<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 37 S.157</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">157</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>37 Legitimation. Standortgebundenheit einer Mobilfunkantenne in der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Landwirtschaftszone.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Fehlende formelle Beschwer zur Beschwerdeführung, wenn im vor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>instanzlichen Verfahren die Frist zur Verfahrensbeteiligung versäumt</b></span><br/> <span class="ft2"><b>worden ist (Erw. I/2.1.2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Grundsätze der (relativen) Standortgebundenheit (Art. 24 RPG) von</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mobilfunkantennen ausserhalb der Bauzonen (Erw. II/2.2). Bejahung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dieser Standortgebundenheit mangels eines geeigneten und zumutba-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ren Standorts innerhalb der Bauzonen (Erw. II/3).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Evaluation von Alternativstandorten ausserhalb der Bauzonen; Ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wichtung der grösseren bzw. kleineren Ausschöpfung der Anlage-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>grenzwerte bei der raumplanerischen Interessenabwägung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/4).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 27. Juni 2005 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen S. und Mitb. gegen Regierungsrat.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">158</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.1.2 Die Beschwerdelegitimation setzt neben der materiellen</span><br/> <span class="ft1">Beschwer auch eine solche im formellen, prozessualen Sinne voraus.</span><br/> <span class="ft1">Diese Voraussetzung erfüllt, wer formell richtig am vorinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren beteiligt, d.h. darin einbezogen war (passive Seite) und</span><br/> <span class="ft1">dort seine Antrags- bzw. (wenn es sich um ein Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren handelt) seine Beschwerdemöglichkeiten formell</span><br/> <span class="ft1">richtig ausgeschöpft hat (aktive Seite), aber nicht voll durchgedrun-</span><br/> <span class="ft1">gen ist. Deshalb ist auf Rechtsmittel bzw. Begehren von Personen</span><br/> <span class="ft1">nicht einzutreten, welche sich am vorinstanzlichen Verfahren nicht</span><br/> <span class="ft1">beteiligt oder welche dort weniger weitgehende Anträge gestellt ha-</span><br/> <span class="ft1">ben, ausser sie wären zu Unrecht von der Beteiligung ausgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">oder erst durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert worden</span><br/> <span class="ft1">(siehe zum Ganzen: AGVE 2003, S. 309 f.; Michael Merker, Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen</span><br/> <span class="ft1">Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar zu den §§ 38-</span><br/> <span class="ft1">72 VRPG], Zürich 1998, § 38 N 146).</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdegegnerin bestreitet die formelle Beschwer der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 mit der Begründung, deren Ver-</span><br/> <span class="ft1">nehmlassung vom 7. November 2002 im vorinstanzlichen Verfahren</span><br/> <span class="ft1">sei verspätet eingereicht worden. Dies trifft zu. Der Rechtsdienst des</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrats hat H.S., der gegen das Baugesuch Einsprache erho-</span><br/> <span class="ft1">ben hatte, mit Schreiben vom 3. Oktober 2002 ordnungsgemäss auf</span><br/> <span class="ft1">sein Recht auf Beteiligung am Beschwerdeverfahren hingewiesen;</span><br/> <span class="ft1">eine entsprechende Erklärung war bis spätestens 4. November 2002</span><br/> <span class="ft1">abzugeben, und weiter enthielt das Schreiben den Hinweis, dass</span><br/> <span class="ft1">Stillschweigen den Verzicht auf Verfahrensbeteiligung bedeute (siehe</span><br/> <span class="ft1">Merker, a.a.O., § 41 N 33). Mit Eingabe vom 7. November 2002,</span><br/> <span class="ft1">beim Rechtsdienst eingelangt am 8. November 2002, stellte H.S.</span><br/> <span class="ft1">hierauf den Antrag, die Mobilfunkanlage sei weiter von seinem</span><br/> <span class="ft1">Grundstück entfernt zu errichten, wobei er gleichzeitig selber ein-</span><br/> <span class="ft1">räumte, den gesetzten Termin vom 4. November 2002 "verpasst" zu</span><br/> <span class="ft1">haben. Die Erklärung auf Verfahrensbeteiligung ist also klarerweise</span><br/> <span class="ft1">zu spät und damit nicht rechtsgültig erfolgt (siehe auch Merker,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">159</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 41 N 51). Waren aber die Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 am</span><br/> <span class="ft1">vorinstanzlichen Verfahren nicht beteiligt, konnten sie den für sie</span><br/> <span class="ft1">ungünstigen Entscheid des Regierungsrats vom 13. August 2003</span><br/> <span class="ft1">auch nicht mit einem Rechtsmittel an die nächsthöhere Instanz wei-</span><br/> <span class="ft1">terziehen; auf ihre Beschwerde ist demgemäss antragsgemäss nicht</span><br/> <span class="ft1">einzutreten.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">II. 1. Die Beschwerdegegnerin plant auf der Parzelle Nr. 1097</span><br/> <span class="ft1">den Neubau einer GSM/UMTS-Mobilfunkantennenanlage. Mit</span><br/> <span class="ft1">dieser wird bezweckt, die In-House-Versorgung des Ortsteils "Riken"</span><br/> <span class="ft1">zu gewährleisten sowie einen Teil der Verkehrsachse Rothrist - Mur-</span><br/> <span class="ft1">genthal (Kantonsstrasse und SBB-Linie) abzudecken. Es sollen zwei</span><br/> <span class="ft1">UMTS-Sender mit einer äquivalent abgestrahlten Sendeleistung</span><br/> <span class="ft1">(ERP) von je 910 Watt (Frequenzband bei 2'100 MHz) und zwei</span><br/> <span class="ft1">GSM-Sender mit einer ERP von je 1'250 Watt (Frequenzband bei</span><br/> <span class="ft1">1'800 MHz) installiert werden. Die Sender würden ca. 23 m über</span><br/> <span class="ft1">Terrain an einem 25.20 m hohen Stahlmast montiert und im 1'805</span><br/> <span class="ft1">MHz- und 2'110/2'170 MHz-Frequenzband betrieben. Die Mobil-</span><br/> <span class="ft1">funkanlage soll ausserdem mit drei Richtfunkantennen ausgerüstet</span><br/> <span class="ft1">werden.</span><br/> <span class="ft1">2. 2.1. Voraussetzung einer Baubewilligung ist u.a., dass die</span><br/> <span class="ft1">Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 22 Abs. 2 RPG).</span><br/> <span class="ft1">Die Parzelle Nr. 1097 liegt gemäss dem Kulturlandplan der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde Murgenthal vom 26. November 1993 / 2. Juli 1996 in der</span><br/> <span class="ft1">Landwirtschaftszone. Dort sind u.a. Bauten und Anlagen, die zur</span><br/> <span class="ft1">landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden</span><br/> <span class="ft1">Gartenbau nötig sind, zulässig (Art. 16a Abs. 1 Satz 1 RPG). Es liegt</span><br/> <span class="ft1">auf der Hand und ist auch unbestritten, dass der Bau und Betrieb</span><br/> <span class="ft1">einer Mobilfunkanlage diesen Anforderungen nicht entspricht (siehe</span><br/> <span class="ft1">BGE vom 24. Oktober 2001 [1A.62/2001, 1P.264/2001], Erw. 6c).</span><br/> <span class="ft1">2.2. Abweichend von Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG können Bewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungen erteilt werden, Bauten und Anlagen zu errichten oder ihren</span><br/> <span class="ft1">Zweck zu ändern, wenn der Zweck der Bauten und Anlagen einen</span><br/> <span class="ft1">Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert und keine überwiegen-</span><br/> <span class="ft1">den Interessen entgegenstehen (Art. 24 RPG [Fassung vom 20. März</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">160</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1998]). Die Standortgebundenheit ist nach ständiger bundesgerichtli-</span><br/> <span class="ft1">cher Praxis zu bejahen, wenn eine Anlage aus technischen oder</span><br/> <span class="ft1">betriebswirtschaftlichen Gründen oder wegen der Bodenbeschaffen-</span><br/> <span class="ft1">heit auf einen Standort ausserhalb der Bauzone angewiesen ist (sog.</span><br/> <span class="ft1">positive Standortgebundenheit), oder wenn ein Werk aus bestimmten</span><br/> <span class="ft1">Gründen in einer Bauzone ausgeschlossen ist (sog negative Stand-</span><br/> <span class="ft1">ortgebundenheit). Dabei genügt eine relative Standortgebundenheit:</span><br/> <span class="ft1">Es ist nicht erforderlich, dass überhaupt kein anderer Standort in</span><br/> <span class="ft1">Betracht fällt; es müssen jedoch besonders wichtige und objektive</span><br/> <span class="ft1">Gründe vorliegen, die den vorgesehenen Standort gegenüber anderen</span><br/> <span class="ft1">Standorten innerhalb der Bauzone als viel vorteilhafter erscheinen</span><br/> <span class="ft1">lassen (BGE 129 II 68; BGE vom 23. Mai 2003 [1A.186/2002,</span><br/> <span class="ft1">1A.187/2002], Erw. 3, in: ZBl 105/2004, S. 103 f.).</span><br/> <span class="ft1">Mobilfunkantennen sind Teil eines Netzes, welches der Versor-</span><br/> <span class="ft1">gung mit Mobiltelefonie dient; neue Antennen bezwecken in der</span><br/> <span class="ft1">Regel die Beseitigung einer Abdeckungslücke des Netzes oder eine</span><br/> <span class="ft1">Verbesserung von dessen Kapazität. Anhand dieses Ziels ist zu prü-</span><br/> <span class="ft1">fen, ob die Antenne auf einen Standort ausserhalb der Bauzone an-</span><br/> <span class="ft1">gewiesen ist. Dies ist grundsätzlich zu bejahen, wenn eine Deckungs-</span><br/> <span class="ft1">oder Kapazitätslücke aus funktechnischen Gründen mit einem oder</span><br/> <span class="ft1">mehreren Standorten innerhalb der Bauzone nicht in genügender</span><br/> <span class="ft1">Weise beseitigt werden kann bzw. es bei einem Standort innerhalb</span><br/> <span class="ft1">der Bauzone zu einer nicht vertretbaren Störung der in anderen</span><br/> <span class="ft1">Funkzellen des Netzes verwendeten Frequenzen käme. Nicht</span><br/> <span class="ft1">ausreichend sind wirtschaftliche Vorteile des gewählten Standorts</span><br/> <span class="ft1">(z.B. geringere Landerwerbskosten; voraussichtlich geringere Zahl</span><br/> <span class="ft1">von Einsprachen) oder zivilrechtliche Gründe für die Standortwahl,</span><br/> <span class="ft1">wie z.B. die Weigerung von Eigentümern, einer Mobilfunkantenne</span><br/> <span class="ft1">auf ihren Grundstücken innerhalb der Bauzone zuzustimmen. Im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen setzt bereits der Begriff der Standortgebundenheit eine In-</span><br/> <span class="ft1">teressenabwägung voraus, um zu entscheiden, ob eine Anlage aus</span><br/> <span class="ft1">objektiven wichtigen Gründen auf einen Standort ausserhalb der</span><br/> <span class="ft1">Bauzone angewiesen ist. Da für jeden potentiellen Mobilfunkstandort</span><br/> <span class="ft1">ein Gebiet ausgemacht werden kann, das von einem alternativen</span><br/> <span class="ft1">Standort aus gerade nicht versorgt werden könnte, kann nicht jed-</span><br/> <span class="ft1">weder funktechnische Vorteil eines Standorts für die Bejahung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">161</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">relativen Standortgebundenheit genügen, sondern es muss zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">geprüft werden, ob ein ausserhalb der Bauzone erzielbarer Ab-</span><br/> <span class="ft1">deckungsvorteil so wichtig ist, dass er den vorgesehenen Standort</span><br/> <span class="ft1">gegenüber Standorten <i>innerhalb</i> der Bauzone als "viel vorteilhafter"</span><br/> <span class="ft1">erscheinen lässt. Welchem von mehreren möglichen Standorten</span><br/> <span class="ft4"><i>ausserhalb</i> der Bauzone der Vorzug zu geben sei, ist ebenfalls eine</span><br/> <span class="ft1">Frage der (raumplanerischen) Interessenabwägung (erwähnter</span><br/> <span class="ft1">BGE vom 23. Mai 2003, Erw. 3.1 bis 3.4, in: ZBl 105/2004, S. 104 f.</span><br/> <span class="ft1">mit zahlreichen Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">3. 3.1. Innerhalb der Bauzone hat die Beschwerdegegnerin ei-</span><br/> <span class="ft1">nen Alternativstandort in der Wohnzone 2 Geschosse (W2), unmittel-</span><br/> <span class="ft1">bar angrenzend an die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen</span><br/> <span class="ft1">(OeB), evaluiert (Koordinaten 631'153/236'170 [Standort A]). Dass</span><br/> <span class="ft1">dieser Standort nicht weiter verfolgt wurde, begründete sie mit der</span><br/> <span class="ft1">Lage neben dem Schulhaus (psychologisch ungünstig), dem Orts-</span><br/> <span class="ft1">bildschutz (25 m hoher Mast) und privatrechtlichen Problemen</span><br/> <span class="ft1">(fehlende Zustimmung des Grundeigentümers). Berechnungen</span><br/> <span class="ft1">aufgrund des einschlägigen Standortdatenblatts ergaben dann beim</span><br/> <span class="ft1">OMEN (Ort mit empfindlicher Nutzung) Nr. 5 eine elektrische Feld-</span><br/> <span class="ft1">stärke von 6.84 V/m und damit eine Überschreitung des Anlage-</span><br/> <span class="ft1">grenzwerts (AGW) von 6 V/m. Zu keinem anderen Ergebnis kam die</span><br/> <span class="ft1">kantonale Fachstelle; sie errechnete eine elektrische Feldstärke von</span><br/> <span class="ft1">6.31 V/m und stellte weiter fest, dass der vorgeschriebene AGW</span><br/> <span class="ft1">beim OMEN Nr. 5 klar überschritten werde. Nach Darstellung der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegnerin resultiert die Grenzwertüberschreitung aus dem</span><br/> <span class="ft1">Umstand, dass höherliegende Liegenschaften mit Ziegeldach, bei</span><br/> <span class="ft1">welchen keine Dämpfung in der Berechnung zulässig sei, wegen des</span><br/> <span class="ft1">ansteigenden Geländes in eine Sendekeule zu liegen kämen.</span><br/> <span class="ft1">3.2. Die Beschwerdeführer sind der Meinung, dass die erwähnte</span><br/> <span class="ft1">Grenzwertüberschreitung problemlos vermeidbar sei; so könne die</span><br/> <span class="ft1">Sendeleistung zurückgenommen, der neu eingeführte Abstrahlwinkel</span><br/> <span class="ft1">verkleinert oder die Antenne erhöht werden. Dass mit einer ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden Leistungsreduktion der AGW beim OMEN Nr. 5 einge-</span><br/> <span class="ft1">halten werden kann, versteht sich von selbst. Indessen muss eine</span><br/> <span class="ft1">korrekte Evaluation von Alternativstandorten zur Grundlage haben,</span><br/> <span class="ft1">dass eine gleichwertige Versorgung wie beim Projektstandort mög-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">162</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lich ist, und dieses Erfordernis verbietet es grundsätzlich, an der von</span><br/> <span class="ft1">der Anlagenbetreiberin als nötig erachteten Sendeleistung Ände-</span><br/> <span class="ft1">rungen vorzunehmen. Den Einwand bezüglich der Abstrahlwinkel</span><br/> <span class="ft1">sodann hält die kantonale Fachstelle für unbegründet. Selbst wenn im</span><br/> <span class="ft1">Übrigen die AGW durchwegs eingehalten wären, käme der Standort</span><br/> <span class="ft1">A aus andern Gründen nicht in Betracht. Es kann ja offensichtlich</span><br/> <span class="ft1">keinen rechten Sinn machen, in einem Privatgarten in einem locker</span><br/> <span class="ft1">überbauten Einfamilienhausquartier, dazu noch unmittelbar neben</span><br/> <span class="ft1">einer Schulanlage, eine rund 25 m hohe Antenne für Mobilfunk zu</span><br/> <span class="ft1">plazieren. Eine Beeinträchtigung im Sinne von § 42 Abs. 2 BauG</span><br/> <span class="ft1">liegt da auf der Hand, und mit der Nähe zu besonders sensiblen</span><br/> <span class="ft1">Nutzungen sind auch andere Probleme vorprogrammiert. Man mag</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdegegnerin vorhalten, sie habe den Standort A bewusst</span><br/> <span class="ft1">so gewählt, dass eine Grenzwertüberschreitung resultiert. Bei</span><br/> <span class="ft1">realistischer Betrachtung wird man allerdings zum Schluss gelangen</span><br/> <span class="ft1">müssen, dass die Mehrzahl der Grundstücke in der Zone W2 nicht</span><br/> <span class="ft1">die erforderlichen Masse aufweisen dürfte, um neben dem bestehen-</span><br/> <span class="ft1">den Wohnhaus noch eine Antennenanlage - Mast und Fundament</span><br/> <span class="ft1">sowie Geräteschopf weisen im vorliegenden Falle immerhin eine</span><br/> <span class="ft1">Grundfläche von 8.2 m x 5.7 m bzw. rund 47 m</span><span class="ft5"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">auf - aufzunehmen;</span><br/> <span class="ft1">fraglich wäre insbesondere die Einhaltung der Grenz- und Gebäude-</span><br/> <span class="ft1">abstände. Ein Blick auf den Bauzonenplan der Gemeinde Murgenthal</span><br/> <span class="ft1">vom 11. Juni 1999 / 28. Juni 2000 zeigt auch, dass die Zone W2,</span><br/> <span class="ft1">soweit sie nicht mit dem zusätzlichen Erfordernis der Sonder-</span><br/> <span class="ft1">nutzungsplanpflicht belegt ist (siehe die bandierten Flächen im Zo-</span><br/> <span class="ft1">nenplan sowie § 5 der Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">[BNO; mit den gleichen Beschluss- und Genehmigungsdaten wie der</span><br/> <span class="ft1">Zonenplan]), fast vollständig mit Ein- und Zweifamilienhäusern</span><br/> <span class="ft1">überbaut ist. In diesem Zusammenhang sei noch beigefügt, dass das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht den Standpunkt der Beschwerdeführer, es sei</span><br/> <span class="ft1">nicht Aufgabe der Gemeinde, für einen Mobilfunkanbieter Standorte</span><br/> <span class="ft1">zu evaluieren, nicht vorbehaltlos teilt. Selbstverständlich ist eine sol-</span><br/> <span class="ft1">che Evaluation in erster Linie Sache des Bauherrn; eine gewisse Hil-</span><br/> <span class="ft1">festellung seitens des Gemeinderats als der mit den örtlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnissen am besten vertrauten Behörde ist in solchen Fällen aber</span><br/> <span class="ft1">unabdingbar.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">163</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.3. Somit ist davon auszugehen, dass es in den Bauzonen des</span><br/> <span class="ft1">Ortsteils "Riken" keinen geeigneten Antennenstandort gibt, die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegnerin für ihr Bauvorhaben also auf einen Standort</span><br/> <span class="ft1">ausserhalb der Bauzonen angewiesen ist. Das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">übersieht dabei nicht, dass dieser Annahme gewisse Unsicherheiten</span><br/> <span class="ft1">anhaften. Ein systematisches Vorgehen würde aber wohl erfordern,</span><br/> <span class="ft1">dass das gesamte Baugebiet einer Gemeinde in entsprechend kleine</span><br/> <span class="ft1">Planquadrate aufgeteilt und für jedes Quadrat ein - vom Bundesamt</span><br/> <span class="ft1">für Kommunikation überprüfter - Abdeckungsplan und eine Grenz-</span><br/> <span class="ft1">wertberechnung erstellt wird. Diese würde den Rahmen eines Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligungsverfahrens in der Regel sprengen.</span><br/> <span class="ft1">4. 4.1. Das Erfordernis der (positiven) Standortgebundenheit</span><br/> <span class="ft1">bedeutet in Fällen wie dem vorliegenden eine Reduktion auf das</span><br/> <span class="ft1">Notwendige und eine Optimierung der Standorte ausserhalb der</span><br/> <span class="ft1">Bauzone. Es ist dabei anzustreben, mittels frühzeitiger räumlicher</span><br/> <span class="ft1">Koordination zwischen allen Beteiligten unter Federführung der</span><br/> <span class="ft1">Kantone die Anzahl der Antennenstandorte möglichst niedrig zu</span><br/> <span class="ft1">halten und die Anlagen optimal in die Landschaft einzupassen.</span><br/> <span class="ft1">Soweit möglich sollen bestehende Antennenstandorte genutzt wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Als in besonderem Masse abklärungsbedürftig gelten Standorte</span><br/> <span class="ft1">ausserhalb der Bauzone, die einen Abstand von bis zu 1 km zu einem</span><br/> <span class="ft1">andern Standort aufweisen (erwähnter BGE vom 24. Oktober 2001,</span><br/> <span class="ft1">Erw. 6c).</span><br/> <span class="ft1">4.2 4.2.1 Im Umkreis von 1 km vom Standort auf der Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. 1097 befindet sich eine in der Landwirtschaftszone gelegene</span><br/> <span class="ft1">Mobilfunkanlage der Swisscom Mobile AG (Koordinaten</span><br/> <span class="ft1">630'756/236'292 [Standort B]). Die Mitbenutzung dieser Anlage</span><br/> <span class="ft1">wurde von der Beschwerdegegnerin nach Prüfung verworfen, weil</span><br/> <span class="ft1">von diesem Standort aus eine Indoor-Abdeckung des Ortsteils "Ri-</span><br/> <span class="ft1">ken" nicht gewährleistet werden könne und bei gemeinsamer</span><br/> <span class="ft1">Nutzung der Anlagegrenzwert nicht eingehalten werden könnte. Der</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrat hat diese Begründung akzeptiert. Der Vertreter der</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Fachstelle hat an den Augenscheinsverhandlungen des</span><br/> <span class="ft1">regierungsrätlichen Rechtsdiensts und des Verwaltungsgerichts sei-</span><br/> <span class="ft1">nerseits bestätigt, dass die Doppelnutzung der Anlage der Swisscom</span><br/> <span class="ft1">Mobile AG eine Überschreitung des Anlagegrenzwerts implizieren</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">164</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">würde und auch ein Abdeckungsproblem bestünde. Bei dieser Sach-</span><br/> <span class="ft1">lage ist der Alternativstandort B nicht mehr näher zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin hat noch einen Standort ca. 80 m</span><br/> <span class="ft1">nördlich des Standorts B ins Spiel gebracht; da das Abdeckungsge-</span><br/> <span class="ft1">biet der Swisscom Mobile AG mit jenem der Beschwerdegegnerin</span><br/> <span class="ft1">vergleichbar sei, könnte diese so die Deckungslücke in ihrem Netz</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls schliessen. Die kantonale Fachstelle erachtet eine Versor-</span><br/> <span class="ft1">gung des Gebiets Murgenthal - "Riken" - "Glashütten" von diesem</span><br/> <span class="ft1">Standort aus wegen der Topographie als nicht möglich; im Unter-</span><br/> <span class="ft1">schied zur Beschwerdegegnerin versorge die Swisscom Mobile AG</span><br/> <span class="ft1">mit ihrer Antennenanlage vor allem den Bahnbereich, nicht aber</span><br/> <span class="ft1">primär die Ortsteile "Riken" und "Glashütten". Diese Begründung</span><br/> <span class="ft1">überzeugt; wenn die von der Anlagenbetreiberin angestrebte Ver-</span><br/> <span class="ft1">sorgung nicht gewährleistet ist, erübrigen sich weitere Abklärungen.</span><br/> <span class="ft1">4.2.2 Ein weiterer evaluierter Alternativstandort weist die Ko-</span><br/> <span class="ft1">ordinaten 631'180/236'622 auf; er befindet sich nordwestlich des</span><br/> <span class="ft1">Ortsteils "Riken" in der Landwirtschaftszone (Standort C). Nach</span><br/> <span class="ft1">Darstellung der Beschwerdegegnerin wäre hier ein 30 - 40 m hoher</span><br/> <span class="ft1">Mast erforderlich, um die angestrebte Abdeckung zu erreichen, und</span><br/> <span class="ft1">die Richtfunkverbindung zur nächstgelegenen Anlage wäre nicht</span><br/> <span class="ft1">möglich. Die kantonale Fachstelle für Natur und Landschaft erachtet</span><br/> <span class="ft1">den Standort aus landschaftlicher Sicht und ausgehend von einer</span><br/> <span class="ft1">Antennenhöhe von 30 - 35 m als "passabel". Der Regierungsrat hat</span><br/> <span class="ft1">erwogen, der Standort sei aus funktechnischen und betriebswirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Gründen (Erfordernis einer Aufteilung der Funktionen</span><br/> <span class="ft1">auf zwei Masten) abzulehnen.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der verwaltungsgerichtlichen Augenscheinsver-</span><br/> <span class="ft1">handlung haben die Vertreter der Beschwerdegegnerin dargelegt,</span><br/> <span class="ft1">dass die Computersimulation hinsichtlich der Abdeckungs- bzw.</span><br/> <span class="ft1">Versorgungssituation am Standort C keine schlüssige Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">erlaube; der in der Nähe liegende Wald habe eine abschirmende,</span><br/> <span class="ft1">dämpfende Funktion, die nicht berechnet werden könne. Genaue</span><br/> <span class="ft1">Daten liessen sich nur anhand von Messungen ermitteln; eine ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechende Testanlage müsste über mehrere Wochen in Betrieb sein.</span><br/> <span class="ft1">Es ist nicht von vornherein ausgeschlossen, dass einer Anlagenbe-</span><br/> <span class="ft1">treiberin ein solcher Aufwand zugemutet werden muss, wenn die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">165</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Evaluation von Alternativstandorten anderswie zu keinem brauchba-</span><br/> <span class="ft1">ren Ergebnis führt. Im vorliegenden Falle sprechen nun allerdings</span><br/> <span class="ft1">namentlich zwei Gründe dagegen: Zum einen steht bereits definitiv</span><br/> <span class="ft1">fest, dass die Richtfunkanbindung vom Standort C aus nicht möglich</span><br/> <span class="ft1">ist, und zum andern steht - wie sich noch zeigen wird (hinten</span><br/> <span class="ft1">Erw.</span> <span class="ft1">4.2.5)</span> <span class="ft1">- ein Standort zur Verfügung, der unter allen Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkten zu überzeugen vermag. Bei dieser Ausgangslage wäre</span><br/> <span class="ft1">die Anordnung einer Testreihe offensichtlich unverhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">4.2.3 Den ebenfalls in der Landwirtschaftszone gelegenen Al-</span><br/> <span class="ft1">ternativstandort mit den Koordinaten 631'800/236'730 nordöstlich</span><br/> <span class="ft1">des Ortsteils "Riken" hält die Beschwerdegegnerin für untauglich,</span><br/> <span class="ft1">weil von hier aus weder die Abdeckung der Verkehrsachse Rothrist -</span><br/> <span class="ft1">Murgenthal noch die In-House-Versorgung von "Riken" gewähr-</span><br/> <span class="ft1">leistet sei; um die Richtfunkverbindung zum nächsten Standort si-</span><br/> <span class="ft1">cherzustellen, müsste der Mast die Baumkronen um 5 - 10 m überra-</span><br/> <span class="ft1">gen (Standort D). Die kantonale Fachstelle für Landschaft und Ge-</span><br/> <span class="ft1">wässer erblickt in diesem Standort wegen der Abdeckungsprobleme</span><br/> <span class="ft1">keine echte Alternative, weshalb sich eine weitere Beurteilung erüb-</span><br/> <span class="ft1">rige. Der Regierungsrat hat sich dieser Auffassung angeschlossen.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der verwaltungsgerichtlichen Augenscheinsverhandlung</span><br/> <span class="ft1">haben auch die Beschwerdeführer bzw. ihr Fachberater anerkannt,</span><br/> <span class="ft1">dass es sich beim Standort D nicht um einen valablen Standort</span><br/> <span class="ft1">handle. Sein Ausschluss aus der Standortevaluation liegt deshalb auf</span><br/> <span class="ft1">der Hand.</span><br/> <span class="ft1">(...).</span><br/> <span class="ft1">4.2.5 4.2.5.1 Im Vordergrund der vergleichenden Betrachtung</span><br/> <span class="ft1">stand im vorinstanzlichen Verfahren ein Standort ca. 120 m nördlich</span><br/> <span class="ft1">etwas unterhalb der projektierten Anlage (Koordinaten</span><br/> <span class="ft1">631'590/236'390). Ob dieser Standort oder der von der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">gegnerin ausgewählte den Vorzug verdient, ist im Rahmen einer In-</span><br/> <span class="ft1">teressenabwägung gemäss Art. 24 lit. b RPG (Fassung vom 20. März</span><br/> <span class="ft1">1998) zu ermitteln. Als konkretisierende Vorgabe zu dieser</span><br/> <span class="ft1">Interessenabwägung bestimmt Art. 3 RPV:</span><br/> <span class="ft6">"</span><span class="ft7"><sup>1</sup></span><span class="ft6">Stehen den Behörden bei Erfüllung und Abstimmung raumwirksa-</span><br/> <span class="ft6">mer Aufgaben Handlungsspielräume zu, so wägen sie die Interessen</span><br/> <span class="ft6">gegeneinander ab, indem sie:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">166</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">a.</span><br/> <span class="ft6">die betroffenen Interessen ermitteln;</span><br/> <span class="ft6">b.</span><br/> <span class="ft6">diese Interessen beurteilen und dabei insbesondere die Vereinbarkeit</span><br/> <span class="ft6">mit der anzustrebenden räumlichen Entwicklung und die möglichen</span><br/> <span class="ft6">Auswirkungen berücksichtigen;</span><br/> <span class="ft6">c.</span><br/> <span class="ft6">diese Interessen auf Grund der Beurteilung im Entscheid möglichst</span><br/> <span class="ft6">umfassend berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft7"><sup>2</sup></span><span class="ft6">Sie legen die Interessenabwägung in der Begründung ihrer Be-</span><br/> <br/> <span class="ft6">schlüsse dar."</span><br/> <span class="ft1">4.2.5.2. Der Regierungsrat hat die Vor- und Nachteile der bei-</span><br/> <span class="ft1">den Varianten wie folgt bewertet und gegeneinander abgewogen:</span><br/> <span class="ft8">· Umweltschutz</span><br/> <span class="ft1">Die kantonale Fachstelle habe gestützt auf Art. 4 Abs. 1 so-</span><br/> <span class="ft1">wie Ziffer 64 lit. b und Ziffer 65 des Anhangs 1 NISV für</span><br/> <span class="ft1">sechs OMEN (...) die tatsächlichen Effektivwerte der elek-</span><br/> <span class="ft1">trischen Feldstärke ermittelt und mit dem massgebenden</span><br/> <span class="ft1">AGW von 6.0 V/m in Beziehung gesetzt; im Quervergleich</span><br/> <span class="ft1">werde der AGW beim Projektstandort durchschnittlich zu</span><br/> <span class="ft1">30.5% ausgeschöpft, beim Alternativstandort durchschnitt-</span><br/> <span class="ft1">lich zu 20.5%. Die Verbesserung um 10% angesichts einer</span><br/> <span class="ft1">maximalen Ausschöpfung des AGW von 40.1% sei nicht er-</span><br/> <span class="ft1">heblich. Eine wesentliche Verbesserung sei lediglich bei</span><br/> <span class="ft1">zwei OMEN-Punkten zu verzeichnen. Auch am anbegehrten</span><br/> <span class="ft1">Standort sei bei sämtlichen OMEN im näheren Umkreis der</span><br/> <span class="ft1">AGW deutlich eingehalten. Der Immissionsgrenzwert</span><br/> <span class="ft1">(IGW) sei ebenfalls an jedem Ort eingehalten, an welchem</span><br/> <span class="ft1">sich Personen ohne Schutz vor Strahlung frei bewegen</span><br/> <span class="ft1">könnten (Art. 13 und Ziff. 11 des Anhangs 2 NISV).</span><br/> <span class="ft8">· Natur- und Landschaftsschutz</span><br/> <span class="ft1">Am Alternativstandort befinde sich entlang der Erlenstrasse</span><br/> <span class="ft1">eine nach Massgabe von § 26 BNO geschützte Hecke (Ziffer</span><br/> <span class="ft1">3.4.8 des Anhangs der BNO). Die kantonale Fachstelle für</span><br/> <span class="ft1">Natur- und Landschaftsschutz sei der Meinung, für die</span><br/> <span class="ft1">Landschaftsverträglichkeit des Alternativstandorts sei eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">167</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ungeschmälerte Erhaltung der bereits recht hohen Be-</span><br/> <span class="ft1">stockung, die eine landschaftlich wichtige Gliederungs-</span><br/> <span class="ft1">funktion habe, wesentlich; mit einer Lücke in der Baum-</span><br/> <span class="ft1">hecke sei die Antenne spürbar exponierter. Durch eine</span><br/> <span class="ft1">leichte Verschiebung des Feinstandorts sei aber der voll-</span><br/> <span class="ft1">ständige Schutz der Hecke möglich. Auch für den Fall der</span><br/> <span class="ft1">Erhaltung der Hecke beurteile die kantonale Fachstelle den</span><br/> <span class="ft1">Alternativstandort allerdings als "deutlich schlechter": Die</span><br/> <span class="ft1">Antenne stehe noch isolierter, beeinträchtige die angren-</span><br/> <span class="ft1">zende Landschaftsschutzzone wesentlich stärker, wirke we-</span><br/> <span class="ft1">gen der erforderlichen Mehrhöhe von mindestens 5 m eher</span><br/> <span class="ft1">robuster und damit auffälliger und mache wegen der Weg-</span><br/> <span class="ft1">böschung bzw. der Hangneigung einen massiveren Eingriff</span><br/> <span class="ft1">ins Terrain erforderlich. Der Standort auf der Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. 1097 sei auch nicht optimal - trotz der Möglichkeit der</span><br/> <span class="ft1">Angliederung an bestehende Bauten sei die Antenne in der</span><br/> <span class="ft1">weiten Kulisse der sanft ansteigenden unbewaldeten Hänge</span><br/> <span class="ft1">recht ausgestellt und von allen Seiten einsehbar -, aber doch</span><br/> <span class="ft1">besser als der Alternativstandort. Dieser Argumentation sei</span><br/> <span class="ft1">beizupflichten. Auch wenn die Hecke selber geschont werde,</span><br/> <span class="ft1">würden sie und die angrenzende Landschaftsschutzzone in</span><br/> <span class="ft1">unzulässiger Weise beeinträchtigt; eine permanente Abschir-</span><br/> <span class="ft1">mung durch die Baumhecke liesse sich nur im unteren Teil</span><br/> <span class="ft1">der Antennenanlage bei gutem Laubbestand im Sommer er-</span><br/> <span class="ft1">reichen. Die Interessen des Landschaftsschutzes sprächen je-</span><br/> <span class="ft1">denfalls klar für den nachgesuchten und gegen den</span><br/> <span class="ft1">alternativen Antennenstandort.</span><br/> <span class="ft8">· Interessen der Landwirtschaft</span><br/> <span class="ft1">Die Abteilung Landwirtschaft des Finanzdepartements halte</span><br/> <span class="ft1">dafür, dass eindeutig der Baugesuchsstandort der kleinere</span><br/> <span class="ft1">Eingriff sei. Weil sich die Antennenanlage an der Grenze zur</span><br/> <span class="ft1">Bauzone befinde, sei ein kürzeres Versorgungskabel von der</span><br/> <span class="ft1">Bauzone her möglich, was eine lange Kabelführung durch</span><br/> <span class="ft1">Fruchtfolgeflächen der Klasse 1 unnötig mache. Der Ser-</span><br/> <span class="ft1">vicecontainer beanspruche durch die Möglichkeit der An-</span><br/> <span class="ft1">lehnung an bereits bestehende Gebäude in einem Betriebs-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">168</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">areal ebenfalls keine Fruchtfolgefläche. Aus dieser Sicht sei</span><br/> <span class="ft1">der Standort gemäss Baugesuch klar der vorteilhaftere.</span><br/> <span class="ft1">In gesamthafter Würdigung gelangt der Regierungsrat zum</span><br/> <span class="ft1">Schluss, dass dem beantragten Standort der Vorzug gebühre; die</span><br/> <span class="ft1">Standortgebundenheit sei demnach gegeben.</span><br/> <span class="ft1">4.2.5.3. Das Verwaltungsgericht setzt bei dieser Interessenab-</span><br/> <span class="ft1">wägung die Gewichte etwas anders als der Regierungsrat:</span><br/> <span class="ft8">· Der am verwaltungsgerichtlichen Augenschein anwesende</span><br/> <span class="ft1">Vertreter der kantonalen Fachstelle für Natur- und Land-</span><br/> <span class="ft1">schaftsschutz hat deutlich zu erkennen gegeben, dass aus</span><br/> <span class="ft1">seiner Sicht zwischen dem Projekt- und dem Alternativ-</span><br/> <span class="ft1">standort kein grosser Unterschied zu machen sei; die Anbin-</span><br/> <span class="ft1">dung an ein bestehendes Gebäude sei hier kein entschei-</span><br/> <span class="ft1">dender Vorteil, und er könne deshalb auch dem Alternativ-</span><br/> <span class="ft1">standort gut zustimmen. Diese Relativierung deckt sich mit</span><br/> <span class="ft1">den eigenen Eindrücken des Verwaltungsgerichts. Die An-</span><br/> <span class="ft1">tenne steht weder am einen noch am andern Ort völlig iso-</span><br/> <span class="ft1">liert in der Landschaft; am Alternativstandort lehnt sie sich</span><br/> <span class="ft1">an den Waldstreifen und die Hecke an der Erlenstrasse an.</span><br/> <span class="ft1">Sogar eher vorteilhaft wirkt sich für den Alternativstandort</span><br/> <span class="ft1">aus, dass dieser etwas tiefer als der Projektstandort in einer</span><br/> <span class="ft1">leichten Senke liegt, wenn auch die Antenne dort etwas hö-</span><br/> <span class="ft1">her erstellt werden müsste. Was den Natur- bzw. Hecken-</span><br/> <span class="ft1">schutz anbelangt, war schon vor dem Regierungsrat klar,</span><br/> <span class="ft1">dass dem Schutzerfordernis durch eine entsprechende Wahl</span><br/> <span class="ft1">des Feinstandorts genügend Rechnung getragen werden</span><br/> <span class="ft1">kann.</span><br/> <span class="ft8">· Zu relativieren ist auch das Argument, der Alternativstandort</span><br/> <span class="ft1">tangiere wertvolle Fruchtfolgeflächen und bedeute für den</span><br/> <span class="ft1">bewirtschaftenden Landwirt eine ins Gewicht fallende Be-</span><br/> <span class="ft1">hinderung. Die erforderlichen Elektrokabel können in der</span><br/> <span class="ft1">Erlenstrasse verlegt werden, womit überhaupt keine Frucht-</span><br/> <span class="ft1">folgeflächen tangiert werden. Auch die behauptete Bewirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftungserschwerung erscheint dem Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">gemessen an der tangierten Fläche eher unbedeutend.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">169</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">· Umgekehrt misst das Verwaltungsgericht der unterschiedli-</span><br/> <span class="ft1">chen Strahlenbelastung mehr Bedeutung bei als der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat, der die Relevanz dieses Umstands deshalb als ge-</span><br/> <span class="ft1">ring beurteilt, weil die Ausschöpfung der AGW im untern</span><br/> <span class="ft1">Bereich liege. Es gilt heute als anerkannt, dass die Bevölke-</span><br/> <span class="ft1">rung vor den thermischen Wirkungen der hochfrequenten</span><br/> <span class="ft1">elektromagnetischen Strahlung mit den zur Zeit gültigen</span><br/> <span class="ft1">Grenzwerten geschützt ist. Umstritten sind jedoch mögliche</span><br/> <span class="ft1">Gesundheitsschädigungen dieser Strahlung im Niedrigdosis-</span><br/> <span class="ft1">bereich. Derartige biologische Wirkungen sind noch nicht</span><br/> <span class="ft1">umfassend erforscht (siehe etwa Martin Röösli, Mobilfunk</span><br/> <span class="ft1">und Gesundheit, Stand der naturwissenschaftlichen Er-</span><br/> <span class="ft1">kenntnisse, in: URP 2003, S. 69 ff.). Darum rufen die Kriti-</span><br/> <span class="ft1">ker nach strengeren Vorsorge-Grenzwerten, damit die mög-</span><br/> <span class="ft1">liche schädliche Wirkung der Mobilfunkstrahlung besser in</span><br/> <span class="ft1">den Griff bekommen werden könne (Alain Griffel, Mobil-</span><br/> <span class="ft1">funkanlagen zwischen Versorgungsauftrag, Raumplanung</span><br/> <span class="ft1">und Umweltschutz, in: URP 2003, S. 100 f.). Vor diesem</span><br/> <span class="ft1">Hintergrund kann es im Rahmen der Interessenabwägung</span><br/> <span class="ft1">nicht belanglos sein, ob bei den beiden nächstgelegenen</span><br/> <span class="ft1">Häusern bzw. Grundstücken ein Verhältnis der Ausschöp-</span><br/> <span class="ft1">fung der AGW von 37.3% zu 16.3% bzw. 40.1% zu 15.3%</span><br/> <span class="ft1">besteht. Unter diesem Gesichtspunkt können der Projekt-</span><br/> <span class="ft1">und der Alternativstandort aus umweltrechtlicher Sicht nicht</span><br/> <span class="ft1">als gleichwertig betrachtet werden; vielmehr ist der</span><br/> <span class="ft1">Alternativstandort eindeutig vorzuziehen. Die kantonale</span><br/> <span class="ft1">Fachstelle für die Belange der NISV ist diesbezüglich glei-</span><br/> <span class="ft1">cher Auffassung. Für den Alternativstandort spricht im Üb-</span><br/> <span class="ft1">rigen, dass er sich aufgrund seiner grösseren Entfernung zu</span><br/> <span class="ft1">den benachbarten Bauzonen für eine allfällige Mitbenützung</span><br/> <span class="ft1">durch einen andern Mobilfunkbetreiber anbietet.</span><br/> <span class="ft1">Alles in allem fällt für das Verwaltungsgericht die Interessen-</span><br/> <span class="ft1">abwägung zu Gunsten des Alternativstandorts aus. Ausschlaggebend</span><br/> <span class="ft1">sind letztlich die geringere Strahlenbelastung für die benachbarten</span><br/> <span class="ft1">Wohnbauten und die höhere Eignung des Standorts für einen späte-</span><br/> <span class="ft1">ren Ausbau. Der Alternativstandort trägt deshalb auch dem Postulat</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">170</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Rechnung, dass ausserhalb der Bauzonen möglichst bestehende An-</span><br/> <span class="ft1">tennenanlagen zu benützen sind (siehe vorne Erw. 4.1). Allfällige</span><br/> <span class="ft1">Vorteile des Projektstandorts in Bezug auf den Landschaftsschutz</span><br/> <span class="ft1">und die bäuerliche Bewirtschaftung sind dagegen von untergeord-</span><br/> <span class="ft1">neter Bedeutung. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerin zwar auf einen Standort ausserhalb der Bauzonen</span><br/> <span class="ft1">angewiesen, der Projektstandort verglichen mit dem Alternativ-</span><br/> <span class="ft1">standort an der Erlenstrasse aber weniger geeignet ist. Folglich darf</span><br/> <span class="ft1">die Baubewilligung für den Projektstandort nicht erteilt werden, was</span><br/> <span class="ft1">zur Gutheissung der Beschwerde der Beschwerdeführerin 2 führt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>