Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 13. Oktober 2015 (470 15 199) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verletzung des rechtlichen Gehörs; Sicherheitshaft Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Peter Tobler (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Beschwerdeführerin gegen Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft, Grenz- acherstrasse 8, Postfach 810, 4132 Muttenz, Beschwerdegegner Strafgericht Basel-Landschaft, Grenzacherstrasse 8, 4132 Muttenz, Beschwerdegegner A.____, vertreten durch Advokat Martin Lutz, Falknerstrasse 3, 4001 Basel, Beschwerdegegnerin Gegenstand Untersuchungs- / Sicherheitshaft Beschwerde gegen den Entscheid des Zwangsmassnahmenge- richts Basel-Landschaft vom 19. August 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen des gegen die Beschuldigte geführten Strafverfahrens wegen banden - und gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfri e- densbruchs ordnete das Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft am 4. März 2015 gegen die Beschuldigte zufolge Fluchtgefahr Untersuchungshaft an und verlängerte diese am 26. Mai 2015. Sodann erhob die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft am 14. Juli 2015 Anklage bei der Dreierkammer des Strafgerichts Ba sel-Landschaft und beantragte gleichentags beim Zwang s- massnahmengericht Basel-Landschaft die Anordnung von Sicherheitshaft. In der Folge ordnete das Zwangsmassnahmengericht Basel -Landschaft mit Entscheid vom 16. Juli 2015 Siche r- heitshaft gegen die Beschuldigte bis zum 14. Oktober 2015 an. B. Die Beschuldigte, vertreten durch Advokat Martin Lutz, beantragte mit Eingabe an das Strafgericht Basel -Landschaft vom 12. August 2015, sie sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen. In der Folge leitete das Strafger icht Basel-Landschaft das Gesuch am 13. August 2015 an das Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft weiter und begehrte die Abweisung des Haftentlassungsgesuchs. C. Mit Entscheid vom 19. August 2015 hiess das Zwangsmassnahmengericht Basel - Landschaft unter anderem das Haftentlassungsgesuch gut und entliess die Beschuldigte unver- züglich aus der Haft. D. Gegen diesen Entscheid erhob die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft mit Eingabe vom 29. August 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, und stellte die nachfolgenden Anträge: "1. Es sei festzustellen, dass die vom Zwangsmassnahmengericht mit Entscheid vom 19. August 2015 verfügte Haftentlassung rechtswidrig und unangemessen ist. 2. Es sei festzustellen, dass der Staatsanw altschaft im Verfahren betr. Entlassung aus der Sicherheitshaft Parteistellung zukommt. 3. Es sei der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 19. August 2015 aufz u- heben und das Haftentlassungsgesuch sei abzuweisen. Evtl. sei die Angelegenheit zur erneuten Entscheidfindung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4. Verfahrensantrag: Die Staatsanwaltschaft ersucht Mitteilung des Entscheids vor dem Datum der Hauptverhandlung am 29. Oktober 2015." E. Der Präsident der Abteilung Strafrecht des Kantonsgerichts B asel-Landschaft bewil- ligte mit Verfügung vom 31. August 2015 die amtliche Verteidigung der Beschuldigten mit Advokat Martin Lutz für das Beschwerdeverfahren. F. Mit Eingabe vom 3. September 2015 nahm das Strafgericht Basel -Landschaft Stel- lung zur Beschwerde der Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft und verzichtete auf das Stellen eines konkreten Antrags. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Das Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft begehrte mit Stellungnahme vom 7. September 2015, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei sie vollumfänglich abzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. H. Mit Stellungnahme vom 16. September 2015 stellte die Beschuldigte die Rechtsb e- gehren, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten; eventualiter sei sie abzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. Ferner sei dem Rechtsvertreter der Beschuldigten im Falle des Unterliegens eine Parteientschädigung auf der Basis der amtlichen Verteidigung zuzusprechen. Auf die Begründung des angefochtenen Entscheids sowie der Eingaben der Parteien wird, s o- weit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Beschlusses eingegangen. Erwägungen 1. Formelles 1.1 In formeller Hinsicht macht die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft mit Beschwerde vom 29. August 2015 geltend, das Bundesgericht räume ihr das Recht ein, Ent scheide des Zwangsmassnahmengerichts betreffend Haftentlassungsgesuche bei der Beschwerdeinstanz anzufechten. Auch habe das Bundesgericht festgestellt, dass das Verfahren nach Art. 230 Abs. 1-3 StPO ein kontradiktorisches Verfahren sei und der Anklagebehör de Parteistellung zu- kommen müsse, da andernfalls die Gefahr bestünde, dass der Haftrichter selbst die Perspekt i- ve der Anklagebehörde einnehmen könnte. Hinzu komme, dass die Staatsanwaltschaft in sämt- lichen Verfahrensstadien den staatlichen Strafanspruch zu wahren und durchzusetzen habe. Überdies habe die Staatsanwaltschaft ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheids, obwohl sie im vorliegenden Haftverfahren nie Gelegenheit g e- habt habe, ihr Interesse an der weiteren Inha ftierung kundzutun, zumal das Interesse der Staatsanwaltschaft an der mindestens bis zur Hauptverhandlung andauernden Haft auf der Hand liege und nach wie vor bestehe. Einerseits liege das aktuelle Rechtsschutzinteresse der Staatsanwaltschaft in der Wiederverhaftung der Beschuldigten, andererseits in der Feststellung der Rechtsverletzung aufgrund der nicht gewährten Parteistellung. Die Staatsanwaltschaft sei im Rahmen des Haftentlassungsgesuchs nicht zur Stellungnahme aufgefordert worden, gleic h- wohl habe si e allein aus diesem Grund noch keinen Anlass gehabt zu befürchten, ihre werde die Parteistellung nicht gewährt. Einzig aufgrund des Umstands, dass sie nicht interveniert h a- be, könne weder eine Verwirkung des Beschwerderechts noch ein mangelndes Rechtsschutzin- teresse abgeleitet werden. 1.2 Das Strafgericht Basel -Landschaft legt mit Stellungnahme vom 3. September 2015 dar, seitens der Verfahrensleitung des Strafgerichts sei darauf verzichtet worden, das Haften t- lassungsgesuch der Staatsanwaltschaft zur Stell ungnahme zu unterbreiten, zumal sie selbst einen Antrag auf Abweisung des Gesuchs der Beschuldigten begehrt habe. Weder die Stra f- prozessordnung noch die herrschende Lehre und die Rechtsprechung würden in dieser Kon - Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellation eine die Verfahrensleitung des Strafgerichts betreffende Pflicht stipulieren, bei der Staatsanwaltschaft vorgängig eine Stellungnahme einzuholen. 1.3 Mit Stellungnahme vom 7. September 2015 bringt das Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft vor, zur Beschwerde an das Bundesgericht s ei die Staatsanwaltschaft b e- rechtigt, wenn sie ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids habe und ihr zusätzlich Parteistellung zukomme, mithin sie am Ve r- fahren vor der Vorinstanz teilgenommen oder kein e Möglichkeit zur Teilnahme gehabt habe. Allerdings komme der Staatsanwaltschaft im Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht bei der vorliegenden Konstellation keine Parteistellung zu. Das Bundesgericht habe der Staat s- anwaltschaft in jenen Fällen die Möglichkeit zur Beschwerde zugestanden, in welchen sie einen Antrag gestellt habe; dort habe die Staatsanwaltschaft daher eine materielle Parteistellung. Ab dem Zeitpunkt der Anklageerhebung nehme die Staatsanwaltschaft allerdings Parteistellung im Verfahren beim erstinstanzlichen Gericht ein. Für den weiteren Verlauf des Verfahrens, insb e- sondere auch für Haftfragen, sei das Gericht zuständig. Folglich verliere die Staatsanwaltschaft ihre diesbezüglichen Entscheidbefugnisse. Demnach komme der Staatsanwaltschaft im vorlie- genden Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht keine Parteistellung zu, weshalb sie auch nicht berechtigt sei, Beschwerde zu erheben. Diese Kompetenz komme dem erstinstanzli- chen Gericht zu. Auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft sei daher nicht einzutreten. 1.4 Die Beschuldigte führt mit Stellungnahme vom 16. September 2015 aus, die Staat s- anwaltschaft habe Kenntnis hinsichtlich des Haftentlassungsgesuchs gehabt und hätte sich d a- her ohne Weiteres in das Verfahren einbringen können. Da sie dies im Vorfeld der Verhandlung vor dem Zwangsmassnahmengericht nicht gemacht habe, müsse von einem Verzicht auf die Parteistellung ausgegangen werden, weshalb der Staatsanwaltschaft im Rechtsmittelverfahren keine Parteistellung zukommen könne und folglich a uf die Beschwerde nicht einzutreten sei. Hinzu komme, dass zufolge Überweisung der Anklageschrift an das Strafgericht die Verfa h- renshoheit bei Letzterem liege. Somit sei die Staatsanwaltschaft nicht mehr zuständig in Bezug auf Vollzugs- oder Sicherheitsfragen, sondern einzig das Strafgericht. Es fehle somit an einem Rechtsschutzinteresse der Staatsanwaltschaft. 1.5 Aufgrund der Vorbringen der Parteien erhellt, dass vorliegend die Beschwerdelegit i- mation der Staatsanwaltschaft fraglich und daher zu prüfen is t. Gemäss Art. 381 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) kann die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel zugunsten oder zuungunsten der beschuldigten oder verurteilten Person ergreifen. Gleichwohl können Haftentscheide nach dem Gesetzeswortlaut von Art. 222 StPO, wonach nur die verhaftete Person Entscheide über die Anordnung, die Verlängerung und die Aufhebung der Untersuchungs- oder Sicherheitshaft bei der Beschwerdeinstanz anfechten kann, von der Staatsanwaltschaft nicht weitergezogen werden. Das Bundesgericht gestand der Staatsanwal t- schaft jedoch ein Anfechtungsrecht bezüglich von Haftentlassungsentscheiden des Zwang s- massnahmengerichts zu und begründete dies damit, dass die Staatsanwaltschaft nach Art. 81 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) zur Beschwerde ans Bu n- desgericht legitimiert ist. Nach der in Art. 111 BGG statuierten Einheit des Verfahrens, die im Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lichte des Grundsatzes des doppelten Instanzenzuges auszulegen ist, muss derjenige, der zur Beschwerde an das Bundesgericht berechtigt ist, sich am Verfahren vor allen kantonalen I n- stanzen als Partei beteiligen können. Dazu erheischt das öffentliche Interesse an einer funkti o- nierenden Strafjustiz, dass die Staatsanwaltschaft ein Beschwerderecht an die kantona le Be- schwerdekammer gegen einen die Haft aufhebenden Entscheid des Zwangsmassnahmeng e- richts besitzt. Ansonsten käme es in bestimmten Fällen zu einer unerwünschten, nach Möglic h- keit zu vermeidenden Gabelung des Rechtsmittelzuges, etwa wenn das Zwangsmassnah men- gericht die Untersuchungshaft unter Anordnung von Ersatzmassnahmen aufhebt; denn dag e- gen müsste sich der Betroffene mit Beschwerde an die kantonale Beschwerdekammer und die Staatsanwaltschaft direkt mit Beschwerde ans Bundesgericht zur Wehr setzen (BGE 137 IV 22, E. 1; BGE 137 IV 87 E. 3.2; Pra 2011 Nr. 100 S. 715 ff.; MARTIN ZIEGLER/STEFAN KELLER, Bas- ler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 381 N 2). 1.6 Das Zwangsmassnahmengericht macht diesbezüglich mit Stellungnahme vom 7. September 2015 geltend, die Staatsanwaltschaft erfülle die Voraussetzungen von Art. 81 Abs. 1 lit. a und b BGG nicht, weshalb sie nicht zur Beschwerde an das Bundesgericht berec h- tigt sei. Folglich entfalle angesichts der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch die Legitim a- tion hin sichtlich der Beschwerde an das Kantonsgericht. Demgemäss ist zu prüfen, ob die Staatsanwaltschaft die Voraussetzungen von Art. 81 Abs. 1 lit. a und b BGG erfüllt. Gemäss Art. 81 Abs. 1 BGG ist zur Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (lit. a) und ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des ang e- fochtenen Entscheids hat (lit. b). Aus dem expliziten Wortlaut von Art. 81 Abs. 1 lit. a BGG ist zu entnehmen, dass der Teilnahme am Verfahren vor der Vorinstanz der Fall gleichgesetzt ist, in welchem eine Partei – zu Unrecht – keine Möglichkeit hatte, am vorinstanzlichen Verfahren teil- zunehmen, weil ihr dieses Recht nicht gewährt worden war ( MARC THOMMEN, Basler Kommen- tar BGG, 2. Aufl. 2011, Art. 81 N 3; HEINZ AEMISEGGER/ANNETTE DOLGE, Praxiskommentar BGG, 2. Aufl. 2013, Art. 81 N 7; STEFAN KELLER/HANS WIPRÄCHTIGER, in: Geiser/Münch/Uhl - mann/Gelzer, Prozessieren vor Bundesgericht, 3. Aufl. 2011, N 3.33). 1.7 Im vorliegenden Fall hat die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft am Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht nicht aktiv teilgenommen. Allerdings macht sie geltend, ihr sei die Teilnahme am vorgenannten Verfahr en zu Unrecht verwehrt worden. Ob die Staatsanwal t- schaft tatsächlich zu Unrecht von der Teilnahme am vor instanzlichen Verfahren ausgeschlo s- sen wurde, wird im Rahmen der materiellen Erwägungen des vorliegenden Beschlusses zu prü- fen sein, weshalb das Vorbri ngen des zu Unrecht erfolgten Ausschlusses von der Teilnahme am Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht ausreichend ist. Im Übrigen ist auf die nachfolgenden, materiellen Ausführungen hinzuweisen, wonach die Parteistellung der Staat s- anwaltschaft klarerweise zu bejahen ist, weshalb das Erfordernis, dass die Staatsanwaltschaft zu Unrecht keine Möglichkeit zur Teilnahme vor der Vorinstanz erhalten hat (Art. 81 Abs. 1 lit. a BGG), erfüllt ist. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.8 Sodann leitet sich die Legitimation der Staatsanwaltschaft a us dem allgemeinen staatlichen Strafanspruch ab, den sie zu vertreten hat. Daher verfügt sie grundsätzlich über ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen En t- scheids, das zur Erhebung der Beschwerde in Strafsachen ohne Einschränkung berechtigt (Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG; BGE 134 IV 36, E. 1.4.3). Es zeigt sich somit, dass die Staat s- anwaltschaft zur Erhebung der Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht gemäss Art. 81 Abs. 1 lit. a und b BGG legitimiert ist, weshalb ihr nach der Rechtsprechung des Bu n- desgerichts (Ziffer 1.5 des vorliegenden Beschlusses) das Recht zukommt, den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts betreffend Haftentlassung infolge Gesuchs der Beschuldigten bei der kantonalen Beschwerdeinstanz anzufechten. 1.9 Im Übrigen sind sämtliche weiteren Eintretensvoraussetzungen offenkundig erfüllt, und die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel -Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Beschwerdeinstanz (§ 15 Abs. 2 des Einführungsg esetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung [EG StPO, SGS 250]) ist ebenso unstrittig, so dass auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft einzutreten ist. 2. Materielles Anspruch auf rechtliches Gehör 2.1 Das Zwangsmassnahmengericht erwägt in seinem Entscheid vom 19. August 2015, die Strafprozessordnung sehe in den Fällen von Art. 230 Abs. 1 bis 3 StPO, mithin bei einer Haftentlassung durch das Strafgericht nach einem Antrag der beschuldigten Person, keine A n- hörung der Staatsanwaltschaft durch das Strafgericht vor. Somit komme der Staatsanwaltschaft in diesen Fällen auch im Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht keine Parteistellung zu. Mit Stellungnahme vom 7. September 2015 führt das Zwangsmassnahmengericht des Weiteren aus, der Staatsanwaltscha ft komme nur in jenen Verfahren betreffend Gesuch um Entlassung aus der Sicherheitshaft Parteistellung zu, in welchen sie selbst den entsprechenden Antrag g e- stellt habe. Nach dem Eingang der Anklage beim erstinstanzlichen Gericht gehe allerdings die Verfahrensleitung an das Strafgericht über und die Staatsanwaltschaft nehme ab diesem Zei t- punkt Parteistellung im Verfahren vor dem erstinstanzlichen Gericht ein. Für den weiteren Ve r- lauf des Verfahrens, insbesondere auch in Bezug auf Haftfragen, sei allein das Strafgericht zu- ständig. Die Staatsanwaltschaft verliere daher ihre Entscheidbefugnisse, die ihr im Vorverfahren zugestanden seien, und verfüge bloss noch über Mitwirkungsrechte bzw. -pflichten. Dement- sprechend komme dem erstinstanzlichen Gericht Parteistel lung im Verfahren vor dem Zwang s- massnahmengericht zu. Zufolge fehlender Parteistellung der Staatsanwaltschaft habe das Zwangsmassnahmengericht somit keine Mitwirkungsrechte der Staatsanwaltschaft verletzt. 2.2 Demgegenüber legt die Staatsanwaltschaft mit Beschwerde vom 29. August 2015 dar, sie sei weder zur Stellungnahme zum Haftentlassungsgesuch aufgefordert worden noch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe sie Kenntnis von der anstehenden mündlichen Verhandlung vor dem Zwangsmassna h- mengericht gehabt. Durch den Umstand, dass sich die St aatsanwaltschaft weder am schriftl i- chen noch am mündlichen Verfahren habe beteiligen können, sei ihr rechtliches Gehör verletzt worden, zumal das Bundesgericht der Staatsanwaltschaft hinsichtlich aller Haftentscheide des Zwangsmassnahmengerichts Parteistel lung einräume. In sämtlichen Verfahrensstadien habe die Staatsanwaltschaft den staatlichen Strafanspruch zu wahren und durchzusetzen. Insbeso n- dere sei die Verfahrensleitung des Strafgerichts angesichts der richterlichen Unabhängigkeit nicht in der Lage, ei ne klare und eindeutige Parteirolle im Haftverfahren einzunehmen. Der a n- gefochtene Entscheid sei daher zufolge Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben. 2.3 Die Beschuldigte ihrerseits macht mit Stellungnahme vom 16. September 2015 gel- tend, die Staat sanwaltschaft sei über das Haftentlassungsgesuch informiert worden und habe daher Kenntnis vom hängigen Verfahren gehabt, weshalb sie sich in dieses hätte einbringen können. Indem die Staatsanwaltschaft dies nicht gemacht habe, habe sie auf eine Parteiste l- lung verzichtet und könne diese nicht erst im Rechtsmittelverfahren nachholen. Ob die Staat s- anwaltschaft grundsätzlich eine Parteistellung innehabe, müsse daher vorliegend nicht geprüft werden. Im Weiteren liege die Verfahrenshoheit nach der Überweisung de r Anklageschrift beim Gericht, weshalb sich die Rolle der Staatsanwaltschaft auf jene als Anklägerin beschränke. D a- raus folge, dass sie in diesem Verfahrensstadium nicht mehr zuständig sei für Vollzugs - oder Sicherheitsfragen; vielmehr sei das Strafgericht abschliessend für diese zuständig. 2.4 In casu ist fraglich, ob eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör geg e- ben ist, indem der Staatsanwaltschaft die Teilnahme am Verfahren betreffend Haftentlassung s- gesuch der Beschuldigten vor dem Zwangsmas snahmengericht verwehrt wurde. Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Art. 107 Abs. 1 StPO konkretisiert diesen Grundsatz in Bezug auf den Strafprozess. Demgemäss haben die Parteien Anspruch auf rech t- liches Gehör; namentlich haben sie das Recht, Akten einzusehen (lit. a), an Verfahrenshan d- lungen teilzunehmen (lit. b), einen Rechtsbeistand beizuziehen (lit. c), sich zur Sache und zum Verfahren zu äussern (lit. d) sowie Beweisanträge zu stellen (lit. e). Der Anspruch auf rechtl i- ches Gehör ist formeller Natur. Eine Verletzung des Anspruchs führt auf Beschwerde hin zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids, unabhängig davon, ob die Gewährung des rechtl i- chen Gehörs den Ausgang der materiellen Streitentscheidung zu beeinflussen vermag ( HANS VEST/SALOME HORBER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 107 N 6; VIKTOR LIEBER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 107 N 2a; GEROLD STEINMANN, St. Galler Ko m- mentar BV, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 59). 2.5 Zu prüfen ist nachfolgend, ob die Staatsanwaltschaft im Verfahren des Zwang s- massnahmengerichts betreffend Haftentlassungsgesuch der beschuldigten Person nach Art. 230 Abs. 3 StPO Parteistellung innehat, mithi n ob sie im besagten Verfahren überhaupt Trägerin des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist, zumal dieser entsprechend dem expliziten Wortlaut von Art. 107 Abs. 1 StPO nur den Parteien zukommt. Zunächst hält Art. 104 Abs. 1 lit. c StPO in genereller Weise fest, dass der Staatsanwaltschaft im Haupt- und im Rechtsmittel- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfahren Parteistellung zukommt. Daraus folgt, dass die Staatsanwaltschaft im Strafverfahren eine Zwitterstellung einnimmt: Während des Vorverfahrens ist die Staatsanwaltschaft Herrin des Verfahrens und tritt dem Beschuldigten in hoheitlicher Stellung gegenüber. Mit Erhebung der Anklage wandelt sich die Stellung der Staatsanwaltschaft, mithin wird sie zur Partei. Darüber hinaus kommt der Staatsanwaltschaft aber namentlich auch in den Beschwerdeve rfahren wäh- rend dem Vorverfahren sowie in den Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht Parteiste l- lung zu, zumal sie insoweit nicht Herrin des Verfahrens, sondern Antragstellerin ist ( NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 104 N 5; ANDREAS J. KELLER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 16 N 9 ff.; VIKTOR LIEBER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 104 N 8; je mit Hinweis auf BGE 137 IV 87, E. 3.3.2). 2.6 Im Weiteren hat die Staatsanwaltschaft als Partei den Strafanspruch des Staates zu vertreten, mithin dafür zu sorgen, dass Straftaten nicht ungestraft bleiben ( ANDREAS J. KELLER, a.a.O., Art. 16 N 10). Dementsprechend hat sie auch im Verfahren vor dem Zwangsmassna h- mengericht diesen staatlichen Strafanspruch zu vertreten. Zudem verlangt das öffentliche Int e- resse an einer funktionierenden Strafjustiz, dass die Staatsanwaltschaft ein Beschwerderecht gegen einen die Haft aufhebenden Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts besitzt, zumal die Fortführung des Strafverfahrens ersch wert oder gar vereitelt werden kann, wenn eine b e- schuldigte Person aus der Haft entlassen wird, obwohl ein Haftgrund besteht (BGE 139 IV 121, E. 4.3 mit Hinweisen). 2.7 Sodann bedarf die Haftentlassung im Sinne von Art. 230 Abs. 3 StPO zwar keiner Zustimmung der Staatsanwaltschaft; gleichwohl führt dies keineswegs dazu, dass die Staat s- anwaltschaft sich nicht zur Sache äussern und Anträge stellen dürfte respektive keine Parte i- stellung innehat. Vielmehr ist in Übereinstimmung mit der im Zürcher Kommentar zu r Strafpro- zessordnung von Markus Hug und Alexandra Scheidegger geäusserten Position davon ausz u- gehen, dass das Gericht der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit zu einer kurzen Stellungnahme zum Haftentlassungsgesuch einräumen muss, obschon im Gesetz kein Ver nehmlassungsver- fahren vorgesehen ist. Es ist mithin kein Grund ersichtlich, weshalb der Staatsanwaltschaft nur dann ein Recht auf Beteiligung am Verfahren eingeräumt wird, wenn die Initiative zur Haften t- lassung von der Verfahrensleitung des Gerichts und ni cht von der beschuldigten Person au s- geht (MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 230 N 2). Hinzu kommt, dass der Staatsanwaltschaft gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspr e- chung im Verfahren betreffend Haftentlassungs gesuche während eines Verfahrens vor dem Berufungsgericht (Art. 233 StPO) die Parteistellung ebenso zukommt (BGer 1B_179/2014 vom 5. Juni 2014, E. 3.2). Ebenso spricht die Ausgestaltung von Art. 231 Abs. 2 StPO für dieses Ergebnis, denn auch dort wird der Staatsanwaltschaft das explizite Recht zugestanden, die durch das erstinstanzliche Gericht verfügte Freilassung der beschuldigten Person mittels Antr a- ges an die Verfahrensleitung des Berufungsgerichts in Form der Anordnung der Sicherheitshaft zu verhindern. 2.8 Ferner muss das Haftprüfungsverfahren kontradiktorisch ausgestaltet sein (BGE 137 IV 87, E. 3.3.2; BGer 1B_179/2014 vom 5. Juni 2014, E. 3.2), wobei das Bundesgericht in B e- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zug auf das Verfahren betreffend Haftentlassungsgesuche während eines Verfah rens vor der Berufungsinstanz festgestellt hat, dass andernfalls die Gefahr bestünde, dass der Haftrichter selbst die Perspektive der Anklagebehörde einnehmen könnte (BGer 1B_179/2014 vom 5. Juni 2014, E. 3.2). Soweit das Zwangsmassnahmengericht hinsichtlich des vorliegenden Verfahrens nach Art. 230 Abs. 3 StPO geltend macht, dieses sei insofern kontradiktorisch ausgestaltet, als dem Strafgericht im Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht Parteistellung zukomme, kann ihm offenkundig nicht gefolgt werden. Im Gegenteil ist es in keiner Weise mit der richterl i- chen Unabhängigkeit vereinbar, wenn das in der Hauptsache zuständige Strafgericht respektive dessen Verfahrensleitung vor dem Zwangsmassnahmengericht als Gegenpartei der beschuldig- ten Person am Verfahren teilnimmt. Insbesondere würde die naheliegende Gefahr bestehen, dass das Strafgericht im Sinne der vorgenannten Rechtsprechung des Bundesgerichts die Pe r- spektive der Anklagebehörde einnehmen könnte. Dementsprechend hat die Staatsanwaltschaft im Rahmen des Verfahrens vor dem Zwangsmassnahmengericht den Strafanspruch des Sta a- tes zu vertreten und daher als Gegenpartei der beschuldigten Person aufzutreten. 2.9 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen erhellt, dass der Staatsanwaltschaft im Verfahren des Zwangsmassnahmengerichts betreffend Haftentlassungsgesuch der beschuldi g- ten Person nach Art. 230 Abs. 3 StPO Parteistellung zukommt. Demzufolge hat sie Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 107 Abs. 1 StPO, mithin namentlich das Recht, sich zur Sache und zum Verfahren zu äussern (Art. 107 Abs. 1 lit. c StPO). Indem der Staatsanwal t- schaft die Teilnahme am Verfahren betreffend Haftentlassungsgesuch der beschuldigten Pe r- son verwehrt wurde, verletzte das Zwangsmassnahmengericht den Anspruch der Staatsanwalt- schaft auf rechtliches Gehör. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Staatsanwaltschaft, indem sie trotz Kenntnis des Verfahrens vor Zwangsmassnahmengericht nicht reagiert hat, auf ihre Parteistellung – entgegen dem Vorbringen der Beschuldigten – in keiner Weise verzichtet hat. Vielmehr kann auf ein derart massgebendes Recht wie die Parteistellung nicht dadurch verzichtet werden, dass die betroffene Partei dieses nicht im vor instanzlichen Verfahren bean- tragt, sondern erst im Rechtsmittelverfahren gel tend macht. Namentlich ist auch zu beachten, dass der Staatsanwaltschaft aufgrund der ihr zugestellten Verfügung des Zwangsmassna h- mengerichts vom 13. August 2015 nicht bewusst sein musste, dass sie auch im weiteren Ve r- lauf des Verfahrens weder zur Stellung nahme aufgefordert noch zur Teilnahme an der Haup t- verhandlung des Zwangsmassnahmengerichts vorgeladen wird. Hinzu kommt, dass eine Ve r- letzung des rechtlichen Gehörs in der Regel ohnehin im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens geltend zu machen ist ( HANS VEST/SALOME HORBER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 107 N 6; YASMINA BENDANI, Commentaire Romand CPP, 2011, Art. 107 N 42). Demzufolge ist in casu eine Verletzung des rechtlichen Gehörs der Staatsanwaltschaft zu bejahen. 2.10 Im Übrigen begründet das Zwangsmassnahmengericht im Entscheid vom 19. August 2015 in Ziffer 1 der Erwägungen seine Auffassung, wonach eine Anhörung der Staatsanwal t- schaft durch das Strafgericht nicht vorgesehen sei und der Staatsanwaltschaft folglich auch im Verfahren vor dem Z wangsmassnahmengericht keine Parteistellung zukomme, mit zwei Liter a- turstellen aus dem Basler und Zürcher Kommentar zur Strafprozessordnung. Beiden Belegen kann indessen die vom Zwangsmassnahmengericht vertretene Position mitnichten entnommen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden: Aus der zitierten Stelle des Basler Kommentars ergibt sich einzig, dass die Haftentla s- sung auf Gesuch hin gemäss Art. 230 Abs. 3 StPO keine Zustimmung der Staatsanwaltschaft verlangt ( MARC FORSTER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 230 N 3). Damit ist je- doch noch nichts über eine staatsanwaltschaftliche Parteistellung bzw. eine entsprechende A n- hörung gesagt. Erst recht erweist sich die Angabe des Zürcher Kommentars als Fehlzitat, zumal dort – wie unter Ziffer 2.7 dieses Beschlusses gezeigt – ganz im Gegenteil ausdrücklich darge- legt wird, dass das Gericht der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit zur Stellungnahme zum Haftentlassungsgesuch einräumen muss ( MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 230 N 2). 2.11 Entsprechend den vorstehenden Ausführungen zum Anspruch auf rechtliches Gehör (Ziffer 2.4 des vorliegenden Beschlusses), führt eine Verletzung des Anspruchs zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids, unabhängig davon, ob die Gewährung des rechtlichen Gehörs den Ausgang der materiellen Streitentscheidung zu beeinflussen vermag. Somit ist in Guthei s- sung der Beschwerde der Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft Ziffer 1 des Entscheids des Zwangsmassnahmengerichts Basel -Landschaft vom 19. August 2015 zufolge Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben. Gesuch um Haftentlassung 2.12 Aufgrund der vorstehenden Darlegungen zeigt sich, dass bereits zufolge Verletzung des rechtlichen Gehörs Ziffer 1 des Entscheids des Zwangsmassnahmengerichts vom 19. August 2015 aufzuheben ist. Dessen ungeachtet ist in Beachtung des strafprozessrechtl i- chen Beschleunigungsgebots (Art. 5 StPO) nachfolgend auch noch die Rüge der Staatsanwal t- schaft, wonach die Haftentlassung der Beschuldigten unangemessen gewesen sei, zu prüfen. 2.13 Das Zwangsmassnahmengericht erwägt in seinem Entscheid vom 19. August 2015 hinsichtlich der Voraussetzungen der Sicherheitshaft, der dringende Tatverdacht betreffend banden- und gewerbsmässigen Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfachen Hau s- friedensbruch und Entwendung eines Fahrrads zum Gebrauch sei unbestrittenermassen zu bejahen. Ob der Haftgrund der Fluchtgefahr nach wie vor gegeben sei, könne offen gelassen werden, zumal die Inhaftierung aus zeitlichen Gründen unverhältnismässig sei. Insbesondere werde wohl das Aussageverhalten der Beschuldigten einen Einfluss auf das Strafmass haben. Ferner würden keine Hinweise betreffend eine ungünstige Prognose vorliegen, namentlich re i- che die Auskunft der Interpol mangels formeller Bestätigung einer Vorstrafe ni cht aus, um die Aussage der Beschuldigten zu widerlegen, sie sei in Kroatien zu Unrecht belastet worden. Auch müsse aufgrund der persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten nicht davon ausgegangen werden, dass weitere Verbrechen oder Vergehen drohen würden . Somit sei eine bedingte En t- lassung wahrscheinlich. Unter Annahme, dass eine Grundfreiheitsstrafe von 12 Monaten aus- gesprochen werde, habe das Geständnis der Beschuldigten eine Strafreduktion auf etwa 9 Monate zur Folge. Berücksichtige man die Möglichkeit einer bedingten Entlassung, so würde die Freiheitsstrafe Ende September 2015 enden. Da die Hauptverhandlung erst am 29. und 30. Oktober 2015 stattfinden werde und die Sicherheitshaft lediglich gewährleisten soll, dass die Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschuldigte zur Hauptverhandlung erscheine, erweise sich die Sicherheitshaft nicht mehr als verhältnismässig und die Beschuldigte sei aus der Haft zu entlassen. Mit Stellungnahme vom 7. September 2015 legt das Zwangsmassnahmengericht des Weiteren dar, der für die Strafzumessung relevan te Sachverhalt sei bekannt, weshalb eine genauere Prognose über das zu erwartende Urteil des Strafgerichts durchaus gestellt werden könne. S o- dann sei in Bezug auf die mögliche Vorstrafe in Kroatien unklar, ob es sich dabei tatsächlich um eine Vorstrafe handle, zumal der am 5. Mai 2015 bestellte Strafregisterauszug nicht vorhanden sei. Zu berücksichtigen sei insbesondere, dass der Beschuldigten nur zwei vollendete Ei n- bruchdiebstähle vorgeworfen würden und es sich in drei Fällen um Versuche handeln würde. Folglich sei mit grosser Wahrscheinlichkeit eine bedingte Freiheitsstrafe auszusprechen, was zu berücksichtigen sei. 2.14 Die Staatsanwaltschaft macht ihrerseits mit Beschwerde vom 29. August 2015 ge l- tend, das Zwangsmassnahmengericht habe die eigentliche Ur teilsfindung durch das Strafg e- richt vorweggenommen, was unzulässig und in casu auch unrichtig sei. Namentlich erscheine die vom Zwangsmassnahmengericht geschätzte Grundfreiheitsstrafe von 12 Monaten als au s- sergewöhnlich niedrig. Mithin stehe eine deutliche höhere Freiheitsstrafe als die in Aussicht gestellten 9 Monate zur Diskussion, weshalb die Sicherheitshaft bei weitem nicht als unverhäl t- nismässig zu bezeichnen sei. Ferner lasse das Zwangsmassnahmengericht in Bezug auf die Legalprognose diverse straferhöhende Merkmale ausser Acht, namentlich die intensive Delikt s- serie in einem relativ kurzen Zeitraum sowie der Umstand, dass die Einbrüche verübt worden seien, um Schulden von bloss EUR 1'500.-- zurückzubezahlen, mithin nicht aus einer grossen Notlage heraus. Ausserdem habe die Beschuldigte, nachdem sie den Betrag von EUR 1'500.-- erbeutet habe, weiter delinquiert, um ihr in Kroatien lebendes Kind finanziell zu unterstützen. Ohne ihre Festnahme hätte die Beschuldigte wohl auch in Zukunft Einbruchdiebstähle ve rübt. Hinzu komme, dass sie einzig zur Begehung von Straftaten in die Schweiz eingereist und somit als Kriminaltouristin zu betrachten sei. Hinsichtlich der allfälligen Vorstrafe der Beschuldigten habe die Staatsanwaltschaft die Republik Kroatien um Zusend ung eines Urteils oder eines Ei n- stellungsbeschlusses ersucht, wobei durchaus die Möglichkeit bestehe, dass die gewünschte Auskunft noch bis zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung eintreffe. Sodann dürfe bei der Beur- teilung der Verhältnismässigkeit der Haft dauer keine Rolle spielen, ob für die in Aussicht g e- stellte Freiheitsstrafe der bedingte oder der teilbedingte Vollzug gewährt werden könne, und ob eine bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug in Frage komme. 2.15 Mit Stellungnahme vom 16. September 2015 führt die Beschuldigte aus, nach ihrer Entlassung aus der Haft halte sie sich derzeit im grenznahen Raum in Frankreich auf und suche eine Arbeitsstelle. Sie habe mehrfach betont, dass sie an der strafgerichtlichen Hauptverhan d- lung teilnehmen wolle, wesha lb der Haftgrund der Fluchtgefahr nicht gegeben sei. Hinsichtlich der zeitlichen Verhältnismässigkeit der Haft würden die Erwägungen des Zwangsmassnahme n- gerichts die eigentliche Urteilsfindung des Strafgerichts nicht vorweg nehmen. Im Gegenteil wäre eine Haft bis zum Verhandlungsdatum präjudizierender für das urteilende Gericht, würde doch beim Ausspruch einer kürzeren Strafe eine ungerechtfertigte und entschädigungswürdige Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Überhaft ausgelöst. Überdies handle es sich bei der Beschuldigten nicht um eine Kriminaltouris- tin, zumal sie sich in Frankreich aufgehalten und gearbeitet habe. Einzig aufgrund einer finanz i- ellen Notlage habe sie sich für die Delinquenz entschieden, wobei der Deliktsort Schweiz ein Zufallsprodukt gewesen sei. Die Ansicht, wonach jeder Men sch mit ausländischem Wohnsitz, welcher in der Schweiz Verbrechen oder Vergehen begehe, ein Kriminaltourist sei, führe im Übrigen zu einer Ausländerdiskriminierung. Hinzu komme, dass zu Beginn der Untersuchung der Beschuldigten ein kurzes Verfahren sowie e ine vorzeitige Entlassung in Aussicht gestellt worden seien, sofern sie ein Geständnis ablege. Schliesslich sei sie nach wie vor als nicht ei n- schlägig vorbestraft zu betrachten. 2.16 Untersuchungs- und Sicherheitshaft sind gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO zul ässig, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig und ernsthaft zu befürchten ist, dass sie sich durch Flucht dem Strafverfahren oder der zu erwarten- den Sanktion entzieht (lit. a, sog. Fluchtgefahr); Personen beeinflu sst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (lit. b, sog. Kollusionsgefahr); oder durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten ve rübt hat (lit. c, sog. Wiederholungsgefahr). Haft ist gemäss Art. 221 Abs. 2 StPO auch zulässig, wenn ernsthaft zu befürchten ist, eine Person wer- de ihre Drohung, ein schweres Verbrechen auszuführen, wahrmachen (sog. Ausführungsg e- fahr). 2.17 Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rechtsschriften zeigt sich, dass der vom Zwangsmassnahmengericht Basel -Landschaft bereits bejahte dringende Tatverdacht b e- treffend banden- und gewerbsmässigen Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruch und Entwendung eines Fahrrads zum Gebrauch unbestritten ist, weshalb auf die diesbezüglichen, sachlich zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden kann. Strittig ist hingegen, ob der Haftgrund der Fluchtgefahr sowie die zeitliche Verhäl tnismäs- sigkeit gegeben sind. 2.18 Der Haftgrund der Fluchtgefahr setzt gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO die ernsthaf- te Befürchtung voraus, der Beschuldigte werde sich durch Flucht ins Ausland oder Unterta u- chen im Inland der Strafverfolgung oder der zu erwartenden Strafe entziehen. Die Fluchtgefahr darf nur bejaht werden, wenn die Prüfung im konkreten Fall ergibt, dass eine gewisse Wah r- scheinlichkeit für die Annahme spricht, die beschuldigte Person werde sich durch Flucht der Verantwortung entziehen, d.h. im gegebenen Zeitpunkt nicht den Behörden zur Verfügung st e- hen ( NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 221 N 6). Die Schwere der drohenden Sanktionen, wozu auch der Widerruf eines bedingten Strafvollzugs zu zählen ist, darf als Indiz f ür Fluchtgefahr gewertet werden. Sie genügt jedoch für sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten Umstände des betreffenden Falls, in s- besondere die gesamten Lebensverhältnisse des Angeschuldigten, in Betracht gezogen we r- den. So ist es zulässig, die familiären und sozialen Bindungen des Häftlings, dessen berufliche Situation und Schulden (inklusive drohende Schadenersatz - und Genugtuungsansprüche der mutmasslichen Opfer) sowie private und geschäftliche Kontakte ins Ausland und Ähnliches (wie Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht etwa ungeregelte Wohn- und Meldeverhältnisse) mitzuberücksichtigen. Auch psychische Auffäl- ligkeiten, die auf eine besondere Neigung zu Impulsdurchbrüchen beziehungsweise Kur z- schlusshandlungen schliessen lassen, können eine Fluchtneigung erhöhen. Dass die Ausreise in ein Land droht, welches die flüchtige Person grundsätzlich an die Schweiz ausliefern bezi e- hungsweise stellvertretend verfolgen könnte, steht der Annahme von Fluchtgefahr nicht entg e- gen. Als Fluchtneigung gilt auch das erhöhte Risiko eines Untertauchens in der Schweiz (MARC FORSTER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 221 N 5, mit zahlreichen Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). 2.19 Die Beschuldigte ist kroatische Staatsangehörige und lebt in Frankreich , wo sie Sozialhilfe empfängt. Ferner leben ihre beiden Kinder in Kroatien (act. 147 ff., 325). In der Schweiz verfügt die Beschuldigte weder über eine Arbeitsstelle noch einen Wohnsitz. Vielmehr ist die Beschuldigte lediglich zur Begehung von Straftaten in die Schweiz eingereist (act. 933, 939). Sodann ist der Stellungnahme der Beschuldigten vom 16. September 2015 zu entne h- men, dass sich diese im Anschluss an die am 19. August 2015 erfolgte Entlassung nach Frank- reich begeben hat, wo sie nunmehr eine neue Arbeitsstelle sucht (S. 3 der Stellungnahme der Beschuldigten vom 16. September 2015). Hinsichtlich der Beurteilung der Fluchtgefahr ist der Umstand, wonach sich die Beschuldigte angeblich im grenznahen Ausland aufhalte, nicht von Relevanz, zumal sie sich auch dort ohne Weiteres dem Strafverfahren zu entziehen versuchen könnte. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass selbst bei einem Aufenthalt in einem Land, welches die beschuldigte Person grundsätzlich an die Schweiz ausliefern bzw. stellvertretend verfolgen könnte, die Annahme der Fluchtgefahr keineswegs ausgeschlossen ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es dem Staat, welchem die Strafhoheit z u- steht, nicht zuzumuten, auf die Sicherung der Person des Angeschuldigten zu verzichte n und bei dessen Flucht den langwierigen Weg des Auslieferungsbegehrens oder eines Ersuchens um Übernahme der Strafverfolgung zu beschreiten. Ob in einem bestimmten Fall Fluchtgefahr besteht, ist demnach grundsätzlich in Bezug auf das in der Schweiz geführ te Strafverfahren zu überprüfen (BGE 123 I 31, E. 3d; BGer 1B_18/2012 vom 27. Januar 2012, E. 3.1.1). Im Weite- ren droht der Beschuldigten im Falle einer Verurteilung eine empfindliche Freiheitsstrafe. Es zeigt sich somit, dass die Beschuldigte in der Schwe iz weder eine Wohnmöglichkeit noch eine Arbeitsstelle besitzt, während sie im Ausland über eine Wohnung, ein Einkommen (derzeit S o- zialhilfe) sowie Familienangehörige verfügt. Folglich ist davon auszugehen, dass sich die B e- schuldigte dem weiteren Strafverfa hren, namentlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, respektive der drohenden empfindlichen Sanktion mittels Flucht entziehen könnte. Der beso n- dere Haftgrund der Fluchtgefahr ist daher zu bejahen. 2.20 Als letzte Voraussetzung schliesslich darf Haft nur angeordnet oder aufrechterhalten werden, wenn und solange sie verhältnismässig ist. In zeitlicher Hinsicht dürfen Untersuchungs- und Sicherheitshaft daher nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe (Art. 212 Abs. 3 StPO). Für die Bemessung der voraussichtlich zu erwartenden Strafe ist auf den konkre- ten Sachverhalt und Verfahrensstand abzustellen, wie sie sich im Zeitpunkt der Beurteilung der Voraussetzungen der Untersuchungs- und Sicherheitshaft darstellen. Bei der Prüfung der Ve r- hältnismässigkeit der Haftdauer sind namentlich die Schwere der untersuchten Straftat sowie Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein allenfalls zu erwartender Widerruf eines in einem früheren Strafverfahren gewährten beding- ten Strafvollzugs mitzuberücksichtigen. Aber auch weitere konkrete Umstände de r Strafzumes- sung wie Alter, Abhängigkeiten und Vorstrafen sind in die Beurteilung miteinzubeziehen. Nicht aktenmässig erstellte Umstände, welche die zu erwartende Freiheitsstrafe beeinflussen kön n- ten, bleiben bei der Wertung, ob eine Überhaft vorliegt, unb eachtlich. Bei der Prüfung der zeitli- chen Verhältnismässigkeit darf das eigentliche Strafverfahren nicht vorweg genommen werden; das Zwangsmassnahmengericht soll nicht als Strafrichter amten. Im Rahmen der Beurteilung einer allfälligen Überhaft grundsätzli ch keine Rolle spielt, ob für die in Aussicht stehende Fre i- heitsstrafe der bedingte oder teilbedingte Vollzug gewährt werden kann. Auch die Möglichkeit der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug nach Art. 86 des Schweizerischen Strafgesetz- buchs (StGB, S R 311.0) ist bei der Berechnung der mutmasslichen Dauer der Freiheitsstrafe grundsätzlich nicht mitzuberücksichtigen, es sei denn, wenn ausnahmsweise die Vorausse t- zungen von Art. 86 Abs. 1 StGB aufgrund der konkreten Umstände aller Wahrscheinlichkeit nach erfüllt sein werden. Dieser Ausnahmefall erlangt vor allem dann praktische Bedeutung, wenn über Sicherheitshaft nach einem erstinstanzlichen Urteil zu entscheiden ist und wegen des Verschlechterungsverbots nach Art. 391 Abs. 2 StPO die Dauer der maximal in Aussicht stehenden Strafe feststeht ( ULRICH WEDER, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 212 N 17 ff.; GIANFRANCO ALBERTINI/THOMAS ARMBRUSTER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 212 N 12 ff.; BGE 133 I 270, E. 3.4.2; BGer 1B_280/2008 vom 6. November 2008, E. 2.5.1; BGer 1B_196/2013 vom 21. Juni 2013, E. 2.2). 2.21 In Bezug auf die zeitliche Verhältnismässigkeit ergibt sich aus den Verfahrensakten, dass die Beschuldigte am 1. März 2015 angehalten (act. 311) und am 19. August 2015 durch das Zwangsmassnahmengericht aus der Haft entlassen wurde. Gleichwohl soll vorliegend g e- prüft werden, ob sich die mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 16. Juli 2015 angeordnete Sicherheitshaft bis zum 14. Oktober 2015 respektive ob die Anordnung von Sicherheitshaft bis zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 29. und 30. Oktober 2015, mit- hin eine Haftdauer von insgesamt acht Monaten, in zeitlicher Hinsicht als verhältnismässig e r- weist. Wie bereits in den vorhergehenden Ausführungen dargelegt wurde, b esteht der dringen- de Tatverdacht, dass sich die Beschuldigte des banden - und gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der Entwendung eines Fahrrads zum Gebrauch schuldig gemacht hat. Unter Berücks ichtigung der Strafandr o- hung des bandenmässigen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 3 Abs. 2 StGB) von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen hat diese mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen, weshalb die Haftdauer bereits insoweit als verhältnismässig zu qua- lifizieren ist. 2.22 Soweit das Zwangsmassnahmengericht ausführt, es sei von einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten auszugehen, wobei sowohl die Gewährung des bedingten Strafvollzugs als auch eine bedingte Entlas sung wahrscheinlich seien, kann ihm nicht gefolgt werden. Vielmehr ist darauf hinzuweisen, dass es dem Haftgericht verwehrt ist, bei der Prüfung der zeitlichen Verhältnismässigkeit das eigentliche Strafverfahren vorweg zu nehmen. Mithin hat sich der Haftrichter auf einen bloss summarischen Blick auf die Strafzumessung zu beschränken und Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht noch keine eingehende Würdigung der massgebenden Komponenten im Vorfeld der strafg e- richtlichen Hauptverhandlung vorzunehmen. Dennoch hat das Zwangsmassnahmengericht vo r- liegend eine detaillierte Würdigung durchgeführt, eine Grundfreiheitsstrafe von 12 Monaten festgelegt sowie eine Strafreduktion um 3 Monate vorgenommen. Ferner ist unter Hinweis auf die vorstehenden rechtlichen Darlegungen (Ziffer 2.20 des vorliegenden Beschlus ses) festz u- stellen, dass ein allenfalls zu gewährender bedingter oder teilbedingter Strafvollzug sowie die Möglichkeit der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug nur in Ausnahmefällen zu berüc k- sichtigen sind, wenn aufgrund der konkreten Umstände aller W ahrscheinlichkeit nach die V o- raussetzungen des bedingten Strafvollzugs respektive der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug erfüllt sind. Dies ist vorliegend aber keineswegs der Fall, bestehen doch diverse Unsicherheiten, welche im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung auszuräumen sind, wobei namentlich die Aussagen der Beschuldigten von massgebender Bedeutung sein werden. Ausnahmefälle, in welchen aufgrund der konkreten Umstände mit aller Wahrscheinlichkeit von der Gewährung des bedingten Straf vollzugs respektive einer bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug auszugehen ist, liegen in erster Linie nach Eröffnung des erstinstanzlichen Urteils vor, wobei selbst in solchen Fällen allfällige Berufungen zu berücksichtigen sind. Im Vorfeld einer erst instanzlichen Hauptverhandlung fehlen hingegen noch massgebende konkrete U m- stände, welche durch das Sachgericht abzuklären sind. Nur wenn die Voraussetzungen ger a- dezu augenscheinlich erfüllt sind, rechtfertigt sich die Annahme durch den Haftrichter, dass d ie Voraussetzungen des bedingten Strafvollzugs respektive der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug zu bejahen sind. Dies ist vorliegend jedoch klarerweise nicht der Fall. Im Übrigen ist festzuhalten, dass das Zwangsmassnahmengericht in seinem früheren Entscheid vom 16. Juli 2015 im Gegensatz zum Anfechtungsobjekt der vorliegenden Beschwerde zu Recht selber konstatiert hat, dass eben nicht massgebend ist, ob eine Freiheitsstrafe bedingt oder teilbedingt ausgesprochen wird oder ob eine bedingte Entlassung erfolgen wird. 2.23 In casu kommt hinzu, dass das Zwangsmassnahmengericht diverse sich hinsichtlich der Strafzumessung dringend aufdrängende Elemente nicht berücksichtigt hat. Namentlich li e- gen Anhaltspunkte vor, dass es sich bei der Beschuldigten um e ine Kriminaltouristin handelt. Entgegen den Vorbringen der Beschuldigten zeichnet sich eine Kriminaltouristin dadurch aus, dass sie einzig zum Zweck der Verübung von Einbruchdiebstählen in die Schweiz einreist (BGer 6B_510/2013 vom 3. März 2014, E. 4.4). Mithin ist nicht relevant, ob die Beschuldigte vor der Begehung der Delikte in ihrem Heimatland oder in einem anderen sich im Ausland befi n- denden Staat gelebt hat. Auch führt dies offenkundig nicht zu einer Ausländerdiskriminierung, zumal selbst schweizeris che Staatsangehörige, welche ihren Wohnsitz im Ausland haben und sich einzig zur Begehung von Delikten in die Schweiz begeben, als Kriminaltouristen zu werten sind. Als straferhöhender Aspekt fällt einzig und allein die kriminelle Energie ins Gewicht und nicht die Nationalität. 2.24 Es zeigt sich somit, dass die zeitliche Verhältnismässigkeit der Sicherheitshaft bis zur strafgerichtlichen Hauptverhandlung vom 29. und 30. Oktober 2015 ebenso gegeben ist, weshalb die mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerich ts Basel-Landschaft vom 19. August 2015 verfügte Entlassung der Beschuldigten aus der Sicherheitshaft auch in materieller Hinsicht Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht als unangemessen zu qualifizieren ist. Die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Basel - Landschaft erweist sich demzufolge auch in diesem Punkt als begründet. 3. Kosten 3.1 Hinsichtlich der Kostentragung im Rechtsmittelverfahren zeigt sich, dass Art. 428 Abs. 4 StPO in casu keine Anwendung findet, zumal sich eine Rückweisung der Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz erübrigt, da sich das Haftentlassungsgesuch angesichts der bereits erfolgten Entlassung der Beschuldigten aus der Haft als gegenstandslos erweist. Hinzu kommt, dass die Gutheissung des Haftentlassungsgesuchs entsprechend den vorst e- henden Ausführungen ohnehin als unangemessen zu qualifizieren ist. Dem Ausgang des Ve r- fahrens entsprechend gehen die Verfahrenskosten daher in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO je zur Hälfte zu Lasten des Staates sowie zu Lasten der Beschuldigten. Die Gerichtsg e- bühr wird gestützt auf § 13 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (GebT, SGS 170.31) auf Fr. 2'500.-- festgesetzt. Hinzu kommen Auslagen in der Höhe von Fr. 50.--, welche ebenfalls je hälftig durch den Staat sowie die Beschuldigte zu tragen sind. 3.2 Mit Verfügung des Präsidenten der Abteilung Strafrecht des Kantonsgerichts Basel - Landschaft vom 31. August 2015 wurde der Beschuldigten für das Rechtsmittelverfahren die amtliche Verteidigung bewilligt. Folglich ist dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten fü r seine Bemühungen im Rechtsmittelverfahren eine Parteientschädigung aus der Gerichtskasse zu entrichten. Mit Honorarnote vom 16. September 2015 macht Advokat Martin Lutz einen Au f- wand von 4.58 Stunden à Fr. 250.-- geltend. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für Anwältin- nen und Anwälte (TO, SGS 178.112) beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung sowie bei amtlicher Verteidigung jedoch Fr. 200.-- pro Stunde, weshalb die Honorarnote en t- sprechend anzupassen ist. Dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten ist demnach eine Par- teientschädigung von Fr. 972.20 (inklusive Auslagen von Fr. 56.20) zuzüglich 8% Mehrwert- steuer von Fr. 77.80, insgesamt somit Fr. 1'050.--, aus der Gerichtskasse zu entrichten. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. In Gutheissung d er Beschwerde der Staatsanwaltschaft Basel - Landschaft wird Ziffer 1 des Entscheids des Zwangsmassnahmenge- richts Basel-Landschaft vom 19. August 2015 zufolge Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgehoben. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'550.--, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.-- sowie Auslagen von Fr. 50.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten der Beschuldigten (Fr. 1'275.--) sowie zu Lasten des Staates (Fr. 1'275.--). 3. Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung für das Rechtsmi t- telverfahren wird dem Rechtsvertreter der Beschuldigten, Advokat Martin Lutz, ein Honorar von Fr. 972.20 (inklusive Auslagen) zuzü g- lich 8% Mehrwertsteuer von Fr. 77.80, insgesamt somit Fr. 1'050.--, aus der Gerichtskasse entrichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Dominik Haffter