<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 29 S.122</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">121</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>29</b></span> <span class="ft2"><b>Abzug von Schuldzinsen (§ 40 lit. a StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Abzugsfähigkeit des Schuldzinsenanteils beim Leasingvertrag</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Ob zivilrechtlich ein Ab-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zahlungs- bzw. Konsumkreditvertrag vorliegt, ist steuerlich irrele-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vant.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 25. Juni 2004 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen T.K. gegen Steuerrekursgericht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">122</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Gemäss § 40 lit. a StG werden von den Einkünften die pri-</span><br/> <span class="ft1">vaten Schuldzinsen bis zu einem bestimmten Höchstmass abgezogen.</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzung einer steuerlich zu beachtenden Zinsschuld ist das</span><br/> <span class="ft1">Vorhandensein einer Kapitalschuld, d.h. die nicht unentgeltliche</span><br/> <span class="ft1">Gewährung oder Vorenthaltung einer Geldsumme oder eines Kapi-</span><br/> <span class="ft1">tals, wobei dieses Entgelt nach der Zeit und als Quote des Kapitals in</span><br/> <span class="ft1">Prozenten berechnet wird. Kein Schuldzins im Sinne des Steuerge-</span><br/> <span class="ft1">setzes liegt dagegen vor, wenn eine Abhängigkeit zwischen Kapital-</span><br/> <span class="ft1">schuld und Zins fehlt, wie etwa beim Mietzins. Als abziehbare</span><br/> <span class="ft1">Schuldzinsen gelten nur Leistungen, die rechtlich nicht zur Tilgung</span><br/> <span class="ft1">einer bestehenden Kapitalschuld dienen (vgl. ASA 62/1993-94, S.</span><br/> <span class="ft1">684 f. = StE 1993, B 27.2 Nr. 14; StE 2001, B 25.6 Nr. 45, Erw. 5/c;</span><br/> <span class="ft1">Daniel Aeschbach, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Band</span><br/> <span class="ft1">1, 2. Auflage, Muri/Bern 2004, § 40 N 17; Markus Reich, in: Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/1 [StHG], Ba-</span><br/> <span class="ft1">sel/Frankfurt a.M. 1997, Art. 9 N 33). Vorliegend ist - aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">bestehenden zivilrechtlichen Verhältnisse - zu prüfen, ob eine Kapi-</span><br/> <span class="ft1">talschuld in diesem Sinne vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Die Grundstruktur des typischen Leasingvertrags lässt sich</span><br/> <span class="ft1">wie folgt umschreiben: Der Leasinggeber überlässt dem Leasing-</span><br/> <span class="ft1">nehmer auf eine fest bestimmte Zeit ein wirtschaftliches Gut</span><br/> <span class="ft1">(Leasingobjekt) zur freien Verwendung und Nutzung (aber nicht zum</span><br/> <span class="ft1">unbeschwerten Haben), wobei das volle Erhaltungsrisiko in der</span><br/> <span class="ft1">Regel vertraglich auf den Leasingnehmer übertragen wird. Hierfür</span><br/> <span class="ft1">leistet der Leasingnehmer ein Entgelt, das in Teilleistungen zu ent-</span><br/> <span class="ft1">richten ist (Leasingraten oder -zins). Die kapitalisierten Raten ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechen dabei einem Betrag, der dem auf Vertragsende verzinsten</span><br/> <span class="ft1">Verkehrswert (Herstellungs- oder Anschaffungskosten) voll oder</span><br/> <span class="ft1">teilweise entspricht. Ob ein Drei-Parteien-Verhältnis, bei welchem</span><br/> <span class="ft1">ein unabhängiger Dritter (oft eine Leasing-Gesellschaft) einbezogen</span><br/> <span class="ft1">wird, der das vom (späteren) Leasingnehmer zunächst beim Händler</span><br/> <span class="ft1">ausgesuchte Leasingobjekt im Hinblick auf das Leasingverhältnis</span><br/> <span class="ft1">durch Kauf erwirbt, begriffsnotwendig ist, wird in der Lehre nicht</span><br/> <span class="ft1">einheitlich beantwortet. Beim "Leasing" sind zahlreiche Unterarten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">123</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">und Variationen denkbar, indessen ist nicht alles, was von den Ver-</span><br/> <span class="ft1">tragsparteien als Leasingvertrag bezeichnet wird, auch als solcher zu</span><br/> <span class="ft1">qualifizieren (BGE 119 II 238 = Pra 84/1995, S. 327 f.; Walter</span><br/> <span class="ft1">R. Schluep/Marc Amstutz, in: Basler Kommentar, OR I, 3. Auflage,</span><br/> <span class="ft1">Basel 2003, Einleitung vor Art. 184 ff. N 81 ff. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">b) Die steuerliche Abzugsfähigkeit des in den Leasingraten ent-</span><br/> <span class="ft1">haltenen Zinsanteils hängt von den vertraglichen Vereinbarungen ab;</span><br/> <span class="ft1">entscheidend ist, ob das Vertragsobjekt nach dem Willen der Ver-</span><br/> <span class="ft1">tragsparteien zu Eigentum oder nur zum Gebrauch überlassen wurde.</span><br/> <span class="ft1">Je nachdem ist der Leasingvertrag als mietähnliches Geschäft, dessen</span><br/> <span class="ft1">Zweck in der Nutzung statt im Kauf liegt (echtes Mobilienfinanzie-</span><br/> <span class="ft1">rungsleasing), oder als Veräusserungsgeschäft in Form eines Miet-</span><br/> <span class="ft1">kaufs- oder eines Abzahlungsvertrags (unechtes Mobilienfinanzie-</span><br/> <span class="ft1">rungsleasing) zu qualifizieren. Liegt ein mietähnlicher Vertrag vor,</span><br/> <span class="ft1">vereinbaren die Vertragsparteien also nicht mehr als eine Ge-</span><br/> <span class="ft1">brauchsüberlassung, stellen die Leasingraten einzig eine Gegen-</span><br/> <span class="ft1">leistung für die Nutzung des Leasinggutes und somit nicht abzugsfä-</span><br/> <span class="ft1">hige Lebenshaltungskosten dar. Ist hinter dem Leasingvertrag hinge-</span><br/> <span class="ft1">gen ein Veräusserungsgeschäft verborgen, welches letztendlich die</span><br/> <span class="ft1">Übertragung von Besitz und Eigentum bezweckt, besteht eine Kapi-</span><br/> <span class="ft1">talschuld und die eigentlichen Schuldzinsen (als Teil der Leasingra-</span><br/> <span class="ft1">ten) sind abzugsfähig (vgl. zum Ganzen: StE 1992, B.27.2 Nr. 12 =</span><br/> <span class="ft1">ASA 61/1992-93, S. 250 ff.; StE 1993, B.27.2, Nr. 14; Aeschbach,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 40 N 34 ff.).</span><br/> <span class="ft1">c) Ob nach zivilrechtlichen Grundsätzen auf einen von den</span><br/> <span class="ft1">Parteien als Leasingvertrag bezeichneten Vertrag die Vorschriften</span><br/> <span class="ft1">über den Abzahlungsvertrag (Art. 226a ff. OR) zur Anwendung</span><br/> <span class="ft1">gelangen, ist für die steuerrechtliche Qualifikation, ob eine Kapital-</span><br/> <span class="ft1">schuld vorliegt, nicht entscheidend. Diese zum Schutze der Konsu-</span><br/> <span class="ft1">menten aufgestellten Vorschriften, welche unabhängig vom Veräus-</span><br/> <span class="ft1">serungswillen immer dann zur Anwendung gelangen, wenn der Ver-</span><br/> <span class="ft1">trag <i>in wirtschaftlicher Hinsicht</i> die gleichen Zwecke wie ein Ab-</span><br/> <span class="ft1">zahlungskauf verfolgt (vgl. BGE 118 II 155; 113 II 171), sagen</span><br/> <span class="ft1">nichts darüber aus, ob von den Vertragsparteien eine Veräusserung</span><br/> <span class="ft1">und Eigentumsübertragung des "Leasingobjekts" gewollt war.</span> <span class="ft1">Das</span><br/> <span class="ft1">Gleiche gilt - in ihrem Anwendungsbereich - für die Schutzbestim-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">124</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mungen des (früheren) Bundesgesetzes über den Konsumkredit vom</span><br/> <span class="ft1">8. Oktober 1993 bzw. des dieses und die Art. 226a ff. OR per</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 2003 ablösenden KKG vom 10. Dezember 2001.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>