B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7278/2013 U r t e i l v o m 2 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Esther Karpathakis, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______, Türkei, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. November 2013 / N (…). E-7278/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Alevite aus Istanbul, verliess seinen Heima t- staat eigenen Angaben zufolge am 8. September 2013 und gelangte am 18. September 2013 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 25. September 2013 wurde er im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) B._______ befragt. Am 15. Oktober 2013 folgte eine einlässliche Anhörung durch das Bundesamt. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er habe seit sechs Jahren als unqualifizierter Arbeiter in einer Fabrik gearbeitet. Er sei seit zwei Jahren in der Gewerkschaft Birlesik Metal -Is aktiv gewesen und habe Mitglieder angeworben. Deshalb sei ihm am 14. April 2013 schrif t- lich fristlos gekündigt worden. Er habe zwar Schadenersatz erhalten, j e- doch keine neue Arbeit mehr gefunden und nur noch tageweise Arbeiten ausgeführt. Er habe in Istanbul an den Gezi -Park-Protesten teilgeno m- men. Diese Kundgebungen seien von den Sicherheitskräften mit Übe r- wachungskameras aufgenommen worden. In der Folge sei die Polizei bei ihm zu Hause erschienen und habe sich nach ihm erkundigt. Da er b e- reits seit mehreren Jahren an Kundgebungen teilgenommen habe, in d e- ren Folge er mit Pfefferspray, Tränengas und Wasserwerfern a ngegriffen und mit Schlagstöcken geschlagen worden sei, habe er sich aus Angst vor einer Festnahme zur Ausreise entschlossen. Er sei nämlich bereits anlässlich einer Kundgebung vom 1. Mai 2012 festgenommen und nach C._______ gebracht und nach einigen Tagen wieder freigelassen worden. Vor zirka sechs Monaten sei er im Zusammenhang mit den Gezi - Ereignissen zum zweiten Mal festgenommen und an denselben Ort g e- bracht und eine Woche festgehalten worden, wobei die Gewaltanwe n- dung heftiger ausgefallen sei. Er sei m it Hochdruckwasser bespritzt und auf schlimmere Konsequenzen hingewiesen worden. Es seien auch seine Familienangehörigen bedroht worden. Im Weiteren müsse er damit rec h- nen, im Falle eines Krieges zwischen der Türkei und Syrien in den Mil i- tärdienst eingezogen zu werden. Für den Inhalt der weiteren Aussagen und Einzelheiten wird auf die Akten verwiesen. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 21. November 2013, eröffnet am 26. November 2013, fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingse i- genschaft nicht und l ehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es E-7278/2013 Seite 3 dessen Wegweisung sowie deren Vollzug aus der Schweiz an. Die Vorin- stanz begründete ihre Verfügung im Wesentlichen damit, dass die geltend gemachten Vorbringen weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft standhalten würden. Den Vollzug in die Türkei befand die Vorinstanz für zulässig, zumutbar und möglich. Auf die weitere Begründung wird in den nachfolgenden Erw ä- gungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 27. Dezember 2013 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventu a- liter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei auf die Erhebung eines Verfahrensko s- tenvorschusses zu verzichten. Gleichzeitig wurde n verschiedene B e- weismittel (Bestätigung der Gewerkschaft Birlesik Metal-Is vom (…) 2013 mit deutscher Übersetzung, Mitgliedschaftsbestätigung der Arbeiterg e- werkschaft vom (…) 2010 mit deutscher Übersetzung und fünf Interne t- ausdrucke) eingereicht. D. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 8. Januar 2014 wurde auf die E r- hebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 V wVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Be urteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 E-7278/2013 Seite 4 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei se Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften- wechsel verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gr uppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Leb ens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den E-7278/2013 Seite 5 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge fälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Grundsätzlich sind die Vorbringen eines Gesuchstellers dann glau b- haft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderun gen erschöpfen, in wesent- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbe h- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wide r- sprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwü r- dig erscheinen, was insb esondere dann nicht der Fall ist, wenn er seine Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzu - stellen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2010/57 S. 826 ff., m.w.H.). 5. 5.1 Das Bundesamt begründete seinen ablehnenden Entscheid im W e- sentlichen damit, gewisse Vorbringen des Beschwerdeführers seien ei- nerseits nachgeschoben, widersprüchlich, unsubstanziiert und zu wenig konkret, detailliert und differenziert dargestellt worden, weshalb die ge l- tend gemachten Festnahmen und die polizeilichen Suchen in seinem E l- ternhaus nicht geglaubt werden könnten. So habe er erst anlässlich der Bundesanhörung vorgebracht, bei der zweiten Festnahme auf dem Pol i- zeiposten verhört und geschlagen worden zu sein. Zudem habe er bei der summarischen Befragung ausgesagt, in seinem Quartier seien von Alev i- ten bewohnte Häuser beschriftet worden, während er bei der Anhörung angegeben habe, es sei nur das Haus seines Vaters betroffen gewesen. Ferner habe er erst bei der Anhörung vorgebracht, dass er sich während zwei Jahren gewerkschaftlich betätigt habe und dies der Grund für die Kündigung gewesen sei. Auch habe er die Dauer der beiden erwähnten Festnahmen unterschiedlich geschildert. Die Erklärungsversuche des Be- schwerdeführers, wonach es sich nur um ungefähre Angaben handle und er seit seiner Kindheit an Vergesslichkeit leide, wurden als ungeeignet bezeichnet, um seine widersprüchlichen Angaben erklären zu können. Im E-7278/2013 Seite 6 Weiteren bezeichnete die Vorinstanz die Ausführungen des Beschwerd e- führers zu seinem Aufenthaltsort und zum Zeitpunkt, als er polizeilich ge- sucht worden sei, als widersprüchlich. Auch habe er bez üglich der ge l- tend gemachten polizeilichen Suchen keine weitergehenden Angaben machen können, obwohl davon auszugehen sei, dass eine Person in e i- ner derartigen Lage sich nach allen Einzelheiten erkundige n würde . Schliesslich bezeichnete die Vorinstanz die geltend gemachten polizeili- chen Angriffe mit Pfefferspray, Tränengas und Wasserwerfern anlässlich von Kundgebungen, an denen der Beschwerdeführer teilgenommen h a- be, als asylrechtlich nicht relevant, da sich diese gegen alle Protestiere n- den gerichtet hätten. Es bestünde zudem kein Anlass zur Annahme, dass seine Identität im Zusammenhang mit den Gezi -Park-Protesten oder a n- deren Kundgebungen den türkischen Behörden bekannt geworden sei. Schliesslich sprach die Vorinstanz den geltend gemachten Benachteil i- gungen aufgrund der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit des B e- schwerdeführers sowie dessen gewerkschaftlicher Tätigkeit ebenso die Asylrelevanz ab wie der Kennzeichnung von Häusern von Aleviten in se i- nem Quartier und seiner Befürchtung, in den Militärdienst eingezogen zu werden. 5.2 Der Beschwerdeführer hält dazu in seiner Rechtsmitteleingabe fest, Asylbewerber würden bei der summarischen Befragung zur Kürze a n- gehalten. Er habe im EVZ angegeben, bereits vor den Gezi -Park- Protesten politisch aktiv gewesen und von der Polizei mehrmals unter Druck gesetzt worden zu sein. Bei jenen Protesten sei es zu Mensche n- rechtsverletzungen, Toten und Verletzten gekommen. Er sei wegen se i- nen politischen Aktivitäten und Teilnahmen an Demonstrationen zweimal festgenommen und jeweils menschenunwürdig behandelt, bei der zwe i- ten auch psychisch und physisch gefoltert worden. Das Vorgehen der Po- lizei werde auch im eingereichten Bericht von Amnesty I nternational zu den Gezi -Park-Protesten erwähnt, womit seine Angaben zutreffen wü r- den. Er sei zwar freigelassen worden, rechne jedoch damit, nach der Auswertung der Videoaufzeichnungen der Proteste erneut festgenommen und seitens der Staatsanwaltschaft angeklagt zu werden . Die Polizei h a- be schliesslich die Wohnung seines Vaters gestürmt in der Annahme, dass er sich dort befinden würde . Aus diesem Grund habe er begründete Furcht vor einer erneuten Festnahme im Falle einer Rückkehr in die Tü r- kei. Schliesslich gehöre er der alevitischen Minderheit an, die weiterhin unterdrückt werde und deren H äuser vor einem Massaker gekennzeic h- net würden. Dies sei auch bei seinem Haus gemacht worden. Ausserdem E-7278/2013 Seite 7 sei ihm als jahrelang aktiv es Mitglied der Gewerkschaft Birlesik Metal -Is fristlos gekündigt worden. In den eingereichten Schreiben der Arbeitergewerkschaft Birlesik Metal-Is wird bestätigt , dass d er Beschwerdeführer am (…) 2010 als deren Mit- glied aufgenommen worden sei. Weiter wird bescheinigt, dass er sich ak- tiv an der Organisation der Arbeiter beteiligt habe und ihm "danach" ge- kündigt worden sei. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abg e- wiesen worden ist. Die Vorinstanz hat den Sachverhalt genügend abg e- klärt und in ihrem Entscheid die Gründe angeführt, welche auf die fehlen- de Glaubhaftigkeit und die fehlende Asylrelevanz der Vorbringen des B e- schwerdeführers schliessen lassen. Die Ausführungen in der Beschwe r- deschrift sowie die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Sichtweise nichts zu ändern. Zur Vermeidung vo n Wiederholungen kann vorab auf die entsprechenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden. 6.2 Entgegen der Argumentation in der Beschwerdeschrift, wonach Asy l- bewerber bei der summarischen Befragung zur Kürze angehalten wü r- den, weshalb die dortigen Vorbringen zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit nicht herangezogen werden dürften, ist zwar festzustellen, dass den Aus- sagen in der Empfangsstelle zu den Ausreisegründen angesichts des summarischen Charakters dieser Befragung für die Be urteilung der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Asylgründe nur ein beschränkter B e- weiswert zukommt. Widersprüche dürfen für die Beurteilung der Glau b- würdigkeit aber dann herangezogen werden, wenn Aussagen in der Emp- fangsstelle in wesentlichen Punkten von d en späteren Aussagen in der Anhörung diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der Empfangsstelle zumindest ansatzweise erwähnt wo r- den sind. Dem Befragungs protokoll des EVZ kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich der Dauer der zwei Festnahmen im Anschluss an die Teilnahme an den Gezi -Park-Protesten andere An- gaben als bei der späteren Bundesanhörung gemacht hat. So sei er am 1. Mai 2012 und ein zweites Mal vor zirka sechs Monaten auf den Posten mitgenommen und nach ein bis zwei Tagen wieder freigelassen worden (vgl. Akte A3 S. 8). Demgegenüber machte er anlässlich der Bundesa n-E-7278/2013 Seite 8 hörung geltend, er sei bei der ersten Festnahme am 1. Mai 2012 nach C._______ mitgenommen und nach einigen Tagen wieder freigelassen worden. Bei der zweiten Festnahme vor zirka sechs Monaten sei er an denselben Ort mitgenommen und eine Woche lang festgehalten worden (vgl. Akte A4 S. 5) . Zudem hat er die an ihm verübte Gewaltanwendung erst bei der Bundesanhörung erwähnt. So sprach er hinsichtlich der er s- ten Festnahme von ein paar Schlägen; bei der zweiten Festnahme sei er mit Hochdruckwasser bespritzt und verhört worden, wobei die Gewalta n- wendung diesmal noch heftiger a usgefallen und auch seine Familie b e- droht worden sei. Der Beschwerdeführer vermag diese widersprüchlichen respektive nach- geschobenen Vorbringen weder mit dem Einwand anlässlich der Bundes- anhörung, wonach es normal sei, dass man sich nicht an Daten und Dauer erinnern könne und er unter Vergesslichkeit leide, noch mit dem Hinweis auf einen Bericht von Amnesty International zu den Gezi -Park- Protesten, in denen von brutaler Pol izeigewalt und schweren Mensche n- rechtsverletzungen berichtet wird, zu erklären, zuma l es sich bei diesen Vorbringen um einen zentralen Punkt seiner Gesuchsbegründung ha n- delt. Überdies wurde dem Beschwerdeführer im EVZ mehrmals Gelege n- heit gegeben, seine Gesuchsvorbringen zu ergänzen und allfällige weit e- re Gründe anzugeben, wovon er im Übrigen auch Gebrauch gemacht hat (vgl. A3 S. 8). Daher konnte von ihm erwartet werden, dass er alle we- sentlichen Punkte im EVZ zumindest ansatzweise erwähnt. Im Weiteren ist den vorinstanzlichen Erwägungen zuzustimmen, won ach der Beschwerdeführer keine Angaben zu den polizeilichen Nachfragen (Datum, Gründe) bei seinem Vater machen konnte. Anlässlich der Anh ö- rung gab er auf entsprechende Fragen zu Protokoll, sie (er und sein V a- ter) hätten nicht viel miteinander gesprochen. D as Gespräch habe nicht lange gedauert und er habe nie mehr mit ihm darüber gesprochen. Dabei wäre jedoch zu erwarten gewesen, dass er sich über die genauen U m- stände der gegen ihn eingeleiteten polizeilichen Massnahmen erkundigt. Ein derartiges Desinteresse entspricht jedenfalls nicht dem Verhalten ei- ner Person, die sich ernsthaft davor fürchtet, festgenommen zu werden. Ferner spricht auch die erst anlässlich der Bundesanhörung angegebene Begründung, wegen seiner zweijährigen gewerkschaftlichen Tätigkeit die fristlose Kündigung erhalten zu haben, gegen seine persönliche Glau b- würdigkeit. E-7278/2013 Seite 9 6.3 Was schliesslich die von den Sicherheitskräften anlässlich der Unte r- drückung der Gezi -Park-Proteste ausgeübte Gewalt – Angriffe mit Pfe f- ferspray, Tränengas und Wasserwerfern – betrifft, vertritt das Bundesver- waltungsgericht die gleiche Ansicht wie das BFM, wonach sich diese ins- gesamt gegen den Protest als solchen und nicht gezielt gegen Einzelne gerichtet haben. Zudem lässt sich aus den geltend gemachten Benachtei- ligungen respektive Befürchtungen des Beschwerdeführers, wegen seiner alevitischen Abstammung künftig asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden, ebenso keine konkrete Bedrohung im Sinne des Asylgesetzes für ihn ableiten. Überdies ist den vorinstanzlichen Erwägungen zuz u- stimmen, wonach bezüglich des befürchteten Einzugs in den Militärdienst keine im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG relevante Verfolgungsmotivation vorliegt, zumal diese staatlichen Massnahmen der Durchsetzung staat s- bürgerlicher Pflichten dienen. Daran vermag auch die aktuelle Situation in der Region nichts zu ändern. 6.4 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die we i- teren Ausführungen in der Beschwerde und die Beweismittel weiter ein- zugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). E-7278/2013 Seite 10 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesve rwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zu r Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende B ehandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlic h erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in d ie Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr (« real risk ») nac h-E-7278/2013 Seite 11 weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei lässt den Wegwei sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe i- sung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerin nen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie i m Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.5 In der Türkei herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt. Aufgrund der Akten besteht kein Grund zur Annahme, der Beschwerdeführer gerate im Falle einer Rückkehr in die Türkei aus individuell en Gründen wir t- schaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedr o- hende Situation, die den Vollzug der Wegw eisung unzumutbar machen würde, zumal e r über eine achtjährige Schulbildung sowie mehrjährige Berufserfahrungen als angelernter (…) und aus anderen Tätigkeiten ver- fügt. Zudem leben sein Vater sowie weitere nahe Angehörige in der Tü r- kei (vgl. Akten A3 S. 5). Es kann auch davon ausgegangen werden, dass er in Istanbul, wo er seit vierzehn oder fünfzehn Jahren gewohnt habe (vgl. Akte 4 S. 2), über einen Bekanntenkreis und damit ein Beziehung s- netz verfügt, auf das er zurückgreifen und das ihm allenfalls beim Ne u- aufbau einer Existenz Hilfe bieten kann. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer , der über eine türk i- sche Identitätskarte verfügt, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-7278/2013 Seite 12 8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angef ochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-7278/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: