<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 114 S.411</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Verfahren</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>114 Schlichtungskommission für Personalfragen. Protokollierungspflicht.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Schlichtungskommission für Personalfragen hat die von Parteien</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und Dritten gemachten Aussagen, welche für die Erwägungen in der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Empfehlung relevant sind, zu protokollieren (Erw. I/2 und 3).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Schlichtungskommission für Personalfragen ist in concreto in</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Bezug auf die Aktenüberweisung als Vorinstanz des Regierungsrates</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bzw. des Personalrekursgerichts zu betrachten. Die Akten inklusive</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Protokolle sind deshalb im Rechtsmittelverfahren zu edieren (Erw.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>I/4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Beschluss des Personalrekursgerichts vom 15. September 2004 in</span><br/> <span class="ft6">Sachen W. gegen Beschluss des Regierungsrates (BE.2003.50010).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">I. 2. Das Verfahren vor der Schlichtungskommission ist in § 37</span><br/> <span class="ft8">PersG und insbesondere in §§ 54 - 56 PLV geregelt. Gemäss § 55</span><br/> <span class="ft8">Abs. 2 PLV stellt die Schlichtungskommission den Sachverhalt von</span><br/> <span class="ft8">Amtes wegen fest. Sie würdigt die eingereichten Unterlagen nach</span><br/> <span class="ft8">freiem Ermessen und kann die Parteien und von diesen bezeichnete</span><br/> <span class="ft8">Personen formlos befragen, schriftliche Auskünfte einholen und ei-</span><br/> <span class="ft8">nen Augenschein durchführen. Sie gibt den Beteiligten Gelegenheit</span><br/> <span class="ft8">zur schriftlichen Stellungnahme. Gemäss § 56 PLV eröffnet die</span><br/> <span class="ft8">Schlichtungskommission den am Verfahren Beteiligten spätestens 3</span><br/> <span class="ft8">Monate nach Eingang des Gesuchs eine schriftliche Empfehlung,</span><br/> <span class="ft8">welche u.a. die Erwägungen der Schlichtungskommission und das</span><br/> <span class="ft8">Ergebnis enthält.</span><br/> <span class="ft8">§§ 54 ff. PLV enthalten keine expliziten Angaben betreffend der</span><br/> <span class="ft8">Aktenführungspflicht der Schlichtungskommission bzw. darüber, ob</span><br/> <span class="ft8">eine allfällige Befragung der Parteien und weiterer Personen zu pro-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">412</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">tokollieren ist. Aus dem Begriff "formlose Befragung" lässt sich</span><br/> <span class="ft8">diesbezüglich nichts ableiten; seine Aussage beschränkt sich darauf,</span><br/> <span class="ft8">dass im Gegensatz zu gerichtlichen Verfahren keine formelle Partei-</span><br/> <span class="ft8">oder Zeugenbefragung zugelassen ist.</span><br/> <span class="ft8">3. a) aa) In Bezug auf die Protokollierung einer Gerichtsver-</span><br/> <span class="ft8">handlung erschöpft sich gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspre-</span><br/> <span class="ft8">chung der Anspruch auf rechtliches Gehör nicht darin, dass sich die</span><br/> <span class="ft8">Parteien zur Sache äussern und Beweisanträge stellen können. Viel-</span><br/> <span class="ft8">mehr ist das rechtliche Gehör nur dann gewahrt, wenn das Gericht</span><br/> <span class="ft8">die Ausführungen und Eingaben auch tatsächlich zur Kenntnis nimmt</span><br/> <span class="ft8">und pflichtgemäss würdigt. Dafür besteht aber nur Gewähr, wenn die</span><br/> <span class="ft8">Akten vollständig geführt und die Ausführungen der Parteien und</span><br/> <span class="ft8">allfälliger Dritter zu Protokoll genommen werden. Dies bedeutet</span><br/> <span class="ft8">allerdings nicht, dass insbesondere sämtliche Parteiäusserungen zu</span><br/> <span class="ft8">protokollieren sind. Das Protokoll kann sich auf die für die</span><br/> <span class="ft8">Entscheidfindung im konkreten Fall wesentlichen Punkte beschrän-</span><br/> <span class="ft8">ken (BGE 124 V 389).</span><br/> <span class="ft8">bb) Das Verfahren vor der Schlichtungskommission wird im</span><br/> <span class="ft8">Personalgesetz als "verwaltungsintern" bezeichnet (Marginale zu</span><br/> <span class="ft8">§ 37 PersG), hat aber offensichtlich auch Merkmale eines Gerichts-</span><br/> <span class="ft8">verfahrens. So betont denn die Schlichtungskommission in ihrer Ein-</span><br/> <span class="ft8">gabe vom 24. Februar 2004 mit Recht ihre Stellung als "inhaltlich</span><br/> <span class="ft8">unabhängiges Gremium". Gemäss § 37 Abs. 3 PersG steht mindes-</span><br/> <span class="ft8">tens ein Mitglied der Schlichtungskommission nicht in einem Ar-</span><br/> <span class="ft8">beitsverhältnis beim Kanton; die Wahlen durch den Regierungsrat er-</span><br/> <span class="ft8">folgen nach Anhörung der Personalverbände.</span><br/> <span class="ft8">Im Zusammenhang mit der vorliegend zu entscheidenden Frage</span><br/> <span class="ft8">erscheint nebst der erwähnten weitgehenden Unabhängigkeit we-</span><br/> <span class="ft8">sentlich, dass beim Nichtzustandekommen einer Einigung nicht bloss</span><br/> <span class="ft8">eine entsprechende Feststellung ergeht. Vielmehr hat die Schlich-</span><br/> <span class="ft8">tungskommission eine Empfehlung zu erlassen und darin ihre Erwä-</span><br/> <span class="ft8">gungen darzulegen (§ 56 lit. e PLV; vgl. demgegenüber § 13 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">lit. f. in Verbindung mit § 15 VVGlG). Aufgrund dieser Verpflich-</span><br/> <span class="ft8">tung erscheint es analog zur erwähnten Rechtsprechung des Bundes-</span><br/> <span class="ft8">gerichts unabdingbar, dass die Akten vollständig geführt und dabei</span><br/> <span class="ft8">die für die Erwägungen massgeblichen Äusserungen der Parteien</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verfahren</span> <span class="page_no">413</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">sowie Dritter protokolliert werden. Andernfalls ist deren tatsächliche</span><br/> <span class="ft8">Kenntnisnahme sowie die pflichtgemässe Würdigung nicht gewähr-</span><br/> <span class="ft8">leistet. Der Umstand, dass der Empfehlung der Schlichtungskommis-</span><br/> <span class="ft8">sion kein verbindlicher Charakter zukommt, ist demgegenüber von</span><br/> <span class="ft8">untergeordnetem Gewicht. Dies gilt umso mehr, als gerichtsnotorisch</span><br/> <span class="ft8">ist, dass die Empfehlungen der Schlichtungskommission trotz feh-</span><br/> <span class="ft8">lender Verbindlichkeit von den Anstellungsbehörden zumeist ohne</span><br/> <span class="ft8">weitere Begründung übernommen werden und ihnen insoweit eine</span><br/> <span class="ft8">sehr grosse praktische Bedeutung beizumessen ist.</span><br/> <span class="ft8">b) Die Aktenführungs- und Protokollierungspflicht der</span><br/> <span class="ft8">Schlichtungskommission ergibt sich zusätzlich auch aus dem Akten-</span><br/> <span class="ft8">einsichtsrecht. Wer von einer Verfügung oder einem Entscheid be-</span><br/> <span class="ft8">troffen wird, hat grundsätzlich das Recht, in die Akten Einsicht zu</span><br/> <span class="ft8">nehmen (§ 16 Abs. 1 Satz 1 VRPG). Daraus ergibt sich die Pflicht</span><br/> <span class="ft8">der Behörden, entscheidwesentliche Aussagen zu protokollieren (vgl.</span><br/> <span class="ft8">AGVE 2001 S. 369 ff.).</span><br/> <span class="ft8">Das Verfahren vor der Schlichtungskommission ist eine unab-</span><br/> <span class="ft8">dingbare Voraussetzung dafür, dass die Anstellungsbehörde einen</span><br/> <span class="ft8">neuen Entscheid erlässt und gestützt darauf das Beschwerde- oder</span><br/> <span class="ft8">Klageverfahren eingeleitet werden kann (§ 37 Abs. 1 und 2 PersG).</span><br/> <span class="ft8">Hinzu kommt, dass die Empfehlung auf eigenen Sachverhaltsabklä-</span><br/> <span class="ft8">rungen der Schlichtungskommission beruht und ihr eine grosse prak-</span><br/> <span class="ft8">tische Bedeutung zukommt (vgl. lit. a/bb hievor). Dementsprechend</span><br/> <span class="ft8">ist trotz fehlender Verbindlichkeit der Empfehlung in Analogie zu</span><br/> <span class="ft8">Art. 16 Abs. 1 Satz 1 VRPG sowie der erwähnten Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft8">ein Akteneinsichtsrecht und damit eine Aktenführungs- und Proto-</span><br/> <span class="ft8">kollierungspflicht der Schlichtungskommission zu bejahen.</span><br/> <span class="ft8">c) Wichtige öffentliche oder schutzwürdige private Interessen,</span><br/> <span class="ft8">aufgrund derer das Akteneinsichtsrecht bzw. die Protokollierungs-</span><br/> <span class="ft8">pflicht im Verfahren vor der Schlichtungskommission eingeschränkt</span><br/> <span class="ft8">wäre (vgl. § 16 Abs. 1 lit. b VRPG), sind nicht erkennbar. Dabei er-</span><br/> <span class="ft8">scheint wesentlich, dass sich die Protokollierungspflicht nur auf die</span><br/> <span class="ft8">Aussagen der Parteien und/oder Dritter bezieht, welche für die Er-</span><br/> <span class="ft8">wägungen der Schlichtungskommission relevant sind. Nicht zu pro-</span><br/> <span class="ft8">tokollieren sind demzufolge die Verhandlungen insoweit, als sie</span><br/> <span class="ft8">nicht der Sachverhaltserhebung, sondern der Diskussion von Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gleichsmöglichkeiten dienen. Ein Widerspruch zum Charakter des</span><br/> <span class="ft8">Schlichtungsverfahrens, welches primär auf eine gütliche Einigung</span><br/> <span class="ft8">ausgerichtet ist, lässt sich dementsprechend nicht erkennen.</span><br/> <span class="ft8">4. Gemäss § 42 Abs. 1 VRPG hat die Vorinstanz der Beschwer-</span><br/> <span class="ft8">deinstanz die für die Beurteilung nötigen Akten zu übergeben.</span><br/> <span class="ft8">Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens</span><br/> <span class="ft8">bilden nicht die Verfügungen, welche die Auslöser des Schlichtungs-</span><br/> <span class="ft8">verfahrens waren, sondern diejenigen vom 15. August 2002 und</span><br/> <span class="ft8">18. Dezember 2002, welche gestützt auf die entsprechenden Emp-</span><br/> <span class="ft8">fehlungen der Schlichtungskommission ergangen sind. Dieser Unter-</span><br/> <span class="ft8">schied spricht gegen die Annahme, die Schlichtungskommission</span><br/> <span class="ft8">bilde eine Vorinstanz des Regierungsrates (und damit auch des Per-</span><br/> <span class="ft8">sonalrekursgerichts). Dasselbe gilt in Bezug auf den Umstand, dass</span><br/> <span class="ft8">die Empfehlungen der Schlichtungskommission keine verbindliche</span><br/> <span class="ft8">Wirkung haben. Demgegenüber gilt es zu beachten, dass die Emp-</span><br/> <span class="ft8">fehlungen eine unabdingbare Voraussetzung für den erneuten Ent-</span><br/> <span class="ft8">scheid der Anstellungsbehörde und damit für das anschliessende</span><br/> <span class="ft8">Rechtsmittelverfahren bilden und ihnen eine grosse praktische Be-</span><br/> <span class="ft8">deutung zukommt (vgl. Erw. 3/a/bb hievor). Insbesondere aber ist</span><br/> <span class="ft8">evident, dass letztlich dieselbe Streitigkeit Auslöser des Schlich-</span><br/> <span class="ft8">tungs- sowie des Rechtsmittelverfahrens ist. Insofern erscheint es als</span><br/> <span class="ft8">sachgerecht, trotz der erwähnten Gegenargumente die Schlichtungs-</span><br/> <span class="ft8">kommission als Vorinstanz des Regierungsrates und somit auch des</span><br/> <span class="ft8">Personalrekursgericht zu betrachten. Dementsprechend ist sie ver-</span><br/> <span class="ft8">pflichtet, dem Regierungsrat sowie dem Personalrekursgericht ihre</span><br/> <span class="ft8">Akten zu edieren.</span><br/> <span class="ft8">Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass bei</span><br/> <span class="ft8">Sachverhaltsfeststellungen in personalrechtlichen Streitigkeiten den</span><br/> <span class="ft8">Aussagen der Betroffenen oft ein grosses Gewicht zukommt. An-</span><br/> <span class="ft8">lässlich der Verhandlungen vor dem Personalrekursgericht können</span><br/> <span class="ft8">sich die Betroffenen aufgrund des Zeitablaufs häufig nicht mehr ge-</span><br/> <span class="ft8">nügend an einzelne Begebenheiten zurückerinnern. Der Nutzen dar-</span><br/> <span class="ft8">aus, dass die anlässlich der Verhandlung vor der Schlichtungskom-</span><br/> <span class="ft8">mission gemachten Aussagen im gerichtlichen Verfahren verwertbar</span><br/> <span class="ft8">sind, darf folglich nicht unterschätzt werden.</span><br/></div> </div> </body> </html>