<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">299</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>XI. Sozialhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>47 Rechtsmissbrauch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sind rückwirkend an Sozialhilfebezüger ausbezahlte Sozialversicherungs-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>leistungen bereits verbraucht und lassen die aktuellen finanziellen Ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hältnisse keine Rückerstattung zu, setzt die Anrechnung eines hypothe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tischen Vermögens eine rechtsmissbräuchliche Verwendung dieser Gelder</b></span><br/> <span class="ft2"><b>voraus.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 29. November 2012 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen A. gegen Regierungsrat (WBE.2012.148).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3.8.</span><br/> <span class="ft5">3.8.1.</span><br/> <span class="ft5">Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer aufgrund eines</span><br/> <span class="ft5">rechtsmissbräuchlichen Verhaltens die materielle Hilfe verweigert</span><br/> <span class="ft5">werden kann. Rechtsmissbrauch liegt unter anderem dann vor, wenn</span><br/> <span class="ft5">das Verhalten der unterstützten Person einzig darauf gerichtet ist, in</span><br/> <span class="ft5">den Genuss von materieller Hilfe zu gelangen (§ 15 Abs. 3 SPV; vgl.</span><br/> <span class="ft5">auch BGE 121 I 367, Erw. 3d). Die Anrechnung hypothetischer Mit-</span><br/> <span class="ft5">tel rechtfertigt ein Verhalten, welches einzig oder überwiegend auf</span><br/> <span class="ft5">die Ausrichtung von materieller Hilfe gerichtet ist. Als unvernünftig</span><br/> <span class="ft5">sind Schuldenzahlungen oder Ausgaben zu qualifizieren, welche</span><br/> <span class="ft5">üblicherweise von Personen in angespannten finanziellen Verhältnis-</span><br/> <span class="ft5">sen, welche keine Sozialhilfe beziehen, nicht getätigt werden (vgl.</span><br/> <span class="ft5">VGE IV/4 vom 13. Februar 2008 [WBE.2007.199], S. 15).</span><br/> <span class="ft5">3.8.2.</span><br/> <span class="ft5">Der Beschwerdeführer hat die SUVA-Taggelder zur Tilgung</span><br/> <span class="ft5">von Schulden und zur Unterstützung seiner Familie verwendet. Der</span><br/> <span class="ft5">Vorwurf eines rechtsmissbräuchlichen Umgangs mit eigenen finan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">300</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ziellen Mitteln kann nicht mittels der rechnerischen Differenz zwi-</span><br/> <span class="ft5">schen einem angenommenen Vermögensstand und einem hypotheti-</span><br/> <span class="ft5">schen Sozialhilfebudget für Asylsuchende begründet werden. An-</span><br/> <span class="ft5">haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer im Mai 2011 absicht-</span><br/> <span class="ft5">lich und nur zum Erheischen von Sozialhilfeleistungen sich eigener</span><br/> <span class="ft5">Mittel entledigt oder andere Möglichkeiten und Unterstützungen</span><br/> <span class="ft5">nicht in Anspruch genommen hätte, um so zu Leistungen der Sozial-</span><br/> <span class="ft5">hilfe zu gelangen, fehlen in den Akten. Von der Sozialbehörde wird</span><br/> <span class="ft5">die Missbräuchlichkeit mit dem Vermögensstand aufgrund der</span><br/> <span class="ft5">SUVA-Taggeldzahlungen im September 2007 und der Weigerung des</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführers, eine Rückerstattungserklärung zum damaligen</span><br/> <span class="ft5">Zeitpunkt zu unterzeichnen, begründet. Das Verhalten des Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deführers im Jahre 2007 vermag keinen Rechtsmissbrauch bei der</span><br/> <span class="ft5">Geltendmachung der Sozialhilfe im Mai 2011 zu begründen. Dem</span><br/> <span class="ft5">Beschwerdeführer kann folglich kein hypothetischer Vermögensver-</span><br/> <span class="ft5">zehr ab Mai 2011 angerechnet werden.</span><br/></div> </div> </body> </html>