B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-4103/2021 U r t e i l v o m 1 7 . M ä r z 2 0 2 3 Besetzung Vera Marantelli (Vorsitz), Richter Martin Kayser; Richter Pietro Angeli-Busi; Gerichtsschreiberin Katharina Niederberger. Parteien Novartis AG, Postfach, 4002 Basel, vertreten durch Keller Schneider Patent- und Markenanwälte AG, Beethovenstrasse 49, Postfach, 8027 Zürich, Beschwerdeführerin, gegen Bristol-Myers Squibb Company, 14th Floor, 430 E. 20th Street, US-NY 10016 New York, vertreten durch Troller Hitz Troller Rechtsanwälte, Schweizerhofquai 2, Postfach, 6002 Luzern, Beschwerdegegnerin, Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum IGE, Stauffacherstrasse 65/59g, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Widerspruchsverfahren Nr. 101881, CH 735'007 VYQUELVO / CH 755'544 FYDENVO. B-4103/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Markeninhaberin Bristol -Myers Squibb Company (nachfolgend: Widerspruchsgegnerin und Beschwerdegegnerin) hinterlegte am 24. No- vember 2020 unter Beanspruchung einer US-amerikanischen Priorität vom 28. Mai 2020 die Wortmarke Nr. 755'544 "FYDENVO". Die Marke ist im Markenregister Swissreg am 24. November 2020 für folgende Waren ein- getragen worden: Klasse 5: "Pharmazeutische Präparate für den Humangebrauch" A.b Gegen die Eintragung dieser Marke hat die Novartis AG (nachfolgend: Widersprechende und Beschwerdeführerin) aus der am 19. August 2019 hinterlegten und am 21. August 2019 eingetragenen Wortmarke Nr. 735'007 "VYQUELVO" am 23. Februar 2021 Widerspruch erhoben. Die Marke ist für folgende Waren eingetragen: Klasse 5: "Pharmazeutische Präparate" A.c Am 13. April 2021 reichte die Widerspruchsgegnerin beim Institut für Geistiges Eigentum (nachfolgend: Vorinstanz) ihre Stellungnahme ein. Sie machte im Wesentlichen gel tend, die Wortmarke Nr. 735'007 "VYQUELVO", auf we lche sich der Widerspruch stütze , sei rechtsmiss- bräuchlich eingetragen worden. Die Zweitanmeldung sei kurz nach Ablauf der Gebrauchsschonfrist der identischen Schweizer Wortmarke Nr. 656'447 "VYQUELVO" erfolgt, wobei die ältere Marke nie rechtserhal- tend gebraucht worden sei. Die Widerspruchsgegnerin führte weiter aus , die Frage nach der Zulässigkeit solcher Zweitanmeldungen sei im Wider- spruchsverfahren aber kein Prüfgegenstand. In materiell-rechtlicher Hin- sicht verneinte sie eine Verwechslungsgefahr bereits wegen fehlender Zei- chenähnlichkeit. A.d Mit Verfügung vom 13. Juli 2021 wies die Vorinstanz den Widerspruch vollumfänglich ab. Die Vorinstanz erwog, die Frage nach einer allenfalls rechtsmissbräuchlich erfolgten Eintragung bilde kein en Streitgegenstand im Widerspruchsverfahren. In ma teriell-rechtlicher Hinsicht führte sie im Wesentlichen aus, die eingetragenen Waren seien identisch und im Schrift- bild und Klang bestehe "eine gewisse Zeichenähnlichkeit". Weiter sei bei keinem der Zeichen ein konkreter Sinngehalt zu erkennen. Die Vorinstanz B-4103/2021 Seite 3 legt ihrer Beurteilung sodann die Annahme zugrunde, die Widerspruchs- marke verfüge über eine durchschnittliche Kennzeichnungskraft und einen normalen Schutzumfang. In der Gesamtwürdigung sei von klaren Unter- schieden zwischen den beiden Zeichen auszugehen, sodass zwischen den beiden Marken im Ergebnis keine Verwechslungsgefahr bestehe. B. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 14. September 2021 Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, der Entscheid im Widerspruchsverfahren Nr. 101'881 sei aufzuheben und der Schweizer Registrierung Nr. 755'544 "FYDENVO" der Schutz vollständig zu verweigern, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be- schwerdegegnerin. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe bei der Beurteilung der Wortanfänge zu Unrecht eine unterschiedliche Aus- sprache angenommen. Auch die Prüfung der Vokalfolge weise Fehler auf. Ausserdem gehe die Vorinstanz fehl, wenn sie auf common stems abstelle, um damit die angebliche Kennzeichnungsschwäche der Wortendung "-VO" zu begründen. Im Ergebnis sei eine Verwechslungsgefahr zwischen den streitgegenständlichen Marken zu bejahen. C. Am 15. Oktober 2021 reichte die Vorinstanz unter Verzicht auf eine Stel- lungnahme ihre Akten ein und beantragt, die Beschwerde sei unter Kos- tenfolge abzuweisen. D. Mit innert erstreckter Frist eingereichter Beschwerdeantwort vom 30. No- vember 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin die kostenfällige Abwei- sung der Beschwerde. Nach Ansicht der Beschwerdegegnerin liegt keine rechtlich relevante Zeichenähnlichkeit vor. Die streitgegenständlichen Zei- chen verfügten weder über eine identische Vokalfolge noch könne der Vorinstanz vorgeworfen werden, sie habe deren Aussprache rechtsfehler- haft beurteilt. Ausserdem verwendeten viele Unternehmen der Phar- mabranche bei Marken die Endsilbe "-VO". Selbst unter der Annahme, dass eine minime Zeichenähnlichkeit vorliegen sollte, würde diese keine Verwechslungsgefahr hervorrufen. E. Mit Schriftsatz vom 6. Dezember 2021 wies die Beschwerdeführerin das B-4103/2021 Seite 4 Bundesverwaltungsgericht auf die korrekte Schre ibweise der Wider- spruchsmarke "VYQUELVO" hin. Der Schreibfehler wurde am 7. Dezem- ber 2021 im Geschäftsverwaltungssystem korrigiert. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden ge- gen Verfügungen der Vorinstanz im Widers pruchsverfahren zuständig (Art. 31 und 33 Bst. e des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Ver- fahren teilgenommen, ist als Verfügungsadressatin besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der an- gefochtenen Verfügung. Damit ist sie zur Beschwerde leg itimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. a–c des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). Die Beschwerde wurde innerhalb der gesetz- lichen Frist sowie unter Einhaltung der erforderlichen Formvorschriften ein- gereicht und der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet (Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. 2.1 Vom Markenschutz sind Zeichen ausgeschlossen, die einer älteren Marke ähnlich und für gleiche oder gleichartige Waren oder Dienstleistun- gen bestimmt sind, sodass sich daraus eine Verwechslungsgefahr ergibt (Art. 3 Abs. 1 Bst. c des Markenschutzgesetzes vom 28. August 1992 [MSchG, SR 232.11]). An die Unterschiedlichkeit der beanspruchten Waren und Dienstleistungen sind umso höhere Anforderungen zu stellen, je ähn- licher sich die Zeichen sind (BGE 128 III 441 E. 3.1 "Appenzeller® Switzer- land [fig.]/Appenzeller Natural [fig.]"; 128 III 96 E. 2c "Orfina [fig.]/Orfina"). Dabei sind die Aufmerksamkeit der massgebenden Verkehrskreise und die Kennzeichnungskraft der Widerspruchsmarke zu berücksichtigen (BGE 122 III 382 E. 2a und 3a "Kamillosan/Kamillan, Kamillon"; 121 III 377 E. 2a "Boss/Boks"). B-4103/2021 Seite 5 2.2 Die Gleichartigkeit von Waren und Dienstleistungen beurteilt sich an- hand eines Vergleichs zwischen den Registereinträgen der Widerspruchs- marke und der angefochtenen Marke, soweit keine frist - und formgerecht erhobene Einrede des Nichtgebrauchs entgegensteht (Urteile des BVGer B-4669/2019 vom 25. November 2021 E. 3.2 "Carglass [fig.]/CARGEST"; B-2165/2018 vom 26. Juni 2019 E. 4.1 "Hero [fig.]/Heera [fig.]", mit Hinwei- sen). Ein besonders strenger Massstab ist anzulegen, wenn beide Marken für identische Warengattungen bestimmt sind (BGE 126 III 315 E. 6b/bb "RIVELLA/apiella"; 122 III 382 E. 3a "Kamillosan/Kamillan, Kamillon"). 2.3 Die Zeichenähnlichkeit beurteilt sich nach dem Gesamteindruck, den die Marken in der Erinnerung der Adressaten hinterlassen (BGE 128 III 441 E. 3.1 "Appenzeller® Switzerland [fig.]/Appenzeller Natural [fig.]"). Dem Zei- chenanfang kommt in der Regel eine grössere Bedeutung zu, da er besser im Gedächtnis haften bleibt (BGE 127 III 160 E. 2a und 2b/cc "Securitas"). Entscheidend für den Gesamteindruck sind die prägenden Wort - oder Bildelemente, während kennzeichnungsschwache Wort- und Bildelemente diesen weniger beeinflussen (Urteile des BVGer B-2200/2021 vom 26. Ap- ril 2022 E. 2.4 "HERVYYTA/Enhervyda [fig.]" ; B-5972/2017 vom 7. Juni 2019 E. 2.2 "Medical Park [fig.]/Medical Reha Park [fig.]"; je mit Hinweisen). Für die Ähnlichkeit von Wortmarken sind der Wortklang, das Schriftbild und gegebenenfalls der Sinngehalt massgebend (BGE 127 III 160 E. 2b/cc "Securitas"; Urteil des BGer 4A_28/2021 vom 18. Mai 2021 E. 6.6.2.1 "Tellco [fig.]/Tell"). Der Wortklang wird im Wesentlichen durch die Silben- zahl, die Aussprachekadenz und die Aufeinanderfolge der Vokale be- stimmt, während das Schriftbild durch die Wortlänge und durch die Eigen- heiten der verwendeten Buchstaben gekennzeichnet wird (BGE 122 III 382 E. 5a "Kamillosan/Kamillan, Kamillon"; 119 II 473 E. 2c "Radion/Radomat"; je mit Hinweisen). 2.4 Eine Verwechslungsgefahr besteht, wenn aufgrund der Ähnlichkeit der Marke Fehlzurechnungen zu befürchten sind, welche das besser berech- tigte Zeichen in seiner Individualisierungsfunktion beeinträchtigen . Eine solche Beeinträchtigung ist gegeben, wenn eines der zu vergleichenden Zeichen für das andere gehalten wird ("unmitt elbare Verwechslungsge- fahr"), aber auch dann, wenn die massgeblichen Verkehrskreise die Zei- chen zwar auseinanderhalten, dahinter aber unrichtige wirtschaftliche Zu- sammenhänge vermuten und namentlich annehmen, dass beide gekenn- zeichneten Angebote aus demsel ben Unternehmen stammen (vgl. BGE 128 III 441 E. 3.1 "Appenzeller® Switzerland [fig.]/Appenzeller Natural [fig.]"; 128 III 96 E. 2a "Orfina [fig.]/Orfina"; 127 III 16 0 E. 2a "Securitas"; B-4103/2021 Seite 6 Urteil des BVGer B -3464/2020 vom 8. Juli 2022 E. 2.1 und 2.8 "ÄGERI- BIER/Ägeribier [fig.]", mit Hinweisen; MATTHIAS STÄDELI/SIMONE BRAUCH- BAR BIRKHÄUSER, in: David/Frick [Hrsg.], Markenschutzgesetz, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2017, Art. 3 N 26 f.). Ob eine V erwechslungsgefahr besteht, hängt auch vom Schutzumfang der Widerspruchsmarke ab . Der geschützte Ähnlichkeitsbereich für schwache Marken ist dabei kleiner als jener für starke Marken (BGE 122 III 382 E. 2a "Kamillosan/Kamillan, Ka- millon", mit Hinweisen). 3. 3.1 Zunächst sind die massgeblichen Verkehrskreise sowie deren Auf- merksamkeitsgrad zu bestimmen. Ausgangspunkt für die Bestimmung der Verkehrskreise ist das Warenverzeichnis der älteren Marke (GALLUS JOL- LER, in: Noth/Bühler/Thouvenin [Hrsg.], Markenschutzgesetz [MSchG], 2. Aufl. 2017, Art. 3 N 51). 3.2 Zu den "pharmazeutischen Präparaten" der Klasse 5 zählen sowohl re- zeptpflichtige als auch frei erhältliche Pharmazeutika. Nach ständiger Rechtsprechung setzen sich die massgeblichen Verkehrskreise dieser Wa- ren aus Fachpersonen der Medizin und Pharmazie sowie aus Endabneh- merinnen und Endabnehmern zusammen, die in der Nachfragesituation ei- nen höheren Grad an Aufmerksamkeit aufwenden, als dies bei Gütern des täglichen Bedarfs der Fall ist (Urteile des BVGer B-5404/2021 vom 16. Au- gust 2022 E. 4 "VIFOR/VITOP"; B-5119/2014 vom 17. März 2016 E. 4.2 "VISUDYNE/VIVADINE"; B-6375/2011 vom 12. August 2013 E. 4.7 "Fuci- din/Fusiderm"; je mit Hinweisen). 4. Die Verwechslungsgefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG setzt voraus, dass die Marken für gleiche oder gleichartige Waren oder Dienst- leistungen bestimmt sind (1. Satz, 2. Teil). Die Vorinstanz hat angenom- men, die eingetragenen Waren der angefochtenen M arke (Pharmazeuti- sche Präparate für den Humangebrauch) und der Widerspruchsmarke (Pharmazeutische Präparate) seien identisch. In einem vergleichbaren Fall, in welchem ebenfalls eine Konstellation mit einem Oberbegriff (ohne spezifischen Indikationsbereich) vorlag, hat das Bundesverwaltungsgericht für pharmazeutische Erzeugnisse für den Menschen seitens der Wider- spruchsmarke und pharmazeutische Präparate und Substanzen seitens der angefochtenen Marke auf Warengleichheit beziehungsweise auf eine mindestens ho chgradige Gleichartigkeit geschlossen (Urteil des BVGer B-4103/2021 Seite 7 B-2200/2021 vom 26. April 2022 E. 4 "HERVYYTA/Enhervyda [fig.]"). Die vorinstanzliche Annahme, wonach vorliegend von einer Warengleichheit auszugehen ist, wurde von keiner der Parteien bestritten. Es liegen folglich keine Gründe vor, von dieser Beurteilung abzuweichen. 5. 5.1 Zur schriftbildlichen Ähnlichkeit erwog die Vorinstanz, die sich gegen- überstehenden Marken "VYQUELVO" und "FYDENVO" verfügten zwar über eine ähnliche Anzahl von Buchstaben. Der besonders prägende Wort- anfang, das Alleinstellungsmerkmal "Q" der Widerspruchsmarke sowie weitere abweichende Buchstaben führten aber zu nicht unerheblichen Un- terschieden im Schriftbild (Verfügung, Ziff. III.C.3). Die Beschwerdeführerin nimmt demgegenüber an, die ähnliche Wortlänge und die identischen Buchstaben Y-E-V-O erzeugten eine hochgradige Ähnlichkeit im Schriftbild (Beschwerdeschrift, Rz. 14). Die Beschwerdegegnerin tritt diesem Vorbrin- gen entgegen und weist auf die Zeichenunterschiede im Erstbuchstaben und in der Mittelsilbe hin (Beschwerdeantwort, Rz. 10 und 23). 5.1.1 Unter dem Aspekt Schriftbild lassen sich die identischen und die un- terschiedlichen Buchstaben wie folgt darstellen: VYQUELVO VYQUELVO FYDENVO FYDENVO Die Widerspruchsmarke enthält acht und die angefochtene Marke sieben Buchstaben. Hinsichtlich Art und Stellung der verwendeten Buchstaben un- terscheiden sich die Zeichen zunächst im Wortanfang ("V" und "F"), den die Verkehrskreise üblicherweise gut erinnern und dem sie ein grösseres Gewicht beimessen (BGE 127 III 160 E. 2b/cc "Securitas"; JOLLER, a.a.O. Art. 3 MSchG N 147). Obschon die Buchstaben "D" und "Q" beide einen geschlossen Buchstabeninnenraum aufweisen, bieten die unterschiedliche Bogenform und der Schweif des Buchstabens "Q" aber hinreichende An- haltspunkte, um eine bildliche Ähnlichkeit auszuschliessen. In der Mittel- silbe tragen das im Deutschen selten verwendete "Q" beziehungsweise das Buchstabenpaar "QU" sow ie die ungleichartigen Schriftzeichen "N" versus "L" zur optischen Unterscheidbarkeit der beiden Wortmarken bei (<https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Die-haufigsten- Buchstaben-deutschen-Wortern>, abgerufen am 2.2.2023) . Damit rufen insgesamt vier von acht Buchstaben der Widerspruchsmarke ausgeprägte B-4103/2021 Seite 8 Unterschiede im Schriftbild hervor. Demgegenüber sind die Zweitbuchsta- ben "Y", der gemeinsame Vokal "E" in der Mittelsilbe und die gleichlau- tende Endsilbe (-VO) identisch. Diese Üb ereinstimmungen entfalten auf- grund ihrer Position aber keine prägende Wirkung im Gesamteindruck. Es ist folglich davon auszugehen, dass diese vier übereinstimmenden Buch- staben im Erinnerungsbild der Abnehmerinnen und Abnehmer eine ent- fernte bildliche Ähnlichkeit hervorrufen können. 5.2 Zwischen der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin auf der einen und die Beschwerdeführerin auf der anderen Seite besteht Uneinigkeit über die Aussprache des Erstbu chstabens "V" der Widerspruchsmarke (Verfügung, Z iff. III.C.4, Vernehmlassungsbeilage 5.7; Beschwerdeant- wort, Rz. 14 f.; Beschwerdeschrift, Rz. 15 f.; Beschwerdebeilage 2). Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin treffen weiter die Annahme, die Vokalfolge laute Y-U-E-O für das Widerspruchszeichen und Y-E-O für das angefochtene Zeichen (Verfügung, Ziff. III.C.4; Beschwerdeantwort, Rz. 13). Die Beschwerdeführerin vertritt demgegenüber die Auffassung, die Vokale der beiden Marken seien identisch (Y-E-O und Y-E-O), weil das Buchstabenpaar "QU" ein Digraph sei, dem keine eigenständige Bedeu- tung als Vokal zukomme (Beschwerdeschrift, Rz. 17 f.). 5.2.1 Der Erstbuchstabe "V" kann in der deutschen Sprache als "F" oder "W" ausgesprochen werden. Das "V" wird in der Regel als "F" gesprochen, wenn es am Anfang der Silbe oder des Wortes steht und anschliessend ein Vokal oder die Buchstaben "L" oder "R" folgen. Demgegenüber wird der Laut "W" [v] (wie Visum) unter anderem dann verwendet, wenn er in einem eingedeutschten Fremdwort steht. Allerdings kann man sich im Sprachall- tag nicht in allen Fällen nach diesen Kriterien richten (Gesellschaft für deut- sche Sprache e.V., Der Sprachdienst 3/2013, abrufbar unter: <https://gfds. de/wann-spricht-man-den-buchstaben-v-als-w-aus-wann-als-f/>, abgeru- fen am 1.2.2023; Beschwerdebeilage 2). Der Erstbuchstabe "V" ist zwar an einem Silbenanfang positioniert. Weil die deutschsprachigen Verkehrs- kreise in "VYQUELVO" aber kein Wort der deutschen Sprache erkennen, werden sie den Erstbuchstaben – wie im Französischen oder Italienischen – als "W" [v] und nicht als "F" [f] aussprechen. Die Beschwerdeführerin wendet sich damit ohne Erfolg gegen die vorinstanzliche Beurteilung, wo- nach die Erstbuchstaben "V" und "F" phonetisch verschieden seien. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die unterschiedlich ausgespro- chenen Erstbuchstaben wegen ihrer Position massgeblich zur klanglichen Unterscheidbarkeit beitragen. B-4103/2021 Seite 9 5.2.2 Die voneinander abweichenden Auffassungen der Verfahrensbetei- ligten zur Vokalfolge gründen darin, dass die Beschwerdeführerin das Kon- sonantengraphem "QU" ausschliesslich aus der Perspektive der deutsch- sprachigen Verkehrskreise heraus beurteilt (zum Konsonantengraphem "QU": ALBERT BUSCH/OLIVER STENSCHKE, Germanistische Linguistik. Eine Einführung, 2018, S. 65 ff.). Bei der Beurteilung von Marken sind aber alle Landessprachen miteinzubeziehen (Urteil des BVGer B -5061/2019 vom 10. Mai 2022 E. 5.3.2 "POPPIT'S/POPCHIPS"; EUGEN MARBACH, in: von Büren/David [Hrsg.], SIWR, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl. 2009 [zit: Mar- bach, SIWR III/1], Rz. 876). Im Deutschen wird der Digraph "QU" – wie im Wort "Quelle" – als /kv/ ausgesprochen, in französischer Sprache wie bei "quel" als /kɛ/ und im Italienischen wie bei "questione" als /ku/. Gestützt auf diesen Sprachenvergleich ist der Buchstabe "U" durchaus ein Vokalträger und im Vokalvergleich entsprechend zu berücksichtigen. Die Verfahrens- beteiligten haben sodann für den zweiten Buchstaben "Y" zutreffend ange- nommen, dieser werde bei "VYQUELVO" und "FYDENVO" entweder als Umlaut /ü/ oder als /i/ ausgesprochen. Weil der Buchstabe "Y" in beiden Fällen vokalisch realisiert wird, lautet die Vokalfolge I/Ü-U-E-O für das Wi- derspruchszeichen und I/Ü-E-O für das angefoc htene Zeichen (zur Nota- tion der Vokale: vgl. BGE 127 III 160 E. 2c "Securitas"). Die Rüge der Be- schwerdeführerin, die Vorinstanz habe zu Unrecht auf eine unterschiedli- che Vokalfolge abgestellt, erweist sich somit als unbegründet. 5.2.3 Daran anknüpfend lassen sich auch Unterschiede in der Konsonan- tenfolge erkennen: Die drei ersten von vier Konsonanten sind verschieden (V-Q-L-V und F -D-N-V). Auch wenn bei der Beurteilung des Merkmals Klang vorrangig der Vokalvergleich Prüfgegenstand bildet, prägen die Kon- sonanten V-Q-L-V und F -D-N-V den Gesamteindruck durchaus mit (vgl. MARBACH, SIWR, Bd. III/1, Rz. 880). Beide Wortmarken setzen sich schliesslich aus drei Silben zusammen, was einen ähnlichen Sprachrhyth- mus erzeugt. 5.2.4 Für das Widerspruchszeichen ist demnach anzunehmen, dass die Verkehrskreise je nach Sprache "VYQUELVO" entweder als /vy'kvelvo/ oder /vi'kvelvo/ beziehungsweise als /vi'kɛlvo/ und /vi'kuelvo/ aussprechen. Die Aussprache des angefochtenen Zeichens "FYDENVO" ist zwischen den Verfahrensbeteiligten unstreitig. Sie gehen zutreffend davon aus, das angefochtene Zeichen laute /fy'denvo/ oder /fi'denvo/. Unter Einbezug aller geprüften Aspekte ist im Gesamteindruck von einer entfernten klanglichen Ähnlichkeit zwischen den einander gegenüberstehenden Zeichen auszu- gehen. B-4103/2021 Seite 10 5.3 Zum Sinngehalt hat die Vorinstanz erwogen, die massgeblichen Ver- kehrskreise fassten die beiden Wortmarken "VYQUELVO" und "FY- DENVO" als Fantasiezeichen auf. Der Sinngehalt lasse daher für die Be- stimmung de s Ähnlichkeitsgrades keine Differenzierung zu (Verfügung, Ziff. III.C.5). Diese Beurteilung wird von den Verfahrensparteien nicht be- anstandet. Es gibt auch keinen Anlass zur Annahme, dass die französisch- oder italienischsprachigen Verkehrskreise die Mittelsilbe der Wider- spruchsmarke ("-quel") als eigenständigen bedeutungstragenden Wortteil auffassen werden. Mangels unterschiedlicher Sinngehalte können die bild- lichen und klanglichen Übereinstimmungen auch nicht kompensiert werden (vgl. BGE 121 III 377 E. 2b "Boss"/"Boks"; Urteil des BVGer B-2091/2018 vom 25. Februar 2020 E. 8.4 f. "SMAC/LISSMAC"). 5.4 Unter Einbezug aller genannten Aspekte treten die bildlichen und klanglichen Unterschiede zwischen den Kennzeichen im jeweiligen Ge- samteindruck in den Vordergrund, ohne dass deswegen die übereinstim- menden Zeichenelemente vollständig vernachlässigbar wären. Unter die- sen Umständen ist bei der Beurteilung der Verwechslungsgefahr von einer entfernten Zeichenähnlichkeit in den Wahrnehmungsbereichen Schriftbild und Klang auszugehen. 6. 6.1 Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist unbestritten, dass die Wortneu- schöpfung "VYQUELVO" keine beschreibenden oder anpreisenden Hin- weise auf pharmazeutische Präparate enthält (Verfügung, III.D.3 ; Be- schwerdeschrift, Rz. 22; Beschwerdeantwort, Rz. 24 ff.). Die Beschwerde- gegnerin weist aber nach, dass das nicht beschreibende Suffix "-VO" im Pharmabereich bei einer Vielzahl von schweizerischen und internationalen Markenregistrierungen auftritt (Beschwerdeantwort, Rz. 24; Vernehmlas- sungsbeilagen 5). Unter Bezugnahme auf das Urteil B -142/2009 ("Pulcino/Dolcino") hält die Vorinstanz entgegen, die Registerlage reiche für sich alleine nicht aus, um auf eine Verwässerung des Markenbestand- teils "-VO" zu schliessen. Denn der Abnehmerschaft seien nur auf dem Markt tatsächlich gebrauchte Marken bekannt . Die zitierte Praxis zu den Beweisanforderungen bei Markenverwässerungen ist auch in der jüngeren Rechtsprechung wiederholt bestätigt worden (Urteile des BVGer B-444/2022 vom 11. Januar 2023 E. 7.3 "RED BULL/RED DRAGON "; B-7057/2016 vom 4. Mai 2018 E. 9.2.3 "7seven [fig.]/Sevenfriday"; B-2636/2015 vom 29. März 2016 E. 8.2 "Axotide/Acofide"). Im Beschwer-B-4103/2021 Seite 11 deverfahren ergänzte die Beschwerdegegnerin ihre Beweismittel (Be- schwerdeantwort, Beilage 2). Sie weist nach, dass auf dem Apotheken- markt rund ein halbes Dutzend Drittmarken mit der Endsilbe "-VO" ange- boten werden, die nicht der Beschwerdeführerin gehören. Eine Verwässe- rung im markenrechtlichen Sinn würde allerdings eine erhebliche Anzahl von Drittzeichen voraussetzen (JOLLER, a.a.O., Art. 3 N 109 ff.). Die Be- schwerdegegnerin begründet mit diesen Beweismitteln aber plausibel, dass die übereinstimmende Endsilbe "-VO" den Verkehrskreisen jedenfalls nicht nahelegt, jedes Markenprodukt mit dieser Endung stamme vom glei- chen Pharmaunternehmen. 6.2 Mangels gegenteiliger Feststellungen ist die Widerspruchsmarke "VYQUELVO" in ihrer Gesamtheit im Zusammenhang mit den eingetrage- nen Waren nicht verkehrsüblich. Ausgehend von der Annahme, dass die Widerspruchsmarke keine beschreibenden oder anpreisenden Hinweise auf pharmazeutische Präparate enthält, kommt die Vorinstanz zum Ergeb- nis, die Widerspruchsmarke sei in Verbindung mit den hier massgeblichen Waren durchschnittlich kennzeichnungskräftig und verfüge über einen nor- malen Schutzumfang. Diese Beurteilung steht in Einklang mit der ständi- gen Rechtsprechung zur normativen Umschreibung des Schutzumfangs von Marken mit Fantas iegehalt (Urteile des BVGer B-2200/2021 vom 26. April 2022 E. 6 "HERVYYTA/Enhervyda [fig.]" ; B-2636/2015 vom 29. März 2016 E. 8.3 "Axotide/Acofide"; B-4511/2012 vom 8. August 2014 E. 7.2 "DROSSORA/DROSIOLA"; B-1760/2012 vom 11. März 2013 E. 6.2 "Zurcal/Zorcal"; B-5780/2009 vom 12. Januar 2010 E. 3.3 "Sevikar/Sevi- cad"; siehe auch: MARBACH, SIWR III/1 , Rz. 980; JOLLER, a.a.O., Art. 3 MSchG N 100 f.). 6.3 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz stelle zu Unrecht auf com- mon stems ab, um die angebliche Kennzeichnungsschwäche der Endung "-VO" zu begründen (Beschwerdeschrift, Rz. 23–31). 6.3.1 Die World Health Organization (WHO) weist seit den 1950er Jahren pharmazeutische Substanzen in einer internationalen Nomenklatur aus. Common stems (sogenannte Kennsilben in Form von Präfixen, Infixen und/oder Suffixen ) charakterisieren pharmazeutische Wirkstoffgruppen. Durch die Verwendung dieser definierten Kennsilben in den International Nonproprietary Names ("INN") lässt sich deren Zugehörigkeit zu einer Wirkstoffgruppe erkennen. Solche Freinamen dienen der eindeutigen Iden- tifizierung von Wirkstoffen und werden weltweit anerkannt. Die WHO emp- fiehlt, diese nicht als Markenbestandteile zu verwenden ("The use of stems B-4103/2021 Seite 12 in the selection of International Nonproprietary Names [INN] for phar- maceutical substances", 2018, S. 1 f., 209, <https://www.who.int/publica- tions/m/item/who-emp-rht-tsn-2018-1>; Pschyrembel online: <https://www. pschyrembel.de/INN/K0AU5/doc/>; FRANZ BRACHER/FRANK DOMBECK, No- menklatur. Was internationale Freinamen aussagen, in: Pharmazeutische Zeitung (PZ), 45/2002, <https://www.pharmazeutische -zeitung.de/in- dex.php?id=titel_45_2002>; alle abgerufen am 8. März 2023; vgl. Urteile des BVGer B-2636/2015 vom 29. März 2016 E. 8.3 " Axotide/Acofide"; B-5871/2011 vom 4. März 2013 E. 4.3.1 ff. "Gadovist/Gadogita"). 6.3.2 Die Vorinstanz hat im Zusammenhang mit dem Aufmerksamkeitsgrad der Verkehrskreise festgestellt, diese seien es gewohnt, dass Heilmittel un- terschiedlicher Hersteller über gleiche oder ähnliche Endungen verfügten. Sie zitiert hierzu beispielhaft common stems wie "-cilline" "-mycine" oder "-caïne" (Verfügung, Ziff. III.D.5). Zu Recht hat sie aber nicht erwogen, das Suffix "-VO" sei ein common stem und vermittle aus diesem Grund eine Kennzeichnungsschwäche. Vielmehr hat sie mit Bedacht i hr Argument nicht im Zusammenhang mit der Kennzeichnungskraft der Endsilbe "-VO" vorgetragen, sondern im Rahmen der Beurteilung der Aufmerksamkeit, der Markterfahrung und dem erwartbaren Unterscheidungsvermögen der Ver- kehrskreise. Die Rüge der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten un- begründet. 7. 7.1 Die je dreisilbigen Marken sind für gleiche Waren eingetragen (E. 4). Aufgrund der Wechselwirkung zwischen der Identität der Waren und der entfernten Zeichenähnlichkeit in den Wahrnehmungsbereichen Schriftbild und Klang (E. 5.4) sind besonders strenge Anforderungen an den Zeichen- abstand zu stellen, um eine Verwechslungsgefahr auszuschliessen (E. 2.2). Anders als bei den Pharmamarken " Alucol/Aludrox", "VI- SUDYNE/VIVADINE"; "FEMIBION [fig.]/FEMINABIANE " und "GADO- VIST/GADOGITA", bei denen eine Verwechslungsgefahr jeweils bejaht wurde, unterscheidet sich der Wortanfang der prioritätsjüngeren Marke "FYDENVO" von der älteren Marke " VYQUELVO" in den Merkmalen Schriftbild und Klang (BGE 78 II 379 ff. "Alucol/Aludrox", Urteile des BVGer B-5119/2014 vom 17. März 2016 E. 4.2 "VISUDYNE/ VIVADINE"; B-1637/2015 vom 14. September 2015 "FEMIBION [fig.]/FEMINABIANE"; B-5871/2011 vom 4. März 2013 "GADOVIST/GADOGITA", mit Rechtspre- chungsübersicht). Der Erfahrungssatz, wonach dem Wortanfang in der Re- gel ein grösseres Gewicht zukommt, weil sich die Verkehrskreise an diesen B-4103/2021 Seite 13 besser erinnern können (E. 2.3), führt zu einer entsprechenden Gewich- tung bei den unterschiedlich ausgesprochenen und im Schriftbild verschie- denen Erstbuchstaben "V" und "F". Zusätzlich bildet in der Mittelsilbe das Buchstabenpaar "QU" ein auffälliges Unterscheidungsmerkmal. 7.2 Bei den dreisilbigen Kollisionsmarken "Trileptal/Desileptal", "Ci- zello/Scielo" und "CREMOLAN/XEROLAN" hat die Rechtsprechung trotz übereinstimmenden Endungen keine Verwechslungsgefahr beziehungs- weise im letzten Fall fehlende Zeichenähnlichkeit festgestellt (Urteile des BVGer B-1605/2019 vom 31. Oktober 2019 "CREMOLAN/XEROLAN"; B-3138/2013 vom 3. Oktober 2014 E. 3.1 "Trileptal/Desileptal"; B-953/2013 vom 15. Oktober 2013, E. 4 "Cizello/Scielo"). Die vorliegende Konstellation ist insofern vergleichbar, als ebenfalls zwei dreisilbige Marken mit einer identischen Endsilbe zu beurteilen sind. Die Verkehrskreise werden nicht annehmen, dass Pharmamarken mit der gleichen Endung vom gleichen Hersteller stammen (E. 6.1 und E. 6.3). Die Streitfrage, ob das fachlich ge- schulte Publikum durch berufliche Übung zusätzlich zur erhöhten Aufmerk- samkeit ein besonderes Differenzierungsvermögen bei Endsilben von Heil- mitteln und Pharmamarken erworben hat, kann sodann offenbleiben (Ver- fügung, Ziff. III.C.5; Beschwerdeschrift, Rz. 23 ff.; Beschwerdeantwort, Rz. 24). Denn die Verkehrskreise setzen sich nicht nur aus Fachpersonen der Medizin und Pharmazie, sondern auch aus Endabnehmerinnen und Endabnehmern ohne professionelle Markterfahrung zusammen (E. 3). Da die angesprochenen Verkehrskreise den pharmazeutischen Waren mit ei- ner erhöhten Aufmerksamkeit begegnen, genügen bereits kleinere Unter- schiede, um eine Verwechslungsgefahr zu verneinen. Unter Berücksichti- gung des durchschnittlichen Schutzumfangs der Widerspruchsmarke fallen die über drei Silben ver teilten, übereinstimmenden Zeichenelemente im Verhältnis zur Gesamtlänge der streitbetroffen Marken auch bei hohen An- forderungen an den Zeichenabstand zu wenig ins Gewicht, um eine direkte oder indirekte Verwechslungsgefahr zu begründen. 7.3 Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet und ist daher abzuweisen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühren sind nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien festzulegen (Art. 63 Abs. 4 bis VwVG, B-4103/2021 Seite 14 Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 73.320.2]). Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsge- richt ist dafür ein Streitwert zu veranschlagen (Art. 4 VGKE), wobei im Wi- derspruchsbeschwerdeverfahren das Interesse der Widersprechenden an der Löschung, beziehungsweise jenes der Widerspruchsgegnerin am Be- stand der angefochtenen Marke zu gewichten ist. Bei eher unbedeutenden Zeichen wird praxisgemäss ein Streitwert zwischen Fr. 50'000. – und Fr. 100'000.– angenommen (BGE 133 III 490 E. 3.3 "Turbinenfuss"). Von diesem Erfahrungswert ist auch im vorliegenden Verfahren auszugehen, da keine konkreten Anhaltspunkte für einen höheren oder niedrigeren Wert der strittigen Marke sprec hen. Damit sind die Gerichtskosten auf Fr. 4'500.– festzusetzen. 8.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Antrag eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VKGE). Die Parteient- schädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere not- wendige Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE). Das Gericht setzt die Partei- entschädigung auf Grund der Kostennote fest (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Die darin ausgewiesenen Kosten sind allerdings nicht unbesehen zu ersetzen. Es ist vielmehr zu prüfen, in welchem Umfang diese als für die Vertretung notwendig anerkannt werden können. An den Detaillierungs- grad der Kostennote werden gewisse Anforderungen gestellt. Aus der Kos- tennote hat nicht nur hervorzugehen, welche Arbeiten durchgeführt worden sind und wer wie viel Zeit zu welchem Tarif aufgewendet hat, sondern auch, wie sich der geltend gemachte Aufwand auf die einzelnen Arbeiten verteilt (vgl. MICHAEL BEUSCH, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Ver- waltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl., 2019, Art. 64 N 17 f.). Nur dann kann überprüft werden, ob es sich beim geltend gemachten Aufwand um einen entschädigungspflichtigen notwendigen Aufwand im Sinn der bundesge- richtlichen Rechtsprechung handelt (vgl. BGE 131 II 200 E. 7.2; Urteil des BVGer B-2585/2020 vom 15. April 2021 E. 6.2). 8.3 Die Beschwerdegegnerin hat für das Beschwerdeverfahren eine detail- lierte Kostennote im Betrag von Fr. 5'032.10 eingereicht (Beschwerdeant- wort, Beilage 1). Dabei weisen die Rechtsvertreter für das Verfassen der 10 Seiten umfassenden Beschwerdeantwort samt neu eingereichter Beweismittel insgesamt 13,6 Stunden aus (2,8 Stunden à Fr. 400.– und 10,8 Stunden à Fr. 360.–). Angesichts der durchschnittlichen Schwierigkeit B-4103/2021 Seite 15 der Streitsache erscheint dieser Zeitaufwand angemessen. Allerdings ent- sprechen die geltend gemachten Stundenansätze mit Blick auf Art. 10 Abs. 2 VGKE nahezu beziehungsweise ganz dem Maximalansatz, welcher gemäss ständiger Rechtsprechung nur bei besonders komplexen Fällen in Betracht kommt ( Urteile des BVGer B-5334/2016 vom 15. März 2019 E. 9.3 "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]; B-5294/2016 vom 31. Ok- tober 2018 E. 8.3 "MEISTER/ZeitMeister"; zum Regelsatz: B-2585/2020 vom 15. April 2021 E. 6.3 "Happy Cola/Happy Cola [fig.]"; B -4669/2019 vom 25. November 2021 E. 8.4 "Carglass/Cargest"; B-3005/2014 vom 3. November 2015 E. 7.2 "NIVEA STRESS PROTECT/STRESS DE- FENCE"; B-4829/2012 vom 28. Juli 2014 E. 9.3 "Land Rover/Land Glider"). Angesichts des einfachen Schriftenwechsels und der durchschnittlichen Komplexität der Streitsache, unter Berücksichtigung der im Streit liegenden Interessen sowie in Würdigung vergleichbarer Beschwerdeverfahren in Wi- derspruchssachen erscheint eine Parteientschädigung im Betrag von ins- gesamt Fr. 4’500. – angemessen. Der Vorinstanz als Bundesbehörde ist keine Parteientschädigung auszurichten (Art. 7 Abs. 3 VGKE). 8.4 Gegen dieses Urteil steht keine Beschwerde an das Bundesgericht of- fen (Art. 73 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Es wird daher mit der Eröffnung rechtskräftig. B-4103/2021 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 4'500.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Sie werden dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent- nommen. 3. Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin eine Parteientschä- digung von Fr. 4'500.– zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht a n die Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Vera Marantelli Katharina Niederberger Versand: 22. März 2023 B-4103/2021 Seite 17 Zustellung erfolgt an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beschwerdebeilagen zurück) – die Beschwerdegegnerin (Einschreiben; Beilagen zurück) – die Vorinstanz (Ref-Nr. 101881; Einschreiben; Vorakten zurück)