Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 12. Mai 2021 (810 20 234) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Regelung des persönlichen Verkehrs / Aufhebung von Kindesschutzmassnahmen / Erinnerungskontakte Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Markus Clausen, Daniel Häring, Claude Jeanneret, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertrete n durch Oliver Borer , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Sabine Aeschlimann, Advokatin D.____ und E.____ , Beigeladene, vertreten durch Regula Diehl, Advo- katin Betreff Regelung des persönlichen Verkehrs / Aufhebung von Kindesschutz- massnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 26. August 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Kindseltern A.____ und C.____ wurden mit Urt eil des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft F.____ vom 5. Juni 2014 rechtskräftig geschie den und die Kinder E.____, geb. XX.XX.2007, und D.____, geb. XX.XX.2009, unter die Obhut der Kindsmutter gestellt. Da es anschliessend bei der Ausübung des Besuchsrechts durch d en Kindsvater aufgrund erhebli- cher Kommunikationsprobleme zwischen den Kindseltern zu Gefährdungssituationen für die beiden Kinder kam, wurde mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) vom 21. Januar 2015 das Besuchsrecht bis auf Wide rruf sistiert und wurden zwecks Prüfung allfällig notwendiger Kindesschutzmassnahmen ent sprechende Abklärungen veran- lasst. B. Mit gerichtlicher Verfügung vom 5. November 2015 wur de ein zuvor bestehendes Kon- takt- und Annäherungsverbot gestützt auf einen zwischen de n Parteien geschlossenen Ver- gleich wieder aufgehoben und eine Erziehungsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 315a Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbu ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 errichtet. Die KESB wurde beauftragt, einen Bei stand zu ernennen sowie das Besuchs- und Ferienrecht zwischen dem Kindsvater und den Kindern per sofort wieder aufzubauen und zu begleiten. Mit Entscheid der KESB vom 14. Dezember 2 015 wurde G.____ als Beistand für die beiden Kinder eingesetzt und mit der vom Gericht formulierten Aufgabe betraut. Das da- raufhin von G.____ ausgearbeitete Besuchsrechtsregelungskon zept vom 15. Dezember 2015 lehnte der Kindsvater, vertreten durch Oliver Borer, A dvokat, Fachanwalt SAV Familienrecht, ab. Am 12. Januar 2016 wurden die Kinder persönlich a ngehört. Dabei gaben sie zu Protokoll, dass sie den Kindsvater schon "irgendwann wieder" sehen wollten, aber nach wie vor Angst davor hätten, was "als nächstes Schlimmes passiere", wenn sie sich wieder mit ihm treffen wür- den. In jedem Fall würden sie ihn nicht sofort sehen w ollen, sondern erst nach einer gewissen Zeit. C. Es folgten zahlreiche Eingaben vor allem des Kindsvat ers und mehrere Entscheide der KESB, welche die Anträge des Kindsvaters, die Beistands person zu wechseln, und das Be- suchsrechtsaufbaukonzept zum Gegenstand hatten. Der Kindsvat er machte unter anderem immer wieder geltend, dass das vom Erziehungsbeistand v orgeschlagene Besuchsrechtsrege- lungskonzept zum Scheitern verurteilt sei. Von Seiten d er KESB wurde ihm unter anderem feh- lende Gesprächsbereitschaft vorgeworfen. Mit Entscheid de r KESB vom 28. Mai 2016 wurden unter anderem das Besuchsrechtsaufbaukonzept vom 15. De zember 2015 und die Einsetzung von G.____ erneut bestätigt. Mit Entscheid vom 19. Au gust 2016 gab die KESB bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP) ein Gutachten in Auftrag, welches sich insbesondere zur psychischen Gesundheit von D.____ und E.____, zu ihr em Verhältnis zu den Eltern, deren Erziehungsfähigkeit, deren Persönlichkeiten, allfällig en Manipulationen/lnstrumentalisierungen der Kinder, zur optimalen Ausgestaltung des Besuchsrechts und zu den empfohlenen Mass- nahmen bezüglich des Besuchsrechts äussern sollte. lm entspre chenden Gutachten vom 31. März 2017 wurde festgehalten, dass das Besuchsrecht des Kindsvaters bis zur Umsetzung diverser Auflagen zu sistieren sei. Insbesondere wurde ausg eführt, dass eine Umsetzung des Besuchsrechts erst nach dem Aufbau einer gemeinsamen Ver trauensbasis zwischen den Kindseltern zumutbar sei, wobei hier diverse Elternkur se und eine Psychotherapie empfohlen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurden. Weiter sprach sich das genannte Gutachten für ei nen Wechsel des Erziehungsbei- standes aus. D. Nachdem mehrere Bemühungen der KESB, die Kindselt ern zu einem gemeinsamen Gespräch zusammenzubringen, gescheitert waren, weil sich die Kindsmutter entweder weiger- te, Termine zu vereinbaren, oder weil sie festgesetzt e Termine absagte, verfügte die KESB am 19. September 2017, dass die Kindseltern unter Strafa ndrohung und Androhung der polizeili- chen Zuführung zu einem Termin am 25. September 2017 zu erscheinen hätten. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass das Gespräch räumlich getrennt durchgeführt werde. E. Mit Entscheid der KESB vom 28. November 2017 wurde die Erziehungsbeistandschaft bestätigt und G.____ aus dem Amt entlassen. lm Weitere n wurde dem Antrag des Kindsvaters entsprochen und für die beiden Kinder eine Vertretu ngsbeistandschaft nach Art. 306 Abs. 2 i.V.m. Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtet. Als Beiständin wu rde Regula Diehl, Advokatin und Media- torin, Fachanwältin SAV Familienrecht, (nachfolgend: Kindsvertreterin), eingesetzt und damit betraut, der KESB eine Stellungnahme über die Ausge staltung des Besuchsrechts einzu- reichen. Des Weiteren wurden die Kindseltern angehalte n, ein Konzept für eine engmaschige Psychotherapie vorzulegen. F. Mit Schreiben vom 31. Januar 2018 beantragte die Ki ndsvertreterin die Feststellung, dass die Kinder den Kontakt zum Vater weiterhin ablehn en und auch keine Erinnerungskontak- te wünschen würden. Bis zur Kontaktaufnahme seitens der K inder zum Kindsvater sei von der Festlegung eines Besuchsrechts abzusehen. Als Begründung wurde unter anderem ausgeführt, dass die Kinder angehört worden seien und sie ihre Wil lensäusserungen klar und entschieden hätten kundtun können. G. Mit Eingabe vom 30. April 2018 teilte die Rechts vertretung des Kindsvaters der KESB mit, dass Letzterer sämtliche Bemühungen im Hinblick auf die Wiederaufnahme des Kontaktes zu seinen Kindern per sofort einstelle, nachdem er diese seit über dreieinhalb Jahren nicht mehr gesehen habe. Am 6. September 2018 zog der Kindsvater diesen Antrag zurück. H. Mit Schreiben vom 26. September 2018 informierte d ie KESB die Verfahrensbeteiligten, dass das Verfahren betreffend den Aufbau des Besuchsrecht s fortgeführt werde und dass ge- plant sei, Dr. H.____, Facharzt für Kinder- und Jugen dpsychiatrie und Psychotherapie, als Sachverständigen beizuziehen. I. Nach verschiedener Korrespondenz und mehreren Anträg en der Verfahrensbeteiligten wurde der Kindsvater mit Schreiben der KESB dahingehen d informiert, dass eine vorgesehene Anhörung der Kinder am Widerstand aller involvierter Personen (der Kindsvertreterin, der Kindsmutter sowie der Kinder selbst) gescheitert sei. In der Folge fand am 8. März 2019 ein Gespräch zusammen mit dem Kindsvater und einer Vertrauensperson von ihm, Dr. I.____, statt. J. Mit Schreiben der KESB vom 26. April 2019 wurden di e Verfahrensbeteiligten informiert, dass die Erziehungsbeistandschaft nicht aufgehoben werde und geplant sei, J.____ als neue Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beiständin einzusetzen. Mit Eingabe vom 9. Mai 2019 er klärte sich der Kindsvater mit der Ein- setzung von J.____ als neue Mandatsperson einverstanden. D ie Kindsvertreterin sprach sich am 13. Mai 2019 und die Kindsmutter, vertreten durch Dr. Sabine Aeschlimann, Advokatin, Fachanwältin SAV Familienrecht, am 4. Juni 2019 dafür aus, die Beistandschaft aufzuheben, da im Hinblick darauf, dass die Kinder keinen Kontakt zum Va ter wünschen würden, nicht ersicht- lich sei, welche Funktion die Beiständin erfüllen könne. K. Nach etlichen Schreiben und Anträgen der Verfahren sbeteiligten wurde mit Entscheid der KESB vom 16. August 2019 die Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB weitergeführt und J.____ als neue Mandatspe rson eingesetzt. Die Beiständin wur- de mit der Aufgabe betraut, das Besuchs- und Ferienre cht zwischen dem Kindsvater und den Kindern per sofort wieder aufzubauen und zu begleiten. L. Anlässlich des Telefonats vom 4. November 2019 teilte der Rechtsvertreter des Kinds- vaters der KESB unter anderem mit, dass die Verfahrensle itung in den vorherigen Jahren un- glücklich geführt worden und ein Neuanfang nun sinnvoll sei. Er befürworte einen runden Tisch mit allen Parteien und teile die Meinung der Kindsvertreterin nicht, dass einzig auf den Kindswil- len abzustellen sei. lm Übrigen sei das Besuchsrecht des Ki ndsvaters durchzusetzen, da von ihm keinerlei Gefahr ausgehe. M. Mit Eingabe vom 7. November 2019 beantragte die M andatsperson, dass die Kindsmut- ter anzuweisen sei, mit ihr zusammenzuarbeiten, und sie insbesondere zu verpflichten sei, Termine einzuhalten und Gespräche zwischen der Beiständin und den Kindern zu unterstützen. Eine entsprechende Weisung der KESB vom 13. November 20 19 ging an die Kindsmutter. Mit Telefonat vom 2. Dezember 2019 teilte die Beiständin der KESB mit, dass sie ein ausführliches Gespräch mit der Kindsmutter geführt habe. N. Am 3. Februar 2020 fand eine Fachrunde im Beisein von Dr. K.____, Psychologischer Leiter, Klinik für Kinder und Jugendliche, Poliklinik u nd Fachstelle Familienrecht, statt. Weiter waren die Rechtsvertreter der Kindseltern, die Kindsve rtreterin, die Beiständin, I.____ und die Verfahrensleitung der KESB anwesend. Ziel der Fachrun de war es, gemeinsam eine Lösung hinsichtlich des Besuchsrechts des Kindsvaters zu erarbeiten. lm Rahmen dieses Treffens mel- deten die Kindsvertreterin und die Mandatsperson, dass d ie Kinder anlässlich des Gesprächs vom 22. Januar 2020 erneut geäussert hätten, dass sie ihre n Vater weder sehen noch ihm wei- tere Chancen einräumen wollten. K.____ führte aus, dass zwischen den Kindern und dem Vater keine lebende Beziehung bestehe und die einzige Chance darin zu sehen sei, dass ein Bezie- hungsaufbau stattfinde, wofür die Voraussetzungen vorliegend nicht gegeben seien. O. Nach verschiedenen Eingaben der Kindseltern und der Kindsvertreterin sowie Verfü- gungen der KESB fällte die KESB am 26. August 2020 folgenden Entscheid: "1. Die für D.____, geb. XX.XX.2009, und E.____, ge b. XX.XX.2007, bestehende Erziehungsbei- standschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB wird per 31.08.2020 aufgehoben. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die für D.____ und E.____ bestehende Vertretungs - respektive Verfahrensbeistandschaft ge- mäss Art. 306 Abs. 2 i.V.m. Art. 308 Abs. 2 ZGB wird per 31.08.2020 aufgehoben. 3. Die Anträge des Kindsvaters auf psychologische Begl eitung, Festsetzung und Durchsetzung des persönlichen Verkehrs zu seinen Kindern werden abgewies en und auf die Errichtung weiterer Kindesschutzmassnahmen wird verzichtet. 4. Die übrigen Anträge des Kindsvaters werden abgew iesen. 5. J.____, …, wird mit bestem Dank für die geleistete n Dienste aus ihrem Amt als Beiständin ent- lassen. 6.- 9. …" P. Mit Eingabe vom 28. September 2020 erhob der Besch werdeführer, vertreten durch Oli- ver Borer, gegen den Entscheid der KESB beim Kantonsge richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: "1. Es seien die Ziffern C. 1. bis 5. des Entscheids der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 26. August 2020 aufzuheben. 2. Dementsprechend sei die für D.____, …, und E.____ , … bestehende Erziehungsbeistandschaft mit J.____, …, gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB weite rzuführen. 3. Es sei die für D.____ und E.____ bestehende Vertr etungs- respektive Verfahrensbeistandschaft gemäss Art. 306 Abs. 2 i.V. m. Art. 308 Abs. 2 ZGB weiterzuführen und dafür eine neue Man- datsperson einzusetzen. 4. Es sei eine psychologische Begleitung der Kinder D. ____ und E.____ zwecks Förderung der Neuaufnahme des persönlichen Verkehrs anzuordnen. 5. Es sei das bereits bestehende Besuchsrecht des Kin dsvaters weiterzuführen und die Beschwer- degegnerin (KESB) dementsprechend aufzufordern, diese mit den erforderlichen Massnahmen durchzusetzen. 6. Eventualiter seien regelmässige Erinnerungskontakt e zwischen den Kindern und dem Kindsvater anzuordnen und die Beschwerdegegnerin (KESB) dementsprechend aufzufordern, diese mit den erforderlichen Massnahmen durchzusetzen. 7. Subeventualiter sei der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 16. August 2020 vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur NeubeurteiIung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 8. Verfahrensantrag: Es seien die vollständigen Akte n der Vorinstanz beizuziehen. 9. Verfahrensantrag: Es sei eine mündliche Parteiver handlung vor dem Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, anzuordnen und durchzuführen. 10. Unter o/e-Kostenfolgen zu Lasten des Staates sow ohl für das vorinstanzliche wie für das vorlie- gende Verfahren. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche Verbeiständung mit dem Unterzeichneten für das vorliegende Verfahren zu bewilli- gen." Mit Vernehmlassung vom 5. November 2020 beantragte di e Kindsmutter, vertreten durch Sabi- ne Aeschlimann, die Abweisung der Beschwerde und die Best ätigung des angefochtenen Ent- scheids unter o/e Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte sie das Begehren, es sei auf eine Parteiverhandlung zu verzichten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht In ihrer Stellungnahme vom 5. November 2020 beantragt en die Kinder, vertreten durch Regula Diehl, die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde und den Verzicht auf Durchführung einer Parteiverhandlung. Zudem seien die Kosten der Vertre tung der Kinder dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Mittellosigkeit seien die Aufwe ndungen der Kindsvertretung zu Lasten der Gerichtskasse zu entschädigen; alles unter o/e Kostenfolge. Mit präsidialer Verfügung vom 8. Dezember 2020 wurde d er Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen. Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltli- che Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. Des We iteren wurde verfügt, dass der Be- schwerdeführer und die Beschwerdegegnerin persönlich zur Parteiverhandlung zu erscheinen hätten. Als Auskunftsperson wurde zusätzlich zur Parteiverhandlung J.____ geladen. Mit Eingaben vom 6. Januar 2021, 14. Januar 2021 und 19. Januar 2021 reichten die Rechts- vertreterinnen und der Rechtsvertreter die jeweiligen Honorarnoten ein. Mit am 10. März 2021 beim Gericht eingegangener Einga be beantragte der Beschwerdeführer (nicht sein Rechtsvertreter) die Anwesenheit des Staatsanwaltes bei der Parteiverhandlung we- gen möglicher Verletzungen der Art. 273 und 274 ZGB. Q. An der heutigen Verhandlung nehmen der Beschwerdef ührer und sein Rechtsvertreter, die Beschwerdegegnerin und ihre Rechtsvertreterin, di e Kindsvertreterin, die Beiständin J.____ sowie L.____ und M.____ als Vertreter der KESB teil. Auf ihre Ausführungen wird, soweit erfor- derlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 Z GB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzb uchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Ver- waltungsprozessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Per- sonen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteilig t sind (Ziff. 1), die der betroffenen Per- son nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschüt ztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Der Beschwerdeführer ist als direkter Verfahrensbeteiligter zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraus- setzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutrete n. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat der Beschwerdeführer auf Frage des Vizepräsidenten erklärt, bei seiner Eingabe vom 10. März 2021, worin er die Anwesenheit des Staatsan waltes bei der Parteiverhandlung bean- tragt habe, handle es nicht um einen formellen Antrag , sondern um eine Bitte. Dieser Bitte wird nicht nachgekommen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachv erhalts (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Zentraler Punkt des vorliegenden Falles bildet die Frage, ob ein persönlicher Kontakt zwischen dem Kindsvater und den Kindern stattzufinden ha t. Die KESB hat im angefochtenen Entscheid die Anträge des Kindsvaters, welche die Ausübu ng des Besuchsrechts vorbereiten und ermöglichen sollten, abgewiesen. Der Kindsvater bea ntragt die Weiterführung des Be- suchsrechts, eventualiter die Anordnung regelmässiger Erinnerungskontakte. 4.1. Die KESB geht im angefochtenen Entscheid eingehe nd auf die Ereignisse und die be- hördlichen und gerichtlichen Schritte ein, welche seit der Scheidung im Juni 2014 stattgefunden haben bzw. ergriffen wurden. Von der KESB wurde in d er Vergangenheit vieles versucht, um einen persönlichen Verkehr zwischen dem Kindsvater und d er Kindsmutter einerseits und dem Kindsvater und den Kindern andererseits zu ermöglichen. Die Bemühungen scheiterten unter anderem aufgrund der Verweigerungshaltung beider El ternteile. Die Kindseltern haben, wie auch die heutige Verhandlung mit bedrückender Klarhei t gezeigt hat, absolut kein Vertrauen in den anderen Elternteil und es besteht keine Basis für eine Kommunikation. 4.2.1. Im ausführlichen Gutachten der KJP vom 31. März 2017 wurde ausgeführt, dass bis zum Ende des Gutachterprozesses der Kindsvater grundsätzli ch allen Vorschlägen ablehnend gegenüber gestanden habe, die nicht das sofortige und u neingeschränkte Besuchsrecht er- möglichen würden. Er bemühe sich mit Hilfe seines Anwalt s, dem Einbezug der Presse und weiterer politischer Würdenträger, seine Wünsche dur chzusetzen. Dabei vernachlässige der Kindsvater in unverhältnismässiger und pathologischer Wei se das Wohl seiner Kinder: Es sei dem Kindsvater emotional nicht zugänglich, dass vor dem Hintergrund der Erlebnisse der Kin- der beim Vater, seiner mangelhaften Kooperation mit den involvierten Ärzten bezüglich der Fie- berkrämpfe von D.____ sowie der immer wieder eskalieren den Situationen zwischen den Kindseltern bei der Übergabe der Kinder, sich die Kin der in einem sich immer mehr akzentuie- renden Loyalitätskonflikt befunden hätten. Die Kinder seien spätestens nach der Trennung der Kindseltern einem familiären System ausgesetzt, in wel chem auf Ebene der Kindseltern Un- einigkeit, Kritik, Feindseligkeit und Entwertungen vo rherrschen würden. Wenn Kinder im Alter von D.____ und E.____ mit derartigen Konstellationen und Dynamiken konfrontiert seien, wür- den sie verunsichert werden und aufgrund ihrer emotion alen und existentiellen Abhängigkeit fast zwangsläufig in einen Loyalitätskonflikt geraten. A ufgrund ihrer Rolle als ältere Schwester von D.____ und der Verantwortungsübernahme ihrem jün geren Bruder gegenüber sei diese Herausforderung insbesondere für E.____ mit Gefühlen der Verunsicherung mit einem bis dato andauernden Loyalitätskonflikt verbunden. D.____ scheine sich vielmehr an seiner älteren Schwester zu orientieren. Gerade Kinder im Alter von E. ____ könnten diese Situation nur be- wältigen und erträglich machen, indem sie mit demjenig en Elternteil, von welchem sie sich ab- hängiger fühlen würden, eine Allianz bilden und den anderen Elternteil "opfern" und sich von ihm entfremden würden. Andernfalls würden sie im Loya litätskonflikt gefangen bleiben, woraus Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise Aggr essivität, Konzentrationsschwächen, de- pressive Verstimmungen oder Schlafstörungen entwickeln könnt en. Es sei davon auszugehen, dass sich die Strategie der Allianzbildung in dem Masse a ufdränge, wie der begünstigte Eltern- teil diese bewusst forciere oder unbewusst unterstütze. Au s gutachterlicher Sicht sei davon auszugehen, dass E.____ und mit ihr D.____ den Loyalitä tskonflikt bzw. die emotionale Span- nungssituation bewältigen würden, indem sie mit der Ki ndsmutter eine Allianz bilden würden. Dadurch könne die ablehnende Haltung der Kinder gegenüber dem Kindsvater erklärt werden. 4.2.2. Weiter wird im Gutachten ausgeführt, dass bei b eiden Kindern anhand der Abklärungen keine psychische Erkrankung gemäss internationalem Klassifikationsschema ICD-10 festzustel- len sei und eine posttraumatische Belastungsstörung im Sin ne von F43.1 nach ICD-10 explizit ausgeschlossen werden könne. Die dritte Frage an die G utachter wird dahin beantwortet, dass die Kindsmutter aus gutachterlicher Sicht hinreichend e rziehungsfähig und der Kindsvater zum gegenwärtigen Zeitpunkt und ohne weiterführende Psych otherapie zur Bearbeitung seiner pro- blematischen Persönlichkeitszüge (akzentuierte Persönlich keitszüge mit narzisstischen und querulatorischen Anteilen, Z73.1 nach ICD-10) eingeschränkt erziehungsfähig sei. 4.2.3. Die Frage, wie das Besuchsrecht zwischen den Kinde rn und ihrem Vater zu gestalten sei (begleitet/unbegleitet/Frequenz/Länge usw.) und w as die KJP empfehle, wird dahingehend beantwortet, dass das Besuchsrecht für den Kindsvater bis zur Umsetzung einiger Auflagen wie z.B. den Besuch eines "Kurses für Eltern in Trennung" u nd eine engmaschige Therapie beider Elternteile zu sistieren sei. Einerseits habe die Kindsmu tter nach bekannten Erlebnissen wäh- rend den Übergaben, dem Stalking des Kindsvaters (Urte il gemäss Zivilkreisgericht Basel- Landschaft F.____), der mangelhaften Kooperationsber eitschaft des Kindsvaters mit dem Kin- derarzt von D.____, dem Verweigern des mehrfachen Telefonkontakts der Kinder zur Kindsmut- ter grosse Vorbehalte und kein Vertrauen in die Koope rationsbereitschaft des Kindsvaters. Da- mit begründe die Kindsmutter ihre verweigernde Haltun g gegenüber dem Besuchsrecht des Kindsvaters. Andererseits sei es dem Kindsvater vor dem Hi ntergrund oben beschriebener auf- fälliger Persönlichkeitsakzentuierung nicht gelungen, sich in adäquater Weise beim Kinderarzt informieren zu lassen (was aufgrund der Gesundheit von D.____ nun nicht mehr nötig erschei- ne) und sich in der Planung der Wochenenden beim Kind svater kompromissbereit gegenüber der Kindsmutter zu zeigen, um ihr genügend Sicherheit zu geben. Dadurch hätten die Kindsel- tern versagt, weiterhin als Eltern zu funktionieren, wa s dazu geführt habe, dass die Kinder zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund des entstandenen Loyal itätskonflikts und ihrer "Lösung" zu Gunsten der Kindsmutter aus gutachterlicher Sicht als vom Kindsvater entfremdet beurteilt wer- den müssten. 4.2.4. Der Gutachter und die Gutachterin kommen zum Sch luss, dass erst nach Aufbau einer gemeinsamen Vertrauensbasis zwischen den Kindseltern es d en Kindern zumutbar sei, in ei- nem zweiten Schritt das Besuchsrecht zwischen den Kindern und ihrem Vater aufzubauen. 4.2.5. Die im Gutachten genannten Auflagen wurden nu r teilweise erfüllt. So war die Kindsmut- ter gemäss heutiger Aussage bis 2018 in psychologischer Beh andlung bei lic. phil. N.____. Der Kindsvater erklärt anlässlich der heutigen Verhandlung, in psychologischer Behandlung gewe- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen zu sein, die KESB habe aber eine weitere Kostengutsprache dann abgelehnt. Einen Eltern- kurs haben beide Elternteile nicht besucht. Die Vorauss etzungen für den Besuch eines solchen Kurses waren nicht gegeben. Unabhängig davon, ob diese Auflagen erfüllt wurden, ist aufgrund der Akten und der heutigen Verhandlung erstellt, dass in der Zwischenzeit keine Vertrauensba- sis zwischen den Eltern aufgebaut werden konnte und keine Annäherung zwischen den Eltern- teilen stattgefunden hat. 4.3. Die Kinder haben bei den verschiedenen Anhörunge n ausgesagt, den Vater nicht sehen zu wollen. So wird z.B. auch in der Aktennotiz der KESB vom 10. Februar 2020 bezüglich des Telefonats zwischen der KESB und der Beiständin J.____ a usgeführt, dass die Beiständin die Kinder am 22. Januar 2020 getroffen habe. Die Kinde r hätten auf die Frage, was passiere, wenn von Seiten der Behörde erklärt würde, dass sie de n Vater sehen müssten und eventuell die Polizei sie abholen komme, klar geantwortet, sie würden nicht mitgehen. Auf die Frage nach positiven Erinnerungen von früher hätten die Kinder erwidert, sie hätten nur schlechte Erinne- rungen, die Eltern hätten "fest" gestritten und sich angeschrien und sie hätten Angst gehabt. In der Aktennotiz vom 10. Februar 2020 betreffend Fachrun de vom 3. Februar 2020, an welcher Regula Diel, Oliver Borer, Sabine Aeschlimann, I.____ , J.____, K.____ und L.____ von der KESB teilgenommen haben, erklärt die Beiständin, bei ihrem Treffen mit den Kindern hätten diese klar gesagt, ihren Vater nicht treffen zu wollen . Sie hätten für ihre Zukunft gewünscht, keinen Kontakt zum Vater zu haben und keine weiteren G espräche führen zu müssen. Auf Fra- ge hätten die Kinder ausgesagt, dem Kindsvater auch keine zweite Chance geben zu wollen. 4.4. Gemäss Aktennotiz vom 10. Februar 2020 hat K.____ an der Fachrunde vom 3. Februar 2020 festgehalten, dass es sich vorliegend nicht um eine l ebende Beziehung zwischen den Kindern und dem Kindsvater handle. Ein Beziehungsaufbau wäre nötig, hierfür seien aber die Voraussetzungen nicht erfüllt. Für den Vater seien die Kinder 7 und 5 Jahre alt geblieben, die Jahre würden ihm fehlen. Er könne gar nicht die richti gen Fragen stellen. Die Gefahr bestehe, dass noch mehr "kaputt gehe". Die Erwachsenen hätten eine Situation geschaffen, in der Besu- che nicht mehr möglich seien. Im Zusammenhang mit der D urchführung von Erinnerungskon- takten erklärt K.____, es sei einfacher, dem Thema ein Ende zu setzen. Jedenfalls sehe er kei- nen Sinn darin, die Kinder in eine Therapie zu schicken . Für die Kinder müsse aber klar sein, dass der Vater nichts Schlimmes gemacht habe und es nicht darum gehe, dass er sie deshalb nicht sehen dürfe. In der Stellungnahme der Beiständ in an die KESB führt diese aus, dass die Kinder keinen Kontakt zum Vater wünschten und endlich i hr Leben mit ihrer Mutter unbelastet führen wollten. Es sei richtig, dass das Kindeswohl durch einen erneuten Kontakt mit dem Vater nicht gefährdet wäre, aber der Streit der Eltern könn e das Kindeswohl gefährden. Die Kinder könnten sich dieser Belastung nur entziehen, indem sie d en Kontakt zum Vater verweigern würden. Ein Erzwingen des Besuchsrechts würde nur zu eine r weiteren Verhärtung der Situa- tion und einer unverhältnismässigen zusätzlichen Belastung der Kinder führen. Um eine Bezie- hung zwischen den Kindern und dem Vater wieder aufzubauen, müssten Ängste abgebaut wer- den. Damit dies überhaupt möglich wäre, müssten die El tern im Interesse der Kinder zuerst zusammen einen Weg zu einem konstruktiven Umgang miteinander finden. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1. Der Kindsvater führt anlässlich der heutigen Verh andlung aus, er sei verzweifelt, weil er keinen Kontakt zu seinen Kindern haben dürfe. Die Kin dsmutter habe den Kontakt zwischen ihm und den Kindern von einem Tag auf den anderen ab gebrochen. Er habe z.B. keine Infor- mationen vom Krankenhaus erhalten, als D.____ operie rt worden sei, weil die Kindsmutter das so gewünscht habe. Er habe unter anderem bei der KESB , der Beistandsperson und der Fami- lien-, Paar- und Erziehungsberatung Basel-Stadt (fabe) Hilfe gesucht, aber entweder keine Un- terstützung erhalten oder diese sei erfolglos geblieben . Er habe sich dann an die oberen In- stanzen gewendet. Er habe auch versucht, mit der Kindsmu tter zu reden, sei aber gescheitert. Er habe den Kindern nichts getan. 5.2. Die Kindsmutter erklärt an der heutigen Verhandl ung, sie habe durch das Verhalten des Beschwerdeführers jahrelangen Terror erlebt und wolle keinen Kontakt mit ihm. Sollten die Kin- der den Vater sehen wollen, so könnten sie dies. Der Kindsvater habe das familiäre System nur geschwächt und immer nur die Ausübung von Rechten verlan gt, aber nie Pflichten übernom- men. 5.3. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält anl ässlich der Parteiverhandlung an den schriftlichen Anträgen fest. Er erklärt, dass er sein en Mandanten schon sehr lange kenne. Er habe ihn bei der Trennung und Scheidung vertreten. Es sei eine Tragödie für den Kindsva- ter, die Kindsmutter und die Kinder. Der Beschwerdeführer sei verzweifelt, er habe auf seine Art um Hilfe und Unterstützung auch bei den Behörden gesuch t. Er sei der Vater der Kinder. Das Gutachten der KJP sei aus heutiger Sicht nicht lege art is erstellt worden. Hätte die KJP an der Gesundheit des Kindsvaters Zweifel gehabt, hätte sie sich an die Erwachsenenpsychiatrie wen- den müssen. Der Beschwerdeführer habe jahrelang nur ei n "geschwärztes" und nicht das voll- ständige Gutachten gehabt. Als der Sohn des Beschwerdef ührers operiert worden sei, habe er vom Spital keine Informationen erhalten, weil die Mu tter dem Spital untersagt habe, den Vater zu informieren. Es gebe "eine perfekte und jüngere Mu tter" und einen Kindsvater, der während der damaligen Zeit psychische Probleme gehabt habe, die Stelle verloren habe und gealtert sei. Er sei nicht mehr der gewesen, den die Kindsmutter ge wollt habe. In ihrer neuen Familie beste- hend aus ihr, den Kindern und allenfalls dem neuen Partner der Kindsmutter habe sie das "Alte" nicht mehr gewollt. Dies erachte sie als eine Schwächung des familiären Systems. Die Kinds- mutter wolle den Kindsvater in ihrem neuen familiäre n System nicht mehr. Das habe sie den Kindern bewusst oder unbewusst mitgeteilt. Der Beschwerd eführer habe nicht über seine Be- suchswochenenden verfügen können. Es bestehe im System ein M achtgefälle. Er sei ein Stör- faktor. Bei Kontaktabbruch seien die Kinder 5 und 7 J ahre alt gewesen. Die Kindsmutter habe den Kontaktabbruch beschlossen. Sie erkläre, den Willen der Kinder zu respektieren, aber die- se seien bei der Trennung 5 und 7 Jahre alt gewesen. D ie Kinder seien gemäss Gutachten nicht traumatisiert. Die Kindsmutter wolle in Ruhe gelassen werden. Sie empfinde es als Frech- heit, dass der Beschwerdeführer seine Kinder zu sehen wünsche. K.____ habe gesagt, der Va- ter solle Abschied von seinen Kindern nehmen. Der Beschw erdeführer könne aber nicht so tun, als ob die Kinder nicht existieren würden. Sie würden im gleichen Dorf leben. Die Kinder wür- den später Fragen stellen und der fehlende Kontakt sei auch für die Kinder nicht gut. Der Fokus werde auf das Wohlbefinden und den Lebens- und Erzieh ungsplan der Kindsmutter gestellt. Diese befinde sich aber in einem Interessenkonflikt, anson sten wohl keine Beiständin und Kin- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht deranwältin nötig gewesen wären. Diese gäben den Willen der Kinder wieder. Aber die Aufgabe der Kinderanwältin sei nicht, den subjektiven Willen d er Kinder zu wiederholen, sondern zu schauen, was dem Kindeswohl entspreche, was die Konsequen zen eines Kontaktes zwischen Vater und Kinder in einem geschützten Rahmen wären. E in solcher Kontakt wäre wohl kaum traumatisch. Manchmal seien schmerzhafte Ereignisse nötig, um neue Wege zu gehen. Die Kinder könnten bei einem Treffen mit dem Kindsvater in einem öffentlichen Raum aufstehen und gehen. Die Kinder sollten die Möglichkeit haben, sich selber vom Vater ein Bild zu machen, und umgekehrt. Es sei nicht darauf abzustellen, was die Kinder gesagt hätten. Die Anträge des Beschwerdeführers seien sinnvoll. Die Durchsetzung sei d ann eine andere Frage. Die Kinder sollten die Möglichkeit erhalten, in einem geschützten Rahmen mit spezialisierten Psychologen ohne Einfluss der Kindsmutter und des Kindsvaters ihre Ge schichte aufzuarbeiten. Aber dafür würden die KESB und die Kindsmutter nicht Hand bieten. 5.4. M.____ von der KESB hält anlässlich der heutigen V erhandlung an den bereits gestell- ten Anträgen fest und führt aus, dass das Verhältnis zwische n den Kindseltern hochstrittig sei. Die zu stellende Frage sei, ob in Zukunft ein Kontakt möglich sei. Für den Fall, dass der Kontakt festgesetzt werde, stelle sich die Frage einer negative n Reaktion der Kinder und einer Kindes- wohlgefährdung. Zudem seien die Massnahmen unverhältn ismässig, wenn sie nicht durchsetz- bar seien. Die KESB komme zum Schluss, dass es fraglich sei, welche Auswirkungen ein Kon- takt zwischen Kindern und Kindsvater hätte, und dass dieser nicht durchsetzbar sei. L.____ von der KESB ergänzt, dass in den Fällen, in denen keine K ommunikation zwischen den Kindsel- tern gegeben sei, der Kontakt zwischen dem nicht obhutsber echtigten Elternteil und den Kin- dern immer schwieriger werde und ein Kontakt Stresssympto me hervorrufe, die kindeswohlge- fährdend seien. 5.5. Die Vertreterin der Kindsmutter hält anlässlich de r heutigen Verhandlung an den bereits gestellten Anträgen fest und führt aus, dass die Kinder nun fast 12 und 14 Jahre alt seien. Seit sieben Jahren hätten sie keinen Kontakt zum Vater mehr. Die KESB habe alles versucht. Sie habe versucht, die Eltern an einem Tisch zu bringen, ei nen Beistand ernannt, einen runden Tisch veranstaltet und vieles mehr. Es sprächen drei Grün de gegen einen Kontakt. Erstens be- stehe ein konstanter Wille der nunmehr urteilsfähigen Kinder, ihren Vater nicht zu sehen, und die Kinder würden sich vehement gegen einen Kontakt w ehren. Zweitens lägen hochstrittige Familienverhältnisse vor. Die Kinder hätten einen Schutzm echanismus durch die Allianzbildung mit der Mutter entwickelt. Seit über 10 Jahren seien die Eltern in irgendwelche Verfahren verwi- ckelt, die der Vater angezettelt habe. Die Kinder hätt en das miterlebt und wünschten, dass dies endlich ein Ende nehme. Diese Verfahren seien in das Bild eingeflossen, welches die Kinder vom Vater hätten. Es sei keine Kommunikation mehr mögli ch. Es sei auch unrealistisch, unter diesen Voraussetzungen von der Kindsmutter zu erwarten, dass sie die Kinder zum Kontakt motiviere. Des Weiteren wäre ein Kontakt nur mit Zwang durchsetzbar und ein erzwungener Kontakt könne keine Basis für eine Beziehung sein. Die Kinder hätten keine gute Erinnerung an den Vater und seit langem keinen Kontakt zu ihm. Dies seien schlechte Voraussetzungen für einen Beziehungsaufbau. Die konkreten Umstände sprächen gegen einen Kontakt. Der er- zwungene Kontakt würde das Verhältnis nur noch mehr bel asten. Auch die Erinnerungskontak- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht te wären nur mit Zwang durchsetzbar. Unbelastete Kontakte liessen sich nun mal juristisch nicht durchsetzen. 5.6. Regula Diehl führt an der heutigen Verhandlung aus, dass sie die Kinder mehrmals ge- sehen habe. Es sei schwierig gewesen, sie in ihre "Praxis zu bekommen". Die Kinder seien sehr abwehrend gewesen. Die Kindsmutter habe die Kinder mo tiviert, zu ihr zu gehen. Regula Diehl habe den Kindern gesagt, dass diese Geschichten, die sie über den Vater erzählen würden, sich schon vor so langer Zeit ereignet hätten und sie immer die gleichen Geschichten wiederho- len würden. Die Kinder würden aber "nicht mehr woll en". Die Kinder hätten auch anlässlich des erst kurz vor der heutigen Verhandlung mit ihr geführt en telefonischen Gesprächs ausgesagt, keinen Kontakt zum Vater zu wollen. Sie habe den Abschie dsbrief des Kindsvaters vom 17. April 2018, worin er sich von den Kindern verabschi ede, den Kindern gegeben. Aber der Vater habe entgegen dem darin Geäusserten wieder den Kontakt zu den Kindern gewollt. Die KESB habe in der Vergangenheit Fehler gemacht. Viel leicht hätte man früher noch "etwas ma- chen können". Der Zug sei aber abgefahren. K.____ kenn e beide Elternteile. Er habe ausge- sagt, dass es keine lebendige Beziehung zwischen Vater und Kinder gebe. Er habe sich klar gegen ein Besuchsrecht und gegen Erinnerungskontakte ausg esprochen. Würden Erinne- rungskontakte angeordnet werden, wäre dies wohl nur A usfluss "unserer" Ohnmacht. Sie stellt den Antrag, dass ein mutiger Entscheid getroffen und d ie Beschwerde vollumfänglich abgewie- sen werde. 6.1. Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen d ie elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr. Dabei handelt es sich um ein gegenseitiges Pfli chtrecht, das in erster Linie dem Inte- resse des Kindes dient (BGE 122 III 404 E. 3a.; 120 II 229 E. 3b/aa). Oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs ist das Kindeswoh l (BGE 131 III 209 E. 5; vgl. auch BGE 141 III 328 E. 5.4). Entsprechend hat sich das Gericht in erster Linie an den Be- dürfnissen des Kindes zu orientieren; die Interessen der Eltern haben hinter dem vorrangig massgebenden Kindeswohl zurückzustehen (BGE 130 III 585 E . 2.1). In diesem Sinn hat auch der persönliche Verkehr zum Zweck, die positive Entwicklung des Kindes zu gewährleisten und zu fördern. In der Entwicklung des Kindes sind seine Bezie hungen zu beiden Elternteilen wich- tig, da sie bei seiner Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen können (Urteil des BGer 5A_56/2020 vom 17. August 2020 E. 4.1; BGE 131 III 20 9 E. 4; 123 III 445 E. 3c). Bei der Re- gelung des Besuchsrechts sind folgende Umstände in Betr acht zu ziehen: Alter des Kindes, Persönlichkeit und Bedürfnisse des Kindes und des Besuchsb erechtigten, Beziehung des Kin- des zum Besuchsberechtigten, Beziehung der Eltern unter einander, zeitliche Beanspruchung bzw. Verfügbarkeit aller Beteiligten, Gesundheitszusta nd der Beteiligten, Geschwister, Entfer- nung bzw. Erreichbarkeit der Wohnorte, Wohnverhältnisse beim besuchsberechtigten Elternteil (INGEBORG SCHWENZER /M ICHELLE COTTIER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456 ZGB, 6. Aufl., Basel 201 8, Rz. 10 zu Art. 273 ZGB). Der aus Art. 273 Abs. 1 ZGB fliessende Anspruch kann gestützt a uf Art. 274 Abs. 2 ZGB verweigert oder entzogen werden, wenn das Wohl des Kindes gefährd et wird, wenn ihn der betreffende Elternteil pflichtwidrig ausgeübt hat, wenn sich dieser nicht ernstlich um das Kind gekümmert hat oder wenn andere wichtige Gründe vorliegen. Eine Gefährdung des Wohls des Kindes im Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht genannten Sinn liegt dann vor, wenn dessen ungestörte kö rperliche, seelische oder sittliche Entwicklung durch ein auch nur begrenztes Zusammensein m it dem nicht obhutsberechtigten Elternteil bedroht ist (Urteil des BGer 5A_306/2019 v om 29. Januar 2020 E. 4.4; BGE 122 III 404 E. 3b; Urteil des BGer 5A_200/2015 vom 15. September 2015 E. 7.2.3.1, in: Die Praxis des Familienrechts [FamPra.ch] 2016 S. 302, m.H.). 6.2. Der Wille des Kindes ist eines von mehreren Krite rien beim Entscheid über den persön- lichen Verkehr (Urteil des BGer 5A_875/2017 vom 6. No vember 2018 E. 3.3 m.H., publ. in: FamPra.ch 2019 S. 243; vgl. auch Urteil des BGer 5A_4 63/2017 vom 10. Juli 2018 E. 4.5.5, nicht publiziert in: BGE 144 III 442). Es steht nicht im Belieben des Kindes, in Eigenregie zu bestimmen, ob und zu welchen Bedingungen persönliche K ontakte zum nicht betreuenden El- ternteil stattfinden sollen. Dies gilt namentlich dort, wo die ablehnende Haltung wesentlich durch die Einstellung des anderen Elternteils geprägt ist (BG E 127 III 295 E. 4a; Urteile des BGer 5A_522/2017 vom 22. November 2017 E. 4.6.3; 5A_404/20 15 vom 27. Juni 2016 E. 5.2.5; 5A_160/2011 vom 29. März 2011 E. 4, in: FamPra.ch 2011 S. 740). Bei der Berücksichtigung des Kindeswillens ist das Alter des Kindes bzw. dessen Fähi gkeit zu autonomer Willensbildung zu berücksichtigen. Vom Vorliegen dieser Fähigkeit ist un gefähr ab dem 12. Altersjahr auszu- gehen (Urteile des BGer 5A_875/2017 vom 6. November 20 18 E. 3.3, in: FamPra.ch 2019 S. 243; 5A_200/2015 vom 22. September 2015 E. 7.2.3. 1, in: FamPra.ch 2016 S. 302; 5A_367/2015 vom 12. August 2015 E. 5.1.3, in: FamPra. ch 2015 S. 970; 5A_890/2014 vom 11. Februar 2015 E. 2.3.2). Lehnt das Kind den nicht betreuenden Elternteil ab, ist im Einzelfall zu prüfen, worin diese Haltung begründet liegt und o b die Ausübung des Besuchsrechts den Interessen des Kindes tatsächlich widerspricht (Urteil de s BGer 5A_745/2015 vom 15. Juni 2016 E. 3.2.2.2). Nur wo das urteilsfähige Kind den Umgang mit einem Elternteil aufgrund sei- ner Erfahrungen mit dem persönlichen Verkehr kategorisc h verweigert, ist dieser Umgang aus Gründen des Kindeswohls auszuschliessen. Ein gegen den starke n Widerstand erzwungener Besuchskontakt ist mit dem Zweck des Umgangsrechts im Allgem einen ebenso unvereinbar wie mit dem Persönlichkeitsschutz des Kindes (BGE 126 III 219 E. 2b.; Urteile des BGer 5A_647/2020 vom 16. Februar 2021 E. 2.5.1; 5A_56/202 0 vom 17. August 2020 E. 4.1; 5A_875/2017 vom 6. November 2018 E. 3.3, in: FamPra.ch 2019 S. 243; 5C.250/2005 vom 3. Januar 2006 E. 3.2.1, in: FamPra.ch 2006 S. 751). 6.3. Es ist jedoch auch zu berücksichtigen, dass das Recht auf persönlichen Verkehr dem nicht obhutsberechtigten Elternteil um seiner Persönlich keit willen zusteht und ihm daher nicht ohne wichtige Gründe ganz abgesprochen werden darf. Ei ne Gefährdung des Kindeswohls ist daher unter diesem Gesichtspunkt nicht leichthin anzunehmen und kann nicht schon deswegen bejaht werden, weil beim betroffenen Kind eine Abwe hrhaltung gegen den nicht obhutsberech- tigten Elternteil festzustellen ist (Urteile des BGer 5A_306/2019 vom 29. Januar 2020 E. 4.4; 5A_932/2012 vom 5. März 2013 E. 5.1, in: FamPra.ch 201 3 S. 816; betreffend Weigerung von Kindern vgl. Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil des BGer 5A_200/2015 vom 22. September 2015 E. 7.2.3.1, in: FamPra.ch 2016 S . 302; sowie Urteile des BGer 5A_831/2018 vom 23. Juli 2019 E. 6.2; 5C.170/2001 vom 31. August 2001 E. 5a/aa, in: Fam- Pra.ch 2002 S. 389). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4. Bei der Beschränkung des persönlichen Verkehrs ist stets das Gebot der Verhältnis- mässigkeit zu beachten. Eine Einschränkung darf in der Re gel nicht allein wegen elterlicher Konflikte erfolgen (BGE 130 III 585 E. 2.2.1), und d er gänzliche Ausschluss eines Elternteils vom persönlichen Verkehr kommt nur als ultima ratio in Frage; er ist einzig statthaft, wenn sich die nachteiligen Auswirkungen eines Besuchsrechts nicht a nderweitig in für das Kind vertretba- ren Grenzen halten lassen (Urteil des BGer 5A_306/2019 vom 29. Januar 2020 E. 4.4; BGE 122 III 404 E. 3b; Urteil des BGer 5A_200/2015 vom 2 2. September 2015 E. 7.2.3.1, in: Fam- Pra.ch 2016 S. 302). 6.5. Das Besuchsrecht ist grundsätzlich einer Zwangsvollstrecku ng zugänglich (Urteil des BGer 5A_764/2013 vom 24. Januar 2014 E. 2.1). Dabei ist stets der Grundsatz der Verhältnis- mässigkeit zu beachten (vgl. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfa ssung der Schweizerischen Eidge- nossenschaft [BV] vom 18. April 1999). Das Bundesgerich t erwog im Zusammenhang mit ur- teilsfähigen Kindern, die den persönlichen Verkehr mi t dem Besuchsberechtigten ablehnten, dass zur Durchsetzung des Besuchsrechts auf die Anwendung direkten Zwangs gegenüber Kindern verzichtet werden solle, da ein solcher dem Si nn des Besuchsrechtes zuwiderliefe (BGE 107 II 301 E. 5). Später erwog es allgemeiner, dass auf eine direkte Realvollstreckung nach heutiger Auffassung jedenfalls bei urteilsfähige n Kindern zu verzichten sei (Urteile des BGer 5A_167/2017 vom 11. September 2017 E. 6.1; 5A_7 64/2013 vom 24. Januar 2014 E. 2.1). Eine indirekte Zwangsvollstreckung durch Strafa ndrohung gemäss Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 ist zulässig und kann direkt in die materielle Besuchsrechtsregelung aufgenommen we rden (Urteil des BGer 5A_764/2013 vom 24. Januar 2014 E. 2.1). Die Strafandrohung als Vollstreckungsmassnahme steht dann zur Diskussion, wenn der andere Elternteil sich der Ausübung des Besuchsrechts in grundsätzlicher Weise widersetzt (Urteil des BGer 5A_764/2013 vom 24. Januar 2014 E. 2.1; BGE 107 II 301 E. 5; Urteil des Kantonsgerichts des Kantons Basel-Landschaf t, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 20. Februar 2019 [810 18 222] E. 4.3.2). 6.6. Im Falle, dass von der Anordnung eines Besuchsrechts a bgesehen wird, stellt sich die Frage, ob Erinnerungskontakte eingerichtet werden sol len. Erinnerungskontakte sind entwick- lungspsychologisch von wesentlicher Bedeutung (L ISELOTTE STAUB /G ISELA KILDE , Erinnerungs- kontakte bei urteilsfähigen Kindern aus psychologischer und juristischer Sicht, in: Zeitschrift des Bernischen Juristenvereins [ZBJV] 149/2013 S. 954). Joseph Salzgeber und Joachim Schreiner äussern sich zwar kritisch zu dieser Kontaktmöglichkeit und g ehen davon aus, dass bei Erinne- rungskontakten das Risiko einer weiteren Zuspitzung beste he, wenn das Treffen nicht gut ver- laufe. Bei Kontaktabbruch sogenannte Erinnerungskontakt e anzuordnen stelle eine sehr frag- würdige, im schlimmsten Fall sogar erheblich belastende I ntervention dar, die ausschliesslich den Interessen des umgangsberechtigten Elternteils die ne (J OSEPH SALZGEBER /JOACHIM SCHREINER , Kontakt- und Betreuungsmodelle nach Trennung und Sche idung, in: FamPra.ch 2014 S. 66 ff.). Dennoch gilt es zu beachten, dass Eri nnerungskontakte keinen Zwang zur Be- ziehung, sondern Zwang zur Realitätskontrolle bedeuten. Sie sind keine Alternative zum Regel- besuchsrecht oder zu begleiteten Besuchen, sondern ultima ratio in Fällen, in denen urteilsfähi- ge Kinder den Kontakt zu einem Elternteil ablehnen u nd gängige Massnahmen keine Chance hatten, die Eltern-Kind-Kontakte zu ermöglichen. Erinn erungskontakte dienen einerseits der Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhinderung von pathogenen Spaltungsvorgängen, wo da s Kind den Elternteil aus seinem Bewusstsein verbannt, und anderseits der Verhinderung der Verinnerlichung von irrealen An- nahmen über den getrennt lebenden Elternteil. Es geh t also darum, dem sich entwickelnden Kind zu ermöglichen, sein möglicherweise nicht eigenes Bild seines Elternteils in regelmässigen Abständen einer Überprüfung zu unterziehen (Urteil des BGer 5A_647/2020 vom 16. Februar 2021 E. 2.5.2; vgl. auch Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2014 E. 8, in: FamPra.ch 2014 S. 1103). Darüber hinaus soll verhindert werden, dass im weiteren Verlauf der Entwicklung aufkommende Schuldgefühle gegenüber dem ab gelehnten Elternteil den Jugendli- chen daran hindern, aufkommendes Verlangen nach dem ei nst abgelehnten Elternteil zuzulas- sen oder von sich aus Kontakt zu diesem aufnehmen zu müssen. Vielmehr soll die Möglichkeit gewahrt bleiben, dass es im Verlauf der Erinnerungskont akte wieder zu regelmässigen Begeg- nungen ausserhalb der Behörde kommt. Im Gegensatz zu au fgezwungenem Umgang sind Erinnerungskontakte in der Regel zumutbar und sollten grundsätzlich durchsetzbar sein. Insbe- sondere ist von Zumutbarkeit auszugehen, wenn das Kind urteilsfähig ist und bei Unverständnis des Nutzens dieser Kontakte zumindest mit den Rechten und Pflichten eines (urteilsfähigen) Bürgers konfrontiert werden kann. Liselotte Staub und G isela Kilde erachten dabei "ungefähr vierteljährliche Kurzbegegnungen" als zweckdienlich. Den kr itischen Stimmen, welche sich auf das Wohl und den Schutz des traumatisierten Scheidungskindes berufen, ist entgegenzuhalten, dass das Kindeswohl keine feste Grösse ist, sondern sich imm er auf die konkreten Umstände, das aktuelle Entwicklungsalter und die psychische Konstitut ion des Kindes bezieht. Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass gemäss neueren Entwicklu ngstheorien das Kind weder eine "Manipuliermasse" noch ein Wesen ist, das allein auf Rea ktionen von aussen reagiert. Auch Scheidungskinder sind aufgrund ihrer individuellen psychisch en Konstitution zwar unterschied- lich resilient, entwickeln indessen mit zunehmendem Alte r in jedem Fall ein Eigenleben und gestalten ihr Leben aktiv mit (STAUB / KILDE , a.a.O., S. 954). 7.1. Aufgrund der umfangreichen Akten und der heutig en Parteiverhandlung ist unbestritten, dass die Kindseltern nicht miteinander kommunizieren kön nen, die Fronten äusserst verhärtet sind und die Kindsmutter keinen Kontakt mehr zum Kindsva ter wünscht. Aus den Akten geht hervor, dass die Kinder den Vater nicht sehen wollen un d es sich dabei um einen mehrmals wiederholten und konstanten Wunsch handelt. Die Beistä ndin, welche die Kinder letztmals am 22. Januar 2020 gesehen hat, und die Kinderanwältin bestätigen dies. Anlässlich der heutigen Verhandlung hat sich auch gezeigt, dass die Kindsmutter die Kinder nicht dazu ermutigt, den Kontakt zum Vater zu suchen bzw. zuzulassen. Der Kindsvater und die Kindsmutter leben im selben Dorf. Die Kindseltern sind seit dem Jahr 2010 g etrennt. Der Kindsvater hat die Kinder seit nunmehr knapp sieben Jahren (letzter Kontakt am 28. Dezember 2014) nicht mehr gese- hen. Das Gutachten der KJP vom 31. März 2017 kommt zum Schluss, dass die Kindseltern versagt hätten, als Eltern weiterhin zu funktionieren, was dazu geführt habe, dass die Kinder aufgrund des entstandenen Loyalitätskonflikts und deren "Lösung" zu Gunsten der Kindsmutter aus gutachterlicher Sicht gegenwärtig als vom Kindsvater entfremdet beurteilt werden müssten. Erst nach Aufbau einer gemeinsamen Vertrauensbasis zwisch en den Kindseltern sei es den Kindern zumutbar, in einem zweiten Schritt das Besuchsr echt zwischen den Kindern und dem Kindsvater aufzubauen. Des Weiteren vertrat K.____, we lcher beide Elternteile kennt, am 3. Februar 2020 die Meinung, dass zwischen den Kindern und dem Vater keine lebende Bezie- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht hung bestehe, dass die Erwachsenen eine Situation gescha ffen hätten, in der Besuche nicht mehr möglich seien, und die Voraussetzungen für einen Beziehungsaufbau zwischen dem Kindsvater und den Kindern nicht gegeben seien. 7.2. Wie in der Erwägung 6.1 hiervor ausgeführt, ist die Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen sehr wichtig, weshalb die Verweigerung des Besuchsrechts nur unter ganz beson- deren Voraussetzungen erfolgen darf. Vorliegend geht vom Vater keine Kindeswohlgefährdung aus. Es gibt jedoch Fälle, bei denen die Hochkonflikt haftigkeit der Eltern zu einer Gefährdung des Kindeswohl führen kann, weil die Schwere der elte rlichen Auseinandersetzung das Kind in einem Ausmass belastet, dass die Übergänge von einem zum an deren Elternteil eine unzumut- bare psychische Stresssituation bedeuten, oder wenn ein d ezidierter Wunsch des Kindes nach Kontaktabbruch vorliegt, dieser begründet und nachvoll ziehbar ist und keine Möglichkeit be- steht, die Ursache der Schwierigkeit zu beseitigen (SALZGEBER /SCHREINER , a.a.O., S. 83). 7.3.1. Von Hochkonflikthaftigkeit sollte dann gesproch en werden, wenn das Konfliktniveau so ausgeprägt ist, dass Beeinträchtigungen auf den Ebene n des Verhaltens und/oder der Persön- lichkeit mindestens eines Elternteils, in der Beziehung zwi schen den Eltern untereinander und der Elternteile mit dem Kind, sowie in der Nutzung institutioneller Hilfen zur Klärung der Konflik- te so erheblich sind, dass eine Reduktion der Konflikte und Klärung von Alltagsfragen mit her- kömmlich rechtlichen und/oder mediatorischen Hilfen nicht angemessen möglich erscheinen. Eine erhebliche Belastung der Kinder ist zudem wahrsche inlich. Für hochstrittige Eltern ist die Überzeugung charakteristisch, dass sie selbst die "Leidtrage nden" seien. Der ehemalige Part- ner bzw. die ehemalige Partnerin wird konsequenterwe ise als "der Täter/die Täterin" gesehen, der/die Leid verursacht, und vor dem/der auch das betro ffene Kind geschützt werden muss (MOUNIRA JABAT /K ARIN BANHOLZER , Parallelgutachten mit interdisziplinärer Konsensfin dung im zivilrechtlichen Kontext, in: FamPra 2020, S. 136). Es h andelt sich vorliegend bei den Kindsel- tern um hochstrittige Elternteile. 7.3.2. Kinder hochstrittiger Eltern sind meist über Ja hre einer chronischen Belastungssituation ausgesetzt. Das Risiko ist sehr hoch, dass hochstrittige E ltern ihre Kinder unbewusst oder un- mittelbar gezielt in den Konflikt miteinbeziehen. Kind liche Bedürfnisse scheinen in den Hinter- grund zu rücken oder als Argumentation für elterliches Ve rhalten herangezogen zu werden (ge- nerationsübergreifende Koalitionen). Solche Allianzen erweisen sich als erheblicher Nachteil für eine gesunde kindliche Entwicklung, gehen sie doch meist mi t Schuldgefühlen und schweren Loyalitätskonflikten einher. Manche Eltern versuchen, ih re Kinder dazu zu bringen, ihnen im Streitfall "Recht zu geben", und erwarten, dass das Ki nd gegenüber dem anderen Elternteil Stellung bezieht. Eine solche Erwartung überfordert d ie meisten Kinder. Manche Kinder reagie- ren in ihrer Hilflosigkeit mit radikaler Parteinahme in Verbindung mit Schuldgefühlen gegenüber dem anderen Elternteil. Andere ziehen sich weitgehend zurück und grenzen sich rigoros ab oder versuchen, tapfer in einem Konflikt zu vermitteln, der nicht zu lösen ist. Die elterlichen Konflikte absorbieren die Aufmerksamkeit und emotionale Ressourcen der Kinder und führen zu einer emotionalen Verunsicherung. Erleben Kinder physisch e und/oder psychische Gewalt zwi- schen ihren Bezugspersonen, so erleben sie dies als Bedr ohung und massive Verunsicherung. Gleichzeitig wird die Beziehung zwischen Eltern und Kind ern beeinträchtigt, indem die Eltern Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine geringe Sensibilität in der Wahrnehmung kindliche r Bedürfnisse und eine verringerte Er- ziehungskompetenz aufweisen. Die betroffenen Kinder zei gen erhöhte internalisierende oder externalisierende Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Beeinträchtigungen. Es können eine erhöhte Ängstlichkeit aufgrund des Bedrohungsgefühls un d/oder aggressive Verhaltenstenden- zen durch das Lernen am Modell entstehen. In der Schul e können Konzentrations- und Auf- merksamkeitsstörungen sowie sozialer Rückzug oder Probleme in der sozialen Peergroup sichtbar werden. Insgesamt tragen Kinder hochstrittiger Eltern ein deutlich erhöhtes Risiko, an behandlungsbedürftigen Störungen zu erkranken. Kleinki nder und Säuglinge können traumati- siert werden und stressbedingt Regulationsstörungen und psychosomatische Störungen entwi- ckeln. Weitere Folgen andauernder Konflikte können ein verminderter Schulerfolg, Beeinträchti- gungen des Selbstbewusstseins und der sozialen Kompetenzen sein (J ABAT /B ANHOLZER , a.a.O., S. 138 f.). Basiert die Ablehnung des Umgangs mit dem nicht obhutsberechtigten Eltern- teil auf langjährigen Konflikten zwischen den Eltern, k ann ein Abbruch des Umgangs angezeigt sein. Das unkritische Ignorieren der vehementen Ablehnun g des Umgangs durch das Kind, kann eine Kindeswohlgefährdung begründen, weil u.a. S tressbewältigungsstrategien labilisiert werden (HARRY DETTENBORN /EGINHARD WALTER , Familienrechtspsychologie, 3. Aufl., München/ Basel 2016, S. 264). 7.4. Gemäss Gutachten der KJP konnte bei den Kindern k eine psychische Erkrankung ge- mäss internationalem Klassifikationsschema ICD-10 festgest ellt werden und es wurde eine posttraumatische Belastungsstörung im Sinne von F43.1 nach ICD-10 explizit ausgeschlossen. Die Gutachter gingen jedoch davon aus, dass E.____ und mit ihr D.____ den Loyalitätskonflikt bzw. die emotionale Spannungssituation bewältigen würden, indem sie mit der Kindsmutter eine Allianz bilden würden, und es erst nach Aufbau einer g emeinsamen Vertrauensbasis zwischen den Kindseltern den Kindern zumutbar sei, das Besuchsrech t zwischen den Kindern und ihrem Kindsvater aufzubauen. Auch K.____ spricht sich gegen ei nen Kontakt zwischen dem Kindsva- ter und den Kindern aus. 7.5. Des Weiteren besteht eine konstante und vehemente Ablehnung der Kinder, den Kinds- vater zu sehen. Inwiefern hier ihre negativen Erinnerun gen ausschlaggebend sind oder "nur" der Wille, dem Konflikt zwischen den Eltern, unter dem sie stark leiden, ein Ende zu setzen bzw. sich diesem so gut wie möglich zu entziehen, kann hi erbei offen gelassen werden. Die Kinder sind unterdessen fast 12- und 14-jährig und somi t in Bezug auf die Thematik des per- sönlichen Verkehrs urteilsfähig. Ihr Wunsch ist konstant und vehement, weshalb er erheblich ist. Besonders ist vorliegend, dass die Kinder den Kindsvate r schon seit 7 Jahren nicht mehr gese- hen haben und die gelebten Situationen, an die sie si ch erinnern, schon sehr lange zurücklie- gen. Ihr Wunsch zeigt jedoch, dass sie sich diesem Konfli kt nicht mehr ausgesetzt wissen wol- len, weil er sie belastet. Soweit der Kindsvater einwen det, dass der Wille der Kinder von der Mutter beeinflusst sei, mag dies stimmen. Dies ändert abe r nichts daran, dass die Kinder den Vater primär nicht sehen wollen, um dem Konflikt zwi schen den Eltern nicht mehr ausgeliefert zu sein. Dieser würde bei der Ausübung des Besuchsrechts trotz der Tatsache, dass die Kinder in einem gewissen Alter sind und demzufolge nicht mehr dem Vater ausgeliefert wären, bei der hochstrittigen Situation zwischen den Eltern wieder auf flammen. Zudem besteht, wie K.____ Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausführt, keine gelebte Beziehung mehr zwischen den Kind ern und ihrem Vater und die Kinder gestalten ihr Leben seit Jahren ohne ihren Vater. 7.6. Vorliegend liegt eine hochstrittige Elternbezieh ung vor. Es ist den Behörden und den Fachpersonen nicht gelungen, die Eltern an einen Tisch zu bringen. Zudem ist die ablehnende Haltung der nunmehr urteilsfähigen Kinder konstant u nd vehement von ihnen ausgedrückt wor- den. Aufgrund des Gutachten und der von K.____ beschri ebenen Situation ist der Konflikt zwi- schen den Eltern als derart gravierend einzustufen, dass e ine Anordnung des Besuchsrechts einer Kindeswohlgefährdung gleichkäme. Dabei ist klar f estzuhalten, dass vom Kindsvater kei- ne Kindeswohlgefährdung ausgeht, sondern die Gefährdu ng in der hochstrittigen Elternbezie- hung und in der daraus resultierenden Belastung für d ie Kinder liegt. Ein angeordnetes Be- suchsrecht würde dazu führen, dass die nunmehr fast 12- un d 14-jährigen Kinder gegen ihren Willen ihr Leben, welches sie seit fast 7 Jahren führen , umstellen müssten, für ihren Vater, zu dem keine lebende Beziehung mehr besteht und ihnen in der Zwischenzeit fremd ist. Sie zu zwingen, eine eigentliche Beziehung zu ihrem Vater aufz unehmen, würde sie in ihren Persön- lichkeitsrechten übermässig beeinträchtigen und wäre für sie nicht zumutbar. Ein gegen den starken Willen der Kinder erzwungener Besuchskontakt ist mit dem Zweck des Umgangsrechts im Allgemeinen und mit dem Persönlichkeitsschutz der Kind er unvereinbar. Aufgrund der hoch- strittigen elterlichen Beziehung ist vorliegend auch nich t ersichtlich, inwiefern sich die nachteili- gen Auswirkungen eines Besuchsrechts anderweitig als dur ch den Ausschluss des Kindsvaters vom persönlichen Verkehr in für die Kinder vertretbare n Grenzen halten lassen. Demzufolge sind alle Anträge des Kindsvaters, welche auf die Ausübun g bzw. Weiterführung des Besuchs- rechts hinarbeiten, abzulehnen. Auch ist der Antrag de s Kindsvaters, für die Kinder eine psy- chologische Begleitung zwecks Förderung der Neuaufnahme d es persönlichen Verkehrs anzu- ordnen, abzuweisen. 7.7. Der Kindsvater stellt per se keine Gefährdung für die Kinder dar. Die hochstrittige El- ternbeziehung hat - als Schutzstrategie - zu einer Allia nz der Kinder mit der Kindsmutter ge- führt. Das Bild der Kinder von ihrem Vater basiert un ter anderem auf persönlichen Ereignissen, welche über 7 Jahre zurückliegen. Deshalb ist es wichtig, den Kindern die Möglichkeit zu ge- ben, das möglicherweise nicht eigene Bild des Vaters zu überprüfen. Wie bereits dargelegt, handelt es sich bei den Erinnerungskontakten um strukturie rte, informelle Begegnungen zwi- schen dem Kindsvater und den Kindern, welche von jeglic hem Anspruch auf Beziehung zwi- schen dem Kindsvater und den Kindern befreit sind. Diese Treffen sind für die Kinder auch ge- gen ihren Willen zumutbar und mit der Anordnung von " lediglich" Erinnerungskontakten wird dem Willen der Kinder hinreichend Rechnung getragen. Die Verpflichtung zu solchen Erinne- rungskontakten stellt jedenfalls keinen übermässigen Eing riff in den Willen und die Persönlich- keitsrechte der Kinder dar. Diese Treffen dienen nicht dem Aufbau eines Besuchsrechts, so dass die Kinder von den Ängsten, dass ihr Leben durch ein in ihren Augen drohendes Besuchs- recht umgekrempelt würde und die elterlichen Konflikte wieder aufflammen würden, weitge- hendst befreit sind. Diese Treffen sollen unter Leitu ng einer Fachperson vierteljährlich stattfin- den. J.____ wird beauftragt, einen ersten Erinnerun gskontakt bis spätestens zum 30. Septem- ber 2021 sowie anschliessend quartalsweise Erinnerungskontakte unter Beizug einer psycholo- gischen Fachperson zu organisieren und durchzuführen. Die Kindsmutter hat sich in der Ver- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht gangenheit häufig nicht kooperativ gezeigt, Termine z u finden bzw. einzuhalten, welche darauf hinzielten, einen Kontakt zwischen Kindsvater und Kinder zu ermöglichen. Aus diesem Grund wird die Kindsmutter verpflichtet, jederzeit den Kontakt und die Kommunikation zwischen der Beiständin und den Kindern zu gewährleisten und sicherz ustellen, dass die Kinder zu den von der Beiständin angeordneten Terminen, insbesondere de n Erinnerungskontakten, pünktlich erscheinen. Für den Fall, dass die Kindsmutter diesen Ve rpflichtungen nicht vollumfänglich nachkommt, wird ihr eine Busse nach Art. 292 StGB ange droht. In diesem Punkt ist die Be- schwerde gutzuheissen. 7.8. Da Erinnerungskontakte angeordnet werden, muss folg lich vorliegendenfalls die Erzie- hungsbeistandschaft aufrechterhalten werden. Des Weiter en ist es aus den gleichen Gründen angezeigt, die Vertretungs- bzw. Verfahrensbeistandsch aft weiterzuführen. Demzufolge ist die Beschwerde auch in diesen Punkten gutzuheissen und die A ngelegenheit zum Erlass des Kos- tenentscheids für das vorinstanzliche Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen. 8.1. Es bleibt noch über die Kosten für das vorliegende Verfahren zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgeri cht kostenpflichtig. Die Verfahrenskos- ten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten un d werden in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, die Verfah renskosten, welche auch die Kosten für die Kindsvertretung beinhalten, je zu einem Drittel de m Beschwerdeführer, der Beschwerde- gegnerin und der Vorinstanz aufzuerlegen. Die Vertre terin der Kinder reicht an der Parteiver- handlung eine Honorarnote inkl. Aufwand für Teilnahm e an der Verhandlung ein. Sie macht darin einen Aufwand von 11.35 Stunden à Fr. 200.-- u nd Auslagen von Fr. 22.60 geltend, was grundsätzlich nicht zu beanstanden ist. Da die Parteiverh andlung jedoch nicht wie von ihr ge- schätzt bis 12.00 Uhr, sondern bis 11.30 Uhr gedauert hat , wird der geltend gemachte Aufwand um eine halbe Stunde reduziert. Daraus resultieren K osten für die Kindsvertretung in der Höhe von Fr. 2'361.50 (10.85 Stunden à Fr. 200.-- plus Auslagen in der Höhe von Fr. 22.60 zuzüglich 7.7 % MWST). Damit sind die Verfahrenskosten in der Hö he von Fr. 4'861.50, bestehend aus Gerichtsgebühren von Fr. 2'500.-- und Kosten für die Kindsvertretung von Fr. 2'361.50, je zu einem Drittel und damit im Umfang von je Fr. 1'620.5 0 dem Beschwerdeführer, der Beschwer- degegnerin und der Vorinstanz aufzuerlegen. Zufolge Be willigung der unentgeltlichen Prozess- führung geht der auf den Beschwerdeführer anfallende Verfahrenskostenanteil zu Lasten der Gerichtskasse. 8.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. Beim vorliegenden Verfahrensausgang sind die Parteikosten wettzuschlagen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht gemäss Honorarn ote vom 20. Januar 2021 ei- nen Aufwand von 10.16667 Stunden à Fr. 200.-- und A uslagen in der Höhe von Fr. 72.60 gel- tend, was nicht zu beanstanden ist. Für die Vorbereitun g zur und die Teilnahme an der Partei- verhandlung werden noch 5.75 Stunden hinzugerechnet. Daraus resultiert eine Honorarnote von Fr. 3'506.65 (15.9167 Stunden à Fr. 200.-- inkl. Auslagen in der Höhe von Fr. 72.60 und 7.7 % Mehrwertsteuer). Zufolge Bewilligung der unent geltlichen Verbeiständung wird dem Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'506.65 (inkl. Ausla- gen und 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 8.3. Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hinge wiesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid der Kin- des- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 26. August 2020 aufgehoben. 2. Der Antrag des Beschwerdeführers auf Anordnung von Massnahmen zur Durchsetzung des Besuchsrechts wird abgewiesen. 3. J.____ wird beauftragt, einen ersten Erinnerungsko ntakt bis spätestens zum 30. September 2021 sowie anschliessend quartalsweise E rinne- rungskontakte unter Beizug einer psychologischen Fachpers on zu organisieren und durchzuführen. 4. Die Kindsmutter wird verpflichtet, jederzeit den K ontakt und die Kom- munikation zwischen der Beiständin und den Kindern zu ge währleisten und sicherzustellen, dass die Kinder zu den von der Bei ständin ange- ordneten Terminen, insbesondere den Erinnerungskontakten, pünktlich erscheinen. Für den Fall, dass die Kindsmutter diesen Ver pflichtungen nicht vollumfänglich nachkommt, wird ihr eine Busse nach A rt. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches angedroht. 5. Die Angelegenheit wird zum Erlass des Kostenentschei ds für das vor- instanzliche Verfahren an die Vorinstanz zurückgewiesen. 6. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 4'861.50, bestehend aus Gerichtsgebühren von Fr. 2'500.-- und Kosten für die Kindsvertretung von Fr. 2'361.50, werden je zu einem Drittel und dam it im Umfang von je Fr. 1'620.50 dem Beschwerdeführer, der Beschwerdegegneri n und der Vorinstanz auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführu ng gehen die auf den Beschwerdeführer anfallenden Verfahrenskosten zu La sten der Gerichtskasse. 7. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'506.65 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vizepräsident Gerichtsschreiberin