Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. Januar 2019 (810 18 183) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Staatssteuer 2016 / Unterstützungsabzug für das erwachsene Kind in Ausbildung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsricht er Claude Jeanneret, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber Stefan Suter Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rechtsdienst, Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Einwohnergemeinde B.____ , Beigeladene Betreff Staatssteuer 2016 (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 9. März 2018) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ erhob am 12. Juni 2017 Einsprache gegen die Veranlagungsverfügung betref- fend die Staatssteuer 2016 und beantragte, sie sei als Geschiedene nach dem Tarif für Verhei- ratete (Vollsplitting) zu besteuern, unter Gewährung des Kinderabzugs inklusive Versicherungs- prämienpauschale. Sie machte im Wesentlichen geltend, sie lebe mit ihrem volljährigen Sohn in einem gemeinsamen Haushalt. Ihr Sohn absolviere im Ra hmen seiner Erstausbildung ein Voll- zeitstudium an der Universität Basel und erziele kein Ei nkommen. Sie unterstütze ihn unter an- derem durch die Gewährung von Kost und Logis sowie durch die Übernahme der Krankenkas- senprämien. Sie habe deswegen Anspruch auf die gesetzlichen Steuervorteile für Elternteile mit unterstützungsbedürftigen Kindern. B. Die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft ( Steuerverwaltung) wies die Ein- sprache mit Entscheid vom 13. September 2017 ab. Die Gewährung der Tarifvergünstigung und des Kinderabzugs setze die Unterstützungsbedürftigkeit de s volljährigen Kindes voraus. Ent- scheidend sei, dass das Kind auf die Leistungen der Eltern angewiesen sei. In dieser Hinsicht sei nicht allein das Einkommen des Kindes massgebend, sond ern auch dessen Vermögen. Der Sohn der Steuerpflichtigen habe im Jahr 2016 über ein Nettovermögen von Fr. 113'836.-- ver- fügt. Solange sein Vermögen die Steuerfreiheitsgrenze von Fr. 75'000.-- übersteige, sei es ihm möglich und zumutbar, an seinen eigenen Unterhalt bei zutragen, zumal er durch die häusliche Gemeinschaft wesentliche Auslagen für den Lebensunterh alt einspare. Dieser Umstand führe dazu, dass die anbegehrten Steuervorteile nicht gewährt werden könnten. C. Dagegen erhob A.____ am 11. Oktober 2017 Rekurs bei m Steuer- und Enteignungsge- richt des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Steuergeri cht (Steuergericht), wobei sie bei gleichbleibenden Hauptbegehren neu eventualiter die Gewährung des einfachen Unterstüt- zungsabzugs begehrte. Das Steuergericht wies den Rekurs mit Entscheid vom 9. März 2018 ab. In der Begründung stützte das Gericht im Ergebnis die Rechtsauffassung der Steuerverwal- tung, wobei es sich für das als Notgroschen zu belassende Ve rmögen an den Ergänzungsleis- tungen zur AHV und IV orientierte und die dortige Ve rmögensfreigrenze von Fr. 37'500.-- ana- log heranzog. Das über diesem Betrag liegende Vermögen habe der Sohn der Steuerpflichtigen zur Deckung seines Lebensbedarfs heranzuziehen. Bei einer R egelstudiendauer von fünf Jah- ren stünden ihm aus dem Vermögensverzehr pro Jahr Fr. 15 '267.-- zur Verfügung. Er erhalte zudem nicht steuerbare Unterhaltszahlungen seines Vaters in der jährlichen Höhe von Fr. 13'500.--. Nachdem die in der Steuererklärung 20 16 des Sohnes deklarierten Abzüge die Einkünfte um Fr. 3'006.-- überstiegen, zog das Gericht d iese Summe ab. Da der resultierende Betrag Fr. 25'000.-- überschreite, gelte der Sohn nach der kantonalen Praxis nicht als unterstüt- zungsbedürftig, und da die Einkünfte über der steuerf reien Einkommensgrenze zu liegen kä- men, entfalle auch ein Kinderabzug. Daraus folge, dass auch kein reduzierter Steuersatz zur Anwendung gelange und keine Versicherungsprämienpauscha le geltend gemacht werden kön- ne. Mangels Unterstützungsbedürftigkeit des Kindes stehe der Steuerpflichtigen sodann kein Unterstützungsabzug zu. D. Mit Eingabe vom 2. Juli 2018 hat A.____ gegen den Entscheid des Steuergerichts beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsre cht (Kantonsgericht), Beschwerde erhoben. Sie beantragt sinngemäss, der angefochtene En tscheid sei aufzuheben und sie sei Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter Gewährung des Unterstützungsabzugs nach dem Vollsp littingtarif zu veranlagen. Eventu- aliter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dies habe unter o/e- Kostenfolge zu geschehen. Sie bringt zusammengefasst vor, die vorinstanzliche Herleitung der Unterstützungsbedürftigkeit ihres Sohnes weiche ohne Beg ründung von der im Baselbieter Steuerbuch publizierten klaren Praxis der Steuerverwaltu ng ab. Insbesondere werde ein deut- lich höherer Vermögensverzehr als zumutbar erachtet. Mit der (ausdrücklich nicht angefochte- nen) Verweigerung des Kinderabzugs entfalle indes nicht automatisch die Möglichkeit eines Unterstützungsabzugs. Der Abzug verlange Unterstützungsbedar f, nicht aber eine eigentliche Notlage des unterstützten Kinds. E. Die Steuerverwaltung, die Einwohnergemeinde B.__ __ und das Steuergericht schlies- sen auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- un d Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht als letzter kantonaler Instanz angefochten werden. Da sämtliche formellen Voraussetzungen gemäss § 131 StG und den §§ 43 ff. des Ge setzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 erfüllt sind, ist auf die vorlie- gende Beschwerde einzutreten. 2. Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Mäng el des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (§ 4 5 Abs. 2 VPO). Das Kantonsgericht prüft somit den angefochtenen Entscheid mit voller Kognition. 3. Die Beschwerdeführerin verlangt die Gewährung des Un terstützungsabzugs und die Besteuerung nach dem Vollsplittingtarif. Gemäss § 33 li t. a StG wird für die Steuerberechnung für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähig e Person, die vom Steuerpflichtigen in mindestens der Höhe des Abzuges unterstützt wird, pauscha l Fr. 2'000.-- vom Reineinkommen in Abzug gebracht. Dieser Unterstützungsabzug soll als kl assischer Sozialabzug den privat- rechtlichen Leistungsverpflichtungen innerhalb einer Fam iliengemeinschaft Rechnung tragen und die Steuerlast im Verhältnis zu Steuerpflichtigen mit gleichem Einkommen ohne entspre- chende Unterstützungsleistungen ausbalancieren (vgl. M ATTHIAS SCHWEIGHAUSER , in: Nefzger/ Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kant ons Basel-Landschaft, Basel 2004, § 33 Rz. 2 und 11). Lebt eine geschiedene Steuer pflichtige mit der unterstützungsbedürf- tigen Person in häuslicher Gemeinschaft, kommt sie ausserd em in den Genuss der Tarifver- günstigung für Verheiratete, indem der Steuersatz des halben steuerbaren Gesamteinkommens angewendet wird (§ 34 Abs. 2 StG, sog. "Vollsplitting"). 4. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin für i hren Sohn Unterstützungsleistun- gen mindestens in der Höhe des Abzuges erbringt. Zentral er Streitpunkt des vorliegenden Ver- fahrens bildet die Frage, ob der Sohn als unterstützung sbedürftig im steuerrechtlichen Sinn zu Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht qualifizieren ist, was für die Beschwerdeführerin wie soeben aufgezeigt eine vorteilhaftere Be- steuerung zur Folge hätte. Ist der Sohn nicht unterstüt zungsbedürftig, entfallen auch die bean- tragten Steuervergünstigungen. 5.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die vorinstanzli che Herleitung der Unterstützungsbe- dürftigkeit ihres Sohnes weiche ohne Begründung von der im Baselbieter Steuerbuch publizier- ten klaren Praxis der Steuerverwaltung ab. Insbesondere w erde ein deutlich höherer Vermö- gensverzehr als zumutbar erachtet. Der Abzug verlange Un terstützungsbedarf, nicht aber eine eigentliche Notlage des unterstützten Kinds. 5.2 Unterstützungsbedürftig im steuerrechtlichen Sinn sin d Personen, die wegen ihres Al- ters, ihrer Gesundheit oder aus anderen (dauerhaften) Gründen nicht in der Lage sind, ein ge- nügendes Einkommen zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts zu erzielen (vgl. Baselbieter Steuerbuch, Band 1, 33 Nr. 2 Ziff. 1, mit Verweis au f S CHWEIGHAUSER , a.a.O., § 33 Rz. 14). Dazu zählen neben erwerbsunfähigen Menschen auch Personen , die aus objektiven Gründen daran gehindert sind, ihre an sich bestehende Erwerbsf ähigkeit voll auszuüben, und daraus eine finanzielle Bedürftigkeit resultiert. Ob eine dau erhafte Bedürftigkeit vorliegt, beurteilt sich nach objektiven Kriterien und nicht nach den subjektiv en Bedürfnissen des Leistungsempfän- gers. Keine Unterstützungsbedürftigkeit im Sinne des Gese tzes liegt vor, wenn die unterstützte Person freiwillig und ohne zwingenden Grund auf die Erzielung eines genügenden Einkommens verzichtet oder wenn diese ihren Lebensunterhalt aus vor handenem Vermögen bestreiten kann (ERICH BOSSHARD /HANS -RUDOLF BOSSHARD /WERNER LÜDIN , Sozialabzüge und Steuertarife im schweizerischen Steuerrecht, Zürich 2000, S. 182 f.; Urte il des Kantonsgerichts, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 7. Juni 2006 [810 05 453] E. 8b). 5.3 Die Steuerverwaltung vertritt in der Vernehmlassun g vom 8. August 2018 erstmals im Verfahren den Standpunkt, der Sohn der Beschwerdeführ erin sei als Student objektiv gesehen nicht dauernd finanziell bedürftig. In der Tat ist ein Kind in Ausbildung weder dauerhaft er- werbsunfähig noch unfreiwillig beschränkt erwerbsfähig und ist die Gewährung des Unterstüt- zungsabzugs im Grunde genommen sachwidrig (vgl. Bericht de r Expertenkommission zur Überprüfung des schweizerischen Systems der Familienbesteue rung [Kommission Familienbe- steuerung], Bern 1998, S. 47). Aus sozialpolitischen Grü nden wird in der Praxis dennoch die Unterstützungsbedürftigkeit bejaht, wenn eine Person aus Ausbildungsgründen daran gehindert ist, ein (genügendes) Erwerbseinkommen zu erzielen. Da es sich bei einer solchen Ausbildung um eine Ursache handeln muss, die in ihren Wirkungen de r Erwerbsunfähigkeit gleichkommt, fällt nur die eigentliche Vollausbildung bis zum Abschl uss des Erststudiums, nicht aber eine allfällige Weiterbildung oder ein Zweitstudium in Be tracht. Erzielt ein Kind während seiner voll- zeitlichen beruflichen Erstausbildung kein genügendes Einkommen und muss es deswegen von seinen Eltern unterstützt werden, gilt es demnach grundsä tzlich als unterstützungsbedürftig (BOSSHARD /BOSSHARD /LÜDIN , a.a.O., S. 190 f.; KGE VV vom 14. Januar 2015 [810 14 265] E. 5.2). Der Sohn der Beschwerdeführerin befindet sich in der Erstausbildung und ist deswegen nur beschränkt erwerbsfähig, so dass eine finanzielle Un terstützungsbedürftigkeit entgegen dem Dafürhalten der Steuerverwaltung durchaus in Betracht kommt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die Bestimmung der Unterstützungsbedürftigkeit verla ngt eine Gegenüberstellung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse auf der einen und der notwendigen Aufwendungen zum Lebensunterhalt auf der anderen Seite. Die Schwell e, unterhalb derer eine Bedürftigkeit vorliegt, ist vom Gesetz nicht definiert. 6.2 Die Feststellung der Unterstützungsbedürftigkeit or ientiert sich nach der kantonalen Pra- xis an bestimmten Einkommens- und Vermögensobergrenzen. Alleinstehende Personen gelten gemäss dem Baselbieter Steuerbuch als unterstützungsbed ürftig, wenn ihr steuerbares Ein- kommen Fr. 25'000.-- nicht erreicht. Die Obergrenze be i verheirateten Personen liegt bei Fr. 45'000.--. Für alleinstehende Personen mit Kinde rn im gleichen Haushalt wird eine Grenze von Fr. 35'000.-- als sachgerecht beurteilt. Verfügt d ie unterstützte alleinstehende Person über ein grösseres Vermögen und bleibt nach Abzug eines Freib etrages von Fr. 75'000.-- noch steu- erbares Vermögen übrig, so werden 10 % hiervon als virtu eller Ertrag dem Einkommen ange- rechnet (vgl. Baselbieter Steuerbuch, Band 1, 33 Nr. 2 Ziff. 2). 6.3 Auch wenn bei der Frage der Bedürftigkeit aus Pr aktikabilitätsgründen eine gewisse Schematisierung unumgänglich ist, so darf der Gesichtspun kt der Rechtsgleichheit nicht aus den Augen verloren werden. Eine rechtsgleiche Anwendun g des Gesetzes bedingt, dass auch bei Sozialabzügen bei vergleichbaren Sachverhalten stets gleich entschieden wird, und umge- kehrt, dass wesentliche Unterschiede berücksichtigt werden (vg l. BOSSHARD /BOSSHARD /LÜDIN , a.a.O., S. 184; ERNST BLUMENSTEIN /PETER LOCHER , System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl., Zürich 2016, S. 30 ff.). Ein blindes Abstell en auf die im Steuerbuch publizierten Zahlen vermag diesen verfassungsmässigen Vorgaben nicht gerecht zu w erden, sondern würde viel- mehr in einer nicht zu vernachlässigenden Anzahl von Ko nstellationen zu stossenden Un- gleichbehandlungen führen. Mit dem einzigen Kriterium des steuerbaren Einkommens werden etwa sämtliche steuerfreien Einkünfte ausgeblendet, wel che durchaus eine namhafte Höhe er- reichen können. Dieses Einkommen steht den Betroffenen ebenso wie die besteuerten Einkünf- te zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts effektiv zur Ver fügung und es ist nicht einsichtig, weshalb es für die Berechnung der Unterstützungsbedürft igkeit nicht mit einbezogen werden soll. Im vorliegenden Fall zeigt sich diese Problematik exe mplarisch, empfängt der Sohn der Beschwerdeführerin doch steuerfreie jährliche Unterhal tszahlungen seines Vaters in der Höhe von Fr. 13'500.--. Fixe Einkommensgrenzen tragen auch auf der Ausgabenseite den individuel- len Lebenssituationen nicht immer genügend Rechnung. Di e im Baselbieter Steuerbuch publi- zierten Zahlen sind demnach als Orientierungshilfen und Richtgrössen bei der Bestimmung der Bedürftigkeit zu verstehen. Die Beurteilung hat vor diesem Hintergrund im Einzelfall anhand der konkreten Umstände zu erfolgen, wobei eine gewisse (verfe inerte) Schematisierung und Pau- schalisierung durchaus notwendig, zulässig und sinnvoll ist. 6.4 Die Vorinstanz ist beim Sohn der Beschwerdeführeri n von einem anrechenbaren jährli- chen Vermögensverzehr von Fr. 15'267.-- ausgegangen. Zu sammen mit dem Unterhaltsbeitrag des Vaters von jährlich Fr. 13'500.--, abzüglich des steuerbaren Gesamteinkommens von minus Fr. 3'006.--, ergibt das gemäss der Rechnung der Vori nstanz einen verfügbaren Betrag zur De- ckung des Lebensbedarfs von Fr. 25'761.--. Gestützt auf d en Einkommensfreibetrag von Fr. 25'000.--, wie ihn die Steuerverwaltung für alle instehende Personen annimmt, gelangte die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorinstanz zum Schluss, dass der Sohn nicht in die Kategor ie unterstützungsbedürftiger Perso- nen falle. Diese Art der Bestimmung der Unterstützungsbe dürftigkeit erscheint im vorliegenden Fall nicht sachgerecht, denn sie blendet die Ausgabense ite vollkommen aus. Im Fall eines Stu- denten, der wie vorliegend zu Hause wohnt und verpflegt wird, fallen wesentliche Budgetposten eines Haushalts wie Miete und Verpflegung zu Hause w eg, ebenso die Kosten für Internet, Ra- dio und Fernsehen. Die Wohnform hat einen massgeblich en Einfluss auf die Ausgaben. Durch die häusliche Gemeinschaft mit der Beschwerdeführerin er spart sich der Sohn erhebliche Auf- wendungen für den Lebensbedarf, welche bei einer all einstehenden und alleinwohnenden Per- son unweigerlich anfallen. Eine Berücksichtigung dieses Unt erschieds erscheint unter dem As- pekt der Rechtsgleichheit zwingend geboten, denn der Ein kommensfreibetrag von Fr. 25'000.-- ist vorliegend mit Blick auf die mit der Wohnform verbundenen tieferen Lebenshal- tungskosten augenscheinlich zu hoch angesetzt. 6.5 Es liegt nicht am Kantonsgericht, einen bestimmten allgemeinen Freibetrag für bei den Eltern wohnende Studenten zu proklamieren. Im Allgeme inen kann aber nicht von den Werten ausgegangen werden, welche für ausserhalb des Elternh auses lebende alleinstehende Perso- nen angenommen werden. Im vorliegenden Fall bietet e s sich an, auf die statistisch ermittelten durchschnittlichen Studien- und Lebenshaltungskosten von Studierenden zurückzugreifen. Am massgebenden Stichtag am Ende der Steuerperiode war de r damals 22-jährige Sohn der Be- schwerdeführerin an der Juristischen Fakultät der Universit ät Basel eingeschrieben. Gemäss den Erhebungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) belie fen sich die monatlichen Gesamt- ausgaben von Studierenden der Universität Basel, die im elterlichen Haushalt wohnten, im Jahr 2009 auf durchschnittlich Fr. 1'100.--, wobei jüngere Studenten über ein tendenziell tieferes Ausgabenbudget verfügten (BFS, Studieren unter Bolo gna, Neuenburg 2010, S. 62 ff.). Da die Semestergebühr der Universität zwischenzeitlich um Fr. 150.-- angehoben worden war, ansons- ten die allgemeine Teuerung aber insgesamt negativ ver laufen war und der Sohn zur jüngeren Studierendengruppe zu zählen ist, kann für das Jahr 2016 von einem jährlichen Bedarf in der Höhe von Fr. 13'500.-- (12 x Fr. 1'100.-- + Fr. 300.- -) ausgegangen werden. Genau diesen Be- trag erhielt er als Kinderunterhalt von seinem Vater . Dazu kommen ein Nebenerwerb von Fr. 2'159.--, Erwerbsersatz von Fr. 58.-- und ein Wert schriftenertrag von Fr. 745.--, insgesamt also Einkünfte von nicht ganz Fr. 16'500.--. Mit diesen Einnahmen vermochte der Sohn der Be- schwerdeführerin seine Lebenshaltungskosten ohne Weitere s zu decken. Er war unabhängig vom Vermögen bereits aufgrund seines Einkommens nicht un terstützungsbedürftig. Nichts an- deres ergibt sich, wenn auf die Behauptung der Beschwer deführerin abgestellt wird, wonach ihrem Sohn eigene Mittel in der Höhe von Fr. 14'374. -- zur Bestreitung des Lebensbedarfs zur Verfügung gestanden hätten. 6.6 Ein Vergleich mit alternativen Berechnungsmodellen für die Bedürftigkeit wie die betrei- bungsrechtliche Existenzminimumberechnung oder die Bedar fsberechnung nach den Richtli- nien der Sozialhilfe bestätigt diese Einschätzung. Der betreibungsrechtliche Grundbedarf ist für alleinstehende Personen auf Fr. 1'200.-- pro Monat fe stgelegt, der sozialhilferechtliche Grund- bedarf liegt bei Fr. 986.-- (bei eigener Wohnung), dies jeweils ohne Miete und Krankenkasse. Auch wenn die Krankenkasse und die Ausbildungskosten hinzu gerechnet werden, führen diese Berechnungsansätze ebenfalls zum Schluss, dass nicht von eine r Bedürftigkeit des Sohnes Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgegangen werden kann. In welchem Umfang dem Sohn e in Vermögensverzehr zumutbar wäre, muss bei dieser Sachlage nicht entschieden werden. 7. Was die Beschwerdeführerin gegen das Vorgehen der Vorinstanzen einwendet, schlägt nicht durch. Wie die Steuerverwaltung in der Vernehmla ssung zutreffend vorbringt, kommt dem Baselbieter Steuerbuch - anders als die Beschwerdeführe rin suggeriert - kein Gesetzescharak- ter zu. Das Steuerbuch ist als elektronische Datensammlun g konzipiert, in der die Vollzugspra- xis der kantonalen und kommunalen Steuerverwaltungen exemplarisch wiedergegeben wird, ohne dass auf jede denkbare Einzelfallkonstellation eingegangen werden kann. Der Fall eines im Elternhaus wohnenden Studenten ist darin nicht auf geführt, so dass zu diesem Sachverhalt gar keine publizierte Praxis existiert, von der abgewiche n werden könnte. Ohnehin könnte (und müsste) die Steuerbehörde in begründeten Fällen wie d iesem ihre bisherige Praxis anpassen. Wie vorstehend bereits ausgeführt wurde, verlangt das Gebot der Rechtsgleichheit gerade, dass in der Rechtsanwendung Unterscheidungen getroffen we rden, wenn sich diese aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse aufdrängen. Bei der Wohnform handelt es sich um einen solchen signifikanten Unterschied, der bei der Bestimmung der Unterstützungsbedürftigkeit berücksich- tigt werden muss. 8. Aus dem Gesagten folgt, dass der Sohn der Beschwerdef ührerin für die massgebliche Steuerperiode nicht als unterstützungsbedürftig im steuerrechtlichen Sinn gelten kann. Die Vor- instanzen haben der Beschwerdeführerin demnach im Ergebn is zu Recht den Unterstützungs- abzug und die Veranlagung zum Vollsplitting-Tarif ve rweigert. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der unterlegenen Beschwerdeführerin aufzu erlegen und mit dem geleisteten Kos- tenvorschuss in derselben Höhe zu verrechnen. Ausgangsgem äss sind die Parteikosten wett- zuschlagen (§ 21 Abs. 3 VPO). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kost envorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber