BRKE I Nrn. 0108 und 109/2007 vom 25. Mai 2007 in BEZ 2007 Nr. 36 Zur Beurteilung stand ein Stall mit einer Fläche von rund 3,5 m 2 und einem den Stall umgebenden, rund 50 m2 grossen Freilaufgehege zur Haltung von vier Hühnern und einem Hahn. Aus den Erwägungen: 7.1. Wohnzonen sind gemäss § 52 PBG in erster Linie für die Wohnnutzung und damit für Wohnbauten bestimmt. Die Zulässigkeit anderer Nutzweisen steht in Wohnzonen unter dem grundsätzlichen Vorbehalt, dass der Zonenzweck, nämlich ein gesundes und angenehmes Wohnen zu g ewährleisten, nicht in Frage g estellt wird. Dabei sind insbesondere die zu erwartenden Immissionen, aber auch der fun k- tionelle Zusammenhang mit dem Hauptzweck der Zone zu prüfen (RB 1984 Nr. 75). Zonenkonform sind somit ohne Weiteres Bauten, die Wohnraum e nthalten, aber auch diejenigen, die zum Wohnen zusätzlich nötig sind, wie Garagen oder Garte n- häuser. Ebenso fällt die Hobbynutzung unter den Begriff der Wohnnutzung im Sinne von § 52 Abs. 1 PBG (vgl. BEZ 1998 Nr. 32). Hobbynutzung ist somit grundsätzlich a ls Teil der Wohnnutzung anzusehen. Das Wohnen in einer dafür bestimmten Zone wird unter anderem gerade dadurch charakterisiert, dass deren Bewohner im allgemeinen die Möglichkeit haben, in i hren Gärten verschiedenen Freizeitbeschäftigungen nachgehen zu kön nen. Dies verhält sich auch dann nicht anders, wenn Nutztiere Gegenstand der hobbymässigen B e- schäftigung bilden. Die hobbymässige Hühnerhaltung fällt daher – nicht anders als das Halten von Hunden oder das Basteln in einer Hobbywerkstatt – unter den Begriff der Wohnnutzung im Sinne von § 52 Abs. 1 PBG und erweist sich daher als zone n- konform. Wann eine Tierhaltung noch als hobbymässig bezeichnet werden kann, hängt von der Zweckbestimmung der Tiere ab. Nur diejenige Tierhaltung ist zonenko nform, die rein priv aten Zwecken, also der eigenen Freizeitbetätigung dient (vgl. dazu C. Walker Späh, Pferdehaltung in der Wohnzone – Stand der Rechtspr echung, PBG aktuell 1/2004, S. 23 f.). Die vom Rekurrenten betriebene Hühnerhaltung mit fünf Tie- ren dient offensichtlich ausschliesslich der privaten Freizeitbeschäftigung und verfolgt keine gewerblichen Ziele. Diese hobbymässige Tierhaltung und die dafür notwend i- gen Bauten und Anlagen sind somit grundsätzlich Teil der Wohnnutzung und damit in der Wohnzone W2 zonenkonform.- 2 - 7.2. Auch wenn die Zonenkonformität einer geplanten Hühnerhaltung in der Wohnzone zu bejahen ist, darf diese im Interesse der Nachbarschaft nicht ein beli e- biges Ausmass annehmen. Die Haltung von Hühnern und insbesondere von Hähnen führt naturgemäss zu Immissionen. Die Tiere erzeugen durch Gackern und Krähen Lärm und prod uzieren Mist, der auch bei regelmässiger Abfuhr für eine gewisse Zeit gelagert we rden muss. Die Frage, ob eine konkrete Hobbytierhaltung aufgrund der durch sie verursachten Immissionen durch L ärm und Geruch nicht oder nur unter Nebenbestimmungen z u- lässig ist, betrifft nicht die Zonenkonformität, sondern ist für sich anhand der ei n- schlägigen Vorschriften der Umweltschutzgesetzgebung zu überprüfen und führt g e- gebenenfalls zu grossen Einschränkungen. Neben quantitativen Einschränkungen durch Bestimmungen der maximal zulä s- sigen Anzahl Tiere kö nnen die Baubehörden im Rahmen des Umweltrechts auch weitere konkrete Massnahmen anordnen, um die Immissionen in Grenzen zu halten. 7.3. Geruchsemissionen sind für neue stationäre Anlagen durch die zuständ ige Behörde vorsorglich so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 4 Abs. 1 der Luftreinhalteverordnung, LRV). Ist zu erwarten, dass die geplante Anl age trotz vorsorglicher Emissionsbegrenzung übe r- mässige Immissionen verursachen wird, sind die Massnahmen durch die zuständige Behörde so weit zu verschärfen, dass keine übermässigen Immissionen verursacht werden (Art. 5 LRV). Gemäss Art. 2 Abs. 5 lit. b L RV gelten Immissionen beim Fe h- len von Grenzwerten dann als übermässig, wenn aufgrund e iner Erhebung feststeht, dass sie einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich stören können. Für Gerüche, wie sie eine Hobbyhühnerhaltung mit sich bringt, b e- stehen keine Immission sgrenzwerte. Für Anlagen der bäuerlichen Tierhaltung und der Intensivtierhaltung sind in Ziff. 5 Anhang 2 LRV Spezialbestimmungen aufgestellt worden, nicht hingegen für die Hobbytie rhaltung in Wohngebieten. Zwar bestäti gte das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich zur Frage des einzuhaltenden Absta n- des der Anlagen zu den Nachba rgrundstücken in VB.2004.00462 das hilfsweise Herbeiziehen der so genannten FAT -Empfehlungen (Empfehlungen der Eidgenöss i- schen Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik aus dem Jahr 1995) zur Festlegung der G eruchsbelastung auch für Vorhaben, die weder die bäuerliche Tierhaltung noch die Intensivtierhaltung betreffen. Allerdings setzt die massgebliche Geruchsbelastung eine viel grösse re Anzahl von Tieren voraus, als sie bei Hobb y- tierhaltungen innerhalb von Wohnzonen erreicht wird. Die umstrittene Hühnerhaltung umfasst fünf Tiere und bringt eine entspr echend kleine Menge an Mist hervor. Bei einer guten Pflege ist von dieser Tierha ltung nicht zu erwarten, dass sie zu übermässigen Immissionen führen wird. Dies bestätigte auch der Augenschein, in dessen Zusammenhang festgestellt werden konnte, dass die Hühner auch an einem sehr warmen Tag aus wenigen Metern Entfernung g e- ruchlich nicht wahrnehmbar waren. 7.4. Zu grösseren Bedenken geben die Lärmimmissionen Anlass. Gemäss Art. 7 Abs. 1 der Lärmschutzverordnung (LSV) ist der aus dem Betrieb neuer ortsfester A n- lagen resultierende Lärm ebenfalls so weit zu begrenzen, als dies technisch und b e- trieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (lit. a); zudem dürfen die von der A n- lage allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte nicht überschreiten (lit. b). - 3 - Fehlen Belastungsgrenzwerte, so beurteilt die Vollzugsbehörde die Lärmimmissionen nach Art. 15 USG und unter Berücksichtigung der Art. 19 und 23 USG (Art. 40 Abs. 3 LSV). Das Gackern von Hühnern ist als von geringer Intensität zu bezeichnen, we s- halb das Halten von wenigen Hühnern ohne Hahn von vornherein als unproblem a- tisch erscheint. Das Krähen eines Hahnes indessen wird vom menschlichen Ohr als relativ intensiv empfunden. Insbesondere die frühmorgendlichen Rufe wecken die Nachbarn zu unerwünschter Stunde. Ein Hahn sollte deshalb seine Lautäusserungen in Wohngebieten nicht uneingeschränkt verbreiten können. Bei geeigneten baulichen Massnahmen und unter Berücksichtigung des konkreten Umfeldes bedeutet dies j e- doch nicht, dass das Halten eines Hahns in der Wohnzone gänzlich zu untersagen ist. Als wichtigste Massnahme ist die Beschränkung der Z eit, in der sich das Tier im Freien aufhält – insbesondere der frühen Morgenstunden – zu betrachten. Verbri n- gen Hühner und Hahn die Nacht in einem Gebäude, ist dies mit einer Haustierha l- tung vergleichbar, etwa jener eines Hundes, der sich tagsüber regelmäs sig im Gar- ten aufhält und dabei zeitweise bellt. Da die Hühner jedoch nicht ins Wohnhaus g e- holt werden, sind auch gewisse Anforderungen an das Hühnerhaus zu stellen, damit der Schall des krähenden Hahns in den Ruhezeiten entscheidend gedämmt wird. Beim streitbetroffenen Hühnerhaus handelt es sich um ein handelsübliches M o- dell besserer Ausführung, das mit einer doppelten Holzwand und einer 8 cm starken Isolationsschicht aus Steinwolle sowie Do ppelverglasung ausgestattet ist. Diese Ausgangslage sollte gewähr leisten, dass die Lärmimmissionen des Hahns deutlich verringert werden, vorausgesetzt, er hält sich zu den entscheidenden Zeiten im g e- schlossenen Häuschen auf. Da die Anlage auf dem Dach der Tiefgarage nach allen Seiten hin sehr exponiert ist, könnte als z usätzlicher Schutz des Grundstückes der Beigeladenen eine dichte Hecke entlang der Grenze des Baugrundstückes zwec k- mässig sein. Eine weitere Verminderung der Immissionen in diese Richtung wäre erreichbar, wenn das Hühnerhaus mit der Rückwand zum Grundstück der Beigela- denen hin stünde, was allerdings aufgrund der Abstandvorschriften die Erteilung e i- nes Näherbaurechts durch die Beigeladene erfordern würde. In die Beurteilung mit einzubeziehen ist alsdann auch die konkrete Umgebung des Baugrundstückes. Dieses befindet sich mitten in der Wohnzone W2, wobei wes t- lich der B-Strasse nur eine einzige Bautiefe überbaut ist. Zwar kann nicht davon au s- gegangen werden, dass dies so bleiben wird, doch wird das G ebiet um die B-Strasse mit seinen Einfamilienhäusern in üppig bewachsenen Gärten auch dann noch län d- lich wirken, wenn weitere Überbauungen realisiert werden. Das Krähen eines tag s- über frei laufenden und nachts in einem isolierten Hühnerhaus untergebrachten Hahns ist (und bleibt) demnach mit dem Zonench arakter durchau s verträglich; es wird vom durchschnittlich empfindlichen Menschen noch als jenes Mass an Belä r- mung erlebt, welches allgemein zu ertragen ist. 8.1. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die mit der fehlenden Zonenko n- formität begründete Verweigerung der B ewilligung für die gesamte Hühnerha ltung auf dem Baugrundstück auch unter Berücksichtigung des der Vorinstanz zustehe n- den erheblichen Ermessensspielraums nicht mehr als vertretbar zu beurte ilen ist. Daher ist in Gutheissung des Rekurses der angefochtene Be schluss au fzuheben. Die Vorinstanz ist einzuladen, die ersuchte Bewilligung unter Statuierung geeigneter Auflagen betreffend die Anzahl der Tiere, der Beschaffenheit des Hü hnerhauses, der - 4 - verbindlich einzuhaltenden Nachtruhezeit sowie allfälliger weiterer Massnahmen zu erteilen. Dabei sind die Interessen der Nachbarn zu berücksicht igen; aber auch das Wohl der Tiere ist zu beachten.