Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. April 2020 (715 19 381 / 61) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherungsrecht Abzug von Altersleistungen der beruflichen Vorsorge von der Arbeitslosenentschädi- gung; Das ausbezahlte Zusatzkapital kann für die Anrechnung der Altersleistungen an die ALE nicht in eine lebenslange Altersrente umgerechnet werden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Jan Herrmann, Rechtsan- walt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Unia Arbeitslosenkasse , Kompetenzzentrum D-CH West, Monbi- joustrasse 61, Postfach 3398 , 3001 Bern, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen / Taggeld A. Der 1955 geborene A.____ war seit 1975 bis zum 1. A pril 2017 bei der B.____ angestellt. Mit Schreiben vom 25. Juli 2016 hat die B.____ das Arbe itsverhältnis infolge von Restrukturie- rungsmassnahmen unter Berücksichtigung der vertraglichen Kü ndigungsfrist per Ende März 2017 gekündigt und festgestellt, dass A.____ im Alter von 61 ½ Jahren per 1. April 2017 frühpen- sioniert werde. Ausserdem hat sie ihn von der Erbringung weiterer Arbeitsleistungen freigestellt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vertraglich wurde vereinbart, dass er auf einen früheren Zeitpunkt pensioniert würde, falls er vor dem 31. März 2017 eine neue Festanstellung annehmen w ürde. Die Frühpensionierung wurde schliesslich auf den 1. Mai 2017 vollzogen. Nebst dem Bezug einer monatlichen Altersrente im Umfang von Fr. 1'883.-- wurde dem Versicherten am 5. M ai 2017 von der Vorsorgeeinrichtung seiner ehemaligen Arbeitgeberin schliesslich ein Alterssparkapital in der Höhe von Fr. 274'877.-- und ein durch zusätzliche Beiträge geäufnetes Zusatzkapital im Umfang von Fr. 61'729.-- ausbe- zahlt. B. Nach einer weiteren Arbeitnehmertätigkeit vom 1. M ai 2017 bis Ende Juli 2017 bei der C.____ hat sich A.____ am 28. Juli 2017 bei der Arbeit svermittlung seiner Wohnsitzgemeinde gemeldet und gleichentags die Ausrichtung von Arbeitslosen entschädigung (ALE) mit Wirkung ab 1. August 2017 beantragt. Die für die Ausrichtung der ALE zuständige Unia Arbeitslosenkasse (Kasse) hat dem Versicherten in der Folge eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 11. Au- gust 2017 bis Ende September 2020 eröffnet und unter Anrechnung der monatlichen Altersrente des Versicherten im Umfang von Fr. 1'883.-- für die Ko ntrollperioden September 2017 bis Sep- tember 2018 Arbeitslosentaggelder im Umfang von insgesamt Fr. 77'572.70 ausbezahlt. C. Gestützt auf eine Revision des Staatssekretariats für W irtschaft und Arbeit (seco) stellte sich in der Folge heraus, dass die Kasse die in Kapitalf orm bezogene Altersrente fälschlicher- weise nicht als monatliches Ersatzeinkommen an die ausge richtete Arbeitslosenentschädigung angerechnet hatte. Mit Verfügung vom 17. Januar 2019 forderte sie deshalb für die Zeit von Sep- tember 2017 bis September 2018 einen Betrag von Fr. 33’988.10 für in diesem Zeitraum zu viel ausgerichtete ALE zurück. Zur Begründung gab sie an, dass neben der monatlichen Altersrente ebenfalls die in Kapitalform bezogenen Altersleistungen als monatliches Ersatzeinkommen anzu- rechnen seien. Gesamthaft resultiere ein Ersatzeinkommen von Fr. 4'566.- pro Monat. In der Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 11. August 2017 bi s 30. September 2020 seien dem Versicherten jedoch lediglich monatliche Altersleistungen von Fr. 1'883.-- angerechnet und damit in dieser Zeitspanne ein Betrag von insgesamt Fr. 33' 988.10 zu viel ausbezahlt worden. Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache des Versiche rten wies die Kasse mit Einsprache- entscheid vom 16. Oktober 2019 ab. D. Hiergegen hat A.____ am 15. November 2019 Beschwer de beim Kantonsgericht des Kan- tons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) erhoben. Vertreten durch Rechtsanwalt Jan Herrmann beantragte er, der angefochtene Einspracheentscheid sei auf- zuheben, und es sei festzustellen, dass die Geltendmachung des Rückforderungsbetrags über Fr. 33'988.10 nicht rechtens sei. Die Streitsache sei zu r neuen Berechnung des Taggeldan- spruchs ab 11. August 2017 und zur Neuverfügung an die Unia zurückzuweisen. Zur Begründung machte er geltend, dass der Versicherungsfall Alter für ihn bereits im Sommer 2015 und damit in jenem Zeitpunkt eingetreten sei, als er die reglementarische Altersgrenze für eine vorzeitige Pen- sionierung erreicht und den Vorschlag der frühzeitigen Pensionierung akzeptiert habe. Weil der Leistungsfall im Jahr 2015 eingetreten sei, erweise sich das Vorsorgereglement der B.____ in der Fassung vom 1. Januar 2013 und insbesondere auch die darin enthaltene Definition für das Zusatzkapital als massgebend, wonach dieses bei Renten bezug in eine ordentliche Altersrente Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht umgerechnet werde. Die Unia habe das Zusatzkapital fä lschlicherweise aber in eine Überbrü- ckungsrente lediglich bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Rentenalters umgerechnet. Rich- tigerweise sei das Zusatzkapital im Betrag von Fr. 61'7 29.-- gleichermassen wie auch das Al- terssparkapital umzurechnen. Der Taggeld-Anspruch aus der Arbeitslosenversicherung sei dem- nach mit Wirkung ab 11. August 2017 entsprechend zu korrigieren und die Ansprüche seien neu zu berechnen. E. Die Kasse schloss mit Beschwerdeantwort vom 18. Dezem ber 2019 unter Hinweis auf ihre im angefochtenen Einspracheentscheid getroffenen Erwä gungen auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind alle erfüllt, so da ss auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2.1 Nach Art. 95 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil de s Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 sind unrechtmässig bezogene Leistungen nur zurückzuerstatten, wenn in verfahrensrechtlicher Hinsicht entweder die für die (proz essuale) Revision oder die für die Wie- dererwägung erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei diesen in Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG umschriebenen Voraussetzungen handelt es sich im Wesentlichen um eine Kodifizierung der bisherigen höchstrichterlichen Rechtsprechung zu den Anforderungen an ein Zurückkommen auf eine rechtsbeständig gewordene Verfügung. Demnach müssen formell rechtskräftige Verfü- gungen und Einspracheentscheide gemäss Art. 53 Abs. 1 AT SG in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren B eibringung zuvor nicht möglich war. Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Wird eine solche rückwirkende Korrektur einer Ver- fügung vorgenommen, entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese werden im Nachhinein zu unrechtmässigen Leistungen (BGE 122 V 138). Diese für die Wiedererwägung formell rechtskräftiger Verfügungen ma ssgebenden Voraussetzungen gelten auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezoge ner Geldleistungen der Arbeitslosen- versicherung, unabhängig davon, ob die zur Rückforderun g Anlass gebenden Leistungen förm- lich oder formlos verfügt worden sind (BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen; oben, Erwägung 2.1 am Ende). Die für die Wiedererwägung rechtskräftiger V erfügungen vorausgesetzte zweifellose Unrichtigkeit liegt praxisgemäss dann vor, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war (Urteil des ehemaligen E idgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2008: Bundesgericht, sozialrechtlich e Abteilungen] vom 23. April 2004, C 214/03, E. 3.1.3). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Die Festlegung einer allfälligen Rückerstattung v on Leistungen erfolgt in einem mehrstufi- gen Verfahren: In einem ersten Entscheid ist über die Frage der Unrechtmässigkeit des Bezugs der Leistung zu befinden; hier ist auf Art. 53 ATSG abzustellen. Daran schliesst sich gegebenen- falls der Entscheid über die Rückerstattung an, mit dem insbesondere zu beantworten ist, ob – bei der festgestellten Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs – eine rückwirkende Korrektur er- folgt oder nicht; rechtliche Grundlage dafür bildet – neben den einzelgesetzlichen Regelungen – Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG. 3.1 Gemäss Art. 18c Abs. 1 AVIG werden Altersleistungen der beruflichen Vorsorge unabhän- gig davon, ob sie in Form einer Rente oder aber ganz o der teilweise in Form einer Kapitalabfin- dung ausgerichtet werden, von der Arbeitslosenentschädigung abgezogen (Urteil des Bundesge- richts 8C_188/2011 vom 8. Juni 2011). Bei denjenigen Vorsorgeeinrichtungen, welche die Mög- lichkeit einer vorzeitigen Pensionierung vorsehen, ist unt er Eintritt des Versicherungsfalls Alter rechtsprechungsgemäss das Erreichen der reglementarischen Altersgrenze für eine vorzeitige Pensionierung zu verstehen (BGE 120 V 306); ohne Belan g hingegen ist die Absicht der versi- cherten Person, anderweitig erwerbstätig zu sein (BGE 129 V 381 E. 4.1). Als Altersleistungen gelten nach Art. 32 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die In- solvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 Leistungen der obligatorischen und der wei- tergehenden beruflichen Vorsorge, auf die beim Erreich en der reglementarischen Altersgrenze für die vorzeitige Pensionierung ein Anspruch erworben worden ist. Sie umfassen Altersrenten, Kapitalabfindungen und Überbrückungsrenten, nicht aber Freizügigkeitsleistungen (BGE 123 V 147 E. 5a S. 148). 3.2 Altersleistungen sind grundsätzlich von der ALE abzu ziehen. Ausgenommen bleiben Aus- tritts- und Freizügigkeitsleistungen nach Art. 2, 4 und 5 des Bundesgesetzes über die Freizügig- keit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und In validenvorsorge (FZG) vom 17. Dezember 1993, da diese Leistungen noch keinen vorzeitigen Altersfall begründen (BGE 123 V 142). Eben- falls von einem Abzug ausgenommen sind freiwillige und vom Arbeitgeber bei der Auflösung des Arbeitsverhältnisses bezahlte Leistungen innerhalb oder ausserhalb eines Sozialplanes, wie bei- spielsweise Härtefallleistungen, Abgangsentschädigungen , Treueprämien, AHV-Übergangs- renten bzw. AHV-Überbrückungszuschüsse, welche reglementarisch nicht vorgesehen sind, und schliesslich auch freiwillige Leistungen an die berufliche Vorsorge. Vorbehältlich dieser Ausnah- men spielt es für die Qualifikation als Altersleistung en jedoch keine Rolle, ob diese in Renten- oder in Kapitalform erworben werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_188/2011 vom 8. Juni 2011). Eine in Kapitalform bezogene Altersleistung ist deshalb nach dem Umwandlungssatz der Vorsor- geeinrichtung, aus welcher die Altersleistung bezogen wurde, in eine lebenslängliche Rente um- zurechnen. Massgebend ist der reglementarische Umwandlungssatz für eine Altersrente im glei- chen Alter, in dem der Bezug der Leistung in Kapitalform erfolgte. Liegt kein entsprechender Um- wandlungssatz der Vorsorgeeinrichtung vor, so ist die in K apitalform bezogene Altersleistung nach den tabellarischen Faktoren des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) in monatliche Renten umzurechnen. Die Altersleistungen sind jeweils nur in dem Umfang, für den sich die ver- sicherte Person dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen wil l, abzuziehen. Als erworben gelten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Altersleistungen, wenn diese bezogen werden bzw. die Verfügbarkeit in der Dispositionsfrei- heit der versicherten Person liegt. Die Altersleistung muss deshalb selbst dann von der ALE ab- gezogen werden, wenn sie über die Altersleistungen nicht mehr frei verfügen kann, weil sie das erworbene Vorsorgekapital angelegt oder verzehrt hat (AIVG-Praxis ALE, seco, in der ab 1. Ja- nuar 2020 geltenden Fassung). 4.1 Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten gebl ieben, dass der Beschwerdeführer ab 1. Mai 2017 eine vorgezogene Altersrente von Fr. 1‘883.-- pro Monat bezieht und darüber hinaus von seiner Vorsorgeeinrichtung eine Kapitalleistung von Fr. 336‘606.-- ausbezahlt erhalten hat (Beilage 10 der Beschwerdebegründung). Die ausbezahlte Kapitalleistung setzt sich aus dem ordentlichen Alterssparkapital im Umfang von Fr. 274‘877.-- und aus dem sogenannten Zusatz- kapital in der Höhe von Fr. 61‘729.-- zusammen (Beilage 11 der Beschwerdebegründung). Diese Kapitalleistung hat die Kasse ursprünglich nicht in monatlich anrechenbare Altersleistungen um- gerechnet, sondern hat in ihren Taggeldabrechnungen lediglich die monatlich ausgerichtete Al- tersrente im Umfang von Fr. 1'883.-- als Ersatzeinkomme n angerechnet. Mit Blick auf Art. 18c Abs. 1 AVIG anerkennt der Beschwerdeführer deshalb zu R echt, dass zur Berechnung seines Taggeldanspruchs richtigerweise auch die bezogenen Altersleistungen leistungsmindernd hätten angerechnet werden müssen. Er bestreitet mithin weder die Anrechenbarkeit der von ihm vorbe- zogenen Altersrente im monatlichen Umfang von Fr. 1'883.-- noch die grundsätzliche Anrechen- barkeit des von ihm bezogenen Alterskapitals über total Fr. 336'606.--. Damit anerkennt er im Grundsatz auch die rückwirkende Korrektur seines der ursprün glichen Ausrichtung zu Grunde gelegten Taggeldansatzes. Zwischen den Parteien ist deshalb auch zu Recht unbestritten geblie- ben, dass der Kasse bei der erstmaligen Festsetzung des Tag geldansatzes ein offensichtlicher Fehler unterlaufen ist und sie berechtigt war, gemäss Ar t. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG auf diesen offensichtlichen Fehler zurückzukommen sowie die resultierende Differenz zu der von ihr ursprünglich ausbezahlten ALE zurückzufordern. Die Wiedererwägungs- voraussetzungen sind in dieser Hinsicht zweifellos erfüllt (Art. 53 Abs. 2 ATSG). 4.2 Unbestritten geblieben in masslicher Hinsicht ist wei ter auch die Umrechnung des ausbe- zahlten, ordentlichen Alterssparkapitals von Fr. 274‘877. -- auf der Basis einer lebenslänglichen Altersrente gemäss dem reglementarischen Umwandlungssatz de r Vorsorgeeinrichtung der B.____ (5,4775%) in der Höhe von monatlich Fr. 1'254.66 (Fr. 274'877.-- / [1:5,4775%] : 12 Mo- nate; Beiblatt zur Zusammenfassung der Rückforderung der Kasse vom 17. Januar 2019). Schliesslich ist zwischen den Parteien unbestritten geblie ben, dass auch das Zusatzkapital als Altersleistung im Grundsatz leistungsmindernd anzurechnen ist (oben, E. 3.1 f.). 4.3 Uneinigkeit besteht einzig hinsichtlich der in diese m Zusammenhang zur Anwendung ge- langenden Umrechnungsmodalitäten. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass das Zusatzkapital im Umfang von Fr. 61‘729.--, welches die Kasse auf der Basis einer Überbrü- ckungsrente mit einer Laufzeit bis hin zum ordentlichen AHV-Rentenalter von 65 Jahren mit dem Umrechnungsfaktor 3.6 auf Fr. 1‘428.-- pro Monat umgerechnet hat (Beiblatt zur Zusammenfas- sung der Rückforderung der Kasse vom 17. Januar 2019), gleich wie das übrige Alterskapital zu behandeln sei. Es sei davon auszugehen, dass der Umrechnungsfaktor von 18.257 auf der Basis einer lebenslänglichen Altersrente auch für das Zusatzkapital gelte, was zu einem anrechenbaren Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rentenbetrag von maximal Fr. 281.-- pro Monat führe. Entsprechend sei die Rückforderung der Kasse zu reduzieren. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, der Versicherungsfall Alter sei bereits im Jahr 2015 eingetreten. Es komme deshalb das Vorsorgereglement der B.____ Pen- sionsstiftung mit Geltung ab 1. Januar 2013 zur Anwendung. Damals habe noch die Möglichkeit bestanden, das Zusatzkapital entweder vollständig oder teilweise an das Altersguthaben zwecks Umwandlung in eine Altersrente anzurechnen. 4.4 Mit Gültigkeit des neuen Vorsorgereglements der B.____ Pensionsstiftung ab 1. Januar 2016 (Reglement 2016; Beilage 5 der Beschwerdebegründung) hat im Gegensatz zu deren Reg- lement in der zuvor ab 1. Januar 2013 geltenden Fassun g (Reglement 2013; Beilage 4 der Be- schwerdebegründung) nur noch die Möglichkeit bestanden, das Zusatzkapital entweder in Form eines einmaligen Kapitalbetrages oder in Form einer Überbrückungsrente bis zum Erreichen des ordentlichen Rücktrittsalters zu beziehen (Art 49 Abs. 2 Reglement 2016). Zu berücksichtigen ist sodann, dass das Reglement 2016 unter dem Titel „Überg angsbestimmungen“ in Art. 93 Abs. 1 Reglement 2016 bestimmt, dass für Versicherte, bei welchen ein Versicherungsfall vor dem 1. Ja- nuar 2016 eingetreten ist, grundsätzlich jenes Reglement seine Gültigkeit behält, unter welchem der Versicherungsfall eingetreten ist. 5.1 Der Beschwerdeführer vertritt die Ansicht, dass der Versicherungsfall Alter bereits im Som- mer 2015 eingetreten sei, weil die B.____ Pensionsstif tung ihm bereits am 10. Juli 2015 eine Pensionierung per 1. Oktober 2017 auf der Basis des Reglements mit Geltung ab 1. Januar 2013 offeriert habe. Letzteres trifft zwar zu (Beilage 7 der Beschwerdebegründung). Tatsache aber ist, dass er diese Offerte nicht angenommen hat, sondern die B.____ Pensionsstiftung in der Folge zwei weitere Offerten für seine vorzeitige Pensionierung per 1. April 2017 ausgestellt hat (Beila- gen 8 und 9 der Beschwerdebegründung). Auch die zweite Offerte vom 2. Dezember 2015 hat der Versicherte nicht angenommen. Die dritte Offerte vom 22. Januar 2016 hat drei Varianten einer ausserordentlichen Pensionierung per 1. April 20 17 enthalten. Der Beschwerdeführer hat sich schliesslich für die Variante 3 dieser dritten Offerte mit einem Bezug von 40% seines Alters- sparkapitals und des gesamten individuellen Zusatzkapital s entschieden (Beilage 10 der Be- schwerdebegründung). Alternativ hätte ihm auch offen gestanden, das Alters- und Zusatzkapital gesamthaft zu beziehen oder das Alterskapital sowie eine Überbrückungsrente aus dem Zusatz- kapital zu beziehen. Der dritten Offerte der B.____ Pensionsstiftung ist dabei für alle drei Varian- ten das Reglement mit Geltung ab 1. Januar 2016 zugru nde gelegen (Beilage 9 der Beschwer- debegründung). 5.2 Entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers i st der Versicherungsfall Alter aus- nahmslos erst im Zeitpunkt der effektiven Pensionierung und in seinem Fall demnach am 1. Mai 2017 eingetreten (Beilage 10 der Beschwerdebegründung). Nachdem er die vorangehenden Of- ferten aus dem Jahr 2015 abgelehnt und erst diejenige aus dem Jahr 2016 angenommen hat, stellen sich in Bezug auf die anwendbaren Reglementsbest immungen keine übergangsrechtli- chen Fragen. Denn sowohl die Offerte, die der Versicher te schliesslich angenommen hat, als auch der Eintritt des Versicherungsfalls datieren nach dem 31. Dezember 2015 und fallen zwei- felsohne in den Geltungsbereich des neuen Reglements 2016. Gestützt auf dieses neue Regle- ment 2016 ist eine Erhöhung einer lebenslangen Altersr ente durch das Zusatzkapital aber just Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht mehr möglich gewesen. Der Beschwerdeführer hatte deshalb einzig noch die Wahl, sich das Zusatzkapital auszahlen zu lassen oder aus dem Zusatzkapital eine Überbrückungsrente bis hin zur ordentlichen Pensionierung bzw. nebst einem maximal möglichen Kapitalbezug eine Rest- rente aus Alterssparkapitals zu erhalten. Seiner Argumen tation, wonach der Versicherungsfall bereits im Sommer 2015 eingetreten sei, weil er in diesem Zeitpunkt bereits die reglementarisch mögliche Altersgrenze für eine vorzeitige Pensionierung erreicht und den (ersten) Vorschlag für eine frühzeitige Pensionierung erhalten habe, kann nicht gefolgt werden. Die Tatsache des Errei- chens des Alters alleine, in dem man sich aufgrund der R eglementsbestimmungen einer Pensi- onskasse theoretisch frühpensionieren lassen könnte, kann unbesehen des Angebots durch die Pensionskasse noch nicht bewirken, dass der Versicherungsfa ll Alter auch tatsächlich eintritt. Etwas Anderes lässt sich auch nicht aus der bundesgerichtlich en Rechtsprechung zur 2. Säule ableiten. Das Bundesgericht hat zwar immer wieder festg ehalten, dass unter Eintritt des Versi- cherungsfalls Alter nicht das Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze nach Art. 13 Abs. 1 BVG, sondern das Erreichen der reglementarischen Altersgrenze für eine vorzeitige Pensionierung zu verstehen sei (BGE 129 V 381 E. 4.1). Dabei versteht sich allerdings von selbst, dass der Versi- cherungsfall nicht schon allein mit der theoretischen Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung gemäss Reglement eintritt, sondern immer erst mit dem tatsächlichen Ergreifen der Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung. Solange die versicherte Person eine vorzeitige Pensionierungs- möglichkeit nicht wahrnimmt, kann mithin auch kein Versicherungsfall Alter eintreten. Dieser tritt erst ein, wenn man entweder das ordentliche Rentenalt er erreicht hat, oder wenn der Zeitpunkt gekommen ist, auf den sich die versicherte Person effektiv frühpensionieren lässt. Alleine schon der Wortlaut von Art. 32 AVIV lässt keinen abweichenden Interpretationsspielraum zu: Demnach gelten als anzurechnende Altersleistungen stets jene Le istungen der beruflichen Vorsorge, auf die beim Erreichen der reglementarischen Altersgrenze für die vorzeitige Pensionierung ein An- spruch erworben worden ist. Der Anspruch auf die Ansprüche in berufsvorsorgerechtlicher Hin- sicht kann aber stets nur auf jenen Zeitpunkt hin entsteh en, auf welchen sich eine versicherte Person konkret (früh)-pensionieren lässt. 5.3 Ein anderes Datum als der 1. Mai 2017 kommt für den Eintritt des Versicherungsfalls Alter im vorliegenden Fall deshalb nicht in Frage. Daran ändert auch nichts, dass der Versicherte be- reits im Jahr 2016 von der Arbeit freigestellt worden ist, zumal er während der Zeit bis zu seiner Frühpensionierung vorerst noch weitere Lohnzahlungen und keine Altersleistungen bezogen hat. Seine Altersleistungen in Form sowohl des Sparkapitals als auch seiner Altersrente sind ihm erst mit Wirkung ab 1. Mai 2017 ausbezahlt worden. Damit gi lt der Versicherungsfall als erst dann eingetreten (Beilage 10 der Beschwerdebegründung). Die Logik dieser Lösung ergibt sich im hier zu beurteilenden Einzelfall letztlich aber auch aus dem Umstand, dass die Auflösung des Arbeits- verhältnisses erst mit Kündigungsschreiben vom 25. Juli 2016 und damit ebenfalls bereits unter der Geltung jener neuen Reglementsbestimmungen per 1. Januar 2016 erfolgt ist, die keine Um- wandlung des Zusatzkapitals in eine lebenslange Rente mehr vorsehen. 5.4 Das dem Versicherten ausbezahlte Zusatzkapital kann für die Anrechnung der Altersleis- tungen an die ALE demnach nicht in eine lebenslange Altersrente umgerechnet werden. Weil es sich beim Zusatzkapital gemäss dem anwendbaren Reglemen t 2016 um ein Überbrückungska- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht pital lediglich bis hin zur ordentlichen Pensionierung handelt, ist die Umrechnung mit dem Um- rechnungsfaktor 3.6 korrekt erfolgt. Dieser Umrechnungsf aktor trägt dem Umstand Rechnung, dass es sich um Überbrückungskapital handelt. Hätte sich der Versicherte nämlich für den Bezug einer Überbrückungsrente entschieden, wären ihm bis zum Zeitpunkt seiner ordentlichen Pensi- onierung am 1. Oktober 2020 Leistungen letztlich in der gleichen Höhe an die ALE angerechnet worden. Alleine schon deshalb kann vorliegend keine Umrechnung mit dem Umrechnungsfaktor für eine lebenslange Rente zur Anwendung kommen. Mith in resultiert aus dem Bezug des Zu- satzkapitals im Umfang von Fr. 61‘729.-- bis zur Erreichu ng des ordentlichen AHV-Alters als Überbrückungsrente ein monatlicher Betrag von Fr. 1‘428.91 (Fr. 61‘729.-- : Faktor 3,6 gemäss Umrechnungstabelle in AVIG-Praxis ALE : 12 Monate). Da s gesamthaft an die in der Zeit zwi- schen September 2017 und September 2018 an die ausger ichtete ALE anzurechnende Ersatz- einkommen beläuft sich demnach auf Fr. 4‘566.55 (Fr. 1‘883.- + Fr. 1‘254.66 + Fr. 1‘428.91; Bei- blatt zur Zusammenfassung der Rückforderung der Kasse vom 17. Januar 2019). Die Berech- nung der Arbeitslosenkasse lässt sich damit nicht beanstand en und die dagegen gerichtete Be- schwerde ist abzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Versicherungsgericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Ver- fahrenskosten zu erheben. Eine Parteientschädigung kann dem Ausgang des Verfahrens ent- sprechend nicht ausgerichtet werden. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.