B. Gerichtsentscheide 3525 104 örtlich unzuständig erklärt. Im Übrigen ist der Ver fahrensablauf, wie ihn das Betreibungsamt Appenzeller Mittelland skizz iert hat, korrekt. AB SchK, 27.08.2008 3525 Rechtsstillstand wegen schwerer Erkrankung ( Art. 61 SchKG). Entgegen dem Wortlaut der Bestimmung reicht eine sc hwere Krank - heit allein nicht aus, um einen Rechtsstillstand zu begründen. Der Rechtsstillstand muss vielmehr aufgrund der gesamte n Umstände als gerechtfertigt erscheinen. Aus den Erwägungen: Das Betreibungsamt kann einem schwerkranken Schuldn er für eine bestimmte Zeit Rechtsstillstand gewähren (Art. 61 SchKG). Die Gewährung des Rechtsstillstands setzt eine schw ere Krankheit voraus. Keine schwere Krankheit sind Schwangerschaf t und Nieder - kunft, auch nicht eine depressive Verstimmung des S chuldners zufolge seiner finanziellen Bedrängnisse. Immerhin kann auch in diesen Fällen bei schwerwiegenden Komplikationen da s Tatbestands- merkmal der schweren Krankheit erfüllt sein ( Thomas Bauer , Basler Kommentar, SchKG I, Basel 1998, N 4 zu Art. 61 SchKG mit Ver - weisen). Ob der Beschwerdeführer hier schwer krank im Sinne des Ge - setzes ist, ist für die Aufsichtsbehörde zumindest fraglich. Denn gemäss dem ärztlichen Zeugnis trat bezüglich der ak uten psychischen Dekompensation, welche im letzten Jahr zu einer sta tionären Behandlung führte, im Verlaufe der anschliessenden Beh andlung eine Besserung des psychischen Zustandes ein. Mit Blick auf die nachfolgenden Ausführungen braucht diese Frage inde ssen nicht abschliessend behandelt zu werden. Entgegen dem Wortlaut der Bestimmung reicht eine sc hwere Krankheit allein nämlich nicht aus, um einen Rechts stillstand zu begründen. Vielmehr muss der Rechtsstillstand aufgr und der gesam - ten Umstände als gerechtfertigt erscheinen. Mit die sem zusätzlichen Erfordernis wird entweder die Auswirkung der schwer en Krankheit auf den Schuldner, oder aber die erhoffte Wirkung des R echtsstillstands 104B. Gerichtsentscheide 3525 105 selbst angesprochen. Und zwar muss die schwere Kran kheit sich derart auswirken, dass dem Schuldner die Bestellung eines Vertreters nicht möglich oder zuzumuten ist. Dem Schuldner ist diesfalls der Rechtsstillstand solange zu gewähren, als er zur Be stellung eines Vertreters benötigt. Weiter vermag Insolvenz zufolg e schwerer Krankheit einen Rechtsstillstand zu rechtfertigen, sofern die krank - heitsbedingte Verdienstlosigkeit ursächlich für die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners war. Ausgeschlossen ist der Rechtsst illstand demgegenüber in jenen Fällen, in denen die Zahlungs unfähigkeit schon vor der schweren Krankheit bestanden hat. Sch liesslich ist es denkbar, einen Rechtsstillstand zu gewähren, wenn d ieser es dem schwerkranken Schuldner erlaubt, seine finanziellen Verhältnisse dauerhaft zu sanieren, während die Fortsetzung des Verfahrens ihn ruinieren würde. Hierfür ist indessen vorauszusetze n, dass dadurch die Interessen der betreibenden Gläubiger nicht in unbilliger Weise beeinträchtigt werden ( Thomas Bauer, a.a.O., N 7 ff. zu Art. 61 SchKG mit Verweisen). Vorliegend behauptet der Schuldner selbst nicht, er sei aufgrund seiner Krankheit nicht in der Lage, einen Vertreter einzusetzen oder er benötige mehr Zeit dazu, sondern macht lediglich ge ltend, dieses Unterfangen sei aussichtslos, da externe Personen e in entsprechen - des Mandat abgelehnt hätten und in der Familie dafü r in Frage kommende Personen selbst involviert seien und die A usstellung von Zahlungsbefehlen veranlasst hätten. Kommt hinzu, da ss er seine Bemühungen nicht belegt. Weiter ist die Krankheit v on X. nicht für den Schuldenberg verantwortlich, sondern der angehäufte Schuldenberg war gemäss dem Arztzeugnis Auslöser für die psychis che Dekompensation. Schliesslich hat der Beschwerdeführ er in keiner Weise dargelegt, dass ein Rechtsstillstand von drei Monaten es ihm erlauben würde, seine finanziellen Verhältnisse dau erhaft zu sanieren. Im Gegenteil ist es gemäss der Vernehmlassung des B etreibungs- amtes Appenzeller Mittelland sehr unrealistisch, da ss sich die diversen Probleme mit der Gewährung eines Rechtssti llstandes resp. mit dem blossen Hinauszögern lösen lassen. Damit sind die Voraussetzungen zur Gewährung eines Rechts- stillstandes offensichtlich nicht erfüllt, und die Beschwerde ist abzu - weisen. AB SchK 12.06.2008 105