B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-5482/2021 U r t e i l v o m 27 . D e z e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Gregor Chatton, Richterin Claudia Cotting-Schalch, Gerichtsschreiberin Corina Fuhrer. Parteien A._______, Beschwerdeführer, vertreten durch Ozan Polatli, Advokat, Advokatur Gysin + Roth, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. F-5482/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1962 geborene sri-lankische Staatsangehörige B._______ (nachfol- gend: Gesuchstellerin) ersuchte am 10. August 2021 bei der Schweizeri- schen Botschaft in Colombo um Ausstellung eines Schengen -Visums für einen 89-tägigen Besuchsaufenthalt bei ihrem im Kanton X._______ wohn- haften Sohn A._______ (nachfolgend: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer; Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1). B. Mit Formularverfügung vom 24. August 2021 verweigerte die Schweizeri- sche Vertretung in Colombo das Visum mit der Begründung, die Gesuch- stellerin habe nicht genügend finanzielle Mittel nachweisen können und es bestehe keine Gewähr, dass sie den Schengen -Raum nach ihrem Be- suchsaufenthalt fristgerecht wieder verlassen werde (SEM-act. 2). C. Gegen die Verfügung vom 24. August 2021 erhob der Gastgeber am 23. September 2021 Einsprache bei der Vorinstanz (SEM-act. 3). Die Vorinstanz liess daraufhin weitere Abklärungen durch die kantonale Migra- tionsbehörde vornehmen (SEM-act. 5 und 8). D. Am 12. November 2021 wies die Vorinstanz die Einsprache ab (SEM - act. 7). E. Mit Rechtsmitteleingabe vom 16. Dezember 2021 gelangte der Gastgeber an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Ver- fügung vom 12. November 2021 und die Erteilung des beantragten Vi- sums. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen und richtigen Feststel- lung des Sachverhalts und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlic hen Rechts- pflege samt Verbeiständung durch den unterzeichneten Rechtsanwalt (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1). F. Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2022 wies das Bundesverwal- tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ab un d forderte F-5482/2021 Seite 3 den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss in der Höhe der mut- masslichen Verfahrenskosten zu leisten. Dieser Aufforderung kam der Be- schwerdeführer nach (BVGer-act. 3 und 5). G. Am 21. Februar 2022 reichte der Beschwerdeführer eine ergänzende Ein- gabe ein (BVGer-act. 4). H. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 11. März 2022 die Abweisung der Beschwerde (BVGer -act. 7). Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 16. März 2022 zur Kenntnis gebracht (BVGer- act. 8). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide betreffend Schen- gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). 1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nac h dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorangegangenen Einspracheverfahren teilgenommen und ist als Verfügungsadressat sowie Gastgeber durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt. Er ist zur Erhebung der Be- schwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Obwohl der anberaumte Be- suchszeitraum verstrichen ist, muss auf ein fortbestehendes Rechtsschutz- interesse geschlossen werden. Dies belegt schon die Einreichung des Rechtsmittels. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). 1.4 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit g erügt werden F-5482/2021 Seite 4 (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwer- deverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als de n geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. 3.1 Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer sri-lankischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums zu Besuchszwecken für die Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Per- sonenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufent- haltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen -As- soziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernom- men hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das Ausländer- und Integrati- onsgesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20) und seine Ausfüh- rungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schen- gen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthal- ten (Art. 2 Abs. 4 AIG). 3.2 Das schweizerische Ausländer recht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher grundsätzlich nicht gehalten, drittstaatsan- gehörigen Personen die Einreise zu gestatten. Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, diese zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise beziehungsweise Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (BVGE 2014/1 E. 4.1.1 und 4.1.5; 2011/48 E. 4). 3.3 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in den Schengen -Raum für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt berechtigen, sowie ein Visum, sofern dieses – wie vorliegend – erforderlich ist (Art. 8 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Vi- sumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Anhang I der Verord nung [EU] 2018/1806 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Novem- ber 2018 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige F-5482/2021 Seite 5 beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müs- sen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind [ABl. L 303/39 vom 28.11.2018]). 3.4 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um- stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei- chend finanzielle Mittel verfügen. Namentlich haben sie in diesem Zusam- menhang zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewil- ligungsfreien Aufenthalts verlassen, beziehungsweise ausreichende Ge- währ für eine fristgerechte Wiederausreise bieten. Sie dürfen sodann nicht im Sch engener Informationssystem zur Einreiseverweigerung ausge- schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehun- gen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. zu den Einreisevoraussetzungen Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 und Art. 8 VEV i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EU] 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23.3.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex, VK, ABl. L 243/1 vom 15.09.2009]). 3.5 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden ha- ben zu prüfen und Drittstaatsangehörige zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 VK). Bestehen Zweifel an der von der drittstaatsangehörigen Person bekundeten Absicht, das Ho- heitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der Gültigkeit des beantragten Visums wieder zu verlassen, ist das Visum zu verweigern (Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK; BVGE 2014/1 E. 4.4 f.). Den Behörden kommt bei der Beurtei- lung, ob die Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt sind, ein weiter Spielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 3.6 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevor- aussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des F-5482/2021 Seite 6 betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betref- fende Staat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus humanitä- ren Gründen, aus so lchen des nationalen Interesses oder aufgrund inter- nationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a VK; Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 4. 4.1 Bei der Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise steht ein zukünftiges Verhalten in Frage, weshalb sich darüber lediglich Prognosen treffen lassen. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalls zu würdigen. Die Beweisführungslast obliegt der gesuchstellenden Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 6 Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4). Anhaltspunkte zur Be- urteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise bilden einer- seits die allgemeine Lage im Herkunftsland und andererseits die individu- elle Situation der gesuchstellenden Person. Es rechtfertigt sich, Einreise- gesuchen von Personen aus Regionen mit politisch oder wirtschaftlich eher ungünstigen Verhältnissen mit einer gewissen Zurückhaltung zu begeg- nen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1). 4.2 Im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage in Sri Lanka wies die Vorinstanz in ihrem Entscheid auf die schwierigen wirtschaftlichen und po- litischen Verhältnisse in der Herkunftsregion der Gesuchstellerin und einen damit einhergehenden Migrationsdruck hin. Sri Lanka befindet sich aktuell in einer schweren Wirtschafts- und Finanz- krise, wobei es zu Engpässen bei der Versorgung mit Gütern wie Treibstoff, Strom, Medikamenten und Lebensmitteln kommt. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Sri Lankas beschleunigte sich ab 2019 in Folge politischer Fehlentscheide (bspw. abruptes Verbot von chemischem D ün- ger) und finanziellem Missmanagement und wurde durch die negativen Auswirkungen der Pandemie noch verstärkt (vgl. < https://www.seco.ad- min.ch > Aussenwirtschaft & Wirtschaftliche Zusammenarbeit > Wirt- schaftsbeziehungen > Länderinformat ionen > Asien > Südasien > Sri Lanka > Wirtschaftsbericht 2022, abgerufen am 2.12.2022 ). Dies hat zu landesweiten Protesten und teilweise gewaltsamen Ausschreitungen so- wie schliesslich dazu geführt, dass Präsident Gotabaya Rajapaksa im Juli 2022 das Land verlassen hat. Es bestehen weiterhin hohe politische und soziale Spannungen, wobei die weitere Entwicklung der Lage ungewiss ist. F-5482/2021 Seite 7 Seit den terroristischen Anschlägen am Ostersonntag 2019 bleibt auch die Sicherheitslage angespannt (< https://www.eda.admin.ch > Reisehinweise und Vertretungen > Reisehinweise für Sri Lanka, abgerufen am 2.12.2022). Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung, der durch das Ent- wicklungsprogramm der Vereinten Nationen im Sinne eines Wohlstandsin- dikators erstellt wird, belegt Sri Lanka Platz 73 von 191 gelisteten Staaten (vgl. < https://hdr.undp.org > Reports and Publications ˃ Human Develop- ment Report 2021-22, abgerufen am 2.12.2022). 4.3 Vor diesem Hintergrund besteht bei der sri-lankischen Bevölkerung ein vielfacher Wunsch nach Auswanderung, der erfahrungsgemäss dort be- günstigt wird, wo bereits Verwandte oder Bekannte im Ausland leben. Dass die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerec hten Wiederausreise von Besucherinnen und Besuchern aus Sri Lanka daher allgemein als hoch einschätzt, ist nicht zu beanstanden . Es kann auch nicht, wie auf Be- schwerdeebene vorgebracht, in genereller Weise primär auf die jüngere Bevölkerungsgruppe beschränkt werden. 4.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die allgemeinen Um- stände, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen. Durch besondere berufliche, gesellschaftliche oder fa- miliäre Verpflichtungen kann die Prognose für eine anstandslose Wieder- ausreise begünstigt werden. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine derartigen Verpflichtungen haben, das Risiko eines auslän- derrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Ein- reise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1). 4.5 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 60-jährige verwitwete Frau, die in Y ._______, der Hauptstadt der Z._______ Sri Lankas, lebt. Ge- mäss den Angaben des Beschwerdeführers befinden sich drei ihrer er- wachsenen Kinder in der Schweiz, ein weiterer Sohn in London. Die Ge- suchstellerin selbst lebe in ihrer Heimat in einem Haushalt mit der Familie ihrer Tochter sowie einer weiteren Tochter zusammen und sei dort fest ver- ankert. Insbesondere betreue sie die beiden Enkelkinder im Alter von fünf und sieben Jahren. Auch mit ihrer Schwester, welch e nebenan wohne, stehe sie in täglichem Kontakt. Als Grund für den Visumsantrag gab die Gesuchstellerin zunächst die Hochzeit des Sohnes in der Schweiz (im September 2021), später einspracheweise die bevorstehende Geburt ihrer Enkelin im Frühjahr 2022, der Tochter des Beschwerdeführers, an. Mit ergänzender Eingabe vom 21. Februar 2022 an das Bundesverwaltungs- gericht wurde darauf hingewiesen, dass die Enkelin am (…) 2022 geboren F-5482/2021 Seite 8 worden sei und aus ärztlicher Sicht empfohlen werde, der Gesuchstellerin die Einreise zur Unterstützung der jungen Mutter (Ehefrau des Beschwer- deführers) zu erlauben (unter Beilage eines ärztlichen Zeugnisses vom 21. September 2021 des D._______ [Beilage 6 zu BVGer-act. 4]). 4.6 Es soll an dieser Stelle nicht in Frage gestellt werden, dass die Ge- suchstellerin an ihrem Wohnort sozial eingebunden ist. Es erscheint zudem glaubhaft, dass sie dort gewisse Haushalts- und Betreuungsaufgaben übernimmt. Die Ausführungen des Beschwerdeführers lassen hingegen nicht den Schluss zu, es handle sich um Aufgaben, welche die Präsenz der Gesuchstellerin in Sri Lanka zwingend erforderlich machen würden, wofür auch der geplante Besuchsaufenthalt von knapp drei Monaten in der Schweiz spricht. Angesichts des fortgeschrittenen Alters der Gesuchstelle- rin sind überdies gewisse Vorbehalte in Bezug auf die geschilderten Auf- gaben anzubringen. 4.7 Unter diesen Umständen muss der wirtschaftlichen Situation der Ge- suchstellerin in Sri Lanka besonderes Augenmerk gewidmet werden. Dies- bezüglich wird auf Beschwerdeebene unter Beilage entsprechender Be- weismittel ausgeführt, die Gesuchstellerin besitze in V._______, einem Vorort der Stadt Y ._______, ein Haus (Beilage 5 zu BVGer-act. 1). Ferner wurden Unterlagen von Bankkonten der Gesuchstellerin bei der E._______ Bank (…) mit einem Saldo über LKR 676’005.56 (Fr. 1 ’709.27) und der F._______ Bank mit einem Saldo über LKR 659'336.97 (Fr. 1’439.56) ein- gereicht (Beilage 10 zu BVGer -act. 4). Diese Unterlagen sind allerdings dahingehend zu relativieren, als sich in den Akten keinerl ei Angaben zur Herkunft der Vermögensbeträge finden. Es wird vielmehr ausgeführt, die Gesuchstellerin sei Hausfrau und betreue, wie bereits erwähnt, die beiden Enkelkinder, mit welchen sie zusammenlebe. Auch wenn geltend gemacht wird, sie habe keinerlei finanzielle Schwierigkeiten, kann damit über die Kontinuität der Vermögenslage kein zuverlässiges Bild gemacht werden. So fällt auch auf, dass beide Konten noch kurz vor der Eingabe der ent- sprechenden Beweismittel am 21. Februar 2022 einen deutlich tieferen Saldo auf wiesen (E._______-Konto: LKR 1’005.56 bzw. Fr. 2.54 per 30.01.2022; F._______-Konto: LKR 51'836.97 bzw. Fr. 131.07 per 31.01.2022). Es bleibt unklar, ob es sich um selbsterwirtschaftetes Vermö- gen oder um Unterstützungsbeiträge des Beschwerdeführers bzw. der üb- rigen Kinder der Gesuchstellerin handelt. Einen hinreichenden Beleg einer sicheren wirtschaftlichen Existenz in Sri Lanka, welche sie von einer Emig- ration abhalten könnte, bleibt die Gesuchstellerin jedenfalls schuldig. Dass ihr dort besondere gesellschaftliche Verpflichtungen obliegen würden, F-5482/2021 Seite 9 macht sie sodann nicht geltend. Vor diesem Hintergrund erscheint das Ri- siko, dass sie die Schweiz nach ihre m Aufenthalt nicht wieder verlassen könnte, auch unter Berücksichtigung der vorgebrachten familiären Bindun- gen im Heimatland als erheblich. Aus dem Umstand, dass die Schwester der Gesuchstellerin im Jahr 2019 nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz fri stgerecht wieder ausgereist ist, kann die Gesuchstellerin schliesslich nichts zu ihren Gunsten ableiten. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer hat im Rahmen der kantonalen Abklärungen eine Garantieverpflichtung über Fr. 30'000.– abgegeben (SEM-act. 6/114). Auf Beschwerdeebene erklärt er erneut explizit seine Bereitschaft, als Ga- rantie für die korrekte Wiederausreise der Gesuchstellerin die genannte Sicherheitsleistung zu hinterlegen. Es fragt sich daher, ob dem Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise der Gesuchstellerin und den in diesem Fall insbesondere entstehenden Aufenthalts- und Rückreisekosten vorlie- gend mit der Auferlegung einer Kaution Rechnung getragen werden kann (vgl. Art. 6 Abs. 3 SGK i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. b AIG; vgl. auch Art. 6 Abs. 3 AIG [vgl. hierzu und zum Folgenden BVGE 2019 VII/1 E. 9.2; 2018 VII/6 E. 8.3]). Die vorgängige Hinterlegung einer Kaution soll im Einklang mit Art. 5 Abs. 2 AIG und Art. 6 Abs. 1 Bst. c sowie Abs. 3 SGK (s. auch An- hang I) ebenfalls dazu dienen, Gewähr für die sichere Wiederausreise bei Ablauf des Visums zu bieten (vgl. Urteile des BVGer F -2075/2020 vom 26. November 2020 E. 7.1; F-560/2019 vom 25. Juni 2019 E. 6.6). 5.2 Im Urteil BVGE 2018 VII/6 wurde die Möglichkeit der Hinterlegung ei- ner Kaution für einen 30-tägigen Besuchsaufenthalt einer 35-jährigen, ver- heirateten Frau aus Gambia bei ihrem Cousin in der Schweiz bejaht, da ihr als Mutter von drei minderjährigen Kindern sowie als Ehe - und Hausfrau eine familiäre Verantwortung oblag, die besondere Gewähr für eine Rück- kehr ins Heimatland bot. Ihre wirtschaftliche Situation konnte als eher vor- teilhaft bezeichnet werden. In weiteren Fällen, in denen das Bundesver- waltungsgericht auf Beschwerdegutheissung schloss und die Visumsertei- lung unter der Bedingung einer Kautionszahlung als möglich erkannte, war die soziale und wirtschaftliche Situation der gesuchstellenden Person im Heimatland jeweils belegtermassen als hinreichend stabil einzustufen (vgl. etwa Urteile des BVGer F -2086/2020 vom 17. Mai 2021 E. 6.4; F-2075/2020 vom 26. November 2020 E. 6.4). Zumindest waren aber meh- rere anstandslose Ausreisen aus dem Schengen-Raum aktenkundig, wel- che ein künfti g regelkonformes Verhalten nahelegten (vgl. Urteile des F-5482/2021 Seite 10 BVGer F-5925/2018 vom 24. Juni 2020 E. 8.7; F-1022/2019 vom 14. Feb- ruar 2020 E. 8.5). Die Lage der Gesuchstellerin stellt sich insofern anders dar, als sie – wie gesehen (vgl. vorstehend E. 4.5 ff.) – weder ein regel- mässiges Einkommen noch besondere familiäre oder gesellschaftliche Verpflichtungen nachgewiesen hat. Es ist im Weiteren kein anlassbezoge- ner, zeitlich eng umgrenzter Besuchsaufenthalt beabsichtigt. Vielmehr scheint die beantragte Visumsdauer von 89 Tagen für einen Familienbe- such als sehr lange (vgl. Urteil des BVGer F-1218/2022 vom 29. November 2022 E. 8.3 m.H.). Zudem verfügt die Gesuchstellerin in der Schweiz durch ihre hier lebenden erwachsenen Kinder über ein vorbestehendes familiäres Beziehungsnetz, was das Emigrationsrisiko erhöht. Das Bunde sverwal- tungsgericht kommt daher vor dem Hintergrund der a ktuellen Aktenlage zum Schluss, dass sich das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederaus- reise auch unter Berücksichtigung der Hinterlegung einer Kaution nicht auf ein vertretbares Niveau senken lässt. 6. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Situation im Heimatland und vor dem dargelegten persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und an- standslose Wiederausreise der Gesuchstellerin besteht. Demnach wurde das Visum für den Schengen -Raum zu Recht verweigert. Für eine Rück- weisung der Sache an die Vorinstanz, wie eventualiter beantragt, besteht kein Anlass. Gründe humanitärer oder anderer Art, welche die Erteilung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit rechtfertigen würden (vgl. dazu vorstehend E. 3.6), liegen nicht vor. Auch wenn grundsätzlich ein berechtigtes Interesse an einem Wiedersehen zwischen der Gesuchstelle- rin und ihrem Sohn sowie dessen Familie besteht und der Beschwerdefüh- rer als anerkannter Flüchtling seine Mutter nicht in Sri Lanka besuchen kann, so ist davon auszugehen, dass es ihm als Inhaber einer Aufenthalts- bewilligung sowie eines Reiseausweises für Flüchtlinge möglich ist, in ei- nen Drittstaat zu reisen (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; Urteil e des BVGer F- 5669/2021 vom 12. Mai 2022 E. 7; F-3660/2017 vom 22. J anuar 2018 E. 7). Der Wunsch des Beschwerdeführers, seiner Mutter den Besuch ihrer Familienangehörigen in der Schweiz zu ermöglichen, hat demnach in den Hintergrund zu treten. 7. Aus den vor stehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfü- gung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Be- schwerde ist daher abzuweisen. F-5482/2021 Seite 11 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-5482/2021 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 21. Februar 2022 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Corina Fuhrer Versand: