B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-4395/2010 U r t e i l v o m 20 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Beat Weber (Vorsitz), Richter Vito Valenti, Richterin Elena Avenati-Carpani, Gerichtsschreiber Urs Walker. Parteien A._______, Z._______, Beschwerdeführer, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz. Gegenstand Invalidenrente; Verfügung der IVSTA vom 31. Mai 2010. C-4395/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der am 29. Januar 1956 geborene, verheiratete und in seiner Heimat Spanien wohnhafte A._______ (im Folgenden: Versicherter oder B e- schwerdeführer) war von 1974 bis 2007 in der Schweiz als Monteur für Nähmaschinen tätig und entrichtete während dieser Zeit Beiträge an die obligatorische Alters -, Hinterlassenen - und Invalidenversicherung (AHV/IV; vgl. IV/1, 6, 16). Im Jahre 2000 erlitt e r in der Schweiz einen Herzinfarkt, zu einem späteren Zeitpunkt wurde er operiert und ihm ein Stent eingesetzt (IV/16). Im Jahre 2007 kehrte er nach Spanien zurück und arbeitete vom 14. Mai bis 13. Juni 2008 als Schweisser; in der Folge war er arbeitslos ( IV/9). Im Juni 2008 begab er sich wegen erneuter Herzbeschwerden in ärztliche Behandlung und wurde im Dezember 2008 erneut am Herzen operiert (Angioplastie mit Setzen dreier Stents; IV/11). A.b Am 19. März 2009 stellte der Versicherte bei der spanischen Verbin- dungsstelle zuhanden der IV-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA, im Folgenden: Vorinstanz) ein Gesuch um Bezug von Rentenleistungen der schweizerischen Invalidenversicherung (IV/1). Die Vorinstanz nahm in der Folge verschiedene Dokumente medizinische r Natur und zur Erwerbss i- tuation zu den Akten (IV/8-20). A.c Gestützt auf die Stellungnahme von Dr. B._______ vom medizin i- schen Dienst der IV -Stelle vom 17. Juli 2009, wonach der Beschwerd e- führer in seiner bisherigen Tätigkeit zu 50% und in einer angepassten Verweistätigkeit zu 80% arbeitsfähig sei (IV/22), ermittelte die Vorinstanz gestützt auf einen Einkommensvergleich vom 4. August 2009 (IV/23) e i- nen Invaliditätsgrad von 35.98%. Mit Vorbescheid vom 6. August 2009 teilte sie dem Versicherten mit, ihm sei – in Würdigung der Akten – die Ausübung einer leichteren Verweistätigkeit wie z. Bsp. Hauswart, Wac h- mann (Gebäude, Baustelle, Parking, Museum) Magaziner, kleine Ausli e- ferungen oder Kassier zu 80% möglich, was einen rentenausschliesse n- den Invaliditätsgrad von 36% ergebe. Das Leistungsgesuch sei daher ab- zuweisen. A.d Am 31. August 2009 erhob der Versicherte einen Einwand und legte diesem eine Bestätigung der Hausärztin bei, wonach er nicht mehr a r- beitsfähig sei. Nach ergänzender Stellungnahme des medizinischen Dienstes, Dr. B._______, vom 3. Oktober 2009 ersuchte die Vorinstanz sowohl den spanischen Versicherungsträger als auch den Versicherten C-4395/2010 Seite 3 um Zustellung aktueller Arztberichte, um den weiteren Verlauf der Herzerkrankung ermitteln zu können (IV/29 f.). Nach Einga ng ergänzen- der medizinischer Akten (IV/33 -38) nah m Dr. B._______ vom medizin i- schen Dienst erneut Stellung, schloss neu auch die Ausübung mitte l- schwerer Tätigkeiten aus und ermittelte eine Arbeitsunfähigkeit von 100% in der bisherigen Tätigkeit und eine sol che von 20% in einer leichten Ver- weistätigkeit. Mit Verfügung vom 31. Mai 2010 wies die Vorinstanz das Leistungsbegehren im Wesentlichen mit der Begründung ab, beim Vers i- cherten liege – bei einem Invaliditätsgrad von 36% – keine rentenbegrün- dende Invalidit ät vor ( IV/40). Die Verfügung wurde dem Versicherten durch den spanischen Versicherungsträger mit Formular E211 am 12. Juli 2010 zugestellt (IV/43). B. B.a Am 15. Juni 2010 (Datum Postaufgabe) erhob A._______ Beschwer- de gegen die Verfügung vom 31. Mai 2010 und verbesserte sie aufforde- rungsgemäss mit Eingabe vom 7. Juli 2010 (Beschwerdeakten act. 1, 4). B.b In ihrer Vernehmlassung vom 15. November 2010 beantragte die Vorinstanz – unter Verweis auf die Stellungnahme de s medizinischen Dienstes, Dr. C._______, vom 9. November 2010 (IV/46) – die Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochtenen Verfügung (act. 8). B.c Am 18. Dezember 2010 leistete der Beschwerdeführer aufford e- rungsgemäss einen Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 300.- (act. 11). B.d Mit Schreiben vom 1. Februar 2011 nahm das Bundesverwaltungsge- richt Kenntnis davon, dass der Beschwerdeführer innert Frist keine Replik eingereicht hatte, und schloss den Schriftenwechsel. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unte r- lagen wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen n ä- her eingegangen. C-4395/2010 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenvers i- cherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D e- zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beu r- teilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Perso nen im Au s- land gegen Verfügungen der IVSTA. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Indes findet das VwVG au fgrund von Art. 3 Bst. d bis VwVG keine Anwen- dung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. 1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom- men; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 ATSG). Er ist d a- her zur Beschwerde legitimiert. 1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist - und formgerecht eingereicht und der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten (60 ATSG, Art. 52 VwVG und Art. 63 Abs. 4 VwVG). 2. 2.1 Der Beschwerdeführer ist spanischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Spanien, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft getrete ne Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft e i- nerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedsstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) zu beachten ist. Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 FZA ausgearbei- teten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II ("Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit") des FZA in Ve r- bindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien un- tereinander insbesondere die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, C-4395/2010 Seite 5 die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (SR 0.831.109.268.1; nachfolgend: Verordnung Nr. 1408/71), und die Verordnung Nr. 574/72 oder gleichwertige Vorschriften an. Dabei ist im Rahmen des FZA auch die Schweiz als "Mitgliedstaat" im Sinne dieser Koordinierungsverordnun- gen zu betrachten (Art. 1 Abs. 2 Anhang II des FZA). Noch keine Anwendung finden vorliegend die am 1. April 2012 in Kraft ge- tretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der so- zialen Sicherheit sowie (EG) Nr. 987 /2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koord i- nierung der Systeme der sozialen Sicherheit. 2.2 Nach Art. 40 Abs. 4 der Verordnung Nr. 1408/71 ist die vom Träger ei- nes Staates getroffene Entscheidung über die Invalidität eines Antragstel- lers für den Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann verbin d- lich, wenn die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgelegten Ta t- bestandsmerkmale der Invalidität in Anhang V dieser Verordnung als übereinstimmend anerkannt sind. Eine solche anerkannte Übereinsti m- mung besteht für das Verhältnis zwischen einzelnen EU -Mitgliedstaaten und der Schweiz nicht. Der Invaliditätsgrad bestimmt sich daher a uch im Geltungsbereich des FZA nach schweizerischen Rechtsvorschriften resp. des IVG, der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 832.201), des ATSG sowie der Verordnung vom 11. Se p- tember 2002 über den Allgemeinen Teil des So zialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4). 2.3 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Recht s- sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben, wobei nach ständig er Praxis auf den im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes (hier: 31. Mai 2010) eingetretenen Sachverhalt abgestellt wird (BGE 130 V 329, BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, solle n im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den in Kraft st e- henden Normen zu prüfen (pro rata temporis; vgl. BGE 130 V 445). C-4395/2010 Seite 6 Bei den materiellen Bestimmungen des IVG und der IVV ist auf die Fa s- sung gemäss den am 1. Januar 2004 in Kraft getretenen Änderungen (4. IV-Revision; AS 2003 3837) abzustellen. Soweit ein Rentenanspruch ab dem 1. Januar 2008 zu prüfen ist, sind weiter die mit der 5. IV-Revision zu diesem Zeitpunkt in Kraft getretenen Gesetzes - und Verord - nungsänderungen zu beachten (AS 2007 5129 und AS 2007 5155). Noch keine Anwendung findet vorliegend das am 1. Januar 2012 in Kraf t getre- tene erste Massnahmenpaket der 6. IV -Revision (IVG in der Fassung vom 18. März 2011 [AS 2011 5659]). 2.4 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG), und beim Eintritt der Invalidität während der vom Gesetz vorgesehenen Dauer Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleistet hat, d.h. während mindestens eines vollen Jahres gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 geltenden bzw . während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung. Diese Bedingungen müssen kumulativ gegeben sein; fehlt eine, so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere erfüllt ist. Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen während mehr als drei Jahren Beiträge an die schweizerische Alters -, Hinterlassenen- und Inva- lidenversicherung geleistet, so dass die Voraussetzung der Mindestbe i- tragsdauer für den Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG erfüllt ist (IV/6). 2.5 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau - ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. IVG). Invalidität ist somit der durch einen Gesundheitsschaden ver - ursachte und nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung verblei - bende länger dauernde (volle oder teilweise) Verlust der Er - werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar - beitsmarkt resp. der Möglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Der Invaliditätsbegriff enthält damit zwei Elemente: ein medizi - nisches (Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) und ein wirtschaftliches im weiteren Sinn (dauerhafte oder länger dauern- de Einschränkung der Erwerbsfähigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbe- reich; vgl. zum Ganzen UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Art. 8 Rz. 7). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle C-4395/2010 Seite 7 oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu - mutbare Arbeit zu leisten. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti - gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be - tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). 2.6 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (in der von 2004 bis Ende 2007 gültig g e- wesenen Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mi n- destens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Inv a- liditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. Hieran hat die 5. IV -Revision nichts geändert (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG in der ab dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung). Laut Art. 28 Abs. 1ter IVG (in der von 2004 bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) bzw. Art. 29 Abs. 4 IVG (in der ab dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung) werden jedoch Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50% entsprechen, nur an Versicherte ausgerich tet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Au f- enthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, was laut Rechtsprechung eine besondere Anspruchsvoraussetzung darstellt (vgl. BGE 121 V 264 E. 6c). Eine Ausnahme von diesem Prinzip gilt seit dem 1. Juni 2002 für Schweizer Bürger und Staatsangehörige der EU, denen bereits ab einem Invaliditätsgrad von 40% eine Rente ausgerichtet wird, wenn sie – wie der Beschwerdeführer – in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben. 2.7 Der Rentenanspruch entsteht frühestens in jenem Zei tpunkt, in dem die versicherte Person mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig (Art. 7 ATSG) geworden ist oder während eines Jahres ohne wesentlichen Un- terbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (vgl. Art. 29 Abs. 1 Bst. a und b IVG in den bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassungen). Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, welche ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Au f- gabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmas s- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewe- sen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c). C-4395/2010 Seite 8 3. 3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdeve r- fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Mis s- brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder u n- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG). 3.2 Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Ve r- waltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wah r- scheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Ab- nahme wei terer Beweise zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung; UELI KIESER, Das Verwaltungsverfahren in der Sozialversicherung, Zürich 1999, S. 212, Rz 450; vgl. auch BGE 122 V 162 E. 1d, 122 II 464 E. 4a, 120 Ib 224 E. 2b). Diese Praxis wurde vom Bundesgerich t immer wieder bestätigt (vgl. z.B. das Urteil des Bundesgerichts 9C_108/2010 vom 15. Juni 2010 E. 4.2.2). 3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen h a- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person ar beitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch z u- gemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Die - ar- beitsmedizinische - Aufgabe der Ärzte und Ärztinnen besteht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen oder geistigen Funktionen leidensbedingt eingeschränkt ist. Im Vorde r- grund stehen dabei vor allem jene Funktionen, welche für die nach der Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder st e- hend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Frage, welche ko nkreten berufli- chen Tätigkeiten auf Grund der medizinischen Angaben und unter B e- rücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kommen, ist demgegenüber nicht von der Ärztin oder dem Arzt, sondern von der Verwaltung bzw. von der Berufsberatung zu beantworten (vgl. Ur- teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 457/04 vom 26. Oktober C-4395/2010 Seite 9 2004, in: SVR 2006 IV Nr. 10, E. 4.1 mit Verweis auf BGE 107 V 20 E. 2b). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un- tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darl e- gung der Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si- tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und E. 3b/cc mit Hinweisen). 4. 4.1 Im vorliegenden Verfahren ist streitig und vom Bundesverwaltungsge- richt zu prüfen, ob die IVSTA zu Recht einen Rentenanspruch des B e- schwerdeführers verneint hat. Dieser macht geltend, er sei aufgrund se i- ner gesundheitlichen Situation nicht mehr arbeitsfähig. 4.2 Den Akten ist übereinstimmend folgende Diagnosestellung zu en t- nehmen: Koronare Herzkran kheit nach Herzinfarkt im Jahre 2000 und später erfolgter erster Angiografie sowie zweiter Angiografie im Dezember 2008, verbleibende Restbeschwerden (stabile Angina pectoris unter kö r- perlicher Belastung) und metabolisches Syndrom (Fettleibigkeit, Blu t- hochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Insulinresistenz) (IV/16, 22, 38, 41). 4.3 4.3.1 Dr. B._______ vom medizinischen Dienst der IV-Stelle nahm am 17. Juli 2009 erstmals Stellung und erachtete den Beschwerdeführer seit dem 15. Dezember 2008 (Datum der zweiten Herzopera tion) in seiner bisherigen Tätigkeit, die nur teilweise als schwere Arbeit zu beurteilen sei, zu 50% arbeitsunfähig. Die Koronarografie im Dezember 2008 habe gute Resultate gezeigt. Es bestünden noch gewisse Restbeschwerden seither, jedoch sei die linksven trikuläre Funktion gut erhalten, einzig die Blu t- druckkontrolle gelinge schlecht. Leichte bis mittelschwere Arbeiten seien ab dem 15. Dezember 2008 zumutbar, mit einer Einschränkung von 20% (IV/22). Nach ergänzenden Abklärungen durch die IV -Stelle führte er – in Würdigung der nachgereichten ärztlichen Berichte – mit Beurteilung vom 7. Mai 2010 (IV/41) aus, die weiteren Berichte attestierten unter ann ä- hernd maximaler Belastung des Herzens eine Angina pectoris bzw. eine kardiale Ischämie, die Absenz von Herzrh ythmusstörungen und eine schwer einstellbare Hypertonie, welche insgesamt einen erheblichen ka r- dialen Risikofaktor darstellten. Die funktionelle Leistungsfähigkeit sei au f-C-4395/2010 Seite 10 grund dieser Berichte für schwere und mittelschwere Arbeiten zu verne i- nen, jedoch für leichte körperliche Arbeit nach wie vor zu bejahen, dies in einem leicht reduzierten Pensum. Somit bestehe neu eine Arbeitsunf ä- higkeit von 100% in der bisherigen Tätigkeit, jedoch weiterhin eine A r- beitsfähigkeit von 80% in einer leichten Verweistätigkeit (IV/41). Mit e r- gänzender Stellungnahme vom 9. November 2010 bestätigte Dr. C._______ vom medizinischen Dienst der IV -Stelle die Feststellun gen von Dr. B.______ in dessen Stellungnahme vom 7. Mai 2010. 4.3.2 Dieser Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stehen die Beurteilungen der Hausärztin vom 31. August 2009 (IV/26) und der Ärztin des spanischen Versicherungsträgers vom 29. März 2010 (IV/38) gegenüber, welche auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit schliessen. Die Hausärztin hat ihre Einschät zung nicht weiter begründet, weshalb – und auch aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum B e- schwerdeführer (vgl. hierzu BGE 135 V 465 E. 4.5 m.w.H.) – hierauf nicht abgestellt werden kann. D ie Beurteilung der spanischen Versicherung s- ärztin jedoch beruht auf den Feststellungen der im Januar 2010 nachve r- langten zusätzlichen Arztberichte (IV/33-37). Begründet wurde die Ei n- schätzung von Dr. D._______ im Arztbericht E213 vom 29. März 2010 in Ziff. 11 nicht weiter, jedoch kommentierte sie zuvor eingehend die Resul- tate des durchgeführten Belastungs -EKG und hielt eine Funktionsei n- schränkung der [NYHA-] Klasse III fest. 4.3.3 Übereinstimmend mit Dr. B._______ ist den Akten zwar zu entne h- men, dass trotz Herzinfarkt, zweimalig durchgeführter Angioplastie und zurückgebliebener Restbeschwerden (Angina pectoris) die Operation im Dezember 2008 den Durchfluss der Herzgefässe hat verbessern können, die Funktion des linken Herzventrikels erhalten geblieben ist, der Her z- muskel nur eine leichte Hypokinesie [vermin derte Beweglichkeit] zeigt, die ischämischen Beschwerde unter annähernd maximaler Belastung festgestellt wurden und in den Schlussfolgerungen zum Belastungs -EKG eine Funktionalität der Klasse NYHA II -III attestiert wird. Auch Dr. E._______, Kardiologe, hielt in seinem Bericht vom 18. Januar 2010, g e- stützt auf eine Echokardiografie, fest, der linke Herzventrikel sei normal, mit guter sistodiastolischer Funktion und nur leichter Hipokinesie septal basal (IV/36). 4.3.4 Die NYHA-Klassifikation der Schwere II (Herzer krankung mit leich- ter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit; alltägliche körper- liche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, [Luftnot] C-4395/2010 Seite 11 oder Angina pectoris) bis III (Herzerkrankung mit höhergradiger Ein- schränkung der körperlichen L eistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit ; geringe körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstöru n- gen, [Luftnot] oder Angina pectoris) schliesst eine leichte Verweistätigkeit nicht per se aus. Jedoch hat die Ärztin des spanischen Versicherungsträ- gers auf einen Schweregrad III geschlossen, der eine reduzierte Belas t- barkeit bei bereits geringer körperlicher Belastung festhält, und in ihrer neuerlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit – in Abweichung zu ihrer frü- heren Beurteilung im E213 vom 8. Ap ril 2009 (IV/16) – festgehalten, die Beschwerdeführerin sei weder in ihrer bisherigen Tätigkeit noch in einer Verweistätigkeit mehr arbeitsfähig. Zu dieser abweichenden Beurteilung hat der medizinische Dienst der IV -Stelle nicht Stellung genommen . Der beschwerdeweise eingereichten Bestätigung von Dr. F._______ des Spi- tals H.U. San Cecilio, Abteilung Kardiologie, vom 4. Dezember 2009 (act. 4.3 = IV/33) ist zu entnehmen, dass trotz im Dezember 2008 durchgeführ- ter Angioplastie – wie zuvor – Anfälle von Angina pectoris mit zunehmen- der Häufigkeit auftreten. Hinzu kommt schliesslich, dass i m mit B e- schwerdeverbesserung nachgereichten Arztbericht von Dr. G._______ vom 4. Dezember 2009 darauf hingewiesen wird, dass die Angina pecto- ris bereits bei kleinen Anstrengungen auftrete, weshalb keine physischen Aktivitäten mehr ausgeübt werden könnten (act. 4.2) . Zu diesem Arztb e- richt hat Dr. C._______ am 9. November 2010 nicht Stellung genommen; vielmehr hat er (für letztgenannten Arztbericht) aktenwidrig festgehalten, die beschwerdeweise vorgelegten Dokumente seien bereits im Verwa l- tungsverfahren gewürdigt worden (IV/46). Die Beurteilung des medizin i- schen Dienstes der IV-Stelle erweist sich damit in mehrfacher Hinsicht als mangelhaft. 4.4 Es kann daher nicht mit überwiegende r Wahrscheinlichkeit festgehal- ten werden, dass eine leichte Verweistätigkeit weiterhin zu 80% ausgeübt werden kann, zumal bereits leichte Aktivitäten zunehmend Herzb e- schwerden in Form einer Angina pectoris auslösen, was sich vorliegend in der NYHA -Klassifizierung II-III bzw. III niedergeschlagen hat, und der Beschwerdeführer – wie Dr. B._______ in seiner Stellungnahme vom 7. Mai 2010 festgehalten hat – zudem erhebliche kardiale Risikofaktoren aufweist. 4.5 Die Vorinstanz ist deshalb anzuweisen, ein kardiologisches Gutachten erstellen zu lassen, anhand der Feststellungen der Experten die Arbeit s- fähigkeit in einer Verweistätigkeit neu zu beurteilen und mittels Einko m- mensvergleichs zu prüfen, ob die (Rest -) Erwerbsfähigkeit des B e-C-4395/2010 Seite 12 schwerdeführers weiterhin einen re ntenausschliessenden Invaliditätsgrad ergibt. Von der Einholung eines Gerichtsgutachtens kann vorliegend a b- gesehen werden, da eine entscheidwesentliche Frage im Verwaltungsver- fahren ergänzend abzuklären ist (vgl. BGE 137 V 210, E. 4.4.1.4). Bei diesem Aus gang des Verfahrens kann offen bleiben, ob die Vori n- stanz, trotz nachträglicher Änderung der arbeitsmedizinischen Würdigung durch Dr. B._______ (IV/41) darauf verzichten durfte, einen neuen Ei n- kommensvergleich durchzuführen, der der weiteren Reduktion der als zumutbar erachteten Arbeitsfähigkeit von einer mittelschweren auf eine leichte Tätigkeit Rechnung trägt. Bei der Bestimmung der Resterwerbsfähigkeit wird die Vorinstanz zusätz- lich zu prüfen haben, ob die Arbeit als Giesser/Monteur in der Eisenmetal- lurgie zurecht als letzte ausgeübte Tätigkeit berücksichtigt werden kann (vgl. IV/21) : Der Beschwerdeführer hat diese Tätigkeit in Spanien nur während eines Monats ausgeübt und dabei offensichtlich – zufolge g e- sundheitlicher Schwierigkeiten – längere Pausen ei nlegen müssen (vgl. Ziff. 9 des undatierten, am 11. Mai 2009 versandten Fragebogens für den Arbeitgeber [IV/9]). Dem Formular E205 sind für den Zeitraum vor Mai 2008 keine Tätigkeiten in Spanien zu entnehmen (IV/2); nach dem 13. Juni 2008 sind im E205 zwar weitere 279 entschädigte Tage vermerkt, den Angaben des Beschwerdeführers im Fragebogen für den Arbeitne h- mer zufolge scheint es sich aber um Einträge aufgrund von Leistungen der Arbeitslosenversicherung zu handeln (IV/10). 5. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass sich die Beschwe r- de als begründet erweist und dah er gutzuheissen ist, insoweit sinng e- mäss eine ergänzende Begutachtung beantragt wird. Die Verfügung vom 31. Mai 2010 ist daher aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuwe i- sen, damit sie er gänzende Abklärungen im Sinne der Erwägung 4.5 vor- nehme. 6. Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient- schädigung. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Eine Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der beschwerdeführenden C-4395/2010 Seite 13 Partei (BGE 132 V 215 E. 6), sodass der geleistete Kosten vorschuss von Fr. 300.- dem Beschwerdeführer auf ein von ihm anzugebendes Konto zurückzuerstatten ist. Der Vorinstanz werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 6.2 Da dem obsiegenden Beschwerdeführer, welcher nicht anwaltlich ver- treten war, keine unverhältnismässig hohen Kosten entstanden sind und dieser zu Recht keinen entsprechenden Antrag gestellt hat, ist keine Pa r- teientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als die angefochtene Verfü- gung vom 31. Mai 2010 aufgehoben und die Sache an die Vorins tanz zu- rückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter neuer Abklärung im Sinne der Erwägung 4.5 über den Rentenanspruch neu verfüge. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der bereits geleistete Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 300.- nach Ein- tritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben mit Rückschein) – die Vorinstanz (Ref-Nr. 756.5868.4977.35; Einschreiben) – das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. C-4395/2010 Seite 14 Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Beat Weber Urs Walker Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern , Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsge setzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die U n- terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: