<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2005.00265</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=205401&amp;W10_KEY=4467137&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2005.00265</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 20.10.2005</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/Einzelrichter</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">FÃ¼rsorgerecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Sozialhilfe</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Streichung des Grundbedarfs II wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit.<br/><br/>Bei bloss kurzfristiger wirtschaftlicher Unterstützung ist bei Verweigerung des Grundbedarfs II der verfassungsrechtliche Anspruch auf Existenzsicherung nicht verletzt (E. 4.2-4.4). Es ist grundsätzlich nicht Sache der Sozialhilfe, finanzielle Einbussen, die durch Nichtbeachtung von Vorschriften der Sozialversicherungen entstanden sind, zu decken (E. 4.5). Jedoch ist die Nichtgewährung des Grundbedarfs II nur bei kurzfristigen Unterstützungen mit Überbückungscharakter bis max. 3 Monate rechtmässig (E. 4.5, vgl. VB.2004.00250).<br/><br/>Vorliegend kann nicht mehr von einer bloss kurzfristigen Unterstützung ausgegangen werden, denn der Beschwerdegegner bezieht seit November 2004 Sozialhilfeleistungen. Da ihm bereits zu Beginn der Überbrückungshilfe der Grundbedarf II für drei Monate nicht gewährt wurde, besteht kein sachlicher, legitimer Grund mehr, den Grundbedarf II nochmals für drei Monate nicht auszubezahlen. Eine Nichtgewährung des Grundbedarfs II für insgesamt sechs Monate erweist sich als unverhältnismässig (E. 4.5).<br/><br/>Abweisung (E. 5).</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ARBEITSLOSENTAGGELD">ARBEITSLOSENTAGGELD</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEVORSCHUSSUNG">BEVORSCHUSSUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EXISTENZMINIMUM">EXISTENZMINIMUM</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GRUNDBEDARF II">GRUNDBEDARF II</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KÃRZUNG">KÃRZUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERSCHULDEN">VERSCHULDEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: FÃ¼rsorge ST: WIRTSCHAFTLICHE HILFE">WIRTSCHAFTLICHE HILFE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 12 BV</span><br/><span class="ungerade">§ 24 SHG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Nachdem A wÃ¤hrend fÃ¼nf Jahren in der Westschweiz mit seiner Freundin zusammengewohnt hatte, zog er anfangs Juli 2004 nach X. Zuvor hatte er sich von seiner Freundin getrennt, sich verschuldet und seine Anstellung als Mechaniker verloren. Sein Arbeitgeber hatte ihm auf Ende August 2004 gekÃ¼ndigt, da er die letzten Monate infolge psychischer Krankheit arbeitsunfÃ¤hig gewesen war. Auf Anfang September 2004 fand A eine neue Arbeitsstelle in Y. Diese wurde ihm Mitte September 2004 wÃ¤hrend der Probezeit gekÃ¼ndigt. Der Arbeitgeber begrÃ¼ndete die AuflÃ¶sung des ArbeitsverhÃ¤ltnisses damit, dass A wiederholt verspÃ¤tet am Arbeitsplatz erschienen sei oder ihn Ã¼ber seine Abwesenheit nicht informiert habe.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Am 23. November 2004 stellte A bei den Sozialen Diensten der Stadt X Antrag auf Bevorschussung der ArbeitslosenunterstÃ¼tzung. Dabei unterzeichnete er eine ErklÃ¤rung, wonach er unter anderem zur Kenntnis nehme, "dass eine selbstverschuldete KÃ¼rzung von Leistungen der Sozialversicherungen oder anderer Leistungserbringer oder ein selbstverschuldeter Verlust einer Arbeitsstelle oder eines Arbeitseinsatzes eine KÃ¼rzung der wirtschaftlichen Sozialhilfe zur Folge" haben kÃ¶nne. Damit nehme er zudem zur Kenntnis, dass die SozialbehÃ¶rde hiermit die fÃ¼r eine KÃ¼rzung erforderliche Verwarnung bereits gemacht habe.</p> <p class="Sachverhalt2">Am 24. November 2004 stellte der zustÃ¤ndige Sozialberater der SozialbehÃ¶rde X Antrag auf Leistung von wirtschaftlicher Hilfe an A ab dem 15. November 2004 im Umfang von Fr. 2351.- monatlich (inkl. Grundbedarf II von Fr. 46.-). Da es sich um eine Bevorschussung von Arbeitslosen-Taggeldern handle, werde A jedoch der Grundbedarf II wÃ¤hrend der ersten drei Monate der UnterstÃ¼tzung nicht ausbezahlt. Er beantragte ausserdem, die Ãbernahme der gesamten Wohnungskosten fÃ¼r November 2004 sowie der gesamten KVG-PrÃ¤mie fÃ¼r November 2004.</p> <p class="Sachverhalt2">Die SozialbehÃ¶rde X folgte am 24. November 2004 diesen AntrÃ¤gen mit Ausnahme der Ãbernahme der Novembermiete. Dieser Beschluss wurde A nie erÃ¶ffnet.</p> <p class="Sachverhalt2"><span class="UrteilstextChar"><b>C. </b></span>A<span class="UrteilstextChar">m 7. Dezember 2004 verfÃ¼gte die Arbeitslosenkasse unter Hinweis auf Art. 30 Abs. 1 lit. a und Abs. 3, Art. 44 Abs. 1 lit. b und Art. 45 Abs. 1 lit. a des Arbeitslosenversicherungsgesetzes vom 25. Juni 1982 (AVIG), dass die Bezugsberechtigung ab 15. Oktober 2004 um 28 Tage eingestellt werde, da A seine Arbeitslosigkeit selbstverschuldet habe. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b>Am 23. Februar 2005 teilte die Sozialabteilung der Stadt X A mit, dass ihm die wirtschaftliche Hilfe gekÃ¼rzt werde, da seine Arbeitslosigkeit selbstverschuldet sei. Es sei nicht Sache der Sozialhilfe, finanzielle Einbussen, die durch Nichtbeachtung von Vorschriften der Sozialversicherungen entstanden seien, zu decken. DemgemÃ¤ss werde ihm der Grundbedarf II fÃ¼r drei Monate gestrichen.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Gegen diesen Beschluss rekurrierte A am 11. MÃ¤rz 2005 an den Bezirksrat Z, welcher den Rekurs am 20. Mai 2005 aus formellen GrÃ¼nden guthiess. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Am 13. Juni 2005 erhob die Sozialabteilung der Stadt X Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte, die Aufhebung des Beschlusses des Bezirksrats Z. </p> <p class="Urteilstext">Der Bezirksrat Z verzichtete am 27. Juni 2005 auf eine Vernehmlassung und reichte die Akten ein. A liess sich nicht vernehmen.</p> <p class="Einzug1"><span>Der Einzelrichter</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde gemÃ¤ss § 19c Abs. 2 in Verbindung mit § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) funktionell und sachlich zustÃ¤ndig. Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Im Streit liegt mit der von der BeschwerdefÃ¼hrerin mit Beschluss vom 23. Februar 2005 verfÃ¼gten KÃ¼rzung von Sozialhilfeleistungen von insgesamt Fr. 138.- (Streichung des Grundbedarfs II von Fr. 46.- fÃ¼r drei Monate) offensichtlich ein Betrag unter Fr. 20'000.-. GemÃ¤ss § 38 Abs. 2 VRG ist damit der Einzelrichter entscheidberufen.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Der Bezirksrat hob die von der SozialbehÃ¶rde X angeordnete Streichung des Grundbedarfs II fÃ¼r drei Monate auf. Er erwog, da dem Rekurrenten bis anhin weder die Festsetzung der wirtschaftlichen Hilfe noch die mit der wirtschaftlichen Hilfe verbundenen Auflagen und Weisungen in einem Beschluss, der mit einer BegrÃ¼ndung und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen gewesen sei, zugestellt worden seien, seien die KÃ¼rzungsvoraussetzungen nach § 24 des Sozialhilfegesetzes vom 14. Juni 1981 (SHG) vorliegend nicht erfÃ¼llt. Eine vom SozialhilfebezÃ¼ger unterzeichnete ErklÃ¤rung kÃ¶nne eine formell korrekte, in Beschlussform ergangene Anordnung nicht ersetzen. Die KÃ¼rzung sei deshalb aufzuheben.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt vor, dass die vom Bezirksrat getroffene LÃ¶sung zur Folge habe, dass der Grundsatz, wonach die Sozialhilfe keine finanziellen Einbussen, die durch Nichtbeachtung von Vorschriften einer Sozialversicherung entstanden seien, decken soll, seiner Wirkung beraubt wÃ¼rde. Deshalb sei der Beschluss des Bezirksrats aufzuheben.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2">Dem Beschwerdegegner wurde mit Beschluss vom 24. November 2004 ab Mitte November 2004 von der BeschwerdefÃ¼hrerin wirtschaftliche Hilfe ausgerichtet. WÃ¤hrend den ersten drei Monaten wurde ihm jedoch die Ausbezahlung des Grundbedarfs II verweigert, da es sich um eine Bevorschussung von Arbeitslosen-Taggeldern handle. Diese Anordnung wurde dem Beschwerdegegner unstreitig nie rechtsgÃ¼ltig erÃ¶ffnet. </p> <p class="Erwgung2">Am 23. Februar 2005 erÃ¶ffnete die BeschwerdefÃ¼hrerin dem Beschwerdegegner, dass ihm von der wirtschaftlichen Hilfe der Grundbedarf II fÃ¼r drei Monate gestrichen werde, da er von der Arbeitslosenkasse wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit mit 28 Einstelltagen bestraft worden sei. </p> <p class="Erwgung2">Da dem Beschwerdegegner somit der Grundbedarf II bisher gar nie ausbezahlt worden ist, handelt es sich vorliegend nicht um eine KÃ¼rzung von Leistungen im Sinne von § 24 SHG. Vielmehr ist vorliegend zu entscheiden, ob die SozialhilfebehÃ¶rde am 23. Februar 2005 (erneut) fÃ¼r drei Monate darauf verzichten durfte, den Grundbedarf II in die Bedarfsrechnung des Beschwerdegegners aufzunehmen, nachdem sie ihm bereits fÃ¼r die ersten drei Monate ab November 2004 die Ausbezahlung des Grundbedarfs II verweigert hatte. Zu beurteilen ist deshalb entgegen der Ansicht der Vorinstanzen nicht eine KÃ¼rzung, sondern eine VerlÃ¤ngerung der Nichtauszahlung des Grundbedarfs II. Die angefochtene VerfÃ¼gung der SozialbehÃ¶rde X muss daher nicht anhand von § 24 SHG beurteilt werden.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Wer fÃ¼r seinen Lebensunterhalt und den seiner FamilienangehÃ¶rigen nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann, hat nach § 14 SHG Anspruch auf wirtschaftliche Hilfe. Diese soll das soziale Existenzminimum gewÃ¤hrleisten, das neben den Ã¼blichen Aufwendungen fÃ¼r den Lebensunterhalt auch individuelle BedÃ¼rfnisse angemessen berÃ¼cksichtigt (§ 15 Abs. 1 SHG). Grundlage der Bemessung bilden gemÃ¤ss § 17 der Verordnung zum Sozialhilfegesetz vom 21. Oktober 1981 (SHV) die Richtlinien der schweizerischen Konferenz fÃ¼r Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien), wobei Abweichungen im Einzelfall vorbehalten bleiben. Nach den genannten Richtlinien setzt sich das individuelle UnterstÃ¼tzungsbudget aus der materiellen Grundsicherung, bestehend aus dem Grundbedarf I und II fÃ¼r den Le­bensunterhalt, den Wohnungskosten und der medizinischen Grundversorgung einerseits und aus situationsbedingten Leistungen anderseits zusammen (SKOS-Richtlinien, Kap. A.6). Der Grundbedarf II fÃ¼r den Lebensunterhalt bezweckt die regional differenzierte ErhÃ¶hung des Grundbedarfs I auf ein Niveau, das eine Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben erleichtert. Er dient damit als materielles Bindeglied zu einem Haushalt­einkommen, das den UnterstÃ¼tzten die Erhaltung der sozialen Integration und eine gewisse finanzielle SelbstÃ¤ndigkeit ermÃ¶glichen soll, indem es gewisse WahlmÃ¶glichkeiten fÃ¼r die Finanzierung von FreizeitaktivitÃ¤ten (namentlich in den Bereichen Sport, Kultur und Bildung) bietet.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Die Praxis und weit gehend auch die Lehre unterscheiden zwischen dem absoluten und dem sozialen Existenzminimum. Diese Unterscheidung findet sich insbesondere in den SKOS-Richtlinien (Kap. A.1 und A.6). Dort wird als absolutes Existenzminimum das zum Ãberleben absolut notwendige Minimum (ErnÃ¤hrung, Kleidung, Obdach und medizinische Grundversorgung) bezeichnet, wÃ¤hrend das soziale Existenzminimum nicht nur die Existenz und das Ãberleben der BedÃ¼rftigen, sondern auch ihre Teilhabe am Sozial- und Arbeitsleben umfasst. Sozialhilfe bezweckt die GewÃ¤hrleistung des sozialen Existenzminimums. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>In Art. 12 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) wurde der kurz zuvor vom Bundesgericht als ungeschriebenes Verfassungsrecht anerkannte Anspruch auf Existenzsicherung (vgl. BGE 121 I 367 E. 2b und c, 122 II 193 E. 2b) unter der Bezeichnung "Recht auf Hilfe in Notlagen" verankert. Einem BedÃ¼rftigen dÃ¼rfen demnach diejenigen Mittel, die fÃ¼r ein menschenwÃ¼rdiges Leben notwendig sind, unter keinen UmstÃ¤nden entzogen werden (RB 2000 Nr. 78 E. 3d mit Hinweisen). In BGE 121 I 367 E. 2c hat das Bundesgericht das Recht auf Existenzsicherung als grundrechtsgebotenes Minimum bezeichnet, das die unabdingbaren Voraussetzungen eines menschenwÃ¼rdigen Lebens sichert und vor einer unwÃ¼rdigen Bettelexistenz bewahrt (vgl. auch BGE 130 I 71 E. 4.1). Die SKOS-Richtlinien (Kap. A.6) interpretieren die bundesgerichtliche Rechtsprechung dahingehend, dass Art. 12 BV einen Anspruch auf Deckung des grÃ¶ssten Teils des Grundbedarfs I, der medizinischen Grundversorgung und der Wohnungskosten (in angemessenem Mass) verleiht, wÃ¤hrend weiter gehende Leistungen zum (bloss) kantonalrechtlich gesicherten sozialen Existenzminimum gehÃ¶ren. Das Verwaltungsgericht (Einzelrichter) hat mit Urteil VB.2002.00252 vom 28. Oktober 2002 (E. 2a) â im Zusammenhang mit der KÃ¼rzung der wirtschaftlichen Hilfe wegen Missachtung einer Weisung, sich um eine Arbeit zu bemÃ¼hen â entschieden, der Grundbedarf II Ã¼bersteige das verfassungsrechtlich garantierte Existenzminimum. In einem Teil der Lehre wird demgegenÃ¼ber die Auffassung geÃ¤ussert, dass das Recht auf Existenzsicherung als auf die Wahrung der MenschenwÃ¼rde gerichteter Anspruch kontextbezogen und dynamisch zu verstehen sei, was insbesondere zur Folge haben kÃ¶nne, dass bei voraussichtlich lÃ¤ngerer FÃ¼rsorgeabhÃ¤ngigkeit auch ein verfassungsrechtlicher Anspruch auf eine UnterstÃ¼tzung bestehe, die eine minimale Teilhabe am sozialen Leben sicherstellt (Kathrin Amstutz, Das Grundrecht auf Existenzsicherung, Bern 2002, S. 142 ff.). Mit dem Urteil VB.2005.00148 vom 2. Juni 2005 hat das Verwaltungsgericht unter Hinweis auf BGE 130 I 71 entschieden, dass die zitierte Lehrmeinung keinen Anlass biete, vom Entscheid VB.2002.00252 abzuweichen. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Sozialhilfe ist grundsÃ¤tzlich unabhÃ¤ngig von den Ursachen der Notlage zu gewÃ¤hren (BGE 121 I 367 E. 3b; RB 2000 Nr. 78 E. 3e; JÃ¶rg Paul MÃ¼ller, Grundrechte in der Schweiz, 3. A., Bern 1999, S. 178 f.; SKOS-Richtlinien, Kap. A.4). Indessen ist es zulÃ¤ssig, ein Verschulden des Leistungsansprechers oder eine mangelnde Kooperation mit den BehÃ¶rden bei der Bemessung der UnterstÃ¼tzung zu berÃ¼cksichtigen. Eine Verweigerung von Sozialhilfeleistungen muss allerdings verhÃ¤ltnismÃ¤ssig sein, was aufgrund einer GesamtwÃ¼rdigung aller UmstÃ¤nde (etwa PersÃ¶nlichkeit und Verhalten des LeistungsempfÃ¤ngers, die Schwere der diesem vorgeworfenen Verfehlungen, die UmstÃ¤nde des Leistungsentzugs sowie die Gesamtsituation der betreffenden Person) zu beurteilen ist (BGE 122 II 193 E. 3a und b). Auch in der Lehre wird anerkannt, dass jedenfalls Ã¼ber den verfassungsrechtlich geschÃ¼tzten Minimalanspruch hinausgehende Leistungen gekÃ¼rzt bzw. verweigert werden kÃ¶nnen, wenn die Verweigerung ein legitimes Ziel verfolgt, im Hinblick auf dieses Ziel verhÃ¤ltnismÃ¤ssig und fÃ¼r den Betroffenen zumutbar ist. Zudem wird verlangt, dass die MÃ¶glichkeit der Verweigerung und die GrÃ¼nde hierfÃ¼r auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruhen (Amstutz, S. 165 ff.). Der Grundsatz, dass Sozialhilfe unabhÃ¤ngig von den Ursachen der BedÃ¼rftigkeit zu leisten ist, erfÃ¤hrt daher gewisse EinschrÃ¤nkungen.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.5 </b>Ein erklÃ¤rtes Ziel der Sozialhilfe besteht darin, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und die berufliche Integration zu fÃ¶rdern. Dieses Ziel steht im Zusammenhang mit dem Grundsatz der SubsidiaritÃ¤t, nach welchem Sozialhilfe nur so weit zu leisten ist, als die Hilfe suchende Person die Notlage nicht aus eigenen KrÃ¤ften abwenden oder beheben kann (SKOS-Richt­linien, Kap. A.1 und A.4.1; Felix Wolffers, Grundriss des Sozialhilferechts, 2. A., Bern etc., S. 71 f.). Die Sanktionen der Arbeitslosenversicherung sollen dazu beitragen, dass Versicherte sich ernsthaft bemÃ¼hen, eine Anstellung zu finden oder zu behalten. Dieser wirtschaftliche Anreiz stellt einen bedeutsamen Beitrag zur FÃ¶rderung der Selbsthilfe und zur wirtschaftlichen Integration dar. Es erscheint grundsÃ¤tzlich geboten, dafÃ¼r zu sorgen, dass die Sozialhilfe derartige Anreize nicht unterlÃ¤uft. Zu bedenken ist aber, dass die ÃberbrÃ¼ckungshilfe der Sozialhilfe in der Regel ohnehin bereits tiefer liegt als die UnterstÃ¼tzung durch die Arbeitslosenkasse sein wird. Insofern fragt es sich, ob eine zusÃ¤tzliche Sanktion im Einzelfall gerechtfertigt ist. </p> <p class="Erwgung2">Das Verwaltungsgericht hat im Urteil VB.2004.00250 vom 22. Oktober 2004 (RB 2004 Nr. 49) diese Frage in einem Ã¤hnlich gelagerten Fall bejaht. Dort hat das Verwaltungsgericht jedoch betont, dass sich die EinschrÃ¤nkungen, die sich durch die NichtgewÃ¤hrung des Grundbedarfs II hinsichtlich der Teilhabe am sozialen Leben ergeben, sich auch angesichts des Zwecks, der den entsprechenden Sanktionen der Arbeitslosenversicherung zukommt, nur bei einer von vorneherein beschrÃ¤nkten Dauer von hÃ¶chstens drei Monaten als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig erweisen wÃ¼rden (E. 4). </p> <p class="Erwgung2">Diese Rechtsprechung steht im Einklang mit den SKOS-Richtlinien, welche gemÃ¤ss ihrer Einleitung (nur) fÃ¼r alle lÃ¤ngerfristig unterstÃ¼tzten Personen gelten. Auf nur vorÃ¼bergehend unterstÃ¼tzte Personen kÃ¶nnen sie lediglich sinngemÃ¤ss und entsprechend der individuellen Situation angewendet werden. Zur Berechnung des Un­terstÃ¼tzungsbudgets bei kurzfristigen UnterstÃ¼tzungen mit ÃberbrÃ¼ckungscharakter (wÃ¤h­rend bis zu drei Monaten) und einer realistischen Chance fÃ¼r Wiederherstellung der materiellen UnabhÃ¤ngigkeit wird ausgefÃ¼hrt, hier kÃ¶nne das soziale Existenzminimum sowohl unterschritten als auch Ã¼berschritten werden, wobei das absolute Existenzminimum in jedem Fall gewÃ¤hrleistet sein mÃ¼sse (SKOS-Richtlinien, Kap. A.6; VGr, 22. Oktober 2004, VB.2004.00250, RB 2004 Nr. 49).</p> <p class="Urteilstext">Vorliegend kann nicht mehr von einer bloss kurzfristigen UnterstÃ¼tzung ausgegangen werden, denn der Beschwerdegegner bezieht seit November 2004 Sozialhilfeleistungen. Da ihm bereits zu Beginn der ÃberbrÃ¼ckungshilfe der Grundbedarf II fÃ¼r drei Monate nicht gewÃ¤hrt wurde, besteht kein sachlicher, legitimer Grund mehr, den Grundbedarf II nochmals fÃ¼r drei Monate nicht auszubezahlen. Eine NichtgewÃ¤hrung des Grundbedarfs II fÃ¼r insgesamt sechs Monate trÃ¤gt den UmstÃ¤nden des vorliegenden Falls sowie der Funktion des Grundbedarfs II nicht genÃ¼gend Rechnung und erweist sich als unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Urteilstext">Demnach erweist sich der Beschluss des Bezirksrats als rechtmÃ¤ssig. Die Gerichtskosten sind ausgangsgemÃ¤ss der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzuerlegen (§ 70 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss </span><span><a id="Text25"></a>entscheidet</span><span> </span><span>der Einzelrichter</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen. </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 560.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegt.</span></p> <p class="Urteilstext">4. Mitteilung an â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>