<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 62 S.201</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">201</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft4"><b>62</b></span> <span class="ft4"><b>Anstalt; ambulante Behandlung.</b></span><br/> <span class="ft4"><b>-</b></span> <span class="ft4"><b>Der Externe Psychiatrische Dienst (EPD) ist keine Anstalt im Sinne</b></span><br/> <span class="ft4"><b>von Art. 397 a Abs. 1 ZGB (Erw. 2 d).</b></span><br/> <span class="ft4"><b>-</b></span> <span class="ft4"><b>Die ambulante, psychiatrische (Nach-)behandlung gestützt auf eine</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Weisung im Rahmen einer Entlassung aus der FFE ist keine Zwangs-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>massnahme im Sinne von § 67 e</b></span><span class="ft5"><sup><b>bis</b></sup></span> <span class="ft4"><b>EG ZGB (Erw. 2 d).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">202</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 12. März 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft6">chen R.S. gegen Entscheid des Bezirksamts A.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Gemäss Art. 397a Abs. 1 ZGB darf eine mündige oder</span><br/> <span class="ft1">entmündigte Person wegen Geisteskrankheit, Geistesschwäche,</span><br/> <span class="ft1">Trunksucht, anderen Suchterkrankungen oder schwerer Verwahrlo-</span><br/> <span class="ft1">sung in einer geeigneten Anstalt untergebracht oder zurückbehalten</span><br/> <span class="ft1">werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwie-</span><br/> <span class="ft1">sen werden kann. Der Begriff der Anstalt ist dabei weit zu fassen,</span><br/> <span class="ft1">sodass als geeignete Anstalt jede Einrichtung gilt, in der einer Person</span><br/> <span class="ft1">ohne oder gegen deren Willen persönliche Fürsorge unter spürbarer</span><br/> <span class="ft1">Einschränkung der Bewegungsfreiheit erbracht werden kann (BGE</span><br/> <span class="ft1">121 III 308). Zudem braucht es sich nicht um eine geschlossene An-</span><br/> <span class="ft1">stalt zu handeln, sondern es genügt, wenn der entsprechenden Person</span><br/> <span class="ft1">ein Entweichen entweder tatsächlich nicht ohne weiteres möglich</span><br/> <span class="ft1">oder aber verboten ist (Thomas Geiser, in: Basler Kommentar, ZGB</span><br/> <span class="ft1">I/2, Basel/Genf/München 1999, Art. 397a N 22).</span><br/> <span class="ft1">b) Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er explizit aus der</span><br/> <span class="ft1">Klinik entlassen worden sei und seinen Aufenthaltsort frei wählen</span><br/> <span class="ft1">könne. So habe er am 11. Februar 2002 eine eigene Wohnung bezo-</span><br/> <span class="ft1">gen. Trotzdem bleibe die fürsorgerische Freiheitsentziehung beste-</span><br/> <span class="ft1">hen, was das Bezirksamt im Dispositiv seiner Verfügung vom</span><br/> <span class="ft1">13. Februar 2002 dadurch zum Ausdruck bringe, dass lediglich eine</span><br/> <span class="ft1">"Entlassung aus der stationären Massnahme, bzw. deren Änderung in</span><br/> <span class="ft1">eine ambulante Massnahme" erfolge. Zudem stehe diese Begrifflich-</span><br/> <span class="ft1">keit in keinem Zusammenhang mit dem Recht der fürsorgerischen</span><br/> <span class="ft1">Freiheitsentziehung, sondern sei dem Strafrecht entlehnt. Die Anord-</span><br/> <span class="ft1">nung einer "ambulanten Massnahme" im Rahmen einer fürsorgeri-</span><br/> <span class="ft1">schen Freiheitsentziehung finde im Gesetz keine Stütze und sei daher</span><br/> <span class="ft1">aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">c) Das Bezirksamt vertritt in seiner Vernehmlassung den Stand-</span><br/> <span class="ft1">punkt, dass unter dem Begriff "Anstalt" eine von der öffentlichen</span><br/> <span class="ft1">oder privaten Körperschaft getragene, mit den erforderlichen Mitteln</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Fürsorgerische Freiheitsentziehung</span> <span class="page_no">203</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ausgestattete Institution zur dauernden Erfüllung der vorgegebenen</span><br/> <span class="ft1">Aufgaben zu verstehen sei. Diese Definition gelte gleichermassen für</span><br/> <span class="ft1">die Psychiatrische Klinik Königsfelden, wie auch für den EPD Stütz-</span><br/> <span class="ft1">punkt B. Der Beschwerdeführer wechsle aus der stationären Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung in die ambulante Behandlung beim EPD B., wodurch ihm</span><br/> <span class="ft1">einerseits ermöglicht werde, seine wirtschaftliche Selbständigkeit</span><br/> <span class="ft1">wahrzunehmen, andererseits die psychiatrische Kontrolle im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung aufrechterhalten bleibe.</span><br/> <span class="ft1">Diese Kontrolle sei erforderlich und daher gerechtfertigt bzw. die</span><br/> <span class="ft1">Weiterführung einer angeordneten ambulanten Massnahme im Rah-</span><br/> <span class="ft1">men einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung unter Aufsicht der</span><br/> <span class="ft1">geeigneten Fachpersonen sei bisher in der aargauischen Rechtspraxis</span><br/> <span class="ft1">nicht nur grundsätzlich, sondern auch mit Erfolg angewendet und</span><br/> <span class="ft1">anerkannt worden.</span><br/> <span class="ft1">d) Der Beschwerdeführer wurde auf Grund seiner wirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Selbständigkeit sowie seiner Bereitschaft, im Rahmen einer</span><br/> <span class="ft1">ambulanten Nachbehandlung durch den EPD, Stützpunkt B. regel-</span><br/> <span class="ft1">mässige Kontrollen des Blutspiegels zum Nachweis der Medikamen-</span><br/> <span class="ft1">teneinnahme durchführen zu lassen, aus der Klinik Königsfelden</span><br/> <span class="ft1">entlassen. In der Zwischenzeit wohnt der Beschwerdeführer in einer</span><br/> <span class="ft1">eigenen Wohnung, und er geht einer geregelten Arbeit nach. Er ist</span><br/> <span class="ft1">somit in seiner Bewegungsfreiheit trotz Wahrnehmung der ambulan-</span><br/> <span class="ft1">ten Termine beim EPD, Stützpunkt B. in keiner Weise mehr spürbar</span><br/> <span class="ft1">eingeschränkt, gleich wie dies beim Besuch einer privaten psychia-</span><br/> <span class="ft1">trischen Arztpraxis der Fall wäre. Zusätzlich ist zu berücksichtigen,</span><br/> <span class="ft1">dass der EPD, Stützpunkt B. die ambulante Nachbehandlung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers gegen seinen Willen nicht durchsetzen kann,</span><br/> <span class="ft1">zumal es sich bei der vorliegenden ambulanten Nachbehandlung</span><br/> <span class="ft1">nicht um eine Zwangsmassnahme im Sinne von § 67e</span><span class="ft2"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">EG ZGB</span><br/> <span class="ft1">handelt. Eine solche ist nur im Rahmen einer rechtmässigen und</span><br/> <span class="ft1">uneingeschränkten fürsorgerischen Freiheitsentziehung mit stationä-</span><br/> <span class="ft1">rem Zwangsaufenthalt in der Psychiatrischen Klinik Königsfelden</span><br/> <span class="ft1">zulässig (AGVE 2000, S. 188 f.). Zusammenfassend kann festgestellt</span><br/> <span class="ft1">werden, dass es sich beim EPD, Stützpunkt B. nicht um eine Anstalt</span><br/> <span class="ft1">im Sinne von Art. 397a Abs. 1 ZGB handelt und es sich schon von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">204</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">daher nicht um eine vollumfängliche fürsorgerische Freiheitsentzie-</span><br/> <span class="ft1">hung handeln kann, wie es das Bezirksamt geltend macht.</span><br/></div> </div> </body> </html>