Abteilung I A-5745/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 1 1 . J u n i 2 0 1 0 Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, Richter Michael Beusch, Gerichtsschreiber Urban Broger. A._______ Inc., vertreten B._______, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 3003 Bern, Vorinstanz. MWST; Vorsteuerabzug; Steuerumgehung; Q01/2001-Q03/2003. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandA-5745/2008 Sachverhalt: A. Die A._______ Inc. mit Sitz auf den Cayman Islands wurde per 1. No - vem ber 2000 ins Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen. Auf dem Fragebogen zur Mehrwertsteuerpflicht hatte sie angegeben, ihre Geschäftstätigkeit bestehe in der Vercharterung von Flugzeugen. Am 24. April 2001 liess die A._______ Inc. ein Flugzeug des Typs Learjet 31A in die Schweiz einführen. Die darauf entrichtete Einfuhr- steuer im Betrag von Fr. 800'580.-- forderte sie mit der Mehrwertsteu- erabrechnung für das 2. Quartal 2001 (Q02/2001) wieder zurück. Im Übrigen deklarierte die A._______ Inc. für die fraglichen Perioden folg- ende Steuern und Vorsteuern (in Fr.): Quartal Steuerbarer Gesamtumsatz (Ziff. 060) Total Steuer (Ziff. 100) Anrechenbare Vorsteuer (Ziff. 110 + 111) Schuld (-) / Guthaben der Steuerpflichtigen (Ziff. 150 oder 160) Q01/2001 0.00 0.00 0.00 0.00 Q02/2001 339'592.00 25'809.00 800'580.00 774'771.00 Q03/2001 88'257.50 6'707.55 0.00 -6'707.55 Q04/2001 62'300.00 4'734.80 0.00 -4'734.80 Q01/2002 53'950.00 4'100.20 0.00 -4'100.20 Q02/2002 141'300.00 10'738.80 0.00 -10'738.80 Q03/2002 183'000.00 13'908.00 0.00 -13'908.00 Q04/2002 32'000.00 2'432.00 48'289.05 45'857.05 Q01/2003 21'175.00 1'609.30 5'372.52 3'763.22 Q02/2003 43'650.00 3'317.40 4'293.80 976.40 Q03/2003 53'225.00 4'045.10 11'764.70 7'719.60 Summe 77'402.15 870'300.07 792'897.92 B. Am 25. Februar 2004 prüfte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) die Bücher der A._______ Inc. über die Zeit vom 1. Ok tober 2000 bis 30. Sep tember 2003 (Q04/2000 bis Q03/2003). Dabei stellte sie fest, dass der Learjet gemäss Debitorenfakturen ausschliesslich an X._______, Genf, vermietet bzw. verchartert worden war. Weil sich gleichzeitig ergab, dass X._______ Aktionär der A._______ Inc. war, behandelte die ESTV die Gesellschaft als transparent und forderte mit Ergänzungsabrechnung vom 25. Februar 2004 den Betrag von Fr. 870'298.-- (gerundet) zurück, was sämtlichen von der Gesellschaft für die Zeit vom 1. Januar 2001 bis 30. Sep tember 2003 (Q01/2001 bis Seite 2A-5745/2008 Q03/2003) geltend gemach ten Vorsteuern entsprach (vgl. in der Tabel- le hiervor die Spalte «Anrechenbare Vorsteuer, Ziff. 110 + 111»). C. Mit Entscheid vom 9. Mai 2006 und Einspracheentscheid vom 6. Au- gust 2008 bestätigte die ESTV die Rückbelastung der Vorsteuern und begründete dies im Wesentlichen damit, dass ausschliesslich X._______ den Learjet benutzt habe, aber jeder Nachweis fehle, dass er die entsprechenden Rechnungen der A._______ Inc. auch begli- chen habe. Die geltend gemach ten Vorsteuern seien offensichtlich nicht in steuerbare Ausgangsum sätze geflossen; ein Vorsteuerabzug sei ausgeschlossen. Sodann müsse mit Blick auf die bundesgerichtli- che Rechtsprechung zu ähnlichen Fällen von einer Steuerum gehung ausgegangen werden. D. Mit Eingabe vom 8. September 2008 liess die A._______ Inc. (Be- schwerdeführerin) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhe- ben und sinngemäss beantragen, der Einspracheentscheid der ESTV vom 6. August 2008 sei aufzuheben und der mit Ergänzungsabrech- nung vom 25. Februar 2004 nachgeforderte Betrag von Fr. 870'298.-- sei ihr wieder gutzuschreiben. Weiter seien ihr für das in der Zeit vom 4. Quartal 2002 bis 3. Quartal 2003 deklarierte Vorsteuerguthaben von Fr. 58'316.27 zuzüglich 5% Zins seit wann rechtens innert zehn Tagen ab Rechtskraft des Beschwerdeentscheides auszuzahlen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ESTV. Sollte das Ge- richt jedoch der Auffassung der ESTV folgen und ihr, der Beschwerde- führerin, die Anerkennung als eigenes Steuersubjekt verweigern, so habe die ESTV Mehrwertsteuern von Total Fr. 40'189.35 zuzüglich Ver- zugszins von 5% seit wann rechtens zurückzuerstatten. E. Mit Vernehmlassung vom 19. November 2008 hielt die ESTV an ihrer im Einspracheentscheid geäusserten Rechtsauffassung fest und ver- langte im Wesentlichen die vollumfängliche Abweisung der Beschwer- de unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. F. Auf die weiteren Anträge, Eingaben und Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen einge- gangen. Seite 3A-5745/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Angefochten ist ein Einspracheentscheid der ESTV und damit eine Verfügung nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das Bundesver- waltungsgericht ist zuständige Beschwerdeinstanz (Art. 31, Art. 32 e contrario und Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2010 ist das Mehrwertsteuergesetz vom 12. Juni 2009 (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen gesetzli- chen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vorschriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse an- wend bar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Vorliegend ist ein Sachverhalt be- troffen, der zwischen dem 1. Januar 2001 und dem 30. September 2003 eingetreten ist. Er ist deshalb materiell nach dem für diese Zeit geltenden Bundesgesetz vom 2. Sep tember 1999 über die Mehrwert- steuer (aMWSTG, AS 2000 1300) zu beurteilen. 1.3 Demgegenüber ist das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht im Sinne von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängige Verfahren – und damit grundsätzlich auch auf das vorliegende – anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3 MWSTG insofern restriktiv auszulegen, als gemäss höchstrichterlicher Recht- sprechung nur eigentliche Verfahrensnormen sofort auf hängige Ver- fahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer Anwen dung von neuem ma teriellen Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (ausführlich: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1113/2009 vom 23. Februar 2010 E. 1.3). Namentlich die Verjährung ist ein materiell- rechtliches Institut. Im vorliegenden Fall zu klärende Verjährungsfragen werden deshalb nach dem aMWSTG beurteilt (Art. 112 Abs. 1 letzter Satz MWSTG i.V.m. Art. 93 aMWSTG; vgl. dazu BGE 126 II 1 E. 2a). 1.4 1.4.1Die ESTV verlangt in ihrer Vernehmlassung vom 19. November 2008 die Abweisung der Beschwerde, darüber hinaus aber auch die Feststellung, die Beschwerdeführerin habe die Voraussetzungen der Steuerpflicht in der Zeit vom 1. November 2000 (d.h. seit ihrem Eintrag Seite 4A-5745/2008 im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen) bis 30. Sep tember 2003 nicht erfüllt. Folglich sei die Beschwerdeführerin rückwirkend auf den 1. No vem ber 2000 aus dem Register der Mehrwertsteuerpflichtigen zu löschen. Die ESTV verlangt damit sinngemäss und über die Abwei- sung der Beschwerde hinaus einen Feststellungsentscheid bezüglich der subjektiven Steuerpflicht der Beschwerdeführerin. Sie verlangt aber auch eine (zeitliche) Ausdehnung des Streitgegenstandes, denn wa ren vom Einspracheentscheid die Steuerperioden zwischen 1. Janu- ar 2001 bis 30. Sep tember 2003 erfasst, will die ESTV nun auch die Zeit zwischen 1. No vem ber 2000 und 31. Dezember 2000 mitbeurteilt wissen. Sie begründet dies damit, dass gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts die Frage der Steuerpflicht unter Umständen auch in einem späteren Verfahrensstadium noch zum Verfahrensgegenstand erklärt werden könne. Die Voraussetzungen hierfür seien vorliegend erfüllt. 1.4.2Anfechtungsobjekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsge- richt bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid (AN DRÉ M OSER /MICHA EL BEUSCH /LO RENZ KNEUBÜHLER , Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs- gericht, Basel 2008, Rz. 2.7). Das Anfechtungsobjekt setzt den Rah- men, welcher den möglichen Umfang des Streitgegenstandes begrenzt (BGE 133 II 35 E. 2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_642/2007 vom 3. März 2008 E. 2.2; M OSER /BEUSCH /KNEUBÜHLER , a.a.O., Rz. 2.7). Ob jekt eines Beschwerdeverfahrens kann folglich nur sein, was bereits im vorinstanzlichen Verfahren zu beurteilen war. Gegenstände, über welche die Vorinstanz nicht entscheiden musste, können aus Gründen der funktionellen Zuständigkeit durch die übergeordnete Rechtsmittel- behörde nicht geprüft werden (Urteil des Bundesgerichts 2C_687/2007 vom 8. April 2008 E. 1.2.1). 1.4.3Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es sich aus prozessökonomischen Gründen ausnahmsweise rechtfertigen, den Streitgegenstand durch Antragsänderungen und -erweiterungen aus- zudehnen, wenn die Betroffenen und die Verwaltung Gelegenheit hat- ten, sich im Laufe des Verfahrens dazu zu äussern und eine enge Be- ziehung zum bisherigen Streitobjekt besteht (anstelle zahlreicher: Ur- teil des Bundesgerichts 2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 2.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1557/2006 vom 3. De zember 2009 E. 1.4). Als zulässig erachtete das Bundesgericht etwa, die im Verwal- tungsverfahren noch nicht diskutierte Frage der Rückforderung von Mehrwertsteuern durch die vermeintlich steuerpflichtige Person erst- Seite 5A-5745/2008 mals vor der Steuerrekurskommission aufzunehmen (erwähn tes Urteil 2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 2.3; Entscheid der Eidgenössi- schen Steuerrekurskom mission [SRK] 2003-043 vom 28. Januar 2004 E. 7a.bb). Die Rückforderung sei lediglich logische Folge der mangeln- den Steuerpflicht. Zwischen der mangelnden Steuerpflicht und der Rückerstattungsfrage bestehe ein derart enger, konnexer Zusam men - hang, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kön- ne (erwähntes Urteil 2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 2.3). 1.4.4Im erwähnten Urteil, auf das sich die ESTV vorliegend ausdrück- lich beruft, ging es um eine Ausweitung des Streitgegenstandes auf Fragen, die die gleiche Steuerperiode betrafen. Mithin war dies die Konsequenz aus der richterlichen Feststellung, dass in den nämlichen Steuerperioden erzielte Umsätze von der Steuer ausgenom men ge we - sen waren, womit – nachträglich – der Umsatz sank und die mit dem Um satz zusam menhängende bzw. daraus folgende Eigenschaft als Steuersubjekt wegfiel und – folgerichtig – eine Rückabwicklung des Steuerrechtsverhältnisses vorgenommen werden musste (vgl. erwähn - tes Urteil 2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 5.5). Vorliegend jedoch verlangt die ESTV nicht eine die gleiche Steuerperiode betreffende, quasi vertikale, sondern eine zeitliche – horizontale – Ausdehnung des Streitgegenstandes: Sie will weitere, von ihrem Einspracheentscheid nicht (auch nicht sinngemäss oder in den Erwä gungen) erfasste Steu- erperioden mitbeurteilt wissen. Entgegen der Auffassung der ESTV ist es dem Bundesverwaltungsgericht verwehrt, über die zwei weiteren Mo nate (November und Dezember 2000) zu urteilen. Zwischen dieser Steuerperiode und den nachfolgenden, hier angefochtenen, besteht näm lich kein enger, konnexer Zusam men hang im Sinne der bundesge- richtlichen Rechtsprechung, der eine Ausweitung des Streitgegenstan- des erstmals vor Bundesverwaltungsgericht rechtfertigte. Im Übrigen wä re fraglich, ob allfällige Forderungen nicht bereits verjährt wären (Art. 49 aMWSTG). Dem Antrag der ESTV, den Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht auszuweiten, ist keine Folge zu geben. 1.4.5Gleich verhält es sich mit dem von der ESTV ebenfalls erstmals in der Vernehm lassung gestellten Antrag, es sei festzustellen, dass die Be schwerdeführerin die Voraussetzungen der Steuerpflicht von Beginn weg nicht erfüllt habe; sie sei deshalb rückwirkend auf den 1. Novem - ber 2000 aus dem Register der Mehrwertsteuerpflichtigen zu löschen. Ab gesehen davon, dass fraglich ist, ob hier die Voraussetzungen für eine Feststellungsverfügung erfüllt sind (sie ist gegenüber der Leis- Seite 6A-5745/2008 tungsverfügung subsidiärer Natur; vgl. Art. 25 VwVG sowie Urteil des Bun desgerichts 2C_807/2008 vom 19. Juni 2009 E. 1.3 und BVGE 2007/24 E. 1.3), kommt einem Eintrag im Register der Mehrwertsteu- erpflichtigen ohnehin nur deklaratorische Wirkung zu. Eintragung wie auch Löschung stellen Verwaltungsakte ohne materielle Rechtskraft dar (Urteile des Bundesgerichts 2A.75/2002 vom 9. August 2002 E. 5.2, vom 25. Januar 1978, veröffentlicht in Archiv für Schweizer- isches Abgaberecht [ASA] 47 S. 525, vom 22. Dezember 1981, veröf- fentlicht in ASA 50 S. 576 E. 3 [letztere betreffend die Warenum satz- steuer]; vgl. zum Ganzen auch: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-12/2007 vom 28. Januar 2009 E. 2.7 und A-1619/2006 vom 7. April 2009 E. 2.2). Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die ESTV die Beschwerdeführerin ohne Weiteres in ihrem Register löschen kann, sofern das Bundesverwaltungsgericht die subjektiven und objek- tiven Voraussetzungen der Steuerpflicht hinsichtlich der im Recht lie- genden Steuerperioden als nicht gegeben erachtet. Einer ausdrückli- chen richterlichen Anordnung oder Feststellung bedarf es hierfür nicht. 1.5 Sodann hat die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsge- richt weitere Beweise anerboten, darunter Zeugen. Nach höchstrichter- licher Rechtsprechung kann das Beweisverfahren geschlossen wer- den, wenn die noch im Raum stehenden Beweisanträge eine nicht er- hebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung abgeht oder umgekehrt die betreffende Tatsache aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist (BGE 131 I 153 E. 3 mit Hinweisen; M OSER /BEUSCH /KNEU BÜH LER , a.a.O., Rz. 3.144 mit Hinweisen). An dieser Rechtsprechung vermag Art. 81 MWSTG nichts zu ändern (anstelle zahlreicher: Urteil des Bundesver- waltungsgerichts A-3358/2008 vom 27. April 2010 E. 3.5). Das Bun- desverwaltungsgericht erachtet aufgrund der ihm vorliegenden Bewei- se den Sachverhalt für genügend geklärt. Auf die Erhebung weiterer Be weise wird verzichtet. 2. 2.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem System der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug (Mehrwertsteu- er; Art. 130 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 1 Abs. 1 MWSTG und Art. 1 Abs. 1 aMWSTG). Mehrwertsteuerpflichtig wird gemäss dem hier anwendbaren aMWSTG, wer eine mit der Erzielung von Einnah- men verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig Seite 7A-5745/2008 ausübt – auch wenn die Gewinnabsicht fehlt – sofern seine Lieferun- gen, seine Dienstleistungen und sein Eigenverbrauch im Inland jähr- lich gesamthaft Fr. 75'000.-- übersteigen (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). 2.2 Gemäss Art. 5 aMWSTG unterliegen der Mehrwertsteuer u.a. im Inland durch steuerpflichtige Personen gegen Entgelt erbrachte Dienstleistungen und Lieferungen von Gegenständen. Eine Lieferung liegt vor, wenn die Befähigung verschafft wird, im eigenen Namen über einen Gegenstand wirtschaftlich zu verfügen (Art. 6 Abs. 1 aMWSTG) aber auch dann, wenn ein Gegenstand zum Gebrauch oder zur Nut- zung überlassen wird (Art. 6 Abs. 2 Bst. b aMWSTG). Als Dienstleis- tung gilt jede Leistung, die keine Lieferung eines Gegenstandes ist (Art. 7 Abs. 1 aMWSTG). 2.3 Damit überhaupt eine steuerbare Leistung vorliegt, muss sie im Austausch mit einer Gegenleistung, gegen Entgelt, erfolgen. Die Ent- geltlichkeit stellt – vom Eigenverbrauch abgesehen – ein unabdingba- res Tatbestandsmerkmal einer mehrwertsteuerlichen Leistung dar. Be- steht zwischen Leistungserbringer und -empfänger kein Austauschver- hältnis in erwähntem Sinne, ist die Aktivität mehrwertsteuerlich irrele- vant und fällt nicht in den Geltungsbereich der Mehrwertsteuer (anstel- le zahlreicher: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1567/2006 vom 28. De zem ber 2007 E. 2.2.1 und A-1431/2006 vom 25. Mai 2007 E. 2.1; Entscheid der SRK vom 18. No vem ber 2002, veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 67.49 E. 2.a.cc). Die Annahme eines Leistungsaustauschs setzt voraus, dass zwischen Leistung und Gegenleistung eine innere wirtschaftliche Verknüpfung gegeben ist (BGE 126 II 443 E. 6a mit Hinweisen; IVO P. BAUM GART NER , in mwst.com, Kommen tar zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, Ba sel/Genf/München 2000 [hiernach: mwst.com], N. 6 und 8 zu Art. 33). Die Beantwortung der Frage nach der inneren Verknüpfung erfolgt nicht in erster Linie nach zivilrechtlichen, sondern nach wirt- schaftlichen, tatsächlichen Kriterien. Insbesondere ist für die Annahme eines Leistungsaustauschs das Vorliegen eines Vertragsverhältnisses nicht zwingend erforderlich (BGE 126 II 249 E. 4a). Es genügt viel- mehr, dass Leistung und Gegenleistung innerlich derart verknüpft sind, dass die Leistung eine Gegenleistung auslöst. Ausreichend kann folg- lich sein, wenn einer Leistung eine erwartete (Üblichkeit) oder erwart- bare Gegenleistung (nach den Umständen ist erwartbar, dass eine Leistung die Gegenleistung auslöst) gegenübersteht, d.h. dass nach Seite 8A-5745/2008 den Um ständen davon auszugehen ist, die Leistung löse eine Gegen- leistung aus (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1567/2006 vom 28. De zem ber 2007 E. 2.2.2 und A-1431/2006 vom 25. Mai 2007 E. 2.2). Bei der Beurteilung der Frage nach dem wirtschaftlichen Zu- sam men hang zwischen Leistung und Gegenleistung ist primär auf die Sicht des Leistungsemp fängers abzustellen, was der Konzeption der Mehrwertsteuer als Verbrauchsteuer entspricht (Urteile des Bundes- verwaltungsgerichts A-1567/2006 vom 28. Dezember 2007 E. 2.2.3 und A-1354/2006 vom 24. August 2007 E. 3.1; D ANIEL RIEDO , Vom We- sen der Mehrwertsteuer als allgem eine Verbrauchsteuer und von den entsprechenden Wirkungen auf das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 230 ff.). 2.4 Die Flugzeugmiete wie auch der «Mietcharter» sind mehrwertsteu- errechtlich als Lieferungen zu qualifizieren (Art. 6 Abs. 2 Bst. b aMWSTG). Der Leistungsort richtet sich danach, wo sich das Flugzeug zum Zeitpunkt der Überlassung an den Dritten befand (Art. 13 Bst. a aMWSTG; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-6971/2008 vom 8. Juni 2009 E. 2.1.2, A-1667/2006 vom 23. Juni 2008 E. 3.3 mit Hin- weisen; vgl. aber zum «Aircraft-Management», welches das Bundes- gericht als Dienstleistung qualifiziert: Urteil des Bundesgerichts 2A.40/2007 vom 14. No vem ber 2007 E. 2.5). Art. 19 aMWSTG enthält eine Liste mit Steuerbefreiungen. Befreit sind u.a. Umsätze aus der Überlassung zum Gebrauch oder zur Nutzung – namentlich solche aus Vermietung und Vercharterung – von Schienen- und Luftfahrzeugen, sofern letztere vom Lieferungsem pfänger überwiegend im Ausland ge- nutzt werden (Art. 19 Abs. 2 Ziff. 2 aMWSTG; kritisch zu dieser Rege- lung: JÖRG R. BÜHL MANN , mwst.com, N. 7 ff. zu Art. 19 Abs. 2 Ziff. 2). Ob- wohl der Ausgangsum satz befreit ist, können die Steuern auf den Lie- ferungen und den Einfuhren von Gegenständen sowie auf den Dienst- leistungen, welche für die genannte Tätigkeit verwendet werden, als Vorsteuern abgezogen werden (Art. 19 Abs. 1 aMWSTG; Art. 38 Abs. 3 aMWSTG). 2.5 Es ist nicht zu übersehen, dass aufgrund der genannten Regelung für Person, die überwiegend im Ausland ein Privatflugzeug nutzen, ein erhebliches Interesse besteht, dieses über eine mehrwertsteuerpflich- tige Drittperson in der Schweiz zu halten. Dadurch entsteht grundsätz- lich ein hiervor in E. 2.3 beschriebener Leistungsaustausch und ent- sprechende Um sätze sind von der Mehrwertsteuer befreit, berechtigen aber dennoch zum Vorsteuerabzug. Dies ist insofern sachlogisch, als Seite 9A-5745/2008 die Schweiz im Ausland keine Mehrwertsteuern erhebt. Eine solche Konstruktion zu errichten ist zivilrechtlich möglich und auch steuerlich ohne Weiteres zulässig, solange sie nicht zu einer Steuerum gehung führt. Das Bundesgericht hat festgehalten, der Vorbehalt der Steuer- um gehung gelte auch im Bereich der Mehrwertsteuer. Es tat dies nota- bene im Zusam men hang mit steuerbefreiten, grenzüberschreitenden Be förderungen im Luftverkehr (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Ap ril 2008, veröffentlicht in ASA 77 S. 354 ff. E. 4.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1630/2006 und A-1631/2006 vom 13. Mai 2008 E. 3.4, A-6971/2008 vom 8. Juni 2009 E. 3; PASCAL M OLLARD /XAVIER OBER SON /ANNE TISSOT BENE DET TO , Traité TVA, Ba sel 2009, S. 415 f.). 2.6 Das erwähnte Urteil des Bundesgerichts 2C_632/2007 wurde in der Lehre kritisch aufgenommen (vgl. BEA TRICE BLUM , Steuerum gehung bei der Mehrwertsteuer – Halten eines Flugzeuges in einer «Briefkas- tengesellschaft», in Michael Beusch/ISIS [Hrsg.], Entwicklungen im Steuerrecht 2009, Zürich 2009, S. 343 ff.; H AROLD GRÜ NINGER /STEFAN OES - TER HELT , Steuerrechtliche Entwicklungen [insbesondere im Jahr 2008], in Schweizerische Zeitschrift für Wirtschafts- und Finanzmarktrecht [SZW] 2009 S. 51 ff., S. 65 ff.). Abgesehen von Vorbehalten gegenüber dem Vorliegen einer Steuerumgehung im konkreten Fall, worauf hier nicht näher einzugehen ist, wurde auch vorgebracht, die Steuerum ge- hungsdoktrin als solche hätte im schweizerischen Mehrwertsteuerrecht keinen Platz. Letzteres beruhe nämlich hauptsächlich auf wirtschaftli- chen Konzepten. Eine Steuerumgehung aber komme nur dort in Frage, wo sich die Steuernorm auf das Zivilrecht stütze (vgl. PIERRE -MARIE G LAU SER , Evasion fiscale et interprétation économique en ma tière de TVA, ASA 75 S. 727 ff., S. 759 ff.; PIERRE -MARIE GLAU SER , Evasion fiscale et TVA, in Pierre-Marie Glauser [éd.], Evasion fiscale – Une approche théorique et pratique de l'Evasion fiscale, Genf/Zürich/Basel 2010, S. 21 ff., insbesondere S. 33 ff.; grundlegend zur Steuerum gehung bei den direkten Steuern: PETER LO CHER , Rechtsmissbrauchsüberlegungen im Recht der direkten Steuern der Schweiz, ASA 75 S. 675 ff., S. 692, mit Hinweisen auf frühere, ähnliche Diskussionen). Andere Autoren er- achten die Annahme der Steuerumgehung dann als gerechtfertigt, wenn es sich um reine «Briefkastenfirmen» handle; hier soll ein Durch- griff möglich sein (ALOIS CAM EN ZIND /NIKLAUS HO NAU ER /KLAUS A. VAL LEN DER , Hand buch zum Mehr wertsteuergesetz [MWSTG], Bern 2003, 2. Aufl., S. 229). Das Bundesgericht hat mit Blick auf die dargestellte Mei- nungsvielfalt die Frage neuerdings wieder offengelassen, ob und beja- Seite 10A-5745/2008 hendenfalls wie weit das Konzept der Steuerum gehung im Bereich der Mehrwertsteuer generell zum Tragen komme («Dans le cas particulier, la question de la portée des règles sur l'évasion fiscale en matière de taxe sur la valeur ajoutée n'a cependant pas à être tranchée de mani- ère générale [...])». Es hat aber gleichzeitig festgehalten, dass immer- hin im Rahmen eines «Durchgriffs» darauf abzustellen sei (Urteil des Bun desgerichts 2C_742/2008 vom 11. Februar 2009 E. 5.5 und 5.6; M OLL ARD /OBER SON /TISSOT BENEDETTO , a.a.O., S. 433 f.). Für das Bundes- verwaltungsgericht besteht vorliegend kein Anlass, von der höchstrich- terlichen Rechtsprechung bezüglich Anwen dung der Steuerum gehung abzuweichen. 2.7 Eine Steuerum gehung liegt vor, wenn (1.) eine von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als ungewöhnlich (insolite), sachwidrig oder absonderlich, jedenfalls den wirtschaftlichen Gegebenheiten völl- ig unangemes sen erscheint, (2.) anzunehmen ist, dass die gewählte Rechtsgestaltung missbräuchlich lediglich deshalb getroffen wurde, um Steuern einzusparen, die bei sachgemässer Ordnung der Verhält- nisse geschuldet wären, und (3.) das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen Steuerersparnis führen würde, sofern es von den Steuerbehörden hingenommen würde. Ob diese Voraussetzungen er- füllt sind, ist aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls zu prü- fen. Wird eine Steuerumgehung bejaht, ist der Besteuerung die Rechtsgestaltung zugrunde zu legen, die sachgemäss gewesen wäre, um den erstrebten wirtschaftlichen Zweck zu erreichen (anstelle zahl- reicher: Urteile des Bundesgerichts 2C_632/2007 vom 7. April 2008 E. 4.1 mit Hinweisen und 2A.660/2006 vom 8. Juni 2007 E. 5.1; ERNST BLU MEN STEIN /PETER LOCHER , System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 32). 2.8 Eine Steuerumgehung zu bejahen und damit der Besteuerung die sachgemässe Rechtsgestaltung zugrunde zu legen, kann auch heis- sen, eine juristische Person – für Zwecke der Mehrwertsteuer – trans- parent zu machen und durch sie hindurch auf die dahinterstehende (natürliche) Person zu greifen. Dadurch entfällt sachlogisch der zwi- schen der juristischen und der natürlichen Person bestehende Leis- tungsaustausch und folglich der (steuerbare) Umsatz, womit unter Um- ständen die Mehrwertsteuerpflicht wegfällt, da diese regelmäs sig an die Höhe der erzielten Einnahmen anknüpft (Art. 21 Abs. 1 und Art. 25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG). In einem solchen Fall ist die Person, die fälschlicherweise als Steuersubjekt gegolten hat, so zu stellen, als hät- Seite 11A-5745/2008 te die Steuerpflicht nicht bestanden. Demnach sind Vorsteuern zurück- zubelasten und bereits erhobene und der ESTV abgelieferte Mehr- wertsteuern von dieser zurückzuerstatten, denn was für die Leistungs- eingangsseite (Verweigerung des Vorsteuerabzugs) gelten soll, muss auch für die Leistungsausgangsseite (Rückerstattung der bezahlten Steuern) Gültigkeit haben (vgl. Entscheid der SRK 2003-043 vom 28. Januar 2004 E. 7b.bb; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 2A.320/2002 und 2A.326/2002 vom 2. Juni 2003, insbesondere E. 3.1; N IKLAUS HONAU ER /LINDA GRAFF BRAKE MEI ER , Praxisänderungen – Praxisprä- zisierungen, Auslöser heikler Fragen, in Der Schweizer Treuhänder [ST] 9/2008, S. 721 ff., S. 722). 2.9 Eine gesetzliche Regelung für die Rückerstattung von bezahlten, nach Gesetz aber nicht geschuldeten Steuern fehlt in der Mehrwert- steuergesetzgebung. Nach Rechtsprechung und Lehre werden an die Rückerstattung von nicht geschuldeten Mehrwertsteuern (basierend auf der seinerzeitigen Rechtsprechung zu den Warenumsatzsteuern) folgende Anforderungen gestellt: Es muss sich (erstens) um eine Nichtschuld handeln, die Steuer darf (zweitens) nicht aufgrund eines rechtskräftigen Steuerentscheides bezahlt worden sein und es darf (drittens) keine Verjährung vorliegen (Urteil des Bundesgerichts 2A.320/2002 und 2A.326/2002 vom 2. Juni 2003 E. 3.4.2 mit Hinwei- sen; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-1436/2006 vom 18. Au- gust 2008 E. 2.2.1; D ORIAN ZARDIN /CEDRIC SAMUEL RUEPP /SIMEON L. PROBST , Rückforderung zu Unrecht bezahlter MWST – Eine Analyse der neues- ten bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in ST 1-2/2004, S. 119 ff., S. 120 f.). Was die Frage der Nichtschuld betrifft, so wird in Rechtspre- chung und Lehre (im Wesentlichen) zwischen der vorbehaltlosen Be- zahlung und der Bezahlung unter Vorbehalt unterschieden (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1433/2006 vom 18. Februar 2008 E. 3.2.1 und A-1436/2006 vom 18. August 2008 E. 2.2.1). 2.10 Für Fälle, in welchen eine Gesellschaft Mehrwertsteuern bezahl- te, obwohl keine Steuerpflicht bestand, hat gemäss bundesgerichtli- cher Rechtsprechung eine Rückerstattung zu hoch oder zu niedrig er- hobener Mehrwertsteuer dann zu unterbleiben, wenn von den Kunden – für die ebenfalls die fünfjährige Verjährungsfrist gilt – keine Berichti- gung mehr verlangt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 5.5). Im erwähnten Urteil hatte die vermeintlich steuerpflichtige Person ihre Rechnungen vor mehr als sechseinhalb Jahren versandt und seither nichts mehr unternommen. Seite 12A-5745/2008 Nach der fünfjährigen Verjährungsfrist von Art. 49 Abs. 1 aMWSTG, die unterbrochen werden kann und auch für die Kunden gilt, war im er- wähn ten Fall keine Berichtigung der Abrechnungen mehr möglich. Das Bun desgericht stellte fest, dass der vermeintlich Steuerpflichtige un- verzüglich hätte handeln oder seine Kunden auf die Auseinanderset- zung mit der Verwaltung bzw. auf die drohende Vorsteuerkorrektur hät- te hinweisen müssen. Da er dies offensichtlich nicht getan hatte, ver- neinte das Bundesgericht eine Rückweisung des Falles an die Verwal- tung zur Prüfung, ob den Kunden korrigierte Rechnungen zugestellt werden könnten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.121/2004 vom 16. März 2005 E. 5.5). Im erwähnten Fall waren die Kunden jedoch offensichtlich – zumindest teilweise – mehrwertsteuerpflichtige Personen und damit zum Vorsteu- erabzug berechtigt. Sodann handelte es sich um verschiedene, von der vermeintlich steuerpflichtigen Person unabhängige Dritte. Wo je- doch nur ein einziger (vermeintlicher) Leistungsem pfänger auftritt, auf den durchgegriffen wird, dieser selbst nicht mehrwertsteuerpflichtig ist und folglich bei ihm auch keine Korrektur vorgenom men wer den muss bzw. kann, spricht nichts dafür, die Rückerstattung fälschlicherweise erhobener Mehrwertsteuern zu verweigern. In einem solchen Fall ist mit anderen Worten entscheidend, dass eine Steuerumgehung an ge- nom men wird und dies zur Folge hat, dass durch die juristische (und vermeintlich mehrwertsteuerpflichtige) auf die hinter ihr stehende na- türliche (und nicht mehrwertsteuerpflichtige) Person durchgegriffen wird. Durch diesen Vorgang und nur in dieser Konstellation werden Leistungserbringer und einziger Leistungsem pfänger zu ein und der- selben Person, weshalb zwischen ihnen sachlogisch kein Leistungs- austauschverhältnis bestehen, somit auch kein Umsatz und kein Vor- steuerabzugsrecht vorliegen konnte. Als Folge davon sind die Vorsteu- erabzüge der vermeintlich Steuerpflichtigen rückgängig zu machen. Das Zusam men fallen von Leistungserbringer und einzigem Leistungs- em pfänger wirkt nun aber nicht allein auf die Leistungseingangs-, son- dern konsequenterweise auch auf die Leistungsausgangsseite (vgl. E. 2.8 hievor). Mit der Bejahung der Steuerumgehung und der daraus folgenden Annahme einer sachgerechten Gestaltung entfällt anders als im erwähn ten Urteil 2A.121/2004 vom 16. März 2005 nicht nur die Steuerpflicht, sondern – und dies ist entscheidend – der Rechnungs- steller und der einzige Rechnungsem pfänger werden darüber hinaus zu identischen Personen. Es wäre nun widersprüchlich, würden mit Seite 13A-5745/2008 dem Argument der Steuerum gehung bzw. des Durchgriffs der Leis- tungsaustausch und das Vorsteuerabzugsrecht verneint, gleichzeitig aber trotz des Zusam men fallens von Leistungserbringer und -empfän- ger in diesem – und nur in diesem – Verhältnis bereits erhobene Mehr- wertsteuern nicht zurückerstattet. 2.11 Die Steuerforderung verjährt fünf Jahre nach Ablauf des Kalen- derjahres, in dem sie entstanden ist (Art. 49 Abs. 1 aMWSTG; be züg- lich der Anwendbarkeit der Verjährungsbestimmun gen des [neuen] MWSTG vgl. E. 1.2 und 1.3 hiervor). Die Verjährung wird durch jede Einforderungshandlung und durch jede Berichtigung durch die zustän- dige Behörde unterbrochen (Art. 49 Abs. 2 aMWSTG). 3. 3.1 Im vorliegenden Fall ist zuerst das Verhältnis des X._______ zur Be schwerdeführerin zu klären. In einem als «Personal Undertaking» bezeichneten Dokument vom 26. Sep tember 2001, das eine Art Ga- rantieerklärung gegenüber der Bank Bank B._______ darstellt, tat X._______ kund, er sei Aktionär der Beschwerdeführerin. Gleichzeitig versprach er der Bank, für praktisch sämtliche Verpflichtungen der Be- schwerdeführerin einstehen zu wollen. Die später vorgebrachte Be- hauptung der Beschwerdeführerin, sie werde nicht von X._______, sondern von der A._______ Inc. USA, die sich wiederum vollständig im Eigentum des in Saudi Arabien wohnhaften Y._______ befinde, gehal- ten, erscheint vor diesem Hintergrund als wenig glaubhaft, nennt doch die Beschwerdeführerin keinerlei Gründe, weshalb eine ihr (behaupte- terweise) völlig fremde Person ohne Weiteres für ihre Verpflichtungen einstehen sollte. Die Beschwerdeführerin beruft sich in diesem Zusammenhang auf ein Do kument vom 11. August 2006, welches bestätigen soll, dass Y._______ und nicht X._______ Eigentümer der Beschwerdeführerin bzw. der A._______ Inc. USA sei. Das Dokument enthält keine weitere An gaben als eben diese «Bestätigung». Insbesondere findet sich kein Hinweis darauf, wem gegenüber und in welchem Zusam men hang die «Be stätigung» hätte abgegeben werden sollen. Offensichtlich handelt es sich um ein von Bern nach Saudi-Arabien (Vorwahl: +966) und von dort zurück in die Schweiz gesendetes Faxschreiben, was zumindest die Vermu tung nahe legt, es handle sich um ein ergebnisorientiert an- gefertigtes Schreiben. Im Übrigen wäre dem Schreiben selbst dann, Seite 14A-5745/2008 wenn es tatsächlich formell und materiell richtig wäre, wenig Bedeu- tung beizumessen, da es erst im Jahr 2006 und damit nach den hier fraglichen Steuerperioden (1. Quartal 2001 bis 3. Quartal 2003) erstellt worden ist. Aus den gesam ten Um ständen ist zu schliessen, dass in der fraglichen Zeit X._______ und nicht Y._______ wirtschaftlich Be- rechtigter der Beschwerdeführerin war. 3.2 Sodann ist zu klären, wie es sich mit dem von der ESTV ange- nom menen Leistungsaustausch im Sinne des Mehrwertsteuerrechts zwischen X._______ und der Beschwerdeführerin verhält. Solange die Be schwerdeführerin als juristische Person betrachtet, sie also nicht transparent gemacht würde, bestünde wenig Anlass, einen solchen Leistungsaustausch zu verneinen. Es ist nämlich nicht davon auszuge- hen, dass die Vermietung bzw. Vercharterung des Learjets an X._______ ohne Entgelt bzw. ohne Gegenleistung erfolgt wäre. Dass hierbei, wie von der ESTV festgestellt, kein Geld geflossen ist, son- dern die aus den Leistungen an X._______ resultierenden Guthaben bei der Beschwerdeführerin kreditiert und später (behaupteterweise) mittels Forderungsabtretung beglichen worden seien, spricht ebenfalls nicht gegen einen Leistungsaustausch (vgl. E. 2.3 hiervor). Ob zwi- schen X._______ und der Beschwerdeführerin tatsächlich ein mehr- wertsteuerlicher Leistungsaustausch stattgefunden hat, kann aber letztlich offenbleiben, weil das Vorgehen – wie zu zeigen sein wird – ohnehin als Steuerum gehung zu qualifizieren und mit dem Durchgriff auf X._______ und der auch aus der Sicht der ESTV wegfallenden Steuerpflicht der Beschwerdeführerin kein Leistungsaustausch zwi- schen den genannten Personen mehr angenommen werden kann (vgl. E. 2.8 und 2.10 hievor). 3.3 Gemäss Bilanz der Beschwerdeführerin per 31. Dezember 2002 bestanden ihre Aktiven im Wesentlichen aus dem Darlehen an X._______ in der Höhe von Fr. 788'453.70, dem Verrechnungskonto B._______ (Fr. 614'509.03) und dem Flugzeug (Fr. 10'956'553.56; mit einer auf dieser Position vorgenommenen Wertberichtigung von Fr. 1'376'320.30). Bei den Passiven bildeten die Darlehen der D._______ Ltd. (Fr. 6'965'476.91) und der Bank B._______ (Fr. 6'429'975.35) die grössten Positionen. Als Eigenkapital wurden Fr. 2'332'924.18 ausgewiesen. Für das Jahr 2003 wurden ähnliche Zahlen ausgewiesen, wobei die Wertberichtigung für das Flugzeug dannzumal Fr. 2'012'054.50 betrug und das Darlehen an X._______ auf Fr. 1'171'680.60 angestiegen war. In der Erfolgsrechnung für die Seite 15A-5745/2008 Jahre 2001 und 2002 wie auch in jener für 2003 wird im Konto «Ertrag Vermietung» ausschliesslich X._______ genannt. Er, als wirtschaftlich Be rechtigter der Beschwerdeführerin, war demnach der einzige, der das Flugzeug mietete bzw. charterte. Ob die Beschwerdeführerin im Jahr 2005 und 2006, wie sie vorbringt, Leistungen auch an die C._______ AG fakturiert hat, ist vorliegend – es geht um die Jahre 2001 bis 2003 – nicht relevant. Im Übrigen ist dem Handelsregister zu entnehmen, dass als Verwaltungsratspräsident der C._______ AG – die erst mit Statuten vom 16. Juni 2004 gegründet wurde – wiederum X._______ amtete. Aus dem Gesagten ist zu schliessen, dass die Be- schwerdeführerin offensichtlich den Zweck verfolgte, ein einziges Flug- zeug zu halten und dieses ihrem Aktionär X._______ zur Verfügung zu stellen. 3.4 Bereits diese Gestaltung wäre wohl gemäss der Praxis des Bun- desgerichts (vgl. E. 2.6 hievor) als missbräuchlich zu qualifizieren. Vor- liegend aber kommt hinzu und wird in diesem Zusam menhang re le- vant, dass die an X._______ erbrachten Leistungen nicht bezahlt, son- dern ihm lediglich fakturiert und von der Gesellschaft kreditiert wurden. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe diese Forderungen im Umfang von Fr. 788'753.70 per 31. Dezember 2002 und von Fr. 383'226.90 per 31. De zember 2003 an die D._______ Ltd. abgetre- ten, findet in den Akten keine Stütze. Wie die ESTV zurecht festhält, kann mit den später eingereichten, den früheren teilweise widerspre- chenden Buchhaltungen der Nachweis der Tilgung nicht erbracht wer- den. Auf die entsprechende, erst am 9. Juni 2006 eingereichte und un- datierte Buchhaltung ist denn auch nicht weiter einzugehen, zumal die Be schwerdeführerin nicht erklärt, weshalb im Jahr 2006 «bereinigte» Ab schlüsse, gemäss welchen eine Verrechnung des Darlehens statt- gefunden haben soll, vorgelegt werden können, dies aber im Jahr 2004 noch nicht möglich war und dies, obwohl behauptet wird, «Zessi- on» und «Verrechnung» seien am 31. De zem ber 2002 und am 31. De - zem ber 2003 erfolgt und verbucht worden. 3.5 Die von der Beschwerdeführerin bzw. von X._______ gewählte Ge staltung ist zusammenfassend und in Nachachtung der in E. 2.6 dargestellten Rechtsprechung des Bundesgerichts als sachwidrig und absonderlich zu betrachten; sie bringt dem eigentlichen Nutzer des Flugzeugs nur zusätzlichen administrativen Aufwand, Gründungs- und Be ratungskosten und – abgesehen von mehrwertsteuerlichen – keiner- lei Vorteile. Es ist anzunehmen, dass die gewählte Rechtsgestaltung Seite 16A-5745/2008 lediglich deshalb getroffen wurde, um Steuern zu sparen. Das gewähl- te Vorgehen hätte, wäre es von der ESTV akzeptiert worden, zu einer erheblichen Steuerersparnis geführt. Hätte X._______ das Flugzeug im eigenen Namen erworben und betreiben lassen, wie es sachge- mäss gewesen wäre, hätte er nämlich die erheblichen Vorsteuern, ins- besondere die Einfuhrsteuern, nicht geltend machen können (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts 2C_632/2007 vom 7. Ap ril 2008 E. 4.6). 3.6 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, kann zu keinem anderen Ergebnis führen. Sie beruft sich in erster Linie auf das Argu- ment der Haftungsbegrenzung: Im Bereich der Aviatik würden regel- mäs sig solche oder ähnliche Gesellschaften eingesetzt, um die mit dem Flugzeug und dessen Betrieb verbundenen Risiken zu limitieren. Trotz sehr hoher Versicherungssummen sei nicht auszuschliessen, dass Unfallschäden die Summen überstiegen oder die Versicherung ihre Leistungen kürze, bzw. Regress nehme, sodass letztlich der Flug- zeugeigentümer haftbar werden könne. Die ESTV hält dem prononciert entgegen, dass, würde der Argumen tation der Beschwerdeführerin ge- folgt, jeder Benutzer eines Mo torfahrzeugs dieses über eine Gesell- schaft halten müsste, um dem Risiko zu entgehen, dass Haftpflichtan- sprüche die Versicherungsdeckung überstiegen. Auch hat das Bundes- gericht diesbezüglich im ähnlichen Fall 2C_632/2007 vom 7. Ap ril 2008 in E. 4.5 festgehalten, Haftpflichtrisiken könnten mit dem Ab- schluss einer Haftpflichtversicherung abgedeckt werden und Halter von Luftfahrzeugen seien von Gesetzes wegen ohne hin verpflichtet, sich gegen die Folgen der Haftpflicht zu versichern (Art. 70 des Bun- desgesetzes über die Luftfahrt vom 21. Dezember 1948, SR 748.0). Das Risiko, dass X._______ trotz hoher Versicherungssummen per - sönlich haftbar werden könnte, erscheint als äussert gering. Jedenfalls ist es so gering, dass es nicht als eigentliches Motiv für die gewählte Rechtsgestaltung gelten kann. 3.7 Aufgrund des Gesagten bleibt es bei der Qualifikation des Vorge- hens als Steuerumgehung. Demnach ist der Besteuerung diejenige Rechtsgestaltung zugrunde zu legen, die sachgemäss gewesen wäre, um den erstrebten wirtschaftlichen Zweck zu erreichen (vgl. E. 2.7 hiervor). Dies wäre ein Halten des Flugzeugs durch X._______ selbst gewe sen. Es findet – für Zwecke der Mehrwertsteuer – ein Durchgriff auf die hinter der Beschwerdeführerin stehende natürliche Person statt. X._______ aber ist nicht mehrwertsteuerpflichtig und hätte keine Vorsteuern geltend machen können, aber auch keine Mehrwertsteuern Seite 17A-5745/2008 an die ESTV abliefern müssen. Damit hat die Beschwerdeführerin bereits von der ESTV ausbezahlte Vorsteuern wieder zu überweisen. Gleichzeitig sind ihr bereits einbezahlte Mehrwertsteuern wieder gut- zuschreiben. 4. Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, durch das Vorge- hen der ESTV werde die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) verletzt. Es gehe nicht an, einer betriebswirtschaftlich gebotenen Struktur allein aus fiskalistischen Gründen die Anerkennung zu versagen. Die Be- schwerdeführerin verkennt, dass ihr bzw. ihrem wirtschaftlich Berech- tigten nicht das Recht abgesprochen wird, eine Konstruktion wie die vorliegende zu wählen, sondern dass nur, aber immerhin für Zwecke der Mehrwertsteuer von der gewählten Gestaltung Abstand genommen wird. Insofern ist nicht ansatzweise ersichtlich, weshalb die Wirt- schaftsfreiheit der Beschwerdeführerin tangiert sein soll. 5. 5.1 Sodann macht die Beschwerdeführerin auch eine Verletzung von Treu und Glauben geltend. Der Import des Flugzeuges in die Schweiz sei erfolgt, weil die ESTV eine allgemein anerkannte Praxis gehabt ha- be, welche Betriebsstrukturen wie die vorliegende «mehrwertsteuer- neutral» zugelassen habe. Aufgrund dieser Praxis habe man keine Al- ternativen geprüft. Die Vertreterin der Beschwerdeführerin habe dies- bezüglich für verschiedene Kunden Gespräche mit der ESTV geführt; die Struktur sei von der ESTV jeweils akzeptiert und über Jahre gedul- det worden. Man könne dazu gegebenenfalls eine umfangreiche Doku- men tation einreichen. Sodann habe die Beschwerdeführerin die Aus- zahlung des mit dem Import des Flugzeuges entstandenen Vorsteuer- guthabens unter mehreren Malen bei der ESTV geltend gemacht. Die- se habe sich in voller Kenntnis des Sachverhalts nach der Bankverbin- dung für die Auszahlung des Vorsteuerguthabens erkundigt. 5.2 Das in Art. 9 BV enthaltene Gebot von Treu und Glauben gilt nach Rechtsprechung und Lehre auch im Verwaltungsrecht und gibt dem Bürger einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens, das er in behördliche Zusicherungen und sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden setzt. Es müssen indessen ver- schiedene Voraussetzungen kumu lativ erfüllt sein, damit sich der Pri- vate mit Erfolg auf Treu und Glauben berufen kann. So ist eine unrichti- ge Auskunft einer Verwaltungsbehörde nur bindend, wenn die Behörde Seite 18A-5745/2008 in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehan- delt hat, wenn sie dabei für die Erteilung der betreffenden Auskunft zu- ständig war oder wenn der Bürger die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte, wenn gleichzeitig der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres erkennen konnte und wenn er im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Disposition- en getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können sowie wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftsertei- lung keine Änderung erfahren hat (vgl. anstelle zahlreicher: BGE 131 II 627 E. 6.1, BGE 129 I 161 E. 4.1, Urteil des Bundesgerichts 2C_123/2010 vom 5. Mai 2010 E. 4.1; Urteile des Bundesverwaltungs- gerichts A-1567/2006 vom 28. De zem ber 2007 E. 4.2, A-6038/2006 und A-6047/2008 vom 16. September 2009 E. 5.3; U LRICH HÄFE LIN/GE- ORG M ÜLLER /FELIX U HLMANN , Grundriss des Allgemeinen Verwaltungs- rechts, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 622 ff.). 5.3 Der Beschwerdeführerin ist insofern beizupflichten, als dass Be- triebsstrukturen wie die vorliegende grundsätzlich «mehrwertsteuer- neutral» sind. Sie übersieht aber, dass die ESTV dies nicht generell bestreitet, sondern im konkreten Fall zum Schluss gekommen ist, es liege eine Steuerumgehung vor. Die Beschwerdeführerin behauptet nicht und kann auch nicht darlegen, dass die ESTV in Kenntnis der konkreten Sachlage zugesichert hätte, das vorliegende Konstrukt an- erkennen zu wollen. Im Übrigen war es die Beschwerdeführerin, die Buch haltungen und weitere notwendige Unterlagen erst nach mehrma - liger Aufforderung der ESTV vorgelegt hat. Sodann liegt es in der Na- tur der Mehrwertsteuer, die eine Selbstveranlagungssteuer ist, dass die ESTV erst nach der Kontrolle und insbesondere nach Durchsicht der Debitoren feststellen konnte, die Beschwerdeführerin diene dem einzigen Zweck, X._______ das Flugzeug zu vermieten bzw. zu ver- chartern. Insofern ist der Hinweis der Beschwerdeführerin, die ESTV hätte sich zuvor noch nach einer Bankverbindung für die Auszahlung des Vorsteuerguthabens erkundigt und damit quasi das Gebilde aner- kannt, nicht behilflich. 6. 6.1 Aufgrund des Gesagten hat die Beschwerdeführerin sämtliche be- reits von der ESTV ausbezahlten Vorsteuern an diese zurückzuvergü- ten. Die ESTV ihrerseits hat von der Beschwerdeführerin erhobene und einbezahlte Mehrwertsteuern zurückzuerstatten. Der ESTV wird aufgetragen, die Rückabwicklung – unter Berücksichtigung der Zinsen Seite 19A-5745/2008 – dementsprechend durchzuführen. Be züglich Rückerstattung fälschli- cherweise erhobener Mehrwertsteuern und damit im Umfang von rund 10% ob siegt demnach die Beschwerdeführerin. 6.2 Bei diesem Verfahrensausgang ist die Beschwerde teilweise gut- zuheissen, der Einspracheentscheid im entsprechenden Umfang auf- zuheben und die Sache zu neuem Entscheid im Sinne der E. 6.1 an die Vorinstanz zurückzuweisen. 6.3 Die Beschwerdeführerin hat als teilweise unterliegende Partei die Verfahrenskosten von Fr. 15'000.-- im Umfang von Fr. 13'500.-- zu tra- gen. Der ESTV sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der Kostenvorschuss ist mit den Verfahrenskos- ten zu verrechnen und der Überschuss von Fr. 1'500.-- zurückzuerstat- ten. 6.4 Die Vorinstanz hat der teilweise obsiegenden und vertretenen Be- schwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2'250.-- auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. des Reg lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Seite 20A-5745/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und der Einspracheent- scheid vom 6. August 2008 im entsprechenden Umfang aufgehoben und die Sache zu neuem Entscheid im Sinne der E. 6.1 an die Vorin- stanz zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten werden im Umfang von Fr. 13'500.-- der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 15'000.-- verrechnet. Der restliche Betrag in der Höhe von Fr. 1'500.-- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat der Beschwerdeführerin ei- ne Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'250.-- zu bezahlen. 4. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) - die Vorinstanz (Ref-Nr. _______; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Riedo Urban Broger Seite 21A-5745/2008 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtli- chen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bun desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh- ren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unter- schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu- legen (vgl. Art. 42 BGG). Versand am 14. Juni 2010 Seite 22