<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2023-04-06-1B_461-2022.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1B_461/2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 6. April 2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Müller, präsidierendes Mitglied, </div> <div class="para">Bundesrichter Chaix, Kölz, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Forster. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Martin Tobler, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Hermann Götz-Strasse 24, Postfach, 8401 Winterthur. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Strafverfahren; Entsiegelung und Durchsuchung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen die Verfügung des Bezirksgerichts Winterthur, Zwangsmassnahmengericht, Bezirksrichterin, vom 22. August 2022 (GT220017-K/U/ch). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland führt eine Strafuntersuchung gegen A.________ wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Anlässlich einer am 11. Juli 2022 in der Wohnung des Beschuldigten durchgeführten Hausdurchsuchung wurden ca. 16,6 kg Haschisch, ca. 4,7 kg Marihuana, 176 g Kokain, 10 g MDMA, eine Feinwaage und ein Vakuumiergerät beschlagnahmt sowie, nebst Unterlagen, elektronische Geräte und Datenträger sichergestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Am 12. Juli 2022 verlangte der Beschuldigte die Siegelung seiner bei ihm sichergestellten Mobiltelefone, SIM-Karten, USB-Sticks, Telefonlisten und Kontenauszüge. Am 22. Juli 2022 stellte die Staatsanwaltschaft das Gesuch um Entsiegelung dieser Gegenstände und Aufzeichnungen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Mit "Verfügung" vom 22. August 2022 hiess das Bezirksgericht Winterthur, Zwangsmassnahmengericht, Einzelrichterin (ZMG), das Entsiegelungsgesuch gut und gab "sämtliche vom Siegelungsbegehren umfassten" Asservate an die Staatsanwaltschaft zur Durchsuchung und weiteren Verwendung frei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>D.</b> </div> <div class="para">Gegen den Entsiegelungsentscheid des ZMG gelangte der Beschuldigte mit Beschwerde vom 6. September 2022 an das Bundesgericht. Er beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. Eventualiter sei die Entsiegelung und Freigabe zur Durchsuchung aller gesiegelten Datenträger "hinsichtlich den Inhalten von Berufsgeheimnisträgern" zu verweigern. </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 27. September 2022 bewilligte das Bundesgericht das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Beschwerde. Das ZMG hat auf eine Stellungnahme ausdrücklich verzichtet. Die Staatsanwaltschaft liess sich innert der auf den 29. September 2022 (fakultativ) angesetzten Frist nicht vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Angefochten ist ein kantonal letztinstanzlicher Entsiegelungsentscheid (<span class="artref">Art. 80 Abs. 2 Satz 3 BGG</span> i.V.m. 248 Abs. 3 StPO). Auch das Sachurteilserfordernis eines drohenden nicht wieder gutzumachenden Rechtsnachteils ist erfüllt (<span class="artref">Art. 93 Abs. 1 lit. a StPO</span>). Der Beschwerdeführer legt dar, dass gesetzlich geschützte Geheimnisrechte tangiert seien, nämlich das Arzt- und das Verteidigungsgeheimnis. Die übrigen Eintretenserfordernisse von Art. 78 ff BGG sind ebenfalls gegeben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer macht (zusammengefasst) geltend, die Vorinstanz habe sämtliche gesiegelten Datenträger und Aufzeichnungen entsiegelt und zur Durchsuchung an die Staatsanwaltschaft freigegeben, ohne jene Gegenstände und Dateien auszusondern, welche einem Berufsgeheimnis unterlägen (Ärzte- und Verteidigerkorrespondenz mit dem Beschwerdeführer). In diesem Zusammenhang rügt er eine Verletzung von <span class="artref">Art. 248 und <artref id="CH/312.0/264" type="start"></artref>Art. 264 StPO</span><artref id="CH/312.0/248" type="end"></artref>. Durch übertrieben strenge Anforderungen an die Substanziierungsobliegenheit sei die Vorinstanz zudem in überspitzten Formalismus verfallen (<span class="artref">Art. 29 Abs. 1 BV</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Aufzeichnungen und Gegenstände, die nach Angaben der Inhaberin oder des Inhabers wegen eines Aussage- oder Zeugnisverweigerungsrechts oder aus anderen Gründen nicht durchsucht oder beschlagnahmt werden dürfen, sind zu versiegeln und dürfen von den Strafbehörden weder eingesehen noch verwendet werden (<span class="artref">Art. 248 Abs. 1 StPO</span>). Stellt die Staatsanwaltschaft im Vorverfahren ein Entsiegelungsgesuch, hat das Zwangsmassnahmengericht im Entsiegelungsverfahren zu prüfen, ob die Geheimnisschutzinteressen, welche von der Inhaberin oder dem Inhaber der versiegelten Aufzeichnungen und Gegenstände angerufen werden, einer Durchsuchung und weiteren Verwendung durch die Staatsanwaltschaft entgegenstehen (<span class="artref"><artref id="CH/312.0/248/4" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/248/2" type="start"></artref>Art. 248 Abs. 2-4 StPO</span><artref id="CH/312.0/248/4" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/4" type="end"></artref>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-74%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page74">BGE 144 IV 74</a> E. 2.2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-77%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page77">141 IV 77</a> E. 4.1 mit Hinweisen). </div> <div class="para">Nach der bundesgerichtlichen Praxis trifft den Inhaber von zu Durchsuchungszwecken sichergestellten Aufzeichnungen und Gegenständen, der ein Siegelungsbegehren gestellt hat, die prozessuale Obliegenheit, die von ihm angerufenen Geheimhaltungsinteressen (im Sinne von <span class="artref">Art. 248 Abs. 1 StPO</span>) spätestens im Entsiegelungsverfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht ausreichend zu substanziieren. Dies gilt besonders bei grossen Datenmengen. Kommt der Betroffene seiner Mitwirkungs- und Substanziierungsobliegenheit im Entsiegelungsverfahren nicht nach, ist das Gericht nicht gehalten, von Amtes wegen nach allfälligen materiellen Durchsuchungshindernissen zu forschen. Tangierte Geheimnisinteressen sind wenigstens kurz zu umschreiben und glaubhaft zu machen. Auch sind diejenigen Aufzeichnungen und Dateien zu benennen, die dem Geheimnisschutz unterliegen. Dabei ist der Betroffene nicht gehalten, die angerufenen Geheimnisrechte bereits inhaltlich offenzulegen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-IV-207%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page207">BGE 142 IV 207</a> E. 7.1.5, E. 11; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-77%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page77">141 IV 77</a> E. 4.3, E. 5.5.3, E. 5.6; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-IV-225%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page225">138 IV 225</a> E. 7.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-189%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page189">137 IV 189</a> E. 4.2, E. 5.3.3; nicht amtl. publ. E. 6 von <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-74%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page74">BGE 144 IV 74</a>). </div> <div class="para">Nicht beschlagnahmt werden dürfen nach <span class="artref">Art. 264 Abs. 1 StPO</span> Unterlagen aus dem Verkehr der beschuldigten Person mit ihrer Verteidigung (lit. a) sowie Gegenstände und Unterlagen aus dem Verkehr der beschuldigten Person mit Personen, die nach den <span class="artref"><artref id="CH/312.0/170" type="start"></artref>Art. 170-173 StPO</span><artref id="CH/312.0/173" type="end"></artref> das Zeugnis verweigern können und im gleichen Sachzusammenhang nicht selber beschuldigt sind (lit. c). Macht eine berechtigte Person geltend, eine Beschlagnahme sei wegen eines Aussage- oder Zeugnisverweigerungsrechts oder aus anderen Gründen nicht zulässig, so gehen die Strafbehörden nach den Vorschriften über die Siegelung vor (<span class="artref">Art. 264 Abs. 3 StPO</span>). Das Zwangsmassnahmengericht kann zur Prüfung des Inhalts der Aufzeichnungen und Gegenstände eine sachverständige Person beiziehen (<span class="artref">Art. 248 Abs. 4 StPO</span>). </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 29 Abs. 1 und <artref id="CH/101/29^a" type="start"></artref>Art. 29a BV</span><artref id="CH/101/29/1" type="end"></artref> verbieten die formelle Rechtsverweigerung bzw. überspitzten Formalismus. Dies liegt nach der Praxis des Bundesgerichts insbesondere vor, wenn für ein gerichtliches Verfahren rigorose Formvorschriften aufgestellt werden, ohne dass die Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die Behörde formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt oder an Rechtsschriften überspannte Anforderungen stellt und damit dem Bürger den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=2&amp;from_date=22.03.2023&amp;to_date=10.04.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-6%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page6">BGE 135 I 6</a> E. 2.1 mit Hinweisen; s.a. Urteil 1B_382/2017 vom 22. Dezember 2017 E. 3.3 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Die Vorinstanz erwägt in diesem Zusammenhang Folgendes: </div> <div class="para">Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, dass sich in den gesiegelten elektronischen Dateien diverse Kommunikationsinhalte mit Rechtsanwälten bzw. Ärzten befänden. Er habe auf digitale Korrespondenz zwischen ihm und diversen Mitarbeitenden der Kanzlei des amtlichen Verteidigers verwiesen und entsprechende E-Mail-Adressen genannt. Auch habe er auf zwei weitere E-Mail-Adressen verwiesen, welche Korrespondenzen enthielten, die dem Arztgeheimnis unterstünden. Zwar habe er in diesem Zusammenhang zwei Telefonnummern und acht E-Mail-Adressen genannt, jedoch nur zwei E-Mails konkret mit Datum bezeichnet, nämlich eine vom 6. Dezember 2021 an ihn (die von einer Arztpraxis stamme) und eine weitere vom 15. Dezember 2021 von ihm, mit der er die genannte E-Mail vom 6. Dezember 2021 an seinen Offizialverteidiger weitergeleitet habe. </div> <div class="para">In diesem Zusammenhang sei zu berücksichtigen, dass auf das vom Beschwerdeführer benutzte E-Mail-Konto jederzeit online zugegriffen werden könne. Folglich habe er auch die Möglichkeit gehabt, nicht nur die erwähnten zwei E-Mails konkret mit Datumsangabe zu bezeichnen, sondern auch die weitere angeblich von Berufsgeheimnissen betroffene Korrespondenz. Dies gelte nach Ansicht der Vorinstanz "umso mehr" für die Mail-Korrespondenz mit dem amtlichen Verteidiger und dessen Kanzleipartnern, die auch noch auf den Mail-Konten der Verteidigung abgerufen werden könne. Soweit der Offizialverteidiger über WhatsApp mit dem Beschuldigten kommuniziert hätte, was indes nicht behauptet worden sei, gelte das Analoge. Dass der Verteidiger und sein Büropartner "Kontakte mit dem Beschuldigten hatten", sei "ohnehin bekannt, womit auch die Bekanntgabe der konkreten Daten der Kontakte im Rahmen des Entsiegelungsverfahrens keinem Geheimnisschutz" unterstehe. Wesentlich sei, dass der Beschwerdeführer nicht angegeben habe, "auf welchen der 11 sichergestellten Datenträger die entsprechenden Korrespondenzen zu finden und folglich auszusondern sein sollen", weshalb er seiner Substanziierungsobliegenheit nicht nachgekommen sei. </div> <div class="para">Was die sichergestellten <i>physischen</i> Unterlagen mit Kontenauszügen betrifft (Position 27 des Durchsuchungsprotokolls), habe der Beschwerdeführer zwar geltend gemacht, er wisse nicht mehr, ob er einen Teil der Anwaltskorrespondenz ausgedruckt habe und sich entsprechende Dokumente unter den Kontenauszügen befinden könnten. Es sei jedoch Sache des anwaltlich vertretenen Beschwerdeführers gewesen, darzulegen, ob und inwiefern in diesem Zusammenhang Anwaltskorrespondenz ausgedruckt worden sein könnte. Im Entsiegelungsverfahren habe er keine entsprechenden substanziierten Vorbringen gemacht. Für die gesiegelte Telefonliste (Position 8 des Durchsuchungsprotokolls) habe er in diesem Zusammenhang (Berufsgeheimnisschutz) kein Entsiegelungshindernis dargelegt (angefochtener Entscheid, E. 5.4, S. 9-11). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Der Beschwerdeführer wendet im Wesentlichen Folgendes ein: </div> <div class="para">Schon in seiner vorinstanzlichen Stellungnahme habe er geltend gemacht, dass die Korrespondenz mit Ärzten und Rechtsanwälten auszusondern sei. Die geforderte Triage habe sich klarerweise auf E-Mails inklusive Anhänge bezogen. Damit sei der relevante Suchbereich der gesiegelten elektronischen Datenspeicher auf die beiden sichergestellten Mobiltelefone fokussiert worden, "allenfalls noch" auf die zwei USB-Sticks. Die ebenfalls sichergestellten sieben SIM-Karten enthielten hingegen von Vornherein keine E-Mail-Korrespondenz. Da nur die Mailspeicher der beiden sichergestellten Mobiltelefone und die zwei USB-Sticks im Hinblick auf die von ihm gemeldeten Mailadressen von Berufsgeheimnisträgern zu triagieren seien, erscheine die gebotene Aussonderung auch nicht besonders aufwändig. Im vorinstanzlichen Verfahren habe er konkrete Angaben gemacht, sowohl zu der von ihm benutzten E-Mail-Adresse als auch zu sämtlichen E-Mail-Adressen der betroffenen Ärzte und Anwälte. Auch die relevante Telefon-Applikation ("E-Mail/Mail") habe er genannt. Aufgrund dieser Angaben sei es technisch einfach, die berufsgeheimnisgeschützte Korrespondenz herauszufiltern. Damit sei er seiner Substanziierungsobliegenheit nachgekommen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.</b> Weder die Vorinstanz noch die Staatsanwaltschaft liessen sich im bundesgerichtlichen Verfahren zu den Vorbringen des Beschwerdeführers vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.5.</b> Die Erwägungen des angefochtenen Entscheides vermögen grossteils nicht zu überzeugen. </div> <div class="para">Was die gesiegelten <i>elektronischen</i> Aufzeichnungen betrifft, erweisen sich die Erwägungen der Vorinstanz zunächst als widersprüchlich. Einerseits verlangt sie unter dem Gesichtspunkt der prozessualen Substanziierungsobliegenheit für Berufsgeheimnisse, dass der Beschwerdeführer sämtliche betroffenen E-Mail-Korrespondenzen einzeln und mit Datumsangabe zu spezifizieren habe. Anderseits lässt sich dem angefochtenen Entscheid nicht nachvollziehbar entnehmen, weshalb das ZMG dann nicht wenigstens die beiden entsprechend bezeichneten E-Mails vom 6. Dezember 2021 (Arztgeheimnis) und 15. Dezember 2021 (Verteidigungsgeheimnis) ausgesondert und von der Entsiegelung ausgenommen hat. Nach den unbestrittenen Darlegungen des Beschwerdeführers hat er zudem noch das Datum einer dritten E-Mail vom 20. Dezember 2021 (Verteidigungsgeheimnis) genannt. Aber auch sonst erweist sich der angefochtene Entscheid als teilweise bundesrechtswidrig und überspitzt formalistisch. Dass die betroffene Person sämtliche berufsgeheimnisgeschützten digitalen Kommunikationen einzeln und mit konkreter Datumsangabe zu bezeichnen hätte, geht über die oben (E. 2.1) dargelegte Rechtsprechung zur Substanziierungsobliegenheit deutlich hinaus. Für eine derart strenge prozessuale Handhabe findet sich weder im Gesetz noch in der einschlägigen Bundesgerichtspraxis eine Grundlage und sie ist sachlich nicht gerechtfertigt (vgl. Urteile 1B_563/2022 vom 19. Januar 2023 E. 3.3; 1B_602/2020 vom 23. Februar 2021 E. 4.3). </div> <div class="para">Die prozessuale Obliegenheit, angerufene Geheimhaltungsinteressen ausreichend zu substanziieren, ist kein Selbstzweck, sondern soll dem ZMG eine sachgerechte und gezielte Triage ermöglichen. Praxisgemäss ist es hierfür ausreichend, wenn der Speicherort von geschützter Anwaltskorrespondenz und die Namen der Anwältinnen und Anwälte bekannt sind, da so ohne Weiteres mittels Suchfunktion nach der geschützten Anwaltskorrespondenz gesucht werden kann und eine Aussonderung ohne grossen Aufwand bzw. aufwändige Nachforschungen möglich ist (zit. Urteile 1B_563/2022 E. 3.3.1 und 1B_602/2020 E. 4.3; Urteil 1B_611/2021 vom 12. Mai 2022 E. 7.4.2). </div> <div class="para">Die kantonalen Instanzen bestreiten die tatsächlichen Vorbringen des Beschwerdeführers nicht. Indem die Vorinstanz erwägt, Kontaktdaten von Berufsgeheimnisträgern unterstünden nicht dem Geheimnisschutz, scheint sie zu übersehen, dass hier nicht bloss Kontaktdaten (wie Geschäftsadressen, Telefonnummern und Mailadressen) von der Entsiegelung betroffen sind; das ZMG hat vielmehr entschieden, die sichergestellte Verteidiger- und Ärztekorrespondenz <i>inhaltlich</i> an die Staatsanwaltschaft zur Durchsuchung freizugeben. Der Beschwerdeführer gibt im Übrigen mit Recht zu bedenken, dass es für die Vorinstanz mit relativ wenig Aufwand verbunden ist, die E-Mails von den (und an die) konkret genannten Mailadressen von Berufsgeheimnisträgern auf den zwei sichergestellten Mobiltelefonen und den zwei USB-Sticks zu triagieren und auszusondern, nötigenfalls unter Beizug einer technisch sachverständigen Person (<span class="artref">Art. 248 Abs. 4 StPO</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.6.</b> Was die Entsiegelung der <i>elektronischen</i> Aufzeichnungen auf den sichergestellten zwei Mobiltelefonen und den zwei USB-Sticks betrifft (E-Mails samt Anhänge), verletzt der angefochtene Entscheid nach dem Gesagten Art. 264 Abs. 1 lit. a und lit. c i.V.m. <span class="artref">Art. 248 Abs. 1 StPO</span> sowie das Verbot des überspitzten Formalismus. Die Beschwerde ist insofern teilweise gutzuheissen. </div> <div class="para">Bezüglich der sichergestellten <i>physischen</i> Unterlagen, darunter die Kontenauszüge, ist die Beschwerde abzuweisen. Das blosse pauschale Vorbringen im vorinstanzlichen Verfahren, es könne sich vom Anwaltsgeheimnis geschützte Korrespondenz theoretisch unter den sichergestellten Kontenauszügen befinden, genügte den Substanziierungsanforderungen im Entsiegelungsverfahren nicht. Ausserdem wird in der Beschwerdeschrift eingeräumt, dass sich in den Kontenauszügen keine berufsgeheimnisgeschützten Aufzeichnungen befänden, weshalb sich die Beschwerde "nicht mehr" gegen deren Entsiegelung richte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde ist teilweise gutzuheissen. </div> <div class="para">Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, zur Triage - betreffend Verteidigungsgeheimnis und Arztgeheimnis - der gespeicherten E-Mails (samt Anhängen) auf den sichergestellten zwei Mobiltelefonen des Beschwerdeführers und auf seinen zwei USB-Sticks und zur diesbezüglichen Neubeurteilung der Entsiegelungssache. Darüber hinaus ist die Beschwerde abzuweisen. </div> <div class="para">Gerichtskosten sind nicht zu erheben (<span class="artref">Art. 66 Abs. 4 BGG</span>). Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer ist eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen, die direkt an den Parteivertreter zu entrichten ist (<span class="artref">Art. 68 BGG</span> i.V.m. <span class="artref">Art. 64 Abs. 2 Satz 2 BGG</span>). Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird damit hinfällig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, die Verfügung vom 22. August 2022 des Bezirksgerichtes Winterthur, Zwangsmassnahmengericht, Einzelrichterin, aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen, zur Triage betreffend Verteidigungsgeheimnis und Arztgeheimnis der gespeicherten E-Mails (samt Anhängen) auf den sichergestellten zwei Mobiltelefonen des Beschwerdeführers und auf seinen zwei USB-Sticks und zur diesbezüglichen Neubeurteilung der Entsiegelungssache. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Der Kanton Zürich (Kasse des Bezirksgerichtes Winterthur) hat an Rechtsanwalt Martin Tobler für das bundesgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- (pauschal, inkl. MWST) zu entrichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten und dem Bezirksgericht Winterthur, Zwangsmassnahmengericht, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 6. April 2023 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das präsidierende Mitglied: Müller </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Forster </div> </div></body></html>