<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 91 S.324</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">324</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>91 Eingrenzung;</b></span> <span class="ft2"><b>Verhältnismässigkeit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Erweiterung des Anwendungsbereichs von Ein- und Ausgrenzung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II./3.3.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Eingrenzung eines Betroffenen auf den Bezirk Rheinfelden, weil die-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ser nicht aus der Schweiz ausgereist ist, obwohl er seit Jahren dazu ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>pflichtet gewesen wäre, ist i.c. verhältnismässig (Erw. II./4.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">24. September 2007 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen</span><br/> <span class="ft3">K.M. betreffend Eingrenzung (1-GB.2007.1).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 3.3. Den vorliegenden Materialien ist zu entnehmen, dass die</span><br/> <span class="ft1">Erweiterung des Anwendungsbereichs für die Ein- oder Ausgrenzung</span><br/> <span class="ft1">ein zusätzliches Instrument darstellen soll, den Vollzug von Weg-</span><br/> <span class="ft1">und Ausweisungen sicher zu stellen. Mit der Eingrenzung soll unter</span><br/> <span class="ft1">anderem die Erreichbarkeit und Kontrolle des Aufenthaltsortes der</span><br/> <span class="ft1">Betroffenen verbessert und die Arbeit der Migrationsbehörden</span><br/> <span class="ft1">erleichtert werden. Zudem soll die Eingrenzung im Sinne einer Kas-</span><br/> <span class="ft1">kadierung dann als mildere Massnahme zur Anwendung gelangen,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Inhaftierung eines Betroffenen unzulässig wäre. Mit ande-</span><br/> <span class="ft1">ren Worten soll eine ausreisepflichtige Person durch Einschränkung</span><br/> <span class="ft1">ihrer Bewegungsfreiheit gleich wie bei der Anordnung einer Durch-</span><br/> <span class="ft1">setzungshaft dazu angehalten werden, mit den Behörden zu koope-</span><br/> <span class="ft1">rieren bzw. freiwillig auszureisen.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1. Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer nicht aus</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz ausgereist, obschon er dazu seit Jahren verpflichtet</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">325</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wäre. Zwar wurde die Anordnung einer Ausschaffungshaft mit Urteil</span><br/> <span class="ft1">des Präsidenten Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 11. Juli 2007</span><br/> <span class="ft1">primär deshalb verweigert, weil dem Beschwerdeführer nicht vorge-</span><br/> <span class="ft1">worfen werden konnte, er habe erkennbar widersprüchliche Angaben</span><br/> <span class="ft1">bezüglich seiner Herkunft gemacht und habe zudem seine Mitwir-</span><br/> <span class="ft1">kungspflicht verletzt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer inskünftig untätig bleiben dürfte. Das gesamte Verhalten des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers zeigt, dass er offensichtlich bestrebt ist, mög-</span><br/> <span class="ft1">lichst lange in der Schweiz verweilen zu können. Unter diesen Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen ist die Anordnung einer Eingrenzung durchaus geeignet, den</span><br/> <span class="ft1">Druck auf den Beschwerdeführer zu erhöhen, um ihn anzuhalten, mit</span><br/> <span class="ft1">den Migrationsbehörden zusammenzuarbeiten und letztlich die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz zu verlassen.</span><br/> <span class="ft1">4.2. Nachdem nicht ersichtlich ist, mit welcher milderen Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme der angestrebte Zweck erreichbar wäre, muss die angeordnete</span><br/> <span class="ft1">Eingrenzung auch als erforderlich bezeichnet werden.</span><br/> <span class="ft1">4.3. Zu prüfen bleibt, ob die Eingrenzung im engeren Sinne</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig ist, d.h. ob ein überwiegendes öffentliches Interesse</span><br/> <span class="ft1">die Eingrenzung rechtfertigt.</span><br/> <span class="ft1">Bezüglich des öffentlichen Interesses hat der Gesetzgeber mit</span><br/> <span class="ft1">der Einführung des neuen Art. 13e Abs. 1 lit. b ANAG bereits eine</span><br/> <span class="ft1">grundsätzliche Wertung vorgenommen, indem er die Anordnung ei-</span><br/> <span class="ft1">ner Rayonauflage neu lediglich an die Voraussetzung knüpfte, dass</span><br/> <span class="ft1">ein rechtskräftiger Weg- oder Ausweisungsentscheid vorliegen muss</span><br/> <span class="ft1">und die betroffene Person die ihr angesetzte Ausreisfrist nicht einge-</span><br/> <span class="ft1">halten hat. Sind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, ist deshalb</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich von einem gewichtigen öffentlichen Interesse an der</span><br/> <span class="ft1">Anordnung einer Rayonauflage auszugehen. Diese wäre nur dann</span><br/> <span class="ft1">unverhältnismässig, wenn sie zu gravierenden, nicht hinzunehmen-</span><br/> <span class="ft1">den persönlichen Einschränkungen des Betroffenen führen würde,</span><br/> <span class="ft1">wobei bei einer Eingrenzung insbesondere der Grösse des zugewie-</span><br/> <span class="ft1">senen Rayons Beachtung zu schenken ist. Einschränkungen, die</span><br/> <span class="ft1">zwangsläufig mit einer Rayonauflage verbunden sind und alle mit</span><br/> <span class="ft1">einer Rayonauflage belegten Personen treffen, erhöhen das private</span><br/> <span class="ft1">Interesse eines Betroffenen in der Regel jedoch nicht, da die Erhö-</span><br/> <span class="ft1">hung des Drucks auf den Betroffenen gewollt und zwangsläufig mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">326</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Einschränkungen verbunden ist. Nicht weiter zu beachten sind unter</span><br/> <span class="ft1">anderem die generelle Einschränkung der Bewegungsfreiheit, die</span><br/> <span class="ft1">Beschränkung der Pflege sozialer Kontakte, insbesondere wenn diese</span><br/> <span class="ft1">auch innerhalb des auferlegten Rayons möglich sind und die Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkung der Einkaufsmöglichkeiten, sofern es sich nicht um le-</span><br/> <span class="ft1">bensnotwendige Güter handelt. Massgebend ist aber immer der kon-</span><br/> <span class="ft1">krete Einzelfall unter Beachtung des Umstandes, dass die betroffene</span><br/> <span class="ft1">Person die Schweiz bereits hätte verlassen müssen.</span><br/> <span class="ft1">4.31. Wie soeben ausgeführt ist im vorliegenden Fall von einem</span><br/> <span class="ft1">gewichtigen öffentlichen Interesse an der Einschränkung der Bewe-</span><br/> <span class="ft1">gungsfreiheit des Beschwerdeführers auszugehen. Weitere Aspekte,</span><br/> <span class="ft1">die das öffentliche Interesse an einer Rayonauflage zusätzlich erhö-</span><br/> <span class="ft1">hen würden, sind jedoch nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">4.3.2. Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde le-</span><br/> <span class="ft1">diglich vor, die Eingrenzung sei aufzuheben, weil er seine Kollegen</span><br/> <span class="ft1">in Sissach und seine Freundin in Liestal besuchen sowie in Pratteln</span><br/> <span class="ft1">Telefonkarten und Lebensmittel kaufen wolle.</span><br/> <span class="ft1">Zwar ist verständlich, dass der Beschwerdeführer die mit der</span><br/> <span class="ft1">Rayonauflage verbundenen Einschränkungen stört. Bei objektiver</span><br/> <span class="ft1">Betrachtung erweisen sich diese jedoch nicht als sonderlich gravie-</span><br/> <span class="ft1">rend. Sowohl die Freundin als auch die Kollegen des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers können ihn im Bezirk Rheinfelden besuchen. Überdies ist</span><br/> <span class="ft1">nicht ersichtlich, weshalb er seine Telefonkarten und Lebensmittel</span><br/> <span class="ft1">nicht auch im Bezirk Rheinfelden erwerben könnte. Weitere Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkungen sind weder aus den Akten ersichtlich noch werden sol-</span><br/> <span class="ft1">che vom Beschwerdeführer dargetan. Nachdem dieser auch nichts im</span><br/> <span class="ft1">Hinblick auf die Grösse des auferlegten Rayons vorbringt, erübrigen</span><br/> <span class="ft1">sich weitere Ausführungen hierzu. Dies umso mehr, als die Eingren-</span><br/> <span class="ft1">zung auf einen ganzen Bezirk einem Betroffenen ohnehin eine relativ</span><br/> <span class="ft1">grosse Bewegungsfreiheit belässt.</span><br/> <span class="ft1">Insgesamt ist im vorliegenden Fall nicht von einem erhöhten</span><br/> <span class="ft1">privaten Interesse an der Aufhebung der Rayonauflage auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">Dem Beschwerdeführer steht es zudem jederzeit frei, auszureisen</span><br/> <span class="ft1">und seine volle Bewegungsfreiheit wieder zu erlangen.</span><br/> <span class="ft1">4.3.3. Unter diesen Umständen überwiegt das öffentliche In-</span><br/> <span class="ft1">teresse an der Eingrenzung die privaten Interessen des Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">327</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führers klar, womit sich die angeordnete Rayonauflage als verhält-</span><br/> <span class="ft1">nismässig erweist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>