<h2>SubmittedText<h2><p>Erneut kommt der Politik im Bereich der Berufsausbildung sehr grosse Bedeutung zu. Dies zeigen sowohl die rund tausend Teilnehmer der Tagung des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) vom 23./24. November 1998 als auch alle gegenwärtig unternommenen Anstrengungen bezüglich Reform und Förderung der Berufsausbildung. Tatsächlich sind Berufsmatura, Fachhochschulen, Kampagnen zur Unterstützung der Lehre und schliesslich die Revision des Bundesgesetzes über die Berufsbildung Gründe dafür, weshalb Jugendliche diesen Weg wählen, der ihnen sehr grosse Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschafft.</p><p>Besonders wichtig ist es, in zukunftsträchtigen und innovativen Bereichen wie Informatik, Mediamatik, Multimedia und Elektronik Lehrstellen zu schaffen.</p><p>Die Swisscom ist sich des steigenden Bedürfnisses an hochqualifiziertem Personal bewusst und betreibt insbesondere im Bereich der Informatik eine sehr interessante Lehrlingspolitik. Nach ihrer Grundausbildung, die mindestens eineinhalb Jahre dauert, absolvieren die Jugendlichen ein Praktikum von zweieinhalb Jahren. Der Hauptteil der Berufsausbildung (Mediamatiker, Multimedia-Spezialist) findet in 19 Lehrwerkstätten statt, wo Gruppenarbeit gefördert werden kann.</p><p>Nun will die Swisscom aber die Anzahl dieser Werkstätten auf vier reduzieren. Dies würde also bedeuten, dass von fünf Werkstätten aus finanziellen Gründen nur eine weiterbestehen könnte.</p><p>Ich stelle folgende Fragen:</p><p>- Weiss der Bundesrat von der Absicht, eine grosse Anzahl dieser Ausbildungszentren zu schliessen?</p><p>- Könnte der Bundesrat, der ja sehr grossen Wert auf die Schaffung von Lehrstellen in den Bereichen der Zukunftstechnologien legt, nicht bei der Swisscom intervenieren, um genauere Angaben zur zukünftigen Lehrlingspolitik des Unternehmens und insbesondere zur Ausbildung in den Spitzentechnologien zu erhalten?</p><p>- Die Reduktion auf vier Ausbildungszentren würde für gewisse Jugendliche einen übertrieben langen Arbeitsweg oder einen Wohnungswechsel mit sich bringen, der mit beachtlichen Kosten verbunden wäre. Die Koordination mit den Berufsschulen würde komplizierter usw. Bestimmt würde darunter die Qualität der Ausbildung leiden.</p><p>- Könnte das BBT diese Situation nicht genauer untersuchen und Vorschläge unterbreiten, die den Verlust von Lehrstellen, insbesondere im Bereich der Informatik, so weit wie möglich einschränken, vor allem in Anbetracht dessen, dass zahlreiche Unternehmen dringend mehr Informatiker und Informatikerinnen brauchen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Ausgestaltung der Berufsausbildung sowie der Lehrlingspolitik ist im Rahmen der strategischen Vorgaben des Bundesrates Sache der Unternehmung. Die Swisscom nimmt dazu wie folgt Stellung:</p><p>"Die Swisscom - bzw. früher die Telecom - ist seit vielen Jahren in der Lehrlingsausbildung stark engagiert. Sie hat im vergangenen Jahr über 700 Lehrtöchter und Lehrlinge beschäftigt und nimmt damit eine führende Position unter den schweizerischen Grossfirmen ein. Die Swisscom engagiert sich auch stark in der Konzipierung und Einführung von neuen Lehrberufen. Aktuelle Beispiele dazu sind die beiden Berufe Informatiker und Mediamatiker. </p><p>Im vergangenen Jahr hat die Swisscom verschiedene Grundlagen der Nachwuchsförderung wie Lehrlingspolitik, Ausbildungsangebot, Organisationsstruktur, Finanzierung überdacht bzw. neu konzipiert. Nach wie vor wird sie gezielt in einen gut ausgebildeten beruflichen Nachwuchs investieren. Die Zahl der Ausbildungsplätze soll nicht, wie die Interpellantin befürchtet, abgebaut, sondern im Gegenteil tendenziell erhöht werden. Zielgrösse für die Anzahl der Ausbildungsplätze sind 5 Prozent des Personalbestandes, wobei 3 Prozent nicht unterschritten werden. Die Swisscom wird sich künftig auf folgende, ihrem Kerngeschäft entsprechenden Lehrberufe konzentrieren (in Klammer: ungefähre Anzahl Lehrtöchter und Lehrlinge): Informatiker (260), Mediamatiker (80), Elektroniker (170), KV-Lehre (180) und Multimediahändler (100). </p><p>Die Grundausbildung wird qualitativ hochstehend so effektiv und effizient wie möglich gestaltet; sie erfolgt schwergewichtig im Praxiseinsatz und je länger je weniger in eigentlichen Lehrlingswerkstätten. Das heisst konkret, dass die Lehrlinge mehr als früher dezentral eingesetzt werden. Die zentrale Vermittlung von Lehrinhalten beschränkt sich auf Basis- und Einführungskurse. In vielen Firmen wie auch in diversen gewerblichen Berufsschulen werden zentrale Kurse an wenigen Standorten zusammengefasst. Dies fördert die Effektivität und Effizienz der Ausbildung und ermöglicht auch eine bessere geografische Verteilung der Lernenden. </p><p>Es versteht sich indessen, dass die Swisscom auch im Bereich der Lehrlingsausbildung ein optimales Kosten-/Nutzenverhältnis anstrebt. Dazu gehört, dass die teuren Infrastrukturen (u.a. die bisherigen 19 Lehrwerkstätten) optimal betrieben werden. Zur Zeit wird geprüft, welche Synergien zwischen den verschiedenen Standorten genutzt werden können, an denen die Swisscom Lehrlingsausbildung betreibt. Primäres Ziel der Überprüfung ist es nicht, Ausbildungsstandorte aufzuheben, sondern infrastrukturintensive Ausbildungsteile zusammenzufassen. Entscheide sind bisher noch keine gefallen."</p>  Antwort des Bundesrates.