B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3074/2014/pjn U r t e i l v o m 2 5 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von Richterin Esther Karpathakis; Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________, geboren (…) Eritrea, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 28. Februar 2014 / N_________ D-3074/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit undatierter Eingabe an die B.________ (Posteingang: 3. Mai 2011) beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, es sei ih m die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung eines Asylverfahrens zu bewilligen. B. Mit Schreiben vom 12. August 2013 teilte das BFM dem Beschwerdefü h- rer mit, dass gemäss Mitteilung der B._______ vom 23. März 2010 eine Befragung vor Ort aus sicherheitstechnischen, strukturellen und organisa- torischen Gründen nicht möglich sei, weshalb von einer solchen abges e- hen werde, was der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts entspreche (BVGE 2007/30, E. 5.8 S. 367 f.). Gleich zeitig ersuchte das BFM den Beschwerdeführer zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen zu Familienangehör i- gen und Verwandten in Drittstaaten, den Asylgründen und zum Aufenthalt im Sudan (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.4 S. 364 f.). C. Mit Stellungnahme vom 29. Januar 2014 (Posteingang Botschaft) beant- wortete der Beschwerdeführer das Schreiben des BFM vom 12. August 2013. D. Der Beschwerdeführer machte in seinen Eingaben im Wesentlichen ge l- tend, vom (…) bis (…) sei er als Soldat im Nationaldienst gew esen. An- fangs Juni 2006 habe er aufgrund des strengen Militärdienstes und der mangelnden Freiheit Eritrea illegal verlassen und sei in den Sudan g e- langt. Er habe sich seit seiner Ankunft im Sudan nicht als Flüchtling beim UNHCR registrieren lassen und hab e aufgrund von Sicherheitsbedenken und aus Furcht vor Verschleppung nach Eritrea nie in einem Flüchtling s- lager gelebt. Er lebe in (…) unter schwierigen Bedingungen und arbeite als Taglöhner. Er verfüge weder im Sudan noch in der Schweiz über Ve r- wandte. E. Mit Verfügung vom 28. Februar 2014 – eröffnet am 28. April 2014 – ver- weigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte dessen Asylgesuch ab. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Schilderungen des Beschwerdeführers liessen darauf schliessen, dass er aufgrund der Desertion aus dem Nationa l-D-3074/2014 Seite 3 dienst ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden habe. Im Folgenden sei zu prüfen, ob einer Asylgewährung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von alt Art. 52 Abs. 2 des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl ve r- weigert werden könne, wenn ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Zwar – so das BFM – sei die Lage der eritreischen Flüchtlinge und Asylbewerber im Sudan angesichts deren Anzahl nicht einfach. Die zahlreichen eritreischen Flüchtlinge im Sudan verfügten nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land, sondern würden nach ihrer Registrierung einem Flüchtlingslag er zugeteilt, wo sie sich aufzuhalten hätten und die nötige Versorgung erhiel- ten. Indessen bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, dass der Beschwerdeführerin und ihren Kindern ein weiterer Verbleib im Sudan nicht zumutbar wäre. Er habe die Möglichkeit, beim UNHCR um Schutz zu er suchen, sollte seine Situation tatsächlich kritisch sein. Die Befürchtung, nach Eritrea deportiert zu werden, werde als unbegründet erachtet, verfüge er doch nicht über ein geeignetes Risikoprofil, das eine Befürchtung vor einer Verschleppung nach Eritrea objektiv begründen könnte. Im Weiteren sei festzustel len, dass der Beschwerdeführer über keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz verfüge. F. Mit am 18. Mai 2014 bei der B._________ eingetroffener und von dieser zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungs gericht weitergeleiteter englischsprachiger Eingabe (Eingang beim Bundesverwaltungsgericht: 5. Juni 2014) erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid sinn ge- mäss Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden ge gen Verfügungen nach Art. 5 VwVG . Das BFM ge hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht D-3074/2014 Seite 4 zutrifft – bei V orliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2. Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abge - fasst. Auf die Ansetzu ng einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indessen praxisgemäss verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befun- den werden kann. 1.3. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil - genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än - derung und ist daher zur Einreichung der Besch werde legitimiert. Auf die frist- und – vom sprachlichen Mangel abgesehen – formgerecht ein - gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Mit Beschwerde kann di e Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Da es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, ist der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründe n (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft tra t, wurden un- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom D-3074/2014 Seite 5 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (alt Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisherigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. 6. 6.1 Wird ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertr e- tung gestellt, so führt diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch und überweist das Gesuch anschliessend an das BFM (vgl. dazu alt Art. 19 und Art. 20 Abs. 1 AsylG sowie Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist die Durchführung einer Befragung nicht mö g- lich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ih- re Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). 6.2 Nach alt Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG ist die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird, das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung, oder aber wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt im Wohnsitz - oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint. 6.3 Vorliegend wurde auf eine Befragung durch die Botschaft mangels entsprechender Kapazitäten der B.__________ verzichtet und dem B e- schwerdeführer – zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs – ein schriftli- cher Fragekatalog zugestellt. Vor dem Hintergrund der massgeblic hen Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus dem Ausland und Einre i- sebewilligung sowie unter Berücksichtigung der Aktenlage ist festzuste l- len, dass im vorliegenden Verfahren auf eine Befragung verzichtet we r- den durfte und mit der Einladung zur Stellungna hme den massgeblichen verfahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30, insbes. E. 5.6 f.). 6.4 Gemäss Art. 3 AsylG wird ein Ausländer als Flüchtling anerkannt, wenn er in seinem Heimatstaat oder im Land, wo er zuletzt wohnte, we- gen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestim m- ten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Anschauungen erns t- haften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernst hafte Nachteile gelten n a- mentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massna h-D-3074/2014 Seite 6 men, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den fraue n- spezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 6.5 Hält sich die asylsuchende Person – wie im vorliegenden Fall – in ei- nem Drittstaat auf, bedeutet dies noch nicht zwingend, dass es ihr auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. In einem solchen Fall ist aber im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffe n- de Person habe in diesem Drittstaat bereits den erforderlichen Schutz ge- funden, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und der Ve r- weigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar er- scheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen (vgl. BVGE 2011/10). Der Beschwerdeführer hält sich nach eigenen Angaben seit seiner Aus- reise aus Eritrea unter schwierigen Bedingungen in (…) auf. Hierzu ist festzuhalten, dass dieser , sollte er sich an seinem derzeitigen Aufen t- haltsort nicht mehr hinreichend sicher fühlen und sich seine dortige sons- tige Lebenssituation weiter verschlechtern, über die Möglichkeit verfügt, sich beim UNHCR als Flüchtling zu registrieren und in dem ihm zugewie- senen Camp zu leben. Die in diesem Zusammen hang geäusserten B e- fürchtungen vor einer Entführung sind angesichts der diesbezüglichen S i- tuation vor Ort zwar nachvollziehbar. Das BFM hat jedoch in der ang e- fochtenen Verfügung übereinstimmend mit der Praxis des Bundesverwa l- tungsgerichts erwogen, gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flücht linge anerkannt sind, gering (vgl. s tatt vieler Urteil E - 4417/2011 vom 9. Februar 2012 E. 6.5.3). Dem Bericht der Schweizer i- schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 5. Juli 2012 zufolge, der die Gefahr von Deportationen, Entführungen und Lösegelderpressungen von eritreischen Flüchtlingen im Sudan thematisiert und auf die schwierige Situation hi n- weist, kann aus serdem entnommen werden, dass insbesondere das UNHCR, die International Organisation for Migration (IOM) und die sud a- nesischen Behörden bestrebt sind, die Situation zu verbessern. Gleiches gilt für Bestre bungen hinsichtlich der Sicherheit in den Flüchtlingscamps (vgl. dazu insbesondere die Mitteilung des UNHCR vom 25. Januar 2013; "UNHCR concern at refugee kidnappings, dis appearences in eastern Su- dan"). Ferner weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, welches sie mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zum Ziel eines Entführungsversuches ma- chen würde. D-3074/2014 Seite 7 An dieser Einschätzung vermag die blosse Behauptung in der Beschwer- de, wonach im Sudan alle Ausländer, auch wenn sie einen Flüchtling s- ausweis des UNHCR besitzen würden, gegen Entgelt eine sudanesische Identitätskarte erlangen müssten, um nicht in den Heimatstaat zurückg e- schafft zu werden, nichts zu ändern, ist doch, wie obenstehend ausg e- führt, davon auszugeh en, dass der Beschwerdeführer über die Möglich- keit verfügt, sich beim UNHCR als Flüchtling zu r egistrieren und in dem ihm zugewiesenen Camp zu leben. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend keine konkret en Hin- weise dafür bestehen, der Beschwerdeführer sei gegenwärtig einer Ge - fährdung ausgesetzt oder habe eine unmittelbar drohende Deportation nach Eritrea oder eine Entführung durch terroristische Gruppen zu b e- fürchten. 6.6 Schliesslich ist festzustellen, dass keine nahen Verwandten oder Be - zugspersonen des Beschwerdeführers in der Schweiz leben, und den Ak- ten auch sonst keine Hinweise auf Anknüpfungspunkte zur Schweiz zu entnehmen sind. 6.7. Der Beschwerdeführer vermochte insgesamt nicht aufzuzeigen, dass er auf die Schutzgewährung durch die Schweiz ang ewiesen ist be - ziehungsweise ihm gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz ge - währen muss. Der weitere Verbleib im Sudan ist ihm nach dem Gesagten zuzumuten und die Vorinstanz hat ihm zu Recht die Einreise i n die Schweiz verweigert und dessen Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Er wägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügu ng Bundesrecht nicht verletzt und der rechtserhebliche Sachverhalt richtig und voll ständig fest gestellt wurde (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes verwaltungsge- richt (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend jedoch auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. D-3074/2014 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Schweizer Vertretung in Khartum und das BFM. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: