B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1002/2010 U r t e i l v o m 3 1 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), Türkei, alle vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Januar 2010 / N (…). E-1002/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführe nden – kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in D._______ – verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 14. November 2007 auf dem Luftweg nach Paris und gelangten unter Umgehung der Grenzkontrolle am 19. Dezember 2007 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Die summarischen Erstbe - fragungen der Beschwe rdeführenden fanden am 28. Dezember 200 7 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ statt. A.a Am (…) wurde die Tochter C._______ geboren. A.b Die ausführlichen Anhörungen erfolgten am 24. März 2009. Die Beschwerdeführe nden machten zur Begründung ihre r Asylgesuche im Wesentlichen Folgendes geltend: Der Beschwerdeführer stamme ursprünglich aus F._______ und sei Kur- de und Alewit. Er habe seine jetzige Partnerin im Jahre 2003 am Arbeit s- platz kennengelernt. Als dies ihr Vater erfahren habe, habe er ihr ab 19. April 2007 verboten, dort zu arbeiten und habe sie in der Wohnung einge- sperrt, weil er als Schafiit gegen die Beziehung mit einem Alewiten gewe- sen sei. Der Vater sei zwar auch ein Kurde, aber zugleich pro türkisch eingestellt. Der Beschwerdeführer habe seinen Chef und das Parteilokal der Demokratik Toplum Partisi ( DTP) eingeschaltet, um ihm zu helfen . Diese hätten jedoch nicht s bewirken können, insbesondere, weil die F a- milie von B._______ (Beschwerdeführerin) einer Familie von Dorfschüt- zern angehöre, die die DTP als Feinde betrachten würden. In der Folge sei B._______ von zu Hause geflohen und habe die Polizei um Schutz ersucht, diese habe ihr jedoch nicht geholfen, sondern sie wieder dem Vater übergegeben. Nach einem Selbstmordversuch habe sie ins S pital eingeliefert werden müssen. Nach all diesen Ereignissen habe ihr Vater den Entschluss gefasst, se ine Tochter umzubringen, weil sie die Famili- enehre beschmutzt habe. B._______ sei es wieder gelungen, zu flüchten. Der Beschwerdeführer habe sie zu seiner Schwester gebracht und seinen Vater gebeten, mit dem Vater von B._______ zu sprechen. Dies sei j e- doch erfolglos gewesen. Der Beschwerdeführer hätte auch den Militä r- dienst leisten müssen. Zudem habe es auch politische Gründe g egeben, E-1002/2010 Seite 3 da er sich zwischen 1998 und 1999 für die Halkın Demokrasi Partisi (HA- DEP) und im Jahr 2006 für die Partiya Karkerên Kurdistan ( PKK) enga- giert habe. Er sei im Jahre 1999 im Kulturzentrum für 24 Stunden festge- nommen worden. Ansonsten habe er keine Probleme mit den Behörden gehabt. Der Vater seiner Frau habe gegen seine Tochter und ihn eine An- zeige wegen PKK-Anhängerschaft erstattet. A.c Die Beschwerdeführerin bestätigte die Angaben ihres Ehemannes und fügte hinzu, wenn sie nicht geflüchtet wären, hätte ihr Vater sie und ihren Mann umgebracht. Als sie damals zur Polizei geflüchtet sei, nachdem sie von ihrem Vater eingesperrt und geschlagen worden sei, habe sich diese auf die Seite ihres Vaters gestellt, obwohl er Todesdrohungen ausgespro- chen habe. Er habe gesagt, für den türkischen Staat während 7 bis 8 Jah- ren als Dorfschützer gedient zu haben und gegen Alewiten zu sein, weil sie die PKK unterstützen würden. A.d Die Beschwerdeführer reichten zwei Identitätsausweise (Nüfus) auf die Namen A._______ und B._______ und zwei türkische Pä sse auf die Namen G._______ und H._______ zu den Akten. A.e Das BFM ersuchte am 22. Dezember 2009 die Schweizeri sche Botschaft (nachfolgend Botschaft) in Ankara um weiterführende Abklärungen in der Türkei. Bezüglich des Inhalts der Anfrage wird auf die Akten verwiesen (vgl. A31/5). A.f Mit Schreiben vom 4. August 2009 teilte die Botschaft mit, dass die B e- schwerdeführerin nicht gesucht werde ; der Beschwerdeführer werde we- gen des ausstehenden Militärdienstes gesucht. Laut den Nüfus- und Mili- tärbehörden existiere in Elazig keine Person namens G._______ (1). We- der über die Beschwerdeführerin noch über den Beschwerdeführer b e- stünden Datenblätter (2). Die Beschwerdeführerin unterliege keinem Passverbot, der Beschwerdeführer unterliege einem Passverbot (3). Es sei vor keinem Agir Ceza Mahkemesi in D._______ ein Verfahren gegen die Beschwerdeführe nden hängig (4). Laut Angaben der Kontaktperson habe J._______ (der Vater der Beschwerdeführerin) bis vor 10 bis 12 Jahren zusammen mit sein er Familie I._______ gelebt und sei danach nach D._______ gezogen. Man habe im Dorf gehört, dass die Tochter E-1002/2010 Seite 4 J._______ ein Verhältnis mit einer DTP -Person gehabt habe; J._______ sei darüber sehr wütend gewesen und habe seinen Schwiegersohn bei der Polizei angezeigt. J._______ sei als sehr guter Mann und Kamerad bekannt gewesen, "es gefalle ja niemandem, wenn die Tochter mit einem Manne abhaue " (5). Die Kontaktperson im Kreisbüro der DTP in D._______ habe Folgendes berichtet: Die Familie K._______, Sympathi- santen der DTP , seien alewitischer Herkunft. A._______ hätte mit seiner Familie die Familie L._______ besuchen wollen, um Vater L._______ um die Hand sein er Tochter zu bitten. Es sei aber nicht so weit gekommen, da L._______ sehr negativ reagi ert habe, als er vernommen habe, dass seine Tochter mit einem Alewiten zusammen sei. Vater L._______ habe deshalb bei der Polizei eine Anzeige erstattet und vorgebracht, DTP'ler hätten seine Tochter entführt. Er sei der Meinung gewesen, da er dem Staat lange als Dorfschützer gedient habe, sei es Aufgabe des Staates, seine Tochter von den DTP'lern zurückzuholen. Die Polizei habe das Büro der DTP besucht. Zudem h abe K._______ (Vater des Beschwerdefü h- rers) die DTP gebeten, die Familien zu versöhnen, weshalb die DTP zur Vermittlung Emissäre entsa ndt habe, was letztlich vergeblich gewesen sei. Auch die Anzeige von Vater L._______ habe schliesslich zu keinen gerichtlichen Folgen geführt. Nachdem die Beschwerdeführer bereit s in der Schweiz gewesen seien, sei es vor der Sicherheitsdirektion zu ei ner Schlägerei zwischen Vater L._______ und Vater K._______ gekommen, wobei die Polizei habe intervenieren müssen. Eine daraus resultierende Anzeige habe ebenfalls zu keinen gerichtlichen Folgen geführt. Vater L._______ habe darauf im DTP -Büro vorgesprochen und Vorwürfe, B e- leidigungen sowie Drohungen ausgestossen (6). A.g Zu diesem Abklärungsergebnis nahmen die Beschwerdeführenden - nach einer stillschweigenden Fristerstreckung - am 7. Januar 2010 Stellung und reichten ein Aussageprotokoll des Strafantragsst ellers K._______ vom 1. Februar 2008 ein, wonach J._______ nach der Hochzeit der Ki n- der eine Versöhnung abgelehnt und etwa vor drei Tagen über den Schwager von K._______ diesem mitgeteilt habe, dass er sich aus seiner Heimat eine Waffe besorgt habe und das Haus überfallen werde. Der Schwager täte deshalb gut, K._______ nicht mehr zu Hause zu bes u- chen. Weiter wurde ein Ermittlungsantrag vom 24. April 2008 eingereicht, mit welchem die Oberstaatsanwaltschaft M._______ eine Befragung von K._______ zum erwähnten Vorfall sowie dessen Schwagers als Zeugen angeordnet habe. In ihrer Stellungnahme zur Botschaftsabklärung teilten die Beschwerdef ührenden im Wesentlichen mit, dass die Suche nach E-1002/2010 Seite 5 dem Beschwerdeführer wegen des Militärdienstes zutreffe. Zudem laufe gegen i hn auch noch ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren, welches noch nicht abgeschlossen sei. Wie er bereits geschildert habe, habe ihn sein Schwiegervater bei der Polizei als "Terrorist" denunziert. Er soll ein Militanter der DTP sein und Kontakte zur PKK pflegen. J._______ sei jahrelang als Dorfschützer für den Staat gegen die PKK -Kämpfer tätig und in mehrere Gefechte verwickelt gewesen, weshalb er als eine Ve r- trauensperson des Staates gelte. Sein Wort habe Gewicht und die Polizei würde den Beschwerdeführer mit Sicherheit festnehmen und wegen Z u- sammenarbeit mit der PKK misshandeln, wenn sie seiner irgendwann habhaft würde. Ausserdem seien sie mit gefälschten Reisepässen ausge- reist, weshalb es zutreffe, dass es keine Person namens G._______ ge- be. Zu Ziffer 4 der Botschaftsabk lärung erklärte der Beschwerdeführer, dass er bei den Befragungen nicht gesagt habe, es sei vor dem Schwur- gericht in D._______ ein Verfahren gegen ihn hängig . Dies liege jedoch darin, dass – wie es im Bericht stehe – die Ermittlungen noch nicht abge- schlossen seien. Zur Ziffer 5 der Botschaftsabklärung fügte er hinzu, dass die Dorfschützer - wie auch der Vater der Beschwerdeführerin - schwer bewaffnet seien und als Vertrauenspers onen des St aates im Kampf g e- gen die Terroristen gelten würden. Sie würden schalten und walten , wie es ihnen passe. Viele Morde, Raubüberfälle und Vergewaltigungen gin- gen auf ihr Kont o. Der Staat habe ihre Verbrechen gegen die kurdische Zivilbevölkerung fast immer toleriert (vgl. eingereichter Artikel, "Spiegel" vom 11. Mai 2009). Weiter sei zu erwähnen, dass es vorliegend auch um eine Sache der Ehre gehe. Die Tochter habe nach geltenden Traditionen und Sitten die Ehre der Familie beschmutzt, indem sie mit dem B e- schwerdeführer weggegangen sei. Aus diesem Grunde bestehe für beide eine konkrete Gefahr, vom Vater oder einem anderen Clanmit glied ir- gendwann ermordet zu werden. Aus der Ziffer 6 des Botschaftsberichts sei klar ersichtlich, wie der Vater L._______ auf jegliche Versöhnungsver- suche reagiert habe un d wie er gewaltbereit sei. Für ihn gelte, dass der Beschwerdeführer seine Tochter entführt und somit seine Familie enteh rt habe, weshalb er sich rächen müsse. Die Brüder von Vater L._______ seien immer noch als Dorfschützer tätig. Somit stehe fest, dass si ch die Beschwerdeführenden durch ihr Zusammenkommen in eine sehr gefäh r- liche Lage begeben hätten. Die Beschwerdef ührerin würde im Falle einer Rückkehr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einem Ehre n- mord zum Opfer fallen, weshalb frauenspezifische Gründe im Sinne von Art. 3 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] vor- liegen würden . D er Beschwerdeführer laufe konkrete Gefahr, sowohl E-1002/2010 Seite 6 durch die türki schen Behörden wegen der Unterstütz ung der PKK als auch durch seinen Schwiegervater ermordet zu werden. B. Mit Verfügung vom 14. Januar 2010 – eröffnet am 19. Januar 2010 – stell- te das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und ord nete gleichzeitig die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 18. Februar 2010 an das Bundesverwaltungsgericht be- antragten die Beschwerdeführe nden die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Es sei festzustellen, dass sie die Flüchtlingseigenschaft erfül- len, und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässig- keit, allenfalls die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und als Folge davon sei von Amtes wegen den Beschwerdeführenden die vorläu- fige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses . Zu Unte r- mauerung der Vorbringen wurden verschiedene Zeitungs- und Internetbe- richte in Kopie zum fehlenden Schutz der Frau und zu de n Ehrenmorden in der Türkei sowie ein Arztzeugnis für die Beschwerdeführerin einge- reicht. D. Mit Instruktionsverfügung vom 26. Februar 2010 verzichtete die Instrukti- onsrichterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies die Be- schwerdeführenden darauf hin, dass bei einem allfällig negativen Au s- gang des Beschwerdeverfahrens ihnen die Verfahrenskosten auferlegt werden könnten. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung aufgefordert. E. Die Vorinstanz hielt in der Vernehmlassung vom 3. März 2010 vollum- fänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. F. Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 1 0. März 2010 zur Stellungnahme gebracht. E-1002/2010 Seite 7 G. Mit Schreiben vom 24. März 2010 nahmen die Beschwerdef ührenden zur Vernehmlassung Stellung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsw eise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des recht serheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-1002/2010 Seite 8 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Al s ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 4.1.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, es sei auf- grund der gesamten Aktenlage davon auszugehen, dass der Vater der Beschwerdeführerin die Beziehung der Beschwerdeführe nden in der Tat mit allen ihm zur Verfügung stehenden, auch kriminellen , Mitteln zu ve r- unmöglichen versucht habe. Dabei könne au ch nicht ausgeschlossen werden, dass er , abgesehen von den bereits erfolgten und massiven Übergriffen gegen die Beschwerdeführenden, noch weitergehende Schrit- te gegen beide Beschwerdeführe nden in Betracht ziehe. Demgegenüber sei festzuhalten, dass der türkische Staat grundsätzlich über eine funktio- nierende und wirksame Schutzinfrastruktur, insbesondere auch über e i- nen funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein Rechts- und Justiz- system verfüge. Es sei zudem bekannt, dass der türkische Staat und n a- mentlich auch die sachlich zuständige n Polizei- und Untersuchungsorga- ne tatsächlich das in ihrer Macht Stehende täten, derartige, bis hin zu "Ehrenmorden" reichende Verhaltensweisen ihrer Bürger im Rahmen des Möglichen zu unterbinden und strafrechtlich zu ahnden. Dementspre- chend habe sich die rechtliche und gesellschaftliche Situation der Frauen sowohl im Allgemeinen als auch im Besonderen im Bereich der Schut z- vorkehren vor einschlägigen Übergriffen im Laufe der vergangenen Jahre E-1002/2010 Seite 9 deutlich verbessert. Dies betreffe sowohl den gesetzgeberischen Rahmen und die Gerichtspraxis als auch institutionelle staatliche und nichtstaatl i- che Strukturen und Organisationen. Es dürfe daher davon ausgeg angen werden, dass namentlich in westlichen Grossstädten , wie etwa (…) in Is- tanbul, diese Vorgaben – trotz verschiedener Widerstände – heutzutage auch in der Rechtswirklichkeit tatsächlich beachtet und umgesetzt wü r- den. Angesichts dessen sei sowohl die Schutzfähigkeit als auch grun d- sätzlich die Schutzwilligkeit der türkischen Behörden k larerweise als g e- geben zu erachten. 4.1.2 Sowohl die Erkenntnisse der Botschaftsabklärung als auch die von den Beschwerdeführe nden eingereichten türkischen Gerichtsdokumente würden diese Einschätzung des BFM vollumfänglich stützen. Gemäss Bericht der Botschaft hätten die Polizeibeamten "an der Front" im Ra h- men einer offenbar handfesten Auseinandersetzung zwischen den Vätern der Beschwerdeführenden vor der Sicherheitsdirektion direkt interveniert. Die Polizei sei damit ihrer Pflicht nachgekommen und habe, soweit er- sichtlich, keine der Streitparteien bevorzugt (vgl. A32/2 und A33/6, S. 2). Insbesondere hätten die Polizei- und Justizorgane auch die der DTP oder vermeintlich gar der PKK nahestehende beziehungsweise dergestalt b e- schuldigte Seite gegen den nationalisti sch eingestellten und über "gute Beziehungen" verfügenden Vater der Beschwerdeführerin geschützt. Umgekehrt habe die Polizei der Anzeige des Vaters der Beschwerdefü h- rerin gegen den Beschwerdeführer in Sachen "Entführung" und PKK - Unterstützung offenbar kein e Folge geleistet (vgl. A32/2 und A33/6, S. 1 und 2). 4.1.3 Auch könne den eingereichten türki schen Dokumenten entnommen werden, dass die türki schen Behörden ihren Schutz pflichten nachge- kommen seien, da nämlich aus den Dokumenten der Staatsanwaltschaft M._______ vom 1. Februar und vom 24 . April 2008 hervorgehe, dass e i- ne Strafanzeige des Vaters des Beschwerdeführers gegen den Vater der Beschwerdeführerin wegen Drohung durch die Staatsanwaltschaft entge- gengenommen worden und konkret weiterbehandelt worden sei. 4.1.4 Ob sich die auf dem Polizeiposten " N._______" tätigen Polizeib e- amten gegenüber der Beschwerdeführerin in allen Teilen und im Resultat angemessen verhalten hätten, als sie sich im Sommer 2007 hilfesuchend auf jenem Posten eingefunden habe, erscheine zumindest fraglich (vgl. A17/15, Frage 59). Diese Frage könne jedoch offenbleiben, da dieser spezifische Sachverhalt in Bezug auf die Prüfung des Bestehens einer begründeten Furcht nicht präjudiziell erscheine. Aus dem Gesagten erge-E-1002/2010 Seite 10 be sich folglich, dass i n diesem Zusammenhang auch keine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen vorliege. Im Lichte obiger Erwägungen bestehe mithin kein begründeter Anlass zur Annahme, dass es dem Vater der Beschwerde führerin mit beacht licher Wahrsche inlichkeit gelingen würde, die behördlichen Schutzvorkehren auszuhebeln und seine Absich- ten ge gen die Beschwerde führenden in die Tat umzusetzen. Die B e- schwerdeführenden könnten demnach vor oder unmittelbar nach ihrer diskret zu erfolgenden Wiedereinreise in die Türkei vorsorgl ich um en t- sprechenden behördlichen Schutz nachsuchen und eine direkte K onfron- tation mit dem Vater der Beschwerdeführerin vermeiden. Dabei könne ih- nen auch der Vater des Beschwerde führers etwa im H inblick au f eine Wohnsitznahme in Istanbul behilflich sein. Demn ach würde das Kernvo r- bringen der Beschwerdeführe nden keine asylrechtliche Relevanz entw i- ckeln. 4.1.5 Hinsichtlich des zu leistenden Militärdienstes, weswegen der B e- schwerdeführer gesucht werde und einem Passverbot unterliege, sei auf die ständige Praxis der Schweizer Asylbehörden zu verweisen, wonach es sich bei der Mili tärdienstleistung um eine sta atsbürgerliche Pflicht handle, die alle männliche n türkischen Staatsangehörigen gleicherma s- sen treffe. So stelle auch ein allfälli ges mili tärstrafrechtliches Vorgehen gegen ein Dienstversäumnis keine asylbeachtliche Massnahme im Sinne des Asylgesetzes dar. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, aus den Erwägungen der Vorinstanz gehe unzweideutig hervor, dass selbst diese die kon krete Ge- fahr für die Beschwerdeführenden durch den Vater der Beschwerdeführe- rin nicht in Frage stelle. Wie den Akten zu entnehmen sei, sei der aus der O._______ stammende Vater der Beschwerdeführerin dort etwa acht Jah- re als Dorfschützer tätig gewesen und als brutaler Mensch, der vor nichts zurückschrecke, zu bezeichnen. Er hätte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seine eigene Tochter und ihren Freund ermordet, wenn es ihnen nicht gelungen wäre, ins Ausland zu fliehen. In der Türkei, insbesondere im Osten, würden immer noch archaische Sitten und Brä u- che gelten, wenn es um die "Familienehre" gehe. In diesen Fällen werde die vom Staat bestimmte Rechtsordnung ausser Kraft gesetzt und die betreffende Person handle nur danach und riskier e alles. Oft werde nicht nur die Frau, sondern auch der Mann, mit welchem sie eine Beziehung gehabt habe, ermordet. Es sei bekannt, dass in der Türkei jährlich hu n- derte von Frauen dem Ehrenmord zum Opfer fielen. Es sei ebenfalls eine bekannte Tatsache, dass Frauen, die in Not geraten und Polizeischutz E-1002/2010 Seite 11 brauchen würden, nicht immer geschützt würden. Als es der Beschwerde- führerin einmal gelungen sei, zu flüchten und bei der Polizei Schutz zu suchen, hätten die Polizisten ihren Vater kommen lassen und ihm gesagt: "Du kannst deine Tochter nach Hause nehmen". Dies sei ein klarer B e- weis, dass die Frauen in solchen Fällen von der Polizei nicht geschützt würden, was auch im vorliegenden Fall passiert sei. Aus diesem Gr und müsse davon ausgegangen werden, das s ein frauenspezifischer Flucht- grund im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG vorliege. Die Vorinstanz habe w i- dersprüchliche und unhaltbare Behauptungen vorgebracht, wenn sie e i- nerseits die vom Vater der Beschwerdeführerin ausgehende Gefahr beto- ne und klar zum Ausdruck bringe, dass der Vater in der Lage und fähig sei, den Beschwerdeführerenden etwas Schlimmes anzutun, andererseits die Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit des türkischen Staates hervorhe- be und dann wieder um betone, dass kein Staat absolute Sicherheit g e- währen könne. Die Be schwerdeführerin habe sich das Leben nehmen wollen, nachdem die Polizei sie nicht unterstützt habe, und habe viele Tabletten geschluckt. Auch heute lebe sie in ständiger Furcht , in die Tür- kei abgeschoben und dort ermordet zu werden. 4.2.1 Der Ausreisegrund des Beschwerdeführers sei nicht der M ilitär- dienst gewesen, sondern die oben erwähnten Gründe. Dies habe er in den Befragungen unmissverständlich zu Protokoll gegeben (vgl. A1/10, S. 6). 4.3 In der Vernehmlassung hält das BFM an seinem Standpunkt fest, wonach im vorliegenden Fall sowohl von einer Sch utzfähigkeit als auch von einem Schutzwillen der türki schen Behörden auszugehen sei. Da r- über hinaus hält das BFM daran fest, dass aufgrund konkre ter Umstände eine Rückkehr der Beschwerde führenden in die Türkei auch als zulässig und zumutbar zu erachten sei, zumal es sich hier um zwei zusammenhal- tende Ehepartner handle, die von der Familie des Beschwerdeführers un- terstützt würden. Es sei nicht wider sprüchlich, wenn das BFM festhalte, der Vater der Beschwerdeführerin sei gewillt, zum Äussersten zu gehen, indessen nicht in der Lage scheine, seine Absichten tatsächlich umzuse t- zen. Schliesslich wurde auf verschiedene Urteile des Bundesverwa l- tungsgerichts hingewiesen, in welchen sich dieses zur Problematik der durch ihre Familien verfolgten Frauen in der Türkei geäussert habe (vgl. Vernehmlassung vom 3. März 2010, S. 2 mit dort zitierten Urteilen). 4.4 In der Replik vom 24. März 2010 machen die Beschwer deführenden demgegenüber im Wesentlichen geltend, es spiele bei den Ehrenmorden E-1002/2010 Seite 12 keine Rolle, ob die Frau allein auf sich ge stellt gewesen sei oder nicht. Der Vater der Beschwerdeführerin habe entschieden, seine Tochter zu tö- ten, und er hätte es bereits getan, wenn sie mit ihrem Partner nicht ins Ausland geflüchtet wäre. Im Falle einer Rückkeh r würde der Clan irgend- wann davon erfahren und sie früher oder später liquidieren. D ie B e- schwerdeführenden würden sogar in der Schweiz in der Angst leben, man schicke einen Auftragskiller oder ein Clan -Mitglied in die Schweiz. Die Vorinstanz wolle von der Tatsache nichts wissen, dass der türkische Staat nicht in der Lage sei, die Frauen ausreichend zu schützen, sonst wären in der letzten Jahren nicht Tausende von Frauen einem Ehrenmord zum Op- fer gefallen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe die Türkei kürzlich verurteilt, weil sie die Frauen nicht genügend vor ihren Clanmitgliedern und Ehemännern schütze (vgl. Beilage 2). 5. 5.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz in Bezug auf die Frage der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen der Beschwerdeführe nden keine Vorbehalte angebracht und die Asylgesuche ausschliesslich aufgrund der fehlenden asylrechtlichen Relevanz abgewiesen hat. Das Bundesverwal- tungsgericht sieht aufgrund der Aktenlage ebenfalls keine Veranlassung, die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden zu bezweifeln. Demnach ist vom rechtserheblichen Sachverhalt, wie er in der vorins tanzlichen Verfü- gung beziehungsweise unter Bstn. A.b und A.c dieses Urteils ausgeführt wurde, auszugehen. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht erachtete, dass die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführen- den den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht genügen. 5.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asyls u- chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/ 12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i-E-1002/2010 Seite 13 lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunk t des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls w e- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asy lgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., W ALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände r- recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 5.3 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 5.4 Nachteilen, die Frauen zugefügt werden oder zugefügt zu werden drohen, liegt ein flüchtlingsrecht lich relevantes Motiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG dann zug runde, wenn diese Nachteile in diskrimin ierender Weise an das Merkmal des (weiblichen) Geschlechts anknüpfen. Dies ist etwa der Fall , wenn in Ländern mit weit verbreiteten traditionell - konservativen Wertvorstellungen von Zwangsheirat oder Ehrenmord b e- drohte Frauen und Mädchen nicht denselben staatlichen Schutz erhalten, mit dem im Allgemeinen männliche Opfer v on privater Gewalt rechnen können ( vgl. dazu EMARK 2006 Nr. 32 E. 8.7.2 und E. 8.7.3; D- 4289/2006 vom 11. September 2008 E. 6.4). 5.4.1 Die Beschwerdeführerin machte glaubhaft geltend, von ihrem Vater massiv unterdrückt, misshandelt und schliesslich mit dem Tode bedroht worden zu sein, weil sie einen Mann heiraten wollte , der alewitischen Glaubens ist und der DTP angehört hat. Diese erlittenen respektive dr o- henden Nachteile richten sich gezielt gegen die Beschwerdef ührerin und sind ohne weiteres als er nsthaft im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu e r- achten. E-1002/2010 Seite 14 5.4.2 Es stellt sich im Zusammenhang mit den von der Beschwerdeführe- rin geltend gemachten Misshandlungen und Todesdrohungen somit die Frage, ob sie in der Türkei seitens der Behörden und Institutionen Schutz erlangen kann oder ob sie auf internationalen Schutz – der lediglich sub- sidiär zur Anwendung kommt – angewiesen ist (vgl. BVGE 2008/12 E. 5 S. 154 f.). 5.4.3 Diesbezüglich ist unter Verweis auf das Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts D -5327/2009 vom 26. März 2010 (E. 6. 3.3) festzustellen, dass die Türkei in den vergangenen Jahren kontinuierlich Schritte zur Verbesserung der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation der Frauen im Allgemeinen sowie im Besonderen zu deren Schutz vor Übergriffen mit soziokulturellem Hintergrund bis hin zum Ehrenmord unternommen hat. So trat im Jahre 1998 das Familienschutzgesetz Nr. 4320 in Kraft, we l- ches im Jahre 2007 ergänzt wurde und auf Gewaltprävention, Opfe r- schutz sowie Bestrafung von Übergriffen abzielt. Zu diesem Zweck wu r- den 166 Familiengerichte eingerichtet, von denen derzeit 157 operationell sind; der Zugang zu diesen Gerichten ist für die klagende Partei koste n- los, wie im Übrigen auch die Vollstreckung eines allfälligen Urteils. Mit e i- ner entsprechenden Revision des türkischen S trafgesetzbuches wurden im Jahre 2004 zudem die Strafrahmen von Straftaten gegen Frauen e r- höht und gleichzeitig die früher bestehenden Strafmilderungsgründe in Fällen von Ehrenmord und Vergewaltigung aufgehoben; gemäss Art. 82 des Strafgesetzbuches gilt Eh renmord nunmehr als qualifiziertes T ö- tungsdelikt, welches mit lebenslänglicher Gefängnisstrafe zu ahnden ist. Das Gemeindegesetz Nr. 5393 verpflichtet sodann jede Gemeinde mit über 50'000 Einwohnern zum Aufbau von Schutzeinrichtungen für Frauen und Kinder (vgl. dazu UK Border Agency, Country of Origin Information Report, Turkey, 20. Oktober 2009, S. 118-135, mit Hinweisen auf weitere Quellen). In Nachachtung dieser neuen gesetzlichen Bestimmungen kam es seither einerseits verschiedentlich zu Verurteilungen von Männern, welche sich eines Ehrverbrechens schuldig gemacht hatten; so wurden beispielsweise im Jahre 2007 durch Gerichte in Istanbul und Diyarbakir lebenslange Freiheitsstrafen wegen Ehrenmorden verhängt (vgl. U.S. Department of State, Turkey, Country Report on Human Rights Practices 2007, 11. März 2008). Andererseits wurden etliche Frauenhäuser eing e- richtet – so betreibt das SHCEK (Sosyal Hizmetler ve Cocuk Esirgeme Kurumu = Generaldirektorat für Soziale Dienste und Kinderschutz) derzeit 23 solche Unterkünfte und hat die Errichtung von weiteren zehn Häusern in Aussicht gestellt – und im Oktober 2007 zusätzlich eine von der EU f i- nanziell unterstützte Telefon-Hotline installiert, welche Anrufe von bedroh-E-1002/2010 Seite 15 ten Frauen entgegennimmt und die Opfer innerfamiliär er Gewalt an die zuständige Polizeistelle verweist sowie Anwälte und psychologische Fachpersonen vermittelt (vgl. UK Border Agency, Country of Origin Info r- mation Report, Turkey, 29. August 2008, S. 150, Rz. 22.47 und S. 160, Rz. 22.86). Daneben sind auch v erschiedene spezifische Nichtregi e- rungsorganisationen um eine Verbesserung der Stellung der Frau sowie um Unterstützung und Gewährung von Schutz an Opfer innerfamiliärer Gewalt bemüht (vgl. UK Border Agency, Country of Origin Information Report, Turkey, 29 . August 2008, S. 162, Rz. 22.93, und S. 163 f., Rz. 22.99); sie arbeiten nach eigenen Angaben gut mit den staatlichen Stellen und den Polizeibehörden zusammen (vgl. U.S. Department of State, Tu r- key, Country Report on Human Rights Practices 2007, 11. März 2008, Kapitel "women"; vgl. auch NECLA KELEK, Bittersüsse Heimat, Bericht aus dem Inneren der Türkei, Köln 2008, S. 123, wonach die in Diyarbakir d o- mizilierte Frauenrechtsorganisation Ka -Mer mit Hilfe der Polizei und der Staatsanwaltschaft besonders gefähr dete Frauen, in deren Fällen keine Vermittlung mit den sie verfolgenden Verwandten möglich ist, unter einer neuen Identität an einem anderen Ort in der Türkei ansiedelt). Schlies s- lich unterhält auch die Zeitung "Hurriyet" – in Kooperation mit staatlichen Stellen und teilweise finanziert von der EU – eine rund um die Uhr z u- gängliche, von sieben Psychologen und zwei Anwälten besetzte Telefon - Hotline (vgl. UK Border Agency, Country of Origin Information Report, Turkey, 29. August 2008, S. 151, Rz. 22.49). 5.4.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass bei den türkischen B e- hörden in den vergangenen Jahren ein Umdenken in Bezug auf fraue n- spezifische Schutzanliegen begonnen hat und erste entsprechende Ei n- richtungen geschaffen wurden; daneben bieten auch verschiedene n icht- staatliche Stellen betroffenen Frauen Unterstützung. Auch wenn die U m- setzung der staatlichen Programme nur langsam vorankommt und das Phänomen innerfamiliärer Gewalt bis hin zu Ehrenmorden nach wie vor virulent ist (vgl. dazu Amnesty International, Jah resberichte 2008 und 2009), ist davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin in der Türkei nicht in einer ausweglosen Situation befindet, mithin auf eine unter dem Sicherheitsaspekt valable innerstaatliche Schutzalternative z urück- greifen kann und somit keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich sind, dass den Beschwerdeführe nden eine entsprechende Niederlassung und damit die Inanspruchnahme dieser Schutzalternative nicht zuzumuten wäre (vgl. dazu BVGE D-4935/2007 vom 21. Dezember 2011 E.8.5.2); daran können auch der von ih nen eingereichte Zeitungsartikel sowie die von ih nen angeführten Urteile nichts ändern, zumal diesen ein anderer E-1002/2010 Seite 16 Sachverhalt zugrunde liegt, der mit demjenigen im vorliegenden Fall nicht verglichen werden kann. I n casu kommt zudem hinz u, dass es sich bei der Beschwerdeführerin nicht um eine alleinstehende, sondern um eine verheiratete Frau handelt, die – soweit aktenkundig – in einer intakten Ehe lebt . Zudem kann sie – wie die Vorinstanz bereits zutreffend fes t- gehalten hat – mit ihrem E hemann auf die Unterstützung seiner Familie zählen, sodass sie sich nicht in einer Bedrohungssituation wiederfinden wird, der sie nur durch Aufenthalt in einem Drittstaat entgehen kann. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass seit ihrer Flucht mittlerwei- le mehr als vier Jahre vergangen sind. Unter Hinweis auf ihre Mitwi r- kungspflicht ist den Akten nicht zu entnehmen, dass de r Vater der B e- schwerdeführerin seine Drohung gegenüber dem Vater des Beschwerde- führers, die er im Frühling 2008 gemacht hat, wonach er d essen Haus überfallen wollte, wahrgemacht hätte. Ausserdem hat die Beschwerdefüh- rerin nun ein Kind und lebt mit ihrem Ehemann zusammen, weshalb fra g- lich ist, ob ihr Vater im jetzigen Zeitpunkt noch zu einem Ehrenmord gre i- fen würde. Aufgrund der Aktenlage ist zwar davon auszugehen, dass sie ihrer Familie beziehun gsweise ihrem Vater aus dem Weg wird gehen müssen, was zu gewissen Einschränkungen in ihrer Lebensführung fü h- ren wird, da sie offensichtlich nicht in ihre Herkunftsregion zurückkehren kann. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei den zuständigen Stellen beziehungsweise bei der Familie ihres Eh e- manns um Unterstützung nachsuchen kann, weshalb ihre subjektiv emp- fundene Furcht vor Rache ihrer Familie objektiv zu wenig begründet ist. Damit sind keine konkreten Hinweise ersichtlich, dass sie in absehbare r Zukunft mit grosser Wahrscheinlichkeit Verfolgungsmassnahmen im Si n- ne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein wird. Zur Vermeidung von Wiederho- lungen kann an dieser Stelle auf die weiteren zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlassung verwiesen we r- den, denen sich das Bundesverwaltungsgericht vollumfänglich a n- schliesst. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen demnach den Anforderungen an eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG nicht standzuhalten. 5.5 Nach dem Gesagten wird zwangsläufig auch der Beschwerdeführer nicht an seinen Herkunftsort zurückkehren, weshalb auch für ihn kein An- lass für begründete Furcht vor Behelligungen seitens des Vaters der Be- schwerdeführerin besteht. 5.6 E-1002/2010 Seite 17 5.6.1 Der Beschwerdeführer hat in der Türkei den Militärdienst noch nicht geleistet und die Einziehung jahrelang mit einem gefälschten Nüfus ab- wenden können (vgl. A16/12, Fragen und Antworten 74-81). Eine allfällige Bestrafung des Beschwerdeführers aus militärrechtlichen Grün den wäre gestützt auf die bisherige Praxis der ARK, welche vom Bun - desverwaltungsgericht weitergeführt wird, nur unter bestimmten Voraus - setzungen relevant (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize- rischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2004 Nr. 2). Dies ist dann der Fall, wenn der Beschwerdeführer damit zu rechnen hätte, dass er aus flüchtlingsrechtlich relevanten Motiven mit einer unverhältnismässig strengen Bestrafung zu rechnen hätte, sei es, weil er aufgrund der im AsylG erwähnten Kriterien eine höhere Strafe zu verbüssen hätte oder weil mit der drohenden Strafe nicht nur die Sicherstellung der Wehrpflicht garantiert, sondern zusätzlich die vermutete oppositionelle und staat s- feindliche Gesinnung sanktioniert werden sollte. Eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung wäre auch dann zu bejahen, wenn mit der Absolvi e- rung des Militärdienstes beabsichtigt würde, gewisse Personen oder Pe r- sonengruppen aus flüchtlingsrechtlich erheblichen Motiven zu disziplinie- ren, einzuschüchtern, zu assimilieren oder einer menschenrechtswidrigen Behandlung auszusetzen. Als politische Verfolgung schliesslich müsste die Bestrafung einer militärdienstflüchtigen Person erachtet werden, wenn die Armee, der sie sich ent zieht, völkerrechtswidrige Ziele anstrebte oder entsprechende Mittel einsetzte (vgl. a.a.O. E. 6.b.aa S. 17). 5.6.2 Gestützt auf die Aktenlage ist vorliegend selbst im Fall einer Bestra- fung des Beschwerdeführers aus militärrechtlichen Gründen nicht von e i- ner der erwähnten Ausnahmen auszugehen. So hat offensichtlich die An- zeige seines Schwiegervaters, dass der Beschwerdeführer die PKK u n- terstütze, keine Folgen gehabt. Ferner ist aus dem Strafrahmen von Art. 63 des türkischen Militärstrafgesetzbuches, welcher eine Höchststra- fe von drei Jahren Gefängnis vorsieht, nicht auf eine Sanktionierung zu schliessen, welche neben der militärrechtlichen Gesetzesverletzung auch die Gesinnung treffen will. Zudem ist der Militärdienst in der Türkei für alle erwachsenen Männer obligatorisch und zielt grundsätzlich nicht darauf ab, gewisse Personen oder Personengruppen in der zuvor beschriebenen Art zu behan deln. Überdies bestehen trotz des politischen Hin tergrunds des Beschwerdeführers keine Hinweise auf einen Malus oder an dere drohende, aus Art. 3 AsylG fliessende Nachteile. Die vom Be schwerde- führer allenfalls zu gewärtigenden Sanktionen vermögen somit nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft zu führen, da alle wehr pflichti- gen Männer aufgrund ihrer türkischen Staatsangehörigkeit und ihres E-1002/2010 Seite 18 Jahrgangs zum Militärdienst aufgeboten werden und dieser Ver pflichtung keine asylrechtlich relevante Verfolgungsabsicht des Staates zugrunde liegt. Nach Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts wer den die Rekruten nach dem Zufallsprinzip per Computer den verschie denen Ein- heiten zugeteilt. Schliesslich wäre auch nicht mit einem Einsatz im Au s- nahmezustandsgebiet zu rechnen, ist doch der ehemals verhängte Au s- nahmezustand in der Türkei schon seit einiger Zeit in allen Ge bieten auf- gehoben worden. Unter den erwähnten Umständen wäre eine allfällige Bestrafung des Beschwerdeführers wegen Militärdienstverweigerung vor- liegend als legitime staatliche Massnahme zur Durchsetzung einer staatsbürgerlichen Pflicht und damit als a sylrechtlich nicht rele vant zu charakterisieren. Ergänzend ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer die Nichtleistung des Militärdienstes beziehung s- weise die Furcht vor Bestrafung nicht explizit als Fluchtgrund nannte, sondern die Bedrohung seiner Frau durch ihren Vater (vgl. A1/10, S. 6; Beschwerde S. 9). Angesichts der aufgezeigten Sachlage ist davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführenden in D._______ vor ihrer Ausreise nicht in einer ausweglosen Situation befanden und sich nach der Rückkehr aufgrund der weiter verbesserten Situation für die Frauen auch nicht in einer so l- chen befinden werden. In Berücksichtigung der geschilderten Strukturen haben sie die Möglichkeit, allfällige Fehlverhalten der Beamten, wie dies offensichtlich bei der Beschwerdeführerin geschehen ist, bei de n dafür zuständigen Stellen geltend zu machen (vgl. vorne E. 5.4.3). Die einge- reichten Beweismittel, welche vom BFM korrekt gewürdigt wurden, rech t- fertigen keine andere Sichtweise. Begründete Fu rcht wegen fehlender Schutzwilligkeit oder Schutzfähigkeit des Staates im Hinblick auf allfällige Gewalt durch einen privaten Dritten ist somit zu verneinen. Es e rübrigt sich daher, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde im Einze l- nen einzugehen, da die se nicht geeignet sind, zu einer anderen rechtl i- chen Würdigung der Aktenlage zu führen. Vor diesem Hintergrund ist so- mit festzuhalten, dass die Beschwerdeführe nden einen flüchtlingsrech t- lich bedeutsamen Sachverhalt nicht nachweisen konnten. Die Festste l- lung des BFM, sie erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, ist demen t- sprechend zu bestätigen. Das BFM hat ihre Asylgesuche somit zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 E-1002/2010 Seite 19 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange ordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenhei tsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslän - dern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachun g von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis mögli ch ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Sc hweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Lebe n oder ihre Freiheit aus ei nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom-E-1002/2010 Seite 20 mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un - menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar - auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Be- schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nicht rückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdefüh- renden in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführen- den noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand - lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführ enden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie - bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Da davon auszugehen ist, dass sich die Beschwerdeführe nden ausserhalb ihres Herkunftsgebietes dem Einfluss des Vaters der Beschwerdeführerin en t- ziehen und bei Bedarf um behördlichen Schutz nachsuchen können, b e- steht kein Grund zur Annahme, es drohe ihnen nach ihrer Rückkehr in die Türkei eine unmenschliche Behandlung. Auch die allgemeine Mensche n- rechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesag ten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völke r- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und E-1002/2010 Seite 21 medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die all gemei- ne Lage in der Türkei nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si - tuation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund derer die Zivilbe- völkerung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der Voll zug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als un zumut- bar zu bezeichnen. 7.4.2 Einer Rückkehr der Beschwerdeführe nden stehen auch keine überwiegenden individuellen Gründe wirtschaftlicher, sozialer oder g e- sundheitlicher Natur entgegen. 7.4.3 Die jungen Beschwerdeführe nden werden nach ihrer Rückkehr nicht auf sich allein gestellt sein. Sie werden seitens der ihnen wohl g e- sinnten Familie (Eltern, (…) Brüder und (…) Schwester) des Beschwer- deführers eine Unterstützung finden. Dem Anhörungsprotokoll ist zu en t- nehmen, dass der Vater des Beschwerdeführers ausreichend Geld hat (vgl. A16/12, Antworten 14 und 15), so dass er ihnen einen Neuanfang in einer grösseren S tadt (Izmir oder Ankara) wird ermöglichen können. Der Beschwerdeführer besuchte einige Jahre das (...) und arbeitete mehrere Jahre in (…). Er hatte guten Kontakt zu seinem damaligen Chef, so dass er auch von diesem eine allfällige Hilfe bei der Arbeitssuch e wird bea n- spruchen können. Nach dem Gesagten ist nicht zu erwarten, dass die Beschwerdeführer in eine existenzgefährdende Lage geraten werden. 7.4.4 Allerdings leidet die Beschwerdeführerin seit ihrer Flucht in die Schweiz unter psychischen Beschwer den. Diesbezüglich ist sie seit Juni 2008 in psychotherapeutischer Behandlung (vgl. Arztzeugnis vom 8. Feb- ruar 2010) . Gemäss de m eingereichten Arztzeugnis leidet sie an einer posttraumatischer Belastungsstörung als Folge massivster psychischer und physischer Gewalt durch ihre engsten Familienangehörigen und lebe in ständiger Angst vor der Rache ihres Vaters und ihrer Brüder, falls sie tatsächlich in die Türkei abgeschoben werden sollte. 7.4.5 Wie bereits erwähnt, wird jedoch die Beschwerdeführerin nicht in ih- re Herkunftsregion zurückkehren müssen und ein neues Leben in den erwähnten Grossstädten ist für sie durchaus als zumutbar zu erachten. Hinsichtlich ihrer psychischen Situation w egen des erlittenen Leidens ist E-1002/2010 Seite 22 auf die auch in der Türkei , insbesondere in grösseren Städten bestehen- de medizinische Infrastruktur zur Behandlung psychischer Probleme hin- zuweisen. In der Türkei sind landesweit sowohl psychiatrische Einrichtun- gen als auch ausgebildetes Personal und Psychoph armaka vorhanden, so dass die Beschwerdeführerin ihre psychischen Probleme angemessen behandeln lassen kann. Überdies kann sie bei der Vorinstanz unter Vor - lage entsprechender Atteste medizinische Rückkehrhilfe beantragen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]), womit sie in einer ersten Phase nach ihrer Rückkehr hinsichtlich der Organisation der med i- zinischen Behandlung nicht vor unüberwindbare Schwierigkeiten ge stellt ist. Insgesamt ist nach dem Gesagten nicht davon auszugehen, die ge - sundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin würden im Falle des Vollzugs der Wegweisung eine drastische, andauernde und lebens - bedrohende Versc hlechterung ihres Gesundheitszustandes nach sich ziehen. 7.4.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung für die Beschwerdeführer als zumutbar. 7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführe nden, sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi - gen echten Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh- renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die E-1002/2010 Seite 23 Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). E-1002/2010 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführe nden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführe nden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand: