Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Juni 2022 (720 21 73 / 144) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bemessung des Valideneinkommens anhand des zuletzt erzielten Salärs auf der Basis eines hypothetischen Vollzeitpensums trotz Kündigung eines 80%-Pensums noch in der Probezeit. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1960 geborene A.____ war zuletzt vom 17. August 2015 bis 17. November 2015 im Heim B.____ als Service-Mitarbeiterin mit Fachverantwortung beschäftigt. Am 9. Mai 2016 mel- dete sie sich infolge eines am 7. November 2015 erlitt enen Unfalls unter Hinweis auf ein Über- rolltrauma ihres linken Fusses sowie auf eine psychische Er krankung bei der IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen der Inval idenversicherung (IV) an. Nach Ab- klärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältn isse, namentlich nach Einholung eines Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht polydisziplinären Verwaltungsgutachtens bei der MEDAS Toggenburg AG (MEDAS), wies die IV- Stelle das Rentengesuch der Versicherten nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Ver- fügung vom 25. Januar 2021 unter Hinweis auf einen IV-Grad von 0% ab. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch A dvokat Nicola Fullin, am 24. Februar 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung für die Zeit vom 1. November 2016 bis Ende August 2020 eine ganze IV-Rente und an- schliessend mindestens eine unbefristete Viertelrente der IV auszurichten. Zur Begründung liess sie im Wesentlichen geltend machen, dass gemäss dem psychiatr ischen Fachgutachten der MEDAS bis Juni 2020 noch von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszu- gehen sei. Die anschliessende Verbesserung ihrer gesundheitlichen Verhältnisse wirke sich erst per August 2020 auf den Rentenanspruch aus. Bei der B estimmung des Valideneinkommens gehe die IV-Stelle sodann zu Unrecht davon aus, dass das letzte Anstellungsverhältnis aus wirt- schaftlichen Gründen gekündet worden sei. Die Kündigung sei vielmehr noch in der Probezeit erfolgt, nachdem die Versicherte kurz vor deren Ende ve runfallt sei. Daran ändere nichts, dass im zuvor geführten Probezeitgespräch einzig die Fachvera ntwortung im Team als ungenügend beurteilt worden sei, weil zugleich entschieden worden sei, ihr Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Da- mit sei auf ihr tatsächlich zuletzt erzieltes Einkommen abzustellen. Schliesslich würde das Invali- deneinkommen rund 15% tiefer ausfallen, als es von der Vorinstanz bemessen worden sei. Ge- stützt auf das Büro für Arbeits- und Sozialpolitische S tudien (BASS AG) würden die Löhne von versicherten Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen signifikant tiefer ausfallen als die Löhne von gesunden Personen. Angesichts dieser gesundhei tlich bedingten Lohnunterschiede sei es angezeigt, bei einem Beizug der schweizerischen L ohnstrukturerhebung (LSE) vom mitt- leren Quartil bzw. Median abzuweichen und das untere Viertel-Quartil heranzuziehen. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 19. März 2021 auf Abweisung der Be- schwerde. Gestützt auf die Beurteilung ihres regional-ärztlichen Dienstes könne allenfalls seit der Exploration durch die MEDAS anfangs Juni 2020 von einer psychiatrisch-gutachterlich ermittelten Arbeitsfähigkeit von 80% ausgegangen werden. Selbst mit einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit in ei- ner angepassten Tätigkeit würde im Anschluss daran jedoch noch immer kein Rentenanspruch resultieren. Hinsichtlich des Valideneinkommens gehe au s dem Fragebogen für Arbeitgebende klar hervor, dass das Arbeitsverhältnis durch die Arbeit geberin infolge ungenügender Fachver- antwortung und einer fehlenden Arbeitsmotivation auf gelöst worden sei. Es liege somit auf der Hand, dass das Arbeitsverhältnis nicht aus gesundheitlichen Gründen beendet worden sei. Das von der IV-Stelle unter Verwendung des Medianwerts der LSE herangezogene Invalideneinkom- men sei nicht zu beanstanden. D. Anlässlich der Urteilsberatung vom 24. Juni 2021 gela ngte das Kantonsgericht zum Schluss, den Fall auszustellen und weitere Abklärungen vorzunehmen. Es erwog, dass die Dis- krepanz im Verwaltungsgutachten der MEDAS, wonach in der interdisziplinären Gesamtbeurtei- lung in einer angepassten Verweistätigkeit bereits ab 1. März 2016 von einer Restarbeitsfähigkeit von 80%, im psychiatrischen Teilgutachten jedoch noch bis Ende Juni 2016 für jegliche Tätigkei- ten von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werde, nicht nachvollziehbar sei. Es Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht liessen sich in den vorliegenden Akten ausserdem diverse Unterlagen finden, welche der Versi- cherten in der Zeit zwischen Juni 2016 bis Juni 2020 entweder keine oder eine nur geringe Rest- arbeitsfähigkeit aus den auch aus Sicht der MEDAS im Vordergrund stehenden psychiatrischen Gründen attestieren oder nahelegen würden. Schliesslich sei fraglich, ob die Einschätzung der MEDAS bezüglich einer ab Juni 2020 wiedererlangten Teilarbeitsfähigkeit von 80% bzw. die von ihr postulierte Prognose einer vollständigen Wiedererlangung der Restarbeitsfähigkeit innert vier Monaten seit der Begutachtung am 2. Juni 2020 überwiegend wahrscheinlich sei. In Nachachtung dieser Erwägungen beschloss das Kantonsgericht, zur Kläru ng der Sachlage vorerst bei der MEDAS eine entsprechende Nachfrage zu veranlassen. Hinsicht lich der aktenkundigen Diver- genz betreffend die Fortführung des Arbeitsverhältnisse s der Versicherten sei ausserdem eine Nachfrage bei der ehemaligen Arbeitgeberin der Versicherten im Zusammenhang mit den im Pro- bezeitgespräch vom 4. November 2015 notierten Absichten vorzunehmen. E. Die Antworten der ehemaligen Arbeitgeberin der V ersicherten und der MEDAS ergingen in der Folge am 29. Juni 2021 bzw. am 12. Juli 2021. Im Rahmen ihrer im Nachgang dazu einge- reichten Stellungnahme vom 9. August 2021 hielt die Beschwerdeführerin fest, dass aufgrund der Antwort der MEDAS für die Zeit bis Juni 2020 von ein er vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Sodann habe die ehemalige Arbeitgeberin bestätigt, dass am 4. November 2015 effektiv ein Probezeitgespräch stattgefunden habe, anlässlich dessen die Fortsetzung des Anstellungsver- hältnisses vereinbart worden sei. Es sei deshalb anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin die- ses Arbeitsverhältnis ohne ihren erlittenen Unfall weiter fortgeführt hätte. Die IV-Stelle beantragte mit Stellungnahme vom 13. September 2021, dass die Beschwerde insofern teilweise gutzuheis- sen sei, als der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. November 2016 bis Ende August 2020 eine befristete ganze IV-Rente zuzusprechen sei. Mit der Antwort der MEDAS auf die gerichtliche Nachfrage sei nunmehr erst ab 2. Juni 2020 von einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. In Bezug auf die Bemessung des Valideneinkommens sei jedoch nach wie vor auf die LSE- Tabellenlöhne abzustellen, da namentlich kein besonders stabiles Arbeitsverhältnis vorgelegen habe. Ab September 2020 bestehe damit kein Rentenanspruch mehr. Daran ändere auch nichts, falls wider Erwarten auf die Lohnangaben des letzten Arbeitgebers in der Höhe von Fr. 59'188.— abgestellt würde. F. Mit Stellungnahme vom 16. September 2021 hielt d ie Beschwerdeführerin daran fest, dass das Valideneinkommen anhand ihres zuletzt erzielten Lohns zu bestimmen sei. Ausserdem sei nicht nachzuvollziehen, weshalb trotz eines höheren Valideneinkommens kein IV-Grad von mindestens 40% resultieren würde. So habe die IV-Stel le in ihrem eigenen Vorbescheid festge- halten, dass sie bei einem Pensum von 100% ein Jahreseinko mmen von Fr. 73'985.—erzielt hätte. Damit besitze sie gestützt auf einen IV-Grad von 44% ab September 2020 Anspruch auf eine Viertelrente der IV. Die IV-Stelle hielt mit S tellungnahme vom 14. Oktober 2021 unter Hin- weis auf ihre bisherigen Eingaben daran fest, der Besch werdeführerin lediglich für die Zeit von November 2016 bis August 2020 eine befristete ganze IV-Rente ausrichten zu wollen. G. Anlässlich seiner zweiten Urteilsberatung vom 13. Janua r 2022 beschloss das Kantons- gericht, den Fall erneut auszustellen. Es erwog, dass letztlich unklar geblieben sei, ob die Versi- cherte im Gesundheitsfall ein Pensum von 80% oder von 100% absolviert hätte, weshalb beim Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Heim B.____ eine ergänzende Nachfrage zu den näheren Vereinbarungen hinsichtlich des ar- beitsvertraglich vereinbarten Pensums der Beschwerdeführerin anzuordnen sei. Weiter forderte das Gericht die Beschwerdeführerin auf, ihren in den Akten bisher nicht vorhandenen Arbeitsver- trag mit dem Heim sowie alle im Zusammenhang mit dem Abschluss dieses Arbeitsverhältnisses im Vorfeld noch vorhandenen Korrespondenzen einzureichen. H. Die entsprechende Antwort des Heims erging am 26. Januar 2022. Daraus geht im We- sentlichen hervor, dass die Anstellung der Versicherten von Beginn weg im Umfang eines Pen- sums von 80% ausgeschrieben gewesen ist. Mit Eingabe vom 2. Februar 2022 liess die Be- schwerdeführerin sodann die vom Kantonsgericht verlangt en Unterlagen einreichen. Unter Hin- weis namentlich auf den Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit der IV-Stelle vom 16. Oktober 2019 und den ursprünglichen Stellenausschreibungen für die fragliche Tätigkeit hielt sie dabei fest, dass ihre Arbeitsstelle ursprünglich als Vollzeitstelle ausgeschrieben worden sei. Auch wenn das Pensum ursprünglich vorerst auf 80% festgelegt worden sei, habe sie bereits während der Probezeit mehr als ein 100%-Pensum absolviert. Hi ntergrund sei der Umstand gewesen, dass die fragliche Stelle mit einem 80%-Pensum nicht zu bewältigen gewesen sei. Der IV-Grad sei demnach nach der ordentlichen Methode des Einkommensve rgleichs zu bestimmen, wie es die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung auch getan habe. Mit Eingabe vom 4. Februar 2022 wies die Beschwerdeführerin sodann erneut darauf hin, dass die IV-Stelle übersehen habe, dass ihre Arbeitsstelle ursprünglich auch als Vollzeitstelle ausgeschrieben worden gewesen sei. Dass die IV-Stelle bereits in der angefochtenen Verfügung im Validitätsfall von einem 100%-Pensum ausgegangen sei, sei mithin zutreffend. Die IV-Stell e verzichtete mit Eingabe vom 15. Februar 2022 auf die Einreichung einer weiteren Stellungnahme. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 18. Februar 2022 wurde die Angelegenheit schliesslich dem Gericht erneut zur Beurteilung über- wiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in der nach dem 1. Juli 2006 gültigen F assung kann gegen Verfügungen der kan- tonalen IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ört- lich und sachlich zuständig. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 23. Feb- ruar 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft ge treten. Weil in zeitlicher Hinsicht grund- sätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Fal les grundsätzlich lediglich auf den bis Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 25. Januar 2021) eingetretenen Sach- verhalt abstellt (BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b), sind im vorliegenden Fall die Bestim- mungen des IVG in der bis Ende 2021 geltenden Fassung anwendbar (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweis). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben und ange- wendet. 2. Zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdefüh rerin. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 25. Januar 2021 ent- wickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis, oben, Erwägung 1.2). 2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine V iertelrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Invalidität im Sinne dieser Bestimmung ist die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbs- unfähigkeit (Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie gens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die d urch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse hat das Gericht die ihm von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellenden Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Be- weismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Bew eisregeln, sowie umfassend und pflichtge- mäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unab- hängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung de s streitigen Rechtsanspruches gestat- ten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeich- nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen St ellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c mit Hinweisen). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Nur wenn ein Versicherungsfall ohne die Ein- holung eines externen Gutachtens entschieden werden soll, sind an die Beweiswürdigung stren- gere Anforderungen zu stellen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundes- gerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 3.4 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent scheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BG E 138 V 218 E. 6 mit diversen Hin- weisen). Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat das Geri cht von Amtes wegen die not- wendigen Beweise zu erheben. Eine Beweislast besteht nu r in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge- bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Be weisregel greift allerdings erst, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgru ndsatzes aufgrund einer Beweis- würdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumind est die hohe Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 263 E. 3b). Das schweizerische Sozialversiche- rungsrecht kennt demnach keinen Grundsatz, wonach die Versicherungsorgane im Zweifel zu Gunsten der Versicherten zu entscheiden haben. Ein Anspruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Voraussetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind (ZAK 1983 S. 259). 4. Zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Beschw erdeführerin Anspruch auf eine IV- Rente besitzt. Nicht mehr strittig ist in diesem Zusammenhang die der Versicherten noch verblei- bende Restarbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweistätigkeit. Gestützt auf die in Nachachtung des Beschlusses des Kantonsgerichts vom 24. Juni 2021 ergangene Antwort der MEDAS vom 12. Juli 2021 gehen die Parteien zu Recht d avon aus, dass für den Verlauf der Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt der Exploration durch die MEDAS im Juni 2020 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden muss, weil erst ab Juni 2020 mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit eine 80%-ige Restarbeitsfähigkeit attestiert werden kann (Stellungnahmen der Be- schwerdeführerin vom 9. August 2021 bzw. der Beschwerdegegnerin vom 13. September 2021). Mit Blick auf das in der Beschwerdebegründung vom 23. Februar 2021 beantragte Rechtsbegeh- ren, wonach der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1 . November 2016 bis Ende August 2020 eine ganze Rente der IV zuzusprechen sei, ist dem Antrag der IV-Stelle vom 13. September 2020 mit Blick auf Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie mit Blick auf den Ablauf des Wartejahres am 6. November 2016 somit ohne Weiteres zu folgen. Ebenfalls aufgrund der Antwort der MEDAS vo m 12. Juli 2021 unbestritten geblieben ist demnach, dass der Beschwerdeführerin anschliessend in einer allfälligen Verweistätigkeit noch eine Restarbeitsfähigkeit von 80% verbleibt. 5. Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht hingegen hi nsichtlich des vorzunehmenden Einkommensvergleichs und in diesem Zusammenhang nament lich zunächst hinsichtlich der Höhe des als gesunde Person hypothetisch noch erzielbaren Einkommens der Versicherten ab September 2020. 5.1 Strittig und zu prüfen ist in erster Linie, ob der als valide Person hypothetisch erzielte Verdienst anhand lohnstatistischer Angaben der LSE-Tabellenlöhne oder anhand des zuletzt er- zielten Lohnes der Versicherten beim Heim B.____ zu bestimmen ist. Dabei ist zu beachten, dass der Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches entstehen kann. Mit Blick auf die Anmeldung der Ver- sicherten bei der Beschwerdegegnerin am 5. Mai 2016 (IV-Dok 1) kann ein allfälliger Rentenan- spruch demnach frühestens ab 1. November 2016 bestehen. Für die Vornahme des Einkom- mensvergleichs ist mithin auf die Gegebenheiten in die sem Zeitpunkt abzustellen (BGE 129 V 222). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist hinsichtlich der Höhe des mutmasslichen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Valideneinkommens sodann entscheidend, was die versichert e Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfa hrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen). Die objektive Be- weislast dafür, dass im Rahmen der Ermittlung des Valideneinkommens diese Regel der Anknüp- fung an den zuletzt erzielten Verdienst im konkreten Fall nicht greift, trifft deshalb die IV-Stelle, wenn sich ein Abweichen davon in Form eines tieferen V alideneinkommens zu ihren Gunsten auswirkt (Urteil des Bundesgerichts vom 11. September 20 19, 9C_225/2019, E. 4.2.1; ebenso auch Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2019, 9C_129/2019, E. 6.3 mit Hinweis). Ist der zu- letzt bezogene Lohn überdurchschnittlich hoch, kann er allerdings nur dann als Valideneinkom- men herangezogen werden, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass er auch weiterhin erzielt worden wäre (SVR 2011 IV Nr. 55 S. 163, Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2015, 8C_671/2010, E. 4.5.1; SVR 2009 IV Nr. 58 S. 181). Die Beweislast hierfür hat die versicherte Person zu tragen. Entscheidend bleibt generell stets, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt als Gesunde tatsächlich verdienen würde und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 135 V 58 E. 3.1). 5.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochten en Verfügung bei der Bestim- mung des Valideneinkommens auf die lohnstatistischen Angaben der LSE. In ihrer Vernehmlas- sung vom 19. März 2021 führte sie aus, aus dem Frageboge n für Arbeitgebende vom 23. Mai 2016 (IV-Dok 12) gehe klar hervor, dass das Arbeitsverhältnis wegen ungenügender Fachverant- wortung und wegen mangelnder Arbeitsmotivation aufgelöst worden sei. In ihren Stellungnahmen vom 13. September 2021 und vom 14. Oktober 2021 hielt sie an dieser Auffassung fest. Dem Protokoll des Probezeitgesprächs vom 4. November 2015 (I V-Dok 108) lasse sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ihre Aufgaben nur teilweise erfüllt habe und die Anstellung nur fort- gesetzt werden könne, sofern sich die Fach- und Führun gsverantwortung für eine längerfristige Anstellung klar verbessere. Damit sei kein besonders stabi les Arbeitsverhältnis gegeben gewe- sen. Ausserdem könne aufgrund der fehlenden Berufsausbil dung und des bisherigen Werde- gangs der Versicherten nicht angenommen werden, dass dies e künftig ein ähnlich hohes Ein- kommen wie beim Heim B.____ hätte erzielen können. Dem gegenüber vertritt die Beschwerde- führerin die Auffassung, dass aufgrund der amtlichen Erkundigung des Kantonsgerichts vom 25. Juni 2021 erstellt sei, dass ihr Arbeitsverhältnis trotz ei ner teilweise negativen Beurteilung an- lässlich des Probezeitgesprächs vom 4. November 2015 weit ergeführt worden wäre. Beweis- rechtlich bleibe es somit dabei, dass dieses Arbeitsverhäl tnis vermutungsweise auch ohne den erlittenen Unfall fortgesetzt worden wäre. Ihr Valid eneinkommen sei daher anhand des zuletzt tatsächlich erzielten Salärs beim Heim B.____ zu bestimmen. 5.3.1 Die Argumentation der IV-Stelle, wonach das Val ideneinkommen der Versicherten an- hand lohnstatistischer Angaben zu ermitteln sei (Erwägung 5.1. hiervor), überzeugt nicht. Nach- dem die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung vom 19. Mär z 2021 noch die Auffassung vertreten hatte, das Protokoll des Probezeitgesprächs vom 4. No vember 2015 entfalte mangels einer ar- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitgeberseitigen Unterzeichnung keine Verbindlichkeit, ist aufgrund der im Nachgang des Be- schlusses des Kantonsgerichts vom 24. Juni 2021 eingegangenen Antwort des letzten Arbeitge- bers der Versicherten vom 29. Juni 2021 mittlerweile erstellt, dass das Protokoll von beiden Par- teien unterzeichnet worden ist. Aus diesem Protokoll geht hervor, dass anlässlich des Probezeit- gesprächs vom 4. November 2015 entschieden worden war, das Arbeitsverhältnis mit der Versi- cherten fortzusetzen. Weiter ist daraus ersichtlich, dass nebst mehrheitlich genügenden bis guten Leistungen einzig die Fachverantwortung der Versicherten im Team als ungenügend beurteilt worden war. An Massnahmen wurde entsprechend vereinbart, dass die Mittagsrapporte mit dem Servicepersonal ab November 2015 von der Versicherten selbständig durchzuführen seien. Eine Fortführung des Arbeitsverhältnisses über das Unfallda tum vom 7. November 2015 hinaus war anlässlich des Probezeitgesprächs vom 4. November 2015 mithin klar beabsichtigt. Der Umstand, dass aus dem fraglichen Protokoll eine teilweise Unzufr iedenheit des Arbeitgebers hervorgeht, ändert daran nichts. Gerade weil für die Zeit ab Novem ber 2015 eine konkrete Zielsetzung ver- einbart und der Versicherten die Möglichkeit gegeben wo rden war, sich im Bereich ihrer Fach- und Führungsverantwortung zu verbessern, ist zweifellos erstellt, dass das Arbeitsverhältnis vor- erst weitergeführt worden wäre. Mithin ist festzustelle n, dass sich die Versicherte im Zeitpunkt ihres Unfalls vom 7. November 2015 noch in einem ungekü ndigten Arbeitsverhältnis befunden hat und mit Blick auf die praxisgemässen Voraussetzungen für die Bemessung des Validenein- kommens deshalb von den bei ihrem letzten Arbeitgeber erzielten Lohnverhältnissen auszugehen ist. 5.3.2 Der Umstand, dass die Auflösung des Arbeitsverhä ltnisses gemäss Kündigungsschrei- ben vom 10. November 2015 mit einer ungenügenden Fachverantwortung sowie einer mangeln- den Arbeitsmotivation begründet worden ist, führt zu k einem anderen Ergebnis. Diese Kündi- gungsgründe sind nicht nachvollziehbar, weil wie soeben dargelegt mit Blick auf die kritisierte Fachverantwortung eine ab November 2015 gültige Zielvereinbarung vereinbart worden war. An- dererseits hatte der Arbeitgeber anlässlich noch des sechs Tage zuvor protokollierten Probezeit- gesprächs explizit eine hohe Hilfsbereitschaft der Versicherten festgehalten, was dem in der Kün- digung geäusserten Vorwurf einer schlechten Arbeitsmotivation diametral widerspricht. Bei dieser Sachlage kann entgegen der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung nicht von ei- ner invaliditätsfremden Auflösung des Arbeitsverhältni sses gesprochen werden. Soweit die IV- Stelle weiter einwendet, dass generell kein stabiles Ar beitsverhältnis vorgelegen habe, welche für dessen Fortführung sprechen würde, ist ihr entgeg en zu halten, dass die von ihr in diesem Zusammenhang zitierte Rechtsprechung das als invalide Pers on erzielte Einkommen und nicht das Valideneinkommen betrifft (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b/aa mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21. August 2006 E. 4.2). Ebenso wenig kann gesagt werden, die Versicherte habe über keine Berufserfahrung verfüg t. Ihrer Arbeitsbiographie zufolge ist sie vielmehr seit jeher im Service tätig gewesen (IV-Dok 3) und hat sich bei ihrem letzten Arbeitgeber gerade mit Blick auf ihre bisherige Berufserfahrung au f die Stelle beim Heim B.____ beworben und die Stelle in der Folge wohl auch genau deshalb erhalten (Bewerbungsschreiben vom 24. Juni 2015, Einzelbeilage zur Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 4. Februar 2022). Die Einwände der IV-Stelle gehen damit fehl. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.3 Hinzu tritt ein Weiteres: Die gesundheitliche Be einträchtigung ist im vorliegenden Fall mit dem am 7. November 2015 erlittenen Unfall eingetreten. Bei einer derart zeitlichen Nähe zwi- schen dem Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung und der lediglich drei Tage später aus- gesprochenen Kündigung des Arbeitsverhältnisses spricht vieles dafür, dass der Arbeitgeber den Unfall zum Anlass genommen hat, das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten so rasch als möglich noch in der Probezeit infolge gesundheitlicher Gründe aufzulösen. Wie es sich damit genau ver- hält, kann dahingestellt bleiben: So oder anders besteht bei einer derart zeitlichen Nähe zwischen dem Eintritt gesundheitlicher Beeinträchtigungen und einer ausgesprochenen Kündigung recht- sprechungsgemäss kein hinreichender Grund, auf lohnstatistische Angaben anstelle des tatsäch- lich erzielten Verdienstes abzustellen, stellen erstere wie das Bundesgericht unlängst bekräftigt hat, ohnehin nur eine «ultima ratio» für die Bemessun g des Invaliden- und damit auch des Vali- deneinkommens dar (Urteil des Bundesgerichts vom 9. März 2022, 8C_256/2921, E. 9, umfang- reich kommentiert in HAVE 2/2022, S. 147). Dass die Fortsetzung des fraglichen Arbeitsverhält- nisses «längerfristig» unter dem Vorbehalt der Verbesserung der Fachverantwortung gestanden ist (Probezeitprotokoll vom 4. November 2015, ad Ziff er 5, Bemerkung), spielt dabei ebenfalls keine Rolle. Wie sich diese Kompetenz der Versicherten im Gesundheitsfall über den mutmass- lichen Rentenbeginn per November 2016 hinaus entwickelt hätte, lässt sich nicht erstellen, und es liegt in dieser Hinsicht eine Beweislosigkeit vor. Eine Ausnahme von der grundsätzlichen Be- weisregel, dass das fragliche Arbeitsverhältnis mit über wiegender Wahrscheinlichkeit doch ir- gendwann in der näheren oder fernen Zukunft beendet worden wäre, ist bei diesem Zwischener- gebnis jedenfalls nicht zu erbringen (oben, Erwägung 5. 1). Das Valideneinkommen ist deshalb auf der Basis des beim Heim B.____ erzielten Lohnes der Versicherten zu bemessen. 5.4.1 Zu prüfen bleibt, von welcher konkreten Lohnhö he dabei auszugehen ist. Den Akten ist in diesem Zusammenhang zu entnehmen, dass die Versichert e ursprünglich im Umfang eines Pensums von 80% angestellt worden war (vgl. Arbeitsvertrag vom 5. / 10. August 2015, Beilage 1 zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 2. Februar 2022; ebenso IV-Dok 2, S. 1 ad vertraglicher Beschäftigungsgrad, IV-Dok 1, S. 5) und dabei per 2016 ein Jahreseinkommen von Fr. 59'188.— erzielt hätte (IV-Dok 12, S. 3, ad Ziffer 2.11). Indessen geht aus dem Abklärungsbericht Haushalt der IV-Stelle vom 1. November 2019 hervor, dass die offene Stelle im Heim B.____ als Vollzeit- stelle ausgeschrieben worden war, die Versicherte aber ursprünglich ein 80%-Pensum absolviert habe, weil sie sich zu Beginn ihrer neuen Herausforderung langsam habe anpassen und ihr Pen- sum nach Ablauf der Probezeit auf 100% habe erhöhen wollen. Da die Versicherte stets im Voll- zeitpensum tätig gewesen sei, könne diese Vollzeiterwerb stätigkeit nachvollzogen werden (IV- Dok 78, S. 2). Damit sei nachvollziehbar, dass sie ohne g esundheitliche Einschränkungen im langjährig angestammten Vollzeitpensum tätig gewesen wä re (IV-Dok 78, S. 4, ad ergänzende Bemerkungen der Abklärungsperson). Nichts Anderes ist dem Fragebogen der IV-Stelle zur Er- mittlung der Erwerbstätigkeit vom 16. Oktober 2019 zu entnehmen: Daraus geht hervor, dass die Versicherte ihr Arbeitspensum nach Ablauf der dreimona tigen Probezeit auf 100% erhöht und sich zuvor auf die neue Führungsverantwortung vorbereite t hätte (IV-Dok 77, S. 2). Diese vom Abklärungsdienst explizit als nachvollziehbar taxierten Erk enntnisse sind schlüssig, decken sie sich doch mit der Arbeitsbiographie der Versicherten, welche in der Vergangenheit stets zu 100% tätig gewesen war (IV-Dok 3). Entsprechend ist die IV-Stelle nicht nur in ihrem Vorbescheid vom 5. November 2019 (IV-Dok 79), sondern auch in der vorlie gend angefochtenen Verfügung von Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Tätigkeit der Versicherten als valide Person im Um fang von 100% ausgegangen. Hiervon nunmehr wieder nur deshalb abzuweichen, weil der Val idenlohn anhand des zuletzt konkret er- zielten Salärs zu bemessen ist, besteht kein Anlass. Aufgrund der Erkenntnisse des Abklärungs- dienstes und der bisherigen Arbeitsbiographie der Versicherten alleine lässt sich zwar noch nicht abschliessend beurteilen, ob die Versicherte im Heim B.____ im Umfang von 100% hätte arbeiten können. Soweit das Heim im Rahmen seiner im Nachgang zu r Nachfrage des Kantonsgerichts ergangenen Auskunft vom 26. Januar 2022 geltend gemacht hat, dass eine 100%-Anstellung nie zur Diskussion gestanden habe, muss diese Auskunft aufgrund der von der Beschwerdeführerin im Anschluss daran eingereichten Unterlagen allerdings als klar aktenwidrig bezeichnet werden. Daraus ist nämlich ersichtlich, dass sich die Versicherte am 2 4. Juni 2015 ursprünglich auf eine 100%-Anstellung beworben hatte (Beilage zur Stellungn ahme der Beschwerdeführerin vom 4. Februar 2022), und sie während ihrer knapp dreimonatigen Beschäftigungsdauer vor dem erlitte- nen Unfall einen weit höheren Lohn erzielt hat, als er ursprünglich vertraglich vereinbart worden war. 5.4.2 Den eingereichten Lohnabrechnungen zufolge wurde n ihr namentlich im Dezember 2015 für die Dauer ihrer effektiven Beschäftigungsdauer vom 17. August 2015 bis 4. November 2015 – mithin für eine Zeit von lediglich rund elf W ochen – insgesamt knapp 57 Überstunden ausbezahlt (Lohnabrechnungen September bis Dezember 2015, Beilagen zur Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 2. Februar 2022). Dies entspri cht einer durchschnittlichen Wochenar- beitszeit von knapp 39 Stunden und damit in etwa einem geleisteten Pensum von rund 92% (57 Überstunden dividiert durch elf Arbeitswochen = 5,2 Überstunden / Arbeitswoche = 38,8 Stunden / Arbeitswoche [33,6 + 5,2 Stunden / Arbeitswoche). Zu sammen mit den ebenfalls in dieser Zeit ausbezahlten Wochenend- und Nachtzulagen generierte sie zwischen September und Oktober ein Salär, welches im Umfang von brutto rund Fr. 5'865 .-- (ohne Anteil 13. Monatslohn) das ur- sprünglich für ein 80%-Pensum vereinbarte monatliche Salär von Fr. 4'552.90 (vgl. Arbeitsvertrag vom 5. / 10. August 2015, Beilage 1 zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 2. Februar 2022) mit rund 28% deutlich überstieg und einem jährlichen Valideneinkommen von brutto Fr. 76'245.— (inklusive Anteil 13. Monatslohn) entspricht. Diese tatsächlich erzielte Lohnsumme überstieg gar den auf einem Pensum von 100% beruhenden, vertraglic h vereinbarten Fixlohn von monatlich brutto Fr. 5'691.10. Unter Berücksichtigung dieses tatsächlich erzielten Verdienstes und des da- bei geleisteten Pensums noch in der Probezeit ist mit Blick auf die ursprüngliche Ausschreibung einer 100%-Stelle mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mithin von einem 100%-Pensum und damit mindestens von einem auf 100% hochgerechneten Vali deneinkommen in der Höhe von brutto Fr. 73'985.— (Fr. 59'188.-- / 80% x 100%) auszu gehen. Daran vermag nichts zu ändern, dass ein zuletzt bezogener, überdurchschnittlicher Lohn nur dann als Valideneinkommen heran- gezogen werden kann, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass er auch wei- terhin erzielt worden wäre (oben, Erwägung 5.1). Gen au davon ist angesichts des geleisteten Pensums noch in der Probezeit einerseits nämlich auszugehen. Andererseits wird ein überdurch- schnittliches Einkommen in den von der Rechtsprechung in diesem Zusammenhang zitierten Prä- judizien nicht etwa aufgrund der Höhe des dabei erzielten Einkommens alleine, sondern vielmehr aufgrund eines deutlich über 100% liegenden Beschäftigu ngspensums definiert (SVR 2911 Nr. 55; Urteil des Bundesgerichts vom 3. März 2017, 9C_838/2016). Unbesehen des Umstands, dass Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Versicherte im Vergleich zu ihrem in der weiter zurückliegenden Vergangenheit erzielten Ein- kommen einen Lohnsprung vorzuweisen hat, lässt sich vor d iesem Hintergrund eine spezielle, zusätzliche Beweisregel, wonach sie insbesondere die überdu rchschnittliche Höhe des von ihr erzielten Validenlohns mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf Dauer zu belegen hätte, im vor- liegenden Fall nicht ableiten. Für die Bestimmung des Valideneinkommens ist demzufolge auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin abzustellen, wonach die Beschwerdeführerin im Gesund- heitsfall bei einem 80%-Pensum per Rentenbeginn im Ja hr 2016 ein Einkommen von Fr. 59'188.— erzielt hätte (IV-Dok 12, S. 3, ad Ziffe r 2.11). Hochgerechnet auf eine Vollzeitbe- schäftigung resultiert damit ein massgebenden Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 73'985.— . 6.1 Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht schliesslich hinsichtlich des zumutbarerer- weise noch erzielbaren Invalideneinkommens. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin kei- ner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, weshalb hierfür a uf lohnstatistische Werte der LSE abzu- stellen ist. Während die IV-Stelle das gemäss Art. 16 ATSG massgebende Invalideneinkommen anhand der LSE des Jahres 2016 (Tabelle TA1, Kompeten zniveau 1, Spalte Frauen, 12 x Fr. 4’363.—; angepasst an die Nominallohnentwicklung un d hochgerechnet auf die betriebsübli- che Wochenarbeitszeit von 41,7 Arbeitsstunden) festgelegt und auf jährlich Fr. 52’059.— festge- setzt hat, vertritt die Beschwerdeführerin in ihrer Besc hwerdebegründung die Auffassung, dass ihr Invalideneinkommen in entsprechenden Tätigkeiten rund 15% tiefer ausfalle. Gestützt auf die Studien der BASS AG würden die Löhne von versicherten Personen mit gesundheitlichen Ein- schränkungen signifikant tiefer ausfallen als die Löhne von gesunden Personen. Angesichts die- ser gesundheitlich bedingten Lohnunterschiede sei es nac h den Erkenntnissen der BASS AG angezeigt, bei einem Beizug der LSE vom mittleren Qu artil bzw. Median abzuweichen und das unterste Quartil heranzuziehen. Weil die LSE keine Differenzierungen nach dem Gesundheitszu- stand oder der Behinderung der von einer Erwerbseinbusse betroffenen Personen zulasse, stell- ten sie ein Hindernis namentlich für den Eingliederungsauftrag der Invalidenversicherung dar. In Nachachtung dieser Problematik seien die Tabellenlöhne d er LSE soweit wie möglich anzunä- hern, und es müsse namentlich deren Tabelle TA1 adaptiert werden, weil sie für die Berechnung des Invaliditätsgrads namentlich für Versicherte ohne B erufsausbildung und mit einer gesund- heitsbedingt zumutbaren Restarbeitsfähigkeit im Segm ent nur noch körperlich leichter Arbeiten letztlich zu hoch ausfalle. 6.2 In seinem unlängst und erst nach Erhebung der vor liegenden Beschwerde ergangenen Urteil 8C_256/2021 vom 9. März 2022 hält das Bundesge richt eine Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung zur Ermittlung des IV-Grades anhand der Tabellenlöhne der LSE indessen für nicht angebracht. Namentlich hält es fest, dass nicht da von ausgegangen werden könne, das Abstellen auf das unterste Quartil des Tabellenwerts der LSE statt auf deren Medianwert entspre- che besserer Erkenntnis des Gesetzeszwecks, veränderten Verhält nissen oder gewandelter Rechtsanschauungen, wie dies für eine Praxisänderung erf orderlich wäre. Weiter hält das Bun- desgericht fest, dass vom Konzept des ausgeglichenen Arbe itsmarktes gemäss Art. 16 ATSG nicht abgewichen werden dürfe, indem stattdessen konkre t existierende Erwerbsmöglichkeiten oder konkrete Arbeitsmarktverhältnisse beigezogen würden. Es sei deshalb weiterhin vom Medi- anlohn der standardisierten Brutto-Löhne der LSE auszugehen, von welchem ebenfalls gemäss Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht bisheriger Rechtsprechung ein leidensbedingter Abzug bis zu 25% möglich sei, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass eine beeinträchtigte Person ih re verbleibende Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt allenfalls nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg verwer- ten könne. Inwiefern ein derart ermitteltes Invalideneinkommen anhand des Medianwerts der LSE diskriminierend sein solle, sei nicht ersichtlich (a.a.O., E. 9.2.3 f.). 6.3 Soweit die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf d ie Studien der BASS AG eine rechts- fehlerhafte Ermittlung des Invalideneinkommens rügt, kann ihr mit Blick auf die soeben zitierte Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht gefolgt werden. Das Abstellen auf die Tabellenlöhne der LSE zwecks Bemessung des Invalideneinkommens erweist sich als rechtmässig. Namentlich erhebt die Beschwerdeführerin keine konkreten Einwendungen gegen die vor-instanzlich verwen- dete Tabelle TA1, sondern einzig gegen den Beizug des dort ausgewiesenen Medianwerts. Das Abstellen auf den Medianwert der Tabelle TA1 der LSE entspricht wie soeben dargelegt jedoch einer unlängst bestätigten Rechtsprechung (oben, Erwägung 5.2). Unter Berücksichtigung einer verbleibenden Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit von noch 80% (oben, Erwägung 4) beläuft sich das massgebende Invalidenein kommen anhand der LSE des Jahres 2016 (Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Spalte Frauen, 12 x Fr. 4’363.—; ohne Nominallohnent- wicklung infolge des per 2016 beginnenden Rentenanspru chs; hochgerechnet auf die betriebs- übliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Arbeitsstunden) auf Fr. 43’665.—. 6.4 In Gegenüberstellung mit dem Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 73’985.— (oben, Erwägung 5.1 ff.) resultiert somit ein IV-Grad von rund 41%. Rechtsprechungsgemäss kann über die ärztliche Bezeichnung der massgebenden Zumutbarkeitsbeurteilung hinaus zusätzlichen Ein- schränkungen mit einem leidensbedingten Abzug bis maximal 25% Rechnung getragen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2). Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen bei der Beurteilu ng des Tabellenlohnabzuges nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf Gegeben- heiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender er- scheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6 ). Vorliegend berücksichtigte die Be- schwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung einen leidensbedingten Abzug von 5%. So- wohl die Bedeutung des Alters als auch diejenige der Dienstjahre – mithin der Berufserfahrung – nehmen ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, we shalb diese Faktoren bei einfachen und repetitiven, dem Kompetenzniveau 1 (vormals Anforderung sprofil 4) der LSE entsprechenden Tätigkeiten in der Regel keinen Anlass zu einem (weiteren) Abzug vom Tabellenlohn geben (BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Selbst der Verlust der Möglichkeit zur Verrichtung von Schwerarbeit rechtfer- tigt keinen Abzug vom Tabellenlohn mehr (Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2009, 9C_492/2008, E. 3.3). Eine weitergehende Anrechnung der gesundheitlichen Leiden der Be- schwerdeführerin mittels eines leidensbedingten Abzugs über 10% hinaus käme damit einer un- zulässigen Berücksichtigung derselben Einschränkung gleich. Selbst bei einem Abzug von 10% resultiert jedoch noch immer ein Anspruch auf eine Viertelrente der IV. Das Invalideneinkommen beliefe sich diesfalls auf Fr. 39’298.—, woraus sich ein IV-Grad von 47% ergeben würde. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Nachdem die Versicherte für die Zeit von November 2016 bis Ende August 2020 An- spruch auf eine ganze IV-Rente besitzt, resultiert damit für die Zeit ab September 2020 ein unbe- fristeter Anspruch auf eine Viertelrente der IV (oben, Erwägung 2.1). Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde. 7.1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1'000.— festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerde gegnerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Der geleistete Kostenvorschuss ist bei die- sem Ergebnis an die Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. 7.1.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für gerichtliche Abklärungen ist Art. 45 Abs. 1 ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bil- den. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachtet en Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfair- ness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässl ich seiner Urteilsberatung vom 24. Juni 2021 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene medi- zinische Aktenlage nicht möglich war. Hintergrund bildete unter anderem der Umstand, dass nicht nachvollziehbar war, dass die Gutachter der MEDAS in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung ihres Gutachtens vom 7. Juli 2020 in einer angepassten Verweistätigkeit bereits ab 1. März 2016 von einer Restarbeitsfähigkeit von 80% ausgegangen waren, demgegenüber sie der Versicherten im psychiatrischen Fachgutachten bis Ende Juni 2016 noch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und erst wieder ab 2. Juni 2020 eine Arbeitsfähigkei t im Umfang von 80% attestiert hatten. Mit Blick auf diese dazumal noch vorliegende Diskrepanz erwiese n sich die medizinischen Abklä- rungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren als nicht ausreichend beweiskräftig genug. Die im Anschluss in Auftrag gegebene gerichtliche Nachfrage vom 28. Juni 2021 hat sich deshalb als unerlässlich erwiesen. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die resultierenden Kosten für die Stellungnahme der MEDAS vom 12. Juli 2021, welche sich insge- samt auf Fr. 600.— belaufen (Rechnung vom 12. Juli 20 21), demnach der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsiegende Partei ist demnach eine Par- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Deren Rechtsvertreter hat in seiner Ho- norarnote vom 21. Februar 2022 einen Zeitaufwand insgesamt von 18 Stunden und 10 Minuten geltend gemacht, der in Anbetracht nicht nur des Akte numfangs und der sich stellenden Sach- verhalts- und Rechtsfragen, sondern vor allem in Anbetracht der wiederholt ergänzenden Nach- fragen des Gerichts bei der MEDAS und bei der ehemalig en Arbeitgeberin der Beschwerdefüh- rerin nicht zu beanstanden ist. Hinzu kommen die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 102.60. Somit ist der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdever- fahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'001.90 (18,16 Stunden à Fr. 250.— sowie Auslagen von Fr. 102.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfüg ung der IV-Stelle vom 25. Januar 2021 aufgehoben und es wird festgestellt, d ass die Versi- cherte für die Zeit vom 1. November 2016 bis 31. August 2020 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. September 2020 Anspruch auf eine un- befristete Viertelrente der Invalidenversicherung besitzt. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.— we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.— wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kosten für die Stellungnahme der MEDAS Neuro logie Toggenburg AG vom 12. Juli 2021 in der Höhe von Fr. 600.— werde n der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 5'001.90 (inkl. Ausla gen und Mehr- wertsteuer) auszurichten.