Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Mai 2022 (720 21 276 / 118) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des verwaltungsexternen polydisziplinären Gutachtens Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber i.V. Egzon Rexhaj Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advoka- tin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 2102, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1968 geborene A.____ meldete sich am 11. Novemb er 2019 unter Hinweis auf Be- schwerden am Rücken, an der Schulter, am Nacken und am Knie sowie Depressionen und ein Burn-Out bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Zur Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit gab die IV-Stelle Basel-La ndschaft (IV-Stelle) im Rahmen der Renten- prüfung ein polydisziplinäres Gutachten beim Ärztlichen Begutachtungsinstitut (ABI) mit den Fachbereichen Innere Medizin, Orthopädie und Psychiatrie in Auftrag. Unter Bezugnahme auf Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dieses Gutachten vom 5. Januar 2021, in welchem die Guta chter sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgingen, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. August 2021 einen Anspruch auf eine Invalidenrente. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanw ältin Raffaella Biaggi, am 14. Sep- tember 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landscha ft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, die angefochtene Verfügung vom 2. August 2021 sei aufzuheben und es sei ihm ab April 2020 die gesetzlich e Invalidenrente zu zahlen. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten einzuholen. Subeventualiter se i die Sache zur gutachterlichen Abklä- rung des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts a n die Beschwerdegegnerin zurückzu- weisen; unter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 28. Oktober 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 8. November 2021 und Duplik vom 7. Dezember 2021) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, so dass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde vom 14. September 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen d es IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. De- zember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden j eweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich- tigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nu r vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (B GE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti- gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät- zen (BGE 141 V 281 E. 2., 3.4-3.6 und 4.1). 2.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.5 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 144 I 21 E. 2.1 mit Hinweisen). 3. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht verneint hat. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des IV-Grades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurteilung der Arbeits- fähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Ver- fügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesu ndheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Per- son arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 am Ende). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zu- mutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufs- arbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persön- lichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der lnvaliditätsschätzung, in: Schaff- hauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begr ündet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerd eführers liegen im Wesentli- chen die folgenden ärztlichen Unterlagen vor: 4.1 Im Arztbericht vom 9. Februar 2020 von Dr. med. B. ____, FMH Rheumatologie und All- gemeine Innere Medizin, hielt dieser als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom, eine chronische Arthralgie im rechten Handgelenk, chroni- sche Belastungsschmerzen im Bereich des lateralen Malleolus rechts, ein obstruktives Schlafap- noesyndrom sowie Schlafstörungen fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien chroni- sche, belastungsabhängige Schultergürtelschmerzen links und eine psychosoziale Belastungssi- tuation. In der Magnetresonanztomographie (MRT) der Lendenwirbelsäule vom 25. November 2019 sehe man eine leichtgradige Rechtskonvexität der Lendenwirbelsäule. Weiter auffällig seien die Mehrsklerosierung im Bereich des Facettengelenkes au f Höhe L5/S1 sowie mässiggradige Osteochondrosen auf Höhe LWK 4/5 und LWK 5/SWK 1 mit leichtgradigen ossären Einengungen der Neuroforamina auf Höhe L4/5. Es seien zudem keine entzündlichen Veränderungen der Len- denwirbelsäule und des Iliosakralgelenkes ersichtlich. Im Vergleich zu den Voraufnahmen vom 10. September 2018 zeige sich eine Progression der degenerativen Veränderungen im Segment L5/S1. Aus rheumatologischer Sicht sei eine berufliche Tätigkeit ohne schwere Rückenbelastun- gen und ohne schwere Belastungen des rechten Handgelenks oder des rechten Sprunggelenks vollzeitig zumutbar. 4.2 Die IV-Stelle stützte ihren Entscheid auf das polydi sziplinäre Gutachten des ABI vom 5. Januar 2021. Der Versicherte wurde in den Fachberei chen Allgemeine Innere Medizin, Psy- chiatrie und Orthopädie begutachtet. Die Gutachter kons tatierten keine Diagnosen mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie eine Panikstörung (ICD-10 F41.0), eine soziale Phobie (ICD -10 F40.2), chronische Beschwerden im lumbalen und beidseitigen Beckenbereich, chronische Besch werden im lateralen Rückfussbe- reich rechts, ein chronisches unspezifisches multilokuläres Sc hmerzsyndrom, ein obstruktives Schlafapnoesyndrom, eine Adipositas und einen chronischen Nikotinabusus. 4.2.1 Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin , führte in seinem Teilgutachten aus, dass der Explorand in einem unauffälligen Allgemeinzustand gewesen sei. Er diagnostizierte ein obstruktives Schlafapnoesyndrom, eine Adipositas sowie einen chronischen Nikotinabusus. Alle Diagnosen seien ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkei t. Retrospektiv würden sich aus allge- meinmedizinischer Sicht keine Hinweise für eine langand auernde Arbeitsunfähigkeit in der Ver- gangenheit finden. Auch wenn sich der Explorand aufgr und seiner chronischen Beschwerden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Tätigkeit vorstellen könne, bestehe aus allgemeinm edizinischer Sicht eine uneinge- schränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit. 4.2.2 Med. pract. D.____, FMH Psychiatrie und Psychothera pie, äusserte sich in seinem Teil- gutachten dahingehend, dass der Explorand während der Untersuchung wach, bewusstseinsklar und voll orientiert gewesen sei. Es hätten sich keine Hinweise auf klinisch relevante Beeinträch- tigungen des kognitiven Funktionsniveaus gezeigt. Die Stimmungslage habe sich euthym gezeigt, wobei auch Ängste geäussert worden seien, wie es mit dem Haus und der Wohnsituation weiter- gehe. Der Explorand habe zudem Angst, den Kontakt zu seiner Familie zu verlieren. Der Antrieb habe sich bei guter affektiver Modulationsfähigkeit nor mal gezeigt. Es hätten sich im Weiteren gedanklich eine Tendenz zu Resignation mit negativistisch geprägten Zukunftsgedanken, ein zu- nehmendes Fehlen einer Tagesstruktur sowie Symptome aus dem Spektrum der Angststörungen gezeigt. So habe der Explorand phobisch anmutende Symptome geäussert. Zudem habe er im- mer wieder Panikattacken. Med. pract. D.____ diagnostizierte eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) sowie eine soziale Phobie (ICD-10 F40.2). Die geäusserten Zukunftsängste seien vor einem re- alistischen Hintergrund anzunehmen. Auch die vom Exploranden angegebene Verschlechterung der Verfassung sei normalpsychologisch nachvollziehbar und habe keinen Krankheitswert. Für das Vorliegen einer Traumafolgestörung habe er keine Anhaltspunkte gefunden. Es seien bezüg- lich der verstorbenen Tochter weder in diese Richtung we isende Albträume noch Flashbacks beschrieben worden. Auch für das Vorliegen einer andauernden Persönlichkeitsstörung nach Ext- rembelastung habe sich kriteriengeleitet kein Hinweis g efunden. Ferner sei auch keine Persön- lichkeitsstörung zu diagnostizieren. Eine solche hätte sich in der Kindheit und Jugend entwickelt und den Exploranden bis heute in verschiedenen Lebensbe reichen erheblich beeinträchtigt. Es sei dem Exploranden jedoch gelungen, über Jahre seine Kinder aufzuziehen. Es hätten sich keine Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden gezeigt, wobei es Tendenzen zur Selbstlimitierung mit insgesamt pessimistisch geprägt er Grundhaltung gegeben habe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Auch retrospektiv würden sich keine Anhaltspunkte für eine verminderte Arbeitsfähigkeit i n der Vergangenheit finden. Der behan- delnde Psychiater Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, habe in seinem Arzt- bericht vom 25. November 2019 die Diagnosen einer ängst lich-vermeidenden Persönlichkeits- störung, Merkmale einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung und einer posttraumatischen Belastungsstörung, Verdachtsmomente ein er wahnhaften Störung, eine ADHS, eine chronische Fatigue bei Schlafapnoe sowie häu figer Depression gestellt. In der Be- gutachtung habe es jedoch keine Anzeichen für ein die Ar beitsfähigkeit beeinträchtigendes Stö- rungsbild aus dem Spektrum der psychischen Erkrankungen gegeben. Zudem mache Dr. E.____ keine dezidierten Angaben zur Höhe der Arbeitsfähigkeit. Er gebe lediglich an, dass die Arbeits- fähigkeit schon lange eingeschränkt sei. 4.2.3 Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie un d Traumatologie des Bewegungsap- parates, diagnostizierte chronische Beschwerden im lumbalen und beidseitigen Beckenbereich, chronische Beschwerden im lateralen Rückfussbereich rechts und ein chronisches unspezifi- sches multilokuläres Schmerzsyndrom. Das Gangbild auf Trep pe und ebenem Terrain mitsamt den geprüften Varianten sei unauffällig gewesen. Bei der Untersuchung der Wirbelsäule habe der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Explorand unter Gegenhalten eine thorakolumbal deutli ch verminderte Beweglichkeit demons- triert, wobei diese zervikal frei gewesen sei. Auch an den oberen und unteren Extremitäten bestehe eine freie Beweglichkeit. Der Expl orand habe sehr diffus über seine Be- schwerden berichtet. Bereits bei Erwähnung des Leidensdruckes am rechten Beckenkamm habe er aufgestöhnt. Immer wieder sei es während der Unter suchung zu sehr grotesk wirkendem Schmerzgebaren gekommen. So habe er demonstriert, sich praktisch nicht aus der Rückenlage erheben zu können, indem er verschiedenste Positionswechse l vorgenommen habe und schliesslich am Rand der Untersuchungsliege weinend massiv i nvalidisierende Schmerzen prä- sentiert habe. Der Leidensdruck sei auch bei der Palpat ion nicht fassbar gewesen. So habe er bei der Palpation der Halswirbelsäule eine deutliche n onverbale Schmerzreaktion gezeigt und dann auf Nachfrage Beschwerden verneint. Drei von fünf Waddell-Zeichen seien positiv gewe- sen. Den radiologischen Befunden könne man deutliche d egenerative Veränderungen der tief- lumbalen Wirbelsäule ohne klaren Hinweis auf Neurokom pression entnehmen. Die radiologi- schen Befunde der Hüft- und Iliosakralgelenke seien jedoch als regelrecht zu bezeichnen. Auch am rechten Sprunggelenk und Fuss, an der Halswirbelsäul e sowie dem rechten Ellbogen- und Kniegelenk würden relevante Veränderungen fehlen. Am rechten Handgelenk seien eine Läsion des dreieckigen ulnokarpalen Komplexes und das Vorliegen von Gelenkskörpern im distalen Ra- dioulnargelenk dokumentiert. Aufgrund des sich klinisch ze igenden blanden Befundes verzichte er auf die Anfertigung neuer Bilddokumente. Zusammenfassend könne man festhalten, dass die beklagten Beschwerden durch die klinischen und radiologischen Befunde nicht begründbar seien. Nachvollziehbar sei aber, dass aufgrund der tieflumbalen degenerativen Veränderungen ein ge- wisser Leidensdruck bei stärkerer Belastung entstehe. Dem entsprechend könne der Explorand körperlich nur leichte bis mittelschwere Arbeiten unter Wechselbelastung verrichten. Dabei sollten das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg bis selten 15 kg sowie die längerdauernde Ein- nahme von Zwangshaltungen des Rumpfes vermieden werd en. Unter diesen leidensangepass- ten Bedingungen sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 4.3 Dr. med. G.____, FMH Anästhesiologie, und Dr. med . H.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt en im Arztbericht der Klinik für Schmerztherapie des Spitals I.____ vom 5. Februar 2021 als Diagnose ein exazerbiertes Lum- bovertebralsyndrom rechtsbetont fest bei ausgeprägter Spo ndylarthritis des Iliosakralgelenks beidseitig, Spinalkanalstenose auf Höhe L5/S1 und Status nach Infiltration der Facettengelenke auf Höhe L4/5 sowie L5/S1 rechts im November 2020. Di e Beweglichkeit im Bereich des lum- bosakralen Übergangs sei massiv eingeschränkt. Es bestehe eine Druckdolenz paravertebral auf Höhe L5 und beim Beckenkamm rechts. Die Lendenwirbelsäu le sei nicht klopfdolent. Das Iliosakralgelenk sei beidseitig wenig druckdolent. Der Mennell-Test sei in Seitenlage durchgeführt worden (da Bauchlage nicht möglich) und sei negativ ausgefallen. Man habe auf den Bildern die Spinalkanalstenose Schizas B auf Höhe L5/S1 gesehen, wob ei die vertebrale Muskulatur über den Wirbelkörpern durch Fett ersetzt sei. Auffallend sei jedoch vor allem, dass das Iliosakralge- lenk mit dem Ileum komplett verbacken sei. Es handle sich um eine Spondylarthritis mit ausge- prägter funktioneller Versteifung. Die Schmerzen seien durch diesen Befund klar zu erklären. Im Arztbericht vom 6. März 2021 wurde festgehalten, dass man aufgrund der aktuellen Situation in naher Zukunft eine durch Computertomographie (CT) gesteuerte peridurale Infiltration durchfüh- ren werde. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Es erfolgte eine Zuweisung durch Dr. G.____ an Dr . med. J.____, FMH Rheumatologie. Dieser hielt im Arztbericht vom 17. Mai 2021 als Diagnosen ein chronisches Lumbovertebralsyn- drom, chronische Schultergürtelschmerzen links, eine chronische Arthralgie im rechten Handge- lenk ulno-carpal sowie chronische Belastungsschmerzen im Bere ich des Malleolus rechts fest. Als Nebendiagnosen hielt er eine psychosoziale Belastungssit uation, eine Schlafstörung sowie ein obstruktives Schlafapnoesyndrom fest. Das verbackene Bild des Iliosakralgelenks im konven- tionellen Röntgen erkläre sich einerseits aus dem Strahlengang, andererseits aus einer knöcher- nen Spangenbildung, die kranial den Spalt des Iliosakralgelenks überwuchere. Das zeige das am 17. Mai 2021 durchgeführte CT. Im MRT vom 7. September 2020 sei der Gelenkspalt einsehbar und frei von Entzündung. Die Knochenspangen hingegen seien nicht gut abgrenzbar und deshalb wahrscheinlich nicht im Befund beschrieben. Insgesamt liege beim Patienten somit keine Spon- dylarthritis vor; er weise auch keinen typisch entzündli chen Schmerz auf. Die Ursache der Be- schwerden liege in der aktivierten Osteochondrose und ei ner Schmerzausweitung bzw. einer Somatisierungsstörung. Erschw erend würden mehrere Yellow- Flags hinzukommen (fehlende Berufsbildung bzw. -tätigke it, laufendes IV-Verfahren, psychiatri- sche Komorbidität). 4.5 In der Folge stellte die IV-Stelle den ABI-Gutac htern die ärztlichen Berichte des Spitals I.____ und den Bericht von Dr. J.____ zu. Dem entsprechenden Ergänzungsbericht vom 29. Juni 2021 lässt sich entnehmen, dass sich die zumutbare Arbeitsfähigkeit seit der gutachterlichen Un- tersuchung von Anfang November 2020 nicht verändert habe und immer noch 100 % für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit und für andere körperlich leichte bis selten mittelschwere Verrichtun- gen unter Wechselbelastung betrage. Hinsichtlich der vo n Dr. G.____ postulierten beidseitigen Spondylarthritis des Iliosakralgelenks hielten die Guta chter fest, dass Dr. J.