<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">400</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>82</b></span> <span class="ft2"><b>Anstellung bei der Fachhochschule Nordwestschweiz. Fristlose Kündi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gung. Kündigungsschutz im Rahmen betrieblicher Mitwirkung. Mob-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bing.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der Kündigungsschutz im Zusammenhang mit der Tätigkeit als In-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teressensvertreter der Mitarbeitenden gilt nicht absolut, sondern nur,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn die Kündigung im Zusammenhang mit der Ausübung dieser</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Funktion ausgesprochen wird (vgl. Erw. II/3.1.1 und Erw. II/3.1.2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine leichtfertig erhobene, unbegründete Strafanzeige stellt eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schwerwiegende Verletzung der Treuepflicht dar und rechtfertigt im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vorliegenden Fall eine fristlose Entlassung (vgl.</b></span> <span class="ft2"><b>Erw.</b></span> <span class="ft2"><b>II/5.1 -</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erw. II/5.3.1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Definition von Mobbing (Erw. II/6.2.2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 20. September 2010 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen Z. gegen F. (2-KL.2009.6).</span><br/> <br/> <span class="ft5">Eine gegen diesen Entscheid eingereichte Beschwerde ist zur Zeit noch</span><br/> <span class="ft5">beim Bundesgericht hängig.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">401</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">3.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Ziff. 3.11 Abs. 1 des Gesamtarbeitsvertrages für die</span><br/> <span class="ft1">FHNW vom 23. Oktober 2006 (im Folgenden: GAV FHNW) kann</span><br/> <span class="ft1">das Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit ohne Einhal-</span><br/> <span class="ft1">tung von Fristen aufgelöst werden. Als wichtiger Grund gilt jeder</span><br/> <span class="ft1">Umstand, bei dessen Vorhandensein nach Treu und Glauben die Fort-</span><br/> <span class="ft1">setzung des Arbeitsverhältnisses nicht zumutbar ist (Ziff. 3.11 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">GAV FHNW). Mit dieser Regelung lehnt sich der GAV FHNW eng</span><br/> <span class="ft1">an den Wortlaut von Art. 337 Abs. 1 und 2 OR an. Es kann daher für</span><br/> <span class="ft1">die Auslegung des wichtigen Grundes im Sinne von Ziff. 3.11 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">GAV FHNW grundsätzlich auf die reichhaltige Rechtsprechung und</span><br/> <span class="ft1">Lehre zu Art. 337 Abs. 2 OR abgestellt werden. Danach ist eine</span><br/> <span class="ft1">fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses nur bei besonders</span><br/> <span class="ft1">schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Das Vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gen eines wichtigen Grundes im Sinne von Art. 337 Abs. 2 OR ist</span><br/> <span class="ft1">zurückhaltend anzunehmen. Die dafür geltend gemachten Vorkomm-</span><br/> <span class="ft1">nisse müssen zu einem Verlust der für das Arbeitsverhältnis wesent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Vertrauensgrundlage geführt haben. Sind die Verfehlungen</span><br/> <span class="ft1">weniger schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwarnung wiederholt</span><br/> <span class="ft1">vorgekommen sein. In aller Regel liegt der wichtige Grund in einer</span><br/> <span class="ft1">Vertragsverletzung der gekündigten Partei (vgl. BGE 4A_333/2009</span><br/> <span class="ft1">vom 3. Dezember 2009, Erw. 2.2; BGE 130 III 28, Erw. 4.1; BGE</span><br/> <span class="ft1">129 III 380, Erw. 2).</span><br/> <span class="ft1">3.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Kündigung ist gemäss Ziff. 3.10 Abs. 5 lit. b GAV FHNW</span><br/> <span class="ft1">(und Ziff. 13.3 GAV FHNW) unzulässig, wenn sie im Zusammen-</span><br/> <span class="ft1">hang mit der Tätigkeit der betroffenen Person als Interessenvertrete-</span><br/> <span class="ft1">rin oder Interessenvertreter der Mitarbeitenden steht. Dieser Kündi-</span><br/> <span class="ft1">gungsausschluss hat zumindest insofern nicht nur für die ordentliche,</span><br/> <span class="ft1">sondern auch für die fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu</span><br/> <span class="ft1">gelten, als aus der rechtmässigen Mitwirkungstätigkeit eines Mitar-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">402</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">beitenden kein wichtiger Grund im Sinne von Ziff. 3.11 Abs. 2 GAV</span><br/> <span class="ft1">FHNW abgeleitet werden darf.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss dem Wortlaut von Ziff. 3.10 Abs. 5 lit. b GAV FHNW</span><br/> <span class="ft1">gilt der erwähnte Kündigungsschutz nicht absolut. Die Kündigung ist</span><br/> <span class="ft1">vielmehr nur dann unzulässig, wenn sie wegen der Ausübung der</span><br/> <span class="ft1">Funktion als Interessenvertretung der Mitarbeitenden ausgesprochen</span><br/> <span class="ft1">wurde. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern damit bezüglich des Um-</span><br/> <span class="ft1">fangs der geschützten Tätigkeiten die Kündigungsmöglichkeit stärker</span><br/> <span class="ft1">hätte eingeschränkt werden sollen als in den analogen Bestimmungen</span><br/> <span class="ft1">von Art. 12 Abs. 2 Mitwirkungsgesetz und Art. 336 Abs. 2 lit. b OR.</span><br/> <span class="ft1">Für die Auslegung von Ziff. 3.10 Abs. 5 lit. b GAV FHNW kann</span><br/> <span class="ft1">daher - ebenso wie im Falle von Art. 12 Abs. 2 Mitwirkungsgesetz</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Walo C. Ilg, Kommentar über das Bundesgesetz über die In-</span><br/> <span class="ft1">formation der Arbeitnehmer in den Betrieben, Zürich 1999, S. 87) -</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich auf Art. 336 Abs. 2 lit. b OR und die dazu entwickelte</span><br/> <span class="ft1">Praxis abgestellt werden. Danach gibt die Wahl als Interessenvertre-</span><br/> <span class="ft1">tung keinen Freipass für jedwelche Aktivitäten, sondern erlaubt le-</span><br/> <span class="ft1">diglich, berechtigte Interessen der Mitarbeitenden in sachlich vertret-</span><br/> <span class="ft1">barer und loyaler Weise wahrzunehmen (BGE 119 II 157, Erw. 2c).</span><br/> <span class="ft1">Auf der anderen Seite dürfen die Grenzen mindestens in einer nicht</span><br/> <span class="ft1">nach aussen dringenden Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber</span><br/> <span class="ft1">nicht zu eng gesteckt werden, ansonsten der Schutzgedanke von</span><br/> <span class="ft1">Art. 336 Abs. 2 lit. b OR ausgehöhlt würde (Ullin Streiff/Adrian von</span><br/> <span class="ft1">Kaenel, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art.</span> <span class="ft1">319-362 OR,</span><br/> <span class="ft1">6. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2006, Art. 336 N 12).</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/> <span class="ft1">5.1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Ziff. 11.1 GAV FHNW haben Mitarbeitende bei der Er-</span><br/> <span class="ft1">füllung der ihnen übertragenen Aufgaben die berechtigten Interessen</span><br/> <span class="ft1">der FHNW in guten Treuen zu wahren. Mit dieser Norm lehnt sich</span><br/> <span class="ft1">der GAV FHNW eng an den Wortlaut von Art. 321a Abs. 1 OR an.</span><br/> <span class="ft1">Somit kann für die Bestimmung des Umfangs der Treuepflicht der</span><br/> <span class="ft1">Mitarbeitenden der FHNW grundsätzlich auf die Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">und Lehre zu Art. 321a Abs. 1 OR abgestellt werden. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 321a Abs. 1 OR ist der Arbeitnehmer unter anderem verpflichtet,</span><br/> <span class="ft1">alles zu unterlassen, was sich nachteilig auf den Arbeitgeber und sei-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">403</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nen Betrieb auswirken könnte (Adrian Staehelin, Zürcher Kommen-</span><br/> <span class="ft1">tar, Der Arbeitsvertrag, Art. 319 - 362 OR, Art. 321a N 14). Es ist</span><br/> <span class="ft1">ihm beispielsweise grundsätzlich verwehrt, Strafanzeige gegen sei-</span><br/> <span class="ft1">nen Arbeitgeber zu erstatten, ausser wenn sich die Straftat gegen ihn</span><br/> <span class="ft1">selber richtet oder gewichtige Interessen Dritter oder der Öffent-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit die Anzeige rechtfertigen. Eine leichtfertig erhobene, unbe-</span><br/> <span class="ft1">gründete Strafanzeige stellt eine schwerwiegende Verletzung der</span><br/> <span class="ft1">Treuepflicht dar (Staehelin, a.a.O., Art. 321a N 28) und kann eine</span><br/> <span class="ft1">fristlose Entlassung rechtfertigen (vgl. BGE 4A_32/2008 vom</span><br/> <span class="ft1">20. Mai 2008, Erw. 3.3).</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">Um gegen die als ungerechtfertigt empfundene Verwarnung</span><br/> <span class="ft1">vom 29. September 2008 vorzugehen, wäre der Appellationskläger</span><br/> <span class="ft1">gemäss Ziff. 11.5 GAV FHNW und dem entsprechenden Hinweis im</span><br/> <span class="ft1">Anstellungsvertrag vom 19. Dezember 2006 gehalten gewesen, als</span><br/> <span class="ft1">erstes die Aussprache mit dem direkten Vorgesetzten und/oder der</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Personalstelle zu suchen. In der vorliegenden Kon-</span><br/> <span class="ft1">stellation wäre es daher naheliegend gewesen, wenn sich der Ap-</span><br/> <span class="ft1">pellationskläger zunächst an den Leiter Y. der FHNW gewandt hätte,</span><br/> <span class="ft1">der die fragliche Verwarnung mitunterzeichnet hatte. Zudem wäre es</span><br/> <span class="ft1">dem Appellationskläger auch offen gestanden, sich für das weitere</span><br/> <span class="ft1">Vorgehen mit seinem direkten Vorgesetzten und/oder den anderen</span><br/> <span class="ft1">Mitgliedern der Mitwirkungskommission A. abzusprechen. Stattdes-</span><br/> <span class="ft1">sen reichte der Appellationskläger am 2. Oktober 2008 umgehend</span><br/> <span class="ft1">eine (erste) Strafanzeige gegen den X. und den Leiter Y. der FHNW</span><br/> <span class="ft1">wegen Nötigung ein (Art. 181 StGB). Mit Schreiben vom gleichen</span><br/> <span class="ft1">Tag setzte der Appellationskläger die FHNW nachträglich in</span><br/> <span class="ft1">Kenntnis davon und hielt fest, dass er den internen Rechtsweg nicht</span><br/> <span class="ft1">beschreite, da er diesen für "ineffizient" erachte.</span><br/> <span class="ft1">Mit Verfügung vom 4. Januar 2009 trat das Bezirksamt B. auf</span><br/> <span class="ft1">diese sowie weitere Strafanzeigen des Appellationsklägers gegen</span><br/> <span class="ft1">Personen der FHNW wegen offensichtlicher Grundlosigkeit (vgl.</span><br/> <span class="ft1">§ 119 Abs. 3 StPO) nicht ein. Eine dagegen erhobene Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">wurde vom Obergericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">13. Februar 2009 abgewiesen. Zur Begründung wurde hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">des Nötigungsvorwurfs namentlich ausgeführt, dass der Zweck des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">404</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Schreibens vom 29. September 2008 nicht unrechtmässig im Sinne</span><br/> <span class="ft1">der Tatbestandsvoraussetzung der Nötigung sei. Die Unrechtmässig-</span><br/> <span class="ft1">keit der geltend gemachten Nötigung könne auch nicht damit begrün-</span><br/> <span class="ft1">det werden, dass das Mittel (Kündigung) zum erstrebten Zweck</span><br/> <span class="ft1">(Treuepflicht) nicht im richtigen Verhältnis stehe oder deren Ver-</span><br/> <span class="ft1">knüpfung rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig sei. Mangels Un-</span><br/> <span class="ft1">rechtmässigkeit sei der Tatbestand der Nötigung daher von vorn-</span><br/> <span class="ft1">herein nicht erfüllt. Das Bundesgericht wies die dagegen erhobene</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde mit Urteil vom 25. Juni 2009 ab, soweit es darauf ein-</span><br/> <span class="ft1">trat.</span><br/> <span class="ft1">Für die Frage, ob der Appellationskläger seine Strafanzeigen</span><br/> <span class="ft1">grundlos eingereicht hatte, ist es sodann unerheblich, dass die Staats-</span><br/> <span class="ft1">anwaltschaft des Kantons Aargau auf eine Selbstanzeige des Appella-</span><br/> <span class="ft1">tionsklägers hin am 21. Juli 2009 erklärte, von sich aus kein Strafver-</span><br/> <span class="ft1">fahren betreffend falscher Anschuldigung gemäss Art. 303 StGB we-</span><br/> <span class="ft1">gen der eingereichten Strafanzeigen betreffend Nötigung gegen ihn</span><br/> <span class="ft1">einzuleiten. Der Tatbestand der falschen Anschuldigung setzt voraus,</span><br/> <span class="ft1">dass die Anschuldigung wider besseres Wissen erhoben wird, d.h.,</span><br/> <span class="ft1">dass die Aussage nicht nur unwahr ist, sondern der Täter auch weiss,</span><br/> <span class="ft1">dass er etwas Unwahres behauptet (vgl. Vera Delnon/Bernhard Rüdy,</span><br/> <span class="ft1">in: Basler Kommentar zum Strafgesetzbuch, Band II, Art. 111-401</span><br/> <span class="ft1">StGB, Marcel Alexander Niggli/Hans Wiprächtiger [Hrsg.], Basel/</span><br/> <span class="ft1">Genf/München 2003, Art. 303 N26, mit Hinweis). Aufgrund der Ak-</span><br/> <span class="ft1">ten ist jedoch davon auszugehen, dass der Appellationskläger im</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der Einreichung seiner Strafanzeigen der falschen Über-</span><br/> <span class="ft1">zeugung war, die gegen ihn ausgesprochene Verwarnung vom</span><br/> <span class="ft1">29. September 2008 stelle eine Nötigung im Sinne von Art. 181</span><br/> <span class="ft1">StGB dar. Damit fehlt es in subjektiver Hinsicht an einem hinrei-</span><br/> <span class="ft1">chenden Tatverdacht, der die Einleitung eines Strafverfahrens wegen</span><br/> <span class="ft1">falscher Anschuldigung gerechtfertigt hätte.</span><br/> <span class="ft1">Auch wenn die Einreichung der Strafanzeige vom 2. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2008 nach dem Gesagten keine strafbare Handlung darstellt, muss</span><br/> <span class="ft1">sich der Appellationskläger doch vorwerfen lassen, dass er gegen den</span><br/> <span class="ft1">X. und den Leiter Y. der FHNW ein Strafverfahren einleitete, ohne</span><br/> <span class="ft1">vorgängig juristischen Rat einzuholen und sich zu vergewissern, ob</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">405</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">seine persönliche Überzeugung, er sei Opfer einer Nötigung im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von Art. 181 StGB geworden, rechtlich vertretbar war.</span><br/> <span class="ft1">Vor diesem Hintergrund kommt das Personalrekursgericht zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss, dass der Appellationskläger am 2. Oktober 2008 leichtfertig</span><br/> <span class="ft1">eine unbegründete Strafanzeige gegen den X. und den Leiter Y. der</span><br/> <span class="ft1">FHNW einreichte und damit eine schwerwiegende Treuepflichtver-</span><br/> <span class="ft1">letzung gegenüber seiner Arbeitgeberin beging. Dies gilt umso mehr,</span><br/> <span class="ft1">als er kurz zuvor wegen seines illoyalen Verhaltens gerügt worden</span><br/> <span class="ft1">war. Nachfolgend bleibt zu klären, ob der Appellationskläger mit sei-</span><br/> <span class="ft1">nem Verhalten im Lichte der gesamten Umstände einen hinreichen-</span><br/> <span class="ft1">den Grund setzte, der es der Appellationsbeklagten erlaubte, ihn am</span><br/> <span class="ft1">8. Oktober 2008 fristlos zu entlassen.</span><br/> <span class="ft1">5.3.</span><br/> <span class="ft1">5.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen einer Gesamtbeurteilung ist zugunsten des Ap-</span><br/> <span class="ft1">pellationsklägers zu berücksichtigen, dass er im Zeitpunkt der frist-</span><br/> <span class="ft1">losen Entlassung wenige Jahre vor dem Erreichen des Pensionie-</span><br/> <span class="ft1">rungsalters stand und seine Chancen, eine neue Anstellung zu finden,</span><br/> <span class="ft1">schlecht waren. Zudem handelte es sich beim Appellationskläger um</span><br/> <span class="ft1">einen langjährigen Mitarbeitenden der FHNW bzw. der Fachhoch-</span><br/> <span class="ft1">schule C., der sehr gute Arbeitserfolge erzielte. Im Weiteren hatte der</span><br/> <span class="ft1">Appellationskläger innerhalb der FHNW keine leitende Stellung</span><br/> <span class="ft1">inne, die von ihm eine besondere Loyalität gegenüber der Appel-</span><br/> <span class="ft1">lationsbeklagten erfordert hätte. Auf der anderen Seite wiegt die</span><br/> <span class="ft1">durch den Appellationskläger begangene Treuepflichtverletzung sehr</span><br/> <span class="ft1">schwer, zumal er die offensichtlich unbegründete Strafanzeige vom</span><br/> <span class="ft1">2. Oktober 2008 im vollen Bewusstsein einreichte, dass sein Verhal-</span><br/> <span class="ft1">ten - entsprechend der Kündigungsandrohung in der Verwarnung</span><br/> <span class="ft1">vom 29. September 2008 - unweigerlich zu seiner Entlassung führen</span><br/> <span class="ft1">würde. Mit diesem Verhalten hat er sich bewusst über alle Warnun-</span><br/> <span class="ft1">gen hinweggesetzt und die Auseinandersetzung mit der Direktion der</span><br/> <span class="ft1">FHNW noch stärker als zuvor nach aussen getragen. Im Übrigen be-</span><br/> <span class="ft1">steht bezüglich der Ereignisse, die der Strafanzeige vorausgegangen</span><br/> <span class="ft1">waren, zwar ein gewisser Bezug zur Mitwirkungstätigkeit des Appel-</span><br/> <span class="ft1">lationsklägers. Dieser ursprüngliche Zusammenhang wurde indessen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">406</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">- wie bereits aufgezeigt wurde - durch das weitere Verhalten des Ap-</span><br/> <span class="ft1">pellationsklägers durchbrochen.</span><br/> <span class="ft1">Unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist es nicht zu bean-</span><br/> <span class="ft1">standen, dass die Appellationsbeklagte am 8. Oktober 2008 zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss gelangte, die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses mit dem</span><br/> <span class="ft1">Appellationskläger sei ihr nicht mehr zuzumuten, und ihm deshalb</span><br/> <span class="ft1">fristlos kündigte.</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">6.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Mobbing wird praxisgemäss definiert als systematisches, anhal-</span><br/> <span class="ft1">tendes oder wiederholtes feindliches Verhalten mit dem Zweck, eine</span><br/> <span class="ft1">Person am Arbeitsplatz zu isolieren, auszugrenzen oder sogar vom</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsplatz zu entfernen, wobei nach Teilen der Lehre Mobbing nur</span><br/> <span class="ft1">vorliegt, wenn es von der betroffenen Person nicht verursacht wurde</span><br/> <span class="ft1">(PRGE vom 3. Juli 2008, 2-BE.2007.5, Erw. II/6.3; PRGE vom</span><br/> <span class="ft1">15. März 2007, 2-KL.2006.1, Erw. II/5.3; PRGE vom 29. Juni 2004,</span><br/> <span class="ft1">2-KL.2003.50005, Erw. II/5b; Entscheid des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">Zürich vom 10. Juli 2002, publiziert in: ZBl 2003, S. 185 ff.,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 6d/cc mit Hinweisen). In Bezug auf Dauer und Häufigkeit mag</span><br/> <span class="ft1">als Anhaltspunkt dienen, dass Mobbing-Handlungen mindestens ein-</span><br/> <span class="ft1">mal pro Woche und mindestens während eines zusammenhängenden</span><br/> <span class="ft1">halben Jahres stattfinden müssen (Staatssekretariat für Wirtschaft</span><br/> <span class="ft1">[Hrsg.], Mobbing und andere psychosoziale Spannungen am Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">platz in der Schweiz, Bern 2002, S. 11 mit Hinweis).</span><br/> <span class="ft1">Ein schwieriges Arbeitsklima, Konflikte in den beruflichen Be-</span><br/> <span class="ft1">ziehungen oder eine durch ein gestörtes Vertrauensverhältnis er-</span><br/> <span class="ft1">schwerte Zusammenarbeit ist nicht mit Mobbing gleichzusetzen</span><br/> <span class="ft1">(zum Ganzen: Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskom-</span><br/> <span class="ft1">mission vom 9. November 2005 [PRK 2005-030], Erw. 4/e mit wei-</span><br/> <span class="ft1">teren Hinweisen).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>