<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">359</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>76 Zustellung amtlicher Verfügungen und gerichtlicher Entscheide in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Deutschland; Verbesserungsfähigkeit der Beschwerdeschrift.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Amtliche Verfügungen und gerichtliche Entscheide, die einer Partei im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rahmen des Ordnungsbussenverfahrens unmittelbar durch die Post nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Deutschland gesendet wurden, sind gestützt auf Art. III<i>A</i></b> <b>des Überein-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kommens mit Deutschland betreffend Rechtshilfe in Strafsachen rechts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gültig eröffnet (E. I./2.3.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Eine Beschwerdeschrift ohne konkreten Antrag und ohne Begründung ist</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht verbesserungsfähig (E. I./3.2.).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">360</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 22. Januar</span><br/> <span class="ft4">2010 in Sachen H.S.G. betreffend Verstoss gegen Arbeitszeitvorschriften</span><br/> <span class="ft4">(1-BE.2009.40).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. 2.2.1. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine ju-</span><br/> <span class="ft1">ristische Person mit Sitz in Deutschland. Im vorliegenden Fall wur-</span><br/> <span class="ft1">den ihr sowohl die Verfügung vom 8. Mai 2009 als auch der Ein-</span><br/> <span class="ft1">spracheentscheid vom 28. August 2009 direkt per Post nach Deutsch-</span><br/> <span class="ft1">land zugestellt.</span><br/> <span class="ft1">2.2.2. Gemäss § 15 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtspflege (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG) vom 4. Dezem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2007 haben Parteien mit Sitz im Ausland den Behörden ein Zu-</span><br/> <span class="ft1">stellungsdomizil oder eine Vertretung in der Schweiz anzugeben. Aus</span><br/> <span class="ft1">den Akten geht nicht hervor, dass die Beschwerdeführerin für das</span><br/> <span class="ft1">vorliegende Verfahren gegenüber dem Migrationsamt oder der Vorin-</span><br/> <span class="ft1">stanz ein Zustellungsdomizil oder eine Vertretung in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">angegeben hätte bzw. von diesen Amtsstellen dazu aufgefordert wor-</span><br/> <span class="ft1">den wäre.</span><br/> <span class="ft1">Bezeichnen die Parteien weder ein Zustellungsdomizil noch</span><br/> <span class="ft1">eine Vertretung in der Schweiz, kann die Zustellung durch Publika-</span><br/> <span class="ft1">tion im Amtsblatt des Kantons ersetzt werden (§ 15 Abs. 3 VRPG).</span><br/> <span class="ft1">Auf eine solche Publikation kann indessen verzichtet werden, wenn</span><br/> <span class="ft1">die direkte postalische Zustellung ins Ausland völkerrechtlich zuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig ist.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1. Die Eröffnung von amtlichen Verfügungen und gerichtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Entscheiden ins Ausland unterliegt besonderen Regeln, da sie</span><br/> <span class="ft1">einen hoheitlichen Akt darstellt, dessen Ausführung in der Regel</span><br/> <span class="ft1">aufgrund des Prinzips der Souveränität der Staaten ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">den territorial zuständigen Behörden des jeweiligen Staates zusteht.</span><br/> <span class="ft1">Die Zustellung ins Ausland hat daher grundsätzlich auf dem diplo-</span><br/> <span class="ft1">matischen oder konsularischen Weg zu erfolgen. Davon kann in der</span><br/> <span class="ft1">Regel nur dann abgewichen werden, wenn ein Staatsvertrag dies</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">361</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ausdrücklich vorsieht (vgl. zum Ganzen: Gutachten der Direktion für</span><br/> <span class="ft1">Völkerrecht vom 10. April 2000, publiziert in: VPB 66.128).</span><br/> <span class="ft1">2.3.2. Gemäss Art. III<i>A</i> des Vertrages der Schweizerischen Eid-</span><br/> <span class="ft1">genossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland vom 13. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 1969 über die Ergänzung des Europäischen Übereinkom-</span><br/> <span class="ft1">mens über die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 und die</span><br/> <span class="ft1">Erleichterung seiner Anwendung (Übereinkommen mit Deutschland</span><br/> <span class="ft1">betreffend Rechtshilfe in Strafsachen; SR 0.351.913.61) können die</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Stellen eines Vertragsstaates im Rahmen der Verfolgung</span><br/> <span class="ft1">von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, für die im anderen Ver-</span><br/> <span class="ft1">tragsstaat die Leistung von Rechtshilfe zulässig ist, gerichtliche und</span><br/> <span class="ft1">andere behördliche Schriftstücke unmittelbar durch die Post an</span><br/> <span class="ft1">andere Personen übersenden, die sich im Hoheitsgebiet des anderen</span><br/> <span class="ft1">Vertragsstaates aufhalten. Die Rechtshilfe wird gemäss Art. I des</span><br/> <span class="ft1">Übereinkommens mit Deutschland betreffend Rechtshilfe in Straf-</span><br/> <span class="ft1">sachen auch geleistet in Verfahren wegen Handlungen, die nur mit</span><br/> <span class="ft1">Geldbusse bedroht sind, soweit mindestens in einem der beiden Staa-</span><br/> <span class="ft1">ten ein auch für Strafsachen zuständiges Gericht angerufen werden</span><br/> <span class="ft1">kann. Diese Voraussetzung ist im Falle von verwaltungsrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Ordnungsbussen erfüllt, da gegen letztinstanzliche kantonale Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheide in Verwaltungsstrafsachen beim Bundesgericht Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">in Strafsachen geführt werden kann (vgl. BGE 6B_205/2007 vom 27.</span><br/> <span class="ft1">Oktober 2007, E. 1). Gleiches muss auch für Verfügungen und Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheide gelten, die sich - wie in casu - auf Art. 9 Abs. 2 lit. a des Ent-</span><br/> <span class="ft1">sendegesetzes stützen, da auch diese grundsätzlich beim Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richt angefochten werden können (vgl. BGE 2C_440/2008 vom</span><br/> <span class="ft1">10. November 2008, E. 1).</span><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft1">2.3.3. Nach dem Gesagten besteht gestützt auf Art. III<i>A</i> des</span><br/> <span class="ft1">Übereinkommens mit Deutschland betreffend Rechtshilfe in Strafsa-</span><br/> <span class="ft1">chen [...] eine ausdrückliche völkerrechtliche Grundlage für die un-</span><br/> <span class="ft1">mittelbare Zustellung der Verfügung vom 8. Mai 2009 und des Ein-</span><br/> <span class="ft1">spracheentscheides vom 28. August 2009 per Post nach Deutschland.</span><br/> <span class="ft1">Somit wurden der Beschwerdeführerin die fraglichen Entscheide am</span><br/> <span class="ft1">14. Mai 2009 bzw. am 3. September 2009 rechtsgültig eröffnet und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">362</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">liegt mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 28. August</span><br/> <span class="ft1">2009 ein gültiges Anfechtungsobjekt vor.</span><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft1">3.2.1. [...]</span><br/> <span class="ft1">Die an das Departement gerichtete Eingabe vom 23. September</span><br/> <span class="ft1">2009 (Postaufgabe in der Schweiz: 28. September 2009) wurde daher</span><br/> <span class="ft1">- wenn auch bei der sachlich unzuständigen Behörde (vgl. § 28</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 VRPG in Verbindung mit § 83 Abs. 1 [des Zivilrechtspflege-</span><br/> <span class="ft1">gesetzes (Zivilprozessordnung, ZPO) vom 18. Dezember 1984]) - in-</span><br/> <span class="ft1">nerhalb der gesetzlichen Frist eingereicht.</span><br/> <span class="ft1">3.2.2. Für die Einhaltung der Beschwerdefrist von § 9 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">[des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht (EGAR) vom 25. No-</span><br/> <span class="ft1">vember 2008] ist indessen zusätzlich verlangt, dass die Eingabe den</span><br/> <span class="ft1">formellen Vorschriften von § 43 VRPG genügt. Erfüllt die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">schrift die gesetzlichen Anforderungen an den Inhalt der Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 43 Abs. 3 VRPG (Angabe des angefochtenen Entscheids,</span><br/> <span class="ft1">Bezeichnung und Beilage der Beweismittel, Unterzeichnung der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde) nicht oder ist sie sonst unklar, ist eine Nachfrist zur</span><br/> <span class="ft1">Verbesserung anzusetzen unter Androhung des Nichteintretens. Nicht</span><br/> <span class="ft1">verbesserungsfähig sind demgegenüber gemäss § 43 Abs. 2 VRPG</span><br/> <span class="ft1">Eingaben, die keinen Antrag und/oder keine Begründung enthalten.</span><br/> <span class="ft1">Auch wenn bei Laienbeschwerden nicht auszuschliessen ist, dass in</span><br/> <span class="ft1">begründeten Ausnahmefällen aufgrund der allgemeinen richterlichen</span><br/> <span class="ft1">Fürsorgepflicht eine Rücksendung zur Verbesserung auch bei fehlen-</span><br/> <span class="ft1">den Begehren und/oder fehlender Begründung möglich ist, dürfte ein</span><br/> <span class="ft1">solches Vorgehen ausgeschlossen sein, wenn in einer Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft1">belehrung einfach und verständlich auf die Erfordernisse einer Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde hingewiesen wurde (vgl. Botschaft 07.27 des Regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 14. Februar 2007</span><br/> <span class="ft1">zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Ziff. 1 zu § 43).</span><br/> <span class="ft1">3.2.3. Der Einspracheentscheid vom 28. August 2009 enthält</span><br/> <span class="ft1">eine vom übrigen Text deutlich abgehobene Rechtsmittelbelehrung,</span><br/> <span class="ft1">welche übersichtlich gegliedert ist und ausführlich sowie in einfa-</span><br/> <span class="ft1">chen Worten erklärt, was bei der Einreichung einer Beschwerde zu</span><br/> <span class="ft1">beachten ist:</span><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">363</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.2.4. Ungeachtet dieser Hinweise richtete die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin ihre Eingabe vom 23. September 2009 an das für die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">debehandlung unzuständige Departement und beschränkte sich auf</span><br/> <span class="ft1">folgende Ausführungen:</span><br/> <span class="ft4">" <b>Betreff: Einspracheentscheid</b></span><br/> <span class="ft4">2009.1006.0060/80734/AG400 077 Kontr.Nr. 2009.039/fot</span><br/> <span class="ft4">2009.1006.0059/80734/AG400 076 Kontr.Nr. 2009.038/for</span><br/> <span class="ft4">Sehr geehrte Damen und Herren,</span><br/> <span class="ft4">hiermit reichen wir zu beiden oben genannten Fällen Beschwerde</span><br/> <span class="ft4">ein.</span><br/> <span class="ft4">Die Begründung erfolgt bis zum 16.10.2009."</span><br/> <span class="ft1">3.2.5. Aus der Verwendung der Worte "Beschwerde" und "Ein-</span><br/> <span class="ft1">spracheentscheid" kann zwar geschlossen werden, dass sich die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin gegen einen behördlichen Entscheid zur Wehr set-</span><br/> <span class="ft1">zen wollte. Ein konkreter Antrag kann dem Schreiben vom 23. Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 2009 indessen nicht entnommen werden. Eine Begründung</span><br/> <span class="ft1">enthält die Parteieingabe ebenfalls nicht. Vielmehr wird ausdrücklich</span><br/> <span class="ft1">darauf verwiesen, dass die Begründung bis zum 16. Oktober 2009 er-</span><br/> <span class="ft1">folge. Antrag und Begründung lieferte die Beschwerdeführerin indes-</span><br/> <span class="ft1">sen erst mit ihrer Eingabe vom 27. Oktober 2009 nach.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine juristische</span><br/> <span class="ft1">Person mit Sitz in Deutschland. Es ist daher davon auszugehen, dass</span><br/> <span class="ft1">ihre Organe bzw. die mit der Einreichung der Beschwerde betrauten</span><br/> <span class="ft1">Personen der deutschen Sprache mächtig sind und gestützt auf die</span><br/> <span class="ft1">Erläuterungen in der Rechtsmittelbelehrung bei Anwendung der nöti-</span><br/> <span class="ft1">gen Sorgfalt ohne weiteres in der Lage gewesen wären, rechtzeitig</span><br/> <span class="ft1">und in korrekter Form gegen den Einspracheentscheid Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">zu erheben. Auch wenn die Beschwerdeführerin nicht anwaltlich ver-</span><br/> <span class="ft1">treten ist, besteht unter diesen Umständen kein Raum für die Anset-</span><br/> <span class="ft1">zung einer Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerdeschrift vom</span><br/> <span class="ft1">23. September 2009.</span><br/> <span class="ft1">3.2.6. Nach dem Gesagten genügt die Parteieingabe vom</span><br/> <span class="ft1">23. September 2009 den Anforderungen an eine Beschwerde nicht</span><br/> <span class="ft1">(§ 43 Abs. 2 VRPG). Da die Beschwerdefrist gemäss § 9 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">EGAR am 5. Oktober 2009 abgelaufen ist, erweist sich die Eingabe</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">364</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vom 27. Oktober 2009, die sowohl ein Rechtsbegehren als auch eine</span><br/> <span class="ft1">Begründung enthält, als verspätet.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>