Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Januar 2016 (715 15 239) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Teilweise Gutheissung der Beschwerde. Nichtangabe eines Zwischenverdienstes; Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin zu Recht für vier Tage in der An- spruchsberechtigung eingestellt. Auch die Rückforderung der zu Unrecht bezogenen Leistungen der Arbeitslosenversicherung erfolgte zu Recht; Die Kasse muss diese ge- stützt auf Art. 25 ATSG unabhängig von einem allfälligen Verschulden der Versicherten zurückfordern. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin wird die Dolmetscher- tätigkeit als Abrufarbeitsverhältnis qualifiziert; unregelmässige Einsätze im Rahmen ei- nes einzigen Arbeitsvertrages; Die Anrechnung an die Beitragszeit erfolgt daher gemäss AVIG-Praxis ALE A1, Rz. B150a. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Michelle Wahl, Advoka- tin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung / Rückforderung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.1 A.____ war in den Rahmenfristen, laufend vom 2. Ju ni 2008 bis 1. Juni 2010, vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 sowie vom 2. Juni 2012 bis 1. Juni 2014 anspruchsberechtigt. Für die im vorliegenden Fall relevante Rahmenfrist vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 meldete sie sich am 1. Juni 2010 zur Arbeitsvermittlung und am 2. Ju ni 2010 per 2. Juni 2010 zum Bezug von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung (ALV) an. A.2 Mit Verfügung vom 2. September 2010 stellte die Öffentliche Arbeitslosenkasse (Ar- beitslosenkasse) A.____ wegen Verletzung der Melde- und Auskunftspflicht, namentlich wegen der Nichtangabe eines Zwischenverdienstes, für die Daue r von vier Tagen in ihrer Anspruchs- berechtigung ein. Eine gegen diese Verfügung gericht ete Einsprache wies die Einsprach- einstanz des Amts für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIG A) Baselland, Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entscheid vom 8. Juni 2015 ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass A.____ im Formular "Angaben der versicherten Person" für den Monat Juni 2010 bei der Frage, ob sie in diesem Monat bei einem oder mehreren Arbeit gebern gearbeitet habe, nur ihren Zwi- schenverdienst bei der B.____ angegeben habe, obwohl sie ausserdem als Dolmetscherin bei C.____ tätig gewesen sei. Damit liege eine Verletzung der Auskunfts- oder Meldepflicht vor. A.3 Mit Verfügung vom 10. Februar 2011 sprach das Reg ionale Arbeitsvermittlungszent- rum (RAV) der Versicherten die Vermittlungsfähigkeit v om 2. Juni 2010 bis 9. August 2010 ab, wodurch sich die Rahmenfrist für den Leistungsbezug auf den Zeitraum 10. August 2010 bis 9. August 2012 verschob. Mit Entscheid der Einspracheins tanz des KIGA Baselland, Abteilung Arbeitsvermittlung, vom 16. Dezember 2011 wurde die d agegen erhobene Einsprache abge- wiesen. Mit Wiedererwägung vom 2. April 2012 hob die gleiche Einspracheinstanz ihren Ein- spracheentscheid und die Verfügung des RAV wieder auf. A.4 Mit Verfügung vom 21. August 2012 stellte die Arb eitslosenkasse Rückforderung von ohne Rechtsgrundlage ausbezahlter Arbeitslosenentschädigu ng in der Höhe von Fr. 705.10. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, die V ersicherte habe ihren Anspruch auf 260 Taggelder der Arbeitslosenversicherung ausgeschöpft. Der Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug sei aufgrund der Wiedererwägung vom 2. Ap ril 2012 erneut auf den 2. Juni 2010 festgesetzt worden. Sämtliche Kontrollperioden se ien wieder neu berechnet worden. Da- bei sei festgestellt worden, dass infolge mehrmaliger K orrekturen vier Einstelltage gemäss Ver- fügung vom 2. September 2010 in der Rahmenfrist für d en Leistungsbezug vom 10. August 2010 bis 9. August 2012 nicht getilgt worden seien. D ie Tilgung erfolge in der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 in d er Kontrollperiode August 2010 ge- mäss Taggeldabrechnung vom 23. Juli 2012. Die Zahlungsdif ferenz ergebe sich daraus, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ausgeschöpft sei und die Einstelltage nachträglich getilgt würden. Ebenso hätten die neu berechneten Sozialversicherungsbeiträge zur Rückforde- rung beigetragen. Eine gegen diese Verfügung gerichte te Einsprache wies die Einsprach- einstanz des KIGA Baselland, Abteilung Öffentliche Arbe itslosenkasse, mit Entscheid vom 8. Juni 2015 ab. Darin wurde hauptsächlich ausgeführt, dass A.____ im Zeitpunkt der Eröffnung der Leistungsrahmenfrist lediglich 17 Monate und einen Tag Beitragszeit nachweisen könne Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und die ihr zustehende Höchstzahl der Taggelder demnac h 260 betrage, wie von der Arbeitslo- senkasse richtig berechnet worden sei. B. Gegen diese beiden Entscheide vom 8. Juni 2015 erh ob A.____, vertreten durch Mi- chelle Wahl, Advokatin, am 9. Juli 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, (Kantonsgericht). In verfahrensmässiger Hinsicht beantrag- te sie, es seien die Beschwerden gegen die beiden Einspr acheentscheide betreffend die Verfü- gungen vom 2. September 2010 und vom 21. August 2012 in einem Verfahren vereint zu beur- teilen. In materieller Hinsicht beantragte sie, die Ve rfügung vom 2. September 2010 sowie der Entscheid vom 8. Juni 2015 seien aufzuheben und es sei ihr das Taggeld für vier Tage nachzu- bezahlen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angefü hrt, sie habe bereits auf dem Anmel- deformular vom 22. Mai 2008 angegeben, dass sie seit Ju li 2002 als Übersetzerin bei C.____ arbeite. Ausserdem hätte C.____ während der Arbeitslosi gkeit der vorangegangenen Rahmen- frist von Juni 2008 bis Juni 2010 jeweils die Zwischenver dienstabrechnungen der Arbeitslosen- kasse direkt zugestellt. Diese Vorgehensweise sei nie beansta ndet worden. Das langjährige Arbeitsverhältnis sei der Arbeitslosenkasse längst bekannt gewesen, deshalb habe sie auf dem umstrittenen Monatsformular Juni 2010 nicht mehr ausd rücklich C.____ als Arbeitgeber ver- merkt. Ihr könne kein Vorwurf von unwahren Angaben od er Verletzung der Auskunfts- und Mel- depflichten gemacht werden. Des Weiteren seien die Ver fügung vom 21. August 2012 sowie der Entscheid vom 8. Juni 2015 aufzuheben und es sei festzu stellen, dass sie für die Bezugs- rahmenfrist vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 Anspruch au f 400 Taggelder habe. Demgemäss sei ihr für diese Bezugsrahmenfrist der restliche Anspruch auf 140 Taggelder nachzubezahlen. Begründet wurde dieser Antrag von der Beschwerdeführerin damit, dass sie innerhalb der mas- sgeblichen Beitragsrahmenfrist auch durch die Tätigkeit be i C.____ im August, September und November 2008 Beitragszeiten erfüllt habe und somit e ine Beitragszeit von insgesamt mindes- tens 18 Monaten nachweisen könne. Es sei die Sache de mentsprechend zur Festlegung und Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen an die Vorinstan z zurückzuweisen. Alles unter o/e Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 10. Juli 2015 entsprach das Kanto nsgericht dem verfahrensmässi- gen Antrag der Beschwerdeführerin, die Beschwerden ge gen die beiden Einspracheentscheide vereint zu beurteilen. D. Die Beschwerdegegnerin schloss mit Vernehmlassung vom 2 3. September 2015 auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie unter anderem auf die angefochtenen Einspracheentscheide als integrierende Bestandteile der Vernehmlassung. Ergänzend führte sie aus, dass es beim Tatbestand von Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG keine Rolle spiele, aus welchen Gründen die Pflichtverletzung erfolgt sei. Es reiche eine fahrlässige Pflichtverletzung für die Erfüllung des Tatbestandes aus. Bezüglich des Zwischenverdienstes bei C.____ vertrat die Be- schwerdegegnerin die Auffassung, dass die AVIG-Praxis ALE 2015, B150b zum Tragen kom- me. Daraus folge, dass die Tätigkeit der Versicherten in den Monaten August, September und November 2008 keine Beitragszeit generiere. Sie erfül le damit die Mindestbeitragszeit von 18 Monaten und damit den Anspruch auf 400 Taggelder nicht. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mi t Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 da s Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Ver fügungserlasses die Kontrollpflicht er- füllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kanton sgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versi- cherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachli ch und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 9. Juli 2015 ist einzutreten. 2.1 Vorab ist auf folgende verfahrensrechtliche Grundsät ze hinzuweisen: 2.2 Das Gericht hat die Abklärung des Sachverhaltes gemäss dem im Sozialversiche- rungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amte s wegen vorzunehmen (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Danach hat es von sich aus und oh ne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhalt es zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen; vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungs- rechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen hat das Sozialversicherungsgericht ferner auf den festgeste llten Sachverhalt denjenigen Rechtssatz anzuwenden, den es als zutreffend ansieht, und ihm auch die Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. BGE 110 V 52 E. 4a, 116 V 26 f. E. 3c). Das Gericht hat sich da- bei nicht darauf zu beschränken, den Streitgegenstand b loss im Hinblick auf die von den Par- teien aufgeworfenen Rechtsfragen zu überprüfen (vgl. FRITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechts- pflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 212). Vielmehr kan n es eine Beschwerde aus anderen Grün- den gutheissen oder abweisen als von der Beschwerde füh renden Partei vorgetragen oder von der Vorinstanz erwogen (vgl. BGE 119 V 28 E. 1b mit Hinweisen, 119 V 442 E. 1a). Das Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen gilt namentlich a uch im kantonalen Beschwerdever- fahren im Bereich der Arbeitslosenversicherung (BGE 122 V 36 f. E. 2b). 2.3 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen eine vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl . § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung a ls verfügende Instanz und – im Beschwer- defall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicheru ngsrecht hat das Gericht seinen Ent- scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, n ach dem Beweisgrad der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Geri cht hat vielmehr jener Sachverhalts- darstellung zu folgen, die es von allen möglichen Gescheh ensabläufen als die wahrscheinlichs- te würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 3.1 Streitig und im Folgenden zu prüfen ist als Erstes, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherte zu Recht für die Dauer von vier Tagen in de r Anspruchsberechtigung eingestellt hat. 3.2 Art. 28 Abs. 2 ATSG statuiert eine Mitwirkungspfl icht derjenigen Personen, welche Versicherungsleistungen beanspruchen. Die Leistungsempfäng erinnen und -empfänger müs- sen den Arbeitslosenkassen und den zuständigen Behörden des Bundes und der Kantone alle erforderlichen Auskünfte erteilen und die nötigen Unte rlagen vorlegen. Solange die versicherte Person Leistungen bezieht, muss sie aufgrund von Art. 31 A bs. 1 ATSG der Arbeitslosenkasse überdies alles melden, was für die Anspruchsberechtigung oder die Leistungsbemessung von Bedeutung ist. Nach Art. 17 Abs. 2 AVIG muss die arbeit slose Person sich sodann am ersten Tag, für den sie Arbeitslosenentschädigung beansprucht, persönlich beim Arbeitsamt ihres Wohnorts zur Arbeitsvermittlung melden und von da an die Kontrollvorschriften des Bundesra- tes befolgen. Die Erfüllung der Kontrollvorschriften ste llt dabei eine Anspruchsvoraussetzung dar (Art. 8 Abs. 1 lit. g AVIG). 3.3 Die Kontrolldaten für die Geltendmachung des Versi cherungsanspruchs werden mit dem Formular "Angaben der versicherten Person" erfasst ( Art. 23 Abs. 1 AVIV). Das Formular gibt dabei Auskunft über die Werktage, für die die ver sicherte Person glaubhaft macht, dass sie arbeitslos und vermittlungsfähig war, sowie über alle Tatsachen, die für die Beurteilung der An- spruchsberechtigung erheblich sind, wie Krankheit, Militärdienst, Ferienabwesenheit, Teilnahme an einer arbeitsmarktlichen Massnahme, Zwischenverdienst und Grad der Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person (Art. 23 Abs. 2 AVIV). Als Kontrollperiode der zu erfassenden Daten gilt dabei jeder Kalendermonat (Art. 27a AVIV). 3.4 Die versicherte Person ist nach Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie unwahre oder unvollständige Angab en gemacht oder in anderer Weise die Auskunfts- oder Meldepflicht verletzt hat. Dieser E instellungstatbestand ist stets erfüllt, wenn die versicherte Person die der Arbeitslosenkasse, dem Arbeitsamt oder der kantonalen Behörde einzureichenden Formulare nicht wahrheitsgemäss o der unvollständig ausfüllt (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2007, C 288/06, E. 2 mit weiteren Hinweisen; Urteil des Eid- genössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 14. Januar 2003, C 242/01, E. 2.1.1 ; vgl. auch: T HOMAS NUSSBAUMER , Ar- beitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizeri sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Basel/Genf/München 200 7, Rz. 849). Der Einstellungsgrund von Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG umfasst somit jede Verletzung der Pflicht der versicherten Person zur wahrheitsgemässen und vollständigen Auskunft sowie zur Mel dung aller leistungsrelevanten Tatsachen. So ist die versicherte Person beispielsweise verp flichtet, der Kasse einen erzielten Zwischenverdienst zu melden (BGE 123 V 151 E. 1b mit Hi nweis; Urteil des Bundesgerichts Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 27. März 2007, C 288/06, E. 2 mit weiteren Hinwei sen). Unerheblich ist, ob die falschen oder unvollständigen Angaben für die Ausrichtung der Ve rsicherungsleistungen oder deren Bemessung kausal sind (BGE 130 V 387 E. 3.1.2 mit Hinwe is, Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2007, C 288/06, E. 2). Eine Verletzung der Melde- und Auskunftspflichten ist bereits bei leichtem Verschulden, d.h. bei leichter Fahrlässigkeit , gegeben (vgl. BGE 124 V 232 E. 4d; BARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicheru ng und Insolvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich 2013, S. 181). 4.1 Vorliegend stellte die Arbeitslosenkasse die Beschwer deführerin gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG wegen Verletzung der Melde- und Au skunftspflicht, konkret wegen der Nicht- angabe eines Zwischenverdienstes, in der Anspruchsberechtig ung ein. Unter den Parteien un- bestritten und aus den Akten ohne Weiteres ersichtlich ist , dass die Beschwerdeführerin das Formular „Angaben der versicherten Person“ für den Mon at Juni 2010 insofern nicht vollständig ausgefüllt hat, als sie den in diesem Monat bei C.___ _ als Dolmetscherin erzielten Zwischen- verdienst nicht angegeben hat. Laut den Ausführungen d er Beschwerdeführerin habe sie die- sen Zwischenverdienst auf dem umstrittenen Formular nicht mehr ausdrücklich angegeben, weil ihr langjähriges Arbeitsverhältnis mit C.____ der Beschw erdegegnerin längst bekannt gewesen sei. Ihr Arbeitgeber habe auch in der vorangehenden R ahmenfrist jeweils die vorgesehenen Formulare „Bescheinigung über Zwischenverdienst“ sowie Z wischenverdienstabrechnungen direkt bei der Beschwerdegegnerin eingereicht. Dieses V orgehen sei über einen langen Zeit- raum praktiziert und nie beanstandet worden. 4.2 Aufgrund der Aktenlage kann mit überwiegender Wah rscheinlichkeit angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin den Zwischenverdien st versehentlich bzw. aufgrund ei- nes Missverständnisses nicht angegeben hat. Unbestritten ist zwar, dass sie den erzielten Zwi- schenverdienst als Dolmetscherin auf dem Formular für den Monat Juni 2010 nicht angegeben hat. Hingegen wurde die Tätigkeit bei C.____ in einigen anderen Monaten beziehungsweise auf anderen Formularen aufgeführt. Ferner war der Beschwe rdeführerin bewusst, dass ihr langjäh- riger Arbeitgeber regelmässig die Formulare „Bescheinig ung über Zwischenverdienst“ sowie Zwischenverdienstabrechnungen bei der Beschwerdegegnerin einreichte. Aufgrund des Verhal- tens der Beschwerdeführerin und dem soeben Ausgeführten kann davon ausgegangen werden, dass sie die unvollständigen Angaben aus mangelnder Sorgfalt und nicht im Wissen und Wollen um die unrechtmässige Ausrichtung von Arbeitslosenentschädig ung gemacht hat. Sie hat glaubhaft dargetan, dass sie ihren Zwischenverdienst bei C.____ nicht absichtlich verheimlicht hat. Wie bereits ausgeführt, genügt für die Erfüllung des Tatbestands von Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG allerdings bereits leichte Fahrlässigkeit (vgl. Erwä gung 3.4 hiervor und die dort zitierte Rechtsprechung). Unerheblich ist deshalb auch, dass die B eschwerdeführerin davon ausging, dass die Beschwerdegegnerin ohnehin in Kenntnis ihres Zwischenverdienstes war. Sie ist trotz- dem verpflichtet, die massgeblichen Formulare vollständig und wahrheitsgetreu auszufüllen. Zudem muss die Beschwerdegegnerin in einer neu laufend en Rahmenfrist nicht automatisch auch einen Zwischenverdienst annehmen, nur weil in der vorangehenden Rahmenfrist ein sol- cher bestand. Dass die Beschwerdeführerin nicht mit der A bsicht handelte, ihren Zwischenver- dienst zu verheimlichen und eine unrechtmässige Taggeld ausrichtung zu erwirken, ist allenfalls Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der Bemessung der Dauer der Sanktion zu berücksichtigen . Nach dem Ausgeführten stellte die Arbeitslosenkasse die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG zu Recht in der Anspruchsberechtigung ein. 5.1 Zu prüfen bleibt, ob die durch die Beschwerdegegn erin verfügte Einstellung in der An- spruchsberechtigung im Umfang vier Tagen angemessen ist. 5.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Gr ad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem , 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 A VIV). Innerhalb dieses Rahmens fällt die Arbeitslosenkasse ihren Entscheid nach pflichtg emässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ka ntonsgerichts bzw. deren präsidie- rende Person bei Präsidialentscheiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemes- senheit zu überprüfen, sie greift jedoch bei der Beurte ilung der durch die Arbeitslosenkasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zu rückhaltung in dessen Ermessens- spielraum ein. 5.3 Für eine Verletzung der Melde- und Auskunftspfli chten sieht das Einstellraster des SECO lediglich eine Einstelldauer nach Verschulden vor (vgl. AVIG-Praxis ALE A1, Rz. D 72). Nach Angaben der Beschwerdegegnerin werden Versicherte bei der ersten inkorrekten Angabe in einem Formular praxisgemäss vier Tage in der Anspruch sberechtigung eingestellt, für jeden weiteren Monat, für den die Formulare falsch ausgefüll t werden, wird die Einstelldauer erhöht. Die Arbeitslosenkasse hat die Beschwerdeführerin vorlie gend für die Dauer von vier Tagen in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt und ihr Verschuld en somit als leicht qualifiziert. Nach dem unter Erwägung 4.4 Ausgeführten ist diese Einschätz ung nicht zu beanstanden. Im vorlie- genden Fall hat sich die Beschwerdeführerin insofern ge irrt, als sie annahm, dass die Be- schwerdegegnerin von ihrem Zwischenverdienst gewusst habe u nd damit eine erneute Angabe auf dem massgeblichen Formular nicht mehr notwendig s ei. Zudem ist mit der Beschwerdefüh- rerin festzuhalten, dass sie bereits in der vorangehend en Rahmenfrist ihren Zwischenverdienst nicht immer vollständig angegeben hat. Trotzdem ist sie n ie zu Recht gewiesen oder gar sank- tioniert worden. Sie ging daher davon aus, dass die dir ekten Meldungen des Arbeitgebers an die Beschwerdegegnerin genügten und sie von einer erneu ten Angabe des Verdienstes ent- bänden. Die Festsetzung der Einstelldauer im untersten Drittel des für leichtes Verschulden vorgesehenen Rahmens erweist sich somit in Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände der Beschwerdeführerin und mit der g ebotenen Zurückhaltung in der Überprüfung des Ermessens der Verwaltung als angemessen. Die Beschwerde gegen den Ein- spracheentscheid vom 8. Juni 2015 betreffend die Verfüg ung vom 2. September 2010 ist dem- nach abzuweisen. 6.1 Wie die Beschwerdegegnerin in ihrem Einspracheent scheid vom 8. Juni 2015 betref- fend die Verfügung vom 21. August 2012 zu Recht ausführt, beanstandet die Beschwerdeführe- rin weder die Rahmenfristverschiebung noch die Berechnungsgrundlage für die Rückforderung. Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügung vom 21. A ugust 2012 anhand einer tabellari- schen Zusammenstellung gemäss Abrechnungen aufgezeigt, wi e sich der Rückforderungsbe- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht trag von Fr. 705.10 berechnet. Die Berechnung der B eschwerdegegnerin ist der Höhe nach nicht bestritten. Streitig und zu prüfen ist hingegen, ob die Kasse berechtigt war, von der Versi- cherten zu Unrecht ausgerichtete Arbeitslosenentschädigung im Umfang von Fr. 705.10 zu- rückzufordern. 6.2 Die Zusprechung von sozialversicherungsrechtlichen Le istungen erfolgt grundsätzlich durch eine Verfügung (vgl. Art. 49 Abs. 1 ATSG). Ste ht diese mit den massgebenden rechtli- chen oder tatsächlichen Grundlagen nicht bzw. nicht meh r in Übereinstimmung, stellt sich die Frage einer Korrektur der Verfügung. In Betracht kommt eine rückwirkende oder eine sich nur auf die Zukunft auswirkende Korrektur. Ziel ist, die gesetzliche Ordnung (wieder-) herzustellen (vgl. BGE 122 V 227). Vorliegend geht es um eine rückwi rkende Korrektur bisher zu Unrecht ausgerichteter Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Gemäss Art. 95 Abs. 1 Satz 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG ist die Kass e verpflichtet, zu Unrecht ausbezahlte Versicherungsleistungen vom Empfänger zurückzufordern. 6.3 Die Festlegung einer allfälligen Rückerstattung vo n Leistungen erfolgt in einem mehr- stufigen Verfahren: In einem ersten Entscheid ist über die Frage der Unrechtmässigkeit des Bezugs der Leistung zu befinden; hier ist auf Art. 53 ATSG abzustellen. Daran schliesst sich der Entscheid über die Rückerstattung an, mit dem insbesonde re zu beantworten ist, ob – bei der festgestellten Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs – eine rückwirkende Korrektur erfolgt oder nicht; rechtliche Grundlage dafür bildet – neben den einzelgesetzlichen Regelungen – Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG. Schliesslich ist gegebenenfalls üb er den Erlass der zurückzuerstatten- den Leistung zu entscheiden; dafür ist auf Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG abzustellen. 6.4 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger in Form der Wiedererwägung auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einsprachee ntscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Wird eine solche rückwirkende Korrektur einer Verfügung vorgenommen , entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese werden – im Na chhinein – zu unrechtmässigen Leis- tungen (vgl. BGE 122 V 138). Diese für die Wiedererw ägung formell rechtskräftiger Verfügun- gen massgebenden Voraussetzungen gelten auch in Bezug au f die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geldleistungen der Arbeitslosenversicherung, u nabhängig davon, ob die zur Rück- forderung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder form los verfügt worden sind (vgl. BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen). 7.1 Es stellt sich die Frage, ob die Ausrichtung der an d ie Beschwerdeführerin zu viel aus- gerichteten Arbeitslosenentschädigung zweifellos unrichti g war. Eine zweifellose Unrichtigkeit liegt nicht nur vor, wenn die in Wiedererwägung zu ziehende Verfügung auf Grund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde, sondern auch , wenn massgebliche Bestimmun- gen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Eine geset zwidrige Leistungszusprechung gilt re- gelmässig als zweifellos unrichtig (vgl. BGE 126 V 399 E. 2bb). 7.2 Mit Verfügung vom 2. September 2010 stellte die Arbeitslosenkasse die Versicherte wegen unwahren Angaben und Verletzung der Auskunfts- u nd Meldepflicht für die Dauer von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vier Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Diese Sankti on beziehungsweise Verfügung ist – wie bereits festgestellt wurde – zu Recht ergangen un d die diesbezügliche Beschwerde ist ab- zuweisen (vgl. E. 5.3 hiervor). Unter diesen Umständen i st die für die Wiedererwägung rechts- kräftiger Verfügungen vorausgesetzte zweifellose Unrichti gkeit der ausbezahlten Arbeitslo- senentschädigung vorliegend gegeben. Denn die Ausrichtu ng der vier Taggelder erweist sich demnach nachträglich als zweifellos unrechtmässig und ist den genannten Bestimmungen zu- folge zu Recht zurückgefordert worden. In der Verfüg ung vom 21. August 2012 machte die Be- schwerdegegnerin die Rückforderung der zu Unrecht ausbez ahlten Arbeitslosenentschädigung im Betrag von Fr. 705.10 geltend. Zur Begründung füh rte sie aus, dass die Versicherte ihren Anspruch auf 260 Taggelder der Arbeitslosenversicherung a usgeschöpft habe. Der Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug habe aufgrund der Wiedererwägung vom 2. April 2012 erneut auf den 2. Juni 2010 festgesetzt werden müssen. D ie Rahmenfrist für den Leistungsbe- zug dauere somit vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012. S ämtliche Kontrollperioden hätten wieder neu berechnet werden müssen. Sie hätten festgestellt, d ass infolge mehrmaliger Korrekturen vier Einstelltage gemäss der Verfügung vom 2. Septemb er 2010 in der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 10. August 2010 bis 9. August 2012 nicht getilgt worden seien. Die Tilgung erfolge in der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 in der Kontrollperiode August 2010 gemäss Taggeldabrechnungen vom 23. Juli 2012. Die Zahlungs- differenz resultiere, weil die Versicherte ihren Anspru ch auf Arbeitslosenentschädigung ausge- schöpft habe und die Einstelltage nachträglich getilgt worden seien. Ebenso hätten die neube- rechneten Sozialversicherungsbeiträge zur Rückforderung beigetragen. 7.3 Was die Berechnung des Rückforderungsbetrages betri fft, kann ohne Weiterungen auf die entsprechende tabellarische Zusammenstellung gemäss Abrechnungen der Kasse in deren Verfügung vom 21. August 2012 verwiesen werden. Da die Versicherte für die Dauer von vier Tagen in ihrer Anspruchsberechtigung eingestellt word en war, entrichtete die Beschwerdegeg- nerin die entsprechenden vier Taggelder ohne Rechtsgr undlage. Die Berichtigung der fälschli- cherweise von der Kasse nicht getilgten vier Einstellta ge, das heisst der zu viel ausgerichteten Arbeitslosenentschädigung, ist angesichts der Höhe des re sultierenden Rückforderungsbetra- ges von Fr. 705.10 zweifellos auch von erheblicher Bede utung. Der angefochtene Einsprache- entscheid vom 8. Juni 2015 ist in Bezug auf die stritt ige Rückforderung der Kasse demnach nicht zu beanstanden. Die Kasse muss zu Unrecht bezogene Leistungen der Arbeitslosenversi- cherung gestützt auf Art. 25 ATSG unabhängig von einem allfälligen Verschulden der Versi- cherten zurückfordern. 8. Gemäss Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG erlischt der Rückf orderungsanspruch mit Ablauf eines Jahres, nachdem die auszahlende Stelle davon Kenntn is erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Bei diesen Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen (BGE 112 V 181, 1 11 V 135). Aufgrund der Wiedererwä- gung vom 2. April 2012 ist der Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug erneut auf den 2. Juni 2010 festgesetzt worden. Sämtliche Kontrollperioden sind wieder neu berechnet worden. Dabei hat die Beschwerdegegnerin festgestellt, dass info lge mehrmaliger Korrekturen vier Ein- stelltage gemäss Verfügung vom 2. September 2010 in der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 10. August 2010 bis 9. August 2012 nicht getilgt w orden sind. Mit Verfügung vom 21. Au- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gust 2012 stellte die Beschwerdegegnerin Rückforderung der zu viel ausbezahlten Arbeitslo- senentschädigung im Betrag von Fr. 705.10. Sowohl die einjährige wie auch die fünfjährige Verwirkungsfrist sind demnach gewahrt. 9.1 Streitig und zu prüfen ist schliesslich, ob die Beschwe rdegegnerin in ihrer Verfügung vom 21. August 2012 sowie im diesbezüglichen Einsprache entscheid zu Recht davon ausging, dass die Versicherte in der Rahmenfrist vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 Anspruch auf höchs- tens 260 Taggelder hat. 9.2 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt nac h Art. 8 Abs. 1 AVIG voraus, dass die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 10), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11), in der Schwei z wohnt (Art. 12), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreich t hat noch eine Altersrente der AHV bezieht, die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14), vermittlungsfähig ist (Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (Art. 17). 9.3 Für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit ge lten grundsätzlich zweijährige Rah- menfristen (Art. 9 Abs. 1 AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehe- nen Rahmenfrist während mindestens zwölf Monaten eine b eitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist f ür die Beitragszeit beginnt gemäss Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jahre vor der Rahmenfrist für den Lei stungsbezug. Letztere wiederum be- ginnt gemäss Art. 9 Abs. 2 AVIG an jenem Tag, an dem sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Massgebend ist dabei der Zeitpunkt, in wel chem sich die versicherte Person erst- mals zur Erfüllung der Kontrollpflicht auf der Wohnsitzgemeinde meldet (Art. 17 Abs. 2 AVIG). 9.4 Gemäss Art. 27 Abs. 1 AVIG bestimmt sich die Höchstzahl der Taggelder innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Art. 9 Abs. 2) nach dem Alter der Versicherten sowie nach der Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3). Die versicherte Person hat Anspruch auf höchstens 260 Tag- gelder, wenn sie eine Beitragszeit von insgesamt 12 Mo naten nachweisen kann (Abs. 2 lit. a); auf höchstens 400 Taggelder, wenn sie eine Beitragszeit vo n insgesamt 18 Monaten nachwei- sen kann (Abs. 2 lit. b); auf höchstens 520 Taggelder, w enn sie eine Beitragszeit von mindes- tens 22 Monaten nachweisen kann und das 55. Altersjahr zurückgelegt hat (Abs. 2 lit. c Ziff. 1), oder eine Invalidenrente bezieht, die einem Invalidit ätsgrad von mindestens 40 Prozent ent- spricht (Abs. 2 lit. c Ziff. 2). 9.5 Als Beitragsmonat zählt gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIV je der volle Kalendermonat, in dem die versicherte Person beitragspflichtig ist. Beitragszeiten, die nicht einen vollen Kalendermonat umfassen, werden zusammengezählt. Je 30 Kalendertage ge lten als ein Beitragsmonat (Art. 11 Abs. 2 AVIV). Da für die Ermittlung der Bei tragszeit somit nicht die Beitragstage – also die Tage, an welchen die versicherte Person tatsächlich einer beitragspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist –, sondern die Kalendertage massgeben d sind, müssen Erstere in Kalender- tage umgerechnet werden, wozu praxisgemäss ein Umrechnun gsfaktor 1.4 verwendet wird (BGE 122 V 256 E. 2a, S. 258 f. mit Hinweisen; Urtei l des Bundesgerichts vom 29. Januar Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2009, 8C_836/2008). Die Beitragszeit von Teilzeitbeschä ftigten wird laut Art. 11 Abs. 4 AVIV nach den gleichen Regeln ermittelt wie bei Arbeitnehmern mit Vollzeitbeschäftigung. 9.6 Werden unregelmässige Einsätze im Rahmen eines ein zigen Arbeitsvertrages geleistet (z. B. Abrufarbeitsverhältnisse), sind alle Monate, in denen gearbeitet worden ist, als ganze Bei- tragsmonate anzurechnen. Dies gilt auch dann, wenn in einem Monat nur wenige Tage oder sogar nur einen Tag und im vorangehenden bzw. nachfolge nden Monat nicht gearbeitet wurde. Monate, in denen gar nicht gearbeitet wurde, gelten nicht als Beitragszeit (vgl. Urteile des Bun- desgerichts vom 26. August 2008, 8C_20/2008, und vom 29. Januar 2009, 8C_836/2008). Nur wenn das Arbeitsverhältnis im Verlauf eines Monates aufge nommen bzw. beendet wird, be- rechnet sich die Beitragszeit erst ab Zeitpunkt der Aufna hme bzw. bis Beendigung der Arbeit nach Art. 11 Abs. 2 AVIV (Proratisierung) (vgl. AVIG-Praxis ALE A1, Rz. B150a). 9.7 Beruhen die Einsätze beim gleichen Arbeitgeber hin gegen jeweils auf verschiedenen, voneinander unabhängigen Arbeitsverträgen (z. B. Einsatzve rträge von Temporärarbeitneh- menden), sind diese Einsätze als eigenständige Arbeitsver hältnisse zu betrachten. In diesen Fällen erfolgt eine allfällige Proratisierung der Ka lendermonate für die Ermittlung der Beitrags- zeit zu Beginn und am Ende jedes Arbeitseinsatzes (vgl. AVIG-Praxis ALE A1, Rz. B150b). 10.1 Unbestritten ist, dass die Rahmenfrist für den Leist ungsbezug vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 dauerte. Die Rahmenfrist für die Beitra gszeit läuft somit vom 2. Juni 2008 bis 1. Juni 2010. Einig sind sich die Parteien auch darüber , dass die Versicherte mit ihrer Anstel- lung bei der B.____ ab Januar 2009 bis zum Stichtag de s 2. Juni 2010 insgesamt 17 Monate und einen Tag Beitragszeit erfüllt hat. Streitig und zu prüfen ist indessen, ob die Beschwerde- führerin in der massgeblichen Rahmenfrist Anspruch auf 2 60 oder 400 Taggelder hat, bezie- hungsweise ob sie eine Beitragszeit von mindestens 12 oder 18 Monaten nachweisen kann. 10.2 Für die Beantwortung dieser Frage ist entscheidend , wie der Zwischenverdienst der Be- schwerdeführerin als Dolmetscherin bei C.____ an die Be itragszeit angerechnet wird. Die Be- schwerdeführerin macht diesbezüglich in ihrer Beschwerd e vom 9. Juli 2015 geltend, dass sie im massgeblichen Zeitraum in den Monaten August, September und November 2008 durch ihre Tätigkeit als Dolmetscherin ein beitragspflichtiges Ei nkommen erzielt und damit Beitragszeiten erfüllt habe. Insgesamt habe sie innerhalb der massgebli chen Beitragsrahmenfrist vom 2. Juni 2008 bis 1. Juni 2010 eine Beitragszeit von mindestens 18 Monaten erfüllt, was demnach An- spruch auf 400 Taggelder begründe. Die Beschwerdegegne rin hingegen vertritt in ihrer Ver- nehmlassung vom 23. September 2015 die Auffassung, dass die AVIG-Praxis ALE, 2015, B150b, zum Tragen komme. Die Dolmetschertätigkeit der Ve rsicherten und deren Einsätze bei C.____ seien in diesem Sinne zu betrachten. Dabei sei es irrelevant, dass besagte Tätigkeit im Zwischenverdienst abgerechnet worden sei. Nicht jede im Z wischenverdienst abgerechnete Tätigkeit generiere automatisch Beitragszeit. Damit stehe fest, dass die Beschwerdeführerin die Mindestbeitragszeit von 18 Monaten und damit den Anspruch auf 400 Taggelder nicht erfülle. 10.3 Aufgrund der Aktenlage ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin seit 2002 bei C.____ im Stundenlohn als Dolmetscherin tätig ist. Auf den Bescheinigungen über den Zwi- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht schenverdienst hat C.____ jeweils angekreuzt, dass kein schrif tlicher Arbeitsvertrag bestehe. Auf dem Fragebogen für Arbeitgebende ist aber unter anderem angegeben, dass die Versicher- te auf Abruf arbeite. Der Arbeitgeber führe eine Li ste mit Dolmetschern und Dolmetscherinnen und setze diese jeweils nach Bedarf ein. Weiter ist aus d en Akten ersichtlich, dass die Be- schwerdeführerin unregelmässig eingesetzt wurde und ihr Einsatz höchstens einem Pensum von 10% entsprach. Entgegen der Auffassung der Beschwerd egegnerin sprechen diese Um- stände für ein Abrufarbeitsverhältnis, welche die AVIG-P raxis ALE B150a und nicht B150b zur Anwendung bringt. Es ist mit überwiegender Wahrscheinl ichkeit davon auszugehen, dass die Versicherte, welche jahrelang bei C.____ gearbeitet ha t, sämtliche ihrer Einsätze im Rahmen eines einzigen Arbeitsvertrages geleistet hat. Somit sind alle Monate, in denen die Beschwerde- führerin gearbeitet hat, als ganze Beitragsmonate anz urechnen. Mit der Beschwerdeführerin ist deshalb festzuhalten, dass die Monate August, September und November 2008 als ganze Bei- tragsmonate zählen. Daraus folgt, dass die Versicherte n icht nur 17 Monate und einen Tag, sondern 20 Monate und einen Tag Beitragszeit nachweisen kann. Aus diesem Grund hat sie für die Bezugsrahmenfrist vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 Anspruch auf 400 Taggelder. Die Be- schwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Juni 2015 be treffend die Verfügung vom 21. August 2012 ist demnach in diesem Punkt gutzuheissen. 11. Zusammenfassend ergibt sich aus dem Gesagten, dass di e Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Juni 2015 betreffend die Verf ügung vom 2. September 2010 ab- zuweisen ist. Die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Juni 2015 betreffend die Verfügung vom 21. August 2012 ist in Bezug auf die Rück forderung der zu Unrecht ausbezahl- ten Arbeitslosenentschädigung im Betrag von Fr. 705.10 ebenfalls abzuweisen. Sie ist hingegen insofern gutzuheissen, als festgestellt wird, dass die Besch werdeführerin für die Rahmenfrist vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 Anspruch auf 400 Taggelder hat. 12.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. 12.2 Gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegen de beschwerdeführende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Der teilweise obsiege nden Beschwerdeführerin ist somit eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der in der Honor arnote vom 26. Oktober 2015 ausge- wiesene Zeitaufwand von insgesamt 15 Stunden und 10 Mi nuten erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angeme ssen. Da die Beschwerde jedoch nur teilweise gutzuheissen ist, erscheint eine Parteientsc hädigung im Umfang von 8 Stunden, was gut der Hälfte der Honorarforderung entspricht, a ngemessen. Demnach ist der Beschwer- deführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘267.90 (8 Stunden à Fr. 250.-- inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu L asten der Beschwerdegegnerin zuzu- sprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Juni 2015 betreffend die Verfügung vom 2. September 2010 wird abgewiesen. Die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Ju ni 2015 betreffend die Verfügung vom 21. August 2012 wird inso fern gutge- heissen, als festgestellt wird, dass die Beschwerdeführe rin für die Rahmenfrist vom 2. Juni 2010 bis 1. Juni 2012 Anspruch a uf 400 Tag- gelder hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘267.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht