<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 105 S.454</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">454</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>105 Ursprünglicher Beitragsplan gemäss §§ 34/35 BauG.</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Erschliessungsanforderungen an eine öffentliche Strasse</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 5.3.ff.).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Erfüllt eine bestehende Strasse erst nach Durchführung eines</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Strassenbauprojekts die Erschliessungsanforderungen, so han-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>delt es sich nicht bloss um nicht beitragsauslösende Unter-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>haltsarbeiten, sondern um eine eigentliche Neuerstellung</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 5.3.3.).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Berücksichtigung des Gemeindeanteils. Wird das Interesse am</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Zugang zu öffentlichen Anlagen unter die öffentlichen Interes-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sen an der Benutzung der betreffenden Strasse eingereiht und</b></span><br/> <span class="ft1"><b>der jeweilige Gemeindeanteil entsprechend festgelegt, so sind</b></span><br/> <span class="ft1"><b>die Grundstücke im Verwaltungsvermögen der Gemeinde</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nicht mehr in den Beitragsplan einzubeziehen (Erw. 6.1.1.).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Kontrollrechnung (Erw. 6.1.3.1.).</b></span><br/> <span class="ft2">-</span> <span class="ft1"><b>Das Rechtsmittel wirkt grundsätzlich nur für den Beschwerde-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>führer. Die Schätzungskommission legt in der Regel den neuen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Beitrag selber fest; ausnahmsweise Rückweisung an die Vor-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>instanz (Erw. 8.1.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft3">27. März 2001 in Sachen Ehegatten L. gegen Einwohnergemeinde L.</span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">5.3. Richtlinie für die Frage der genügenden strassenmässigen</span><br/> <span class="ft5">Erschliessung bilden die Normen der Vereinigung Schweizerischer</span><br/> <span class="ft5">Strassenfachleute (VSS). Die Normen sind indes nicht allzu schema-</span><br/> <span class="ft5">tisch und starr anzuwenden. Es sind gerade im Strassenbau nament-</span><br/> <span class="ft5">lich landsparende und wirtschaftliche Lösungen anzuwenden</span><br/> <span class="ft5">(vgl. AGVE 1999 S. 206, 1990 S. 251, 1988 S. 186 f. sowie Erich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">455</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Zimmerlin, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Aarau</span><br/> <span class="ft5">1985, N 3 zu § 36 aBauG).</span><br/> <span class="ft5">5.3.1. Wie die Gemeinde unwidersprochen ausgeführt hat (...)</span><br/> <span class="ft5">und sich an der Verhandlung aufgrund vorgelegter Fotografien und</span><br/> <span class="ft5">der Angaben des Projektverantwortlichen bestätigte (...), hat es sich</span><br/> <span class="ft5">bei der Schulstrasse im Zustand vor Ausführung des Strassenprojekts</span><br/> <span class="ft5">um einen bloss oberflächengeteerten Feldweg gehandelt.</span><br/> <span class="ft5">Dieser Zustand der Schulstrasse mag als behelfsmässige Er-</span><br/> <span class="ft5">schliessung für einige wenige überbaute Grundstücke genügt haben.</span><br/> <span class="ft5">Letztlich ist aber nur die Frage relevant, ob das ganze Gebiet, worin</span><br/> <span class="ft5">die einzelne Parzelle liegt, als genügend im Sinne von § 32 BauG</span><br/> <span class="ft5">erschlossen gelten kann (vgl. AGVE 1990, S. 182 mit Verweisen),</span><br/> <span class="ft5">was vorliegend klar zu verneinen ist.</span><br/> <span class="ft5">5.3.2.1. Für die nötige Breite einer Strasse wird auf das soge-</span><br/> <span class="ft5">nannte Lichtraumprofil der Strasse abgestellt, welches sich ergibt aus</span><br/> <span class="ft5">den Grundabmessungen der Verkehrsteilnehmer (wie Fussgänger,</span><br/> <span class="ft5">Zweiradfahrer, Personenwagen oder Lastwagen), den Bewegungs-</span><br/> <span class="ft5">spielräumen sowie den Sicherheitszuschlägen (vgl.</span> <span class="ft5">VSS-</span><br/> <span class="ft5">Norm 640 200, Ziff. 10 ff. und Abbildung 1). Auf der Schulstrasse ist</span><br/> <span class="ft5">Lastwagenverkehr eher als atypisch zu bezeichnen. Auf ihr werden</span><br/> <span class="ft5">nur Ver- und Entsorgungsfahrzeuge wie bei allen Wohnquartieren</span><br/> <span class="ft5">und noch seltener Feuerwehrfahrzeuge verkehren. Die Schulstrasse</span><br/> <span class="ft5">ist nicht durchgehend befahrbar (...). Sie ist als "Zufahrtsstrasse" mit</span><br/> <span class="ft5">dem dafür typischen Grundbegegnungsfall zweier Personenwagen</span><br/> <span class="ft5">(PW) zu qualifizieren (vgl. VSS-Norm 640 045, Tabelle 1 und Ziff. 8</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2). Dieser Dimensionierungsgrundlage hat sie zumindest zu</span><br/> <span class="ft5">entsprechen. Die bisherige Fahrbahnbreite (von durchschnittlich</span><br/> <span class="ft5">ca. 3 m [zwischen 2.50 bis 3.80 m], ...) deckt nun aber nicht einmal</span><br/> <span class="ft5">die Grundabmessungen zweier Personenwagen von je 1.80 m ab</span><br/> <span class="ft5">(vgl. VSS-Norm 640 201, Tabelle 1). Eine Strassenbreite von 3 m</span><br/> <span class="ft5">reicht selbst für den Begegnungsfall PW/Zweiradfahrer nicht aus und</span><br/> <span class="ft5">würde somit nicht einmal den Erfordernissen eines "Zufahrtswegs"</span><br/> <span class="ft5">gerecht (vgl. VSS-Normen 640 045, Ziff. 8 Abs. 5; 640 201,</span><br/> <span class="ft5">Abbildung 2 und 640 202, S. 15).</span><br/> <span class="ft5">Das Verwaltungsgericht bezeichnete in AGVE 1999 S. 208 eine</span><br/> <span class="ft5">Breite von 4 m als unterstes Mass für eine "Zufahrtsstrasse", "sofern</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">456</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">die Seitenfreiheit gewährleistet ist bzw. der Fahrbahnrand ausgefah-</span><br/> <span class="ft5">ren werden kann". Die bisherige Fahrbahn der Schulstrasse wies an</span><br/> <span class="ft5">keiner Stelle eine solche Breite auf. Sie war mithin so oder anders zu</span><br/> <span class="ft5">wenig breit dimensioniert. Die neuen Strassenabschlüsse (Verbund-</span><br/> <span class="ft5">steine) der Schulstrasse lassen ein Ausfahren des Fahrbahnrandes zu</span><br/> <span class="ft5">(vgl. Querprofile 1:50), sodass bei den vorliegenden Verhältnissen</span><br/> <span class="ft5">zwei Personenwagen jedenfalls bei (in Wohnquartieren auch er-</span><br/> <span class="ft5">wünschten) tiefen Geschwindigkeiten problemlos kreuzen können,</span><br/> <span class="ft5">womit dem charakteristischen Grundbegegnungsfall gerade noch</span><br/> <span class="ft5">entsprochen wird (vgl. VSS-Normen 640 201, Tabelle 5 und</span><br/> <span class="ft5">640 213, Abbildung 13). Die Gemeinde hat damit eine, wenn auch</span><br/> <span class="ft5">minimale, so doch landsparende und kostengünstige Lösung einer</span><br/> <span class="ft5">genügend breit dimensionierten Strasse gefunden (vgl. Erw. 5.3.).</span><br/> <span class="ft5">5.3.2.2. Eine öffentliche Strasse muss, um den Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft5">anforderungen gerecht zu werden, aber nicht nur eine genügende</span><br/> <span class="ft5">Breite aufweisen, sondern hat insbesondere auch hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft5">Unterbaus und des Belags sowie der Sicherheit zu genügen (vgl. den</span><br/> <span class="ft5">Entscheid des Baudepartements [BDE] vom 20. März 1992 i.S. M.</span><br/> <span class="ft5">und B.M. vs. Gemeinde U., Erw. 5.2.2. mit Hinweisen auf AGVE</span><br/> <span class="ft5">1976 S. 227 f.). Die frühere Schulstrasse hat auch diesen Anforde-</span><br/> <span class="ft5">rungen in keiner Weise entsprochen.</span><br/> <span class="ft5">Das frühere Kiesbett bestand nach den unwidersprochen geblie-</span><br/> <span class="ft5">benen Ausführungen des Projektleiters aus Material mit hohem</span><br/> <span class="ft5">Tonanteil, war mithin wasseraufnahmefähig und kam daher nicht zur</span><br/> <span class="ft5">frostsicheren Weiterverwendung in Frage. Demgegenüber besteht der</span><br/> <span class="ft5">neu eingebrachte Kieskoffer aus gewaschenem Wandkies, mithin aus</span><br/> <span class="ft5">frostsicherem Material (...) und weist auch erstmals eine genügende</span><br/> <span class="ft5">Dicke (von 50.5 cm) auf (... VSS-Norm 640 317b).</span><br/> <span class="ft5">Für eine Erschliessungsstrasse ist weiter ein zweischichtiger</span><br/> <span class="ft5">Belag von rund 10 cm Stärke zu fordern (vgl. VSS-Norm 640 324a,</span><br/> <span class="ft5">Seite 12 und 13 sowie Normalien I der Abteilung Tiefbau des Bau-</span><br/> <span class="ft5">departements des Kantons Aargau [ATB], Ausgabe 1982, Norm 40,</span><br/> <span class="ft5">Abbildung b). Bei der bisherigen Oberflächenteerung (zur Staubfrei-</span><br/> <span class="ft5">haltung) kann von einem erschliessungstechnisch genügenden Belag</span><br/> <span class="ft5">auch in dieser Hinsicht keine Rede sein (...). Den Anforderungen</span><br/> <span class="ft5">wird erst mit dem neuen zweischichtigen Belag (6.5 cm starke</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Heissmischtragschicht [HMT] und 3.0 cm dicker Deckbelag) ent-</span><br/> <span class="ft5">sprochen (...).</span><br/> <span class="ft5">Strassenunterbau und -belag werden somit erst mit dem stritti-</span><br/> <span class="ft5">gen Strassenbauprojekt in einen erschliessungstechnisch genügenden</span><br/> <span class="ft5">Zustand versetzt. Erstmals wird sichergestellt, dass die Strasse auf</span><br/> <span class="ft5">lange Dauer ohne Unebenheiten und andere Belagsschäden befahren</span><br/> <span class="ft5">werden kann.</span><br/> <span class="ft5">5.3.2.3. Die bisher fehlenden Randabschlüsse (...) haben na-</span><br/> <span class="ft5">mentlich die Funktion, das Oberflächenwasser der Fahrbahn schnell</span><br/> <span class="ft5">den Einlaufschächten zuzuführen und gleichzeitig zu verhindern,</span><br/> <span class="ft5">dass es auf Seitenräume und anliegende Privatgrundstücke abfliesst.</span><br/> <span class="ft5">Die neue Strassentwässerung bewirkt für die anstossenden Grund-</span><br/> <span class="ft5">stücke eine wesentliche Entlastung. Würden die Abschlüsse wie bis</span><br/> <span class="ft5">anhin fehlen, hätten die Privaten das von der öffentlichen Strasse</span><br/> <span class="ft5">abfliessende Wasser aufzunehmen (vgl. § 110 Abs. 2 BauG). Die</span><br/> <span class="ft5">Randabschlüsse sorgen dafür, dass sich nach Niederschlägen keine</span><br/> <span class="ft5">Wasserlachen bilden, welche - insbesondere bei Vereisung im Winter</span><br/> <span class="ft5">- die Sicherheit der Strassenbenützer gefährden und die Benutzbar-</span><br/> <span class="ft5">keit der Strasse in wesentlichem Masse einschränken. Weiter wies</span><br/> <span class="ft5">der Projektleiter darauf hin, dass der Fahrbahnrand bei Fehlen von</span><br/> <span class="ft5">Abschlüssen an den Rändern abbrechen kann (...), was einerseits zur</span><br/> <span class="ft5">Folge hat, dass immer mehr auf der Mitte der Strasse gefahren wer-</span><br/> <span class="ft5">den muss und dass andererseits die Lebensdauer des Belags einge-</span><br/> <span class="ft5">schränkt wird. Der Strassenraum wird optisch auch klarer abge-</span><br/> <span class="ft5">grenzt, was der Sicherheit dient.</span><br/> <span class="ft5">Die Schulstrasse war im alten Zustand auf ihrer ganzen Länge</span><br/> <span class="ft5">von 380 m mit einem einzigen Beleuchtungsträger ausgestattet wor-</span><br/> <span class="ft5">den (...). Dank den zwei zusätzlichen Beleuchtungsträgern wird eine</span><br/> <span class="ft5">gleichmässigere Ausleuchtung der Strasse bewirkt, ohne die bisher</span><br/> <span class="ft5">weitläufigen Dunkelstellen, was die Erreichbarkeit der an der Strasse</span><br/> <span class="ft5">liegenden Grundstücke ebenfalls verbessert und sicherer macht.</span><br/> <span class="ft5">5.3.3. Zusammenfassend kann der Auffassung der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führer von einem nicht der Beitragspflicht unterstellten Strassenun-</span><br/> <span class="ft5">terhaltsvorhaben nicht gefolgt werden. Unterhalt, d.h. das Beheben</span><br/> <span class="ft5">einzelner Schäden, wie übrigens auch die Erneuerung, welche das</span><br/> <span class="ft5">Ersetzen von Teilen der Strasse zur Wiederherstellung des ursprüng-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">458</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">lichen Zustands umfasst, setzen notwendigerweise voraus, dass et-</span><br/> <span class="ft5">was überhaupt und auch bereits in genügender Weise vorhanden war</span><br/> <span class="ft5">(BDE vom 17. April 1997 i.S. K.B. und Mitbeteiligte vs. Gemeinde</span><br/> <span class="ft5">B., Erw. 5a). Wie gerade dargelegt, wird die Schulstrasse jedoch erst</span><br/> <span class="ft5">mit dem strittigen Strassenbauprojekt zu einer den erschliessungs-</span><br/> <span class="ft5">rechtlichen Anforderungen genügenden Strasse ausgebaut. Die</span><br/> <span class="ft5">Strasse war vorher nicht genügend breit befahrbar, wies noch keinen</span><br/> <span class="ft5">frostsicheren Koffer und noch keinen Hartbelag auf und war ausser-</span><br/> <span class="ft5">dem nicht in genügender Weise entwässert und beleuchtet</span><br/> <span class="ft5">(Erw. 5.3.2.1. - 5.3.2.3.). Das Strassenbauprojekt beinhaltet somit</span><br/> <span class="ft5">eine eigentliche Neuerstellung. Ob es sich beim Ausbau aber um eine</span><br/> <span class="ft5">"Erstellung" oder eine "Änderung" im Sinne von § 34 Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="ft5">handelt, kann letztlich offen bleiben, da beides - und in der Ge-</span><br/> <span class="ft5">meinde L. sogar die "Erneuerung" (vgl. Erw. ...) - beitragsauslösend</span><br/> <span class="ft5">ist. Das Strassenprojekt beseitigt den bisher mangelhaften er-</span><br/> <span class="ft5">schliessungstechnischen Zustand, was den Grundstücken an der</span><br/> <span class="ft5">Schulstrasse zweifellos wirtschaftliche Sondervorteile im Sinne von</span><br/> <span class="ft5">§ 34 Abs. 1 BauG verschafft (...). Mithin wurde die Liegenschaft der</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführer mit Recht zu Beitragsleistungen herangezogen.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">6.1.1. Für die Feststellung des Beitrags der Gesamtheit der Ab-</span><br/> <span class="ft5">gabepflichtigen im Verhältnis zum Anteil des Gemeinwesens (der</span><br/> <span class="ft5">Allgemeinheit) ist massgebend das Verhältnis zwischen dem der</span><br/> <span class="ft5">Gesamtheit der erfassten Grundeigentümer erwachsenen Vorteil und</span><br/> <span class="ft5">dem Nutzen der Allgemeinheit an der öffentlichen Einrichtung. Je</span><br/> <span class="ft5">grösser jener ist, umso grösser ist der Anteil der Eigentümerbeteili-</span><br/> <span class="ft5">gung (Alexander Ruch, Die Bedeutung des Sondervorteils im Recht</span><br/> <span class="ft5">der Erschliessungsbeiträge, in: Schweizerisches Zentralblatt für</span><br/> <span class="ft5">Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 1996 S. 539). Diese Kostenauf-</span><br/> <span class="ft5">teilung bietet nun insofern Schwierigkeiten, als zur Bewertung der</span><br/> <span class="ft5">privaten Interessen der Grundeigentümer vor allem auf den durch</span><br/> <span class="ft5">den Strassenbau erzeugten Mehrwert abzustellen ist, während auf</span><br/> <span class="ft5">Seiten des Gemeinwesens zwar eine vergleichbare Interessenlage</span><br/> <span class="ft5">bezüglich einzelner Grundstücke möglich ist, der Anteil aber meist</span><br/> <span class="ft5">gewichtiger durch andere Faktoren beeinflusst wird, deren Bedeu-</span><br/> <span class="ft5">tung sich nicht unmittelbar als finanzieller Sondervorteil ausdrücken</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">lässt. Für die Bestimmung dieses Allgemeinvorteils ist vielmehr</span><br/> <span class="ft5">darauf abzustellen, in welchem Ausmass eine über den Kreis der</span><br/> <span class="ft5">einbezogenen Grundstücke hinausgehende, weitere Öffentlichkeit an</span><br/> <span class="ft5">der Benützung der fraglichen Strasse interessiert ist, weil diese etwa</span><br/> <span class="ft5">auch dem Durchgangsverkehr dient, andere Strassen entlastet oder</span><br/> <span class="ft5">Zugang zu öffentlichen Anlagen bietet (vgl. BDE vom 24. Februar</span><br/> <span class="ft5">1997 i.S. EG S. vs. Gemeinde N., Erw. 5.1. mit Hinweisen auf</span><br/> <span class="ft5">AGVE 1985 S. 169 ff. und 1988 S. 185). Wird das Interesse am Zu-</span><br/> <span class="ft5">gang zu öffentlichen Anlagen - in zulässiger, wenn auch der Transpa-</span><br/> <span class="ft5">renz nicht unbedingt dienlicher Weise (vgl.</span> <span class="ft5">nachfolgende</span><br/> <span class="ft5">Erw. 6.1.3.1.) - unter die öffentlichen Interessen an der Benutzung</span><br/> <span class="ft5">der betreffenden Strasse eingereiht und der jeweilige Gemeindeanteil</span><br/> <span class="ft5">entsprechend festgelegt, so sind die Grundstücke im Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft5">vermögen der Gemeinde konsequenterweise nicht mehr in den Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsplan einzubeziehen. Andernfalls hat die Gemeinde für ein und</span><br/> <span class="ft5">dasselbe Interesse an der Strassenerschliessung doppelt einzustehen</span><br/> <span class="ft5">(vgl. AGVE 1985 S. 171).</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">6.1.3.1. Die Berücksichtigung des Interesses einer Gemeinde</span><br/> <span class="ft5">am Zugang zu einer Liegenschaft in ihrem Verwaltungsvermögen mit</span><br/> <span class="ft5">deren Einreihung unter das öffentliche Interesse an der Benutzung</span><br/> <span class="ft5">der betreffenden Strasse (Gemeindeanteil) ist zulässig und bringt mit</span><br/> <span class="ft5">sich, dass die betreffende Liegenschaft nicht mehr in den Beitrags-</span><br/> <span class="ft5">plan miteinzubeziehen ist (vgl. Erw. 6.1.1.). Zur Überprüfung des</span><br/> <span class="ft5">Gemeindeanteils zweckdienlich ist indessen eine hypothetische</span><br/> <span class="ft5">Kontrollrechnung nach der anderen verbreiteten Vorgehensweise,</span><br/> <span class="ft5">nämlich die Zugang erhaltenden Gemeindegrundstücke gleich wie</span><br/> <span class="ft5">alle anderen Grundstücke im Beitragsplan aufzunehmen und das</span><br/> <span class="ft5">Zugangsinteresse dafür bei der Gewichtung des Gemeindeanteils</span><br/> <span class="ft5">ausser Acht zu lassen. Die beiden Methoden dürfen jedenfalls nicht</span><br/> <span class="ft5">zu wesentlich unterschiedlichen Ergebnissen führen (vgl. AGVE</span><br/> <span class="ft5">1985 S. 170 f.). Dabei ist nicht zwingend, dass der bundesrechtlich</span><br/> <span class="ft5">vorgegebene maximale Anteil (...) das Interesse des Gemeinwesens</span><br/> <span class="ft5">am Zugang zu ihren öffentlichen Liegenschaften mitumfassen muss</span><br/> <span class="ft5">(so aber BDE vom 17. April 1997 i.S. K.B. und Mitbeteiligte vs.</span><br/> <span class="ft5">Gemeinde B., Erw. 5c), da sonst eine Gemeinde bei einer Er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">schliessung, welche so gut wie nur ihren eigenen Liegenschaften</span><br/> <span class="ft5">dient, in einer nicht zu rechtfertigenden Weise privilegiert würde.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <span class="ft5">8.1. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts beschränkt sich</span><br/> <span class="ft5">die Wirkung des Rechtsmittels grundsätzlich auf den Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führenden. Das Gericht legt daher in der Regel direkt den von diesem</span><br/> <span class="ft5">neu zu entrichtenden Beitrag fest. Die Gemeinde hat dann die drei-</span><br/> <span class="ft5">fache Wahl,</span><br/> <span class="ft5">· den Fehlbetrag selbst zu übernehmen und sich ansonsten</span><br/> <span class="ft5">weiter auf den angefochtenen Beitragsplan zu stützen, oder</span><br/> <span class="ft5">· im ordentlichen Verfahren einen neuen, berichtigten</span><br/> <span class="ft5">Beitragsplan aufzustellen, oder</span><br/> <span class="ft5">· auf die Ausführung des Bauvorhabens verzichten, was</span><br/> <span class="ft5">vorliegend wegen des bereits durchgeführten Ausbaus</span><br/> <span class="ft5">ausser Betracht fällt.</span><br/> <span class="ft5">Wenn die Verzerrungen, namentlich mit Bezug auf den letztlich</span><br/> <span class="ft5">von der Gemeinde zu übernehmenden Anteil, indessen allzu gross</span><br/> <span class="ft5">würden, verzichtet das Gericht auf den direkten Entscheid und weist</span><br/> <span class="ft5">die Sache zur Neuauflage an die Vorinstanz zurück. Hätte die Rück-</span><br/> <span class="ft5">weisung aber schwergewichtig nur Umschichtungen in der Belastung</span><br/> <span class="ft5">der beteiligten Privaten zur Folge, so übt das Gericht Zurückhaltung,</span><br/> <span class="ft5">wenn es vorab um die Entlastung der Privaten geht, die auf Einle-</span><br/> <span class="ft5">gung eines Rechtsmittels verzichtet haben (vgl. zum Ganzen</span><br/> <span class="ft5">VGE II/98 vom 7. November 1990 i.S. A.N. und Konsorten gegen</span><br/> <span class="ft5">Einwohnergemeinde B., S. 19 f., nicht in AGVE 1990 S. 181 ff.</span><br/> <span class="ft5">publizierter Abschnitt).</span><br/> <span class="ft5">8.2. Der im vorliegenden Verfahren festgestellte Hauptmangel</span><br/> <span class="ft5">(Erw. 6.1.3.3. [nicht publ.]) hätte vorwiegend eine Umverteilung</span><br/> <span class="ft5">unter den Grundeigentümern und insbesondere eine Verschlechte-</span><br/> <span class="ft5">rung für die Beschwerdeführer zur Folge. Eine solche sogenannte</span><br/> <span class="ft5">reformatio in peius darf von der Schätzungskommission nicht ange-</span><br/> <span class="ft5">ordnet werden (vgl. § 149 Abs. 1 BauG in Verbindung mit § 43</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 VRPG).</span><br/> <span class="ft5">Dass auch die Gemeinde von der Perimeteraufteilung in gewis-</span><br/> <span class="ft5">sem Umfang profitiert, darf das Gericht nicht veranlassen, durch eine</span><br/> <span class="ft5">Rückweisung mittelbar in den erheblichen kommunalen Ermessens-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">spielraum bei der Gestaltung des Beitragsplans einzugreifen, zumal</span><br/> <span class="ft5">dieser diesbezüglich unbestritten geblieben ist.</span><br/> <span class="ft5">(...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>