<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 117 S.445</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>117 Sondernutzungsplanung.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>-</b></span> <span class="ft3"><b>Anfechtungsmöglicheit der Weigerung des zuständigen Gemeindeor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gans, einen Sondernutzungsplan zu erlassen.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>-</b></span> <span class="ft3"><b>Voraussetzungen, damit der Regierungsrat an Stelle des zuständigen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kommunalen Organs einen Planungsentscheid fällen kann.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 17. Oktober 2007 i.S. T. AG</span><br/> <span class="ft4">gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt/Gemeinde-</span><br/> <span class="ft4">rats F.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">446</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die T. AG baut - gestützt auf jeweils befristet erteilte Abbau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungen - seit rund 60 Jahren im Gebiet "C" in F. Opalinuston</span><br/> <span class="ft1">ab für ihre Ziegel- und Bausteinproduktion. Um die Rohstoffversor-</span><br/> <span class="ft1">gung ihres Betriebes sicher zu stellen, reichte sie im Juni 2005 ein</span><br/> <span class="ft1">Gesuch ein für den weiteren Abbau von rund 1 Mio. Kubikmeter</span><br/> <span class="ft1">während eines Zeitraumes von rund 30 Jahren.</span><br/> <span class="ft1">Mit dem Abbaugesuch verbunden war ein Baugesuch für die</span><br/> <span class="ft1">Erstellung einer Privaterschliessungsstrasse zwischen der M.gasse in</span><br/> <span class="ft1">G. und dem Werksgelände in F. sowie ein Strassenbaugesuch für den</span><br/> <span class="ft1">Ausbau von öffentlichen Strassen in den beiden Gemeinden F. und</span><br/> <span class="ft1">G.; auf diesen Strassen soll künftig der Lastwagentransport des abge-</span><br/> <span class="ft1">bauten Materials - an Stelle der bisherigen Transportierung mittels</span><br/> <span class="ft1">einer Luftseilbahn - erfolgen. Um diese Transportroute raumplane-</span><br/> <span class="ft1">risch zu sichern, reichte die T. AG sodann bei beiden Gemeinden ei-</span><br/> <span class="ft1">nen von ihr erstellten Erschliessungsplan ein.</span><br/> <span class="ft1">Gegen das in beiden Gemeinden gleichzeitig öffentlich aufge-</span><br/> <span class="ft1">legte Bauvorhaben bzw. gegen den Erschliessungsplan gingen zahl-</span><br/> <span class="ft1">reiche Einsprachen ein. Am 11. Dezember 2006 beschloss der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat F., den Erschliessungsplan zu genehmigen und die dage-</span><br/> <span class="ft1">gen erhobenen Einsprachen vollumfänglich abzuweisen; dies aller-</span><br/> <span class="ft1">dings nur unter der Voraussetzung, dass auch der Gemeinderat G. den</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsplan genehmige. Gleichentags - d.h. ebenfalls am</span><br/> <span class="ft1">11. Dezember 2006 - fasste der Gemeinderat G. dagegen den Be-</span><br/> <span class="ft1">schluss, den Erschliessungsplan nicht zu genehmigen.</span><br/> <span class="ft1">Diesen Beschluss des Gemeinderats G. focht die T. AG fristge-</span><br/> <span class="ft1">recht beim Regierungsrat an u.a. mit dem Begehren, der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">sei anzuweisen, den Erschliessungsplan zu erlassen; eventuell habe</span><br/> <span class="ft1">der Regierungsrat den Erschliessungsplan selbst zu beschliessen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.1. Im Hauptpunkt ficht die T. AG die Nichtgenehmigung des</span><br/> <span class="ft1">von ihr erarbeiteten Erschliessungsplanes "C" an und stellt den An-</span><br/> <span class="ft1">trag, der Gemeinderat sei anzuweisen, den Erschliessungsplan zu be-</span><br/> <span class="ft1">schliessen.</span><br/> <span class="ft1">Gegen Beschlüsse der zuständigen Gemeindeorgane über Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungspläne und -vorschriften kann innert 20 Tagen seit der amtlichen</span><br/> <span class="ft1">Publikation beim Regierungsrat Beschwerde erhoben werden (§ 26</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 des Gesetzes über Raumplanung, Umweltschutz und Bauwe-</span><br/> <span class="ft1">sen [BauG] vom 19. Januar 1993; § 5 der Allgemeinen Verordnung</span><br/> <span class="ft1">zum Baugesetz [ABauV] vom 23. Februar 1994; vgl. auch Art. 33</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Raumplanung [RPG] vom</span><br/> <span class="ft1">22. Juni 1979).</span><br/> <span class="ft1">Vorab stellt sich nun die Frage, ob die eben genannten Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften auch dann eine Anfechtungsmöglichkeit eröffnen, wenn</span><br/> <span class="ft1">sich das zuständige Gemeindeorgan - wie vorliegend der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">rat G. - weigert, einen (Sonder-)Nutzungsplan zu erlassen. Dies ist</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich jedenfalls dann zu bejahen, wenn die Entwürfe zu</span><br/> <span class="ft1">Sondernutzungsplänen nicht auf behördliche Initiative hin erarbeitet,</span><br/> <span class="ft1">sondern von Privatpersonen selbst erstellt worden sind (vgl. §§ 17</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 und 21 Abs. 3 BauG). Anfechtungsobjekt ist nicht - wie unter</span><br/> <span class="ft1">dem früheren Recht - der Nutzungsplan als solcher, sondern der Be-</span><br/> <span class="ft1">schluss hierüber; beim Rechtsschutzverfahren handelt sich im Unter-</span><br/> <span class="ft1">schied zu früher nicht mehr um ein Normenkontrollverfahren (vgl.</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1999 S. 286).</span><br/> <span class="ft1">Das Prozessthema ist in einem solchen Fall allerdings grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich darauf beschränkt, ob die Vorinstanz rechtlich verpflichtet</span><br/> <span class="ft1">war, den Nutzungsplan zu erlassen. Die Rechtmässigkeit des (nicht</span><br/> <span class="ft1">erlassenen) Planes selber steht dagegen nicht zur Diskussion, zumin-</span><br/> <span class="ft1">dest solange nicht, als es sich nicht um eine wiederholte unzulässige</span><br/> <span class="ft1">Weigerung der Gemeinde gehandelt hat. Eine Ersatzvornahme, d.h.</span><br/> <span class="ft1">die Erarbeitung und Beschlussfassung über die kommunale Planung</span><br/> <span class="ft1">durch kantonale Organe, ist nämlich erst zulässig, wenn eine Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde sich einer vorgängigen entsprechenden Aufforderung wider-</span><br/> <span class="ft1">setzt (vgl. §§ 14 und 33 Abs. 3 BauG; vgl. zum Ganzen auch: Grund-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sätzliche Entscheide des Regierungsrates des Kantons Solothurn</span><br/> <span class="ft1">[GER] 1995, Nr. 11). Nachdem dies vorliegend nicht der Fall ist,</span><br/> <span class="ft1">kann auf das Eventualbegehren der T. AG, der Regierungsrat habe</span><br/> <span class="ft1">den Erschliessungsplan selber zu beschliessen, von vornherein nicht</span><br/> <span class="ft1">eingetreten werden.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>