Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Februar 2016 (715 15 263) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Absprache der Vermittlungsfähigkeit wegen fehlender Kinderbetreuung zu Unecht er- folgt. Die kantonale Amtsstelle hat die Prüfung der Vermittlungsfähigkeit zu früh ver- neint. Sie hätte in Nachachtung ihrer eigenen Nachfrage noch vor Verfügungserlass wei- tere Abklärungen vornehmen sollen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet , Advokat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen KIGA Baselland , Postfach , 4133 Pratteln 1 , Beschwerdegegnerin Betreff Absprache der Vermittlungsfähigkeit A. Die 1981 geborene A.____ ist Mutter zweier 2011 und 2014 geborener Kinder. Ihre letzte Stelle kündigte sie während der Schwangersch aft ihres zweiten Kindes per Ende März 2014. In der Folge bezog sie ab 1. April 2014 Tagge lder der Arbeitslosenversicherung und seit der Geburt ihres zweiten Kindes bis am 22. Dezember 2014 Beiträge der Erwerbsersatzord- nung. Am 23. Dezember 2014 meldete sie sich erneut zur Arbeitsvermittlung an und erhob ab diesem Datum wiederum Anspruch auf Taggeldleistungen der Arbeitslosenversicherung. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Aufgrund fehlender Kinderbetreuung wurde die kan tonale Amtsstelle KIGA am 3. März 2015 durch das regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV ) B.____ ersucht, die Vermittlungs- fähigkeit der Versicherten zu überprüfen. Hintergrund bildete der Umstand, dass die Versicherte anlässlich eines vom 2. bis 30. März 2015 angeordneten K ursbesuchs an den ersten beiden Tagen mit ihrer minderjährigen Tochter zum Kurs erschienen war. C. Mit Verfügung vom 16. März 2015 sprach das KIGA die Vermittlungsfähigkeit der Ver- sicherten und deren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigu ng infolge fehlender Kinderbetreu- ung per 4. März 2015 ab. Am 27. April 2015 ersuchte di e Versicherte das RAV B.____ um Wie- dergewährung der Leistungen. Darin brachte sie zum Au sdruck, dass die Kinderbetreuung ge- währleistet sei. Mit Verfügung vom 26. Mai 2015 bestä tigte das KIGA den Leistungsanspruch der Versicherten per 27. April 2015 im Umfang eines an rechenbaren Verdienstausfalls von 100%. D. Mit Eingabe vom 30. April 2015 erhob die Versichert e Einsprache gegen die Verfügung des KIGA vom 16. März 2015. Diese Einsprache wies das KIG A mit Entscheid vom 12. Juni 2015 ab. E. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokat Dr. Nicolas Roulet, am 17. August 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kant ons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantrag te, dass ihre Vermittlungsfähigkeit in Aufhebung des angefochtenen Entscheids ab dem 4. März 2 015 bis zum 27. April (recte: 26. April) 2015 zu bejahen sei und ihr für diesen Zeit raum die entsprechenden Taggeldleistun- gen auf der Basis eines anrechenbaren Arbeitsausfalls von 100% auszurichten seien. Eventua- liter seien ihr für diesen Zeitraum Taggeldleistunge n auf der Basis eines anrechenbaren Ar- beitsausfalls von 60% auszurichten, subeventualiter sei die Angelegenheit zur erneuten Ent- scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen, alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vorbringen, dass d er fehlende Nachweis der strittigen Kinderbetreuung auf sprachlich bedingte Verständigung sprobleme zurückzuführen sei. Sie ha- be nicht gewusst, dass sie im Hinblick auf die Betreuung ih rer Tochter auch private Drittperso- nen auf dem Obhutsnachweis hätte angeben können. Aus serdem habe sie nicht verstanden, dass sie auch bei arbeitsmarktlichen Massnahmen eine Betreu ung für ihr Kind organisieren müsse. Nach der Wiedergewährung ihrer Vermittlungsfäh igkeit habe sich gezeigt, dass das Betreuungsangebot im Umfang eines 100%-Pensums gegeben gewesen sei. Dies lasse die Schlussfolgerung zu, dass das entsprechende Betreuungsange bot bereits zuvor in vollem Um- fang bestanden habe und das Formular betreffend den O bhutsnachweis lediglich aufgrund von Missverständnissen unvollständig ausgefüllt worden sei. Eve ntualiter sei zu prüfen, ob die Ver- mittlungsfähigkeit allenfalls für ein reduziertes Pens um gegeben gewesen sei. Die Kasse be- gründe in diesem Zusammenhang nämlich nicht, weshalb die Vermittlungsfähigkeit nicht auch mindestens für ein 60%-Pensum gegeben sei, obschon vor dem Mutterschaftsurlaub bereits eine Anstellung im Umfang von 65,16% bestanden habe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 28. September 2015 auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie vor, dass keine Ve rständigungsprobleme bestanden hätten, da die Beratungsgespräche und damit auch die wiederholte Aufforderung zur Klärung und Dokumentation der fraglichen Kinderbetreuung stets in englischer Sprache geführt worden seien. Der Nachweis einer Betreuungslösung für den Sohn in der Zeit zuvor reiche alleine für die Annahme der Vermittlungsfähigkeit nicht aus. Das F ehlen eines ausreichenden Obhuts- nachweises und die Mitnahme der Tochter an die Gespräch stermine sowie zum Kursbesuch würden aufzeigen, dass die Betreuung der beiden Kinder im Zeitpunkt der Überprüfung der Vermittlungsfähigkeit noch nicht gewährleistet gewesen sei. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicheru ngsgericht erhoben werden. Ört- lich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich d as Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nicht der bis vor Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnun g, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtli- che Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in A bweichung von Art. 58 ATSG zu regeln. Nach Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 198 3 richtet sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen Amtsstelle sinngemäss nach Art. 119 AVIV. Diese Bestimmung erklärt in Abs. 1 lit. a für die Arbeitslosenentschädigung den Ort, wo die versich erte Person die Kontrollpflicht erfüllt, als massgebend. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin di e Kontrollpflicht im Kanton Basel- Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vorliegend zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beur teilt das Kantonsgericht als Ver- sicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanto ns Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 17. August 2015 ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsidialentscheid St reitigkeiten bis zu einem Streit- wert von CHF 10'000. Im vorliegenden Fall liegt der S treitwert für die Zeit der strittigen Abspra- che der Vermittlungsfähigkeit zwischen 4. März 2015 und 2 6. April 2015 offensichtlich unter diese Grenze. Die Beurteilung der Beschwerde vom 17. August 2015 fällt demnach in die Kom- petenz der präsidierenden Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Eine Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslo senentschädigung ist das Erforder- nis der Vermittlungsfähigkeit der ganz oder teilweise a rbeitslosen versicherten Person (Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG). Gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG ist ei ne Person vermittlungsfähig, wenn sie be- reit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen. Zur Vermittlungsfähig- keit nach Art. 15 AVIG gehören mit anderen Worten al s objektive Kriterien zum einen die Ar- beitsfähigkeit, verstanden als körperliche und geistige Le istungsfähigkeit, soziale Eignung und Verfügbarkeit in räumlicher und in zeitlicher Hinsicht ( THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversi- cherung, in: Bundesverwaltungsrecht/Soziale Sicherheit,, S. 85 N 214; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern 1982, S. 205 ff. N 27 ff.) sowie zum anderen die Arbeitsberechtigung. Als subjektive Kompo nente der Vermittlungsfähigkeit wird die Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend de n persönlichen Verhältnissen während der üblichen Arbeitszeit einzusetzen, vorausgesetzt (BG E 125 V 58 E. 6a, 123 V 216 E. 3a, 120 V 388 E. 3a, 112 V 137 E. 3 und 217 E. 1a; N USSBAUMER , a.a.O., S. 84 f. N 211; H ANS ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesgerichts im Sozialversicherungsre cht, Bundes- gesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung u nd Insolvenzentschädigung, Zü- rich 1988, S. 31). Als Anspruchsvoraussetzung schliesst der Begriff der Vermittlungsfähigkeit graduelle Abstufungen aus (BGE 125 V 51 E. 6a mit Hi nweis auf unveröffentlichtes Urteile F. vom 19. Januar 1998 und D. vom 7. März 1996; Nussbaumer , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], S. 85 Rz. 213; vgl. aber Art. 24 Abs. 2 AVIV). Entweder ist die versicherte Person vermittlungsf ähig und insbesondere bereit, eine zu- mutbare Arbeit (im Umfang von mindestens 20 Prozent eines Normalarbeitspensums; vgl. Art. 5 AVIV und BGE 120 V 390 E. 4c/aa am Ende) anzunehmen, oder nicht. 2.2 Wesentliches Merkmal der Vermittlungsbereitschaft a ls subjektives Element der Ver- mittlungsfähigkeit (neben der Arbeitsfähigkeit / Verfügbarkeit und Arbeitsberechtigung als objek- tive Elemente, vgl. Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwal- tungsrecht [SBVR], S. 2262 Rz. 261ff.) ist die Bereitsch aft zur Annahme einer Dauerstelle als Arbeitnehmer. Hierzu genügt die bloss verbal erklärte V ermittlungsbereitschaft nicht. Vielmehr ist die versicherte Person gehalten, sich der öffentliche n Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach einer zumut- baren Stelle umzusehen (Art. 17 AVIG). Inhalt der Ve rmittlungsbereitschaft ist auch die Bereit- schaft, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (Art. 15 Abs. 1 AVIG) und die Weisungen der Durchführungsorgane zu befolgen. Darunter sind säm tliche Massnahmen zu verstehen, welche der möglichst raschen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt dienen. Eine wiederhol- te Nichtbefolgung der Weisungen der Durchführungsorgane, fortdauernd ungenügende Arbeits- bemühungen und eine wiederholte Ablehnung zumutbare r Arbeit oder die Verweigerung an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen, lassen ebenfalls auf fehlende Vermittlungsbereit- schaft schliessen (SECO, Kreisschreiben über die Arbeitslose nentschädigung [KS ALE Januar 2012 Rz. B 221 ff. mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung; vgl. Nussbaumer, a.a.O., S. 2262 Rz. 273). 2.3 Vermittlungsunfähigkeit liegt dann vor, wenn ei ne versicherte Person aus persönlichen oder familiären Gründen ihre Arbeitskraft nicht so ein setzen kann oder will, wie es ihr Arbeitge- ber normalerweise verlangt (BGE 123 V 216 E. 3, 120 V 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Recht- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprechungsgemäss begründet der Umstand, dass Versicherte si ch im Hinblick auf anderweiti- ge, namentlich familiäre Verpflichtungen oder besonde re persönliche Umstände lediglich wäh- rend gewisser Tages- oder Wochenstunden erwerblich betäti gen wollen, oder Eltern betreu- ungspflichtiger Kinder eine Arbeit in Gegenschicht zum erwerbstätigen Ehegatten wünschen, allein noch keine Vermittlungsunfähigkeit. Diese Rech tsfolge tritt indes dann ein, wenn der ver- sicherten Person bei der Auswahl des Arbeitsplatzes aus familiären oder persönlichen Gründen nachweislich derart enge Grenzen gesetzt sind, dass das Finden einer passenden, eventuell zu jener des Ehemannes komplementären Stelle sehr ungewiss i st (BGE 123 V 216 E. 3, 120 V 388 E. 3a mit Hinweisen; ARV 2004 S. 280 E. 3.1, 1991 S. 20 E. 3a). 2.4 Eine versicherte Person mit betreuungspflichtigen Kindern muss hinsichtlich ihrer Ver- mittlungsfähigkeit die gleichen Bedingungen erfüllen wie alle übrigen Personen. Namentlich in Bezug auf ihre Verfügbarkeit liegt es deshalb an ihr, das Privat- und Familienleben so zu gestal- ten, dass sie nicht daran gehindert ist, im Umfang des geltend gemachten Beschäftigungsgrads einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Wie die versicherte Person die Betreuung ihrer Kinder regelt, ist deshalb ihr überlassen (KS A LE, Rz. B 225 f.). Die Durchführungsstellen dürfen dabei nicht schon im Zeitpunkt der Anmeldung zum Taggeldbezug einen Obhutsnach- weis verlangen. Erscheint im Verlaufe des Leistungsbezugs der Wille oder die Möglichkeit, die Kinderbetreuung einer Drittperson oder einer Institu tion anzuvertrauen erwiesenermassen als zweifelhaft, muss die zuständige Amtsstelle die Vermittlungsfähigkeit im Hinblick auf die konkre- te Möglichkeit einer adäquaten Kinderbetreuung jedoch prüfen. Dafür hat sie einen Obhuts- nachweis zu verlangen. Indizien für die Zweifelhaftigke it sind namentlich ungenügende Arbeits- bemühungen oder die Aufgabe der vorangehenden Stell e infolge von Betreuungspflichten (Ur- teil des Bundesgerichts 8C_367/2008 vom 26. November 2008 E. 4.2). 2.5 Die Vermittlungsfähigkeit darf nicht leichthin un ter Verweis auf familiäre Betreuungs- aufgaben verneint werden. Dies gilt namentlich dann, wenn eine Person vor Eintritt der Arbeits- losigkeit bereits den Tatbeweis erbracht hat, dass sie tr otz Betreuungsaufgaben eine Vollzeit- beschäftigung auszuüben bereit und in der Lage war, un d ihre bisherige Stelle aus nicht selbst zu verantwortenden Gründen aufgegeben werden musste. Fe hlt es mit Blick auf eine erneut angestrebte Vollzeitstelle am Nachweis einer durchwegs ge währleisteten Kinderbetreuung, ist zu prüfen, ob die leistungsansprechende Person allenfal ls bereit und in der Lage wäre, wenn nicht vollzeitlich, so doch in einem Umfang von mindest ens 20% eines Normalarbeitspensums erwerbstätig zu sein, was bejahendenfalls den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung in ei- nem reduzierten Umfange begründen kann (Urteil des Bun desgerichts C 102/2006 vom 30. Januar 2007 E. 2.2). 3.1 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrun dsatz beherrscht (Art. 61 lit. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorinstanz oder Beweisanträge der Parteien zu sorgen . Bei unklaren rechtserheblichen Tatsa- chen sind zusätzliche Abklärungen vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn dazu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebe nder Anhaltspunkte hinreichend An- lass besteht (BGE 117 V 283). Dieser Grundsatz gilt in dessen nicht uneingeschränkt. Er findet sein Korrelat im Grundsatz der Mitwirkungspflicht der Pa rteien (vgl. Art. 61 lit. c ATSG; Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 120 V 357, 115 V 142 E. 8a, 110 V 52 E. 4a). Di e Mitwirkungspflicht ist im Rahmen der zumutbaren Mitwirkung individuell zu bestimmen (U ELI KIESER , ATSG Kommentar, Zü- rich/Basel/Genf 2003, S. 615). Dies bedeutet, dass die Person, die aus einem Begehren ge- genüber dem Sozialversicherungsträger Rechte ableitet o der zur Auskunft verpflichtet ist, bei der Feststellung des relevanten Sachverhaltes mitzuwirken hat (BGE 121 V 210). Besondere Bedeutung hat die Mitwirkungspflicht dann, wenn der S achverhalt ohne Mitwirkung der be- troffenen Person gar nicht abgeklärt werden kann. Verwe igert eine Person die notwendige und zumutbare Mitwirkung oder unterlässt sie diese in zumindest fahrlässiger Weise, kann der So- zialversicherungsträger aufgrund der Akten beschliessen oder auf ein Gesuch nicht eintreten (THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 445). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Besc hwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1984, S . 136). Im Sozialversi- cherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei nlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdar stellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195, 121 V 47 E. 2a, 208 E. 6b mit Hinweis). 4. Strittig und zu prüfen ist, ob und in welchem Umf ang die Beschwerdeführerin trotz der ihr obliegenden Kinderbetreuungspflichten im Zeitraum vom 4. März 2015 bis 26. April 2015 als vermittlungsfähig einzustufen ist. 4.1 Aus dem in den Akten liegenden Obhutsnachweis der Stiftung C.____ vom 8. bzw. 9. Januar 2015 geht hervor, dass der ältere Sohn der Versicherten jeweils von Montag bis Don- nerstag von 7.30 Uhr bis 14 Uhr und am Freitag den ga nzen Tag durch das Tagesheim der Gemeinde fremdbetreut werde. Für die am 16. Septemb er 2014 geborene Tochter der Versi- cherten ist in diesem Formular kein Betreuungsnachweis a usgewiesen. Nachdem die Versi- cherte an den ersten beiden Kurstagen mit ihrem Kleinki nd zum angeordneten D.____-Kurs erschienen und mit Schreiben des Kursveranstalters vom 3. März 2015 darauf hingewiesen worden war, dass eine Kursteilnahme nur möglich sei, wenn die Betreuung ihrer Kinder gewähr- leistet sei (vgl. Schreiben E.____ vom 3. März 2015), überwies das zuständige RAV am 4. März 2015 die Frage der Vermittlungsfähigkeit zur Prüfung und zum Entscheid an das KIGA. Aus der Überweisung zum Entscheid des RAV vom 4. März 2015 geht hervor, dass sich die Versicherte am 2. März 2015 bei der Personalberatung gemeldet un d mitgeteilt habe, dass sie keine Kin- derbetreuung für ihr Baby habe. 4.2 Mit amtlicher Erkundigung vom 4. März 2015 unterbr eitete das KIGA der Versicherten zwecks Prüfung der Vermittlungsfähigkeit diverse Fragen i m Zusammenhang mit der Kinderbe- treuung ihrer beiden Kinder. Insbesondere bat es die Versicherte um einen vollständigen Ob- hutsnachweis mit dem hierfür vorgesehenen Formular bi s zum 18. März 2015. Das entspre- chende Formular datiert vom 6. März 2015 und ging am 9. März 2015 bei der kantonalen Amts- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stelle ein. Daraus geht hervor, dass der Sohn der Versicherten jeweils von Montag bis Donners- tag von 7.30 Uhr bis 14 Uhr und am Freitag den ganzen Tag durch das Tagesheim der Ge- meinde fremdbetreut werde. Für die jüngere Tochter der Versicherten ist auf diesem Formular hingegen wiederum kein Betreuungsnachweis ausgewiesen. Mit Schreiben vom 9. März 2015 erkundigte sich die kantonale Amtsstelle in der Folge bei der Versicherten, ob es zutreffe, dass sie für die Tochter keine Kinderbetreuung habe. Mit A ntwortschreiben vom 12. März 2015 teilte die Versicherte mit, dass sie mit ihrem Kind noch immer zu Hause sei. Eine Arbeit oder ein Deutschkurs seien kein Problem, ihr Kind könne vorerst bei ihrer Schwester oder bei den Nach- barn bleiben, bis die Gemeinde über die Kinderbetreu ung entschieden habe. Aus der nachfol- genden Bescheinigung vom 8. April 2015 betreffend Kinderbetreuung geht sodann hervor, dass die Tochter F.____ jeweils am Montag und am Mittwoch von acht bis 14 Uhr, am Dienstag von neun bis 16 Uhr, am Donnerstag von acht bis 16 Uhr und freitags von acht bis 18 Uhr durch die Familie der Versicherten betreut werde und man die V ersicherte „egal wann“ bei der Kinderbe- treuung unterstütze. Einem weiteren, am 15. April 20 15 unterzeichneten Obhutsnachweis ist zu entnehmen, dass nebst der Obhut des Sohnes durch die Gemeinde die Kinderbetreuung für die Tochter die ganze Woche täglich von acht bis 18 Uhr dur ch die Familie G.____ in H.____ ge- währleistet sei. Einer dritten Obhutsbescheinigung vo m 27. April 2015 zufolge, welche aller- dings nur von der Versicherten unterzeichnet worden ist, kann schliesslich entnommen werden, dass der Sohn während der Woche jeweils von 7.30 bis 14 Uhr durch das Tagesheim und im Anschluss durch die Familie G.____ und die Tochter währ end allen Wochentagen von jeweils acht bis 18 Uhr ebenfalls durch die Familie G.____ betreut würden. 4.3.1 Aufgrund der dargelegten Aktenlage bestehen zwa r vereinzelte Indizien dafür, dass es mit der von der Versicherten organisierten Kinderbetreuung anfänglich vereinzelte Probleme mit der Organisation gegeben hat. Insbesondere war in Bezug auf die Tochter offensichtlich durch das Tagesheim der Gemeinde keine Betreuung gewährleiste t. Die Versicherte ist in den ersten beiden Tagen ausserdem zusammen mit ihrer Tochter zum K ursbesuch erschienen, obschon eine externe Kinderbetreuung auch bei arbeitsmarktlich en Massnahmen stets sichergestellt sein muss. Ob die Mitnahme der Tochter zum Kurs auf sprach liche Verständnisprobleme oder sonstige Missverständnisse zurückzuführen war, wie die Beschwe rdeführerin vorbringen lässt, kann aus nachfolgenden Gründen jedoch offen bleiben. 4.3.2 Entgegen der vom KIGA vertretenen Auffassung kan n nicht davon ausgegangen wer- den, dass im Zeitpunkt, in welchem die Vorinstanz die Ve rmittlungsfähigkeit der Versicherten am 16. März 2015 verneint hatte, die Betreuung der be iden Kinder nicht mindestens durch Pri- vatpersonen umfassend gewährleistet gewesen wäre. Noch bevor die Vorinstanz die Vermitt- lungsfähigkeit der Versicherten mit Verfügung vom 16 . März 2015 abgelehnt hat, bestanden bereits klare Anhaltspunkte in den Akten, dass die Betr euung der Tochter zwar nicht durch das Tagesheim der Gemeinde, indessen durch das private Umfel d der Versicherten sichergestellt war. Der gegenteiligen Auffassung des KIGA kann insbesond ere deshalb nicht gefolgt werden, weil sich die kantonale Amtsstelle noch vor Erlass der ur sprünglich angefochtenen Verfügung mit Schreiben vom 9. März 2015 explizit danach erkundig t hatte, ob die Versicherte für die Tochter keine Kinderbetreuung habe. Hintergrund dieser Nachfrage war offensichtlich eine in- terne Notiz der kantonalen Amtsstelle vom 9. März 2015, wonach nochmals nachgehakt werden Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht müsse, ob die Kinderbetreuung für das zweite Kind nicht doch gewährleistet sei. Nachdem die Versicherte dem KIGA mit Antwortschreiben vom 12. März 2015 und mithin noch vor Erlass der ursprünglich angefochtenen Verfügung aber mitgeteilt hatte, dass eine Arbeit oder ein Deutsch- kurs kein Problem seien, weil ihr Kind vorerst bei ihrer Schwester oder bei den Nachbarn blei- ben könne, bis die Gemeinde über die Kinderbetreuung entschieden habe, bestanden gewichti- ge Hinweise, dass die Versicherte die Betreuung ihrer beiden Kinder bereits dazumal adäquat und umfassend sicherzustellen in der Lage war. Es ist daran zu erinnern, dass die Vermittlungs- fähigkeit nicht leichthin unter Verweis auf familiäre B etreuungsaufgaben verneint werden darf (vgl. oben, Erwägung 2.5 hiervor). Dabei ist namentlich mit zu berücksichtigen, dass die Be- schwerdeführerin schon ab April 2014 in der Lage gewes en war, trotz der Betreuung für den Sohn einer Beschäftigung nachzugehen. Im Wissen um die Tatsache, dass im privaten Umfeld zumindest grossmehrheitlich auch für ihre Tochter eine Be treuung offenbar vorhanden war, wäre die Vorinstanz deshalb noch vor Erlass ihrer Ver fügung vom 16. März 2015 verpflichtet gewesen, ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Dies aber hat sie unterlassen. 4.3.3 Noch bevor die Versicherte am 27. April 2015 um W iedergewährung ihrer Vermitt- lungsfähigkeit ersucht hatte, gingen bei der kantonal en Amtsstelle in der Folge zwei weitere Bescheinigungen betreffend die Kinderbetreuung ein. Aus der Bescheinigung vom 8. April 2015 geht hervor, dass die Tochter F.____ durch die Familie der Versicherten betreut werde. Die Versicherte werde „egal wann“ bei der Kinderbetreuung unterstützt. Der nur kurze Zeitraum zwischen dieser Bescheinigung und dem Antwortschreiben de r Versicherten vom 12. März 2015 lässt nun aber keine andere Schlussfolgerung zu, als dass diese privative Betreuung für die Tochter bereits schon zuvor in vollem Umfang bestand en hat. Es ist deshalb davon auszu- gehen, dass dieser Betreuungsnachweis noch vor dem Erlass der ablehnenden Verfügung vom 16. März 2015 ausgestellt worden wäre, hätte die Vorin stanz in Nachachtung ihrer Nachfrage vom 9. März 2015 und der Antwort der Versicherten vom 1 2. März 2015 zunächst die ihr oblie- genden Abklärungen vorgenommen. Dies gilt umso mehr, we il in einem weiteren Obhutsnach- weis vom 15. April 2015 die Betreuung der Tochter zusät zlich durch eine zweite Familie im pri- vaten Umfeld der Versicherten nachgewiesen wurde. Auch hier ist aufgrund der zeitlichen Nähe zur gerade noch zuvor ergangenen Bestätigung der Versich erten vom 12. März 2015 davon auszugehen, dass die entsprechende Betreuung im Zeitpunk t der angefochtenen Verfügung ebenfalls bereits gewährleistet gewesen wäre. Schliesslich ist festzustellen, dass die ergänzen- de Betreuung des Sohnes der Versicherten nebst dem Tag esheim der Gemeinde von Montag bis jeweils Donnerstag ab 14 Uhr durch die gleiche Fami lie sichergestellt war, welche am 15. April 2015 bereits für die Tochter die Betreuung bestätigt hatte (vgl. Obhutsbescheinigung vom 27. April 2015). Auch für Sohn I.____ ist demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dessen Betreuung im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung bereits umfassend gewährleistet war. 4.4 Es resultiert, dass die kantonale Amtsstelle die Prüfu ng der Vermittlungsfähigkeit der Versicherten zu früh verneint hat, weil sie in Nachachtung ihrer eigenen Nachfrage vom 9. März 2015 und der umgehenden Antwort der Versicherten vom 1 2. März 2015 keine weiteren Abklä- rungen vorgenommen und stattdessen umgehend entschieden hat. Die erst im Nachgang zur angefochtenen Verfügung vom 16. März 2015 ergangenen Betreuungsnachweise sind für die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beurteilung der Vermittlungsfähigkeit der Versicherte n ab 4. März 2015 deshalb mit zu berück- sichtigen. Sie zeigen auf, dass für die beiden Kinder d er Beschwerdeführerin schon vor dem Erlass der Verfügung vom 16. März 2015 eine umfassende K inderbetreuung durch Drittperso- nen im privaten Umfeld der Versicherten sichergestellt w ar. Unabhängig davon, dass die Versi- cherte den ihr zugewiesenen Kurs an den ersten beiden T agen mit ihrer Tochter besucht hat, war die Versicherte mit Blick auf die Obhut ihrer Kinde r daher bereits anfangs März 2015 in der Lage, vollzeitlich erwerbstätig zu sein bzw. sich mit ge bührendem Einsatz um eine neue Stelle zu bemühen. Die eingegangenen Obhutsnachweise belegen, dass der Beschwerdeführerin aus familiären Gründen jedenfalls keine derart engen Gren zen gesetzt waren, dass das Finden ei- ner passenden Vollzeitstelle nicht schon anfangs März 201 5 möglich gewesen wäre. Dies gilt umso mehr, weil aus den Akten namentlich in Form ungen ügender Arbeitsbemühungen keine Indizien ersichtlich sind, die Vermittlungsfähigkeit aus w eiteren Gründen in Zweifel zu ziehen (vgl. oben, Erwägung 2.4 a. E.). Die Vermittlungsfähi gkeit der Beschwerdeführerin ist deshalb bereits für die Zeit vom 4. März bis 26. März 2015 zu be jahen, was ab diesem Datum auch zu einem Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung führen mu ss. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis gutzuheissen. 5. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind keine Verfahrenskosten zu erheben. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Perso n Anspruch auf Ersatz ihrer Partei- kosten. Der Beschwerdeführerin ist demnach eine Parteien tschädigung zu Lasten des KIGA zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 18. November 2015 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Zeitaufwand von einer halben Stunde für anwaltliche Tätigkeiten und zwei- einhalb Stunden für die Bemühungen eines Volontärs er weist sich in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. N icht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von insgesamt CHF 136.—. Der Beschwerdeführerin ist auf der Basis der in Rechnung g estellten Stundenansätze eine Partei- entschädigung in der Höhe von CHF 632.90 (1/2 Stunde à CHF 200.—, 2 ½ Stunden à CHF 140.— sowie Auslagen von CHF 136.— zuzüglich 8 % Mehrwertst euer) zu Lasten des KIGA zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden der Einspr acheentscheid des KIGA vom 12. Juni 2015 sowie dessen Verfügung vom 16. Mä rz 2015 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das KIGA hat der Beschwerdeführerin eine Parteient schädigung in der Höhe von CHF 632.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertst euer) zu be- zahlen.