Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. August 2021 (720 20 452 / 211) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts / Verwertbarkeit der Restarbeitsfä- higkeit Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichteri n Susanne Afheldt, Kantonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Georg Ranert, Advokat, Schulstrasse 23, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1965 geborene, zuletzt als Reinigungsmitarbeiter in erwerbstätig gewesene A.____ meldete sich am 8. Oktober 2018 unter Hinweis auf versch iedene gesundheitliche Beeinträchti- gungen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft prüfte als erstes die Gewähru ng beruflicher Massnahmen. Dabei gelangte sie jedoch zur Auffassung, dass bei der Versicherten kein Eingliederungspotential vor- handen sei, weshalb man den Eingliederungsauftrag been de. Dies teilte sie A.____ am 1. Feb- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ruar 2019 mit, gleichzeitig orientierte sie die Versich erte darüber, dass man das Dossier zur Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs der hierfür zuständigen Abteilung übergebe. Letztere klärte in der Folge die gesundheitlichen, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse weiter ab. Gestützt auf die betreffenden Ergebnisse e rmittelte die IV-Stelle bei der Versicherten in Anwendung der allgemeinen Methode des Einkommensve rgleichs einen Invaliditätsgrad von 22 %, worauf sie - nach durchgeführtem Vorbescheidverfah ren - mit Verfügung vom 20. Oktober 2020 einen Rentenanspruch von A.____ ablehnte. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Georg Ranert, am 20. November 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die angefochten e Verfügung sei aufzuheben und es sei ein Invaliditätsgrad von 60 % zu bestimmen, womit ihr eine Dreiviertelsrente zuzusprechen sei; unter o/e-Kostenfolge. Zudem seien ihr die unentgeltl iche Rechtspflege und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter zu gewähren. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Dezember 2020 beantr agte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 9. Februar 2021 wies das Kanton sgericht das Gesuch der Be- schwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Re chtspflege und der unentgeltlichen Verbeiständung mit Advokat Georg Ranert als Rechtsvertreter mangels prozessualer Bedürftig- keit ab. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 20. November 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, ob und gegebe- nenfalls in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrun d ihrer gesundheitlichen Beein- trächtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Vorliegend gab die IV-Stelle zur Abklärung des Gesu ndheitszustands und der Arbeits- fähigkeit der Versicherten bei den Dres. med. B.____, Rheumatologie FMH, und C.____, Psy- chiatrie und Psychotherapie FMH, ein bidisziplinäres (rhe umatologisches/psychiatrisches) Gut- achten in Auftrag. 5.2.1 Im rheumatologischen Teilgutachten vom 21. Febru ar 2020 erhob Dr. B.____ als Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Fem oropatellararthrose und eine beginnen- de mediale Gonarthrose beidseits bei Genua vara (MRT der Kniegelenke vom 8. Juni 2018 und Röntgenbilder vom 25. Mai 2018). Zur Frage der Arbeitsfähigkeit hielt er fest, aus rheumatologi- scher Sicht sei der Explorandin in ihrer angestammten T ätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin noch eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 40 % zumu tbar. Eine körperlich leichte, vorwie- gend sitzende Tätigkeit ohne spezifische Belastung der K niegelenke und ohne Tätigkeiten wie- derholt oder längerdauernd über der Schulterhorizonta len, insbesondere ohne Überkopfarbei- ten, sei der Versicherten aus rein rheumatologischer S icht - also ohne Berücksichtigung der Zeichen der Schmerzfehlverarbeitung - ganztags zumutbar. Aufgrund der organisch begründba- ren Schmerzen sei jedoch von einer Einschränkung der L eistungsfähigkeit im Sinne eines et- was erhöhten Pausenbedarfs oder eines etwas reduzierten A rbeitstempos auszugehen. Insge- samt schätze er die Restarbeitsfähigkeit unter Berücksicht igung der genannten Leistungsein- busse in einer ideal adaptierten Tätigkeit auf 80 %. 5.2.2 Im psychiatrischen Teilgutachten vom 29. Februar 2020 diagnostizierte Dr. C.____ als Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine lei cht- bis mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.01). Aus rein psychiat rischer Sicht sei bei der Explo- randin deswegen seit September 2018 sowohl in der ange stammten als auch in einer ange- passten Tätigkeit von einer 20 %-igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Im Rahmen seiner Beurteilung äusserte sich Dr. C.____ sodann auch zur abweichenden Einschät- zung des behandelnden Psychiaters Dr. med. D.____, Psychia trie und Psychotherapie FMH, in dessen Bericht vom 4. Oktober 2019. Darin hatte diese r die Versicherte aufgrund einer mittel- gradigen depressiven Episode als vollständig arbeitsunfähi g bezeichnet. Der Gutachter Dr. C.____ führte dazu aus, diese Beurteilung sei fü r ihn nicht nachvollziehbar, der behandeln- de Psychiater begründe sie denn auch mit invaliditätsfre mden Faktoren wie zum Beispiel gerin- gen Sprachkenntnissen und einer mangelnden Ausbildun g. Zu beachten sei ausserdem, so Dr. C.____ weiter, dass eine mittelgradige Depressivität höchstens zu einer 50 %-igen Arbeits- unfähigkeit führen könnte. 5.2.3 Im Rahmen ihrer interdisziplinären Konsensbeurt eilung gelangten die Dres. B.____ und C.____ zum Schluss, dass keine Gründe für eine Addit ion der aus psychiatrischer und aus rheumatologischer Sicht attestierten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. Eine Gesamtbeurteilung ergebe somit eine Beeinträch tigung in einer angepassten Tätigkeit in der Höhe von 20 %, wobei bezüglich der Umschreibung der zumutbaren Tätigkeiten die Anga- ben im rheumatologischen Teilgutachten übernommen werden könnten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 20. Oktober 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeits fähigkeit der Versicherten auf die Er- gebnisse, zu denen die Gutachter Dres. B.____ und C.___ _ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 21./29. Februar 2020 gelangten. Sie ging davon au s, dass der Versicherten nach Ablauf des Wartejahres die Ausübung einer leidensadaptierte n Tätigkeit im Umfang von 80 % zumut- bar sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltung sverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund einge hender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigun g volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigke it der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutach ten der Dres. B.____ und C.____ vom 21./29. Februar 2020 weist weder formale noch inhaltl iche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - fü r die streitigen Belange umfassend, es be- ruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt d ie geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zu- sammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizini schen Situation ein und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Ebenso setzt es sich ausre ichend mit den vorhandenen ab- weichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander. Insbeson dere zeigt Dr. C.____ schlüssig auf, weshalb nicht auf die deutlich höhere Arbeitsunfä higkeitsbeurteilung des behandelnden Psychiaters Dr. D.____ abgestellt werden kann. 6.2 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ vom 21./29. Februar 2020 in Frage zu stellen. Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen, d ass die aus psychiatrischer und aus rheumatologischer Sicht attestierten Arbeitsunfähigkeit sgrade von je 20 % zu addieren seien. Dieser Auffassung kann jedoch nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu, dass die Begründung in der Konsensbeurteilung der beiden Fachärzte, wonach die Einschränkungen nicht zu addieren seien, knapp ausgefallen ist. Darüber hinaus bringt die Beschwerdeführerin keine stichhaltigen Gründe vor, die für eine Addition der Einschränkunge n sprechen würden. Solche ergeben sich aber auch nicht aus den Akten. Dem Gutachten lässt sich vie lmehr entnehmen, dass der Psy- chiater Dr. C.____ der Versicherten lediglich in zeitlich er Hinsicht eine 20 %-ige Einschränkung in der Leistungsfähigkeit attestierte. Diese zeitliche Reduktion des zumutbaren Arbeitspensums deckt sich aber weitgehend mit dem vom Rheumatologen Dr. B.____ aus somatischer Sicht postulierten "etwas erhöhten Pausenbedarf" der Versicher ten. Es ist deshalb nicht zu bean- standen, dass die beiden Gutachter in ihrer Konsensbeur teilung eine Addition der attestierten Einschränkungen nicht für angezeigt erachteten. Die IV-S telle ging somit in der angefochtenen Verfügung zu Recht von einer gesamthaft 20 %-igen Be einträchtigung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit aus. 7.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, diese Restar beitsfähigkeit sei auf dem für sie in Frage kommenden Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar . Eine Stelle, die dem beschriebenen zumutbaren Anforderungsprofil entspreche, lasse sich nich t mehr finden. Aufgrund der Ein- schränkung, wonach die Verweistätigkeit vorwiegend sitzend ausgeübt werden solle, würden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht viele leichte Hilfstätigkeiten ausscheiden und für eine si tzende Tätigkeit im Büro (z.B. Buchhal- tung, Sekretariat) fehle ihr die entsprechende Arbeit serfahrung. Zudem würden auch bei im Sit- zen ausgeübten Tätigkeiten wie Sortier- oder Montagea rbeiten ein reduziertes Arbeitstempo oder ein vermehrter Pausenbedarf meist nicht toleriert. Darüber hinaus seien ihre sprachlichen Schwierigkeiten, ihre fehlende Qualifikation und ihr Alter zu berücksichtigen. 7.2 Gemäss der oben (vgl. E. 3.2 hiervor) zitierten Be stimmung von Art. 16 ATSG ist bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads von einer ausgeglich enen Arbeitsmarktlage auszugehen. Ein solcher Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein ge wisses Gleichgewicht zwischen Ange- bot und Nachfrage nach Arbeitskräften; er weist einen F ächer verschiedenster Tätigkeiten auf und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflic hen und intellektuellen Voraussetzun- gen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Dabe i ist nicht von realitätsfremden Ein- satzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verla ngt werden, die unter Berück- sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegeben heiten des Einzelfalles zumutbar sind. Anderseits sind an die Konkretisierung von Arbeitsge legenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen (Sozialversich erungsrecht – Rechtsprechung [SVR] 2008, IV Nr.62 E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen). 7.3 Wie oben festgehalten (vgl. E. 5.2 hiervor), ist de r Versicherten aus gutachterlicher Sicht eine körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätig keit ohne spezifische Belastung der Kniegelenke und ohne Tätigkeiten wiederholt oder län gerdauernd über der Schulterhorizonta- len, insbesondere ohne Überkopfarbeiten, ganztags zumut bar, wobei aufgrund der organisch begründbaren Schmerzen von einer Einschränkung der Leist ungsfähigkeit im Sinne eines et- was erhöhten Pausenbedarfs oder eines etwas reduzierten Arbeitstempos und somit insgesamt von einer Restarbeitsfähigkeit in einer leidensadaptie rten Tätigkeit 80 % auszugehen ist. In Be- rücksichtigung dieses Zumutbarkeitsprofils steht der Beschw erdeführerin immer noch eine be- trächtliche Zahl an verschiedenen Hilfsarbeitertätigkeit en offen. Es gibt viele einfache Arbeiten, die im Sitzen ohne spezifische Belastung der Kniegelenk e und ohne längere Tätigkeit über der Schulterhorizontalen ausgeübt werden können. Es sind nich t nur qualifizierte Bürojobs wie Buchhaltungs- und Sekretariatsarbeiten möglich, sondern auch Überwachungs-, Prüf- und Kon- trolltätigkeiten, Sortierarbeiten sowie leichte Verpack ungsarbeiten. Diese grundsätzlich einfa- chen Tätigkeiten sind ihr auch unter Berücksichtigung ihr er ausserhalb der angestammten Tä- tigkeit fehlenden Berufserfahrung, ihrer sprachlichen Schwierigkeiten und ihres Alters zumutbar. Zudem kann dem erhöhten Pausenbedarf und/oder Arbei tstempo auch bei derartigen Arbeiten durchaus Rechnung getragen werden. Somit kann aber e ntgegen der Auffassung der Be- schwerdeführerin nicht gesagt werden, dass in ihrem Fall von realitätsfremden und in diesem Sinne unmöglichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeiten ausgegangen wird. 8.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 h iervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober 2020 den erforder- lichen Einkommensvergleich vorgenommen. Da die Versicher te aktuell keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und sie ihre letzte grössere Teilzeit-Stelle a ufgrund von invaliditätsfremden Faktoren verloren hatte, ermittelte die IV-Stelle nicht nur d as Invaliden-, sondern auch das Validenein- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommen unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (vgl. dazu BGE 126 V 75 E. 3b/ bb mit Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Dabei gelangte sie anhand der Gegenüberste llung eines Valideneinkommens von Fr. 49'161.-- und des auf der Basis einer 80 %-igen Ar beitsfähigkeit ermittelten zumutbaren In- valideneinkommens von Fr. 38'355.-- zu einem Invalidität sgrad von 22 %. Die Beschwerdeführ- rein wendet sich einzig gegen die Berechnung des Invali deneinkommens. Sie macht auch in diesem Zusammenhang geltend, ihre Restarbeitsfähigkeit sei in einer leidensadaptierten Tätig- keit nicht mehr verwertbar. Somit müsse das Invalidenein kommen auf der Basis einer 40 %- igen Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigke it bemessen werden, was zu einer ent- sprechend höheren Erwerbseinbusse führe. Dieser Einwand erweist sich ebenfalls als unbe- gründet. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 7.3 hiervor), i st die der Versicherten attestierte Restar- beitsfähigkeit von 80 % in einer angepassten Verweistä tigkeit durchaus verwertbar. Somit hat die IV-Stelle das Invalideneinkommen zu Recht nach dem Lohn, den die Versicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit im Rahmen eines 80 %-Pens ums erzielen würde, und nicht nach dem deutlich tieferen, in der angestammten Tätigkeit mit einem 40 %-Pensum erzielbaren Ge- halt berechnet. 8.2 Die vorinstanzliche Bemessung des massgebenden Validen - und des zumutbaren In- valideneinkommens erweist sich (auch) in den übrigen Punkte n als korrekt. Die von der IV- Stelle ermittelten Zahlen sind denn auch - abgesehen vom vorstehend erörterten Einwand - in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zum Einkommensvergleich abgesehen werden. 9. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV- Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober 2020 einen Rentenanspruch der Versicherten zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewie- sen werden muss. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 10.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerde führerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht