B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6091/2014 U r t e i l v o m 9 . D e z e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn, mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli; Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, geboren am (…), Staat unbekannt, vertreten durch lic. iur. Roland Knutti, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 18. September 2014 / N (…). E-6091/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer Syrien am 1. Oktober 2011 und gelangte am 18. Januar 2012 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 25. Januar 2012 wurde er im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum Altstätten zur Person befragt. Die Vor - instanz hörte ihn am 3. Oktober 2013 zu den Asylgründen an. Im Wesent- lichen machte der Beschwerdeführer geltend, sein Vater sei ein Ajn abi. Seine Mutter besitze die syrische Staatsangehörigkeit. Er selbst habe keine Staatsangehörigkeit und sei ebenfalls ein Ajnabi. Von den syrischen Behörden habe er einen Beleg erhalten, mit welchem er die syrische Iden- titätskarte hätte beantragen können, was er indes nicht getan habe. Er stamme aus dem Dorf B._______ bei C._______ in der Provinz D._______. Aufgewachsen sei er vorwiegend in E._______. Im Jahre 1995 sei die Familie von E._______ nach C._______ zurückgekehrt. Nachdem sein Vater im Jahre 2002 gestorben sei, sei er – der Beschwerdeführer – für die Familie verantwortlich geworden. Beruflich habe er sich oft in E._______ und ab Mitte des Jahres 2010 in F._______ aufgehalten. Er sei Sympathisant der Yekiti -Partei. Zwischen August und September 2011 habe er in G._______ an mehreren Kundgebungen für die Freiheit der Kur- den teilgenommen. Er sei von Kurden, die ihn gekannt hätten, bei der Po- lizei denunziert worden beziehungsweise h abe ihn die Polizei auf Videos erkannt, weshalb er von ihr zweimal zu Hause gesucht worden sei, wie übrigens viele andere der etwa 100 Teilnehmenden auch. Die Polizei habe verlangt, dass er sich bei ihr melde. Nachdem er zum ersten Mal gesucht worden sei, sei er nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Er habe Angst vor einer "politischen Beschuldigung" gehabt und sich deshalb zur Aus- reise entschieden. Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer eine Wohnsitzbestätigung, ei- nen Ajnabi-Ausweis des Vaters sowie ein handgeschriebenes Dokument zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 18. September 2014 stellte die Vorinstanz fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete zufolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufigen Aufnahme an. E-6091/2014 Seite 3 C. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2014 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die vor - instanzliche Verfügung sei aufzuheben. Das Asylgesuch sei gutzuheissen und es sei ihm Asyl zu gewähren. In prozessrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und der un- terzeichnende Rechtsanwalt als amtlichen Beistand zu bestellen. D. Mit Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2014 wies die Instruktionsrichte- rin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab und setzte dem Beschwerdefüh- rer Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses. Diesen bezahlte er am 4. November 2014 fristgereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 1 05 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet – bereits mit Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2014 ist die Aussichtslosigkeit er- kannt worden – und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterun- gen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111 a Abs. 1 und 2 AsylG). E-6091/2014 Seite 4 4. 4.1 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei- genschaft zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind ins- besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer- den (Abs. 3). 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderu ngen an d ie Glaub- haftmachung von Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden ( vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 5. 5.1 Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch ab, da die Vorbringen des Be- schwerdeführers den erwähnten Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht standhielten. Er habe widersprüchlich, unsubstanziiert und der Logik zuwiderlaufend ausgesagt. So habe e r sich unters chiedlich zu seinen Wohnorten, dem Ort, wo er von der Polizei gesucht worden sei , und be- züglich der Person, die ihn über das polizeiliche Vorsprechen orientiert habe, geäussert. Auch habe er unvereinbare Angaben gemacht zur Art, wie er anlässlich der Demon strationen erkannt worden sei. Diesbezüglich seien sowohl die geltend gemachte Denunziation durch Ku rden, als auch das Erkennen auf Videos durch die Polizei als blosse Vermutungen zu be- zeichnen. Darüber hinaus habe der Beschwerdeführer die Teilnahme an den Demonstrationen oberflächlich und unsubstanziiert geschildert. Ferner habe er nicht nachvollziehbar und logisch dargelegt, weshalb er F._______ verlassen und sich einige Zeit bei einem Freund in H._______ aufgehalten habe. Gemäss seinen Angaben sei er in F._______ nicht angemeldet ge- wesen und H._______ liege im Gegensatz zu F._______ ganz in der Nähe von C._______. Weiter widerspreche es der Logik, dass der von der syri- schen Polizei gesuchte Beschwerdeführer von der Heimatregion F._______ nach I._______ gefahren sei, um von dort in die Türkei auszu- reisen, wenn die syrisch-türkische Grenze nur wenige Kilometer vom Hei- matort entfernt liege. Schliesslich habe er sich unvereinbar darüber geäus- sert, ob er Verwandte im Irak habe oder nicht. E-6091/2014 Seite 5 5.2 Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige Sachverhaltsfeststel- lung. Ihm seien anlässlich der Befragung keine ergänzenden und vertieften Fragen gestellt worden. Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we- gen fest und bedient sich nötigenfalls der ges etzlichen Beweismittel. Un- vollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden ( KÖLZ/ HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff.). Anlässlich der Anhörung wurden dem Beschwerdeführer zur Teilnahme an den Demonstrationen konkrete wie auch offene Fragen gestellt. Bei der Beantwortung dieser Frag en obliegt es dem Beschwerdeführer , im Rah- men seiner Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) sowie Substantiierungslast (Art. 7 AsylG), alle Asylgründe umfassend und detailliert zu nennen. Weiter wurde er am Ende der Anhörung sinngemäss gefragt, ob er alles habe sa- gen können, was gegen eine Rückkehr nach Syrien spreche . Dabei wie- derholte er, er könne nicht in seinen Heimatstaat zurück, da es dort sehr schwierig sei. Neues führte er nicht an. Dabei hat er sich behaften zu las- sen. Die Rüge der unvollständigen Sachv erhaltsfeststellung geht somit fehl. 5.3 Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Vorinstanz habe den Massstab des Glaubhaftmachens nicht richtig angewendet und verletze damit Bun- desrecht. Anlässlich der Erstbefragung gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er habe von der Geburt bis zur Ausreise in seinem Dorf gelebt. Weiter führte er an, er habe während fünf Jahren die Primarschule in E._______ besucht (Akten SEM A4/12 F 1.17.04) und sich später immer wieder einige Zeit dort aufgehalten, um zu arbeiten (Akten SEM a.a.O. F 2.01). Bei der Anhörung legte er dar, er habe wegen seiner Arbeit hauptsächlich in E._______ ge- lebt. Während der Ferien sei er immer wieder ins Dorf zurückgekehrt (Ak- ten SEM A12/13 F.10). Sodann sagte er aus, er habe die Primarschule i n E._______ besucht (Akten SEM a.a.O. F13). Nachdem sein Vater ungefähr im Jahre 1995 seine Stelle gekündigt habe, sei die Familie ins Dorf zurück- gekehrt. Wegen der Arbeit habe er – der Beschwerdeführer – sich immer wieder in E._______ aufgehalten (Akten SEM a.a.O. F14). Weiter führte er an, in F._______ habe er sich nur unter de r Woche aufgehalten und am Wochenende sei er nach C._______ zurückgekehrt (Akten SEM a.a.O. E-6091/2014 Seite 6 F16). In Anbetracht dieser Aussagen und insbesondere des summarischen Charakters der Erstbefragung können dem Beschwerdeführer in Bezug auf seinen Wohnort keine unstimmigen Aussagen vorgehalten werden. Inso- weit hat die Vorinstanz den Massstab des Glaubhaftmachens nicht richtig angewendet. Die weitere vorinstanzliche Würdigung in Bezug auf die Glaubhaftigkeit ist indes nicht zu beanstanden. In der angefochtenen Verfügung wird im Ein- zelnen ausführlich dargelegt, aus welchen Gründen die Vorbringen des Be- schwerdeführers widersprüchlich, unsubstantiiert , nicht nachvollziehbar sind und der Logik des Handelns w idersprechen, mithin insgesamt un- glaubhaft sind. Was in der Rechtsmitteleingabe dagegen vorgebracht wird, ist nicht geeignet, die Aussagen des Beschwerdeführers in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Die Aussagen im Zusammenhang mit den De- monstrationen, der darauf folgende n Suche nach dem Beschwerdeführer sowie die Ausreisemodalitäten bilden den Kernpunkt der Asylbegründung. Diesbezüglich dürfen vom Beschwerdeführer ohne weiteres übereinstim- mende, konkrete sowie substantiierte Angaben erwartet werden, die auch den Eindruck zu vermitteln vermögen, der Betroffene berichte dabei über selbst Erlebtes. Entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen An- sicht und mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass dies vorliegend offen- sichtlich nicht erfüllt ist. Weitergehend legt der Beschwerdeführer mit den allgemeinen Ausführungen zur Problematik von Befragungen, Übersetzun- gen, der Protokollierung und dem Umstand, dass zwischen der Erstbefra- gung und der Anhörung eineinhalb Jahre vergangen sind sowie dem sinn- gemässen Wiederholen seiner Vorbringen und dem Festhalten an deren Tatsächlichkeit nicht dar, inwiefern die Vorinstanz insgesamt zu Unrecht auf Unglaubhaftigkeit geschlossen hat. Solches ist aufgrund der bestehenden Akten auch nicht ersichtlich. Die erhobene Rüge erweist sich insoweit als nicht zutreffend. 5.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen – sowie unter Verweis auf die Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2014 – ergibt sich, dass die Vor- instanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Ergebnis zu Recht ab- gelehnt hat. 6. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. D er Beschwerdeführer verfügt we- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen E-6091/2014 Seite 7 Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Weg- weisung ist nicht zu beanstanden. 7. Der Vollzug der Wegweisung wurde vorliegend zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alter- nativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), besteht kein schutzwürdiges Interesse an der Überprüfung, aus welchen Gründen die Vorinstanz den Vollzug aufgeschoben hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). 8. Aus diesen Er wägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– fest- zusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Verfahrenskosten werden beglichen durch den am 4. No- vember 2014 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss. (Dispositiv nächste Seite) E-6091/2014 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Barbara Balmelli Versand: