Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. März 2021 (810 20 113) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Wasser und Kanalisationsanschlussbeitrag / 15-jährige nicht hemmbare und nicht unter- brechbare Verwirkungsfrist Besetzung Vorsitzender Stefan Schulthess, Kantonsrichter C laude Jeanneret, Markus Clausen , Jgnaz Jermann, Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A._____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Dieter Völlmin, Advo- kat gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Enteignungsgericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Beschwerdegegner Einwohnergemeinde B.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Elisabeth Ruff Rudin, Advokatin Betreff Wasser- und Kanalisationsanschlussbeitrag (Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts, Abteilung Enteignungsge- richt, vom 29. August 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der A.____ ist Alleineigentümer des Grundstücks Nr. XX des Grundbuchs (GB) B.____. Nachdem er darauf einen zweigeschossigen (Ersatz-)Neubau m it einer Tankstelle im Erdge- schoss und Büroräumlichkeiten im Obergeschoss erstellt hat te, führte die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV) am 23. Mai 2005 eine Nachschät zung durch, anlässlich welcher sie den Gebäudeversicherungsmehrwert auf Fr. 4'851'000. 00 festsetzte. Gestützt auf diese Nachschätzung der BGV machte die Gemeinde B.____ (Geme inde) mit Verfügung vom 15. September 2005 eine Wasseranschlussgebühr von 2.5 % s owie eine Kanalisationsan- schlussgebühr von 4 % auf die gebührenpflichtige Erhöh ung des Gebäudeversicherungswerts (d.h. Fr. 4'851'000.00 abzüglich des reglementarisch vorgesehenen Freibetrags in der Höhe von Fr. 20'000.00) zuzüglich Mehrwertsteuern gegenüber dem A.____ geltend. Daraus ergab sich eine Wasseranschlussgebühr in der Höhe von Fr. 123'673.6 0 (Fr. 4'851'000.-- minus Fr. 20'000.--, davon 2.5 % zuzüglich 2.4 % MWST) und e ine Kanalisationsanschlussgebühr in der Höhe von Fr. 207'926.25 (Fr. 4'851'000.-- minus Fr. 20'000.--, davon 4 % zuzüglich 7.6 % MWST) und somit ein Gesamtbetrag von Fr. 331'599.85. B. Mit Beschwerde vom 26. September 2005 beantragte de r A.____, nachfolgend immer vertreten durch Dieter Völlmin, Advokat, beim Steuer- und Enteignungsgericht, Abteilung Ent- eignungsgericht (Enteignungsgericht), die Aufhebung de r Anschlussgebührenverfügung vom 15. September 2005 sowie deren Rückweisung an die Besch werdegegnerin zur Neufestset- zung der Anschlussgebühren unter Berücksichtigung der gesetzli chen Grundlage, des Gleich- behandlungsgebots, des Verursacher- und des Kostendeckungsp rinzips; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Gemeinde. Nach einer mehrjährigen Sistie rung, während der das Urteil des Bun- desgerichts (BGer) 2C_1020/2011 vom 16. November 2012 b etreffend das enteignungsgericht- liche Verfahren Nr. 650 03 106, in welchem die Metho de zur Überprüfung des Kostende- ckungsprinzips festgelegt wurde, abgewartet worden war, e rhielt die zwischenzeitlich durch Dr. Manfred Bayerdörfer, Advokat, vertretene Gemeinde Gelegenheit zur Stellungnahme. Mit Vernehmlassung vom 15. März 2013 beantragte diese die Abweisung der Beschwerde. Nach einer erfolglosen Vorverhandlung vom 19. September 2013 beantragte der A.____ am 27. Dezember 2013 neu, eventualiter sei die angefoch tene Anschlussgebührenverfügung auf- zuheben und zur Neufestsetzung der Kanalisationsanschlussge bühr auf der Grundlage des Abwasser-Reglements der Gemeinde B.____ (nachfolgend: nAR) vom 10. Dezember 2012 (inkl. Tarifordnung) an die Gemeinde zurückzuweisen, un d subeventualiter sei die Kanalisati- onsanschlussgebühr auf der Basis eines (reduzierten) Abgabesatzes von 3 % festzusetzen. Auf Gesuch der Gemeinde vom 1. April 2014, das vorliegende Verfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils im Parallelverfahren Nrn. 650 06 15 f. zu sistieren, wurde das Verfahren am 16. April 2014, nachdem der Beschwerdeführer die Fortsetzung des Verfahrens und damit die Ablehnung des Sistierungsgesuchs beantragt hatte, b is zum rechtskräftigen Abschluss des ebenfalls die Beurteilung des Kostendeckungsprinzips von W asser- und Kanalisationsan- schlussgebühren der Gemeinde B.____ betreffenden Paral lelverfahrens sistiert. Am 10. Okto- ber 2017 wurde die Sistierung aufgehoben und das Ger icht zog das teilrechtskräftige Urteil des Enteignungsgerichts vom 27. März 2014 (650 05 15) sowi e das rechtskräftige Urteil des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (KGE VV), vom 7. Dezember 2016 (810 14 246) zu den Akten des vorlieg enden Verfahrens bei und liess sie dem A.____ zur Kenntnisnahme zukommen. Nach erfolglo sen gerichtlichen und aussergericht- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Vergleichsversuchen wurde der Schriftenwechsel fortgesetzt. Mit Duplik vom 28. Dezem- ber 2018 ergänzte die Gemeinde ihren Hauptantrag auf Abweisung der Beschwerde um den folgenden Eventualantrag: Der Beschwerdeführer sei zu verpflichten, Verzugszins zu 4 % auf Fr. 331'599.85 vom 19. November 2005 bis 24. Mai 2006 , auf Fr. 181'599.85 vom 25. Mai 2006 bis 25. Februar 2018 und auf Fr. 82'899.85 vom 26. F ebruar 2018 bis zur Bezahlung der Rest- schuld zu bezahlen. C. Mit Urteil vom 29. August 2019 wies das Enteignungsg ericht die Beschwerde vollum- fänglich ab. Das Enteignungsgericht verneinte die vom A.____ geltend gemachten Verletzun- gen des abgaberechtlichen Legalitätsprinzips, des Gleichbehandlungsgebots, des Verursacher- prinzips, des Kostendeckungsprinzips, des Äquivalenzprinzips, des Anspruchs auf rechtliches Gehör und des Beschleunigungsgebots. Des Weiteren lehnt e es die vom A.____ im Zusam- menhang mit den Verzugszinsen gestellten Anträge ab. D. Mit Eingabe vom 9. April 2020 erhob der A.____ ge gen den Entscheid des Enteig- nungsgerichts beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt), Beschwerde und stellte die folgenden Begehren: In Gutheissung der Beschwerde sei das Urteil des Enteignungsgerichts vom 29. August 2019 aufzu heben und es sei der von der Be- schwerdegegnerin mit Beitragsverfügung vom 15. Septembe r 2005 verfügte Wasseranschluss- beitrag und Kanalisationsanschlussbeitrag unter Berücksic htigung der gesetzlichen Grundlage, des Gleichbehandlungsgebots, des Verursacherprinzips, de s Kostendeckungsprinzips und des Äquivalenzprinzips zu reduzieren und neu festzulegen. Eve ntualiter sei das Urteil des Enteig- nungsgerichts vom 29. August 2019 aufzuheben und es sei di e angefochtene Beitragsverfü- gung der Beschwerdegegnerin vom 15. September 2005 a ufzuheben und an die Einwohner- gemeinde B.____ zur Neufestsetzung des Wasseranschlussbei trags und des Kanalisationsan- schlussbeitrags im Sinne der Urteilserwägungen zurückzuwei sen (Ziff. 1). Es seien die Kosten für das erstinstanzliche Verfahren der Beschwerdegegneri n aufzuerlegen, eventualiter dem Staat und es sei dem Beschwerdeführer für das erstinstan zliche Verfahren eine Parteientschä- digung gemäss Honorarnote vom 21. August 2019 in der Höhe von Fr. 36'290.25 zuzuspre- chen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neuregelun g der Kosten- und Entschädigungsfol- gen an das Enteignungsgericht zurückzuweisen (Ziff. 2). U nter o/e-Kostenfolge (Ziff. 3). Mit Eingabe vom 30. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführe r die ergänzende Beschwerdebegrün- dung ein. In seiner Vernehmlassung vom 2. September 2020 beantrag te das Enteignungsgericht, es sei die Beschwerde abzuweisen und es seien sämtliche vom Bes chwerdeführer im kantonsgericht- lichen Verfahren erstmals bzw. neu vorgebrachten Tatsac henbehauptungen samt zugehöriger Beweismittel aus dem Recht zu weisen; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Beschwerde- führers. Die Gemeinde, nunmehr vertreten durch Elisabeth Ruff Rudin, Advokatin, beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 2. September 2020 die Abweisung der Beschwerde. Des Weiteren sei eventuell die Beschwerde abzuweisen und der Beschwerdef ührer zu verpflichten, Verzugszins von 4 % auf folgenden Beträgen zu bezahlen: a) auf Fr. 331'599.85 vom 19. November 2005 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht bis 24. Mai 2006; b) auf Fr. 181'599.85 vom 25. Mai 2 006 bis 25. Februar 2018; c) auf Fr. 82'899.85 vom 26. Februar 2018 bis zur Bezahlung der Restschuld. E. Mit Verfügung vom 18. September 2020 wies das Ger ichtspräsidium darauf hin, dass, nachdem seit der Nachschätzung und der Eröffnung der e rstinstanzlichen Gebührenverfügung inzwischen mehr als 15 Jahre vergangen seien, sich im vorlie genden Beschwerdeverfahren vor Kantonsgericht nunmehr verjährungs- bzw. verwirkungsrechtli che Fragen stellen könnten. Da sich die Parteien bislang noch nicht zu diesen geäussert hä tten, wurde den Parteien Frist zur Einreichung einer allfälligen Stellungnahme gewährt. Das Enteignungsgericht teilte in seiner Eingabe vom 24. September 2020 mit, auf eine Stel- lungnahme zu verzichten. In seiner Stellungnahme vom 5. Oktober 2020 stellte de r Beschwerdeführer folgende Anträge: Es sei festzustellen, dass das Recht zur Erhebung einer Wa sser- und Kanalisationsanschluss- gebühr für die von der BGV am 23. Mai 2005 im Rahme n einer Nachschätzung geschätzten baulichen Veränderung verjährt sei. Gestützt darauf sei das Urteil des Enteignungsgerichts vom 29. August 2019 aufzuheben und das kantonsgerichtliche Verfahren abzuschreiben. Gestützt auf den Ausgang des Verfahrens seien die Kosten des V erfahrens vor Enteignungsgericht in der Höhe von Fr. 8'500.00 den Beschwerdegegnern aufzue rlegen. Dem Beschwerdeführer sei für das Verfahren vor Enteignungsgericht zu Lasten der Einwohnergemeinde B.____ eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 36'290.25 (inkl. MWST und Auslagen) zuzusprechen. Die Kosten des kantonsgerichtlichen Verfahrens seien den Beschwerdegegnern aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer sei für das kantonsgerichtliche Verfah ren eine gerichtlich festzulegende an- gemessene Parteientschädigung zuzusprechen. Eventualiter , d.h. für den Fall, dass das Kan- tonsgericht wider Erwarten keine Verjährung oder Ver wirkung feststellen sollte, werde an den Anträgen gemäss Beschwerde vom 9. April 2020 festgehalten. Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Stellungnahme vom 18. November 2020 aus, dass die Verjährungs- bzw. Verwirkungsbestimmungen abschliessend im kommunalen Reglement über die Abwasseranlagen der Gemeinde B.____ (nachfolgend: AR) vom 26. Juni 1984 in Verbin- dung mit den Bestimmungen des Gesetzes über die Entei gnung (Enteignungsgesetz, EntG) vom 19. Juni 1950 festgelegt seien. Die Beschwerdegegnerin habe innert zwei Jahren nach der Nachschätzung durch die BGV mittels Verfügung die Abwasser gebühr gegenüber dem Be- schwerdeführer geltend gemacht. Die Frist von § 95 Ent G sei gewahrt. Verjährungs- oder ver- wirkungsrechtliche Fragen würden sich bis zur Rechtskraft der angefochtenen Verfügung nicht stellen. Verjährungsrechtliche Fragen zur Bezugsverjähru ng würden sich erst nach der rechts- kräftigen Festsetzung der Abwassergebühr stellen und seien deshalb nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Werde wider Erwarten vom Syste m der im AR in Verbindung mit den Bestimmungen des Enteignungsgesetzes positivrechtlich norm ierten Verwirkungsbestimmung abgewichen und trotz klaren Wortlauts von § 95 EntG ei ne Lücke im Sinne einer fehlenden ge- setzlichen Frist zur rechtskräftigen Festsetzung der Abwasserg ebühr erkannt, seien jedenfalls analog die Bestimmungen von Art. 127 ff. des Bundesge setzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligat ionenrecht, OR) vom 30. März 1911 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht als ergänzendes kantonales Recht anzuwenden. Die Anwendu ng würde zu einem Ergebnis führen, das den verfassungsmässigen Rechten beider Parteie n entspreche. Die Anschlussge- bühr wäre nicht verjährt. Die bestrittene Lückenfüllung durch Anwendung einer absoluten Ver- wirkungsfrist zur rechtskräftigen Festsetzung der Anschlu ssgebühr im Sinne von § 147 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 wäre dagegen verfassungswidrig. F. Mit Verfügung vom 26. November 2020 wurde der Fa ll der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen. Der Vertreter des Beschwerdeführers reichte am 21. D ezember 2020 und die Vertreterin der Beschwerdegegnerin am 22. Dezember 2020 die jeweilige Honorarnote ein. Mit Eingabe vom 8. Januar 2020 beantragte der Rechtsve rtreter des Beschwerdeführers, der Gemeinde sei praxisgemäss keine Parteientschädigung zuzuspre chen. Für den unwahrschein- lichen Fall, dass der Gemeinde eine Parteientschädigung zugesprochen werden sollte, sei die- se im Sinne der in der Eingabe gemachten Ausführungen auf eine angemessene Höhe zu kür- zen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist die verwaltung sgerichtliche Beschwerde beim Kan- tonsgericht zulässig gegen Verfügungen und Entscheide von Gerichten, sofern die kantonale Gesetzgebung und die Verfassung die Zuständigkeit des Ka ntonsgerichts als Verwaltungsge- richt vorsehen. § 96a Abs. 4 EntG bestimmt, dass Erschlie ssungsabgaben betreffende Ent- scheide des Steuer- und Enteignungsgerichts, Abteilung Enteignungsgericht, innert zehn Tagen mit Beschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden können. Die vorliegende Streitsache betrifft eine Wasser- und eine Kanalisationsanschlussgebühr und damit Erschliessungsabgaben (vgl. § 90 Abs. 2 EntG), womit die Zuständigkeit des Kan tonsgerichts gegeben ist. Der Be- schwerdeführer ist vom angefochtenen Entscheid als Adressa t unmittelbar in schutzwürdigen Interessen berührt und daher nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO zur Beschwerde legitimiert. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO sämtliche Rechtsverletzungen einschliesslich Überschre itung, Unterschreitung oder Miss- brauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollstä ndige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen vorlie- gend verwehrt (§ 45 lit. c VPO e contrario). 3. Bevor allenfalls die Rechtmässigkeit der strittigen V erfügung vom 15. September 2005 betreffend Wasser- und Kanalisationsanschlussbeitrag gep rüft werden kann, ist zu beurteilen, ob die Forderung der Gemeinde zwischenzeitlich verjährt ist. Der Beschwerdeführer stellt sich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf den Standpunkt, § 95 EntG und das AR würden die v orliegend strittige Frage nicht regeln, weshalb die 15-jährige Verjährungs- bzw. Verwirkungsfri st aus dem Steuerrecht zur Anwen- dung käme, womit die strittige Forderung verjährt wä re. Die Beschwerdegegnerin argumentiert, Verjährungs- bzw. Verwirkungsbestimmungen seien abschliess end im Enteignungsgesetz und im AR geregelt. Sollte das Gericht wider Erwarten ein e andere Auffassung vertreten, kämen analog die Bestimmungen des Art. 127 ff. OR als ergä nzendes kantonales Recht zu Anwen- dung, womit die strittige Forderung nicht verjährt wäre. 4.1. Als erstes ist damit zu prüfen, ob § 95 EntG und d as AR bzw. das kommunale Regle- ment über die Wasserversorgung vom 26. Juni 1984 (nachf olgend: WR) die strittige Frage re- geln. 4.2. Zunächst ist in Bezug auf die Verjährung festzuste llen, dass in Bereichen, in denen der genaue Umfang einer Forderung erst durch eine Verfüg ung festgelegt werden muss, zwischen der Festsetzungs- und Vollstreckungsverjährung unterschiede n werden kann. Durch die Fest- setzungsverjährung – im Steuerrecht Veranlagungsverjährun g bezeichnet – wird die Zulässig- keit, eine Forderung mit einer Verfügung festzusetzen, zeitlich beschränkt. Die Vollstreckungs- frist, die im Steuerrecht als Bezugsverjährung bezeichne t wird, begrenzt hingegen die Möglich- keit, eine rechtskräftig festgesetzte Forderung gegen de n Willen des Schuldners durchzuset- zen. Die Frist beginnt ab Eintritt der Rechtskraft der F estsetzungsverfügung zu laufen (THOMAS MEIER , Verjährung und Verwirkung öffentlich-rechtlicher Ford erungen, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 4 f.). Im vorliegenden Fall liegt keine rechtskräfti g festgesetzte Forderung vor, damit ist strit- tig, ob es eine Festsetzungsverjährung gibt. Wie die B eschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlas- sung festhält, ist die Frage der Bezugsverjährung vorliegend irrelevant. 4.3. In gewissen Konstellationen sind zwei Verjährungsfr isten, die kenntnisabhängige und die kenntnisunabhängige, kombiniert. Die kürzere Frist be ginnt zu laufen, sobald der Gläubiger Kenntnis seiner Forderung erlangt hat, während der A nspruch gleichzeitig durch eine längere Frist, die zu einem kenntnisunabhängigen Zeitpunkt beg innt, temporal begrenzt ist. In diesem Fall hat der Gläubiger beide Fristen einzuhalten. Im Privatrecht werden diese Fristen als "relati- ve" und "absolute" Fristen bezeichnet. Allerdings ist z. B. für Art. 60 Abs. 1 und Art. 67 Abs. 1 OR anerkannt, dass auch die "absolute" Frist unterbroc hen werden kann. Deshalb handelt es sich nach Ansicht des Bundesgerichts bei den Fristen dieser beiden Normen nicht um "absolute Verjährungsfristen im technischen Sinne" und teilweise wird auch in der Lehre die Bezeichnung "absolute Frist" als "missverständlich" betrachtet. Die Be zeichnung einer Frist als "absolut" – obwohl sie unterbrochen werden kann – kommt auch im öffentlichen Recht vor: So wird die Frist von Art. 52 Abs. 3 Satz 1 des Bundesgesetzes über di e Alters- und Hinterlassenenversi- cherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 als "absolut" be zeichnet, obwohl sie gemäss Art. 52 Abs. 3 Satz 2 AHVG unterbrochen werden kann. 4.4.1. Eine weitere Unterscheidung wird zwischen Verjäh rungs- und Verwirkungsfristen ge- macht. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.2. Im Zivilrecht bestehen für die Unterscheidung von Verjährungs- und Verwirkungsfristen verschiedene Merkmale. Die Verjährung bewirkt, dass der Gl äubiger seine Forderung – gegen den Willen des Schuldners – nicht mehr auf dem Rechtsweg durchsetzen kann. Allerdings muss sich der Schuldner auf diese Wirkung berufen. Der Rich ter darf die Verjährung nicht von Amtes wegen berücksichtigen. Da der Eintritt der Verjä hrung nur den Verlust der prozessualen Durchsetzbarkeit bewirkt, besteht die Forderung als unvol lkommene Obligation weiter (häufig als "Naturalobligation" bezeichnet), bis ein echter Unt ergangsgrund vorliegt, wie Erfüllung oder Erlass. Verjährungsfristen können gehemmt und unterbro chen werden. Demgegenüber lässt die Verwirkung den Rechtsanspruch an sich untergehen und ist vom Richter von Amtes wegen zu beachten. Verwirkungsfristen können in der Regel wed er gehemmt noch unterbrochen wer- den. Wegen der Mehrdeutigkeit des Begriffs ist im Ge brauch häufig eine Präzisierung nötig. Ausserdem geht es bei der Verjährung um die Geltendma chung eines einzelnen subjektiven Forderungsrechts, während es bei der Verwirkung um das ganze Schuldverhältnis gehen kann (MARCO ROSTETTER , Die Verjährung im Recht der direkten Bundessteuer un d der harmonisier- ten kantonalen Steuern, Bern 2019, Rz 53 ff. m.w.H.). 4.4.3. Diese Unterscheidungsmerkmale bestehen jedoch im ö ffentlichen Recht nicht. Zu- nächst ist nach der Rechtsprechung im öffentlichen Recht die Verjährung von öffentlich- rechtlichen Forderungen von Amtes wegen zu beachten. Ein grosser Teil der Lehre vertritt zu- sätzlich die Ansicht, die Rechtsfolge der Verjährung sei d er Untergang der Forderung. Absolute Verjährungsfristen des öffentlichen Rechts können zudem we der unterbrochen noch gehemmt oder erstreckt werden. Somit erstaunt es wenig, dass der L ehre keine allgemeingültige Abgren- zungsformel zwischen Verjährungs- und Verwirkungsfristen für das öffentliche Recht entnom- men werden kann. Das Bundesgericht hat nach eigener F eststellung "terminologisch nicht im- mer einheitlich zwischen Verwirkung und Verjährung unterschieden" und manchmal vermieden, eine Frist für das eine oder andere zu qualifizieren. Ferner geht aus der Rechtsprechung her- vor, dass die blosse Verwendung des Gesetzesterminus "Ve rjährung" oder "Verwirkung" nicht den Charakter einer Frist bestimmt. Dieser muss durch An wendung der juristischen Ausle- gungsmethodik ermittelt werden. Ein prägnantes Merkma l der Verwirkung ist jedoch, dass ein vergleichsweise breiteres Spektrum an Verwirkungsgründe n besteht. Die Verwirkung kann in- folge treuwidrigen Verhaltens, verletzter Verfahrenspf lichten sowie Zeitablaufs eintreten, wäh- rend die Verjährung nur infolge Zeitablaufs eintret en kann. Zusammenfassend fällt Lehre und Rechtsprechung die klare Unterscheidung von Fristen der Verjährung und Fristen der Verwir- kung infolge Zeitablaufs schwer. Eine zum Zivilrecht vergleichbare Abgrenzung ist nicht möglich (ROSTETTER , a.a.O., Rz 57 ff., m.w.H.; MEIER , a.a.O., S. 9, 12). 4.4.4. Trotz der Schwierigkeit eine klare Unterscheidun g von Fristen der Verjährung und Fris- ten der Verwirkung infolge Zeitablaufs vorzunehmen, h at Thomas Meier in seiner Dissertation "Verjährung und Verwirkung öffentlich-rechtlicher Forderungen" die unterschiedlichen Merkmale der Verjährungs- und Verwirkungsfristen im öffentlichen Recht wie folgt umschrieben: Während Verjährungsfristen unterbrochen und gehemmt werden können, scheidet die Unterbrechung von Verwirkungsfristen aus und ist eine Hemmung von Verwirku ngsfristen nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Weitere Unterschiede zwischen Verjährung und Verwirkung bestehen hinsichtlich ihrer Berücksichtigung. So muss der Eintritt der Verjäh rung zulasten des Einzelnen mit einer Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einrede geltend gemacht werden, während Verwirkungsf risten von Amtes wegen zu berück- sichtigen sind. Auch die Wirkung von Verjährung und Verw irkung ist unterschiedlich, so bleibt nach Eintritt der Verjährung eine Naturalobligation zurück, hingegen erlischt die Forderung nach Ablauf einer Verwirkungsfrist. Die Unterscheidung zwischen Verjährungs- und Verwirkungsfris- ten ist unter Zuhilfenahme der üblichen Methoden der Gesetzesauslegung vorzunehmen (MEIER , a.a.O., S. 9 f., m.w.H.). 4.5. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist d ie Frage der Verjährung materiell- rechtlicher Natur. Im Zivilrecht darf der Richter die Ve rjährung nach ausdrücklicher Vorschrift nicht von Amtes wegen berücksichtigen. Nur wenn die Einr ede fristgerecht erhoben worden ist, greift der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes we gen in dem Sinne ein, als dass das Gericht die Begründetheit der Einrede unter allen re chtlichen Aspekten zu überprüfen hat. Demgegenüber ist im öffentlichen Recht die Frage der Verjährung von Amtes wegen zu be- rücksichtigen, sofern das Gemeinwesen Gläubiger der Forde rung ist (Urteile des BGer 2C_137/2011 vom 30. April 2012 E. 2.2 m.w.H.; 4A_56 /2008 vom 8. Oktober 2009 E. 9.1). Da- mit ist es vorliegend irrelevant, dass die Beschwerdefü hrerin die Verjährungseinrede nicht er- hoben hat. 5.1. Gemäss § 90 Abs. 2 EntG können Grundeigentümerin nen und Grundeigentümer, de- ren Grundstück ein öffentliches Erschliessungswerk benutzt, zu r Leistung von Gebühren und anderen Abgaben – insbesondere einmaligen Anschlussgeb ühren für Wasser und Abwasser – herangezogen werden. Solche Anschlussbeiträge sind öffen tlich-rechtliche Abgaben der Grundeigentümer an die Erstellungskosten des Wasser- und Kanalisationsnetzes als Gegen- leistung dafür, dass sie das Recht erhalten, die Ver- und Entsorgungsanlagen zu benutzen (vgl. BGE 106 Ia 241 E. 3b; Urteil des BGer 2C_153/20 07 vom 10. Oktober 2007 E. 4). Die Gemeinden sind gestützt auf § 3 des Gesetzes über die Wasserversorgung der baselland- schaftlichen Gemeinden vom 3. April 1967 resp. § 13 Abs. 4 des Gesetzes über den Gewäs- serschutz vom 5. Juni 2003 zur Erhebung von Anschlussgebühre n für den Anschluss an die Wasserversorgung und an die Anlagen der Abwasserbeseiti gung befugt und in deren Ausge- staltung im Rahmen des übergeordneten Rechts autonom ( vgl. statt vieler KGE VV vom 22. August 2018 [810 17 300] E. 4). 5.2. § 95 Abs. 1 EntG statuiert, dass die Ansprüche au f Vorteilsbeiträge und Anschlussge- bühren untergehen, soweit ein Gesetz oder Reglement nicht etwas anderes bestimmen, wenn sie gegenüber der belasteten Person nicht innert zwei Jahren, nachdem das Erschliessungs- werk fertiggestellt ist, geltend gemacht werden. Das AR , welches durch das nAR aufgehoben wurde und bis am 31. Dezember 2012 in Kraft war, ent hielt keine kommunalen verjährungs- bzw. verwirkungsrechtlichen Regeln zur Geltendmachung der einmaligen Abwasserbeiträge, verwies jedoch in § 33 Abs. 1 AR auf die Bestimmungen de s Enteignungsgesetzes. Auch das WR, welches durch das Wasser-Reglement vom 10. Dezember 2012 per 1. Januar 2013 (nach- folgend: nWR) ersetzt wurde, enthielt keine Bestimmun gen über die Verjährung der einmaligen Beiträge bzw. Gebühren, verwies jedoch in § 41 WR auf das Enteignungsgesetz. Gemäss § 22 nAR und § 36 nWR, welche am 1. Januar 2013 in Kraft traten und vorliegend jedoch nicht an- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wendbar sind, hat die Gemeinde die Frist, innert dere r die Anschlussgebühren erhoben werden müssen, auf fünf Jahre verlängert. 5.3. Unbestritten ist, dass es sich bei der Frist gemäss § 95 Abs. 1 EntG nicht um eine rela- tive Verjährungsfrist, sondern um eine absolute Verjähr ungsfrist, die nicht gehemmt, unterbro- chen oder still stehen kann, und damit um eine Verwir kungsfrist handelt (Entscheide des Steu- er- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Enteignungsgericht, vom 6. April 2017 [650 15 1] E. 2.2 und vom 11. April 2013 [650 12 86 /650 12 87] E. 5.2) und die Zweijahresfrist des § 95 Abs. 1 EntG vorliegend mit Erhebung der Geb ühren mittels Verfügung vom 15. September 2005 eingehalten wurde. Diese Bestimmu ng regelt jedoch nur die Frist, innert derer die Gebühr von der Gemeinde mittels Verfügung zu erheben ist. Nicht geregelt wird mit dieser Bestimmung die Frage, bis wann spätestens eine re chtskräftige Verfügung der Gemein- de vorliegen muss, und damit, ob die von der Gemeinde innert der gesetzlich vorgesehenen Zweijahresfrist erhobenen Anschlussgebühren absolut ve rjähren bzw. verwirken können. § 95 Abs. 1 EntG regelt damit gewisse, aber nicht alle Frag en der Verjährung bzw. Verwirkung. Es stellt sich die Frage, ob es sich dabei um eine echte Lü cke bzw. um eine planwidrige Unvoll- ständigkeit des Gesetzes, welche vom Richter behoben werden darf, oder um ein qualifiziertes Schweigen handelt. 6.1.1. Eine Lücke des Gesetzes liegt nach der Praxis des Bu ndesgerichts vor, wenn sich eine gesetzliche Regelung als unvollständig erweist, weil sie auf eine bestimmte Frage keine oder eine sachlich unbefriedigende Antwort gibt. Bevor ei ne ausfüllungsbedürftige Lücke angenom- men werden darf, ist durch Auslegung zu ermitteln, ob d as Fehlen einer Anordnung nicht eine bewusst negative Antwort des Gesetzgebers im Sinne eines qualifizierten Schweigens darstellt. Erst wenn diese Frage verneint wird, kann von einer Lü cke bzw. einer planwidrigen Unvollstän- digkeit gesprochen werden. Herkömmlicherweise unterscheiden die herrschende Lehre und die bundesgerichtliche Rechtsprechung dabei echte und unech te Lücken. Während bei einer ech- ten Lücke eine sich unvermeidlich stellende Rechtsfrage nicht beantwortet wird und das Gericht diese unter Rückgriff auf die ratio legis zu schliessen ha t, liegt bei einer unechten Lücke eine sachlich unbefriedigende Antwort vor, deren Korrektur d en rechtsanwendenden Organen grundsätzlich nicht bzw. nur unter strengen Voraussetzunge n erlaubt ist (vgl. BGE 127 V 38 E. 4b/cc m.H.; ULRICH HÄFELIN /W ALTER HALLER /H ELEN KELLER /D ANIELA THURNHERR , Schweize- risches Bundesstaatsrecht, Zürich 2020, Rz 137 ff.). Unecht e Lücken oder Wertungslücken bil- den rechtspolitische Mängel, die der Richter im Allgemeinen hinzunehmen hat. Sie regelbildend zu schliessen, steht ihm nur dort zu, wo der Gesetzgebe r sich offenkundig über gewisse Tatsa- chen geirrt hat oder wo sich die Verhältnisse seit Erla ss des Gesetzes in einem Masse gewan- delt haben, dass die Vorschrift unter gewissen Gesichtspunkten nicht oder nicht mehr befriedigt und ihre Anwendung rechtsmissbräuchlich wird (vgl. BGE 13 0 V 39 E. 4.3; 124 V 159 E. 4c; 122 V 85 E. 5c; KGE VV vom 29. Juni 2011 [810 10 386] E. 4.7). Die Unterscheidung zwischen echten und unechten Lücken wird in Lehre und Rechtsprec hung immer häufiger fallen gelas- sen. Die Schliessung von Lücken im öffentlichen Recht wir d als zulässig erachtet, wenn die Gesetzesanwendung sonst zu einem Resultat führen würde , das den dem Gesetz zugrunde liegenden Wertungen widerspricht. Die Gesetzeslücke wird nach dieser Auffassung definiert als planwidrige Unvollständigkeit des Gesetzes, die vom Richt er behoben werden darf (U LRICH Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich 2020, Rz 213). 6.1.2. Ob ein qualifiziertes Schweigen oder eine zu f üllende Lücke vorliegt, ist durch Ausle- gung zu ermitteln (BGE 144 IV 97 E. 3.1.2). Zwar ist dabei eine historisch orientierte Auslegung insoweit von besonderer Bedeutung, als nur sie die Regel ungsabsicht des Gesetzgebers (die sich insbesondere aus den Materialien ergibt) aufzuzeige n vermag, die zusammen mit den zu ihrer Verfolgung getroffenen Wertentscheidungen verbin dliche Richtschnur des Gerichts bleibt. Eine negative Anordnung kann sich aber nicht nur anhan d der Materialien (historisches Ausle- gungselement) erschliessen, sondern unter Umständen auch erst unter Beizug anderer Ausle- gungselemente ersichtlich werden. Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wertungen auf der Basis einer teleologischen Verständnismethode ausgelegt w erden. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der W ortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte G esetz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichte t auf ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis. Dabei befolgt das Bundesgericht einen pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es namentlich ab, die einzelnen Auslegungselement e einer hierarchischen Prioritätsord- nung zu unterstellen. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Bei der Auslegung neuerer Bestim- mungen kommt den Materialien eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstände oder ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger nahelegen (BGE 140 III 206 E. 3.5.3 f. m.w.H.). 6.1.3. Das Schweigen des Gesetzgebers darf nicht voreil ig als qualifiziert betrachtet werden, weil viele Gründe dazu führen können, dass die Legislative eine Frage nicht regelt: Es ist mög- lich, dass der Gesetzgeber einen Erlass zu einem späteren Zeitpunkt revidieren will, dass ande- re Vorlagen als vordringlich erachtet worden sind oder dass die Regelung eines Aspekts der Praxis überlassen werden soll. Auch aus dem Grundsatz de r Rechtsgleichheit lässt sich ablei- ten, dass nicht leichthin von einem qualifizierten Schw eigen ausgegangen werden kann, da eine Ungleichbehandlung von ähnlichen Sachverhalten n ur zulässig ist, wenn dafür sachliche Gründe bestehen. Die Auslegung muss zum eindeutigen Sch luss führen, dass eine Lückenfül- lung unzulässig ist. Ein blosser Hinweis darauf, der Gesetzgeber habe zur Zeit als er ein Gesetz erlassen hat, um eine Regelung in einem anderen Berei ch gewusst und diese Lösung nicht auch für den infrage stehenden Fall vorgesehen, reich t nicht aus für die Annahme eines qualifi- zierten Schweigens; es gibt keine Vermutung für das Vorl iegen eines solchen. Nur wo sich aus der Auslegung ergibt, dass der Gesetzgeber eine Frage bewusst offen gelassen und damit ne- gativ entschieden hat, ist es der rechtsanwendenden Beh örde untersagt, den Erlass zu "ergän- zen" (vgl. zum Ganzen: MEIER , a.a.O., S. 25 f.). 6.2.1. Im öffentlichen Recht fehlen allgemeine Norme n über die Verjährung und die Verwir- kung weitgehend. Jedoch finden sich in verschiedenen bund esrechtlichen und kantonalen Ge- setzen solche Normen. So sehen z.B. Art. 24 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 a llgemeine Verwirkungsvorschrif- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten im Sozialversicherungsrecht und auf kantonaler Ebene § 46a des Verwaltungsverfahrens- gesetzes Basel-Landschaft (VwVG) vom 13. Juni 1988 allgem eine Verjährungsnormen für öf- fentlich-rechtliche Geldforderungen des Kantons vor. Ist weder eine allgemeine gesetzliche Norm zu finden und enthält auch das anwendbare Spezialg esetz keine Bestimmung über die Entkräftung einer Forderung infolge Zeitablaufs, so st ellt sich die Frage, was gelten soll. Da heute das Institut der Verjährung jedoch als allgemeine r Rechtsgrundsatz des öffentlichen Rechts gilt, unterliegen öffentlichrechtliche Ansprüche se lbst beim Fehlen einer ausdrücklichen Gesetzesbestimmung der Verjährung oder Verwirkung (BGE 140 II 384 E. 4.2 m.w.H.; A TTILIO R. GADOLA , Verjährung und Verwirkung im öffentlichen Recht, in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 1995, S. 47 ff., 48; M EIER , a.a.O., S. 19 ff. 23). Demnach verstösst es nicht gegen das Gesetzmässigkeitsprinzip, die Möglichkeit der Verjährung od er der Verwirkung zu bejahen, auch wenn keine Regeln über die Entkräftung von Ford erungen infolge Zeitablaufs positiviert sind, weil die allgemeinen Rechtsgrundsätze eine Recht squelle des Verwaltungsrechts darstel- len. Es wird vielmehr davon ausgegangen, dass bei Fehle n einer Norm über die Verjährung oder die Verwirkung eine Lücke vorliegt, die geschlosse n werden kann und soll (M EIER , a.a.O., S. 23 f.). Die Behörde, die einen Erlass anzuwenden ha t, in dem keine Entkräftung von Forde- rungen infolge Zeitablaufs vorgesehen ist, kann somit a uf Gesetze aus verwandten Gebieten zurückgreifen und, sofern diese Verjährungs- oder Verw irkungsfristen enthalten, zum Ergebnis gelangen, dass der anzuwendende Erlass lückenhaft ist, w eil der Gesetzgeber in ähnlichen Fällen die Wertung getroffen hat, dass Forderungen n ach Ablauf einer gewissen Zeit entkräftet werden (MEIER , a.a.O., S. 24 f.). Kommt das Gericht bei Fehlen von Vorschriften zur Verjährung zum Schluss, dass eine zu füllende Lücke vorliegt, so häl t es sich vorab an die Regeln, die der Gesetzgeber im öffentlichen Recht für verwandte Tatbestände aufgestellt hat; mangels entspre- chender Regelungen sind die allgemeinen (zivilrechtlichen ) Grundsätze über die Verjährung heranzuziehen, wonach für einmalige Leistungen eine zehnjährige, für periodische eine fünfjäh- rige Frist gilt (BGE 140 II 384 E. 4.2 m.w.H.). 6.2.2. In Bezug auf die Verjährung und die Verwirkung stellt sich in der Praxis die Frage, ob ein qualifiziertes Schweigen vorliegt, aufgrund der Tat sache, dass das Institut der Verjährung als allgemeiner Rechtsgrundsatz des öffentlichen Rechts gilt, kaum. Nur in BGE 29 I 415 vertrat das Bundesgericht die Meinung, ein Anspruch unterlieg e keiner Verjährung oder Verwirkung, weil das Gesetz die Frage nicht regle. Ansonsten ist d as Bundesgericht vom Grundsatz der Verjährbarkeit ausgegangen (BGE 94 I 513 E. 1). Die Frage, ob bei Fehlen einer Regelung der Verjährung oder der Verwirkung ein qualifiziertes Schw eigen vorliegt, wird heute nicht mehr gestellt, weil davon ausgegangen wird, dass in diesem Fal l eine echte Lücke vorliegt, die aus- gefüllt werden darf (BGE 129 V 345 E. 4.1). Ist dagegen in einem Gesetz die Verjährung vorge- sehen, so gesteht das Bundesgericht dem Gesetzgeber bei deren Ausgestaltung einen weiten Ermessensspielraum zu und es ist eher geneigt, auf das Vor liegen eines qualifizierten Schwei- gens zu erkennen. So ist beispielsweise im Bereich der Verrechnungssteuer in Art. 17 des Bundesgesetzes über die Verrechnungssteuer (Verrechnungssteuergesetz, VStG) vom 13. Ok- tober 1965 die Verjährung vorgesehen, ohne dass auch eine absolute Verjährungsfrist normiert wäre, womit in Bezug auf eine allfällige absolute Fr ist ein qualifiziertes Schweigen vorliegt, weshalb die Judikative nicht auf dem Weg der Lückenfüllu ng eine solche einführen darf (BGE 126 II 49 E. 2.d; MEIER , a.a.O., S. 26 m.w.H.). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3. Als Zwischenergebnis kann zusammenfassend festgehalte n werden, dass beim Schweigen des Gesetzgebers grundsätzlich nicht leichthin von einem qualifizierten Schweigen ausgegangen werden kann. Des Weiteren wird auch ohne gesetzliche Regelungen vom Grund- satz der Verjährung ausgegangen. Ist in einem Gesetz hing egen die Verjährung geregelt, be- antwortet es jedoch nicht alle Fragen, so kann in Bez ug auf die nicht geregelten Fragen ein qualifiziertes Schweigen vorliegen. Wobei zu beachten i st, dass gemäss Rechtsprechung zur Verjährung nur sehr zurückhaltend auf ein qualifiziertes Schweigen geschlossen werden darf. 7.1. Der heute geltende § 95 Abs. 1 EntG statuiert, dass die Ansprüche auf Vorteilsbeiträge und Anschlussgebühren untergehen, soweit ein Gesetz ode r Reglement nicht etwas anderes bestimmen, wenn sie gegenüber der belasteten Person nich t innert zwei Jahren, nachdem das Erschliessungswerk fertiggestellt ist, geltend gemacht we rden. Die Fassung des Enteignungs- gesetzes vom 19. Juni 1950, welche am 1. Januar 1951 in Kraft trat, statuierte in § 95 Folgen- des: "Die Ansprüche auf Vorteilsbeiträge gehen, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist, unter, wenn sie gegenüber dem Belasteten nicht innert zwei Jah ren geltend gemacht werden, nach- dem das Werk fertiggestellt ist" (GSG 20.169, 197). D as Enteignungsgesetz wurde in den letz- ten 70 Jahren mehrmals revidiert, jedoch wurde an diese r Grundregelung nichts geändert. Dar- aus geht hervor, dass diese zweijährige Verjährungs- bzw. Verwirkungsfrist bereits seit 70 Jah- ren Geltung hat und dass das Enteignungsgesetz nie eine w eitere Verjährungs- bzw. Verwir- kungsfrist enthalten hat. Da diese Regelung bereits 70 Jahre alt ist, ist jedoch nicht mehr eru- ierbar, ob der Gesetzgeber zum strittigen Thema bewusst geschwiegen hat. Zudem gilt zu be- denken, dass auch für den Fall, dass der Gesetzgeber damal s bewusst auf eine Frist, innert derer auch eine rechtskräftige Verfügung vorzuliegen habe, verzichtet haben sollte, dieser Wille heute nicht mehr unbesehen übernommen werden könnte, w ie die nachfolgende geschichtliche Entwicklung in Bezug auf das Thema Verjährung und Verwi rkung zeigt: Ursprünglich wurde bei Fehlen von Verjährungs- oder Verwirkungsvorschriften die Möglichkeit der Verjährung oder der Verwirkung mit Hinweis auf das Legalitätsprinzip vernein t. Zeitlich unterlagen Forderungen so- mit einer "natürlichen Grenze", indem sie so lang einge fordert werden konnten, als der Gläubi- ger ihre Existenz zu beweisen in der Lage war. Während einer zweiten Phase der Entwicklung wurden privatrechtliche Normen – darunter auch die Ve rjährungsnormen des Obligationen- rechts – analog im öffentlichen Recht angewendet. Heut e wird die Verjährung als allgemeiner Rechtsgrundsatz anerkannt und zur Lückenfüllung hinzuge zogen und es wird vielmehr davon ausgegangen, dass bei Fehlen einer Norm über die Verjährung oder die Verwirkung eine Lücke vorliegt, die geschlossen werden kann und soll (M EIER , a.a.O., S. 23 m.w.H., vgl. E. 6.2.1 hier- vor). Letztmals wurde § 95 Abs. 1 EntG mit Wirkung per 1 . Mai 2008 geändert, jedoch handelte es sich auch bei dieser Revision um Anpassungen an neue T erminologien, so wurden die "An- sprüche auf Vorteilsbeiträge" erweitert auf "Ansprüche a uf Vorteilsbeiträge und Anschlussge- bühren" und der Terminus "Werk" durch "Erschliessungswerk" ersetzt. Auch aus diesen begriff- lichen Anpassungen lässt sich – wie später aufzuzeigen sein wird – nicht ableiten, es liege ein qualifiziertes Schweigen des Gesetzgebers vor. 7.2. Als nächstes sind Gesetze aus sachnahen Gebieten zum Vergleich herbeizuziehen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2.1. Die Gebühren und Beiträge stellen Kausalabgab en dar und gehören mit den Steuern zu den öffentlichen Abgaben ( HÄFELIN /M ÜLLER /U HLMANN , a.a.O., Rz 2756), weshalb das Steu- ergesetz als Gesetz aus einem sachnahen Gebiet zum Vergle ich herangezogen werden kann, zumal auch das Bundesgericht kantonale Entscheide geschüt zt hat, welche für die Verjährung von Erschliessungsbeiträgen bzw. -gebühren die Regeln der Verjährung von Steuerveranla- gungen herangezogen hatten (Urteile des BGer 2C_501/ 2008 vom 1. April 2009 E. 2.3 sowie 2P.137/2003 und 2A.250/2003 vom 6. Juni 2003 E. 4.2; vgl. auch Urteil des Verwaltungsge- richts des Kantons Zürich [VB.2003.00273] vom 13. November 2003). § 147 Abs. 1 StG statuiert, dass das Recht eine Steuer zu veranlagen, fünf Jahre, bei Stillstand oder Unterbrechung der Verjährung spätestens 15 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode ver- jährt. Diese Bestimmung entspricht dem Art. 47 Abs. 1 u nd 2 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und G emeinden (Steuerharmonisierungsge- setz, StHG) vom 14. Dezember 1990 und dem Art. 120 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990. D ie Regelung des heutigen § 147 Abs. 1 StG befand sich im Übrigen schon vor der Revision d es StG, welche per 1. Januar 2005 in Kraft trat, in Art. 147 StG. Bei der relativen Frist von fünf Jahren handelt es sich um eine ech- te Verjährungsfrist, d.h. um eine solche, welche ruhe n und unterbrochen werden kann. Demge- genüber stellt die absolute Frist mit der Dauer von hö chstens 15 Jahren, eine nicht hemmbare und nicht unterbrechbare Verwirkungsfrist dar. Deren Ende bezeichnet den zeitlich absolut äus- sersten Moment, bis zu dem die Besteuerungsmöglichkeit ausgeschöpft und eine rechtskräftige Veranlagung vorgenommen sein muss (MICHAEL BEUSCH , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommen- tar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über di e Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, 3. Aufl., Basel 2 017, Art. 47 SHG Rz 20). Nach bundes- gerichtlicher Rechtsprechung verstösst es selbst bei Fehlen einer ausdrücklichen Gesetzesbe- stimmung der Verjährung oder Verwirkung gegen das Will kürverbot, Steuerforderungen durch wiederholte Unterbrechungen der Verjährung dieser gän zlich zu entziehen (Urteil des BGer 2C_636/2007 vom 7. April 2008 E. 2.10). 7.2.2. Des Weiteren regelt der Kanton Basel-Landschaft die Verjährung öffentlich-rechtlicher Geldforderungen des Kantons im VwVG. Da dieses Gesetz das Verfahren für den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung von Verfügungen durch Ver waltungsbehörden regelt (§ 1 Abs. 1 VwVG), ist es als Vergleich heranzuziehen. Gemäss § 46a Abs. 1 VwVG können öffentlich-rechtliche Geldforderungen des Kantons spätes- tens fünf Jahre, bei Stillstand oder Unterbrechung de r Verjährung spätestens 15 Jahre nach Erfüllung des Forderungstatbestands festgesetzt werde n. Nach § 46a Abs. 5 VwVG bleiben abweichende Bestimmungen in anderen Erlassen vorbehalte n. Diese Bestimmungen sind seit 1. Januar 2005 in Kraft. In der synoptischen Darstellun g der vorgeschlagenen Änderungen des VwVG, welche sich im Anhang der Vorlage an den Landr at des Kantons Basel-Landschaft Nr. 2004-001 vom 13. Januar 2004 betreffend Teilrevisi on des Verwaltungsverfahrensgesetzes (Vorlage VwVG) befindet, wird zu § 46a VwVG Folgendes angemerkt: "Es wird in Anlehnung an das Steuer- und Finanzgesetz die Verjährung öffentlich -rechtlicher Geldforderungen des Kan- tons geregelt." In der Vorlage VwVG wird ausgeführt, dass für öffentlich-rechtliche Geldforde- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen des Kantons neu eine Verjährungsfrist eingefüh rt werde (S. 2). Des Weiteren wird fest- gehalten, dass mit Ausnahme einzelner Erlasse (z.B. § 147 Abs. 2 StG, § 40 des Gesetzes über die Sozial- und die Jugendhilfe [Sozialhilfegesetz, SHG] vom 21. Juni 2001) im kantonalen Recht eine Bestimmung fehle, welche die Verjährung öffentlich-rechtlicher Geldforderungen des Kantons regle. Es werde aber in Lehre und Rechtsprechun g als ein ungeschriebener Rechts- grundsatz anerkannt, dass öffentlich-rechtliche Ansprüche a uch dann verjähren würden, wenn es das Gesetz nicht vorsehe, wobei auf verwandte Sachve rhalte abzustellen sei. Ausdrücklich wird ausgeführt, dass in Anlehnung an die Steuerforder ungen (§ 147 Abs. 2 StG) nun die vor- liegende Verjährungsvorschrift für die öffentlich-rechtl ichen Geldforderungen des Kantons for- muliert werde, wobei spezialgesetzliche Regelungen vorbehalten bleiben würden (S. 12). 7.3.1. Die Beschwerdegegnerin weist darauf hin, dass die Verwirkungsfrist des § 147 Abs. 1 StG längstens in Kraft gewesen sei, als die Bestimmungen des Enteignungsgesetzes in Bezug auf Vorteilsbeiträge und Anschlussgebühren letztmals im J ahre 2008 revidiert worden seien. Auch der stillschweigende Verzicht des kantonalen Gesetz gebers auf die Einführung weiterer Fristen im Sinne des Steuergesetzes im Enteignungsgesetz könne deshalb nur als qualifiziertes Schweigen verstanden werden. Zumal in der Vorlage zur Revision des Enteignungsgesetzes explizit darauf hingewiesen worden sei, es stehe den G emeinden frei, abweichende Fristen festzulegen. 7.3.2. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Tatsache, dass d er Gesetzgeber bei der Revision des Enteignungsgesetzes keine "zweite" absolute Verjährung sfrist als Verwirkungsfrist einge- führt hat, vielmehr darauf zurückzuführen sein kann, d ass der Gesetzgeber aufgrund des all- gemeinen Rechtsgrundsatzes, aber auch aufgrund des § 46 a VwVG, keine Notwendigkeit sah, auch im Enteignungsgesetz explizit eine absolute Verjähru ngsfrist bzw. Verwirkungsfrist, innert welcher die Gebühr rechtskräftig festgelegt werden müsse, zu normieren. 7.3.3. Zudem wird, wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführt, in der Vorlage an den Land- rat des Kantons Basel-Landschaft Nr. 2007-129 vom 5. Jun i 2007 zur Erweiterung des Ge- meindebeschwerderechts im verwaltungsgerichtlichen Verfahr en und Vereinheitlichung des Rechtswegs im Erschliessungsabgabewesen (Änderung des Gesetzes vom 19. Juni 1950 über die Enteignung und des Raumplanungs- und Baugesetzes vo m 8. Januar 1998) ausgeführt, dass der Verband basellandschaftlicher Gemeinden sowie eine Gemeinde in ihren Vernehm- lassungsantworten angeregt hätten, "die in § 95 statuierten Verwirkungsfristen auf drei (…) bzw. fünf (…) Jahre zu erhöhen". Auf eine generelle Anpassun g im kantonalen Recht könne verzich- tet werden, da die Gemeinden gemäss § 95 Abs. 1 EntG auch künftig in der Lage seien, die Verwirkungsfristen im kommunalen Recht abweichend fest zulegen. Dieser Anmerkung, welche vor allem im Zusammenhang mit der Diskussion einer Erhöhu ng von zwei Jahren auf drei bzw. fünf Jahre ergangen ist, ist zu entnehmen, dass es hier l ediglich um die Frist ging, innert derer die Gemeinde die Gebühr zu erheben hat. Daraus lässt si ch nicht schliessen, der Gesetzgeber habe bezüglich einer absoluten Verjährungsfrist, innert derer eine rechtskräftige Verfügung vor- zuliegen habe, qualifiziert geschwiegen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4.1. Die Beschwerdegegnerin wendet ein, die Gemeind en seien beim Erlass von Regle- menten im Bereich der Erhebung von Anschlussgebühren aut onom. Zudem stehe der Gemein- de zu, die von ihr erlassenen Reglemente auch selber a uszulegen. Insoweit dürften die kanto- nalen Behörden in einem Rekursverfahren nicht von ein er vertretbaren Auslegung des kommu- nalen Rechts durch die Gemeindebehörden abweichen. Der kommunale Gesetzgeber habe im Reglement in Verbindung mit dem Enteignungsgesetz absch liessend bestimmt, was er zu Fra- gen der Verjährung bzw. Verwirkung im Themenbereich A nschlussgebühren habe regeln wol- len. Die Gemeinden würden eine erhebliche Gestaltungs freiheit geniessen. Sie könnten die Frist verkürzen oder verlängern und könnten (müssten aber nicht) zusätzlich eine Verjährungs- oder eine Verwirkungsfrist zur rechtskräftigen Verfügung des einmaligen Abwasserbeitrags ein- führen. Der kommunale Gesetzgeber habe denn auch mit der Revision des Abwasserregle- ments vom 10. Dezember 2012 (in Kraft ab 1. Januar 201 3: nAR) die Verwirkungsfrist auf fünf Jahre verlängert. 7.4.2. Wie in der E. 5.1. hiervor ausgeführt, sind di e Gemeinden im Rahmen des übergeord- neten Rechts autonom. In Anbetracht, dass das Institut d er Verjährung als allgemeiner Rechts- grundsatz des öffentlichen Rechts gilt und es sich damit u m übergeordnetes Recht handelt, braucht es auch bei der Auslegung einer kommunalen Best immung – wie bei der Auslegung einer kantonalen Bestimmung – sachliche Gründe, um den Schluss ziehen zu können, dass der Gesetzgeber durch qualifiziertes Schweigen auf eine absolute Verjährungsfrist als Verwirkungs- frist verzichten wollte. Daran ändert auch das Argument der Beschwerdegegnerin, sie habe auch bei der Revision des AR (ab 1. Januar 2013: nAR) keine absolute Verwirkungsfrist einge- führt, nichts. 7.5.1. Als Beispiel für die Annahme eines qualifiziert en Schweigens nennen die Literatur und die Beschwerdegegnerin Art. 17 VStG (MEIER , a.a.O., S. 26 m.w.H.). Art. 17 Abs. 1 VStG statu- iert, dass die Steuerforderung fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie entstan- den ist, verjährt. Damit bestimmt es die relative Verj ährungsfrist. In den Absätzen 2 bis 4 des Art. 17 VStG werden Beginn, Stillstand und Unterbrechung der Verjährung geregelt. Eine abso- lute Verjährungsfrist kennt Art. 17 VStG jedoch nicht. Das Bundesgericht hatte in seinem Urteil 126 II 49 vom 31. Januar 2000 ausgeführt, dass es sich nicht um eine Lücke des Gesetzes handle, sondern um ein qualifiziertes Schweigen des Ge setzgebers, der bewusst keine absolu- te Verjährungsfrist habe einführen wollen. Der Verzich t auf eine absolute Verjährungsfrist lasse die Verjährungsordnung des Verrechnungssteuergesetzes w eder als lückenhaft erscheinen, noch verstosse er gegen übergeordnete Prinzipien. Das B undesgericht hat diese Entscheidung in seinem Urteil 2C_188/2010, 2C_194/2010 vom 24. Ja nuar 2011 bestätigt. Das Bundesver- waltungsgericht war als Vorinstanz zum Schluss gekommen, dass die fehlende absolute Ver- jährungsfrist im Verrechnungssteuergesetz nicht auf ein qualifiziertes Schweigen des Gesetz- gebers zurückgeführt werden könne. Das Bundesverwaltung sgericht hatte dabei auf neuere Steuergesetze wie das Bundesgesetz über die Mehrwert steuer (MWSTG) vom 12. Juni 2009 (Art. 42 Abs. 6 MWSTG), das DBG (Art. 120 Abs. 4 DBG) und das StHG (Art. 47 Abs. 1 StHG), welche die absolute Verjährung eingeführt oder verkür zt hätten, verwiesen. Das Bundesgericht erörterte in seinem Entscheid, dass das Bundesverwaltu ngsgericht, soweit es sich auf die Re- gelung im Mehrwertsteuerrecht berufe, übersehe, dass da s Mehrwertsteuerrecht im Gegensatz Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur Verrechnungssteuer keine Überwälzungspflicht kenne. D ie Mehrwertsteuer solle zwar nach dem Plan des Gesetzgebers den Endverbrauch belasten: Si e werde vom steuerpflichtigen Un- ternehmen erhoben, welches sie, sofern die Marktverhältn isse es gestatten würden, auf die Preise und damit auf die Abnehmer der Ware oder Dien stleistung überwälze. Ein Anspruch auf Überwälzung oder gar eine Pflicht zur Überwälzung be stehe im Mehrwertsteuerrecht indessen nicht. Die Verjährungsordnung des Mehrwertsteuergesetz es könne daher nicht unbesehen auf die Verrechnungssteuer übertragen werden. Bei der Ver rechnungssteuer sei die Situation auch grundsätzlich anders als bei der direkten Bundessteuer: Vor der Geltendmachung und Durch- setzung der Regressforderung müsse unter Umständen zuerst d ie Verrechnungssteuerforde- rung rechtskräftig beurteilt werden. Auch aus diesem Gru nd könne sich – in seltenen Fällen – die fünfzehn- oder zehnjährige Frist für die absolute V erjährung anderer Steuerordnungen als zu kurz erweisen. Die Verjährungsregelung in Art. 17 VStG trage auch den Interessen des Leis- tungsempfängers, der nach dem System und Zweck der Verrech nungssteuer grundsätzlich anonym zu bleiben habe, Rechnung. Sie schränke den Anspr uch des Empfängers der steuer- baren Leistung, dessen Regresspflicht ebenfalls nicht unb eschränkt währen könne, nicht über- mässig ein. Die wiederholte Unterbrechung der Verjähr ung könne sich zudem als rechtsmiss- bräuchlich erweisen, wie auch treuwidrige Verfahrensverzögerung keinen Schutz verdiene. Das lasse es als vertretbar erscheinen, dass das Gesetz keine zusä tzliche absolute Verjährung sta- tuiere (Urteil des BGer 2C_188/2010, 2C_194/2010 vom 24. Januar 2011 E. 5.2 ff.). Zudem ist anzumerken, dass Art. 17 VStG eingehend den Zeitpunkt des Beginns der Verjährung und den Stillstand regelt. Er statuiert zudem welche Handlung en einen Unterbruch der Verjährung be- wirken und gegenüber welchen Pflichtigen der Stillstand und die Unterbrechung wirken. 7.5.2. Diese Erwägungen des Bundesgerichts erhellen, da ss nur in seltenen Fällen vom Be- stehen einer absoluten Verjährungsfrist abgesehen wer den kann. Es müssen besondere Grün- de für eine längere Frist als 10 oder 15 Jahren vorli egen. Solche hat das Bundesgericht in der Eigenheit der Verrechnungssteuer (z.B. Überwälzungspflich t und Anonymität des Leistungs- empfängers) erblickt. 7.6.1. Die Beschwerdegegnerin führt aus, es handle sich beim einmaligen Abwasserbeitrag um eine einmalige Abgabe, wogegen sich § 147 StG insb esondere auf periodisch erhobene Steuern beziehe, nicht aber auf Anschlussgebühren. Die Periodizität der veranlagten Steuern bewirke einen erhöhten administrativen Aufwand, denn j edes Jahr erfolge erneut eine Verfü- gung gegenüber dem Steuerpflichtigen, die angefocht en werden könnte. Administrativer Auf- wand und Komplexität seien direkt mit dem Grundsatz der Rechtssicherheit verknüpft. Bei peri- odisch erhobenen Steuern rechtfertige deshalb der Gru ndsatz der Rechtssicherheit aus Sicht des Schuldners eine absolute Zeitbeschränkung. Sie sei au ch gesetzlich klar verankert. Ent- sprechende administrative Gründe würden dagegen beim e inmaligen Kanalisationsbeitrag gänzlich fehlen. Die Annahme einer absoluten Verwirkung sfrist, die zum sofortigen Untergang des Anspruchs führe, wäre jedenfalls im konkreten Fall unverhältnismässig und willkürlich, da diese sachlich nicht gerechtfertigt und nicht durch d as Rechtssicherheitsgebot gedeckt sei. Im Unterschied zur Steuerveranlagung basiere die Kausalab gabe auf einer Berechnung einer Be- hörde und nicht auf einer Selbstveranlagung des Priva ten. Wesentliches Merkmal der Selbst- veranlagung sei das hohe Vertrauen, das der Staat dem Privaten entgegenbringe. Der Staat Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht müsse insoweit dem Privaten eine Korrektur der Einkomme ns- und Vermögensverhältnisse bzw. ein Mehr strikt nachweisen. Die Strenge sei deshalb gerechtfertigt, zumal sie auch explizit im Gesetz stehe. Die Kausalabgabe hingegen sei eine Ab gabe als konkrete Gegenleistung für eine Leistung des Staats. Der Rechtsstreit drehe sich let ztlich nur am Rande um die "persönli- chen" Verhältnisse des Privaten, sondern um das Berechnungssy stem der Kausalabgabe an sich. Derart strenge, absolute Verwirkungsfristen seien de shalb nicht gerechtfertigt. Das Rechtsschutzinteresse des Privaten müsse nicht im gleichen A usmass geschützt werden und würde – wenn überhaupt – durch die Anwendung von Ver jährungsfristen, die unterbrochen werden könnten, genügend gewahrt. Es gebe keinen sachli chen Grund für eine derart unver- hältnismässige Lückenfüllung ohne gesetzliche Grundlage. Es rechtfertige sich somit nicht, Ab- wasserbeiträge mit periodischen Steuerforderungen glei chzusetzen. Mit einer Heranziehung von § 147 StG auf die Abwassergebühr wäre das Rechtsgleichheitsgebot jedenfalls verletzt. 7.6.2. Diesen Argumenten muss entgegengehalten werden , dass die 15-jährige nicht unter- brechbare und nicht stillstehende Verjährungsfrist nich t nur in § 147 Abs. 1 StG für periodisch wiederkehrende Steuern vorgesehen ist, sondern auch in § 46a VwVG für alle öffentlich- rechtliche Geldforderungen und damit auch für einmalig e Leistungen statuiert wird. Des Weite- ren ist auch das Bundesgericht in einem Urteil, in welchem es die Anwendung der Verjährungs- regeln des kantonalen Steuergesetzes für die Erschliess ungsbeiträge geschützt hat, dem Ar- gument, eine Anwendung der steuerrechtlichen Regelung sei nicht gerechtfertigt, weil es sich bei den Erschliessungsbeiträgen im Gegensatz zu den Ste uerveranlagungen nicht um Massen- geschäfte handle, nicht gefolgt. Das Bundesgericht führte aus, dass die Unterschiede zwischen der Veranlagung von Steuern einerseits und Beiträgen anderseits vor allem den erstinstanzli- chen Entscheid und weniger das Rechtsmittelverfahren bet räfen. Es erscheine deshalb keines- wegs willkürlich, wenn die Vorinstanz nicht allein die Da uer der Verjährungsfrist, sondern auch den Stillstand nach den Regeln beurteile, die für die Steuerveranlagung gelten würden (Urteil des BGer 2C_501/2008 vom 1. April 2009 E. 2.5). 8.1. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass aus d en Materialien zum Enteignungs- gesetz nicht gefolgert werden kann, es liege insofer n ein qualifiziertes Schweigen vor, als der Gesetzgeber bei den Anschlussgebühren bewusst auf eine abso lute Verjährungsfrist als Ver- wirkungsfrist habe verzichten wollen. Die gesetzlichen R egelungen aus den sachverwandten Gebieten, namentlich § 147 Abs. 1 StG und § 46a VwVG , legen vielmehr nahe, dass auch in Bezug auf die Gebühren eine absolute Verjährungsfrist als Verwirkungsfrist zu gelten hat. Es liegen bei den zu beurteilenden Gebühren auch keine b esonderen Gründe wie bei der Verrech- nungssteuer nach Art. 17 VStG vor, welche es als vertretbar erscheinen lassen, dass das Ge- setz keine Verwirkungsfrist, innert derer die Forderung rechtskräftig zu sein hat, statuiert hat. Damit kann das Vorliegen eines qualifizierten Schweigens nicht bejaht werden und § 95 Abs. 1 EntG wohnt damit eine planwidrige Unvollständigkeit i nne, die ausfüllungsbedürftig ist. Da die anwendbaren kommunalen Reglemente keine eigene Regelu ng zur Verjährung enthielten, sie vielmehr auf das kantonale Recht verwiesen, liegt auch d en kommunalen Reglementen in Ver- bindung mit § 95 Abs. 1 EntG eine ausfüllungsbedürftige Lücke inne. Im Übrigen wäre aufgrund der Tatsache, dass es sich beim Institut der Verjährung um einen allgemeinen Rechtsgrundsatz handelt und die Gemeinde nur im Rahmen des übergeordneten Rechts autonom ist, fraglich, ob Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Gemeinde in ihren Reglementen das Absehen von ei ner Frist, innert derer die Gebühren rechtskräftig zu verfügen wären, statuieren könnte. 8.2. Die ausfüllungsbedürftige Lücke ist gemäss bundesge richtlicher Rechtsprechung vorab durch Regeln zu füllen, welche der Gesetzgeber im öff entlichen Recht für verwandte Tatbe- stände bzw. sachnahe Gebiete vorgesehen hat. Damit sind die gleichlautenden Bestimmungen des § 46a VwVG und § 147 StG anwendbar, welche bei St illstand oder Unterbrechung eine absolute Verjährungsfrist als Verwirkungsfrist von 15 Jah ren vorsehen. Sind für die Frage der Verjährungsbestimmungen § 147 Abs. 1 StG und § 46a VwV G anwendbar, so sind diese auch für die Regelungen der Unterbrechung und des Stillsta nds anwendbar (Urteil des BGer 2C_501/2008 vom 1. April 2009 E. 2.). Damit hat innert 15 Jahren eine rechtskräftige Verfügung vorzuliegen. Demzufolge gilt gemäss der bundesgerichtlich en Rechtsprechung diese Regelung auch für die Anschlussgebühren und es sind – entgegen d em Antrag der Beschwerdegegne- rin – nicht die verjährungsrechtlichen Bestimmungen des Obligationenrechts heranzuziehen. Des Weiteren liegt durch die Beachtung der Verwirkung kein allfälliger Rechtsmissbrauch vor, da die lange Dauer des Verfahrens primär auf die Sisti erungsanträge der Beschwerdegegnerin, gegen die sich der Beschwerdeführer zum Teil gewehrt h at, zurückzuführen ist (vgl. dazu MEIER , a.a.O., S. 44 ff.). Im Übrigen sehen § 147 Abs. 1 StG und § 46a VwVG eine absolute Verjährungsfrist als Verwirkungsfrist vor, so dass fraglich ist, ob ein allfälliger Rechtsmissbrauch an der 15-jährigen Frist etwas ändern könnte. 8.3. Nach § 95 Abs. 1 EntG beginnt die zweijährige Fr ist in dem Moment, in dem das Er- schliessungswerk fertiggestellt ist. Ist die Liegenschaft b ereits an die Erschliessungsanlage an- geschlossen und die Abgabeerhebung auf Um- respektive Er weiterungsarbeiten zurückzufüh- ren und deshalb ein eigentlicher Anschlusszeitpunkt nicht e ruierbar, so wird nach der Recht- sprechung des Enteignungsgerichts für den Beginn der zwei jährigen Verwirkungsfrist auf den Abschluss der für die konkrete Abgabeerhebung massgebenden Bauarbeiten abgestellt (Urteil des Enteignungsgerichts vom 6 April 2017 [650 15 1] E. 2.2 m.H.). Diese Regelungen sind auch für den Beginn der 15-jährigen Frist anzuwenden. Vor liegend führte die BGV am 23. Mai 2005 eine Nachschätzung durch. Gestützt darauf machte die B eschwerdegegnerin mit Verfügung vom 15. September 2005 die Wasser- und Kanalisationsansch lussgebühren geltend. Die zwei- jährige Frist begann somit spätestens am 23. Mai 2005 zu laufen, womit die 15-jährige absolute Verjährungsfrist als Verwirkungsfrist spätestens im Mai 2 020 verstrichen ist. Selbst wenn die Frist jedoch erst am 15. September 2005 begonnen habe n sollte, wären in der Zwischenzeit über 15 Jahre vergangen, weshalb die Forderung der Gemeinde betreffend Wasser- und Kana- lisationsanschlussgebühren untergegangen ist. Die Beschwer de ist folglich gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens an das Enteignungsgericht zurückzuweisen. 9.1. Es bleibt noch über die Kosten für das vorliegend e Verfahren zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgeri cht kostenpflichtig. Die Verfahrenskos- ten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten un d werden in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskos- ten in der Höhe von Fr. 2'500.-- sind demzufolge der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'500.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuer- statten. 9.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 21. Dezember 2020 einen Aufwand von 44 Arbeitsstunden für die Zeit vom 7. April 2020 bis zum 27. November 2020 und Auslagen in der Höhe von Fr. 251.10 geltend, was nicht zu bean- standen ist. Des Weiteren stellt er zwei Stunden für d ie Teilnahme an der Urteilsberatung in Rechnung. Diese können nicht berücksichtigt werden, da d ie Teilnahme an der Urteilsberatung nicht verlangt wird. Die unterliegende Beschwerdegegne rin hat dem Beschwerdeführer damit eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 12'117.45 (44 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Aus- lagen in der Höhe von Fr. Fr. 251.10 und 7.7 % MWST) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d Nr. 650 05 152 / 650 05 153 des Steuer- und Enteignungsgerichts, Abtei lung Enteig- nungsgericht, vom 29. August 2019 aufgehoben und festg estellt, dass die Forderung der Beschwerdegegnerin infolge Verjähru ng unterge- gangen ist. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzli- chen Verfahrens an das Steuer- und Enteignungsgericht, Abteilung Enteignungsgericht, zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- werden der Be- schwerdegegnerin auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'500. -- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer ei ne Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 12'117.45 (inkl. Auslage n und 7.7 % MWST) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettge- schlagen. Kantonsrichter Gerichtsschreiberin