B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6811/2014 U r t e i l v o m 2 7 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Serbien, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist) / Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist; Verfügung des BFM vom 11. November 2014 / N _______. D-6811/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass das BFM mit Verfügung vom 11. November 2014 – eröffnet am 12. November 2014 – feststellte, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, deren Asylgesuch vom 12. Oktober 2014 ab- lehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisung s- vollzug anordnete, dass das BFM gleichzeitig zur Sicherstellung des Vollzugs die Ausscha f- fungshaft der Beschwerdeführerin während höchstens 30 Tagen anordne- te, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 21. November 2014 g e- gen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob, dass sie als Beilagen die angefochtene Verfügung vom 11. November 2014 im Original und drei fremdsprachige Beweismittel zu den Akten reichte, dass weitere Beweismittel in Aussicht gestellt wurden, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass das Bundesverwaltungsgericht auch für die Behandlung von Ge - suchen um Wiederherstellung von Fristen gemäss Art. 24 Abs. 1 VwVG zuständig ist, bei denen es im Falle der Wiederherstellung über die nachgeholt e Parteihandlung bzw. Rechtsvorkehr zu befinden hat (vgl. URSINA BEERLI-BONORAND , Die ausserordentlichen Rechtsmittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der Kantone, 1985, S. 233), D-6811/2014 Seite 3 dass über nicht offensichtlich unzulässige Gesuche um Wiederher - stellung einer Frist nach Art. 24 VwVG ein Spruchgremium aus drei Richtern oder Richterinnen entscheidet (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG), wo - gegen über die Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. November 2014 aufgrund der Verspätung im einzelrichterlichen Verfahren zu ent - scheiden wäre (vgl. Art. 111 Bst. b AsylG und Art. 23 Abs. 1 Bst. b VGG), dass vorliegend aus prozessökonomischen Gründen der gleiche Spruchkörper in der Besetzung mit drei Richtern über das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist und die Unzulässigkeit der Be - schwerde (infolge Verspätung) entscheidet, dass die Beschwerde innerhalb von 5 A rbeitstagen seit Eröffnung der Verfügung einzureichen ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG), dass schriftliche Eingaben spätestens am letzten Tag der Frist der Be - hörde einzureichen oder zu deren Handen der schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatisc hen oder konsularischen Ver - tretung zu übergeben sind (Art. 21 Abs. 1 VwVG), dass die angefochtene Verfügung der Besc hwerdeführerin gemäss der sich in den vorinstanzlichen Akten befindenden Eröffnungs - und Emp - fangsbestätigung am 12. November 2014 eröffnet wurde, dass somit die 5 -tägige Beschwerdefrist am 19. November 2014 abge- laufen ist und demnach die Beschwerde vom 21. November 2014 ver- spätet eingereicht wurde, dass die Beschwerdeführerin als Begründung für die Verspätung gel - tend macht, sie habe zunäc hst di e B._______ bitten wollen, für sie Beschwerde zu erheben, dass die Beratungsstelle jedoch nichts habe unternehmen wollen und sie stattdessen an einen Anwalt verwiesen habe, dass der Anwalt ihr mitgeteilt habe, allein ein Gespräch würde Fr. 500.– kosten, weshalb sie aus purer Verzweiflung zusam men mit ihrer Cousine (N _______ , D -6809/2014) in die Migros gegangen sei, mit dem Ziel, etwas zu stehlen und dann zu verkaufen, um so den An - walt bezahlen zu können, D-6811/2014 Seite 4 dass sie bei ihrem Versuch leider erwischt un d auf die Polizeistation gebracht worden seien, dass sie in der Folge zwei Nächte in Untersuchungshaft hätten verbrin - gen müssen und erst gegen Abend des 20. November 2014 freigelas - sen worden seien, weshalb es ihnen nicht gelungen sei, die Beschwer - de fristgerecht einzureichen, dass die Beschwerdeführerin aus den dargelegten Gründen sinnge - mäss um Berücksichtigung ihrer Beschwerde trotz verspäteter Einrei - chung ersucht, dass damit vorliegend zu prüfen ist, ob entschuldbare Gründe im Sinne von Art. 24 Abs. 1 VwVG gegeben sind, welche eine Wiederherstellung der Beschwerdefrist rechtfertigen würden, dass nach Art. 24 Abs. 1 VwVG die Frist wiederhergestellt wird, wenn der Gesuchsteller oder sein Vertreter unverschuldeterweise abgehal - ten worden ist, binnen Fris t zu handeln, sofern er unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum er - sucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt, dass die Beschwerdeführerin das Gesuch um Wiederherstellung der B e- schwerdefrist innert 30 Tagen seit We gfall des genannten Hindernisses (Freilassung am 20. November 2014 nach zwei Nächten in Unters u- chungshaft) eingereicht und gleichzeitig die versäumte Rechtshandlung (Einreichung der Beschwerde) innert Frist nachgeholt hat, weshalb auf das Fristwiederherstellungsgesuch einzutreten ist, dass die Wiederherstellung von Fristen dazu dient, die Rechtsnachtei - le zu beseitigen, die ein Verfahrensbeteiligter wegen unverschuldeter Fristversäumnis erleidet (vgl. STEFAN VOGEL, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008, N 1 zu Art. 24 VwVG), dass das Versäumnis unverschuldet ist, wenn dafür objektive oder su b- jektive Gründe im Sinne einer objektiven oder subjektiven Unmöglichkeit vorliegen und der Partei bzw. der Vertretung keine Nachlässigkeit vorge- worfen werden kann, dass die subjektive Unmöglichkeit eng definiert wird, wobei die gesuc h- stellende Person zwar objektiv in der Lage wäre zu handeln, aber aus D-6811/2014 Seite 5 subjektiven Umständen, die sie nicht zu verantworten hat, an der Vo r- nahme der Handlung verhindert ist, dass eine objektive Unmöglichkeit, die nicht in einer Nachlässigkeit b e- gründet liegt, beispielsweise bei derart schwerer Krankheit gegeben ist, dass die betroffene Person von der Rechtshandlung abgehalten wird und auch nicht in der Lage ist, ein e Vertretung zu bestellen, während blosse Ferienabwesenheit oder Arbeitsüberlastung nicht genügen, dass somit Gründe vorliegen müssen, welche der Partei auch bei Au f- wendung der üblichen Sorgfalt die Wahrung ihrer Interessen verunmö g- licht oder unzumutbar erschwert hätten, dass die Rechtsprechung sowohl des Bundesverwaltungsgerichts wie auch des Bundesgerichts in Bezug auf die Fristwiederherstellung sehr restriktiv ist, und ein Fall von klarer Schuldlosigkeit vorliegen muss, dass dies auch damit zusammenhängt, dass gemäss Art. 24 VwVG jedes Verschulden, und damit auch leichte Fahrlässigkeit, ausreicht, um die Fristwiederherstellung zu verweigern (vgl. zum Ganzen KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrecht s- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 204 f. Rz. 587/588 mit Hinweisen), dass die Beschwerdeführerin den Umstand, der sie an der Vornahme der rechtzeitigen Beschwerdeeinreichung hinderte (Untersuchungshaft) w e- gen des versuchten Diebstahls , selbst zu verantworten hat, weshalb kei- ne subjektiven Gründe ersichtlich sind, dass es ebenso an objektiven Gründen fehlt, welche der Beschwerdefü h- rerin auch bei Aufwendung der üblichen Sorgfalt eine rechtzeitige Einre i- chung der Beschwerde verunmöglicht oder unzumutbar erschwert hätten, dass sich aus der Begründung des Fristwiederherstellungsgesuchs kein Hindernis ableiten lässt, die vorinstanzliche Verfügung vom 11. November 2014 innert Frist anzufechten, dass es der Beschwerdeführerin beispielsweise zuzumuten gewesen w ä- re, sich unmittelbar nach der Weigerung der B._______ bzw. nachdem sie von den Anwaltskosten Kenntnis hatte an eine andere Rechtsber a- tungsstelle zu wenden, um rechtzeitig Beschwerde erheben zu können, D-6811/2014 Seite 6 dass nach dem Gesagten das Fristversäumnis der Beschwerdefü hrerin nicht als unverschuldet bezeichnet werden kann, womit es an einer der kumulativ erforderlichen Voraussetzungen für die Wiederherstellung der Beschwerdefrist fehlt, dass das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist somit – unbesehen der rechtz eitig nachgeholten Rechtshandlung – abzuwei- sen ist, dass bei dieser Sachlage gleichzeitig auf die verspätet eingereichte Beschwerde vom 21. November 2014 nicht einzutreten ist (Art. 111 Bst. b AsylG), dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten (Art . 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi - gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), ange - sichts des geringen Aufwandes jedoch angemessen zu reduzie ren sind. (Dispositiv nächste Seite) D-6811/2014 Seite 7 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist wird abgewiesen. 2. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand: