Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 16. November 2021 (400 21 171) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch, Zivilprozessordnung Erziehungsbeistandschaft Art. 308 ZGB: Psychische Abklärungen können nur von fach- lich qualifizierten Personen vorgenommen werden, nicht jedoch von einer hierfür nicht qualifizierten Erziehungsbeistandsperson (E. 8.1); Uneingeschränkter Untersuchungsgrundsatz und Offizialmaxime Art. 296 ZPO: In Verfah- ren betreffend Kinderbelange ist das angerufene Gericht nicht an die Anträge der Partei- en gebunden (E 8.2); Kompetenzattraktion Art. 304 Abs. 2 ZPO: Das mit der Unterhaltsfrage befasste Gericht entscheidet bei unverheirateten Eltern im Sinne einer Kompetenzattraktion auch über die Zuteilungsfragen und die weiteren Kinderbelange (E. 9.2). Besetzung Präsident Roland Hofmann; Gerichtsschreiberin Karin Wiesner Parteien A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Michael Baader, BAADER Rechtsanwälte AG, Ochsengasse 19, 4460 Gelterkinden, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Simon Bigler, Schwarztorstrasse 7, 3001 Bern, Beklagter und Berufungsbeklagter Kindsvertretung Susanne Ackermann , Kasernenstrasse 22a, Postfach 569, 4410 Liestal, Kindsvertreterin Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegenstand Vaterschaft, Regelung der elterlichen Sorge und Obhut, Besuchs- recht und Unterhalt Berufung gegen die Verfügung des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 22. Juli 2021 A. A.____ (nachfolgend Kindsmutter) und B.____ (nachfol gend Kindsvater) sind die unver- heirateten Eltern der gemeinsamen Tochter C.____, geboren am TT.MM.2020. Das Kind wohnt bei der Mutter und hatte bisher keinen Kontakt zum Va ter. Im Rahmen eines Vaterschafts- und Unterhaltsverfahrens vor dem Zivilkreisgericht Basel-Landsc haft Ost (nachfolgend Zivilkreisge- richt) wurde den Parteien anlässlich der Instruktionsverha ndlung vom 16. Juni 2021 in Aussicht gestellt, eine Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB zu errichten mit dem Auftrag, die Aufnahme der mit Verfügung vom 16. Juni 2021 in Aussicht gestellten begleiteten Besuchstage zwischen dem Kindsvater und der Tochter baldmö glichst zu organisieren sowie eine allfällige Suchtproblematik des Kindsvaters zu prüf en, dies ohne gegenteiligen und be- gründeten Bericht bis 7. Juli 2021. Weder vom Kindsvater noch von der Kindsvertreterin wurden innert Frist beim Zivilkreisgericht Einwände gegen das be gleitete Besuchsrecht und die anzu- ordnende Massnahme erhoben. Folglich ging das Zivilkreisgericht von ihrem Einverständnis mit dem vorgeschlagenen Vorgehen aus. B. Hingegen stellte die Kindsmutter in ihrer Eingabe vom 7. Juli 2021 den Antrag, dass der in Aussicht gestellte Auftrag der Beistandsperson dahingeh end zu ergänzen sei, dass die Bei- ständin bzw. der Beistand nebst einer allfälligen Sucht problematik des Kindsvaters auch eine allfällige psychische Erkrankung des Kindsvaters zu prüfen habe. C. Das Zivilkreisgericht wies diesen Antrag implizit ab und berechtigte und verpflichtete den Kindsvater mit Verfügung vom 22. Juli 2021, die Tochter C.____ jeweils im Rahmen der beglei- teten Besuchstage Baselland (BBT) stundenweise zu besuchen. Zur Organisation und Überwa- chung des Besuchsrechts des nicht obhutsberechtigten Eltern teils wurde eine Erziehungsbei- standschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 315a Abs. 1 ZGB errichtet und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB X.____ beauftragt, eine Beiständin oder einen Beistand zu ernennen. Die Beiständin bzw. der Beistand erhielt den Auftrag, die Aufnahme der begleite- ten Besuchstage baldmöglichst zu organisieren und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Kindes die konkrete Dauer der jeweiligen Besuche fe stzulegen. Die Beiständin bzw. der Beistand hatte zudem eine allfällige Suchtproblematik des Kindsvaters zu prüfen und bei Bedarf die zur kindsgerechten Durchführung des Besuchsrechts erfor derlichen und geeigneten Mass- nahmen zu treffen. Vor der noch anzuberaumenden Haup tverhandlung werde ein schriftlicher Bericht der Beistandsperson über den Verlauf des Besuchsrechts eingeholt. D. Gegen diese Verfügung erhob die Kindsmutter (Berufun gsklägerin), vertreten durch Rechtsanwalt Michael Baader, mit Eingabe vom 2. August 2021 Berufung beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht (nachfolgend Kan tonsgericht), mit folgenden Rechtsbe- gehren: 1. Es sei Ziffer 2 des Dispositivs aufzuheben und d urch folgende Bestimmung zu ersetzen: Zur Organisation und Überwachung des Besuchsrechts des nicht obhutsberechtigten Elternteils wird eine Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 298c ZGB errichtet und die Kindes- und Erwach- senenschutzbehörde KESB X.____ beauftragt, eine Beiständin oder einen Beistand zu ernennen. Die Beiständin bzw. der Beistand erhält den Auftrag, die Aufnahme der begleiteten Besuchstage gemäss Ziffer 1 hiervor baldmöglichst zu organisieren und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Kindes die konkrete Dauer des jeweiligen Besuches festzulegen. Die Beiständin bzw. der Bei- stand hat zudem eine allfällige Suchtproblematik und eine allfällige psychische Erkrankung des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindsvaters zu prüfen und bei Bedarf die zur kindsgerechten Durchführung des Besuchsrechts er- forderlichen geeigneten Massnahmen zu treffen. Für den Fall, dass die Erziehungsbeiständin/der Erziehungsbeistand keine Prüfung der allfälligen Sucht- und/oder psychischen Problematik des Kindsvaters durchführen kann, hat er dies der Kin- des- und Erwachsenenschutzbehörde z.H. des Gerichts mitzuteilen, damit die zuständige Instanz weitere Anordnungen zur Sachverhaltsabklärung verfügen kann. 2. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurtei lung an die Vorinstanz zurück zu weisen. 3. Alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Berufun gsbeklagten. 4. Es sei der Gesuchsklägerin die unentgeltliche Rechts pflege und Verbeiständung mit dem Unter- zeichneten zu gewähren. 5. Es seien die Akten des Verfahrens 120 21 73 I ex o fficio von der Vorinstanz beizuziehen. E. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 9. August 2021 wurde der Kindsmutter die un- entgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Recht sanwalt Michael Baader als unentgeltli- chen Rechtsbeistand bewilligt. F. In ihrer Vernehmlassung vom 23. August 2021 beantragt e die Kindsvertreterin die Ab- weisung der Berufung, da die angefochtene Verfügung a ls im Interesse des Kindes erscheine und seine Sicherheit gewährleistet sei. G. Der Kindsvater (Berufungsbeklagter), vertreten durch R echtsanwalt Simon Bigler, bean- tragte in seiner Berufungsantwort vom 23. August 2021 ebenfalls die Abweisung der Berufung, unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Berufungsklägerin. Auf die Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsmitteleingaben wird in den nachstehenden Er wägungen eingegangen. Mit separa- ter Eingabe stellte der Kindsvater zudem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. H. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 27. August 2021 wurde der Schriftenwechsel geschlossen und den Parteien der Entscheid aufgrund der Akten in Aussicht gestellt. I. Die KESB X.____ entschied am 30. August 2021 u. a., d ass für C.____ per 1. Septem- ber 2021 D.____ zur Mandatsperson ernannt werde. Ges tützt auf Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB würden der Mandatsperson folgende Aufgaben übertragen: a) die Aufnahme der für den Kindsvater stundenweise ang eordneten begleiteten Besuche im Rahmen der begleiteten Besuchstage Baselland (BBT) b aldmöglichst zu organisieren und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Kindes die konkr ete Dauer der jeweiligen Be- suche festzulegen; b) eine allfällige Suchproblematik des Kindsvaters zu pr üfen und bei Bedarf die zur kinderge- rechten Durchführung des Besuchsrechts erforderlichen und g eeigneten Massnahmen zu treffen. Erwägungen 1. Die vorliegende Berufung richtet sich gegen eine vorsorg liche Massnahme des Zivil- kreisgerichts, welche im summarischen Verfahren ergangen ist (Art. 248 lit. d ZPO). Gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO sind erstinstanzliche Entscheid e über vorsorgliche Massnahmen mit Berufung anfechtbar, wobei in vermögensrechtlichen An gelegenheiten die Berufung nur zuläs- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sig ist, wenn der Streitwert der zuletzt aufrecht erha ltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 (Art. 308 Abs. 2 ZPO) beträgt. Im vorli egenden Fall entfällt das Streitwerterfor- dernis, da es sich in der Sache um die Ergänzung eines Auftrags an die Erziehungsbeistands- person handelt, welche keine vermögensrechtliche Streiti gkeit darstellt. Die Berufung ist ge- mäss Art. 311 Abs. 1 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZPO bei St reitigkeiten des summarischen Verfah- rens innert 10 Tagen seit Zustellung des begründeten En tscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begrü ndet einzureichen. Die begründete Verfügung vom 22. Juli 2021 ist der Kindsmutter gemäss Sendungsverfolgung der Schweizeri- schen Post am 23. Juli 2021 zugestellt worden. Die Beru fungsfrist ist am Montag, 2. August 2021, abgelaufen. Die Berufung vom 2. August 2021 wu rde gleichentags bei der Schweizeri- schen Post aufgegeben, womit die Frist gewahrt worden i st. Da auch die übrigen formellen Vo- raussetzungen erfüllen sind, ist auf die Berufung einzutr eten. Zuständig für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkrei sgerichte Basel-Landschaft, welche im summarischen Verfahren ergangen sind, ist gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts. 2. Für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenh eiten gelten unter Einschluss der Regelung der Kindesunterhaltsbeiträge der uneingeschränkte Untersuchungsgrundsatz und die Offizialmaxime auch im Berufungsverfahren (J ONAS SCHWEIGHAUSER , Kommentar zur ZPO, 3. Auflage, Zürich 2016, N 5 zu Art. 296 ZPO). Demnach erforscht das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen und entscheidet ohne Bindung an die Pa rteianträge (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO). 3. Im vorliegenden Fall wurde eine Erziehungsbeistandscha ft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB errichtet mit dem Auftrag, die Aufnahme der be gleiteten Besuchstage baldmöglichst zu organisieren sowie eine allfällige Suchtproblematik des Kindsvaters zu prüfen. Diese Anord- nung blieb unangefochten. Die Kindsmutter beantragte jedoch die Ergänzung des Auftrags an die Beistandsperson, so dass diese auch eine allfällige psychische Erkrankung des Kindsvaters zu überprüfen habe. Diesen Antrag wies das Zivilkreisgerich t mit Verfügung vom 22. Juli 2021 implizit ab und führte aus, dem Antrag der Kindsmutte r auf Ergänzung des Auftrags sei bereits deshalb nicht zu folgen, da eine Erziehungsbeistandscha ft nicht über die entsprechende Aus- bildung verfüge, um eine psychische Erkrankung festzustellen. Zudem lasse ein vom Kindsvater selbstgewählter Aufenthalt in einer psychiatrischen Klini k während der Schwangerschaft der Kindsmutter nicht auch den Rückschluss zu, dass aktuell Abklär ungen bezüglich Vorliegen ei- ner psychischen Erkrankung des Kindsvaters erforderlich sein könnten. Die Besuche im Rah- men der begleiteten Besuchstage fänden stets in Begle itung von Fachpersonen in einem ge- schützten und kindsgerechten Rahmen statt. Allfällige psych ische Probleme des Kindsvaters würden deshalb nicht gegen die Durchführung der begleiteten Besuchstage sprechen. 4. Die Kindsmutter moniert in ihrer Berufung eine Verl etzung des Untersuchungsgrundsat- zes und der Offizialmaxime. Der Kindsvater sei nicht belastb ar und nicht in der Lage, die erfor- derliche Verantwortung zu übernehmen. Er sei labil, un zuverlässig und habe ein Suchtproblem. Sie habe eine schwierige Schwangerschaft gehabt. Trotzde m sei ihr der Kindsvater in dieser Zeit nicht beigestanden. Er sei starker Raucher und hab e auch während ihrer Schwangerschaft weiter geraucht. Zudem komme er von seinem Alkoholproblem nicht los. Er habe bereits seinen Führerschein wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand für ein Jahr abgeben müssen. Im Kel- ler habe sie leere Alkoholflaschen gefunden. Während ih res Zusammenlebens habe er auch Rechnungen von ihr nicht bezahlt und ihr teilweise d ie Post vorenthalten. Die Hausarbeit habe sie stets ohne seine Hilfe erledigen müssen, auch das Rei nigen des Katzenklos sei an ihr hän- gen geblieben. Der Kindsvater sei psychisch instabil und h abe sein Leben nicht im Griff. Mitte Mai 2020 habe er sich selbst für drei Wochen in die psyc hiatrische Klinik einweisen lassen. Nach der Trennung der Kindseltern habe er sich über ei n Jahr nicht bei ihr gemeldet. Dennoch habe er aus der Klinik heraus am 3. Juni 2020 eine Gefä hrdungsmeldung bei der zuständigen KESB abgesetzt. Sowohl ihre Hebamme als auch die zuständige Person der Mütter- und Väter- beratung könnten als Zeuginnen bestätigen, dass sie ihre Tochter sehr fürsorglich, liebevoll und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht in einem sauberen Umfeld betreue und heranwachsen lasse und dass bei ihr keinerlei Anzei- chen für irgendeinen Suchtmittelkonsum oder psychiatrisch e Probleme existierten. Sie habe Bedenken, dass der Kindsvater bei der Ausübung des Besuchsr echts überfordert sei und der Verantwortung und Belastung der Kinderbetreuung nicht standhalte. Sie habe bereits mehrmals erlebt, dass er Belastungen nicht gewachsen sei und derar tige Situationen meide. Unter dem Blickwinkel des Kindeswohls sei deshalb abzuklären, ob de r Kindsvater in der Lage sei, die Tochter auf Dauer hinaus an den Besuchswochenenden zu b etreuen und ob allenfalls Ergän- zungen oder Auflagen vorzusehen seien. Mit dem beantra gten und gerichtlich bewilligten Be- richt des Erziehungsbeistandes hätte eine neutrale Beurte ilung mit eventuellen Empfehlungen abgegeben werden können, sofern auch die psychischen Prob leme des Kindsvaters ange- schaut würden. Die Gerichtspräsidentin habe anlässlich der Instruktionsverhandlung bezüglich des Beistands von einer Fachperson gesprochen, vertret e nun aber die Ansicht, der Beistand könne zwar Sucht-, nicht aber auch psychische Probleme beur teilen. Dadurch verhalte sie sich widersprüchlich. Jedenfalls habe sie bei diesen konkreten Umständen aufgrund der Offizial- und uneingeschränkten Untersuchungsmaxime andersgeartete Bew eiserhebungen zu verfügen. Indem die Vorinstanz die psychiatrischen Probleme nicht einbezogen habe, verletze sie die Un- tersuchungsmaxime. 5. In ihrer Eingabe vom 23. August 2021 zeigt die Kindsv ertreterin Verständnis für die Ent- täuschung der Kindsmutter dem Kindsvater gegenüber. Di es ändere aber nichts daran, dass eine baldige Aufnahme der begleiteten Besuchstage im Interesse des Kindes liege. Der vor- instanzlich gewählte Weg sei vorsichtig und gewährleiste die Sicherheit des Kindes. Es könne überdies nicht die Aufgabe einer Erziehungsbeistandschaf t sein, sich zu psychischen Erkran- kungen eines Elternteils zu äussern. Die Relevanz dieser Abklärung sei auch nicht ersichtlich. Das Vorliegen einer psychischen Erkrankung verunmögliche nicht per se ein Besuchsrecht. Sollte der Kindsvater nicht in der Lage sein, sich auf se in Kind einzulassen und Verantwortung zu übernehmen, würde dies der Vorinstanz zur Kenntnis ge bracht werden. Deshalb sei der An- trag der Kindsmutter abzuweisen. 6. Der Kindsvater bestreitet in seiner Berufungsantwort vom 23. August 2021 die Ausfüh- rungen der Kindsmutter und führt aus, dass er in der V ergangenheit lediglich Cannabis konsu- miert habe, wobei auch die Kindsmutter davon konsumie rt habe. Den eingereichten Whatsapp- Nachrichten zwischen den Kindseltern könne entnommen werd en, dass stets die Kindsmutter nach «Gras» oder «Joints» gefragt habe. Es sei folgli ch an Dreistigkeit kaum zu überbieten, ihn als Drogenkonsumenten darzustellen, obwohl faktisch die K indsmutter stetig nach Cannabis verlangt habe. Seit Beendigung der Beziehung zur Kind smutter habe er mit dem Konsum je- doch aufgehört. Der diesbezügliche Vorwurf sei komplett aus der Luft gegriffen. Auch seine psychischen Probleme gehörten der Vergangenheit an. Die se seien vor allem auf die Bezie- hungsprobleme zwischen den Kindseltern zurückzuführen gew esen. Seit Beendigung der Be- ziehung leide er auch nicht mehr unter psychischen Problemen. Er arbeite zu 100% und benöti- ge seit über einem Jahr keine psychiatrische Unterstützun g mehr. In Bezug auf seinen angeb- lich übermässigen Alkoholkonsum seien die Behauptungen de r Kindsmutter völlig haltlos. Auch Alkohol hätten sie jeweils zusammen konsumiert. Er arbeit e in Lyss und sei deshalb auf das Auto angewiesen. Somit könne für ihn regelmässiger Al koholkonsum nicht möglich sein. Auch wäre ein tatsächliches Alkohol-, Drogen- oder psychisches P roblem des Kindsvaters im Rah- men seiner Arbeit festgestellt worden. Die rein belas tenden Behauptungen der Kindsmutter stützten sich auf keinerlei greifbare Beweise und seien l ediglich grundlose Anschuldigungen, um ihm die zeitnahe Aufnahme des Besuchsrechts zu verunmö glichen. Die angebliche Verlet- zung der uneingeschränkten Untersuchungsmaxime gründe auf haltlosen Behauptungen der Kindsmutter, welche darauf ausgerichtet seien, ihn zu belasten. Schliesslich stütze sich ihre gesamte Argumentation auf die Vergangenheit und wer de aus der Sicht der Kindsmutter ge- schildert, welche fern von der Realität sei. Der Kindsv ater sei durchaus in der Lage, bei der Er- ziehung seiner Tochter unter den bestmöglichen Umständen mitzuwirken. Er scheue die Ver- antwortung nicht. Es gebe keine Hinweise, dass der er psychisch labil sei. Die Vorinstanz habe die behaupteten psychischen Probleme umfassend berücksichti gt, den rechtserheblichen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt hinreichend aufgeklärt und damit die unei ngeschränkte Untersuchungsmaxime nicht verletzt. 7. Die Beistandschaft nach Art. 308 ZGB wird generell al s Erziehungsbeistandschaft be- zeichnet. Die Aufgaben des Beistandes werden von der K ESB im Einzelfall jeweils konkret um- schrieben. Veränderungen in den Verhältnissen, namentli ch wenn das Kindeswohl neuen Ge- fährdungen ausgesetzt ist, sind von jedem Beistand der KESB zu melden, um gegebenenfalls die Massnahme anpassen zu können. Die Sorge um das Wohl des Kindes ist deshalb mit je- dem Mandat als übergeordnete Maxime verbunden. Die Aufgaben der Beistandsperson werden im Gesetzestext mit «namentlich Überwachung des persönlich en Verkehrs» umschrieben. Die- se Formulierung lässt offen, auch andere den persönlich en Verkehr betreffende Hilfe und Un- terstützung zu leisten. Worin das Mandat besteht, muss von der anordnenden Behörde (KESB oder Gericht) klar umschrieben werden. Es muss nicht nur a uf die konkret analysierte Situation zugeschnitten sein, sondern auch den zeitlichen Möglichkeit en eines Beistands, namentlich eines Berufsbeistandes oder einer Berufsbeiständin, Re chnung tragen. Im Vordergrund stehen u.a. folgende Dienstleistungen des Besuchsrechtsbeistandes: Unterstützung mit Rat und Tat, Vermittlung bei Streitfragen, Beobachtung der Bezieh ungsentwicklung, Regelung von Modalitä- ten, Überwachung des persönlichen Verkehrs und Begleit ung des Besuchsrechts. Es kann nie zu den Aufgaben des Beistands gehören, anstelle der KESB oder des Gerichts Untersuchun- gen anzustellen, ein Gutachten in Auftrag zu geben od er an deren Stelle die Besuchsordnung zu erlassen, zu ergänzen oder abzuändern ( KURT AFFOLTER-FRINGELI/URS VOGEL , in: Berner Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch [BK ZGB] , 2016, Art. 308 N 93 ff.). Nach Art. 446 Abs. 2 ZGB zieht die KESB die erforderlichen Erkundigungen ein und erhebt die not- wendigen Beweise. Sie kann eine geeignete Person ode r Stelle mit Abklärungen beauftragen. Nötigenfalls ordnet sie das Gutachten einer sachverständ igen Person an. Gemäss Art. 314 ZGB ist Art. 446 ZGB auf den gesamten Bereich des Kin des- und Erwachsenenschutzrechts anwendbar. 8.1 Die Abklärung einer allfälligen psychischen Erkrankung de s Kindsvaters sowie das Beur- teilen seines psychischen Zustands mittels Bericht ist somit ni cht die Aufgabe einer Erzie- hungsbeistandsperson, weshalb es die Berufung in diesem P unkt abzuweisen gilt. Derartige Abklärungen übersteigen die Kompetenz einer Beistandspe rson und sind der KESB oder dem Gericht vorbehalten, welche ebenfalls eine sachverständ ige Person mit der Begutachtung be- auftragen. Eine psychische Abklärung kann nur von einer f achlich qualifizierten Person vorge- nommen werden, aber nicht von einer hierfür nicht qual ifizierten Beistandsperson. Überdies muss eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls vorliegen, um einen derart schwerwiegenden Eingriff in die persönliche Freiheit eines Elternteil s vorzunehmen. Der Kindsmutter misslingt jedoch der diesbezügliche Beweis. Sämtliche Vorbringen i hrerseits für das Vorhandensein psy- chischer Probleme des Kindsvaters beruhen lediglich auf Beh auptungen bzw. der Schilderung ihrer eigenen Wahrnehmung. Diesen Äusserungen kommt hi ngegen kein Beweiswert zu. Auch aus dem Umstand, dass sich der Kindsvater im Mai 2020 für drei Wochen in psychiatrische Be- handlung begeben hat, kann keine Gefährdung des Kindesw ohls aufgrund allfälliger psychi- scher Probleme des Kindsvaters hergeleitet werden. Der Kindsvater begründet seine damaligen psychischen Probleme mit der schwierigen Trennung von der Kindsmutter. Diese Probleme hätten sich seither gelöst und er benötige keine psychiatr ische Hilfe mehr. Selbst wenn der Kindsvater unter psychischen Problemen leiden würde – wa s vorliegend jedoch keineswegs belegt wurde – würde diese Tatsache einem begleiteten Besuchsrecht nicht entgegenstehen. Wie die Vorinstanz bereits korrekt ausgeführt hat, find en die Besuche im Rahmen der begleite- ten Besuchstage stets in Begleitung von Fachpersonen in einem geschützten und kindsgerech- ten Rahmen statt, weshalb auch allfällige psychische Probleme des Kindsvaters nicht gegen die Durchführung der begleiteten Besuchstage sprächen. Die Kindsmutter wirft der vorinstanzlichen Gerichtspräsidentin vor, sich widersprüchlich zu verhalten, da sie die Beistandsperson zwar mit der Abklärung einer allfälligen Suchtproblematik, nich t aber auch mit der Abklärung allfälliger psychischer Erkrankungen des Kindsvaters beauftrage. Diese Rüge kann nicht gehört werden. Es kann einer Beistandsperson durchaus zugemutet werden, e inzuschätzen, ob ein Elternteil Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht kürzlich Drogen konsumiert hat, was sich nachteilig auf die Ausübung des Besuchsrechts aus- wirken könnte, bspw. durch verändertes, auffälliges V erhalten, gerötete Augen, durch den Ge- ruch oder dergleichen. Eine allfällige psychische Erkranku ng ist äusserlich jedoch nicht erkenn- bar, weshalb zur diesbezüglichen Abklärung zwingend qualifiziertes Fachwissen erforderlich ist. Folglich ist die Berufung in diesem Punkt abzuweisen. 8.2 Der vom Kindsvater eingereichte Chatverlauf zwischen den Kindseltern während ihrer Beziehung zeigt klar auf, dass der vorgeworfene Cannabiskonsum nicht alleine vom Kindsvater, sondern im Gegenteil bisweilen auf Ersuchen der Kindsmu tter hin gemeinsam erfolgte. Auf- grund des geltenden Untersuchungsgrundsatzes sowie der h errschenden Offizialmaxime ist zum Wohl des Kindes deshalb auch die Kindsmutter auf e ine allfällige Suchtproblematik hin zu überprüfen. Die angefochtene Verfügung ist somit dahi ngehend zu ergänzen, als die Bei- standsperson auch eine allfällige Suchtproblematik der Kindsmutter im Sinne der vorstehenden Erwägung 8.1 zu prüfen und bei Bedarf die zur kindsge rechten Durchführung des Besuchs- rechts erforderlichen und geeigneten Massnahmen zu treffe n hat. Somit erübrigt sich auch der Beweisantrag der Kindsmutter, sowohl ihre Hebamme als auch die zuständige Person der Müt- ter- und Väterberatung als Zeuginnen anzuhören, zumal diese über die Frage des Suchtmittel- konsums hinaus nur Unbestrittenes bestätigen könnten, nä mlich dass die Kindsmutter ihre Tochter sehr fürsorglich, liebevoll und in einem sauber en Umfeld betreue und heranwachsen lasse. 9.1 Die Kindsmutter beantragt ferner die Änderung von D ispositivziffer 2 Absatz 1 der ange- fochtenen Verfügung, da diese fehlerhaft und zu korrig ieren sei. Die Vorinstanz habe die Erzie- hungsbeistandschaft gestützt auf Art. 308 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 315a Abs. 1 ZGB ernannt. Da es sich vorliegend aber um unverheiratete Eltern handle, richte sich das Verfahren nach Art. 298b und Art. 298c ZGB, was es im Dispositiv zu korrigieren gelte. 9.2 Die Kindseltern sind nicht verheiratet, weshalb Art. 315a Abs. 1 ZGB vorliegend nicht anwendbar ist. Gemäss Art. 304 Abs. 2 ZPO entscheidet das Gericht im Fall einer Unterhalts- klage auch über die elterliche Sorge sowie die weiteren Kinderbelange. Hierzu bedarf es auf- grund der Offizialmaxime keiner entsprechenden Parteia nträge (Art. 296 Abs. 3). Die weiteren Kinderbelange umfassen im Wesentlichen die Obhut, de n persönlichen Verkehr und die Be- treuungsanteile (vgl. Art. 133 Abs. 1 ZGB). Abs. 2 ist im Zusammenhang mit den neuen Best- immungen von Art. 298b Abs. 3 und Art. 298d Abs. 3 ZGB zu sehen. Danach ist im Fall einer Unterhaltsklage bzw. einer Klage auf Abänderung des Ki nderunterhaltsbeitrags ausserhalb ei- nes eherechtlichen Verfahrens neu das Gericht (und nicht mehr die Kindesschutzbehörde) auch für die Regelung der elterlichen Sorge und der weiteren Kinderbelange zuständig. Weil das Ge- richt die Kinderbelange vollständig zu regeln hat, ist davon auszugehen, dass es aus prozess- ökonomischen Gründen und aufgrund des Sachzusammenhangs auch für die Anordnung allfäl- liger Kindesschutzmassnahmen zuständig ist ( SÉBASTIEN MORET/DANIEL STECK , in: BSK ZPO, 3. Aufl., 2017, Art. 304 N 6a). Deshalb ist Dispositivziffer 2 Abs. 1 der angefochtenen Ver- fügung zu korrigieren. Die Erziehungsbeistandschaft ist d emnach gestützt auf Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB i.V.m. Art. 298b Abs. 3 ZGB bzw. Art. 304 Abs. 2 ZPO zu errichten. 10. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die R ügen der Kindsmutter im Hauptbegehren – Ergänzung des Auftrags an die Beistandsp erson - allesamt unbegründet sind. Lediglich in Bezug auf die Abänderung des Dispositivs von Ziffer 2 Abs. 1 der angefochtenen Verfügung dringt sie mit ihrer Berufung durch, aller dings ohne jedwelche materiell-rechtlichen Wirkungen. Im Übrigen ist die Berufung abzuweisen. Dieses Ergebnis ist bei der Verlegung der Prozesskosten des Berufungsverfahrens zu berücksichtigen. Nach Art. 106 Abs. 1 ZPO sind die Prozesskosten der unterliegenden Partei aufzuerlegen, vo rliegend somit der Kindsmutter. Die Prozesskosten beinhalten nach Art. 95 Abs. 1 ZPO die Geri chtskosten sowie die Parteient- schädigungen, welche in Anwendung der kantonalen Tarif e festzulegen sind (Art. 105 Abs. 2 i.V.m. Art. 96 ZPO). Gestützt auf § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gebührenta- rifs (GebT, SGS 170.31) wird die Entscheidgebühr für das vorliegende Berufungsverfahren auf Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 1'200.00 festgesetzt. Da der Kindsmutter die unen tgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, gehen diese Kosten zu Lasten des Staates. Der Rechtsvertreter des Kindsvaters hat für das Berufungsverfahren keine Honorarnote eingereicht. Desh alb setzt das Kantonsgericht die Par- teientschädigung von Amtes wegen nach Ermessen fest (§ 18 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte [TO]; SGS BL 178.112). Unte r Berücksichtigung des Umfangs der eingereichten Berufungsantwort rechtfertigt es sich, d ie Parteientschädigung auf CHF 2'500.00 (10 Stunden à CHF 250.00) zu veranschlagen. Mangels en tsprechendem Antrag ist praxisge- mäss weder ein Auslagenersatz geschuldet noch die Mehrwer tsteuer hinzuzuschlagen (Ent- scheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivil recht, 400 19 237 E. 9.1). Die Kindsmutter hat dem Kindsvater daher eine Parteientschä digung von CHF 2'500.00 zu bezah- len. Weil der Kindsmutter die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt wurde, wird deren Rechtsvertre- ter für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse entschädigt. Advokat Michael Baader hat dem Kantonsgericht mit Eingabe vom 14. Oktober 2021 seine Honorarnote eingereicht. Diese Hono- rarrechnung über insgesamt CHF 2'130.00 (für 9,51 Stunden à CHF 200.00 zuzüglich Auslagen von CHF 75.70 und 7,7 % MWSt) ist tarifkonform und ersch eint angemessen, so dass dem Rechtsvertreter das beantragte Honorar aus der Gerichtska sse auszubezahlen ist. Die Rück- zahlung dieses Honorars sowie der Entscheidgebühr bleib t gemäss Art. 123 ZPO vorbehalten, sobald die Kindsmutter dazu in der Lage ist. Der Rückzahl ungsanspruch des Kantons verjährt innert 10 Jahren. Demnach wird erkannt : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Berufung sowie in Anwendu ng der Offi- zialmaxime wird Ziffer 2 der Verfügung des Zivilkreisger ichts Basel- Landschaft Ost vom 22. Juli 2021 (Dossier 120 21 73 I) w ie folgt abge- ändert: 2. Zur Organisation und Überwachung des Besuchsrechts des ni cht obhutsbe- rechtigten Elternteils wird eine Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB i.V.m. Art. 298b Abs. 3 ZGB bzw. Art. 304 Abs. 2 ZPO er- richtet und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB X.____ wird beauftragt, eine Beiständin oder einen Beistand zu ernennen. Die Beiständin oder der Beistand erhält den Auftrag , die Aufnahme d er be- gleiteten Besuchstage gemäss Ziffer 1 hiervor baldmöglichst zu organisieren und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des K indes die konkrete Dauer der jeweiligen Besuche festzulegen. Die Beiständin bzw. der Beistand hat zudem eine allfällige Suchtproblematik sowohl des Kindsvaters als auch der Kindsmutter zu prüfen und bei Bedarf die zur kindsgere chten Durchführung des Besuchsrechts erforderlichen und geeigneten Massnahmen zu treffen. Im Übrigen wird die Berufung abgewiesen. 2. Die Entscheidgebühr von CHF 1'200.00 für das Berufungsverfahren wird der Berufungsklägerin auferlegt bzw. geht zufolge Bewi lligung der un- entgeltlichen Rechtspflege zu Lasten des Staates. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Berufungsklägerin hat dem Berufungsbeklagten eine Parteientschä- digung von insgesamt CHF 2’500.00 zu entrichten. 4. Zufolge bewilligter unentgeltlicher Rechtspflege zu Gun sten der Beru- fungsklägerin wird ihrem Rechtsvertreter, Advokat Michael Baader, ein Anwaltshonorar von CHF 2'130.00 (inkl. Auslagen und MWS t) aus der Gerichtskasse bezahlt. 5. Die Berufungsklägerin bleibt zur Nachzahlung der Gerich tskosten ge- mäss Ziffer 2 und der Anwaltskosten gemäss Ziffer 4 hiervor verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens (Art. 123 ZPO). Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiberin Karin Wiesner