. Er habe ihr mündlich die Kündigung angedroht, falls sie nochmals eine Beanstandung am Dienstplan vorbringe. 6.5 Mit Verfügung vom 6. Januar 2015 hielt die Beschwe rdegegnerin fest, dass die Be- schwerdeführerin durch ihr Verhalten, insbesondere we gen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgeberin Anlass zur Kündigung des Ar beitsverhältnisses gegeben habe. Die Arbeitgeberin habe angegeben, dass es diverse Kundenbesc hwerden gegeben habe, was die Versicherte bestreite. Unter Hinweis auf die strenge Rech tsprechung bei der Frage der Unzu- mutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz und den Grun dsatz der Schadenminderungspflicht einer versicherten Person stellte sie die Beschwerdeführe rin für 31 Tage in der Anspruchsbe- rechtigung ein. 6.6 Mit Einsprache vom 17. Januar 2015 machte die Beschwer deführerin geltend, dass regelmässig Kontrollen und jährliche Qualifikationsgespr äche durchgeführt worden seien. Bis zur Kündigung im August 2014 sei sie kein einziges Mal schriftlich verwarnt worden. Sie habe nie gegen arbeitsvertragliche Pflichten verstossen. Kunden beschwerden seien immer wieder vorgekommen und würden alle Pflegehelferinnen betref fen. Bis zum Eintritt von Herrn B.____ als Geschäftsführer per 2. August 2014 seien die Beschwe rden immer umgehend mit der Ge- schäftsführerin besprochen worden. Seit dem 2. August 2 014 seien ihr keine Beschwerden be- kannt. Sie verstehe Dialekt und spreche ausreichend gut d eutsch. Sie habe immer die Sorg- faltspflicht gegenüber den Kunden walten lassen. In Be zug auf das Blutdruckmessen sei sie nicht geschult worden, da sie damals in den Ferien gewes en sei. Anschliessend habe sie fal- sche Werte notiert, weil sie nicht ordentlich unterwiesen worden sei. Es sei beabsichtigt worden, das nachzuholen. Aufgrund der Kündigung sei es nicht me hr dazu gekommen. Sie wolle aber einen Vorfall mit Herrn B.____ nicht unerwähnt lassen. Bei Arbeitsbeginn in der zweiten Au- gustwoche seien auf dem Arbeitsplan zwei zusätzliche Arbeit sstunden eingetragen gewesen. Sie habe sich mit der Teamleiterin in Verbindung gese tzt und um Auskunft gebeten, weshalb sie – wie früher – vorher nicht angefragt worden sei. Sie habe zusammen mit zwei anderen Mit- arbeitenden das Büro von Herrn B.____ putzen müssen, was nicht zu ihrem Pflichtenheft gehö- re. Am darauffolgenden Tag sei ihr von Herrn B.____ erklärt worden, dass er keinen Wider- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht spruch dulde. Bei Widerspruch würde er ihr umgehend kün digen. Es scheine ihr daher, als sei eine Vertrauensbasis von Seiten Herrn B.____ nicht gegeben gewesen. 6.7 In der Folge ersuchte die Beschwerdegegnerin die P flegeorganisation Z.____ dazu Stellung zu nehmen, dass die Arbeitnehmerin bestreite, arbeitsvertragliche Pflichten verletzt zu haben. Man solle Beispiele angeben und entsprechende Daten und mögliche Protokolle der Sorgfaltspflichtverletzungen der Versicherten einreichen . Mit Stellungnahme vom 20. Januar 2015 äusserte sich die Pflegeorganisation Z.____. Darin führte sie aus, dass sich verschiedene Kunden mehrmals über den ruppigen Umgang beschwert hät ten. Ebenfalls sei die Versicherte mehrmals des Diebstahls bezichtigt worden, was jedoch nich t habe bewiesen werden können. Es sei zu qualitativ schlechter Arbeit und kürzeren Einsät ze als geplant (und bezahlt) gekom- men und die Arbeitnehmerin habe eine mangelnde Empa thie gegenüber den Kunden gezeigt. Die Arbeitnehmerin sei mehrmals verwarnt worden und es seien schriftliche Massnahmen ver- einbart worden. Weiter bestätigte die ehemalige Arbe itgeberin, dass ein Telefongespräch statt- gefunden habe, bei welchem Herr B.____ gesagt habe, dass die Versicherte keine Arbeit mehr in der Pflegeorganisation Z.____ bekommen würde. 6.8 Im vorliegend strittigen Einspracheentscheid vom 16 . Februar 2015 wurde ausgeführt, dass die Spannungen zwischen der Versicherten und dem neue n Geschäftsführer Herrn B.____ gemäss den Unterlagen sofort eskaliert seien. Die Versicherte habe bestätigt, dass Herr B.____ ihr zwei Wochen nach seinem Dienstantritt (Anfan g August 2014) mündlich die Kündi- gung angedroht habe, falls sie nochmals eine Beanstandu ng am Dienstplan vorbringen würde. Eine Mitarbeiterin dürfe den Dienstplan, welche die zuständige Person abgefasst habe, nicht ändern. Hinzu komme, dass die Versicherte der Arbeitgebe rin ihre Unzufriedenheit mitgeteilt habe, weil sie bei Kunden und auch im Büro von Herrn B.____ habe putzen müssen. Im Stel- lenbeschrieb sei jedoch aufgeführt, dass hauswirtschaftli che Aufgabe übernommen werden müssten. Die Versicherte habe mit ihrem Benehmen die Sp annungen zwischen ihr und Herrn B.____ zum Eskalieren gebracht und somit die Kündigung provoziert. Hingegen seien die Kun- denbeschwerden betreffend die Kommunikation und den Um gang mit den Kunden von der Ar- beitgeberin nicht bewiesen bzw. konkret umschrieben worden. 7.1 Die Würdigung der Akten zeigt, dass die Beschwerd egegnerin die Beschwerdeführerin vor Erlass des Einspracheentscheids weder über das Schreiben der Pflegeorganisation Z.____ vom 20. Januar 2015 informierte noch vorgängig zu deren neuer Vorbringen anhörte. Indem die Beschwerdeführerin zu den schwerwiegenden Vorwürfen de r Arbeitgeberin nicht Stellung neh- men konnte, verletzte die Beschwerdegegnerin in schwerwi egender Weise den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör. Der angefocht ene Einspracheentscheid vom 16. Februar 2015 ist deshalb bereits aus diesem Grund aufzuheben. 7.2 Von einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin kann aber abgesehen werden, da der Einspracheentscheid auch aus materiellen Gründen a ufzuheben ist. Im Raum stehen zwei Verhaltensweisen, die der Beschwerdeführerin zur Last gelegt werden. Zum einen handelt es sich um die Sorgfaltspflichtverletzungen, die von der Ar beitgeberin angeführt werden. Zum an- deren vertritt die Beschwerdegegnerin die Auffassung, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhalten Spannungen zwischen ihr und dem neuen Geschäf tsführer ausgelöst und somit die Kündigung provoziert habe. 7.3 Die Vorwürfe, die von der ehemaligen Arbeitgeber in erhoben worden sind und die ge- mäss deren Angaben zur Kündigung geführt haben, haben auch auf Nachfrage hin nicht belegt werden können und sind von der Beschwerdeführerin von A nfang an bestritten worden. Wie in Erwägung 4.3 hiervor dargelegt, ist eine Einstellung i n der Anspruchsberechtigung jedoch nur möglich, wenn das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hin- sicht klar feststeht. Dies ist vorliegend nicht der Fall, weshalb eine Einstellung nicht rechtmässig wäre. Dieser Umstand wurde in der Zwischenzeit auch von der Beschwerdegegnerin anerkannt, denn im angefochtenen Einspracheentscheid hat sie dara uf hingewiesen, dass die Kundenbe- schwerden nicht als in genügender Weise erstellt gelten könnten. 7.4 Die Beschwerdegegnerin ist aber der Auffassung, dass eine Einstellung berechtigt ist, da die Beschwerdeführerin andere arbeitsvertragliche P flichten verletzt und durch ihr Verhalten die Kündigung provoziert habe. Die Beschwerdeführerin habe nicht respektiert, dass Dienstplä- ne nur von der zuständigen Person geändert werden dür fen. Zudem habe sie sich geweigert, das Büro des Vorgesetzten zu putzen. Diese beiden Umständ e wurden von der ehemaligen Arbeitgeberin mit keinem Wort als Kündigungsgrund erwähnt. Auch im Zusammenhang mit den Erkundigungen bei der Arbeitgeberin hat diese ledigl ich die Kundenbeschwerden als Pflichtver- letzungen erwähnt. Im Zusammenhang mit der Prüfung de r Frage, ob eine versicherte Person ihre Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG selbst verschuldet hat, dürfen jedoch nur Tatsachen in Betracht gezogen werden, die für die Kündigung ursächlich sind (JACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 106). Das Verhältnis zu Herrn B.____ war ge mäss den Angaben der Ar- beitgeberin nicht der Grund für die Kündigung, wesha lb ein allfälliges Zerwürfnis nicht für eine Einstellung in der Arbeitslosenentschädigung herangezogen werden darf. 8.1 Somit ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die Stel- lungnahme der Pflegeorganisation Z.____ vom 20. Janu ar 2015 weder zur Kenntnis brachte noch ihr Gelegenheit gab, zu den darin geäusserten ( gravierenden) Vorwürfen Stellung zu nehmen. Die betroffene Person muss aber die Möglichkeit haben, zu solchen schwerwiegenden Vorwürfen angehört zu werden. Damit hat die Beschwer degegnerin den Anspruch der Be- schwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt, weshal b der angefochtene Einspracheent- scheid vom 16. Februar 2015 aus formellen Gründen auf zuheben ist. Eine Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur nachträgl ichen Gewährung des rechtlichen Ge- hörs und zum Erlass einer neuen Verfügung erübrigt sich, da der angefochtene Einspracheent- scheid auch aus materiellen Gründen aufzuheben ist. Die Kündigungsgründe werden von der Beschwerdeführerin bestritten und von der ehemaligen Arbeitgeberin nicht weiter belegt. Aus diesem Grund geht auch die Beschwerdegegnerin zu Recht davon aus, dass das vorgeworfene Fehlverhalten nicht in genügender Weise erstellt ist, weshalb eine Einstellung gestützt darauf unzulässig ist. Das Fehlverhalten, das die Beschwerdegeg nerin der Beschwerdeführerin zur Last legt und das sie zur Begründung der Einstellung he rangezogen hat, war nicht ursächlich für die Kündigung, weshalb gestützt darauf eine Einste llung ebenfalls unzulässig ist. Die Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin hat Anspruch auf 18 Taggelder à Fr. 129.-- im Betrag von insgesamt Fr. 2‘327.40. 8.2 Die Beschwerdeführerin beantragt im Weiteren die Bezahlung von Verzugszinsen von 5 % ab dem 1. Januar 2015. Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden die Sozialversicherungen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entsteh ung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig. Der Anspruch der 18 Taggelder ist im Dezember 2014 entstanden. In Anwendung von Art. 26 Abs. 2 ATSG hat dies zur Folge, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin keine Verzugszinsen schuldet. In die- sem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und der Einspr acheentscheid vom 16. Februar 2015 ist aufzuheben. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene E insprache- entscheid der Arbeitslosenkasse Syndicom vom 16. Februar 2 015 und die Verfügung vom 6. Januar 2015 werden aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht