Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2018 (715 17 225 / 59) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Voraussetzungen von Art. 28 Abs. 1 AVIG/ Nachweis der Arbeitsunfähigkeit, Beweiswert Monate später eingereichter Arztzeugnisse, Einhaltung der Kontrollvorschriften, Verfüg- barkeit in räumlicher und zeitlicher Hinsicht Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiberin i.V. Merve Yavuz Parteien A. ____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A.1 Der 1990 geborene A.____ arbeitete vom 1. März 2015 bis am 31. Juli 2016 bei der B.____ AG als Servicetechniker. Am 14. Juni 2016 me ldete er sich beim Regionalen Arbeits- vermittlungszentrum C.____ (RAV) an und erhob gleic hentags bei der Öffentlichen Arbeitslo- senkasse Baselland (Kasse) Anspruch auf Arbeitslose nentschädigung ab 1. August 2016. Die Kasse eröffnete eine Rahmenfrist für den Leistungsb ezug für die Zeit vom 1. August 2016 bis 31. Juli 2018. Nachdem der Versicherte per 1. Septe mber 2016 eine Stelle gefunden hatte, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurde er per 31. August 2016 von der Arbeitslosenversi cherung und der Arbeitsvermittlung ab- gemeldet. A.2 Das am 1. September 2016 angetretene Arbeitsverhä ltnis wurde durch die Arbeitgebe- rin während der Probezeit per 28. Oktober 2016 gekün digt. Daraufhin meldete sich A.____ am 4. Januar 2017 während der noch laufenden Bezugsrahmen frist erneut zur Arbeitsvermittlung beim RAV und zum Leistungsbezug bei der Kasse an. Den Terminen für das Erstgespräch vom 3. Februar 2017 und 21. Februar 2017 blieb er jedoc h unentschuldigt fern. Am 24. Februar 2017 teilte A.____ der Kasse mit, dass er sich im Zeitrau m vom 5. Januar bis 22. Februar 2017 in einem Genesungszentrum im Ausland befunden habe. Am 15. März 2017 fand das erste Be- ratungsgespräch beim RAV statt, woraufhin der Versiche rte aufgefordert wurde, bis am 30. März 2017 seinen Klinikaufenthalt ab 5. Januar 2 017 mittels Arztzeugnis zu belegen. Da A.____ die geforderten Unterlagen nicht innert Frist einreichte, lehnte die Kasse mit Verfügung vom 17. Mai 2017 seine Anspruchsberechtigung in den Mo naten Januar und Februar 2017 in- folge Aktenunvollständigkeit und fehlendem Saldo kontro llfreier Bezugstage ab. Eine von A.____ dagegen erhobene Einsprache wies die Einsprachei nstanz des kantonalen Amtes für Gewerbe und Arbeit (KIGA) mit Entscheid vom 19. Juni 2017 ab. B. A.____ erhob mit Eingabe vom 16. Juli 2017 Beschwe rde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Er beantragte sinngemäss, der Entscheid der Einspracheinstanz sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass für die Mo- nate Januar und Februar 2017 ein Anspruch auf eine vo lle, eventualiter auf eine reduzierte Ar- beitslosenentschädigung bestehe. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, er sei in den Monaten Januar und Februar 2017 trotz freiwillig em Klinikbesuch in Deutschland vermitt- lungsfähig gewesen und er habe die Anforderungen an die Arbeitsbemühungen erfüllt. Da die Beschwerdegegnerin ihren ablehnenden Entscheid damit begründe, dass er seine krankheits- bedingte Abwesenheit nicht mit einem Arztzeugnis bele gt habe, bestätige sein Hausarzt nun- mehr, dass er ab Januar 2017 arbeits- und vermittlungsfähig gewesen sei. C. Mit Vernehmlassung vom 29. September 2017 beantra gte die Kasse unter Hinweis auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde und die Bestäti- gung des Einspracheentscheids vom 19. Juni 2017; alles unter o/e-Kostenfolge. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die obligatori sche Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 i. V. m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT SG) vom 6. Oktober 2000 ist ein Gericht als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung von Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherung sachlich zuständig. Örtlich zuständig i st nach Art. 100 Abs. 3 AVIG (Fas- sung gemäss Bundesgesetz über die Änderung des Anhangs zum ATSG [Revision 3 des An- hangs zum ATSG] vom 21. Juni 2002) i. V. m. Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligato- rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigun g (AVIV) vom 31. August 1983 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Art. 119 Abs. 1 AVIV die Rekursinstanz am Ort, wo die versicherte Person die Kontroll- pflicht erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 be urteilt das Kantonsgericht als Ver- sicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanto ns Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Damit ist es auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 16. Jul i 2017 ist somit einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.00 durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Verfahren ist d er Anspruch auf Arbeitslosenentschä- digung für die Monate Januar und Februar 2017 in der Höhe von insgesamt Fr. 7‘434.00 zu beurteilen. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 Die gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung werden in Art. 8 AVIG geregelt. Danach muss die versicher te Person unter anderem ganz oder teilweise arbeitslos (Art. 10) und vermittlungsfähig s ein (Art. 15) sowie die Kontrollvorschriften erfüllen (Art. 17). 2.2.1 Gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG ist eine Person vermit tlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzuneh men. Als Anspruchsvoraussetzung schliesst der Begriff der Vermittlungsfähigkeit graduell e Abstufungen aus (BGE 125 V 51 E. 6a mit Hinweis auf unveröffentlichte Urteile vom 19. Januar 1998 und vom 7. März 1996; T HOMAS NUSSBAUMER , in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltun gsrecht, Soziale Si- cherheit, Arbeitslosenversicherung, 3. Auflage, S. 2348, N. 270; vgl. auch Art. 24 Abs. 2 AVIV). Entweder ist die versicherte Person vermittlungsfähig u nd insbesondere bereit, eine zumutbare Arbeit (im Umfang von mindestens 20% eines Normalarbei tspensums; vgl. Art. 5 AVIV) anzu- nehmen oder nicht (BGE 120 V 385 E. 4c/aa am Ende, 1 25 V 51 E. 6a). Die Frage der Vermitt- lungsfähigkeit ist prospektiv zu beurteilen, d.h. von j enem Zeitpunkt aus und unter Würdigung jener Verhältnisse, die bei Erlass der angefochtenen Ve rfügung gegeben waren (BGE 120 V 385 E. 2; vgl. BARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversi- cherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbei tslosenversicherung und Insolven- zentschädigung, 4. Auflage, Zürich 2013, S. 70 f.). Au sser dem Umfang des für die versicherte Person in Betracht fallenden Arbeitsmarktes ist auch die Art der gesuchten zumutbaren Arbeit von Bedeutung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_382/2010, E. 2.2 mit weite- rem Verweis). 2.2.2 Die Vermittlungsfähigkeit nach Art. 15 AVIG we ist sowohl objektive als auch subjektive Kriterien auf. Unter die objektiven Kriterien fallen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die soziale Eignung und die Verfügbarkeit in räumlich er und in zeitlicher Hinsicht sowie die Ar- beitsberechtigung (N USSBAUMER , a.a.O., S. 2345, N 264; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern 1982, S . 205 ff., N 27 ff.). Als subjektive Komponente der Vermittlungsfähigkeit wird die Bereit schaft vorausgesetzt, die Arbeitskraft ent- sprechend den persönlichen Verhältnissen während der übl ichen Arbeitszeit einzusetzen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 125 V 51 E. 6a; 123 V 214 E. 3a; 120 V 385 E. 3a; 112 V 136 E. 3a; N USSBAUMER , a.a.O., S. 2348, N 270.; B UCHER , a.a.O., S. 69). Wesentliches Merkmal der Vermittlun gsbereit- schaft als subjektives Element der Vermittlungsfähigkeit ist die Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle im angegebenen Pensum als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin. Hierzu genügt die bloss verbal erklärte Vermittlungsbereitschaft nicht. Vi elmehr ist die versicherte Person gehal- ten, sich der öffentlichen Arbeitsvermittlung zur Verfüg ung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach einer zum utbaren Stelle umzusehen (Art. 17 Abs. 1 AVIG). 2.3.1 Hat eine versicherte Person auf einen bestimmten Termin hin anderweitig disponiert und steht sie deshalb nur noch während relativ kurzer Zeit für eine neue Beschäftigung zur Ver- fügung, gilt sie in der Regel als nicht vermittlungsfäh ig (B UCHER , a.a.O., S. 70 f.; SZS 1999, S. 251; Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich vom 26. November 2004, AL.2004.00457, E. 1.2). Diesfalls sind die Aussichten, zwischen der Aufg abe der alten und dem Antritt der neu- en Stelle von einem dritten Arbeitgeber angestellt zu werden, verhältnismässig gering (BGE 110 V 207 E. 1 mit Hinweisen). Entscheidend ist, ob mit ei ner gewissen Wahrscheinlichkeit ange- nommen werden kann, dass ein Arbeitgeber die versicherte Person für die konkret zur Verfü- gung stehende Zeit noch einstellen würde (BGE 126 V 520 E. 3.a). Zu prüfen sind somit jeweils die konkreten Aussichten auf eine Anstellung auf dem für die stellensuchende Person in Be- tracht fallenden allgemeinen Arbeitsmarkt, unter Berücksi chtigung der herrschenden konjunktu- rellen Verhältnisse sowie aller übrigen Umstände (B UCHER , a.a.O., S. 72 f.; ARV 1990 S. 84 f.; ARV 1991 S. 24). Steht die versicherte Person im Zeitp unkt der Anmeldung bei der Arbeitslo- senvermittlung dem Arbeitsmarkt für mindestens drei Mo nate zur Verfügung, gilt sie grundsätz- lich als vermittlungsfähig. Steht sie dem Arbeitsmarkt w eniger als einen Monat zur Verfügung, gilt sie als nicht vermittlungsfähig. Liegt die Verfü gbarkeit zwischen einem und drei Monaten, kann die Vermittlungsfähigkeit dann bejaht werden, so fern aufgrund der Arbeitsmarktsituation und der Flexibilität der versicherten Person eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, von einem Arbeitgeber angestellt zu werden. 2.3.2 Die Rechtsprechung, wonach eine versicherte Person , welche auf einen bestimmten Termin hin anderweitig disponiert hat und deshalb nur noch während relativ kurzer Zeit für eine neue Beschäftigung zur Verfügung steht, in der Regel als nicht vermittlungsfähig gilt (vgl. E. 2.3.1 hiervor), soll nicht dazu führen, dass eine versi cherte Person bestraft wird, die in Erfül- lung ihrer Schadensminderungspflicht eine nicht unmit telbar freie Stelle findet, diese auch an- nimmt und damit das Risiko einer noch längeren Arbeits losigkeit abwendet (BGE 123 V 214 E. 5a, BUCHER , a.a.O., S. 71). Hintergrund bildet der Gedanke, d ass es einer versicherten Per- son nicht zuzumuten ist, im Hinblick auf einen (theoret isch zwar möglichen, praktisch jedoch wenig wahrscheinlichen) früheren Stellenantritt mit d em Abschluss des neuen Arbeitsvertrages zuzuwarten und dadurch das Risiko einer allenfalls noch l ängeren Arbeitslosigkeit auf sich zu nehmen. Unter diesen Voraussetzungen ist die Frage nach einer allfälligen Vermittlungsunfä- higkeit wegen des bevorstehenden Antritts der neuen Stelle deshalb nicht mehr zu prüfen (BGE 110 V 207 E. 1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Eine Ausnahme vom Erfordernis der Vermittlungsfäh igkeit (und der Erfüllung der Kon- trollvorschriften) bildet Art. 28 Abs. 1 AVIG. Demgemäss haben Versicherte, die unter anderem wegen Krankheit im Sinne von Art. 3 ATSG vorübergehen d nicht oder nur vermindert arbeits- und vermittlungsfähig sind und deshalb die Kontrollvorschriften nicht erfüllen können, sofern sie die übrigen Voraussetzungen erfüllen, Anspruch auf das volle Taggeld. Der Anspruch dauert längstens 30 Tage nach Beginn der ganzen oder teilweise n Arbeitsunfähigkeit und ist innerhalb der Rahmenfrist auf die absolute Höchstbezugsdauer von 44 Taggelder beschränkt. Nach Er- schöpfen des Maximalkontingents von 44 Taggeldern, was zw ei Mal 30 Kalendertagen ent- spricht, besteht bei andauernder oder erneuter Arbeits unfähigkeit von mehr als 50 % kein Tag- geldanspruch mehr (N USSBAUMER , a.a.O., S. 2396, N. 441). Die Arbeitsunfähigkeit muss vom Versicherten innert einer Woche dem RAV gemeldet (Art. 42 Abs. 1 AVIV) und mit einem ärztli- chen Zeugnis nachgewiesen werden (Art. 28 Abs. 5 AVIG). 2.5 Die versicherte Person hat sich möglichst frühzeitig p ersönlich zur Arbeitsvermittlung zu melden und von da an die Kontrollvorschriften, wie n amentlich die Teilnahme an Beratungs- und Kontrollgesprächen, zu beachten (Art. 17 Abs. 2 un d 17 Abs. 3 lit. b AVIG). Mit der Anmel- dung zum Taggeldbezug muss sie gegenüber der zuständigen Amtsstelle ihre Bemühungen um Arbeit nachweisen (Art. 26 Abs. 2 AVIV). Die versicherte Person hat diesen Nachweis spätes- tens am fünften Tag des folgenden Monats oder am erst en auf diesen Tag folgenden Werktag einzureichen. Lässt sie diese Frist unentschuldigt verstreichen , werden ihre Arbeitsbemühun- gen nicht mehr berücksichtigt (Art. 26 Abs. 2 Satz 2 AVI V). Diese Fiktion stellt eine unwiderleg- bare Vermutung dar, dass die versicherte Person keine Arbe itsbemühungen getätigt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. April 2016, 8C_40/201 6, E. 2.1). Die Kontrolldaten für die Geltendmachung des Versicherungsanspruchs werden mit dem Formular "Angaben der versi- cherten Person" erfasst (Art. 23 Abs. 1 AVIV). Das Formular gibt dabei Auskunft über die Werk- tage, für die die versicherte Person glaubhaft macht, dass sie arbeitslos und vermittlungsfähig war sowie über alle Tatsachen, die für die Beurteilun g der Anspruchsberechtigung erheblich sind, wie Krankheit, Militärdienst, Ferienabwesenheit, Teilnahme an einer arbeitsmarktlichen Massnahme, Zwischenverdienst und Grad der Vermittlungsfä higkeit der versicherten Person (Art. 23 Abs. 2 AVIV). Als Kontrollperiode der zu erfa ssenden Daten gilt dabei jeder Kalender- monat (Art. 27a AVIV). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; 122 V 157 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch , dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnot wendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherungs gerichts ist, für die Zusammentra- gung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversi cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG, Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen an nehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b; 125 V 195 E. 2; 121 V 45 E. 2a; 204 E. 6b mit Hinweis). 4.1 Im vorliegenden Fall ist zu prüfen, ob die Beschwer degegnerin die Anspruchsberechti- gung des Beschwerdeführers für die Monate Januar und Feb ruar 2017 zu Recht abgelehnt hat. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: 4.2 Der Beschwerdeführer meldete sich am 4. Januar 2017 zum Leistungsbezug ab 1. Januar 2017 beim RAV an. Dabei gab er an, eine V ollzeitstelle zu suchen. In der Folge for- derte ihn die Kasse mit Schreiben vom 6. Januar 2017 au f, am 3. Februar 2017 am ersten Be- ratungsgespräch teilzunehmen und verschiedene Unterlag en mitzubringen (vgl. act. 024). Nachdem er diesen Termin unentschuldigt verstreichen liess, lud ihn der zuständige RAV- Mitarbeiter am 3. Februar 2017 erneut zu einem Bera tungsgespräch ein, welches am 21. Februar 2017 hätte stattfinden sollen. Auch diese m Termin blieb der Versicherte unent- schuldigt fern, weshalb das RAV mit Schreiben vom 22. Februar 2017 androhte, ihn per Anmel- determin von der Kontrolle abzumelden, sofern er sich n icht bis zum 1. März 2017 melde. Am 24. Februar 2017 ging bei der Kasse eine Erklärung de s Beschwerdeführers ein, wonach er sich für sein Verhalten entschuldige. Gleichzeitig teilt e er mit, dass er in der Zeit vom 5. Januar bis 22. Februar 2017 wegen eines Suizidversuchs in einem Genesungszentrum gewesen sei. Diese Aussagen wiederholte er auch in seinem Schreiben vom 2. März 2017. In der Folge fand am 15. März 2017 das erste Beratungsgespräch statt. Auch an diesem hat der Beschwerdefüh- rer angegeben, gesundheitlich instabil und deshalb in d er Zeit vom 5. Januar bis Ende Februar 2017 in einem Genesungszentrum gewesen zu sein, ohne diesbezüglich weitere Informationen zu geben. Im Rahmen dieses Gespräches wurde er aufgeforde rt, die noch fehlenden Unterla- gen – unter anderem ein Arztzeugnis – einzureichen. T rotz zusätzlicher schriftlicher Anweisung vom 23. März 2017 reichte der Beschwerdeführer der Kasse kein Arztzeugnis ein, welches die Arbeitsunfähigkeit bestätigt hätte. Am 20. März 2017 gingen bei der Kasse jedoch die Formula- re "Angaben der versicherten Person" für die Monate Ja nuar 2017 und Februar 2017 ein. Darin bestätigte der Beschwerdeführer, vom 1. Januar 2017 bi s am 28. Februar 2017 aus psychi- schen respektive privaten Gründen arbeitsunfähig und zwecks einer Therapie abwesend gewe- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen zu sein. Am 20. März 2017 teilte er weiter mit, da ss er in den Monaten November und De- zember 2016 tageweise unentgeltlich bei seinem Vater gearbeitet habe. Anschliessend habe er sich nach zwei Suizidversuchen in eine Auszeit begeben (vgl . act. 64). Gemäss Notiz im Ver- laufsprotokoll der Beschwerdegegnerin teilte der Versi cherte am 29. März 2017 mit, dass er kein Arztzeugnis beibringen könne. Am 7. April 2017 hi elt er fest, dass es keine entsprechen- den Unterlagen gäbe (vgl. act. 250). In der Folge leh nte die Kasse die Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers in den Monaten Januar und Februar 2017 ab und bestätigte dies mit Einspracheentscheid vom 19. Juni 2017. 4.3 Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist nicht zu bea nstanden. Wie vorstehend in Erwägung 2.4 ausgeführt, hätte der Beschwerdeführer trotz Vorliegens einer Krankheit und da- mit ohne die Voraussetzung der Vermittlungsfähigkeit im Sinne von Art. 15 AVIG erfüllen zu müssen, in den Monaten Januar und Februar 2017 gestüt zt auf Art. 28 AVIG Anspruch auf ma- ximal 44 Taggelder. Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass er ein entsprechendes Arztzeugnis eingereicht hätte, aus welchem die von ihm behauptete Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen gewe- sen wäre. Gemäss Art. 42 Abs. 1 AVIV hätte er den Nach weis der Arbeitsunfähigkeit innert ei- ner Woche nach deren Beginn dem RAV melden müssen. Di ese Frist ist eine Verwirkungsfrist mit der Folge, dass die versicherte Person bei verspäteter Meldung keinen Taggeldanspruch mehr geltend machen kann (vgl. BGE 117 V 244 E. 3b; v gl. AVIG-Praxis ALE Rz. 172). Der Beschwerdeführer stellte sich vorliegend bis zur ablehnen den Verfügung auf den Standpunkt, dass er in den Monaten Januar und Februar 2017 wegen p sychischen Problemen arbeitsunfä- hig gewesen sei und deshalb in einer Genesungsanstalt im Ausland weilte. Trotz mehrfacher Aufforderung der Beschwerdegegnerin reichte er kein Ar ztzeugnis ein, welches seine Behaup- tung hätte beweisen können. Da die Meldung der Arbe itsunfähigkeit und die Einreichung eines entsprechenden Arztzeugnisses formelle Anspruchsvoraussetzun gen bilden, wurde die An- spruchsberechtigung des Versicherten aus Art. 28 AVIG zu Rech t abgelehnt (vgl. BGE 130 V 385 E. 3.1.2; NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2397, N 445). 4.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass in den Mon aten Januar und Februar 2017 von einer Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Zwecks Nachwe ises reichte er ein Arztzeugnis von Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 12. Juli 2017 ein. 4.4.1 Was den Beweiswert von Arztzeugnissen betrifft, ist zu nächst zu beachten, dass Arzt- zeugnisse, welche sich alleine auf Patientenschilderungen abstützen und ohne eigene objektive Feststellungen abgegeben oder erst Monate später ausgeste llt werden, nicht beweisbildend sind. Aufgabe eines Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigke it die versicherte Person arbeitsun- fähig ist (ARV 2005 N 3 S. 55 E. 3.2). Im vorliegende n Fall wurde das Arztzeugnis durch den Hausarzt Dr. D.____ im Juli 2017 ausgestellt. Es ist k napp und oberflächlich. Zudem bestätigt es nur die subjektive Ansicht des Beschwerdeführers. Berei ts unter diesem Aspekt kann ihm kein Beweiswert zukommen. Weiter ist auch auf die Beweisma xime der Aussage der ersten Stunde hinzuweisen. Demnach sind anfängliche Angaben in der Regel unbefangener und zu- verlässiger als spätere Darstellungen, die bewusst oder u nbewusst von nachträglichen Überle- gungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Zwar handelt es sich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hierbei nicht um eine starre Beweisregel, aber sie kann im Einzelfall bei der Würdigung des ge- samten Beweismaterials dazu führen, die erste Aussage als überwiegend wahrscheinlicher zu erachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [E VG; heute: Bundesgericht, sozi- alrechtliche Abteilungen] vom 19. Mai 2004, U 236/03, E. 1.1). Davon ist auch vorliegend aus- zugehen. Der Beschwerdeführer äusserte in Bezug auf sei n Fernbleiben von den Erstgesprä- chen im Februar 2017, dass er wegen seinen psychischen un d privaten Problemen arbeitsun- fähig gewesen sei und sich deshalb im Ausland in einem Ge nesungszentrum befunden habe. Die gleichen Gründe gab er auch auf den Formularen " Angaben der versicherten Person" der entsprechenden Monate an und bestätigte deren Wahrhe it persönlich mit seiner Unterschrift. Unter diesen Umständen ist das Vorliegen einer Arbeitsf ähigkeit in den Monaten Januar und Februar 2017 nicht wahrscheinlich und es ist auf die ech tzeitlichen Angaben abzustellen. Zu- dem kann er auch aus den eingereichten Arbeitsbemühun gen der Monate Januar und Februar 2017 nichts zu seinen Gunsten ableiten, denn auch darau s kann nicht geschlossen werden, dass er in dieser Zeit arbeitsfähig war. Zusammenfassen d kann der Beschwerdeführer die von ihm behauptete Arbeitsfähigkeit und die daraus fliessende Vermittlungsfähigkeit in den Monaten Januar und Februar 2017 nicht mit dem im Sozialversicher ungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachweisen. 4.4.2 Die Arbeits- und Vermittlungsfähigkeit ist dem Beschwerdeführer aber auch aus nach- folgenden Gründen abzusprechen. Wie oben in Erwägung 2.2.2 ausgeführt, gehört zur objekti- ven Vermittlungsfähigkeit im Sinne von Art. 15 AVIG auch die Verfügbarkeit in räumlicher und in zeitlicher Hinsicht (NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2345, N 264; GERHARDS , a.a.O., S. 205 ff., N 27 ff.). Der Beschwerdeführer gab an, in der Zeit vom 1. bzw. 5. Januar 2017 (vgl. act. 217 bzw. 28) bis zum 22. bzw. 28. Februar 2017 (vgl. act. 28 bzw. 218 ) in einem Genesungszentrum gewe- sen zu sein. Gemäss den Angaben im Verlaufsprotokoll (vgl . act. 104) befand sich dieses im Ausland. Es ist daher bereits unter diesem Aspekt fraglic h, ob er in räumlicher und zeitlicher Hinsicht verfügbar gewesen wäre. Zudem bringt er durc h diese Angaben zum Ausdruck, dass er auf einen bestimmten Termin hin anderweitig disponiert hatte und deshalb im Grunde seit der Anmeldung zum Leistungsbezug am 4. Januar 2017 für keine neue Beschäftigung zur Verfü- gung stand. Seine Vermittlungsfähigkeit erscheint unter diesem Umstand als nicht gegeben. Sodann zeugt auch der Nachweis der persönlichen Arbeitsb emühungen, welcher für den fragli- chen Zeitraum von Januar bis Ende Februar 2017 einzig vi er telefonische und zwei persönliche Stellenbewerbungen belegt, von der mangelhaften Ver mittlungsbereitschaft des Beschwerde- führers (vgl. ARV 2000 Nr. 30 S. 160 E. 5; ARV Nr. 4 S. 21 E. 3b). 4.4.3 Schliesslich hat A.____ auch mangels Einhaltung d er Kontrollvorschriften keinen An- spruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Denn d er Beschwerdeführer hat sämtliche Kontrollvorschriften im Sinne von Art. 17 AVIG verspäte t und einige wegen verpasster Fristen nicht erfüllt, sodass es dem RAV und der Kasse nicht mögli ch war, den Anspruch in den Mona- ten Januar und Februar 2017 zu beurteilen. Bereits da s Erstgespräch konnte nicht rechtzeitig stattfinden, sondern erst am 15. März 2017. Wesentliche anspruchsbegründende Dokumente, wie die Arbeitgeberbescheinigung, eine Kopie des Vertr ags und des Kündigungsgrundes sowie die Meldung der Einwohnergemeinde, reichte der Beschwe rdeführer erst im Zeitraum vom 24. Februar bis Mitte März 2017 vereinzelt nach. Auch s eine Argumentation, wonach er sich in Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Monaten Januar und Februar 2017 um Arbeit bemüh t habe, geht fehl. So hat er die Ar- beitsbemühungen einerseits verspätet nachgereicht. Ander erseits belegen seine Arbeitsbemü- hungen keineswegs eine aktive, sondern eine reduzierte Ar beitssuche in den strittigen Mona- ten, denn für den fraglichen Zeitraum von Januar bis Ende Februar 2017 wurden, wie bereits erwähnt, lediglich vier telefonische und zwei persönliche Stellenbewerbungen getätigt. Somit hat der Beschwerdeführer die Voraussetzungen aus Art. 8 in Verbindung mit Art. 17 AVIG nicht erfüllt, weshalb ihm kein Anspruch auf Arbeitslosentaggelder zugesprochen werden kann. 4.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdegeg nerin die Anspruchsbe- rechtigung des Beschwerdeführers in den Monaten Januar und Februar 2017 zu Recht abge- lehnt hat. Die Beschwerde gegen den Einspracheentschei d vom 19. Juni 2017 ist daher unbe- gründet, weshalb sie abzuweisen ist. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht