Bundesgesetz vom 12. Februar 1949 über die eidgenössische Einigungsstelle zur Beilegung von kollektiven Arbeitsstreitigkeiten <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><akomaNtoso xmlns="http://docs.oasis-open.org/legaldocml/ns/akn/3.0" xmlns:fedlex="http://fedlex.admin.ch/"><act name="publicLaw"><meta><identification source="#ch.bk"><FRBRWork><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1949/1298_1398_1122/20130101/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1949/1298_1398_1122/20130101"/><FRBRdate date="1949-02-12" name="jolux:dateDocument"/><FRBRdate date="1949-10-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2013-01-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRcountry value="CH"/><FRBRnumber value="821.42"/><FRBRname xml:lang="de" value="Bundesgesetz vom 12. Februar 1949 über die eidgenössische Einigungsstelle zur Beilegung von kollektiven Arbeitsstreitigkeiten" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="fr" value="Loi fédérale du 12 février 1949 concernant l'Office fédéral de conciliation en matière de conflits collectifs du travail" shortForm=""/><FRBRname xml:lang="it" value="Legge federale del 12 febbraio 1949 concernente l'Ufficio federale di conciliazione incaricato di comporre i conflitti collettivi del lavoro" shortForm=""/><FRBRauthoritative value="true"/></FRBRWork><FRBRExpression><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1949/1298_1398_1122/20130101/de/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1949/1298_1398_1122/20130101/de"/><FRBRdate date="1949-02-12" name="jolux:dateDocument"/><FRBRdate date="1949-10-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2013-01-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRlanguage language="de"/></FRBRExpression><FRBRManifestation><FRBRthis value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1949/1298_1398_1122/20130101/de/xml/main-text"/><FRBRuri value="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1949/1298_1398_1122/20130101/de/xml"/><FRBRdate date="1949-02-12" name="jolux:dateDocument"/><FRBRdate date="1949-10-01" name="jolux:dateEntryInForce"/><FRBRdate date="2013-01-01" name="jolux:dateApplicability"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#publisher"/><FRBRauthor href="#ch.bk" as="#rightsHolder"/><FRBRformat value="xml" fedlex:generator="2024-q4-rel-1.6.5"/></FRBRManifestation></identification><references source="#ch.bk"><TLCOrganization eId="ch.bk" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/legal-institution/2" showAs="Bundeskanzlei"/><TLCRole eId="publisher" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#publisher" showAs="Editeur"/><TLCRole eId="rightsHolder" href="http://data.legilux.public.lu/resource/ontology/jolux#rightsHolder" showAs="Détenteur des droits"/><TLCReference name="language" href="http://publications.europa.eu/resource/authority/language/DEU" showAs="de"/><TLCReference name="format" href="https://fedlex.data.admin.ch/vocabulary/user-format/xml" showAs="xml"/></references></meta><preface><p><docNumber>821.42 </docNumber></p><p><docTitle>Bundesgesetz<br/>über die eidgenössische Einigungsstelle zur Beilegung von kollektiven Arbeitsstreitigkeiten</docTitle></p><p>vom 12. Februar 1949 (Stand am 1. Januar 2013)</p></preface><preamble><p>Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,</p><p>gestützt auf Artikel 34<sup>ter</sup> Absatz 1 Buchstabe <i>b</i> der Bundesverfassung<authorialNote><p> [BS 1 3]. Siehe heute: BV vom 18. April 1999 (<ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1999/404" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>101</b></ref>).</p></authorialNote>,<br/>nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 25. Juni 1948<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/fga/1948/2_796_751_" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">BBl <b>1948</b> II 796</ref></p></authorialNote>,</p><p>beschliesst:</p></preamble><body><level eId="lvl_I"><num>I. </num><heading>Einsetzung und Organisation</heading><article eId="art_1"><num><b>Art. 1</b></num><paragraph eId="art_1/para_1"><num>1</num><content><p> Zur Vermittlung in Kollektivstreitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über das Arbeitsverhältnis, die über die Grenzen eines Kantons hinausreichen, kann der Bundesrat das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF)<authorialNote><p> Ausdruck gemäss Ziff. I 17 der V vom 15. Juni 2012 (Neugliederung der Departemente), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (<ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/oc/2012/419" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">AS <b>2012</b> 3655</ref>). Diese Änd. wurde im ganzen Text berücksichtigt.</p></authorialNote> ermächtigen, von Fall zu Fall eine eidgenössische Einigungsstelle (im folgenden Einigungsstelle genannt) einzusetzen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_1/para_2"><num>2</num><content><p> Bei Streitigkeiten, die zwar über die Grenzen eines Kantons hinausreichen, aber nur von regionaler Bedeutung sind, kann das WBF nach Anhörung der beteiligten Kantone ein kantonales Einigungsamt mit der Vermittlung betrauen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_1/para_3"><num>3</num><content><p> Die Einsetzung der Einigungsstelle erfolgt nur auf Ersuchen Beteiligter, sofern alle Verständigungsversuche der Parteien durch direkte Verhandlungen nicht zum Ziel geführt haben und nur wenn keine vertragliche paritätische Einigungs- oder Schiedsstelle besteht.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_1/para_4"><num>4</num><content><p> Als vertragliche paritätische Einigungs- oder Schiedsstellen im Sinne dieses Gesetzes gelten solche, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit gleichen Rechten und Pflichten in gleicher Zahl vertreten sind und die unter neutraler Leitung stehen.</p></content></paragraph></article><article eId="art_2"><num><b>Art. 2</b></num><paragraph eId="art_2/para_1"><num>1</num><content><p> Die Einigungsstelle wird vom WBF von Fall zu Fall aus einem Obmann und zwei Beisitzern zusammengesetzt.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_2"><num>2</num><content><blockList><listIntroduction eId="art_2/para_2/listintro"> Das WBF bezeichnet die Mitglieder der Einigungsstelle im einzelnen Fall wie folgt:</listIntroduction><item eId="art_2/para_2/lbl_a"><num>a. </num><p>den Obmann, ausgewählt aus fünf hiezu vom Bundesrat ernannten Personen;</p></item><item eId="art_2/para_2/lbl_b"><num>b. </num><p>je einen Beisitzer, ausgewählt aus je sechs vom Bundesrat auf Vorschlag der Spitzenverbände der Arbeitgeber und der Spitzenverbände der Arbeitnehmer ernannten Personen.</p></item></blockList></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_3"><num>3</num><content><p> Der Bundesrat entscheidet über Einsprachen wegen Befangenheit dieser Personen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_2/para_4"><num>4</num><content><p> Die Wahl der Mitglieder erfolgt für die jeweilige Amtsdauer des Nationalrates.</p></content></paragraph></article></level><level eId="lvl_II"><num>II. </num><heading>Einigungsverfahren</heading><article eId="art_3"><num><b>Art. 3</b></num><paragraph eId="art_3/para_1"><num>1</num><content><p> Die von der Einigungsstelle Vorgeladenen sind verpflichtet, zu erscheinen, zu verhandeln, Auskunft zu erteilen und die von der Einigungsstelle verlangten Unterlagen vorzulegen. Bei Widerhandlung gegen diese Bestimmung kann die Einigungsstelle Ordnungsbussen bis zu 500 Franken ausfällen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_3/para_2"><num>2</num><content><p> Auf begründetes Gesuch einer der Parteien kann die Akteneinsichtnahme auf den Obmann beschränkt werden, der den Beisitzern die nötigen Aufschlüsse erteilt.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_3/para_3"><num>3</num><content><p> Die Einigungsstelle kann von sich aus oder auf Antrag der Parteien je eine von diesen zu bezeichnende sachkundige Person zur Auskunfterteilung beiziehen. Sie kann ferner in jedem Stadium des Verfahrens Zeugen anhören und Gutachten Sachverständiger einholen. Die einschlägigen Bestimmungen des Bundeszivilprozesses<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1948/485_473_421" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>273</b></ref></p></authorialNote> finden sinngemäss Anwendung.</p></content></paragraph></article><article eId="art_4"><num><b>Art. 4</b></num><paragraph eId="art_4/para_1"><num>1</num><content><p> Die Einigungsstelle sucht zunächst eine direkte Verständigung unter den Parteien zu erzielen. Gelingt ihr dies nicht, so stellt sie einen Vermittlungsvorschlag auf der den Parteien zur Abgabe einer Erklärung über Annahme oder Ablehnung eröffnet wird. Nur teilweise Annahme gilt als Ablehnung.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_4/para_2"><num>2</num><content><p> Die Parteien haben ihre Anträge schriftlich zu stellen; im Übrigen ist das Verfahren mündlich. Es soll zudem rasch und kostenlos sein. Immerhin kann die Einigungsstelle die Verfahrenskosten ganz oder teilweise derjenigen Partei auferlegen, die mutwillig das Verfahren veranlasst oder erschwert hat. Bussen- und Kostenentscheide sind hinsichtlich ihrer Vollstreckbarkeit gerichtlichen Urteilen gleichgestellt.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_4/para_3"><num>3</num><content><p> Scheitert die Vermittlung und erklären sich die Parteien nicht zur Durchführung eines Schiedsverfahrens bereit, so unterrichtet die Einigungsstelle in der Regel die Öffentlichkeit über den Sachverhalt in der ihr geeignet erscheinenden Weise.</p></content></paragraph></article></level><level eId="lvl_III"><num>III. </num><heading>Schiedsverfahren</heading><article eId="art_5"><num><b>Art. 5</b></num><paragraph eId="art_5/para_1"><num>1</num><content><p> Im Einverständnis beider Parteien fällt die Einigungsstelle im Rahmen ihrer Zuständigkeit gemäss Artikel 1 sowie in denjenigen Fällen, in denen eine vertragliche Einigungsstelle, jedoch keine vertragliche Schiedsstelle besteht, einen verbindlichen Schiedsspruch. Das Schiedsverfahren ist sowohl nach erfolgloser Durchführung des Einigungsverfahrens vor der eidgenössischen Einigungsstelle als auch an dessen Stelle zulässig.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_5/para_2"><num>2</num><content><p> Nach erfolgloser Durchführung des Einigungsverfahrens vor der Einigungsstelle kann das WBF auf Ersuchen beider Parteien auch eine besondere Schiedsstelle mit der Durchführung des Schiedsverfahrens beauftragen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_5/para_3"><num>3</num><content><p> Die Schiedsstelle entscheidet endgültig. Ihre Entscheide sind hinsichtlich der Vollstreckbarkeit gerichtlichen Urteilen gleichgestellt.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_5/para_4"><num>4</num><content><p> Im Übrigen finden für das Schiedsverfahren ausser den Bestimmungen dieses Bundesgesetzes über das Einigungsverfahren (Art. 3 und 4) diejenigen des Bundeszivilprozesses<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1948/485_473_421" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>273</b></ref></p></authorialNote> sinngemäss Anwendung.</p></content></paragraph></article></level><level eId="lvl_IV"><num>IV. </num><heading>Friedenspflicht</heading><article eId="art_6"><num><b>Art. 6</b></num><paragraph eId="art_6/para_1"><num>1</num><content><p> Während der Dauer des Einigungs- oder Schiedsverfahrens besteht für die beteiligten Arbeitgeber und Arbeitnehmer und deren Verbände die Pflicht, den Arbeitsfrieden zu wahren und sich jeder Kampfmassnahme zu enthalten. Diese Friedenspflicht beginnt vom Zeitpunkt der Bekanntgabe der Einsetzung der Einigungs- oder Schiedsstelle an die Parteien und dauert 45 Tage. Durch einstimmigen Beschluss der Einigungs- oder Schiedsstelle kann die Frist verlängert werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_2"><num>2</num><content><p> Zur Sicherung des Arbeitsfriedens kann die Einigungs- oder Schiedsstelle die Parteien anhalten, für die Dauer des Einigungs- oder Schiedsverfahrens eine besondere Vereinbarung über die Folgen der Verletzung der Friedenspflicht zu treffen.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_3"><num>3</num><content><p> Verletzungen der Friedenspflicht werden von der Einigungs- oder Schiedsstelle festgestellt und können, wenn die fehlbare Partei von ihrem Verhalten nicht absteht, in geeignet erscheinender Weise der Öffentlichkeit bekanntgegeben werden.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_6/para_4"><num>4</num><content><p> Die in Vereinbarungen vorgesehenen Sanktionen bei Verletzung der Friedenspflicht bleiben vorbehalten.</p></content></paragraph></article></level><level eId="lvl_V"><num>V. </num><heading>Schlussbestimmung</heading><article eId="art_7"><num><b>Art. 7</b></num><paragraph eId="art_7/para_1"><num>1</num><content><p> Artikel 32 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 1914<authorialNote><p> <ref href="https://fedlex.data.admin.ch/eli/cc/30/535_539_517" xmlns:data="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:data" xmlns:tmp="urn:com:c-moria:legi4ch:xslt:temp">SR <b>821.41</b></ref></p></authorialNote> betreffend die Arbeit in den Fabriken wird aufgehoben.</p></content></paragraph><paragraph eId="art_7/para_2"><num>2</num><content><p> Der Bundesrat erlässt die erforderlichen Vollzugsbestimmungen und setzt den Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes fest.</p><p>Datum des Inkrafttretens: 1. Oktober 1949<authorialNote><p> BRB vom 2. Sept. 1949</p></authorialNote></p></content></paragraph></article></level></body></act></akomaNtoso>