<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 26 S.81</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">81</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>26 § 164 Abs. 3 i.V.m. § 140 Abs. 3 StPO, Frist für die Stellung des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Entschädigungsbegehrens im gerichtlichen Verfahren.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Der Gesuchsteller hat die Frist in jedem Fall gewahrt und das Begehren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ist als Entschädigungsbegehren zu betrachten, wenn er bereits im Hin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>blick auf den zu ergehenden Gerichtsentscheid neben dem Antrag auf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Freispruch auch einen solchen auf Parteikostenersatz stellt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Auszug aus dem Entscheid des Obergerichts, 2. Strafkammer, vom</span><br/> <span class="ft3">26. Oktober 2001 i.S. E.St.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Gemäss § 167 Abs. 2 Ziff. 4 StPO hat der Richter den Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid über die Entschädigung bereits mit dem Entscheid über die</span><br/> <span class="ft1">Einstellung oder den Freispruch zu treffen. Im Kreisschreiben des</span><br/> <span class="ft1">Obergerichts vom 8. Juni 1962 (KS C I 12.2) wird festgehalten, dass</span><br/> <span class="ft1">einem Angeklagten im gerichtlichen Verfahren gestützt auf § 164</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 i.V.m. § 140 Abs. 3 StPO (zusätzlich) eine 30-tägige Nachfrist</span><br/> <span class="ft1">zur Geltendmachung von Entschädigungsansprüchen zusteht, wie sie</span><br/> <span class="ft1">auch dem Beschuldigten bei der Einstellung des Verfahrens durch die</span><br/> <span class="ft1">Staatsanwaltschaft zuerkannt wird.</span><br/> <span class="ft1">b) Nach der gesetzlichen Regelung des § 140 Abs. 3 StPO ist</span><br/> <span class="ft1">das Begehren innert 30 Tagen einzureichen, seitdem dem Beschul-</span><br/> <span class="ft1">digten die Einstellungsverfügung zugestellt wurde oder, sofern eine</span><br/> <span class="ft1">schriftliche Einstellungsverfügung nicht erlassen wird, seitdem er</span><br/> <span class="ft1">vom Verzicht auf die Weiterverfolgung Kenntnis erhalten hat. Auf</span><br/> <span class="ft1">das gerichtliche Verfahren bezogen hält das Kreisschreiben fest, dass</span><br/> <span class="ft1">die Frist von 30 Tagen beim Freispruch durch das Bezirksgericht von</span><br/> <span class="ft1">der Zustellung des Dispositivs an zu laufen beginnt, beim Freispruch</span><br/> <span class="ft1">durch das Obergericht hat ein Angeklagter seine Ansprüche innert</span><br/> <span class="ft1">30 Tagen seit der Zustellung des Urteils beim Bezirksgericht geltend</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">82</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zu machen. Die richtige Form für den Entscheid über ein solches</span><br/> <span class="ft1">Begehren ist das Ergänzungsurteil (KS a.a.O.).</span><br/> <span class="ft1">c) Nach dem klaren Wortlaut von § 140 Abs. 3 StPO beginnt bei</span><br/> <span class="ft1">einer Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft die</span><br/> <span class="ft1">Frist zur Stellung eines Entschädigungsbegehrens nicht erst mit dem</span><br/> <span class="ft1">unbenützten Ablauf der Beschwerdefrist gegen die Einstellungsver-</span><br/> <span class="ft1">fügung beziehungsweise dem Beschwerdeentscheid des Obergerichts</span><br/> <span class="ft1">zu laufen (vgl. § 141 StPO), sondern bereits mit der Zustellung der</span><br/> <span class="ft1">Einstellungsverfügung. Im gerichtlichen Verfahren ist die Regelung</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 140 Abs. 3 StPO gestützt auf den Verweis in § 164 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">StPO ebenfalls anwendbar (vgl. oben Ziff. 2 a). Es ist nun nicht ein-</span><br/> <span class="ft1">sehbar, weshalb sich die Sache im gerichtlichen Verfahren anders</span><br/> <span class="ft1">verhalten soll als bei der Beendigung des Vorverfahrens durch die</span><br/> <span class="ft1">Staatsanwaltschaft; im Kreisschreiben des Obergerichts wird denn</span><br/> <span class="ft1">klar darauf hingewiesen, dass die Frist bei einem Freispruch (und</span><br/> <span class="ft1">damit auch bei einer Einstellung des Verfahrens) von der Zustellung</span><br/> <span class="ft1">des <i>Dispositivs</i> an zu laufen beginnt. Einzig wenn das Obergericht</span><br/> <span class="ft1">einen vorinstanzlichen Entscheid aufhebt und einen Freispruch er-</span><br/> <span class="ft1">lässt, muss dem Angeklagten nachträglich noch die Möglichkeit</span><br/> <span class="ft1">geboten werden, seine Entschädigungsansprüche innert 30 Tagen seit</span><br/> <span class="ft1">Zustellung des obergerichtlichen Urteils geltend machen zu können.</span><br/> <span class="ft1">So wenig wie bei einer Einstellungsverfügung durch die Staatsan-</span><br/> <span class="ft1">waltschaft für den Lauf der 30-tägigen Frist deren Rechtskraft (hin-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich der beurteilten Zulässigkeitsfrage) massgebend ist, ist im</span><br/> <span class="ft1">gerichtlichen Verfahren auf die Rechtskraft des erstinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Entscheids abzustellen.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Gesuchsteller be-</span><br/> <span class="ft1">reits mit Schreiben vom 20. Januar 2000 und mit Schreiben vom</span><br/> <span class="ft1">18. Februar 2000 - im Hinblick auf den zu ergehenden Gerichtsent-</span><br/> <span class="ft1">scheid - neben dem Antrag auf Freispruch auch einen solchen auf</span><br/> <span class="ft1">Parteikostenersatz stellte. Die Vorinstanz hat in ihrem Einstellungs-</span><br/> <span class="ft1">entscheid vom 2. März 2000 zwar über die Verfahrenskosten und die</span><br/> <span class="ft1">Parteikosten für das Adhäsionsverfahren befunden. Den Antrag des</span><br/> <span class="ft1">Angeklagten auf Parteikostenersatz für das Strafverfahren hat sie</span><br/> <span class="ft1">aber nicht behandelt, obwohl sie darüber hätte entscheiden müssen</span><br/> <span class="ft1">(§ 167 Abs. 2 Ziff. 4 StPO).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">83</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">b) Es kann festgehalten werden, dass der Gesuchsteller sein Ge-</span><br/> <span class="ft1">such um Entschädigung der Parteikosten rechtzeitig, nämlich noch</span><br/> <span class="ft1">vor Urteilsfällung seitens des Bezirksgerichts X., eingereicht hat. Es</span><br/> <span class="ft1">wäre Sache des Gerichts gewesen, beim Vertreter des damaligen</span><br/> <span class="ft1">Angeklagten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens die Kosten-</span><br/> <span class="ft1">note einzuverlangen und auch über die Frage der Entschädigung</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 167 Abs. 2 Ziff. 4 StPO zu befinden.</span><br/> <span class="ft1">Das Entschädigungsgesuch war in zeitlicher Hinsicht vor dem</span><br/> <span class="ft1">Einstellungsentscheid des Bezirksgerichts X. bei diesem eingereicht</span><br/> <span class="ft1">worden; das nachträglich mit Datum vom 13. Dezember 2000 vom</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsteller eingereichte Entschädigungsbegehren war zur Ein-</span><br/> <span class="ft1">haltung der Frist demnach nicht mehr nötig. Zusätzliche Ausführun-</span><br/> <span class="ft1">gen zur Frage, ob die 30-tägige Frist gemäss § 140 Abs. 3 StPO</span><br/> <span class="ft1">eingehalten wurde, erübrigen sich deshalb, und ebenso kann offen</span><br/> <span class="ft1">bleiben, ob über die Parteikosten unabhängig vom Vorliegen eines</span><br/> <span class="ft1">Antrags von Amtes wegen zu entscheiden ist oder ob dazu ein aus-</span><br/> <span class="ft1">drückliches Begehren gemäss § 164 Abs. 3 i.V.m. § 140 Abs. 1 StPO</span><br/> <span class="ft1">gestellt werden muss.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>