B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4547/2017 U r t e i l v o m 2 6 . A u g u s t 2 0 1 9 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Irina Wyss. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 11. Juli 2017. D-4547/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 16. November 2015 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. B. Am 23. November 2015 wurde er zu seiner Person, seinem Reiseweg so- wie summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person; BzP). Am 8. Mai 2017 fand die eingehende Anhörung statt. In den Befra- gungen machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei we- gen der politischen Tätigkeiten seines Onkels für die LTTE (Liberation Ti- gers of Tamil Eelam) von den sri -lankischen Behörden festgehalten und gefoltert worden. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer ein Bestätigungsschreiben betreffend seine politischen Aktivitäten, Kopien von verschiedenen Zei- tungsartikeln betreffend Angriffe auf Personen, welche die TNA (Tamil Na- tional Alliance) unterstützten, eine Todesbescheinigung seines Onkels in Kopie (alle Dokumente mit Übersetzung) sowie zwei ärztliche Berichte des (…)-Kantonsspitals vom 10. und 23. Dezember 2015 betreffend seine Fussverletzungen zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 11. Juli 2017 (eröffnet am 13. Juli 2017) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. D. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. August 2017 durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundes- verwaltungsgericht. Dabei beantragte er, es sei festzustellen, dass die Ver- fügung des SEM aufgrund der Verletzung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung nichtig/ungültig sei und di e Vorinstanz sei anzuwei- sen, das Asylverfahren weiterzuführen, eventuell sei die Verfügung des SEM wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventuell zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachver- halts aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, even- tuell sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz D-4547/2017 Seite 3 Asyl zu gewähren, eventuell seien die Ziffern 3 bis 5 der Verfügung aufzu- heben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutba rkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Mitteilung des Spruch- körpers und die Bestätigung, dass dieser zufällig ausgewählt worden sei, vollständige Einsicht in die Verfahrensakten, Einsicht in die Akten seines Bruders sowie in diejenigen seiner drei Onkel und die Gewährung einer Frist zur Beschwerdeergänzung nach Gewährung der Akteneinsicht. Zu- dem beantragte er, das SEM sei anzuweisen, die von ihm im vorinstanzli- chen Verfahren eingereichten Beweismittel übersetzen zu lassen oder ihm sei Frist zu setzen, diese selbst übersetzen zu lassen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer nebst zahlreichen Doku- menten zur allgemeinen Lage in Sri Lanka verschiedene Kopien von Foto- grafien von Narben sowie ein Ausreiseformular des sri-lankischen Gene- ralkonsulats zu den Akten. E. Mit Zwischenverfügung vom 29. August 2017 gab der damals zuständige Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer das Spruchgremium bekannt und verwies betreffend die Bestätigung der zufällige n Zusammensetzung auf das Geschäftsreglement vom 17. April 2008 für das Bundesverwal- tungsgericht (VGR, SR 173.320.1). Weiter gab er den Namen der Fach- spezialistin des SEM bekannt und setzte dem Beschwerdeführer Frist, Ein- willigungserklärungen derjenigen Personen einzureichen, in deren Akten er Einsicht verlangte , sowie weitere Beweismittel einzureichen, Überset- zungen von bereits eingereichten Beweismitteln einzureichen, zu diesen Beweismitteln Stellung zu nehmen und einen Kostenvorschuss zu leisten. F. Mit Eingabe vom 13. September 2017 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und reichte eine Fürsor- gebestätigung zu den Akten. G. Mit Eingabe vom 6. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Ein- willigungserklärung seines Bruders betreffend Akteneinsicht, eine Aufent- haltsbewilligung seines Bruders in Kopie, eine Fotografie seines Onkels, Kopien der medizinischen Unterlagen seines Onkels sowie Unterlagen, welche belegen sollen, dass die Familie des Onkels auf Lebensmittel hilfe D-4547/2017 Seite 4 angewiesen gewesen sei, zu den Akten. Dabei beantragte er eine Nachfrist für die Einreichung weiterer Beweismittel und hielt an seinem Antrag fest, die eingereichten Beweismittel seien von Amtes wegen übersetzen zu las- sen und ihm sei anschliessend eine Frist zur Stellungnahme zu gewähren. H. Mit Instruktionsverfügung vom 20. Oktober 2017 hiess der damals zustän- dige Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährun g der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses, forderte die Vorinstanz auf, dem Beschwerdeführer Einsicht in die Akten seines Bruders zu gewähren, gab dem Beschwerdeführer Gele- genheit, nach der Akteneinsicht innert Frist eine ergänzende Beschwer- debegründung einzureichen und wies die Gesuche um Überse tzung der fremdsprachigen Beweismittel und um Gewährung einer Nachfrist zur Ein- reichung weiterer Beweismittel ab. I. Mit Eingabe vom 6. November 2017 machte der Beschwerdeführer gel- tend, es sei ihm vom SEM die Einsicht in ein Aktenstück verweigert worden, und beantragte Einsicht in die gesamten Verfahrensakten. J. Mit Eingabe vom 21. November 2017 teilte der Beschwerdeführer in Form einer Beschwerdeergänzung mit, er habe zwischenzeitlich vollständige Ak- teneinsicht erhalten. K. Auf Aufforderung des damals