VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN S 12 127 3. Kammer als Versicherungsgericht bestehend aus Verwaltungsrichter Stecher als Vorsitzender, Verwaltungsrichte- rin Moser und Verwaltungsrichter Audétat, Aktuarin Christen URTEIL vom 18. Juni 2013 in der verwaltungsrechtlichen Streitsache A._____, vertreten durch Rechtsanwältin Gabriela Grob Hügli, Beschwerdeführer gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle, Beschwerdegegnerin betreffend IV-Rente- 2 - 1. A._____ absolvierte eine Ausbildung als Koch und führte seit 1988 ver- schiedene Restaurationsbetriebe. Am 12. Mai 2005 zog er sich bei einem Sturz aus rund 2.5 Meter Höhe einen Trümmerbruch des rechten Sprung- gelenks zu. Nach anfänglich konservativer Behandlung erfolgte im Januar 2006 eine operative Versorgung mit Spongiosaplastik und im April 2006 eine Revision des oberen Sprunggelenks mit Debridement und Metallent- fernung. Im Februar 2007 wurde eine Sprunggelenksprothese eingesetzt. Aber auch danach war A._____ bei stehenden und gehenden Tätigkeiten stark eingeschränkt, zunächst wegen einer Pseudoarthrose, dann wegen Ermüdungsbrüchen im Vorfuss und schliesslich wegen einer Lockerung der Prothese. 2. Im April 2006 meldete sich A._____ bei der IV-Stelle des Kantons X._____ zum Bezug von Leistungen an. Mit Verfügungen vom 10. De- zember 2008 wurde ihm für die Zeit vom 1. Mai 2006 bis am 1. Dezember 2007 eine ganze Rente und für die darauf folgende Zeit bis am 31. Juli 2008 eine Dreiviertelsrente zugesprochen. Nach weiteren Abklärungen gewährte die IV-Stelle des Kantons X._____ mit Verfügung vom 26. März 2010 für den Zeitraum vom 1. August 2008 bis am 30. September 2008 weiterhin eine Dreiviertelsrente; für die Zeit ab dem 1. Oktober 2008 wur- de eine ganze Rente zugesprochen. 3. Im März 2010 verlegte A._____ seinen Wohnsitz in den Kanton Graubün- den, und am 4. Oktober 2010 eröffnete die IV-Stelle des Kantons Graubünden ein Revisionsverfahren. Eine Abklärung für Selbständiger- werbende vom 21. Dezember 2011 kam zum Schluss, dass die Verfü- gung der IV-Stelle des Kantons X._____ vom 26. März 2010 auf falschen Annahmen basiere, dass das aktuelle Valideneinkommen auf rund Fr. 74'000.-- festzulegen sei, und dass das als Geschäftsführer des Restau- rants B._____ realisierbare Invalideneinkommen bei Fr. 0.-- liege. Mit Be-- 3 - richt vom 25. April 2012 gab Dr. med. C._____, Facharzt Orthopädie und Chirurgie FMH, an, in einer sitzenden Tätigkeit mit kurzen Gehstrecken sei A._____ zu 100 % und als Gastronom zu 25 % arbeitsfähig. 4. Nach der Durchführung des Vorbescheidverfahrens hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Oktober 2012 die Verfügung vom 26. März 2010 wie- dererwägungsweise auf und stellte den Rentenanspruch auf Ende No- vember 2012 ein. Die Betriebsanalyse habe gezeigt, dass das früher defi- nierte Invalideneinkommen zweifellos gesetzeswidrig bemessen worden sei. Aktuell sei das Valideneinkommen auf Fr. 74'740.-- festzulegen, das Invalideneinkommen bei einer angepassten, sitzenden Tätigkeit in der freien Wirtschaft auf Fr. 59'274.--, so dass ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 20.69 % resultiere. 5. Gegen diese Verfügung erhob A._____ am 15. November 2012 Be- schwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er beantrag- te, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei ihm weiterhin eine ganze Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegen- heit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zur Be- gründung machte er geltend, es sei kein Wiedererwägungsgrund gege- ben. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons X._____ vom 26. März 2010 sei im Ergebnis richtig. Die Erkenntnisse der Abklärung für Selbständigerwerbende vom 21. Dezember 2011 führten, korrekt interpre- tiert, dazu, dass ihm eine ganze Invalidenrente zugesprochen werden müsse. Eine berufliche Umorientierung sei ihm nicht zumutbar. 6. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Dezember 2012 beantragte die IV- Stelle die Abweisung der Beschwerde. Die berufliche Umorientierung und die Aufnahme einer behinderungsgeeigneten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit seien dem Beschwerdeführer zumutbar. Zum Zeitpunkt der Ver-- 4 - fügung sei er noch nicht 55 Jahre alt gewesen und habe die IV-Rente erst seit 6 ½ Jahren bezogen. 7. Mit Schreiben vom 7. Januar 2013 verzichtete der Beschwerdeführer auf die Einreichung einer Replik. Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und in der ange- fochtenen Verfügung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen einge- gangen. Das Gericht zieht in Erwägung: 1. Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubün- den vom 11. Oktober 2012. Streitig und zu prüfen ist, ob der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente zu Recht per Ende November 2012 eingestellt wurde. 2. Die angefochtene Verfügung zieht die Verfügung der IV-Stelle des Kan- tons St Gallen vom 26. März 2010 in Wiedererwägung. Zunächst ist des- halb zu prüfen, ob ein Grund für eine Wiedererwägung vorliegt. a) Gemäss Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann der Versiche- rungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheent- scheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Eine Wiedererwägung ist allerdings nur bei Verfügungen zulässig, die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben (BGE 138 V 147 E.2.1). Voraus- gesetzt ist, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfü-- 5 - gung denkbar ist. Dieses Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgt ist, oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 138 V 324 E.3.3). Die wiedererwägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente erfolgt mit Wirkung ex nunc et pro futuro, und zwar in analoger Anwendung von Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verord- nung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) vom ersten Tag des zweiten der Zustellung folgenden Monats an (Urteil des Bundesge- richts 9C_409/2013 vom 20. September 2013 E.2.2.2). b) Im vorliegenden Fall ist die erhebliche Bedeutung der Berichtigung ohne Weiteres zu bejahen, geht es doch um die Frage, ob ab Dezember 2012 weiterhin eine ganze oder gar keine Invalidenrente mehr auszubezahlen ist, mithin um ein gewichtiges finanzielles Interesse der Invalidenversiche- rung (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Art. 53 Rz. 34). Diesbe- züglich erhebt der Beschwerdeführer denn auch keine Einwände. c) Die Voraussetzung der zweifellosen Unrichtigkeit ist ebenfalls erfüllt. Die Rentenzusprache mit der Verfügung vom 26. März 2010 erfolgte unter der Annahme eines Valideneinkommens von Fr. 114'500.-- und eines Invali- deneinkommens von Fr. 20'949.--. Der auf einer fundierten Betriebsanaly- se basierende Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende vom 22. De- zember 2011 hält dazu fest, gestützt auf den Geschäftsabschluss 2008 der D._____ sei das Invalideneinkommen mit dem ausgewiesenen Jah- resgewinn von Fr. 20'950.-- gleichgesetzt worden; der Bruttolohn von Fr. 66'000.--, welchen der Beschwerdeführer zu Lasten der Erfolgsrech- nung bezogen und mit der AHV abgerechnet habe, sei versehentlich aus- ser Acht gelassen worden (IV-act. 31-3). Diese Beanstandung ist begrün- det. Indem nur das Einkommen des Beschwerdeführers als selbständi- gerwerbender Gesellschafter der D._____, nicht aber sein Einkommen als - 6 - unselbständig erwerbender Angestellter dieser GmbH berücksichtigt wur- de, wurde das Invalideneinkommen zweifellos gesetzwidrig bemessen. Ob es, wie die beschwerdegegnerische IV-Stelle dafür hält, auf Fr. 86'950.- (Fr. 20'950.-- plus Fr. 66'000.--) festzulegen gewesen wäre, oder ob, wie der Beschwerdeführer geltend macht, angesichts des branchen- üblichen Durchschnittseinkommens von Fr. 74'000.-- ein tieferer Wert an- gemessen gewesen wäre, kann offen gelassen werden. Auch wenn man dem Beschwerdeführer darin folgt, dass die Aussagekraft des Jahresab- schlusses 2008 gemäss Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende insbesondere wegen der Vermischung von Geschäftlichem und Privaten vage ist (IV-act. 31-10), so steht doch fest, dass der Lohn von Fr. 66'000.- - in der Jahresrechnung ausgewiesen und mit der AHV abgerechnet wur- de. Auch wenn es sich bei diesem Lohn, wie der Beschwerdeführer gel- tend macht, möglicherweise nicht um einen Leistungslohn gehandelt hat- te, so war es zweifellos nicht korrekt, ihn bei der Bemessung des Invali- deneinkommens gänzlich unbeachtet zu lassen. Somit ergibt sich, dass der Verfügung vom 26. März 2010 mit Fr. 20'949.-- ein zu tiefes und damit zweifellos gesetzwidriges Invalideneinkommen zu Grunde gelegt wurde. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch das Valideneinkom- men, auf welchem die Verfügung vom 26. März 2010 basierte, zweifellos unrichtig war. Die IV-Stelle des Kantons X._____ hatte das Validenein- kommen ermittelt, indem sie einen Mehrpersonalaufwand im Umfang von 170 % Stellenprozenten (Koch 70 % und Küchenhilfe 100 %) berücksich- tigte, ohne dies anhand des Betätigungsprofils des Beschwerdeführers und der Lohnlisten zu plausibilisieren. Damit wurde zu Unrecht davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer als Gesunder ein Arbeitspen- sum von über 200 % bewältigt hätte (IV-act. 31-3).- 7 - d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Verfügung der IV-Stelle des Kantons X._____ vom 26. März 2010 von der beschwerdegegnerischen IV-Stelle zu Recht in Wiedererwägung gezogen wurde. 3. Zu prüfen ist nun, ob die IV-Stelle für den massgeblichen Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 11. Oktober 2012 zu Recht einen nicht rentenbe- gründenden Invaliditätsgrad von 20.69 % ermittelt hat. a) Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen Gesund- heitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall ver- ursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbs- unfähigkeit (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche- rung [IVG; SR 831.20] in Verbindung mit Art. 8 ATSG). Die versicherte Person hat bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab 50 % auf eine halbe Rente, ab 60 % auf eine Drei- viertelsrente und ab 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Bei erwerbstätigen Personen erfolgt die Bemessung der Invalidität aufgrund eines Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). Bei dieser Methode wird das Erwerbseinkommen, das die ver- sicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzie- len könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (sog. Valideneinkommen). In der Regel erfolgt der Einkom- mensvergleich in der Weise, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau bestimmt und einander gegenü- bergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali- ditätsgrad ermitteln lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2). - 8 - b) Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss entscheidend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein- kommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungs- gemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.1). Im vorliegenden Fall geht die IV- Stelle davon aus, dass der Beschwerdeführer auch im Gesundheitsfall weiterhin als Wirt tätig wäre. Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich keine Einwendungen. Bezüglich der Höhe des Valideneinkommens stellt die IV-Stelle auf den Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende vom 22. Dezember 2011 ab. Darin wird ausgeführt, es gebe keine Möglichkeit, das Valideneinkommen im heutigen Betrieb in Y._____ hieb- und stichfest zu beziffern, da der Beschwerdeführer diesen Betrieb erst nach dem Un- fall übernommen habe (IV-act. 31-1, 8). Die Abklärungsperson ermittelte das Valideneinkommen deshalb durch eine Kombination von Betriebsana- lyse, Branchenstatistik und Selbstdeklaration. Bei der Betriebsanalyse wurde ausgehend von den Bilanzen und Erfolgsrechnungen der dem Un- fall vorangehenden Jahre 2001 bis 2004 für das damals betriebene Re- staurant „E._____“ ein aufindexiertes Einkommen von Fr. 66'000.-- er- rechnet. Umgelegt auf die grösseren Umsatzmöglichkeiten im Restaurant „B._____“ ergab sich ein Einkommen von Fr. 88'000.--. Mittels Branchen- statistik ermittelte die Abklärungsperson unter der Annahme, der Be- schwerdeführer hätte ein Leistungspensum von 150 % erbracht, ein Ein- kommen von Fr. 72'500.--, losgelöst von der effektiven Situation ein sol- ches von Fr. 85'000.--. Schliesslich berücksichtigte die Abklärungsperson, dass der Beschwerdeführer selbst im Revisionsfragebogen angab, er würde ohne Gesundheitsschaden zirka Fr. 71'500.-- verdienen (IV-act. 12-2). Die Abklärungsperson kam zum Schluss, dass diejenigen Werte, - 9 - die sich möglichst stark an der effektiven Erwerbssituation des Beschwer- deführers orientierten, allesamt zwischen Fr. 70'000.-- und Fr. 80'000.-- lägen. Sie empfahl, das Valideneinkommen als Mittelwert aller erhobenen Anhaltspunkte auf Fr. 74'000.-- festzulegen (IV-act. 31-10). Diese Herlei- tung ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers überzeugend. Die IV-Stelle weist zu Recht darauf hin, dass dieser Wert auch mit Blick auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) plausibel ist, ergibt sich doch gestützt auf TA1 der LSE 2010 im Gastgewerbe im Anforderungsni- veau 1 und 2 für 2012 ein Valideneinkommen von Fr. 67'315.-- (Fr. 5'200.-- x 12 : 40 x 42.3 x 1.01 x 1.01). Zusammenfassend kann festge- halten werden, dass die IV-Stelle zu Recht auf das im Abklärungsbericht ermittelte Valideneinkommen abstellt und in Berücksichtigung der Loh- nentwicklung von einem Valideneinkommen von Fr. 74'740.-- ausgeht. c) Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist vom tatsächlich erziel- ten Verdienst auszugehen, falls besonders stabile Arbeitsverhältnisse ge- geben sind und falls die versicherte Person die ihr verbliebene Arbeits- fähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft; vorausgesetzt ist weiter, dass das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (BGE 129 V 472 E.4.2.1). Vorliegend kommt der Abklärungsbericht zum Schluss, das Einkommen des Beschwerdeführers als Wirt sei seit 2010 und mutmasslich auch weiterhin mit Fr. 0.-- zu bezif- fern. In Anbetracht der geringen verbleibenden Leistungen im eigenen Betrieb und der daraus resultierenden hohen Personalkosten zur Kom- pensation seiner Arbeitsausfälle sei es nicht mehr möglich, ein positives Einkommen als selbständig erwerbender Wirt zu generieren (IV-act. 31- 1). Daraus schliesst die IV-Stelle zu Recht, dass der Beschwerdeführer die ihm verbleibende Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Wirt nicht voll ausschöpft, ist doch unbestritten, dass er in einer behinderungsgeeigne-- 10 - ten, überwiegend sitzenden Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist (Gutachten der Klinik F._____ vom 15. September 2009 [IV-act. 54-50], Bericht von Dr. med. C._____ vom 25. April 2012 [IV-act. 39-2]). aa) In der Folge ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer die Aufgabe seiner bisherigen Tätigkeit zugunsten einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit zumutbar ist. Dazu ist nach der Rechtsprechung eine Interessenabwä- gung vorzunehmen, bei welcher die gesamten objektiven und subjektiven Umstände wie Alter, Ausbildung und berufliche Karriere, Stabilität und Qualität des Arbeitsverhältnisses, Eingliederung im Betrieb, Aussichten im konkreten Beruf, Art und Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung sowie noch zu erwartende Aktivitätsdauer in Betracht zu ziehen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_111/2009 vom 21. Juli 2009 E.2.2.2). Ebenfalls einzubeziehen sind die persönlichen Lebensumstände (Urteil des Bundesgerichts I 316/04 vom 23. Dezember 2004 E.4.2) Dabei ist al- lerdings zu berücksichtigen, dass aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht einer versicherten Person die Ausübung einer Tätigkeit, die ihrem medizinischen Leistungsprofil entspricht, grundsätzlich zumutbar ist, und dass andere als medizinische Gründe die Aufgabe der bisherigen Tätig- keit zugunsten einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit nur in Einzelfällen in sehr engem Rahmen als unzumutbar erscheinen lassen (BGE 132 V 393 E.3.2). An die Schadenminderungspflicht des Versicherten sind mit anderen Worten hohe Anforderungen zu stellen (Urteil des Verwaltungs- gerichts des Kantons Graubünden S 10 87 vom 14. September 2010 E.3b). bb) Zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 11. Oktober 2012 war der Be- schwerdeführer 54 Jahre alt. Dieses Alter spricht nicht per se gegen die Zumutbarkeit eines Berufswechsels, hat doch das Bundesgericht wieder- holt entschieden, dass angesichts der verbleibenden mehrjährigen Akti-- 11 - vitätsdauer auch Personen im Alter von circa 60 Jahren ein Berufswech- sel grundsätzlich zumutbar ist (Urteile des Bundesgerichts 9C_918/2008 vom 28. Mai 2009 E.4.3 und I 304/06 vom 22. Januar 2007 E.4.1). Auch im Hinblick auf die Ausbildung und die berufliche Karriere des Beschwer- deführers ist ein Berufswechsel zumutbar. Der Beschwerdeführer ist ge- lernter Koch und führte seit 1988 verschiedene Restaurationsbetriebe, wobei er nebst der administrativen Tätigkeiten immer auch in beträchtli- chem Umfang als Allrounder im Betrieb mitwirkte, sei es in der Küche, im Service, am Buffet, im Einkauf und bei Reinigungsarbeiten. Ein Wechsel in eine unselbständige Tätigkeit, seien dies Büroarbeiten, Maschinenbe- dienung oder Kontrollfunktionen, stellt keinen unzumutbaren sozialen Ab- stieg dar. Für den im Vollpensum ohne Leistungsminderung einsetzbaren, psychisch nicht beeinträchtigten Beschwerdeführer gibt es sodann auf dem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt genügend Einsatzmög- lichkeiten. Dies gilt umso mehr, als dass die IV-Stelle von einem Berufs- wechsel in eine leichte Tätigkeit ausgeht, für welche weder Berufs- noch Fachkenntnisse vorausgesetzt sind (vgl. unten E.3c/cc), so dass der Be- schwerdeführer mit seinen Schul- und Berufskenntnissen im Vergleich zum Durchschnitt der in diesem Bereich tätigen Personen gar gewisse Wettbewerbsvorteile hätte. Von Bedeutung ist sodann, dass sowohl die involvierten Ärzte, als auch die Betriebsanalyse festgestellt haben, dass der Beschwerdeführer als Wirt nur einen Bruchteil seiner verbliebenen Leistungsfähigkeit realisiert, weil die Wirtetätigkeit in keiner Weise behin- derungsgeeignet ist und auch für die Zukunft keine günstigen wirtschaftli- chen Aussichten eröffnet. Die Art und Schwere der gesundheitlichen Be- einträchtigung lässt den Berufswechsel als zumutbar erscheinen. Im Mai 2005 hatte sich der Beschwerdeführer bei einem Sturz einen Trümmer- bruch des rechten Sprunggelenks zugezogen. Der Heilverlauf war un- günstig; zum vorliegend massgeblichen Zeitpunkt im Oktober 2012 hatte sich die 2007 eingesetzte OSG-Prothese gelockert, und es hatte sich eine - 12 - Arthrose gebildet, so dass der Beschwerdeführer nur noch kurze Geh- strecken bewältigen konnte. Aus den medizinischen Unterlagen geht in- dessen zweifelsfrei hervor, dass der Beschwerdeführer in einer sitzenden Tätigkeit mit kurzen Gehstrecken nicht eingeschränkt ist. Der Beschwer- deführer kann sich somit problemlos mit dem Auto an einen Arbeitsort begeben und im Vollpensum mit voller Leistungsfähigkeit eine sitzende Arbeitstätigkeit ausführen. Schliesslich sprechen auch die persönlichen Lebensumstände des Beschwerdeführers nicht gegen einen Berufswech- sel. Sein Argument, er trage auch für seine Arbeitnehmer Verantwortung, ist in diesem Zusammenhang unbehelflich. Zum einen bleiben die Stellen im Restaurant B._____ auch unter der Führung einer neuen Person erhal- ten, und zum anderen können nicht zu Lasten der Invalidenversicherung Arbeitsverhältnisse Dritter gesichert werden. Somit ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer die Aufgabe seiner bisherigen Tätigkeit als Wirt zu- gunsten einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit zumutbar ist. cc) Kann das Invalideneinkommen – wie vorliegend - nicht nach dem tatsäch- lich erzielten Verdienst bemessen werden, weil die versicherte Person die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise voll ausschöpft, so können nach der Rechtsprechung entweder die LSE-Tabellenlöhne oder die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 129 V 472 E.4.2.1). Die IV-Stelle hat auf die Tabelle TA 1 der LSE 2010 abgestellt. Den Wert von Fr. 4'901.-- für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsni- veau 4) im privaten Sektor bei Männern hat sie auf die übliche durch- schnittliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden hochgerechnet und die Loh- nentwicklung in den Jahren 2011 und 2012 von je 1 % berücksichtigt. Un- ter Gewährung eines Leidensabzugs von 5 % hat sie so ein Invalidenein- kommen von Fr. 59'274.-- errechnet (Fr. 4'901.-- x 12 : 40 x 41.6 x 1.01 x 1.01 x 0.95). Dies ist nicht zu beanstanden.- 13 - d) Bei einem Invalideneinkommen von Fr. 59'274.-- und einem Validenein- kommen von Fr. 74'740.-- ergibt sich ein nicht rentenbegründender Invali- ditätsgrad von 20.69 %. 4. Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, der Invaliditätsgrad sei nicht auf- grund eines Einkommensvergleichs sondern in Anlehnung an die spezifi- sche Methode für Nichterwerbstätige durch einen Betätigungsvergleich zu ermitteln. Dem kann nicht gefolgt werden. Ein Betätigungsvergleich kommt nur dann zur Anwendung, wenn sich Validen- und Invalidenein- kommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen lassen (BGE 128 V 29 E.1). Vorliegend lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkom- men – wie sich gezeigt hat – mit genügender Zuverlässigkeit ermitteln. 5. a) Steht wie vorliegend die wiedererwägungsweise Aufhebung einer Invali- denrente in Frage, so darf der versicherten Person in der Regel nach dem Grundsatz der Selbsteingliederung zugemutet werden, dass sie ihre ver- bleibende Arbeitsfähigkeit selbständig auf dem freien Arbeitsmarkt ver- wertet (BGE 127 V 294 E.4b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_161/2012 vom 5. Juni 2012 E.5.2). Abweichend von diesem Grundsatz ist von Sei- ten der Invalidenversicherung in gewissen Ausnahmefällen Eingliede- rungshilfe zu leisten. Betrifft die Aufhebung der Invalidenrente eine versi- cherte Person, die das 55. Altersjahr zurückgelegt hat oder die Rente mehr als 15 Jahre bezogen hat, ist der Eingliederungsbedarf abzuklären (Urteile des Bundesgerichts 8C_612/2012 vom 28. September 2012 E.4.1, 8C_161/2012 vom 5. Juni 2012 E.5.2). In einem solchen Fall bleibt der bisherige Rentenanspruch so lange bestehen, bis die Eingliede- rungsmassnahmen durchgeführt worden sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_219/2009 vom 25. August 2009 E.4.2.). - 14 - b) Der Beschwerdeführer wurde am 18. Oktober 1957 geboren. Zum Zeit- punkt der Rentenaufhebung am 11. Oktober 2012 war er demnach 54 Jahre alt. Die Rente hatte er seit Mai 2006 bezogen, mithin seit rund 6 ½ Jahren. Damit erfüllt der Beschwerdeführer die Voraussetzungen für die Sonderbehandlung von Versicherten im fortgeschrittenen Alter bezie- hungsweise mit invaliditätsbedingtem langjährigem Fernbleiben von der Arbeitswelt nicht und sein Rentenanspruch kann ohne vorherige Durch- führung von Eingliederungsmassnahmen aufgehoben werden. c) Der Klarheit halber sei darauf hingewiesen, dass der Anspruch des Be- schwerdeführers auf berufliche Massnahmen an sich, das heisst losgelöst von der wiedererwägungsweisen Aufhebung der Rente, nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist. Die Ansprüche auf Rente und Eingliederungs- massnahmen sind unabhängig voneinander beurteilbar (BGE 121 V 195 E. 2). Wenn der Beschwerdeführer berufliche Massnahmen der Inva- lidenversicherung in Anspruch nehmen möchte, kann er sich bei der IV- Stelle dazu anmelden. 6. a) Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtmässig, und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. b) Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei- ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf Fr. 700.-- festgesetzt. Diese Kosten hat der unterliegende Beschwerdeführer zu übernehmen (Art. 73 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Verwal- tungsrechtspflege; VRG; BR 370.100). Eine aussergerichtliche Entschä- digung ist nicht zuzusprechen (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).- 15 - Demnach erkennt das Gericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten von A._____ und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen. 3. [Rechtsmittelbelehrung 5. [Mitteilungen]