<h2>SubmittedText<h2><p>Der Flugverkehr im Allgemeinen und die Swissair im Besonderen haben bekanntlich eine grosse Bedeutung für den Tourismus in der Schweiz (35 bis 40 Prozent Flugreiseanteil der ausländischen Gäste; hohe Wertschöpfung der Fluggäste; überproportionale Bedeutung in den Zukunftsmärkten u. a. m.).</p><p>Die Auswirkungen des Swissair-Debakels für den Tourismus sind entsprechend gross. Dies betrifft insbesondere:</p><p>- den Imageverlust der Marke Schweiz als Ferien-, Reise- und Kongressland;</p><p>- den Abbau im Streckennetz (besonders in den Wachstumsmärkten der Destination Schweiz);</p><p>- die Ausfälle bei der bisher über die Swissair erfolgten Promotion und Positionierung der Destination Schweiz.</p><p>Der damit verursachte volkswirtschaftliche Schaden im Bereich des Tourismus liegt nach vorläufigen Schätzungen im Milliardenbereich. Betroffen sind neben den Promotionsinstitutionen wie Schweiz Tourismus und SDM praktisch alle Beteiligten in der touristischen Wertschöpfungskette. Im Sektor der Beherbergung, Verpflegung und insbesondere auch bei den touristischen Transportanlagen (Seil- und Bergbahnen) akzentuieren diese massiven Einbussen die bereits vorhandenen und bekannten Schwierigkeiten in einem dramatischen Ausmass.</p><p>Ich bitte den Bundesrat in diesem Zusammenhang um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Welche Abschätzungen macht er zu den Auswirkungen des Swissair-Debakels im Bereich des Tourismus, insbesondere auch bezüglich der regional unterschiedlichen Effekte?</p><p>2. Ist er bereit, auch möglichst rasch (beispielsweise mit Sonderfinanzierungen) Massnahmen zu unterstützen, welche zur kurzfristigen Abschwächung der angenommenen Gesamtbrancheneffekte beitragen (beispielsweise mittels Verstärkung der Marketingmittel in den Nahmärkten)?</p><p>3. Ist er bereit, im Rahmen seines gesamten Handelns zugunsten der Stärkung des Tourismus (nicht zuletzt im Rahmen der im bevorstehenden Tourismusbericht vorgesehenen Massnahmen) der neuen Situation Rechnung zu tragen (sei es mit finanziellen Mitteln, besseren Anreizsystemen, administrativen Erleichterungen, angepassten Rahmenbedingungen usw.)?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die vom Interpellanten gestellten Fragen können aus heutiger Sicht wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. Wir teilen die Analyse der Folgen der Swissair-Krise auf die Entwicklung des Schweizer Tourismus. Sie verstärken die wechselkursbedingten Einbussen des vergangenen Sommers und die mit dem Terrorakt vom 11. September 2001 verbundenen Nachfrageeinbrüche. Davon sind insbesondere Orte und Regionen betroffen, welche auf überseeische Gäste angewiesen sind. Mit diesen Ereignissen ist der seit drei Jahren anhaltende Wiederaufschwung der touristischen Nachfrage wieder gefährdet, was sich auf die Ertragskraft der touristischen Unternehmen auswirken und die dringend notwendige Erneuerung des Angebotes weiter verlangsamen wird.</p><p>Es ist vor allem das Grounding der Swissair-Flotte, welches kurzfristig dem Image der Schweiz als Reise-, Ferien- und Kongressland schadet. Man darf nicht vergessen, dass der Schweizer Tourismus stets mit der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit und Qualität der schweizerischen Infrastrukturen und Dienstleistungen geworben hat. Der noch grössere Schaden ist sicher mit dem Einbruch der Promotionsstrukturen entstanden, welche die Swissair bisher für den Schweizer Tourismus zur Verfügung stellte. Schweiz Tourismus schätzt, dass die nationale Fluggesellschaft jährlich rund 50 bis 60 Millionen Franken für das Marketing zugunsten des Tourismusstandortes Schweiz ausgegeben hat. Der Rückzug der Swissair aus dem nationalen Tourismusmarketing trifft mittel- und längerfristig vor allem die Erschliessung und Bearbeitung der überseeischen Zukunfts- und Wachstumsmärkte des Schweizer Tourismus. Auf diesen Märkten bestand eine enge Zusammenarbeit zwischen der Swissair und den nationalen, regionalen und lokalen Tourismuspartnern.</p><p>2. Schweiz Tourismus schätzt die Einbussen bei den überseeischen Gästen, welche auf das Flugzeug angewiesen sind, auf 35 bis 50 Prozent für den kommenden Winter. Damit wäre eine Nachfrageeinbusse von rund einer Milliarde Franken verbunden. Die vom Bund finanziell massgeblich abhängige Schweiz Tourismus plant kurzfristig eine grossangelegte Werbekampagne, um die Verluste auf den Überseemärkten für den Winter 2001/02 auf dem Heimmarkt und den Nahmärkten zu kompensieren. Grössere Werbeanstrengungen auf den Überseemärkten sind im Moment nicht wirksam. Nach wie vor gilt der Grundsatz, Leistung kommt vor Werbung. Es müssen also zuerst die bestehenden Probleme der schweizerischen Luftfahrt gelöst werden, bevor auf diesen Märkten wieder geworben werden kann. Zudem kann die gegenwärtige Terrorismusangst nicht mit Werbekampagnen wettgemacht werden.</p><p>3. Was weit gravierender als kurzfristige Imageverluste und Nachfrageeinbrüche betrachtet werden muss, ist der mit dem Zusammenbruch der Swissair verbundene Verlust der Marketingmittel und der Werbestrukturen der Schweiz Tourismus auf den überseeischen Märkten. Sie sind irreversibel, da aufgrund von Abklärungen bei der Crossair auch eine neue schweizerische Fluggesellschaft aus Kostengründen eine schlankere Vertriebsstruktur aufbauen wird, was in weit kleinerem Masse zu Synergien für den Schweizer Tourismus führen wird. Der Bundesrat ist bereit zu prüfen, wie allenfalls die Schweiz Tourismus mit zusätzlichen finanziellen Mitteln unterstützt werden könnte, damit sie kurz- und mittelfristig neue, nachhaltige Marketingstrukturen auf den überseeischen Märkten aufbauen kann.</p>  Antwort des Bundesrates.