zuständigen Instruktionsrichters reichte das SEM mit Eingabe vom 12. Dezember 2017 eine Vernehmlassung zu den Akten. Dieser Eingabe legte es Übersetzungen von den beim SEM einge- reichten Zeitungsartikeln sowie der Todesbescheinigung des Onkels bei. L. Mit Eingabe vom 4. Januar 2018 re plizierte der Beschwerdeführer und reichte weitere Berichte zur allgemeinen Lage in Sri Lanka zu den Akten. M. Das Verfahren wurde in der Folge vom damals für das Verfahren zuständi- gen Richter auf die vorsitzende Richterin übertragen. D-4547/2017 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung d er Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer D-4547/2017 Seite 6 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zu seinen Asylgründen führte der aus B._______, Nordprovinz, stam- mende Beschwerdeführer aus, dass sein Onkel Mitglied der LTTE gewe- sen und in der letzten Phase des Krieges verhaftet und in ein Flüchtlings- lager gebracht worden sei. Anschliessend habe dieser an einem Rehabili- tationsprogramm teilnehmen müssen, von wo er aufgrund von bezahlten Bestechungsgeldern freigekommen sei. Während der Zeit des Friedensab- kommens (2005 bis 2007) habe er gemeinsam mit seinem Onkel und sei- nem Bruder die LTTE unterstützt, indem er Festtage organisiert und gefei- ert habe. Zudem habe er Anlässe von „Pongu Thamil“ besucht sowie den Geburtstag des LTTE -Führers gefeiert. In den Jahren 2007/2008 hätten Armeeangehörige bei ihnen zuhause nach seinem Bruder gesucht. Auf- grund dessen habe e r während vier bis fünf Monaten jeden zweiten Tag Unterschriften leisten müssen. Sein Bruder sei im Jahr 2008 aus Sri Lanka ausgereist. Im Dezember 2012 habe der Beschwerdeführer anlässlich der Wahlen einen Bekannten bei dessen Kandidatur für die Partei TNA unter- stützt, indem er Flyer verteilt und Plakate aufgehängt habe. Im September 2013 hätten sie in C._______ Propaganda für die TNA gemacht. Dabei seien sie von Armeeangehörigen angegriffen worden, wobei er einen Arm- bruch erlitten habe. Aufgrund seines Engagements für die TNA habe er das College nicht besuchen können, da die dortigen Studenten mehrheitlich ei- ner Regierungspartei angehört hätten. Aufgrund der unterschiedlichen Par- teizugehörigkeiten sei er von diesen Studenten bedroht worden. Am 3. Juli 2015 um circa 16 Uhr hätten sieben Armeeangehörige bei ihnen zuhause nach seinem Onkel, welcher sich zu dieser Zeit bei Verwandten in D._______ versteckt gehalten habe, gesucht . W eil sie seinen Onkel D-4547/2017 Seite 7 nicht vorgefunden und keine Angaben zu dessen Aufenthalt erhalten hät- ten, sei er an Stelle seines Onkels mitgenommen worden. Er sei mit ver- bundenen Augen in einem Fahrzeug an einen ihm unbekannten Ort in ein dunkles Zimmer gebracht worden. Als er sich wiederum geweigert habe, den Aufenthaltsort seines Onkels zu verraten, sei er getreten und geschla- gen worden. Darauf sei er gefoltert worden. Nachdem er für zwei Tage fest- gehalten worden sei, sei er in der Nähe des (…)-Tempels freigelassen wor- den. Dabei sei ihm mitgeteilt worden, er solle sich gemeinsam mit seinem Onkel ergeben und sie würden beide in ein Rehabilitationscamp geschickt. Er sei darauf von einem Gläubigen gefunden worden, welcher seine Fami- lie informiert habe. Aus Angst sei er noch am selben Abend nach Colombo gereist, von wo er von einem Kollegen seines Vaters abgeholt und in ein Haus gebracht worden sei. Dort seien seine Verletzungen behandelt wor- den. Vier Tage nach seiner Festhaltung habe sich sein Onkel aus Angst das Leben genommen. Er, der Beschwerdeführer, habe sich für fast vier Monate in Colombo aufgehalten, während sein Vater seine Ausreise orga- nisiert habe. Am 3. November 2015 sei er schliesslich über den Flughafen Colombo gemeinsam mit einer Frau und gefälschten Papieren ausgereist. 4.2 Das SEM begründete seine Verfügung einerseits mit der Unglaubhaf- tigkeit des Vorfalls im Jahr 2015 und andererseits damit, dass die früheren Aktivitäten und Behelligungen des Beschwerdeführers asylrechtlich nicht relevant seien. Die Schilderungen des Beschwerdeführers zu seiner Festhaltung und den Misshandlungen beurteilte das SEM als nicht gehaltvoll. Auch auf Hinweis der befragenden Person auf die Detailarmut seien seine Ausführungen ohne Substanz und persönlichen Bezug geblieben , womit der Eindruck entstanden sei, dass der Beschwerdeführer die s nicht selbst erlebt habe. Zwar habe er die Misshandlungen in der Haft mit einer gewissen Genauig- keit geschildert, jedoch seien die entsprechenden Ausführungen in seinem freien Bericht und im weiteren Verlauf d er Anhörung beinahe deckungs- gleich. Weitere Angaben zu seiner Festnahme als auch zu den erlittenen Misshandlungen habe er nicht machen können, was im Hinblick auf die Dauer erstaune. Auch zu seiner Entlassung habe er nicht mehr ang eben können, als dass er sich zeitlich nicht habe orientieren können und Todes- angst empfunden habe. Zudem habe er zum Grund seiner Festnahme wi- dersprüchliche Angaben gemacht. Nachdem er angegeben habe, er habe wegen seines Bruders Unterschriften leisten müssen, habe er zu einem späteren Zeitpunkt angegeben, aufgrund der Tätigkeiten seines Onkels Unterschriften geleistet haben zu müssen. Auf Nachfrage nach dem Grund D-4547/2017 Seite 8 dieser Reflexverfolgung habe er angegeben, dass er selbst aufgrund sei- ner Tätigkeiten in der Friedenszeit ein Rehabili tationsprogramm hätte durchlaufen müssen und bereits 2007/2008 und im Rahmen seiner Fest- haltung im Jahr 2015 nach seinen eigenen politischen Aktivitäten gefragt worden sei. Weshalb er bis 2015 keine Probleme aufgrund seiner Tätigkei- ten gehabt habe, habe er nicht nachvollziehbar erklären können. Seine Be- gründung, als Student habe er keine Schwierigkeiten zu befürchten gehabt beziehungsweise die Behörden seien erst bei der Suche nach seinem On- kel auf ihn aufmerksam geworden, stehe im Widerspruch zu der von ihm geltend gemachten Vorgehensweise der Behörden und den behördlichen Kontakten und vermöchten daher nicht zu überzeugen. Die Festnahme im Jahr 2015 sei deshalb nicht glaubhaft, woran auch die eingereichten Un- terlagen nichts zu ändern vermöchten, da weder d er Tod seines Onkels noch seine Fussverletzung in Abrede gestellt würden. Weiter verm öge seine niederschwellige Unterstützung der LTTE in den Jahren 2005 bis 2007 und der TNA im Jahr 2013 kein Profil zu generieren, welches in Einklang mit den geltend gemachten Nachteilen stehe, zumal er bis 2015 keinerlei Schwierigkeiten aufgrund seiner Tätigkeiten gehabt habe. Weder seine Unterschriftenleistung im Jahr 2007/2008 noch seine Unterstützung der TNA-Partei im Vorfeld der Wahlen werde in Abrede ge- stellt. Die dadurch erlittenen Nachteile wie die vier- bis fünfmonatige Anwe- senheitspflicht, der gebrochene Arm und die Verschiebung seines Studi- ums stellten keine Nachteile im Sinne des Asylgesetzes dar, da es dafür an der nötigen Intensität mangle. Dies werde dadurch bestätigt, dass der Beschwerdeführer angegeben habe, keine weiteren Konsequenzen erlitten zu haben und nach 2013 nie mehr Probleme aufgrund seiner Unters tüt- zung der TNA gehabt zu haben. Auch habe er seinen Heimatstaat erst ei- nige Jahre nach diesen Vorf ällen verlassen, woraus geschlossen werden könne, dass diese nicht ausschlaggebend für die Ausreise gewesen seien. Beim in diesem Zusammenhang eingereichten Bestätigungsschreiben handle es sich um ein Gefälligkeitsschreiben. Eine asylrelevante Reflexverfo lgung aufgrund der geltend gemachten LTTE-Tätigkeit seines Onkels und seines Bruders sei nicht erfolgt. Das gel- tend gemachte Profil seines Bruders sei als unglaubhaft befunden worden. Da er nicht habe glaubhaft machen können, vor seiner Ausreise solchen Nachteilen ausgesetzt gewesen zu sein, und nach Kriegsende noch über sechs Jahre im Sri Lanka gelebt habe, hätten allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren kein Verfolgungsinteresse seitens der Behörden auszulösen vermögen. Der Wegweisungsvollzug sei schliesslich D-4547/2017 Seite 9 als zulässig, möglich und aufgrund der individuellen Voraussetzungen des Beschwerdeführers (junger, gesunder Mann, schulische Ausbildung, Eltern und Bruder in Sri Lanka) als zumutbar zu erachten. 4.3 In der Beschwerde präzisierte der Beschwerdeführer seine Angaben in den Befragungen und führte zum Engagement seines Onkels für die LTTE aus, dass dieser in den frühen 1990er -Jahren zunächst als Kämpfer bei der LTTE gewesen und später zur LTTE-Elite-Truppe Leopard (Chiruthai- gal) gewechselt habe. Im Jahr 2005 sei er unter „Pottu Ammann“ (führen- des Mitglied der LTTE; Anmerkung des Gerichts) für den Geheimdienst der LTTE tätig gewesen, welcher sowohl für die Elite-Truppe als auch für den Geheimdienst zuständig gewesen sei. Die Aufgaben seines Onkels hätten nebst dem Organisieren von Sport- und Kulturanlässen zur Inspektion und Rekrutierung von Jugendlichen für die LTTE, dem Ausstellen von Passier- scheinen, der Verbreitung der Ideologie der LTTE und dem Mitorganisieren von und die Teilnahme an von der LTTE initiierten Demonstrationen und Streiks auch Geheimdienstaufgaben umfasst. Ausserdem habe er Haus- besuche zur Steuer-Eintreibung vorgenommen und in der Region geheime Operationen für die LTTE geleitet und organisiert. In D._______, wohin er seinen Onkel – wie bereits in der Anhörung angegeben – begleitet habe, habe der Onkel Hausbesuche und Meetings durchgeführt. Aufgrund des- sen Profil sei davon auszugehen, dass an diesen Meetings hochrangige LTTE-Mitglieder teilgenommen hätten. Sein Engagement gemeinsam mit seinem Onkel sowie die Propaganda - Aktivitäten für die TNA seien vom SEM zwar als glaubhaft, jedoch fälschli- cherweise als nicht asylrelevant erachtet worden. Als Jugendlicher sei ihm, dem Beschwerdeführer, nicht genau bewusst gewesen, wer diese Perso- nen gewesen seien, welche sein Onkel getroffen habe. Jedoch könnte er, auch wenn er an den jeweiligen Gesprächen nicht beteiligt gewesen sei, diese Personen noch heute identifizie ren. Zudem könne er teilweise die entsprechenden Orte benennen und wisse über das Netzwerk von wichti- gen Personen der LTTE, Personen, welche damals als Jugendliche rekru- tiert worden seien, die Kontaktpersonen sowie über die damalige Vorge- hensweise der LTTE Bescheid. Somit sei er heute von grossem Interesse für die sri-lankischen Behörden. Mit dem Suizid seines Onkels sei der Be- schwerdeführer noch die einzige Person in der Familie, welche detaillierte Angaben über die Tätigkeiten sein es Onkels machen könne. Somit liege heute nicht nur eine Reflexverfolgung, sondern ein direktes Verfolgungsin- teresse der sri-lankischen Behörden vor. Hinzu komme, dass die TNA, für welche er sich engagiert habe, obwohl es sich dabei um eine legale Partei D-4547/2017 Seite 10 handle, bei der Regierung im Verdacht gestanden habe, der politische Arm der LTTE zu sein und den tamilischen Separatismus zu fördern. Die einge- reichten Fotografien seiner Narben würden die erlebten Misshandlungen belegen und bei einer Rückreise von den Behörden als Hinweis für eine vergangene LTTE-Tätigkeit interpretiert. In der Schweiz habe er sich exil- politisch betätigt, indem er jeweils den „Heroes-Day“ in Fribourg sowie ei- nige regimekritische Demonstrationen besucht habe. Zudem sei ein ande- rer Onkel von ihm ein sehr bekanntes Mitglied in der exilpolitischen Szene der Schweiz. Insgesamt seien bei ihm zahlr eiche Risikofaktoren vorhan- den. Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug aufgrund der Gefahr einer erneuten Folterung als unzulässig und , insbesondere auch wegen seiner individuellen Voraussetzungen wie d em fehlenden tragfähigen sozialen Netzwerk und seiner körperlichen Beeinträchtigung, als unzumutbar zu er- achten. Weiter hielt der Beschwerdeführer fest, dass seine Vorbringen zu Unrecht als unglaubhaft befunden worden seien. Zu der vom SEM bezweifelte Glaubhaftigkeit seiner Fest nahme und dem Argument, seine Aussagen seien detailarm und substanzlos, sei festzuhalten, dass die Knappheit ein grundsätzliches Merkmal seines Aussageverhaltens sei. Jedoch würden seine Aussagen auch klare Realkennzeichen enthalten , wie die Anga be der Uhrzeit seiner Festnahme, dass er zunächst von seinem Zimmer aus gehört habe, wie sein Vater von den Behörden nach seinem Onkel befragt worden sei, dass die Behörden erst dana ch in sein Zimmer gekommen seien, dieses durchsucht hätten und seine Mutter zu dieser Zeit in der Kü- che gewesen und erst später dazu gestossen sei. Auch seine Ausführun- gen zur Festhaltung und Folter seien präzise und detailliert. Jedoch habe er aufgrund seiner Traumatisierung Schwierigkeiten gehabt, diesen Vorfall zu schildern. Zu der Haft habe er einerseits nicht mehr angeben können, weil er sich in einem dunklen Raum in Isolationshaft befunden habe. Ande- rerseits sei er auch gar nicht nach mehr Details gefragt worden. Ein klares Realkennzeichen sei jedoch, dass er von seiner Orientierungslosigkeit an- lässlich seiner Freilassung gesprochen habe. So habe er angegeben, dass er nicht mehr gewusst habe, welche Tageszeit gewesen sei und dass seine Augen bei seiner Freilassung verbunden gewesen seien. Konsistent dazu habe er angegeben, g ehört zu haben, dass sein Vater schreiend auf ihn zugekommen sei, eine weitere Person dabei gewesen sei u nd er gehört habe, dass dies ihr Nachbar gewesen sei. Was den Grund seiner Verfol- gung betreffen, habe er in beiden Anhörungen übereinstimmend vorge- bracht, aufgrund seines Onkels behelligt worden zu sein. An keiner Stelle habe er ausgeführt, er habe aufgrund seines Onkels Unterschriften leisten D-4547/2017 Seite 11 müssen, sondern dass die Unterschriftenleistung aufgrund der Flucht sei- nes Bruders im Kausalzusammenhang mit seinem Onkel gestanden habe. Auch habe er übereinstimmend angegeben, dass er nach dem Auftauchen von neuen Informationen über seinen Onkel im Jahr 2015 ebenfalls ins Vi- sier der Behörden geraten sei. Die Behauptung des SEM, er habe ange- geben, von den Behörden bereits in den Jahren 2007/2008 zu seinen Tä- tigkeiten befragt worden zu sein, sei falsch. Er habe in diesem Zusammen- hang lediglich ausgeführt, die Behörden hätten gesagt, dass er die LTTE unterstütze und er in der Haft gefragt worden sei, ob er wieder mit der Un- terstützung des tamilisch en Separatismus angefangen habe. Zum Argu- ment des SEM, er habe nicht nachvollziehbar erklären können, weshalb er bis 2015 keine Probleme mit den Behörden bekommen habe, sei anzumer- ken, dass er im Jahr 2008 erst 17 -jährig gewesen sei, und die Behörden sich damals auf die militäri sche Niederschlagung der LTTE konzentriert hätten. In der Beschwerdeergänzung machte der Beschwerdeführer weitere An- gaben zu seinem Bruder und führte aus, dass dessen Asylvorbringen das in der Beschwerde dargelegte politische Profil seines Onkels vollumfäng- lich bestätigen würden. Dieser habe detaillierte Ausführungen zur Truppen- angehörigkeit und dem LTTE -Namen seines Onkels gemacht , und dabei ebenfalls ausgeführt, dass er von seinem Onkel aus einem Camp befreit worden sei, was nur durch hochrangige LTTE-Mitglieder möglich gewesen sei. 4.4 In der Vernehmlassung argumentierte das SEM, dass die eingereich- ten Fotografien lediglich belegen würden, dass der Beschwerdeführer Kör- perverletzungen und Narben habe, jedoch keine Rückschlüsse auf deren Ursache zu liefern vermöchten. Gleiches gelte für den Inhalt der Zeitungs- artikel und die Todesbescheinigung. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe zunächst verschiedene Verletzungen des formellen Re chts durch die Vorinstanz. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). D-4547/2017 Seite 12 5.2 5.2.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa- chumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Art. 12 N. 16; BENJAMIN SCHINDLER, in: a.a.O., Art. 49 N. 29). 5.2.2 Das rechtliche Gehör, welches in Art. 29 Abs. 2 BV verankert ist und in den Art. 29 ff. V wVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert wird, dient einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG hört die Behörde die Parteien an, bevor sie verfügt (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1). Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtliches Ge- hör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Ent- scheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sach- gerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmitte- linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: a.a.O., Art. 35 N. 7ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die wesent- lichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die Überlegun- gen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt (BVGE 2008/47 E. 3.2; Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 2006 Nr. 24 E. 5.1). 5.3 Vorweg ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer der Vorinstanz zu Unrecht eine unzutreffende Würdigung der Verhältnisse in Sri Lanka und eine unhaltbare Länderpraxis vorhält. Dabei vermengt er die sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende Frage der Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sa- che, welche die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asyl- gründe betrifft. Alleine der Umstand, dass das SEM seine Einschätzung der D-4547/2017 Seite 13 Lage in Sri Lanka auf andere Quellen stützt als vom Beschwerdeführer ge- fordert (vgl. dazu die zahlreichen als Beschwerdebeilage eingereichten Quellen und teilweise selbst verfassten Berichte [Beschwe rdebeilagen Nrn. 3–12, 17–40, 44–63 (recte: 45–64) sowie den elektronischen Daten- träger mit 268 Quellen]), spricht weder für eine ungenügende Sachver- haltsfeststellung noch für eine Verletzung der Begründungspflicht. Das gleiche gilt, wenn das SEM gestützt auf seine Quellen und die vorliegende Aktenlage die Asylvorbringen und die eingereichten Beweismittel anders würdigt als der Beschwerdeführer. Dies betrifft insbesondere auch die Rüge, das SEM habe die Verbindungen des Beschwerdeführers und seiner Familie zur LTTE, seine Propaganda -Aktivitäten für die TNA und weitere Risikofaktoren wie seine Narben nicht richtig beurteilt sowie die Gefahr ver- kannt, welche von einer noch zu erfolgenden Vorsprache beim sri -lanki- schen Generalkonsulat zwecks Ersatzreisepapierbeschaffung ausgehe . Ebenfalls gilt dies für die Rüge, das SEM habe die Glaubhaftigkeitsmass- stäbe falsch angewandt und die Verfolgung von TNA-Mitgliedern und Sym- pathisanten nicht geprüft. Damit gab es für das SEM entgegen der Ausfüh- rungen in der Beschwerde auch keine Veranlassung, den Beschwerdefüh- rer zur Einreichung von weiteren Beweismitteln zur LTTE -Aktivität seines Onkels anzuhalten. Den Anforderungen des rechtlichen Gehörs bezie- hungsweise der Begründungspflicht, im Rahmen der Entscheid -Begrün- dung die wesentlichen Überlegungen zu nennen und damit die Vorbringen der asylsuchenden Person umfassend und vollständig zu würdigen, hat das SEM in seiner Verfügung zweifellos genüge getan. 5.4 Der Beschwerdeführer rügt weiter, aufgrund der Zeitspanne von fast eineinhalb Jahren zwischen BzP und Anhörung liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Diese Rüge ist jedoch unbegründet, zumal es sich bei der vom Beschwerdeführer angerufenen Empfehlung, die Anhörung möglichst zeitnah zur BzP durchzuführen, um keine justiziable Verfahrens- pflicht handelt (vgl. mutatis mutandis Urteil des BVGer D -6560/2016 vom 29. März 2018 E. 5.2). 5.5 Auch die Rüge, die Sachbearbeiterin des SEM habe die abgegebenen Dokumente weder einzeln erfasst noch übersetzen lassen und damit deren Inhalt nicht berücksichtigt, geht feh l. Das SEM hat die vom Beschwerde- führer angebotenen Dokumente (Zeitungsartikel und Todesbescheinigung des Onkels) entgegengenommen, im Dossier abgelegt (vgl. SEM -Akte A14) sowie in seiner Verfügung explizit aufgeführt und berücksichtigt (vgl. A15 S. 4 und 5), wodurch dem Anspruch auf recht liches Gehör und der D-4547/2017 Seite 14 Begründungspflicht entsprochen wurde. Hinsichtlich der verlangten Über- setzung durch das SEM ist einerseits auf die Mitwirkungspflicht von asyl- suchenden Personen im Asylverfahren zu verweisen und andererseits auf die Instruktionsverfügung vom 20. Oktober 2017 , mit welcher der damals zuständige Instruktionsrichter den entsprechenden Antrag abwies. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass das SEM dem Gericht mit der Vernehmlassung Übersetzungen von diesen beiden Beweismitteln über- mittelte. 5.6 5.6.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Verfügung enthalte nur das Kürzel des entsprechenden Sachbearbeiters und es sei daher nicht klar, wer die Verfügung verfasst habe. Dies verletze den Anspruch auf eine rechtmässig zusammengesetzte, zuständige und unbefangene Behörde. Die Verfügung sei deshalb nichtig. 5.6.2 Gemäss dem verfassungsmässigen Grundsatz von Art. 29 Abs. 1 BV hat eine Person in einem Verwaltungsverfahren Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung und somit Anspruch auf eine rechtmässig zusam- mengesetzte, zuständige und unbefangene Behörde. Dieser Anspruch setzt die Bekanntgabe der personellen Zusammensetzung der Behörde voraus, wobei eine Bekanntgabe in irgendeiner Form ausreicht, beispiels- weise wenn deren Namen dem Betroffenen gar nicht persönlich mitgeteilt werden, diese jedoch einer allgemein zugänglichen Publikation wie etwa in einem amtlichen Blatt, einem Staatskalender oder einem Rechenschafts- bericht der Behörde entnommen werden können. 5.6.3 Hinsichtlich des Kürzels „Rne“ erschliesst sich der Name nicht aus allgemein zugänglichen Quellen. Somit verletzt das SEM den Anspruch aus Art. 29 Abs. 1 BV. Dem Beschwerdeführer wurde der Name der ent- sprechenden Mitarbeiterin jedoch durch das Gericht am 29. August 2017 mitgeteilt, ohne dass in der Folge substanziierte Einwände gegen die be- treffende Person geltend gemacht wurden. Der Mangel ist somit als geheilt zu erachten (vgl. zum Ganzen das Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 8). 5.7 Der Antrag um Einsicht in die nicht öffentlichen Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 ist abzuweisen (vgl. etwa Urteile des BVGer E-626/2018 vom 9. Juli 2018 E. 5 und D -109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.2). D-4547/2017 Seite 15 5.8 Schliesslich kann eine willkürliche Vorgehensweise nur dann vorliegen, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situ- ation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz klar verletzt oder i n stossender Weise dem Gerechtig- keitsgedanken zuwiderläuft (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltung srecht, 7. Aufl. 2016, S. 137 Rn . 605 m.w.H.). Die Rüge, das SEM habe die eingereichten Beweismittel willkür- lich gewürdigt, entbehrt somit – insbesondere angesichts der obenstehen- den Ausführungen zur Verfahrensführung der Vorinstanz – jeglicher Grund- lage. 5.9 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün- det. Die Vorinstanz hat das Asylverfahren den gesetzlichen Vorgaben ent- sprechend durchgeführt, womit der Rückweisungsantrag als auch die ge- stellten Beweisanträge abzuweisen sind. 6. 6.1 Das SEM begründete die Ablehnung des Asylgesuchs damit, die vor- gebrachten Asylgründe seien asylrechtlich nicht relevant beziehungsweise unglaubhaft. Dieser Einschätzung ist zu folgen. 6.2 6.2.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent- scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und kon- krete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Überein- stimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbeson- dere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgescho- benen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Anga- ben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), welche für oder gegen die Glaub- haftigkeit sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung dann, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es D-4547/2017 Seite 16 demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um- stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2). 6.2.2 Zum die Ausreise begründenden Vorfall im Jahr 2015 (Festnahme durch die sri-lankischen Behörden, zweitägige Festhaltung und Folter) ver- mochte der Beschwerdeführer keine plausiblen und detaillierten Angaben zu machen (vgl. A4 7.01; A13 F66 ff.). Seine Vorbringen blieben auch auf mehrfache Nachfrage hin detailarm und ergeben kein schlüssiges und kon- gruentes Bild der Situation; sie weisen insbesondere kein einziges Detail und keine Einzelheiten auf, welche als Realkennzeichen dieses Sachver- haltsvortrags zu würdigen wären. Der Beschwerdeführer machte vorerst ausschliesslich oberflächliche Angaben zu seiner Festnahme an einen ihm unbekannten Ort (A13 F17; F70–F76). Nachdem er von der Befragerin auf- gefordert wurde, ganz detailliert und Schritt für Schritt zu schildern, was sich bei seiner Mitnahme alles abgespielt habe, gab er wiederum den gro- ben Ablauf des Behördenbesuchs in sehr allgemeiner Weise zu Protokoll (A13 F72). Auch eine erneute Nachfrage brachte keine Einzelheiten zutage (A13 F73). Die Schilderungen der beiden Tage in Haft fielen ebenfalls sehr vage aus. Zwar beschrieb der Beschwerdeführer den Ablauf von Miss- handlungen und wie er vo n seinen Peinigern gefoltert worden sei (A13 F77). Der Vorinstanz ist jedoch insofern zuzustimmen, dass die beiden Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Festhaltung in seinem freien Bericht und im weiteren Verlauf der Anhörung auffallend ähnlich aus- fielen und den Eindruck eines auswendig gelernten Sachverhaltsvortrages erwecken (vgl. A13 F17 und F72–F77). Zudem trifft zu, dass der Beschwer- deführer auch zu diesem Erlebnis praktisch keine persönlichen Wahrneh- mungen und Eindrücke zu Protokoll gab. Auf Nachfrage, was er noch über diese zwei Tage berichten könne, gab der Beschwerdeführer "nichts" an (A13 F78); die Frage, was ihm besonders in Erinnerung geblieben sei, be- antwortete er damit, dass er heute noch den Schmerz spüren könne, als ihm der Nagel wegg erissen worden sei (A13 F79). Gleich verhält es sich mit dem Moment seiner Freilassung: Auf Aufforderung, ganz genau von dem Moment zu erzählen, als er aus dem Fahrzeug geworfen worden sei, verwies er lediglich auf seine Eltern, welche informiert worden se ien und ihn abgeholt hätten (A13 F80); die Frage nach seinen Wahrnehmungen in diesem Moment beantwortet er damit, dass er nicht wisse, was er sagen solle (A13 F81). Es wäre jedoch angesichts der zweitägigen Dauer seiner Festhaltung davon auszugehen, dass er mehr sowie detailreicher, oder zu- mindest von einzelnen persönlichen Wahrnehmungen, welche über das D-4547/2017 Seite 17 blosse Aufzählen der Handlungsabläufe hinausgehen, hätte berichten kön- nen. Die dürftigen Angaben zum Verlauf dieser beiden Tage können nur bedingt durch ei nen dem Beschwerdeführer angeblich eigenen Erzählstil erklärt werden, da von gesuchstellenden Personen keine strukturierten Aufzählungen, sondern eine erlebnisgeprägte Schilderung ihrer fluchtbe- gründenden Vorbringen erwartet werden. Zwar wurden die angeblich erlittenen Misshandlungen mit zwei eingereich- ten Arztzeugnissen untermauert (vgl. Beweismittel Nr. 4 in A14). Wie die Vorinstanz aber zu Recht einwendet, ist daraus zwar ersichtlich, dass ein Teil des grossen Zehs amputiert wurde, nicht jedoch, unter w elchen Um- stände die Verletzungen zustande gekommen sind. 6.2.3 Aufgrund dieser Ausführungen kommt das Gericht – auch unter Be- rücksichtigung der auf Beschwerdeebene vorgelegten Dokumente und der geltend gemachten Länderinformationen – zum Schluss, dass nicht glaub- haft ist, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise durch sri-lankische Armeeangehörige wegen seines Onkels und dessen Tätigkeit für die LTTE inhaftiert und gefoltert wurde. 6.3 6.3.1 Weiter ist festzuhalten, dass dem Vorbringen, der Beschwerdeführer habe sich in den Jahren 2005 bis 2007 gemeinsam mit seinem Onkel für die LTTE engagiert, angesichts des seither verstrichenen Zeitraums für die Beurteilung seines Asylgesuchs keine Bedeutung zukommt. Anzuzweifeln in diesem Zusammenhang ist insbesondere die Behaup tung des Be- schwerdeführers, heute diejenigen Personen der LTTE, welche an den Ge- sprächen mit seinem Onkel dabei gewesen seien, sowie die entsprechen- den Orte benennen zu können, und über die Kontaktpersonen der LTTE Bescheid zu wissen. Dies steht im direkte n Widerspruch dazu, dass der Beschwerdeführer in den Befragungen zu diesen Aktivitäten ausschliess- lich oberflächliche Angaben machte (vgl. A4, 7.01, A13 F17 und F29). Da- bei konnte er weder die Funktion seines Onkel s nennen (A13 F33) noch gab er, abgesehen von dem Ort D._______, Örtlichkeiten, Lokalitäten oder Einzelheiten über die damaligen Aktivitäten, und schon gar nicht über ir- gendwelche Personen zu Protokoll. Solche Angaben erfolgten denn – ab- gesehen von Angaben zur Funktion des Onkels – auch nicht auf Beschwer- deebene. D-4547/2017 Seite 18 6.3.2 Auch das Vorbringen, der Beschwerdeführer habe sich im Jahr 2013 für die TNA engagiert und sei dabei von unbekannten Personen angegrif- fen worden, ist als offensichtlich asylrechtlich nicht relevant zu bezeichnen. Dies gilt einerseits für sein Engagement im Rahmen der damaligen Wahlen (Plakate aufhängen und Flyer verteilen), welches keine konkreten Schwie- rigkeiten nach sich zog. Andererseits trifft dies auch auf den Angriff durch unbekannte Personen anlässlich des Aufhängens von Plakaten sowie die Drohungen durch Studenten am College zu, zumal beide Vorfälle keine Intensität im Sinne des Asylgesetzes erreichen. Wie sich aus den Aussa- gen des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Anhörung durch die Vo- rinstanz ergibt, lebte er seit dem Jahr 2009 bis kurz vor seiner Ausreise unbehelligt bei seinen Eltern in B._______. Zudem ist davon auszugehen, dass es für die sri -lankischen Sicherheitskräfte jederzeit ein Leichtes ge- wesen wäre, des Beschwerdeführers habhaft zu werden, hätten sie an die- sem tatsächlich ein konkretes und anhaltendes Verfolgungsinteresse ge- habt. Die Unterschriftenleistung erfolgte offenbar aufgrund des Verschwin- dens seines Bruders und stand gemäss den Akten nicht im Zusammen- hang mit einem Interesse an der Person des Beschwerdeführers. Dass er, wie die Vorinstanz in der Verfügung ausführt, ausgesagt haben soll, wegen seiner eigenen Tätigkeiten befragt worden zu sein, trifft offensichtlich nicht zu, wie auch der Beschwerdeführer selbst auf Beschwerdeebene festhält. 6.3.3 Insgesamt ist nicht ersichtlich, weshalb die sri -lankischen Sicher- heitskräfte ein asylrechtlich relevantes Verfolgungsinteresse am Be- schwerdeführer haben sollten. Das Vorbringen, er habe seinen Onkel im Zeitraum 2006/2007 als Jugendlicher in gewisser ‒ allerdings nicht beson- ders ausgeprägter – Weise bei dessen politischen Tätigkeiten be gleitet, vermag dies nicht zu erklären und ist, wie bereits erwähnt (vgl. E. 6.3.1), für die Beurteilung der Gefährdung als nicht beachtlich zu bezeichnen. Festzuhalten ist insbesondere, dass der Beschwerdeführer selbst – was den Behörden ebenfalls bekannt sein dürfte – keine eigene Verbindung zu der LTTE einging und keine Tätigkeiten für diese ausführte; seinen Aussa- gen zufolge ist er ausschliesslich als Begleitung seines Onkels und allen- falls Sympathisant in Erscheinung getreten. Sein Bruder reiste bereits vor vielen Jahren aus Sri Lanka aus, was den Behörden längst bekannt sein dürfte. Insofern am Beschwerdeführer seitens der Behörden ein Interesse aufgrund der LTTE-Aktivitäten des Onkels und dessen Aufenthaltsorts be- standen haben sollte, ist festzuhalten , dass dieser im Jahr 2015 gemäss den Angaben des Beschwerdeführers verstorben ist. Eine Reflexverfol- gung ist somit ebenfalls als unwahrscheinlich einzustufen. D-4547/2017 Seite 19 6.4 6.4.1 Auch aufgrund der Erfüllung von bestimmten Faktoren eines Risi- koprofils ist nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer bei ei- ner Rückkehr eine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes droht. Das Bundesverwaltungsgericht hält im Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die St op-List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Ent- scheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Be- jahung einer begründeten Furcht führen könnten. D emgegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respek- tive begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobe- gründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Be- rücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einze lfallprüfung zu be- rücksichtigen und mit dem Ziel zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (a.a.O. E. 8.5.5). Diese Rechtsprechung ist auch in Anbetracht der aktuellen Ereignisse in Sri Lanka im Zusammenhang mit der gescheiterten Rückkehr des ehemaligen Präsidenten an die Macht weiterhin ausschlag- gebend. 6.4.2 Nachdem die Asylvorbringen des Beschwerdeführers für unglaubhaft befunden worden sind, er selbst keine relevante Verbindung zu der LTTE aufweist und keine Gefahr von Reflexverfolgung vorliegt, erfüllt er (abge- sehen von exilpolitischen Aktivitäten) keine der oben erwähnten stark risi- kobegründenden Faktoren. Eine Schärfung seines politischen Profils ergibt sich aber auch aus diesen exilpolitischen Tätigkeiten nicht, zumal sich aus den Ausführungen in den Beschwerdeeingaben (Teilnahme am „Heroes- Day“ in Fribourg und an anderen regimekritische Demonstrationen; in der "exilpolitischen Szene" bekannter Onkel) kein exponiertes Wirken er- schliesst. Zudem wurde er keiner Straftat angeklagt oder verurteilt und ver- fügt somit auch nicht über einen Strafregistereintrag. Alleine aus der tami- lischen Ethnie, seinen Narben, der längeren Landesabwesenheit sowie der Verwandtschaft zu einem verstorbenen respektive seit vielen Jahre aus Sri Lanka ausgereisten LTTE-Mitglied kann der Beschwerdeführer, wie oben ausgeführt, keine Gefährdung ableiten. Es ist somit nicht anzunehmen, D-4547/2017 Seite 20 dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernstha fte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 6.4.3 Nach dem zuvor Gesagten besteht kein konkreter Grund für die Stichhaltigkeit der Behauptung, es bestehe die Gefahr, dass der Beschwer- deführer nach der Rückschaffung in seinen Heimatstaat mit Verhaftung und Misshandlung zu rechnen habe. Der Umstand alleine, dass sich in der Ver- gangenheit bei Rückschaffungen nach Sri Lanka ‒ die mit dem vorliegen- den Fall keinerlei Verbindung aufweisen ‒ vereinzelte Vorfälle ereigneten, lässt in Bezug auf den Beschwerdeführer keine Rückschlüsse zu. Dement- sprechend ist auch der Antrag, es seien Akten eines anderen Beschwerde- verfahren, beizuziehen, abzuweisen. Abschliessend ist noch zu bemerken, dass eine wesentliche Akzentuierung des Profils weder aufgrund einer bevorstehenden Vorsprache auf dem sri- lankischen Generalkonsulat noch aufgrund der im Zusammenhang mit der Ersatzreisepapierbeschaffung an die heimatlichen Behörden übermittelten Daten zu erwarten ist (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3). 6.5 Das SEM ist somit zutreffenderweise zur Einschätzung gelangt , dass der Beschwerdeführer keine asylrechtlich relevante Gefährdung glaubhaft machen konnte. Das Asylgesuch wurde demnach zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei D-4547/2017 Seite 21 der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise i n ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 ge gen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahre n keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussa gen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimat-D-4547/2017 Seite 22 staat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un- zulässig erscheinen. Ebenso hat der EGMR wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung, sondern dass jeweils im Einzelfall eine Risi- koeinschätzung vorzunehmen sei (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in anderweitiger Hinsicht ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies gilt insbesondere auch unter Berücksichtigung der Behauptung in der Beschwerdeschrift, es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er – wie jeder nach Sri Lanka zurückgeschaffte Asylge- suchsteller ‒ jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Verhören unter Fol- teranwendung werden könne. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Referenzurteil E-1866/2015 E. 13.3 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung und die gegenwärtige Praxis des SEM be- stätigt, wonach der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz, wozu die Hei- matstadt des Beschwerdeführers (B._______) gehört, zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien, insbesondere die Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation, be- jaht werden kann. 8.3.2 Das SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit, dass der Beschwerdeführer aus der Nordprovinz stamme, wohin der Wegweisungsvollzug unter der Voraussetzung begünstigender Faktoren zumutbar sei. Der Beschwerdeführer sei jung und gesund und verfüge über D-4547/2017 Seite 23 eine schulische Grundausbildung. Er habe ein umfassendes familiäres Be- ziehungsnetz und auch nach seiner Ausreise Kontakt mit seinen Angehöri- gen gepflegt. Er habe mit seinen Eltern in eine m gemeinsamen Haushalt gelebt, wobei sein berufstätiger Vater den Lebensunterhalt gesichert habe. 8.3.3 Die Einwände auf Beschwerdeebene beschränken sich im Wesentli- chen auf eine Wiederholung von Argumenten, welche bereits im Rahmen der Flüchtlingseigenschaft v orgetragen worden sind. Inwiefern die Fuss- verletzung des Beschwerdeführers sowie der Umstand, dass sich seine Familie um die Kinder des verstorbenen Onkels kümmern müsse, einer erfolgreichen Wiedereingliederung entgegenstehen soll, wird in der Be- schwerde nicht substantiiert. Somit erfüllt der Beschwerdeführer die vom Bundesverwaltungsgericht bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs nach Sri Lanka formulierten Kriterien. Daran vermögen auch die neusten Gewaltvorfälle in Sri Lanka am 22. April 2019 und der gleichentags von der sri -lankischen Regierung verhängte Ausnahmezustand (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ] vom 23. April 2019, Sri Lanka: Colombo spricht von islamistischem Terror , https://www.nzz.ch/.../sri-lanka-colombo-spricht-von-islamistischem-terror -ld.1476769, abgerufen am 29. Mai 2019; NZZ vom 25. April 2019, Polizei nimmt weitere 16 Verdächtige fest – was wir über die Anschläge in Sri Lanka wissen, https://www.nzz.ch/international/anschlaege-in-sri-lanka- was-wir-wissen-was-unklar-ist-ld.1476859, abgerufen am 29. Mai 2019; New York Times [NYT], What We Know and Don ’t Know About the Sri Lanka Attacks , https://www.nytimes.com/2019/04/22/world/asia/sri-lanka- attacks-bombings-explosions-updates.html?action=click&module=Top% 20Stories&pgtype=Homepage, abgerufen 29. Mai 2019) nichts zu ändern. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). D-4547/2017 Seite 24 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischenver- fügung vom 20. Oktober 2017 sein Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-4547/2017 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Irina Wyss Versand: