Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Dezember 2013 (725 12 146) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallkausalität einer radiokarpalen Arthrose Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Die 1958 geborene A.____ war seit dem 1. Januar 2 001 bei der B.____ als Fabrikati- onsmitarbeiterin angestellt und in dieser Eigenschaft b ei der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen u nd Berufskrankheiten versichert. Am 26. Juni 2003 knickte sie in ihrer Küche mit dem linken Fu ss ein, stürzte auf das linke Knie und schlug das rechte Handgelenk an einer Wand an. Dabei zog sie sich eine Distorsion des linken Fusses, des linken Knies sowie des rechten Handgelenks zu. Da sie ab 11. August 2003 ihre Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeit wieder zu 100% aufnehmen konnte, wurde die Beh andlung am 4. November 2003 abge- schlossen. B. Im Juni 2004 liess A.____ einen ersten Rückfall wegen Beschwerden im linken Hand- gelenk melden. Da sich in der Folge herausstellte, dass Be schwerden im linken Handgelenk anamnestisch bereits seit fünf Jahren bekannt waren, le hnte die SUVA ihre Leistungspflicht ab. Am 21. Dezember 2004 erfolgten eine Arthroskopie des Handgelenks sowie eine Ulnaverkür- zungsosteotomie links zu Lasten der Krankenkasse. C. Am 19. April 2005 meldete A.____ einen zweiten Rü ckfall wegen Beschwerden nun im rechten Handgelenk. Am 17. Mai 2005 erfolgten zu Lasten der SUVA wegen eines ulnokarpalen Impingements rechtsseitig eine Arthroskopie des Handgel enks sowie eine Ulnaverkürzungsos- teotomie. Nach Abklärung der medizinischen und erwerblich en Verhältnisse schloss die SUVA mit Verfügung vom 4. Juli 2008 den Fall folgenlos ab. Mangels medizinisch aktuell noch objekti- vierbarer Unfallfolgen würden die Heilkostenleistungen per sofort, die Taggeldleistungen – im Sinne einer Übergangs- und Anpassungsfrist – per 30. S eptember 2008 eingestellt. Die dage- gen erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 1. Oktober 2008 ab. D. Mit Eingabe vom 27. Oktober 2008 erhob A.____, ver treten durch Advokat Nicolai Ful- lin, Beschwerde ans Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abt eilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es seien die Verfügun g der SUVA vom 4. Juli 2008 bzw. de- ren Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2008 aufzuheben und ihr für die beim Unfall vom 25. Juni 2003 (recte: 26. Juni 2003) erlittenen Verl etzungen eine Invalidenrente sowie eine In- tegritätsentschädigung auszurichten. Die SUVA, vertrete n durch Advokat Andrea Tarnutzer- Münch, schloss in ihrer Vernehmlassung vom 26. Januar 2009 auf Abweisung der Beschwerde. E. Das Kantonsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil vom 29. Mai 2009 in Aufhebung des angefochtenen Entscheides gut und wies die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die SUVA zurück. Es kam zum Schluss, dass die von der SUVA verfügte Leistungsverweigerung in Bezug auf die ge sundheitlichen Beeinträchtigungen am linken Handgelenk rechtskräftig und nicht mehr überprüfbar sei. Was die rechte Hand anbe- lange, habe anhand der von Dr. med. D.____, FMH Ort hopädische Chirurgie und Traumatolo- gie des Bewegungsapparates und Handchirurgie, veranlasst en SPECT-CT-Untersuchung eine radiokarpale Arthrose objektiviert werden können. Oh ne weitere fachärztliche Abklärungen las- se sich jedoch nicht beurteilen, ob diese arthrotischen Ve ränderungen an der rechten Hand unfallbedingter oder degenerativer Natur seien. Es sei deshalb in medizinischer Hinsicht abzu- klären, ob die Beeinträchtigungen an der rechten Hand (teilweise) auf das Unfallereignis zu- rückzuführen seien. F. In der Folge beauftragte die SUVA das D.____ in X .____ mit der Erstellung eines Gut- achtens, welches am 3. Mai 2011 erstattet wurde. Gestüt zt auf dieses Gutachten und der Stel- lungnahme des Kreisarztes Dr. med. E.____, FMH Chirurgie, hielt die SUVA mit Verfügung vom 22. September 2011 an der Einstellung der Heilkosten per 4. Juli 2008 und der Taggeldleistun- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen per 30. September 2008 fest. Die gegen diese Ver fügung erhobene Einsprache wies die SUVA mit Entscheid vom 4. April 2012 ab. G. Gegen diesen Entscheid erhob Advokat Nicolai Fullin im Namen und Auftrag von A.____ am 9. Mai 2012 Beschwerde ans Kantonsgericht. Er beantragte, es sei der angefochte- ne Einspracheentscheid aufzuheben und es sei der Beschwer deführerin eine Invalidenrente nach UVG und eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von mindestens 15 % für die beim Unfall vom 26. Juni 2003 erlittene n Verletzungen zuzusprechen; alles unter o/e Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die Beweislast des Wegfalles des natürlichen Kausalzusammenhangs bei der SU VA liege, da diese gestützt auf die Ausführungen des Kreisarztes vom 16. Januar 2006 und 4. Juli 2007 die natürliche Kausali- tät anerkannt habe. Aufgrund des Gutachtens des D.___ _ und entgegen der Beurteilung von Dr. E.____ sei davon auszugehen, dass zwischen den bestehen den Beschwerden an der rech- ten Hand und dem Unfall vom 26. Juni 2003 ein natürlicher Kausalzusammenhang bestehe. Die Beschwerdeführerin habe deshalb Anspruch auf eine In validenrente und eine Integritätsent- schädigung bei einer Integritätseinbusse von 15 %. H. Die SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer, beantragte in ihrer Vernehmlas- sung vom 24. Juli 2012 die Abweisung der Beschwerde. En tgegen der Ansicht der Beschwer- deführerin müsse die SUVA gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung den Wegfall der Kau- salität bezüglich bereits ausgerichteter Leistungen nicht b eweisen. In materieller Hinsicht stellte sie sich auf den Standpunkt, dass aufgrund des Gutachtens des D.____ und der Stellungnahme von Dr. E.____ eben nicht erstellt sei, dass die strukture llen Veränderungen am Handgelenk der Beschwerdeführerin auf das Unfallereignis vom 26. Juni 2003 zurückzuführen seien. I. Anlässlich der Urteilsberatung vom 17. Januar 2013 kam das Kantonsgericht zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angele genheit gestützt auf die vorhandene Aktenlage immer noch nicht möglich sei. Zur Begründung führte es zusammenfassend an, dass nach Würdigung des Gutachtens des D.____ vom 3. Mai 2011 die Frage der Unfallkausalität der Beschwerden an der rechten Hand weiterhin unklar bleibe. Die Ausführungen der begutach- tenden Ärztinnen seien nicht in allen Belangen nachvo llziehbar und würden - jedenfalls ohne weitere Erläuterung - als widersprüch lich erscheinen. Es stellte deshalb den Fall aus und holte ergänzende bzw. präzisierende Auskünft e bei Prof. Dr. med. F.____, FMH Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie, und Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, D.____, ein. J. Die beiden Gutachterinnen reichten ihr Ergänzungsgu tachten am 6. Mai 2013 ein. Die Beschwerdeführerin wies in ihrer Eingabe vom 12. Juni 2 013 darauf hin, dass das Ergänzungs- gutachten vom 6. Mai 2013 ihre Sicht, wonach die Handg elenksproblematik unfallkausal sei, vollumfänglich stütze. Advokat Andrea Tarnutzer machte u nter Verweis auf die Stellungnahme von Dr. E.____ vom 23. Mai 2013 geltend, das Ergänzung sgutachten von Prof. Dr. F.____ und Dr. G.____ ändere nichts daran, dass der Kausalzusammenha ng zwischen dem Unfallereignis vom 26. Juni 2003 und den rechtsseitigen Handgelenksbeschwerden zu verneinen sei. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Allschwil, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en aus dem Bereich der Unfallver- sicherung. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vo rliegenden Beschwerde zuständig. Gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung des Einspracheentscheides einzureichen. Die Rechtsmittelf rist ist vorliegend gewahrt, weshalb auf die im Übrigen formgerecht erhobene Beschwerde einzutreten ist. 2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die Bewei slast für den Wegfall der natür- lichen Kausalität die SUVA trage, da diese gestützt au f die kreisärztlichen Ausführungen vom 16. Januar 2006 und 4. Juli 2007 bis zum Einstellung szeitpunkt einen natürlichen Kausalzu- sammenhang anerkannt habe. Die SUVA stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass sie die natürliche Unfallkausalität der heute bestehenden rechtseitigen Handgelenksbeschwerden nicht anerkannt habe. Sie sei nie davon ausgegangen, dass es s ich bei den Beeinträchtigungen des Handgelenks um eine “strukturelle Verschlimmerung des kra nkenhaften Vorzustandes“ gehan- delt oder ein “objektivierbares organisches Unfallsubstrat struktureller Natur“ gehandelt habe. Sie habe deshalb diese Beschwerden auch nicht unter dies en Gesichtspunkten anerkannt. Auf- grund dieser Umstände müsse sie den Wegfall der Kausalit ät nicht beweisen. Die hier strittige Frage der Beweislast beschlägt die rechtlichen Folgen f ür den Fall, dass ungeklärt bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den anda uernden Gesundheitsschaden zu- kommt. Bevor sich aber die Frage der Beweislast stellt, i st der Sachverhalt im Rahmen des Un- tersuchungsgrundsatzes richtig und vollständig zu klären (Urteil des Bundesgerichts, 8C_540/2007, vom 27. März 2008, E. 4.3.2). Erst wenn es sich als unmöglich erweist, im Rah- men des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürd igung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen, ist die Frage der Beweislastverteilung zu beurteilen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.1 Materiell ist somit zu prüfen, ob die über den 4. Juli 2008 (Heilbehandlung) bzw. 30. September 2008 (Taggelder) hinaus bestehenden Besc hwerden der Versicherten an der rechten Hand in einem natürlichen Kausalzusammenhang z um Unfallereignis vom 26. Juni 2003 stehen. 3.2 Das Kantonsgericht legte bereits im Urteil vom 29. Mai 2009 (725 08 330) die massge- benden Bestimmungen und Grundlagen über den für die Leistungspflicht des obligatorischen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unfallversicherers vorausgesetzten natürlichen und adäquat en Kausalzusammenhang zwi- schen dem Unfall und dem Gesundheitsschaden, den Wegfall des ursächlichen Zusammen- hangs und damit des Leistungsanspruchs der versicherten Person bei Erreichen des Status quo sine vel ante sowie bei Rückfällen dar. Gleiches gilt zu dem im Sozialversicherungsrecht gel- tenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit , zum Grundsatz der freien Beweis- würdigung und zum Beweiswert von Arztberichten. Es wird darauf verwiesen. 3.3 In Bezug auf die ärztlichen Beurteilungen fasste d as Kantonsgericht in seinem Urteil vom 29. Mai 2009 den medizinischen Sachverhalt bis zum Ze itpunkt der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (Erlass Einspracheentscheid: 1. Oktober 2008) ausführlich zusammen. Es wer- den daher im Folgenden lediglich die nach Erlass diese s Urteils verfassten Gutachten aufge- führt. 4. Vor der Erläuterung der ärztlichen Beurteilungen w erden der Verständlichkeit halber einige hier wesentliche medizinische Begriffe der Handanatomie erläutert: 4.1 Die Handwurzel (Carpus) wird aus den acht Handwurze lknochen (Kahnbein, Mond- bein, Kopfbein, grosses Vieleckbein, kleines Vieleckbein, Dreieckbein, Erbsenbein, Hakenbein) gebildet, die gelenkig miteinander verbunden sind. Sie liegen in zwei Reihen. Das distale (von der Körpermitte entfernte) Handgelenk liegt genau zwi schen den beiden Reihen der Handwur- zelknochen. Der Gelenkspalt verläuft wellenförmig am Kopf bein und am Hakenbein entlang. Das funktionell bedeutsamere proximale (= zur Körpermitte hin) Handgelenk besteht aus Kahn- bein (Os scaphoideum), Mondbein (Os lunatum) und Dreieckbein (Os triquetrum), welche in der ersten proximalen Reihe liegen, sowie der Speiche (Rad ius). Die Elle (Ulna) ist von den Hand- wurzelknochen durch eine Zwischengelenksscheibe (Discus articula ris) getrennt. Sie steht da- mit nur indirekt über den Discus articularis mit der pro ximalen Handwurzelreihe in Verbindung (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Handgelenk). Bei der Radialduktion handelt es sich um eine seitliche Bewegung Richtung Daumen und bei der Ulnardu ktion um eine solche Richtung Klein- finger. 4.2 Der TFCC (triangulärer fibrokartilaginärer Komp lex) ist eine dreieckig geformte Zwi- schengelenksscheibe am Handgelenk, welche die Elle und die Speiche fest miteinander veran- kert und diese wiederum mit den Handwurzelknochen verbin det (http://de.wikipedia. org/wiki/Triangulärer_fibrokartilaginer_Komplex). 4.3 Das ulnare Impaktationssyndrom ist ein Anstossen des U lnaköpfchens (= Gelenkkopf der Elle) gegen den TFCC und den ellenseitigen Handwurzelknochen. Dabei ist der Os lunatum zur Elle hin einem erhöhten Druck ausgesetzt, was zur Ze rstörung des Gelenkknorpels am Os lunatum und des dazwischen geschaltenen Discus triangulari s führen kann. (vgl. M ARTIN VAHLENSIECK /M AXIMILIAN REISER , MRT des Bewegungsapparates, 2006, S. 191). 4.4 Die Tabatière (= Fossa radialis, Foveola radialis) ist eine dreieckige, längliche Vertie- fung auf der Daumenseite der Handwurzel. Sie tritt b esonders deutlich hervor, wenn alle Finger gestreckt werden und der Daumen abgespreizt wird. (Schnu pfer geben den Schnupftabak por- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht tionsweise in das Speichengrübchen. Daher wird das Speich engrübchen auch als Tabatière [frz. Schnupftabakdose] bezeichnet; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Foveola_radialis). 5.1 In den medizinischen Akten liegt das Gutachten von Dr. H.____ vom 6. Januar 2010 vor, welches dieser im Auftrag der IV-Stelle erstellte. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit führte er in Bezug auf die rechte Hand ein en Status nach Kontusions- /Distorsionstrauma beim Sturz vom 26. Juni 2003, einen St atus nach posttraumatischem ulno- karpalem Impingement mit Knorpelschaden am Os lunatum r echts, einen Status nach Ulnaver- kürzungsosteotomie rechts vom 17. Mai 2005 und einen St atus nach Metallentfernung bei der Ulna rechts sowie persistierende, belastungsabhängige Hand gelenksschmerzen beidseits auf. Da sein Gutachten keinen Aufschluss hinsichtlich der Unfal lkausalität der rechtsseitigen Hand- gelenksproblematik gibt, wird auf seine weitergehende Beurteilung nicht näher eingegangen. 5.2 Die Ärztinnen des D.____ Prof. Dr. F.____ und Dr. G.____ diagnostizierten in ihrem Gutachten vom 3. Mai 2011 mit Einfluss auf die Arbeit sfähigkeit persistierende radiokarpale Handgelenksschmerzen rechts, eine persistierende ulnokarpale Schmerzsymptomatik links und eine Depression. Anlässlich der Untersuchung stellten die Gutachterinnen an der rechten Hand der Versicherten eine leichte Druckdolenz über dem STT -Gelenk (=Scapho-Trapezio- Trapezoideal-Gelenk im Bereich der Handwurzelknochen), welche bei Radial- und Ulnarduktion zunehme. In Ulnarduktion nähmen die Schmerzen bei Druck im Bereich der Tabatière zu. Eine weitere Druckdolenz bestehe dorsal über dem SL-Interval l (Band zwischen dem Os scaphoi- deum und Os lunatum). Ausserdem finde sich ein diskreter positiver Impingementschmerz zwi- schen Ulna und Radius. Auf den Röntgenbilder vom 2. De zember 2010 sei eine leicht vermehr- te subchondrale Sklerose am Radius im Bereich der Fossa lu nata und Fossa scaphoidea mit leicht vermindertem Gelenkspalt radial und radiokarpal zwischen dem Radiostyloid und dem Os scaphoideum zu erkennen. Die Ultraschall-Bilder zeigten e ine leichte Unregelmässigkeit im Be- reich des Os lunatum. In der Beurteilung führten die b eiden Gutachterinnen zum rechten Hand- gelenk aus, dass die Versicherte im Juni 2003 bei einem F ehltritt ein Hyperextensionstrauma am Handgelenk erlitten habe. Zum Ausschluss einer okkulte n Fraktur sei im September 2003 eine Computertomografie (CT) erstellt worden, welche keine Hinweise auf eine frische ossäre Läsion ergeben habe. Im Mai 2005 sei eine Arthroskopie und eine Ulnaverkürzungsosteomie durchgeführt worden. Dabei sei am Os lunatum eine lei chte Impression mit aufgeweichtem Knorpel ohne Läsion der interkarpalen Bänder beschriebe n worden. Auch der Discus triangula- ris sei intakt und die Artikulationsflächen des Radiusgel enkknorpels seien unauffällig gewesen. Die Impression und die Aufweichung des Os lunatum seie n mit einer ulnokarpalen Impakta- tionssymptomatik mit Mehrbelastung im ulnokarpalen Bereich vereinbar. Dieser Befund stelle eine objektivierbare strukturelle Veränderung dar. Die SPECT-CT von September 2008 zeige schliesslich eine beginnende radiokarpale Arthrose mit ve rmehrter Stoffwechselaktivität im Be- reich der Fossa scaphoidea und des proximalen Pols des Sc aphoids rechts. Die Gutachterin- nen wiesen jedoch darauf hin, dass sich die Ätiologie e iner Veränderung allein aufgrund einer SPECT-CT nicht bestimmen lasse. Für die Interpretation bedürfe es einer Kombination von Anamnese, klinischem Befund und anderer Bildgebung. Sie hätten deshalb einen Nuklearmedi- ziner des D.____ beigezogen, mit welchem sie die SPECT- CT gedeutet hätten. Was die Aus- sagen der beiden Expertinnen zur Unfallkausalität der Beschwerden der Versicherten anbe- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht langt, ist eine gewisse Widersprüchlichkeit festzustellen. So stellten sie auf Seite 19 ihres Gut- achtens fest, dass die primäre Ursache der Impression und de r Aufweichung des Os lunatum der Sturz vom 26. Juni 2003 sein könne, zumal keine Ulnap lusvariante, sondern eine neutrale Ulnavariante vorliege. Auf Seite 21 gehen sie davon au s, dass dieser Befund in einem Kausal- zusammenhang stehe. Einen Satz später wird festgehalten, dass der Befund gemäss SPECT- CT möglicherweise eine Spätfolge des Unfallereignisses sei. Auf Seite 22 stellten sie sich auf den Standpunkt, dass die Schmerzsymptomatik am rechten Hand gelenk bei Belastung und Bewegung am ehesten eine direkte kausale Unfallfolge d arstelle. Mit Bestimmtheit lasse sich dies jedoch nicht sagen. 5.3 Der Kreisarzt wies in seiner ärztlichen Stellungnah me vom 15. September 2011 im Zusammenhang der Kausalitätsbeurteilung der Gutachteri nnen auf die Widersprüche hin. Zu- dem fasste er ihre Ergebnisse zusammen. Danach entsprec he der bei der Arthroskopie des rechten Handgelenks festgestellte Befund (leichte Impressi on mit aufgeweichtem Knorpel am Os lunatum) einer unfallbedingten strukturellen Schädig ung. Dieser korreliere mit der zuvor in der Arthro-MRT vom 23. November 2004 festgestellten Öd embildung am Os lunatum. Diese Schädigung sei im Rahmen eines ulnaren Impaktationssyndr oms zu erklären, insbesondere auch deshalb, weil sich Mehranreicherungen und zystische Ver änderungen am ulnaren proxi- malen Lunatumpol beidseits finden liessen. Weiter betonte er, dass die Gutachterinnen die Ätio- logie der aufgrund der SPECT-CT festgestellten vermehr ten Stoffwechselaktivität radiokarpal nicht bestimmen könnten. Damit könne die Frage, worauf die durch die beginnende radiokarpa- le Arthrose bedingten Veränderungen zurückzuführen seie n, nicht beantwortet werden. Er komme deshalb zum Schluss, dass weder anhand der kernspi ntomographischen noch der int- raoperativen Befunde vom 17. Mai 2005 noch der SPECT -CT vom 26. September 2008 eine strukturelle Läsion am rechten Handgelenk rechtsgenüglich nachgewiesen werden könne. Die Veränderungen am Os lunatum seien wahrscheinlich auf e in vorbestehendes ulnares Impakta- tionssyndrom zurückzuführen und nicht auf das Unfallereignis. Dafür spreche der symmetrische Befund am linken Handgelenk, welches aufgrund der ech tzeitlichen Aktenangaben beim Unfall vom 26. März 2003 nicht verletzt worden sei. 5.4 Da dem Gericht aufgrund des Gutachtens von Prof. Dr . F.____ und Dr. G.____ vom 3. Mai 2011 nicht klar war, ob am rechten Handgelenk zwei Befunde vorliegen, die unabhängig voneinander zu beurteilen oder ob diese in einem Gesamt zusammenhang zu sehen sind, ord- nete es mit Beschluss vom 17. Januar 2013 die Einholung ergänzender bzw. präzisierender Auskünfte bei den Gutachterinnen an. Im Ergänzungsgut achten vom 6. Mai 2013 hielten diese fest, dass im ulnokarpalen Bereich aktuell keine Schmerzsym ptomatik in Pronation oder Ulnar- duktion bestehe. Der im Jahr 2004 in der Arthroskopie u nd im MRI beschriebene Knorpelscha- den im proximalen, ulnaren Bereich des Os lunatum und d ie Mehranreicherung im Os lunatum in der Skelettszintigraphie seien nur möglicherweise un fallkausal. Diese Befunde könnten auch im Sinne einer ulnokarpalen Impaktationssymptomatik bei repetitiver ulnokarpaler Mehrbelas- tung und Impaktation des TFCC mit dem Ulnaköpfchen her vorgerufen worden sein. Am wahr- scheinlichsten seien die Schmerzen bei vorbestehender uln okarpaler Symptomatik durch den Unfall traumatisch aggraviert worden. Aktuell liege kei ne ulnokarpale Impaktationssymptomatik oder eine solche des Ulnastyloids vor. Dagegen leide die Versicherte an einer radiokarpalen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Symptomatik auf dem Boden einer beginnenden radiokarp alen Arthrose. Für diese Diagnose sprächen folgende objektive Befunde: die Druckdolenz im Bereich der Tabatière über dem pro- ximalen Skaphoidpol in Ulnarduktion, eine leichte Druckdolenz dorsal über der ersten Handwur- zelreihe und die eingeschränkte Beweglichkeit des Handge lenks in Flexion/Extension. Der Be- fund der SPECT-CT sei mit einer beginnenden radioka rpalen Arthrose vereinbar. Zudem wie- derspiegle sich dieser auch mit den am 2. Dezember 2010 angefertigten konventionellen Rönt- genbildern. Zwar sei die radiokarpale Artikulationsfl äche intraoperativ bei der Arthroskopie von Dezember 2004 (recte: Mai 2005) als normal beurteilt w orden. Sichtbare Knorpelläsionen seien aber oft erst im Verlauf und wesentlich später erkennba r. Da die Versicherte anamnestisch frü- her kein Trauma im Bereich des rechten Handgelenks e rlitten habe, seien die jetzigen klini- schen und radiologischen Befunde überwiegend wahrscheinli ch auf das Unfallereignis zurück- zuführen. Zur kreisärztlichen Stellungnahme vom 15. Septe mber 2011 wiesen die beiden Ex- pertinnen auf ihr Gutachten vom 4. Mai 2011 hin, in welchem sie persistierende radiokarpale Handgelenksschmerzen rechts diagnostizierten. Dazu hätten si e ausgeführt, dass sich eine beginnende radiokarpale Arthrose und nicht wie der Kr eisarzt vermerkt habe, ein aktuell beste- hendes, beidseitiges ulnokarpales Impaktationssyndrom zeige. Mit überwiegender Wahrschein- lichkeit habe bereits vor dem Sturz eine ulnokarpale Imp aktationssymptomatik bestanden, da die Versicherte schon vor dem Unfallereignis ab und zu Handgelenksbeschwerden auf der ulna- ren Seite angegeben habe. Das Impaktationssyndrom könn e nicht sicher auf den Sturz zurück- geführt werden. Der Kreisarzt habe die Aussagekraft ei ner SPECT-CT korrekt zusammenge- fasst. Eine SPECT-CT müsse für die Bestimmung der Ätiolo gie der Veränderung in Kombinati- on mit Anamnese, klinischem Befund und anderer Bildgeb ung interpretiert werden. Vorliegend zeige die SPECT-CT eine vermehrte Stoffwechselaktivitä t radiokarpal mit Betonung des proxi- malen Pols des Scaphoids und des distalen Radius im Berei ch der Fossa scaphoidea. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Versicherte hauptsä chlich radiokarpale Schmerzen habe, eine objektive Beweglichkeitseinschränkung und Schm erzen in Ulnarduktion im Bereich des Scaphoids beständen und radiologisch eine vermehrte s ubchondrale Sklerose am distalen Radius vorliege, sei der Befund der SPECT-CT mit eine r beginnenden Radiokarpalarthrose vereinbar, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit a uf das Unfallereignis zurückzuführen sei. 5.5 Zu diesem Ergänzungsgutachten nahm der Kreisarzt a m 23. Mai 2013 Stellung. Er gehe mit den Gutachterinnen einig, dass das ulnokarpale Impaktationssyndrom am rechten Handgelenk durch den Unfall verschlimmert worden sei. Dabei handle es sich um eine vorüber- gehende Verschlimmerung, da sich heute kein pathologisch er Befund mehr finden lasse. Es falle auf, dass die Gutachterinnen im Hauptgutachten di e beginnende radiokarpale Arthrose noch als mögliche Spätfolgen bezeichnet hätten. Im Erg änzungsgutachten sei dies nun zur überwiegenden Wahrscheinlichkeit geworden. Die Begrün dung dafür sei nicht nachvollziehbar. So lasse sich gemäss den Gutachterinnen die Ätiologie de r Veränderung allein anhand der SPECT-CT nicht bestimmen. Im Kontext zusätzlicher Inform ationen interpretierten sie nun die SPECT-CT dahingehend, dass eine radiokarpale Arthrose vorliege, welche überwiegend wahr- scheinlich auf den Unfall zurückzuführen sei. Um einen sol chen Kausalzusammenhang begrün- den zu können, müsste aber aus versicherungsmedizinischer S icht der Unfall einerseits zu ei- ner objektivierbaren Schädigung des Knorpels im radiokarp alen Gelenkabschnitt und anderer- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht seits zu einem zeitnahen Einsetzen von radiokarpalen Beschwe rden geführt haben. In Bezug auf die zweite Voraussetzung werde im kreisärztlichen Be richt vom 16. Januar 2006, d.h. mehr als zwei Jahre nach dem Unfallereignis, erstmals eine diskr ete Druckdolenz im radiokarpalen Gelenkspalt des rechten Handgelenks und im Bereich des Os naviculare (= Os scaphoideum) in der Tabatière dokumentiert. Dazu komme, dass anlässlich de r Arthroskopie im Mai 2005 keine Knorpelläsion habe festgestellt werden können. Erst im S eptember 2008 habe anhand einer SPECT-CT eine radiokarpale Arthrose objektiviert werde n können. Er bezweifle, dass eine mehr als fünf Jahre nach dem Sturz festgestellte Knorp elläsion noch in einem überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereig nis stehe. Der Kausalzusammen- hang zwischen der radiokarpalen Arthrose und dem Hypere xtensionstrauma werde auch nicht „wahrscheinlicher“, wenn das klinische Bild gemäss SPECT-CT in Verbindung mit einer einge- schränkten Beweglichkeit des rechten Handgelenks betrachtet werde, zumal die Gutachterin- nen zu Beginn die radiokarpale Arthrose lediglich als mögliche Spätfolge des Sturzes betrachtet hätten. Eine radiokarpale Arthrose könne sich bei einer 50-jährigen Frau auch spontan ohne vorangehendes Trauma entwickeln. Diese Möglichkeit hätten die Gutachterinnen nicht disku- tiert. Die Argumentation der Gutachterinnen reduzier e sich letztlich auf die Maxime des „post hoc ergo propter hoc“, welcher jedoch kein Beweiswert zuk omme. Er halte deshalb daran fest, dass keine rechtsgenüglich nachweisbare, objektivierbare strukturelle Läsion am rechten Hand- gelenk vorliege, welche auf den Sturz vom 26. Juni 2003 zurückgeführt werden könne. 6.1 Gestützt auf die vorliegenden Arztberichte steht fest, dass am rechten Handgelenk der Versicherten zwei Befunde festzustellen sind: ein ulnokarp ales Impaktationssyndrom und eine beginnende radiokarpale Arthrose. Die Gutachterinnen u nd der Kreisarzt sind sich insofern ei- nig, als sie davon ausgehen, dass die ulnokarpale Impakt ationssymptomatik am rechten Hand- gelenk höchstwahrscheinlich bereits vor dem Unfall bestand en und sich durch diesen vorüber- gehend verschlimmert habe. Eine heutige überwiegend w ahrscheinliche Kausalität zwischen dieser Symptomatik und dem Sturz wurde übereinstimmend ve rneint. Weiter wird nicht bestrit- ten, dass aufgrund der von Dr. C.____ am 26. September 2008 veranlassten SPECT-CT- Untersuchung eine beginnende radiokarpale Arthrose zu e rkennen ist, womit eine strukturelle Verletzung bzw. ein organisch nachweisbarer Befund vor liegt. Dagegen ist unter den Fachper- sonen streitig, ob die beginnende radiokarpale Arthros e in einem rechtsgenüglichen Kausalzu- sammenhang mit dem Sturz vom 26. Juni 2003 steht. Währ end der Kreisarzt die Unfallkausali- tät der radiokarpalen Arthrose verneint, stellen sich die beiden Expertinnen auf den Standpunkt, dass der Knorpel anlässlich des Sturzes verletzt worden s ei. Solche Knorpelläsionen seien oft erst Jahre nach dem Unfallereignis sichtbar. Diese beginn ende radiokarpale Arthrose sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 26. Juni 2003 zurückzuführen. Für die Unfallkausalität sprächen, die in klinischer Hinsich t festgestellten Einschränkungen in Flexion und Extension, eine Druckdolenz in Ulnarduktion über dem proximalen Skaphoidpol und dorsal über der ersten Handwurzelreihe sowie der Tatsache, dass der klinische Befund mit dem radiologischen Befund vom 2. Dezember 2010 und demjenig en der SPECT-CT vom 26. Sep- tember 2008 korreliere. Dazu kommt, dass die Versicherte vor allem radiokarpale Schmerzen und vor dem Sturz über keine Beschwerden im rechten Handgelenk geklagt habe. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gutachten der freien richterlichen Beweiswürdi- gung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden die Vollst ändigkeit, die Nachvollziehbarkeit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, o b das Gutachten alle Fragen beant- wortet, sich auf den zutreffenden Sachverhalt stützt und den Befund ausreichend begründet. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch nur aus triftigen Gründen von einer gerichtlichen Exper- tise ab. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn d ie Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteil ung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachex perten dem Gericht als triftig ge- nug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberexperten für angeze igt hält, sei es, dass es ohne Oberexper- tise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfo lgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinweisen). Vorliegend g ab die SUVA das Gutachten vom 3. Mai 2011 in Auftrag. Infolge Unklarheiten erstellten die Gutachterinnen des D.____ auf Anordnung des Kantonsgerichts das Ergänzungsgutachten vom 6. Mai 2013. Dieses Ergänzungsgutachten stützt sich auf das Hauptgutachten und kann nur im Zusam menhang mit diesem nachvollzogen werden. Es rechtfertigt sich daher, die Beweisgrundsätze zur gerichtlichen Expertise auf die vorliegenden Gutachten vom 3. Mai 2011 und vom 6. Mai 2013 analog anzuwenden. 6.3 Das Gericht sieht keine zwingenden Gründe, von den S chlussfolgerungen der Gutach- terinnen Prof. Dr. F.____ und Dr. G.____ abzuweichen. Ihr Gutachten vom 3. Mai 2011 und ihr Ergänzungsgutachten vom 6. Mai 2013 sind für die streit igen Belange umfassend, sie beruhen auf allseitigen Untersuchungen, sie berücksichtigen die ge klagten Beschwerden, sie sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und sie leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Si tuation grundsätzlich ein. Die Gut- achterinnen setzten sich mit der divergierenden Beurteil ung des Kreisarztes auseinander und legten dar, dass dieser in seiner Stellungnahme vom 15. September 2011 ihre Diagnosestel- lung nicht ganz richtig verstanden habe. Nicht das ulnokar pale Impaktationssyndrom, sondern die beginnende radiokarpale Arthrose stehe in einem kausalen Zusammenhang mit dem Sturz. Ausserdem habe der Kreisarzt der Tatsache zu wenig Beac htung geschenkt, dass die Interpre- tation des SPECT-CT-Befundes nur im Zusammenspiel mit der Anamnese, Klinik und anderer bildgebender Verfahren vorgenommen werden könne. Die von den Gutachterinnen zusammen mit einem Nuklearmediziner des D.____ vorgenommene Deu tung der SPECT-CT-Bilder und ihre Schlussfolgerungen, wonach ein überwiegend wahrsch einlicher Kausalzusammenhang zwischen der radiokarpalen Arthrose und dem Sturz bestehe , überzeugen den Kreisarzt nicht. Für einen medizinischen Laien ist es schwierig, die Ausfü hrungen der Expertinnen und des Ex- perten in allen Belangen nachzuvollziehen. In der Gesa mtheit ist die Beurteilung der Gutachte- rinnen jedoch in sich schlüssig und überzeugend. Beim vo rliegenden Expertenstreit ist zu be- rücksichtigen, dass der anatomische Aufbau der Hand und de s Handgelenks sehr komplex ist, wirken doch auf engstem Raum Knochen, Gelenke, Muskeln , Sehnen, Blutgefässe und Nerven zusammen. Die auf die Handchirurgie spezialisierten Fac härztinnen und Fachärzte verfügen in dieser Hinsicht über vertiefte Kenntnisse. Diesem Spezialw issen ist bei der vorliegenden Hand- problematik Rechnung zu tragen. Prof. Dr. F.____ kann auf eine langjährige Erfahrung im Fachgebiet der Handchirurgie zurückgreifen. Ihrer Einschä tzung ist deshalb grundsätzlich ein Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht hohes Gewicht beizumessen, hat sie doch aufgrund einer ei ngehenden Anamnese und Würdi- gung der medizinischen Vorakten ihr Fachwissen der Gerichtsbarkeit zur Verfügung gestellt, um den vorliegenden Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Auch wenn die Einwände des Kreisarz- tes nicht im vornherein von der Hand zu weisen sind, sind sie – wie die nachfolgenden Erwä- gungen zeigen werden - letztlich nicht überzeugend gen ug, um gewichtige Zweifel an den Schlussfolgerungen der Expertinnen zu erwecken; beschränke n sie sich doch gemäss seiner zuletzt verfassten Stellungnahme auf die widersprüchlich en Angaben der Gutachterinnen zum Beweismass des Kausalzusammenhangs, der unzulässigen Beweism axime “post hoc ergo propter hoc“ sowie auf die lange Zeitdauer zwischen Stur z und Objektivierung der Knorpelläsi- on. 6.4 Dem Kreisarzt ist insofern beizupflichten, dass die Aussagen der beiden Fachärztinnen zur Unfallkausalität der Handgelenksbeschwerden im Gutach ten vom 3. Mai widersprüchlich sind. Mit ihrem Ergänzungsgutachten vom 6. Mai 2013 wi rd jedoch klar, dass sich ihre Ausfüh- rungen zum Kausalzusammenhang auf zwei voneinander unab hängige Befunde (ulnare Im- paktationssymptomatik und radiokarpale Arthrose) beziehen . Bis auf einen lösen sich diese Widersprüche jedoch auf, wenn die Kausalitätsbeurtei lungen im Gutachten vom 3. Mai 2011 in Beziehung zur ulnaren Impaktationssymptomatik und der beg innenden radiokarpalen Arthrose gesetzt werden. Der verbleibende Widerspruch besteht in der Äusserung der Gutachterinnen im Hauptgutachten, wonach die beginnende radiokarpale Ar throse möglicherweise eine Spätfolge des Sturzes sei. Im Ergänzungsgutachten vom 3. Mai 2011 g ingen sie dagegen von einer überwiegend wahrscheinlichen Unfallfolge aus. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass unter ande- rem gerade die Aussage im Hauptgutachten Anlass bildet e, erneut an die Expertinnen zu ge- langen. In ihrem Ergänzungsgutachten vom 6. Mai 2013 präzisierten sie ihre Aussagen über die Unfallkausalität der radiokarpalen Arthrose dahingeh end, als sie nun eindeutig festlegten, dass die radiokarpale Problematik überwiegend wahrscheinlich auf den Sturz zurückzuführen sei. Eine auf diese Weise vorgenommene Berichtigung kann nicht bemängelt werden. 6.5 Entgegen der kreisärztlichen Ansicht reduziert sich d ie Begründung der Gutachterinnen für die Annahme eines überwiegend wahrscheinlichen Kausa lzusammenhangs nicht auf den unzulässigen Beweisgrundsatz "post hoc ergo propter hoc". Zwar führten sie in der Begründung für ihre Annahme einer Unfallkausalität unter anderem an, die Versicherte sei vor dem Unfaller- eignis hinsichtlich der rechtsseitigen Handgelenksleiden beschwerdefrei gewesen. Ihre Schlüs- se hinsichtlich der Unfallkausalität stützten sie jedoch n icht allein auf diese Aussage ab. Viel- mehr zeigten sie nachvollziehbar auf, dass nebst der Ana mnese das klinische Bild, der radiolo- gische Befund vom 2. Dezember 2010 und derjenige der S PECT-CT vom 26. September 2009 für die Unfallkausalität sprechen würden. Zwar sind die Befunde aus den genannten bildgeben- den Verfahren einige Jahre nach dem Sturz erstellt wor den. Entgegen den Ausführungen des Kreisarztes klagte die Versicherte jedoch unmittelbar nac h dem Sturz über persistierende Schmerzen im Bereich des rechten Handgelenks und zwar auf der radialen Seite und nicht auf der Seite der Elle, wo unbestrittenermassen ein Impaktationssyndrom bestand (vgl. Arztzeugnis UVG vom 27. Oktober 2003). Wegen dieser Schmerzen wurde am 18. September 2003 zum Ausschluss einer Fraktur eine CT durchgeführt (vgl. Ber icht des I.____ vom 18. September 2003). Aus dem Umstand, dass die rechtsseitigen Handgelen ksbeschwerden im weiteren Ver- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lauf aufgrund der starken Schmerzzunahme in der linken Hand in den Hintergrund rückten, kann nichts zu Ungunsten der Versicherten abgeleitet werd en. Denn den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die Schmerzen am rechten Handgelen k – wenn auch weniger als auf der linken Seite - anhielten (vgl. Berichte des J.___ _ vom 28. April 2005 und vom 19. Mai 2005). Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände leuchte t die Auffassung der Gutachterin- nen ein, wonach eine Knorpelläsion die Ursache der an haltenden Gelenksschmerzen ist, diese aber erst viel später sichtbar gewesen sei. Somit stellen das Gutachten vom 3. Mai 2011 und das Ergänzungsgutachten vom 6. Mai 2013 eine geeignete Entscheidgrundlage dar, weshalb ihnen voller Beweiswert beizumessen ist. 6.6 Aus dem Gesagten folgt als Ergebnis, dass die von de r Versicherten geklagten rechts- seitigen Handgelenksbeschwerden aufgrund der überzeugen den Ausführungen der Experten nach wie vor auf den Sturz vom 26. Juni 2003 zurückzuführ en sind. In Gutheissung der Be- schwerde ist der Einspracheentscheid vom 4. April 2012 aufzuheben und die Angelegenheit zur Bemessung allfälliger Ansprüche auf eine Invalidenrent e und eine Integritätsentschädigung so- wie zum Erlass einer neuen Verfügung an die SUVA zurückzuweisen 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträg er die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen anordnete. Ohne Anordnung solcher Massnahmen hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, wenn diese für die Beurteilung des Anspruchs uner- lässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochene r Leistungen bilden. Vorliegend kam das Kantonsgericht mit Beschluss vom 17. Januar 2013 zu m Ergebnis, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich gewesen sei. Für eine abschliessende Beurteilung der Kausalitätsfrag e war die Einholung ergänzender bzw. präzisierender Auskünfte bei Prof. Dr. F.____ und Dr. G .____ unerlässlich. Gemäss Honorar- rechnungen vom 7. Mai 2013 betragen die Kosten Fr. 7 50.--, welche der SUVA aufzuerlegen sind. 7.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verf ahrens entsprechend ist der Versi- cherten eine Parteientschädigung zu Lasten der SUVA zuzu sprechen. Der Rechtsvertreter der Versicherten wies in seiner Honorarnote vom 15. Juli 2013 einen Zeitaufwand von insgesamt 8 Stunden und 35 Minuten sowie Auslagen von Fr. 83.50 aus. Dieser Aufwand ist angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als an gemessen. Damit ist der Beschwer- deführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 2‘407.70 (8 Stunden und 35 Minuten à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen in der Höhe von Fr. 83.50 und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der SUVA zuzusprechen. 8.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 8.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefoch- tene Einspracheentscheid der SUVA vom 4. April 2012 auf gehoben und die Angelegenheit zur Bemessung allfälliger Ansp rüche auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung sowie zum Erlass einer neuen Verfügung an die SUVA zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für das ergänzende Gutachten vom 6. Mai 2013 von Prof. Dr. med. F.____ und Dr. med G.____ in Höhe von Fr. 750.-- werden der SUVA auferlegt. 4. Die SUVA hat der Beschwerdeführerin eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 2‘407.70 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwer tsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht