Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. Dezember 2017 (810 17 75) ____________________________________________________________________ Übriges Verwaltungsrecht Jagdpachtvergabe / Verletzung des rechtlichen Gehörs Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Stefan Schulthess, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther , Gerichtsschreiber Marius Wehren Beteiligte Jagdverein A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Dieter Völlmin, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Einwohnergemeinde B.____ , Beschwerdegegnerin 1 Jagdgesellschaft C.____ , Beschwerdegegnerin 2 Betreff Jagdpachtvergabe 2016-2024 (RRB Nr. 0333 vo m 14. März 2017) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Im Rahmen der Neuvergabe der Jagdpacht für das Revier B.____ für die Periode 2016-2024 bewarben sich der bisherige Pächter, der J agdverein A.____, sowie die Jagdgesell- schaft C.____. Eine erste mit Verfügung der Einwohnerg emeinde B.____ (nachfolgend: Ge- meinde) vom 21. Januar 2016 erfolgte Vergabe der Jagdp acht an die Jagdgesellschaft C.____ wurde aufgrund formeller Mängel widerrufen. In der Folge verfügte die Gemeinde am 28. Sep- tember 2016 erneut, dass die Jagdpacht für das Revier vom 1. April 2016 bis 31. März 2024 an die Jagdgesellschaft C.____ vergeben werde. B. Gegen diese Verfügung erhob der Jagdverein A.____ , vertreten durch Dr. Dieter Völl- min, Advokat, mit Eingabe vom 10. Oktober 2016 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung vom 28. September 2016 sei aufzu- heben und die Jagdpacht sei an den Jagdverein A.____ zu vergeben. C. Mit Entscheid des Regierungsrats vom 14. März 2017 wurd e die Beschwerde des Jagdvereins A.____ abgewiesen. D. Gegen diesen Entscheid erhob der Jagdverein A.____, vertreten durch Dr. Dieter Völlmin, Advokat, mit Eingabe vom 24. März 2017 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Er stellt das Rechtsbegeh ren, es seien die vorinstanzli- chen Entscheide aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei die Pacht für die Jagd vom 1. Ap- ril 2016 bis 31. März 2024 zu erteilen. Eventualiter sei die Angelegenheit in Gutheissung der Beschwerde an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. E. Mit Verfügung vom 27. April 2017 wurden die Verf ahrensanträge der Gemeinde und des Beschwerdeführers auf Entzug der aufschiebenden Wirku ng bzw. Anordnung einer vor- sorglichen Massnahme abgewiesen. F. Am 23. Mai 2017 reichte der Beschwerdeführer die Beschwerdebegründung ein, in welcher an den wesentlichen formellen und materiellen Rügen festgehalten wird. G. Anstatt eine Vernehmlassung einzureichen, verfügte d er Regierungsrat mit Beschluss Nr. 0858 vom 20. Juni 2017, dass der Regierungsratsbesch luss Nr. 0333 vom 14. März 2017 und der im Parallelverfahren 810 17 70/73 ergangene Regierungsratsbeschluss Nr. 0332 vom 14. März 2017 aufgehoben werden. Zur Begründung führ te der Regierungsrat im Wesentlichen aus, dass das Kantonsgericht im vorliegenden Verfahren sowi e im Parallelverfahren 810 17 70/73 betreffend die Einwohnergemeinde D.____ im Si nne seines Urteils vom 10. Mai 2017 in Sachen Jagdpachtvergabe E.____, in welchem es eine Verletzung des rechtlichen Gehörs fest- gestellt habe, entscheiden könnte und die Beschwerden – ohne eine materielle Beurteilung ab- zugeben – gutheissen könnte. Aus prozessökonomischer Sicht mac he dies wenig Sinn, wes- halb die beiden Regierungsratsbeschlüsse aufzuheben und di e Verfahren unter Berücksichti- gung des kantonsgerichtlichen Urteils erneut durchzuführen seien. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Verfügung vom 6. Juli 2017 wurde festgestellt , dass der Beschluss des Regie- rungsrats Nr. 0858 vom 20. Juni 2017 nicht zur Gegenstand slosigkeit des vorliegenden Verfah- rens führe, welches deshalb fortzusetzen sei. I. Am 22. August 2017 reichte der Regierungsrat seine Vernehmlassung ein mit dem Rechtsbegehren, die Beschwerde sei zufolge Gegenstandslo sigkeit abzuschreiben. Für den Fall, dass das Gericht die regierungsrätliche Auffassung b ezüglich der Gegenstandslosigkeit des Verfahrens nicht teile, werde auf eine (materie lle) Vernehmlassung verzichtet und es wür- den die in der Sache ergangenen Akten eingereicht. J. In ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2017 stellt d ie Gemeinde das Rechtsbegeh- ren, es sei die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. K. Die Beschwerdegegnerin 2 beantragt in ihrer Verneh mlassung vom 24. August 2017 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde. L. In seiner Replik vom 2. Oktober 2017 hält der Beschwer deführer am Hauptbegehren der Beschwerde vom 24. März 2017 fest. Eventualiter wird beantragt, die Angelegenheit sei in Gutheissung der Beschwerde an den Gemeinderat zur Neubeurteilung zurückzuweisen. M. Mit Dupliken vom 23. und 24. Oktober 2017 halten di e Beschwerdegegnerin 2 und die Gemeinde an den gestellten Rechtsbegehren fest. N. Mit Verfügung vom 30. Oktober 2017 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, A bteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht, zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. 1.2 Nach § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde befugt , wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Der Beschwerdeführe r als beim Vergabeentscheid nicht berücksichtigter Jagdverein ist durch den angefochtenen E ntscheid im Sinne dieser Bestim- mung in schutzwürdigen Interessen betroffen und somit zur Beschwerde legitimiert (vgl. BLVGE 2001 S. 82 E. 1a mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.3.1 Der Regierungsrat beantragt, es sei das Verfahr en zufolge Gegenstandslosigkeit ab- zuschreiben. Zur Begründung seines Antrags führt der Regi erungsrat aus, er habe mit Be- schluss Nr. 0858 vom 20. Juni 2017 unter Bezugnahme auf § 10 VPO entschieden, dass der angefochtene Entscheid aufgehoben werde. 1.3.2 Gemäss § 10 Abs. 3 VPO kann die verfügende Behö rde, statt eine Beschwerdever- nehmlassung einzureichen, zugunsten der Beschwerde führen den Partei ganz oder teilweise neu verfügen oder die angefochtene Verfügung aufheben. Vorliegend hat der Regierungsrat mit seinem Beschluss vom 20. Juni 2017 den angefochtenen Entsc heid in Wiedererwägung gezo- gen, ohne in der Sache neu zu entscheiden. Der Beschluss des Regierungsrats ist vielmehr auf eine weitere Instruktion bzw. eine erneute Durchführung des Verfahrens gerichtet. Soweit da- von ausgegangen wird, dass auch die verwaltungsinterne R echtsmittelbehörde die Kompetenz gemäss § 10 Abs. 3 VPO beanspruchen kann, erscheint fragl ich, ob das Vorgehen des Regie- rungsrats dem Sinn und Zweck dieser Bestimmung entsprich t. Gestützt auf § 10 Abs. 3 VPO soll die Behörde sogleich neu verfügen bzw. entscheiden oder einen (belastenden) Verwal- tungsakt aufheben können, wenn dies möglich ist. Demgeg enüber ist es der Behörde grund- sätzlich verwehrt, erneut ein Beweisverfahren durchzuführen oder andere verfahrensleitende Anordnungen zu treffen, um selber neu zu entscheiden. D ie Wiedererwägung während des hängigen Beschwerdeverfahrens ("lite pendente") führt zudem – falls zulässig – nur dann zur Gegenstandslosigkeit, wenn damit den gestellten Rechtsbe gehren vollumfänglich entsprochen wurde (vgl. in Bezug auf die gleichlautende Regelung im Kanton Bern THOMAS MERKLI /ARTHUR AESCHLIMANN /RUTH HERZOG , Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege i m Kanton Bern, Bern 1997, N 1 zu Art. 71; Urteil des Bu ndesgerichts 2C_267/2011 vom 18. Juli 2011 E. 2.2 mit Hinweisen). 1.3.3 Der Beschwerdeführer beantragt im Hauptstandpun kt, es sei ihm die Pacht für die Jagdperiode 2016-2024 zu erteilen. Mit dem Beschluss des R egierungsrats vom 20. Juni 2017 wurde diesem Begehren nicht bzw. nicht vollumfänglich entsprochen. Der fragliche Beschluss führt somit nicht zur Gegenstandslosigkeit des vorliegenden Verfahrens. 1.3.4 Da sämtliche weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht ei ne Verletzung des rechtlichen Ge- hörs. Er macht geltend, dass er nicht mit den konkreten Beanstandungen aus der Land- und Forstwirtschaft, auf welche sich die Gemeinde in ihrer Ve rfügung vom 28. September 2016 ge- stützt habe, konfrontiert worden sei. Somit habe er auc h keine Gelegenheit gehabt, sich dazu zu äussern. Aus der Begründung der Verfügung vom 28. Sep tember 2016 gehe hervor, dass Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die von der Gemeinde eingeholten Stellungnahmen nicht nur entscheidrelevant, sondern gera- dezu ausschlaggebend für den Vergabeentscheid gewesen seien. Diese bereits im vorinstanzli- chen Verfahren gerügte Gehörsverletzung sei durch den R egierungsrat in keiner Art und Weise geheilt, sondern im Gegenteil verstärkt worden. So habe die Gemeinde die Stellungnahmen der von ihr über das jagdliche und sonstige Verhalten des B eschwerdeführers angefragten Perso- nen mit ihrer Vernehmlassung vom 15. Dezember 2016 de r instruierenden Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft (V GD) eingereicht. Diese Vernehm- lassung sei dem Beschwerdeführer indes nie zugestellt word en und er habe somit auch nie da- zu Stellung nehmen können. Eine Heilung der Gehörsverle tzung im vorliegenden Verfahren falle angesichts der eingeschränkten Kognition des Kanton sgerichts ausser Betracht. Da auch die Kognition des Regierungsrats gemäss § 32 Abs. 3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Ba- sel-Landschaft (VwvG BL) vom 13. Juni 1988 im vorliegenden Fall eingeschränkt sei, erscheine eine Rückweisung an die Gemeinde als sachgerecht. 3.2.1 Das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bun desverfassung der Schweizeri- schen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 dient e inerseits der Sachaufklärung, ande- rerseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrech t beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent weder mitzuwirken oder sich zumin- dest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkung srecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Gel- tung bringen kann (vgl. BGE 143 V 71 E. 4.1; BGE 135 I 279 E. 2.3; BGE 135 II 286 E. 5.1; BGE 132 V 368 E. 3.1). 3.2.2 Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Nat ur. Dessen Verletzung führt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ungeachtet der materie llen Begründetheit des Rechtsmit- tels zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung d es angefochtenen Entscheides (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.2; BGE 135 I 279 E. 2.6.1; jewei ls mit Hinweisen). Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann j edoch ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit er hält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rech tslage frei überprüfen kann. Unter die- ser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer H eilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge hör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti- schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen f ühren würde, die mit dem (der Anhö- rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Part ei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 137 I 195 E . 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2; BGE 132 V 387 E. 5.1). 3.3.1 Die Gemeinde begründete ihre Verfügung vom 28 . September 2016 unter anderem damit, dass die Art der Jagdausübung des Beschwerdeführers mehrfach bemängelt worden sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Gemeinde lägen Beanstandungen aus der Landwirtschaf t und der Forstwirtschaft vor, wel- che die Zusammenarbeit mit dem Jagdverein als schwierig bis unmöglich beschreiben würden. Die von der Gemeinde eingeholten Stellungnahmen bzw. Referenzen über den Beschwerdefüh- rer waren somit entscheidrelevant, was von der Gemeinde a uch nicht bestritten wird. Die Ge- meinde stellt sich jedoch auf den Standpunkt, dass im vorli egenden Fall keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege, zumal sie den Beschwerdeführe r anlässlich der Anhörung vom 14. September 2016 darauf hingewiesen habe, dass Refer enzen eingeholt worden seien und dem Beschwerdeführer in diesem Rahmen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werde. Der Beschwerdeführer habe somit von den Stellungnahmen bzw. Referenzauskünften gewusst, jedoch kein Gesuch um Einsichtnahme gestellt. Die Vertre ter des Beschwerdeführers seien zudem im Gesprächsverlauf mündlich mit den Kritikpunkten aus den Referenzauskünften kon- frontiert worden, wie auch aus ihren im Protokoll der Anhörung festgehaltenen Äusserungen hervorgehe. 3.3.2 Aus dem Recht auf Anhörung folgt wie bereits au sgeführt (E. 3.2.1 hiervor) ein grund- sätzlicher Anspruch auf Stellungnahme zur Tatbestandsaufn ahme, zu den Beweismitteln und zum Beweisergebnis. Die Wahrnehmung des rechtlichen G ehörs setzt mithin voraus, dass die Parteien rechtzeitig über die entscheidwesentlichen Vorgä nge und Grundlagen informiert wer- den (vgl. B ERNHARD WALDMANN /J ÜRG BICKEL , in: Waldmann/Weissenber-ger [Hrsg.], Praxis- kommentar Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVG), Zürich 201 6, Art. 29 N 71 ff.; BGE 132 V 387 E. 6.2 mit Hinweisen). Namentlich sind die Parteie n über das Ergebnis von Beweiserhe- bungen zu orientieren. Der Sachverhalt muss dabei im M indesten derart detailliert unterbreitet werden, dass die Partei hierzu konkret ihre Einwände er heben kann (vgl. P ATRICK SUTTER , in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge setz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich 2008). 3.3.3 Den Akten zufolge forderte die Gemeinde mit Sc hreiben vom 19. August 2016 diverse Einzelpersonen und Behörden zur Stellungnahme auf mi t der Bitte, der Gemeinde ihren Ein- druck des bisherigen Pächters kurz zu schildern. Bis Ende Augu st 2016 gingen insgesamt fünf schriftliche Stellungnahmen ein, welche teilweise detailliert vorgetragene Beanstandungen über den Beschwerdeführer enthalten. Unbestritten ist, dass d ie fraglichen – zu den Akten genom- menen und im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten – Stellungnahmen dem Beschwerde- führer vorgängig der Verfügung vom 28. September 2016 nicht zugestellt wurden. Die Gemein- de macht geltend, dem Beschwerdeführer sei anlässlich der Anhörung vom 14. September 2016 das rechtliche Gehör in Bezug auf die eingeholten Stellungnahmen gewährt worden. Ge- mäss dem Protokoll dieser Anhörung – welches dem Beschwer deführer vor Erlass der Verfü- gung vom 28. September 2016 jedoch nicht zugestellt wur de – führte die Gemeinde aus, es seien Referenzen eingeholt worden und dem Beschwerdef ührer werde in diesem Rahmen Ge- legenheit zur Stellungnahme gegeben (Ziff. 2). Dem P rotokoll kann sodann entnommen wer- den, dass seitens der Gemeinde diverse Fragen gestellt w urden, unter anderem zur Kommuni- kation mit externen Stellen (Forst- und Landwirtschaft, Behörden) und danach, ob und wie diese verbessert werden könne (insb. Ziff. 8, 11, 14, 15, 2 0). Auch wurde der Beschwerdeführer ge- mäss dem Protokoll auf das "Schwarzwild-Problem" angespr ochen, verbunden mit der Frage, ob das Jagdrevier innerhalb des Vereins aufgeteilt werd e (Ziff. 23). Aus dem Protokoll geht in- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht des nicht hervor, dass der Beschwerdeführer über den Inh alt der eingeholten schriftlichen Stel- lungnahmen im Einzelnen orientiert bzw. mit den dari n enthaltenen Beanstandungen konfron- tiert worden wäre. Wie bereits ausgeführt (E. 3.3.1 hiervor), stellte die Gemeinde in der Verfü- gung vom 28. September 2016 fest, dass die Art der Ja gdausübung mehrfach bemängelt wor- den sei und Beanstandungen aus der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft vorlägen, welche die Zusammenarbeit mit dem Jagdverein als schwierig bis unmöglich beschreiben würden. Vor diesem Hintergrund wäre die Gemeinde gehalten gewese n, dem Beschwerdeführer vor Erlass der Verfügung diese Beanstandungen zu unterbreiten b zw. auf deren Tragweite hinzuweisen. Inwiefern sich der Beschwerdeführer gestützt auf die A usführungen der Gemeinde anlässlich der Anhörung vom 14. September 2016 nach Treu und Gl auben hätte veranlasst sehen müs- sen, ein Gesuch um Akteneinsicht zu stellen, ist jedoch n icht ersichtlich. Aufgrund des Um- stands, dass die von der Gemeinde eingeholten schriftliche n Stellungnahmen im Vergabeent- scheid massgebend zu Ungunsten des Beschwerdeführers berücksichtigt wurden, genügte das Vorgehen der Gemeinde im vorliegenden Fall nicht zur Wahrung des rechtlichen Gehörs. 3.3.4 Nach dem Gesagten ist eine Verletzung des rechtl ichen Gehörs des Beschwerdefüh- rers zu bejahen. Dieser Mangel kann aufgrund der eingesch ränkten Kognition des Kantonsge- richts nicht geheilt werden. Der Regierungsrat ist im a ngefochtenen Entscheid weder auf die vom Beschwerdeführer gerügte Gehörsverletzung eingegange n noch hat er dem Beschwerde- führer die Vernehmlassung der Gemeinde einschliesslich d er Vorakten zugestellt. Mit diesem Vorgehen hat er seinerseits das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt. Eine Heilung der Gehörsverletzung wäre im vorinstanzlichen Verfahren zudem nicht in Betracht gekommen. Die Gemeinde verfügt bei der Vergabe der Jagdpacht im Rahmen von § 5 des Gesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und V ögel (JagdG) vom 7. Juni 2007 über eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit und dami t über Autonomie (vgl. Urteil des Kan- tonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 10. Mai 2017 [810 16 318] E. 2.2). Entsprechend kam dem Regierungsrat im vorliegenden Fall ebenfalls nur eine eingeschränkte Kognition zu (§ 32 Abs. 3 VwVG BL). 3.3.5 Demnach ist der angefochtene Entscheid in Guthe issung der Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Gemeinde zurückzuweis en, damit diese dem Beschwerdefüh- rer hinsichtlich der eingeholten Stellungnahmen das rec htliche Gehör gewährt und anschlies- send einen neuen Entscheid über die Vergabe der Jagdpacht trifft. Von Beweismassnahmen ist bei diesem Ausgang abzusehen und die entsprechenden Be weisanträge des Beschwerdefüh- rers werden abgewiesen. 4.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmas s auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den Vorinstanzen können im vorliegenden Fall keine Verfahr enskosten auferlegt werden (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Von einer Kostenauferlegung zulaste n der ebenfalls unterliegenden Be- schwerdegegnerin 2 ist im vorliegenden Fall abzusehen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ve rfahrensausgang ist dem Beschwer- deführer eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 2. November 2017 geltend gemachte Aufwand von 25 Stunden für das V erfahren vor Kantonsgericht erweist sich als angemessen. Die Parteientschädigung ist demzufol ge auf Fr. 7'153.70 (inkl. Auslagen und 8% MWST) festzusetzen und jeweils zur Hälfte, d.h. i m Umfang von je Fr. 3'576.85, dem Regierungsrat und der Gemeinde aufzuerlegen. 4.3 Bezüglich der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Sache zu neuem Ent- scheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Regierungsrats vom 14. März 2017 aufgehoben und die Angelegenheit wi rd zur Neube- urteilung im Sinne der Erwägungen an die Einwohnerg emeinde B.____ zurückgewiesen. 2. Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfa hrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'153.70 (inkl. 8% MWST) zugesprochen, welche jeweil s zur Hälfte, d.h. im Umfang von jeweils Fr. 3'576.85, dem Regierun gsrat und der Einwohnergemeinde B.____ auferlegt wird. Präsidentin Gerichtsschreiber