B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7144/2013 U r t e i l v o m 2 0 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch B._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 25. November 2013 / N (…). E-7144/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a B._______, eine in der Schweiz wohnhafte Schwester de r Beschwer- deführerin, stellte mit undatiertem Schreiben ( Eingang BFM: 8. Februar 2012) beim BFM Anträge auf Asylgewährung und Familiennachzug für die Beschwerdeführerin und ihren Bruder C._______ (N […]), die aus Eritrea via Libyen in den Sudan geflüchtet seien. A.b Mit Schreiben vom 28. März und 22. Juni 2012 orientierte die Rechtsvertreterin das BFM über die Weiterreise der Beschwerdeführe rin nach Ägypten und erklärte, deren Situation in Ägypten sei prekä r. Ihren christlichen Geschwistern drohe der erzwungene Religionswechsel zum Islam oder die Ausweisung nach Israel. Für die Beschwerdeführerin sei die stete Flucht und die Angst vor Übergriffen wegen ihrer gesellscha ftli- chen Stellung unerträglich. A.c Nachdem das BFM am 28. Juni 2012 geantwortet hat, dass d as Ge- such wegen der hohen Geschäftslast noch nicht habe behandelt, doch werde dies so rasch wie möglich der Fall sein, wandte sich die Recht s- vertreterin mit Schreiben vom 14. Januar 2013 ans BFM und erklärte, die Situation ihrer Geschwister habe sich massiv verschlechtert. Die Regi e- rung Ägyptens strebe einen auf den Grundsätzen des Islam aufgebauten Staat an und d ie Zwangsislamisierung nehme zu. Für Christen werde die Zwangsansiedelung in Israel angeboten. A.d Am 17. Januar 2013 teilte das BFM der Rechtsvertreterin mit, von ei- ner mündlichen Befragung ihrer Geschwister werde abgesehen. Es berief sich dabei auf ein in Kopie beigelegtes Schreiben der Botschaft in Ägyp- ten an das BFM vom 31. Mai 2011, worin begründet wird, weshalb die Botschaft zur Durchführung von Befragungen nicht mehr in der Lage sei. Gleichzeitig forderte es die Geschwister unter Hinweis auf die Mitwi r- kungspflicht und unter Mitteilung eines Frag enkatalogs auf, ergänzende Angaben zu ihren Asylbegehren zu machen und im Falle einer Rechtsver- tretung eine Vollmacht einzureichen. Mit Schreiben vom 14. Februar 2013 reichte die Beschwerdeführerin die Antworten unter Beilage von Kopien von Ausweisen nach. Zur Begründung des Gesuchs führte die Beschwerdeführe rin aus, sie sei in D._______ geboren. Sie habe zwölf Jahre lang Schulen besucht und von 2002 bis 2009 gearbeitet. Ihr Bruder sei im Rahmen des Zivildienstes als Polizist eingesetzt worden. Er sei besch uldigt worden, die Flucht von E-7144/2013 Seite 3 zwei Untersuchungshäftlingen unterstützt zu haben. Deshalb habe er Erit- rea am 14. März 2009 via Tesseney verlassen. Die Beschwerdeführerin sei ihm etwas später in den Sudan gefolgt, weil die eritreischen Behörden vermutet hätten, dass sie seinen Aufenthaltsort kenne, und ihr fehlende Kooperation vorgeworfen hätten . Sie seien zusammen nach Libyen we i- tergereist, wo sie von Rebellen ohne einen trifti gen Grund vom 10. Fe b- ruar bis 25. Juni 2011 festgehalten worden seien. Nach ihrer Befreiung durch Gegner von Muammar al-Gaddafi sei ihnen klar gewesen, dass sie sich aus politischen Gründen nicht länger in Libyen aufhalten sollten. Deshalb seien sie in den Sudan zurückgekeh rt, wo sie sich vom 7. Juni bis 12. August 2011 im Flüchtlingsla ger E._______ aufgehalten hätten. Dort hätten sie sich vom Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Ve r- einten Nationen (UNHCR) registrieren las sen. Später hätten sie in F._______ bei Freunden oder Bekannten gelebt, weil es im Lager zu En t- führungen durch fre mde Leute (Reischeida) gekommen sei. Anschlie s- send hätten sie sich zur gemeinsamen Ausreise nach Ägypten entschlo s- sen, weil die Lebenssituation in F._______ schlecht gewesen sei und sie in G._______ Bekannte hätten. Sie würden dort von einem Onkel finan- ziell unterstützt; die Beschwerdeführerin k önne gelegentlich als Hau s- haltshilfe arbeiten. Als Christen drohe ihnen die Zwangskonvertierung zum Islam oder die Ausweisung nach Israel. Es sei für sie in Ägypten unmöglich, ein wirtschaftlich und gesellschaftlich menschenwürdiges Le- ben zu führen. A.e Die Rechtsvertreterin bat das BFM im Juli, August und Oktober 2013 schriftlich um schnelle Behandlung des Gesuchs. B. Mit Verfügung vom 25. November 2013 verweigerte das BFM de r Be- schwerdeführerin die Einreise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. Mit separater Verfügung vom gleichen Tag wurde auch das Gesuch ihres Bruders abgelehnt. C. Die Beschwerdeführerin liess mit Eingabe vom 19. Dezember 2013 B e- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben mit den Anträgen, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und ihr sei die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu gestatten. In pr o- zessualer Hinsicht beantragte sie Gewährung der unentgeltlichen Pr o- zessführung und Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Beschwerde lag eine Kopie der angefochtenen Verfügung bei. E-7144/2013 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwalt ungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ist als Behörde gemäss Art. 33 VGG eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i.S. von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Für Asylgesuche aus dem Ausland, die vor dem 29. September 2012 (I n- krafttreten der Dringlichen Änderungen vom 28. September 2012, mit welchen das Auslandverfahren abgeschafft wurde; AS 2012 5359) gestellt wurden, gilt das Asylgesetz nach der alten Fassung: In diesen Fällen sind dessen Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, Art. 52 und 68 (alt AsylG; Übergang s- bestimmung zur Änderung des AsylG vom 28. September 2012) weiterhin anwendbar. Das Asylgesuch datiert vom Februar 2012. Die Beschwer de ist somit auf der Basis der altrechtlichen Bestimmungen zu beurteilen. 1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem V wVG, soweit das VGG und AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (Art. 105 und 108 Abs. 1 Asyl, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-7144/2013 Seite 5 1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen Asyl, sofern keine Asylausschlussgründe vorliegen. Flüchtlinge i.S. von Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachte i- le gelten namentli ch die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen. Nach Lehre und Rechtsprechung (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.) er- füllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft, wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr g e- zielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zu gefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz e r- warten kann. Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht. Aufgrund der Subsidia- rität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung als Flücht- ling ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann. 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen o der massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Ein Asylgesuch kann gemäss alt Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (alt Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ver-E-7144/2013 Seite 6 fahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1; SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Ist eine solche Anhörung im Ausland nicht möglich, ist die asylsuchende Person gemäss Art. 10 Abs. 2 AsylV 1 auf- zufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten. 3.2 Gemäss alt Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt ei ner asyl- suchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sac h- verhalts, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Auf- enthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Bei di e- sem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreiseb e- willigung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Ausschlaggebend ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Person, mithin die Prüfung der Fr a- gen, ob eine Gefährd ung i.S. von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und, ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsa b- klärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3 ff.). 3.3 Nach alt Art. 52 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland befi n- det, das Asyl verweigert werden, wenn ihr zugemutet werden kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwendung dieser Bestimmung ist gemäss Praxis (vgl. BVGE 2011/10 E.3.3 m.w.H.) in einer Gesamtschau zu prüfen, ob es aufgrund aller Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den erforderlichen Schutz vor Gefährdung gewähren soll. Dazu sind namentlich die Beziehungsn ä- he zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen and e- ren Staat, die Beziehungsnähe zu andere n Staaten, die praktische Mö g- lichkeit und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Diese Voraussetzungen sind restriktiv zu verstehen, und die Behörden verfügen über einen weiten Ermessensspielraum. Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist im Si n- ne einer Vermutung davon auszugehen, sie habe dort bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen und ei n weiterer Verbleib im Drittstaat sei ihr zuzumuten. Diese Vermutung kann sich a l- lenfalls sowohl in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. 4. E-7144/2013 Seite 7 4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das BFM aus, die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts erfordere die Anwesenheit de r Be- schwerdeführerin nicht. Den Akten seien Anhaltspunkte zu entnehmen, die darauf schliessen lassen würden, dass sie in Eritrea ernstzunehmen- de Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden habe. Demzufolge sei zu prüfen, ob einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz der Au s- schlussgrund von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn sie sich in einem and e- ren Staat um Aufnahme bemühen könne. Zu beachten sei, dass Ägypten das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und das Protokoll vom 31. Januar 1967 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1967 (SR 0.142.301) unterzeichnet habe. Gemäss Erkenntnissen des Amtes halte Ägypten sich an die damit verbundenen Pflichten und insbesondere an das Non-Refoulement-Gebot gemäss Art. 33 FK. Zudem bestehe zwischen der ägyptischen Regierung und dem UNHCR ein Memorandum of Understanding von 1954, das die Zuständigkeit des UNHCR für die Durchführung des Verfahrens auf Aner- kennung der Flüchtlingseigenschaft von Drittstaatsangehörigen in diesem Land regle. Personen, die vom UNHCR in Ägypten als Flüchtlinge ane r- kannt worden seien, stünden unter dem Schutz des ägyptischen Staates und hätten Anspruch auf kostenlose medizinische Grundversorgung und Schulbildung sowie Zugang dazu . Es sei daher de r Beschwerdeführerin zuzumuten, beim UNHCR um Schutz nachzusuchen, sollte ihr e Situation tatsächlich kritisch sein. Bezüglich der gesellschaftlichen und wirtschaftli- chen Schwierigkeiten habe sich die Situation seit dem Sturz des Präs i- denten Mohammed Mursi im Somm er 2013 so stabilisiert, dass trotz g e- wisser Spannungen nicht mehr von einer Situation allgemeiner Gewalt gesprochen werden könne. Sicherheitsprobleme würden nur noch spora- disch und örtlich begrenzt auftreten. In Bezug auf die geltend gemachte religiöse Di skriminierung sei festzuhalten, dass die ägyptische Verfa s- sungsdeklaration von März 2011 und die Verfassung vom Dezember 2012 Religionsfreiheit garantierten. Die Ausübung des Glaubens sei für religiöse Minderheiten in der Regel ungestört möglich. Vereinzel t seien jedoch Übergriffe durch die Bevölkerung, meist auf koptische Christen, bekannt. Die Aussage de r Beschwerdeführerin, es drohe ih r als Christin Zwangskonvertierung zum Islam oder eine Ausschaffung nach Israel, gründe auf keinem konkreten Anhaltspunkt. Es handle sich somit um eine pauschale Behauptung, für deren Tatsächlichkeit aus objektiver Sicht nichts spreche. Ausserdem würden die vo n ihr angesprochenen Sicher- heitsprobleme und wirtschaftlichen Schwierigkeiten die gesamte Bevölke- rung Ägyptens betref fen und stünden nicht in Zusammenhang mit ihrer E-7144/2013 Seite 8 persönlichen Situation. Zudem gehe aus den Akten nicht hervor, dass sie innerhalb der letzten zwei Jahre konkrete Probleme mit ägyptischen B e- hörden oder Dritten gehabt habe. Auch wenn ein Leben in G._______ für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach sei, seien doch die Hürden für eine zumutbare Existenz aus objektiver Sicht nicht unüberwindbar. Offen- bar lebe die Beschwerdeführerin mit ihrem Bruder bei Bekannten und könne gelegentlich arbeiten . Auch werde sie und ihr Bruder von einem Onkel unterstützt. Zudem existiere in Ägypten eine grosse eritreische D i- aspora, die in Not geratenen Landsleuten beistehe und Unterstützung biete. Ferner sei die Beziehungsnähe de r Beschwerdeführerin zur Schweiz nicht derart ge wichtig, als dass diese nun den erforderlichen Schutz gewähren müsste. Es sei ihr somit zumutbar, in Ägypt en zu verbleiben. Die Prüfung der Voraussetzungen für einen Familiennachzug in die Schweiz führe zu keinem anderen Ergebnis. Als Erwachsene gehö- re sie nicht zur Kernfamilie ihrer Schwester, der Rechtsvertreterin. Es lä- gen keine besonderen Umstände vor, die für eine enge Beziehung zw i- schen ihr und der Rechtsvertreterin sprächen. Somit seien die Vorausset- zungen gemäss Art. 51 Abs. 2 AsylG nicht erfüllt. 4.2 In der Beschwerdeschrift verwies die Beschwerdeführe rin auf ihre im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Gründe. Einerseits stimme das BFM ihren Ausführungen zu, wonach sie ernstzunehmende Schwierigkei- ten mit den heimatlichen Behörden habe. Mithin gehe das BFM von ihrer Gefährdung i.S. von Art. 3 AsylG aus. Anderseits zeichne das BFM ein falsches Bild der Lage der Flüchtlinge in Ägypten. So herrsche ein hohes Deportationsrisiko. Amnesty international gehe im Bericht vom 17. O kto- ber 2013 davon aus, dass sich Ägypten über das Non -Refoulement- Prinzip hinwegsetze und Flüchtlinge in ihre Heimatländer ausschaffe. Den Berichten des US Department of State und Human Rights Watch des Jahres 2010 sei hierzu zu entnehmen, dass vor dem Jahr 2010 Hunderte, vor allem eritreische Flüchtlinge (und im Jahr 2010 ein vom UNHCR a n- erkannter Flüchtling) in ihre Heimatstaaten zurückgeführt worden seien. Die Lebensbedingungen seien prekär. So seien im Jahr 2010 in Ägypten 500 Migranten inhaftiert worde n. Wer bei seiner illegalen Einreise a n- gehalten werde, werde inhaftiert, komme vor ein Militärgericht und durc h- laufe ein unfaires Verfahren. Er müsse mit einer Gefängnisstrafe von e i- nem Jahr Dauer rechnen, werde dann unter Umständen im Gefängnis mit verurteilten Kriminellen festgehalten und anschliessend des Landes ve r- wiesen. Zudem würden afrikanische Flüchtlinge aus rassistischen Mot i- ven, beispielsweise wegen ihrer Hautfarbe, diskriminiert und geschlagen. Sie seien Willkür und Gewalt ausgesetzt und würden sexuell belästigt. Ihr E-7144/2013 Seite 9 Zugang zu Arbeit, Unterkunft, Bildung und Gesundheitsversorgung sei er- schwert. Die ägyptischen Stellen kooperierten nur mangelhaft mit dem UNHCR und anderen Hilfsorganisationen, die sich für die Flüchtlinge ein- setzten. Diese Umstände seien unzumutbar und mit der Flüchtlingsko n- vention nicht zu vereinbaren. Der Onkel könne d ie Beschwerdeführerin nur vorübergehend finanziell unterstützen. Damit bestehe keine Leben s- perspektive in Ägypten. Hingegen existiere eine Bezie hung zur Recht s- vertreterin in der Schweiz. Daher sei dem Gesuch zu entsprechen. 5. 5.1 Gemäss der Praxis zu alt Art. 20 AsylG und Art. 10 AsylV 1 ist die asylsuchende Person auch in Auslandverfahren in der Regel zu befragen. Davon kann nur abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen unmöglich ist. Kann die Befragung nicht durchgeführt werden, ist die gesuchstellende Person – soweit möglich und notwendig – mittels eines individualisierten und konkretisierten Schreibens aufzufordern, ihre Gründe für das Asylg e- such schriftlich zu nennen. Dabei ist sie auf die allfällige Konsequenz e i- nes negativen Entscheids infolge Verletzung der Mitwirkungspflicht au f- merksam zu machen. Ist der Sachverhalt schon aufgru nd des eingereich- ten Asylgesuchs genügend erstellt, kann sich eine Befragung ebenfalls erübrigen; der asylsuchenden Person ist diesbezüglich das rechtliche Gehör zu gewähren. Das BFM ist gehalten zu begründen, weshalb von einer Befragung abgesehen worden ist (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.8). 5.2 Im vorliegenden Fall wurde aufgrund eines amtsinternen Schreibens der Botschaft vom 31. Mai 2011, das de r Beschwerdeführerin durch die Vorinstanz offengelegt wurde, keine Befragung zu ihrem Asylgesuch durch Angehörige der Sch weizer Botschaft durchgeführt. Das BFM b e- gründete diesen Verzicht in der angefochtenen Verfügung damit, dass e i- ne Anhörung aus Gründen der Infrastruktur und der Kapazität nicht mög- lich sei, da die Schweizer Botschaft aufgrund der stark gestiegenen A n- zahl von Asylgesuchen, des begrenzten Personalbestandes und fehle n- den Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich zur Durchführung von Befragungen nicht in der Lage sei. Das BFM hatte die Beschwerdeführerin m it Schreiben vom 17. Januar 2013 darauf hin- gewiesen, dass auf die Befragung verzichtet werde, und ih r Gelegenheit gegeben, sich zum Asylgesuch nochmals schriftlich zu äussern und ihre Vorbringen entlang einem Fragenkatalog substanziiert zu ergänzen. 6. E-7144/2013 Seite 10 6.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ausgeführt, es sei nachvollziehbar, dass d ie Beschwerdeführerin im Heimatland ernstz u- nehmende Schwierigkeiten haben dürfte, ohne allerdings diese Schwi e- rigkeiten weiter zu konkretisieren oder zu quantifizieren. Weiter hat sie zu Recht festgestellt, dass eine allfällige Gefährdung de r Beschwerdeführe- rin durch eritreische Behörden mit ihrer Ausreise aus Eritrea geendet hat. Diese hält sich seit längerer Zeit mit ihrem erwachsenen Bruder C._______ in Ägypten auf, was vorab zur Frage führt, ob ih r der Verbleib in diesem Drittstaat weiterhin zuzumuten ist (alt Art. 52 Abs. 2AsylG). Dem Gericht erscheint es aufgrund der Vorbringen der Beschwerdeführe- rin ebenfalls als objektiv zumutbar, dass sie den in Ägypten bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch nimmt. Sie ist dort nicht in Gefahr, verfolgt zu werden, noch droht ihr eine Ausschaffung nach Eritrea. Sollte sie sich durch Personen, Behördenvertreter oder durch bestimmte Vorkommnisse bedroht fühlen oder sollte sich in medizinischer Hinsicht ein Notfall erg e- ben, kann sie sich an die örtliche Vertretung des UNHCR wenden. Sie kann sich angesichts der eingereichten Kopien von Ausweisen als eritre i- sche Staatsbürger in und als beim UNHCR registrierten Flüchtling aus- weisen. In Ergänzung der zutreffenden Ausführungen des BFM ist zu vermerken, dass d as Verfassungsreferendum von Mitte Januar 2014 Ägypten eine neue Verfassung gebracht hat, die mehr Rechte für die Bürger beinhaltet und die Menschenrechte stärkt. Allerdings wurde auch die Rolle des Militärs gestärkt. So sieht die neue Verfassung vor, dass der ägyptische Verteidigungsminister aus den Reihen des Militärs ko m- men muss und auch Militärgerichte Zivilisten aburteilen d ürfen. Zudem enthält die Verfassung ein Verbot von Parteien, die auf Religion und Sek- ten basieren. Wie bereits die Vorinstanz kann auch das Gericht keine An- haltspunkte für de r Beschwerdeführerin konkret drohende und relevante Nachteile im Sinne der zu prüfenden Kriterien erkennen. Sie hat solche Nachteile bis anhin bloss behauptet, nicht aber durch konkrete Indizien in Bezug auf ihre Person glaubhaft gemacht. Die offensichtlich arbeitsfähige Beschwerdeführerin, welche sich mit ihrem Bruder zumindest seit März 2012 in Ägypten bei Bekannten aufh ält und von einem Onkel finanziell unterstützt wird, erscheint somit nicht als gefährdet . Aufgrund ihres feh- lenden politischen Profils und ihrer Religionszugehörigkeit wäre ohnehin nicht nachvollziehbar, weshalb die Sicherheitsorgane Ägyptens sie anhal- ten und (nach Eritrea, Israel oder sonst einen Staat) ausschaffen sollten. Die eingereichten Beweismittel rechtfertigen keine andere Einschätzung. E-7144/2013 Seite 11 Die Suche nach einer besseren Lebenssituation und humanitäre Überl e- gungen, so nachvollziehbar sie sind, vermögen die Erteilung einer Einrei- sebewilligung in die Schweiz nicht zu begründen. Die Beschwerdeführerin bedarf mangels Schutzbedürftigkeit und gestützt auf alt Art. 52 Abs. 2 AsylG keiner Schutzgewährung durch die Schweiz. 6.2 Die in der Schweiz ansässige Rechtsvertreterin führte zudem an, dass ihre Schwester, die Beschwerdeführerin , zu ihr und damit zur Schweiz besondere Anknüpfungspunkte habe. Indessen reichen diese Beziehungen unter erwachsenen Geschwistern ohne weitere, besondere Umstände praxisgemäss nicht aus, um eine Beziehungsnähe im Sinne der Rechtsprechung zu begründen. 6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht das Asylgesuch abgelehnt und die Einreise verweigert hat. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist daher a b- zuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich de r Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwa l- tungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge - richt (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend auf die Erhebung von Ver - fahrenskosten zu verzichten. Mithin erweist sich das Gesuch um unen t- geltliche Prozessführung, einschliesslich den Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten, als gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) E-7144/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: