B. Gerichtsentscheide 3518 84 des heute belasteten Grundstückes keine Wirkung ent faltet ( Arthur Meyer-Hayoz, Berner Kommentar, Bern 1975, N 29 zu Art. 694 ZGB). Es ist demnach nicht Sache des Gerichts in diesem V erfahren abzuklären, ob ein der Rechtsprechung des Bundesger ichts ge - nügendes Notwegrecht über die bestehende Linienführ ung gewährt würde. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Kläger ein ungeeignetes Grundstück in Anspruch genommen haben. Deshalb muss die Klage abgewiesen werden. Mit Blick darauf, dass das Planungsamt eventuell einen über die geltende Linie nführung laufenden, der kantonalen Praxis genügenden Fahrweg nicht bewilligt und auch nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, d ass den Klägern ein solches Notwegrecht über die Linienführung des bestehenden Weges eingeräumt wird, muss den Klägern die Möglich keit ge - schaffen werden, ihre Klage, nach einem allfälligen Scheitern der Ver - handlungen mit der Eigentümerin des Grundstücks Nr. 207 bzw. Abweisung eines Anspruches auf ein Notwegrecht über das Grund - stück Nr. 207, wieder zu erneuern. Die Klage ist de shalb zurzeit abzuweisen ( Max Ehrenzeller , Zivilprozessordnung des Kantons Appenzell A.Rh., Urnäsch 1989, N 5 lit. c zu Art. 203 ZPO). KGer, 2. Abt., 28.05.2008 3518 Verjährungsfristen ( Art. 127 und 128 Ziff. 3 OR). Abhängigkeit der Verjährungsfrist von der Natur des Vergütungsanspru ches. Ob Handwerksarbeit im Sinne von Art. 128 Ziff. 3 OR vorliegt, ist nach dem Charakter der vom jeweiligen Unternehmer geschu ldeten Gesamtleistung zu beurteilen. Im Zweifel ist für di e Anwendung der normalen, zehnjährigen Frist ( Art. 127 OR) zu entscheiden. Aus den Erwägungen: Die Beklagte erhebt die Verjährungseinrede. Für die im Juni 2000 ausgeführten Arbeiten sei die Verjährungsfrist gemä ss Art. 128 Ziff. 3 OR im Juni 2005 abgelaufen. Verjährungsunterbrechen de Hand - lungen seien nicht erfolgt. Erst im Dezember 2006 s ei ein Zahlungsbefehl ausgestellt worden. Die Klägerin bes treitet das Vor - 84B. Gerichtsentscheide 3518 85 liegen einer Handwerksarbeit und damit die Anwendba rkeit von Art. 128 Ziff. 3 OR. Die Verjährungsfrist für einen Vergütungsanspruch b eträgt grundsätzlich zehn Jahre ( Art. 127 OR). Für Forderungen aus Handwerksarbeit gilt allerdings eine verkürzte Fris t, sie verjähren mit Ablauf von fünf Jahren ( Art. 128 Ziff. 3 OR). Handwerksarbeit ist dadurch gekennzeichnet, dass die manuelle Tätigkeit die übrigen Leistungen, insbesondere die maschinellen, organisa torischen oder administrativen überwiegt oder zumindest aufwiegt ( Stephen Berti, Zürcher Kommentar, Bd. 5, Teilbd. V 1h, 3. A., Züri ch 1991, N 37 zu Art. 128 OR; BGE 109 II 115; 116 II 429; 123 II 123). Ob eine so verstandene Handwerksarbeit vorliegt, "ist nach dem Charakter der vom jeweiligen Unternehmer geschuldeten Gesamtleist ung zu beurteilen" ( Peter Gauch , Der Werkvertrag, 4. A., Zürich 1996, N 1288). Unter Handwerk ist eine gewerbliche Tätigkei t zu verstehen, die manuell und unter Benutzung einfacher Werkzeuge und Geräte ausgeübt wird und welche die Bearbeitung oder Verar beitung von Stoffen bezweckt (Zeitschrift für Walliser Rechtspr echung [ZWR] 2007 S. 177; BGE 116 II 430). Der Verwendung von Maschinen sind dabei eher enge Grenzen gesetzt; ausserdem ist die Lieferung industrieller Serienprodukte damit nicht vereinbar (BGE 123 III 120; 116 II 428 E. 1; 109 II 112 E. 2). Unter anderem werden als Handwerksarbeit anerkannt (Zeitschrift für Walliser Rechtsprechung [ZWR] 2007, S. 177; Berti, a.a.O., N 41 zu Art. 128 OR; Robert K. Däppen, Basler Kommentar, OR I, 4. A., B asel 2007, N 9 zu Art. 128 OR): Gipser - und Malerarbeiten, die Herstellung eines Bildrahme ns aus vorfabrizierten, aber individuell auf die erfor derliche Länge zugeschnittenen Stäben, die Einrichtung von Batteri eställen für Tiere, Sanitär- und Spenglerarbeiten, Änderungsarbeiten an einer W C- Lüftungsanlage, die Montage einer Gemeinschaftsante nne oder einer elektrischen Installation, die Ausführung von Verpu tz- sowie von Gärtnerarbeiten. Keine Handwerksarbeiten sind dageg en die Errichtung eines ganzen Hauses, die Lieferung und M ontage genormter Türen und Fenster, die Aufräumarbeiten au f einer Grossbrandstelle sowie die Rohplanierung eines Grun dstückes mit einem Trax (ZWR 2007, S. 177; Berti, a.a.O., N 42 zu Art. 128 OR; Däppen, a.a.O., N 9a zu Art. 128 OR). Im Zweifel ist für die Anwendung der normalen, zehnjährigen Frist ( Art. 127 OR) zu entscheiden (BGer in SemJud 1986, 555; ZWR 2007, S. 177). Daraus 85B. Gerichtsentscheide 3518 86 ist aber keinesfalls zu schliessen, dass von den ur sprünglich verfolgten Zielen des Gesetzgebers gänzlich abzuseh en sei. Wenn man sich vor Augen hält, dass man die schnellere Er ledigung von gewissen Alltagsgeschäften fördern wollte, vermag d ie Berück - sichtigung des manuellen Charakters der ausgeführte n Arbeit als einziges massgebendes Kriterium, ohne dabei deren W ichtigkeit in Betracht zu ziehen, nicht vollumfänglich zu befried igen. Unter den Begriff Handwerksarbeit fallen deshalb nur solche A rbeiten, die im Allgemeinen keine spezielle Technologie, keine Pers onal- und Terminplanung sowie keine Koordination mit anderen Unternehmen erfordern und somit ohne besondere administrative M ittel ausgeführt werden können. Nur bei Vorliegen traditioneller, ty pisch manueller Arbeiten, die in einem eingeschränkten Rahmen ausge führt werden, ist die verkürzte Verjährungsfrist im Sinne von Art. 128 Ziff. 3 OR anzuwenden (ZWR 2007, S. 177). In Anwendung dieser Grundsätze ist festzustellen, d ass die streitige Forderung nicht den Charakter einer Handw erksarbeit aufweist. Zwar waren die Arbeiten manueller Natur unter Verwe ndung einfacher Maschinen. Die Arbeiten betrafen aber die Montage von Normelementen, die gemäss dem Experten als Fertigpr odukte geliefert wurden und vor der Installation nicht meh r bearbeitet werden mussten. Im Zentrum der Leistungen der Klägerin sta nd nicht eine handwerkliche Einzelanfertigung, sondern die Liefer ung eines industriellen Serienprodukts (BGE 116 II 430). Nach der Recht - sprechung kommt es bei Verbindung von fabrikmässige r Herstellung des Materials mit handwerksmässiger Verwendung dess elben darauf an, ob jene ein bedeutungsvoller Bestandteil der ga nzen Leistung ist; trifft dies zu, so gilt die zehnjährige Frist (SJZ 64 [1968], S. 308, mit weiteren Nachweisen. Das Handelsgericht St. Gal len hat in diesem Entscheid einen handwerkmässigen Teil der Ge samtleistung von maximal 40 % angenommen). Der Experte hat den A nteil des Rechnungsbetrages für das Material als denjenigen f ür die Arbeit wesentlich übersteigend erkannt. Hier gilt es zusät zlich zu be - rücksichtigen, dass es sich um nicht sehr werthalti ges Material handelte. Die Bodenkanäle enthalten keine mechanisch en oder elektronischen Bestandteile und sind auch nicht aus einem teuren Material gefertigt. Trotzdem entfiel der grössere T eil der von der Klägerin verrechneten Leistungen auf das Material. Wie bereits 86B. Gerichtsentscheide 3519 87 ausgeführt, ist für die Beurteilung des Vorliegens einer Hand - werksarbeit die Gesamtleistung massgebend. Wer güns tiges Material verarbeitet und wenn dabei der Materialwert den Wer t der Arbeit trotzdem wesentlich übersteigt, leistet gesamthaft betrachtet kein e "Handwerksarbeit" im Sinne von Art. 128 Ziff. 3 OR. Die Montage tritt gegenüber der Lieferung wertmässig in den Hintergru nd und ist als blosse Nebenleistung zu qualifizieren. Der vorliege nde Fall ist vergleichbar denjenigen der Lieferung und Montage v on Normfenstern (BGE 116 II 430) oder Bodenbelägen (SJZ 64 [1968], S. 308). D iese Leistungen wurden nicht als Handwerksarbeit beurtei lt. Vorliegend ist gleich zu entscheiden. Mithin findet Art. 128 Ziff. 3 OR keine An - wendung, und die Verjährungseinrede kann nicht gehö rt werden. Selbst wenn man eine Handwerksarbeit nicht klar ver neinen und einen Grenzfall annehmen würde, müsste nach der Rec htsprechung des Bundesgerichts (Pra 1997 Nr. 8, S. 40) die norm ale und damit die zehnjährige Verjährungsfrist zur Anwendung gelangen . KGP, 06.03.2008 3519 Gebrauchsleihe oder Miete . Wurde eine Ersatzmaschine mit Kennt - nis des Berechtigten schon gebraucht, so ist im Zwe ifel von Gebrauchsleihe gemäss Art. 305 ff. OR auszugehen. Sachverhalt: Eine dem Beklagten gehörende Softeismaschine wurde bei einem Sturz beschädigt. Diese Maschine hatte der Beklagte beim Kläger gekauft. Nach dem besagten Sturz brachte der Beklag te die defekte Maschine zum Kläger zur Erstellung eines schriftlic hen Kosten - voranschlages für eine allfällige Reparatur. Für di e Weiterführung seiner Geschäfte erhielt der Beklagte eine Ersatzso fteismaschine. Aus den Erwägungen: Der Kläger stellte dem Beklagten bei Einlieferung d er reparatur - bedürftigen Softeismaschine eine Ersatzmaschine zur Weiterführung der Geschäfte zur Verfügung. Der Kläger stellte die Kosten für diese Maschine zusammen mit der Entschädigung für die Era rbeitung des 87