B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3189/2011 law/bah U r t e i l v o m 2 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Christian Hoffs, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen/Appenzell, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Mai 2011 / N (…). D-3189/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Die Beschwerdeführerin, eine ethnische Tamilin mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge zusa m- men mit ihren Eltern C._______ und D._______ (N …) sowie den G e- schwistern E._______ (N …) und F._______ (N …) am 7. August 2009 und gelangte am 10. August 2009 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. A.b. Anlässlich der Befragungen zur Person im Empfangs - und Verfah- renszentrum Basel vom 13. August 2009 erklärte die Beschwerdeführerin, ihre Verwandten seien vom Vanni -Gebiet in ein Flüchtlingslager geko m- men. Sie hätten die Familie einer Tante aus dem Lager zu sich nach Hau- se geholt und auch eine jüngere Schwester ihres Vaters. Seither hätte n sie Probleme mit dem "Criminal Investigation Department" (CID) gehabt. Die Polizei habe Kontrollen durchgeführt. Ihr jüngerer Bruder sei im Jahr 2000 zu den "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) gegangen. Auch sie sei damals zu den LTTE gegangen, ihr e Eltern hätten sie aber z u- rückgeholt. Sie seien damals nach B._______ gezogen. Dort hätten sie Probleme mit der Polizei gehabt, weil ihr Bruder bei den LTTE sei. Der CID sei zwei - bis dreimal zu ihnen gekommen und habe ihren Vater b e- fragt. Einmal hätten s ie ihn sogar mitgenommen. Als sie das letzte Mal gekommen seien, sei ihr Vater nicht zu Hause gewesen. Im Januar oder Februar 2007 sei sie von den Behörden einmal mitgenommen und g e- fragt worden, ob sie die LTTE unterstütze. Sie sei eingeschüchtert wo r- den, man habe ihr aber nichts angetan. Nach einer halben Stunde habe man sie gehen lassen. Im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka wäre ihr Leben gefährdet, da ihr Bruder bei der LTTE sei. A.c. Am 4. September 2009 wurde die Beschwerdeführerin vom BFM zu ihren Asylgründen angehört. Sie machte im Wesentlichen geltend, sie ha- be ihre Ausbildung (Fernstudium) in Literaturwissenschaften und Tamil - Grammatik nicht abschliessen können, da ihre Mutter sich davor gefürc h- tet habe, sie für weitere Prüfungen nach Colombo zu schicken. Da ihr Le- ben in Gefahr sei, könnten sie nicht mehr in ihrer Heimat leben. Man h a- be sie verdächtigt, Kontakte zu den LTTE zu haben. Die Singhalesen in ihrer Nachbarschaft hätten ihnen immer gesagt, sie würden die LTTE u n- terstützen. Wenn sie ausser Hauses gingen, würden sie ständig kontro l- liert und auch ihr Haus sei kontrolliert worden. Wenn sie mit ihrem Moto r- rad unterwegs gewesen sei, sei sie am Check -Point jedes Mal überprüft D-3189/2011 Seite 3 worden. Im Februar 2007 sei sie vom CID mitgenommen und befragt worden. Der Be amte habe s ie über die Zeit befragt, in der sie in G._______ gelebt hätten. Sie sei gefragt worden, wo ihr jüngerer Bruder sei und ob es stimme, dass sie bei den LTTE gewesen sei. Der Beamte habe auch wissen wollen, ob ihr Vater die LTTE unterstützt habe. Ihr sei gesagt worden, sie müsse wieder kommen, wenn sie bestellt werde; sie sei aber nicht mehr aufgeboten worden. Sie bekämen auch telefonisch Drohungen. Die Unbekannten hätten Geld gefordert und gedroht, Mitglie- der ihrer Familie zu entführen. Ihr Vater sei einmal entführt und beraubt worden. Einmal sei ihr Vater zu Hause festgenommen, mitgenommen und befragt worden. Es seien viele Leute entführt worden. Leute würden getö- tet und in der Nähe sei einmal eine Bombe explodiert. Drei Kinder ihrer Tante seien bei den LTTE gewesen und für diese gefallen. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 5. Mai 2011 fest, die Beschwerdefüh- rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung aus der Schweiz und ordne- te den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingabe vom 3. Juni 2011 liessen die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Verfügung des BFM aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vo r- läufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsic ht liess sie beantragen, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen. Der Ei n- gabe lag ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zur Lage in Sri Lanka vom 1. Dezember 2010 bei. D. D.a. Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2011 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut, unter der Voraussetzung, dass innerhalb angesetzter Frist eine Fürsorgebest ä- tigung nachgereicht werde. D-3189/2011 Seite 4 D.b. Die Beschwerd eführerin übermittelte am 14. Juni 2011 eine vom 8. Juni 2011 datierende Bestätigung ihrer Fürsorgeabhängigkeit. E. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 18. Juli 2011, welche der Beschwerdeführerin vom Bundesverwaltungsgericht am 20. Juli 2012 zur Kenntnis gebracht wurde – die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die be schwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. daher zur Einreichung der Beschwer de legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-3189/2011 Seite 5 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausg esetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, die vier Jahre zurückliegende kurzzeitige Verhaftung der Beschwerdeführerin durch den CID sowie die Kontrollen, denen ihre Familie ausgesetzt gewesen sei, seien im Zusammenhang mit der Bekämpfung der LTTE zu sehen . Sol- chen behördlichen Massnahmen käme aufgrund mangelnder Intensität kein Verfolgungscharakter zu. Wäre sie verdächtigt worden, an terrorist i- schen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein, wäre sie zweifellos inhaftiert worden. Auch die Tatsache, dass sie bei ihrer Reise nach Colombo im Juli 2009 zwar kontrolliert und registriert worden sei, ansonsten aber keine Probleme gehabt habe, mache deutlich, dass sie von den srilankischen Behörden damals nicht gesucht worden sei. Die Situation stelle sich he u- te in Sri Lanka anders dar. Der Krieg zwischen der Regierung und den LTTE sei beendet und das Land sei unter Kontrolle der Regierung. Die Anzahl der Entführungen, Verschleppungen und Tötungen sei erheblich zurückgegangen. Es treffe zu, dass die Behörden alles daran setzten, ein Wiedererstarken der LTTE zu verhindern. Die Beschwerdeführerin habe aber nie erklärt, Mitglied der LTTE gewesen zu sein. Sie habe zwar zur LTTE gehen wollen, sei jedoch von ihren Eltern daran g ehindert worden. In ihren Schilderungen fänden sich keine Hinweise dafür, dass die he i- matlichen Behörden heute ein Interesse hätten, sie zu verfolgen. Auch die D-3189/2011 Seite 6 Tatsache, dass ihr Bruder bei den LTTE sei und verschiedene Verwandte für diese gefallen seien, führe nicht automatisch dazu, dass sie von den Behörden als eine Gefahr für die Sicherheit des srilankischen Staats e r- achtet und verfolgt werde. Angesichts ihres geringen politischen Profils sei nicht davon auszugehen, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt mit e rhebli- cher Wahrscheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht sei. Bei den durch die Beschwerdeführerin geschilderten Drohungen und Übergriffen durch unbekannte Personen habe es sich um eine Verfolgung durch Dritte gehandelt. Für ihre Familie be stehe die Möglichkeit, sich an die Behörden zu wenden und um Schutz zu ersuchen. Deshalb seien auch diese Vorbringen nicht asylrelevant. 4.2. In der Beschwerde wird vorab auf den beigelegten Bericht der SFH verwiesen und geltend gemacht, Tamilen, die das Land w ährend des Krieges verlassen und im Ausland ein Asylgesuch eingereicht hätten, sei- en nach ihrer Rückkehr besonderen Risiken ausgesetzt. Das BFM übe r- sehe, dass die Beschwerdeführerin sich hinsichtlich befürchteter Übergrif- fe von Dritten an Institutionen wenden müsste, die bis vor Kurzem mit den Verfolgern zusammengearbeitet hätten. In einem Land, in dem die Ko r- ruption grassiere, würden Behörden immer noch mit Kriminellen zusa m- menarbeiten. Sie gehöre zu einer Personengruppe, die besonders g e- fährdet sei, im Fa ll einer Rückkehr staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu werden. Sie habe begründete Furcht, bei einer Rückkehr in ihre Heimat ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden. 5. 5.1. Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zue rkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i- lung der Flüchtling seigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l-D-3189/2011 Seite 7 chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfa lls we- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S . 154 f., W ALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände r- recht, 2. Aufl., Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 5.2. Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit - punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba- rer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft ve r- wirklichen. Ein e bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der e r- warteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive er - folgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprech end die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asy l- rekruskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 5.3. 5.3.1. Das BFM hat in der angefochtenen Ve rfügung zu Recht befunden, dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Ausreise aus Sri Lanka seitens der heimatlichen Behörden keinen asylrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt war. Sie wurde eigenen Aussagen zufolge im Februar 2007 einmal von einem CID -Beamten zu Hause abgeholt und zu einer Befr a- gung mitgenommen. Dabei kann entgegen der Ausführungen in der ange- fochtenen Verfügung nicht von einer kurzzeitigen Verhaftung gesprochen werden. Der Beschwerdeführerin wurden Fragen zu ihrer Vergangenheit und zur allfälligen LTTE-Zugehörigkeit – auch von Verwandten – gestellt. Sie sei zwar eingeschüchtert, aber nicht konkret bedroht oder gar mis s- handelt worden. Aus diesem Ereignis erwuchsen ihr jedoch keine erhebli- chen Nachteile und sie wurde in der Folge zu keinen weiteren Befragun- gen aufgeboten. Sie stand somit nicht konkret im Verdacht, Verbindungen zu den LTTE gehabt zu haben, ansonsten die srilankischen Sicherheit s- behörden weitergehende Massnahmen ergriffen hätten. Die Besuche des CID im Juni 2009 galten ihrem Vater. Das Bundesverwaltungsgericht ist im das ihren Vater, ihre Mutter und ihren Bruder betreffenden Urteil D-3189/2011 Seite 8 D-3186/2011 vom heutigen Tag zur Auffassung gelangt, dass ihrem Vater seitens des CID keine Verfolgung drohte. Er wurde zu den Verwandten befragt, die von der Familie der Beschwerdeführerin aufgenommen wu r- den und nach einer Stunde entlassen. Die Hausdurchsuchungen, von denen die Beschwerdeführerin berichtete, sind für ihre Familie lästig g e- wesen und habe diese sicherlich auch geängstigt, inde ssen waren diese nicht persönlich gegen sie gerichtet, sondern durch die allgemeine S i- cherheitslage verursacht. Insofern die Beschwerdeführerin schilderte, sie sei am Check-Point immer kontrolliert worden, wenn sie mit ihrem Moto r- rad vorbeigefahren sei, is t festzuhalten, dass Check -Points dazu dienen, Kontrollen durchzuführen. Gerade von Motorfahrrädern aus wurden in Sri Lanka verschiedentlich Anschläge ausgeübt. Die Kontrollen waren somit nicht gegen die Beschwerdeführerin persönlich gerichtet, sondern dienten wiederum der Erhöhung der allgemeinen Sicherheit. Sie räumte denn auch selbst ein, dass sie manchmal sofort habe weiterfahren können und manchmal zwischen fünf und fünfzehn Minuten aufgehalten worden sei (vgl. act. A7/19 S. 11). Insofern die Beschwerd eführerin geltend macht, mehrere Verwandte seien bei de n LTTE gewesen und zum Teil für diese gefallen, ist festzustellen, dass ihr daraus keine ernsthaften Nachteile entstanden, obwohl die Behörden diesbezüglich auf dem Laufenden w a- ren. 5.3.2. Die Beschwerdeführerin sagte bei den Befragungen aus, ihre Fami- lie habe Drohanrufe von unbekannten Dritten erhalten. Ihr Vater sei ei n- mal entführt und beraubt worden. Die Beschwerdeführenden konnten i n- dessen keine konkreten Ereignisse benennen, aus denen sich ergeben würde, dass gerade sie von weiteren, intensiveren Übergriffen seitens von Drittpersonen bedroht gewesen wären, welche allenfalls eine b e- gründete Furcht vor Verfolgung nachvollziehbar machen könnte. 5.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt ihrer Ausreise von den srilankischen Behörden nicht gesucht wurde und gegen sie nichts vorlag, was mit beachtlicher Wahrscheinlic h- keit zu einer Verfolgung hätte führen können. Es lagen auch keine ko n- kreten Anhaltspunkte dafür vor, dass ihr von milita nten Gruppierungen Gefahr einer Verfolgung gedroht hätte. 5.5. Seit der Ausreise der Beschwerdeführe rin im August 2009 hat sich die allgemeine Lage in Sri Lanka verändert. Nach Beendigung des milit ä- rischen Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 ist von einer inzwischen erheblich verbesserten Lage in Sri Lanka D-3189/2011 Seite 9 auszugehen. Militärisch gelten die LTTE als vernichtet. Die Sicherheitsl a- ge hat sich in bedeutsamer Weise stabilisiert, auch wenn sich das Land immer noch in einem Entwicklungs prozess befindet. Die Mensche n- rechtslage hat sich allerdings namentlich hinsichtlich der Meinungsäusse- rungs- und der Pressefreiheit verschlechtert. Politisch Oppositionelle je g- licher Couleur werden seitens der Regierung als Staatsfeinde betrachtet und müssen mit entsprechenden Verfolgungsmassnahmen rechnen (vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 7) und es bestehen verschiedene Risikogruppen, welche auch nach Beendigung des Krieges verdächtigt werden, mit den LTTE i n Ver- bindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu haben. Auch una b- hängige Journalisten beziehungsweise regierungskritische Me - dienschaffende haben ein erhöhtes Risikoprofil. Im Weiteren ist bei Op - fern und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen und Person en, die entsprechende Übergriffe behördlich angezeigt haben, mit erhöhter Ve r- folgungsgefahr zu rechnen. Ausserdem laufen abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz unter Umständen Gefahr, bei der Rüc k- kehr behördlich belangt zu werden, weil ihnen K ontakte zu führenden LTTE-Kadern in der Schweiz unterstellt werden. Wegen drohender E r- pressung, Kidnapping und anderen Verfolgungshandlungen bilden schliesslich Personen, welche über be trächtliche finanzielle Mittel verf ü- gen, eine weitere Risikogruppe. Be i allen Personen, die dieser Risik o- gruppe angehören, muss allerdings bei der Prüfung der Flüchtlingseige n- schaft das Motiv der jeweiligen Verfolgungshandlungen sorgfältig unte r- sucht werden. Sofern ausschliesslich ein finanzielles Verfolgungsintere s- se auszum achen ist, ist diesem Aspekt bei der Prüfung der Wegwe i- sungshindernisse Rechnung zu tragen (vgl. BVGE E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 8). 5.6. Angesichts der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass die B e- schwerdeführerin einer solchen Risikogruppe angehört. Namentlich ist es ihr nicht gelungen, überzeugend darzulegen, dass sie konkret verdächtigt wurde, den LTTE nahezustehen. Der CID wurde zwar offenbar davon in Kenntnis gesetzt, dass sie einmal bei der LTTE gewesen sei ( vgl. act. A7/19 S. 11), mass dieser Denunziation aber keine Bedeutung zu. Sie wurde nach ihrer kurzen Befragung vom Februar 2007 nicht mehr vorg e- laden und der CID leitete offensichtlich keine weiteren Ermittlungen ein. Die Beschwerdeführerin brachte vor, mehrere ihrer Verwandten seien von den LTTE rekrutiert worden und teilweise für diese gefallen, indessen e r- wuchsen ihr daraus bis zu ihrer Ausreise keine ernsthaften Nachteile. I h- ren Angaben kann nicht entnommen werden, dass sie sich politisch bet ä-D-3189/2011 Seite 10 tigte, weshalb sie auch dies bezüglich das Interesse der Sicherheitskräfte nicht auf sich gezogen haben kann. Zudem wurde sie nie verurteilt und gegen sie ist kein Verfahren hängig. Der Umstand, dass sie sich seit zweieinhalb Jahren in der Schweiz aufhält und hier ein Asylgesuch einge- reicht hat, vermag ebenfalls nicht zur Annahme einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu führen, da keine Anhaltspunkte dafür b e- stehen, dass sie sich im nahen Umfeld der LTTE bewegte. Schliesslich kann angesichts ihrer Aussagen auch nicht davo n ausgegangen werden, sie würde im Falle einer Rückkehr in ihre Heimat dort über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen, so dass sie auch in dieser Hinsicht keiner e r- höhten Gefährdung unterliegt. 5.7. Zusammenfassend ergibt sich, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Sri Lanka bestehende oder unmittelbar drohende asylrechtlich relevante Verfolgung nachzuwe i- sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Auch für den heutigen Zei t- punkt kann ihr keine be gründete Furcht vor einer Rückkehr in die Heimat zuerkannt werden. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würdigung des vo r- liegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Das BFM hat ihr Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. 6. 6.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). D-3189/2011 Seite 11 Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Mensch enrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flücht lingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung D-3189/2011 Seite 12 ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäische n Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihr unter Hinweis auf die vorstehenden Ausführungen im Asylpunkt nicht gelungen. Sie gehört keiner in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft relevanten Risi- kogruppe an, weshalb nicht davon auszugehen ist, ihr drohe im Rahmen der routinemässigen Überprüfung bei der Rückkehr diesbezüglich eine unmenschliche Behandlung. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt ebe n- falls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 10.4.2). 7.4. 7.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insbe - sondere dann nicht zumutbar, wenn die b eschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausge - setzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen a n- gewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigen- schaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips erfül - len, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren könn en. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorh errschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVG E E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 11.1, BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 7.4.2. Seit Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der srilankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 hat sich die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert. Die Situation in der Os tprovinz hat sich weit- gehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu erac h-D-3189/2011 Seite 13 ten ist (vgl. BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz von Sri Lanka ist indes differenziert zu betrachten, da sich die Situation gebietsweise sehr unterschiedlich präsentiert. So ist in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar, der Alltag eingekehrt. Die Lage in Jaffna hat sich namentlich nach der Öffnung der Verbindungsstrasse A9 (Haupt- verkehrsachse zwischen Kandy in der Zentralprovinz nach Jaffna) im N o- vember 2009 deutlich gebe ssert und die Versorgungslage ist entspannt. Die Militärpräsenz in Jaffna hat zwar abgenommen, ist aber nach wie vor praktisch auf jeder Strasse sichtbar. Gleichzeitig haben die Polizei - und Zivilbehörden ihre Funktionen und Tätigkeiten aufgenommen bezi e- hungsweise von den Militärbehörden übernommen. Gemäss UNOCHA hat die UNO guten Zugang zu den Rückkehrgebieten im Norden ("return areas"). Der Fortschritt in diesen Gebieten soll beeindruckend sein. Ein i- ge Schulen sind wiedereröffnet und Spitäler wieder einge richtet worden, wobei noch Lücken innerhalb des Basisdienstleistungsangebots feststel l- bar sind und die wirtschaftlichen Aktivitäten limitiert bleiben. Das UNHCR betont, dass der Zugang zu Land und Wohnraum für die Rückkehrer ein massgebliches Problem darst ellt; das UNHCR und andere Organisati o- nen in Mannar, Jaffna, Vavuniya, Batticaloa und Trincomalee stellen u n- entgeltlichen Rechtsbeistand zur Verfügung, um die Rückkehrer in rech t- lichen Angelegenheiten zu unterstützen, wobei nicht alle Regionen abg e- deckt sind. In den genannten Gebieten (Distrikt Jaffna und die südlichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar, mit anderen Worten: die Nor d- provinz unter Ausschluss des sogenannten "Vanni -Gebietes") herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt und die dortige pol itische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dies es Gebiet eine sorgfältige, zurückha l- tende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio -ökonomische und medizinische As- pekte, Kindeswohl etc.), ist dabei auch dem zeitlichen Element gebüh - rend Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stam - men und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegan- gen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens- und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeit- punkt der Ausreise geherrscht hat und dem Wegweisungsvollzug zurück D-3189/2011 Seite 14 dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Le - bens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbar - keit des Wegweisungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusammen- hang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Be ziehungs- netzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzmin i- mums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigende Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Z u- mutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthal tsalternative im Übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. BVGE E-6620/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1). 7.4.3. Die Beschwerdeführerin lebte eigenen Angaben zufolge seit dem Jahr 2000 in B._______ (vgl. act. A1/11 S. 1), das nicht im Vanni-Gebiet liegt. Ihre Eltern, deren Asylgesuch mit heutigem Urteil D -3186/2011 ebenfalls abgewiesen wurde und die in die Heimat werden zurückkehren müssen, besitzen dort nach wie vor ein Haus, sodass ihre Wohnsituation als gesichert erachtet werden kann. Die Beschwerdeführerin verfügt nicht über eine abgeschlossene Ausbildung, es kann aber davon ausgegangen werden, dass es ihr möglich sein wird, ihr Fernstudium wieder aufzune h- men und einen Abschluss zu machen. Sie gab Kleinkindern Nachhilfe - Unterricht und wird dies wohl auch nach einer Rückkehr in die Heimat tun können, so dass sie zum Auskommen der Familie etwas wird beitragen können. Es ist weiter davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auf ein existierendes, soziales Netz stosse n wird und ihr der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz – mit Hilfe ihrer Eltern – mög- lich sein wird. Auch wenn sie seit zweieinhalb Jahren landesabwesend gewesen ist, bestehen keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten wird. 7.4.4. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar. 7.5. Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zustä n- digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-3189/2011 Seite 15 7.6. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist demnach abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zw i- schenverfügung vom 10. Juni 2011 die Gewährung der unentgeltliche n Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG in Aussicht gestellt wurde, so- fern sie eine Bestätigung ihrer Fürsorgeabhängigkeit nachreiche, und sie diese am 14. Juni 2011 nachreichte, ist auf die Auferlegung der Verfa h- renskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3189/2011 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand: