B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-836/2024 U r t e i l v o m 1 3 . F e b r u a r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richterin Regina Derrer; Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien 1. A._______, geb. (…), seine Ehefrau 2. B._______, geb. (…), und die Kinder 3. C._______, geb. (…), 4. D._______, geb. (…), 5. E._______, geb. (…), Türkei, alle vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, substituiert durch Clara Böttinger, AsyLex, 8002 Zürich, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 22. Januar 2024 / (…). F-836/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer 1, die Beschwerdeführerin 2 und ihre drei minder- jährigen Kinder reichten am 22. Dezember 2023 in der Schweiz Asylgesu- che ein. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass sie am 20. Dezember in Kroatien um Asyl nachgesucht hatten (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 25-30). B. Am 5. Januar 2024 gewährte das SEM den Beschwerdeführenden 1-3 im Rahmen des Dublin -Gesprächs nach Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), im Beisein der zu- gewiesenen Rechtsvertretung, das rechtlich e Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs- verfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt. Der Beschwerdeführer 1 erklärte hierzu im Wesentlichen , dass er mit seine r Familie an der Grenze zu Kroatien von einem Bus ab- geholt worden sei. Während der Busfahrt seien sie von der Polizei verfolgt worden, worauf der Fahre r Gas gegeben und mit übersetzter Geschwin- digkeit einen Unfall verursacht habe. Danach seien sie von der Polizei fest- gehalten worden und hätten vier Stunden lang auf der Autobahn in der Käl- ter ausharren müssen. Später seien sie mit einem Lastwagen auf einen Polizeiposten gebracht worden, wo man sie 20 bis 30 Stunden habe warten lassen. Während dieser Zeit hätten sie alle weder zu essen noch zu trinken bekommen. In der Folge habe man ihm unter Zwang und Schlägen die Fingerabdrücke abgenommen. Die Kinder hätte n dabei zuschauen müs- sen. Er selber sei hierbei am Hals verletzt worden . Danach habe man sie gehen lassen. In Kroatien sei er sehr schlecht behandelt worden und sein Leben sei dort nicht sicher. Auch seine Kinder könnten dort getötet werden. Er habe gehört, dass es in Kroatien Organhandel mit Kindern gebe. Dorthin zurückkehren könne er nicht. Lieber bringe er sich um oder bleibe im Ge- fängnis. Zum Gesundheitszustand gab er an, dass es ihm psychisch sehr schlecht gehe. Er könne nicht schlafen und habe sich Tabletten verschrei- ben lassen (SEM act. 34). F-836/2024 Seite 3 Die Beschwerdeführerin 2 bestätigte, dass die Familie nach dem Unfall von der kroatischen Polizei aufgegriffen und mitgenommen worden sei. Sie sel- ber habe unter Zwang ihre Fingerabdrücke abgeben müssen. Ihr Mann habe sich erst geweigert, dies zu tun, worauf man ihn am Hals gepackt habe. Nach Kroatien zurückkehren könne sie nicht. Es gebe dort schlechte und böse Menschen. Man habe sie in diesem Land in einen Container ver- frachtet. Alle hätten sie während dieser Zeit kein Essen und nichts zu trin- ken erhalten. Die Kinder hätten zudem nasse Schuhe gehabt. Lieber bringe sie sich um, als zurückzugehen. Ein Kind sei dort vor ihren Augen gelyncht worden, da es sich geweigert habe, seine Fingerabdrücke abzugeben. Psychisch gehe es ihr sehr schlecht. Sie könne nicht schlafen und wache nachts ständig auf. Sie sei deswegen beim Arzt gewesen, der ihr Medika- mente verschrieben habe (SEM act. 35). Anlässlich des Dublin-Gesprächs erhielt die Beschwerdeführerin 2 zudem Gelegenheit, sich zur Situation der beiden jüngeren Kinder zu äussern. Hierbei führte sie aus, dass diese nie im Leben nach Kroatien zurück keh- ren würden. Sie habe Fotos, worauf zu sehen sei, wie ihre Kinder im Ste- hen geschlafen hätten. Ausserdem habe man ihnen kein Essen, kein Was- ser und keinen Ofen zum Aufwärmen gegeben. Die elfjährige Tochter sei von den Ereignissen in Kroatien psychisch belastet. Sie (die Beschwerde- führerin 2) mache sich Vorwürfe, dass sie ihre Kinder dies habe erleben lassen (SEM act. 35). Auch der Beschwerdeführer 3, der bald 17-jährige Sohn, führte aus, nicht nach Kroatien zurückkehren zu wollen, weil man ihn dort umbringen, ver- hungern und verdursten lassen würde. Dagegen spreche auch, dass er in der Kälte nicht nochmals das Gleiche erleben möchte. Ausserdem fügte er an, dass man ihm unter Zwang die Fingerabdrücke abgenommen habe, sein Vater am Hals gepackt worden sei, als er sich geweigert habe, dies zu tun und dass ein anderes Kind auf den Boden geworfen und anschliessend verprügelt worden sei. Gesundheitlich gehe es ihm gut. Allerdings könne er in der Nacht nicht schlafen und er habe Albträume. Er sei beim Arzt ge- wesen und habe sich Medikamente verschreiben lassen (SEM act. 36). C. Das SEM ersuchte die kroatischen Behörden am 5. Januar 2024 um Wie- deraufnahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub- lin-III-VO (SEM act. 37 und 39) . Diese hiessen das Übernahmeersuchen am 1 9. Januar 2024 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin -III-VO gut (SEM act. 41 und 42). F-836/2024 Seite 4 D. Mit Verfügung vom 22. Januar 2024 (eröffnet am 1. Februar 2024) trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, verfügte ihre Über- stellung nach Kroatien und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ab- lauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte den Be- schwerdeführenden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 43). Die zugewiesene Parteivertretung erklärte am 1. Februar 2024 das Man- datsverhältnis für beendet (SEM act. 46). E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 8. Februar 2024 an das Bundesverwaltungs- gericht beantragten die Beschwerdeführenden, handelnd durch AsyLex, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuwei- sen, auf ihre Asylgesuche einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur Neu- beurteilung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuch- ten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, Erteilung der aufschiebenden Wir- kung sowie Erlass eines superprovisorischen Vollzugsstopps mit entspre- chender Anweisung an d ie zuständigen kantonalen Behörden (BVGer act. 1). F. Am 8. Februar 2024 setzt die Instruktionsrichterin den Vollzug der Über- stellungen gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus (BVGer act. 3). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). F-836/2024 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil- genommen, sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch- führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Be gründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.H.). 4. 4.1 Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der oder die Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch F-836/2024 Seite 6 Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 4.3 Im Rahmen des – hier interessierenden – Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeits- prüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt. Die Zuständigkeit bezie- hungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C -582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47 –50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Die Dublin -III- VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfen- den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 4.4 Ein Abgleich der Fin gerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass sie am 20. Dezember 2023 in Kroatien Asylgesuche gestellt hatten (SEM act. 25-30). Das SEM ersuchte deshalb die dortigen Behörden am 5. Januar 2024 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden (SEM act. 37 und 39). Die kroatischen Behörden stimmten den Wiederaufnahmeer- suchen am 19. Januar 2024 je gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zu (SEM act. 41 und 42). Damit sind sowohl die Antragstellung in Kroatien als auch der Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für das Asylgesuch der Beschwerdeführenden zuständigen Mitgliedstaats ge- mäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen wurde und nach einer Rücküberstellung fortgesetzt wird, als erstellt zu betrachten (vgl. etwa Urteil des BVGer F-1/2024 vom 8. Januar 2024 E. 4.4). 4.5 Soweit die Beschwerdeführenden 1-3 monierten, zur Abgabe der Fin- gerabdrücke gezwungen worden zu sein, gilt es sodann darauf hinzuwei- sen, dass die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden Aus- länderinnen und Ausländern sich auf die Eurodac -Verordnung stützt und als legitim erweist (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-4364/2023 vom 24. Au- gust 2023 E. 5.5 oder F-3120/2022 vom 22. Juli 2022 E. 7.3 m.H.). 4.6 Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens ist somit gegeben. 5. 5.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist sodann zu prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die F-836/2024 Seite 7 Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unm enschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta (entspricht Art. 3 EMRK) mit sich bringen würden. Die Be- schwerdeführenden verweisen hierzu auf allgemeine Missstände im Asyl- verfahren von Kroatien, welche sie selber teilweise ebenfalls durchlebt hät- ten. 5.2 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), und es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass es seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf ausserdem davon ausgegangen werden, Kroatien anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäi- schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge- meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna- tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013 /33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 5.3 In seinem Referenzurteil E -1488/2020 vom 22. März 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die se it dem Referenzurteil D -1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Praxis der grundsätzlichen Zulässigkeit von Dublin-Überstellungen nach Kroatien, unabhängig davon, ob es sich dabei um ein "Take-Charge-" (Aufnahme) oder ein "Take-Back-" (Wieder- aufnahme) Verfahren handelt; es sei nicht davon auszugehen, dass das dortige Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin -III-VO aufweisen würden, die eine Überstellung von Gesuchstellenden generell als unzulässig erscheinen liessen (vgl. a.a.O. E. 9.5). Das Gericht hielt in diesem Zusammenhang fest, der Verdacht eines – an- gesichts der Situation in Kroatien auf den ersten Blick nicht unbegründeten – Gefährdungszusammenhangs zwischen Push -backs und D ublin-Rück- kehr lasse sich aufgrund der verfügbaren Informationen und Erkenntnisse nicht erhärten (vgl. a.a.O. E. 9.4.2 ff.). Aktuell bestünden keine genügen- den Anzeichen, die befürchten liessen, Dublin-Rückkehrende würden ohne Eröffnung oder Weiterführung eines Asylverfahrens aus Kroatien rechts- widrig ausgeschafft. Insbesondere berechtige diese Ausgangslage nicht F-836/2024 Seite 8 zur Annahme, dass solches systematisch geschehen würde. Im Ergebnis sei davon auszugehen, dass Gesuchstellende, welche gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt würden, Zugang zum dortigen Asyl- verfahren erhielten; dies unabhängig davon, ob die gesuchstellenden Per- sonen im Rahmen eines Take -Charge- oder – wie vorliegend – im Take- Back-Verfahrens überstellt würden. Insbesondere bestehe keine beachtli- che Wahrscheinlichkeit, die Überstellten würden der Gefahr einer Verlet- zung ihrer aus dem Refoulement -Verbot fliessenden Rechte ausgesetzt werden (vgl. a.a.O. E. 9.5). Zu diesen Schlussfolgerungen gelangte das Gericht in Kenntnis des in der Rechtsmitteleingabe zitierten Urteils des Ver- waltungsgerichts Stuttgart vom 2. September 2022 (vgl. a.a.O. E. 9.4.2). 5.4 Des Weiteren lassen die von den Beschwerdeführenden bei ihrer ille- galen Einreise nach Kroatien geltend gemachten, sie selber betreffenden Vorkommnisse (in der Kälte warten; keine Abgabe von Wasser und Ver- pflegung; der Beschwerdeführer 1 sei geschlagen worden ) nicht den Schluss zu, sie hätten bei einer Überstellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 FoK oder Art. 4 EU -Grundrechtecharta zu gewärtigen. Zum einen haben sich die Betroffenen nachweislich nur sehr kurze Zeit in diesem Land aufgehalten (die Asylgesuche in der Schweiz wurden zwei Tage nach ihrer Registrierung als Asylsuchende in Kroatien eingereicht), zum andern scheinen die geltend gemachten Erlebnisse, so- fern sie auf tatsächlich Erlebtes hindeuten, im Zusammenhang mit ihrer illegalen Einreise zu stehen. Anzumerken wäre an dieser Stell e, dass die Äusserung der Beschwerdeführerin 2, wonach vor ihren Augen ein Kind «gelyncht» worden sei, von den übrigen Familienmitgliedern nicht bestätigt wurde. Bezüglich der Behandlung von Personen an der Grenze sieht sich Kroatien schon seit geraumer Zeit mit teils schweren Vorwürfen konfrontiert (vgl. a.a.O. E. 9.1 - 9.4.2 m.w.H.). Wohl erscheint nicht ausgeschlossen, dass auch im Landesinnern die Sicherheitskräfte nicht immer ein einwand- freies Verhalten an den Tag legen. Damit ist aber nichts zum vorliegend zu beurteilenden Umstand der Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Kro- atien im Rahmen eines Take-Back-Verfahrens gesagt. Bei einer Überstel- lung nach Kroatien würden sie auf legalem Weg in die Hauptstadt Zagreb überstellt. Sie würden damit nicht mit e iner Situation konfrontiert, wie sie sie angeblich an der kroatischen Aussengrenze erlebt haben (vgl. bspw. Urteil des BVGer F-1924/2023 vom 13. April 2023 E. 6.4 m.H.). Gegen das Fehlverhalten von einzelnen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten könn- ten sie im Übrigen in Kroatien rechtlich vorgehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen. Der Umstand, dass dies F-836/2024 Seite 9 möglicherweise mit grösseren Hürden und Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht per se auf systemische Schwach- stellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. etwa Urteile des BVGer F-1883/2023 vom 12. April 2023 oder E -5614/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.2). 5.5 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin- III-VO – auch unter Ber ücksichtigung der in der Beschwerde erwähnten Quellen, in welchen das kroatische Asylwesen kritisiert wird (so ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] vom 21. Februar 2023, meh- rere Berichte von Human Rights Watch [HRW] sowie ein Bericht des Euro- päischen Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder er- niedrigender Behandlung oder Strafe [CPT] und ein solcher des Centre for Peace Studies [CPS]) – nicht gerechtfertigt. 6. Weiter ist der Frage nachzugehen, ob völkerrechtliche Vollzugshindernisse nach Art. 3 EMRK ( oder einer anderen , die Schweiz bindenden völker- rechtlichen Bestimmung) bestehen, woraus sich zwingende Gründe für ei- nen Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) erge- ben würden. 6.1 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso- nen in der Situation der Beschwerdeführenden nachkommt und insbeson- dere die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens - und der Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. bspw. Urteile des BVGer E-1515/2023 vom 23. März 2023; E -5984/2022 vom 3. Januar 2023 E. 7.2; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die von den Betroffenen glaub- haft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). Die Beschwerdeführenden ver- mögen jedoch kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die kroati- schen Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und einen allfälli- gen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Ver- fahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre F reiheit aus einem Grund nach Art. 3 F-836/2024 Seite 10 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden. 6.2 Die kroatischen Behörden haben der Aufnahme der Beschwerdefüh- renden gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dubli n-III-VO explizit zugestimmt und sich damit bereit erklärt, die Verantwortung für die Fortführung ihrer Asyl- verfahren zu übernehmen (siehe SEM act. 41 und 42). Ausserdem haben die Betroffenen nicht begründet dargetan, die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen seien derart schlecht, dass sie zu einer Verlet- zung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folter- konvention (SR 0.105) führen könnten. Bei einer allfälligen vorübergehen- den Einschränkung wären die Beschwerdeführenden n ötigenfalls gehal- ten, sich an die kroatischen Behörden zu wenden und die ihnen zustehen- den Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einzufordern (Art. 26 Auf- nahmerichtlinie). 6.3 Soweit der Beschwerdeführer 1 im Dublin-Gespräch darüber hinaus er- wähnte, dass es in Kroatien Organhandel mit Kindern gebe, basiert be- sagte Anmerkung auf blossem Hörensagen ohne jeglichen Bezug zur kon- kreten Situation seiner Familie. Die Parteivertreterin äusserte sich hierzu auf Beschwerdeebene nicht. Abgesehen davon ist Kroatien ein Rec hts- staat mit einem funktionierenden Justizsystem. Das Land verfügt über Po- lizeibehörden, die schutzwillig und schutzfähig sind und deren Hilfe die Be- schwerdeführenden im Falle einer Bedrohung durch Dritte in Anspruch nehmen können. 6.4 Was den medizinischen S achverhalt angeht, so kann eine zwangs- weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein solcher würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person durch die Abschiebung mit dem realen Risiko konfrontiert würd e, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund- heitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine solche Situation liegt hier offenkundig nicht vor. 6.5 Die Beschwerdeführenden 1 und 2 erklärten anlässlich des Dublin-Ge- sprächs, dass es ihnen psychisch sehr schlecht gehe und sie nicht schlafen könnten. Sie seien beim Arzt gewesen und hätten Medikamente F-836/2024 Seite 11 verschrieben erhalten. Der Beschwerdeführer 3 gab an, dass es i hm gut gehe, er klagte allerdings über Schlafprobleme und Albträume. Auch er liess sich dagegen Medikamente verschreiben. Bezogen auf die bald zwölfjährige Tochter (Beschwerdeführerin 4) ergänzte die Beschwerdefüh- rerin 2, dass jene von den Ereignissen in Kroatien psychisch belastet sei (SEM act. 34 -36). Wie eben erwähnt, begaben sich die Beschwerdefüh- renden in der Schweiz in ärztlic he Behandlung, wobei die beschriebenen Leiden medikamentös behandelt wurden. Darüber hinausgehende aktuelle Behandlungsbedürfnisse ergeben sich auch aus den von der zugewiese- nen Rechtsvertretung am 1. Februar 2024 eingereichten medizinischen Unterlagen nicht (vgl. SEM act. 45). Somit leiden die Betroffenen nicht an gesundheitlichen Beschwerden, die einer Überstellung entgegenstünden. Kroatien verfügt grundsätzlich über eine ausreichende, hinreichend zu- gängliche medizinische Infrastruktur (vgl. Referenzurtei l E -1488/2020 E. 10.2 und E. 10.3). Nötigenfalls können die Beschwerdeführenden dort die erforderliche Behandlung in Anspruch nehmen. Im Übrigen trägt die Vorinstanz ihrem aktuellen Gesundheitszustand bei der Organisation der Überstellung Rechnung, indem sie die dortigen Behörden vor der Überstel- lung über ihren Zustand und allfällig notwendige medinische Behandlun- gen informiert. Dies ist vorliegend geschehen, figurier en die erkennbaren Diagnosen (Beschwerdeführer 1, Beschwerdeführerin 2 und Beschwerde- führerin 4: «psychische Probleme »; Beschwerdeführer 3: «Schlafprob- leme») doch in der Beschreibung der Überstellungsmodalitäten (SEM act. 44). Das SEM hat den medizinischen Sachverhalt mithin genügend abge- klärt und ist seiner Untersuchungspflicht diesbezüglich nachgekommen. 6.6 Individuelle Garantien betreffend Ob dach, Nahrung und Zugang zu adäquater medizinischer und psychologischer Versorgung sind von den kroatischen Behörden nach dem Gesagten keine einzuholen (vgl. Refe- renzurteil E-1488/2020 E. 12). Das entspreche nde (Subeventual-)Begeh- ren der Beschwerdeführenden ist abzuweisen. 6.7 Die Beschwerdeführenden rügen ausserdem, die Vorinstanz habe das Kindeswohl nicht hinreichend berücksichtigt und die Interessen der Kinder hätten nicht in tauglicher Weise ins Verfahren Eingang gefunden. Konkret verweisen sie hierbei auf Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 2, Art. 12, Art. 20 Abs. 1 und Art. 24 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK, SR 0.107). Entgegen deren Auffassung trug das SEM dem Kindeswohl durchaus Rechnung. So wurde der Beschwerdeführer 3 (geb. 2007) am 5. Januar 2024 persönlich ange- hört (SEM act. 36). Was er damals aussagte, wird in den Erwägungen der F-836/2024 Seite 12 angefochtenen Verfügung erwähnt. Ebenfalls aufgenommen wurden dort diejenigen Ausführungen der Beschwerdeführerin 2 anlässlich des Dublin- Gesprächs, welche ihre beiden jüngeren Kinder betrafen. Ferner setzte es sich mit der gesundheitlichen Situation der Kinder einzeln auseinander. Kroatien ist im Übrigen Vertragsstaat der KRK und es deutet nichts darauf hin, dass dieses Land die sich daraus ergebenden völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nicht beachtet. Die kroatischen Behörden hiessen das Über- nahmeersuchen denn explizit auch in Bezug auf die drei Kinder gut (SEM act. 42). 6.8 Abgesehen davon kann aus der KRK kein Anspruch auf einen Aufent- halt im Staat mit den für ein Kind vorteilhaftesten Lebensbedingungen ab- geleitet werden. Ebenso wenig kann angesichts der nur kurzen Anwesen- heit hierzulande von einer rechtlich relevanten Verwurzelung der Kinder in der Schweiz ausgegangen werden (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-1924/2023 E. 7.6 oder F-37/2023 vom 6. Januar 2023 E. 11.2). Was die Anhörung der Kinder gestützt auf Art. 12 KRK anbetrifft, so durfte die Vor- instanz angesichts der gleichlaufenden Interessen der Eltern im Falle der Beschwerdeführerin 4 und des Beschwerdeführers 5 davon absehen. Mit den Äusserungen des Beschwerdeführers 1 und der Beschwerdeführerin 2 im Rahmen der Dublin-Gespräche flossen die Standpunkte dieser beiden Kinder hinreichend in das vorliegende Verfahren ein (vgl. BGE 147 I 149 E. 3.2 m.H.). Der Beschwerdeführer 3 wurde, wie eben dargetan, derweil persönlich befragt. Des Weiteren lebten alle Kinder bislang bei den Eltern und die Familie w ird nach der Überstellung in Kroatien weiterhin zusam- menbleiben können. Schliesslich bestehen gemäss Aktenlage keine Hin- weise auf unverzüglich behandlungsbedürftige, schwere gesundheitliche Probleme der Kinder (siehe E. 6.5 hiervor), sodass ein Vollzug der Weg- weisung auch diesbezüglich nicht gegen das Kindeswohl spricht. 6.9 Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge der unrichtigen und unvoll- ständigen Sachverhaltsermittlung im Zusammenhang mit den völkerrecht- lichen Verpflichtungen Kroatiens als nicht stichhaltig, weshalb das Even - tualbegehren auf Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung ebenfalls abzuweisen ist. 7. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine F-836/2024 Seite 13 Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über - respektive Un- terschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich des- halb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 8. Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes- sensklauseln von Art. 17 Dublin -III-VO. Somit bleibt Kroatien der für die Behandlung der Asylgesuche der Beschwerdeführenden zuständige Mit- gliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 9. Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. 10. Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 11. Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses gegenstandslos geworden. Der am 8. Februar 2024 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin. 12. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu- weisen, da die Beschwerde – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen ist. Somit sind die Voraussetzun- gen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt; die Verfahrenskosten sind den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750. – festzusetzen (Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-836/2024 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750. – werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Ver sand des Urteils zu- gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Daniel Grimm Versand: F-836/2024 Seite 15 Zustellung erfolgt an: – die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden (Einschreiben; Beila- ge: Einzahlungsschein) – die Vorinstanz, zu den Akten (…) – den Migrationsdienst des Kantons Bern (in Kopie)