Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. August 2015 (720 14 300 / 201) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung bejaht. Bemessung des Invalideneinkommens eines Selbstständigerwerbenden; erneute Prüfung der betriebli- chen Verhältnisse erforderlich. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch C.____ , Advokatin , Pel i- kanweg 2, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ ist seit 1. April 1990 Geschäftsführer der von ihm gegründe- ten B____AG. Zudem präsidiert er als einzelzeichnun gsberechtigtes Mitglied deren Verwal- tungsrat. Am 10. September 2009 meldete er sich unt er Hinweis auf Rückenbeschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an, wobei er Be- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rufsberatung beanspruchte. Nachdem die IV-Stelle des K antons Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abg eklärt hatte, ermittelte sie beim Versi- cherten einen IV-Grad von 50%. Gestützt auf dieses Erge bnis und nach Durchführung des Vor- bescheidverfahrens sprach sie A.____ mit Verfügung vom 3 0. Dezember 2010 rückwirkend ab 1. September 2008 eine halbe Rente zu. B. Mit Schreiben vom 4. November 2011 leitete die IV- Stelle eine Revision der Rente ein. Nachdem sie die gesundheitlichen und erwerblichen Verhä ltnisse erneut abgeklärt und zudem einen Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vo m 28. Mai 2014 eingeholt hatte, ermit- telte sie bei A.____ einen IV-Grad von nunmehr noch 1%, worauf sie die laufende halbe Rente des Versicherten nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 29. August 2014 per 30. September 2014 aufhob. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, bei der Rentenzusprache im Jahr 2010 sei davon ausgegangen word en, dass er als Unselbststän- digerwerbender bloss noch die Hälfte des bisherigen Ein kommens erzielen könne. Diese Beur- teilung beruhe auf unzulänglichen Abklärungen und das damalige Vorgehen der IV-Stelle sei zweifellos unrichtig gewesen. Aufgrund seiner Stellun g im Betrieb müsse bei der Bemessung des Invalideneinkommens das tatsächlich erzielte Einkommen berücksichtigt werden. Daraus resultiere aber ein rentenausschliessender IV-Grad, weshal b die bisher ausgerichtete Rente aufzuheben sei. C. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin D .____, am 30. September 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 29. August 2014 sei ihm weiterhin eine halbe Rente auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentli- chen aus, dass das Invalideneinkommen nicht korrekt ermittelt worden sei. Die der zuständigen Ausgleichskasse gemeldeten Lohnsummen resp. Einträge i m Individuellen Konto (IK) der Jahr 2009 bis 2013 seien fehlerhaft und mittlerweile korr igiert worden, wie sich aus der Bestätigung der Ausgleichskasse vom 23. September 2014 ergebe. D. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Dezember 2014 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Die ursprüngliche Rentenzusprache sei ins ofern zweifellos unrichtig erfolgt, als der IV-Grad in unzulässiger Weise anhand eines Prozentvergleichs bestimmt worden sei. Es sei damals fälschlicherweise davon ausgegangen worden, dass der Versicherte in einem An- stellungsverhältnis stehe und bloss noch die Hälfte des bish erigen Einkommens erzielen könnte, was zweifellos unrichtig sei. Der IV-Grad hätte vielmehr aufgrund eines Einkommens- vergleichs ermittelt werden müssen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers seien die mittlerweile korrigierten Einträge im IK-Auszug keine g eeignete Grundlage für die Ermittlung des Invalideneinkommens. Zufolge seiner bestimmenden Position in dem von ihm beherrschten Unternehmen erziele der Beschwerdeführer trotz bestehen der gesundheitlicher Einschränkun- gen weiterhin ein rentenausschliessendes Einkommen, weshalb ein Rentenanspruch zu vernei- nen sei. E. In seiner Replik vom 2. März 2015 hielt der Beschwer deführer, nunmehr vertreten durch Advokatin C.____, an den Rechtsbegehren in der Beschwe rde vom 30. September 2014 fest Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und führte im Wesentlichen aus, dass weder ein Revision sgrund ersichtlich sei noch Grund für eine Wiedererwägung bestehe. Der Beschwerdegegnerin se i bekannt gewesen, dass er die B____AG gegründet hatte und deren Geschäftsführer sei . Anhaltspunkte für eine fehlende Ko- operation seinerseits bestünden nicht. Auch der Umstand, dass die Verwaltung in der ursprüng- lichen Rentenverfügung vom 30. Dezember 2010 einen P rozentvergleich vorgenommen und nicht näher geprüft habe, wie sich die gesundheitlich b edingten Einschränkungen in einem aus- geglichenen Arbeitsmarkt auswirken, bedeute noch keinen Re chtsfehler. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin seien zur Bestimmung des IV-Grade s rechtsprechungsgemäss sehr wohl die IK-Einträge massgebend. Dividenden seien kein Arbeitsentgelt und deshalb bei der Bemessung des massgebenden Erwerbseinkommens nicht zu berücksichtigen. F. In ihrer Duplik vom 24. April 2015 hielt die IV-St elle an ihrem Abweisungsantrag fest. Ein Prozentvergleich sei nach der Rechtsprechung nur dann zulässig, wenn sowohl für das Validen- als auch für das Invalideneinkommen die gleiche Bemessun gsgrundlage heranzuziehen sei. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Vielmehr hätte bei der erstmaligen Rentenprüfung zwingend abgeklärt werden müssen, wie sich die gesundheitliche Bee inträchtigung in erwerblicher Hin- sicht auswirke. Hinsichtlich der Bemessung der Vergleichsein kommen seien die effektiven wirt- schaftlichen Verhältnisse massgebend. Die Einträge im IK würden lediglich ein Indiz dafür bil- den. Davon könne aber rechtsprechungsgemäss abgewichen we rden, wenn die verabgabten Einkünfte vom tatsächlich erzielten Verdienst abweichen. V orliegend habe der Beschwerdefüh- rer mit dem Einreichen seiner Lohnausweise den Beweis e rbracht, dass er tatsächlich ein Ein- kommen erzielt habe, wie es ihm von der IV-Stelle auch angerechnet worden sei. Der Renten- anspruch des Beschwerdeführers sei daher zu Recht verneint worden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 30. September 2014 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob die IV-Stel le zu Recht in Wiedererwägung der Verfügung vom 30. Dezember 2010 die Rentenleistungen auf Ende September 2014 eingestellt hat. 3.1 Nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allge meinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann der Versicherun gsträger auf formell rechtskräf- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, w enn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeut ung ist. Die erstgenannte Vorausset- zung meint, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtigkeit der Verfügung möglich, also einzig dieser Schluss denkb ar ist. Das Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache unvertretbar ist , weil sie aufgrund falscher oder unzutref- fend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder weil ma ssgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 138 V 324 E. 3.3 S. 328). Zweifellos unrichtig ist die Verfü- gung auch, wenn ihr ein unhaltbarer Sachverhalt zugrun de gelegt wurde, insbesondere wenn eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes zu eine m unvollständigen Sachverhalt führte (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; Urteil 9C_19/2014 vom 18. Juni 2014 E. 2). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufwei st. Erscheint die Beurteilung ein- zelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbar keitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der r echtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifel loser Unrichtigkeit aus (Urteil vom 24. Februar 2014, 8C_469/2013, E. 3.2, nicht publ. in: BGE 140 V 70; Urteil vom 17. November 2010, 9C_760/2010, E. 2, publ. in: Plädoyer 2011/1 S. 65). 3.2 Die Wiedererwägungsvoraussetzung der erheblichen Bed eutung ist vorliegend ohne Weiteres erfüllt, da eine periodische Dauerleistung Pro zessgegenstand bildet (BGE 119 V 440 E. 1c mit Hinweisen; Sozialversicherungsrecht – Rechtsprechu ng [SVR] 2001 IV Nr. 1 S. 3 E. 5c). Zu prüfen bleibt, ob auch das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprüngli- chen Rentenverfügung vom 30. Dezember 2010 gegeben ist. Die IV-Stelle ermittelte einen IV- Grad von 50%. Dabei stützte sie sich bei der Bemessung des Valideneinkommens auf die An- gaben im Fragebogen für Arbeitgebende vom 7. Oktober 2009, wonach der Versicherte seit Januar 2009 einen AHV-pflichtigen Lohn von Fr. 12‘860 .-- pro Monat erzielte. Aufgrund dieser Angaben ermittelte sie ein Valideneinkommen von Fr. 167‘180-- (13 x Fr. 12‘860.--). Bei der Bemessung des Invalideneinkommens ging sie davon aus, dass d em Versicherten unter Be- rücksichtigung seiner gesundheitlichen Situation die Ausübung seiner bisherigen Tätigkeiten als Geschäftsführer noch zu 50% möglich sei. Dementspreche nd könne er ein Einkommen von Fr. 83‘590.-- erzielen, was einen IV-Grad von 50% er gab. Dieses Vorgehen erweist sich – wie die IV-Stelle zu Recht vorbringt – als zweifellos unricht ig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG. Zunächst übersah sie damals den Hinweis im Arbeitgeberf ragebogen vom 7. Oktober 2009, dass der aufgeführte aktuelle AHV-pflichtige Lohn von F r. 167‘180.-- der tatsächlichen Arbeits- leistung des Beschwerdeführers entsprochen habe. Folglich ist die Annahme der IV-Stelle, das Invalideneinkommen betrage Fr. 83‘590.--, offensichtli ch falsch. Dies gilt umso mehr, als die Erwerbsbiografie des Beschwerdeführers zeigt, dass er gemäss den Angaben im Fragebogen für Arbeitgebende vom 7. Oktober 2009 – trotz seiner krankheitsbedingten Einschränkung seit 24. Dezember 2006 – in den Jahren 2007 und 2008 bei ausgewiesenen Jahresverdiensten von Fr. 151‘000.-- resp. Fr. 156’640.-- ein höheres AHV- pflichtiges Jahreseinkommen erzielte als noch in den Jahren zuvor. Die rentenzusprechende Verf ügung vom 30. Dezember 2010 beruht demnach auf einem unvollständig abgeklärten Sachverhalt. Die IV-Stelle hätte bei dieser Sach- lage zwingend weitere Abklärungen sowohl in Bezug auf die erwerblichen Verhältnisse des Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten, dessen Stellung im Betrieb sowie die Auswir kungen der gesundheitlichen Ein- schränkungen auf den Erwerb durchführen müssen. Da sie di es in Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes (Art. 43 ATSG) unterliess, ist die in d er Verfügung vom 30. Dezember 2010 vorgenommene Bemessung der Invalidität als zweifellos unrichtig zu qualifizieren. 4. Steht die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüngli chen Rentenverfügung fest und ist de- ren Berichtigung von erheblicher Bedeutung (vgl. E. 3.2 hiervor), sind in einem nächsten Schritt die Anspruchsberechtigung und der Umfang des Anspruchs pro futuro zu prüfen. Die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet d abei rechtsprechungsgemäss die Verfü- gung vom 29. August 2014 (BGE 129 V 169 E. 1). 5.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Inva lidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Als Invalidität, welche Folge von Geburtsgebrechen, Krankhe it oder Unfall sein kann, gilt die vo- raussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. ATSG vom 6. Oktober 2000). 5.2 Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des In validitätsgrades einer erwerbstäti- gen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das diese n ach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und all fälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invali- deneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen , das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). B ei der Ermittlung des für die Bestim- mung des Invaliditätsgrades massgebenden hypothetischen E inkommens ohne Gesundheits- schaden (Valideneinkommen) ist entscheidend, was der Ver sicherte im massgebenden Zeit- punkt des Rentenbeginns (vgl. Urteil des EVG vom 30. O ktober 2002, I 517/02, E. 1.2) nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunder tatsächlich verdient hät- te. Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der W eise zu erfolgen, dass die beiden hypo- thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen- übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdiff erenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; vgl. BGE 104 V 136). 5.3 Namentlich bei Selbständigerwerbenden kann sich eine zuverlässige Ermittlung der bei- den hypothetischen Vergleichseinkommen als schwierig oder unmöglich erweisen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverl ässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die Methode für Nichterwerbstätige ei n Betätigungsvergleich anzustellen (vgl. dazu Art. 5 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG; vgl. dazu U ELI KIESER , a.a.O. N 13 ff. und N 20 zu Art. 8), und der Invaliditätsgrad ist nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten er werblichen Situation zu bestimmen. Zu- nächst ist anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbed ingte Behinderung festzustellen; sodann aber ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche A uswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsve rmögen eines Erwerbstätigen kann Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbse inbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 137 E. 2c; AHI-Praxis 1998 S. 120 E. 1a; Kreisschreiben über Invalid ität und Hilflosigkeit in der Invaliden- versicherung [KSIH] Rz. 3112 ff.). Eine gesetzliche Regelung, welche Bemessungsmethode bei selbständig Erwerbenden anzuwenden ist, gibt es nicht. Z u beachten ist aber, dass ein Betäti- gungsvergleich im Rahmen des ausserordentlichen Invalid itätsbemessungsverfahrens von der Natur der Sache her vor allem im landwirtschaftlichen Be reich ober bei handwerklich tätigen Versicherten zur Anwendung kommt, da dort die einzelnen Tätigkeitsgebiete auch klar ausei- nandergehalten werden können. Demgegenüber ist die au sserordentliche Bemessungsmetho- de nicht auf Selbstständigerwerbende zugeschnitten, die schon vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung im Wesentlichen mit Führungsfunktio nen betraut waren. Die Durchführung eines Betätigungsvergleichs würde absehbar keine brauch baren Ergebnisse liefern, da bei ei- nem solchen Betätigungsvergleich weitgehend auf die A ngaben des Beschwerdeführers abge- stellt werden müsste und diese wären einer Überprüfung kaum zugänglich, weil andere Betrie- be mit einer ähnlichen Betriebsstruktur sich im schweizerisc hen Vergleich kaum finden lassen würden (vgl. Urteil des Bundesgericht vom 24. August 2012, 8C_346/2012, E. 4.5). 6.1 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d nach der allgemeinen Bemessungsme- thode mittels Einkommensvergleichs berechnet. Dieses Vor gehen wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Unstreitig ist ferner die Höhe des Va lideneinkommens, die Zumutbarkeit der Ausübung des bisherigen Berufs als Geschäftsführer und d ie Bemessung des Invalidenein- kommens aufgrund des tatsächlich erzielten Verdienstes. Uneinigkeit besteht aber bei der Höhe des Invalideneinkommens. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dieses sei aufgrund der mittlerweile korrigierten Einträge im I K zu bestimmen. Dividenden seien kein Ar- beitsentgelt und deshalb bei der Bemessung des massgeben den Erwerbseinkommens nicht zu berücksichtigen. Demgegenüber hält die IV-Stelle fest, dass von den Einträgen im IK abgewi- chen werden kann, wenn die verabgabten Einkünfte erhe blich vom tatsächlich erzielten Lohn abweichen, was vorliegend der Fall sei. Aufgrund sein er Stellung im Betrieb müsse daher bei der Bemessung des Invalideneinkommens das tatsächlich erziel te Einkommen gemäss Lohn- ausweis berücksichtigt werden. 6.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primä r von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person ko nkret steht. Übt sie nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung eine Erwerbstätigkeit aus, gilt grundsätzlich der damit erziel- te Verdienst als Invalideneinkommen, wenn besonders stabi le Arbeitsverhältnisse gegeben sind, weiter anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und wenn das Einkommen aus der Arbeitslei stung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint (BGE 135 V 297 E. 5.2 mit Hinw eisen; SVR 2011 IV Nr. 55 S. 163, 8C_671/2010 E. 6.1). 6.3 Entgegen der Ansicht der Parteien kann für die Be messung des Invalideneinkommens weder auf die mittlerweile korrigierten IK-Einträge noch auf die vorliegenden Lohnausweise der Jahre 2009 bis 2013 abgestellt werden. Dem Beschwerdeführer ist zwar insofern beizupflichten, als die im IK eingetragenen Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit Grundlage für die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bemessung des Valideneinkommens (und auch des Invalidene inkommens; BGE 117 V 8 E. 2c/aa) sein können (BGE 117 V 8 E. 2c/aa). In Anbe tracht, dass er die zuständige Aus- gleichskasse am 22. September 2014 aufforderte, seinen eigenen, in den Jahren 2009 bis 2013 falsch deklarierten Lohn zu korrigieren und diese – sowei t ersichtlich – ohne weitere materielle Prüfung die beantragte Korrektur im IK vornahm, sind die allein auf die Angaben des Be- schwerdeführers beruhenden Einträge im IK aufgrund de r vorliegenden Akten nicht nachvoll- ziehbar und daher nicht hinreichend gesichert, weshalb zu r Bestimmung des Invalideneinkom- mens – ohne weitere Prüfung der betrieblichen Verhält nisse – nicht darauf abgestellt werden kann. Entgegen der Auffassung der IV-Stelle stellen abe r auch die vorliegenden Lohnausweise der Jahre 2009 bis 2013 keine geeignete Entscheidgrundla ge dar. Zwar steht aufgrund der Un- terlagen fest, dass die monatlichen, als Lohn deklarie rten Zahlungen an den Beschwerdeführer nach Eintritt der krankheitsbedingten Beeinträchtigun g der Arbeitsfähigkeit ab 24. Dezember 2006 in vollem Umfang weiter ausgerichtet wurden. Fü r die Dauer der Ausrichtung von Tag- geldleistungen der Krankentaggeldversicherung ist dies nic ht ungewöhnlich, da die Taggelder den Lohn weitgehend abdecken. Vorliegend wurden die Zahlungen aber auch nach Einstellung der Krankentaggelder und nach der Rentenzusprache unverändert weiter ausgerichtet, als Lohn deklariert und die entsprechenden Sozialversicherungsabzü ge vorgenommen. Zu beachten ist, dass die ungekürzte Weiterausrichtung des Lohnes keiner ä quivalente Arbeitsleistung gegen- überstehen kann, nachdem der Beschwerdeführer nachweislich seit dem 24. Dezember 2006 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist, was auch von der Beschwerdegegnerin zu Recht nicht bestritten wird. Der Umstand, dass die B.___ _AG bei Invalidität ihres Geschäftsfüh- rers und entsprechendem Rentenbezug weiterhin den bishe rigen Lohn auszahlt, ist unüblich und auf die wirtschaftliche Nähe zwischen dem Beschwerdeführer und die B.____AG zurückzu- führen. Wird aber einem Arbeitnehmer ein höheres Geh alt ausbezahlt, ohne dass dafür eine Arbeitsleistung erbracht wird, so liegt insofern kein E rwerbseinkommen vor. Daher kann für die Ermittlung des massgebenden Invalideneinkommens nicht u nbesehen auf die aktenkundigen Lohnausweise abgestellt werden. 6.4 Nach dem Gesagten kann für die Bemessung des Invalide neinkommens weder auf die Lohnausweise noch auf die aktuellen IK-Einträge abgeste llt werden, stellen diese doch keine verlässliche Grundlage dar (vgl. E. 6.3 hiervor). Dasselbe gilt für den aktenkundigen Abklä- rungsbericht für Selbstständigerwerbende vom 28. Mai 2014, da er auf den Angaben aus dem IK und den Lohnausweisen zur Zeit der Abklärung beruht. Damit beruht der vorinstanzliche Ent- scheid in Bezug auf das Invalideneinkommen auf einem un vollständig abgeklärten Sachverhalt. Die Sache ist daher nicht spruchreif und die IV-Stelle wird nach erneuter Abklärung der betrieb- lichen Verhältnisse zu prüfen haben, ob die Betriebser gebnisse eine zuverlässige Beurteilung des Invalideneinkommens zulassen. In diesem Zusammenhang muss sie auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die B____AG per 1. Januar 2011 zu r Entlastung des Beschwerdefüh- rers einen Mitarbeiter eingestellt hat. Zudem wird sie zu prüfen haben, ob allenfalls weitere Fak- toren vorliegen, die zufolge der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers betriebliche Zusatzkosten verursachten resp. das Betriebsergebnis negativ beeinflussten. Ergibt sich, dass das Invalideneinkommen nicht zuverlässig ermittelt werden kann, muss allenfalls das ausserordentliche Bemessungsverfahren (erwerblich gewichte ter Betätigungsvergleich; BGE 128 V 29 E. 1; Urteil vom 24. September 2008, 8C_308/2008, E. 2.2) angewendet werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Danach wird die IV-Stelle über den Anspruch des Beschwer deführers auf eine Invalidenrente neu zu verfügen haben. Nach dem Gesagten ist die vorliegende Beschwerde in dem Sinne gut- zuheissen, als die angefochtene Verfügung aufzuheben un d die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfügung an die B eschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 7.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weite ren Vorgehen im Sinne der Erwägun- gen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-S telle zurück, so gilt in prozessualer Hin- sicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsi egende und die IV-Stelle als unter- liegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vor- behältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 V PO – keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Pr ozess keine Verfahrenskosten erho- ben werden. Der vom Beschwerdeführer geleistete Koten vorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird ihm zurückerstattet. 7.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterinnen des Beschwerdeführers haben in ihrer Honorarnote vom 26. Mai 2015 für das vorliegende Verfah- ren einen Zeitaufwand von 29,58 Stunden sowie Auslag en von Fr. 296.-- geltend gemacht. Während die ausgewiesenen Auslagen zu keinerlei Beanstan dungen Anlass geben, muss der geltend gemachte Zeitaufwand als zu hoch bezeichnet werd en. In ihren Beschwerden setzten sich die Rechtsvertreterinnen ausschliesslich mit den vorinst anzlichen Abklärungen in Bezug auf Bemessung des Invalideneinkommens auseinander. Die Re plik enthält zudem Ausführun- gen hinsichtlich der Wiedererwägung. Medizinische Aspek te, die ansonsten regelmässig einen nicht unerheblichen Bestandteil einer Rechtsschrift im IV-Beschwerdeverfahren bilden – was sich entsprechend auf den durch die Rechtsvertretung zu er bringenden Zeitaufwand auswirkt – wurden in den Rechtschriften nahezu ausgeklammert. Unte r diesen Umständen muss jedoch der von den Rechtsvertreterinnen des Versicherten ausschliessl ich für Beschwerde und Replik geltend gemachte Aufwand von insgesamt 10,91 Stunden (Beschwerde, Entwurf Replik, Über- arbeitung Replik) als zu hoch bezeichnet werden. Im We iteren weisen die Rechtsvertreterinnen in ihren Honorarnoten für Besprechungen, Telefonate, Brief- und E-Mailverkehr mit ihrem Man- danten einen Zeitaufwand von über 4 Stunden aus. Ein derartiger Instuktionsaufwand für das Beschwerdeverfahren von Seiten des Klienten erweist sich ebenfalls als zu hoch. Zudem sind Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärungen in Bezug auf strafrechtliche Normen in die sem Verfahren irrelevant. Zu beachten ist schliesslich, dass zusätzliche Kosten im Zusammenhang mit dem Anwaltswechsel nicht dem Versicherungsträger aufzuerlegen sind. Angesichts der sich st ellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des Aktenumfangs rechtsfertigt es sich deshalb, die Parteientschädigung auf der Basis eines insgesamt angemessenen Zeitaufwands von 16 Stunden festzusetzen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen pra xisgemäss zur Anwendung ge- langenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädige n. Damit ist dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschäd igung in der Höhe von Fr. 4‘639.70 (16 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 296.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zus tändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öf fentlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit . b B GG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiell- rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung vom 29. August 2014 aufgehoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu rückgewie- sen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird dem Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4‘639.70 (inkl. Ausl agen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht