Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. April 2016 (810 16 7) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Vertretung bei medizinischen Massnahmen Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret , Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Vertretung bei medizinischen Massnahmen/Err ichtung einer Vertre- tungsbeistandschaft / Errichtung einer Verfahrensbeistandschaft (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 23. Dezember 2015) A. Mit Verfügung vom 23. Dezember 2015 stimmte die Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde B.____ (KESB) gestützt auf Art. 392 Z iff. 1 des Schweizerischen Zivilgesetz- buchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in Vertretung von A.____, geboren am 11. September 1947, der Operation der Brustkrebserk rankung und aller damit einhergehenden medizinischen Massnahmen zu (Dispo Ziffer 1). Mit d erselben Verfügung wurde C.____, Advo- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht katin in Basel, von der KESB sowohl als Verfahrens- als auch als Vertretungsbeiständin ge- mäss Art. 449a ZGB bzw. Art. 394 Abs. 1 ZGB für medizini sche Belange ernannt. Zur Begrün- dung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass bei A.___ _ eine anhaltende wahnhafte Störung (ICD 10: F22.9) mit Grössenideen getragener, wahnhaf ter Ausgestaltung vorliege. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung sei zudem ein suspekter, abklärungsbedürftiger Befund an der rechten Brust aufgefallen, der sich als curativ operables e xulcerierendes Mammakarzinom (Brustkrebs) herausgestellt habe. Weiter wurde ausgeführt , dass A.____ anlässlich der persön- lichen Anhörung durch die KESB am 23. November 2015 die Realität ihrer Krebserkrankung verneine und sich gegen eine Operation ausgesprochen ha be. Für sie existiere die Krebser- krankung nicht, obwohl diese schon seit längerer Zeit und zunehmend von blossem Auge er- kennbar sei. A.____ habe sich gegenüber Dritten wieder holt als eine Person ausgegeben, die sie offensichtlich nicht sei. Die KESB stellte fest, dass A.____ das intellektuelle Element der Urteilsfähigkeit fehle und sie bezüglich der Behandlung ihrer Krebserkrankung urteilsunfähig sei. Weiter hätten die Abklärungen der KESB ergeben, dass A.____ keine Angehörigen mehr habe und weder ein Vorsorgeauftrag noch eine Patient enverfügung vorliege. Es sei aber davon auszugehen, dass A.____ einer Krebsbehandlung zustimmen w ürde, falls sie urteilsfähig wäre. Da aktuell einzig die Frage der Zustimmung zu einer Op eration zu beurteilen sei und diesbe- züglich Dringlichkeit bestehe, werde die KESB selber ent scheiden und auf die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft verzichten. B. Mit Schreiben vom 5. Januar 2016 leitete die KESB d ie Beschwerde von A.____ gegen die Verfügung der KESB vom 23. Dezember 2015 zu ständigkeitshalber an das Kantons- gericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (K antonsgericht), weiter. In ihrer verbes- serten Beschwerde vom 20. Januar 2016 beantragte A.___ _, dass Ziffer 1 der Verfügung der KESB vom 23. Dezember 2015 aufzuheben sei. Zur Begründ ung führte A.____ aus, dass sie urteilsfähig sei und selber entscheiden könne, ob sie si ch operieren lasse oder nicht. Sie wolle keine Operation. C. Mit Eingabe vom 2. Februar 2016 liess sich die KESB vernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Eventualiter sei die Beschwer deführerin persönlich anzuhören; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde auf die angefochtene Verfügung verwiesen. D. Am 15. März 2016 reichte die Klinik für Psychiatrie un d Psychotherapie in Liestal (KPP) auf Anfrage des Kantonsgerichts einen ärztlichen Be richt über die Krankheitseinsicht sowie über die psychiatrischen Diagnosen der Beschwerdeführerin ein. E. Mit Verfügung vom 22. März 2016 wurde der Fall de r Kammer zur Beurteilung überwiesen. F. In ihrer Eingabe vom 22. März 2016 beantragte die KESB aufgrund der Verschlech- terung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin, da ss die Beschwerde möglichst rasch entschieden werde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuche s (ZGB) vom 10. De- zember 1907 in Verbindung mit § 66 Abs. 1 des kantonale n Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 kann gege n Entscheide der KESB Be- schwerde beim Kantonsgericht erhoben werden. Das Verfahr en richtet sich nach den Art. 450 bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen de s kantonalen Verwaltungsprozess- rechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Be- schwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff . 1), die der betroffenen Person nahe ste- hen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Intere sse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als direkte Verfahrensbe- teiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Ihr Will e, gegen den Entscheid der KESB bzw. ge- gen deren Zustimmung zur Brustoperation Beschwerde zu er heben, ist zweifelsfrei erstellt, weshalb sie in Bezug auf die Beschwerdeerhebung als urte ilsfähig anzusehen ist. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen nach Art. 450 ff. ZGB i.V.m . § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltun gsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Strittig ist vorliegend einzig die Frage, ob die K ESB im angefochtenen Entscheid zu Recht ihre Zustimmung zur Operation der Brustkrebserkran kung von A.____ und aller damit einhergehenden Massnahmen erteilt hat. 3.1 Der Begriff der medizinischen Massnahmen nach Art. 3 77 Abs. 1 und 2 ZGB bezieht sich auf den medizinischen Aspekt der Personensorge und um fasst alle diagnostischen, thera- peutischen und pflegerischen Massnahmen. Dazu gehören nam entlich alle invasiven Eingriffe in den Körper, insbesondere Operationen, und Massnahmen mit einem erhöhten Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen (CHRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Erwachsenenschutzrecht, Bern 2013, N 12.01). Jede Art von medizinischer Behandlung stellt einen Eingriff in die körperli- che und psychische Integrität einer Person dar und damit eine Verletzung der Persönlichkeit (Art. 28 ZGB) und ist grundsätzlich nur zulässig, wenn di e Person frei und aufgeklärt zustimmt. Diese Zustimmung ist nicht mehr möglich, wenn die betroffene Person in Bezug auf die zur Dis- kussion stehende Behandlung oder generell urteilsunfähig ist. Da es sich bei der Zustimmung zu einer medizinischen Behandlung um ein relativ höchstp ersönliches Recht handelt, ist die Zustimmung durch eine hierzu legitimierte Person zulä ssig (T HOMAS EICHENBERGER /T HERES KOHLER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Z ivilgesetzbuch I, Art. 1-456 ZGB, 5. Auflage, Basel 2014, N 14 zu Art. 377; CHRISTOPH HÄFELI , a.a.O., N 12.02). 3.2 Art. 377 und 378 ZGB regeln die vertretungsberech tigten Personen (Art. 378 ZGB), verpflichten den Arzt oder die Ärztin, auch bei Fehlen einer Patientenverfügung vor der Behand- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung einer urteilsunfähigen Person einen Behandlungs plan zu erstellen (Art. 377 Abs. 1 ZGB) und die vertretungsberechtigte Person über alle Umst ände aufzuklären (Art. 377 Abs. 2 ZGB) und, soweit möglich, auch die urteilsunfähige Person be izuziehen (Art. 377 Abs. 3 ZGB). Schliesslich hat die Erwachsenenschutzbehörde einzuschreiten, wenn keine vertretungsberech- tigte Person vorhanden ist oder ihr Vertretungsrecht aus üben will oder wenn die Interessen der vertretenen Person gefährdet oder nicht mehr gewahrt sind (Art. 381 ZGB). 3.3 Der Begriff der Urteilsunfähigkeit richtet sich nac h den gesetzlichen Bestimmungen von Art. 16 ZGB (e contrario) und Art. 17 ZGB und die du rch Lehre und Rechtsprechung dazu ge- schaffene Konkretisierung (D ANIEL STECK , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 7 zu Art. 382). Urteilsunfähig im Sinne von Art. 377 Abs. 1 ZGB ist somit jede Person, welche "infolge geistiger Behinderung, psychischer Störung, Rau sch oder ähnlicher Zustände die Fä- higkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln". Der Begri ff der Urteilsfähigkeit enthält somit zwei Elemente: Zum einen eine intellektuelle Komponente, namentlich die Fähigkeit, Sinn, Zweck- mässigkeit und Wirkungen einer bestimmten Handlung zu erkennen und zum anderen eine Wil- lens- bzw. Charakterkomponente, namentlich die Fähigkei t, gemäss der vernünftigen Erkennt- nis nach seinem freien Willen zu handeln und allfällig er fremder Willensbeeinflussung zu wider- stehen (RUTH E. REUSSER , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 4 zu Art . 374). Für die An- wendung von Art. 377 ff. ZGB muss nicht zwingend eine u mfassende Urteilsunfähigkeit vorlie- gen. Vielmehr kann auch hier die Urteilsunfähigkeit bloss partiell gegeben sein (R UTH E. REUSSER , a.a.O., N 5 zu Art. 374). Sie beurteilt sich immer i n Bezug auf eine bestimmte Handlung je nach deren Schwierigkeit und Tragweite und ist damit relativ. Dabei ist zu berück- sichtigen, dass eine Person trotz allgemeiner Beeinträch tigung der Urteilsfähigkeit zwar gewis- se Alltagsgeschäfte noch zu besorgen vermag und diesbezüglich urteilsfähig ist, während ihr für anspruchsvollere Geschäfte die Urteilsfähigkeit abzuspre chen ist. In gewissen Fällen ist die Urteilsunfähigkeit evident (DANIEL STECK , Massnahmen von Gesetzes wegen für urteilsunfähige Personen: Vertretung durch den Ehegatten, die eingetragene Partnerin oder den eingetragenen Partner, in: FamPra.ch 2013, S. 933; R UTH E. REUSSER , a.a.O., N 4 zu Art. 374). Grundsätzlich wird die Urteilsfähigkeit ausserhalb der Vorbehalte vo n Art. 16 ZGB – im Sinne einer tatsächli- chen (natürlichen) Vermutung – vermutet, und deren Nich tvorhandensein, d. h. die Urteilsunfä- higkeit, hat zu beweisen, wer sie behauptet. Nach neuere r Auffassung gilt jedoch diese Vermu- tung nicht mehr, wenn objektive Zweifel an der Urtei lsfähigkeit einer bestimmten Person ange- zeigt sind. Insbesondere bei hochbetagten Personen muss aufgrund der allgemeinen Lebenser- fahrung davon ausgegangen werden, dass an der Vermutu ng nicht grundsätzlich festgehalten werden kann, was jedoch nicht zu einer generellen Umke hr der Beweislast bei hochbetagten Personen führen darf. Im Hinblick auf den Zweck des Instit uts von Art. 377 ZGB sollten bei der Feststellung der Urteilsunfähigkeit an das Beweismass keine hohen Anforderungen gestellt werden. Im Zweifel ist – unter Würdigung aller Umstän de, insbesondere der Schutzbedürftigkeit der betroffenen Person – eher von der Urteilsunfähigke it auszugehen. Würde hier wie in ande- ren Fällen für die Beweisführung in der Regel ein p sychiatrisches Gutachten vorausgesetzt, könnte das Ziel der Revision nicht erreicht werden. Für d ie Anwendbarkeit der Bestimmung von Art. 377 ZGB ist deshalb erforderlich, dass die Urteilsu nfähigkeit auf rasche und einfache Art z.B. durch ein Arztzeugnis festgestellt werden kann (zum G anzen vgl. D ANIEL STECK , in: Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 9 f. zu Art. 382; HEINZ HAUSHEER /R EGINA E. AEBI -MÜLLER , Das Personenrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 3. Auflage, Bern 2012, N 06.50 ff.). 4.1 Die KESB macht geltend, die Beschwerdeführerin h abe sich gegenüber Dritten wie- derholt als eine Person ausgegeben, welche sie offensich tlich nicht sei und habe dabei Macht- befugnisse geäussert, welche sie nicht habe. Die Brustkre bserkrankung existiere für sie nicht, obwohl diese schon seit längerer Zeit und zunehmend von blossem Auge erkennbar sei. Dar- aus schloss die KESB, dass der Beschwerdeführerin das intellektuelle Element der Urteilsfähig- keit fehle und sie bezüglich einer Behandlung ihrer Krebserkrankung urteilsunfähig sei. 4.2 Die Beschwerdeführerin führt dagegen aus, sie sei ein Mensch, der in Freiheit leben könne. Sie sei gesund sowie urteilsfähig und wolle lieber sterben als sich operieren zu lassen. 4.3 Dem Austrittsbericht der KPP vom 24. Februar 2016 lässt sich entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin vom 7. Oktober 2015 bis zum 21. Januar 2016 in der KPP zur stationä- ren Behandlung aufgehalten habe. Im Rahmen dieser Ho spitalisation sei es zu einer gynäkolo- gischen Abklärung durch Dr. med. D.____, Leitender Arzt der Frauenklinik Baselland, gekom- men. Bei der Beschwerdeführerin wurde ein exulceriere ndes Mammakarzinom in der rechten Brust diagnostiziert und eine operative Sanierung des Tumors empfohlen. Jedoch sei es bis zum Schluss nicht gelungen, die Beschwerdeführerin von der Realität des Mammakarzinoms zu überzeugen oder eine Operationsbereitschaft herzustellen . Die Beschwerdeführerin habe hin- gegen ausgeführt, dass sie keine körperlichen Erkrankungen habe. Sie sei bei einem Arzt ge- wesen, welcher behauptet habe, dass der Befund an ihrer Brust nichts Schlimmes sei. Selbst wenn es sich um ein Mammakarzinom handeln würde, stellte sie fest, dass sie sich nicht würde operieren lassen, da man den Ärzten nicht vertrauen könne, alle unter einer Decke stecken und nur ihr Geld wollen würden. Abschliessend wurde im Austr ittsbericht festgehalten, dass die ak- tuelle, bisher ungelöste Krise in der Realität eine r somatisch lebensbedrohlichen Krebserkran- kung bestehe, die die vorhandenen Copingstrategien der Beschwerdeführerin deutlich überstei- gen würde. 4.4 Im ärztlichen Bericht der KPP vom 11. März 2016 hie lt E.____, Oberärztin der KPP, fest, dass die Beschwerdeführerin an einer langjährigen paranoiden Schizophrenie mit ausge- bautem, unverrückbarem Wahnsystem mit Grössenideen (sie se i eine reiche Königin und herr- sche über mehrere Länder) leide. Bei der Beschwerdefüh rerin bestehe weder bezüglich der körperlichen noch der psychischen Erkrankung eine Krankheit seinsicht. Sie habe sich zwar im Verlauf des stationären Aufenthalts sowohl damit einve rstanden erklärt, die antipsychotische Medikation weiterhin einzunehmen, als auch die Tumorer krankung konservativ behandeln zu lassen. Dennoch habe sie zu keinem Zeitpunkt ein Störungsb ewusstsein gezeigt. Die Tumorer- krankung habe sie konstant negiert, bestenfalls bagatellisi ert (sie habe sich gestossen, das ge- he von alleine wieder weg). Mit Verweis auf den beige legten Austrittsbericht stellte E.____ fest, dass die Beschwerdeführerin nicht urteilsfähig sei und in Bezug auf die lebensbedrohliche Tu- morerkrankung fürsorgerische Massnahmen dringend indiziert seien. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen sowie den vo rliegenden Akten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin aktuell an einem exulcerierenden Mammakarzinom in der rechten Brust leidet und eine Behandlung bzw. operative Sanie rung aus medizinischer Sicht absolut indiziert ist (vgl. Schreiben von Dr. med. D.____ an di e KESB vom 4. Dezember 2015). Ebenso deutlich geht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin ge gen einen chirurgischen Eingriff zur Behandlung der Krebserkrankung wehrt und die Realität ihres Krebsbefundes nicht anerkennt. Der ärztlichen Einschätzung zufolge ist die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen Stö- rung nicht in der Lage, ihre Krebserkrankung zu erkenne n. Auch nach diversen psychiatrischen Bemühungen und Behandlungsmethoden konnte bei der Besc hwerdeführerin keine Krank- heitseinsicht erreicht werden (vgl. Austrittsbericht d er KPP vom 24. Februar 2016). Die Be- schwerdeführerin verneint ihre Krebserkrankung mit der Begründung, sie sei Königin und Köni- ginnen seien nicht krank. Zudem beschuldigt sie die Ärzte , diese würden ihr eine Krankheit ein- reden und sie krankmachen, damit sie an ihr verdienen kö nnten. Auf den offenen Tumor an ihrer Brust angesprochen, gibt sie an, da habe sie sich gestossen, man müsse ein Pflaster drauf kleben und dann gehe es von alleine weg (vgl. Ar ztbrief von E.____ an die KESB vom 18. November 2015, Aktennotiz des Ethikforums der KPP vo m 1. Dezember 2015, Austrittsbe- richt der KPP vom 24. Februar 2016). Die Beschwerdefüh rerin ist demzufolge aufgrund ihrer psychischen Störung nicht in der Lage, ihre Brustkrebserkra nkung als solche sowie das Aus- mass dieser Krankheit zu erkennen und als das wahrzunehmen, was es in der Realität ist und welche Auswirkungen dieser Befund haben kann. Es ist da her mit der KESB davon auszuge- hen, dass die Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre Kre bserkrankung nicht fähig ist, sich einen eigenen vernünftigen Willen zu bilden. Ihr fehlt dam it die intellektuelle Komponente der Urteils- fähigkeit, weshalb sie in Bezug auf ihre Brustkrebserkrankung urteilsunfähig ist. 5.1 Sind die Interessen einer urteilsunfähigen Person in Bezug auf die Zustimmung zu ei- ner notwendigen, medizinisch indizierten Massnahme gefähr det und ist keine vertretungsbe- rechtigte Person im Sinne von Art. 378 ZGB vorhanden, errichtet die Erwachsenenschutzbe- hörde eine Vertretungsbeistandschaft (Art. 381 Abs. 1 ZGB; D ANIEL STECK , in: Honsell/ Vogt/Geiser [Hrsg.], a.a.O., N 8 zu Art. 381). Gemäss A rt. 392 Ziff. 1 ZGB kann die Erwachse- nenschutzbehörde auch von sich aus das Erforderliche vorkehre n, wenn wegen des Umfangs der Aufgabe die Errichtung einer Beistandschaft als offensichtlich unverhältnismässig erscheint. Dabei kann die Erwachsenenschutzbehörde in persönlichen als auch in wirtschaftlichen Ange- legenheiten selbst tätig werden. Ebenso kann sie direkt in dringenden oder einfachen Angele- genheiten medizinischer Natur tätig werden, falls für eine urteilsunfähige Person keine vertre- tungsberechtigte Person vorhanden ist (Botschaft zur Än derung des Schweizerischen Zivilge- setzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht], S. 7044; PHILIPPE MEIER , in: Andrea Büchler et al. [Hrsg.], FamKomm Erwachsenenschutz, Bern 2013, N 13 zu Art. 392). 5.2 Den Akten und Aussagen der KESB zufolge ist vorlieg end weder ein Vorsorgeauftrag noch eine Patientenverfügung der Beschwerdeführerin v orhanden. Sie hat damit für den Fall ihrer Urteilsunfähigkeit keine berechtigte Person bestimmt, die sie in medizinischen Angelegen- heiten vertreten könnte. Zudem sind keine Verwandten oder nahestehenden Personen bekannt, welche eine solche Vertretung der Beschwerdeführerin ge mäss Art. 379 ZGB übernehmen könnten. Die KESB hat in Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung sodann im Sinne von Art. 381 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 ZGB eine Vertretungsbeiständin ernannt, welche d ie Beschwerdeführerin bei notwendi- gen Vorkehrungen für eine hinreichende medizinische Be treuung zu vertreten hat. Diese Mass- nahme der KESB wurde von der Beschwerdeführerin nicht a ngefochten. Die Zustimmung zur Brustoperation und für alle damit einhergehenden Massn ahmen hat die KESB gestützt auf Art. 392 Ziff. 1 ZGB jedoch in Ziffer 1 des angefocht enen Entscheids unmittelbar selbst erteilt und nicht an die eingesetzte Beiständin delegiert. 5.3 Aufgrund der vorliegenden Akten war für die KESB im Entscheidzeitpunkt zweifelsfrei erstellt, dass die Beschwerdeführerin an einer Brustkrebserkrankung leidet, dieser Krebs bereits sichtbar und weit fortgeschritten war und die Ärzte ei ne operative Sanierung für dringend indi- ziert hielten. Gleichzeitig haben alle ärztlichen Bericht e übereinstimmend die Urteilsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre Brustkrebserkra nkung festgestellt (vgl. E. 4.5). Da auch die Dringlichkeit einer Brustoperation mit dem H inweis festgestellt wurde, dass die Gefahr von Metastasen steige, je länger zugewartet werde (vgl. Arztbrief von E.____ an die KESB vom 18. November 2015), war der Sachverhalt liquide und die Dringlichkeit einer medizinischen Massnahme durch ärztliche Aussagen erstellt. Unter diesen Umständen war die KESB berech- tigt, in der vorliegenden Angelegenheit gestützt auf A rt. 392 Ziff. 1 ZGB die Zustimmung zur Operation der Beschwerdeführerin und aller damit einh ergehenden medizinischen Massnah- men selbst vorzunehmen. 6.1 Zu beurteilen ist schliesslich, ob die von der KESB er teilte Zustimmung zur Brustopera- tion dem mutmasslichen Willen der Beschwerdeführerin bzw . ihren objektiven Interessen ent- spricht. 6.2 In Art. 378 Abs. 3 ZGB werden die Kriterien festg elegt, an welchen sich der gesetzliche Vertreter bei seiner Entscheidung über medizinische Massn ahmen zu orientieren hat. Liegen weder eine Patientenverfügung noch ein Vorsorgeauftrag der vertretenen Person vor, steht dem Vertreter keine Entscheidungsfreiheit zu, er muss sich vie lmehr am mutmasslichen Willen (sub- jektive Komponente) und den objektiven Interessen (objek tive Komponente) der urteilsunfähi- gen Person orientieren (vgl. THOMAS EICHENBERGER /T HERES KOHLER , a.a.O., N 12 zu Art. 378). Zur Ermittlung der subjektiven Komponente sind insbesond ere frühere Willensäusserungen oder Werthaltungen zu beachten, die die betroffene Person durch die Art der Lebensführung zum Ausdruck gebracht hat. Bei den objektiven Interessen stehen die Gesundheitsinteressen der urteilsunfähigen Person im Vordergrund (T HOMAS EICHENBERGER /T HERES KOHLER , a.a.O., N 13 zu Art. 378). Ist der mutmassliche Wille der urtei lsunfähigen Person nicht ermittelbar, ist davon auszugehen, dass der mutmassliche Wille mit dem obje ktiven Wohl, insbesondere der medizinischen Indikation der Massnahme, übereinstimmt (C ARMEN LADINA WIDMER BLUM , Ur- teilsunfähigkeit, Vertretung und Selbstbestimmung – i nsbesondere: Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag, Diss. Luzern 2010, S.112 f.). Zusätzlich ist der natürliche Wille der urteilsunfä- higen Person bei der Zustimmung bzw. Ablehnung einer geplanten medizinischen Massnahme durch die vertretungsberechtigte Person zu berücksichtigen (THOMAS EICHENBERGER /T HERES KOHLER , a.a.O., N 14 zu Art. 378). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die KESB begründet ihren Entscheid, der Operatio n der Beschwerdeführerin zuzu- stimmen, im Wesentlichen damit, dass die Beschwerdeführerin einer Operation wohl zustimmen würde, wenn sie urteilsfähig wäre, da die Ablehnung der Krebsbehandlung sehr wahrscheinlich einen negativen Einfluss auf ihre Lebensqualität und -e rwartung hätte. Da keine Anhaltspunkte für den mutmasslichen Willen der Beschwerdeführerin best anden hätten, habe aufgrund dieser objektiven Anhaltspunkte entschieden werden müssen. 6.4 Der KESB ist darin zuzustimmen, dass den vorliegend en Akten keine Hinweise auf den mutmasslichen Willen der Beschwerdeführerin zu entnehmen sind. Obschon von ärztlicher Sei- te vieles unternommen wurde, um die psychische Störung der Beschwerdeführerin medikamen- tös einzustellen, ist es nicht gelungen, bei dieser ein e Krankheitseinsicht herzustellen, ge- schweige denn einen darauf basierenden eigenen freien Willen (vgl. Aktennotiz des Ethikforums der KPP vom 1. Dezember 2015). Konkrete Äusserungen z u medizinischen Massnahmen oder Wert- bzw. Wunschvorstellungen, welche die Beschwerdeführe rin vor Eintritt ihrer Urteilsunfä- higkeit geäussert hat, sind somit nicht vorhanden und kön nen auch bei keiner verwandten oder bekannten Person der Beschwerdeführerin erfragt werd en (vgl. E. 5.2). Es kann damit nicht eruiert werden, ob die Beschwerdeführerin einer Brusto peration zur Krebsbehandlung zustim- men würde, wenn sie zu einer Entscheidung noch selbst fähig wäre. Da keine Anhaltspunkte für den mutmasslichen Willen der Beschwerdeführerin vorliegen , ist davon auszugehen, dass sich ihr mutmasslicher Wille mit dem objektiven Wohl deckt. D amit ist bei der vorliegenden Beurtei- lung rein auf die objektiven Interessen abzustellen. Di e objektiven Interessen sind im vorliegen- den Fall gleichzusetzten mit der medizinischen Indikation der Massnahme. Nach der Untersu- chung der Beschwerdeführerin am 14. Oktober 2015 hielt Dr. med. D.____ in seinem Bericht an die KPP vom 16. Oktober 2015 als Befund fest, dass sich auss en bei der rechten Brust der Be- schwerdeführerin eine exophytisch wachsende Tumormasse mit einem Durchmesser von 45-50 mm zeige. Palpatorisch zeige sich ein fraglich vergrösserte r Lymphknoten rechts. Er habe eine Biopsieentnahme durchgeführt und zur Histopathologie eingeschickt. Dem Bericht des Patholo- gischen Instituts des Kantonsspitals Baselland vom 23. Oktober 2015 kann sodann entnommen werden, dass bei der rechten Brust der Beschwerdeführer in ein Mammakarzinom bestehe. In seinem Schreiben an die KESB vom 4. Dezember 2015 führt Dr. med. D.____ aus, dass bei der Beschwerdeführerin ein Mammakarzinom vorliege, welches be reits die Haut durchbrochen ha- be. Deswegen zeige sich sowohl klinisch als auch sonographisch ein suspekter Lymphknoten in der rechten Axilla. Bei der Beschwerdeführerin müsse man eine operative Sanierung des Mammakarzinoms rechts und eine Sentinel-Lymphknotenentfernung ggf. Axilladissektion rechts durchführen. Die Behandlung sei aus medizinischer Sicht absolut indiziert. Im Arztbrief an die KESB vom 18. November 2015 hielt Dr. E.____ fest, da ss die Gynäkologen nach den bisheri- gen Untersuchungen mutmassen würden, dass mit hoher Wahrsch einlichkeit eine brusterhal- tende und lebensrettende Operation durchgeführt werd en könne. Die Gefahr von Metastasen steige jedoch, je länger zugewartet werde 6.5 Aufgrund der vorstehenden ärztlichen Ausführungen ist erstellt, dass die operative Sa- nierung der rechten Brust medizinisch dringend indiziert ist. Aus den ärztlichen Aussagen geht zudem hervor, dass die angezeigten Massnahmen sicher lebensverlängernde wenn nicht sogar heilende Auswirkungen auf die Beschwerdeführerin haben werden. Zu den Risiken des operati- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ven Eingriffs äussert sich Dr. med. D.____ dahingehend, dass die üblichen Risiken sowohl von Seiten der Anästhesie als auch von Seiten der Operation bestehen würden. Weitere Risiken insbesondere in Bezug auf den konkreten Eingriff bei de r Beschwerdeführerin werden nicht ge- nannt. Wäre der geplante Eingriff bei der Beschwerde führerin mit hohen Risiken für diese ver- bunden, hätten sich die Ärzte dazu geäussert (vgl. Frage nkatalog der KESB an Dr. med. D.____ vom 2. Dezember 2015). Es ist daher davon auszugehen, dass die Heilungs- bzw. Bes- serungschancen durch eine Brustoperation die damit einhe rgehenden üblichen Risiken eines operativen Eingriffs deutlich überwiegen. Bei dieser Sachlage ist das objektive Interesse an der Zustimmung zur ärztlich vorgeschlagenen Brustoperation der Beschwerdeführerin offensichtlich gegeben und entspricht damit auch ihrem mutmasslichen Willen. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die KESB zu Recht mit Entscheid vom 23. Dezember 2015 gestützt auf Art. 392 Ziff. 1 ZGB i n Vertretung der Beschwerdeführerin der Operation der Brustkrebserkrankung und aller damit einh ergehenden medizinischen Massnah- men zugestimmt hat. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Ab s. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Somit sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- vorliegend der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und sind mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- zu verrechnen. Die Parte ikosten sind in Anwendung von § 21 Abs. 1 und 2 VPO wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- gehen zu Lasten der Beschwerdeführerin und werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin