Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. Juni 2012 (810 12 16) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Wiederherstellung der Rechtsmittelfrist Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Bruno Gutzwiller, Edgar Schürmann , Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (Abteilung Steuergericht) , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Staatssteuer 2008 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 07. Oktober 2011) A. Mit Eingabe vom 5. Mai 2011 (Poststempel vom 10. M ai 2011) erhob A.____ Rekurs beim Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht), gegen den Einspracheentscheid der Steu erverwaltung des Kantons Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft (Steuerverwaltung) vom 21. März 2011 und be antragte die Aufhebung der Veranla- gungsverfügung vom 18. Februar 2010 sowie die Reduktion des steuerbaren Einkommens von den veranlagten Fr. 41'600.-- auf Fr. 28'779.-- und den Erlass der Gebühren in der Höhe von Fr. 200.--. Zur Begründung führte A.____ im Wesentli chen an, dass er seit dem Jahr 2005 le- diglich zu 50% berufstätig jedoch aufgrund traumatischer Erlebnisse seit dem 4. März 2009 zu 100% arbeitsunfähig sei. B. Mit Schreiben vom 21. Juni 2011 forderte das Steuer gericht A.____ auf, aufgrund der Schilderungen im Rekurs ein Arztzeugnis einzureichen, welch es bescheinige, seit wann die Arbeitsunfähigkeit bestehe und in welchem Zeitraum er verhindert gewesen sei, fristgemäss zu handeln. Mit Schreiben vom 30. Juni 2011 reichte A.__ __ dem Steuergericht ein vom 30. Juni 2011 datiertes Arztzeugnis ein und erklärte, im Zeitraum vom 28. März 2011 bis zum 8. Mai 2011 habe er zu seiner bestehenden Krankheit ei ne Migräne Cervicalis verbunden mit einer schweren Bronchitis erlitten, sodass er erst am 1 0. Mai 2011 in der Lage gewesen sei, den Rekurs zur Post zu bringen. A.____ wurde am 20. Sep tember 2011 erneut durch das Steu- ergericht telefonisch aufgefordert, ein Arztzeugnis einzureichen, aus welchem hervorgehe, dass er nicht in der Lage gewesen sei, seine persönlichen Bel ange zu erledigen. Mit Schreiben vom 24. September 2011 erklärte A.____, um Missverständnisse z u vermeiden, bitte er um eine schriftliche Mitteilung respektive Erklärung. A.____ wurde am 5. Oktober 2011 wieder telefo- nisch und unmittelbar danach per E-Mail darüber infor miert, dass er sich um ein entsprechen- des Arztzeugnis bemühen möge. C. Mit Entscheid vom 7. Oktober 2011 trat der Präsident des Steuergerichts nicht auf den Rekurs ein. Zur Begründung wurde im Wesentlichen festgehalten, dass die Rekurseingabe vom 5. Mai 2011 mit Postaufgabestempel vom 10. Mai 2011 um zwölf Tage zu spät erfolgt und somit die Rekursfrist nicht gewahrt worden sei. Zudem liege kein Hinderungsgrund vor, welcher die Wiederherstellung der Rekursfrist rechtfertigen würde. Es könne nicht von einem unverschulde- ten Hindernis ausgegangen werden, da A.____ in der L age gewesen sei, Hilfe anzufordern, indem er sich an einen Bekannten gewandt und diesen in vorliegender Angelegenheit um Rat gefragt habe. Unter diesen Umständen müsse es ihm auch zu mutbar gewesen sein, sich um weitergehende Hilfe zu bemühen, um den Rekurs gegen d en Einspracheentscheid der Steuer- verwaltung rechtzeitig einzureichen. D. A.____ erhob mit Schreiben vom 6. Januar 2012 Besch werde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Er beantrag- te sinngemäss, die Aufhebung des Entscheids des Steuergeri chts vom 7. Oktober 2011 sowie die Wiederherstellung der Rekursfrist und die Wiedere insetzung in den vorherigen Stand; unter o/e Kostenfolge, wobei dem Beschwerdeführer die unent geltliche Prozessführung zu bewilligen sei. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wese ntlichen aus, dass er am 5. Januar 2012 seine Ärztin aufgesucht habe, welche ihm für das erste Halbjahr 2011, insbe- sondere für den Zeitraum vom 28. März 2011 bis 28. Apr il 2011, eine unverschuldete Beein- trächtigung der Handlungs- und Denkfähigkeit attestier t habe. Mit Eingabe vom 15. Februar 2012 reichte der Beschwerdeführer dem Ka ntonsgericht ein Arztzeugnis von Dr. B.____ vom 3. Februar 2012 ein. Mit einer weite ren undatierten Eingabe (Posteingang am Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 21. März 2012) liess der Beschwerdeführer dem Kantonsger icht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege samt Beilagen zukommen. Mit Eingaben vom 22. März 2012 und vom 10. April 2012 reichte der Beschwerdeführer weitere U nterlagen ein, welche seinen Gesund- heitszustand sowie seine Bedürftigkeit aufzeigen sollen. E. Mit Schreiben vom 9. Februar 2012 bzw. vom 10. Febru ar 2012 liessen sich die Steu- erverwaltung sowie das Steuergericht vernehmen und schlossen auf Abweisung der Beschwer- de. F. Mit Präsidialverfügung vom 25. April 2012 wurde de r Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und das Gesuch des Beschwerdeführers um unentg eltliche Prozessführung bewil- ligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 16 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 wendet das Gericht das Recht von Amtes wegen an. Es prüft insbesondere, ob die Eintretensvoraussetzungen e rfüllt sind. Die Beschwerde vom 6. Januar 2012 richtet sich gegen den Entscheid des Steu ergerichts vom 7. Oktober 2011. Ge- mäss § 145 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteue r (DBG) vom 14. Dezember 1990 i.V.m. § 3 der Vollzugsverordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. Dezember 1994 und § 131 Abs. 1 des Gesetzes über di e Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuerge richts mit Verwaltungsgerichtsbe- schwerde beim Kantonsgericht als letzte kantonale Instanz an gefochten werden. Der Be- schwerdeführer ist gemäss § 131 Abs. 2 lit. a StG zur Beschw erde befugt. Da die übrigen for- mellen Voraussetzungen nach § 43 ff. VPO erfüllt sind , ist auf die vorliegende Beschwerde ein- zutreten. 2. Gemäss § 45 Abs. 1 VPO können mit der verwaltungsg erichtlichen Beschwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Untersch reitung oder Missbrauch des Er- messens (lit. a) sowie die unrichtige oder unvollständ ige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ei ner Verfügung ist hingegen nur in Aus- nahmefällen vorgesehen (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). Mit d er Beschwerde in Steuersachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen En tscheids und des vorangegange- nen Verfahrens gerügt werden. § 45 Abs. 2 VPO setzt dam it die bundesrechtlichen Vorgaben um, wonach im kantonalen Rekurs- und Beschwerdeverfahre n betreffend direkte Bundessteuer gemäss Art. 140 Abs. 3 DBG i.V.m. Art. 145 Abs. 2 DB G alle Mängel des angefochtenen Ent- scheides und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden können. Hinsichtlich der Staats- und Gemeindesteuern wäre eine solch weitgehende Kontr olle vorinstanzlicher Entscheide ge- mäss Art. 50 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Harmoni sierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990 n ur für das Rekursverfahren vor Steuergericht, nicht aber für das Beschwerdeverfahren vo r Kantonsgericht gefordert. Der Ge- setzgeber hat sich jedoch entschieden, die im DBG verlangt e Ermessenskontrolle hinsichtlich Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der direkten Bundessteuer auch auf die Staats- und Gem eindesteuern auszuweiten. Deshalb kann das Kantonsgericht vorliegend auch die Angemessenheit der angefochtenen Verfügungen bzw. Entscheide überprüfen. 3.1 Vorab ist zu klären, ob die mit der Beschwerde eing ereichten neuen Arztberichte von Med. pract. C.____ vom 5. Januar 2012 sowie von Dr. B.____ vom 3. Februar 2012 zuzulassen oder als unechte Noven aus dem Recht zu weisen sind. 3.2 Unechte Noven sind neue rechtliche oder tatsächliche Vorbringen, die bereits vor dem Entscheid der Vorinstanz eingetreten sind. Echte Noven hingegen sind neue Vorbringen, die erst nach dem vorinstanzlichen Entscheid eingetreten sind oder die vorher nicht bewiesen wer- den konnten (vgl. BGE 119 III 110 E. 3b; BGE 102 Ia 1 55 E. 1 ff.). § 6 Abs. 2 VPO statuiert, dass neue tatsächliche Behauptungen und Beweismittel b is zur gerichtlichen Beurteilung vor- gebracht werden können, sofern dies den Parteien unverschuldet nicht früher möglich war. Ver- spätete Vorbringen werden aus dem Recht gewiesen. Hinge gen können bei Beschwerden in Steuersachen gemäss § 6 Abs. 3 VPO auch neue Anträge, Be hauptungen und Beweismittel vorgebracht werden. Im konkreten Fall brachte der Besch werdeführer mit seiner Beschwerde- schrift zwei neue Beweisunterlagen vor. Es kann jedoch da rauf verzichtet werden, den Charak- ter der eingereichten Arztberichte im vorliegenden Verfahren zu bestimmen, zumal - wie zu zei- gen sein wird - auf die neu eingereichten Unterlagen nicht abgestellt werden kann. Sie vermö- gen keine neuen entscheidrelevanten Tatsachen aufzuzeig en und bestätigen lediglich das bis- her Bekannte. 4.1 Streitgegenstand und zu prüfen ist einzig, ob das St euergericht mit Entscheid vom 7. Oktober 2011 zu Recht nicht auf den Rekurs des Beschwerdeführers vom 5. Mai 2011 einge- treten ist. Nicht einzugehen ist im vorliegenden Verfahren auf die materielle Rechtslage. 4.2 Soweit ein Prozessentscheid angefochten ist, bildet die Frage der fehlenden oder weg- gefallenen Prozessvoraussetzungen Gegenstand der materiel len Prüfung der Rechtsmit- telinstanz (M ARKUS MÜLLER , Bernische Verwaltungsrechtspflege, Bern 2008, S. 210 ). Kommt das Gericht zum Schluss, dass das Steuergericht auf den Rekurs hätte eintreten müssen, so ist die Beschwerde gutzuheissen und der Fall zur materiellen Beurteilung an diese zurückzuweisen (ALFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER , Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege de s Bun- des, Zürich 1998, N 412 mit weiteren Hinweisen). Würde das Gericht in der Sache selbst urtei- len, so brächte es die Verwaltung um ihr Recht, einen e igenen Sachentscheid zu fällen; zudem würde der Rechtsweg des Beschwerdeführers verkürzt (BGE 1 32 V 74 E. 1.1; Urteil des Kan- tonsgerichts [KGE VV] vom 27. August 2008, 810 08 56, E. 3). 4.3 Die Prozess- oder Verfahrensvoraussetzungen umschreiben die Umstände respektive Erfordernisse, die erfüllt sein müssen, damit ein Begehr en in einem Verfahren vor einer be- stimmten Behörde materiell behandelt werden kann. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, tritt die Behörde auf das betreffende Begehren ein und spricht si ch über dessen Begründetheit oder Unbegründetheit aus. Sind sie jedoch nicht erfüllt, fe hlt es also an einer Verfahrensvorausset- zung, so tritt die Behörde auf ein privates Begehren ni cht ein: Sie fällt einen Nichteintretensent- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheid und verzichtet damit auf die materielle Prüfung d es Rechtsschutzanliegens. Mit dem Begriff des "Eintretens" wird also die Prüfung der ma ssgeblichen Verfahrensvoraussetzungen umschrieben. Der Begriff "Verfahrensvoraussetzung" ist inso fern ungenau und irreführend, als es auch beim Fehlen einer solchen zu einem Verfahren – wenigstens im Hinblick auf die Prü- fung der Verfahrensvoraussetzungen – kommt. Verfahrensvor aussetzungen sind deshalb im Grunde genommen Sachentscheidungsvoraussetzungen bzw. im ge richtlichen Verfahren Sachurteilsvoraussetzungen (R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /CHRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 2. Auflage, Basel 2010, N 10 35 ff.). Zur Eintretensfrage zählt in Rechtsmittelverfahren nam entlich auch die vorliegend im Streit lie- gende Einhaltung der Rechtsmittelfrist durch den Beschwerdeführer. 5. Nach § 124 Abs. 1 StG kann der Steuerpflichtige geg en den Einspracheentscheid der Veranlagungsbehörde innert 30 Tagen nach Zustellung beim Steuergericht schriftlich Rekurs erheben. Für die Berechnung der Frist gilt § 46 Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte und der Strafverfolgungsbehörden Basel-Landsch aft vom (GOG) 22. Februar 2001. Gemäss dieser Bestimmungen wird der Tag, an welchem die Frist zu laufen beginnt, nicht mit- gezählt und fällt der letzte Tag auf einen Samstag, e inen Sonntag oder einen staatlich aner- kannten Feiertag, so endet die Frist am darauffolgende n Werktag. Als Feiertage im Sinne die- ser Bestimmungen gelten auch Tage, an denen die Büros der kantonalen Verwaltung ganztägig geschlossen sind (§ 46 Abs. 2 GOG). Vorliegend wurde de m Beschwerdeführer der Einspra- cheentscheid der Steuerverwaltung gemäss einem Auszug aus dem Track und Trace am 29. März 2011 am Postschalter D.____ übergeben. Die 30 -tägige Rekursfrist begann somit am 30. März 2011 und endete am 28. April 2011. Die Eing abe des Beschwerdeführers vom 5. Mai 2011 ging jedoch erst mit Postaufgabestempel vom 10. Mai 2011 beim Steuergericht ein. Demzufolge ist der Rekurs um 12 Tage zu spät beim Steu ergericht eingereicht worden, wo- durch die gesetzliche Rekursfrist nicht eingehalten wurde. 6.1 Zu prüfen ist jedoch, ob die Rechtsmittelfrist gestü tzt auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gründe vom Steuergericht wieder hätte hergestellt werden müssen. 6.2 Bei der Rekursfrist gemäss § 124 Abs. 1 StG handel t es sich um eine gesetzliche, nicht erstreckbare Frist, die bei Versäumnis zur Verwirkung des Rekursrechts führt. Auf verspätete Rekurse wird nur bei Vorliegen bestimmter, im Gesetz vorg esehener Fristwiederherstellungs- gründe eingetreten. 6.3 Ist eine Partei unverschuldet verhindert gewesen, f ristgemäss zu handeln, kann sie gemäss § 23 VPO i.V.m § 5 Abs. 5 des Verwaltungsverfah rensgesetzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 innert 30 Tagen seit Weg fall des Hindernisses die Wiederher- stellung der Frist verlangen. Eine Wiederherstellung de r Frist fällt somit nur dann in Betracht, wenn das Fristversäumnis auf unabwendbare, unverschuldete Hindernisse zurückzuführen ist. Entscheidend ist dabei, dass der Grund - z.B. die Krankhe it - den Pflichtigen objektiv daran ge- hindert hat, die Frist einzuhalten, und dieser nicht in der Lage gewesen ist, die nötigen Schritte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Fristwahrung rechtzeitig vorzunehmen (M ARTIN ZWEIFEL in: Kommentar zum Schweizeri- schen Steuerrecht, Teil I/Band 2b, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 2. Auflage, Basel 2008, Art. 133 DBG N 19). In Frage kommen Fäll e plötzlicher schwerer Krankheit des Betroffenen, pflichtwidriges Verhalten der Post, Epid emien oder Katastrophenfälle, während blosse Ferienabwesenheit oder Arbeitsüberlastung nicht genügen (A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER , a.a.O., N 345; U RS PETER CAVELTI/T HOMAS VÖGELI , Verwaltungsgerichtsbarkeit, N 1139). Eine Krankheit kann ein unverschuldetes, zur W iederherstellung der Frist führendes Hindernis sein. Doch muss die Erkrankung derart sein, dass d er Rechtsuchende durch sie da- von abgehalten wird, selber innert Frist zu handeln od er eine Drittperson mit der Vornahme der Prozesshandlung zu betrauen. Hindert die Krankheit de n Rechtsuchenden zwar daran, selber zu handeln, könnte er aber in nach den Umständen zumut barer Weise einen Dritten mit der Interessenwahrung beauftragen, so kann die Wiederherstellung nicht gewährt werden, wenn die Partei den Beizug eines Vertreters versäumt. Massgeblich für die Frage, ob die Krankheit im Sinne eines unverschuldeten Hindernisses die Partei vom e igenen fristgerechten Handeln oder von der Beauftragung eines Dritten abgehalten hat, is t vor allem die letzte Zeitspanne vor Ab- lauf der Rechtsmittelfrist, weil die gesetzliche Regelung jedermann dazu berechtigt, die not- wendige Rechtsschrift erst gegen das Ende der Frist auszuar beiten und einzureichen. Erkrankt die Partei eine gewisse Zeit vor Fristablauf, so ist es i hr in aller Regel möglich und zumutbar, ihre Interessen selber zu verteidigen oder die Dienste e ines Dritten in Anspruch zu nehmen. Erkrankt die Partei dagegen ernsthaft gegen das Ende de r Frist, so wird sie im Allgemeinen nicht in der Lage sein, selber zu handeln oder einen D ritten zu beauftragen, weshalb in solchen Fällen eine Wiederherstellung der Frist zu gewähren ist (BGE 112 V 255 E. 2a). 6.4 Die Wiederherstellungsgründe sind von der pflichti gen Person zu substanziieren und zu beweisen (B ERNARD MAITRE /V ANESSA THALMANN [F ABIA BOCHSLER ] in: Wald- mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2 009, Art. 24 N 17). Nach der Praxis und Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Fr istwiederherstellungsgründe grund- sätzlich ein strenger Massstab anzulegen, d.h. es sind hohe Anforderungen an die Sorgfalts- pflicht der Pflichtigen zu stellen. 7.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe am 5. Januar 2012 seine behandelnde Ärztin, Med. pract. C.____, Fachärztin Allgemeinmedizin, aufgesucht. Diese habe aufgrund von Arztzeugnissen sowie Arztberichten und umfangreichen eigene n medizinischen Untersuchun- gen festgestellt, dass der Beschwerdeführer im ersten Halbjahr 2011 insbesondere im Zeitraum der Rechtsmittelfrist vom 28. März 2011 bis zum 28. April 2011 unverschuldet an einer Beein- trächtigung seiner Denk- bzw. Handlungsfähigkeit gelitt en hätte. Die sedierende Wirkung der antidepressiven Medikamente verbunden mit Betablockern und starken Schmerzpräparaten bzw. starken Migränetabletten hätten auch schwere Herzryt hmusstörungen erzeugt, welche Bettruhe erfordert hätten. Die Kombination dieser Me dikamente und die depressive Grundstim- mung des Beschwerdeführers hätten eine Beeinträchtigung der Handlungs- und Denkfähigkeit erzeugt, sodass er objektiv die Rechtsfolgen eines Fristversäumnisses nicht habe erkennen und keinen Rechtsbeistand habe organisieren können. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Der durch den Beschwerdeführer zur Stützung seine r Sachverhaltsdarstellung einge- reichte ärztliche Bericht von Med. pract. C.____ vom 5. Ja nuar 2012 hält fest, dass der Be- schwerdeführer seine Ärztin aufgesucht habe, um ihr seine schwierige gesundheitliche und fi- nanzielle Situation zu schildern, welche bereits seit ein em Unfall im Jahre 2005 so bestünden und zu erheblichen Einkommenseinbussen geführt hätten. Im März 2009 habe sich ein weiterer Unfall ereignet und der Beschwerdeführer habe im Ansch luss daran eine mittelschwere De- pression erlitten. Er sei medizinisch, chirurgisch sowie psychiatrisch behandelt und schliesslich von seinem Hausarzt, Dr. E.____, Facharzt für Innere Me dizin, am 5. März 2009 arbeitsunfähig geschrieben worden. Insbesondere die Depression, verstärkt durch die schwierige soziale Situ- ation, habe zu einer Beeinträchtigung der Handlungs - und Denkfähigkeit geführt. Der Be- schwerdeführer sei seit dem Jahr 2011 nicht vollständig handlungs- und zurechnungsfähig. 7.3 Mit Eingabe vom 15. Februar 2012 reichte der Be schwerdeführer dem Gericht einen weiteren ärztlichen Bericht von Dr. B.____, Facharzt fü r Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Februar 2012 ein. Darin wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer seit längerer Zeit in der fachärztlichen Behandlung von Dr. B.____ stehen w ürde. Für den Zeitraum von März 2011 bis April 2011 müsse aufgrund der jetzigen Erkrankung da von ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen sei, seine Ve rpflichtungen ordnungsgemäss wahrzunehmen. Da die Erkrankung sowohl im kognitiven w ie auch im motorischen Bereich mit erheblichen Einschränkungen verbunden sei, könne das Versäu mnis vom Beschwerdeführer als krankheitsbedingt aus ärztlicher Sicht entschuldigt werden. 8.1 Ein Gutachten, welches von Verfahrensbeteiligten ei ngeholt und eingereicht wird, stellt kein gesetzliches Beweismittel dar. Stattdessen ist ihm led iglich die Bedeutung von Parteibe- hauptungen zuzumessen (A LFRED KÖLZ /J ÜRG BOSSHART /M ARTIN RÖHL , Kommentar zum Ver- waltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, § 7 N 23). Die erstell- ten Arztberichte, welche vom Beschwerdeführer den Gericht en eingereicht wurden, weisen als eigentliche Parteigutachten und mit Blick auf die auftr agsrechtliche Vertrauensstellung der Ver- fasser nicht dieselbe Beweiskraft auf wie ein von der Behö rde in Auftrag gegebenes Sachver- ständigengutachten. Dennoch sind sie in die Beweiswürdi gung einzubeziehen, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (B ERNHARD WALDMANN /P HILIPPE WEISSENBERGER [Hrsg.] in: Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 19 N 16). 8.2 Wie die Vorinstanz zu Recht erkannt hat, ist der sozial versicherungsrechtliche Begriff der Arbeitsunfähigkeit nicht gleichzusetzen mit einer gen erellen Handlungsunfähigkeit, sondern umschreibt eine auf die jeweilige Berufsausübung eingesc hränkte und somit auf einen Teilbe- reich bezogene Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder A ufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 6 N 3). Der Beschwerdeführer reichte dem Steuergericht vier Arztzeug nisse von seinem Hausarzt, Dr. E.____, aus dem Jahr 2009 ein. Diese Zeugnisse besche inigen dem Beschwerdeführer in den Monaten März bis Juni 2009 und August 2009 eine jew eils 100% Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit. Zudem lag dem Steuergericht ein ärztliches Zeugnis von Dr. B.____ vom 21. Januar 2011 vor, in welchem der Beschwerdeführer vo m 19. August 2009 an und noch Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht während weiteren vier Wochen wegen Krankheit zu 100% arbeitsunfähig geschrieben wurde. Diese ärztlichen Zeugnisse, welche sich auf einen länge ren Zeitraum vor Beginn der strittigen Rechtsmittelfrist beziehen, enthalten naturgemäss keine m edizinischen Angaben über den Ge- sundheitszustand des Beschwerdeführers während der Zeit zwi schen dem 30. März 2011 und dem 28. April 2011. Zudem legte der Beschwerdeführer dem Steuergericht einen ärztlichen Untersuchungsbericht von Dr. F.____ datiert vom 17. Ma i 2011 sowie ein ärztliches Zeugnis von Dr. E.____ vom 3. Oktober 2011 vor, welches bestätigt, dass der Beschwerdeführer bei ihm am 10. Mai 2011 wegen Herzrhythmusstörungen in Behandlung gewesen sei, dass eine frühere Behandlung nicht möglich gewesen sei sowie, dass der ge naue Zeitpunkt des Auftretens der Herzrhythmusstörungen nicht mit Sicherheit festgelegt werden könne, es sei jedoch vorstellbar, dass die Beschwerden während Wochen vorhanden gewesen se ien. Die letztgenannten ärztli- chen Berichte beziehen sich auf die Herzrhythmusstörungen des Beschwerdeführers, aus ihnen geht jedoch nicht hervor, inwiefern der Beschwerdeführe r aufgrund dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung während der ganzen Rechtsmittelfrist vollständig handlungsunfähig war. Hin- zukommt, dass diese Berichte auf Untersuchungen beruhen, w elche nach Ablauf der Rekurs- frist durchgeführt wurden und keine verlässlichen Aussagen betreffend die gesundheitliche Ver- fassung des Beschwerdeführers in der fraglichen Zeitspanne zulassen. Das Steuergericht hat demzufolge zu Recht gestützt auf die vorgenannten ärztlichen Berichte festgehalten, dass keine hinreichenden Hinderungsgründe vorgelegen haben, wel che eine Wiederherstellung der Re- kursfrist hätten rechtfertigen können. 8.3 Laut Arztzeugnis von Dr. B.____ vom 30. Juni 2011 se i der Beschwerdeführer wegen Krankheit bereits seit dem 19. August 2009 ganz arbeit sunfähig. Das vorliegende Verfahren wurde durch die Einsprache des Beschwerdeführers vom 14. März 2010 eingeleitet, d.h. sieben Monate nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit, und läuf t somit schon seit mehr als zwei Jahren. Dies zeigt, dass der Beschwerdeführer weder von der Krankhe it noch von einem unvorherseh- baren Verfahren überrascht wurde. Demzufolge hatte er genügend Zeit, sich auf seine Situation und das Beschwerdeverfahren vor dem Steuergericht einzuste llen und die nötigen Vorkehrun- gen zu treffen. All seine Verfahrenseingaben konnte der unvertretene Beschwerdeführer auch während seiner 100% Arbeitsunfähigkeit alleine bewäl tigen. Aus welchem Grund der Be- schwerdeführer genau während der Rechtsmittelfrist vom 30. März 2011 bis zum 28. April 2011 derart krank gewesen sein soll, dass auch das Beauftrag en eines Rechtsvertreters bzw. einer Drittperson nicht möglich war, geht aus keinem der ärztli chen Zeugnisse hervor. Ausserdem habe der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben versucht, in der besagten Zeitspanne einen Arzttermin bei seinem Hausarzt, Dr. E.____, zu vereinbar en, dieser sei jedoch in den Ferien gewesen. Der Beschwerdeführer muss folglich in der gesun dheitlichen Verfassung gewesen sein, einen Arzt aufzusuchen; wieso das möglich gewesen sei n soll, hingegen ein Termin bei einem Rechtsvertreter bzw. einer Drittperson nicht, ist aus keinem der Arztberichte ersichtlich. 8.4 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Darstellung ve rmag zudem aus folgenden Gründen nicht zu überzeugen: Bei der Frage einer Wiederherstellung von Rechtsmittelfristen ist die Praxis des Bundesgerichts sehr streng und verlangt vom B etroffenen eine überzeugende Darlegung des unverschuldeten Hindernisses. Das Steuergericht ist dabei dem Beschwerdefüh- rer insofern entgegengekommen, als es den Beschwerdefü hrer mehrmals darauf hingewiesen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat, dass er die gesundheits- und krankheitsbedingten Gr ünde seiner Handlungsunfähigkeit darzulegen habe. Der Beschwerdeführer reichte dem Steu ergericht in der Folge diverse ärztli- che Zeugnisse ein und zwei weitere ärztliche Berichte de m Kantonsgericht im anschliessenden Beschwerdeverfahren (vgl. E. 8.2). Dem ärztlichen Zeugni s von Med. pract. C.____ vom 5. Januar 2012 ist nicht zu entnehmen, ob der Beschwerd eführer überhaupt von ihr behandelt wurde, die gemachten Aussagen lassen zumindest nicht e rkennen, seit wann eine allfällige ärztliche Betreuung bestehen könnte und ob sich Med. pra ct. C.____ in ihrem Bericht lediglich auf die Aussagen des Beschwerdeführers stützt oder ob sie diesen untersucht hat. Zudem sind die Ausführungen von Med. pract. C.____ sehr vage un d allgemein gehalten. Ihre Darstellung bezieht sich auf die allgemeine Lebenssituation des Besch werdeführers seit 2005, ohne eine ärztliche Diagnose, fachliche Beschreibung des Krankheits bildes oder einer genauen Bezeich- nung der Medikation. In Bezug auf die gesundheitliche Situation oder auf eine ärztliche Behand- lung während des strittigen Zeitraums vom 30. März 2011 bis 28. April 2011 äussert sich der Bericht überhaupt nicht, vielmehr wird allgemein fest gehalten, dass davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer seit 2011 nicht vollständig handlungs- und zurechnungsfähig gewe- sen sei. Demzufolge lässt der ärztliche Bericht von Med. pract. C.____ vom 5. Januar 2012 kei- ne Rückschlüsse auf physisch und/oder psychisch bedingte Gründ e der Handlungsunfähigkeit des Beschwerdeführers während der fraglichen Zeit zu. 8.5 Das ärztliche Zeugnis von Dr. B.____ vom 3. Februar 2012 zeigt ebenfalls keine ärztli- che Diagnose oder medikamentöse Behandlung auf, welche auf eine krankheitsbedingte Hand- lungsunfähigkeit vom 30. März 2011 bis 28. April 2011 schliessen lässt. Unbeantwortet bleibt insbesondere die Frage, von welcher Erkrankung des Beschwe rdeführers in diesem Bericht ausgegangen wird. Dr. B.____ führt aus, dass der Beschwerdeführer seit längerer Zeit in seiner fachärztlichen Behandlung stehe und aufgrund der jetzigen Erkrankung des Beschwerdeführers für den Zeitraum von Ende März 2011 bis Ende April 201 1 davon ausgegangen werden müsse, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen sei, seinen Verpflichtungen ordnungs- gemäss nachzugehen. Es fehlt jedoch jeglicher medizinische Hinweis darauf, wieso gerade in dieser fraglichen Zeit eine vollständige Handlungsunfähi gkeit vorgelegen haben soll. Zudem geht aus dem Bericht nicht hervor, wann und allenfal ls wie oft eine ärztliche Konsultation statt- gefunden hat. Der ärztliche Bericht ist sehr vage formu liert und lässt viele entscheidrelevante Fragen unbeantwortet, womit auch auf diesen Bericht nicht abgestellt werden kann. 8.6 Aus den dargelegten Gründen vermag die Darstellung des Beschwerdeführers nicht zu überzeugen und es ist nicht belegt, dass der Beschwerdeführer im fraglichen Zeitpunkt gänzlich handlungsunfähig war und es ihm damit verunmöglicht wa r, selbst die nötigen fristwahrenden Rechtshandlungen vorzunehmen oder einen rechtskundigen Vertreter damit zu betrauen. Nachdem der dem Beschwerdeführer obliegende Beweis, fü r das objektiv unabwendbare un- verschuldete Versäumen der Rekursfrist, nicht erbracht werden konnte, ist das Steuergericht zu Recht nicht auf den Rekurs eingetreten. Die vorliegende Beschwerde wird demzufolge abge- wiesen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Au smass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). A ngesichts des Ausgangs des Verfahrens sind die Verfahrenskosten demgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Bewilli- gung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Ver fahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- zulasten der Gerichtskasse. Die Parteikosten wer den wettgeschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die Ver- fahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin