<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 21 S.69</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafrecht</span> <span class="page_no">69</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Strafrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>21</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 217 StGB, Vernachlässigung von Unterhaltspflichten.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Wenn sich der Angeklagte als Unterhaltsschuldner bei einer gegen ihn</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gerichteten Pfändung die Unterhaltsbeiträge ins Existenzminimum ein-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rechnen lässt, ohne diese effektiv zu leisten, so wird angenommen, dass er</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die erforderlichen Mittel zur Verfügung gehabt hätte. Wenn für diese Bei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>träge in der Folge eine weitere Pfändung vorgenommen wird, hat der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Angeklagte seine Leistungsunfähigkeit zu vertreten, weil er es unterliess,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die einberechneten Beträge zu leisten. Zudem hätte er sich mit betrei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bungsrechtlichen Mitteln gegen die Pfändung wehren müssen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Auszug aus dem Entscheid des Obergerichts, 2. Strafkammer, vom 23. Ok-</span><br/> <span class="ft4">tober 2001 i.S. P.B.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">Für die Monate <i>August und September 1999</i> hat sich der Ange-</span><br/> <span class="ft6">klagte die an seine geschiedene Ehefrau zu leistenden Unterhaltsbei-</span><br/> <span class="ft6">träge in das Existenzminimum einrechnen lassen, ohne diese effektiv</span><br/> <span class="ft6">zu leisten. Es ist deshalb festzustellen, dass er in den genannten bei-</span><br/> <span class="ft6">den Monaten die Mittel zur Erfüllung der Unterhaltsbeiträge ohne</span><br/> <span class="ft6">weiteres gehabt hätte. Der objektive Tatbestand bezüglich der Mo-</span><br/> <span class="ft6">nate August und September 1999 ist somit erfüllt.</span><br/> <span class="ft6">Auch für den Monat <i>Oktober 1999</i> wurde dem Angeklagten</span><br/> <span class="ft6">durch das Betreibungsamt X. ein Existenzminimum von Fr. 4'390.--,</span><br/> <span class="ft6">mithin unter Einrechnung der zu leistenden Unterhaltsbeiträge, ange-</span><br/> <span class="ft6">rechnet. Jedoch wurde allein aufgrund des Umstandes, dass die An-</span><br/> <span class="ft6">zeigerin die in den Vormonaten in das Existenzminimum eingerech-</span><br/> <span class="ft6">neten nicht geleisteten Unterhaltsbeiträge in Betreibung setzte, eine</span><br/> <span class="ft6">weitere Pfändung vorgenommen. Der Angeklagte hätte also auch im</span><br/> <span class="ft6">Oktober 1999 über die zur Erfüllung der Unterhaltsansprüche seiner</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">70</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">geschiedenen Ehefrau erforderlichen Mittel verfügt, wenn er in den</span><br/> <span class="ft6">Vormonaten die Unterhaltsbeiträge bezahlt hätte. Überdies hätte er</span><br/> <span class="ft6">sich mit betreibungsrechtlichen Mitteln gegen die Pfändung, die ihm</span><br/> <span class="ft6">die Möglichkeit zur Leistung der vorrangig zu erfüllenden Unter-</span><br/> <span class="ft6">haltsansprüchen nahm, wehren müssen. Die Tilgung unterhaltsrecht-</span><br/> <span class="ft6">licher Verpflichtungen geht jener von übrigen Schulden vor. Der</span><br/> <span class="ft6">Angeklagte kann sich nicht darauf berufen, durch die zusätzliche</span><br/> <span class="ft6">Pfändung nicht mehr in der Lage gewesen zu sein, die seiner ehema-</span><br/> <span class="ft6">ligen Frau geschuldeten Unterhaltsbeiträge zu bezahlen. Auch be-</span><br/> <span class="ft6">züglich des Oktobers 1999 ergibt sich somit, dass die objektiven und</span><br/> <span class="ft6">subjektiven Voraussetzungen von Art. 217 Abs. 1 StGB erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft6">(...)</span><br/> <span class="ft6">Das Existenzminimum betrug gemäss den Angaben des Betrei-</span><br/> <span class="ft6">bungsamts X. während der ganzen Zeit Fr. 2'830.--, so dass im No-</span><br/> <span class="ft6">vember und Dezember 1999 Fr. 1'600.-- und ab Januar 2000</span><br/> <span class="ft6">Fr. 1'700.-- zufolge der Lohnpfändung an das Betreibungsamt gin-</span><br/> <span class="ft6">gen. Grundsätzlich ergibt sich, dass der Angeklagte bei einem Ein-</span><br/> <span class="ft6">kommen von rund Fr. 4'500.-- und einem Existenzminimum von</span><br/> <span class="ft6">Fr. 2'830.-- in der Lage gewesen wäre, die Unterhaltszahlungen zu</span><br/> <span class="ft6">leisten, wenn nicht zufolge der Lohnpfändung Fr. 1'600.-- bzw.</span><br/> <span class="ft6">Fr. 1'700.-- an das Betreibungsamt abgeführt worden wären. Der</span><br/> <span class="ft6">Umstand, dass die Lohnpfändung erfolgte, ist auf das Verschulden</span><br/> <span class="ft6">des Angeklagten zurückzuführen, der es unterliess, solange ihm die</span><br/> <span class="ft6">Unterhaltsbeiträge ins Existenzminimum eingerechnet wurden, diese</span><br/> <span class="ft6">auch zu leisten, wozu er bekanntlich in der Lage gewesen wäre.</span><br/> <span class="ft6">Ebenso ist ihm - wie bereits für den vorhergehenden Zeitraum ange-</span><br/> <span class="ft6">führt - vorzuwerfen, dass er sich trotz ihm bewusster laufender Un-</span><br/> <span class="ft6">terhaltsverpflichtungen nicht mit betreibungsrechtlichen Mitteln</span><br/> <span class="ft6">gegen die Lohnpfändung wehrte. Dies kann entgegen der Auffassung</span><br/> <span class="ft6">des Angeklagten in der Berufung keinesfalls als "Kunstgriff" des</span><br/> <span class="ft6">Gerichts bezeichnet werden. Genauso, wie einem Unterhaltsver-</span><br/> <span class="ft6">pflichteten, der schuldhaft sein Einkommen reduziert und dadurch</span><br/> <span class="ft6">nicht mehr in der Lage ist, die Unterhaltsbeiträge zu leisten, ein hy-</span><br/> <span class="ft6">pothetischer Betrag aufgerechnet wird, ist dies demjenigen gegen-</span><br/> <span class="ft6">über zu tun, der keine Bemühungen zur Leistung der Beiträge unter-</span><br/> <span class="ft6">nimmt und es ohne Ergreifung von Rechtsvorkehren (Beschwerde</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Strafrecht</span> <span class="page_no">71</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">gegen die Pfändung oder Revisionsbegehren) zulässt, dass durch</span><br/> <span class="ft6">Pfändung andere Schulden vor jenen dem Unterhaltsberechtigten</span><br/> <span class="ft6">gegenüber getilgt werden. Auch bezüglich der Monate November</span><br/> <span class="ft6">1999 bis Oktober 2000 ist der objektive und subjektive Tatbestand</span><br/> <span class="ft6">somit erfüllt.</span><br/></div> </div> </body> </html>