Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht Vom 11. Februar 2015 (810 14 245) ____________________________________________________________________ Erziehung und Kultur Zumutbarkeit des Schulwegs Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Jgnaz Jermann , Gerichtsschreiber i.V. Sebastian Rieger Parteien Einwohnergemeinde A.____ , vertreten durch Michael Baader , Rechtsanwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner B.____ und C.____ , Beschwerdegegner Betreff Rechnung für den Schulbesuch von D.____ (RRB Nr. 1150 vom 12. August 2014) A. D.____, Tochter von B.____ und C.____, wohnhaft im E.____ in A.____, besucht seit dem Schuljahr 2012/2013 die Primarschule an ihrem T agesaufenthaltsort F.____. Dies, weil ihre Eltern mit der Zuteilung ihrer Tochter in die neu gebildete Kreisschule G.____ nicht einver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht standen sind, da sie insbesondere Bedenken betreffend di e Zumutbarkeit des neuen Schul- wegs haben. B. Mit Schreiben an die Gemeinde A.____ vom 8. Dezembe r 2012 verlangten B.____ und C.____ die Kostenübernahme durch die Gemeinde B.____ für den Aufwand des täglichen Brin- gens und Abholens von D.____ nach bzw. von F.____ und f ür die Kosten der Tagesfamilie inkl. Mittagessen von insgesamt Fr. 9'220.90. Der Gemeinderat A.____ lehnte die Kostenübernahme mit Entscheid vom 18. Dezember 2012 ab. Er führte dabei zusammengefasst aus, dass die Gemeinde A.____ lediglich das Schulgeld übernehme. Die Bildungsgesetzgebung sehe hinge- gen keine Beteiligung der Wohnsitzgemeinde an den dur ch einen Tagesaufenthalt in einer an- deren Gemeinde entstandenen Kosten vor. D.____ habe die Möglichkeit, die Kreisschule G.____ zu besuchen. C. Die von B.____ und C.____ am 26. Dezember 2012 geg en die Ablehnung der Kosten- übernahme durch die Gemeinde erhobene Beschwerde wurde vom Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit Entscheid vom 26. März 2013 abgewiesen. D. Am 30. März 2013 erhoben B.____ und C.____ gegen den Entscheid des Regierungs- rats vom 26. März 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht B asel-Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). E. Mit Urteil vom 30. Oktober 2013 (810 13 125) hiess d as Kantonsgericht die Beschwer- de von B.____ und C.____ gut und wies die Angelegenh eit zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an den Regierungsrat zurück. Zur Begründung führte das Kantonsgericht im We- sentlichen aus, dass es der Regierungsrat zu Unrecht unter lassen habe, die Zumutbarkeit des Schulweges von D.____ in die Kreisschule G.____ zu überpr üfen. Damit über die beantragte Kostenübernahme entschieden werden könne, müsse jedoch vo rab diese Frage geklärt wer- den. F. Mit Entscheid Nr. 1150 vom 12. August 2014 hiess der R egierungsrat im Rahmen der Neubeurteilung der Angelegenheit die Beschwerde der Ehegatten B.____ und C.____ vom 26. Dezember 2012 gut. Er führte im Wesentlichen aus, dass die beiden Schulwegvarianten “H.____“ und “I.____“ aufgrund der langen Distanz vom heimischen Hof bis nach A.____ für D.____ nicht zumutbar seien, insbesondere weil beide Varianten mit mehr als 2,5 km Schulweg zu lang und mit dem Autobahnzubringer und dem Tunnela bschnitt zu gefährlich seien. Die Va- riante “J.____“ beinhalte zwei unterschiedliche Schulwegm öglichkeiten, wobei die erste auf- grund des fehlenden Trottoirs sowie der geringen Auswei chmöglichkeiten zu gefährlich und die zweite Untervariante mit einer Gesamtdistanz von 3,44 km zu lang sei. Infolge der Unzumutbar- keit des Schulweges für D.____ sei die Gemeinde A.____, da sie der betroffenen Schülerin kei- nen ausreichenden Grundschulunterricht anbieten könne, g rundsätzlich zur Übernahme der Kosten für die Beschulung in der Gemeinde A.____ verpfl ichtet. Dabei sei die Gemeinde A.____ jedoch nicht zur vollen Übernahme der geltend gemachten Kosten verpflichtet. Vielmehr müsse sie nur diejenigen Kosten übernehmen, die aus dem Umstand des unzumutbaren Schulweges entstanden seien. In diesem Sinne werde die Gemeinde A.____ angewiesen, über Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Höhe der Kostenübernahme zu entscheiden, wobei die Kosten nur solange zu übernehmen seien, bis die Gemeinde A.____ D.____ einen zumutbaren Schulweg anbieten könne. G. Mit Eingabe vom 25. August 2014 erhob die A.____ gegen den regierungsrätlichen Entscheid vom 12. August 2014 Beschwerde beim Kantons gericht. Sie stellt das Begehren, es sei der regierungsrätliche Entscheid aufzuheben und es se i festzustellen, dass die Gemeinde keine Pflicht zur Kostenübernahme treffe. In der Beschwerdebegründung vom 27. Oktober 2014 führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, dass de r Schulweg für D.____ insgesamt zumutbar sei. Das Verhalten der Beschwerdegegner sei üb erdies insofern rechtsmissbräuch- lich, als sie sich einerseits auf Tatsachen berufen würden , die bereits seit zwei Jahren bestan- den hätten und andererseits feststellbar sei, dass der S chulweg nach A.____ weder zeitlich noch im Hinblick auf die zurückzulegende Distanz für D.__ __ zumutbarer sei als der von der Beschwerdeführerin vorgesehene Schulweg. Die Beschwerde gegner seien nicht mit der Bil- dung der Kreisschule G.____ einverstanden gewesen, weshalb sie ihre Tochter nach A.____ in die Schule schicken würden. Daher habe die Beschwerdeführ erin die Kosten nicht zu tragen, die infolge der Beschulung von D.____ in A.____ entstünden. H. Mit Vernehmlassung vom 23. November 2014 beantrage n die Ehegatten B.____ und C.____ (Beschwerdegegner) sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. Sie führen im We- sentlichen aus, dass bei einer allfälligen Verspätung d er Schülerin der Schulbus A.____ bereits verlassen habe und sie als Eltern erst 25 Minuten später von dem betroffenen Klassenlehrer informiert werden könnten. In dieser Zeit seien die betroffenen Schüler auf sich gestellt. Dies sei bei der Dorfschule sowie in der Schule A.____ nicht der Fall. Zwar sei richtig, dass die reine Busfahrzeit von A.____ in die Kreisschule G.____ nach K.____ lediglich zehn Minuten betrage. Der Bus fahre jedoch bereits 25 Minuten vor Schulbegin n der Kreisschule G.____ los, weshalb sich der Schultag für D.____ beachtlich verlängere. Fe rner verweisen die Beschwerdegegner auf diverse Schreiben, in welchen sie bereits ein Jahr vor der Einführung der Kreisschule G.____ das Gespräch mit diversen Amtsstellen bezüglich der Unzumutbarkeit des Schulweges gesucht hätten. Mit der Vernehmlassung reichten die Be schwerdegegner zudem diverse Foto- grafien der problematischen Stellen des Schulweges ein. I. In seiner Vernehmlassung vom 19. Dezember 2014 beant ragt der Regierungsrat, die Beschwerde sei unter o/e Kostenfolge abzuweisen. Zur B egründung wird im Wesentlichen aus- geführt, dass der Schulweg vom heimischen Hof nach A.___ _ nicht zumutbar sei. In Bezug auf die Rüge des Rechtsmissbrauchs sei zwar zutreffend, dass D._ ___ wie auch ihre Geschwister den eigentlich unzumutbaren Schulweg bereits vor der Einschulung in A.____ zurückgelegt hät- ten und der Schulweg nach A.____ länger sei. Dies änd ere aber nichts an der Tatsache, dass der Schulträger für einen verfassungsmässigen, ausreichenden Grundschulunterricht zu sorgen habe. Von dieser Verpflichtung könne sich die Beschwerdeführerin nicht mit dem Argument des Rechtsmissbrauchs befreien, auch wenn die Beschwerdegegner die Unzumutbarkeit des Schulwegs erst mit der Gründung der Kreisschule G.____ vo rgebracht hätten, zumal das Recht auf einen zumutbaren Schulweg nicht verwirken könne. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Verfügung vom 8. Januar 2015 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. 1.2 Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt , wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Dieses Interesse kann rechtlicher oder auch bloss tatsächli- cher Natur sein. Verlangt wird, dass die Beschwerde füh rende Person durch den angefochte- nen Entscheid stärker als jedermann betroffen ist und i n einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht. Dieses allgemeine Beschwerderecht ist zwar herkömm- licherweise auf Private zugeschnitten. Nach der Rechtspre chung ist jedoch auch ein Gemein- wesen gestützt auf die allgemeine Legitimationsbestimmu ng zur verwaltungsgerichtlichen Be- schwerde legitimiert, soweit es gleich oder ähnlich wie ein Privater betroffen ist (BGE 125 II 192 E. 2a/aa, 123 II 374 E. 2c, 122 II 36 E. 1b, 118 Ib 616 E. 1b, 112 Ib 130 E. 2, je mit Hinweisen). Eine Gemeinde, welche zur Übernahme von Schulkosten ver pflichtet wird, ist nach der Praxis des Kantonsgerichts unmittelbar in ihren finanziellen Interessen betroffen und ihre Beschwerde- legitimation gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist daher zu bejahen (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [810 04 98] vom 23. März 2005 E. 1c mit Hin- weis). Die Beschwerdeführerin ist demnach zur Beschwerde legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Vorweg ist zu prüfen, ob die Berufung der Beschwerd egegner auf Art. 19 BV bzw. den daraus fliessenden Anspruch auf einen zumutbaren Schulweg als rechtsmissbräuchlich zu qua- lifizieren ist. 3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Verhalte n der Beschwerdegegner sei rechtsmissbräuchlich, da sie sich einerseits auf Tatsachen berufen würden, die bereits seit zwei Jahren bestanden hätten und bis zur damaligen Beschwer de nie Anlass zur Klage gegeben hätten. Andererseits sei festzustellen, dass der Schulweg nach A.____ weder zeitlich noch im Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinblick auf die zurückzulegende Distanz für D.____ zumutba rer sei als der von der Beschwer- deführerin vorgesehene Schulweg. D.____ sei zudem öfter s dabei beobachtet worden, wie sie den längeren Schulweg nach A.____ zu Fuss zurückgelegt ha be. Die Beschwerdegegner wür- den den längeren Schulweg in die Kreisschule G.____ somit lediglich aufgrund ihrer Abneigung der neuen Kreisschule gegenüber monieren. 3.2.1 Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will (vgl. BGE 121 I 367 E. 3b; U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, Zü- rich/St. Gallen 2010, N 715 ff.). 3.2.2 Vorab kann aufgrund des Umstands, dass D.____ die erste Klasse der Primarschule in A.____ besuchte und die Beschwerdegegner den Schulweg dorthin nie beanstandet hatten, nicht von einem rechtsmissbräuchlichen Vorgehen ausgegan gen werden. Dies folgt bereits da- raus, dass der Schulweg vom heimischen Hof in die Kreisschule G.____ aufgrund der zusätz- lich erforderlichen Benutzung des Schulbusses länger ist al s der damalige Schulweg in die Dorfschule A.____. Die Argumentation der Beschwerdegegner, der Schulweg in die Kreisschule G.____ sei unzumutbar, beruht demnach auf veränderten Umständen. 3.2.3 Soweit die Beschwerdeführerin einen Rechtsmissbra uch darin erblickt, dass die Be- schwerdegegner ihre Tochter aus rein persönlichen Gründe n im entfernter gelegenen F.____ beschulen lassen würden und eine über das gesetzlich vorge sehene Schulgeld hinausgehende Übernahme der Kosten dafür nicht vorgesehen sei, kann i hnen ebenfalls nicht gefolgt werden. Wie der Regierungsrat im angefochtenen Entscheid zutre ffend ausführt, können sich die Be- schwerdegegner in Bezug auf die Beschulung von A.____ in F.____ zulässigerweise auf § 26 Abs. 2 des Bildungsgesetzes vom 6. Juni 2002 berufen, wo nach ein Kind Anspruch auf den Primarschulbesuch in der Gemeinde hat, in welcher es ta gsüber regelmässig betreut wird. Die- se Voraussetzung ist im vorliegenden Fall unbestrittenerm assen erfüllt. Die Beschulung von D.____ in F.____ ändert sodann nichts an der Pflicht de r Wohnsitzgemeinde, einen ausrei- chenden Grundschulunterricht zu gewährleisten (Art. 19 BV), was namentlich auch einen zu- mutbaren Schulweg beinhaltet (BGE 140 I 153 E. 2.3. 3). Sofern sie dies nicht vermag, ist sie grundsätzlich zur Übernahme der hieraus entstandenen Ko sten verpflichtet. Schliesslich gilt festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit dem angefo chtenen Entscheid einzig im Grund- satz zur Übernahme der Kosten verpflichtet wurde, währen d über die Höhe der fraglichen Kos- ten nicht entschieden wurde. Diesbezüglich wurde vielmehr festgehalten, dass die Beschwerde- führerin nicht zur Übernahme der gesamten von den Besch werdegegnern geltend gemachten Kosten verpflichtet sei, sondern einzig zur Übernahme derjenigen Kosten, welche aus dem Um- stand entstanden seien, dass der Schulweg nicht zumutbar se i. Von einem Rechtsmissbrauch kann somit auch vor dem Hintergrund nicht gesprochen we rden, dass den Beschwerdegegnern die Kosten lediglich – aber immerhin – im Umfang zu er statten sind, in welchem sie im Fall der Beschulung von D.____ in der Kreisschule G.____ entstanden wären. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Zu prüfen ist nach dem Gesagten einzig, ob der Regi erungsrat zu Recht den Schulweg in die Kreisschule G.____ für D.____ als unzumutbar er achtete und die Beschwerdeführerin im Grundsatz zur Kostenübernahme verpflichtete. 4.1 Der Regierungsrat führte im angefochtenen Entsche id aus, dass sich die Zumutbarkeit des Schulwegs nach der Länge des zurückzulegenden Weges, de ssen Gefährlichkeit sowie nach der Persönlichkeit des Kindes bemesse. Grundsätzlich sei ein Schulweg von rund 2.5 km oder ein Fussmarsch von einer halben Stunde ab dem Kindergartenalter zumutbar, sofern keine zusätzlichen Erschwernisse wie Weggefälle hinzukommen würd en. Die Vorinstanz untersuchte im angefochtenen Entscheid die drei von der Gemeinde A .____ aufgezeigten möglichen Schul- wege vom heimischen Hof nach A.____, von wo die Schül erinnen und Schüler vom Schulbus abgeholt werden. Bei der Variante “H.____“ sei der S chulweg 2.76 km lang und beinhalte 230 m Höhendifferenz, wobei die Marschzeit auf dem Hin weg 44 min. und auf dem Rückweg 56 min. dauern würde. Die Variante “I.____“ umfasse e ine Weglänge von 3.11 km und eine Hö- hendifferenz von 233 m, wobei die Marschzeit auf dem Hi nweg 48 min. und auf dem Rückweg eine Stunde betragen würde. Die Variante “J.____“ (m it Subvariante X.____-strasse oder Sub- variante Y.____-strasse) sei für den Winter mit schneebe deckten Strassen gedacht. Der Weg bis zur Bushaltestelle in A.____ betrage 3.44 km und wei se 214 m Höhenmeter auf. Die Marschzeit für den Hinweg betrage 50 min., der Rückweg g ar eine Stunde. Es handle sich bei allen Varianten um einen zeitlich und physisch sehr aufwä ndigen Schulweg. Zudem sei festzu- halten, dass D.____ nach der angegebenen Marschzeit erst i n A.____ sei. Somit verlängere sich der Schulweg noch um die jeweilige Busfahrt. Neben der Marschzeit und den zu überwin- denden Höhendifferenzen sei die Zumutbarkeit des Sch ulweges auch von der Gefährlichkeit desselben abhängig. Bei den Varianten “H.____“ und “ I.____“ müsste D.____ 104 m an der ohne Trottoir versehenen “Y.____-strasse“ entlang laufen . Zudem führten beide Varianten 167 m dem Autobahnzubringer mit einem Tunnelabschnit t entlang, welcher keine Ausweich- möglichkeiten für die Kinder aufweise. Beide Varianten seien deshalb als zu gefährlich zu quali- fizieren. Bei der Variante “J.____“ mit der Subvariant e “Y.____-strasse“ sei ebenfalls kein Trot- toir vorhanden und es gebe kaum Ausweichmöglichkeiten, w eshalb auch diese Variante zu ge- fährlich sei. Die Variante “J.____“ mit der Subvariant e “X.____-strasse“ sei mit einer Länge von 3.44 km bis zur Bushaltestelle in A.____ schlicht zu lang. Alle drei Schulwegvarianten würden sich somit als unzumutbar erweisen. 4.2 Die Beschwerdeführerin führt bezüglich der Zumutba rkeit des Schulweges in die Kreis- schule G.____ aus, dass die von der Vorinstanz angewandten Massstäbe (2.5 km/30 min. Fussmarsch) auf Kinder im Kindergartenalter gemünzt seie n. Da D.____ bereits die zweite Pri- marklasse besuche, sei ihr ein längerer Schulweg zumutbar . Zudem sei die Vorinstanz nicht spezifisch auf die örtlichen Verhältnisse eingegangen. D istanzverhältnisse und Topographien, wie sie hier vorlägen, kämen in ländlichen Gegenden häu fig vor und würden für sich alleine noch keine Unzumutbarkeit des Schulweges begründen. In Bezug auf die Variante “H.____“ sei festzustellen, dass diese nicht bereits deshalb unzumutbar sei, weil sie entlang dem Autobahn- zubringer mit einem Tunnelabschnitt führe, zumal letzter er nur von Fahrzeugen benutzt werde, die aus A.____ kommen und via Autobahn A2 in Richtung S üden fahren. Die Zubringerstrasse weise somit praktisch keinen Verkehr auf, weshalb weder der Autobahnzubringer noch das feh- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lende Trottoir oder der fehlende Radweg ins Gewicht f allen würden. Auch die unübersichtlichen Kurven seien infolge des geringen Verkehrsaufkommens nicht gefährlich und würden den Schulweg genauso wenig unzumutbar machen wie der zurü ckzulegende Waldweg, auf wel- chem kein Winterdienst erfolge. Auch bezüglich der Länge des Schulweges und der Höhendif- ferenz könne nicht gesagt werden, dass er für ein achtjäh riges Mädchen unzumutbar sei. Zwar biete die Kreisschule G.____ keinen Mittagstisch an, es gebe jedoch zahlreiche private Mittags- tische, weshalb der Schulweg nur noch zweimal täglich zu bewältigen sei. 4.3 In der Vernehmlassung des Regierungsrats vom 19. Deze mber 2014 werden erneut die drei Schulwegvarianten aufgezeigt und analysiert. Der Regierungsrat gelangt zum Schluss, der Schulweg vom heimischen Hof ins Dorfzentrum von A.__ __ sei unzumutbar, da alle drei von der Gemeinde aufgezeigten Varianten zu lang seien. Hinzu komme, dass insbesondere die Varianten “H.____“ und “I.____“ sowie die Subvariant e “Y.____-strasse“ zu gefährlich seien, da der Schulweg an einigen Stellen mehrere Strassen ohn e Trottoirs und ohne Ausweichmöglich- keiten aufweise. 4.4.1 Gemäss Art. 19 BV ist der Anspruch auf ausreiche nden und unentgeltlichen Grund- schulunterricht gewährleistet. Nach Art. 62 Abs. 1 und 2 BV sorgen die für das Schulwesen zu- ständigen Kantone für einen ausreichenden, allen Kind ern offenstehenden und an öffentlichen Schulen unentgeltlichen obligatorischen Grundschulunterr icht. Die Anforderungen, die Art. 19 BV an den obligatorischen Grundschulunterricht stellt (" ausreichend"), belassen den Kantonen einen erheblichen Gestaltungsspielraum. Die Ausbildung muss aber auf jeden Fall für den Ein- zelnen angemessen und geeignet sein und genügen, um d ie Schüler angemessen auf ein selbstverantwortliches Leben im modernen Alltag vorzube reiten. Der Unterricht muss grund- sätzlich am Wohnort der Schüler erteilt werden; die rä umliche Distanz zwischen Wohn- und Schulort darf den Zweck der ausreichenden Grundschulausbild ung nicht gefährden. Aus der in Art. 19 BV verankerten Garantie ergibt sich mithin ein verfassungsmässiger Anspruch auf einen zumutbaren Schulweg. Dies beinhaltet einen Anspruch auf Übernahme der Transportkosten, wenn der Schulweg wegen übermässiger Länge oder Gefähr lichkeit dem Kind nicht zugemutet werden kann (vgl. BGE 133 I 156 E. 3.1 mit Hinweisen; REGULA KÄGI -DIENER , in: Ehrenzel- ler/Mastronardi/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schwe izerische Bundesverfassung, Kommen- tar, Zürich 2008, Art. 19 N 39; SÀNDOR HORVÀRTH , Der verfassungsmässige Anspruch auf einen zumutbaren Schulweg, in: ZBl 108/2007 S. 633 ff.). Ist der Schulweg übermässig lang, weist er eine ungünstige Topografie auf oder erscheint er als b esonders gefährlich, sodass er den Schulpflichtigen insgesamt unzumutbar ist, begründet dies einen Anspruch auf Unterstützung. Der Schulträger hat zu gewährleisten, dass die Schulpfli chtigen sicher, zuverlässig und zeitge- recht zur Schule und zurück befördert werden (BGE 140 I 153 E. 2.3.3). 4.4.2 Im Folgenden gilt es, die drei Schulwegvariante n im Lichte der aufgezeigten Rechtsla- ge auf ihre Zumutbarkeit hin zu beurteilen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzustel- len, dass bei einem Schulweg von 2.5 km bzw. bei einer Marschdauer von 30 min. in jedem Fall von einem zumutbaren Schulweg auszugehen ist (vgl. H ERBERT PLOTKE , Schweizerisches Schulrecht, 2. Aufl., Bern/Stuttgart/ Wien 2003, S. 2 27 mit weiteren Hinweisen), wobei diese Richtgrössen durch Eigenschaften, die in der Person des Schülers bzw. der Schülerin bestehen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie durch die Gefährlichkeit des zurückzulegenden Wege s relativiert werden können (vgl. SÀNDOR HORVÀRTH , a.a.O., S. 649). Um die Höhendifferenzen einzubere chnen, erscheint eine Umwandlung der Höhendifferenz in Leistungskilometer ziel führend. Dabei entsprechen 100 m Höhenunterschied einem Kilometer Distanz in der Ebene. Neben der eigentlich zu überwinden- den Distanz ist auch die Beschaffenheit und damit die Gefährlichkeit der Wegvariante zu beach- ten. So gelten insbesondere Wegeigenschaften wie Stra ssen ohne Trottoirs, unübersichtliche Kurven oder längere Partien durch ein einsames Waldstü ck als Indizien für die Gefährlichkeit des Schulweges (vgl. HERBERT PLOTKE , a.a.O., S. 228 f.). 4.4.3 Zu den Längen und zur Dauer der jeweiligen Va rianten ist folgendes festzustellen: Die Variante “H.____“ umfasst unbestrittenermassen eine Läng e von 2.76 km und weist eine Hö- hendifferenz von 230 m auf. Dabei besteht unter Berücksi chtigung der Höhendifferenz eine Schulweglänge von 5.06 km. Die Dauer beträgt für den Hinweg 44 min. und für den Rückweg 56 min. Diese Schulwegvariante weist damit eine weit über die Richtgrösse hinausgehende Distanz auf und ist bereits mit Blick auf die zurückzulegen de Weglänge als unzumutbar zu qua- lifizieren. Mit Blick auf die die Richtgrösse von 2.5 km ü bersteigende Distanz von 2.56 km än- dert auch das Alter von D.____ an der Unzumutbarkeit die ser Wegvariante nichts. Die Variante “I.____“ wird von der Beschwerdeführerin in der Beschwerdebegründung vom 27. Oktober 2014 zwar nicht genauer umschrieben bzw. analysiert, die Angabe n im angefochtenen Entscheid werden aber auch nicht bestritten. Für eine fehlerhaf te Darstellung durch den Regierungsrat bestehen im Übrigen keine Anhaltspunkte. Die Variante “I.____“ weist eine Distanz von 3.11 km und eine Höhendifferenz von 233 m auf. Nach der Umrech nung in Leistungskilometer beträgt diese Schulwegvariante somit 5.44 km und übersteigt die vorstehend genannte Richtgrösse um mehr als das Doppelte. Selbst wenn – in Übereinstimmun g mit der Beschwerdeführerin – die fragliche Richtgrösse auf Kinder der Kindergartenstufe gemünzt ist, kann von einem achtjähri- gen Mädchen nicht erwartet werden, dass es täglich mehrma ls (u. U. bis zu viermal) einen Schulweg von mehr als fünf Kilometern auf sich nimmt, zu mal die Marschzeit mit 48 min. auf dem Hinweg und eine Stunde auf dem Rückweg die zeitli che Richtgrösse genauso deutlich übersteigt. Die Variante “J.____“ weist eine zurückzule gende Distanz von 3.44 km und Höhen- meter von 214 m auf. In Leistungsmetern ausgedrückt bet rägt der Schulweg “J.____“ somit 5.58 km und übersteigt die vorgegebene Richtgrösse bei Weitem. Da der Schulbus bereits um 7:35 Uhr in A.____ abfährt, müsste D.____, je nach Weg , ihr Elternhaus täglich um ca. 6:40 bis 6:50 Uhr verlassen. Alle drei Varianten erweisen sich somi t sowohl hinsichtlich der zurückzule- genden Distanz als auch hinsichtlich der beanspruchten Zeit als unzumutbar. 4.4.4 Zur Gefährlichkeit der einzelnen Schulwegvaria nten ist von folgenden Feststellungen auszugehen: Die Beschwerdeführerin stellt sich in der Be schwerdeeingabe vom 27. Oktober 2014 auf den Standpunkt, die von ihr detailliert besch riebene Schulwegvariante “H.____“ sei nicht gefährlich und daher zumutbar (vgl. Ausführungen in E. 4.2). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Wie bereits ausgeführt, sind unübersich tliche Strassen ohne Trottoir selbst bei einem geringen Verkehrsaufkommen als Gefahrenindiz zu w erten. So führt die von der Be- schwerdeführerin bevorzugte Schulwegvariante einerseits an einer Kantonsstrasse vorbei (104 m an der Y.____-strasse) und andererseits an eine m Autobahnzubringer, der auch einen Tunnelabschnitt aufweist. In der im vorinstanzlichen Ver fahren verfassten Vernehmlassung der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin vom 25. April 2014 werden mittels F otografien die unterschiedlichen Weg- varianten aufgezeigt. Dabei fällt insbesondere auf, dass besagter Tunnelabschnitt an einer sehr unübersichtlichen Kurve liegt und kein Trottoir aufweist . Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, besteht auf diesem Wegabschnitt auch keine Ausweichmögli chkeit. Die Variante erweist sich damit nicht nur aufgrund der Länge, sondern auch in Bezug auf die Gefährlichkeit der Strecke als unzumutbar. Das gleiche gilt für die Variante “I._ ___“, welche neben der unzumutbaren Dis- tanz die gleichen Gefahrenquellen (Autobahnzubringer/ Tunnel/fehlendes Trottoir) wie die zuvor genannte Variante aufweist. Die Variante “J.____“ mi t der Subvariante “Y.____-strasse“ erweist sich mit Blick auf die zum Teil sehr enge Strassenführung mit unübersichtlichen Kurven auf- grund des erhöhten Waldrandes und dem fehlenden Trott oir ebenfalls als zu gefährlich. Zur Gefährlichkeit der Subvariante “X.____-strasse“ erfolge n weder durch die Vorinstanz noch durch die Beschwerdeführerin Ausführungen. Die Frage der Gefährlichkeit dieser Wegvariante kann mit Blick auf die ohnehin unzumutbare Distanz offen bleiben. 4.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass alle von der Besch werdeführerin aufgezeig- ten Schulwegvarianten für ein achtjähriges Mädchen unzu mutbar sind. Die Beschwerde ist ge- stützt darauf vollumfänglich abzuweisen. 5. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 5.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- der Beschwerdeführerin aufzuer- legen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 5.2 Die ausserordentlichen Kosten sind in Anwendung von § 21 Abs. 1 und 2 VPO wett- zuschlagen. 5.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, so ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe Fr. 1‘400.-- verrechnet. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 12. Mai 2015 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_414/2015) erhoben.