Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 21. August 2019 (810 19 129) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Anordnung einer Begutachtung im Zusammenhang mit einer allfälligen Platzierung der Kinder Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Gerichtsschreiber M arius Wehren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer B.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch A.____ gegen Kindes - und E rwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz Betreff Prüfung Platzierung Kinder etc. / Anordnung Begutachtung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 30. April 2019) A. D.____ (geb. 2010) und E.____ (geb. 2012) sind di e Kinder der (freiwillig) getrennt lebenden Eltern A.____ und B.____. B. In den Jahren 2016 und 2017 eröffnete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ (KESB) aufgrund von Gefährdungsmeldungen der P olizei Basel-Landschaft (Polizei) wegen häuslicher Gewalt Kindesschutzverfahren betreffend D.____ und E.____, wobei jeweils Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter Hinweis auf die von den Kindseltern ergriffene n Massnahmen (Beratung bei der Opferhil- fe, Lernprogramm der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt etc.) von Kindesschutzmass- nahmen abgesehen wurde. C. Mit Entscheid der KESB vom 2. April 2019 wurde für D.____ und E.____ gestützt auf Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB eine Erziehungsbeistandschaft errichtet (Ziff. 1). Als Beiständin wur- de vorsorglich F.____, Berufsbeiständin KESB C.____, ei ngesetzt (Ziff. 1.2). Die Eltern wurden gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB vorsorglich angewiesen, mit der sozialpädagogischen Famili- enbegleitung zum Wohle ihrer Kinder zusammenzuarbeiten (Ziff. 2). Die sozialpädagogische Familienbegleitung durch die G.____ GmbH wurde angew iesen, die Häufigkeit der Besuche nach der Wirksamkeit zu richten, mindestens aber wöchentli che Termine wahrzunehmen (Ziff. 4). Einer allfälligen Beschwerde wurde die auf schiebende Wirkung entzogen (Ziff. 5). Zur Begründung führte die KESB zusammengefasst aus, Anlass f ür die Verfahrenseröffnung habe eine Polizeimeldung gegeben, aus welcher hervorgegang en sei, dass der Kindsvater aufgrund eines Kommunikationsproblems seine Aufsichtspflichten gegenüber den Kindern vernachlässigt habe. Im Verlauf der Abklärung habe der Schulleiter des Schulhauses H.____ in I.____ am 26. Februar 2019 im Rahmen einer Gefährdungsmeldung mitgeteilt, dass E.____ in der Schule von physischen Übergriffen des Kindsvaters berichtet habe. D er Schulleiter habe zudem Aus- kunft gegeben über das bagatellisierende Verhalten der Mutter, welche er über die bevorste- hende Gefährdungsmeldung orientiert habe. D.____ und E.____ seien gleichentags durch die KESB angehört worden. Am 27. Februar 2019 seien zud em die Kindseltern angehört worden. Der Entscheid der KESB vom 2. April 2019 ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. D. Mit Verfügung vom 3. April 2019 hielt die KESB f est, dass sie aufgrund des bisherigen Verlaufs seit der Anhörung vom 27. Februar 2019 ein V erfahren zur Prüfung weiterer Kindes- schutzmassnahmen eröffnet habe, wobei insbesondere die P rüfung des Entzugs des Aufent- haltsbestimmungsrechts und der Platzierung von D.____ und E.____ in einer geeigneten Insti- tution, die Erziehungsfähigkeit beider Elternteile im Allgemeinen, die Zuteilung der Obhut sowie Vollstreckungsmassnahmen Gegenstand des Verfahrens seien. E. Mit Schreiben der KESB vom 12. April 2019 wurde de n Kindseltern mitgeteilt, dass von der ursprünglich vorgesehenen Platzierung der Kinder au fgrund der ergriffenen Massnahmen (Zusammenarbeit mit Familienbegleitung, therapeutische Begleitung des Kindsvaters etc.) zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen werde. In Bezug auf das weitere Vorgehen sei ein kinderpsychiat- risches Gutachten geplant. F. Am 16. April 2019 wurde A.____ und B.____ der fü r das Gutachten vorgesehene Fra- genkatalog zur Stellungnahme zugestellt. G. Mit Entscheid vom 30. April 2019 ordnete die KESB im Kindesschutzverfahren betref- fend D.____ und E.____ die psychiatrische und psychologische Abklärung der Kinder sowie, soweit die Kinderbelange betreffend, der Eltern an ( Ziff. 1). Mit der Begutachtung wurde die J.____ GmbH unter der Leitung von Dr. med. K.____ be auftragt (Ziff. 2). Der Gutachterstelle wurde ein Fragenkatalog unterbreitet (Ziff. 2.1) un d es wurde ein Kostendach in der Höhe von Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 15'000.-- festgelegt (Ziff. 2.2). Die Kinder un d die Kindseltern wurden auf ihre Mitwirkungs- pflicht gemäss Art. 448 Abs. 1 ZGB hingewiesen (Ziff. 3) . Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. H. Mit Schreiben der KESB vom 30. April 2019 wurde D r. med. K.____, J.____ GmbH, der Auftrag für die Erstellung eines Gutachtens ertei lt und es wurde ihm der Fragenkatalog ge- mäss Ziffer 2.1 des Entscheids vom 30. April 2019 unterbreitet. I. Mit Eingabe vom 13. Mai 2019 erhob A.____ gegen d en Entscheid der KESB vom 30. April 2019 in eigenem Namen sowie namens von B.____ Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, mit dem sin ngemässen Begehren, von der An- ordnung eines Gutachtens sei abzusehen und der Beschwerd e sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. J. In ihrer Vernehmlassung vom 28. Mai 2019 stellt die Vorinstanz das Begehren, auf die Beschwerde von B.____ sei nicht einzutreten und die Beschwerde im Übrigen abzuweisen. K. Nachdem die Beschwerdeführerin innert der mit Schrei ben vom 14. Mai 2019 gesetz- ten Frist keine Vollmacht einreichte, wurde sie mit verf ahrensleitender Verfügung vom 12. Juni 2019 aufgefordert, dem Kantonsgericht entweder eine V ollmacht oder eine Stellungnahme zur Beschwerde vom 12. Mai 2019 einzureichen. L. Mit Schreiben vom 13. Juni 2019 reichte die Beschwerde führerin eine auf den Be- schwerdeführer lautende Vollmacht ein und teilte mit, dass die Beschwerde mit ihr abgestimmt und in ihrem Sinn sei. M. Mit Verfügung vom 18. Juni 2019 wurde den Beschwerd eführenden eine Kopie der Vernehmlassung vom 28. Mai 2019 zugestellt und mitget eilt, dass das Urteil schriftlich eröffnet werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 3 14 Abs. 1 ZGB kann gegen Ent- scheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Das kantonale Recht statuiert in § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einfüh- rung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 20 06, dass das Kantonsgericht, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, für die Beu rteilung von Beschwerden gegen Ent- scheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zuständig ist. Das Verfahren richtet sich nach Art. 450-450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmun gen des kantonalen Verwaltungspro- zessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2.1 Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind Endentschei de (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Massnahmen (Art. 445 A bs. 3 ZGB). Die Anfechtbarkeit von bundesrechtlich nicht geregelten Zwischenverfügungen richtet sich nach den Bestimmun- gen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts (vgl. Urtei l des Kantonsgerichts, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 10. Dezemb er 2013 [810 13 333] E. 1.1 f.; KGE VV vom 29. Januar 2014 [810 13 353] E. 1.3). 1.2.2 Gemäss § 43 Abs. 2 bis VPO können Zwischenverfügungen in den im Katalog di eser Bestimmung genannten Fällen selbständig angefochten we rden. Darüber hinaus sind Zwi- schenverfügungen nach ständiger Praxis jeweils dann selbstä ndig anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (vgl. KGE VV vom 6. September 2010 [810 10 136] E. 1.5). Die vorliegend strittige Anord nung einer Begutachtung kann nach der Pra- xis des Bundesgerichts einen nicht wieder gutzumachenden N achteil bewirken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_940/2014 E. 1 mit Hinweisen). Der an gefochtene Entscheid ist demgemäss selbständig anfechtbar, wobei die Zuständigkeit bei de r präsidierenden Person liegt (§ 1 Abs. 3 lit. f VPO). Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. Entgegen der Vorinstanz ist auch auf die Beschwerde der Beschwerdefüh- rerin einzutreten, zumal diese eine gültige Vollmacht nachreichte und einer Vertretung der Be- schwerdeführerin durch den Beschwerdeführer nichts entgegensteht. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Strittig ist, ob die Vorinstanz im Kindesschutzschutzver fahren betreffend D.____ und E.____ zu Recht ein Gutachten angeordnet hat. 3.1 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, d ass die aktuelle Situation im Ent- scheid der KESB vom 2. April 2019 beschrieben sei. Die E ltern seien am 5. April 2019 zur ge- planten Fremdplatzierung ihrer Kinder angehört bzw. i nformiert worden, dass die Behörde eine Platzierung ins Auge gefasst habe und bereits geeignete Plätze suche. In der Folge hätten sich die Kindseltern zu mehreren Gesprächen mit der Beistän din und den Fachpersonen der sozial- pädagogischen Familienbegleitung getroffen. Ebenfalls habe die Mutter die Kinder in ihre Obhut genommen. Die Eltern hätten ab dem 5. April 2019 som it einiges getan, was eine akute Ge- fährdung der Kinder mindere. Gleichzeitig habe es sehr lange gedauert, bis die Eltern zu han- deln angefangen hätten und die ungeschönten Umstände, die zur aktuellen Situation geführt hätten, zu akzeptieren begonnen hätten. Die Kindsmutter habe die Übergriffe des Kindsvaters sehr lange bagatellisiert und der Kindsvater habe sich von der Anhörung abgemeldet, da er sie als obsolet empfunden habe. Das Ausfüllen der Dokumente zur Entbindung der Schweigepflicht sei erst nach mehrmaligen Aufforderungen erfolgt. Die Regelung der persönlichen Kontakte durch die Beiständin sei teilweise befolgt worden. Di e Behörde halte nach diesen Veränderun- gen die sofortige Platzierung nicht für angebracht. Fü r die Zukunft werde sich zeigen, was die Familie brauche, damit sich die Kinder in einem adäqu at gestalteten Umfeld positiv entwickeln Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnten. Es sei deshalb sinnvoll, in einem kinderpsychiatrischen Gutachten abklären zu lassen, ob, wo und bei wem Entwicklungs- und/oder Veränderungs bedarf bestehe. Der Fragenkatalog sei so aufgebaut, dass das Gutachten die Situation der Kinder und der Eltern umfassend zu beleuchten habe. Aufgrund des bisherigen Verhaltens de r Eltern, wie es sich in den Akten der KESB finde, habe vor allem das gewalttätige Verhalt en des Vaters einerseits, das Bagatellisie- ren dieses Verhaltens seitens der Mutter anderseits sowie die eingeschränkte Kommunikations- fähigkeit der Eltern Anlass zur Sorge gegeben. 3.2 Die Beschwerdeführenden machen zusammengefasst gelte nd, dass im Rahmen des Entscheids vom 2. April 2019 bereits Massnahmen ergriff en worden seien. Mit deren Umset- zung sei mit grosser Intensität begonnen worden und es se i bereits eine grosse Zahl von Fach- personen involviert, welche der KESB eine Einschätzung abg eben könnten. Involviert seien namentlich die Beiständin sowie diverse Familientherap euten. Seit dem 5. April 2019 habe be- reits ein Dutzend Gespräche mit den Kindseltern und de n involvierten Fachpersonen stattge- funden. Eine zusätzlich eingesetzte Person bringe keiner lei zusätzlichen Nutzen und die Mass- nahme sei daher unnötig. Ausserdem bestehe das Risiko, da ss die bisherigen Massnahmen durch eine zusätzliche Person, welche nochmals gleiche oder ähnliche Fragen wie die involvier- ten Fachpersonen stelle, unnötigerweise kompromittiert würden. Im Weiteren sei der Sachver- halt zwischen dem 2. April 2019 und dem 30. April 2019 im angefochtenen Entscheid nicht kor- rekt wiedergegeben. Namentlich hätten die Kindseltern umgehend auf die Situation reagiert und die Umstände akzeptiert. Sie hätten proaktiv mit der Be iständin zusammengearbeitet und ihre Vorgaben nicht bloss teilweise, sondern immer befolgt. Bestritten werde auch der Vorwurf der KESB, dass das Verhalten des Beschwerdeführers durch die K indsmutter bagatellisiert worden sei und eine eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit der Eltern bestehe. Der Zeitpunkt der Einreichung der Erklärung über die Entbindung von der Schweigepflicht sei sachlich begründet und mit den involvierten Personen abgesprochen gewesen. Die Kindseltern hätten entgegen der Auffassung der KESB nicht bloss "einiges" getan, was eine akute Gefährdung der Kinder mindere, sondern sie hätten nach der ersten Besprechung m it der KESB die beanstandeten Verhaltensweisen umgehend und ausnahmslos geändert. 4.1 Gemäss Art. 446 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Ar t. 314 Abs. 1 ZGB hat die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde den Sachverhalt von Amtes we gen abzuklären und nötigen- falls das Gutachten einer sachverständigen Person anzuordnen. Bei Fragen rund um die Obhut und den persönlichen Verkehr liegt es im pflichtgemäss en Ermessen der Kindes- und Erwach- senenschutzbehörde, ob ein kinderpsychiatrisches oder kinderp sychologisches Gutachten ein- zuholen ist. Die Behörde muss hierbei den Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5C.28/2007 vom 3. April 2007 E. 2.1; M ARGOT MICHEL /I NES GAREUS , Das Gutachten im Verfahren vor der Kindes- und Erwachs enenschutzbehörde, Fam- Pra 2016, S. 874 ff.). 4.2.1 Den Akten zufolge hat die KESB in Bezug auf di e beiden Kinder der Beschwerdefüh- renden bereits in der Vergangenheit Kindesschutzverfahren eröffnet. Anlass dazu gaben jeweils Gefährdungsmeldungen der Polizei aufgrund von häuslicher Gewalt des Beschwerdeführers gegen die Beschwerdeführerin. Anfang 2019 eröffnete die KESB sodann erneut ein Kindes- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht schutzverfahren. Das Verfahren wurde gemäss den Ausführung en der KESB in der Vernehm- lassung durch eine Polizeimeldung ausgelöst, wonach der jüngere Sohn der Beschwerdefüh- renden an einer Bushaltestelle angetroffen worden se i und gefroren habe. Die Polizei habe die Eltern nicht erreichen können. In der Abklärung habe si ch gezeigt, dass die Eltern ihrer Auf- sichts- und Betreuungspflicht zumindest in Bezug auf das jüngere Kind fast durchgängig zu we- nig nachkommen würden. In ihrer Vernehmlassung führt die KESB weiter aus, dass sie die Si- tuation der Familie der Beschwerdeführenden als schwier ig einschätze. Die Eltern arbeiteten Vollzeit und würden die Kinder meist sich selbst überla ssen. Sie hätten gegenüber der KESB wenig Einsicht gezeigt in Bezug auf die Mängel in der Betreuung ihrer Kinder. Es bestehe eine eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit der Kindseltern im Sinne einer mangelnden Kommu- nikation zwischen den Eltern. Die KESB habe zudem über die Schule von direkter Gewaltan- wendung gegenüber den Kindern durch den Vater erfahr en. Erst seitdem die KESB klar kom- muniziert habe, dass man eine Platzierung plane, habe si ch die Situation zu verändern begon- nen. Die KESB verfüge über Personen aus den Fachrichtu ngen klinische Heilpädagogik, Sozi- alarbeit und Sozialpädagogik. Im Interesse der Kinder se i es geboten, im vorliegenden Fall die Familienverhältnisse psychiatrisch und psychologisch abzuklären, zumal nach wie vor eine all- fällige Fremdplatzierung im Raum stehe. Die aktuell i nvolvierten (externen) Fachpersonen hät- ten als Therapeuten eine andere Rolle als der Gutachter. Sie seien weder primär in einer abklä- renden Rolle noch seien sie als Forensiker in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgebildet. 4.2.2 Die KESB hat im Nachgang an die Gefährdungsme ldung der Schule vom 26. Februar 2019 und die Befragung der Kinder der Beschwerdeführenden ein Verfahren zur Prüfung weite- rer Kindesschutzmassnahmen eröffnet. Gegenstand dieses Ve rfahrens bilden die Prüfung des Entzugs des Aufenthaltsbestimmungsrechts und die Platzier ung von D.____ und E.____ in ei- ner geeigneten Institution, die Erziehungsfähigkeit beider Elternteile im Allgemeinen, die Zutei- lung der Obhut sowie Vollstreckungsmassnahmen (vgl. Verfügu ng der KESB vom 3. April 2019). Mit Schreiben vom 12. April 2019 orientierte d ie KESB die Kindseltern über den aktuel- len Stand des Verfahrens und das weitere Vorgehen. Sie hielt fest, dass die Kinder ab sofort hauptsächlich von der Beschwerdeführerin betreut würd en und die Kontakte zum Beschwerde- führer geregelt seien. Die Beschwerdeführenden hätte n sich um eine Zusammenarbeit mit der Familienbegleitung bemüht und es hätten erste Kontakte stattgefunden. Ausserdem begebe sich der Beschwerdeführer in therapeutische Behandlung. Die von den Beschwerdeführenden ergriffenen Massnahmen führten dazu, dass zum jetzigen Z eitpunkt von einer Platzierung der Kinder abgesehen werde. Für das weitere Vorgehen sei ein kinderpsychiatrisches Gutachten geplant. 4.3.1 Die Anordnung der strittigen Begutachtung erfol gte unter anderem aufgrund der im Raum stehenden physischen Übergriffe seitens des Kindsvater s gegenüber den Kindern. Ge- mäss den Akten haben die Kinder sowohl gegenüber der Sch ule als auch anlässlich der Anhö- rung durch die KESB von physischen Übergriffen des Kindsvat ers berichtet (Aktennotizen der KESB vom 26. Februar 2019). Der Beschwerdeführer füh rte anlässlich des Gesprächs mit der KESB vom 12. April 2019 aus, dass er mit den Kindern in den Skiferien gewesen sei und diese "nicht mehr hart angefasst" habe. Er habe mit dem Psychi ater darüber gesprochen, was er tun könne, dass er nicht mehr handgreiflich werde. Zudem a rbeite er mit der sozialpädagogischen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Familienbegleitung zusammen (Aktennotiz der KESB vom 12 . April 2019). Die Kindsmutter hat die Aussagen der Kinder über die physischen Übergriffe des Kindsvaters als "übertrieben" be- zeichnet und gleichzeitig eingeräumt, dass sie Hilfe bra uche (Aktennotiz der KESB vom 23. April 2019). Das Gutachten soll Stellung nehmen zu den Fragen der Obhut und des persön- lichen Verkehrs sowie allfälligen Unterstützungsmassnahmen . Es hat sich namentlich zum Er- ziehungsverhalten der Kindseltern zu äussern und zur Frage, wie die Aussagen der Kinder über das Verhalten des Kindsvaters einzuordnen sind. Das Vorgehen der KESB, die das Kindeswohl betreffenden Fragen aus psychiatrischer und psychologischer Sicht vertiefter abzuklären, er- scheint insbesondere mit Blick auf die in Frage stehende n physischen Übergriffe des Kindsva- ters gegen die Kinder sowie den Umstand, dass bereits i n der Vergangenheit Kindesschutzver- fahren wegen häuslicher Gewalt des Kindsvaters gegen die Kindsmutter eingeleitet worden waren, als geboten. Ebenfalls erscheint es als gerechtfer tigt und angezeigt, dass die KESB nebst den beiden Kindern auch die Eltern in die Begutachtung einbezogen hat. 4.3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden erweist sich die strittige Begut- achtung auch nicht deshalb als unnötig, weil bereits im j etzigen Zeitpunkt Fachpersonen invol- viert sind, welche der KESB eine Einschätzung abgeben kö nnen. Die KESB macht zu Recht geltend, dass die angeordnete Begutachtung eine ander e Zielsetzung verfolgt als die aktuell involvierten Fachpersonen und Therapeuten, welche zudem – ebenso wie die KESB – nicht über das erforderliche Fachwissen verfügen. Inwiefern die bisher angeordneten Massnahmen durch das strittige Gutachten kompromittiert werden sol len, wie die Beschwerdeführenden gel- tend machen, ist nicht ersichtlich. Der Umstand, dass die Durchführung einer Begutachtung zu einem organisatorischen Aufwand für die Betroffenen fü hrt und namentlich auch eine gewisse Belastung für die Kinder darstellen kann, vermag nichts daran zu ändern, dass sich eine Begut- achtung im vorliegenden Fall insbesondere zur vertieften Abklärung des Verhaltens des Kinds- vaters und dessen Auswirkungen auf die Kinder aufdrängt u nd im Interesse des Kindeswohls geboten ist. 4.3.3 Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, die KESB habe den Sachverhalt zwischen dem 2. April 2019 und dem 30. April 2019 im a ngefochtenen Entscheid nicht korrekt wiedergegeben, können sie daraus in Bezug auf die Anordnung des Gutachtens nichts zu ihren Gunsten ableiten. Mit den entsprechenden Ausführungen legte die KESB wie bereits im Schrei- ben vom 12. April 2019 im Wesentlichen dar, dass aufgrund der von den Beschwerdeführenden veranlassten Veränderungen von einer sofortigen Fremdpla tzierung der Kinder abgesehen werden könne. Das Verhalten der Beschwerdeführenden seit dem 2. April 2019 kann sich indes auf die Frage, ob im vorliegenden Fall eine Begutach tung angezeigt ist, nicht entscheidend auswirken. Angesichts des lediglich kurzen Zeitraums erschein t namentlich unklar, ob diesbe- züglich von einer nachhaltigen Verhaltensänderung auszug ehen ist. Diese Frage wird insbe- sondere durch die angeordnete Begutachtung vertiefter abzuklären sein. 4.4 Nach dem Gesagten erweist sich die Anordnung eines G utachtens im vorliegenden Fall im Lichte des Kindesschutzes als gerechtfertigt und verhältnismässig, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Das Gesuch um aufschiebende Wirkun g wird mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kant onsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise u nterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- sind ausgangsgemäss den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen. Die P arteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden den Beschwer- deführenden auferlegt und mit dem geleisteten Kostenv orschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. Der zuviel gezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600 .-- wird den Beschwerdeführenden zurückerstattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber