Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. März 2019 (720 18 253 / 82) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten auf eine Neuanmeldung nach rechtskräftiger Ablehnung eines Rentenan- spruchs; eine Veränderung des medizinischen Sachverhalts ist nicht glaubhaft gemacht Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Daniel Noll, Kantons- richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A. Der 1974 geborene A.____ war vom 1. Januar 1998 bis 30. Juni 2010 bei der B.____ AG angestellt, wobei er zuletzt als Wirtscha ftsprüfer tätig war. Am 5. Mai 2010 meldete sich A.____ unter Hinweis auf Panikstörungen mit Ag oraphobie bei der Eidgenössischen Invali- denversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem sie die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittel te die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versi- cherten einen Invaliditätsgrad von 25 %. Gestützt a uf dieses Ergebnis lehnte die IV-Stelle mit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung vom 7. März 2013 einen Anspruch von A.____ au f eine IV-Rente ab. Eine vom Ver- sicherten, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt , hiergegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrech t (Kantonsgericht), nach Einholung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens mit Urteil vom 6. August 2015 (Verfahren-Nr. 720 13 116/190) ab. Gegen diesen Entscheid gelangte A.____ a n das Schweizerische Bundesgericht, welches die betreffende Beschwerde mit Urteil vom 30. März 2016 (8C_880/2015) abwies. Noch während der Hängigkeit des erwähnten kantonsgericht lichen Beschwerdeverfahrens, nämlich mit Schreiben vom 27. Oktober 2014 (Eingang b ei der IV-Stelle: 31. Oktober 2014), machte A.____ eine Verschlechterung seines Gesundheitszus tands geltend. Nach erfolgter letztinstanzlicher Abweisung des ersten Leistungsgesuchs des Versicherten behandelte die IV- Stelle dieses Schreiben vom 27. Oktober 2014 (Posteingang: 31. Oktober 2014) als Neuanmel- dung. Mit Verfügung vom 13. Juni 2018 trat die IV-S telle - nach durchgeführtem Vorbescheid- verfahren - jedoch auf dieses neue Leistungsbegehren nicht ein. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, mit den neu eigereichten ärztlich en Unterlagen würde keine anspruchs- erhebliche Änderung der gesundheitlichen Verhältnisse glaubhaft gemacht. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, wiederum vertr eten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, am 16. August 2018 Beschwerde beim Kantonsg ericht. Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV -Stelle zu verpflichten, auf sein Ge- such vom 31. Oktober 2014 einzutreten; unter o/e-Kostenf olge. Im Weiteren seien ihm die un- entgeltliche Prozessführung und die unentgeltlichen Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter zu bewilligen. C. Mit Verfügung vom 17. August 2018 bewilligte das Ka ntonsgericht dem Beschwerde- führer gestützt auf die eingereichten Unterlagen für d as vorliegende Verfahren die unentgeltli- che Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Daniel Altermatt als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2018 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt der Beschwerdeführer in seiner Rep- lik vom 18. Januar 2019 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesent- lichen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiede rum beantragte in ihrer Duplik vom 18. Februar 2019 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 16. August 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Die Neuanmeldung eines Rentenanspruchs wird nur mat eriell geprüft, wenn die versi- cherte Person glaubhaft macht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechts- kräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Mass verändert haben (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der Verordn ung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher un d rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C _325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 in Verb indung mit Abs. 2 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftig er Anspruchsprüfung immer wie- der mit gleichlautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 130 V 71 E. 3.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurtei lte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt bei der B eurteilung der Eintretensvoraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksicht igen haben, ob die frühere Verfü- gung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaftmachung dement- sprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). 2.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgese tzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nich t nach dem im Sozialversiche- rungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahr scheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhalts änderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder dere n Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollt en (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). 2.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substanzielle Anhaltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzu legen (vgl. auch bezüglich Nach- fristansetzung zur Einreichung ergänzender, in der Neu anmeldung lediglich in Aussicht gestell- ter Beweismittel BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Wenn die de r Neuanmeldung beigelegten ärztlichen Berichte so wenig substanziiert sind, dass sich eine neue P rüfung nur aufgrund weiterer Er- kenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-St elle unter Umständen zur Nachforderung weiterer Angaben gehalten. Dies ist nur, aber immerhin dann der Fall, wenn den - für sich allein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden - Arztberi chten konkrete Hinweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserheb- liche Änderung vorliegt (Urteil des Bundesgerichts vom 21 . Juni 2016, 8C_244/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Eintreten auf die Neuanmeldung (Ur- teil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 3.1 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklä- rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesu ndheitszustandes) beruht. Vorlie- gend erfolgte die letzte materielle Prüfung des Rente nanspruchs des Beschwerdeführers im Rahmen des Verfahrens, das zur rentenablehnenden Verfüg ung vom 7. März 2013 führte. Die- se Verfügung wurde vom Kantonsgericht mit Entscheid vom 6. August 2015 und letztinstanzlich vom Bundesgericht mit Urteil vom 30. März 2016 bestätigt. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen e rfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neu- anmeldung rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenverfü- gung vom 7. März 2013 bestanden hat, mit dem Sachverhal t im Zeitpunkt der vorliegend ange- fochtenen Verfügung vom 13. Juni 2018. 3.2 Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auff assung bedeutet das Abstellen auf den 7. März 2013 als massgebenden Referenzzeitpunkt n icht, dass im heutigen Verfahren bei der Beurteilung der Frage, wie sich der Gesundhe itszustand im damaligen Zeitpunkt prä- sentiert hatte, ausschliesslich auf medizinische Unterlagen a bgestellt werden darf, die vor dem 7. März 2013 entstanden waren. Insbesondere kann dem Be schwerdeführer nicht gefolgt wer- den, soweit er geltend macht, sein heutiger medizinisch er Zustand müsse mit der gesundheitli- chen Situation verglichen werden, wie sie Dr. med. C._ ___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in seinem psychiatrischen Gutachten vom 21. Dezember 2011, festgehalten habe. Auf die betreffende Expertise kann schon deshalb nicht abgestellt werden, weil das Kantonsgericht das Gutachten von Dr. C.____ im vorausgegangenen Beschwerde verfahren als nicht beweistaug- lich qualifiziert und daher bei Dr. med. D.____, Psychia trie und Psychotherapie FMH, ein Ge- richtsgutachten in Auftrag gegeben hatte (vgl. den Besc hluss des Kantonsgerichts vom 26. September 2013). In diesem am 16. Juli 2014 erstat teten Gerichtsgutachten beurteilte Dr. D.____ den Gesundheitszustand des Versicherten im Z eitpunkt der angefochtenen Verfü- gung vom 7. März 2013. In der Folge stützte sich das Kant onsgericht in seinem Entscheid vom 6. August 2015 bei der Würdigung des medizinischen Sachv erhalts vollumfänglich auf dieses Gerichtsgutachten von Dr. D.____, was letztinstanzlich vo m Bundesgericht mit Urteil vom 30. März 2016 geschützt wurde. Wie die IV-Stelle zu Rech t geltend macht, ist daher auch im vorliegenden, das neue Leistungsbegehren betreffenden Verfahren auf die Feststellungen des Gerichtsgutachters Dr. D.____ abzustellen, soweit der Gesundheitszustand des Versicherten im massgebenden Referenzzeitpunkt (7. März 2013) zu beurteilen ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Im Gerichtsgutachten vom 16. Juli 2014 erhob Dr. D. ____ beim Versicherten als Diag- nosen eine Panikstörung mit agoraphobischen Zügen (ICD-10 F40.0), akzentuierte narzisstisch- neurotische Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.00). In seiner Beurteilung legt der Gutachter dar, dass sich beim Exploranden in Bezug auf die Entstehung des psych ischen Krankheitsgeschehens eine deutliche zeitliche Koinzidenz mit dem Verlauf seiner beruflichen Laufbahn finde. Es könne davon ausgegangen werden, dass das psychische Leiden, nämli ch Panikstörungen mit agora- phobischen Zügen, Ausdruck einer zunehmenden beruflichen Überforderung darstelle. Die be- rufliche Überforderung und die stetig schlechteren Quali fikationen durch die Arbeitgeberin hät- ten beim Exploranden zu einer erheblichen Verunsicherung und Selbstentwertung geführt. Im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versi cherten wies Dr. D.____ vorab darauf hin, dass dieser an und für sich sehr motiviert sei, Leistu ngen zu erbringen, er zeige jedoch, sobald er an seine eigenen Grenzen stosse, ein deutliche s Vermeidungsverhalten. Aus den dargelegten Gründen sei für die angestammte Tätigkeit als Manager mit Führungsfunktion von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Diese dürfte seit der letzten schweren psy- chischen Dekompensation im Mai 2009 vorliegen. Beruflich e Massnahmen mit dem Ziel, den Versicherten in eine alternative Tätigkeit umzuschulen, se ien nicht angezeigt, da dieser über fundierte kaufmännische Kenntnisse und eine lange Beruf serfahrung verfüge. Für sämtliche kaufmännische Tätigkeiten ohne Führungsfunktion bestehe beim Exploranden aus psychiatri- scher Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit. Gestützt auf die se Beurteilung des Gerichtsgutachters Dr. D.____ bestätigten das Kantonsgericht mit Urteil vo m 6. August 2015 und letztinstanzlich das Bundesgericht in seinem Entscheid vom 30. März 2016 die rentenablehnende Verfügung der IV-Stelle vom 7. März 2013. 4.2 Bereits im Laufe des ersten kantonsgerichtlichen Be schwerdeverfahrens hatte der Ver- sicherte Austrittsberichte der Klinik E.____ vom 24. Deze mber 2014 und der Klinik F.____ vom 16. Juli 2015 eingereicht. Die beiden Schreiben äusse rten sich zu den stationären Behandlun- gen, denen sich der Versicherte vom 17. Oktober 2014 bis 17. Dezember 2014 in der Klinik E.____ und vom 26. Januar 2015 bis 27. April 2015 in der Klinik F.____ unterzogen hatte. In seinem Urteil vom 6. August 2015 wies das Kantonsgericht jedoch darauf hin, dass für die Be- urteilung der (damaligen) Beschwerde grundsätzlich der medizinische Sachverhalt massgebend sei, der am 7. März 2013, dem Zeitpunkt des Erlasses der r entenablehnenden Verfügung der IV-Stelle, vorgelegen habe. Es ging deshalb auf die n achträglich erfolgten stationären Behand- lungen des Versicherten im Rahmen des damaligen Beschwe rdeverfahrens nicht weiter ein. Im vorliegenden Verfahren sind diese Berichte nun aber im Hinblick auf eine mögliche, seit dem 7. März 2013 eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers zu würdigen. 4.3.1 Im Austrittsbericht der Klinik E.____ vom 24. Deze mber 2014 über die vom 17. Oktober bis 17. Dezember 2014 dauernde stationäre psychiatrische Behandlung wurden beim Versi- cherten eine Agoraphobie mit Panikstörung, akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzissti- schen Anteilen sowie eine rezidivierende depressive Störu ng, gegenwärtig mittelgradige Episo- de, diagnostiziert. Es sei in den letzten Wochen zu einer Verschlechterung der Angsterkrankung gekommen, wobei ein möglicher Auslöser der Verschlechte rung der Verlauf des IV-Verfahrens Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Der Versicherte sei anfänglich auf die seines Eracht ens ungerechte Behandlung im IV- Verfahren fixiert gewesen, habe sich aber problemlos in die Patientengruppe integriert und sei zum Wortführer der Gruppe avanciert. Es sei auch zu Pan ikattacken auf der Abteilung gekom- men, die ihm aber von aussen kaum anzumerken gewesen se ien. Die Auseinandersetzung mit der IV um eine Teilrente scheine eine Verbesserung de r Symptomatik zu behindern. Aufgrund der Angststörung und der verminderten Belastbarkeit sei d er Versicherte zurzeit zu mindestens 50 % in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Ein langsamer schrittweiser Wiedereinstieg könn- te möglicherweise weitere Vermeidungstendenzen abbauen. 4.3.2 Rund sechs Wochen nach der Entlassung des Versicherte n aus der Klinik E.____ wies ihn der behandelnde Psychiater erneut zur stationären B ehandlung, diesmal in die Klinik F.____, ein. In deren Austrittsbericht vom 16. Juli 201 5 über den dreimonatigen, vom 26. Januar bis zum 27. April 2015 dauernden Aufenthalt wurden eine Agoraphobie mit Panikstö- rung, aktuell dekompensiert, und eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgra- dige Episode diagnostiziert. Nach intensiver Psychoedukatio n habe der Patient pathologische Verhaltensmuster erkannt und im Ansatz korrigieren kön nen. Eine Erweiterung der Medikation und ein ressourcenorientiertes Therapieregime hätten da s Procedere unterstützt, so dass sich der Zustand des Versicherten im Vergleich zur Aufnahmesituation deutlich verbessert habe. Am Entlassungstag habe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden, über eine ab- schliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit werde im späteren Verlauf zu entscheiden sein. 4.4 Vergleicht man die Diagnosen in den Austrittsberi chten der Klinik E.____ und der Klinik F.____ mit den Diagnosen, die Dr. D.____ in seinem G erichtsgutachten gestellt hatte, so fällt auf, dass sich diese weitestgehend decken. Einzig beim Schw eregrad der jeweils aktuellen de- pressiven Episode diagnostizierten die beiden Kliniken eine mittelgradige Ausprägung, während Dr. D.____ lediglich einen leichten Schweregrad festge stellt hatte. Dies lässt den Schluss zu, dass jeweils vor den Klinikeintritten eine Verschlechter ung der depressiven Symptomatik statt- gefunden hat. Den Schilderungen in den Austrittsberi chten lässt sich aber ebenso klar entneh- men, dass es während der Klinikaufenthalte zu einer Verb esserung der Symptomatik gekom- men ist. Auch die Beschreibung der Aktivitäten und Ressour cen des Versicherten ist mit der von Dr. D.____ dokumentierten Situation vergleichbar . Was die Einschätzungen der Arbeitsfä- higkeit in den beiden Austrittsberichten betrifft, so ka nn ihnen insofern keine wesentliche Be- deutung zukommen, als sie explizit als Momentaufnahme d eklariert werden. Aufgrund der Tat- sache, dass im weiteren Verlauf bis heute keine stationä ren psychiatrischen Behandlungen mehr erforderlich wurden, ist sodann davon auszugehen, dass die Verschlechterung der de- pressiven Symptomatik jeweils nur von vorübergehender Natur war. 4.5 Nicht gefolgt werden kann dem Einwand des Beschwerde führers, wonach durch die Klinikaufenthalte eine ununterbrochene vollständige Ar beitsunfähigkeit von sechs Monaten ausgewiesen sei, so dass zumindest ein entsprechender befri steter Rentenanspruch bestehe. Mit der IV-Stelle ist zunächst darauf hinzuweisen, dass zwischen den beiden Klinikaufenthalten ein Unterbruch von sechs Wochen lag, für den echtzeit lich kein Nachweis einer Arbeitsunfähig- keit vorliegt. Ferner dauerten die beiden Klinikaufen thalte für sich nicht lange genug, um einen befristeten Rentenanspruch zu begründen. Auch wenn der Aufenthalt in der Klinik F.____ drei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Monate dauerte, so fehlt es zumindest am Erfordernis de s voraussichtlichen Andauerns der Verschlechterung im Sinne von Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961. 4.6.1 Für den Beschwerdeführer ergibt sich eine Verschle chterung seines Gesundheitszu- stands auch aus den Berichten des behandelnden Psychiaters D r. med. G.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 13. Dezember 2016 und vom 2 9. August 2017. In diesen Be- richten werden eine Traumafolgestörung Typ III (postt raumatische Belastungsstörung sowie persönlichkeitsprägende Symptomatik), eine komplexe Trauma folgestörung mit Persönlichkeit- sänderung nach Extrembelastung, eine Agoraphobie mit P anikstörung, eine rezidivierende de- pressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, so wie paranoide Persönlichkeitszüge diagnostiziert. Der Versicherte sei gegenwärtig im Rahm en einer Massnahme der Sozialbera- tung der Gemeinde H.____ in einer Landschaftsgärtnere i tätig. Das ursprüngliche Pensum von 50 % habe wegen zu grosser Belastung und Erschöpfung a uf 30 % reduziert werden müssen. Die depressive Episode sei aktuell mittelgradig, ebenso wie dies während der beiden stationä- ren Behandlungen attestiert worden sei. In einem Beri cht der Psychiatrischen Klinik I.____ vom März 2016 sei gar eine schwere depressive Episode diagnost iziert worden, so dass im Ver- gleich zur Begutachtung durch Dr. D.____ eine klare Ve rschlechterung der depressiven Symp- tomatik ausgewiesen sei. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 70 %, was anhand des Mini-ICF-APP zu verifizieren sei. 4.6.2 Der Beschwerdeführer kann aus diesen Berichten von Dr. G.____ vorliegend nichts zu seinen Gunsten ableiten. Wie der RAD-Arzt Dr. med. J. ____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in seiner Beurteilung vom 16. Januar 2017 nachvoll ziehbar und schlüssig erörtert, sind die erforderlichen Kriterien für die Annahme der neu gestellten Diagnosen einer Traumafolge- störung Typ III und einer komplexen Traumafolgestörung mit Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung nicht erfüllt, da entsprechende Symptom e (affektive Abstumpfung, schwer dysfunktionales Verhalten, heftigste psychische - wie beispielsweise dysphorische - Reaktionen bei der Thematik des ursächlichen Auslösers, Wortkargheit, extremes Misstrauen u.v.m.) durchwegs fehlen würden. Was im Weiteren den Verweis au f den Bericht der Psychiatrischen Klinik I.____ vom 6. April 2016 angeht, so ist darin l ediglich vermerkt, dass der Summenwert im “Fragebogen BDI-II“ 33 Punkte betrage, was auf eine sc hwere depressive Symptomatik hinwei- se. Dieses Ergebnis ist aber, da es sich um einen Selbstbe wertungstest handelt, mit entspre- chender Zurückhaltung zu würdigen. Dazu kommt, dass die gleichzeitig durchgeführte Testung der Konzentration, der intellektuellen Leistungsfähig keit und des Gedächtnisses durchwegs durchschnittliche bis überdurchschnittliche Werte ergeben hat, was ein klares Indiz gegen das Vorliegen einer schweren Depression darstellt. Auch der Verweis auf die Ergebnisse der Mini- ICF-APP erweist sich nicht als zielführend. So steht di e Feststellung, wonach sich der Versi- cherte nur noch in kleinere Gruppen mit maximal drei Pe rsonen einfügen könne, im Einklang mit der Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. D.____, geht dieser doch ebenfalls davon aus, dass dem Versicherten vor allem ein Einsatz in einem kleinen Betrieb mit reduziertem Kundenkontakt zumutbar sei. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die med izinischen Unterlagen, auf die sich der Beschwerdeführer beruft, nicht ausreichen, u m die behauptete relevante Ver- schlechterung seines Gesundheitszustands glaubhaft zu mach en. Somit ist die IV-Stelle aber auf die Neuanmeldung des Versicherten vom 27. Oktober 20 14 (Eingang bei der IV-Stelle: 31. Oktober 2014) zu Recht nicht eingetreten. Die gegen di e betreffende Verfügung der IV-Stelle vom 13. Juni 2018 erhobene Beschwerde erweist sich als un begründet, weshalb sie abzuwei- sen ist. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorlie genden, in denen ein durchschnittlicher Ver- fahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegen de Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun al lerdings mit Verfügung vom 17. August 2018 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer in der genannten Verfüg ung vom 17. August 2018 die unent- geltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bew illigt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 b eträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 15. März 2019 für das vorliegende Verf ahren einen Zeitaufwand von 7 Stunden und 35 Minuten geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 83.--. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Hö- he von Fr. 1‘722.85 (7 Stunden und 35 Minuten à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 83.-- zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 6.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘722.85 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 15. Juli 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_476/2019 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht