Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Januar 2019 (720 18 283 / 33) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revision einer IV-Rente: Verneinung des Vorliegens einer anspruchserheblichen Ände- rung des Gesundheitszustandes Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin i.V. Neslihan Kalayci Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1964, arbeitete zuletzt bis Ende Februar 2003 bei der B.____ als Sek- retärin. Sie war arbeitslos, als sie sich mit Gesuc h vom 17. Dezember 2003 unter Hinweis auf unfallbedingte chronische Kopfschmerzen, Nackenvers pannungen und eine depressive Ver- stimmung zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) anmeldete und berufliche Massnahmen sowie eine Rente beantrag te. Die zuständige IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse ab und sprach A.____ mit Verfügung vom 30. März 2006 r ückwirkend ab 1. Dezember 2002 bei Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem ermittelten IV-Grad von 58 % eine halbe Invalid enrente zu. Diese Verfügung wurde in mehreren Revisionsverfahren formlos bestätigt, letztmals m it der Mitteilung der IV-Stelle vom 22. August 2013. Eine im Juni 2018 von Amtes wegen e ingeleitete Revision führte nach Abklä- rung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse zur erneuten formlosen Bestätigung der halben Invalidenrente. Auf Ersuchen der Versicherte n erliess die IV-Stelle am 16. August 2018 eine entsprechende Verfügung. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 10. Septemb er 2018 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, die angefoch- tene Verfügung vom 16. August 2018 sei aufzuheben und es sei der Invaliditätsgrad um min- destens 10 bis 20 % zu erhöhen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe und es ihr nicht mö glich sei, einer Arbeit im Umfang von 50 % nachzugehen. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 8. Oktober 2018 auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 16. November 2018 ersuchte die Beschw erdeführerin das Kantonsge- richt um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung, welche ihr mit Verfügung vom 21. No- vember bewilligt wurde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 10. September 2018 ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern könn en (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindeste ns 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindest ens 40 % invalid sind (lit. c). Bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspru ch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Ren te, bei einem Invaliditätsgrad von min- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht destens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder länge- re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig keit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens der Erwerbsunfähigkeit sind nach dem mit der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in K raft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alterna- tive Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht figur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaf fhauser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Galle n 1999, S. 16 f.). Hingegen führt die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätzung v on im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen Verhältnissen nicht zu einer materiellen Revision. 3.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einko mmensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 7 ff. E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 30. März 2006 rückw irkend ab 1. Dezember 2002 eine halbe Rente zu. In den folgenden Revisionsverfahren in den Jahren 2008 und 2013 wurde der Anspruch auf eine halbe Rente jeweils formlos bestätigt . Somit beurteilt sich die Frage, ob eine revisionsrechtlich relevante Änderung in den tatsächliche n Verhältnissen eingetreten ist durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen (auf einer vollständigen ma- teriellen Anspruchsprüfung beruhenden) Rentenverfügun g vom 30. März 2006 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 16. August 2018. 4. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob und inwiefer n sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsunfäh igkeit der Beschwerdeführerin seit der letzten Rentenzusprache am 30. März 2006 wie von ihr vor gebracht in anspruchserheblicher Weise verschlechtert hat. 5.1 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialver sicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 6 1 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Ab- klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die se Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Exp erten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.1 Da die zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung ei ner anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades die letzte rechtskräftige Verfügun g bildet (vgl. E. 3.3 hiervor), werden im Folgenden zunächst diejenigen Gutachten und Berichte w iedergegeben, welche der Verfügung vom 30. März 2006 zu Grunde lagen. 6.1.1 Dem Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. September 2004 ist zu entnehmen, dass diagnostisch von einer depressiv-anankastischen Neurose mit narzisstischen Anteilen bzw. nach ICD-10-Kri terien von einer Persönlichkeitsstö- rung mit zwanghaften Anteilen (ICD-10 F60.5) und neu rotisch-narzisstischen Anteilen (ICD-10 F60.8) auszugehen sei. Gesamthaft liege somit eine s ogenannte kombinierte Persönlichkeits- störung (ICD-10 F61.0) vor. Differentialdiagnostisch mü sse auch eine Zwangsstörung im Sinne von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemischt (ICD-1 0 F 42.2), erwogen werden. Untypisch für dieses Leiden sei der verhältnismässig späte Beginn der Erkrankung. Üblicher- weise beginne dieses Leiden bereits in der Kindheit od er im frühen Erwachsenenalter. Zudem sei das Ausmass der zwangshaften Symptomatik etwas geringer a usgeprägt als bei einer ei- gentlichen Zwangsstörung im Sinne von ICD-10 F42. Unte r diversen beruflichen Belastungen und einer Zunahme der zwanghaften Tendenzen in den le tzten Jahren sei die genannte Per- sönlichkeitsstörung in Richtung Depression exazerbiert und entspreche heute einer lang anhal- tenden, leichten bis mittelschweren depressiven Störung m it somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01 bzw. F32.11). Aus rein psychiatrischer Sicht sei se it dem Verlust der letzten Arbeitsstel- le im Februar 2003 von einer Arbeitsfähigkeit von hö chstens 70 % bei einer einfach überschau- baren Bürotätigkeit auszugehen. 6.1.2 Mit Gutachten vom 15. November 2005 berichten di e von der IV-Stelle beauftragten Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie, und Dr. med. E.____, FMH Neurologie, Zentrum für Medizi- nische Begutachtung (ZMB), über den gesundheitlichen Zustand der Versicherten wie folgt: Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Explorandin sei hereditär mit psychischen Krankheite n belastet, vor allem mit affektiven Störungen, zum Teil monopolar, zum Teil bipolar. Psyc hopathologisch dominierten die zwang- haften Anteile der Persönlichkeitsstörung, verbunden mit übermässigen Selbstzweifeln und Ängstlichkeit. Überdies bestehe bei der Explorandin eine rigide psychosomatische Abwehr. Die Explorandin verliere sich in eigenen Gedanken und benö tige eine geraume Zeit, um auf den ursprünglichen gedanklichen Inhalt zurückzufinden. Dies mani festiere sich nicht nur bei der neuropsychologischen Abklärung, sondern ganz deutlich au ch im klinischen Interview, was doch für die Erheblichkeit der Störung spreche. Die A rbeitsfähigkeit sei erheblich beeinträchtigt und betrage aus psychischen Gründen höchstens 50 % für all e einfachen Bürotätigkeiten. Der Explorandin sei es zumutbar, täglich ca. fünf Stunden e iner entsprechenden Arbeit nachzuge- hen, wobei sie jedoch vermehrte Pausen benötige. Die Leistungseinbusse werde subjektiv auch auf chronische Kopfschmerzen zurückgeführt. Es handle sich dabei um einen chronischen Spannungskopfschmerz, welcher am ehesten im Rahmen der psych ischen Störung auftrete. Eine zusätzliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei damit nicht verbunden. Die Exploran- din klage auch über ein chronisches cervicales und ein rezid ivierendes lumbovertebrales Syn- drom. Diese Affektionen beeinträchtigten jedoch die Arbeitsfähigkeit nicht. 6.2 Für die Bestätigung der halben Invalidenrente in der Verfügung vom 16. August 2018 waren folgende ärztliche Berichte von Relevanz: 6.3 In seinem Bericht vom 13. Juli 2018 führt der beha ndelnde Hausarzt der Beschwerde- führerin, Dr. med. F.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf: Ein chron isch rezidivierendes Cervicalsyndrom, eine konsekutive kognitive Einschränkung, eine chronische Cephalea, Schwindel- und Migrä- neanfälle, vertebragen überlagert, multifunktionelle Fussbeschwerden rechts sowie ein PHS links. Seinem Bericht legt Dr. F.____ die nachfolgenden medizinischen Berichte bei: 6.3.1 Am 17. Juli 2013 diagnostizieren Dr. med. G.____ , FMH Orthopädie, und Dr. med. H.____, FMH Rheumatologie, beide I.____ AG , ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bds., DD: Facettengelenksarthropathie bds. s owie ein chronisches zerviko- brachiales Schmerzsyndrom, wobei die seit Jahren bestehen den lumbalen Beschwerden als bekannt vorauszusetzen seien. Weiter geht aus dem Berich t hervor, dass eine Facettenge- lenksinfiltration L4 bis S1 bds. geplant und dies auch mi t der Patientin be- sprochen worden sei. Wenige Tage später habe sie jedoch den Termin ohne Nennung von Gründen abgesagt. 6.3.2 Dr. med. J.____, FMH med. Radiologie, diagnost iziert in seinem Bericht vom 15. April 2014, dass nach einer Ermüdungsfraktur rechts und Restbe schwerden auch links an beiden Füssen aktuell unauffällige ossäre und artikuläre Verhältnisse beidseits vorlägen. 6.3.3 Prof. Dr. med. K.____, FMH Neuroradiologie, h ält in seinem Bericht vom 9. Dezember 2014 fest, dass das MRI des Kopfes unauffällig sei und sich minimale degenerative Verände- rungen im unteren HWS-Bereich ohne Nervenwurzelkompressio n und ohne Myelonaffektion befänden. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.4 Aus dem Bericht von Dr. med. L.____, FMH für med . Radiologie, vom 29. Dezember 2015 geht hervor, dass die radiologische Diagnose keine lumbale Instabilität gezeigt habe. Be- treffend das Becken / die Hüftgelenke hält er fest, dass ein minimaler Reizerguss der Hüftge- lenke beidseits bestehe, jedoch osteochondrale Defekte n icht ersichtlich seien. Hinweise für eine beginnende Femurkopfnekrose seien nicht zu finden. Ersichtlich sei eine Ansatzperitendi- nitis der Sehne des Gluteus medius beidseits am Trochanter major. 6.3.5 Am 14. Juli 2017 hält Dr. med. M._____, FMH K ardiologie, in seinem Bericht fest, dass bei der Patientin keine relevanten kardialen Beschwerden eruierbar seien. 6.3.6 In seinem Bericht vom 22. März 2018 hält PD Dr. med. N.____, FMH Radiologie / Neuroradiologie, betreffend die Halswirbelsäule (HWS) fest, dass links eine exzen- trische Discusprotrusion HWK 5/6 mit foraminaler Druckwirku ng vorliege. Betreffend die linke Schulter führt er aus, dass ausgeprägte, entzündlich wirke nde Veränderungen am Sehnenfuss des Muskulus supraspinatus und etwas weniger des Infraspinat us und subscapularis hätten diagnostiziert werden können. Weiter berichtet er von einer gereizten Bursa subdeltoidea, wo- bei das Bild insgesamt zu einer nicht kalzifizierten Per iarthrosis humeroscapularis passe. So- dann sei eine atypische Konfiguration des oberen Labru ms, welches möglicherweise trauma- tisch bedingt partiell vom Glenoid abgehoben scheine, e rsichtlich. Dabei wirke die Insertion der langen Bizepssehne unauffällig. 6.4 Unter Würdigung dieser Berichte kommt Dr. F.____ in seinem Bericht vom 13. Juli 2018 zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin weiterhin in der Lage sei, einer angepassten Ar- beitstätigkeit im Bürobereich in einem Arbeitspensum von 50 % nachzugehen. 7. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurtei lung des vorliegend strittigen medi- zinischen Sachverhalts auf die Ergebnisse, zu denen Dr. F. ____ in seiner Beurteilung vom 13. Juli 2018 gelangte. Sie ging demzufolge davon au s, dass die neuen Beschwerden der Be- schwerdeführerin keine anspruchsrelevante Änderung des Ges undheitszustandes darstellten, welche sich auf den Invaliditätsgrad auswirkten. Diese Auffassung ist nicht zu beanstanden, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird. 8.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, seit einigen Jahren von Arthrosen-Schmerzen am Rücken, an der Hüfte, an den Füssen sowie an den Hän den geplagt zu werden. Dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschlechter t hat, ist unverkennbar, zumal dies auch durch den Vergleich derjenigen medizinischen B erichte, welche bei Erlass der Verfü- gung vom 30. März 2006 berücksichtigt wurden, mit denjeni gen, welche der Verfügung vom 16. August 2018 zu Grunde lagen, bestätigt wird. Fragl ich ist jedoch, ob diese neu hinzugetre- tenen Diagnosen eine anspruchsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes be- deuten. Dies muss vorliegend verneint werden: Im Bericht des I.____ (vgl. oben E. 6.3.1) wer- den lediglich das bereits zum Verfügungszeitpunkt bekannt e lumbospondylogene Schmerzsyn- drom und eine geplante Facettengelenksinfiltration er wähnt, welche die Beschwerdeführerin aber in der Folge offensichtlich nicht durchführen liess, sodass nicht von einer Verschlechterung der lumbalen Situation auszugehen ist. Hinzu kommt, da ss dieser Bericht vom Juli 2013 datiert Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist und daher davon auszugehen ist, dass diese Beschwerden bereits im Rahmen des Revisi- onsverfahrens im Jahr 2013 berücksichtigt wurden. Was die Situation der Füsse angeht, so ist dem Röntgenbefund vom 15. April 2014 (vgl. oben E. 6 .3.2) zu entnehmen, dass nach einer Ermüdungsfraktur rechts und Restbeschwerden auch links an beiden Füssen aktuell unauffälli- ge ossäre und artikuläre Verhältnisse vorliegen würden. Eine dauerhafte Verschlechterung ist somit auch in Bezug auf die Füsse nicht anzunehmen. Dasselbe gilt auch in Bezug auf das MRI des Kopfes und der HWS vom 4. Dezember 2014. Im entspre chenden Bericht vom 9. Dezember 2014 (vgl. oben E. 6.3.3) werden ein unau ffälliges MRI des Kopfes und minimale Veränderungen im unteren HWS-Bereich ohne Nervenwurzel kompression und ohne Myelonaf- fektion beschrieben. Auch das MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Iliosakralgelenks (ISG) haben gemäss Bericht vom 29. Dezember 2015 (vgl. ob en E. 6.3.4) keine lumbale Insta- bilität und keinen engen Spinalkanal sichtbar gemacht. D as MRI des Beckens und der Hüftge- lenke haben gemäss demselben Bericht einen minimalen Rei zerguss der Hüftgelenke, aber keine osteochondralen Defekte gezeigt. Eine namhafte Ve rschlechterung der gesundheitlichen Situation im Hüft- und Beckenbereich ist somit nicht n achgewiesen. Auch die kardiologische Abklärung hat keine pathologischen Befunde ergeben. G emäss Bericht des Kardiologen Dr. L.____ vom 14. Juli 2017 (vgl. oben E. 6.3.5) sin d keine relevanten kardialen Beschwerden eruierbar. Im Vordergrund stünden die chronischen Kopfschmerzen. 8.2 Neu sind einzig die Beschwerden im Bereich der HWS u nd der linken Schulter (vgl. oben E. 6.3.7). Diese beiden Diagnosen sind wohl auch geeignet, die Schmerzsituation der Beschwerdeführerin zu verstärken. Damit muss allerdings nu r bei schweren bis mittelschweren Arbeiten gerechnet werden. Im Rahmen ihres angestammte n Berufs als Sekretärin ist die Be- schwerdeführerin nicht angehalten, schwere körperbelaste nde Arbeiten zu verrichten, wie z.B. Heben oder Tragen von schweren Lasten, repetitive Ar beiten mit erhobenen Armen oder Arbeiten in kauernder oder knieender Position. Auch m uss sie ihre Arbeitstätigkeit nicht rein stehend oder vorwiegend gehend ausüben. Als Sekretärin ve rrichtet sie vielmehr leichte, wech- selbelastete Tätigkeiten. Die von ihr angegebenen Beschw erden sind sodann bereits im Rah- men ihres Belastungsprofils berücksichtigt. Ihr angestammte r Beruf entspricht somit einer allen Leiden angepassten Tätigkeit. Die neu hinzugetretenen Beschwerden sind mit anderen Worten nicht geeignet, die Beschwerdeführerin bei der Verrich tung der leichten Bürotätigkeiten – im Pensum von 50 % – zusätzlich zu beeinträchtigen oder zu ver hindern. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin, wie aus dem ZMB-Gutachten hervorgeht (vgl. E. 6.1.2), nicht – wie die Beschwerdefü hrerin anzunehmen scheint – physisch, sondern psychisch bedingt ist. Entsprechend hat auch Dr. F.____ in Kenntnis der neuen Diag- nosen die Arbeitsunfähigkeit auf unverändert 50 % festgelegt und keine zusätzliche Beeinträch- tigung festgestellt. Der Bericht von Dr. F.____ stützt sich auf weitere fachärztliche Berichte, ist nachvollziehbar und schlüssig. Hinzu kommt, dass die Beschwerd eführerin seit mindestens 2004 bei ihm in der Behandlung ist (vgl. act. 3) und es somit davon auszugehen ist, dass er bestens in der Lage ist, einen Vergleich ihres Gesundheit szustandes seit der Rentenverfügung vom 30. März 2006 vorzunehmen. Nach dem Gesagten liege n keine Anhaltspunkte vor, welche die Beurteilung des behandelnden Arztes in Zweifel zieh en könnten. Das Vorgehen der Be- schwerdegegnerin ist somit aus rechtlicher Sicht nicht zu beanstanden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es insgesa mt keine Hinweise auf eine anspruchsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszu standes der Beschwerdeführerin gibt. Die IV-Stelle hat daher zu Recht festgestellt, d ass die Beschwerdeführerin weiterhin An- spruch auf die bisher ausgerichtete halbe Rente hat. Un ter diesen Umständen ist die Be- schwerde abzuweisen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihr ist allerdings mit Verfügung vom 21. November 2018 die unentgeltliche Prozessführung be willigt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 11. Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. http://www.bl.ch/kantonsgericht