B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1491/2020 law/fes U r t e i l v o m 25 . M ä r z 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Walter Lang, mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler; Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. Parteien A._______, geboren am (…), und ihre Kinder, B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), Kongo (Kinshasa), alle vertreten durch Helen Zemp, Rechtsanwältin, Rechtsschutz für Asylsuchende, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch (sicherer Drittstaat) und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 5. März 2020 / N (…). D-1491/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine kongolesische Staatsangehörige aus D._______ (Kongo) mit letztem Wohnsitz in E._______ (Südafrika), er- suchte am 17. Januar 2020 mit ihren beiden Kindern im Transitbereich des Flughafens F._______ um Asyl. Die Vorinstanz verweigerte ihnen gleichen- tags vorläufig die Einr eise in die Schweiz und wies ihnen mit Verfügung vom 21. Januar 2020 für die Dauer von maximal 60 Tagen den Transitbe- reich des Flughafens F._______ als Aufenthaltsort zu. Die Prüfung der von den Beschwerdeführenden mitgeführten maltesischen Reisepässe durch die Kantonspolizei F._______ ergab, dass es sich um gefälschte Dok u- mente handelt. B. Am 31. Januar 2020 wurden die Personalien der Beschwerdeführerin er- hoben und sie zum Reiseweg und summarisch zu den Ausreisegründen befragt. Zudem wurde ihr das rechtliche Gehör zur Wegweisung nach Süd- afrika gewährt. Die Beschwerdeführerin führte im Wesentlichen aus, sie könnten nicht nach Südafrika zurückkehren, weil sie dort von einem Mann umgebracht würden. Die Polizei könne ihr dort nicht helfen. C. Am 3. Februar 2020 bewilligte das SEM den Beschwerdeführenden zur Prüfung ihrer Asylgesuche die Einreise in die Schweiz. D. Am 18. Februar 2020 reichte die Beschwerdeführe rin eine Kopie des Flüchtlings-Status in Südafrika, ausgestellt am 28. August 2018, eine Ko- pie der Anzeige bei der Polizei in E._______ vom 8. Dezember 2019, Fotos der Situation der Flüchtlinge in E._______ und einen Zeitungsartikel be- treffend die Situation der Flüchtlinge und die Xenophobie in Südafrika ein. E. Am 21. Februar 2020 wurde die Beschwerdeführerin einlässlich zu ihren Asylgründen angehört. Die Beschwerdeführerin machte zur Asylbegründung im Wesentlichen gel- tend, sie sei im Jahr 2011 von D._______ zu ihrem Mann nach Südafrika geflüchtet, der bereits seit 2007 dort ansässig gewesen sei. Ihre älteste Tochter sei im Kongo geblieben. In Südafrika habe sie wie ihr Mann Asyl D-1491/2020 Seite 3 erhalten und sei als Flüchtling anerkannt worden. Ihre beiden jüngeren Kin- der sei en in Südafrika zur Welt gekommen. Sie hätten bis 2017 in E._______ gewohnt. Von 2017 bis Anfang November 2019 hätten sie dann am (…) in G._______ gelebt. Sie habe in Südafrika als (…) gearbeitet, während ihr Mann als (…) und später als selbständiger (…) Geld verdient habe. Anfang September 2019 sei es in G._______ zu fremdenfeindlichen Übergriffen gekommen. Ihr Mann habe am 3. oder 4. September 2019 Kin- der zur Schule chauffiert und dann wieder von dort abgeholt. Als er das letzte Kind nach Hause habe bring en wollen, sei sein Taxi von Südafrika- nern angegriffen worden. Ihr Mann habe flüchten können. Das Auto sei in Brand gesteckt worden, wobei das Schulkind in den Flammen umgekom- men sei. Ihr Mann habe gleich nach dem Vorfall mit ihr telefoniert und ge- sagt, dass er flüchten müsse . Er habe weiter erklärt, dass sie mit i hren gemeinsamen Kindern ebenfalls flüchten müssten, da sich die Familie des Schulkindes rächen wolle. Kurz darauf sei der Halbbruder ihres Mannes bei ihnen zu Hause aufgetaucht und habe sie und ihre Kinder weggebracht. Die nächsten drei Wochen hätten s ie beim Halbbruder ihres Mannes ge- wohnt. Nach drei Wochen sei der Halbbruder nicht mehr von der Arbeit zurückgekehrt. Sie hätten erfahren, dass er aufgrund des Todes des Schul- kindes ermordet worden sei. Die Ehefrau des Halbbruders habe sie darauf- hin aufgefordert wegzugehen. Sie sei mit ihren Kindern mit dem Bus nach E._______ gefahren. Dort hätten sie zwei Tage bei einer Freundin an der (…) gewohnt. Da noch eine andere Person im Haushalt ihrer Freundin ge- wohnt habe, habe sie sich entschieden, mit ihren beiden Kindern im Stadt- zentrum von E._______ auf der Strasse zu leben. Damals hätten sich dort in der Nähe des UNHCR-Sitzes beim H._______ zahlreiche andere Flücht- linge niedergelassen. Man habe ihr mitgeteilt, dass die dortigen Flüchtlinge vom UNHCR in Drittstaaten übersiedelt würden. Am 8. Dezember 2019 habe man sie auf offener Strasse ausgeraubt. Die Räuber hätten ein Foto von ihr auf sich getragen und gedroht, sie umzubringen. Sie habe den Überfall bei der Polizei gemeldet. Die Polizei habe ihre Anzeige wegen des Raubüberfalles aufgenommen, jedoch ihren Versuch, eine Vermisstenmel- dung für ihren Mann abzugeben, ignoriert. Desgleichen habe sich die Poli- zei nicht für den Tod des Schulkindes in G._______ interessiert. Als sie sich eines Tages wieder beim H._______ in E._______ aufgehalten habe, habe sie ein Pastor angesprochen. Es sei ein vermögender Mann gewesen, dem die Kirche «(…)» in D._______ gehöre und der ebenfalls einen Kirchenab- leger in E._______ unterhalten habe. Der Pastor habe Mitleid mit ihr und ihren Kindern gehabt. Er habe deshalb drei gefälschte maltesische Pässe sowie die Flugtickets nach Kanada organisiert und ohne Gegenleistung fi- nanziert. Schliesslich sei sie mit ih ren zwei Kindern am 15. Januar 2020 D-1491/2020 Seite 4 mit den gefälschten Dokumenten nach F._______ geflogen. Als ihnen die Weiterreise nach I._______ verweigert worden sei, habe sie am 17. Januar 2020 ein Asylgesuch gestellt. F. Am 3. März 2020 gab das SEM der Rechtsvertretung die Gelegenheit, zum Entscheidentwurf Stellung zu nehmen. G. Die Rechtsvertretung reichte am 4. März 2020 eine entsprechende Stel- lungnahme ein, worin sie ausführte, aus welchen Gründen die Beschwer- deführerin mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden sei. Die Be- schwerdeführerin reichte ein Foto von sich und ihrer Tochter, ein südafrika- nisches Dokument namens «The National Housing Code» und ein Doku- ment zum südafrikanischen Asylverfahren ein. H. Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 5. März 2020 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c und Art. 31a Abs. 1 Bst. e AsylG (SR 142.31) nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Südafrika und ordnete den Vollzug der Wegeweisung an. I. Mit Eingabe vom 12. März 2020 (Datum Poststempel) erhob die Beschwer- deführerin durch ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf das Asylgesuch der Beschwerdeführen- den sei einzutreten. Eventualiter sei die Sache zwecks vollständiger Abklä- rung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, eine individuelle Rückübernahmegarantie zwecks Sicherstellung der Einreise von den südafrikanischen Behörden einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie zudem, es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. D-1491/2020 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs- weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti- miert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist somit einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesver waltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die vorliegende Beschwerde erweist sich aufgrund nachfolgender Erwä- gungen als offensichtlich unbegründet, weshalb das Bundesverwaltungs- gericht in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin ( Art. 111 Bst. e AsylG) entscheidet. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur- teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be- schränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). D-1491/2020 Seite 6 4.2. Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt. 5. 5.1. In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe den Sachverhalt un- vollständig festgestellt und die Begründungspflicht verletzt, weil es sich zu wenig mit dem Asylsystem Südafrikas beziehungsweise dem Vorhanden- sein eines Refoulement-Schutzes auseinandergesetzt habe. Ferner habe das SEM weder die effektive Einreise sichergestellt noch eine individuelle Rückübernahmegarantie eingeholt. 5.2. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass vorliegend keine Zweifel beste- hen, dass die Beschwerdeführerin in Südafrika im Jahr 2011 als Flüchtling anerkannt worden ist und sich bis zur Ausreise am 15. Januar 2020 dort aufgehalten hat. Angesicht der bereits erfolgten Anerkennung als Flüchtling erübrigte es sich für das SEM auf das Refoulement -Gebot beziehungs- weise das Asylsystem Südafrikas weiter einzugehen oder eine Rücküber- nahmegarantie einzuholen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht festzustellen. Der Eventualantrag und das Subeventualbegehren sind demnach abzuweisen. 6. 6.1. Gemäss Art. 31a Abs. 1 AsylG wird auf ein Asy lgesuch in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben (Bst. c) oder in dem Personen zu denen sie enge Beziehungen haben, oder nahe Angehörige leben (Bst. e). Diese Bestimmungen finden keine Anwendung, wenn Hin- weise darauf bestehen, dass im Drittstaat kein effektiver Schutz vor Rück- schiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Art. 31a Abs. 2 AsylG). 7. 7.1. Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid im Wesentlichen damit, dass die Beschwerdeführerin bereits in Südafrika schutzberechtigt sei. Seit 2011 verfüge sie über einen südafrikanischen Aufenthaltstitel als Flüchtling und lebe dort gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren zwei jüngeren Kin- dern. Südafrika sei dem Protokoll über di e Rechtsstellung der Flüchtlinge beigetreten und verpflichte sich somit zur Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) so- wie des Non -Refoulement-Gebots (vgl. Art. 1 Abs. 1 des Protokolls über D-1491/2020 Seite 7 die Rechtsteilung der Flüchtlinge, wonach die Vertragsparteien des Proto- kolls verpflichtet sind, Art. 2-34 FK anzuwenden). Gemäss dem Refugees Act (Act 130, 1998), den Refugee Regulation (Forms and Procedures, dem Immigration Act, 2002 (Act 13, 2002), der allgemeinen lmmigrationsregula- tionen der südafrikanischen Gesetzgebung sowie unter Berücksichtigung der relevanten internationalen Konventionen würden anerkannte Mitglieder der Kernfamilie eines anerkannten Flüchtlings ebenfalls den Flüchtlings- status beziehungsweise eine Niederlassungsbewilligung erhalten. Obwohl die Ereignisse vom 1. bis 5. September 2019 betreffend die im Rahmen von Plünderungen geschehenen fremdenfeindlichen Übergriffe insbeson- dere in G._______ in den Online-Medien gut dokumentiert seien, gebe es keine entsprechenden Berichte über den von ihr geltend gemachten Vor- fall, bei dem ein Schulkind getötet worden sei. Ihre Aussagen zu den dies- bezüglich geltend gemachten Problemen mit Drittpersonen seien zudem insgesamt unglaubhaft und würden lebensfremd wirken. Gemäss Internet- recherchen gebe es die angegebene Adresse (…), G._______ nicht, wäh- rend die von ihr angegebene Wohnadresse (…) in E._______ tatsächlich existiere. Des Weiteren habe sie angegeben, von 2017 bis Anfang Novem- ber 2019 in G._______ gelebt zu haben. Der eingereichte Flüchtlingsaus- weis beziehungsweise ihre südafrikanische Niederlassungsbewilligung sei jedoch am 28. August 2018 in E._______ ausgestellt worden. Es wäre je- doch zu erwarten gewesen, dass s ie ihre Aufenthaltsbewilligung in G._______ erhalten hätte, wenn sie zu diesem Zeitpunkt tatsächlich in G._______ gelebt habe. Diese Ungereimtheit verstärk e den Verdacht, dass ihre Angaben zum Aufenthalt in G._______ nicht stimmen würden. Ihre Aussagen zum Verschwinden i hres Mannes seien insgesamt diffus, lebensfremd und würden konstruiert wirken. Als sie gebeten w orden sei, die Umstände während des damaligen Telefongesprächs detailliert zu be- schreiben, habe sie lediglich die geltend gemachte Verfolgungsgeschichte wiederholt. Sie habe erwähnt, d ass ihr Mann angekündigt habe, s ie aus Sicherheitsgründen nicht mehr anzurufen . Es sei jedoch nicht nachvoll- ziehbar, weshalb Telefongespräche mit ihrem Mann ihre Sicherheit gefähr- den solle. Es sei nämlich nicht ersichtlich, wie jemand aufgrund eines Te- lefongesprächs ihren Aufenthaltsort hätte ausfindig machen können. Viel- mehr sei der Eindruck entstanden, dass sie mit ihrer diesbezüglichen, je- doch wenig plausiblen Aussage einen Kontaktverlust zwischen ihr und ih- rem Mann in den folgenden Monaten habe erklären wollen, aber tatsäch- lich nie von i hrem Mann getrennt gewesen sei. Zudem habe sie seit dem angeblichen Verschwinden ihres Mannes gemäss ihren eigenen Angaben selbst nichts Substantielles unternommen, um ihren Mann wieder zu fin- den. Sie habe zwar erwähnt, dass sie einige Kollegen angerufen habe und D-1491/2020 Seite 8 sich besorgte Familienangehörige bei ihr gemeldet hätten. Es wäre jedoch zu erwarten gewesen, dass sie aktiv nach ihrem Mann suchen würde. Sie habe das Verschwinden i hres Mannes bis jetzt weder bei der Poliz ei in G._______ noch bei einer anderen Behörde, Menschenrechtsorganisation oder dem Roten Kreuz gemeldet. Das erstaune umso mehr, da sie erklärt habe, dass ein Bekannter aus Frankreich, der bei Amnesty International arbeite, sie hier in der Schweiz unterstütze. Desgleichen habe sie sich we- der bei den Medien gemeldet noch auf den sozialen Medien eine Suchak- tion gestartet noch regelmässig oder intensiv in ihrem sozialen Umfeld nachgefragt, um etwas über den Verbleib ihres Mannes zu erfahren. Ihre Aussage, das s die Polizei in E._______ ihre Vermisstenanzeige bezie- hungsweise die Anzeige zum Tod eines Schulkindes nicht habe entgegen- nehmen wollen, aber den Überfall auf sie rapportiert und ihr einen Anzei- gebeleg ausgestellt habe, müsse ebenfalls als wenig glaubhaft angesehen werden. Da sie keine Anstrengungen unternommen habe, ihren Mann zu finden beziehungsweise ihre Angaben dazu nicht glaubhaft wirken würden, verstärke sich der Eindruck, dass i hre Angaben zum Verschwinden ihres Mannes fiktiv seien und dazu dienen würden, konstruierte Vorbringen zu dramatisieren und allfällige Wegweisungshindernisse zu kreieren. Gemäss der Datenbank CS-VIS habe ihr Ehemann im Oktober 2019 mit zwei ver- schiedenen Pässen in Südafrika Schengen -Visa bei der italienischen be- ziehungsweise französischen Vertretung in E._______ beantragt. Dabei habe ihr Ehemann als Wohnadresse (…), E._______ angegeben. Die ent- sprechenden Angaben würden darauf hinweisen, dass sie und ihr Ehe- mann sich gleichzeitig in E._______ aufgehalten haben. Dieser Umstand sowie die Adressangaben in den Visumsanträgen würden den Verdacht er- härten, dass sie und i hr Ehemann nie getrennt worden seien, sie bis zu ihrer Ausreise gemeinsam in E._______ beziehungsweise nie in G._______ gelebt hätten und sich ihr Ehemann weiterhin in Südafrika auf- halte. Demgegenüber stünden ihre Aussagen, dass sie in den letzten bei- den Monaten vor ihrer Ausreise alleine mit ihren beiden Kindern auf der Strasse in der Nähe des H._______ in Downtown E._______ auf der Strasse habe leben müssen. Ihre Erklärung, weshalb sie bei ihrer Freundin in E._______ ausgezogen seien, sei nicht schlüssig. Es sei nicht nachvoll- ziehbar, dass sie mit zwei Kleinkindern freiwillig auf der Strasse gelebt habe. Es wäre zumindest zu erwarten gewesen, dass sie bei ihrer Freundin hätten wohnen bleiben können, bis sie eine neue Unterkunft gefunden hät- ten. Die Zeltstadt am H._______ sei im Rahmen einer Protestaktion von asylsuchenden Personen, Menschen ohne Aufenthaltstitel und anerkann- ten Flüchtlingen entstanden, um vom UNHCR, welches dort Büros unter-D-1491/2020 Seite 9 halte, eine Umsiedelung in einen Drittstaat zu erzwingen. Gemäss Presse- berichten habe das UNHCR sämtliche Protestierenden, welche über eine eigene Wohnmöglichkeit verfügt hätten, aufgefordert, an ihren Wohnort zu- rückzukehren und Süd afrika nicht zu verlassen . Die örtlichen Behörden hätten vor Ort zudem jeder Person, die sich aufgrund von fremdenfeindli- chen Übergriffen nicht sicher gefühlt habe, eine Umsiedelung in eine an- dere Region von Südafrika offeriert. Es sei demnach nicht nachvollziehbar, weshalb sie mit ihren Kindern bis zu ihrer Ausreise auf der Strasse gelebt habe. Unbesehen der Glaubhaftigkeit i hrer diesbezüglichen Aussagen stehe aber fest, dass s ie nicht auf der Strasse hätten leben müssen und die südafrikanischen Behörden W ohnalternativen und Schutz angeboten hätten. Ihre Angaben, dass ein ihr unbekannter Pastor aus Mitleid und ohne Gegenleistung die ganze Reise von mehreren tausend Dollars finanziert habe, wirke realitätsfremd. Desgleichen wirke ihre Aussage, dass der vor- genannte Pastor in ihrer Geburtsstadt D._______ und gleichzeitig in E._______ eine Kirche betreibe, ad hoc konstruiert – ein Umstand der die Zweifel an ihren Angaben weiter verstärke. Entgegen ihren Angaben sei anzunehmen, dass sie und ihr Mann die Ausgaben für die Reise selber finanziert hätten, was darauf hinweise, dass sie nicht aus ärmsten Verhält- nissen stamme. Unbesehen, ob es sich um ein echtes Dokument handle, seien dem eingereichten Polizeirapport keine Informationen auf eine Ver- folgung zu entnehmen. Weder die Medienartikel noch die Fotografien hät- ten einen direkten Bezug zu ihren Lebensumständen oder der geschilder- ten Verfolgungsgeschichte. Sinngemäss habe sie weiter angegeben, dass sie bei einer Rückkehr allgemein fremdenf eindliche Übergriffe befürch te. Südafrika verfüge über ein funktionierendes Rechtssystem und die dorti- gen Behörden seien schutzfähig und schutzwillig – insbesondere in Bezug auf fremdenfeindliche Vorfälle. Insgesamt sei weder von einer permanen- ten noch einer flächendeckenden Verfolgung von ausländischen Staatsan- gehörigen in Südafrika auszugehen. Bei einer Rückkehr nach Südafrika bestehe für sie somit keine imminente lebensbedrohliche Gefährdung. Sie habe versucht den Aufenthaltsort i hres Ehemannes zu verschleiern und habe somit ihre Mitwirkungspflicht verletzt. Das SEM gehe aufgrund obiger Ausführungen davon aus, dass sich ihr Ehemann weiterhin in E._______, Südafrika, aufhalte. Ihr Mann sei gemäss ihren Aussagen anerkannter Flüchtling in Südafrika und leb e seit 2007 dort . Gemäss der südafrikani- schen Gesetzgebung habe sie Anrecht auf einen Aufenthaltsstatus als Flüchtling in Südafrika. 7.2. In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend ge- macht, es gehe aus zahlreichen Länderberichten hervor, dass Südafrika D-1491/2020 Seite 10 nicht von einem funk tionierenden Asylsystem auszugehen sei. Überdies bestätige der Abgeordnete des Deputy Ministers of Home Affairs (DHA) die extrem hohe Anzahl an Asylsuchenden und die daraus entstehenden gros- sen Herausforderungen. Ausserdem habe es im Jahr 2019 zahlreiche x e- nophobe Gewaltakte gegeben. Somit sei die Sicherheitslage für ausländi- sche und insbesondere asylsuchende Personen in Südafrika nicht sicher. Insbesondere kongolesische Flüchtlingsfrauen seien regelmässig Opfer (sexueller Gewalt). Hinzu komme, dass Asylsuchende aus afrikanischen Nachbarstaaten kaum Chancen hätten, tatsächlich als Flüchtlinge aner- kannt zu werden. Unter anderem würden Staatsangehörige aus Simbabwe direkt nach der Ankunft in ihr Heimatland deportiert, was eine indirekte Re- foulement-Gefahr darstelle. Eine Wegweisung in den sicheren Drittstaat Südafrika sei demnach unzulässig. Das SEM habe keine Ausführungen dazu gemacht, ob die Beschaffung von Aufenthaltspapieren ohne jegliche offiziellen Identitätspapiere , als kongolesische Staatsangehörige aus- serhalb von Südafrika überhaupt möglich sei, abgesehen von der Frage der Zumutbarkeit für eine alleinerziehende Mutter – und falls ja, wie dies genau zu erfolgen habe. Ob die Beschwerdeführenden lediglich mit einem (innerstaatlichen) Dokument bezüglich ihrer Flüchtlingseigenschaft effektiv in Südafrika einreisen könnten, habe die Vorinstanz nicht abgeklärt. Die Beschwerdeführenden würden weder über südafrikanische noch kongole- sische gültige Reisepässe verfügen. Personen, welche über keine gültigen Reisetitel verfügen würden, müssten damit rechnen, dass sie für weitere Abklärungen vorübergehend in das Deportationszentrum Lindela überführt würden. Zwar bestehe gemäss den offiziellen Einreisebestimmungen von Südafrika theoretisch die Möglichkeit, dass anerkannt e Flüchtlinge für ei- nen «permanent residence permit» ersuchen könnten, wenn sie während mindestens fünf Jahren unter diesem Status in Südafrika gelebt hätten. Al- lerdings könnten die Beschwerdeführenden die entsprechenden Voraus- setzungen nicht e rfüllen. Sollte die südafrikanische Botschaft in der Schweiz ihre Gesuche für einen «permanent residence permit» überhaupt behandeln, würden zu deren Erlangung diverse Dokumente verlangt, unter anderem die Einverständniserklärung des zweiten Elternteils bezüglich der minderjährigen Kindern, welche die Beschwerdeführerin mangels Kontakt zu ihrem Ehemann nicht beibringen könne. Unter den jetzigen Umständen sei nicht ersichtlich, wie die Beschwerdeführenden, vor einer Rückkehr nach Südafrika, eine Aufenthaltsbewilligung beschaffen sollten. Das SEM sei in vorliegendem Fall verpflichtet, im Sinne einer vertieften Abklärung der Rückkehrmöglichkeit vor Erlass des Nichteintretensentscheids vom fraglichen Drittstaat eine Rückübernahmezusicherung einzuholen. Bei der D-1491/2020 Seite 11 Einholung der Rückübernahmezusicherung handle es sich um eine unab- dingbare Sachurteilsvoraussetzung, sofern eine effektive Einreise nicht mit Sicherheit festgestellt werden könne. Die Vorinstanz vermute zu Unrecht und ohne hinreichende Belege, dass die Beschwerdeführenden zum Ehemann beziehungsweise Vater zurück- kehren könnten. Die Familie des Schwagers, bei welcher die Beschwerde- führenden nach der Flucht des Ehemannes beziehungsweise Vaters vo- rübergehend Unterschlupf gefunden hätten, habe Letztere nach dem Tod des Schwagers vertrieben. Der Kontakt zu weiteren ehemaligen Bekann- ten in G._______ und E._______ sei ebenfalls abgebrochen beziehungs- weise es hätten keine enge Freundschaften bestanden. Und schliesslich bestehe zum Ehemann beziehungsweise Vater sei t dessen abrupte n Flucht im September 2019 keinen Kontakt mehr. Die Beschwerdeführerin habe an beiden Befragungen ausführlich und nachvollziehbar geschildert, wie sie ihren Ehemann am Morgen des 3. oder 4. September 2019 zum letzten Mal gesehen habe, bevor dieser zur Arbe it gegangen sei. Die Be- schwerdeführerin beschreibe das Gespräch mit zahlreichen Details, bei- spielsweise, dass sie sich zum Zeitpunkt des Anrufes zu Hause aufgehal- ten habe und am anderen Ende der Leitung kein Hintergrundlärm zu hören gewesen sei. Den Wortwechsel gebe sie teilweise in direkter Rede wieder, wobei sie die eindringlichen Aussagen wiederhole. Während dieser Schil- derung habe die Beschwerdeführerin weinen müssen. Diese Ausführungen seien nicht nur plausibel, sondern detailliert und bezögen sich nicht nur auf den Inhalt des Gesprächs, sondern auch auf dessen Umstände. Der Vor- halt der Vorinstanz, die Aussagen zum Verschwinden des Ehemannes und insbesondere zum Telefongespräch würden diffus, oberflächlich und kon- struiert wirken, sei umso weniger nachvo llziehbar, als der Fachspezialist des SEM selber die Beschwerdeführerin unterbrochen und das Thema ge- wechselt habe. Dass keine Beweise oder Medienberichte zum Vorfall mit dem getöteten Kind existieren würden, bedeute entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht, dass der Unfall nicht passiert sei. Selbst in der Schweiz werde nicht über jeden unnatürlichen Todesfall in den Medien berichtet. Die Beschwerdeführerin habe sehr wohl versucht, ihren Ehemann zu finden. So habe sie ihn angerufen, sei jedoch nicht durchgekommen. Sie habe sich erst in E._______ getraut, gleichzeitig mit der Anzeige betreffend den Raubüberfall eine Vermisstenanzeige zu machen. Dass die Freundin die Beschwerdeführerin mit den zwei Kleinkindern nicht auf unbestimmte Zeit in der Wohnung, welche sie selber schon mit jemandem habe teilen müs- sen, geduldet habe, sei nicht abwegig. Ebenso leuchte ein, dass die Be-D-1491/2020 Seite 12 schwerdeführerin einmal auf die Strasse gestellt, wie viele andere Flücht- linge in der Nähe des UNHCR Zuflucht gesucht habe, in der Hoffnung, dass ihr Gesuch um Reinstallation in ein anderes Land gutgeheissen werde. Schliesslich sei nicht ersichtlich, warum die Beschwerde führerin nicht in G._______ gelebt haben sollte, wie sie sogar mit einer Fotografie von ihr und ihrer Tochter in der Metro von G._______ untermauere. Immerhin lä- gen keine Belege vor, die das Gegenteil nachweisen würden. Ein phone- tisch korrekt, jedoch minim anders geschriebener Strassenname und die Frage, ob der Flüchtlingsstatus alle vier oder alle zwei Jahre in E._______ habe erneuert werden müsse, würden hierzu nicht ausreichen. Darüber hinaus sei noch weniger ersichtlich, worauf sich die Vorinstanz bei der ge- wagten Vermutung stütze, dass die Beschwerdeführerin mit dem Ehemann beziehungsweise Kindsvater in E._______ hätte zusammenwohnen sollen oder die Reise zusammen finanziert hätten, da sie nicht aus ärmsten Ver- hältnissen stammen würden, anstatt – wie die Beschwerdeführerin über- zeugend dargelegt habe, hierzu von einem Pastor unterstützt worden seien. Die Vermutungen der Vorinstanz würden sich auf keinerlei Belege stützen. Selbst wenn man die Ausführungen der Beschwerdeführerin als unglaubhaft qualifizieren sollte, bedeute dies mitnichten, dass sich im Asyl- verfahren zu täuschen versucht habe. Damit sei genügend erstellt, dass die Beschwerdeführerin keinen Kontakt zum Ehemann gehabt habe seit seinem abrupten Verschwinden und ihr deshalb dessen Aufenthaltsort nicht bekannt sei. 8. 8.1. Die Beschwerdeführerin hat in Südafrika während mehreren Jahren als anerkannter Flüchtling gelebt , bevor sie mit ihren Kindern in die Schweiz gereist ist. Südafrika ist dem Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge beigetreten und verpflichtet sich somit zur Einhaltung des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge sowie des Non -Refoulement-Gebots (vgl. Art. I Abs. 1 des Protokolls über die Rechtstellung der Flüchtlinge, wonach die Vertragsparteien des Protokolls verpflichtet sind, Art. 2–34 FK anzuwenden). Ferner verfügt Südafrika über ein funktionierendes Rechtssystem und die dortigen Behörden sind schutz- fähig und schutzwillig. Was die Beschwerdeführerin anlässlich des rechtli- chen Gehörs und auf Beschwerdeebene vorbringt, ist nicht geeignet, diese Regelvermutung umzustossen. Die von der Beschwerdeführerin in den Länderberichten dargelegten Probleme, wie der Zugang zum Asylverfah- ren oder die Gefahr vor einer Rückschiebung sind vorliegend nicht rele- vant, d a d ie Beschwerdeführerin bereits anerkannter Flüchtling ist und demnach in Südafrika Schutz vor Verfolgung im Kongo erhalten hat. D-1491/2020 Seite 13 8.2. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung überzeugend dargelegt, weshalb das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie in Südafrika von den Angehörigen des getöteten Kindes verfolgt werde, nicht glaubhaft ist. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden Erwägun- gen der Vorinstanz zu verweisen. Es trifft zwar zu, dass der Sachbearbeiter anlässlich der Anhörung nach der Antwort der Beschwerdeführerin hin- sichtlich des Telefongesprächs mit ihrem Ehemann diesbezüglich keine weiteren Fragen stellte. Die Angaben zum Telefongespräch waren jedoch entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht keineswegs detailliert oder mit Realkennzeichen versehen (vgl. Akte 1061182 -11/19 [nachfol- gend A11/19] F51). Die Furcht der Beschwerdeführerin vor den Angehöri- gen des angeblich getöteten Kindes und die angebliche Flucht des Ehe- mannes ist deshalb als unglaubhaft zu erachten. Der von der Beschwerde- führerin geltend gemachte Diebstahl in E._______ meldete sie der Polizei, welche die Anzeige entgegengenommen hat. Zudem hat die Beschwerde- führerin nicht glaubhaft darlegen können, dass der Diebstahl auf ein asyl- rechtlich relevantes Motiv zurückzuführen ist. Die mit der Beschwerde ein- gereichten Beweismittel vermögen daran nichts zu ändern. Ferner beste- hen hinsichtlich der geltend gemachten Organisation der Ausreise erhebli- che Zweifel. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen des SEM verwie- sen werden. Zudem hat die Beschwerdeführerin einerseits angegeben, ihr Kollege in Frankreich, welcher bei Amnesty International arbeite, habe ihre Reise finanziert (vgl. A11/19 F25) und später gab sie an, der Pastor habe die Reise bezahlt (vgl. A11/19 F90). Insgesamt ist deshalb nicht davon aus- zugehen, dass die Beschwerdeführerin in Südafrika eine asylrelevante Verfolgung von Dritten zu befürchten hat. 8.3. Die Beschwerdeführerin reichte ihren gültigen Flüchtlingsausweis im Original ein, weshalb sie (im Gegensatz etwa zum Beschwerdeführer im Verfahren D-277/2020) über ein Aufenthaltsrecht in Südafrika verfügt. Das SEM war deshalb nicht gehalten eine Rückübernahmezusicherung von den südafrikanischen Behörden einzuholen. Zusammenfassend kann fest- gestellt werden, dass sich die Beschwerdeführerin acht Jahre in Südafrika als Flüchtling aufgehalten hat und sie aufgrund ihres Flüchtlingsstatus ef- fektiven Schutz vor Rückschiebung in den Kongo geniesst. Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG auf das Asylge- such der Beschwerdeführenden zu Recht nicht eingetreten ist. Es können daher Ausführungen zum Nichteintretenstatbestand nach Art. 31a Abs. 1 Bst. e AsylG unterbleiben. D-1491/2020 Seite 14 9. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 10. 10.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situatione n wie Krieg, Bürger- krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei- sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG). 10.2. Das SEM wies in seiner angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass die Beschwerdeführerin von Südafrika als Flüchtling anerkannt worden ist und damit bereits Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG geniesst, weshalb das Non -Refoulement-Gebot bezüglich des Heimatsstaates nicht zu prüfen ist. Ferner ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr und ihren Kindern im Falle einer Rück- kehr in den Drittstaat Südafrika mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung droht. Der Vollzug der Wegweisung nach Südafrika ist folglich zulässig. 10.3. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass weder die allgemeine Lage Südafrikas noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung der gesunden Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr schliessen D-1491/2020 Seite 15 lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist. Ins- besondere macht die Beschwerdeführerin keine eigenen persönlichen Gründe geltend, die einem Vollzug der Wegweisung entgegenstehen wür- den. Sie hat rund acht Jahre in S üdafrika gelebt, weshalb entgegen ihren Ausführungen davon auszugehen ist, dass sie d ort über ein Beziehungs- netz aus Freunden verfügt. Die Beschwerdeführerin hat die Matura, spricht mehrere Sprachen und hat als Haarflechterin gearbeitet, weshalb sie je- denfalls in Kontakt mit Personen gestanden ist. Ihre beiden Kinder sind in Südafrika zur Welt gekommen und es ist davon auszugehen, dass der Ehe- mann und Kindsvater sich weiterhin in Südafrika aufhält und sie den Kon- takt zu diesem wieder wird herstellen können , sofern der Kontakt über- haupt unterbrochen gewesen war . Der Vater gab anlässlich seine s Visa- Antrags im Oktober 2019 eine Adresse in E._______ an. Zudem verfügen sie gemäss ihren Angaben über eine Wohnung in G._______. 10.4. Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung in Be- zug auf die Beschwerdeführerin (und ihrer Kinder), welche in als Flüchtling anerkannt ist und Asyl erhalten hat, im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG mög- lich ist, zumal keine objektiven Hindernisse aktenkundig sind. 10.5. Zusammenfassend hat die Vorinst anz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. 12.1. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen und demnach die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. 12.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht D-1491/2020 Seite 16 [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kos- tenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-1491/2020 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Ferreyra