B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5211/2011 U r t e i l v o m 3 1 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. August 2011 / N _______. D-5211/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer – ein türki- scher Staatsangehöriger türkischer Ethnie – seinen Heimatstaat am 15. August 2009 und gelangt e am 18. August 2009 via B._______ illegal in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfa ngs- und Verfahrenszentrum C._______ um Asyl nachsuchte. Am 26. August 2009 fand die Befragung zur Person statt und am 16. September 2009 wurde der Beschwerdefü h- rer zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung des Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er stamme ursprünglich aus D._______, habe jedoch seit seiner Kindheit in E._______ gelebt. Er sei Sympathisant der DHKP/C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei/Front). Ende der 80er-, anfangs der 90er-Jahre ha- be sein Cousin den (…) umgebracht. Die Mutter, die Schwester und der Bruder dieses Cousins seien wegen Verbindungen zur DHKP/C mehrere Jahre im Gefängnis gewesen. Sein Cousin sei später vom "Staat" umg e- bracht worden. Man habe dies en Mord aber der "Organisation" angel a- stet. Im Jahr 1996 habe er sich an mehreren Aktionen der DHKP/C betei- ligt, w eswegen man ihn zweimal je einen Tag in Polizeigewahr sam g e- nommen habe. Am 21. August 1997 sei er in den Militärdienst eingerückt, wobei man herausgefunden habe, dass sein Cousin den (…) umgebracht habe. Deshalb sei er von seinen Vorgesetzte n und Kameraden ausg e- stossen, geschlagen, gefoltert, beschimpft und für zehn Tage in eine Zelle gesteckt worden. Da er dies nicht mehr ausgehalten habe, sei er nach e i- nem Monat desertiert. Nach einem weiteren Monat sei er v on der Ge n- darmerie zu Hause in E. _______ gefasst und in den Militärdienst zurüc k- gebracht worden. Ein Militärgericht habe ihn wegen Desertion zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt, wovon er sechs Monate abgesessen habe. Anschliessend sei er nach F._______ versetzt worden, wo man ihn wiederum gefoltert, geschlagen und erniedrigt habe, weshalb er erneut desertiert sei. Nach einigen Monaten sei er bei seiner Schwester in E._______ festgenommen worden. Von einem Militärgericht sei er zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worde n, wovon er 18 Monate a b- gesessen habe. Während der Haft sei er schlecht behandelt und gefoltert worden. Danach habe man ihn wiederum seiner Einheit in F._______ zu- geführt. Wegen seiner angeschlagenen psychischen Verfassung und weil ihm seine Vorgesetzten w eder eine Behandlung noch Urlaub zugebilligt hätten, habe er sich entschlossen, erneut zu desertieren. Er habe wäh- rend zweieinhalb Jahren mit einer gefälschten Identitätskarte bei ei nem D-5211/2011 Seite 3 Freund in E._______ gewohnt. Dieser habe ihm daraufhin eine Arbeit in einer Autowaschanlage vermittelt, wo er auch habe schlafen können und zwei Jahre geblieben sei. Später sei er zu einem Onkel gezogen. Dort habe er vom Verkauf von Gebäck und Wasser gelebt. Da die Suche nach seiner Person verstärkt worden sei, habe er Angst bekommen, ins G e- fängnis gesteckt oder umgebracht zu werden. Am 15. August 2009 sei er mit Hilfe eines Schleppers aus der Türkei aus- gereist. Die Gendarmerie erkundige si ch in D._______ noch immer nach ihm. A.b. Zur Untermauerung seiner Vorbringen gab der Besc hwerdeführer dem BFM ein Bestätigungssch reiben der Strafanstalt G._______ , eine Bestätigung über die Effektenabna hme des Gefängnisses in H._______ und drei Zeitungsartikel zu den Akten. A.c. Am 1. Oktober 2009 forderte das Bundesamt den Beschwerdeführer auf, einen Identitätsnachweis, Urteile und Haftbestätigungen sowie ein Schreiben seines Rechtsanwalts, welches die gegen ihn geführten Stra f- verfahren bestätige, einzureichen. Am 20. Oktober 2009 trafen folgende Dokumente beim BFM ein: Eine Fotografie des Beschw erdeführers, eine Kopie der Identitätskarte seines Vaters, ein Grundschuldiplom, ein Schreiben seines Vaters an das Verteidigungsministerium, Leitung Weh r- dienstsektion, vom 13. Oktober 2009, ein Antwortschreiben der Leitung Wehrdienstsektion vom 14. Oktobe r 2009 und ein Auszug aus dem Ei n- wohnerregister. A.d. Mit Schreiben vom 31. März 2010 wurde das Dossier dem Nachric h- tendienst des Bundes, Ausländerdienst, zur Stellungnahme unterbreitet. Am 21. Mai 2010 teilte der Nachrichtendienst dem BFM mit, die Überpr ü- fung habe zu keinen staatsschutzrelevanten Erkenntnissen geführt. B. Mit Verfügung vom 16. August 2011 – eröffnet am 18. August 2011 – stell- te das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies dessen Asylgesuch vom 18. August 2009 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. C. Mit Eingabe vom 19. September 2011 liess der Beschwe rdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben D-5211/2011 Seite 4 und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Es sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle , und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die U n- zumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und als Folge davon sei ihm von Amtes wegen d ie vorläufige Aufnahme zu gewähren. Auf die Erh e- bung eines Verfahrenskostenvorschusses sei zu verzichten. Als Beweismittel wurden ein Auszug aus einem Rundbrief (Ausgabe N o- vember 2000) des Menschrechtsvereins (IHD) betreffend Kriegsdiens t- verweigerung mit dem Titel "Soldaten, die unter mysteriösen Umständen starben", ein Internetartikel vom 8. August 2010 mit der Überschrift "Is Someone Killing Turkey's Officers?" und ein in türkischer Sprache ve r- fasster Auszug aus dem Einwohnerregister ins Recht gelegt. Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Zwischenverfügung vom 27. September 2011 teilte der zuständige I n- struktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schw eiz abwarten, wies das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und forderte den Beschwerde- führer unter Hinweis auf die Säumnisfolge auf, bis zum 12. Oktober 2011 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.- zu leisten. E. Der Kostenvorschuss wurde am 11. Oktober 2011 fristgerecht einbezahlt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher D-5211/2011 Seite 5 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwe rdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt in casu nicht vor, weshalb das Bundesverwalt ungsgericht endgültig en t- scheidet. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die an gefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Besch werde legitimiert ( Art. 108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m . Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer be stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer D-5211/2011 Seite 6 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in s ich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1. Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der B e- gründung ab, seine Vorbringen hielten w eder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtling s- eigenschaft nach Art. 3 AsylG stand. Diesbezüglich führte es insbesonde- re aus, die geltend gemachte n Kernvorbringen ( ständige Misshandlun - gen während des Militärdienstes, dreimalige Desertion, zweimalige m ili- tärgerichtliche Verurteilung) hätten sich als offensichtlich unglaubhaft her- ausgestellt. Zudem wirkten die Vorbringen in vielerlei Hinsicht unsubstan- ziiert, stereotyp und unrealistisch. In der Türkei würden Personen au s- schliesslich aufgrund der Staatsangehörigkeit, des Alters, des G e- schlechts und der medizinischen Taug lichkeit zum Militärdienst aufgebo- ten, weshalb mit der Einberufung zum Militärdienst keine Verfolgung auf- grund einer der i m Asylgesetz geschützten Eigenschaften vorliege. Allein der Umstand, dass der Beschwerdeführer allenfalls militärdienstflüch tig sei, sei somit nicht asylrelevant. Es sei auch nicht anzunehmen, dass ihm eine asylrelevante Reflexverfolgung drohe, weshalb seine diesbezügliche Furcht unbegründet sei . Schliesslich stünden die geltend gemachten E r- eignisse aus dem Jahr 1996 in kein em Zusammenhang mit der erst 13 Jahre später erfolgten Ausreise, weshalb auch diese Vorbringen nicht asylrelevant seien. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das Bundesamt als zulässig, z u- mutbar und möglich. D-5211/2011 Seite 7 5.2. In der R echtsmitteleingabe wurde insbesondere geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei nicht wegen des Militärdienstes, sondern w e- gen der nicht mehr auszuhaltenden Situation und der Gefahr, irgendwann während des Dienstes unter mysteriösen Umständen ums Leben z u kommen, dreimal desertiert. Die Vorinstanz blende bewusst aus, dass er im Militärdienst wegen seines Cousins grosse Schwierigkeiten gehabt habe. Vielmehr lasse sie seine Vorbringen so erscheinen, als ob er gegen den Militärdienst sei . W äre er den erwähnten Problemen nicht ausge- setzt, hätte er Dienst geleistet. Er sei entgegen anderslautender Behaup- tung kein Militärdienst flüchtiger. Er habe sich in einem Dilemma befu n- den: Desertion habe eine konkrete Gefahr dargestellt, erwischt und e r- neut verurteilt zu werden, während Dienstleistung weitere Schikanen und den Tod unter mysteriösen Umständen bedeutet hätte. Die Flucht ins Aus- land sei ihm als einzige plausible Lösung geblieben. Deshalb müsse in casu bei einer Gesamtwürdigung zumindest von einer Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgegangen werden. Die vormals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) habe die Existenz einer Re- flexverfolgung für Familienmitglieder von gesuchten oder inhaftierten Per- sonen in der Türkei wiederholt anerkannt (Entscheidungen und Mitteilu n- gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 6, EMARK 1994 Nr. 5). Nach dem Gesa gten stehe zweifellos fest, dass der Beschwerdeführer im Visier der Armee und der Polizei sei. Auf dieser Tat- sache basierend sei davon auszugehen, dass sich seine Befürchtungen, weiterer staatlicher Verfolgung ausgesetzt zu sein, bei einer Rückkehr in die Türkei mit an Sicherheit grenzender W ahrscheinlichkeit verwirklichen würden. Somit vermöchten seine übereinstimmenden Vorbringen den An- forderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit beziehungsweise von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft zu genügen. Der Wegweisungsvollzug erweise sich ausserdem als unzulässig und un- zumutbar. 5.3. Nach einer genauen Prüfung der vorliegenden Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Ausführungen in der Beschwerde nicht geeignet sind, die zutreffenden Erwägungen des BFM zu entkräften. 5.3.1. Den Angaben des Beschwerdeführers ist im Wesentlichen zu en t- nehmen, dass er während des Militärdienstes Behelligungen ausgesetzt gewesen sein soll, weil sein Cousin einen (…) umgebracht habe (vgl. Be- fragungsprotokoll vom 26. August 2009, A2 S. 5; Anhörungsprotokoll vom D-5211/2011 Seite 8 16. September 2009, A9 S. 7). Er sei insgesamt dreim al desertiert, wes- halb man ihn zweimal festgenommen und zu einer Gefängnisstrafe verur- teilt habe. Während 24 Monaten sei er inhaftiert gewesen (vgl. A9 S. 7). Bei jeder Begegnung habe er vom Kommandanten Ohrfeigen erhal- ten und sei beschimpft worden (vgl. a.a.O.). In Anbetracht dieser ange b- lich erlittenen Behelligungen ist es nicht nachvollziehbar, wes halb dem Beschwerdeführer der Name dieses Kommandanten bei de r Anhörung nicht einfiel (vgl. A9 S. 8 F78), umso mehr als er wegen dessen Schläge und Beschimpfungen, welche er nicht ausgehalten habe, desertiert sein will. Im Weiteren machte er geltend, nachdem er erstmals desertiert sei, habe man ihn zu Hause in Anwesenheit seiner Mutter festge nommen (vgl. A9 S. 9 F95). Er war jedoch nicht in der Lage ausführlich zu beric h- ten, wie seine Familie auf die Festnahme reagiert habe, sondern gab le- diglich an, er sei in Handschellen abgeführt worden, die Mutter habe g e- weint, mehr habe sie nicht machen k önnen; seine Familie habe ihm nicht helfen können (vgl. A 9 S. 9 F97, S. 10 F102). Da es sich bei einer Fes t- nahme beziehungsweise einer Gefängnisstrafe um einschneidende, sich der betroffenen Person einprägende Erlebnisse handelt , wäre vom B e- schwerdeführer eine detailreiche Schilderung zu erwarten gewesen, u m- so mehr als er nach der Festnahme während eines halben Jahres (Okt o- ber 1997 - April 1998) inhaftiert gewesen sein will (vgl. A9 S. 9 F88/89, S. 10 F103). Darüber hinaus sind auch seine Ausführungen hinsi chtlich der gegenüber dem zweiten Kommandanten gemachten negativen Erfah- rungen äusserst substanzlos und ste reotyp ausgefallen. So erklärte er namentlich auf die Frage, wie er auf die Schläge und Beschimpfungen reagiert habe, lediglich, man könne nichts mac hen und es sei nicht mö g- lich, sich Hilfe zu holen (vgl. A9 S. 10 F113/114). Angesichts dieses Aussageverhaltens sind übereinstimmend mit dem BFM sowohl die angeblich erlebten Misshandlungen während des Militä r- dienstes, als auch die wiederholten Desertion en und die weiteren damit zusammenhängenden Vorbringen ernsthaft zu bezweifeln. Dies trifft umso mehr zu, als der Beschwerdefüh rer im Verlauf des Asylverfahrens weder Identitätspapiere noch Dokumente einreichte, welche die geltend g e- machten Verurteilungen belegen würden . Seine Erklärungen, das Urteil sei ihm vor Gericht verlesen, aber nicht überge ben worden (vgl. A9 S. 11 F129) und er könne nichts Offizielles besorgen, auch keine Identitätskarte (vgl. a.a.O., S. 14 F163), müssen als unbehelfli che Schutzbeha uptung bewertet werden. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der B e- schwerdeführer sich während seines nunmehr drei jährigen Aufenthalts in der Schweiz darum bemüht hätte, den Asylbehörden seine Vorbringen D-5211/2011 Seite 9 mittels entsprechender Dokumente zu untermauern, wäre er tatsächlich wegen Desertion verurteilt wor den. Ausserdem ist d as Verwandtschafts- verhältnis zum Cousin, aufgrund dessen er im Militärdienst Behelligungen ausgesetzt gewesen sein will, ohnehin nicht be legt, da die Identität des Beschwerdeführers mangels Einreichung eines Identitätspapiers nicht eindeutig feststeht. Aus demselben Grund ist auch nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer im Jahr 1997, als er gemäss eigenen Angaben ins Mili- tär einrückte (vgl. A9 S. 5 F43), überhaupt im mi litärdienstpflichtigen Alter war. Vor dem Hinter grund, wonach er in seinem Heimatland angeblich seit April 2002 ge sucht wird (vgl. a.a.O., S. 13 F159), ist es im Übrigen nicht nachvollziehbar, weshalb er mit der Ausreise bis zum Jahr 2009 zu- wartete. Erfahrungsgemäss versucht eine verfolgte Person weiteren B e- helligungen unverzüglich zu entkommen. 5.3.2. Der Beschwerdeführer machte im Weiteren geltend, seine G e- schwister hätten mit dem Staat keine Probleme gehabt und seien auch nicht im Gefängnis gewesen (vgl. A9 S. 13 F154). Angesichts dessen ist nicht davon auszugehen , er habe im heutigen Zeitpunkt wegen sei nes Cousins eine Reflexverfolgung zu befürchten. An dieser Einschätzung vermögen die in der Beschwerde zitierten EMARK 1993 Nr. 6 und 1994 Nr. 5 nichts zu ändern. 5.3.3. Im Grundsatzentscheid EMARK 2004 Nr. 2 legte die damalige ARK fest, die Pflicht zur Leistung des Militärdienstes beziehungsweise eine wegen dessen Nichtleistens drohende Strafe stelle nur dann eine asylr e- levante Verfolgung dar, wenn der Wehrpflichtige wegen seiner Refraktion oder Desertion mit einer Strafe zu rechnen habe, welche entweder aus Gründen nach Art. 3 AsylG diskriminierend höher ausfalle oder an sich unverhältnismässig hoch sei, oder wenn die Einberufung zum Wehrdienst darauf abziele, ein em Wehrpflichtigen aus einem der in Art. 3 AsylG g e- nannten Gründe erhebliche Nachteile zuzufügen oder diesen in völke r- rechtlich verpönte Handlungen zu verstricken. Da in der Türkei die Einberufung zum Militärdienst nicht darauf abzielt, den Wehrpflichtigen erhebliche Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zuzu- fügen, sondern vielmehr der Verteidigung des Staates dient, vermag der Beschwerdeführer selbst bei Wahrunterstellung der geltend gemachten Desertionen daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Eine al lfällige Strafe wegen Nichtleistens des Militärdienstes wäre somit nicht asylrele- vant. D-5211/2011 Seite 10 5.3.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM zu Recht davon ausging, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anfor- derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand. Die Ablehnung d es Asylgesuchs erweist sich daher insgesamt als rechtens. An dieser Einschätzung können die anderen Ausführungen in der B e- schwerde nichts ändern, weshalb es si ch erübrigt, darauf näher einzug e- hen. Auch aus den mit der Beschwerde eingereichten Beweismitteln ver- mag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Einer- seits haben weder der Auszug aus dem Rundbrief des Menschenrecht s- vereins (IHD) vom November 2000 noch der Internetartikel vom 8. August 2010 einen konkreten Bezug zu seiner Person . Andererseits ist er im Re- gisterauszug zwar namentlich aufgeführt, doch ergibt sich daraus keine r- lei Hinweis auf in der Türkei zu gewärtigende asylrelevante Verfolgungs- massnahmen. 6. 6.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungs vollzugshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vorgängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu b eweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. D-5211/2011 Seite 11 BVGE 2011/24 E. 10. 2; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Handbü- cher für die Anwaltspr axis, Band VIII, 2. Aufl., Basel 2009, S. 568 Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegensteh en (Art. 83 Abs. 3 AuG). 7.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum S chutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Pr inzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhe bliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers in de n Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.2.3. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Eur o-D-5211/2011 Seite 12 päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder gla ubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Nachdem nicht als glaubhaft erachte t wird, dass der B e- schwerdeführer desertiert ist, kann davon ausgegangen werden, dass ihm keine Strafe droht, die eine Verletzung von Art. 3 EMRK bedeuten würde. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation i n der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er- scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer un zumutbar sein, wenn sie i m H eimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1. In der Türkei besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken wü r- de. Eine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer der Beschwerdefüh- rer bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung im Si n- ne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt wäre, be steht demnach nicht. We- der die herrschende politische Lage noch andere all gemeine Gründe sprechen gegen die Zumut barkeit einer Rückführung in seinen Heimat- staat. 7.3.2. Einer Rückführung stehen darüber hinaus auch keine individuellen Gründe entgegen. So sind zunächst aus den Akten keine Hinweise e r- sichtlich, dass der Beschwerdeführer a us irgendwelchen gesundheitl i- chen Problemen nicht in seine Heimat zurückkehren könnte. Im Weiteren besuchte er die Schule und verfügt über Arbeitserfahrung als Lebensmit- telverkäufer und als Autoreinigungskraft (vgl. A9 S. 4 -6). Beim Aufbau ei- ner neuen Existenz werden ihm diese Voraussetzungen von Nutzen sein. Ausserdem leben die Eltern, ein Bruder und die Schwester sowie zahlrei- che Onkel und Tanten des Beschwerdeführers in der Türkei (vgl. A2 S. 3, A9 S. 3 ), weshalb auch vom Bestehen eines tra gfähigen sozialen Bezie-D-5211/2011 Seite 13 hungsnetzes auszugehen ist. Daneben sind keine weiteren persönlichen Gründe ersichtlich, aufgrund derer geschlossen werden könnte, der B e- schwerdeführer geriete im Falle der Rückkehr in eine existenzbedrohe n- de Situation. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesag- ten auch als zumutbar. 7.4. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückk ehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG, dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisun gsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und mög lich erachtet. Somit fällt eine A n- ordnung der vorläufigen Aufnahme au sser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) , auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 11. Oktober 2011 in gleicher Höhe einbezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-5211/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag wird mit dem am 11. Oktober 2011 geleisteten Kos - tenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand: