B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5908/2011 U r t e i l v om 1 3 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________, geboren am (...), Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. September 2011 / N_________ D-5908/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein srilankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus Jaffna Town mit letztem Wohnsitz i n Vavuniya – verliess ge- mäss eigenen Angaben seinen Heimatstaat am 16. Oktober 2008 in Rich- tung Syrien, von wo er über die Türkei nach Griechenland weiterreiste. Am 13. August 2009 suchte er in der Schweiz um Asyl nach. B. Mit Entscheid vom 25. Januar 2010 trat das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des B eschwerdeführers nicht ein und ordnete dessen Weg- weisung aus der Schweiz nach Griechenland an. C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Januar 2010 beim Bundesverwaltu ngsgericht Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 10. März 2011 hob das BFM seinen Entscheid vom 25. Januar 2010 wiedererwägungsweise auf und ordnete an, in Bezug auf den Beschwerdeführer sei das nationale Asylverfahren durchzuführen. In der Folge schrieb das Bun desverwaltungsgericht mit Entscheid vom 14. März 2011 die Beschwerde als gegenstandslos geworden ab. E. Im Rahmen der Erstbefragung vom 18. August 2009 und der Anhörung vom 19. August 2011 durch das BFM im Empfangs - und Verfahrenszent- rum Kreuzlingen gab der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asyl- gesuches im Wesentlichen an, er sei am 10. Oktober 2006 von zwei ve r- mummten Bewaffneten verschleppt und in der Folge von Milizionären der LTTE dazu gezwungen worden, im Bereich Informationstechnologie Lei s- tungen für die LTTE zu erbringen. Ende Juli beziehungsweise im August 2008 sei ihm die Flucht gelungen, und er sei zu seinen Eltern nach Vavu- niya zurückgekehrt. Im August 2008 sei er von den srilankischen Siche r- heitsbehörden verhaftet worden, und er habe unter Fo lter gestanden, für die LTTE tätig gewesen zu sein . Gegen Bestechung sei ihm im Septe m- ber 2008 die Flucht aus dem Gefängnis gelungen. D-5908/2011 Seite 3 F. Mit Verfügung vom 28. September 2011 – eröffnet am 29. September 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings- eigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug. Als Begründung füh r- te die Vorinstanz hauptsächlich aus, die Vorbringen des Beschwerdefü h- rers hielten den Anforderung en an die Glaub haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. Ausserdem sei der Wegweisungsvollzug nach Sri Lan- ka zulässig, zumutbar und möglich. G. Mit Beschwerde vom 26. Oktober 2011 (Poststempel) ans Bundesverwal- tungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beantragen, der angefochtene Entscheid vom 10. März 2011 sei in den Dispositivpunkten 4 und 5 aufzuheben und zur Neubeurteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen. Zudem sei das BFM anzuweisen, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, mittels Quellenangaben offenzulegen. Eventualiter sei die Unzumutba r- keit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Au f- nahme anzuordnen. Überdies sei auf die Erhebu ng eines Kostenvo r- schusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh- ren. H. Mit Zwischenverfügung der damals zuständigen Instruktionsrichterin vom 2. November 2011 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. I. Mit Zwischenverfügung vom 27. November 2012 wurde das Gesuch um Offenlegung sämtlicher Herkunfts länderinformation abgewiesen und die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. J. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2012 – welche dem B e- schwerdeführer am 10. Dezember 2012 zur Kenntnis gebracht wurde – beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. D-5908/2011 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal tungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser be i Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m . Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zu r Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse rheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die Beschwerde richtet sich gemäss den Rechtsbegehren u nd der B e- gründung ausschliesslich gegen den Vollzug der von der Vorinstanz ve r- fügten Wegweisung. Die Verfügung des BFM vom 28. September 2011 D-5908/2011 Seite 5 ist, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewä h- rung betrifft (Ziffn. 1 und 2 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verf ü- gung), in Rechtskraft erwachsen, und auch die Anordnung der Wegwe i- sung (Ziff. 3 des Dispositivs) ist nicht mehr zu überprüfen (vgl. Entsche i- dungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekur s- kommission [ARK; EMARK] 2001 Nr. 21 ). Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit – abgesehen von den formellen Rügen – lediglich die Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, dass die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt habe, indem sie es unterla s- sen habe, die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ih- ren Entschei d stütze, offenzulegen. Der gebotenen Begründungspflicht sei die Vorinstanz auch deshalb nicht in genügendem Masse nachg e- kommen, da sie in der angefochtenen Verfügung ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts abgewichen sei. Daher sei die angefochtene Verfügung in den Dispositionspunkten 4 und 5 infolge Verletzung des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. 5.2 Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allen- falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren Hinweisen, S. 287 und 297; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspfl e- ge des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). 5.3 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchenden die relevanten Akten offenzulegen sind und ihnen das Recht zur Äusserung (vgl. Art. 30 Abs. 2 VwVG) sowie die Möglic h- keit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverha lts zu nehmen, zu gewähren ist. Ausserdem haben die verfügenden Behörden ihrer Pflicht zur Begründung in genügender Weise nachzukommen. 5.4 Soweit in der Beschwerde gerügt wird, die Vorinstanz habe die B e- gründungspflicht verletzt, indem sie es unterlassen habe , die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, o f-D-5908/2011 Seite 6 fenzulegen, ist auf die diesbezüglichen Erwägungen in der Zwischenve r- fügung vom 27. November 2012 zu verweisen, worin das Gesuch um O f- fenlegung sämtlicher Herkunftsländ erinformationen abgewiesen wird. Es liegt keine Verletzung des Akteneinsichtsrechts beziehungsweise der B e- gründungspflicht vor, da das BFM nicht gehalten war, die verwendeten allgemein zugänglichen Länderinformationen im beantragten Ausmass detailliert offenzulegen. 5.5 Bezüglich der Rüge des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelschrift, wonach eine Verletzung der Begründungspflicht und des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör vorliege, da das BFM in der angefochtenen Verfügung ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts abgewichen sei, ist Folgendes festzuha l- ten: Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, weshalb es zum Schluss gelangt, dass si ch die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka nach Ende des bewaffneten Konfliktes zwischen der srilankischen Regie- rung und den LTTE im Mai 2009 deutlich entspannt habe und sich die Le- bensbedingungen insoweit verbessert hätten, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten Sri Lankas grundsätzlich wieder zumutbar sei, während im ehemals von den LTTE kontrollierten Vanni -Gebiet die L e- bensbedingungen nach wie vor als sehr schwierig einzustufen seien. Das BFM muss sich als Vorinstanz zwar auch hinsichtlich der Frage der gene- rellen Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in Herkunftsländer a b- gewiesener Asylsuchender an die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts halten, es ist aber sehr wohl befugt, mit einlässlicher Begründung von e i- ner bestehenden Praxis abzuweichen, wenn es diese als anpassungsb e- dürftig erachtet (vgl. BVGE 2010/54 E. 9.2.1 S. 801 f.). Dass das BFM den Vollzug der Wegweisung in die Nord- und Ostprovinz Sri Lankas auf- grund der jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka aus den in der Verfügung dargelegten Gründen als zumutbar einschätzt, ist daher nicht zu besta n- den. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Übrigen kurz nach Erlass der angefochtenen Verfügung in seinem Urteil E -6220/2011 vom 27. Oktober 2011 (publiziert in BVGE 2011/24) zur aktuellen S ituation in Sri Lanka geäussert und eine Anpassung seiner in BVGE 2008/2 publ i- zierten Praxis vorgenommen, welche mit derjenigen des BFM im Erge b- nis weitgehend übereinstimmt (vgl. E. 6.3.2 nachstehend). Inwiefern das BFM mit seinem Vorgehen die Begründungsp flicht verletzt haben soll, ist in Anbetracht der insgesamt ausgewogenen und differenzierten Erw ä- gungen in der angefochtenen Verfügung ohnehin nicht ersichtlich. D-5908/2011 Seite 7 5.6 Bei dieser Sachlage besteht somit keine Veranlassung, die angefoc h- tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb das ent- sprechende Rechtsbegehren abzuweisen ist. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über di e vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Pra xis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 Asy lG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0 .101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Da rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht g e- lungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder D-5908/2011 Seite 8 glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri La n- ka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in sein Heimatland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nicht g e- lungen. Er gehört keiner in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft releva n- ten Risikogruppe an, weshalb nicht davon auszugehen ist, ihm drohe im Rahmen der routinemässigen Überprüfung bei der Rückkehr diesbezü g- lich eine unmenschliche Behandlung. Die allgemeine Menschenrechtssi- tuation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zei t- punkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimatland aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini - scher Notlage konkre t gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Au s- länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in BVGE 2011/24 angesichts der veränderten Lage nach dem Ende des srilankischen Bürgerkriegs im Mai 2009 und der militärisch vernichtenden Niederlage der LTTE eine aktual i- sierte, auch heute noch zutreffende Neubeurteilung vorgenommen. De m- zufolge ist seit dem Ende des bewaffneten Konflikts von einer erheblich verbesserten Menschenrechts - und Sicherheitslage auszugehen, wobei sich die Situation nicht in allen Landesteilen gleich pr äsentiert. In das so-D-5908/2011 Seite 9 genannte Vanni-Gebiet – die Distrikte von Kilinochchi und Mullaitivu und die nördlichen Teile der Distrikte von Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts südlich von Nagarkovil umfassend – ist eine Rückkehr aufgrund der weitgehend ze r- störten Infrastruktur und der Verminung weiterhin unzumutbar. In das ü b- rige Staatsgebiet – insbesondere auch die Ostprovinz und die nicht zum Vanni-Gebiet gehörenden Gebiete der Nordprovinz – ist der Wegwe i- sungsvollzug grundsätzlich zumutbar, zumal dort insbesondere keine S i- tuation allgemeiner Gewalt festzustellen ist. Bei aus der Nordprovinz stammenden Personen ist dabei zu differenzieren. Für Personen, die di e- ses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlas- sen haben, ist die Rückkehr als grundsätzlich zumutbar zu bewerten, wenn davon ausgegangen werden kann, dass diese Personen auf die gleiche oder gleichwertige Lebens- und Wohnsituation zurückgreifen kön- nen und dem Wegweisungsvollzug auch anderweitig nichts entgege n- steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordpr o- vinz indessen längere Zeit zurück oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Aus- reise massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell vorliegenden Lebens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären. Liegen keine b e- günstigenden Faktoren wie die Existenz eines tragfähigen Beziehung s- netzes und die konkrete Möglichkeit der Sicherung des Existenzminiums und der Wohnsituation in der Nordprovinz vor, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namen t- lich im Grossraum Colombo, zu prüfen, wohin der Vollzug als grundsät z- lich zumutbar erachtet wird (vgl. BVGE 2011/24 13.2.1.1 - 13.3). 6.3.3 Der relativ junge und gemäss Akten gesunde Beschwerdeführer stammt aus dem Norden Sri Lankas, aus Jaffna Town und lebte seit 2002 bis zu seiner Ausreise im Oktober 2008 in Vavuniya , wo sich auch seine Eltern, Geschwister und weitere Verwandte befanden. Zwar gibt der B e- schwerdeführer an, er wisse nicht, wo sich diese im heutigen Zeitpunkt befänden; indessen ist wenig glaubhaft, dass er keinerlei Kontakt mit sei- nen engsten Verwandten haben soll. Jedenfalls ist es dem Beschwerde- führer zuzumuten, sich um erneuten Kontakt zu bemühen, zumal es ihm im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens mit Hilfe eines Kollegen ge- lungen ist, seine Identi tätskarte zu beschaffen. Im Weiteren verfügt der Beschwerdeführer über eine gute Schulbil dung und beruf liche Erfahrung im Informatikbereich (vgl. BFM-Protokoll A1 S. 1). Es ist somit davon aus- zugehen, dass er die vom Bundesverwaltungsgericht in der Lagebeurte i- lung gemäss BVGE 2011/24 bezüglich der Zumutbarkeit des Wegwe i-D-5908/2011 Seite 10 sungsvollzugs nach Sri Lan ka formulierten Kriterien erfüllt. Er wird nach der Rückkehr in sein Heimatland sowohl auf die Unterstützung seiner Familie zählen können und bei seinen Angehörigen eine Unterkunftsmög- lichkeit vorfinden, als auch in Zukunft in der Lage sein, sich dank seiner Erfahrungen und beruflichen Kenntnisse wieder wirtschaftlich zu integri e- ren. Insbesondere genügen blosse soziale und wirtschaftliche Schwieri g- keiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne vo n Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.2.2). Es liegen daher keine A n- haltspunkte vor, die darauf schliessen liessen, der Beschwerdeführer sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt, weshalb der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu bezeichnen ist. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung nicht als unmöglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, da ss die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kost en grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 2. November 2011 die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG g e- währt wurde und weiterhin von der proze ssualen Bedürftigkeit des B e- schwerdeführers auszugehen ist, wird auf die Erhebung von Verfahren s- kosten verzichtet. (Dispositiv nächste Seite) D-5908/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: