<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">107</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>25</b></span> <span class="ft2"><b>Bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug darf nicht verweigert</b></span><br/> <span class="ft2"><b>werden, wenn die bundesrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Daran ändert auch eine interne Weisung (Sofortmassnahmen) nichts,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>welche besagt, es brauche stets ein Gutachten, und wenn dieses</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(noch) nicht vorliege, erfolge keine bedingte Entlassung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 28. Oktober 2009 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen I.A. gegen den Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inne-</span><br/> <span class="ft5">res (WBE.2009.334).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 86 Abs. 1 StGB ist der Gefangene nach Verbüssung</span><br/> <span class="ft1">von zwei Dritteln, mindestens aber drei Monaten seiner Strafe be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">108</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dingt zu entlassen, wenn es sein Verhalten im Strafvollzug rechtfer-</span><br/> <span class="ft1">tigt und nicht anzunehmen ist, er werde in Freiheit weitere Ver-</span><br/> <span class="ft1">brechen oder Vergehen begehen. Die zuständige Behörde hat von</span><br/> <span class="ft1">Amtes wegen zu prüfen, ob der Gefangene bedingt entlassen werden</span><br/> <span class="ft1">kann; dabei hat sie diesen anzuhören und einen Bericht der Anstalts-</span><br/> <span class="ft1">leitung einzuholen (Art. 86 Abs. 2 StGB). Die Bestimmung über die</span><br/> <span class="ft1">reguläre bedingte Entlassung wurde im Vergleich zur Rechtslage vor</span><br/> <span class="ft1">Inkrafttreten des revidierten Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches</span><br/> <span class="ft1">am 1. Januar 2007 ("Hat der zu Zuchthaus oder Gefängnis Verurteilte</span><br/> <span class="ft1">zwei Drittel der Strafe, bei Gefängnis mindestens drei Monate, ver-</span><br/> <span class="ft1">büsst, so kann ihn die zuständige Behörde bedingt entlassen, wenn</span><br/> <span class="ft1">sein Verhalten während des Strafvollzuges nicht dagegen spricht und</span><br/> <span class="ft1">anzunehmen ist, er werde sich in der Freiheit bewähren." [Art. 38</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 1 Abs. 1 aStGB]) in Bezug auf die Legalprognose neu gefasst,</span><br/> <span class="ft1">indem nicht wie bisher positiv verlangt wird, es müsse erwartet wer-</span><br/> <span class="ft1">den können, der Täter werde sich in Freiheit bewähren, sondern ne-</span><br/> <span class="ft1">gativ, dass zu erwarten ist, er werde in Freiheit keine Verbrechen</span><br/> <span class="ft1">oder Vergehen mehr begehen. Jedenfalls tendenziell wurden mit die-</span><br/> <span class="ft1">ser neuen Formulierung die Anforderungen an die Legalprognose ge-</span><br/> <span class="ft1">senkt; stärker noch als bisher wird man daher davon auszugehen ha-</span><br/> <span class="ft1">ben, dass die bedingte Entlassung die Regel und deren Verweigerung</span><br/> <span class="ft1">die Ausnahme darstellt. Abgesehen davon entspricht die neurechtli-</span><br/> <span class="ft1">che Regelung im Wesentlichen der altrechtlichen von Art. 38 Ziff. 1</span><br/> <span class="ft1">aStGB, weshalb die diesbezügliche Rechtsprechung massgebend</span><br/> <span class="ft1">bleibt (BGE 133 IV 201 Erw. 2.2).</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die bedingte Entlassung stellt somit nach wie vor die vierte und</span><br/> <span class="ft1">letzte Stufe des Strafvollzuges dar und bildet die Regel, von der nur</span><br/> <span class="ft1">aus guten Gründen abgewichen werden darf. In dieser Stufe soll der</span><br/> <span class="ft1">Entlassene den Umgang mit der Freiheit erlernen, was nur in Freiheit</span><br/> <span class="ft1">möglich ist. Diesem rein spezialpräventiven Zweck stehen die</span><br/> <span class="ft1">Schutzbedürfnisse der Allgemeinheit gegenüber, welchen umso hö-</span><br/> <span class="ft1">heres Gewicht beizumessen ist, je hochwertiger die gefährdeten</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgüter sind. Die Prognose über das künftige Wohlverhalten ist</span><br/> <span class="ft1">in einer Gesamtwürdigung zu erstellen, welche nebst dem Vorleben,</span><br/> <span class="ft1">der Persönlichkeit und dem Verhalten des Täters während des Straf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">109</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vollzugs vor allem dessen neuere Einstellung zu seinen Taten, seine</span><br/> <span class="ft1">allfällige Besserung und die nach der Entlassung zu erwartenden Le-</span><br/> <span class="ft1">bensverhältnisse berücksichtigt. Der Verzicht auf eine Gesamtwürdi-</span><br/> <span class="ft1">gung aller für die Prognose relevanten Umstände und das alleinige</span><br/> <span class="ft1">Abstellen auf die Vorstrafen stellt eine Ermessensüberschreitung dar</span><br/> <span class="ft1">(BGE 133 IV 201 Erw. 2.3 mit Verweisen).</span><br/> <span class="ft1">1.3.</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgericht hat in BGE 124 IV 193 festgehalten, dass an</span><br/> <span class="ft1">sich für die Prognose nicht entscheidend sei, welche Art von Delikt</span><br/> <span class="ft1">zur Freiheitsstrafe geführt habe. Die Entlassung dürfe nicht für ge-</span><br/> <span class="ft1">wisse Tatkategorien erschwert werden. Dagegen seien die Umstände</span><br/> <span class="ft1">der Straftat insoweit beachtlich, als sie Rückschlüsse auf die Täter-</span><br/> <span class="ft1">persönlichkeit und damit auf das künftige Verhalten erlaubten. Ob</span><br/> <span class="ft1">die mit einer bedingten Entlassung in gewissem Masse stets verbun-</span><br/> <span class="ft1">dene Gefahr neuer Delikte zu verantworten sei, hänge im Übrigen</span><br/> <span class="ft1">nicht nur davon ab, wie wahrscheinlich ein neuer Fehltritt sei, son-</span><br/> <span class="ft1">dern auch von der Bedeutung des eventuell bedrohten Rechtsgutes.</span><br/> <span class="ft1">Habe z.B. ein Strafgefangener früher nur unbedeutende Eigen-</span><br/> <span class="ft1">tumsdelikte begangen, so dürfe ein höheres Risiko übernommen</span><br/> <span class="ft1">werden als bei einem Gewaltverbrecher, der sich in schwerer Weise</span><br/> <span class="ft1">gegen hochwertige Rechtsgüter (Leib, Leben usw.) vergangen hat</span><br/> <span class="ft1">(a.a.O., Erw. 3 mit Verweisen).</span><br/> <span class="ft1">1.4.</span><br/> <span class="ft1">Bei Würdigung der Bewährungsaussichten ist freilich allgemein</span><br/> <span class="ft1">ein vernünftiges Mittelmass zu halten in dem Sinne, dass nicht jede</span><br/> <span class="ft1">noch so entfernte Gefahr neuer Straftaten eine Verweigerung der be-</span><br/> <span class="ft1">dingten Entlassung zu begründen vermag, ansonst dieses Institut sei-</span><br/> <span class="ft1">nes Sinnes beraubt würde. Anderseits darf aber auch nicht aufgrund</span><br/> <span class="ft1">einzelner günstiger Faktoren die bedingte Entlassung bewilligt wer-</span><br/> <span class="ft1">den, obwohl gewichtigere Anhaltspunkte für die Gefahr neuer</span><br/> <span class="ft1">Rechtsbrüche sprechen (BGE 124 IV 193 Erw. 3 mit Verweisen).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz verweist im angefochtenen Entscheid auf die di-</span><br/> <span class="ft1">versen Vorstrafen des Beschwerdeführers und führt in diesem Zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenhang aus, die gegen ihn ausgesprochene bedingte Zuchthaus-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">110</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">strafe im Jahr 2005 habe ihn in keiner Weise von der Begehung</span><br/> <span class="ft1">neuer Straftaten abzuhalten vermocht. Wenige Monate nach der Ver-</span><br/> <span class="ft1">urteilung habe er erneut zu delinquieren begonnen. Die begangenen</span><br/> <span class="ft1">Straftaten liessen einerseits einen deutlichen Suchtmittelmissbrauch</span><br/> <span class="ft1">auch im Zusammenhang mit der Begehung von Straftaten und ande-</span><br/> <span class="ft1">rerseits einen Hang zur Anwendung von Gewalt erkennen. Auch im</span><br/> <span class="ft1">Strafvollzug sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, gänzlich</span><br/> <span class="ft1">auf den Konsum von Alkohol zu verzichten. Aufgrund der beschrie-</span><br/> <span class="ft1">benen Persönlichkeitsmerkmale bestünden einige Unsicherheiten</span><br/> <span class="ft1">über den künftigen Bewährungserfolg. Diese würden durch die Aus-</span><br/> <span class="ft1">weisung aus der Schweiz, die im Beschwerdeverfahren auch in</span><br/> <span class="ft1">zweiter Instanz bestätigt worden sei, noch verstärkt. Die soziale Un-</span><br/> <span class="ft1">sicherheit und die ungeklärte Situation über die künftige Integration</span><br/> <span class="ft1">würden die Beurteilung des künftigen Verhaltens des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers zusätzlich erschweren. Unter den gegebenen Umständen</span><br/> <span class="ft1">könne nicht ohne Weiteres von einer künftigen Bewährung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers ausgegangen werden. In diesem Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">verweist die Vorinstanz auf die nach dem Fall "Lucie" im Frühling</span><br/> <span class="ft1">2009 erfolgte Verschärfung im Verfahren betreffend bedingte Entlas-</span><br/> <span class="ft1">sung, und führt in diesem Zusammenhang aus, die Gewährung von</span><br/> <span class="ft1">Vollzugsöffnungen bei Straftätern, welche Gewaltdelikte begangen</span><br/> <span class="ft1">hätten, unterliege besonderen Rahmenbedingungen, sogenannten So-</span><br/> <span class="ft1">fortmassnahmen. Für die Beurteilung des künftigen Bewährungser-</span><br/> <span class="ft1">folges müssten Straftäter, die ein Gewaltdelikt begangen haben, fo-</span><br/> <span class="ft1">rensisch-psychiatrisch begutachtet und die Akten der Fachkommis-</span><br/> <span class="ft1">sion zur Überprüfung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern vor-</span><br/> <span class="ft1">gelegt werden. Eine Abweichung davon sei bei Verurteilten möglich,</span><br/> <span class="ft1">die nicht als gemeingefährlich eingestuft werden und die unmittelbar</span><br/> <span class="ft1">nach der Strafverbüssung die Schweiz verlassen müssen. Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer wolle die Schweiz nicht verlassen und im fremden-</span><br/> <span class="ft1">polizeilichen Verfahren um sein Aufenthaltsrecht kämpfen. Unter den</span><br/> <span class="ft1">gegebenen Umständen seien weitere Abklärungen erforderlich, um</span><br/> <span class="ft1">den künftigen Bewährungserfolg in der Schweiz beurteilen zu</span><br/> <span class="ft1">können.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">111</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer macht geltend, es könne von einer be-</span><br/> <span class="ft1">dingten Entlassung nur abgesehen werden, wenn gute Gründe gegen</span><br/> <span class="ft1">eine solche sprächen, wobei diese Gründe von der Behörde zu be-</span><br/> <span class="ft1">nennen seien. Unterlasse es die Behörde, die notwendigen Abklärun-</span><br/> <span class="ft1">gen bezüglich der Rückfallgefahr vorzunehmen, so könne nicht erst</span><br/> <span class="ft1">nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe mit den Abklärungen</span><br/> <span class="ft1">begonnen werden. Sei nach der Verbüssung von zwei Dritteln der</span><br/> <span class="ft1">Strafe keine Prognosestellung möglich, sei der Gefangene zu entlas-</span><br/> <span class="ft1">sen. Nachdem vorliegend bis zum heutigen Tag kein Gutachtens-</span><br/> <span class="ft1">auftrag erteilt worden sei, verhinderten die Behörden die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 86 StGB. Liege kein Gutachten vor, sei die Rückfallgefahr</span><br/> <span class="ft1">aufgrund der anderen Anhaltspunkte abzuklären. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer habe sich vor dem Strafantritt während rund 15 Monaten in</span><br/> <span class="ft1">Freiheit bewährt und die Bewährungsprognose sei gut. So habe er</span><br/> <span class="ft1">sich während des Aufenthaltes in der Justizvollzugsanstalt eine Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsstelle organisiert; nach der Entlassung werde er bei seinen Eltern</span><br/> <span class="ft1">wohnen. Was die migrationsrechtliche Situation anbelange, so sei</span><br/> <span class="ft1">einerseits davon auszugehen, dass die Verfügung des Migrationsam-</span><br/> <span class="ft1">tes bezüglich Widerruf der Niederlassungsbewilligung vor der ge-</span><br/> <span class="ft1">richtlichen Instanz nicht geschützt werde. Ausserdem habe die Situa-</span><br/> <span class="ft1">tion bezüglich Niederlassungsbewilligung sicherlich keinen negati-</span><br/> <span class="ft1">ven Einfluss auf die Bewährungsaussichten; im Gegenteil trage die</span><br/> <span class="ft1">Situation dazu bei, dass sich der Beschwerdeführer auch nach der</span><br/> <span class="ft1">bedingten Entlassung wohl verhalten werde, um die Niederlassungs-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung nicht aufs Spiel zu setzen. Zudem habe sich der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer im Strafvollzug wohl verhalten, wobei von Seiten</span><br/> <span class="ft1">der Vollzugsanstalt die bedingte Entlassung befürwortet werde.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">3.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Es gilt im Folgenden zu prüfen, ob die bundesrechtlichen Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzungen für eine bedingte Entlassung erfüllt sind. Wie bereits in</span><br/> <span class="ft1">Erw. 1.2 hiervor ausgeführt, ist die Prognose über das künftige</span><br/> <span class="ft1">Wohlverhalten in einer Gesamtwürdigung zu erstellen, welche nebst</span><br/> <span class="ft1">dem Vorleben, der Persönlichkeit und dem Verhalten des Täters wäh-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rend des Strafvollzugs vor allem dessen neuere Einstellung zu seinen</span><br/> <span class="ft1">Taten, seine allfällige Besserung und die nach der Entlassung zu er-</span><br/> <span class="ft1">wartenden Lebensverhältnisse berücksichtigt.</span><br/> <span class="ft1">3.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die formellen Voraussetzungen der Gewährung der bedingten</span><br/> <span class="ft1">Entlassung (Verbüssung von zwei Dritteln) sind in casu unbestritte-</span><br/> <span class="ft1">nermassen erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">3.1.3.</span><br/> <span class="ft1">Ebenfalls unbestritten ist, dass sich der Beschwerdeführer seit</span><br/> <span class="ft1">seiner Verurteilung am 18. Juli 2007 bis zum Strafantritt am 9. De-</span><br/> <span class="ft1">zember 2008 nichts mehr hat zuschulden kommen lassen. Die Re-</span><br/> <span class="ft1">haklinik B. hatte in ihrem Bericht vom 25. August 2008 im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit den Kopf- und Nackenverletzungen über den zwi-</span><br/> <span class="ft1">schenzeitlichen Verlauf der weiteren Behandlung des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers geschildert, dessen Verhalten während der stationären Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung gebe zu keinerlei Klagen Anlass; es kontrastiere erheblich</span><br/> <span class="ft1">zu früheren Verhaltensweisen, bei denen der Beschwerdeführer sich</span><br/> <span class="ft1">u.a. auch die strafrechtlichen Konflikte zugezogen habe. Seit über ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Jahr konsumiere er keine illegalen Drogen mehr; die Gefähr-</span><br/> <span class="ft1">dung durch Alkohol habe er wahrgenommen und er bemühe sich</span><br/> <span class="ft1">aktiv um Vermeidung dieses Konsums. Sein eigenes Bemühen um</span><br/> <span class="ft1">Fortschritte sowie Übernahme von Verantwortung fielen positiv auf</span><br/> <span class="ft1">und verbesserten die gesamten prognostischen Erwartungen. Zu</span><br/> <span class="ft1">kämpfen habe der Beschwerdeführer mit der eigenen ungestümen</span><br/> <span class="ft1">Wesensart, wobei gute Fortschritte zu verzeichnen seien.</span><br/> <span class="ft1">3.1.4.</span><br/> <span class="ft1">Was das Verhalten des Beschwerdeführers im Strafvollzug an-</span><br/> <span class="ft1">belangt, so verfasste die Strafanstalt W. am 23. Juli 2009 einen Voll-</span><br/> <span class="ft1">zugsbericht mit dem Antrag, den Beschwerdeführer auf den 16. Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 2009 bedingt zu entlassen, sofern bis zu diesem Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft1">Entscheid über den Landesverweis nicht definitiv sei. So hielt die</span><br/> <span class="ft1">Strafanstalt im erwähnten Bericht fest, der Beschwerdeführer werde</span><br/> <span class="ft1">als freundlicher und offener Gefangener erlebt; er füge sich pro-</span><br/> <span class="ft1">blemlos in den Gefängnisalltag ein. Bei Vollzugsfragen arbeite er</span><br/> <span class="ft1">interessiert und aktiv mit. Eigene Anliegen könne er persönlich an-</span><br/> <span class="ft1">gehen. Wenn er Hilfe brauche, wende er sich an die entsprechenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">113</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Stellen. Er zeige eine beachtliche Bereitschaft, sein Denken und</span><br/> <span class="ft1">Handeln zu reflektieren und die daraus gewonnenen Konsequenzen</span><br/> <span class="ft1">adäquat umzusetzen. Im Umgang mit den Mitgefangenen habe er</span><br/> <span class="ft1">keine Probleme. Er pflege wenige Kontakte mit Mitgefangenen. Er</span><br/> <span class="ft1">sei viel auf seinem Zimmer und bete fünf Mal täglich. Dem Personal</span><br/> <span class="ft1">gegenüber verhalte er sich freundlich und korrekt. Die Zimmerord-</span><br/> <span class="ft1">nung sei gut und die Körperhygiene sei ihm wichtig. Aufgrund seines</span><br/> <span class="ft1">schweren Unfalls mit Genickbruch verspüre er immer wieder Hals-</span><br/> <span class="ft1">und Kopfschmerzen. Trotzdem könne er fast lückenlos zur täglichen</span><br/> <span class="ft1">Arbeit ausrücken. Der Beschwerdeführer habe ein Mal wegen</span><br/> <span class="ft1">unerlaubten Besitzes eines Handys sanktioniert werden müssen,</span><br/> <span class="ft1">wobei eine weitere Sanktionierung wegen unerlaubtem Alkoholkon-</span><br/> <span class="ft1">sum in einem "Kulturausgang" zurzeit hängig sei. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer verbringe seine Freizeit grösstenteils auf dem Zimmer und</span><br/> <span class="ft1">lese ab und zu ein Buch. Er beteilige sich aber auch an Aussenakti-</span><br/> <span class="ft1">vitäten (Schwimmen) und nehme am Kulturausgang (Kino) teil. Re-</span><br/> <span class="ft1">gelmässig sei er auch im Kraftraum beim Fitnesstraining anzutreffen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer pflege seine sozialen Kontakte vorwiegend</span><br/> <span class="ft1">im Kreis seiner Familie. Seine Eltern, Geschwister und seine Schwä-</span><br/> <span class="ft1">gerin besuchten ihn regelmässig am Besuchssonntag. Die bisher ge-</span><br/> <span class="ft1">währten fünf Beziehungsurlaube habe der Beschwerdeführer bei sei-</span><br/> <span class="ft1">ner Familie (...) verbracht; er sei immer pünktlich und in gutem Zu-</span><br/> <span class="ft1">stand in die Anstalt zurückgekehrt. Das deliktische Verhalten sei pri-</span><br/> <span class="ft1">mär durch den zuständigen Sachbearbeiter wiederholt thematisiert</span><br/> <span class="ft1">worden. Der Beschwerdeführer meine verstanden zu haben, dass er</span><br/> <span class="ft1">viele "Dummheiten" gemacht habe; er glaube diesbezüglich, er habe</span><br/> <span class="ft1">seine Lektion gelernt und habe das "alte Leben" abgelegt. Er wolle</span><br/> <span class="ft1">seinen Eltern und seiner Ehefrau zeigen, dass er sich verändert habe.</span><br/> <span class="ft1">Die Anbindung an den Glauben der Moslems sei ihm dabei eine</span><br/> <span class="ft1">Stütze.</span><br/> <span class="ft1">3.1.5.</span><br/> <span class="ft1">Mit Schreiben vom 30. Juli 2009 teilte der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">gegenüber dem DVI seine Bereitschaft mit, ein forensisches Gut-</span><br/> <span class="ft1">achten erstellen zu lassen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">114</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.1.6.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Vollzug wird der Beschwerdeführer wieder bei sei-</span><br/> <span class="ft1">nen Eltern wohnen (Bericht der Strafanstalt W. vom 23. Juli 2009).</span><br/> <span class="ft1">Ausserdem hat er während des Vollzugs eine Arbeitsstelle organi-</span><br/> <span class="ft1">siert, welche er antreten kann, sobald der Strafvollzug beendet ist.</span><br/> <span class="ft1">Der entsprechende Arbeitsvertrag ist bereits von beiden Parteien -</span><br/> <span class="ft1">Arbeitgeber und zukünftiger Arbeitnehmer - unterzeichnet.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">In Gesamtwürdigung dieser Umstände (vor Strafvollzug 15</span><br/> <span class="ft1">Monate straffrei; tadelloser Führungsbericht der Strafanstalt; Ein-</span><br/> <span class="ft1">sicht, "Dummheiten" gemacht zu haben und Wille, seinen Angehöri-</span><br/> <span class="ft1">gen zu zeigen, dass er sich verändert hat; Unterkunft und Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">stelle für die Zeit nach dem Vollzug sind geregelt; Bereitschaft, ein</span><br/> <span class="ft1">psychiatrisches Gutachten erstellen zu lassen) kann und muss eine</span><br/> <span class="ft1">gute Prognose abgegeben werden. Mag sein, dass die gegen ihn aus-</span><br/> <span class="ft1">gesprochene bedingt zu vollziehende Zuchthausstrafe im Jahr 2005</span><br/> <span class="ft1">damals noch nicht die gewollte Wirkung erzielt hatte, doch kann mit</span><br/> <span class="ft1">Bezug auf die Berichte der Rehaklinik B. und der Strafanstalt W.</span><br/> <span class="ft1">festgestellt werden, dass sich die Verhaltensweise und die Einstel-</span><br/> <span class="ft1">lung des Beschwerdeführers zwischenzeitlich offensichtlich positiv</span><br/> <span class="ft1">verändert haben müssen. So wird in den Berichten geschildert, das</span><br/> <span class="ft1">eigene Bemühen des Beschwerdeführers um Fortschritte sowie Über-</span><br/> <span class="ft1">nahme von Verantwortung fielen positiv auf und verbesserten die ge-</span><br/> <span class="ft1">samten prognostischen Erwartungen; das Verhalten kontrastiere er-</span><br/> <span class="ft1">heblich zu früheren Verhaltensweisen; er zeige eine beachtliche Be-</span><br/> <span class="ft1">reitschaft, sein Denken und Handeln zu reflektieren und die daraus</span><br/> <span class="ft1">gewonnenen Konsequenzen adäquat umzusetzen; er meine verstan-</span><br/> <span class="ft1">den zu haben, dass er viele "Dummheiten" gemacht habe. Auch die</span><br/> <span class="ft1">migrationsrechtliche - aktuell unsichere - Situation dürfte eher dazu</span><br/> <span class="ft1">beitragen, dass der Beschwerdeführer sich auch nach der bedingten</span><br/> <span class="ft1">Entlassung wohl verhalten wird. Dahingehend kann den Ausführun-</span><br/> <span class="ft1">gen des Beschwerdeführers vollumfänglich zugestimmt werden. Es</span><br/> <span class="ft1">sind keinerlei gewichtigere Anhaltspunkte für die Gefahr neuer</span><br/> <span class="ft1">Rechtsbrüche ersichtlich; es ist nicht anzunehmen, der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer werde in Freiheit weitere Verbrechen oder Vergehen begehen.</span><br/> <span class="ft1">Dass es dafür niemals eine Garantie gibt - bei niemandem, ist leider</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">115</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eine hinzunehmende Tatsache. Wie bereits vorne in Erw. 1.4 festge-</span><br/> <span class="ft1">halten, vermag nicht jede noch so entfernte Gefahr neuer Straftaten</span><br/> <span class="ft1">eine Verweigerung der bedingten Entlassung zu begründen, ansons-</span><br/> <span class="ft1">ten dieses Institut seines Sinnes beraubt würde. Die "Unsicherheiten</span><br/> <span class="ft1">über den künftigen Bewährungserfolg", welche die Vorinstanz auf-</span><br/> <span class="ft1">grund der Persönlichkeitsmerkmale des Beschwerdeführers sieht,</span><br/> <span class="ft1">reichen nicht aus, um eine negative Prognose zu stellen. Es liegen</span><br/> <span class="ft1">keine "guten Gründe" (vgl. BGE 133 IV 201 Erw. 2.3) vor, dass von</span><br/> <span class="ft1">der Regel, den Gefangenen nach zwei Dritteln bedingt zu entlassen,</span><br/> <span class="ft1">abgewichen werden kann.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">4.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung fest, dass</span><br/> <span class="ft1">aufgrund von sog. Sofortmassnahmen für die Beurteilung des künfti-</span><br/> <span class="ft1">gen Bewährungserfolges Straftäter, welche ein Gewaltdelikt began-</span><br/> <span class="ft1">gen haben, forensisch-psychiatrisch begutachtet und die Akten der</span><br/> <span class="ft1">Fachkommission zur Überprüfung der Gemeingefährlichkeit von</span><br/> <span class="ft1">Straftätern vorgelegt werden müssen. Eine Abweichung davon sei bei</span><br/> <span class="ft1">Verurteilten möglich, die nicht als gemeingefährlich eingestuft wür-</span><br/> <span class="ft1">den und die unmittelbar nach der Strafverbüssung die Schweiz ver-</span><br/> <span class="ft1">lassen müssten. Nachdem der Beschwerdeführer die Schweiz nicht</span><br/> <span class="ft1">verlassen und im fremdenpolizeilichen Verfahren um sein Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsrecht kämpfen wolle, seien weitere Abklärungen erforderlich,</span><br/> <span class="ft1">um den künftigen Bewährungserfolg in der Schweiz beurteilen zu</span><br/> <span class="ft1">können.</span><br/> <span class="ft1">In einem Schreiben vom 24. September 2009 zu Handen des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers führt die Vorinstanz aus, für Straftäter, welche</span><br/> <span class="ft1">ein schweres Gewalt- oder Sexualdelikt begangen haben, seien am</span><br/> <span class="ft1">1. April 2009 Sofortmassnahmen verfügt worden; im Falle des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers seien der ihm zur Last gelegte Straftatbestand der</span><br/> <span class="ft1">Erpressung und des Angriffs ursächlich. Gemäss diesen Sofortmass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen müsse die Vollzugsbehörde vor jeder Vollzugsöffnung eine</span><br/> <span class="ft1">psychiatrische Begutachtung mit Risikobeurteilung in Auftrag geben</span><br/> <span class="ft1">und die Akten nach dem Vorliegen des Gutachtens der Fachkommis-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sion zur Überprüfung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern im</span><br/> <span class="ft1">Freiheitsentzug vorlegen.</span><br/> <span class="ft1">4.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer macht in Bezug auf die erwähnten So-</span><br/> <span class="ft1">fortmassnahmen geltend, die Kantone seien bezüglich des Verfahrens</span><br/> <span class="ft1">der bedingten Entlassung zwar frei, sie dürften aber selbstverständ-</span><br/> <span class="ft1">lich das Bundesrecht nicht abändern, sondern hätten dieses einzuhal-</span><br/> <span class="ft1">ten. Des Weiteren macht der Beschwerdeführer in diesem Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang geltend, die Sofortmassnahmen seien erst nach Strafantritt</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers eingeführt worden. Er habe sich bei Strafan-</span><br/> <span class="ft1">tritt darauf verlassen dürfen, bei guter Führung nach Verbüssung von</span><br/> <span class="ft1">zwei Dritteln der Strafe bedingt entlassen zu werden, weshalb die in</span><br/> <span class="ft1">der Zwischenzeit eingeführten Sofortmassnahmen nicht nachträglich</span><br/> <span class="ft1">auf den Beschwerdeführer angewandt werden dürften.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">Am 20. März 2009 resp. am 1. April 2009 erliess der (jeweilige)</span><br/> <span class="ft1">Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres als Reak-</span><br/> <span class="ft1">tion auf den Fall "Lucie" im Frühling 2009 eine "Verfügung [betref-</span><br/> <span class="ft1">fend] bedingte Entlassung von Personen mit schweren Delikten ge-</span><br/> <span class="ft1">gen Leib und Leben; Grundlage und Arbeitsweise der Vollzugsbe-</span><br/> <span class="ft1">hörden und der Bewährungshilfe; Sofortmassnahmen für die Dauer</span><br/> <span class="ft1">der administrativen Untersuchung" (nachfolgend: Soma-Verfügung).</span><br/> <span class="ft1">Besagte Verfügung wurde nirgends publiziert; dem Obergericht wur-</span><br/> <span class="ft1">de sie nach Erlass zur Kenntnis zugestellt. Der Untersuchungsbericht</span><br/> <span class="ft1">im Fall "Lucie" liegt mittlerweile vor. Gemäss Referat des Departe-</span><br/> <span class="ft1">mentsvorstehers anlässlich einer Medienkonferenz vom 4. September</span><br/> <span class="ft1">2009 bleiben die Sofortmassnahmen bestehen, bis der Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chungsbericht vertieft ausgewertet ist, die Empfehlungen näher ge-</span><br/> <span class="ft1">prüft und gegebenenfalls umgesetzt sind (http://www.ag.ch/ politdos-</span><br/> <span class="ft1">siers/shared/dokumente/pdf/ 090904_referat2_hofmann.pdf).</span><br/> <span class="ft1">In Ziffer 1 der Soma-Verfügung wird festgehalten, dass die So-</span><br/> <span class="ft1">fortmassnahmen für die bedingte Entlassung von Personen gelten,</span><br/> <span class="ft1">deren Strafurteil folgende Delikte zugrunde liegen:</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Vorsätzliche</span> <span class="ft1">Tötung</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">111</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Mord</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">112</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Totschlag</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">113</span> <span class="ft1">StGB</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Körperverletzung</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">122</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">- Gefährdung des Lebens</span> <span class="ft1">Art. 129 StGB</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Angriff</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">134</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">- Raub</span> <span class="ft1">Art. 140 Ziff. 2, 3</span><br/> <span class="ft1">und</span> <span class="ft1">4</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">- Erpressung</span> <span class="ft1">Art. 156 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Freiheitsberaubung / Entführung</span> <span class="ft1">Art. 183 / 184 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Geiselnahme</span> <span class="ft1">Art. 185 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Sexuelle Handlungen mit Kindern</span> <span class="ft1">Art. 187 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Sexuelle Nötigung</span> <span class="ft1">Art. 189 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Vergewaltigung</span> <span class="ft1">Art. 190 StGB</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Schändung</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">191StGB</span><br/> <span class="ft1">- Förderung der Prostitution</span> <span class="ft1">Art. 195 StGB</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Menschenhandel Art.</span> <span class="ft1">196</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Brandstiftung</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">221</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">- Verursachen einer Explosion</span> <span class="ft1">Art. 223 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Gefährdung durch Sprengstoffe und</span><br/> <span class="ft1">Gase in verbrecherischer Absicht</span> <span class="ft1">Art. 224 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Herstellen, Verbergen, Weiterschaffen</span><br/> <span class="ft1">von Sprengstoffen und giftigen Gasen Art. 226 StGB</span><br/> <span class="ft1">- Kriminelle Organisation</span> <span class="ft1">Art. 260ter StGB</span><br/> <span class="ft1">- Gefährdung der öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">Sicherheit mit Waffen</span> <span class="ft1">Art. 260quater StGB</span><br/> <span class="ft1">-</span> <span class="ft1">Völkermord</span> <span class="ft1">Art.</span> <span class="ft1">264</span> <span class="ft1">StGB</span><br/> <span class="ft1">- Meuterei von Gefangenen</span> <span class="ft1">Art. 311 StGB</span><br/> <span class="ft1">Ziffer 2 besagter Verfügung lautet folgendermassen:</span><br/> <span class="ft5">" 2.1</span><br/> <span class="ft5">Die Vollzugsbehörde ordnet vor jeder bedingten Entlassung aus Strafen oder</span><br/> <span class="ft5">Massnahmen bei Personen, die nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wur-</span><br/> <span class="ft5">den, eine psychiatrische Begutachtung mit Risikobeurteilung an.</span><br/> <span class="ft5">2.2</span><br/> <span class="ft5">Die Vollzugsbehörde gibt die Gutachten rechtzeitig in Auftrag und sorgt da-</span><br/> <span class="ft5">für, dass die Gutachten termingerecht erstellt werden.</span><br/> <span class="ft5">Mit den Gutachten können anerkannte Forensiker in der ganzen Schweiz be-</span><br/> <span class="ft5">auftragt werden. (...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">118</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">2.3</span><br/> <span class="ft5">Kann die Begutachtung nicht rechtzeitig auf den Zeitpunkt der bedingten</span><br/> <span class="ft5">Entlassung erfolgen, ist die bedingte Entlassung mangels Vorliegens der Be-</span><br/> <span class="ft5">urteilungsgrundlagen für die Prognose über die Bewährung vorerst mit be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdefähiger Verfügung zu verweigern.</span><br/> <span class="ft5">2.4</span><br/> <span class="ft5">Bei Ausländern und Ausländerinnen, die aufgrund einer rechtskräftig verfüg-</span><br/> <span class="ft5">ten fremdenpolizeilichen Wegweisung die Schweiz im Zeitpunkt der beding-</span><br/> <span class="ft5">ten Entlassung verlassen müssen, kann ihm Rahmen der bisherigen Praxis</span><br/> <span class="ft5">auf das Einholen eines Gutachtens und die Beurteilung durch die Fachkom-</span><br/> <span class="ft5">mission verzichtet werden, sofern keine Anhaltspunkte für Gemeingefähr-</span><br/> <span class="ft5">lichkeit bestehen und die direkte Ausschaffung ab der Vollzugsinstitution si-</span><br/> <span class="ft5">chergestellt ist.</span><br/> <span class="ft5">Bei Ausländern und Ausländerinnen, bei denen Anhaltspunkte für Gemein-</span><br/> <span class="ft5">gefährlichkeit bestehen, ist vor der bedingten Entlassung ein Gutachten ein-</span><br/> <span class="ft5">zuholen, und der Fall der Fachkommission zur Beurteilung vorzulegen. Die</span><br/> <span class="ft5">zuständigen Behörden des Staats, in welchen die Ausschaffung erfolgt, sind</span><br/> <span class="ft5">auf dem Kanal, der durch die Abteilung Strafrecht gemäss separatem Auftrag</span><br/> <span class="ft5">mit dem Bund abzuklären ist, über die wesentlichen Ergebnisse des Gutach-</span><br/> <span class="ft5">tens und die Empfehlung der Fachkommission zu informieren."</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Ziffer 3.1 der Soma-Verfügung unterbreitet die Voll-</span><br/> <span class="ft1">zugsbehörde Anträge auf Vollzugserleichterungen (u.a. bedingte</span><br/> <span class="ft1">Entlassung) zusammen mit dem eingeholten Gutachten der Fach-</span><br/> <span class="ft1">kommission zur Beurteilung.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">4.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die hierarchisch übergeordnete Behörde hat gegenüber den ihr</span><br/> <span class="ft1">unterstellten Dienststellen die Befugnis zum Erlass von verbindli-</span><br/> <span class="ft1">chen Anordnungen für den Einzelfall und von allgemeinen Weisun-</span><br/> <span class="ft1">gen, d.h. von Verwaltungsverordnungen. Dies sind generelle</span><br/> <span class="ft1">Dienstanweisungen, deren Hauptfunktion darin besteht, eine einheit-</span><br/> <span class="ft1">liche, gleichmässige und sachrichtige Praxis des Gesetzesvollzugs si-</span><br/> <span class="ft1">cherzustellen. Sie kann auch organisatorische Anordnungen enthal-</span><br/> <span class="ft1">ten. Verwaltungsverordnungen sind nach herrschender Ansicht keine</span><br/> <span class="ft1">Rechtsquellen des Verwaltungsrechts, da sie keine Rechtsnormen</span><br/> <span class="ft1">enthalten, insbesondere keine Rechte und Pflichten der Privaten sta-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">119</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tuieren. Dies hat u.a. zur Konsequenz, dass Verwaltungsgerichte in</span><br/> <span class="ft1">der Regel nicht an Verwaltungsverordnungen gebunden sind. Bei-</span><br/> <span class="ft1">spielsweise im Falle der Anfechtung einer Steuerveranlagung prüft</span><br/> <span class="ft1">das Verwaltungsgericht nur, ob die Veranlagung mit dem Steuerge-</span><br/> <span class="ft1">setz und der Vollziehungsverordnung übereinstimmt, aber nicht, ob</span><br/> <span class="ft1">sie der Verwaltungsverordnung entspricht. Das Gericht berücksich-</span><br/> <span class="ft1">tigt sie bei seiner Entscheidung allerdings, soweit sie eine dem Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelfall gerecht werdende Auslegung der massgebenden Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">zulässt, weil es nicht ohne Not von einer einheitlichen Praxis der</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsbehörden abweichen will. Trotz ihrer Verbindlichkeit für</span><br/> <span class="ft1">Behörden werden sie in der Regel nicht in den offiziellen Gesetzes-</span><br/> <span class="ft1">sammlungen publiziert (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhl-</span><br/> <span class="ft1">mann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich, Basel,</span><br/> <span class="ft1">Genf 2006, Rz. 1232 und Rz. 123 ff.).</span><br/> <span class="ft1">4.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz stützte die Verweigerung der bedingten Entlas-</span><br/> <span class="ft1">sung auf Ziffer 2.3 der Soma-Verfügung, wonach die bedingte Ent-</span><br/> <span class="ft1">lassung mangels Vorliegens der Beurteilungsgrundlagen für die Pro-</span><br/> <span class="ft1">gnose über die Bewährung vorerst mit beschwerdefähiger Verfügung</span><br/> <span class="ft1">zu verweigern ist, wenn die Begutachtung nicht rechtzeitig auf den</span><br/> <span class="ft1">Zeitpunkt der bedingten Entlassung erfolgen kann.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs am 16. Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 2009 hatte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mitgeteilt,</span><br/> <span class="ft1">das Gutachten sei aufgrund der migrationsrechtlichen Situation</span><br/> <span class="ft1">(Wegweisung bereits vor 2. Instanz bestätigt) und aufgrund der Er-</span><br/> <span class="ft1">stellungsdauer (z.Zt. ca. 6 - 10 Monate) nicht in Auftrag gegeben</span><br/> <span class="ft1">worden.</span><br/> <span class="ft1">In Ziffer 2.2 der Soma-Verfügung wird festgehalten, dass die</span><br/> <span class="ft1">Vollzugsbehörde die Gutachten rechtzeitig in Auftrag zu geben und</span><br/> <span class="ft1">dafür zu sorgen hat, dass die Gutachten termingerecht erstellt wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Termingerecht kann in diesem Zusammenhang nur bedeuten,</span><br/> <span class="ft1">dass das Gutachten im Zeitpunkt der potentiellen bedingten Entlas-</span><br/> <span class="ft1">sung vorliegen und die Fachkommission die Gemeingefährlichkeit</span><br/> <span class="ft1">bereits beurteilt haben muss. Die Vorinstanz hat in ihrer Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deantwort vom 8. Oktober 2009 in Bezug auf das Gutachten ausge-</span><br/> <span class="ft1">führt, die Gutachter-Fragen seien dem Beschwerdeführer am</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">120</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">25.</span> <span class="ft1">September 2009 eröffnet worden mit der Möglichkeit zur</span><br/> <span class="ft1">Stellungnahme/Ergänzung bis zum 23. Oktober 2009. Nach Eingang</span><br/> <span class="ft1">der Stellungnahme bzw. nach Ablauf dieser Frist werde der</span><br/> <span class="ft1">Gutachterauftrag an das Departement Forensik der Psychiatrischen</span><br/> <span class="ft1">Klinik Königsfelden erteilt.</span><br/> <span class="ft1">Offensichtlich wurde im vorliegenden Fall das Gutachten somit</span><br/> <span class="ft1">nicht termingerecht in Auftrag gegeben, nachdem bereits am</span><br/> <span class="ft1">16. September 2009 die Mindestdauer für eine bedingte Entlassung</span><br/> <span class="ft1">erstanden war.</span><br/> <span class="ft1">4.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Es dürfte ausser Frage stehen, dass eine interne Weisung, wie</span><br/> <span class="ft1">dies die Soma-Verfügung darstellt, das Bundesrecht auf keinen Fall</span><br/> <span class="ft1">vereiteln darf. Genau dies ist jedoch im vorliegenden Fall geschehen,</span><br/> <span class="ft1">nachdem der Beschwerdeführer die bundesrechtlichen Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen für eine bedingte Entlassung erfüllt (vgl. vorne Erw. 3), diese je-</span><br/> <span class="ft1">doch gestützt auf Ziffer 2.3 der Soma-Verfügung ("Kann die Begut-</span><br/> <span class="ft1">achtung nicht rechtzeitig auf den Zeitpunkt der bedingten Entlassung</span><br/> <span class="ft1">erfolgen, ist die bedingte Entlassung mangels Vorliegens der Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lungsgrundlagen für die Prognose über die Bewährung vorerst mit</span><br/> <span class="ft1">beschwerdefähiger Verfügung zu verweigern.") verweigert wird. Es</span><br/> <span class="ft1">trifft zwar zu, dass die migrationsrechtliche Situation unklar ist, doch</span><br/> <span class="ft1">ist dies kein Grund, mit der Auftragserteilung eines Gutachtens zu-</span><br/> <span class="ft1">zuwarten, zumal der Beschwerdeführer bereits im März 2009 Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde beim Rekursgericht für Ausländerrecht eingereicht hat, und</span><br/> <span class="ft1">es notorisch ist, dass sich solche Verfahren in die Länge ziehen kön-</span><br/> <span class="ft1">nen. Dass bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils Ziffer 2.4</span><br/> <span class="ft1">der Soma-Verfügung keine Anwendung finden kann, dürfte aufgrund</span><br/> <span class="ft1">des klaren Wortlauts wohl unbestritten sein. Auch die Tatsache, dass</span><br/> <span class="ft1">die Erstellungszeit für ein derartiges Gutachten gut sechs bis zehn</span><br/> <span class="ft1">Monate dauern kann, ist notorisch und hätte bereits frühzeitig - wohl</span><br/> <span class="ft1">am ehesten gerade unmittelbar nach Erlass der Soma-Verfügung - be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigt werden müssen, zumal sich der Beschwerdeführer selbst</span><br/> <span class="ft1">mit Schreiben vom 30. Juli 2009 bereit erklärt hatte, sich einer</span><br/> <span class="ft1">psychiatrischen Begutachtung zu unterziehen, und in diesem Zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenhang darum gebeten hatte, das Nötige zu veranlassen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Straf-undMassnahmenvollzug</span> <span class="page_no">121</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Ziffer 2.3 der Soma-Verfügung ist deshalb im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">die Anwendung zu versagen. Es wäre bundesrechtswidrig, die be-</span><br/> <span class="ft1">dingte Entlassung eines Gefangenen, der die bundesrechtlichen Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzungen für die bedingte Entlassung erfüllt, daran scheitern zu</span><br/> <span class="ft1">lassen, dass ein gestützt auf eine interne Weisung gefordertes Gut-</span><br/> <span class="ft1">achten (noch) nicht vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesen Umständen kann auch die vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">aufgeworfene Frage offen gelassen werden, ob die Sofortmassnah-</span><br/> <span class="ft1">men, welche erst nach Strafantritt des Beschwerdeführers eingeführt</span><br/> <span class="ft1">wurden, nachträglich auf diesen angewandt werden dürfen.</span><br/></div> </div> </body> </html>