<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 58 S.237</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Denkmalschutz</span> <span class="page_no">237</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>X. Denkmalschutz</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>58</b></span> <span class="ft3"><b>Nutzungsplanung; Kommunaler Denkmalschutz.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Anforderungen an die Schutzwürdigkeit eines Gebäudes, das im Nut-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>zungsplanverfahren unter Volumenschutz gestellt wird (Erw. 3a - d)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Überprüfung der Verhältnismässigkeit (Erw. 3d/ee)</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 26. Oktober 2001, in</span><br/> <span class="ft4">Sachen F.L. gegen Beschluss des Grossen Rats und Entscheid des Regierungs-</span><br/> <span class="ft4">rats</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">Die Parzelle Nr. xy befindet sich in der Zone W3, angrenzend</span><br/> <span class="ft6">an die Dorfzone. Das Gebäude Nr. z wurde als Objekt 3.1.51 unter</span><br/> <span class="ft6">Volumenschutz gestellt. Die unter Volumenschutz gestellten Gebäude</span><br/> <span class="ft6">sind gemäss § 31 Abs. 2 der Bau- und Nutzungsordnung der Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinde W. (BNO) vom 19. Juni 1996/13. Januar 1998 für das Orts-</span><br/> <span class="ft6">bild von besonderem Wert und in ihrem baulichen Volumen ge-</span><br/> <span class="ft6">schützt. Sie dürfen abgebrochen und an gleicher Stelle im Rahmen</span><br/> <span class="ft6">des bestehenden Kubus wieder aufgebaut werden. Es besteht kein</span><br/> <span class="ft6">Anspruch auf Erweiterung des Bauvolumens. Die architektonische</span><br/> <span class="ft6">Gestaltung der Bauten und der Umgebung ist sorgfältig auf das Orts-</span><br/> <span class="ft6">bild abzustimmen.</span><br/> <span class="ft6">Der mit dem Nutzungsplan Siedlung beschlossene Volumen-</span><br/> <span class="ft6">schutz für das Gebäude Nr. z stellt eine öffentlich-rechtliche Eigen-</span><br/> <span class="ft6">tumsbeschränkung dar. Eine solche ist mit der Verfassung nur ver-</span><br/> <span class="ft6">einbar, wenn sie auf einer gesetzlichen Grundlage beruht, im über-</span><br/> <span class="ft6">wiegenden öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist</span><br/> <span class="ft6">(Art. 26 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 BV; § 21 Abs. 2 KV; vgl. BGE 117 Ia</span><br/> <span class="ft6">38 f. = Die Praxis [Pra] 81/1982, S. 360; 115 Ia 29; 114 Ia 337 f.; 113</span><br/> <span class="ft6">Ia 364, 447).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">238</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">3. a) Eigentumsbeschränkungen zum Schutz von Baudenkmä-</span><br/> <span class="ft6">lern liegen ganz allgemein im öffentlichen Interesse (BGE 120 Ia</span><br/> <span class="ft6">275; 119 Ia 309; 118 Ia 388 mit Hinweisen; AGVE 1995, S. 399;</span><br/> <span class="ft6">1987, S. 292; Leo Schürmann/Peter Hänni, Planungs-, Bau- und</span><br/> <span class="ft6">besonderes Umweltschutzrecht, 3. Auflage, Bern 1995, S. 319). Da-</span><br/> <span class="ft6">mit ist allerdings die Frage noch nicht beantwortet, wie weit das</span><br/> <span class="ft6">öffentliche Interesse an Denkmal- und Ortsbildschutzmassnahmen</span><br/> <span class="ft6">allgemein reicht, bzw. welche Objekte durch denkmalpflegerische</span><br/> <span class="ft6">oder ortsbildschützende Massnahmen Schutz verdienen und in wel-</span><br/> <span class="ft6">chem Ausmass. Dabei unterliegen das öffentliche Interesse und die</span><br/> <span class="ft6">damit verbundenen Wertvorstellungen einem gewissen Wandel:</span><br/> <span class="ft6">Während früher in erster Linie Bauten von überragender Schönheit</span><br/> <span class="ft6">als schutzwürdig erachtet wurden, umfasst der Denkmal- und Orts-</span><br/> <span class="ft6">bildschutz heute auch Objekte aus neuerer Zeit und Gebäude, die für</span><br/> <span class="ft6">ihre Entstehungszeit charakteristisch oder für das Ortsbild prägend</span><br/> <span class="ft6">sind. Diese geänderte Einstellung zum Schutz der bestehenden Bau-</span><br/> <span class="ft6">substanz und der bestehenden Ortsbilder hat ihren Grund im be-</span><br/> <span class="ft6">schleunigten Umbau und den massiven Veränderungen der Dörfer</span><br/> <span class="ft6">und Städte in der Schweiz in den letzten 30 Jahren. Betroffen davon</span><br/> <span class="ft6">sind eben gerade jene Ortsbilder, die nicht bereits vor Jahrzehnten als</span><br/> <span class="ft6">von einzigartiger Bedeutung erkannt wurden, wie etwa die mittel-</span><br/> <span class="ft6">alterlichen Städte, bzw. deren Kerne, sondern die "gewöhnlichen"</span><br/> <span class="ft6">Ortsbilder.</span><br/> <span class="ft6">b) Bei der Prüfung, ob eine Baute für sich alleine oder im Zu-</span><br/> <span class="ft6">sammenspiel mit seiner baulichen Umgebung Schutz verdient, hat</span><br/> <span class="ft6">eine sachliche, auf wissenschaftliche Kriterien gestützte Gesamtbe-</span><br/> <span class="ft6">trachtung Platz zu greifen, welche den kulturellen, geschichtlichen,</span><br/> <span class="ft6">künstlerischen und städtebaulichen Zusammenhang eines Bauwerks</span><br/> <span class="ft6">berücksichtigt (BGE 121 II 15 f.; 120 Ia 275; 118 Ia 389; AGVE</span><br/> <span class="ft6">1995, S. 399; 1987, S. 262 ff.; Schürmann/Hänni, a.a.O., S. 319).</span><br/> <span class="ft6">Wo, wie im vorliegenden Fall, nicht der Substanzschutz eines Ge-</span><br/> <span class="ft6">bäudes, sondern bloss dessen Volumenschutz zur Diskussion steht,</span><br/> <span class="ft6">ist hauptsächlich die Bedeutung des Objekts für das Ortsbild zu be-</span><br/> <span class="ft6">urteilen. Dieser sogenannte Situationswert kommt einem Gebäude</span><br/> <span class="ft6">zu, das entweder in der Umgebung eine dominierende Stellung ein-</span><br/> <span class="ft6">nimmt und von ihr nicht übermässig beeinträchtigt wird, oder das -</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Denkmalschutz</span> <span class="page_no">239</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">ohne für sich allein besonders dominant zu sein - als wesentlicher</span><br/> <span class="ft6">Teil eines baulichen Ensembles in Erscheinung tritt. Es geht also um</span><br/> <span class="ft6">Objekte, die von allgemein zugänglichen Standpunkten aus gut</span><br/> <span class="ft6">sichtbar sind oder gar auffällig wirken, und die in besonderer Bezie-</span><br/> <span class="ft6">hung zu beherrschenden Siedlungsteilen, Geländeformen oder gan-</span><br/> <span class="ft6">zen Landschaften stehen. Dabei darf nicht einfach vom bestehenden</span><br/> <span class="ft6">Zustand der Überbauung und der Landschaft ausgegangen werden,</span><br/> <span class="ft6">da sich dieser verändern kann. Die Beurteilung der Umgebung des</span><br/> <span class="ft6">Schutzobjekts und damit seines Stellenwertes darin muss vielmehr</span><br/> <span class="ft6">dem gestalterischen Ziel entnommen werden, wie es insbesondere in</span><br/> <span class="ft6">der Nutzungsplanung oder in besonderen Umgebungsschutzmass-</span><br/> <span class="ft6">nahmen zum Ausdruck kommen kann.</span><br/> <span class="ft6">c) Allgemein zu beachten ist, dass Denkmalschutzmassnahmen</span><br/> <span class="ft6">mit den oftmals schwerwiegenden Eigentumseingriffen nicht ledig-</span><br/> <span class="ft6">lich im Interesse eines begrenzten Kreises von Fachleuten erlassen</span><br/> <span class="ft6">werden dürfen. Sie müssen breiter, auf objektive und grundsätzliche</span><br/> <span class="ft6">Kriterien abgestützt sein und von einem grösseren Teil der Bevölke-</span><br/> <span class="ft6">rung bejaht werden, um Anspruch auf eine gewisse Allgemeingültig-</span><br/> <span class="ft6">keit erheben zu können. Sonst verliert die Denkmal- bzw. Ortsbild-</span><br/> <span class="ft6">schutzmassnahme an Legitimation und Voraussehbarkeit und kann zu</span><br/> <span class="ft6">einer Blankovollmacht für Fachleute werden (BGE 120 Ia 275; 118</span><br/> <span class="ft6">Ia 389 f.; AGVE 1995, S. 400 f.). Wo, wie im vorliegenden Fall, die</span><br/> <span class="ft6">Schutzmassnahme im Rahmen der Nutzungsplan erlassen wurde,</span><br/> <span class="ft6">kann jedoch von dieser Legitimation ausgegangen werden, nachdem</span><br/> <span class="ft6">die Nutzungsplanung einem eingehenden Vorbereitungsverfahren un-</span><br/> <span class="ft6">terliegt und demokratisch einwandfrei legitimiert ist.</span><br/> <span class="ft6">d) Zur Schutzwürdigkeit des Gebäudes Nr. z, bzw. von dessen</span><br/> <span class="ft6">Volumen, ergibt sich was folgt:</span><br/> <span class="ft6">aa) Der Gemeinderat hielt in seiner Einspracheentscheidbe-</span><br/> <span class="ft6">gründung Folgendes fest:</span><br/> <span class="ft7">"Mit der Aufnahme der Liegenschaft auf Parzelle xy am Sch. in die</span><br/> <span class="ft7">Kategorie der Gebäude mit Volumenschutz wird primär die Bedeutung</span><br/> <span class="ft7">dieses Hauses für das Ortsbild unterstrichen. Erneuerungen bzw.</span><br/> <span class="ft7">Neugestaltungen in einem bestimmten Ausmass sind nicht grundsätz-</span><br/> <span class="ft7">lich ausgeschlossen. Die Schutzbestimmung tendiert vielmehr dahin,</span><br/> <span class="ft7">dass bei solchen Vorhaben auf billige Art und Weise auf das heute be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">240</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">stimmende Ortsbild Rücksicht zu nehmen ist. Mit der sorgfältigen Sa-</span><br/> <span class="ft7">nierung des gegenüber gelegenen Holländerhauses wird gegenwärtig</span><br/> <span class="ft7">ein weiterer Schritt in diese Richtung seitens der Gemeinde getan. Die</span><br/> <span class="ft7">Gemeinde unterstützt die Bestrebungen zum Schutz des heute beste-</span><br/> <span class="ft7">henden Ortsbildes in der O. und kann Ihrem Begehren deshalb nicht</span><br/> <span class="ft7">entsprechen."</span><br/> <span class="ft6">In der Vernehmlassung im regierungsrätlichen Beschwerdever-</span><br/> <span class="ft6">fahren führte er aus:</span><br/> <span class="ft7">"Der Beschwerdeführer zweifelt den besonderen Wert des Gebäudes</span><br/> <span class="ft7">für das Ortsbild und demzufolge dessen Volumenschutz an. Der bei-</span><br/> <span class="ft7">liegende Planausschnitt der historischen Karte "Karte um ca. 1660</span><br/> <span class="ft7">Hans Conrad Gyger" belegt eindrücklich, dass das Gebäude des Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführers in jenem Zeitpunkt existiert hat. Die Aufnahme in</span><br/> <span class="ft7">den Volumenschutz nach § 31 Abs. 2 BNO gewährleistet, dass solche</span><br/> <span class="ft7">Gebäude abgebrochen und an gleicher Stelle wieder aufgebaut werden</span><br/> <span class="ft7">dürfen. Mit dieser Garantie zwingend verbunden ist die Besitzstands-</span><br/> <span class="ft7">garantie, so dass weder das Verhältnismässigkeitsprinzip noch die</span><br/> <span class="ft7">Eigentumsgarantie verletzt werden. Die Stellung des Gebäudes engt</span><br/> <span class="ft7">den Strassenraum ein. Das Haus bildet so einen markanten Eckpunkt</span><br/> <span class="ft7">als 'Entreé' zur unmittelbar anschliessenden und zusammenhängenden</span><br/> <span class="ft7">Dorfzone O. Es hat damit eine sogenannte Torwirkung und ist orts-</span><br/> <span class="ft7">bildbestimmend. Das öffentliche Interesse richtet sich klar auf das Ge-</span><br/> <span class="ft7">samtensemble 'Alte O.' konkret von der Liegenschaft F. L. auf Parzelle</span><br/> <span class="ft7">xy am Sch. bergaufwärts. Im weiteren ist die Bemerkung zu korrigie-</span><br/> <span class="ft7">ren, dass seitens der Gemeinde keinerlei Bemühungen um eine Inte-</span><br/> <span class="ft7">gration in die bestehende Struktur erkennbar sei. Mit der Dorfzone 'O.'</span><br/> <span class="ft7">wird ab dem erwähnten Holländerhaus via Bärenbrunnen bis zum</span><br/> <span class="ft7">westlich davon an der Lindhofstrasse gelegenen Wagnerhof ein zu-</span><br/> <span class="ft7">sammenhängendes Gebiet der Dorfzone zugeordnet."</span><br/> <span class="ft6">In der Vernehmlassung vom 14. Mai 1998 bringt der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft6">rat zudem vor, der Beschwerdeführer übersehe mit der Rüge, der</span><br/> <span class="ft6">Ortsteil "O." weise kein zusammenhängendes schützenswertes Orts-</span><br/> <span class="ft6">bild mehr auf, dass unter dem Titel des Ortsbildschutzes auch ver-</span><br/> <span class="ft6">bleibende, wertvolle Einzelelemente bewahrt werden sollen, bzw.</span><br/> <span class="ft6">sichergestellt werden soll, dass sich diese nur organisch verändern</span><br/> <span class="ft6">können. Entsprechend übersehe der Beschwerdeführer zudem, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Denkmalschutz</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">es nicht nur um Ortsbildschutz gehe, sondern im Sinne von § 16</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 DSD auch um Denkmalschutz, also um den Schutz von Ein-</span><br/> <span class="ft6">zelobjekten, wobei der Übergang zwischen Ortsbildschutz und Denk-</span><br/> <span class="ft6">malschutz zugegebenermassen fliessend sei. In diesem Sinne seien</span><br/> <span class="ft6">neben den Aspekten des Ortsbildschutzes auch jene des Denkmal-</span><br/> <span class="ft6">schutzes zu berücksichtigen. Problematisch sei zudem, das Gebäude</span><br/> <span class="ft6">Nr. z als Einzelfall zu betrachten; die Unterschutzstellung müsse</span><br/> <span class="ft6">vielmehr im Zusammenhang mit den übrigen von der Gemeinde W.</span><br/> <span class="ft6">festgelegten Schutzmassnahmen gewürdigt werden.</span><br/> <span class="ft6">bb) Der Regierungsrat führt in seinem Entscheid aus:</span><br/> <span class="ft7">"Die streitige Massnahme dient vorwiegend dem Ortsbildschutz. Wie</span><br/> <span class="ft7">der kantonale Fachbeamte an der Verhandlung ausführte, bestehen in</span><br/> <span class="ft7">der Dorfzone 'O.' noch einige das ursprüngliche Ortsbild repräsentie-</span><br/> <span class="ft7">rende Häuser. Dazu gehören insbesondere die Gebäude Nrn. a und b</span><br/> <span class="ft7">an der L., das Holländerhaus sowie die Liegenschaft des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führers. Nach dem Willen der Gemeinde sollen diese Bauten soweit</span><br/> <span class="ft7">wie möglich erhalten bleiben."</span><br/> <span class="ft6">und weiter:</span><br/> <span class="ft7">"Im vorliegenden Fall wurde festgestellt, dass die Substanz der Lie-</span><br/> <span class="ft7">genschaft Nr. z nicht überdurchschnittlich wertvoll sei. Wichtig sei</span><br/> <span class="ft7">jedoch ihr äusseres Erscheinungsbild, indem sie den Strassenraum ein-</span><br/> <span class="ft7">enge und so einen markanten Eckpunkt als Tor zur anschliessenden</span><br/> <span class="ft7">Dorfzone bilde."</span><br/> <span class="ft6">cc) Der Beschwerdeführer bestreitet wie erwähnt, dass vom</span><br/> <span class="ft6">Gebäude Nr. z eine auch für den Laien erkennbare Torwirkung aus-</span><br/> <span class="ft6">gehe. Es gehe auch nicht um die Erhaltung eines intakten Ortsbildes,</span><br/> <span class="ft6">sondern bloss um die Bewahrung eines historischen Fragments, das</span><br/> <span class="ft6">aufgrund der in der Vergangenheit vorgenommenen Umgestaltungen</span><br/> <span class="ft6">nicht mehr erkennbar sei. Zudem wird geltend gemacht, ein Neubau</span><br/> <span class="ft6">in den bisherigen Konturen sei finanziell nicht rentabel, weshalb die</span><br/> <span class="ft6">erlassene Schutzmassnahme faktisch zum Zerfall der ohnehin nicht</span><br/> <span class="ft6">erhaltenswürdigen Substanz führen werde.</span><br/> <span class="ft6">dd) aaa) Aus dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbil-</span><br/> <span class="ft6">der der Schweiz (ISOS) ergibt sich für das betroffene Objekt keine</span><br/> <span class="ft6">Aussage betreffend Schutzwürdigkeit. Die Parzelle Nr. xy befindet</span><br/> <span class="ft6">sich im Gebiet III (Aufnahmekategorie b, Erhaltungsziel b, von ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">wisser Bedeutung). Im Kurzinventar der Kantonalen Denkmalpflege</span><br/> <span class="ft6">ist das Gebäude Nr. z ebenfalls nicht vermerkt. In dessen Umgebung</span><br/> <span class="ft6">ist einzig das "Holländerhaus" im Kurzinventar enthalten. Die Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinde selbst hat kein Gesamtinventar der schützenswerten Gebäude</span><br/> <span class="ft6">erstellt, sondern nur die unter Substanzschutz stehenden Gebäude in</span><br/> <span class="ft6">Einzelinventaren erfasst. In der Dorfzone wurden von der Gemeinde</span><br/> <span class="ft6">das "Holländerhaus" und das "Schatzmannhaus" unter Substanz-</span><br/> <span class="ft6">schutz gestellt. Drei aneinandergebaute Gebäude im Lindhof stehen</span><br/> <span class="ft6">unter Volumenschutz. Somit kann die Schutzwürdigkeit des streitbe-</span><br/> <span class="ft6">troffenen Gebäudes weder aus dem ISOS noch aus dem kantonalen</span><br/> <span class="ft6">Kurzinventar abgeleitet werden. Von den unter kommunalem Schutz</span><br/> <span class="ft6">stehenden Bauten hat das Gebäude Nr. z einzig zum "Holländerhaus"</span><br/> <span class="ft6">einen näheren, örtlichen Bezug.</span><br/> <span class="ft6">bbb) Weiter macht die Gemeinde geltend, das Gebäude des Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführers sei schon auf der Gyger-Karte von 1660 und auf der</span><br/> <span class="ft6">Rieter-Karte von 1715 vermerkt. Auf den genannten Karten - welche</span><br/> <span class="ft6">beide kleiner als A4 sind - sind die Gebäude im Gebiet O. nur mit</span><br/> <span class="ft6">schematisierten Kuben dargestellt. Ob tatsächlich eines dieser darge-</span><br/> <span class="ft6">stellten Gebäude am selben Ort steht, wie dasjenige des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führers, oder ob dieses gar noch Elemente aus dem 17. Jahrhundert</span><br/> <span class="ft6">enthält, ist nicht mit Sicherheit nachweisbar. Auch der kantonale</span><br/> <span class="ft6">Ortsbildschutzexperte kann nur Mutmassungen darüber anstellen.</span><br/> <span class="ft6">Fest steht, dass aufgrund der Karten kein Schluss über die äusseren</span><br/> <span class="ft6">Masse der abgebildeten Häuser gezogen werden kann. Die beiden</span><br/> <span class="ft6">Karten vermögen ein öffentliches Interesse am erlassenen Volumen-</span><br/> <span class="ft6">schutz somit ebenfalls nicht zu begründen.</span><br/> <span class="ft6">ccc) Eine weitere Begründung der Gemeinde, warum das Ge-</span><br/> <span class="ft6">bäude Nr. z unter Volumenschutz gestellt worden sei, liegt in der</span><br/> <span class="ft6">Torwirkung, welche das Gebäude zusammen mit dem "Holländer-</span><br/> <span class="ft6">haus" bilde. Die beiden Gebäude liegen einander nicht direkt gegen-</span><br/> <span class="ft6">über, sondern schräg, in einem Abstand von rund 20m. Das Gebäude</span><br/> <span class="ft6">des Beschwerdeführers ist im Gegensatz zum Holländerhaus eher</span><br/> <span class="ft6">klein und gedrungen, die strassenseitigen Mauern sind nicht hoch</span><br/> <span class="ft6">und das eher flach abgeschrägte Dach reicht weit hinunter. Der Orts-</span><br/> <span class="ft6">bildschutzexperte führte aus, es habe sich früher wahrscheinlich um</span><br/> <span class="ft6">das bescheidene Haus eines Kleinbauern gehandelt. Die äusseren</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Denkmalschutz</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Ausmasse des gedrungenen Gebäudes vermögen für sich nicht die</span><br/> <span class="ft6">Wirkung eines Torbogens zu erzeugen. Eine Pfortenwirkung könnte</span><br/> <span class="ft6">einzig darin gesehen werden, dass sowohl das "Holländerhaus" als</span><br/> <span class="ft6">auch das streitbetroffene Gebäude sehr nahe an der Strasse stehen.</span><br/> <span class="ft6">Da sie einander aber nicht direkt gegenüber, sondern im Abstand von</span><br/> <span class="ft6">ca. 20m seitlich verschoben stehen, wird auch diese Verengungswir-</span><br/> <span class="ft6">kung stark relativiert. So erscheint es doch fraglich, ob die Stellung</span><br/> <span class="ft6">der beiden Häuser einem Laien ohne Weiteres als Torwirkung auf-</span><br/> <span class="ft6">fallen würde. Insgesamt konnte das Verwaltungsgericht am Augen-</span><br/> <span class="ft6">schein die geltend gemachte Torwirkung nur schwer nachvollziehen.</span><br/> <span class="ft6">Sollte tatsächlich ein öffentliches Interesse am Erhalt der geltend ge-</span><br/> <span class="ft6">machten Torwirkung bejaht werden müssen, so wäre es aufgrund der</span><br/> <span class="ft6">dargelegten Erwägungen als eher klein einzustufen.</span><br/> <span class="ft6">eee) Sollte ein öffentliches Interesse an der geltend gemachten</span><br/> <span class="ft6">Torwirkung bejaht werden, müsste weiter die Verhältnismässigkeit</span><br/> <span class="ft6">des erlassenen Volumenschutzes geprüft werden. Dass das Gebäude</span><br/> <span class="ft6">ohne Erneuerung nicht genutzt werden kann, ist nach dem Augen-</span><br/> <span class="ft6">schein offensichtlich. Wie der Beschwerdeführer an der Augen-</span><br/> <span class="ft6">scheinsverhandlung ausführte, wäre ein Neubau in den bestehenden</span><br/> <span class="ft6">Massen nicht rentabel, da unter Einhaltung der BNO-Bestimmungen</span><br/> <span class="ft6">nur 70m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">Wohnfläche realisiert werden könnten. Bei bestehendem</span><br/> <span class="ft6">Volumenschutz kann der Beschwerdeführer die Liegenschaft somit</span><br/> <span class="ft6">nicht ökonomisch sinnvoll nutzen. Würde der Volumenschutz hinge-</span><br/> <span class="ft6">gen aufgehoben, könnte er auf seiner Parzelle nach dem Abbruch des</span><br/> <span class="ft6">bestehenden Gebäudes eine grössere Baute erstellen, welche eine</span><br/> <span class="ft6">Wohnfläche von ca. 270m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span> <span class="ft6">aufweisen würde. Auch der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft6">vertreter hat an der Augenscheinsverhandlung nicht bestritten, dass</span><br/> <span class="ft6">diese Berechnungen des Beschwerdeführers an sich plausibel seien.</span><br/> <span class="ft6">Der Volumenschutz stellt also einen erheblichen Eingriff in die Nut-</span><br/> <span class="ft6">zungsmöglichkeiten und somit in das Eigentum des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft6">rers dar. Diese starke Eigentumsbeschränkung erweist sich für den</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer als unverhältnismässig harte Massnahme, welche</span><br/> <span class="ft6">durch den Erhalt der nur schwer erkennbaren Torwirkung nicht mehr</span><br/> <span class="ft6">gerechtfertigt werden kann.</span><br/> <span class="ft6">ddd) Das Gebäude Nr. z bildet nur einen Teil eines Gebäude-</span><br/> <span class="ft6">komplexes auf der Parzelle Nr. xy, der aus drei zusammengebauten</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">244</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Einfamilienhäusern besteht. Die zwei angebauten Gebäude sind von</span><br/> <span class="ft6">der erlassenen Volumenschutzmassnahme nicht betroffen. Demge-</span><br/> <span class="ft6">mäss können die beiden vorderen Gebäudeteile zonengemäss (W3)</span><br/> <span class="ft6">genutzt werden. Aufgrund der Lage des Gebäudekomplexes würde</span><br/> <span class="ft6">das von der Gemeinde geltend gemachte Interesse an der Torwirkung</span><br/> <span class="ft6">durch eine zonengemässe Überbauung der beiden vorderen Gebäude</span><br/> <span class="ft6">zumindest stark eingeschränkt. Auch der Ortsbildschutzexperte führt</span><br/> <span class="ft6">an der Augenscheinsverhandlung aus, es mache keinen Sinn, nur</span><br/> <span class="ft6">einen Teil eines Gebäudekomplexes unter Volumenschutz zu stellen.</span><br/> <span class="ft6">Die Tatsache, dass nur ein Teil des gesamten Gebäudekomplexes</span><br/> <span class="ft6">unter Volumenschutz gestellt worden ist, spricht demnach ebenfalls</span><br/> <span class="ft6">gegen die Aufrechterhaltung der Schutzmassnahme.</span><br/> <span class="ft6">ee) Zusammenfassend erhellt, dass sich weder dem ISOS noch</span><br/> <span class="ft6">dem kantonalen Kurzinventar noch den beiden historischen Karten</span><br/> <span class="ft6">einen Hinweis auf die Schutzwürdigkeit des Gebäudevolumens ent-</span><br/> <span class="ft6">nehmen lässt. Auch das Interesse am Erhalt der geltend gemachten</span><br/> <span class="ft6">Torwirkung vermag die Unterstellung des Gebäudes Nr. z unter Vo-</span><br/> <span class="ft6">lumenschutz nicht zu rechtfertigen, da einerseits die Torwirkung nur</span><br/> <span class="ft6">schwach ausgeprägt ist, der Eingriff für den Beschwerdeführer hin-</span><br/> <span class="ft6">gegen erheblich wäre und andererseits durch die nicht unter Volu-</span><br/> <span class="ft6">menschutz stehenden, angebauten, vorderen Gebäude das Erhal-</span><br/> <span class="ft6">tungsziel nicht erreicht werden kann, beziehungsweise erheblich in</span><br/> <span class="ft6">Frage gestellt wird. Das Gebäude Nr. z ist folglich aus dem Volu-</span><br/> <span class="ft6">menschutz zu entlassen.</span><br/></div> </div> </body> </html>