B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-622/2025 U r t e i l v o m 5 . M ä r z 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, mit Zustimmung von Richterin Giulia Marelli; Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A._______, geboren am (…), Kamerun, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 3. Januar 2025 / N (…). D-622/2025 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 15. November 2023 um Gewährung von Asyl in der Schweiz nachsuchte, dass sein Gesuch vom SEM im Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ be- handelt wurde, wo am 5. Dezember 2023 das Dublin-Gespräch stattfand, dass er in diesem Rahmen von seinem Reiseweg berichtete, welcher ihn ab 2019 und im Verlauf von vier Jahren von Kamerun über Nigeria, Niger, Algerien und Tunesien nach Italien geführt habe, wo er am 21. August 2023 angekommen und registriert worden sei, dass das SEM mit Verfügung vom 23. Januar 2024 in Anwendung der Be- stimmungen zum Dublin-Verfahren und gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein- trat und dessen Wegweisung nach Italien anordnete, dass dieser Entscheid unangefochten in Rechtskraft erwuchs, innert mass- geblicher Frist jedoch keine Überstellung nach Italien stattfand, dass das SEM im Nachgang dazu das Verfahren des Beschwerdeführers auf dessen Ersuchen wieder aufnahm und ihn am 29. August 2024 zu sei- nen Gesuchsgründen anhörte, dass es anschliessend die Behandlung des Gesuches dem erweiterten Verfahren zuwies und am 7. November 2024 mit dem Beschwerdeführer eine ergänzende Anhörung durchführte, dass der Beschwerdeführer im Verlauf der beiden Anhörungen seine An- gaben zu seinem mehrjährigen Reiseweg bestätigte und gleichzeitig Anga- ben zu seiner Herkunft aus einer Ortschaft bei der Grossstad C._______ in der frankophonen Region D._______ machte, dass er zum Grund für sein Asylgesuch vorbrachte, er habe in seiner Hei- mat um sein Leben zu fürchten, nachdem er sich ab Anfang 2019 während einiger Zeit als Mitg lied einer Separatistengruppe an gewalttätigen Aktio- nen gegen Tankstellen, die Lokalbevölkerung und gegen den örtlichen Po- lizeiposten beteiligt habe, dass er sich dieser Gruppe auf Anweisung seines Vaters und des örtlichen Dorfchefs angeschlossen habe, nachdem sein Vater in Bali und damit im D-622/2025 Seite 3 englischsprachigen Teil von Kamerun ein grosses Stück Land gekauft habe, welches er habe bewirtschaften wollen, dass er wegen seiner Mitgliedschaft in der Gruppe namens "Ambazonie de Bali" respektive "Ambazonia Bali" von der Armee verhaftet und dabei aufs Schwerste misshandelt worden sei, ihm aber die Flucht gelungen respek - tive von einem Dritten die Flucht ermöglicht worden sei, worauf er seine Heimat verlassen habe, dass für die Angaben und Ausführungen des Beschwer deführers im Ein- zelnen – soweit nicht nachfolgend darauf eingegangen wird – auf die Akten verwiesen werden kann, dass er ausserdem über psychische Beschwerden berichtete und am 12. November 2024 drei Verlaufsberichte zu einer Behandlung wegen (… [einer Hauterkrankung]) einreichte, worauf – soweit wesentlich – nachfol- gend eingegangen wird, dass das SEM mit Verfügung vom 3. Januar 2025 (eröffnet am 6. Januar 2025) feststellte, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und sein Asylgesu ch ablehnte, verbunden mit der Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzuges, dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung am 29. Januar 2025 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob, dass er in seiner Eingabe die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Gewährung von Asyl beantragte, eventualiter sei die Unzulässigkeit und Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und ihm die vorläu- fige Aufnahme zu gewähren, subeventualiter sei die Sache zur Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen, dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes ersuchte, dass mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Feb- ruar 2025 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und amtlichen Verbeiständung wegen mutmasslicher Aussichtslosig- keit der Beschwerde abgewiesen wurden (vgl. dazu die Akten), D-622/2025 Seite 4 dass der Beschwerdeführer gleichzeitig aufgefordert wurde, innert Frist ei- nen Kostenvorschuss von Fr. 750. – einzuzahlen, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall (vgl. Art. 63 Abs. 4 VwVG), dass der einverlangte Kostenvorschuss am 18. Februar 2025 eingezahlt worden ist, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM ist, wobei das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG richten, dass der Beschwerdeführer legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und er seine Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht sowie den Kostenvor- schuss fristgerecht geleistet hat (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist, dass die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich un- begründet zu erkennen ist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zu - ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin, mit summarischer Begründung und praxisgemäss ohne Durch- führung eines Schriftenwechsels zu entscheiden ist (vgl. Art. 111 Bst. e so- wie Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass vom Beschwerdeführer im Sinne eines Eventualbegehrens die Rück- weisung der Sache an die Vorinstanz beantragt wird, dass jedoch – entgegen den sinngemäss anders lautenden Beschwerde- vorbringen – der entscheidrelevante Sachverhalt als hinreichend erstellt zu erkennen ist, nachdem sich der Beschwerdeführer in den beiden Anhörun- gen zu allen Aspekten seines Gesuches umfassend äussern konnte und D-622/2025 Seite 5 auch hinsichtlich seiner gesundheitlichen Beschwerden kein weiterer Ab- klärungsbedarf besteht (vgl. dazu nachfolgend), dass daher die beantragte Rückweisung ausser Betracht fällt, womit das Gericht einen Entscheid in der Sache zu treffen hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsät zlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1 AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimat - oder Her- kunftsstaat wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauun- gen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden muss, wobei diese glaubhaft gemacht ist, w enn die Be- hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege - ben hält, und Vorbringen insbesondere dann unglaubhaft sind, wenn sie in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprec hen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG), dass das Bundesverwaltungsgericht die Anforderungen an das Glaubhaft- machen von Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt hat und dabei ständiger Pr axis folgt (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2), worauf verwiesen werden kann, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung zum Schluss gelangt, das Asylgesuch des Beschwerdeführers sei abzuweisen, weil von ihm keine rechtserhebliche Gefährdungssituation glaubhaft gemacht (Art. 7 AsylG) worden sei, dass es dabei in einer detaillierten Auseinandersetzung aufzeigt, dass der Sachverhaltsvortrag des Beschwerdeführers mit einer ganzen Reihe von schweren Mängeln behaftet sei, dass die vorinstanzlichen Feststellungen und Schlüsse zur Mangelhaf- tigkeit des Sachverhaltsvortrages – auf welche anstelle einer Wiederho- lung verwiesen werden kann – aufgrund der Aktenlage als durchwegs zu- treffend erscheinen und vom Gericht zu bestätigen sind, zumal der Be- schwerdeführer diesen auch nichts von Substanz entgegenzusetzen ver- mag, D-622/2025 Seite 6 dass er zwar seine Gesuchsvorbringen nochmals umfassend bekräftig und er sich dabei auch insbesondere darum bemüh t, die vorinstanzlichen Er- wägungen zum Vorliegen deutlicher Widersprüche und Ungereimtheiten in seinen Sachverhaltsschilderungen zu entkräften, dass aufgrund der Aktenlage jedoch auch für das Gericht kein Anlass zur Annahme besteh t, der aus dem frankophone n Gebiet stammende Be- schwerdeführer – der weder Englisch spricht noch die lokale Sprache ver- standen habe – habe sich aus dem von ihm vorgebrachten Grund im ang- lophonen Gebiet einer sezessionistischen Gruppierung angeschlossen und als deren Mitglied an verschiedensten Gewaltakten mitgewirkt, worauf er verhaftet und Opfer von schweren Übergriffen seitens der Armee gewor- den sei, dass seine diesbezüglichen Schilderungen nicht nur mit eklatanten Wider- sprüchen behaftet, sondern auch ohne Substanz geblieben sind, weshalb mit dem SEM von konstruierten Gesuchsgründen auszugehen ist, dass insbesondere die Schilderungen zu den ausgeführten Aktionen, der an diesen beteiligten Personen sowie der Flucht aus der Polizeihaft derart widersprüchlich ausgefallen sind, dass nicht von tatsächlich Erlebtem aus- gegangen werden kann, dass diese Widersprüche sich weder mit Erinnerungslücken noch mit Ner- vosität oder Missverständnissen anlässlich der Anhörung erklären lassen, dass das SEM daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat, dass die Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist, da der Beschwer- deführer nach Aktenlage insbesondere auch weder über einen Aufenthalts- titel für die Schweiz noch über eine Anspruchsgrundlage auf Erteilung ei- nes solchen verfügt (Art. 44 [erster Satz] AsylG; BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.), dass somit zu prüfen bleibt, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Weg - weisung entgegenstehen, da das SEM eine vorläufige Aufnahme von Aus- ländern anzuordnen hat, wenn sich der Vollzug der Wegweisung als unzu- lässig, unzumutbar oder unmöglich erweist (Art. 44 [zweiter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1–4 AIG [SR 142.20]), D-622/2025 Seite 7 dass in diesem Zusammenhang festzuhalten bleibt, dass bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen nach ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, allfällige Wegweisungshindernisse sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu ma- chen (BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.), dass sich der Vollzug der Wegweisung in Beachtung der massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig erweist (Art. 83 Abs. 3 AIG), da nach vorstehenden Erwägungen keine Hinweise auf eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bestehen (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 FK [SR 0.142.30]) und auch keine konkreten Anhaltspunkte für eine in der Heimat drohende menschen rechtswidrige Behandlung (im Sinne von Art. 3 EMRK) ersichtlich sind, dass der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar zu erkennen ist (Art. 83 Abs. 4 AIG), da weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers noch individuelle Gründe auf ei ne konkrete Gefähr- dung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen jungen Mann handelt, der aus dem frankophonen Gebiet von Kamerun stammt, welches nicht von den im anglophonen Landesteil herrschenden Unruhen betroffen ist, dass er gleichzeitig nicht nur an seinem Heimatort C._______, sondern auch in E._______, F._______ und G._______ – die alle im frankophonen Gebiet gelegen sind – über persönliche Anknüpfungspunkte verfügt, womit ihm eine Reintegration in der Heimat ohne weiteres möglich sein dürfte, dass entgegen den anders lautenden Beschwerdevorbringen auch kein rechtserheblicher medizinischer Behandlungsbedarf ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer zwar gemäss den vorgelegten Arztberichten wegen (… [einer Hauterkrankung]) behandelt worden ist und er sich des- wegen wohl auch aktuell in Behandlung befindet, dass jedoch nichts ersichtlich ist, was für einen zwingenden Bedarf an einer weiteren Behandlung der (… [Erkrankung]) in der Schweiz sprechen würde, sondern diese auch in der Heimat erfolgen kann, und – über die blosse Behauptung hinaus – auch nichts ersichtlich ist, was ernsthaft für das Vorliegen einer schweren psychischen Erkrankungslage sprechen würde, D-622/2025 Seite 8 dass sich ein Vollzugshindernis auch nicht aus dem vom Beschwerdefüh- rer vorgebrachten Wunsch nach der Heirat seiner in der Schweiz lebenden Partnerin ergibt, welche angeblich von ihm schwanger sei, dass das Vorbringen zudem als wohl bloss vorgeschoben zu erkennen ist, da der Beschwerdeführer keinerlei Angaben zur Person der angeblichen Partnerin gemacht hat, womit auch nichts ersichtlich gemacht ist, wor aus sich allenfalls ein Anwesenheitsrecht ergeben könnte, dass schliesslich der Wegweisungsvollzug auch als möglich zu erkennen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG), da der Beschwerdeführer verpflichtet ist, sich bei der dafür zuständigen Vertretung seines Heimatstaates die für seine Rück- kehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), dass nach dem Gesagten das SEM zu Recht den Vollzug der Wegweisung angeordnet hat, dass diesen Erwägungen gemäss die angefochtene Verfügung zu bestäti- gen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzu- weisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten des Verfahrens, wel- che praxisgemäss auf Fr. 750.– zu bestimmen sind, dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), dass der am 18. Februar 2025 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden ist. (Dispositiv nächste Seite) D-622/2025 Seite 9 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: