Abteilung III C-3085/2008 und C-3088/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 1 0 . S e p t e m b e r 2 0 0 9 Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richterin Elena Avenati-Carpani, Gerichtsschreiberin Barbara Haake. Z._______, vertreten durch Hans Peter Roth, Büro Timur, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verweigerung der Einreisebewilligung für X._______ und Y._______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-3085/2008; C-3088/2008 Sachverhalt: A. Am 18. Februar 2008 beantragten die 1955 geborene X._______ und ihr 1986 geborener Sohn Y._______, beide Staatsangehörige von Sri Lanka, bei der Schweizerischen Vertretung in Colombo ein Visum für einen dreimo natigen Familienbesuch in Zürich. Nach formloser Verwei- gerung übermittelte die Vertretung diese Gesuche zum Entscheid an die Vorinstanz. B. Nachdem das Migrationsamt des Kantons Zürich weitere Abklärungen zum beabsichtigten Besuchsaufenthalt vorgenommen hatte, wies die Vorinstanz die Einreisegesuche mit Verfügungen vom 15. und 18. April 2008 ab. Sie begründete beide Ablehnungen damit, dass die Erteilung einer Einreisebewilligung unter anderem dann zu verweigern sei, wenn die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der gesuchstel- lenden Person nicht als gesichert betrachtet werden könne, sei es als Folge der in ihrem Ursprungsland herrschenden politischen oder so- zioökonomischen Verhältnisse oder aufgrund ihrer persönlichen Situa- tion. Wie die in zahlreichen Fällen gemach te Erfahrung zeige, würden insbesondere Touristen- oder Besuchervisa immer wieder von Perso- nen, welche sich eigentlich dauerhaft hier niederlassen möchten, miss- braucht. Die Gesuchsteller stammten immerhin aus einer Region, aus welcher der starke Zuwande rungsdruck anhalte. Bei ihnen seien auch keine beruflichen, gesellschaftlichen oder familiären Verantwortlich- keiten ersichtlich, welche gegebenenfalls Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten könnten. C. Gegen diese Verfügungen erhob der Gastgeber, Z._______ am 9. Mai 2008 Beschwerde mit den jeweiligen Begehren um Erteilung der bean- tragten Einreisebewilligung. Er macht geltend, bei seinen Gästen handele es sich um seine Schwester und seinen Neffen. Beide habe er seit seiner Flucht aus Sri Lanka im Jahre 1989 nicht mehr gesehen. Mittlerweile habe er Familie und zwei bald erwachsene Kinder, die ihre Verwandten aus Sri Lanka noch nie gesehen hätten. Vor diesem Hintergrund sei es absolut verständlich, dass das Familientreffen in der Schweiz ein grosses beidseitiges Bedürfnis darstelle. Mit der Verweigerung der Besuchervisa und der dafür ungenügenden Begründung würden auch Art. 13 der Bundesverfassung der Seite 2C-3085/2008; C-3088/2008 Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. Novem ber 1950 (EMRK, SR 0.101) verletzt, welche das Privat- und Familienleben schützten. Die Vorinstanz habe zwar eine korrekte Beurteilung der schwierigen Situation in Sri Lanka vorgenommen; sie habe dabei aber die persönlichen Verhältnisse der Gesuchsteller unzutreffend gewürdigt und insbesondere nicht berücksichtigt, dass diese dort in ein soziales Netz mit mehreren Verwandten eingebunden seien. Zudem arbeite seine Schwester in einer Papierfabrik und könne ihre Arbeit auch nach der beabsichtigten Auslandsreise wieder aufnehmen. Schliesslich fühle sie sich auch gegenüber ihrer im Heimatland lebenden Mutter verantwortlich. Abgesehen davon habe die Vorinstanz ausser Acht gelassen, dass er, der Gastgeber, trotz seiner zwischenzeitlichen Einbürgerung aner- kannter Flüchtling sei und deshalb nicht in sein Ursprungsland zurück- reisen könne. Es sei auch unmöglich, ein Familientreffen in einem Drittland durchzuführen, zum einen, weil seine Verwandten als Staats- angehörige aus Sri Lanka fast nirgendwohin visumsfrei reisen könnten und für ein anderes Land kaum ein Visum erhielten, zum anderen auch deshalb, weil er persönlich selbständig erwerbend sei und es sich nicht leisten könne, seine Arbeit für zwei bis drei Monate zu unter- brechen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Juni 2008 spricht sich die Vorinstanz unter Erläuterung der bereits genannten Gründe für die Abweisung der Beschwerden aus. E. In der darauffolgenden Stellungnahme vom 4. Juli 2008 hält der Be- schwerdeführer an seinem bisherigen Vorbringen fest. Zudem macht er geltend, dass die Vorinstanz die beruflichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen der Gesuchstellerin offensichtlich als „nicht zwingend“ betrachte, die Grenze zwischen zwingenden und nicht zwingenden Verpflichtungen allerdings wohl kaum definierbar sei. F. Der weitere Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen Berücksichtigung finden. Seite 3C-3085/2008; C-3088/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs werden die Verfahren mit den Referenzen C-3085/2008 und C-3088/2008 vereinigt. 2. 2.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge- gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM betreffend Verweigerung der Ein- reisebewilligung, welche vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 2.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 2.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerechten Beschwerden ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). 3. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be- schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge- mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge- bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur- teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003). Seite 4C-3085/2008; C-3088/2008 4. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa- ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän- dern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ver- pflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189). 5. Mit Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 wurde die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU über die Assoziierung an Schengen und an Dublin (SR 362) genehmigt. Die entsprechenden Assoziierungsabkommen (darunter das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen- schaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 definitiv in Kraft getreten. Durch die Übernahme des Schengen-Besitzstandes wurden im AuG entsprechende Anpassungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestimmungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun gen enthält). Im Weiteren ist die VEV total revidiert worden (Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204], in Kraft seit 12. Dezember 2008). Art. 57 VEV sieht vor, dass hängige Verfahren nach dem neuen, übergeordneten (Schengen-)Recht fortgeführt werden. 6. 6.1 Bezüglich der Einreisevoraussetzungen für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (Schengener Grenzkodex [SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein- reisevoraussetzungen für Drittstaatsangehörige. Diese benötigen zur Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts Seite 5C-3085/2008; C-3088/2008 belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys- tem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli- che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied- staats darstellen (Bst. d und e). 6.2 Die Einreisevoraussetzungen gemäss Schengener Grenzkodex entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge- planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle eines nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederaus- reise Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im nationalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Widerspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüber- gehenden Aufenthaltszwecks stellt nämlich zugleich eine Absichtser- klärung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent- haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je- weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf- enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne äussert sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die diplomatischen Missionen und die konsularischen Vertretungen, die von Berufskonsularbeamten geleitet werden (GKI, ABl. C 326 vom 22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI verlangt hinsichtlich des Entscheids über den Visumsantrag die Ein- schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An- tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit Hilfe eines zu Touristik-, Studien-, Geschäfts- bzw. zu Familienbe- suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie- derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10). Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele- ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf- gelistet. 6.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist somit festzuhalten, dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder- Seite 6C-3085/2008; C-3088/2008 ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 7. Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Visumspflicht von Drittstaatsangehörigen vor. Die Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I und II, welche jeweils eine Liste von Drittländern enthalten. In An- hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni- gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be- freit sind. Als Staatsangehörige von Sri Lanka unterliegen die Gesuch- steller damit der Visumspflicht. 8. Geht es um die Beurteilung des Kriteriums der gesicherten Wieder- ausreise, so muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu sind in der Regel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen möglich, wobei sämtliche Umstände des konkreten Einzel- falles zu würdigen sind. Erste Anhaltspunkte können sich aus der all- gemeinen Situation im Herkunftsland ergeben. Herrschen dort politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstige Verhältnisse, so kann dies darauf hindeuten, dass die persönliche Interessenlage der gesuchstellenden Person nicht mit Ziel und Zweck einer befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 9. Die Wirtschaft Sri Lankas ist im Jahr 2008 real um 6,0% gewachsen. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 2'014 USD, das Bruttoinlandprodukt (BIP) 40,7 Mrd. USD. Die Werte des ersten Quartals 2009 (+1,5%) lassen für das Gesamtjahr jedoch eine geringere Rate erwarten. Ein Problem für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist die Inflation, die 2008 eine Rekordhöhe von durchschnittlich 22,6% erreichte. Zurzeit schwächt die Preissteigerung aber ab: im Juni 2009 lag die 12-Monats-Rate bei 12,5%. Die wirtschaftliche Entwicklung Sri Lankas weist allerdings grosse regionale Unterschiede auf. Wirt- schaftliches Zentrum ist die Region rund um Colombo, die fast die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung erbringt. Demgegenüber ist der Norden und Osten des Landes durch den – mit Unterbrechungen – Seite 7C-3085/2008; C-3088/2008 26 Jahre währenden und erst im Mai 2009 beendeten Bürgerkrieg in seiner Entwicklung zurückgeworfen und beim wirtschaftlichen Wieder - aufbau sowohl auf erhebliche Hilfe der eigenen Regierung als auch auf internationale Unterstützung angewiesen (Quelle: Auswärtiges Amt, <http://www.auswaertiges-amt.de>, Länder, Reisen und Sicher - heit > Sri Lanka > Wirtschaft, Stand: Juli 2009). In diesem Zusammen - hang gehört die Fürsorge für die rund 300'000 in Lagern unter- gebrach ten Bürgerkriegsvertriebenen und deren Rücksiedlung in ihre Heimatorte zu den vordringlichsten innenpolitischen Aufgaben. Zudem hat das Ende des Bürgerkriegs die Diskussion um eine politische Lösung für den ethnischen Konflikt zwischen der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit und der sich dis kriminiert fühlenden tamilischen Minderheit wieder entfacht. Derzeit scheint eine solche Lösung jedoch noch in weiter Ferne zu liegen (Quelle: Auswärtiges Amt, a.a.O. > Innenpolitik, Stand: August 2009; vgl. auch JUDITH M ACCHI, RAINER MATTERN, Schweizerische Flüchtlingshilfe, Sri Lanka: Aktuelle Situation, Update vom 7. Juli 2009 S. 22). 10. Allein aufgrund der allgemeinen Lage im Herkunftsland darf jedoch nicht ohne Weiteres auf eine nicht hinreichend gesicherte Ausreise geschlossen werden. Die soeben dargelegten Umstände entbinden daher nicht von einer einzelfallbezogenen Beurteilung, wobei nament- lich berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflichtungen die Prognose einer anstandslosen Wiederausreise begünstigen. Allerdings muss eingeräumt werden, dass vor dem Hintergrund des gerade erst beendeten Bürgerkriegs das Emigrationsrisiko auch ungeachtet etwai- ger dortiger Verbindlichkeiten generell als äusserst hoch einzu- schätzen ist. Den dargelegten sozialen Verpflichtungen der Gesuch- steller muss daher ein erhebliches Gewicht zukommen, damit ihre Rückkehr als wahrscheinlich gelten kann. 11. 11.1 Die Gesuchsteller leben im Distrikt Batticaloa in der Ostprovinz. Eigenen und den Angaben des Beschwerdeführers zufolge ist X._______ in einer Papierfabrik beschäftigt, wobei sie sich selbst in ihrem Visumsgesuch als „paper sorter“ bezeichnet hat. Ein Nachweis hierüber liegt nicht vor, aber auch bejahendenfalls dürfte ihr eine solche Tätigkeit kaum genügend wirtschaftlichen Anreiz für die Rückkehr ins Heimatland bieten. Hinzu kommt, dass die behauptete Weiterbeschäftigung nach dreimonatiger Abwesenheit kaum glaubhaft Seite 8C-3085/2008; C-3088/2008 erscheint. Dass der Gesuchstellerin gegenüber ihre Mutter eine besondere Verantwortung – insbesondere die erst replikweise geltend gemach te Betreuungspflicht – obliegt, ist angesichts der geplanten Besuchsdauer ebenfalls fraglich bzw. wird durch den Umstand relati- viert, dass eine solche Betreuung ohne Weiteres an die übrigen in Sri Lanka lebenden Verwandten delegiert werden könnte. Zwingende Verpflichtungen ihrerseits – selbst wenn man diesen Begriff weit auslegen würde – sind daher nicht ersichtlich. Erst recht lassen sich bei ihrem 22-jährigen Sohn Y._______ keine persönlichen Verpflichtungen im Heimatland erkennen; seinem Einreisegesuch ist zu entnehmen, dass er arbeitslos ist und bei seiner Mutter lebt. Bei beiden Gesuch stellern kann daher nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass sie die Schweiz nach Ablauf der Be suchsdauer fristgerecht verlassen würden. Dabei ist auch zu bedenken, dass viele Personen, denen sich die Möglichkeit einer Auslandreise bietet, eine Emigration – u.a. auch über den Weg eines Asylgesuchs – in Betracht ziehen, selbst wenn sie andere und ihnen womöglich nahestehende Angehörige im Heimatland zurücklassen müssen. Nicht zu vergessen ist dabei, dass Sri Lanka im 2. Quartal 2009 zum zweitwichtigsten Herkunftsland von Asylsuchenden gehörte (vgl. Kommentierte Asylstatistik 2. Quartal 2009 unter http://www.bfm.admin.ch > Themen > Statistiken). Die vom Beschwer- deführer – selbst ehemaliger Asylbewerber – zugesicherte Wieder- ausreise seiner Angehörigen kann angesichts dieser Einschätzung zu keinem anderen Ergebnis führen. 12. Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, seinen Verwandten sei zumindest deshalb die Einreise zu erlauben, weil anderweitig kaum eine Möglichkeit zu einem Familientreffen bestehe und die Abweisung der Einreisegesuche daher einen Eingriff in das Privat- und Familien- leben darstelle. 12.1 Das Privat- und Familienleben wird in allgemeiner Weise von Art. 13 BV und Art. 8 EMRK geschützt. Daraus ergibt sich indessen kein Recht auf Einreise oder auf ein Familienleben an einem bestimm- ten Ort (BGE 130 II 281 E. 3.1 [mit Hinweisen]; vgl. ferner STEPHAN BREITEN MOSER , in: Bernhard Ehrenzeller/Philippe Mastronardi/Rainer J. Schweizer/Klaus A. Vallender, Die schweizerische Bundesver- fassung, Zürich/Basel/Genf 2002, Kommentar zu Art. 13 BV, N. 25; Seite 9C-3085/2008; C-3088/2008 ARTHUR HAEFLIGER /FRANK SCHÜRMANN , Die Europäische Menschenrechts- konvention und die Schweiz, Die Bedeutung der Konvention für die schweizerische Rechtspraxis, 2. Aufl., Bern 1999, S. 261). Vielmehr liegt ein Eingriff in den Schutzbereich des Privat- und Familienlebens grundsätzlich erst dann vor, wenn sich die Betroffenen überhaupt nirgends treffen könnten und der persönliche Kontakt deshalb nur in der Schweiz möglich wäre. 12.2 Gemäss eigenem Vorbringen besitzt der Beschwerdeführer das Schweizer Bürgerrecht. Er selbst kann demzufolge grundsätzlich über- allhin reisen und es spielt im Rahmen von Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK keine Rolle, wenn er diese Möglichkeit wegen seiner berufli- chen Situation nicht nutzen möchte. Auf der anderen Seite ist aber auch der Einwand, seine Angehörigen könnten – mit oder ohne Visum – kaum ein anderes Land bereisen, nicht stichhaltig, zumal sich aus der Visumspflicht anderer Länder für die Schweiz keine Verpflichtung zu einer weniger restriktiven Einreisepraxis ergibt. Zudem kann vom Be schwerdeführer auch verlangt werden abzuklären, in welches Land (beispielsweise Indien) seine Verwandten visumsfrei reisen könnten. Hierfür reicht der pauschale Hinweis, dass dies für srilankische Staats- bürger weltweit kaum möglich sei, nicht aus. 13. Die Vorinstanz durfte unter den gegebenen Umständen zu Recht da- von ausgehen, die fristgerechte Wiederausreise der Gesuchsteller sei nicht gewährleistet. Zwar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Er- teilung einer Einreisebewilligung – auf welche, wie erwähnt, ohnehin kein Rechtsanspruch besteht – abzulehnen. 14. Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtenen Verfügungen im Ergebnis rechtmässig sind (Art. 49 VwVG). Die Beschwerden sind demzufolge abzuweisen. 15. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun - desverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Seite 10C-3085/2008; C-3088/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerdeverfahren unter den Referenzen C-3085/2008 und C-3080/2008 werden vereinigt. 2. Die Beschwerden werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 800.- werden dem Beschwer- deführer auferlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 4. Dieses Urteil geht an: - den Beschwerdeführer (Einschreiben) - die Vorinstanz - das Migrationsamt des Kantons Zürich Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Haake Versand: Seite 11