A bteilung III C -988/2006 {T 0/2} U rteil vom 24. Juli 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Trom m er und Vuille; G erichtsschreiber M äder. A ._______ und B ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für N ._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er 1985 im Kosovo geborene N ._______ (nachfolgend: G esuchsteller) beantragte am 29. August 2006 beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina ein Visum für einen einm onatigen Besuchsaufenthalt bei seiner Schw ester B._______ (nachfolgend: G astgeberin) in G ._______. N ach form loser Verw eigerung leitete die Schw eizerische Vertretung das G esuch an das BFM (nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Ent- scheid w eiter. B. N achdem das M igrationsam t des Kantons Luzern bei der G astgeberin er- gänzende Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Bew illigung der Einreise m it Verfügung vom 16. O ktober 2006 ab. D ies m it der Begründung, es bestehe nicht genügend G ew ähr für eine an- standslose und fristgerechte W iederausreise des G esuchstellers nach ei- nem Besuchsaufenthalt. C . Am 25. O ktober 2006 erhob die G astgeberin gem einsam m it ihrem Ehe- m ann Beschw erde beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) als der dam als zuständigen Beschw erdeinstanz. D ie Beschw erde- führer beantragen darin, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und das Visum für einen drei- bis vierw öchigen Besuchsaufenthalt sei zu ertei- len. Zur Begründung m achen sie im W esentlichen geltend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, dass die W iederausreise des G esuchstellers nicht gew ährleistet w äre. D er G esuchsteller sei bereits seit m ehreren Jah- ren Angestellter der Firm a "Extra" in Xerxe. D iese Stelle w olle er keines- falls verlieren, unterstütze er doch m it seinem Einkom m en auch verschie- dene Verw andte im Kosovo. Sie (die Beschw erdeführer) garantierten so- w ohl für die finanziellen Verbindlichkeiten im Zusam m enhang m it dem Auf- enthalt als auch für eine fristgerechte R ückreise des G esuchstellers. D . In ihrer Vernehm lassung vom 19. D ezem ber 2006 hält die Vorinstanz an der angefochtenen Verfügung fest und schliesst auf Abw eisung der Be- schw erde. E. D ie Beschw erdeführer verzichteten auf eine R eplik. F. Auf den w eiteren Akteninhalt und die Vorbringen der Parteien w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illi- gung unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In-3 krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G rich- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Bun- desgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsgerichtsgesetz nichts ande- res bestim m t. 1.3 D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 2. D ie Beschw erdeführer sind zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 3. 3.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Janu- ar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211]; PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold (H rsg.), Auslän- derrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel/ G enf/M ünchen 2000, S. 24). 3.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (vgl. Art. 1 bis 5 VEA). D er G e- suchsteller kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen; er ist aufgrund seiner Staatsangehörigkeit visum spflichtig. 3.3 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. G em äss Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA haben sie unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten. D ie Vorinstanz verw eigerte dem G esuchsteller die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, seine fristgerech- te W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.4 3.4.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref-4 fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.4.2 D ie Sicherheitslage in der von der U N M IK verw alteten Provinz Kosovo konnte zw ar im Verlauf der letzten Jahre w eitgehend stabilisiert w erden und der W iederaufbau von Adm inistration und Infrastruktur ist unter Beteili- gung internationaler O rganisationen und Staatengem einschaften in G ang gekom m en. Trotz grosser internationaler U nterstützung ist es aber bisher nicht gelungen, eine W achstum sdynam ik einzuleiten; es herrscht w irt- schaftliche Stagnation und die Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch. So sind m ehr als die H älfte der Erw erbsfähigen ohne oder zum indest ohne re- gelm ässiges Einkom m en. D ie R eduktion der Arbeitslosigkeit und die Erhö- hung des allgem einen Lebensstandards haben zw ar für die U N M IK hohe Priorität, doch in Anbetracht dessen, dass von Experten für die nächsten Jahre ein m assiver R ückgang bei den H ilfsgeldern erw artet w ird, sind auch die w irtschaftlichen Perspektiven zum indest m ittelfristig schlecht. G em äss W orld Bank Brief lag der Arm utsanteil der Bevölkerung im Kosovo im Jahr 2005 bereits bei 37% (Tendenz steigend). Entsprechend hoch ist der An- teil jener, die versuchen, ins Ausland zu gelangen, um sich unter günstige- ren Lebensbedingungen eine bessere Existenz sichern zu können. Laut der "International O rganization for M igration" (IO M ) sollen in einer zu Be- ginn des Jahres 2003 durchgeführten U m frage über 50% der Befragten angegeben haben, sie w ürden lieber im Ausland leben und arbeiten. U nter den M igrationsw illigen gilt vor allem W esteuropa und dam it auch die Schw eiz als W unschdestination. D er Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Freunden bereits ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland be- steht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulas- sungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim - m ungen. 3.5 3.5.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solche allgem einen U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller bzw . einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünsti- gen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfah- rungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Ver- haltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch ein- geschätzt w erden.5 3.5.2 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen knapp 22-jährigen, ledigen und kinderlosen M ann, der noch bei seinen Eltern lebt. Aus dem U m stand, dass er für die D auer seines Besuchsaufenthaltes in der Schw eiz seine El- tern (und w eitere Verw andte, w ie die Beschw erdeführer betonen) in der H eim at zurücklassen w ürde, kann er - w ie die Vorinstanz zurecht festhielt - nichts Besonderes für sich ableiten. G eltend gem acht w ird in diesem Zu- sam m enhang ausschliesslich eine gew isse w irtschaftliche U nterstützung. D ass diese den w eiteren Verbleib des G esuchstellers in der angestam m - ten H eim at bedinge, w ird zw ar behauptet, liegt aber nicht auf der H and. D ie allgem eine Erfahrung zeigt vielm ehr, dass zurückbleibende Angehöri- ge gerade in Situationen angespannter w irtschaftlicher Verhältnisse nicht verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Em igration zu fällen. Im G egenteil, der Entscheid ist dort oft von der H offnung getragen, die Angehörigen aus dem Ausland effizienter unterstützen zu können. 3.5.3 Im G egensatz zu vielen seiner Landsleute hat der G esuchsteller zw ar eine feste Anstellung. G em äss dem im G esuchsverfahren edierten Arbeitsver- trag befindet er sich seit Anfang 2005 in einem unbefristeten Arbeitsver- hältnis als Verkäufer bei einer H andelsfirm a und bezieht dafür ein m onatli- ches Salär von Euro 250.--, w as ziem lich genau dem N ettodurchschnitts- einkom m en in Serbien entspricht. H ält m an sich aber vor Augen, dass der G esuchsteller dam it Verw andte in nicht bekanntem U m fang unterstützen m uss, so kann zum indest nicht davon ausgegangen w erden, dass er sich (m it dem ihm verbleibenden frei verfügbaren Einkom m ensanteil) w irt- schaftlich in besonders privilegierten Verhältnissen befindet. Angesichts des grossen Lohngefälles und der Kaufkraftunterschiede liesse sich sol- chen sozialen Verpflichtungen m it einer Anstellung in der Schw eiz ungleich besser nachleben. 3.5.4 D er G esuchsteller ist sehr jung, befindet sich w eder sozial noch beruflich in dauerhaften, etablierten Verhältnissen und hat keine Verpflichtungen, die einen Verbleib in der angestam m ten U m gebung notw endig m achten. D am it sind keine Verhältnisse auszum achen, die geeignet w ären, von ei- ner Em igration abzuhalten. 3.6 D ie Beschw erdeführer haben sich dazu bereit erklärt, für die Lebensunter- haltskosten des G esuchstellers w ährend seines geplanten Besuchsaufent- haltes aufzukom m en. W eiter garantieren sie für dessen anstandslose und fristgerechte R ückkehr. D ie Integrität der Beschw erdeführer in ihrer Eigen- schaft als G astgeber w ird in keiner Art und W eise in Zw eifel gezogen. In- dessen sind bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W ie- derausreise nicht so sehr die Einstellung oder Absichten des G astgebers, sondern in erster Linie das m ögliche Verhalten des G astes selbst von Be- deutung. N ur Letzterer ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine fristge- rechte und anstandslose W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken G arantie leisten, nicht aber - m angels rechtlicher und faktischer D urchsetzbarkeit - für ein bestim m tes Verhalten des G astes. 3.7 Alles in allem durfte die Vorinstanz davon ausgehen, die fristgerechte W ie-6 derausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). Zw ar lässt sich diese Prognose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten, sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einrei- sebew illigung - auf w elche w ie bereits erw ähnt ohnehin kein R echtsan- spruch besteht - abzulehnen. D araus folgt, dass die angefochtene Verfü- gung Bundesrecht nicht verletzt. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig festgestellt und die Vorinstanz hat das ihr zustehen- de Erm essen pflichtgem äss und zutreffend ausgeübt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 4. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Beschw erdeführern die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv S. 7)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden den Beschw erde- führern auferlegt. Sie sind durch den am 30. N ovem ber 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführern (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben, Akten 2 250 319 retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: A. Im oberdorf P. M äder Versand am :