Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Juni 2020 (725 19 297 / 119) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Anspruch auf Leistungen gemäss des per 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Art. 18 UVV: Auslegung der Übergangsbestimmung zur UVG-Teilrevision vom 25. September 2015 (Art. 118 UVG); kein Anspruch auf eine bedarfsdeckende Entschädigung des effektiv an- gefallenen Pflegeaufwandes; für die Beurteilung der Frage, ob Pflege- bzw. Hilfeleistun- gen von der Hilflosenentschädigung im Sinne von Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV abgegolten sind, bedarf es einer Erfassung des gesamten Zeitbedarfs; Stundenansatz für Leistungen für nicht zugelassene Leistungserbringer Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Michael Bütikofer , Rechtsanwalt, Zentralstrasse 47, Postfach 93, 2501 Biel/Bienne gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Advokatur am Bahnhof GmbH, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1982 geborene A.____ war durch seine Arbeitgeb erin, die B.____ GmbH, bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 26. Dezember 2016 zog sich der Versicherte be i einem Autounfall schwere Ver- letzungen zu. Aufgrund einer sensomotorisch kompletten Tetraplegie besteht eine andauernde Pflegebedürftigkeit. Am 8. Mai 2018 erliess die Suva eine Verfügung, mit welcher sie dem Versi- cherten mit Wirkung ab 1. April 2018 eine Rente bei e iner Erwerbsunfähigkeit von 100 % und eine Integritätsentschädigung für einen vollständigen Integritätsverlust zusprach. Gleichzeitig be- jahte sie einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit schweren Grades mit Wirkung ab 1. Mai 2018. Weiter sprach sie ihm gestützt auf Art. 18 Abs. 1 und 2 lit. a und b der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. D ezember 1982 Pflegebeiträge in der Gesamthöhe von Fr. 7'847.-- monatlich zu. Diese Leistun gsansprüche bestätigte sie mit Ent- scheid vom 22. Juli 2019. B. C. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Re chtanwalt Michael Bütikofer, am 10. September 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte; "1. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 22. Juli 2 019 sowie die Verfügung vom 8. Mai 2018 der Be- schwerdegegnerin seien insoweit aufzuheben, als damit dem Beschwerdeführer für die ambulante Pflege zu Hause pro Monat keinen Fr. 7'847.-- übersteigenden Pflegebeitrag zugesprochen wird. 2. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, den Bedarf de s Beschwerdeführers an medizinischer sowie nicht- medizinischer Pflege zu Hause vollständig, d.h. auch in Bezug auf den Bedarf des Beschwerdeführers nach Grund- pflege, zu erheben und gestützt darauf die dem Beschwerdeführer monatlich zustehenden Pflegebeiträge rückwirkend seit wann rechtens auszurichten, wobei a. von einer auch bloss teilweisen Anrechnung der Hilflo senentschädigung abzusehen und b. die von nichtzugelassenen Personen erbrachten Pflegele istungen (Angehörigenpflege) rückwirkend seit wann rechtens mit einem um die Teuerung seit dem Jahr 2 000 bereinigten Stundenansatz von jeweils Fr. 35.-- zu vergüten sei. 3. Eventualiter: Der Einspracheentscheid vom 22. Juli 201 9 sowie die Verfügung vom 8. Mai 2018 der Be- schwerdegegnerin seien insoweit aufzuheben, als damit dem Beschwerdeführer für die ambulante Pflege zu Hause pro Monat keinen Fr. 7'847.-- übersteigenden Pflegebeitrag zugesprochen wird und es sei die Sache zur Vornah me weiterer Abklärungen im Sinne der Beschwerderügen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen verbunden mit der Anordnung, eine neue Verfügung zu erlassen." D. Die Suva, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Mü nch, schloss mit Vernehmlas- sung vom 12. November 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Replik vom 16. Dezember 2019 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter die Pflegebedarfserhebung der C.____ AG vom 28. Oktober 2019 einreichen. Daraus gehe her- vor, dass der effektiv anfallende Bedarf an medizinischer Pflege und nichtmedizinischer Hilfe im Sinne von Art. 18 UVV weit über dem liege, welcher die Suva zu vergüten bereit sei. E. Die Suva hielt in ihrer Duplik vom 18. Februar 20 20 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde und an ihrer Begründung fest. F. Die Parteien nahmen in ihren Eingaben vom 18. Mä rz 2020 und 25. März 2020 weiterhin ihre bisherigen Standpunkte ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des G esetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versiche- rungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einspracheent- scheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist damit auch sachlich zur Behand- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.1 Vorab zu klären ist, was Streitgegenstand der Beschw erde bildet. Im verwaltungsgericht- lichen Beschwerdeverfahren sind nur jene Rechtsverhältniss e zu beurteilen, zu denen die zu- ständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt vorliegend der vorinstanzliche Einspracheentscheid den besch werdeweise weiterziehbaren An- fechtungsgegenstand. Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist mit anderen Worten nur jenes Rechtsverhältnis, das Gegenstand des hier angefochtenen Ein- spracheentscheides der Suva bildet, und zwar in dem Ausm ass, als die Regelung des Rechts- verhältnisses nach den Parteianträgen im rubrizierten Beschwerdeverfahren weiterhin streitig ist (vgl. F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983 , S. 46; BGE 125 V 414 E. 1b). 2.2 Mit Verfügung vom 8. Mai 2018 sprach die Suva dem Versicherten eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 %, eine Integritätsentschädigung bei einer Einbusse von 100 % und Pflegebeiträge im Sinne von Art. 18 Abs. 1 sowie Abs. 2 lit. a und lit. b UVV in Verbindung mit Art. 10 Abs. 3 UVG zu. Diese Ansprüche wurden mit Entscheid vom 22. Juli 2019 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestätigt. Die vom Versicherten hiergegen erhobene, vorl iegend zur Beurteilung stehende Be- schwerde richtet sich ausschliesslich gegen seine Leistungsansprüche gemäss Art. 18 UVV. So- mit ist der Einspracheentscheid vom 22. Juli 2019 bezüg lich der darin festgesetzten Invaliden- rente, Integritätsentschädigung und Hilflosenentschädigu ng mangels Anfechtung in (Teil- )Rechtskraft erwachsen. 2.3.1 Im Rahmen von Art. 18 UVV ist die Suva der Ansi cht, dass von den drei in Art. 18 UVV aufgeführten Leistungsansprüchen lediglich Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV im Streit stehe. 2.3.2 Gemäss Art. 18 Abs. 1 UVV in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung hat eine ver- sicherte Person Anspruch auf ärztlich angeordnete medizin ische Pflege zu Hause, sofern diese durch eine nach den Art. 49 und 51 der Verordnung üb er die Krankenversicherung (KVV) vom 27. Juni 1995 zugelassene Person oder Organisation durchge führt wird. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung leistet der Versicherer einen Beitrag an ärztlich angeordnete medizinische Pflege zu Hause durch eine nichtzugelassene Person, sofern diese Pflege fachgerecht ausgeführt wird (lit. a) und an nichtmedizinische Hilfe zu Hause, soweit diese nicht durch die Hilflosenentschädigung nach Art. 26 UVG abgegolten ist (lit. b). Diese Verordnungsbestimmung umfasst somit die Haus- pflege. Sie unterscheidet zwischen der medizinischen Pflege (Art. 18 Abs. 1 UVV und Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV) und der nichtmedizinischen Hilfe (Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV). Die medizinische Pflege umfasst die Heilanwendungen mit therapeutischer Zielrichtung (Art. 18 Abs. 1 UVV) und die me- dizinische Pflege (Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV), der zwar das therapeutische (heilende) Agens fehlt, aber für die Aufrechterhaltung des Gesundheitszustandes unerlässlich ist (sog. akzessorische Grundpflege) oder vor einer wesentlichen Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes bewahrt (sog. Präventionspflege; vgl. H ARDY LANDOLT , Ist die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Grundpflege konsistent? [bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Grundpflege], in: Sozialversi- cherungsrechtstagung 2019, Zürich/St. Gallen 2020, S. 36). Unter den Begriff der medizinischen Pflege fallen medizinische Vorkehren im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. d UVG (vgl. HARDY LANDOLT, Unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung nach Inkrafttreten der Teilrevision, in: Pflege in Politik, Wissenschaft und Ökonomie [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung], Lan- dolt et al. [Hrsg.], Zürich 2017, S. 133 f.). Medizinische Vorkehren bedürfen nicht einer ärztlichen Anordnung. Es genügt, wenn sie nach der Aktenlage med izinisch indiziert sind (Urteil des Bun- desgerichts vom 17. Dezember 2018, 9C_200/2018, E. 3.3. 1). In der Rechtsprechung werden sämtliche grundpflegerische Massnahmen zur akzessorischen Grundpflege gezählt, wenn sie im konkreten Einzelfall für die Durchführung der Behandlungspflege notwendig sind (Urteil des Bun- desgerichts vom 16. September 2011, 8C_191/2011, E. 5. 3). So stellt z.B. die Körperreinigung (Grundpflege), welche nach der Darmentleerung (Behand lungspflege) erforderlich ist, eine ak- zessorische Grundpflege dar (vgl. LANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschä- digung], S. 130). 2.3.3 Der Begriff der Grundpflege umfasst demgegenüb er einerseits die bereits erwähnte ak- zessorische Grundpflege (Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV) und andererseits die übrige Grundpflege, welche lediglich die weggefallene Selbstversorgungsfähigkeit oder krankheitsbedingt notwendige Hilfeleistungen beinhaltet (Urteil des Bundesgerichts v om 17. Dezember 2018, 9C_200/2018, E. 3.2.1; LANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigu ng], S. 133). Soweit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grundpflegeleistungen nichtakzessorischer Natur sind, sind sie als nichtmedizinische Pflegeleis- tungen im Sinne von Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV zu qual ifizieren (vgl. LANDOLT , a.a.O. [bundesge- richtliche Rechtsprechung zur Grundpflege], S. 47). 2.3.4 Weiter ist zu erwähnen, dass die unfall- und die krankenversicherungsrechtliche Qualifi- zierung der Grundpflegeleistungen im Sinne von Art. 7 Abs. 2 lit. c der Verordnung über Leistun- gen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (KLV) vom 29. September 1995 sich nicht decken (vgl. LANDOLT , a.a.O. [bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Grundpflege], S. 35). Als Beispiel ist etwa die Dekubitusprophylaxe zu nennen, die krankenversicherungsrechtlich Grund- pflege darstellt (vgl. Art. 7 Abs. 2 lit. c Ziff. 1 KLV), unfallversicherungsrechtlich aber als akzesso- rische Grundpflege im Sinne von Art. 21 Abs. 1 lit. d UVG zu qualifizieren und nach Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV zu entschädigen ist (vgl. L ANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeent- schädigung], S. 134). Ob eine pflegerischer Massnahme de r akzessorischen Grundpflege, der Präventionspflege oder der übrigen Grundpflege zuzuord nen ist, ist jeweils unter Berücksichti- gung der konkreten Umstände zu prüfen. Der alleinige Hi nweis, die Massnahme stelle Grund- pflege gemäss Art. 7 Abs. 2 lit. c KLV dar, genügt – en tgegen der Ansicht der Suva – jedenfalls nicht. 2.4 Gemäss Art. 18 Abs. 1 UVV besteht eine vollumfängl iche Vergütungspflicht des Unfall- versicherers, wenn die ärztlich angeordneten Pflegeleistu ngen durch einen zugelassenen Leis- tungserbringer erbracht werden. Eine blosse Beitragspflicht statuiert demgegenüber Art. 18 Abs. 2 UVV für ärztlich angeordnete Pflegeleistungen, welc he durch einen nichtzugelassenen Leis- tungserbringer fachgerecht ausgeführt werden (lit. a ) und für nichtmedizinische Hilfe (lit. b; vgl. dazu LANDOLT , a.a.O. [bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Grundpflege] S. 33 und LANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung], S. 133 f.). 2.5 In Bezug auf den Streitgegenstand ist festzustelle n, dass die Begründung in den Ein- sprachen vom 5. Juli 2018 und 15. Mai 2019 sich hauptsächlich auf den Umfang und die Vergü- tung der nichtmedizinischen Hilfe bezieht sowie auf die Frage, inwieweit die entsprechende Ent- schädigung durch die Hilflosenentschädigung abgedeckt ist. Es wird aber – insbesondere mit ergänzender Einsprachebegründung vom 15. Mai 2019 und später auch in der Beschwerde vom 10. September 2019 – deutlich gemacht, dass die zugespr ochenen Beiträge den effektiven Be- darf an medizinischer und nichtmedizinischer Pflege sowohl in quantitativer als auch in qualitati- ver Hinsicht nicht abzudecken vermögen. In diesem Sinne wird auch beantragt, der "Bedarf von Herrn A.____ an medizinischer Pflege sowie nichtmedizinischer Pflege zu Hause sei vollständig, d.h. auch in Bezug auf seinen gesamthaft anfallenden B edarf nach Grundpflege" zu erheben. Aufgrund dieser Vorbringen greift die Auffassung der Suva, wonach einzig der Grundpflegebedarf gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV Streitgegenstand der vorliegenden Beschwerde bilde, zu kurz. Materiell zu prüfen ist somit die Höhe des Anspruchs des Versicherten auf sämtliche in Art. 18 UVV aufgeführten Leistungen. 3.1 Vor der materiellen Beurteilung der Leistungsans prüche des Versicherten stellen sich übergangsrechtliche Fragen. Dabei ist festzustellen, dass de r erste Absatz des seit 1. Januar 2017 in Kraft stehenden Art. 18 UVV nicht substantiel l von demjenigen in der bis 31. Dezember Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2016 gültig gewesenen Fassung abweicht. Demgegenüber hat der zweite Absatz des neuen Art. 18 UVV mehrere Veränderungen erfahren. Bis zu dessen Inkrafttreten war der Unfallversicherer nicht verpflichtet, die von nichtzugelassenen Leistungse rbringern erbrachte Grundpflege, die nicht akzessorisch war und auch nicht der Präventionsbehandl ung zugeordnet werden konnte, zu übernehmen. Es stand in seinem Ermessen, Beiträge an eine solche Hauspflege von nichtan- erkannten Leistungserbringen zu leisten (vgl. aArt. 18 Abs. 2 UVV; BGE 116 V 41 E.2; RKUV 1993 Nr. U164 S. 56). Mit dem Inkrafttreten der UVG- Teilrevision am 1. Januar 2017 wurde die unfallversicherungsrechtliche Leistungspflicht ausgedehnt, indem der obligatorische Unfallversi- cherer neu auch einen Beitrag an die nichtmedizinische Hilfe zu leisten hat, sofern die versicher- ten Hilfeleistungen nicht durch die Hilflosenentschädigung abgegolten werden. Gleichzeitig wur- den begriffliche Klärungen vorgenommen, indem das Wort "Pflege" für die medizinische Betreu- ung der versicherten Person steht und das Wort "Hilfe" für nichtmedizinische Unterstützung ver- wendet wird (vgl. LANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung], S. 131). Die Neuregelung der Hauspflege hat ihren Ursprung da rin, dass die alte Regelung im Wider- spruch zu den internationalen Abkommen stand, welche die Schweiz unterzeichnet hat. Gemäss der Europäischen Ordnung der Sozialen Sicherheit (EOSS) und dem Übereinkommen Nr. 102 der Internationalen Arbeitsorganisation über die Mindestnormen der Sozialen Sicherheit umfasst medizinische Betreuung die Krankenpflege, und zwar unabhängig davon, ob diese zu Hause, im Spital oder in einer anderen medizinischen Einrichtung erfolgt. Der Bundesrat kann aufgrund von internationalen Verpflichtungen die Pflege zu Hause nicht einschränken, falls die Voraussetzun- gen für diese gegeben sind. 3.2 Die Übergangsbestimmung zur UVG-Teilrevision vom 25. September 2015 sieht in Art. 118 UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfäl le, die sich vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 25. September 2015 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht beu rteilt werden (Abs. 1). Diese Über- gangsbestimmung orientiert sich am Grundsatz der Unfal lversicherung, wonach Leistungen ge- mäss dem zum Zeitpunkt des Unfalls geltenden Recht gewährt werden (vgl. Botschaft, BBl 2008, 5395, Ziff. 2.1.3.2). Vorliegend ereignete sich der Unfall am 26. Dezember 2016, weshalb gemäss dem Wortlaut der vorliegenden Übergangsbestimmung die alte Version gemäss Art. 18 UVV zur Anwendung gelangen würde. Dies würde bedeuten, dass de r Versicherte keinen Anspruch auf die Finanzierung der nichtmedizinischen Pflege hätte; es läge im Ermessen der Suva, einen Bei- trag zu sprechen (aArt. 18 Abs. 2 UVV). 3.3 Vom klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut einer Gesetzesbestim- mung darf ausnahmsweise abgewichen werden, u.a. dann, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus i hrem Grund und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit andern Vorschriften ergeben (BGE 126 II 80 E. 6d, 126 III 104 E. 2c, 126 V 58 E. 3, 105 E. 3, je mit Hinweisen; Urt eil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2001, I 259/01, E. 5a). Vorliegend ist Sinn und Zweck der ne uen Verordnungsbestimmung die staats- vertragskonforme Regelung der Hauspflege. Eine wortget reue Anwendung der Übergangsbe- stimmung im Bereich der Hauspflege würde somit bedeuten, dass altrechtliche Unfälle weiterhin Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht staatsvertragswidrig zu beurteilen sind, was aber dem Revi sionsanliegen des Gesetzgebers wi- dersprechen und zu Ungleichbehandlung von altrechtliche n Unfällen führen würde. Damit liegt ein triftiger Grund vor, um vom Wortlaut des Art. 11 8 UVG abzuweichen. Folglich sind die Leis- tungsansprüche des Versicherten aufgrund des seit 1. Ja nuar 2017 in Kraft stehenden Art. 18 UVV zu beurteilen. 3.4 Mit diesem Ergebnis wird der Ansicht des Verwaltungsg erichts des Kantons Appenzell Innerrhoden in seinem Urteil vom 5. Dezember 2017, V 6-2017 gefolgt (in: Geschäftsbericht 2018 Anhang, S. 32). Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die übergangsrechtliche Beurteilung von Art. 18 UVV unter den Kantonen kontrovers ist. So stellen das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen und das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z ürich auf den Wortlaut der Über- gangsbestimmung von Art. 118 UVG ab. Sie verneinen som it die Anwendbarkeit der revidierten Bestimmung des Art. 18 UVV auf Unfälle, welche sich vor 1. Januar 2017 ereignet haben (vgl. z.B. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. August 2019, UV 2016/83, E. 1.1 und Urteile des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 13. September 2019, UV.2018.00025, E. 2.2 und E. 3.7.2 und vom 11. Oktober 2018, KV.2017.00030, E. 2.1.2). Aller- dings überzeugen die Begründungen des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen und des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich nicht vollst ändig, so dass das Kantonsgericht zum Schluss kommt, es sei dem Sinn und Zweck von Art. 118 UVG ein höheres Gewicht beizu- messen als dessem Wortlaut (vgl. dazu auch Kritik VON HARDY LANDOLT zum Urteil des Sozial- versicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 11. Oktober 2019 [KV.2017.00030], in: Pflege in Politik, Wissenschaft und Ökonomie, Landolt et al. [Hrsg .], Zürich 2019, S. 127). Da auch die beiden Parteien die Anwendung des neuen Recht nicht in Frage stellen rechtfertigt es sich hier, die vorliegende Streitsache aufgrund des seit 1. Januar 2017 geltenden Art. 18 UVV zu beurtei- len. 4.1 In materieller Hinsicht steht fest, dass der Versicher te 24 Stunden von der Spitex und der Ehefrau betreut wird. Bei der Bestimmung der Höh e des Pflegebedarfs des Versicherten stellte die Suva auf das Erhebungsblatt für den Tagesabl auf der D.____ vom 5. April 2018 ab, welche vor Ort von der Abklärungsperson im Beisein einer weiteren Mitarbeiterin der D.____, dem Beschwerdeführer und dessen Ehefrau, je einer Person der Spitex X.____ und der C.____ AG sowie einem Vertreter der Suva ausgefüllt worden ist. Für medizinische Pflegeleistungen der Spitex gemäss Art. 18 Abs. 1 UVV sind ein täglicher Pflegeaufwand von 120,34 Minuten und für nichtmedizinische Hilfe nach Art 18 Abs. lit. b UVV ein solcher von 45,5 Minuten erfasst worden. Beim Pflegeaufwand der Ehefrau für medizinische Leistungen nach Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV sind 38,5 Minuten und für nichtmedizinische Hilfe nach Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV 32,5 Minuten im Tag eingesetzt worden. Damit beträgt der gesamte tägliche Pflegeaufwand 236,84 Minuten. Die von der Spitex verrichteten Tätigkeiten sind mit einem Stun denansatz von Fr. 83.-- für medizinische Pflege und von Fr. 76.-- für nichtmedizinische Hilfe ve rgütet worden. Der Stundenansatz für die Ehefrau beläuft sich dagegen auf Fr. 30.-- pro Stunde für medizinische Pflege (Art. 18 Abs. 1 lit. a UVV) und Fr. 27.-- pro Stunde für nichtmedizinische Hilfe (Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV). Insgesamt hat die Suva für die Behandlungspflege nach Art. 18 Abs. 1 UVV eine monatliche Entschädigung von Fr. 5'063.47 und für die medizinische Pflege nach Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV einen monatlichen Beitrag von Fr. 234.21 ermittelt. Der Beitrag gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV wird mit Fr. 2'197.85 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht monatlich beziffert, wovon Fr. 1'753.01 auf die Spitex und Fr. 444.84 auf die Ehefrau fallen. Dar- aus resultiert eine monatliche Entschädigung nach Art. 18 UVV von insgesamt Fr. 7'847.--. Weiter geht aus dem Erhebungsblatt hervor, dass für jede pflegerische Massnahme der Zeitbedarf nach Minuten ermittelt worden ist. Im Rahmen der nichtmedizinischen Hilfe hat die Abklärungsperson bei einzelnen Verrichtungen jedoch auf die Erfassung d es effektiven Zeitaufwandes verzichtet, weil sie diese als durch die Hilflosenentschädigung abgegolten betrachtet hat. 4.2 Vorliegend ist unbestritten, dass die mit der Erm ittlung des Pflege- und Hilfebedarfs des Versicherten befasste Abklärungsperson als diplomierte Pflegefachfrau HF über die für eine Pfle- gebedarfsabklärung erforderliche Fachqualifikation verfügt. Im Übrigen besitzt die zweite bei der Abklärung anwesende Mitarbeiterin der D.____ die gle ichen fachlichen Qualifikationen. Die Ab- klärungsperson hatte auch Kenntnis der örtlichen und rä umlichen Verhältnisse sowie der fach- ärztlichen gestellten Diagnosen und der daraus folgenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftig- keiten. Weiter hat sie die Angaben der Spitex und der Ehefrau berücksichtigt. Insoweit genügt der Abklärungsbericht den rechtsprechungsgemässen formellen Beweisanforderungen (vgl. zum Ganzen: BGE 133 V 450 E. 11.1.1 und 130 V 61 E. 6.1.2; Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juli 2013, 8C_1037/2012, E. 6.1). Der Versicherte macht des halb zu Recht keine formellen Mängel geltend. In inhaltlicher Hinsicht erhebt er gegen die Bedarfserhebung der D.____ auch keine Ein- wände in Bezug auf die Vollständigkeit der erfassten Verrichtungen. Er verweist jedoch auf die Kostenabrechnungen der Spitex und die Bedarfsabklärung vom 15. Oktober 2019, welche die C.____ AG in seinem Auftrag vorgenommen hat. Daraus gehe hervor, dass der effektive Zeitauf- wand für seine Pflege viel höher sei als derjenige gemäss Erhebungsblatt der D.____ vom 5. April 2018. Auch wenn feststeht, dass die Pflege des Versicherten komplex, aufwändig und belastend ist, kann der Versicherte aus den unterschiedlichen Zeitaufwänden nichts zu seinen Gunsten ab- leiten. Es trifft zwar zu, dass eine Diskrepanz zwischen den monatlichen Kostenaufstellungen der Spitex und der Pflegebedarfserhebung der C.____ AG e inerseits und der Bedarfsabklärung der Suva andererseits besteht. So haben die zuständige Abkl ärungsperson der C.____ AG einen Pflegeaufwand von monatlich 282,78 Stunden bzw. 565,5 6 Minuten pro Tag (282,78 Stunden : 30 x 60) und die Spitex einen solchen bis zu 254,66 Stunden monatlich bzw. 492,89 Minuten pro Tag (254,66 Stunden : 31 x 60; vgl. Kostenstellenrechnung von Januar 2018) ermittelt (vgl. Pfle- gebedarfserhebung der C.____ AG vom 15. Oktober 2019 und Kostenstellenrechnungen der Spi- tex für die Monate Januar bis April 2018). Der von der D.____ erhobene Zeitaufwand beträgt dagegen insgesamt 236,84 Minuten pro Tag. Bei genaue r Betrachtung der verschiedenen Be- darfsermittlungen fällt auf, dass bei den von der C.____ AG und der Spitex erhobenen Stunden- aufwänden die Zeit für Grundpflegeleistungen für all tägliche Verrichtungen im Sinne der Hilflo- senentschädigung beinhaltet ist, während es an einer so lchen zeitlichen Erfassung des Pflege- bedarfs durch die D.____ fehlt. Damit kann zumindest ei n grosser Teil des von der D.____ er- fassten tieferen Zeitaufwandes erklärt werden. Zudem si nd die von der Spitex und der C.____ AG erfassten Verrichtungen derart oberflächlich, dass e in direkter Vergleich mit der Pflegebe- darfserhebung der D.____ nicht möglich ist. Es besteht daher kein Anlass, auf den von der Spitex oder der C.____ AG erfassten Pflegebedarf abzustellen. 4.3.1 Entgegen der Ansicht des Versicherten besteht kei n Anspruch auf eine bedarfsdeckende Entschädigung des effektiv angefallenen Pflegeaufwan des. Während Art. 18 Abs. 1 UVV eine Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht volle Übernahme der Pflegekosten statuiert, besteht gemäss klarem Wortlaut von Art. 18 Abs. 2 UVV lediglich Anspruch auf eine Beitragsgewährung (U rteile des Bundesgerichts vom 12. Juli 2013, 8C_1037/2012, E. 7.1 mit Hinweis auf BGE 116 V 61 E. 6c sowie vom 19. Juni 2007, U 595/06, E. 3.3.2; UELI KIESER /K ASPAR GEHRING /S USANNE BOLLINGER , KVG/UVG Kommentar, Zü- rich 2018, zu Art. 10 UVG Rz. 24; LANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschä- digung], S. 134). Daran ändert auch die Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 30. Mai 2008 nichts, wonach der Bundesrat im Rahmen der Teilrevision des UVG festgehalten hat, dass gemäss EOSS und dem Übereinkommen Nr. 102 der Internati- onalen Arbeitsorganisation über die Mindestnormen de r Sozialen Sicherheit die unfallbedingte Pflege, insbesondere auch die Pflege zu Hause, übernomm en werden müsse, ohne dass die versicherte Person sich an den Kosten beteiligen müsse(vg l. Botschaft, BBl 2008, 5395, Ziff. 2.1.3.1; Zusatzbotschaft, BBl 2014, 7923, Ziff. 2.3.1 f.). Sinn und Zweck der staatsvertraglichen Bestimmungen ist eine Gleichstellung der Pflege im Spital bzw. in einer anderen Pflegestätte und zu Hause (Art. 34 Abs. 2 lit. c des Übereinkommens Nr. 102). Da der aArt. 18 UVV im Widerspruch zu den staatsvertraglichen Bestimmungen lediglich eine ei ngeschränkte Leistungspflicht für die unfallbedingte Pflege vorsah, hat der Bundesrat mit dem Erlass des neuen Art. 18 UVV die Leis- tungspflicht des Unfallversicherers auf die Pflege zu Ha use ausgedehnt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Versicherte Anspruch auf eine Vollkostenvergütung der effektiv erbrachten Leis- tungen hat. Auch wenn der ausgewiesene Pflegeaufwand für die Berechnung der Entschädigun- gen gemäss Art. 18 UVV massgebend ist, ist – wie schon g emäss Rechtsprechung zur altrecht- lichen Regelung - eine normative Bewertung der tatsäch lich geleisteten Verrichtungen sachlich gerechtfertigt. Denn eine pflegende Person, die geschi ckt und routiniert arbeitet, unterbietet die Normzeiten, während eine etwas langsamer arbeitende Pflegeperson für die gleiche Verrichtung länger braucht (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juli 2013, 8C_1037/2012, E. 5.2.3 mit Hin- weis). 4.3.2 Das Vorbringen des Versicherten, dass seine Ehefra u zwischenzeitlich einzelne Leis- tungen, welche bisher die Spitex erbracht habe, aus fi nanziellen Gründen habe übernehmen müssen, führt zu keinem anderen Ergebnis. Es gibt keine verlässlichen Hinweise, dass sich der Pflegeaufwand des Versicherten seit der Abklärung im April 2018 erheblich vergrössert hat. Damit ist davon auszugehen, dass der Pflegeaufwand insgesamt gleich gross geblieben ist. 5.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Suva im Zusammenhan g mit den der nichtmedizinischen Hilfe zugeordneten Verrichtungen bei einzelnen Positionen auf die Ermittlung des effektiven Zeit- bedarfs mit der Bemerkung "durch die Hilflosenentschädigung abgegolten" hat verzichten dürfen. Es handelt sich um folgende Positionen: Zeit Leistung Leistungserbringerin vor 7 Uhr Wechseln von nassen Bettlaken und Kleidern, "zu trinken geben/Kaffee" Ehefrau vor 7 Uhr Auflegen von Wärmekissen Ehefrau Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9 Uhr (Massnahmen bei Störungen der Blasenentleerung/Fremdkathe- terisierung) Transfer auf den Duschrollstuhl 2 Personen Spitex 9 Uhr Duschen/Trocknen/Rasur/Zähne put- zen/betten 1 Person Spitex 9 Uhr Transfer ins Bett 2 Personen Spitex 9 Uhr Anziehen Kompressionsstrümpfe 2 Personen Spitex 9 Uhr Anziehen unten durch 2 Personen Spitex 9 Uhr (Verabreichen von Medika- menten lokal, Haut einreiben) Transfer in den Rollstuhl, Oberkörper anziehen 2 Personen Spitex 12 Uhr oder 13 Uhr Essen eingeben Ehefrau 13 Uhr bis 13.30 Uhr (Fremdkathe- terisierung) Transfer ins Bett 2 Personen Spitex 13 Uhr bis 13.30 Uhr Fremdkathete- risierung) Ausziehen unten durch 2 Personen Spitex 17 Uhr bis 20 Uhr Nachtessen eingeben Ehefrau 17 Uhr bis 20 Uhr Abendtoilette Ehefrau 20.30 Uhr (Fremdkatheterisierung) Transfer 2 Personen Spitex 20.30 Uhr (Fremdkatheterisierung) Ausziehen 2 Personen Spitex 22 Uhr Schienen zur Kontrakturenprophylaxe anziehen Ehefrau 5.2 In Bezug auf die Hilflosenentschädigung steht fest, dass der Versicherte seit 1. Mai 2018 eine Hilflosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit schwe ren Grades gemäss Art. 26 UVG be- zieht. Die Hilflosigkeit gilt als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Über- wachung bedarf (Art. 38 Abs. 2 UVV). Nach ständiger Ger ichtspraxis sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend: Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Ab- liegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft ; Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme (BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E. 3). Mit der Hilflosenent- schädigung werden direkte und indirekte Hilfeleistungen in Bezug auf die genannten alltäglichen Lebensverrichtungen pauschal abgegolten. 5.3.1 Die Hilflosenentschädigung ist gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV einzig im Rahmen der nichtmedizinischen Hilfe in Abzug zu bringen (vgl. L ANDOLT , a.a.O. [bundesgerichtliche Recht- sprechung zur Grundpflege], S. 47). Wie die Anrechnung der Hilflosenentschädigung zu erfolgen hat, geht aus der Verordnungsbestimmung nicht hervor; sie ist auch in der Praxis bis anhin nicht geklärt. Die Vorgehensweise der Suva, einzelne Position en der nichtmedizinischen Hilfe unter Hinweis "durch die Hilflosenentschädigung abgegolten" zeitlich nicht zu erfassen, wird nach An- sicht des Kantonsgerichts dem Sinn und Zweck von Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV nicht gerecht. Mit Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Erlass von Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV sollte verhindert werden, dass die von der Hilflosenent- schädigung erfassten Hilfeleistungen doppelt vergütet werden. Nun ist zu berücksichtigen, dass Leistungen, welche durch die Hilflosenentschädigung abgegolten werden, nur teilweise gleichar- tig bzw. sachlich kongruent mit denjenigen der nichtmedizinischen Hilfe gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b IVV sind (vgl. L ANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung ], S. 138). Denn mit der Hilflosenentschädigung wird im Bereich de r Pflege lediglich die Hilfe in Bezug auf sechs alltägliche Lebensverrichtungen vergütet. Die nichtmedizinische Hilfe im Sinne von Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV umfasst demgegenüber Hilfeleistungen in der Umgebung der versicherten Per- son, bei der Führung des Haushalts, bei der Besorgung der alltäglichen Angelegenheiten etc., welche nicht Gegenstand der Hilflosenentschädigung bilden (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2018, 9C_200/2018, E. 3.3.1; BGE 116 V 41 E . 5a am Ende S. 47; L ANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung], S. 137). Dazu kommt, dass die von der Hilf- losenentschädigung erfassten Hilfeleistungen im Einzelfall auch akzessorische Grundpflegeleis- tungen im Sinne von Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV darstellen und somit nicht durch diese abgegolten werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juli 2012, 8C_1037/2012, E. 7.2). Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn eine Hilfeleistung zur Durchführung der medizinischen Be- handlungspflege notwendig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juli 2012, 9C_1037/2012, E. 7.2). Als Beispiel ist die Körperreinigung (Grundpflege) nach der Darmentleerung (Behandlungs- pflege) zu nennen (vgl. LANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung], S. 134). 5.3.2 Um beurteilen zu können, ob eine Pflege- bzw. H ilfeleistung von der Hilflosenentschädi- gung abgegolten ist, muss bei jeder einzelnen Leistungsposition der Grundpflege bestimmt wer- den, ob es sich um eine akzessorische Grundpflege (Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV) oder eine nichtme- dizinische Hilfeleistung (Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV) handelt (Urteile des Bundesgerichts vom 12. Juli 2013, 8C_1037/2012, E. 7.2 und des Sozialversicherungsg erichts des Kantons Zürich vom 11. Oktober 2010, KV.2017.00030, E. 7.2). Bei den nichtmedizinischen Hilfeleistungen ist sodann zu prüfen, ob darunter Pflegemassnahmen fallen, welche nicht von den sechs alltäglichen Le- bensverrichtungen im Sinne der Hilflosenentschädigung erfasst sind. Da die Hilflosenentschädi- gung auf einem vom Schweregrad der Hilflosigkeit abhä ngigen Pauschalbetrag beruht und die Pflegebeiträge gemäss Art. 18 UVV dagegen aufgrund einer Vollkostenrechnung der Leistungs- erbringer gemäss Zeitaufwand berechnet werden, ist ein direkter Vergleich zwischen diesen bei- den Leistungsarten nicht möglich. Ein geeigneter und praktikabler Lösungsweg ist in der Erfas- sung des zeitlichen Pflegeaufwandes für jede einzelne Verrichtung zu sehen. So kann der zeitli- che Aufwand derjenigen Leistungen ausgeschieden werden, welcher von der Hilflosenentschä- digung abgedeckt ist. Der darüberhinausgehende zeitliche Aufwand für die Grundpflege unterliegt dann der Entschädigungspflicht gemäss Art. 18 Abs. 2 lit . b UVV (vgl. K IESER / GEHRING / BOLLINGER , a.a.O., zu Art. 10 UVG, Rz. 24 f.; L ANDOLT , a.a.O. [bundesgerichtliche Rechtspre- chung zur Grundpflege], S. 47). Mit diesem Vorgehen w ird die Hilflosenentschädigung im Um- fang, d.h. anteilsmässig, in Abzug gebracht, soweit die Hilflosigkeit im konkreten Fall sachlich kongruent mit den nichtmedizinischen Hilfeleistungen steht (vgl. auch Gutachten der Care Solu- tions GmbH betreffend Pflege- und Betreuungsaufwand von O.S. aus dem Jahr 2017, erstellt von Cécile Fäh und Hardy Landolt, S. 30). Würde die gesam te Hilfeloseentschädigung pauschal in Abzug gebracht, bedeutet dies, dass bei leichter Hilflo sigkeit ein Betrag in Höhe von Fr. 812.--, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei mittlerer Hilflosigkeit ein Betrag in Höhe von 1'624.-- und bei schwerer Hilflosigkeit ein Betrag in Höhe von Fr. 2'436.-- von der monatlichen Entschädigu ng gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV abgezogen würde (vgl. Art. 22 Abs. 1 UVV in Verbindu ng mit Art. 38 Abs. 1 UVV). Demzufolge könnte eine versicherte Person mit abnehmender Hilfslosig keit einen höheren Beitrag bzw. mit zunehmender Hilflosigkeit einen geringeren Beitrag gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV fordern. Dies würde nicht nur eine Ungleichbehandlung darstellen, sondern auch dem Sinn und Zweck der Verordnungsbestimmung zuwiderlaufen, sind doch Personen mit zunehmender Hilflosigkeit mit höheren Kosten konfrontiert (vgl. dazu LANDOLT , a.a.O., [unfallversicherungsrechtliche Pflegeent- schädigung], S. 137). Entgegen der Ansicht der Suva kan n deshalb auf die Erfassung des ge- samten Zeitbedarfs für die Pflege- und Hilfeleistungen des Versicherten nicht verzichtet werden. 6.1 Das Erhebungsblatt der D.____ vom 5. April 2018 ist auch in Bezug auf die Qualifikation einzelner Leistungen zu beanstanden. Es fällt auf, dass die Abklärungsperson der D.____ die grundpflegerischen Massnahmen nach Massgabe von Art. 7 Ab s. 2 lit. b KLV (medizinische Pflege) und Art. 7 Abs. 2 lit. c KLV (nichtmedizinische Pflege) vorgenommen hat (vgl. Berechnung der Pflegeleistungen nach Art. 18 UVV). Ob sie auch konkret geprüft hat, ob ihre Zuordnung aus unfallversicherungsrechtlicher Hinsicht standhält, ist zu bezweifeln. So hat sie die durch die Ehe- frau vorgenommene Lagerung des Versicherten vor 7 Uhr a ls nichtmedizinische Hilfe (Art. 18 Abs. Abs. 2 lit. b UVV) qualifiziert (vgl. Berechnung der Pflegeleistungen nach Art. 18 UVV, S. 2). Den in Zusammenhang mit der Lagerung ebenfalls von der Ehefrau durchgeführte erforderliche Wechsel der nassen Bettwäsche und der Kleider betrachtete sie als von der Hilflosenentschädi- gung abgegolten und somit implizit ebenfalls als nichtmedizinische Hilfe. Mit Blick auf das Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juli 2013 (8C_1037/2013) st ellt sich die Frage, ob die Zuordnung dieser beiden Verrichtungen zur nichtmedizinischen Hilfe korrekt ist. Das Bundesgericht hat in jenem Entscheid das Umlagern (Tag/Nacht) als eine nach Art. 18 Abs. 1 UVV anerkannte medi- zinische Leistung und den im Rahmen des nächtlichen Umlag erns notwendigen Wechsel des verschwitzten Leintuchs als medizinisch indizierte Pflege qua lifiziert (E. 7.4.1 des zitierten Ur- teils). Vorliegend hat die Abklärungsperson notiert, dass das Lagern des Versicherten vor 7 Uhr gemäss Erhebungsblatt der D.____ zur Druckentlastung u nd zur Schmerzverminderung dient. Dies kann darauf hinweisen, dass es sich beim Lagern um eine medizinische Behandlungsmass- nahme handelt und der Wechsel von Bettlaken und Klei dern eine Leistung darstellt, die im An- schluss an die Behandlungspflege geleistet wird und somi t als akzessorische Grundpflege zu qualifizieren ist. Auch wenn es durchaus vorstellbar ist, dass die Massnahme aus medizinischer Sicht erforderlich ist, kann die medizinische Indikation dieser Verrichtung aufgrund der vorliegen- den Akten nicht zuverlässig beurteilt werden. Es bedarf daher in dieser Hinsicht einer weiteren Abklärung. Eine ähnliche Frage stellt sich bei den weiteren Lagerungen des Versicherten, welche die Spitex vormittags, mittags und nachmittags und die Ehefrau zwischen 17 und 20 Uhr durch- führen. Die Suva hat auch bei diesen Positionen ihre Qualifikation der Lagerungen als nichtme- dizinische Hilfe zu überprüfen. Weiter geht aus dem Erhebungsblatt der D.____ hervor, dass das Auflegen des Wärmekissens für die Temperaturregulierung und die Schmerzbehandlung der Schulter notwendig ist. Den medizinischen Berichten ist zu entnehmen, dass der Versicherte an einem neuropathischen Schmerzsyndrom im Bereich des Nackens u nd der Schulter leidet (vgl. Berichte des E.____ vom 22. Januar 2019 und 21. Februar 2019). Damit erweist sich das Aufle- gen des Wärmekissens als medizinisch erforderlich. Diese Massnahme kann deshalb nicht durch Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Hilflosenentschädigung abgedeckt sein. Im Zusammenhang mit den Transfers des Versicher- ten auf den Duschrollstuhl und jeweils ins Bett (zwischen 13 bis 13.30 Uhr und um 20.30 Uhr) ergibt sich aus dem Erhebungsblatt der D.____, dass diese im Rahmen der Fremdkatheterisie- rung von zwei Personen der Spitex vorgenommen werden. Die Fremdkatheterisierung muss auf- grund der beim Versicherten vorliegenden Störung der Blasenentleerung sechsmal im Tag aus- geführt werden. Die Abklärungsperson hat deshalb die Fremdkatheterisierung korrekt als Leis- tung gemäss Art. 18 Abs. 1 UVV betrachtet. Wenn eine so lche Fremdkatheterisierung jeweils Transfers des Versicherten erfordert, sind diese für die Durchführung der Behandlungspflege not- wendig. Sie stellen deshalb medizinische Pflege im Sinne von Art. 18 Abs. 2 lit. a UVV und nicht – wie von der Suva angenommen – Grundpflege dar, welc he durch die Hilflosenentschädigung abgegolten sind. Gleiches gilt für den im Rahmen der m edizinischen Hautpflege notwendigen Transfer ins Bett und den Transfer in den Rollstuhl, um dem Versicherten lokale Medikamente auf der Haut einzureiben. Auch das Anziehen der Schienen zur Kontrakturenprophylaxe, welche aufgrund der beidseitigen ausgeprägten Ellbogenbeugerspastik notwendig ist (vgl. Berichte des E.____ vom 22. Januar 2019 und 21. Februar 2019), kan n nicht unter die von der Hilflosenent- schädigung erfassten alltäglichen Verrichtungen subsumier t werden, stellt diese Massnahme doch eine medizinisch indizierte Hilfeleistung dar. Demz ufolge hat die Abklärungsperson diese Leistungsposition zu Unrecht "als durch die Hilflosenentschädigung abgegolten" bezeichnet. Was das Anziehen der Kompressionsstrümpfe anbelangt, kann nicht ohne weiteres von einer alltägli- chen Verrichtung, welche von der Hilflosenentschädigung abgedeckt ist, ausgegangen werden (vgl. Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit i n der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015, Rz.8014.1). Die Kompressionsstrümpfe trägt der Versicherte zur Throm- bosenprophylaxe (vgl. Hilfsmittel-Verordnung vom 8. Januar 2019) und aufgrund von Fuss- und Unterschenkelödemen (vgl. Bericht des E.____ vom 22. Januar 2019). Das Tragen der Strümpfe ist somit medizinisch erforderlich. Zu Recht bringt der Ve rsicherte vor, dass nicht ganz klar sei, was die Abendtoilette beinhalte. Sollte diese Massnahme auch das Blasen- oder Darmmanage- ment umfassen, würde zumindest ein Teil der Abendtoilet te akzessorische Grundpflegeleistung darstellen. Die Suva wird deshalb detailliert aufzuführen haben, welche Verrichtungen die Abend- toilette umfasst. Anschliessend wird sie die einzelnen M assnahmen der medizinischen Pflege oder der nichtmedizinischen Hilfe zuordnen müssen. 6.2.1 In einem letzten Punkt bedürfen die von der Su va verwendeten Stundenansätze für die von der Ehefrau erbrachten Leistungen einer näheren Prüfung. Das Gesetz bzw. die Verordnung bestimmt die Höhe der Beiträge gemäss Art. 18 Abs. 2 li t. a und b UVV nicht. In der Praxis ist nicht entschieden, ob die Höhe des Beitrages nach Massgabe der tatsächlichen Kosten gemäss Kostenstellenrechnung des Leistungserbringers, der durchschnittlichen Kosten pro Pflegestunde oder der im Wohnsitzkanton der versicherten Person geltenden Normkosten zu erbringen ist (vgl. LANDOLT , a.a.O. [unfallversicherungsrechtliche Pflegeentschädigung], S. 135 f.). Die Suva hat der Vergütung für die medizinische Pflege einen Stundenan satz von Fr. 30.-- und für nichtmedizini- sche Hilfe einen solchen von 27.-- zugrunde gelegt. Sie hat sich beim Stundenansatz von Fr. 30.- - auf die Angaben der vom Bundesamt für Statistik (BFS ) herausgegebenen Lohnstrukturerhe- bung (LSE) aus dem Jahr 2016 (TA 1, Sektor Gesundheits- und Sozialwesen [Position 86 – 88], Kompetenzniveau 2, Total) von monatlich Fr. 5'198.-- g estützt und diesen Betrag durch 173,33 Stunden (= 40 Stunden pro Woche x 52 Wochen : 12 Monate) dividiert, was einen Betrag von Fr. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 29.99 ergibt. Nach Anpassung dieses Stundenansatzes an die bis 2018 erfolgte Nominallohnent- wicklung [2017: 0,3 %, 2018: 0,5 %; vgl. BFS: T1.15, Nominallohnindex 2016 - 2018, Gesundheit, Heime und Sozialwesen) resultiert ein massgebender Stundenansatz von Fr. 30.23 bzw. mathe- matisch abgerundet Fr. 30.--. Die Berechnungsgrundlage für den Ansatz von Fr. 27.-- beruht wie- derum auf die Angaben der LSE 2016, Sektor Gesundheits- und Sozialwesen (Position 86 - 88). Die Suva hat aber bei diesem Stundenansatz den Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 1, Total, von Fr. 4'690.-- eingesetzt. Wird dieser Betrag auf eine Stunde umgerechnet (Fr. 4'690.-- : 173,33 Stunden) und anschliessend an die Nominallohnentwicklung bis 2018 angepasst, resultiert dar- aus ein Stundenansatz von Fr. 27.28 bzw. mathematisch abgerundet von Fr. 27.--. 6.2.2 Es ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass die Suva für die Ermittlung der Stunden- ansätze der Beiträge für nichtzugelassene Leistungserbri nger auf die Tabellenlöhne abgestellt hat. Dieses Vorgehen entspricht auch der gängigen Praxis ( vgl. LANDOLT , a.a.O. [Behandlungs- pflege], S. 31). Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte, um in das Ermessen der Suva einzugreifen. Da jedoch eine neue Erhebung des Pflegeaufwandes erforderlich ist (vgl. Erwägun- gen 5.3.2 und 6.1), hat die Suva der Neuberechnung der Entschädigungen gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV nicht den Tabellenlohn der LSE 2016, so ndern denjenigen der LSE 2018 zugrunde zu legen. Gemäss TA1 der LSE 2018, Sektor Gesundheits- und Sozialwesen (Position 86 – 88), betragen die Monatslöhne für das Kompetenzniveau 2, To tal, Fr. 5'223.-- und für das Kompe- tenzniveau 1, Total, Fr. 4'954.--. Nach Umrechnung dieser Monats- auf Stundenlöhne (Fr. 5'223.- - : 173,33 Stunden = Fr. 30.13 [Kompetenzniveau 1]; Fr. 4'954.-- : 173,33 Stunden = Fr. 28.58 [Kompetenzniveau 2]) und deren Anpassung an die Nomin allohnentwicklung für das Jahr 2019 von 0,5 % (vgl. Quartalsschätzung des BFS für das Jahr 20 19) und eventuell an das Jahr 2020 ergibt sich ein massgebender Stundenansatz für die medi zinische Pflege von mindestens Fr. 30.28, mathematisch abgerundet von Fr. 30.--, un d für die nichtmedizinische Hilfe von min- destens Fr. 28.72 bzw. mathematisch aufgerundet von Fr. 29.--. Im Zusammenhang mit den Stun- denansätzen ist zudem auf den am 1. Januar 2019 in Kra ft getretenen neuen und für die Suva verbindlichen Spitex-Tarif hinzuweisen. Die im vorliegenden Verfahren verwendeten Stundenan- sätze für die von der Spitex erbrachten Leistungen sind deshalb mit Blick auf den neuen Spitex- Tarif zu überprüfen. 6.3 Das vom Versicherten zitierte Urteil des Bundesgericht s vom 23. Juli 2010, 8C_896/2009, aufgrund dessen er einen Stundenansatz vo n Fr. 35.-- für die von der Ehefrau geleistete nichtmedizinische Hilfe geltend macht, vermag nichts zu ändern. Im Unterschied zu jenem Fall besitzt die Ehefrau des Versicherten kein au sländisches Diplom als Pflegefachfrau und verfügt auch nicht über einen entsprechenden schweizerischen Fachausweis. Damit hat sie keine professionellen Kenntnisse in der Krankenpflege. Es besteht daher kein Anlass, im vorlie- genden Fall die von der Ehefrau geleisteten Pflegemassnahmen in Analogie zum vom Versicher- ten zitierten bundesgerichtlichen Urteil mit einem Stu ndenansatz von Fr. 35.-- zu vergüten. Ebenso wenig drängt sich die Anwendung der Stundenan sätze auf, die für Assistenzbeiträge gelten (vgl. Art. 39f der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961), besteht doch hierfür keine gesetzliche Grundlage. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4 Nach dem Gesagten steht fest, dass eine abschliessende Beurteilung der strittigen Leis- tungsansprüche des Versicherten nicht möglich ist. Der a ngefochtene Entscheid vom 22. Juli 2019 ist deshalb aufzuheben und die Angelegenheit ist zur weiteren Abklärung an die Suva zu- rückzuweisen. Dabei hat sie eine erneute Erhebung des Pf legebedarfs des Versicherten an Ort und Stelle durchzuführen. Der Zeitaufwand ist für sämt liche Verrichtungen der medizinischen Pflege und der nichtmedizinischen Hilfe – auch für solche , welche bereits von der Hilflosenent- schädigung gedeckt sind – zu erfassen. Weiter ist bei der Q ualifikation der einzelnen Leistungen den entsprechenden Ausführungen in Erwägung 6.1 Rechnung zu tragen und darzulegen, welche Massnahmen die Abendtoilette konkret beinhaltet. Diese sind sodann den in Art. 18 UVV veran- kerten Leistungsansprüchen zuzuordnen. Schliesslich hat die Suva die Stundenansätze der Bei- träge gemäss Art. 18 UVV unter Berücksichtigung der Erwägung 6.2.2 festzusetzen. Hernach hat sie über die Höhe der Entschädigungen gemäss Art. 18 UVV neu zu verfügen. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung und Neuverfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist dem Beschwerdeführer deshalb eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Dessen Rechtsvertreter hat in seiner Ho- norarnote vom 18. März 2020 einen Zeitaufwand von 25,25 Stunden sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 260.-- geltend gemacht. Dieser Aufwand ist nicht zu beanstanden. Die entsprechenden Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für du rchschnittliche Fälle zur An- wendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu en tschädigen. Dem Beschwerdeführer ist demnach für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'078.60 (25,25 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 260.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwert- steuer) zu Lasten der Suva zuzusprechen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständig keit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Entscheid vom 22. Juli 2019 aufgehoben und die Angelegenheit zur wei- teren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 7'078.60 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrw ertsteuer) aus- zurichten