13. März 1990 N 375 Interpellation Humbel mende Haltung der betroffenen Staaten im Bestreben, eine Regelung der offenen vermögensrechtlichen Ansprüche zu finden, die Unterstützung des Reformprozesses durch die Schweiz und ihre Wirtschaft wesentlich erleichtern wird. Le président: Lïnterpellateur n'est que partiellement satisfait de la réponse du Conseil fédéral. #ST# 89.753 Interpellation Humbel Entschädigung von Vermögensverlusten von Schweizern in der DDR Biens suisses nationalisés en RDA. Indemnisation Wortlaut der Interpellation vom 11. Dezember 1989 Noch immer warten viele Schweizer auf die Vergütung bzw. Entschädigung von Vermögensverlusten, die sie in der DDR erlitten hatten. Die vermögensrechtlichen Verhandlungen mit der DDR wurden 1973 aufgenommen. Seither sind mehr als zehn Verhandlungsrunden vom Eidgenössischen Departe- ment für auswärtige Angelegenheiten mit der zuständigen DDR-Delegation durchgeführt worden, bis heute offenbar ohne Erfolg. Es ist bekannt, dass die DDR im Jahr 1984 mit Finnland und 1986 mit Schweden und Oesterreich Entschädigungsab- kommen abgeschlossen hat. In der DDR-Volkskammer wurde auf Bankkonti in der Schweiz aufmerksam gemacht. Vor weni- gen Tagen hat der Ex-Devisenbeschaffer der DDR, Alexander Schalck-Golodkowski, der sich inzwischen der Polizei in West- berlin gestellt hat, Bankkonti von über 50 Millionen Franken freigegeben und das Geld in die DDR transferieren lassen. Viele Schweizer sind nun empört, dass der Bundesrat diese Konti nicht zugunsten der in der DDR geschädigten Schweizer gesperrt hat. In diesem Zusammenhang stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen: • 1. Hätte nicht eine Möglichkeit bestanden, diese Bankkonti der DDR zugunsten der Vermögensschäden von Schweizern in der DDR zu sperren? Hat der Bundesrat die DDR-Delegation bei den Verhandlungsrunden nie auf die Möglichkeit der Sperre von Bankkonti aufmerksam gemacht? 2. Ist der Bundesrat zu zusätzlichen Abklärungen bereit, ob in der Schweiz noch weitere Konti und Vermögenswerte zugun- sten der DDR angelegt sind? Könnten diese Werte nach An- sicht des Bundesrates auch für die Deckung von Vermögens- schäden von Schweizern in der DDR herangezogen werden? Ist der Bundesrat bereit, sofort und ohne Verzug Massnahmen in die Wege zu leiten? 3. Wann kann mit dem Abschluss eines Entschädigungsab- kommens zwischen der DDR und der Schweiz gerechnet wer- den? (Vielleicht wird es mit der neuen Regierung der DDR ra- scher gehen!) 4. Kann der Bundesrat mitteilen, wie viele Schweizer Vermö- gensschäden in der DDR geltend machen? Wie hoch beläuft sich der Betrag in Schweizerfranken? Hätte der Bundesrat nicht früher eine Sicherstellung durch die DDR verlangen sol- len? 5. Mit welchen weiteren Ländern hat die DDR (ausser Finn- land, Schweden und Oesterreich) bis heute Entschädigungs- abkommen für gleiche oder ähnliche Vermögensschäden ab- geschlossen? Ist dem Bundesrat der Inhalt aller Entschädi- gungsabkommen der DDR bekannt? Texte de l'interpellation du 11 décembre 1989 Nombreux sont les Suisses qui attendent encore le rembour- sement ou l'indemnisation de leurs biens nationalisés en RDA. Les discussions avec la RDA en vue d'obtenir une indemnisa- tion financière ont été engagées en 1973 mais sans succès à ce jour, en dépit de la douzaine de négociations qui ont eu lieu entre le Département fédéral des affaires étrangères et la délégation d'experts est-allemands. Nul n'ignore que la RDA a signé en 1984 un accord d'indemni- sation avec la Finlande et d'autres accords du même type avec la Suède et l'Autriche en 1986. Divers députés à la Chambre du peuple de la RDA ont mentionné l'existence de comptes bancaires détenus par l'Etat est-allemand en Suisse. Il y a peu, l'ex-pourvoyeur de devises de la RDA, Alexandre Schalck- Golodkowski, qui depuis s'est rendu à la police de Berlin- Ouest, a fait transférer plus de 50 millions de francs de Suisse en RDA, ce qui a provoqué l'indignation de nombreux citoyens suisses, qui ne comprennent pas pourquoi le Conseil fédéral n'a pas fait bloquer ces comptes au profit des Suisses qui ont été lésés en Allemagne de l'Est. Aussi, je demande au Conseil fédéral de répondre aux ques- tions suivantes: 1. N'aurait-on pas pu faire bloquer ces comptes de la RDA pour dédommager les Suisses dont les biens ont été nationa- lisés? Le Conseil fédéral n'a-t-il jamais attiré l'attention de la délégation est-allemande sur la possibilité qu'avait la Suisse de bloquer les comptes en banque de la RDA? 2. Le Conseil fédéral est-il disposé à clarifier la situation sur l'existence d'éventuels autres comptes ou avoirs que possède la RDA en Suisse? Le Conseil fédéral estime-t-il possible de re- courir à ceux-ci pour dédommager les Suisse qui ont perdu leurs biens? Est-il disposé à prendre sans tarder des mesures en ce sens? 3. Quand pense-t-on parvenir à la signature d'un accord d'in- demnisation entre la RDA et la Suisse? (Peut-être le nouveau gouvernement à la tête de la RDA sera-t-il mieux disposé à no- tre égard). 4. Le Conseil fédéral peut-il communiquer le nombre exact de citoyens suisses qui demandent à être indemnisés par la RDA et à quel montant en francs suisses s'élèvent les pertes? Le Conseil fédéral n'aurait-il pas dû exiger plus tôt de la RDA une mise en sécurité de ces biens? 5. Avec quels autres pays (outre la Finlande, la Suède et l'Autri- che), la RDAa-t-elle signé un accord d'indemnisation pour des pertes de même nature ou de nature semblable? Le Conseil fédéral a-t-il connaissance des termes de ces accords? Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 21. Februar 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 21 février 1990 1. und 2. Der Klarheit halber ist zunächst festzustellen, dass die Frage des Interpellanten sich nicht auf die Sperre von Bankguthaben im Rahmen der internationalen Rechtshilfe be- zieht, sondern auf die Möglichkeit, zur Durchsetzung völker- rechtlicher Entschädigungsansprüche gegenüber fremden Staaten Vollstreckungsmassnahmen gegen deren Vermögen in der Schweiz zu treffen. Wie der Chef des Departementes für auswärtige Angelegen- heiten in der Fragestunde des Nationalrates vom 11. Dezem- ber 1989 dargelegt hat, sind solche Zwangsmassnahmen, wie insbesondere eine Verarrestierung, primär unter dem Ge- sichtspunkt der im Völkerrecht allemein anerkannten Grund- sätze der souveränen Gleichheit der Staaten und ihrer Immu- nität zu betrachten. Das Bundesgericht folgt in seiner dies- bezüglichen Praxis, die der herrschenden Doktrin und der Staatenpraxis entspricht, dem Grundsatz der beschränkten Immunität. Danach kommt dem fremden Staat Immunität nur hinsichtlich seiner behördlichen Tätigkeit (iure imperii) zu, nicht aber dort, wo er als Träger von Privatrechten gleich ei- nem Privaten auftritt (iuregestionis). Nun haben die völkergewohnheitsrechtlichen schweizeri- schen Entschädigungsansprüche gegenüber der DDR ihren Rechtsgrund in öffentlich-rechtlichen Massnahmen gegen die Ausübung des Eigentumsrechts, also in Handlungen derPostulat Ott 376 N 13 mars 1990 Staatsgewalt oder iure imperii. Einer Verarrestierung von Bankguthaben oder anderer Vermögenswerte der DDR in der Schweiz zur Durchsetzung dieser Ansprüche steht somit der Grundsatz der Immunität der Staaten entgegen. Im weiteren ist das Vorhandensein von DDR-Guthaben in der Schweiz nichts Neues oder Aussergewöhnliches. Die Schweiz weist der DDR gegenüber traditionell eine positive Handels- bilanz auf. Deren Vermögen gerade in einer Zeit mit Zwangs- massnahmen zu belegen, in der dieser Staat daran ist, neue wirtschaftliche, soziale und politische Strukturen aufzubauen, müsste als stossend empfunden werden. 3. Es erscheint dem Bundesrat verfrüht, sich über die mögli- che weitere Dauer und den Verlauf der Vermögensverhand- lungen vor der ersten Verhandlungsrunde seit dem Regime- wechsel in der DDR, die auf März 1990 vereinbart werden konnte, zu äussern. Diese wird den Delegationen Gelegenheit zu einer ersten Standortbestimmung unter den geänderten Verhältnissen bieten, wobei es darum gehen wird, allfällige neue Lösungsmöglichkeiten zu suchen. 4. Vor allem infolge vieler Erbschaftsfälle ist es nicht möglich, eine genaue Zahl der Schweizer Bürger sowie juristischen Per- sonen zu nennen, die gemäss den öffentlichen Aufrufen des Departementes für auswärtige Angelegenheiten Vermögens- schäden in der DDR angemeldet haben. Indessen bilden rund 1400 Entschädigungsansprüche Gegenstand der Verhand- lungen. Die Höhe der Entschädigungssumme stellt naturgemäss die entscheidende, am meisten kontroverse Verhandlungsfrage dar und wird von verschiedenen Faktoren bestimmt (Umfang der abzugeltenden Fälle, Bewertungsstichtage und -metho- den, Beweismittel, Kurs-und Verzinsungsfragen, Gegenforde- rungen der DDR u. a.). Es ist zudem angesichts des Zeitab- laufs seit den relevanten Ereignissen und der Nachkriegssi- tuation vor und nach der Entstehung der DDR für beide Seiten ausserordentlich schwierig, insbesondere in der Frage der Be- wertung zu einem akzeptablen Kompromiss zu gelangen. Es kann demzufolge zurzeit lediglich präzisiert werden, dass über eine zweistellige Millionensumme in Schweizerfranken ver- handelt wird. Zur Frage einer Sicherstellung durch die DDR sei beigefügt, dass es sich bei den zur Diskussion stehenden Werten in aller Regel um Vermögen handelt, welches staatlicher Zwangsver- waltung untersteht oder, in der Terminologie der DDR, von der Regierung der DDR «in Verwaltung und Schutz genommen» wurde, mithin nach wie vor formell Eigentum der schweizeri- schen Gesuchsteller ist. 5. Ausser mit Finnland (1984), Schweden (1986) und Oester- reich (1987) hat die DDR bis heute auch noch mit Dänemark (im Dezember 1987) ein Globalentschädigungsabkommen abgeschlossen. Dem Bundesrat ist der Inhalt dieser Abkom- men, die von den jeweiligen Staaten ratifiziert und veröffent- licht worden sind, bekannt. Le président: L'interpellateur n'est que partiellement satisfait de la réponse du Conseil fédéral. 89.877 Interpellation Müller-Meilen Europäischer Wirtschaftsraum. Mitbestimmung von Parlament und Stimmberechtigten Espace économique européen. Structures démocratiques Siehe Seite 405 - Voir page 405 #ST# 90.348 Postulat Ott Hilfe an Rumänien Aide à la Roumanie Wortlaut des Postulates vom 8. Februar 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, neben der notwendigen So- forthilfe an Rumänien auch die folgende Lösung zu prüfen und gegebenenfalls ins Hilfsprogramm für dieses Land aufzuneh- men: Ein Rahmenprogramm sollte die Kontakte auf allen Gebieten (Stadtverwaltung, Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Erzie- hung, Forschung, Industrie usw.) und allen Stufen (kantonale und Gemeindeverwaltungen, Spitäler, Universitäten, private Firmen usw.) ermutigen und erleichtern, so dass rumänische Delegationen der betreffenden Gebiete die Schweiz besuchen oder schweizerische Fachleute bei sich empfangen können, um sich die für den Neuaufbau einer darniederliegenden Wirt- schaft und Verwaltung nötige Expertise anzueignen. Texte du postulat du 8 février 1990 Outre l'indispensable aide urgente à la Roumanie, le Conseil fédéral est prié d'étudier et le cas échéant d'intégrer dans ses projets d'assistance ace pays, un programme-cadre destiné à encourager et faciliter les contacts dans tous les domaines (administration, santé publique, agriculture, éducation, re- cherche, industrie, etc.) et à tous les niveaux (cantons, com- munes, hôpitaux, universités, entreprises, etc.) avec ce pays. Il s'agira, d'une part, d'offrir à la Roumanie la possibilité d'en- voyer des délégations en visite dans notre pays, ou d'accueillir des experts suisses, de manière à lui permettre d'acquérir le savoir-faire nécessaire à la reconstruction de son économie et de son administration. Mitunterzeichner - Cosignataires: Bircher, Bundi, Burckhardt, Longet, Meier-Glattfelden, Ry- chen, Wellauer, Wyss Paul, Zwygart (9) Schrittliche Begründung - Développement par écrit Ein Augenschein einer privaten schweizerischen Delegation am 13./14. Januar in Bukarest, der ich selber angehörte, mit Gesprächen mit verschiedenen rumänischen Ministerien hat deutlich gezeigt, dass der neuen rumänischen Führung an solchen Kontakten besonders viel gelegen ist. Es scheint auch, dass gerade die Schweiz in dieser Hinsicht besonderes Vertrauen geniesst. Kontakte mit schweizerischen Stellen, die über einschlägige Erfahrung verfügen, sind erwünscht. Die gesamte Volkswirtschaft und Verwaltung liegt im argen. Das dringend benötigte Know-how fehlt bei den oft noch uner- fahrenen neuen Kadern. Dies zog sich wie ein roter Faden duch alle unsere Gespräche. Der Bund könnte die erwünschten vielfältigen Leistungen kaum selber erbringen, da es sich dabei meistens um Pro- bleme auf kommunaler oder privater Ebene handelt. Doch dürfte im Moment in unserem Land auf allen Ebenen viel Soli- darität und Hilfsbereitschaft für Rumänien mobilisierbar sein. Der Bund könnte daher mit einem Appell zur sachdienlichen Hilfe an kantonale, kommunale und private Instanzen, verbun- den mit einem grosszügigen Angebot an allen Fazilitäten (Kontaktherstellung, Transporte, Mitfinanzierung usw.), einen Schneeballeffekt auslösen. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 5. März 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 5 mars 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ueberwiesen - TransmisSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Humbel Entschädigung von Vermögensverlusten von Schweizern in der DDR Interpellation Humbel Biens suisses nationalisés en RDA. Indemnisation In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.753 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 13.03.1990 - 08:00 Date Data Seite 375-376 Page Pagina Ref. No 20 018 365 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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