Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Juni 2020 (720 19 344 / 139) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Yves Waldmann, Advokat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1963 geborene A.____ hatte sich im August 2016 unter Hinweis auf psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen angemeldet. Nach Vornahme der erforderl ichen Abklärungen lehnte die IV- Stelle Basel-Landschaft das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 12. Dezember 2016 mit der Begründung ab, dass beim Versicherten von einer vollen Arbeitsfähigkeit in jeder Tätigkeit aus- zugehen sei. Eine Invalidität im Sinne des Gesetzes sei d amit nicht ausgewiesen, so dass kein Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anspruch auf berufliche Massnahmen oder eine Invalidenre nte bestehe. Diese Verfügung er- wuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 24. April 2017 (Eingang) meldete sich A.____, wie derum unter Hinweis auf psychische Ge- sundheitsbeeinträchtigungen, erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an, worauf diese weitere Abklärungen - insbesondere zum aktuellen Gesundheitszustand des Versicherten - vor- nahm. Unter anderem holte sie bei PD Dr. med. B.____ , Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das fachärztliche Gutachten vom 29. Juni 2018 ein. Gest ützt auf die Ergebnisse dieser Exper- tise und eine ergänzende Stellungnahme des Gutachters vom 20. März 2019 lehnte die IV- Stelle - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mi t Verfügung vom 13. September 2019 einen Rentenanspruch von A.____ mit der Begründung ab , es habe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden können. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dr. Yves Waldmann, am 16. Oktober 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die ange fochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventua liter sei die Sache zur weiteren Abklä- rung an die IV-Stelle zurückzuweisen, subeventualiter sei ein gerichtliches Obergutachten ein- zuholen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2019 beantr agte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausfü hrungen eine weitere, bei PD Dr. B.____ eingeholte Stellungnahme vom 7. November 2019 bei. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt der Beschwerdeführer in seiner Rep- lik vom 7. Februar 2020 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesent- lichen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiede rum beantragte in ihrer Duplik vom 10. März 2020 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 16. Oktober 2019 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle in de r angefochtenen Verfügung einen An- spruch des Versicherten auf eine Invalidenrente zu Recht verneinte. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Nach ständiger Rechtsprechung kann eine versicherte Perso n nicht erwerbsunfähig (Art. 7 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil de s Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000) und mithin nicht invalid im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG sein, wenn sie nicht aus gesundheitlichen Gründen mindestens teilweise arbeitsunfähig ist (Art. 6 ATSG; Urteil des Bundesgerichts vom 8. August 2016, 9C_280/2016, E. 2 mit Hinweis auf BGE 105 V 139 E. 1b). 3.2 Art. 6 ATSG definiert die Arbeitsunfähigkeit als die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare A rbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 93 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Zu ergänzen bleibt, dass nach der Rechtsprechung die An nahme einer allenfalls invali- disierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifik ationssystem voraussetzt (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Dabei ist zu betonen, dass im Kontext der renten- mässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden psychoso zialen Faktoren sowie sozio- kulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 A bs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizini- sches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigk eit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, komm t der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeign eter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwarte t werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hi nweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung verursachten Erw erbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwe rbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zu- mutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 6.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des aktuellen Gesund heitszustands und der Arbeitsfä- higkeit des Versicherten bei PD Dr. B.____ ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, das dieser am 29. Juni 2018 erstattete. Darin gelangte der Exper te zur Auffassung, dass beim Versicher- ten aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden könne. Als Leiden ohne Auswirkung auf die Arbei tsfähigkeit diagnostizierte der Gutach- ter einen hohen Verdacht auf eine artifizielle Störung (ICD-10 F68.1). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht In seiner Beurteilung legte PD Dr. B.____ ausführlich dar, weshalb beim Versicherten - entge- gen der von mehreren behandelnden Ärzten vertretenen Auffassung - keine schizophrene Er- krankung vorliege. Zunächst sei, so der Gutachter, zu er wähnen, dass der Explorand im objek- tiven Psychostatus weitgehend blande Befunde gezeigt ha be. Sichtbar gewesen seien einzig ein diskret müder Gesichtsausdruck, eine diskret reduzierte Mi mik und Gestik, eine diskrete Affektverarmung und eine diskret verhaltene affektive Sch wingungsfähigkeit. Eine Affektverfla- chung oder gar eine Affektstarre, wie sie sich häufig, u m nicht zu sagen regelhaft, bei schizo- phrenen Patienten nachweisen liessen, fehle bei diesem Exploranden. Er sei affektiv jederzeit gut spürbar, was bei einer langdauernden schizophrenen Erkrankung höchst ungewöhnlich wä- re. Im affektiven Rapport würden sich keinerlei Besonder heiten ergeben. Zu erwähnen sei fer- ner, dass der Explorand formalgedanklich keinerlei Auffä lligkeiten gezeigt habe. Insbesondere habe keinerlei Desorganisiertheit im Sinne einer Zerf ahrenheit, einer Inkohärenz oder einer Ideenflucht vorgelegen. Sodann sei aber auch darauf h inzuweisen, dass der Explorand im klini- schen Eindruck in seiner Intelligenz wie auch in seinen a llgemeinen kognitiven Ressourcen kei- ne relevanten Einbussen gezeigt habe. Er habe präzise üb er seine Berufsanamnese Auskunft geben können, insbesondere auch über seine Arbeitstäti gkeiten als selbständiger Geschäfts- führer und auch über die erzielten Einnahmen. Im obj ektiven Psychostatus hätten zudem jegli- che Hinweise für eine sogenannte psychotische Negativsympto matik gefehlt, die man bei einer postulierten langjährigen schizophrenen Erkrankung auf jeden Fall erwarten müsse. So zeige der Explorand in all jenen spezifischen objektiven Parametern, die sehr gut die innerpsychische Vitalität objektiv abzubilden vermöchten (äusseres Erscheinungsbild, Psycho- und Sprachmoto- rik, Mimik und Gestik, Denktempo, kognitive Leistungen, Af fektverarmung sowie affektive Schwingungsfähigkeit) nur in einzelnen dieser Paramat er pathologische Auslenkungen, die je- doch lediglich diskret ausfallen würden. Im objektiven Psychostatus würden sich also nicht die geringsten Hinweise dafür ergeben, dass es sich beim Expl oranden um einen schizophrenen Patienten handle. Sodann sei auch festzuhalten, dass der Versicherte über viele Jahre hinweg - und zwar bis März 2016 - als erfolgreicher Geschäftsführe r im ersten Arbeitsmarkt habe tätig bleiben können. Es wäre einem schizophrenen Patienten in keinster Weise möglich, auch nur annähernd jenes Arbeitsvolumen zu tätigen und jene Le istungsfähigkeit abzurufen, wie dies dem Exploranden in all den letzten Jahren gut gelungen sei. Die deutlich reduzierte Leistungs- fähigkeit sei eine Kardinalvoraussetzung für das Vorli egen einer schizophrenen Erkrankung. Zudem sei auch höchst unüblich, dass eine Schizophrenie bei Männern erst im Alter von 44 Jahren auftrete. Die Vorakten würden von einer E rsterkrankung im Jahr 2007 berichten, da- mals sei der Explorand 44-jährig gewesen. Sodann stelle sich selbstverständlich die Frage, in- wiefern auf die subjektiven Angaben des Exploranden zu seinen psychischen Beschwerden abgestützt werden könne, und ob diese allenfalls ausreich en würden, um die Diagnose einer Schizophrenie, spezifisch einer paranoiden Schizophrenie, zu rechtfertigen. Auffallend sei wäh- rend der gesamten Begutachtung gewesen, dass es dem Ex ploranden auch bei wiederholten und - unüblicherweise - zahlreichen offenen Nachfragen auch nicht annähernd gelungen sei, irgendwelche psychotische Erlebensweisen zu schildern, bis au f die offenbar nur sehr seltenen Episoden, in denen er nachts angeblich Mäuse sehe und die se dann mit einem Staubsauger entferne. Ebenso sei hervorzuheben, dass die Angaben des Exploranden über den jeweiligen Beginn der einzelnen von ihm beschriebenen Symptome äusser st vage und oftmals wider- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprüchlich ausgefallen seien. Dies stehe doch in einer g anz erheblichen Inkonsistenz zu seinen präzisen Angaben, die er gerade zu seiner Berufsanamnese habe machen können. Auch hier könne man ohne Weiteres auf die langjährige und breite klinische Erfahrung abstützen, wonach psychotische Patienten, insbesondere, wenn sie schon seit viel en Jahren unter psychotischen Symptomen leiden würden, sehr wohl in detaillierter Form über ihre psychotischen Symptome berichten könnten. Die Zusammentragung dieser diversen B eurteilungsdimensionen, nämlich ein hinsichtlich psychotischer Erkrankungen vollständig blan der objektiver Psychostatus, ein fragliches subjektives Erleben des Exploranden von ledigl ich einzelnen psychotischen Sympto- men, die aber nicht andauern würden, sowie eine über viele Jahre hinweg vollständig erhalte- nen Funktionalität und Leistungsfähigkeit im ersten A rbeitsmarkt bis März 2016 lasse nicht zu, dass hier eine schizophrene Erkrankung diagnostiziert werden könne. Differentialdiagnostisch müsse man aufgrund der aufgef ührten multiplen und teilweise erhebli- chen Inkonsistenzen von einem hohen Verdacht auf eine artifizielle Störung ausgehen. Letztlich müssten andere Ursachen diskutiert werden, wes halb der Explorand seit März 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit geltend mache, die ihm ärztlicherseits·seither auch attes- tiert werde. Er habe viele Jahre hinweg erfolgreich a ls Geschäftsführer gearbeitet und dabei während vielen Jahren ein ausserordentlich hohes Einkom men erzielt. Er sei Besitzer von zwei Eigentumswohnungen. Im Alter von 54 Jahren blicke er au f eine ausgefüllte, aber auch arbeits- same Berufsanamnese zurück, die ihn möglicherweise ein Stü ck weit erschöpft und ermüdet habe, die es ihm aber auch ermöglicht habe, sich finan ziell weitgehend abzusichern. Mit der Geburt seiner Enkelin erfülle den Exploranden nun ei ne neue Lebensaufgabe. Mit hoher Wahr- scheinlichkeit habe er seit anfangs 2016 mit seiner Roll e als Berufstätiger im ersten Arbeits- markt abgeschlossen. Die Hinweise aus den Austrittsberic hten der Psychiatrie X.____, vor al- lem über die erste Hospitalisation im Jahre 2017, würd en nach objektiver Würdigung doch soli- de Hinweise dafür geben, dass hier psychosoziale Aspekte deutlich im Vordergrund stünden. Diese seien allerdings mit einer psychiatrischen Erkrankung nicht zu erklären, sondern mit ei- nem höchst individuellen Entscheid des Exploranden, seine selbständige Tätigkeit aufzugeben. Im Weiteren hielt PD Dr. B.____ im Abschnitt "Würdigu ng von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen" zusammenfassend fest, dass bei diesem Explora nden aus psychiatrischer Sicht keinerlei qualitative Funktionseinbussen vorliegen würden und auch nie vorgelegen hätten. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter abschliessend aus, beim Exploranden be- stehe sowohl in seiner bisherigen als auch in einer ang epassten Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit. 6.2 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens bat die IV-Stel le PD Dr. B.____ aus fachärztli- cher Sicht zu den Einwänden des Versicherten Stellung z u nehmen. Mit Schreiben vom 20. März 2019 kam der Gutachter diesem Ersuchen nach. Dabei anerkannte er, dass nach er- neuter gründlicher Auseinandersetzung mit dem vorlieg enden medizinischen Sachverhalt die Diagnose eines hohen Verdachts auf eine artifizielle St örung nicht zutreffend sei. Im Übrigen halte er aber an seinen gutachterlichen Ausführungen und an seiner Beurteilung fest, wonach Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht beim Versicherten die Geltendmachung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit mit einer psychi- schen Erkrankung nicht zu erklären sei. 6.3 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 13. September 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbei tsfähigkeit des Versicherten vollum- fänglich auf die Ergebnisse, zu denen PD Dr. B.____ i n seinem psychiatrischen Gutachten vom 29. Juni 2018 (samt ergänzender Stellungnahme vom 20. März 2019) gelangt ist. Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Versicherten sowohl für die angestammte als auch für eine angepasste Tätigkeit keine die Arbeitsfähigkeit einschrä nkende Gesundheitsschädigung vorlie- ge. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfa hrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und b ei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indi- zien liegen hier keine vor. Das psychiatrische Gutachten vo n PD Dr. B.____ vom 29. Juni 2018 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es i st - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belang e umfassend, es beruht auf allseitigen Unter- suchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten ab- gegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medi zinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen ab- weichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen über- zeugend. Insbesondere legt der Gutachter schlüssig dar, weshalb beim Versicherten - entgegen der von mehreren behandelnden Ärzten vertretenen Auff assung - keine schizophrene Erkran- kung vorliegt. 6.4 Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind nicht geeig net, das vorstehende Beweis- ergebnis in Frage zu stellen. 6.4.1 Nach Auffassung des Versicherten steht die Stellu ngnahme von PD Dr. B.____ vom 20. März 2019 im Widerspruch zu seinem Gutachten, we shalb letzterem kein Beweiswert zu- kommen könne. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 6.2 hiervor) , anerkannte der Experte darin, dass die im Gutachten erhobene Diagnose eines hohen Verda chts auf eine artifizielle Störung nicht zutreffend sei. Daraus kann nun aber klarerweise kein Wi derspruch zum ursprünglichen Gut- achten abgeleitet oder sogar auf dessen Unverwertbarkei t geschlossen werden, zumal der Ex- perte in der genannten Stellungnahme explizit an seine n übrigen gutachterlichen Ausführungen und an seiner Beurteilung festhielt, wonach beim Versi cherten die Geltendmachung einer voll- ständigen Arbeitsunfähigkeit mit einer psychischen Erkran kung nicht zu erklären sei. Das "Nichtfesthalten" an der erwähnten Diagnose zeigt darü ber hinaus auch, dass PD Dr. B.____ durchaus bereit ist, auf entsprechende sachliche Kritik hi n sich nochmals gründlich mit dem medizinischen Sachverhalt auseinanderzusetzen und gegeb enenfalls Korrekturen an einzelnen Aspekten seiner Einschätzung vorzunehmen. Ob die Diagnose eines hohen Verdachts auf eine artifizielle Störung vorliegend richtig ist oder nicht, ändert nun allerdings ohnehin nichts am obi- gen Beweisergebnis. Wenn man sie als gegeben erachtet, wirkt sie sich nämlich, wie PD Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. B.____ im Gutachten zutreffend aufgezeigt hat, n icht auf die Arbeitsfähigkeit des Versicher- ten aus. So oder so bleibt es deshalb beim Fazit, dass beim Beschwerdeführer sowohl in seiner bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit aus p sychiatrischer Sicht eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit besteht. 6.4.2 Ferner macht der Beschwerdeführer geltend, die E rkenntnisse der ihn behandelnden psychiatrischen Fachärzte, wonach er unter einer schwerwiege nden psychischen Erkrankung leide und vollständig arbeitsunfähig sei, seien aussagekrä ftiger als jene des von der IV-Stelle beauftragten psychiatrischen Gutachters. In diesem Zusammen hang gilt es zu berücksichtigen, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem oder der medizinischen Sachverständigen deshalb praktisch immer einen gewis- sen Spielraum eröffnet, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abkläru ngsauftrag ist es nicht angängig, eine medizinische Administrativexpertise stets dann in Frag e zu stellen und zum Anlass weite- rer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Ein- schätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abwei chenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich, wenn die behandelnden Ärzte obje ktiv feststellbare Gesichtspunkte vor- bringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtu ng unerkannt geblieben und geeig- net sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Feb- ruar 2017, 9C_338/2016, E. 5.5 mit Hinweisen). Letzt eres ist vorliegend - insbesondere auch bei den vom Beschwerdeführer angerufenen Berichten der Klinik C.____ vom 5. Mai 2017, 18. April 2018 - aber nicht der Fall. Der Gutachter legt vielmehr schlüssig dar, dass die von de n Behandlern gestellten Diagnosen nicht nachvollzogen wer den können. Zudem weist die IV- Stelle in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hin, dass es im Gegensatz zu den Behand- lern zum Auftrag des Gutachters gehört, Inkonsistenzen u nd psychosoziale Faktoren bei seiner Einschätzung entsprechend zu würdigen. Dies hat PD Dr. B .____ - und auch darin ist der IV- Stelle beizupflichten - vorliegend getan. 6.4.3 Der Beschwerdeführer bringt sodann vor, PD Dr. B.____ sei kein neuropsychologi- scher Gutachter, weshalb er den Untersuchungsbericht der Klinik D.____ vom 5. Januar 2017 nicht zu widerlegen vermöge. Die IV-Stelle hält in i hrer Duplik vom 10. März 2020 diesem Ein- wand zu Recht entgegen, dass die vom Gutachter angesprochenen Punkte allgemein das Test- verfahren und gerade auch das psychiatrische Fachgebiet b etreffen und somit diesbezüglich keine Zweifel an der gutachterlichen Kompetenz bestehen . In diesem Zusammenhang ist über- dies zu beachten, dass von einem psychiatrischen Gutachter er wartet wird, dass er in der Lage ist, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfäll iger neuropsychologischer Defizite einzu- schätzen. Eine neuropsychologische Abklärung stellt denn auc h lediglich eine Zusatzuntersu- chung dar, welche bei begründeter Indikation in Erwäg ung zu ziehen ist (Sozialversicherungs- recht – Rechtsprechung [SVR] 2019 IV Nr. 78 E. 5.3 mit Hinweisen). 6.4.4 Soweit der Versicherte die Schlüssigkeit des Guta chtens mit dem Argument anzweifelt, dieses stütze sich lediglich auf eine "einmalige ambulant e Untersuchung von brutto zwei Stun- den", ist ihm entgegen zu halten, dass es nach der bu ndesgerichtlichen Rechtsprechung nicht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Dauer der Untersuchung ankommt; massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise in- haltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. Ur teil des Bundesgerichts vom 14. März 2019, 8C_356/2018, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Dies ist vorliegend entgegen den Ausfüh- rungen des Beschwerdeführers zu bejahen. 7. Nach dem Gesagten gelangte die IV-Stelle unter Be rücksichtigung des psychiatrischen Gutachtens von PD Dr. B.____ zu Recht zum Ergebnis, dass b eim Versicherten keine die Ar- beitsfähigkeit in der angestammten oder in einer ande ren Tätigkeit einschränkende Gesund- heitsschädigung vorliegt. Somit ist nicht zu beanstanden , dass die IV-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 13. September 2019 einen Rentenans pruch ablehnte. Die hiergegen erho- bene Beschwerde erweist sich als unbegründet, was zu deren Abweisung führt. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 8.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat der Beschwerdeführ er keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht