<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 37 S.139</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonales Steuerrecht</span> <span class="page_no">139</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>37</b></span> <span class="ft2"><b>Überführung eines Grundstücks vom Geschäfts- ins Privatvermögen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- ohne ausdrückliche Erklärung des Steuerpflichtigen, aufgrund eines</b></span><br/> <span class="ft2"><b>für die Steuerbehörden erkennbaren, eindeutigen Tatbestands.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 7. Juni 2000 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">M.M. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. a) Vermögenswerte, die zum Geschäftsvermögen gehören,</span><br/> <span class="ft1">verlieren diesen Charakter ausser bei Veräusserungen nur, wenn eine</span><br/> <span class="ft1">Privatentnahme nach aussen deutlich erkennbar und in unmissver-</span><br/> <span class="ft1">ständlicher Weise vorgenommen wird. ... (vgl. AGVE 1996, S. 252;</span><br/> <span class="ft1">1998, S. 213) Ohne ausdrückliche Erklärung liegt eine Überführung</span><br/> <span class="ft1">(nur) dann vor, wenn der Steuerpflichtige einen Tatbestand setzt, von</span><br/> <span class="ft1">dem die Steuerbehörde <i>eindeutig</i> auf das Vorliegen einer Privatent-</span><br/> <span class="ft1">nahme schliessen kann bzw. er der Veranlagungsbehörde entspre-</span><br/> <span class="ft1">chende Umstände klar zur Kenntnis bringt, damit diese in die Lage</span><br/> <span class="ft1">versetzt wird, daran die im Gesetz vorgesehenen steuerlichen Folgen</span><br/> <span class="ft1">zu knüpfen (vgl. AGVE 1995, S. 201 ff.; 1996, S. 252 ff.; 1998,</span><br/> <span class="ft1">S. 213).</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht ist sehr zurückhaltend bei der Aner-</span><br/> <span class="ft1">kennung solcher Überführungstatbestände. Zur Eindeutigkeit des</span><br/> <span class="ft1">Tatbestands und dessen Erkennbarkeit für die Steuerbehörden ist er-</span><br/> <span class="ft1">forderlich, dass auch eine spätere geschäftliche Nutzung des betref-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">140</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fenden Vermögensbestandteils bzw. die Rückkehr zur geschäftlichen</span><br/> <span class="ft1">Nutzung ausgeschlossen erscheint (vgl. AGVE 1995, S. 201 f.). So-</span><br/> <span class="ft1">lange noch Ungewissheit über die wirtschaftliche und steuerliche</span><br/> <span class="ft1">Bedeutung eines Gutes für die geschäftliche Verwendung besteht,</span><br/> <span class="ft1">haben die Steuerbehörden keine Veranlassung, eine Überführung ins</span><br/> <span class="ft1">Privatvermögen anzunehmen (AGVE 1995, S. 201 ff.).</span><br/> <span class="ft1">b) Bei der Neuzuteilung im Rahmen der Güterregulierung</span><br/> <span class="ft1">(1982) wurde die Parzelle 214.02 klarerweise als Baulandparzelle</span><br/> <span class="ft1">ausgeschieden. Im Jahr darauf wurde am Rande des Baugebiets die</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsstrasse, an welcher die Parzelle 214.02 liegt, erstellt</span><br/> <span class="ft1">und die Parzelle damit vom Landwirtschaftsgebiet abgetrennt. Nach</span><br/> <span class="ft1">der glaubhaften Aussage von L., dem die Parzelle ohne Entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung zur Bewirtschaftung überlassen wurde, war sie nur in ganz</span><br/> <span class="ft1">beschränktem Mass - als Wiesland - landwirtschaftlich nutzbar, warf</span><br/> <span class="ft1">kaum Ertrag ab und wurde von ihm mehr aus landschaftspflegeri-</span><br/> <span class="ft1">schen Motiven bearbeitet. Sie wurde denn auch seither durch die</span><br/> <span class="ft1">Steuerbehörden als nicht zum Betrieb gehörendes Bauland behandelt</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Schätzung 1985; Fragebogen für Landwirte bei der Veran-</span><br/> <span class="ft1">lagung 1989/90 [mit entsprechender Konsequenz bei der landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Nutzfläche und dem volkswirtschaftlichen Einkommen</span><br/> <span class="ft1">sowie bei der Vermögenssteuer]).</span><br/> <span class="ft1">c) Es stellt sich die Frage, ob die geänderten Verhältnisse seit</span><br/> <span class="ft1">der Neuzuteilung (Zuteilung als Baulandparzelle; Strassenbau mit</span><br/> <span class="ft1">Abtrennung vom Landwirtschaftsgebiet), die der Steuerkommission</span><br/> <span class="ft1">W. bekannt waren, einer ausdrücklichen Überführungshandlung</span><br/> <span class="ft1">gleichkommen (eine Überführungs<i>erklärung</i> abzugeben, hatte der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer unter den konkreten Umständen kaum Anlass;</span><br/> <span class="ft1">jedenfalls gab es keinerlei Hinweise, dass er die Parzelle [noch] als</span><br/> <span class="ft1">Geschäftsvermögen ansehe), mit der Folge, dass ein Kapitalgewinn</span><br/> <span class="ft1">nur 1983/84 (oder 1985/86), aber nicht mehr 1991/92 erfasst werden</span><br/> <span class="ft1">durfte.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonales Steuerrecht</span> <span class="page_no">141</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aa) Nach der Ansicht des KStA stellt die Neuzuteilung keine</span><br/> <span class="ft1">Überführung dar; es gebe keine Möglichkeit, die Steuerpflichtigen</span><br/> <span class="ft1">zur Unterzeichnung eines Revers zu zwingen. ...</span><br/> <span class="ft1">bb) Im vorliegenden Fall kannte die Steuerbehörde die Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nisse genau. Die Änderung der Nutzungsmöglichkeiten ergab sich</span><br/> <span class="ft1">durch den Behörden bekannte äussere, vom Beschwerdeführer un-</span><br/> <span class="ft1">abhängige und nicht beeinflussbare Vorgänge. Die Neuzuteilungs-</span><br/> <span class="ft1">parzelle war Bauland, wenn auch zunächst noch in der 2. Etappe.</span><br/> <span class="ft1">Rundherum wurden aber schon vor der formellen Umwandlung in</span><br/> <span class="ft1">die 1. Etappe (mit der Bau- und Nutzungsordnung von 1988 [1989</span><br/> <span class="ft1">genehmigt durch den Grossen Rat]) vom Gemeinderat Wohnbauten</span><br/> <span class="ft1">bewilligt. Eine landwirtschaftliche Nutzung war wegen des Stras-</span><br/> <span class="ft1">senbaus und der übrigen Bautätigkeit praktisch nicht mehr möglich,</span><br/> <span class="ft1">was der Steuerbehörde klar war - und im Übrigen auch vom KStA</span><br/> <span class="ft1">anerkannt wird - und für später mit zunehmender Überbauung des</span><br/> <span class="ft1">Gebiets erst recht nicht mehr zu erwarten. In der Schätzung 1985</span><br/> <span class="ft1">wurde das Land von der Steuerbehörde selber als nicht zum Betrieb</span><br/> <span class="ft1">gehörendes Bauland behandelt. Die Schätzung betrifft zwar nur die</span><br/> <span class="ft4"><i>Vermögens</i>steuer und vermag die Zuordnung zum Geschäfts-/Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatvermögen nicht zu präjudizieren (vgl. VGE II/33 vom 8. April</span><br/> <span class="ft1">1999 in Sachen A.G., S. 11); für die Frage der Erkennbarkeit eines</span><br/> <span class="ft1">Überführungstatbestands für die Steuerbehörde kommt diesem Um-</span><br/> <span class="ft1">stand aber erhebliches Gewicht zu.</span><br/> <span class="ft1">Widersprechende Äusserungen des Beschwerdeführers, die ihn</span><br/> <span class="ft1">nach dem Grundsatz von Treu und Glauben hinderten, sich nach-</span><br/> <span class="ft1">träglich auf die Überführung zu berufen, liegen entgegen der Auffas-</span><br/> <span class="ft1">sung des KStA nicht vor. ...</span><br/> <span class="ft1">d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Eindeutigkeit des</span><br/> <span class="ft1">Überführungstatbestands zu bejahen ist und dieser für die Steuerbe-</span><br/> <span class="ft1">hörden erkennbar war. Mit der Neuzuteilung und dem daran an-</span><br/> <span class="ft1">schliessenden Strassenbau wurde eine sinnvolle landwirtschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Nutzung endgültig verunmöglicht. Erfolgte damals die Überführung,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">142</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">war Parzelle 214.02 beim Verkauf im Jahre 1990 demzufolge Privat-</span><br/> <span class="ft1">vermögen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>