Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Januar 2019 (720 18 298 / 18) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiskraft von externen Gutachten Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Matthias Aeberli , Advokat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1971 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 9 . Juli 2012 bis 30. April 2014 als Ver- käuferin bei der B.____ in C.____. Am 16. Juli 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der Eidgenössischen Inval idenversicherung (IV) zum Leistungsbe- zug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen, erwerb lichen und haushalterischen Verhältnisse sowie Durchführung eines Vorbescheidverfahrens lehn te die zuständige IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente gestützt auf einen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach der gemischten Methode ermittelten Invaliditätsgrad von 3% mit Verfügung vom 3. August 2018 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Advokat Dr. Matthias Aeberli, am 14. September 2018 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie liess beantragen, dass ihr in Aufhe bung der angefochtenen Verfügung rückwirkend per 1. März 2015 eine ganze Invalidenrente, basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 70%, auszurichten sei; unter o/e-Kostenfolge . In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfl ege mit Advokat Aeberli als unentgeltli- cher Rechtsvertreter ersucht. Zur Begründung führte di e Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf das zunächst eingeholte psychiatrische Gutachten von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychot herapie, vom 18. Dezember 2015 abgestellt und stattdessen ein neues psychiatrisches Gutachten bei Med. pract. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eingeholt habe. Ferner sei beim Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug in der Höhe von 25% vorzunehmen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Oktober 2018 schloss di e Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 12. November 2018 bewilligte d as Kantonsgericht die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mi t Advokat Aeberli als Rechtsvertreter und überwies den Fall dem Gericht zur Beurteilung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 14. September 2018 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochte nen Verfügung vom 3. August 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c) 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erw erbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsun- fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperliche n, geistigen oder psychischen Gesund- heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in B etracht kommenden allgemeinen Ar- beitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehm en ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – so- gar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c). 3.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). Bei nichterwerbstätige n Versicherten, welche in einem Aufgaben- bereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemu- tet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im b isherigen Aufgabenbereich zu betäti- gen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten o der der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben- bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tä tigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderun g in beiden Bereichen zu bemessen (ge- mischte Methode der Invaliditätsbemessung). Seit dem 1. Januar 2018 bestimmt Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV, dass sich die Berechnung des Invalidi tätsgrades in Bezug auf die Erwerbstä- tigkeit bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Au fgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, nach Art. 16 ATSG richtet, wobei das Erwerb seinkommen, das die versicherte Per- son durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird. 3.6 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprechun g des Bundesgerichts aus der Prü- fung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umst änden täte, wenn keine gesundheitli- che Beeinträchtigung bestünde (BGE 133 V 508 E. 3.3 m it weiteren Hinweisen). Die Statusfra- ge beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfü- gung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Ann ahme einer im Gesundheitsfall ausge- übten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherung srecht übliche Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 1 50 E. 2c, 117 V 194 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2011, 9C_741/2011, E. 2.1; je mit Hinweisen). 4. Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgra des bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig bzw. im Aufgabenbereich eingeschränkt ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlag en, sind an die Beweiswürdi- gung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fäl len sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Festste llungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weite- ren Hinweisen). 4.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Schweizerisches Bundesge richt, Sozialrechtliche Abteilun- gen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutach- ten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abkl ärungen zu nehmen, wenn die be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht handelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gel angen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, we il die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben sind (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Bei der Würdigung des vorliegenden medizinischen Sach verhalts sind insbesondere die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 In ihrem Bericht vom 20. Oktober 2014 zuhanden der IV-Stelle diagnostizierten die zuständigen Ärzte und Ärztinnen der Klinik F.____ bei de r Versicherten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Panikstörung (ICD-10 F41.0), b estehend seit 2008, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), seit mindestens 2008 bekannt sowie eine akzentuierte Persönlichkeit mit histrionischen Zü gen (ICD-10 Z73.1). Die Patientin sei in einer angepassten Tätigkeit mindestens zu 50% arbeitsunfähig. Sie sei in Bezug auf Kon- zentrations- und Auffassungsvermögen, in der Anpassungsfä higkeit und in der Belastbarkeit eingeschränkt. Auf dem ersten Arbeitsmarkt mit Zeitdruc k und Produktionserwartung liege die Arbeitsunfähigkeit bei 100%. Die Prognose einer Wie derherstellung der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt erscheine aufgrund der Diagnosen und des Verlaufs als ungünstig. 5.2 Dr. D.____ erstellte am 5. Dezember 2014 im Auft rag des zuständigen Krankentag- geldversicherers ein psychiatrisches Gutachten. Darin diagn ostizierte sie mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Epi sode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) und eine andauernde Persönlichkeitsveränderun g nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde n diverse somatische Zustandsdiagno- sen gestellt. Im Rahmen der depressiven Symptomatik fänden sich auch Angstsymptome, ohne dass eine gesonderte Panikstörung diagnostiziert werden kö nne. Die Leiden der Explorandin seien multifaktoriell sowie umfassend und stünden in einem engen Zusammenhang zueinander. Derzeit sei sie sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in allen anderen Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig. 5.3 Mit Schreiben vom 27. Mai 2015 berichteten die Psychi aterin Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dipl. Psych. FH H.__ __, Fachpsychologin für Psycho- therapie FSP, über die von ihnen vorgenommene Behandl ung der Versicherten. Diagnostiziert wurden eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Ext rembelastung (ICD-10 F62.0), eine Panikstörung (ICD-10 F41.0), eine mittelgradige bis sch were depressive Episode (ICD-10 F32.2), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung ( ICD-10 F45.40) sowie eine sonstige somatoforme Störung (Zähneknirschen, ICD-10 F.45.8). A ufgrund der komplexen mehrfachen Traumastörung und wegen den aktuell massiven phobischen Ä ngsten mit Panikattacken sowie wegen den somatoformen Schmerzen besonders im Nackenbere ich müsse mit einer langfristi- gen Behandlung gerechnet werden. Die Patientin sei a ktuell in jeder Tätigkeit vollständig ar- beitsunfähig. Ein verfrühter Wiedereinstieg solle un bedingt vermieden werden. Nach erfolgrei- cher Traumatherapie könne eine Neubeurteilung der Ar beitsfähigkeit in einem geschützten Rahmen vorgenommen werden. Auf die Frage, ob nichtme dizinische Probleme die Arbeitsfä- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit beeinträchtigen würden, führen die Behandleri nnen aus, dass neben Eheproblemen auch finanzielle Schwierigkeiten bestünden. 5.4 Nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen gab die IV-Stelle am 20. Oktober 2015 bei Dr. D.____ ein (Verlaufs-)Gutachten in Auftrag, welches diese am 18. Dezember 2015 erstattete. Die Gutachterin diagnostizierte darin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra dige Episode mit somatischem Syn- drom (ICD-10 F33.11), eine Panikstörung (ICD-10 F41.0 ), eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), sonstige somatoforme Störungen (ICD-10 F45.8), eine kombinierte Persönlich- keitsstörung von ängstlich-abhängigen und narzisstischen Typ (ICD-10 F61.0) sowie eine an- dauernde Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung (ICD -10 F62.0). Spontan berichte die Explorandin, dass es ihr schlecht gehe. Sie habe keine Kra ft oder Energie, sei müde und schwach. Immer wieder erlebe sie Panikattacken, sorge sich und sei unzufrieden. Sie habe eine schwere Kindheit und eine unglückliche Ehe gehabt. Sie s ei verletzt und wütend, fühle sich un- verstanden. Oft sei sie aggressiv. Zudem leide sie an starken wandernden Schmerzen im gan- zen Körper. Sie schlafe sehr schlecht, leide unter Ein- und Durchschlafstörungen sowie Früh- erwachen und habe häufig Albträume. Sie habe grosse An gst; Angst, alleine aus dem Haus zu gehen, vor allem in der Dunkelheit, Angst vor Menschenmengen sowie panische Angst vor Kat- zen und Dämonen. Ausserdem sei sie sehr lärmempfindlich. Einkaufen gehe sie nicht alleine, die vielen (Arzt-)Termine würden ihr Stress bereiten. Zum Tagesablauf befragt, habe die Explo- randin angegeben, dass sie um sechs Uhr aufstehe und ihre r Tochter und manchmal dem jün- geren Sohn helfe, sich für den Tag bereit zu machen. Nachdem die Kinder aus dem Haus ge- gangen seien, räume sie hinter ihnen her und lege sic h dann nochmals hin. Wenn sie einen Termin habe, verlasse sie das Haus. Danach koche sie das Mit tagessen, esse gemeinsam mit der Tochter. Wenn die Tochter wieder zur Schule gehe, bringe sie das Essen zu ihrem Ehe- mann in das ihm gehörende Teppichgeschäft. Danach gehe sie einkaufen. Sie bleibe nicht län- ger als ein bis zwei Stunden im Teppichgeschäft, da sie ihren Mann kaum ertrage und so wenig Kontakt wie möglich zu ihm wünsche. Wenn die Tochter au s der Schule komme, helfe sie ihr bei den Hausaufgaben oder gehe mit ihr gemeinsam noch etwas hinaus. Regelmässigen Kon- takt habe sie zu einer in C.____ lebenden Schwester, au ch habe sie einen guten Kontakt mit den vielen anderen Geschwistern, auch der Kontakt zu den i n X.____ lebenden Eltern sei gut. Ausserhalb der Familie habe sie keine Kontakte, sie sei a m liebsten alleine. Ihre Kindheit sei durch den Y.____ Krieg dominiert gewesen. In ihrer Beurteilung hielt Dr. D.____ fest, dass die E xplorandin an einer komplexen psychischen Störung leide. Sie erfülle einerseits die Diagnosekrit erien für eine mittelgradige depressive Epi- sode mit somatischem Syndrom im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung. Im Un- tersuchungsgespräch imponiere eine deutliche Störung der Vitalgefühle mit einer reduzierten Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, einer starken Erschöpfung sowie einer raschen Ermüdbarkeit. Soziale Kontakte bestünden nicht, ausser gelegentlich zu einer Schwester. Ebenfalls liege eine Panikstörung vor. Die Explorandin kö nne nicht alleine einkaufen gehen, sie sei stets auf eine Begleitperson angewiesen. Aufgrund der wandernden, somatisch nicht erklär- baren Schmerzen sei ausserdem eine anhaltende somatofo rme Schmerzstörung zu diagnosti- zieren; aufgrund der seit Mai 2015 bestehenden Heiserkeit sei ferner von einer sonstigen soma- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht toformen Störung auszugehen. Die wiederholten Trauma tisierungen der Explorandin im Krieg sowie durch den Ehemann und Vater hätten wesentlich zur Ausbildung einer Persönlichkeits- störung beigetragen. Mit den kränkenden Erfahrungen a n der letzten Arbeitsstelle habe die Persönlichkeitsstörung zunehmend dekompensiert. Aus psychi atrisch-gutachterlicher Sicht könnten die einzelnen Diagnosen nicht voneinander losg elöst beurteilt werden. Die Angaben der Explorandin seien plausibel, konstant und nachvollzie hbar gewesen und hätten keine Ten- denz zur Aggravation aufgewiesen. Aufgrund der Persönli chkeitsstörung habe die Explorandin stark reduzierte psychische und soziale Ressourcen. Ausserdem bestünden psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren. Die Explorandin lebe sozial sehr zurückgezogen. Das Aktivi- tätsniveau habe sich seit der Erkrankung deutlich reduziert . Die Explorandin sei funktionell ein- geschränkt. Sie könne sich grundsätzlich an Regeln und Ro utineanforderungen anpassen, je- doch weniger planen und sei wenig strukturiert. Es finde sich ein unflexibles und unangepasstes Verhalten. Sie sei vermindert umstellungsfähig. Ebenf alls seien ihre Durchhalte- und Selbstbe- hauptungsfähigkeiten vermindert. Der Kontakt zu Dritten sei oft verunsichert, die Gruppenfähig- keit in einem unbekannten Umfeld nicht gegeben. Sie könne sich in unbekannten sozialen Situ- ationen nicht anpassen, sei kaum in der Lage, familiäre Beziehungen zu pflegen und nicht in der Lage, intime Beziehungen aufrecht zu erhalten. Eingeschränkt seien ferner die Frustrations- toleranz, die Konzentrationsfähigkeit, die Ausdauer un d die Auffassung. Das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl seien herabgesetzt, die Selbstwa hrnehmung sei fixiert und einge- schränkt auf die Schmerzsymptomatik. Insgesamt bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit. Die 30%ige Restarbeitsfähigkeit könne sie im Haushalt verwer ten. Eine Tätigkeit ausser Haus sei ihr nicht zumutbar. Die Prognose sei ungünstig, eine W iedereingliederung in den Arbeitspro- zess nicht möglich. 5.5 In seiner Stellungnahme vom 15. März 2016 kritisie rte Dr. med. I.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherapie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der IV-Stelle das bei Dr. D.____ eingeholte Gutachten in verschiedenen Punkt en. Er führte im Wesentlichen aus, dass das Gutachten schwerwiegende Widersprüche aufwies und augenscheinlich unbesehen und unkritisch auf die subjektiven Angaben der Versicherten abstelle. 5.6 Aufgrund der Kritik des RAD am Gutachten von Dr. D .____ vom 18. Dezember 2015 gab die IV-Stelle eine neue psychiatrische Begutachtung b ei Med. pract. E.____, FMH Psychi- atrie und Psychotherapie, in Auftrag. 5.6.1 In seinem Gutachten vom 4. Januar 2017 diagnosti zierte dieser nach einer dreistündi- gen und einer weiteren einstündigen Exploration mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Ohne Auswirkungen auf die Arbeits- fähigkeit seien eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD- 10 Z73.1). Aktuell beklage die Explorandin, Angst vor einer Zuckerkrankheit zu haben. Sie habe kein Vertrauen mehr in die Menschen, werde schnell wüte nd und habe immer das Gefühl, an allem schuld zu sein. Nach wie vor leide sie unter Panika ttacken, die jedoch seltener geworden seien und mit denen sie nun wisse umzugehen. Insgesamt habe sie jedoch noch etwa zwei- bis dreimal wöchentlich Panikattacken, manchmal auch mehrm als täglich. Ausserdem sei sie trau- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rig, mache sich Sorgen um ihre Gesundheit und habe das Gefühl, dass alle gegen sie seien. Sporadisch habe sie ein Wolfsknurren gehört; einmalig h abe sie einen Schatten gesehen, der sie von hinten angesprungen und ihr Angst eingejagt hab e. Es sei ein Dämon gewesen. Seit letzter Woche leide sie unter starken Kopfschmerzen und immer wieder Albträume, weshalb sie sich fürchte, schlafen zu gehen. Sie sei eines solchen Lebe ns überdrüssig. Zwischen ihr und ihrem Ehemann bestehe eine grosse Distanz, man lebe me hrheitlich parallel. Eigentlich sehe sie ihn bloss zweimal wöchentlich richtig, er sei kaum zuha use. Im Haushalt benötige sie Hilfe von der 12-jährigen Tochter, die Administration werde von ihrem Sohn übernommen. Aus- serhalb des Familienkreises habe sie seit ca. 2011 keine sozialen Kontakte mehr. Sie gehe ins- gesamt selten aus und sei lediglich in der Lage, mit Vorsicht kurze Strecken Auto zu fahren. Öffentliche Verkehrsmittel könne sie benutzen, es sei für sie jedoch sehr belastend. Aktuell hel- fe sie ihrem Schwager bei seinem Asylverfahren, sie habe i hn am vorherigen Tag zu einem Gespräch begleitet. In seinem Befund stellte Med. pract. E.____ zunächst fest, dass sich das Gespräch teilweise etwas schwierig gestaltet habe. Sie habe jedoch keine wesentlichen kogniti- ven Störungen gezeigt. Insbesondere sei sie in der Lag e gewesen, über die gesamte Untersu- chungsdauer Konzentration und Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Wesentliche schmerzbe- dingte Entlastungsbewegungen seien nicht beobachtet word en. Nach eigenen Angaben habe die Explorandin während der Untersuchung zweimal eine Panikattacke erlitten. Einmal habe sie dabei ein etwas demonstratives Verhalten gezeigt; das weitere Mal habe sie die Attacke erst im Nachhinein erwähnt. Anzeichen einer erhöhten Anspannu ng oder Erregung hätten sich dabei nicht gefunden. Es sei diesbezüglich von guten Kompensatio nsmöglichkeiten auszugehen, so- dass die Panikattacken die Funktionsfähigkeit kaum tangier en. Die Untersuchungen nach Ha- milton Depressionsskala und der Mini ICF App hätten erg eben, dass eine mittelschwere De- pression mit schweren bis mittelgradigen Beeinträchtigun gen der Durchhalte-, Selbstbehaup- tungs- und Gruppenfähigkeit sowie der Kontaktfähigkeit zu Dritten bestehe. Aufgrund des an- lässlich der Untersuchung festgestellten depressiven Affekte s, der erhöhten Erschöpfbarkeit, der Reduktion der Interessen, Insuffizienzgefühlen, Lebe nsüberdrussgedanken und Schlafstö- rungen sei auch klinisch von einem mittelgradig ausgep rägten depressiven Zustand auszuge- hen. Bei der beklagten Schmerzsymptomatik sei an eine som atoforme Schmerzstörung zu denken. Den vorhandenen Akten sei jedoch kein nachvollzie hbarer Ausschluss von somati- schen Befunden zu entnehmen. Eine Verbesserung der depre ssiven Beschwerden, jedoch auch der Panikattacken und möglicherweise der somatoformen Schmerzstörung, sei unter einer intensivierten psychopharmakologischen Behandlung sehr wahrscheinlich. 5.6.2 Betrachte man die Funktionsfähigkeit im Längsverla uf, falle zunächst auf, dass die Ex- plorandin insgesamt viele verschiedene und nur kurz währ ende Anstellungen gehabt habe, die teilweise durch längere Phasen der Arbeitslosigkeit unter brochen worden seien. Gleichwohl fänden sich bis auf die letzte Anstellung keine Hinweise für krankheitsbedingte längerfristige Einschränkungen der beruflichen Leistungsfähigkeit. Die Explorandin habe ferner auch ange- geben, dass es eigentlich nie zu erheblichen Konflikten o der Schwierigkeiten mit der Leistung gekommen sei, so dass die Unregelmässigkeiten in der Be rufsanamnese eher durch den Ein- fluss anderer Faktoren (Migration, Arbeitsmarkt, mangeln de Ausbildung, Kinderbetreuung, Wünsche des Ehemannes, Lebenskonzept) zu erklären wären. Bis gegen Ende des vierten Lebensjahrzehnts der Explorandin liessen sich ferner keine kl aren Hinweise für eine krank- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitsbedingt reduzierte soziale Leistungsfähigkeit fests tellen. Im Zeitpunkt der Untersuchung finde sich ein mittelgradig ausgeprägter psychopatholog ischer Befund. Schwere Schmerzen, eine ausgeprägte Müdigkeit oder Antriebsschwäche, ein e schwere, akute Suizidalität, schwere Störungen des formalen Denkens, der Interaktion oder der Realitätswahrnehmung oder schwe- re kognitive Störungen hätten sich jedoch nicht feststelle n lassen. Die Explorandin sei es mög- lich gewesen, pünktlich zum Termin zu erscheinen und Kont akt mit dem Untersucher aufzu- nehmen. Sie sei in der Lage, ihren Tag zu strukturiere n. Sie könne einem Familienmitglied hel- fen, was zusammen mit einem in den Akten erwähnten Fam ilienfest auf eine gewisse Teilhabe am Familienleben hinweise. Die feststellbaren Einschränkungen würden nicht ganz mit dem von der Explorandin berichteten Aktivitätsniveau korrelieren, weshalb auch hier ein Einfluss invalidi- tätsfremder Faktoren (Unzufriedenheit mit dem bisheri gen Leben und mit der Partnerschaft, schlechte berufliche Perspektiven, anderer Wunschberuf, Per sönlichkeits- und motivationale Faktoren) anzunehmen sei. 5.6.3 Zum divergierenden Gutachten von Dr. D.____ vom 18. Dezember 2015 führte der Gutachter aus, dass aus methodischer Sicht gewisse Teile der Befundung problematisch seien. Mangels Testung der geltend gemachten komplexen Einschr änkungen entstehe der Eindruck, dass Aussagen der Explorandin übernommen oder interpret iert worden seien. Schwere Befun- de seien aus dem Gutachten nicht ersichtlich. Wenig beacht et und nicht diskutiert werde im Gutachten vom 18. Dezember 2015 die Funktionsfähigkeit im Querschnitt und Längsverlauf sowie die Frage, ob sich beobachtete Auffälligkeiten n icht auch durch krankheitsfremde oder situative Faktoren erklären liessen. Dementsprechend kön ne er die Diagnosen einer Persön- lichkeitsstörung und einer Persönlichkeitsveränderung nicht bestätigen. Wenig nachvollziehbar und nicht objektivierbar seien ferner die von Dr. D._ ___ beschriebenen Verhaltens- und Erle- bensweisen. Diese liessen sich zwar punktuell erahnen, sie sind jedoch mühelos durch die ent- sprechende Situation oder durch kulturelle Begebenheit en erklärbar. Abnorme, dauerhaft vor- handene und situativ unpassende Persönlichkeitsanteile sei en jedoch nicht vorhanden. Gene- rell entstehe der Eindruck, dass die Situation der Explo randin (Migrationshintergrund, mangeln- de Ausbildung, Verantwortung für ein Kind, lückenhaft er Lebenslauf, eher wenig sozialer Rück- halt, spezielle Stellung der Frau in der eigenen Kultur) zu wenig diskutiert worden sei. 5.6.4 Zusammenfassend hielt Med. pract. E.____ fest, da ss die Versicherte aktuell unter Schmerzen, einer affektiven Symptomatik und einer leicht en Angststörung leide. An krankheits- fremden Faktoren liessen sich im Zeitpunkt der Begutachtu ng vor allem der Arbeitsplatzverlust, die unsicheren beruflichen Perspektiven, die mangelnde anerkannte berufliche Ausbildung, der Migrationshintergrund, das karge und wenig tragfähige soziale Umfeld und die Migrationsbedin- gungen festzustellen. Der Spracherwerb trotz der berich teten schwierigen Migrationsbedingun- gen spreche für eine gewisse Anpassungs- und Lernfähigkeit. Als weitere Ressourcen seien die therapeutische Beziehung, die Berufsbildung im Z.____ und möglicherweise gewisse familiäre Kontakte zu nennen. Die Explorandin habe in der Unter suchung eher histrionisch und sehr klagsam gewirkt, eine gewisse Verzerrung der Angaben li esse sich nicht ganz ausschliessen. Wesentliche Inkonsistenzen oder klare Hinweise für eine deutliche Aggravation hätten sich aber nicht gefunden. Im Wesentlichen hätten der Befund, der Eindruck und die Angaben der Explo- randin konsistent gewirkt. Die Angaben der Explorandin über ihre Aktivität im Alltag und die von Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihr geltend gemachte Leistungsfähigkeit hätten jedoch nicht mit der objektiven Befundung korre- liert. Es sei ein gewisser sozialer Rückzug zu verzeichnen, eb enso ein Verlust von Interessen. Allgemein liessen sich krankheitsbedingte Defizite der Dur chhaltefähigkeit, der Strukturierungs- fähigkeit, der Anpassungsfähigkeit, der Entscheidungsfä higkeit, der Spontanaktivitäten, der Verkehrsfähigkeit und der Interaktion feststellen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Verkauf sei aufgrund dieser Limitierungen von einer 50%igen Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit auszugehen. In einer angepassten Tätigkeit in einem wo hlwollenden Klima mit der Möglichkeit, Pausen zu machen, mit gut strukturierten und klaren Aufg aben, mit geringen Anforderungen an die Flexibilität, Interaktionsfähigkeit und eigene p lanerische Fähigkeiten sowie an die Verkehrs- fähigkeit sei von einer Einschränkung von 40% auszugehen. Diese Beurteilung gelte mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit seit dem 14. März 2014. Vorübergehend seien selbstverständlich auch höhergradige Krankschreibungen nachvollziehbar. 5.7 In ihrem Verlaufsbericht vom 24. Januar 2017 stellt e die behandelnde Psychiaterin Dr. G.____ folgende Diagnosen: eine andauernde Persö nlichkeitsänderung nach Extrembelas- tung (ICD-10 F62.0), eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) , eine mittelgradige bis schwere depres- sive Episode (ICD-10 F32.2), eine anhaltende somatofo rme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) sowie eine sonstige somatoforme Störung (Zähneknirschen, I CD-10 F.45.8), Spannungskopf- schmerzen mit Verspannungen in den Schultern (ICD-10 F 44.2) sowie eine akzentuierte Per- sönlichkeit mit histrionischen Zügen (ICD-10 Z73.1). Di e Patientin sei weiterhin zu 100% ar- beitsunfähig. Der Gesundheitszustand verschlechtere sich. 5.8 Mit Stellungnahme vom 6. Februar 2017 erklärte d er RAD-Arzt Dr. I.____, dass das Gutachten von Med. pract. E.____ in allen Belangen nachvollziehbar sei und dass darauf abge- stellt werden könne. 5.9 Der Abklärungsdienst der IV-Stelle nahm am 3. Apri l 2017 eine Haushaltsabklärung vor. Mit Bericht vom 2. Mai 2017 hielt er in der Folge fest, dass die Versicherte im Gesundheits- fall weiterhin in einem 60%-Pensum arbeitstätig sein und sich im Umfang von 40% dem Haus- halt widmen würde. Unter der zumutbaren Mithilfe de s Ehemannes sei keine Einschränkung im Aufgabenbereich festzustellen. Im Rahmen des Vorbescheidve rfahrens bestätigte Med. pract. E.____ mit Schreiben vom 22. Juli 2018 diese Einschätz ung aus medizinischer Sicht. Die gut- achterlich festgestellten Einschränkungen ermöglichten be reits unter den Bedingungen des freien Arbeitsmarktes eine gewisse Leistungsfähigkeit. I m Haushalt, wo weniger Druck und mehr Möglichkeiten bestünden, Pausen zu machen, die Auf gaben zu strukturieren und nach Befinden frei einzuteilen, sei keine wesentlichen Einschränkungen anzunehmen. 6. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegner in bei der Beurteilung des Gesund- heitszustandes und der Arbeitsfähigkeit zu Recht auf das Gutachten von Med. pract. E.____ vom 4. Januar 2017 und nicht auf das zuvor bei Dr. D.___ _ eingeholte Gutachten vom 18. Dezember 2015 abgestellt hat. Die Beschwerdeführe rin bringt diesbezüglich vor, dass das Gutachten von Med. pract. E.____ bei im Wesentlichen gl eichlautenden Diagnosen zu einer – im Gegensatz zu Dr. D.____ sowie den behandelnden Ärzt innen und Ärzten – stark divergie- renden und zu positiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gelangt sei, ohne dies nachvollzieh- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht bar zu begründen. Die Beschwerdegegnerin entgegnet de mgegenüber, dass das Gutachten von Dr. D.____ nicht beweistauglich gewesen sei, weshalb darauf nicht habe abgestellt werden können. 6.1 Wie in Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Tatsächlich liegen mehrere solche Indizi en gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. D.____ vom 18. Dezember 2015 vor. Wie der RAD in seiner Stellungnahme vom 15. März 2016 zutreffend ausführt, weist das Gutacht en diverse Widersprüche zwischen den Angaben der Beschwerdeführerin, den erhobenen Be funden und den gezogenen Schluss- folgerungen auf. So führt Dr. D.____ beispielsweise au s, dass die Beschwerdeführerin psy- chisch nicht in der Lage sei, alleine ausser Haus zu gehen, was dem geschilderten Tagesablauf widerspricht. Ferner scheint aus den Angaben der Beschw erdeführerin eine gute, fürsorgliche Beziehung zwischen ihr und ihrer Tochter und ein guter Kontakt zu den Eltern und Geschwis- tern zu bestehen, weshalb die Schlussfolgerung der Gu tachterin, wonach sie kaum in der Lage sei, familiäre Beziehungen aufrecht zu erhalten, nicht verständlich ist. Insbesondere findet sich für diverse von der Gutachterin festgestellte Beeinträchtigungen kein Korrelat in den subjektiven Angaben oder im psychiatrischen Befund. Namentlich für da s unangepasste Verhalten gibt es im Rahmen der Anamnese keinerlei Anhaltspunkte. Die B eschwerdegegnerin führt zu Recht aus, dass in der Diagnosestellung die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin zu sehr gewichtet worden seien, ohne diese im Rahmen einer F remdbeurteilung oder Diskussion zu objektivieren. Letztlich erweist sich auch die methodische Kritik von Med. pract. E.____ in sei- nem Gutachten vom 4. Januar 2017 als berechtigt. Dr. D.____ scheint keine Abgrenzung krankheitsfremder Faktoren vorgenommen zu haben. Nach de m Ausgeführten hat die Be- schwerdegegnerin zu Recht nicht auf das Gutachten von Dr. D.____ abgestellt. 6.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 3. August 2018 vollumfänglich auf das psychiatrische Gutachten von M ed. pract. E.____ vom 4. Januar 2017 ab. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwe rdeführerin ab März 2014 eine Tä- tigkeit in einem wohlwollenden Klima mit der Möglichke it, Pausen zu machen, mit gut struktu- rierten und klaren Aufgaben, mit geringen Anforderungen an die Flexibilität, Interaktionsfähigkeit und eigene planerische Fähigkeiten sowie an die Verkehrsfähigkeit im Umfang von 60% zumut- bar sei. Das Gutachten vom 4. Januar 2017 weist weder fo rmale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hi ervor) – für die streitigen Belan- ge umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, be rücksichtigt die geklagten Beschwer- den, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinisch en Situation ein und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbesondere nimm t der Gutachter eine vertiefte Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit vor und führt nachvollziehbar aus, wie sich die einzelnen Einschrän- kungen auf eine Tätigkeit der Versicherten auswirken würd en. Das Gutachten erweist sich so- mit als beweistauglich, weshalb die Beschwerdegegnerin darauf abstellen durfte. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Daran vermögen auch die Vorbringen in der Beschwe rde nichts zu ändern. So kommt der Gutachter – entgegen der Auffassung der Beschwerde führerin – nicht zu denselben Diag- nosen wie Dr. D.____; vielmehr legt er ausführlich da r, weshalb die Diagnosen einer Persön- lichkeitsstörung und einer Persönlichkeitsänderung nicht zu stellen seien. Auch darüber hinaus setzt sich Med. pract. E.____ eingehend mit den abweiche nden medizinischen Einschätzungen auseinander und begründet seine Schlussfolgerungen schl üssig und nachvollziehbar. Was schliesslich die abweichende Zumutbarkeitsbeurteilung durc h Dr. G.____ betrifft, so erweist sich diese als zu wenig begründet, um das überzeugende Gutachten von Med. pract. E.____ zu entkräften. 6.4 Die Beschwerdeführerin bringt ausserdem vor, dass Me d. pract. E.____ zu Unrecht davon ausgeht, dass sie ohne Einschränkung im Haushalt tä tig sein könne, da Dr. D.____ fest- gestellt habe, dass sie ihre gesamte Restarbeitsfähigkeit im Haushalt einsetzen könne. Der Ab- klärungsbericht vom 2. Mai 2017 und der Gutachter gingen demgegenüber davon aus, dass sie ohne jegliche Einschränkung den Haushalt führen und gl eichzeitig im Umfang von 60% arbeits- tätig sein könne. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt, ist der Abklärungsbericht sei- ner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträch- tigungen zugeschnitten. Seine grundsätzliche Massgeblichkei t ist darum praxisgemäss einge- schränkt, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerde n leidet. Rechtsprechungs- gemäss bedarf es hier des Beizugs einer ärztlichen Fachp erson, die sich zu den einzelnen Po- sitionen der Haushaltsführung unter dem Gesichtswinkel d er Zumutbarkeit zu äussern hat (Ur- teil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008, 8C_671/200 7, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Zwar bildet die Abklärung vor Ort auch hier grundsätzlic h ein geeignetes Mittel zur Invaliditäts- bemessung im Aufgabenbereich. Den ärztlichen Stellungn ahmen ist in der Regel jedoch mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsa bklärung. Diese prinzipielle Gewich- tung hat ihren Grund darin, dass es für die Abklärungspe rson regelmässig nur beschränkt mög- lich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verb undenen Einschränkungen zu erkennen. Für die vorliegende Beurteilung der Einschränkungen im Haushalt ist nicht nur der Abklärungsbericht vom 2. Mai 2017 massgebend, sondern insb esondere auch die diesbezügli- che psychiatrische Stellungnahme vom 22. Juli 2018. Darin legt Med. pract. E.____ ausführlich dar, dass sich die einzelnen psychischen Einschränkungen nich t auf eine Haushaltstätigkeit auswirkten. Er begründet dies damit, dass in der Hausha ltstätigkeit weniger Druck und mehr Möglichkeiten bestünden, Pausen zu machen, die Aufgaben zu strukturieren und nach Befinden frei einzuteilen. Der von der Beschwerdeführerin besch riebene Tagesablauf bestätigt letztlich diese Beurteilung. Auch die Einschätzung der Leistungs fähigkeit im Haushaltsbereich ist somit schlüssig und nachvollziehbar. 6.5 Zusammenfassend ist nach dem Ausgeführten auf die b eweiskräftige Einschätzung von Med. pract. E.____ abzustellen. Es ist demzufolge da von auszugehen, dass die Beschwer- deführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 60% arbei tsfähig ist und im Haushalt unter keinen Einschränkungen leidet. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Wie in Erwägung 3.4 hiervor ausgeführt, ist die Ber echnung des Invaliditätsgrades in Bezug auf die Erwerbstätigkeit bei Teilerwerbstätigen , die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, nach Art. 16 ATSG v orzunehmen, wobei das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbst ätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstäti gkeit hochgerechnet wird. Die Beschwer- deführerin beanstandet, dass ihr beim Invalideneinkomme n kein leidensbedingter Abzug ge- währt wurde. Im Übrigen werden Validen- und Invalide neinkommen und die Berechnung des Invaliditätsgrades zu Recht nicht bestritten. 7.1 Praxisgemäss kann von dem anhand der Tabellenlöhne d er Schweizerischen Lohn- strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) ermi ttelten Invalideneinkommen unter bestimmten Voraussetzungen ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsf ähigkeit auch auf einem ausgegliche- nen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerbl ichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automa tisch erfolgen und darf 25% nicht überstei- gen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa- cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrol- lierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stell e der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er- messen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen . Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich die richter liche Behörde demnach auf Gegeben- heiten abstützen können, die eine abweichende Ermessens ausübung als näher liegend er- scheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil d es Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 7.2 Solche Gegebenheiten sind vorliegend nicht ohne we iteres ersichtlich und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht wirklich vorgebracht. Die Beschwerdegegnerin bringt zutref- fend vor, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen be reits im reduzierten Pensum berück- sichtigt seien. Da die weiteren Merkmale Lebensalter, D ienstjahre, Nationalität oder Aufent- haltskategorie sowie Beschäftigungsgrad im vorliegenden Fall gleichsam keine massgebende Auswirkung auf die Lohnhöhe im veranschlagten Kompetenz niveau 1 der Tabelle TA1, Privater Sektor Total, haben, ist der Entscheid der IV-Stelle, keinen leidensbedingten Abzug vorzuneh- men, nicht zu beanstanden. 7.3 Nach der am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Be stimmung zur gemischten Methode ergibt sich nach dem Ausgeführten folgender Invalidit ätsgrad: Bei einem auf ein 100%-Pensum hochgerechneten Valideneinkommen von Fr. 56‘733.– und einem Invalideneinkommen von 27‘572.– resultiert eine Erwerbseinbusse von 51.4%. Wi rd dieser Wert an das von der Be- schwerdeführerin angegebene Pensum von 60% angepasst, ergibt sich – ohne zusätzliche Ein- schränkung im Haushaltsbereich – ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30.8%. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Selbst ein – im Quervergleich zu anderen, gleichgelag erten Fällen – maximal in Frage kom- mender leidensbedingter Abzug von 15% würde somit ledi glich zu einem Invaliditätsgrad von 35.2% führen. 8. Nach dem Ausgeführten ist festzustellen, dass die Beschw erdeführerin bei einem er- mittelten Invaliditätsgrad von 31% keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 800. – festgesetzt werden, ihr zu aufer- legen sind. Der Beschwerdeführerin ist jedoch mit Verfü gung vom 12. November 2018 die un- entgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus die sem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Gemäss dem Ausgang des Verfahrens wird keine Parteien tschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 1 VPO). Zufolge Bewilligung der unentgelt lichen Verbeiständung wird dem Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der g eltend gemachten Höhe von Fr. 2‘788.80 (inklusive Auslagen von Fr. 193.40 und 7,7% Mehrwertsteuer) entsprechend dem in der Hon o- rarnote vom 29. November 2018 ausgewiesenen Aufwand (11.98 Stunden à Fr. 200. –) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2‘788.80 (inklusive Auslagen und 7,7% Mehrwertsteue r) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin am 27. Mai 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahrensnummer 9C_356/2019 ). http://www.bl.ch/kantonsgericht