<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 98 S.491</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Gewässerschutzrecht</span> <span class="page_no">491</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Gewässerschutzrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>98</b></span> <span class="ft3"><b>Kostenverteilung gemäss Art. 54 GSchG im Falle der antizipierten Er-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>satzvornahme nach der Stilllegung des Betriebs einer inzwischen konkur-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>siten Gesellschaft.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Haftung der in der konkursiten Gesellschaft für die sachgemässe Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>triebsstilllegung verantwortlichen Person (Erw. 5).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Haftung der aktuellen Eigentümerin der Betriebsliegenschaft</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 6).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Keine Ausdehnung der Haftung auf blosse Hilfspersonen, nur sehr</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zweifelhaft an der Gewässergefährdung beteiligte Personen oder den</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Kanton (Erw. 7 und 8).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kostenverteilung (Erw. 9).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 8. März 2006 i.S. B.B. gegen</span><br/> <span class="ft6">den Entscheid des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1. Beschwerdegegenstand</span><br/> <span class="ft8">Im vorliegenden Fall geht es um die Anwendung von Art. 54 in</span><br/> <span class="ft8">Verbindung mit Art. 3a des Bundesgesetzes über den Schutz der Ge-</span><br/> <span class="ft8">wässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG) vom 24. Januar 1991 bzw.</span><br/> <span class="ft8">Art. 59 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz (Umweltschutz-</span><br/> <span class="ft8">gesetz, USG) vom 7. Oktober 1983. Demgemäss werden die Kosten</span><br/> <span class="ft8">von Massnahmen, welche die Behörden zur Abwehr einer unmittel-</span><br/> <span class="ft8">bar drohenden Gefahr für die Gewässer bzw. einer unmittelbar dro-</span><br/> <span class="ft8">henden Einwirkung in die Umwelt sowie zur Feststellung und zur</span><br/> <span class="ft8">Behebung eines Schadens bzw. einer Umwelteinwirkung treffen, den</span><br/> <span class="ft8">verursachenden Personen überbunden.</span><br/> <span class="ft8">Es ist vorliegend grundsätzlich unstrittig geblieben, dass ein fi-</span><br/> <span class="ft8">nanzieller Schaden aus der von der Abteilung für Umwelt veranlass-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">492</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">ten Ersatzvornahme, und zwar in der geltend gemachten Gesamthöhe</span><br/> <span class="ft8">von Fr. 67'010.25 (inkl. Zinsausfall bis 21. Mai 2002 in der Höhe</span><br/> <span class="ft8">von Fr. 2'440.20), entstanden ist. Unbestrittenermassen müssen für</span><br/> <span class="ft8">dessen Deckung sodann auch Privatpersonen nach Massgabe ihrer</span><br/> <span class="ft8">Verursachung anteilmässig einstehen. Nachfolgend verbleibt es somit</span><br/> <span class="ft8">zu entscheiden, wer für den Schaden und - im Anschluss - in wel-</span><br/> <span class="ft8">chem Umfang als (Mit-)Verursacherin bzw. (Mit-)Verursacher recht-</span><br/> <span class="ft8">lich belangt werden kann.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">5. Verantwortlichkeit des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">b) Aufgrund der Aktenlage kommt der Regierungsrat in Bezug</span><br/> <span class="ft8">auf die verwaltungsrechtliche Verantwortlichkeit des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">führers zu keinem anderen Ergebnis als das Obergericht in seiner</span><br/> <span class="ft8">strafrechtlichen Beurteilung. Dies gilt, auch wenn sich die strafrecht-</span><br/> <span class="ft8">liche Würdigung mit Blick auf die Verantwortlichkeitsvoraussetzun-</span><br/> <span class="ft8">gen von der verwaltungsrechtlichen Kostenverteilung nach Art. 54</span><br/> <span class="ft8">GSchG unterscheidet. Entgegen etwa auch zivilrechtlichen Verschul-</span><br/> <span class="ft8">densgesichtspunkten ist für die verwaltungsrechtliche Verursacherei-</span><br/> <span class="ft8">genschaft nämlich weder die Unrechtmässigkeit des Verhaltens noch</span><br/> <span class="ft8">ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen Ursache und Schaden</span><br/> <span class="ft8">im Sinne der privatrechtlichen Verschuldenshaftung erforderlich. Für</span><br/> <span class="ft8">die Bejahung der verwaltungsrechtlichen Störereigenschaft ist viel-</span><br/> <span class="ft8">mehr entscheidend, ob die fragliche Störerperson die Gefahr unmit-</span><br/> <span class="ft8">telbar gesetzt hat, ob also ihr Verhalten als polizeirechtlich erhebliche</span><br/> <span class="ft8">Ursache für das Schadensereignis zu gelten hat. Wie durch das Ober-</span><br/> <span class="ft8">gericht eingehend dargelegt, hat der Beschwerdeführer vorliegend in</span><br/> <span class="ft8">der Ursachenkette - wenigstens durch sein unterlassenes Eingreifen</span><br/> <span class="ft8">- massgeblich und unmittelbar zur Schadensentstehung beigetragen.</span><br/> <span class="ft8">Angesichts seines objektiven persönlichen Beitrags zur Gewässerge-</span><br/> <span class="ft8">fährdung ist er somit auch verwaltungsrechtlich als direkt verant-</span><br/> <span class="ft8">wortlicher Verhaltensstörer einzustufen. In Übereinstimmung mit der</span><br/> <span class="ft8">Abteilung für Umwelt rechtfertigt sich vorliegend - in analoger An-</span><br/> <span class="ft8">wendung von Art. 55 Abs. 3 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs</span><br/> <span class="ft8">(ZGB) vom 10. Dezember 1907 - aber nicht nur ein "Durchgriff" auf</span><br/> <span class="ft8">den Beschwerdeführer als Verhaltensstörer. Vielmehr erfüllt er dar-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Gewässerschutzrecht</span> <span class="page_no">493</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">über hinaus auch die Voraussetzungen als Zustandsstörer. So wäre es</span><br/> <span class="ft8">aufgrund seiner damaligen herausragenden Stellung in der inzwi-</span><br/> <span class="ft8">schen in Konkurs gefallenen D. S.A. (nach eigenen Angaben: Inha-</span><br/> <span class="ft8">ber, Direktor und Hauptaktionär) durchaus in seiner persönlichen</span><br/> <span class="ft8">Verfügungsmacht gelegen, den Rückbau ordnungsgemäss ablaufen</span><br/> <span class="ft8">zu lassen bzw. zumindest die Situation in der Liegenschaft O. in</span><br/> <span class="ft8">Ordnung zu bringen und den Gefahrenherd zu beseitigen.</span><br/> <span class="ft8">6. Verantwortlichkeit von G.J.C.</span><br/> <span class="ft8">a) (...)</span><br/> <span class="ft8">Wie sich aus dem Grundbuch der Gemeinde W. ergibt, haben</span><br/> <span class="ft8">sich die betreffenden Eigentumsverhältnisse bereits im Verlaufe des</span><br/> <span class="ft8">vorinstanzlichen Verfahrens geändert. So steht die Liegenschaft O.</span><br/> <span class="ft8">nicht mehr im Eigentum der V. AG. Vielmehr ging das Eigentum an</span><br/> <span class="ft8">der Liegenschaft offensichtlich schon am 18. Juli 2000 (d.h. nach der</span><br/> <span class="ft8">Feststellung der gewässergefährdenden Situation Ende Februar 2000</span><br/> <span class="ft8">sowie der Fristansetzung für die Behebung der Mängel im März</span><br/> <span class="ft8">2000, aber noch vor der ersatzweisen Behebung durch den Kanton</span><br/> <span class="ft8">im August/September 2000) von der bereits im Jahre 2001 aufgelö-</span><br/> <span class="ft8">sten V. AG an G.J.C. über.</span><br/> <span class="ft8">b) Gegen eine verwaltungsrechtliche Mitverantwortlichkeit für</span><br/> <span class="ft8">die dem Kanton aus der Schadensbehebung entstandenen Kosten</span><br/> <span class="ft8">führt der zum vorliegenden Verfahren beigeladene Eigentümer G.J.C.</span><br/> <span class="ft8">aus, dass er weder jemals Betreiber der fraglichen Anlagen gewesen</span><br/> <span class="ft8">sei noch Kenntnis von den umweltschädigenden Geschehnissen ge-</span><br/> <span class="ft8">habt habe. So sei er im Zeitpunkt, als die Umweltvergehen amtlich</span><br/> <span class="ft8">festgestellt worden seien (28. Februar 2000), noch nicht einmal Ei-</span><br/> <span class="ft8">gentümer bzw. Vermieter der fraglichen Liegenschaft gewesen. Die</span><br/> <span class="ft8">Eigentümerin im Zeitpunkt der umweltschädigenden Geschehnisse</span><br/> <span class="ft8">(V. AG) habe ihm zudem die Umweltprobleme anlässlich des Ver-</span><br/> <span class="ft8">kaufs ebenfalls verschwiegen. Überdies habe die Abteilung für Um-</span><br/> <span class="ft8">welt (bzw. die Bauverwaltung der Gemeinde W.) ihn bzw. die mit der</span><br/> <span class="ft8">Verwaltung der Liegenschaft betraute G.J.C. &amp; Co. C. auch erst am</span><br/> <span class="ft8">21. September (bzw. 4. Oktober) 2000, und damit nach der vollzoge-</span><br/> <span class="ft8">nen Ersatzvornahme, über die Geschehnisse (Umweltprobleme sowie</span><br/> <span class="ft8">Durchführung der Ersatzvornahme) in Kenntnis gesetzt. Aus diesen</span><br/> <span class="ft8">Gründen sei jegliche Schadensverantwortlichkeit und Kostentra-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">494</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gungspflicht im Zusammenhang mit der Ersatzvornahme abzuleh-</span><br/> <span class="ft8">nen.</span><br/> <span class="ft8">c) Entgegen den vorstehenden Darlegungen erweist es sich</span><br/> <span class="ft8">vorliegend als gerechtfertigt, G.J.C. als Eigentümer der Liegen-</span><br/> <span class="ft8">schaft O. als Zustandsstörer und damit Mitverursacher im Sinne von</span><br/> <span class="ft8">Art. 54 GSchG zur Verantwortung zu ziehen. Da - wie bereits aufge-</span><br/> <span class="ft8">zeigt - die polizeiliche Verantwortlichkeit als Störer, an die hier an-</span><br/> <span class="ft8">geknüpft wird, kein konkretes Verschulden voraussetzt, kann es nicht</span><br/> <span class="ft8">ausschlaggebend sein, dass G.J.C. nach seinen Angaben gar keine</span><br/> <span class="ft8">Kenntnis von der konkreten gefahrauslösenden Tatsache hatte.</span><br/> <span class="ft8">Ebenso ist unmassgeblich, dass - nach Ansicht der Abteilung für</span><br/> <span class="ft8">Umwelt - bereits die vorgängige Liegenschaftseigentümerin (V. AG)</span><br/> <span class="ft8">kein Verschulden treffen soll, da sie es gewesen sei, die nach dem</span><br/> <span class="ft8">Verlassen der Betriebsstätte W. durch die D. S.A. die umweltgefähr-</span><br/> <span class="ft8">denden Tatbestände festgestellt, ein auslaufendes Bad aufgefangen</span><br/> <span class="ft8">und richtigerweise die Behörden informiert habe. Vielmehr wird</span><br/> <span class="ft8">G.J.C. als Eigentümer der die Sicherungs- und Behebungsmassnah-</span><br/> <span class="ft8">men auslösenden Liegenschaft die Tragung der damit verbundenen</span><br/> <span class="ft8">Schadenskosten zugemutet, weil er letztlich auch als direkter wirt-</span><br/> <span class="ft8">schaftlicher Nutzniesser der durch die Vorinstanz veranlassten Sanie-</span><br/> <span class="ft8">rung der Gewerbeliegenschaft zu gelten hat. Dabei ist entscheidend,</span><br/> <span class="ft8">dass der staatliche Kostenersatzanspruch grundsätzlich im Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft8">der Vornahme der Schutz- und Behebungsmassnahmen entsteht</span><br/> <span class="ft8">(vorliegend August/September 2000), das Eigentum an der Scha-</span><br/> <span class="ft8">densliegenschaft vorliegend aber bereits am 18. Juli 2000 an G.J.C.</span><br/> <span class="ft8">übergegangen ist. In diesem Zusammenhang ist G.J.C. denn auch</span><br/> <span class="ft8">vorzuwerfen, dass er die betreffende Liegenschaft bei seiner Über-</span><br/> <span class="ft8">nahme von der früheren Eigentümerin offensichtlich nicht oder nicht</span><br/> <span class="ft8">ausreichend auf Schäden und deren Folgekosten untersuchte. Damit</span><br/> <span class="ft8">hat er davon ausgehende Gefährdungen der Umwelt sowie daran all-</span><br/> <span class="ft8">fällig anschliessende Rechtsverfahren zumindest in Kauf genommen.</span><br/> <span class="ft8">Auch der Hinweis auf unterlassene Informationspflichten seitens der</span><br/> <span class="ft8">V. AG vermag ihn vorliegend nicht zu entschuldigen. Vielmehr muss</span><br/> <span class="ft8">er sich als neuer Eigentümer auch Versäumnisse der V. AG anrech-</span><br/> <span class="ft8">nen lassen. Im Hinblick auf seine Verantwortlichkeit als Zustandsstö-</span><br/> <span class="ft8">rer bleibt es G.J.C. allerdings unbenommen, gegenüber der früheren</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Gewässerschutzrecht</span> <span class="page_no">495</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Liegenschaftseigentümerin privatrechtliche Ersatzansprüche geltend</span><br/> <span class="ft8">zu machen.</span><br/> <span class="ft8">Abgesehen von der festgestellten Verantwortlichkeit als Zu-</span><br/> <span class="ft8">standsstörer kann vorliegend aber nicht davon gesprochen werden,</span><br/> <span class="ft8">dass G.J.C. durch sein eigenes Handeln bzw. Unterlassen auch un-</span><br/> <span class="ft8">mittelbar zum Eintritt der festgestellten polizeilichen Gefahren bzw.</span><br/> <span class="ft8">Schadenskosten beitrug. So sind insbesondere keine Pflichtverlet-</span><br/> <span class="ft8">zungen ersichtlich, welche ihn für den eingetretenen Schaden bzw.</span><br/> <span class="ft8">für eine allfällige Vergrösserung der aufzuwendenden Behebungs-</span><br/> <span class="ft8">massnahmen direkt verantwortlich erscheinen lassen. Eine seine Ver-</span><br/> <span class="ft8">antwortlichkeit steigernde Einstufung als Verhaltensstörer ist dem-</span><br/> <span class="ft8">gemäss zu verneinen.</span><br/> <span class="ft8">7. Verantwortlichkeit von Drittpersonen</span><br/> <span class="ft8">a) (...)</span><br/> <span class="ft8">Im Hinblick auf die persönliche Mitverantwortlichkeit von</span><br/> <span class="ft8">Dritten gelangt das Obergericht sodann zusammenfassend zum</span><br/> <span class="ft8">Schluss, dass der Beschwerdeführer nur einer unter mehreren Ver-</span><br/> <span class="ft8">antwortlichen gewesen sei. So sei auch H.J.V. aktiv in den Umzug</span><br/> <span class="ft8">des Betriebs verwickelt gewesen und habe im Ganzen eine so zen-</span><br/> <span class="ft8">trale Rolle gespielt (ab 3. November 1999 bis 31. Januar 2000 Mit-</span><br/> <span class="ft8">glied des Verwaltungsrats der S. S.A. in D.), dass er sich nicht ein-</span><br/> <span class="ft8">fach unter Berufung auf Anweisungen des Beschwerdeführers her-</span><br/> <span class="ft8">ausreden könne. Dasselbe gelte auch für H.B. und C.K. (früherer</span><br/> <span class="ft8">Verwaltungsratspräsident bzw. Verwaltungsrat der S. AG in W.).</span><br/> <span class="ft8">Demgegenüber seien C.T. und A.W. (ab Ende Januar 2000 General-</span><br/> <span class="ft8">direktor und Verwaltungsrat der D. S.A. in D.) nicht in Betracht zu</span><br/> <span class="ft8">ziehen, hätten sie mit den Unternehmungen in W. doch nie etwas zu</span><br/> <span class="ft8">tun gehabt (vgl. Urteil des Obergerichts vom 15. November 2002,</span><br/> <span class="ft8">S. 22 ff.).</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">c) Der Regierungsrat gelangt hinsichtlich der Frage nach weite-</span><br/> <span class="ft8">ren als Verhaltensstörer oder Verhaltensstörerinnen zur Verantwor-</span><br/> <span class="ft8">tung zu ziehenden Personen zu keinem anderen Ergebnis als die Ab-</span><br/> <span class="ft8">teilung für Umwelt. Aus Sicht des Strafrechts mag es zwar sein, dass</span><br/> <span class="ft8">neben dem Beschwerdeführer noch weitere Personen zur Verant-</span><br/> <span class="ft8">wortung gezogen werden könnten bzw. müssten. In Bezug auf das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">496</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Verwaltungsrecht ist die Sachlage allerdings anders zu beurteilen. So</span><br/> <span class="ft8">ergibt es sich schon aus den sehr vagen Aussagen des Obergerichts</span><br/> <span class="ft8">zu den weiteren Verantwortlichkeiten, dass sich die den bezeichneten</span><br/> <span class="ft8">Personen allfällig vorzuwerfenden Verhalten nicht belegen lassen.</span><br/> <span class="ft8">Die betreffenden Zuschreibungen des Obergerichts beruhen denn</span><br/> <span class="ft8">auch nicht auf eigentlichen Beweisen für entsprechende Fehlverhal-</span><br/> <span class="ft8">ten, sondern bloss auf unsicheren Zeugenaussagen und Vermutungen</span><br/> <span class="ft8">("es könnte sein", "irgendwie involviert"; vgl. Obergerichtsurteil</span><br/> <span class="ft8">vom 15. November 2002, S. 22 f.). Insbesondere C.K., H.B. und</span><br/> <span class="ft8">R.A. lassen sich demzufolge weder direkte Beteiligungen am un-</span><br/> <span class="ft8">sachgemässen Rückbau der Anlagen noch am Umgang mit den um-</span><br/> <span class="ft8">weltgefährdenden Chemikalien noch diesbezügliche Anweisungen</span><br/> <span class="ft8">nachweisen (der Letztgenannte wäre überdies als Hauswart der Lie-</span><br/> <span class="ft8">genschaftseigentümerin ohnehin als deren Hilfsperson anzusehen;</span><br/> <span class="ft8">allfällige Verfehlungen wären somit der Eigentümerin anzulasten).</span><br/> <span class="ft8">Dementsprechend hat auch die Staatsanwaltschaft Aargau im Nach-</span><br/> <span class="ft8">gang zum rechtskräftig gewordenen Obergerichtsurteil davon abge-</span><br/> <span class="ft8">sehen, gegen die im Urteil zusätzlich bezeichneten Personen oder ei-</span><br/> <span class="ft8">nen noch erweiterten Personenkreis Strafverfahren zu eröffnen.</span><br/> <span class="ft8">Demgegenüber steht - wie vorstehend dargelegt - die Verant-</span><br/> <span class="ft8">wortlichkeit des Beschwerdeführers für die Ende Februar 2000 fest-</span><br/> <span class="ft8">gestellte, nach Auffassung der Abteilung für Umwelt angesichts der</span><br/> <span class="ft8">Staubschichten und Spuren aber bereits früher eingetretene Gewäs-</span><br/> <span class="ft8">sergefährdung fest. Auch wenn ihm nämlich keine persönliche und</span><br/> <span class="ft8">unmittelbare Beteiligung an gewässergefährdenden Handlungen</span><br/> <span class="ft8">nachzuweisen ist, so muss er sich aufgrund seiner Stellung in der</span><br/> <span class="ft8">D. S.A. (bis Ende Januar 2000 Inhaber, Direktor und Hauptaktionär)</span><br/> <span class="ft8">sowie der Verantwortlichkeit für die Verlagerung der Produktion von</span><br/> <span class="ft8">W. nach D. diesbezügliche, nach seinen Anweisungen durchgeführte</span><br/> <span class="ft8">Demontage-, Verlagerungs- und Entsorgungsmassnahmen seiner</span><br/> <span class="ft8">Hilfspersonen H.J.V., P.K. und M.O. in jedem Fall anrechnen lassen</span><br/> <span class="ft8">(vgl. die übereinstimmenden Aussagen der drei Letztgenannten). Der</span><br/> <span class="ft8">Regierungsrat sieht nach dem Gesagten keinen Anlass, den Kreis der</span><br/> <span class="ft8">Störer und Störerinnen um blosse Hilfspersonen oder überhaupt nur</span><br/> <span class="ft8">sehr zweifelhaft an der Gewässergefährdung beteiligte Personen zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Gewässerschutzrecht</span> <span class="page_no">497</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">erweitern. Die verwaltungsrechtliche Verantwortlichkeit dieser Dritt-</span><br/> <span class="ft8">personen ist somit abzulehnen.</span><br/> <span class="ft8">8. Verantwortlichkeit des Kantons</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">b) Zunächst ist festzustellen, dass die zuständige kantonale Be-</span><br/> <span class="ft8">hörde (Abteilung für Umwelt) von der vorliegenden Gewässerge-</span><br/> <span class="ft8">fährdung erst Ende Februar 2000 Kenntnis erhielt. So hatte sich die</span><br/> <span class="ft8">Situation anlässlich des am 29. Oktober 1999 letztmals vor Ort</span><br/> <span class="ft8">durchgeführten Augenscheines gerade noch nicht als alarmierend</span><br/> <span class="ft8">erwiesen. Dem betreffenden Besprechungsprotokoll der Bauverwal-</span><br/> <span class="ft8">tung W. vom 29. Oktober 1999 lassen sich denn auch keine ent-</span><br/> <span class="ft8">sprechenden Beanstandungen entnehmen (vgl. Gemeindeakten). Zur</span><br/> <span class="ft8">Vermeidung einer allfälligen Umweltgefährdung vereinbarten die</span><br/> <span class="ft8">Anwesenden trotzdem präventiv einen geordneten Rückbau der An-</span><br/> <span class="ft8">lagen, welcher spätestens bis zum 15. Juni 2000 hätte abgeschlossen</span><br/> <span class="ft8">werden sollen. Im Weitern reagierte die Abteilung für Umwelt auch</span><br/> <span class="ft8">unmittelbar nach Kenntnisnahme der Gewässergefährdung und ord-</span><br/> <span class="ft8">nete sofort Sicherungs- sowie - in der Folge - Behebungsmassnah-</span><br/> <span class="ft8">men an.</span><br/> <span class="ft8">Unter diesen Umständen lässt sich nicht sagen, die zuständige</span><br/> <span class="ft8">kantonale Behörde habe es unterlassen, zur Vereitelung der Gewäs-</span><br/> <span class="ft8">sergefährdung und ihrer Folgekosten beizutragen. Polizeirechtlich</span><br/> <span class="ft8">relevant wäre ein unterlassenes Eingreifen der kantonalen Behörden</span><br/> <span class="ft8">zudem ohnehin erst dann, wenn der Eintritt des Schadens ernsthaft</span><br/> <span class="ft8">hätte befürchtet werden müssen. Von einer solchen Situation war im</span><br/> <span class="ft8">Vorfeld aber gerade nicht auszugehen. Vielmehr musste die Abtei-</span><br/> <span class="ft8">lung für Umwelt angesichts der Ausgangslage und der am Augen-</span><br/> <span class="ft8">schein eingeleiteten Massnahmen die Möglichkeit eines derartigen</span><br/> <span class="ft8">Schadensereignisses nicht ernsthaft in Betracht ziehen. Damit verur-</span><br/> <span class="ft8">sachte die Abteilung für Umwelt den Schadensfall keineswegs mit</span><br/> <span class="ft8">und muss sich deshalb auch nicht als Verhaltensstörerin zur Verant-</span><br/> <span class="ft8">wortung ziehen lassen. Darüber hinaus erweisen sich auch die durch</span><br/> <span class="ft8">den Kanton ersatzweise veranlassten und durch eine Fachfirma</span><br/> <span class="ft8">(C. AG) ausgeführten Sanierungsmassnahmen als erforderlich und</span><br/> <span class="ft8">verhältnismässig. Ohne entsprechende Sicherungs- und Behebungs-</span><br/> <span class="ft8">massnahmen hätte sich die Situation nämlich derart zugespitzt, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">498</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">eine Gewässerverunreinigung nicht mehr hätte ausgeschlossen wer-</span><br/> <span class="ft8">den können.</span><br/> <span class="ft8">Schliesslich rechtfertigt sich unter den gegebenen Umständen</span><br/> <span class="ft8">auch keine "Sozialisierung" der aufgelaufenen Sicherungs- und Sa-</span><br/> <span class="ft8">nierungskosten im Sinne einer Kostentragungspflicht der Allgemein-</span><br/> <span class="ft8">heit (Kanton) für ein allfälliges "Unbekanntheitspotential". So ist</span><br/> <span class="ft8">vorliegend eine Beteiligung des Gemeinwesens an den Sicherungs-</span><br/> <span class="ft8">und Sanierungskosten schon deshalb nicht in Erwägung zu ziehen, da</span><br/> <span class="ft8">nach einer umfassenden Sachverhaltswürdigung keine weiteren un-</span><br/> <span class="ft8">bekannten Drittpersonen ernsthaft als Störer und Störerinnen in Be-</span><br/> <span class="ft8">tracht fallen. Weitere Abklärungen von den Behörden zu verlangen,</span><br/> <span class="ft8">hiesse sodann unverhältnismässige Abklärungsaufwendungen zu ge-</span><br/> <span class="ft8">nerieren, die Anforderungen an den zu erbringenden Nachweis zu</span><br/> <span class="ft8">überspannen und würde praktisch immer bedeuten, dass die öffentli-</span><br/> <span class="ft8">che Hand wegen des Beweisnotstandes, in dem sich die Behörden</span><br/> <span class="ft8">zwangsläufig befinden, vorweg einen Anteil der Schadensverhü-</span><br/> <span class="ft8">tungs- und -behebungskosten selber tragen müsste. Dies kann aber</span><br/> <span class="ft8">nicht der Sinn des Gesetzes sein, welches auf dem Grundsatz beruht,</span><br/> <span class="ft8">die der Öffentlichkeit bei antizipierter Ersatzvornahme entstandenen</span><br/> <span class="ft8">Kosten möglichst auf die Verursachenden zu überwälzen. Wie bereits</span><br/> <span class="ft8">oben festgehalten worden ist, liesse sich die Haftungsquote einer</span><br/> <span class="ft8">weiteren, unbekannten Verursachungsquelle zudem auch soweit auf</span><br/> <span class="ft8">die festgestellten Verursachenden überwälzen, als dies - im Verhält-</span><br/> <span class="ft8">nis zu deren eigenen Verursachungsanteilen - einen zumutbar er-</span><br/> <span class="ft8">scheinenden Wert nicht übersteigt. Aufgrund der festgestellten Ver-</span><br/> <span class="ft8">hältnisse und der zu vernachlässigenden Bedeutung allfälliger Dritter</span><br/> <span class="ft8">ist vorliegend von einer solchen Situation auszugehen. Demzufolge</span><br/> <span class="ft8">würde im konkreten Fall selbst nichts gegen die Überwälzung allfäl-</span><br/> <span class="ft8">liger Kostenanteile von unbekannten Dritten sprechen.</span><br/> <span class="ft8">9. Kostenverteilung</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">b) (...) Der Regierungsrat kommt unter Würdigung aller Um-</span><br/> <span class="ft8">stände des vorliegenden Falls und seiner Praxis zum Schluss, dass</span><br/> <span class="ft8">der Verursacheranteil von G.J.C. nicht höher als auf 20 % festzuset-</span><br/> <span class="ft8">zen ist. G.J.C. ist einzig als schuldloser Zustandsstörer zu betrachten.</span><br/> <span class="ft8">Es ist nicht belegt, dass ihm darüber hinaus ein Verschulden vorge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Gewässerschutzrecht</span> <span class="page_no">499</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">worfen werden kann, indem er beispielsweise den rechtswidrigen</span><br/> <span class="ft8">Zustand auf seiner Liegenschaft kannte und duldete. Die Anknüp-</span><br/> <span class="ft8">fung an seine Eigenschaft als Grundeigentümer und der ihm zukom-</span><br/> <span class="ft8">mende Vorteil der Sanierung seiner Liegenschaft rechtfertigen vor-</span><br/> <span class="ft8">liegend für sich allein eine Haftungsquote von 20 %.</span><br/> <span class="ft8">In der Folge beläuft sich der deutlich grössere Haftungsanteil</span><br/> <span class="ft8">des Beschwerdeführers als Verhaltens- und Zustandsstörer auf 80 %.</span><br/> <span class="ft8">So verfügte der Beschwerdeführer zum einen über die unmittelbare</span><br/> <span class="ft8">Herrschaft über das Geschehen; auf seine Handlungsweise bzw. zu-</span><br/> <span class="ft8">mindest das unterlassene Eingreifen ist das Schadensereignis denn</span><br/> <span class="ft8">letztlich auch primär zurückzuführen.</span><br/></div> </div> </body> </html>