Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Januar 2016 (720 15 220) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die vorliegenden medizinischen Gutachten geben genügend Aufschluss über die mass- gebenden Indikatoren (BGE 141 V 281 ff.). Die Beschwerdeführerin weist keine relevante Leistungsbeeinträchtigung auf. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Marcel Czaja Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene A.____ arbeitete zwischen dem 3. Mai 2004 und Ende April 2015 als Fabrikmitarbeiterin bei der B.____ AG in X.____ . Am 15. Januar 2014 meldete sich A.____ mit Hinweis auf eine Fibromyalgie, chronische Rücke n- und Gelenkschmerzen sowie eine Sak- rumfraktur aufgrund eines Sturzes bei der Eidgenöss ischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundh eitlichen und der erwerblichen Verhält- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht nisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft - nach durch geführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 19. Mai 2015 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente mit der Begrün- dung ab, dass bei ihr laut den Ergebnissen der medizini schen Abklärungen keine Arbeitsunfä- higkeit ausgewiesen sei. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Nicolai Fullin, Advokat, am 19. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht), mit welcher sie beantragte, es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 19. Mai 2015 aufzuheben und diese zu verpflichten, ihr eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Best- immungen zu leisten. Eventualiter seien weitere medizi nische Abklärungen zu ihrer Arbeitsfä- higkeit durchzuführen, und es sei im Anschluss daran erne ut über einen allfälligen Rentenan- spruch zu entscheiden. Alles unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. August 2015 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig reichte sie einen Bericht d es Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 5. August 2015 ein. D. Am 21. September 2015 legte die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht ihre Stel- lungnahme zum Bericht des RAD vom 5. August 2015 vor. E. Am 26. Oktober 2015 reichte die Beschwerdeführerin e ine Replik, die Beschwerde- gegnerin am 20. November 2015 eine Duplik ein. Beide Parteien hielten an ihren eingangs ge- stellten Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 19. Juni 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist mit jenem externer medizinischer Sac hverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztlich es Gutachten genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 134 V 231 E. 5.1, 137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteile des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2014, 8C_197/2014, E. 4.2 und vom 16. S eptember 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). 5.1 Die IV-Stelle beauftragte im Rahmen der Abklärun g des medizinischen Sachverhalts und der Beurteilung ihrer Leistungspflicht die Dres. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, und D.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, eine psychiatrische und eine rheumatologische Begutachtung der Versicherten vorzunehmen. 5.2 Dr. D.____ attestierte in seinem rheumatologischen Gutachten vom 17. Februar 2015 bei der Explorandin als Diagnose mit Einfluss auf die A rbeitsfähigkeit insbesondere den bereits abgeheilten Sturz vom 7. Juni 2013 aufs Gesäss bei loka lem Knochenmarködem SWK4 und SWK5 mit möglicher Impression und Stufenbildung der ven tralen kortikalen Begrenzung des SWK5 im Sinne einer Stauchung und Fraktur respektive Fissur. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde insbesondere eine Fibromyal gie genannt. Im Ergebnis bestehe aus rheumatologischer Sicht in Bezug auf ein Ganztagespensum für jegliche leichte bis mittel- schwere Tätigkeit in wechselbelastender Stellung ohne n ur dauerndes Sitzen, ohne nur dau- erndes Stehen, ohne Heben von Lasten über 15 Kilogramm , ohne Arbeiten dauernd über Kopf oder dauernd in der Vorhalte eine Arbeitsfähigkeit von 100%, dies sowohl im angestammten Beruf wie auch für eine Verweistätigkeit. 5.3 In seinem psychiatrischen Gutachten vom 13. Februar 2015 gelangte Dr. C.____ zum Ergebnis, dass aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit A uswirkung auf die Arbeitsfähig- keit gestellt werden könne. Als Diagnose ohne Einfluss au f die Arbeitsfähigkeit erhob der Gut- achter eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die Explorandin habe in der Untersu- chung im objektiven Psychostatus in sämtlichen Parametern zur Affektivität bis auf eine punktu- ell auftretende Subdepressivität und einzelne diskrete a ffektlabile Momente keinerlei pathologi- sche Befunde gezeigt. Auch in denjenigen objektiven Pa rametern, die sehr gut die innerpsychi- sche Vitalität objektiv abzubilden vermögen, habe die Ex plorandin keinerlei pathologische Be- funde gezeigt, so im äusseren Erscheinungsbild, in Psycho- und Sprachmotorik, in Mimik und Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gestik, im Denktempo, in ihren kognitiven Ressourcen, in i hrer fehlenden Affektverarmung so- wie in ihrer teilweise nachweisbaren affektiven Schwi ngungsfähigkeit. Mit diesen objektiven Parametern zeige die Explorandin, dass ihre innerpsychische Vitalität, oder mit anderen Worten ihr innerer Antrieb, vollständig erhalten sei. So berichte die Explorandin über ein doch erstaunli- ches Aktivitätsniveau nebst ihrer Arbeit in einem 50-Proze ntpensum, welches sie jeweils zwi- schen 08.45 und 13 Uhr tätige. Sie müsse zwar zunächst zu H ause ausruhen und schlafe dann meistens ein, sie gehe aber zwei- bis dreimal pro Woche e ine Stunde schwimmen, sie gehe auch regelmässig spazieren, und zwar in einem schnellen Tempo. Diese Tätigkeiten würden sehr gut verdeutlichen, dass hier eine ausgezeichnete in nerpsychische Vitalität bestehe, oder wiederum mit anderen Worten: Diese subjektiven Angaben der Explorandin würden einen gut erhaltenen Antrieb untermauern. Zudem bestünden Hinweise für eine ausgeprägte Selbstlimitie- rung und für eine Verdeutlichungstendenz. Hierfür dürf ten gewisse narzisstische Elemente in der psychischen Struktur der Versicherten mitwirken (schwi erige Lebensbedingungen in der Heimat, Schwierigkeiten mit ihrer Mutter und in der E ingewöhnung in der Schweiz). Diese nar- zisstische Problematik habe dazu geführt, dass die Versichert e im Anschluss an das Sturzer- eignis ihre körperliche Beeinträchtigung nicht habe adäq uat verarbeiten können. Im Zusam- menhang mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter sodann aus, zu den qua- litativen Funktionsfähigkeiten sei festzuhalten, dass bei m Vorliegen einer anhaltenden somato- formen Schmerzstörung die Foersterkriterien gewürdigt w erden müssen. Zu diesen könne Fol- gendes gesagt werden: Es liege keine psychiatrische Komorbid ität vor; es würden einzelne chronische körperliche Beschwerden vorliegen; es sei nicht zu einem sozialen Rückzug in sämtlichen Lebensbereichen gekommen; die Körperschmerzen der Explorandin würden seit mehreren Jahren bestehen und scheinen therapiefrakär zu sein; die Explorandin stehe anhal- tend seit 2010 in ambulanter psychiatrischer Behandlung bei Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und nehme Cymbalta ein. Es könne ges agt werden, dass einzelne dieser Foersterkriterien erfüllt seien, allerdings liege wie e rwähnt keinerlei psychiatrische Komorbidität vor. Alleine der Umstand, dass die Explorandin anhaltend unter Schmerzen leide und in einer mehrjährigen psychiatrischen Behandlung stehe, reiche ni cht aus, um daraus eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu begründen. Insgesamt könne festgehalten werden, dass bei der Ex- plorandin die qualitativen Funktionsfähigkeiten aus psych iatrischer Sicht vollständig erhalten seien. Daraus resultiere aus psychiatrischer Sicht eine vol lständige Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit wie auch in einer Verweistätigkeit. Im Weiteren kommentierte der Gutachter frühere psychologische Berichte sowie Gutachten und bestätigte weitgehend deren Befunde und Beurteilunge n. Allein den Schlussfolgerungen von Dr. E.____ folgte er nicht. In ihrem Bericht vom 3. April 2014 schrieb sie, dass bei der Explo- randin seit Jahren rezidivierende depressive Episoden vor liegen würden, aktuell eine leichte depressive Episode. Zwischenzeitlich seien schwere depressive Episoden vorgekommen; die Explorandin habe aber dennoch immer zu 100% arbeiten können. Der Gutachter Dr. C.____ hielt fest, diese zusätzliche Angabe von Dr. E.____ schlie sse per se aus, dass je schwere de- pressive Episoden vorgelegen hätten. Eine schwere depressive Episode sei mit einer Arbeitsfä- higkeit nicht zu vereinbaren. Überdies bestehe keine anan kastische Persönlichkeit, wie dies Dr. E.____ in ihrem Bericht postuliere. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 In ihrer Stellungnahme vom 5. August 2015 prüfte die RAD-Ärztin Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Neurologie, die Standardindikatoren im Lichte der neuen Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen. Sie kam zum Schluss, dass aufgrund der bei der Beschwerdeführerin evaluierten Ressourcen die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt sei. Es würden sich bei der Beschwerdeführ erin ausreichend Ressourcen abbil- den, die aus rein psychiatrischer Sicht eine volle Arbeit sfähigkeit begründen würden. Der Be- schwerdeführerin sei es folglich zumutbar, die nicht objek tivierbare Schmerzstörung zu über- winden und eine ihrer körperlichen Beschwerden angepasste Tätigkeit im Umfang von 100% zu verrichten. Für die Überwindbarkeit der Schmerzstörung s preche im vorliegenden Fall insbe- sondere, dass die Beschwerdeführerin über eine gute Bezi ehungsfähigkeit verfüge, eine aktive Tagesgestaltung habe und eine gute innerpsychische Vitalität bestehe. 6.1 Die IV-Stelle gelangte in der angefochtenen Ve rfügung vom 19. Mai 2015 gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.___ _ vom 13./17. Februar 2015 zur Auf- fassung, dass der Versicherten aus medizinischer Sicht die A usübung einer leichten bis mittel- schweren Tätigkeit in wechselbelastender Stellung ohne n ur dauerndes Sitzen, ohne nur dau- erndes Stehen, ohne Heben von Lasten über 15 Kilogramm , ohne Arbeiten dauernd über Kopf oder dauernd in der Vorhalte im Umfang von 100% zumu tbar sei. Diese vorinstanzliche Be- weiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgefüh rt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den Gut- achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgru nd eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuve rlässigkeit der Expertisen spre- chen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das Gutacht en der Dres. C.____ und D.____ vom 13./17. Februar 2015 weist weder formale noch inhaltl iche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es be- ruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt d ie geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situa tion ein, es setzt sich mit den vor- handenen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseina nder und es ist in den Schlussfol- gerungen überzeugend. Insbesondere nehmen die Gutachte r auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. 6.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet in ihrer Besch werde vom 19. Juni 2015, dass die IV-Stelle zu Unrecht auf die Beurteilungen dieser Gut achter abgestellt habe, denn im Bundes- gerichtsentscheid 141 V 281 ff. habe das Bundesgericht d ie sogenannte „Überwindbarkeits- rechtsprechung“ aufgegeben. Das unter der bisherigen R echtsprechung entstandene Gutach- ten der Dres. C.____ und D.____ könne sodann nicht al s Grundlage für einen Rentenentscheid dienen. Es verliere wegen der mit diesem Urteil eingeläuteten Praxisänderung zwar nicht per se seinen Beweiswert. Die Gutachter hätten jedoch bei weit em nicht die geforderten Grundlagen geliefert, die es bräuchte, damit ihr Gutachten unter dem neuen Blickwinkel der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung Beweiswert haben könnte. Auch auf grund des später eingeholten RAD- Berichts könne keine abschliessende Beurteilung vorgenommen werden, da die RAD-Ärztin die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht habe, so ndern aus dem psychischen Gutach- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten von Dr. C.____ dasjenige herausgezogen habe, was dieses für die Beurteilung der Indikato- ren hergebe. 7.1 Zu prüfen ist demnach, ob die vorliegenden medizi nischen Unterlagen eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren gemä ss genanntem Bundesgerichtsurteil erlauben. 7.2.1 Mit Leitentscheid vom 3. Juni 2015 hat das Bunde sgericht seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörunge n und vergleichbaren psycho- somatischen Leiden revidiert und sich von der bisherigen Überwindbarkeitsvermutung verab- schiedet (BGE 141 V 281 ff.). Die Rechtsprechungsänderun g findet grundsätzlich auf laufende Verfahren wie das vorliegende Anwendung. Eine Einschrä nkung der Leistungsfähigkeit kann weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge e iner fachärztlich einwandfrei diagnosti- zierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig w ird der Rentenanspruch – in Nachach- tung der verfassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. Apri l 1999 (Rechtsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht medizinische Evidenz, dass die E rwerbsunfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes hält das Bundesgericht – de r seit längerem namentlich aus medi- zinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusser- ten Kritik Rechnung tragend – an der Überwindbarkeitsver mutung nicht weiter fest. Anstelle des bisherigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiert es, normatives Prüfraster. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktion ellen Schweregrad bezogenen Standar- dindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermöge n ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsf aktoren wie den vorhandenen Res- sourcen Rechnung getragen wird (Urteil des Bundesgerich ts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 7.2.2 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Au smass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). 7.2.3 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Li chte dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie die hier vorliegenden Gut achten der Dres. C.____ und D.____ – nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen e iner gesamthaften Prüfung des Einzel- falls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhob enen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrun dlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-b eweisrechtlich geänderten Anforde- rungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die b eigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfal ls im Kontext mit weiteren fachärztli- chen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte d er massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8 mit Hinweis). 7.3.1 Das Bundesgericht hat die massgeblichen Abklärunge n in zwei Bereiche eingeteilt: In einem ersten Teil sind unter dem Stichwort des funktion ellen Schweregrades drei Indikatoren- Komplexe zu klären, welche wiederum in weitere Indikato ren unterteilt sind. In einem zweiten Teil sind die Ergebnisse aus dem ersten Teil einer Konsistenzprüfung zu unterziehen. 7.3.2 Der erste Indikatoren-Komplex steht unter dem Ti tel “Gesundheitsschädigung“. Dabei stellt sich zunächst die Frage nach der Ausprägung der d iagnoserelevanten Befunde. Zu würdi- gen ist die Schwere des Krankheitsgeschehens, wie stark d ie Alltagsfunktionen beeinträchtigt sind und ob Hinweise auf Aggravation oder Simulation e rsichtlich sind. Im vorliegenden Fall geht aus dem Gutachten von Dr. C.____ hervor, dass die B eschwerdeführerin zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Töchtern wohnt und einen ge regelten Tagesrhythmus verfolgt. Von Montag bis Freitag arbeitet sie zwischen 8.45 Uhr und 1 3 Uhr. Nach einer Ruhephase geht sie regemässig mindestens eine halbe Stunde in schnellem Tem po spazieren. Zwei- bis dreimal pro Woche geht sie für eine Stunde schwimmen. Die Haushaltsführung gibt sie zu einem Gross- teil an ihre älteste Tochter und den Ehemann ab. Der Gutachter erkennt hier eine ausgeprägte Selbstlimitierung und eine Verdeutlichungstendenz, di e die subjektive Überzeugung der Be- schwerdeführerin beeinträchtigt zu sein, erklärt. Die Fr age der Aggravation wird vom Gutachter jedoch verneint. Das Beschwerdebild der Versicherten wi rd ausserdem durch soziokulturelle Belastungsfaktoren mitgeprägt. Diese Faktoren sind nicht invalidisierend, soweit sie unmittelbar die Symptomatik beeinflussen, das heisst, sie sind als nicht versicherte Umstände auszuschei- den (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2016, 9C_549/2015, E. 4.3). Diesbezüglich hielt das Gutachten konkret fest, dass die Versicherte über schw ierige Bedingungen in der Heimat klagte, ausserdem unter Angewöhnungsprobleme in der Sc hweiz litt sowie Schwierigkeiten mit der Mutter zu bewältigen hatte und zudem nur über ei ne rudimentäre Schulbildung verfügt. Die- se Feststellungen sprechen gegen das Vorliegen eines Kra nkheitsgeschehens, das im invali- denrechtlichen Sinn als schwer zu bezeichnen ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.3 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht d en Behandlungs- und Eingliede- rungserfolg oder -resistenz. Dabei sind Verlauf und Au sgang der bisher durchgeführten Thera- pien und Eingliederungsversuche zu würdigen und zu prüf en, ob die therapeutischen Möglich- keiten ausgeschöpft wurden. Aus den Akten ergibt sich, das s die Versicherte seit dem 11. November 2013 mit einem Pensum von 50% an ihrem angestammten Arbeitsplatz arbeitet. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit war bis anhin aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. Ein Versuch, das Pensum im Februar 2014 auf 60% zu steigern, musste zufolge ihrer anhalten- den körperlichen Beschwerden und ihrer psychischen Verfassun g abgebrochen werden. Die Versicherte äusserte zudem die subjektive Krankheitsüberzeu gung, sie bezweifle unter den gegebenen Umständen, dass sie je wieder in der Lage sein könnte, ihr vollumfängliches Pen- sum zu leisten. Weiter steht die Explorandin seit Ende 20 10 bei Dr. E.____ in ambulanter psy- chiatrischer Behandlung. Dr. C.____ ist der Ansicht, dass diese regemässig durchgeführte Be- handlung mit dazu beigetragen haben dürfte, dass die Explorandin keine relevante psychische Störung entwickelt habe. Er erachtet es als günstig, wen n die Explorandin diese Behandlung weiterhin aufsuchen kann. Unter diesen Umständen kann n icht von einem definitiven Scheitern einer indizierten, lege artis und mit optimaler Koope ration der Versicherten durchgeführten Ein- gliederung gesprochen werden (BGE 141 V 281, E. 4.3.1.2) beziehungsweise davon, therapeu- tische Massnahmen hätten keine Aussicht (mehr) auf Erfolg und die Prognose sei insoweit schlecht. 7.3.4 Als weiterer Indikator sind die Komorbiditäten zu würdigen. Der psychischen Komorbi- dität ist nach der neuen Praxis keine vorrangige Bedeut ung mehr einzuräumen, vielmehr sind auch körperliche Begleiterkrankungen zu würdigen. Vorlie gend besteht neben der somatofor- men Schmerzstörung keine weitere psychiatrische Diagnose. D ie vorliegenden Körperschmer- zen bestehen seit mehreren Jahren und scheinen therapiefraktär. Als körperliche Begleiterkran- kung bestehen die Verletzungen im Zusammenhang mit dem Sturz aufs Gesäss im Juni 2013, welche bereits abgeheilt sind (vgl. E. 5.2). Insgesamt si nd die Komorbiditäten als eher gering einzuschätzen. 7.3.5 Im zweiten die Persönlichkeit betreffenden Indika toren-Komplex wird nach der Persön- lichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur gefragt um die persönlichen Ressourcen zu eruieren. Aus dem Gutachten von Dr. C.____ geht hervor, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Urteilsbildung nicht gestört sei. Der Gedankengang sei g rundsätzlich formal unauffällig, weder verlangsamt noch zeigten sich Gedankensperrungen, er sei jederzeit gut verständlich, kohärent und unauffällig organisiert, jedoch zeige sie bezüglich der Körperschmerzen eine Einengung. Es bestünden keine Hinweise auf wahnhafte, bizarre oder suizidale Ideen. Die Grundstimmung sei jederzeit euthym, phasenweise allenfalls diskret bedr ückt im Sinne einer Subdepressivität, nie aber im Sinne einer regelrechten Depressivität. Ve reinzelt zeige die Explorandin sehr dis- krete affektlabile Momente, aber keine Einbrüche. Eben so läge keine Affektinkontinenz oder Affektverarmung, Affektverflachung oder gar Affektstarre vor. Insgesamt erscheinen damit die persönlichen Ressourcen noch erhalten zu sein. 7.3.6 Im dritten Indikatoren-Komplex ist unter dem Ti tel „sozialer Kontext“ zunächst die Ab- grenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vo rzunehmen. Diese Faktoren blei- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben als invaliditätsfremd nach wie vor unbeachtlich. Der soziale Kontext ist vorliegend gekenn- zeichnet durch einen gewissen sozialen Rückzug, aber nicht in allen Lebensbereichen und nicht sehr ausgeprägt. So geht die Beschwerdeführerin neben ihrer Arbeitstätigkeit von 50% regel- mässig spazieren und schwimmen. Zwar wird sie von der Famil ie in der Haushaltsführung un- terstützt, was jedoch gemäss Gutachter auf soziokulturelle Faktoren zurückzuführen sei. 7.3.7 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht a uch in diesem Indikatoren-Komplex – wie im Indikatoren-Komplex der Persönlichkeit – die E ruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung u nd Vernetzung im sozialen Umfeld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen. Die Beschwerd eführerin lebt zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Töchtern in einem Haushalt. Nach Ang aben im Gutachten von Dr. C.____ hat sie einige wenige Bekannte sowie zwei gute Freundi nnen. Zudem pflegt sie einige gute Kontakte am Arbeitsplatz. Ausserdem fliegt sie mit ihrer Familie einmal pro Jahr nach Y.____ in die Sommerferien. Von ihrem sozialen Umfeld geht somit zweifellos eine gewisse Stütze aus. 8.1 Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die „Konsistenzprüfung“ vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die vom Gutachter bzw. von der IV-Stelle festgestellten Auswir- kungen auf die Leistungsfähigkeit aufgrund des medizini sch festgestellten Gesundheitsscha- dens anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfre i mit überwiegender Wahrschein- lichkeit nachgewiesen sind. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskutierte Ein- schränkung in der Erwerbsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschränkungen in den sons- tigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob di e versicherte Person Therapieangebote wahrnimmt oder mögliche Behandlungen auslässt. Vorli egend lässt sich bei der Beschwerde- führerin eine Inkonsistenz hinsichtlich der Haushaltstätigk eit und der Freizeitaktivität ermitteln. Es ist auffallend, wie sie sich in den Haushaltstätigkeite n als dysfunktional beschreibt, aber gleichzeitig täglich im zügigen Schritt spazieren kann u nd mehrmals in der Woche schwimmen geht. Diese Inkonsistenz lässt sich mit der ausgeprägten Se lbstlimitierung sowie der Verdeutli- chungstendenz und nicht invalidisierenden soziokulturellen Faktoren schlüssig ergründen. Die Beschwerdeführerin verfügt gemäss Gutachten von Dr. C. ____ also über ein erstaunliches Ak- tivitätsniveau und einen gut erhaltenen inneren Antri eb nebst ihrer Arbeit in einem 50% Pen- sum. Insgesamt erscheint somit die von den Gutachten Dres. C.____ und D.____ veranschlag- te und von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügu ng berücksichtigte volle Arbeitsfähigkeit für leichte und mittelschwere Tätigkeiten durchaus nachvollziehbar und plausibel. 8.2. Nach dem Gesagten bildet das bidisziplinäre Gutacht en der Dres. C.____ und D.____ auch im Lichte der Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 e ine genügende beweiskräftige Grundlage, um die Frage nach der funktionellen Auswirku ng der gesundheitlichen Beeinträchti- gung in zuverlässiger Weise entscheiden zu können (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2016, 9C_549/2015, E. 4.9). 9. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-S telle in der angefochtenen Verfügung vom 19. Mai 2015 einen Rentenanspruch der V ersicherten zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.