B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1172/2010 U r t e i l v o m 2 5 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiber Jan Feichtinger. Parteien A._______, geboren am (…), und deren Kinder B._______, geboren am (…), und C._______, geboren am (…), Eritrea, beide vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Januar 2010 / N (…). E-1172/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden , eritreische Staatsangehörige (…) Volks- zugehörigkeit mit letztem Wohnsitz in D._______, verliessen ihren Hei- matstaat eigenen Angaben zufolge am 5. Februar 2007 auf dem Landweg in den Sudan und reisten nach einem Aufenthalt von sechs Monaten mit dem Flugzeug über Ägypten nach Frankreich, von wo sie mithilfe eines Schleppers in einem Personenwa gen am 4. August 2007 illegal in die Schweiz gelangten und gleichentags um Asyl nachsuchte n. Am 8. August 2007 wurde die volljährige A._______ (nachfolgend: Beschwer- deführerin) (…) summarisch befragt, und am 26. Mai 2008 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen durch das BFM. Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin dabei geltend, ihr Ehe- mann, mit dem sie seit (…) zusammengelebt habe, sei als Angehöriger der eritreischen Armee in E._______ stationiert gewesen. Nachdem sie seit Ende November respektive Ende Dezember 2006 keine Nachricht von ihm erhalten habe, seien Anfang Januar mehrmals Militärangehörige an ihrer Wohnadresse aufgetaucht und hätten nach seinem Verbleib ge- fragt, die Beschwerdeführerin bedroht un d ihr mit Gefängnis gedroht . Sie wiederum habe jeweils wahrheitsgemäss angegeben, nicht zu wissen, wo sich ihr Partner aufhalte . Mitte Januar habe sie eine Vorladung der Ve r- waltung erhalten. Aus Furcht vor weitergehenden Schikanen und drohe n- den Sanktionen habe sie sich deshalb entschlossen, gemeinsam mit i h- rem Sohn das Land zu verlassen. Zu Ende der Anhörung vom 26. Mai 2008 erklärte die Beschwerdeführ e- rin, in der Schweiz Mitglied einer regimekritischen Bewegung der eritre i- schen Diaspora geworden zu sein. Via Internet sei sie mit anderen Lands- leuten in Kontakt , um sich der eritreischen Regierungsordnung zu wide r- setzen. A.b Mit Schreiben vom 15. Dezember 2009 forderte das BFM die B e- schwerdeführerin auf, ihre exilpolitischen Aktivitäten mit Beweismitteln zu untermauern. A.c Mit Schreiben vom 27. Dezember 2009 führte die Beschwerdeführe- rin ihr politisches Engagement in der Schweiz näher aus und reichte ein an ihren (…) gerichtetes Schreiben der Staatsanwaltschaft von F._______ (Zone G._______) vom (…) 2007 zu den Akten. Diesem zufol- ge seien am früheren Arbeitsplatz der Beschwerdeführerin, der NGO E-1172/2010 Seite 3 H._______, in ihrem Schreibtisch regierungsfeindliche Schriftstücke g e- funden worden. Deshalb werde I._______ aufgefordert, seine (…) herbei- zuschaffen und den Behör den zu übergeben, andernfalls er die Kons e- quenzen alleine zu tragen habe. B. Mit Verfügung vom 25. Januar 2010 stellte das BFM fest, die Beschwer- deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylge- suche vom 4. August 2007 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und schob deren Vollzug infolge Unzulässigkeit zugunsten einer vorläuf i- gen Aufnahme auf. C. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 25. Februar 2010 liessen die Be- schwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erh e- ben und dabei in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege beantragen. In materieller Hinsicht wurde b e- antragt, die Verfügung des BFM vom 25. Januar 2010 sei vollumfänglich aufzuheben, die Sache sei zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwe r- deführenden festzustellen und ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen liessen die Beschwerdeführenden verschiedene Beweismittel (Schreiben des Netzwerks J._______, Schrei- ben von Radio K._______ [nachstehend: Beschwerdebeilagen 3 und 4], Zeitschrift) zu den Akten reichen). D. D.a Mit prozessleitender Verfügung vom 4. März 2010 forderte die stel l- vertretende Instruktionsrichterin die Beschwerdeführenden auf, die B e- schwerdebeilagen 3 und 4 im Original mit Unterschrift des Verfassers samt Zustellcouverts nachzureichen und dem Gericht zudem zur Kenn t- nis zu bringen, ob die Gewährung auch der unentgeltlichen Rechtsve r- beiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) beantragt werde, wesfalls ein patentierter Rechtsanwalt zu bezeichnen sei. D.b Mit Eingabe vom 15. März 2010 liessen die Beschwerdeführenden mitteilen, sie zögen den Antr ag um unentgeltliche Rechtsverbeiständung zurück. E-1172/2010 Seite 4 D.c Mit Eingabe vom 24. März 2010 wurden zwei als Originale der B e- weismittel 3 und 4 bezeichnete Dokumente (vgl. Bst. C) zu den Akten ge- reicht. E. E.a Mit Verfügung vom 30. April 2010 zog das BFM im Rahmen der Ver- nehmlassung seinen Entscheid vom 25. Januar 2010 teilweise in Wieder- erwägung. Zur Begründung führte es aus, aufgrund einer erneuten Über- prüfung gelange es zum Schluss, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft. Gemäss Art. 54 des Asylges etzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) sprächen jedoch Ausschlussgründe gegen die Gewährung von Asyl. Die Asylgesuche blieben somit abgelehnt, die B e- schwerdeführenden würden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgeno m- men. Das BFM hob deshalb die Ziffer 1 des Verfügungsdispositivs vom 25. Januar 2010 auf und stellte fest, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft erfüllten. E.b Mit Verfügung vom 4. Mai 2010 stellte die Instruktionsrichterin fest, dass mit Erteilung der vorläufigen Aufnahme als Fl üchtling der Anfec h- tungsgegenstand der Beschwerde, soweit die Flüchtlingseigenschaft betreffend (Ziffer 1 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung) als da- hingefallen zu bezeichnen und die Beschwerde diesbezüglich als gegen - standslos geworden abzuschreib en sei. Aufgrund dieser Sachlage wu r- den die Beschwerdeführenden gleichzeitig angefragt, ob sie die B e- schwerde – soweit nicht gegenstandslos geworden – zurückziehen woll- ten, wobei bei ungenutzter Frist davon ausgegangen werde, dass sie an ihren Rechtsbegehren festhielten. E.c Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 19. Mai 2010 liessen die Be- schwerdeführenden mitteilen, dass sie an ihrer Beschwerde festhielten. E.d Mit prozessleitender Verfügung vom 26. Juli 2010 ordnete die Instruk- tionsrichterin – unter dem Hinweis, das BFM habe sich bislang einlässlich zu den Vorfluchtgrunden, nicht aber zur Gefahr einer allenfalls drohenden Reflexverfolgung geäussert – einen zweiten Schriftenwechsel an. E.e Mit Verfügung vom 5. August 2010 hielt das B FM an seinen bisher i- gen Erwägungen fest und beantragte mit ergänzender Begründung die Abweisung der Beschwerde. E.f Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 24. August 2010 liessen die Beschwerdeführenden replizieren. E-1172/2010 Seite 5 E.g Mit Eingabe vom 13. Mai 2011 wurde ein Schreiben der J._______ in Kopie betreffend die Flucht des (…) der Beschwerdeführerin in den S u- dan zu den Akten gereicht. E.h Mit Mitteilung des Zivilstandsamtes L._______ vom (…) 2012 wurde dem BFM – und durch dieses dem Bundesverwaltungsgericht – mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin am (…) 2011 das Kind C._______ geboren hat. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, au sser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berüh rt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. D ie Beschwerdeführenden sind daher zur Einreichung der B e- schwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. Der am (…) 2011 geborene Sohn der Beschwerdeführerin, C._______, ist in das Beschwerdeverfahren seiner Mutter einzubeziehen. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige E-1172/2010 Seite 6 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit Verfügung vom 30. April 2010 zog das BFM seine Verfügung vom 25. Januar 2010 teilweise in Wiedererwägung, sprach de n Beschwerde- führenden die Flücht lingseigenschaft zu und nahm sie wegen Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf. Da die Beschwerdefüh- renden zufolge subjektiver Nachfluchtgründe als Flüchtling e vorläufig aufgenommen wurden, beschränkt sich das vorliegende Beschwerdeve r- fahren nur noch auf die Frage ihrer Anerkennung als Flüchtlinge aufgrund der geltend gemachten Reflexverfolgung vor der Ausreise (Vorfluchtgrün- de; vgl. Ziff. 4) respektive der ihr künftig drohenden Reflexverfolgung (ob- jektive Nachfluchtgründe; vgl. Ziff. 5), mithin auf die Frage der Asylgewäh- rung und auf die Wegweisung. 4. 4.1 Zunächst ist zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Vorfluchtgründe zu Recht als unglaubhaft beurteilt und demzufolge ihre Asylgesuche zu Recht abg e- wiesen hat. 4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtl ingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen e rnsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-1172/2010 Seite 7 4.4 Das BFM lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab, da die Vorbringen der Beschwerdeführerin widersprüchlich ausgefallen se i- en, weshalb sie den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermöchten (vgl. Ziff. 4.4.1) . Die eingereichten Beweismittel vermöchten die festgestellten Unstimmigkeiten nicht zu en t- kräften, zumal sie beweisuntauglich seien (vgl. Ziff. 4.4.2). 4.4.1 Als zentrales Begründungselement habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie sei , nachdem der Kontakt zu ihre m Lebenspartner a b- gebrochen sei, sowohl von Armeeangehörigen als auch von den Staat s- behörden aufgesucht, befragt und behelligt worden , weshalb sie von D._______ nach M._______ und von dort ausser Landes geflüchtet sei. Dabei habe sie b ei der Erstbefragung dargelegt, zwei Militärangehörige hätten sie dreimal aufgesucht, wohingegen sie anlässlich der Anhörung behauptet habe, an zwei verschiedenen Tagen seien jeweils drei Militärs an ihrer Wohnadresse erschienen. Auch habe sie einerseits angegeben, sie sei von der Verwaltung für den (…) Januar 2007 vorgeladen worden und andererseits den nämlichen Vorgang auf den (…) Januar 2007 d a- tiert. Weiter habe sie sich widersprüchlich geäussert, was den Zeitpunkt der letzten Kontaktaufnahme mit ihrem Lebenspartner anbelan ge, indem sie bei der Erstbefragung ausgeführt habe, gleich nach Weihnachten 2006 nichts mehr von ihm gehört zu haben , und im Rahmen der direkten Anhörung angegeben habe, die letzte Nachricht Ende November 2006 erhalten zu haben. Schliesslich habe sie ihre Reise von D._______ nach M._______ einerseits dem 7. Februar 2007 und andererseits dem 25. oder 26. Januar 2007 zugeschrieben. 4.4.2 Zum eingereichten Schreiben der Staatsanwaltschaft vom (…) 2007 (vgl. Bst. A.c) merkte das BFM an, da ss eritreischen Dokumenten nur e i- ne reduzierte Beweiskraft beizumessen sei, da sie sehr häufig aus Gefä l- ligkeit oder gegen Bestechung ausgestellt würden. Überdies sei festz u- stellen, dass die Beschwerdeführerin bisher nicht erwähnt habe, schon in Eritrea gegen das Regime gearbeitet zu haben. Es sei auch zu erwarten, dass sie mit der Einreichung des an ihren (…) gerichteten Schreiben s nicht mehr als drei Jahre zu gewartet hätte. Schliesslich sei nicht plaus i- bel, dass die Behörden erst im Jahr 2007 gegen die Be schwerdeführerin Untersuchungen eingeleitet haben sollten, habe sie doch angegeben, bis Herbst 2003 am erwähnten Arbeitsplatz tätig gewesen zu sein. E-1172/2010 Seite 8 4.5 Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von Bundesrecht, indem zu Unrecht auf Ungl aubhaftigkeit der Vorbringen ge- schlossen worden sei. 4.5.1 Was die vom BFM festgestellten Ungereimtheiten in Bezug auf die angeblich fluchtauslösenden Ereignisse anbelangt, so ist zunächst fest- zustellen, dass die Behauptung der Vorinstanz, wonach sich die B e- schwerdeführerin hinsichtlich der Anzahl der Hausbesuche und jener der daran teilnehmenden Militärs widersprochen habe, keine Entsprechung in den Akten findet. So gab die Beschwerdeführerin bei der Erstbefragung zu Protokoll, dreimal von zwei Militärangehörige n aufgesucht worden zu sein (A1 S. 6). Im Rahmen der direkten Anhörung führte sie aus, an drei verschiedenen Tagen sei eine Gruppe aus der Einheit ihres Mannes – bestehend mal aus zwei , mal aus drei Militärangehörigen – zu ihr nach Hause gekommen (A15 S. 4 und 6). Somit hat sie eine übereinstimmende Anzahl an Hausbesuchen genannt und hinsichtlich der teilnehmenden Mi- litärs eine geringfügige Präzisierung vorgenommen, deren Auslegung als Widerspruch überspitzt formalistisc h anmutet. Mit Blick auf die unte r- schiedlichen Angaben zum Zeitpunkt des Erhalts der Vorladung ( […] Ja- nuar respektive […] Januar 2007) ist zu berücksichtigen, dass die B e- schwerdeführerin zwar ohne Not konkrete Daten nannte, ihre Aussagen aber jeweils als eine ungefähre Zeitangabe bezeichnete (A1 S. 6; A15 S. 6 [F42]). Hinsichtlich der übrigen Unstimmigkeiten kann zur Vermeidung von Wi e- derholungen auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. So will die Beschwerdeführer in einerseits letztmals Ende November 2006 (A15 S. 8 [F63]) und andererseits gleich nach Weihnachten 2006 (A1 S. 5) zuletzt eine Nachricht vom ihrem L e- benspartner erhalten haben. Die Erklärung in der Rechtsmitteleingabe, wonach der Kontakt Ende November 2006 abgebrochen sei und sie auch nach Weihnachten 2006 nichts von ihrem Mann gehört habe, erscheint als wenig ü berzeugender Versuch, widersprüchliche Zeitangaben in Ei n- klang zu bringen. Auch der Entkräftungsversuch, wonach an dieser Pr o- tokollstelle wohl ein Übersetzungsfehler vorliege, vermag nicht zu übe r- zeugen. Die Beschwerdeführerin wollte keineswegs zum Ausdruck bri n- gen, dass sie im ganzen Monat Dezember nichts von ihrem Mann gehört habe, antwortete sie doch auf die klar formulierte Frage nach der letzte n Kontaktaufnahme ("Quand avez-vous eu les dernières nouvelles de votre ami?") ebenso unzweideutig mit "juste après Noël" (A1 S. 5). E-1172/2010 Seite 9 In Ergänzung der vorinstanzlichen Erwägungen sind in der Schilderung der Beschwerdeführerin zudem weitere Unstimmigkeiten a uszumachen. So gab die Beschwerdeführerin einerseits an, sie habe um den (…) Januar 2007 herum eine Vorladung zur Verwaltung zugeschickt e r- halten (A15 S. 6 [F43]), um gleich darauf eine persönliche Übergabe de r- selben Vorladung zu schildern (ebenda [F44]). Mit Blick auf ihre Vorspr a- che bei der Verwaltung führte sie aus, sie habe an der Loge die Vorl a- dung abgegeben und sei dann direkt zum Präsidenten der Verwaltung weitergeleitet worden, welcher sie alleine in seinem Büro erwartet habe (A15 S. 7 [F52]). Darauf angesprochen, dass sie zuvor von einer Meh r- zahl von Befragungspersonen gesprochen habe, fügte an, sie sei zuerst in der ersten Abteilung von zwei Personen empfangen worden (ebenda [F54]). Vor diesem Hintergrund ist dem BFM insoweit beizupflichten, als d ie Schilderungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich persönlich erlittener Behelligungen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu gen ü- gen vermögen. 4.5.2 Nach zutreffender Auffassung des BFM vermag auch das im ersti n- stanzlichen Verfahren eingereichte Schreiben der Staatsanwaltschaft vom 20. Oktober 2007 die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht auszuräumen. Dem genannten Dokument ist zu entnehmen, dass am früheren Arbeits- platz der Beschwerdeführerin, der NGO H._______, im Schreibtisch der Beschwerdeführerin regierungsfeindliche Schriftstücke gefunden worden seien. Dieser Sachverhalt korrespondiert in keiner Weise mit den Vorbrin- gen der Beschwerdeführerin, welche im Rahmen der Befragungen mit keinem Wort erwähnte, schon in Eritrea gegen das Regime gearbeitet zu haben. Ausserdem widerspricht die Darstellung in verschiedener Hinsicht der all- gemeinen Logik des Handelns. Es kann nämlich davon ausgegangen werden, dass eine regimefeindliche Person Dokumente, welche sie n a- mentlich kompromittieren, vernichten oder an einem sicheren Ort aufb e- wahren, mit Sicherheit aber nicht einfach in der Schublade ihres alten Ar- beitsplatzes zurücklassen würde. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die H._______ im Sommer 2002 von der eritreis chen Regierung des Landes verwiesen wurde ( […]). Es kann ausgeschlossen werden, dass die H._______ – eine internationale NGO mit Zweigstellen auf der ganzen E-1172/2010 Seite 10 Welt – Eritrea für immer verlassen hätte, ohne die Büroräumlichkeiten, in denen zweifelsohne sensible Dokumente aufbewahrt wurden, zu räumen. Umso unwahrscheinlicher erscheint im eritreischen Kontext, dass die dor- tigen Behörden ein geräumtes Gebäude erst während fünf Jahren leer stehen lassen würden, bevor sie es durchsuchen. Angesicht dieser Häufung an logischen Lücken ist dem Beweisdokument mit dem BFM die Beweiskraft abzusprechen. 5. Aus dem Gesagten ist zu folgern, dass ein Anspruch auf Asylgewährung zugunsten der Beschwerdeführenden einzig noch auf der Grundlage ob- jektiver Nachfluchtgründe in Frage käme. 5.1 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG ist nicht die Situation im Zeitpunkt der Ausreise, sondern die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides massgeblich. Nebst – vom BFM wiederer- wägungsweise berücksichtigten – subjektiven Nachfluchtgründen sind Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausre i- se und Asylentscheid zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Pe r- son zu berücksichtigen ( vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 und BVGE 2008/12 E. 5.2 je mit weiteren Hinweisen). Solchermassen objektive Nachfluchtgrü n- de liegen vor, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohend en Verfolgung fü h- ren; der von einer Verfolgung bedrohten Person ist in solchen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und – im Gegensatz zu Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen – Asyl zu gewähren. In casu stellt sich die Frage, ob seit der Au sreise der Beschwerdeführerin aus Eritrea im Jahr 2007 objektive, von ihr nicht beeinflussbare Umstände und Ereigni s- se eingetreten sind, welche ihre erklärte Furcht vor Verfolgung heute als begründet und mithin flüchtlingsrechtlich erheblich erscheinen lassen. 5.2 Als objektive Nachfluchtgründe macht die Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene geltend, sie befürchte zum heutigen Zeitpunkt bei e i- ner allfälligen Rückkehr nach Eritrea eine Reflexverfolgung infolge der po- litischen, gegen das eritreische Regime gerichteten Tätigkeiten ihres ehemaligen Ehemannes . Erst kürzlich habe sie erfahren, dass dieser zeitgleich mit seiner militärischen Tätigkeit Spion des J._______ gewesen sei. Dabei handle es sich auch um den Hintergrund der g egen die B e- schwerdeführerin gerichteten Behelligungen, wenngleich sie diesen se i- nerzeit nicht gekannt habe. E-1172/2010 Seite 11 Als Informant habe ihr Ehemann von seiner Stellung im Verteidigungsm i- nisterium aus das Netzwerk mit Informationen über das Regime beliefert und ins besondere Menschenrechtsverletzungen durch das Militär offe n- gelegt. Gemäss Auskunft des J._______ hätten die heimatlichen Behö r- den das Netzwerk der Informanten enttarnt und dieselben verfolgt. Der Ehemann sei zusammen mit anderen Informanten verhaftet worden. Zwar habe man ihm zur Flucht aus der Haft verhelfen können, indessen sei er auf dem Weg in den Sudan erneut festgenommen und in ein Hochsiche r- heitsgefängnis verbracht worden. Zusammen mit seinen Kameraden sei er zum Tode verurteilt und am (…) 2009 (…) hingerichtet worden. Die Gefahr einer künftigen Reflexverfolgung konkretisiere sich in der Ta t- sache, dass (…) I._______ bereits am (…) Oktober 2007, mithin kurz nach ihrer Ausrei se, von der nationalen Sicherheit aufgefordert worden sei, seine Schwester de n Behörden auszuliefern. Aus Angst vor einer Verhaftung sei er zwischenzeitlich in den Sudan geflüchtet, wo er sich bis heute aufhalte. 5.2.1 Die geschilderten Umstände werden untermauert mit folgenden Do- kumenten:  An I._______ gerichtetes Schreiben der Staatsan waltschaft von F._______ vom (…) 2007 (vgl. hierzu Ziff. 5.2.1.1),  Schreiben des J._______ vom 8. Februar 2010 (vgl. hierzu Ziff. 5.2.1.2),  Schreiben des J._______ vom 27. April 2011 (vgl. hierzu Ziff. 5.2.1.3). 5.2.1.1 Wie bereits zuvor festgestellt, ist dem Schr eiben der Staatsa n- waltschaft vom (…) 2007 die Beweiskraft abzusprechen , wobei zur Ve r- meidung von Wiederholungen auf Ziffer 4.5.2 verwiesen werden kann. 5.2.1.2 Mit Referenzschreiben vom 8. Februar 2010 bestätigte das J._______ unter anderem die Hinrichtung von N._______, dem Ehemann der Beschwerdeführerin. Auch m it Blick auf dieses Dokument hielt das BFM in der angefochtenen Verfügung fest, eritreischen Beweisdokumen- ten würde lediglich ein reduzierter Beweiswert zukommen. Dieser Ein- schätzung halten die Beschwer deführenden entgegen, beim J._______ handle es sich um ein sehr bekanntes und vertrauenswürdiges Institut, welches sich nicht zu Gefälligkeitsschreiben hinreissen lassen würde. E-1172/2010 Seite 12 Hierzu ist festzuhalten, dass die Einschätzung des BFM zum Beweiswert eritreischer Dokumente angesichts der weit verbreiteten Korruption in Eritrea dem Grundsatz nach zu teilen ist. Auch ist nicht ersichtlich, worauf die Entgegnung der Beschwerdeführenden gründet. Namentlich das Vo r- bringen, wonach die Informationen des J._______ regelmässig in den Country of Origin Reports des UK Home Departments zitiert würden (Ein- gabe vom 13. Mai 2011, S. 2), erweist sich als unzutreffend. Bei der zitier- ten Quelle ([…]) handelt es sich um einen Bericht des britischen Inne nmi- nisteriums, in dessen Ra hmen wiedergegeben wird, was das J._______ rapportiert habe ([…]). Über den Beweiswert dieser Angabe oder die Ve r- trauenswürdigkeit der Quelle äussert sich der Bericht mit keinem Wort. Auch dürfte die Behauptung, das J._______ würde an dieser Stelle r e- gelmässig zitiert, nicht zutreffen. Weder wurde diese seitens der B e- schwerdeführenden mit Beispielen untermauert , noch ergab eine en t- sprechende Recherche seitens des Bundesverwaltungsgerichts weitere Treffer. Abklärungen des Bundesverwaltungsgerichts haben e rgeben, dass es sich beim J._______ um eine in O._______ ansässige exilpolitische O r- ganisation handelt. Deren Gründer und Generalsekretär P ._______, (…), wurde im Zuge des eritreischen Crackdown im Jahr 2001 verhaftet, konn- te im folgenden Jahr aber [nach] O._______ flüchten, von wo aus er in der Folge sein Netzwerk aufbaute. Damit ist erhellt, dass der Genannte als Verfasser der eingereichten Referenzschreiben angesichts (…) grundsätzlich über die geschilderten Insiderinformationen verfügen kön n- te. Die Tatsache, dass derselbe das Schreiben vom 8. Februar 2010 unter- zeichnet hat, ist als Indiz für dessen Authentizität zu werten. Auch ent- spricht das angebrachte Lo go der J._______ einem dem Bundesverwa l- tungsgericht vorliegenden Musterdokument ([…]). Indessen unterliegt das Dokument erheblichen formalen und inhaltlichen Mängeln. In formaler Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass es sich d a- bei entgegen der Behauptung im Schreiben vom 24. März 2010 keines- wegs um das Original der in Kopie eingereichte Beschwer debeilage 3 handelt, wie sich bereits aus der abweichenden Strukturierung ergibt . Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, das s in den beiden , a n- geblich vom selben Aussteller stammenden Dokumenten eine unte r- schiedliche Schreibweise der Telefonnummer gewählt wurde. Weiter e r- staunt, dass in der – bei Dokumenten anerkannter NGO's in aller Regel E-1172/2010 Seite 13 normierten – Fusszeile die Adresse jeweils ohne eine Ortsbezeichnung , mithin unvollständig angegeben wurde. Mit Blick auf den Inhalt des Schreibens erscheint der Eindruck, dasselbe sei – basierend auf den Angaben der Beschwerdeführerin – aus Gefällig- keit ausgestellt worden. So wird darin etwa behauptet, die Beschwerd e- führerin habe bei Radio K._______ als Radiosprecherin g earbeitet ("[…] she has been a great asset to Radio K._______ is reading […]"). Dem Referenzschreiben der genannten Radiostation hingegen ist – im Ei n- klang mit den Angaben der Beschwerdeführerin selbst – zu entnehmen, die Beschwerdeführerin habe sie übers Internet mit Informationen ve r- sorgt ("Since it is difficult to get information from inside Eritrea, we usually get them from many people who are privileged to use internet. A._______ is being one of our informants concerning the mines […]"). 5.2.1.3 Das in Kopie eingereichte Schreiben des J._______ vom 27. Ap- ril 2011 weist in seinem äusseren Erscheinungsbild derart offensichtliche Fälschungsmerkmale auf, dass bereits aufgrund derselben erhebliche Zweifel an seiner Authentizität entstehen. Zunächst fällt auf, dass das am oberen linken Bildrand abgebildete Logo des Netzwerks – im Vergleich mit dem zuvor behandelten Schreiben sowie dem genannten Musterd o- kument – falsch positioniert ist und unzutreffende Proportionen aufweist. Anders als die zuvor eingereichten Dokumente der J._______ enthält das Schreiben keinerlei Kontaktangaben. Auch wurde das Datum hier in einer abweichenden Schreibweise angebracht, was für ein und denselben Aus- steller doch sehr untypisch wäre. Weiter weist das Dokument erhebliche inhaltliche Unstimmigkeiten auf. So wird das Schreiben der Staatsanwaltschaft von F._______ vom (…) 2007 angeblich auszugsweise wortgetreu wiedergegeben ( "Part of the warning letter which was sent to him reads as follows" ). Der nachfol- gende Absatz besteht aus einer w eitreichenden Umschreibung der Ve r- fehlungen, welche der Beschwerdeführerin zur Last gelegt werden sowie einer Begründung, weshalb die Regierung auf die Mithilfe des Adressaten zähle. Eine solchermassen differenzierte s Schreiben von der Art einer Anklageschrift passt schon für sich betrachtet in keiner Weise in den eri t- reischen Kontext, in welchem willkürliche Verhaftungen ohne Angabe von Gründen an der Tagesordnung sind . Zudem handelt es sich bei der R e- produktion der J._______ keineswegs um eine wörtliche Wiedergabe des – bereits im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten – Schreibens der Staatsanwaltschaft. Vielmehr geht die "auszugsweise Wiedergabe" in I n-E-1172/2010 Seite 14 tensität und Umfang gar über das Original hinaus. Dass die Beschwerd e- führerin bei der H._______ eine Kaderposition ("high profile position") ge- habt habe , dass (…) aufgrund seiner militärische n Vergangenheit ("As you are a fighter veteran […]") für sie verantwortlich sei sowie weitere De- tails scheinen schlicht hinzugedichtet worden zu sein. Dieser letzte U m- stand vermindert nicht nur den Beweiswert des vorliegenden Dokuments, vielmehr stellt er die Glaubwürdigkeit der J._______ – respektive im Falle einer Fälschung der Beschwerdeführerin – grundsätzlich in Frage. 5.3 Im Ergebnis ist festzustellen, dass die einge reichten Beweismittel nicht geeignet sind, das gegenüber dem Ehemann der Beschwerdeführ e- rin vollstreckte Todesurteil und die gegen (…) gerichtete Reflexverfolgung zu belegen. Vor dem Hintergrund des Gesagten ist dem BFM insoweit zu folgen, als die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr nicht zu befürchten haben, sie würden wegen der oppositionellen Tätigkeiten ihres Ehemannes / Va- ters asylrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt. So konnte die Beschwerdeführerin – wie oben dargelegt – nicht gla ubhaft machen, dass ihr deswegen vor ihrer Ausreise asylrelevante Nachteile erwachsen sind. Die eingereichten Beweismittel vermögen zudem ihre al- lenfalls empfundene subjektive Furcht vor zukünftiger Verfolgung – unter dem Blickwinkel objektiver Nachfluchtg ründe – anhand von objektiven Kriterien nicht nachvollziehbar erscheinen zu lassen. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Gemäss Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) wird die Wegweisung nicht verfügt, wenn die asylsuchende Person im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist. 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen bis zum jetzigen Zeitpunkt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An- spruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde daher zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510; EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vol lzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach E-1172/2010 Seite 15 den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Gemäss stän diger Rechtsprechung sind die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung alternativer Natur. Sobald eine davon erfüllt ist, ist der Vollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Perso n gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748; EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). 7.2 Nachdem das BFM im Rahmen des Schriftenwechsels mit Verfügung vom 30. April 2010 die angefochtene Verfügung vom 25. Januar 2010 teilweise – nämlich die Flüchtlingseigenschaft und den Wegweisungsvoll- zug betreffend – in Wiedererwägung gezogen und die vorläufige Aufna h- me de r Beschwerdeführenden angeordnet hat, ist das vorliegende Ve r- fahren gegenstandslos geworden, soweit in der Beschwerde die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wird. Die Beschwerde ist mithin insoweit zufolge Wegfalls des Streitgegenstandes als gegenstandslos geworden abzuschreiben. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 7.3 Mit Blick auf den am (…) 2011 geborenen Sohn der Beschwerdefüh- rerin, C._______, ist festzustellen, dass der Säugling nicht Gefahr laufen dürfte, von der seiner Mutter drohenden Verfolgung im Sinne einer R e- flexverfolgung mit umfasst zu werden. Da er die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht selbst ständig erfüllt, ist er durch Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin auf Grundlage von Art. 51 Abs. 1 bzw. Art. 51 Abs. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen, zumal ke i- ne gegen einen Einbezug sprechende Umstände ersichtlich sind. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführenden bezüglich der Frage der Gewährung von Asyl nicht gelungen ist, darz u- tun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollstän dig feststellt und unangemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 9. 9.1 Die Beschwerdeführenden sind im vorliegenden Verfahren unterl e- gen, soweit sie beantragen, es sei die Verfügung des BFM vom 25. Januar 2010 aufzuheben und ihnen Asyl zu gewähren, weshalb sie E-1172/2010 Seite 16 grundsätzlich in reduziertem Umfang kostenpflichtig würde n (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde vom 25. Februar 2010 indessen nicht als aussichtslos zu erachten war und von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG – soweit nicht gegenstandslos geworden – gutzuheissen und von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen. 9.2 Bezüglich Zuerkenn ung der Flüchtlingseigenschaft sind die B e- schwerdeführenden zufolge der teilweisen Wiedererwägung der ang e- fochtenen Verfügung mit ihrem Rechtsanspruch durchgedrungen. Es sind deshalb keine Verfahrenskosten zu erheben. 10. Den Beschwerdeführenden ist – soweit die Gegenstandslosigkeit des Verfahrens durch das BFM bewirkt wurde – für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 15 i.V.m. Art. 5 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Eingabe vom 19. Juni 2012 ist eine Kostennote eing e- reicht worden, in welcher der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden einen zeitlichen Vertretungsaufwand von insgesamt 17.25 Stunden (bei einem Stundenansatz von Fr. 2 00.–) und Auslagen von insgesamt Fr. 51.– ausweist. Der geltend gemachte Zeitaufwand erscheint ang e- messen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsf aktoren (Art. 8 -13 VGKE) ist den Beschwerdeführenden deshalb zu Lasten der Vorinstanz eine um einen Drittel reduzierte Parteientschädigung von Fr. 2512.60 (inkl. Auslagen und MwSt) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-1172/2010 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, sow eit sie nicht als gegenstandslos geworden abgeschrieben wird. 2. Das BFM wird angewiesen, das Kind C._______ in die Flüchtlingseigen- schaft der Mutter einzubeziehen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird – soweit nicht gegenstandslos geworden – gutgeheissen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Das BFM wird angewiesen, eine Parteientschädigung von Fr. 2512.60 (inkl. Auslagen und MwSt) an die Beschwerdeführenden zu entrichten. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Jan Feichtinger Versand: