Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. März 2019 (720 19 14 / 81) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf berufliche Massnahmen besteht nur, wenn bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen und sofern die Aus- bildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Zusätzliche Kosten entste- hen, wenn die Aufwendungen der versicherten Person für die Ausbildung wegen der In- validität jährlich um Fr. 400.-- höher sind, als sie ohne Invalidität gewesen wären (Art. 5 Abs. 2 IVV). Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Betreutes Wohnen A.1 A.____ meldete sich am 17. Januar 2017 unter Hi nweis auf eine akute psychotische Episode, eine depressive Entwicklung und eine reduz ierte Leistungsfähigkeit vor dem Hinter- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht grund einer Autismusspektrumstörung (ASS), anamnestische r Auffälligkeiten in der Kommuni- kation und der sozialen Interaktion bereits vor dem 5. L ebensjahr, einer wiederkehrenden de- pressiven Symptomatik seit früher Schullaufbahn sowie eine r Zuspitzung der psychotischen Symptome im Sommer 2016 bei der Eidgenössischen Invalide nversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug in Form von beruflichen Massnahmen an. Nach Ab klärung des rechtserheblichen Sachverhalts lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren den Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen mit Verfügung vom 12. September 2017 ab. A.2 Am 6. November 2017 meldete sich A.____ erneut be i der IV an. Unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung, eine schwierige Schulsituation am Gymnasium und wenig Gebor- genheit zuhause beantragte sie die Finanzierung ihres Au fenthalts in einer Wohngemeinschaft. Die IV-Stelle untersuchte erneut den rechtserhebliche n Sachverhalt und lehnte das Leistungs- gesuch der Versicherten mit Verfügung vom 29. Januar 2018 wieder ab. A.3 A.____ ersuchte die IV-Stelle am 20. November 201 8 neuerlich um Übernahme der Kosten für begleitetes Wohnen und nunmehr auch für kün ftige Krankheitskosten und berufliche Eingliederungsmassnahmen. Dieses Gesuch wurde nach Prüf ung des rechtserheblichen Sach- verhalts mit Verfügung vom 12. Dezember 2018 ebenso abgelehnt. Zur Begründung brachte die IV-Stelle sinngemäss vor, dass A.____ auf eigenen Wunsch d as Gymnasium besuche und dar- aus keine behinderungsbedingten Mehrkosten entstehen w ürden. Ein Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen bestehe daher nicht. Dies habe zur Folge, dass auch die betreute Wohnform, welche nur subsidiär zu beruflichen Massnahmen der IV geprüft werde, nicht finan- ziert werden könne. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe vo m 11. Januar 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kant onsgericht). Sie beantragte sinn- gemäss, dass bei ihr eine teilweise Invalidität aufgrund eines Geburtsgebrechens anzuerken- nen sei. Deshalb sei die IV-Stelle zu verpflichten, die Kosten für sämtliche mit diesem Geburts- gebrechen zusammenhängenden medizinischen Massnahmen, Int egrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung und Massnahmen beruflicher Art zu übernehmen. C. Mit Verfügung vom 29. Januar 2019 bewilligte das K antonsgericht der Beschwerdefüh- rerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung. D. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 7 . Februar 2019, dass die Be- schwerde - sofern darauf einzutreten sei - abzuweisen sei. E. Die Beschwerdeführerin reichte am 26. Februar 2019 ein Schreiben ein, in welchem sie erneut ihren Standpunkt darlegte und an ihren Ant rägen festhielt. Die IV-Stelle verzichtete mit Eingabe vom 8. März 2019 auf eine Stellungnahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2.1 Zu beachten ist jedoch, dass im verwaltungsgeric htlichen Beschwerdeverfahren grund- sätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurtei len sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form ei ner Verfügung – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdewei se weiterziehbaren Anfechtungsge- genstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegens tand und somit an einer Sachur- teilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung erg angen ist (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1, 125 V 414 E. 1a mit Hinweisen). 1.2.2 Gegenstand der vorliegend angefochtenen Verfügu ng vom 12. Dezember 2018 bildet der Entscheid der IV-Stelle, wonach die Beschwerdeführ erin keinen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen und Beiträge für die betreut e Wohnform habe. Die angefochtene Verfügung befasst sich jedoch nicht mit der Frage, ob bei der Beschwerdeführerin ein Geburts- gebrechen im Sinne von Art. 13 IVG vorliegt. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie habe Anspruch auf sämtliche mit einem Geburtsgebrechen zusammenhängenden künftigen Leistungen der IV (medizinischen Massnahmen, Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung bzw. Massnahmen berufliche r Art), kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. 1.3 Ob auf die Beschwerde gestützt auf den Grundsatz d er abgeurteilten Sache (res iudi- cata) nicht eingetreten werden kann, kann vorliegend offen bleiben. Die Beschwerde muss oh- nehin aus materiellen Gründen abgewiesen werden. 2. In materieller Hinsicht ist streitig, ob der Beschwer deführerin berufliche Eingliede- rungsmassnahmen im Sinne von Art. 8 IVG zu gewähren sind und ob sie Anspruch auf Beiträge für eine betreute Wohnform hat. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 12. Dezember 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterli chen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von ein er Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notw endig und geeignet sind, die Er- werbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Vorausset- zungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erf üllt sind (lit. b). Als Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversiche- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 gilt die voraussic htlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchti- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundh eit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder U nfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG, Art. 3 und 4 ATSG). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbsleb ens zu berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1 bis IVG). Laut Art. 8 Abs. 3 IVG bestehen die Einglieder ungsmassnahmen unter anderen in Massnahmen beruflicher Art (lit. c). Dazu gehören z um Beispiel die Berufsberatung (Art. 15 IVG), die erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG) oder die Umschulung (Art. 17 IVG). 3.2 Gemäss Art. 16 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzli- che Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, s ofern die Ausbildung den Fähigkei- ten des Versicherten entspricht. Als erstmalige beruflich e Ausbildung gilt die berufliche Grund- bildung nach dem Berufsbildungsgesetz vom 13. Dezember 2002 sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach - oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätig keit in einer geschützten Werkstätte (Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi cherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Ver- sicherten Personen entstehen aus der erstmaligen beruflichen Ausbildung oder Weiterbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten, wenn ihre Aufwendungen für die Ausbildung wegen der Invalidität jährlich um Fr. 400.-- höher sind, als sie ohne Invalidität gewesen wären (Art. 5 Abs. 2 IVV). Die zusätzlichen Kosten werden erm ittelt, indem die Kosten der Ausbildung der invaliden Person den mutmasslichen Aufwendungen ge genübergestellt werden, die bei der Ausbildung einer nicht invaliden Person zur Erreichung des gleichen beruflichen Zieles notwen- dig wären. Hatte die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität schon eine Ausbildung begon- nen oder hätte sie ohne Invalidität offensichtlich ein e weniger kostspielige Ausbildung erhalten, so bilden die Kosten dieser Ausbildung die Vergleichsgrundlage für die Berechnung der invalidi- tätsbedingten zusätzlichen Aufwendungen (Art. 5 Abs. 3 IVV). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich im Wes entlichen wie folgt dar: 4.2.1 Die IV-Stelle lehnte das Gesuch der Versicherten vom 17. Januar 2017 auf berufliche Eingliederungsmassnahmen erstmals mit rechtskräftiger Ver fügung vom 12. September 2017 ab. Sie begründete ihren Entscheid dahingehend, dass de r Besuch des Gymnasiums für die Beschwerdeführerin keine wirksame berufliche Eingliede rungsmassnahme darstelle. Dabei stützte sie sich insbesondere auf den Bericht der Klinik B._ ___ vom 2. Februar 2017, wonach die Beschwerdeführerin an einer akuten polymorphen psych otischen Episode und einer ASS leide. Als Vordiagnosen wurden eine partielle kognit ive Beeinträchtigung attentionaler und exe- kutiver Funktionen sowie im sprachlichen Bereich mit erhöh tem Risiko für eine LRS (= sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufg rund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns; Erstdiagnose: 2005) und rezidivierende depressive Episo- den festgehalten. Die schulische Aufnahme- und Leistungsfähigkeit sei seit rund 2 Jahren deut- lich reduziert bei stark erhöhter Ermüdbarkeit, Konzentr ationsproblemen, Schlafstörungen so- wie depressiven Einbrüchen. Sie leide unter einem deut lichen Überforderungserleben mit Ein- nehmen einer Aussenseiterrolle mit Mobbing im schulischen Kontext. Während eines Sprachau- fenthalts im September 2016 sei es zu einer psychotische n Entgleisung mit Gipfelung in einer akuten psychotischen Episode mit akuter Selbst- und Fremdgefährdung gekommen. Unter Neu- roleptika habe der Gesundheitszustand stabilisiert werde n können. Aktuell sei die externe Schulreintegration mit dem Ziel der gymnasialen Weiter führung, alternativ mit noch ausstehen- der Anmeldung bei der Fachmittelschule, geplant. Weit er ist dem Bericht zu entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin langjährig bestehende motorische Entwicklungsverzögerungen und eine vordiagnostizierte partielle kognitive Beeinträchtigung attentionaler und exekutiver Funktio- nen bestünden. Es ergäben sich sowohl anamnestisch wie au ch aufgrund einer Spezialabklä- rung deutliche Hinweise auf einen atypischen Autismus. Au fgrund der andauernden Einschrän- kungen wegen den neuropsychologischen Beeinträchtigungen (Sprache, Gedächtnis, Arbeits- tempo), den sozialen Auffälligkeiten (ASS, Erstdiagnos e: 12/2016) und dem Aufwachsen in ei- nem konflikthaften, spannungsgeladenen familiären Umfeld mit uneinheitlicher elterlicher Erzie- hungs- und Anforderungserwartungen bestehe ein erhöhte r ausbildungsbezogener Unterstüt- zungsbedarf. Unter der Prognose wurde festgehalten, da ss eine weiterführende psychothera- peutische Begleitung mit entsprechender Medikation und eine strukturierte Alltagsgestaltung sich weiter positiv auf den Verlauf auswirken würden. Die schulische Reintegration werde erst per 6. Februar 2017 erfolgen. Im klinikinternen Unter richt habe die Beschwerdeführerin jedoch motiviert gewirkt und habe die reduzierten Leistungsanf orderungen erfüllen können. Es würden insbesondere Defizite in der Perspektivenübernahme, der Mentalisierungs- und der Verbalisie- rungsfähigkeit gesehen, was aber im Rahmen des atypische n Autismus gewertet würde und wofür psychotherapeutisch eine weitere Verbesserbarkeit bestehe. Aktuell sei unklar, ob die Ausbildungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt erha lten bleiben könne. Aus diesem Grund wären berufliche Massnahmen durch die IV-Stelle angeze igt, durch welche besser auf die Defi- zite eingegangen werden könne. Weiter wies die IV-Stelle in ihre Verfügung vom 12. September 2017 auf den Abschlussbericht der Eingliederungsmassnahmen vom 26. Juli 2017 hin. Die sem ist unter anderem zu entneh- men, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der erstm aligen Anmeldung zum Leistungsbe- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht zug im 2. Jahr des Gymnasiums gewesen sei. Der Wechsel ins Gymnasium sei schwierig ge- wesen, da sie sozial wenig integriert gewesen sei. Gegen Ende des 2. Schuljahrs habe sie sich zunehmend überfordert und übermüdet gefühlt. Sie hab e viel Aufwand betreiben müssen und trotzdem seien die Noten am unteren Rand gewesen. Nach dem schulischen Dispens sei sie im Herbst 2016 nach X.____ zu ihren Grosseltern gereist. In dieser Zeit sei ihre Grossmutter ver- storben, was - zusammen mit der belastenden Schulsituati on - eine Psychose ausgelöst habe. Im Gespräch habe sich die Beschwerdeführerin unsicher in Bezug auf ihre berufliche Zukunft gezeigt. Letztlich habe sie sich aber entscheiden, den e ingeschlagenen Weg mit Besuch des Gymnasiums fortsetzen zu wollen. 4.2.2 Im Rahmen der zweiten Anmeldung zum Leistungsbezu g vom 6. November 2017 wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass sie weiterhin da s Gymnasium besuche. Die IV-Stelle lehnte deshalb das Gesuch unter Hinweis auf den am 12. September 2017 ergangenen Ent- scheid mit Verfügung vom 29. Januar 2018 rechtskräftig a b. Ergänzend wies sie darauf hin, dass der Beschwerdeführerin beim Besuch des Gymnasiums kein e behinderungsbedingten Mehrkosten entstehen würden. 4.3 Auch im Zusammenhang mit der neuerlichen Anmeldu ng vom 6. November 2018 lehn- te die IV-Stelle mit Blick auf die bereits getätigten Abklärungen und die vorgenannten rechts- kräftigen Verfügungen den Anspruch der Beschwerdeführeri n auf berufliche Eingliederungs- massnahmen ab. 5. Das Vorgehen der IV-Stelle ist letztlich nicht zu b eanstanden. Zwar gehört entgegen ihrer Auffassung auch der Besuch des Gymnasiums zur erstmal igen beruflichen Ausbildung im Rahmen von Art. 16 IVG (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 19. Mä rz 2002, I 529/01, E. 2b; vgl. auch Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahme beruflicher Art [KSBE], Rz. 3012). Sie lehn- te das Gesuch der Beschwerdeführerin ursprünglich haupt sächlich mit der Argumentation ab, dass der Besuch des Gymnasiums weder geeignet noch zweckmässig se i. Die IV-Stelle stützte sich dabei auf die Angaben im Bericht Klinik B.____ vom 2. Februar 2017 und kam zum Schluss, dass die angestrebte gymnasiale Laufbahn entgegen der Auffassung der Beschwerde- führerin aufgrund der geschilderten Überforderung, d er reduzierten Aufnahme- und Leistungs- fähigkeit in schulischer Hinsicht, den psychischen Beeinträch tigungen sowie der Aussenseiter- rolle keine wirksame Eingliederungsmassnahme im Sinne von Art. 16 IVG darstelle. Es ist unter Berücksichtigung dieser Ausführungen unsicher, ob die Besch werdeführerin dem von ihr ge- wählten Ausbildungsziel gewachsen ist und diese Massnahm e objektiv zur Erreichung des Ein- gliederungsziel "Erstausbildung" beiträgt (vgl. auch F ELIX FREY /H ANS -JAKOB MOSIMANN /S USANNE BOLLINGER , AHVG/IVG Kommentar, Zürich 2018, S. 331 N 8). Letztli ch kann diese Frage aber offen bleiben, denn selbst wenn die Beschwerdeführerin die gymnasiale Laufbahn erfolgreich abschliessen sollte, hat sie keinen A nspruch auf berufliche Eingliede- rungsmassnahmen der IV-Stelle. Wie oben in Erwägung 3. 2 dargelegt, haben Versicherte, de- nen bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in we sentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz derselben, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versi- cherten Person entspricht. Einer versicherten Person entstehen aus der erstmaligen beruflichen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausbildung oder Weiterbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten, wenn die Auf- wendungen für die Ausbildung wegen der Invalidität j ährlich um Fr. 400.-- höher sind, als sie ohne Invalidität gewesen wären (Art. 5 Abs. 2 IVV). Vorliegend besucht die Beschwerdeführerin das öffentliche Gymnasium. Es entstehen ihr deshalb - wi e auch die IV-Stelle in der angefoch- tenen Verfügung zu Recht ausführt - aufgrund des Schul besuchs keine höheren Kosten. Aus diesem Grund hat die Beschwerdeführerin entgegen ihrer und der im Schreiben vom 21. März 2018 kundgegebenen Auffassung der behandelnden Ärztin Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, keinen Anspruch auf eine Kostenguts prache für berufliche Massnahmen. Unter diesen Umständen können auch die Kosten für die betreute Wohnform nicht übernom- men werden, da diese nur zugesprochen werden, wenn ein Anspruch auf Massnahmen berufli- cher Art ausgewiesen ist. 6. Aufgrund der vorstehenden Begründung ist die gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 12. Dezember 2018 erhoben Beschwerde abzuweisen. Die IV würde für die Mehrkosten einer Erstausbildung erst dann aufzukommen haben, wenn ein im Hinblick auf das Eingliederungsziel geeigneter Ausbildungsplatz - sei es zwecks direkter Erlernu ng des gewählten Berufs, sei es zwecks notwendiger, spezifischer Vorbereitung auf die eige ntliche Berufsausbildung (vgl. ZAK 1988 S. 177 E. 2, I 552/86; AHI 1997 S. 80 E. 1b, I 139/94; Urteile des EVG vom 1. März 2006, I 836/05, E. 2.1 mit Hinweis; vom 21. August 2003, I 509/01, E. 3.3.1; vom 3. April 2003, I 359/00, E. 2) - und die Erheblichkeit der damit ver bundenen Mehrkosten feststehen. Bei die- sem Ergebnis erübrigen sich entgegen der IV-Stelle wei tere Ausführungen zur Frage, ob die angefochtene Verfügung wegen einer zweifellosen Unrich tigkeit im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG aufzuheben ist. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1'000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Ihr ist nun allerdings mit Verfügung vom 29. Januar 2019 die unentgeltliche Prozessführung b ewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 7.2 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 a ufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwerde- führerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun gen werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.