Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Juni 2019 (720 19 60 / 146) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Wird neben psychiatrischen und rheumatologischen Diagnosen auch ein Cancer-related Fatigue Syndrom (CRF) diagnostiziert, reicht ein bidisziplinäres psychiatrisch-rheumato- logisches Gutachten nicht aus, um den medizinischen Sachverhalt verlässlich abzuklä- ren; stattdessen ist dieser mit Hilfe eines polydisziplinären Gutachtens festzustellen Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Carole Held, Rechtsan- wältin, Rechtsdienst Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1972, arbeitete vom 9. März 1998 b is zur Kündigung des Arbeitsver- hältnisses per 31. Oktober 2012 in einem Pensum von 80 % als Quality Controll-Assistant bei der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ GmbH. Am 13. Juli 2011 meldete sie sich unter H inweis auf eine Brustkrebserkrankung zum Bezug von Leistungen bei der Eidgenössischen Invalidenv ersicherung (IV) an (IV act. 8). Nach gutachterlicher Abklärung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit sprach die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) A.____ mit Verfü gungen vom 19. September 2014 und vom 6. Oktober 2014 rückwirkend ab dem 1. Januar 2012 eine g anze Invalidenrente zu bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ab dem 1. Januar 2012 und einem Invaliditätsgrad von 79 % ab dem 1. Juni 2013 (IV act. 100 und 102). Am 1. Juni 2016 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein (IV act. 108). Nach medizinischen Abklärungen, insb esondere nach Einholung einer psychi- atrisch-rheumatologischen Begutachtung der Versicherten d urch Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. med. D.____, Rheumatologie FMH, sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens setzte die IV-Stelle die ganze Invalidenrente bei einem Invaliditäts- grad von 41 % auf eine Viertelsrente herab (Verfügung vom 21. Januar 2019, IV act. 166). B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Ca role Held, Behindertenforum, am 20. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 21. Januar 2019 aufzuheben und es sei ihr aufgrund ihrer 100 %- igen Arbeitsunfähigkeit weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei zur abschliessenden Klärung der Arbeitsfä- higkeit ein bidisziplinäres Obergutachten in den Fachrich tungen Psychiatrie und Onkologie ein- zuholen. In der Begründung liess die Beschwerdeführerin zusammenfassend rügen, dass die Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz verletzt habe, indem sie sich trotz anderslau- tenden Einschätzungen der behandelnden Fachärzte auf die von ihr eingeholten Gutachten sowie auf die Stellungnahmen ihres Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) abgestützt habe. C. Mit Vernehmlassung vom 10. April 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei- sung der Beschwerde. Sie hielt an ihrer Auffassung fest, wonach sich gestützt auf die aussage- kräftigen medizinischen Unterlagen eine Verbesserung des Gesundheitszustands zeige, weshalb weitere Abklärungen nicht notwendig seien. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim zuständigen Ger icht eingereichte Beschwerde vom 20. Februar 2019 ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Inva- lidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 versicherte Personen, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, n icht durch zumutbare Eingliederungs- massnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindesten s 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 6 0 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Als Invali- dität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Unter Erwerbsu nfähigkeit ist der durch Beeinträchti- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich- keiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbe itsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). 2.2 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflus- sen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Auf- gabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung bildet zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer Änderung des Invaliditätsgrades im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG die letzte anspruchsändernde oder auf einer materiellen Pr üfung des Rentenanspruchs mit rechts- konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Inva liditätsbemessung beruhende rechtskräftige Verfügung (BGE 133 V 108). 2.3 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Gesche- hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b, je mit Hinweisen). 2.4.1 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen sind und danach zu entscheide n ist, ob die Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten . Insbesondere darf bei einander widersprechenden medizinischen Berichten der Prozess nich t erledigt werden, ohne dass das gesamte Beweismaterial gewürdigt wird und die Gründe angegeben werden, warum auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abgestellt wird. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Dennoch erachtet es die Rechtspre- chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ein- sicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnis- sen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskr aft zuzuerkennen, solange nicht kon- krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sp rechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 2.4.3 Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellte n Gutachtens hängt wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – er hebliche Änderung(en) des Sach- verhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet voll ständigen, nachvollziehbaren und schlüssi- gen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenbe- rechtigung beweisend wäre (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Ge- sundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Urteile des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2, und vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 2.5 Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass das Adm inistrativverfahren und der kanto- nale Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsa tz beherrscht sind (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben di e Verwaltung und das Sozialversiche- rungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beur- teilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsach en hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). 3.1 Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheits zustand der Beschwerdeführerin und die für die Invaliditätsbemessung massgebende Arbeitsfähigkeit erheblich verändert haben. Für die Beurteilung der Frage, ob eine anspruchserhebliche Änderung eingetreten ist, wird der Sach- verhalt zur Zeit der strittigen Verfügung (Januar 2019) verglichen mit dem Sachverhalt, wie er im Zeitpunkt der Rentenzusprache (September bzw. Oktober 2014) bestand. 3.2 Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtene n Verfügung fest, dass die medizini- schen Abklärungen eine erhebliche Verbesserung des psychische n Gesundheitszustands ge- zeigt hätten. Aus onkologischer Sicht befinde sich die Versicherte in Remission und aus rheuma- tologischer Sicht bestehe keine Diagnose mehr mit Auswirkun gen auf die Arbeitsfähigkeit. Es Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht seien der Versicherten aus rheumatologischer Sicht alle leichten bis selten intermittierend mittel- schweren Tätigkeiten zumutbar, die bezüglich des rechten Ar ms unterhalb der Schulterhorizon- talen ausgeführt werden könnten. Von psychiatrischer Seite her bestehe seit ca. einem Jahr so- wohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als auch in ei ner anderen körperlichen Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 %. 3.3 Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerde g eltend, dass sich die Beschwerde- gegnerin auf das psychiatrische Gutachten von Dr. C.__ __ abgestützt habe, obwohl widerspre- chende medizinische Einschätzungen des Gesundheitszustands u nd der Arbeitsfähigkeit durch die behandelnden Fachärzte aus Psychiatrie und Onkologie vorliegen würden. Hinzu komme, dass die Beschwerdegegnerin keine qualifizierten medizinischen Berichte eingeholt habe, welche die Wechselwirkung der psychiatrischen und onkologischen Diagnosen berücksichtigen bzw. das Cancer-related Fatigue Syndrom (CRF) überhaupt nachvollziehbar beurteilen würden. Daher sei auf die Beurteilung der behandelnden Ärzte abzustellen oder ein Obergutachten einzuholen. 4. In den ursprünglichen Verfügungen stützte sich die B eschwerdegegnerin bei der Beur- teilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit insbesondere auf das bidisziplinäre psychiatrisch/plastisch-chirurgische Gutachten von Dr. med. E.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Oberarzt des Spitals F.____, vom 12. Dezember 2013 (IV act. 83), und von Prof. Dr. med. G.____, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des Spitals F.____, vom 5. November 2013 (IV act. 84). Dr. E.___ _ diagnostizierte im psychiatrischen Teil- gutachten eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2). So- wohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als auch in einer Verweistätigkeit bestehe aufgrund der derzeitigen Beeinträchtigungen, die durch die Psychopathologie bedingt seien, eine 70-80 %-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit März 2013. Pro f. G.____ diagnostizierte mit Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Verstimmun g mit starker Müdigkeit und einge- schränkter Belastbarkeit bei Zustand nach Mammakarzinom pT3 , pN3a (15/36), G2 rechts, ein sekundäres Lymphödem am Arm rechts nach Lymphadenektomie rechts axillar und postoperati- ver Strahlentherapie sowie eine eingeschränkte Schulter beweglichkeit rechts. In Bezug auf die Leistungsfähigkeit hielt er fest, dass die starke Ermüdbarkeit und die psychische Belastungssitu- ation aufgrund der Grunderkrankung wesentliche Faktore n für die eingeschränkte Belastbarkeit bildeten. Hinzu kämen die Lymphödemproblematik des rec hten Armes und die eingeschränkte Belastbarkeit desselben unter stärkerer Belastung als T ragen. Berücksichtige man die vermin- derte körperliche Belastbarkeit und den funktionellen Einsatz des rechten Armes für schwerere Arbeiten bzw. Überkopfarbeiten, könne bei einer Verbesse rung der Antriebsschwäche bzw. der depressiven Verstimmung eine nahezu volle Arbeitsfähigke it in einem kaufmännischen Beruf, gegebenenfalls auch in der Pharmaindustrie, erreicht w erden. Den limitierenden Faktor sehe er in der psychischen Situation und nicht in der Grunderkrankung bzw. den Operationsfolgen. Dabei verwies Prof. G.____ auf die psychiatrische Beurteilung durch Dr. E.____. 5.1 Im Rahmen der Rentenrevision holte die Beschwerdege gnerin zuerst von den behan- delnden Ärzten die entsprechenden Berichte ein. Dr. med. H.____, Psychiatrie und Psychothera- pie FMH, behandelnde Psychiaterin der Beschwerdeführerin, hielt mit IV-Bericht vom 19. August Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2018 (IV act. 121) fest, dass sich weiterhin die Diagnos e einer Anpassungsstörung, längerdau- ernd (F 43.21), mit wechselnd stark ausgeprägter depressiver Symptomatik bei multizentrischem Mammakarzinom und Status nach Ablatio Mammae, Bestrahlu ng und Chemotherapie (ab April 2011), Brustrekonstruktion 2012 und Hysterektomie und Adn exektomie beidseits 2012 auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Es bestehe eine unveränderte Situation. Durch die starke Erschöpfbar- keit und psychische Labilität sei die Arbeitsfähigkeit aus körperlicher und psychischer Sicht wei- terhin nicht gegeben. 5.2 Der behandelnde Onkologe der Beschwerdeführerin, Dr. med. I.____, Medizinische On- kologie und Innere Medizin FMH, Apotheker, hielt mit Stellungnahme vom 23. November 2016 als Diagnosen ein multizentrisches Mammakarzinom rechts T3 N 1 fest (IV act. 124). Zur Zeit gebe es keine Hinweise für ein Rezidiv oder Zweitkarzinom, es bestehe aber ein ausgeprägtes CRF. Die Patientin leide aktuell immer noch an einer deutlich eingeschränkten Leistungsfähigkeit im Alltag mit vermehrter Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwäche, Atemnot beim Treppen- steigen sowie Schlaflosigkeit. Dies lasse sich im Rahmen der stattgehabten anstrengenden Tu- mortherapie sowie einem Therapie-assoziierten CRF erklä ren. Zusätzlich beklage die Patientin starke, für sie im Alltag belastende Schmerzen im Bereich des rechten Oberarmes und des Schul- tergürtels, welche zu einer Einschränkung der Beweglichkeit der rechten oberen Extremität füh- ren würden. Dies lasse sich ebenfalls im Rahmen der stattgehabten Tumorchirurgie im ehemali- gen Operationssitus durch die Verletzung peripherer Hautnerven erklären. Die Prognose der Tu- morerkrankung sei grundsätzlich als günstig zu interpret ieren. Ein CRF könne sich im Verlauf deutlich bessern, führe jedoch zu einem hohen Leidensdruck der betroffenen Personen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gelangte Dr. I.____ zum Schluss, dass aufgrund des CRF und der persis- tierenden Therapie-assoziierten Schmerzen im rechten Schu ltergürtel und im Oberarm eine Ar- beitsunfähigkeit von 75 % seit Ende Januar 2012 bis auf weiteres gegeben sei. Es bestehe eine deutlich eingeschränkte Belastbarkeit. Aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit des rechten Armes und des deutlichen Fatigues mit vermehrter Tagesmüdigkeit und Attacken-artig auftreten- der Panik und Angstzuständen sei die Patientin maximal 25 % arbeitsfähig, entsprechend einer maximalen Gesamtarbeitszeit pro Woche von 10,5 Stunden. 5.3.1 In der Folge liess die Beschwerdegegnerin die Be schwerdeführerin durch Dr. C.____ und Dr. D.____ psychiatrisch-rheumatologisch gutachterlich abklären. 5.3.2 Dr. D.____ gelangte in seinem Teilgutachten vo m 11. Oktober 2017 (IV act. 142) – rein bezogen auf Beschwerden am Bewegungsapparat – zu kei nen Diagnosen, die sich auf die Ar- beitsfähigkeit auswirken. Die von der Explorandin beschri ebene Müdigkeit und Erschöpfbarkeit als limitierender Faktor der Arbeitsfähigkeit habe er im Rahmen der rheumatologischen Begut- achtung nicht beurteilt. Er verweise diesbezüglich auf die aktuelle psychiatrische Stellungnahme sowie auf die onkologische Beurteilung durch Dr. I.___ _. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. D.____ fest, dass sowohl qualitative als auch quantit ative Beeinträchtigungen attestiert wer- den könnten. Aufgrund der Bewegungseinschränkung und der Schwellungsneigung am rechten dominanten Arm seien der Explorandin seit der Operation vom 11. April 2011 nur noch körperlich leichte bis selten intermittierend mittelschwere Gewichtsbelastungen zumutbar, wobei das aktu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht elle Bewegungsausmass des rechten Schultergelenks respektiert werden müsse. Diese Tätigkei- ten sollten unterhalb der Schulterhorizontalen durchführbar sein. Bezüglich des linken Armes be- stünden keine Einschränkungen. Auch die muskulären Dysbala ncen am Schultergürtel und das Cervikalsyndrom würden aufgrund der aktuellen klinischen Au sprägung keine zusätzlichen Be- einträchtigungen begründen. Rein bezogen auf die rheumatologischen Beschwerden am Bewe- gungsapparat könne auch unter Berücksichtigung der Anga ben im IV-Fragebogen für Arbeitge- bende weder aktuell noch retrospektiv eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Im Sinne einer Anmerkung führte Dr. D.____ aus, dass er bezüglich der Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit im angestammten Beruf auf die Angaben des behandelnden Onkologen Dr. I.____ vom 23. November 2016 verweise, der der Exploradin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab Ok- tober 2010 bis Ende 2011 und von 75 % ab Januar 2012, vorerst andauernd, attestiert habe. 5.3.3 Dr. C.____ diagnostizierte in seinem Teilgutac hten vom 7. November 2017 (IV act. 141) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivie rende depressive Störung mit chroni- schem Verlauf und gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.0/1). Aufgrund der Beschwerden von Seiten der rezidivierenden depressiven Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig leicht- bis mittelgradiger depressiver Epis ode ohne somatischem Syndrom lasse sich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Assistentin Qualitätskontrolle – wie auch in einer alternativen Tätigkeit – von 30 % begründen, dabei m itberücksichtigt sei eine gleichzeitige ge- wisse Verminderung der Leistungsfähigkeit. Verlässliche Aussagen über den Zeitpunkt der Ver- besserung der depressiven Beschwerden und dadurch auch der Arbeitsfähigkeit würden sich nicht machen lassen, approximativ könne dieser auf ein Jahr zurück festgelegt werden. Im Ver- gleich zu den Befunden im Gutachten von Dr. E.____ lasse sich bis heute eine deutliche Verbes- serung feststellen. Die Diagnose einer schweren depressiven Episode könne aufgrund der aktu- ellen Untersuchung nicht weiter bestätigt werden. Aufgr und der heute festzustellenden Verbes- serung der depressiven Beschwerden im Vergleich zum Jahr 2013 habe sich auch die Arbeitsfä- higkeit verbessert. 5.3.4 Anlässlich des Telefongesprächs vom 10. Oktober 2 017 zwecks gemeinsamer interdis- ziplinärer Beurteilung kamen die Gutachter zum Schlus s, dass sich aus rein rheumatologischer Sicht unter Mitberücksichtigung des rheumatologischen Bela stungsprofils keine Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizieren lasse. Als gemeinsame interdisziplinäre Be- urteilung könne daher diejenige des psychiatrischen Guta chtens uneingeschränkt übernommen werden. Im Übrigen werde auf die onkologische Beurtei lung von Dr. I.____ vom 23. November 2016 verwiesen. 5.4 Dr. med. J.____, Fachärztin für Physikalische und Reh abilitative Medizin, RAD, hielt mit Stellungnahme vom 20. November 2017 (IV act. 144) fes t, dass das bidisziplinäre Gutachten schlüssig und nachvollziehbar sei. Gesamtmedizinisch sei – wi e bisher – das psychiatrische Fachgebiet relevant. Aus somatischer Sicht sei lediglich die qualitative Belastungseinschränkung zu berücksichtigen. Im Vergleich zur letzten Begutachtung vom Dezember 2013 habe sich die psychische Situation derart verbessert, dass die damalige psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 70-80 % seit ca. einem Jahr auf eine Arbeitsunfähi gkeit von 30 % habe reduziert werden können. Die von Dr. I.____ in der Stellungnahme von 23. November 2016 aus onkologischer Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sicht attestierte 75 %-ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines CRF könne nicht nachvollzogen wer- den. Die Versicherte befinde sich wegen des Status nach Ma mmakarzinom rechts weiterhin in Remission ohne Anhalt für ein Zweitkarzinom. Zudem zeige das aktuelle psychiatrische Gutach- ten, dass die Versicherte ihren Alltag aktiv gestalte, was gegen eine derart hohe Arbeitsunfähig- keit spreche. In der klinischen Begutachtung seien von Dr. C.____ keine Störungen der Konzent- ration, der Aufmerksamkeit, der Auffassung und auch keine Ermüdungszeichen festgestellt wor- den. In Bezug auf die Standardindikatoren hob Dr. J.____ hervor, dass die Kooperation der Ver- sicherten bei den durchgeführten Therapien mangelhaft gewesen sei, da sie von sich aus die verordnete Cipralex-Dosis reduziert habe. Eine stationäre psychiatrische Behandlung bei im Gut- achten vom Dezember 2013 diagnostizierter schwerer depressiver Episode habe weder damals noch im weiteren Verlauf stattgefunden. Zudem gebe d ie Versicherte an, nicht psychisch krank zu sein. Hinweise für eine Aggravation oder Simulatio n hätten sich nicht ergeben, allerdings sei in der psychiatrischen Begutachtung aufgefallen, dass die Versicherte zeitweise vage und wenig fassbare und ausweichende Antworten auf gestellte Fragen gegeben habe, dies vor allem bei der Anamneseerhebung des Tagesablaufs. In ihrer Stellungnahme vom 29. Dezember 2017 (IV act. 146) äusserte sich Dr. J.____ zu den Einschränkungen aufgrund des CRF sowie zur Therapiere- sistenz bei rezidivierenden depressiven Störungen. 5.5 Im Rahmen des Einwandverfahrens reichte die Beschwe rdeführerin die Stellungnahme von Dr. H.____ vom 16. März 2018 zu den Akten (IV act. 1 51). Darin führte die behandelnde Psychiaterin aus, dass sie die chronisch rezidivierende depressive Störung ebenfalls als Haupt- diagnose betrachte, allerdings nicht in leicht bis mittelgradiger, sondern in mittelgradiger Ausprä- gung (ICD-10 F33.1). Die Patientin leide an chronischer starker Müdigkeit und häufiger schwerer Schlafstörung. Nach kleinster Anstrengung sei sie erschöpft und kraftlos, die Konzentrationsfä- higkeit sei reduziert, die Freude auf wenige Dinge reduziert (Sohn, Hund). Die Patientin lebe re- lativ zurückgezogen, die verbliebenen Freundinnen kämen zu ihr nach Hause. Dr. C.____ habe die Angaben der Patientin zu wenig und die Reduktion des Antidepressivums zu stark und zu einseitig gewichtet. Der psychische Zustand der Patientin sei nicht stabil. Ein Ereignis, das die Patientin emotional beschäftige, ängstige oder belaste, könne sie in einen schweren depressiven Zustand zurückwerfen. Im Moment befinde sie sich in einer eher ruhigen Zeit, denn es seien momentan keine sehr grossen belastenden Ereignisse vorhanden. Sie schätze die Arbeitsfähig- keit ihrer Patientin auf maximal 40 %. Es gehe ihr insgesamt besser als im Jahr 2010/2011, aber nicht so gut, wie von Dr. C.____ beurteilt. Es bestehe eine mittelschwere rezidivierende depres- sive Störung mit chronischem Verlauf. Eine vorübergehen de bessere Phase habe die Patientin als Versuch benutzt, die Medikamente und Sitzungsfrequenz zu reduzieren. Dieser Versuch sei gescheitert. Es seien mehr Schlafmittel gebraucht worden. Dr. C.____ überschätze diese Phase. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge würden es der Patientin erschweren, die psychischen Kri- sen zu bewältigen und würden die Symptome verstärken. Das ausgeprägte CRF, kombiniert mit der sonstigen depressiven Symptomatik, den akzentuierten Per sönlichkeitszügen und der Schmerzsymptomatik, sei bei der Beurteilung der Leistungs - und Arbeitsfähigkeit zu wenig hin- zugezogen worden. Eine Beurteilung des Onkologen sei unbedingt einzuholen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 In der Folge äusserten sich Dr. J.____ und Dr. med. K.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, zum Einwand der Beschwerdeführe rin sowie zum Bericht von Dr. H.____ (Stellungnahmen vom 24. Mai 2018, IV act. 153f.). 5.7 Dr. I.____ nahm mit Schreiben vom 25. Januar 201 9 nochmals ausführlich aus onkolo- gischer Sicht Stellung (IV act. 170). Darin diagnostizier te er erneut ein multizentrisches Mammakarzinom rechts pT3 (m)pN2cMx, ein ausgeprägtes CRF i m Rahmen der ersten Diag- nose sowie chronische Unterbauchschmerzen. Es sei momentan wohl nicht davon auszugehen, dass sich das Arbeitspensum im Verlauf der nächsten Monate wieder steigern lasse. Aus medi- zinischer Sicht liege im Rahmen der stattgehabten Tumort herapien und der nun residualen Be- schwerden im Sinne eines wahrscheinlich therapieassoziier ten CRF und des ebenfalls vorhan- denen chronischen unklaren Schmerzsyndroms im Bauchbereich eine erhebliche Invalidisierung der jungen Patientin vor, weshalb bis auf weiteres eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit zu attestie- ren sei. 6.1 Zwischen den Parteien ist umstritten, ob sich der E ntscheid der Beschwerdegegnerin auf einen genügend abgeklärten Sachverhalt abstützte. 6.2 Die Würdigung der medizinischen Akten zeigt, dass die schwere Brustkrebserkrankung der Beschwerdeführerin, die im Oktober 2010 manifest w urde und die eine körperlich und see- lisch stark belastende mehrjährige Therapie erforderlich machte, Auslöser für die Arbeitsunfähig- keit war. Die Grunderkrankung bewirkte zudem eine depre ssive Störung, infolge derer die Be- schwerdeführerin seit 2011 bei Dr. H.____ in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung steht und ein Antidepressivum einnimmt. Dr. E.____ un d Prof. G._____ führten die erheblichen Einschränkungen der Funktionsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Dezember 2013 auf die da- mals bestehende schwere depressive Episode zurück. Die Dia gnose eines CRF wurde erst im Jahr 2016 von Dr. I.____ gestellt. Damit ist zunächst festzustellen, dass seit der erstmaligen Ren- tenzusprache ein neues Leiden hinzugekommen ist. 6.3 Beim CRF handelt es sich nicht um ein psychiatrisches, sondern um ein organisches Leiden, das invalidisierend sein kann (vgl. zum Ganzen BG E 139 V 346 E. 3.2-3.4). Die Müdig- keits- und Erschöpfungssymptome können durch den Tumor be dingt oder aber auch die Folge der Therapie sein. Die genauen Ursachen des CRF sind nicht bekannt. Vermutet wird eine Inter- aktion von somatischen Faktoren (z.B. Tumorart, Art der Behandlung, Cytokine etc.), psychischen (z.B. Depression) und sozialen Faktoren (vgl. zum Ganzen PROF . DR. MED . ALEXANDER KISS , Wie soll man begutachten? in: Schweizerische Ärztezeitung, 2017, 966 ff.). In der medizinischen Li- teratur wird zudem vermerkt, dass je intensiver die Tum orbehandlung war, desto ausgeprägter das CRF sein kann (A LEXANDER KISS , a.a.O., S, 968). Diesbezüglich kann dem Schreiben vo n Dr. I.____ vom 25. Januar 2019 entnommen werden, dass eine neoadjuvante und anstrengende Chemotherapie bis März 2011 erfolgt sei. Diese habe der Zerstörung sämtlicher Tumorzellen im Körper gedient. Anschliessend sei dann nach kurzer Pause von einigen Wochen die Mastektomie und Axilladisektion rechts erfolgt. Hierbei habe sich ein deutlich residualer Tumor im Sinne eines multizentrischen mässig differenzierten invasiven duktalen M ammakarzinoms mit einer Tumor- ausdehnung von bis zu 5.2cm und 14/34 befallenen axilliä ren Lymphknoten gezeigt. Aufgrund Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht des suboptimalen Ansprechens auf die neoadjuvante Chemotherapie und der hohen Expression der Hormonrezeptoren sei bereits von April 2011 bis Februar 2013 eine adjuvante antihormonelle Therapie mit dem selektiven Östrogenrezeptormodulator Tamoxifen durchgeführt worden. Zuvor sei vom 16. Mai bis 29. Juni 2011 eine adjuvante Bestr ahlung der rechten Brustwand und der rechten Axilla erfolgt. Seit März 2013 erhalte die Patientin eine adjuvante antihormonelle Therapie mit dem Aromatasehemmer Letrozol sowie eine antiresorp tive Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Denosumab, die beide noch installiert seien. 6.4.1 Im Zeitpunkt des Rentenrevisionsverfahrens bestand somit ein multiples Beschwerde- bild, welches zu mehr als zwei fachärztlichen Disziplinen Bezüge aufwies. Bei der Diagnose CRF handelt es sich um eine Diagnose, die nicht ausschliesslich dem psychiatrischen Fachbereich zuzuordnen ist; stattdessen spielen verschiedenste Faktoren eine Rolle. Es ist damit fraglich, ob ein bidisziplinäres psychiatrisches-rheumatologisches Gutach ten ausreicht, um den medizini- schen Sachverhalt in seiner Gänze zu erfassen. In BGE 139 V 349 E. 3.2 hielt das Bundesgericht bezüglich der Abgrenzung der Anwendungsfelder polydiszi plinärer Gutachten und mono- oder bidisziplinärer Expertisen u.a. fest, dass nur in begründ eten Fällen von einer polydisziplinären Begutachtung abgesehen und eine mono- oder bidisziplin äre durchgeführt werden könne. Dies sei der Fall, wenn die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachge- biete beschlage. Weder dürften aber weitere interdiszi plinäre Bezüge (z.B. internistischer Art) notwendig sein noch dürfe ein besonderer arbeitsmedizin ischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen. Vorliegend verzichtete die Be schwerdegegnerin darauf, bei der Ver- laufsbegutachtung eine onkologische Beurteilung einzuholen, obwohl der behandelnde Onkologe mehrere Berichte einreichte bzw. einreichen liess und er aus onkologischer Sicht eine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit attestierte. In Anbetracht de r vorstehend zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Vorgehensweise der Beschwerdegegn erin, lediglich ein bidisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben, daher bereits aus formeller Sicht ungenügend. 6.4.2 Der Entscheid der Beschwerdegegnerin vermag aber auch inhaltlich nicht zu überzeu- gen. Dr. C.____ und Dr. D.____ verwiesen im Rahmen der Konsensbeurteilung ausdrücklich auf die onkologische Beurteilung von Dr. I.____. Sie unt erliessen es aber, konkret zu dessen Ein- schätzung Bezug zu nehmen und das Ausmass der Arbeitsunfähig keit zu würdigen. Dr. C.____ äusserte sich in seinem Teilgutachten lediglich dahingehend, dass sich die Beschwerdeführerin über eine häufige Müdigkeit und schnellere Ermüdbarkei t sowie eine verminderte Energie be- klage. Dabei dürfte es zu einer Überschneidung mit dem aus somatischer Sicht beschriebenen ausgeprägten CRF, das von Dr. I.____ im Bericht vom 23. November 2016 diagnostiziert worden sei, kommen (S. 15). Dr. D.____ verwies im rheumatolog ischen Teil sowohl bei den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als auch bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf die Beurteilung von Dr. I.____ (S. 13 bzw. 15). Die Diagnose des CRF wurde weder von Dr. C.____ noch von Dr. D.____ in Zweifel gezogen. Ihr Hinweis auf die Beurteilung von Dr. I.____ im Rahmen der Konsensbesprechung ist damit so zu verstehen, dass sie dem CRF eine Relevanz bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zuspra- chen. Sie verzichteten aber darauf, sich konkret mit den Auswirkungen des CRF auf die Arbeits- fähigkeit auseinander zu setzen. Inwiefern die Funktionsfähigkeiten der Beschwerdeführerin, die Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht letztlich für den Umfang der Arbeitsfähigkeit massgeben d sind, aus gesamtmedizinischer Sicht eingeschränkt sind, ist unter diesen Umständen ungeklärt geblieben. Dabei geht es vorliegend nicht in erster Linie um die Diagnose, sondern um den Nachweis bzw. die Überprüfung der Be- hinderung und der Einschätzung der funktionellen Einsch ränkungen mit Auswirkungen auf Akti- vität und Partizipation. Indem die Beschwerdegegnerin bei dieser Sachlage auf weitere Abklärun- gen verzichtete, erweist sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. 6.4.3 Daran vermögen auch die verschiedenen Stellungn ahmen von Dr. J.____ nichts zu än- dern. Diese hielt in der RAD-Stellungnahme vom 29. Dezember 2017 fest, dass Dr. C.____ keine Symptome des CRF erhoben habe. Er habe im klinischen Sta tus eine nur leichtgradig einge- schränkte Vitalität, aber keine Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Auffassungsstörung und insbesondere keine Ermüdungszeichen feststellen können. D ieses Argument von Dr. J.____ gegen das Vorliegen eines CRF vermag nicht zu überzeugen. Es ist äusserst fraglich, ob gestützt auf ein weniger als zwei Stunden dauerndes Explorationsgespräch verlässliche Aus- sagen in Bezug auf die Konzentration, die Erschöpfung und die hohe Ermüdbarkeit gemacht wer- den können. Jedenfalls reicht dies nicht aus, um Symptome eines CRF verlässlich ausschliessen zu können. Der Einschätzung von Dr. J.____ steht sodann die nachvollziehbare Beurteilung des behandelnden onkologischen Facharztes entgegen, dessen Auf fassung weder von Dr. C.____ noch von Dr. D.____ in Zweifel gezogen wurde. Dr. I.____ hielt im Bericht vom 25. Januar 2019 fest, dass bei der Patientin seit Abschluss der intensiven und anstrengenden Tumor-Therapie im Jahre 2011 bis zum heutigen Tag ein persistierendes Schm erzsyndrom sowie auch ein ausge- prägtes CRF mit beträchtlicher Einschränkung der Leistun gsfähigkeit bestehe. Diese Spätfolge der stattgehabten Chemotherapie sei sehr häufig nach entsprechenden onkologischen Behand- lungen und führe bei den betroffenen Personen noch Ja hre nach abgeschlossener Therapie zu deutlicher Fatigue, überdurchschnittlicher Müdigkeit un d Abgeschlagenheit trotz ausreichenden Schlafphasen, aber auch zu Schlafstörungen und Angstzuständen, Konzentrationsstörungen so- wie Einschränkungen in der intellektuellen und kognitiven Leistungsfähigkeit. Besonders erwäh- nenswert erschien Dr. I.____ die noch installierte ant ihormonelle Therapie, die bei der Patientin für sicherlich zehn Jahre geplant sein werde und doch erhebliche Nebenwirkungen, insbesondere Einschränkungen der Lebensqualität im Alltag, bewirke. Dr. J.____ ging in der Stellungnahme vom 24. Mai 2018 sodann davon aus, dass die Symptome eines CRF mit denjenigen Symptomen identisch seien, die im Rahmen einer depressiven Störung vorkommen würden. Daher sei bei gleichzeitigem Vorlieg en einer Krebserkrankung und einer depressiven Störung eine klare Zuordnung/Differenzierung der Symptome nicht möglich, viel- mehr sei von einer Wechselwirkung auszugehen. Worin die Wechselwirkung besteht und wie sich eine solche auswirkt, liess Dr. J.____ indessen unbeantwortet. Mehr noch, sie stellte – entgegen der Auffassung von Dr. C.____, Dr. D.____ und Dr. I.____ – die Vermutung auf, dass heute nicht mehr von einer IV-relevanten CRF gesprochen werden kön ne. Diese Schlussfolgerung vermag nicht zu überzeugen. Entgegen der Auffassung von Dr. J.____ finden auch weiterhin halbjährliche Kontrollen bei Dr. I.____ statt. Damit kann auf das Fazit von Dr. J.____ in der Stellungnahme vom 24. Mai 2018, wonach in der aktuellen Begutachtung w eder das Vorliegen eines IV-relevanten CRF noch der Schweregrad einer mittelgradigen depre ssiven Episode habe objektiviert werden können, nicht abgestellt werden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Darüber hinaus vermag auch die Beurteilung von Dr. C.____ nicht in jedem Punkt zu überzeugen. Er geht mit der behandelnden Psychiaterin d avon aus, dass der Schweregrad der Depression im Verlauf bis heute wechselhaft sei. In der Folge setzte er sich, obwohl es sich um ein Revisionsgutachten handelt, aber zu wenig mit dem von Dr. E.____ erhobenen Befund und den Funktionseinschränkungen auseinander bzw. zeigte nicht auf, inwiefern sich hier eine deut- liche Steigerung feststellen lässt. Damit bestehen gewisse Zweifel an seiner Beurteilung. Offen- sichtlich und zwischen den Parteien unbestritten ist, dass si ch der psychische Gesundheitszu- stand der Beschwerdeführerin verbessert hat, allerdings ist nicht klar, in welchem Ausmass. So- weit Dr. C.____ im Rahmen der Indikatoren ausführte, die Beschwerdeführerin sei zu wenig ko- operativ, da sie von sich aus die Medikamentendosis reduziert habe, kann ihm nicht gefolgt wer- den. Hierzu führte Dr. H.____ in nachvollziehbarer Wei se aus, dass es sich um einen Versuch gehandelt habe. Dieser sei aber nicht erfolgreich gewesen, weshalb die Medikamentendosis und die Sitzungsfrequenz wieder erhöht worden seien (Bericht vom 16. März 2018). Auch soweit Dr. C.____ eine fehlende Behandlungskooperation der Besch werdeführerin sieht, indem sie sich noch nie habe stationär psychiatrisch behandeln lassen, überzeugt dies nicht. In Anbetracht des Umstands, dass die Beschwerdeführerin bis zum Abschluss der Bestrahlung und nach dem Wie- deraufbau der rechten Brust über eine lange Zeitdauer krankheitsbedingt erheblich eingeschränkt war, und sie psychisch darunter litt, dass sie ihren kleinen Sohn ihrer Auffassung nach in dieser Zeitspanne nicht genügend unterstützen konnte, ist es n achvollziehbar, dass sie keine zusätzli- che stationäre Therapie machte. Dies als Indikator heranzuziehen, um den Schweregrad der Di- agnose oder die Konsistenz in Frage zu stellen, erscheint nicht als adäquat. Dr. D.____ schilderte die Beschwerdeführerin als sachlich und konsistent zur Aktenlage. Sie habe sich in der klinischen Untersuchung uneingeschränkt kooperativ gezeigt. Es hätten sich keinerlei Zeichen einer Ver- deutlichung oder sogar Aggravation gefunden. Es würden auch keine Inkonsistenzen vorliegen (S. 15). Eine Dramatisierungstendenz konnte er nicht ausfindig machen. 7.1 Zusammenfassend ist zum Schluss zu kommen, dass konkrete I ndizien Zweifel an der Zuverlässigkeit der Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin wecken. Eine rezidivierende de- pressive Störung ist nicht dasselbe wie ein CRF. Den medizinischen Unterlagen ist nicht schlüs- sig zu entnehmen, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwe rdeführerin und ihre Arbeitsfä- higkeit aus gesamtmedizinischer Sicht wesentlich verbessert haben. Vorliegend handelt es sich um einen Revisionsfall, weshalb sich das Revisionsgutachten aus einer gesamthaften Optik ex- plizit mit der Frage einer erheblichen Veränderung de s Gesundheitszustands auseinander zu setzen hat. Indem sich die Beschwerdegegnerin abschliessen d auf die Beurteilung ihrer RAD- Ärzte abstützte, stellte sie den Sachverhalt unvollständig fest und verletzte den Untersuchungs- grundsatz (Art. 69 Abs. 2 IVV, Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 130 V 6 E. 5.2.5). Die angefochtene Verfügung vom 21. Januar 2019 ist daher au fzuheben und die Angelegenheit ist zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 7.2 Die Beschwerdegegnerin hat den aktuellen Gesundh eitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowie die Frage, ob sich diese seit der Rentenzusprache im Herbst 2014 erheblich verbessert haben, im Rahmen einer neuen polydisziplinären internistischen, onkologi- schen, rheumatologischen und psychiatrischen Begutachtung ab klären zu lassen. Gestützt auf Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Ergebnisse ihrer medizinischen Abklärungen wird die Beschwerdegegnerin anschliessend über eine allfällige Revision der ganzen Invalidenrente neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Beim Entsche id über die Verlegung der Verfah- rens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kan- tonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weite- ren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde füh rende Partei als (vollständig) obsie- gende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltu ngsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in an- gemessenem Ausmass auferlegt. Beim vorliegenden Prozessausgang sind deshalb die Verfah- renskosten der Beschwerdegegnerin zu auferlegen. Der Besch werdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG und § 21 Abs. 1 VPO ha t die obsiegende Beschwerde füh- rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist der Beschwerdeführerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegne- rin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Honorarnote vom 7. Mai 2019 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 14 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich ste llenden Sachverhalts- und Rechts- fragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote aus- gewiesenen pauschalen Spesen von Fr. 100.--. Der Besch werdeführerin ist deshalb für die Be- mühungen ihrer Rechtsvertreterin eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘900.-- (14 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 100.--) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung vom 21. Januar 2019 aufgehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- degegnerin auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘900.-- (inkl. Auslagen) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht