8. März 1993 N 173 Interpellation Seiler Hanspeter #ST# 92.3581 Postulat Fasel Missbrauch der Arbeitslosenversicherung Abus dans le domaine de l'assurance-chômage Wortlaut des Postulates vom 18. Dezember 1992 Mit den finanziellen Engpässen in der Arbeitslosenversiche- rung haben auch die Vorwürfe des Missbrauchs zugenom- men. Um das Vertrauen in dieses wichtige Sozialwerk zu erhal- ten, ist es dringend erforderlich, diesen Vorwürfen auf den Grund zu gehen. Der Bundesrat wird gebeten, unverzüglich einen Bericht über die Missbräuche in der Arbeitslosenversicherung vorzulegen, der unter anderem folgende Fragen beantwortet: 1. Wie gross ist das Ausmass des Missbrauchs? 2. Welcher Art sind die möglichen Missbräuche? 3. Welches sind die Ursachen des Missbrauchs? 4. Lassen sich aus den Kriterien Alter, Geschlecht, Ausbildung oder Berufsgruppen Hinweise ableiten, Unterschiede bezie- hungsweise unterschiedliche Häufungen feststellen? 5. Lassen sich Unterschiede zwischen in- und ausländischen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen feststellen? 6. Gibt es Hinweise darauf, dass Arbeitnehmer und Arbeitneh- merinnen statt frühpensioniert arbeitslos werden? Welche möglichen Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu treffen, um gegen den Missbrauch der Arbeitslosenversiche- rung vorzugehen? Texte du postulat du 18 décembre 1992 Suite aux difficultés de trésorerie que connaît présentement l'assurance-chômage, des voix se sont élevées pour dénon- cer les abus commis dans ce domaine. Pour maintenir la confiance du peuple dans cette institution sociale de premier plan, il s'agit d'examiner, en détail et sans attendre, les griefs qui lui ont été faits. Je prie donc le Conseil fédéral de nous présenter sans délai un rapport sur les abus commis dans le domaine de l'assurance- chômage, rapport qui répondra notamment aux questions sui- vantes: 1. Quelle est l'ampleur des abus commis? 2. Quels sont les types d'abus possibles? 3. Quelles sont les causes de ces abus? 4. Peut-on tirer des indications sur les différences ou sur les ressemblances des cas à partir des critères que sont l'âge, le sexe, la formation ou l'appartenance à un groupe de profes- sions donné? 5. Peut-on constater des différences entre les travailleurs de nationalité suisse et ceux de nationalité étrangère? 6. Dispose-t-on d'éléments indiquant que des travailleurs auraient été licenciés au lieu d'avoir été mis à la retraite anti- cipée? Quelles mesures possibles le Conseil fédéral entend-il pren- dre pour empêcher les abus commis dans le domaine de l'as- surance-chômage? Mitunterzeichner - Cosignataires: Bircher Peter, Columberg, Darbellay, David, Dormann, Dünki, Epiney, Fischer-Sursee, Grossenbacher, Iten Joseph, Keller Anton, Leu Josef, Maître, Ruckstuhl, Seiler Rolf (15) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 27. Januar 1993 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 27 janvier 1993 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ueberwiesen - Transmis #ST# 92.3582 Interpellation Seiler Hanspeter Revision des Bundesgesetzes über die Arbeitslosenversicherung (Avig) Révision de la loi sur l'assurance-chômage (LACI) Wortlaut der Interpellation vom 18. Dezember 1992 Der Bundesrat beabsichtigt, das Avig neuen Gegebenheiten und Erfordernissen anzupassen. Im Laufe des nächsten Jah- res wird sich die zuständige Kommission des Erstrates damit zu befassen haben. Die vor allem durch die Rezession und die zunehmende Automatisierung der Unternehmungen vieler Branchen verursachte ausserordentlich hohe Arbeitslosen- zahl und eine durchschnittlich längere Zeit der Stellenlosigkeit haben einen massiv erhöhten Finanzierungsbedarf zur Folge. Die vorgesehene Erhöhung des Prämiensatzes auf 2 Prozent basiert auf dem unveränderten Prinzip der Gleichstellung der Höchsteinkommensgrenzen für die Beitragsbemessung (Art 3 Avig) und für den versicherten Verdienst (Art 23 Avig). Die bestehende Regelung führt zudem in vielen Fällen dazu, dass die Entlöhnung für eine Beschäftigung tiefer liegt als die von der Arbeitslosenversicherung ausbezahlte Taggeldent- schädigung. Die Tatsache, dass deshalb oft die finanziell bes- sere Lösung angestrebt wird, ist aus der Sicht des Arbeitslo- sen zwar verständlich, liegt aber nicht im Interesse der Versi- cherung und deren Zweck. Ist der Bundesrat bereit, auch die damit im Zusammenhang stehenden Lösungsvarianten bei der Gesetzesrevision mitzu- berücksichtigen: 1. angemessene Erhöhung der Höchsteinkommensgrenze für die Beitragsbemessung ohne Erhöhung der Höchstlimiten für die Bemessung des versicherten Verdienstes unter der Vor- aussetzung, dass -die Gesamtprämienbelastungen für den Arbeitgeber fak- tisch kostenneutral bleiben; - für alle Einkommen dieselben Beitragssätze gelten; 2. Auszahlen des nachgewiesenen Mindestbetrages zwi- schen Entschädigung für Ersatzbeschäftigung gemäss den Artikeln 15 und 16 Avig und Taggeldentschädigung? Texte de l'interpellation du 18 décembre 1992 Le Conseil fédéral a l'intention d'adapter la LACI à la situation actuelle. La commission compétente de la Chambre prioritaire examinera le projet du Conseil fédéral dans le courant de l'an- née prochaine. La montée en flèche du chômage, due surtout à la récession et à l'automatisation qui ne cesse de s'accroître dans les entreprises de nombreux secteurs, ainsi que l'aug- mentation de la durée du chômage font qu'on a, aujourd'hui plus que jamais, besoin d'énormes moyens financiers. Le relè- vement du taux des cotisations, qui passera à 2 pour cent, se fonde sur le principe - toujours valable - qui veut que le mon- tant maximum servant au calcul des cotisations (art. 3 LACI) soit identique au montant maximum servant à calculer le gain assuré (art. 23 LACI). En outre, cette disposition a pour consé- quence que la rémunération d'un travail proposé est, dans bien des cas, inférieure aux indemnités journalières versées par l'assurance-chômage pour la perte d'un emploi. Le faitMotion Bircher Silvio 174 N 8 mars 1993 que souvent l'assuré accorde sa préférence à la plus intéres- sante des deux se comprend certes, de son point de vue, mais il n'est pas dans l'intérêt de l'assurance et il ne sert pas sa cause. Le Conseil fédéral est-il dès lors prêt à inclure, dans le cadre de la révision de la loi, les variantes suivantes, soit: 1. le relèvement approprié du revenu maximum servant au cal- cul du montant des cotisations, relèvement qui ne s'accompa- gnera pas d'un relèvement du montant maximum servant au calcul du gain assuré, à condition: - qu'il n'en résulte pas d'augmentation des primes payées par les employeurs; - que les taux de cotisation soient les mêmes pour tous les revenus; 2. le paiement de la différence - dûment prouvée - entre la ré- munération perçue par un chômeur pour un emploi de substi- tution (art 15 et 16 LACI) et l'indemnité journalière qu'il rece- vrait en qualité de chômeur? Mitunterzeichner-Cosignataires: Keine -Aucun Schrittliche Begründung - Développement par écrit 1. Die Ausgleichsfunktion der Sozialversicherungsidee soll durch Entlastung der tieferen Einkommenskategorien bei fak- tisch gleichbleibender Gesamtbelastung des Arbeitgebers in verstärktem Ausmass einbezogen werden. 2. Die Solidarität zwischen den verschiedenen Einkommens- gruppen soll verstärkt werden. 3. Die Beitragssätze können tendenziell tiefer angesetzt werden. 4. Die Arbeitslosenkassen werden durch Schaffung von Anrei- zen zur Besetzung bisher oft als «nicht zumutbar» empfunde- ner Arbeitsstellen entlastet Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 3. Februar 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 3 février 1993 1. Der Bundesrat ist bereit, diesen Punkt im Rahmen der näch- sten Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes zu prü- fen. Er macht jedoch darauf aufmerksam, dass die vom Inter- pellanten geforderte Bedingung (Nichterhöhung der Prämien zu Lasten des Arbeitgebers) sich mit der Bundesverfassung (Art 34novies Abs. 4) unvereinbar erweisen könnte. Diese Be- stimmung sieht eine Uebernahme der Beiträge des Arbeitneh- mers und des Arbeitgebers zu gleichen Teilen vor. 2. Die gegenwärtige Gesetzgebung erlaubt schon jetzt die Be- zahlung eines Differenzausgleiches zwischen dem vom Ar- beitslosen durch Zwischenbeschäftigung erzielten Lohn und der Arbeitslosenentschädigung. Artikel 24 des Arbeitslosen- versicherungsgesetzes sieht vor, dass der Versicherte An- spruch auf 80 Prozent des Verdienstausfalls hat, solange die Höchstzahl der Taggelder nicht bezogen ist. Als Verdienstaus- fall gilt die Differenz zwischen dem versicherten Verdienst und dem Zwischenverdienst Als Zwischenverdienst gilt jedes Ein- kommen aus unselbständiger oder selbständiger Erwerbstä- tigkeit, das der Arbeitslose innerhalb einer Kontrollperiode er- zielt Der Zwischenverdienst muss jedoch mindestens dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit ent- sprechen. Der Bundesrat stellt deshalb fest, dass der in der In- terpellation geäusserte Wunsch bereits im Rahmen des gel- tenden Gesetzes realisierbar ist und aus diesem Grunde im Hinblick auf die nächste Revision des Arbeitslosenversiche- rungsgesetzes nicht berücksichtigt werden muss. Seiler Hanspeter: Ich danke dem Bundesrat für die Beantwor- tung. Ich möchte nurzur Beantwortung der Frage 1 feststellen, dass scheinbar bei der Interpretation meiner Anfrage ein Miss- verständnis passiert ist Ich werde mich mit der Verwaltung entsprechend in Verbindung setzen. Zur Frage 2 möchte ich den Bundesrat fragen: Warum funktio- niert denn das nicht, wenn es doch die Möglichkeit gäbe? Ir- gendwo muss ein Mangel bestehen. In diesem Sinne erkläre ich mich von der Stellungnahme des Bundesrates teilweise befriedigt M. Delamuraz, conseiller fédéral: Je crois que l'examen de la première question que vous posez dans votre interpellation, Monsieur Seiler Hanspeter, se justifie: il est incontestable, nous l'avons dit tout au long du débat, qu'il faudra trouver un nouveau financement à l'assurance-chômage, que non seule- ment les changements du taux maximum et du plafond dans la loi devront être examinés, voire retouchés, mais qu'il faudra parallèlement rechercher encore d'autres solutions. J'en ai évoqué quelques-unes lors du débat d'entrée en matière. J'ai parlé notamment de la possibilité d'appliquer un autre plafond pour les revenus maximums qui sont actuellement limités pour entrer dans le calcul du financement C'est une possibi- lité, il y en a d'autres encore, notamment un recours à l'Etat non plus sous la forme d'un financement par des prêts à inté- rêts favorables, mais peut-être d'un financement à fonds perdu. Vu la situation dans la quasi-totalité des pays euro- péens qui y ont recouru, je souhaite que nous n'ayons pas à y recourir. Bref, la question que vous posez est légitime et nous devons l'examiner dans sa totalité. Pour ce qui est de la deuxième question, il s'agit d'examiner les quotités d'indemnisation. Le paiement de la différence qui serait dûment trouvée entre la rémunération perçue par un chômeur pour un emploi de substitution et l'indemnité journa- lière qu'il recevrait en qualité de chômeur doit aussi être examiné dans le cadre de la révision générale. Mais nous de- vons bien entendu être particulièrement attentifs, Monsieur Seiler, en traitant cette deuxième question, à ne pas nous lan- cer dans un subventionnement public de certaines entrepri- ses qui auraient pour réflexe d'adapter leurs salaires à ce ni- veau de 70 ou 80 pour cent pour exprimer des salaires infé- rieurs à ceux auxquels elles seraient tenues et de charger ma- man Helvetia de payer la différence. Ce serait du subvention- nement public tout à fait contraire à nos principes, et ni vous, Parlement, ni nous, gouvernement, ne voulons de cela C'est dans ce sens que nous avons été restrictifs en répondant à votre deuxième question. Präsidentin: Herr Seiler Hanspeter hat mitgeteilt, dass er sich auch nach den Ausführungen des Bundesrates noch immer nur als teilweise befriedigt erklären kann. #ST# 92. 3583 Motion Bircher Silvio Arbeitslosenversicherung. Bildungspolitische Ausrichtung Assurance-chômage. Politique de formation Wortlaut der Motion vom 18. Dezember 1992 Der Bundesrat wird eingeladen, die Bestimmungen des Ar- beitslosenversicherungsgesetzes so zu ändern, dass der Um- schulung, Weiterbildung und Beratung der Arbeitslosen höch- ste Priorität eingeräumt wird. Die Kantone sind anzuhalten, ei- gentliche regionale Beratungsstellen und Weiterbildungspro- gramme zu entwickeln, wobei den Tendenzen des Struktur- wandels Rechnung zu tragen ist Solche Programme sind in sinnvoller Anpassung auch für Beschäftigte in Betrieben mit Kurzarbeitszeit anzubieten. Die Kosten dieser Einrichtungen und Bildungsangebote sind ähnlich wie Versicherungsleistun- gen zu betrachten und sinngemäss durch die Arbeitslosenver- sicherung zu übernehmen. Texte de la motion du 18 décembre 1992 Le Conseil fédéral est chargé de modifier les dispositions de la loi sur l'assurance-chômage de manière à donner la priorité des priorités au recyclage et au perfectionnement des chô- meurs, ainsi qu'à l'assistance-conseil dont ils ont besoin. Il en-Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Seiler Hanspeter Revision des Bundesgesetzes über die Arbeitslosenversicherung (Avig) Interpellation Seiler Hanspeter Révision de la loi sur l'assurance-chômage (LACI) In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1993 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3582 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 08.03.1993 - 14:30 Date Data Seite 173-174 Page Pagina Ref. No 20 022 360 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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