<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 26 S.81</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">81</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">26</span> <span class="ft1">§ <b>184 Abs. 2 StPO</b></span><br/> <span class="ft2"><b>In der Privatstrafklage wegen Übertretung eines allgemeinen Verbotes</b></span><br/> <span class="ft2"><b>muss der Kläger den Beklagten namentlich bezeichnen. Unterlässt er</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dies, liegt in der Nichtanhandnahme der Klage und Weigerung des Ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>richtspräsidenten, ein Ermittlungsverfahren gemäss 183 StPO einzulei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ten, keine Rechtsverweigerung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Inspektionskommission vom 1. Dezember</span><br/> <span class="ft3">2000 i.S. Y.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">2. Der Beschwerdeführer macht sinngemäss eine Rechtsverwei-</span><br/> <span class="ft5">gerung von Gerichtspräsident X. geltend, weil dieser seine Pri-</span><br/> <span class="ft5">vatstrafklagen vom 9. respektive 11. Juni 2000 nicht an die Hand</span><br/> <span class="ft5">nehmen wolle. (...)</span><br/> <span class="ft5">a) (formelle Rechtsverweigerung; vgl. AGVE 2000 16 61, Ziff.</span><br/> <span class="ft5">2/a)</span><br/> <span class="ft5">b) Gerichtspräsident X. führte in seinem Schreiben an den Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdeführer vom 16. Juni 2000 aus (...), eine Anhandnahme der</span><br/> <span class="ft5">Klagen sei nicht möglich, wenn der Kläger die fehlbaren Lenker</span><br/> <span class="ft5">nicht namentlich bezeichne, da dem Richter die Ermittlung der</span><br/> <span class="ft5">Lenker nicht obliege. Diese Gesetzesauslegung ist nicht zu beanstan-</span><br/> <span class="ft5">den. Die Strafprozessordnung (StPO; SAR 251.100) verweist die</span><br/> <span class="ft5">Ahndung der Übertretung eines allgemeinen Verbotes gemäss §§ 309</span><br/> <span class="ft5">ff. der Zivilprozessordnung (ZPO; SAR 221.100) in das Privat-</span><br/> <span class="ft5">strafverfahren (§ 181 Abs. 1 Ziff. 9 StPO) und § 184 Abs. 2 StPO</span><br/> <span class="ft5">verlangt vom Kläger im Privatstrafverfahren, den Beklagten zu</span><br/> <span class="ft5">bezeichnen sowie einen Antrag bezüglich des Strafmasses zu stellen.</span><br/> <span class="ft5">Die richterliche Anordnung eines Ermittlungsverfahrens bei unbe-</span><br/> <span class="ft5">kannter Täterschaft kann nur bei einem schweren Angriff auf die</span><br/> <span class="ft5">Ehre, den Kredit oder ein anderes Rechtsgut, welches durch die in</span><br/> <span class="ft5">§ 181 Abs. 1 Ziff. 1-6 StPO aufgeführten Gesetzesbestimmungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">82</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">geschützt ist, erfolgen. Für die Ermittlung des unbekannten Lenkers,</span><br/> <span class="ft5">der ein richterliches Parkverbot missachtet (§ 181 Abs. 1 Ziff. 9</span><br/> <span class="ft5">StPO), kann hingegen kein Ermittlungsverfahren angeordnet werden.</span><br/> <span class="ft5">Dessen Ermittlung obliegt vielmehr dem Eigentümer respektive Klä-</span><br/> <span class="ft5">ger. Auch wenn nicht zu verkennen ist, dass diesem nur beschränkte</span><br/> <span class="ft5">Möglichkeiten zur Verifizierung des Lenkers zur Verfügung stehen,</span><br/> <span class="ft5">besteht angesichts des klaren Wortlautes kein Raum für eine andere</span><br/> <span class="ft5">Anwendung der massgebenden Gesetzesbestimmungen. Das Verhal-</span><br/> <span class="ft5">ten von Gerichtspräsident X., die Klagen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft5">nicht zu behandeln, solange dieser die Beklagten nicht namentlich zu</span><br/> <span class="ft5">bezeichnen vermag, ist demzufolge rechtmässig. Somit kann festge-</span><br/> <span class="ft5">stellt werden, dass keine Rechtsverweigerung vorliegt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>