Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. Oktober 2022 (810 22 120) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Schenkungssteuer/Verfahrenssistierung bei hängigen ausserkantonalen Verfah- ren/Zuständigkeit/Veranlagungsverjährung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichterin Ana Dettwiler, Kantons- richter Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Gerichts- schreiber Sandro Jaisli Beteiligte A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Jeremy Huart, Rechtsanwalt gegen Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (Abteilung Steuergericht), Liestal, Vorinstanz Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft, Rechtsdienst, Liestal, Beschwerdegegnerin Betreff Schenkungssteuer (Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Steuergericht, vom 11. Februar 2022) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Veranlagungsverfügung vom 13. Februar 2019 veranlagte die Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft (Steuerverwaltung) A.____ unter Anwendung eines Steuersatzes von 30% zu einer Schenkungssteuer in der Höhe von Fr. 186'000.--. Zur Begründung führte die Steuerverwaltung aus, dass die Steuerpflichtige am 3. Jan uar 2012 von B.____, welcher am XX. XX 2013 verstorben war, eine Schenkung in der Höhe von Fr. 630'000.-- erhalten habe. Die dagegen am 22. Februar 2019 erhobene Einsprache wies die Steuerverwaltung mit Ein- spracheentscheid vom 23. Juni 2020 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid rekurrierte A.____, vertreten durch Jeremy Huart, Advokat in Delémont, mit Eingabe vom 24. Juli 2020 beim Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht). C. Mit Gesuch vom 30. Oktober 2020 ersuchte der Rechtsvertreter von A.____ das Steuer- gericht um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Dieses Gesuch wies das Steuerge- richt mit Präsidialverfügung vom 23. November 2020 ab, wogegen A.____ mit Eingabe vom 30. November 2020 Einsprache erhob. Mit Entscheid vom 12. Februar 2021 wies das Steuerge- richt die Einsprache zufolge fehlender Mittellosigkeit von A.____ ab. Die dagegen am 24. März 2021 erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 13. September 2021 (810 21 76) ab. D. Mit Eingabe vom 4. Februar 2022 ersuchte der Rechtsvertreter das Steuergericht um Sistierung des Verfahrens, da A.____ im Kanton C.____ in ein zivilrechtliches sowi e ein straf- rechtliches Verfahren verwickelt sei, deren Ausgang für das Verfahren vor der Vorinstanz ent- scheidend sei. Diesen Sistierungsantrag wies das Steuergerich t mit Präsidialverfügung vom 9. Februar 2022 ab. Mit Entscheid vom 11. Februar 2022 wies das Steuergericht den an der Verhandlung erneut gestellten Sistierungsantrag ein weiteres Mal ab. Materiell wurde der Re- kurs teilweise gutgeheissen und die Steuerverwaltung angewiesen, den steuerbaren Schen- kungsbetrag auf Fr. 586'750.-- zu reduzieren. E. Gegen den Entscheid des Steuergerichts vom 11. Februar 2022 erhebt A.____, nach wie vor vertreten durch Jeremy Huart, mit Eingabe vom 25. Mai 2022 beim Kantonsgericht Be- schwerde mit den unter Kosten - und Entschädigungsfolge gestellten Anträgen: (1) Die vorlie- gende verwaltungsgerichtliche Beschwerde sei gutzuheissen. (2) Das Urteil des Steuergerichts vom 11. Februar 2022 des Kantons Basel -Landschaft sei aufzuheben. (3) Die Sache sei an die Vorinstanz mit verbindlichen Weisungen zurückzuweisen. F. Am 25. Mai 2022 reicht die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche Rechts- pflege ein und beantragt darin die unentgeltliche Prozessführung für das vorliegende Be- schwerdeverfahren mit dem unterzeichneten Advokaten Jeremy Huart als unentgeltlichem Rechtsbeistand. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Eingabe vom 30. Juni 2022 lässt sich das Steuergericht vernehmen und beantragt unter Verweisung auf die Erwägungen des angefochtenen Urteils die Abweisung der Beschwerde. Gleichentags lässt sich auch die Steuerverwaltung vernehmen und beantragt ebenfalls die Abweisung der Beschwerde. H. Mit Verfügung vom 15. Juli 2022 wird der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen und verfügt, dass über das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu- sammen mit der Hauptsache entschieden werde. I. Mit Eingabe vom 2. September 2022 reicht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin seine Honorarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Nach § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats - und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 und § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entscheide des Steuergerichts mit Ver- waltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden. Nach § 131 Abs. 2 lit. a StG ist die steuerpflichtige Person zur Beschwerde befugt. Da alle formellen Voraussetzungen gemäss §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die frist - und formgerecht erhobene Beschwerde ein- zutreten. 2. Mit der Beschwerde in Steuersachen könn en gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt im vorliegenden Fall somit volle Kognition zu. Zulässig sind au ch neue Anträge, Behauptungen und Beweismittel (§ 6 Abs. 3 VPO; vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 10. August 2016 [810 16 9] E. 7.2). Das Kantonsgericht ist nach § 18 Abs. 3 VPO weiter nicht an die Begehren der Parteien gebun- den, sondern es stehen ihm die gleichen Befugnisse zu wie den Einschätzungsbehörden (KGE VV vom 10. August 2016 [810 16 9] E. 7.2). 3. Vorliegend ist im Grundsatz die Rechtsnatur des von B.____ (selig) mit Vertrag vom 3. Januar 2012 an die Beschwerdeführerin bezahlten Betrages in der Höhe von Fr. 630'000. -- strittig: Während die Beschwerdegegnerin von einer Schenkung aus- geht, ist die Beschwerdeführerin der Ansicht, es liege ein rückzahlungspflich tiges Darlehen vor, das keine Schenkungssteuer auslöse. Die Beschwerdeführerin bringt zudem vor, dass die Vorinstanz einerseits den Verfahrenssistierungsantrag zu Unrecht abgelehnt habe und anderer- seits zur Erhebung der Schenkungssteuer gar nicht zuständi g gewesen sei. Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, dass eine allfällige Schenkungssteuerforderung verjährt sei. 4.1 Die Beschwerdeführerin führt aus, dass die Vorinstanz ihr Ermessen missbraucht habe, indem sie den Sistierungsantrag abgewiesen habe. Im Kanton C.____ würde noch ein Strafver- fahren gegen sie laufen, dessen Ausgang für das vorliegende Verfahren relevant sei. Denn Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht würde sie im Zusammenhang mit dem Vertrag vom 3. Januar 2012 rechtskräftig wegen Urkun- denfälschung verurteilt, würde dies die Authentizität des S chenkungsvertrages und damit den Schenkungswillen des Schenkers in Frage stellen. Zudem sei im Kanton C.____ ein von den Erben von Herrn B.____ eingeleitetes Zivilverfahren hängig, dessen Ausgang für das vorliegen- de Verfahren e ntscheidrelevant sei. Ansonsten bestehe nämlich die Gefahr, dass die Be- schwerdeführerin eine Steuer auf einen Betrag zahlen müsste, den sie nie geschenkt erhalten habe und dessen Rückzahlung zusätzlich von ihr verlangt werde. Aus diesen Gründen sei das vorinstanzliche Urteil aufzuheben und an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, welche das Verfahren bis zur Klärung der Rechtslage in den C.____ Verfahren sistieren solle. 4.2 Die Beschwerdeführerin verneint weiter die Zuständigkeit der Steuerverwaltung zu r Er- hebung der vorliegenden Schenkungssteuer. B.____ habe nie Wohnsitz im Kanton Basel - Landschaft gehabt, sondern sei immer im Kanton C.____ wohnhaft gewesen. Die Anmeldung bei der Einwohnergemeinde D.____ habe nur einen administrativen Wohnsitz begründet, der lediglich ein Indiz für den zivilrechtlichen Wohnsitz sei. Deshalb sei der Kanton C.____ für die Erhebung einer Schenkungs - oder Erbschaftssteuer zuständig. Nur weil dieser von seiner Steuerhoheit keinen Gebrauch gemacht habe, bedeute dies nicht, dass nun der Kanton Basel - Landschaft dafür zuständig sei. Vielmehr liege ein Fall von virtueller Doppelbeteuerung vor. Zudem macht die Beschwerdeführerin geltend, dass vorliegend die Veranlagungsverjährung eingetreten sei, deren Verjährungsfrist am 1. Januar 2 014 begonnen habe und am 31. Dezem- ber 2018 abgelaufen sei. 4.3 Weiter bestreitet die Beschwerdeführerin den Abschluss eines Schenkungsvertrages zwischen ihr und B.____. Sie habe von Herrn B.____ zwar Pferde erhalten, wobei es sich nicht um eine Schenkung gehandelt habe. Die Pferde hätten nur deshalb auf ihren Namen gelautet, weil Herr B.____ nicht gewollt habe, dass seine Familie von diesen erfahre. Aus buchhalteri- schen Gründen habe ihre damalige Treuhänderin, welche ihre Tätigkeit mittlerweile eingestell t habe, diese Pferde als Darlehen verbucht. Das Eigentum an den Pferden sei aber nie auf sie übergegangen, sondern immer bei Herrn B.____ geblieben. Es fehle deshalb sowohl an einer Zuwendung als auch am Schenkungswillen. Es müsse weiter berücksichtigt wer den, dass die von Herrn B.____ gekauften Pferde im Jahr 2012 kurz vor ihrem Karriereende gestanden und deshalb nicht mehr an Wettkämpfen teilgenommen hätten. Vielmehr hätten sie abgemacht, dass die Pferde ab dem Jahr 2013 in der Pension der Beschwerdeführe rin in den Ruhestand gehen sollten. Für ihre berufliche Tätigkeit hätten diese Pferde keinen Nutzen, weshalb deren Wert für sie gleich null sei. Sie habe d iese Pferde jahrelang auf eigene Rechnung gehalten und gepflegt und kümmere sich auch heute noch um sie. Weil der Schenkungsvertrag eine Fäl- schung sei, könne Herr B.____ gar nicht auf die Rückzahlung des Darlehens verzichtet haben, weshalb auch keine Schenkung vorliege. 4.4 Schliesslich stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass die Vorinstanz die Untersuchungspflicht verletzt als auch die Beweislastverteilung nicht beachtet habe, denn der Vertrag vom 3. Januar 2012 reiche nicht aus, um festzustellen, dass die Be- schwerdeführerin einen Betrag von Fr. 630'000. -- erhalten habe. Es läge an der Beschwerde- gegnerin nachzuweisen, dass der vertraglich festgelegte Gesamtbetrag schenkunsgweise an Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschwerdeführerin übertragen worden sei, was vorliegend nicht der Fall sei. Vielmehr ha- be die Beschwerdeführerin tatsächlich nur Pferde ohne Marktwert erhalten. 5.1 Zur Abweisung des prozessualen Sistierungsantrages hält das Steuergericht fest, dass das steuerrechtliche Rekursverfahren nicht vom Ausgang des zivil - und strafrechtlichen Verfah- rens im Kanton C.____ abhänge, womit die Sache entscheidungsreif sei. Dies gelte umso mehr, als dass ein Entscheid eines C.____ Gerichts einen Revisionsgrund darstellen würde. Sollte also das C.____ Zivilgericht den fraglichen Betrag als Darlehen qualifizieren und A.____ zur Rückzahlung an die Erben von B.____ verpflichten, könne die Rekurrentin ein ihr zumutba- res Revisionsbegehren stellen. Einem Antrag auf Sistierung des Rekursverfahrens könne grundsätzlich nur ausnahmsweise und unter restriktiven Voraussetzungen entsprochen werden. Die Vorinstanz ist weiter der Ansicht, dass die Beschwerdegegnerin zur Erhebung der vorlie- genden Schenkungssteuer zuständig gewesen sei, denn Herr B.____ sei in D.____, wo er auch Eigentümer einer Liegenschaft gewesen sei, angemeldet gewesen. Zudem habe der Vertreter der Beschwerdeführerin an der Parteiverhandlung vom 11. Februar 2022 ausgeführt, dass Herr B.____ immer im Kanton Basel-Landschaft gewohnt habe. 5.2 In Bezug auf die Frage, ob die Steuerverwaltung zu Recht von der Beschwerdeführerin eine Schenkungssteuer in der Höhe von Fr. 186'000. -- erhob, hält das Steuergericht fest, dass auch im Steuerrecht für das Vorliegen einer Schenkung die Merkmale der Vermögenszuwen- dung, der Unentgeltlichkeit und des Schenkungswillens absolut begriffsnotwendig seien. Die Vorinstanz führt zunächst aus, dass die strittige Steuerforderung nicht verjährt sei. Massgegend für den Beginn der Verjährung sei der Zeitpunkt, in welchem die Steuerverwaltung vom fragli- chen Rechtsgeschäft (vorliegend dem Vertr ag zwischen B.____ und A.____ vom 3. Januar 2012) Kenntnis erhalten habe. B.____ sei am 31. Mai 2013 verstorben und das entsprechende Erbschaftsinventar datiere vom 9. Dezember 2013. Die Veranlagungsverfügung sei zwar erst mehr als fünf Jahre später, und zwar am 13. Februar 2019, ergangen. Da sich dem Erbschafts- inventar aber keine Hinweise auf eine Schenkung respektive einen Darlehenserlass entnehmen liessen, habe die Verjährungsfrist im Zeitpunkt, in welchem die Steuerverwaltung vom Erb- schaftsinventar Kenntnis erhielt, noch nicht zu laufen beginnen können. Zudem sei die Schen- kung auch nicht aus der Steuerer klärung von B.____ hervorgegangen. Der Beginn der Verjäh- rungsfrist sei dagegen auf jenen Zeitpunkt festzusetzen, in welchem die Steuerverwaltung vom fraglichen Rechtsgeschäft zwischen Herrn B.____ und der Beschwerdeführerin Kenntnis erhal- ten habe, wobei sich nicht mehr genau eruieren lasse, w ann dieser Zeitpunkt gewesen sei. Zu- mindest erscheine es aufgrund der Datierung des Erbschaftsinventars (9. Dezember 2013), welches gerade noch keinen Hinweis auf eine Schenkung enthalten habe, nach dem gewöhnli- chen Lauf der Dinge als ausgeschlossen, dass die Schenkung vor dem 13. Februar 2014 bei der Steuerverwaltung aktenkundig geworden sei, weshalb die Schenkungssteuer nicht verjäh rt sei. 5.3 Inhaltlich könne dem Vertrag vom 3. Januar 2012 entnommen w erden, dass B.____ A.____ für den Kauf von Pferden und die Rückzahlung eines Teils einer Hypothek ein zinsloses Darlehen in der Höhe von Fr. 630'000. -- gewährt habe. Da er gleichzeitig auf dessen Rückzah- lung verzichtet habe, liege nach § 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Erbschafts - und Schen-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kungssteuer (ESchStG) vom 7. Januar 1980 eine Schenkung vor. Weiter sei vereinbart worden, dass B.____ im Gegenzug unentgeltlich eine Wohnung benutze n könne, wofür monatlich ein Betrag von Fr. 1'250.-- berechnet werde, der jährlich vom Darlehen abzuziehen sei. Die Partei- en hätten zudem abgemacht, dass im Falle des Versterbens von A.____ B.____ keinen An- spruch gegenüber ihren Erben habe und im Falle des Versterbens von B.____ seine Erben kei- ne Ansprüche gegen A.____ geltend machen könnten. Im Gegenzug habe A.____ für das Pferd E.____ zu sorgen. Aus dem Vertragsanhang vom 3. Oktober 2012 gehe zudem hervor, dass für Pflegeleistungen von A.____ an B.____ jeweils per 31. Dezember ein zusätzlicher monatlicher Betrag in der Höhe von Fr. 1'500. -- abgezogen werde. Dem Anhang vom 18. Dezember 2012 sei schliesslich zu entnehmen, dass sich A.____ verpflichte, für den Hund F.____ zu sorgen. 5.4 In Bezug auf die Frage der Echtheit des Schenkungsvertrages führt das Steuergericht aus, dass im Rahmen eines C.____ Verfahrens ein Gutachten bei der Universität G.____ ein- geholt worden sei, welches im Bericht vom 7. März 2017 zum Schluss komme, dass die Unter- schriften in Herrn B.____ Namen sowohl auf dem Vertrag vom 3. Januar 2012 als auch auf den Anhängen keine spontanen Unterschriften von Herrn B.____, sondern Fälschungen seien. Das in diesem Zusammenhang eingeleitete Strafverfahren sei aber nicht rechtskräftig abgeschlos- sen, weshalb der Vertrag im vorliegenden Verfahren immer noch als gültig zu betrachten sei. Der Gutachter habe sich im Übrigen nur mit der Unterschrif t von Herrn B.____ auseinanderge- setzt und spreche sich nicht zur Echtheit der Untersc hrift von Frau A.____ aus. A.____ sei die einzige Person, welche von diesem Vertrag profitiere und sie habe sich im zivilrechtlichen Ver- fahren im Kanton C.____ zudem explizit auf diese Vereinbarung berufen, um daraus Rechte für sich abzuleiten. Deshalb könne sich das Steuergericht trotz der mutmasslichen Fälschung der Unterschrift von Herrn B.____ auf den Vertrag vom 3 . Januar 2012 und dessen Anhänge stüt- zen und in guten Treuen davon ausgehen, dass dieser jedenfalls die Sichtweise und Rechtspo- sition von A.____ widergebe. Entsprechend habe die Steuerverwaltung zu Recht eine Schen- kungssteuer erhoben. 5.5 Schliesslich erwägt das Steuergericht, dass die Berechnungsgrundlagen n icht korrekt ermittelt worden seien , und berechnet diese neu. Dabei berücksichtigt es für die Wohnung ei- nen Abzug von 17 Monaten (Januar 2012 bis Mai 2013) in der Höhe von Fr. 21'250. -- und für die Pflegeleistungen einen solchen von 8 Monaten (Oktober 2012 bis Mai 2013) in der Höhe von Fr. 12'000.--. Weiter weist es darauf hin, dass obwohl im Vertrag der Unterhalt von nur ei- nem Pferd vereinbart worden sei, A.____ in der Rekursschrift geltend gemacht habe, dass die Vereinbarung drei Pferde betreffe. Da für e inen Abzug der Kosten für den vereinbarten Unter- halt von Pferd(en) und Hund nach wie vor keine genügenden Nachweise vorlägen, könne letzt- lich offenbleiben, für wie viele Pferde A.____ zu sorgen gehabt respektive zu sorgen habe. Im Ergebnis reduziert das St euergericht den Schenkungsbetrag um total Fr. 33'250. --, wodurch abzüglich des Freibetrages von Fr. 10'000. -- neu ein steue rbarer Schenkungsbetrag von Fr. 586'750.-- resultiere. Da kein Verwandtschaftsverhältnis im Sinne von § 12 Abs. 1 lit. a -c ESchStG vorliege, komme der Steuersatz von 30% zur Anwendung. 6.1 Die Frage, ob für die Erhebung der vorliegenden Schenkungssteuer eine Rechtsgrund- lage gegeben ist, steht und fällt mit der Gültigkeit des Vertrages vom 3. Januar 2012 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (sog. ʺCONTRATʺ vom 3. Januar 2 012 und der beiden ʺANNEXEʺ vom 3. Oktober 2012 und 18. Dezember 2012). Sollte dieser Vertrag nämlich tatsächlich nicht von Herrn B.____ unter- zeichnet worden, sondern von der Beschwerdeführerin gefälscht worden sein, läge keine Schenkung vor, die besteuert werden könnte. In diesem Lichte ist auch die Frage der Verfah- renssistierung zu beurteilen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss eine Verfah- renssistierung durch zureichende Gründe gerechtfertigt sein, ansonsten eine mit dem Be- schleunigungsgebot nach Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos- senschaft (BV) vom 18. A pril 1999 nicht zu vereinbarende Rechtsverzögerung vorliegen kann (BGE 130 V 90 E. 5). Eine Verfahrenssistierung kann insbesondere angezeigt sein, wenn ein anderes Verfahren hängig ist, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist (BGE 123 II 1 E. 2b). Beim Entscheid darüber, ob das Verfahren zu sistieren ist, steht der Behörde ein erheb- licher Ermessensspielraum zu. 6.2 Unstreitig ist, dass im Kanton C.____ zurzeit zwei Verfahren rechtshängig sind. In ei- nem zivilrechtlichen Verfahren fordern die Erben von B.____ von der Beschwerdeführerin die Rückzahlung diverser Darlehensbeträge. Von diesem Verfahren betroffen ist auch die Überwei- sung des Betrages von Herrn B.____ an die Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 630'000.--. In einem strafrechtlichen Verfahren wurden der Beschwerdeführerin mit Anklageschrift vom 20. Mai 2020 Urkundenfälschung und versuchter Betrug vorgeworfen. Sie soll die Unterschrift von Herrn B.____ auf dem Vertrag vom 3. Januar 2012 gefälscht haben, um die von ihm erhal- tenen Darlehen nicht zurückzahlen zu müssen. Mit Urteil des S trafgerichts H.____ vom 11. März 2021 wurde die Beschwerdeführerin wegen versuchten Betruges verurteilt. Gegen dieses Urteil hat die Beschwerdeführerin am 22. März 2021 Berufung erhoben. 6.3.1 In den vorliegenden Verfahrensakten befinden sich nur bruchstückhafte Auszüge aus den Akten des er wähnten Zivilverfahrens im Kanton C.____ betreffend die Rückzah lung der Darlehensforderungen. Die Erben B.____ führen aus, dass der Vertrag vom 3. Januar 2012 nicht gültig sei, da Herr B.____ diesen Vertrag gar nicht unterzeichnet habe ( vgl. S. 7 des Ver- handlungsprotokolls des Zivilgerichts H.____ vom 27. Januar 2022, aus welchem ebenfalls her- vorgeht, dass die Erben B.____ von der Beschwerdeführerin Darlehen in der Höhe von insge- samt Fr. 800'000. -- zurückfordern). Aus demselben Protokoll wird ersichtlich (v gl. S. 10), dass die Beschwerdeführerin verneint, je Fr. 630'000.-- erhalten zu haben, und dass der Vertrag vom 3. Januar 2012 nicht wahrheitsgetreu sei. Im Verfahren vor Kantonsgericht reicht die Be- schwerdeführerin neu das Urteil des Zivilgerichts H.____ vom 16. September 2022 in dieser Angelegenheit ein, mit welchem sie verurteilt wurde, den Erben B.____ einen Darlehensbetrag von Fr. 630'000. -- zurückzubezahlen. In den diesbezüglichen gerichtlichen Erwägungen wurde festgehalten, dass es sich bei der Unterschrift von Herrn B.____ auf dem Vertrag vom 3. Januar 2012 gemäss graphologischem Gutachten vom 7. März 2017 um eine Fälschung handle ( Urteil des Zivilgerichts H.____ vom 16. September 2022 ). Das Kantonsgericht hat im Übrigen keine Kenntnis darüber, ob dieses Urteil mittlerweile rechtskräftig ist. 6.3.2 In diesem Zusammenhang ist auch auf das erbrechtliche Verfahren zwischen den Er- ben B.____ und der Beschwerdeführerin im Kanton C.____ zu verweisen, dessen Akten im vor- liegenden Verfahren ebenfalls nur bru chstückhaft vorhanden sind. Im diesbezüglichen Urteil Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Zivilgerichts H.____ wird ausdrücklich festgehalten, dass das graphologische Gutachten vom 7. März 2017, wonach die Unterschrift von Herrn B.____ auf dem Vertrag vom 3. Januar 2012 gefälscht worden sei, von keiner der Parteien in Frage gestellt werde (Urteil des Zivilge- richts H.____ vom 4. Dezember 2019). 6.4 All diesen Hinweisen in den vorhandenen Akten ging die Vorinstanz nicht nach und es wurden auch keine ergänzenden Aktenstücke oder amtlichen Erkundigungen eingeholt. Nach dem hiervor Gesagten drängten sich in Nachachtung der Untersuchungsmaxime weitere Sach- verhaltsabklärungen aber geradezu auf. Sollte nämlich in den erwähnten Zivilverfahren unter den Parteien tatsächlich Einigkeit darüber bestehen, dass der Vertrag vom 3. Januar 2012 eine Fälschung ist, wäre dies ein bedeutender Hinweis dafür, dass keine Schenkung von Herrn B.____ an die Beschwerdeführerin stattgefunden hat und somit gar kein Schenkungssteuerob- jekt vorläge. In diesem Zusammenhang ist weiter festzuhalten, dass das Urteil des Zivilgerichts H.____ vom 4. Dezember 2019 (E. 6.3.2 hiervor) lediglich einen Nichteintretensentscheid dar- stellt, mit welchem die Frage des Vorliegens eines Darlehens oder einer Schenkung materiell nicht entsch ieden wurde. Aus all diesen Gründen ist die mit dem Einspracheentscheid vom 23. Juni 2020 getroffenen Feststellung, wonach das Zivilgericht H.____ mit dem Entscheid vom 4. Dezember 2019 die Klage der Erben B.____ abgewiesen habe und deshalb das Vorliegen einer Schenkung nachgewiesen sei, offensichtlich unzutreffend. Schliesslich lehnte die Vorinstanz den Beizug der Akten des Strafverfahrens im Kanton C.____ mit Verfügung vom 9. Februar 2022 ab, da nicht ersichtlich sei, welche neuen Erkenntnisse sich darau s ergeben sollten. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden, weil im Zeitpunkt des Urteils der Vorinstanz seit der Einreichung der Berufung der Beschwerdeführerin gegen die Verurteilung wegen ver- suchten Betruges rund ein Jahr vergangen war. Im Lichte der s ich stellenden Sachverhaltsfra- gen hätte zumindest eruiert werden können, ob die erstinstanzliche strafrechtliche Verurteilung auf dem graphologischen Gutachten vom 7. März 2017 beruht, ob dieses Gutachten im erst - oder zweitinstanzlichen Strafverfahren übe rhaupt beanstandet wurde und ob das erstinstanzli- che Urteil gegebenenfalls bestätigt wurde. 6.5.1 Selbst wenn der Vorinstanz darin zuzustimmen ist, dass eine Verfahrenssistierung im- mer auch unter dem Aspekt des Beschleunigungsgebotes zu beurteilen ist, e ntbindet dies nicht von einer umfassenden Klärung des Sachverhalts. Dies gilt erst recht, wenn die Parteien von sich aus einzelne Unterlagen aus anderen (aus ihrer Sicht relevanten) Verfahren einreichen und gleichzeitig den vollständigen Aktenbeizug bei de r Verfahrensleitung beantragen. Aufgrund des hiervor Gesagten ist festzustellen, dass die Ablehnung der Verfahrenssistierung durch die Vorinstanz auf unzureichenden Sachverhaltsabklärungen beruht und deshalb nicht nachvoll- ziehbar ist. Daran ändert auch der vorinstanzliche Verweis auf die Möglichkeit der Beschwerde- führerin, später Revision verlangen zu können, nichts. Eine unzureichende Sachverhaltsabklä- rung kann nicht mit der Möglichkeit einer Urteilsrevision gerechtfertigt werden. 6.5.2 Dies gilt umso mehr, als dass es sich bei der Revision um ein ausserordentliches Rechtsmittel handelt, welches nach § 132 StG unter anderem nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden oder wenn die erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder Beweismittel, die ihr bekannt waren oder be-Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kannt sein mussten, ausser Acht gelassen hat. Erheblich sind grundsätzlich einzig Tatsachen, die zurzeit der Fällung des zu revidierenden Entscheides bereits vorhanden waren, ab er erst nachträglich zur Entdeckung gelangen, nicht aber nachträglich eingetretene. Ausser Acht fallen deshalb Tatsachen, die sich nach der fraglichen Veranlagung beziehungsweise nach Fällung des Rechtsmittelentscheides verwirklicht haben, es sei denn, sie wirken auf den zu revidieren- den Entscheid zurück beziehungsweise waren im Zeitpunkt des zu revidierenden Entscheids latent vorhanden. Eine andere oder neue rechtliche Würdigung eines Sachverhalts ist keine solche Tatsache (KGE VV vom 18. September 2019 [8 10 19 104] E. 4.5 f.). Ob also die Be- schwerdeführerin mit einem Hinweis auf das jetzt vorliegende Urteil des Zivilgerichts H.____ (E. 6.3.1 hiervor) oder mit Hinweis auf ein zukünftiges C.____ Strafurteil im Berufungsverfahren überhaupt die Prüfung einer R evision verlangen könnte, erscheint nach dem Gesagten unklar. Unabhängig davon ist zusammengefasst festzuhalten, dass sich die Frage, ob vorliegend eine Verfahrenssistierung sinnvoll ist oder nicht, erst in Kenntnis des massgebenden Sachverhalts beantworten lässt. 7.1 Die Beschwerdeführerin macht weiter die Unzuständigkeit der Beschwerdegegnerin zur Erhebung einer Schenkungssteuer geltend (E. 4.2 hiervor). Gemäss § 3 Abs. 2 ESchStG unterliegt der Erwerb beweglichen Vermögens der Schenkungssteuer, sofern d er Schenker zur Zeit der Schenkung Wohnsitz oder Aufenthalt gemäss Art. 23 -26 des Schweizerischen Zivilge- setzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 im hiesigen Kanton hatte. Der Begriff des steuer- rechtlichen Wohnsitzes setzt sich aus dem objektiven, äusseren E lement des Aufenthaltes und dem subjektiven, inneren Element der Absicht dauernden Verbleibens zusammen (§ 4 Abs. 2 StG). Der Aufenthalt bzw. das tatsächliche Verbleiben einer Person (objektives Element) äus- sert sich in der physischen Anwesenheit derselben an einem bestimmten Ort. Die Absicht, dau- ernd dort zu verbleiben (subjektives Element), ist nicht abhängig von einer ausdrücklichen Wil- lenserklärung des Betroffenen. Obwohl es sich um ein subjektives Merkmal handelt, ist die Ab- sicht dauernden Verbleibens anhand von objektiven, äusseren Umständen zu ermitteln. Ge- meinhin kann darüber kein klarer Beweis geführt werden, sondern es ist aufgrund von Indizien eine Gewichtung vorzunehmen (Urteil des Bu ndesgerichts 2C_793/2013 vom 7. Mai 2014 E. 4.2). Die Absicht e ines dauernden Verbleibens ist gegeben, wenn sich aus den gesamten äusseren Umständen erschliesst, dass die Person auf unbestimmte Zeit und nicht nur vorüber- gehend an einem bestimmten Ort verweilen will ( BGE 132 I 29 E. 4.1). Dabei wird nicht die Ab- sicht vorausgesetzt, an diesem Ort auf Lebzeiten zu verweilen; es genügt, dass die Person dort auf unbestimmte Zeit verweilen will, bis spätere Umstände Änderungen veranlassen (KGE VV vom 27. April 2016 [810 15 245] E. 5.2). Die Absicht ist ferner an demjenigen O rt gegeben, an dem eine Person den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen hat, was sich vor allem durch die Wohnsituation, die Aufenthaltsdauer und die an diesem Ort gelebten familiären und gesell- schaftlichen Beziehungen äussern kann. Zu berücksichtigen sind e twa Zivilstand und Familien- verhältnisse, die Art der Erwerbstätigkeit, regelmässige oder nicht regelmässige Rückkehr an einen vom Arbeitsort verschiedenen Ort, Dauer und Zweck der Aufenthalte an den jeweiligen Orten sowie die dortigen Wohnverhältnisse. Im Übrigen kommt es auf die gefühlsmässige Be- vorzugung eines Ortes nicht an; der Steuerwohnsitz ist insofern nicht frei wählbar (vgl. BGE 138 II 300 E. 3.2 m.w.H.). Es ist deshalb weder auf die bloss erklärten Wünsche des Steuerpflichti- gen noch auf irgendwelche formellen Momente wie Hinterlegung der Schriften oder Ausübung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der politischen Rechte abzustellen. Auch die polizeiliche An - und Abmeldung ist für die Frage des steuerrechtlichen Wohnsitzes bzw. des tatsächlichen Aufenthaltes nicht entscheidend (KGE VV vom 14. November 2018 [810 18 60] E. 4.3 f.; KGE VV vom 27. April 2016 [810 15 245] E. 5.2). 7.2 Den Verfahrensakten lässt sich entnehmen, dass B.____ im Kanton Basel-Landschaft in D.____ angemeldet war. Dementsprechend wurde auch das öffentliche Erbscha ftsinventar vom 9. Dezember 2013 vom Erbschaftsamt I.____ erstellt. In seinem Testament vom 22. Mai 2013 gab B.____ an, in D.____ wohnhaft zu sein. Aus dem Erbschaftsinventar wird ersichtlich, dass B.____ Eigentümer einer Liegenschaft in D.____ war, welche er nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seiner Mutter in Erbengemeinschaft gehalten hatte. Zudem verfügte er über Bankkonten bei der J.____, der K.____, der L.____ und der M.____. Schliesslich gab es offene Forderungen der Steuerverwaltung Basel -Landschaft aus den Jahren 2012 und 2013. Dagegen befinden sich alle übrigen Liegenschaften von B.____ im Kanton C.____. Seine Ehe- frau und seine Kinder haben ebenfalls allesamt ihren Wohnsitz im Kanton C.____. Im Verhand- lungsprotokoll des Zivilgerichts H.____ vom 12. November 2015 wird die Ehefrau von B.____ dahingehend zitiert, dass ihr Ehemann den Vertrag vom 3. Januar 2012 nicht habe unterzeich- nen können, weil er zu dem Zeitpunkt immer noch in N.____ gewohnt habe und kein Interesse daran gehabt habe, nach O.____ wohnen zu gehen. Die Ehefrau gab weiter an, dass ihr Ehe- mann seit 1994 im Kanton C.____ gewohnt habe und nur seine Papiere in D.____ gehabt habe. Sie und B.____ hätten bereits vor ihrer Heirat gemeinsam in N.____ im Kanton C.____ gewohnt (S. 4 des Protokolls des Zivilgerichts H.____ vom 12. November 2015). Aus einer Mail der Ehe- frau von B.____ vom 5. Dezember 2018 an die Steuerverwaltung ergibt sich, dass man das Haus der verstorbenen Schwiegermutter in D.____ verkaufen musste. Auch dies spricht dafür , dass die Mutter von B.____ allein in D.____ gewohnt hatte und dieser seinen Wohnsitz nicht in D.____ hatte. 7.3 Aufgrund der vorhandenen Akten steht auf jeden Fall nicht fest, dass B.____ seinen (letzten) Wohnsitz in D.____ hatte. Allein die polizeilic he Anmeldung in D.____ oder eine ent- sprechende Erklärung in einer letztwilligen Verfügung genügen für sich allein nicht in jedem Fall zur Begründung eines Wohnsitzes (E. 7.1 hiervor). Vorliegend sprechen vielmehr die Aussagen der Ehefrau dafür, dass B.____ seinen Wohnsitz seit 1994 und bis zu seinem Tod ununterbro- chen im Kanton C.____ hatte. Nach dem Gesagten ist zusammengefasst festzuhalten, dass auch bezüglich der Frage des letzten Wohnsitzes von B.____ weitere Sachverhaltsabklärungen notwendig sind. 8.1 Die Beschwerdeführerin ist weiter der Ansicht, dass für die von ihr veranlagte Schen- kungssteuer die Veranlagungsverjährung eingetreten sei (E. 4.2 hiervor). Gemäss § 18 Abs. 2 ESchStG sind Grundlage der Veranlagung die amtlichen Erbschaftsinventare und d ie Meldun- gen der Grundbuchämter oder anderer Behörden. Wo Steuerfälle nicht amtlich zur Kenntnis der Steuerverwaltung gelangen, sind sie dieser vom Empfänger der Zuwendung, bei Schenkung auch vom Schenker, innerhalb von 30 Tagen seit dem Vermögensanfall zu melden. Gemäss § 24 ESchStG i.V.m. § 147 Abs. 1 StG verjährt das Recht, eine Steuer zu veranlagen fünf Jah-Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht re, bei Stillstand oder Unterbrechung der Verjährung spätestens fünfzehn Jahre nach Ablauf der Steuerperiode. Vorbehalten bleiben § 146 StG und § 166 StG. 8.2 Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veran- lagung unvollständig ist, oder ist eine unterbliebene oder unvollständige Veranlagu ng auf ein Verbrechen oder Vergehen gegen die Steuerbehörde zurückzuführen, wird die nicht erhobene Steuer samt Zins seit Fälligkeit gemäss § 135 Absätze 1-3 als Nachsteuer eingefordert. Wegen ungenügender Bewertung allein kann keine Nachsteuer erhoben wer den (§ 146 Abs. 1 StG) . Das Recht, ein Nachsteuerverfahren einzuleiten, erlischt nach § 146 Abs. 2 StG 10 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, für die eine Veranlagung zu Unrecht unterblieb oder eine rechtskräf- tige Veranlagung unvollständig ist. Das Recht, die Nachsteuer festzusetzen, erlischt nach § 146 Abs. 2 StG 15 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, auf die sie sich bezieht. 8.3 Die Feststellung der Vorinstanz, wonach sich nicht eruieren lasse, wann die Steuer- verwaltung Kenntnis von der Schenkung erha lten habe, es jedoch ausgeschlossen sei, dass dies vor dem 13. Februar 2014 passierte (E. 5.2 hiervor), ist so nicht zutreffend. Ist der Zeit- punkt eines Ereignisses nicht genau bestimmbar, ist lediglich die Behauptung, dass dieser Zeit- punkt sicher nicht vor einem bestimmten Datum liegt, nämlich nicht zulässig. Vielmehr ist für die Bestimmung der Veranlagungsverjährung nach dem Gesetzwortlaut allein die relevante Steuer- periode massgebend. Dabei beginnt die Verjährungsfrist nach Ablauf der Steuerperiode, in wel- cher sich der steuerauslösende Tatbestand ereignet hat (§ 147 Abs. 1 StG; E. 8.1 hiervor). In casu ereignete sich der steuerauslösende Tatbestand (die von der Beschwerdegegnerin be- hauptete Schenkung) im Jahr 2012 (Vertrag vom 3. Januar 2012), womit die V eranlagungsver- jährung am 1. Januar 2013 zu laufen begann und – da keine Stillstand- oder Unterbrechungs- gründe ersichtlich sind – am 31. Dezember 2017 eingetreten war. 8.4 Allerdings hatte die Steuerverwaltung bis am 31. Dezember 2017 keine Kenntnis von dem von ihr behaupteten steuerauslösenden Tatbestand, da im Erbschaftsinventar vom 9. De- zember 2013 nur Darlehen an die Beschwerdeführerin in der Höhe von Fr. 719'000.-- und keine Schenkungen ersichtlich sind. Im Laufe der Jahre erhielt die Steuerverwaltung sowohl von den Erben B.____ als auch von der Beschwerdeführerin Eingaben betreffend die Sistierung der Ein- spracheverfahren gegen die Erbschaftssteuerverfügungen in Sachen Erben B.____ und der Beschwerdeführerin als Vermächtnisnehmerin. Einer Eingabe der R echtsvertretung der Be- schwerdeführerin an das Zivilgericht H.____ vom 24. Januar 2019 im Rahmen des erbrechtli- chen Verfahrens zwischen den Erben von Herrn B.____ und der Beschwerdeführerin lässt sich erstmals entnehmen, dass die Beschwerdeführerin eine Sch enkung geltend macht. Als Beilage dieser Eingabe wurde nämlich eine Kopie eines Verhandlungsprotokolls des Zivilgerichts H.____ vom 12. November 2015 eingereicht, aus welcher sich ergibt, dass die Beschwerdefüh- rerin die Fr. 630'000. -- gemäss Vertrag vom 3. Januar 2012 als eine Schenkung von Herrn B.____ betrachte. Diese Seite des Protokolls findet sich in den Unterlagen der Steuerverwal- tung mit dem handschriftlichen Vermerk ʺneue Schenkungʺ und den ebenfalls handschriftlich angebrachten Daten (Adresse und P ersonen-ID) der Beschwerdeführerin. Es ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin mit Erhalt der Eingabe der Rechtsvertretung der Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin vom 24. Januar 2019 Kenntnis von der von ihr behaupteten Schenkung erhalten hat. Da die Beschw erdegegnerin damit zwar nach Ablauf der fünfjährigen Frist nach § 147 Abs. 1 StG, aber innerhalb der zehnjährigen Frist nach § 146 Abs. 2 StG von der angebli- chen Schenkung erfahren und daraufhin am 13. Februar 2019 zu Lasten der Beschwerdeführe- rin eine Schenkungssteuer veranlagt hatte, ist keine Verjährung eingetreten. Die vorinstanzliche Feststellung, dass keine Verjährung eingetreten sei, erweist sich demnach im Ergebnis als rich- tig. 9.1 Schliesslich stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt , dass vorliegend zufolge einer Vertragsfälschung gar keine Schenkung, sondern ein Darlehen vorliege (E. 4.3 hiervor). Die Vorinstanz ist dagegen der Ansicht, dass der Vertrag vom 3. Januar 2012 noch immer als gültig und deshalb für sie als verbindlich zu betrachten sei, weshalb aus ihrer Sicht eine Schenkung vorliege. Zur Begründung hält sie im Wesentlichen fest, dass d as im Kanton C.____ eingeleitete Strafverfahren nicht rechtskräftig abgeschlossen sei, die Beschwerdeführe- rin die einzige Person sei, welche von der streitigen Vereinbarung profitiere und sie sich im zivil- rechtlichen Verfahren im Kanton C.____ zudem explizit auf die Gültigkeit dieser Vereinbarung berufen habe, um daraus Rechte für sich ableiten zu können. 9.2 Dieser Ansicht des Steuergerichts kann nicht gefolgt werden. Vielmehr hängt die An- nahme einer Schenkung von der Gültigkeit des Vertrages vom 3. Januar 2012 ab. Eine gültige Vereinbarung zwischen B.____ und der Beschwerdeführerin kann allerdings nur bei Vorlie gen von echten Unterschriften aller beteiligter Vertragsparteien angenommen werden. Stellt sich dagegen die Unterschrift des Schenkers als unecht heraus, kann bereits zufolge mangelndem ʺanimus donandiʺ (Schenkungswillen) keine Schenkung mehr vorliegen. En tgegen den Ausfüh- rungen der Vorinstanz (vgl. dazu auch E. 5.4 hiervor) konnte sie sich mit ihrem Kenntnisstand nicht in guten Treuen auf den Vertrag vom 3. Januar 2012 stützen und, ohne weitere Sachver- haltsabklärungen vorzunehmen, von einer gültigen Schenk ung ausgehen. Das graphologische Gutachten vom 7. März 2017 hat ergeben, dass die Unterschrift von B.____ eine Fälschung ist, was gemäss Urteil des Zivilgerichts H.____ vom 4. Dezember 2019 von keiner Partei in Frage gestellt wurde (E. 6.3.2 hiervor). Ents prechend wurde die Beschwerdeführerin mit Urteil des Strafgerichts H.____ vom 11. März 2021 wegen versuchten Betruges verurteilt (E. 6.2 hiervor). Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin mit Urteil des Zivilgerichts H.____ vom 16. Septem- ber 2022 dazu ver urteilt, den Erben von B.____ einen Darlehensbetrag von Fr. 630'000. -- zu- rückzubezahlen (E. 6.3.1 hiervor). 10. Nach dem hiervor Gesagten sprechen gewichtige Gründe dafür, dass die Unterschrift von B.____ auf der Vereinbarung vom 3. Januar 2012 gefälscht wurde und somit zufolge man- gelndem Schenkungswillen gar keine Schenkung vorliegt. Auf jeden Fall kann bei dieser Aus- gangslage ohne weitere Sachverhaltsabklärungen nicht einfach auf den Vertrag vom 3. Januar 2012 abgestellt und gestützt darauf eine Schenku ng bejaht und diese auch besteuert werden. Es ist deshalb zusammengefasst festzuhalten, dass das vorinstanzliche Urteil vom 11. Februar 2022 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben ist. Im Übrigen ist die Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werde n in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend werden die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 2'0 00.-- der unterliegenden Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. 11.2 Nach § 21 Abs. 3 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei- zug einer Vertreterin oder eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Verfahrens entspre chend hat die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft der Beschwerdeführerin eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 4'208.-- (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST ) zu bezahlen. Zur Neuver- legung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Angelegenheit an das Steuer gericht zurückzuweisen. Durch diesen Ausgang des Verfahrens wird der Antrag der Beschwerdeführe- rin auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos, sodass darauf nicht mehr weiter einzugehen ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird das Urteil des Steuer - und Enteignungsgerichts, Abteilung Steuergericht, vom 11. Februar 2022 aufgehoben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Steuerverwaltung des Kantons Basel - Landschaft zurückgewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzli- chen Verfahrens an das Steuer - und Enteignungsgericht, Abteilung Steuergericht, zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'000. -- werden der Steuer- verwaltung des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'208.-- (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiber