Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Dezember 2020 (720 20 149 / 322) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Berechnung des Wartejahres wurde durch die IV-Stelle korrekt vorgenommen. Kein Revisions- oder Wiedererwägungsgrund hinsichtlich einer früheren, in Rechtskraft erwachsenen Verfügung gegeben. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber i.V. Stefan A. Buchwalder Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1957 geborene A.____ arbeitete zuletzt als Po lymechaniker bei der B.____ AG in X.____. Am 5. Januar 2015 meldete er sich, unter Hinw eis auf eine koronare Herzkrankheit nach Myokardinfarkt im Juli 2014, erstmals bei der Eidgen össischen Invalidenversicherung (IV) an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblich en Verhältnisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) einen Rentenanspruch aufg rund Nichterfüllens des Wartejahres Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Verfügung vom 6. Juni 2016 ab. Diese Verfügung erw uchs in der Folge unangefochten in Rechtskraft. A.2 Mit Wiedererwägungsgesuch vom 29. September 2016 und regulärem Gesuch vom 15. Oktober 2016 meldete sich A.____ erneut bei der I V an und beantragte die Ausrichtung ei- ner IV-Rente. Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 6 . Juni 2017 auf dieses Leistungsbegehren nicht ein. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Ad vokat Guido Ehrler, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Das Kantonsgericht wies die Angelegenheit mit Urteil vom 19. Oktober 2017 mit dem Hinweis an die Vorinstanz zurück, dass diese auf das Gesuch einzutreten, d ieses materiell zu prüfen und her- nach eine neue Verfügung zu erlassen habe. A.3 In der Folge wurde der Gesundheitszustand von A.___ _ in einer polydisziplinären Be- gutachtung bei der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH (M EDAS) umfassend abgeklärt. Mit Vorbescheid vom 13. Dezember 2019 sprach ihm die IV-St elle eine ganze IV-Rente ab 1. September 2017 zu. Gegen diesen Vorbescheid erhob A.____ am 21. Januar 2020 Einwand und beantragte die Ausrichtung der Rente ab 1. April 2017. Mit Verfügung vom 18. März 2020 hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid fest. Mit Verf ügung vom 1. April 2020 wurde schliesslich die Nachzahlung der IV-Rente für den Zeitraum vom 1. September 2017 bis zum 29. Februar 2020 angeordnet. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Ehrler, am 20. April 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte er, d ie Verfügungen der IV-Stelle vom 18. März 2020 und vom 1. April 2020 seien teilweise au fzuheben und es sei die IV-Stelle anzu- weisen, ihm eine ganze Rente per 1. April 2017 auszuric hten; dies unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. C. In ihrer Vernehmlassung vom 15. Mai 2020 schloss die IV-Stelle, im Wesentlichen ge- stützt auf das Gutachten der MEDAS sowie die Beurteilungen des Regionalen ärztlichen Diens- tes (RAD), auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Schreiben vom 31. August 2020 hielt der Beschwer deführer an seinen Anträgen fest. In ihrer Stellungnahme vom 23. September 2020 hielt auch die Beschwerdegegnerin an ihren Anträgen fest. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG können Verfügung en der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bilden zwei Verfügungen der IV -Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltu ngsprozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherun gsgericht als einzige gerichtliche In- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht stanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kanto nalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung So- zialversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten b is zu einem Streitwert von Fr. 20‘000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer vom 1. April 2017 bis zum 31. August 2017 eine IV-Rente a uszurichten sei. Die Rente betrug ab dem 1. September 2017 Fr. 2'200.-- pro Monat und di e Höhe der Rentenleistung wäre voraus- sichtlich auch im umstrittenen, unmittelbar davorliegend en Zeitraum gleich gewesen. Damit ist für den verfahrensrelevanten Anspruch vom 1. April 201 7 bis zum 31. August 2017 von einem gesamthaften Streitwert von Fr. 11'000.-- auszugehen, weshalb die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mi ndestens 40 % invalid sind (lit. c). Praxisgemäss wird die für Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG rele vante Mindesteinschränkung zur Eröff- nung der Wartezeit bei 20 % angesetzt (vgl. Urteile d es Bundesgerichts vom 20. Februar 2018, 9C_147/2017, E. 4.4, vom 3. Juli 2013, 9C_677/2012, E. 2.3 und vom 24. November 2010, 9C_757/2010, E. 4.1). Ein wesentlicher Unterbruch im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG liegt gemäss Art. 29 ter der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinan derfolgenden Tagen voll arbeitsfä- hig war. In diesem Fall beginnt die Wartezeit mit W iedererreichen der Wesentlichkeitsschwelle von neuem und es erfolgt keine Anrechnung früher zurückg elegter Wartezeiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 2016, 9C_317/2016, E. 4. 2; Urteile des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] und vom 2 6. Juni 2001, I 34/01, E. 1 und vom 17. September 1993, I 209/91, in: U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 201 4, Art. 28, Rz. 35). Nach Art. 29 bis IVV werden bei der Berechnung der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG früher zurückgelegte Zeiten angerechnet, wenn die Invalidenrente nach Verm inderung des Invaliditätsgrades aufge- hoben wurde, in den folgenden drei Jahren wegen eine r auf dasselbe Leiden zurückzuführen- den Arbeitsunfähigkeit jedoch erneut ein rentenbegründendes Ausmass erreicht hat. Handelt es sich nicht um das gleiche Leiden, ist keine Anrechnung bereits zurückgelegter Wartezeiten zu- lässig (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. November 201 9, 8C_607/2019, E. 3.2 und vom 21. Mai 2008, 9C_73/2008, E. 5.2, je e contrario ). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare A rbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rücksichtigt (Satz 2). Bei der Frage der Zumutbarkeit ein er Tätigkeit ist insofern eine objektive Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf das subjekti ve Empfinden respektive die Selbsteinschätzung der versicherten Person ankommen kann (BGE 141 V 295 E. 3.7.1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2017, 8C_295/2017, E. 6.4.2; A NDREAS TRAUB , in: Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fellay/Klett/Leu zinger [Hrsg.], Basel 2020, Art. 6, Rz. 61). 3.1 Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer ve rsicherten Person ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angew iesen, die ärztliche und gegebenen- falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen habe n. Aufgabe des Arztes oder der Ärz- tin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weite- ren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei- lung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizini schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (B GE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; A LFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten, in : Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der medizinisc hen Begutachtung in der Sozialver- sicherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). Wichtigste Gr undlage für de lege artis getätigte gut- achterliche Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die kli- nische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 4. November 2019, 9C_517/2019, E. 3.3.3, vom 5. September 2019, 8C_270/2019, E. 4.1.2 und vom 4. August 2016, 9C_410/2016, E. 2.2.1, in: SVR 2016 IV Nr. 53 S. 179). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4, 134 V 232 E. 5.1, 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Solche Indizien können sich aus dem Gutacht en selber ergeben (z.B. innere Wi- dersprüche, mangelnde Nachvollziehbarkeit) oder auch au s Unvereinbarkeiten mit anderen ärztlichen Stellungnahmen (vgl. Urteile des Bundesgericht s vom 3. März 2015, 8C_872/2015, E. 4.2.1 und vom 29. Oktober 2014, 9C_49/2014, E. 4. 1). In Bezug auf Berichte von behan- delnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahru ngstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B GE 135 V 470 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2020, 8C_60/2020, E. 4.3). 4. Der strittigen Angelegenheit liegen zahlreiche är ztliche Unterlagen zu Grunde. Im Fol- genden sollen jedoch lediglich diejenigen Berichte und Gutachten wiedergegeben werden, wel- che sich für den Entscheid als zentral erweisen. 4.1 In ihrem Austrittsbericht vom 16. Juli 2014 verzeich neten Dr. med. C.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, und Dr. med. D.____, FMH All gemeine Innere Medizin, beide Spital Y.____, die Diagnose eines akuten anterolateralen ST- Hebungsinfarkts bei koronarer 2-Ast- Erkrankung mit Culprit Lesion im Bereich der Ramus interventricularis anterior (RIVA) Mitte, bei kardiovaskulären Risikofaktoren einer arteriellen Hyperton ie sowie einer Dyslipidämie. Nach erfolgreicher Eröffnung des thrombotisch verschlossenen RIV A Mitte mit Thrombusaspiration und primärem Stenting imponiere der Patient durchwegs kreislaufstabil. 4.2 Am 22. Juli 2014 bestätigten Dr. med. E.____, FM H Nephrologie und FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, beide Spital Z.____, die Diagnose einer koronaren 2-Gefässerkrankung nach akute m anterolateralem ST- Hebungsinfarkt mit Culprit Lesion im Bereich der RIVA M itte. Daneben verzeichneten sie die Verdachtsdiagnose eines aktuell exazerbierten subacromia len Impingement-Syndroms links (adominant) mit subacromialer Infiltration. Während d er Überwachung im Spital Z.____ seien dabei keine weiteren Kammertachykardien aufgetreten u nd der Patient sei stets hämodyna- misch stabil gewesen. Es werde insbesondere ein Ausbau der kardialen Medikation sowie die Einstellung der kardiovaskulären Risikofaktoren, nament lich der arteriellen Hypertonie und der Dyslipidämie, empfohlen. 4.3 Dr. med. G.____, FMH Kardiologie und FMH Allgem eine Innere Medizin, stellte in sei- nem Rehabilitationsschlussbericht vom 29. September 2014 die Diagnose einer koronaren 2- Gefässerkrankung nach akutem anterolateralem ST-Hebungsi nfarkt mit Culprit Lesion im Be- reich der RIVA Mitte, die Verdachtsdiagnose eines suba cromialen Impingement der Schulter links (adominant) sowie den Status nach Inguinalhernien-Operation rechts fest. Im Rahmen des kardialen Rehabilitationsprogramms habe der Patient gut integriert werden können, wobei durch das individuelle Ergometertraining seine Leistung habe gesteigert werden können. Der Rehabili- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tationsverlauf gestalte sich komplikationslos. In der Austrittsergometrie habe sich eine relevante Belastungskoronarinsuffizienz ausschliessen lassen. EKG-Ve ränderungen, Herzrhythmusstö- rungen oder Beschwerden seien nicht aufgetreten. Eine duale Plättchenhemmung mit Aspirin und Efient für insgesamt zwölf Monate nach Primärerei gnis sowie eine möglichst optimale Ein- stellung der kardiovaskulären Risikofaktoren, insbesondere durch regelmässige körperliche Aktivität, werde empfohlen. 4.4 Mit Bericht vom 10. Februar 2015 hielt Prof. Dr. H.____, Facharzt für Kardiologie und Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, fest, dass der P atient anamnestisch unter nahezu täg- lichen linksthorakalen Schmerzen leide. Bei der körperl ichen Untersuchung sei der Patient kar- diopulmonal kompensiert und das Herz auskultatorisch unau ffällig gewesen. Echokardiogra- phisch bestehe eine knapp erhaltene systolische linksventri kuläre Funktion bei umschriebener septo-apikaler und antero-apikaler Akinesie. Die vom Pat ienten beschriebenen Beschwerden würden nicht auf eine Progredienz der koronaren Herze rkrankung hinweisen und seien vom Charakter her eher atypisch. Es gebe keinen Hinweis auf eine Verschlechterung der Herzsitua- tion und eine weiterführende Koronardiagnostik sei momentan nicht angezeigt. 4.5 Am 16. Februar 2015 teilte Dr. med. I.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, mit Schreiben an die IV-Stelle die bekannten Diagnosen mi t. Der Patient arbeite seit dem 24. November 2014 zu 50 %, wobei eine weitere Steige rung der Arbeitsfähigkeit möglich sein solle. Der Patient klage über etwas Schwindel, Müdigke it und unklare Thoraxschmerzen, wel- che allerdings für eine koronare Herzkrankheit atypisch seie n. Auch fühle er sich weniger leis- tungsfähig und habe Angst vor einem erneuten Myokardin farkt. Der kardiologische Befund sei eigentlich gut, wobei aber entscheidend sei, wie der Patient das Ereignis psychisch verarbeite. 4.6 In seinem Untersuchungsbericht vom 21. April 2015 w iederholte Dr. G.____ die be- kannten Diagnosen. Der Patient beschreibe nahezu tägliche linksthorakale Schmerzen, welche auch ohne Belastung auftreten würden. Darüber hinaus beklage er eine ausgeprägte Müdigkeit – differentialdiagnostisch allenfalls eine Nebenwirkung der Betablocker – die ihn an der Wahr- nehmung eines höheren Arbeitspensums hindere. Klinisch präsentiere sich der Patient kardi- opulmonal kompensiert, normoton und bradykard. Im Elekt rokardiogramm würden sich bei bradykardem Sinusrhythmus T-Negativierungen in der anter oseptalen Ableitung zeigen. Echo- kardiographisch habe bei insgesamt leicht eingeschränkter systolischer linksventrikulärer Aus- wurfsleistung und Nachweis einer anteroseptoaptikalen, ap ikalen und inferoapikalen Hypo- bis Akinesie das Bild einer koronaren Herzerkrankung objekti viert werden können. Hinweise für neuerliche Wandbewegungsstörungen, für eine höhergradi ge diastolische Dysfunktion oder relevante Klappenvitien hätten sich hingegen nicht erg eben. Stressechokardiographisch sei die Leistung des Patienten objektiv leicht eingeschränkt gew esen, wobei sich bildgebend bis zum Belastungsabbruch aufgrund von Beinermüdung – ohne vo llständige Erreichung der Herzfre- quenzkriterien – keine Hinweise für eine prognostisch r elevante Myokardischämie gezeigt hät- ten. Zusammenfassend seien diese Befunde als gutartig einzustufen, wobei ein Zusammen- hang mit einer koronaren Mikrozirkulationsstörung im Ran dbereich der Myokardnarbe denkbar sei. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.7 Mit Austrittsbericht vom 14. Juli 2015 rapportier ten Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. K.____, beide Spital Z. ____, die Diagnose einer koronaren 2- Gefässerkrankung nach akutem anterolateralem ST-Hebungsi nfarkt bei arterieller Hypertonie und Dyslipidämie. Der Patient berichte von linksseitigen atypischen Thoraxschmerzen ohne Ausstrahlung, welche manchmal in Ruhe, manchmal bei Be lastung auftreten und circa für eine Stunde andauern würden. Dyspnoe-Beschwerden habe er k eine; ebenso keine Orthopnoe, Palpitationen, Tyachykardie oder Orthostase. Dieser Befund sei dabei nicht interventionsbedürf- tig gewesen und der Patient habe bei komplikationslose m Verlauf in gutem Allgemeinzustand am Folgetag entlassen werden können. Die Medikation m it Efient werde nun ein Jahr nach Stenteinlage eingestellt und eine Weiterführung der konservativen kardialen Therapie werde empfohlen. 4.8 Am 8. und 15. Juli 2015 wiederholte Dr. G.____ die bekannten Diagnosen. Der Patient beklage weiterhin praktisch täglich auftretende, insgesa mt aber atypisch anmutende Thoraxbe- schwerden. Es habe sich in der angiographischen Untersuch ung ein gutes Ergebnis bei Status nach Stent in der RIVA bei unverändert hämodynamisch belangloser Stenose im Bereich der Ramus circumflexus (RCX) ergeben, wobei auch die fraktionelle Flussreser ve (FFR) keine Hin- weise für eine hämodynamische Relevanz gezeigt habe. Di e Beschwerdesymptomatik sei am ehesten als muskuloskelettal bedingt zu interpretieren, wobei differentialdiagnostisch eine koro- nare Mikrozirkulationsstörung denkbar wäre. Die duale Plättcheninhibition mit Aspirin und Efient könne ab sofort zugunsten einer Aspirinmonotherapie aufgehoben werden. Im Übrigen empfeh- le er eine nächste Verlaufskontrolle in zwölf Monaten. 4.9 Zu Handen des Krankentaggeldversicherers teilte Dr. I.____ mit Bericht vom 16. Juli 2015 die Diagnose einer koronaren 2-Gefässerkrankung b ei Status nach anterolateralem ST- Hebungsinfarkt mit. Dabei stellte er fest, dass prognostisc h momentan nicht mit einer weiteren Steigerung der derzeitigen Arbeitsfähigkeit von 60 % z u rechnen sei. Diese negative Prognose sei durch die Müdigkeit des Patienten begründet, welch e ihm eine volle Arbeitsaufnahme ver- unmögliche. 4.10 Am 7. und 8. Oktober 2015 erstellte Dr. med. L._ ___, FMH Allgemeine Innere Medizin, zu Handen des Krankentaggeldversicherers eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL). Dabei wurden die Diagnosen einer persistierende n belastungsabhängigen Müdigkeit, Erschöpfbarkeit und Kraftlosigkeit nicht geklärter Ätiologie, einer koronaren 2-Gefässerkrankung nach Vorderwandinfarkt, atypischer Thoraxbeschwerden, b elastungsabhängiger Rückenbe- schwerden, Schulterschmerzen rechts mehr als links sowie ar terieller Hypertonie, Dyslipidämie und Adipositas festgestellt. Die Hauptproblematik stell e dabei die chronische Ermüdbarkeit, Erschöpfbarkeit und Kraftlosigkeit dar, hinsichtlich welc her es bisher an Abklärungen fehle. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten a ls auch in einer anderen beruflichen Tätigkeit sei derzeit bei 60 %, in drei Monaten bei 80 % sowie in sechs Monaten bei 100 % an- zusetzen. Die deutliche Dekonditionierung lasse eine gröss ere Belastung aktuell nicht zu. Ins- besondere werde dem Patienten empfohlen, aktive Physiotherapie und medizinische Trainings- therapie sowie eine Fortsetzung der Schulterbehandlung zu verfolgen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.11 Mit Bericht vom 12. November 2015 verzeichnete Dr. G.____ zu Handen des Kranken- taggeldversicherers, dass beim Patienten ein Status nach akutem anterolateralem ST- Hebungsinfarkt mit Culprit Lesion im Bereich der RIVA vo rliege, welche mittels eines medika- mentenbeschichteten Stents versorgt worden sei. Residuel le Stenosen im Bereich der RCX seien als hämodynamisch belanglos taxiert und entsprechend belassen worden. Aufgrund wie- derholter Thoraxbeschwerden sei im Frühjahr 2015 eine Kontrollangiographie durchgeführt worden, welche keine Hinweise für eine Instent-Resten ose bei hämodynamisch grenzwertiger Stenose der RCX gezeigt habe. Ergometrisch sei die Lei stung des Patienten objektiv leicht ein- geschränkt gewesen. In der Gesamtschau der Befunde mit r esiduellen wenngleich nicht signifi- katen Stenosen und objektiv eingeschränkter ergometrischer Belastungsfähigkeit halte er eine Steigerung des Arbeitspensums auf 80 % bis 100 % nicht für vertretbar. 4.12 Am 21. März 2016 berichtete Dr. med. M.____, Fa charzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, RAD beider Basel, dass keine medizinischen Befunde oder plau siblen Funktionseinschränkungen ausgewiesen seien, welche eine massgebliche Limitierung der Arbeitsfähigkeit des Patienten im Umfang von 40 % nachvollziehbar begründen könnten. Der Hausarzt stütze sich bei der fortlau- fenden Attestierung der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit von 40 % offensichtlich ausschliesslich auf die subjektiven Beschwerden seines Patienten ab. Obj ektive kardiale Befunde nach erfolg- reichem Stenting, welche eine massgebliche Arbeitsunfähig keit in dieser Höhe begründen könnten, würden letztlich keine präsentiert. Die Kontrollangiographie habe keine pathologischen Befunde ergeben und in der Stressechokardiographie sei nur eine “leicht eingeschränkte Leis- tungsfähigkeit“ ausgewiesen worden. Bei kritischer Betra chtung der kardiometrischen Befunde liege dabei eine Selbstlimitierung des Patienten nahe , da der jeweilige Abbruch der Fahrrader- gometrie aufgrund von Beinermüdung ohne Erreichung de r Herzfrequenzkriterien erfolgt sei. Die bisherige Tätigkeit sei nicht als derart körperlich anspruchsvoll einzustufen, dass sich ge- messen an den letztlich objektivierbaren medizinischen Befu nden – exklusive der rein subjekti- ven Beschwerden – eine massgebliche und dauerhafte Limit ierung der Arbeitsfähigkeit plausi- bel ergeben könne. Ab dem Entlassungszeitpunkt aus der ambulanten Herzrehabilitation vom 19. September 2014 sei deshalb bei ausdrücklich ausgeschl ossener Belastungskoronarinsuffi- zienz in der Austrittsergometrie keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr zu begründen. Zugestanden werden könne allenfalls ein schrittweiser be ruflicher Wiedereinstig mit initial 50 % Arbeitsfähigkeit, die aber spätestens nach einem Mona t und damit ab 20. Oktober 2014 auf ein Vollzeitpensum ausdehnbar wäre. Mit Bericht vom 14. Apr il 2016 bestätigte Dr. M.____ seine Beurteilung vom 21. März 2016. 4.13.1 In seinem Untersuchungsbericht vom 19. September 2016 stellte Dr. G.____ erneut die Diagnose einer koronaren 2-Gefässerkrankung nach akute m anterolateralem ST- Hebungsinfarkt mit Culprit Lesion im Bereich der RIVA M itte, die Verdachtsdiagnose eines sub- acromialen Impingement der Schulter links (adominant) sowie den Status nach Inguinalhernien- Operation rechts. Subjektiv beschreibe der Patient fast täglich auftretende, vom Charakter her atypisch anmutende Thoraxbeschwerden bei einer insgesamt eingeschränkten körperlichen Leistungsfähigkeit bei Anstrengungsdyspnoe NYHA II. Klinisch präsentiere sich der Patient kar- diopulmonal kompensiert, situativ bedingt leicht hypert on und normokard. Im Elektrokardio- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gramm würden sich bei normokardem Sinusrhythmus keine wegw eisenden Befunde zeigen. In der transthorakalen Echokardiographie zeige sich hingege n eine weitere Abnahme der Aus- wurfsleistung bei unveränderter Akinese anteroseptal, a pikal und inferoapikal mit beginnendem Aneurysma im Herzspitzenbereich. Geometriebedingt entstehe beim Patienten eine leichtgradi- ge Mitralklappeninsuffizienz, welche zusammen mit der li nksventrikulären Funktionseinschrän- kung zu einer linksatrialen Dilatation führe. Fahrrade rgometrisch sei die Leistung des Patienten deutlich eingeschränkt gewesen und habe aufgrund von Dyspnoe und Beinermüdung abgebro- chen werden müssen. Die kardialen Ausbelastungskriterien seien dadurch nicht erreicht wor- den. Stressechokardiographisch habe sich eine regelrech te, wenngleich träge Zunahme der myokardialen Wandkontraktibilität bei Persistenz der Akin esie im Herzspitzenbereich gezeigt. Zusammenfassend würden sich bei der genannten weiteren Abnahme der Auswurfsleistung keine sicheren Hinweise für eine relevante Myokardischämie e rgeben. Die Beschwerdesymp- tomatik sei am ehesten als relativ bedingt bei Vorliege n eines apikalen Aneurysmas mit mögli- cher Randischämie zu interpretieren, weshalb die etablie rte sekundärprophylaktische Therapie unverändert beizubehalten sei. Er erachte deshalb ei ne Reevaluation der Arbeitsfähigkeit als gerechtfertigt. 4.13.2 Am 19. September 2016 reichte Dr. G.____ zud em zu Handen des Krankentaggeld- versicherers ein Schreiben mit dem Titel “Wiedererwägun gsgesuch“ ein. Demnach habe sich die Leistung des Patienten seit der letzten Kontrolle i m Juli 2015 weiter verschlechtert, so dass er kaum mehr beschwerdefreie Tage erlebe. Bei bereit s geringer Anstrengung komme es zu Atemnot sowie zu rezidivierenden, atypisch anmutenden th orakalen Beschwerden. Objektiv zeige sich auch eine Verschlechterung seiner Leistung bezie hungsweise der linksventrikulären Auswurfleistung bei neuem Nachweis eines Aneurysmas im Her zspitzenbereich. Dies erkläre die eingeschränkte Leistungsfähigkeit sowie einen Teil seiner Thoraxbeschwerden. Zusammen- fassend handle es sich somit um eine progrediente koron are Herzerkrankung, deren Prognose im Falle einer künftig möglichen Herzinsuffizienz insgesamt schlecht sei. Die Registerdaten würden aus den grossen internationalen Studien dokume ntierte 5-Jahres-Mortalitäten um 30 % bis 50 % ergeben. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache n beziehungsweise der Befunde der kardialen Funktionsdiagnostik sei der Patient aus kardial er Sicht für seinen bisherigen Beruf zu mindestens 60 % arbeitsunfähig. Daher erachte er eine Wiedererwägung der Arbeitsfähigkeit beziehungsweise eine erneute Anmeldung bei der IV-Stel le für gerechtfertigt und er bitte den Hausarzt, eine Revision einzuleiten. 4.14 In seiner Stellungnahme vom 21. Oktober 2016 tei lte Dr. M.____ mit, dass es sich bei den subjektiven Beschwerden des Patienten ausdrücklich um a typische Thoraxschmerzen handle, welche nur “am ehesten“ und lediglich “relati v bedingt“ mit einem apikalen Aneurysma erklärt würden. Gegen eine funktionelle Relevanz würde n jedoch die objektiven Messdaten, beispielsweise einer regelrechten myokardialen Wandkon traktibilität, sprechen. Die fahrrader- gometrische Leistungseinschränkung spiegle eine Selbstlimitierung des Patienten wider, da der jeweilige Abbruch aufgrund subjektiver Beschwerden in Form von Beinermüdung und Dyspnoe, ohne Erreichung der Herzfrequenzkriterien und ohne Isch ämiezeichen, erfolgt sei. Durch den behandelnden Arzt unberücksichtigt sei geblieben, dass die körperlich leichte Arbeit des Patien- ten nicht andeutungsweise kardiopulmonale Belastungssp itzen wie jene der genannten Fahr- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht radergometrie aufweise. Auch erscheine es inkohärent, da ss der behandelnde Arzt im Juli letz- ten Jahres die Beschwerden als am ehesten muskuloskelettaler Natur interpretierte, während er nun trotz fehlender wegweisender Befunde eher eine ka rdiale Diagnose in den Vordergrund stelle. 4.15 Am 8. November 2017 berichteten die Abteilungen Kardiologie und Nuklearmedizin des Spital Y.____ über die gleichentags durchgeführte Myokardperfusionsszintigraphie. Dabei hätten sich eine adäquate, asymptomatische kombinierte Be lastung mit Adenosin bei Nichter- reichen der benötigten Herzfrequenz unter Betablockade, eine adäquate Blutdruck- und Pulsre- aktion sowie eine klinisch und elektrisch negative Belastu ng gezeigt. Szintigraphisch sei der Nachweis einer inferolateralen und anteroseptoapikalen Narbe sowie einer umschriebenen in- ferolateralen Ischämie erbracht worden. Die linksventri kuläre Auswurfleistung sei leicht einge- schränkt, jedoch ohne regionale Motilitätsstörungen. 4.16 Prof. Dr. N.____, FMH Kardiologie und FMH Allg emeine Innere Medizin, Spital Y.____, diagnostizierte in seinem Bericht vom 12. Dezember 2017 eine koronare 1-Gefässerkrankung bei Status nach anteroapikalem ST-Hebungsinfarkt. Bei a typischer pektanginöser Beschwerde- symptomatik aber bekannter koronarer Herzkrankheit und aktu ell nachgewiesener inferolatera- ler Ischämie habe sich beim Patient ein gutes angiograp hisches Langzeitergebnis im Stent oh- ne relevante Stenosen in den Bereichen Arteria coronaria dextra (ACD) und RCX ergeben. Al- lerdings würden Wandunregelmässigkeiten in den Bereich en RCX distal sowie Ramus posterolateralis dexter (RPLD) bestehen. Es werde deshalb eine Weiterführun g der etablierten medikamentösen Therapie sowie der Sekundär-Prophylaxe empfohlen. 4.17 In seinem Bericht vom 18. Dezember 2017 bestätig te Dr. G.____ erneut die bekannten Diagnosen. Aktuell gäbe es angiographisch keine Hinweise für ein epikardiales Korrelat der myokardperfusionsszintigraphisch nachgewiesenen geringgradig en Ischämie. Es würden sich insbesondere keine Hinweise für eine Instent-Restenose od er relevante De-novo-Stenosen im Bereich der Nativgefässe zeigen. Die gesehene Ischämie stamme somit am ehesten aus der koronaren Mikrozirkulation und solle primär konservativ therapiert werden. 4.18.1 Am 9. Januar 2019 erstattete die MEDAS Bericht über das bei ihr in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten. Im kardiologischen Teilgutach ten verzeichneten Dr. med. O.____, FMH Kardiologie und FMH Allgemeine Innere Medizin, u nd med. pract P.____, FMH Kardiolo- gie, die Diagnosen einer koronaren 2-Gefäss-Herzkrankheit (ICD-10 I25.12) nach akutem an- terolateralem ST-Hebungsinfarkt und nach erfolgreicher Eröffnung des thrombotisch verschlos- senen RIVA Mitte mit Thrombusaspiration und primärem medikamentenbeschichtetem Stenting. Der Befund sei seit 2017 aus kardialer Sicht stabil und die 2015 und 2017 durchgeführten Ko- ronarangiographien würden keine Progression der koronaren Herzkrankheit zeigen. Auch zeige sich in der aktuellen Echokardiographie eine erhaltene l inksventrikuläre Funktion mit Aus- wurfleistung von 50 % bei Narbe im Versorgungsgebiet der RIVA und ohne relevanten Klappen- fehler. In der Spiroergometrie habe sich eine schwere Einschränkung der körperlichen Leis- tungsfähigkeit entsprechend einer schweren Einschränku ng der kardiorespiratorischen Fitness gezeigt. Bei einer Respiratory Exchange Ratio von 0.8 sei der Patient jedoch nicht ausbelastet Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und habe den Belastungstest somit frühzeitig aufgrund nicht kardialer Ursache abgebrochen. Bei einem NT-pro BNP von 96 pg/ml könne eine kardiale Ursache der Dyspnoe bei intakter sys- tolischer und diastolischer linksventrikulärer Funktion ebe nfalls nicht nachgewiesen werden. Damit sei die Prognose hinsichtlich der koronaren Herzer krankung beim Patienten gut. Es be- stehe deshalb keine Kontraindikation für eine volle Arbe itsfähigkeit in der bisherigen wie auch jeder anderen Arbeitstätigkeit mit entsprechender Belastung. 4.18.2 Im rheumatologischen Teilgutachten stellte Dr. med. Q.____, FMH Rheumatologie und FMH Allgemeine Innere Medizin, fest, im Vordergrund d er Beschwerden stünden ein chronifi- ziertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom aufgrund einer b eginnenden, nicht ausgepräg- ten degenerativen Diskopathie LWK3-SWK1, mit diskreter Anterolisthesis LWK5 und bilateralen Spondylarthrosen LWK4-SWK1 beidseits ohne Hinweise auf eine kompressiv wirkende Dis- kusherniation oder Zeichen einer Spinalkanalstenose. Für die bisherige Tätigkeit sei der Versi- cherte bleibend ab September 2016 zu 50 % arbeitsunfä hig. In einer angepassten, leichten bis knapp mittelschweren Arbeitstätigkeit sei hingegen eine Leistungsminderung von maximal 10 bis 15 % infolge einer nachgewiesenen Dekonditionierung gegeben. 4.18.3 Im psychiatrischen Teilgutachten stellten Dr. med. R.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, und med. pract. S.____ die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung mittelgradige r Ausprägung, welche chronifiziert an- mute, ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.10) sowie ei ner chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) . Die durch den Patienten gezeigte depressive Reaktion habe sich im Zuge des Verlustes seiner Arbeitsstelle im September 2016 bemerkbar gemacht. Es könne von einer Leistungsminderung von circa 25 % im Rahmen der derzeitigen Arbeitsfähigkeit von 50 %, also einer Gesamt arbeitsfähigkeit von circa 40 % ausge- gangen werden. Diese könne auch bei Behandlung kurz- bis mittelfristig aus psychiatrischer Sicht nicht über 60 % hinaus gesteigert werden. 5. Unbestritten ist vorliegend, dass der Beschwerdeführer ab dem 12. September 2016 aufgrund von rheumatologischen und psychischen Beschwerden zu 60 % arbeitsunfähig ist. Streitig ist zwischen den Parteien jedoch, ob der Beschwe rdeführer bereits zwischen dem 1. April 2016 und dem 31. August 2016 aufgrund kardia ler Beschwerden eine wartefrister- füllende Arbeitsunfähigkeit aufgewiesen hat. 6.1 Zunächst ist der Zeitraum vor dem 6. Juni 2016 zu betrachten. Mit Verfügung vom 6. Juni 2016 stellte die IV-Stelle fest, dass „ab dem 20. Oktober 2014 […] aus versicherungs- medizinischer Sicht in der beruflichen Tätigkeit als Po lymechaniker keine Arbeitsunfähigkeit mehr [bestehe]“. Die einjährige Wartezeit sei somit ni cht erfüllt und damit nicht abgelaufen. Aus diesem Grund werde das Leistungsbegehren auf eine Rent e der Invalidenversicherung abge- wiesen. Diese Verfügung wurde vom Beschwerdeführer in der Folge nicht angefochten und erwuchs deshalb in formelle Rechtskraft. 6.2 Die Rechtskraft von Verfügungen über Dauerleistunge n im Bereich der Sozialversiche- rungen, wozu auch Renten der Invalidenversicherung gehö ren, ist grundsätzlich zeitlich unbe- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht schränkt. Dies gilt nicht zuletzt für Anspruchsvoraussetzungen, soweit sie im Entscheidzeitpunkt abgeschlossene Sachverhalte betreffen. Es liegt insofern eine abgeurteilte Sache ( res iudicata ) im Rechtssinne vor. Die betreffenden Anspruchsvoraussetzun gen können daher vorbehältlich einer prozessualen Revision oder Wiedererwägung des rec htskräftigen Entscheids (Art. 53 Abs. 1 bzw. Abs. 2 ATSG) nicht bei jeder neuen Bezugspe riode in Frage gestellt und überprüft werden (BGE 136 V 373 E. 3.1.1; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016, E. 5.1.1, vom 29. April 2015, 9C_36/201 5, E. 5.1, vom 18. August 2014, 8C_349/2014, E. 3.2 und vom 18. Oktober 2011, 9C_920 /2010, E. 2.2). Die in der Verfügung vom 6. Juni 2016 festgestellte volle Arbeitsfähigkeit ab dem 20. Oktober 2014 stellt ein (negati- ves) Element der materiellen Anspruchsvoraussetzung (BGE 14 2 V 550 E. 3.2) für eine Invali- denrente dar, da sie die (Nicht-)Erfüllung des Warteja hres nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG be- schlägt. Sie ist deshalb nur in der Form einer Wiederer wägung oder einer prozessualen Revisi- on überprüfbar. 6.3.1 Der Versicherungsträger kann nach Art. 53 Abs. 2 A TSG auf formell rechtskräftige Ver- fügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Zweifellose Unrichtigkeit me int dabei, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung möglich, also einzig dieser Schluss denkbar ist (BGE 138 V 328 E. 3.3). Dies ist dan n der Fall, wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchge- führt wurden (BGE 141 V 414 E. 5.2). Die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit ist im Bereich der invaliditätsmässigen Leistungsvoraussetzungen – insbesondere hinsichtlich der ermessensge- prägten Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 195 E. 3.1, 137 V 253 E. 3.4.2.3) – nur unter Vornahme der gebotenen Zurückhaltung zulässig (vgl . Urteile des Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_886/2017, E. 3.2 und vom 13. Juli 2017, 9C_309/2017, E. 3.2 in fine). Das Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Verfügung liegt dabei grundsätzlich im Ermessen des Versicherungsträgers (BGE 133 V 54 E. 4.2.1). Bei der Wiedererwägung einer Verfügung wegen ursprünglicher Unrichtigkeit ist einzig auf die Ver hältnisse und den Wissensstand zum damaligen Zeitpunkt abzustellen. Führen erst spätere Beweismittel zu dieser Erkenntnis, kommt einzig eine prozessuale Revision zum Tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 16. September 2008, 8C_517/2007, E. 4.1; Urteile des Bundesverwaltu ngsgerichts vom 14. September 2016, C-2520/2014, E. 3.1 und vom 14. März 2013, C-8902/2010, E. 4.1). 6.3.2 Keine zweifellose Unrichtigkeit kann der Beschwerde führer durch das Beibringen der Berichte von Dr. G.____ vom 19. September 2016 und hernach begründen. Diese stellen späte- re Beweismittel im Sinne der vorgenannten bundesgerich tlichen Rechtsprechung dar und sind deshalb einzig unter dem Gesichtspunkt der prozessualen Re vision zu betrachten. Vielmehr müsste sich aus der Beurteilung der der IV-Stelle vor V erfügungserlass vorliegenden Berichte ergeben, dass als einziger denkbarer Schluss eine anspruchsb egründende Arbeitsunfähigkeit ohne wesentlichen Unterbruch bis zum 6. Juni 2016 vorgel egen habe. Mit anderen Worten müsste die Bemessung der Arbeitsunfähigkeit durch Dr. M. ____ auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung beruhen (vgl. Urteil des Bundesger ichts vom 17. August 2020, 8C_277/2020, E. 4.1 und vom 20. Januar 2020, 8C_235/ 2019, E. 2.2). Dies ist vorliegend je- doch nicht der Fall: In seiner Stellungnahme vom 21. März 2016 stellte Dr. M.____ zu Recht Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht fest, dass die von Dr. G.____ verzeichnete leichte Leistu ngseinschränkung in der Stressecho- kardiographie problematisch sei, da der Beschwerdeführ er den Abbruch der fahrradergometri- schen Untersuchung – ohne Erreichung der Herzfrequenzkrite rien – aufgrund von Beinermü- dung und damit infolge Selbstlimitierung getätigt ha be. Objektive pathologische kardiale Befun- de hätten sich jedoch weder aus der angiographischen Un tersuchung noch anderweitig erge- ben. Die Schlussfolgerung, wonach von den subjektiven Besch werden des Beschwerdeführers nicht ohne Weiteres auf eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % zu schliessen sei, überzeugt ebenso. Mindestens für die Zeit ab dem 1. April 2016 stimmt di e Prognose von Dr. M.____ zudem auch mit jener von Dr. L.____ vom 7. und 8. Oktober 2015 überein, welcher ab diesem Zeitpunkt eine vollständige Arbeitsfähigkeit in Aussicht gestellt hat. D amit aber stellt ein Abstellen auf den Standpunkt des Beschwerdeführers, wonach eine anspruchsbegründende Arbeitsunfähigkeit im strittigen Zeitraum vorgelegen habe, nicht den im rech tsprechungsgemäss verlangten Masse “einzigen denkbaren Schluss“ dar. Vielmehr liegt eine Einschätzung durch Dr. M.____ vor, wel- che zwar von jener der Dres. G.____ und I.____ divergier t, jedoch grundsätzlich nachvollzieh- bar ist. Insbesondere kann allein aufgrund des Vorliegen s divergierender medizinischer Mei- nungsäusserungen in der Regel hernach nicht wiederer wägungsweise gesagt werden, es sei zweifellos unrichtig gewesen, auf die eine und nicht a uf die andere abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 16. September 2008, 8C_517/2007, E. 4.3 ; Urteile des Bundesverwaltungsge- richts vom 14. September 2016, C-2520/2014, E. 3.1 un d vom 14. März 2013, C-8902/2010, E. 4.1). 6.3.3 Ebenso geht der Beschwerdeführer fehl, wenn er geltend macht, dass das Versiche- rungsgericht [recte: Kantonsgericht] im erwähnten Urt eil vom 17. Oktober 2017 in der Auswer- tung der Berichte keine vollumfängliche Arbeitsfähigkei t habe feststellen können. Die in den Erwägungen 4.1 ff. aufgeführten Berichte wurden ledi glich wiedergegeben und durch ihre blos- se Abbildung noch keiner inhaltlichen Würdigung unterzo gen. Die Erwägungen 5.1 f. nehmen zwar eine materielle Beurteilung vor; diese bezieht sich jedoch einzig auf die Glaubhaftma- chung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des B eschwerdeführers nach dem 6. Juni 2016 im Sinne der Erwägung 3.5 des besagten U rteils. Eine verbindliche Feststellung, wonach der Bestand einer wartefristerfüllenden Arbeits unfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitraum vor dem 6. Juni 2016 zweifellos den einzigen denkbaren Schluss im Sinne der Recht- sprechung darstelle, wurde auch damit nicht getätigt. 6.3.4 Das gleiche gilt für die vom Beschwerdeführer sinn gemäss vorgebrachten Behauptung, die Beschwerdegegnerin habe das Fehlen einer vollumfän glichen Arbeitsfähigkeit im besagten Zeitraum in dem von ihr erstellten “Assessment und Eingl iederungsplan“ vom 10. Februar 2015 sowie im “Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahmen“ vom 16. Juli 2015 anerkannt. Die darin festgestellten Arbeitsunfähigkeiten stellen anamn estische Angaben dar, welche lediglich wiedergegeben werden und keinerlei Bewertung im Sinn e einer Anerkennung beinhalten. Ins- besondere in letzterem Bericht stellt ein Vermerk kla r, dass die aufgelistete Arbeitsunfähigkeit von 40 % ab dem 21. April 2015 „gem[äss] V[ersicher]t[en ] weiter andauern [wird]“. Zudem wird auch in der Mitteilung vom 23. Juli 2015 betreffend die Ablehnung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen explizit verzeichnet, dass es der Beschwerdeführe r sei, welcher mitgeteilt habe, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes bis auf weitere s keine Steigerung der Arbeitsfä- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht higkeit möglich wäre. Damit geht jedoch noch keine Ane rkennung einer durchgehend beste- henden wesentlichen Arbeitsunfähigkeit einher, weshalb auch hieraus keine zweifellose Unrich- tigkeit der Verfügung vom 6. Juni 2016 abgeleitet werden kann. 6.3.5 Des Weiteren kann auch aus den durch den Krankenta ggeldversicherer erbrachten Leistungen respektive den darin anerkannten Arbeitsunfähi gkeiten des Beschwerdeführers kei- ne zweifellose Unrichtigkeit der Schlussfolgerungen von D r. M.____ und damit der Verfügung vom 6. Juni 2016 abgeleitet werden. Hierfür müsste nä mlich eine Bindungswirkung der arbeits- fähigkeitsbezogenen Sachverhaltsabklärung respektive der d iesbezüglichen Beweiswürdigung und Leistungszusprechung durch den Krankentaggeldversicher er für die Invalidenversicherung bestehen. Eine solche Bindungswirkung besteht nach bundesg erichtlicher Rechtsprechung je- doch gerade nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17 . Februar 2015, 9C_905/2014, E. 5), weshalb auch dieses Vorbringen des Beschwerdeführers fehl geht. 6.3.6 Eine zweifellose Unrichtigkeit kann schliesslich au ch durch den Dr. M.____ fehlenden Facharzttitel für Kardiologie nicht begründet werden. Rechtsprechungsgemäss bedarf es eines spezifischen Facharzttitels des beurteilenden RAD-Arztes nämlich nur, wenn dieser einen Un- tersuchungsbericht im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV erstellen soll (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2017, 9C_643/2016, E. 4.3; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. November 2018, C-7296/2016, E. 6.3.1.6; Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Solothurn vom 14. Dezember 2017, VSBES.2017.145, E. 3.5.1). Dies aufgrund der Tatsache, dass solche Untersuchungsberichte nach Art. 49 Abs. 2 IVV im Beweiswert mit externen medi- zinischen Sachverständigengutachten vergleichbar sind (vgl. Ur teile des Bundesgerichts vom 26. Mai 2020, 9C_102/2020, E. 4.2, vom 18. April 201 9, 9C_669/2018, E. 3.2 und vom 22. September 2016, 8C_262/2016, E. 4.2). Beim Beri cht von Dr. M.____ vom 21. März 2016 handelt es sich vorliegend jedoch um einen Bericht nach Art. 49 Abs. 1 IVV, für welchen nach obengenannter Rechtsprechung gerade eben kein Facharzt titel notwendig ist. Das Kantonsge- richt hat sich denn auch im Urteil vom 17. Oktober 20 17 einer Bewertung des durch den Be- schwerdeführer diesbezüglich vorgebrachten Einwandes ent halten (vgl. Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV] vom 17 . Oktober 2017, 720 17 209 / 275, E. 5.1). Auch ist Dr. M.____ und Dr. med. T.____ FMH Hämatologie und FMH Allgemeine Inne- re Medizin, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, Leiter RAD beider Basel, dahingehend recht zu geben, als die Beurteilung bereits erhobener kardiologischer Eckdaten unter ergono- misch-funktionellen Kriterien – im Gegensatz zur eigen tlichen Erhebung, Diagnostik und Inter- pretation eines komplexen kardiologischen Beschwerdebild es an sich – nicht zwingend einer kardiologisch-fachärztlichen Ausbildung bedarf. Damit kann aber auch aus dieser Rüge des Beschwerdeführers keine zweifellose Unrichtigkeit der Ver fügung vom 6. Juni 2016 abgeleitet werden. 6.3.7 In Ermangelung einer zweifellosen Unrichtigkeit der medizinischen Sachverhaltsfest- stellung im Vorgang zum Erlass der Verfügung vom 6. Ju ni 2016 ist deshalb eine Wiedererwä- gung derselben nicht angezeigt gewesen und durch die Beschwerdegegnerin auch zu Recht nicht vorgenommen worden. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Formell rechtskräftige Verfügungen müssen gemäss Art . 53 Abs. 1 ATSG dann in pro- zessuale Revision gezogen werden, wenn die versicherte Per son oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder neue Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Neu entdeckt sind Ta tsachen, wenn sie sich vor Erlass der formell rechtskräftigen Verfügung bereits verwirkli cht haben, indessen noch nicht bekannt waren. Neue Beweismittel haben dem Beweis der die Re vision begründenden neuen erhebli- chen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unb ewiesen geblieben sind (BGE 144 V 249 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. auch U ELI KIESER , Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ATSG, 4 . Aufl. Bern 2020, Art. 53, Rz. 24 ff.). Betrifft der Revisionsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung – vorliegend die wartefristbezogene Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführ ers –, deren Beurteilung massgeblich auf Schätzung und Beweiswürdigung beruht und damit no twendigerweise Ermessenszüge auf- weist, so ist eine vorgebrachte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erheblich. Ein (pro- zessrechtlicher) Revisionsgrund fällt demnach überhaupt n ur in Betracht, wenn bereits im ur- sprünglichen Verfahren der untersuchende Arzt und die e ntscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen Befundes zwingend anders hä tten ausüben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis hätten gelangen müssen (BGE 144 V 249 E. 5.3; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 10. April 2019, 9C_21/2019, E. 3, v om 23. Februar 2018, 8C_658/2017, E. 3). Neue medizinische Expertisen, die im Verfahren , das zur früheren Verfügung geführt hat, lediglich eine retrospektiv abweichende Einschätzung eines g leichgebliebenen Sachverhalts, jedoch keine gravierende und unvertretbare Fehldiagnose feststellen, erfüllen das Kriterium der Erheblichkeit nicht (BGE 144 V 249 E. 5.4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2013, 9C_955/2012, E. 3.3.4 und vom 18. August 2014, 8C_349/2014, E. 5.3). 6.4.2 Bei der prozessualen Revision sind nach dem oben d argelegten die nach dem 6. Juni 2016 verfassten Berichte zur Beurteilung heranzuziehen, o b die bisherigen Entscheidgrundla- gen – insbesondere der Bericht von Dr. M.____ vom 21. März 2016 – objektiv mangelhaft (BGE 143 V 108 E. 2.3, 138 V 328 E. 3.2) und geradezu unvertretbar anzusehen und deshalb das der Verwaltung zustehende Ermessen zwingend anders auszuüben gewesen wäre. Der Beschwer- deführer stützt sich dabei auf die Berichte der Dres. I. ____ und G.____ ab, während die Be- schwerdegegnerin im Wesentlichen das – die von Dr. M.____ getätigte Einschätzung bestäti- gende – Gutachten der MEDAS vom 9. Januar 2019 heranzi eht. Unbestritten zwischen den Parteien ist, dass die internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen Teilgutachten, respektive die darin getätigten Befunderhebungen und -beurteilungen, der Rechtsprechung ent- sprechend erstellt wurden und auf sie abgestellt werden kann. Auch dem Kantonsgericht drän- gen sich keine Hinweise auf, welche die dort getätigte n Feststellungen einer rheumatologisch respektive psychiatrisch bedingten (Teil-)Arbeitsunfähigkeit je ab September 2016 in Frage stel- len würden. Damit kann vorliegend auf diese Teilgutachten abgestellt werden, ohne dass Weite- rungen hierzu notwendig wären. Umstritten ist hingegen das kardiologische Teilgutachten, wel- ches für den vorliegend relevanten Zeitraum eine voll e Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Dem kar- diologischen Teilgutachten ist dabei den bundesgerichtlichen Grundsätzen entsprechend (siehe Erwägung 3.2 f. hiervor) grundsätzlich volle Beweiskraft zuzuerkennen, da dieses nach ausführ- licher Kenntnisnahme der Vorakten und vertiefter Befra gung des Patienten unter Berücksichti- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung der geklagten Beschwerden und nach eingehender Be obachtung und Untersuchung des- selben abgegeben worden ist und dabei grundsätzlich in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge schlüssig und hinsichtlich der Einordnung d er medizinischen Situation ein- leuchtend erscheint. Es kann deshalb nach der genannten R echtsprechung hierauf abgestellt werden, soweit nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl ässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che liegen, entgegen der Argumentation des Beschwerdefü hrers, nicht vor, wie nachfolgend darzulegen ist. 6.4.3.1 Zunächst bringt der Beschwerdeführer vor, die Gutachter hätten hinsichtlich der Warte- zeit eine Aktenbeurteilung abgegeben, dabei aber nich t alle relevanten Berichte und Bescheini- gungen berücksichtigt respektive berücksichtigen können. Zwa r würden sie in Kapitel 4.7 der interdisziplinären Gesamtbeurteilung verzeichnen, dass er „gemäss den Akten“ von Anfang 2015 bis Ende August 2016 vollständig arbeitsfähig gewe sen sei. Allerdings habe das Gutach- ten die von der Beschwerdegegnerin aufgelisteten Arztzeu gnisse mit den jeweiligen Bescheini- gungen unter dem Titel “Wartezeit und attestierte A rbeitsunfähigkeiten“ ohne nähere Prüfung übernommen. Diese Liste sei jedoch unvollständig und ge be nicht die gegenüber den Kranken- taggeldversicherern abgegebenen Arbeitsfähigkeitszeugniss e respektive die dazugehörenden ärztlichen Berichte wider. 6.4.3.2 Einerseits ist festzustellen, dass unter dem Titel “Wartezeit und attestierte Arbeitsunfä- higkeiten“ diverse Arbeits(un)fähigkeitsbescheinigungen erwähnt werden. Es ist dem Be- schwerdeführer darin zuzustimmen, dass diese von den Gutachtern übereinstimmend aus der – weder chronologischen noch antichronologischen und zude m suboptimal formatierten – Auflis- tung der Beschwerdegegnerin übernommen wurden. Dabei wird für den Zeitraum vom 19. Juli 2014 bis zum 23. November 2014 eine Arbeitsunfähigk eit von 100 %, vom 24. November 2014 bis zum 11. September 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % und vom 12. September 2016 an fortlaufend eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (durch Dr. I.____) respektive von 60 % (durch Dr. G.____) postuliert. Wenn der Beschwerdeführer hie rgegen geltend macht, dass die den Krankentaggeldversicherern zugesandten Arbeitsfähigkeit szeugnisse nicht berücksichtigt wor- den seien, kann dieser hieraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die besagten zugesandten Arbeitsfähigkeitszeugnisse der Dres. I.____ und G.____ verzeichnen nämlich vom 24. Juli 2014 bis zum 5. Oktober 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, vom 6. Oktober 2014 bis zum 23. November 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 60 %, vom 24. November 2014 bis zum 12. April 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % und vom 13. April 2015 bis mindestens zum 9. Januar 2016 von 40 %, unterbrochen durch eine sech stägige Arbeitsunfähigkeit von 100 % zwischen dem 13. Juli 2015 und dem 18. Juli 2015. Für den darauffolgenden Zeitraum lagen in den Akten der Krankentaggeldversicherer keine weiteren A rbeitsfähigkeitszeugnisse im eigent- lichen Sinne vor. Auch gewährten diese (zur fehlende n Bindungswirkung siehe Erwägung 6.3.5 hiervor) gemäss Zahlungsübersicht vom 11. Januar 2018 – b estätigt mit E-Mail vom 7. April 2020 – für den Zeitraum vom 1. Februar 2016 bis zum 2 1. September 2016 keine Leistungen im Zusammenhang mit der behaupteten Arbeitsunfähigkeit. Die durch die Beschwerdegegnerin erstellte Auflistung war also, in Anbetracht der ausgest ellten Arbeitsfähigkeitszeugnisse, gar noch zu Gunsten des Beschwerdeführers formuliert worden. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.3.3 Andererseits ist festzuhalten und dem Beschwerde führer darin zuzustimmen, dass in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung tatsächlich ke ine ärztlichen Berichte mit Datierung vor dem 19. September 2016 erwähnt werden. Allerdings lagen den Gutachtern, wie den jeweiligen Kapiteln “2. Aktenauszug“ in den vier Teilgutachten zu entnehmen ist, die oben widergegebe- nen (siehe Erwägungen 4.1 bis 4.12 hiervor) sowie weit ere Berichte des Hausarztes, der be- handelnden Ärzte und der versicherungsinternen Ärzte zwisch en dem 13. Juli 2014 und dem 19. September 2016 vor. Einzig ein Bericht von Dr. G. ____ an die IV-Stelle vom 15. Januar 2015, ein Bericht von Dr. I.____ an den Krankentaggel dversicherer vom 23. März 2015 sowie ein Bericht von Prof. Dr. H.____ an Dr. G.____ vom 1 3. Juli 2015 finden sich nicht in den Ak- tenauszügen. Während letzterer Bericht von Prof. Dr. H. ____ jedoch inhaltlich ohnehin im Be- richt von Dr. G.____ vom 15. Juli 2015 (siehe Erwägung 4.8 hiervor) enthalten ist, stimmt der Bericht von Dr. I.____ vom 23. März 2015 im Wesentlich en mit dessen ausführlicheren Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 16. Februar 2015 (siehe Erwägung 4.5 hiervor) überein. Der stichwortartig gehaltene und äusserst knappe Bericht von D r. G.____ vom 15. Januar 2015 verweist schliesslich gänzlich auf dessen früheren Bericht vom 29. September 2014 (siehe Er- wägung 4.3 hiervor). Es lagen deshalb – entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers – den Gutachtern im Zeitpunkt der Gutachtenserstellung alle zur Beurteilung relevanten Vorakten über ihn vor. Wenn deshalb in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung davon die Rede ist, dass der Beschwerdeführer “gemäss den Akten“ von Anfang 2015 bis Ende August 2016 voll- ständig arbeitsfähig gewesen sei, dann gründet diese Feststellung auf einer vollständigen Voraktengrundlage. 6.4.4.1 Des Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend , dass auf das kardiologische Teil- gutachten nicht abzustellen sei, weil dieses sich an keiner Stelle mit den echtzeitlichen Befun- den des behandelnden Kardiologen auseinandersetze. Auch diesbezüglich ist wiederum dem Beschwerdeführer in dem Sinne recht zu geben, als die Gutachter tatsächlich an keiner Stelle ausdrücklich auf die Feststellungen von Dr. G.____ verwei sen. Nicht bestritten werden kann allerdings auch, dass die besagten Berichte von Dr. G.____, wie oben festgestellt, in der Auflis- tung des Aktenauszuges des betreffenden Teilgutachtens vo llständig aufgeführt worden sind. Für den Beweiswert des Gutachtens ist denn auch nicht en tscheidend, ob es sich mit jeder ein- zelnen abweichenden, sich bei den Akten befindlichen medi zinischen Einschätzung in einlässli- cher Weise auseinandergesetzt hat, sondern vielmehr, ob es – bei im Wesentlichen gleichen Diagnosen – in Kenntnis der Vorakten abgegeben wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 8C_709/2019, E. 4.2.2 in fine; Urteil des EVG vom 13. September 2004, U 36/04, E. 3.2.3). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsau ftrag der therapeutisch tätigen Fach- person einerseits und dem Begutachtungsauftrag des amt lich bestellten fachmedizinischen Ex- perten andererseits lässt es nicht zu, ein Administrativgut achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die be handelnden Ärzte zu anderslauten- den Einschätzungen gelangen (BGE 137 V 224 E. 1.2.4, 135 V 470 E. 4.5; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 21. August 2019, 8C_143/2019, E. 4.4 .1). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, wei l die behandelnden Ärzte wichtige As- pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 10. Juni 2020, 9C_25 6/2020, E. 3.2.4 und vom 18. Mai 2020, 9C_119/2020, E. 3.2.3). Insbesondere aus den in Kapitel “7.2 Beurteilung des bisherigen Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlaufs von Behandlungen […]“ gemachten Äusserungen g eht eine zumindest implizite inhalt- liche Auseinandersetzung mit den durch Dr. G.____ vorge nommenen Abklärungen hervor. So wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass eine kardiale Ur sache des Abbruchs des Belastungs- tests wie auch der Dyspnoe nicht gegeben und deshalb di e Prognose der koronaren Herzer- krankung des Beschwerdeführers gut sei. Damit nimmt das kardiologische Teilgutachten explizit den Standpunkt von Dr. M.____ vom 21. März 2016 ein un d distanziert sich vom Standpunkt von Dr. G.____ vom 19. September 2016, wonach eine kar dial bedingte Beschwerdesympto- matik vorliege. Auch verweisen die Gutachter darauf, dass aufgrund der erhaltenen linksventri- kulären Auswurfleistung keine Progression der koronaren He rzkrankheit erkennbar sei und deshalb auch keine Kontraindikation für eine Arbeits fähigkeit von 100 % vorliege. Wenngleich die Begründungstiefe eher prägnant und konzis gehalten ist, kann daraus, dass das kardiologi- sche Teilgutachten nicht jeden Bericht von Dr. G.____ einzeln respektive namentlich ausführlich bestätigt respektive widerlegt, im Lichte der oben zitierten Rechtsprechung kein konkreter Zwei- fel hieran abgeleitet werden. 6.4.4.2 Der Beschwerdeführer macht in der Folge zude m sinngemäss geltend, dass auch deswegen nicht auf das kardiologische Teilgutachten abzustellen sei, weil dieses die im Bericht vom 19. September 2016 durch Dr. G.____ attestierte Verschlechterung nicht widerlegen kön- ne. Allerdings ist der Argumentation des Beschwerdeführers auch diesbezüglich nicht zu folgen. Am 21. Oktober 2016 wies Dr. M.____ zu Recht darauf h in, dass Dr. G.____ ohne neue medi- zinische Befunde oder kardiologische Parameter am 19. S eptember 2016 zu einem diametral zu früheren Berichten stehenden Ergebnis gekommen sei. T atsächlich schloss Dr. G.____ in seinem Bericht vom 29. September 2014 eine relevante Be lastungskoronarinsuffizienz aus- drücklich aus und folgerte am 21. April 2015 – nach glei chlautendem Bericht von Prof. Dr. H.____ vom 10. Februar 2015 – explizit, dass sich keine Hinweise auf eine Progredi- enz der koronaren Herzerkrankung respektive eine Verschle chterung der Herzsituation feststel- len haben lassen. Prof. Dr. H.____ und Dr. G.____ rap portieren erneut in ihren Berichten vom 13. und 15. Juli 2015, dass ein gutes Ergebnis ein Jah r nach Stentierung vorliege und keine hämodynamisch relevanten Pathologien ausgewiesen seien. I nsbesondere wird erwähnt, dass die Beschwerdesymptomatik am ehesten muskuloskelettal bedin gt sei. Im November 2015 er- klärte Dr. G.____, dass – bei ergometrisch leicht eingesch ränkter Leistung – die residuellen Stenosen zwar hämodynamisch grenzwertig, jedoch belangl os respektive nicht signifikant zu taxieren seien. Am 19. September 2016 schliesslich stell te Dr. G.____ eine kardial bedingte Beschwerdesymptomatik bei progredienter koronarer Herzerkrankung in den Raum, wenngleich er ausdrücklich darauf hinweist, dass sich – mit Ausnahme e iner weiteren Abnahme der links- ventrikulären Auswurfleistung und der ergometrischen Le istung sowie einem beginnenden Aneurysma im Herzspitzenbereich – keine wegweisenden Befu nde haben finden lassen. Insbe- sondere unter Berücksichtigung der erneuten Bestätigung eines guten Verlaufes im Bericht von Prof. Dr. N.____ vom 12. Dezember 2017 kann deshalb n icht nachvollzogen werden, inwiefern Dr. G.____ bei gleichbleibenden Befunden auf eine nu nmehr andere Ursache und eine schwe- rere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers schliessen konnte. 6.4.4.3 Wenn der Beschwerdeführer insbesondere die lin ksventrikuläre Auswurfleistung und die spiroergometrische Leistung vorbringt, um eine wegw eisende Verschlechterung in kardiolo- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht gischer Hinsicht zu beweisen, ist ihm nicht zu folgen. H insichtlich der linksventrikulären Aus- wurfleistung ist darauf hinzuweisen, dass diese zu keinem Z eitpunkt als reduziert (< 40 %), sondern stets lediglich als geringgradig eingeschränkt ( 40 % bis 49 %) oder gar erhalten (≥ 50 %) anzusehen war (vgl. Nationale Versorgungsleitlin ie “Chronische Herzinsuffizienz“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen F achgesellschaften et al., 3. Auflage Berlin 2019, Ziff. 1.2): So wurde die Au swurfleistung im Bericht vom 29. September 2014 bei 60 %, im Bericht vom 10. Februar 2015 bei 55 %, im Bericht vom 21. April 2015 bei 50 %, am 19. September 2015 bei 40 % bis 45 %, am 8 . November 2017 bei 40 % (mit mögli- cher Unterschätzung von bis zu 8 %) und im Gutachten vom 9. Januar 2019 wiederum bei 50 % angesiedelt. Auch hinsichtlich der spiroergometrischen Le istungserhebungen ist zu erwähnen, dass aus diesen nicht ohne Weiteres eine Verschlechterun g respektive wegweisende Befunde abgeleitet werden können. Wie Dr. M.____ zu Recht hin weist, kann nur bedingt auf diese Be- funde abgestellt werden, da zwar der Wert von 145 Watt im Bericht vom 29. September 2014 noch bei der kardialen Belastungsgrenze erzielt wurde, die späteren Werte von 125 Watt im Bericht vom 21. April 2015, von 100 Watt in den Beri chten vom 19. September 2016 und vom 8. November 2017, sowie von 68 Watt im Gutachten vom 9. Januar 2019 allesamt aufgrund von Ermüdung respektive Erschöpfung erzielt wurden. Auch da s kardiologische Teilgutachten ver- zeichnet ausdrücklich, dass der Abbruch des Belastungstests nicht aufgrund kardialer Ursachen vorgenommen wurde. Eine Vergleichbarkeit in der spiroe rgometrischen Leistungserhebung ist allerdings lediglich dann anzuerkennen, wenn diese aufgr und des gleichen Abbruchgrundes, namentlich dem Erreichen der kardialen Belastungsgrenze, beendet wurde; dies war vorliegend aber offensichtlich nicht der Fall. Eine derart schwere Einschränkung respektive Verschlechte- rung der Arbeitsfähigkeit, wie sie der Beschwerdeführer deshalb geltend macht, lässt sich auch aus diesen Berichten somit nicht in nachvollziehbarer We ise entnehmen, sodass auch diesbe- züglich keine konkreten Zweifel am kardiologischen Teilgutachten erweckt werden können. 6.4.4.4 Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, da ss aufgrund der Berichte von Dr. I.____ ebenfalls erstellt sei, dass eine erhebliche A rbeitsunfähigkeit im umstrittenen Zeit- raum vorgelegen habe. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass sich Dr. I.____ als Hausarzt und Facharzt für Allgemeine Innere Medizin im Hinbli ck auf den kardialen Gesundheitszustand im Wesentlichen nicht auf eigene Befunderhebungen, so ndern lediglich auf eine Rezeption der durch Dr. G.____ vorgenommenen Beurteilungen gestützt hat. Soweit sich die darin enthalte- nen Beurteilungen deshalb mit jenen von Dr. G.____ d ecken, können aus diesen – aus den gleichen Gründen wie bereits oben dargelegt wurde – k eine Zweifel am kardiologischen Teil- gutachten abgeleitet werden. 6.4.4.5 Dem Beschwerdeführer ist immerhin dahingehend Recht zu geben, dass zwischen dem 13. Juli 2015 und dem 18. Juli 2015 – also währe nd und im direkten Anschluss an seine stationäre Untersuchung im Spital Z.____ – eine vollstä ndige Arbeitsunfähigkeit, wie von Dr. G.____ attestiert, vorgelegen hat. Diesbezüglich geht das kardiologische Teilgutachten des- halb fehl, wenn es eine durchgehende Arbeitsfähigkeit auch während des besagten (kurzen) Zeitraums attestiert. Allerdings vermag diese sechstägige Arbeitsunfähigkeit die Beurteilung des kardiologischen Teilgutachtens als Ganzes nicht infrage zu stellen. Auch in dieser Hinsicht er- geben sich deshalb am grundsätzlichen Tenor, wonach von A nfang 2015 bis September 2016 Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe, keine konkreten Zweifel im Sinne der bundesgericht- lichen Rechtsprechung. 6.4.5 In Ermangelung eines Revisionsgrundes, wonach die entscheidende Behörde ihr Er- messen aufgrund objektiver Mangelhaftigkeit der bisheri gen Entscheidgrundlagen zwingend anders hätte ausüben müssen, ist deshalb eine prozessuale Revision der Verfügung vom 6. Juni 2016 nicht angezeigt gewesen und durch die Be schwerdegegnerin auch zu Recht nicht vorgenommen worden. 6.5 Da weder die Voraussetzungen für eine prozessuale R evision nach Art. 53 Abs. 1 ATSG noch jene für eine Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG erfüllt sind, muss sich der Beschwerdeführer die in der Verfügung vom 6. Juni 20 16 vorgenommene rechtskräftige Fest- stellung des Grades der Arbeits(un)fähigkeit für den Zei traum bis zum 6. Juni 2016 entgegen- halten lassen. Damit ist eine Arbeitsunfähigkeit von 1 00 % vom 13. Juli 2014 bis zum 19. September 2014, eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % vom 20. September 2014 bis zum 20. Oktober 2014 sowie eine Arbeitsunfähigkeit von 0 % vom 21. Oktober 2014 bis zum 6. Juni 2016 erstellt. 7. Des Weiteren ist der Zeitraum vom 7. Juni 2016 bis zu m 11. September 2016 zu be- trachten, welcher nach dem oben dargelegten nicht vo n der besagten res iudicata betroffen ist. Auch für diesen Zeitraum stellt die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf das polydiszipli- näre Gutachten der MEDAS ab. Der Beschwerdeführer brin gt keine neuen Rügen für den be- sagten Zeitraum vor, welche eine andere Beurteilung als die oben ausführlich dargelegte (siehe Erwägungen 6.3 und 6.4 hiervor) gebieten würden. Auc h das Kantonsgericht sieht keine Grün- de für eine abweichende Beurteilung des Sachverhaltes in der Zeit nach dem 6. Juni 2016. Da somit auch keine konkreten Zweifel am Gutachten hinsicht lich des Zeitraums zwischen dem 7. Juni 2016 und dem 11. September 2016 bestehen, is t auf dieses auch diesbezüglich abzu- stellen. Damit ist eine Arbeitsunfähigkeit von 0 % vom 7 . Juni 2016 bis zum 11. September 2016 und eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % vom 12. Sep tember 2016 an mit fortlaufender Wir- kung erstellt. 8. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG besteht ein Anspr uch auf eine Rente der Invalidenver- sicherung nur, wenn während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min- destens eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % vorgelegen hat . Da wie oben dargelegt zwischen der ursprünglichen Arbeitsunfähigkeit vom 13. Juli 2014 bis zum 20. Oktober 2014 und der neuerli- chen Arbeitsunfähigkeit ab dem 12. September 2016 off ensichtlich ein wesentlicher Unterbruch gemäss Art. 29 ter IVV vorgelegen hat, ist für die Berechnung des Beginns der Wartezeit auf den 12. September 2016 abzustellen. Damit endet die Wart efrist im September 2017. Soweit der Beschwerdeführer vorliegend die Bestimmung von Art. 2 9 bis IVV geltend macht, wonach früher zurückgelegte Wartezeiten unter bestimmten Umständen ang erechnet werden können, kann er hiervon nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zum einen wur de vorliegend keine früher bestehen- de Invalidenrente nach Verminderung des Invaliditätsgr ades aufgehoben, weshalb bereits des- wegen keine Anrechnung stattfinden darf. Selbst wenn jedoch ein Anspruch auf eine Invaliden- rente bestanden hätte und dieser hernach aufgehoben wo rden wäre, ist keine Anrechnung Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht möglich, da entsprechend der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Anrechnung nur im Rahmen gleicher Leiden zulässig wäre (siehe Erwä gung 2.1 hiervor). Vorliegend ist die Arbeitsunfähigkeit bis zum 20. Oktober 2014 jedoch kard iologischer Natur, während die Ar- beitsunfähigkeit ab dem 12. September 2016 rheumatol ogisch und psychiatrisch bedingt ist. Somit hat der Beschwerdeführer auch nach Berücksichtigung von Art. 29 bis IVV die Wartefrist von einem Jahr ohne wesentlichen Unterbruch erst im September 2017 zurückgelegt. 9. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Besc hwerdegegnerin in den an- gefochtenen Verfügungen vom 18. März 2020 und vom 20. A pril 2020 das Ende der Wartefrist zu Recht auf September 2017 festgelegt und damit einen Rentenanspruch des Beschwerdefüh- rers ab September 2017 zuerkannt, einen Rentenanspruch für den davorliegenden Zeitraum vom 1. April 2017 bis zum 31. August 2017 jedoch abgel ehnt hat. Die hiergegen erhobene Be- schwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei präsidialen Fällen wie dem vorlie- genden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwa nd entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 400.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- terliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten in d er Höhe von Fr. 400.-- ihm aufzuerlegen sind. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 10.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat der Beschwerdefüh rer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht