<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">97</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>14 Berufskostenabzug</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Zulässigkeit von Pauschalierungen im Einkommenssteuerrecht als</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Massenfallrecht (Erw. 3.2)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Steuerbehörden dürfen für die Berechnung der Fahrzeiten auf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einen einzigen Routenplaner (z. Z. Twixroute) abstellen (Erw. 3.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 14. November 2012 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen H.D. und Y.D. (WBE.2012.133).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">Der mit Y.D. verheiratete H.D. arbeitete im Jahr 2009 als Buch-</span><br/> <span class="ft7">halter bei der X.AG. Am 3. September 2010 veranlagte die Steuer-</span><br/> <span class="ft7">kommission Z. die Eheleute H.D. und Y.D. für die Kantons- und</span><br/> <span class="ft7">Gemeindesteuern 2009 zu einem steuerbaren Einkommen von</span><br/> <span class="ft7">Fr. 90'400.00. Dabei akzeptierte sie die in der Selbstdeklaration als</span><br/> <span class="ft7">Berufsauslagen geltend gemachten Fahrkosten für das Privatfahrzeug</span><br/> <span class="ft7">von Fr. 11'140.00 nicht. Stattdessen wurden für den Arbeitsweg Fahr-</span><br/> <span class="ft7">kosten für die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel im Umfang</span><br/> <span class="ft7">von Fr. 804.00 (Kosten U-Abo des Tarifverbunds Nordwestschweiz)</span><br/> <span class="ft7">gewährt.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">3.2.</span><br/> <span class="ft7">Das Einkommenssteuerrecht ist Massenfallrecht und muss des-</span><br/> <span class="ft7">halb einfach und erhebungswirtschaftlich konzipiert sein. In steuer-</span><br/> <span class="ft7">rechtlichen Angelegenheiten ist stets ein tragfähiger Kompromiss</span><br/> <span class="ft7">zwischen der nach dem Leistungsfähigkeitsprinzip sachgerechten,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">98</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">differenzierenden Lösung und dem faktisch Möglichen anzustreben</span><br/> <span class="ft7">(M</span><span class="ft5">ARKUS</span> <span class="ft7">R</span><span class="ft5">EICH</span><span class="ft7">, Steuerrecht, 2. Auflage, Zürich 2012, § 4 N 145</span><br/> <span class="ft7">mit Hinweisen). Bei der Auslegung steuerrechtlicher Normen ist</span><br/> <span class="ft7">somit fortwährend dem Aspekt der praktischen Durchführbarkeit</span><br/> <span class="ft7">gebührend Rechnung zu tragen. Mit Pauschalierungen können die</span><br/> <span class="ft7">Steuerbehörden auf die Überprüfung der konkreten Verhältnisse im</span><br/> <span class="ft7">Einzelfall verzichten und ihren Berechnungen einen typischen</span><br/> <span class="ft7">Durchschnittssachverhalt zu Grunde legen, sodass aufwändige Nach-</span><br/> <span class="ft7">forschungen und Belegsammlungen für Steuerbehörden und Steuer-</span><br/> <span class="ft7">pflichtige vermieden werden können (vgl. auch Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="ft7">gerichts vom 25. Oktober 2011 [2C_343/2011], Erw. 2.3, publ. in</span><br/> <span class="ft7">ASA 80, S. 621). In Anbetracht des grossen Arbeitsanfalls der Steu-</span><br/> <span class="ft7">erbehörden kann nicht jeder Verästelung des Einzelfalls nachgegan-</span><br/> <span class="ft7">gen werden (P</span><span class="ft5">ETER</span> <span class="ft7">L</span><span class="ft5">OCHER</span><span class="ft7">, Praktikabilität im Steuerrecht (unter</span><br/> <span class="ft7">besonderer Berücksichtigung des materiellen Rechts der direkten</span><br/> <span class="ft7">Steuern), in: F</span><span class="ft5">RANCIS</span> <span class="ft7">C</span><span class="ft5">AGIANUT</span><span class="ft7">/K</span><span class="ft5">LAUS</span> <span class="ft7">A.</span> <span class="ft7">V</span><span class="ft5">ALLENDER</span> <span class="ft7">[Hrsg.],</span><br/> <span class="ft7">Steuerrecht, Ausgewählte Probleme am Ende des 20. Jahrhunderts,</span><br/> <span class="ft7">Festschrift zum 65. Geburtstag von Ernst Höhn, Bern 1995, S. 191).</span><br/> <span class="ft7">Mit Blick auf Fragen der Beweiserhebung und -würdigung ist</span><br/> <span class="ft7">im Steuerverfahren, und zwar auch im Steuerjustizverfahren, diesem</span><br/> <span class="ft7">Charakter des Steuerverfahrens als Massenverfahren Rechnung zu</span><br/> <span class="ft7">tragen. Im Interesse einer gesetzmässigen und rechtsgleichen Be-</span><br/> <span class="ft7">steuerung hat die Steuerbehörde somit trotz grundsätzlicher Geltung</span><br/> <span class="ft7">des Untersuchungsgrundsatzes die Ermittlungsintensität des je-</span><br/> <span class="ft7">weiligen Einzelfalles stets an der praktischen Realisierbarkeit des</span><br/> <span class="ft7">Gesamtvollzugs auszurichten (vgl. R</span><span class="ft5">OMAN</span> <span class="ft7">S</span><span class="ft5">EER</span><span class="ft7">, Reform des Veran-</span><br/> <span class="ft7">lagungsverfahrens, Steuer und Wirtschaft 2003, S. 41f.; M</span><span class="ft5">ARKUS</span><br/> <span class="ft7">B</span><span class="ft5">ERGER</span><span class="ft7">, Voraussetzungen und Anfechtung der Ermessensveranla-</span><br/> <span class="ft7">gung, ASA 75, S. 187).</span><br/> <span class="ft7">3.3.</span><br/> <span class="ft7">Im Hinblick auf die Bestimmung der täglichen Fahrtdauer des</span><br/> <span class="ft7">Arbeitswegs mit dem Privatfahrzeug lässt sich nach dem Gesagten</span><br/> <span class="ft7">festhalten, dass die Steuerbehörden auf die Berechnungen eines ein-</span><br/> <span class="ft7">zigen Routenplaners abstellen dürfen, ohne weitere Angaben anderer</span><br/> <span class="ft7">Fahrzeitberechnungsprogramme zu berücksichtigen. In einem Mas-</span><br/> <span class="ft7">senverfahren kann es im Sinne der Praktikabilität nicht Aufgabe der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">99</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Steuerbehörden sein, in jedem Einzelfall zu untersuchen, gemäss</span><br/> <span class="ft7">welchem Routenplaner der fragliche Arbeitsweg am schnellsten</span><br/> <span class="ft7">zurückgelegt würde, oder sogar sämtliche Routenplaner - welche</span><br/> <span class="ft7">heutzutage im Internet unzählig und teils kostenlos vorhanden sind -</span><br/> <span class="ft7">zu konsultieren und den Mittelwert der unterschiedlichen Fahrzeit-</span><br/> <span class="ft7">angaben zu berechnen.</span><br/> <span class="ft7">Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung aller Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft7">tigen, aber auch aus Gründen der Praktikabilität drängt es sich auf,</span><br/> <span class="ft7">dass die Veranlagungsbehörden immer auf das gleiche Programm</span><br/> <span class="ft7">abstellen. Für die Berechnung der Fahrzeiten verwenden praxis-</span><br/> <span class="ft7">gemäss alle Steuerbehörden des Kantons Aargau das Computerpro-</span><br/> <span class="ft7">gramm "TwixRoute" (Grundsatzentscheid des Steuerrekursgerichts</span><br/> <span class="ft7">in AGVE 2006 S. 295). Darauf wird seit der Steuerperiode 2007</span><br/> <span class="ft7">auch jeweils in der Wegleitung zur Steuererklärung hingewiesen</span><br/> <span class="ft7">(vgl. Hinweis in der Wegleitung 2007, S. 18: "Zur Berechnung der</span><br/> <span class="ft7">Distanzen in km für den Arbeitsweg wird auf das Programm Twix-</span><br/> <span class="ft7">route abgestellt."). Überdies ist "TwixRoute" im Vergleich zu den an-</span><br/> <span class="ft7">deren vom Beschwerdeführer und der Vorinstanz genannten Routen-</span><br/> <span class="ft7">planern (...) - soweit ersichtlich - das einzige Programm, bei wel-</span><br/> <span class="ft7">chem die der Zeitberechnung zugrundeliegenden Durchschnitts-</span><br/> <span class="ft7">geschwindigkeiten für die unterschiedlichen Höchstgeschwindig-</span><br/> <span class="ft7">keitszonen (Autobahn, Fernverkehrsstrasse, Hauptverkehrsstrasse</span><br/> <span class="ft7">etc.) einsehbar sind. Bei "TwixRoute" ist damit anhand der offen</span><br/> <span class="ft7">gelegten Durchschnittsgeschwindigkeiten eine nähere Überprüfung</span><br/> <span class="ft7">der errechneten Fahrtdauer möglich. Nach Gesagtem ist nicht zu</span><br/> <span class="ft7">beanstanden, insbesondere mit Blick auf Rechtsgleichheitsüber-</span><br/> <span class="ft7">legungen, dass die Vorinstanz sowie die Veranlagungsbehörde für die</span><br/> <span class="ft7">Berechnung der täglichen Fahrtdauer mit dem Privatfahrzeug einzig</span><br/> <span class="ft7">auf die Angaben des Programms "TwixRoute" abgestellt haben, ohne</span><br/> <span class="ft7">die Zeitangaben anderer Routenplaner zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft7">3.4.</span><br/> <span class="ft7">Dies hat aber nicht zur Folge, dass die aus dem Routenplaner</span><br/> <span class="ft7">"TwixRoute" resultierenden Fahrzeiten nicht überprüft werden kön-</span><br/> <span class="ft7">nen. Dabei kann es indes lediglich darum gehen, relevante und kon-</span><br/> <span class="ft7">krete Abweichungen im Einzelfall (z.B. falscher Start- oder Zielort,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">100</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">nicht berücksichtigte Fahrverbote, falsche Geschwindigkeiten, neue</span><br/> <span class="ft7">Strassen, etc.) darzulegen und zu belegen (...).</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>