<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 122 S.513</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Entschädigungsfestsetzung</span> <span class="page_no">513</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>122 Gebäudewasserversicherung. Versicherte Kosten für Leckortung und</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Grabarbeiten bei schadhaften Leitungen.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Leistungskürzungsgründe sind vom Versicherungsamt zu beweisen</b></span><br/> <span class="ft1"><b>(Erw. 2.2.1.1.).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Schuldhafte Verletzung von Sorgfaltspflichten als Leistungskürzungs-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>grund im vorliegenden Fall (Hauszuleitung ausserhalb des Gebäudes)</b></span><br/> <span class="ft1"><b>verneint (Erw. 2.2.1.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus einem Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span><br/> <span class="ft2">vom 16. August 2000 in Sachen Ehegatten L. gegen AVA.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1.1. Im Kanton Aargau besteht ein Obligatorium für Feuer- und</span><br/> <span class="ft4">Elementarschäden, ausgestaltet als Versicherungsmonopol zugunsten</span><br/> <span class="ft4">der Aargauischen Gebäudeversicherungsanstalt (vgl. § 5 Abs. 1 des</span><br/> <span class="ft4">Gesetzes über die Gebäudeversicherung vom 15. Januar 1934</span><br/> <span class="ft4">[GebVG] in der seit dem 1. Januar 1997 geltenden Fassung; SAR</span><br/> <span class="ft4">673.100). Die Anstalt betreibt ohne Versicherungsmonopol eine frei-</span><br/> <span class="ft4">willlige Gebäudewasserversicherung (§ 8 GebVG), wobei das Versi-</span><br/> <span class="ft4">cherungsverhältnis in der regierungsrätlichen Verordnung über die</span><br/> <span class="ft4">Gebäudewasserversicherung (GWVV; SAR 673.151) vom 13. No-</span><br/> <span class="ft4">vember 1996 geregelt ist. Ergänzend zu diesen Bestimmungen sind</span><br/> <span class="ft4">diejenigen des GebVG sowie des Bundesgesetzes über den Versi-</span><br/> <span class="ft4">cherungsvertrag (VVG) vom 2. April 1908 (SR 221.229) heranzu-</span><br/> <span class="ft4">ziehen (vgl. § 8 Abs. 4 GebVG und § 17 GWVV).</span><br/> <span class="ft4">1.2. - 1.3. (...)</span><br/> <span class="ft4">2.1. In der Gebäudewasserversicherung mitversichert sind als</span><br/> <span class="ft4">Nebenleistungen namentlich die Kosten der Leckortung sowie die</span><br/> <span class="ft4">mit der Leitungsreparatur zusammenhängenden Grabarbeiten</span><br/> <span class="ft4">(Freilegung und Wiedereindeckung). Die Ersatzpflicht erfasst auch</span><br/> <span class="ft4">Leitungen ausserhalb des Gebäudes, soweit sie nur dem versicherten</span><br/> <span class="ft4">Gebäude dienen und soweit der Versicherte dafür den Unterhalt zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span> <span class="page_no">514</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">tragen hat, wobei pro Schadenereignis maximal Fr. 8'000.-</span><br/> <span class="ft4">entschädigt werden (§ 2 Abs. 2 lit. a GWVV).</span><br/> <span class="ft4">2.2. (...)</span><br/> <span class="ft4">2.2.1.1. Von der versicherten Person zu beweisen ist der -</span><br/> <span class="ft4">vorliegend unzweifelhaft vorhandene - Eintritt eines Ereignisses, das</span><br/> <span class="ft4">die Merkmale der durch die Versicherung übernommenen Gefahr</span><br/> <span class="ft4">trägt. Dagegen ist es an der Versicherung nachzuweisen, dass ein</span><br/> <span class="ft4">Kürzungs- bzw. ein Ausschlussgrund vorliegt, will sie ihre Leis-</span><br/> <span class="ft4">tungspflicht einschränken oder gar verweigern (vgl. Rechenschafts-</span><br/> <span class="ft4">bericht [RB] des Verwaltungsgerichtes des Kantons Zürich, 1983,</span><br/> <span class="ft4">Nr. 117, S. 171).</span><br/> <span class="ft4">Ob die Versicherungsleistung aufgrund der Missachtung von</span><br/> <span class="ft4">Sorgfaltspflichten (vgl. § 4 GWVV) gekürzt werden kann, beurteilt</span><br/> <span class="ft4">sich nach der Bestimmung von § 6 GWVV, welche wie folgt lautet:</span><br/> <span class="ft5">" Bei schuldhafter Missachtung von Sorgfaltspflichten, von</span><br/> <span class="ft5">vertraglichen oder gesetzlichen Sicherheitsvorschriften oder von anderen</span><br/> <span class="ft5">Obliegenheiten sowie einer Gefahrenerhöhung, die schuldhaft nicht</span><br/> <span class="ft5">angezeigt worden ist, kann die Entschädigung in dem Ausmasse</span><br/> <span class="ft5">herabgesetzt werden, als Eintritt und Umfang des Schadens dadurch</span><br/> <span class="ft5">beeinflusst werden."</span><br/> <span class="ft4">Eine ähnliche Regelung enthält übrigens auch Art. 14 VVG,</span><br/> <span class="ft4">wobei Absicht oder grobe Fahrlässigkeit seitens der versicherten</span><br/> <span class="ft4">Person vorausgesetzt wird. Zum Beweisthema des AVA gehört dem-</span><br/> <span class="ft4">nach eine schuldhaft missachtete Sorgfaltspflicht der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führer, welche den Leitungsbruch (mit-)verursachte (vgl. Alfred</span><br/> <span class="ft4">Maurer, Schweizerisches Privatversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern</span><br/> <span class="ft4">1986, § 36, S. 335).</span><br/> <span class="ft4">2.2.1.2. Der Versicherungsnehmer ist gemäss § 4 GWVV</span><br/> <span class="ft4">verpflichtet, den Eintritt des Versicherungsfalles durch entsprechende</span><br/> <span class="ft4">Sorgfalt zu vermeiden. Ob eine Sorgfaltspflicht schuldhaft missach-</span><br/> <span class="ft4">tet wurde, lässt sich nur anhand der konkreten Umstände des Einzel-</span><br/> <span class="ft4">falls bestimmen. So würde es dem Versicherungsnehmer zum Vor-</span><br/> <span class="ft4">wurf gereichen, im Wissen um eine sanierungsbedürftige Leitung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Entschädigungsfestsetzung</span> <span class="page_no">515</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">keine Reparatur vorgenommen zu haben. Die durch eine solche Un-</span><br/> <span class="ft4">terlassung herbeigeführten Schäden erschienen grobfahrlässig verur-</span><br/> <span class="ft4">sacht (Maurer, a.a.O., S. 333).</span><br/> <span class="ft4">Dass die Beschwerdeführer sich dazu hätten veranlasst sehen</span><br/> <span class="ft4">müssen, die Leitungen zu reparieren bzw. auszutauschen, damit es</span><br/> <span class="ft4">nicht zu Lecks kommt, ist weder vom AVA substantiiert vorgetragen</span><br/> <span class="ft4">worden noch ergaben sich sonstwie Hinweise dafür. (...). Immerhin</span><br/> <span class="ft4">handelt es sich um unterirdische Leitungen, deren Zustand für Pri-</span><br/> <span class="ft4">vatpersonen ohne Beizug von Fachleuten mit entsprechender Aus-</span><br/> <span class="ft4">rüstung kaum feststellbar ist. Im Übrigen übernehmen die städtischen</span><br/> <span class="ft4">Werke gemäss Wasserreglement der Stadt R. den Unterhalt der</span><br/> <span class="ft4">Hausanschlussleitungen auf Kosten der Grundeigentümerschaft (...).</span><br/> <span class="ft4">Für die Beschwerdeführer wird damit die ihnen obliegende Unter-</span><br/> <span class="ft4">haltspflicht erfüllt. Sie hatten keinen Anlass zu zusätzlichen Vorkeh-</span><br/> <span class="ft4">ren. Weil die städtischen Werke vor dem Schadeneintritt am 9. März</span><br/> <span class="ft4">1999 nie eine Sanierungsbedürftigkeit feststellten bzw. den Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführern jedenfalls nie vorgängig eine solche anzeigten (...),</span><br/> <span class="ft4">durften diese bis zu diesem Zeitpunkt von einwandfreien Leitungen</span><br/> <span class="ft4">ausgehen. Soweit das AVA ein früheres Wissen der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft4">rer um die vorbestehende Sanierungsbedürftigkeit mit ihrer beige-</span><br/> <span class="ft4">legten Schadenstatistik (...), aus welcher ersichtlich ist, dass die glei-</span><br/> <span class="ft4">che Leitung bereits 1995 einmal Leck geschlagen hatte, belegen</span><br/> <span class="ft4">möchte, so ist zu entgegnen, dass es seinerzeit die Kosten übernom-</span><br/> <span class="ft4">men und die - keinem Kontrahierungszwang unterstehende - Versi-</span><br/> <span class="ft4">cherung weitergeführt hat, ohne je irgendwelche Vorbehalte ange-</span><br/> <span class="ft4">bracht zu haben (...). Den Beschwerdeführern kann mithin keine</span><br/> <span class="ft4">schuldhafte Verletzung von Sorgfaltspflichtsverletzungen angelastet</span><br/> <span class="ft4">werden, womit eine entsprechende Kürzung nicht in Betracht gezo-</span><br/> <span class="ft4">gen werden darf.</span><br/></div> </div> </body> </html>