<h2>SubmittedText<h2><p>Im Herbst 2001 hat das Seco eine Kampagne zur Prävention der durch Arbeit am Computerbildschirm verwandten Gesundheitsschäden lanciert. Gemäss Arbeitsgesetz "ist der Arbeitgeber verpflichtet, zum Schutze der Gesundheit der Arbeitnehmer alle Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung .... notwendig sind". Auf dieser gesetzlichen Grundlage hat das Seco bereits mehrere Forschungsprojekte und Sensibilisierungskampagnen durchgeführt, darunter auch je eine über Stress und Mobbing.</p><p>In diesem Zusammenhang möchte ich vom Bundesrat Folgendes wissen:</p><p>1. Welche Schlussfolgerungen kann man aus den Ergebnissen der Seco-Bildschirmkampagne 2001 ziehen?</p><p>2. Wie viele Unternehmen nahmen schliesslich am Projekt teil, angesichts der Tatsache, dass sich die Kampagne zu Beginn an 70 000 Unternehmen wandte?</p><p>3. Wie viel kostet diese Kampagne, und wie sieht ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis aus, wenn man bedenkt, dass die Berufskrankheiten hohe Kosten verursachen?</p><p>4. Die Untersuchung der Gesundheitsschäden, die durch Stress oder Arbeit am Computerbildschirm verursacht werden, zeigt einerseits die Wichtigkeit der individuellen Verhaltensweisen auf, andererseits aber auch die Bedeutung von Faktoren wie Arbeitsplatzgestaltung, Ausrüstungsgegenstände und Arbeitsrhythmus. Hatten die Kampagnen des Seco Einfluss auf diese Faktoren?</p><p>5. Hat das Seco die Möglichkeit, die Nachhaltigkeit dieser Kampagnen zu sichern, damit ihre Wirkung nicht wieder verpufft?</p><p>6. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Präventionskampagnen des Seco und denjenigen der Suva?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) führte - in Zusammenarbeit mit dem Interkantonalen Verband für Arbeitnehmerschutz - im Zeitraum vom September 2001 bis Dezember 2002 eine Informationskampagne über ergonomische Massnahmen zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes an Bildschirmarbeitsplätzen in Betrieben durch. Ziel der Kampagne war es, die betroffenen Personen mit sechs einfachen Empfehlungen zu einer Änderung ihres physischen Verhaltens und zur Gestaltung einiger Aspekte ihrer Arbeitsbedingungen zu motivieren, damit Gesundheitsprobleme vermieden werden und dadurch die Gesundheit und die Leistung verbessert werden.</p><p>1. Eine schriftliche Befragung ausgewählter Betriebe im Rahmen der nach Abschluss der Kampagne durchgeführten Erfolgskontrolle zeigt auf, dass die Kampagne bei der Zielgruppe insgesamt gut angekommen ist. Die Betriebe erwarteten von der Kampagne in erster Linie eine Steigerung des Wohlbefindens der Belegschaft, eine Senkung des Stresses und der krankheitsbedingten Absenzen des Personals sowie eine verbesserte Beschaffungspolitik hinsichtlich der ergonomischen Qualität von Arbeitsmitteln. Die Schulungen, welche von den befragten Betrieben im Rahmen der Kampagne durchgeführt wurden, befähigten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihren Bildschirmarbeitsplatz ergonomisch einzurichten; das Gelernte wurde in den meisten Fällen durch konkrete Massnahmen am Arbeitsplatz in die Praxis umgesetzt. Dabei hatten ältere Mitarbeitende vom Gelernten generell mehr umgesetzt als jüngere. Die Kampagne trug bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor allem zu einem besseren Wohlbefinden am Arbeitsplatz bei.</p><p>2. Die Unterlagen wurden jenen etwa 70 000 Betrieben zugestellt, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit über Bildschirmarbeitsplätze verfügen. Mit den im Postversand enthaltenen Formularen wurden nach verschiedenen Mitteilungen in den Medien und mit der Promotion durch die kantonalen Arbeitsinspektorate bis Ende 2002 weitere 2700 und via Internet nochmals 1200 Bestellungen eingereicht. Mit ihnen wurden 230 000 Faltprospekte und 1014 Schulungsmappen angefordert.</p><p>Wie viele Betriebe mit der Kampagne letztlich insgesamt erreicht wurden, konnte aufgrund der Datenbasis der Evaluierung nicht ermittelt werden, da Bestellungen u. a. auch von Branchenverbänden eingereicht wurden. In jenen 230 Betrieben, welche die Schulungsmappen bezogen und an der Befragung im Rahmen der Erfolgskontrolle teilnahmen, waren gemäss deren Angaben 45 000 Personen an Bildschirmarbeitsplätzen beschäftigt.</p><p>3. Da für die Erstellung der Unterlagen der Kampagne die Grundlagen der Firma F. Hoffmann-La Roche AG unentgeltlich verwendet werden durften, konnten die Kosten wesentlich reduziert werden. Die direkten Kosten der Bildschirmarbeitsplatzkampagne (inklusive Porto) beliefen sich auf 150 000 Franken.</p><p>Im Bereich der Bildschirmarbeitsplätze werden Gesundheitsprobleme nur in den seltensten Fällen als Berufskrankheiten anerkannt. Die Kosten der durch unvorteilhafte Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze verursachten und von den UVG-Versicherern anerkannten Berufskrankheiten sind unbedeutend im Vergleich zu den Kosten der dabei entstehenden und von den Krankenkassen getragenen übrigen arbeitsassoziierten Gesundheitsprobleme. Da die Krankenkassen die Kosten von arbeitsassoziierten Gesundheitsproblemen jedoch nicht systematisch erheben, können die Kosten der muskuloskelettalen Beschwerden, welche in den Arbeitsbedingungen der Bildschirmarbeitsplätze (mit) begründet sind, nicht beziffert werden; sie dürften aber erheblich sein. Unter diesem Aspekt und in Anbetracht der insgesamt als erfolgreich zu taxierenden Bildschirmkampagne kann ohne Zweifel von einem positiven Kosten-Nutzen-Verhältnis gesprochen werden.</p><p>4. In den Unterlagen der Kampagne wurden primär die folgenden drei Bereiche der Ergonomie von Bildschirmarbeitsplätzen angesprochen:</p><p>- das Verhalten: körperliche Bewegung und Sehverhalten;</p><p>- die Arbeitsmittel: ergonomische Gütekriterien und Arbeitsplatzgestaltung;</p><p>- die Arbeitsumgebung: gute Lichtverhältnisse.</p><p>Im Kapitel Stressprävention der Schulungsunterlagen wurde dem Arbeitsrhythmus als Beitrag zur ursachenorientierten Prävention Rechnung getragen. Dass der Stressprävention eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung zukommt, zeigt die kürzlich publizierte Stressstudie des Seco.</p><p>Die Evaluation der Kampagne zeigt auf, dass 80 Prozent der Personen, welche im Betrieb mit den Schulungsunterlagen der Kampagne instruiert wurden, ihre Kenntnisse im Bereich der Ergonomie von Bildschirmarbeitsplätzen erweitern konnten und genügend motiviert waren, um konkrete gesundheitsförderliche Änderungen ihres Verhaltens und ihrer Arbeitsplatzgestaltung vorzunehmen. Das persönliche Engagement hatte gemäss der Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen der Erfolgskontrolle eine deutliche Steigerung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz zur Folge.</p><p>5. Mit ihrer Breitenstrategie stellte die Kampagne den Auftakt einer stetigen Öffentlichkeitsarbeit zu verschiedenen arbeitsgesetzlich relevanten Themen des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz dar, welche auch im Rahmen von zwei aktuellen und wirtschaftlich zentralen Themenkreisen - die Entwicklung der Schweiz hin zu einer Wissensgesellschaft und die demographische Entwicklung in der Schweiz - in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung gewinnen.</p><p>Die Vollzugspraxis der kantonalen Arbeitsinspektion schliesst die Prüfung der Arbeitsbedingungen im Bereich der Bildschirmarbeitsplätze mit ein. Die kantonalen Arbeitsinspektoren wurden im Vorfeld der Kampagne vom Seco an einer eintägigen Veranstaltung entsprechend informiert und ausgebildet.</p><p>Weiter wurden im Zuge der Kampagne auch die wichtigsten Berufsbildungsinstitutionen angeschrieben, um darauf hinzuwirken, dass ergonomische Aspekte vermehrt in die Schulungsprogramme intergriert werden. Schliesslich können alle Unterlagen der Kampagne weiterhin angefordert werden.</p><p>6. Die Kampagne wurde der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit vor Beginn ihrer Planung angekündigt und anschliessend mit der Suva abgestimmt, um allfällige Doppelspurigkeiten zu vermeiden.</p><p>In Übereinkunft mit der Suva bestand im Rahmen der Kampagne die Möglichkeit, mit den Unterlagen zur Ergonomie der Bildschirmarbeitsplätze des Seco gleichzeitig auch entsprechende Informationsmittel der Suva anfordern zu können. Diese Option wurde von den Bestellenden denn auch rege genutzt.</p><p>Das Thema der Kampagne betrifft im Übrigen einen eindeutigen Präventionsaspekt des Arbeitsgesetzes, dessen Vollzugsauftrag beim Seco sowie den kantonalen Arbeitsinspektoraten liegt. Der Präventionsauftrag der Suva beschränkt sich auf die Betriebsunfälle sowie auf die als Berufskrankheiten anerkennbaren Gesundheitsprobleme. Da solche im Bereich der Bildschirmarbeitsplätze kaum existieren und die Kosten entsprechender Gesundheitsprobleme in der Regel von den Krankenkassen getragen werden, gehören Kampagnen im Bereich der Ergonomie von Bildschirmarbeitsplätzen nicht zum engeren Präventionsauftrag der Suva.</p>  Antwort des Bundesrates.