Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 27. Mai 2015 (810 14 339) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther , Gerichtsschreiberin i.V. Aisha Paloma Braun Parteien A. ____ , Beschwerdeführer gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 1616 vom 28. Oktober 2014) A. A.____ wurde am 5. Januar 1979 in der Türkei geb oren und reiste am 14. Mai 1991 im Rahmen des Familiennachzuges in die Schweiz ein. Am 14. April 1994 stimmte das (damalige) Bundesamt für Ausländerfragen der Erteilung einer A ufenthaltsbewilligung durch den Kanton Basel-Stadt zu. Per 1. März 2003 meldete sich A.___ _ in B.____ an, ohne eine Aufenthalts- bewilligung bzw. eine Bewilligung für den Kantonswe chsel beim Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) einzuholen. Das AfM forderte A.____ mehrmals auf, die für die Prüfung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Gesuchs um Kantonswechsel benötigten Unterlagen einzureichen. Insbesondere forderte das AfM A.____ auf, den Nachweis zu erbringen, dass er a lleine für seine privaten und ge- schäftlichen finanziellen Verpflichtungen aufkommen könne . Da A.____ in der Folge diesen Nachweis nicht erbracht hatte, verweigerte ihm das AfM m it Verfügung vom 8. Dezember 2003 den Kantonswechsel. Eine Abklärung der Polizei Basel-La ndschaft vom 15. Januar 2004 ergab jedoch, dass A.____ immer noch in B.____ wohnte und si ch auch nicht bei der Einwohner- kontrolle abgemeldet hatte. Deshalb forderte ihn das AfM mit Schreiben vom 4. März 2004 auf, den Kanton Basel-Landschaft bis zum 31. März 2004 zu ver lassen und sich auf der Gemeinde B.____ abzumelden. Gemäss Bericht der Polizei Basel-Landsch aft vom 7. April 2004 meldete sich A.____ rückwirkend per 31. Dezember 2003 nach Basel-S tadt ab, wo er in der Folge die Niederlassungsbewilligung erhielt. B. A.____ heiratete am 14. August 2003 C.____ (geb. am 1. März 1979), die im Alter von 13 Jahren in die Schweiz immigriert war und heute sowoh l die türkische als auch die schweize- rische Staatsangehörigkeit besitzt. Am 31. März 2004 wur de der erste Sohn des Paares, D.____, geboren und rund zweieinhalb Jahre später, am 4. Oktober 2006, folgte die Geburt des zweiten Sohnes E.____. Beide Kinder besitzen die schweizerische Staatsbürgerschaft. C. Am 10. Juli 2006 reichten A.____ und C.____ beim AfM erneut ein Gesuch um Kantons- wechsel ein. Darin führten sie aus, sie würden beide ar beiten und hätten jetzt keine finanziellen Probleme und sie würden in kurzer Zeit auch die Betre ibungen zurückzahlen. Am 19. Juli 2006 bewilligte das AfM den Kantonswechsel. D. A.____ ist mehrfach strafrechtlich in Erscheinung ge treten. Am 15. Januar 2002 verur- teilte das Bezirksamt Laufenburg A.____ zu einer Busse vo n Fr. 300.-- wegen Verursachens eines Verkehrsunfalls mit einem Personenwagen. Am 22. März 2006 folgte eine Verurteilung im Kanton Basel-Stadt zu einer Busse in der Höhe von Fr. 2‘000.-- wegen mehrfachen Arbeiten- lassens ohne Bewilligung. Weiter beging A.____ mehrere untergeordnete Delikte im Strassen- verkehrsbereich. Mit Urteil vom 14. März 2013 bzw. mit Re ktifikat vom 15. März 2013 wurde A.____ durch das Strafgericht des Kantons Basel-Stadt w egen gewerbsmässigen Betrugs schuldig erklärt und zu 12 Monaten Freiheitsstrafe mit bedingtem Strafvollzug unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Am 18. Juli 2013 folgte eine weitere Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Monat unter einer Probezeit von zwei Jahren wegen Betrugs (mehrfache Begehung) im Kanton Solothurn. E. Gemäss Betreibungsregisterauszug vom 15. Juli 2013 ware n zu diesem Zeitpunkt ge- gen A.____ 163 Betreibungen mit einem Gesamtbetrag von Fr. 404'278.05 und 123 offene Verlustscheine mit einem Gesamtbetrag von 275'291.35 registriert. F. Am 24. Juli 2013 gewährte das AfM den getrennt le benden Ehegatten das rechtliche Gehör bezüglich eines allfälligen Widerrufs der Niederlassungsbewilligung von A.____. G. Mit Verfügung vom 11. Dezember 2013 bzw. mit Rektif ikat vom 29. Januar 2014 wider- rief das AfM die Niederlassungsbewilligung von A.____ und setzte ihm eine Ausreisefrist bis Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum 29. Februar 2014. Begründend führte das AfM aus, dass ein Widerrufsgrund der Nieder- lassungsbewilligung im Sinne von Art. 63 Abs. 2 i. V. m. Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgeset- zes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 vorliegen würde, da A.____ zahlreiche Verkehrsdelikte begangen, gewerbsmä ssigen Betrug betrieben und hohe Schulden generiert habe. H. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Stefanie Trü eb, Advokatin in Liestal, mit Schrei- ben vom 10. Februar 2014 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat), welche dieser mit Regierungsratsbeschlu ss Nr. 1616 vom 28. Oktober 2014 abwies. J. Dagegen erhob A.____ (Beschwerdeführer) am 10. Nove mber 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Ve rfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit dem sinngemässen Antrag, es sei der Regierungsratsbeschluss vom 28. Oktober 2014 sowie die Verfügung des AfM vom 11. D ezember 2013 bzw. vom 29. Januar 2014 aufzuheben. K. Am 12. Januar 2015 beantragte der Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessfüh- rung. L. Mit Präsidialverfügung vom 26. Januar 2015 wurde d as Gesuch um unentgeltliche Pro- zessführung abgewiesen. L. Der Regierungsrat liess sich am 29. Januar 2015 verneh men und beantragte die Abwei- sung der Beschwerde. M. Mit Verfügung vom 18. Februar 2015 wurde der Fal l der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfass ungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid be rührt ist und ein schutzwürdiges In- teresse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da der Beschwerdeführer Adressat des an- gefochtenen Entscheides ist und ein schutzwürdiges Interesse a n dessen Aufhebung hat, die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt und sowohl di e örtliche wie auch die sachliche Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Bei der Beurteilung der Beschwerde ist die Kognitio n des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den a ngefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu p rüfen, ob der Beschwerdegegner ein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die- ser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festge stellt hat. Die Überprüfung der Ange- messenheit dagegen ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1. Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Wider ruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 3.2.1. Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ist ein W iderruf der Niederlassungsbewilligung möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffent- liche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im A usland verstossen hat oder diese ge- fährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit g efährdet. Gemäss Art. 80 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem im Falle der Missachtung von gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Verfügungen (Abs. 1 lit. a) sowie bei mutwilliger Nichterfüllung der öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Verpflichtungen (Abs. 1 lit. b) vor. Anders als der Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung (Art. 62 lit. c AuG), welcher voraussetzt, dass der Ausländer "erheblich oder wiederholt" gegen d ie öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat, bedingt ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG, dass ein solcher Verstoss "in schwerwiegender Weise" erfolgt ist. Daraus ergibt sich, dass damit vergleichsweise erhöhte Anforderungen an di esen Bewilligungswiderruf gestellt werden (BGE 137 II 297 E. 3.2 mit Verweis auf den fr anzösischen Wortlaut von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG und dem dort verwendeten Begriff "très gr ave" im Gegensatz zum Begriff "grave" in Art. 62 lit. c AuG). 3.2.2. Von einem Verstoss gegen die öffentliche Sicherhe it und Ordnung infolge der Nichterfül- lung privatrechtlicher und/oder öffentlich-rechtlicher Verpflichtungen ist dann auszugehen, wenn der Betroffene in erheblichem Masse Betreibungen und Verlustscheine aufweist. Jedoch ver- mag nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Schuldenwi rtschaft für sich allein den Wi- derruf der Niederlassungsbewilligung nicht zu rechtfertig en, sondern es bedarf erschwerender Merkmale. Blosse Liederlichkeit rechtfertigt einen solchen Widerruf nicht mehr. Die Verschul- dung muss vielmehr selbstverschuldet und qualifiziert vorwer fbar sein. Zu beachten ist über- dies, dass bei ausländischen Personen, die sich wie der Besch werdeführer seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, der Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit nicht Anwendung finden darf (v gl. Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG). Diese Einschränkung gilt zwar beim Widerru fsgrund des schwerwiegenden Ver- stosses gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit nac h Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG nicht. Soll das Gesetz aber eine ausgewogene Anwendung finden, r echtfertigt es sich, nicht leichthin von der Mutwilligkeit des Schuldenmachens auszugehen. Der au sländerrechtliche Bewilligungs- widerruf ist nicht ein schuldbetreibungsrechtliches Instru ment zur Eintreibung bestehender Schulden. Eine Entfernung aus der Schweiz dürfte einers eits eher dazu führen, dass die Gläu- biger faktisch keinerlei reelle Aussichten mehr hätten, für ihre Forderungen auch nur teilweise befriedigt zu werden. Andererseits besteht bei einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz die Gefahr, dass hier weitere uneinbringliche Schulden ge häuft werden (vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.3 mit Hinweisen). Bezüglich der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mutwilligkeit ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprech ung auch zu berücksichtigen, dass, wer einem betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahren, insbesondere der Lohnpfändung, un- terliegt, zum vornherein keine Möglichkeit hat, ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden zu tilgen. Das führt in solchen Fällen dazu, dass im Ve rgleich zu früher weitere Betreibungen hinzukommen können oder der betriebene Gesamtbetrag ang ewachsen sein kann, ohne dass allein deswegen Mutwilligkeit vorliegt. Es kommt vielmehr darauf an, welche Anstrengungen zur Sanierung unternommen worden sind. Positiv wäre etwa z u würdigen, wenn vorbestandene Schulden abgebaut worden sein sollten; ein Widerruf wäre demgegenüber zulässig, wenn in vorwerfbarer Weise weitere Schulden gehäuft worden wä ren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.4). 3.2.3. Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde aus, er arbeite zurzeit in der Firma F.____ und ihm sei ein Neuanfang gelungen. Seit Sep tember zahle er regelmässig seine Rechnungen, da er und seine Frau nun berufstätig seien . Er habe leider in der Vergangenheit viele Fehler begangen, habe aber auch viel aus ihnen g elernt. Er sei in der Lage zu beweisen, dass es seiner Familie auch in finanzieller Hinsicht wiede r gut gehe. Er habe seit fast zwei Jahren keine Bussen oder sonstige Strafen mehr erhalten und darüber hinaus würde er seine offenen Rechnungen gegenüber dem Staat begleichen. Zudem habe er vor, in der kommenden Woche eine Zahlungsvereinbarung zu treffen. 3.2.4. Der Regierungsrat führt in seinem Beschluss vom 28. Oktober 2014 aus, dass bezüglich des Beschwerdeführers neben der Verurteilung wegen Nich tabgabe von Ausweisen und Kon- trollschildern eine Verurteilung wegen Beschäftigung ei nes Ausländers ohne Bewilligung vor- läge. Des Weiteren sei der Beschwerdeführer wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer zwölf- monatigen Freiheitsstrafe sowie, in einem zusätzlichen Strafbefehlsverfahren zu jenem Urteil, zu einer einmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt word en. Darüber hinaus verstosse der Beschwerdeführer mit seiner hohen Schuldenlast gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die Schulden des Beschwerdeführers würden kontinuierlich steigen. Er und seine Familie seien während elf Jahren von acht verschiedenen Krankenkassen fü r Prämien, Arzt- und Kranken- kassenrechnungen betrieben worden. Im Weiteren seien di e Forderungen, für welche Betrei- bungen eingereicht wurden unterschiedlichen Ursprungs. Es fänden sich Versicherungen, In- kassofirmen, Privatpersonen, Staatsanwaltschaften, Polizeie n, Gerichte und andere unter den betreibenden Gläubigern. Die Umstände liessen auf ein e bedenkliche Gleichgültigkeit des Be- schwerdeführers gegenüber dem massiven Ansteigen seiner Sch ulden schliessen. Dabei sei ihm nicht einzig ein nachlässiger ("liederlicher") Umgan g mit den finanziellen Mitteln vorzuwer- fen, sondern er zeige über Jahre keinen erkennbaren Wi llen, seine finanzielle Situation ernst- haft in den Griff zu bekommen und eine Schuldensanierung anzustreben. Durch die strafrechtli- chen Verurteilungen des Beschwerdeführers und seine mutw illig generierte Schuldenlast sei der Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs.1 lit. b AuG somit gegeben. 3.2.5. Der Beschwerdeführer wurde unbestrittenermassen straffällig und zu diversen Delikten verurteilt. Jedoch bildet keine der ihm im Zuge dieser Verfahren verhängten Strafen eine län- gerfristige Freiheitsstrafe im Sinne der Rechtsprechung z u Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG, da er nie zu einer solchen von me hr als einem Jahr verurteilt worden ist (vgl. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hierzu BGE 135 II 377 E. 4.2). Nichtsdestotrotz kann a uch eine Summierung von Verstössen, die für sich alleine genommen für einen Widerruf nicht ausreichen würden, einen Bewilligungs- entzug rechtfertigen, wenn die betroffene Person mit ihrem negativen Verhalten objektiv zeigt, dass sie auch künftig weder willens noch fähig ist, sich in die geltende Rechtsordnung einzufü- gen (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 2C_273/2010 vo m 6. Oktober 2010 E. 3.2 und 2C_847/2009 vom 21. Juli 2010 E. 2.1). Der Beschwerd eführer wurde in den Jahren zwischen 2002 und 2013 zu vier Verkehrsdelikten, einer Busse wegen mehrfachen Arbeitenlassens ohne Bewilligung, gewerbsmässigem Betrug und Betrug in mehr facher Begehung verurteilt. Zu die- sen Verurteilungen kommt eine beachtliche Schuldenlast, d ie sich gemäss Betreibungsregister- auszug vom 28. Januar 2015 auf 184 Betreibungen im Gesa mtbetrag Fr. 446‘188.70 und 141 Verlustscheine in der Gesamthöhe von Fr. 319‘889.25 ( davon 136 offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 298‘984.35) belief. Dabei handelt es sich, wie der Regierungsrat zutreffend dar- gelegt hat, um Schulden gegenüber einer Vielzahl un terschiedlicher Gläubiger. Aus dem Be- treibungsregisterauszug geht hervor, dass der Beschwerdefü hrer seine Steuerschulden seit dem Jahr 2006 beinahe systematisch nicht mehr beglichen ha t. Mit den Krankenkassenrech- nungen verhält es sich ähnlich. Diese sind seit über zehn Jahren durch den Beschwerdeführer unbezahlt geblieben. Somit hat die Vorinstanz zu Recht wegen der strafrechtlichen Verurteilun- gen des Beschwerdeführers und seiner mutwilligen Verschul dung den Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG als erfüllt betrachtet. 4.1. Nach Art. 63 AuG "kann" die Niederlassungsbewillig ung widerrufen werden. Die Mass- nahme muss – wie jedes staatliche Handeln – verhältnismä ssig sein (vgl. Art. 5 Abs. 2 der Bun- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999; Art. 96 AuG). Dabei sind namentlich die Schwere des Verschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 139 I 31 E. 2.3.1; Urteil des Bun desgerichts 2C_858/2013 vom 7. Februar 2014 E. 2.2; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerre cht, Basel 2009, Rz. 8.31). Nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit muss eine Verwaltungsmassnahme zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältn is zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, Rz. 581 ff.) . Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Inte ressen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (MARTINA CARONI , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 51 Rz. 3; A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], a.a.O., Rz. 8.48). Ver- langt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehe nden privaten Interessen an der Erteilung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letzte- re in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingri ff als notwendig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Die Niederlassungsbew illigung eines Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zur ückhaltung widerrufen werden. Bei wieder- holter bzw. schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selb st dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leb en im Land verbracht hat. Bei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schweren Straftaten und bei Rückfall bzw. wiederholter Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches öffentliches Interesse daran, die Anwesenheit eines Ausländers zu beenden, der dermassen die öffentliche Sicherheit und Ordnung beei nträchtigt (Urteile des Bundesgerichts 2C_486/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2 und 2C_339/2013 vom 18. Juli 2013 E. 2.3). 4.2. Der Regierungsrat erwog, dass der Beschwerdeführer durchaus ein privates Interesse am Verbleib in der Schweiz habe. Schliesslich habe er be reits 23 Jahre in der Schweiz gelebt und habe hier eine Ehefrau und zwei minderjährige Ki nder, die über ein gefestigtes Anwesen- heitsrecht verfügten. Jedoch sei der Beschwerdeführer in sgesamt schlecht integriert. Beruflich habe er es nie geschafft, Fuss zu fassen. Er habe nebst s einer sehr hohen Schulden, die er über die letzten elf Jahre mutwillig verursacht habe, za hlreiche strafrechtliche Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer sowie gegen das Strassenverkehrsgesetz begangen und sei zweim al wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt worden. Demzufolge überwiege das öff entliche Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers, nicht alleine wegen der Verfolgu ng einer restriktiven Ausländerpolitik, sondern wegen dem Schutz potenzieller Gläubiger und dam it wegen ordnungs- und polizei- rechtlicher Gründe, gegenüber dem privaten Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz. Somit sei es dem Beschwerdeführer auch zuzum uten, in die Türkei auszureisen. Er spreche nicht nur die Sprache seiner Heimat, sondern sei auch mit den dortigen Gepflogen- heiten vertraut. Da der Beschwerdeführer nun wieder mi t seiner Familie lebe, stelle sich jedoch auch die Frage, ob es der Ehefrau und den Kindern zug emutet werden könne, dem Beschwer- deführer ins Ausland zu folgen. Die Ehefrau des Beschwerdeführers sei zwar Schweizer Staats- angehörige, jedoch übe sie keinen Beruf aus, den sie nu r in der Schweiz ausüben könne. Darüber hinaus stamme sie ebenfalls aus der Türkei, sie sp reche die türkische Sprache und kenne die dortige Kultur und die Verhältnisse. Im Wei tern sei sie gesund und brauche keine Medikamente, die es nur in der Schweiz gebe. Auch den Ki ndern könne es zugemutet werden, in die Türkei auszureisen. Sie seien beide noch relativ jung (zum Zeitpunkt des Entscheids acht und zehn Jahre alt) und für eine Integration in der T ürkei nicht zu alt. Ihre Situation sei ver- gleichbar mit derjenigen von Kindern, die aus der Türke i im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz immigrieren. Jedoch hätten sie den Vorteil, dass sie bereits sehr gute Kenntnisse der türkischen Sprache hätten. Da die Kernfamilie zusam menbleiben würde, stünde auch dem Kindeswohl nichts entgegen. 4.3. Der Beschwerdeführer erachtet seine Wegweisung i n erster Linie als unverhältnismäs- sig, weil er dadurch von seiner Familie getrennt würde. In der Beschwerdebegründung vom 12. Januar 2015 führt er dementsprechend aus, dass er sei ne gesamte Freizeit mit seiner Frau und seinen Kindern verbringe. Des Weiteren arbeite er für den FC B.____ als Fussballtrainer für Kinder. In seiner Beschwerdeeingabe vom 11. November 2 014 gibt er weiter an, dass seine Frau und die Kinder Schweizer Bürger seien und folgl ich bei einer Wegweisung nicht mit ihm in die Türkei kommen würden. Somit bitte er um eine letzt e Chance für sich und seine Familie, damit sie ein neues Leben anfangen könnten. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Ge- hörs vom 24. Juli 2013, bevor die Widerrufsverfügung d er Niederlassungsbewilligung des Be- schwerdeführers erging, äusserten sich der Beschwerdeführer und seine Ehefrau zu den per- sönlichen Verhältnissen der Familie. In den jeweiligen Schreiben vom 24. Juli 2013 wurden die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eheleute darum gebeten, u.a. darüber Auskunft zu erte ilen, ob sie gerichtlich getrennt seien, wie lange sie schon getrennt seien und ob der Vater di e Kinder oft sehen würde. Die Ehefrau antwortete, dass sie sich nicht scheiden lassen wollten, s ondern versuchen würden, in Zukunft wieder zusammen zu wohnen. Sie lebten jedoch seit zwei Ja hren getrennt. Trotzdem käme der Vater fast alle zwei Tage zu ihnen, um Zeit mit den Ki ndern verbringen zu können. Der Be- schwerdeführer äusserte sich im Schreiben vom 21. August 2 013 dahingehend, dass er wegen gewissen Problemen bei seiner Schwester gewohnt habe. E r wohne aber ab sofort wieder bei seiner Familie. Bezüglich der restlichen Fragen führte der Beschwerdeführer weiter aus, dass er nun bald eine neue Arbeitsstelle antreten werde, sein e Familie und Freunde in der Schweiz habe, während er in der Türkei nur noch seine Grosselte rn, einen Onkel und eine Tante hätte, er sich mit der Schweiz identifiziere und es für ihn das E nde der Welt bedeuten würde, wenn er die Schweiz verlassen müsste. 4.4. Die persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers sprechen für ein gewichtiges Inte- resse daran, nicht des Landes verwiesen zu werden. Der Be schwerdeführer ist im Mai 1991 in die Schweiz eingereist und damit bereits 24 Jahre hier wohnhaft. Dadurch, dass er im Alter von 12 Jahren in die Schweiz immigriert ist, hat er unbestr ittenermassen die prägenden Jugend- jahre bis zum Erwachsenenalter hier verbracht. Er gibt an, nur noch wenige soziale Kontakte in der Türkei zu haben und sich mit der Schweiz verbunden zu fühlen. Die unmündigen Kinder des Beschwerdeführers sind heute neun und elf Jahre alt, sie sind in der Schweiz eingeschult und besitzen die Schweizer Staatsangehörigkeit. Die Ehefr au des Beschwerdeführers ist heute 36- jährig und besitzt neben der türkischen auch die schweizer ische Staatsbürgerschaft. Wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdebegründung vom 11. November 2014 angibt, würde seine Familie bei einer Wegweisung ihm nicht ins Ausla nd folgen. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs durch das AfM vor Erlass der Wider rufsverfügung vom 11. Dezember 2013 bzw. vom 29. Januar 2014 gaben die Eheleute an, wegen gewisser Probleme zwei Jahre voneinander getrennt gelebt zu haben, sich aber nicht sc heiden lassen zu wollen und nun wie- der zusammen zu leben. Eine Trennung der Familie hat s omit bereits in der Vergangenheit stattgefunden. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers wür de wohl dazu führen, dass die Kernfamilie nun wieder getrennt würde. Wie die nach folgenden Ausführungen zeigen werden, ist es dem Beschwerdeführer jedoch durch sein Verhalten selber zuzurechnen, dass für die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung seine Wegweisung unabdingbar und verhält- nismässig ist. Nach der Lehre als Heizungsmonteur in den Ja hren 1996 bis 1999 arbeitete er nur kurz auf diesem Beruf. Von 2002 bis 2003 arbeitete er als Verkäufer für die G.____. Ab 2003 vertrieb er die Produkte der G.____ selbständig. I n der Zeit des selbständigen Vertriebs der Produkte der G.____ beging er zahlreiche Betrugs delikte. So wurde beispielsweise am 15. März 2012 bei der Polizei Basel-Landschaft eine Anzei ge gegen den Beschwerdeführer erhoben, weil er einen Staubsauger für eine Privatper son für den Betrag von Fr. 1‘800.-- weiterzuverkaufen versprach und für seine Dienstleistung eine Provision von Fr. 600.-- erhielt, die Dienstleistung jedoch ausblieb und er die Provision für sich behielt. Wegen zehn weiteren vergleichbaren Vorfällen, die sich im Kanton Basel-St adt ereigneten, wurde A.____ vom Strafgerichtspräsidenten des Kantons Basel-Stadt mit Urte il vom 14. März 2013 bzw. mit Rektifikat vom 15. März 2013 schliesslich wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Solothurn verurteilte ihn am 18. Ju li 2013 zu einer Zusatzstrafe zum Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorangehenden Urteil wegen Betrugs in mehrfacher Bege hung. Der Beschwerdeführer ist nicht nur strafrechtlich in Erscheinung getreten, sondern ha t auch beträchtliche Schulden kontinuier- lich angehäuft. Der Beschwerdeführer macht zwar – wie schon früher (siehe seine Zusicherun- gen vom 10. Juli 2006 und im Rahmen des rechtlichen Gehörs beim AfM vom 21. August 2013) – geltend, dass nun alles, auch in finanzieller Hinsicht, wieder gut gehe und er viel aus seinen vergangenen Fehlern gelernt habe. Er versucht seine ber ufliche Integration insofern zu bele- gen, als er ausführt, dass er nun mit einer Festanstel lung als Bodenleger für die Firma F.____ arbeite. Einen entsprechenden Arbeitsvertrag legt er indes nicht vor und die von ihm eingereichten Lohnabrechnungen betreffen einzig die Monate August, September und Oktober 2014. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer auf Stundenbasis entschädigt wurde, wobei die Lohnsummen (Nettolohn) stark variierten (August 2014: Fr. 3'800.--; September 2014 Fr. 1'736.65; Oktober 2014 Fr. 2'234.70). Die Firma F.____ wurde zudem erst am 23. September 2014 im Handelsregister des Kantons Basel- Landschaft eingetragen (vgl. Handelsregisterauszug der F.____). Eine effektive berufl iche Integration ist damit weiterhin nicht nachgewiesen. Dazu kommt, dass der Beschwerdeführer über Jahre keinen erkennbaren Willen gezeigt hat, seine finanzielle Situation ernstha ft in den Griff zu bekommen und eine Schuldensanierung anzustreben. Noch während des laufen den Widerrufsverfahrens hat sich die finanzielle Situation verschlechtert. Wegen der Bet rugsdelikte des Beschwerdeführers und der kontinuierlichen Nichtbezahlung seiner finanziellen Verpflichtungen besteht ein wesentliches öffentliches Interesse an der Wegweisung des B eschwerdeführers. Folglich erweist sich die Wegweisung des Beschwerdeführers als erfo rderlich, geeignet und notwendig, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu wahren. Auch ist es dem Beschwerdeführer zumutbar, in sein Heimatland zurückzukehren. Denn wie d argelegt hat er sich in der Schweiz nicht integrieren können. Darüber hinaus beherrscht er d ie türkische und kurdische Sprache und kennt die Gepflogenheiten und Sitten in der Türke i. Im Weiteren spricht auch die jetzige politische Situation in der Türkei nicht für die Unzum utbarkeit der Wegweisung des Beschwerdeführers. Wegen seiner schweren Vergehen gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung wird er es deshalb auch hinnehmen müssen, dass er von seiner Frau und den Kindern getrennt wird, und er das Familienleben nur noch im Rahmen der gängigen sozialen Medien und Ferienaufenthalte leben kann. 5. Soweit sich der Beschwerdeführer im Übrigen zumindes t sinngemäss auf die Garantie der Achtung des Privat- und Familienlebens nach Art. 8 der Konvention zum Schutze der Men- schenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) vom 4. No- vember 1950 beruft und soweit er sich darauf berufen könnte, kann für die Interessenabwägung auf das Voranstehende verwiesen werden. Die angeordnete Entfernungsmassnahme beruht jedenfalls auf einer genügenden gesetzlichen Grundlage und das Vorliegen einer erheblichen Verschuldung stellt ein zulässiges öffentliches Interesse im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_997/2013 vom 21. Juli 2014 E. 4.2). 6. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- dem unterlegenen Beschwerde- führer aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 2 VPO). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführer hat die Schweiz spätestens 30 Ta ge nach Rechtskraft des Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1‘800.-- wer den dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorsc huss in der Höhe von Fr. 2‘100.-- verrechnet. Der zu viel geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 300.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.