<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 112 S.485</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">485</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Beschwerden gegen Einspracheentscheide der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Fremdenpolizei</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>112 Wiedererwägung</b></span> <span class="ft3"><b>und</b></span> <span class="ft3"><b>Wiederaufnahme.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Voraussetzungen des Eintretens auf ein neues Familiennachzugsgesuch</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nach rechtskräftig erledigtem erstem Gesuch (Erw. II/2 bis 4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 27. April</span><br/> <span class="ft4">2001 in Sachen L.S. gegen einen Entscheid der Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft4">(BE.1999.00068).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">A. a) Der Beschwerdeführer reiste erstmals 1981 als Saisonnier</span><br/> <span class="ft6">in die Schweiz ein. Am 2. Juli 1992 wurde seine Saisonnier- in eine</span><br/> <span class="ft6">Jahresaufenthaltsbewilligung umgewandelt und am 6. April 1995</span><br/> <span class="ft6">erhielt er die Niederlassungsbewilligung.</span><br/> <span class="ft6">b) Am 31. Mai 1983 wurde der uneheliche Sohn X. geboren;</span><br/> <span class="ft6">mit der leiblichen Mutter ging der Beschwerdeführer keine Ehe ein.</span><br/> <span class="ft6">1987 heiratete der Beschwerdeführer eine jugoslawische Staatsange-</span><br/> <span class="ft6">hörige. Aus dieser Ehe entstammen zwei Kinder, geboren 1987 und</span><br/> <span class="ft6">1990.</span><br/> <span class="ft6">c) Der Beschwerdeführer stellte am 8. Januar 1998 ein Gesuch</span><br/> <span class="ft6">um Ausstellung eines Besuchervisums für seinen Sohn X.. Nach</span><br/> <span class="ft6">Einreise des Sohnes reichte der Beschwerdeführer am 25. März 1998</span><br/> <span class="ft6">ein Familiennachzugsgesuch ein. Zur Begründung führte er aus, X.</span><br/> <span class="ft6">stamme aus einer früheren Beziehung und habe bislang bei seiner</span><br/> <span class="ft6">Mutter gelebt. Da diese nicht mehr für ihn sorgen wolle und auch</span><br/> <span class="ft6">seine Ehefrau aufgrund der beiden gemeinsamen Kinder nicht für X.</span><br/> <span class="ft6">sorgen könne, fehle X. der erforderliche Familienanschluss. Ein</span><br/> <span class="ft6">Kontakt zwischen X. und der Ehefrau und den Kindern des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers bestehe nicht. In der Schweiz hätte er dagegen die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">486</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Möglichkeit, bei seinem Vater zu leben. Mit Verfügung der Frem-</span><br/> <span class="ft6">denpolizei, Sektion Aufenthalt, vom 9. Oktober 1998 wurde das</span><br/> <span class="ft6">Gesuch abgelehnt. Zur Begründung wurde unter anderem ausgeführt,</span><br/> <span class="ft6">zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Sohn bestehe keine</span><br/> <span class="ft6">vorrangige familiäre Beziehung und das Gesuch sei vorwiegend aus</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftlichen Gründen gestellt worden. Gegen diesen Entscheid</span><br/> <span class="ft6">erhob der Beschwerdeführer am 30. Oktober 1998 Einsprache, wel-</span><br/> <span class="ft6">che durch den Rechtsdienst der Fremdenpolizei, nach diversen weite-</span><br/> <span class="ft6">ren Abklärungen und Beweisanordnungen, mit Entscheid vom 25.</span><br/> <span class="ft6">März 1999 abgewiesen wurde. Begründet wurde die Abweisung</span><br/> <span class="ft6">damit, dass der Sachverhalt aufgrund der ungenügenden Mitwirkung</span><br/> <span class="ft6">des Beschwerdeführers, insbesondere aufgrund der eingereichten</span><br/> <span class="ft6">widersprüchlichen Dokumente, nicht habe erstellt werden können.</span><br/> <span class="ft6">Nicht erstellt sei, wer die leibliche Mutter von X. sei, wie das Ver-</span><br/> <span class="ft6">wandtschaftsverhältnis zwischen X. und dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">beziehungsweise zu dessen Ehefrau (allfällige Adoption) aussehe</span><br/> <span class="ft6">und ob und wenn ja, seit wann der Beschwerdeführer das Sorgerecht</span><br/> <span class="ft6">über X. habe. Unter diesen Umständen könne auch nicht von einer</span><br/> <span class="ft6">vorrangigen familiäre Beziehung zwischen X. und dem Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer ausgegangen werden. Gegen diesen Entscheid reichte der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer keine Beschwerde ein.</span><br/> <span class="ft6">d) Am 23. April 1999 stellte der Beschwerdeführer ein Famili-</span><br/> <span class="ft6">ennachzugsgesuch für seine Ehefrau, die beiden gemeinsamen Kin-</span><br/> <span class="ft6">der sowie für X.. Mit Schreiben vom 7. Mai 1999 teilte die Frem-</span><br/> <span class="ft6">denpolizei dem Beschwerdeführer mit, sie erwäge das Gesuch betref-</span><br/> <span class="ft6">fend die Ehefrau und die gemeinsamen Kinder zu bewilligen, betref-</span><br/> <span class="ft6">fend X. hingegen abzulehnen, da nun die Ehefrau des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führers plötzlich als Mutter von X. aufgeführt werde. Gleichzeitig</span><br/> <span class="ft6">forderte sie den Beschwerdeführer zu einer Stellungnahme auf. Nach</span><br/> <span class="ft6">Eingang der Stellungnahme bewilligte die Fremdenpolizei mit Ver-</span><br/> <span class="ft6">fügung vom 1. Juli 1999 das Gesuch für die Ehefrau und die beiden</span><br/> <span class="ft6">ehelichen Kinder; bezüglich des Sohnes trat sie auf das Familien-</span><br/> <span class="ft6">nachzugsgesuch nicht ein. Begründet wurde der Nichteintretensent-</span><br/> <span class="ft6">scheid damit, dass das Familiennachzugsgesuch bereits mit Verfü-</span><br/> <span class="ft6">gung vom 9. Oktober 1998 abgelehnt und eine dagegen erhobene</span><br/> <span class="ft6">Einsprache mit Entscheid vom 25. März 1999 abgewiesen worden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">487</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sei. Dieser Entscheid sei in Rechtskraft erwachsen und Gründe für</span><br/> <span class="ft6">eine Wiederaufnahme des Verfahrens lägen nicht vor.</span><br/> <span class="ft6">B. Mit Eingabe vom 23. Juli 1999 erhob der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">gegen diesen Entscheid Einsprache. Am 12. August 1999 wies der</span><br/> <span class="ft6">Rechtsdienst der Fremdenpolizei (Vorinstanz) die Einsprache ab.</span><br/> <span class="ft6">C. Mit Eingabe vom 27. August 1999 reichte der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer gegen den Einspracheentscheid der Vorinstanz Beschwerde</span><br/> <span class="ft6">ein.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">II. 2. Wird ein Gesuch eingereicht, welches gleich lautet wie ein</span><br/> <span class="ft6">früheres, bereits rechtskräftig entschiedenes Gesuch, stellt sich zu-</span><br/> <span class="ft6">nächst die Frage, ob neue, entscheidwesentliche Umstände geltend</span><br/> <span class="ft6">gemacht werden.</span><br/> <span class="ft6">a) Wird geltend gemacht, es lägen erhebliche, d.h. entscheidwe-</span><br/> <span class="ft6">sentliche Tatsachen oder Beweismittel vor, die zur Zeit des Erlasses</span><br/> <span class="ft6">der Verfügung oder des Entscheides wohl bestanden, der verfügen-</span><br/> <span class="ft6">den oder entscheidenden Behörde aber nicht bekannt waren (unechte</span><br/> <span class="ft6">Noven), so hat die letzte Instanz die Wiederaufnahme des Verfahrens</span><br/> <span class="ft6">zu prüfen (§ 27 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft6">[VRPG] vom 9. Juli 1968).</span><br/> <span class="ft6">b) Wird geltend gemacht, es lägen entscheidwesentliche Um-</span><br/> <span class="ft6">stände vor, die sich erst nach Erlass der nun in Rechtskraft erwach-</span><br/> <span class="ft6">senen Verfügung oder des rechtskräftigen Entscheides ergaben (echte</span><br/> <span class="ft6">Noven), ist durch die erste Instanz zu prüfen, ob ein Anspruch auf</span><br/> <span class="ft6">Wiedererwägung besteht (§ 25 VRPG) und das neue Gesuch damit</span><br/> <span class="ft6">materiell zu behandeln ist.</span><br/> <span class="ft6">c) Bei der Beurteilung des neuen Gesuches hat die zuständige</span><br/> <span class="ft6">Behörde zunächst lediglich zu prüfen, ob die geltend gemachten</span><br/> <span class="ft6">Umstände effektiv neu sind, d.h. ob unechte oder echte Noven vor-</span><br/> <span class="ft6">liegen. Waren die Umstände im ersten Verfahren bekannt, so ist auf</span><br/> <span class="ft6">das neue Gesuch bzw. auf das Wiederaufnahmebegehren nicht ein-</span><br/> <span class="ft6">zutreten, da der Sachverhalt bereits beurteilt worden ist und der Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">488</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">troffene kein Rechtsschutzinteresse besitzt, einen bereits rechtskräf-</span><br/> <span class="ft6">tig beurteilten Sachverhalt nochmals überprüfen zu lassen.</span><br/> <span class="ft6">Sind die geltend gemachten Umstände effektiv als neu zu be-</span><br/> <span class="ft6">zeichnen, ist zu prüfen, ob diese grundsätzlich entscheidwesentlich</span><br/> <span class="ft6">sind. D.h. es ist die Frage zu stellen, ob die Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft6">neuen Umstände grundsätzlich zu einer Bewilligung des Gesuches</span><br/> <span class="ft6">führen kann. Ist auch diese Frage zu bejahen, ist das neue Gesuch bei</span><br/> <span class="ft6">Vorliegen von echten Noven im Rahmen einer Wiedererwägung</span><br/> <span class="ft6">durch die erste Instanz materiell zu behandeln oder das Verfahren bei</span><br/> <span class="ft6">Vorliegen von unechten Noven durch die letzte Instanz wieder auf-</span><br/> <span class="ft6">zunehmen.</span><br/> <span class="ft6">3. a) Das erste Familiennachzugsgesuch des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft6">für seinen Sohn X. wurde mit rechtskräftigem Einspracheentscheid</span><br/> <span class="ft6">der Vorinstanz abgewiesen. Die Abweisung erfolgte, weil der Sach-</span><br/> <span class="ft6">verhalt aufgrund der ungenügenden Mitwirkung des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rers, insbesondere aufgrund der eingereichten widersprüchlichen</span><br/> <span class="ft6">Dokumente, nicht habe erstellt werden können; weil nicht erstellt sei,</span><br/> <span class="ft6">wer die leibliche Mutter von X. sei; weil unklar sei, wie das Ver-</span><br/> <span class="ft6">wandtschaftsverhältnis zwischen X. und dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft6">beziehungsweise zu dessen Ehefrau aussehe; weil zudem unklar sei,</span><br/> <span class="ft6">ob und wenn ja, seit wann der Beschwerdeführer das Sorgerecht über</span><br/> <span class="ft6">X. habe und weil unter diesen Umständen auch nicht von einer vor-</span><br/> <span class="ft6">rangigen familiäre Beziehung zwischen X. und dem Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rer ausgegangen werden könne.</span><br/> <span class="ft6">b) Der Beschwerdeführer bringt in seinem neuen Gesuch einzig</span><br/> <span class="ft6">vor, es gehe nicht mehr nur um den Nachzug des Sohnes X., sondern</span><br/> <span class="ft6">neu auch um den Nachzug seiner Ehefrau und der beiden gemeinsa-</span><br/> <span class="ft6">men Kinder. Andere Noven macht der Beschwerdeführer nicht gel-</span><br/> <span class="ft6">tend. Insbesondere wird auch nicht geltend gemacht, es lägen im</span><br/> <span class="ft6">Zusammenhang mit den Gründen, die zur Abweisung des Gesuches</span><br/> <span class="ft6">geführt hatten, neue Umstände vor.</span><br/> <span class="ft6">c) Zweifellos stellt das Nachzugsgesuchs für weitere Familien-</span><br/> <span class="ft6">angehörige und dessen Bewilligung durch die Fremdenpolizei ein</span><br/> <span class="ft6">echtes Novum dar. Das Gesuch wurde zu Recht als Wiedererwä-</span><br/> <span class="ft6">gungsgesuch betrachtet. Hingegen ist die geltend gemachte neue</span><br/> <span class="ft6">Tatsache für die Beurteilung des neuen Familiennachzugsgesuches</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">489</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">betreffend den Sohn keineswegs entscheidwesentlich. Dies wäre</span><br/> <span class="ft6">allenfalls dann relevant, wenn es sich beim nachzuziehenden Sohn</span><br/> <span class="ft6">um einen gemeinsamen Sohn des Beschwerdeführers und seiner</span><br/> <span class="ft6">Ehefrau handeln würde. Nachdem sich aber für keinen der Gründe,</span><br/> <span class="ft6">die zur Ablehnung des ersten Gesuches geführt haben, aufgrund des</span><br/> <span class="ft6">geltend gemachten neuen Sachverhalts eine andere Beurteilung auf-</span><br/> <span class="ft6">drängt, war die Sektion Aufenthalt auch nicht gehalten, das neue Ge-</span><br/> <span class="ft6">such materiell zu beurteilen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>