<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 3] </div> <div class="para">4P.253/1999 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i> I. Z I V I L A B T E I L U N G</i> </div> <div class="para"> ****************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4. Januar 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichterin und Bundesrichter Walter, </div> <div class="para">Präsident, Rottenberg Liatowitsch, Nyffeler und Gerichts- </div> <div class="para">schreiber Luczak. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Daniel G a n t e n b e i n - Kunz</u>, Platz, 7306 Fläsch, </div> <div class="para"> <u>Martha G a n t e n b e i n - Kunz</u>, Platz, 7306 Fläsch, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, beide vertreten durch Rechtsanwalt </div> <div class="para">Markus Janett, Schulstrasse 1, 7302 Landquart, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Thöny Bau AG</u>, Schra 514, 7220 Schiers, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> <u>Kantonsgericht von Graubünden</u>, Kantonsgerichtsausschuss, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 4 aBV</span> </div> <div class="para"> (Zivilprozess, Beweiswürdigung; Kostenregelung); </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>A.- </u> </div> <div class="para"> Die Eheleute Martha und Daniel Gantenbein-Kunz </div> <div class="para">(Beschwerdeführer) führen einen Weinbaubetrieb in Fläsch. </div> <div class="para">Im Zusammenhang mit einem Neubau führte die Thöny Bau AG </div> <div class="para">(Beschwerdegegnerin) diverse Arbeiten aus und stellte dafür </div> <div class="para">Rechnung von Fr. 13'144.45. Über deren Höhe kam es zwischen </div> <div class="para">den Parteien zum Streit. Daher meldete die Beschwerdegegne- </div> <div class="para">rin am 17. September 1997 im Umfang der gestellten Rechnung </div> <div class="para">beim Vermittleramt des Kreises Maienfeld eine Klage gegen </div> <div class="para">die Beschwerdeführer an. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>B.- </u> </div> <div class="para">Laut Handelsregisterauszug sind für die Beschwerde- </div> <div class="para">gegnerin die beiden Verwaltungsratsmitglieder Hansandrea </div> <div class="para">Thöny und Hans Thöny kollektiv zeichnungsberechtigt. An der </div> <div class="para">Vermittlungsverhandlung vom 4. November 1997 nahm nur Hans </div> <div class="para">Thöny in Begleitung seines Treuhänders Georg Clavadetscher </div> <div class="para">teil. Er legte an der Verhandlung vorschriftsgemäss den Han- </div> <div class="para">delsregisterauszug vor. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>C.- </u> </div> <div class="para"> Da anlässlich der Vermittlungsverhandlung keine </div> <div class="para">Einigung erzielt werden konnte, reichte die Beschwerdegegne- </div> <div class="para">rin am 24. November 1997 beim Bezirksgericht Unterlandquart </div> <div class="para">Klage gegen die Beschwerdeführer ein. In der Prozessantwort </div> <div class="para">vom 19. Januar 1998 beantragten die Beschwerdeführer, auf </div> <div class="para">die Klage sei nicht einzutreten, eventuell sei sie abzuwei- </div> <div class="para">sen. Den Nichteintretensantrag begründeten sie unter anderem </div> <div class="para">damit, dass die Beschwerdegegnerin an der Vermittlungsver- </div> <div class="para">handlung nicht rechtsgültig vertreten gewesen sei. Das Be- </div> <div class="para">zirksgericht Unterlandquart schützte am 26. Mai 1999 diese </div> <div class="para">Einrede und trat auf die Klage nicht ein. Es auferlegte der </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin die Kosten des Vermittlungsverfahrens von </div> <div class="para">Fr. 130.-- und die Kosten des Verfahrens vor dem Bezirksge- </div> <div class="para">richt Unterlandquart von Fr. 2'800.--. Zudem verpflichtete </div> <div class="para">es die Beschwerdegegnerin, den Beschwerdeführern eine aus- </div> <div class="para">seramtliche Entschädigung von Fr. 2'776.35, inkl. Mehrwert- </div> <div class="para">steuer, zu entrichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>D.- </u> </div> <div class="para">Die von der Beschwerdegegnerin erhobene Beschwerde </div> <div class="para">hiess das Kantonsgericht von Graubünden am 14. September </div> <div class="para">1999 teilweise gut. Es bestätigte den Nichteintretensent- </div> <div class="para">scheid, korrigierte aber den Kostenentscheid und setzte un- </div> <div class="para">ter anderem die den Beschwerdeführern zugesprochene Partei- </div> <div class="para">entschädigung von Fr. 2'776.35 auf Fr. 1'500.-- herab. Für </div> <div class="para">das Beschwerdeverfahren erhob das Kantonsgericht keine Kos- </div> <div class="para">ten. Die ausseramtlichen Kosten schlug es wett. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>E.- </u> </div> <div class="para"> Gegen dieses Urteil haben die Beschwerdeführer </div> <div class="para">staatsrechtliche Beschwerde erhoben. Sie beantragen, den an- </div> <div class="para">gefochtenen Entscheid in Bezug auf die Reduktion ihrer Par- </div> <div class="para">teientschädigung für das erstinstanzliche Verfahren und die </div> <div class="para">Verteilung der ausseramtlichen Kosten vor dem Kantonsgericht </div> <div class="para">aufzuheben. Das Kantonsgericht schliesst auf Abweisung der </div> <div class="para">Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist. Die Beschwerde- </div> <div class="para">gegnerin hat keine Vernehmlassung eingereicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> Es ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin </div> <div class="para">an der Vermittlungsverhandlung nicht rechtsgültig vertreten </div> <div class="para">war. Daher bestätigte das Kantonsgericht den Nichteintre- </div> <div class="para">tensentscheid. In Bezug auf die Verteilung der Kosten zog </div> <div class="para">es in Betracht, dass die Beschwerdeführer den Mangel bereits </div> <div class="para">an der Vermittlungsverhandlung hätten erkennen können. Damit </div> <div class="para">wären die Kosten für das erstinstanzliche Verfahren wegge- </div> <div class="para">fallen. Nach Ansicht des Kantonsgerichts haben die Beschwer- </div> <div class="para">deführer durch ihr Verhalten zu den unnötigen Verfahrenskos- </div> <div class="para">ten beigetragen. Deshalb reduzierte es deren Parteientschä- </div> <div class="para">digung angemessen. Die Beschwerdeführer unterlagen somit im </div> <div class="para">Verfahren vor dem Kantonsgericht teilweise. Daher sprach </div> <div class="para">ihnen das Kantonsgericht für dieses Verfahren keine ausser- </div> <div class="para">amtliche Entschädigung zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> a) Die Beschwerdeführer machen geltend, die Reduk- </div> <div class="para">tion der Parteientschädigung verletze in willkürlicher Art </div> <div class="para">und Weise das in Art. 235 der Zivilprozessordnung des </div> <div class="para">Kantons Graubünden vom 1. Dezember 1985 (nachfolgend ZPO) </div> <div class="para">verankerte Rügeprinzip. Die Beschwerdegegnerin habe weder </div> <div class="para">einen entsprechenden Antrag gestellt noch in der Begründung </div> <div class="para">behauptet, die Beschwerdeführer hätten unnötige Kosten ver- </div> <div class="para">ursacht. Zudem habe der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer </div> <div class="para">eine detaillierte Kostenabrechnung eingereicht. Gestützt da- </div> <div class="para">rauf habe das Bezirksgericht die durch den Rechtsstreit ver- </div> <div class="para">ursachten, notwendigen Kosten festgestellt. Diese tatsäch- </div> <div class="para">liche Feststellung binde das Kantonsgericht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Gemäss <span class="artref">Art. 235 ZPO</span> überprüft das Kantonsgericht </div> <div class="para">im Rahmen der Beschwerdeanträge, ob der angefochtene Ent- </div> <div class="para">scheid für die Streitfrage wesentliche Gesetzesbestimmungen </div> <div class="para">verletzt. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer wird da- </div> <div class="para">durch kein Rügeprinzip verankert. <span class="artref">Art. 235 ZPO</span> versagt dem </div> <div class="para">Kantonsgericht lediglich, über die gestellten Anträge der </div> <div class="para">Parteien hinaus zu gehen. In der Beschwerde an das Kantons- </div> <div class="para">gericht beantragte die Beschwerdegegnerin, sowohl die or- </div> <div class="para">dentlichen als auch die ausserordentlichen Verfahrenskosten </div> <div class="para">den Beschwerdeführern zu überbinden. Indem das Kantonsge- </div> <div class="para">richt die Parteientschädigung an die Beschwerdeführer bloss </div> <div class="para">reduzierte, blieb es hinter dem gestellten Antrag zurück. </div> <div class="para">Die Beschwerdegegnerin wirft den Beschwerdeführern überdies </div> <div class="para">ausdrücklich vor, sie hätten den Mangel schon an der Ver- </div> <div class="para">mittlunsgverhandlung gekannt, weshalb ihr Verhalten rechts- </div> <div class="para">missbräuchlich sei. Damit bringt sie zum Ausdruck, dass die </div> <div class="para">Beschwerdeführer durch ihr Verhalten zum unnötigen Aufwand </div> <div class="para">beigetragen haben. Die entsprechende Rüge der Beschwerde- </div> <div class="para">führer ist unbegründet. Nicht zutreffend sind auch die Vor- </div> <div class="para">bringen bezüglich der eingereichten Rechnung. Deren Höhe ist </div> <div class="para">eine tatsächliche Feststellung. Ob der Aufwand, für den das </div> <div class="para">Bezirksgericht die Entschädigung zusprach, dagegen notwendig </div> <div class="para">war, ist keine tatsächliche Feststellung und konnte daher </div> <div class="para">vom Kantonsgericht überprüft werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> a) Die Beschwerdeführer bestreiten, an der Vermitt- </div> <div class="para">lungsverhandlung den Registerauszug eingesehen zu haben. Die </div> <div class="para">entsprechende Feststellung des Kantonsgerichts sei willkür- </div> <div class="para">lich. Die Beschwerdeführer hätten die mangelhafte Vertretung </div> <div class="para">gar nicht bemerkt und somit nicht früher rügen können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Willkür liegt nach ständiger Rechtsprechung </div> <div class="para">nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung ebenfalls ver- </div> <div class="para">tretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre. Der angefoch- </div> <div class="para">tene Entscheid muss vielmehr offensichtlich unhaltbar sein, </div> <div class="para">mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch ste- </div> <div class="para">hen, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz </div> <div class="para">krass verletzen oder in stossender Weise dem Gerechtigkeits- </div> <div class="para">gedanken zuwiderlaufen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=17&amp;from_date=02.01.2000&amp;to_date=21.01.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-II-10%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page10">BGE 125 II 10</a> E. 3a S. 15; 129 E. 5b </div> <div class="para">S. 134, 124 IV 86 E. 2a S. 88). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Das Kantonsgericht behauptet nicht, die Be- </div> <div class="para">schwerdeführer hätten den Handelsregisterauszug an der Ver- </div> <div class="para">handlung tatsächlich eingesehen. Es stützt seinen Entscheid </div> <div class="para">vielmehr darauf, dass die Beschwerdeführer in den Handelsre- </div> <div class="para">gisterauszug hätten Einsicht nehmen können. Dass sie um Ein- </div> <div class="para">sicht gebeten hätten und ihnen diese verweigert worden wäre, </div> <div class="para">behaupten die Beschwerdeführer nicht. Damit ist der ange- </div> <div class="para">fochtene Entscheid auch in diesem Punkt nicht geradezu </div> <div class="para">offensichtlich unhaltbar im Sinne der angeführten Recht- </div> <div class="para">sprechung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para">Als willkürlich rügen die Beschwerdeführer noch, </div> <div class="para">dass das Kantonsgericht aus dem in <span class="artref">Art. 4 ZPO</span> verankerten </div> <div class="para">Grundsatz des Handelns nach Treu und Glauben schliesst, der </div> <div class="para">Vertreter der Beschwerdeführer hätte die Beschwerdegegnerin </div> <div class="para">auf die mangelhafte Vertretung hinweisen müssen. Die Be- </div> <div class="para">schwerdeführer sind der Meinung, ein Rechtsvertreter, der </div> <div class="para">die Gegenpartei daran hindere, einen für seine Mandantschaft </div> <div class="para">günstigen prozessualen Fehler zu begehen, verletze seine </div> <div class="para">vertragliche Pflichten gegenüber dem Klienten. Inwiefern der </div> <div class="para">prozessuale Fehler der Beschwerdegegnerin für die Beschwer- </div> <div class="para">deführer von Vorteil gewesen sein soll, legen die Beschwer- </div> <div class="para">deführer nicht dar und ist auch nicht ersichtlich. Der Hin- </div> <div class="para">weis an die Gegenpartei wäre mit keinerlei Nachteilen für </div> <div class="para">die Beschwerdeführer verbunden gewesen, sondern hätte im </div> <div class="para">Gegenteil auch ihnen unnötigen Aufwand erspart. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>5.- </u> </div> <div class="para"> Die Rügen der Beschwerdeführer erweisen sich somit </div> <div class="para">als unbegründet. Das Mass der Reduktion beanstanden die Be- </div> <div class="para">schwerdeführer nicht. Da das Kantonsgerichts teilweise gegen </div> <div class="para">die Beschwerdeführer entschied, konnte es auch ohne Willkür </div> <div class="para">davon absehen, den Beschwerdeführern für das Verfahren vor </div> <div class="para">dem Kantonsgericht eine Parteientschädigung zuzusprechen. </div> <div class="para">Der Entscheid des Kantonsgerichts ist auch in diesem Punkt </div> <div class="para">nicht zu beanstanden. Die staatsrechtliche Beschwerde ist </div> <div class="para">daher abzuweisen. Eine Parteientschädigung haben die Be- </div> <div class="para">schwerdeführer nicht zu entrichten, da sich die Beschwerde- </div> <div class="para">gegnerin nicht vernehmen liess. </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Bundesgericht </u> </div> <div class="para">: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird den </div> <div class="para">Beschwerdeführern auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantons- </div> <div class="para">gericht Graubünden schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 4. Januar 2000 </div> <div class="para">LKC/bie </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. Zivilabteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>