<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 69 S.341</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">341</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>69</b></span> <span class="ft1"><b>Ausstand (§ 124 Abs. 1 aStG).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Über streitige Ausstandsbegehren ist vorab mittels (separat anfecht-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>barer) Zwischenverfügung zu befinden. Dies gilt auch bei gleichzeitig</b></span><br/> <span class="ft1"><b>hängiger Aufsichtsbeschwerde. Die Person, gegen die sich das Aus-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>standsbegehren richtet, hat, bis darüber rechtskräftig entschieden ist,</b></span><br/> <span class="ft1"><b>jede Mitwirkung im Verfahren zu unterlassen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 24. Februar 2005 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen U.B. gegen Steuerrekursgericht.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3. c) aa) Nach § 124 Abs. 1 des Steuergesetzes (aStG) vom</span><br/> <span class="ft4">13. Dezember 1983 dürfen Mitglieder, Beamte sowie Sachbearbeiter</span><br/> <span class="ft4">der Steuerbehörden und der Steuerjustizbehörden ihr Amt in Angele-</span><br/> <span class="ft4">genheiten, in denen sie als befangen erscheinen können, nicht aus-</span><br/> <span class="ft4">üben. Abs. 2 enthält wohl eine ausführliche Auflistung einzelner</span><br/> <span class="ft4">Ausstandsgründe, doch wird dadurch der Charakter von Abs. 1 als</span><br/> <span class="ft4">Generalklausel nicht verändert. Die Ausstandspflicht gilt immer,</span><br/> <span class="ft4">wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtungsweise den</span><br/> <span class="ft4">Anschein der Befangenheit erwecken können (AGVE 1995, S. 414;</span><br/> <span class="ft4">Jürg Baur, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, [1. Aufl.]</span><br/> <span class="ft4">Muri/Bern 1991, § 124 aStG N 3; Martin Zweifel, in: Kommentar</span><br/> <span class="ft4">zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b [DBG], Basel/Genf/</span><br/> <span class="ft4">München 2000, Art. 109 N 22).</span><br/> <span class="ft4">bb) Ausstandsgründe sind rechtzeitig geltend zu machen. Wer</span><br/> <span class="ft4">das Ausstandsbegehren nicht umgehend stellt, wenn er vom Aus-</span><br/> <span class="ft4">standsgrund Kenntnis erhält, sondern sich auf das Verfahren einlässt,</span><br/> <span class="ft4">verwirkt nach dem Grundsatz von Treu und Glauben den Anspruch</span><br/> <span class="ft4">auf spätere Anrufung des Ausstandsgrundes (Pra 91/2002, Nr. 102,</span><br/> <span class="ft4">S. 588 f.; Zweifel, a.a.O., Art. 109 N 30, je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft4">Eine Person, gegen die ein Ausstandsbegehren gestellt wurde,</span><br/> <span class="ft4">hat ab diesem Zeitpunkt in den Ausstand zu treten. Ist der Ausstand</span><br/> <span class="ft4">streitig, so hat sie abzuwarten, bis die zuständige Instanz (§ 57 Abs. 2</span><br/> <span class="ft4">der Verordnung zum Steuergesetz [aStGV] vom 13. Juli 1984) über</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">342</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">den Ausstand entschieden hat, und bis zu diesem Zeitpunkt jede</span><br/> <span class="ft4">Mitwirkung im Verfahren zu unterlassen (Conrad Walther, in: Kom-</span><br/> <span class="ft4">mentar zum Aargauer Steuergesetz, Band 2, 2. Auflage, Muri/ Bern</span><br/> <span class="ft4">2004, § 169 N 14).</span><br/> <span class="ft4">Es ist nichts als konsequent, aus der Obliegenheit sofortiger</span><br/> <span class="ft4">Geltendmachung von Ausstandsgründen einerseits und dem Erfor-</span><br/> <span class="ft4">dernis, über Ausstandsbegehren vorab mittels Zwischenverfügung zu</span><br/> <span class="ft4">entscheiden, andererseits zu schliessen, über den Ausstand sei vor-</span><br/> <span class="ft4">weg <i>rechtskräftig</i> zu entscheiden (vgl. Zweifel, a.a.O., Art. 109</span><br/> <span class="ft4">N 32). In einem Fall der Selbstablehnung spricht das Bundesgericht</span><br/> <span class="ft4">sogar von einer gerichtsorganisatorischen Frage, die <i>ihrer Natur</i></span><br/> <span class="ft3"><i>nach</i> endgültig zu entscheiden ist, bevor das Verfahren weitergeführt</span><br/> <span class="ft4">werden kann (Pra 91/2002, Nr. 144, S. 778). Die Zwischenverfügung</span><br/> <span class="ft4">über das Ausstandsbegehren muss deshalb separat weitergezogen</span><br/> <span class="ft4">werden können, ohne dass es letztlich noch darauf ankäme, ob dabei</span><br/> <span class="ft4">von einem nicht wieder gut zu machenden Nachteil gesprochen wer-</span><br/> <span class="ft4">den kann (vgl. BGE 126 I 203 ff.; Merkli/Aeschlimann/Herzog,</span><br/> <span class="ft4">Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kan-</span><br/> <span class="ft4">ton Bern, Bern 1997, Art. 9 N 21; Art. 87 Abs. 1 OG in der Fassung</span><br/> <span class="ft4">vom 8. Oktober 1999; Art. 45 Abs. 2 lit. b VwVG).</span><br/> <span class="ft4">Sein eigenes Präjudiz in AGVE 1992, S. 454 ff. (das die An-</span><br/> <span class="ft4">fechtbarkeit von Sistierungsverfügungen betraf), auf das sich das</span><br/> <span class="ft4">Steuerrekursgericht im angefochtenen Entscheid für seine Ansicht</span><br/> <span class="ft4">stützt, dass es im Steuerverfahrensrecht überhaupt keine anfechtba-</span><br/> <span class="ft4">ren Zwischenverfügungen gebe, lässt sich in dieser umfassenden</span><br/> <span class="ft4">Formulierung nicht aufrecht erhalten, ohne dass jener Entscheid aber</span><br/> <span class="ft4">für den dort vorliegenden Sachverhalt in Zweifel gezogen werden</span><br/> <span class="ft4">müsste.</span><br/> <span class="ft4">cc) Die Möglichkeit der Aufsichtsbeschwerde (§ 113 aStG)</span><br/> <span class="ft4">- besser wäre der Ausdruck "Aufsichtsanzeige" (Michael Merker,</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem aar-</span><br/> <span class="ft4">gauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar zu</span><br/> <span class="ft4">den §§ 38-72 VRPG], Diss. Zürich 1998, § 59a N 2) - ändert nichts.</span><br/> <span class="ft4">Wenn im Rahmen eines konkreten Verfahrens ein Ausstandsgrund</span><br/> <span class="ft4">geltend gemacht wird, hat die zuständige Behörde in diesem Verfah-</span><br/> <span class="ft4">ren darüber zu befinden (vgl. § 57 Abs. 2 aStGV; Walther, a.a.O.,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">343</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">§ 169 N 14; Baur, a.a.O., § 124 aStG N 5) und darf nicht wegen der</span><br/> <span class="ft4">Möglichkeit einer Aufsichtsanzeige oder wegen eines eingeleiteten</span><br/> <span class="ft4">Aufsichtsbeschwerdeverfahrens davon absehen. Dass die Steuerkom-</span><br/> <span class="ft4">mission trotz der noch hängigen Aufsichtsanzeige eine Zwischen-</span><br/> <span class="ft4">verfügung erliess, war verfahrensmässig korrekt.</span><br/> <span class="ft4">dd) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass über streitige Ab-</span><br/> <span class="ft4">lehnungsbegehren - wenn also die betroffene Person der Meinung ist,</span><br/> <span class="ft4">es liege kein Ausstandsgrund vor - mittels einer selbstständig an-</span><br/> <span class="ft4">fechtbaren Zwischenverfügung zu befinden ist. Daraus ergibt sich als</span><br/> <span class="ft4">Selbstverständlichkeit, dass die abgelehnte Person sich nicht nur bis</span><br/> <span class="ft4">zum erstinstanzlichen, sondern bis zum <i>rechtskräftigen</i> Entscheid</span><br/> <span class="ft4">über das Ablehnungsbegehren jeder Mitwirkung im Verfahren zu ent-</span><br/> <span class="ft4">halten hat.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>