B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-34/2014 U r t e i l v o m 7 . J a n u a r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Walter Stöckli, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Dr. Reza Shahrdar, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2013 / N (…). E-34/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge Ende 2009 und reiste über die Türkei, Griechenland und weitere Län- der am 15. Juli 2010 in die Schweiz ein, wo er im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) B._______ am 16. Juli 2010 um Asyl nachsuchte. Am 21. Juli 2010 wurde er im EVZ zur Person (BzP) befragt. Am 5. August 2010 folgte eine einlässliche Anhörung zu den Asylgründen. Er begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, er sei Mitte Juni 2009 anlässlich einer Demonstration in Teheran zusammen mit anderen Teilnehmern von der iranischen Sicherheitspolizei angehalten und verhaftet worden. Wäh- rend seiner Inhaftierung sei er gequält und misshandelt und nach drei Ta- gen entlassen worden. Zirka eine Woche später sei er zu seinem Arbeits- platz zurückgekehrt, um seine Unterlagen abzuholen, da er entschieden habe, seine Arbeitsstelle zu kündigen. Auf dem Nachhauseweg sei er in ein Gedränge von Menschen geraten und dabei wie andere auch von den Ba- sidjis angehalten und durchsucht worden. D abei hätten diese ihm seine Ausweisdokumente und andere Dokumente abgenommen. In seiner Ar- beitskleidung hätten sie zudem regierungsfeindliche Flugblätter von De- monstrationen gefunden. Der Beschwerdeführer habe entkommen können und dabei aber seine Tasche zurückgelassen. Er sei nach einem Tag zu Hause zu seiner Schwester nach C._______ gegangen, wo er zirka zwei Monate geblieben sei. Er habe abgewartet, wie sich die Lage entwickeln würde. Zwei Wochen nach dem Ereignis mit den Basidjis hätten seine El- tern Besuch von Beamten in Zivil bekommen, welche nach ihm gefragt hät- ten. Ungefähr einen Monat später seien bei ihnen Angehörige der Militär- polizei erschienen und hätten den Beschwerdeführer der Desertion bezich- tigt und beabsichtigt, ihn mitzunehmen. Aus diesen Gründen habe sich der Beschwerdeführer gefürchtet und sei zu einem Freund nach Urumiye ge- fahren, wo er seine Ausreise vorbereitet habe. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. Im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens wurden folgende Beweismittel zu den Akten gereicht: – mehrere Fotos von Teilnahmen des Beschwerdeführers an mehreren Demonstrationen in D._______ und in E._______ im Zeitraum vom (…) Oktober 2010 bis (…) Februar 2011, – Auszug der Homepage der Volksmujaheddin, – Bestätigungsschreiben des (…) vom 17. August 2011. E-34/2014 Seite 3 B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 2. Dezember 2013, eröffnet am 9. De- zember 2013, fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asy lgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Weg- weisung aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die geltend gemachten Vorbringen weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlings- eigenschaft standhalten würden. Den Vollzug in den Iran befand die Vo- rinstanz für zulässig, zumutbar und möglich. Auf die weitere Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 4. Januar 2014 an das Bundesverwaltungsgericht bean- tragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Gewährung von Asyl und eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurden die Herstellung der aufschiebenden Wirkung sowie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses beantragt. Gleichzeitig wurde zur Untermauerung der Anliegen des Beschwerdeführers eine DVD mit Fotos und Filmaufnah- men als Beweismittel eingereicht. Zudem wurde die Einreichung weiterer Beweismittel aus dem Ausland, welche der Schweizer Botschaft in Teheran zugestellt würden, in Aussicht gestellt. Am 7. Januar 2014 wurde eine Fürsorgebestätigung eingereicht. D. Mit Instruktionsverfügung vom 15. Januar 2014 verwies die zuständige In- struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt und ver- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerdefüh- rer wurde aufgefordert, innert Frist die in Aussicht gestellten Beweismittel einzureichen. E. Mit Eingabe vom 5. Juli 2014 (Eingang Bundesverwaltungsgericht: 22. Ja- nuar 2014) reichte der Beschwerdeführer die Kopie eines Haftbefehls der (…) vom (…) 2010 zu den Akten und stellte dessen Original in Aussicht. E-34/2014 Seite 4 F. Am 4. Februar 2014 reichte der Beschwerdeführer verschiedene Unterla- gen betreffend seine Situation in der Schweiz (Konkubinatsregelung, Aus- weiskopien, Ledigkeitsausweis, Wohnsitzbestätigungen, Lohnbestätigung, Mietverträge, Vollmachten, Immatrikulationsbestätigungen) zu den Akten. G. Mit Eingaben vom 9. Juli 2014 und 5. September 2014 wurden Unterlagen betreffend die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers sowie ein Berufsattest, eine CD (Fotos und Filmaufnahme von Demonstrationsteil- nahmen) und ein Arbeitsvertrag nachgereicht. H. Mit Eingabe vom 12. Juni 2015 wurde ein fremdsprachiges Dokument (ge- richtliche Vorladung vom (…) 2010 [gemäss eingereichter Übersetzung] ) im Original samt deutscher Übersetzung als Beweismittel eingereicht. I. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 9. Oktober 2015 die Abweisung der Beschwerde. J. Der Beschwerdeführer nahm dazu mit Replik vom 14. Oktober 2014 (recte: 14. Oktober 2015 Poststempel) Stellung. K. Mit Eingabe vom 3. November 2014 (recte: 3. November 2015 Poststem- pel) reichte der Beschwerdeführer Ausbildungsbestätigungen (Deutschat- test, Kursbestätigung "Erfolgreiche Stellensuche" und Berufsattest) zu den Akten. E-34/2014 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-34/2014 Seite 6 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 wurden. Keine Flüchtlinge sind jedoch Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht linge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Gemäss FK sind Flüchtlinge im Wesentlichen Personen, die sich aus be- gründeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Staatszuge- hörigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung ausserhalb ihres Heimatlandes befinden und dessen Schutz nicht beanspruchen können oder wegen dieser Be- fürchtungen nicht beanspruchen wollen (Art. 1A Abs. 2 FK). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtling seigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen o- der der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinau s muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschieb t oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strik- ten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich E-34/2014 Seite 7 ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie- gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre- chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkei t der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f., BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli- chen damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er nach der Anhaltung durch die Basidjis mehrfach von den Basidjis, der Militärpolizei oder anderen Behörden bei ihm zu Hause gesucht worden sei, seien aus verschiedenen Gründen unglaubhaft. So habe er anlässlich der BzP weder die regimefeindlichen Flugblätter, die bei ihm gefunden worden seien, noch den Besuch der Militärpolizei erwähnt. Umgekehrt habe er bei der BzP gel- tend gemacht, er hätte wegen seiner Festnahme vor Gericht erscheinen müssen, worauf er sich bei der vertieften Anhörung erst auf Nachfrage wie- der besonnen und dies als Vorwand der Behörden für eine erneute Fest- nahme abgetan habe. Über die angeblichen Besuche bei ihm zu Hause habe er keine Angaben machen und auf Nachfrage nur ausweichend ant- worten können. Der Hinweis auf das Alter und den Analphabetismus seiner Eltern würde dies nicht rechtfertigen. Auch vermöge dies nicht zu erklären, weshalb er nicht wenigstens substantiierte I nformationen zu den Begleit- umständen dieser Begegnungen – das fluchtauslösende Ereignis – habe liefern können. Die Zweifel an der G laubhaftigkeit seiner Vorbringen wür- den durch die teilweise realitätsfremden und der allgemeinen Erfahrung widersprechenden Schilderungen verstärkt. Es sei nicht einzusehen, wes- halb die Ba sidjis den Beschwerdeführer nicht direkt im Anschluss an die geschilderte Anhaltung in seinem Haus aufgesucht hätten, wenn dies ihr Anliegen gewesen wäre. Hätten die Basidjis ihm nämlich bei der Durchsu- chung tatsächlich sämtliche Ausweispapiere abgenommen, wäre es für sie einfach gewesen, ihn umgehend ausfindig zu machen. Im Weiteren be- zeichnete die Vorinstanz die geltend gemachte, anlässlich einer Demonst- ration erfolgte Festnahme durch die iranischen Sicherheitskräfte Mitte Juni 2009, bei der er gequält und misshandelt und nach drei Tagen wieder ent- lassen worden sei, mangels Intensität als asylrechtlich irrelevant, da sie einen we iteren Verbleib des Beschwerdeführers in seinem Heimatstaat nicht unzumutbar würden erscheinen lassen. Aufgrund der bereits darge- legten Unglaubhaftigkeit der übrigen Vorbringen in Bezug auf die geltend gemachten Vorfluchtgründe sei in zeitlicher und sachli cher Hinsicht kein genügend enger Kausalzusammenhang gegeben, zumal die betreffende E-34/2014 Seite 8 Verfolgungshandlung mit der Unterzeichnung der Entlassungsdokumente endgültig abgeschlossen und damit nicht ka usal für die Flucht gewesen sei. In Bezug auf die geltend gemachten Nachfluchtgründe ergebe sich aus den eingereichten Beweismitteln kein derart herausragendes exilpoliti- sches Profil, welches den Beschwerdeführer als konkrete Bedrohung für das iranische Regime erscheinen liesse. Seine Tätigkeit (Teilnahme an De- monstrationen, Mitgliedschaft in einer exilpolitischen Partei) sei vergleich- bar mit derjenigen einer Vielzahl von Iranern in der Schweiz und hebe sich somit nicht von den üblichen Aktivitäten anderer exilpolitisch tätiger Iraner ab. Den eingereichten Bildern sei nicht zu entnehmen, dass er sich bei den erwähnten Demonstrationen besonders und über das Mass der anderen Personen hinaus exponiert oder eine in der Öffentlichkeit exponierte Füh- rungsposition innegehabt hätte. Auf den Bildern sei er auch nicht nament- lich erwähnt. Bei einer Rückkehr in den Iran hätte er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung seitens der heimatlichen Behörden zu befürchten, zumal aufgrund der diesbezüg- lich unglaubhaften Aussagen davon auszugehen sei, dass er vor seiner Ausreise aus dem Heimatland dort nicht behördlich verfolgt worden sei. 4.2 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, es seien in seiner Abwesen- heit im Iran mehrere Rechtsschriften abgegeben worden, welche seine Verwandten im Original der Schweizer Botschaft in Teheran übergeben würden. Damit sei seine Verfolgungssituation bewiesen. Zudem bestreite er die vom BFM festgestellten Widersprüche und Ungereimtheiten. Im Üb- rigen sei ihm bei der Durchsuchung auf der Strasse durch die Basidjis dank einem Handgemenge die Flucht gelungen. Ferner könne das Aufspüren einer Person alleine mit ID-Papieren mehrere Tage dauern. In den erwähn- ten Tagen hätten die Basidjis alle Hände voll zu tun gehabt und der Be- schwerdeführer sei nicht auf ihrer Prioritätenli ste gewesen . Schliesslich seien seine exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz intensiv. Dies könne den Aufnahmen des Schweizer Fernsehens als auch auf Bildern des Mu- jaheddin-Fernsehens, bei dem er ein Interview gegeben habe, entnommen werden. Gemäss einer als Beweismittel eingereichten Kopie eines fremdsprachigen Dokumentes soll gegen den Beschwerdeführer ein Haftbefehl ( […], ge- stützt auf einen Entscheid Nr. […] wegen Teilnahme an einem "Aufruhr" nach den Präsidentschaftswahlen und wegen Aktivitäten gegen die natio- nale Sicherheit am […]) ausgestellt worden sein. E-34/2014 Seite 9 Gemäss dem als Beweismittel eingereichten Original eines "Vorladungs - Blatts", das zufällig bei den Eltern des Beschwerdeführers gefunden wor- den sei, soll dieser am (…) als Angeschuldigter vor Gericht vorgeladen worden sein. 4.3 Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der Beschwerde. Dabei stellte sie sich auf den Standpunkt, dass der Beweis- wert des eingereichten Haftbefehls als gering einzustufen sei. Solche Do- kumente könnten im Heimatstaat des Beschwerdeführers ohne weiteres unrechtmässig erworben werden. Zudem handle es sich um eine schlechte Fax-Kopie; das in Aussicht gestellte Original sei bisher nicht eingereicht worden. Es verwundere, weshalb das auf den (…) 2010 datierte Dokument erst rund vier Jahre nach dessen Ausstellung eingereicht worden sei. Zu- dem handle es sich dabei um ein internes Gerichtsdokument, welches in der Regel nicht im Besitz der gesuchten Person sein bzw. nicht ausserhalb von Gerichts- und Polizeikreisen zirkulieren würde. Es sei auch nicht dar- gelegt worden, wie die Familie in dessen Besitz gelangt sei. Aus diesen Gründen komme auch der gerichtlichen Vorladung vom (…) 2010 ein ge- ringer Beweiswert zu. Im Übrigen sei gemäss Abklärungen der Schweize- rischen Botschaft in Teheran in einem ähnlich gelagerten Fall selbst in klei- nen Städten und Gemeinden ausgeschlossen, dass die Vorladung – wie die vorliegende – noch am Tag der Ausstellung vom Gerichtsdiener zuge- stellt werde. Dies gelte erst recht für eine Milli onenstadt wie Teheran. Es verwundere weiter, dass das eingereichte Dokument wie vom Beschwer- deführer angegeben, ein handschriftlich ausgefülltes Originaldokument sein soll. Mangels Vergleichsmaterial lasse sich jedoch keine abschlies- sende Einschätzung hinsichtlich der Authentizität des Dokumentes vorneh- men. Insgesamt würden die eingereichten Beweismittel nichts an der dar- gelegten Unglaubhaftigkeit im angefochtenen Entscheid ändern, sogar vielmehr bestärken. So müsse die Angabe, wonach die Vorladung "neulich" von den Eltern des Beschwerdeführers "rein zufällig" gefunden worden sei, als unglaubhafte Schutzbehauptung eingestuft werden. Es sei davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführer von den Eltern umgehend darüber informiert worden wäre, wenn kurz nach seine r Ausreise tatsächlich Ge- richtsunterlagen angefallen wären. Auf allfällige Justizdokumente ange- sprochen, habe der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung erklärt, keine offiziellen Dokumente erhalten zu haben. Bei den weiteren, im Zu- sammenhang mit dem exilpolitischen Engagement eingereichten Beweis- mitteln – diverse Fotografien und Videoaufnahmen – handle es sich ledig- lich um Sympathiebekundungen anlässlich von Demonstrationen und Kundgebungen. Diese würden zudem aus dem Jahre 2011 stammen, bei E-34/2014 Seite 10 denen es sich um die jüngsten Aktivitäten des Beschwerdeführers handeln solle. Es gebe auch keine Hinweise, wonach er bereits früher mit der Mu- jaheddin Khalq Organization (MEK) sympathisiert hätte. Es lasse sich da- her nicht ableiten, dass er sich längerfristig exilpolitisch exponiert hätte. 4.4 In seiner Replik macht der Beschwerdeführer dazu geltend, die einge- reichten Beweismittel seien durch die Schweizerische Botschaft in Teheran zu überprüfen. Ein Verweis auf Käuflichkeit genüge nicht, da dies nicht zu- treffe. Seine Verwandten hätten nicht daran gedacht, dass gewisse Papiere für das Verfahren wertvoll sein könnten. Sie seien auch wenig gebildet. Es sei zudem vergessen worden, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz in einer eingetragenen Partnerschaft lebe. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Ver- fügung nicht zu beanstanden sind, weshalb zunächst auf diese zu verwei- sen ist. Insbesondere ist den vorinstanzlichen Erwägungen zuzustimmen, wonach die Schilderungen des Beschwerdeführers Widersprüche und wei- tere Ungereimtheiten aufweisen. So machte er bei der summarischen Be- fragung geltend, er sei eine Woche nach seiner Entlassung aus der Poli- zeihaft von Basidjis angehalten und durch sucht worden. Dabei seien ihm seine Papiere – u.a. der Identitätsausweis –, die er zuvor am Arbeitsplatz abgeholt habe, abgenommen worden (vgl. Akte A1). Anlässlich der einläss- lichen Anhörung machte er erstmals geltend, nebst seinen persönlichen Dokumenten hätte man in seiner Arbeitskleidung zwei, drei Blätter mit dem Inhalt "Tod dem Diktator" und "Herr Ahmadinejad, Sie sollten das Schicksal von Herrn Saddam Hussein nicht vergessen", gefunden (vgl. Akte A7, S. 3). Da es sich bei diesen Vorbringen um einen zentralen Punkt der Begrün- dung seines Asylgesuches – die behördliche Suche aus politischen Grün- den – handelt, hätte von ihm erwartet werden können, dass er diese Um- stände bereits bei der BzP erwähnt hätte. Zudem erwähnte er erstmals bei der Anhörung, die Militärpolizei habe ihn zirka eineinhalb Monate später, nachdem er sich bereits in C._______ befunden habe, zu Hause gesucht, ihn als Deserteur bezeichnet und ihn deswegen mitnehmen wollen (vgl. a.a.O.). Weiter vermochte der Beschwerdeführer zu den Umständen des Besuchs der Basidjis und der Militärpolizei lediglich oberflächliche Anga- ben zu machen (vgl. A7 S. 8 f.), was wie von der Vorinstanz zutreffend fest- gestellt, nicht mit dem Alter und dem Analphabetismus seiner Eltern erklärt werden kann. Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, die Basidjis hätten den E-34/2014 Seite 11 Beschwerdeführer, bei dem sie nebst dessen Identitätspapieren regime- feindliche Flugblätter abgenommen hätten, nicht gleic h im Anschluss an die Anhaltung – dieser habe er sich wegen eines Handgemenges entzie- hen können – sondern erst zwei Wochen später bei ihm zu Hause gesucht. Der Einwand des Beschwerdeführers, wonach die Basidjis in jenen Tagen viel zu tun gehabt hätten und er ohnehin nicht auf deren Prioritätenliste gewesen sei, muss als unbehelfliche Sch utzbehauptung bezeichnet wer- den. So wäre nämlich die Chance, den Beschwerdeführer sogleich an sei- nem Wohnort aufzufinden, am grössten gewesen. Zudem hätten die Ba- sidjis, hätten sie tatsächlich Flugblätter mit dem angegebenen Inhalt beim Beschwerdeführer gefunden, bestimmt ein grösseres Interesse an seiner Anhaltung gehabt. Immerhin soll er kurz zuvor aus denselben Gründen schon einmal festgenommen worden sein, wobei er bei seiner Entlassung ein Versprechen habe abgeben und dabei ein Papier habe unterschreiben müssen (vgl. Akte A7 S. 3 und 6) . Schliesslich vermögen auch die einge- reichten Beweismittel – ein Haftbefehl vom (…) 2010 sowie eine gerichtli- che Verladung vom (…) 2010 – aufgrund verschiedener Ungereimtheiten eine asylrechtlich relevante Verfolgung des Beschwerdeführers nicht glaubhaft zu machen. So liegt der eingereichte Haftbefehl lediglich in Kopie vor, dem aufgrund seiner Beschaffenheit, da leicht manipulierbar, die Be- weiskraft abzusprechen ist. Zwar wurde das Original dieses Dokumentes in Aussicht gestellt. Dieses wurde bisher jedoch nicht eingereicht. Abgese- hen davon ist unklar, wie die Angehörigen des Beschwerdeführers in den Besitz des Haftbefehls – ein internes Gerichts-/Polizeidokument – gelangt ist, welches in der Regel nicht in den Besitz der gesuchten Person gelangt. Jedenfalls machte der Beschwerdeführer dazu keinerlei Angaben. Ange- sichts der hievor gemachten Feststellungen kann indessen darauf verzich- tet werden, weiter darauf einzugehen. Schliesslich kann bezüglich der ein- gereichten gerichtlichen Vorladung vom (…) 2010 zunächst den Feststel- lungen der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung gefolgt werden, wonach das Dokument verschiedene formelle Auffälligkeiten (gleiches Ausstell - und Zustelldatum, handschriftliche Ausfertigung anstelle Durchschlagsko- pie) aufweist. Ferner erscheint wenig plausibel, der Beschwerdeführ er habe erst vier Jahre nach dess en Ausstellung davon erfahren resp. seine Eltern hätten diese erst so viel später ("neulich") und "rein zufällig" gefun- den. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von sei- nen Eltern umgehend darüber informiert worden wäre, wenn kurz (ca. drei- einhalb Monate) nach seiner Ausreise (Ende 2009) eine Gerichtsvorladung erfolgt wäre, zumal er nach seiner Einreise in die Schweiz bereits bald in Kontakt mit diesen gestanden haben will (vgl. Akten A1 S. 3 und A7 S. 2). Daher hätte er anlässlich der Anhörung vom 5. August 2010 davon wissen E-34/2014 Seite 12 müssen. Dort bestätigte er indessen, dass sein Vater in den ersten Mona- ten des Jahres 2010 gestorben sei (vgl. a.a.O. S. 2, vgl. auch A1 S. 2) und gab auf eine entsprechende Frage an, er habe keine gerichtliche Vorladung erhalten (vgl. A7 S. 9). Die Erklärungsversuche des Beschwerdeführers, wonach seine Verwandte n nicht daran gedacht hätten, dass es Papiere geben könnte, die für ihn wichtig sein würden, und diese im Übrigen nicht gebildet seien, vermögen die diesbezüglich festgestellten Ungereimtheiten nicht zu beseitigen. Aus diesem Grund ist das Gesuch, diese Beweismittel seien von der Schweizer Botschaft abzuklären, abzuweisen. 5.2 Im Weiteren muss die geltend gemachte Festnahme des Beschwerde- führers im Anschluss an die Teilnahme an eine Demonstration in Teheran Mitte Juni 2009 und die im Anschluss daran erfolgte dreitägige Inhaftie- rung, wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt, als asylrechtlich irrele- vant qualifiziert werden. Zwar sollen der Beschwerdeführer und weitere Personen, die zusammen mit ihm festgenommen worden seien, geschla- gen und psychisch gequält worden sein. Jedoch wurden sie bereits nach zwei Tagen wieder freigelassen und mussten ein Blatt mit dem Titel "Stö- rung der allgemeinen Sicherheit und Ordnung des Landes" unterschreiben, womit diese Angelegenheit offenbar abgeschlossen war. Schliesslich ver- mochte der Beschwerdeführer wie hievor ausgeführt nicht glaubhaft zu ma- chen, dass im Zeitpunkt seiner Ausreise eine Wiederholungsgefahr der frü- her erlittenen Verfolgung bestanden hat und demnach ein Schutzbedürfnis im Zeitpunkt der Ausreise weiterhin bestand. 5.3 Als Zwischenergebnis ist somit davon auszugehen, dass es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Iran bestehende oder unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. E-34/2014 Seite 13 6. 6.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch sein Ver- halten nach der Ausreise aus dem Heimatland, namentlich dem geltend gemachten exilpolitischen Engagement in der Schweiz, Grund für eine zu- künftige Verfolgung durch die iranischen Behörden gesetzt hat und deshalb (das heisst infolge Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe) die Flücht- lingseigenschaft erfüllt. 6.2 Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfah- rens und des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mehrere Unte rlagen ein, aus denen hervorgeht, dass er in der Schweiz an verschiedenen De- monstrationen teilgenommen hat, welche sich u.a. gegen die iranische Re- gierung gerichtet haben. Zudem sei er in der Schweiz den Volksmujahed- din beigetreten. Ferner habe er Intervie ws gegeben, die im Schweizer Fernsehen und im Mujaheddin-Fernsehen ausgestrahlt worden seien. Da- mit macht er subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel- tend. 6.2.1 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen - schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Asylausschluss. Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachwei- sen oder glaubhaft machen können, werden als Flüchtlinge vorläufig auf- genommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 6.2.2 Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3 Abs. 4 AsylG hält fest, dass Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht Flüchtlinge sind. Diese Einschränkung wurde vom Gesetzgeber allerdings durch den aus- drücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung der FK relativiert, wenn nicht gar aufgehoben (Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). 6.2.3 Eine Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat be- gründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat - oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person des halb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Sinne von Art. 3 AsylG verfolgt würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1 E. 6.1). Die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten E-34/2014 Seite 14 Furcht bleiben dabei grundsätzlich massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). We- sentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchen- den als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. 6.2.4 Es ist allgemein bekannt und unbestritten, dass die iranischen Behör- den die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland überwa- chen und systematisch erfassen. Mittels Einsatz moderner Software dürfte es den iranischen Behörden auch möglich sein, die im Internet vorhande- nen riesigen D atenmengen ohne allzu grossen Aufwand gezielt und um- fassend zu überwachen und gegebenenfalls nach Stichworten zu durchsu- chen. Demgegenüber bleibt im Einzelfall zu prüfen, ob die in der Schweiz entwickelten exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Ausschaffung in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asylrechtlichen Sinne nach sich ziehen würden (vgl. wiederum BVGE 2009/28 E.7.4.3). Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis da- von aus, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, welche über die massentypischen und niedrigpro- filierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrnehmen beziehungsweise Aktivitäten entwickeln, die sie aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthafte und potentiell gefährliche Regimegegner erscheinen lassen. Mitglieder in Exilorganisationen von im Iran verbotenen oppositionellen Parteien, Teil- nehmende und Mitwirkende an regimekritischen Demonstrationen, welche die dabei üblichen Plakate tragen und Parolen rufen, fallen nicht darunter. Somit sind für die Einschätzung der Verfolgungsgefahr weniger die Mit- gliedschaft in einer exilpolitischen Organisation, die Teilnahme an regime- kritischen Demonstrationen oder das hierbei übliche Tragen von Plakaten oder Skandieren von Parolen, sondern bestimmte Positionen (z.B. Vorsit- zende/r einer Exilgruppe) oder Formen und Einflüsse von Aktionen (z.B. gewaltsamer Protest) von Bedeutung. Massgebend ist dabei in erster Linie der Aspekt der Exponiertheit in der Öffentlichkeit, die allenfalls den Ein- druck erweckt, dass der Asylsuchende zu einer Gefahr für den Bestand des Regimes wird. Es darf davon ausgegangen werden, dass die irani- schen Sicherheitsbehörden zu unterscheiden vermögen zwischen tatsäch- lich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). E-34/2014 Seite 15 6.2.5 Den bei den Akten liegenden Fotos und den weiteren Unterlagen ist nicht zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer bei den Demonstra- tionen, die in verschiedenen Schweizer Städten stattgefunden haben, in besonderer Weise und über das Mass der anderen Personen hinaus ex- poniert oder eine in der Öffentlichkeit herausragende Führungsposition in- negehabt hätte. Der Beschwerdeführer gab zwar wie den eingereichten Filmausschnitten entnommen werden kann, Interviews in persischer Spra- che, wobei nicht klar ist, bei welcher Demonstration diese entstanden sind und welchen Inhalt diese aufweisen. Zudem fällt auf, dass auch weitere Personen interviewt worden sind, wobei die Aufnahmen den Eindruck hin- terlassen, wonach sie einstudiert worden sind. Insgesamt kann daraus nicht spezifisch Bezug genommen werden auf eine irgendwie erhöhte oder besondere Stellung oder auf spezifischen Aktivitäten des Beschwerdefüh- rers innerhalb einer iranischen Exil-Organisation. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, wonach diese Ausschnitte Eingang in eine Mel- dung des Schweizer Fernsehens oder des Mujaheddin-Fernsehens gefun- den haben. Das Risiko, wonach der iranische Geheimdienst die kurzen Filmsequenzen ausgewertet haben könnte, ist ohnehin als eher gering ein- zustufen. Schliesslich machte der Beschwerdeführer auch nic ht geltend, dass er bei den Volksmujaheddin eine besonders exponierte Stellung in- nehaben würde. 6.2.6 Wie in den vorstehenden Erwägungen festgestellt worden ist, ver- mochte der Beschwerdeführer eine Vorverfolgung ohnehin nicht glaubhaft zu machen. Somit ist nicht davon auszugehen, dass er schon vor der Aus- reise die Aufmerksamkeit der iranischen Behörden in relevantem Ausmass auf sich gezogen hätte. Im Übrigen haben Exil -Iraner mit dem Profil des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat aufgrund ihrer exilpolitischen Tätigkei- ten keine staatlichen Verfolgungsmassnahmen zu befürchten, zumal den iranischen Behörden mittlerweile sehr wohl bewusst sein dürfte, dass die exilpolitische Betätigung vieler iranischer Asylbewerber nach der Ableh- nung ihrer Asylgesuche oft zunimmt respektive intensiviert wird (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). 6.2.7 Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle auf die Praxis des Bun- desverwaltungsgerichts hinzuweisen, wonach allein aufgrund der Ausreise oder des Stellens eines Asylgesuchs im Ausland keine flüchtlingsrechtlich erhebliche Verfolgung im Iran zu befürchten ist (vgl. BVGE 2009/28 E-34/2014 Seite 16 E. 7.4.4 S. 367). Es ist dem Gericht nicht bekannt, dass sich dies seit dem Amtsantritt von Hassan Rohani als Staatspräsident geändert hätte. 6.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht zu begründen, weshalb der Beschwerdefüh - rer nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. An dieser Einschätzung vermögen weder die weiteren Ausführungen in den Eingaben noch die eingereichten Beweismittel etwas zu ändern, weshalb darauf verzichtet werden kann, weiter darauf einzugehen. 6.4 Folglich konnte der Beschwerdeführer keine asylrelevante Verfolgun g nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen; auch liegen keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Die Vorinstanz hat die Flüchtlings - eigenschaft demnach zu Recht verneint und zutreffend das Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Soweit der Beschwerdeführer aus seiner Vereinbarung (Regelung des Zu- sammenlebens [Konkubinat]) mit einer Schweizer Staatsangehörigen (ent- gegen seiner Eingabe vom 14. Oktober 2015 handelt es sich dabei nicht um eine "eingetragene Partnerschaft", welche sich auf die Eintragung einer gleichgeschlechtlichen Verbindung bezieht) etwas zu seinen Gunsten ab- leiten möchte, steht ihm die Möglichkeit offen, bei den zuständigen kanto- nalen Behörden um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu ersuchen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 11 Bst. a). 7.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). E-34/2014 Seite 17 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.4 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 der FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher ode r erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.5 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde-führers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-E-34/2014 Seite 18 menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei- nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.6.1 Die im Iran herrschende allgemeine Lage zeichnet sich nicht durch eine Situation allgemeiner Gewalt im umschriebenen Sinn aus, obwohl die Staatsordnung als totalitär zu bezeichnen, die Bevölkerung sicherheitspo- lizeilicher Überwachung ausgesetzt und die allgemeine Situation somit in verschiedener Hinsicht problematisch ist. Auch in Berücksichtigung dieser Umstände wird der Vollzug von Wegweisungen abgewiesener iranischer Asylsuchenden nach der dies bezüglich konstanten Praxis grundsätzlich als zumutbar erachtet. 7.6.2 Aufgrund der Akten besteht kein Grund zur Annahme, der Beschwer- deführer gerate im Falle einer Rückkehr in den Iran aus individuellen Grün- den wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenz- bedrohende Situation, die den Vollzug der Wegweisung unzumutbar ma- chen würde. Er verfügt über neun Jahre Schulbildung, Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen sowie eine abgeschlossene Berufslehre in der Schweiz als (…). Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass er bei einer Rück- kehr in seinen Heimatstaat aufgrund der nahezu sechsjährigen Landesab- wesenheit mit Anfangsschwierigkeiten konfrontiert sein könnte. Indessen leben seine Geschwister und seine Mutter weiterhin in seinem Heimatland (vgl. Akte A1 S. 3 f.). Er verfügt somit im Iran über ein familiäres Bezie- hungsnetz, auf das er zurückgreifen kann und das ihm mindestens anfäng- lich beim Neuaufbau einer Existenz Hilfe bieten kann. Soweit der Beschwerdeführer auf seine gute Inte gration in der Schweiz hinweist, ist festzustellen, dass d er Grad derselben im vorliegenden Ver- fahren nicht von rechtlicher Bedeutung ist, da es im Rahmen der Zumut- barkeitsprüfung nur um die Ermittlung der im Heimat- oder Herkunftsland, E-34/2014 Seite 19 in welches die Rückreise geprüft wird, bestehenden konkreten Gefährdung geht. Die Integration stellt höchstens im Rahmen der Beurteilung eines all- fälligen, beim zuständigen kantonalen Migrationsamt einzureichenden Här- tefallgesuches einen zu überprüfenden Faktor dar (vgl. Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG). Auf die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift wird im vorliegenden Verfahren deshalb nicht weiter eingegangen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen ist das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der un entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen, nachdem die prozessuale Bedürftigkeit des Beschwerdeführers belegt war, nach wie vor als gegeben erscheint und seine Beschwerdebegehren im Zeitpunkt der Einreichung des Rechtsmittels nicht als aussichtslos zu bezeichnen waren. Somit sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-34/2014 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutge heissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: