<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 56 S.228</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>56</b></span> <span class="ft1"><b>Bemessen der Verfahrenskosten bei der Vereinigung von Verfahren und</b></span><br/> <span class="ft1"><b>bei Rückweisung.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Die Vereinigung von Beschwerdeverfahren verändert das Kostenri-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>siko der beteiligten Parteien nicht (Erw. 3.1-3.3).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Ein verminderter Bearbeitungsaufwand aus einer Vereinigung von</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Beschwerdeverfahren führt zu einer Reduktion der jeweiligen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Staatsgebühr (Erw. 3.2).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Wirkung einer Verfahrensvereinigung auf die Bemessung der Partei-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>entschädigung (Erw. 4.3.3).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Die getrennte Berechnung der Parteientschädigung in Verfahrens-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>stadien vor und nach einer Rückweisung ist im AnwT nicht vorgese-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hen (Erw. 4.3.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 29. November 2007 in Sa-</span><br/> <span class="ft4">chen J.B. gegen den Regierungsrat (WBE.2007.52).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">Massgebend für die Festsetzung der Staatsgebühr, der Kanzlei-</span><br/> <span class="ft6">gebühr und der Auslagen sind das VKD und die Verordnung über die</span><br/> <span class="ft6">Kanzleigebühren vom 14. Oktober 1991</span> <span class="ft7">(</span><span class="ft6">SAR 661.113). Die Staats-</span><br/> <span class="ft6">gebühr ist in der Verwaltungsrechtspflege vor Verwaltungsbehörden</span><br/> <span class="ft6">im Beschwerdeverfahren innerhalb eines Rahmens von Fr. 26.-- bis</span><br/> <span class="ft6">Fr. 3'910.-- (§ 22 Abs. 1 lit. a VKD) nach dem Zeitaufwand und der</span><br/> <span class="ft6">Bedeutung der Sache zu bemessen (§ 3 Abs. 1 VKD). Sie kann in</span><br/> <span class="ft6">ausserordentlich zeitraubenden Fällen bis auf Fr. 7'820.-- (§ 3 Abs. 2</span><br/> <span class="ft6">i.V.m. § 22 Abs. 1 lit. a VKD) erhöht werden.</span><br/> <span class="ft6">Im angefochtenen Entscheid hat der Regierungsrat die Staats-</span><br/> <span class="ft6">gebühr auf Fr. 6'400.-- erhöht und die Erhöhung mit einem ausseror-</span><br/> <span class="ft6">dentlichen Aufwand für drei Beschwerdeverfahren begründet. Auf</span><br/> <span class="ft6">den Beschwerdeführer entfiel nach Abzug des Kostenanteils von X.</span><br/> <span class="ft6">(Fr. 1'140.--) und der Kostenverteilung unter die Parteien ein Anteil</span><br/> <span class="ft6">von Fr. 2'420.20 oder rund 31,87 %. Mithin beträgt der Anteil des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführers an der erhöhten Staatsgebühr rechnerisch rund</span><br/> <span class="ft6">Fr. 2'040.-- (31,87 % von Fr. 6'400.--).</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Weder das VRPG noch das VKD regeln die Folgen und Wir-</span><br/> <span class="ft6">kungen einer Vereinigung von mehreren Beschwerdeverfahren; ihre</span><br/> <span class="ft6">Zulässigkeit ist aber unbestritten; nach der Praxis ist die prozesslei-</span><br/> <span class="ft6">tende Verfügung in jedem Verfahrensstadium aus prozessökonomi-</span><br/> <span class="ft6">schen Gründen möglich (§ 57 Abs. 1 VRPG; Alfred Kölz / Jürg</span><br/> <span class="ft6">Bosshart / Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflege-</span><br/> <span class="ft6">gesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, Vorbemerkun-</span><br/> <span class="ft6">gen zu §§ 4-31 N 33 ff.; BGE 122 II 367 Erw. 1a).</span><br/> <span class="ft6">Eine Vereinigung der Verfahren führt weder zu einer Streitge-</span><br/> <span class="ft6">nossenschaft der beschwerdeführenden Verfahrensbeteiligten noch</span><br/> <span class="ft6">werden ihre Rechte zur selbstständigen Prozessführung beeinträch-</span><br/> <span class="ft6">tigt. Kongruent zu ihren Verfahrensrechten hat sich auch das Kosten-</span><br/> <span class="ft6">risiko der beteiligten Parteien als Folge einer Vereinigung nicht ver-</span><br/> <span class="ft6">ändert. Nach § 33 Abs. 2 VRPG sind die Kosten in der Regel dem</span><br/> <span class="ft6">Unterliegenden aufzuerlegen, weshalb unbesehen einer Verfahrens-</span><br/> <span class="ft6">vereinigung jeder unterliegenden Partei die auf sie entfallenden</span><br/> <span class="ft6">Kostenanteile des sie betreffenden Beschwerdeverfahrens zu über-</span><br/> <span class="ft6">binden sind.</span><br/> <span class="ft6">Nach dem Verfahrensdekret sind für die drei vereinigten Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeverfahren daher grundsätzlich je separate Staatsgebühren</span><br/> <span class="ft6">im Rahmen von § 22 Abs. 1 lit. a VKD festzulegen, wobei der Ver-</span><br/> <span class="ft6">fahrensvereinigung im Falle eines verminderten Bearbeitungsauf-</span><br/> <span class="ft6">wandes durch eine Reduktion der jeweiligen Staatsgebühren Rech-</span><br/> <span class="ft6">nung zu tragen ist (vgl. Thomas Merkli / Arthur Aeschlimann / Ruth</span><br/> <span class="ft6">Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft6">des Kantons Bern, 1997, Art. 107 N 5).</span><br/> <span class="ft6">Der Regierungsrat hat dieses Vorgehen nur für das Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deverfahren der Beschwerdegegnerin (Beschwerdeverfahren 4) ge-</span><br/> <span class="ft6">wählt und für dieses Verfahren separate Kosten festgesetzt. Für die</span><br/> <span class="ft6">drei vereinigten Verfahren (Beschwerdeverfahren 1 bis 3) wurde nur</span><br/> <span class="ft6">eine Staatsgebühr erhoben und dem Mehraufwand für die Behand-</span><br/> <span class="ft6">lung von drei Beschwerdeverfahren durch eine Erhöhung der Maxi-</span><br/> <span class="ft6">malgebühr Rechnung getragen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">230</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Die Behandlung von drei Beschwerden ist offensichtlich im</span><br/> <span class="ft6">Vergleich zur Behandlung einer einzigen Beschwerde mit einem</span><br/> <span class="ft6">Mehraufwand verbunden. Dieser Mehraufwand kann eine Erhöhung</span><br/> <span class="ft6">der Staatsgebühr grundsätzlich rechtfertigen (BGE 122 II 367</span><br/> <span class="ft6">Erw. 3). Solange die Erhöhung den Rahmen von § 22 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft6">VKD für das einzelne Beschwerdeverfahren nicht übersteigt, kann</span><br/> <span class="ft6">von einer Rechtsverletzung keine Rede sein. Vorliegend beträgt der</span><br/> <span class="ft6">Rahmen für die Staatsgebühr gemäss § 22 Abs. 1 lit. a VKD für die</span><br/> <span class="ft6">drei vereinigten Beschwerdeverfahren (ohne Erhöhung gemäss § 3</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 VKD) Fr. 11'730.-- (3x Fr. 3'910.--). Das streitige Bauvorha-</span><br/> <span class="ft6">ben mit einer Bausumme von Fr. 11,3 Mio. und einem Streitwert von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 1,13 Mio. (vgl. AGVE 1983, S. 249 ff. und 1989, S. 283 ff.) ist</span><br/> <span class="ft6">von der Sache her offensichtlich von einiger Bedeutung und recht-</span><br/> <span class="ft6">fertigt ohne Weiteres, den Rahmen von § 22 Abs. 1 lit. a VKD für je-</span><br/> <span class="ft6">des der drei Beschwerdeverfahren auszuschöpfen. Bei einem Anteil</span><br/> <span class="ft6">des Beschwerdeführers von Fr. 2'040.-- (siehe vorne Erw. 3.1) ist</span><br/> <span class="ft6">auch einem durch die Vereinigung entstandener verminderter Bear-</span><br/> <span class="ft6">beitungsaufwand der Beschwerde des Beschwerdeführers hin-</span><br/> <span class="ft6">reichend Rechnung getragen und bewegt sich in jedem Fall im Er-</span><br/> <span class="ft6">messen der Vorinstanz, in das das Verwaltungsgericht aufgrund sei-</span><br/> <span class="ft6">ner eingeschränkten Kognition nicht eingreifen kann.</span><br/> <span class="ft6">3.3.</span><br/> <span class="ft6">Die Vereinigung der drei Beschwerdeverfahren begründet zwi-</span><br/> <span class="ft6">schen den einzelnen Parteien keine Streitgenossenschaft und führt</span><br/> <span class="ft6">auch nicht zu einem gemeinschaftlichen Kostenrisiko zwischen den</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführenden. Entsprechend ist auch eine gemeinschaftliche</span><br/> <span class="ft6">Aufteilung von Kosten zwischen den Verfahrensbeteiligten der drei</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeverfahren nicht zulässig (vgl. Merkli / Aeschlimann /</span><br/> <span class="ft6">Herzog, a.a.O., Art. 17 N 17). Vielmehr sind die Verfahrenskosten</span><br/> <span class="ft6">gleich zu verlegen, wie wenn der Regierungsrat die einzelnen Einga-</span><br/> <span class="ft6">ben getrennt behandelt hätte (Kölz / Bosshard / Röhl, a.a.O., Vorbe-</span><br/> <span class="ft6">merkungen zu §§ 4-31 N 35; Merkli / Aeschlimann / Herzog, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">Art. 106 N 3).</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer (Beschwerdeverfahren 3) und die</span><br/> <span class="ft6">Aktiengesellschaft A. (Beschwerdeverfahren 2) haben je eine Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde eingereicht. Die dritte Beschwerde wurde von drei Parteien</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">231</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gemeinsam erhoben, und nur diese gemeinschaftliche Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führung begründete zwischen X. und Y. sowie Z. eine einfache</span><br/> <span class="ft6">Streitgenossenschaft, womit sie auch das Kostenrisiko für ihre Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerde (Beschwerdeverfahren 1), nicht aber für die beiden andern</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeverfahren gemeinsam tragen. Die vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">beantragte Aufteilung der Verfahrenskosten nach Köpfen ist mit § 33</span><br/> <span class="ft6">VRPG nicht vereinbar. Im Ergebnis würde die beantragte Aufteilung</span><br/> <span class="ft6">bedeuten, dass X., Y. und Z. durch die Vereinigung schlechter gestellt</span><br/> <span class="ft6">wären als bei getrennter Behandlung der Beschwerden.</span><br/> <span class="ft6">(Hinweis: Das Bundesgericht hat mit Urteil vom 5. Mai 2008</span><br/> <span class="ft6">(1C 40/2008) eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen-</span><br/> <span class="ft6">heiten gegen das Urteil vom 29. November 2007 abgewiesen, soweit</span><br/> <span class="ft6">der vorliegende Urteilsauszug betroffen ist.)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>