Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht vom 26. März 2013 (470 13 19) ____________________________________________________________________ Strafprozessrecht Verfahrenseinstellung Besetzung Vizepräsident Markus Mattle, Richter Peter Tobler (Ref.), Richter Beat Hersberger; Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Parteien A.____ , vertreten durch Rechtsanwältin Diana Göllrich, advobas AG, Stei- nenberg 1, 4051 Basel, Beschwerdeführerin gegen Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Liestal, Rheinstrasse 27, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____ , Beschuldigte und Beschwerdegegnerin Gegenstand Verfahrenseinstellung Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsan- waltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, vom 17. Januar 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Verfügung vom 17. Januar 2013 stellte die Staatsanw altschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Liestal, das wegen fahrlässiger Körper verletzung gegen B.____ eingeleitete Strafverfahren in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO ein (Ziffer 1). Die Staatsanwalt- schaft auferlegte die Verfahrenskosten dem Staat (Ziffer 2) und sprach der Beschuldigten keine Entschädigung und keine Genugtuung zu (Ziffer 3). B. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob A.____ mit Ei ngabe vom 28. Januar 2013 Beschwerde. Sie beantragt, die angefochtene Verfügun g sei aufzuheben und B.____ gestützt auf Art. 125 StGB sowie allfälliger Artikel aus dem Strassenverkehrsgesetz zu verurteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskass e. Der Verfahrensantrag der Be- schwerdeführerin betreffend Gewährung einer Nachfrist z ur Beschwerdebegründung wurde mit kantonsgerichtlicher Verfügung vom 30. Januar 2013 abge wiesen und der Beschwerdeführerin stattdessen die Möglichkeit einer Replik nach Eingang der Stellungnahme der Gegenparteien eingeräumt. C. In ihrer Stellungnahme vom 1. Februar 2013 beantragt die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Liestal, die Beschwerde abzu weisen und die Verfahrenskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die Beschuldigte verzichtet mit Eingabe vom 4. Februar 2013 auf eine Stellungnahme. D. In ihrer Stellungnahme vom 14. Februar 2013 konkretisierte die Beschwerdeführerin ihre Einwände gegen die Einstellungsverfügung. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beantragte dara uf hin mit duplizierender Stellung- nahme vom 27. Februar 2013 erneut die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Die Ausführungen in den Eingaben der Parteien werde n - soweit erforderlich - in den nachfol- genden Erwägungen dargelegt. Erwägungen 1.1 Gemäss Art. 322 Abs. 2 StPO können die Parteien Einstellungsverfügungen, die von der Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 319 StPO erlassen wu rden, innert 10 Tagen bei der Be- schwerdeinstanz anfechten. Die Zulässigkeit der Beschwerde gegen Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft ergibt sich auch aus Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO, wonach gegen Verfü- gungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft Beschwerde erhoben werden kann. Mit der Beschwerde können sämtliche im Dispositiv geregel ten Punkte der Einstellungsverfü- gung angefochten werden (G RÄDEL /H EINIGER , Basler Kommentar StPO, 2011, Art. 322 N 5). Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 17. Januar 2013 kann also mit Beschwerde angefochten werden. Die angefochtene Einst ellungsverfügung wurde der Be- schwerdeführerin resp. ihrer Vertreterin am 18. Janua r 2013 zugestellt. Die Beschwerde vom Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 28. Januar 2013, die an diesem Tag auch bei der Post zum Versand aufgegeben wurde, ist damit rechtzeitig innert der 10-tägigen Frist erfolgt. 1.2 Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an d er Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ist gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO zur Ergreifung eines Rechtsmittels legi- timiert. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführer in am 17. August 2012 gegen die Be- schuldigte Strafantrag wegen fahrlässiger Körperverletzun g und aller sonst in Betracht kom- menden Delikte gestellt und sich so als Privatklägerin kon stituiert (vgl. Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO). Sie gilt damit als Partei im vorliegenden Stra fverfahren und ist demzufolge auch zur Er- hebung der Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung legitimiert. 1.3 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Be- schwerdeinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwe rde ergibt sich aus Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO sowie § 15 Abs. 2 EG StPO. Die formellen Voraussetzungen sind damit erfüllt, so- dass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2.1 Bei den in Art. 319 Abs. 1 StPO aufgeführten Einstel lungsgründen geht es um solche, "die mit Sicherheit oder doch grösster Wahrscheinlichkeit zu einem Freispruch oder einer in den Wirkungen gleichen Erledigung vor Gericht führen müsst en" (Botschaft des Bundesrates vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessr echts, BBl 2006 1272 f.). Im vorlie- genden Fall stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft das Strafverfahren gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO ein. 2.2 Gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO verfügt die Staatsa nwaltschaft die vollständige oder teilweise Einstellung des Verfahrens unter anderem dann , wenn kein Straftatbestand erfüllt ist, wenn also das inkriminierte Verhalten, selbst wenn es na chgewiesen wäre, den objektiven und subjektiven Tatbestand einer Strafnorm nicht erfüllt. E ine Einstellung kann also nur erfolgen, wenn ein Tatbestandselement ganz offensichtlich nicht ge geben ist (SCHMID , Praxiskommentar StPO, 2009, Art. 319 N 6). Allerdings hat die Staatsa nwaltschaft bei der hier vorzunehmenden Prüfung darauf zu achten, dass bei Ermessensfragen und vor allem bei nicht durch Literatur oder Rechtsprechung klar gelösten Streitfragen nach dem G rundsatz "in dubio pro duriore" An- klage zu erheben ist. Gleich verhält es sich, wenn Auslegungs- oder Wertungsfragen zu beurtei- len sind. Solche Fragen sind vom Strafgericht zu entschei den. Im Zweifel ist daher die Untersu- chung fortzusetzen bzw. Anklage zu erheben (L ANDSHUT , Zürcher Kommentar StPO, 2010, Art. 319 StPO N 19 f.). Nach der Praxis des Bundesgerichts ist n ämlich der Sinn der Prüfung nach Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO derjenige, die beschuldigte Person vor Anklagen zu schützen, die mit einiger Sicherheit zu Freisprüchen führen müssten. Da U ntersuchungsbehörden jedoch nicht dazu berufen sind, über Recht und Unrecht zu befinden, dürfen sie nicht allzu rasch, gestützt auf eigene Bedenken, zu einer Einstellung schreiten. In Zweifelsfällen beweismässiger und vor allem rechtlicher Art soll Anklage erhoben und es dem Ge richt überlassen werden, einen Ent- scheid zu fällen. Der Grundsatz "in dubio pro reo" gilt hier nicht. Vielmehr ist nach Massgabe der Maxime "in dubio pro duriore", also im Zweifel, wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht erscheint als ein Freispruch, Anklage zu erheben (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juli 2011 [1B_253/2011] E. 2.1, mit Hinweisen). 2.3 Im vorliegenden Fall geht es um einen Verkehrsunfall, der sich am 11. Juni 2012 in Prat- teln ereignet hatte und bei dem die Beschwerdeführer in verletzt worden war. Der konkrete Sachverhalt wird in der Einstellungsverfügung vom 17. Januar 2013 wie folgt dargelegt: "B.____ war am Montag, 11.6.2012, ca. um 07.10 Uhr m it einer erlaubten Geschwindigkeit von ca. 50 Km/h auf der X.____strasse von ihrem Wohnort in Pratteln kommend und auf dem Weg zur Arbeit in Richtung Muttenz am Steuer ihres Fahrzeuge s VW Polo, BL 1.____, unterwegs. Auf Höhe der durch ein Metallgitter unterbrochenen Grünhecke, welche die Strasse vom dahin- ter verlaufenden Tramtrassee und vom Veloweg abtrennt, war zum damaligen Zeitpunkt eine provisorische Bushaltestelle eingerichtet. Die auf den B us Wartenden konnten auf dem Trottoir auf der ganzen Länge der metallenen Abschrankung gefahrlos warten. Direkt gegenüber war im damaligen Zeitpunkt ebenfalls eine provisorische Bushalt estelle eingerichtet, nicht weit entfernt von der Zufahrtstrasse zur Schiessanlage Lachmatt in Richt ung Pratteln. In der Absicht die Strasse zu überqueren, indem sie sich zwischen der Metalla bschrankung und der mannshohen Grünhecke hindurchzwängte, betrat A.____, ohne sich zu ve rgewissern, ob sie die Strasse ge- fahrlos überqueren konnte, plötzlich und für B.____ une rwartet und nicht voraussehbar, ren- nend die Fahrbahn, wodurch sie von deren Fahrzeug im B ereich des vorderen rechten Kotfü- gels seitlich angefahren, verletzt und zu Boden geschleudert wurde." Zur Begründung der Einstellung des Verfahrens gegen d ie Beschuldigte wies die Staatsanwalt- schaft Basel-Landschaft zunächst auf Art. 26 Abs. 1 SVG, wonach sich jedermann im Verkehr so verhalten muss, dass er andere in der ordnungsgemässen B enützung der Strasse weder behindert noch gefährdet. Nach dem daraus abgeleite ten Vertrauensgrundsatz müsse der Strassenbenützer also grundsätzlich nicht damit rechnen, dass andere Verkehrsteilnehmer sich verkehrsregelwidrig verhalten, insbesondere sein eigenes Vortrittsrecht verletzen. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft führte weiter aus, die Beschuldigte habe auf der gera- den, übersichtlichen und verkehrsarmen Strasse die Grenze d es erlaubten Risikos nicht über- schritten. Selbst wenn sie weniger als ca. 50 Km/h gefahr en wäre, hätte der Zusammenstoss nicht vermieden werden können. A.____ habe sich zwischen d er Abschrankung und der mannshohen Grünhecke gezwängt, um dann die Fahrbahn üb erraschend und zu einem Zeit- punkt zu betreten, als es der Beschuldigten bei der von ihr gefahrenen Geschwindigkeit nicht mehr möglich gewesen sei, ihr Fahrzeug rechtzeitig anzuha lten. Das unerwartete Betreten der Fahrbahn sei aufgrund der Ergebnisse der Strafuntersuch ung derart aussergewöhnlich gewe- sen, dass die Beschuldigte nicht damit habe rechnen müsse n. Die Verletzung von A.____ sei daher nicht durch ein sorgfaltswidriges Verhalten der Beschuldigten verursacht worden. Zu prüfen ist somit, ob die Staatsanwaltschaft Basel-L andschaft aufgrund der vorgenommenen Ermittlungen den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung zu Recht verneint hat. 3.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet die Beurteilung d er Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft zunächst in tatsächlicher Hinsicht. Der Sachverhalt sei fehlerhaft erstellt worden. Im Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einzelnen macht die Beschwerdeführerin geltend, die Be schuldigte sei ungeachtet der speziel- len Strassensituation (unübersichtliche provisorische Busha ltestelle, Grünhecke, welche die Einsicht zu den Wartenden verunmögliche, feuchte Fahrba hn, leichte Kurvensituation) und in Kenntnis, dass Personen die Strasse an der Unfallstelle re gelmässig überqueren, mit überhöh- ter Geschwindigkeit und ohne Bremsbereitschaft auf die provisorische Bushaltestelle zugefah- ren. Da die Beschuldigte nur unweit von dieser Örtlich keit wohne, dürfe davon ausgegangen werden, dass sie diese gekannt und auch gewusst habe, dass parallel zur Strasse beidseitig ein Fahrrad- und Fussgängerweg angelegt sei. Die Beschuldigt e habe sodann erst nach der Kolli- sion ein Bremsmanöver eingeleitet und sei nachher im Rückw ärtsgang zur Unfallstelle zurück- gefahren. Mit Bezug auf ihr eigenes Verhalten hält d ie Beschwerdeführerin fest, sie sei in zügi- gem Schritt, aber nicht rennend auf die Strasse getreten, um zur gegenüberliegenden Haltestel- le zu gelangen. In diesem Moment sei die Beschuldigte ungebremst in sie hinein gefahren. Auf- grund dieser Umstände sei erstellt, dass die Beschuldigte unaufmerksam gewesen sei und der vorgefundenen besonderen Situation keinerlei Beachtung geschenkt habe. 3.1.1 Der massgebliche Sachverhalt ergibt sich aus den Strafve rfahrensakten. Besonders zu erwähnen ist zunächst die Aussage der Beschwerdeführerin, die unmittelbar nach dem Unfall der Polizei gegenüber Folgendes zu Protokoll gab: "Ich w ar auf der Seite, wo sich die Tramge- leise befinden, als ich den Bus in Richtung Pratteln kommen sah. Da sich die Bushaltestelle auf der gegenüberliegenden Strassenseite befindet, wollt e ich die Strasse überqueren. Bevor ich die Strasse betrat, schaute ich nach links. Ich konnte jedoc h wegen der Hecke nichts sehen. Dann schaute ich nach rechts und ging los. Ich machte gerade eben den zweiten Schritt, als ich vom Personenwagen, welcher von Pratteln herkommend in R ichtung Muttenz fuhr, erfasst und weggeschleudert wurde. Ich habe diesen Personenwagen nicht kommen sehen" (act. 59). Die Beschuldigte erklärte ihrerseits nach dem Unfall, sie sei auf der X.____strasse von Pratteln herkommend in Richtung Muttenz mit einer Geschwindigkeit zwischen 50 und 60 km/h gefah- ren. Als sie auf der Höhe, wo die Hecke am rechten Str assenrand ende, angelangt sei, habe eine Fussgängerin die Strasse betreten, sei vorne rechts g egen ihren Wagen geprallt und dann gegen den Strassenrand geschleudert worden. Sie selber habe keine Chance gehabt, um rechtzeitig zu bremsen. Die Fussgängerin sei ihr direkt vor den Wagen gelaufen (act. 65). C.____, der auch auf der X.____strasse, aber auf der G egenfahrbahn unterwegs war, gab als Auskunftsperson an, er habe beobachtet, wie die junge F rau von den Tramgeleisen her die X.____strasse betreten habe. Die Fahrzeuglenkerin habe die Fussgängerin unmöglich sehen können. Es sei voraussehbar gewesen, was geschehen würde (act. 67). D.____, die ebenfalls der Beschuldigten auf der X.___ _strasse entgegenfuhr, erklärte, sie habe gesehen, wie die Dame vom Tramgeleise her auf die S trasse direkt vor das schwarze Auto ge- rannt sei. Sie habe das Gefühl gehabt, dass die Dame nu r auf den Bus und nicht auf den übri- gen Verkehr geachtet habe. Der Personenwagen sei ihre r Meinung nach ganz normal gefahren (act. 67). Schliesslich gab der Chauffeur des herannahenden Linien busses, E.____, als Auskunftsperson an, er habe beobachtet, wie die junge Frau am gegen überliegenden Strassenrand gestanden Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Plötzlich habe sie den Kopf gedreht und sei auf di e Strasse gerannt. Ihr Handeln sei völlig spontan gewesen. Er glaube nicht, dass sie geschaut habe. Die Lenkerin des Personenwagens habe keine Chance gehabt, die junge Frau zu sehen, we il die dortige Hecke die Sicht verdeckt habe (act. 69). 3.1.2 Aufgrund der polizeilichen Ermittlungen, insbesonder e aufgrund der fotografisch doku- mentierten Örtlichkeiten (act. 51 ff.), der Unfallskizze (act. 57) sowie aufgrund der dargelegten Aussagen der Beschwerdeführerin, der Beschuldigten und der erwähnten Auskunftspersonen, ist also von folgendem Sachverhalt auszugehen: Um den h erannahenden Bus nicht zu verpas- sen, zwängte sich die Beschwerdeführerin zwischen der Metal labschrankung und der manns- hohen Grünhecke hindurch und rannte resp. trat - wie sie selber einräumt - in zügigem Schritt auf die Strasse, ohne sich zu vergewissern, ob sie diese gefahrlos überqueren konnte und wur- de in diesem Moment vom Fahrzeug der Beschuldigten, di e aufgrund der Grünhecke die Be- schwerdeführer nicht sehen konnte, erfasst. 3.1.3 Die Einwände der Beschwerdeführerin vermögen diese Sachverhaltsfeststellung nicht in Frage zu ziehen. Es ist unbestritten, dass es zum Unfallzei tpunkt zwei provisorische Bushalte- stellen hatte, dass auf der rechten Strassenseite in Ri chtung Muttenz eine zum Unfallzeitpunkt mannshohe Grünhecke stand und dass parallel zur Strasse e in Fahrrad- und Fussgängerweg angelegt ist. Die beschriebenen örtlichen Gegebenheite n sind jedoch keineswegs derart aus- sergewöhnlich, dass eine besonders vorsichtige Fahrweise erforderlich gewesen wäre. Aus den Strafverfahrensakten ergibt sich sodann in der Tat, dass die Fahrbahn zum Unfallzeitpunkt stel- lenweise feucht war (act. 49). Dies wird von der Staats anwaltschaft Basel-Landschaft gar nicht in Abrede gestellt. Auch dieser Umstand ist indessen für den fraglichen Unfall nicht relevant. Bei der X.____strasse handelt es sich um eine Hauptstrasse, auf der mit einer Geschwindigkeit von maximal 60 km/h gefahren werden darf (act. 47). Die B eschuldigte fuhr am besagten Morgen mit ca. 50 - 60 km/h und war also mit einer den Umständ en angepassten Geschwindigkeit auf der X.____strasse unterwegs. Die Unterstellung der Besch werdeführerin, die Beschuldigte sei mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren und habe übe rdies gewusst, dass die Strasse an der Unfallstelle regelmässig von Personen überquert werde, ist nicht nachgewiesen. Dasselbe gilt für die Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach di e Beschuldigte nach der Kollision zur Unfallstelle zurückgefahren sei. Keine der Auskunftspersonen hat ein solches doch recht auffäl- liges Manöver zur Kenntnis genommen. Ausserdem ist auch n icht ersichtlich, inwiefern dies für den vorliegenden Sachverhalt von Bedeutung sein sollte. In tatsächlicher Hinsicht ist somit davon auszugehen, dass d ie Beschuldigte mit einer den Um- ständen angepassten Geschwindigkeit auf der X.____strasse gefahren ist und sich auch sonst verkehrstechnisch gesehen korrekt verhalten hat und der Unfall alleine darauf zurückzuführen ist, dass die Beschwerdeführerin die Strasse resp. die Fahrbahn unachtsam und plötzlich betre- ten hat. 3.2 Mit Bezug auf die rechtliche Würdigung moniert die B eschwerdeführerin, dass die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, den Fahrlässigkeitsvorwurf gegenüber der Beschuldigten massiv verharmlost und den Vertrauensgrundsatz gemäss Art. 26 SVG falsch ausgelegt habe. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausserdem seien weitere relevante Bestimmungen aus dem Strassenverkehrsrecht übersehen worden. 3.2.1 Wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der G esundheit schädigt, begeht eine fahrlässige Körperverletzung (Art. 125 Abs. 1 StGB ). Der Begriff der Fahrlässigkeit wird in Art. 12 Abs. 3 StGB genauer definiert. Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer d ie Folge seines Verhaltens aus pflicht- widriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nic ht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrigkeit ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Grundvor- aussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und mithin für die Fahrlässigkeits- haftung bilden die Vorhersehbarkeit sowie die Vermeid barkeit des Erfolgs. Die zum Erfolg füh- renden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter mindestens in seinen wesentlichen Zügen voraussehbar und vermeidbar sein. Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten dann, wenn der Tä- ter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie se iner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers h ätte erkennen können und müssen. Die massgebende Sorgfaltspflicht ist also für jeden Ein zelfall unter Berücksichtigung der Um- stände und der persönlichen Verhältnisse der potenziell en Täterschaft zu bestimmen (DONATSCH /T AG , Strafrecht I, Verbrechenslehre, 8. Aufl., Zürich 200 6, § 31 N 3.2, S. 324; JENNY, Basler Kommentar, Strafrecht I, Art. 1 - 110 StGB, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 12 N 79; vgl. auch BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64 sowie BGE vom 12. Juni 2009 [6B_175/2009], E. 2.1). 3.2.2 Im vorliegenden Fall ist unter Hinweis auf den zuvor d argelegten Sachverhalt Folgendes festzuhalten: Die Beschuldigte konnte und musste nicht vor aussehen, dass sich jemand zwi- schen der Metallabschrankung und der mannshohen Grünhecke hindurchzwängen und - ohne sich zu vergewissern, ob eine gefahrlos Überquerung mög lich ist - auf die Strasse laufen könn- te. Die Beschuldigte konnte die darauf hin erfolgte K ollision mit ihrem Fahrzeug auch nicht ver- meiden, da sie aufgrund der Grünhecke die Beschwerdeführer im Voraus gar nicht sehen konn- te und diese auch völlig unvermittelt auf die Strasse t rat, so dass ein vorzeitiges Abbremsen nicht mehr möglich war. Der Beschuldigten kann keine So rgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden. 3.2.3 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Staatsanwaltschaft den Vertrauensgrundsatz gemäss Art. 26 Abs. 1 SVG nicht zur Entlastung der Beschuldigten heran- ziehen dürfe. Sie verweist vielmehr auf Art. 26 Abs. 2 SVG, wonach im Strassenverkehr gegen- über Kindern, Gebrechlichen und alten Leuten, aber a uch wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich ein Strassenbenützer nicht richtig verhalten, beson dere Vorsicht geboten ist. Die Be- schwerdeführerin verkennt indessen, dass die Beschuldigte im vorliegenden Fall nicht mit ei- nem Fehlverhalten rechnen musste. Sie konnte nicht ahne n, dass sich die Beschwerdeführerin plötzlich zwischen der Metallabschrankung und der Grünhecke hindurchzwängen und dann unvermittelt auf die Strasse treten würde. Art. 26 Abs. 2 SVG kommt hier nicht zur Anwendung. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2.4 In ihrer Stellungnahme vom 14. Februar 2013 nennt d ie Beschwerdeführerin schliesslich diverse Bestimmungen aus dem Strassenverkehrsrecht, die von der Beschuldigten verletzt worden seien. Diese Verstösse gegen das Strassenverkehrsre cht seien von der Staatsanwalt- schaft übersehen worden. Gemäss der Eröffnungsverfügung vom 3. September 2012 w urde die Strafuntersuchung gegen die Beschuldigte nur wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB einge- leitet (act. 23). Von einem Strafverfahren wegen Verletzung von Bestimmungen aus dem Stras- senverkehrsrecht ist dort keine Rede. Die Eröffnungsverfügu ng ist als solche gemäss Art. 309 Abs. 3 StPO zwar nicht anfechtbar, die Beschwerdeführer in hätte aber von der Staatsanwalt- schaft den Erlass einer beschwerdefähigen Nichtanhandnahm everfügung erwirken können, wenn sie eine Strafuntersuchung gegen die Beschuldigte wegen verkehrsrechtlichen Verstös- sen als notwendig erachtet hätte. Sie kann dies nun abe r nicht mehr über die Anfechtung der Einstellungsverfügung nachholen. 3.3 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Beschuldi gte für den Unfall vom 11. Juni 2012 nicht verantwortlich gemacht werden kann und die Staatsanwaltschaft Basel- Landschaft das gegen sie eröffnete Strafverfahren daher zu Recht eingestellt hat. 3.4 Die Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung vom 17. Januar 2013 ist demnach abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die ordentlichen Kosten des Kantons- gerichts in der Höhe von CHF 500.-- sowie die Auslagen von CHF 100.--, total CHF 600.--, ge- mäss Art. 428 Abs. 1 StPO zu Lasten der Beschwerdeführerin . Ausserdem muss sie ihre Par- teikosten selber tragen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus e iner Gebühr von CHF 500.-- und Auslagen von CHF 100.--, total CHF 600 .--, gehen zu Lasten der Beschwerdeführerin. Der Beschwerdeführerin wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 3. Dieser Beschluss wird den Parteien schriftlich eröffne t. Vizepräsident Markus Mattle Gerichtsschreiberin Nicole Schneider