<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird ersucht, einen Bericht ausarbeiten zu lassen, der aufzeigt:</p><p>a. wie vermehrt organisches Material aus dem Müll der Städte und Agglomerationen gewonnen werden kann;</p><p>b. wie vermehrt das organische Material aus den Gewässerschutzanlagen wieder in den Kreislauf der Natur rezykliert werden kann.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Erhalten der Bodenfruchtbarkeit bildet eine zentrale Aufgabe sowohl der Landwirtschafts- als auch der Umweltpolitik. Das wichtigste Element dazu ist eine angepasste landwirtschaftliche Praxis. Dies unter anderem, weil über 95 Prozent der humusbildenden Substanz aus der Landwirtschaft selbst stammen. Es handelt sich dabei um Ernterückstände, um im Boden verbleibende Wurzelmassen und um Hofdünger. In Zukunft ist vermehrt mit einer ökologischen Ausrichtung der Landwirtschaft zu rechnen. Die damit verbundene fachgerechte Bodenbewirtschaftung wird - nach der schon heute eingetretenen Stabilisierung - eine Zunahme des Humusgehaltes im Boden bewirken.</p><p>Die Verwertung von dazu geeignetem organischem Material gehört zu den wichtigen Strategien sowohl in der Abfallwirtschaft wie im Gewässerschutz. So werden in der Schweiz jährlich mehr als die Hälfte der in Haushalten und Gärten anfallenden vegetabilen Abfälle kompostiert. Neben der sehr kostengünstigen Kompostierung in Gärten und Quartieren stehen über 230 zentrale Kompostierungs- oder Vergärungsanlagen in Betrieb. Diese verarbeiten jährlich über 400 000 Tonnen kompostierbaren Materials. Der Absatz des Komposts erfolgt zu mehr als 60 Prozent in der Landwirtschaft. Beim Klärschlamm gelangen über 40 Prozent oder jährlich rund 120 000 Tonnen (als Trockensubstanz) in die landwirtschaftliche Verwertung.</p><p>Für den Einsatz der Abfalldünger Kompost und Klärschlamm in der Landwirtschaft ergeben sich aus ökologischer Sicht gewisse Grenzen. So sollte der Einsatz der Abfalldünger nicht zu einer Überdüngung des Bodens führen. In Gebieten ohne wesentliche Anteile offener Ackerfläche übersteigt teilweise schon der Eintrag von Phosphor und Stickstoff aus Hofdüngern den Bedarf, so dass weder Mineral- noch Abfalldünger notwendig sind.</p><p>Neben den Nährstoffen Stickstoff und Phosphor begrenzt aber auch der Gehalt von Schadstoffen, wie z. B. Schwermetallen, den Einsatz der Abfalldünger. Dies gilt primär für Klärschlamm, welcher gegenüber Kompost deutlich erhöhte Schwermetallgehalte aufweist. Die in der Schweiz übliche separate Sammlung von kompostierbarem Material liefert Komposte hoher Qualität. Die weitere Förderung der Kompostierung und Vergärung gehört zu den Zielsetzungen der Bundesbehörden. Primär gilt es, die separate Sammlung und Verwertung organischer Abfälle dort zu verstärken, wo noch keine oder nur ungenügende Sammelsysteme bestehen und wo zusätzliche Mengen in der Landwirtschaft absetzbar sind. Es geht also um eine Optimierung der bereits heute gut eingeführten Kompostierung und nicht um das vollständige Erfassen des kompostierbaren Materials in den Siedlungsabfällen. Eine solche Maximallösung wäre aufgrund der dazu notwendigen Erhöhung der Sammelintensität mit beträchtlichen Kosten und mit abnehmender Sauberkeit der erfassten Abfälle verbunden.</p><p>Klärschlamm weist vor allem in dichtbesiedelten Regionen einen höheren Schadstoffgehalt auf. Dabei verursachen weniger einzelne Industrie- und Gewerbebetriebe die Schadstofffracht, sondern es handelt sich vielerorts um eine diffuse Belastung. So stammen beträchtliche Anteile des im Klärschlamm gefundenen Zinks und Kupfers aus Wasserleitungen und Dachrinnen sowie aus Abschwemmungen von Strassen. Auch andere Schwermetalle und Schadstoffe werden mit dem Staub auf Dächern, Plätzen und Strassen abgelagert und mit dem Regen in Kanalisationen geschwemmt, um schliesslich in den Klärschlamm zu gelangen. Dagegen muss Abwasser aus Industrie- und Gewerbebetrieben strengen Vorschriften genügen, welche häufig eine betriebsinterne Vorbehandlung des Abwassers notwendig machen. Das Abwasser aus Industrie und Gewerbe beeinflusst deshalb die Klärschlammqualität in aller Regel nicht sehr stark. Die angeregte Trennung von Abwasser aus Industrie und Gewerbe hätte somit vielerorts keine wesentliche Verbesserung des Klärschlamms zur Folge. Hingegen würde der Aufbau eines weiteren Kanalisationsnetzes zweifellos enorme Kosten mit sich bringen. Eine massive Steigerung des Absatzes von Klärschlamm in der Landwirtschaft wäre nur möglich, wenn vermehrt Klärschlämme aus dichtbesiedelten Gebieten mit entsprechend höherer diffuser Belastung ausgebracht würden. Damit kämen vermehrt Schwermetalle in den Boden, so dass ökologische Gründe gegen eine solche Steigerung sprechen.</p><p>Die Bundesbehörden haben in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Berichten zu den angesprochenen Fragen publiziert. So bestehen Empfehlungen zur Düngung allgemein, zum Einsatz von Klärschlamm und Kompost in der Landwirtschaft, zur Kompostierung sowie zur Reduktion der Gewässerbelastung durch die Düngung.</p><p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei der Kompostierung und Vergärung von vegetabilem Material durch die bereits eingeleitete Optimierung von Sammlung und Verwertung durchaus noch Fortschritte zu erwarten sind. Dagegen setzt die aus diffusen Quellen stammende Belastung beim Klärschlamm einer vermehrten Nutzung enge Grenzen. Die entsprechenden Fragen sind bereits genügend abgeklärt. Ein weiterer Bericht würde diesbezüglich nichts bringen.</p>  Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.