<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 121 S.511</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Entschädigungsfestsetzung</span> <span class="page_no">511</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Entschädigungsfestsetzung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>121 Gebäudeversicherung, Brandschaden: Schadenminderungsmassnahmen.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Notwendige Schadenminderungsmassnahmen, welche den vom AVA</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zu vergütenden Schaden reduzierten, sind vom AVA auch dann zu</b></span><br/> <span class="ft3"><b>entschädigen, wenn es die Schadenminderungsmassnahmen nicht in</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Auftrag gab.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Dagegen sind Schadenminderungsmassnahmen, welche den Betriebs-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schaden reduzieren, vom AVA nicht zu vergüten, da es den</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Betriebsschaden als solchen nicht zu ersetzen hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span><br/> <span class="ft4">vom 29. Juni 2000 in Sachen U. H. gegen AVA.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">...3.6. Der Beschwerdeführer fordert vom AVA den Ersatz der</span><br/> <span class="ft6">zur Schadenminderung notwendig gewordenen Miete von Elek-</span><br/> <span class="ft6">troanlagen (...). Das AVA stellt sich auf den Standpunkt, nur die</span><br/> <span class="ft6">Kosten solcher Schadenminderungsmassnahmen entschädigen zu</span><br/> <span class="ft6">müssen, welche von ihm in Auftrag gegeben worden seien.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 38 Abs. 2 GebVG muss der Versicherte alles zur</span><br/> <span class="ft6">Verminderung eines Schadens Notwendige tun. Weder im GebVG</span><br/> <span class="ft6">noch in der GebVV oder im Schätzungsreglement findet sich aber</span><br/> <span class="ft6">eine Bestimmung über die Kostentragung von Schadenminderungs-</span><br/> <span class="ft6">massnahmen. Unterlässt der Versicherte Schadenminderungsmass-</span><br/> <span class="ft6">nahmen, wächst folglich der Schaden, so hat das AVA eine ebenso</span><br/> <span class="ft6">grössere Entschädigung zu entrichten, es sei denn, die Unterlassung</span><br/> <span class="ft6">der Schadenminderungsmassnahmen können dem Versicherten als</span><br/> <span class="ft6">grobe Fahrlässigkeit angelastet und ihm die Entschädigung gestützt</span><br/> <span class="ft6">auf § 48 lit. a GebVG bis zu zwei Dritteln gekürzt werden. Bei nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span> <span class="page_no">512</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">grobfahrlässiger Unterlassung der Schadenminderungsmassnahmen</span><br/> <span class="ft6">darf e contrario trotz unterlassener Schadenminderung keine Ent-</span><br/> <span class="ft6">schädigungskürzung erfolgen. Damit zeigt sich, dass das Erfordernis</span><br/> <span class="ft6">der Schadenminderung primär im Interesse des AVA statuiert wurde,</span><br/> <span class="ft6">so dass aus dem Grundsatz "in maiore minus" (Schlussfolgerung</span><br/> <span class="ft6">vom Grösseren auf das Kleinere) die Pflicht des Versicherers</span><br/> <span class="ft6">abzuleiten ist, notwendige Schadenminderungsmassnahmen zu ver-</span><br/> <span class="ft6">güten. Demzufolge hängt die diesbezügliche Entschädigungspflicht</span><br/> <span class="ft6">des AVA nicht davon ab, ob es die Schadenminderung in Auftrag</span><br/> <span class="ft6">gegeben hat oder nicht. Im Übrigen werden die effizientesten Scha-</span><br/> <span class="ft6">denminderungsmassnahmen in der Regel noch während des Brandes</span><br/> <span class="ft6">selbst ergriffen, so dass nicht einzusehen wäre, dass ausgerechnet</span><br/> <span class="ft6">diese vom AVA nicht entschädigt werden sollten, ist eine Auftrager-</span><br/> <span class="ft6">teilung hier doch schon zeitlich nicht möglich.</span><br/> <span class="ft6">Aus § 38 Abs. 2 GebVG ist abzuleiten, dass nur diejenigen</span><br/> <span class="ft6">Schadenminderungsmassnahmen zu vergüten sind, welche notwen-</span><br/> <span class="ft6">dig waren und die Vergrösserung des vom AVA zu vergütenden</span><br/> <span class="ft6">Schadens verhinderten. Die vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte</span><br/> <span class="ft6">Rechnung (...) betrifft offenbar Provisorien zur Weiterführung des</span><br/> <span class="ft6">Betriebes unmittelbar nach dem Schadensfall (...). Diese dienten</span><br/> <span class="ft6">damit der Verminderung des Betriebsschadens. Der Betriebsschaden</span><br/> <span class="ft6">wird gemäss § 3 GebVG vom AVA aber ohnehin nicht vergütet, so</span><br/> <span class="ft6">dass das AVA nach dem oben Gesagten auch nicht gehalten ist,</span><br/> <span class="ft6">Massnahmen zu dessen Verminderung zu entschädigen.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>