B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-2262/2012 U r t e i l v o m 2 3 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa-Haake. Parteien A._______, vertreten durch Dr. iur. Vincent Augustin, Rechtsanwalt, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum. C-2262/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A._______, geboren 19 43, ist Staatsangehörige von Sri Lanka . Ende 2012 beantragte sie bei Schweizerischen Vertretung in Colombo die Er- teilung eines Schengen-Visums, um ihre in Chur lebende Tochter und de- ren Familie zu besuchen . Dieses Gesuch lehnte die Botschaft ab mit der Begründung, dass ihre Absicht, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten fristgerecht zu verlassen, nicht feststellbar sei. B. Die von A._______ dagegen erhobene Einsprache wies das BFM – nach Durchführung kantonaler Abklärungen – mit Verfügung vom 30. März 2012 ab. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, d ie Gesuchstellerin stamme aus einer Region, aus welcher als Folge der dortigen wirtschaftli- chen Verhältnisse ein erheblicher Zuwanderungsdruck bestehe. Zudem sei sie ungebunden bzw. trage in ihrer Heimat keine besonderen berufl i- chen, familiären oder gesellschaftlichen Verpflichtungen. Das Risiko ihrer nicht anstandslosen Wiederausreise erscheine damit als nicht gering. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 25. April 2012 beantragt A._______, nun anwaltlich vertreten, die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Erteilung der beantragten Einreisebewilligung. Sie macht geltend, sie sei keineswegs ungebunden, betreue sie doch in Sri Lanka ihren invali- den und pflegebedürftigen Sohn, mit dem sie im eigenen Haus zusam- menlebe. Im gleichen Haus wohne auch eine Tochter von ihr; weitere Kinder lebten mehr oder weniger in der Nähe. Hieraus ergäben sich s o- wohl familiäre als auch aus dem Eigentum herrührende Verpflichtungen. Ihre seit 14 Jahren in der Schweiz lebende Tochter habe sie letztmals vor 7 Jahren sehen können. Dass man ihr die Möglichkeit verweigere, diese und vor allem auch ihre Enkelkinder, zu besu chen, sei nicht verständlich. Ihre Tochter und deren Ehemann versteuerten ein jährliches Einkommen von rund 50'000 Franken und bewohnten mit ihren Kindern eine 3 ½ - Zimmerwohnung: Die finanziellen und räumlichen Verhältnisse der Gas t- geber würden es somit g ar nicht erlauben, sie, die Beschwerdeführerin bei sich zu behalten. Die Vermutung der Vorinstanz, dass sie nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren wolle, erscheine auch angesichts ihres Al- ters als lebensfern. D. Das mit der Rechtsmittelein gabe gestellte G esuch, Tochter und Schwi e-C-2262/2012 Seite 3 gersohn der Beschwerdeführerin seien im vorliegenden Verfahren beiz u- laden, wurde mit Zwischenverfügung vom 1. Mai 2012 abgewiesen. Ihnen wurde aber gleichzeitig die Möglichkeit aufgezeigt, sich formlos zu den gestellten Begehren zu äussern. E. Mit Eingabe vom 4. Mai 2012 nahm B._______, die in Chur lebende Tochter der Beschwerdeführerin, zum geplanten Besuch ihrer Mutter Stel- lung und gab an, diese wohne mit weiteren neun Kindern in Sri Lanka. Dort besitze ihre Mutter eigenes Land, und ihre Kinder seien auf sie a n- gewiesen. Damit sei garan tiert, dass ihre Mutter nach de m Besuchsauf- enthalt – Anlass dafür sei eine G eburtstagsfeier ihrer Enkelkinder – wie- der in ihre Heimat zurückkehren werde. F. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Juni 2012 beantragt die Vorinstanz unter Hinweis auf den Inhalt der angefochtenen Verfügung die Abweisung der Beschwerde. Ergänzend führt sie an, dass es der Beschwerdeführerin trotz der behaupteten Pflege des behinderten Sohnes offenbar möglich sei, ihr familiäres Umfel d in Sri Lanka über mehrere Monate hinweg zu verlassen. Somit könne nicht auf besondere, über das übliche Mass h i- nausgehende Verpflichtungen ihrerseits geschlossen werden. G. In der darauffolgenden Replik vom 26. Juni 2012 erklärt die Beschwerde- führerin, in ihrem Herkunftsland lebten sechs grössere Familien, die zu ih- rem "Clan" gehörten. Dies und auch ihr bisheriges Vorbringen spr ächen für ihre Rückkehrbereitschaft. Zudem wäre der Besuch in der Schweiz für sie als Einzelperson aus ökonomischen wie ökologisch en Aspekten ve r- nünftiger als eine Reise der mehrköpfigen Familie ihrer Tochter nach Sri Lanka. H. Auf den übrigen Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. C-2262/2012 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun desverwaltungsgericht en d- gültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, ric h- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur B e- schwerde berechtigt. Auf ihre frist- und formgerecht eingereichte B e- schwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde au ch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2011/1 E. 2 und 2011/43 E. 6.1). 3. Die angefochtene Verfügung bezieht sich auf das Visumsgesuch eine r Staatsangehörigen von Sri Lanka , d ie für einen maximal dreimonatigen Besuchsaufenthalt in die Schweiz einreisen möchte. Da sie sich nicht auf die EU/EFTA -Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die C-2262/2012 Seite 5 beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt ihr Gesuch in den Anwendungsbereich der Schengen -Assoziierungs- abkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts akte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun- gen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präse ntieren sich im Anwendungsbereich der erwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaa ten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI/TOBIAS D. MEYER, in: Caroni /Gächter/Thurnherr [Hr sg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.) 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Staatsangehörige gewi s- ser Länder benötigen zudem ein Visum (vgl. Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind). Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inha ber eines gültigen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi gen Aufenthalt C-2262/2012 Seite 6 verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32] und Art. 2 der Verordnung [EG] Nr. 562/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. März 2010 zur Ä n- derung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen und der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 in Bezug auf den Verkehr von Personen mit einem Visum für einen längerfristigen Aufen t- halt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1-4]). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausr ei- chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Vi sakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informat i- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge schrieben sein und kei- ne Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentl i- che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglie d- staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffent liche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und g e- suchstellende Personen dementsprechend zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausrei- se nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG ve r-C-2262/2012 Seite 7 langt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang ( vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthalt s- zwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des n a- tionalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für e r- forderlich, so ist er berechtigt, der dritt staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visak o- dex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 listet diejenigen Staaten auf, deren Staatsangehörige beim Übe r- schreiten der Aussengrenzen der Schengen Mitgliedstaaten im Besitze eines Visums sein müssen (Abl. L 81 vom 21.03.2001, S. 17; zum vol l- ständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV). Da Sri Lanka zu diesen Staaten zählt, unterliegt d ie Beschwerdeführerin der Vi- sumspflicht. 5.2 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz bezweifelt, dass d ie B e- schwerdeführerin die Schweiz bzw. den Schengen -Raum wieder a n- standslos verlassen würde, und dies sowohl mit der wirtschaftlichen Sit u- ation in ihrem Heimatland als auch mit ihren persönlichen Verhältnissen begründet. Zu der somit im Vordergrund stehenden Frage der gesi cher- ten Wiederausreise könnten jedoch lediglich Prognosen getroffen werden. 5.3 Stellt man auf die allgemeine Situation im Herkunfts land ab, so kö n- nen Einreisegesuche von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit pol i- tisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ung ünstigen Verhältnissen da r- auf hindeuten, dass deren persönliche Interessenlage nicht mit Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. Ob-C-2262/2012 Seite 8 liegt einer gesuchstellenden Person demgegenüber eine besondere b e- rufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung im Heimatland, so kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wi e- derausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die keine der - artigen Verpflichtungen haben, das Risiko eines über die bewill igte Be - suchsdauer hinaus dauernden Verbleibs als hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Die Wirtschaft Sri Lankas befindet sich im Aufschwung. Im Jahr 2011 belief sich das reale Wirtschaftswachstum auf 8,3 Prozent, das stärkste Wirtschaftswachstum seit 32 Jahren; aufgrund notwendiger fiskalpolit i- scher Massnahmen betrug das Wachstum im 2012 aber lediglich 6,4 Pro- zent. Für das Jahr 2013 liegen die Wachstumsprognosen zwischen 6,0 und 6,8 Prozent. Die Arbeitslosigkeit nahm von 4,2 Prozent im Jahr 2011 auf 4,0 Prozent im J ahr 2012 ab. Problematisch ist demgegenüber die Jugendarbeitslosigkeit, die im Jahr 2012 auf ca. 19 Prozent angestiegen ist (Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt, http://www.auswaertiges-amt.de, Länderinformationen > Sri Lanka > Wirtschaft [Stand April 2013]). 6.2 Die aufgeführten Zahlen berücksichtigen allerdings nicht die der Nordprovinz. Nach offiziellen Angaben ist das Bruttosozialprodukt im Nor- den des Landes um rund 22 Prozent gestiegen; Experten erklären dies mit den grossen Infrastrukturprojekten, die von der Regierung nach Ende des Bürgerkriegs lanciert wurden. Personen tamilischer Ethnie k önnen sich aber meist nur als billige Tagelö hner am Wi ederaufbau beteiligen . Die Armut der Bevölkerung im Norden ist hoch. In Jaffna leben 55 Pr o- zent unterhalb der Armutsgrenze von einem US -Dollar pro Tag und b e- trachten ihre Ernährungslage als nicht gesichert. Ihre Verdienstmöglich- keiten in Landwirtschaft und Fischerei sind gering, da der Zugang zu di e- sen wichtigen Einkommensquellen häufig durch die – auch in der Priva t- wirtschaft omnipräsente – Armee und durch Sicherheitskräfte bloc kiert wird. Ihren Übergriffen sind Tamilen immer noch ausgesetzt und sehen ih- re Sicherheit gefährdet. Zwar hat d er im Mai 2009 zu Ende gegangene Bürgerkrieg die Diskussion um eine politische Lösung für den ethnischen Konflikt zwischen den Singhalesen und der sich diskriminiert fühlenden tamilischen Minderheit wieder entfacht. Eine solche Lösung zeichnet sich allerdings nicht so bald ab, da eine Aufarbeitung des Konflikts und seiner Ursachen bisher nicht stattgefunden hat (Quelle: Schweizerische Flüch t- lingshilfe, http://www.fluechtlingshilfe.ch > Herkunftsländer > Asien – Pazi-C-2262/2012 Seite 9 fik > Sri Lanka > Sri Lanka: Aktuelle Situation, Update von Adrian Schu s- ter, 15. November 2012). Prekär für die tamilische Bevölkerung im Norden ist aber auch die öffen t- liche Gesundheitsversorgung mit ungenügend qualifi ziertem Personal und eingeschränktem Zugang zu an sich kostenfreien Medikamenten. Viele Kliniken i m Norden verfügen nur über sehr rudimentäre Behan d- lungsmöglichkeiten, was zu starker Konzentration au f das " Jaffna Tea- ching Hospital" in der Provinzhauptstadt führt . Eigenen Angaben zufolge deckt dieses Krankenhaus die Versorgung für rund eine Million Menschen im Norden und Osten des Landes (vgl. zitierte Quelle > Sri Lanka: G e- sundheitsversorgung im Norden Sri Lankas, Themenpier der Länderan a- lyse, Adrian Schuster, 26. Juni 2013). 6.3 Vor diesem Hintergrund besteht bei der tamilischen Bevölkerung ein vielfacher Wunsch nach Auswanderung, der sich vor allem bei denjenigen manifestiert, die bereits über ein minimales Beziehungsnetz im Ausland verfügen. Die schwierige Lage dieser Personengruppe spiegelt sich im Übrigen auch in der Schweizerischen Asy lstatistik wieder. Ihr zufolge be- fanden sich Ende 2012 3560 Personen aus Sri Lanka im Asylprozess; 494 von ihnen hatten im Verlauf jenes Jahres ein Asylgesuch eingereicht (Quelle: Bundesamt für Migration, http://www.bfm.admin.ch > Dokumenta- tion > Zahlen und Fakten > Asylstatistik > Jahresstatistiken > Kommen- tierte Asylstatistik 2012 S. 9 und 11). 7. 7.1 Allein aufgrund der allgemeinen Lage im Herkunftsland darf zwar nicht auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise geschlossen werden; a ngesichts der sozio -ökonomischen Verhältnisse, der Gesund- heitsversorgung und der Sicherheitslage im Norden Sri Lankas muss den sozialen Bindungen und Verpflichtungen dort lebender Gesuchsteller aber eine erhebliches G ewicht zukommen, damit deren Rückkehr als wah r- scheinlich gelten kann. 7.2 Die verwitwete Beschwerdeführerin wurde 1943 geboren ; sie lebt in der Nordprovinz im Distrikt Jaffna. Es ist nachvollziehbar, dass sie ihre in der Schweiz lebende Tochter nach mehrjähriger Trennung besuchen will und dieser mitsamt Familie nicht eine Reise nach Sri Lanka zumuten möchte. Das von ihr dargelegte Interesse an einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz und der Hinweis auf ihr grosses verwandtschaftliches U m-C-2262/2012 Seite 10 feld in Sri Lanka kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weder ihr Vorbringen noch die vorinstanzlichen Akten ihre konkrete Lebenssituation im Heimatland aufzeigen. Nur die Kenntnis ihrer genaueren Lebensu m- stände würde aber eine Einschätzung ihrer tatsächlichen Absichten e r- möglichen und die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise b e- günstigen. 7.3 Zugegebenermassen dürfte es der jetzt 70-jährigen Beschwerdefüh- rerin nicht leicht fallen, ihre Heimat zu verlassen und die Pflege ihres b e- hinderten Sohnes an andere Familienangehörige zu delegieren. Dass Letzteres möglich wäre, zeigt aber der von ihr geplante Besuchsaufen t- halt für die D auer von maximal drei Monaten. Zweifel an ihrer Rückkeh r- bereitschaft ergeben sich v or allem daraus, dass über ihre wirtschaftli- chen Verhältnisse nichts bekannt ist. Die nicht belegten Behauptungen, dass sie über ein eigenes Haus und über Land verfüge, ändern an diesen Zweifeln nichts, da schon angesichts der oben beschrieben Situation des Landes (E. 6.2) fraglich ist, ob das Grundeigentum überhaupt ihre eig e- nen Lebensbedürfnisse und die der mit ihr zusammenlebenden Familie n- angehörigen abdeckt. Wie die finanzielle Situation ihrer anderen – offen- bar ebenfalls im Distrikt Jaffna lebenden – Verwandten aussieht, ist eben- falls nicht bekannt. Wirtschaftlicher Druck als Motiv, ihr Heimatland zu verlassen, ist von daher nicht auszuschliessen. 7.4 Abgesehen davon stehen das Beschwerdevorbringen und die B e- hauptungen der gastgebenden Tochter in einer gewissen Diskrepanz zum Akteninhalt. Die Angaben von Gast und Gastgeberin versuchen den Ei n- druck zu erwecken, dass abgesehen von der in Chur lebenden Tochter al- le Kinder der B eschwerdeführerin im Heimatland geblieben seien. Dem- gegenüber hat die Schweizerische Botschaft mit der Übermittlung der Einsprache an das BFM darauf hingewie sen, dass insgesamt drei Kinder der Beschwerdeführerin im Ausland leb ten – nämlich in der Schweiz, in Frankreich und in Grossbritannien – und dass ihr vorhergehendes Vi- sumsgesuch zwecks Besuch der in Grossbritannien lebenden Tochter im Juli 2011 abgewiesen worden sei. Auch aufgrund dieser Unstimmigkeiten ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin mit dem ge- planten Familienbesuch in der Schweiz einen anderen Zweck verfolgt. 8. Vor dem aufgezeigten Hintergrund durfte die Vorinstanz zu recht anne h- men, die Wiederausreise der Beschwerdeführerin sei nicht gesichert. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines sogenannten "einheitlichen V i-C-2262/2012 Seite 11 sums" – gültig für den gesamten Schengen -Raum – sind somit nicht e r- füllt. Es sind auch keine Gründe ersichtlich, welche die Ausstellung eines Einreisevisums mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. E. 4.5) erfordern würden. 9. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be schwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle - ments über die Kos ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv nächste Seite C-2262/2012 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700. - werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz – das Amt für Polizeiwesen und Zivilrecht Graubünden Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa-Haake Versand: