Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 4. September 2019 (810 18 231) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clausen, Daniel Ivanov, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin i.V. Alessia Jeker Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Moritz Gall, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung (RRB Nr. 1166 vom 14. August 2018) A. A.____, geb. am XX.XX.1982, ist kenianischer Staat sbürger und reiste am 11. Juli 1992 im Alter von zehn Jahren im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz ein. Er ist im Besitze einer Niederlassungsbewilligung. Sowohl seine M utter als auch seine Geschwister leben in der Schweiz. Im Jahr 2009 wurde bei A.____ e ine paranoide Schizophrenie mit konti- nuierlichem Verlauf diagnostiziert. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. A.____ trat diverse Male strafrechtlich in Erscheinung . Erstmals wurde er vom Bezirks- statthalteramt Sissach am 8. August 2001 wegen Diebstah ls, Entwendung zum Gebrauch und Fahrens ohne Führerausweis zu einer bedingten Freihei tsstrafe von 15 Tagen verurteilt. Daraufhin verurteilte ihn das Bezirksstatthalteramt Waldenburg am 13. Januar 2004 wegen ein- facher Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Tagen. C. Am 9. März 2010 sprach das Strafgericht Basel-Stadt A.____ unter anderem von der Anklage der versuchten einfachen Körperverletzung mit ein em gefährlichen Gegenstand und der versuchten Nötigung mangels Schuldfähigkeit frei un d ordnete aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie eine stationäre Massnahme an. D. Am 16. August 2010 trat A.____ die stationäre Massna hme an. Diese wurde im Juni 2014 zufolge Aussichtslosigkeit aufgehoben. E. Mit Schreiben vom 19. Januar 2012 verwarnte das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM, heute Amt für Migration und B ürgerrecht [AfMB]) A.____ ausländer- rechtlich aufgrund der oben genannten Verurteilungen, 27 Betreibungen in der Höhe von Fr. 19‘391.75 und 16 offenen Verlustscheinen von gesamthaft Fr. 18‘478.50. F. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft verurteilte A.____ mit Strafbefehlen vom 2. Oktober 2014 und vom 28. Mai 2015 wegen mehrfache r Sachbeschädigung und einfacher Körperverletzung zu bedingt vollziehbaren Geldstrafen vo n 120 bzw. 20 Tagessätzen sowie zu Bussen von Fr. 700.-- bzw. Fr. 300.--. G. Das AfM gewährte A.____ mit Schreiben vom 22. Janu ar 2015 das rechtliche Gehör bezüglich des beabsichtigten Widerrufs seiner Niederlassu ngsbewilligung. A.____ nahm mit Schreiben vom 29. Januar 2015 Stellung und erklärte unter anderem, er sei auf der Suche nach einer Arbeitsstelle. H. Am 18. Februar 2015 kündigte das AfM an, der Entsch eid über den weiteren Verbleib von A.____ in der Schweiz werde aufgeschoben. I. Mit Urteil vom 27. Juli 2017 verurteilte das Straf gericht Basel-Landschaft A.____ wegen versuchter schwerer Körperverletzung, einfacher Kö rperverletzung mit einem gefährli- chen Gegenstand, Raufhandels, Tätlichkeit, Drohung, Besc himpfung, geringfügiger Sachbe- schädigung und mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten sowie zu einer Busse von Fr. 300.--. Ausserdem w urde eine ambulante Behandlung bei einer forensisch psychiatrischen Fachperson angeordnet . Eine bedingte Entlassung wurde mit Verfügung der Sicherheitsdirektion Basel-Landschaft vom 28. August 2017 aufgrund der ungünstigen Legalprognose abgelehnt. Zur Begründung w urde angeführt, A.____ weigere sich, in einer ambulanten Massnahme mitzuarbeiten. J. Mit Schreiben vom 19. September 2017 gewährte das A fM A.____ ein weiteres Mal das rechtliche Gehör bezüglich des beabsichtigten Widerrufs seiner Niederlassungsbewilligung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Am 27. Oktober 2017 wurde A.____ aus dem Strafvoll zug entlassen und begab sich bei Dr. med. B.____, forensischer Psychiater, Psychiatrie C.____, in therapeutische Behand- lung. L. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2017 widerrief das A fM die Niederlassungsbewilli- gung von A.____. M. Die gegen diese Verfügung von A.____, vertreten d urch Moritz Gall, Advokat in Basel, erhobene Beschwerde wies der Regierungsrat des Kantons Ba sel-Landschaft (Regierungsrat) mit Beschluss (RRB) Nr. 1166 vom 14. August 2018 ab. Zur Begründung führte er an, A.____ sei wiederholt straffällig geworden und habe dabei ho chwertige Rechtsgüter verletzt und bedroht. Die Gefahr von weiteren Delikten erscheine durchaus real, weshalb ein gewichtiges öf- fentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewil ligung bestehe. Auch seien keine pri- vaten Interessen seitens A.____ ersichtlich, welche die sic herheitspolitischen Interessen an der Beendigung seines Aufenthaltes überwiegen würden. N. Dagegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch M oritz Gall, mit Eingabe vom 31. Au- gust 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehre n, es sei der RRB vom 14. August 2018 vollumfänglich aufzuheben und dem Beschwerdeführ er in verfahrensrechtlicher Hinsicht die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren; dies unter o/e-Kostenfolge. O. Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 16. November 2018 die Abwei- sung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. P. Mit Verfügung vom 21. November 2018 wurde der Fal l der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen und dem Beschw erdeführer die unentgeltliche Pro- zessführung und Verbeiständung bewilligt. Q. Anlässlich der Urteilsberatung vom 3. April 2019 besc hloss die Kammer, im vorliegen- den Fall eine Parteiverhandlung durchzuführen und Dr . med. B.____, Psychiatrie C.____, als Auskunftsperson zu befragen. R. An der heutigen Parteiverhandlung nahmen der Beschw erdeführer und sein Rechtsver- treter, eine Vertreterin des Beschwerdegegners sowie Dr . med. B.____ als Auskunftsperson teil. Die Parteien hielten an ihren Anträgen und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfüg ungen und Entscheide des Re- gierungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Da weder Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgeset zlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Vor- aussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 1.2 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefoch tenen Rechtsaktes ist dem Kantons- gericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegende n Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und seine Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 3.1 Gemäss Art. 34 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Au sländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 (bis 31. Dezember 2018 und soweit im Folgenden die altrechtliche Fassung massgeblich ist: AuG) verleiht die Niederlassungsbewilli- gung einen zeitlich unbefristeten und unbedingten Ansp ruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem grundsätzlichen Anspruch des Beschwerd eführers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. Dieser gilt indes nicht absolut. Bei V orliegen eines Widerrufsgrundes nach Art. 63 AuG kann die Niederlassungsbewilligung entzogen werden. 3.2 Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG kann die Nieder- lassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die auslän dische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafr echtliche Massnahme im Sinne der Artikel 59 - 61 oder 64 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB) vom 21. Dezember 1937 an- geordnet worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in die- sem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freihe itsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf, wobei mehrere unterjährige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden dürfen (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2; BGE 137 II 297 E. 2). K eine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (Urt eil des Bundesgerichts 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Der genannte Widerrufsgrund gilt auch für die Niederlassungsbewilli- gung ausländischer Personen, die sich seit mehr als 15 Ja hren ununterbrochen und ordnungs- gemäss in der Schweiz aufhalten (vgl. Urteil des Bundesg erichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 2). 3.3 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil vom 27. Juli 2017 des Strafgerichts Basel- Landschaft wegen versuchter schwerer Körperverletzung, einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, Raufhandels, Tätlichkeit, Droh ung, Beschimpfung, geringfügiger Sachbeschädigung und mehrfachen Konsums von Betäubungsm itteln zu einer Freiheitsstrafe Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 16 Monaten verurteilt. Damit hat der Beschwerdeführer den Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG gesetzt, was er zu Recht nicht bestreitet. 3.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, der Widerr uf der Niederlassungsbewilligung sei vorliegend schon deshalb unzulässig, weil das Strafgeri cht Basel-Landschaft in seinem Urteil vom 27. Juli 2017 auf die Anordnung einer Lan desverweisung verzichtet habe, so ist ihm nicht zu folgen. Die Delikte, welche das Strafgericht am 27. Juli 2017 zu beurteilen hatte, fanden vor Inkrafttreten von Art. 66a bis des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937 und somit auch vor Inkrafttreten von Art. 63 Abs. 3 AuG statt. Somit darf ein allfälliger Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng gestützt auf den Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheitsstrafe gemäss AuG erfolgen (vg l. Urteil des Bundesgerichts 2C_188/2019 vom 5. April 2019 E. 2.2.2). 4.1 Liegt ein Widerrufsgrund vor, muss die aufenthaltsbe endende Massnahme im konkre- ten Fall auch verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 der B undesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999 und Art. 96 Abs. 1 AuG; vgl. auch Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 Abs. 3 BV und Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK] vom 4. November 1950, wenn dur ch die Entfernungsmassnahme die weitere Pflege familiärer Beziehungen im Sinn von Art . 8 Ziff. 1 EMRK bzw. des inhaltlich deckungsgleichen Art. 13 Abs. 1 BV beeinträchtigt wird; BGE 135 II 377 E. 4.3). Verlangt ist in- sofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privat en Interessen an der Erteilung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sin- ne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwen dig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des Ve rschuldens, der Grad der Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 139 I 31 E . 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_263/2016 vom 11. November 2016 E. 3.2). Die konvent ionsrechtliche Verhältnismässig- keitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG und kann in einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteile de s Bundesgerichts 2C_551/2013 vom 24. Februar 2014 E. 2.4 und 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid , die Tatsachen, dass der Be- schwerdeführer seit 26 Jahren in der Nordwestschweiz lebe, die deutsche Sprache spreche und sich seine Mutter sowie seine Geschwister in der Schweiz auf halten würden, seien zu seinen Gunsten zu berücksichtigen. Des Weiteren habe der Beschwer deführer keinerlei Bindungen mehr zu Kenia. All dies führe zu einem gewichtigen Interesse des Beschwerdeführers an dessen Verbleib in der Schweiz. Andererseits habe er abe r weder eine Ausbildung abgeschlos- sen noch sei er beruflich integriert; er sei verschuldet und werde seit dem Jahr 2009 von der Sozialhilfe unterstützt. Ebenfalls negativ ins Gewicht fal le, dass weder die ergangenen Strafur- teile noch die ausländerrechtliche Verwarnung den Besch werdeführer dazu veranlasst hätten, sein Verhalten zu ändern. Auch miteinzubeziehen in die Interessenabwägung sei die psychi- sche Erkrankung des Beschwerdeführers, da seine Straffällig keit auch in Zusammenhang mit seiner Erkrankung stehe. Anhand der Aussagen des Beschwerd eführers anlässlich der Ver- handlung vom 24. Oktober 2017 am Strafgericht Basel-Landschaft sei davon auszugehen, dass Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht es um die Therapiebereitschaft des Beschwerdeführers und seine Krankheitseinsicht immer noch schlecht stehe. Da es auch in Kenia diverse Institut ionen gebe, welche bei Erkrankungen im Bereich der schizophrenen Störungen Hilfe anböten, sei anzunehmen, dass dem Beschwer- deführer die notwendige ärztliche und psychiatrische Unt erstützung auch in Kenia zukommen werde. Negativ ins Gewicht falle nebst seiner Verurteilung vom 27. Juli 2017 zu einer 16-mona- tigen Freiheitsstrafe und der wiederholten Straffäll igkeit auch, dass bei andauerndem Alkohol- und Drogenkonsum weiterhin eine erhebliche Wiederhol ungsgefahr bestehe. Insbesondere deshalb, weil der Beschwerdeführer offenbar keine Medikamente nehme um seine Krankheit zu behandeln und auch seine Abstinenz nicht kontrolliert w erde. Aus den genannten Gründen vermöge der Beschwerdeführer keine privaten Interessen an zuführen, welche die sicherheits- politischen Interessen an der Beendigung seines Aufentha ltes überwiegen würden, auch wenn seine privaten Interessen an einem weiteren Verbleib i n der Schweiz gross seien. Demzufolge seien der Widerruf der Niederlassungsbewilligung sowie die damit einhergehende Wegweisung als verhältnismässig zu qualifizieren. 4.3 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerdebe gründung vor, die vorinstanzli- chen Ausführungen würden sich auf den Zeitraum von 2010 bis 2014 beziehen, wodurch sie weder aktuell noch geeignet seien, eine ausländerrecht liche Massnahme zum heutigen Zeit- punkt zu begründen. Es sei insbesondere zu berücksichtigen, d ass er seit seiner Entlassung aus dem Strafvollzug am 27. Oktober 2017 weder strafre chtlich noch polizeilich in Erscheinung getreten sei. Es sei mittlerweile gemäss Frau Dr. med . D.____ nicht mehr von einer hohen Rückfallgefahr auszugehen, da bei ihm positive Veränder ungen festzustellen seien und er nun medikamentös eingestellt sei. Dementsprechend sei auch di e Annahme, er sei weder krank- heitseinsichtig noch therapiewillig unzutreffend. Er b efinde sich in Behandlung bei Dr. med. B.____ und erscheine regelmässig zu den Therapiesitzung en. Dr. med. B.____ komme in sei- nem Bericht denn auch zum Schluss, eine Wegweisung könn e unter Umständen verheerende Folgen für seine psychische Gesundheit haben und er sei unter Berücksichtigung der Tatsache, dass er in der hiesigen Berufswelt nicht habe Fuss fassen können, in Kenia, ohne ausgebautes Sozialversicherungssystem, nicht überlebensfähig. Der Bericht von Dr. med. B.____ sei von der Vorinstanz aber weitgehend unberücksichtigt geblieben. S eine Taten seien ausserdem nicht Ausdruck mangelnder Integration, sondern stünden im Zusa mmenhang mit seinem Betäu- bungsmittel- und Alkoholkonsum. Diesbezüglich habe sich a ber eine deutliche Besserung ein- gestellt. Des Weiteren befänden sich alle seine Familie nangehörigen, zu welchen er einen engen Kontakt pflege, in der Schweiz; über familiäre oder soziale Kontakte verfüge er in Kenia nicht. Auch dürfe der Umstand, dass er von der Sozialhil fe unterstützt werde, im Hinblick auf seinen mehr als 15-jährigen Aufenthalt in der Schweiz nicht berücksichtigt werden. Damit sei dargelegt, dass das sicherheitspolitische Interesse an se iner Wegweisung sein persönliches Interesse an einem Verbleib in der Schweiz nicht zu überwiegen vermöge. 5.1.1 Ausgangspunkt für die Schwere des Verschuldens sowie die vorzunehmende auslän- derrechtliche Interessenabwägung ist die vom Strafgericht verhängte Strafe (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 2C_725/2016 vom 30. Dezember 2016 E. 3.2). Das entsprechende sicherheitspoli- zeiliche Interesse kann durch den Zeitablauf seit der Tatb egehung, das Verhalten der ausländi- schen Person bis zum angefochtenen Urteil sowie weitere Faktoren (wie das Alter bei der jewei-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ligen Tatbegehung) relativiert oder erhöht werden (vg l. Urteil des Bundesgerichts 2C_804/2016 vom 21. März 2017 E. 5.1 mit Hinweisen). 5.1.2 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Straf gerichts Basel-Landschaft vom 27. Juli 2017 wegen versuchter schwerer Körperverletzung, einfac her Körperverletzung mit einem ge- fährlichen Gegenstand, Raufhandels, Tätlichkeit, Drohun g, Beschimpfung, geringfügiger Sach- beschädigung sowie mehrfachen Konsums von Betäubungsmitte ln zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Gleichzeitig ordnete das Straf gericht Basel-Landschaft aufgrund der Krankheit des Beschwerdeführers eine ambulante Behandl ung bei einer forensisch psychiatri- schen Fachperson an. Angesichts der schwerwiegenden Taten des Beschwerdeführers gegen Leib und Leben, ist das ordnungs- und sicherheitspolitisch e Interesse an seiner Fernhaltung gegeben. Nach dem Gesagten besteht somit ein gewichtiges öffentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers. 5.2.1 Dem öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers sind dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Entscheidend ist stets das Gesamtbild eines jeden Einzelfalles, welches anhand sämtlicher massgeblicher Kriterien zu beurteilen ist (BGE 139 I 145 E. 2.4). 5.2.2 Die strafrechtliche Verurteilung des Beschwerdefüh rers vom 27. Juli 2017 muss nega- tiv in die Bewertung einfliessen. Es gilt jedoch zu be achten, dass beim Beschwerdeführer mit Gutachten vom 10. August 2009 eine paranoide Schizophr enie mit kontinuierlichem Verlauf diagnostiziert wurde, weshalb er mit Urteil vom 9. Mä rz 2010 des Strafgerichts Basel-Land- schaft mangels Schuldfähigkeit von der Anklage der versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, der versuchten Nötigung, der Beschimpfung sowie des Kon- sums von Betäubungsmitteln freigesprochen wurde. Nachdem sich der Beschwerdeführer wie- derholt krankheitsuneinsichtig gezeigt hatte und jegliche Therapie und medikamentöse Behand- lung im Rahmen einer angeordneten ambulanten Massnahm e abgelehnt hatte, begab er sich nach seiner Entlassung aus dem Freiheitsentzug am 27. Oktober 2017 zu Dr. med. B.____ in therapeutische Behandlung. Den Aussagen von Dr. med. B.____ anlässlich der heutigen Partei- verhandlung ist zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer noch immer bei ihm in Behand- lung befindet. Er erlebt den Beschwerdeführer seit dessen Entlassung aus dem Freiheitsentzug psychisch stabil, was wohl auch auf seine regelmässige Medi kamenteneinnahme zurückzufüh- ren sei. Trotz zweier Belastungsproben im Leben des Besc hwerdeführers habe sich dieser resilient gezeigt. Dem Beschwerdeführer fehle es am élan vital ; er sei seit seiner Entlassung apathischer und initiativloser geworden, was aus medizi nischer Sicht eine Verschlechterung seines Zustands bedeute. Er habe sich von seinem vormalig en Bekanntenkreis gelöst und pflege auch sonst ein zurückgezogenes Leben. Auch Dr. med. D.____ ging anlässlich der Hauptverhandlung des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 9. Oktober 2018 (Verfügung des Präsidenten des Strafgerichts vom 9. Oktober 2018, S. 6) nur noch von einer mittleren Rückfall- gefahr des Beschwerdeführers aus, unter der Voraussetzung, dass er seine Medikamente regelmässig einnehme. Den Aussagen von Dr. med. B.____ ist zu entnehmen, dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers stabilisiert hat und dieser seinen Alltag im Rahmen seiner Möglichkeiten gut bestreitet, was unt er anderem auf die regelmässige Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Medikamenteneinnahme zurückzuführen ist. Ebenfalls ist zu berücksichtigen, dass der Be- schwerdeführer seit seiner Entlassung aus dem Strafvollzu g am 27. Oktober 2017 nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, wodurch die Einschätzung der Situation des Beschwerdeführers durch Dr. med. B.____ bestärkt wird. 5.2.3 Des Weiteren lebt der 37-jährige, ledige und ki nderlose Beschwerdeführer bereits seit 27 Jahren in der Schweiz und kann sich daher auf eine lange Aufenthaltsdauer sowie die damit verbundene Verwurzelung in den hiesigen Verhältnissen berufen. Die Mutter und die Geschwis- ter des Beschwerdeführers leben allesamt in der Schweiz, zu seinem Heimatland unterhält er keinerlei Beziehungen. Allerdings konnte der Beschwerdef ührer in der Schweiz beruflich nie Fuss fassen und wird seit dem Jahr 2009 von der Sozialhi lfe unterstützt. Anlässlich der heuti- gen Parteiverhandlung hält Dr. med. B.____ eine geschü tzte Tätigkeit im Rahmen des zweiten Arbeitsmarktes für den Beschwerdeführer als realistisch. A uf Grund der psychischen Krankheit des Beschwerdeführers gehe er nicht davon aus, dass diese r in Kenia überlebensfähig wäre. Ohne Sozialsystem würde der Beschwerdeführer durch alle M aschen fallen. Hinsichtlich der beruflichen Möglichkeiten des Beschwerdeführers sei folgl ich nicht davon auszugehen, dass dieser in absehbarer Zeit dazu fähig sein werde, seine n Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten. Allerdings ist zu beachten, dass die Unfähi gkeit des Beschwerdeführers, einer tägli- chen Arbeit nachzugehen, massgeblich mit dessen Krankheit zusammenhängt. 5.3 Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass es d em Beschwerdeführer mit Hilfe seines Psychiaters gelungen ist, seine Krankheit zu behand eln und ein gewaltfreies Leben zu führen. Zwar ist das öffentliche Interesse an seiner Weg weisung aufgrund der wiederholten Delinquenz sowie seiner Verschuldung und der fortbestehe nden Sozialhilfeabhängigkeit nach wie vor vorhanden. Unter Berücksichtigung der unternom menen Anstrengungen vermag es die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz nament- lich mit Blick auf seinen Gesundheitszustand, die lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz und die Verwurzelung in die hiesigen Verhältnisse jedoch ni cht zu überwiegen. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung erweist sich demnach als unver hältnismässig und die Beschwerde ist gutzuheissen. 6.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'307.50 (bestehend aus einer Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1'800.-- und Guta chterkosten in der Höhe von Fr. 507.50) vorliegend dem Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft aufzuerlegen. 6.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausg ang des vorliegenden Verfahrens ist dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zulaste n des Beschwerdegegners zuzusprechen. In seiner Honorarnote vom 21. Dezember 20 18 macht der Rechtsvertreter des Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführers für seine Bemühungen vom 16. August 2018 bis zum 22. November 2018 einen Aufwand von 8.8 Stunden à Fr. 200.-- sowie Ausla gen in der Höhe von Fr. 21.20 geltend. Des Weiteren macht er für seine Bemühungen vom 5. Apri l 2019 bis zum 4. September 2019 einen Aufwand von 2.7 Stunden à Fr. 200.-- geltend sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 5.30. Die beiden Honorarnoten des Rechtsvertreters des Beschwe rdeführers sind nicht zu bean- standen. Für die Teilnahme an der Hauptverhandlung er scheint vorliegend ein Aufwand von insgesamt drei Stunden als angemessen. Ausgehend von ein em Aufwand von insgesamt 14.5 Stunden hat der Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘151.85 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zu bezahlen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats des Kantons Basel-Landschaft vom 14. August 2018 aufgehoben. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2‘307.50 werden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. 3. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwer- deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘151.85 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.