Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Februar 2019 (715 18 301 / 50) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Länger dauernde Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Krankheit während der Beitragszeit; Berechnung des versicherten Verdienstes gemäss Art. 23 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 37 Abs. 1 und 2 AVIV Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Neslihan Kalayci Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Jakob Martin, Advokat, Picassoplatz 8, Postfach 330, 4010 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Taggeld / Versicherter Verdienst A. Der 1968 geborene A.____ arbeitete vom 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2017 als Kundenberater bei der B.____ AG. Dieses Arbeitsverhältnis wurde von Seiten der Arbeitgeberin mit Schreiben vom 24. Januar 2017 per 24. April 201 7 gekündigt. Aufgrund einer Krankheit des Beschwerdeführers verlängerte sich das Arbeitsverhä ltnis bis am 31. Dezember 2017. Am 20. November 2017 stellte A.____ bei der Öffentlich en Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslo- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht senkasse) Antrag auf Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung der Arbeitslosenversicherung per 1. Januar 2018. In der Folge erbrachte die Arbeit slosenkasse ihre Leistung ab 1. Januar 2018. Mit Schreiben vom 29. März 2018 verlangte A.____ eine Feststellungverfügung betreffend die Höhe des versicherten Verdienstes. Zur Begründung führt e er aus, dass die Provisionszahlun- gen im Jahr 2016 einen wesentlichen Anteil seines Lohne s ausgemacht hätten. Im Jahr 2017 sei er jedoch krankheitsbedingt grösstenteils dem Arbeitsplatz fern geblieben, weshalb er ledig- lich eine bescheidene Provisionsausfallsentschädigung erhal ten habe. Daher sei bei der Be- rechnung des versicherten Verdienstes auf den Lohn im Jahr 2016 abzustellen. Mit Verfügung vom 11. April 2018 stellte die Arbeitslo senkasse fest, dass der versicherte Ver- dienst korrekt berechnet worden sei und Fr. 7‘295.-- betrage. Die vom Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Indus- trie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) mit Entscheid vom 31 . Juli 2018 ab. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass sie bei der Berechnun g des Grundlohnes auf den vereinbar- ten Monatslohn in Höhe von Fr. 5‘993.-- abgestellt ha be. Betreffend die Provisionen führte sie aus, dass in den Allgemeinen Anstellungsbedingungen der ehemaligen Arbeitgeberin vom 13. August 2012 festgehalten sei, dass Verkaufsberater be i Krankheit und Unfall eine Provisi- onsausfallentschädigung von 11.111 % für jede berechti gte Ausfallstunde erhalten würden. Der Versicherte habe diese Provisionsentschädigung erhalten. D ie Berechnung des versicherten Verdienstes basiere somit korrekterweise auf der Provisionsausfallentschädigung. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Jako b Martin, am 13. September 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 31. Juli 2018 sei der versicherte Verdienst auf Fr. 8‘808.02 festzusetzen. Eventualiter sei der Einspracheentscheid aufzuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur er neuten Festsetzung des versicherten Verdienstes zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 3. Dezember 2018 beantr agte die Arbeitslosenkasse die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 AVIG in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kanto- nalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zuständig ist gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenz entschädigung (AVIV) vom 31. Au- gust 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Geset- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Bes chwerden gegen Einspracheent- scheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Der V ersicherte erfüllt die Kontroll- pflicht im Kanton Basel-Landschaft, womit das Kantonsger icht örtlich und sachlich zur Behand- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht ein- gereichte Beschwerde ist folglich einzutreten. 2.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanwendende Behörde ihren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes v orsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwalt ung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit H inweisen). Der Untersuchungsgrund- satz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügende n Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach- verhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel grei ft allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsat zes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen). 2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgericht sbeschwerdeverfahren gilt fer- ner der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozial- versicherungsgericht die Beweise frei und somit ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N. 330, 1001 und 1226). Für das Beschwerdeverfa hren hat dies zur Folge, dass das So- zialversicherungsgericht alle Beweismittel – unabhängig da von, von wem sie stammen – objek- tiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verf ügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Weite r dürfen die Verwaltung als verfü- gende Instanz beziehungsweise im Beschwerdefall das Gerich t eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überze ugt sind. Im Sozialversicherungs- recht ist der Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abw eichendes vorsieht, nach dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Vielmehr ist jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen Ge schehensabläufen als die wahrschein- lichste zu würdigen ist (BGE 126 V 360 E. 5b mit weiteren Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über d ie Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 hat die ve rsicherte Person Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn die Beitragszeit erfüllt ist oder wenn sie von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rah- menfrist während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (vgl. Art. 13 Abs. 1 AVIG). 3.2 An die Beitragszeit nach Art. 13 Abs. 1 AVIG werden gemäss Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG jene Zeiten angerechnet, in denen der Versicherte zwar in einem Arbeitsverhältnis steht, aber wegen Krankheit oder Unfalls keinen Lohn erhält und d aher keine Beiträge bezahlt. Die Rege- lung von Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG ist dann von Bedeut ung, wenn die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers bei Krankheit oder Unfall dahin gefa llen oder durch Leistungen der Kranken- oder Unfalltaggeldversicherung ersetzt worden ist. Ebenso greift diese Regelung bei versicher- ten Personen, deren Absenzen nicht durch beitragspflich tige Lohnzahlungen gedeckt sind. Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind sodann Per sonen, die innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit während insgesamt mehr als zwölf Monate n nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit infolge Krankheit, Unfall oder Mutterschaft nicht erfüllen konnten, sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hat ten (vgl. Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG). Art. 14 AVIG ist als Ausnahmeklausel vom Grundsatz der Mindestbeitragspflicht somit subsidiär zu Art. 13 AVIG und gelangt bei genügender Beitragszei t nicht zur Anwendung (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltu ngsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel 2016, S. 2334 Rz 233). 4. Streitig und zu prüfen ist die Höhe des von der Beschw erdegegnerin festgelegten Tag- geldes bzw. des versicherten Verdienstes. Für die Beurteil ung der strittigen Frage sind im We- sentlichen folgende Akten von Relevanz: 4.1 In den Allgemeinen Anstellungsbedingungen betref fend die Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall vom 13. August 2012, Fassung vom 1. Januar 2013, ist Folgendes festge- halten: „Mitarbeiter haben während maximal 730 Tagen ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit wie folgt Anspruch: Im ersten Anstellungsjahr 30 Kalendert age 100 % des Nettolohnes, danach 90 %; ab dem zweiten bis und mit dem fünften Anstellungsjahr 90 Kalendertage 100 % des Net- tolohnes, danach 90 %; ab dem 6. Anstellungsjahr 180 Kalendertage 100 % des Nettolohnes, danach 90 %.“ Im Weiteren ist im Anhang 1 festgehalte n, dass für Verkaufsberater und Agen- turleiter zusätzlich eine Provisionsausfallentschädigung (11,111 %) für jede berechtigte Ausfall- stunde ausbezahlt werde. 4.2 Den Lohnabrechnungen vom Jahr 2015 sowie der Lohn aufstellung 2015 ist zu ent- nehmen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2015 total Fr . 109‘897.81 verdient hat. Der Anteil für die Provisionen betrug Fr. 25‘127.--. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Aus den Lohnabrechnungen vom Jahr 2016 und der Lo hnaufstellung 2016 geht hervor, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2016 total Fr. 102‘70 5.89 verdient hat, wobei der Anteil für die Provisionen Fr. 19‘134.20 betrug. 4.4 Gemäss Lohnabrechnungen vom Jahr 2017 hat der Besc hwerdeführer im Jahr 2017 total Fr. 86‘622.44 verdient inkl. die Provisionsausfallentschädigungen in Höhe von Fr. 8‘631.65. 5. Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass der in de r Beitragsrahmenfrist ausge- richtete Lohn den versicherten Verdienst bildet. Der au sgerichtete Lohn ergebe sich aus dem vereinbarten Monatslohn zuzüglich einer Provisionsausfal lentschädigung von 11.111%, wes- halb der versicherte Verdienst Fr. 7‘295.-- betrage. Der Beschwerdeführer hingegen ist der Auf- fassung, es sei nicht auf den effektiv ausbezahlten Lohn abzustellen, sondern auf den Lohn, den er normalerweise verdient hätte, wenn er nicht – krankheitsbedingt – seiner Arbeit fern ge- blieben wäre. Demzufolge ergebe sich ein versicherter Verdienst von Fr. 8‘808.02. Die Arbeitslosenkasse hielt im angefochtenen Einsprachee ntscheid vom 31. Juli 2018 und in ihrer Vernehmlassung vom 3. Dezember 2018 im Wesentli chen fest, dass die Rahmenfrist für den Leistungsbezug per 1. Januar 2018 eröffnet worde n sei, womit der Beginn der Bemes- sungsfrist der 1. Juli 2017 respektive der 1. Januar 2017 sei. Daran ändere die Arbeitsunfähig- keit des Beschwerdeführers während seines Arbeitsverhältni sses im Jahr 2017 nichts. Für den Grundlohn stelle die Beschwerdegegnerin auf den verein barten Monatslohn in Höhe von Fr. 5‘993.00 ab. Der monatliche Anteil des 13. Monatsl ohnes basiere auf dem vorgenannten Monatslohn und betrage Fr. 499.42. Im Weiteren sei in den Allgemeinen Anstellungsbedingun- gen der ehemaligen Arbeitgeberin festgehalten, dass Ve rkaufsberater bei Krankheit und Unfall eine Provisionsausfallentschädigung von 11,111 % für jed e berechtigte Ausfallstunde erhielten. Der Beschwerdeführer habe diese Provisionsausfallentschädigung erhalten. 6. Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, dass d ie im Jahr 2017 erhaltenen Provisionsausfallentschädigungen keinen äquivalenten Ersatz für die entgangenen Provisionen darstellten. Im 2016 habe er zusätzlich zu seinem Lohn noc h Provisionen, Vertriebsboni etc. in Höhe von insgesamt Fr. 24‘776.85 erhalten; im Jahr 2 015 sogar einen zusätzlichen Betrag von Fr. 33‘288.85. Da er ab 3. Januar 2017 bis zum Ende de s Arbeitsverhältnisses am 31. Dezem- ber 2017 krank gewesen sei, habe er im Jahr 2017 ledig lich eine Provisionsausfallentschädi- gung von insgesamt Fr. 8‘631.65 erhalten. Weiter führt der Beschwerdeführer aus, er bestreite de n durch die Beschwerdegegnerin festge- legten Bemessungszeitraum nicht. Jedoch sei für diesen Be messungszeitraum nicht auf den effektiven Lohn abzustellen, wie es die Vorinstanz getan habe, sondern auf denjenigen Lohn, den der Beschwerdeführer in diesem Bemessungszeitraum nor malerweise verdient hätte. Im Jahr 2017 sei ihm auch während den Monaten, in welchen er krank gewesen sei, eine normale Lohnabrechnung ausgestellt worden. Faktisch habe er je doch in praktisch allen Monaten des Jahres 2017 Krankentaggelder erhalten. Gestützt auf Art. 13 Abs. 2 lit. c sei er somit während des Jahres 2017 weitgehend beitragsbefreit gewesen. Tro tzdem habe ihm die Arbeitgeberin während seiner Krankheit den Grundlohn, die Zulagen und die Provisionsausfallentschädigun- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen (nicht aber die Provisionen und Vertriebsboni) weit erhin ausbezahlt und ihm auch Arbeits- losenversicherungsbeiträge abgezogen. Dass und soweit die ehemalige Arbeitgeberin trotzdem Arbeitslosenversicherungsbeiträge abgezogen habe, könne und dürfe nicht dazu führen, dass ihm ein unvorteilhafter versicherter Verdienst angerechn et werde. Im Weiteren verweist er auf einen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Juli 2016 und zitiert daraus Folgendes: „Während dieses ganzen – auch während des längeren – Ze itraums war der Beschwerdeführer arbeitsunfähig und bezog ein Taggeld der Krankenversicherung. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist als Ausgangspunkt für die Berechnung des versicherten Verdienstes nicht auf dieses Krankentaggeld abzustellen (vgl. Art. 6 Abs. 2 lit. b AHVV, vgl. auch WML Rz 2065, wonach Krankentaggelder nicht zum massgebenden Erwerbseinkommen gehören). Vielmehr ist für Zeiten, die nach Art. 13 Abs. 2 Bst. b – d AVIG als Beitragszeiten angerechnet werden, derjenige Lohn massgebend, den die versicherte Person normalerweise erzielt hätte (Art. 39 AVIV, vgl. auch AVIG-Praxis ALE Ziff. C3).“ Bezugnehmend auf diesen Entscheid macht der Beschwerde führer geltend, dass auch in sei- nem Fall auf denjenigen Lohn, den er normalerweise e rzielt hätte, abgestellt worden wäre, wenn er während seiner Krankschreibung im Jahr 2017 Kra nkentaggelder erhalten hätte. Auf- grund der Tatsache, dass trotz Auszahlung von Krankentaggeldern Beiträge abgezogen worden seien, im vorliegenden Fall anders zu entscheiden, führe zu einer rechtsungleichen Behandlung gegenüber anderen Versicherten, die nicht haltbar und willkürlich sei. Zu berechnen sei daher, was er verdient hätte, wenn er im Jahr 2017 nicht weitgehend arbeitsunfähig gewesen wäre. Da seine Arbeitsunfähigkeit bereits am 3. Januar 2017 ihr en Anfang genommen habe, könne im vorliegenden Fall ohne weiteres auf das Durchschnittsei nkommen der Monate Juli bis Dezem- ber 2016 respektive – falls vorteilhafter – Januar bi s Dezember 2016 abgestellt werden. Die Periode von Juli bis Dezember 2016 führe zu einem entspre chenden durchschnittlichen mass- gebenden Lohn von Fr. 8‘808.02. Der versicherte Verdi enst sei folglich auf diesen Betrag fest- zusetzen. Das rechtfertige sich insbesondere auch mit Bli ck auf das Vorjahr 2015, in welchem der Verdienst noch einiges höher ausgefallen sei. 7. Unbestritten ist, dass das Arbeitsverhältnis zwischen der Arbeitgeberin und dem Be- schwerdeführer bis zum 31. Dezember 2017 gedauert hat. Ebenfalls unbestritten ist, dass die Rahmenfrist für den Leistungsbezug am 1. Januar 2018 zu laufen begonnen hat und demzufol- ge der Bemessungszeitraum für den versicherten Verdienst entweder vom 1. Juli 2017 bis zum 31. Dezember 2017 (Art. 37 Abs. 1 AVIV) oder vom 1. Jan uar 2017 bis zum 31. Dezember 2017 (Art. 37 Abs. 2 AVIV) gedauert hat. Weiter ergi bt sich aus den vorliegenden Akten, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2015 und 2016 Provisionen erzielte, welche einen wesent- lichen Bestandteil seines Gesamtlohnes ausmachten. Daher ist dem Beschwerdeführer beizu- pflichten, dass die Provisionsausfallentschädigungen, wel che er im Jahr 2017 erhielt, die übli- cherweise erhaltenen Provisionen in den Vorjahren betragsmässig nicht zu ersetzen vermögen. 8. Zu prüfen ist nun, ob der Beschwerdeführer im Jahr 2017 während zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung gemäss Art. 13 Abs. 1 AV IG ausgeübt hat. Den Akten ist zu entnehmen, dass in den Allgemeinen Anstellungsbedingun gen vom 13. August 2012 die Lohn- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht fortzahlung sowie die Provisionsausfallentschädigung bei Krankheit und Unfall vertraglich gere- gelt sind (vgl. oben E. 4.1). Gemäss Art. 324a Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend d ie Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (OR) vom 30. März 1911 hat der Arbeitgeb er dem Arbeitnehmer für eine be- schränkte Zeit den darauf entfallenden Lohn zu entricht en, sofern der Arbeitnehmer aus Grün- den, die in seiner Person liegen, wie Krankheit, Unf all, Erfüllung gesetzlicher Pflichten oder Ausübung eines öffentlichen Amtes, ohne sein Verschulden an der Arbeitsleistung verhindert wird und das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei Monate eingegangen ist. Sind durch Abrede, Normalarbeitsvert rag oder Gesamtarbeitsvertrag nicht längere Zeitabschnitte bestimmt, so hat der Arbeitgeb er im ersten Dienstjahr den Lohn für drei Wochen und nachher für eine angemessene längere Zeit zu entrichten, je nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses und den besonderen Umständen (Absat z 2). Absatz 4 derselben Bestim- mung hält fest, dass durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag eine von den vorstehenden Bestimmungen abweichende Reg elung getroffen werden kann, wenn sie für den Arbeitnehmer mindestens gleichwertig ist. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer mit sein er ehemaligen Arbeitgeberin eine schriftliche Abrede – in den Allgemeinen Anstellungsbed ingungen vom 13. August 2012 – ge- troffen, welche für ihn jedenfalls mindestens gleichwer tig wie die gesetzliche Regelung ist. So- mit ist die Regelung in den Allgemeinen Anstellungsbe dingungen aus rechtlicher Sicht nicht zu beanstanden. Auch ist davon auszugehen, dass der Beschwerdef ührer Kenntnis hatte vom In- halt der Allgemeinen Anstellungsbedingungen, welche in tegrierenden Bestandteil des Anstel- lungsvertrages vom 27. Dezember 2002 bildeten. Daran än dern auch die vorgebrachten Ein- wände des Beschwerdeführers nichts. 9. Der Beschwerdeführer macht unter Verweis auf den obe n zitierten Entscheid des Ver- sicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Juli 201 6 (vgl. oben E. 6) geltend, dass er im Jahr 2017 weitgehend beitragsbefreit gewesen sei. Daher vertritt er die Ansicht, dass ge- mäss Art. 39 AVIV auf denjenigen Verdienst abzustellen s ei, den er normalerweise im Jahr 2017 hätte erzielen können, wenn er nicht krank gewese n wäre. Eine andere Haltung würde gegen das Gebot der Rechtsgleichheit verstossen. Dieser Auffassung kann jedoch nicht gefolgt werden. Nachdem der Beschwerdeführer im ganzen Jahr 2 017 den vollen Lohn gemäss Ar- beitsvertrag erhalten hat, wurde die Mindestbeitragszei t von zwölf Monaten gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt und es sind keine zusätzlichen Beitr agszeiten gemäss Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG anzurechnen. 10. Sind keine Beitragszeiten gemäss Art. 13 Abs. 2 AVI G angerechnet worden, so besteht auch kein Raum für die Anwendung von Art. 39 AVIV, w onach für Zeiten, die nach Art. 13 Abs. 2 lit. b - d AVIG als Beitragszeiten ang erechnet werden, derjenige Lohn massge- bend ist, den der Versicherte normalerweise erzielt hätt e. Bereits im Urteil vom 22. Dezember 2003 C 153/02 hat das Bundesgericht in de r Erwägung 4.2 festgehalten, dass Art. 39 AVIV nicht einschlägig ist, wenn keine Beitragsze iten im Sinne von Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG angerechnet werden. In diesem Fall sei für die Berechnung des versicherten Verdienstes Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausschliesslich nach Art. 37 Abs. 1 und 2 AVIV zu verfahren . Danach bemisst sich der versi- cherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten se chs Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Er bemisst sich nach dem Durchschnittslohn der letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für de n Leistungsbezug, wenn dieser Durch- schnittslohn höher ist. Demzufolge liegt auch keine Ungle ichbehandlung mit versicherten Per- sonen vor, die Krankentaggelder ausbezahlt erhalten. D enn der Unterschied liegt bereits darin, dass hier eben Lohn unter Abzug von Sozialversicherungsbei trägen ausbezahlt wird, während bei der Leistung von Krankentaggeldern keine AHV-Beitragspflicht besteht. Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, dass er während der Zeit, in der er aufgrund seiner Krankheit arbeitsunfähig war, faktisch Krankenta ggelder erhalten habe. Jedoch liegen hierfür keine Anhaltspunkte vor. In den Akten wird vie lmehr bestätigt, dass die ehemalige Ar- beitgeberin bei Krankheit der Arbeitnehmenden zur Zahlung des vereinbarten Lohnes sowie der Provisionsausfallentschädigung verpflichtet ist. Dieser Verp flichtung ist sie denn auch nachge- kommen und hat dem Beschwerdeführer 100 % seines Lohnes sowie eine Provisionsausfall- entschädigung von 11.111 % für jede berechtigte Ausfallstunde bezahlt. Dass der Beschwerde- führer nicht Krankentaggelder, sondern eben Lohn er halten hat, wird sodann durch die Wort- wahl der ehemaligen Arbeitnehmerin in ihren Dokument en bestätigt, in welchen von „Lohnfort- zahlung“ die Rede ist. Es kann nicht angenommen werden, dass die Arbeitgeberin – notabene eine Krankenversicherung – die Begrifflichkeiten nicht r ichtig verwendet und mit dem Begriff „Lohnfortzahlung“ eigentlich „Auszahlung der Krankenta ggelder“ meint. Gegen die Annahme, dass es sich bei den ausbezahlten Beträgen um Krankentagg elder gehandelt hat, spricht so- dann der Umstand, dass in den massgebenden Lohnabrechnun gen stets Sozialabzüge ausge- wiesen wurden. Somit steht fest, dass die dem Beschwer deführer während seiner Krankheit überwiesenen Beträge nicht als Krankentaggelder, sonder n als Lohn zu qualifizieren sind und er demzufolge seine Beitragspflicht zufolge Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG und nicht – wie der Beschwerd eführer geltend macht – gemäss Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG erfüllt hat. Damit findet wie bereits erwähnt Art. 39 AVIV keine Anwen- dung. Die Beschwerdegegnerin ist zur Berechnung des ver sicherten Verdienstes zu Recht vom erzielten Einkommen des Beschwerdeführers im Zeitraum v om 1. Juli 2017 bis 31. Dezember 2017 ausgegangen. 11. Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Arbeitslo senkasse den versicherten Verdienst gemäss Art. 23 Abs.1 AVIG i.V.m. Art. 37 Abs. 1 AVIV richtig berechnet hat. Die ge- gen den Einspracheentscheid vom 31. Juli 2018 erhobene Beschwerde erweist sich als unbe- gründet, weshalb sie abzuweisen ist. 12. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht