Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. September 2019 (720 18 130 / 233) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Übereinstimmende Parteianträge nach Einholung eines Gerichtsgutachtens; Vorausset- zungen, unter welchen der obsiegenden Beschwerde führenden Partei unter dem Titel der Parteientschädigung die Kosten eines privat eingeholten Gutachtens vergütet wer- den können, verneint. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch André Baur , Advokat , Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 1. Februar 2004 bis zur Auflösung ihres Arbeitsverhältnisses per Ende April 2015 als Betriebsmitarbeiterin. Am 14. Juli 2014 meldete sie sich unter Hinweis von Angstzuständen, Panikattacken und S ehstörungen bei der eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse sprach ihr die IV-Stell e Basel-Landschaft (IV-Stelle) in der Folge mit Verfügung vom 7. März 2018 ab 1. Juli 2015 eine Viertelrente der IV zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokat André Baur, am 23. April 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landsch aft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung ein gerichtliches Gutachten aus den Fachbereichen Psychiatrie und Ophthalmologie einzuholen. Anschliessend sei der Leistungsanspruch erneut zu beurteil en. Eventualiter sei ab 1. Juli 2015 eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Weiter sei die IV-St elle zu verurteilen, die über der bereits zugesprochenen IV-Viertelrente liegenden Rentenansprüche ab 1. Juli 2017 mit 5% pro Jahr zu verzinsen und die Kosten des Berichts der B.____ vom 6. April 2018 im Umfang von Fr. 520.-- zu ersetzen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass das von der IV-Stelle eingeholte bidisziplinäre Verwaltungsgutachten der Academy of Swiss Insurance (asim) vom 9. November 2016 nicht verwertbar sei. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 28. Juni 2018 auf Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 4. S eptember 2018 und Duplik vom 25. Oktober 2018 hielten die Parteien an ihren bereits zuvor gestellten Rechtsbegehren fest. C. Anlässlich der Urteilsberatung vom 13. Dezember 2018 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung gestützt auf die vorhandene medizinische Ak- tenlage nicht möglich sei, und weitere Abklärungen vorzunehmen seien. Mit Beschluss des Kan- tonsgerichts vom 13. Dezember 2018 wurde der Fall desha lb ausgestellt und es wurde ein ge- richtliches Gutachten beim Zentrum für Medizinische Beg utachtung (ZMB) eingeholt. Das ent- sprechende Gerichtsgutachten des ZMB erging am 11. Juli 2019 und kam im Wesentlichen zum Schluss, dass im ersten Arbeitsmarkt weder in der angestammten noch in einer adaptierten Ver- weistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit bestehe. D. Mit Stellungnahme vom 16. Juli 2019 hielt die Besch werdeführerin fest, dass ihr auf der Basis des Gerichtsgutachtens des ZMB ab 1. Juli 2015 eine ganze IV-Rente zuzüglich 5% Zins ab 1. Juli 2017 auf den über der bereits zugesprochenen Viertelrente liegenden Rentenbetreff- nissen zuzusprechen und ihr die Kosten des Berichts der Psychiatrie Baselland vom 6. April 2018 im Umfang von Fr. 520.-- zu ersetzen seien. Die IV-Stelle hielt mit Stellungnahme vom 14. August 2019 fest, dass den gutachterlichen Schlussfolgerungen im Gerichtsgutachten des ZMB gefolgt werden könne. Der Beschwerdeführerin sei ab 1. Juli 2015 eine ganze IV-Rente auszurichten. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim örtlich und sac hlich zuständigen Gericht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Gemäss § 1 Abs. 1 lit. c de s Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsidierende Per- son des Kantonsgerichts unter anderem beim Vorliegen übereinstimmender Parteianträge. Eine solche Konstellation liegt hier vor, nachdem im Nachgang zum Gerichtsgutachten des ZMB mitt- lerweile beide Parteien davon ausgehen, dass der Versiche rten ab 1. Juli 2015 eine ganze IV- Rente zuzusprechen sei. Über die Angelegenheit ist demnach präsidial zu befinden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So- zialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Erw erbsunfähigkeit ist der durch Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursachte und nach zu- mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs- möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol- gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu- dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % a rbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewe- sen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 4 0 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invalidi tätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerde- fall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aus- künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung de r Frage, welche Arbeitsleistungen der ver- sicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). 2.4 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (A rt. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, un- abhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver- fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol- gerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge- reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 2.5 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschät- zungen des medizinischen Experten abweicht, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen be stimmten Sachverhalt medizinisch zu er- fassen (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum Abw eichen kann vorliegen, wenn die Ge- richtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in über- zeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. E ine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungs äusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigke it des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinweisen). 2.6 Schliesslich ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch darauf zu verweisen, dass der So- zialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). 3.1 Gestützt auf eine Analyse des Gerichtsgutachtens des Z MB durch ihren regional-ärztli- chen Dienst (RAD) vom 17. und vom 18. Juli 2019 ist die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellung- nahme vom 14. August 2019 davon ausgegangen, dass entgegen der bisherigen Annahmen ab Sommer 2014 von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit d er Versicherten sowohl in der ange- stammten als auch in einer angepassten Verweistätigkeit auszugehen sei. Daraus folgend hat sie beantragt, dass der Beschwerdeführerin nach Ablauf d es Wartejahres ab 1. Juli 2015 eine ganze IV-Rente zuzusprechen sei. Die Beschwerdeführerin ihrerseits hat mit Stellungnahme vom 16. Juli 2019 an ihrem ursprünglichen Rechtsbegehren festgehalten, wonach ihr ab 1. Juli 2015 eine ganze IV-Rente auszurichten sei. Im Ergebnis liegen damit übereinstimmende Parteianträge vor (vgl. bereits oben, Erwägung 1), wonach der Versicher ten mit Wirkung ab 1. Juli 2015 eine ganze IV-Rente zuzusprechen ist. Gemäss § 58 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bzw. gemäss Art. 61 lit. d ATSG ist das Kantonsgericht zwar nicht an die Parteibegehren geb unden. Vorliegend sind jedoch keine Gründe ersichtlich, weshalb den übereinstimmenden Parteianträgen nicht stattzugeben wäre. 3.2 In materieller Hinsicht kann zusammenfassend festgeha lten werden, dass das gerichtliche Gutachten des ZMB vom 11. Juli 2019 die übereinstimmend en Parteistandpunkte offensichtlich bestätigt. In ihrer Beurteilung kommen die Gerichtsgu tachter des ZMB zum Schluss, dass die Versicherte in psychiatrischer Hinsicht an einer psychoneurotisc hen Persönlichkeitsstörung mit schizoiden Zügen und einem regressiven Rückzug sowie einer a usgeprägten Abwehr im Sinne Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Panikstörung leide. Die Panikattacken würden nich t nur in spezifischen Situationen, son- dern auch unerwartet auftreten. Es handle sich dabei um ein Verhaltensmuster, welches die Ex- plorandin in den effektiv real bestehenden Anforderungen des täglichen Lebens einschränke. Mit dem Auftreten des Augenleidens sei es zu einer Verstärkung der Symptomatik mit einem zuneh- menden sozialen Rückzug gekommen. Im Rahmen dieser Entwicklung sei es auch immer wieder zu depressiven Dekompensationen gekommen. In Überforderungssituationen würden sich paro- xysmale Ängste einstellen, welche den Rückzug verstärkten. Zusätzlich komme es zu depressi- ven Dekompensationen, insbesondere wenn innerpsychische Schuldgefühle gegenüber Ange- hörigen langanhaltend und ausgeprägt wahrgenommen w ürden. Die Panikstörung sei deshalb sozusagen als Spitze des Eisbergs der klinisch symptomatische A usdruck einer schweren neu- rotischen Persönlichkeitsentwicklung. Interferenzen zwischen dem Augenleiden und der psychi- atrischen Diagnostik bestünden dahingehend, dass es im Ja hr 2014 mit Verschlechterung des Augenleidens auch zu einer Verstärkung der psychischen Symptomatik gekommen sei. Bis heute bestünden keine Fluktuationen in Bezug auf die Höhe de r verbleibenden Arbeitsfähigkeit. Die Ressourcen der Versicherten seien dürftig. Das wesentliche Rehabilitationshindernis stelle ihre mangelhafte Belastbarkeit dar. Eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestehe aktuell we- der in der angestammten noch in einer adaptierten Tätigkeit. Auch den Anforderungen an einen Home-Office-Arbeitsplatz sei die Versicherte nicht gewachsen. Insgesamt müsse bereits seit dem Auftreten des Augenleidens von einer Arbeitsunfähigk eit im ersten Arbeitsmarkt ausgegangen werden. Gestützt auf die medizinischen Vorakten resulti ere ab zirka Sommer 2014 eine volle Arbeitsunfähigkeit. 3.3. Diese gutachterlichen Ausführungen überzeugen. W ie oben ausgeführt (Erwägung 2.4 oben), ist den im Rahmen des Beschwerdeverfahrens einge holten Expertisen externer Spezial- ärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten ihr Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange keine zwingenden Gründe gegen die Zuverlässigkeit des Gerichtsgutachtens sprechen. Die Fachärzte des ZMB haben die Versicherte eingehend untersucht. Sie gehen in ihrem ausführlichen Ge- richtsgutachten vom 11. Juli 2019 einlässlich auf deren Beschwerden ein, setzen sich sowohl mit ihrer gesundheitlichen Entwicklung als auch mit den bei den Akten liegenden widersprüchlichen, medizinischen Unterlagen auseinander und vermitteln so e in umfassendes Bild über den Ge- sundheitszustand der Beschwerdeführerin. Wie auch der RAD festgehalten hat (RAD-Beurteilung vom 17. Juli 2019), nehmen die Gerichtsgutachter des Z MB eine schlüssige Einschätzung der gesundheitlichen Verhältnisse vor und gelangen dabei zum nachvollziehbaren Ergebnis, dass seit Sommer 2014 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten auszugehen ist. 3.4 Gründe, von dieser detaillierten begründeten Einsch ätzung der Gerichtsgutachter abzu- weichen, sind keine ersichtlich. Nachdem bis zum Erlass des Gerichtsgutachtens nach Lage der zuvor vorhandenen Akten noch Widersprüche und Unklarheiten bestanden hatten (vgl. Beschluss des Kantonsgerichts vom 13. Dezember 2018), ist nunmehr gemäss den ebenso profunden wie umfangreichen Erläuterungen im Gerichtsgutachten des Z MB mit überwiegender Wahrschein- lichkeit erstellt, dass nach Ablauf des Wartejahres keine ve rwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestanden hat. Nachdem sich die Versicherte im Juli 2014 zum Leistungsbezug angemeldet hatte, resultiert demnach, dass ihr ab 1. Juli 2015 eine ganze IV-Rente zuzusprechen ist. 4. Die Beschwerdeführerin beantragt im Weiteren die Ausrichtung von Verzugszinsen im Umfang von 5 % ab Fälligkeit der jeweiligen Rentenbet reffnisse. Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG werden die Sozialversicherungen, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollum- fänglich nachgekommen ist, für ihre Leistungen nach Abl auf von 24 Monaten nach der Entste- hung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszins- pflichtig. Vorliegend ist der Anspruch der monatlichen ganzen IV-Rente nach Ablauf des Warte- jahres am 1. Juli 2015 entstanden. In Anwendung von Ar t. 26 Abs. 2 ATSG hat dies zur Folge, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2017 Verzugszinsen von 5 % auf den jeweiligen, über der bereits zugesprochenen Viertelrente liegenden Rentenbetreffnissen schuldet. 5. Im Ergebnis ist die Beschwerde vom 23. April 2018 d emnach gutzuheissen. Die ange- fochtene Verfügung der IV-Stelle vom 7. März 2018 ist aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2015 Anspruch auf e ine ganze IV-Rente zuzüglich Zins von 5 % ab dem 1. Juli 2017 auf den ausstehenden Rentenleistungen hat. 6.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkei- ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versiche- rungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantona- len Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass der unterlieg enden Partei auferlegt. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretenen Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten auch den unterliegenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist sind die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- deshalb der unterlegenen IV-Stelle aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvor- schuss im Umfang von Fr. 800.-- ist der Beschwerdeführerin somit zurückzuerstatten. 6.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtlich en Abklärungen und die gerichtliche Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dies er Bestimmung zufolge hat der Versi- cherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so hat er der en Kosten dennoch zu übernehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie da s Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frag e käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfä llt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen MEDAS-Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bun- desgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend ist das Kanton sgericht anlässlich seiner Urteilsberatung vom 13. Dezember 2018 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildete der Umstand, dass das von der IV- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle eingeholte Verwaltungsgutachten der asim vom 9. November 2016 in psychiatrischer Hin- sicht nicht überzeugt hat, weil es im Zusammenhang mit d er diagnostizierten Depression der Versicherten keine rechtsprechungsgemässe Prüfung der Standardindikatoren aufgewiesen hat. Auch fehlte es an einer Begründung, weshalb die festgestellten Wechselwirkungen zwischen der ebenfalls diagnostizierten, schwer ausgeprägten Agoraphobie mit Panikstörungen und dem Auf- treten der Depressionen bezüglich der verbleibenden Re ssourcen ohne Belang seien. Letztlich vermochte das von der IV-Stelle eingeholte asim-Gutachten aber auch deshalb nicht zu überzeu- gen, weil es die Ausprägung der Agoraphobie einerseits als schwer eingestuft hat, andererseits in diesem Zusammenhang aber festgehalten hatte, dass lediglich mittelgradige Beeinträchtigun- gen vorliegen würden. Mit Blick auf diese Widersprüche und Unklarheiten erwiesen sich die Ab- klärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren als nicht a usreichend beweiskräftig genug. Das im Anschluss in Auftrag gegebene Gerichtsgutachten vom 11. Juli 2019 hat sich deshalb als unerlässlich erwiesen. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die resultierenden Kosten für die gerichtliche Begutachtung durch das ZMB, welche sich insgesamt auf Fr. 11‘093.60 belaufen (Rechnung des ZMB vom 8. A ugust 2019), demnach der Beschwer- degegnerin aufzuerlegen. 6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Vorliegend ist die Beschwe rdeführerin mit ihrem Rechtsbegehren vollumfänglich durchgedrungen, weshalb ihr eine Parteientschädigung zusteht. Deren Rechtsver- treter hat in seiner Honorarnote vom 16. Juli 2019 Bemühungen im Umfang von 21 Stunden und fünf Minuten sowie Auslagen in Höhe von Fr. 541.70 ausgewiesen. Der zeitliche Aufwand erweist sich angesichts der sich stellenden Rechtsfragen, der vorliegenden gerichtlich angeordneten Ex- ploration und Begutachtung sowie angesichts der damit verbundenen, diversen Stellungnahmen als angemessen. Hinsichtlich der geltend gemachten Auslag en ist zu beachten, dass die ange- fertigten 325 Kopien als Massenkopien zu qualifizieren und lediglich im Umfang von Fr. -.50 pro Kopie zu entgelten sind (§ 15 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte [TO] vom 17. November 2003). Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin daher entsprechend dem geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 250.-- (vgl. § 3 Abs. 2 TO) eine Parteientschädigung im Um- fang von Fr. 5‘910.05 (21 Stunden und 5 Minuten x Fr. 250.- zuzüglich Auslagen von Fr. 216.70.- - und 7,7% Mehrwertsteuer) auszurichten. 6.4 Soweit die Beschwerdeführerin darüber hinaus den A uslagenersatz des von ihr privat eingeholten Berichts der B.____ vom 6. April 2018 geltend gemacht hat, ist darauf hinzuweisen, dass der obsiegenden Beschwerde führenden Partei unter dem Titel der Parteientschädigung die Kosten eines privat eingeholten Gutachtens nur dann vergütet werden können, wenn ihre Partei- expertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 63 E. 5c; Urteil des Bundesge- richts vom 24. April 2007, I 1008/06, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG f estgehalten (UELI KIESER , ATSG- Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 45 Rz. 18). Vorliegend ist dem fraglichen Bericht jedoch keine massgebende Bedeutung zugekommen, da er alleine nicht geeignet war, Zweifel an der Einschätzung im Verwaltungsgutachten der asim hervorzurufen. Die Zweifel in Bezug auf die von der Vorinstanz vorgenommene medizinisc he Abklärung haben sich vielmehr Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht aus dem Verwaltungsgutachten der asim selbst ergeben. Die Voraussetzungen für eine Kosten- vergütung des Berichts der B.____ vom 6. April 2018 zu Lasten der Beschwerdegegnerin sind daher nicht gegeben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Basel- Landschaft vom 7. März 2018 aufgehoben. Es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2015 Anspruch auf eine ganze IV-Rente zuzüglich 5% Zins hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in d er Höhe von insgesamt Fr. 11‘093.60 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdef ührerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 5‘910.05 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) auszurichten.