<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 69 S.292</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>69 Materielle</b></span> <span class="ft2"><b>Hilfe.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Berechnung der materiellen Hilfe, wenn der Sozialhilfeempfänger in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einem gefestigtem Konkubinat lebt. Unzulässigkeit der Gleichstellung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mit einem Ehepaar.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 19. November 2003 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen V.G. gegen Entscheid des Bezirksamts R.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) aa) Das SHG (in der bis zum 31. Dezember 2002 gelten-</span><br/> <span class="ft1">den Fassung) enthält keine explizite Regelung bezüglich der Berech-</span><br/> <span class="ft1">nung des Sozialhilfeanspruches bei Konkubinatspartnern. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 12 Abs. 1 SHG sind die Sozialbehörden allerdings nur zur Leistung</span><br/> <span class="ft1">materieller Hilfe verpflichtet, soweit der Hilfesuchende für seinen</span><br/> <span class="ft1">Lebensunterhalt und den seiner Familienangehörigen mit gleichem</span><br/> <span class="ft1">Wohnsitz nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mit-</span><br/> <span class="ft1">teln aufkommen kann. Damit wird der Grundsatz der Subsidiarität</span><br/> <span class="ft1">der Sozialhilfe ausgedrückt. Soweit der Bedürftige gegenüber Ange-</span><br/> <span class="ft1">hörigen oder Dritten einen klagbaren Anspruch auf Leistungen be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sitzt, besteht demnach kein Anspruch auf Sozialhilfe. Sozialhilfeleis-</span><br/> <span class="ft1">tungen sind aber auch subsidiär gegenüber Leistungen Dritter, wel-</span><br/> <span class="ft1">che ohne rechtliche Verpflichtungen erbracht werden (Entscheid des</span><br/> <span class="ft1">Bundesgerichts vom 24. August 1998 [2P.386/1997] in Sachen K.,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3/c; Basellandschaftliche Verwaltungsgerichtsentscheide</span><br/> <span class="ft1">[BLVGE] 1998, S. 223; Richtlinien für die Ausgestaltung und Be-</span><br/> <span class="ft1">messung der Sozialhilfe, herausgegeben von der Schweizerischen</span><br/> <span class="ft1">Konferenz für Sozialhilfe [SKOS-Richtlinien], Dezember 2000,</span><br/> <span class="ft1">Ziff. A.4).</span><br/> <span class="ft1">Im Konkubinatsverhältnis bestehen keine gesetzlichen Unter-</span><br/> <span class="ft1">halts- oder Unterstützungspflichten. Für das Sozialhilferecht ist nach</span><br/> <span class="ft1">bundesgerichtlicher Rechtsprechung - im Sinne einer widerlegbaren</span><br/> <span class="ft1">Vermutung - indessen davon auszugehen, dass sich die Partner eines</span><br/> <span class="ft1">stabilen Konkubinats gegenseitig unterstützen. Dies hat zur Folge,</span><br/> <span class="ft1">dass Einkommen und Vermögen des Konkubinatspartners bei einem</span><br/> <span class="ft1">gefestigten Konkubinat für die Beurteilung der Bedürftigkeit ange-</span><br/> <span class="ft1">messen mitberücksichtigt werden darf (erwähnter BGE vom</span><br/> <span class="ft1">24. August 1998, Erw. 3/c; vgl. auch BGE 129 I 6 f.; Felix Wolffers,</span><br/> <span class="ft1">Grundriss des Sozialhilferechts, Bern 1993, S. 162). Von einem</span><br/> <span class="ft1">gefestigten Konkubinat ist auszugehen, wenn es mindestens fünf</span><br/> <span class="ft1">Jahre andauert (SKOS-Richtlinien, Ziff. F.5.1).</span><br/> <span class="ft1">bb) Diese Grundsätze haben Eingang in das ebenfalls vom Sub-</span><br/> <span class="ft1">sidiaritätsgedanken geprägte SPG (§ 5 Abs. 1) bzw. den diesen kon-</span><br/> <span class="ft1">kretisierenden § 12 SPV gefunden. Danach können einer unter-</span><br/> <span class="ft1">stützten Person, welche in einer stabilen, eheähnlichen Beziehung</span><br/> <span class="ft1">lebt, die finanziellen Mittel des Partners ganz oder teilweise ange-</span><br/> <span class="ft1">rechnet werden, sofern nicht glaubhaft gemacht werden kann, dass</span><br/> <span class="ft1">die Beziehung keinen eheähnlichen Charakter aufweist. Beim Um-</span><br/> <span class="ft1">fang der anzurechnenden finanziellen Mittel ist den konkreten Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen, insbesondere bestehenden Verpflichtungen, angemessen</span><br/> <span class="ft1">Rechnung zu tragen (Abs. 1). Eine stabile, eheähnliche Beziehung ist</span><br/> <span class="ft1">unter anderem dann anzunehmen, wenn seit mindestens 5 Jahren ein</span><br/> <span class="ft1">gemeinsamer Haushalt geführt wird (Abs. 2 lit. a). In dieser allge-</span><br/> <span class="ft1">mein gehaltenen Formulierung ist diese Verordnungsbestimmung</span><br/> <span class="ft1">verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden (vgl. dazu auch</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1985, S. 120 ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">294</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">cc) Die fehlende rechtliche Unterhaltspflicht zwischen Konku-</span><br/> <span class="ft1">binatspaaren verbietet aber aus Gründen der Rechtsgleichheit (Art. 8</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BV) ein Abstellen auf die gleiche Berechnungsweise wie bei</span><br/> <span class="ft1">zusammenlebenden Eheleuten, da damit Ungleiches gleich behandelt</span><br/> <span class="ft1">würde. Die gegenteiligen Erläuterungen im Handbuch Sozialhilfe des</span><br/> <span class="ft1">Kantonalen Sozialdienstes (4. Auflage, August 2003, Kapitel 12,</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung 1, S. 3), wonach bei einem gefestigten Konkubinat</span><br/> <span class="ft1">ein gemeinsames Budget unter Einbezug der Einkünfte und Vermö-</span><br/> <span class="ft1">genswerte der nicht unterstützten Person zu erstellen ist, erweisen</span><br/> <span class="ft1">sich daher als unzulässig. Ihnen kommt - im Gegensatz zum SPG, der</span><br/> <span class="ft1">dieses ausführenden SPV und, soweit von Letzterer als massgeblich</span><br/> <span class="ft1">bezeichnet (§ 10), den SKOS-Richtlinien - ohnehin keine rechtser-</span><br/> <span class="ft1">zeugende Wirkung zu; sie sind nur beachtlich, soweit sie dem for-</span><br/> <span class="ft1">mell gesetzten Recht entsprechen oder dort klarerweise enthaltene</span><br/> <span class="ft1">Ermessenspielräume korrekt ausfüllen.</span><br/> <span class="ft1">dd) Im Ergebnis ist festzuhalten, dass bei einem gefestigten</span><br/> <span class="ft1">Konkubinat die tatsächliche gegenseitige Unterstützung vermutet</span><br/> <span class="ft1">wird. Die finanziellen Mittel des Konkubinatpartners dürfen - soweit</span><br/> <span class="ft1">zumutbar - angemessen angerechnet werden. Dies gilt unabhängig</span><br/> <span class="ft1">davon, ob die Sozialhilfeansprüche nach SHG oder SPG zu beurtei-</span><br/> <span class="ft1">len sind.</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss eigenen Angaben leben der Beschwerdeführer und</span><br/> <span class="ft1">sein Partner Z. seit über 20 Jahren in einem gemeinsamen Haushalt</span><br/> <span class="ft1">zusammen. Es handelt sich um ein gefestigtes Konkubinat; entspre-</span><br/> <span class="ft1">chend ist davon auszugehen, dass sie sich gegenseitig unterstützen.</span><br/> <span class="ft1">Diese Vermutung vermögen die durch nichts belegten Behauptungen</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers, der eine Unterstützung durch Z. verneint,</span><br/> <span class="ft1">nicht umzustossen. Ganz im Gegenteil zeigt die fehlende Deklaration</span><br/> <span class="ft1">von Mietzinseinnahmen durch Z., dass er den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">kostenlos in seiner - nach den gegebenen Umständen im Hinblick auf</span><br/> <span class="ft1">das weitere Zusammenleben zu zweit erworbenen - Eigentumswoh-</span><br/> <span class="ft1">nung wohnen lässt und ihn insoweit unterstützt. Für eine tatsächliche</span><br/> <span class="ft1">Unterstützung sprechen im Weiteren auch die finanziellen Verhält-</span><br/> <span class="ft1">nisse von Z. Er deklarierte in den Jahren 1999/2000 ein Reinein-</span><br/> <span class="ft1">kommen von ... Bei solchen finanziellen Verhältnissen ist eine Un-</span><br/> <span class="ft1">terstützung des Konkubinatspartners durchaus zumutbar.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">295</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">c) Soweit auf Grund der Verhältnisse eine finanzielle Unter-</span><br/> <span class="ft1">stützung durch den Konkubinatspartner zumutbar ist, ist zu deren</span><br/> <span class="ft1">Berechnung auf die von ihm effektiv zu tragenden Ausgaben abzu-</span><br/> <span class="ft1">stellen. Bei der Bedarfsrechnung darf dabei nicht nur ein Grundbe-</span><br/> <span class="ft1">darf nach Sozialhilfegrundsätzen (§ 10 SPV i.V.m. SKOS-Richtli-</span><br/> <span class="ft1">nien, Ziff. B.2) eingesetzt werden, denn der nicht unterstützungsbe-</span><br/> <span class="ft1">dürftige Konkubinatspartner muss sich nicht auf einen Lebensstand-</span><br/> <span class="ft1">ard nach Sozialhilfegrundsätzen beschränken. Diesem Umstand ist</span><br/> <span class="ft1">durch die Berücksichtigung eines im Einzelfall festzulegenden Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlags Rechnung zu tragen. Anders entscheiden würde im Ergebnis</span><br/> <span class="ft1">zu einer Gleichstellung mit Ehepaaren führen und die finanziellen</span><br/> <span class="ft1">Mittel des Konkubinatspartners über den zumutbaren Rahmen hinaus</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft1">d) (...)</span><br/> <span class="ft1">e) Wie bereits ausgeführt, stellt Z. dem Beschwerdeführer die</span><br/> <span class="ft1">Unterkunft unentgeltlich zur Verfügung. Entsprechend sind beim</span><br/> <span class="ft1">Bedarf des Beschwerdeführers keine Wohnungskosten zu berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigen, weshalb sich weitere Ausführungen zu deren Angemes-</span><br/> <span class="ft1">senheit erübrigen. Zusätzlich vom in Geld vorhandenen Überschuss</span><br/> <span class="ft1">von monatlich Fr. 1'224.-- rund</span> <span class="ft5"><sup>1</sup></span><span class="ft1">/</span><span class="ft5">5</span> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer als eigene</span><br/> <span class="ft1">Mittel zuzurechnen, hält sich klar im Rahmen des Zumutbaren und</span><br/> <span class="ft1">ist offensichtlich nicht übersetzt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>