B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2335/2016 U r t e i l v o m 2 2 . D e z e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiber Philippe Baumann. Parteien A._______, geboren am (…), Bangladesch (angeblich Myanmar), vertreten durch lic. iur. LL.M. Susanne Sadri, Asylhilfe Bern, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 11. März 2016 / N (…). E-2335/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der am 12. Juni 2013 von Deutschland in die Schweiz eingereiste Be- schwerdeführer ersuchte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszen- trum (EVZ) Basel um Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 25. Juni 2013 und der An- hörung zu den Asylgründen vom 25. April 2014 machte er im Wesentlichen geltend, er sei in B._______ , Myanmar, geboren und von Ethnie Rohingya. Sein Vater sei getötet worden, als er noch klein gewesen sei. Im Alter von zwei Jahren sei er zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Bangladesch ins Flüchtlingslager C._______ (Division Chittagong) ge- flüchtet. Ende 2001 hätten seine Mutter und seine Schwester das Flücht- lingslager in seiner Abwesenheit verlassen, ohne ihn über ihren neuen Auf- enthaltsort zu informieren. In der Folge habe er mehrere Tage nach ihnen gesucht. Da er sie nicht gefunden habe, habe er als (…)-jähriger Junge, anfangs (…), das Flüchtlingslager ebenfalls verlassen und habe gleichen- tags in einer Teestube D._______ kennen gelernt. Dieser habe ihm helfen wollen und ihm eine Arbeitsmöglichkeit bei einem Verwandten, einem alten Mann, als Haushaltshilfe und Betreuungsperson vermittelt. So habe er (…) Jahre lang für diesen Mann, namens E._______, gearbeitet. Am 1. Mai 2013 sei dieser von Personen, die in den Diensten eines ehemaligen Par- lamentariers und Mitgliedes der Regierungspartei gestanden hätten, über- fallen und mit einer Stange geschlagen worden. Er (Beschwerdeführer) sei währenddessen ebenfalls anwesend und gefesselt gewesen . Nachdem E._______ geschrien habe, seien Quartierbewohner vorbeigekommen und die Täter geflohen; E._______ sei in der Folge verstorben. Als Zeuge des Überfalls habe er befürchtet, von den Tätern ebenfalls umgebracht zu wer- den. D._______ habe ihm abgeraten , die Polizei zu benachrichtigen, da die Täter die Polizei gekauft hätten. Am 9. Mai 2013 habe er durch Vermitt- lung von D._______ Bangladesch verlassen und sei auf dem Seeweg am 11. Juni 2013 nach Hamburg und am folgenden Tag auf dem Landweg in die Schweiz gelangt. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er ein «Rohingya Refugee Family Book», ausgestellt auf die Mutter, und eine «Master Card for the Registra- tion of Refugees of Myanmar» vom (…) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 11. März 2016 – eröffnet am 16. März 2016 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte E-2335/2016 Seite 3 dessen Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Ferner änderte es seine Staatsangehörigkeit im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf «unbekannt». C. Mit Eingabe vom 15. April 2016 reichte der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung ein. Darin beantragt er deren Aufhebung, die Zuerkennung der Flüchtlings- eigenschaft und die Gewährung von Asyl . Eventualiter beantragt er die Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerdeführer reichte eine Behandlungsbestätigung der Klinik für (…) in F._______ vom 11. April 2016 und ein an diese gerichtetes Zuwei- sungsschreiben der (…) Dienste G._______ vom 18. Dezember 2015 so- wie einen ärztlichen Bericht dieser Institution vom 11. Februar 2015 zu den Akten. D. Mit Zwischenverfügung vom 21. April 2016 gewährte das Bundesverwal- tungsgericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung un- ter der Voraussetzung des fristgerechten Nachreichens einer Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. E. Mit Eingabe vom 2. Mai 2016 reichte der Beschwerdeführer die verlangte Bestätigung nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher E-2335/2016 Seite 4 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltun gsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen E-2335/2016 Seite 5 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifiziert e das SEM die geltend gemachte Herkunft aus Myanmar, die ethnische Zugehö- rigkeit zu den Rohingya sowie den (…)jährigen Aufenthalt im Flüchtlingsla- ger C._______ in Bangladesch als unglaubhaft. So habe der Beschwerde- führer anlässlich der BzP erst nach konkretem Hi nweis der befragenden Person angegeben, ethnischer Rohingya – und eben nicht Bengale – zu sein. Weiter habe er an der Anhörung erwartungswidrig verneint, in der Schweiz Kontakt mit anderen Rohingyas oder einer entsprechenden Inter- essenvertretung zu haben. Sein diesbezüglicher Einwand, er kenne keine Personen oder Organisationen und habe auch keine gefunden, vermöge vor dem Hintergrund der offenkundig zahlreichen Organisationen für die Sache der Rohingyas nicht zu überzeugen. Überdies entsprächen viele seiner Aussagen zu seinem Leben im Flücht lingslager C._______ nicht den öffentlich zugänglichen Berichten . So sei das Verlassen des Flücht- lingslagers nicht erlaubt und nur durch Bestechung m öglich gewesen (vgl. …), wohingegen der Beschwerdeführer ausgeführt habe, es habe im Lager keine Gesetze gegeben und man habe es frei und unkontrolliert ver- lassen können. Zudem sei im Flüchtlingslager entgegen seinen Angaben schon einige Jahre bevor er dieses verlassen habe Prima rschulunterricht erteilt worden (vgl. …). Zu diesen beiden Falschaussagen sei ihm das rechtliche Gehör gewährt worden, wobei er sich dazu nicht habe substan- ziell äussern können. Im Übrigen seien seine Kenntnisse über Personen mit einer gewissen Befehlsgewalt im Lager (vgl. …) unvollständig und er habe falsche Angaben zur Anwesenheit des UNHCR und der betreffenden Registration gemacht (vgl. …). Die korrekt gemachten Aussagen des Be- schwerdeführers über das Flüchtlingslager seien hingegen auch aussen- stehenden Personen zugänglich, womit seine entsprechenden Kenntnisse seine Biographie nicht zwangsweise belegen würden. Darüber hinaus seien seine Angaben zu seinen Lese- und Schreibfähigkeiten widersprüch- lich beziehungsweise mit seinen Kenntnissen in lateinischer und bengali- scher Schrift unvereinbar. An der Feststellung der Unglaubhaftigkeit seiner dargelegten Biografie würden auch die eingereichten Beweismittel – das «Rohingya Refugee Family Book» und die «Master Card for the Registra- tion of Refugees of Myanmar» – nichts zu ändern vermögen. Einerseits würden diese Dokumente keine Fotos aufweisen und andererseits sei be- kannt, dass bangladeschische Staatsbürger solche Dokumente von deren E-2335/2016 Seite 6 berechtigten Besitzern kaufen und zur Untermauerung ihrer Asylvorbringen im Ausland benutzen würden (vgl. Danish Immigr ation Service, a.a.O., S. 41 f.). Im Weiteren seien die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Zeit von 2002 bis 2013, als er bei E._______ als Haushaltshilfe und Betreuer gear- beitet habe, ebenfalls als unglaubhaft zu bezeichnen. Zunächst sei der Um- stand, wie er zu seiner Anstellung gekommen sei, nicht nachvollziehbar , zumal er nach dem Verlassen des Flüchtlingslagers über keinen legalen Aufenthaltsstatus mehr verfügt habe. Zudem verstehe es sich aufgrund der im Flüchtlingslager herrschenden prekären Bedingungen von selbst, dass ein dort aufgewachsener (…)-jähriger Junge nicht die Kenntnisse und Fä- higkeiten besitzen könne, um die vorgenommenen Tätigkeiten auszufüh- ren (Reinigung von Haus und Textilien, Einkauf). Seine entsprechende Eig- nung sei denn auch nicht geprüft worden. Zudem impliziere die Pflege von Personen und das Wohnen im selben Haushalt normalerweise ein gewis- ses Vertrauensverhältnis. Vor diesem Hinte rgrund sei nicht nachvollzieh- bar, dass D._______ dem Beschwerdeführer, den er nicht näher gekannt habe, die Pflege seines Angehörigen und die Führung dessen Haushaltes anvertraut habe. Viel eher wäre zu erwarten gewesen, dass er diese Ar- beitsstelle einem Jugendlichen mit entsprechender Eignung und legalem Aufenthaltsstatus vermittelt hätte. Überdies sei es nicht plausibel, weshalb D._______ dem Beschwerdefüh- rer die Ausreise organisiert , finanziert und gleichzeitig in der Folge den Kontakt zu ihm nicht aufrechterhalten habe. Diesbezüglich wäre es einfa- cher und günstiger gewesen, wenn D._______ den Beschwerdeführer zu dessen Schutz in seine Obhut nach Chittagong mitgenommen hätte. Die geltend gemachten Umstände der Reise in die Schweiz seien ebenfalls als unglaubhaft zu qualifizieren. 4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe hielt der Beschwerdeführer fest, er habe vieles über das Flüchtlingslager in C._______ gewusst. In der Anhörung habe er sehr genau die Lage des Lagers, die Art und den Zustand der Un- terkünfte sowie das Büro der verantwortlichen Person beschreiben und sei- nen Namen nennen können. Hinsichtlich des eingereichten «Rohingya Re- fugee Family Book» wies er darauf hin, dass diese im Jahr (…) und noch viele Jah re später ohne Foto s ausgestellt worden seien. Der entspre- chende Einwand des SEM sei daher nicht überzeugend. Im Übrigen sei nicht davon auszugehen, dass dieses leichtfertig verkauft werde, da es als einziges Dokument als Identitätsnachweis gelte und damit Lebensmittel E-2335/2016 Seite 7 bezogen werden könnten. Ferner sei es bei einem Flüchtlingslager, wel- ches über (…) Menschen beherberge, äusserst schwierig, die Ein - und Ausgänge zu kontrollieren. Es sei daher plausibel und nachvollziehbar, dass er, seine Mutter und seine Schwester ausserhalb des Flüchtlingsla- gers einer Arbeit nachgegangen seien. Bezüglich der monierten Falsch- aussagen zum Schulunterricht im Lager sei darauf hinzuweisen, dass die vom SEM eingeholten Informationen aus dem Jahr 2001 stammen würden. Er sei zirka von 1996 bis 1998 zwei Jahre zur Koranschule gegangen, in der Bengali und Koranverse unterrichtet worden sei. Überdies habe er seit dem (…) Lebensjahr mit einem Bengalen zusammen gelebt und dement- sprechend nur Bengali gesprochen. Folglich sei es nachvollziehbar, dass er der Sprache der Rohingya nicht mächtig sei. Hinsichtlich seiner durch D._______ vermittelten Anstellung sei darauf hinzuweisen, dass dieser eine sehr menschenfreundliche und hilfsbereite Person sei und ihm ver- traut habe. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt übereinstimmend mit der Vor- instanz zur Auffassung, die vom Beschwerdeführer gemachten Ausführun- gen zur angeblichen Herkunft aus Myanmar, zur Zugehörigkeit zur Ethnie der Rohingya, zum (…)jährigen Aufenthalt im Flüchtlingslager C._______, zur Anstellung als Haushaltshilfe und Betreu er sowie zu den Umständen der Ausreise würden den Anforderungen an die Glaubhaft machung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht genügen. Zur Vermeidung von Wiederholun- gen kann überwiegend auf die Erwägungen gemäss angefochtener Verfü- gung und Zusammenfassung in E. 4.1 verwiesen werden. Die Erwägungen vermögen lediglich in untergeordneten Punkten nicht vollumfänglich zu überzeugen. So sind die Erwartungen des SEM hinsichtlich der Kontakte des Beschwerdeführers zu anderen Rohingyas oder entsprechenden Inte- ressenvertretungen wenig stichhaltig. Des Weiteren lässt sich aufgrund der an der Anhörung gestellten Fragen die vorinstanzliche Feststellung, seine Kenntnisse über Personen im Flüchtlingslager mit einer gewissen Befehls- gewalt seien nicht vollständig, ebenfalls nicht aufrechterhalten. Ansonsten sind die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung zu bestätigen. Der Inhalt der Beschwerde drängt keine andere Betrachtung auf. Mehrere Er- wägungen des SEM wurden vom Beschwerdeführer denn auch gar nicht beanstandet. Hinsichtlich der ungenügenden Kenntnisse über die vorherr- schenden Umstände im Flüchtlingslager vermag der Beschwerdeführer zu- dem lediglich Behauptungen anzubringen, die insbesondere in Anbetracht der von der Vorinstanz zitierten Berichte keinerlei Durchschlagskraft besit- zen. Im Übrigen gehen die Einwände in der Beschwerde teilweise an de r E-2335/2016 Seite 8 vorinstanzlichen Argumentation vorbei (so bezüglich seiner Negierung von Ausgangskontrollen und entsprechenden Regeln sowie eines angebote- nen Schulunterrichts im Flüchtlingslager), so dass sich daraus ebenso we- nig zu seinen Gunsten ableiten lässt. Unter diesen Umständen kann darauf verzichtet werden, noch weitere sich in den Akten befindende Ungereimt- heiten zu thematisieren (bspw. Zur Tötung von E._______). 5.2 Aufgrund des Gesagten ist festzuhalten, dass d ie Vorinstanz die vor- gebrachte Biographie und Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers überzeugend als unglaubhaft beurteilt und zu Recht die darauf basierende Flüchtlingseigenschaft verneint sowie das Asylgesuch abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter- oder Rückreise der Aus- länderin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt- staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge- fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe- halt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Bei E-2335/2016 Seite 9 gesundheitlichen Beeinträchtigungen kann nur dann auf eine Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden, wenn eine notwen- dige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchti- gung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung er- achtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz ab- solut notwendig ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Unzumutbarkeit liegt je- denfalls dann no ch nicht vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Be- handlung möglich ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer we- der in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat aus- reisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.2 Das SEM stellte hinsichtlich des Wegweisungsvollzuges fest, der Be- schwerdeführer habe seine Mitwirkungspflicht verletzt, indem er ein Asyl- gesuch unter einer falschen Identität und Staatsangehörigkeit gestellt habe. Eine grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht könne den Vollzug der Wegweisung jedoch nicht verhindern, wenn die asylsuchende Person – wie vorliegend – es den Behörden verunmögliche, sinnvoll zu prüfen, ob ihm im Heimat - oder Herku nftsstaat Gefahr drohe. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypo- thetischen Herkunftsländern zu forschen. Der Vollzug der Wegweisung sei jedoch aufgrund der Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft und fehlen- der Anhaltspunkte für eine Verletzung von Art. 3 EMRK zulässig. Im Weite- ren sei eine Rückführung nach Bangladesch, dessen Staatsangehörigkeit er aufgrund seiner bengalischen Muttersprache wahrscheinlich habe, zu- mutbar, da er bis auf die unglaubhaften Vorbringen keine anderen Prob- leme geltend gemacht habe. Wegweisungsvollzugshindernisse bezüglich anderer Staaten seien ebenfalls nicht vorgebracht worden; eine Rückfüh- rung nach Myanmar komme ohnehin nicht in Frage. Aufgrund der Verheim- lichung der wahren Identität könne ferner nicht von vornherein gesagt wer- den, der Vollzug sei nicht möglich oder technisch nicht durchführbar. Ge- mäss ständiger Rechtsprechung erachte auch das Bundesverwaltungsge- richt den Wegweisungsvollzug in derartigen Fallkonstellationen als mög- lich. 7.3 Der Beschwerdeführer macht e in der Beschwerde bezüglich der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges geltend, er habe weder ein Bleibe-E-2335/2016 Seite 10 recht in Bangladesch noch die bangladeschische Staatsangehörigkeit. Zu- dem könne er dort auch nicht auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurück- greifen und verfüge über keine Familienmitglieder. Er habe keine richtigen Beruf erlernt und keinen Schulabschluss. Ausserdem leide er aufgrund sei- ner schrecklichen Erlebnisse an Angstzuständen und könne seit langem nicht mehr durchschlafen. Bei einer Rückkehr nach Bangladesch würde ihm eine konkrete individuelle Gefährdung aufgrund mangelnder medizini- scher Behandlung und einer sich daraus ergebenden irr eversiblen Ver- schlechterung seines Gesundheitszustandes drohen. Gemäss dem ärztli- chen Bericht vom 11. Februar 2015 der (…) Dienste G._______ AG be- stand beim Beschwerdeführer der Verdacht auf eine (…). Allenfalls leide er an einer (…). Aufgrund einer (…) wurde beziehungsweise werde er ge- mäss Behandlungsbestätigung vom 11. April 2016 seit dem 15. Februar 2016 in der Klinik für (…) in F._______ behandelt. 7.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zu Recht und mit zutreffender Begründung erkannt, dass der Beschwerdeführer insbeson- dere in Anbetracht seiner Verletzung der Mitwirkungspflicht – der Verheim- lichung seiner wahren Biographie und Staatsangehörigkeit – und der damit verbundenen Verhinderung einer sinnvollen Prüfung von Wegweisungs- vollzugshindernissen keine solchen geltend zu machen vermag. Seine Ein- wände bezüglich der fehlenden Aufenthaltsgenehmigung oder Staatsange- hörigkeit von Bangladesch sowie der familiären und biographischen Um- stände sind vor diesem Hintergrund unbehilflich. Viel eher ist aufgrund der Akten von der bangladeschischen Staatsangehörigkeit des Beschwerde- führers auszugehen (Sprachkenntnisse in Bengali, Angaben zu m Aufent- halt in Bangladesch). Bezüglich der vorgebrachten und teilweise belegten medizinischen Probleme ist festzuhalten, dass aufgrund deren Schwere- grades bei einer Rückkehr in das Heimatland nicht von einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes im Sin- ne der obigen Erwägungen in E. 7.1 auszugehen ist. Überdies sind zumin- dest die grundlegenden Medikamente – darunter auch (…) – in Bangla- desch erhältlich (vg. UK Home Office, Bangladesch, Country of Origin In- formationen Report, S. 168). Zudem hat der Beschwerdeführer die Mögli- ckeit, bei der Vorinstanz Rückkehrhilfe zu beantragen zur Finanzierung der notwendigen medizinischen Betreuung in der ersten Zeit nach seiner Rück- kehr ins Heimatland (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). 7.5 Der Vollzug der Wegweisung ist somit in Übereinstimmung mit der Vor- instanz als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten, wobei aufgrund E-2335/2016 Seite 11 der Akten mit hoher Wahrscheinlichkeit von der bangladeschischen Staats- angehörigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der mit Zwischenverfügung vo m 21. April 2016 gewährten unentgeltlichen Pro- zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist auf deren Erhebung zu ver- zichten. (Dispositiv nächste Seite) E-2335/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Philippe Baumann Versand: