Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht Vom 16. Mai 2017 (400 17 90) ___________________________________________________________________ Obligationenrecht Art. 337a OR: fristlose Kündigung einer Arbeitnehmerin wegen Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richterin Barbara Jermann Richter- ich (Ref.), Richter Dieter Freiburghaus; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien Dr. A.____ , Klägerin und Berufungsbeklagte gegen B.____ AG , vertreten durch Rechtsanwalt Fabian Kapfhamer, Anwaltskanzlei Lindt- law, Hauptstrasse 39, 8280 Kreuzlingen, Beklagte und Berufungsklägerin Gegenstand Arbeitsrecht Berufung gegen das Urteil der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 1. Dezember 2016 A. Dr. A.____ war ab 1. Mai 2014 bei der B.____ AG an gestellt. Mit Schreiben vom 8. März 2016 kündigte die Arbeitnehmerin das Arbeitsverhält nis fristlos. Nachdem im Schlichtungsver- fahren keine Einigung erzielt und die Klagebewillig ung ausgestellt wurde, gelangte die Arbeit- nehmerin mit Klage vom 8. August 2016 an das Zivilk reisgericht Basel-Landschaft Ost und be- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht antragte die Verurteilung der Arbeitgeberin zur Bez ahlung des Betrages von CHF 12‘541.12 zuzüglich Arbeitgeberbeiträge. Mit Eingabe vom 25. Novem ber 2016 reduzierte die Arbeitneh- merin ihre Forderung auf netto CHF 9‘900.05. Ihre F orderung setzte sich aus dem 13. Monats- lohn 2015 zuzüglich Verzugszinsen und der „B.____-Entschädigung“, den Löhnen für die Mona- te März 2016 bis Juni 2016 zuzüglich Familienzulagen, dem 13. Monatslohn pro rata bis im Juni für das Jahr 2016, der Entschädigung für die nicht bezoge nen Ferien bis Juni 2016 sowie Ver- zugszinsen zusammen, abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge , des Auszahlungsbetrags durch die Arbeitgeberin und der bezogenen Arbeitslosent aggelder. Die Arbeitgeberin beantrag- te die Abweisung der Klage. Unter den Parteien war u nd ist umstritten, ob die fristlose Kündi- gung der Arbeitnehmerin gerechtfertigt war. B. Mit Urteil vom 1. Dezember 2016 hiess die Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost die Klage gut und verurteilte die Arbei tgeberin zur Bezahlung des geforderten Betrags von netto CHF 9‘900.05 an die Arbeitnehmerin . Sie erwog, die Arbeitgeberin sei im Zeitpunkt der fristlosen Kündigung durch die Arbeitn ehmerin mit dem 13. Monatslohn des Jah- res 2015 bereits mehr als drei Monate in Verzug gewesen . Die Arbeitnehmerin habe die Arbeit- geberin innert angemessener Frist zur Bezahlung des 13. Monatslohnes für das Jahr 2015 und zur Sicherstellung für drei künftige Monatslöhne aufgefordert. Es hätten genügend Anhaltspunk- te bestanden, aufgrund derer die Arbeitnehmerin von der Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin habe ausgehen müssen. Die Arbeitgeberin habe auf die Schreiben der Arbeitnehmerin nicht reagiert und diese dadurch in ihrer Annahme bestärkt, dass eine Zahlungsunfähigkeit vorliege. Somit sei der Arbeitnehmerin das Erbringen ihrer Arb eitsleistung nicht weiter zumutbar gewe- sen und ihre fristlose Kündigung sei daher gerechtferti gt. Die Vorinstanz erachtete die fristlose Kündigung überdies als rechtzeitig erfolgt und erwog, das Zuwarten der Arbeitnehmerin mit der fristlosen Kündigung bis im März 2016 sei nicht missbräuch lich gewesen. Auf die ausführliche Begründung der Vorinstanz wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 13. März 2017 an das Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Zivil- recht, erklärte die Arbeitgeberin die Berufung gegen das Urteil vom 1. Dezember 2016. Sie be- antragte die Aufhebung des angefochtenen Urteils und die vollumfängliche Abweisung der Kla- ge, eventualiter die Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung, unter Kosten- und Ent- schädigungsfolgen zulasten der Berufungsbeklagten. Die B erufungsklägerin machte in der Be- rufungsbegründung geltend, die fristlose Kündigung d er Arbeitnehmerin sei ungerechtfertigt gewesen, weshalb keine Entschädigung geschuldet sei. Sie führte aus, die Vorinstanz sei fälschlicherweise von der Zahlungsunfähigkeit ausgegangen , da für eine solche keine Anhalts- punkte bestanden hätten. Die Vorinstanz habe somit den Sachverhalt willkürlich gewürdigt. Es habe bloss eine vorübergehende Illiquidität bestanden, was nicht genüge, um eine Zahlungsun- fähigkeit annehmen zu dürfen. Die Arbeitgeberin bestri tt sodann, mit der Bezahlung des 13. Monatslohns in Verzug gewesen zu sein. Zudem bracht e sie vor, die Arbeitnehmerin habe nicht umgehend gekündigt und daher das Recht zur fristl osen Kündigung verwirkt. Weiter mo- nierte sie, sie habe entgegen den Ausführungen der Vo rinstanz die Höhe der eingeklagten For- derung und damit auch die Berechnungsweise der Arbeitne hmerin ausdrücklich bestritten. Auf die Ausführungen in der Berufung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Mit Berufungsantwort vom 7. April 2017 beantragte d ie Arbeitnehmerin die Abweisung der Berufung und die Bestätigung des angefochtenen Entscheids. E. Mit Verfügung vom 10. April 2017 schloss der Präsident des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, den Schriftenwechsel u nd ordnete den Entscheid durch die Dreierkammer aufgrund der Akten an. Den Antrag der Be rufungsklägerin auf eine Befragung des Verwaltungsrates C.____ als Partei wies er ab. Erwägungen 1.1 Gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid in einer v ermögensrechtlichen Angelegen- heit ist die Berufung zulässig, sofern der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegeh- ren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO). Der Rechtsver- treter der Arbeitgeberin und heutigen Berufungskläger in hält dafür, dass die notwendige Streit- wertgrenze erreicht sei. Für die Bestimmung des Streitw erts sei der Bruttolohn massgebend. Die Berufungsbeklagte habe im vorinstanzlichen Verfahren einen Nettolohn von CHF 9‘900.05 geltend gemacht. Da auf den Bruttolohn abzustellen sei , liege der Streitwert über CHF 10‘000.00 weshalb das Rechtsmittel der Berufung z ur Verfügung stehe. Die Berufungsbe- klagte stellt sich dagegen auf den Standpunkt, der Stre itwert von CHF 10‘000.00 sei nicht er- reicht. Sie führt aus, die Berufungsklägerin räume in d er Berufungsbegründung ein, es stehe der Arbeitnehmerin eine verbleibende Lohnforderung von netto CHF 4‘175.75 zu. Entsprechend dem in den Kantonen Baselstadt und Baselland geltenden Gravamensystem betrage der Streitwert somit lediglich noch netto CHF 5‘724.30 und erreiche damit auch brutto die Streit- wertgrenze von CHF 10‘000.00 nicht. Die Berufungsbekl agte verkennt, dass sich der Streitwert gemäss Art. 308 Abs. 2 ZPO nach den zuletzt aufrechterha ltenen Rechtsbegehren bestimmt und das noch unter der kantonalen Zivilprozessordnung gel tende Gravamensystem seit Inkraft- treten der Schweizerischen Zivilprozessordnung per 1. Janu ar 2011 keine Gültigkeit mehr hat. Mit „zuletzt aufrechterhalten“ sind jene Rechtsbegehren g emeint, welche die Klagpartei durch Entscheid der Vorinstanz zugesprochen zu erhalten hoffte und daher unmittelbar vor der Eröff- nung des erstinstanzlichen Entscheides noch strittig waren. Die Rechtsmittelanträge sind grundsätzlich nicht von Bedeutung. Bei Streitigkeiten i m Zusammenhang mit Lohnforderungen bemisst sich der Streitwert gemäss herrschender Ansicht nach dem eingeklagten Bruttolohn ohne Abzug von Arbeitnehmerleistungen und ohne Berücksich tigung der Arbeitgeberbeiträge (DIGGELMANN , in: DIKE-Kommentar ZPO, 2. Aufl., 2016, N 49 zu Art. 91 ZPO; SEILER , Die Beru- fung nach ZPO, N 717 (4) mit weiteren Nachweisen). Vorliegend beantragte die Arbeitnehmerin bei der Vorinstanz, die Verurteilung der Arbeitgeberin zur Zahlung des Betrages von netto CHF 9‘900.05, wogeg en die Arbeitgeberin die Abweisung der Klage verlangte, so dass der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZPO netto CHF 9‘900.05 betr ägt. Dieser eingeklagte Nettolohn be- trägt brutto ohne weiteres mehr als CHF 10‘000.00, so dass die Streitwertgrenze für eine Beru- fung erreicht ist. Da die Berufungsklägerin mit ihrem Hauptbegehren in der Berufung die Abwei- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sung der Klage beantragt, beträgt der Streitwert nach wie vor netto CHF 9‘900.05 bzw. mehr als CHF 10‘000.00 brutto. 1.2 Die Berufung ist schriftlich und begründet innert 30 Tagen seit Zustellung des begründe- ten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung d er Entscheidbegründung bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die schriftliche Begründung des ange- fochtenen Entscheids vom 1. Dezember 2016 wurde entsprec hend dem sich in den vorinstanz- lichen Akten befindenden Sendungsverlauf der Zustellung am 9. Februar 2017 spediert und dem Rechtsvertreter der Berufungsklägerin am 10. Februar 2017 zugestellt. Die 30-tägige Beru- fungsfrist lief somit bis zum Sonntag 12. März 2017 und verlängerte sich gemäss Art. 142 Abs. 3 ZPO bis zum nächsten Werktag und somit bis zum Montag 13. März 2017. Die Berufung vom 13. März 2017 wurde gleichentags um 17:30 Uhr per Einsch reiben auf der Poststelle in Kreuz- lingen aufgegeben, wie der Sendungsverfolgung der Pos t zu entnehmen ist. Die Berufungsfrist ist somit eingehalten. 1.3 Mit Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung u nd die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungsklägerin rügt eine willkürli- che Würdigung des Sachverhalts durch die Vorinstanz und ma cht damit einen zulässigen Beru- fungsgrund geltend. In Anbetracht der Kostenlosigkeit de s Entscheidverfahrens in Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis bis zu einem Streitwert von CHF 30‘000.00 war kein Kostenvor- schuss für das Rechtsmittelverfahren zu leisten (Art. 114 lit. c ZPO). Da auch die übrigen Sach- urteilsvoraussetzungen erfüllt sind, sich die Berufungsbeg ründung insbesondere mit den vor- instanzlichen Erwägungen auseinandersetzt und die Beruf ung somit hinreichend begründet ist, ist auf die Berufung einzutreten. Sachlich zuständig f ür die Beurteilung der vorliegenden Beru- fung ist laut § 6 Abs. 1 lit. c EG ZPO (SGS 221) die D reierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts, welche gestützt auf Art. 316 Abs. 1 ZPO aufgrund der Akten entscheidet. Es gilt das vereinfachte Verfahren (Art. 243 Abs. 1 ZPO). 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die von der Arb eitnehmerin ausgesprochene fristlose Kündigung gerechtfertigt war oder nicht und in diesem Zusammenhang, ob hinreichen- de Anhaltspunkte für eine Zahlungsunfähigkeit der Arb eitgeberin bestanden oder ob lediglich eine vorübergehende Illiquidität vorlag. Gemäss Art. 3 37 Abs. 1 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer jederzeit das Arbeitsverhältnis aus wicht igen Gründen fristlos auflösen. Als wichtiger Grund gilt namentlich jeder Umstand, bei desse n Vorhandensein dem Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf (Art. 337 Abs. 2 OR). In Art. 337a OR wird sodan n ein „wichtiger Grund“ für die fristlose Kündigung konkretisiert. Dieser Artikel gibt dem Arbeit nehmer das Recht zur fristlosen Kündi- gung, wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig ist und dem Arbeitnehmer auf dessen Verlangen nicht innert angemessener Frist Sicherheit für dessen For derungen aus dem Arbeitsverhältnis leistet. Voraussetzung für die fristlose Kündigung durch d en Arbeitnehmenden sind die Zah- lungsunfähigkeit des Arbeitgebers und die mangelnde S icherheitsleistung. Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn der Arbeitgeber seinen Zahlungsverpf lichtungen nicht mehr nachkommen kann oder der Arbeitnehmer anderweitige Beweise für eine Zahlungsunfähigkeit hat. Die Praxis zu Art. 83 OR kann dabei herangezogen werden. Eine Zahlu ngsunfähigkeit zeigt sich etwa durch Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht fruchtlose Pfändungen, Konkursbegehren, Gesuche um Nac hlassstundung, massive Zahlungs- rückstände, regelmässig verspätete Lohnzahlungen oder wenn die Beiträge und Abgaben an die Sozialversicherungen ausbleiben. Nicht ausreichend sin d dagegen bloss vorübergehende Liquiditätsengpässe mit sporadischen Zahlungsrückständen. D er Beweis der Zahlungsunfähig- keit obliegt dem Arbeitnehmer, wobei der Arbeitgeber ausgedehnte Mitwirkungspflichten hat und auch aufgrund des Verhaltens des Arbeitgebers und seiner Zahlungsweise Rückschlüsse gezogen werden dürfen (R EHBINDER /S TÖCKLI , Berner Kommentar, 2014, N 2 zu Art. 337a OR; STREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , Arbeitsvertrag, 7. Aufl., 2012, N 8 zu Art. 337a OR ). Wird eine Sicherheitsleistung verlangt, obliegt es dem Arbeitgebe r, dem Arbeitnehmer durch geeignete Angaben und Belege darzulegen, dass er trotz Rückständen za hlungsfähig ist. Tut der Arbeit- geber dies nicht, hat er die Sicherheit entsprechend Art. 337a OR zu leisten (Bger 4A_192/2008 vom 9. Oktober 2008, E 6). Die Sicherstellung kann nicht erzwungen werden, bleibt sie jedoch aus, muss der Arbeitgeber einen Rechtsnachteil, nämlich die ausserordentliche Kündigung des Arbeitnehmers, hinnehmen (REHBINDER /S TÖCKLI , a.a.O., N 1 zu Art. 337a OR). 3. Die Berufungsklägerin macht geltend, es habe keine Anh altspunkte für ihre Zahlungsun- fähigkeit gegeben. Sie habe ihren Mitarbeitenden mit E-Mail vom 15. Januar 2016 mitgeteilt, dass sich das Unternehmen in der entscheidenden Phase der Refinanzierung befinde und die Bezahlung des 13. Monatslohnes nach erfolgter Refinanzierung erfolge. Es sei zudem mitgeteilt worden, dass die Löhne Januar 2016 auch ohne Refinanzie rung gesichert seien, so dass nicht auf eine Zahlungsunfähigkeit habe geschlossen werden können. Der 13. Monatslohn sei zu diesem Zeitpunkt ohnehin noch nicht fällig gewesen, da gemäss Personalreglement der 13. Monatslohn, wo vertraglich vereinbart, in der Rege l mit dem Gehalt November ausgerichtet werde. Entsprechend dieser Regelung seien Ausnahmen und Abweichungen zulässig. Aus dem Umstand, dass die Arbeitgeberin den Mitarbeitenden ein en freiwilligen Verzugszins ab 1. De- zember 2015 zugesichert habe, könne weder eine Fälligkeit noch ein Verzug abgeleitet werden. Auch aus dem Umstand, dass in den Monaten August, Oktober und November 2015 die Löhne mit minimaler Verspätung von wenigen Tagen ausbezahlt worden seien, würden sich keine Zahlungsschwierigkeiten ableiten lassen. Es habe ledigli ch eine vorübergehende Illiquidität be- standen, da Kunden mit Zahlungen in Verzug geraten sei en. Darüber sowie über den Zeitpunkt der Lohnauszahlung seien die Mitarbeitenden schriftlich informiert worden. Andere Anhalts- punkte für eine Zahlungsunfähigkeit würden ebenfalls ni cht vorliegen, zumal selbst die Vor- instanz ausgeführt habe, die Arbeitnehmenden hätten üblicherweise keinen Einblick in die aktu- elle Finanzlage ihrer Arbeitgeberin. Auf die Bericht erstattung in den Medien sei ebenfalls nicht abzustellen und an der Hauptverhandlung sei seitens de r Arbeitgeberin keine Zahlungsunfähig- keit zum Ausdruck gebracht worden. Die Arbeitgeberin ha be die Mitarbeitenden anlässlich der Informationsanlässe vom 2. Juli 2015, vom 1. September 2015 und vom 20. Oktober 2015 so- wie anlässlich des Weihnachtsessens am 17. Dezember 2015 ü ber die finanzielle Lage und die bestehende Zahlungsfähigkeit informiert. Löhne seien nie unbezahlt geblieben. Die Arbeitgebe- rin sei im Zeitpunkt der fristlosen Kündigung nicht zahl ungsunfähig gewesen und es seien auch keine begründeten Anhaltspunkte hierfür vorgelegen. D ie Voraussetzung für eine Kündigung nach Art. 337a OR sei daher nicht vorgelegen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Es gilt nunmehr anhand der Akten zu klären, ob und alle nfalls welche Anhaltspunkte vor- lagen, aufgrund derer die Arbeitnehmerin von einer Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin aus- gehen durfte, wobei auf die Reihenfolge entsprechend der Randziffern 14-25 der Berufungsbe- gründung abgestellt wird. 4.1 Vorab ist auf das Schreiben der Arbeitgeberin vom 15 . Januar 2016 per E-Mail an alle Mitarbeitenden einzugehen. Mit diesem Schreiben inform ierte die Arbeitgeberin, dass eine Re- finanzierung bevorstehe. Es wurde mitgeteilt, dass der 1 3. Monatslohn, welcher zu diesem Zeitpunkt noch unbezahlt war, nicht verfalle und der rechtliche Anspruch an diesem erhalten bleibe. Darüber hinaus wurden für die verspätete Ausza hlung des 13. Monatslohns ein Ver- zugszins ab 1. Dezember 2015 von 5% und zusätzlich eine fre iwillige Zahlung von CHF 50.00 angekündigt. Es wurde weiter ausgeführt, die Refinanzierung stehe in der entscheidenden Pha- se. Arbeitsniederlegungen würden die Finanzierungspar tner verunsichern und die Refinanzie- rung gefährden und zudem die operative Situation zusätzl ich verschlimmern, was man sich nicht leisten könne. Eine Auszahlung des 13. Monatslohns sei erst nach der Refinanzierung möglich und für die Tage von Arbeitsniederlegungen se i kein Lohn zu bezahlen. Die Arbeitge- berin informierte im Schreiben vom 15. Januar 2016 so dann darüber, dass die Löhne für den Monat Januar 2016 bis Ende des Monats auch ohne Refinanzierung gewährleistet seien, sofern die Zahlungseingänge der Kunden fristgerecht erfolgen würden. Im Personalreglement ist festgelegt, dass der 13. Monatsl ohn, wo vertraglich vereinbart, in der Regel mit dem Gehalt November ausgerichtet werde. Alle rdings enthält das Personalreglement keine Aussagen darüber, wann von dieser Regel abgewiche n werden könnte. Aus dem Schrei- ben der Arbeitgeberin vom 15. Januar 2016 geht klar h ervor, dass selbst die Arbeitgeberin von einem Verzug bei der Auszahlung des 13. Monatslohnes für das Jahr 2015 ausging, ansonsten sie im Schreiben vom 15. Januar 2016 keinen Verzugszins ab 1. Dezember 2015 und keine zusätzliche freiwillige Entschädigung von CHF 50.00 (soge nannte „B.____-Entschädigung“) wegen der verspäteten Auszahlung angekündigt hätte. Es lag somit ein Verzug bei der Auszah- lung des 13. Monatslohnes vor. Im Schreiben vom 15. Januar 2016 bestätigte die Arbei tgeberin sodann ihre Zahlungsschwie- rigkeiten indem sie ausführte, Arbeitsniederlegungen würden keinen Sinn machen, da eine Auszahlung des 13. Monatslohnes erst nach der Refinanzier ung möglich sei. Die Arbeitgeberin teilte weiter mit, der Lohn Januar 2016 sei bis Ende des Monats auch ohne Refinanzierung ge- währleistet, sofern die Zahlungseingänge der Kunden fr istgerecht erfolgen würden. Auch dar- aus zeigt sich, dass die Arbeitgeberin keinerlei finanzielle Reserven hatte und die Löhne für den Januar 2016 nur unter der Bedingung der fristgerechten Zahlungseingänge der Kunden recht- zeitig bezahlt werden konnten. Aus dem Schreiben vom 15. Januar 2016 der Arbeitgeber in gehen zusammenfassend somit sowohl der Zahlungsverzug des 13. Monatslohnes für das Jahr 2015 ab 1. Dezember 2015 als auch erhebliche Zahlungsschwierigkeiten der Arbeitgeberin hervor. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Es ist unbestritten, dass die Lohnzahlungen für die Mon ate August, Oktober und Novem- ber 2015 mit leichten Verspätungen ausbezahlt wurden. D iese Verspätungen sind für sich allei- ne nicht ausreichend, um eine fristlose Kündigung zu re chtfertigen, sie sind jedoch im Rahmen der Gesamtwürdigung ebenfalls zu beachten und zeigen, dass die Arbeitgeberin bereits ab Au- gust 2015 Zahlungsschwierigkeiten hatte und diese bis im Januar 2016, als die Angestellten mit Schreiben vom 15. Januar 2016 informiert wurden, noch nicht behoben waren. Dass die Arbeit- geberin gemäss ihren Ausführungen jeweils schriftlich und im Detail über die vorübergehende Illiquidität und den Zeitpunkt der verspäteten Lohnzah lung informiert haben soll, ändert nichts an der Tatsache, dass die Lohnzahlungen in den erwähn ten Monaten verspätet erfolgt waren, was auf Zahlungsschwierigkeiten hindeutet. 4.3 In den Akten befindet sich sodann eine schriftliche Bestä tigung vom 24. Oktober 2016 der ehemaligen Arbeitnehmerin Dr. D.____ (Anhang 7 zur E ingabe der Arbeitnehmerin an die Vor- instanz vom 25.11.2016). Nebst verspäteten Lohnauszahlungen bestätigte diese, dass ab Ende Januar 2016 bis zu ihrem Austritt per März 2016 die Dusch en, WCs, Treppenhäuser und Büro- räume der gesamten Firma nicht mehr durch eine externe Reinigungsfirma gereinigt worden seien und die Angestellten die Reinigungsarbeiten selb er hätten ausführen müssen, dass die Aufzüge in verschiedenen Gebäuden nicht mehr gewartet u nd deshalb ausser Betrieb genom- men worden seien und dass ausserhalb der normalen Arbei tszeiten keine Security Rundgänge durch den externen Dienstleister mehr durchgeführt word en seien. Weiter bestätigte Dr. D.____, man habe seitens der Arbeitgeberin neue L ieferanten gesucht, weil die etablierten Lieferanten vor Bezahlung der alten Rechnungen nicht mehr geliefert hätten, was auch zu Ver- zögerungen in wichtigen Projekten geführt habe. Dieses B estätigungsschreiben ist ein weiteres Indiz dafür, dass Zahlungsschwierigkeiten der Arbeitgeb erin im Zeitpunkt zwischen Januar und März 2016 bestanden und deshalb diverse Dienste von exter nen Anbietern, so die Unterhalts- reinigung, die Liftwartung und die Security Rundgäng e, nicht mehr beansprucht oder eingestellt wurden. 4.4 Weiter befindet sich in den Akten ein Schreiben eine r ehemaligen Angestellten der B.____ AG, nämlich das Schreiben von Dr. E.____ vom 1 . Oktober 2016 (Anhang 8 zur Einga- be der Arbeitnehmerin an die Vorinstanz vom 25.11.2016 ). Diese Arbeitnehmerin war lediglich vom 1.-7. März 2016 bei der B.____ AG tätig und konnte daher keine längerdauernden Erfah- rungen sammeln. Sie bestätigte im genannten Schreiben unter anderem, dass sie bei verschie- denen Rundgängen im Rahmen ihrer Einführung mangeln de Reinigungen, abgestellte Aufzüge und einen Putzplan für die Angestellten, da vorüberg ehend keine Putzkräfte eingestellt seien, angetroffen habe. Weiter berichtete sie über abgestell te Heizungen in den meisten Sitzungs- zimmern und veraltete Arbeitsgeräte. Auch wenn Dr. E._ ___ nur eine Woche in der B.____ AG beschäftigt war, sind ihre ausgeführten Beobachtungen e in weiteres Indiz für die bereits von Dr. D.____ geschilderte Einstellung der Reinigung und der Liftwartung durch externe Anbieter. 4.5 Dass die Unterhaltsreinigung eingestellt wurde, beweist jedoch insbesondere das interne E-Mail der Arbeitgeberin an die Angestellten vom 3. F ebruar 2016, mit welchem mitgeteilt wur- de, dass ab sofort keine Unterhaltsreinigung mehr stattfi nde, was heisse, dass keine Duschen- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und WC-Reinigung, keine Büroreinigung und keine Abfallentsorgung aus den Büros mehr erfol- ge (Anhang 10 zur Eingabe der Arbeitnehmerin an die Vorinstanz vom 25.11.2016). 4.6 In den Akten befinden sich überdies diverse Medienberich te. Diese Berichte erschienen in Zusammenhang mit der sich Mitte Februar 2016 ereignete n Explosion bei der B.____ AG. In diesen Medienberichten wird unter anderem von 94 häng igen Betreibungen gegen die B.____ AG in Millionenhöhe und von Liquiditätsproble men berichtet. Medienberichte vermögen keine Beweise darzustellen und können vorliegend ledigli ch als weiteres Indiz gewürdigt wer- den. 4.7 In der vorinstanzlichen Entscheidbegründung wurde ausgef ührt, die Arbeitgeberin habe an der Hauptverhandlung eingestanden, dass sie der Arbe itnehmerin auf deren Verlangen kei- ne Sicherheit habe bieten können und höchstens eine Te ilzahlung möglich gewesen wäre. Die Berufungsklägerin macht geltend, diese Ausführung sei n icht korrekt. Sie habe an der vor- instanzlichen Hauptverhandlung vielmehr zum Ausdruck gebr acht, dass sie keine Sicherheits- leistung habe leisten wollen, da sie hierfür keine Vera nlassung gesehen habe. Die Berufungs- beklagte bestreitet diese Ausführungen der Gegenpartei. Sie führt in der Berufungsantwort aus, sie habe an der vorinstanzlichen Verhandlung ausgeführt, dass ihr ehemaliger Personalchef auf ihre Sicherheitsforderung damals mündlich geantwortet habe, dass man keine Sicherheit leisten könne. An der vorinstanzlichen Verhandlung habe dieser a uf die Frage der Gerichtspräsidentin diese Aussage klar bejaht. Aus dem vorinstanzlichen Verhand lungsprotokoll vom 1. Dezember 2016, Seite 2, geht hervor, dass die Arbeitnehmerin an der Verhandlung ausführte, sie sei am 1. März 2016 zu ihrem Vorgesetzen F.____ gegangen und h abe ihm mitgeteilt, dass sie weiter- arbeiten möchte. Daraufhin habe der Vorgesetzte gesagt, es sei höchstens eine Teilzahlung möglich bezüglich des 13. Monatslohnes. Dieser Vorgesetzte bestätigte an der vorinstanzlichen Verhandlung auf die Frage der Gerichtspräsidentin, ob diese Ausführungen der Arbeitnehmerin zutreffen: „Im Grossen und Ganzen trifft dies zu. Wir hä tten eine Teilzahlung machen können“. Entgegen den Ausführungen in der Berufungsbegründung geht daraus in keiner Weise hervor, dass die Arbeitgeberin keine Sicherheit habe leisten w ollen. Vielmehr geht aus den verwende- ten Wörtern „können“ und „Teilzahlung“ klar hervor, dass lediglich eine Teilzahlung möglich ge- wesen wäre und die Arbeitgeberin nicht den ganzen Be trag leisten konnte. Diese Aussage von Seiten der Arbeitgeberin an der vorinstanzlichen Verha ndlung stellt somit ein weiteres Indiz für die Zahlungsschwierigkeiten der Arbeitgeberin dar. 4.8 Die Arbeitnehmerin bestreitet sodann ihre Zahlungsunf ähigkeit mit dem Ergebnis der Re- vision, welche die zuständige Wirtschaftsprüfungsgesellscha ft zum hier interessierenden Zeit- punkt durchgeführt habe. Sie führt aus, wenn eine Za hlungsunfähigkeit bestanden hätte, wären die Organe der Gesellschaft verpflichtet gewesen, den Ri chter zu benachrichtigen. Dies sei eben gerade nicht geschehen, woraus abzuleiten sei, dass k eine Zahlungsunfähigkeit bestand. Als Beweis für diese Behauptung beantragt die Arbeitg eberin die Befragung von C.____ (Ver- waltungsrat der B.____ AG) als Partei. Es handelt sich b ei diesen Ausführungen um neue Vor- bringen, welche die Arbeitgeberin bei der Vorinstan z nicht ausführte. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel nur noch b erücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht konnten. Dieses eingeschränkte Novenrecht gilt auch dann, wenn der Sachverhalt - wie vorlie- gend gestützt auf Art. 247 Abs. 2 lit. b Ziff. 2 ZPO - von Amtes wegen festzustellen ist (BGE 138 III 625 E. 2.1 = Pra 2013 Nr. 26). Es ist weder ersicht lich noch wird geltend gemacht, weshalb die Ausführungen betreffend Revision nicht bereits im vo rinstanzlichen Verfahren hätten vorge- bracht werden können. Folglich sind diese Ausführungen e ntsprechend Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht zu berücksichtigen und eine Befragung von C.____ i st somit nicht erforderlich. Der ent- sprechende Antrag wurde bereits mit präsidialer Verfügu ng vom 10. April 2017, Ziffer 3, abge- wiesen. Es wäre C.____ im Übrigen offen gestanden, al s Partei an der vorinstanzlichen Haupt- verhandlung teilzunehmen. 4.9 Die vorstehenden Erwägungen zeigen, dass etliche Indizie n für die Zahlungsschwierigkei- ten der Arbeitgeberin bestanden. Wie die Vorinstanz z u Recht ausführte, haben die Arbeitneh- menden üblicherweise keinen Einblick in die aktuelle Fi nanzlage ihrer Arbeitgeberin, so dass sie lediglich auf ihre eigenen Beobachtungen, die Komm unikation durch die Arbeitgeberin und die Berichterstattungen in den Medien abstellen können . An den Beweis der Zahlungsunfähig- keit, welchen die Arbeitnehmerin zu erbringen hat, dür fen daher keine allzu hohen Anforderun- gen gestellt werden, zumal auch keine klare Abgrenzung zwischen einer Zahlungsunfähigkeit und einer Illiquidität gezogen werden kann. Im vorli egenden Fall sind ausreichende Indizien vorhanden, aufgrund welcher die Arbeitnehmerin in Wür digung der Gesamtumstände von der Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin ausgehen durfte. So wurden die Löhne seit August 2015 mehrmals verspätet bezahlt und der 13. Monatslohn für das Jahr 2015 wurde weder rechtzeitig bezahlt, noch konnte mitgeteilt werden, wann genau d ie Auszahlung erfolgen soll. Im Zeitpunkt der fristlosen Kündigung der Arbeitnehmerin vom 8. Mä rz 2016 war die Arbeitgeberin mit dem 13. Monatslohn bereits mehr als drei Monate in Verzug. Das Einstellen der Reinigung, der Lift- wartung und der Security Rundgänge durch externe Dien stleistungsanbieter sind weitere Indi- zien dafür, dass die Arbeitgeberin nicht mehr zahlungsf ähig war. Die Medienberichte bestätig- ten dieses Bild zusätzlich. Auch die Aussage von F.____ an der vorinstanzlichen Verhandlung, wonach er der Arbeitnehmerin sagte, es könne lediglich eine Teilzahlung geleistet werden, ist ein weiteres Indiz für die damalige Zahlungsunfähigkei t der Arbeitgeberin bzw. dafür, dass die Arbeitnehmerin von der Zahlungsunfähigkeit ausgehen d urfte. Zu berücksichtigen gilt überdies, dass die Arbeitgeberin eine Mitwirkungspflicht trifft. Wird eine Sicherheitsleistung verlangt, ob- liegt es der Arbeitgeberin, dem Arbeitnehmenden durch geeignete Angaben und Belege darzu- legen, dass sie trotz Rückständen zahlungsfähig ist. Tut die Arbeitgeberin dies nicht, hat sie die Sicherheit entsprechend Art. 337a OR zu leisten (Bger 4A_192/2008 vom 9. Oktober 2008, E 6). Im vorliegenden Fall forderte die Arbeitnehmer in mit Schreiben vom 19. Januar 2016 und vom 1. März 2016 die Arbeitgeberin auf, die Ausstände zu begleichen und eine Sicherheit für die nächsten drei Monatslöhne zu leisten. Die Arbeitg eberin hat auf keines dieser Schreiben reagiert. Weder teilte sie der Arbeitnehmerin mit, w ann der Ausstand bezahlt werden soll, noch legte sie der Arbeitnehmerin gegenüber dar, dass sie t rotz des Rückstandes zahlungsfähig sei, noch leistete sie die verlangte Sicherheit. Indem sie g ar nicht reagierte, kam sie ihrer Obliegen- heit nicht nach und bestärkte überdies die Arbeitnehmer in in ihrer Annahme, dass eine Zah- lungsunfähigkeit vorliegt. Folglich konnte sich die vorle istungspflichtige Arbeitnehmerin nicht darauf verlassen, dass die Arbeitgeberin die Rückstände innert absehbarer Zeit begleicht und den künftigen Lohnzahlungspflichten fristgerecht nachkomm t. Aufgrund dieser gesamten Um- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht stände durfte die Arbeitnehmerin im Zeitpunkt ihrer f ristlosen Kündigung von der Zahlungsunfä- higkeit der Arbeitgeberin ausgehen. Dass die Arbeitgeberin die verlangte Sicherheit nicht leiste- te, ist unbestritten. Folglich war die fristlose Kündi gung nach Art. 337a OR wegen Zahlungsun- fähigkeit der Arbeitgeberin gerechtfertigt. 5. Die Arbeitgeberin macht weiter geltend, eine fristlose Kündigung sei nur bei besonders schweren Verfehlungen gerechtfertigt. Vorliegend sei a llenfalls der 13. Monatslohn fällig gewe- sen und ansonsten hätten keine Ausstände bestanden, so dass keine schwerwiegende Verfeh- lung vorgelegen sei. Daher sei die Weiterführung des A rbeitsverhältnisses zumutbar und die fristlose Kündigung nicht der einzige Ausweg gewesen. Die Arbeitnehmerin hätte eine weniger einschneidende Massnahme wählen können, beispielsweise die Niederlegung der Arbeit bis zur Bezahlung des 13. Monatslohnes. Wie bereits unter den Ziffer 4.1 bis 4.9 hiervor ausge führt, durfte die Arbeitnehmerin von der Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin ausgehen und daher das Arbeitsverhältnis in Anwen- dung von Art. 337a OR fristlos auflösen. Art. 337a OR konkretisiert einen „wichtigen Grund“ für die fristlose Kündigung. Ob der Ausstand des 13. Monatslohnes für sich ein wichtiger Grund zur fristlosen Kündigung gemäss der allgemeinen Bestimmung nach Art. 337 OR gewesen wäre, braucht daher nicht geklärt zu werden. 6. Die Arbeitgeberin macht sodann geltend, die Arbeitneh merin habe nicht umgehend ge- handelt und deshalb das Recht zur fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses verwirkt. 6.1 Die Arbeitnehmerin wandte sich mit Schreiben vom 19. Januar 2016 an die Arbeitgeberin und forderte diese auf, den 13. Monatslohn für das da s Jahr 2015 bis zum 31. Januar 2016 zu bezahlen und eine Sicherheit für die nächsten drei Monatslöhne zu leisten. Nachdem weder der 13. Monatslohn bezahlt noch eine Sicherheit geleistet wu rde, wandte sich die Arbeitnehmerin mit Schreiben vom 1. März 2016 erneut an die Arbeitgeb erin und verlangte die Bezahlung der Ausstände und die Leistung einer Sicherheit für die kün ftigen drei Monatslöhne wegen offen- sichtlicher Zahlungsunfähigkeit innert fünf Tagen. Wei ter drohte die Arbeitnehmerin in diesem Schreiben die fristlose Auflösung des Arbeitsverhältni sses gestützt auf Art. 337 und 337a OR an, falls die Arbeitgeberin innert Frist der Aufforde rung nicht nachkomme. Mit Schreiben vom 8. März 2016 kündigte die Arbeitnehmerin sodann fristl os, mit der Begründung, bis zum Ablauf der angesetzten Frist sei weder eine Zahlung noch eine Sicherheitsleistung erfolgt. 6.2 Die Arbeitnehmerin kam damit ihrer Obliegenheit gem äss Art. 337a OR nach, wonach sie vor einer fristlosen Kündigung vorgängig die Arbeitgeberin zur Sicherstellung ihrer Forderungen innert angemessener Frist auffordern muss. Bei Lohngefä hrdungen ist regelmässig eine kurze Fristsetzung zur Sicherstellung angemessen, wobei je nach den konkreten Umständen in der Regel von drei bis zu zehn Tagen ausgegangen wird (S TREIFF /VON KAENEL /RUDOLPH , a.a.O., Art. 337a N 7 mit weiteren Hinweisen). Mit der zwei ten Mahnung vom 1. März 2016 setzte die Arbeitnehmerin der Arbeitgeberin eine Frist von fünf Tagen zur Bezahlung der Ausstände und zur Leistung einer Sicherheit, was angemessen ist. Die Arbeitgeberin bringt denn auch nicht vor, diese Frist sei zu kurz oder zu lange bemessen gewese n. Nachdem innert fünf Tagen ab Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. März 2016 keine Zahlung erfolgte, kündigte die Arbe itnehmerin umgehend am 8. März 2016 das Arbeitsverhältnis fristlos. Auch die Zeitspanne zwische n dem Ablauf der gesetzten Zah- lungsfrist und der Kündigung durch die Arbeitnehmeri n ist nicht zu lange, sondern umgehend erfolgt, zumal die Arbeitnehmerin noch den allfällig en Zahlungseingang auf ihrem Postkonto abwarten musste. Die Arbeitnehmerin wartete von der zwe iten Mahnung vom 1. März 2016 bis zur fristlosen Kündigung vom 8. März 2016 nicht zu lange, so dass das Recht zur fristlosen Kündigung nicht verwirkte. 6.3 Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, kann der Arbeitn ehmerin nicht vorgehalten wer- den, dass sie nach Ablauf der ersten Frist per 31. Januar 2016 gemäss ihrer ersten Mahnung vom 19. Januar 2016 nicht direkt die Kündigung aussprac h, sondern am 1. März 2016 eine neue Frist zur Bezahlung der Ausstände und einer Sicherh eitsleistung ansetzte, in der Hoff- nung, dass sich die finanzielle Situation der Arbeitgeb erin angesichts der in Aussicht gestellten Refinanzierung doch noch verbessern könnte. Dies gilt u mso mehr, als es der Arbeitnehmerin an der Arbeitsstelle gut gefiel und ihr am Fortsetzen ihrer Arbeitsstelle gelegen war, wie sie in der Eingabe vom 25. November 2016 an die Vorinstanz un d an der vorinstanzlichen Hauptver- handlung ausführte, und die Arbeitgeberin im Schreib en vom 15. Januar 2015 ausführte, die Refinanzierung befinde sich in der entscheidenden Phas e und der neue Finanzierer sei in den Schlussverhandlungen mit der Bank, so dass es verständlich ist, dass die Arbeitnehmerin noch rund sechs Wochen zuwartete. Das Abwarten von der erste n Mahnung und Zahlungsaufforde- rung vom 19. Januar 2016 bis zur zweiten vom 1. März 2016 schadet der Arbeitnehmerin auch insofern nicht, als bei Lohnausständen die Verwirkungsf rist zur Aussprechung der fristlosen Kündigung mit jeder Mahnung neu eröffnet wird (S TREIFF / VON KAENEL /RUDOLPH , a.a.O., Art. 337 N 9 mit weiteren Hinweisen). Dem Standpunkt der Arbeitgeberin, die Arbeitnehmerin hätte bereits im Januar 2016 kündigen können, weshalb i hr die Löhne nur bis maximal Ende April 2016 zuzusprechen seien, ist daher nicht zu folgen . Ebensowenig ihren Ausführungen, wonach das Zuwarten der Arbeitnehmerin, um noch von we iteren Monatslöhnen profitieren zu können, keinen Rechtsschutz verdiene. Denn es wäre an der Arbeitgeberin gelegen, die Arbeit- nehmerin nach deren Schreiben vom 19. Januar 2016 übe r das voraussichtliche Auszahlungs- datum des 13. Monatslohns zu informieren, zumal die Arb eitgeberin im Schreiben vom 15. Ja- nuar 2016 über die Endphase der Refinanzierung bericht ete. Indem die Arbeitgeberin gar nicht reagierte, liess sie die Arbeitnehmerin im Ungewissen un d kann ihr nunmehr deren Abwarten bis zur zweiten Mahnung nicht vorwerfen. 7. Umstritten ist schliesslich noch die Höhe der Entschädigung für die Arbeitnehmerin auf- grund ihrer gerechtfertigten fristlosen Kündigung. 7.1 Die Vorinstanz führte aus, die fristlose Kündigung durch die Arbeitnehmerin gründe im vertragswidrigen Verhalten der Arbeitgeberin, da diese ihrer Lohnzahlungspflicht nicht nachge- kommen sei. Es handle sich somit um eine einseitig verschu ldete Vertragsauflösung, weshalb die Arbeitgeberin gemäss Art. 337b Abs. 1 OR im vollen Umfang schadenersatzpflichtig sei. Als Schaden würden dabei sämtliche finanziellen Nachteile gelten, die der kündigenden Partei kau- sal aus der berechtigten fristlosen Vertragsauflösung bi s zum nächsten Kündigungstermin re- sultieren würden. Es handle sich dabei um den entgangen en Lohn abzüglich Ersatzverdienst Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Einsparungen. Diese grundsätzlichen Ausführungen we rden von der Arbeitgeberin nicht bestritten. Die Vorinstanz erwog sodann, die Arbeitneh merin habe ihren Schaden auf CHF 9‘900.05 netto beziffert, dies unter Einrechnung d es 13. Monatslohns für das Jahr 2015 zuzüglich 5% Verzugszins seit 1. Dezember 2015, der Löhne fü r die Monate März bis Juni 2016, des 13. Monatslohns pro rata bis 30. Juni 2016, de r Entschädigung für das Restferien- guthaben und der „B.____-Entschädigung“ in der Höhe v on CHF 50.00, abzüglich der von der Arbeitgeberin bereits geleisteten Zahlungen, der aus gerichteten Arbeitslosentaggelder sowie der Sozialbeiträge. Hinsichtlich der „B.____-Entschädigung“ führte die Vorinstanz aus, diese sei vermutungsweise als Entschädigung dafür, dass der 13. Mon atslohn nicht rechtzeitig ausbe- zahlt worden sei, zu verstehen. Es finde sich kein Hinweis darauf, dass diese Entschädigung nur bei einem Einverständnis der Arbeitnehmenden mit d er von der Arbeitgeberin vorgeschla- genen Vorgehensweise geschuldet sein soll, weshalb diese E ntschädigung ebenfalls geschul- det sei. Die Arbeitgeberin habe weder das von der Arbeitnehmerin für die Zeit bis 30. Juni 2016 geltend gemachte Restferienguthaben bestritten, noch d argelegt, dass die von der Arbeitneh- merin angewendete Berechnungsweise nicht korrekt sei. Dah er sei die von der Arbeitnehmerin geltend gemachte Schadenersatzforderung in der Höhe von CHF 9‘900.05 netto gutzuheissen. 7.2 Die Arbeitgeberin moniert, sie habe entgegen den Au sführungen der Vorinstanz die Höhe und damit auch die Berechnungsweise der Arbeitnehmerin hinsichtlich deren Forderung bestrit- ten. Sie wehrt sich gegen die Anrechnung der sogenann ten „B.____-Entschädigung“ von CHF 50.00, da diese als Dank für das Verständnis gewährt worden sei und nicht als Entschädi- gung für die verspätete Bezahlung des 13. Monatslohnes. A us der fristlosen Kündigung sei er- kennbar, dass die Berufungsbeklagte eben gerade nicht ein verstanden gewesen sei und kein Verständnis gezeigt habe, weshalb ihr auch kein Anspru ch auf die „B.____-Entschädigung“ zu- stehe. Die Arbeitgeberin berechnet die Entschädigung der Arbeitnehmerin sodann nur bis Ende April 2016. Für den 13. Monatslohn 2015, die Löhne b is April 2016, den 13. Monatslohn 2016 pro rata und die Restferien bis Ende April 2016 berech net die Arbeitgeberin – nach Abzug der Sozialversicherungsabzüge und der von der Arbeitnehmeri n bezogenen Arbeitslosenentschädi- gungen – eine verbleibende Lohnforderung der Arbeit nehmerin von maximal CHF 4‘175.75 net- to. 7.3 Im Schreiben vom 15. Januar 2016 teilte die Arbeitgeb erin ihren Angestellten mit, dass für die verspätete Auszahlung des 13. Monatslohnes ein Verzugszi ns von 5% ab 1. Dezember 2015 gewährt und zusätzlich eine freiwillige Zahlung vo n CHF 50.00 bezahlt werde. In diesem Schreiben findet sich kein Hinweis darauf, dass die Zahlun g von CHF 50.00 als Dank für das Verständnis der Arbeitnehmenden gedacht sein soll und n ur unter der Bedingung, dass das Verständnis auch tatsächlich vorhanden ist, gewährt wer den soll. Vielmehr wird diese Entschä- digung in Zusammenhang mit der verspäteten Auszahlung d es 13. Monatslohnes erwähnt und ist somit auch als Entschädigung für die verspätete Auszah lung des 13. Monatslohnes zu ver- stehen und nicht als Dankeschön für das von der Arbeitnehmerin entgegengebrachte Verständ- nis. Folglich ist die sogenannte „B.____-Entschädigung“ von CHF 50.00 vorliegend ebenfalls geschuldet und von der Vorinstanz zu Recht gutgeheissen worden. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.4 Die Arbeitgeberin macht geltend, entgegen den Ausfü hrungen der Vorinstanz habe sie die von der Gegenpartei geltend gemachte Höhe der Entschä digung und die Berechnungsweise ausdrücklich bestritten. Die Arbeitgeberin legt sodann i hre Berechnung der Entschädigung er- neut dar und kommt auf einen Betrag von CHF 4‘175.75 netto. Die Differenz resultiert vor allem daher, dass die Arbeitgeberin die Entschädigung nur für die Lohnansprüche bis und mit April 2016 berechnet und nicht wie die Arbeitnehmerin bis u nd mit Juni 2016 (zur Berechnung der Arbeitnehmerin siehe Anhang 13 ihrer Eingabe an die Vorinstanz vom 25.11.2016). Ansonsten führt die Arbeitgeberin in ihrer Berechnung die gle ichen Positionen wie die Arbeitnehmerin auf, nämlich den 13. Monatslohn 2015 im gleichen Betrag vo n CHF 7‘915.00, die Monatslöhne von CHF 7‘940.00 pro Monat, den 13. Monatslohn pro rata 2016 und das Restferienguthaben. Kon- kret bestreitet die Arbeitgeberin lediglich die Anrechn ung der B.____-Entschädigung und die Berechnung der Lohnansprüche bis Ende Juni 2016. Wie b ereits unter vorstehender Erwägung Ziffer 6.3 ausgeführt, ist der Arbeitnehmerin nicht vo rzuwerfen, dass sie mit der zweiten Mah- nung und der fristlosen Kündigung bis Anfang März 2016 zugewartet hat. Folglich ist ihre Ent- schädigung in Anbetracht der dreimonatigen Kündigungsf rist gestützt auf die Lohnansprüche bis Ende Juni 2016 zu berechnen, wie dies die Arbeitneh merin in ihrer Berechnung machte. Dass die B.____-Entschädigung ebenfalls geschuldet ist, wu rde bereits in der vorstehenden Ziffer 7.3 ausgeführt. Die Arbeitgeberin legt nicht dar, was ansonsten an der Berechnungsweise der Arbeitnehmerin für die geltend gemachte Entschädigung konkret falsch sein soll. Folglich ist die Berechnung der Arbeitnehmerin nicht weiter zu pr üfen und die Berufung auch in diesem Punkt abzuweisen. 8. Abschliessend ist noch über die Verlegung der Prozesskosten zu befinden. Mit der Bestä- tigung des angefochtenen Entscheides bleiben die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Ver- fahrens in erster Instanz unverändert bestehen. Massgebend für die Regelung der Kostenfolgen des Berufungsverfahrens sind ebenfalls die Bestimmungen de r Art. 104 ff. ZPO (S EILER , Die Berufung nach ZPO, N 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der un- terliegenden Partei auferlegt. Entsprechend dem vorli egenden Verfahrensausgang hat die Be- rufungsklägerin somit für die Prozesskosten aufzukommen. Weil dem Verfahren eine Streitigkeit aus einem Arbeitsverhältnis mit einem Streitwert von we niger als CHF 30‘000.00 zu Grunde liegt, werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 114 l it. c ZPO). Da die Berufungsbeklagte nicht anwaltlich vertreten ist, ist ihr auch keine Part eientschädigung zu Lasten der Berufungs- klägerin zuzusprechen. Folglich hat jede Partei für ihre eigenen Kosten des Berufungsverfah- rens aufzukommen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Berufung wird abgewiesen. 2. Es werden keine Gerichtskosten für das Berufungsverfahre n erhoben. Jede Partei hat für ihre eigenen Parteikosten des Beruf ungsverfahrens aufzukommen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiberin Karin Arber