<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 37 S.193</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">193</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Submissionen</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>37 Freihändige</b></span> <span class="ft3"><b>Vergabe.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Ob die Vergabebehörde dadurch, dass sie vorgängig kostenlose Ab-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>klärungen durch den Beschwerdeführer vornehmen liess und den</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Auftrag anschliessend freihändig an einen Konkurrenten vergab, ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen die vorvertragliche Treuepflicht verstossen hat, ist eine zivil-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rechtliche Frage, die nicht durch das Verwaltungsgericht im Submis-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sionsverfahren zu beurteilen ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 20. April 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">P.S. gegen den Gemeinderat A.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1.</span><br/> <span class="ft8">Unbestrittenermassen fest steht, dass die Gemeinde beim Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer mündlich ein Angebot für ein Kommunalfahrzeug</span><br/> <span class="ft8">angefordert und dieser Anfang September 2004 drei Offerten ein-</span><br/> <span class="ft8">gereicht hat. Im folgenden Sommer hat der Beschwerdeführer den</span><br/> <span class="ft8">Gemeindebehörden offenbar auch ein Kommunalfahrzeug vorge-</span><br/> <span class="ft8">führt. Nach Darstellung des Gemeinderats ging es dabei aber ledig-</span><br/> <span class="ft8">lich um eine Markterkundung im Hinblick auf die Erstellung des</span><br/> <span class="ft8">Gemeindebudgets und nicht um die Einleitung eines Submissions-</span><br/> <span class="ft8">verfahrens. So habe keine schriftliche Einladung zur Offertstellung</span><br/> <span class="ft8">an den Beschwerdeführer oder an weitere Anbieter mit Fristanset-</span><br/> <span class="ft8">zung für die Abgabe eines Angebotes stattgefunden, und es hätten</span><br/> <span class="ft8">auch kein Anforderungskatalog und keine Bedingungen für die Of-</span><br/> <span class="ft8">fertstellung vorgelegen. Diese Angaben werden durch den Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer bestätigt, macht er doch geltend, der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft8">habe die gesetzlichen Mindestanforderungen an ein Submissionsver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">194</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">fahren nicht eingehalten. Aufgrund des Fehlens dieser Informationen</span><br/> <span class="ft8">sei er davon ausgegangen, dass die Ausschreibung nach dem Kre-</span><br/> <span class="ft8">ditentscheid der Gemeinde erfolge; er habe am 9. Januar 2006 mit</span><br/> <span class="ft8">dem Gemeinderat bzw. dem zuständigen Ressortchef telefonisch</span><br/> <span class="ft8">Kontakt aufgenommen und um die Zustellung der Ausschreibungs-</span><br/> <span class="ft8">unterlagen gebeten. Aus diesen Ausführungen folgt, dass auch der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführer bei der Einreichung der Angebote nicht davon</span><br/> <span class="ft8">ausging, dass er an einem förmlichen Submissionsverfahren teil-</span><br/> <span class="ft8">nahm, sondern dass ihm durchaus klar war, dass es der Gemeinde im</span><br/> <span class="ft8">Zusammenhang mit der vorgesehenen Neubeschaffung zunächst le-</span><br/> <span class="ft8">diglich darum ging, im Hinblick auf das Budget bzw. die Kreditbe-</span><br/> <span class="ft8">willigung durch die Gemeindeversammlung Informationen in Bezug</span><br/> <span class="ft8">auf vorhandene Produkte und Preise (im Sinne von Richtofferten) zu</span><br/> <span class="ft8">erhalten. Die drei Offerten sind somit nicht im Rahmen eines dem öf-</span><br/> <span class="ft8">fentlichen Recht unterstehenden Submissionsverfahrens eingereicht</span><br/> <span class="ft8">worden. Das Vorgehen des Gemeinderats, sich vom Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft8">rer unverbindlich in Frage kommende Produkte offerieren zu lassen,</span><br/> <span class="ft8">lässt sich grundsätzlich nicht beanstanden, zumal der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft8">diese Absicht für den Beschwerdeführer erkennbar zum Ausdruck</span><br/> <span class="ft8">gebracht hat. Der Beschwerdeführer kann daraus insbesondere kei-</span><br/> <span class="ft8">nen Anspruch auf einen späteren Zuschlag oder auf die Teilnahme an</span><br/> <span class="ft8">einem formellen Submissionsverfahren ableiten. Eine diesbezügliche</span><br/> <span class="ft8">bindende Zusicherung durch die Gemeindebehörde, die allenfalls ei-</span><br/> <span class="ft8">nen Vertrauensschutztatbestand zu begründen vermöchte, wird auch</span><br/> <span class="ft8">vom Beschwerdeführer nicht dargetan. Er führt in der Eingabe vom</span><br/> <span class="ft8">17. Februar 2006 (im Übrigen in gewissem Widerspruch zu den Aus-</span><br/> <span class="ft8">führungen in der Beschwerde) lediglich aus, seine Bemühungen (Of-</span><br/> <span class="ft8">ferten, spezielle Vorführung, diverse Unterredungen) seien "im Hin-</span><br/> <span class="ft8">blick auf einen Vertragsabschluss oder doch eine Beteiligung am Ver-</span><br/> <span class="ft8">gabeverfahren erfolgt". Soweit er geltend macht, das Vorgehen der</span><br/> <span class="ft8">Gemeinde, vorgängig kostenlose Abklärungen durch ihn vorzu-</span><br/> <span class="ft8">nehmen und den Auftrag anschliessend freihändig an einen Konkur-</span><br/> <span class="ft8">renten zu vergeben, erachte er als klare Verletzung der vorvertragli-</span><br/> <span class="ft8">chen Treuepflicht, ist festzuhalten, dass es sich hierbei um eine zivil-</span><br/> <span class="ft8">rechtliche Frage handelt, die nicht durch das Verwaltungsgericht im</span><br/> <span class="ft8">Rahmen eines Submissionsbeschwerdeverfahrens zu beurteilen ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">3.2.</span><br/> <span class="ft8">Der Gemeinderat hat in der Folge bei der B. AG eine Offerte für</span><br/> <span class="ft8">einen Traktor eingeholt und diesem Angebot schliesslich den Zu-</span><br/> <span class="ft8">schlag erteilt, sich also für eine freihändige Vergabe entschieden. Da</span><br/> <span class="ft8">sich bereits aufgrund der beim Beschwerdeführer eingeholten Richt-</span><br/> <span class="ft8">offerten gezeigt hat, dass die Kosten der beabsichtigten Beschaffung</span><br/> <span class="ft8">den Schwellenwert von Fr. 150'000.--, der ein Einladungsverfahren</span><br/> <span class="ft8">notwendig macht, nicht erreichten, mithin eine freihändige Vergabe</span><br/> <span class="ft8">(im Sinne einer Direktvergabe) rechtlich ohne Weiteres zulässig war</span><br/> <span class="ft8">und die Vergabe überdies auch nicht den (materiellen) Vorschriften</span><br/> <span class="ft8">des SubmD untersteht (§ 5 Abs. 1 lit. d SubmD), lässt sich der Zu-</span><br/> <span class="ft8">schlag an die B. AG nicht als vergaberechtswidrig beanstanden. Wie</span><br/> <span class="ft8">schon erwähnt, ist es nicht Sache des Verwaltungsgerichts zu prüfen,</span><br/> <span class="ft8">ob die Gemeindebehörde durch ihr Verhalten allenfalls gegen die</span><br/> <span class="ft8">vorvertragliche Treuepflicht (culpa in contrahendo) gegenüber dem</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführer verstossen hat.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>