B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6287/2015 U r t e i l v o m 2 8 . J a n u a r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richter Lorenz Noli, Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Sandra Sturzenegger. Parteien A._______, geboren am (…), und ihr Kind B._______, geboren am (…), beide Eritrea, beide vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführerinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 2. September 2015 / N (…). D-6287/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) – eritreische Staatsan- gehörige tigrinischer Ethnie aus C._______ – gelangte am 7. Juli 2014 in die Schweiz und suchte am darauffolgenden Tag um Asyl nach. A.b Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 21. Juli 2014 und der Anhörung zu den Asylgründen vom 2 7. August 2015 brachte sie im We- sentlichen vor, sie habe im Jahr (…) wegen ihrer Verlobung die Schule ab- gebrochen und im Mai (…) ihren Ehemann (D._______) geheiratet. Sie sei fortan Hausfrau gewesen. In den Jahren (…), (…) und (…) seien ihre drei Söhne E._______, F._______ und G._______ zur Welt gekommen. Im No- vember 2013 sei ihr Ehemann verhaftet worden, da er nach einem einmo- natigen Urlaub nicht in den Militärdienst zurückgekehrt sei. Einen Monat später sei er aus der Haft geflohen. In der Folge sei sie festgenommen und auf den (…). Polizeiposten gebracht worden, wo sie während zwei respek- tive drei Wochen inhaftiert gewesen sei. Durch eine Bürgschaft ihres On- kels sei sie freigelassen wo rden, unter der Aufla ge, den Behörden inner- halb eines Monats zu melden, wo sich ihr Ehemann befinde. Da sie nichts mehr von ihrem Ehemann gehört und sich vor einer erneuten Festnahme gefürchtet habe, sei sie mit Hilfe dessen Bruders Ende Dezember 2013 respektive Ende Februar 2014 illegal in den Sudan ausgereist. Sie sei über Libyen auf dem Seeweg nach Italien und von dort in die Schweiz gelangt. In Eritrea wäre sie gerne der Pfingstgemeinde beigetreten. Sie habe dies jedoch unterlassen, um nicht dieselben Probleme wie ihre Mutter zu erhal- ten, die wegen ihrer Angehörigkeit zur Pfingstgemeinde mehrfach inhaftiert worden sei. Wenn sie hier in der Schweiz ihre Schwester H._______ in I._______ besuche, habe es dort eine Pfingstgemeinde, wo sie gerne hin- gehe. Weitergehend wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. A.c Die Beschwerdeführerin reichte im vorinstanzlichen Verfahren folgen- de Dokumente zu den Akten: eine Kopie ihrer Identitätskarte, ihre Geburts- urkunde, ihre Heiratsurkunde, ihren Taufschein, Kopien der Identitätskar- ten ihrer Eltern und die Taufscheine sowie Geburtsurkunden ihrer beiden älteren Söhne. B. Mit Verfügung vom 2. September 2015 – tags darauf eröffnet – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. D-6287/2015 Seite 3 C. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 2. Oktober 2015 (Datum Poststempel: 5. Oktober 2015) – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte dabei in materieller Hinsicht, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren, "subeventualiter" sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses sowie um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes in der Person des Unterzeichnenden. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für den Ent- scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. Mit Schreiben vom 7. Oktober 2015 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. E. E.a Mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember 2015 hielt die Instruktions- richterin fest, dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Sie hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Bestellung eines amtlichen Rechts- beistandes in der Person des rubrizierten Rechtsvertreters unter der Vor- aussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut. Gleichzeitig forderte sie die Beschwerdeführerin auf, bis zum 22. Dezember 2015 eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten, verbunden mit der Androhung, bei ungenutzter Frist werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. E.b Mit Eingabe vom 21. Dezember 2015 reichte die Beschwerdeführerin eine Fürsorgebestätigung (als Faxkopie) nach. F. Gemäss Geburtsmeldung des zuständigen kantonalen Migrationsamtes vom (…) 2016 gebar die Beschwerdeführerin am (…) 2016 ihre Tochter B._______. G. Mit Eingabe vom 18. Oktober 2017 erkundigte sich die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter nach dem Verfahrensstand und ersuchte um D-6287/2015 Seite 4 möglichst rasche Entscheidfällung. Der Eingabe lag eine auf den gleichen Tag datierte Honorarnote bei. H. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2017 ersuchte das Bundesverwaltungsge- richt die Vorinstanz unter Hinweis auf die Geburt des Kindes um Einrei- chung einer Vernehmlassung. Mit Schreiben vom selben Tag beantwortete das Gericht sodann die Anfrage des Rechtsvertreters vom 18. Oktober 2017 zum Verfahrensstand. I. In seiner Vernehmlassung vom 27. Oktober 2017 hielt das SEM fest, dass keine neuen und erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorliegen wür- den, die eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Es machte indes ergänzende Bemerkungen zur Wegweisung beziehungswei- se zum Wegweisungsvollzug, wobei es zu den veränderten familiären Ver- hältnissen im Wesentlichen anführte, beim Vater des Kindes B._______ handle es sich um einen anerkannten Flüchtling aus Eritrea. Es stelle sich daher die Frage, ob von einem Familienleben auszugehen sei, wofür die mutmassliche Anerkennung des Kindes durch den Vater spreche. Demge- genüber gehe aus den Akten hervor, dass die Beschwerdeführerinnen (wohnhaft im Kanton J._______) und der Kindsvater (wohnhaft im Kanton K._______) keinen gemeinsamen Wohnsitz hätten. Aus welchem Grund der Wohnsitz trotz eines gemeinsamen Kindes nicht zusammengelegt wor- den sei, gehe aus den Akten nicht hervor. Den Akten sei ferner nicht zu entnehmen, ob und wie der Kindsvater und das Kind eine Vater-Kind-Be- ziehung führen würden. Es sei daher nicht von einer bestehenden Famili- engemeinschaft auszugehen, weshalb die veränderten familiären Verhält- nisse einer Wegweisung respektive einem Wegweisungsvollzug nach Erit- rea nicht entgegenstehen würden. J. J.a Das Bundesverwaltungsgericht räumte den Beschwerdeführerinnen mit Verfügung vom 30. Oktober 2017 die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik ein. Davon machten sie mit Eingabe vom 14. November 2017 Ge- brauch. Zum Familienleben führten sie in tatsächlicher Hinsicht im Wesent- lichen an, der Kindsvater (L._______) habe das Kind im (…) zivilrechtlich anerkannt. Sie würden ihn – er sei auch der Lebenspartner der Beschwer- deführerin – jedes Wochenende in M._______ besuchen und Zeit mitei- nander als Familie verbringen. Zudem wolle er so schnell wie möglich nach J._______ zu ihnen ziehen und habe hierfür auch schon ein Gesuch um D-6287/2015 Seite 5 Kantonswechsel gestellt. Auf die weiteren Vorbringen in dieser Eingabe wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. J.b Der Replik lagen ein "Auszug aus dem Geburtsregister" und eine "Mit- teilung einer Kindesanerkennung nach der Geburt" (je in Kopie) sowie eine aktualisierte Honorarnote bei. K. Mit Eingabe vom 17. November 2017 liessen die Beschwerdeführerinnen eine Fotografie von ihnen und ihrem Vater respektive Lebenspartner sowie eine Kopie eines (undatierten und nicht unterschriebenen) Kantonswech- selgesuchs nachreichen. L. Mit Verfügung vom 29. Januar 2018 forderte die Instruktionsrichte rin die Beschwerdeführerinnen – unter Androhung, bei ungenutzter Frist wer de das Beschwerdeverfahren aufgrund der derzeitigen Aktenlage fortgeführt – auf, bis zum 13. Februar 2018 darzulegen, wann genau und bei welcher Behörde das Gesuch um Kantonswechsel eingereicht wurde, sowie den aktuellen Verfahrensstand bekannt zu geben, weitere Ausführungen zu ih- rem Verhältnis zum Kindsvater zu machen und die in der Beschwerde in Aussicht gestellte Kopie der Niederlassungsbewilligung der Schwester der Beschwerdeführerin einzureichen. Ausserdem wurden die Beschwerde- führerinnen aufgefordert, das Bundesverwaltungsgericht bis zum 13. Feb- ruar 2018 über die Einreichung und gegebenenfalls den Stand eines Ge- suchs um Einbezug des Kindes in die Flüchtlingseigenschaft des Kindsva- ters zu informieren, verbunden mit der Androhung, be i Ausbleiben einer entsprechenden Mitteilung werde davon ausgegangen, die Beschwerde- führerinnen würden auf die Geltendmachung einer allfällig aus der Aner- kennung der Vaterschaft resultierenden Flüchtlingseigenschaft des Kindes verzichten. M. Mit Eingabe vom 21. Februar 2018 nahmen die Beschwerdeführerinnen – innert erstreckter Frist – Stellung zur Verfügung vom 29. Januar 2018 und reichten eine Kopie des am 20. Februar 2018 bei m SEM anhängig ge- machten Gesuch s des Kindsvaters um Einbezug des Kindes in seine Flüchtlingseigenschaft, eine Kopie des unterschriebenen Kantonswechsel- gesuchs, eine Kopie der Niederlassungsbewilligung der in der Schweiz le- benden Schwester der Beschwerdeführerin (H._______ ) und drei weitere D-6287/2015 Seite 6 Fotografien der Beschwerdeführerinnen un d des Kindsvaters zu den Ak- ten. Auf die Ausführungen in dieser Eingabe wird – soweit für den Ent- scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. N. N.a Mit Schreiben vom 6. März 2018 forderte das SEM den Kindsvater im Rahmen des Verfahrens um Einbezug des Kindes in dessen Flüchtlingsei- genschaft auf, diverse Fragen zur Vater -Kind-Beziehung zu beantworten und Beweismittel einzureichen. Mit Eingabe vom 20. März 2018 liess die- ser dem SEM seine Stellungnahme vom 16. März 2017 (recte: 2018) sowie drei Zugbillette und vier Fotografien von sich und dem Kind zukommen. N.b Mit Schreiben vom 29. März 2018 forderte das SEM den Kindsvater erneut auf, seine Rolle als Erziehungsberechtigter des Kindes ausführlich zu beschreiben und darzulegen, wie er seine Beziehung zu ihr gestalte. Ausserdem wurde er aufgefordert, weitere Beweismittel einzurei chen. Mit Eingabe vom 19. April 2018 liess der Kindsvater respektive die Beschwer- deführerin dem SEM eine Stellungnahme l etzterer einreichen. Mit dieser Eingabe wurde ausserdem das vom SEM mit Schreiben vom 29. März 2018 zur Unterschrift zugestellte sowie vom Kindsvater und der Beschwer- deführerin unterschriebene Gesuch um Einbezug retourniert. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die D-6287/2015 Seite 7 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 1.4 Das nach dem vorinstanzlichen Entscheid geborene Kind wird in das vorliegende Beschwerdeverfahren einbezogen. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solc hen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie- hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss, wobei eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung nicht genügt, sondern vielmehr konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen müssen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.1 f. m.w.H.). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseige nschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-6287/2015 Seite 8 3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte sub- jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge- setzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön- nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin brachte als Hautgrund für ihr Asylgesuch vor, in Eritrea aufgrund der Desertion ihres Ehemannes respektive dessen Flucht aus dem Gefängnis inhaftiert worden zu sein. 4.2 Das SEM qualifizierte dieses Vorbringen in der angefochtenen Verfü- gung als unglaubhaft und führte zur Begründung an, dass zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der BzP und denjenigen an der Anhörung elementare Unterschiede bestehen würden. In der BzP habe sie erklärt, sie sei zunächst von der Polizei zuhause aufgesucht und zum Verbleib ihres Mannes befragt worden, ehe sie drei Tage später gegen 15 Uhr erneut von der Polizei aufgesucht und inhaftiert worden sei. Dem- gegenüber habe sie anlässlich der Anhörung erklärt, sie sei bereits beim ersten Kontakt mit den Behörden inhaftiert worden. So habe sie die Polizei eines Morgens gegen 10 Uhr aufgesucht und das Haus durchsucht; glei- chentags – ungefähr dreissig Minuten nach dem Erscheinen der Polizei – sei sie zur Polizeistation gebracht und inhaftiert worden. Sie sei indes nicht in der La ge gewesen, auf Nachfrage diese widersprüchlichen Angaben zum Ablauf der Ereignisse zu erklären. Auch in Bezug auf die Dauer der Haft würden sich in ihren Aussagen gravierende Widersprüche ergeben. So habe sie in der BzP mehrfach erklärt, sie sei während zwei Wochen inhaftiert worden. In der Anhörung habe sie hingegen wiederholt von drei Wochen Haft gesprochen. Auch diesen Widerspruch habe sie nicht zu er- klären vermocht, halte sie doch lediglich an der Aussage der BzP fest und leugne anlässlich der Anhörung, im Gespräch je von drei Wochen gespro- chen zu haben. Die durch diese Unstimmigkeiten entstandenen Zweifel an ihren Aussagen würden durch die auffallend p auschalen und in keiner Weise erlebnisgeprägten Schilderungen ihrer Haft zusätzlich verstärkt. Ob- wohl sie während der Anhörung wiederholt gebeten worden sei, alle Details und Einzelheiten ihrer Haft zu schildern, habe sie nur vage Angaben zu den D-6287/2015 Seite 9 Haftbedingungen und dem Alltag in Haft zu machen vermocht, die darüber hinaus ohne jeglichen persönlichen Bezug ausgefallen seien. Demnach könne ihr nicht geglaubt werden, dass sie in der von ihr geschilderten Wei- se Nachteile durch die Behörden erlitten habe. 4.3 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht erweisen sich diese Erwä- gungen der Vorinstanz als zutreffend, weshalb zur Vermeidung von unnö- tigen Wiederholungen darauf verwiesen werden kann. Das SEM hat dabei für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwerdefüh- rerin im Zusammenhang mit ihrer angeblichen Festnahme – entgegen der in der Beschwerde sinngemäss vertretenen Ansicht – zu Recht das Proto- koll der BzP herangezogen, da es sich dabei um einen respektive den zent- ralen Punkt ihrer Asylbegründung handelt. Die Beschwerdeführerin hat ausserdem (auch) das Protokoll der BzP nach dessen Rückübersetzung in ihre Muttersprache unterschrieben und muss sich daher auf ihren damali- gen Aussagen behaften lassen (vgl. Akten SEM A 3/12 S. 9). Das in der Beschwerde erfolgte blosse Wiederholen ihrer anlässlich der Anhörung ge- machten Aussagen vermag demzufolge den gravierenden Widerspruch betreffend Anzahl der Kontakte mit der Polizei vor ihrer angeblichen Fest- nahme und auch denjenigen betreffend Uhrzeit der Festnahm e nicht zu entkräften. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht stellt sodann die Tat- sache, dass die Beschwerdeführerin an der Anhörung zu Protokoll gab, die Zeit in Haft sei die schlimmste Zeit ihres Lebens gewesen und sie würde sich sehr ungern an diese Zeit erinnern, keinen ausreichenden Anhalts- punkt für eine Traumatisierung dar, geschweige denn für eine dara uf zu- rückzuführende Unfähigkeit ihrerseits, detailliert über die Zeit in Haft zu be- richten. Die auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde wiederhol- ten "Details" zur angeblichen Gefangenschaft – in Übereinstimmung mit dem SEM – als pauschal und nicht erlebnisgeprägt zu bezeichnenden Schilderungen ihrer Haftzeit lassen sich mithin nur dadurch erklären, dass sie nicht von einem pe rsönlichen Erlebnis berichtete. Ihre Inhaftierung bleibt ferner unglaubhaft, selbst wenn der vom SEM aufgezeigte Wider- spruch bezüglich Haftdauer – wie in der Beschwerde vorgebracht – auf ein Missverständnis zwischen ihr und dem Dolmetscher an der Anhörung zu- rückzuführen wäre, wofür indes keine Anhaltspunkte bestehen. 4.4 Nach dem Gesagten kann der Beschwerdeführerin nicht geglaubt wer- den, dass sie wegen der behaupteten Desertion ihres Ehemannes respek- tive dessen anschliessender Flucht aus dem Gefängnis inhaftiert wur de. D-6287/2015 Seite 10 Es erübrigt sich daher, weitere Unglaubhaftigkeitselemente anzuführen. Die generellen Ausführunge n in der Beschwerdeschrift zu Reflex verfol- gungsmassnahmen in Eritrea sind nicht geeignet, die von ihr geltend ge- machte Inhaftierung in einem glaubhafteren Licht erscheinen zu lassen. 4.5 Angesichts dessen, dass sich die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylgesuchs eines Sachverhaltskonstrukts bediente, bestehen auch ernsthafte Zweifel an der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Desertion ihres Ehemannes und dessen Flucht aus dem Gefängnis, welche im Übri- gen etwa durch ihre widersprüchlichen Aussagen zur Dauer dessen Fern- bleibens vom Militärdienst (vgl. A 3/12 Ziff. 1.14; A 13/17 F73 ff. und 114) verstärkt werden. Selbst bei Wahrunterstellung dieses Vorbringens war die Beschwerdeführerin deswegen vor ihrer Ausreise aus Eritrea offenbar kei- nen Behelligung en ausges etzt. Ausserdem nannte sie weder im vorin - stanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene irgendwelche (mit dem Verschwinden ihres Ehemannes zusammenhängenden) Nachteile, denen Familienangehörige ihres Ehemannes, bei welchen einer ihrer Söhne nach ihrer Ausreise zumindest zeitweise gelebt haben soll (vgl. A 13/17 F10 und 26 ff.), ausgesetzt gewesen wären. Deshalb und mangels sonstiger kon- kreter Indizien kann ausgeschlossen werden, dass ihr wegen seiner De- sertion respektive seiner Flucht aus dem Gefängnis im Zeitpunkt ihrer Aus- reise Nachteile asylrelevanten Ausmasses gedroht hätten oder solche in absehbarer Zukunft drohen würden. Es ist mithin auch nicht mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie – wie in der Replik vorgebracht – bei einer Rückkehr nach Eritrea verhaftet und gefoltert würde, um Informationen über dessen Aufenthalt zu erhalten. Auch an die- ser Einschätzung vermögen die generellen Ausführungen in der Beschwer- deschrift zu Reflexverfolgungsmassnahmen in Eritrea nichts zu ändern , weshalb nicht weiter auf die entsprechenden Ausführungen einzugehen ist. 4.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Beschwerde- führerin im Zusammenhang mit der behaupteten Desertion ihres Eheman- nes respektive dessen angeblicher Flucht aus dem Gefängnis keine flücht- lingsrechtlich relevante Gefährdung nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das SEM hat diesbezüglich folglich zu Recht die Flüchtlingseigen- schaft der Beschwerdeführerin verneint. 5. 5.1 Anknüpfend an die bereits erwähnten generellen Ausführungen zu Re- flexverfolgungsmassnahmen in Eritrea wurde in der Beschwerdeschrift vorgebracht, die Beschwerdeführerin würde im Falle einer Rückkehr nach D-6287/2015 Seite 11 Eritrea mit Sicherheit auch wegen ihrer in der Schweiz lebenden Schwes- ter, die hier Asyl erhalten habe und mittlerweile über die Niederlassungs- bewilligung verfüge, inhaftiert und verhört werden. Dies sei vom SEM in keinster Weise berücksichtigt worden. 5.2 Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin erst mit der Nachreichung der Kopie der Niederlassungsbewilligung (vgl. Bst. M vorstehend) den Aufenthalt ihrer Schwester in der Schweiz glaub- haft zu machen vermochte, zumal diese zuvor – mit der von der Beschwer- deführerin angegebenen Schreibweise – im Zentralen Migrationsinformati- onssystem (ZEMIS) nicht gefunden werden konnte (vgl. A 3/12 Ziff. 3.02). Sodann ist darauf hinzuweisen, dass sie im vorinstanzlichen Verfahren we- der vorbrachte, sie sei in Eritrea wegen ihrer (seit 2007: Anmerkung des Gerichts) in der Schweiz lebenden Schwester Reflexverfolgungsmassnah- men ausgesetzt gewesen (vgl. A 3/12 Ziff. 7.03), noch entsprechende Be- fürchtungen im Falle einer Rückkehr nach Eritrea erwähnte (vgl. A 13/17 F125). Für das SEM bestand daher zu Recht keine Veranlassung, die an- gebliche Gefahr einer Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin wegen ih- rer in der Schweiz lebenden Schwester zu berücksichtigen. Angesichts des vorstehend Ausgeführten sowie m angels Substanziierung des entspre- chenden Beschwerdevorbringens bestehen sodann keine konkreten Indi- zien, aufgrund derer davon ausgegangen werden müsste, dass der Be- schwerdeführerin wegen ihrer hier lebenden Schwester mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft Nachteile asylrelevanten Ausmasses drohen würden. Der Umstand, dass ihrer Schwester in der Schweiz Asyl gewährt wurde und sie über eine Niederlassungsbewilligung verfügt, stellt jedenfalls kein genügendes Indiz für eine entsprechende An- nahme dar. 6. 6.1 Die Beschwerdeführerin brachte zur Begründung ihres Asylgesuchs weiter vor, sie wäre in Eritrea gerne der Pfingstgemeinde beigetreten, habe dies jedoch unterlassen, um nicht dieselben Probleme wie ihre Mutter zu erhalten. Wenn sie hier ihre Schwester in I._______ besuche, habe es dort eine Pfingstgemeinde, wo sie gerne hingehe. 6.2 Das SEM führte diesbezüglich in der angefochtenen Verfügung an, es genüge nicht, eine Furcht lediglich mit Vermutungen zu begründen. Die Beschwerdeführerin habe geltend gemacht, sie wäre zwar ger ne der Pfingstgemeinde beigetreten; sie habe dies aber unterlassen und sei dem- zufolge weder je Mitglied der Pfingstg emeinde gewesen, noch habe sie D-6287/2015 Seite 12 wegen ihres Glaubens ernsthafte Nachteile erlitten. Die blosse Absicht, der Pfingstgemeinde beizutreten reiche indes nicht aus, eine begründete Furcht vor staatlicher Verfolgung zu schaffen. In Anbetracht dessen, dass es in ihrem Falle zu keinen direkten Verfolgungsmomenten gekommen sei und sie laut ihren eigenen Aussagen ihren Glauben schliesslich im ortho- doxen Christentum ausgelebt habe, sei nicht davon auszugehen, dass sie in absehbarer Zukunft mit ernsthaften Nachteilen zu rechnen habe bezie- hungsweise eine begründete Furcht vor solchen haben müsse. Demzu- folge erfülle sie die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und Art. 7 AsylG nicht. 6.3 Auch diese Erwägungen des SEM erweisen sich – nach Prüfung der Akten durch das Gericht – als zutreffend, weshalb darauf verwiesen wer- den kann. Die Beschwerdevorbringen sind nicht geeignet, eine Änderung der vorinstanzlichen Einschätzung zu bewirken. Es wurde zwar behauptet, die Beschwerdeführerin habe ihren Glauben in Eritrea verheimlichen müs- sen, indes wurde nicht ausgeführt, dass sie entgegen der vorinstanzlichen Ausführungen in Eritrea der Pfingstgemeinde beitrat. Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft ist sodann irrelevant, dass die Beschwerdefüh- rerin der Pfingstgemeinde nicht beigetreten sein soll, weil sie ansonsten "schwere" Nachteile befürchtet hätte. Entscheidend ist allein, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise wegen des "Ist-Zustandes" keinen asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt war oder solche (begründeterweise) befürchtete. Im Übrigen spricht der Umstand, dass sie offenbar auch in der Schweiz nicht der Pfingstgemeinde beigetreten ist, gegen ihren entsprechenden Glau- ben. Jedenfalls ist ihren knappen und vagen Aussagen an der Anhörung zu ihren "regelmässigen" Teilnahmen an Treffen der Pfingstgemeinde (vgl. A 13/17 F120 ff.), die auch auf Beschwerdeebene nicht konkretisiert wur- den, nicht zu entnehmen, dass sie in der Schweiz Mitglied der Pfingstge- meinde geworden ist. Aus den betreffenden Vorbringen und dem Be- schwerdevorbringen, wonach sie ihren Glauben auch in der Schweiz re- gelmässig praktiziere, kann sodann bereits angesichts deren Unsubstanzi- iertheit nicht auf eine objektiv begründete Furcht vor zukünftiger asylrele- vanter Verfolgung geschlossen werden. Nach dem Gesagten kann die Frage, ob eine Mitgliedschaft in der Pfingstgemeinde überhaupt geeignet wäre, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, offengelassen werden. 6.4 Das SEM hat somit auch in diesem Zusammenhang zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint. D-6287/2015 Seite 13 7. 7.1 Die Beschwerdeführerin gab im vorinstanzlichen Verfahren weiter an, sie habe Eritrea illegal verlassen. 7.2 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zusammengefasst zum Schluss, dieses Vorbringen vermöge angesichts der widersprüchlichen An- gaben der Beschwerdeführerin (etwa zum Zeitpunkt der Ausreise) und mangels genügender Substanziierung den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG ebenfalls n icht standzuhalten. In der Be- schwerde wurde an der Glaubhaftigkeit des entsprechenden Vorbringens festgehalten. Neben einer Auseinandersetzung mit den vom SEM aufge- zeigten Widersprüchen wurde darin im Wesentlichen vorgebracht, es sei gerichtsnotorisch, dass die Beschwerdeführerin, deren eritreische Herkunft und Staatsangehörigkeit durch die eingereichten Dokumente belegt sei, angesichts ihres Alters illegal ausgereist sein müsse. 7.3 Das Bundesverwaltungsgericht ging bis im Januar 2017 davon aus, dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund an- zusehen sei, weil illegal Ausgereiste bei einer Rückkehr nach Eritrea mit erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen mussten (vgl. Urteil des BVGer D -3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.3). Diese Recht- sprechung ist in der Folge jedoch aufgegeben worden. Im Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 kam das Bundesverwaltungsgericht nach einer eingehenden quellengestützten Lageanalyse (E. 4.6-4.11) zum Schluss, dass die bisherige Pr axis, wonach eine illegale Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft geführt habe, nicht mehr aufrechterhalten wer- den könne (E. 5.1). Es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da- von auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausrei- se aus Eritrea eine asylrelev ante Verfolgung drohe (a.a.O.). Für die Be- gründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext bedürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich re- levanten Verfolgungsgefahr führen könnten (E. 5.2). 7.4 Vorliegend sind keine solchen zusätzlichen Faktoren ersichtlich. Die Beschwerdeführerin konnte nicht glaubhaft machen, dass sie wegen der behaupteten Desertion ihres E hemannes respektive dessen Flucht aus dem Gefängnis inhaftiert wurde. Aufgrund der Aktenlage ist vielmehr davon auszugehen, dass sie vor ihrer Ausreise aus Eritrea keinerlei Probleme mit den eritreischen Behörden hatte. Wie vorstehend aufgezeigt, ergeben sich sodann keine konkreten Indizien, dass sie im Falle einer Rückkehr nach D-6287/2015 Seite 14 Eritrea wegen ihrem Ehemann, ihrer in der Schweiz lebenden Schwester oder ihren "regelmässigen" Teilnahmen an Treffen der Pfingstgemeinde eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten hätte. Auch all diese Faktoren zusammen vermögen nicht zu einer entsprechenden Verschär fung ihres Profils zu führen. Sonst sind ebenfalls keine Anknüpfungspunkte ersicht- lich, die sie in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten. Die Asylgesuchstellung in der Schweiz und die "lange" Aufenthaltsdauer im Ausland stellen – entgegen der in der Be- schwerdeschrift sinngemäss vertretenen Auffassung – keine solchen An- knüpfungspunkte dar, was sich implizit aus dem genannten Referenzurteil ergibt (vgl. a.a.O. E. 5.3). Der erstmals in der Replik (im Zusammenhang mit einer Verletzung von Art. 3 EMRK) vorgetragenen Ansicht , die Be- schwerdeführerin gelte "nun" als Deserteurin, da sie im militärdienstfähigen Alter sei und nie offiziell aus dem Nationaldienst entlassen worden sei, ist sodann entgegenzuhalten, dass sie – soweit aus den Akten ersichtlich – auch nie in den Nationaldienst einberufen wurde, geschweige denn Natio- naldienst leistete. Sie kann daher auch nicht als Deserteurin (oder Refrak- tärin) gelten. 7.5 Somit bleibt festzuhalten, dass die geltend gemachte illegale Ausreise allein keine Furcht vor einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Ver- folgung zu begründen vermag. Die Frage der Glaubhaftigkeit der behaup- teten illegalen Ausreise kann somit offengelassen werden. Mithin erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den entsprechenden Erwägungen des SEM und den Entgegnungen in der Beschwerdeschrift. 7.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass das SEM die Flüchtlingsei- genschaft der Beschwerdeführerin auch hinsichtlich der behaupteten ille- galen Ausreise (im Ergebnis) zu Recht verneint hat. 8. Zusammenfassend ist festzuhalt en, dass das SEM zu Recht die Flücht- lingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und deren Asylgesuch abgelehnt hat. Die übrigen Beschwerdevorbringen sind nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken, weshalb nicht weiter da- rauf einzugehen ist. In Bezug auf das Kind reichte dess en Vater am 20. Februar 2018 be i der Vorinstanz ein Gesuch um Einbezug in seine Flüchtlingseigenschaft ein. Es liegt an der Vorinstanz jenes Verfahren zu einem Abschluss zu bringen. D-6287/2015 Seite 15 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 Ausländer- und Integrationsgesetz [AIG, SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst , sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 10.2.2 10.2.2.1 Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Da es den Beschwerdeführerinnen nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen- den Verfahren keine Anwendung finden. Die Zulässigkeit des Vollzuges be-D-6287/2015 Seite 16 urteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtli- chen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] , Art. 3 und 4 EMRK). 10.2.2.2 10.2.2.2.1 In der Replik wurde – nachdem das SEM in der Vernehmlassung nach ausführlichen Erwägungen anführte, eine hypothetisch drohende Ein- berufung der Beschwerdeführerin in den eritreischen Nationaldienst ver - stosse nicht gegen das Verbot der Zwangsarbeit gemäss Art. 4 Abs. 2 EMRK – geltend gemacht, dass die Wegweisung der Beschwerdeführerin gegen Art. 4 EMRK verstosse, da sie angesichts ihres Alters und des Um- standes, dass sie nie offiziell vom Dienst befreit oder entlassen worden sei, mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits am Flughafen von Asmara festgenom- men und nach der Haft den Militärbehörden zwecks Absolvierung des Na- tionaldienstes zugeführt würde. 10.2.2.2.2 Im als Referenzurte il publizierten Urteil D -2311/2016 vom 17. August 2017 beschäftigte sich das Bundesverwaltungsgericht ausführ- lich mit der Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea. Angesichts des konkreten Sachverhalts – es war davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in jenem Verfahren bereits vor ihrer Ausreise aus Eritrea aus dem Nationaldienst entlassen worden war und deshalb bei ei- ner Rückkehr nicht mehr eingezogen werden würde – bejahte es diese (a.a.O. E. 11-14). Offen blieb die Frage der Zulässigkeit (und Zumutbarkeit) des Wegweisungsvollzugs für den Fall, dass von einer zukünftigen Einzie- hung der wegzuweisenden Person in den Nationaldienst auszugehen wä- re. Frauen werden in den letzten Jahren bei Heirat, Geburt und aus religiösen Gründen zunehmend vom Dienst befreit (a.a.O. E. 12.5 mit Hinweis auf entsprechende Berichte). Das Risiko, dass die Beschwerdeführerin bei ei- ner Rückkehr nach Eritrea in den Nationaldienst eingezogen würde, ist demnach als äusserst gering einzuschätzen. Für diese Annahme spricht ferner, dass es Hinweise auf eine Altersgrenze von zwischen 25 und 27 Jahren – die Beschwerdeführerin ist mittlerweile (…) Jahre alt – für den Einzug von Frauen in den Nationaldienst gibt (vgl. Urteil des BVGer E-6388/2017 vom 23. April 2018 E. 10.4 mit Hinweis auf einen entspre- chenden Bericht). Vor dem Hintergrund der nachfolgenden Erwägungen D-6287/2015 Seite 17 kann jedoch die Frage, ob die Beschwerdeführerin im Falle einer Rückkehr Nationaldienst leisten müsste, letztlich offenbleiben. 10.2.2.2.3 Im ebenfalls als Referenzurteil publizierten Urteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 befasste sich das Bundesverwaltungsgericht mit den noch offenen Fragen der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs bei drohender künftiger Einziehung der wegzuweisenden Person in den eri treischen Nationaldienst. Das Gericht kam nach eingehender Quellenanalyse zum Ergebnis, dass die drohende Einziehung in den erit- reischen Nationaldienst nicht zur Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs gemäss Art. 83 Abs. 3 AuG (neu: AIG) führt (a.a.O. E. 6.1.7). Beim eritreischen Nationaldienst handle es sich weder um Sklaverei noch um Leibeigenschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK. Die Bedingungen im eritreischen Nationaldienst seien zwar als Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren, aber für die Annahme der Unzulässig- keit des Wegweisungsvollzugs genüge dies nicht; erforderlich wäre viel- mehr, dass durch die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin Art. 4 Abs. 2 EMRK seines essenziellen Inhalts berauben würde. Dies sei zu verneinen. Es sei nicht davon auszugehen, es bestehe generell das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs - und Pflichtarbeit während des Nationaldienste s. Weiter bestünden keine hinreichenden Belege dafür, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im eritreischen Nationaldienst derart flächendeckend seien, dass jede Na- tionaldienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Ein ernsthaf- tes Risiko einer unmenschlichen Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK bestehe im Falle einer Einziehung in den eritreischen Nationaldienst nicht (a.a.O. E. 4-6). Zu beachten sei, dass die Erwägungen lediglich die Situa- tion von freiwilligen Rückkehrerinnen und Rückkehrern betreffen würden, zumal die eritreischen Behörden keine Zwangsrückführungen aus der Schweiz akzeptieren würden, und sich an diesem Umstand bis zum allfäl- ligen Abschluss eines Rückfüh rungsabkommens zwischen der Schweiz und Eritrea auch nichts ändern dürfte. Insofern könne offen bleiben, wie sich die Situation für Personen gestalten würde, die unter Zwang nach Erit- rea zurückgeführt würden und bei denen davon auszugehen sei, dass sie keine Möglichkeit gehabt hätten, ihr Verhältnis zum eritreischen Staat zu regeln (a.a.O. E. 6.1.7). D-6287/2015 Seite 18 10.2.2.2.4 Aufgrund des Gesagten führt selbst eine möglicherweise dro- hende Einziehung der Beschwerdeführerin in den eritreischen National- dienst im Falle einer freiwilligen Rückkehr nach Eritrea nicht zur Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzugs (Art. 83 Abs. 3 AIG). Da die Replik vor dem genannten Referenzurteil datiert, erübrigt es sich auf die darin enthal- tenen Ausführungen im Zusammenhang mit Art. 4 EMRK einzugehen. Im Übrigen hält sich die Beschwerdeführerin seit mehr als drei Jahren im Aus- land auf und würde, sofern sie ihre Situation mit Eritrea regelt, die Voraus- setzungen für den Erhalt des "Diaspora-Status" erfüllen. 10.2.2.3 Betreffend der auf Beschwerdeebene behaupteten Verl etzung von Art. 3 EMRK und Art. 3 FoK ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerinnen gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses eine konkrete Gefahr („real risk “) nachweisen oder glaubhaft machen müssten, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschli- che Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Soweit in der Besc hwerde und in der Replik geltend gemacht wurde, der Be- schwerdeführerin drohe wegen ihrer Asylgründe bei einer Rückkehr nach Eritrea Folter oder unmenschliche Behandlung, kann auf die vorstehenden Erwägungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingseigenschaft respektive deren Verneinung verwiesen werden. Dieselben Gründe lassen darauf schliessen, dass ihr bei einer (freiwilligen) Rückkehr kein ernsthaftes Risiko einer unmenschlichen Behandlung droht. Auch sonst ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Rückkehr nach Eritrea dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. 10.2.3 10.2.3.1 In der Replik wurde geltend gemacht, der Vollzug der Wegwei- sung der Beschwerdeführerinnen verletzte Art. 8 EMRK, da ihr Lebens- partner respektive Vater in der Schweiz lebe und das Familienleben ange- sichts dessen Flüchtlingsstatus nur in der Schweiz ausgeübt werden kön - ne. 10.2.3.2 Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann sich jemand nur dann auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK berufen, wenn eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Bezie- hung vorliegt. Diesbezüglich sind als wesentliche Faktoren das geme in-D-6287/2015 Seite 19 same Wohnen respektive der gemeinsame Haushalt, die finanzielle Ver- flochtenheit, die Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die Bindung der Partner aneinander zu berücksichtigen (vgl. CHRIS- TOPH GRABENWARTER/KATHARINA PABEL, Europäisch e Menschenrechts- konvention, 6. Aufl., München/Basel/Wien 2016, S. 204; MARK E. VILLIGER, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Zürich 1999, S. 365). Weiter muss es sich beim in der Schweiz lebenden Famili- enmitglied um eine hier gefestigt anwesenheitsberechtigte Person handeln (vgl. BGE 139 I 330 E. 2.1). Von einem gefestigten Anwesenheitsrecht ist ohne weiteres bei schweizerischer Staatsangehörigkeit auszugehen, ebenso bei einer Niederlassungs - oder Aufenthaltsbewilligung, auf deren Verlängerung ein Anspruch besteht (vgl. statt vieler BGE 135 I 143; 130 II 281, je m.w.H.). Auf den Schutz des Privat - und Familienlebens können sich in Ausnahmesituationen nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) auch Personen berufen, deren Anwesenheit rechtlich nicht geregelt ist beziehungsweise die allenfalls über kein (gefestigtes) Anwesenheitsrecht verfügen, deren Anwesenheit aber faktisch als Realität hingenommen wird respektive aus objektiven Gründen hingenommen werden muss (vgl. BGE 138 I 246 E. 3.3.1 und 137 I 113 E. 6.1 m.w.H.; vgl. zur Rechtsprechung des EGMR die Urteile Jeu- nesse gegen Niederlande vom 3. Oktober 2014, 12738/10, § 103 ff. m.w.H., Agraw gegen Schweiz vom 29. Juli 2010, 3295/06, § 44 ff. und Mengesha Kimfe gegen Schweiz vom 29. Juli 2010, 24404/05, § 61 ff.). 10.2.3.3 Der Vater des Kindes B._______ und angebliche Lebenspartner der Beschwerdeführerin wurde am (…) 2008 als Flüchtling mit Asyl aner- kannt. Gemäss Eintrag im ZEMIS verfügt er sodann seit dem (…) 2011 über eine C-Bewilligung (vgl. Art. 34 AIG). Er ist somit eine hier gefestigt anwesenheitsberechtigte Person im Sinne der Rechtsprechung. Allerdings ist die Voraussetzung der hinreichend engen, tatsächlich gelebten und in- takten Beziehung nicht erfü llt. Die Beschwerdeführerinnen verwiesen in der Replik zum Beleg einer entsprechenden Beziehung zwischen ihnen und dem Kindsvater auf ein angeblich bereits anhängig gemachtes Kan- tonswechselgesuch des Kindsvaters. Für das Gericht bestehen allerdings Zweifel, ob von L._______ tatsächlich ein solches gestellt wurde: Abgese- hen davon, dass das dem Gericht zunächst (in Kopie) eingereichte Formu- largesuch weder datiert noch unterschrieben war, führten die Beschwerde- führerinnen in ihrer Eingabe vom 21. Februar 2018 weder an, zu welchem Zeitpunkt die mit dieser Eingabe eingereichte Kopie desselben Gesuchs unterschrieben wurde, noch wurde dargelegt, weshalb die unterschriebene D-6287/2015 Seite 20 Version nicht schon zuvor eingereicht werden konnte. Die Beschwerdefüh- rerinnen legten zudem in der Eingabe vom 21. Februar 2018 nicht plausi- bel dar, wann das Gesuch angeblich eingereicht worden sein soll. Sie wie- sen lediglich darauf hin, dass dem Gesuch entnommen werden könne, dass es am (…) 2016 gestellt worden sei. Bei diesem Datum handelt es sich allerdings um dem "Stand" des verwendeten Formulars. Der Umstand, dass der Kindsvater mit seinem Gesuch um Einbezug des Kindes in seine Flüchtlingseigenschaft vom 20. Februar 2018 das SEM – und somit im Üb- rigen nicht die zuständige kantonale Behörde – auch um Auskunft über den Verfahrensstand betreffend das Kantonswechselgesuch ersuchte, än- dert nichts an den Zweifeln, dass überhaupt ein entsprechendes Gesuch gestellt wurde. Diese werden vielmehr dadurch bestätigt, dass er sich in der Folge – soweit aus den Akten ersichtlich – offenbar nicht weiter dies- bezüglich informierte. Jedenfalls gab er dem Gericht – trotz entsprechen- der Aufforderung in der Instruktionsverfügung vom 29. Januar 2018 – den aktuellen Verfahrensstand nicht bekannt und seine aktuelle Adresse ist ge- mäss Eintrag im ZEMIS nach wie vor in M._______. All dies lässt auf ein mangelndes Interesse seinerseits an einem Kantonswechsel respektive an einem gemeinsamen Haushalt mit den Beschwerdeführerinnen schliessen, wobei im Kantonswechselgesuch ohn ehin nur der Wunsch nach einem "näheren Wohnort" und nicht nach einem gemein samen Haushalt geäus- sert wurde. Im Übrigen wurde gemäss Aktenlage von der Beschwerdefüh- rerin – trotz vorhandener Möglichkeit – ebenfalls kein Kantonswechselge- such gestellt, was auch gegen ihr Interesse an einem gemeinsamen Woh- nort mit dem Kindsvater spricht. Obwohl die Beschwerdeführerinnen sodann mit Instruktionsverfügung vom 29. Januar 2018 explizit aufgefordert wurden, weitere Ausführungen zu ih- rem Verhältnis zum Kindsvater zu machen, erschöpften sich auch ihre An- gaben dazu in der Eingabe vom 21. Februar 2018 in den pauschalen Be- hauptungen, dass sich die Beschwerdeführerin und der Kindsvater lieben würden, sie ihr Leben zusammen verbringen möchten und sie sich so oft wie möglich sehen würden. Die Tatsachen, dass die Beschwerdeführerin- nen offenbar nicht in der Lage sind, substanziiertere Angaben zu ihrer Be- ziehung zu L._______ zu machen, und ausserdem auch widersprüchliche Angaben dazu bestehen, ob jetzt der Kindsvater (vgl. Kantonswechselge- such) oder die Beschwerdeführerinnen (vgl. Replik) jedes Wochenende pendelt respektive pendeln, sprechen gegen eine hinreichend en ge, tat- sächlich gelebte und intakte Beziehung zwischen den Beschwerdeführe- rinnen und dem Kindsvater. In Anbetracht des Ausgeführten vermögen al- lein die vier eingereichten Fotografien der Beschwerdeführerinnen und des D-6287/2015 Seite 21 Kindsvaters das Gericht nicht von einer derartigen Beziehung zu überzeu- gen. 10.2.3.4 Die Beschwerdeführerinnen können sich demzufolge nicht auf Art. 8 EMRK berufen. Die übrigen Vorbringen in der Replik sind nicht ge- eignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzu- weisen, dass vom Gericht die Eingaben des Kindsvaters respektive der Beschwerdeführerin im Rahmen des Verfahrens um Einbezug des Kindes in seine Flüchtlingseigenschaft (vgl. Bst. N vorstehend) nicht berücksichtigt wurden, weil diese zunächst vom SEM zu beurteilen sind. 10.2.3.5 Die Beschwerdeführerinnen können nach dem Gesagten auch nichts aus dem Grundsatz der Einheit der Familie ableiten. Mit ihrem ent- sprechenden Vorbringen, sie müssten gestützt auf diesen Grundsatz in die vorläufige Aufnahme des Kindsvaters eingeschlossen werden, verkennen sie im Übrigen, dass dieser nicht nur über die vorläufige Aufnahme, son- dern über den Asylstatus verfügt. 10.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sin- ne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.3 10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.3.2 Im bereits erwähnten Referenzurteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 befasste sich das Bundesverwaltungsgerich t auch mit der Frage der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bei voraussichtlicher Einziehung der wegzuweisenden Person in den eritreischen Nationaldienst bei einer Rück- kehr in ihr Heimatland. Es kam zum Schluss, dass die drohende Einzie- hung in den Nation aldienst nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs führe. Dienstleistende würden nicht allein aufgrund der allgemei- nen Verhältnisse im Nationaldienst in eine existenzielle Notlage geraten. Auch bestehe kein Grund zur Annahme, sie seien überwiegend w ahr- scheinlich dem ernsthaften Risiko ausgesetzt, Misshandlungen oder sexu- elle Übergriffe zu erleiden (a.a.O. E. 6.2.3-6.2.5). D-6287/2015 Seite 22 Eine allfällige Einziehung der Beschwerdeführerin in den Nationaldienst bei einer (freiwilligen) Rückkehr nach Eritrea führt damit nicht zur Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs. 10.3.3 Im ebenfalls bereits erwähnten Referenzurteil D -2311/2016 vom 17. August 2017 kam das Bundesverwaltungsgericht bei der Prüfu ng der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zum Schluss, angesichts der do- kumentierten Verbesserungen in der Nahrungsmittel - und Wasserversor- gung, im Bildungswesen sowie im Gesundheitssystem Eritreas könne die bisherige Praxis, dass eine Rückkehr nur bei begünstigenden individuellen Umständen zumutbar sei (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vor- maligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12), nicht mehr aufrechterhalten werden. Angesichts der schwierigen allgemei- nen – und insbesondere wirtschaftlichen – Lage des Landes müsse bei Vorliegen besonderer Umstände aber nach wie vor von einer Existenz- bedrohung ausgegangen werden. Die Frage der Zumutbarkeit bleibe daher im Einzelfall zu prüfen (a.a.O. E. 17.2). Vorliegend kann nicht auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund in der Person der Beschwerdeführerinnen liegenden Gründen ge- schlossen werden. Die Beschwerdeführerin hat zwar – wie in der Be- schwerde vorgebracht – nie gearbeitet und verfügt demzufolge über keine Berufserfahrung. Ausserdem hat sie ein kleines Kind zu versorgen. Jedoch halten sich diverse Verwandte (insb. ihre Eltern und vier mittlerweile voll- jährige Geschwister) – soweit aus den Akten ersichtlich – nach wie vor in Eritrea auf (vgl. A 3/12 Ziff. 3.01; A 13/17 F11). Ihre Mutter respektive ihre Schwester sowie die Familie ihres Ehemannes kümmerten sich sodann während ihrer Landesabwesenheit um ihre in Eritrea verbliebenen drei Söhne (vgl. A 3/12 Ziff. 3.01; A 13/17 F10, 94 f.). Die Beschwerdeführerin hat ferner immerhin die (…). Klasse abgeschlossen, ihre Söhne besuchen einen kostenpflichtigen Schulunterricht und ein Onkel besitzt eine eigene Cafeteria in C._______ (vgl. A 13/17 F18 ff., 92, 99 f.). Es ist angesichts dessen davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr mit Unterstützung ihrer Familie eine gesicherte Wohnsituation und Möglichkeiten zur Wieder- eingliederung vorfinden wird. Im Übrigen wird sie auf die finanzielle Unter- stützung ihrer in der Schweiz lebenden Schwester zä hlen können. Dass sie – wie in der Beschwerde geltend gemacht – angeblich aus einer "ein- fachen Familie" stamme, ändert nichts an der Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs. D-6287/2015 Seite 23 Auch das Kindeswohl führt zu keiner anderen Annahme. Nach geltender Rechtsprechung sind bei der Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG (neu: AIG) im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) unter dem Aspekt des Wohls des Kindes namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesam theitli- chen Beurteilung von Bedeutung: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Be- zugspersonen, Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung so- wie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.). Es ist davon auszugehen, dass die Hauptbezugsperson des erst (…)jährigen Kindes ihre Mutter ist. Die angeblich enge Beziehung zum Kindsvater wurde im vorliegenden Ver- fahren – wie bereits vorstehend ausgeführt – nicht hinreichend (und stim- mig) substanziiert, so dass nicht davon auszugehen ist, dass eine Tren- nung von diesem dem Kindeswohl entgegensteht. Sein Recht auf Kontakt mit seinem Vater kann das Kind sodann auch aus Eritrea mittels Telefon oder anderen Kommunikationsmitteln wahrnehmen, sobald es das ent- sprechende Alter erreicht hat. 10.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. Die übrigen Beschwerdevorbringen sind nicht geeignet, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewirken, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist. 10.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entgegen. Es obliegt daher den Beschwerdeführerinnen, sich bei der zuständigen Ver- tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku- mente zu b eschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung D-6287/2015 Seite 24 Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Beschwerdeschrift gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 7. De- zember 2015 – unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsor- gebestätigung, die in der Folge innert angesetzter Frist nachgereicht wurde – gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 12.2 Aufgrund der Einsetzung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechts- beistand gemäss Art. 110a AsylG ist diesem ein entsprechendes Honorar auszurichten (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädi- gung Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Mit der Honorarnote vom 21. Februar 2018 werden Auslagen in der Höhe von Fr. 37.80 sowie ein Aufwand von insgesamt 15.45 Stunden geltend gemacht. Die Auslagen sind auf Fr. 32.50 und der Aufwand auf 14.45 Stunden zu kürzen, da die Kosten für das "Gesuch um Einbezug ans SEM" nicht im Rahmen des vorliegenden Verfahrens zu entschädigen sind. Sodann ist die Höhe des geltend gemachten Stundenansatzes von Fr. 200.‒ nicht als angemessen zu erachten, da amtlich eingesetzte Rechtsvertreter ohne Anwaltspatent ‒ und um e inen solchen handelt es sich im vorliegenden Fall ‒ das Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss zu einem Stundenansatz von Fr. 100.‒ bis Fr. 150.‒ entschädigt, worauf der Rechtsvertreter mit Zwischenverfügung vom 7 . Dezember 2015 auf- merksam gemacht wurde. Ge stützt auf die in Betracht zu ziehe nden Be- messungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) und auf der Basis eines als angemes- sen zu erachtenden Stundenansatzes von Fr. 150.‒ ist das Honorar daher auf insgesamt Fr. 2'374.85 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-6287/2015 Seite 25 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem als amtlichen Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter wird ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'374.85 zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Sandra Sturzenegger Versand: