<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 106 S.461</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>106 Anschlussgebühr</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Verwendbarkeit eines Hobbyraums für das Wohnen oder Ar-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>beiten.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft4">12. Juni 2001 in Sachen Ehegatten R. gegen Einwohnergemeinde K.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.4. Nachdem es sich beim Keller unstrittig nicht um ein</span><br/> <span class="ft1">Vollgeschoss handelt (...), fragt sich noch, ob der darin unterge-</span><br/> <span class="ft1">brachte Hobbyraum für das Wohnen oder Arbeiten verwendbar ist</span><br/> <span class="ft1">(§ 86 BNO 1992; vgl. auch § 9 Abs. 2 lit. a ABauV; Erw. 3.4.1. und</span><br/> <span class="ft1">3.4.3. f.) oder ob er lediglich Hilfsfunktionen übernimmt (Erw. 3.4.2.</span><br/> <span class="ft1">und 3.4.5.).</span><br/> <span class="ft1">3.4.1. Die Verwendbarkeit ist dann zu bejahen, wenn sie auf-</span><br/> <span class="ft1">grund der vorhandenen Infrastruktur unmittelbar gegeben ist. Sie</span><br/> <span class="ft1">beurteilt sich dabei immer nach einem objektiven Massstab; es</span><br/> <span class="ft1">kommt also nicht etwa auf die Bezeichnung in den Plänen (vgl.</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1973 S.</span> <span class="ft1">236; Entscheid des Baudepartements [BDE]</span><br/> <span class="ft1">424/8502 vom 27. August 1991, Erw. 5.1), sondern vielmehr auf die</span><br/> <span class="ft1">Verhältnisse des durchschnittlichen Grundeigentümers und darauf an,</span><br/> <span class="ft1">wie die betreffenden Flächen unter sachlichen Gesichtspunkten ge-</span><br/> <span class="ft1">nutzt werden bzw. genutzt werden könnten (vgl. Entscheid des Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgerichts [VGE] 1986/318 vom 24. Februar 1987 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">Z., Erw. 2b/bb; AGVE 1985 S. 309; AGVE 1979 S. 246).</span><br/> <span class="ft1">Als Beispiele für den anzusetzenden Massstab können die im</span><br/> <span class="ft1">Folgenden kurz skizzierten Präjudizien herangezogen werden:</span><br/> <span class="ft1">Im Entscheid VGE 93/3/011 vom 8. November 1994 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">K., Erw. 4b/dd, qualifizierte das Verwaltungsgericht einen Bastel-</span><br/> <span class="ft1">raum aufgrund seiner effektiv realisierten Ausgestaltung (Fensterflä-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">462</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">chen, Ausrichtung nach Süd-Osten, Innenausbau mit Bodenheizung,</span><br/> <span class="ft1">Bodenbelag und elektrischen Installationen) als offenkundig zum</span><br/> <span class="ft1">Wohnen geeignet.</span><br/> <span class="ft1">In AGVE 1979 S. 248 hielt das Verwaltungsgericht fest, we-</span><br/> <span class="ft1">sentlich gegen eine eigentliche Wohnnutzung spreche, dass die vor-</span><br/> <span class="ft1">gesehene Raumheizung nicht für Wohnzwecke ausreiche, sondern</span><br/> <span class="ft1">den Abstellraum nur temperiere.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht bezog in AGVE 1973 S. 236 f. einen</span><br/> <span class="ft1">bei Projekteingabe als Bastelraum bezeichneten, dann aber aus</span><br/> <span class="ft1">Gründen der Einhaltung der Ausnützungsziffer in Abstell- und Ge-</span><br/> <span class="ft1">räteraum umbenannten Raum in die Ausnützungszifferberechnung</span><br/> <span class="ft1">ein, da er nur zu einem geringen Teil unter Terrain lag, über einen</span><br/> <span class="ft1">guten Zugang vom Vorplatz des Hauseingangs her verfügte, über ein</span><br/> <span class="ft1">grosses Fenster sehr gut belichtet wurde und gegen Westen ausge-</span><br/> <span class="ft1">richtet war, so dass er für Wohnzwecke verwendbar erschien. Dabei</span><br/> <span class="ft1">beachtete es auch, dass der Bedarf an Abstellräumen durch ein Kel-</span><br/> <span class="ft1">lerabteil und einen ebenfalls als Kellerraum dienenden Schutzraum</span><br/> <span class="ft1">genügend abgedeckt wurde, und ein 28 m</span><span class="ft6"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">grosser Trocknungs- und</span><br/> <span class="ft1">Heizungsraum später als Bastelraum dienen würde.</span><br/> <span class="ft1">Das Baudepartement stufte einen Estrich als eindeutig bewohn-</span><br/> <span class="ft1">bare Fläche und damit als für die Berechnung der Bruttogeschossflä-</span><br/> <span class="ft1">che einbeziehbar ein, der über eine Heizungsmöglichkeit, Beleuch-</span><br/> <span class="ft1">tung (tagsüber war Kunstlicht allenfalls im mittleren Teil des Raums,</span><br/> <span class="ft1">wo sich der Aufgang befand, erforderlich) und elektrische An-</span><br/> <span class="ft1">schlüsse sowie eine lichte Höhe von 1.8 m und mehr verfügte (BDE</span><br/> <span class="ft1">1993.0225.25.10.04 vom 28. Februar 1994 in Sachen B., Erw. 4).</span><br/> <span class="ft1">In einem Entscheid aus dem Jahr 1995 qualifizierte das Baude-</span><br/> <span class="ft1">partement einen Bastelraum als mit geringem Aufwand als Wohnflä-</span><br/> <span class="ft1">che einrichtbar, da er von seiner Lage, Konzeption und Ausbau her</span><br/> <span class="ft1">als Wohnraum prädestiniert war, obwohl er zum damaligen Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">als Lager- und Veloabstellraum sowie zum Überwintern der Geranien</span><br/> <span class="ft1">diente und über keine Heizung verfügte (zwar bestanden Heizungs-</span><br/> <span class="ft1">rohre, doch war kein Radiator montiert; BDE 1993.0260.25.10.05</span><br/> <span class="ft1">vom 29. Mai 1995 in Sachen Ö. betreffend Anschlussgebühren, Erw.</span><br/> <span class="ft1">4.4.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">463</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.4.2.1. Nicht in die Berechnung der Bruttogeschossfläche ein-</span><br/> <span class="ft1">zubeziehen sind Räume, die nicht unmittelbar der für die betreffende</span><br/> <span class="ft1">Zone vorgesehenen Wohnnutzung dienen, sondern gleichsam unab-</span><br/> <span class="ft1">hängig von der Anwesenheit irgendwelcher Personen oder der Aus-</span><br/> <span class="ft1">übung der betreffenden Hauptnutzung einen primär infrastrukturellen</span><br/> <span class="ft1">Sachzweck erfüllen und insofern die Hauptnutzung bloss im Sinne</span><br/> <span class="ft1">einer Hilfsfunktion ergänzen (AGVE 1985 S. 308; VGE 1986/333</span><br/> <span class="ft1">vom 14. April 1987 in Sachen G. gegen Entscheid des Baudeparte-</span><br/> <span class="ft1">ments, Erw. II/1c m.w.H.).</span><br/> <span class="ft1">3.4.2.2. Keller-, Heiz-, Maschinenräume, Garagen und so weiter</span><br/> <span class="ft1">sind nicht in jedem Fall von der Anrechnung ausgenommen. Das</span><br/> <span class="ft1">Privileg der Nichtanrechnung besteht nur, wenn und soweit es sich</span><br/> <span class="ft1">bei den nicht dem Wohnen dienenden oder hierfür nicht verwendba-</span><br/> <span class="ft1">ren Flächen um Räume handelt, die zu den Haupträumen in einem</span><br/> <span class="ft1">angemessenen Zusammenhang stehen, mithin mit diesen durch ihre</span><br/> <span class="ft1">Funktion quantitativ, qualitativ und örtlich hinreichend verbunden</span><br/> <span class="ft1">sind (AGVE 1985 S. 309).</span><br/> <span class="ft1">Damit ein Raum nicht anzurechnen ist, muss er also mindestens</span><br/> <span class="ft1">mittelbar einem zum Wohnen benutzten oder hierfür verwendbaren</span><br/> <span class="ft1">Raum dienen. Insbesondere Sauna, Solarium und Bastelraum setzen</span><br/> <span class="ft1">für ihre funktionsgerechte Benutzung die Anwesenheit von Personen</span><br/> <span class="ft1">voraus (VGE 1986/333, vorzitiert, Erw. II/1c), und haben damit</span><br/> <span class="ft1">keine mittelbar oder unmittelbar dienende Funktion. Ebenso fallen</span><br/> <span class="ft1">Arbeits- und Bastelräume sowie Spielzimmer gemäss bundesgericht-</span><br/> <span class="ft1">licher Rechtsprechung unter die dem Wohnen dienenden Räume</span><br/> <span class="ft1">(Bernische Verwaltungsrechtsprechung [BVR] 1987 S. 367 Erw. 7b</span><br/> <span class="ft1">mit Hinweis auf die unveröffentlichte Bundesgerichtsrechtspre-</span><br/> <span class="ft1">chung).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>