B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5411/2019 U r t e i l v o m 2 0 . S e p t e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Markus König, Richter Yanick Felley, Richter Gérard Scherrer, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, geboren am (…), Kamerun, vertreten durch MLaw Meret Adam, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 7. Oktober 2019 / N (…). D-5411/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine kamerunische Staatsangehörige der Ethnie der Bamileké, reichte am 29. Juli 2019 zusammen mit ihrer Schwester (D- 5414/2019 / N [...]) ein Asylgesuch ein und wurde dem Bundesasylzentrum BAZ der Region (…) zugewiesen. Am 19. August 2019 fand die Erstbefra- gung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA EB) statt, am 26. August 2019 wurde ihr das rechtliche Gehör zu ihrer Minderjährigkeit sowie zu ihrer Identität gewährt. Anlässlich der Erstbefragung legte sie dar, sie heisse B._______ und sei am (…) geboren. Den Visumsantrag unter dem Namen A._______, gebo- ren am (…), könne sie nicht erklären, da sie diesen Antrag nicht selber gestellt habe. Sie sei lediglich mit ihrer Halbs chwester und einem Mann beziehungsweise ihrem Vater auf die Schweizer Botschaft in Yaoundé (nachfolgend: Botschaft) und habe dort ihre Fingerabdrücke abgegeben. Mit diesem Visum sei sie in der Folge zusammen mit einem Verwandten sowie ihrer Halbschwester legal in die Schweiz eingereist. Sie habe ihr Hei- matland aufgrund von Unruhen, Krieg, Tribalismus und Drohungen verlas- sen. Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs wurde die Beschwerde- führerin darüber informiert, dass auf der Botschaft ein Hinweis eingegan- gen sei, die Identität, die sie im Rahmen ihres Asylgesuchs angege ben habe, sei nicht ihre wahre Identität. Sie würde C._______ heissen und be- reits 18 Jahre alt sein. Die Beschwerdeführerin äusserte sich zu diesem Namen nicht, bestand aber darauf, noch keine 18 Jahre alt zu sein. B. Mittels des von der Vorinstanz in Auftrag gegebenen medizinischen Gut- achtens vom 13. September 2019 des (…) wurde festgestellt, die Vollen- dung des 18. Lebensjahres und damit das Erreichen der Volljährigkeit seien bei der Beschwerdeführerin höchst unwahrscheinlich . Das von ihr angegebene Alter von (…) Jahren sei mit den erhobenen Befunden noch zu vereinbaren. Das Gutachten wurde ihrer Rechtsvertreterin am 19. Sep- tember 2019 zur Kenntnis gebracht. C. Am 26. September 2019 wurde die Beschwerdeführerin vertieft zu ihren Asylgründen angehört. Dabei brachte sie im Wesentlichen vor, ihre wäh-D-5411/2019 Seite 3 rend der Erstbefragung angegebene Identität sei falsch, ihre wahre Identi- tät sei jene, die sie anlässlich des der Vorinstanz zur Verfügung stehenden Visumsantrags angegeben habe. Sie habe ihr ganzes Leben mit ihren El- tern, D._______ und E._______ zusammengelebt, wobei sie zur Mutter keine gute Beziehung gehabt habe. Diese habe sie oft beschimpft und ge- schlagen, dies manchmal mit den Händen, manchmal mit dem Besen oder einer Keule. Irgendwann hätten sie und ihre Schwester begonnen anzu- zweifeln, dass diese ihre richtigen Eltern seien. Sie hätten den Verda cht gehegt, der Vater sei in Wahrheit ein Onkel mütterlicherseits und ihre wah- ren Eltern jene, die sie anlässlich der Erstbefragung als solche angegeben habe. Als Grund für ihre Ausreise gab die Beschwerdeführerin primär die Angst vor der Boko Haram an. Aufgrund der Stellung ihres Vaters als (…) hätten sie Angs t vor einer Entführung gehabt. Vor ungefähr drei Jahren seien sie bereits einmal, zusa mmen mit vielen anderen, von Mitgliedern der Boko Haram aus der Schule mitgenommen und während eines Tages festgehalten worden. Damals sei ein Mädchen umgebracht worden. Seit- her habe sie grosse Angst vor weiteren Entführungen. Sie habe deshalb nicht mehr schlafen können und Albträume gehabt. Vor ihrer Ausreise habe sie die Schule (…) besucht. Ausgereist sei sie zusammen mit ihrer Schwes- ter und dem gemeinsamen Vater während der Schulferien. Am 2. Juli 2019 sei sie in die Schweiz eingereist und habe ohne Wissen des Vaters mit ihrer Schwester kurz vor der Rückreise ins Heimatland beschlossen, in der Schweiz zu bleiben. Im Rahmen der Anhörung wurde ihr das rechtliche Gehör zu ihrer Identität gewährt, wobei sie bestätigte, ihre richtige Identität und die familiären An- gaben seien diejenigen, welche auf dem Visumantrag stehen würden. D. Am 16. und am 19. August 2019 gi ngen elektronische Denunziations- schreiben bei der Botschaft ein, in welche n die Beschwerdeführerin und ihre Schwester einer falschen Identität, der Volljährigkeit sowie des Asyl- missbrauchs bezichtigt wurden. Weiter wurde erklärt, zwischen den Mäd- chen und dem angeblichen Vater bestehe keine familiäre Verbindung, die- ser habe seine Position als Beamter und Richter ausgenutzt und falsche Dokumente, inklusive Pässe, für sie fabriziert. Dazu wurde ihr am 26. Au- gust 2019 das rechtliche Gehör gewährt und die Denunz iationsschreiben wurden in anonymisierter Form am 1. Oktober 2019 ihrer Rechtsvertreterin zur Kenntnis gebracht. Am 19. August 2019 ging sodann ein Denunziati- onsschreiben gleichen Absenders bei der Kantonspolizei Bern ein, welches am 20. August 2019 ans SEM weitergeleitet wurde. Diesem ist zusätzlich D-5411/2019 Seite 4 zu entnehmen, die Beschwerdeführerin und ihre Schwester hätten sich mit Hilfe ihres Onkels, welcher in der Schweiz lebe, beim Asylzentrum gemel- det, wobei dieser die Daumen der Mädchen mit einem Bügeleisen ver- brannt habe, um die Fingerabdrücke unkenntlich zu machen. E. Am 3. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführerin die angefochtene Ver- fügung im Entwurf zur Stellungnahme ausgehändigt, wozu sie – handelnd durch ihre Rechtsvertretung – am Folgetag Stellung nahm. F. Mit Verfügung vom 7. Oktober 2019 – gleichentags eröffnet – wies die Vo- rinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und stellte fest, dass sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Gleichzeitig wurde die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie deren Vollzug angeordnet. G. Die Beschwerdeführerin focht mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 16. Oktober 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur Neu- beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er- suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Ver- zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 17. Oktober 2019 in elektronis cher Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]). I. Die Instruktionsrichterin bestätigte den Eingang der Beschwerde am 25. Oktober 2019. J. Am 4. Dezember 2019 sowie am 14. Januar, am 28. April, am 12. Mai und am 26. August 2020 übermittelte das SEM dem Bundesverwaltungsgericht verschiedene Emails , die betreffend die Beschwerdeführerin und ihre Schwester bei der Botschaft eingegangen sind. K. Mit Verfügung vom 17. April 2020 bewilligte das Departement des Innern D-5411/2019 Seite 5 des Kantons (…) die Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer Schwes- ter als Pflegekinder bei einer Pflegemutter. L. Mit Entscheid vom 10. Juni 2020 wurde für die Beschwerdeführerin eine Beistandschaft nach Art. 306 Abs. 2 ZGB errichtet und der Mandatsperson die Aufgabe übertragen, sie an Stelle der abwesenden Eltern in sämtlichen Belangen der elterlichen Sorge zu vertreten. Als Mandatsperson wurde F._______, (…), eingesetzt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Das Urteil in vorliegender Sache ergeht zeitgleich und mit demselben Spruchgremium wie dasjenig e der Schwester (Urteil D -5414/ 2019). Die Verfahren wurden koordiniert behandelt. D-5411/2019 Seite 6 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde a uf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Eingangs ist festzuhalten, dass vorliegend ein Altersgutachten die Min- derjährigkeit der Beschwerdeführerin bestätigt und dies von der Vorinstanz anerkannt wurde. Sie ist somit bis zu ihrer Volljährig keit als Minderjährige zu behandeln. 4.2 Die Vorinstanz geht aufgrund der Visumsunterlagen davon aus, dass die Beschwerdeführerin am (…) geboren wurde. Damit war sie zum Zeit- punkt der Asylgesuchstellung (…) Jahre alt und ist heute (…)-jährig. 5. 5.1 Vorab ist daran zu erinnern, dass das SEM in Verfahren von minder- jährigen Asylsuchenden an gewisse Anforderungen gebunden ist. 5.2 So muss es sich, sollten Zweifel an der Minderjährigkeit bestehen, dazu vor der Anhörung zu den Asylgründen äussern. Dabei kann es sich auf vor- gelegte authentische Ausweispapiere, auf die Schilderungen anlässlich der Anhörung sowie auf eine allfällige Altersabklärung stützen. Die Beweislast trägt grundsätzlich die asylsuchende Person (vgl. Urteil des Bundesverwal- tungsgerichts E-1928/2014 vom 24. Juli 2014, E. 2.2.1; EMARK 2004/30 E. 5 und 6; siehe auch Art. 17 Abs. 3bis AsylG). 5.3 Wird von der Minderjährigkeit ausgegangen und handelt es sich um eine unbegleitete minderjährige Person, muss das SEM geeignete Mass- nahmen ergreifen, um den Schutz derer Rechte zu gewährleisten (vgl. a.a.O. E-1928/2014 E. 2.2.2; EMARK 1999 Nr. 2 E. 5 und 1998 Nr. 13 E. 4bb). Das SEM ist verpflichtet, die zuständigen kantonalen Behörden über die Minderjährigkeit des Antragstellers zu informieren, damit diese die ent- sprechenden vormundschaftlichen Massnahmen ergreifen und eine Ver- trauensperson bestellen können, insbesondere, wenn entscheidende Ver- fahrensschritte, wie beispielsweise eine Anhörung zu den Asylgründen, ge- plant sind (vgl. Art. 17 Abs. 3 AsylG und Art. 7 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]; siehe auch Art. 64 Abs. 4 AIG). D-5411/2019 Seite 7 Im vorliegenden Fall wurden diese gesetzlichen Anforderungen durch die Vorinstanz erfüllt. Nachdem das in Auftrag gegebene Altersgutachten die Minderjährigkeit der Beschwerdeführerin bestätigt hatte, wurde diese im Verfahren als solche behandelt und die entsprechenden Schritte wurden unternommen. 5.4 Schliesslich erfordert der Status des unbegleiteten Minderjährigen im Lichte des in Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, SR 0.107) verankerten Grundsatzes des Kindeswohls, dass die Asylbehörde den Vollzug der Weg- weisung von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig macht (vgl. Art. 69 Abs. 4 AIG sowie EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2). Da dieser Punkt im vorliegenden Fall strittig ist, wird er im Folgenden detailliert zu behandeln sein (vgl. nachfolgend E. 11.5). 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, di e einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Die Vorinstanz führte im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin habe aufgrund der unterschiedlichen Angaben zu ihrer Identität sowie zu ihrem familiären Umfeld die Identifizierung erschwert und somit ihre Mitwir- kungspflicht im Asylverfahren verletzt. Das SEM stütze sich bei der Fest- stellung ihrer Identität auf die Dokumente, welche mit dem Visumsantrag eingereicht wurden. Da ein Visum ausgestellt worden sei, müsse von deren D-5411/2019 Seite 8 Echtheit ausgegangen werden. Zudem habe die Beschwerdeführerin diese Identität zuletzt selber angegeben und nicht bestritten. Zum Vorbringen, die Beschwerdeführerin fürchte sich vor der Boko Haram, führte die Vorinstanz an, dass keine Hinweise auf eine gezielte Verfolgung ihrer Person vorlie- gen würden. Ferner ha be die Beschwerdefü hrerin angegeben, Kamerun zwecks Ferien verlassen zu haben, womit das drei Jahre zurückliegende Ereignis nicht ausschlaggebend für ihre Ausreise gewesen sei. Diesem Vorbringen fehle es somit an der asylrelevanten Gezieltheit und Kausalität. Auch das Vorbringen, sie sei von ihrer Mutter geschlagen worden, vermöge keine Asylrelevanz zu entfalten, zumal es sich dabei um familiäre Probleme handle, denen kein asylrelevantes Motiv zu Grunde liege. Sodann komme auch dem Vorbringen, sie fürchte s ich aufgrund der Tätigkeit ihres Vaters als Staatsanwalt vor einer Entführung, keine Asylrelevanz zu. Es würden nämlich keinerlei konkrete Indizien vorliegen, die ihre Furcht als realistisch und nachvollziehbar erscheinen liessen. Eine Verfolgung aus diese m Grund sei als unwahrscheinlich anzusehen. 7.2 In ihrer Beschwerde rügte die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe ihre Identität ungenügend abgeklärt. Das SEM sei von der nunmehr fest- gestellten Identität der Beschwerdeführerin nicht überzeugt und habe di e Dokumente, anhand derer das Visum ausgestellt worden sei, früher im Ver- fahren als klare Fälschungen betitelt. Dennoch stütze sie sich nun auf diese Identität ab. Die drei eingegangenen Denunziationsschreiben würden keine sachdienlichen Angaben enthalten, weshalb auf die darin enthalte- nen Angaben hinsichtlich ihrer Identität und ihres Alters nicht abgestützt werden dürfe, zumal ihre Minderjährigkeit festgestellt worden sei. Sodann falle beispielsweise auf, dass der Denunziant zwar behaupte, die Be- schwerdeführerin habe eine andere Identität, diese aber nicht angeben könne beziehungsweise Namen und Alter nur ungenau angeben und über Familienverbindungen keine Angaben machen könne. Zutreffend sei, dass sie bezüglich ihrer Identität nicht konsistente Angaben gemacht habe. An- lässlich der EB UMA sowie des rechtlichen Gehörs habe sie auf alle Anwe- senden blockiert und ängstlich gewirkt. Es sei klar erkennbar gewesen, dass sie unter Druck stehe und von verschiedenen Seiten beeinflusst werde. Im Verfahren mit unbegleiteten Minderjährigen sei es von grösster Bedeutung, detaillierte Informationen zur Person, Identität und zur familiä- ren Betreuung beziehungsweise zu den Personen oder Einrichtungen, un- ter deren Obhut und Verantwortung die unbegleitete minderjährige Person gestanden habe, ehe sie ihr Land verlassen habe, einzuholen. Das Asyl- gesuch, aber insbesondere auch die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög- lichkeit eines Wegweisungsvollzugs seien von Amtes wegen zu prüfen. Die D-5411/2019 Seite 9 Vorinstanz habe bei unbegleiteten Minderjährig en eine erhöhte Untersu- chungspflicht und könne nicht den gleichen Massstab ansetzen, wie bei einer erwachsenen Person. Vorliegend habe die Vorinstanz keinerlei wei- tere Nachforschungen vor Ort angeordnet, um die Identität der Beschwer- deführerin zu klären. 7.3 Den bis anhin insgesamt acht bei der Vorinstanz eingegangenen – von zwei verschiedenen Absendern geschickten – Denunziationsschreiben kann zusammenfassend im Wesentlichen folgendes entnommen werden: Der auf dem Visumsantrag angegebene Vater sei nicht der V ater der Be- schwerdeführerin, diese sei nicht minderjährig, sondern 18 Jahre alt, ihr wahrer Name laute C._______. Sie habe sich vor ihrer Anmeldung im Asyl- zentrum während 10 Tagen (vgl. Mail vom 16. August 2019) beziehungs- weise eines Monats (vgl. Mail vom 19. August 2019) bei einem Onkel auf- gehalten, welcher sie nicht nur ins Zentrum gebracht, sondern sich davor die Mühe gemacht habe, ihre Daumen mit einem Bügeleisen zu verbren- nen, um einen Fingerabdruckvergleich zu verunmöglichen. Später wurde darüber informiert, die Mädchen seien angewiesen worden, mit Suizid zu drohen, falls man sie nach Hause schicke. Diese seien nie Opfer von Ver- folgung gewesen, die vom angeblichen Vater zugestellten Bilder würden nicht sie zeigen, sie seien nie im Norden Kameruns gewesen. Sie würden geltend machen, dass ihnen Genitalverstümmelung drohe, was nicht wahr sei, diese Praxis habe im Westen Kameruns nie existiert. Beim angebli- chen Vater handle es sich um den Onkel mütterlicherseits. Die Beschwer- deführerin und ihre Schwester hätten in Douala studiert, die Geburtsurkun- den seien gefälscht, die Schwester der Beschwerdeführerin sei im Jahr 1998 geboren, die Beschwerdeführerin sei 18 Jahre alt. Sie hätten vor, ihre ganze Familie nachzuziehen. Sie würden das Geld, das sie in der Schweiz erhielten, ihren Eltern schicken und hätten vor, den jeweiligen Bruder der anderen zu heiraten, sobald sie Papiere erhielten. 8. Das SEM führte in seiner Verfügung aus, die Vorbringen der Beschwerde- führerin seien nicht asylrelevant. Den entsprechenden E rwägungen kann sich das Gericht vollumfänglich anschliessen. Zur Vermeidung von Wieder- holungen kann auf diese verwiesen werden. Insbesondere ist festzuhalten, dass sich der Beschreibung der geltend gemachten Entführung durch die Boko Haram keine Hinweise auf eine gezielte Verfolgung der Beschwerde- führerin entnehmen lassen. Ausserdem liegt dieser Vorfall bereits drei Jahre zurück und sie gab selber an, keine persönlichen Probleme mit der Boko Haram gehabt, sondern Kamerun zwecks Ferien verlassen zu haben. D-5411/2019 Seite 10 Beim Vorbringen, sie sei ihr ganzes Leben von ihrer Mutter geschlagen und beschimpft worden, handelt es sich sodann um ein familiäres Problem, dem kein asylrelevantes Motiv zugrunde liegt. Auch aus dem Vorbringen, ihr Vater sei Staatsanwalt und sie fürchte s ich davor, von Personen, die dieser ins Gefängnis gesteckt habe, entführt oder umgebracht zu werden, kann keine asylrelevante Verfolgung abgeleitet werden. Den Aussagen der Beschwerdeführerin sind keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass sie eine asylrelevante Verfolgung erlebt oder zu befürchten hätte. So hat sie ausgesagt, ausser dem Fragen nach ihrem Namen sei nichts weiter vorge- fallen. Es ist nicht von einer Intensität der erlittenen Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen. Somit liegt keine Vorv erfolgung vor. Auch sind weder den Akten noc h den Aussagen der Beschwerdefü hrerin Anhalts- punkte zu entnehmen, die darauf hinweisen würden, dass sie im Heimat- staat ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt gewe- sen ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen mit gewisser Wahr- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ausgesetzt zu werden. Dabei ist erneut darauf hinzuweisen, dass sie selber geltend gemacht hat, in die Schweiz gereist zu sein um hier Ferien zu machen. In der Beschwerde fin- den sich sodann keine weiteren Ausführungen diesbezüglich. In Würdi- gung der gesamten Aktenlage kommt das Bundesverwaltungsgericht zu- sammenfassend zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen konnte. Das SEM hat ihr Asylgesuch dem- zufolge zu Recht abgelehnt. 9. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Auf- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 Abs. 1 AsylG, Art. 32 AsylV 1). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach d en gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard D-5411/2019 Seite 11 wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10. 10.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ern iedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder un- menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be handlung unterworfen werden. 10.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulementverbots nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihren Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Des Weite ren ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechts- situation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Ferner vermag die Beschwerde- führerin auch aus der KRK nichts ab zuleiten, was gegen die Zulässigkeit ihres Wegweisungsvollzugs sprechen würde. Nach dem Gesagten ist der D-5411/2019 Seite 12 Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völker- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 11. 11.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Verzicht auf den Wegweisungsvollzug erfolgt im Anwendungsbereich von Art. 83 Abs. 4 AIG – im Unterschied zum Un- zulässigkeitstatbestand von Art. 83 Abs. 3 AIG – nicht wegen völkerrechtli- cher Verpflichtungen, sondern aus humanitären Gründen. Eine konkrete Gefährdung kann sich für eine ausländische Person somit nicht nur als Folge exzessiver Gewalt ergeben, sondern etwa auch deshalb, weil ihr auf- grund einer desolaten humanitären Lage im Heimat - oder Herkunftsstaat die materiellen Lebensgrundlagen entzogen sind (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.9.1). Eine solche Situation liegt insbesondere vor, wenn die ausländische Person bei einer Rückkehr „wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würde, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar dem Tod aus geliefert wäre“ (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1; 2009/52 E.10.1; 2009/51 E.5.5; 2009/28 E. 9.3.1). Der Hinweis auf eine medizinische Notlage in Art. 83 Abs. 4 AIG verdeutlicht, dass eine konkrete Gefährdung nicht zwingend in der allge- meinen Situation im Heimat - oder Herkunftsstaat begründet sein muss. Eine ausländische Person kann auch aus individuellen Gründen wirtschaft- licher, sozialer oder gesundheitlicher Natur konkret gefährdet sein (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3; BVGE 2014/26 E.7.5). Die Beantwortung der Frage, ob die Ausländerin oder der Ausländer im Falle des Vollzugs der Weg- oder Ausweisung im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet wäre, erfor- dert eine Prognose, welche vor dem länderspezifischen Hintergrund im Rahmen einer Einzelfallbeurteilung unter Berücksichtigung der Verhält- nisse vor Ort und der individuellen Lebensumstände der betroffenen Per- son vorzunehmen ist (vgl. BVGE 2014/26 E.7.7.4). 11.2 In Kamerun besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohen- den Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführerin bei D-5411/2019 Seite 13 einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre, besteht nicht. 11.3 Die Vorinstanz hielt bezüglich Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs fest, es seien keine individuellen Gründe ersichtlich, welche gegen diese sprechen würden. Hinsichtlich des Kindeswohls sei festzuhalten, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin auf ein weiterhin bestehendes emotionales wie auch wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Fa- milie in der Heimat schliessen liessen. Eine Rückkehr in eine gewohnte Umgebung und bekannte Strukturen sowie eine Wiedervereinigung mit der Familie sei zu be fürworten. Betreffend die geltend gemachten familiären Probleme sei festzuhalten, dass ihr Vater sie bis anhin unterstützt habe und davon auszugehen sei, dass er auch in Zukunft für ihr Wohlbefinden auf- kommen könne. Dies insbesondere, zumal sie mit dem Vater auch seit ih- rem Aufenthalt in der Schweiz noch in Kontakt stehe. Weiter sei es dem Vater auch in Zukunft möglich, sie wie bis anhin finanziell zu unterstützen. 11.4 Die Beschwerdeführerin macht betreffend die individuelle Zumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs eine unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts durch das SEM geltend. Es sei zwar zu- treffend, dass sie bezüglich ihrer Identität im Verlauf des Verfahrens nicht konsistente Angaben gemacht habe. Aber die Vorinstanz habe bei unbe- gleiteten Minderjährigen eine erhöhte Untersuchungspflicht. Sie könne nicht den gleichen Massstab ansetzen wie bei einer erwachsenen Person. Vorliegend habe das SEM zwar die Identität der Beschwerdeführerin fest- gestellt, sei von dieser jedoch offensichtlich nicht überzeugt. In Verfahren von unbegleiteten Minderjährigen sei es aber von grösster Bedeutung, de- taillierte Informationen zur Person, deren Identität und zu den familiären Verhältnissen einzuholen. In casu seien keinerlei weitere Nachforschungen vor Ort angeordnet worden. Die Vorinstanz gebe die Verantwortung voll- umfänglich an die Minderjährige ab und mache implizit eine Verletzung der Mitwirkungspflicht geltend, obwohl offensicht lich sei, dass die Beschwer- deführerin bezüglich Fragen zu ihrer Identität blockiert und von aussen be- einflusst sei. Die Identität und die Familienverhältnisse der Beschwerde- führerin seien nicht geklärt, weshalb bezüglich die Zumutbarkeit einer Weg- weisung nicht darauf abgestellt werden könne, dass D._______ der Vater der Beschwerdeführerin sei. 11.5 11.5.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht D-5411/2019 Seite 14 bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten- widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechts- wesentlichen Sachumstände berück sichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/ BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun- des, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 11.5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die zuständige Behörde den Sachver- halt von Amtes wegen fest. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundes- verwaltungsgerichts verpflichten Art. 3 und 22 KRK die asylrechtlichen Be- hörden, das Kindeswohl im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung als gewich- tigen Aspekt zu berücksichtigen. Das SEM ist bezüglich unbegleiteter min- derjähriger Asylsuchender verpflichtet abzuklären, ob Minderjährige zu ih- ren Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt werden können und ob diese in der Lage sind, ihre Bedürfnisse abzudecken. Können die An- gehörigen nicht ausfindig gemacht werden oder ergibt sich, dass die Rück- kehr zu diesen dem Kindeswohl nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob das Kind in der Heimat allenfalls in einer geeigneten Anstalt oder bei einer Drittperson untergebracht werden kann. Diesbezüglich sind konkrete Ab- klärungen vorzunehmen; blosse allgemeine Feststellungen, im Heimat- o- der Herkunftsland würden Eltern oder andere Angehörige leben bezie- hungsweise es gebe in dem betreffenden Land entsprechende Einrichtun- gen, genügen nicht (vgl. EMARK 1997 Nr. 23 E. 5 , 1998 Nr. 13 E. 5e/bb sowie 2006 Nr. 24 E. 6.2.4). Auch gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG hat die Vorinstanz vor der Ausschaffung einer unbegleiteten minderjährigen Person sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung übergeben werden kann, welche den Schutz des Kindes gewährleistet. Diese Norm übernimmt, mit einigen redaktionellen Änderungen, den Art. 10 Abs. 2 der Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mit gliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungsrichtlinie; siehe auch Notenaustausch vom 30. Januar 2009 [SR 0.362.380.042]). Demnach ist die Anwendung der unter EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e/bb, 1999 Nr. 2 E. 6b-6d sowie 2006 Nr. 24 E. 6.2.4 publizierten Rechtsprechung, gemäss welcher der Vollzug von Wegweisungen minderjähriger Asylsuchenden voraussetzt, dass bei der Abklärung des Sachverhalts klargestellt worden ist, inwiefern die minderjährige Person D-5411/2019 Seite 15 nach ihrer Rückkehr unter die Obhut eines Familienmitgliedes oder einer besonderen Institution genommen werden kann, nach wie vor gerechtfertigt. Dabei reicht die Feststellung, im Herkunftsland würden geeignete Einrichtungen existieren, nicht aus. Diese konkreten Abklärungen inklusive der allfälligen Übernahmezusicherungen einer geeigneten Institution sind vor Erlass einer wegweisenden Verfügung des SEM vorzunehmen respektive einzuholen, damit sie einer gerichtlichen Überprüfung offenstehen (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3 ). In diesem Sinne entschied jüngst auch der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) indem er im Zusammenhang mit der Auslegung der Bestimmungen der Rückführungsrichtlinie feststellte, dass der betreffende Mitgliedstaat vor Erlass einer Rück kehrentscheidung gegenüber einer unbegleiteten minderjährigen Person eine umfassende und eingehende Beurteilung der Situation derjenigen vornehmen und dabei das Wohl des Kindes gebührend berücksichtigen müsse. In diesem Rahmen müsse sich der Mitgliedstaat vergewissern, dass für Minderjährige eine geeignete Aufnahmemöglichkeit im Rückkehrstaat zur Verfügung stehe (vgl. Urteil des EuGH C-441/19 vom 14. Januar 2021, Rn 60). Das SEM ist jedoch nur in dem Ausmass zur Untersuchung des Sachver- haltes verpflichtet, wie man dies vernünftigerweise von ihm erwarten kann. Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflichten einge- schränkt, die das Gesetz vorsieht (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 269 f.). Die Mitwirkungspflicht von Gesuchstellenden betrifft ins- besondere Tatsachen, die deren persönliche Situation betreffen und die die Gesuchstellenden besser kennen als die Behörden oder die von diesen ohne die Mitwirkung jener gar nicht oder nic ht mit vernünftigem Aufwand erhoben werden können (vgl. BGE 128 II 139 E. 2b, BGE 130 II 449 E. 6.1; PIERRE MOOR/ETIENNE POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl., Bern 2011, S. 294 f., ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.122). Art. 13 VwVG verpflichtet die Parteien, an der Feststellung des Sachver- haltes in Verfahren mitzuwirken, die sie durch ihr Begehren eingeleitet ha- ben. Art. 8 AsylG konkretisiert diese Mitwirkungspflicht für das Asylverfah- ren. Insbesondere verpflichtet Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG Asylsuchende dazu, ihre Identität offenzulegen. Die Identität einer Person ist eine Tatsa- che, die von den Behörden ohne die Mitwirkung der Gesuchstellenden gar nicht oder nicht mit v ernünftigem Aufwand festgestellt werden kann. Die Mitwirkungspflicht trifft grundsätzlich auch unbegleitete minderjährige Asyl- suchende, soweit diese dazu aufgrund ihres Alters, ihrer Reife und ihrer D-5411/2019 Seite 16 Ausbildung in der Lage sind. In der Beurteilung von Verletzungen der Mit- wirkungspflicht sind die Umstände des Einzelfalles zu beachten (vgl. EMARK 1999 Nr. 2 E. 6d). Die Verpflichtung, sicherzustellen, dass unbegleitete minderjährige Asylsu- chende nach ihrer Rückkehr unter die Obhut ihrer Eltern, anderer Famili- enmitglieder oder einer geeigneten Institution gestellt werden können, re- sultiert aus der KRK. Damit vom Vorliegen einer Betreuung ausgegangen werden kann, muss die Vorinstanz sich auf festgestellte Tatsachen stützen, welche aus den Akten ersichtlich sind, andernfalls müssen geeignete Ab- klärungen getroffen werden (vgl. insbesondere EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2; ausserdem Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E -1279/2014 vom 7. September 2015 E. 5.1.6; E -4895/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 6.3; D-990/2014 vom 27. März 2014 S. 3; D-5414/2010 vom 9. Januar 2013 S. 8). Bei diesen Abklärungen handelt es sich um notwendige Informationen zur Beurteilung der Zumutb arkeit des Wegweisungsvollzuges. Die Abklä- rungspflicht des SEM wird einzig durch die Minderjährigkeit der betreffen- den Person begründet. Steht diese fest, kann auch eine Ver letzung der Mitwirkungspflicht das SEM grundsätzlich nicht von der Verpflichtung ent- binden abzuklären, ob die unbegleitete minderjährige Person bei einer Rückkehr eine geeignete Unterkunft erhält – sei dies bei Familienangehö- rigen oder, wenn diesbezüglich keine Informationen vorliegen oder dies nicht möglich ist, in einer geeigneten Institution. Nur in Ausnahmefällen, in welchen das Ausmass der Mitwirkungspflichtsverl etzung eine Abklärung durch die Vorinstanz vollkommen verunmöglicht , da dieser jegliche An- haltspunkte fehlen, kann diese Abklärungspflicht erlöschen. Dies wäre bei- spielsweise der Fall, wenn sich die Person in Bezug auf ihre Nationalität und Herkunft so widerspricht, dass weder Abklärungen betreffend die fami- liäre Situation möglich sind noch eine geeignete Institution gesucht werden kann. Die Pflicht der Vorinstanz, den Sachverhalt von Amtes wegen fest- zustellen, ist begründet mit der Minderjährigkeit und dem damit einherge- henden Anspruch auf Schutz durch den Staat, welcher sich aus der KRK, aus der Rückführungsrichtlinie (vgl. Art. 5 Bst. a und Art. 10 derselben) und nicht zuletzt auch aus der Bundesverfassung ergibt (vgl. Art. 11 BV). Dabei ist zu präzisieren, dass aus diesen Bestimmungen, die zum Teil eher pro- grammatischer Natur sind, zwar eine Pflicht der Abklärung von Amtes we- gen, aber regelmässig kein unmittelbarer Anspruch auf Feststellung der Unzumutbarkeit beziehungsweise Erteilung einer ausländerrechtlichen Be- willigung abgeleitet werden kann. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht wird regelmässig – nach erfolgten Abklärungen – bei der Beurteilung der Zumutbarkeit zum Tragen kommen. D-5411/2019 Seite 17 11.5.3 Bei der Beschwerdeführerin wurde ein Altersgutachten erstellt und die Vorinstanz ging aufgrund der Ergebnisse desselben von ihrer Minder- jährigkeit aus (vgl. oben E. 4). 11.5.4 Die Beschwerdeführerin machte im Laufe des Verfahrens unter- schiedliche Angaben zu ihrer Identität indem sie anlässlich der Erstbefra- gung angab, sie heisse B._______ und sei am (…) geboren, später bei der Anhörung jedoch eingestand, ihr Name und ihr Geburtsdatum würden mit den Angaben des Visumantrags übereinstimmen und A._______, geboren am (…), lauten. Für beide Identitäten reichte sie Geburtsurkunden ein. Da- mit steht fest, dass sie – zumindest vorübergehend – über ihre Identität täuschen wollte und eine Verletzung der Mitwirkungspflicht vorliegt. Aller- dings lässt sich den Ausführungen der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung entnehmen, dass sie sich ihres richtigen Namens und ihrer wah- ren Herkunft unsicher sei. Mit der einen Identität sei sie aufgewachsen, sie denke aber, die andere entspreche der Realität, wobei sie neben den Ge- burtsurkunden keine weiteren Dokumente einreichte, welche ih re Aussa- gen unterstützen würden oder aus denen sich Schlüsse ziehen liessen über ihre wahre Identität. Den bei der Botschaft eingegangenen Denunzi- ationsschreiben lässt sich sodann noch eine dritte Identität entnehmen, zu welcher sich die Beschwerdeführerin nicht geäussert hat. In Bezug auf die Denunziationsschreiben ist allerdings an dieser Stelle festzuhalten, dass darin lediglich unbelegte Behauptungen getätigt werden. Diese fallen zu- dem teilweise widersprüchlich aus (so wird einmal geschrieben, zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem angeblichen Vater bestehe keine fami- liäre Verbindung, während an einer anderen Stelle behauptet wird, der an- gebliche Vater sei ein Onkel mütterlicherseits – was wiederum mit den An- gaben der Beschwerdeführerin übereinstimmen würde). Ausserdem ent- halten die Schreiben auch zahlreiche offensichtlich unzutreffende Anga- ben, wie beispielsweise, diese hätte ihre Fingerabdrücke unkenntlich ge- macht (es findet sich nichts in den Akten, was diesen Vorwurf stützen würde), sie würde mit Suizid drohen und eine Furcht vor Genitalverstüm- melung geltend machen. Auch ist die Rede von vom Vater einge reichten Fotografien, wobei sich den Akten keine Hinweise entnehmen lassen, wo- nach irgendetwas in dieser Art eingereicht worden wäre. Nachdem die Al- tersabklärung zudem ergab, dass die Beschwerdeführerin minderjährig ist, kann die angebliche (dritte) Identi tät schliesslich nicht zutreffen. Den ein- gereichten Denunziationsschreiben kommt somit keinerlei Beweiswert zu und die darin gemachten Aussagen können nicht gegen die Beschwerde- führerin verwendet werden . Demgegenüber ist den Ausführungen in der D-5411/2019 Seite 18 Beschwerde zuzustimmen, dass Anhaltspunkte dafür bestehen, die Be- schwerdeführerin könnte unter Druck stehen und von jemandem beein- flusst werden. Tatsächlich wirkt sie teilweise blockiert, beispielsweise als sie anlässlich der Anhörung weint, jegliche Aussagen dazu, wodurch dies ausgelöst wurde, jedoch verweigert (vgl. vorinstanzliche Akten act. 1047467-22/19 F68ff.). Somit ist einerseits der Vorinstanz zuzustimmen, dass die Beschwerdefüh- rerin durch ihr Verhalten die Feststellung ihrer Identität erschwert hat. An- dererseits ist aber festzuhalten, dass das SEM von einer Identität ausgeht, zu welcher sich die Beschwerdeführerin bekennt. Das SEM hat die Zumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs denn auch in Bezug auf diese festge- stellte Identität geprüft und kam dabei zum Schluss, der Vollzug sei zumut- bar. Die Vorinstanz beziehungsweise die Botschaft verfügen zudem über Identität und Kontaktangaben beider Eltern. 11.5.5 Vorliegend hat das SEM keinerlei Bemühungen unternommen, um abzuklären, ob die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr eine geeignete Unterkunft erhält . Obschon die Vorinstanz aufgrund der Denunziations- schreiben mit der Botschaft in Kontakt stand, wurde diese zu keinem Zeit- punkt um Hilfe bei den Abklärungen ersucht. Indessen wird aber der Weg- weisungsvollzug in Bezug auf die festgestellte Identität der Beschwerde- führerin konkret geprüft und festgehalten, der Vater habe sie bis anhin un- terstützt und es könne davon ausgegangen werden, dass er dies auch in Zukunft tun werde. Es sei davon auszugehen, dass sie insgesamt über ein gutes familiäres und tragfähiges Beziehungsnetz in ihrem Heimatstaat ver- füge. Ihre Familie lebe in einem Haus, die Eltern seien arbeitstätig. Somit seien ihr Lebensunterhalt und ihre Wohnsituation als gesichert zu betrach- ten, wobei die Reintegration in ihr gewohntes Umfeld dem Kindeswohl ent- spreche. Auf die Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung betreffend die Gründe, weshalb sie ihre Heimat verlassen habe, sie habe nicht mehr bei seiner (des Vaters) Frau wohnen wollen, weil diese sie schlecht behandle (vgl. act. 1047467-22/19 F111f.), wurde nicht weiter ein- gegangen. Auch finden sich weder Aussagen dazu, weshalb der Vater die Beschwerdeführerin und ihre Schwester alleine in der Schweiz zurückge- lassen hat, noch wird darauf eingegangen, dass mehrere an die Botschaft gerichteten Denunziationsschreiben allem Anschein nach von der Mutter stammen. Auch auf die Tatsache, dass gemäss eines in den Akten liegen- den Schreibens des Kamerunischen Aussendepartements an die Schwei- zer Botschaft (vgl. act. 1047467-23/9 S. 9) ein Verfahren gegen den Vater der Beschwerdeführerin laufe, ging die Vorinstanz mit keinem Wort ein. D-5411/2019 Seite 19 Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin zu keiner Zeit gefragt, ob sie denke, die Eltern würden sie wieder aufnehmen. Lediglich die Schwester äusserte sich anlässlich des Ausreisegesprächs vom 10. Oktober 2019 hierzu indem sie sagte, sie wisse es nicht. Damit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz ihre in Verfahren von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchen- den geltenden – oben dargelegten (E. 11.5.2) – Verpflichtungen bezüglich konkreter Abklärungen betreffend Unterbringung der Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nicht erfüllt hat. Solche wären nach dem Gesagten ohne Weiteres und ohne unverhältnismässigen Aufwand möglich gewesen und wurden durch das Verhalten der Beschwerdeführerin weder massge- blich erschwert geschweige denn verunmöglicht. Das SEM ist somit seinen Verpflichtungen aus Art. 12 VwVG sowie aus Art. 3 und Art. 22 KRK nicht nachgekommen. 11.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass das SEM seinen sich aus der durch die Rechtsprechung betreffend den Wegweisungsvollzug von unbegleiteten Minderjährigen entwickelten Verpflichtungen nicht nachge- kommen und den Anforderungen zur umfassenden Würdigung sämtlicher für das Kindeswohl relevanter Kriterien mithin nicht gerecht geworden ist . Es hat nicht geklärt, in wessen Obhut die Beschwerdeführerin beim ange- ordneten Wegweisungsvollzug in Kamerun übergeben werden und wie diese Empfangnahme im Heimatland konkret vonstattengehen soll. Somit ist es zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich zu prüfen, ob der Wegwei- sungsvollzug der Beschwerdeführerin nach Kamerun zumutbar ist. Im vor- liegenden Verfahren sind weitere Abklärungen, insbesondere eine Bot- schaftsabklärung, notwendig. Es liegt eine unvollständige Abklärung des Sachverhaltes durch das SEM vor. 12. 12.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge- stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh- ren ist ( PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar Ver- waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst herge stellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 7.1). D-5411/2019 Seite 20 12.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache soweit den Wegweisungsvollzug betreffend an die Vorinstanz zurückzuweisen, zumal – wie bereits erwähnt – die Erstellung des Sachverhalts weiterer Abklärungen bedarf und diese den Rahmen des Beschwerdeverfahrens sprengen würde. Dies rechtfertigt sich umso mehr, als vorliegend aufgrund einer mangelhaften Triage erstin- stanzlich ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt wurde, was offensicht- lich nicht sachgerecht ist. Der Beschwerdeführerin bleibt auf diese Weise zudem der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als im Asylver- fahren das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet (vgl. dazu BVGE 2009/53 E. 7.3, 2008/47 E. 3.3.4, 2008/14 E. 4.1). 12.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend Asyl und Flücht- lingseigenschaft abzuweisen, im Wegweisungsvollzugspunkt aber gutzu- heissen. Die Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung sind aufzuhe- ben und das Verfahren ist diesbezüglich zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung an die Vori nstanz zurückzu- weisen. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin auf- grund ihres teilweisen Obsiegens ein reduzierter Anteil der Kosten aufzu- erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde aber nicht als aus- sichtslos zu bezeichnen war, ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG von der Kostenerhebung abzusehen, zumal aufgrund der Akten und der Min- derjährigkeit der Beschwerdeführerin davon auszugehen ist, dass diese bedürftig ist. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses wird mit vorliegendem Urteil gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) D-5411/2019 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit den Wegweisungsvollzug betreffend, gutge- heissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Dispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 7. Okto- ber 2019 werden aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur vollständige und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverha lts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Aglaja Schinzel Versand: