B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4403/2013 U r t e i l v o m 9 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), alias A._______, geboren 23. Juli 1968, alias A._______, geb. 23. Juli 1988, Australien, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Flughafen- und Dublinverfahren); Verfügung des BFM vom 2. August 2013 / N . D-4403/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht, in Anwendung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31), der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311), des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsve r- fahren (VwVG, SR 172.021), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs - gericht (VGG, SR 173.32), des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110), des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen - rechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK, SR 0.101), des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht - linge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Krite - rien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Pr ü- fung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asyla n- trags (Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]), D-4403/2013 Seite 3 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied - staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in e i- nem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO), der Verordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin-II-VO (DVO Dublin), des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), stellt fest, dass die Beschwerdeführerin am 21. Juli 2013 im Flughafen M._______ ein Asylgesuch einreichte und am 22. Juli 2013 summarisch befragt wu r- de, wobei ihr das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit der Niederlande, Deutschlands und Irlands für die Durchführung des Asyl - und Wegwe i- sungsverfahrens gemäss Dublin -II-VO, zum Nichteintretensentscheid gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst d AsylG sowie zur Wegweisung nach den Ni e- derlanden, Deutschland und Irland gewährt wurde, dass das BFM am 25. Juli 2013 die niederländischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Dublin -II- VO ersuchte, und die niederländischen Behörden dieses Gesuch am 30. Juli 2013 guthiessen, dass das BFM mit Verfügung v om 2. August 2013 – eröffnet am folge n- den Tag – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylg e- such der Beschwerdeführerin vom 21. Juli 2013 nicht eintrat, die B e- schwerdeführerin aus dem Transitbereich des Flughafens M._______ in die Niederlande wegwies, die Beschwerdeführerin – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufforderte, den Transitbereich des Flughafens spätestens einen Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verla s- sen, feststellte, der Kanton M._______ sei verpflichtet, die Wegweisungs- verfügung zu vollziehen, und eine allfällige Beschwerde gegen die vorlie- gende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, D-4403/2013 Seite 4 dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin ferner die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, dass für die Begründung der Verfügung auf die Akten zu verweisen ist, dass die Beschwerdeführerin mit englischsprachiger Eingabe vom 5. August 2013 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und sinngemäss die nachfolgend aufgefü hrten Anträ- ge stellte: die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingse i- genschaft festzustellen und ihr sei Asyl zu gewähren. Es sei die Unzulä s- sigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Au fnahme anzuordnen. Die Beschwerde- schrift sei von Amtes wegen in eine Amtssprache der Schweiz zu übe r- setzen. Es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege unter Beigabe eines Anwalts zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Sämtliche Kosten aus dem Beschwerdeverfahren seien der Vorinstanz aufzuerlegen, dass für den Inhalt der Beschwerde auf die Akten zu verweisen und, s o- weit entscheidwesentlich, nachfolgend darauf einzugehen ist, dass die vorinstanzlichen Akten am 6. August 2013 beim Bundesverwal- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung mit Verfügung vom 6. August 2013 (Telefax) vorsorglich aussetzte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf de m Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entsche i- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass eine solche Ausnahme in casu nicht vorliegt, weshalb das Bunde s- verwaltungsgericht endgültig entscheidet, D-4403/2013 Seite 5 dass die Beschwerdeführe rin durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie- hungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde le- gitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass das Bundesverwaltungsgericht die Eingabe vom 5. August 2013 als rechtsgenügliche Beschwerde entgegen genommen hat, und es ausser Betracht fällt, diese von Amtes wegen in eine Amtssprache übersetzen zu lassen, dass auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde – unter Vor- behalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten ist (A rt. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), dass auf die Anträge auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, der G e- währung von Asyl und Anordnung der vorläufigen Aufnahme nicht einz u- treten ist, da es sich vorliegend um ei n Überstellungsverfahren in den zu- ständigen Dublin-Mitgliedstaat handelt, dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren einzig zu prüfen ist, ob das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Be- schwerdeführerin zu Recht nicht eingetrete n ist und infolgedessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat, dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensen t- scheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prü- fung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu ne u- er Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelricht erlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur su mmarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, D-4403/2013 Seite 6 dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen k önnen, welcher für die Durchfü h- rung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 DAA i.V.m. Art. 29a Abs. 1 AsylV 1 die Prüfung der staatsvertraglichen Zustän- digkeit zur Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der Du b- lin-II-VO vorzunehmen ist, dass die Beschwerdeführerin geltend machte, die niederländischen B e- hörden hätten ihr eine Aufenthaltsbewilligung, gültig bis im Jahre 201 6, erteilt, dass die niederländischen Behörden am 30. Juli 2013 einer Übernahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Dublin-II-VO zustimm- ten (A15/1), dass das BFM bei dieser Sachlage zu Recht von der Zuständigkeit der Niederlande für die Durchführung des Asylverfahrens ausging (vgl. Art. 5 Dublin-II-Verordnung i.V.m. Art. 9 Abs. 1 Dublin-II-Verordnung), dass in der Rechtsmitteleingabe sinngemäss ausgeführt wird, in den Nie- derlanden komme die Beschwerdeführerin nicht in den Genuss der Men- schenrechte, des Weiteren sei sie dort bereits Opfer eines Mordversuchs geworden und ihre geschäftlichen Aktivitäten würden sabotiert, dass diese Vorbringen in der Beschwerde indessen nicht zu einer verä n- derten Betrachtungsweise zu führen vermögen, dass aufgrund der Ausstellung eines Aufenthalttitels durch die Niederlan- de zwingend die Normen des Dublin -Abkommens zur Anwendung ko m- men, dass die oben genannten Einwände an der Zuständigkeit der Niederlande für die Durchführung des Asylverfahrens nichts ä ndern und auch keinen Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung, Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) begründen, dass es sich bei den Niederlanden nach wie vor um ein Land mit ausge- bautem Sozial- und Rechtsstaat handelt, in dem die Beschwerdeführerin D-4403/2013 Seite 7 einen (mindestens) gleichwertigen Schutz zu erwarten ha t wie in der Schweiz, dass auch sonst keine Gründe zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-Verordnung) ersichtlich sind, zumal die Niederlande Signatarstaat der Flüchtlingskonvention, der EMRK und der FoK sind, und sich aus den Akten keine konkreten Hinweise ergeben, wonach die Niederlande sich nicht an die daraus resultierenden massg e- benden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesonde re an das Rüc k- schiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten wü r- den, dass das BFM angesichts der gesamten Umstände zu Recht in Anwe n- dung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kan- ton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmu n- gen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass im Rahmen des Dublin -Verfahrens, bei dem es sich um ein Übe r- stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuchs zuständigen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 AuG, dass eine entsprechende Prüfung soweit notwendig vielmehr bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss, dass in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung in die Niederlande zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat, dass es der Beschwerdeführerin somit nicht gelungen ist darzutun, inwie- fern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserhebli- chen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangeme s- sen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist, D-4403/2013 Seite 8 dass mit dem Urteil in der Hauptsache das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden ist und der vorsorgliche Vollzugsstopp dahinfällt, dass aufgrund der Aussichtslosigkeit der Beschwerde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600. – (Art. 1 - 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-4403/2013 Seite 9 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: