2011 1 Art. 3 Abs. 1, Art. 13 Abs. 1 lit. a und Art. 15 Ab s. 1 PAVO; § 10 kanto- nale Pflegekinderverordnung. Bewilligung für ein Ju gendheim (OGE 60/2010/52 vom 8. Juli 2011) 1 Veröffentlichung im Amtsbericht Für die Auslegung der Vorschriften der PAVO sind m angels kantonaler Ausführungsvorschriften und Richtlinien bzw. wegen einer fehlenden klaren und einheitlichen Praxis im Kanton hilfsweise die R echtsgrundlagen anderer Kantone (namentlich die einschlägigen Richtlinien d es Kantons Zürich) sinn- gemäss herbeizuziehen (E. 4a). Persönliche Anforderungen an den Heimleiter, den W erkstattleiter und die weiteren Mitarbeiter (E. 4b ee). Wann liegen gesicherte wirtschaftliche Grundlagen für den Heimbetrieb vor? (E. 4b ff). Die Gemeinde X. wies ein Gesuch des Vereins Y. um Bewilligung des Betriebs eines Jugendheims namentlich wegen fehlend er persönlicher Vor- aussetzungen des vorgesehenen Heimleiters ab. Eine dagegen erhobene Be- schwerde wies das kantonale Volkswirtschaftsdeparte ment aus anderen Grün- den ab (namentlich wegen fehlender persönlicher Vor aussetzungen beim vor- gesehenen Werkstattleiter). Das Obergericht wies ei ne Verwaltungsgerichts- beschwerde gegen diesen Entscheid ab. Aus den Erwägungen: 4. – Vorliegend ist unbestritten, dass die beabsichti gte Aufnahme von bis zu neun Jugendlichen eine Heimpflege-Bewilligung im Sinn von Art. 13 Abs. 1 lit. a PAVO 2 erforderlich macht. Strittig ist einzig, ob dem Ve rein Y. eine Betriebsbewilligung zu erteilen sei. 1 Eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angeleg enheiten gegen diesen Entscheid nahm das Bundesgericht als Beschwerde in Zivilsachen entgegen; es wies sie am 14. Mai 2012 ab (Ver- fahren 5A_904/2011, ursprünglich 2C_719/2011). 2 Verordnung über die Aufnahme von Kindern zur Pfle ge und zur Adoption vom 19. Oktober 1977 (PAVO, SR 211.222.338). 2011 2 a) Gemäss Art. 13 Abs. 1 lit. a PAVO bedarf einer He imbewilligung, wer mehrere Unmündige zur Erziehung, Betreuung, Aus bildung, Beobach- tung oder Behandlung tags- und nachtsüber aufnimmt. Was unter mehreren Unmündigen zu verstehen ist bzw. wie die Pflegekate gorien zahlenmässig ab- zugrenzen sind, obliegt im Rahmen ihrer Regelungs- bzw. Konkretisierungs- kompetenz den Kantonen. § 10 der Kantonalen Pflegekinderverordnung 3 sieht vor, dass die Vorschriften über die Heimpflege anwe ndbar sind (Art. 13 ff. PAVO), wenn mehr als sechs Unmündige zur Erziehung, Betreuung, Aus- bildung Beobachtung oder Behandlung tags- und nacht süber aufgenommen werden. Unmündige dürfen erst aufgenommen werden, w enn die Bewilligung erteilt worden ist (Art. 13 Abs. 3 PAVO). Die Anfor derungen an das Bewilli- gungsgesuch und die Voraussetzungen der Bewilligung sind in den Art. 14 und Art. 15 PAVO geregelt. Nach Art. 3 Abs. 1 PAVO sind die Kantone befugt, z um Schutz von Unmündigen, die ausserhalb des Elternhauses aufwach sen, Bestimmungen zu erlassen, die über diese Verordnung hinausgehen. Ge stützt auf diese Be- stimmung hat der Kanton Schaffhausen zwar eine Kant onale Pflegekinder- verordnung erlassen, bis anhin aber keine verbindli chen Richtlinien für die Bewilligung von Kinder- und Jugendheimen geschaffen . Da die kommunalen Vormundschaftsbehörden für die Bewilligung zuständi g sind und im Kanton Schaffhausen nur wenige solche Heime existieren, be steht auch keine klare und einheitliche Bewilligungspraxis. Unter diesen U mständen rechtfertigt es sich, für die Auslegung und Konkretisierung der PAV O hilfsweise die Rechtsgrundlagen anderer Kantone herbeizuziehen. Im Nachbarkanton Zürich wurden zur Konkretisierung der PAVO Richtlinien übe r die Bewilligung von Kinder- und Jugendheimen 4 erlassen und auch eine "Arbeitsgrundlage zur Er- stellung von Institutionskonzepten" geschaffen, wel ches dem für die Be- willigungserteilung zuständigen Amt für Jugend und Berufsberatung als Ar- beitsgrundlage für die Prüfung von Heimkonzepten di ent. 5 Obwohl diese Richtlinien des Kantons Zürich für den Kanton Schaf fhausen keine unmittel- bare Rechtsgeltung haben, erscheint es aufgrund der genannten Umstände, d.h. dem Fehlen einer klaren, einheitlichen Schaffh auser Praxis, sinnvoll, die erwähnten Zürcher Richtlinien bei der Anwendung der PAVO im Kanton 3 Verordnung über die Aufnahme von Kindern zur Pfle ge und Adoption vom 10. Dezember 2002 (Kantonale Pflegekinderverordnung, SHR 211.224). 4 Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Richtlinien über die Bewilligung von Kinder- und Jugendheimen vom 31. August 1998 (nachfolgend: Zürc her Richtlinien), unter: http://www. lotse.zh.ch/documents/ajb/fj/allg/merk_empf/richtlinien_bewill_heime.pdf. 5 Amt für Jugend und Berufsberatung, Kanton Zürich, Merkblatt Arbeitsgrundlage zur Er- stellung von Institutionskonzepten, unter: http://w ww.lotse.zh.ch/documents/ajb/fj/allg/ merk_empf/arbeitsgrundlage_konzepte.pdf; … 2011 3 Schaffhausen sinngemäss zu berücksichtigen. Dies um so mehr, weil diese Richtlinien auch in Anlehnung an das Bundesgesetz ü ber die Leistungen des Bundes für den Straf- und Massnahmevollzug und die dazugehörende Ver- ordnung 6 beziehungsweise an die entsprechenden Beitragsrich tlinien 7 er- gangen sind, zu welchen Regelungsbereichen ebenfall s ein enger Sachzusam- menhang besteht. b) aa) Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzun g des Grund- satzes der Verhältnismässigkeit. Er macht geltend, dass beide Instanzen nach Gründen hätten suchen müssen für eine Verweigerung der Bewilligung. Zu- dem dürfte beim Volkswirtschaftsdepartement die Übe rlegung mitgespielt haben, dass mit einem negativen Entscheid einer Haf tungsklage die Grund- lage entzogen worden sei. bb) Nach Art. 15 Abs. 1 PAVO darf die Bewilligung unt er anderem nur erteilt werden, wenn der Leiter und seine Mitarbeiter nach Persönlichkeit, Ge- sundheit, erzieherischer Befähigung und Ausbildung für ihre Aufgabe ge- eignet sind (lit. b) sowie wenn das Heim eine gesic herte wirtschaftliche Grundlage hat (lit. e). Bevor die Behörde die Bewil ligung erteilt, prüft sie in geeigneter Weise, ob die Voraussetzungen erfüllt si nd (Art. 15 Abs. 2 PAVO). Die Bewilligung wird dem verantwortlichen Le iter erteilt; wechselt dieser, ist eine neue Bewilligung einzuholen (Art. 16 Abs. 1 und Abs. 3 PAVO). Die Bewilligung kann auf Probe erteilt oder befristet und mit Auf- lagen und Bedingungen verbunden werden (Art. 16 Abs. 2 PAVO). cc) Gemäss Art. 16 Abs. 1 PAVO wird eine Bewilligung an den ver- antwortlichen Leiter des Heims erteilt und gegebene nfalls dem Träger an- gezeigt. Im Kanton Zürich wird hingegen, wie der Be schwerdeführer zu- treffend ausführt, die Bewilligung an die Trägerschaft erteilt. 8 Dies hängt aber offenbar in erster Linie mit dem Umstand zusammen, dass es im Kanton Zürich sehr viele Einrichtungen gibt. Der Wortlaut der Bestimmung in der PAVO, an wen eine Bewilligung zu erteilen ist, ist klar und unmissverständ- lich. Daher besteht kein Anlass, davon abzuweichen, zumal die Anzahl der Heimbewilligungen im Kanton Schaffhausen überblickbar sein dürfte. Nicht zu beanstanden ist, dass die Behörden die Ei gnung des Leiters und seiner Mitarbeiter nach Persönlichkeit, Gesundheit, erzieherischer Befähigung und Ausbildung für ihre Aufgabe näher prüften (Art. 15 Abs. 1 lit. b PAVO). 6 Bundesgesetz über die Leistungen des Bundes für d en Straf- und Massnahmenvollzug vom 5. Oktober 1984 (LSMG, SR 341) und die dazugehörende Verordnung vom 29. Oktober 1986 (LSMV, SR 341.1). 7 Bundesamt für Justiz, Beitragsrichtlinien vom 1. Januar 2008 zum LSMG und zur LSMV. 8 Zürcher Richtlinien, Ziff. 3.2; ... 2011 4 Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer, vertreten durch den Präsidenten/Leiter Handwerksbereich A. sowie den Ak tuar B., mit dem Ge- such vom 30. April 2009 ausser einem Flyer sowie ei nem Kernkonzept keine weiteren Unterlagen einreichte. Mit Schreiben vom 1 5. Juni 2009 ersuchte daher die juristische Sachbearbeiterin des Amts für Justiz und Gemeinden A. um Einreichung weiterer Unterlagen. Per Mail sandte A. am 17. August 2009 den ausstehenden Flyer des Vereins Y. und machte An gaben zur Taxordnung. Sodann erklärte er mit Mail vom 18. August 2009 an die juristische Sach- bearbeiterin des Amts für Justiz und Gemeinden unte r anderem, dass vorerst beabsichtigt sei, dass er die Leitung übernehme. Sp äter teilte der damalige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 12. Dezember 2009 mit, dass neu C. der verantwortliche Leiter se i. Den mit der Eingabe vom 12. Dezember 2009 eingereichten Unterlagen läss t sich entnehmen, dass C. für die Schule sowie A. für die Werkstatt verant wortlich seien und die Be- treuung von D., E., F. und G. wahrgenommen werde. D iese Angaben stehen im Widerspruch zu der Auflistung der Z. Treuhand vo m 5. September 2010 über die beschäftigten Mitarbeiter vom Oktober 2009 bis März 2010. Dieser lässt sich entnehmen, dass während dieser Zeit A. i n der Funktion als Heim- leiter/Geschäftsführer und C. als Sekundarlehrer tä tig war. Als Betreuer fun- gierten H., G. sowie I., wohingegen E., J. und K. für das Büro bzw. die Raum- pflege verantwortlich waren. Nachdem das Bewilligun gsgesuch zuständig- keitshalber an die Vormundschaftsbehörde X. weiterg eleitet wurde, forderte diese den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 8. Apr il 2010 auf, ein Be- willigungsgesuch gemäss Art. 14 PAVO einzureichen. Mit Antwortschreiben vom 21. April 2010 verwies der neue Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf die beim Amt für Justiz eingereichten vollständ igen Gesuchsunterlagen, welche an die Vormundschaftsbehörde X. übermittelt worden seien. Die Vormundschaftsbehörde X. hielt mit Schreiben vom 7. Mai 2010 an ihrem vorhergehenden Schreiben fest und wies auf die Notw endigkeit hin, über ak- tuelle Unterlagen zu verfügen. Im Schreiben vom 18. Mai 2010 machte der Beschwerdeführer geltend, dass die der Vormundschaf tsbehörde X. vor- liegenden Unterlagen aktuell seien, soweit nicht au sdrücklich etwas anderes erwähnt werde. C. stehe nach wie vor als Leiter zur Verfügung, die Werkstatt werde von A. betreut und das weitere Betreuungsteam bestehe aus D., E., F. und I., wobei Fluktuationen möglich seien. dd) Im Beschluss vom 19. Juli 2010 begründete die Vor mundschafts- behörde X. ihren ablehnenden Entscheid unter andere m mit dem fehlenden Nachweis, wonach der Leiter und seine Mitarbeiter a ufgrund ihrer Eigen- schaften für ihre Aufgaben geeignet seien. Dabei ho b sie die mangelnde Aus- bildung des designierten Heimleiters C. hervor. Das Volkswirtschaftsdeparte- ment liess hingegen die Frage nach der genügenden A usbildung und Er- fahrung von C. offen, kam aber zum Schluss, dass de r vorgesehene Mitarbei- 2011 5 ter A. den Anforderungen von Art. 15 lit. b PAVO ni cht genüge. Die Be- gründung der beiden Behörden unterscheidet sich ins ofern lediglich darin, als sie bei der Prüfung der Eignung des Leiters und sei ner Mitarbeiter im Sinn von Art. 15 lit. b PAVO ihren Fokus auf verschieden e Personen – C. bzw. A. – richteten und die Eignung der übrigen Mitarbeiter innen und Mitarbeiter of- fen liessen bzw. keiner näheren Prüfung unterzogen. ee) Die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach das Thema Aus- bildung/Qualifikation nie erwähnt worden sei, treff en nicht zu. Zum einen wurde der Präsident des Beschwerdeführers von der D ienststelle Primar- und Sekundarlehrstufe 1 mit Schreiben vom 9. April 2009 über Zuständigkeiten und möglicherweise geltende Richtlinien im Zusammen hang mit dem vor- gesehenen Heimkonzept informiert. Zum anderen wies die juristische Sach- bearbeiterin des Amts für Justiz und Gemeinden sowo hl A. als auch den da- maligen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf g eltende Richtlinien im Bereich der Interkantonalen Vereinbarung für sozial e Einrichtungen (IVSE) hin. aaa) Gemäss den Unterlagen verfügt C. über ein Primarlehrerpatent, ab- solvierte eine Ausbildung zum Reallehrer (ohne Dipl omprüfung) und gemäss eigenen Angaben ein Grundstudium HPS (1996–1997). W eiter lässt sich den Unterlagen entnehmen, dass C. über langjährige Beru fserfahrung als Lehrer verfügt und unter anderem drei Jahre lang als Klass enlehrer in einem Sonder- schulheim gearbeitet hat. Er verfügt aber – und die s wird auch vom Be- schwerdeführer nicht geltend gemacht – über keine a nerkannte Ausbildung im Sozialbereich und auch über keine entsprechende Wei terbildung im Füh- rungsbereich, wie dies beispielsweise die Zürcher R ichtlinien für die Heim- und Erziehungsleitung vorsehen. 9 Es ist daher sachlich durchaus gerecht- fertigt, dass die Vormundschaftsbehörde X. nach Prüfung der Ausbildung von C. zum Schluss gelangte, er verfüge nicht über die für seine vorgesehene Funktion als Heimleiter erforderliche Ausbildung. bbb) Dass das Volkswirtschaftsdepartement insbesondere auch die Eig- nung von A. näher begutachtete, ist grundsätzlich nicht zu bea nstanden. Als Präsident des Trägervereins, Initiator des Projekts , ursprünglich vorgesehener Heimleiter und designierter Werkstattleiter kommt i hm innerhalb der Organi- sation des Vereins Y. eine führende Rolle zu. Gemäs s den in den Akten lie- genden Unterlagen hat A. die Gesellenprüfung als Ti schler abgeschlossen, verfügt über eine Zulassung als Fachlehrer für das Sonderschulheim U., arbei- tete rund 1 Jahr als Werklehrer im Sonderschulheim U. sowie danach zuerst als Berufspraktikant und anschliessend als Angestel lter während etwa einem Jahr in der Stiftung V. Nach eigenen Angaben verfüg t A. zudem über eine 9 Zürcher Richtlinien, Ziff. 2.5.1. 2011 6 Ausbildung als diplomierter Handwerksmeister mit an erkanntem Werklehrer- Diplom. Die fachlichen Voraussetzungen für seine Fu nktion als designierter Werkstattleiter erfüllt A., zumal gemäss den Zürche r Richtlinien Werkstatt- mitarbeiter und -mitarbeiterinnen lediglich idealer weise über eine padägogi- sche Zusatzausbildung verfügen müssen. 10 Zudem macht A. in seinem Le- benslauf auch einen pädagogischen Abschluss bzw. ei n pädagogisches Di- plom geltend und den Behörden wäre es möglich gewes en, sofern für sie die pädagogische Zusatzausbildung für die Beurteilung s einer Fähigkeiten als Mitarbeiter ebenfalls relevant gewesen wäre, bei Be darf diese zusätzlichen Nachweise einzuverlangen. Die Zürcher Richtlinien sehen zwar nicht vor, dass zum Personal von Kinder- und Jugendheimen zusätzliche Auskünfte wie z.B. Leumundsberichte eingeholt werden müssen, namentlich deshalb, weil i n der Praxis die Träger- schaften für das von ihnen eingestellte Personal ve rantwortlich sind. Vor- liegend kann jedoch der vom Volkswirtschaftsdeparte ment eingeholte Leu- mundsbericht der Schaffhauser Polizei nicht unberüc ksichtigt bleiben, zumal daraus Rückschlüsse auf die persönliche Eignung von A. zur Betreuung ver- haltensauffälliger Jugendlicher gezogen werden könn en. Der Leumund ist denn auch getrübt. Insbesondere fallen die Einträge bei der Schaffhauser Poli- zei ins Gewicht. So sind zwei polizeiliche Interven tionen wegen angeblicher häuslicher Gewalt durch A. verzeichnet sowie Einträ ge wegen angeblicher Vernachlässigung von Unterhaltspflichten. Zusätzlic h werden diverse Ver- fahren im Zusammenhang mit Ungehorsam gegen Behörde n erwähnt, wobei in mehreren Fällen einer Busse ausgesprochen wurde. Schliesslich ist aber auch der Eintrag beim Betreibungsamt zu berücksicht igen, wonach gegen A. offene Verlustscheine in Höhe von rund Fr. 188'000.– bestehen. 11 Unter diesen Umständen erscheint A. in persönliche r und erzieherischer Hinsicht für seine Aufgabe nicht geeignet, zumal ih m als Werkstattleiter und Präsident des Trägervereins eine Vorbildfunktion fü r die zu betreuenden Ju- gendlichen zukommt. Mithin sind aufgrund des getrüb ten Leumunds erhebli- che Zweifel angebracht, ob A. befähigt ist, in schw ierigen Situationen kon- fliktadäquat zu reagieren. Dabei handelt es sich je doch um eine wichtige per- sönliche Voraussetzung für die Betreuung und Erzieh ung Jugendlicher. Ge- rade im Hinblick auf das Kindswohl sind besonders s trenge Anforderungen zu stellen, wenn wie vorliegend Hinweise auf eine m öglicherweise erhöhte Gewaltbereitschaft bestehen. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Be- schwerdegegner A. die verlangten Voraussetzungen ab gesprochen haben. Dies gilt umso mehr, als A. im bisherigen Projektve rlauf eine führende Rolle 10 Zürcher Richtlinien, Ziff. 2.5.1. 11 Vgl. zu dieser Problematik auch nachfolgend E. 4b ff. 2011 7 innehatte und ursprünglich sogar als Heimleiter vor gesehen war. Aufgrund dieser Umstände kann davon ausgegangen werden, dass er auch als Werk- stattleiter und Präsident des Trägervereins gegeben enfalls einen grossen Ein- fluss auf den Heimbetrieb ausüben wird. Es ist dahe r gerechtfertigt, an seine Eignung erhöhte Anforderungen zu stellen. ccc) Gemäss dem Beschwerdeführer besteht das weitere B etreuungs- team aus D., E., F. und I. Da E., welche gemäss den Unterlagen über ein Di- plom in psychiatrischer Krankenpflege des Schweizer ischen Roten Kreuzes … verfügt, die administrativen Arbeiten übernehmen wird, ist sie nicht zu den sozialpädagogisch tätigen Angestellten zu zählen. 12 In den vom Beschwerde- führer eingereichten Unterlagen befindet sich zur P erson von D. lediglich ein Notenformular der Schule für Gesundheits- und Krank enpflege W. Auf die- sem Formular wird der Beginn der Ausbildung, …, und der Abschluss, …, angegeben, doch fehlen weitere Angaben. Damit bleib t unklar, ob D. diese Ausbildung auch tatsächlich absolviert hat. F. verf ügt über eine Ausbildung als staatlich geprüfte Heilerziehungspflegerin, d.h . sie ist eine sozialpädago- gisch und pflegerisch ausgebildete Fachkraft. 13 I. hat gemäss dem eingereich- ten Lebenslauf eine Landwirtschaftslehre abgeschlos sen und eine Ausbildung zum Diplomierten Sozialbegleiter an der Schule für Sozialbegleitung, Q., ab- solviert. In Bezug auf die Betreuungspersonen D. un d I. ist mangels ent- sprechender Unterlagen nicht klar, ob sie die gelte nd gemachte Ausbildung absolviert haben und ob sie über die als sozialpäda gogisch tätige Mitarbeiter notwendige Ausbildung, d.h. höhere Fachschule oder höhere Fachhochschule, verfügen. Die Ausbildung zum Sozialbegleiter dauert heute – offenbar im Gegensatz zu früher – drei Jahre und führt zum Absc hluss als Sozialbegleiter/ Sozialbegleiterin mit eidgenössischem Fachausweis, 14 wobei die Frage bleibt, wie diese Ausbildung im Vergleich zur Ausbildung an einer höheren Fach- schule oder Fachhochschule einzustufen ist. 15 Damit die in den Zürcher Richtlinien als sinnvoll erscheinende geforderte Quote von 2/3 der sozialpädagogisch tätigen Angeste llten mit entsprechender Ausbildung erfüllt ist, muss im vorliegenden Fall n ur einer der beiden Be- treuungspersonen über eine adäquate Ausbildung verf ügen bzw. sich in einer berufsbegleitenden Ausbildung befinden. Die Vormundschaftsbehörde X. hät- te daher – sofern sie dies hätte nachprüfen wollen – weitere Erkundigungen zur Ausbildung der beiden Mitarbeiter einholen müss en oder, falls die fach- 12 … Zürcher Richtlinien, Ziff. 2.5.1. 13 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Heilerziehungsp flege; http://www.hep-bundesverband.de/. 14 Vgl. http://www.sozialbegleitung.ch/default.htm. 15 Vgl. http://www.insos.ch/de/publikationen/kongres se/pdf/Fehr_dt_VersionHomepage_ 25.03.2010.pdf, S. 5 und S. 9 ff. 2011 8 lichen Voraussetzungen von keinem der beiden design ierten Betreuungs- personen erfüllt worden wären, entsprechende Auflag en im Sinn von Art. 16 Abs. 2 PAVO auferlegen können. Dieses Vorgehen ersc heint auch insofern angebracht, als neu aufzubauende Heime mangels ents prechender Auslastung nicht von Anfang an über einen kompletten Mitarbeit erstab verfügen können, sondern mit zunehmender Heimbelegung ihr Personal je nach Bedarf mit qua- lifizierten Fachkräften sollten aufstocken können. Überdies wird vom Be- schwerdeführer geltend gemacht – und von der Beschw erdegegnerin 1 nicht bestritten –, dass ein Bewerbungsdossier von einem potentiellen Mitarbeiter, L., übergeben worden sei. Gemäss dessen Lebenslauf verfügt er unter ande- rem über einen Fachhochschulabschluss als diplomier ter Sozialarbeiter und hätte daher dazu beigetragen, die geforderte 2/3 Qu ote an qualifiziertem Per- sonal zu erfüllen. Der Vormundschaftsbehörde wäre es – sofern als notwendig erachtet – auch bei diesem Mitarbeiter offen gestan den, einen entsprechenden Ausbildungsnachweis zu verlangen beziehungsweise hi nsichtlich des Perso- nals Auflagen zu machen. Dies ist bei einem allfäll ig neuen Gesuch zu be- achten. ddd) Zusammenfassend liegen ausreichende Gründe vor, w elche die Schlussfolgerung der Vorinstanzen, wonach C. als de signierter Heimleiter und A. als designierter Werkstattleiter die in Art. 15 Abs. 1 lit. b PAVO ge- nannte Voraussetzung zur Bewilligungserteilung nich t erfüllen, als sachlich gerechtfertigt erscheinen lassen. In Bezug auf die übrigen Mitarbeiten könn- ten die Behörden in einem neuen Verfahren nötigenfa lls entsprechende Auf- lagen machen. ff) In Bezug auf die Voraussetzung der gesicherten wi rtschaftlichen Grundlage wies die Vormundschaftsbehörde X. die Bet riebsbewilligung ab, weil ihr die Angaben zu den Bereichen Finanzen und Betriebsführung fehlten. Ob dies zutraf oder ob diese Angaben doch vorlagen, muss – da dies aufgrund der Akten nicht geklärt werden kann – letztlich off en bleiben. Zumindest dem Volkswirtschaftsdepartement lagen diese Angaben vor . Es kam zum Schluss, dass die eingereichte Bilanz und Erfolgsrechnung Pr obleme aufzeige, welche eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage zumindest als fragwürdig er- scheinen liessen. Insbesondere werde ein hoher Betr ag von kurzfristigen Fi- nanzverbindlichkeiten ausgewiesen und damit bestehe die Gefahr, dass eine Rückzahlung aufgrund der fehlenden Aktiven nicht mö glich sei. Diese Ein- schätzung des Volkswirtschaftsdepartements hat einiges für sich. Der Hinweis des Beschwerdeführers, dass die hohen Finanzverbind lichkeiten aus Eigen- leistungen des Präsidenten sowie weiterer Mitgliede r des Vereins bestünden und diese die Entschädigung für ihre Eigenleistungen nicht kurzfristig geltend machten, vermag zumindest bezüglich der Verbindlich keiten gegenüber A. nicht zu überzeugen. Angesichts seiner hohen Betrei bungen und Verlust- 2011 9 scheine ist mehr als fraglich, inwieweit die Gelten dmachung der Forderungen noch in seinem Einflussbereich steht und nicht Drit tgläubiger darauf zurück- greifen könnten. Die Ansicht des Volkswirtschaftsde partements, wonach zu- mindest fraglich sei, ob eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage vorliege, ist daher – insbesondere mit Blick auf die Schuldensitu ation von A. – nicht zu beanstanden. Von diesen besonderen Umständen abgesehen gilt es freilich zu be- denken, dass bei einem neu aufzubauenden Heim die A uslastung und damit die Einnahmen sowie der Personalbestand und damit d ie Ausgaben sich lang- sam entwickeln und es daher angebracht ist, auch in Bezug auf die Voraus- setzung der gesicherten finanziellen Grundlagen der Einrichtung eine gewisse Anlaufzeit zuzugestehen, innerhalb welcher die Vora ussetzung erfüllt sein muss. Auch in diesem Punkt erscheint die Zürcher Pr axis, wonach diese Vor- aussetzung innerhalb eines Jahres erfüllt sein muss , als sinnvoll. Aus der Be- triebsrechnung 2009 ergibt sich sodann, dass zwar i nsgesamt über das ganze Jahr gesehen ein nicht unerheblicher Betriebsverlus t resultierte. Dem gegen- über steht aber der Umstand, dass aus dem ab Oktober 2009 dauernden Heim- betrieb bis Ende 2009 ein doch erheblicher Ertrag e rwirtschaftet wurde. Zu- dem sieht das Betriebsbudget vor, dass bereits ab e iner Auslastung mit 4 Ju- gendlichen ein kostendeckender Betrieb geführt werd en könnte. Auch diese Umstände wären bei einem allfälligen neuen Gesuch in Betracht zu ziehen. c) Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweist sich die Ver- waltungsgerichtsbeschwerde insgesamt als unbegründet; sie ist abzuweisen.