Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Juni 2012 (720 12 70/171) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswert von Berichten behandelnder Ärzte Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgnaz Jer mann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Maurizio Greppi Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D aniel Peyer, Advokat, Hauptstrasse 47, 4153 Reinach BL 1 gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.1718.3263.78) A. A.____, geb. 1958, arbeitete zuletzt vom April 20 05 bis Ende Februar 2008 als Bauar- beiter. Am 21. August 2008 meldete er sich bei der Eid genössischen Invalidenversicherung unter Hinweis auf Epikondylitis und Depression zum Leistung sbezug an. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) klärte die erwerblichen und gesu ndheitlichen Verhältnisse ab und lehnte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügun g vom 19. Januar 2012 das Gesuch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von A.____ ab, da der Invaliditätsgrad unter 40% lieg e und daher keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründe. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Daniel Peyer, Advokat, mit Ein- gabe vom 23. Februar 2012 Beschwerde beim Kantonsgerich t Basel-Landschaft (Kantonsge- richt) und beantragte die Aufhebung der angefochtene n Verfügung sowie die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stell e. Zur Begründung seiner Beschwerde führte er im Wesentlichen an, die angefochtene Verfügu ng beruhe auf einem unvollständig und unrichtig ermittelten Sachverhalt und sei daher aufzuh eben. Im Bericht von Dr. B.____ vom 17. Mai 2011 führe dieser entgegen der Ansicht der Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) und der Gutachter der Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) objektive Befunde seiner Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, aus. Es sei nicht einleuchtend, weshalb die IV-Stelle si ch auf die Dysthymia-Diagnose des asim-Gutachters stütze, obwohl dessen Untersuchung bereits über zwei Jahre zurück liege und der aktuelle behandelnde Psychiater eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit- telgradige Episode diagnostiziert habe. Weiter sei dem aktuellen Arztzeugnis von Dr. B.____ vom 25. Januar 2012 sowie dem Arbeitsunfähigkeitszeugn is von C.____ vom 27. Januar 2012 zu entnehmen, dass A.____ aktuell zu 100% arbeitsunfähi g sei. Beide Zeugnisse seiner be- handelnden Ärzte würden klar im Widerspruch zum asim-Gutachten stehen. Es könne nicht von einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation ausge gangen werden, sie habe sich im Ge- genteil verschlechtert. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Mai 2012 beantragt e die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf das asim-Guta chten vom 1. Februar 2010. Als Diagnosen seien aus somatischer Sicht mit Einfluss auf di e Arbeitsfähigkeit eine Epicondylitis radialis links und ein Status nach Denervation Epicondylus radialis links erhoben worden. Aus psychiatrischer Sicht habe keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wer- den können. Aus bidisziplinärer Sicht sei A.____ in anges tammter Tätigkeit sowie in sämtlichen mittelschweren Tätigkeiten, bei welchen er die beiden oberen Extremitäten zum Tragen einer Last benötige, oder Tätigkeiten, die zur Sicherung der eigenen Person die Verwendung der lin- ken oberen Extremität bedürfen würden, nicht mehr arbe itsfähig. Für die Tätigkeit als Bauarbei- ter im Hochbau bestehe demnach eine volle Arbeitsunfäh igkeit. Aus bidisziplinärer Sicht sei A.____ für sämtliche Tätigkeiten, bei welchen er die l inke obere Extremität noch partiell benöti- ge, vollumfänglich arbeitsfähig, beispielsweise bei Täti gkeiten im Bereich der hausinternen Postdienste, Aufsichts-, Kontrollarbeiten, Fahrdienste, Auslieferungen und ähnliches. Es könne vollumfänglich auf die Beurteilung im asim-Gutachten a bgestellt werden. Demzufolge könne A.____ aus medizinischer Sicht die Ausübung einer angep assten Tätigkeit im Umfang von 100% seit August 2008 zugemutet werden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 i.V.m. Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantonalen IV- Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsge richt am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsge richt ist gestützt auf diese Bestim- mungen örtlich und gestützt auf § 54 Abs. 1 lit. a des G esetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 auch sachlich zuständig. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Invalidität im Sinne dieser Bestimmun g ist die durch einen körperlichen, geisti- gen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von Gebur tsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder länge re Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 7 und Art. 8 ATSG). 2.2 Gemäss Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leiste n. Bei langer Dauer wird auch die zu- mutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt. 2.3 Die Abklärung des Sachverhalts hat das Gericht gemä ss dem im Sozialversicherungs- verfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz von Amtes we gen vorzunehmen. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von sich au s und ohne Bindung an die Parteibegehren für die richtige und vollständige Festste llung des Sachverhaltes zu sorgen (vgl. Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3 . Auflage, Bern 2003, S. 443 f.). Eine Einschränkung erfährt der Untersuchungsgrundsatz du rch die Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 121 V 210 E. 6c). Für das gesamte Ve rwaltungs- und Verwaltungsgerichts- beschwerdeverfahren gilt ferner der Grundsatz der fre ien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht die Bewe ise frei und somit ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtge mäss zu würdigen (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS , Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungs- recht des Bundes, Basel 1996, S. 176 N 914 und S. 220 N 1138). Für das Beschwerdeverfah- ren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgeric hte alle Beweismittel - unabhängig davon, von wem sie stammen - objektiv zu prüfen und danac h zu entscheiden hat, ob die ver- fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des st reitigen Rechtsanspruchs gestatten. Weiter dürfen die Verwaltung als verfügende Instanz b eziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, w enn sie von ihrem Bestehen über- zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht ist der Entscheid, so fern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts gen ügt den Beweisanforderungen nicht. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vielmehr ist jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen Geschehensab- läufen als die wahrscheinlichste zu würdigen ist (vgl. BGE 115 V 142 E. 8b). 2.4 Bei der Beurteilung der Frage, ob und allenfall s in welchem Umfang bei einer versi- cherten Person eine Arbeitsunfähigkeit besteht beziehung sweise wie die verbleibende Arbeits- fähigkeit verwertet werden kann, sind die Gerichte regelmässig auf entsprechende fachärztliche Einschätzungen und Stellungnahmen angewiesen. Widerspr echen sich medizinische Berichte, darf das Gericht den Prozess nicht erledigen, ohne das ge samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische The- se abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un tersuchungen beruht, die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten be gründet sind (vgl. BGE 122 V 160 E. 1c; ALFRED BÜHLER , Versicherungsinterne Gutachten und Privatgutachten, in: Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in der Sozialversicherung, St. Gallen 1997, S. 179 ff.). Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit w eder die Herkunft eines Beweismit- tels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Au ftrag gegebenen Stellungnahme als Be- richt oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (vgl. BGE 1 22 V 160 f. E. 1c). Im Verwaltungsver- fahren bei anerkannten Spezialärzten eingeholte Gutach ten, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten erstattet wurden und bei denen die Ärztinnen und Ärzte bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge- langen, haben volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Diese Beweiskraft gilt gemäss der bund esgerichtlichen Rechtsprechung auch für Beurteilungen durch angestellte versicherungsinterne Arztpersonen, soweit die Berich- te und Gutachten schlüssig erscheinen, nachvollziehbar beg ründet sowie in sich widerspruchs- frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit vorliegen (vgl. BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee). Jedoch sind diese Kriteri en nicht mehr erfüllt, wenn auch nur ge- ringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Angaben bestehen (vgl. BGE 122 V 162 f. E. 1d). 3. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer Beurte ilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers und dessen Arbeitsfähigkeit auf da s bidisziplinäre (psychiat- risch/orthopädisch) Gutachten der asim vom 1. Februar 2010 ab. 3.1 Aus psychiatrischer Sicht konnte Dr. D.____, Facharzt f ür Psychiatrie und Psychothe- rapie, keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähi gkeit stellen. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhob er hingegen eine Dysth ymia und rezidivierende depressive Epi- soden, gegenwärtig remittiert. Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer in sämt- lichen seinen körperlichen Einschränkungen angepassten Täti gkeiten voll arbeitsfähig. Es lies- sen sich derzeit auf dem psychiatrischen Fachgebiet keine Stö rungen objektivieren, die die Ar- beitsfähigkeit des Beschwerdeführers herabsetzen würden. Die fehlende Motivation des Be- schwerdeführers, bei Wiedereingliederungsmassnahmen mit zuarbeiten, müsse als IV-fremd beurteilt werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Aus somatischer Sicht diagnostizierte PD Dr. E.____, Oberarzt Orthopädie und Trau- matologie, beim Beschwerdeführer eine Epicondylitis ra dialis links, Status nach Denervation Epicondylus radialis links vom 14. April 2008, ein ledig lich beginnendes Karpaltunnelsyndrom links sowie eine reaktive depressive Symptomatik. Er hielt fest, unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer angegebenen eigenen Leistungsfähigkei t, mit einer nach seinen Angaben absolut problemlosen Belastungsfähigkeit der rechten oberen Extremität und der Möglichkeit 1.5 Stunden zu sitzen, 1.5 Stunden zu stehen, und 1 Stu nde zu gehen, sei der Beschwerdefüh- rer bei Tätigkeiten, bei welchen er die linke obere Extremität nur partiell benötige, vollumfäng- lich arbeitsfähig. Tätigkeiten im Bereich der hausinter nen Postdienste, Aufsichts-, Controllingar- beiten, Fahrdienste und Auslieferungen seien mit ein geschlossen. Mittelschwere Tätigkeiten, die beide oberen Extremitäten zum Tragen einer Last ü ber 5 kg benötigen würden, seien nicht mehr durchführbar. Auch Arbeiten mit repetitiver Bela stung der linken oberen Extremität oder mit Gewichten über 5 kg seien dauerhaft nicht möglich. Somit sei der Beschwerdeführer als Bauarbeiter im Hochbau zu 100% arbeitsunfähig. 3.3. Im Rahmen der bidisziplinären Konsensbesprechung vom 14. Januar 2010 hielten die beiden Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Bauarbei- ter im Hochbau sowie in sämtlichen mittelschweren Tätig keiten, die zur Sicherung der eigenen Person die Verwendung der linken oberen Extremität bed ürfen würden, nicht mehr arbeitsfähig sei. Der Beschwerdeführer sei aber aus bidisziplinärer Si cht für sämtliche Tätigkeiten, bei wel- chen er die linke obere Extremität noch partiell benöti ge, vollumfänglich arbeitsfähig, beispiels- weise bei Tätigkeiten im Bereich der hausinternen Postdi enste, Aufsichts-, Kontrollarbeiten, Fahrdienste, Auslieferungen und ähnliches. Die Gutach ter bezeichneten den Beginn der aufge- führten Arbeitsfähigkeit mit Datum der Konsensbesprechung vom 14. Januar 2010. 3.4 Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin hielt Dr. E._ ___ im Schreiben vom 19. März 2010 fest, es sei ihnen aufgrund der Aktenlage leider n icht möglich, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers retrospektiv zu beurteilen. Die im Gut achten beschriebene Arbeitsfähigkeit respektive Arbeitsunfähigkeit bestehe seit der gutachte rlichen Untersuchung vom 5. November 2009. Vor der gutachterlichen Untersuchung sei die vom Ka ntonsspital Liestal festgelegte Ar- beitsunfähigkeit von 50% als gegeben anzusehen. 3.5 Da die Gutachter der asim zur deutlich abweichenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Kantonsspitals Liestal keine Stellung genommen hatt en, erfolgte eine erneute Rückfrage der Beschwerdegegnerin. Im Schreiben vom 10. August 201 0 führte Dr. E.____ diesbezüglich aus, dass differenziert werden müsse. Tätigkeiten im Be reich eines hausinternen Postdienstes, Aufsichts-, Controllingarbeiten, Fahrdienste und Auslie ferungen seien dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der selber angegebenen eigenen Le istungsfähigkeit vollumfänglich möglich. Mittelschwere Tätigkeiten, die beide oberen E xtremitäten zum Tragen einer Last über 5 Kilogramm benötigen oder Tätigkeiten, die zur Sich erung der eigenen Person oder zur Siche- rung anderer Personen die Verwendung der linken obere n Extremität bedürfen, seien nicht mehr durchführbar. Auch Arbeiten mit repetitiver Bela stung der linken oberen Extremität oder Gewichte über 5 Kilo seien dauerhaft nicht mehr möglich . Somit sei der Beschwerdeführer als Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bauarbeiter im Hochbau zu 100% arbeitsunfähig. Diese Differenzierung sei sicherlich denkbar ab dem 22. August 2008, zu welchem Zeitpunkt der Besch werdeführer im Kantonsspital Liestal zu 50% arbeitsfähig geschrieben worden sei. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von 50% vom 22. August 2008 durch das Kantonsspital Liestal sei für den allgemeinen Arbeitsmarkt vollum- fänglich nachvollziehbar. In der Tätigkeit als Bauarbeit er im Hochbau sei eine 50%-ige Arbeits- fähigkeit nie gegeben gewesen. 3.6 Das Gutachten der asim vom 1. Februar 2010 sowie d ie beiden Schreiben der asim vom 19. März und 10. August 2010 wurden dem regionalen ärztlichen Dienst (RAD) beider Ba- sel zur Stellungnahme vorgelegt. Pract. med. F.____ hie lt in der Stellungnahme des RAD vom 18. August 2010 fest, der Beginn der zumutbaren Verwe istätigkeit aus orthopädischer Sicht könne gemäss dem ergänzenden Bericht des Gutachters auf de n 22. August 2008 festgelegt werden. Zu diesem Zeitpunkt sei vom Kantonsspital Liest al zwar von einer 50%-igen Arbeitsfä- higkeit ausgegangen worden, dies habe sich jedoch damals auf die angestammte Tätigkeit be- zogen. Die rezidivierende depressive Störung sei gegenwär tig remittiert, so dass aus psychiat- rischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit b estehe. Aufgrund der gutachterlichen Beurteilung sei der Beschwerdeführer in adaptierter Tätigkeit für leichte Verweistätigkeiten, bei denen er die linke obere Extremität nur noch partiell einsetzen müsse, ohne anhaltende Über- kopfarbeiten und ohne Heben und Tragen von Lasten übe r 5 kg mit dem linken Arm 100% ar- beitsfähig. 3.7 Die Fachärzte der asim gingen in ihrem ausführlich en Gutachten einlässlich auf die Beschwerden des Beschwerdeführers ein. Sie setzten sich m it den medizinischen Vorakten auseinander und vermittelten so ein umfassendes Bild ü ber den Gesundheitszustand des Be- schwerdeführers. Die Expertise ist einleuchtend in der Beurteilung der medizinischen Zusam- menhänge sowie der medizinischen Situation. 4. Demgegenüber diagnostizierte Dr. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, wie bereits zuvor der EPD Liestal im Bericht vom 26. Februar 2009, am 17. Mai 2011 eine rezidivie- rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Ep isode, und attestierte dem Beschwer- deführer eine Arbeitsunfähigkeit von 80%. 4.1 Rechtsprechungsgemäss darf und soll der Erfahrung Rechnung getragen werden, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf die auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfäl- len eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies gilt aller- dings nicht im Sinne einer Beweisformel, wonach hausä rztliche Berichte in der Regel von vorn- herein weniger Beweiswert hätten, sondern sie sind unvoreingenommen auf ihre Beweiskraft zu prüfen. Ebenfalls zu beachten und bei der Entscheidfindung zu gewichten ist, dass Hausärzte in der Regel die einzigen Medizinalpersonen sind, die übe r eine Langzeitbeobachtung berichten können (vgl. THOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 452 Rz 47). Sind keine konkreten Anhaltspunkte ersichtl ich, die die Glaubwürdigkeit haus- ärztlicher Atteste zu erschüttern vermögen, ist es unzuläs sig, deren Angaben bei der Beweis- würdigung unter Hinweis auf ihre hausärztliche Stellu ng und unter Berufung auf die fachliche Kompetenz der Ärzte, beispielsweise einer Universitätsklinik, ausser Acht zu lassen (vgl. unver- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht öffentlichter Entscheid des EVG vom 5. Mai 1994, E. 3a , zitiert in: Locher, a.a.O., S. 45 3 Rz 49). Es ist aber der Erfahrungstatsache Rechnung zu tr agen, dass Hausärzte mitunter we- gen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zwei fel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkon- flikt (Behandlung/Begutachtung) kann - namentlich in umstrittenen Fällen - auch nicht unbese- hen auf die Angaben des behandelnden Spezialisten abge stellt werden (Urteil des EVG vom 5.April 2004, I 814/03, E. 2.4.2). Eine durch den be handelnden Arzt erstellte abweichende Zu- mutbarkeitseinschätzung vermag für sich alleine das Ergebnis der fachärztlichen Expertise nicht umzustossen, ohne dass zusätzliche objektive, den Beweiswert des Gutachtens beeinträchti- gende Gründe hinzutreten (Urteil des Bundesgerichts vom 1 5. April 2010, 9C_182/2010, E. 2.3). 4.2 Bei Zusammentreffen verschiedener Gesundheitsbeeint rächtigungen ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sich deren erwerbliche Auswirkung en in der Regel überschneiden, weshalb der Grad der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen ist. Eine b losse Addition der mit Bezug auf einzel- ne Funktionsstörungen und Beschwerdebilder geschätzten Arbe itsfähigkeitsgrade ist nicht zu- lässig (Urteile des EVG vom 3. März 2003, I 850/02, E. 6.4.1 und vom 11. November 2002, I 368/01, E. 2.4, je mit Hinweisen). Zur Einschätzung de r Arbeitsunfähigkeit von total 80% durch Dr. B.____ ist festzustellen, dass diese ebenda auf ein er Addition beruht. Nach seiner Beurtei- lung besteht aufgrund der mittelgradigen depressiven S törung eine Arbeitsunfähigkeit von 50% seit Beginn der psychiatrischen Behandlung in den EPD Liestal und eine Arbeitsunfähigkeit von 30% aufgrund der somatoformen Störungen. Dr. B.____ nahm keine integrative, anschauliche und nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vor. Damit wird aber anders als im bidisziplinären Gutachten der asim keine Gesamtbeurteilung vorgenommen. 4.3 Der psychiatrische asim-Gutachter nahm zu den Ausfüh rungen von Dr. B.____ mit Schreiben vom 30. August 2011 Stellung. Danach ist festz ustellen, dass die Angaben des Be- schwerdeführers zur Vergesslichkeit und mangelnden Konzent rationsfähigkeit von Dr. B.____ direkt in den Befund übernommen worden sind, ohne dass eine nähere Quantifizierung oder Objektivierung der beklagten Beschwerde stattgefunden ha tte. In Anbetracht der während der asim-Untersuchung vom 3. November 2009 objektivierten aggravatorischen Tendenzen, die bis hin zur Simulation reichen, stellt die unterlassene Unt erscheidung zwischen Beschwerden und Befunden die Diagnosen von Dr. B.____ in Frage. Ferne r hat sich Dr. B.____ mit den Diagno- sekriterien nicht nachvollziehbar auseinandergesetzt und es fehlen echtzeitliche Belege für die rückwirkenden Befunde, da der Beschwerdeführer erst seit 22. März 2011 in Behandlung bei Dr. B.____ stand. Eine Langzeitbeobachtung lag nicht vor und der Bericht vermag somit die Schlussfolgerungen des asim-Gutachtens nicht umzustossen. 4.4 Ebenso wenig vermögen die neueren Arztberichte da s asim-Gutachten in Frage zu stellen. In den zusammen mit der Beschwerde eingereichte n Arztberichten von Dr. B.____ vom 25. Januar 2012 und von Dr. C.____, Facharzt für Allg emeinmedizin, werden nur summarische Befunde aufgeführt und es bestehen keine Angaben zur A rbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh- rers in einer adaptierten Tätigkeit. Zudem handelt e s sich bei Dr. C.____ um einen Allgemein- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht mediziner, dessen Einschätzung einer aus psychiatrischen Grün den gegebenen Arbeitsunfä- higkeit nicht derselbe Beweiswert anerkannt werden kann wie derjenigen eines spezialisierten Gutachters. 5. Das asim-Gutachten erweist sich daher sowohl in der Da rlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen S chlussfolgerungen als überzeu- gend. Es liegen keine konkreten Indizien vor, die gege n die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen würden. Die abweichende Zumutbarkeitsbeurteilu ng von Dr. B.____ vermag das Er- gebnis der fachärztlichen Expertise nicht umzustossen. Es sin d keine zusätzlichen, objektiven, den Beweiswert des Gutachtens beeinträchtigende Gründe gegeben. Aus medizinischer Sicht ist somit dem Beschwerdeführer die vollschichtige Ausübung einer seinen Leiden adaptierten Tätigkeit zuzumuten. 5.1 Ab 28. Februar 2008 war der Beschwerdeführer voll ständig arbeitsunfähig. Der Be- schwerdeführer meldete sich am 21. August 2008 für einen Leistungsbezug bei der Beschwer- degegnerin an. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG entsteh t der Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während ein es Jahres ohne wesentlichen Unter- bruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig im S inne von Art. 6 ATSG gewesen ist. Das Wartejahr ist am 29. Februar 2009 abgelaufen und ab diesem Zeitpunkt ist - eine Invalidität vorausgesetzt - grundsätzlich ein Rentenanspruch entstande n. Im asim-Gutachten vom 1. Feb- ruar 2010 wurde die vollständige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführer in einer Verweistätig- keit ab der gutachterlichen Untersuchung vom 5. November 2009 als gegeben erachtet. Vor der gutachterlichen Untersuchung gelte die vom Kantonsspital Liestal festgelegte Arbeitsunfähigkeit von 50%. Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegn erin, die gestützt auf die Stellung- nahme des RAD vom 18. August 1010 erging, bezog das Gut achten die Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit von 50% auf den allgemeinen Arbeitsmarkt . Demnach bestand ab 1. Februar 2009 eine Invalidität des Beschwerdeführers basierend auf einer 50%-igen Arbeitsunfähigkeit. 5.2 Gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte, die nicht mehr voll leistungsfähig sind, ha- ben erfahrungsgemäss eine Reduktion des üblichen Lohna nsatzes hinzunehmen. Von einem anhand der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik erhobenen Invalideneinkommen sind deshal b praxisgemäss verschiedene Abzüge zulässig. Im Entscheid 126 V 75 ff. hat das Eidgenössische Versicherungsgericht seine Recht- sprechung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und weiterentwickelt. Dabei hat es be- tont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellen löhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des ko nkreten Einzelfalles abhängt (lei- densbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjah re, Nationalität und Aufenthaltska- tegorie sowie Beschäftigungsgrad), welche nach pflicht gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn un ter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insge samt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). 5.3 Der Beschwerdeführer wird im Rahmen einer geeign eten leichteren Tätigkeit in der Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt sein. Unter Wür digung der gegebenen Umstände kann Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Beschwerdeführer ein leidensbedingter Abzug von ma ximal 10% zugestanden werden, wobei selbst ein Abzug von 15% zu keinem anderen Rentena nspruch führen würde, da die un- bestrittenen Validen- und Invalideneinkommen nur gering voneinander abweichen. Kriterien, die einen höheren leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind nicht er- sichtlich. Demnach besteht ein befristeter Rentenanspruc h des Beschwerdeführers auf eine halbe Rente ab 1. Februar 2009. Ab 4. November 2009 war gestützt auf das asim-Gutachten eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit gegeben. Unter Berücksichtigung der dreimonatigen Anpassungszeit von Art. 88a Abs. 2 der Ve rordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 hat der Beschwerdeführe r Anspruch auf eine befristete, halbe Invalidenrente bis 31. März 2010. Die Beschwerde ist desh alb in diesem Sinne teilweise gutzu- heissen. 6. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist dem Be- schwerdeführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzu- sprechen. Der Vertreter des Beschwerdeführers macht für d as vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 17.58 Stunden geltend. Dieser Zeitaufwand erscheint zu hoch. Das Kantonsgericht kommt zum Ergebnis, dass ein gekürzter Gesamt aufwand von 12 Stunden für vorliegende Sache im Hinblick auf deren Komplexität und Schwierigkeit als angemessen er- scheint. Folglich ist dem Vertreter des Beschwerdeführers ein gekürztes Honorar in der Höhe von Fr. 3'394.75 (12 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich Ausl agen von Fr.143.30 und Mehrwertsteu- er) zu entrichten. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 19. Januar 2012 insofern aufgehoben, als festgestellt wird, dass dem Beschwerdeführer vom 1. Februar 2009 bis 31. März 2010 eine befristete halbe Rente zusteht. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3'394.75 (inkl. Auslagen und 8% MwSt.) zu bezahlen.