____ klar dargelegt habe, dass keine entzündlichen Veränderungen am Iliosakr algelenk vorliegen würden. Ferner erschliesse sich aus den neu eingegangenen Akten auch keine relevante Degeneration. Die wi- dersprüchlichen klinischen Befunde hätten keine klaren Hin weise für eine funktionell relevante Einschränkung im Bereich des Iliosakralgelenks ergeben. Vielmehr bestünden wie auch schon im Gutachten dokumentiert Hinweise für ein nicht-organisches Geschehen. 4.6 Auf Anfrage der Rechtsvertreterin nahm der ehemals behandelnde Psychiater Dr. E.____ mit Bericht vom 7. September 2021 Stellun g zum psychiatrischen Teilgutachten des ABI vom 5. Januar 2021. Er habe den Patienten bis zu se inem Umzug nach X.____ im Februar 2021 über zehn Jahre psychiatrisch begleitet. Es falle zu nächst auf, dass das Gutachten ange- sichts der Komplexität der Krankengeschichte ziemlich kurz sei. Die Untersuchung habe gerade einmal ein Viertel einer Seite eingenommen. Zudem seien in der Anamnese Informationen anei- nandergereiht, ohne dass eine systematische Auswertung mit Reflektion stattfinde. Persönlich- keitsstörung, Depression und paranoide Störung seien in A brede gestellt worden, da sich diese in der Untersuchungssituation nicht gezeigt hätten. Als Psychiater wisse man aber, dass es sich hierbei um fluktuierende Zustände handle, die der Patient nicht auf dem Präsentierteller vor sich herzutragen pflege. ADS und Fatigue würden ohne weit ere Erwähnung ganz unter den Tisch fallen. Der Gutachter habe zwar Diagnosen gestellt, di e mit den tatsächlichen Störungen des Patienten irgendwie koinzidieren würden. Er habe aber am Ende versucht, die gegenwärtige Lage Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht als überwiegend normalpsychologisch verständliche Resultate belastender Umstände darzustel- len. Das Woher, die Geschichte dieser Umstände und die Rolle einer allfälligen psychischen Stö- rung bei ihrer Entstehung seien nicht weiter hinterfragt worden. Ein ADS sei schon im Jahre 2011 in der Klinik K.____ diagnostiziert worden. Für sich al lein sei es sicher nicht invaliditätsbegrün- dend. Es könne aber als komorbide Störung mit anderen Störungen multiplikativ zusammenwir- ken und sei daher nicht einfach unter den Teppich zu kehren. Auch hätten die Adynamie, Ermü- dbarkeit sowie Initiativlosigkeit des Patienten klar ein krankhaftes Ausmass, wobei aber die Zu- ordnung zu einer bestimmten diagnostischen Einheit (Fa tigue oder Depression) strittig sein könnte. Hinsichtlich einer Paranoia führte Dr. E.____ aus, dass die Überzeugung des Patienten, von seinen Nachbarn observiert und verfolgt zu werden, zumindest wahnhafte Züge habe, sodass auch eine paranoide Störung nicht einfach in Abrede zu stellen sei. Allerdings rede ein Paranoider gewöhnlich nicht über seine Überzeugung, wenn er Zweifel habe, ob der Interviewer nicht irgend- wie mit den Verfolgern assoziiert sein könnte. Bezüglich einer ängstlich-vermeidenden Persön- lichkeitsstörung hielt Dr. E.____ fest, dass Persönlichkeitsstörungen per definitionem bis ins Ju- gendalter zurückreichen würden. Das heisse aber nicht, dass diese sich schon im Jugendalter klinisch in ihrer späteren, ausgereifteren Form darstellen würden, und auch nicht, dass diese sich unabhängig von lebensgeschichtlichen Umständen entwickeln würden. Medienwirksame Bei- spiele hierfür seien ältere Amokläufer, die nach einer mehr oder weniger angepassten Sozialisa- tion plötzlich ausrasten würden. Jedenfalls stehe fachlich-psychiatrisch ausser Zweifel, dass der Patient gegenwärtig die Kriterien für eine ängstlich -vermeidende Persönlichkeitsstörung erfülle. Ein Blick auf die Lebensgeschichte lasse Spuren dieser Störung bis in die Jugendzeit erkennen. Die Kindererziehung, welche vom Gutachter als Argument gegen eine Persönlichkeitsstörung gewertet werde, habe er anlässlich des Umgangs des Patien ten mit seinem jüngsten Sohn in Echtzeit verfolgen können. Er sei äusserst fürsorglich gewesen, habe es aber am liebsten, wenn er mit seinem Sohn auf Augenhöhe wie ein Kind mit einem anderen Kind kommunizieren könne. Spezifisch väterliche Eigenschaften habe er nicht erkennen lassen. Er habe sich weder aktiv für seinen Sohn eingesetzt, noch habe er etwas unternommen, um die Wegplatzierung aus seiner väterlichen Obhut zu verhindern. Ein weiteres Beispiel sei die jüngste Tochter, welche aufgrund unsachgemässen Handelns des Patienten gestorben sei. Das K ind habe Fieber gehabt und gleichzeitig habe der Patient einen wichtigen Behörd entermin gehabt und Ärger mit seiner Frau befürchtet, wenn er diesen nicht wahrnehmen würde. Als Folge sei der Säugling dann gestorben. Der Patient sei nicht in der Lage gewesen, eine Priorisierung vorzunehmen, da die Angst, etwas gegen den Willen Anderer zu tun, zu gross gewesen sei. Das Gutachten sei insgesamt sehr ober- flächlich und von geringer Aussagekraft. 5.1 Zunächst ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten , dass sie entgegen der Rüge des Beschwerdeführers nicht davon ausging, dass er ohne Ge sundheitsschaden als Hausmann ar- beiten würde. Der angefochtenen Verfügung vom 19. Aug ust 2021 lässt sich entnehmen, dass die IV-Stelle ohne Gesundheitsschaden von einer 100%igen ausserhäuslichen Tätigkeit ausging. Auch das ABI-Gutachten fokussierte die Arbeitsfähigkeit nicht auf eine Tätigkeit als Hausmann. Dementsprechend vermag dieser Einwand nicht zu überzeugen. 5.2 Der Beschwerdeführer wendet sodann ein, dass weder die ABI-Gutachter noch die IV-Stelle auf die Berichte der Schmerzklinik des Spitals I .____ eingehen würden. Entgegen der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auffassung des ABI handle es sich bei der Beurteilung d es Spitals I.____ nicht nur um eine an- dere Würdigung, sondern vielmehr um eine umfassende und korrekte Würdigung sämtlicher Be- funde. Dr. med. K.____, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, hielt dazu in der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 30. September 2021 fest, dass sich den Arztberichten der Schmerzklinik des Spitals I.____ vom 5. Februar und 6. März 2021 keine richtungsweisenden klinischen oder bildgebenden Befunde entnehmen lassen würden. Dr. G.____ schreibe im Bericht vom 5. Februar 2021 zwar, dass er sich MRT-Bilder angesehen habe, aber er erwähne nicht, von wann diese Bilder seien u nd welchen Wirbelsäulenabschnitt diese zeigen würden. Ferner interpretiere Dr. G.____ darin eine Spinalkanalstenose auf Höhe L5/S1 und eine Ankylose des Iliosakralgelenks, ohne eine Angabe über die betroffene Seite zu machen. Somit könne aus versicherungsmedizinischer Sicht gar nicht darauf abgestellt werden. Die Diag- nose einer klaren Spinalkanalstenose auf Höhe L5/S1 erschliesse sich anhand der Berichte vom 5. Februar und 6. März 2021 nicht. Dr. K.____ führte im Weiteren die Untersuchungsergebnisse von Dr. B.____ und Dr. J.____ an. Die RAD-Stellungna hme vom 30. September 2021 ist vor allem auch im Hinblick auf diese Untersuchungen nachvol lziehbar. So hielt Dr. B.____ im Arzt- bericht vom 9. Februar 2020 unter Berufung auf das MRT vom 25. November 2019 fest, dass keine entzündlichen Veränderungen der Lendenwirbelsäule und des Iliosakralgelenks ersichtlich seien und dem Versicherten aus rheumatologischer Sicht ei ne angepasste Tätigkeit ohne schwere Rückenbelastungen und ohne schwere Belastungen des rechten Handgelenks oder des rechten Sprunggelenks vollzeitig zumutbar sei. Auch Dr. J._ ___ verneinte aufgrund eines MRT vom 7. September 2020 und eines CT vom 17. Mai 2021 eine entzündliche Erkrankung. Diesbe- züglich ist festzustellen, dass das von Dr. J.____ interpre tierte MRT entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers klarerweise nicht aus dem Jahre 2019 stammt und im Zeitpunkt der Un- tersuchung von Dr. J.____ als aktuell zu bezeichnen ist. Das CT erfolgte sogar am Tag der Un- tersuchung. Im Untersuchungsbericht vom 17. Mai 2021 legte Dr. J.____ letztlich schlüssig dar, weshalb die Diagnose einer Spondylarthritis nicht gestel lt werden kann. Darüber hinaus kann auch der Einwand, dass die ABI-Gutachter nicht auf die Untersuchungsberichte der Schmerzkli- nik des Spitals I.____ vom 5. Februar und 6. März 2021 e ingehen würden, nicht gehört werden. In ihrem Ergänzungsbericht vom 29. Juni 2021 sind die Berichte auf Seite zwei aufgeführt. Sie haben in diesen Berichten keinen Anlass gesehen, von i hrer früheren Gutachtermeinung abzu- weichen. Insofern vermögen auch diese Einwände nicht zu überzeugen. 5.3 Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer das psychiatr ische Teilgutachten. Die Explora- tion sei zu knapp ausgefallen und der psychiatrische Teilgutachter setze sich insbesondere nicht mit dem anderslautenden Bericht des behandelnden Psychia ters auseinander und habe ferner keine aktuellen Berichte eingeholt. Auch wenn dem Besch werdeführer dahingehend zuzustim- men ist, dass die Exploration eher kurz ausfällt, so se tzt sich der psychiatrische Gutachter auf den Seiten 26 bis 28 durchaus rechtsgenüglich mit den Vorakten des behandelnden Psychiaters auseinander. Im Begutachtungszeitpunkt fand er gleichwo hl keine Anhaltspunkte für ein die Ar- beitsfähigkeit beeinträchtigendes Störungsbild aus dem psychiatrischen Formenkreis. Er wies insbesondere darauf hin, dass sich dem Arztbericht vom 25 . November 2019 keine dezidierten Angaben zur Höhe der Arbeitsfähigkeit entnehmen lasse n würden. Zwar stimmt es, dass Dr. E.____ im Arztbericht vom 25. November 2019 schreibt, der Versicherte dürfte für schwere kör- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht perliche Arbeiten aufgrund seiner somatischen Beschwerden voll arbeitsunfähig und aus psychi- atrischer Sicht wegen einer Fatigue nur für leichtere Arbeiten eingeschränkt einsetzbar sein. Aus dieser doch sehr vagen Angabe ist aber die Höhe der Ar beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht noch nicht ersichtlich. Dieser Makel haftet auch dem mit der Beschwerde eingereichten Bericht von Dr. E.____ vom 7. September 2021 an, da sich daraus keine konkreten Angaben zur Arbeits- fähigkeit entnehmen lassen. Ausserdem fehlt in diesem Bericht eine argumentative Auseinander- setzung mit der gutachterlich festgestellten Arbeitsfähigkeit. Zu erwähnen bleibt, dass Dr. E.____ in seinem Bericht vom 7. September 2021 festhält, dass er den Versicherten seit Februar 2021 nicht mehr begleitet habe, so dass das Schreiben vom 7. September 2021 an Bedeutung verliert. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist das psychi atrische Teilgutachten folglich nicht zu beanstanden und es besteht kein weiterer Abklärungsbedarf. 5.4 Damit ist festzustellen, dass das polydisziplinäre Gut achten des ABI ein insgesamt schlüssiges und kongruentes Bild betreffend die gesundhe itliche Verfassung des Beschwerde- führers ergibt. Es erfüllt alle rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein beweiskräftiges Verwaltungsgutachten. Wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.2 und 3.3 hiervor), ist den im Rah- men des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten e xterner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Bef unde zu schlüssigen Ergebnissen gelan- gen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das frag- liche Gutachten des ABI ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird – für die streitigen Be- lange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt alle geklagten Beschwer- den und ist in Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben worden. Ebenso leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, setzt sich mit den übrigen ärztlichen Einschätzungen auseinander und ist letztlich auch in seinen Schlussfolgerungen überzeugend. Die Beschwerdegegnerin hat zurecht darauf abgestellt. 6. Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % kann auf die Durchführung eines Ein- kommensvergleichs verzichtet werden. Der vorinstanzliche Entscheid der IV-Stelle ist damit nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens- aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrah- mens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt. Vorliegend ist der Be- schwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden dem Beschwerde- führer auferlegt und mit dem bereits geleisteten Kost envorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht