<h2>SubmittedText<h2><p>Im Bereich der Mobilität gab es in der Schweiz in den letzten Jahren keine Innovation, die so erfolgreich war wie das Carsharing. Neben der Carsharing-Genossenschaft Mobility, die über 100 000 Kundinnen und Kunden zählt, gibt es eine Fülle an Sharingangeboten für Privatautos, Parkplätze oder Infrastrukturen - verschiedene Dienstleistungen, die unter der Bezeichnung "kollaborative Mobilität" oder "Ko-Mobilität" zusammengefasst werden. In diesem Bereich gibt es inzwischen zahlreiche Plattformen (Sharoo, carpooling.com, parku, park it usw.), welche die Angebote der internationalen Dienstleister ergänzen, die in immer mehr Agglomerationen der Schweiz Fahrzeuge ohne fixen Standort anbieten. Als Gastland des internationalen Kongresses "World Collaborative Mobility Congress" wurde die Schweiz zu einer Drehscheibe für diese neue Branche und die damit verbundenen Entwicklungen.</p><p>Nun möchte ich vom Bundesrat Folgendes wissen:</p><p>1. Welchen Stellenwert räumt der Bundesrat den verschiedenen Formen der Ko-Mobilität in seiner Strategie zur Mobilitätsentwicklung in der Schweiz ein?</p><p>2. Hat er Studien durchgeführt oder durchführen lassen, um zu untersuchen, welchen Einfluss die verschiedenen Formen der Ko-Mobilität auf unsere Verkehrspolitik und auf einen vernünftigen Umgang mit knappen Ressourcen wie dem städtischen Raum haben und welchen Beitrag sie dazu leisten könnten, dass der Ressourcenbedarf für die verschiedenen Verkehrsmittel weniger stark zunimmt?</p><p>3. Falls solche Studien existieren: Welches sind die Resultate?</p><p>4. Welche Massnahmen hat der Bund beschlossen oder geplant, um die Ko-Mobilität zu fördern, und welches sind die entsprechenden Massnahmen der Kantone und Gemeinden, von denen der Bund Kenntnis hat?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Verkehr hat einen Anteil am Energieverbrauch von mehr als einem Drittel. Im motorisierten Individualverkehr besteht ein erhebliches Energieeffizienzpotenzial. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Effizienzsteigerung der Antriebssysteme. Bedeutende zusätzliche Einsparpotenziale bestehen aber auch bei Verhaltensmassnahmen, insbesondere bei der Wahl und Auslastung der Transportmittel, verbunden mit einer Reduktion des Verkehrsaufkommens. Dazu gehören auch die verschiedenen Formen der Ko-Mobilität wie z. B. Carsharing oder Carpooling. Carsharing hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre in der Schweiz stark entwickelt. Verantwortlich dafür waren Pioniere wie die ATG (Auto Teilet Genossenschaft) und Sharecom. Mit deren Fusion im Jahr 1997 zur Mobility-Genossenschaft, einem landesweit vertretenen Anbieter mit einheitlichen Produkten, galt die Schweiz international lange Zeit als Vorzeigebeispiel. Der Carsharing-Markt wächst zurzeit angebotsseitig, doch auch das nutzerseitige Wachstumspotenzial bleibt gross. Carsharing profitiert dabei von einer Entwicklung, gemäss welcher das Teilen und Tauschen von Produkten (Sharing-Ökonomie) an Bedeutung gewinnen. Das hat u. a. dazu geführt, dass sich heute Fahrzeughersteller in Richtung Mobilitätsanbieter entwickeln und neue Angebote und Dienstleistungen entstehen. </p><p>Zu den gestellten Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>Der Bund fördert die Ko-Mobilität seit Jahren im Rahmen konkreter Umsetzungsprojekte, insbesondere im Rahmen der jährlichen Ausschreibungen des Dienstleistungszentrums für nachhaltige und innovative Mobilität oder des Programms Energie Schweiz. Beispiele für vom Bund finanziell unterstützte Projekte sind "e-covoiturage.ch" (Carpooling-Projekt), "E-Mobility" (kombiniertes Flottenmanagement mit Elektrofahrzeugen), "Mobility@home" (Umsetzung eines marktfähigen und umsetzbaren Produktes für autoarme und autofreie Wohnüberbauungen), "FairPark (R) - Smart mobility manager" (Webplattform für Unternehmen, u. a. zur Kombination von Carpooling und Parkplatzbewirtschaftung) und "E-Motion Zürich" (Teilen von Elektroautos).</p><p>Sowohl in der Schweiz als auch im Ausland wurde die Wirkung von Ko-Mobilitäts-Massnahmen untersucht. Hierzu gab das Bundesamt für Energie (BFE) dem Forschungsinstitut Interface 2006 die Studie "Evaluation Car-Sharing" in Auftrag, die Mobility mit Eigenleistungen unterstützte. Die von Mobility und Interface auf Basis des Mikrozensus 2010 aktualisierten Resultate zeigen, dass aufgrund der Mobility-Mitgliedschaft ein Haushalt seine Auto-Kilometer um 27 Prozent verringert, währenddessen 12 Prozent mehr Kilometer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Zudem reduziert Carsharing den Verkehr auf den Strassen: 30,5 Prozent der Befragten haben nach ihrem Carsharing-Beitritt mindestens ein privates Motorfahrzeug verkauft. Carsharing-Kunden haben laut Studie aufgrund eines geänderten Mobilitätsverhaltens ihren jährlichen CO2-Ausstoss um etwa 300 Kilo reduziert.</p><p>Der Bundesrat ist überzeugt, dass sich Ko-Mobilitäts-Angebote nicht zuletzt dank den Möglichkeiten der Informationstechnologien stark weiterentwickeln werden. Die Vielzahl privater Initiativen im In- und Ausland und das Interesse grosser Automobilkonzerne und Softwareanbieter zeigen, dass der Markt zu spielen beginnt und für innovative Unternehmen attraktive Geschäftsmodelle möglich sind. In Zusammenhang mit der Energiestrategie des Bundes spielen Verhaltensmassnahmen und damit auch Ko-Mobilitäts-Projekte eine zunehmend wichtige Rolle. Aufgabe der öffentlichen Hand wird es sein, optimale Rahmenbedingungen für die Verbreitung von Produkten der Ko-Mobilität zu schaffen und sicherzustellen, dass Projekte im Bereich Ko-Mobilität auch tatsächlich einen Beitrag zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele des Bundesrates leisten. </p>  Antwort des Bundesrates.