Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Mai 2021 (720 21 37 / 145) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Reduktion der Hilflosenentschädigung infolge namhafter Verringerung des Bedarfs an Dritthilfe. Ablehnung der Notwendigkeit indirekter Dritthilfe bei der Lebensverrichtung Essen. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Jeannine Gass Parteien A.____, Beschwerdeführer, gesetzlich vertreten durch seine Eltern B.____ + C.____, wiederum vertreten durch Martin Boltshauser, Rechtsanwalt, c/o Procap Schweiz, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A.1 Der 2005 geborene A.____ leidet an einem frühki ndlichen Autismus, einer chronischen Behinderung der Nasenatmung und an einer Atopie. Di e IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sprach A.____ ab 1. April 2009 eine Entschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades und ab Juli 2009 mittleren Grades zuzüglich eines Intensivpflegezuschlags zu. Mit Ver- fügung vom 9. April 2015 sprach sie ihm gestützt auf d en Abklärungsbericht vom 17. Juni 2014 weiterhin eine Hilflosenentschädigung (HE) mittleren Grades zu, mit der Begründung, dass er nach wie vor in fünf alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig und in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen sei. Bei der Revision vom Septem ber 2017 ergab sich gemäss Abklä- rungsbericht vom 1. Dezember 2017 diesbezüglich keine V eränderung. In der Folge teilte die IV-Stelle am 22. Dezember 2017 dem Versicherten mit, dass er weiterhin Anspruch auf die bis- herige Entschädigung habe. A.2 Im September 2019 leitete die IV-Stelle erneut eine Revision der HE ein. Bei der Abklä- rung vom 17. Juni 2020 im Sonderschulinternat D.____, wo A.____ unter der Woche zur Schule geht und übernachtet, wurde noch ein Bedarf an Dritth ilfe in drei alltäglichen Lebensverrichtun- gen festgestellt. Darauf gestützt stufte sie den Anspruch d es Beschwerdeführers mit Verfügung vom 22. Dezember 2020 per 1. Februar 2021 auf eine H E leichten Grades herab und hob den Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag auf. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch seine El tern B.____ und C.____, diese wiede- rum vertreten durch Rechtsanwalt Martin Boltshauser, am 29. Januar 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, in Aufhebung der Verfügung vom 22. Dezember 2020 sei ihm weiterhin eine HE mitt- leren Grades auszurichten. Eventualiter sei die Angel egenheit zu ergänzenden Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 26 . Februar 2021 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantona- len IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versiche rungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. An fechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen is t. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 29. Januar 2021 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig ist, ob die IV-Stelle die bisher ausgericht ete HE mittleren Grades zu Recht auf eine solche leichten Grades herabgesetzt hat. 3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 des IVG haben Versicherte mit W ohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch au f eine HE. Nach Art. 9 ATSG ist eine Person hilflos, die wegen Beeinträchtigung der Gesundh eit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf. Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). 3.2 Als schwer gilt die Hilflosigkeit, wenn die versicher te Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies de r dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 der Verordnung ü ber die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Nach Art. 37 Abs. 2 IVV ist die Hilflosigkeit mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten all täglichen Lebensverrichtungen regel- mässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange wiesen ist (lit. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblich er Weise auf die Hilfe Dritter ange- wiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Übe rwachung bedarf (lit. b) oder in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Beg leitung im Sinne von Art. 38 IVV ange- wiesen ist (lit. c). Dagegen gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz Ab- gabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen L ebensverrichtungen regelmässig in er- heblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV) oder der dauern- den persönlichen Überwachung (Art. 37 Abs. 3 lit. b IV V) oder einer durch das Gebrechen be- dingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege be darf (Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV), wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körp erlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter g esellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV) oder dauernd auf lebenspr aktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV). Gemäss Art. 42 bis Abs. 5 IVG haben Minderjährige keinen Anspruch auf HE, wenn sie lediglich eine lebenspraktische Begleitung benötigen. 3.3 Praxisgemäss sind die folgenden sechs alltäglichen Leb ensverrichtungen massge- bend: Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Ablieg en; Essen; Körperpflege; Verrichten der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kon taktaufnahme (Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH] Rz. 8010; BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c). Für die Hilfsbedürftigkeit in einer L ebensverrichtung mit mehreren Teilfunktio- nen ist nicht verlangt, dass die versicherte Person bei al len oder bei der Mehrzahl dieser Teil- funktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr genügt es, wenn sie bei einer dieser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewi esen ist (BGE 121 V 90 E. 3c, 117 V 146 E. 2 mit Hinweis; KSIH Rz. 8011). Der Begriff der Erh eblichkeit ist in Relation zu setzen zum zeitlichen Aufwand, den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte Person mindestens die Teilfunktion einer einzelnen Lebensverrichtung über- haupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder n ur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes nicht vornehmen würde (AHI-Praxis Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1996 S. 171 f. E. 3; ZAK 1981 S. 388 f. E. 2a). Nich t erheblich sind verbale Hinweise und Erin- nerungen zur selbstständigen Erledigung der Verrichtung (KSIH Rz. 8026.1). 3.4 Die zur Vornahme einer Lebensverrichtung erforderl iche Hilfe kann sowohl in direkter als auch in indirekter Dritthilfe, d.h. in der Form einer Überwachung der versicherten Person bei der Bewältigung der relevanten Lebensverrichtung, best ehen (BGE 133 V 450 E. 7.2 mit diver- sen Hinweisen). Eine indirekte Dritthilfe liegt vor, w enn die versicherte Person bei der Ausfüh- rung einer alltäglichen Lebensverrichtung, z.B. wegen Erstickungsgefahr beim Essen, über- wacht werden muss (vgl. CAROLINE BRUGGER SCHMIDT /D ANIA TREMP , Kinder, Diabetes und HE, in: SZS 2020, S. 79). Die indirekte Hilfe, die zur Ha uptsache psychisch und geistig Behinderte betrifft, setzt ferner nach KSIH Rz. 8030 voraus, dass di e Drittperson regelmässig anwesend ist und die versicherte Person insbesondere bei der Ausführu ng der in Frage stehenden Verrich- tungen persönlich überwacht, sie zum Handeln anhält od er von schädigenden Handlungen ab- hält und ihr nach Bedarf hilft. Die indirekte Dritthi lfe muss eine gewisse Intensität umfassen, eine einfache Anordnung oder ein einfacher Hinweis rei chen nicht aus (vgl. KSIH Rz. 8026.1). Nebst der Wiederholung von Aufforderungen muss mindestens die Handlung während der Aus- führung überwacht werden und im Bedarfsfall muss einge griffen werden können (KSIH Rz. 8029.1). 3.5 Gemäss Art. 37 Abs. 4 IVV ist bei Minderjährigen n ur der Mehrbedarf an Hilfeleistun- gen und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nichtbe hinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (BGE 137 V 434 E. 3.3.3.2; Urte il des Bundesgerichts vom 11. De- zember 2019, 8C_533/2019, E. 3.2.4). Diese Sonderreg elung trägt dem Umstand Rechnung, dass bei Kleinkindern eine gewisse Hilfs- und Überwachu ngsbedürftigkeit auch bei voller Ge- sundheit besteht. Für die Bestimmung der Hilflosigkeit Minderjähriger dienen die im Anhang III des KSIH enthaltenen Richtlinien zur Bemessung der ma ssgebenden Hilflosigkeit bei Minder- jährigen (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2019, 8C_533/2019, E. 3.2.4 mit Hin- weis; KSIH Rz. 8086). 3.6 Verwaltungsweisungen, zu welchen auch das KSIH zählt , richten sich primär an die Durchführungsstellen und sind für das Kantonsgericht somi t nicht verbindlich. Deren Regeln werden vom Kantonsgericht dennoch berücksichtigt, sofern si e eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht daher nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben da rstellen. Insofern wird dem Bestre- ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine recht sgleiche Gesetzesanwendung zu ge- währleisten, Rechnung getragen (BGE 140 V 543 E. 3.3.2.2.1 mit Hinweisen). 4. Für die Bemessung der Hilflosigkeit der versicherten Person ist in der Regel eine Ab- klärung an Ort und Stelle (Art. 57 Abs. 1 lit. f IVG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2 IVV) erforder- lich, wenn es sich um eine erstmalige Anmeldung für ein e HE, bei Minderjährigen allenfalls mit Intensivpflegezuschlag, oder um ein Gesuch um Erhöhung der HE infolge Verschlimmerung der Hilflosigkeit handelt. In den übrigen Fällen entscheid et die IV-Stelle, ob auf eine Abklärung an Ort und Stelle verzichtet werden kann (KSIH Rz. 8131 i n Verbindung mit Rz. 8130). Rechtspre- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht chungsgemäss muss ein Abklärungsbericht folgenden Anforderu ngen genügen: Als Berichter- statterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntn is der örtlichen und räumlichen Verhält- nisse sowie der aus den seitens der Medizin gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträch- tigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störun- gen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebe nsverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern not wendig (BGE 130 V 61 E. 6.1.1). Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss plausibel, be- gründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltä glichen Lebensverrichtungen sein. Schliess- lich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Ste lle erhobenen Angaben zu stehen. Hält sich die versicherte Person in einem Heim auf, bespricht d ie Abklärungsperson das Ergebnis mit dem Pflegepersonal und/oder der Heimleitung (KSI H Rz. 8132). Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein- schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umst and, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als d as im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1, 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.2). 5.1 Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird eine formell rechtskr äftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgeset zt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt erheblich verändert h at. Anlass zur Revision einer Rente oder einer anderen Dauerleistung gibt jede wesentlich e Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen, die geeignet ist, den Leistungsanspruch zu be einflussen. Insbesondere ist die Leistung nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheit szustandes, sondern auch dann re- vidierbar, wenn sich die Auswirkungen des an sich gleich ge bliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise die Hilfsbedü rftigkeit erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderu ng der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn aus der Veränderung der Intensität und der Auswirkungen eines Leidens eine Verminderung oder E rhöhung des Arbeitsfähigkeitsgra- des beziehungsweise der Hilflosigkeit resultiert (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Mai 2009, 9C_261/2009, E. 1.2 und vom 28. August 2003, I 212/03 , E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit respektive di e Hilflosigkeit für sich allein ge- nommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG dar. 5.2 Zeitlicher Referenzpunkt für die Beantwortung der Frage, ob eine erhebliche Änderung des Sachverhalts eingetreten ist, bildet grundsätzlich die letzte der versicherten Person eröffne- te rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materie llen Prüfung des Anspruchs auf HE mit einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und einer en tsprechenden Beweiswürdigung beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 114 E. 5.4 mit Hinweis). Nach Einholung e ines Abklärungsberichts vom 21. De- zember 2017 wurde dem Versicherten mit Mitteilung vom 22. Dezember 2017 eröffnet, dass ihm nach wie vor eine HE mittleren Grades zustehe. Am 22. Dezember 2020 erging die vorlie- gend angefochtene Verfügung, mit welcher dem Versicher ten nunmehr noch eine HE leichten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grades zugesprochen wurde. Zeitliche Vergleichsbasis für d ie Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 22. Dezember 2020 allenfalls eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten HE rechtfertigt, bildet d emnach die Situation, wie sie im Zeitpunkt der Mitteilung vom 22. Dezember 2017 bestand; denn lau t Art. 74 ter lit. f der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bedarf es keiner Verfügung, wenn die HE nach einer von Amtes wegen durchgeführten Revision weit er ausgerichtet wird, sofern keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wird, was hier der Fall war. Eine solche Mitteilung ist, wenn keine Verfügung verlangt wo rden ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteil des Bundesge- richts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 5.3 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollst ändige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanwendende Behörde ihren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes v orsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwalt ung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit H inweisen). Der Untersuchungsgrund- satz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungsla st begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügende n Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach- verhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel grei ft allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsat zes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen). 6.1 Für die Prüfung der strittigen Frage sind im Wese ntlichen nachfolgende Unterlagen zu berücksichtigen: 6.2 Im Abklärungsbericht Hilflosigkeit vom 21. Dezember 2017 wurde aufgeführt, dass der Versicherte beim An- und Auskleiden, beim Essen, bei der Körperpflege, bei der Verrichtung der Notdurft, bei der Fortbewegung im Freien und be i der Pflege der gesellschaftlichen Kontak- te regelmässige und erhebliche Hilfe benötige. Bei der Lebensverrichtung Essen wurde insbe- sondere festgehalten, dass der Beschwerdeführer mit dem Besteck koordinativ umgehen und die Speisen auf dem Teller mit dem Messer selbstständig zerkleinern könne. Auch ein Stück Brot könne er selber streichen. Rein funktionell benöt ige er keine Hilfe in dieser Teilverrichtung. Jedoch habe der Beschwerdeführer mehrere „Ticks“; so habe er ein grosses Problem damit, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wenn beim Zerkleinern oder Bestreichen der Speisen Reste am Messer hängen blieben. Dieses müsse er dann mit den Fingern reinigen. Zudem würden ihn auch Speisereste oder Brotkrümel neben dem Teller massiv stören. Während dem Essen müsse ma n ihn ständig auffordern, wei- ter zu essen, da er sich immer wieder in seinen Gedanke n verlieren würde. Den Beschwerde- führer müsse man zudem frühzeitig daran erinnern, dass demnächst zusammen gegessen werde, sonst hätte er Mühe sich in nützlicher Frist von seinen Beschäftigungen zu lösen und sich an den Tisch zu setzen. Gestützt auf diese Feststellunge n wurde damals für die Verrich- tung Essen eine Hilflosigkeit bejaht. 6.3 Infolge der Revision vom September 2019 erfolgte e ine weitere Abklärung am 17. Ju- ni 2020. Im Rahmen der Abklärung stützte sich die IV-Ste lle auf die Angaben der Leitung des Wohnheims D.____. Zum Lebensbereich Essen wurde berich tet, dass der Beschwerdeführer seine Speisen selber zerkleinern könne und dabei keine r egelmässige Dritthilfe mehr benötige. Beim gesamten Ablauf der Nahrungsaufnahme sei der Besc hwerdeführer komplett selbststän- dig. 6.4 Bei der aufgrund des Einwands des Beschwerdeführers durchgeführten telefonischen Kontaktaufnahme mit dessen Vater bestätigte dieser, dass der Beschwerdeführer funktionell selbstständig essen könne, die Speisen selbstständig zerkle inern würde und diese auch ohne funktionelle Einschränkungen zu sich nehme. Allerdings w ürde sich der Beschwerdeführer je- weils, ohne zu fragen, mehrfach täglich selbstständig a m Kühlschrank und an den Vorräten be- dienen. Dabei nehme er keine Rücksicht, dass später geme insam gegessen werden sollte. Er bediene sich auch an Lebensmitteln, die für die Essenszu bereitung benötigt würden. Die Eltern würden bei der Aufforderung, bis zum gemeinsamen Essen zuzuwarten, kein Gehör finden. Entsprechend habe er dann keinen Hunger mehr, wenn e r mit den Eltern am Tisch sitze. Dies sei sehr zeit- und kraftraubend. Daraus sei abzuleiten, dass eine indirekte Dritthilfe bezüglich der Lebensverrichtung gegeben sei. 6.5 In der Stellungnahme des Abklärungsdienstes vom 25. November 2020 zum Einwand wurde sodann festgehalten, dass für die Beurteilung d er benötigten Hilfestellung jeweils der massgebende Aufenthaltsort und Lebensmittelpunkt, in die sem Falle also die Situation in der Wohngruppe der D.____, entscheidend sei. Betreffend d em Essverhalten des Beschwerdefüh- rers sei zu berücksichtigen, dass es sich um einen 15-jährige n Teenager handle. In diesem Al- ter sei es nicht aussergewöhnlich, dass ein Jugendlicher dur ch spezielles Essverhalten im häuslichen Umfeld auffalle. Mit zunehmendem Alter wür den Jugendliche oftmals selbst bestim- men wollen, ob sie am Essen am gemeinsamen Familientisc h teilnehmen oder nicht. Dies ge- höre mitunter auch zur Bildung des Sozialverhaltens. So sei es auch nicht unüblich, dass sich Teenager gerne selbst versorgen würden, in dem sie au f das häusliche Angebot im Kühl- schrank zugrückgreifen würden. 6.6 Die mit der Beschwerde vom 29. Januar 2021 eingere ichte Einschätzung des Hilfebe- darfs des Beschwerdeführers, welche vom Sozialpädagogen E.____, der ihn während seiner Ausbildung zwischen August 2017 und Juli 2020 in seinem Alltag begleitet habe, erstellt wurde, hält fest, dass er den Beschwerdeführer regelmässig als unmotiviert, abgeneigt und gereizt er- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lebt habe. Unter anderem habe sich das morgendliche Au fstehen als Herausforderung erwie- sen. So habe sich der Beschwerdeführer zwar einen Wecker g estellt, diesen aber morgens nicht gehört oder ihn ausgemacht und sei dann im Bett liegen geblieben. Auf Klopfen an seiner Zimmertüre habe er jeweils entweder gar nicht oder ve rbal ablehnend reagiert. Erst nach mehrmaliger Einladung zum Frühstück und gegebenenfalls Öffnen der Zimmertüre habe er sein Zimmer verlassen, sich ins Badezimmer begeben und sei anschliessend verspätet an den Tisch gekommen. Am Frühstückstisch angekommen, habe er sein Frü hstück selbstständig in der Gruppe eingenommen, sei aber durch schlechte Laune und Gereiztheit aufgefallen. Ein Znüni für die Schule habe er sodann nur gerichtet, wenn er darauf hingewiesen worden sei. Dieses Znüni habe er in der Schule zum Teil bereits während den Stunden gegessen, anstatt bis zur Pause zuzuwarten. Der Beschwerdeführer schwanke zudem immer wieder zwischen fehlendem Antrieb und starken Impulsen, wirke abgelenkt und verträumt, wobei er seine Umwelt vergessen würde. Seine Selbstorganisation hätte in Bezug auf a lltägliche Dinge wenig ausgeprägt gewirkt. Bei alltäglichen Dingen wie zur Schule gehen und Essen b enötige der Beschwerdeführer wei- terhin Unterstützung, zwar nicht in technischer Hinsicht, jedoch in Form von Hinweisen. An- sonsten würde er neben dem Frühstück auch den Bus und Therapietermine verpassen. 7.1 Aus der Beschwerde geht hervor, dass bei der Leben sverrichtung Essen unbestritte- nermassen keine funktionellen Einschränkungen bestehen u nd eine direkte Dritthilfe nicht er- forderlich ist. Fraglich ist, ob der Beschwerdeführer d urch indirekte Dritthilfe beim Essen unter- stützt werden muss. 7.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurte ilung der Hilflosigkeit des Be- schwerdeführers vollumfänglich auf die Ergebnisse des Abklärungsberichts vom 17. Juni 2020. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherte nun mehr lediglich in den Lebensverrich- tungen An- und Auskleiden, Körperpflege, bei der Fort bewegung im Freien und bei der Pflege der gesellschaftlichen Kontakte regelmässig in erhebliche r Weise auf die Hilfe Dritter angewie- sen sei. Bei der Lebensverrichtung Essen werde keine Dritt hilfe – weder direkt noch indirekt – mehr benötigt. Das Verhalten zu Hause sei vorwiegend a uf die Pubertät zurückzuführen und werde durch den Autismus wohl verstärkt. Eine Mangelernä hrung sei nicht erkennbar und es würden sich zudem keine gesundheitlichen Folgen aus dem Verhalten des Beschwerdeführers manifestieren. 7.3.1 Wie in Erwägung 4 hiervor ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Abklärungsberichten, die von einer qualifizi erten Person abgefasst wurden, welche Kenntnis der medizinisch gestellten Diagnosen und der sic h daraus ergebenden Beeinträchti- gungen hat, und sich plausibel, begründet und detailliert zu den Tatbestandselementen äussern sowie in Übereinstimmung mit den vor Ort eingeholten Angaben stehen, volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange keine klar feststellbaren Fehleinsch ätzungen vorliegen. Solche sind nicht ersichtlich. Der Bericht vom 17. Juni 2020 beruht auf ei ner von einer Fachperson mit der Lei- tung des Wohnheims, in dem der Beschwerdeführer unter der Woche wohnt, durchgeführten Abklärung und führt die festgestellten Beeinträchtigu ngen detailliert aus. Er gibt einen umfas- senden Eindruck über die im Alltag des Versicherten beste henden gesundheitlichen Probleme und deren Bewältigung. Zu beachten ist, dass der Abkläru ngsbericht auf dem Gespräch mit der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leitung des Wohnheims D.____ beruht, die in täglichem Kontakt mit dem Beschwerdeführer steht und dessen Einschränkungen täglich miterlebt. Mangel s offensichtlicher Fehleinschätzun- gen stellt der Abklärungsbericht damit zwar eine knappe , aber insgesamt zuverlässige Ent- scheidgrundlage dar, weshalb ihm grundsätzlich volle Beweiskraft zukommt. 7.3.2 Daran vermögen auch die formellen Vorbringen in der Beschwerde nichts zu ändern. Wenn der Beschwerdeführer einwendet, dass die Abklärung ausschliesslich in der Wohngruppe des Wohnheims D.____ vorgenommen worden sei, ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen des Einwandverfahrens eine telefonische Abklärung mit de m Vater des Beschwerdeführers nachgeholt wurde. Diese Angaben wurden sodann in der Verfügung vom 22. Dezember 2020 berücksichtigt. Auch das Vorbringen, dass die indirekte Dr itthilfe von der Beschwerdegegnerin bei der telefonischen Abklärung mit dem Sonderschulheim gar nicht geprüft worden sei, ver- fängt nicht. Sowohl die telefonische Abklärung mit dem Vater als auch diejenige mit der Leitung des Wohnheims dienten dazu, jegliche Hilfestellungen, die dem Beschwerdeführer erbracht wurden, zu erfassen. Da eine indirekte Dritthilfe auch einen bestimmten Aufwand darstellt und im Rahmen einer direkten Betreuung geleistet werden muss, kann davon ausgegangen werden, dass die Dritthilfe – ob direkt oder indirekt – bei de n Abklärungsgesprächen erwähnt worden wäre. Die formellen Vorbringen des Beschwerdeführers ve rmögen den Abklärungsbericht vom 17. Juni 2020 somit nicht in Zweifel zu ziehen, zumal sich auch aus dem Bericht von E.____ keine Notwendigkeit indirekter Dritthilfe beim Essen ergibt. 7.4 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die Bejahung der Notwendigkeit von indirekter Dritthilfe bei der Lebensverrichtung Essen im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Sowohl aus den Akten als auch aus der Beschwerde geht her vor, dass der Beschwerdeführer beim Essen keine Überwachung benötigt. Die Telefonate mit der Leiterin des Wohnheims und mit dem Vater des Beschwerdeführers bestätigen, dass der Beschwerdeführer selbstständig isst und dabei nicht überwacht werden muss. Aus dem Tele fongespräch mit dem Vater geht insbesondere hervor, dass sich die Schwierigkeiten des Besch werdeführers primär auf die ei- gene Organisation ausserhalb des strukturierten Alltags i m Heim beziehen und weniger auf die Lebensverrichtung Essen an sich. Auch aus dem eingereichte n Bericht der Bezugsperson sei- ner Wohngruppe kann der Beschwerdeführer nichts zu seine n Gunsten ableiten. Die Bezugs- person schildert zwar das allgemeine und insbesondere launenhafte Verhalten des Beschwer- deführers und seine Schwierigkeiten, am Morgen aufzusteh en und zum Frühstückstisch zu kommen, hält jedoch folgendes fest: „am Frühstückstisch ang ekommen, nimmt er sein Früh- stück selbstständig in der Gruppe ein“. Aus der Feststellun g, dass der Beschwerdeführer sein Znüni für die Schule nur vorbereite, wenn er darauf hingewiesen werde, und dass er das Znüni während der Schulstunden esse, kann grundsätzlich keine Not wendigkeit auf indirekte Dritthilfe abgeleitet werden. Die Notwendigkeit von Dritthilfe b eim Essen bezieht sich einzig auf die Nah- rungsaufnahme, die aus den Teilfunktionen Zerkleinern der Speisen, Zuführung der Nahrung zum Munde, Kauen und Schlucken besteht. Auswahl der Le bensmittel und Zubereitung einer Mahlzeit sind keine Teilfunktionen der Lebensverrichtung Essen, sondern gehören zur allge- meinen Haushaltsführung (Urteil des Eidgenössisches Ver sicherungsgericht [EVG] vom 7. Ju- ni 2004 H 299/03 E. 3.4). Dass der Beschwerdeführer sein Znüni nicht selbstständig vorbereitet, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist daher nicht beachtlich. Aus dem Essen des Znünis währe nd der Schulstunde allein kann noch keine Hilflosigkeit abgeleitet werden, da dies u nabhängig von jeglicher Hilfestellung und komplett selbstständig erfolgt. Darüber hinaus werden im Bericht der Bezugsperson keine Prob- lematiken im Zusammenhang mit der Lebensverrichtung Essen bzw. deren einzelnen Teilfunk- tionen erwähnt. Die Notwendigkeit einer indirekten Dritthilfe ist jedenfalls auch daraus nicht er- sichtlich. Bei seinen Eltern isst der Beschwerdeführer eigenständ ig und regelmässig, wohl zeitweise zu eigenständig und regelmässig, indem er auch ohne Zustimmung der Eltern die im Haushalt ver- fügbaren Speisen isst, bzw. bei Bedarf selbst Essen einkauf en geht. Aus den Aussagen des Vaters ist nicht ersichtlich, dass oder inwiefern der Besch werdeführer dadurch Schaden neh- men würde. Vielmehr wird deutlich, dass die Schwierig keiten darin bestehen, den Beschwerde- führer dazu anzuhalten, Abmachungen zum Essen einzuha lten und am gemeinsamen Essen mit den Eltern teilzunehmen. So bestätigte der Vater , dass sich von Seiten der Eltern bezüglich des Essens keine Regeln durchsetzen lassen und die Erklärun gen der Eltern ignoriert werden. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass dieses Verhalten de s Beschwerdeführers für die Eltern belastend ist, dennoch ist es nicht realitätsfremd, dass sich Jugendliche im entsprechenden Alter zunehmend nicht an die vorgegebenen Essensregeln halten. Auch wenn dieses Verhalten beim Beschwerdeführer durch seine Erkrankung zweifellos verstärkt wird, lässt sich, wie vorge- hend dargelegt, daraus keine Notwendigkeit einer indi rekten Dritthilfe ableiten. Vielmehr kann aus den Schilderungen geschlossen werden, dass die Eltern das Verhalten des Beschwerde- führers an den Wochenenden offenbar gar nicht in eine r Weise beeinflussen können, dass er sich anders verhalten würde. Dies wäre jedoch gemäss KSIH eine – weitere – Voraussetzung dafür, dass eine indirekte Dritthilfe anerkannt werden könnte. 8. Im Vergleich zum Abklärungsbericht vom 1. Dezember 201 7 ergibt sich somit eine nam- hafte Verringerung des Bedarfs an Dritthilfe in den a lltäglichen Lebensverrichtungen. So benö- tigt der Beschwerdeführer aktuell noch in den Lebensverr ichtungen An- bzw. Auskleiden, Kör- perpflege und Fortbewegung ausserhalb der Wohnung sow ie Pflege sozialer Kontakte regel- mässige Dritthilfe, während diese im Jahr 2017 noch bei fünf Lebensverrichtungen erforderlich war. Der Wegfall der Hilfsbedürftigkeit beim Essen sow ie der Verrichtung der Notdurft ist nach- vollziehbar. Aus den Abklärungsberichten und den Angaben in der Beschwerde ergibt sich, dass sich die Situation bezüglich der Lebensverrichtung E ssen seit der letzten Verfügung vom Dezember 2017 in jedem Fall erheblich verändert hat. So weist der Beschwerdeführer keine „Ticks“ mehr auf und muss weder zum Essen angewiesen noch d abei in einer sonstigen Form unterstützt werden. Die damals als Begründung für eine Dritthilfe angeführten Elemente lagen zum Zeitpunkt der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 22. Dezember 2020 nicht mehr vor. Auch hat sich die damalige Betreuungssituation geändert . So verbringt der Beschwerdeführer nur noch die Wochenenden bei den Eltern, während er unter der Woche in einem Wohnheim mit gut strukturiertem Tagesablauf verbringt. Das Gerich t greift in das Ermessen der die Abklä- rung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen, weil die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten S achverhalt ist, als das im Be- schwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 ). Gemäss den vorhergehenden Aus- führungen sind keine klar feststellbaren Fehleinschätzun gen der Abklärungsperson ersichtlich. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Aufgrund der erheblichen Veränderung des massgebende n Sachverhalts hat die Beschwerde- gegnerin zu Recht das Vorliegen eines Revisionsgrundes i m Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG bejaht. 9. Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich beim Beschwerde führer – im Vergleich zum Abklärungsbericht vom 21. Dezember 2017 – eine namha fte Verringerung des Bedarfs an Dritthilfe in den alltäglichen Lebensverrichtungen eingestellt hat, weshalb ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG zu bejahen ist. Da er aktuell noch in drei alltäglichen Lebensver- richtungen auf die regelmässige und erhebliche Dritthi lfe angewiesen ist und keine besondere Überwachung benötigt, hat die Beschwerdegegnerin die bisher ausgerichtete HE mittleren Gra- des zu Recht auf eine solche leichten Grades herabgesetzt. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegen- de Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten zu überbin den sind. Diese werden mit dem von ihm bezahlten Vorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrech net. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.-- werden dem Beschwerde- führer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht