B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4428/2013/sps U r t e i l v o m 2 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______, geboren (…), und deren Kinder B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), und E._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch Laura Rossi, Fürsprecherin, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Einreisebewilligung und Asyl beziehungsweise Familienzusammenführung; Verfügung des BFM vom 4. Juli 2013 / N (…) D-4428/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden sind eritreische Staatsangehörige und stam- men aus F._______ (Region Gash -Barka). Gemäss Angaben im vorli e- genden Verfahren leben sie zurzeit in G._______, einem Dorf im Sudan an der Grenze zu Eritrea , wo sie sich bei einem Bruder der Beschwerde- führerin (Mutter) aufhalten. B. Mit Schreiben des Ehemannes beziehungsweise Vaters H._______ – der mit Verfügung des Bundesamts für Migration (BFM) vom 4. Februar 2010 als Flüchtling anerkannt und vorläufig in der Schweiz aufgenom men wor- den war – an das BFM vom 8. April 2010 wurde zugunsten der Be- schwerdeführenden ein Gesuch um Familienzusammenführung gestellt. C. Mit Schreiben vom 7. Juni 2010 teilte das BFM H._______ im Wesentli- chen mit, eine Befragung seiner Ehefrau (der Beschwerdeführerin) im Sinne von Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) durch die zuständige schweizerische Botschaft in Khartum (Sudan) sei nicht möglich, und forderte ihn auf, das Gesuch mit detaillierten Angaben zu ergänzen sowie entsprechende Beweismittel und Identitätspapiere einzureichen. D. Mit Eingabe der Rechtsvertreterin vom 19. Juli 2010 wurde im Wesentli- chen geltend gemacht, ein Verzicht auf eine Anhörung der Beschwerde- führerin durch die schweizerische Botschaft in Khartum sei nicht rechtens und verletze den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör. Im Übrigen wurden verschiedene ergänzende Angaben zur Identi- tät und zu den Gründen des G esuchs um Familienzusammenführung gemacht. E. Mit Verfügung vom 13. August 2010 verweigerte das BFM die Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche – als welche das Gesuch um Familienzusammenführung primär zu beha n- deln sei – ab. F. Diese Verfügung fochten die Beschwerdefü hrenden m it Eingabe ihrer D-4428/2013 Seite 3 Rechtsvertreterin vom 14. September 2010 beim Bundesverwaltungsge- richt an. Dabei beantragte n sie, die ge nannte Verfügung sei aufzuheben und das BFM sei anzuweisen, der schweizerischen Botschaft in Khartum den Auftrag zu erteilen, die Beschwerdeführerin anzuhören. Eventualiter sei den Beschwerdeführenden die E inreise in die Schweiz zwecks Fest- stellung der Flüchtlingseigenschaft zu bewilligen. G. Mit Zwischenverfügung des damals zuständigen Instruktionsrichters des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. Juli 2012 wurde das BFM unter Hi n- weis auf BVGE 2011/39 auf die geltende Praxis aufmerksam gemacht, wonach das Stellen eines Asylgesuchs ein höchstpersönliches Recht sei, das bei Urteilsfähigen grundsätzlich selbständiges Handeln verlange. Weiter wurde das Bundesamt unter anderem aufgefordert, sich dazu zu äussern, ob es angesichts dieser Praxis die Voraussetzungen für ein Ein- treten auf das Gesuch um Familienzusammenführung vom 8. April 2010 als gegeben erachte. H. Mit Verfügung vom 17. Juli 2012 stellte das BFM fest, es liege kein in z u- lässiger Weise gestelltes Asylgesuch vor, auf welches das Bundesamt hätte eintreten dürfen, hob die Verfügung vom 13 . August 2010 wieder auf und teilte den Beschwerdeführenden mit, das erstinstanzliche Asy l- verfahren werde wieder aufgenommen. I. Mit Beschluss vom 23. Juli 2012 wurde das mit Eingabe vom 14. Se p- tember 2010 anhängig gemachte Beschwerdeverfahren durch das Bu n- desverwaltungsgericht als gegenstandslos geworden abgeschrieben. J. Mit an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden adressierter Zw i- schenverfügung vom 23. August 2012 forderte das BFM die Beschwerde- führerin auf, mittels einer persönlichen Erklärung ihren Willen zur Einre i- chung eines Gesuchs um Asyl in der Schweiz zu bekunden. Weiter wurde die Beschwerdeführerin dazu aufgefordert, die mit Schreiben vom 7. Juni 2010 gestellten Fragen zu beantworten und dabei auf die aktuelle Aufent- haltssituation im Sudan einzugehen. K. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin an das BFM vom 11. Oktober 2012 D-4428/2013 Seite 4 liess die Bes chwerdeführerin eine Vollmacht und eine persönliche Erklä- rung übermitteln. L. Mit Schreiben vom 21. März 2013 ersuchte das BFM gestützt auf Art. 74 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (V ZAE, SR 142.201) die zuständige Ausländerb e- hörde des Aufenthaltskantons von H._______ (Kanton Bern) um eine Stellungnahme zur Frage, ob die Voraussetzungen für den Einbezug der Beschwerdeführenden in dessen vorläufige Aufnahme im Sinne von Art. 85 Abs. 7 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) erfüllt seien. M. Mit Schreiben an das BFM vom 6. Juni 2013 teilte die zuständige Auslän- derbehörde des Kantons Bern mit, die Voraussetzungen für einen Einbe- zug der Beschwerdeführenden in die vorläufige Aufnahme von H._______ seien nicht erfüllt. N. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2013 teilte das BFM den Beschwer- deführenden mit, es werde die Ablehnung der Asylgesuche beziehung s- weise des Gesuchs um Familienzusammenführung erwogen, und g e- währte ihnen hierzu das rechtliche Gehör. O. Mit Eingabe an das BFM vom 24. Juni 2013 gaben die Beschwerdefü h- renden eine Stellungnahme ab. P. Mit Verfügung vom 4. Juli 2013 verweigerte das BFM die Einreise der Be- schwerdeführenden in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche sowie das Gesuch um Familienzusammenführung ab. Auf die Begründung der Verfügung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Q. Diese Verfügung fochten die Beschw erdeführenden mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 6. August 2013 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragten sie, die ge nannte Verfügung sei aufzuheben und es sei ihnen die Einreise in die Schweiz zur Durchführung des Asylverfah- rens zu bewilligen. Eventualiter sei ihnen die Einreise in die Schweiz u n-D-4428/2013 Seite 5 ter dem Titel der Familienzusammenführung zu bewilligen . In prozessua- ler Hinsicht ersuchte n sie darum, es seien ihnen die unentgeltliche Pro- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsver fahrensge- setzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie die unen t- geltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG zu gewähren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den En t- scheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. R. Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 13. August 2013 wurden die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und um unen t- geltliche rechtliche Verbeiständung gutgeheissen, und die bisherige Rechtsvertreterin wurde den Beschwerdeführenden als amtlicher Rechts- beistand beigeordnet. S. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 2. September 2013 übermittelten die Beschwerdeführenden eine Kostennote. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden gegen Verf ü- gungen, die gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) durch das BFM erlassen worden sin d, entscheidet das Bu n- desverwaltungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betref- fend Personen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vo r- liegt, vor welchem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst . d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet - zung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt wer - den (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-4428/2013 Seite 6 2. 2.1 Bei der Stellung eine s Asylgesuch s handelt es sich um ein relativ höchstpersönliches Recht, das grundsätzlich einen persönlichen Antrag der gesuchstellenden Person voraussetzt (zum Folgenden BVGE 2011/39 E. 4.3). Ein ausschliesslich vertretungsweise, d.h. ohne solchen persönl i- chen Antrag, eingereichtes Asylgesuch kommt einem Mangel gleich, der nur behoben werden kann, indem der Inhalt des Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen Anhörung oder durch Einreichung einer persönlich ve r- fassten oder – im Falle des berechtigten Verzichts auf eine Befragung – zumindest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM bestätigt wird. 2.2 Mit Eingabe an das BFM vom 11. Oktober 2012 liess die Beschwerde- führerin – nachdem sie mit Zwischenverfügung des Bundesamts vom 23. August 2012 zur Bekundung ihres Willens zur Einreichung eines G e- suchs um Asyl in der Schweiz aufgefordert worden war – durch ihre Rechtsvertreterin eine Vollmacht zugunsten Letzterer sowie eine persön- liche Erklärung übermitteln. Aus dieser Erklärung geht im Wesentlichen hervor, dass die Beschwerdeführerin darum ersucht, die Schweiz möge ihr und ihren Kindern die Einreise bewilligen und es ihnen ermöglichen, mit ihrem Ehemann beziehungsweise Vater zusammenzuleben. Es ist daher von einem persönlichen Antrag der Beschwerdeführenden gegen- über dem BFM auszugehen. Daraus folgt ausserdem, dass sie am vor- instanzlichen Verfahren teilgenommen haben. 2.3 Die Beschwerde ist des Weiteren auch formgerecht erhoben worden, und die Beschwerdeführenden sind legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten. 3. Soweit mit den dringl ichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359; in Kraft getreten am 29. September 2012; angenommen durch die Volksabstimmung vom 9. Juni 2013 [BBl 2013 6613]) die Möglichkeit der Asylgesuchstellung im Ausland abg e- schafft wurde, kommt dies im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung, da gemäss Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung g e- stellt worden sind – was vorliegend zutrifft –, die einschlägigen Normen in der bisherigen Fassung gelten. D-4428/2013 Seite 7 4. 4.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei e i- ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Be - richt an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). 4.2 Die schweizerische Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufge- fordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schweizerische Vertretung überweist dem Bundesamt das Befra - gungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweck - dienliche Unterlagen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asylgesuchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 4.3 Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachver - haltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz - oder Auf- enthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 4.4 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderli- chen Gef ährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Bezie - hungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch ei - nen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die prakti - sche Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsu- che sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmög- lichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. Entscheidungen der Schweizeri - schen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15, insbesondere S. 131 ff., welcher angesichts bloss redaktio neller Änderungen bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes und unter Berücksichtigung der Übergangsbestimmung zur Änderung des AsylG vom 28. September 2012 nach wie vor Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Pe r- sonen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht D-4428/2013 Seite 8 wird und ob der Verbleib am Auf enthaltsort für die Dauer der Sachve r- haltsabklärung zugemutet werden kann. 5. 5.1 Aus den diversen schriftlichen Eingaben, die durch die Beschwerd e- führenden beziehungsweise ihre Rechtsvertreterin und H._______ an das BFM übermittelt wurden, ergibt sich, dass im Wesentlichen folgende Asylgründe geltend gemacht wurden: Nach der Flucht ihres Ehemannes aus Eritrea im Jahr 2008 habe die Beschwerdeführerin im Jahr 2009 i h- ren Arbeitsplatz in der eritreischen Verwaltung verloren. Man habe sie aufgefordert, dafür zu sorgen, dass ihr Ehemann wieder nach E ritrea zu- rückkehre, und habe von ihr die Zahlung von 50 000 Nakfa verlangt. Aus- serdem habe man ihr alles Eigentum , so auch ihr Grundstück, wegge- nommen. Im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten der Beschwerd e- führerin mit den eritreischen Behörden wurde im Übrigen ausgeführt, sie könne mit ihrem Ehemann nur schriftlich kommunizieren, nämlich durch eine Kontaktperson, einen Händler, der zwischen Eritrea und dem Sudan pendle. Deshalb sei es nicht möglich, zu ihrer Situation genauere Anga- ben zu machen ; vielmehr s ei diesbezüglich eine persönliche Anhörung der Beschwerdeführerin erforderlich. 5.2 Das BFM begr ündete die Ablehnung der Asylgesuche und die damit verbundene Verweigerung der Ein reise in die Schwe iz im Wesentlichen folgendermassen: Den Akten seien keine glaubh aften Anhaltspunkte d a- für zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden in Eritrea ernstzune h- mende Schwierigkeiten mit den dortigen Behörden gehabt hätten oder i h- nen solche drohen würden. Im Zusammenhang mit dem Gesuch um F a- milienzusammenführung sei vorgebracht worden, die Beschwerdeführerin habe wegen ihres Ehemannes eine Summe von 50 000 Nakfa bezahlen müssen. Jedoch habe die Beschwerdeführerin in ihrer (mit Eingabe vom 11. Oktober 2012 eingereichten) persönlichen Erklärung lediglich ausge- führt, sie sei zur Zahlung von 50 000 Nakfa aufgefordert worden. Die Be- schwerdeführenden seien ausserdem, nachdem sie im Jahr 2009 ers t- mals in den Sudan eingereist seien, nach eigenen Angaben später wieder vorübergehend nach Eritrea zurückgekehrt. Es sei nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführenden nach dieser Rückkehr irgendwelche nennen s- werte Probleme mit den eritreischen Behörden gehabt hätten. Sollten sie in der Folge wieder in den Sudan ausgereist sein, so hätten sie die Mö g- lichkeit, sich in eines der Flüchtlingslage r des UNHCR zu begeben. Es gebe somit keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden in Eritrea asylrelevante Nachteile erlitten hätten oder von solchen bedroht D-4428/2013 Seite 9 seien oder dass ihnen ein Verbleib im Sudan nicht zugemutet werden könne. Damit erübri ge sich eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebewilligung. 5.3 Zunächst ist festzustellen, dass in der angefochtenen Verfügung nur sehr selektiv wiedergegeben wird, von welchen Problemen der B e- schwerdeführerin in den diversen schriftlichen Eingaben an das BFM be- richtet wurde. So hat es das Bundesamt unterlassen, die geltend g e- machte Entlassung der Beschwerdeführerin aus dem eritreischen Staat s- dienst und die Konfiskation ihres Eigentums zu erwähnen. Des Weiteren wird in der a ngefochtenen Verfügung im Zusammenhang mit der Glau b- haftigkeit dieser Vorbringen auch mit keinem Wort erwähnt, dass durch die Beschwerdeführenden in einem früheren Verfahrensstadium, nämlich im Rahmen des mit Abschreibungsbeschluss vom 23. Juli 2012 beende- ten Beschwerdeverfahrens, mit der Beschwerdeeingabe vom 14. Sep- tember 2010 Kopien verschiedener Schreiben eritreischer Behörden mit- samt deutschen Übersetzungen als Beweismittel eingereicht wurden. Aus diesen Beweismitteln geht – ohne dass an dieser Stelle eine Aussage zur Echtheit derselben abgegeben wird – im Wesentlichen Folgendes hervor: Gemäss einem vom 20. September 2008 datierenden Dokument wurde der Beschwerdeführerin die weitere Auszahlung eines monatlichen Ki n- dergelds verweigert, da sich ihr Ehema nn ins Ausland abgesetzt habe. Gemäss einem vom 10. August 2009 datierenden Schreiben wurde der Beschwerdeführerin mitgeteilt, sie sei mehrmals dazu aufgefordert wo r- den, für die Rückkehr ihres Ehemannes zu sorgen. Sie habe dies aber nicht getan, und deshalb habe sie 50 000 Nakfa zu bezahlen. Man werde sie zur Rechenschaft ziehen, falls sie nicht am 8. September 2009 mit der geforderten Summe erscheine. Des Weiteren wurde gemäss ei nem vom 15. Oktober 2008 datierenden Aktenstück ein gewisser I._______, bei welchem es sich gemäss Aussagen von H._______ um dessen Vater handelt (vgl. Angaben zu den Personalien im betreffenden Asylverfahren), wegen des Grenzübertritts seines Sohnes durch eine eritreische Behö r- denstelle vorgeladen. Es ist festzuhalten, dass das BFM diese Beweismit- tel kannte, nachdem diese dem Bundesamt im Rahmen der Vernehmla s- sung im erwähnten Beschwerdeverfahren zugänglich waren und als Ko- pien auch ins vorinstanzliche Aktendossier aufgenommen wurden. Zudem wird in der vorliegend angefochtenen Verfü gung ausdrücklich auf Ang a- ben in der damaligen Beschwerdeeingabe verwiesen, so dass auch ins o- fern nicht nachvollziehbar ist, weshalb das BFM die betreffenden B e- weismittel nicht berücksichtigt hat. D-4428/2013 Seite 10 5.4 Angesichts der erwähnten Aussagen und Beweismittel ist nicht erklär- lich, wie das BFM – zumal ohne jegliche Würdigung der Beweismittel – zur Einschätzung gelangen konnte, die vorhandenen Akten enthielten keine glaubhaften Anhaltspunkte für ernstzunehmende Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin mit den Behörden ihres Heimatstaats Eritrea. Vielmehr ist festzustellen, dass konkrete Hinweise darauf bestehen, dass die eritreischen Behörden der Beschwerdeführerin und deren Kindern systematisch die wirtschaftlichen Existenzgrundlagen entzogen, dies mit der Begründung, ihr Ehemann sei ins Ausland geflüchtet. Es ist nicht von vornherein auszuschliessen, dass ein solches Vorgehen bei genauerer Beurteilung mit asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen gleich zusetzen sein könnte. 5.5 Allerdings erscheint es aufgrund des Umstands, dass bislang lediglich schriftliche Angaben zu den vorgebrachten Asylgründen vorhanden sind, nicht möglich, zu einer abschliessenden Beurteilung der Frage zu gelan- gen, ob den Problemen der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder in Erit- rea asylrechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zukommt. Seitens der Beschwerdeführenden wurde durch ihre Rechtsvertreterin bereits im vorinstanzlichen Verfahren mehrfach darauf hingewiesen, dass die Ko m- munikation auf schriftlichem Weg erschwert sei und somit eine persönl i- che Anhörung der Beschwerdeführerin angezeigt erscheine. Diese Ei n- schätzung ist als zutreffend zu erachten. 5.6 Angesichts dessen ist die angefochtene Verfügung aufzuheben. Es wird am BFM liegen, die erforderlichen Schritte zu unternehmen, damit die asylrechtli ch relevanten Fragen im vorliegenden Fall abschliessend beurteilt werden können. Dabei ist davon auszugehen, dass die weitere Abklärung des entsprechenden Sachverhalts gestützt auf eine vertiefte Befragung der Beschwerdeführerin wird erfolgen müssen. 6. 6.1 Die Beschwerdeführenden halten sich gemäss den im vorliegenden Verfahren gemachten Angaben in einem Dritt staat – dem Su dan – auf, und es stellt sich somit die zusätzliche Frage, ob ihnen während der e r- forderlichen Abklärung des Sachverhalts im Hinblick auf die Prüfung ihrer Asylgesuche unter dem Aspekt von Art. 3 AsylG der weitere Aufenthalt in jenem Staat zuzumuten ist oder ob ihnen zu diesem Zweck (bereits) zum jetzigen Zeitpunkt die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist. D-4428/2013 Seite 11 6.2 In diesem Zusammenhang ist zunäc hst bezüglich der zu prüfenden Beziehungsnähe der Beschwerdeführenden zur Schweiz festzustellen , dass deren Ehemann beziehungsweise Vater H._______ hier als vorläu- fig aufgenommener Flüchtling lebt. Die erforderliche Beziehungsnähe e r- weist sich somit als gegeben. 6.3 Mit Blick auf die Zumutbarkeit des weiteren Aufenthalts im Sudan ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführenden zwar bei einem Bruder der Beschwerdeführerin (Mutter) aufhalten, der im sudanesischen Grenz- gebiet zu Eritrea lebt . Jedoch sei en ihre dortigen Lebensumstände g e- mäss verschiedenen schriftlich vorliegenden Ausführungen prekär, we s- wegen sie sich in der Vergangenheit bereits einmal vorübergehend z u- rück nach Eritrea begeben hätten. Weil sie in Eritrea aber nicht sicher gewesen seien, hätten sie sich dennoch wieder zum genannten Bruder in den Sudan begeben. Bei der Beurteilung dieser Lebensumstände ist in s- besondere zu berücksichtigen, dass unter den Beschwerdeführenden vier minderjährige Kinder sind, wobei das jüngste knapp 13 Jahre alt ist. Die Kinder befinden sich mit ihrer Mutter bereits seit geraumer Zeit – nämlich gemäss vorliegenden Angaben seit dem Jahr 2009 – mit wechselnden Aufenthaltsorten in Eritrea und im Sudan auf der Flucht. Dies kommt nicht zuletzt auch angesichts der enge n familiären Beziehung zu H._______, der – mittlerweile als vorläufig aufgenommener Flüchtling – seit dem Jahr 2008 in der Schweiz lebt, und unter Berücksichtigung ihrer mutmasslich schwierigen Aufenthaltsbedingungen einer erheblichen persönlichen Hä r- te gl eich. Bei Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände im vorli e- genden Einzelfall resultiert somit der Schluss, dass den Beschwerdefüh- renden der weitere Aufenthalt im Sudan nicht zugemutet werden kann. 7. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen un d die Verfügung des BFM vom 4. Juli 2013 aufzuheben. Das BFM ist zudem anzuweisen, den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Des Weiteren ist das Bundesamt anzuweisen, nach erfolgter Einreise der Be- schwerdeführenden deren Asylgesuche im Sinne der Erwägungen unter dem Aspekt von Art. 3 AsylG zu prüfen (vgl. Art. 37 AsylV 1). 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). D-4428/2013 Seite 12 8.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsiegen- den Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zu- gesprochen werden (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parte i- entschädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) und die angesichts des Aufwa n- des als angemessen erscheinende Kostennote der Rechtsvertreterin vom 2. September 2013 ist die Parteientschädigung auf Fr. 2'026.40 (inkl. Aus- lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Dieser Betrag ist den B e- schwerdeführenden durch das BFM zu entrichten. Der Anspruch auf H o- norar der als amtliche Anwältin eingesetzten Rechtsvertreterin wird damit gegenstandslos. (Dispositiv nächste Seite) D-4428/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des BFM vom 4. Juli 2013 wird aufgehoben. 2. Das BFM wird angewiesen, die Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz zu bewilligen. 3. Das BFM wird angewiesen, nach erfolgter Einreise die Asylgesuche der Beschwerdeführenden im Sinne der Erwägungen zu prüfen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Den Beschwerdeführenden wird eine Parteientschädigung von Fr. 2'026.40 zugesprochen, die ihnen durch das BFM zu entrichten ist. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die schweizerische Botschaft in Khartum (Sudan). Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand: