Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 3. Dezember 2019 (400 19 237) ____________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Anwendung des Grundsatzes von Treu und Glauben bei Ausübung des unbedingten Replikrechts (E. 2.4). Bei fehlender Honorarnote ist weder ein Auslagenersatz noch der Ersatz einer allfälligen Mehrwertsteuerabgabe geschuldet (E. 9.1). Besetzung Präsident Roland Hofmann; Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco Parteien A.____, vertreten durch ihre Mutter C.____, vertreten durch Rechtsanwalt Julian Burkhalter, AKJB, Hintere Bahn- hofstrasse 102, Postfach 2150, 5001 Aarau, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B.____, vertreten durch Advokatin Tessa von Salis, Advokatur Jedelhauser, Wartenbergstrasse 40, 4052 Basel, Beklagter und Berufungsbeklagter Gegenstand Vorsorgliche Massnahmen Berufung gegen die vorsorgliche Verfügung des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 30. August 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. B.____ und C.____ sind die nicht miteinander verheirat eten Eltern der am xx. September 2007 geborenen A.____. Noch vor ihrer Geburt anerkann te der Kindsvater am xx. September 2019 die Vaterschaft vor dem Zivilstandsamt des Kantons Ba sel-Landschaft. Mit Unterhaltsver- trag vom 23. Oktober 2007 einigten sich die Kindseltern darauf, dass der Kindsvater für den Unterhalt der Tochter A.____ bis zum vollendeten sechsten Altersjahr einen monatlichen Unter- haltsbeitrag von CHF 900.00, vom siebten bis zum zwölften Altersjahr einen solchen von CHF 950.00 und vom dreizehnten Altersjahr bis zur Volljährigkeit der Tochter einen solchen von CHF 1'000.00, jeweils zuzüglich der vom Kindsvater noch zu beantragenden Kinderzulagen, zu bezahlen hat. Gleichzeitig wurde im Unterhaltsvertrag festgehalten, dass diese Unterhaltsbei- träge als bezahlt zu gelten haben, solange der Kindsva ter mit der Kindsmutter und der gemein- samen Tochter zusammenlebt und im Rahmen dieses Zusamme nlebens angemessene Beiträ- ge an den gemeinsamen Unterhalt leistet. Der Unterha ltsvertrag der Kindseltern wurde am 25. Oktober 2007 von der Vormundschaftsbehörde der Gemeinde Z. genehmigt. B. Mit Eingabe vom 1. Juli 2019 gelangte die Tochter A._ ___, vertreten durch ihre Mutter und diese wiederum vertreten durch Rechtsanwalt Julian Burkhalter, an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost. Aufgrund von wesentlichen und daue rhaften Veränderungen der Ver- hältnisse bei den Kindseltern seit 2007 beantragte sie, den Kindsvater mit Wirkung per Gesuchseinreichung gestützt auf Art. 303 Abs. 1 ZPO bis zum Abschluss des Verfahrens in der Hauptsache zur Bezahlung eines vorsorglichen Unterhaltsb eitrages von CHF 3'659.00 pro Monat (davon CHF 2'717.00 als Betreuungsunterhalt) und ebenso zur Leistung eines Prozess- kostenvorschusses von CHF 5'000.00 für das Hauptverfahren so wie von CHF 4'000.00 für das vorsorgliche Massnahmeverfahren zu verpflichten. Da für sie und die Kindsmutter das Zusam- menleben mit dem Kindsvater wegen stetig zunehmenden A useinandersetzungen nicht mehr länger zumutbar sei, müsse dieser Unterhaltsbeitrag b ereits vorsorglich festgelegt werden, zumal die Kindsmutter aus finanziellen Gründen keine eig ene Wohnung beziehen könne. Der Tochter sei zudem die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. C. Ebenfalls am 1. Juli 2019 reichte die Tochter A.____ bei der Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde (KESB) Gelterkinden-Sissach ein Schlichtungsg esuch betreffend Abänderung des Kindesunterhalts nach Art. 286 Abs. 2 ZGB ein. Na chdem die Vorinstanz am 11. Juli 2019 von der Tochter über den Rückzug ihres Schlichtungsgesuch s zufolge der fehlenden Zustän- digkeit der KESB Gelterkinden-Sissach informiert worden war, ersuchte der nicht anwaltlich vertretene Kindsvater mit Eingaben vom 30. Juli 2019 un d 8. August 2019 im gerichtlichen Ver- fahren sinngemäss um Abweisung aller geltend gemachten Ansprüche der klagenden Tochter. D. Mit vorsorglicher Verfügung vom 30. August 2019 hiess de r Gerichtspräsident des Zivil- kreisgerichts Basel-Landschaft Ost das Gesuch vom 1. Juli 20 19 teilweise gut. In entsprechen- der Abänderung des Unterhaltsvertrags vom 23. Oktober 2 007 verpflichtete er den Kindsvater, der Tochter mit Wirkung per Auflösung des gemeinsamen H aushaltes vorsorglich einen monat- lichen und monatlich im Voraus zu leistenden Unterhaltsbeitrag von CHF 1'840.00 zuzüglich der ihm für die Tochter allenfalls ausgerichteten Kinder- u nd Ausbildungszulagen zu bezahlen, wo- von CHF 1'650.00 als Barunterhalt und CHF 190.00 als Betreuungsunterhalt geschuldet seien. In Dispositivziffer 2 der vorsorglichen Verfügung hielt de r vorinstanzliche Richter das Einkom- men des Kindsvaters von CHF 90'000.00 netto exklusive Zu lagen und Beteiligungsrechte vor Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Steuern pro Jahr sowie das auf einem Erwerbspensum von 80 % hochgerechnete hypotheti- sche Einkommen der Kindsmutter von CHF 36'720.00 netto exklusive Zulagen vor Steuern pro Jahr fest. Der Tochter rechnete er die für sie ausgerichteten Kinderzulagen von CHF 220.00 pro Monat an. Mit Dispositivziffer 3 setzte er der klagenden Tochter eine Prosekutionsfrist bis 1. Oktober 2019 zur Einreichung der Klage in der Haup tsache an, mit dem Hinweis, dass der vorsorgliche Unterhaltsbeitrag unverzüglich wieder aufge hoben werde, sollte innert der Prose- kutionsfrist keine entsprechende Klage eingehen. Die w eiteren Anträge der Tochter auf Leis- tung von Prozesskostenvorschüssen und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wies der vorinstanzliche Gerichtspräsident ab. Er auferlegte der Tochter vorläufig die Gerichtsgebühr von CHF 500.00 und schlug die Parteikosten vorläufig wett , vorbehältlich einer abweichenden Kos- tenverteilung durch Urteil im allfälligen Hauptverfa hren, durch Vereinbarung der Parteien oder durch eine sonstige gerichtliche Verfügung. E. Gegen die schriftlich begründete vorsorgliche Verfügung vom 30. August 2019 erhob die Tochter A.____ am 7. Oktober 2019 Berufung beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht mit folgenden Anträgen: "1. Es sei die vorsorgliche Verfügung vom 30.08.2019 de s Gerichtspräsidenten des Zivilkreis- gerichts Basel-Landschaft Ost (170 19 1295 II) aufzuhebe n und es sei wie folgt neu zu ent- scheiden: 1. ln Gutheissung der Berufung und in entsprechender A bänderung der vorsorglichen Verfügung vom 30.08.2019 des Gerichtspräsidenten des Zivi lkreisgerichts Basel- Landschaft Ost hat der Berufungsbeklagte der Berufungskl ägerin mit Wirkung ab 01.07.2019 vorsorglich einen monatlichen und monatlich im Voraus zu bezahlenden Unter- haltsbeitrag von CHF 3'500.00 (davon CHF 2'371.00 Be treuungsunterhalt) zzgl. allfällig bezogene Kinder- und Ausbildungszulagen zu bezahlen (Dispo. Ziffer 1). 2. Der vorsorgliche Unterhaltsbeitrag gemäss Ziff. 1 hi ervor basiert auf einem Einkommen des Berufungsbeklagten von CHF 90'000.00 netto exklusive Zulagen und exklusive Beteili- gungsrechte vor Steuern pro Jahr, und einem Einkommen der Mutter der Berufungsklägerin von CHF 5'736.00 netto exklusive Zulagen vor Steuern p ro Jahr und auf den für die Beru- fungsklägerin ausgerichteten Kinderzulagen von CHF 220.00 pro Monat (Dispo. Ziffer 2). 3. Unverändert (Frist bereits einmal erstreckt mit Verfü gung vom 03.10.2019) 4. Die Gesuche der Berufungsklägerin um Verpflichtung d es Berufungsbeklagten zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses von CHF 5'000.00 für das Verfahren in der Hauptsache bzw. CHF 4'000.00 für das vorinstanzliche Ve rfahren werden gutgeheissen (Dispo. Ziffer 4). 5. Die Gesuche der Berufungsklägerin um Verpflichtung d es Berufungsbeklagten zur Leistung von diversen Prozesskostenvorschüssen werden abgewie sen und der Berufungs- klägerin wird die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt, unter Verbeiständung durch RA Juli- an Burkhalter, 5001 Aarau (Dispo. Ziffer 4). 6. Die Gerichtskosten sowie die Parteikosten aus dem vorin stanzlichen Verfahren werden dem Berufungskläger [recte wohl: Berufungsbeklagten] a uferlegt. Eventualiter seien die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kosten zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Staatskas- se zu nehmen (Dispo. Ziffer 5). 2. Eventualiter: Es sei die angefochtene Verfügung weg en unvollständiger bzw. unrichtiger Sachverhaltsdarstellungen aufzuheben und zur Neubeurt eilung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen. 3. Es seien die Kindseltern zu verpflichten, der Beruf ungsklägerin gestützt auf Art. 286 Abs. 3 ZGB für das Berufungsverfahren einen Prozesskostenvorschuss von CHF 4'000.00 zu bezah- len. 4. Es sei der Berufungsklägerin die unentgeltliche Recht spflege zu gewähren, unter Verbei- ständung durch den Schreibenden. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen" F. Der Berufungsbeklagte, nunmehr anwaltlich vertreten, ersuchte mit Eingabe vom 24. Oktober 2019 um kostenfällige Abweisung der Berufung. Am 28. Oktober 2019 verfügte der Präsident des Kantonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, den Schluss des Schriftenwechsels und kündigte den Entscheid aufgrund der Akten an. Daraufhin stellte die Berufungsklägerin am 1. November 2019 den Antrag, ihr zur Ausübung des Rep likrechts eine Frist bis zum 20. November 2019 anzusetzen. Der gefestigten kantona len Praxis folgend, lehnte es der Abteilungspräsident mit Verfügung vom 4. November 20 19 ab, ihr eine Replikfrist anzusetzen. Stattdessen wies er darauf hin, dass der Entscheid nicht vor dem 21. November 2019 gefällt werden würde. Entgegen ihrer Ankündigung verzichtete d ie Berufungsklägerin auf die Einrei- chung einer Replik. Auf die vorinstanzliche Entscheidbegründung und auf die Ausführungen der Parteien im Berufungsverfahren wird in den nachstehend en Erwägungen eingegangen, soweit sie für den Berufungsentscheid rechtserheblich sind. Erwägungen 1.1 Der Entscheid über vorsorgliche Massnahmen ist gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO mit Berufung anfechtbar, wobei in vermögensrechtlichen An gelegenheiten die Berufung nur zuläs- sig ist, wenn der Streitwert der zuletzt aufrecht erha ltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Bei wi ederkehrenden Leistungen wie Unterhalts- beiträgen gilt der Kapitalwert als Streitwert. Sind Leistungen mit ungewisser oder unbeschränk- ter Dauer streitig, wird gemäss Art. 92 Abs. 2 ZPO auf den zwanzigfachen Betrag der einjähri- gen Leistung abgestellt. Die Berufungsklägerin beanspru chte bei der Vorinstanz vorsorgliche Unterhaltsbeiträge von CHF 3'659.00 pro Monat für sich , wogegen der Berufungsbeklagte die Abweisung dieses Begehrens beantragte. Der erforderliche Streitwert nach Art. 308 Abs. 2 ZPO ist damit zweifellos erreicht. 1.2 Das Berufungsverfahren betreffend vorsorgliche Massnahm en ist ein summarisches Ver- fahren (Art. 248 lit. d ZPO), weshalb die Berufung g emäss Art. 311 Abs. 1 i. V. mit Art. 314 Abs. 1 ZPO innert zehn Tagen seit Zustellung des begrün deten Entscheides beziehungsweise Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegrün dung schriftlich und begründet einzu- reichen ist. Die auf Antrag der Berufungsklägerin nach gelieferte Begründung der vorsorglichen Verfügung der Vorinstanz vom 30. August 2019 ging am 2 6. September 2019 bei beiden Par- teien ein. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Postaufgabe der Berufung am Montag, den 7. Okto- ber 2019, gewahrt (Art. 142 Abs. 3 ZPO). Zuständig fü r die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte Basel-Lan dschaft, welche im summarischen Verfahren ergangen sind, ist gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO das Präsidium der Abteilung Zivil- recht des Kantonsgerichts. Da auch die weiteren Voraussetzu ngen erfüllt sind, ist auf die Beru- fung einzutreten. 2.1 Die Berufungsklägerin moniert als Erstes, ihr sei im vori nstanzlichen Verfahren das Recht auf Replik verwehrt worden. Damit liege eine Verletzu ng des rechtlichen Gehörs vor. Die Beru- fungsklägerin zitiert die Rechtsprechung des Bundesgeri chts zum unbedingten Replikrecht und folgert daraus, dass gemeinhin eine Frist von zehn Tagen als angemessen für eine Reaktion zu betrachten sei. Sie habe innert zehn Tagen auf die Ein gabe des Berufungsbeklagten vom 21. August 2019 reagiert, die Vorinstanz habe aber ber eits am neunten Tag einen Entscheid getroffen und entsprechend versendet, was nicht zulässig sei. Abgesehen davon sei in familien- rechtlichen Verfahren stets eine mündliche Verhandlung d urchzuführen. Die Vorinstanz habe mit ihrem Vorgehen also auch gegen Art. 297 ZPO verst ossen. Demgegenüber lässt der Beru- fungsbeklagte im Wesentlichen vorbringen, dass im vorsorg lichen Massnahmeverfahren kein unbedingtes Replikrecht bestehe. Zudem hätten die Part eien bei vorsorglichen Verfahren kei- nen Anspruch auf eine mündliche Verhandlung, selbst we nn diese familienrechtlicher Natur seien. 2.2 Der in Art. 53 Abs. 1 ZPO verankerte verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Ge- hör umfasst unter anderem das Recht der verfahrensbet eiligten Parteien, von allen bei Gericht eingereichten Stellungnahmen Kenntnis zu erhalten un d sich dazu äussern zu können, unab- hängig davon, ob die Eingaben neue und / oder wesentliche Vorbringen enthalten und ob sie im Einzelfall geeignet sind, den richterlichen Entscheid zu beeinflussen (KGer BL 400 16 300 vom 25. Oktober 2016 E. 2.2; BGer 5A_81/2015 vom 4. April 2016 E. 2.3.1). Das Gericht hat den Parteien in jedem Einzelfall ein effektives Replikrecht zu gewährleisten. Hierzu kann es einen zweiten Schriftenwechsel anordnen oder den Parteien e ine Frist für eine allfällige Stellungnah- me ansetzen. Es kann Eingaben aber auch lediglich zur Ke nntnisnahme zustellen, wenn von den Parteien erwartet werden darf, dass sie umgehend unaufgefordert Stellung nehmen oder um Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme nachsuchen können, was namentlich bei anwalt- lich Vertretenen oder Rechtskundigen der Fall ist (KGer BL 400 16 300 vom 25. Oktober 2016 E. 2.2; BGer 5A_81/2015 vom 4. April 2016 E. 2.3.2; BGE 138 I 484 E. 2.4 mit Hinweisen). Ver- langt eine replikberechtigte Partei umgehend die Anse tzung einer Frist zur Stellungnahme, so kommt das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivi lrecht, diesem Begehren praxis- gemäss insoweit nach, als ihr mitgeteilt wird, ab wel chem Datum frühestens mit dem Entscheid oder der nächsten Amtshandlung des Gerichts zu rechnen ist . Es bleibt anschliessend der replikberechtigten Partei überlassen, ob sie dem Kantons gericht vor dem mitgeteilten Datum eine unaufgeforderte Stellungnahme zukommen lassen möcht e. Eine eigentliche Fristsetzung zur Ausübung des Replikrechts erfolgt nicht. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Soll die Partei ihr Replikrecht effektiv wahrnehmen kö nnen, muss ihr das Gericht ausrei- chend Zeit für eine Stellungnahme lassen. Das Gericht m uss mit der Entscheidfällung so lange zuwarten, bis es annehmen darf, dass die betreffende P artei auf eine weitere Eingabe verzich- tet habe. Welche Wartezeit ausreichend ist, hängt vom j eweiligen Einzelfall ab. Das Schweize- rische Bundesgericht stuft im Allgemeinen eine Wartefrist von weniger als zehn Tagen seit der gerichtlichen Zustellung der Eingabe als zu kurz ein (HUNSPERGER /W ICKI , Fallstricke des Replik- rechts im Zivilprozess - eine Replik, in: AJP 4/2017 S. 4 53, 461 mit Rechtsprechungshinwei- sen). Das bedeutet, dass ein Gericht in aller Regel na ch Ablauf dieser zehn Tage sein Urteil fällen darf. Will eine Partei demnach sicherstellen, dass ihre Replik berücksichtigt wird, so ist es an ihr dafür zu sorgen, dass die Eingabe bis spätestens am zehnten Tag beim Gericht eintrifft (KGer BL 410 19 52 vom 23. April 2019 E. 2.2; BGer 5 A_81/2015 vom 4. April 2016 E. 2.3.3 f.; BGer 4A_215/2014 vom 18. September 2014 E. 2.1; B AUMGARTNER /D OLGE /M ARKUS /S PÜHLER , Schweizerisches Zivilprozessrecht mit Grundzügen des interna tionalen Zivilprozessrechts, 10. Aufl., 2018, § 26 N 72 ff.). Das soeben beschriebe ne Replikrecht gilt grundsätzlich sowohl im ordentlichen als auch im vereinfachten und summarischen Verfahren (KGer BL 410 19 52 vom 23. April 2019 E. 2.3; H UNSPERGER /W ICKI , Fallstricke des Replikrechts im Zivilprozess - eine Replik, in: AJP 4 / 2017 S. 459). 2.4 Die Wartefrist, innerhalb derer das Gericht mit der Urteilsfällung zuwarten soll, berechnet sich ab dem Zeitpunkt der gerichtlichen Zustellung der g egnerischen Eingabe an die replik- berechtigte Partei. Vorliegend ging die Verfügung der Vorinstanz vom 19. August 2019, mit wel- cher sie der Berufungsklägerin die Eingabe des Berufungs beklagten vom 8. August 2019 zur Kenntnisnahme zustellte, am 21. August 2019 bei der Ber ufungsklägerin ein. Die Vorinstanz fällte ihren Massnahmenentscheid am 30. August 2019, als o neun Tage danach. Da es sich hierbei um einen vorsorglichen Entscheid handelt, der in Anwendung des summarischen Ver- fahrens ergangen ist, wäre eine kürzere Wartefrist grun dsätzlich denkbar. Es sind vorliegend aber keine Gründe ersichtlich, die eine kürzere Wartefri st als die allgemein übliche Frist von zehn Tagen rechtfertigen könnte, zumal die Vorinstanz mi t der Weiterleitung der Eingabe vom 8. August 2019 an die Berufungsklägerin zehn Tage zuwa rtete. In der Verfügung vom 19. Au- gust 2019 stellte die Vorinstanz ihren Entscheid in der Sache lediglich in Aussicht. Die Beru- fungsklägerin durfte demnach davon ausgehen, dass der vorso rgliche Massnahmenentscheid nicht vor Ablauf des zehnten Wartetages nach Zustellung der gegnerischen Eingabe durch das Gericht am 21. August 2019 gefällt werden würde. In A nlehnung an die dargestellte bundesge- richtliche Praxis hätte die Vorinstanz ihren Entscheid f rühestens am elften Tag, d. h. unter ana- loger Berücksichtigung des fristverlängernden Wochenendes gemäss Art. 142 Abs. 3 ZPO frü- hestens am Dienstag, 3. September 2019, fällen dürfen . Mit dem Massnahmenentscheid vom 30. August 2019 hielt die Vorinstanz die 10-tägige Wartefrist nicht ein. Fraglich ist, ob die Nicht- einhaltung der allgemein üblichen 10-tägigen Wartefr ist durch das Gericht in jedem Fall eine Gehörsverletzung darstellt, oder ob im Einzelfall eine derartige Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgrund des konkreten Verhaltens der replikberech tigten Partei verneint werden kann. Die Berufungsklägerin beantragte mit Eingabe vom 2. S eptember 2019, ihr eine Frist zur Aus- übung ihres Replikrechts anzusetzen. Dieser Antrag ging am 3. September 2019, also am elften Wartetag, und somit verspätet bei der Vorinstanz ein. Nachdem die Vorinstanz nach Ablauf des zehnten Wartetages am 2. September 2019 von einem Ver zicht auf das Replikrecht hätte aus- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehen dürfen, wäre sie nicht verpflichtet gewesen, auf das am 3. September 2019 eingegange- ne Ersuchen der Berufungsklägerin um Ansetzung einer R eplikfrist einzugehen. Hinzu kommt, dass sich die Berufungsklägerin in ihrer Eingabe vom 2. S eptember 2019, welche wie erwähnt einen Tag später bei der Vorinstanz eintraf, nicht zur Sache vernehmen liess. Hätte folglich die Vorinstanz ihren Massnahmenentscheid am 3. September 20 19 getroffen und den Parteien zugestellt, wäre dieser Entscheid aufgrund der unveränd erten Sach- und Beweislage inhaltlich identisch mit dem am 30. August 2019 gefällten Entscheid gewesen. Die Einhaltung der Warte- frist durch die Vorinstanz hätte somit am Massnahmenentscheid nichts geändert. Das Verhalten der Berufungsklägerin, der Vorinstanz eine Verletzung d er Wartefrist respektive des rechtlichen Gehörs vorzuwerfen, nachdem die Berufungsklägerin verspät et eine Frist zur Replik beantragt hatte, verletzt das Gebot des Handelns nach Treu und Glauben im Verfahren und verdient kei- nen Rechtsschutz (vgl. BGer 5A_1022/2015 vom 29. April 2016 E. 4.1). Die Rüge der Verlet- zung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz erweist sich unter diesen Umständen als unbegründet. 3. Dem Einwand der Berufungsklägerin, das Vorgehen der Vo rinstanz habe gegen Art. 297 ZPO verstossen, da in familienrechtlichen Verfahren stet s eine mündliche Verhandlung durch- zuführen sei, kann nicht gefolgt werden. Die Berufungsklä gerin lässt ausser Acht, dass sie ein Gesuch um Erlass einer vorsorglichen Massnahme nach Art. 303 Abs. 1 ZPO gestellt hatte, auf welches das summarische Verfahren nach Art. 248 ff. ZPO Anwendung findet. Das angerufene Gericht kann seinen Entscheid im Summarverfahren aufgrund der Akten oder nach einer münd- lichen Verhandlung treffen, sofern das Gesetz nichts an deres bestimmt (Art. 256 Abs. 1 ZPO). Eine mündliche Verhandlung ist beispielsweise in Eheschutzverfahren grundsätzlich abzuhalten (Art. 273 Abs. 1 ZPO), hingegen nicht im vorsorglichen Massnahmeverfahren nach Art. 303 Abs. 1 ZPO. Es liegt somit auch in familienrechtlichen Summarverfahren im gerichtlichen Ermessen, eine Verhandlung anzusetzen oder aufgrund der Akten zu entscheiden (S UTTER - SOMM , Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., 2017, § 15 N 1182; Z OGG , "Vorsorgliche" Unterhaltszahlungen im Familienrecht, in: Fampra 201 8 S. 90 N 180, mit Hinweis auf BGer 5P.349/2001 vom 6. November 2001 E. 3). Die Vorinstan z verzichtete vorliegend im Interesse der Berufungsklägerin auf die Durchführung einer Verha ndlung, um einen zeitnahen vorsorgli- chen Entscheid zu fällen. Entgegen der Berufungsklägerin steht dieses Vorgehen der Vor- instanz im Einklang mit den zivilprozessualen Verfahrensbestimmungen. 4.1 Die Berufungsklägerin rügt im Weiteren eine falsche und willkürliche Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz. Diese habe der Mutte r der Berufungsklägerin ein Erwerbspensum von 80 % zugemutet, was in zweierlei Hinsich t falsch sei. Die Kindsmutter lei- de seit ihrer Kindheit an einem unbehandeltem ADHS. Dr. D.____ habe die Kindsmutter am 3. Juli 2019 an die Psychiatrie Baselland überwiesen, w eil sie im Sinne einer Selbstmedikation übermässig Alkohol konsumiere (aktuell ca. 1,5 Liter Bier pro Tag). Dr. D.____ habe mit der Kindsmutter auch schon über eine IV-Abklärung gesprochen . Sie wolle jedoch eine Ausbildung machen und arbeiten, weshalb bislang noch keine IV-Abklärung stattgefunden habe. Die Mutter der Berufungsklägerin sei somit zum einen aus gesundhei tlichen Gründen nicht in der Lage, mehr als 6-7 Stunden pro Woche zu arbeiten. Zum ander en sei sie zwar gewillt, mehr zu arbei- ten, jedoch finde sie keine zusätzliche Arbeitsstelle, wei l sie keine Ausbildung habe. Sie könne Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihr Pensum bei der jetzigen Arbeitsstelle nicht ausbau en, weil sie dann sofort wieder unter einem Handgelenkganglion leiden würde. Die Kindsmutt er habe alles unternommen, um mehr arbeiten zu können, soweit es ihr gesundheitlich überh aupt zumutbar sei. Es sei daher nicht sachgerecht, ihr ein hypothetisches Einkommen anzurechne n und es müsse vom effektiven Einkommen der Kindsmutter von monatlich CHF 478.00 ausgegangen werden. Als Folge davon sei in der Unterhaltsberechnung der Vorinstanz die Ste uerlast nicht zu berücksichtigen, da ansonsten der Betreuungsunterhalt nicht gedeckt werden würde. Diese Änderungen würden dazu führen, dass der Berufungsbeklagte in Abänderung der vorsorglichen Verfügung vom 30. August 2019 zu verpflichten sei, der Berufungskläge rin vorsorglich einen monatlichen und monatlich im Voraus zu bezahlenden Unterhaltsbeitrag von CHF 3'500.00, davon CHF 2'371.00 als Betreuungsunterhalt, zuzüglich allfällig bezogener Kinder- und Ausbildungszulagen zu bezahlen. 4.2 Der Berufungsbeklagte entgegnet, bei der Berufungskläge rin sei die angebliche ADHS nicht diagnostiziert worden. Zudem würde sie bereits seit vielen Jahren eine IV-Rente beziehen, wenn sich die ADHS arbeitseinschränkend auswirken würde, d a sie angeblich bereits im Kin- desalter daran gelitten habe. Der Konsum von ca. 1,5 Liter Bier pro Tag sei zwar überdurch- schnittlich und sicherlich nicht förderlich, allerdings hab e auch dies nicht zwingend die Arbeits- unfähigkeit der Kindsmutter als Folge. In Bezug auf ih re Arbeitsbemühungen habe die Kinds- mutter keine einzige Bewerbung und dazugehörige Absag e ins Recht gelegt, was ihr zum Nachteil erwachsen müsse. Die Kindsmutter hätte bereits viel früher eine Ausbildung machen können. Stattdessen habe sie ein Leben ohne Erwerbstätig keit bevorzugt, welches der Beru- fungsbeklagte ihr finanziert habe. Die jetzige Stelle h abe ihr der Berufungsbeklagte über Bekannte besorgt. Die Kindsmutter scheine kein Intere sse an der Aufnahme einer Erwerbs- tätigkeit zu haben, was nicht nachvollziehbar und nicht schützenswert sei und erst recht nicht für absurde finanzielle Forderungen dienen könne. Der Standpunkt der Gegenseite, wonach dem Berufungsbeklagten die Steuerlast nicht in seinem Bedarf zu berücksichtigen sei, damit er ihren Widerwillen zu arbeiten finanzieren könne, sei sto ssend und gar beleidigend. Selbstver- ständlich müsse die Steuerbelastung von monatlich rund CHF 900.00 im Bedarf des Berufungs- beklagten berücksichtigt werden. Entgegen der Vorinstanz sei der Berufungsbeklagte zudem zwingend auf ein Auto angewiesen, weil er in der E._ ___ in drei Schichten arbeite. Für Versi- cherung, Steuer und Benzin sei ein Betrag von monatlich CHF 500.00 in seinem Bedarf mitein- zubeziehen. Ebenfalls sei dem Berufungsbeklagten ein von d er Vorinstanz nicht berücksichtig- ter Betrag für auswärtige Verpflegung anzurechnen. 4.3 Hinsichtlich ihrer tatsächlichen Erwerbsmöglichkeiten trägt die Berufungsklägerin im Beru- fungsverfahren neue Tatsachen vor und reicht neue Bewei smittel ein. Nach Art. 317 Abs. 1 ZPO können neue Tatsachen und Beweismittel im Berufun gsverfahren nur dann berücksichtigt werden, wenn sie ohne Verzug eingebracht werden und t rotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten. Das Berufungsverfahren dient nicht der Vervoll- ständigung des vorinstanzlichen Verfahrens, sondern der Üb erprüfung und allenfalls Korrektur des angefochtenen Entscheids der Vorinstanz. Das Novenrecht darf nicht dazu führen, allfällige Versäumnisse bei der Vorinstanz nachzuholen. In Kinderbe langen, in denen der uneinge- schränkte Untersuchungsgrundsatz sowie der Offizialgrundsat z nach Art. 296 ZPO zur Anwen- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung gelangen, gehört es auch zur Aufgabe eines Beruf ungsrichters, den Sachverhalt von Am- tes wegen zu erforschen und alle zur Feststellung von recht serheblichen Tatsachen erforderli- chen Beweismittel anzuordnen, um einen dem Kindeswohl e ntsprechenden Entscheid zu erlas- sen. Aus diesem Grund können nach der bundesgerichtlich en Rechtsprechung im Bereich der Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheite n Noven auch dann vorgebracht werden, wenn die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind (BGE 144 III 349 E. 4.2.1; KGer BL 400 19 18 vom 14. Mai 2019 E. 2.2; KGer BL 400 18 204 vom 2. April 2019 E. 1.3). Die von der Berufungsklägerin vorgebrachten neuen Tatsa chen und Beweismittel zu ihren tat- sächlichen Erwerbsmöglichkeiten sind daher im Berufungsverfahren zuzulassen. 4.4 Die Rügen des Berufungsbeklagten zur Unterhaltsberechnung der Vorinstanz, welche ihm eine monatliche Steuerbelastung von CHF 630.00 angere chnet und weder Mobilitätskosten noch einen Betrag für auswärtige Verpflegung in seine m Grundbedarf berücksichtigt hatte, sind im Berufungsverfahren hingegen nicht zu hören, da der Berufungsbeklagte auf die Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheids verzichtet und die Berufung sklägerin die Grundbedarfsberech- nung nicht angefochten hat. Vom Berufungsrichter ist de mnach einzig zu prüfen, ob die Vor- instanz der Mutter der Berufungsklägerin zu Recht ein hy pothetisches Einkommen auf der Ba- sis eines Arbeitspensums von 80 % angerechnet hat. Im ang efochtenen Entscheid führte die Vorinstanz zum Erwerbseinkommen der Kindsmutter aus, gem äss den eingereichten Lohnab- rechnungen für die Monate Januar 2019 bis und mit Mai 2019 erreiche sie einen Verdienst von durchschnittlich CHF 517.45 brutto bzw. rund CHF 478.00 netto pro Monat. Allerdings sei mit dem Berufungsbeklagten darin einig zu gehen, dass die Ki ndsmutter ihre Verdienstmöglichkei- ten nicht vollumfänglich ausschöpfe, nachdem sie gemäss i hrem aktuellen Arbeitsvertrag ledig- lich ein Arbeitspensum von 5 Stunden pro Woche respekti ve von 12,5 % bei einer Vierzigstun- denwoche absolviere. Aufgrund des Umstandes, dass die von ihr zu betreuende Berufungsklä- gerin bereits das zwölfte Altersjahr vollendet habe un d damit bereits in die Sekundarstufe über- getreten sein dürfte, müsse der Kindsmutter nach dem vom Schweizerischen Bundesgericht für massgebend erklärten Schulstufenmodell ein Arbeitspensum von 80 % zugemutet werden. Das von ihr derzeit bei einem Pensum von 12,5 % erzielte Ne ttoeinkommen von rund CHF 478.00 sei daher auf 80 % hochzurechnen, woraus sich ein massgebl iches Nettoeinkommen der Kindsmutter von rund CHF 3'060.00 pro Monat ergebe. 4.5 Die Berufungsklägerin kritisiert, die Vorinstanz habe bei der Prüfung des erzielbaren Ein- kommens ihrer Mutter zum einen deren gesundheitlichen B eschwerden unberücksichtigt gelas- sen. Zum anderen finde die Kindsmutter mangels Ausbildu ng keine zusätzliche Arbeitsstelle (vgl. dazu Erwägung 4.1). Der Berufungsbeklagte weist i n diesem Zusammenhang zu Recht darauf hin, dass im eingereichten Überweisungsschreiben von Dr. D.____ keine ADHS bei der Kindsmutter diagnostiziert worden ist. Ihre Behauptung, sie leide seit ihrer Kindheit an einer unbehandelt gebliebenen ADHS, welche sich arbeitseinsc hränkend auswirke, bleibt somit unbewiesen. Ferner kann ein Alkoholkonsum der Kindsmutter von aktuell ca. 1,5 Litern Bier pro Tag, ohne dass weitere medizinische Indikationen oder Kr ankheitsbilder belegt werden, nicht als Grund für eine Erwerbseinschränkung oder gar -unfä higkeit herangezogen werden. Hin- sichtlich ihres Handgelenkganglions lässt die Kindsmutter einen Befund des Kantonsspitals Ba- selland einreichen, der jedoch mit 19. September 2018 datiert und damit nicht aktuell ist. Hinzu Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommt, dass im erwähnten Befund zwar von einem Verdach t auf ein winziges, max. 2,5 mm messendes Ganglion sowie von einem weiteren Verdacht au f ein ca. 6 x 4 mm messendes Ganglion am rechten Handgelenk die Rede ist. Dem ärzt lichen Befund kann allerdings nicht entnommen werden, dass sich die vermuteten Ganglien am Handgelenk der Kindsmutter ein- schränkend auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Au ch dieses behauptete medizinische Leiden der Kindsmutter bleibt demnach unbewiesen. Sowe it die Berufungsklägerin zudem be- hauptet, die Kindsmutter finde aufgrund ihrer fehlen den Ausbildung keine Arbeitsstelle, obwohl sie gewillt sei, mehr zu arbeiten, ist mit dem Berufu ngsbeklagten darauf hinzuweisen, dass sie keinerlei Arbeitsbemühungen eingereicht hat. Unter di esen Umständen ist von einer generellen Arbeitsfähigkeit der Kindsmutter auszugehen. 4.6 Die vorinstanzliche Anwendung des Schulstufenmodells, welc hes das Schweizerische Bundesgericht im Entscheid 144 III 481 als Richtlinie festgelegt hat für die Beurteilung, ab wann und in welchem Umfang der hauptsächlich kinderbetreuend e Elternteil einer Erwerbstätigkeit nachzugehen hat, ist im Berufungsverfahren unangefoch ten geblieben. Nach diesem Modell ist dem hauptbetreuenden Elternteil eine Erwerbstätigkeit von 80 % ab dem Eintritt des jüngsten Kindes in die Sekundarstufe zuzumuten, wobei im Einze lfall aus zureichenden Gründen von diesem Grundsatz abgewichen werden kann. Solche zureiche nden Gründe wurden im vor- instanzlichen Verfahren bzw. werden im Berufungsverfahren von der Berufungsklägerin nicht rechtsgenüglich dargelegt, weshalb das der Kindsmutter z ugemutete Arbeitspensum von 80 % respektive das ihr angerechnete hypothetische Nettoeinkom men von CHF 3'060.00 durch die Vorinstanz folgerichtig erscheint und nicht zu beanstanden ist. Die Berufung erweist sich in die- sem Zusammenhang als unbegründet. Dementsprechend bleibt es gestützt auf die vorinstanzli- che Unterhaltsberechnung bei der Verpflichtung des Beru fungsbeklagten, der Berufungskläge- rin vorsorglich einen monatlichen und monatlich im Vorau s zu bezahlenden Unterhaltsbeitrag von CHF 1'840.00 (davon CHF 1'650.00 als Barunterhalts beitrag) zuzüglich der ihm für die Berufungsklägerin ausgerichteten Kinderzulagen zu leisten. 5.1 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Massnahmenentsche id vom 30. August 2019, dass dieser neu auf monatlich CHF 1'840.00 festgelegte Unterhaltsbeitrag zugunsten der Beru- fungsklägerin ab dem Datum der effektiven Auflösung des g emeinsamen Haushaltes geschul- det sei. Die Berufungsklägerin erachtet die Festsetzun g dieses Zeitpunktes durch die Vor- instanz als fehlerhaft. Sie lässt im Wesentlichen ausfüh ren, die Kindseltern würden zwar noch zusammen wohnen. Sie würden aber längst ein getrenntes Leben führen. Die Vormundschafts- behörde der Gemeinde Z.____ sei bei der Genehmigung des Unterhaltsvertrags vom 23. Oktober 2007 davon ausgegangen, dass die Kindseltern in einem Konkubinat zusammenle- ben würden. Dies sei heute nicht mehr der Fall. Im We iteren entspreche der genehmigte Unter- haltsvertrag nicht mehr den aktuellen Einkommensverhältn issen der Kindseltern. Die wesentli- che und dauerhafte Veränderung der Verhältnisse sei ber eits bei Einreichung des Gesuchs am 1. Juli 2019 eingetreten, weshalb der vom Berufungsb eklagten geschuldete vorsorgliche Unter- haltsbeitrag mit Wirkung ab 1. Juli 2019 zu bezahlen s ei. Demgegenüber lehnt der Berufungs- beklagte den Antrag der Gegenseite hauptsächlich mit de r Begründung ab, dass er auch seit Erlass des Massnahmenentscheids vom 30. August 2019 weiterh in für den Unterhalt der Fami- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht lie aufkomme. Einzig Überweisungen an die Kindsmutter zu ihrer freien Verfügung, welche die Kindsmutter zur Stillung ihrer Süchte verwendet habe, tätige er nicht mehr. 5.2 Der Präsident des Kantonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, geht mit der Vorinstanz darin einig, dass der neu auf CHF 1'840.00 festgelegte Unterhaltsbeitrag vom Berufungsbeklagten ab dem Zeitpunkt der effektiven Auflösung des gemeinsamen Haushalts geschuldet ist. Zum einen sieht der von der Vormundschaftsbehörde genehmigte Unterhaltsvertrag vom 23. Oktober 2007 explizit vor, dass der Unterhaltsbeitrag aufgrund der vo m Berufungsbeklagten während des Zusammenlebens geleisteten Beiträge an den gemeinsamen Haushalt als beglichen zu gelten habe. Zum anderen macht der Berufungsbeklagte glaubhaft, dass er auch nach dem 30. August 2019 nach wie vor Beiträge an den gemeinsamen Haushal t leistet. Hinzu kommt, dass der neu festgelegte Unterhaltsbeitrag zugunsten der Berufungskl ägerin auf der Basis von monatlichen Grundbeträgen in Höhe von CHF 1'200.00 bzw. CHF 1'350 .00 für eine alleinstehende respekti- ve alleinerziehende Person mit jeweils eigenem Haushalt berechnet worden ist. Zudem sind in der Grundbedarfsrechnung der Vorinstanz monatliche Wohnko sten von CHF 1'500.00 bei der Berufungsklägerin und ihrer Mutter bzw. von CHF 2'050. 00 beim Berufungsbeklagten berück- sichtigt worden. Die Unterhaltsberechnung der Vorinstanz gibt demnach den erhöhten finanziel- len Bedarf der Parteien nach Auflösung des gemeinsamen Haushalts wieder, weshalb der so ermittelte Unterhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'840. 00 für die Berufungsklägerin erst ab Auf- nahme des Getrenntlebens der Parteien geschuldet ist. 6.1 Die Berufungsklägerin macht schliesslich eine aktenwidrig e und damit willkürliche Sach- verhaltsfeststellung durch die Vorinstanz geltend, weil diese ihren Antrag auf Verpflichtung des Berufungsbeklagten zur Leistung von Prozesskostenvorschüssen an die Berufungsklägerin mit der Begründung abgewiesen hat, letztere könne gemäss de r vorinstanzlichen Unterhaltsbe- rechnung einen monatlichen Überschuss von etwas mehr als CH F 650.00 für sich verzeichnen. Laut der Vorinstanz verbleibe der Berufungsklägerin auc h nach Hinzurechnung des praxisge- mäss noch aufzurechnenden Zuschlages von 15 % auf den Gr undbetrag ein monatlicher Über- schuss von CHF 560.00. Damit sei ihr zuzumuten, innert n ützlicher Frist genügend Rücklagen zu bilden, um für die allenfalls bei ihr anfallenden Gerichts- und Anwaltskosten selbst aufkom- men zu können. Die Berufungsklägerin stellt sich hingegen auf den Standpunkt, gemäss korrek- ter Unterhaltsberechnung könne sie einen Überschussanteil von CHF 141.00 für sich bean- spruchen. Nach Abzug des zivilprozessualen Zuschlags von 25 % – und nicht bloss von 15 % – liege bei der Berufungsklägerin kein Überschuss mehr vor. Hinzu komme, dass auch die Kindsmutter einen Anspruch auf einen Überschussanteil hab e. Der Überschuss der Familie müsse richtigerweise im Verhältnis von 40/40/20 verteilt werden. Damit betrage der Überschus- santeil der Berufungsklägerin nur CHF 263.48. Es liege somit auf der Hand, dass sie nicht allei- ne für den Prozess aufkommen könne. Die Vorinstanz begrün de auch nicht, mit welchen künfti- gen Anwalts- und Gerichtskosten sie konkret rechne, was ei ne sachgerechte Anfechtung ver- unmögliche. Sie setze sodann voraus, dass der Berufungsbeklagte bezahle und bezahlen müs- se. Beides könne und müsse für den Entscheid über die Ge währung der unentgeltlichen Rechtspflege ohne Beachtung bleiben, da dies der eigen tliche Streitgegenstand bilde. Nach Ansicht der Berufungsklägerin verletze die Vorinstanz daher Art. 29 Abs. 3 der Schweizerischen Bundesverfassung, wenn sie die unentgeltliche Rechtspflege bzw. den Antrag auf Prozesskos- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenvorschuss an der Mittellosigkeit scheitern lasse. Der Berufungsbeklagte verfüge mutmasslich über genügend Mittel, um der Berufungsklägerin einen Prozesskostenvorschuss von CHF 4'000.00 für das vorinstanzliche Verfahren sowie von CHF 5'000.00 für das Verfahren in der Hauptsache zu leisten. 6.2 Die vorstehenden Beanstandungen der Berufungsklägerin sin d nicht stichhaltig. Sie ver- kennt zunächst, dass es der gefestigten kantonalen Praxis entspricht, das erweiterte betrei- bungsrechtliche Existenzminimum der um unentgeltliche Re chtspflege ersuchenden Partei zu berechnen und den Bedarf anschliessend mit einem Zusch lag von 15 % auf den Grundbetrag zu erhöhen (vgl. auch Erwägung 7). Die Vorinstanz rechnete daher dem Grundbedarf der Beru- fungsklägerin richtigerweise einen Zuschlag von 15 % au f den Grundbetrag hinzu. Des Weite- ren geht die Behauptung der Berufungsklägerin fehl, w onach die nicht mit dem Kindsvater ver- heiratete Kindsmutter mit einem Anteil von 40 % am v erbleibenden Überschuss partizipieren soll. Darauf ist mangels rechtsgenüglicher Substantiier ung nicht weiter einzugehen. Die Beru- fungsklägerin übersieht ferner, dass die unentgeltliche R echtspflege – und damit auch der An- spruch auf Zusprechung von Prozesskostenvorschüsse – praxisg emäss verweigert werden kann, wenn der monatliche Einkommensüberschuss der gesuchstellenden Partei es ermöglicht, die Prozesskosten bei weniger aufwändigen Prozessen binnen eines Jahres und bei anderen binnen zweier Jahre zu tilgen (BGer 2C_48/2017 vom 16. Juni 2017 E. 2.4; KGer BL 410 14 49 vom 29. April 2014 E. 6; KGer BL 810 15 253 vom 24. F ebruar 2016 E. 3.3). Mit dem von der Vorinstanz errechneten monatlichen Überschuss von CHF 56 0.00 sollte es für die Berufungs- klägerin möglich und zumutbar sein, innerhalb eines Jahre s Rückstellungen von rund CHF 6'720.00 zu äufnen, um die mutmasslichen Prozesskosten des vorinstanzlichen Verfah- rens bezahlen zu können. Wird von diesem Betrag die vor instanzliche Gerichtsgebühr von CHF 500.00 abgezogen, verbleiben der Berufungsklägerin noch CHF 6'220.00, welche für die Tilgung der Parteikosten im vorinstanzlichen Verfahren al lemal reichen sollten. Unter diesen Umständen war eine betragsmässige Angabe der mutmasslichen Parteikosten nicht erforder- lich. Schliesslich irrt die Berufungsklägerin, wenn sie behauptet, bei der Beurteilung der Voraus- setzungen für die unentgeltliche Rechtspflege habe die Vorinstanz nicht auf die Ergebnisse ihrer Unterhaltsberechnung abzustellen. Aufgrund des m onatlichen Überschusses der Beru- fungsklägerin wies die Vorinstanz den Antrag auf Zuspre chung eines Prozesskostenvorschus- ses für das Massnahmeverfahren zu Recht ab. Ein Prozesskosten vorschuss für das Verfahren in der Hauptsache war im Zeitpunkt der Entscheidfällun g durch die Vorinstanz ebenfalls nicht geschuldet, da für ein (noch) nicht eingeleitetes Verf ahren kein Prozesskostenvorschuss ver- langt werden kann. Der diesbezügliche Entscheid der Vor instanz ist daher nicht zu beanstan- den. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder des An spruchs auf unentgeltliche Rechts- pflege respektive auf Zusprechung eines Prozesskostenvorschusses durch die Vorinstanz ist nicht ersichtlich. 7. Die Berufungsklägerin beantragt die Leistung eines Pro zesskostenvorschusses von CHF 4'000.00 durch die Kindseltern für das Berufungsver fahren. Zudem ersucht sie für das Berufungsverfahren um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Es entspricht der Lehre und Rechtsprechung, dass Prozesskostenvorschusspflichten, w elche auf familienrechtlichen Unterhalts- und Beistandspflichten gründen, dem Anspru ch auf unentgeltliche Rechtspflege Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorgehen. Dies gilt nicht nur für Ehegatten, die untereinander zur ehelichen Beistandspflicht und zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet sind, sond ern auch für unterstützungspflichtige Eltern, da sie für die Prozesskosten und die Rechtsvertret ung des Kindes aufkommen müssen und das Kind Anspruch auf einen Prozesskostenvorschuss durch die Eltern hat (BGE 119 Ia 134 E. 4). Die Berufungsklägerin hat demnach im Rahme n ihres Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege glaubhaft darzulegen, dass sie für die Pro zessfinanzierung auf den finanziellen Beistand eines leistungsfähigen Elternteils angewiesen ist. Dabei sind die Kriterien für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 1 17 ZPO sinngemäss anzuwenden (KGer BL 410 13 24 vom 7. März 2013 E. 3.1; BGer 5P. 133/2000 vom 15. Mai 2000 E. 4c; WEINGART , provisio ad litem - Der Prozesskostenvorschuss für eherech tliche Verfahren, in: Zivilprozess und Vollstreckung national und international - Schnittstellen und Vergleiche, Fest- schrift für Jolanta Kren Kostkiewicz, 2018, S. 677, 682 f. ; OGer ZH LE130025 vom 19. August 2013 E. II.C.4.4; OGer ZH LZ180005 vom 11. Juni 2018 E. II.3.2). Nach konstanter Praxis gilt eine Partei im Sinne von Art. 117 lit. a ZPO als bedü rftig, wenn ihr Einkommen kleiner als das um 15 % des Grundbetrages und die laufende Steuerbelastung erweiterte betreibungsrechtliche Existenzminimum ist und das Vermögen den sog. „Notgrosche n“ von etwa CHF 20'000.00 bis maximal CHF 25'000.00, welcher für die Prozessführung nicht angetastet werden muss, nicht übersteigt (KGer BL 410 17 185 vom 8. August 2017 E. 4; KGer BL 400 13 57 vom 30. April 2013 E. 3.1). Darüber hinaus darf der Prozess im Sinne von Art. 117 lit. b ZPO nicht aussichts- los erscheinen. Massgebend sind die Verhältnisse zum Zeitp unkt der Gesuchseinreichung. Gemäss der massgebenden Unterhaltsberechnung der Vorinstanz vom 30. August 2019 verfügt die Berufungsklägerin nach Hinzurechnung eines Zuschlag s von 15 % auf ihren Grundbetrag über einen monatlichen Überschuss von rund CHF 560.00 . Mit diesem wird es der Berufungs- klägerin zwar möglich sein, die anfallenden Prozesskosten d es vorinstanzlichen Verfahrens innerhalb eines Jahres zu tilgen. Für die Finanzierung des Berufungsverfahrens, welches Pro- zesskosten von mutmasslich CHF 4'000.00 bis CHF 5'000.00 entstehen lässt, reichen die Mittel der Berufungsklägerin indes nicht. Die Berufungsklägerin ist daher auf die finanzielle Unterstüt- zung ihrer Eltern angewiesen. Anders als die Kindsmutte r erzielt der Berufungsbeklagte mit seinem Einkommen nach Abzug der Lebenshaltungskosten der Familie einen monatlichen Überschuss von rund CHF 1'317.00, wie der Unterhaltsber echnung der Vorinstanz zu entneh- men ist. Der Berufungsbeklagte ist daher als leistungsfähig anzusehen, weshalb er zu verpflich- ten ist, der Berufungsklägerin einen Prozesskostenvorschuss in der beantragten Höhe von CHF 4'000.00 für das Berufungsverfahren zu leisten, zum al die Berufung nicht als aussichtslos bezeichnet werden kann (vgl. auch KGer BL 400 19 196 vom 19. November 2019 E. 10). Dies führt dazu, dass der Antrag der Berufungsklägerin auf unentgeltliche Rechtspflege für das Beru- fungsverfahren aufgrund seiner Subsidiarität zum Anspr uch auf Zusprechung eines Prozess- kostenvorschusses abzuweisen ist. 8. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Ber ufung vom 7. Oktober 2019 unbegründet ist, da sämtliche Berufungsanträge in Bez ug auf den angefochtenen Massnah- menentscheid der Vorinstanz vom 30. August 2019 abgewies en werden müssen. Die Beru- fungsklägerin kommt einzig mit ihrem Antrag auf Leistun g eines Prozesskostenvorschusses für das Berufungsverfahren durch. Dieser Ausgang des Verfahr ens rechtfertigt es, die Berufungs- klägerin gestützt auf Art. 106 Abs. 2 ZPO die gesamte n Gerichtskosten der Zweitinstanz tragen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu lassen und sie zu verpflichten, dem Berufungsbeklagten eine reduzierte Parteientschädigung zu leisten. Die Entscheidgebühr für das Rechtsmittelverfahren wird auf CHF 2‘000.00 festgelegt (§ 9 Abs. 2 lit. b der Verordnung über die Gebühren der Gerichte, SGS 170.31). 9.1 Die Parteientschädigung für den Berufungsbeklagten bem isst sich laut Art. 105 Abs. 2 ZPO nach der kantonalen Tarifordnung für die Anwältin nen und Anwälte (TO, SGS 178.112). Die Rechtsvertreterin des Berufungsbeklagten hat es unter lassen, ihre Honorarnote für das Berufungsverfahren einzureichen, weshalb die Parteient schädigung für den Berufungsbeklag- ten nach § 18 Abs. 1 TO von Amtes wegen nach Ermessen f estzulegen ist. In familienrechtli- chen Verfahren berechnet sich diese laut § 2 Abs. 1 TO nach dem mutmasslichen Zeitaufwand für die Vertretung des Berufungsbeklagten vor der Zwei tinstanz. Der dafür erforderliche Zeit- aufwand für die Instruktion durch den Klienten und di e Ausarbeitung der Berufungsantwort wird vorliegend auf sieben Stunden geschätzt. Bei einem Ansa tz von CHF 250.00 pro Stunde ergibt dies ein Honorar von CHF 1'750.00. Zuschläge gemäss § 4 TO werden nicht geltend gemacht und sind auch nicht geschuldet. Kopiaturen und weitere Auslagen sind nach §§ 15 und 16 TO zu berechnen und in Rechnung zu stellen. Wird keine Honorarrechnung eingereicht und folglich kein entsprechender Auslagenersatz geltend gemacht, so h aben das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, sowie die vorinstanzlichen Gerichte nach der bisherigen kanto- nalen Praxis die erkennbaren Auslagen nach Ermessen geschä tzt und zusammen mit dem Honorar vergütet. Diese Praxis lehnte sich an den bereits erwähnten § 18 Abs. 1 TO an, wo- nach die Parteientschädigung bei Nichteinreichung der m assgeblichen Honorarrechnung von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen ist. Diese bisherige Praxis steht im Widerspruch zum klaren Wortlaut der §§ 15 und 16 TO und zur kanto nalen Rechtsprechung betreffend die Vergütung der Mehrwertsteuer gemäss § 17 TO. Danach i st die Mehrwertsteuer, welche auf Grundlage des Honorars und der geltend gemachten Ausla gen berechnet wird, in der Honorar- note separat auszuweisen und nur bei einem ausdrücklichen Antrag zusätzlich zu vergüten (da- zu KGer BL 400 11 38 vom 9. Mai 2011 E. 4.5; 400 17 135 vom 9. Mai 2017 E. 11; 410 16 205 vom 18. Oktober 2016 E. 12). Dasselbe muss für den Ersatz von Auslagen gemäss §§ 15 und 16 TO gelten, die nur zu vergüten sind, wenn sie separa t berechnet und in der Honorarrech- nung geltend gemacht werden. Bei fehlender Honorarre chnung ist der entschädigungsberech- tigten Partei demnach einzig ein aufwand- oder streit wertabhängiges Honorar entsprechend den Bestimmungen der kantonalen Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte zuzuspre- chen. 9.2 Nachdem im hier zu beurteilenden Fall die Rechtsvertre terin des Berufungsbeklagten da- rauf verzichtet hat, eine Honorarrechnung einzureichen, ist vom Gericht weder eine Schätzung über allenfalls entstandene Spesen vorzunehmen, noch ist zusätzlich zum Honorar von CHF 1'750.00 eine Mehrwertsteuerabgabe geschuldet. Da dem Berufungsbeklagten vorliegend lediglich eine reduzierte Parteientschädigung zusteht, ist die Berufungsklägerin zu verpflichten, ihm für das Berufungsverfahren eine auf CHF 1'500.00 reduzierte, angemessene Parteient- schädigung auszurichten. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufungsanträge Ziffern 1, 2 und 4 werd en abgewiesen. 2. Der Berufungsbeklagte wird verpflichtet, der Berufun gsklägerin für das Berufungsverfahren einen Prozesskostenvorschuss von CHF 4'000 .00 zu bezahlen. 3. Die Entscheidgebühr des Berufungsverfahrens von CHF 2'00 0.00 wird der Berufungsklägerin auferlegt. Die Berufungsklägerin hat dem Berufungsbeklagten eine reduzierte Par- teientschädigung von CHF 1'500.00 zu bezahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Giuseppe Di Marco Gegen diesen Entscheid hat die Berufungsklägerin mit E ingabe vom 19. Februar 2020 Be- schwerde beim Schweizerischen Bundesgericht erhoben (5A_147/2020).