Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. August 2018 (720 18 9 / 224) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invalidenrente; Würdigung des eingeholten Gutachtens und dessen Korrektur durch den RAD Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1974 geborene A.____ arbeitete seit dem 17. November 2003 bei der Genossen- schaft B.____ als Fachleiter. Am 11. August 2014 me ldete er sich unter Hinweis auf eine Krankheit bei der Eidgenössischen Invalidenversiche rung (IV) zum Leistungsbezug an. Die zu- ständige IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klä rte in der Folge die gesundheitlichen und er- werblichen Verhältnisse ab. Nach Durchführung eines Vorbescheidverfahrens lehnte die IV- Stelle den Anspruch des Versicherten auf eine Inval idenrente gestützt auf einen nach der all- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemeinen Methode ermittelten Invaliditätsgrad von 7% mit Verfügung vom 13. November 2017 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 9. Januar 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei zur Be- urteilung seiner Arbeitsfähigkeit ein polydisziplinäre s Gerichtsgutachten anzuordnen, unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass das eingeholte Gutachten der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) veraltet sei und überdies die von den behan- delnden Ärzten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung nicht berücksichtige. Nach der Begutach- tung habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführer s weiter verschlechtert. Auf die beigezogene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin könne ebenfalls nicht abgestellt werden. Der medizinische Sachver- halt erweise sich folglich als ungenügend abgeklärt, we shalb ein Gerichtsgutachten einzuholen sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Februar 2018 schloss di e Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 9. Januar 2018 ist demnach e inzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Be schwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochte nen Verfügung vom 13. November 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähi gkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit od er Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ein- zuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1 ). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es geli ngt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wär e (Valideneinkommen). Aus der Ein- kommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unter lagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sow ie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversi cherungsgericht alle relevanten Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 E . 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI- Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stü tzt sich der angefochtene Entscheid hin- gegen ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweis- würdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zwei- feln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztliche n Feststellungen ergänzende Abklä- rungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27 . Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von b ehandelnden Ärzten darf und soll das Ge- richt der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf- tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pa- tienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die untersch iedliche Natur von Behandlungsauf- trag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amt- lich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl . BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärung en zu nehmen, wenn die behan- delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen . Vorbehalten bleiben Fälle, in de- nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, wei l die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspri ngende – Aspekte benennen, die im Rah- men der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt gebl ieben sind (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.5 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie au ch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). 6. Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahlre iche medizinische Akten vor, wel- che vom Gericht allesamt gewürdigt wurden. Als für den Entscheid massgebend haben sich insbesondere die folgenden Unterlagen erwiesen: 6.1 Gemäss versicherungsmedizinischer Beurteilung von Prof. Dr. med. C.____ zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom 3. September 2014 lei de der Versicherte seit Beginn des Jahres an zunehmenden Schmerzen im rechten Ellbogengelenk mit Ausstrahlung in den Unter- arm und in die Hand. Seit März 2014 werde er intensiv hausärztlich und orthopädisch abgeklärt, die Schmerzentwicklung sei indessen chronifizierend. In psychiatrischer Hinsicht seien die Di- agnosen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-1 0 F33.01), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak mit Abhängigkeitssynd rom (ICD-10 F17.24) zu stellen. Empfohlen werde die Einleitung einer antidepressiven m edikamentösen Unterstützung. Die Prognose sei zur Zeit unsicher. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Dr. med. D.____, FMH Chirurgie und Handchirurgi e, diagnostizierte mit ärztlichem Gutachten zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom 17. Okt ober 2014 unter Hinweis auf die geklagten brennenden Schmerzen, die Beschwerderegion und den klinischen Befund einen Verdacht auf Epicondylitis humeri radialis rechts. Nach einem Arbeitsversuch im September 2014 sei es zu einer deutlichen Schwellung im Bereich de s rechten proximalen radialen Unter- arms gekommen. Eine periphere muskuläre Schwäche könne e iner Problematik des Nervus radialis entsprechen. Einschränkend müsse festgehalten we rden, dass die somatische Proble- matik psychisch überlagert scheine. Ein morphologisches Korr elat könne aufgrund der vorlie- genden Befunde nicht abschliessend ausgeschlossen werden, so dass als Arbeitshypothese eine Epicondylitis humeri radialis rechts, welche vom P atient kompliziert verarbeitet werde, vor- geschlagen werde. Inwiefern und mit welchem Anteil eine problematische Schmerzverarbeitung oder eine psychiatrische Erkrankung an den Beschwerden bete iligt sei, könne der Gutachter nicht sagen. Zu diagnostizieren sei indessen auch eine extr eme muskuläre Verspannung bei Verdacht auf Überlagerung. Der Patient sei bis zur Klä rung der Situation zu 100% arbeitsunfä- hig. In einer CTS vom 2. Dezember 2014 wurde die Diagnose einer Epicondylitis humeri radialis rechts bestätigt. Eine sichere neurogene Affektion habe sich nicht nachweisen lassen. Grenz- wertige Befunde hätten sich einzig im Karpaltunnel gefunden. 6.3 Mit Bericht vom 15. Januar 2015 zuhanden der IV-St elle stellte Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, der Klinik F.____ folgend e Diagnosen: eine andauernde Per- sönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0 ) seit ca. Mitte der 90er Jahre be- stehend sowie eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F.32.11) mindestens seit November 2014 bestehend. Der Patient sei durch das Wiedererinnern traumatischer Ereignisse, einer erhöhten Schreckhaftigkeit und Hypervigilanz, Schlafstörungen, Antriebsverminderung, kognitiven Einschränkungen sowie einer Niedergeschlagenheit deutlich in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Er sei aus psyc hiatrischen Gründen seit mindestens 26. November 2014 zu 100% arbeitsunfähig. Im Anschluss an die aktuelle tagesklinische Be- handlung sei die Durchführung beruflicher Massnahmen, na mentlich einem Arbeitsversuch mit langsamer Pensumssteigerung wünschenswert. 6.4 Die behandelnden Ärzte der Klinik F.____ verfasste n am 26. Juni 2015 einen aktuali- sierten Arztbericht. Darin wurde neben der andauernden Persönlichkeitsänderung nach Ext- rembelastung und der ebenfalls weiter bestehenden mitt elgradigen depressiven Episode neu eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45 .40) diagnostiziert. Es sei kurz- bis mittelfristig von einer schlechten Prognose auszugehen. F alls der Patient auf die aktuelle ta- gesklinische Therapie anspreche, sei längerfristig eine V erbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Ob er jedoch wieder fähig sein werde, auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein, kön- ne im jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden. 6.5 Am 15. Juli 2015 gab die IV-Stelle bei der asim e in bidisziplinäres rheumatologisch- psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches am 23. Novem ber 2015 erstattet wurde. Darin stellten die involvierten Fachärzte Dr. med. G.____, FMH Innere Medizin und FMH Rheumato- logie, und Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychoth erapie, folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: eine rezidivieren de depressive Störung, gegenwärtig Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), im Ausprägungsgrad in der Nähe zur leichtgradigen Episode, differenzialdiagnostisc h bei akzentuierter Persönlichkeit, be- stehend seit 1995 sowie eine chronische Epicondylopathia humeri radialis rechts, bei leichter Ellenbogenkontraktur-Tendenz, minimen radiomorphologischen Veränderungen und ohne klini- sche oder elektrophysiologische Zeichen für eine periphere Entrapmentsymptomatik. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien ein leich tes chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom bei inkonstanter muskulärer Einschränkung de r Halswirbelsäulen(HWS)- Beweglichkeit und muskulären nuchalen Verspannungen und Dolenzen rechtsbetont sowie ra- diomorphologisch diskreten mehrsegmentalen Bandscheibenp rotrusionen C5 bis Th1 ohne Stenosierungen; ein Verdacht auf beidseitige Thoracic ou tlet-Symptomatik; ein rezidivierendes leichtes lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei klinisch freier Lendenwirbelsäulen(LWS)- Beweglichkeit und konventionell-radiologisch unauffälligem LWS-Bild; leichte Kniebeschwerden medial rechts, wobei eine mediale Meniskuspathologie ni cht völlig ausgeschlossen sei bei kon- ventionell-radiologisch unauffälligen Verhältnissen; e in ausgeprägtes Schmerzvermeidungsver- halten mit inkonstanter Ellenbogenschonung rechts, zuckenden Ausweichbewegungen und Ge- geninnervation bei der Untersuchung und einem antrieb sgeminderten, leidenden Habitus; ein Untergewicht bei BMI 17 kg/m 2 sowie Störungen durch Tabak/Nikotin (ICD-10 F17.24). Gemäss rheumatologischem Fachgutachten beklage der Explor and aktuell messerstichartige und auch brennende Schmerzen am rechten Arm von der Mi tte des Oberarms und bis in den Bereich des Handgelenks und in den Handrücken rechts a usstrahlend, wobei sich der Haupt- schmerz im Bereich des radialen Epicondylus und der Prona toren am rechten Unterarm radial befinde. Ein Arbeitsversuch am bisherigen Arbeitsplatz i m September 2014 habe die Schmer- zen intensiv verstärkt. Die Symptomatik habe Anfang 2014 pl ötzlich begonnen und sei dann progredient schlimmer geworden mit Schwellungsgefühlen, eine Verbesserung habe sich durch Physiotherapie nicht erreichen lassen. An der rechten Hand träte mehrmals wöchentlich ein Ameisenlaufen über den Fingern I bis IV auf, mit Sen sibilitätsstörungen an den Fingerkuppen. Weiter würden vom Explorand rezidivierende, lumbal un d links gluteal lokalisierte Rücken- schmerzen beklagt, die einige Male pro Jahr aufträten so wie häufige tiefnuchale Schmerzen im Nackenbereich, ohne Ausstrahlung und ohne morgendliche o der abendliche Akzentuierung. Ausserdem berichte der Explorand von medialen Knieschmer zen rechts im distalen Ober- schenkelbereich. Dr. G.____ führt in seiner Beurteilung aus, dass die a ktuelle Untersuchung einen schmächtigen untergewichtigen Habitus und ein diffuses Giving way an der rechten oberen Extremität proxi- mal und distal gezeigt habe. Gleichzeitig finde sich ab er ein symmetrisches Reflexbild, ein be- züglich roher Kraft unauffälliger Spitzgriff rechts und ein inkonstantes, peripheres, teils grob- schlägiges Zittern beim Vorhalteversuch. Es sei eine deu tliche Thoracic outlet-Symptomatik provozierbar, rechts mehr als links, jedoch ohne Gefässgeräu sche. Beim Gehen würden der rechte Ellenbogen am Rumpf deutlich geschont, beim An- und Ausziehen würden sich jedoch kaum signifikante Auffälligkeiten zeigen sowie beim Bind en der Schuhe ein bloss leichtes Rest- extensionsdefizit am rechten Ellenbogen. Hände und Schu ltern seien unauffällig, ebenso die Schultergürteltrophik. Das Vorhalten und Abduzieren des rechten Armes mit gestrecktem Un- terarm sei schmerzhaft leichtgradig eingeschränkt. Während der Untersuchung seien inkonstan- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht te muskuläre Gegeninnervationen und zuckende Ausweichbewegungen aufgefallen, die im Ver- lauf bei allen passiven Tests eher zugenommen hätten. Es sei von einer grossen Diskrepanz zwischen dem Ausmass der geltend gemachten Schmerz- und Lei densintensität und der gerin- gen Eindrücklichkeit der diskreten klinischen und radiomorp hologischen Befunde auszugehen. Insgesamt sei das Beschwerdebild am Bewegungsapparat erst linig einer sehnendegenerativen Veränderung am rechten Ellenbogen im Sinne einer chr onischen Epicondylopathie humeri radi- alis rechts zuzuordnen, wie dies auch die behandelnden Fachärzte festgestellt hätten. Hinweise auf differenzialdiagnostisch anderweitige, derartige B eschwerden verursachende Affektionen fänden sich in der Gesamtschau der Befunde nicht und seie n auch von den früher untersu- chenden Fachärzten nicht identifiziert worden. Schon früh sei im Verlauf eine nicht muskoloske- lettäre Leidenskomponente festgestellt worden. In der Folge des missglückten Arbeitsversuchs sei wohl allenfalls eine nicht-überwindbare psychologische Fehlentwicklung erfolgt. Derzeit fin- de sich eine wohl fixierte Krankheits- und Invaliditätsü berzeugung. Aktuell sei dennoch eine deutlich verminderte Belastbarkeit des rechten Ellenboge ns zuzuerkennen. Die vom Exploran- den ebenfalls beklagten nuchalen Schmerzen entsprächen er stlinig muskulären Schmerzen, aufgetreten wohl im Rahmen von Ausweich- und Schonbew egungen des rechten Arms mit muskulärer Überbelastung. Die gelegentlichen lumbalen Beschwerden und Knie- und Ober- schenkelbeschwerden stünden gegenüber den rechtsseitigen A rmbeschwerden weit im Hinter- grund und hätten keine zusätzlich einschränkende Wirkung. Dem Exploranden könne seit min- destens Juni 2014 die angestammte Tätigkeit aus körperli chen Gründen nicht mehr zugemutet werden könne. Hingegen seien sämtliche adaptierten Verweistätigkeiten aus rheumatologischer Sicht uneingeschränkt zumutbar. Auch in der psychiatrischen Untersuchung beklagte der Exp lorand als Hauptproblem die Be- schwerden im Arm, ausserdem Ein- und Durchschlafstörungen . Auf Nachfrage hin habe er an- gegeben, nicht immer, aber manchmal an Depressionen zu l eiden. Er verspüre auch eine all- gemeine Angst, so müsse er beim Schlafen immer das Licht eingeschaltet haben. Tagsüber sei er müde und fühle sich erschöpft. Es habe Konzentrations probleme, ab und zu auch Probleme mit dem Gedächtnis. Beim Autofahren könne er sich jedoch gut konzentrieren. Dr. H.____ hielt abschliessend fest, dass der Explorand nach einer psychiatrisch unauffälligen Kind- und Schulzeit als 18-jähriger in Kriegsgefangen schaft geraten sei, wo er wiederholt ge- schlagen, bedroht und erpresst, in verschiedenen Gefängniss en und für einige Tage in einem Konzentrationslager untergebracht gewesen sei. Ein Nac hbar sei bei den Verhören ums Leben gekommen. Nach der Freilassung habe er den Angriff auf X.____ miterlebt. Er sei als Flüchtling in die Schweiz gekommen. Ab 2004 habe er als Betriebsmi tarbeiter gearbeitet, wo er vornehm- lich für Lager- und Auffüllarbeiten eingesetzt worden sei. Durch die schwere Arbeit habe sich eine progrediente Rücken- und Armschmerzproblematik entwickelt. Psychiatrisch sei der Explo- rand erstmals im Jahr 2010 für einige Monate behandelt worden. Aktuell lebe er mit seiner Ehe- frau und den beiden Söhnen in einer Mietwohnung. Er habe einen nicht geplanten Tagesablauf, der jedoch durch regelmässige Mahlzeiten und einen rege lmässigen Schlafrhythmus gekenn- zeichnet sei. Er lese gelegentlich Bücher, regelmässig Ze itschriften und schaue fern. Ebenfalls unternehme er regelmässige Spaziergänge und gehe entwe der alleine oder mit der Ehefrau einkaufen. Soziale Kontakte habe er schon lange reduziert , er habe jedoch noch Kollegen und Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwandte, mit denen er sich treffe bzw. austausche. Er schaue sich als Hobby noch Fussball- spiele an, frühere Hobbies habe er aufgegeben. Die ad ministrativen Verrichtungen erledigten seine Frau und sein Schwager, auch den Haushalt besorge hauptsächlich die Ehefrau, wobei er versuche, zu helfen. Im Psychostatus bestehe eine überwieg end niedergestimmt, Schwankun- gen unterliegende Grundstimmung mit Freud- und Lustl osigkeit und gewissen Anzeichen eines Lebensüberdrusses. Spontan und kontextbezogen helle sich d ie Stimmung des Exploranden auf; es bestehe keine akute Suizidalität. Festzustellen sei ein mittelgradiges Gedankenkreisen, in dem auch vermehrt Erinnerungen an Erlebnisse in d en Kriegsjahren auftreten könnten, ohne dass diesen Erinnerungen die Qualität von Flashbacks zukom men müsse. Es bestehe eine all- gemeine Angst, welche nicht als frei flottierende Angst interpretierbar sei, hingegen möglicher- weise als Residuum der Leidensgeschichte während des Krieg es. Der Explorand beschreibe deutliche Schlafstörungen mit konsekutiver Tagesmüdigkeit und Erschöpfbarkeit, dies bei Medi- kation mit zwei Substanzen, bei denen Müdigkeit als häuf ige Nebenwirkung auftritt. Die in der Exploration durchgeführten Kurztests hätten keinen Hinw eis auf starke kognitive Störungen ge- geben. Die depressiven Symptome seien zahlreich und über wiegend im leichten bis mittelgra- digen Ausprägungsbereich, wie dies auch in den beide n Fremdbeurteilungs-Depressionsskalen bestätigt werde. Wie schon in der Beurteilung von Dr. C.____ hätten aktuell keine eindeutigen Hinweise auf eine andauernde Persönlichkeitsänderung na ch Extrembelastung gefunden wer- den können. Die von der Klinik F.____ aufgeführte Sympt omatik sei mit Blick auf die Diagnose- kriterien nicht ausreichend, es werde auch keine einer an haltenden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung adäquate Therapie beschrieben. Es bestünden gewisse Anhaltspunkte für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, allerdings sei die Schmerzverarbeitungsstö- rung besser mit der mittelgradigen depressiven Episode zu erklären. Aus psychiatrischer Sicht bestehe für sämtliche Tätigkeiten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30%. Zusammenfassend hielten die beteiligten Fachgutachter im Konsens fest, dass für sämtliche körperlich leichten Tätigkeiten mit Möglichkeit zum selbst ständigen Wechseln der Körperpositi- on, ohne wiederholtes Greifenmüssen, ohne Heben, Ziehen oder Stossen von Lasten von mehr als zwei bis drei Kilogramm, ohne über Kopf zu verrichte nden Arbeiten, ohne repetitiv- monotone Bewegungen, ohne feinmotorische Tätigkeitsant eile, ohne ausgesprochen kniende oder kauernde Tätigkeiten eine zumutbare Arbeitsfähig keit von 70% bestehe. Diese Einschät- zung gelte ab November 2014, von Juni 2014 bis Oktober 2014 habe die Arbeitsfähigkeit 50% betragen. Zu den Standardindikatoren wurde ausgeführ t, dass relevante soziale Kontextfakto- ren bestünden, welche jedoch invaliditätsfremd seien. Eine Persönlichkeitsstörung per se könne nicht diagnostiziert werden, differentialdiagnostisch sei eine akzentuierte Persönlichkeit mög- lich, welche den Umgang mit dem Gesundheitsschaden erschwe re. Es lägen Verdeutlichungs- tendenzen in der Begutachtungssituation vor, welche womög lich auf die affektive Störung des Exploranden zurückzuführen seien. Eine bewusste Aggravation könne nicht angenommen wer- den. Therapeutisch sei eine Optimierung der bisherig en Psychopharmakotherapie angezeigt. Berufliche Massnahmen im Sinne einer gecoachten Teilzei tbeschäftigung könnten zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes führen, ansonsten sei mit einer weiteren Chronifizie- rung zu rechnen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.6 Am 20. April 2016 berichteten die Ärzte des Spita ls I.____, dass der Patient vom 21. September 2015 bis 10. Oktober 2015 und vom 29. F ebruar 2016 bis 5. März 2016 in der Klinik für Schmerztherapie des Spitals I.____, hospitalisi ert gewesen sei. Diagnostiziert wurden eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychisch en Anteilen (ICD-10 F45.41) mit chronifizierten Ellbogenschmerzen rechts auf Grundlag e einer Epicondylitis humeri radialis; chronisch rezidivierende Zervikobrachialgien bei mehrsegmen talen HWS-Blockierungen in der Höhe C4/C5; eine chronische Lumboischialgie; eine Gonal gie rechts; eine andauernde nicht- organische Persönlichkeitsstörung nach Kriegstraumata (ICD -10 F62.0) mit depressiver Episo- de (ICD10-F32.0), Schlafstörungen (ICD-10 F51.5) und einer habituellen Ernährungsstörung mit multiplen Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie ein G ewichtsverlust unklarer Ätiologie bei Untergewicht. Im Rahmen der Schmerztherapie hätten sich die Beschwerden im Arm eher nicht verändert. Bei medizinischem Training und Belastung hä tten sie zugenommen. Der Patient be- richte aber, dass er die Übungen regelmässig zu Hause ma che und mehr Kraft im rechten Arm und in der Hand verspüre. Die Einschlafstörungen bestünden weiterhin. 6.7 Mit Arztbericht vom 21. April 2016 führte die beha ndelnde Fachärztin Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, aus, dass sich der Patien t seit 5. Mai 2015 bei ihr in Be- handlung befinde. Die von der Schmerzklinik gestellten p sychiatrischen Diagnosen hätten wei- terhin Gültigkeit. Der Versicherte sei vom 19. Januar 2015 bis 12. Juni 2015 in tagesklinischer, sowie zweimal bei der Klinik für Schmerztherapie des Spi tals I.____, in stationärer Behandlung gewesen. Eine stationäre psychiatrische Behandlung bei de r Klinik F.____ im April 2016 habe der Patient nach einem Tag abgebrochen, da er wegen Überbelegung nicht wie geplant auf die Station für affektive Störungen, sondern auf diejenige für Suchterkrankungen hätte eintreten sollen. Dort habe er sich sehr unwohl gefühlt. Er sei aktuell sowohl psychisch wie auch physisch nur eingeschränkt belastbar und zu 100% arbeitsunfähig. Es könne nicht mit einer Wiederauf- nahme der beruflichen Tätigkeit bzw. einer Erhöhung de r Einsatzfähigkeit gerechnet werden; aufgrund der langjährigen, schweren Symptomatik sei die Prognose eher als ungünstig einzu- schätzen. 6.8 Die RAD-Ärztin Dr. med. K.____, Fachärztin für Psychi atrie und Psychotherapie, führte in ihrer Stellungnahme vom 22. Juli 2016 aus, dass die S tandardindikatoren im psychiatrischen Fachgutachten von Dr. H.____ genügend abgehandelt wo rden seien. Seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei auch nach Prüfung der Standardi ndikatoren vollumfänglich nachvollziehbar. Aus den neu vorliegenden medizinischen Unterlagen ergäbe n sich keine neuen medizinischen Aspekte mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Eine Rückfrage beim psychiatrischen Gut- achter zur Nachbeurteilung sei deshalb nicht notwendig. 6.9 In einer ergänzenden Stellungnahme vom 16. Septe mber 2016 prüfte die RAD-Ärztin Dr. K.____ vertieft die Standardindikatoren. Sie kam zum Schluss, dass die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit des psychiatrischen Gutachters Dr. F.___ _ im Hinblick auf die vorhandenen Ressourcen bloss teilweise nachvollzogen werden könne. Sie gehe von einer maximal 20%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in allen Tätigkeiten aus. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.10 Auf Rückfrage der IV-Stelle hin hielt Dr. G.___ _ mit Schreiben vom 28. November 2016 an seiner gutachterlichen Beurteilung fest. Er führte aus, dass die gestellten Fragen aufgrund des rheumatologisch-psychiatrisch geprägten Krankheitsgesche hens nicht ausschliesslich von einem Rheumatologen zu beurteilen seien. Indessen erklä rte er, weshalb die angestammte Tä- tigkeit als Fachleiter in einem Supermarkt ellbogenbel astend sei und dass die bei der Untersu- chung gezeigten Inkonsistenzen nicht gegen das Vorliegen einer somatischen Erkrankung mit entsprechender Diagnose sprechen würde. Zu den Standa rdindikatoren hätten die Gutachter ausführlich Stellung genommen. 6.11 Mit Schreiben vom 12. Januar 2017 nahm der RAD-A rzt Dr. med. L.____, FMH Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa rates, Stellung zum rheumatologi- schen Sachverhalt. Er erklärte, dass die Einschätzung der r heumatologischen Beschwerden durch den Gutachter Dr. G.____ lediglich auf die subjekt iven Angaben des Beschwerdeführers abstelle. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Diagnose d er chronischen Epicondylopathia humeri radialis rechts Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. 6.12 Der RAD-Arzt Dr. med. M.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 26. August 2017 Stellung zu den im Vorbescheidverfahre n vom Versicherten geltend gemach- ten Einwänden. Er stellte fest, dass die von den behand elnden Psychiatern diagnostizierte an- dauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung ni cht nachvollziehbar sei, da es an den Kardinalkriterien zur Diagnosestellung fehle. Ausse rdem sei aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode nicht per se von einer 50%igen Arbeit sunfähigkeit auszugehen. Vielmehr sei aufgrund der abgebrochenen stationären Therapie i m April 2016 davon auszugehen, dass die Therapieoptionen nicht ausgeschöpft seien. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 13. November 2017 auf die Einschätzungen der asim-Guta chter sowie ihrer RAD-Ärzte Dr. L.____ und Dr. M.____. Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Beschwerdeführer mangels Ausschöpfung der psychiatrischen Therapieoptionen eine vollständige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestehe. Um dem Anforder ungsprofil (wechselbelastete Tätig- keit) und den gesundheitlichen Einschränkungen Rechnung zu tragen, sei beim Invalidenein- kommen ein leidensbedingter Abzug von 20% vorzunehmen. 7.2 Wie in Erwägung 5.4 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen u nd Spezialärzten volle Beweiskraft zu- zuerkennen, wenn diese aufgrund eingehender Beobachtung en und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, und solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin indessen letztlich nicht auf das bidis- ziplinäre und von ihr selbst eingeholte Gutachten der a sim vom 23. November 2015 abgestellt, sondern auf die Einschätzungen ihrer RAD-Ärzte. Indessen erfüllt das Gutachten der asim sämtliche Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilu ngsgrundlage. So weist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allse itigen Untersuchungen, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und setzt sich ausführlich mit den vorhandenen abweichenden ä rztlichen Einschätzungen ausei- nander. Die medizinischen Schlussfolgerungen erscheinen sowohl in rheumatologischer wie auch in psychiatrischer Hinsicht nachvollziehbar. Insbeson dere nehmen die Gutachter auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der V ersicherten vor. So hat der rheumatologi- sche Gutachter Dr. G.____ sowohl in seinem Fachgutachten wie auch im Rahmen der Rückfra- ge der Beschwerdegegnerin vom 28. November 2016 die v om Beschwerdeführer gezeigten Inkonsistenzen genannt und gewürdigt und sich – mit eige nen Recherchen – über das Belas- tungsprofil in der angestammten Tätigkeit informiert. Die von ihm umschriebene zumutbare Tä- tigkeit bzw. die Unzumutbarkeit der angestammten Tätigke it ist begründet und nachvollziehbar. Die von ihm gestellte Diagnose entspricht denn auch denj enigen der behandelnden Fachärzte. Auch das psychiatrische Fachgutachten von Dr. H.____ vermag diesbezüglich zu überzeugen. Es setzt sich sowohl mit den Diagnosekriterien als auch mit den Standardindikatoren auseinan- der und kommt zu einem schlüssigen Ergebnis. Dies hat den n auch die RAD-Ärztin Dr. K.____ in ihrer ersten Stellungnahme vom 22. Juli 2016 ausdrückl ich so festgehalten. Die anschlies- send vom RAD vorgenommene „Korrektur“ des Gutachtens basiert hingegen weder auf eigenen Untersuchungen oder neuen Erkenntnissen noch werden d ie abweichenden Einschätzungen der Gutachter und der behandelnden Ärzte vertieft ab gehandelt. Vielmehr handelt es sich bei diesen Korrekturen lediglich um versicherungsinterne Einschätzungen, an die rechtsprechungs- gemäss bei der Beweiswürdigung ein strenger Massstab anzu legen ist (E. 4.4 hiervor). Nach dem Ausgeführten ist zur Beurteilung des Gesundheitszusta ndes und der Arbeitsfähigkeit aus- schliesslich auf das beweiskräftige bidisziplinäre Gutachten vo m 23. November 2015 abzustel- len. 7.3 Daran vermögen auch die Vorbringen des Beschwerde führers nichts zu ändern. Ent- gegen seiner Auffassung setzt sich Dr. H.____ ausführlich mit der Möglichkeit einer andauern- den Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung ausei nander. Die unbestritten traumati- schen Kriegserlebnisse des Beschwerdeführers werden aufgef ührt. Indessen kommt der psy- chiatrische Fachgutachter nachvollziehbar zum Schluss, dass di e Kriterien für die entsprechen- de Diagnose nicht erfüllt seien. Dass die behandelnden Ä rzte diese Diagnose über Jahre hin- weg stellten, genügt nicht, um die Einschätzung des Gu tachters in Frage zu stellen (vgl. E. 5.4 hiervor), zumal die Diagnose in diesen Berichten nicht e inlässlich oder schlüssig begründet wird. Das bidisziplinäre Gutachten vom 23. November 201 5 erweist sich ferner auch nicht als veraltet. Zwar sind zwischen der Erstellung des Gutachtens und dem Erlass der Verfügung bei- nahe zwei Jahre vergangen. Aus den vorhandenen Arztber ichten nach der Begutachtung las- sen sich indessen keine Hinweise auf eine massgebliche V erschlechterung des Gesundheits- zustandes entnehmen. Dies gilt umso mehr, als die station ären Aufenthalte eher zu einer Kräf- tigung und Stabilisierung geführt haben. 7.4 Zusammenfassend lässt das Gutachten der asim vom 23. N ovember 2015 eine zuver- lässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n zu. Folglich ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer körperlich leichten T ätigkeiten mit Möglichkeit zum selbst- ständigen Wechseln der Körperposition, ohne wiederholt es Greifenmüssen, ohne Heben, Zie- hen oder Stossen von Lasten von mehr als zwei bis drei Kilogramm, ohne über Kopf zu verrich- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenden Arbeiten, ohne repetitiv-monotone Bewegungen , ohne feinmotorische Tätigkeitsanteile, ohne ausgesprochen kniende oder kauernde Tätigkeiten in e inem Pensum von 70% arbeitsfä- hig ist. Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten eine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so ist dem Ant rag des Beschwerdeführers, wo- nach weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen seien, nicht stattzugeben. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisantr äge zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungs- mässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzun ehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverl ässiges Bild des relevanten Sach- verhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklär t ist, kann auf ein beantragtes Be- weismittel verzichtet werden. Die damit verbundene anti zipierte Beweiswürdigung ist nach kon- stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 64 E. 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 1. Dezember 2016 den zur Ermittlung des Invaliditätsgrades erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Die Beschwerdeführerin stellt – zu Recht – weder das mittels Parallelisierung ermittelte Valideneinkommen noch das für die Bemessung des Invali- deneinkommens herangezogene Grundeinkommen in Frage. 8.2 Unter Berücksichtigung des ermittelten Valideneinkomm ens von Fr. 56‘925.– (Anpas- sung des unterdurchschnittlichen Valideneinkommens von Fr. 56‘290.– um 1.06% an das Ein- kommen gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 des Bundesamtes für Statistik, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Män ner, angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit) ergibt sich entsprechend der gutachterli ch attestierten Arbeitsfähigkeit Folgendes: Der Beschwerdeführer ist in sämtlichen körperlich angepasst en Tätigkeiten zu 70% arbeitsfä- hig, woraus grundsätzlich ein Einkommen von Fr. 46‘517.– resultiert (basierend auf LSE 2014, Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Männer, angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit). 8.3 Von diesem Invalideneinkommen sind praxisgemäss verschie dene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst jahre, Nationalität oder Aufent- haltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf d ie Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbl iebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschn ittlichem erwerblichem Erfolg ver- werten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll ab er nicht automatisch erfolgen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/ aa-cc). Die Beschwerde- gegnerin hat von dem ermittelten Invalideneinkommen ei nen Abzug von 20% vorgenommen. Damit hat sie aber den gesundheitlichen Einschränkunge n des Beschwerdeführers Rechnung getragen, die nunmehr grossenteils in der reduzierten Arbeitsfähigkeit aufgehen. Dennoch er- scheint im vorliegenden Fall ein Abzug angemessen, ergibt sich die Einschränkung der Arbeits- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht fähigkeit doch lediglich aus psychiatrischen Gründen. Um dem eingeschränkten Zumutbarkeits- profil (vgl. E. 7.4 hiervor) Rechnung zu tragen, ersche int ein leidensbedingter Abzug von 10% als angemessen. Daraus ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 41‘865.–. 8.4 Aus einer Gegenüberstellung des Valideneinkommens v on Fr. 56‘925.– mit diesem Invalideneinkommen von Fr. 41‘865.– ergibt sich ein Inva liditätsgrad von 26.5%, gerundet 27%. Damit besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invaliden versicherung (E. 4.1 hiervor). Die Be- schwerde ist nach dem Ausgeführten abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festgeleg t. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in an- gemessenem Ausmass auferlegt. Dies ist vorliegend der Beschw erdeführer. Die Verfahrens- kosten in der Höhe von Fr. 800.– sind somit von ihm zu tra gen bzw. mit dem von ihm geleiste- ten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– zu verrechnen . 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschw erdeführende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Beim vorliegenden Verfahrensausgang sind die ausserordentlichen Kosten wettzuschlagen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.– wer den dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 800.– verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht