B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1029/2014 U r t e i l v o m 3 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, Sudan, vertreten durch Susanne Gnekow, Rechtsanwältin, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. Februar 2014 / N (…). E-1029/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer den Sudan am 3. Dezember 2011 und gelangte nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Libyen am 1. April 2012 in die Schweiz, wo er am darauf folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 12. April 2012 wurde er im Empfangs - und Ver- fahrenszentrum Vallorbe zur Person befragt. Das BFM hörte ihn am 29. Januar 2014 zu den Asylgründen an. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er gehöre der Ethnie der Fur an und komme aus Süd-Darfur, aus dem Ort B._______. Seine Familie sei im C._______ tätig gewesen. Im August 2007 sei er wegen Verdachts der Unterstützung sudanesischer Rebellenorganisationen für zwei Wochen festgenommen worden. Am 4. November 2011 sei er aus demselben Grund erneut ve r- haftet worden. Beide Male hätten sie ihn in ein Gefängnis in Khartum ge- bracht. Während der zweiten Inhaftierung sei er misshandelt worden. Am 24. November 2011 habe er mit Hilfe eines in der Gefängnisverwaltung arbeitenden Freundes aus de m Gefängnis fliehen können. Er sei nach Darfur zurückgekehrt und habe von dort aus das Land verlassen. B. Mit Verfügung vom 4. Februar 2014 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 27. Februar 2014 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die ang e- fochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei fes t- zustellen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventua liter sei der Entscheid aufzuheben und an die Vorinstanz zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Flüchtlingseige n- schaft festzustellen und als Folge davon die vorläufige Aufnahme zu ertei- len. Subsubeventualiter sei ein Wegweisungshindernis festzustellen und als Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie die Gewährung der unentgeltlichen Verbeistän- dung. D. Mit Zwischenverfügung vom 12. März 2014 hiess die damals zuständige Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-E-1029/2014 Seite 3 zessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeistä ndung wies sie ab und überwies die Akten der Vorinstanz zur Vernehmlassung. E. Das BFM beantragte in der Vernehmlassung vom 18. März 2014 die A b- weisung der Beschwerde. F. Mit Eingabe vom 31. März 2014 reichte der Beschwerdeführer ein Wi e- dererwägungsgesuch bet reffend die Zwischenverfügung vom 1 2. März 2014 ein und beantragte die Aufhebung von Ziffer 3 des Dispositivs sowie die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung. G. Mit Zwischenverfügung vom 9. April 2014 hob die Instruktionsrichterin die Zwischenverfügung vom 12. März 2014 insoweit wiedererwägungsweise auf, als sie das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin guthiess und Rechtsanwältin Susanne Gnekow als amtliche Beiständin des Beschwerdeführers ein setzte. Weiter unterbreitete sie dem B e- schwerdeführer die Vernehmlassung der Vorinstanz zur Stellungnahme. Innert der angesetzten Frist reichte dieser die Replik vom 10. April 2014 ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beu rteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutr e- ten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvollständige Feststel- lung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-1029/2014 Seite 4 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Nach Art. 7 AsylG muss die Flü chtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 7 AsylG, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wah r- scheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaf t- machen der Vorbringen in einem jüngeren Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 Die Vorinstanz lehnt das Asylgesuch ab, da die Vorbringen des B e- schwerdeführers weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft g e- mäss Art. 3 AsylG standhalten. Der Beschwerdeführer habe in wesentli- chen Punkten der Asylbegründung unvereinbar ausgesagt. Er habe sich widersprüchlich zum Ort seiner Inhaftierung geäussert und anlässlich der Erstbefragung die drei Hausdurchsuchungen nicht genannt. Seine Aus- sagen zu den beiden Inhaftierungen sei en wenig detailliert ausgefallen, und die Flucht habe er in keiner Weise substantiiert beschreiben können. Auch würden die Ausführungen nicht den Eindruck vermitteln, der B e- schwerdeführer berichte über persönlich Erlebtes. E-1029/2014 Seite 5 4.2 Zu Art. 3 AsylG hält die Vorinsta nz fest, der Beschwerdeführer habe keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen können. Auch sei er im Sudan weder exponiert politisch tätig noch Mitglied einer in Darfur aktiven Widerstandsgruppe gewesen. Seine Identität habe er nicht belegt. Was die e xilpolitische Tätigkeit anbelange, so habe er Ende 2013 an einer Demonstration teilgenommen sowie unter einem Pseudonym Schreiben im Internet verfasst. Diese Tätigkeiten würden nicht ansatzweise auf ein besonderes und als solches durch die sudanesischen Ge heimdienste auch noch erkennbares exilpolitisches Profil hindeuten, welches den Be- schwerdeführer in den Augen der heimatlichen Behörden als lohnenswer- tes Verfolgungsobjekt mit einem staatsuntergrabenden Potenzial erken- nen liessen. Der Beschwerdeführer habe kein prägnantes politisches Pro- fil, er sei vielmehr als Mitläufer zu erachten. 5. 5.1 Soweit in der Rechtsmitteleingabe vorgebracht wird, die Vorinstanz habe in der angefochtenen Verfügung lediglich die Gründe erwähnt, die zu Ungunsten des Beschwerdeführers und nicht auch diejenigen Indizien aufgeführt, die für ihn sprechen würden, macht der Beschwerdeführer nicht eine fehlerhafte Sachverhaltsabklärung geltend, sondern rügt, die Vorinstanz habe den Massstab des Glaubhaftmachens nicht richtig a n- gewendet und damit Bundesrecht verletzt. Darauf ist nachfolgend einz u- gehen. 5.2 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung in Bezug auf das Glaubhaftm a- chen ist nicht zu beanstanden. In der angefochtenen Verfügung wird im Einzelnen dargelegt, aus we lchen Gründen die Vorbringen des Be- schwerdeführers widersprüchlich, detaillarm, nachgeschoben und damit nicht glaubhaft sind. Was in der Rechtsmitteleingabe dagegen vorg e- bracht wird, ist nicht geeignet, die Aussagen des Beschwerdeführers in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Bezüglich der Haftanstalten führt er an, er habe bereits anlässlich der Anhörung klargestellt, dass ein Missverständnis vorliege. Indes legt er mit seinen Ausführungen nicht substantiiert dar, inwiefern ein solches vorliegen soll. Aufgrund seiner kla- ren Antwort anlässlich der Erstbefragung, er wisse nicht , in welchen G e- fängnissen er festgehalten worden sei (Akten BFM A4/10 S. 7) bezie- hungsweise der unmissverständlichen Antwort anlässlich der Zweitbefra- gung, er sei auf dem Polizeiposten in D._______ festgehalten word en (A10/21 F93f.), lässt sich ein Missverständnis nicht annehmen. Darüber E-1029/2014 Seite 6 hinaus ergeben sich auch aus den Akten keine entsprechenden Anhalts- punkte. Weiter vermag der Beschwerdeführer aus dem Einwand, er sei anlässlich der Erstbefragung unter Zeitdruck ge standen, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Die Befragung hat eineinviertel Stunde n gedauert, was der durchschnittlichen Dauer einer Erstbefragung entspricht. Im Übrigen sind dem Protokoll keine Hinweise zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer explizit und wiederholt angehalten worden wäre, sich kurz fassen. Wei- tergehend legt der Beschwerdeführer mit der blossen Behauptung von Unzulänglichkeiten bei der Befragung nicht substantiiert dar, inwieweit dem so sein soll. Solches ist auch nicht ersich tlich. Vielmehr sind den Ak- ten im Zusammenhang mit der Verhaftung weiter e Unstimmigkeiten zu entnehmen. Anlässlich der Erstbefragung gab der Beschwerdeführer an, ihm seien während der ganzen Autofahrt die Augen verbunden gewesen (A4/10 S. 7). Demgegenüber gab er bei der Anhörung zu Protokoll, ihm seien die Augen verbunden worden, als sie in Khartum eingefahren seien (A10/21 F87). Zu den anlässlich der Erstbefragung nicht genannten drei Hausdurchsuchungen ist festzuhalten, dass er zu Protokoll gegeben hat, seine Familie sei in Gefahr. Hätten tatsächlich Hausdurchsuchungen stattgefunden, hätte ohne Weiteres auch erwartet werden dürfen, dass der Beschwerdeführer sie in diesem Zusammenhang anführt. Dies hat er nicht getan. Mit der Vorinstanz ist weiter festzustellen, dass die Ausfü h- rungen sowohl zur Verhaftung als auch insbesondere zur Flucht wenig detailliert sowie vage ausgefallen sind. Die Angaben gehen nicht über All- gemeinplätze hinaus und vermitteln namentlich in keiner Weise den Ei n- druck, der Beschwerdeführ er habe 20 Tage in Haft verbracht und würde über selbst Erlebtes berichten. Dies wäre in Anbetracht dessen, dass die Inhaftierung kurz vor der Ausreise datiert, ohne Weiteres zu erwarten g e- wesen, handelt es sich dabei doch um ein besonders einschneidendes Vorkommnis im Leben des Beschwerdeführers . Entgegen der in der Ei n- gabe vertretenen Ansicht fällt der Beschwerdeführer sodann nicht als kri- tisch denkende r Mensch auf. Diesen Eindruck vermochte er anlässlich der Befragungen offensichtlich nicht zu vermitteln. An den vorgebrachten Asylgründen, der Beschwerdeführer, der gemäss eigenen Angaben pol i- tisch nie aktiv war, sei aufgrund eines unbegründeten Verdachts während zwei Tagen begleitet von vier Personen zwecks Inhaftierung nach Khar- tum gebracht worden, bestehen überwiegende Zweifel . Dem Beschwer- deführer ist es demnach nicht gelungen, die geltend gemachten Vo r- fluchtgründe glaubhaft darzutun. Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass E-1029/2014 Seite 7 zur Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz zwecks Sachve r- haltsabklärung. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 5.3 5.3.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe erfülle er die Flüchtlingseigenschaft. Er se i in der Schweiz exilpolitisch aktiv. 5.3.2 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn Flüchtlinge erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG we r- den. 5.3.3 Gemäss den Erkenntnissen des Gerichts gelangen Personen im Sudan dann ins Visier der heimatlichen Behörden und insbesondere des Geheim- und Sicherheitsdienstes NISS ("National Intelligence and Securi- ty Services"), wenn sie sich politisch engagieren, sich kritisch gegen die Regierung, die regierende "National Congress Party" (NCP), gegen B e- hörden oder über die Lage in Darfur äussern oder verdächtigt werden, e i- ne Rebellengruppe zu unterstützen, unabhäng ig von der regionalen He r- kunft oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten eth nischen Gruppe . Auch müssen sudanesische Staatsangehörige bei einer Rückkehr nach längerem Auslandaufenthalt mit Anhörungen durch die sudanesischen Si- cherheitsorgane rechnen, wobei sie auch mit Fragen nach etwaigen Kon- takten zur Auslandopposition zu rechnen haben (Urteil des Bundesve r- waltungsgerichts E-1424/2014 vom 4. Juni 2014). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat sich im Ur- teil vom 7. Januar 2014 mit der L age im Sudan auseinandergesetzt und festgestellt, dass die Situation von politischen Opponenten der sudanes i- schen Regierung sehr unsicher sei. Es seien nicht nur Personen mit he r- ausragendem politischem Profil gefährdet, sondern alle Personen, welche das aktuelle Regime ablehnten oder einer solchen Ablehnung verdächtigt würden. Bezüglich exilpolitischer Aktivitäten stellte der Gerichtshof grund- sätzlich fest, dass im Ausland politisch aktive Sudanesen, insbesondere wenn sie mit der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) in Verbindung gebracht würden, von den sudanesischen Behörden registriert wür den (Urteil des EGMR A.A. gegen die Schweiz vom 7. Januar 2014, 58802/12). E-1029/2014 Seite 8 5.3.4 Im Blickpunkt der Regierung dürften somit solche Personen stehen, die sich aufgrund besonderer Umstände aus dem eher anonymen Kreis der blossen Teilnehmer an politischen Veranstaltungen von Exilorganis a- tionen herausheben. Anlässlich der Befragungen gab der Beschwerd e- führer zu Protokoll, er habe weder mit einer Widerstandsgruppe in Darfur zusammengearbeitet noch eine solche unterstützt. Einzig führte er an , er habe Spenden geleistet. Er war jedoch nicht in der Lage, konkret zu u m- schreiben, an wen und wofür er gespendet hat. Als Beispiele nannte er die Beschaffung von Wasserzisternen und Pumpen , und me inte dabei, man wisse ja, wer dahinter stecke. In Anbetracht dieser Äusserungen ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Verlassen seines Heimatlandes in irgend einer Weise politisch aktiv war. Was sodann sein exilpolitisches Engagement anbelangt, so hat er im O k- tober 2013 an einer Kundgebung vor dem UNHCR in Genf teilgenommen und auf einer Internetplattform unter einem Pseudonym Artikel verfasst. Soweit in der Rechtsmitteleingabe geltend macht wird, sein Name sei auf einer Teilnehmerliste der Kundgebung aufgeführt, so hat er für diese Be- hauptung keinen Beweis erbracht, was beim Bestehen einer solchen Lis- te indes ohne Weiteres möglich gewesen wäre . Weiter ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer seit nunmehr zwei Jahren in der Schweiz aufhält. In Anbetracht dieser zeitlichen Verhältnisse können se i- ne exilpolitischen Aktivitäten offensichtlich nicht als ein intensives, wah r- nehmbares exilpolitisches Engagement, an welchem der sudanesische Staat ein Interesse zeigen könnte, bewertet werden. Der Beschwerdefüh- rer hat somit weder eine exponierte Stellung innerhalb einer im Gebiet von Darfur aktiven Rebellengruppierung, noch ein erhebliches persönl i- ches Engagement innerhalb einer Bewegung . Auch macht er nicht ge l- tend, er sei jema ls als Repräsentant einer Organisation aufgetreten oder in diesem Zusammenhang namentlich erwähnt worden. Damit weist er auch im Sinn des angeführten Urteils des EGMR kein besonders beacht- liches politisches Profil auf. Es liegen somit keine Hinweise für di e An- nahme subjektiver Nachfluchtgründe vor. 5.3.5 Schliesslich vermag der Beschwerdeführer aus dem Hinweis auf das Urteil BVGE 2013/5 in Bezug auf die Feststellung der Flüchtlingsei- genschaft nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. In diesem Urteil gelangte das Gericht zum Schluss, dass für Personen aus Darfur wegen des im Grossraum Khartum nunmehr grundsätzlichen Schutzes eine innerstaatli- che Schutzalternative angenommen werden könne, sofern das zusätzl i- che Kriterium der Zumutbarkeit erfüllt sei. Vorliegend stellt s ich die Frage der innerstaatlichen Schutzalternative indes nicht, da der aus Darfur E-1029/2014 Seite 9 stammende Beschwerdeführer keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen vermochte. 5.4 Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen. 6. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwe i- sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylg e- such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt w e- der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegwe i- sung ist nicht zu beanstanden. 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslä n- dern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 8. 8.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Z u- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK [SR 0.101]). Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak ten ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Sudan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. E-1029/2014 Seite 10 8.2 8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 8.2.2 Sowohl die Vorinstanz als auch das Gericht gehen davon aus, dass der Beschwerdeführer aus Darfur stammt. Die Region Darfur ist seit Jah- ren Schauplatz eines blutigen Bürgerkrieges. Es herrscht ei ne Situation allgemeiner Gewalt und der Vollzug dorthin ist gemäss Rechtsprechung des Gerichts nach wie vor unzumutbar (Urteil des Bundesverwaltungsge- richts E-1424/2014 vom 4. Juni 2014, mit Verweisen). Die Vorinstanz be- jaht vorliegend die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund der gesetzlichen Niederlassungsfreiheit. Soweit der Beschwerdeführer ve r- schiedene Urteile zitiert, ist darauf nicht weiter einzugehen, weil es auf eine Einzelfallprüfung ankommt. 8.2.3 Mit der Vorinstanz erachtet auch das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegw eisung nach Khartum im konkreten Fall als zumutbar. Der Beschwerdeführer konnte nicht ansatzweise ein politisches oder exil- politisches Engagement glaubhaft machen. In Khartum ist er deshalb nicht darauf angewiesen, eine Schutzinfrastruktur in Anspruch zu n eh- men. Khartum ist auf dem Luftweg erreichbar und ein dortiger Aufenthalt ist aufgrund der im Sudan bestehenden Niederlassungsfreiheit legal mög- lich. In der Rechtsmittelei ngabe wird geltend gemacht, der Beschwerde- führer habe ausserhalb von Darfur kein sozi ales Beziehungsnetz. Dies mag zutreffen, indes verfügt er hier in der Schweiz auch nicht über ein solches. Gemäss den Erkenntnissen des Gerichts leben heute eine Vie l- zahl von Darfuris aller Ethnien in Khartum (BVGE 2013/5 E.5.4.5). Auf- grund der soziokulturellen Gegebenheiten im Sudan ist davon auszug e- hen, dass Vertreter dieser Diaspora ihren aus Darfur stammenden Lands- leuten, und damit auch dem Beschwerdeführer, beiseite stehen und ihnen Unterstützung biete n werden. Insoweit wird es dem Beschwerdeführer möglich sein, sich vor Ort an Personen seines Herkunftsgebiets zu wen- den und sich mit ihrer Hilfe eine neue Existenz aufzubauen . Gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sprechen blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigke iten, wie beispielsweise Wohnungsnot oder ein schwieriger Arbeitsmarkt , von denen die vor Ort ansässige B e- völkerung generell betroffen ist, nicht gegen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs (BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Mit der Rückkehr nach E-1029/2014 Seite 11 Khartum hält sich der Beschwerdeführer wieder in seinem angestammten und ihm vertrauten Kulturkreis auf. Er ist mit der dortigen Lebensweise sowie Tradition vertraut und spricht die beiden Amtssprachen . Gemäss seinen Angaben verfügt er sehr gute Englischkenntnisse und spricht bes- ser Arabisch als Fur. Weiter hat er zwölf Jahre die Schule besucht und war mit seiner Familie während Jahren im C._______ tätig. Er verfügt demnach über eine sehr gute Schulbildung und langjährige Berufserfah- rungen. Weiter ist den Akten zu entne hmen, dass der Beschwerdeführer gesund und ungebunden ist. Vor diesem Hintergrund ist von der Zumu t- barkeit des Vollzugs der Wegweisung auszugehen. 8.3 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr alle n- falls benötigten Reisedokumente bei der Ver tretung seines Heimatlandes zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 8.4 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, z u- mutbar und möglich erachtet. An diesem Schluss vermögen auch die mit der Rechtsmitteleingabe eingereichten Beilagen 3, 4, und 7 bis 9 nichts zu ändern. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass di e angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Mit Zwischenverfügung vom 12. März 2014 hat die damals zuständ i- ge Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewäh rung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen. Dem Beschwerdeführer sind daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 10.2 Mit Zwischenverfügung 9. April 2014 hat die Instruktionsrichterin auch das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gutgeheissen und Rechtsanwältin Susanne Gnekow als amtliche Rechtsbeiständin eing e- setzt. Die amtliche Rechtsbeiständin hat am 24. Februar 2014 eine Kostennote für das Verfassen der Beschwerdeschrift in der Höhe von Fr. 1'580.– (inkl. Auslagen, exkl. MWST) , und am 31. März 2 014 eine solche für die Ei n-E-1029/2014 Seite 12 reichung des Wiedererwägungsgesuchs betreffend Zwischenverfügung in der Höhe von Fr. 540.– (exkl. MWST) eingereicht. Der zeitlich geltend gemachte Aufwand von total 11,5 Stunden sowie die Spesenpauschale von Fr. 50. – erachtet das Gericht unter Berücksichtigung der massg e- benden Berechnungsfaktoren (Art. 8, 9 und 11 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht, VGKE [SR 173.320.2]) als angemessen. Für das Verfassen der Replik ist eine weitere halbe Stunde zu vergüten. Ausge- hend von einem Stundenansatz von Fr. 180.– ergibt dies ein Honorar von total Fr. 2'386.80 (inkl. Auslagen und MWST). Dieser Betrag ist der am t- lich eingesetzten Rechtsbeiständin, Recht sanwältin Susanne Gnekow, vom Bundesverwaltungsgericht auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1029/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin, Rechtsanwältin Susanne Gnekow, wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 2'386.80 (inkl. Auslagen und MWST) ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Willisegger Barbara Balmelli Versand: