B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-8771/2010 U r t e i l v o m 5. J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), und dessen Ehefrau B._______, geboren (...), Russland, beide vertreten durch LL.M. lic. iur. Susanne Sadri, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. November 2010 / N_______. D-8771/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die gemäss eigenen Angaben aus C._______ (Republik Dagestan) stammenden Beschwerdeführer russischer Staatsangehörigkeit verlie s- sen ihren Heimatstaat am 30. August 2009 auf dem Landweg und gelang- te über D._______ und ihnen unbekannte Länder am 4. September 2009 illegal in die Schweiz, wo sie am 7. September 2009 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ Asylgesuche einreichten. A.b Nach den Kurzbefragungen im EVZ E._______ vom 14. September 2009 wurden die Beschwerdeführer mit Entscheid vom 17. September 2009 für den weiteren Aufenthalt während des Asylverfahrens dem Ka n- ton F._______ zugewiesen. Am 4. November 2009 wurden sie vom BFM direkt angehört. A.c Zur Begründung ihrer As ylgesuche brachten die Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, der Beschwerdeführer sei von Beamten der Miliz verfolgt und bedroht worden. Diese hätten die Brüder respektive die Cou- sins der Beschwerdeführerin, welche im (...) untergetaucht seien und die der Beschwerdeführer mit Lebensmitteln und Kleider n heimlich unte r- stützt habe, gesucht und seien deswegen am (...) in ihr Haus eingedru n- gen, das sie durchsucht hätten. Er (der Beschwerdeführer) sei von den Beamten zusammengeschlagen und mit dem Tode bedroht wo rden, falls er keine Informationen über den Aufenthaltsort der Verwandten der B e- schwerdeführerin liefere. Die Beamten hätten ihn nach draussen g e- bracht, erneut geschlagen und vor seinen Augen den Hund erschossen. Daraufhin habe man ihn auf einen Polizeiposten gebracht, wo er in einer Einzelzelle eingesperrt worden sei und man ihm in der Folge Fotos vorge- legt habe, auf welchen sich Männer befunden hätten, die er hätte identif i- zieren müssen. Er habe erwidert, dass er nur die Brüder der Beschwerde- führerin auf den Bildern erkennen könne. Dieser Vorgang habe sich mehrfach wiederholt, bis er am (...) um (...) freigelassen worden sei. Als er nach Hause gekommen sei, habe er die Beschwerdeführerin benac h- richtigt und ihr von seiner Freilassung berich tet. Offensichtlich hätten sich sowohl die Mutter des Beschwerdeführers als auch der Beschwerdefü h- rerin für die Freilassung eingesetzt. Die beiden Mütter der Beschwerde- führer hätten respektive die Mutter des Beschwerdeführers habe am Tag nach seiner Freilassung eine Anzeige gegen die Beamten erstattet, weil man ihn grundlos festgenommen habe. Daraufhin seien unbekannte Männer wiederholt zu seinen Eltern nach Hause gekommen und hätten D-8771/2010 Seite 3 diese aufgefordert, die Anzeige zurückzuziehen. Letztlich habe seine Mut- ter die Anzeige zurückgezogen. Ihr Haus sei zwischen dem (...) und ihrer Ausreise insgesamt fünf Mal durchsucht worden und man habe ihnen in diesem Zusammenhang mitgeteilt, dass nach Waffen gesucht werde. Diese Vorkommnisse hätten die Beschwerdeführerin so gestresst, dass sie deswegen einen Nervenzusammenbruch erlitten habe. Am (...) habe er im Kofferraum seines Wagens drei Granaten und andere Munition g e- funden. Er habe daraufhin diese Munition zusammengepackt und in einen unweit gelegenen Fluss hineingeworfen. Vermutlich habe die dagestan i- sche Miliz diese Munition im Wagen deponiert, um ihm unerlaubten Waf- fenbesitz zur Last legen zu können. Danach habe er seinen Wagen se i- nem Vater übergeben und einen Freund kontaktiert, der früher beim S i- cherheitsdienst gearbeitet habe. Dieser habe ihm geraten, das Land zu verlassen, und sei ihnen bei der Organisation der Ausreise behilflich g e- wesen. Sie seien zu seiner in F._______ lebenden Schwester gefahren, wo sie sich bis zur Ausreise aufgehalten hätten. Auf die weitere n Ausfüh- rungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen ei n- gegangen. Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführer diverse B e- weismittel (Auflistung Beweismittel) zu den Akten. A.d Mit Eingabe vom 23. November 2009 (Eingangsstempel BF M) lies- sen die Beschwerdeführer dem Bundesamt ihre Inlandpässe zukommen. B. Mit Verfügung vom 19. November 2010 – eröffnet am 22. November 2010 – lehnte das BFM d ie Asylgesuche der Beschwerdeführer ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Voll zug an. Zur Be- gründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen der Beschwerdeführer vermöchten den Anforderungen von Art. 7 des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen. Der Vollzug der Wegw eisung der Beschwerdeführer in ihre Heimat sei als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. C. Mit Eingabe vom 2 2. Dezember 2010 beantragten die Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht in materieller Hinsicht, der angefochtene Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben, es sei ih nen Asyl in der Schweiz zu gewähren , die Unzulässigkeit sowie die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon die vorläufige D-8771/2010 Seite 4 Aufnahme in der Schweiz anzuordne n. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwa l- tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses e rsucht. Auf die Begründung wird, soweit en t- scheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Ihrer Eingabe legte n die Beschwerdeführer unter anderem (Auflistung Beweismittel) bei. D. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 2 1. Januar 2011 wurde den Beschwerdeführern mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürften. Die Behandlung des Gesuchs um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen und antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. E. Mit Eingabe vom 30. März 2011 legten die Beschwerdeführer weitere – teilweise bereits früher eingereichte – Beweismittel (Auflistung Beweismit- tel) ins Recht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinsta nz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls e ndgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. D-8771/2010 Seite 5 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die ang efochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 so wie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzich ten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widerspr üchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Asylen t- scheides im Wesentlichen an, die Beschwerdeführer h ätten sich hinsicht-D-8771/2010 Seite 6 lich der vom Beschwerdeführer angeblich mit Kleidern und Lebensmitteln unterstützten Verwandten in Widersprüche verstrickt : Zunächst habe es sich um die Brüder der Beschwerdeführerin gehandelt, später allerdings seien diese als Cousins bezeichnet worden. Diesbezüglich seien von bei- den Beschwerdeführern, aber insbesondere von der Beschwerdeführerin, unter allen Umständen klare und unmissverständliche Antworten zu e r- warten. Ebenfalls widersprüchlich seien die Aussagen der Beschwerd e- führerin über ihre Anwesenheit bei den Hausdurchsuchungen und das Fahrzeug der Milizen, wobei sie letztere Angabe nicht plausibel habe au f- lösen können. Auch die Aussagen des Beschwerdeführers zur Frage, ob seine Mutter die Anzeige zurückgezogen habe, seien uneinheitlich ausge- fallen. Dessen nachträgliche Berichtigung vermöge nicht zu überzeugen und sei als situationsbedingte Äusserung zwecks Anpassung der beiden ursprünglich klar widersprüchlichen Antworten zu betrachten. Ausserdem habe er bei der direkten Anhörung keinen konkreten Grund mehr g e- nannt, weshalb er den Kofferraum seines Wagens geöffnet habe , und sich auch zum Zeitpunkt, wann er sich zu seinen Schwiegereltern beg e- ben habe, unterschiedlich geäussert. Weiter habe er zentrale Vorbringen seiner Asylbegründun g, so hinsichtlich des Versuchs der Milizen, ihn zwangsweise ein Dokument respektive ein Teilgeständnis unterschreiben zu lassen, der Dauer der Unterstützung der Cousins seiner Frau sowie der Kontaktnahme mit einem Freund, der früher Sicherheitsdienstmita r- beiter gewesen sei und ihnen bei der Ausreise behilflich gewesen sei, erstmals in der direkten Bundesanhörung erwähnt. Es hätte aber erwartet werden dürfen, dass er diese Vorbringen bereits bei der Erstbefragung zumindest ansatzweise erwähnt hätte. Infolge dessen müsse davon au s- gegangen werden, dass er versuche seine Vorbringen nachträglich anz u- passen. Zudem widerspreche es der allgemeinen Erfahrung, dass die Beschwerdeführer beim überwiegenden Teil der Hausdurchsuchungen nicht persönlich anwesend gewesen se in sollen, zumal die Miliz primär den Beschwerdeführer habe überführen wollen. Erstaunlich sei ebenso, dass diese in seiner Abwesenheit durchgeführten Hausdurchsuchungen nicht in dem von der Miliz wohl beabsichtigten Ergebnis resultiert hätten, hätten sich doch gerade bei einer solchen Gelegenheit im Haus des B e- schwerdeführers problemlos Waffen auffinden lassen, was gemäss se i- nen Aussagen auch die eigentliche Absicht der Miliz gewesen sei. Kaum nachvollziehbar sei auch das seltsame Vorgehen der Miliz, welch e trotz erheblichen Verdachts auf Unterstützung von gesuchten Personen durch die Beschwerdeführer und angebliche r Drohungen mit dem Tod die B e- schwerdeführerin überhaupt nicht behelligt, den Beschwerdeführer b e- reits nach wenigen Tagen aus der Haft entlassen und sich danach bloss D-8771/2010 Seite 7 mit einigen erfolglosen Hausdurchsuchungen begnügt habe. Auch das Verhalten der Beschwerdeführer, welche trotz der geschilderten Gefäh r- dungslage noch mehrere Monate in ihrer Heimat gebli eben seien und auch in dieser Zeit trotz angeblich ständiger Observierung durch die Mil i- zen die Unterstützung der Cousins nicht eingestellt hätten, entspreche nicht dem Verhalten tatsächlich Verfolgter. Diese versuchten nämlich bei der ersten sich bietende n Gelegenheit, den Verfolgerstaat zu verlassen. Ein solches Verhalten lasse jegliche Vorsichtsmassnahmen nicht nur se i- tens der Beschwerdeführer, sondern auch seitens der von ihnen unte r- stützten Personen vermissen, welche sich durch solche Kontakte selber einer erhöhten Verhaftungsgefahr ausgesetzt hätten. Die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführer seien weit von der Realität entfernt und somit als unglaubhaft zu werten. Die vagen Angaben zum Reiseweg in die Schweiz würden zudem den Eindruck entst ehen lassen, sie ve r- suchten die schweizerischen Behörden über den wirklichen Aufenthaltsort vor ihrer Einreise in die Schweiz zu täuschen, wodurch die Unglaubhaf- tigkeit ihrer Vorbringen noch zusätzlich unterstrichen werde. Insgesamt würden die Ausführungen der Beschwerdeführer deutliche Kennzeichen einer konstruierten Geschichte aufweisen und nicht den Eindruck hinte r- lassen, im Zentrum des Geschehens stehende Personen würden von j e- nen einschneidenden Erlebenissen berichten, die ihnen keine andere Wahl gelassen hätten, als fernab von der Heimat Schutz zu suchen. An dieser Einschätzung vermöchten die eingereichten Zeitungsartikel nichts zu ändern. Den aus den Jahren (...) und (...) stammenden Zeitungsarti- keln sei kein nachvollziehbarer Bezug zu den dargelegten Ereignissen und Verfolgungshandlungen zu entnehmen. 3.2 Demgegenüber brachten die Beschwerdeführer in ihrer Rechtsmi t- teleingabe im Wesentlichen vor, ihre Asylgründe seien – entgegen der in der angefochtenen Verfügung geäusserten Ansicht – genug detailliert, präzise und schlüssig dargelegt worden, um den Anforderungen an die Glaubhaftmachung zu genügen. Vorerst sei zu erwähnen, dass in der d a- gestanischen Kultur und Sprache ein Cousin gleich heisse wie ein Bruder, weshalb diesbezüglich Missverständnisse entstand en seien. Der B e- schwerdeführer habe während der Erstbefragung diese Missverständni s- se selber bemerkt und seine Angaben entsprechend korrigiert. Die B e- schwerdeführerin ihrerseits habe schon zu Beginn der direkten Anhörung ihre Aussagen präzisiert und angefü hrt, dass es sich bei den beiden in Frage stehenden Verwandten um ihre Cousins und nicht um Brüder mit gleichen Eltern handle. Wie sie mehrmals erwähnt hätten, hätten die Mil i- zen insgesamt vier Mal bei ihnen zu Hause eine Razzia durchgeführt. D-8771/2010 Seite 8 Ferner habe d er Beschwerdeführer zum Vorhalt widersprüchlicher Au s- sagen bezüglich der Anzeige, welche aufgrund von Drohungen und B e- lästigungen gegenüber seiner Mutter zurückgezogen worden sei, in den Befragungen dasselbe gemeint und gesagt, wenn auch jeweils mit and e- ren Worten. Zudem müssten manche angeblichen Widersprüche auf die nicht korrekte Übersetzung zurückgeführt werden, so hinsichtlich der Verwendung des Begriffs "Panzer" durch die Beschwerdeführerin oder bezüglich des Aufenthaltsortes des Beschwerdeführers nac h seiner Fre i- lassung. Weiter könne ihnen der Vorhalt, dass die Schilderung der Vorge- hensweise der Milizen und des Sicherheitsdienstes in Dagestan realität s- fremd sei, nicht angelastet werden. Die Milizen hätten den Beschwerd e- führer zu unterschiedlichen Zeiten zu Hause gesucht und es sei als Glück zu betrachten, dass er jeweil s nicht zu Hause gewesen sei. Überdies sei nachvollziehbar und verständlich, dass er trotz Belästigung und Schik a- nen durch die dagestanischen Milizen seine Verwandten weiterhin unte r- stützt habe. So gehöre dies zum dortigen Selbstverständnis der Familien- zugehörigkeit, zur Kultur und zum Brauchtum. Ausserdem sei es für ihn nicht in Frage gekommen, den Cousins seiner Ehefrau nicht zu helfen. Zudem würden – auch wenn dies das BFM nicht glaube n möge – viele Flüchtlinge mit oder ohne Schmiergeld die Grenzen illegal überqueren. Im Weiteren sei zu erwähnen, dass der Vater des Beschwerdeführers nach ihrer Flucht – nachdem die Milizen wiederholt nach ihnen gesucht hätten – im (...) von den Milizen z usammengeschlagen und von der Mutter und der Schwester des Beschwerdeführers aufgefunden worden sei . Einen Tag später sei sein Vater im Spital an einer Gehirnblutung gestorben. Es sei sodann zu bemerken, dass es bei der Erstbefragung lediglich um eine summarische Zusammenfassung der Asylgründe gehe und kein Mensch imstande sei, ein Geschehen mündlich mehrmals genau gleich wiede r- zugeben. Gemäss dem eingereichten Bericht der SWP -Stiftung sei die Lage in Dagestan schlimmer einzuschätzen als diejenige in Tschet sche- nien. In ihrer Heimat würden sich die politischen Machtkämpfe mit islam i- scher Mobilisierung verbinden , und im Sommer des Jahres 2010 seien mehr Leute aufgrund der Folter umgekommen als in Tschetschenien oder Inguschetien. Zusammenfassend seien sie wege n der Ausübung ihrer Religion und Weltanschauung sowie der Unterstützung ihrer Verwandten massiv und wiederholt unter Druck gesetzt, inhaftiert und ernsthaften Nachteilen und staatlicher Verfolgung ausgesetzt worden. Die ihnen z u- gefügten Nachteile sei en al s asylrelevant zu qualifizieren. Ihnen drohe zudem einerseits eine Art Reflexverfolgung wegen des Untertauchens i h- rer Verwandten und andererseits eine Verfolgung aufgrund ihrer eigenen Weltanschauung und Ausübung ihrer Religion. D-8771/2010 Seite 9 4. 4.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt vorliegend zum Schluss, dass das BFM im Rahmen der Prüfung der Asylvorbringen aufgrund der au s- geführten einzelnen Aspekte zu Recht erkannt hat, de m von den B e- schwerdeführern in der vorgebrachten Form geltend gemachten Sac h- verhalt könne keine Gr undlage zuerkannt werden, die die Voraussetzun- gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG erfüllen könnte. 4.2 Die Entgegnungen in der Rechtsmitteleingabe und die eingereichten Beweismittel vermögen in entscheidrelevanter Hinsicht nicht gegen die angefochtene Verfügung durchzudringen. Die Beschwerdeführer führen an, dass es bei der Erstbefragung lediglich um eine summarische Z u- sammenfassung der Asylgründe gehe. Überdies sei kein Mensch imstan- de, ein Geschehen mündlich mehrmals genau gleich wiederzugeben. Zu- dem sei es bei den Befragungen zu Missverständnissen gekommen . Auch müssten manche angeblichen Widersprüche auf die nicht korrekte Übersetzung zurückgeführt werden, so hinsichtlich der Verwendung des Begriffs "Panzer" dur ch die Beschwerdeführerin oder bezüglich des Au f- enthaltsortes des Beschwerdeführers nach seiner Freilassung. Diese Einwände vermögen insgesamt nicht zu überzeugen. So bestätigten die Beschwerdeführer einerseits sowohl am Schluss der Erstbefragungen als auch der direkten Anhörung en die Wahrheit und Korrektheit ihrer Aussa- gen nach der Rückübersetzung in russischer Sprache, die sie eigenen Angaben zufolge besser beherrschten als ihre Muttersprache, durch ihre Unterschrift und bejahten andererseits, dass sie die vom BFM eingesetz- ten Übersetzer gut verstanden h ätten (vgl. Akten BFM act. A 2/10 und A3/10, jeweils S. 2 und S. 8; A14/20 und A15/ 15, jeweils S. 1 ). In grund- sätzlicher Hinsicht ist festzustellen, dass die vom BFM eingesetzten Übersetzer hinsichtlich ihre r sprachlichen Fähigkeit und charakterlichen Eignung von der Vorinstanz sorgfältig geprüft werden und das volle Ve r- trauen der Behörden geniessen. Dass es anlässlich der Befragung en im EVZ oder der direkten Anhörungen zu Ungereimtheiten in der Sachve r- haltsaufnahme beziehungsweise in der Übersetzung der Asylvorbringen gekommen sein könnte, ist zu verneinen. So wurden die vo n den B e- schwerdeführern geltend gemachten Asylgründe zunächst in freier E r- zählform vorgebracht und danach durch eine Vielzahl gezielter Nachfra- gen näher erläutert und vertieft. Angesichts der Tatsache, dass die Übe r- setzer angehalten sind, ihre Arbeit objektiv zu verrichten, und es ihnen insbesondere verwehrt ist, Aussagen zusammenzufassen, zu interpreti e- ren oder in eigener Regie Fragen zu st ellen, und auch de n entsprechen- den Protokollen keine Hinweise zu entnehmen sind, die an der Verwer t-D-8771/2010 Seite 10 barkeit de r Befragungsprotokolle Zweifel aufkommen lassen könnten, sind die Einwände der Beschwerdeführer nicht glaubhaft. Eine Durchsicht der in Frage stehenden Protokoll e ergibt zudem, dass die Fragen und Antworten chronologisch und kohärent aufgeführt wurden und keinerlei sprachliche Schwierigkeiten oder diesbezügliche Einwände de r Be- schwerdeführers während der Befragungen angegeben sind. Der Be- schwerdeführer machte ferner von der Möglichkeit, seine Ausführungen im Rahmen der Rückübersetzung zu korrigieren oder zu ergänzen, Gebrauch (vgl. act. A14/20, S. 6). Weiter kommt dem Protokoll des EVZ angesichts des summarischen Charakters grundsätzlich zwar nur ein be- schränkter Beweiswert zu. Widersprüche dürfen aber für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im EVZ in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aus- sagen in der Anhörung beim Kanto n oder beim BFM diametral abwe i- chen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche sp ä- ter als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits im EVZ zumi n- dest ansatzweise erwähnt werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). Da die Beschwerdeführer in den beiden Befragungen jeweils in mehreren, als wesentlich zu erachtenden Sachverhaltselementen ihrer Asylbegründung gänzlich unterschiedliche Angaben machten – so hinsichtlich der Ve r- wandten der Beschwerdeführerin, ihre r Anwesenheit bei den Hausdurc h- suchungen, des Fahrzeugs der Milizen, des Rückzugs der Anzeige, des Aufenthaltsorts des Beschwerdeführers nach seiner Freilassung – und der Beschwerdeführer zentrale Elemente seines Asylgesuchs erst anläss- lich der direkten Anhörung vorbrachte, so hinsichtlich des Versuchs der Miliz, ihn unter Todesdrohungen dazu zu bringen, ein Dokument zu unter- schreiben, wonach er mit den gesuchten Personen einmal zusammen gewesen sei, des Zeitraums seiner Unterstützungshandlungen für die be- hördlich gesuchten Verwandten sowie der Umstände der Organisation i h- rer Ausreise, durfte die Vorinstanz die erwähnten Ungereimtheiten und Widersprüche zu Recht zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranziehen. Im Übrigen ha ben Asylbewerber grundsätzlich nur eigene Erlebnisse zu schildern und brauchen nicht komplizierte theoretische oder abstrakte E r- örterungen anzustellen. Da lediglich selber Erlebtes wiederzugeben ist, darf erwartet werden, dass der Sachverhalt in den wesent lichen Punkten wiederholt übereinstimmend wiedergegeben werden kann. Die vorliegend von der Vorinstanz zu Recht und mit zutreffender Begründung festgestell- ten Widersprüche und Ungereimtheiten deuten darauf hin, dass die B e- schwerdeführer versuchen, einen asylbegründenden Sachverhalt zu kon- struieren, der indessen wohl nicht auf eigenen Erlebnissen beruh t, da es D-8771/2010 Seite 11 sich bei den erwähnten Punkten der Asylbegründung um einschneidende Ereignisse und Begebenheiten handelt, die erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis haften bleiben. Soweit die Beschwerdeführer anführen, dass in der dagestanischen Ku l- tur und Sprache das Wort für Cousin gleich bedeutend sei für Bruder, weshalb diesbezüglich Missverständnisse entstanden seien , kann dieser Einwand schon deshalb a ls nicht stichhaltig erachtet werden , weil in der russischen Sprache – dies sei insbesondere die einzige Sprache, die der Beschwerdeführer beherrsche – die beiden Ausdrücke "Cousin" und "Bruder" nicht nur gänzlich anders geschrieben, sondern auch unte r- schiedlich ausgesprochen werden. Würde der Argumentation der B e- schwerdeführer gefolgt, so hätte anlässlich der Befragungen von ihnen erwartet werden dürfen, dass sie auf die gleiche Bedeutung der beiden Begriffe von sich aus hingewiesen hätten, um spätere Miss verständnisse von vornherein auszuschliessen . Weiter ist das Vorbringen, sie hätten mehrmals erwähnt , dass die Milizen insgesamt vier Mal bei ihnen zu Hause eine Razzia durchge führt hätten, in dieser Form unzutreffend und zu relativieren: So ist den Vorbri ngen der Beschwerdeführerin anlässlich der Erstbefragung zu entnehmen, dass es zu fünf Hausdurchsuchungen gekommen sei, respektive hielt der Beschwerdeführer explizit fest, dass ihr Haus vier Mal beziehungsweise fünf Mal durchsucht worden sei (vgl. act. A2/10 S. 2 und 6, A3/10 S. 6). Demgegenüber machte die Beschwer- deführerin im Rahmen der direkten Anhörung nur noch vier solche Durch- suchungen geltend und widersprach sich dabei auch in der An zahl der Fälle, an welchen sie dabei anwesend gewesen sei (vgl. act . A3/10 S. 6, A15/15 S. 11). Der Einwand, wonach der Beschwerdeführer zum Vorhalt widersprüchlicher Aussagen betreffend die Anzeige, welche aufgrund von Drohungen und Belästigungen gegenüber seiner Mutter zurückgezogen worden sei, in den Befragungen dasselbe gemeint und gesagt habe, wenn auch jeweils mit ande ren Worten, vermag angesichts des diesb e- züglich klaren Protokollwortlautes nicht zu überzeugen. So gab er sowohl in der Erstbefragung als auch in der direkten Anhörung zunächst an, se i- ne Mutter sei nach Einreichung der Anzeige bedroht und aufgefordert worden, diese zurückzuziehen. Gemäss den Ausführungen im EVZ soll sie dann aufgrund des anhaltenden Drucks die Anzeige zurückgezogen haben. Demgegenüber habe sie aber gemäss den Vorbringen beim BFM auf der Anzeige bestanden, obwohl man ihr gedroht habe, ihren Sohn umzubringen, falls sie es nicht tue (vgl. act. A2/10 S. 5, A14/20 S. 7). Erst auf Vorhalt erklärte der Beschwerdeführer im Verlauf der Anhörung, dass seine Mutter die Anzeige später zurückgezogen habe (vgl. act. A14/20 D-8771/2010 Seite 12 S. 12). Es ist in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehbar, weshalb er den Rückzug der Anzeige nicht bereits bei der einlässlichen Schilderung seiner Fluchtgründe – wie er dies bei der Erstbefragung ohne Weiteres tat – vorbrachte. In diesem Zusammenhang sind den Ausführungen des B e- schwerdeführers weitere Ungereimtheiten zu entnehmen. So sollen g e- mäss den Angaben in der Erstbefragung sowohl seine Mutter als auch die Schwiegermutter eine Anzeige eingereicht haben, bei der direkten Anh ö- rung war nur noch davon die Rede, seine Mutter habe Anzeige erstattet (vgl. act. A2/10 S. 5, A14/20 S. 7). Diesbezüglich ers taunt, dass nur die Eltern beziehungsweise die Mutter des Beschwerdeführers von den d a- gestanischen Milizen unter Druck gesetzt worden sei, die Anzeige z u- rückzuziehen, und nicht auch dessen Schwiegermutter. Im Weiteren ist der Einwand der Beschwerdeführer, es könne ihnen der Vorhalt betref- fend die Schilderung der Vorgehensweise der Milizen und des Siche r- heitsdienstes in Dagestan , welche gemäss Vorinstanz realitätsfremd sei, nicht angelastet werden, als unbehelflich zu qualifizieren. So vermag die Vorinstanz angesichts des Umstandes, dass sie über fundierte Lände r- kenntnisse – insbesondere auch über die Vorgehenswei sen und Mech a- nismen der heimatlichen Justiz- und Strafverfolgungsbehörden – verfügt und die aktuelle Situation im betreffenden Herkunftsland laufend analy- siert, die Richtigkeit respektive die Unglaubhaftigkeit von während de r Asylverfahren geschilderten Abläufen und Handlungsweisen von Siche r- heitskräften mit hoher Wahrscheinlichkeit zuverlässig einzustufen. An dieser Einschätzung vermögen auch die im Asylverfahren eingereich- ten Dokumente nichts zu ändern. Hinsichtlich der im vorinstanzlichen Ver- fahren ins Recht gelegten Zeitungsartikel aus den Jahren (...) und (...) kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die vorinstanzlichen E r- wägungen verwiesen werden, zumal sich die Beschwerdeführer in ihrer Rechtsmitteleingabe zur Einschätzung des BFM nicht weiter äusser n. Betreffend die auf Beschwerdeebene eingereichte Todes - und Sterbeur- kunde des Vaters des Beschwerdeführers, der im (...) von Milizen auf der Strasse angehalten, angesprochen und zusammengeschlagen worden und einen Tag nach diesem Vorfall im Spital an (Nennung Todesursache) gestorben sei, ist festzuhalten, dass aus diesen Urkunden die initiale To- desursache nicht hervorgeht, weshalb sie sowohl fü r den Beweis der a n- dauernden Suche der Milizen nach dem Beschwerdeführer als auch für den Nachweis des geltend gemachten Vorfall s, der zum Tod seines V a- ters geführt haben soll, nicht tauglich sind. D-8771/2010 Seite 13 4.3 Nach dem Gesagten erweisen sich die von den Beschwerdeführern geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als nicht glaubhaft. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Aus - führungen in der Beschwerde und der Eingabe vom 30. März 2011 einzu- gehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern können. Das BFM hat d ie Asylgesuche der Beschwerdeführer demnach zu Recht gestützt auf Art. 7 AsylG abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordn et den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerdeführe r verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). D-8771/2010 Seite 14 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschli cher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwe r- deführern nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erh ebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG vera n- kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführer in den Heima t- staat beziehungsweise in die Re publik Dagestan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführer noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Au s- schaffung nach Dagestan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Gro s- se Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, B e- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Weder die allgemeine Menschenrechtslage in Dagestan noch individuelle Faktoren in Bezug auf die Situation der Beschwerdeführer lassen den Wegwe i- sungsvollzug im heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insb e- sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausg e- setzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen a n- gewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels D-8771/2010 Seite 15 persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flü chtlingsei- genschaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips er- füllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situ a- tion allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung a uf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 6.3.2 In der Rep ublik Dagestan herrscht – auch in Berücksichtigung der auf Beschwerdeebene eingereichten Studie der SWP – keine Situation allgemeiner flächendeckender Gewalt, aufgrund derer die zivile Bevölk e- rung generell als existenziell gefährdet zu betrach ten wäre, auc h wenn festzustellen ist, dass sich die politische Situation im Nordkaukasus und insbesondere im multikulturellen Dagestan, wo die zunehmende Radikali- sierung die Gesellschaft immer stärker spaltet, in den letzten Jahren ve r- schlechtert hat (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -7309/2009 vom 16. Dezember 2011 E. 7.4). 6.3.3 Die Beschwerdeführer wohnten bis zu ihrer Ausreise vor rund drei Jahren in der Republik Dagestan und sie sind deshalb mit der einheim i- schen Kultur und Tradition vertraut. Hinzu kommt, dass sie in ihrer He r- kunftsregion respektive in C._______, (...), über ein bestehendes, tragfä- higes soziales Beziehungsnetz verfügen (Eltern und Geschwister der B e- schwerdeführerin, Mutter und Geschwister des Beschwerdeführers sowie Tanten und Onkel), welches ihnen bei der Reintegration behilflich sein kann. Der Beschwerdeführer verfügt über (Nennung Berufsausbildung) und Berufserfahrungen als (...), die Beschwerdeführerin besitzt ihrerseits (Nennung Berufsausbildung) sowie über Berufserfahrun gen im (...) und (...) (vgl. act. A2/10 und A3/10, jeweils S. 2). Zur Sicherung ihrer Exi s- tenzgrundlage werden sie auf ihre langjährigen Arbeitserfahrungen und ihre gute Ausbildung zurückgreifen können und es ist davon auszugehen, dass sie bei einer Rückke hr (erneut) eine Erwerbstätigkeit aufnehmen können. Auch wenn die Arbeitssituation in Dagestan schwierig ist, ist nicht von vornherein auszuschliessen, dass die Beschwerdeführer bei einer Rückkehr keine Anstellung finden werden. Es ist davon auszugehen, dass sie namentlich zu Beginn der Rückkehr mit der finanziellen Unte r-D-8771/2010 Seite 16 stützung seitens der Familie rechnen können. Zudem begründen blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige B e- völkerung im Allgemeinen betroffen ist, wie beispi elsweise Wohnungsnot oder ein schwieriger Arbeitsmarkt, in der Regel für sich allein noch keine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6 S. 591, EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). 6.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung s o- wohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 6.4 Hinsichtlich des Vorliegens von gültigen Reisepapieren führten die Beschwerdeführer an, dass ihre Auslandpässe anlässlich einer Hau s- durchsuchung beschlagnahmt worden seien (vgl. act. A2/10 S. 2, A3/10 S. 3). Wie in Ziffer 4. oben dargelegt, haben sich die Asylgründe der B e- schwerdeführer als unglaubhaft erwiesen, weshalb auch die vorgebrac h- ten Umstände, die zum Verlust ihrer Reisepapier e geführt haben sollen, zu bezweifeln sind. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Untersuchungspflicht der Asylbehörden im Zusammenhang mit der Pr ü- fung des Wegweisungsvollzuges ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der betroffenen Personen fin det. Kommen diese ihrer Mitwirkungspflicht insbesondere bei der Erhebung der persönlichen Verhältnisse im He r- kunftsland nicht beziehungsweise nur in ungenügendem Mass nach oder sind ihre diesbezüglichen Angaben nicht glaubhaft, können daraus im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP , SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG) Rückschlüsse auf die für sie im Heimatland tatsächlich be- stehende Situation gezogen werden. In casu kommt das Bundesverwa l- tungsgericht aufgrund dieser Ausführungen zum Schluss, dass sie infolge der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen, aufgrund derer die Beschwerdefüh- rer ihrer Auslandpässe verlustig gegangen sein sollen, nach wie vor im Besitz dieser Identitätsdokumente sind. Di ese Einschätzung wird auch dadurch gestützt, dass sich der Beschwerdeführer in der Erstbefragung zu den mitgeführten Identitätsdokumenten widersprüchlich äusserte. So gab er zunächst an, sie hätten ihre Pässe beim Verlassen des Landes auf sich getragen, we lche ihnen danach vom Schlepper abgenommen wo r- den seien. Auf Vorhalt, wonach die Pässe den Ausführungen zum Asylge- such zufolge angeblich von den Milizen konfisziert worden seien, korr i- gierte sich der Beschwerdeführer in dem Sinne, als anlässlich der Durc h- suchung wohl die Reisepässe beschlagnahmt worden seien, sie jedoch ihre Inlandpässe auf die Reise mitgenommen hätten (vgl. act. A2/10 S. 7). Mit dieser Aussage widersprach sich der Beschwerdeführer erneut, führte D-8771/2010 Seite 17 er nämlich vorgängig unter Ziffer 13.2 der E rstbefragung an, die Inlan d- pässe seien zu Hause geblieben (vgl. act. A2/10 S. 4). Ausserdem wäre es – wird seiner Argumentation gefolgt – den Beschwerdeführern bereits anlässlich der Einreichung ihrer Asylgesuche möglich gewesen, diese I n- landpässe einzureichen, und nicht erst fast drei Monate später (vgl. Bst. A.d oben). Sollten sie indessen tatsächlich nicht mehr im Besitz ihrer Aus- landpässe sein, obliegt es ihnen ohnehin, sich bei der zuständigen Vertre- tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi gen Reisedok u- mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rec htserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverf ü- gung vom 21. Januar 2011 wurde die Behandlung des Gesuchs um G e- währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen, jedoch antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Hinsichtlich des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist festzustellen, dass von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführer auszugehen ist. Auch können die Be- gehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit gut- zuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-8771/2010 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand: