Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 10. März 2020 (460 2019 154) ____________________________________________________________________ Strafrecht Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl etc. Besetzung Vizepräsident Stephan Gass, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Susanne Afheldt, Richter Daniel Häring, Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin Privatklägerschaft gegen A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Matthias Aeberli, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand gewerbs - und bandenmässiger Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 13. Februar 2019 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolge nd Strafgericht) vom 13. Februar 2019 wurde A.____ des gewerbsmässigen Diebst ahls, der mehrfachen Sachbe- schädigung, des mehrfachen, teilweise versuchten Hausfrie densbruchs sowie des Überlassens eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne Fahrerlaub nis schuldig erklärt und – als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des K antons Jura Porrentruy vom 23. Februar 2016 – zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahr en, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme, der ausgestandenen Untersuchungshaft sowie de s vorzeitigen Strafvollzugs von insgesamt 505 Tagen, verurteilt (Ziff. 1). Hingegen wu rde A.____ in den Fällen 26, 28, 37, 38, 39 und 40 von der Anklage des gewerbsmässigen Diebstahls, des mehrfachen Hausfriedens- bruchs und der mehrfachen Sachbeschädigung sowie in al len Fällen von der Anklage der ban- denmässigen Begehung des Diebstahls freigesprochen (Ziff. 2). Das Verfahren betreffend Hausfriedensbruch in den Fällen 16, 20, 29, 32 und 3 3 und betreffend Sachbeschädigung in den Fällen 20 und 29 wurde mangels gültigen Strafant rages und das Verfahren betreffend Dul- dung des Gebrauchs eines nicht vorschriftsgemässen Fahrzeugs (Ziff. 3 der Anklageschrift) gemäss Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO eingestellt (Ziff. 3) . Des Weiteren wurde A.____ in Anwendung von Art. 66a StGB für die Dauer von 12 Jahren des Land es verwiesen. Die angeordnete Lan- desverweisung wurde nicht im Schengener Informationssystem eingetragen (Ziff. 4). Die Zivil- forderungen der folgenden Privatkläger wurden in Anwe ndung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen: (…) (Fall 4), (…) (Fall 4), (…) (Fall 5), (…) (Fall 6), (…) (Fall 13), (…) (Fall 14), (…) (Fall 14), (…) (Fall 15), (…) (Fall 16), (…) (Fall 18), (…) (Fall 19), (…) (Fall 19), (…) (Fall 21), (…) (Fall 22), (…) (Fall 23), (…) (Fall 24), (…) (Fall 24), (…) (Fall 29 und 30), (…) (Fall 31), (…) (Fall 32), (…) (Fall 33), (…) (Fall 34), (…) (Fall 35), (…) (Fall 41), (…) (Fall 42) (Ziff. 6). A.____ wurde dazu verurteilt, (…) (Fa ll 1) Schadenersatz in Höhe von Fr. 200.--, (…) (Fall 9) Schadenersatz in Höhe von Fr. 200.--, (…) ( Fall 17) Schadenersatz in Höhe von Fr. 200.-- zu bezahlen, wobei die Mehrforderung auf den Zivilweg verwiesen wurde, sowie der (…) (Fall 25) Schadenersatz in Höhe von Fr. 1‘430.-- zu bezahlen. Die Schadenersatzforderun- gen von (…) (Fall 26) und von (…) (Fall 26) sowie die G enugtuungsforderung von (…) (Fall 26) wurden abgewiesen. Ferner wurde A.____ bei seiner Ane rkennung behaftet, (…) (Fall 27) Fr. 200.-- zu bezahlen. Die Schadenersatzforderung von (…) (Fall 28) wurde abgewiesen. A.____ wurde dazu verurteilt, der (…) (Fall 36) Schade nersatz in Höhe von Fr. 500.-- zu bezah- len. Die Mehrforderung wurde auf den Zivilweg verwiese n. Die Genugtuungsforderung wurde abgewiesen. Die Schadenersatzforderung der (…) (Fall 3 8) wurde abgewiesen. Schliesslich wurde A.____ bei seiner Anerkennung behaftet, (…) (Fal l 43) Fr. 200.-- zu bezahlen (Ziff. 7). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. A.____ meldete nach Eröffnung des Urteilsdispositivs vom 1 3. Februar 2019 beim Strafgericht Berufung an. C. Mit Eingabe vom 21. Juni 2019 erklärte A.____, vertret en durch Advokat Dr. Matthias Aeberli, beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei lung Strafrecht (nachfolgend Kantonsge- richt), Berufung. Ausgenommen die Fälle und Anklagepunkte, die von ihm anlässlich der erstin- stanzlichen Verhandlung anerkannt worden seien, richte sich die Berufung gegen die Verurtei- lung in sämtlichen übrigen Anklagepunkten und angeklagt en Einbruchdiebstählen sowie gegen die entsprechend zugesprochenen Zivilforderungen. In diesen Punkten würden kostenlose Frei- sprüche beantragt. Die Berufung richte sich weiter gegen die Höhe des Strafmasses sowie die Dauer der ausgesprochenen Landesverweisung. In verfah rensrechtlicher Hinsicht beantragte der Berufungskläger ausserdem die amtliche Verteidigun g für das Verfahren vor Kantonsge- richt. D. Mit Eingabe vom 8. Juli 2019 erklärte die Staatsanwal tschaft Basel-Landschaft (nach- folgend Staatsanwaltschaft) Anschlussberufung und stell te folgende Anträge: Der Beschuldigte sei in den Fällen 16, 20, 29, 32 und 33 der Anklagezif fer 1 des Hausfriedensbruchs und in den Fällen 20 und 29 der Anklageziffer 1 der Sachbeschädig ung schuldig zu sprechen (Ziff. 1). Das Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019 sei im Übrigen zu bestätigen (Ziff. 2). Die Beru- fung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen (Ziff. 3); unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 4). E. Am 29. Juli 2019 stellte das verfahrensleitende Präsidiu m des Kantonsgerichts fest, dass die Privatkläger weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. Ausserdem wurde dem Beschuldigten die amtliche Verteidigung mit Advokat Dr. Matthias Aeberli für das zweitinstanzliche Verfahren bewilligt. F. Am 30. September 2019 reichte der Berufungskläger sein e Berufungsbegründung ein, wobei er im Wesentlichen auf die Ausführungen im Rahm en des Parteivortrags vor Strafgericht verwies. G. Mit Berufungsantwort vom 31. Oktober 2019 beantragt e die Staatsanwaltschaft, die Berufung des Beschuldigten sei unter o/e-Kostenfolge vollumfänglich abzuweisen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Am 29. November 2019 reichte der Beschuldigte seine Ansch lussberufungsantwort ein und hielt fest, dass die Vorinstanz die Fälle 16, 20, 29, 32 und 33 sowie die Fälle 20 und 29 zu Recht eingestellt habe. I. Mit Verfügung vom 3. Dezember 2019 schloss das verfahrensl eitende Präsidium des Kantonsgerichts den Schriftenwechsel und lud den Beschul digten sowie die Staatsanwaltschaft zur kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung. J. Zur Berufungsverhandlung vor Kantonsgericht erscheinen d er Beschuldigte mit seinem amtlichen Verteidiger, Staatsanwältin Sandra Altherr sowie eine S.____-Dolmetscherin. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerisc hen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rech tsverletzungen, die unvollstän- dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefoch tenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsger icht innert 20 Tagen seit der Zustel- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufun gserklärung einzureichen. Die Anschluss- berufung richtet sich gemäss Art. 401 Abs. 1 StPO sinngem äss nach Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO. Somit ist die schriftliche Anschlussberufung inne rt 20 Tagen seit Zustellung der Beru- fungserklärung der Gegenpartei bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts vom 13. F ebruar 2019 angefochten, wel- ches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Indem der Beschuldigte nach der Eröffnung des Urteilsdispositivs beim Strafgericht Berufung angeme ldet und mit Eingabe vom 21. Juni 2019 beim Kantonsgericht Berufung erklärt hat, wurde d ie Rechtsmittelfrist gewahrt und er ist seiner Erklärungspflicht nachgekommen. Ebenso hat die St aatsanwaltschaft mit Eingabe vom Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Juli 2019 frist- und formgerecht Anschlussberufung e rhoben. Die Zuständigkeit der Fünfer- kammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als B erufungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung sowie der Anschlussberufung ergib t sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. b des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO, SGS 250). Die Berufung des Beschuldigten s owie die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft erfüllen somit sämtliche Formalien, weshalb auf diese einzutreten ist. II. Materielles 1. Allgemeines 1.1 Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsge richt das erstinstanzliche Ur- teil nur in den angefochtenen Punkten. In casu haben sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019 ergriffen. Konkret beanstandet der Beschuldigte – ausge nommen die Fälle und Anklagepunkte, die von ihm anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung an erkannt worden sind – die Verurtei- lung in sämtlichen Anklagepunkten und angeklagten Einbru chdiebstählen sowie die entspre- chend zugesprochenen Zivilforderungen. Die Berufung rich tet sich insbesondere auch gegen die Höhe des Strafmasses sowie die Dauer der ausgesprochen en Landesverweisung. Demge- genüber rügt die Staatsanwaltschaft die Verfahrenseinstellungen wegen Fehlens eines gültigen Strafantrags gemäss Dispositiv-Ziff. 3 des vorinstanzlichen Urteils. Der Beschuldigte sei in den Fällen 16, 20, 29, 32 und 33 der Anklageziffer 1 des H ausfriedensbruchs und in den Fällen 20 und 29 der Anklageziffer 1 der Sachbeschädigung schuldig zu sprechen. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO bilden im vorliegenden Berufungsverfahren nur noch die vorgängig genannten Punkte Gegenstand der richterlichen Überprüfung. 1.2 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 1 0 Abs. 2 StPO) hat das urtei- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft se in Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprec hen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Bew eise. Massgebend ist allein deren Stichhaltigkeit (C HRISTOF RIEDO /GERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Strafprozess- recht, 2011, Rz. 234; T HOMAS HOFER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 1 01) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte un d Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Bes chuldigte unschuldig ist. Als Beweis- würdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrich ter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erkl ären darf, wenn bei objektiver Be- trachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungs- regel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer mög- lich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werde n kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um so lche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher E rmessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). 1.3 Auch indirekte, mittelbare Beweise, sog. Anzeichen oder Indizien, können einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen . Beim Indizienbeweis wird vermutet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich d iese Schlussfolgerung aus bewie- senen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung auf drängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig. Da ein Indiz jedoch imme r nur mit einer gewissen Wahrschein- lichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen. Es ist jedoch zulässig, aus der Ge samtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewi ssen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimm- te Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zwe ifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (BGer 6B_890/2009 vom 22. April 2010 E. 6.1; 6B_332/2009 vom 4. August 2009 E. 2.3 mit Hinweisen). 1.4 Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmitte- linstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittel- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). 2. Tatsächliches zu den Einbruchdiebstählen 2.1 Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft: Straf anträge und Einstellungen 2.1.1 Das Strafgericht hält in seinem Urteil vom 13. Februar 2019 fest, dass im Fall 20 kein Strafantrag in den Akten und im Fall 29 die Strafant rags-Rubrik leer gelassen worden sei. In den Fällen 16, 32 und 33 sei die Bestrafung wegen Ha usfriedensbruchs nicht verlangt worden. Dementsprechend seien in den Fällen 16, 20, 29, 32 u nd 33 die entsprechenden Verfahren gemäss Art. 329 Abs. 1 lit. b und Abs. 4 StPO einzustellen. Demgegenüber hält die Staatsanwaltschaft in ihrer Ansch lussberufung vom 8. Juli 2019 fest, die Unterzeichnung eines Formulars zum Strafantrag, wi e es den Geschädigten standardmäs- sig bei Anzeigeerstattung vorgelegt werde, stelle keine notwendige Bedingung für die Gültigkeit eines Strafantrags dar. Es reiche mithin aus, wenn sich a us dem Polizeirapport insgesamt er- gebe, dass eine geschädigte Person die Strafverfolgung wünsche. In seiner Anschlussberufungsantwort vom 29. November 2019 f ührt der Beschuldigte im We- sentlichen aus, entgegen der Einschätzung der Staatsanwa ltschaft habe die Vorinstanz die ob- genannten Fälle zu Recht eingestellt. Wie die Staatsa nwaltschaft in ihrer Anschlussberufung zutreffend festhalte, sei die Erklärung des Willens, da ss eine Strafverfolgung stattfinden solle, unabdingbar. In den von der Vorinstanz eingestellten F ällen fehle es an einer solchen Erklä- rung. Entgegen der Einschätzung der Staatsanwaltschaft könnten diese Erklärungen auch nicht aus den Umständen hergeleitet werden. Wenn kein vom Geschädigten unterzeichnetes Formu- lar vorliege, das in der Rubrik "Strafantrag" erforde rliche Kreuz nicht gesetzt oder "fälschlicher- weise" ein möglicher Straftatbestand nicht genannt we rde, könne nicht ohne Weiteres gemut- masst werden, die Geschädigten hätten einen entsprechenden Strafantrag stellen wollen. 2.1.2 Eine Strafanzeige genügt inhaltlich nur dann, wenn si ch der entsprechende Wille aus der Erklärung ergibt. Das dürfte in aller Regel der F all sein, denn der Verletzte erstattet nicht Anzeige bloss mit dem Ziel, die Behörde entsprechend z u informieren – er will den Täter auch verfolgt wissen. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich beim Anzeigenden um einen Rechtsunkundigen handelt. Aber auch wer sich im Straf punkt als Privatkläger konstituiert, will offenkundig, dass der Täter verfolgt wird. Entsprechend ist auch die Erklärung nach Art. 119 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 2 lit. a StPO als Strafantrag zu qualifizieren (C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 30 N 49 und 50). 2.1.3 In Bezug auf den Fall 16 ist zu konstatieren, dass der S traftatbestand des Hausfrie- densbruchs zwar nicht explizit im Formular enthalten ist ( Akten S. 707). Beantragt wird lediglich die Bestrafung der Täterschaft wegen Art. 139 StGB un d Art. 144 StGB. Aus der Formulierung "tentative de vol par effraction" ("versuchter Einbruchdi ebstahl") geht jedoch hervor, dass auch der Hausfriedensbruch verfolgt werden soll. Die Geschädigte hat sich ausserdem als Straf- und Zivilklägerin konstituiert (Akten S. 709). Bezüglich des Falls 32 ist festzuhalten, dass dieser oh- nehin zu den vom Beschuldigten anerkannten Fällen gehö rt. Zudem ist auch hier im Formular die Formulierung "tentative de vol par effraction" aufgeführt, wodurch hervorgeht, dass auch ein Hausfriedensbruch begangen worden und zu verfolgen i st. Zudem hat sich die Geschädigte als Privatklägerin konstituiert (Akten S. 865 f.). Abgesehe n davon, dass der Fall 33 nicht zu den anerkannten Fällen gehört, ist dasselbe auch für diesen Fall festzustellen (Akten S. 871 f.). Hinsichtlich des Falles 20 ist zwar festzuhalten, dass das Privatklageformular in den Akten fehlt. Den Akten ist zu entnehmen, dass dieses Formular wohl ver sehentlich nicht eingescannt wor- den ist (Akten S. 747). In den Akten befindet sich jed och der Anzeigerapport der Kantonspolizei Bern vom 8. März 2016. Daraus ist ersichtlich, dass die Art . 139 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB und Art. 186 StGB zur Anzeige gebracht worden sind. Ausserdem wird im Anzeigerapport das Tatvorgehen umschrieben (Akten S. 3607). Schliesslich ist neben der Spalte "Strafantrag" ein "Oui" ("Ja") eingetragen (Akten S. 3609), was darauf hindeutet, dass ein solcher vorliegt. Betreffend den Fall 29 ist zu konstatieren, dass die Vor instanz zwar zu Recht festhält, dass die Strafantrags-Rubrik leer gelassen worden ist (Akten S. 835), dennoch ist das Strafantrags- bzw. Privatklageformular von der (…) ausgefüllt und unterschr ieben worden. Zudem hat sich diese als Privatklägerin konstituiert, wobei sie die Zivilforde rung später beziffere (Akten S. 841). Dies deutet darauf hin, dass die Geschädigte eine Verfolgung des Täters anstrebt. Nach dem soeben Ausgeführten ist vom Vorliegen gültiger Strafanträge auszugehen, weshalb – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – in den Fällen 16, 20, 29, 32 und 33 die entsprechen- den Verfahren nicht gemäss Art. 329 Abs. 1 lit. b und Abs. 4 StPO einzustellen sind. In diesem Sinne ist die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft gutzuheissen. Bei den Fällen 29 und 32 handelt es sich um explizit zugestandene Fälle, welche n achfolgend nicht mehr zu prüfen sind. Im Fall 29 kommt jedoch demzufolge ein Schuldspruch we gen Sachbeschädigung und im Fall Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 32 ein solcher wegen Hausfriedensbruchs hinzu. Die Fäl le 16, 20 und 33 gehören zu den be- strittenen Fällen, weshalb sie in der Folge zu prüfen sind. 2.2 Berufung des Beschuldigten: Bestrittene Fälle Der Beschuldigte macht in seiner Berufungsbegründung vom 30. September 2019 im Wesentli- chen geltend, dass die räumliche und zeitliche Nähe, welche als Indiz für seine Täterschaft her- angezogen worden sei, nicht gegeben sei. Es würden im K anton Basel-Landschaft pro Woche rund 60 Einbruchdiebstähle begangen. Aus diesem Grund e dürfe das Indiz der zeitlichen resp. örtlichen Nähe nur dann berücksichtigt werden, wenn von e iner unmittelbaren örtlichen resp. zeitlichen Nähe ausgegangen werden könne. So liege zwar die Gemeinde Q.____ (BL) neben der Gemeinde R.____ (BL) (Fälle 1 und 3); bei einem möglichen Deliktszeitraum von mehreren Stunden könne aber bei einer derart hohen Zahl von Einbrüchen nicht zwingend auf die gleiche Täterschaft geschlossen werden. Zu berücksichtigen gelte es weiter, dass die Vorinstanz davon ausgehe, dass der Beschuldigte als Mitglied einer Gru ppierung, die in unterschiedlicher Zu- sammensetzung Einbrüche verübt haben solle, unterwegs ge wesen sei. Auch diese Annahme mindere den Beweiswert des Indizes der zeitlichen resp. örtlichen Nähe. Vom Strafgericht un- berücksichtigt geblieben sei auch der Umstand, dass der modus operandi in zahlreichen Fällen, in welchen der Beschuldigte aufgrund des Indizes zeitliche resp. örtliche Nähe verurteilt worden sei, völlig unterschiedlich gewesen sei. Als weiteres Ind iz, insbesondere in den Fällen 5 und 9 sowie 17 bis 24, sei vom Strafgericht der Telefonstandort herangezogen worden. Diesbezüglich gelte es darauf hinzuweisen, dass vom Beschuldigten zugest anden worden sei, das Natel mit der Nummer +xx xx xxx xx xx lediglich bis zum 17. Februar 201 6 genutzt zu haben. Nach einer Kontrolle resp. Festnahme am besagten Tag soll er das betreffende Mobiltelefon entsorgt ha- ben. Doch selbst wenn dieses Mobiltelefon entgegen den Aussagen des Beschuldigten nicht entsorgt worden wäre, so sei nicht auszuschliessen, dass ein Landsmann dieses später benutzt habe. Wie bereits erwähnt, gehe die Vorinstanz davon a us, dass der Beschuldigte als Mitglied einer Gruppierung, die in unterschiedlicher Zusammen setzung Einbrüche verübt haben soll, unterwegs gewesen sei. Die Feststellung von Antennensta ndorten im Rahmen der Rück-ID erscheine somit nicht geeignet, um die Täterschaft des B eschuldigten zu beweisen. Im Übrigen sei beispielsweise in den Fällen 9, 18 und 19 der festg estellte Telefonstandort nicht einmal in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Tatorte. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Staatsanwaltschaft macht demgegenüber in ihrer Be rufungsantwort vom 31. Oktober 2019 geltend, das Strafgericht habe die Standorte des Mob iltelefons mit zutreffenden Überlegungen als überaus belastendes Indiz gewertet. Der Beschuldigte habe zwar im Rahmen der Vorunter- suchung ausgesagt, das Mobiltelefon nach der vorläufig en Festnahme vom 17. Februar 2016 entsorgt zu haben. Diese Aussage sei angesichts der nach diesem Datum ermittelten Standorte jedoch als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Die Mutm assung, dass ein Landsmann das Mo- biltelefon des Beschuldigten genutzt haben könnte, find e in den Akten keine Stütze. Anlässlich der vorläufigen Festnahme im Kanton Basel-Stadt habe d er Beschuldigte vielmehr noch ange- geben, alleiniger Nutzer des Telefons zu sein. Aus diese m Grund seien die Standorte des Mo- biltelefons als belastendes Indiz zu werten, welches in d en einzelnen Fällen durch weitere Hin- weise untermauert werde. Hierbei sei insbesondere der Fall 17 zu erwähnen, bei dem sich ei- nerseits das Mobiltelefon des Beschuldigten in Tatortnäh e befunden habe und andererseits am Tatort die DNA von B.____ habe gesichert werden können , welcher zehn Tage zuvor mit dem Beschuldigten in einem Fahrzeug mit Einbruchwerkzeug an gehalten worden sei. Der Standort des Mobiltelefons bei den Fällen 18 und 19 liege in sehr einsamem Gelände und passe zeitlich hervorragend zu den entsprechenden Tatzeitpunkten. Es sei en keinerlei legale Gründe ersicht- lich, weshalb sich der Beschuldigte, welcher sinngemäss a ngegeben habe, zur Begehung von Einbruchdiebstählen in die Schweiz eingereist zu sein, in dieser abgelegenen Gegend aufhalten sollte. Er habe selber auch keine entsprechenden Erklärungen geliefert. 2.2.1 Fälle 1 und 3 a) Das Strafgericht führt in seinem Urteil vom 13. F ebruar 2019 aus, der erstellte Fall 2 (Akten S. 2705 ff.) habe sich am gleichen Tag und in der glei chen Gemeinde (R.____) wie Fall 3 (Ak- ten S. 2741 ff.) ereignet, was angesichts der Grösse von R.____ bereits als starkes Indiz für die gleiche Täterschaft zu werten sei. Fall 1 (Akten S. 268 5 ff.) habe sich am gleichen Tag wie die Fälle 2 und 3, jedoch in Q.____ ereignet. Unter Ber ücksichtigung der Tatsache, dass der Be- schuldigte in der Schweiz motorisiert unterwegs gewesen sei (vgl. Akten S. 2577, 2611 f., 2619, 3145 ff.), seien die drei Tatorte ohne Probleme inn erhalb des Tatzeitraums zu erreichen. Der in allen drei Fällen angewandte modus operandi (vgl. Akt en S. 2685 ff., 2741 ff.) sei unter Einbre- chern zwar nicht unüblich, dennoch kämen gerichtsnotorisch auch andere Methoden in Frage (bspw. Fenster- / Türbohrer, Fassadenkletterer, Einschlei chdiebstahl etc.). Aus den Anzeigen ergäben sich jedoch keine Hinweise auf eine gleichzeitig aktive alternative Täterschaft. Der Be- schuldigte sei zum Zeitpunkt der Tatbegehung in S.____ einschlägig vorbestraft, habe im Janu- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ar 2016 im Kanton Jura Einbruchdiebstähle begangen und wolle einzig zum Stehlen in die Schweiz gekommen sein. Dass er am besagten Tag nur gerade einen Diebstahl begangen ha- be, erscheine vor diesem Hintergrund folglich als wenig wahrscheinlich. Es bestünden aufgrund des Gesagten vielmehr keine Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten. Im Fall 1 sei kein Deliktsgut entwendet worden und d er Sachschaden sei nachgewiesen (Akten S. 589). In Fall 3 sei sowohl das Deliktsgut als auch de r angeklagte Sachschaden belegt (De- liktsgut: Akten S. 611, 2747 – 2769; Schaden: Akten S. 611, 2743). Damit seien diese Sachver- halte erstellt. b) In Bezug auf den Fall 1 ist festzuhalten, dass dieser Einbruchdiebstahl am 3. Februar 2016 in Q.____ in einem freistehenden Einfamilienhaus erfolgt ist. Um 19.36 Uhr ist der Alarm ausge- löst worden, und die Anzeige erging um 20.12 Uhr. Di e Täterschaft hat sich auf unbekanntem Weg dem Fenster neben dem Sitzplatz genähert, mit einem unbekannten Flachwerkzeug in den Fensterrahmen eingestochen, dieses geöffnet, und ist eingestiegen. Als die Täterschaft bis zum Eingangsbereich vorgedrungen ist, ging der Alarm los, w orauf die Täterschaft den Tatort via Einstiegsstelle wieder unbesehen und in unbekannte Ric htung verlassen hat (Polizeirapport vom 8. März 2016, Akten S. 2685 ff.). Dieses Tatvorgehen entspricht demjenigen des Beschul- digten. Des Weiteren ereigneten sich die Fälle 2 und 3 am selben Tag, mithin am 3. Februar 2016, in R.____. R.____ und Q.____ liegen ungefähr 2 km voneinander entfernt, und die moto- risierte Täterschaft konnte den nächsten Tatort jeweils i nnerhalb weniger Minuten erreichen. Damit besteht ein enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang zu den Fällen 2 und 3, wobei der Fall 2 durch den Beschuldigten anerkannt ist, und seine DNA am Tatort gesichert werden konnte. Schliesslich kommt hinzu, dass eine der gesicherten Schuhspuren ein mustergleiches Profil wie eine der gesicherten Spuren im anerkannten Fall 2 aufweist. Hinsichtlich Fall 3 ist zu konstatieren, dass sich dieser Ei nbruchdiebstahl ebenfalls (wie die Fäl- le 1 und 2) am 3. Februar 2016, zwischen 18.00 und 19.15 Uhr, in R.____ (wie Fall 2), in einem Reiheneinfamilienhaus, ereignet hat. Die Distanz vom Tatort des Falls 2 bis zu demjenigen des Falls 3 beträgt gerade mal 600 Meter und ist mit dem Auto innert 2 Minuten erreichbar. Die Fäl- le 1 – 3 haben sich alle am Abend des 3. Februar 2016 ereignet. Es besteht eine sehr grosse räumliche und zeitliche Nähe. Zudem ist die Täterschaft mit demselben modus operandi vorge- gangen (Polizeirapport vom 15. März 2016, Akten S. 2743 ). Immerhin ist der Verteidigung inso- fern zuzustimmen, als die angewandte Art und Weise de s Tätigwerdens grundsätzlich nicht unüblich ist. Dennoch gibt es auch andere Methoden, Einbruchdiebstähle zu begehen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sowohl im Fall 1 als auch im Fall 3 gibt es zwar keine objektiv zuordenbaren Spuren, doch es besteht eine ausreichende Indizienkette, um die Tätersch aft des Beschuldigten zu belegen. In diesem Sinne ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass an der Täterschaft des Beschuldigten keine Zweifel bestehen. In Abweisung der Berufung des Beschuldigten ist das strafgerichtliche Urteil bezüglich der Fälle 1 und 3 vollumfänglich zu bestätigen. 2.2.2 Fall 5 a) Die Vorderrichter führen hinsichtlich des Falls 5 der Anklageschrift im angefochtenen Urteil aus, am Vortag des angeklagten Tatzeitpunkts habe der B eschuldigte erstelltermassen in T.____ (BL) einen Einbruchdiebstahl und nur gerade zwei Tage nach dem Tatzeitpunkt zwei weitere erstellte Einbruchdiebstähle in U.____ (AG) u nd V.____ (BE) begangen (Fall 4: Akten S. 2781 ff., Fall 7: Akten S. 2893 ff., Fall 8: Akte n S. 2949 ff.). Aus dem Gesagten sowie unter Verweis auf die Ausführungen zu Fall 1 lasse sich schliesse n, dass der Beschuldigte im besag- ten Zeitraum in der Region Nordwestschweiz deliktisch tätig gewesen sei. Als weiteres Indiz sei auf den mittels Rück-ID festgestellten Antennenstandort in relativer Tatortnähe zu verweisen (Akten S. 1279 ff., 1417 ff., 2831 f., Akten S. 2837) . Wiederum sei diesbezüglich die Aussage des Beschuldigten, wonach er in die Schweiz gekommen sei, um zu stehlen, relevant (Akten S. 365, HV-Prot. S. 11). Der modus operandi sei vorli egend insoweit etwas variiert worden, als die Eingangstüre durch die Täterschaft von innen verbar rikadiert worden sei. Da der Beschul- digte nachweislich mit verschiedenen Personen delinquiert habe, das gleiche Tatvorgehen auch im erstellten Fall 11 angewandt worden sei, und im n achgewiesenen Fall 27 eine gänzlich an- dere Einbruchtechnik verwendet worden sei (Fensterbohre n, Akten S. 3929), lasse sich daraus jedoch nichts zu Gunsten des Beschuldigten ableiten. Hinsichtlich des Deliktsguts und des Sachschadens könne auf die Auflistung in der Anzeige (A kten S. 2827 f.) und die vom Geschä- digten eingereichten Belege (Akten S. 628.2 – 628.7) verwiesen werden. Entsprechend den gemachten Ausführungen sei der Sachverhalt erstellt. b) Der Fall 5 hat sich am 6. Februar 2016, zwischen 09. 00 Uhr und 19.30 Uhr, in W.____ (BE) in einem Einfamilienhaus ereignet. Die Meldung des G eschädigten ging bei der Polizei des Kantons Bern um 19.36 Uhr ein. Zwischen 18.30 Uhr und 18.43 Uhr konnte das Telefon des Beschuldigten in unmittelbarer Nähe zum Tatort, in W .____, (…), festgestellt werden (Akten S. 2833 und Einvernahme des Beschuldigten vom 4. Dezember 2017, Akten S. 2837), wobei er dieses gemäss eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt noch n icht weggeworfen habe. Der an- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht erkannte Fall 4 hat sich ausserdem einen Tag zuvor in T.____ (BL) ereignet. Mit dem Auto dau- ert die Fahrt von T.____ (BL) bis nach W.____ (BE) l ediglich eine knappe halbe Stunde. Zwei Tage nach dem Fall 5 hat der Beschuldigte zudem zwei weitere Einbruchdiebstähle in den Kan- tonen Aargau und Bern verübt. Auch hier wurde das Fe nster mit einem Flachwerkzeug aufge- brochen. Ein kleines Möbel wurde vor die Eingangstüre g estellt, um diese zu versperren. Der Tatort wurde wieder durch die Einstiegsstelle verlassen (Polizeirapport vom 24. März 2016, Ak- ten S. 2825). Der modus operandi entspricht – abgeseh en von der kleinen Abweichung, dass die Eingangstüre durch die Täterschaft von innen verbarrikadiert wurde, – weiterhin demjenigen des Beschuldigten. Obwohl auch im Fall 5 keine objekti vierbaren Spuren vorliegen, erbringen die vorhandenen Indizien einen genügenden Beweis, dass der Beschuldigte die betreffende Tat begangen hat. In diesem Sinne ist die Berufung des Beschuldigten auch in Bezug auf den Fall 5 abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil in diesem Punkt zu bestätigen. 2.2.3 Fall 9 a) Zum Fall 9 führt das Strafgericht im Urteil vom 1 3. Februar 2019 aus, am Tatort habe die DNA von B.____ festgestellt werden können (Akten S. 299 5 ff., Akten S. 3003 f., 3007 f., 3011 f.), mit welchem der Beschuldigte den bereits nachgew iesenen Fall 42 begangen habe. Fünf Tage nach diesem Einbruchdiebstahl sei der Beschuldigte zusammen mit B.____ und C.____ von der Grenzwache in Basel angehalten worden, als die drei gemeinsam in einem Auto in die Schweiz gefahren seien (Akten S. 3145 ff.). Im Auto seien u.a. vier Taschenlampen, zwei Paar Handschuhe und zwei hinter dem Auto-Radio versteckte gro sse Schraubenzieher gefunden worden (Akten S. 3153), wobei es sich gerichtsnotorisch um typische Einbruchsutensilien hand- le. Drei Tage vor dem hier angeklagten Fall habe der Beschuldigte erstelltermassen einen Ein- bruchdiebstahl in V.____ begangen (Fall 8: Akten S. 29 49 ff.). Gestützt auf den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Jura Porrentruy (Akten S. 1 3, 55 f.) und die gemachten Aus- führungen zu den Fällen 1 – 7 sei festzustellen, dass de r Beschuldigte im angeklagten Tatzeit- raum in der Region deliktisch tätig gewesen sei. Als w eiteres belastendes Indiz sei wiederum auf seine einschlägige, Vorstrafe in S.____ und seine Ä usserung, zum Stehlen in die Schweiz gekommen zu sein, zu verweisen, welcher aufgrund der übe r die Rück-ID nachgewiesene Tat- ortnähe des Beschuldigten unmissverständliche Bedeutung zukomme. Das Deliktsgut und dessen Höhe stütze sich auf die plausib le Aufstellung des Geschädigten (Akten S. 2999 f.). Aus der Anzeige (Akten S. 2995) mü sse auf ein beschädigtes Fenster ge- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlossen werden, ohne dass sich der Sachschaden mithilfe der übrigen Akten näher bestim- men lasse. Demnach sei der Sachverhalt auch im vorliegenden Fall als erstellt zu bezeichnen. b) Der Fall 9 ereignete sich am 12. Februar 2016 zwische n 15.45 Uhr und 19.25 Uhr in X.____, im Kanton Jura, in einem Einfamilienhaus. Die Art und Weise des Vorgehens entspricht derjeni- gen in den anderen Fällen (vgl. Polizeirapport vom 2. März 2016 der Kantonspolizei Jura, Akten S. 2995). Am Tatort konnte eine DNA-Spur von B.____ f estgestellt werden (Akten S. 3005), mit welchem der Beschuldigte gemeinsam den Fall 42 verübt h at. Zudem ist der Beschuldigte am 17. Februar 2016 zusammen mit B.____ und C.____ im A uto kontrolliert worden, wobei sie ty- pisches Einbruchswerkzeug dabeihatten. Ausserdem wurde das Mobiltelefon des Beschuldig- ten am 12. Februar 2016 in der näheren Umgebung des Tatorts, um 16.19 Uhr in (…) und um 19.52 Uhr in (…), geortet (Akten S. 3017). Der Beschuld igte war in dieser Zeitspanne mit B.____ unterwegs und hat im Herbst desselben Jahres mi t diesem delinquiert. Schliesslich hat sich auch dieser Fall vor dem Zeitpunkt ereignet, an dem der Beschuldigte sein Mobiltelefon weggeworfen haben will. Insgesamt liegen auch im Fal l 9 keine objektivierbaren Spuren vor, aber die vorhandenen Anzeichen erbringen einen genüge nden Beweis, dass der Beschuldigte die Tat begangen hat. In diesem Sinne ist die Berufu ng des Beschuldigten auch in Bezug auf den Fall 9 abzuweisen und das strafgerichtliche Urteil zu bestätigen. 2.2.4 Fall 10 a) Die Vorderrichter führen im Urteil vom 13. Februa r 2019 in Bezug auf Fall 10 an, der vorlie- gende Fall hänge örtlich eng mit dem zugestandenen und erstellten Fall 11 zusammen (gleiche Ortschaft, Nachbarliegenschaften; Akten S. 3023 ff., 30 41 ff.). In zeitlicher Hinsicht bestehe ebenfalls ein Zusammenhang, der angesichts des Tatzeitf ensters in Fall 10 von 3 Tagen (12. – 15. Februar 2016) und in Fall 11 von 1 Tag (15. Febr uar 2016) noch ausreichend eng sei, um als Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten verwende t zu werden. Indiziell sei sodann auf den modus operandi entsprechend den bisherigen Fällen und der mittels Rück-ID festgestellten Verbindung des dem Beschuldigten gehörenden Mobiltele fons mit einer Mobilfunkantenne in der Region zu verweisen (Akten S. 1509, 3023 ff.). Wie derum unter Berücksichtigung der all- gemeinen, zur Person des Beschuldigten gemachten Ausfü hrungen sowie mangels Hinweisen auf eine alternative Täterschaft sei die Täterschaft des B eschuldigten aufgrund der genannten Indizien erstellt. Deliktsgut sei bei diesem Einbruch ni cht entwendet worden. Hinsichtlich des Sachschadens könne auf die Schätzung der Polizei (Akten S . 3025) verwiesen werden, die an- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesichts der Fotografie des beschädigten Schlosses (Akten S . 3031) und des Umstands, dass die betagte Geschädigte den Schaden nicht alleine beho ben haben dürfte, als plausibel er- scheinen. b) Der Fall 10 hat sich zwischen dem 12. und 15. Februa r 2016 in Y.____ (AG) in einem Keller- abteil eines Mehrfamilienhauses ereignet. Entgegen de r Auffassung der Vorinstanz kann nicht gesagt werden, dass der modus operandi hier derselbe ist wie in den übrigen dem Beschuldig- ten zuordenbaren Fällen. Vorliegend schlich die Täterschaft auf unbekannte Weise in den Keller und öffnete die verschlossene Türe zum Kellerabteil mit tels Körpergewalt. Aus unbekannten Gründen ist kein Deliktsgut entwendet und der Keller au f unbekannte Weise wieder verlassen worden (Rapport der Kantonspolizei Aargau vom 19. März 2016, Akten S. 3023). Das Strafge- richt hat die Täterschaft des Beschuldigten im Wesentliche n aufgrund des erstellten Falls 11, welcher sich in der Nachbarliegenschaft ereignet hat, als nachgewiesen erachtet. Dieser Um- stand allein vermag jedoch keine Verurteilung zu rechtf ertigen. Auch das Argument, wonach eine Verbindung des dem Beschuldigten gehörenden Mobi ltelefons mit einer Mobilfunkantenne in der Region habe festgestellt werden können, erschein t in casu nicht genügend aussagekräf- tig. Gleich verhält es sich mit der zeitlichen Nähe zu Fa ll 11 am 15. Februar 2016, denn Fall 10 könnte sich zwischen dem 12. und 15. Februar 2016 ereignet haben. Insgesamt liegen somit zu wenig Indizien vor, welche eine Verurteilung des Beschu ldigten zulassen würden. Dementspre- chend ist seine Berufung in diesem Punkt gutzuheissen und der Beschuldigte in Abänderung des Urteils der Vorinstanz im Fall 10 freizusprechen. 2.2.5 Fälle 14 und 16 a) Die Vorinstanz hält im angefochtenen Urteil fest, di e Fälle 13 – 16 hätten sich alle in X.____ (JU) ereignet; die Fälle 13 und 14 in der Rue des (…) 25 und 26 (Akten S. 3269 ff., 3295 ff.) und die Fälle 15 und 16 in der Rue des (…) 14 (Akten S. 33 23 ff., 3385 ff.). Bereits aus dem örtli- chen Zusammenhang ergebe sich ein starker Hinweis auf die gleiche Täterschaft. Die Fälle 13 und 15 seien erwiesenermassen vom Beschuldigten begang en worden, so dass er auch als Täter der Fälle 14 und 16 erscheine. Darauf deute auc h der gleichartige modus operandi hin. Das Tatzeitfenster in Fall 15 (21. – 26. Februar 2016) erstrecke sich zwar über mehrere Tage, lasse sich jedoch sowohl mit dem Tatzeitfenster von Fall 13 (22. Februar 2016) als auch mit demjenigen von Fall 16 (26. Februar 2016) in Überei nstimmung bringen. Als weiteres Indiz sei zudem auf die Verbindung des Mobiltelefons des Beschuld igten mit einer Antenne in relativer Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tatortnähe zum Tatzeitpunkt von Fall 16 und in unmitt elbarer Nähe zu einem der beiden mögli- chen Tatzeitpunkte von Fall 14 zu verweisen (Akten S. 127 9 ff., 1417 ff., 1511, 1513). Hinsicht- lich der Vorstrafe des Beschuldigten und seiner Äusserung zum deliktischen Handeln in der Schweiz könne auf das hierzu bereits mehrfach Ausgeführt e verwiesen werden. In den Fällen 14 und 16 sei kein Deliktsgut entwendet worden. Bezüglich des Sachschadens sei in Fall 14 auf die Schätzung der Polizei (Akten S. 3295 ff.) und den eingereichten Beleg (Akten S. 697) abzu- stellen. In Fall 16 müsse zwar auf ein beschädigtes Fen ster geschlossen werden (Akten S. 3389), doch lasse sich die Schadenhöhe aufgrund der Akten nicht näher bestimmen. b) Der Fall 14 hat sich zwischen dem Abend des 22. Februa r 2016 und dem Morgen des 23. Februar 2016 in X.____ (JU) in der Rue des (…) (wi e der Fall 13) in einer Primarschule er- eignet. Aus dem Polizeirapport der Kantonspolizei Jura vom 31. März 2016 geht hervor, dass der modus operandi im Fall 14 dem üblichen des Beschuldigten entspricht (Akten S. 3295). Der Fall 16 hat sich am Abend des 26. Februar 2016 um 20.3 5 Uhr in X.____ (JU) in der Rue des (…) (wie Fall 15), in einer Wohnliegenschaft ereignet . Im Fall 16 war die Bewohnerin der Lie- genschaft vor Ort und konnte die Einbruchdiebe durch Schreien vertreiben (Akten S. 3387). Das Tatvorgehen entspricht wiederum demjenigen des Beschuldig ten (Akten S. 3385). Die Fälle 13 und 15 sind anerkannt, und alle vier Fälle sind in X._ ___, je zwei Fälle in der Rue des (…) und der Rue des (…), geschehen. Es kommt hinzu, dass das Mobil telefon des Beschuldigten am 22. Februar 2016, um 19.32 und 19.33 Uhr, in X.____ geortet werden konnte (Akten S. 3315). Der Beschuldigte behauptet zwar, sein Mobiltelefon am 1 7. Februar 2016 entsorgt zu haben. Möglich sei ansonsten auch, dass ein Landsmann des Beschuldig ten dessen Mobiltelefon ver- wendet haben könnte. Dies stellt sich jedoch als Schutzbehauptung heraus, zumal er anlässlich seiner Einvernahme vom 18. Februar 2016 noch angegeb en hat, dass er der alleineige Nutzer dieses Mobiltelefons sei (Akten S. 3249). Aus dem engen örtlichen und zeitlichen Zusammen- hang, dem modus operandi sowie der Mobiltelefonortun g geht hervor, dass die Täterschaft des Beschuldigten mittels einer geschlossenen Indizienkette nachgewiesen werden kann. Die Beru- fung des Beschuldigten ist demzufolge auch in Bezug auf die Fälle 14 und 16 abzuweisen und das strafgerichtliche Urteil zu bestätigen. 2.2.6 Fälle 17 – 19 a) Bezüglich der Fälle 17 bis 19 führt das Strafgericht im Urteil vom 13. Februar 2019 aus, allen Fällen gemeinsam sei die Begehung der Einbruchdiebstäh le am 27. Februar 2016 im Kanton Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Waadt (Akten S. 3405 ff., 3511 ff., 3541 ff.). Die E inbrüche in den Fällen 18 und 19 hätten sich dabei in Nachbarliegenschaften der gleichen Strasse er eignet, womit in den beiden Fällen ein starkes Indiz für die gleiche Täterschaft auszumachen sei. I n Fall 17 sei eine DNA-Spur gefun- den worden, in der das Profil von B.____ nicht habe a usgeschlossen werden können (Akten S. 3437 ff.). Mit den kurz vor der Hauptverhandlung vo n der Staatsanwaltschaft eingereichten Unterlagen, insbesondere der Beweiswertberechnung des Instituts für forensische Genetik des Universitären Zentrums Romandie für Rechtsmedizin, sei e rstellt, dass B.____ der Spurgeber gewesen sei (Akten S. S289 ff., insbes. Akten S. S339 ff.). Der Beschuldigte habe mit diesem bereits den Einbruch in Fall 9 und 42 begangen. Gem äss der Rück-ID sei das Mobiltelefon des Beschuldigten am Tattag zudem mit der Antenne von Z._ ___ verbunden gewesen (Akten S. 1515). Die Gemeinden Z.____ (Fall 17) und P.____ (Fälle 18 und 19) lägen ca. 20 km vonei- nander entfernt und seien motorisiert ohne weiteres in kurzer Zeit bzw. innerhalb des Tatzeit- fensters zu erreichen. Unter Verweis auf die weiteren belastenden Indizien des modus operandi entsprechend den bisherigen Fällen, der Vorstrafe, d er nachgewiesenen Delinquenz des Be- schuldigten im Jahr 2016 in der Schweiz und den vom Beschuldigten geäusserten Zweck seiner Aufenthalte in der Schweiz sei seine Täterschaft nachge wiesen. Hinsichtlich des Deliktsguts und des Sachschadens könne auf die Auflistungen in den An zeigen, die eingereichten Belege und die teilweise vorhandenen Fotografien verwiesen w erden (Fall 17: Akten S. 3411 – 3435, 3457 – 3477, 3481; Fall 18: Akten S. 729, 3521; Fal l 19: Akten S. 3575 f., 3593). Die Anklage sei somit erstellt. b) Die Fälle 17 – 19 haben sich alle am 27. Februar 2 016 in den Waadtländer Gemeinden Z.____ (Fall 17) und P.____ (18 und 19) ereignet. I m Fall 17 konnte bei der Spurensicherung ab einer Taschenlampe der mutmasslichen Täterschaft ein ko mplexes Mischprofil gesichert werden, wobei B.____ nicht als anteiliger Spurengeben er ausgeschlossen werden konnte (Ak- ten S. 3493) und der Beschuldigte die Fälle 9 und 42 nachweislich mit diesem begangen hat. Wiederum konnte das Mobiltelefon des Beschuldigten geo rtet werden, und zwar am 27. Febru- ar 2016 in Z.____ um 19.13 Uhr und in (…) um 20.23 U hr (Akten S. 3495). (…) und Z.____ lie- gen mit dem Auto knapp 20 Minuten, P.____ und Z.___ _ ebenfalls knapp 20 Minuten und (…) und P.____ gut 10 Minuten auseinander. Auch der ange wandte modus operandi entspricht demjenigen des Beschuldigten in den ihm nachgewiesene n anderen Fällen. Schliesslich ist auch hier in Bezug auf die Schutzbehauptung des Beschu ldigten, wonach er das Mobiltelefon am 17. Februar 2016 entsorgt habe, festzuhalten, dass d ieses wohl kaum in der Weise von Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tatort zu Tatort gewandert wäre, falls der Beschuldigt e es tatsächlich weggeworfen hätte. Hin- sichtlich der Fälle 17 – 19 liegen demnach genügend An zeichen vor, um auf die Täterschaft des Beschuldigten zu schliessen. In diesem Sinne ist die Ber ufung des Beschuldigten abzuweisen und das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen. 2.2.7 Fall 20 a) In Bezug auf den Fall 20 hält die Vorinstanz im a ngefochtenen Urteil fest, als stark belasten- des Indiz sei die festgestellte Verbindung des Mobilte lefons des Beschuldigten mit der Antenne am Tatort O.____ (BE) im Tatzeitfenster von nicht ei nmal zwei Stunden zu gewichten (Akten S. 3607 ff., 1517). Vorliegend sei mit dem Verbarri kadieren der Eingangstüre ein variierter mo- dus operandi zur Anwendung gekommen (Akten S. 3607 ff .), der jedoch bereits in den Fällen 5 und 11 zu beobachten gewesen sei (Akten S. 2825 ff., 3 041 ff.). Weitere belastende Indizien würden die Vorstrafe, die bislang nachgewiesene Delinquenz des Beschuldigten in der Schweiz im Jahr 2016 und der vom Beschuldigten geäusserte Zweck s einer Aufenthalte in der Schweiz bilden. Zu erwähnen sei zudem, dass der Beschuldigte m it der Region vertraut gewesen sei, befinde sich der Tatort von Fall 5 doch lediglich knapp 2 km vom vorliegenden entfernt. Das angeklagte Deliktsgut ergebe sich aus den vorhandenen Aufstellungen (Akten S. 3609 f., 3623) und der angeklagte Sachschaden aus der Schätzung der Polizei (Akten S. 3611). Entsprechend dem Gesagten sei der Sachverhalt bewiesen. b) Der Fall 20 hat sich am 1. März 2016 zwischen 17.30 un d 19.15 Uhr in O.____ (BE), in einer Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses ereignet. Das Mobiltelefon des Beschuldigten konnte am Tattag um 18.36 Uhr in (…), dem Nachbardorf von O.____, mithin in Tatortnähe ge- ortet werden (Akten S. 3627). Ein weiteres Mal hat d ie Täterschaft zwar einen variierten modus operandi angewandt (Akten S. 3607), indem sie die Türe verriegelt hat. Diese leicht abgeänder- te Vorgehensweise hat der Beschuldigte jedoch auch bereits in den Fällen 5 und 11 an den Tag gelegt. Es kommt hinzu, dass der Tatort von Fall 5 nur 2 km entfernt liegt. Insgesamt liegen genügend Indizien vor, welche den Schluss auf die Täter schaft des Beschuldigten zulassen. In diesem Sinne ist die Berufung des Beschuldigten abzuwe isen und das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2.8 Fälle 21 – 24 a) Die Vorderrichter halten im Urteil vom 13. Februar 2019 fest, für die gleiche Täterschaft spre- che zunächst, dass sich die vier Delikte am 5. März 2016 in X .____ (JU) und dabei je zwei De- likte in derselben Strasse (Rue de (…) und Rue de la (…)) ereignet hätten (Akten S. 3635 ff., 3675 ff., 3733 ff., 3757 ff.). Hinzu komme der angewandte modus operandi, der demjenigen von bereits beurteilten Fällen entspreche. Die am 5. Mär z 2016 festgestellten Verbindungen des dem Beschuldigten gehörenden Mobiltelefons mit Antenn en in unmittelbarer Tatortnähe (Akten S. 1519, 1521) seien sodann als ein starker Hinweis auf d ie Täterschaft des Beschuldigten zu werten. Diese Indizienkette zusammen mit weiteren subs tantiellen Hinweisen (Vorstrafe, bishe- rige Delinquenz im Jahr 2016 in der Schweiz, Aussage zu Grund für Aufenthalt in der Schweiz) liessen an der Täterschaft des Beschuldigten keine Zweifel offen. Hinsichtlich des Deliktsguts und des Sachschadens sei auf die Auflistungen in den An zeigen, die eingereichten Belege und die teilweise vorhandenen Fotografien abzustellen (Fall 21: Akten S. 3635, 3641; Fall 22: Akten S. 3675, 3679 – 3689, 3711, 3719; Fall 23: 3733, 37 37; Fall 24: 3759, 3767 – 3771). b) Die Fälle 21 – 24 haben sich alle am 5. März 2016 i n X.____, je zwei davon in zwei Strassen, Fall 21 und 22 in der Rue de (…) und Fall 23 und 24 in der Rue de la (…), in Wohnliegenschaf- ten ereignet. Der modus operandi (Fall 21: Akten S. 3635, Fall 22: 3675, Fall 23: 3733, Fall 24: 3757) entspricht demjenigen des Beschuldigten. Des Weiteren liegen alle vier Tatorte im Strah- lungsbereich der Antenne, wobei das Mobiltelefon des B eschuldigten am Tattag um 20.00 Uhr in X.____ geortet werden konnte (Akten S. 3725). Unte r diesen Umständen liegen genügend Anzeichen vor, die auf die Täterschaft des Beschuldigten schliessen lassen. Die Berufung des Beschuldigten ist daher auch in Bezug auf die Fälle 21 – 24 abzuweisen und das strafgerichtli- che Urteil in diesen Punkten zu bestätigen. 2.2.9 Fall 30 a) In Bezug auf Fall 30 hält das Strafgericht im Urt eil vom 13. Februar 2019 fest, der vorliegen- de Einbruchdiebstahl habe sich am gleichen Tag, zur glei chen Stunde und auf dem gleichen Firmenareal wie der in Fall 29 erstellte Einbruchdi ebstahl ereignet, was deutlich für die gleiche Täterschaft spreche (Akten S. 4005 ff., 4083 ff.). Die im Fall 29 und im vorliegenden Fall festge- stellte gleichartige Schuhspur deute ebenfalls auf die identische Täterschaft hin, ohne dass sich jedoch sagen liesse, von wem der Schuh getragen word en sei (Akten S. 1523 ff., 4101 ff.). In Fall 29 sei die Beteiligung des Beschuldigten am Einbr uchdiebstahl aufgrund der gefundenen Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht DNA erstellt. Dass mehrere Täter am Werk gewesen sein müsst en, ergebe sich auch daraus, dass auf der Überwachungskamera drei Täter zu erkennen gewesen seien (Akten S. 4083). Zudem sei auf die bereits mehrfach erwähnten allgem einen belastenden Indizien zu verweisen, womit die Beteiligung des Beschuldigten am vorliegenden Einbruchdiebstahl zweifelsfrei erstellt sei. Einzig hinsichtlich des Sachschadens sei gestützt auf di e Schätzung der Polizei (Akten S. 4087) und in Ermangelung von anderweitigen Bewei sen von einem Sachschaden von Fr. 500.-- anstelle der angeklagten Fr. 1‘000.-- auszugehen. b) Der Fall 30 hat sich am 15. September 2016 zwischen 02.00 und 02.44 Uhr in Q.____ (BL) zum Nachteil der (…) im Personalrestaurant ereignet. D er modus operandi entspricht dem bis- herigen des Beschuldigten (Akten S. 4085). Ausserdem is t Fall 29, bei welchem es sich um einen Einbruchdiebstahl auf demselben Firmengelände i n die Kindertagesstätte der Firma han- delt, anerkannt. Zudem konnte im Fall 29 eine DNA-Spu r des Beschuldigten sichergestellt wer- den. Überdies liegt im Fall 30 eine gleichartige Schu hspur (Akten S. 4119) wie im Fall 29 vor. Auf dem Video der Überwachungskamera sind drei Täter zu sehen, die den Einbruchversuch in das Personalrestaurant verüben (Akten S. 4089). Vor d iesem Hintergrund liegen auch hier ge- nügend Anzeichen vor, die den Schluss auf die Täterscha ft des Beschuldigten zulassen. Die Berufung ist demnach abzuweisen und das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen. 2.2.10 Fälle 31 und 33 – 35 a) Die Vorinstanz führt hinsichtlich der Fälle 31 und 3 3 bis 35 im angefochtenen Urteil aus, sämtliche Fälle hätten sich im September 2016 in X.____ (JU) innert drei Tagen ereignet (Fall 31: 17. – 20. September 2016, Akten S. 4127 ff.; Fäl le 33 – 35: 19. – 20. September 2016, Ak- ten S. 4179 ff., 4191 ff., 4203 ff.). Drei Einbrüche (Fall 33, 34, 35) seien dabei in Nachbarliegen- schaften in der Rue des (…) verübt worden und es sei ein jeweils gleichartiger modus operandi zur Anwendung gelangt. Es bestünden folglich starke Indizien für ein- und dieselbe Täterschaft. Für eine aus mehreren Personen bestehende Täterschaft sp rächen die in Fall 35 gefundenen zwei Schuhspuren (Akten S. 4209). Im Tatzeitfenster vom 19./20. September 2016 habe sich in X.____ ein weiterer Diebstahl ereignet (Fall 32), an dem der Beschuldigte erstelltermassen be- teiligt gewesen sei (Akten S. 4153 ff.). Damit liege ein starkes Indiz für die Beteiligung des Be- schuldigten an den vorliegend verübten Einbruchdiebst ählen vor, und seine Täterschaft sei un- ter Berücksichtigung der bereits mehrfach genannten allgemeinen Indizien erwiesen. Das jewei- lige Deliktsgut und der jeweilige Sachschaden seien ges tützt auf die Auflistungen in den Anzei- Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen, die eingereichten Belege und die teilweise vorha ndenen Fotografien erstellt, wobei in Fall 33 kein Deliktsgut entwendet worden sei (Fall 31: Akte n S. 4131; Fall 33: Akten S. 4183; Fall 34: Akten S. 4195; Fall 35: Akten S. 889, 4207). b) Die Fälle 31 und 33 bis 35 sind alle in X.____ geschehen. Der Fall 31 hat sich zwischen dem 17. und dem 20. September 2016 in einem Geschäft (…) an der Avenue de la (…), ereignet. Im Fall 31 konnte ein gleiches Schuhprofil wie im Fall 35 festgestellt werden ("un type de traces de semelles a été relevé", Akten S. 4133). Die Fälle 33 bis 35 haben sich alle in der Rue des (…) in der Nacht vom 19. auf den 20. September 2016 ere ignet. Der Fall 33 betrifft eine Drogerie, der Fall 34 eine Buchhandlung und der Fall 35 eine Versicherung. Die Art und Weise des Han- delns entspricht derjenigen des Beschuldigten. Es kommt hinzu, dass sich der anerkannte Fall 32 auch am 19. resp. 20. September 2016 in X.____ ere ignet hat und mittels DNA-Hit des Be- schuldigten erstellt ist. Im angefochtenen Urteil nicht festgehalten wurde sodann der Umstand, dass auch im Fall 35 die DNA des Beschuldigten festgestel lt werden konnte (Akten S. 4211 ff.). Dies bekräftigt die Schlussfolgerung, wonach die Täterscha ft des Beschuldigten in den Fällen 31 und 33 – 35 als erwiesen zu erachten ist. Unter diese n Umständen ist die Berufung des Be- schuldigten abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil auch in Bezug auf die Fälle 31 und 33 bis 35 zu bestätigen. 2.2.11 Fall 41 a) In Bezug auf Fall 41 hält das Strafgericht fest, de r vorliegende Fall (Akten S. 4519 ff.) habe sich wie die erstellten Fälle 9, 13 – 16, 21 – 25 sowi e 31 – 35 (Akten S. 2995 ff., 3269 ff., 3295 ff., 3323 ff., 3385 ff., 3635 ff., 3675 ff., 3733 f f., 3757 ff., 3789 ff., 4127 ff., 4153 ff., 4179 ff ., 4191 ff., 4203 ff.) in X.____ ereignet und der modu s operandi entspreche demjenigen der bis- lang erstellten Fälle. Der Beschuldigte werde zudem von D.____ belastet, der angebe, den Ein- bruch zusammen mit E.____ und dem Beschuldigten begang en zu haben (Akten S. 4551 f.). Die Belastung erscheine als glaubhaft, zumal sich D.___ _ mit seiner Aussage auch selber be- laste, und der Beschuldigte in anderem Zusammenhang m it E.____ delinquiert habe (Fall 42). Nachdem der angeklagte Vorgang in der Voruntersuchung vo m Beschuldigten noch bestritten worden sei (Akten S. 4545), habe er den Einbruch anlässlich der Hauptverhandlung eingeräumt (HV-Prot. S. 9; vgl. zudem Plädoyer AV Aeberli S. 3 und HV-Prot. S. 16). Hinsichtlich des ange- klagten Werts des entwendeten Autos von Fr. 20‘000.-- sei festzustellen, dass der Betrag auf einer Schätzung beruhe und keinerlei Angaben zu Alte r und Zustand des Fahrzeugs in den Ak- Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten vorhanden seien (Akten S. 959, 4523, 4525 f.). Dass das Fahrzeug einige Tausend Franken Wert gehabt habe, erscheine zwar als plausibel, wie hoch der Wert tatsächlich gewesen sei, müsse jedoch offen gelassen werden. Im Übrigen sei die Anklage aber erstellt. b) Der Fall 41 hat sich in der Nacht vom 29. auf den 30. September 2016 in X.____ (JU), erneut in der Avenue de la (…) (wie Fall 31), in einer Kind erkrippe, ereignet. Der modus operandi ent- spricht demjenigen des Beschuldigten. Es kommt hinzu, d ass D.____ in seiner Einvernahme vom 14. März 2018 zugestanden hat, den Einbruchdiebstahl zusammen mit E.____ und dem Beschuldigten begangen zu haben (Akten S. 4553, Rz. 55 ). Auch der Beschuldigte hat die Tat anlässlich der Verhandlung vor Strafgericht zugegeben. U nter diesen Umständen ist die Beru- fung des Beschuldigten abzuweisen und das strafgerichtl iche Urteil bezüglich Fall 41 zu bestä- tigen. 2.2.12 Zusammenfassung Zusammenfassend ergibt sich aus den bisherigen Ausführunge n, dass die Täterschaft des Be- schuldigten in den vorliegend umstrittenen Fällen 1, 3, 5, 9, 14, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 30, 31, 33, 34, 35 und 41 erstellt, und das Urtei l der Vorinstanz in diesen Punkten zu bestä- tigen ist. Demgegenüber kann dem Beschuldigten die Tät erschaft im bestrittenen Fall 10 nicht nachgewiesen werden, weshalb das Urteil des Strafgerich ts in diesem Punkt abzuändern, und der Berufungskläger freizusprechen ist. 2.3 Rechtliches zu den Einbruchdiebstählen 2.3.1 Gewerbsmässiger Diebstahl nach Art. 139 Ziff. 2 StGB a) Die Vorinstanz hält im Urteil vom 13. Februar 2019 diesbezüglich fest, der Beschuldigte habe über einen Zeitraum von annähernd neun Monaten 36 Ma l und damit im Schnitt viermal pro Monat delinquiert, wobei in gewissen Monaten eine ge häufte und in anderen Monaten keine oder eine gelegentliche Delinquenz feststellbar sei. Gesamthaft sei eine Deliktssumme von rund Fr. 144‘000.-- erzielt worden. Diese Summe entspreche in S.____ einem mehrfachen jährlichen Durchschnittseinkommen (HV-Prot. S. 12) und müsse – selb st wenn der Beschuldigte sich die Beute mit Mitbeteiligten allenfalls zu teilen gehabt habe und der Erlös in aller Regel nicht dem Sachwert entspreche – als erheblich bezeichnet werden. Es stehe im Übrigen angesichts der Aussagen des Beschuldigten und von D.____ ausser Zweifel, dass der Beschuldigte aus den Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht deliktischen Einkünften den familiären Unterhalt habe finanzieren wollen. Damit sei die Ge- werbsmässigkeit zu bejahen und an dieser Stelle festzuhal ten, dass die mehrfache Tatbege- hung und die Versuche in dieser Qualifikation aufgingen. Der Beschuldigte bringt in seiner Berufungsbegründun g vom 30. September 2019 vor, dass er zwar zugestanden habe, mehrere Einbruchdiebstähle verübt zu haben; der Deliktserlös sei al- lerdings zu gering gewesen, als dass er davon hätte leben können. Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer B erufungsantwort vom 31. Oktober 2019 aus, obwohl davon auszugehen sei, dass der Beschuldigte angesichts der erheblichen Delikts- summe mit Einbruchdiebstählen seinen Lebensunterhalt vo llumfänglich bestritten habe, wäre selbiges nach ständiger Rechtsprechung zur Erfüllung der Qualifikation der Gewerbsmässigkeit entbehrlich. So genüge es auch, wenn der Täter – gleich sam im "Nebenerwerb" – regelmässig Einnahmen anstrebe, um so einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung des Le- bensunterhaltes zu erwirtschaften. b) Nach Art. 139 Ziffer 2 StGB liegt eine qualifizier te Form des Diebstahls vor, wenn der Täter gewerbsmässig stiehlt. Gewerbsmässigkeit ist anzunehmen, wen n sich aus der Zeit und den Mitteln, die der Täter für die deliktische Tätigkeit a ufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraumes sowie aus den an gestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art e ines Berufs ausübt (BGE 123 IV 113 E. 2c) mit weiteren Hinweisen; BGE 119 IV 132 f., E. 3a; MARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar, Schweizerisches Strafrecht, 4. Aufl. 2019, Art. 139 N 89, mit weite- ren Hinweisen). Gewerbsmässigkeit setzt laut Bundesgerich t ein Dreifaches voraus: Sie kann zunächst nur dann angenommen werden, wenn der Täter m ehrfach delinquiert hat. Ferner muss der Täter in der Absicht handeln, ein Erwerbseinkomm en zu erzielen, und er muss zur Verübung einer Vielzahl von Delikten der fraglichen Art bereit sein. Bei der Absicht, ein Er- werbseinkommen zu erzielen, muss das Bestreben erkennbar sei n, aus der deliktischen Tätig- keit mit einer gewissen Regelmässigkeit Einkünfte zu erzielen, die geeignet sind, einen namhaf- ten Teil der Lebenskosten zu decken. Die Bereitschaft zur Verübung einer Vielzahl von Delikten kann auch aufgrund einer plausiblen Prognose beurteil t werden. Dabei sind unter anderem die Häufigkeit der verübten Delikte, die dafür eingesetzten Mittel und der dabei erzielte Deliktsbe- trag zu berücksichtigen. Eine Bereitschaft liegt vor, wenn der Täter den entsprechenden Tatbe- stand mit einer gewissen Regelmässigkeit zu erfüllen ged enkt. Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist dabei nicht vorausgesetzt, dass die deliktische Tätigkeit die einzige oder Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch nur die hauptsächliche Einnahmenquelle des Täters bildet, es genügt vielmehr ein "Ne- benerwerb" (MARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , a.a.O., Art. 139 N 89 ff. mit diversen Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Vorliegend hat der Beschuldigte über einen Zeitraum von 9 Monaten 35 Mal und damit im Schnitt knapp viermal pro Monat delinquiert, wobei in gewissen Monaten eine gehäufte und in anderen Monaten keine oder eine gelegentliche Delinqu enz feststellbar ist. Gesamthaft ist eine Deliktssumme von rund Fr. 144‘000.-- erzielt worden. Du rch den Freispruch im Fall 10 ändert sich daran nichts, zumal anlässlich dieses Einbruchs in ein Kel lerabteil ohnehin kein Deliktsgut entwendet worden ist. Mit der Vorinstanz ist festzuhalte n, dass diese Summe in S.____ einem mehrfachen jährlichen Durchschnittseinkommen entspricht und – selbst wenn der Beschuldigte sich die Beute mit Mitbeteiligten allenfalls geteilt h at und der Erlös in aller Regel nicht dem Sachwert entspricht – als erheblich bezeichnet werden muss. Wie die Vorderrichter ebenfalls zu Recht festgestellt haben, hat der Beschuldigte aus den deliktischen Einkünften den familiären Unterhalt finanzieren wollen. Das Vorbringen des Beschul digten, wonach der Deliktserlös zu gering gewesen sei, als dass er davon hätte leben könne n, vermag nicht zu überzeugen. Damit ist die Qualifikation des gewerbsmässigen Diebstahls zu bejahen, die Berufung des Beschuldig- ten abzuweisen und das strafgerichtliche Urteil auch diesbezüglich zu bestätigen. 2.3.2 Hausfriedensbruch nach Art. 186 StGB Zumal die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in d en Fällen 16, 20, 29, 32 und 33 vor- liegend gutzuheissen ist, sind in den betreffenden Fäl len zusätzliche Schuldsprüche wegen Hausfriedensbruchs auszusprechen. Im Übrigen ist gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019 E. I. 2.2). 2.3.3 Mehrfache Sachbeschädigung nach Art. 144 Abs. 1 StGB Aufgrund der Gutheissung der Anschlussberufung der Sta atsanwaltschaft in den Fällen 20 und 29 ergibt sich ohne Weiteres, dass der Beschuldigte in de n betreffenden Fällen zusätzlich we- gen Sachbeschädigung zu bestrafen ist. Im Übrigen ist auc h hier auf die zutreffenden Ausfüh- rungen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019 E. I. 2.3). Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Überlassen eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne Fahrerlaubnis nach Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG Der Beschuldigte macht in seiner Berufungsbegründung vo m 30. September 2019 geltend, dass ihm nicht bewusst gewesen sei, dass sein Kollege C.____ nicht über einen in der Schweiz gültigen Führerausweis verfügt habe. Der Berufungskläger habe das in englischer Sprache ver- fasste Dokument nicht verstanden. Ihm könne auch kein Eventualvorsatz vorgehalten werden. Die Staatsanwaltschaft verweist diesbezüglich in ihrer Berufungsantwort vom 31. Oktober 2019 vollumfänglich auf das Urteil der Vorinstanz. Gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG wird mit Freiheitsstr afe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe be- straft, wer ein Motorfahrzeug einem Führer überlässt, vo n dem er weiss oder bei pflichtgemäs- ser Aufmerksamkeit wissen kann, dass er den erforderlichen Ausweis nicht hat. Rechtskenntnis wird vorausgesetzt, wobei dem Beschuldigten die Verkehr sregeln in der Schweiz offensichtlich ohnehin egal waren. In seiner Einvernahme vom 27. Apr il 2018 hat der Beschuldigte ausge- führt, mit seinem Auto mache er, was er wolle. Wenn e r mit seinem Auto in den Polizeiposten fahren wolle, dann mache er das. Ihn würden die Verkehrsregeln nicht interessieren, er sei nicht der Lenker gewesen (Akten S. 3267). Der Beschuldigte h at keinen Aufwand betrieben resp. nicht nachgefragt, ob sein Kollege über eine gültige Fahrerlaubnis verfügt. Im Übrigen ist auch hier auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019 E. I. 3.2). Im Ergebnis hat das S trafgericht den Beschuldigten zu Recht des Überlassens eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne Fahrerlaubnis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG schuldig gesprochen. Die Berufung de s Beschuldigten ist demnach abzuwei- sen. 3. Strafzumessung Der Beschuldigte macht in seiner Berufungsbegründung g eltend, obschon er von zahlreichen Anklagepunkten freigesprochen worden sei und das Strafge richt zahlreiche Anklagepunkte ein- gestellt habe, habe die erste Instanz mit der ausgesprochenen Freiheitsstrafe von sechs Jahren eine Strafe verhängt, welche sogar deutlich über dem Antrag der Staatsanwaltschaft liege. Was die Tatkomponente anbelange, so gehe die Vorinstanz von einem Deliktsbetrag von Fr. 144'000.-- sowie einem Sachschaden von mindestens Fr . 68'900.-- aus. Diese Beträge müssten aufgrund der vom Beschuldigten in zahlreichen Fällen beantragten Freisprüche redu- ziert werden. Doch selbst wenn das Kantonsgericht die Sachverhaltsfeststellungen des Strafge- Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht richts bestätigen sollte, so sei nicht ersichtlich, weshalb die Tatausführungen in casu nicht mehr als mittelschwer, sondern als schwer zu bewerten sein soll en. Dies werde von der Vorinstanz im angefochtenen Urteil nicht näher begründet. Auch we nn der Beschuldigte als Kriminaltourist in die Schweiz eingereist sei und eine hohe kriminelle Energie gezeigt habe, erscheine die aus- gesprochene Freiheitsstrafe von sechs Jahren als deutlich zu hoch. Eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren werde beispielweise für eine versuchte Tötu ng verhängt. Ein derartiges Delikt sei weitaus gravierender als das Begehen von Einbruchdiebstäh len. Auch Millionenbetrüger (z.B. Werner K. Rey, Dieter Behring), welche hunderte oder tausende von Anlegern über Jahre hin- weg um hunderte von Millionen betrogen und offensich tlich nicht eine geringere kriminelle Energie gezeigt hätten, seien zu deutlich tieferen F reiheitsstrafen verurteilt worden. Zu berück- sichtigen gelte es bei der Strafzumessung zudem, dass b ei Kriminaltouristen nach Verbüssung von drei Vierteln (wohl gemeint zwei Dritteln) der Fr eiheitsstrafe oft keine bedingte Entlassung bewilligt werde. Der Beschuldigte müsse davon ausgehen , die gesamte Strafe verbüssen zu müssen. Beantragt werde eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer Berufungsantwort vom 31. Oktober 2019 aus, es sei zutref- fend, dass der Antrag der Staatsanwaltschaft leicht (se chs Monate) unter dem Urteil des Straf- gerichts gelegen habe. Angesichts des Umstands, dass die Vo rnahme der Strafzumessung in erster Linie Aufgabe des erkennenden Sachgerichts sei un d die diesbezüglichen Erwägungen im Urteil in jeder Hinsicht schlüssig seien, erachte die S taatsanwaltschaft die ausgesprochene Strafe als angemessen. 3.1.1 Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhä ltnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird n ach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Be- weggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inne- ren und äusseren Umständen in der Lage gewesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). Hat der Täter durch eine oder mehr ere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurtei lt ihn das Gericht zu der Strafe der schwers- ten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch d as Höchstmass der angedrohten Stra- fe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an da s gesetzliche Höchstmass der Strafart ge- bunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1.2 Grundsätzlich kann das Gericht nur auf eine Gesamtfr eiheitsstrafe erkennen, wenn es für jede Tat eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (konkrete Methode, BGE 138 IV 120 E. 5.2, mit Hinweisen). Das Bundesgericht (vgl. zum Ganzen BGer 6B_5 23/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2) hält in seinem Entscheid 6B_483/2016 vom 3 0. April 2018 unter Hinweis auf den Ge- setzgeber auch nach der Änderung des Sanktionenrechts aus drücklich am Prinzip der Zuläs- sigkeit einer Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Straf en unter Anwendung der konkreten Me- thode fest (E. 3.3.4 und E. 3.5.4). Weiter bekräftigt das Bundesgericht die Ungleichartigkeit von Freiheitsstrafe und Geldstrafe (E. 3.3.3). Zum metho dischen Vorgehen präzisiert das Bundes- gericht, dass in einem ersten Schritt die Einzelstrafen für die konkreten Delikte festzulegen sind und anschliessend geprüft werden muss, aus welchen Einzelst rafen Gesamtstrafen zu bilden sind. Im Rahmen der Gesamtstrafenbildung ist auch dem Verhältnis der einzelnen Taten unter- einander, ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder ge ringeren Selbständigkeit sowie der Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehensweisen Rechnung zu tragen. Dabei gilt der Grundsatz, dass der Gesamtschuld beitrag des einzelnen Delikts geringer zu veranschlagen ist, wenn Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammen- hang stehen (BGer 6B_483/2016 vom 30. April 2018 E. 3 .5.4, E. 4.1 und E. 4.3). Gleichzeitig bestätigt das Bundesgericht im Urteil 6B_483/2016 grund sätzlich die Zulässigkeit von Ausnah- men von der konkreten Methode im Einzelfall gemäss seiner jüngeren Rechtsprechung (E. 2.4 mit Hinweisen und E. 4.3), so wenn – unter Beachtung d es Verhältnismässigkeitsprinzips im Rahmen von Art. 41 StGB – bei der Bildung einer Ges amtstrafe als Einsatzstrafe für die schwerste Straftat eine Freiheitsstrafe festgesetzt und de ren Dauer für die weiteren Delikte an- gemessen erhöht wird (BGer 6B_849/2016 vom 9. Dezembe r 2016 E. 1.3.2; 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.3), oder wenn verschiedene Straf taten zeitlich und sachlich derart eng mit- einander verknüpft sind, dass sie sich nicht sinnvoll auftr ennen und für sich allein beurteilen lassen (BGer 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4). 3.2.1 Gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinstanz ein neues Urteil, welches das erstin- stanzliche ersetzt. Dabei hat sie die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen und muss sich nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). Im vorliegenden Fall ist der Beschuldigte gestützt auf das Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019 und das vorliegen- de Urteil des gewerbsmässigen Diebstahls nach Art. 139 Ziff. 2 StGB, der mehrfachen Sachbe- schädigung nach Art. 144 Abs. 1 StGB, des mehrfachen, teilweise versuchten Hausfriedens- Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht bruchs nach Art. 186 StGB sowie des Überlassens eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne Fahrerlaubnis nach Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG schuldig zu erklären. Der Strafrahmen des schwersten Delikts, des gewerbsmässigen Diebstahls gemäss Ar t. 139 Ziff. 2 StGB, umfasst Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen. Die Deliktsmehr- heit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu eine r Erhöhung des Strafrahmens, ist aber innerhalb des ordentlichen Rahmens strafschärfend zu gewichten. 3.2.2 Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kanto nsgericht für die Bildung ei- ner Gesamtstrafe nunmehr in einem ersten Schritt den S trafrahmen – ausgehend von der abs- trakten Strafandrohung – für die schwerste Straftat zu bestimmen und sodann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Umstände, innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. In casu weist wie berei ts dargelegt der Tatbestand des ge- werbsmässigen Diebstahls nach Art. 139 Ziff. 2 StGB die höchste Strafdrohung auf, weshalb dieses Delikt die schwerste Straftat darstellt. Dabei lie gt der ordentliche Strafrahmen in Anwen- dung von Art. 139 Ziff. 2 StGB zwischen einer Geldstraf e von 90 Tagessätzen und einer Frei- heitsstrafe von zehn Jahren. In Bezug auf den gewerbsmässigen Diebstahl ist auf der Se ite der objektiven Tatkomponenten zu würdigen, dass der erbeutete Deliktsbetrag in der Hö he von ungefähr Fr. 144'000.-- beacht- lich ist. Gewichtig verschuldenserhöhend hat sodann auch ins Gewicht zu fallen, dass der Be- schuldigte über eine lange Zeit, mithin etwa 9 Monate , delinquiert und dabei 35 Einbruchdieb- stähle begangen hat. Im Frühjahr 2016 ist der Beschuldigte mehrheitlich in Wohnliegenschaften eingebrochen, im Herbst 2016 sodann teilweise auch in G eschäftsliegenschaften. Ein paar we- nige Einbruchdiebstähle blieben im Versuchsstadium steck en, wobei dies vorliegend bei 35 Fällen nicht gross ins Gewicht zu fallen vermag. Verschuldenserhöhend zu würdigen ist sodann der Umstand, dass der Beschuldigte rücksichtslos und verwerfli ch vorgegangen ist, indem er sich nicht vergewissert hat, dass die Wohnliegenschaften unbewohnt sind resp. zur Zeit der Tat niemand zu Hause ist. Im Sinne einer grundsätzlichen F estlegung hält das Kantonsgericht da- für, dass bei der Strafzumessung im Kontext mit Einbruch diebstählen jeweils zwingend strafer- höhend veranschlagt werden muss, wenn der Beschuldigte in Wohnliegenschaften eindringt. Nimmt der Beschuldigte dabei eine Begegnung mit der Bewohnerschaft in Kauf, so hat sich diese verwerfliche Einstellung, welche für eine besondere Dreistigkeit sowie eine qualifizierte kriminelle Energie spricht, in einem zweiten Schritt n ochmals spürbar strafschärfend auszuwir- ken (KGer 460 12 108 vom 25. September 2012, E. III. 3.1). Der Beschuldigte ist eigens zum Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zwecke des Delinquierens aus S.____ in die Schweiz angereist, was eine gewisse Planung und Vorbereitung voraussetzt und damit ein gehöriges Mass an krimineller Energie erkennen lässt. Gemäss stetiger kantonsgerichtlicher und vom Bundesgerich t inzwischen ausdrücklich gestütz- ter Praxis (KGer 460 12 256 vom 26. Februar 2013, E. 2 .3.2; BGer 6B_510/2013 vom 3. März 2014 E. 4.4) ist straferhöhend zu berücksichtigen, wenn ein Täter ausschliesslich deshalb in die Schweiz eingereist ist, um in diesem Land Delikte zu bege hen, zumal er mit diesem Vorgehen seine qualifizierte kriminelle Energie und besondere Dreistigkeit unter Beweis stellt. Bei der Bewertung der subjektiven Tatschwere ist festzust ellen, dass dem Beschuldigten hin- sichtlich des inkriminierten Tatbestandes eine direktvorsätzl iche Willensrichtung anzulasten ist. Der Beschuldigte hat aus rein egoistischen Motiven resp. a us finanziellen Beweggründen ge- handelt, wobei kein entschuldbarer Grund ersichtlich ist. In Würdigung aller tatbezogenen Umstände erachtet da s Kantonsgericht im Ergebnis das Ver- schulden in Bezug auf den Tatbestand des gewerbsmässigen Diebstahls als mittelschwer bis schwer. Dies hat in Anbetracht des abstrakten Strafrahmen s zur Folge, dass dem vorgängig definierten Verschulden entsprechend im Sinne eines Zwischenergebnisses eine angemessene Einsatzstrafe von 5 Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen ist. 3.2.3 Sodann ist in einem weiteren Schritt die zwischenzeit lich festgelegte hypothetische Strafe unter Einbezug der weiteren Straftaten zu eine r Gesamtstrafe zu erhöhen. Bei den Sachbeschädigungen (Art. 144 StGB) und den Hausfriedensbrüchen (Art. 186 StGB) handelt es sich um sogenannte Begleittaten, welche zwecks Ausübung des gewerbsmässigen Diebstahls begangen worden sind. Insgesamt ist ein Sachschaden in der Höhe von ungefähr Fr. 68'900.-- entstanden, was als durchaus beachtlich erscheint. Gesamthaft betrachtet rechtfertigt es sich in casu nicht, hierfür die Strafe wesentlich zu erhöhen. Hi nzu kommt ausserdem die Widerhand- lung gegen das SVG (Überlassen eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne Fahrerlaubnis), welche mit den Einbruchdiebstählen keine eigentliche Han dlungseinheit bildet. Vor diesem Hin- tergrund rechtfertigt sich eine Straferhöhung im Umfan g von ¼ Jahren Freiheitsstrafe (Ausnah- me von der konkreten Methode, vgl. E. 3.1.2 hiervor), w oraus gestützt auf das Tatverschulden hinsichtlich aller inkriminierten Delikte eine Gesamtstraf e von 5 ¼ Jahren Freiheitsstrafe resul- tiert. Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.4 Diese Gesamtstrafe von 5 ¼ Jahren Freiheitsstrafe ist grundsätzlich in einem letzten Schritt aufgrund der besonderen Täterkomponenten, wel che in casu für alle Straftaten gleich- ermassen gelten, anzupassen. Vorliegend ist festzustellen, dass insbesondere der Faktor Vor- strafen sehr zu Ungunsten des Beschuldigten zu berücksichtige n ist. Der Beschuldigte ist so- wohl in S.____ als auch in der Schweiz bereits vorbestr aft, teilweise auch einschlägig. Hinge- gen sind das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse als neutral zu werten. Bezüglich des Nachtatverhaltens und Verhaltens im Strafverfahren ist festzustellen, dass der Beschuldigte zwar einige Fälle anerkannt resp. gestanden hat, es sic h dabei jedoch lediglich um die ohnehin mittels DNA oder anderen objektiven Beweismitteln nachg ewiesenen Fälle handelt. Die diesbe- züglichen Geständnisse sind daher als rein taktisch anzusehen. Der Beschuldigte hat insge- samt nicht ansatzweise Reue oder Einsicht gezeigt. Ebenso wenig ist eine besondere Straf- empfindlichkeit des Beschuldigten zu erkennen. Insofern drängt sich aufgrund der besonderen Täterkompo nenten eine weitere Anpassung der tatbezogenen Gesamtstrafe auf. Im Ergebnis ist somit ei ne tat- und täterangemessene Strafe von 6 Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen. Bei diesem Stra fmass ist der bedingte Strafvollzug bereits aus formellen Gründen ausgeschlossen. Einer Anrechnung der ausgestandenen Auslie- ferungs- und Untersuchungshaft bzw. des vorzeitigen Str afvollzugs steht nach Art. 51 StGB hingegen nichts im Wege. 4. Dauer der Landesverweisung Die Berufung des Beschuldigten richtet sich ausschliesslich gegen die ausgesprochene Dauer der Landesverweisung. In Anbetracht des Umstandes, dass die Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB für 5 – 15 Jahre angeordnet werd en kann, erscheint eine solche für die Dauer von 12 Jahren im vorliegenden Fall angemessen. D em Beschuldigten wird ein mittel- schweres bis schweres Verschulden zur Last gelegt, wobei er zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren zu verurteilen ist. Die Landesverweisung ist geeig net, erforderlich und verhältnismässig, denn der Beschuldigte hat schlicht keine privaten Intere ssen daran, hier in der Schweiz zu sein resp. zu bleiben. Er hat keinerlei Bezug zur Schweiz. I m Übrigen ist gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019 E. III.). Vor diesem Hintergrun d ist die Berufung auch in diesem Punkt abzuweisen und das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen. Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Zivilforderungen Ausführungen zu den Zivilforderungen erübrigen sich, zum al der Beschuldigte diese in Abhän- gigkeit zu den von ihm geforderten Freisprüchen angefoch ten hat. Die Berufung des Beschul- digten ist zwar vorliegend teilweise gutzuheissen, jedoch hat lediglich im Fall 10 ein zusätzlicher Freispruch zu erfolgen. In Bezug auf Fall 10 ändert si ch aber nichts, da dieser im angefochte- nen Urteil unter dem Abschnitt Zivilforderungen gar ni cht thematisiert worden ist. Unter diesen Umständen ist vollumfänglich auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz zu den bezifferten und begründeten sowie zu den unbezifferten oder unzurei chend begründeten Zivilforderungen zu verweisen (Urteil des Strafgerichts vom 13. Februar 2019, E. V.). III. Zweitinstanzliche Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die K osten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. En tsprechend dem Ausgang des vor- liegenden Verfahrens, mithin der teilweisen Gutheissung der Berufung des Beschuldigten (Frei- spruch im Fall 10) und der Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, werden die Verfahrenskosten des Kantonsgerichts in der Höhe von Fr. 17'750.--, beinhaltend eine Ur- teilsgebühr von Fr. 17'500.-- sowie Auslagen von Fr. 250 .--, zu 95% dem Beschuldigten (Fr. 16'862.50) und zu 5% dem Staat (Fr. 887.50) auferlegt. 2. Advokat Dr. Matthias Aeberli macht in seiner Honorarnot e vom 6. März 2020 17.12 Stunden à Fr. 200.--, Fr. 217.-- Auslagen sowie Fr. 315.-- Dolmetscherkosten geltend, was sich als angemessen erweist. Hinzu kommt ein Aufwand v on 4 ¼ Stunden für die Haupt- verhandlung vor Kantonsgericht. Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Dr. Matthias Aeberli, wird für das Berufungsverfahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 4'491.-- (inkl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (Fr. 345.80) sowie Dolmetscherkoste n von Fr. 315.--, somit insgesamt Fr. 5'151.80, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist im Umfang von 95% verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung der amtli- chen Verteidigung zurückzuzahlen und der Verteidigung di e Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobal d es seine wirtschaftlichen Verhält- nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die Dolmetscherkosten in der Höhe von Fr. 210.-- werde n auf die Staatskasse ge- nommen. Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft v om 13. Februar 2019, aus- zugsweise lautend: "1. A.____ wird des gewerbsmässigen Diebstahls, der me hrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen, teilweise versuchten H aus- friedensbruchs sowie des Überlassens eines Motorfahrze ugs an einen Führer ohne Fahrerlaubnis schuldig erklärt und verurteilt als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staats anwaltschaft des Kantons Jura Porrentruy vom 23. Februar 2016 zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren, unter Anrechnung der vorläufigen Festnahme (vom 17.0 2.2016 - 19.02.2016, 2 Tage), der ausgestandenen Untersuchungsh aft (vom 29.09.2017 - 17.05.2018, 231 Tage) sowie des vorze itigen Strafvollzugs (18.05.2018 - 13.02.2019, 272 Tage) von insgesamt 505 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB, Art. 1 44 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB (teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG sowie Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB und Art. 51 StGB. 2. A.____ wird in den Fällen 26, 28, 37, 38, 39 und 40 von der An- klage des gewerbsmässigen Diebstahls, des mehrfachen Haus- friedensbruchs und der mehrfachen Sachbeschädigung freige - sprochen. A.____ wird in allen Fällen von der Anklage der bande nmässigen Begehung des Diebstahls freigesprochen. 3. Das Verfahren betreffend Hausfriedensbruch in den Fällen 16, 20, 29, 32 und 33 und betreffend Sachbeschädigung in den Fällen 20 und 29 wird mangels gültigen Strafantrages eingestellt. Das Verfahren betreffend Duldung des Gebrauchs eines nich t vorschriftsgemässen Fahrzeugs (Ziff. 3 Anklage) wird gemäss Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO eingestellt. Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. A.____ wird in Anwendung von Art. 66a StGB für die Dauer von 12 Jahren des Landes verwiesen. Die angeordnete Landesverweisung wird nicht im Schenge ner Informationssystem eingetragen. 5. (…) 6. Die Zivilforderungen der folgenden Privatkläger werden in An- wendung von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivil weg verwie- sen: (…) 7. A.____ wird dazu verurteilt, (…) (Fall 1) Schad enersatz in Höhe von Fr. 200.-- zu bezahlen. A.____ wird dazu verurteilt, (…) (Fall 9) Schadenersat z in Höhe von Fr. 200.-- zu bezahlen. A.____ wird dazu verurteilt, (…) (Fall 17) Schadenersat z in Höhe von Fr. 200.-- zu bezahlen. Die Mehrforderung wird a uf den Zivil- weg verwiesen. A.____ wird dazu verurteilt, der (…) (Fall 25) Schade nersatz in Höhe von Fr. 1‘430.-- zu bezahlen. Die Schadenersatzforderung von (…) (Fall 26) wird abg ewiesen. Die Schadenersatzforderung von (…) (Fall 26) wird abg ewiesen. Die Genugtuungsforderung von (…) (Fall 26) wird abgew iesen. A.____ wird bei seiner Anerkennung behaftet, (…) (Fal l 27) Fr. 200.-- zu bezahlen. Die Schadenersatzforderung von (…) (Fall 28) wird abg ewiesen. A.____ wird dazu verurteilt, der (…) (Fall 36) Schaden ersatz in Höhe von Fr. 500.-- zu bezahlen. Die Mehrforderung wird auf den Zivilweg verwiesen. Die Genugtuungsforderung wird abgewiesen. Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Schadenersatzforderung der (…) (Fall 38) wird abg ewiesen. A.____ wird bei seiner Anerkennung behaftet, (…) (Fal l 43) Fr. 200.-- zu bezahlen. 8. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfah- rens von Fr. 28‘578.--, den Kosten des Zwangsmassnahmeng e- richts von Fr. 1‘050.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 10‘000.--, gehen zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. 9. (…) 10. (…)." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuld igten und in Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwalts chaft in den Dis- positiv-Ziffern 2 und 3 wie folgt geändert : 2. A.____ wird in den Fällen 10 , 26, 28, 37, 38, 39 und 40 von der Anklage des gewerbsmässigen Diebstahls, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der mehrfachen Sachbeschädigung frei- gesprochen. A.____ wird in allen Fällen von der Anklage der bande nmässigen Begehung des Diebstahls freigesprochen. 3. Das Verfahren betreffend Duldung des Gebrauchs eines nich t vorschriftsgemässen Fahrzeugs (Ziff. 3 Anklage) wird gemäss Art. 8 Abs. 2 lit. a StPO eingestellt. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von Fr. 17'750.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr. 17'500.-- sowie Ausla- gen von Fr. 250.--, werden im Umfang von 95% (= Fr. 16'862.50) dem Be- schuldigten und im Umfang von 5% (= Fr. 887.50) dem Staat auferlegt. Die Dolmetscherkosten von Fr. 210.-- werden auf die St aatskasse genom- men. Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Dr. Matthias Aebe rli, wird für das Beru- fungsverfahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 4'491. -- (inkl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (Fr. 345.80) sowie Dolmet scherkosten von Fr. 315.--, somit insgesamt Fr. 5'151.80, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist im Umfang von 95% verpflichtet, de m Kanton die Ent- schädigung der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen und der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). III. Mitteilungen (…) Vizepräsident Stephan Gass Gerichtsschreiberin Olivia Reber Dieser Entscheid ist rechtskräftig.