Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 30. Mai 2016 (460 16 32) ____________________________________________________________________ Strafrecht versuchter qualifizierter Raub Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , gesetzlich vertreten durch B.____, vertreten durch Advokatin Ana Dettwiler, Fischmarkt 12, 4410 Liestal, Privatklägerin gegen C.____ , vertreten durch Advokat Christian Möcklin, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand versuchter qualifizierter Raub etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 28. Oktober 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (Drei erkammer 4) vom 28. Oktober 2015 wurde C.____ des versuchten Raubes sowie der mehrfa chen Widerhandlung gegen das Be- täubungsmittelgesetz schuldig erklärt und als Gesam tstrafe unter Einbezug der durch Rückver- setzung in den Strafvollzug zu vollziehenden Restst rafe von 61 Tagen betreffend die mit Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabtei lung Liestal, vom 14. August 2013 ausge- fällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten, zu einer Fre iheitsstrafe von 19 Monaten, unter Anrech- nung der vom 6. März 2015 bis zum 10. Juni 2015 aus gestandenen Untersuchungshaft von 96 Tagen, sowie zu einer Busse von Fr. 500.-- verurtei lt, wobei im Falle schuldhafter Nichtbezah- lung der Busse an deren Stelle eine Ersatzfreiheits strafe von 5 Tagen treten sollte (Ziffer 1 Ur- teilsdispositiv). Von der Anklage des versuchten qu alifizierten Raubes wurde C.____ freige- sprochen (Ziffer 2 Urteilsdispositiv). Mit Bezug au f die C.____ aufgrund der bedingten Entlas- sung vom 20. Mai 2014 verbleibende Reststrafe von 61 Tagen wurde in Anwendung von Art. 89 Abs. 1 StGB seine Rückversetzung in den Strafvollzu g angeordnet (Ziffer 3 Urteilsdispositiv). Gemäss Art. 57 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 63 Abs. 1 St GB wurde sodann während des Strafvoll- zuges eine ambulante Behandlung des Beurteilten ang eordnet, wobei festgestellt wurde, dass sich C.____ seit dem 11. Juni 2015 im vorzeitigen S trafvollzug befinde (Ziffer 4 und 5 Urteils- dispositiv). Das beschlagnahmte Steak-Messer (schwa rz, Klingenlänge 117 mm) wurde in An- wendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen (Ziffer 6 Urteilsdispo- sitiv). Die Schadenersatzforderung von A.____ wurde auf den Zivilweg verwiesen, C.____ je- doch dazu verurteilt, A.____ eine Genugtuung in Höh e von Fr. 1'000.-- zuzüglich 5 % Zins seit dem 6. März 2015 zu bezahlen, während die Mehrforde rung abgewiesen wurde. Ausserdem wurde C.____ dazu verurteilt, A.____ gemäss Art. 43 3 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Hö- he von Fr. 4'263.85 zu bezahlen (Ziffer 7 Urteilsdi spositiv). Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 8'152.--, den Kosten des Zwangsmassnahmenge- richts von Fr. 1'350.--, den Expertisekosten des ge richtlichen Verfahrens von Fr. 976.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 6'000.--, wurden C.____ aufe rlegt. Das Honorar der amtlichen Verteidi- gung in Höhe von insgesamt Fr. 11'328.90 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) wurde unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von C.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Ge- richtskasse entrichtet und C.____ gleichzeitig auf seine Rückzahlungspflicht hingewiesen (Ziffer 8 und 9 Urteilsdispositiv). B. Gegen dieses Urteil meldete C.____ mit Eingabe vom 9. November 2015 Berufung an. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Berufungserklärung vom 4. Februar 2016 reichte der Beschuldigte folgende Rechtsbegeh- ren ein: „1. Es sei das Urteil des Strafgerichts Basel-Lands chaft vom 28. Oktober 2015 in der Sache 300 15 198 teilweise aufzuheben und - es sei C.____ zu einer Freiheitsstrafe von 12 Mo naten (als Gesamtstrafe unter Einbe- zug der widerrufenen Vorstrafe) statt zu einer Frei heitsstrafe von 19 Monaten und zu ei- ner Busse von CHF 300.-- statt zu einer Busse von C HF 500.-- zu verurteilen (bzw. sei Erkenntnis Ziffer 1 teilweise aufzuheben), - es sei Herr C.____ zu verurteilen, Frau A.____ e ine Entschädigung in Höhe von maxi- mal CHF 710.65 zu bezahlen (bzw. sei Erkenntnis Ziffer 7c teilweise aufzuheben), - es seien die erstinstanzlichen Verfahrenskosten im Umfang des erstinstanzlichen Ob- siegens des Berufungsklägers (Erkenntnis Ziffer 2, 7a, 7b, 7c) nach gerichtlichem Er- messen dem Staat bzw. der Zivilklägerin aufzuerlege n bzw. seien die Verfahrenskosten im Umfang von ca. CHF 3‘395.60 durch den Staat bzw. die Zivilklägerin zu tragen (bzw. sei Erkenntnis Ziffer 8 teilweise aufzuheben), - es sei nach gerichtlichem Ermessen ein Betrag zu bestimmen, der von der Rückzah- lungsverpflichtung gemäss Ziffer 9 des Urteils ausg enommen wird bzw. seien ca. CHF 2‘265.80 von der Rückzahlungsverpflichtung gemäss Z iffer 9 auszunehmen (bzw. sei Erkenntnis Ziffer 9 teilweise aufzuheben), - es seien die Ziffern 2, 4, 5, 6, 7a und 10 des U rteilserkenntnisses zu bestätigen (Er- kenntnis Ziffern 2, 4, 5, 6, 7a und 10). 2. Alles unter o/e Kostenfolge, wobei dem Berufung skläger die amtliche Verteidigung mit dem Unterzeichneten als seinem amtlichen Verteidiger zu bewilligen sei.“ Der Beschuldigte teilte überdies mit, dass er auf eine schriftliche Berufungsbegründung verzich- te. Mit Eingabe vom 14. März 2016 erklärte der Beru fungskläger, dass er an seinem Verzicht auf eine eigentliche Berufungsbegründung festhalte und seine Anträge anlässlich der kantons- gerichtlichen Hauptverhandlung mündlich begründen werde. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Die Privatklägerin teilte mit Eingabe vom 3. März 2016 mit, dass sie weder Antrag auf Nichteintreten stelle noch Anschlussberufung erkläre und beantragte die vollumfängliche Bestä- tigung des erstinstanzlichen Urteils, wobei ihr anl ässlich der zweitinstanzlichen Hauptverhand- lung die Gelegenheit einzuräumen sei, zu diesem Antrag Stellung zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beantragte mit Eingabe vom 25. April 2016, die Beru- fung sei abzuweisen und das Urteil des Strafgericht s vom 28. Oktober 2015 vollumfänglich zu bestätigen. D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft , Abteilung Strafrecht, vom 15. März 2016 wurde dem Berufungskläger die amtlich e Verteidigung mit Advokat Christian Möcklin für das Berufungsverfahren bewilligt. Mit k antonsgerichtlicher Verfügung vom 26. April 2016 wurde der Schriftenwechsel geschlossen und die Parteien zur Hauptverhandlung geladen, wobei die Privatklägerin vom persönlichen Erscheinen dispensiert und ihrer Vertreterin die Teilnahme an der Hauptverhandlung ins freie Ermessen gestellt wurde. E. Anlässlich der heutigen zweitinstanzlichen Hauptve rhandlung, zu welcher der Beru- fungskläger zusammen mit seinem Vertreter, Advokat Christian Möcklin, Staatsanwalt Arnold Büeler sowie die Privatklägerin zusammen mit ihrer Vertreterin, Advokatin Ana Dettwiler, er- scheinen, wird der Berufungskläger zu seiner aktuel len persönlichen Situation sowie zu seinen Vorstellungen hinsichtlich einer deliktsfreien Zuku nft und der Umsetzung derselben umfassend befragt. In ihren mündlichen Vorträgen halten die P arteivertreter an ihren schriftlich gestellten Anträgen fest. Auf die Depositionen des Berufungsklägers und die A usführungen der Parteivertretungen wird - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zuläs sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilwei se abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unricht ige Feststellung des Sachverhalts sowie Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungs gericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs . 2 und Abs. 3 StPO). Die Berufung ist zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Ta gen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden. Danach muss beim Berufung sgericht innert 20 Tagen seit der Zu- stellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung eingereicht werden (Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). 2. Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Partei, die e in rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert. Die Berechti- gung zur Einlegung eines Rechtsmittels ist eine Ein tretensvoraussetzung. Die Legitimation ist dann gegeben, wenn die Partei ein aktuelles rechtli ch geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, d.h. wenn sie durch den angefochtenen Entscheid be- schwert ist. 3. In casu wird das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 28. Oktober 2015 ange- fochten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfech tungsobjekt dar. Das Urteilsdispositiv wurde dem Vertreter des Beschuldigten am 30. Oktober 2015 eröffnet (act. 1043). Die Berufungsan- meldung, die vom 9. November 2015 datiert und an di esem Tag auch bei der Post zum Ver- sand aufgegeben wurde (act. 1133), ist fristgerecht erfolgt. Das begründete Strafgerichtsurteil wurde dem Vertreter des Beschuldigten am 3. Februar 2016 zugestellt (act. 1101). Die Beru- fungserklärung des Beschuldigten vom 4. Februar 201 6 ist damit ebenfalls rechtzeitig erfolgt. Der Beschuldigte hat zweifellos ein rechtlich gesch ütztes Interesse an der Aufhebung oder Än- derung des Entscheides und ist damit zur Berufung l egitimiert. Die Zuständigkeit der Dreier- kammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht (n achfolgend Kantonsgericht Basel- Landschaft), als Berufungsgericht zur Beurteilung d er vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 li t. a EG StPO. Die Voraussetzungen für ein Eintreten auf die Berufung sind damit allesamt erfüllt, weshalb darauf eingetreten werden kann. II. Gegenstand des Berufungsverfahrens 1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufung sgericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es ist daher vora b darzulegen, was im zweitinstanzlichen Verfahren noch zur Diskussion steht. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Im vorliegenden Fall hat nur der Beschuldigte Beru fung erklärt. In Anbetracht des Ver- bots der „reformatio in peius“, das in Art. 391 Abs . 2 StPO geregelt ist, darf das Kantonsgericht Basel-Landschaft das vorinstanzliche Urteil nur ent weder bestätigen oder zu Gunsten des Be- schuldigten mildern, hingegen nicht verschärfen. Konkret richtet sich die Berufung aufgrund der Anträge des Beschuldigten in seiner Berufungserklär ung zunächst gegen die erstinstanzliche Sanktion von 19 Monaten Freiheitsstrafe sowie gegen die Busse im Betrag von Fr. 500.--, mit- hin gegen die Strafzumessung. Beanstandet wird soda nn die Entschädigung, die der Privatklä- gerin zu Lasten des Beschuldigten zugesprochen wurd e. Ebenfalls gerügt wird die Auferlegung der gesamten Verfahrenskosten zu Lasten des Beschul digten sowie der Verpflichtung zur Rückzahlung des Honorars der amtlichen Verteidigung . Das Kantonsgericht Basel-Landschaft hat also nachfolgend nur diese Punkte zu beurteilen . Nicht Gegenstand des vorliegenden Ver- fahrens sind hingegen folgende Themen: der Schuldsp ruch wegen versuchten Raubes und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel gesetz - mit Bezug auf den konkreten Sachverhalt und die rechtliche Würdigung desselben wird auf das erstinstanzliche Urteil verwie- sen (Strafgerichtsurteil S. 2 ff.) -, die Nichtgewährung des bedingten Strafvollzugs für die ausge- fällte Strafe (Strafgerichtsurteil S. 13 f.), die R ückversetzung in den Strafvollzug wegen Nicht- bewährung in der Probezeit (Strafgerichtsurteil S. 15 f.), die Anordnung einer ambulanten Mas- snahme während des Strafvollzugs (Strafgerichtsurte il S. 16 ff.), die Einziehung des beschlag- nahmten Steak-Messers (Strafgerichtsurteil S. 19) u nd schliesslich die Verurteilung des Be- schuldigten zur Zahlung einer Genugtuung an die Pri vatklägerin im Betrag von Fr. 1‘000.-- (Strafgerichtsurteil S. 20 f.). III. Strafzumessung 1. Das Strafgericht erklärte den Beschuldigten des ve rsuchten Raubes sowie der mehrfa- chen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig und verurteilte ihn als Ge- samtstrafe unter Einbezug der durch Rückversetzung in den Strafvollzug zu vollziehenden Reststrafe von 61 Tagen betreffend die mit Strafbef ehl der Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 14. August 2013 ausgefällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten, zu einer Freiheitsstrafe von 19 Monaten, u nter Anrechnung der vom 6. März 2015 bis zum 10. Juni 2015 ausgestandenen Untersuchungshaft von 96 Tagen, sowie zu einer Busse von Fr. 500.--, wobei im Falle schuldhafter Nichtbe zahlung der Busse an deren Stelle eine Er- satzfreiheitsstrafe von 5 Tagen treten sollte. Im H inblick auf die konkrete Strafzumessung ging die Vorinstanz vom Strafrahmen, der für den Tatbest and des Raubes (Art. 140 Ziff. 1 StGB) Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorgesehen ist, nämlich von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen, aus. Wegen der vom Beschuldigten began genen Übertretungen sei zudem zwin- gend eine Busse auszufällen. Das Strafgericht wies sodann darauf hin, dass es sich beim Raub per se um ein schweres Delikt handle. Zu Lasten des Beschuldigten spreche, dass er bei der Tatausführung ein Messer eingesetzt habe. Aufgrund dessen sei das junge Opfer nicht nur stark verängstigt, sondern auch in seinem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt worden. Als Strafmil- derungsgrund sei die gutachterlich attestierte leic ht verminderte Schuldfähigkeit aufzuführen sowie die Tatsache, dass es im Falle des Raubes bei einem Versuch geblieben sei und der Beschuldigte aufgrund des vom Opfer geleisteten Wid erstandes rasch von seinem Vorhaben abgelassen habe und geflüchtet sei. Ebenfalls leicht strafmindernd sei zu berücksichtigen, dass es sich beim versuchten Raub klarerweise um Beschaf fungskriminalität gehandelt habe. Die Vorinstanz legte die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten dar, die es grundsätzlich als unauffällig bezeichnete und verwies auf die zahlrei chen Vorstrafen, die sich zu seinen Lasten auswirken würden. Dass der Beschuldigte innerhalb d er einjährigen Probezeit der bedingten Entlassung aus dem Vollzug der mit Entscheid vom 14 . August 2013 ausgesprochenen Frei- heitsstrafe erneut delinquiert habe, sei ebenfalls negativ zu würdigen. Zu Gunsten des Beschul- digten berücksichtigte das Strafgericht wiederum se ine Reue, seine grundsätzliche Geständig- keit, seine Kooperation mit den Strafbehörden sowie den Umstand, dass er sich beim Opfer entschuldigt hatte. In Anbetracht dieser Tat- und T äterkomponenten ging die Vorinstanz schliesslich gesamthaft von einem erheblichen Verschulden im unteren Bereich aus und erach- tete daher eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten als schuldangemessen. Da der Beschuldigte trotz zahlreicher Vorstrafen erneut delinquiert und dabei sogar Gewaltmomente offenbart habe und überdies wegen seiner Drogenabhängigkeit die Wa hrscheinlichkeit neuerlicher Delinquenz in Bezug auf Gewaltdelikte als erhöht und in Bezug auf den Konsum von Betäubungsmitteln als sehr hoch einzustufen sei, müsse eine schlechte Pro gnose gestellt und die Freiheitsstrafe des- halb unbedingt ausgesprochen werden. Angesichts die ser schlechten Prognose müsse auch die aufgrund der bedingten Entlassung vom 20. Mai 2 014 verbleibende Reststrafe von 61 Ta- gen vollzogen bzw. die Rückversetzung des Beschuldi gten in den Vollzug angeordnet werden. Damit seien aber die in Art. 89 Abs. 6 StGB dargele gten Voraussetzungen erfüllt. Das Gericht müsse in Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstra fe festlegen. Dabei habe es von derje- nigen Strafe als "Einsatzstrafe" auszugehen, die es für die während der Probezeit neu verübte Straftat ausfällen wolle und müsse diese "Einsatzst rafe" mit Blick auf den Vorstrafenrest und nach Massgabe des Asperationsprinzips angemessen er höhen. Gestützt auf diese Regelung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprach sich die Vorinstanz für eine Gesamtfreiheits strafe von 19 Monaten aus. Die wegen der Übertretungen zwingend auszusprechende Busse setzte sie zu guter Letzt auf Fr. 500.-- fest (Strafgerichtsurteil S. 9 ff.). 2. In seiner Berufungserklärung vom 4. Februar 2016 m acht der Berufungskläger geltend, die erstinstanzliche Strafzumessung habe zu einer F reiheitsstrafe von unverhältnismässiger Dauer geführt. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung beanstandet er sodann, dass die Vorinstanz zwar verschiedene für die Straf zumessung relevante Punkte aufgezählt und aufgrund derselben eine Freiheitsstrafe von 19 Monaten als angemessen bezeichnet habe, dass aber eine konkrete Überprüfung der Strafzumess ung fast nicht möglich sei. Obwohl keine Verurteilung wegen qualifizierten Raubes erfolgt se i, mache die ausgefällte Strafe den An- schein, als ob dieser Tatbestand dennoch bejaht worden sei. 3. Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe n ach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei das Vorleben und die persön lichen Verhältnisse des Täters sowie die Wirkung der Strafe auf sein Leben (Abs. 1). Das Ver schulden wird nach der Schwere der Ver- letzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Ist ein Urteil zu begründen, so hält das Gericht gemäss Art. 50 StGB in der Be- gründung auch die für die Zumessung der Strafe erhe blichen Umstände und deren Gewichtung fest. Das Gericht hat die Strafzumessung so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen. Die Strafzumessungsgründe gehören daher ins Urteil. Dur ch diese Erhöhung der Transparenz soll die Kontrolle der Strafzumessung im Rechtsmittelver fahren erleichtert werden. Nur so ist es möglich zu prüfen, ob sich die Vorinstanz bei der F estsetzung der konkret ausgesprochenen Strafe von zutreffenden Gesichtspunkten leiten liess (H ANS WIPRÄCHTIGER /R EGULA ECHLE , Bas- ler Kommentar StGB I, 3. Aufl. 2013, Art. 50 N 1 f. ). Das Bundesgericht drängt in seiner Recht- sprechung sodann vermehrt darauf, dass die Formulie rung des Verschuldens und die Festset- zung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang s tehen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2; vgl. auch BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung fest zusetzen. Dieser Rahmen ist vom Ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rech- nung zu tragen, weshalb der ordentliche Rahmen nur dann zu verlassen ist, wenn ausserge- wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betref fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart beziehungsweise zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts steht dem Sachrichter bei der Gewich- tung der Strafzumessungskomponenten ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Es greift nur dann ein, wenn das kantonale Gericht den gesetzlich en Strafrahmen über- oder unterschritten hat, wenn es von rechtlich nicht massgebenden Gesic htspunkten ausgegangen ist oder wenn es umgekehrt massgebende Faktoren ausser Acht gelas sen hat, wenn es wesentliche Kriterien in Überschreitung oder Missbrauch seines Ermessens falsch gewichtet hat und schliesslich, wenn es eine unhaltbar hohe oder milde Strafe ausge fällt hat (H ANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB I, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 13). 4. Gemäss Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 40 StGB beträgt der Strafrahmen im vor- liegenden Fall Freiheitsstrafe von mindestens 6 Mon aten bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen. Aus dem forensisch-psy chiatrischen Gutachten von D.____ vom 18. Juni 2015 ergibt sich, dass beim Berufungskläge r eine ausgeprägte Suchterkrankung diag- nostiziert wurde. Neben einem Abhängigkeitssyndrom von Opioiden (Drogenersatzprogramm mit Methadon; ICD-10 F11.22) bestehe gemäss diesem Gutachten ein Abhängigkeitssyndrom von Sedativa (Valium; ärztlich verordnet; ICD-10 F1 3.22) und von Kokain (im Rahmen der Haft abstinent; ICD-10 F14.21). Im Weiteren lägen beim Beschuldigten dissoziale Persönlichkeitsan- teile vor (akzentuierte Persönlichkeitszüge; ICD-10 Z73.1), die zwar deliktsrelevant seien, je- doch nicht einer psychiatrischen Diagnose im engeren Sinn entsprächen und von einer Persön- lichkeitsstörung abzugrenzen seien (act. 159.11 ff. , insb. 159.44 ff. und 159.61 ff.). Die Ein- sichtsfähigkeit sei deswegen nicht aufgehoben gewes en. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei jedoch die Steuerungsfähigkeit und infolgedesse n die Schuldfähigkeit hinsichtlich des ver- suchten Raubes leichtgradig vermindert gewesen (act . 159.49 ff. und 159.62 ff.). Diese Ein- schätzung des Gutachters wird vom Berufungskläger n icht konkret beanstandet. Es gibt auch nach Ansicht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft k einen Anlass, diese gutachterlichen Fest- stellungen in Frage zu stellen. Dem Berufungskläger ist also eine leicht verminderte Schuldfä- higkeit zu Gute zu halten resp. als Strafmilderungs grund anzurechnen. Ebenfalls strafmildernd ist zu berücksichtigen, dass es im Falle des Raubes bei einem Versuch geblieben ist, wobei die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tat allerdings schon sehr weit fortgeschritten war, der Abbruch derselben also relativ spät und einzig durch den Widerstand des Opfers bedingt erfo lgte. Deswegen erscheint aufgrund des Versuchs nur eine geringfügige Strafmilderung angezeigt. Unter dem Aspekt der Tatkomponente ist sodann zu er wähnen, dass der Berufungskläger bei seinem Überfall auf den Blumenladen ein Messer mitführte und damit die 16jährige Privatkläge- rin, die dort als Lehrtochter angestellt ist, in An gst und Schrecken versetzte. Er verübte seine Tat sodann am helllichten Tag und nahm dadurch nich t nur eine Gefährdung der Privatklägerin und weiterer Angestellten des Blumenladens, sondern auch allfälliger Kundschaft in Kauf. Diese Punkte wirken sich strafschärfend aus. Die Vorinsta nz ging sodann davon aus, dass es sich beim versuchten Raub um Beschaffungskriminalität gehandelt habe, und berücksichtigte dies in leicht strafmindernder Weise. Das Kantonsgericht Ba sel-Landschaft erachtet es demgegenüber als fraglich, ob ein Täter, der wegen seiner Drogen sucht delinquiert, privilegiert behandelt wer- den sollte, ob also bei Beschaffungskriminalität eine mildere Strafe auszusprechen ist, als wenn der Täter aus anderen Gründen straffällig wurde. Leicht zu Gunsten des Berufungsklägers kann indessen - wie bereits die Vorinstanz festhielt - b erücksichtigt werden, dass er aufgrund des vom Opfer geleisteten Widerstandes immerhin rasch v on seinem - wenn auch schon weit ge- diehenem - Vorhaben abliess und flüchtete. Bei der Täterkomponente sind in erster Linie das Vo rleben und die persönlichen Verhältnisse des Berufungsklägers zu beachten. Seine Lebensgesch ichte wurde im erstinstanzlichen Urteil kurz dargelegt und die im Strafregisterauszug vom 15. Oktober 2015 erwähnten Vorstrafen auf- gelistet (Strafgerichtsurteil S. 12 f.). Es kann hi er vollumfänglich darauf verwiesen werden, zu- mal der Berufungskläger weder den Strafregisterausz ug bemängelt - im neuesten Strafregister- auszug vom 26. Mai 2016 werden die bereits bekannte n Vorstrafen nochmals bestätigt - noch geltend macht, dass wesentliche Aspekte aus seiner Biographie resp. seine persönliche Situati- on bei der Strafzumessung nicht oder nicht hinreich end beachtet worden seien. Während die Lebensgeschichte des Berufungsklägers neutral zu wü rdigen ist, wirken sich die zahlreichen Vorstrafen sehr nachteilig für ihn aus. Dasselbe gi lt auch für die Tatsache, dass der Berufungs- kläger innerhalb der einjährigen Probezeit, die auf grund der bedingten Entlassung aus dem Vollzug einer früheren Freiheitsstrafe festgesetzt worden war, erneut delinquierte. Dass der Berufungskläger mit seiner jüngsten Straftat eine b is anhin unbekannte Gewalttätigkeit offen- bart, dass also im Vergleich zu den früheren Delikt en, bei denen es meist um Diebstahl gegan- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen war, eine qualitative Steigerung resp. eine Ver schlimmerung der Delinquenz festgestellt werden muss, ist ebenfalls negativ zu würdigen. Zu Gunsten des Berufungsklägers spricht hin- gegen die von ihm gezeigte Reue, insbesondere seine schriftliche Entschuldigung beim Opfer sowie die Kooperation im Strafverfahren. Was schliesslich die Geständigkeit betrifft, die von der Vorinstanz ebenfalls zu Gunsten des Berufungskläger s gewürdigt wurde, muss hier darauf hin- gewiesen werden, dass der Berufungskläger im Blumen laden von den anderen Angestellten mitten im Tatgeschehen und damit „in flagranti“ ent deckt und kurz danach überwältigt wurde. Bei dieser geradezu erdrückenden Beweislage wäre ei n Leugnen ausgesprochen sinnlos ge- wesen. Aus diesem Grund ist das Geständnis des Beru fungsklägers nicht zu seinen Gunsten zu gewichten. In Anbetracht dieser Erwägungen kommt das Kantonsge richt Basel-Landschaft mit der Vor- instanz zum Schluss, dass von einem erheblichen Verschulden im unteren Bereich auszugehen ist. Diese Einstufung des Verschuldens wird vom Ber ufungskläger denn auch nicht konkret mo- niert. Bei einem solchen Verschulden des Täters erw eist sich die erstinstanzlich ausgefällte Freiheitsstrafe von 18 Monaten angesichts des zuvor erwähnten Strafrahmens von bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe in keiner Weise als unverhäl tnismässig hart. Das Kantonsgericht Basel- Landschaft geht selber davon aus, dass eine Sanktio n von 3 Jahren Freiheitsstrafe der straf- rechtlich vorwerfbaren objektiven Tatschwere entspr icht. Davon muss wegen der leicht vermin- derten Schuldfähigkeit, wegen des Versuchs und den übrigen schuldmildernden Faktoren, wie namentlich die Reue sowie die Kooperation im Strafv erfahren, ein Abzug von ca. 50% vorge- nommen werden, womit ebenfalls eine Strafe von 1 ½ Jahren resp. 18 Monaten Freiheitsstrafe resultiert. Noch nicht berücksichtigt sind dann abe r sämtliche straferhöhenden Faktoren. Die erstinstanzliche Strafzumessung ist also durchaus z u Gunsten des Berufungsklägers ausgefal- len. Dass die Vorinstanz diese Strafe gestützt auf Art. 89 Abs. 6 StGB und in Anwendung des Asperationsprinzips wegen des Widerrufs der Reststr afe um einen Monat auf 19 Monate Frei- heitsstrafe erhöhte, ist ebenfalls nicht zu beansta nden. Die Erläuterungen im erstinstanzlichen Entscheid (Strafgerichtsurteil S. 15) sind nachvoll ziehbar und werden vom Berufungskläger auch gar nicht substantiiert in Frage gestellt. Mit Bezug auf die erstinstanzlich ausgefällte Busse von Fr. 500.-- ist schliesslich festzuhalten, dass der Berufungskläger wegen mehrfacher Wider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig erklärt wurde, weshalb die Busse auch nicht als zu hoch erscheint. Der Berufungskläger be gründet sein Begehren auf Reduktion der Busse um Fr. 200.-- auf Fr. 300.-- denn auch mit ke inem Wort. Es ist daher nicht ersichtlich, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht inwiefern er die Busse konkret bemängelt. Die Straf zumessung der Vorinstanz ist insgesamt nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beruf ung des Beschuldigten demzufolge ab- zuweisen. IV. Erstinstanzliche Kostenentscheide 1. Der Berufungskläger rügt, dass er die volle Partei kostenentschädigung zu tragen habe, obwohl die Privatklägerin mit ihren Begehren zu mehr als 5/6 unterlegen sei. 2. Gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO hat die Privatklägersc haft gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für n otwendige Aufwendungen im Verfah- ren, wenn sie obsiegt (lit. a) oder die beschuldigt e Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO kosten- pflichtig wird (lit. b). Die Ansprüche der Privatklägerschaft beschränken sich auf ihre im Strafver- fahren erforderlichen Aufwendungen und stehen der P rivatklägerschaft direkt gegen die be- schuldigte Person zu. Ein Obsiegen gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO liegt sicher dann vor, wenn die beschuldigte Person im Strafpunkt verurteilt und der Privatklägerschaft gleichzeitig die von ihr geltend gemachte Zivilforderung zugesproche n wird. Von einem Obsiegen der Privat- klägerschaft ist auch dann auszugehen, wenn eine vo llständige Beurteilung ihrer Forderung im Rahmen des Strafverfahrens zu aufwändig wäre, diese aber gemäss Art. 126 Abs. 3 StPO zu- mindest dem Grundsatz nach gutgeheissen und im Übri gen auf den Zivilweg verwiesen wird. Wenn indessen die Zivilforderung auch im Grundsatz nicht gutgeheissen, sondern vollumfäng- lich auf den Zivilweg verwiesen wird, kann der Priv atklägerschaft für ihre Aufwendungen im Zi- vilpunkt keine Entschädigung zu Lasten der beschuld igten Person zugesprochen werden. Heisst das Gericht die Zivilklage schliesslich nur teilweise gut, erfolgt eine proportionale Auftei- lung der Kosten (S TEFAN WEHRENBERG /F RIEDRICH FRANK , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 433 N 7, 10 ff., 18; N IKLAUS SCHMID , Schweizerische Strafprozessordnung, Praxis- kommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 433 N 2 ff.). 3. Im vorliegenden Fall wurde der Berufungskläger von der Vorinstanz im Strafpunkt schul- dig erklärt. Von der Anklage des versuchten qualifi zierten Raubes sprach ihn das Strafgericht zwar frei, der angeklagte Sachverhalt des versuchte n Raubes sowie der mehrfachen Wider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde jed och uneingeschränkt als erstellt erach- tet. Der erwähnte Freispruch ist daher lediglich au f die anderweitige rechtliche Würdigung des Raubes durch die Vorinstanz zurückzuführen und mith in rein formeller Natur. Materiell gesehen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann daher von einem vollumfänglichen Obsiegen der Privatklägerin im Strafpunkt ausgegan- gen werden. Mit Bezug auf den Zivilpunkt machte sie im erstinstanzlichen Verfahren eine Scha- denersatzforderung von Fr. 1‘052.-- zuzüglich 5% Zi ns seit 1. September 2015 geltend und be- antragte eine Genugtuung von Fr. 5‘000.-- zuzüglich 5% Zins seit 6. März 2015. Die Schaden- ersatzforderung wurde vom Strafgericht mangels ausr eichender Substantiierung auf den Zivil- weg verwiesen und die vom Berufungskläger zu bezahl ende Genugtuung auf Fr. 1‘000.-- fest- gelegt. Damit drang die Privatklägerin mit ihren Be gehren von insgesamt Fr. 6‘052.-- nur zu etwa 1/6 durch. Es stellt sich nunmehr die Frage, w ie diesem vollständigen Obsiegen im Straf- punkt und dem nur teilweisen Obsiegen im Zivilpunkt bei der Bemessung der Parteikostenent- schädigung Rechnung zu tragen ist. Das vorliegende Strafverfahren und damit auch die Z ivilforderungen der Privatklägerin sind al- leine auf das schuldhafte Verhalten des Berufungskl ägers zurückzuführen resp. wurden aus- schliesslich durch ihn verursacht. Dieser Tatsache ist hinreichend Beachtung zu schenken. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft vertritt daher die Ansicht, dass dem Obsiegen im Strafpunkt im Vergleich zum Zivilpunkt ein grösseres Gewicht b eigemessen werden muss. Das Obsiegen im Strafpunkt ist daher mit 70% zu veranschlagen, w ährend ein vollumfängliches Obsiegen im Zivilpunkt mit den verbleibenden 30% zu honorieren ist. Da die Privatklägerin nun aber mit ihren Zivilforderungen nur im Umfang von 1/6 durchgedrungen ist, kann ihr - ausgehend von den 30% - unter dem Titel „Obsiegen im Zivilpunkt“ nur 5% g utgeschrieben werden. Insgesamt ist also von einem Obsiegen der Privatklägerin im Umfang von 75% auszugehen. Im erstinstanzlichen Verfahren wurde ihr eine Parteientschädigung von Fr . 4‘263.85 zugesprochen. In teilweiser Gutheissung seiner Berufung ist der Beschuldigte so mit zu verurteilen, der Privatklägerin 75% der erstinstanzlich festgelegten Parteientschädigung, d.h. also Fr. 3‘197.88, gerundet Fr. 3‘200.- - (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer), zu bezahlen. 4. Der Berufungskläger beanstandet im Weiteren, dass ihm die erstinstanzlichen Verfah- renskosten trotz teilweisem Obsiegen vollumfänglich auferlegt worden seien. 5. Wird die beschuldigte Person verurteilt, so trägt sie gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten. Diese Bestimmung basiert auf der Annahme, dass die beschuldigte Person bei einer Verurteilung im Sinne der Anklage die Ein leitung und Durchführung des Strafverfah- rens verschuldet und deshalb auch die gesamten Kosten desselben tragen soll, soweit ein adä- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht quat-kausaler Zusammenhang zwischen dem zur Verurte ilung führenden, strafbaren Verhalten und den Kosten besteht. Wird die beschuldigte Perso n bei einer Mehrzahl strafbarer Handlun- gen nur teilweise schuldig erklärt und teilweise freigesprochen, so sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. Der beschuldigten Perso n dürfen indessen dann die gesamten Kosten auferlegt werden, wenn die ihr zur Last gelegten Handlungen in einem engen und direk- ten Zusammenhang stehen, und alle Untersuchungshand lungen hinsichtlich jedes Anklage- punktes notwendig waren. Es ist dabei nach Sachverh alten und nicht nach Tatbeständen auf- zuschlüsseln. Bei einem einheitlichen Sachverhaltsk omplex ist vom Grundsatz der vollständi- gen Kostenauflage nur dann abzuweichen, wenn die St rafuntersuchung im freigesprochenen Punkt zu Mehrkosten geführt hat (T HOMAS DOMEISEN , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 246 N 3, 5 f.). 6. Wie zuvor unter Ziffer 3 bereits erwähnt, erachtet e die Vorinstanz den angeklagten Sachverhalt des versuchten Raubes sowie der mehrfac hen Widerhandlung gegen das Betäu- bungsmittelgesetz als erstellt. Der Freispruch von der Anklage des versuchten qualifizierten Raubes erfolgte lediglich aufgrund der anderweitige n rechtlichen Würdigung des Raubes durch die Vorinstanz. Insoweit sind die eben dargelegten Voraussetzungen erfüllt. Im Übrigen könnte bei dieser Sachlage auch ohne weiteres von einem vo llumfänglichen Unterliegen des Beschul- digten ausgegangen werden. Der angefochtene erstins tanzliche Kostenentscheid ist also nicht zu beanstanden und die Berufung in diesem Punkt abzuweisen. 7. Die Berufung richtet sich schliesslich gegen die V erpflichtung des Berufungsklägers zur Rückzahlung der vom Staat übernommenen Kosten der amtlichen Verteidigung. 8. In Ziffer 9 des erstinstanzlichen Urteilsdispositi vs wurde dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für seine Bemühungen im Strafverfahren ein Honorar von Fr. 11‘328.90 inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer aus der Gerichtskasse e ntrichtet und der Beschuldigte an- schliessend dazu verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung die Differenz zwisch en der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtsc haftlichen Verhältnisse erlauben. Diese be- dingte Rückzahlungsverpflichtung stützt sich auf Ar t. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO und setzt voraus, dass die beschuldigte Person zur Bezahlung der Verfahrenskosten verurteilt wurde. Dies ist jedoch vorliegend genau der Fall, zumal - wie oben gerade ausgeführt wurde - die erst- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht instanzliche vollumfängliche Kostenauflage zu Recht erfolgt ist. Die Berufung ist somit auch in diesem Punkt abzuweisen. V. Kosten des Berufungsverfahrens 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien di e Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Im vorliegenden Fall ist der Beru- fungskläger lediglich mit Bezug auf die zu Gunsten der Privatklägerin zugesprochene Parteient- schädigung durchgedrungen, wobei auch hier seinem Antrag nur in sehr beschränktem Umfang stattgegeben worden ist. Bei diesem Prozessergebnis erscheint es gerechtfertigt, dem Beru- fungskläger die gesamten Kosten des zweitinstanzlic hen Verfahrens, bestehend aus einer Ge- richtsgebühr von Fr. 6‘000.-- und den Auslagen von Fr. 150.--, total Fr. 6‘150.--, zu überwälzen. 2. Mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 15. März 20 16 wurde dem Berufungskläger die amtliche Verteidigung bewilligt. Seinem Vertreter, Advokat Christian Möcklin, ist daher für seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von Fr . 2‘730.50 inklusive Auslagen, zuzüglich Mehrwertsteuer à 8% resp. Fr. 218.45, total demnach Fr. 2‘948.95, aus der Gerichtskasse zu bezahlen. Auch hier ist auf die Rückzahlungsverpfli chtung gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO hinzuweisen, die zum Tragen kommt, sobald es die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beru- fungsklägers erlauben. 3. Die Privatklägerin hat schliesslich auch im Berufu ngsverfahren wiederum gestützt auf Art. 433 Abs. 1 StPO Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für ihre notwendigen Aufwendungen, sofern sie obsiegt. Vorliegend macht ihre Vertreterin, Advokatin Ana Dettwiler, für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 2‘206.70 inklusive Auslagen im Betrag von Fr. 66.60 und Mehrwertsteuer von Fr. 163 .45 geltend. Da die der Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene Partei entschädigung nur leicht gekürzt worden, die Privatklägerin ansonsten mit ihrem Antrag, das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen, durchge- drungen ist, erscheint es angebracht, die Entschädi gung für das zweitinstanzliche Verfahren nur geringfügig resp. nur um ca. 10% auf Fr. 2‘000.-- p auschal zu kürzen. Der Berufungskläger hat der Privatklägerin somit für das vorliegende Verfah ren eine reduzierte Entschädigung von Fr. 2‘000.-- zu bezahlen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft (Dreierkammer 4) vom 28. Oktober 2015, das wie folgt lautet: „1. C.____ wird des versuchten Raubes sowie der mehr fachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schu ldig erklärt und als Gesamtstrafe unter Einbezug der durch Rückvers etzung in den Strafvollzug zu vollziehenden Reststrafe von 61 Tagen betreffend die mit Urteil der Staatsanwaltschaft Ba sel- Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 14. August 2013 aus- gefällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu einer Freiheitsstrafe von 19 Monaten, unter Anrechnung der vom 6. März 2015 bis zum 10. Juni 2015 ausgestandenen Untersuchungshaft von 96 Tagen, so- wie zu einer Busse von Fr. 500.-- verurteilt, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tri tt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen, in Anwendung von Art. 140 Ziff. 1 StGB, Art. 19a Z iff. 1 BetmG sowie Art. 19 Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Ab s. 2 StGB, Art. 49 Abs. 2 StGB, Art. 51 StGB, Art. 86 Abs. 1 u nd Abs. 6 StGB sowie Art. 106 StGB. 2. C.____ wird von der Anklage des versuchten qual ifizierten Raubes freigesprochen. 3. In Anwendung von Art. 89 Abs. 1 StGB wird in Be zug auf die dem Beurteilten aufgrund der bedingten Entlassu ng vom Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 20. Mai 2014 verbleibende Reststrafe von 61 Tagen d ie Rück- versetzung desselben in den Strafvollzug angeordnet. 4. Gemäss Art. 57 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 63 Abs. 1 StGB wird während des Strafvollzuges eine ambulante Behandlun g des Beurteilten angeordnet. 5. Es wird festgestellt, dass sich C.____ seit 11. Juni 2015 im vorzeitigen Strafvollzug befindet (Art. 236 StPO i. V.m. Art. 220 Abs. 1 StPO). 6. Das beschlagnahmte Steak-Messer (schwarz, Kling enlänge 117 mm) wird in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Ab s. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen. 7.a. Die Schadenersatzforderung von A.____ wird auf den Zivilweg verwiesen. b. C.____ wird dazu verurteilt, A.____ eine Gen ugtuung in Höhe von Fr. 1'000.-- zuzüglich 5 % Zins seit dem 6. März 2015 zu bezahlen. Die Mehrforderung wird ab gewie- sen. c. C.____ wird dazu verurteilt, A.____ gemäss A rt. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Höhe von Fr. 4'263.85 zu bezah- len. 8. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten de s Vorver- fahrens von Fr. 8'152.--, den Kosten des Zwangsmass nah- mengerichts von Fr. 1'350.--, den Expertisekosten d es gericht- lichen Verfahrens von Fr. 976.-- und der Gerichtsge bühr von Fr. 6'000.--. C.____ trägt die Verfahrenskosten in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründe tes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgeric htliche Ge- bühr auf Fr. 3'000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 9. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insge- samt Fr. 11'328.90 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwerts teuer) wird unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von C.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtska sse ent- richtet. C.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhä ltnisse er- lauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtl ichen Ver- teidigung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidi gung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vol- len Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). “ wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigt en in Ziffer 7.c. aufgehoben und wie folgt neu gefasst: „7 .c. C.____ wird dazu verurteilt, A.____ gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Höhe von Fr. 3'200.-- zu bezah- len.“ Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Ge- richtsgebühr von Fr. 6‘000.-- und den Auslagen von Fr. 150.--, total Fr. 6‘150.--, gehen zu Lasten des Berufungsklägers. III. Dem Vertreter des Berufungsklägers, Advokat C hristian Möcklin, wird zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung ein Honorar von Fr. 2‘730.50 inklusive Auslagen, zuzüglich Mehrwert steuer à 8% resp. Fr. 218.45, total demnach Fr. 2‘948.95, aus d er Gerichtskasse Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausbezahlt. Sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, ist der Beru- fungskläger verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Vertei- digung zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). IV. Der Berufungskläger wird dazu verurteilt, der Privatklägerin für das Berufungsverfahren eine reduzierte Entschädigung vo n Fr. 2‘000.-- pauschal zu bezahlen. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Nicole Schneider