Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 31. Januar 2018 (810 17 142) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung / Berechnung der Dauer des ehelichen Zusammenlebens sowie nachehelicher Härtefall Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Jgnaz Jermann, Beat Walther , Gerichtsschreiberin i.V. Irina Trutmann Beteiligte A.A. ____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Guido Ehrler , Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g (RRB Nr. 0697 vom 23. Mai 2017) A. Nach gegenseitigen Familienbesuchen in Peru und in der Schweiz heiratete der 1984 geborene peruanische Staatsbürger A.A.____ am 4. Au gust 2006 in Lima, Peru, seine damals 17-jährige Cousine, die Schweizer Bürgerin B.A.____ (Ehefrau). Nachdem die Mutter der Ehefrau zugesichert hatte, dass A.A.____ zusammen m it der Ehefrau in ihrem Haushalt leben könne und sie bis zur finanziellen Unabhängigkeit d es Ehepaars alle anfallenden Kosten für Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht beide Personen übernehmen werde, durfte A.A.____ am 23. Oktober 2006 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz einreisen. Er erhielt ei ne Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau. B. Am 18. Januar 2010 meldete A.A.____ dem AfM, dass e r mit seiner Ehefrau per 31. Januar 2010 eine eigene Wohnung beziehen würde. D araufhin verlängerte das AfM seine Aufenthaltsbewilligung bis zum 22. November 2011. C. Von Februar 2010 bis Mai 2010 wurde A.A.____ von der Sozialhilfe unterstützt. D. Mit Schreiben vom 9. September 2010 teilte die Ehe frau dem AfM mit, dass ihr Ehe- mann aus Ausbildungsgründen (Ausbildung zum Koch) für zwei Jahre nach Peru reisen müsse. Sie werde während dieser Zeit aufgrund ihres Studiu ms in der Schweiz bleiben. Zugleich erkundigte sich die Ehefrau danach, was sie tun müsse, da mit ihr Mann die Aufenthaltsbewil- ligung nicht verliere und nach dem Auslandsaufenthalt problemlos wieder einreisen könne. E. Mit Schreiben vom 7. Oktober 2010 teilte das AfM den Ehegatten mit, dass eine Beibe- haltung der Aufenthaltsbewilligung nicht möglich sei und ein zweijähriger Auslandsaufenthalt die Aufenthaltsbewilligung zum Erlöschen bringe. Bei gepl anter Wiedereinreise könnten sie ein neues Einreisegesuch stellen. Mit Schreiben vom 29. Nov ember 2010 stellte die Ehefrau für ihren Ehemann erneut ein Gesuch um Aufrechterhaltung der Aufenthaltsbewilligung, welches vom AfM telefonisch abschlägig behandelt wurde. F. Im November 2010 reiste A.A.____ nach Peru aus. G. Aufgrund eines bewilligten Einreisegesuchs reiste A. A.____ am 12. August 2013 wieder in die Schweiz ein und das AfM stellte ihm eine neue Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau aus. Diese wurde zuletzt bis am 11. August 2016 verlängert. Seit seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitet A.A.____ als Koch. H. Gemäss eigenen Angaben trennten sich A.A.____ und seine Ehefrau anfangs Januar 2016. Am 15. März 2016 erfolgte die Scheidung auf gemeinsames Begehren. I. Am 7. April 2016 beantragte A.A.____ eine "eigen ständige" Aufenthaltsbewilligung, worauf ihm das AfM mit Schreiben vom 15. April 2016 mi tteilte, es stehe aufgrund der Schei- dung eine Prüfung seines Aufenthalts an. J. Mit Verfügung vom 3. Januar 2017 verweigerte das AfM die Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung und wies A.A.____ aus der Schweiz we g. Im Wesentlichen wurde der Ent- scheid damit begründet, dass die Dauer der Ehe nicht vol lständig angerechnet werden könne, da er während zwei Jahren und acht Monaten in Peru ge wesen und seine Aufenthalts- bewilligung während dieser Zeit erloschen sei. Nach sein er Rückkehr in die Schweiz habe er nur noch zwei Jahre und fünf Monate mit seiner Ehefrau in ehelicher Gemeinschaft gelebt, wes- halb das Erfordernis des dreijährigen Zusammenlebens in der Schweiz nicht erfüllt sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wie s der Regierungsrat des Kan- tons Basel-Landschaft mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 0697 vom 23. Mai 2017 ab. L. Dagegen erhob A.A.____ mit Eingabe vom 2. Juni 20 17 Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verw altungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte die vollumfängliche Aufhebung des RRB vom 2 3. Mai 2017 sowie die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, alles unter o/e-Kostenfolge. M. Mit Eingabe vom 27. Juni 2017 zeigte der Beschwerde führer dem Kantonsgericht an, dass er für das weitere Verfahren von Guido Ehrler, Advo kat in Basel, vertreten werde und reichte am 18. August 2017 die Beschwerdebegründung ein. N. Mit Vernehmlassung vom 5. September 2017 beantragt e der Regierungsrat die Ab- weisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. O. Mit Präsidialverfügung vom 2. Oktober 2017 wurde de r Fall der Kammer zur Beurtei- lung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verf assungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid ber ührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Als A dressat des angefochtenen Ent- scheids weist der Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Intere sse an dessen Aufhebung auf. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Kantons- gerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf besch ränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüf en bzw. zu prüfen, ob die Vorinstanz ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Fer ner kann beurteilt werden, ob diese den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt ha t. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 2.1 Die Vorinstanzen haben erwogen, der Auslandsaufen thalt des Beschwerdeführers zu Ausbildungszwecken sei nicht als wichtiger Grund gemäss A rt. 49 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz, AuG) vom 16. Dezember 2005 anerkannt worden, und dem Beschwerdeführer sei mitgeteilt worden, dass seine Aufenthaltsbewilligung im Falle des geplanten Auslandsaufenthalts erlöschen werde. Aufgrund der fehlenden Besuche der Ehegatten während der räumlichen Trennung von zwei Jahren und acht Monaten sei zudem davon auszugehen, dass der Ehewille spätestens nach einem Jahr nicht mehr bestanden habe und damit auch die Familiengemeinschaft nicht mehr auf rechterhalten worden sei. Folglich Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe die Dreijahresfrist von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG mit der Wiedereinreise des Beschwer- deführers am 12. August 2013 neu zu laufen begonnen. I n der Konsequenz seien die beiden Phasen des ehelichen Zusammenlebens in der Schweiz auch nicht zu addieren. Die anrechen- bare Dauer der Ehegemeinschaft in der Schweiz betrage damit nur rund zwei Jahre und fünf Monate. Die Bedingung der dreijährigen Ehegemeinscha ft sei somit nicht erfüllt. Ebenso werde die zweite Voraussetzung nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG, die erfolgreiche Integration, bezweifelt. Weiter kam die Vorinstanz zum Schluss, es liege kein n achehelicher Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG vor. 2.2 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerdeb egründung vom 17. August 2017 vor, er habe gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG Anspruch au f Verlängerung der Aufenthalts- bewilligung, da seine Ehe insgesamt neun Jahre und f ünf Monate gedauert habe. Weiter führt er aus, die Rechtsprechung lasse es zu, dass, vorbehältlich e ines möglichen Rechtsmiss- brauchs, mehrere kurze – oder während längerer Zeit – unterbrochene Perioden des Zusam- menwohnens in der Schweiz zusammengezählt werden könnten, um die Bedingungen der Min- destdauer nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG zu erfüllen . Sollte ihm vorliegend das Getrenntleben während der zwei Jahren und acht Monaten seiner Abwesen heit nicht bewilligt werden, so seien zumindest die beiden in der Schweiz verbrachten Ph asen des Zusammenlebens mit seiner damaligen Ehefrau zu addieren, denn es sei unstre itig, dass während des Zusammen- lebens in der Schweiz der Ehewille und die Ehegemeinsch aft bestanden habe. Entgegen der Auffassung des Regierungsrates sei er in der Schweiz gut i ntegriert, er spreche die Sprache und habe seit dem erfolgreichen Abschluss seiner Ausbil dung und seit seiner darauffolgenden Rückkehr in die Schweiz ununterbrochen als Koch gearbeitet . Während seinem ersten Aufent- halt in der Schweiz habe er keine Lehrstelle finden können und habe sich aus diesem Grund mit seiner damaligen Ehefrau dazu entschieden, eine Ausbi ldung in seinem Heimatland zu absol- vieren, da dies für ihn einfacher gewesen sei als in d er Schweiz, was sie mit Schreiben vom 9. September 2010 dem AfM mitgeteilt hätten. Seine Ehefrau habe vom AfM wissen wollen, was sie tun könnten, damit er seine Bewilligung nicht verliere und ohne Probleme wieder einrei- sen könne. Im Antwortschreiben vom 7. Oktober 2010 habe das AfM in keiner Weise klar- gestellt, dass der Auslandsaufenthalt zu Ausbildungszwecken n icht als wichtiger Grund im Sinne von Art. 49 AuG anerkannt werde. Es sei ihnen l ediglich mitgeteilt worden, dass die geplante zweijährige Landesabwesenheit zum Erlöschen de r Aufenthaltsbewilligung führe. Hinzu komme, dass er in der Schweiz seit seiner ersten Ei nreise einen grossen Freundeskreis habe aufbauen können. 3.1 Nach Auflösung der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 AuG des ausländischen Ehegattens auf Erteilung und Verl ängerung der Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a); oder wichtige persönlich e Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). In der Regel ist die Aufgabe der Haushaltsgemeinschaft für die retrospektive Berechnung der Dauer der ehelichen G emeinschaft massgeblich (BGE 136 II 113 E. 3.2). Die zeitliche Grenze von drei Jahren gilt im Übrigen absolut, d.h. selbst wenn sie nur um wenige Wochen oder Tage verpasst wird, best eht praxisgemäss kein Anspruch auf Verlängerung der Bewilligung mehr (vgl. BGE 137 II 3 45 E. 3.1.3). Die Dreijahresdauer muss Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sodann im Zusammenhang mit der zweiten Voraussetzung, de r erfolgreichen Integration, betrachtet werden, weshalb die Ehegemeinschaft in der Schweiz geführt worden sein muss (BGE 136 II 113 E. 3.3; BGE 137 II 345 E. 3.1.3). 3.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können f ür die Berechnung der er- forderlichen Dreijahresfrist nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG mehrere kürzere Ehegemeinschaften nicht zusammengerechnet werden (Urteil des Bundesgerichts 2C_394/2017 vom 28. Sep- tember 2017 mit Verweisen auf die Leitentscheide BGE 140 II 289 und BGE 140 II 345, publi- ziert in: Die Praxis [Pra] 104/2015 Nr. 75). Da die Da uer von drei Jahren gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG im Zusammenhang mit der zweiten Voraussetzung – der gelungenen Integration – zu betrachten ist, muss nach der Rechtsprechung die Ehegemeinsch aft in der Schweiz geführt worden sein. Nicht erforderlich ist eine ununterbrochen e Dauer von drei Jahren Ehegemein- schaft in der Schweiz; unterbricht das Ehepaar das Zusammen leben in der Schweiz durch Auslandaufenthalte, hat es aber insgesamt drei Jahre in der Schweiz zusammengelebt, ist die Dreijahresdauer nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG erreich t. Durch längere Trennungszeiten unterbrochene Aufenthalte von kurzer Dauer sind nicht zu sammenzurechnen, wenn dabei die ernsthafte Führung eines Ehelebens nicht beabsichtigt w ar (Urteil des Bundesgerichts 2C_394/2017 vom 28. September 2017 E. 3.2 mit Hinweisen). 3.3 In BGE 140 II 345 hielt das Bundesgericht fest, dass vorbehältlich eines Rechts- missbrauches kürzere Phasen der Ehegemeinschaft in der Schweiz für die Berechnung der Mindestdauer von drei Jahren addiert werden können, sof ern die Eheleute tatsächlich und ernsthaft entschlossen sind, ihre Ehegemeinschaft weiterz uführen (BGE 140 II 345 E. 4.5.2 mit Hinweisen). Die Phasen der Ehegemeinschaft in der Schwe iz können diesfalls trotz mehreren nicht durch Art. 49 AuG gerechtfertigten Unterbrüchen addiert werden. Ob die Zeit, in der das Paar nach einer Trennung wieder in Ehegemeinschaft leb t, mit der vor der Trennung in Ehe- gemeinschaft gelebten Zeit addiert wird, hängt davon ab, ob die Eheleute den ernsthaften Ehewillen in der Trennungszeit beibehalten haben (BG E 140 II 345 E. 4.5.2). Wie in BGE 140 II 289 wird auch in BGE 140 II 345 festgehalten, dass durch längere Trennungszeiten unterbrochene Aufenthalte von kurzer Dauer nicht zusamm engerechnet werden können, wenn die Führung eines Ehelebens nicht mehr ernsthaft beabsich tigt war (Urteil des Bundesgerichts 2C_394/2017 vom 28. September 2017 E. 3.2 mit Hinwe isen). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung stellt nach dem Gesagten für die Frage , ob einzelne Phasen der Ehege- meinschaft trotz einer vorübergehenden Trennung zusammen gerechnet werden können und deren Dauer als Gesamtes zu betrachten ist, namentlich au f den Fortbestand des Ehewillens ab (vgl. BGE 140 II 289 E. 3.5.1; BGE 140 II 345 E. 4.5.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_50/2015 vom 26. Juni 2015 E. 3.3.2 und 2C_1049/201 4 vom 14. Juli 2015 E. 2.2.1, je mit Hinweisen). Wenn der Ehewille wegfällt und die Führu ng eines Ehelebens somit nicht mehr ernsthaft beabsichtigt wird, kann eine spätere erneute Ehegemeinschaft hinsichtlich der Be- rechnung der Dauer nicht an die vor Aufgabe des Ehewil lens in Ehegemeinschaft gelebte Zeit anknüpfen. 4.1 Zu prüfen ist zunächst, ob der Beschwerdeführer auf grund der Ehedauer einen An- spruch nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung hat. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Unklar bleibt zunächst das effektive Datum der Trenn ung des Beschwerdeführers von seiner Ehefrau. Der Beschwerdeführer macht diesbezügli ch geltend, die Trennung sei erst im Januar 2016 erfolgt. Dies erscheint in Anbetracht dessen , dass der Beschwerdeführer gemäss Scheidungsurteil bereits am 30. Dezember 2015 eine Sch eidungsvereinbarung mit seiner Ehegattin getroffen hat, unglaubwürdig. Da die Eheg emeinschaft des Beschwerdeführers mit seiner Ehefrau nach der Wiedereinreise in die Schweiz am 12. August 2013 bis zur Trennung indes unabhängig vom genauen Trennungsdatum unbestritte nermassen keine drei Jahre ge- dauert hat, erübrigt sich vorliegend die Klärung der Frage des Zeitpunkts der Trennung bzw. des erloschenen Ehewillens. Vielmehr stellt sich die Frage , ob die erste Phase des bewilligten ehelichen Zusammenlebens in der Schweiz von August 2006 bis November 2010 und die zweite Phase des ehelichen Zusammenlebens in der Schweiz vom 12. August 2013 bis zur Trennung zu addieren sind. 4.3 Diesbezüglich ist zunächst zu berücksichtigen, dass sich de r Beschwerdeführer – anstelle einer Fortsetzung der beruflichen Integration sowie des gemeinsamen Ehelebens in der Schweiz – aus freien Stücken dafür entschieden hat, sich r äumlich von seiner Ehefrau zu trennen und zwecks Erlangung einer Berufsausbildung zurü ck in sein Heimatland zu reisen. Dabei hat er wissentlich in Kauf genommen, dass seine Aufenthaltsbewilligung bereits aufgrund des langen Auslandsaufenthalts erlöschen wird, zumal die Migrationsbehörden ihn über diese Rechtsfolge informiert und zugleich angezeigt haben, dass aus ihrer Sicht keine wichtigen Gründe für getrennte Wohnorte (vgl. Art. 49 AuG) vorliegen. Damit hat das AfM dem Beschwer- deführer angezeigt, dass der Anspruch nach Art. 50 AuG mangels Zusammenwohnens unter- gehen wird und nicht wieder aufleben kann. Weiter i st zu berücksichtigen, dass sich der Be- schwerdeführer und seine Ehefrau während der gesamten Phase des Getrenntlebens, d.h. während 2 Jahren und 8 Monaten, nie gegenseitig besucht haben, was als klares Indiz für einen erloschenen Ehewillen zu werten ist. Soweit sie diesbezü glich geltend machen, es sei ihnen aufgrund ihrer schlechten finanziellen Lage nicht mögl ich gewesen, sich zu besuchen, ist ihnen entgegenzuhalten, dass bereits vor der Eheschliessung gegen seitige Besuche möglich waren und auch stattgefunden haben. Demgemäss ist nicht nachvoll ziehbar, dass bei einer intakten, gelebten Ehe während einer derart langen Dauer keine gegenseitigen Besuche mehr stattge- funden haben. Einen Nachweis für seine angeblich täglich en Kontakte während seiner berufli- chen Abwesenheit in Peru mit seiner Ehefrau hat der B eschwerdeführer sodann ebenfalls nicht erbracht. Ein weiteres Indiz für den erloschenen Ehewil len ist, dass der Beschwerdeführer weder vor Ablauf der Gültigkeitsdauer seiner Aufenthal tsbewilligung – die Aufenthaltsbewilli- gung wurde letztmals bis zum 22. November 2011 verlänger t – in die Schweiz zurückgekehrt ist, noch um die Verlängerung derselben ersucht hat. Da die Aufenthaltsbewilligung immer befristet (Art. 33 Abs. 3 AuG) ist und gemäss Art. 61 A bs. 1 lit. c AuG mit Ablauf ihrer Gültig- keitsdauer erlischt, ist auf dieses Datum hin erneut ein Erlöschensgrund eingetreten, da der Be- schwerdeführer vor Bewilligungsablauf kein Gesuch um Ve rlängerung der Aufenthaltsbewil- ligung eingereicht hat (vgl. Art. 59 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] i. V . m. Art. 33 Abs. 3 AuG). Erst im Juni 2013 stellte der Beschwerdeführer bzw. dessen Ehefrau e in neues Gesuch um Familiennach- zug. Bei diesen Gegebenheiten ist den Vorinstanzen zuzu stimmen, dass die Ehegemeinschaf- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten aufgrund des erloschenen Ehewillens nicht zusammengezählt werden können. Demgemäss besteht kein Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG; woran auch die zugegebenermassen gute Integration des Beschwerdeführers nichts ändert, da die Voraussetzungen der Dreijahresdauer und der Integration kumulativ erfüllt sein müssen. 5.1 Schliesslich bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführ er ein Aufenthaltsanspruch aus Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG im Sinne eines Härtefalls zuko mmt. Danach besteht der Bewilligungs- anspruch nach einer gescheiterten Ehe fort, falls wicht ige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Bei Art . 50 Abs. 1 lit. b AuG geht es darum, Härtefälle bei der Bewilligungsverlängerung nach der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft zu vermeiden (vgl. BGE 136 II 1 E. 5.3). Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist mithin für Situationen gedacht, in denen die Voraussetzungen der Litera a nicht erfül lt sind, sei es, dass der Aufenthalt wäh- rend der Ehe von kürzerer Dauer war oder dass die Integr ation nicht fortgeschritten ist oder es an beidem fehlt (vgl. BGE 137 II 1 E. 4.1), aber – a ufgrund sämtlicher weiterer Umstände – eine Härtefallsituation vorliegt, welche früher im Rahmen von Art. 13 lit. f BVO (AS 1986 1792) hätte berücksichtigt werden können (BGE 137 II 345 E. 3.2.1). 5.2 Als wichtiger persönlicher Grund kommt vorliegend ei nzig die berufliche und soziale Integration des Beschwerdeführers in Frage (vgl. BGE 139 I 315 E. 2.1). Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten U mstände eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigun g verbunden sein muss. Nach dem Re- gelungszweck von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG soll der au sländische Ehegatte vor dem Dilemma bewahrt werden, entweder in einer unzumutbaren eheli chen Gemeinschaft zu verbleiben oder alleine in ein mittlerweile fremdes Umfeld zurückzukehren. 5.3 Der Beschwerdeführer wurde 1984 in Peru geboren und lebte dort bis zu seinem 22. Altersjahr. Er reiste – nach seinem bewilligten A ufenthalt in der Schweiz – im Alter von 26 Jahren zurück nach Peru, wo weiterhin seine Familie lebt und wo er während zwei Jahren und acht Monaten eine Ausbildung zum Koch absolvierte. Er ver brachte damit insgesamt über 24 Jahre seines Lebens in Peru. In der Schweiz hat er keine Kinder und seine Ehe mit einer Schweizer Bürgerin ist gescheitert. Der Beschwerdeführ er ist durch seine Familie in Peru nach wie vor gut verwurzelt, was ihm auch im Hinblick auf di e soziale Wiedereingliederung zugutekommt. Hinsichtlich der beruflichen Integration d es Beschwerdeführers ist zwar festzu- halten, dass er sich gut integriert hat, und dass er gem äss Arbeitszeugnissen von seinem Arbeitgeber sehr geschätzt wird. Ebenso sind seine gute n Sprachkenntnisse positiv zu werten. Diese positiven Faktoren entsprechen allerdings dem, w as von einem Ausländer erwartet werden darf. Die soziale und berufliche Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz ist nicht dermassen fortgeschritten, dass seine Reintegration in Peru scheitern würde. Vielmehr kann der Beschwerdeführer mit seiner in Peru erworbenen Ausbildung und seiner mehrjährigen Arbeitserfahrung Anschluss im Wirtschaftsleben seines Heim atlandes finden. Insbesondere unter Berücksichtigung des Integrationsgrades des Beschw erdeführers und der bestehenden Beziehungen zum Heimatland aufgrund der dort befindl ichen Familie erweist sich die soziale Wiedereingliederung des Beschwerdeführers bei einer Rü ckkehr nach Peru im Sinne von Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG nicht als gefährdet, weshalb ein Anspruch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG nicht gegeben ist. 6. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist sodann keine rechtsfehlerhafte Ermessensausübung durch die Vorinstanzen ersichtlich, zuma l die Schweiz gegenüber Aus- ländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums in Fragen de r Aufenthaltsberechtigung eine restriktive Politik verfolgt. Eine solche rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Ver- hältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölke rung, auf die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung de r in der Schweiz bereits ansässigen Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgegli- chene Beschäftigung (BGE 137 I 247 E. 4.1.2; BGE 135 I 153 E. 2.2.1). 7. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und die Wegweisung erfolgten nach dem Gesagten zu Recht, was zu r Abweisung der Beschwerde führt. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind d ie Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem unterlegenen Beschwerdeführer aufzue rlegen. Der zu viel geleistete Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 700.-- wird dem Beschwerdefü hrer zurückerstattet. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Pa rtei für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind demnach wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- verrechnet. Der zu viel gele istete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 700.-- wird dem Beschwerdefüh rer zurücker- stattet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 28. Juni 2018 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_558/2018) erhoben.