Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 29. Oktober 2015 (720 15 68) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung durch die IV-Stelle ist in concreto nicht zu beanstanden Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Marco Biaggi, Advo- kat, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A. A.____ meldete sich am 7. Dezember 2005 unter Hi nweis auf Beschwerden am linken Knie und ein Knalltrauma mit Gehörsminderung und Ti nnitus bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Mit Schreiben vo m 3. September 2014 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter des Versicherten, Advokat Dr. M arco Biaggi, mit, dass zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Unt ersuchung (Innere Medizin, Neuropsy- chologie, Rheumatologie, HNO und Psychiatrie) notwe ndig sei. Mit diesem Vorgehen war der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte gemäss Schreiben vom 12. September 2014 nicht einverstanden und beantragte, auf die Durchführung einer interdisziplinären Begutach tung sei zu verzichten. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass schon unzählige Berich te und Gutachten aus den einzel- nen Fachgebieten vorlägen und eine weitere Begutachtung daher überflüssig sei. Daran hielt er in seiner Eingabe vom 7. Oktober 2014 fest. Die IV-Stel le holte in der Folge beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) einen Bericht ein, welcher am 9 . Dezember 2014 erstattet wurde und welcher die Notwendigkeit einer umfassenden Begutachtu ng des Versicherten bestätigte. Der Bericht des RAD wurde dem Versicherten zugestellt, welch er – weiterhin vertreten durch Advo- kat Dr. Biaggi - die IV-Stelle am 5. Januar 2015 um Erlass einer Zwischenverfügung ersuchte. Diese erging am 14. Januar 2015 und es wurde an der Du rchführung einer polydisziplinären Begutachtung festgehalten. Zur Begründung wurde ausg eführt, dass vorliegend zwar diverse Abklärungsberichte in Einzeldisziplinen vorliegen würden, welche aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten erstellt worden seien und keine ausreichend e Basis für eine gesamtmedizinische Beurteilung darstellen würden. Diese Berichte würden zudem in Bezug auf Qualität und Inhalt die Kriterien an ein ärztliches Gutachten oftmals nicht erfüllen bzw. würden von behandelnden Ärzten und Institutionen stammen und invaliditätsfremde Faktoren nicht ausreichend abgren- zen. B. Hiergegen erhob Advokat Dr. Biaggi namens und im A uftrag von A.____ am 13. Februar 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei die Zwischenverfüg ung vom 14. Januar 2015 aufzuheben; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesen tlichen geltend gemacht, die IV-Stelle habe das rechtliche Gehör verletzt, weil sie in der ang efochtene Zwischenverfügung die Not- wendigkeit einer weiteren Begutachtung ungenügend be gründet habe. Unter Hinweis auf die bereits in den Akten liegenden Berichte hielt er fest, dass eine weitere Begutachtung sinnlos sei, weil der medizinische Sachverhalt längst abgeklärt se i. Die IV-Stelle habe nicht das Recht, eine „second opinion“ zu einem bereits in einem Gutach ten festgestellten Sachverhalt einzuho- len, wenn ihr dieser nicht passe. Es bestünden ledigli ch Meinungsverschiedenheiten betreffend den Grad der theoretischen Arbeitsfähigkeit, was aber kein Grund für eine weitere Begutach- tung des Versicherten bilde. Weiter sei zu beachten, d ass der RAD diesbezüglich bereits seine Meinung kundgetan habe, indem er von einer Arbeitsunfä higkeit von 40%-50% ausgehe. Damit habe er die Beurteilung allfällig neuer Gutachter be reits präjudiziert, denn diese wüssten schon im Voraus, dass der RAD eine gleiche Einschätzung der Ar beitsfähigkeit erwarte. Damit beste- he von vornherein der Anschein der Befangenheit eine s neuen Gutachters, was einen zusätzli- chen Grund für den Verzicht auf ein weiteres Gutachten sei. Die IV-Stelle verweise betreffend die Wahl der Gutachterstelle auf Art. 72 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961. Sie widerspreche damit der Rechtsp rechung, wonach vor der Anwen- dung des Zufallsprinzips die Obliegenheit bestehe, eine einvernehmliche Gutachterbestellung anzustreben. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 31. März 2 015 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass die bisherigen ärztlichen Be- richte und Gutachten in Bezug auf die Qualität und den Inhalt ungenügend seien, was in der im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingeholten neuen Stell ungnahme des RAD vom 3. März Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015 bestätigt werde. Es fehle in den Unterlagen in H inblick auf die multiplen Beschwerden eine umfassende, gesamtmedizinische Abklärung, die mitunt er auch die Wechselwirkung der diversen Beschwerden würdige. Eine solche Untersuchung ha be bis heute nicht stattgefunden und könne daher auch nicht a priori als zwecklos bezeichne t werden. Zudem seien in den bis- herigen Berichten die Försterkriterien nicht diskutiert worden. Die Kritik des Beschwerdeführers, wonach sie - entgegen der Rechtsprechung - vor Anwendu ng des Zufallsprinzips eine einver- nehmliche Gutachterbestellung anzustreben habe, wies die IV-Stelle zurück. D. Mit Replik vom 5. Juni 2015 hielt der Beschwerdefüh rer an den bereits gestellten Anträ- gen und Ausführungen fest. In ihrer Duplik vom 8. Juli 2015 liess die Beschwerdegegnerin zu- sammenfassend verlauten, dass die polydisziplinäre Begutac htung bei diesem jüngeren Be- schwerdeführer längst fällig und unbedingt indiziert sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bej ahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde vom 13. Februar 2015 ist einzutreten. 2.1 In formeller Hinsicht macht der Beschwerdeführer ge ltend, dass die IV-Stelle das rechtliche Gehör verletzt habe, weil sie ihrer Begründun gspflicht nicht genügend nachgekom- men sei. Sie habe in der angefochtenen Zwischenverfügun g vom 14. Januar 2015 ausgeführt, dass ein medizinisches Gutachten notwendig sei, weil d ie bisherigen Abklärungen in diversen Einzeldisziplinen keine ausreichende Basis für eine gesam tmedizinische Beurteilung darstellen würden. Diese Angaben seien unzureichend. Die IV-Stell e hätte darlegen müssen, weshalb die vorhandenen Berichte keine hinreichende Grundlage für die Fallbeurteilung darstellen würden. In der Replik ergänzte der Beschwerdeführer seine Ausfü hrungen sinngemäss dahingehend, dass das Fehlen einer Gesamtbeurteilung ein rein formal es Kriterium darstelle, das nichts dar- über aussage, ob der medizinische Sachverhalt erstellt sei. Zudem reiche der Hinweis darauf, dass im vorgesehenen Gutachten die Wechselwirkung der Be schwerden dargelegt werden sol- le, nicht als Begründung aus. 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweize rischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingreift (BGE 132 V 370 E. 3.1 mit zahlreichen Hin weisen). Im Rahmen des persönlichkeitsbe- zogenen Mitwirkungsrechts wird von den Behörden verlangt, dass sie die Vorbringen der vom Entscheid betroffenen Person auch tatsächlich hört, erns thaft prüft und in ihrer Entscheidfin- dung angemessen berücksichtigt (BGE 136 I 188 E. 2.2.1 mit Hinweis). 2.3 In Konkretisierung dieses verfassungsrechtlichen Gehörsan spruchs statuiert Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die grundsätzliche Pflicht der Versiche rungsträger, ihre Verfügungen zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht vo ll entsprechen. Zur Frage, welche Be- gründungsdichte die Verfügung aufweisen muss, äussert si ch die genannte Bestimmung nicht. Diesbezüglich ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechun g zu verweisen, wonach die Be- gründung so abgefasst sein muss, dass die betroffene Perso n die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entsche ides ein Bild machen können. Zu diesem Zweck müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihre Verfüg ung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behaup tung und jedem rechtlichen Ein- wand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf di e für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (UELI KIESER , ATSG Kommentar, Bern/St. Gallen/ Zürich 2015, N 55 ff. zu Art. 49; BGE 136 I 188 E. 2.2.1, 124 V 181 E. 1 mit Hinweisen). 2.4 Eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Geh örs hat - auf Antrag oder von Amtes wegen - die Aufhebung des angefochtenen Verwalt ungsaktes und die Rückweisung der Sache zu neuer Entscheidung unter Wahrung der Verfah rensrechte der betroffenen Partei zur Folge. Davon kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn die Rechtsmittelinstanz in tat- sächlicher und rechtlicher Hinsicht über uneingeschränkte K ognition verfügt und wenn die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit z u unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 390 E. 5.1 mit Hinweis). 2.5 Dem Beschwerdeführer ist insofern zuzustimmen, als sich di e Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Zwischenverfügung vom 14. Januar 2015 nur knapp zu seinen Einwänden äusserte. So verwies sie in erster Linie auf die dem Beschwerdeführer bekannte Stellungnahme der RAD-Ärztin pract. med. B.____ vom 9. Dezember 2014, gemäss welcher die bisherigen Abklärungen in diversen Einzeldisziplinen zu unterschiedlichen Zeitpunkten keine ausreichende Basis für eine gesamtmedizinische Beurteilung erlauben w ürden. Die RAD-Ärztin führte in er- wähntem Bericht aus, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der polydisziplinären Begutach- tung wegen des Tinnitus oto-rhino-laryngolisch (ORL), i m Zusammenhang mit den Klagen über Schwindel und Gleichgewichtsstörungen neurologisch, aufgr und der kognitiven Beeinträchti- gungen unklaren Ausmasses neuropsychologisch, wegen den re zidivierenden Beschwerden im Bereich des Kniegelenks respektive Bewegungsapparates rhe umatologisch und in Bezug auf die affektive Störung unterschiedlichen Ausmasses psychiatri sch untersucht werden müsse. Unter Berücksichtigung dieser Ausführungen geht aus der Zwischenverfügung immerhin hervor, aus welchen Gründen der Versicherte sich einer polydisziplinären Begutachtung zu unterziehen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat. Zudem ist auch anhand dieser knappen Begründung in der angefochtene n Zwischenverfü- gung erkennbar, aufgrund welcher Überlegungen die Besc hwerdegegnerin zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersuchung in den vorstehend bereits erwähnten Disziplinen Innere Medizin, Neuropsychologie, Rheumatologie, Hals-Nasen-Ohren (HNO) und Psychiatrie für notwendig erachtete. Aus der Begründungspflicht lässt sich - entge- gen dem Beschwerdeführer - nicht ableiten, dass sich ei ne Behörde ausdrücklich mit jeder tat- beständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesich tspunkte beschränken, was die Be- schwerdegegnerin vorliegend gemacht hat (BGE 126 V 75 E . 5b/dd mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b). Mit der Vernehmlassung vom 31. März 2015 reichte die IV-Stelle sodann einen weiteren Bericht von pract. med. B.____ vom 3. März 2015 ein, in welchem ausführlich und konkretisie- rend aufgeführt wurde, aus welchen Gründen und gestüt zt auf welche medizinischen Berichte sich die polydisziplinäre Begutachtung aufdränge. Selbst wenn vorliegend eine Verletzung des rechtlichen Gehörs infolge unzureichender Begründung d er angefochtenen Zwischenverfügung vorliegen würde, wäre eine solche somit als geheilt zu betrachten. Das Kantonsgericht, welches in IV-Beschwerdeverfahren gemäss § 57 VPO über eine une ingeschränkte Kognition verfügt, räumte dem Rechtsvertreter nämlich ein umfassendes Replikr echt zur Vernehmlassung der IV- Stelle ein. Unter diesen Umständen besteht keine Veranlassung (mehr) für eine Aufhebung des angefochtenen Verwaltungsaktes und für eine Rückweisung d er Sache zu neuer Verfügung an die IV-Stelle, wie sie der Rechtsvertreter beantragte. Ein solcher Schritt würde letztlich zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzöge rungen führen, was mit dem Interesse des Versicherten an einer beförderlichen Beurteilung de r Sache, welches dem Anspruch auf Erlass einer mit einer ausreichenden Begründung versehen en Verfügung grundsätzlich gleich- gestellt ist, nicht zu vereinbaren wäre. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist, ob sich der Be schwerdeführer einer polydisziplinä- ren Begutachtung unterziehen muss. Dabei ist zunächst umstritten, ob weitere Abklärungen des medizinischen Sachverhalts überhaupt notwendig sind. 4.1 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabkl ärung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt i hm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me dizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsl age. Gestützt auf den Untersu- chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu- mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amt es wegen durchzuführenden Abklärun- gen im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG beinhalten indesse n rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „second opinion“ zum be reits in einem Gutachten festge- stellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urteile des Bundesgerichts vom 5. Juli 2011, 8C_148/2011, E. 3.2 und vom 1. April 2 011, 8C_957/2010, E. 6.1, je mit Hinwei- sen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Abgesehen davon, dass die Einholung eines entbehrl ichen Zweitgutachtens eine unzu- lässige Verfahrensverzögerung darstellen kann (vgl. BGE 131 V 409 f. E. 1.1 mit zahlreichen Hinweisen), ist die versicherte Person nicht verpflichtet, sich einer weiteren Begutachtung zu unterziehen, wenn der Sachverhalt bereits genügend abg eklärt ist (BGE 136 V 158 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Bei der Anordnung eines weitere n Gutachtens geht es namentlich nicht darum, die Tunlichkeit einer medizinischen Massnahme ode r Einschätzung mittels Einholung einer Zweitmeinung zu hinterfragen, sondern darum, i n welchem Umfang und in welcher Tiefe Abklärungen vorzunehmen sind, damit der rechtserheblich e Sachverhalt als mit dem massge- benden Beweisgrad erstellt gelten kann (KIESER , a.a.O., Rz 17 zu Art. 43). Dabei ergibt sich die Notwendigkeit der Anordnung eines weiteren Gutachtens a us der Beantwortung der Frage, ob bereits bei den Akten liegende Gutachten die inhaltlich en und beweismässigen Anforderungen an eine ärztliche Expertise erfüllen (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 9C_359/2010, E. 2, und vom 27. Mai 2007, U 571/06, E. 4.2). 4.3 Um die Frage nach der Notwendigkeit beantworten zu können, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage auf ihre Vollständigkeit und Sc hlüssigkeit – auch in Bezug auf die ge- sundheitliche Entwicklung der Beschwerdeführerin – hin üb erprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass die Endverfügung im Hinblick auf die Beurteilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Unter Berücksichtigung, dass die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im Rahmen der Ve rfahrensleitung ein grosser Ermessens- spielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebun- gen zukommt, muss im vorliegenden Verfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beur- teilung der Aktenlage im Sinne einer Plausibilitäts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die IV-Ste lle für die Notwendigkeit weiterer medizi- nischer Abklärungen anführt, plausibel erscheinen. Demna ch greift das Gericht bei der Frage der Notwendigkeit einer weiteren Begutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrau- ten Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fe hleinschätzungen vorliegen, eine Begut- achtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder An haltspunkte bestehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess. 5.1 Die IV-Stelle stützt sich in ihrem Entscheid, den B eschwerdeführer polydisziplinär be- gutachten zu wollen, auf die Berichte der RAD-Ärztin B .____ vom 9. Dezember 2014 und 3. März 2015 ab. Pract. med. B.____ führte im letztgenann ten Bericht an, dass im Bereich Innere Medizin eine allgemeinmedizinische/internistische Untersuch ung vorzunehmen und das Aus- mass allfälliger Hauteffloreszenzen sowie gastrointestina ler Beschwerden abzuklären sei. Zu- dem unterstehe die Fallkoordination dieser Disziplin. Im Bereich ORL sei der Tinnitus abzuklä- ren. Als unfallfremd und ungenügend abgeklärt würden die Gleichgewichtsstörungen und der Schwindel gelten. Diese Aspekte seien auch neurologisch zu klären. In dieser Disziplin seien zudem die chronischen Kopfschmerzen zu untersuchen. Aus neuro psychologischer Sicht be- stünde eine Abklärungsbedürftigkeit betreffend allfällige kognitive Beeinträchtigungen. Rheuma- tologisch sei der Beschwerdeführer in Bezug auf die re zidivierenden Beschwerden im Bereich des Kniegelenks resp. Bewegungsapparates (Nacken-/Schulte rbereich) zu begutachten. Eine weitere psychiatrische Untersuchung dränge sich auf, weil die affektive Störung im Verlauf teil- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht weise mit einem wechselnden Ausmass dokumentiert worden sei. Die RAD-Ärztin betonte zu- dem, dass die fachfremden Beurteilungen in den vorliege nden Gutachten nicht als gesamtme- dizinische Beurteilungen gedeutet werden dürften, da d iese nicht in Form von Konsensbespre- chungen unter Einbezug aller Fachdisziplinen stattgefunden hätten. 5.2 Vorliegend findet sich eine Vielzahl von medizinisch en Unterlagen in den Akten. In Be- zug auf die von der IV-Stelle genannten Abklärungsberei che sind im Wesentlichen nachfolgen- de Berichte zu zitieren: 5.2.1 Im Auftrag der SUVA wurde der Beschwerdeführer am 8. April 2008 durch Dr. med. C.____, FMH Ohren-, Nasen- und Halskrankheite n, und Dr. med. D.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, untersucht. Dr. C.____ füh rte am 9. April 2008 aus, dass der Be- schwerdeführer an einem posttraumatischen Tinnitus nach Knalltrauma mit fraglicher Innenohr- schädigung leide. Der Tinnitus sei durch das Knalltrauma ausgelöst worden. Die weitere Ent- wicklung sei aber multifaktoriell bedingt. Nachdem der Versicherte verschiedene therapeutische Massnahmen durchgeführt habe, sei es vier Jahre nach dem Unfall erfahrungsgemäss kaum mehr erfolgversprechend, den Tinnitus beeinflussen zu wo llen. Dem Beschwerdeführer seien aus otologischer Sicht die Arbeiten in seiner Werkstatt nicht mehr zumutbar. Auch ausserhalb dieses Bereichs könne er keine Tätigkeiten mit hohen ak ustischen Anforderungen ausüben. In ihrem am 20. Mai 2008 erstatteten Gutachten diagnost izierte Dr. D.____ eine mittelschwere depressive Episode, akzentuierte Persönlichkeitszüge und ei ne Anpassungsstörung. Der Be- schwerdeführer habe zudem geäussert, seit dem Knalltra uma an Kopfschmerzen zu leiden, welche er mit Brufen und Dafalgan behandeln würde. D a ihm aus otologischer Sicht die ange- stammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei, wäre eine Be rufsabklärung indiziert. Aus psychiatri- scher Sicht sei denkbar, dass sich der Entscheid über eine berufliche Neuorientierung positiv auf das psychische Zustandsbild auswirke. Das Festhalten am eigenen Betrieb, ohne realisti- sche Zukunftsperspektive, entspreche einer anhaltenden Kränkung. Wäre es dem Beschwerde- führer möglich, neue berufliche Perspektiven zu entwick eln, könnte dies auch zu einer psychi- schen Entlastung und Besserung der depressiven Symptomatik führen. 5.2.2 Der Neurologe Dr. med. E.____, FMH Neurologie , führte in seinem Bericht vom 27. No- vember 2008 aus, dass die vom Beschwerdeführer beschrieb enen intermittierenden Gleichge- wichtsstörungen mit Drehsensationen im Uhrzeigersinn, wel che in der klinischen Untersuchung durchaus auch ein objektives klinisches Korrelat hätten, fü r eine Schädigung des Innenohrs sprächen und ein Zusammenhang mit dem Knalltrauma über wiegend wahrscheinlich sei. Aus Sicht von Dr. E.____ sei eine apparative otoneurologisc he Untersuchung zur genaueren Doku- mentation zu veranlassen. 5.2.3 Dr. C.____ hielt am 28. Januar 2009 fest, dass d ie durch den Beschwerdeführer in letz- ter Zeit zunehmend beklagten Schwindelbeschwerden keine Spätfolgen des vor 4 Jahren erlit- tenen Knalltraumas darstellen würden. Eine allfällige eingehende otoneurologische Untersu- chung des Gleichgewichtsfunktionssystems zur Erhellung der Unfallfolgen sei nicht indiziert. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.4 Am 18. Januar 2010 erging das psychiatrische Gutach ten der Klinik F.____. Dr. med. G.____, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, diagnost izierte eine rezidivierende depres- sive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und e inen dekompensierten Tinnitus mit mit- telgradiger Innenohrschwerhörigkeit nach Knalltrauma. In der Beurteilung führte sie aus, dass der Beschwerdeführer nach dem Knalltrauma eine zunehm ende depressive Symptomatik ent- wickelt habe und die typischen Symptome einer Depression zeige. Er sei aufgrund dieser Prob- lematik in der angestammten Tätigkeit als Metallbauschlo sser nicht mehr arbeitsfähig. Diese Einschätzung gelte momentan auch für angepasste Tätigk eiten. Weiter hielt Dr. G:____ fest, dass keine invaliditätsfremden Faktoren vorliegen würd en, welche die Arbeitsfähigkeit beein- flussen würden. Als therapeutische Massnahme wurde eine stationäre Therapie vorgeschlagen. 5.2.5 Der Beschwerdeführer wurde auch in der Klinik H. ____ untersucht. In deren Bericht vom 27. Mai 2010 wurde ein sehr schwerer Tinnitus mit psyc hischer Dekompensation nach Knall- trauma am 31. Juli 2014 genannt. Als Metallbauschlosser sei die Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers eingeschränkt, da er in der Werkstatt deut lichem Lärm ausgesetzt sei. Des- halb müsste er bei dieser Tätigkeit einen Gehörschutz tr agen, welcher wiederum den Tinnitus verstärken würde. Lärmexponierte Arbeiten wären daher nicht mehr möglich. Hingegen sei ihm aus otologischer Sicht eine berufliche Abklärung zumutbar . Aufgrund der psychischen Verfas- sung bestehe aktuell aber sicherlich auch eine gewisse kogni tive Einschränkung. Aufgrund des depressiven Zustandbildes als Folge des Tinnitus sei der B eschwerdeführer vollständig arbeits- unfähig. 5.2.6 Der behandelnde Psychiater Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, überwies den Beschwerdeführer am 6. Oktober 2010 zur sta tionären Behandlung in die Klinik J.____, wo er sich vom 15. Dezember 2010 bis 6. Januar 2011 befand. In deren Austrittsbericht vom 18. Januar 2011 wurden (1) eine rezidivierende depr essive Störung, gegenwärtig mittel- gradige bis schwere Episode und (2) ein sehr schwerer Ti nnitus nach Knalltrauma am 31. Juli 2004 mit ausgesprochener Lärmempfindlichkeit, leichtgrad iger Hochtonschwerhörigkeit (über- wiegend Berufslärm bedingt) und mittelgradigen neuro psychologischen Defiziten diagnostiziert. Während des Aufenthaltes habe der Beschwerdeführer sich in dem ihm möglichen Rahmen kooperativ gezeigt. Die Psychopathologie habe ohne Inko nsistenzen während des gesamten Aufenthalts bestanden. Da es dem Beschwerdeführer aufgr und seines Tinnitus, der Lärmemp- findlichkeit sowie der depressiven Perspektivenlosigkeit ni cht möglich gewesen sei, am Be- handlungsangebot teilzunehmen und es zu einer beobachtb aren zusätzlichen psychischen Be- lastung durch die stationäre Behandlung gekommen sei, ha be sich die Klinik J.____ nach drei Wochen entschieden, die Behandlung abzubrechen. Dies nicht zuletzt, weil der Beschwerde- führer derart stark auf den Tinnitus fixiert gewesen se i, dass ein allgemeines und realisierbares Behandlungsziel sehr unwahrscheinlich erschienen sei. Die untersuchende Ärzteschaft kam zum Schluss, dass eine berufliche Neuorientierung erst m öglich sei, wenn es gelänge, die de- pressive Hoffnungslosigkeit zu lindern und realisierbare B ehandlungsziele zu erarbeiten. Der Beschwerdeführer sei unter diesen Umständen zurzeit 100% arbeitsunfähig. 5.2.7 Dr. I.____ hielt in seiner Beurteilung zuhande n der SUVA vom 22. Dezember 2011 fest, dass beim Beschwerdeführer eine rezidivierende depressive St örung, gegenwärtig mittelgradi- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ge bis schwere Episode, mit somatischen Symptomen und Ver dacht auf einen hirnorganischen Anteil der psychischen Symptomatik bei neuropsychologischen Defiziten vorliege. Begründend gab Dr. I.____ zu bedenken, dass die beim Beschwerdefü hrer bestehenden ausgeprägten kog- nitiven Einschränkungen nicht nur einen psychischen, sond ern auch einen hirnorganischen An- teil beinhalten würden. 5.2.8 Im Bericht von Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie un d Psychotherapie, vom 26. April 2014 wird eine rezidivierende depressive Störung, gegenw ärtig mittelgradige Episode, narziss- tisch und histrionisch akzentuierte Persönlichkeitszüge bei T innitus nach Knalltrauma am 31. Juli 2004 und eine mittelgradige Innenohrschwerhörigkeit diagnostiziert. Zudem liege ein Status nach Knieverletzung am 9. Dezember 2003 nach Sturz von einer Leiter vor. Der Beschwerde- führer sei in seinem ganzen Denken und Fühlen sehr sta rk auf seinen Tinnitus konzentriert, der sich nicht beeinflussen lasse, weswegen er in ständiger Bed rängnis und Angst lebe. Die Kon- sequenzen seien einerseits ein Rückzug des Versicherten, we il er sich von seiner Umgebung unverstanden fühle, weil niemand begreife, wie sehr er unter dem Tinnitus leide. Er befürchte, anderen zur Last zu fallen. Er sei dysphorisch verstimmt, innerlich agitiert, nervös und häufig auch unterschwellig aggressiv mit seiner Umgebung. Er könn e sich mit dem Verlust seiner Ge- sundheit, seines Geschäftes und letztlich auch seiner Fami lie und seines Hauses nicht abfin- den. Er schwanke zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Auflehnung und Resignation. Die Folgen seien ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl mit Insuffizienz- und Versagensgefühlen, eine depressive, vorwiegend dysphorische Stimmung, konsekut iv – bei Einengung des Den- kens auf das Tinnitusproblem – Konzentrations- und Gedä chtnisstörungen, ein wechselnder Appetit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen vom Spannung styp. Zusammenfassend müsse von einer vorwiegend dysphorischen depressiven Störung geg enwärtig mittelgradige Episode ausgegangen werden. Da die beschriebenen Symptome be reits in den Vorakten erwähnt wor- den seien, müsse von einer Chronifizierung mit relativ ko nstantem psychopathologischem Mus- ter ausgegangen werden. Von der Persönlichkeit her h andle es sich um einen primär leistungs- fähigen und leistungsbereiten, narzisstisch strukturierten Versicherten, der auch gewisse histri- onische Züge in seinem Auflehnen und Klagen über sein Leiden zeige, welche möglicherweise ein transkulturell beeinflusstes Problem sein könnten. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. K.____ aus, dass der Beschwerdeführer in der angesta mmten Tätigkeit als Metallbau- schlosser nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer angepassten Arbeit betrage die Arbeitsunfähigkeit 70%. 6.1 Wie in Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, kann es i m jetzigen Verfahrensstadium nicht darum gehen, die medizinische Aktenlage eingehend auf ihre Vollständigkeit und Schlüssigkeit zu überprüfen, da ansonsten die Endverfügung im Hinbli ck auf die Beurteilung der medizini- schen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Indessen si nd vorliegend die von der Be- schwerdegegnerin angeführten Gründe für eine polydiszipl inäre Begutachtung im Sinne einer Plausibilitäts- bzw. Missbrauchskontrolle zu überprüfen. I n pflichtgemässer Würdigung der vor- handenen medizinischen Unterlagen erscheint die Argumen tation der Beschwerdegegnerin zur Notwendigkeit einer polydisziplinären Abklärung plausibel , was auch der interdisziplinäre Cha- rakter der medizinischen Problemlage gebietet. Zwar ist dem Beschwerdeführer dahingehend zu folgen, wenn er betont, bereits mehrfach untersucht worden zu sein. Hingegen wurde er nie Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht interdisziplinär begutachtet und seine Schmerzen/Beschwe rden wurden auch nicht in einen gesamtmedizinischen Konnex gestellt. Entsprechend fehlt i n den Unterlagen ein Gutachten mit einer umfassenden Konsensbesprechung. Insbesondere finden sich in den Akten keine Berich- te betreffend die bereits im Jahr 2008 diagnostizierte Schwindelproblematik und die ebenfalls seit Jahren geklagten Kopfschmerzen. Zudem enthalten die Berichte der Klinik H.____ vom 27. Mai 2010, von Dr. I.____ vom 22. Dezember 2011, der K linik J.____ vom 18. Januar 2012 und von Dr. K.____ vom 26. April 2014 Hinweise auf ausgeprägte neuropsychologische und kogniti- ve Störungen, ohne dass diese konkret abgeklärt worden sin d. Auch in Hinblick auf die psychi- atrischen Diagnosen bestehen Unklarheiten. Zwar wird übe reinstimmend eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert, wobei deren Ausmass zwi schen mittelgradig und schwer schwankt. Zusätzlich wurden aber auch akzentuierte Persönli chkeitszüge und eine Anpas- sungsstörung (Dr. D.____) und zuletzt von Dr. K.____ narzisstisch und histrionisch akzentuierte Persönlichkeitszüge festgestellt. Es ist daher mit der Beschwerdegegnerin einig zu gehen, dass die vorhandenen Berichte in Bezug auf das Ausmass der psych iatrischen Beschwerden teilwei- se abweichende Stellungnahmen enthalten. Zudem sind ih nen unterschiedliche Zumutbarkeits- beurteilungen zu entnehmen, was - entgegen dem Beschwe rdeführer- durchaus einen Begut- achtungsgrund bildet, stellen diese Aussagen doch die Grundlage für die Invaliditätsbemessung dar. Dass sich der behandelnde Psychiater Dr. I.____ gege n eine weitere Begutachtung aus- spricht, ändert daran nichts. So kommt seiner Stellungna hme einerseits keine Gutachtensquali- tät zu und andererseits ist die Tatsache zu berücksichtige n, dass die therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte aufgrund der Natur ihres Behandlungsauftra gs und im Hinblick auf ihre auftrags- rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patien- ten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Eine polydisziplinä re Begutachtung dient damit vorlie- gend der für den Endentscheid notwendigen Sachverhaltsabklärung und stellt weder eine unzu- lässige Verfahrensverzögerung noch eine „second opinion“ dar. Unter Beachtung, dass die Ver- fahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin liegt und zudem keine Hinweise ersichtlich sind, dass dem Beschwe rdeführer eine weitere Begut- achtung beschwerdebedingt nicht zumutbar wäre, besteht für das Kantonsgericht kein Anlass, korrigierend einzugreifen. Dies gilt umso mehr, als kei ne Anhaltspunkte ersichtlich sind, welche die Begutachtung zum Vornherein als untauglich erscheinen liessen oder auf sachfremde Moti- ve beim Entscheid zur Begutachtung hindeuten würden. De mnach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin eine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet hat. 6.2.1 Der Beschwerdeführer beanstandete ausserdem, dass vor Erlass der angefochtenen Zwischenverfügung die vorgeschriebene Einigungsbesprechung nicht stattgefunden habe. Da- ran hielt er sinngemäss auch in der Replik fest. In diese m Zusammenhang ist mit der Be- schwerdegegnerin auf die neueste Rechtsprechung hinzuweise n. In BGE 140 V 507 E. 3.1 hat das Bundesgericht festgehalten, dass die Gutachterwahl be i polydisziplinären MEDAS- Begutachtungen immer nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen hat (Art. 72 bis Abs. 2 IVV; BGE 138 V 271 E. 1.1, 139 V 349 E. 5.2.1) und kein Raum für eine einvernehmliche Benennung der Ex- perten bleibe (E. 3.2.1 der genannten Urteils). Eine einvernehmliche Einigung könne zwar im Einzelfall grundsätzlich geeignet sein, die Akzeptanz pol ydisziplinärer MEDAS-Gutachten ins- besondere bei den versicherten Personen zu erhöhen. Di es sei indes kein Grund, von der zu- fallsbasierten Zuweisung abzusehen oder nur dann auf di ese zurückzugreifen, wenn eine Eini- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung der Parteien auf eine Gutachterstelle misslingt. Unter diesen Umständen war die Be- schwerdegegnerin im vorliegenden Fall nicht verpflichtet, eine Einigungsverhandlung mit dem Beschwerdeführer durchzuführen. 6.2.2.1 Der Beschwerdeführer führt weiter aus, die An ordnung des Bundesamtes für Sozial- versicherung (BSV), wonach die MEDAS die polydisziplinären Gutachten innerhalb von einer Frist von 130 Tagen abzugeben hätten, sei „verordnungswi drig“. Dadurch werde das Zufalls- prinzip gemäss Art. 72 bis Abs. 2 IVV durch das BSV nicht mehr eingehalten, weil nur mehr jene Gutachterstellen berücksichtigt würden, welche das Gutachte n innert dieser Frist abliefern könnten. 6.2.2.2 Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. In der vom BSV herausgegebenen Publikation vom 10. Oktober 2014 zum Thema „Polydisziplin äre Begutachtung in der IV: Quali- tätssicherung, Unabhängigkeit, faire Verfahren“ wird u nter anderem festgehalten, dass die Gut- achten grundsätzlich innerhalb einer Frist von 130 zu erstellen sind. Wenn aufgrund dieser Vor- gabe nur Gutachterstellen berücksichtigt werden, welche d en gesetzten zeitlichen Rahmen ein- halten können, führt dies zwar in der Tat dazu, dass Gut achterstellen, die wegen ihren Kapazi- täten mehr Gutachten zu erledigen vermögen, häufiger berücksichtigt werden. Damit wird aber das Zufallsprinzip im Sinne von Art. 72 bis Abs. 2 IVV nicht aufgehoben, erfolgt die Zuweisung von Aufträgen für polydisziplinäre Gutachten durch die IV-Stellen doch weiterhin über die Zu- weisungsplattform SuisseMED@P. Zudem ist die Berücksichtigu ng einer zeitlichen Vorgabe sachlich begründet, gilt im Sozialversicherungsprozess doch d er Grundsatz des einfachen und raschen Verfahrens (Art. 61 lit. a ATSG). Unter diesen Umständen kann der Beschwerdeführer auch aus dieser Argumentation nichts zu seinen Gunsten ableiten. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Anordnung eine r polydisziplinären Begut- achtung zulässig ist. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 8. G emäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 600.– festgesetzt werden, ihm zu auf- erlegen sind. Die ausserordentlichen Kosten sind entspre chend dem Ausgang des Verfahrens wettzuschlagen. 9. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen sel bständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des Bundesgesetzes über das Bunde sgericht (BGG) vom 17. Juni 2005. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffent lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG g enannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht nunmehr im Grundsatzurteil 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide über Beschwerden gegen Verfügungen der Ver waltung betreffend die Einholung von medizinischen Gutachten nicht an das Bundesgericht weit erziehbar, sofern nicht Aus- standsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid darüb er, ob die Voraussetzungen für eine Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerde im vorliegenden Fall erfüllt sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 600.-- werden dem Beschwerde- führer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschu ss von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 9. Februar 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_120/2016 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht