A bteilung V E -4438/2007 E -4440/2007 E -4442/2007 gyk/jap {T 0/2} U rteil vom 13. Juli 2007 M itw irkung: R ichter G ysi, Badoud, Teuscher G erichtsschreiber Jaggi 1. A ._______, geboren _______, 2. B ._______, geboren _______, 3. C ._______, geboren_______, 4. D ._______, geboren _______, Türkei, alle vertreten durch Edith H ofm ann, Freiplatzaktion Zürich, _______, G esuchsteller, gegen B undesverw altungsgericht, Postfach, 3000 Bern 14, betreffend U rteile vom 21. M ai 2007 i.S. A syl und W egw eisung (R evision) / N _______, N _______, N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D ie G esuchsteller ersuchten am 1. O ktober 2003 in der Schw eiz um Asyl. M it drei gesonderten Verfügungen vom 19. April 2005 stellte das Bundesam t für M igration (BFM ) fest, die G esuchsteller erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. G leichzeitig ordnete es deren W egw eisung aus der Schw eiz und den Vollzug an. B. M it drei separaten U rteilen vom 21. M ai 2007 (_______, _______, _______) w ies das Bundesverw altungsgericht die Beschw erden der G esuch-steller vom 18. M ai 2005 gegen die Verfügungen des BFM vom 19. April 2005 ab. C . Am 29. Juni 2007 beantragen die G esuchsteller durch ihre R echtsvertreterin die revisionsw eise Aufhebung der U rteile des Bundesverw altungsgerichts vom 21. M ai 2007 und die G ew ährung von Asyl, eventualiter den Verzicht auf den Vollzug der W egw eisung unter gleichzeitiger Anordnung der vorläufigen Aufnahm e. In prozes- sualer H insicht ersuchen sie sinngem äss um Aussetzung des Vollzugs der W eg- w eisungen für die D auer des R evisionsverfahrens und um Verzicht auf die Erhe- bung von Kostenvorschüssen. Zur Stützung der Vorbringen reichen sie ein Ü ber- w eisungsform ular und ein Arztzeugnis vom 4. Juni 2007 betreffend am bulanter Be- handlung der G esuchsteller 1 und 2 zu den Akten; gleichzeitig stellen sie ein w ei- teres Arztzeugnis die G esuchstellerin 2 und eine Bestätigung für den bevorstehen- den M ilitärdienst den G esuchsteller 4 betreffend in Aussicht. Auf die Begründung w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegan- gen. D . M it Zw ischenverfügung vom 2. Juli 2007 setzte der zuständige Instruktionsrichter den Vollzug der W egw eisungen vorläufig aus. E. D a die drei R evisionsgesuche in der Sache zusam m enhängen und in allen drei Verfahren derselbe R evisionsgrund angerufen w ird, rechtfertigt es sich vorliegend, die Vorbringen in einem U rteil zu beurteilen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 D as Bundesverw altungsgericht ist für die Beurteilung von R evisionsgesuchen ge- gen seine U rteile zuständig. G em äss Art. 45 des Verw altungsgerichtsgesetzes 3 vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) gelten für die R evision von Entscheiden des Bundesverw altungsgerichts die Artikel 121 - 128 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BG G , SR 173.110) sinngem äss. Auf Inhalt, Form , Verbesserung und Ergänzung des R evisionsgesuchs findet Art. 67 Abs. 3 des Verw altungsver- fahrensgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 [Vw VG , SR 172.021] Anw endung. 1.2 D ie G esuchsteller haben ein schutzw ürdiges Interesse an der Änderung der U rtei- le vom 21. M ai 2007 und sind daher zur Einreichung der R evisionsgesuche legiti- m iert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c Vw VG in analogiam ; vgl. auch U . Beerli-Bonorand, D ie ausserordentlichen R echtsm ittel des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 65 ff.). 2. 2.1 M it dem ausserordentlichen R echtsm ittel der R evision w ird die U nabänderlichkeit und M assgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschw erdeentscheides angefochten, im H inblick darauf, dass die R echtskraft beseitigt w ird und über die Sache neu ent- schieden w erden kann (vgl. F. G ygi, Bundesverw altungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 229 f.). 2.2 An die Begründung ausserordentlicher R echtsm ittel w erden erhöhte Anforderun- gen gestellt (Art. 125 BG G ; Art. 67 Abs. 3 Vw VG ). In der R echtsschrift ist die R echtzeitigkeit des R evisionsbegehrens darzutun; zudem ist anzugeben, w elcher gesetzliche R evisionstatbestand angerufen w ird und in w iew eit Anlass besteht, ge- rade diesen G rund geltend zu m achen. Sind dem G esuch nicht genügend substan- ziierte, w irkliche R echtsm ittelgründe zu entnehm en, ist darauf überhaupt nicht ein- zutreten (vgl. FR ITZ G YG I, a.a.O . S. 229 f.). D em gegenüber ist nicht erforderlich, dass die angerufenen R evisionsgründe w irklich bestehen, sondern es genügt, w enn der G esuchsteller deren Vorliegen behauptet (vgl. BG E 96 I 279; U R SIN A BEER LI-BO N O R AN D , a.a.O . S. 148 f.). 2.3 Vorliegend w ird der R evisionsgrund der versehentlichen N ichtberücksichtigung von in den Akten liegenden erheblichen Tatsachen (121 Bst. d BG G ) geltend ge- m acht und die R echtzeitigkeit der R evisionsbegehren dargetan. D ie Eingaben er- w eisen sich dam it als hinreichend begründet. Auf die im Ü brigen frist- und form ge- recht eingereichten (vgl. Art. 124 VG G ; Art. 47 VG G i.Vm . Art. 67 Abs. 3 Vw VG i.V.m . Art. 52 Vw VG ) R evisionsgesuche ist deshalb einzutreten. 2.4 Aus den nachstehend dargelegten G ründen liegen unbegründete R evisionsgesu- che vor, w eshalb von einem Schriftenw echsel abzusehen ist (Art. 127 BG G ). 3. 3.1 G em äss Art. 121 Bst. d BG G kann die R evision eines Entscheides verlangt w er- den, w enn das G ericht in den Akten liegende erhebliche Tatsachen aus Versehen nicht berücksichtigt hat. Erheblich im Sinne von Art. 121 Bst. d BG G sind Tatsa- chen dann, w enn sie geeignet sind, zu einem anderen, für die gesuchstellende Partei günstigeren Ergebnis zu führen. 3.2 Vorliegend w ird als Begründung für das Vorliegen des angerufenen R evisionsgrun-4 des im W esentlichen geltend gem acht, es sei der dem kantonalen Anhörungspro- tokoll beigelegte Beleg N um m er 1 (Akte BFM A10/24 S. 20, Beilage 1) vom 11./18. O ktober 2003, der Folterm arken die G esuchstellerin 2 betreffend festhalte, versehentlich nicht berücksichtigt w orden. D ie G esuchstellerin 2 habe bei allen drei Anhörungen und insbesondere auch bereits anlässlich der Kurzbefragung in der Em pfangsstelle vom 6. O ktober 2003 geltend gem acht, sie sei am 23. Septem ber 2003 zu H ause in E._______ abgeholt und für einen Tag auf der Sicherheitsdirektion festgehalten w orden, w o sie nach dem Aufenthaltsort ihres Ehem annes gefragt und sehr schw er geschlagen w orden sei. Beim Beleg N um m er 1 handle es sich um eine N otiz von D r. m ed. F._______ m it folgendem Inhalt: „Es liegen m ultiple kleine Kontusionsm arken vor an Arm en und Beinen, sow ie Schw el- lungen an beiden Knöchelregionen. U nklares Schw ellungsgefühl linke G esichts- hälfte.“ D er Arzt habe der G esuchstellerin zudem M edikam ente, ein Antihyper- tonicum m it diuretischer W irkung, ein Schm erzm ittel, ein G el gegen M uskel- und R heum aschm erzen und ein Beruhigungsm ittel gegen Angst verschrieben. D ie G esuchstellerin 2 sei offenbar am 11. und 18. O ktober 2003 vom besagten Arzt untersucht respektive behandelt w orden. D ieser Kurzbericht des H ausarztes und die dazugehörenden Aussagen seien nicht sofort abgeklärt und später aus Verse- hen nicht berücksichtigt w orden. Seit der Einreise der Fam ilie habe es im m er w ie- der sehr deutliche H inw eise auf eine zw ar kurze, aber schw ere Foltererfahrung der G esuchstellerin 2 gegeben, deren Spuren nach der Einreise in die Schw eiz noch gesehen w erden konnten. 3.3 Im U rteil vom 21. M ai 2007 die G esuchsteller 1 und 2 betreffend (_______) w urde in Bezug auf den G esundheitszustand der G esuchstellerin unter anderem ausgeführt (vgl. Ziff. 4.2.12 der Erw ägungen), gem äss ärztlichem Bericht von D r. m ed. G ._______ vom 27. Juni 2005 leide sie an einer posttraum atischen Belastungsstörung (IC D -10: F43.1) und an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenw ärtig m ittelgradige Episode m it som atischen Sym ptom en (IC D -10: F33.1). D ie unter dem Titel „Anam nese“ in den Zeugnissen w iedergegebenen Angaben der G esuchsteller sow ie w eitere Ausführungen in den ärztlichen Berichten entsprächen den vom Bundesverw altungsgericht als nicht glaubhaft bew erteten Asylvorbringen der G esuchsteller. In Anbetracht der vorstehenden Erw ägungen könnten die ärztlichen Zeugnisse daher nicht als ausschlaggebendes Indiz für die G laubhaftigkeit der Aussagen der G esuchsteller gew ertet w erden. D ie Zum utbarkeit des Vollzugs der W egw eisung w urde unter anderem dam it begründet (vgl. Ziff. 6.10 der Erw ägungen), die eingereichten ärztlichen Zeugnisse seien nicht geeignet, als Bew eism ittel für die als U rsache der posttraum atischen Belastungsstörung geltend gem achten Folterungen zu dienen. Vielm ehr sei aufgrund der Aktenlage und den entsprechenden Ausführungen in den ärztlichen Berichten davon auszugehen, dass die U rsachen der diagnostizierten posttraum atischen Belastungsstörungen anderer N atur und insbesondere auch im ungew issen Aufenthaltsstatus der G esuchsteller hier in der Schw eiz begründet seien. N ach den Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerichts sei eine allenfalls w eiterhin benötigte therapeutische und m edikam entöse Behandlung durch einen Psychiater auch in der Türkei m öglich. 3.4 Festzustellen ist, dass der sich bei den Akten des BFM befindliche Kurzbericht von D r. m ed.F._______ vom 11./18. O ktober 2003 im U rteil vom 21. M ai 2007 nicht ex-5 plizit erw ähnt w ird. Alleine aus diesem U m stand kann jedoch nicht bereits gefolgert w erden, das Bundesverw altungsgericht habe eine aktenkundige Tatsache verse- hentlich nicht berücksichtigt. Im U rteil w urde in ausführlicher und um fassender W eise begründet, w eshalb die Asylvorbringen nicht glaubhaft dargelegt w orden und die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht er- füllt seien. Vorliegend kann indessen offen bleiben, ob die ärztliche Kurznotiz ver- sehentlich nicht berücksicht w urde, zum al das fragliche Schriftstück m angels Er- heblichkeit nicht geeignet ist, zu einem anderen, für die gesuchstellende Partei günstigeren Ergebnis zu führen. Insbesondere sind die U rsachen der ärztlichen Feststellungen in der Kurznotiz (m ultiple kleine Kontusionsm arken an Arm en und Beinen, Schw ellungen an beiden Knöchelregionen, unklares Schw ellungsgefühl linke G esichtshälfte) unbekannt und gelingt es den G esuchstellern m it diesem D o- kum ent nicht, eine andere Beurteilung ihrer im ordentlichen Asylverfahren als nicht glaubhaft qualifizierten Vorbringen herbeizuführen. Auf die Ausführungen in den R evisionseingaben, die Vorbringen der G esuchsteller seien im U rteil vom 21. M ai 2007 unrichtig gew ürdigt w orden, braucht nicht näher eingegangen zu w erden, zum al es sich um eine U rteilskritik handelt, die revisions- rechtlich unerheblich ist. D as Vorbringen, die G esuchstellerin 2 sei am 28. Juni 2007 durch den H ausarzt in die psychiatrische Klinik M ünsingen überw iesen w orden, nachdem sie erfahren habe, dass der G esuchsteller 4 die Schw eiz am 25. Juli 2007 verlassen m üsse, stellt nicht einen revisionsrechtlichen, sondern allenfalls einen w iedererw ägungs- rechtlich erheblichen Sachverhalt dar, für dessen Beurteilung das BFM zuständig w äre. Ebensow enig verm ögen die G esuchsteller in revisionsrechtlicher H insicht aus den eingereichten ärztlichen D okum enten (Ü berw eisungsform ular, Arztzeugnis vom 4. Juni 2007) etw as zu ihren G unsten abzuleiten, zum al diese inhaltlich lediglich Tatsachen (attestierte posttraum atische Belastungsstörungen beim G esuchsteller 1 und der G esuchstellerin 2) betreffen, w elche bereits dem U rteil vom 21. M ai 2007 zugrunde lagen. Vor diesem H intergrund braucht das in Aussicht gestellte w eitere Arztzeugnis die G esuchstellerin 2 betreffend nicht abgew artet zu w erden. Schliesslich ist auch die in Aussicht gestellte Bestätigung für den bevorstehenden M ilitärdienst den G esuchsteller 4 betreffend nicht geeignet, einen R evisionsgrund im Sinne des G esetzes darzutun und erübrigt es sich m it der gleichen Begrün- dung, auf die w eiteren Ausführungen in den R evisionseingaben näher einzugehen. 4. Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass es den G esuchstellern nicht gelingt, ei- nen R evisionsgrund im Sinne von Art. 121 Bst. d BG G darzutun. D ie G esuche um R evision der U rteile des Bundesverw altungsgerichts vom 21. M ai 2007 sind dem - zufolge abzuw eisen. 5. M it der Abw eisung der R evisionsgesuche w ird die m it Zw ischenverfügung vom 2. Juli 2007 angeordnete Aussetzung des Vollzugs der W egw eisungen gegen- standslos.6 6. Bei diesem Ausgang der R evisionsverfahren sind die Kosten den G esuchstellern aufzuerlegen; diese sind auf insgesam t Fr. 1800.-- festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie R evisionsgesuche w erden abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 1'800.--, w erden den G esuchstellern aufer- legt. D ieser Betrag ist innert 30 Tagen zu G unsten der G erichtskasse zu überw ei- sen. 3. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin der G esuchsteller (eingeschrieben; Beilage: Einzahlungs- schein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Vorakten (R ef.-N rn. N _______, N _______, N _______; Kopie) - H ._______ des Kantons I._______ (Kopie) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: Kurt G ysi Peter Jaggi Versand am :