<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 31 S.142</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">142</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>31 Zuordnung von Erschliessungsanlagen, welche im Zonenplan keiner</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zone zugewiesen sind ("weisse Flächen").</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine Erschliessungsplanung kann die fehlende Zuweisung zum</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Siedlungsgebiet nicht ersetzen (Erw. 1.2.3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Kriterien für die Zuweisung von Erschliessungsanlagen zum Sied-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lungsgebiet (Erw. 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 10. März 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">St. und Mitb. gegen den Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">1.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten, dass im Zonenplan der Gemeinde A sämtli-</span><br/> <span class="ft1">che Strassen - darunter auch der Föhrenweg sowie die nach Lage mit</span><br/> <span class="ft1">dem Föhrenweg vergleichbare Steigstrasse und der Blitzbergweg,</span><br/> <span class="ft1">aber auch sämtliche Waldstrassen - weiss koloriert sind. In der farbli-</span><br/> <span class="ft1">chen Ausgestaltung der Strassen wird im Zonenplan keine Unter-</span><br/> <span class="ft1">scheidung getroffen zwischen Strassen und Wegen innerhalb und</span><br/> <span class="ft1">ausserhalb der Bauzone. Insbesondere vermag auch der Aspekt, ob</span><br/> <span class="ft1">die Strassen und Wege vollständig von Bauzonen umgeben sind oder</span><br/> <span class="ft1">nicht oder ob Strassen und Wege entlang einer Bauzonengrenze ver-</span><br/> <span class="ft1">laufen, nichts zu einer qualifizierenden Unterscheidung beitragen, da</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">143</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Zonenplan farblich keine solche Unterscheidung macht. Für die</span><br/> <span class="ft1">Beantwortung der Frage, ob der Föhrenweg innerhalb oder ausser-</span><br/> <span class="ft1">halb der Bauzone liegt, bleibt die Feststellung, dass der Föhrenweg</span><br/> <span class="ft1">im Zonenplan weiss belassen wurde, damit ohne Belang.</span><br/> <span class="ft1">1.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Föhrenweg und alle Strassen und Wege innerhalb und ent-</span><br/> <span class="ft1">lang der Bauzonen sind bereits in den Zonenplänen der Gemeinde A</span><br/> <span class="ft1">aus den Jahren 1965 bzw. 1978 weiss koloriert. Seither wurden, wie</span><br/> <span class="ft1">dies im vorinstanzlichen Entscheid zutreffend ausgeführt wird, die</span><br/> <span class="ft1">Steigstrasse ausgebaut und mit dem Kommunalen Überbauungsplan</span><br/> <span class="ft1">"Gewerbegebiet Z." der Ausbau des bestehenden Weges entlang ei-</span><br/> <span class="ft1">nes Waldes mittels Bau- und Weglinien vorbereitet, obwohl die ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden Strassen und Wege am Bauzonenrand liegen und farb-</span><br/> <span class="ft1">lich weiss belassen blieben. Damit kann auch nicht gesagt werden,</span><br/> <span class="ft1">Strassen und Wege am Bauzonenrand seien aus funktionalen Überle-</span><br/> <span class="ft1">gungen grundsätzlich dem Nichtbaugebiet bzw. dem Kulturland zu-</span><br/> <span class="ft1">zurechnen. Die Gemeinde A hat dies in der Nutzungsplanung und</span><br/> <span class="ft1">baurechtlichen Praxis nicht so verstanden und ist während Jahren da-</span><br/> <span class="ft1">von ausgegangen, die Erschliessungsanlagen gehörten zum Sied-</span><br/> <span class="ft1">lungsgebiet.</span><br/> <span class="ft1">Dies Praxis besteht auch in anderen Aargauer Gemeinden und</span><br/> <span class="ft1">rührt daher, dass die Planung vorwiegend mit Blick auf die Aus-</span><br/> <span class="ft1">scheidung von Bauzonen für Hochbauten bzw. Wohn- und Gewerbe-</span><br/> <span class="ft1">nutzung erfolgte.</span><br/> <span class="ft1">Folgte man den Ansichten der Beschwerdeführer, so hätte die</span><br/> <span class="ft1">weisse Farbe im Bauzonenplan im Ergebnis zur Folge, dass alle</span><br/> <span class="ft1">Bauzonen, die einseitig an Kulturland grenzen, über keine planungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlich konforme Strassenerschliessung verfügten. Dies wider-</span><br/> <span class="ft1">spricht Sinn und Zweck einer Zonenplanung.</span><br/> <span class="ft1">1.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Erschliessungspläne sind Sondernutzungspläne (§ 16 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG). Im Gegensatz zu den Gestaltungsplänen können sie von den</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen Nutzungsplänen und -vorschriften nicht abweichen (e</span><br/> <span class="ft1">contrario § 16 f. BauG und § 1 ABauV i.V.m. § 21 Abs. 2 BauG und</span><br/> <span class="ft1">§ 3 ABauV). Liegen daher Erschliessungsanlagen, die dem Zweck</span><br/> <span class="ft1">der jeweiligen Zone nicht entsprechen, ausserhalb Baugebiet, so</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">144</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">haben die Planungsbehörden auch bei Erlass von Erschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungsplänen die Anforderungen der bundesgerichtlichen Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung zu Erschliessungsanlagen ausserhalb von Bauzonen und</span><br/> <span class="ft1">von Art. 24 f. RPG zu beachten (vgl. BGE 129 II 63 Erw. 3.1., 124 II</span><br/> <span class="ft1">252 Erw. 4a; 118 Ib 497 Erw. 4a, BGE vom 31. August 2005</span><br/> <span class="ft1">[1A.256/2004], Erw. 5 je mit Hinweisen). Dementsprechend kommt</span><br/> <span class="ft1">dem Umstand, dass ein Sondernutzungsplan im Sinne von Art. 14 ff.</span><br/> <span class="ft1">RPG bzw. § 16 BauG vorliegt, mit Bezug auf die Zuweisung zum</span><br/> <span class="ft1">Siedlungsgebiet keine Bedeutung zu.</span><br/> <span class="ft1">1.2.4.</span><br/> <span class="ft1">Der Raumplanung liegen der Gedanke der geordneten Besie-</span><br/> <span class="ft1">delung des Landes, der zweckmässigen, haushälterischen Nutzung</span><br/> <span class="ft1">des Bodens sowie das Gebot der Trennung von Siedlungs- und</span><br/> <span class="ft1">Nichtsiedlungsgebiet zu Grunde (Art. 75 Abs. 1 BV, Art. 1 RPG).</span><br/> <span class="ft1">Das Raumplanungsgesetz verlangt eine lückenlose Gesamtplanung,</span><br/> <span class="ft1">und mit Ausnahme des Waldes (Art. 18 Abs. 3 RPG) ist das ganze</span><br/> <span class="ft1">Gemeindegebiet zu erfassen und bestimmten Nutzungen zu zuord-</span><br/> <span class="ft1">nen. Eine inhaltslose Planung ist nicht zulässig (BGE 120 Ib 207</span><br/> <span class="ft1">Erw. 6).</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist daher, ob die "weisse Fläche" im umstrittenen Ge-</span><br/> <span class="ft1">biet der Bau- oder Nichtbauzone zuzuordnen ist. Der bundesgericht-</span><br/> <span class="ft1">lichen Rechtsprechung entsprechend ist für die Beantwortung dieser</span><br/> <span class="ft1">Frage nicht nur auf Bundesrecht, sondern auch auf die kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Vorschriften, die kommunalen Nutzungsbestimmungen und den</span><br/> <span class="ft1">Willen der für die Ortsplanung zuständigen Instanzen abzustellen,</span><br/> <span class="ft1">soweit dieser sich aus dem Zonenplan selbst oder aus den Vorarbei-</span><br/> <span class="ft1">ten ergibt (BGE 114 Ib 349 f.; vgl. auch Pierre Tschannen, in: Heinz</span><br/> <span class="ft1">Aemisegger / Alfred Kuttler / Pierre Moor / Alexander Ruch [Hrsg.],</span><br/> <span class="ft1">Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung [RPG-</span><br/> <span class="ft1">Kommentar], Zürich 1999, Art. 2 N 20).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">Der Föhrenweg ist im Zonenplan der Stadt A aus dem Jahre</span><br/> <span class="ft1">1988 weder einer Bau- noch einer Nichtbauzone zugewiesen. Er</span><br/> <span class="ft1">kann daher auch nicht als Waldstrasse bezeichnet werden. Stattdes-</span><br/> <span class="ft1">sen wurde der Föhrenweg wie die übrigen Verkehrsflächen weiss</span><br/> <span class="ft1">belassen (siehe vorne Erw. 1.2.1). Die kantonalen Bestimmungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">145</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">enthalten keine Bestimmung über die Zuordnung von (bestehenden)</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsanlagen (vgl. § 15 BauG). Die Bauordnung der Stadt</span><br/> <span class="ft1">A verweist zwar in Art. 23 auf den Nutzungsplan und die Nutzungs-</span><br/> <span class="ft1">ordnung Kulturland für die Gebiete ausserhalb der Bauzone (vgl.</span><br/> <span class="ft1">auch Art. 1 der Nutzungsordnung Kulturland A). Die Frage, ob die</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsstrassen innerhalb oder ausserhalb Baugebiet liegen,</span><br/> <span class="ft1">regeln aber beide kommunalen Erlasse nicht ausdrücklich.</span><br/> <span class="ft1">Nördlich grenzt der bestehende Föhrenweg von der Verzwei-</span><br/> <span class="ft1">gung mit der Steigstrasse bis zur Parzelle Nr. 785 an eine Grünzone,</span><br/> <span class="ft1">diese ist vollumfänglich von Bauzonen (W2) umgeben und gehört</span><br/> <span class="ft1">zum Baugebiet (Art. 47 BNO, vgl. BGE 116 Ib 377). Der Föhrenweg</span><br/> <span class="ft1">ist bis zur Parzelle Nr. 1502, mithin auf einer Länge von mehr als</span><br/> <span class="ft1">250 m, von Baugebiet umschlossen. Das südlich des Föhrenwegs an-</span><br/> <span class="ft1">grenzende und vom Planungsperimeter erfasste Gemeindegebiet ist</span><br/> <span class="ft1">durchwegs der Wohnzone W2 zugeordnet.</span><br/> <span class="ft1">Grundsätzlich nicht bestritten wird, dass der Föhrenweg den in</span><br/> <span class="ft1">der W2 gelegenen Parzellen Nrn. 1564, 1541 und 1538 bereits als</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsweg dient. Die Anzahl Parzellen, welche über den</span><br/> <span class="ft1">Föhrenweg zusätzlich erschlossen werden oder nicht, ist aber für die</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung, welcher Zone der Föhrenweg zuzuordnen ist, nicht von</span><br/> <span class="ft1">Belang. Ebenfalls unbeachtlich ist, ob die rechtlichen Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen der Erschliessung sämtlicher Parzellen am Föhrenweg gegeben</span><br/> <span class="ft1">sind, denn vorliegend geht es nicht um die rechtliche Beurteilung der</span><br/> <span class="ft1">Baureife eines Grundstücks bzw. einer Baubewilligung. Folglich ist</span><br/> <span class="ft1">auch irrelevant, ob die Parkplätze der Parzelle Nr. 750, welche über</span><br/> <span class="ft1">den Föhrenweg erreichbar sind, Pflichtparkplätze darstellen oder</span><br/> <span class="ft1">nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass diese bestehen und tatsächlich</span><br/> <span class="ft1">genutzt werden. Wie das Verwaltungsgericht in seinem Entscheid</span><br/> <span class="ft1">vom 27. Juni 2002 zu Recht festgestellt hat (VGE vom 27. Juni 2002</span><br/> <span class="ft1">[BE.2001.00025], S. 8), kommt dem Föhrenweg nicht nur auf dem</span><br/> <span class="ft1">Strassenabschnitt, der der Gemeinde gehört (Strassenparzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. 796), sondern auch darüber hinaus bereits eine Erschliessungs-</span><br/> <span class="ft1">funktion zu.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der geschilderten Lage des Föhrenwegs und dessen</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsfunktion lässt sich schliessen, dass nach dem Willen</span><br/> <span class="ft1">der Planungsbehörde der im Nutzungsplan aus dem Jahr 1988 weiss</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">146</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kolorierte Föhrenweg zum Baugebiet (W2) gehört. Dies stimmt im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen mit dem Grundsatz überein, dass Erschliessungsanlagen für</span><br/> <span class="ft1">in der Bauzone gelegene (Wohn-)Bauten grundsätzlich zur Bauzone</span><br/> <span class="ft1">gehören (BGE vom 18. Oktober 2004 [1A.10/2004; 1P.34/2004],</span><br/> <span class="ft1">Erw. 3.5).</span><br/> <span class="ft1">Als Zwischenergebnis ist daher festzuhalten, dass der Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungsperimeter des Erschliessungsplanes "Föhrenweg" innerhalb der</span><br/> <span class="ft1">der Bauzone liegt und Art. 24 RPG nicht zur Anwendung gelangt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>