<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Auswirkungen hat die Förderung der Biodiversität auf die geplante Intensivierung der schweizerischen Holzgewinnung, mit der mehr grüne Energie aus Holz produziert werden soll?</p><p>2. Hat die Biodiversitätsstrategie, die zurzeit erarbeitet wird, möglicherweise negative Auswirkungen auf die Produktion von Energieholz? Wenn ja, inwiefern?</p><p>3. Inwiefern besteht die Gefahr, dass die zurzeit eingeplanten natürlichen Waldreserven zu Produktionsverlusten bei Energieholz führen? Wie viel Prozent der möglichen Energieholzproduktion könnten realistischen Szenarien zufolge aufgrund der Ausscheidung der natürlichen Waldreserven theoretisch verlorengehen? Würden diese Verluste ein Problem für die neue Energiestrategie des Bundesrates darstellen? Wenn ja, inwiefern?</p><p>4. Wie viel Prozent der Oberfläche der natürlichen Waldreserven wären für eine rentable Energieholzproduktion tatsächlich notwendig? </p><p>5. Welche Auswirkungen haben natürliche Waldreserven, insbesondere aufgrund ihres Nutzens für das Ökosystem, auf bewirtschafteten Wald und andere ökologische Milieus sowie auf besiedeltes Gebiet?</p><p>6. Welche Synergien können zwischen der Förderung der Biodiversität und der Förderung der Energieholzproduktion bestehen, und unter welchen Voraussetzungen können diese Synergien ausgearbeitet und gefördert werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Wirkung einer verstärkten Holznutzung auf die Waldbiodiversität wurde 2010 in einer Studie im Auftrag des Bafu untersucht ("Biodiversität und Holznutzung - Synergien und Grenzen"). Die Resultate zeigen, dass sich eine verstärkte, den Anforderungen an den naturnahen Waldbau (gemäss Projektbericht "Grundanforderungen an den naturnahen Waldbau") entsprechende Holznutzung positiv auf die Artenvielfalt auswirkt. So nehmen beispielsweise die Helligkeit und die Lücken im Bestand zu, was die selteneren, licht- und wärmebedürftigen Arten fördert. Die Studie ergab andererseits, dass auch auf ungenutzte Flächen wie Waldreservate nicht verzichtet werden kann, da dort die notwendigen Lebensräume für an Totholz gebundene Insekten und Pilze geschaffen werden, die ihrerseits in genutzten und lichten Wäldern zu kurz kommen.</p><p>2. Insgesamt wird im Schweizer Wald weniger Holz genutzt, als nachwächst. Es könnte rund eine Million Kubikmeter Energieholz mehr genutzt werden, ohne dass dies negative Auswirkungen auf die Biodiversität hätte oder durch die Biodiversitätsstrategie verhindert würde. Der Beitrag von Holzenergie an den gesamten Energie-Endverbrauch könnte dadurch von 4 auf 5 Prozent erhöht werden. Dieses Potenzial liegt in heute nicht genutzten Wäldern ausserhalb von Waldreservaten.</p><p>Auf der anderen Seite bestehen aus Sicht der Biodiversität im Bereich Totholz gewisse Defizite. So soll im Rahmen der Biodiversitätsstrategie angestrebt werden, dass Totholz in ökologisch genügender Menge und Qualität in allen Regionen vorhanden ist. Dadurch kann es auf bestimmten Flächen zu einer gewissen Konkurrenz zwischen Totholzvorkommen und Energieholznutzung kommen (siehe Antwort 3).</p><p>3. Waldreservate und die Nutzung von Energieholz schliessen sich nicht gegenseitig aus. In ungefähr der Hälfte der Waldreservate (sogenannte Sonderwaldreservate) sind gezielte Holzschläge zur Förderung der Biodiversität notwendig. Hierbei fällt oft Energieholz an.</p><p>Mit der Umsetzung der Waldreservatsziele von insgesamt 125 000 Hektaren (10 Prozent der Waldfläche bis 2030) wird auf insgesamt rund 220 000 Kubikmeter Energieholz pro Jahr verzichtet. Dies entspricht einem Anteil von unter 3 Prozent des nachhaltigen Holznutzungspotenzials. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der heute möglichen Nutzungssteigerungen ausserhalb der Waldreservate ist diese Einbusse gering.</p><p>4. In den heute ausgeschiedenen Waldreservatsflächen findet auf rund 20 Prozent der Fläche eine Nutzung statt. Auf den nichtgenutzten Flächen, die somit insgesamt rund 3 Prozent der Gesamtwaldfläche ausmachen, dürfte eine rentable Holzenergieproduktion schwierig sein, da diese Reservate oft schwer zugänglich oder ertragsarm sind.</p><p>5. Waldreservate dienen verschiedenen Organismengruppen als Rückzugsgebiete und tragen somit zu einer Erhöhung der Artenvielfalt bei. Sie dienen der Sicherung von diversen Ökosystemleistungen, der Erholung, der Waldforschung oder der Umweltbildung.</p><p>6. Wie oben ausgeführt bestehen durchaus Synergien zwischen Holznutzung und Biodiversität. Der Bundesrat prüft derzeit, ob eine gezielte Anpassung der Walderschliessung ausserhalb des Schutzwaldes künftig unterstützt werden soll, um auch Holzressourcen nutzen zu können, die heute nicht zugänglich sind.</p>  Antwort des Bundesrates.