B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1080/2018 U r t e i l v o m 1 2 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Ursina Bernhard, BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 18. Januar 2018 / N (…). D-1080/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte am 13. November 2015 illegal in die Schweiz, wo er am 18. November 2015 im Empfangs - und Verfahrensze- ntrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Am 9. Dezember 2015 wurde er summarisch zu seiner Person, seinem Reiseweg und seinen Gesuchs- gründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am 8. Januar 2018 hörte ihn das SEM vertieft zu seinen Asylgründen an (Anhörung). B. Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent- lichen geltend, dass er syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie sei und aus der nordöstlichen Provinz Al -Hasaka stamme, wo er sich bis zu seiner Ausreise im Raum C._______ aufgehalten habe. Von 2006 bis 2008 habe er den regulären Militärdienst in der syrischen Armee absolviert und sei anschliessend dem Reservedienst zugeteilt worden. Einige Zeit nach dem Ausbruch der kriegerischen Ereignisse in Syrien habe er ein Aufgebot zum Militärdienst erhalten, welches seinen Eltern mündlich übermittelt wor- den sei. Da er sich bereits damals nicht mehr zu Hause, s ondern aus- serhalb seines Dorfes auf einem Feld aufgehalten habe, hätten ihn die Mi- litärbehörden aber nicht erwischt. Über diesen Vorfall sei er von seinen El- tern per Telefon orientiert worden. Angesichts dessen habe er sich dann bis zu seiner Ausreise versteckt gehalten, wobei die Militärbehörden noch mehrmals seine Eltern aufgesucht und sich nach ihm erkundigt hätten. Aus diesem Grund und weil er nicht gewillt gewesen sei, wieder in den Militär- dienst zu gehen und sich an den Kämpfen zu beteiligen, habe er sich zu einer Ausreise entschlossen. C. Mit Verfügung vom 18. Januar 2018 (eröffnet am 22. Januar 2018) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und schob den Wegweisungsvollzug wegen dessen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. D. Mit Eingabe vom 21. Februar 2018 liess der Beschwerdeführer diese Ver- fügung durch seine Rechtsvertreterin anfechten und beantragte, die vor - instanzliche Verfügung sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Proz essführung, um den Verzicht auf die D-1080/2018 Seite 3 Erhebung eines Kostenvorschusses und um die Beiordnung der rubrizier- ten Rechtsvertreterin als amtlichen Rechtsbeistand. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer sein Militärbüchlein im Ori- ginal sowie zwei militärische Dokumente in Kopie zu den Akten. E. Mit Schreiben vom 22. Februar 2018 bestätigte das Bundesverwaltungs- gericht den Eingang der Beschwerde. F. Mit Schreiben vom 23. Februar 2018 reichte die Rechtsvertreterin eine So- zialhilfebestätigung des Kantons Basel-Stadt vom 22. Februar 2018 nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Ver- fügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutre- ten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Ve rfügung führte die Vorinstanz aus, dass die Kernvorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügen und die übrigen Vorbringen keine Asylrelevanz entfalten würden. Anlässlich der BzP vom 9. Dezember 2015 D-1080/2018 Seite 4 ([…]) habe er folgenden Sachverhalt geschildert: Er habe Ende 2011, neun Monate nach Ausbruch des Krieges in Syrien, ein mündliches Aufgebot für den Militärdienst erhalten. In der Folge sei er zwischen Ende 2011 und 2013 mehr als fünfmal von den Militärbehörden gesucht w orden, weshalb er sich während dieser Zeit versteckt habe. Ende Oktober 2013 habe er Syrien in Richtung der Türkei verlassen, wo er sich bis kurz vor seiner Ein- reise in die Schweiz aufgehalten habe. In der Anhörung vom 8. Januar 2018 habe er hingegen folgenden Sachverhalt vorgebracht ([…]): Er habe erstmals im Juli 2012 ein mündliches militärisches Aufgebot erhalten. Aus diesem Grund habe er sich zunächst während dreier Monate versteckt und Syrien bereits im Oktober 2012 in Richtung Türkei verlassen, wo er sich während rund dreier Jahre aufgehalten habe, bevor er im November 2015 in die Schweiz gelangt sei. Anlässlich der Anhörung auf diese widersprüchlichen Sachverhaltsschilde- rungen angesprochen, habe er geltend gemacht: dass die Angaben im Rahmen seiner Anhörung zutreffen würden. Auch bereits im Rahmen der BzP habe er angeblich mit der Anhörung übereinstimmende Angaben ge- macht. Seine Angaben anlässlich der BzP seien auf unzutreffende Weise protokolliert worden, was allenfalls auf den Umstand zurückzuführen sei, dass der damalige Dolmetscher ein nordafrikanisch geprägtes Arabisch gesprochen habe. Dies könnte zu s prachlichen Missverständnissen und einer Falschübersetzung geführt haben. Diesbezüglich hielt die Vorinstanz fest, dass die BzP recht zeitnah zur damals geltend gemachten Ereignisab- folge stattgefunden habe. Die damals protokollierten Vorbringen würden sodann auf wiederholt gemachten Aussagen des Beschwerdeführers und auch auf zusätzlichen zeitlichen Präzisierungen beruhen, namentlich den folgenden Aussagen, namentlich die Angabe, dass er sein erstes militäri- sches Aufgebot Ende 2011 erhalten habe, was 9 Monate nach dem Aus- bruch des Krieges gewesen sei ([…]). Ebenfalls mehrmals protokolliert sei seine Aussage, dass er Syrien erst im Oktober 2013 verlassen habe ([…]). Schliesslich habe er selbst in der BzP seine ursprüngliche Aussage zu kor- rigieren vermocht, wonach er bis zu seiner Ausreise in einem Restaurant in C._______ gearbeitet habe ( […]). So habe er in der BzP schliesslich erklärt, er habe ledigl ich bis zur ersten Suche durch die Militärbehörden gearbeitet, sich anschliessend aber versteckt gehalten ( […]). Auch diese vom Beschwerdeführer damals angebrachte Protokollkorrektur weise auf eine sorgfältige Befragung hin. Gemäss Protokoll habe die BzP 1 ¾ Stun- den gedauert, was nicht übermässig kurz erscheine. Zudem habe er am Ende der BzP erklärt und unterschriftlich bestätigt, dass das Protokoll seine D-1080/2018 Seite 5 Aussagen enthalte, der Wahrheit entspreche und ihm in einer ihm ver- ständlichen Sprache (Arabisch) übers etzt worden sei. Angesichts dessen müsse er sich nun auf seine damaligen Angaben gemäss Protokoll der BzP behaften lassen, mithin entgegen seiner Behauptung, dass nur seine Aus- sagen in der Anhörung zutr äfen. Das Vorbringen, dass es anlässlich der BzP aufgr und der Prägung der Sprache des Dolmetschers zu Missver- ständnissen gekommen sei, sei deshalb als Schutzbehauptung zu werten. Im Endergebnis führe dies dazu, dass zwei im Kern abweichende Sach- verhaltsschilderungen vorlägen und er keine überzeugende Erklärun g für diese Abweichungen zu liefern vermöge. Demnach seien die diesbezügli- chen Asylvorbringen insgesamt als unglaubhaft zu erachten. Daraus folge, dass er den Erhalt eines militärischen Aufgebotes nicht glaubhaft darzutun vermocht habe, was dazu führe , dass seine Befürchtung, im Falle einer Rückkehr nach Syrien gestützt auf das ihn betreffende Aufgebot zunächst festgenommen und anschliessend in den Militärdienst eingezogen zu wer- den, als unbegründet zu qualifizieren sei. Die übrigen Vorbringen (Teilnahme a n nicht bewilligten Demonstrationen im Raum C._______, Rekrutierung durch die PYD [Partiya Yekitîya Demo- krat, Demokratische Einheitspartei] bzw. YPG [ Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten], Ausreise infolge der allgemein prekären Lage in Syrien) würden sodann keine Asylrelevanz entfalten. 3.2 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vor, dass die Vor- instanz ihre Begründung, die Mindestanforderungen an die Glaubhaftma- chung seien nicht erfüllt worden, nicht in zureichendem Masse untermau- ern könne. Die bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit vorzunehmende Ab- wägung zwischen für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Umstän- den, sei von ihr nicht vorgenommen worden. Indizien, die für die Glaubhaf- tigkeit der Vorbringen sprächen, seien unberücksichtigt geblieben. Es falle zudem auf, dass lediglich auf wenige Unglaubhaftigkeitsindizien verw ie- sen, aufgrund derer die Aussagen des Beschwerdeführers insgesamt als unglaubhaft erachte t würden. Seine Ausführungen seien durchaus als glaubhaft einzustufen. Was die unterschiedlichen Sachverhaltsschilderun- gen angehe, so habe der B eschwerdeführer bei der Anhörung festhal ten lassen, dass er die behaupteten Aussagen bei seiner BzP nicht gemacht habe und dass die Übersetzung durch den Dolmetscher nicht sehr gut und für ihn zu schnell gewesen sei. Er habe das Protokoll am Ende unterschrie- ben, sei aber mit den festgehaltenen Daten aus der BzP nicht einverstan- den. Die bei der BzP gemachten Aussagen würden schwerer gewichtet, D-1080/2018 Seite 6 wie jene, welche der Beschwerdeführer bei der Anhörung gemacht habe. Dies mit der Begründung, dass er das Protokoll unterschriftlich bestätigt habe. Bei der Lektüre des Protokolls ergäben sich jedoch einige Unklarhei- ten, welche die Vorinstanz, trotz Einwänden des Beschwerdeführers, nicht in ihre Erwägungen miteinbezogen habe. Die Vorinstanz führe aus, dass bei der BzP mehrmals protokolliert worden sei, der Beschwerdeführer habe Syrien im Oktober 2013 verlassen. Dem Protokoll könne man indessen entnehmen, dass er angegeben habe, dass er Ende 2013 zum letzten Mal von den Militärbehörden gesucht worden sei, zu einem Zeitpunkt als er be- reits in der Türkei gewesen sei ([…]). Diese Aussage stehe zu den übrigen Angaben betreffend Ausreisezeitpunkt im Widerspruch und werde von der Vorinstanz ausser Acht gelassen, während sie eine, durch den Beschwer- deführer selbst korrigierte, falsche Angabe zu seinen Ungunsten auslege. Die Vorinstanz behaupte, dass aufgrund dessen, dass der Beschwerde- führer einen Fehler im Protokoll bemerkt habe, darauf zu schliessen sei, dass er den Dolmetscher gut und vo llständig verstanden habe. Vielmehr sei die Korrektur jedoch ein Indiz dafür, dass es während der Übersetzung möglicherweise zu weiteren Missverständnissen oder falschen Überset- zungen gekommen sei. Angesichts dieser Erwägungen, sollte das Proto- koll der BzP keinesfalls schwerer gewichtet werden, als die Aussagen an- lässlich der Anhörung. In Anbetracht dessen könne das Vorbringen des Be- schwerdeführers, dass es aufgrund der sprachlichen Prägung des Dolmet- schers zu sprachlichen Missverständnissen und Falschübersetzungen ge- kommen sei, nicht einfach als Schutzbehauptung verworfen werden. Die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers scheitere sodann gemäss Vo- rinstanz lediglich an den Widersprüchen zu seinen Zeitangaben. Seine üb- rigen Ausführungen, insbesondere bei der Anhörung zu den Asylgründen, seien kohärent und umfangreich. Insgesamt seien seine Aussagen detail- liert, lebensnah, nachvollziehbar, stimmig, logisch und deshalb glaub haft. Seine Vorbringen hinterliessen einen plausiblen und lebensechten Ein- druck und wiese n sogenannte Realitätskennzeichen auf. Gemäss einem Eintrag in seinem Militärdienstbüchlein gelte der Beschwerdeführer schliesslich seit dem (…). April 2008 als Reservist. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Syrien weiterhin als Reser- vist gesucht werde und man ihn sofort einziehen würde. Für das Verlassen des Landes in Kriegszeiten würde er drakonisch bestraft werden . Weil er der Einberufung als Reservist nicht gefolgt sei und sich damit als politischer Gegner ausgewiesen habe, würde ihm mit höchster Wahrscheinlichkeit eine asylrelevante Behandlung im Sinne von Art. 3 AsylG drohen. 4. D-1080/2018 Seite 7 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgese tzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege- ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Be- weis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entschei- dend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits- gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekenn- zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen ins- besondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nach- geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüg- lich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Ge- suchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem- nach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um- stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). D-1080/2018 Seite 8 4.3 Die Vorinstanz hat die Kriterien der Asylrelevanz und den Massstab des Glaubhaftmachens nicht verkannt, auf den vorliegenden Fall korrekt ange- wandt und in der angefochtenen Verfügung einlässlich begründet, welche Angaben nicht asylrelevant und welche unglaubhaft sind. Zwar ist die Vo- rinstanz gehalten, bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen eine Abwägung vorzunehmen. Eine Verletzung dieser Abwägungspflicht kann aber nicht bereits im Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Erwägung le- diglich die aus ih rer Sicht zentralen Gründe für die Unglaubhaftigkeit der Darlegungen explizit auflistete, erblickt werden. Die Beschränkung auf die Auflistung lediglich entscheidwesentlicher Argumente erscheint vielmehr als zulässig und schliesst eine vorgängige Auseinandersetzung mit Aspek- ten, welche allenfalls, wenn auch nicht ausschlaggebend, für die Glaubhaf- tigkeit der Vorbringen sprechen, offensichtlich nicht aus. Auch aufgrund dessen sind die Ausführungen in der vorinstanzlichen Verfügung, entgegen den Beschwerdevorbringen, nicht zu beanstanden. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in Über- einstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es de m Beschwerde- führer entgegen der Beschwerde nicht gelungen ist, eine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu machen. Ins- besondere ergibt eine Konsultation der Befragun gsprotokolle und der vo- rinstanzlichen Verfügung, dass die Vorinstanz die Akten sorgfältig geprüft, die oben genannten Widersprüche in ihrer Verfügung ausführlich und nach- vollziehbar aufgezeigt und schliesslich zu Recht festgestellt hat, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, glaubhaft darzulegen, dass er wegen Verweigerung des Reservedienstes gesucht werde. Diesbezüglich ist auf die obenstehenden, vorinstanzlichen Ausführungen zu verweisen, welche weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden sind und denen sich das Gericht anschliesst (vgl. E. 3.1). Der Einwand, bei der BzP sei es zu gravierenden sprachlichen Problemen gekommen, erweist sich als aktenwidrig, zumal, wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung en wiederholt erklärt hat, er sei gegen E nde Oktober 2013 ausgereist , und dass sie zudem auch richtigerweise darauf hin gewiesen hat , der Be- schwerdeführer habe die Korrektheit und Wahrheit dieser Aussagen am Schluss der Befragung nach Rückübersetzung unterschriftlich bestätigt. Er hat dabei auch nicht angemerkt, es sei an den entsprechenden Stellen des Sachverhaltsvortrags falsch übersetzt worden. Auch hat der Beschwerde- führer bereits zu Beginn der BzP bestätigt, den Dolmetscher gut zu verste- hen und zu keinem Zeitpunkt auf allfällige Verständigungs schwierigkeiten D-1080/2018 Seite 9 hingewiesen ([…]). Deshalb muss er sich bei seinen Angaben behaften las- sen. Es stellt daher nicht einen Fehler oder ein Missverständnis dar, wenn der Beschwerdeführer während der Befragung mehrmals erklärt, er sei im bzw. gegen Ende Oktober 2013 ausgereist. Inwiefern die Aussage des Be- schwerdeführers, er sei von den Militärbehörden zum letzten Mal Ende 2013 gesucht worden, zu derjenigen, die Ausreise sei Ende Oktober 2013 erfolgt, inhaltlich im Wiederspruch stehen und das Protokoll infolgedessen unschlüssig sein soll, erschliesst sich dem Gericht nicht . Über die in den vorinstanzlichen Ausführungen festgestellten Widersprüche hinaus weisen die Sachverhaltsschilderungen des Beschwerdeführers noch weitere Wi- dersprüche auf. So gab der Beschwerdeführer in der BzP an, dass er sich bei Verwandten in C._______ versteckt habe, als er von den Behörden ge- sucht worden sei, und jeweils nur nachts rausgegangen sei ([…]). An der Anhörung erklärte er hingegen, dass er sich auf dem Feld, wo er gearbeitet habe, versteckt gehalten habe ( […]). Der Beschwerdeführer widerspricht sich in der Anhörung (und dem dort sowie nun in der Beschwerdeschrift geltend gemachten Ausreisezeitpunkt) sodann gleich selbst mit der Aus- sage, er habe die letzten zwei Jahre, nachdem die Ereignisse in Syrien 2011 ausgebrochen seien, auf dem Feld gearbeitet ( […]). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch aus dem eingereichten Militärdienstbüch- lein entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift lediglich ersichtlich wird, dass der Beschwerdeführer nach Absolvierung des regulären Militär- dienstes der Reserve zugeteilt wurde. Daraus lässt sich nicht schliessen, dass er ein konkretes militärisches Aufgebot erhalten und nicht befolgt hätte (vgl. die Urteile des BVGer E-5559/2015 vom 18. Januar 2017 E. 7.2, E-5456/2013 vom 16. Dezember 2015 E. 8.2 und D-1791/2014 vom 19. Ja- nuar 2015 E. 5.2). 4.4 Nebenbei ist abschliessend festzuhalten, dass, selbst wenn der Tatbe- stand der Wehrdienstverweigerung erfüllt wäre, eine solche gemäss dem Grundsatzentscheid des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2015/3 die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen vermöchte. Dies wäre gemäss der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung nur dann der Fall, wenn die betreffende Person damit eine Verfolgung aus den in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewär- tigen hat, die ernsthaften Nachteil en gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleich- kommt. Den vorliegenden Akten sind jedoch auch keine Anhaltspunkte für ein gezieltes Verfolgungsinteresse seitens der syrischen Behörden zu ent- nehmen. D-1080/2018 Seite 10 4.5 Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich die Vorinstanz in ihrer Verfügung auch mit den übrigen Vorbrin- gen des Beschwerdeführers, an welchen auf Beschwerdeebene nicht wei- ter festgehalten wird, eingehend auseinandergesetzt und deren Asylrele- vanz richtigerweise und mit zutreffender Begründ ung verneint hat (vgl. E. 3.1). 4.6 Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass in der angefochtenen Verfügung einlässlich und zutreffend begründet wurde, weshalb die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen von Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. Die Vorinstanz hat mit ihrem ablehnenden Entscheid somit weder Art. 3 noch Art. 7 AsylG verletzt, sondern die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht ver- neint und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 6. Eine Verletzung von völkerrechtlichen Normen wie der von den Beschwer- deführenden angerufene Art. 3 EMRK (Verbot der Folter), welche zur Un- zulässigkeit einer Wegweisung führen könnte, wäre unter dem Aspekt der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Art. 83 Abs. 3 AuG [SR 142.20]) zu prüfen. Da im vorliegenden Fall bereits die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verneint und deswegen die vorläufige Auf- nahme des Beschwerdeführers und seiner Angehörigen in der Schweiz verfügt wurde, erübrigt sich eine Prüfung der Zulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs. 7. Aus diesen Erwägungen ergib t sich, dass die angefochtene Verfügung D-1080/2018 Seite 11 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 8. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos geworden. Die gestell- ten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege , unbesehen der ausgewiesenen Mit tello- sigkeit, in Anwendung von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist. Dement- sprechend ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung (Art.110a AsylG) mangels Erfüllens der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-1080/2018 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Andrea Beeler Versand: