<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">217</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>X. Sozialhilfe</b></span><br/> <span class="ft3"><b>32</b></span> <span class="ft3"><b>Sozialhilfe; Leistungen von privaten Hilfsorganisationen</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Spenden und Unterstützungsleistungen privater Hilfsorganisationen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>unterstehen der Meldepflicht; sie sind gemäss § 11 Abs. 2 SPV nur</b></span><br/> <span class="ft3"><b>als eigene Mittel anzurechnen, sofern die Ausgaben ansonsten über</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den Grundbedarf zu decken sind.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Zweckgebundene Barspenden privater Hilfsorganisationen sind</b></span><br/> <span class="ft3"><b>grundsätzlich nicht als eigene Mittel anzurechnen, sofern sie für Aus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gaben ausserhalb des Grundbedarfs zugewendet werden; eine</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Anrechnung kann bei zweckwidriger Verwendung erfolgen, wofür</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Sozialbehörde beweisbelastet ist.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eine Grenze für die Nicht-Anrechnung von Zuwendungen als eigene</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Mittel bildet das Rechtsmissbrauchsverbot.</b></span><br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 10. Februar 2015 in Sa-</span><br/> <span class="ft6">chen A. und B. gegen Gemeinde C. und Departement Gesundheit und Soziales</span><br/> <span class="ft6">(WBE.2014.135).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">2.</span><br/> <span class="ft10">2.1.</span><br/> <span class="ft10">Die Vorinstanzen werfen den Beschwerdeführern vor, sie hätten</span><br/> <span class="ft10">von der Stiftung D. Leistungen im Betrag von Fr. 13'275.35 erhalten</span><br/> <span class="ft10">und diese Zuwendungen in Verletzung ihrer Melde- und Mitwir-</span><br/> <span class="ft10">kungspflicht der Sozialbehörde nicht gemeldet. Bei den Zuwen-</span><br/> <span class="ft10">dungen handle es sich insbesondere um solche, welche von einer</span><br/> <span class="ft10">unterstützten Person grundsätzlich aus dem Grundbedarf zu bezahlen</span><br/> <span class="ft10">seien. Bei Leistungen, welche allenfalls von der Sozialhilfe als si-</span><br/> <span class="ft10">tuationsbedingte Leistungen übernommen werden, fehle es an einem</span><br/> <span class="ft10">entsprechenden Gesuch der Beschwerdeführer, was diese zu vertre-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">ten hätten. Die Beschwerdeführer hätten die materielle Hilfe, die</span><br/> <span class="ft10">zeitgleich mit den Drittleistungen ausgerichtet wurde, unrechtmässig</span><br/> <span class="ft10">bezogen und die materielle Hilfe sei daher im entsprechenden</span><br/> <span class="ft10">Umfang zurückzuerstatten.</span><br/> <span class="ft10">2.2.</span><br/> <span class="ft10">Die Sozialhilfe wird vom Subsidiaritätsprinzip beherrscht. Als</span><br/> <span class="ft10">Grundprinzip im Sozialhilferecht meint die Subsidiarität, dass So-</span><br/> <span class="ft10">zialhilfe prinzipiell nur gewährt wird, soweit der Einzelne keinen</span><br/> <span class="ft10">Zugang zu einer anderweitigen, zumutbaren Hilfsquelle hat. Es ist</span><br/> <span class="ft10">damit Ausdruck der Pflicht zur Mitverantwortung und Solidarität</span><br/> <span class="ft10">gegenüber der Gemeinschaft, wie sie in Art. 6 BV verankert ist.</span><br/> <span class="ft10">Die Sozialhilfe richtet nur bei objektiv feststellbarer Bedürftig-</span><br/> <span class="ft10">keit Mittel aus, weshalb ein Anspruch auf Sozialhilfe mit Blick auf</span><br/> <span class="ft10">den Subsidiaritätsgrundsatz zu klären ist (vgl. dazu C</span><span class="ft6">LAUDIA</span> <span class="ft10">H</span><span class="ft6">ÄNZI</span><span class="ft10">,</span><br/> <span class="ft10">Die Richtlinien der schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, Basel</span><br/> <span class="ft10">2011, S. 114 f.; C</span><span class="ft6">HRISTOPH</span> <span class="ft10">H</span><span class="ft6">ÄFELI</span><span class="ft10">, Prinzipien der Sozialhilfe, in:</span><br/> <span class="ft10">Ders. (Hrsg.), Das Schweizerische Sozialhilferecht, Luzern 2008,</span><br/> <span class="ft10">S. 73 ff.). Der Grundsatz der Subsidiarität gilt sowohl hinsichtlich</span><br/> <span class="ft10">der Nothilfe nach Art. 12 BV als auch im Rahmen der kantonal gere-</span><br/> <span class="ft10">gelten Sozialhilfe (§ 5 Abs. 1 SPG; vgl. etwa BGE 131 I 166,</span><br/> <span class="ft10">Erw. 4.1 mit Hinweisen; AGVE 2009, S. 223, Erw. 5.2). Die unter-</span><br/> <span class="ft10">stützte Person ist in Ausschöpfung des Subsidiaritätsprinzips ver-</span><br/> <span class="ft10">pflichtet, Leistungsansprüche Dritten gegenüber geltend zu machen.</span><br/> <span class="ft10">Auch Leistungen Dritter, auf welche kein durchsetzbarer Rechtsan-</span><br/> <span class="ft10">spruch besteht, die aber tatsächlich erbracht werden, gehen dem</span><br/> <span class="ft10">Leistungsanspruch gegenüber dem Staat vor (vgl. H</span><span class="ft6">ÄFELI</span><span class="ft10">, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft10">S. 73). Nach § 5 Abs. 1 SPG ist der Sozialhilfeanspruch auch sub-</span><br/> <span class="ft10">sidiär gegenüber andern Hilfeleistungen, worunter auch die Zuwen-</span><br/> <span class="ft10">dungen Dritter fallen (§ 4 Abs. 2 SPV; vgl. die gemäss § 10 Abs. 1</span><br/> <span class="ft10">SPG i.V.m. § 10 Abs. 1 SPV für die Bemessung der materiellen Hilfe</span><br/> <span class="ft10">grundsätzlich verbindlichen SKOS-Richtlinien, 3. Auflage, Dezem-</span><br/> <span class="ft10">ber 2000, Kapitel A.4). Bei der Bemessung der Sozialhilfeleistungen</span><br/> <span class="ft10">ist von den faktischen Verhältnissen auszugehen und freiwillige</span><br/> <span class="ft10">Leistungen Dritter sind in dem Ausmass in die Berechnung einzube-</span><br/> <span class="ft10">ziehen, als sie tatsächlich ausgerichtet werden oder aufgrund von Zu-</span><br/> <span class="ft10">sicherungen ohne weiteres kurzfristig erhältlich sind (BGE 137 V</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">143, Erw. 3.7.1; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2013</span><br/> <span class="ft10">[8C_42/2013], Erw. 3; VGE IV/75 vom 23. November 2006</span><br/> <span class="ft10">[WBE.2006.295], Erw. 4.2; F</span><span class="ft6">ELIX</span> <span class="ft10">W</span><span class="ft6">OLFFERS</span><span class="ft10">, Grundriss des</span><br/> <span class="ft10">Sozialhilferechts, 2. Auflage, Bern 1999, S. 72 und 153).</span><br/> <span class="ft10">Bei Verletzung des Subsidiaritätsprinzips ist die Leistungsein-</span><br/> <span class="ft10">stellung zulässig, wenn infolge eines Mittelzuflusses die Bedürftig-</span><br/> <span class="ft10">keit nicht besteht oder nicht mehr erwiesen ist. In diesen Fällen fehlt</span><br/> <span class="ft10">es an den Anspruchsvoraussetzungen, weil die hilfesuchende Person</span><br/> <span class="ft10">in Kenntnis der Konsequenzen ihres Handelns auf zumutbare und</span><br/> <span class="ft10">konkrete Massnahmen zur Vermeidung oder Herabsetzung ihrer Not-</span><br/> <span class="ft10">lage (BGE 139 I 218, Erw. 3.3; AGVE 2009, S. 232, Erw. 1.1) oder</span><br/> <span class="ft10">auf tatsächlich erhältliche Einnahmen verzichtet. Dies gilt für alle</span><br/> <span class="ft10">Zuwendungen Dritter, die geeignet sind, die Bedürftigkeit effektiv zu</span><br/> <span class="ft10">mindern. Die Einstellung der materiellen Hilfe kann aber nur gestützt</span><br/> <span class="ft10">auf das Subsidiaritätsprinzip nicht als Sanktion verfügt werden</span><br/> <span class="ft10">(BGE 130 I 71, Erw. 4.3 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft10">2.3.</span><br/> <span class="ft10">2.3.1.</span><br/> <span class="ft10">Eigene Mittel sind Zuwendungen aller Art an eine unterstützte</span><br/> <span class="ft10">Person (§ 11 Abs. 1 SPG). Die SPV umschreibt die Zuwendungen als</span><br/> <span class="ft10">freiwillige Leistungen Dritter, wie Naturalleistungen oder andere</span><br/> <span class="ft10">Leistungen mit wirtschaftlichem Wert, die ansonsten über den</span><br/> <span class="ft10">Grundbedarf zu decken sind (§ 11 Abs. 2 SPV). Auch Spenden oder</span><br/> <span class="ft10">Unterstützungsleistungen privater Hilfsorganisationen sind freiwil-</span><br/> <span class="ft10">lige Zuwendungen im Sinne dieser Bestimmung und gehen nach dem</span><br/> <span class="ft10">Grundsatz der Subsidiarität einem Anspruch auf materielle Hilfe vor</span><br/> <span class="ft10">(Handbuch Sozialhilfe des Kantonalen Sozialdienstes, 4. Auflage,</span><br/> <span class="ft10">2003, Kapitel 5, S. 13). Erhält eine unterstützte Person freiwillige</span><br/> <span class="ft10">Zuwendungen von einer karitativen (Hilfs-) Organisation ist sie ver-</span><br/> <span class="ft10">pflichtet, diese Einnahmen zu melden (§ 2 Abs. 3 SPG und § 1</span><br/> <span class="ft10">Abs. 1 und 2 SPV).</span><br/> <span class="ft10">2.3.2.</span><br/> <span class="ft10">Die Sozialbehörde hat bei der Festlegung der materiellen Hilfe</span><br/> <span class="ft10">zu prüfen, ob und in welchem Umfang freiwillige Zuwendungen als</span><br/> <span class="ft10">eigene Mittel der unterstützten Person anzurechnen sind. Für die An-</span><br/> <span class="ft10">rechnung wegleitend ist § 11 Abs. 2 SPV. Nach dieser Bestimmung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">220</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">sind Zuwendungen anrechenbar, die ansonsten über den Grundbedarf</span><br/> <span class="ft10">zu decken sind. Die Bestimmung konkretisiert das Subsidiaritätsprin-</span><br/> <span class="ft10">zip funktionell durch eine Anrechnung aller andern Leistungen, wel-</span><br/> <span class="ft10">che die finanzielle Bedürftigkeit einer hilfesuchenden Person mil-</span><br/> <span class="ft10">dern. Die Sozialhilfe ist aber nur insofern subsidiär, als die An-</span><br/> <span class="ft10">rechenbarkeit vorrangiger Eigenmittel deren Verfügbarkeit voraus-</span><br/> <span class="ft10">setzt. Sind anrechenbare Eigenmittel zeitlich nicht oder nicht mehr</span><br/> <span class="ft10">verfügbar, können sie die Bedürftigkeit nicht beheben und die</span><br/> <span class="ft10">Sozialhilfe geht vor (vgl. dazu VGE IV/28 vom 13. August 2004</span><br/> <span class="ft10">[BE.2004.00153], Erw. II/2b/aa; G</span><span class="ft6">UIDO</span> <span class="ft10">W</span><span class="ft6">IZENT</span><span class="ft10">, Die sozialhilfe-</span><br/> <span class="ft10">rechtliche Bedürftigkeit, Zürich/St. Gallen 2014, S. 230 f.).</span><br/> <span class="ft10">Entsprechend ihrer systematischen Einordnung regelt § 11</span><br/> <span class="ft10">Abs. 2 SPV die Anrechenbarkeit von freiwilligen Zuwendungen bei</span><br/> <span class="ft10">der Festlegung der materiellen Hilfe. Freiwillige Spenden sind anre-</span><br/> <span class="ft10">chenbar, wenn sie die Leistungspflicht der Gemeinde für den</span><br/> <span class="ft10">Grundbedarf I und II tatsächlich und rechtzeitig so reduzieren, dass</span><br/> <span class="ft10">insgesamt, d.h. die freiwilligen Zuwendungen zusammen mit den</span><br/> <span class="ft10">Leistungen der Sozialhilfe, den Grundbedarf I und II des sozialen</span><br/> <span class="ft10">Existenzminimums der hilfesuchenden Person abdecken. § 11 Abs. 2</span><br/> <span class="ft10">SPV fokussiert auf die subsidiäre Leistungspflicht der Gemeinde und</span><br/> <span class="ft10">- entgegen der Auffassung der Vorinstanzen - nicht auf das Ausga-</span><br/> <span class="ft10">benverhalten der unterstützten Person. Die Anrechnung ist weder</span><br/> <span class="ft10">vom Gegenstand und vom Wert einer Leistung abhängig, noch ist</span><br/> <span class="ft10">massgebend, ob eine unterstützte Person eine Ausgabe tätigt, für wel-</span><br/> <span class="ft10">che ihr selbst nur die Mittel aus dem Grundbedarf I und II zur Verfü-</span><br/> <span class="ft10">gung stehen würden. Für das Ausgabeverhalten einer unterstützten</span><br/> <span class="ft10">Person gilt der Grundsatz der Eigenverantwortung. Die pauschalen</span><br/> <span class="ft10">Grundbeträge sind verfügbares Einkommen, das die unterstützte Per-</span><br/> <span class="ft10">son grundsätzlich und unter dem Vorbehalt, dass sie über die Fähig-</span><br/> <span class="ft10">keit zur selbstverantwortlichen Einteilung ihrer finanziellen Mittel</span><br/> <span class="ft10">verfügt, nach Gutdünken verwenden kann (§ 1 Abs. 2 SPG; vgl.</span><br/> <span class="ft10">AGVE 2009, S. 232; Handbuch Sozialhilfe, a.a.O., Kap. 5, S. 33).</span><br/> <span class="ft10">2.3.3.</span><br/> <span class="ft10">Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass für die Anrech-</span><br/> <span class="ft10">nung freiwilliger Zuwendungen gemäss § 11 Abs. 2 SPV mass-</span><br/> <span class="ft10">gebend ist, ob diese geeignet sind, die Leistungspflicht der Sozial-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">221</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">hilfe effektiv herabzusetzen, weil die unterstützte Person sonst in den</span><br/> <span class="ft10">Genuss doppelter Leistungen kommt. Bei der Zuwendung von (Bar-)</span><br/> <span class="ft10">Geldleistungen, über welche die hilfesuchende Person frei verfügen</span><br/> <span class="ft10">kann und die im Zeitpunkt der Zuwendung auch tatsächlich frei ver-</span><br/> <span class="ft10">fügbar sind, ist diese Voraussetzung regelmässig erfüllt. Solche Zu-</span><br/> <span class="ft10">wendungen sind Einkünfte der hilfesuchenden Person, die ihren</span><br/> <span class="ft10">Unterstützungsbedarf effektiv reduzieren.</span><br/> <span class="ft10">Naturalleistungen oder andere Leistungen von wirtschaftlichem</span><br/> <span class="ft10">Wert sind unter der gleichen Voraussetzung anrechenbar. Andere</span><br/> <span class="ft10">Leistungen gemäss § 11 Abs. 2 SPV sind Sachleistungen, wie die</span><br/> <span class="ft10">Bezahlung von Dienstleistungen, Schulden und Sachgütern, soweit</span><br/> <span class="ft10">sie die Bedürftigkeit der hilfesuchenden oder unterstützten Person</span><br/> <span class="ft10">tatsächlich vermindern, d.h. das von der Sozialhilfe mit dem</span><br/> <span class="ft10">Grundbetrag zu deckende soziale Existenzminimum reduzieren.</span><br/> <span class="ft10">Zuwendungen von Dritten können im System der Sozialhilfe</span><br/> <span class="ft10">unter die medizinische Grundversorgung, die Wohnkosten, die</span><br/> <span class="ft10">situationsbedingten Leistungen (§ 10 Abs. 5 lit. a und b SPV), die</span><br/> <span class="ft10">Massnahmen der sozialen Prävention (SPV, 4. Abschnitt) und die</span><br/> <span class="ft10">immaterielle Hilfe (§ 7 SPV) fallen. Für solche Zuwendungen</span><br/> <span class="ft10">kommt § 11 Abs. 2 SPV nicht zur Anwendung. Die Anrechnung sol-</span><br/> <span class="ft10">cher Leistungen Dritter setzt voraus, dass die Sozialhilfe für solche</span><br/> <span class="ft10">Ausgaben tatsächlich aufkommt bzw. bei laufender Unterstützung</span><br/> <span class="ft10">aufgekommen ist. Ein unterlassenes Gesuch um Leistungen der</span><br/> <span class="ft10">Sozialhilfe für medizinische Massnahmen, situationsbedingte Leis-</span><br/> <span class="ft10">tungen oder weitere zusätzliche Unterstützungsleistungen vermag</span><br/> <span class="ft10">eine (nachträgliche) Reduktion oder Kürzung der materiellen Hilfe</span><br/> <span class="ft10">ebenfalls nicht zu begründen. Auf die Bedürftigkeit der hilfesu-</span><br/> <span class="ft10">chenden und unterstützten Personen haben Zuwendungen Dritter für</span><br/> <span class="ft10">solche Auslagen in der Regel keinen Einfluss.</span><br/> <span class="ft10">Die Verletzung der Melde- oder Mitwirkungspflicht hat auf die</span><br/> <span class="ft10">Qualifikation von Zuwendungen ebenfalls keinen Einfluss. § 11</span><br/> <span class="ft10">Abs. 2 SPV ist - entgegen den Vorinstanzen - eine Anrechnungs-</span><br/> <span class="ft10">und keine Sanktionsnorm.</span><br/> <span class="ft10">2.3.4. (...)</span><br/> <span class="ft10">2.4.</span><br/> <span class="ft10">2.4.1. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">222</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">2.4.2.</span><br/> <span class="ft10">Bargeld kann aufgrund seiner Beschaffenheit von der unter-</span><br/> <span class="ft10">stützten Person grundsätzlich nach Belieben verwendet werden.</span><br/> <span class="ft10">Nach dem Grundsatz der Subsidiarität der Sozialhilfe (§ 5 Abs. 1</span><br/> <span class="ft10">SPG) haben die unterstützten und hilfesuchenden Personen kein</span><br/> <span class="ft10">Wahlrecht zwischen den verschiedenen Hilfsquellen (AGVE 2009,</span><br/> <span class="ft10">S. 232, Erw. 2.4.2 mit Hinweisen). Die unterstützten Personen dürfen</span><br/> <span class="ft10">daher über ihre zusätzlich zur materiellen Hilfe verfügbaren Barmit-</span><br/> <span class="ft10">tel nicht nach Belieben verfügen. Bei frei verfügbaren Barspenden</span><br/> <span class="ft10">Dritter besteht ein sozialhilferechtliches Gebot, sie zur Minderung</span><br/> <span class="ft10">der Bedürftigkeit und damit für Auslagen des Grundbedarfs zu ver-</span><br/> <span class="ft10">wenden.</span><br/> <span class="ft10">Spenden werden von Dritten in der Regel zweckgebunden zur</span><br/> <span class="ft10">Verfügung gestellt. Über diese Zuwendungen kann die unterstützte</span><br/> <span class="ft10">Person nicht nach Belieben verfügen, ohne den Willen des Spenders</span><br/> <span class="ft10">zu missachten. Das Sozialhilferecht verlangt die Missachtung des</span><br/> <span class="ft10">Spenderwillens nicht. Für zweckgebundene Zuwendungen, die von</span><br/> <span class="ft10">der unterstützten Person zweckkonform und nicht für Auslagen des</span><br/> <span class="ft10">Grundbedarfs verwendet werden, fehlt die Voraussetzung für eine</span><br/> <span class="ft10">Anrechnung gemäss § 11 Abs. 2 SPV. Dies ist nicht nur eine Folge</span><br/> <span class="ft10">des Subsidiaritätsprinzips, sondern ergibt sich auch aus dem Effek-</span><br/> <span class="ft10">tivitätsgrundsatz. Anrechenbar sind nur Eigenmittel, die tatsächlich</span><br/> <span class="ft10">den Grundbedarf herabsetzen. Eine Missachtung des Spenderwillens</span><br/> <span class="ft10">ist nicht zu vermuten. Eine Anrechnung ist daher nur unter der</span><br/> <span class="ft10">Voraussetzung zulässig, dass eine zweckwidrige Verwendung nach-</span><br/> <span class="ft10">gewiesen ist, wofür die Sozialbehörde die Beweislast trifft.</span><br/> <span class="ft10">Eine andere Frage ist, ob zweckgebundene Zuwendungen, die</span><br/> <span class="ft10">zusätzlich zur Sozialhilfe von Dritten geleistet werden, der unter-</span><br/> <span class="ft10">stützten Person eine (finanzielle) Lebenssituation verschaffen, die</span><br/> <span class="ft10">mit den Zielen und Grundsätzen der Sozialhilfe nicht vereinbar ist</span><br/> <span class="ft10">oder aus Billigkeitsgründen im Budget berücksichtigt werden muss</span><br/> <span class="ft10">(vgl. dazu hinten Erw. 2.6).</span><br/> <span class="ft10">Vorliegend haben die Beschwerdeführer unbestrittenermassen</span><br/> <span class="ft10">den Ferienbeitrag zweckbestimmt verwendet. Hinzu kommt, dass</span><br/> <span class="ft10">nach § 10 Abs. 5 lit. a SPV Ferienaufenthalte in der Regel ohnehin</span><br/> <span class="ft10">über Fonds oder Stiftungen zu finanzieren sind. Für den Barbetrag</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">223</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">von Fr. 600.00 wird nicht behauptet, er sei nicht für Winterkleider</span><br/> <span class="ft10">und -schuhe der Kinder verwendet worden. Auch den Akten lässt</span><br/> <span class="ft10">sich nichts anderes entnehmen. Eine Anrechnung dieser zweckkon-</span><br/> <span class="ft10">form verwendeten Barzuwendungen ist ausgeschlossen; diese Spen-</span><br/> <span class="ft10">den sind keine verfügbaren Zuwendungen gemäss § 11 Abs. 2 SPV.</span><br/> <span class="ft10">2.4.3.-2.4.4. (...)</span><br/> <span class="ft10">2.5.</span><br/> <span class="ft10">Das Subsidiaritätsprinzip verlangt die Berücksichtigung von</span><br/> <span class="ft10">Zuwendungen von privaten Hilfsorganisationen bei der Bemessung</span><br/> <span class="ft10">der materiellen Hilfe. Der Grundsatz hat aber weder zum Ziel noch</span><br/> <span class="ft10">den Zweck, die Hilfstätigkeit von Privaten oder von Hilfsorganisatio-</span><br/> <span class="ft10">nen zu behindern oder gar zu erschweren. Die Abschiebung hilfesu-</span><br/> <span class="ft10">chender Personen an private wohltätige Institutionen oder ein Zwang</span><br/> <span class="ft10">zur Inanspruchnahme freiwilliger Privathilfe ist unzulässig (SKOS-</span><br/> <span class="ft10">Richtlinien, Kap. G.3.1 mit Hinweis auf BGE 122 II 193). Den</span><br/> <span class="ft10">Sozialbehörden ist es auch verwehrt, mittels einer Anrechnungspra-</span><br/> <span class="ft10">xis die unterstützten Personen, die Unterstützungsleistungen von</span><br/> <span class="ft10">Dritten entgegennehmen, mit einer Leistungskürzung oder gar Ein-</span><br/> <span class="ft10">stellung der materiellen Hilfe zu "bestrafen". Sie können den priva-</span><br/> <span class="ft10">ten Hilfsorganisationen auch keine Vorschriften über den Umfang</span><br/> <span class="ft10">ihrer Hilfeleistung und deren Zweckbestimmung machen. Die aner-</span><br/> <span class="ft10">kannten karitativen Hilfsorganisationen leisten ihre Hilfe an Bedürf-</span><br/> <span class="ft10">tige nach Massgabe ihrer Statuten und internen Regelungen. Ein Ge-</span><br/> <span class="ft10">neralverdacht, dass sie mit ihren Leistungen unbillige "Komfortposi-</span><br/> <span class="ft10">tionen" der unterstützten Personen finanzieren, ist deplatziert. Sozial-</span><br/> <span class="ft10">hilfe erschöpft sich nicht in der Gewährleistung des sozialen</span><br/> <span class="ft10">Grundbedarfs. Zur Zielsetzung der Sozialhilfe gehört neben der</span><br/> <span class="ft10">Existenzsicherung die Förderung der wirtschaftlichen und persön-</span><br/> <span class="ft10">lichen Selbständigkeit der unterstützten Personen (SKOS-Richt-</span><br/> <span class="ft10">linien, Kap. A.1). In den Bereichen Schuldensanierung, berufliche</span><br/> <span class="ft10">und soziale Integration, Ausbildung und immaterielle Hilfe können</span><br/> <span class="ft10">private Hilfsorganisationen zweckmässige Hilfestellungen leisten,</span><br/> <span class="ft10">die im Interesse der Sozialhilfe sind und einen wertvollen Beitrag zur</span><br/> <span class="ft10">Armutsbekämpfung darstellen.</span><br/> <span class="ft10">Die staatliche Sozialhilfe und die privaten Hilfsorganisationen</span><br/> <span class="ft10">leisten nach der Verfassung (Art. 41 Abs. 1 BV; § 39 Abs. 1 KV)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">224</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">gemeinsame Hilfestellungen zur Erreichung der Sozialziele. Sinnvoll</span><br/> <span class="ft10">ist eine zielorientierte Ergänzung der öffentlichen Sozialhilfe durch</span><br/> <span class="ft10">die private Initiative (vgl. P</span><span class="ft6">ASCAL</span> <span class="ft10">E</span><span class="ft6">NGLER</span><span class="ft10">, Die private Sozialhilfe</span><br/> <span class="ft10">spielt bei der Armutsbekämpfung eine wichtige Rolle, in: Zeitschrift</span><br/> <span class="ft10">für Sozialhilfe [ZESO] 03/13, S. 18 und 19). Die gleichzeitige Hilfe</span><br/> <span class="ft10">durch Private und die Sozialhilfe erfordert eine Koordination der pri-</span><br/> <span class="ft10">vaten und öffentlichen Hilfssysteme und damit eine Zusammenarbeit</span><br/> <span class="ft10">zwischen der Sozialbehörde und den Hilfsorganisationen. Es ist</span><br/> <span class="ft10">daher bedauerlich, dass im vorliegenden Fall das Hilfswerk sein</span><br/> <span class="ft10">Hilfsgesuch an andere Institutionen vom Dezember 2012 der Sozial-</span><br/> <span class="ft10">behörde C. nicht zur Kenntnis brachte und die Sozialbehörde C. eine</span><br/> <span class="ft10">Zusammenarbeit mit der Stiftung ablehnte.</span><br/> <span class="ft10">2.6.</span><br/> <span class="ft10">2.6.1.</span><br/> <span class="ft10">Die Sozialbehörde C. und die Vorinstanz begründen ihre Ent-</span><br/> <span class="ft10">scheidungen zudem mit der unbilligen oder unrechtmässigen</span><br/> <span class="ft10">Komfortsituation der Beschwerdeführer als Folge der Hilfsleistungen</span><br/> <span class="ft10">der Stiftung D..</span><br/> <span class="ft10">Die Definition und Konkretisierung einer sozialhilferechtlich</span><br/> <span class="ft10">nicht schützenswerten Komfortposition nach einem allgemeinen</span><br/> <span class="ft10">Massstab oder mittels genereller Kriterien ist nicht möglich. Die</span><br/> <span class="ft10">Lebenssituationen von hilfesuchenden Personen sind individuell und</span><br/> <span class="ft10">ihre jeweiligen Notlagen verschieden. Eine objektivierte Abgrenzung</span><br/> <span class="ft10">einer (luxuriösen) Lebenshaltung, die mit der Zielsetzung der Sozial-</span><br/> <span class="ft10">hilfe unvereinbar ist, lässt sich dem SPG nicht entnehmen. Massge-</span><br/> <span class="ft10">bend für die Beurteilung sind die konkreten Umstände des jeweiligen</span><br/> <span class="ft10">Unterstützungsfalles (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juni</span><br/> <span class="ft10">2006 [2P.16/2006], Erw. 5.2; Urteil des Verwaltungsgerichts des</span><br/> <span class="ft10">Kantons Zürich vom 12. Mai 2005 [VB.2005.00067], Erw. 3). Eine</span><br/> <span class="ft10">Grenze für die Ausrichtung freiwilliger, nicht anrechenbarer Zuwen-</span><br/> <span class="ft10">dungen Dritter an Sozialhilfeempfänger bildet das Rechtsmiss-</span><br/> <span class="ft10">brauchsverbot. Freiwillige Zuwendungen Dritter können im Ergebnis</span><br/> <span class="ft10">auch dazu führen, dass sich die unterstützte Person eine (luxuriöse)</span><br/> <span class="ft10">Lebenshaltung leisten kann, die den Sozialhilfebezug als un-</span><br/> <span class="ft10">rechtmässig und unbillig erscheinen lässt.</span><br/></div> </div> </body> </html>