<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 40 S.195</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>40</b></span> <span class="ft2"><b>Zuständigkeit. Inzidente Normenkontrolle.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Fehlende Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts, erstinstanzlich ein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Feststellungsbegehren zu behandeln, wonach ein bestimmtes Grund-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stück zum weitgehend überbauten Gebiet im Sinne von Art. 15 lit. a</b></span><br/> <span class="ft2"><b>RPG gehört (Erw. I/1.2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Das Verwaltungsgericht darf auch nicht vorfrageweise die Nutzungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>planung positiv präjudizierende Feststellungen treffen (Erw. II/1.2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 31. August 2005 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen B. gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. (...)</span><br/> <span class="ft1">1.2. Der Beschwerdeführer ersucht in Ziffer 1 des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">begehrens auch um die Feststellung, dass die Parzelle Nr. 497 ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf Art. 15 RPG zum weitgehend überbauten Gebiet gehört</span><br/> <span class="ft1">und deshalb der Bauzone zugehörig zu betrachten ist.</span><br/> <span class="ft1">Die Nutzungsplanung ist Sache der Planungsorgane, und dies</span><br/> <span class="ft1">sind in erster Linie der Grosse Rat (§ 9 Abs. 4 [Erlass der kantonale</span><br/> <span class="ft1">Richtpläne], § 10 Abs. 1 [Erlass der kantonalen Nutzungspläne], § 27</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BauG [Genehmigung der allgemeinen Nutzungspläne]), der</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrat (§ 1 des Dekrets über das Genehmigungsverfahren für</span><br/> <span class="ft1">allgemeine Nutzungspläne und -vorschriften vom 10. November</span><br/> <span class="ft1">1998 [Genehmigung der allgemeinen Nutzungspläne], § 27 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG [Genehmigung der Sondernutzungspläne]) und die Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">(§ 13 Abs. 1, § 15 Abs. 1 und § 25 Abs. 1 Satz 1 BauG [Erlass der</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen Nutzungspläne] sowie § 25 Abs. 2 BauG [Erlass der</span><br/> <span class="ft1">Sondernutzungspläne]). Gesuche um Änderung eines allgemeinen</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplans (Art. 21 Abs. 2 RPG) sind demzufolge dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat als erstinstanzlicher Planungsbehörde einzureichen. Das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht ist unter keinem Titel befugt, solche Begehren</span><br/> <span class="ft1">entgegenzunehmen und zu beurteilen; seine Aufgabe beschränkt sich</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen der Nutzungsplanung auf die Überprüfung von Geneh-</span><br/> <span class="ft1">migungsentscheiden des Grossen Rats und des Regierungsrats (§ 28</span><br/> <span class="ft1">Satz 1 BauG). Dass ihm auch die Kompetenz fehlt, auf erstinstanzli-</span><br/> <span class="ft1">cher Stufe entsprechende Feststellungsentscheide zu treffen, bedarf</span><br/> <span class="ft1">vor diesem Hintergrund keiner weiteren Erörterung. Auf das ein-</span><br/> <span class="ft1">gangs erwähnte Begehren ist deshalb mangels sachlicher Zuständig-</span><br/> <span class="ft1">keit nicht einzutreten.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">II. 1.1. Die Parzelle Nr. 497, auf welcher die beiden Autoab-</span><br/> <span class="ft1">stellplätze erstellt werden sollen, befindet sich gemäss dem Kultur-</span><br/> <span class="ft1">landplan der Gemeinde Berikon vom 5. Dezember 1991 / 18. Januar</span><br/> <span class="ft1">1994 in der Landwirtschaftszone. Dort sind sie klarerweise nicht</span><br/> <span class="ft1">zonenkonform (Art. 16a RPG [Fassung vom 20. März 1998]), und</span><br/> <span class="ft1">ebenso wenig ist der Beschwerdeführer dafür im Sinne von Art. 24</span><br/> <span class="ft1">RPG (Fassung vom 20. März 1998) auf einen Standort ausserhalb</span><br/> <span class="ft1">der Bauzonen angewiesen. Etwas anderes macht der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer in seiner Beschwerde denn auch nicht geltend.</span><br/> <span class="ft1">1.2. Das erwähnte Feststellungsbegehren (vorne Erw. I./1.2)</span><br/> <span class="ft1">kann auch so verstanden werden, dass der Beschwerdeführer vom</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht die Verfassungs- und Gesetzmässigkeit des Kul-</span><br/> <span class="ft1">turlandplans im fraglichen Bereich vorfrageweise überprüft wissen</span><br/> <span class="ft1">will.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht ist gehalten, Erlassen die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">zu versagen, die Bundesrecht oder kantonalem Verfassungs- oder</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">197</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gesetzesrecht widersprechen (§ 95 KV; § 2 Abs. 2 VRPG). Nach</span><br/> <span class="ft1">einer langjährigen Praxis des aargauischen Verwaltungsgerichts un-</span><br/> <span class="ft1">terliegen dieser vorfrageweisen, inzidenten oder akzessorischen</span><br/> <span class="ft1">Normenkontrolle auch Nutzungsordnungen und -pläne (AGVE 1989,</span><br/> <span class="ft1">S. 303 f. mit Hinweisen; VGE III/156 vom 30. November 1999</span><br/> <span class="ft1">[BE.98.00014], S. 9). Der Beschwerdeführer kann indessen in</span><br/> <span class="ft1">diesem Verfahren nicht mehr erreichen als die Feststellung, dass der</span><br/> <span class="ft1">seinerzeitige Entscheid der Planungsorgane, die Parzelle Nr. 497 der</span><br/> <span class="ft1">Landwirtschaftszone zuzuweisen, im vorliegenden konkreten Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelfall nicht angewendet werden darf (siehe als illustratives Beispiel</span><br/> <span class="ft1">etwa AGVE 2000, 257 ff. betreffend die Nichtanwendung der Bauli-</span><br/> <span class="ft1">nien eines verfassungswidrigen Überbauungsplans mit der Folge,</span><br/> <span class="ft1">dass subsidiär der normale Strassenabstand gilt). Mit positiven</span><br/> <span class="ft1">konstitutiven Wirkungen (Schaffung neuer Normen) ist eine inzi-</span><br/> <span class="ft1">dente Normenkontrolle nie verbunden; gerade der vorliegende Fall</span><br/> <span class="ft1">zeigt exemplarisch auf, weshalb dies so sein muss, würde doch sonst</span><br/> <span class="ft1">die alleinige sachliche Zuständigkeit der Planungsorgane missachtet</span><br/> <span class="ft1">(vorne Erw. I./1.2). Der Beschwerdeführer ist somit auch diesbezüg-</span><br/> <span class="ft1">lich auf das Planänderungsverfahren gemäss Art. 21 Abs. 2 RPG zu</span><br/> <span class="ft1">verweisen. Er selber sieht dies nicht anders. Sein Vorschlag, dann</span><br/> <span class="ft1">müsse man eben "das Baugesuch zurückstellen, bis die Neuzonie-</span><br/> <span class="ft1">rung durch ist", ist aber ebenfalls untauglich, denn wenn das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht für Planänderungsbegehren sachlich nicht zuständig ist</span><br/> <span class="ft1">(vorne Erw. I./1.2), darf es selbstverständlich auch nicht vorfrage-</span><br/> <span class="ft1">weise die Nutzungsplanung präjudizierende Feststellungen treffen.</span><br/> <span class="ft1">Auf das Begehren um inzidente Normenkontrolle darf deshalb eben-</span><br/> <span class="ft1">falls nicht eingetreten werden. (...).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>