2000 1 Art. 352 Abs. 3 StPO. Kostenübernahme durch den Sta at im Privat- strafklageverfahren (Entscheid des Obergerichts Nr. 51/1999/31 vom 9. Juni 2000 i.S. W.). Wenn im Anfangsstadium eines Privatstrafklageverfah rens eine ein- vernehmliche Lösung mit Klagerückzug gefunden wird, kann auf die Er- hebung von Kosten für die Einstellung des Verfahrens verzichtet werden. Aus den Erwägungen: 4.– a) Die beiden dieser Beschwerde zugrunde liegenden P rivatstrafkla- geverfahren wurden von der Vorinstanz zufolge Rückz ugs der Strafanträge eingestellt. Dies führt grundsätzlich dazu, dass di e Verfahrenskosten den Pri- vatstrafklägerinnen aufzuerlegen sind (Art. 352 Abs . 2 der Strafprozessord- nung für den Kanton Schaffhausen vom 15. Dezember 1 986 [StPO, SHR 320.100]). Eine andere Verteilung der Kosten gemäss dieser Bestimmung steht nicht in Frage, weil diese sich mit einer allfälligen Auferlegung der Kos- ten an den Angeklagten befasst. Hingegen wird von d er Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin 3 geltend gemacht, es liege ein Anwendungsfall von Art. 352 Abs. 3 StPO vor, und die Verfahrenskosten seien daher auf die Staatskasse zu nehmen. b) Im angefochtenen Entscheid wird die Anwendung von Art. 352 Abs. 3 StPO nicht begründet. Im Rahmen des Vernehmlassun gsverfahrens wird von der Vorinstanz ausgeführt, dass in Bezug auf di e Kostenregelung dem Antrag der Verteidigung stattgegeben und die Kosten auf die Staatskasse ge- nommen worden seien, weil eine Kostenfolge für die Privatstrafklägerinnen die Situation höchstwahrscheinlich erneut angeheizt hätte. Ziel der Verhand- lung vom 16. November 1999 sei die Befriedung der S ituation gewesen mit der Folge, dass eine künftige Beanspruchung der Beh örden mit weiteren Kos- tenfolgen für den Staat vermieden werden könne. ... c) Art. 352 Abs. 3 StPO konkretisiert nicht weiter, in welchen Ausnah- mefällen die Verfahrenskosten des Privatstrafklagev erfahrens auf die Staats- kasse genommen werden können. Das Obergericht hatte sich, soweit ersicht- lich, bisher in zwei Fällen mit der Frage zu befass en, wann ein Anwendungs- fall von Art. 352 Abs. 3 StPO vorliegt. In einem En tscheid aus dem Jahre 1991 hat es die Kosten des erstinstanzlichen Privat strafklageverfahrens auf die Staatskasse genommen und jene des Berufungsverf ahrens dem Appellan- 2000 2 ten und Privatstrafkläger auferlegt mit der Begründung, an der Einstellung des Verfahrens zufolge Eintritts der absoluten Strafver folgungsverjährung trage der vorinstanzliche Richter im erstinstanzlichen un d der Appellant im Beru- fungsverfahren die Verantwortung (OGE vom 25. Janua r 1991 i.S. W., E. 7, S. 21 ff.). Ein Jahr später erwog es in einem Entsc heid, vom Unterliegerprin- zip könne nur in Ausnahmefällen abgewichen werden. Anlass dazu möge et- wa sein, dass die zuständigen Gerichtsbehörden den Grund für die Einstellung des Verfahrens wesentlich mitverursacht (z.B. bei e iner Einstellung zufolge Verjährung) oder das Verfahren unnötig ausgedehnt h ätten (OGE vom 10. Juli 1992 i.S. M., E. 2b, S. 8). d) Mit der Möglichkeit, auch andere als Ehrverletzun gsdelikte in das Privatstrafklageverfahren zu verweisen, hat der Ges etzgeber mit der am 1. September 1988 in Kraft getretenen Totalrevision der Strafprozessordnung sein Interesse an der Verfolgung gewisser Tatbestän de aufgegeben. Voraus- setzung für die Verweisung ist ein Fehlen eines öff entlichen Interesses an Abklärung und Beurteilung einer Tat und eine mutmas sliche Obergrenze der zu erwartenden Strafe von 3 Monaten Gefängnis (Art. 295 Abs. 2 StPO). Die Praxis zu Art. 295 Abs. 2 StPO hat bisher gezeigt, dass vor allem Nachbar- schaftsstreitigkeiten und solche innerhalb der Fami lie in das Privatstrafklage- verfahren verwiesen werden. Die Verweisung erforder t die Zustimmung der Anklagebehörde (Art. 296 StPO). Weil bei diesen Ant ragsdelikten das private Interesse des Verletzten im Vordergrund steht, das sich in Wiedergutmachung des Schadens äussert, soll ein in erster Linie auf Ausgleich zwischen den Par- teien ausgerichtetes Verfahren stattfinden (Robert Hauser , Die Schaffhauser Strafprozessordnung vom 15. Dezember 1986, ZStrR 10 7, 1990, S. 234). Das Privatstrafklageverfahren trägt denn auch Züge eine s Schlichtungsverfahrens zwischen Täter und Opfer mit der Folge, dass hinsic htlich Verfahrenskosten grundsätzlich der Privatstrafkläger an die Stelle des Staates tritt und an dessen Stelle das Kostenrisiko bei Verfahrenseinstellung o der Freispruch zu tragen hat, sofern die Kostentragung im Rahmen eines allfä lligen Vergleichs nicht anders geregelt werden kann. Damit kann gesagt werd en, dass eine Kosten- tragung des Staates im Privatstrafklageverfahren gr undsätzlich nur dann in Frage kommen kann, wenn durch staatliches Handeln o der Unterlassen Kos- ten entstanden sind (vgl. auch die eben erwähnte Pr axis des Obergerichts und Hauser/Schweri , Schweizerisches Strafprozessrecht, 4. A., Basel/G enf/ Mün- chen 1999, § 88 N. 24, S. 381, mit explizitem Hinwe is auf die Schaffhauser Strafprozessordnung). Soweit entspricht diese Regel ung auch der Praxis in anderen Kantonen (Donatsch/Schmid , Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, 3. Lieferung, Zürich 1999, § 29 3 N. 1 und 14, sowie Ir- ma Baumann , Der gewöhnliche Ehrverletzungsprozess gemäss Stra fprozess- 2000 3 ordnung des Kantons Zürich, Zürich 1988, S. 249, Benno Weber , Das Privat- strafverfahren nach aargauischem Recht, Diss. Züric h 1987, S. 161 ff., Nik- laus Schmid, Strafprozessrecht, 3. A., Zürich 1997, N. 875, S. 274; vgl. auch § 202 f. der Strafprozessordnung [für den Kanton Ba sel-Stadt] vom 15. Okto- ber 1931 und § 198 des Gesetzes betreffend die Stra fprozessordnung [des Kantons Basel-Land] vom 30. Oktober 1942). Ob Art. 352 Abs. 3 StPO aber darüber hinaus die Mö glichkeit eröffnet, die Verfahrenskosten auch dann auf die Staatskasse zu nehmen, wenn solche Kosten nicht durch staatliches Handeln oder Unterlassen, sondern allein durch Parteihandlungen entstanden sind, hatte das Oberger icht bisher nicht zu ent- scheiden. e) Im Gegensatz zu den eben zitierten Rechtsordnunge n enthält die Schaffhauser Strafprozessordnung in Art. 352 Abs. 3 StPO eine explizite Be- stimmung, wonach die Verfahrenskosten ausnahmsweise vom Staat getragen werden können, und Abs. 1 der genannten Bestimmung legt fest, dass die Kosten des Privatstrafklageverfahrens "in der Regel " von den Parteien zu tra- gen sind. Anders als im Zivilprozess (Art. 256 Abs. 3 der Zivilprozessord- nung für den Kanton Schaffhausen vom 3. September 1 951 [ZPO, SHR 273.100]) besteht im Strafprozess eine Beschränkung der Kostentragung durch den Staat für den Fall von dessen Verantwortu ng für entstandene Kos- ten demnach nicht. In Betracht zu ziehen ist auch, dass es grundsätzlich als zulässig erachtet wird, im Rahmen einer Vergleichs- oder Vermittlungslösung auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten, dies jedenfalls solange, als dem Gericht noch kein grosser Aufwand, beispiel sweise durch ein Be- weisverfahren, entstanden ist. Im Unterschied etwa zur Regelung im Kanton Zürich gehen die Möglichkeiten zur Verweisung eines Strafverfahrens ins Privatstrafklageverfahren im Kanton Schaffhausen au ch bedeutend weiter mit der Folge, dass der Geschädigte bei der Beurteilung von sogenannten Baga- telldelikten in weitgehendem Masse auf sich allein gestellt ist. Wenn in sol- chen Fällen durch die Vermittlung des Einzelrichter s bereits im Anfangssta- dium eines Verfahrens eine einvernehmliche Lösung g efunden werden kann und im Gegenzug auf die Erhebung von Staatsgebühren verzichtet wird, er- scheint das durchaus sinnvoll und auch im öffentlic hen Interesse stehend. Zu entscheiden ist jedoch immer anhand des konkreten E inzelfalles und dessen Umständen. f) Vorliegend konnten zwei Privatstrafklageverfahren durch Klagerück- zug erledigt werden, nachdem der Einzelrichter den Parteien die Prozessaus- sichten und eine spezielle Kostenregelung in Aussic ht gestellt hatte. Den No- tizen ist zu entnehmen, dass die Parteien nach Erma hnung durch den Einzel- 2000 4 richter, Konfrontationen künftig zu vermeiden und s ich, soweit möglich, aus dem Weg zu gehen, mit der Erledigung der Verfahren ohne materiellen Ent- scheid einverstanden waren. Damit aber kann gesagt werden, dass eine Be- friedung der Parteien in einem frühen Verfahrenssta dium erreicht werden konnte, was nach dem oben Gesagten eine Kostenregel ung nach Art. 352 Abs. 3 StPO zu rechtfertigen vermag.