B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-6367/2011 U r t e i l v o m 1 4 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Markus Metz, Richter Daniel Riedo, Gerichtsschreiber Ralf Imstepf. Parteien A._______, Beschwerdeführer, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Mehrwertsteuer (Zuordnung von Leistungen; 1. Semester 2004 - 2. Semester 2008). A-6367/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: Steuerpflichtiger) betreibt in der Stadt Zürich in der Rechtsform der Einzelunternehmung einen Coiffeurbetrieb . Seit dem 1. Januar 1995 ist er im Register der Mehrwertsteuerpflichtgen bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) eingetragen. A.b Vom 1. Oktober 2003 bis z um 31. Dezember 2008 untervermiete te der Steuerpflichtige einen Teil des von ihm genutzten Coiffeursalons zur "Mitbenützung" an B._______ (nachfolgend: Untermieterin), welche in den Räumlichkeiten ebenfalls Coiffeurleistungen anbot. Der Mietzins be- trug ne tto monatlich Fr. 1'000. -- einschliesslich Heiz- und Nebenkosten. Wasser, Strom und "Repräsentationsspesen" wurden nach Aufwand z ur Hälfte zusätzlich in Rechnung gestellt. A.c Mit Schreiben vom 24. März 2009 forderte die ESTV den Steuer- pflichtigen auf, für die Jahre 2004 bis 2007 die Bilanzen, die Erfolgsrec h- nungen mit Anhängen, die Revisionsberichte, die Detailauszüge der Hauptbuchkonti, die Debitorenfakturen und Kreditorenbelege des zweiten Halbjahres 2007 , die Umsatzabstimmungen sowie die Debitoren - Aufzeichnungen der Untermieterin (Bankauszüge und Steuererklärungen) für die Jahre 2004 bis 2008 einzureichen. Mit Ausnahme der Unterlagen der Untermieterin , welche sich die ESTV selbständig in Folge ihres Schreibens vom 19. Mai 2009 an die Untermieterin beschaffen konnte, vermochte der Steuerpflichtige die geforderten Unterlagen bei zubringen. Zur Ergän zung liess er der ESTV die entsprechenden Dokumente des Jahres 2008 zukommen. A.d Mit Schreiben vom 10. Juni 2009 teilte die ESTV dem Steuerpflichti- gen mit, dass er die Umsätze der Untermieterin für den Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2008 neben seinen eigenen U m- sätzen ebenfalls zu versteuern habe. Anhand der Steuererklärungen der Untermieterin der Jahre 2004 bis 2006 und einer annäherungsweisen Ermittlung von deren Umsatzzahlen für die Jahre 2007 und 2008 machte die ESTV mit Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. 387'804 vom 10. Juni 2009 eine zusätzliche Steuerschuld von Fr. 7'840.-- geltend. B. Auf Verlangen des Steuerpflichtigen erliess die ESTV am 25 . Januar 2010 eine Verfügung gemäss Art. 82 des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer ( Mehrwertsteuergesetz, MWSTG, SR A-6367/2011 Seite 3 641.20) betreffend die Steuernachforderung im Umfang von Fr. 7'840. -- zuzüglich Verzugszins ab 20. April 2007 für die Steuerperioden 1. Semes- ter 2004 bis 2. Semester 2008. Zur Begründung verwies sie auf die EA Nr. 387'804 vom 10. Juni 2009 u nd das der Verfügung beiliegende Schreiben. Im Wesentlichen machte sie geltend, es sei von einem einz i- gen Steuerpflichtigen auszugehen, da zwei Personen in einem einzigen Coiffeurgeschäft tätig seien und dabei ein einheitliche r Auftritt nach au s- sen vorliege. C. Am 19. Februar 2010 liess der Steuerpflichtige bei der ESTV gegen die Verfügung vom 25. Januar 2010 Einsprache erheben. Er beantragte, die angefochtene Verfügung unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu La s- ten der ESTV aufzuheben und keine "Nachsteuer" zu erheben. Eventuali- ter sei die Steuerforderung bei der Untermieterin "einzutreiben". Zur B e- gründung machte er im Wesentlichen geltend, dass er und die Untermie- terin nicht gemeinsam gegen aussen aufgetreten seien und er dement- sprechend die von ihr erzielten Umsätze nicht zu versteuern habe. D. Mit Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2011 wies die ESTV die Ei n- sprache des Steuerpflichtigen ab. Sie verwies bei der Beurteilung auf den vom Bundesgericht entwickelten Grundsatz der Einheit des Unterne h- mens, gemäss dem sämtliche Umsätze und Betriebszweige eines Unte r- nehmens gemeinsam versteuert werden müssten. Daher seien die Um- sätze der Untermieterin, die in dem vom Steuerpflichtigen gemieteten Sa- lon erzielt worden seien, zu denjenigen des Steuerpflichtigen zu zählen und gemeinsam zu versteuern. Eine getrennte mehrwertsteuerliche Beur- teilung der Umsätze sei nur in denjenigen Fällen angezeigt, in denen er s- tens der Marktauftritt der betroffenen Personen darauf schlies sen lasse, dass es sich um selb ständig Erwerbstätige handle; z weitens müsse je- weils eigenständig das unternehmerische Risiko getragen werden und drittens müssten die betroffenen Personen unabhängig bezüglich der U n- ternehmensorganisation sein. Im vorliegenden Fall sei nach Würdigung aller Umstände kein getrennter Aussenauftritt vorhanden. Auch erscheine das Kriterium der arbeitsorganisatorischen bzw. betriebswirtschaftlichen Unabhängigkeit nicht erfüllt. E. Dagegen liess der Steuerpflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 23. November 2011 Besc hwerde beim Bundesverwaltungsgericht einre i-A-6367/2011 Seite 4 chen. Er beantragt sinngemäss , den Einspracheentscheid aufzuheben und führt aus, er sei gemäss seiner Umsatzdeklaration für die Jahre 2003 bis 2008 ohne die Hinzurechnung der Umsätze der Untermieterin zu be- steuern. Die Untermieterin sei in der f raglichen Periode einer selbst ändi- gen Tätigkeit nachgegangen und dementspre chend sei die Meh r- wertsteuer auf ihren Umsätzen bei ihr selbst zu erheben . Es liege kein gemeinsamer Aussenauftritt vor, welcher eine Zurechnung ihrer Umsätze zu seinen rechtfertigen würde. F. Auf das Einreichen einer Vernehmlassung zur Beschwerde hat die ESTV mit Schreiben vom 18. Januar 2012 verzichtet. Stattdessen verweist sie auf die Erwägungen des Einspracheen tscheids vom 24. Oktober 2011 und der Verfügung vom 25. Januar 2010. Sie habe sich dort bereits zu den Vorbringen des Beschwerdeführers geäussert und halte an ihrer B e- gründung fest. Auf die Eingaben der Parteien wird – soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) beurteilt dieses Gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfa h- ren ( Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor und die ESTV ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VG G. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist ein- zutreten. 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid grundsätzlich in voll em Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der un- richtigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sac h- verhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit e r- heben (Art. 49 Bst. c VwVG). Im Beschwerdeverfahren gilt sodann die A-6367/2011 Seite 5 Untersuchungsmaxime, wonach das Bundesverwaltungsgericht unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten den entscheidrelevanten Sachve r- halt von Amtes wegen festzustellen hat. Ausserdem gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt unabhängig von der Begründung der Begehren die richtige Rechtsnorm anzuwenden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Die Rechtsmitteli nstanz ist jedoch nicht gehalten, allen denkbaren Rechtsfehlern von sich aus auf den Grund zu gehen. Für entsprechende Fehler müssen sich zumindest Anhaltspunkte aus den Parteivorbringen oder den Akten ergeben (BGE 121 III 274 E. 2b, 119 V 349 E. 1a; vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3637/2010 vom 6. Juli 2011 E. 1.2 mit weiteren Hinweisen; ANDRÉ MO- SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bu n- desverwaltungsgericht, Basel 2008, N 1.54 f.). 1.3 Am 1. Januar 2010 ist das MWSTG in Kraft getreten. Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vo r- schriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltung s- dauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Da sich der vorliegende Sachve r- halt in den Jahren 2004 bis 2008 zugetragen hat, untersteht das vorli e- gende Verfahren in materieller Hinsicht dem (alten) Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer vom 2. September 1999 (altes Mehrwertsteuergesetz, aMWSTG, AS 2000 1300). 1.4 Demgegenüber ist das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht im Sinn von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkraf t- tretens hängigen und damit grundsätzlich auch auf das vorliegende Ve r- fahren anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3 MWSTG insofern restri k- tiv zu handhaben, als gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung nur e i- gentliche Verfahrensnormen sofort auf hängige Verfahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwendung von neuem materiellen Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (ausführlich: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1113/2009 vom 23. Februar 2010 E. 1.3). 2. 2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland gegen Entgelt erbrach - ten Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen (Art. 5 Bst. a und b aMWSTG). Als Dienstleistung gilt jede Leistung, die keine Lieferung eines Gegen standes ist (Art. 7 Abs. 1 aMWSTG). Die Mehrwertsteuer wird vom Entgelt berechnet. Dazu gehört alles, was der A-6367/2011 Seite 6 Leistungsempfänger (oder ein Dritter für ihn) als Gegen leistung für die Leistung aufwendet (Art. 33 Abs. 1 und 2 aMWSTG). 2.2 2.2.1 Mehrwertsteuerpflichtig ist, wer eine mit der Erzielung von Ein - nahmen verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selb ständig ausübt, auch wenn die Gewi nnabsicht fehlt, sofern seine Leistungen im Inland jährlich gesamthaft Fr. 75'000. -- übersteigen (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). Mehrwertsteuerpflichtig sin d insbesondere na türliche Per so- nen, Personengesellschaften, juristische Personen des privaten und ö f- fentlichen Rechts, unselbständige öffentlich e Anstalten sowie Per sonen- gesamtheiten ohne Rechts fähigkeit, die unter gemein samer Fir ma U m- sätze tätigen (Art. 21 Abs. 2 aMWSTG). 2.2.2 Beim Begriff der mehrwertsteuerlichen Selbständigkeit handelt es sich um einen unb estimmten Rechtsbegriff. Wichtige Indizien für die selbständige Ausübung der Tätigkeit sind insbesondere das Handeln und Auftreten in eigenem Namen gegenüber Dritten (Aussenauftritt), das Tragen des unternehmer ischen Risikos (Gewinn und Verlust), die Wa hl- freiheit, eine Aufgabe an zunehmen oder nicht und diese selbständig organisieren zu können (betriebs- und arbeits organisatorische Unabhängigkeit). Zur Bewertung können dabei die Beschäftigung von Personal, die Vornahme er heblicher Investitionen, eigene Geschäfts - räumlichkeiten sowie verschiedene und wechselnde Auftraggeber heran- gezogen werden (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 2C_518/2007 und 2C_519/2007 vom 11. März 2008 E. 2.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4695/2008 vom 24. März 2011 E. 3.2 mit Hinweisen). 2.2.3 Weitere – aber nicht allein ausschlaggebende – Indizien für die mehrwertsteuerliche Behandlung bilden ferner die Art der Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge sowie die Qualifikation einer Person als selbständig oder unselb ständig im Zusammenhang mit den direk ten Steuern (Urteil des Bundesgerichts 2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3.2 ; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2011 E. 2.2.2). Aufgrund der verschiedenen Zielsetz ungen der einzelnen Rechtsgebiete können sich jedoch zwischen der Beurteilung nach meh r- wertsteuerlichen Überlegungen und jener betreffend direkte Steuern bzw. Sozialversicherungsrecht Abweichungen ergeben. Es ist somit durch aus möglich, dass ein und di eselbe Person in den verschiedenen Be reichen A-6367/2011 Seite 7 unterschiedlich eingestuft wird ( statt vieler: Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Februar 2011 E. 2.2.2). 2.2.4 Die Frage, ob ein Unternehmer im eigenen Namen auftritt oder nicht, ist nicht nur f ür den Tatbestand der Selbständigkeit mass geblich, sondern nach konstanter Rechtsprechung auch dafür, ob er überhaupt als mehrwertsteuerlicher Leistungserbringer oder -empfänger zu gel ten hat. Denn das Handeln wird gru ndsätzlich demjenigen mehrwertsteuerlich zu- gerechnet, der nach aussen, gegenüber Dritten im eigenen Namen auftritt (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1382/2006 und A-1383/2006 vom 19. Juli 2007 E. 2.2, bestätigt mit Urteilen des Bunde s- gerichts 2C_518/2007 und 2C _519/2007 vom 11. März 2008). Müssen die ausgeübten Tätigkeiten aufgrund des Aussenauftritts nicht nur einer, sondern mehreren selbständigen Betrieben zugeordnet werden und sind die weiteren Vorrausetzungen von Art. 21 aMWSTG erfüllt, liegen mehr e- re und nicht nur ein Mehrwertsteuersubjekt vor. 2.2.5 Für Coiffeursalons bedeutet dies nach der die diesbezügliche Ve r- waltungspraxis schützende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsg e- richts, dass Betriebe − welche nicht als gemeinsames Steuersubjekt be- handelt werden wollen − nach aussen in eigenem Namen auftreten müs- sen. Insbesondere sollten durch eigene Firmenschilder und eigene Tele- fonanschlüsse die Betriebe sich unterscheiden lassen . Jede Unterne h- mung sollte eine eigene Kasse und Buchhaltung sowie eigene Bank- bzw. Postkonti führen. Bestellformulare, Rechnungen, Quittungen und Kass a- zettel sollten auf getrennte Namen lauten, jedes Geschäft sollte über ei- gene Betriebsmittel verfügen und die jeweiligen Gesellschaftsinhaber soll- ten mit den Sozialversiche rungen selbständig abrechnen. Im Falle eines gemeinsamen Eingangs sollten zwingend die Geschäftsräumlichkeiten deutlich voneinander getrennt und beschriftet sein, damit jede eintretende Person die Selbständigkeit der Geschäfte erkennen kann (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1802/2008 vom 19. Mai 2010, A-1634/2006 vom 31. März 2009 E. 4, A -1544/2006 vom 11. September 2008 E. 4). Diese Kriterien wurden von der ESTV im Wesentlichen bereits am 2. März 1999 mittels Schrei ben dem Schweizerischen Coiff eurmeisterver- band mitgeteilt. Ob ein eigenständiger Aussenauftritt vorliegt (und damit eine Tätigkeit im mehrwertsteuerlichen Sinn als selbständig anzusehen ist ), bestimmt sich stets aufgrund einer umfassen den Würdigung sämtlicher einschlä giger Faktoren (vgl. statt vieler : Urteil des Bundes gerichts 2C_554/2010 vom A-6367/2011 Seite 8 21. September 2011 E. 2.2). Sind sämtliche der von der ESTV im erwähn- ten Schreiben aufgeführten Kriterien erfüllt, so kann der Steuerpflichtige im Sinne einer sog. "safe haven rule" da von ausgehen, dass keine B e- handlung als gemeinsames Steuersubjekt erfolgt . Ob dies umgekehrt aber auch bedeutet, dass aus der Nichterfüllung eines einzelnen Kriteri- ums zwingend auf ein gemeinsames Steuersubjekt zu schliessen ist – wie sich dies der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsg e- richts entnehmen lässt ( vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1802/2008 vom 19. Mai 2010 E. 3.3.2, A -1634/2006 vom 31. März 2009 E. 4, A-1544/2006 vom 11. September 2008 E. 4 ) –, braucht vorlie- gend nicht entschieden zu werden. 2.2.6 Die mehrwertsteuerliche Qualifikation von Vorgängen hat nicht in erster Linie aus einer zivil-, sprich vertragsrechtlichen Sicht, sondern nach wirtschaftlichen, tatsächlichen Kriterien zu erfolgen (Urteil des Bundesgerichts 2A.304/2003 vom 14. November 2003 E. 3.6.1 mit Hi n- weisen; BVGE 2007/23 E. 2.3.2 ; ausführlich: DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechenden Wirkungen auf das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 112). Der wirtschaft lichen Betrachtungs weise kommt im Bereich der Mehrwertsteuer nicht nur bei der rechtlichen Qualifikation von Sach - verhalten, sondern auch bei der Auslegung von zivilrechtlichen und von steuerrechtlichen Begriffen vorrangige Bedeutung zu (Urteil des Bundes - gerichts 2A.43/2002 vom 8. Januar 2003, veröffentlicht in Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 73 S. 565 ff. E. 3.2; BVGE 2007/23 E. 2.3.2). Nicht entscheidend ist deshalb grundsätzlich, wie die Parteien ihr Ver tragsverhältnis ausge stalten (Urteil des Bundesgerichts 2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3.2; zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4011/2010 vom 18. Januar 2011 E. 2.4). 3. 3.1 Sinngemäss rügt der Beschwerdeführer die unrichtige Rechtsanwe n- dung durch die ESTV. So sei die Untermieterin selbständig tätig gewesen und daher mehrwertsteuerlich als selbständiges Steuersubjekt zu beha n- deln. Ihre Umsätze seien daher auch nicht dem Beschwerdeführer hinzu- zurechnen, sondern ihr selbst zu besteuern. Da f ür die Beur teilung der Selbständigkeit und die Bestimmung des mehrwertsteuerrechtlichen Leis- tungserbringers das Handeln im eigenen Namen gegen aussen das ent- scheidende Kriterium ist (E. 2.2.2 ff.), ist im Folgenden zu ermitteln, ob und gegebenenfalls wie die Coiffeurleistungen des Beschwerdeführers und der Untermieterin für einen neutralen Dritten objektiv erkennbar mit A-6367/2011 Seite 9 einem eigenständigen Marktauftritt in Erscheinung traten (E. 3.2; vgl. Ur- teil des Bundesverwaltungsgerichts A-2950/2011 vom 8. Feb ruar 2008 E. 3.1.1). Folgt aus der Überprü fung des Kriteriums des Aussenauftritts , dass aus mehrwertsteuerlicher Sicht nur ein Coiffeurbetrieb vorlag, erfolg- te die gemeinsame Besteuerung aller Umsätze zu Recht. Vorab ist festzuhalten, dass es − entgegen den Vorbringen des B e- schwerdeführers − bei der Prüfung des Kriteriums des eigenständigen Marktauftritts nicht darum geht, staatlich festzulegen, "wer mit wem z u- sammen zu arbeiten hat". Sie dient vielmehr − wie dargelegt − der Klä- rung der Frage, ob mehrwertsteuerlich eigenständige Steuersubjekte vor- liegen. 3.2 3.2.1 Der eigenständige Marktauftritt zeichnet sich, wie oben dargestellt wurde (E. 2.2.5), zunächst insbesondere dadurch aus, dass eigene Fi r- menschilder für die einzelnen Betriebe bestehen. Der Beschwerdeführer behauptet diesbezüglich, dass die Coiffeurräumlichkeiten am Schaufens- ter mit " Coiffeur A.______ Herrensalon" angeschrieben gewesen seien und sich kein Hinweis auf die Geschäftstätigkeit der Untermieterin, wel- che ihre Coiffeurtätigkeit en lediglich gegenüber weiblicher Kundschaft angeboten habe, habe finden lassen. Ein eigenes Firmenschild habe die Untermieterin nicht besessen und auch nicht benötigt, da sie nur Kundi n- nen aus ihrem Bekannten kreis bedient habe. Die ESTV bestreitet diese Behauptungen des Beschwerdeführers nicht. In den Akten lassen sich keine Hinweise finden, dass die Untermieterin auch männliche Kun d- schaft bedient hätte, was die ESTV im Übrigen auch nicht geltend macht. Die Aussenbeschriftung des Schaufensters bezog sich s omit für jede r- mann sichtbar lediglich auf die Tätigkeiten des Beschwerdeführers . Mit anderen Worten trat der Beschwerdeführer in Bezug auf die Beschriftung nur mit seinen eigenen Coiffeurleistungen gegenüber Dritten auf, nicht aber mit denjenigen der Untermieterin. Demgegenüber hatte diese für ih- re Coiffeur leistungen offenbar gar keinen eigenständigen Aussenauftritt. Mangels Aussenbeschriftung der Untermieterin am Coiffeursalon war so seitens eines objektiven Dritten nicht erkennbar, dass im Lokal auch − gegebenenfalls von einem weiteren selbständigen Leistungserbringer − Damencoiffeurleistungen erbracht wurden. Vielmehr musste der objektive Dritte davon ausgehen, dass alle Leistungen im Lokal von demselben Un- ternehmensträger erbracht werden, nämlich vom Beschwerdeführer, des- sen Firmenbezeichnung angeschrieben war. Dies spricht gegen einen e i-A-6367/2011 Seite 10 genständigen Aussenauftritt der Untermieterin und objektiv erkennbar für einen gemeinsamen Auftritt der beiden. 3.2.2 Ein weiteres Indiz für das Vorhandensein von zwei getrennten Un- ternehmen mit eigenständigem Aussenauftritt sind separate Telefonan- schlüsse (E. 2.2.5). Der Beschwerdeführer behauptet diesbezüglich, so- wohl er, als auch die Untermieterin seien je unter einer eigenen T elefon- nummer erreichbar gewesen. Die Untermieterin hätte ihre Aufträge vor al- lem im privaten Umfeld akquiriert, wofür sie lediglich ihr eigenes Mobilte- lefon verwendet hätte. Ihre Telefonnummer sei nicht in Telefonverzeich- nissen registriert gewesen. Kundenkontakte der Untermieterin über den Telefonanschluss des Beschwerdeführers hätten nicht stattgefunden. Da die Untermieterin offenbar nur gegenüber ihrem bereits vorhandenen Kundenstamm telefonisch bekannt war, hielt sich ihr Aussenauftritt in B e- zug auf den telefonischen Kundenkontakt in diesen engen Grenzen. Noch nicht zum Kundenstamm gehörende Dritte konnten mithin mangels Tele- fonregistereintrag wohl nur unter erschwerten Bedingungen mit ihr telefo- nisch Kontakt aufnehmen. Von einem eigenständigen Marktauftritt der Untermieterin in Sachen telefonischer Erreichbarkeit kann bei solcher Sachlage nicht gesprochen werden. 3.2.3 Weitere Indizien für das Vorliegen eine s selbstständigen Marktauf- trittes sind das Führen eigener Kassen und Buchhaltung mit eigenen Bank- bzw. Postkonti, eigene Bestellformulare, Rechnungen, Quittungen und Kassazettel sowie eigene Betriebsmittel (E. 2.2.5). Zudem haben die jeweiligen Geschäftsinhaber grundsätzlich mit den Sozialversicherungen selbständig abzurechnen. Der Beschwerdeführer behauptet, dass diese Kriterien alle vorgelegen hä tten, womit ein selbständiger Marktauftritt der Untermieterin gegeben gewesen sei. So habe sie eine eigene Kasse und eigene Bücher geführt. Insbesondere habe die Untermieterin sämtliche verwendete Produkte − wie Waschmittel, Farben, Festiger und Sprays − selbständig und auf eigene Rechnung bezogen. Die ESTV vermag diese Behauptungen nicht zu wiederlegen. Aus den Steuerveranlagungen von 2004 bis 2007 der Untermieterin ergibt sic h, dass diese ihre Einkünfte aus den Coiffeurtätigkeiten selbständig direktsteuerlich deklariert hat. Die Behauptungen des Beschwerdeführers, dass eine selbständige Buchfüh- rung und der eigenständige Bezug von Betriebsmitteln vorgelegen hätten, erscheinen somit als glaubhaft. Es ist davon auszugehen, dass die Un- termieterin zumindest gegenüber ihren Lieferanten und den kantonalen Steuerbehörden als Selbständige mit eigenem Unternehmen aufgetreten ist. A-6367/2011 Seite 11 3.2.4 Bei Vorliegen eines gemeinsamen Eingangs (wie im vorliegen den Sachverhalt) sollten die Geschäftsräumlichkeiten der einzelnen Unte r- nehmen deutlich voneinander getrennt und beschriftet sein, damit jede eintretende Person die Selbständigkeit der Geschäfte erkennen kann. Es handelt sich gemäss ständiger Rechtsprechun g des Bundesverwaltungs- gerichts und Praxis der ESTV um ein gewichtiges Kriterium für d ie An- nahme eines aus mehrwertsteuerlicher Sicht selbständigen Marktauftritts (E. 2.2.5). Ohne klare räumliche Trennung vermag ein objektiver Dritter an sich wirtschaftlich eigenständige Unternehmen nicht voneinander zu unterscheiden, infolgedessen im mehrwertsteuerlichen Sinne mangels ei- genständigem Aussenauftritt auch keine unabhängigen Unternehmen b e- stehen können. Die ESTV verlangt diesbezüglich , dass die r äumliche Trennung durch "dauerhafte am Gebäude befestigte (angeschraubte oder einzementierte und zum dauernden Verbleib bestimmte) Trennwände und separate Anschrift" vollzogen sein müsse; ungenügend seien u.a. "mobile Trennwände oder Verkaufsständer". Vorliegend seien die Räumlichkeiten des Coiffeur salons durch den Beschwerdeführer und die Untermieterin gemeinsam − ohne klare räumliche Abgrenzung − genutzt worden. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass keine mittels fest befestigten Wänden getrennte Ge schäftsräumlichkeiten vorgelegen hätten. Vielmehr sei der Coiffeursalon bis Ende der Neunzigerjahre in zwei selbstständige, räumliche Bereiche aufgeteilt gewesen. Im hinteren Teil habe sich der Damensalon befunden und im vorderen habe der Beschwerdeführer sei- nen Herrensalon betrieben. Nach dem Umbau des Gebäudes sei einzig das Geschäft des Beschwerdeführers verblieben. Mit anderen Worten gesteht der Beschwerdeführer zu, dass keine eigentliche räumliche Tren- nung innerhalb seines Lokals vorlag, welche es unab hängigen Dritten ermöglicht hätte, eine Unterscheidung vom Betrieb des Beschwerdefü h- rers und dem angeblichen eigenständigen Geschäft der Untermieterin zu unterscheiden. Zwar behauptet der Beschwerdeführer, eine Trennung "in Form von internen Einheiten" sei erfolgt. Inwiefern eine solche Trennung vorgelegen haben soll, vermag er aber nicht darzulegen. Selbst wenn da- von auszugehen wäre, dass die Untermieterin einen eigenen Stuhl zur Durchführung ihrer Tätigkeit zugewiesen erhalten hat, hätte sich dieser für einen objektiven Dritten mangels genügender räumlicher Abgrenzung nicht erkennbar als eigenständiges Coiffeurgeschäft präsentiert. Damit liegt kein getrennter räumlicher Aussenauftritt vor, welcher für das Vorli e- gen von zwei getrennten Unternehmen aber notwendig wäre. 3.2.5 Gegen das Vorhandensein zweier mehrwertsteuerlich selbständiger Unternehmen spricht zudem der Inhalt des undatierten Untermietvertr a-A-6367/2011 Seite 12 ges zwischen dem Beschwerdeführer und der Untermieterin. Zwar erfolgt, wie oben dargelegt, die mehrwertsteuerliche Beurteilung eines Sachve r- halts grundsätzlich anhand der tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse und nicht anhand der zivilrechtlichen Ausgestaltung eines Vertragsve r- hältnisses (E. 2.2.6), doch können diese Hinweise auf die tatsächli chen wirtschaftlichen Verhältnisse geben. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass gemäss dem undatierten Untermietvertrag seitens der Untermieterin hälftig die anfallenden Wasser, Strom und insbesondere auch "Repräsen- tationsspesen" zu tragen waren. Zwar regelt der Vertrag nicht ausdrüc k- lich den Umfang dieser Repräsentationsaufgaben, dennoch verpflichtete sich der Beschwerdeführer − zumindest teilweise − gegen aussen (d.h. gegenüber Dritten) im Auftrag der Untermieterin aufzutreten. Es wird w e- der behauptet, noch besteht hierfür Grund zur Annahme, dass diese Rep- räsentation ausdrücklich im Namen der U ntermieterin vorgenommen wurde. Auch die Übertragung der Repräsentationsaufgaben mit dem U n- termietvertrag zwischen dem Beschwerdeführer und der Untermieterin deutet darauf hin , dass die Un termieterin über keinen eigenen Marktauf- tritt verfügte. 3.3 Mit Ausnahme des Einkaufs von Betriebsmitteln bei Lieferanten ist die Untermieterin damit nicht sichtbar selbständig am Markt aufgetreten. Die Gesamtwürdigung der Umstände legt den Schluss nahe, dass kein genü- gender Aussenauftritt der Geschäftstätigkeit der Un termieterin vorlag, welcher die Begründung eines eigenständigen Mehrwerts teuersubjekts und die Zurechnung der erbrachten Leistungen zu diesem zur Folge hätte (E. 2.2.4). Dass die Untermieterin offenbar eigenes unternehmerisches Risiko getragen und organisatorisch unabhängig vom Beschwerdeführer ihre Coiffeurleistungen erbracht habe, vermag diesen fehlenden sel b- ständigen Aus senauftritt der Untermieterin nicht zu heilen und braucht daher vorliegend nicht geprüft zu werden . Mangels selbständigen Au s- senauftritts ist die ESTV unter den vorliegend gegebenen Umständen be- rechtigterweise von einem gemeinsamen Aussenauftritt ausgegangen und hat damit zu Recht die von der Untermieterin erzielten Umsätze dem Beschwerdeführer hinzugerechnet und bei diesem besteuert. 3.4 Die Höhe und die Methode der von der ESTV vorgenommenen U m- satzschätzung wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Die ESTV hat mit dem Abstellen auf die Steue rerklärungen der Untermieterin für die Jahre 2004 bis 2006 eine Schätzungsmethode gewählt, mit welcher der von ihr erzielte Umsatz sachgerecht ermittelt werden konnte. Weder aus den Parteivorbringen noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte, A-6367/2011 Seite 13 dass die vorgenommene Umsatzermittlung fehlerbehaftet sein könnte (E. 1.2). Das Vorgehen der ESTV ist damit in Bezug auf die Schätzung des Umsatzes der Untermieterin − der mangels eigenständigem Aussenauf- tritt mehrwertsteuerlich dem Beschwerdeführer zugerechnet werden muss (E. 3.3) − nicht zu beanstanden. 4. Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde abzuweisen. Ausgangsg e- mäss sind die Verfah renskosten in der Höhe von Fr. 1'2 00.-- dem B e- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwV G) und mit dem in glei- cher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Eine Parteien t- schädigung an den Beschwerdeführer ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200. -- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvo r- schuss verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. A-6367/2011 Seite 14 Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Michael Beusch Ralf Imstepf Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundes ge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismitt el sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: