<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">1B_419/2010 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 1. April 2011 </div> <div class="para">I. öffentlich-rechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Fonjallaz, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Aemisegger, Merkli, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Forster. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">Eidgenössische Steuerverwaltung, Eigerstrasse 65, 3003 Bern, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.________ AG, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Pierre Fivaz. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Beschlagnahme; Grundbuchsperre, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid vom 10. Dezember 2010 des Bundesstrafgerichtes, I. Beschwerdekammer. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">Die Eidgenössische Steuerverwaltung (EStV) führt gegen X.________ und dessen Ehefrau eine fiskalstrafrechtliche besondere Untersuchung wegen des Verdachts von schweren Steuerwiderhandlungen. Gemäss den Ermittlungen sei der Beschuldigte Alleinaktionär der B.________ AG. Am 2. September 2010 erliess die EStV Verfügungen (Grundbuchsperren), mit welcher sie dreizehn im Eigentum dieser Gesellschaft befindliche Liegenschaften beschlagnahmte. Eine von der B.________ AG dagegen erhobene Beschwerde hiess das Bundesstrafgericht, I. Beschwerdekammer, mit Entscheid vom 10. Dezember 2010 gut, indem es die Grundbuchsperren aufhob. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">Dagegen gelangte die EStV mit Beschwerde vom 21. Dezember 2010 an das Bundesgericht. Sie beantragt im Hauptstandpunkt die Aufhebung des Entscheides des Bundesstrafgerichtes vom 10. Dezember 2010. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die B.________ AG beantragt mit Beschwerdeantwort vom 17. Januar 2011 die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesstrafgericht hat auf eine Stellungnahme verzichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Erwägungen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">1.1 Auch nach Inkrafttreten der StPO (SR 312.0) und des StBOG (SR 173.71) am 1. Januar 2011 ist das VStrR (SR 313.0) auf Fälle der Bundesgerichtsbarkeit in Verwaltungsstrafsachen weiterhin anwendbar. Zwar wurde das VStrR per 1. Januar 2011 durch die StPO (Anhang 1 Ziff. II/11) und das StBOG (Anhang Ziff. II/9) teilweise geändert. Die fraglichen neuen VStrR-Bestimmungen sind auf den vorliegenden (altrechtlichen) Fall jedoch noch nicht anwendbar, zumal der streitige erstinstanzliche Entscheid vor dem 1. Januar 2011 gefällt wurde (vgl. <span class="artref">Art. 453 Abs. 1 und <artref id="CH/312.0/454/1" type="start"></artref>Art. 454 Abs. 1 StPO</span><artref id="CH/312.0/453/1" type="end"></artref>; Urteile des Bundesgerichtes 1B_411/2010 vom 7. Februar 2011 E. 1.3; 1B_224/2010 vom 11. Januar 2011 E. 2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.2 Die EStV ist (gemäss Art. 79 i.V.m. <span class="artref"><artref id="CH/173.110/81/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/81/1" type="start"></artref>Art. 81 Abs. 1-2 BGG</span><artref id="CH/173.110/81/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>) beschwerdelegitimiert (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=25.03.2011&amp;to_date=13.04.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-IV-156%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page156">BGE 130 IV 156</a> E. 1.1 S. 158; Heinz Aemisegger/Marc Forster, in: Basler Kommentar BGG, Basel 2008, Art. 79 N. 10, Fn. 42; s. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=25.03.2011&amp;to_date=13.04.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-I-234%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page234">BGE 130 I 234</a> E. 3.1 S. 237; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=25.03.2011&amp;to_date=13.04.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-IV-154%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page154">130 IV 154</a> E. 1.2 S. 155 f., sowie Art. 28 Abs. 1 lit. d i.V.m. <span class="artref">Art. 30 SGG</span> und <span class="artref">Art. 26 Abs. 1 VStrR</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.3 Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen von <span class="artref">Art. 79 ff. BGG</span> sind erfüllt und geben zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Im angefochtenen Entscheid wird Folgendes erwogen: Zwar stelle die besondere Untersuchung durch die EStV (nach <span class="artref">Art. 190 ff. DBG</span>) ein fiskalstrafrechtliches Untersuchungsverfahren dar, bei dem (gegen die mutmasslichen Täter, Gehilfen und Anstifter) grundsätzlich die <span class="artref"><artref id="CH/313.0/19" type="start"></artref>Art. 19-50 VStrR</span><artref id="CH/313.0/50" type="end"></artref> anwendbar seien. Die EStV fälle nach Abschluss der Untersuchung jedoch noch keinen materiellen Entscheid (i.S.v. <span class="artref">Art. 62 ff. VStrR</span>). Ebenso wenig komme es - bei Steuerhinterziehung - zu einer gerichtlichen Beurteilung (i.S.v. <span class="artref">Art. 73 ff. VStrR</span>). Falls die EStV gestützt auf ihre Untersuchung zur Auffassung gelangt, es sei eine Steuerhinterziehung erfolgt, verlange sie von der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung die Durchführung des Hinterziehungsverfahrens. Dieses Steuerstrafverfahren habe pönale Funktion. Die (in <span class="artref">Art. 175 Abs. 1 DBG</span>) angedrohte Busse stelle eine echte Strafe dar. Die im vorliegenden Fall angefochtenen Beschlagnahmen dienten nicht der Sicherstellung bzw. Deckung einer solchen Steuerbusse. Dafür würde es auch "von Beginn weg" an der gesetzlichen Grundlage fehlen. Die streitigen Zwangsmassnahmen dienten vielmehr der Sicherstellung der mutmasslich geschuldeten Nachsteuern nebst Verzugszinsen. "Auf den ersten Blick" scheine es zwar plausibel, dass die zuständige Behörde mit Abschluss des Strafverfahrens nebst der Sanktion der Steuerbusse auch die Einziehung der widerrechtlichen fiskalischen Steuerersparnisse verfüge. Eine dem Gemeinwesen zu Unrecht entgangene Steuer sei jedoch mit dem Institut der Nachsteuer nachzufordern. Da eine Nachsteuer kein Verschulden des Steuerpflichtigen voraussetze, sei das Nachsteuerverfahren "klar vom Steuerstrafrecht losgelöst". Die Sicherung der Nachsteuerforderung richte sich nach <span class="artref">Art. 169 ff. DBG</span>. In Anbetracht von <span class="artref">Art. 333 Abs. 1 StGB</span>, der die Anwendung des Allgemeinen Teils StGB ausschliesse, soweit spezialgesetzliche Vorschriften bestehen, bleibe somit für eine (auf <span class="artref"><artref id="CH/311.0/70" type="start"></artref>Art. 70-71 StGB</span><artref id="CH/311.0/71" type="end"></artref> gestützte) strafrechtliche Einziehung hinterzogener Steuern kein Raum. Wenn aber keine Vermögenswerte voraussichtlich der Einziehung unterliegen könnten, sei eine Beschlagnahme nach <span class="artref">Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR</span> nicht möglich. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Die EStV macht in der Beschwerdeschrift geltend, das Bundesstrafgericht verkenne im angefochtenen Entscheid den fundamentalen Unterschied zwischen dem fiskalrechtlichen Institut der Sicherstellung einer Steuerforderung und der verwaltungsstrafprozessualen Einziehungsbeschlagnahme. Die steuerrechtliche Sicherstellungsverfügung nach Art. 169 f. DBG diene der (grundsätzlich auch im Bereich der direkten Bundessteuer) zuständigen kantonalen Steuerverwaltung im Veranlagungs- bzw. Nach- und Strafsteuerverfahren zur Sicherung des Inkassos von Steuerforderungen und Steuerbussen. Sie erfolge auf dem betreibungsrechtlichen Arrestweg. Es handle sich dabei um ein verwaltungsrechtliches Instrument des Steuerbezugs. Eine solche Sicherstellung für Nachsteuern und Steuerbussen könne erst verfügt werden, nachdem ein Hinterziehungs- bzw. Nachsteuerverfahren durch die kantonale Steuerverwaltung eröffnet wurde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die besondere Untersuchung gemäss <span class="artref">Art. 190 ff. DBG</span> und die Einziehungsbeschlagnahme nach <span class="artref">Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR</span> seien demgegenüber strafprozessualer Natur. Die besondere Fiskaluntersuchung erfolge durch die EStV (vor einem allfälligen Hinterziehungs- und Nachsteuerverfahren durch die kantonale Steuerverwaltung oder einem Strafverfahren wegen Steuervergehen) bei Verdacht von schweren Steuerwiderhandlungen, sofern der Sachverhalt in komplexen Fällen nicht durch die kantonale Steuerverwaltung rasch und wirksam abgeklärt werden kann. Die hängige Untersuchung habe bisher ergeben, dass der Beschuldigte "Einkommen und Vermögen in beträchtlicher Höhe nicht deklariert" habe. Die EStV lege nach Abschluss der Untersuchung ihren Bericht vor und beantrage bei festgestellter Steuerhinterziehung ein kantonales Hinterziehungsverfahren. Dieses diene der Bestrafung des Steuerpflichtigen (Strafsteuer bzw. Steuerbusse). In einem separaten Nachsteuerverfahren fordere die kantonale Steuerverwaltung nicht erhobene Steuern ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Eine verwaltungsrechtlich durchsetzbare Pflicht zur Leistung von Nachsteuern schliesse eine strafprozessuale sichernde Vermögensbeschlagnahme nicht aus. Im vorliegenden Fall seien die gesetzlichen Voraussetzungen der Einziehungsbeschlagnahme erfüllt bzw. durch die Vorinstanz materiell zu prüfen. Ein "Ersatz" durch eine steuerrechtliche Sicherstellungsverfügung sei im besonderen Untersuchungsverfahren der EStV nicht möglich. Der angefochtene Entscheid verletze daher <span class="artref">Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR</span>, <span class="artref">Art. 70 StGB</span> bzw. <span class="artref">Art. 190 ff. DBG</span>; er sei aufzuheben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">Dagegen wendet die private Beschwerdegegnerin (im Wesentlichen zusammengefasst) Folgendes ein: Der Vorinstanz sei darin beizupflichten, dass es für die Sicherstellung einer allfälligen Steuerbusse an der gesetzlichen Grundlage fehle. Die fiskalrechtliche Sicherstellung nach <span class="artref">Art. 169 DBG</span> sei spezialgesetzlich geregelt, weshalb sie (in Anwendung von <span class="artref">Art. 333 Abs. 1 StGB</span>) den Bestimmungen von Art. 70 f. StGB und damit auch der sichernden Einziehungsbeschlagnahme nach VStrR vorgehe. Für die Erhebung von allenfalls zu Unrecht nicht bezogenen Steuern sehe das DBG ein Nachsteuerverfahren vor. Dieses sei vom Steuerstrafrecht losgelöst und schliesse die Anwendung strafprozessualer Sicherungsmassnahmen ebenfalls aus. Aus der von der Beschwerdeführerin dagegen angerufenen Bundesgerichtspraxis könne diese nichts zu ihren Gunsten ableiten. Darüber hinaus wären die Zwangsmassnahmen auch unverhältnismässig, da die insgesamt beschlagnahmten Vermögenswerte (von ca. Fr. 27 Mio.) die angebliche Nachsteuerforderung (von ca. Fr. 2,5 Mio.) um ein Vielfaches an Wert überstiegen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5. </div> <div class="para">5.1 Der Bund erhebt gemäss dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG, SR 642.11) namentlich eine Einkommenssteuer von den natürlichen Personen (<span class="artref">Art. 1 lit. a DBG</span>). Die Steuerpflichtigen müssen die Steuererklärung für die Erhebung der direkten Bundessteuer wahrheitsgemäss und vollständig ausfüllen (<span class="artref">Art. 124 Abs. 2 DBG</span>). Die Veranlagungsbehörde prüft die Steuererklärung und nimmt die erforderlichen Untersuchungen vor (<span class="artref">Art. 130 Abs. 1 DBG</span>). Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht bekannt waren, dass eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist, oder ist eine unvollständige Veranlagung auf ein Verbrechen oder Vergehen gegen die Steuerbehörde zurückzuführen, so wird die nicht erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert (<span class="artref">Art. 151 Abs. 1 DBG</span>). Die Eröffnung der Strafverfolgung wegen Steuerhinterziehung (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/175" type="start"></artref>Art. 175-180 DBG</span><artref id="CH/642.11/180" type="end"></artref>) oder Steuervergehens (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/186" type="start"></artref>Art. 186-189 DBG</span><artref id="CH/642.11/189" type="end"></artref>) gilt zugleich als Einleitung des Nachsteuerverfahrens (<span class="artref">Art. 152 Abs. 2 DBG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5.2 Im Sechsten Teil ("Steuerstrafrecht") unterscheidet das DBG folgende Arten von Steuerdelikten: </div> <div class="para">5.2.1 Im Ersten Titel werden die Fiskalübertretungen behandelt (nämlich die Verletzung von Verfahrenspflichten und die Steuerhinterziehung). Die Verletzung von fiskalischen Verfahrenspflichten (etwa betreffend Einreichung der Steuererklärung) wird im 1. Kapitel mit Busse bedroht (<span class="artref">Art. 174 DBG</span>). Das 2. Kapitel (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/175" type="start"></artref>Art. 175-180 DBG</span><artref id="CH/642.11/180" type="end"></artref>) regelt die Steuerhinterziehung. Vollendete Steuerhinterziehung liegt namentlich vor, wenn der Steuerpflichtige vorsätzlich oder fahrlässig bewirkt, dass eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ausfällt. Die Steuerhinterziehung stellt ebenfalls eine Übertretung dar und wird mit Busse bestraft (<span class="artref">Art. 175 DBG</span>). </div> <div class="para">5.2.2 Im Zweiten Titel (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/186" type="start"></artref>Art. 186-189 DBG</span><artref id="CH/642.11/189" type="end"></artref>) werden die Steuervergehen unter Kriminalstrafe gestellt. Steuerbetrug nach <span class="artref">Art. 186 DBG</span> begeht, wer zum Zwecke einer Steuerhinterziehung gefälschte, verfälschte oder inhaltlich unwahre Urkunden wie Geschäftsbücher, Bilanzen, Erfolgsrechnungen oder Lohnausweise und andere Bescheinigungen Dritter zur Täuschung gebraucht. Die Strafdrohung beträgt "Gefängnis" (bzw. Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren) oder Busse bis zu Fr. 30'000.--. Ebenfalls als Vergehen (<span class="artref">Art. 10 Abs. 3 StGB</span>, s. auch Art. 9 Abs. 2 aStGB) mit "Gefängnis" als Höchststrafe bedroht, ist die Veruntreuung von Quellensteuern (<span class="artref">Art. 187 DBG</span>). Vermutet die kantonale Fiskalbehörde ein Fiskalvergehen im Sinne des DBG, so erstattet sie der für die Verfolgung des kantonalen Steuervergehens zuständigen Behörde Strafanzeige; diese Behörde verfolgt dann ebenfalls das Vergehen nach DBG (<span class="artref">Art. 188 Abs. 1 DBG</span>). Das betreffende Verfahren bei Fiskalvergehen richtet sich nach den Vorschriften der Eidg. StPO (<span class="artref">Art. 188 Abs. 2 DBG</span>). Wird der Täter für das kantonale Steuervergehen vom Strafrichter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, so erfolgt für das Vergehen nach DBG eine Zusatzstrafe (<span class="artref">Art. 188 Abs. 3 DBG</span>); auch die EStV kann die Strafverfolgung wegen Steuervergehen durch die zuständigen Strafjustizbehörden verlangen (<span class="artref">Art. 188 Abs. 4 DBG</span>). </div> <div class="para">5.2.3 Schliesslich unterscheidet das DBG im Dritten Titel noch zwischen schweren und minder schweren Steuerwiderhandlungen. Bei begründetem Verdacht von schweren Steuerwiderhandlungen sind besondere Untersuchungsmassnahmen durch die EStV zulässig. Als schwere Steuerwiderhandlungen kommen (gemäss <span class="artref">Art. 190 Abs. 2 DBG</span>) sowohl Fiskalübertretungen als auch Fiskalvergehen in Frage, nämlich (in nicht abschliessender Aufzählung) sowohl die fortgesetzte Hinterziehung grosser Steuerbeträge (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/175" type="start"></artref>Art. 175 und 176 DBG</span><artref id="CH/642.11/176" type="end"></artref>), als auch die Steuervergehen (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/186" type="start"></artref>Art. 186 und 187 DBG</span><artref id="CH/642.11/187" type="end"></artref>). Die gesetzliche Unterscheidung zwischen schweren und minder schweren Steuerwiderhandlungen ist verfahrensrechtlicher Natur: Bei Verdacht eines schweren Falles kann die EStV in Zusammenarbeit mit den kantonalen Steuerverwaltungen eine besondere Untersuchung durchführen (<span class="artref">Art. 190 Abs. 1 DBG</span>). Hingegen sieht das DBG auch für die "schwere" Steuerhinterziehung (nämlich für die fortgesetzte Hinterziehung grosser Steuerbeträge) keine qualifizierte Strafe vor, insbesondere keine Vergehensstrafe (StGB-Geldstrafe bzw. Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren). Für die (quantitativ) schwere Steuerhinterziehung gelten vielmehr die Bussendrohungen von <span class="artref"><artref id="CH/642.11/175" type="start"></artref>Art. 175-178 DBG</span><artref id="CH/642.11/178" type="end"></artref>. Auch die (quantitativ) schwere Steuerhinterziehung (im Sinne von <span class="artref">Art. 190 Abs. 2 DBG</span>) stellt somit eine Fiskalübertretung dar, für die keine Kriminalstrafe angedroht ist. Ebenso wenig fällt sie in die Zuständigkeit der Strafjustizbehörden. Zuständig zur Verfolgung und Beurteilung der schweren Steuerhinterziehung sind ausschliesslich Verwaltungsbehörden, nämlich die EStV und die kantonalen Steuerverwaltungen (<span class="artref">Art. 190 Abs. 1, <artref id="CH/642.11/193" type="start"></artref>Art. 193 und <artref id="CH/642.11/194/1" type="start"></artref>Art. 194 Abs. 1 DBG</span><artref id="CH/642.11/193" type="end"></artref><artref id="CH/642.11/190/1" type="end"></artref>; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 1S.8/2006 vom 12. Dezember 2006 E. 4.2.3; 1S.5/2005 vom 26. September 2005 E. 6.2.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5.3 Ist die Verfolgung und Beurteilung von Widerhandlungen einer Verwaltungsbehörde des Bundes übertragen, so findet das VStrR Anwendung (<span class="artref">Art. 1 VStrR</span>). <span class="artref">Art. 191 Abs. 1 DBG</span> schreibt ausdrücklich vor, welche Zwangsmassnahmen die EStV gestützt auf das VStrR im Rahmen der Untersuchung von "schweren Steuerwiderhandlungen" anordnen darf: Im Verfahren gegen die mutmasslichen Täter und Teilnehmer können Massnahmen gemäss <span class="artref"><artref id="CH/313.0/19" type="start"></artref>Art. 19-50 VStrR</span><artref id="CH/313.0/50" type="end"></artref> verfügt werden; die vorläufige Festnahme (nach <span class="artref">Art. 19 Abs. 3 VStrR</span>) ist ausgeschlossen. <span class="artref">Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR</span> erlaubt die strafprozessuale Beschlagnahme von Gegenständen und anderen Vermögenswerten, die voraussichtlich der Einziehung unterliegen. Die besondere Untersuchung von schweren Steuerwiderhandlungen liegt in den Händen der Verwaltungsbehörden. Die EStV führt die Untersuchung in Zusammenarbeit mit den kantonalen Steuerverwaltungen durch (<span class="artref">Art. 190 Abs. 2 DBG</span>). Die EStV erstellt nach Abschluss der Untersuchung einen Bericht (<span class="artref">Art. 193 DBG</span>). Kommt die EStV zum Ergebnis, dass eine (quantitativ) schwere Steuerhinterziehung (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/175" type="start"></artref>Art. 175 und 176 DBG</span><artref id="CH/642.11/176" type="end"></artref>) begangen wurde, so verlangt sie von der zuständigen kantonalen Verwaltung die Durchführung eines Hinterziehungsverfahrens (<span class="artref">Art. 194 Abs. 1 DBG</span>). Kommt sie zum Schluss, es liege ein Steuervergehen vor (<span class="artref"><artref id="CH/642.11/186" type="start"></artref>Art. 186 und 187 DBG</span><artref id="CH/642.11/187" type="end"></artref>), so erstattet sie bei der zuständigen kantonalen Strafverfolgungsbehörde Anzeige (<span class="artref">Art. 194 Abs. 2 DBG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6. </div> <div class="para">6.1 Die im angefochtenen Entscheid vertretene Ansicht der Vorinstanz würde dazu führen, dass im Rahmen von besonderen Fiskaluntersuchungen wegen des Verdachts von schweren Steuerwiderhandlungen (insbesondere von fortgesetzten Hinterziehungen grosser Steuerbeträge) entgegen der bundesgerichtlichen Praxis keine sichernden Vermögensbeschlagnahmen bei mutmasslichen Tätern und Teilnehmern (sowie Dritten) mehr möglich wären. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6.2 Falls nach Abschluss der besonderen Fiskaluntersuchung gemäss <span class="artref">Art. 190 ff. DBG</span> ein Verdacht auf Steuervergehen (namentlich Steuerbetrug) resultiert, wird ein Fiskalstrafverfahren vor den kantonalen Strafverfolgungsbehörden eingeleitet. Bei Verdacht auf Steuerhinterziehung erfolgt ein Hinterziehungsverfahren (Strafsteuerverfahren) sowie ein separates Nachsteuerverfahren vor den Verwaltungsbehörden. Ob eine strafrechtliche Einziehung (oder allenfalls die Deckung einer Strafbusse, von Verfahrenskosten oder von Nachsteuern) in Frage kommt, hängt vom Ergebnis des hängigen Untersuchungsverfahrens wegen mutmasslichen schweren Steuerwiderhandlungen ab. Selbst wenn eine (abgeschlossene) besondere Fiskaluntersuchung der EStV "lediglich" Anhaltspunkte für eine (allenfalls qualifizierte) Steuerhinterziehung ergäbe, wären mit der zuvor verfügten Beschlagnahme als provisorische Sicherungsmassnahme grundsätzlich auch mögliche Nach- und Strafsteuern vorläufig (verwaltungsstrafprozessual) sichergestellt worden: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6.3 <span class="artref">Art. 191 Abs. 1 Satz 1 DBG</span> bestimmt ausdrücklich, dass sich Untersuchungsmassnahmen (gegenüber den mutmasslichen Tätern oder Teilnehmern bei Verfahren wegen des Verdachts schwerer Steuerwiderhandlungen) nach den Vorschriften von <span class="artref"><artref id="CH/313.0/19" type="start"></artref>Art. 19-50 VStrR</span><artref id="CH/313.0/50" type="end"></artref> richten. Dazu gehört insbesondere <span class="artref">Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR</span> betreffend die Einziehungsbeschlagnahme. Im Gegensatz zur vorläufigen Festnahme (<span class="artref">Art. 19 Abs. 3 VStrR</span>) wird diese Zwangsmassnahme von <span class="artref">Art. 191 Abs. 1 Satz 2 DBG</span> nicht ausgeschlossen. Anders wäre zu entscheiden, wenn im hängigen Untersuchungsverfahren bereits absehbar wäre, dass eine spätere strafrechtliche Einziehung (von mutmasslichem Steuersubstrat bzw. illegaler "Steuerersparnis") oder eine Sicherung von gesetzlichen Pfandrechten (<span class="artref">Art. 46 Abs. 2 VStrR</span> i.V.m. <span class="artref"><artref id="CH/642.11/169" type="start"></artref>Art. 169-170 DBG</span><artref id="CH/642.11/170" type="end"></artref>) zum Vornherein ausgeschlossen wäre. Es liefe sowohl dem Wortlaut als auch dem Sinn und Zweck der gesetzlichen Vorschriften zuwider, wenn die EStV zwar bereits schwerwiegende Verdachtsfälle fiskalstrafrechtlich zu untersuchen hätte, wirksame sichernde Zwangsmassnahmen aber - wenn überhaupt - frühestens im Rahmen eines allfällig sich anschliessenden Fiskalstrafverfahrens bzw. Hinterziehungs- und Nachsteuerverfahrens verfügt werden könnten. Da die betroffenen mutmasslichen Täter oder Teilnehmer gewarnt wären, würden (verspätete) Sicherungsmassnahmen bei schweren Verdachtsfällen regelmässig ins Leere laufen. Auch die verwaltungsrechtlichen Instrumente der Steuersicherung (gemäss Art. 169 f. DBG) würden nach der Konzeption des Gesetzgebers - während der besonderen Fiskaluntersuchung durch die EStV - nicht ohne Weiteres genügen, soweit sie (vor Eröffnung eines allfälligen Hinterziehungs- bzw. Nachsteuerverfahrens durch die zuständige Behörde) überhaupt schon anwendbar wären. Dementsprechend verweist <span class="artref">Art. 191 Abs. 1 DBG</span> für zulässige besondere Untersuchungsmassnahmen wegen des Verdachts schwerer Steuerwiderhandlungen ausdrücklich auf <span class="artref"><artref id="CH/313.0/19" type="start"></artref>Art. 19-50 VStrR</span><artref id="CH/313.0/50" type="end"></artref>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6.4 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz und der privaten Beschwerdegegnerin ergibt sich auch aus <span class="artref">Art. 333 Abs. 1 StGB</span> keine Unzulässigkeit verwaltungsstrafprozessualer Vermögensbeschlagnahmen im Rahmen der besonderen Untersuchung von mutmasslichen schweren Steuerwiderhandlungen, insbesondere von fortgesetzten Hinterziehungen grosser Steuerbeträge (oder von Steuervergehen). Die spezialgesetzliche Grundlage für die provisorische Sicherungsmassnahme findet sich in <span class="artref"><artref id="CH/313.0/46/2" type="start"></artref><artref id="CH/313.0/46/1" type="start"></artref>Art. 46 Abs. 1-2 VStrR</span><artref id="CH/313.0/46/2" type="end"></artref><artref id="CH/313.0/2" type="end"></artref> i.V.m. <span class="artref">Art. 191 Abs. 1 DBG</span>. Bei der Prüfung der Rechtmässigkeit von Einziehungsbeschlagnahmen im besonderen Untersuchungsverfahren ist im Einzelfall namentlich abzuklären, ob eine fiskalstrafrechtliche Einziehung grundsätzlich möglich erscheint oder nicht (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=25.03.2011&amp;to_date=13.04.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-257%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page257">BGE 135 I 257</a> E. 1.5 S. 260 mit Hinweisen<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=25.03.2011&amp;to_date=13.04.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-I-103%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page103">129 I 103</a></span> E. 2.1 S. 105 f.; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=27&amp;from_date=25.03.2011&amp;to_date=13.04.2011&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IV-365%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page365">120 IV 365</a> E. 1c S. 366 f.; Urteile 1S.8/2006 vom 12. Dezember 2006 E. 4-6; 1S.9/2005 vom 6. Oktober 2005 E. 7; 1S.5/2005 vom 26. September 2005 E. 7). Dabei sind (gestützt auf <span class="artref">Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR</span> und nach der Praxis des Bundesgerichtes) die <span class="artref"><artref id="CH/311.0/70" type="start"></artref>Art. 70-71 StGB</span><artref id="CH/311.0/71" type="end"></artref> vorfrageweise anzuwenden ("voraussichtlich der Einziehung unterliegen"). Dass das VStrR oder das DBG eine provisorische Vermögensbeschlagnahme (bzw. eine allfällige fiskalstrafrechtliche Einziehung bzw. Herausgabe an den Fiskus) spezialgesetzlich ausschlössen, trifft nicht zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6.5 Der angefochtene Entscheid erweist sich als bundesrechtswidrig. Die Vorinstanz wird zu prüfen haben, ob die materiellrechtlichen Voraussetzungen der streitigen Beschlagnahmen erfüllt sind. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Frage, ob (und gegebenenfalls in welchem Umfang) die hier streitigen strafprozessualen Zwangsmassnahmen in einem allfälligen anschliessenden Hinterziehungs- und Nachsteuerverfahren (oder Fiskalstrafverfahren) aufrechterhalten werden könnten, bildet nicht Gegenstand des streitigen Beschlagnahmeentscheides. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">7. </div> <div class="para">Die Beschwerde ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben. Die Streitsache ist an die Vorinstanz zurückzuweisen zur Prüfung der materiellrechtlichen Voraussetzungen der streitigen Beschlagnahmen. </div> <div class="para">Die Gerichtskosten sind der privaten Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (<span class="artref">Art. 68 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bei diesem Entscheid in der Sache wird das Gesuch um aufschiebende Wirkung der (beim Bundesgericht eingereichten) Beschwerde hinfällig. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Bundesstrafgerichtes vom 10. Dezember 2010 wird aufgehoben, und das Verfahren wird zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- werden der privaten Beschwerdegegnerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Bundesstrafgericht, I. Beschwerdekammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 1. April 2011 </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para">Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Fonjallaz Forster </div> </div></body></html>