B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6688/2013 U r t e i l v om 1 4 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______ (Beschwerdeführer 1), dessen Frau B._______ (Beschwerdeführerin 2), und die Kinder C._______ (Beschwerdeführerin 3), D._______ (Beschwerdeführer 4), E._______ (Beschwerdeführer 5), Kosovo, alle vertreten durch Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. November 2013 / N (…). E-6688/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Im Jahre 1988 wurde der Beschwerdeführer 1 – der sich damals zwecks Verwandtenbesuchs in der Schweiz aufhielt – vom Richteramt F._______ wegen Diebstahls zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. In der Fo l- ge wurde ihm eine dreijährige Einreisesperre auferlegt. Im September 1992 reiste der Beschwerdeführer 1 von Deutschland he r- kommend erneut in die Schweiz ein. Am 14. September 1992 wurde er bei einer Polizeikontrolle in der Wohnung einer Person namens G._______ angetroffen. Anlässlich der Aufnahme der Personalien gaben er sowie G._______ an, Brüder zu sein. B. Eigenen Angaben zufolge verliessen die der albanischen Ethnie angeh ö- renden Beschwerdefüh renden mit letz tem Wohnsitz in H._______ (Grossgemeinde I._______) ihren Heimatstaat am 24. September 2013 und gelangten über Albanien und Italien in die Schweiz. Am 30. September 2013 suchten sie im Empfangs - und Verfahrenszentrum Kreuzlingen um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person vom 11. Oktober 2013 und der ein- gehenden Anhörung zu den Asylgründen vom 24. Oktober 2013 brachte der Beschwerdeführer 1 im Wesentlichen vor, er habe im Jahre 2004 se i- nen Cousin väterlicherseits, G._______, erschossen und sei deswegen zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Im Jahre 2010 habe er das Gefä ng- nis auf Bewährung verlassen dürfen. Fortan habe er sich fast nur noch im Haus aufgehalten. Dieses habe er kaum und wenn , dann nur in Begle i- tung der Brüder seiner Frau, verlassen. Nach Ablauf seiner Bewährungs- zeit sei er am (…) Januar 2013 definitiv entlassen worden. Ihm und seiner Familie habe fortan Blutrache durch die Angehörigen des Getöteten ge- droht. Im Frühling sei er in der Folge mehrere Male bedroht worden. So habe die gegnerische Familie im April 2013 einen Onkel bei ihm vorbe i- geschickt, der ihm die geplante Tötung angekündigt habe. Am (…) August 2013 habe seine in unmittelbarer Nähe wohnende Cousine J._______, die Schwester des Getöteten, einen Anschlag auf ihn verübt. Er sei mit seinem Cousin K._______ auf dem Weg zum Dorfladen gewesen, als J._______ mit einer Pistole in der Hand auf sie zugekommen sei und auf ihn gezielt habe. Sie sei jedoch vor der Abgabe eines Schusses ausg e- rutscht und hingefallen. K._______ habe sie in der Folge überwältigen können und er (Beschwerdeführer) sei weggerannt. Die herbeigerufene E-6688/2013 Seite 3 Polizei habe ein Protokoll aufgenommen und ihm geraten, im Haus zu bleiben. Eine Anzeige habe er nicht machen wollen, da der Schwager von J._______ selbst bei die Polizei arbeite. Vom 24. August bis zum 9. Sep- tember 2013 habe er sich in der Folge gemeinsam mit der Beschwerd e- führerin 3 mit einem zwecks Verwandtenbesuchs ausgestellten Visum bei seinem in der Schweiz lebenden Bruder aufgehalten . Zur gleichen Zeit habe seine Frau mit den Beschwerdeführenden 4 und 5 Verwandte in Deutschland besucht. Er habe gedacht, dass si ch die Lage in seiner A b- wesenheit beruhigen werde , und die Sache geregelt werden könne. Zu- dem habe ein Onkel versucht, zwischen ihm und der gegnerischen Seite zu vermit teln. Nach seiner Rückkehr habe er jedoch erf ahren, dass die Familie seines getöteten Cousins die Vermittlungsbemühungen abgelehnt habe. Aus diesem Grund habe er Koso vo gemeinsam mit seiner Familie erneut verlassen. Die Beschwerdeführenden 2 bis 4 bezogen sich im Wesentlichen auf die Asylgründe ihres Ehemannes beziehungsweise Vaters. Zudem wurde gel- tend gemacht, die Beschwerdeführenden 3 bis 5 hätten wegen der Blu t- fehde nur unregelmässig und vor der Ausreise gar nicht mehr zur Schule gehen können. Die Besc hwerdeführerin 2 gab überdies an, wegen der Fehde gesundheitlich angeschlagen und während vier Jahren in psychiat- rischer Behandlung gewesen zu sein. Zum Nachweis ihrer Identität und zum Beweis ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden verschiedene Dokumente zu den Akten : Ihre Reisepässe und die Identitätskarten der Beschwerdeführenden 1 und 2, ein Einvernahmeprotokoll vom (…) Januar 2004 und ein en undatierter Followup Flash Report in englischer Sprache der United Nations Interim Administration Mission in Kosovo (UNMIK) (beides in Kopie) , ein Ve r- nehmungsprotokoll vom (…) Februar 2004 (in Kopie), eine Anklageschrift vom (…) März 2004, ein Urteil vom (…) März 2004 des Obergerichts Ko- sovo (in Kopie), ein erstinstanzliches Ur teil vom (…) Juli 2004, eine Be s- tätigung vom (…) Februar 2010 betreffend die bedingte Entlassung des Beschwerdeführers 1 aus der Haft, einen Arbeitsvertrag des Beschwerde- führers 1 vom (...) Januar 2013, eine Bestätigung der Bewährungshilfe L._______ vom (…) Januar 2013 betreffend die Entlassung des B e- schwerdeführers 1 aus der Bewährung , zwei Polizeiberichte vom 12. und 24. April 2013 (in Kopie), eine Verpflichtungserklärung vom 18. Juni 2013 betreffend die Beschwerdeführerin 2, Kontoauszüge vom 22. und 24. J uli 2013 sowie vom 20. August 2013, eine Reisevollmacht vom 25. Juli 2013, einen Bericht des Direktors der Schule der Beschwerdeführenden 3 bis 5 E-6688/2013 Seite 4 vom 16. September 2013, ein Schreiben des Leiters der Direktion für Bil- dung vom 23. September 2013 und eine Erklärung vom 13. November 2013 betreffend die Vornahme von Versöhnungsverhandlungen durch den Bruder des Beschwerdeführers 1 (als Faxkopie) . Die albanischspra- chigen Beweismittel wurden, abgesehen von der Anklageschrift vom (…) März 2004 und dem Urteil vom (…) Juli 2004, alle mit deutschspra- chiger Übersetzung eingereicht. Weitere eingereichte Dokumente wurden den Beschwerdeführenden mit ihrem Einverständnis durch das BFM r e- tourniert (vgl. im Einzelnen die vorinstanzliche Akte A5/15 Ziff. 7.04 S. 12). C. Mit Verfügung vom 19. November 2013 – gleichentags eröffnet – lehnte das BFM die Asylgesuche gestützt auf Art. 40 in Verbindung mit Art. 6 a Abs. 2 Bst. a AsylG ( SR 142.31) ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an und forderte die Beschwerdeführenden auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen. Gleichzeitig verfügte das BFM die Aushändigung der editionspflichtigen Akten. D. Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe vom 26. November 2013 durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten die vollumfängliche Aufhebung der vorinstanzlichen Ver- fügung und die Rückweisung der Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts unter Durchführung weiterer Abklärungen , eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, subeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Ferner beantragten sie die Einholung eines B erichts der schweizerischen Vertretung in Pristina über die Gefahr der Blutrache und die Schutzfähi g- keit der kosovarischen Behörden im vorliegenden Einzelfall. In verfa h- rensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie schliesslich um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Mit ihrer Eingabe reichten die Beschwerdeführenden folgende Beweismit- tel zu den Akten: Eine Bestätigung vom 29. März 2010 de s Todes der El- tern des Beschwerdeführers im Krieg, einen am 19. Juli 2013 ausgestell- ten Geburtsschein des Beschwerdeführers 1, einen Eheschein vom 22. Juli 20 13, ein Urteil vom (...) März 2005 des obersten Gerichtshofs E-6688/2013 Seite 5 Kosovos in albanischer Sprache, eine Bescheinigung desselben Gerichts vom 22. November 2013 samt deutscher Übersetzung, zwei Durchschl ä- ge eines Bussenprotokolls vom 21. September 2013, zwei E-Mails vom 21. Oktober 2013 und vom 1. November 2013 des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers und der Rechtsabteilung des Büros für die Schweiz und Liechtenstein des Hochkommissariats der V ereinten Natio nen (UNHCR), zwei Berichte des UNHCR ("UNHCR position on claims for r e- fugee status under the 1951 Convention relating to the Status uf Ref u- gees based on a fear of persecution due to an individual's membership of a family or clan engaged in a blood feud" vom 17. März 2006; "Richtlinien zum internationalen Schutz: Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe im Zusammenhang mit Artikel 1 A (2) des Abkommens von 1951 bzw. des Protokolls von 1967 über die Rechtstellung der Flüchtlinge" vom 7. Mai 2002) und zwei notarielle Protokolle betreffend Aussöhnungsve r- suche mit deutscher Übersetzung. E. Mit Instruktionsverfügung vom 3. Dezember 2013 trat das Bundesverwal- tungsgericht auf die Beschwerde ein und stellte fest, die Beschwerdefüh- renden dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten . Zugleich verzichtete es auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, ve r- schob den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgel tli- chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und wies dasjenige um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ge mäss Ar t. 65 Abs. 2 VwVG ab. F. Am 16. Dezember 2013 reichten die Beschwerdeführenden einen die B e- schwerdeführerin 2 betreffenden Arztbericht vom 2. Dezember 2013 in al- banischer Sprache samt deutscher Übersetzung zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurtei lung der vorliegenden Beschwerde und E-6688/2013 Seite 6 entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG. Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Die B e- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 2. Die Kognition und die Rügem öglichkeiten richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den E-6688/2013 Seite 7 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM begründete seinen ablehne nden Entscheid mit der U n- glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden. Zunächst beurteilt die Vorinstanz die allgemeine Glaubwürdigkeit des Be- schwerdeführers 1 als negativ geprägt. So ergebe sich aus den kantona- len Akten, dass er, entgegen seinen Ausführungen anlässlich der Anh ö- rung vom 24. Oktober 2013, 1988 des Diebstahls und des illegalen Au f- enthalts in der Schweiz überführt worden sei. Zudem habe er damals a b- weichende Angaben zu seiner Person, namentlich zu seiner Ausbildung, gemacht. Auch die Visumsunterlagen zeigten ein anderes Bild als jenes, dass er zu präsentieren versuche. So habe er angegeben, der eing e- reichte Arbeitsvertrag stelle ein reines Gefälligkeitsschreiben dar. Dies bedeute nichts anders, als dass der Beschwerdeführer 1 die sc hweizeri- schen Behörden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Irre g e- führt habe, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Hinsichtlich der Asylvorbringen des Beschwerdeführers 1 legte das BFM dar, zunächst sei aufgrund von schwerwiegenden Mängeln in d en einge- reichten Beweismitteln anzuzweifeln, dass er G._______ überhaupt getö- tet habe. Das erstinstanzliche Urteil sei nämlich angeblich am (…). Juli 2004 gefällt worden, während das zweitinstanzliche vom (…). März 2004 datiere. Daher könne mit Sicherheit angenommen werden, dass es sich um gefälschte Dokumente handle. Folglich müssten alle auf dem Urteil beruhenden Dokumente ebenfalls als gefälscht betrachtet werden. Übe r- dies seien die eingereichten Beweismittel in Kosovo ohne We iteres auch von den zuständigen Stellen gegen Entgelt zu erwerben, weshalb ihnen kein grosser Beweiswert zukomme. Des Weiteren könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerde- führer 1 eine Blutrache unter Einreichung gefälschter Beweismittel ko n- struiert habe. Zunächst würden Ungereimtheiten über die verwandtschaft- liche Beziehung zwischen diesem und dem angeblich von ihm getöteten G._______ bestehen. In den kantonalen Akten ebenso wie in den einge- reichten Beweismitteln sei G._______, auch vom Beschwerde führer 1 selbst, mehrfach als dessen Bruder betitelt worden. Zwar möge im lä n- derspezifischen Kontext ein Cousin in Kosovo oft als Bruder bezeichnet werden. Jedoch seien massgebliche Dokumente von nicht-kosovarischen E-6688/2013 Seite 8 Behörden wie einem deutschen UNMIK-Offizier, dem früheren Rechtsver- treter des Beschwerdeführers in der Schweiz und der Kantonspolizei Bern erstellt worden, welche die Unterscheidung sicherlich vorgenommen hätten. Diese sei vorliegend aufgrund der geltend gemachten Blutrache von besonderer Bedeut ung, da beim Brudermord nach dem Kanun nur eine Geldstrafe bezahlt werden müsste, weil keine andere Familie da sei, bei der Blut genommen werden könnte. Ferner würden die Schilderungen des Beschwerdeführers 1 in Bezug auf das Motiv und die Entstehung der angeblichen Blutrache von den eingereichten Polizeiprotokollen und dem Urteil des obersten Gerichtshofs Kosovos abweichen. Diese Differenzen habe er nicht plausibel erklären können. Die aufgeführten Unstimmigkei- ten liessen die Ausführungen des Beschwerdeführers 1 in einem u n- glaubhaften Licht erscheinen. Das Vorliegen einer Blutfehde müsste jedoch selbst dann verneint we r- den, wenn davon ausgegangen werde, dass der Beschwerdeführer 1 G._______ getötet und es sich bei diesem um seinen Cousin gehandelt habe. Die Vorbringen in Bezug auf den geltend gemachten Vorfall vom (…) August 2013 seien nämlich unlogisch, substanzarm, widersprüchlich und in wesentlichen Teilen realitätsfremd geschildert worden. So sei nicht nachvollziehbar, dass die gegnerische Familie, die in unmittelbarer Nach- barschaft wohnen soll, erst im Frühling 2013 von der frühzeitigen Entla s- sung aus der Haft im Jahre 2010 erfahren habe. Die Rechtfertigung, er sei während mehr als drei Jahren nicht aus dem Haus gegangen, sei nicht schlüssig und realitätsfremd, zumal er während jener Zeit auch in der Schweiz gewesen sei (10. Februar 2011 bis 9. Mai 2011, vgl. A5/15 Ziff. 2.03 S. 5) und angeblich jeden Monat beziehungsweise jeden zwe i- ten Monat beim Bewährungsdienst habe vorstellig werden müssen. Seine diesbezüglichen Entgegnungen seien Ausflüchte. Gehe man dennoch von einem dauernden Aufenthalt im Haus au s, sei absurd, dass der B e- schwerdeführer trotz ständiger Todesdrohungen am (…) August 2013 im Dorf Brot hätte kaufen gehen wollen. Vor diese m Hintergrund erscheine plausibel, dass keiner der Beschwerdeführenden konkret und in nachvol l- ziehbarer Weise habe wiedergeben können, was genau am und nach dem (…) August 2013 geschehen sei. Unklar sei insbesondere, ob der Beschwerdeführer 1 eine Anzeige gemacht habe oder nicht. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführenden nicht schon wä h- rend ihres Aufe nthalts in der Schweiz ab dem 24 . August 2013 um Asyl nachgesucht und sogar noch Ferien in Albanien gemacht hätten. Des Weiteren sei aufgrund der Vorstaatlichkeit der Blutfehde realitätsfremd, dass die gegnerische Familie im Falle einer anstehenden Blutrache die E-6688/2013 Seite 9 Polizei eingeschaltet hätte (vgl. die Polizeiprotokolle vom 12. und 24. April 2013). Ebenso dürfte es nicht d em Kanun entsprechen, dass trotz best e- hender Blutrache ständig Drohungen ausgesprochen worden seien . Überdies sei unglaubhaft, dass die Cousine – eine Frau mit einem Kind – die Blutrache hätte ausführen sollen, zumal normalerweise die Person ausgewählt werde, die bei einer Verurteilung am wenigsten zu verlieren hätte. Auch sei nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 als Frauen Ziel der Blutrache hätten sein sollen. Sollte dies dennoch z u- treffen, sei jedoch nicht nachvollziehbar, warum sie erst zehn Jahre nach der Tat des Beschwerdeführers 1 plötzlich Zielscheibe der Blutrache ge- worden seien. Schliesslich gehöre Kosovo gemäss Art. 6 Abs. 2 Bst. a AsylG zu den ver- folgungssicheren Staaten und verfüge über grundsätzlich schutzfähige und -willige Behörden. Das staatliche Recht verbiete die Blutrache. Dass die Poliz ei in solchen Fällen nichts tue , sei wirklichkeitsfremd. Der B e- schwerdeführer 1 sei daher in erster Linie verpflichtet, sich bei den he i- matlichen Behörden, allenfalls bei einer überge ordneten Stelle, um Schutz zu bemühen. 5.2 Diesen Ausführungen hält der Beschwerdeführer 1 insbesondere ent- gegen, die relevante Beziehung zwischen ihm und seinem Cousin G._______ sei durch die eingereichten Gerichtsdokumente, die Bestäti- gung vom 29. März 2010 betreffend den Tod seiner Eltern vom 29. März 1999 und seinen Geburts- und Eheschein urkundlich nachgewiesen. Sein Cousin väterlicherseits habe ihm anlässlich einer früheren Einreise in die Schweiz Diebesgut untergejubelt und ihn im anschliessenden Strafverfah- ren im Stich gelassen, beziehungsweise beschuldigt, so dass er schliess- lich zu Unrecht verurteilt worden sei. Der Streit sei weiter eskaliert und habe damit geendet, dass er nach einer Provokation seines Cousins di e- sen im Duell in Notwehr erschossen habe. Die Echtheit der in diesem Zu- sammenhang eingereichten Strafurteile hätte sich mit einer einfachen An- frage bei der Schweizerischen Botschaft in Pristina bestätigen lassen. Beim einzigen von der Vorinstanz betreffend das Urteil des Obergerichts genannten Fälschungsmerkmal handle es sich um einen Schreibfehler (Urteilsdatum […] März 2004 statt […] März 2005), welcher mit der einge- reichten Beilage 6 (Berichtigung des Urteils) korrigiert worden sei. Dass in den Urteilen keine Notwehrsi tuation angenommen worden sei, könne nicht als Widerspruch zu seinen glaubhaften und detaillierten Aussagen angesehen werden. Im Übrigen würden die weiteren eingereichten B e-E-6688/2013 Seite 10 weismittel, deren Echtheit vom BFM nicht angezweifelt worden sei, die bestehende Blutfehde belegen. Nach seiner bedingten Entlassung vom (…) Februar 2010 hätten er und seine Kinder das Haus kein einziges Mal alleine verlassen. Anlässlich der Termine bei der Bewährungshilfe sei er von einer privaten Sicherheitso r- ganisation abgeholt und an schliessend zurückgebracht worden. Seine Kinder seien für den Schulbesuch mit dem Auto vom Cousin K._______ von der Haustüre aus zur Schule gefahren und ebenso wieder zurückg e- bracht worden. Nach Ablauf der Bewährung sfrist habe er sich erstmals wieder aus dem Haus getraut, was von seinen Nachbarn – der verfeinde- ten Familie – bemerkt worden sei. Nach dem Tötungsversuch gegen ihn habe er keine Anzeige gegen seine Cousine erheben wollen, um die S i- tuation nicht noch schlimmer z u machen. Die Polizei habe daher nur die Aussagen seiner Cousine in einem Rapport aufgenommen und beide Sei- ten zur Ruhe gemahnt. Ohnehin sei die kosovarische Polizei bei Blutr a- chesituationen nicht schutzfähig, was sie auf Anfrage jederzeit zugest e- hen würde . Auch in diesem Zusammenhang sei nicht nachvollziehbar, warum das BFM keine Abklärung vor Ort habe vornehmen lassen. Den Erwägungen der Vorinstanz betreffend die Unglaubhaftigkeit des Vorfalls vom (…) August 2013 entg egnet der Beschwerdeführer 1, der Gang ausser Haus an jenem Tag sei ein Test gewesen, der parallel zu den laufenden Bemühungen um Aussöhnung unternommen worden sei. Ein Mensch dürfe nicht gezwungen werden, sich für den Rest seines L e- bens im Haus aufzuhalten. Dies sei jedoch gerade ein Merkma l der Blut- fehde. Die jahrelange Todesdrohung ohne Begehung der Tat sei Kern des albanisch-kosovarischen Blutrachewesens. Di e feindliche Familie rege sich nur auf, wenn sie den mit dem Tode Bedrohten sehe, womit sie strikt dem Kanun folge. Solange sich ein (potenzielles) Blutracheopfer im eige- nen Haus aufhalte, sei es sicher. Bewege es sich ausser Hause, so ziehe dies den Zwang zur Ausübung der Blutrache nach sich. Darüber habe sich seine Cousine beklagt. Die Flucht in die Schweiz sei in ihren Augen geradezu willkommen gewesen, da sie dann die Blutrache nicht habe ausüben müssen. Dass ihm ein einzelner Onkel verziehen habe, ändere nichts an der weiterhin bestehenden Bedrohung ssituation. Da die Blutra- che auf weitere Angehörige ausgedehnt werden könne, wenn die Haupt- person nicht greifbar sei, habe schliesslich die ganze Familie endgültig fliehen müssen. Bei der ersten Reise in die Schweiz im August 2013 habe er noch kein Asyl beantragt, weil damals, wie er anlässlich der vorinstanz- lichen Befragungen detailliert ausgeführt habe, noch intensive Verhan d-E-6688/2013 Seite 11 lungen zur Aussöhnung gelaufen seien. Er habe nicht ohne Not das Land verlassen, seine Familie entwurzeln und sein grosses Grundstück aufg e- ben wollen, um in der Schweiz vor dem Nichts zu stehen. Abschliessend bringen die Beschwerdeführenden vor, gesamthaft b e- trachtet sei festzustellen, dass sie die geltend gemachten Vorbringen ta t- sächlich erlebt hätten und die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würden. Bei Opfern von Blutrache handle es sich um eine soziale Gruppe im Sin ne des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlin- ge (FK, SR 0.142.30), die wegen ihrer Verwandtschaft aufgrund eines ur- tümlichen, jede rechtsstaatliche Garantie ver missen lassenden Kodex es gezielt und schwer verfolgt werde. Mit dem Verzicht auf eine Abklärung im Herkunftsstaat und der Würdigung der Beweismittel sei die Vorinstanz der Pflicht zur richtigen und vollständigen Feststellung des Sachverhalts nicht nachgekommen. 6. Nachfolgend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung zu prüfen, ob die Vo r- instanz den Beschwerdeführenden zu Recht die Gewährung von Asyl verweigerte. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht wide r- sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Ta t- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persön lich glaubwürdig erscheinen. Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden Person. Eine Behau p- tung gilt bereits dann als glaubhaft gemacht, wenn die urteilende Behörde von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftm a- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vor bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsda r- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sach verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objek tivierte Sichtweise abzu- stellen (vgl. Art. 7 Abs. 1–3 AsylG). E-6688/2013 Seite 12 6.2 Zunächst ist festzustellen, dass betreffend die Beschwerdeführenden 2 bis 5 keine asylrelevante Gefährdung glaubhaft gemacht werden konn- te. So lebten diese seit der angeblichen Tötung von G._______ durchge- hend an derselb en Adresse in Kosovo und waren nie persönlich einer drohenden Blutrache ausgesetzt , wenngleich sie vorbringen, von den Drohungen gegenüber dem Beschwerde führer 1 miterfasst gewesen zu sein. 6.3 Die geltend gemachten Bedrohungen und der geschilderte Vorfall vom (...) August 2013 richteten sich gegen den Beschwerdeführer 1. In diesem Zusammenhang ist dem BFM darin zuzustimmen, dass sich die Beschwerdefüh renden zu den Bedrohungen und dem angeblichen Mordversuch insbesondere oberflächlich und substanzarm geäussert ha- ben, wobei der Beschwerdeführer 1 überdies widersprüchlich und au s- weichend berichtete. So brachte er bei der Befragung zur Person vor, er sei im Früh jahr 2013 (erstmals) zwei bis drei Mal durch die gegnerische Familie bedroht worden. Er habe gelegentlich das Haus verlassen und sei in dieser Zeit bedroht worden. Am (...) August 2013 habe die Schwester des von ihm getöteten Cousins versucht, ihn vor seinem Haus umzubrin- gen. Sie sei mit einer Pistole in der Hand gekommen und habe diese auf ihn gerichtet. Dann sei sie ausgerutscht und zu Boden gefallen, wodurch sein Cousin K._______ sie habe überwältigen und er habe wegrennen können (vgl. A5/15 Ziff. 7.01 f. S. 9 f.). Anlässlich der Anhörung gab er an, er sei am (...) August 2013 zum ersten Mal direkt bedroht worden (vgl. A15/20 F48 S. 7), beziehungsweise er sei seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis ständig bedroht worden, jedoch nicht direkt (vgl. A15/20 F51 S. 8). Die Beschwerdeführerin 2 gab hingegen – anders als auf B e- schwerdeebene dargelegt – an, die Cousine ihres Mannes habe die F a- milie (erst) ununterbrochen bedroht, nachdem sie wahrscheinlich im Früh- jahr 2013 – über drei Jahre nach der Entlassung auf Bewährung – erfah- ren habe, dass sich der Beschwerdeführer 1 wieder in H._______ befun- den habe (vgl. A18/13 F44 ff. S. 6). Gleichermassen äusserte sich auch der Beschwerdeführer 1 am Ende seiner Anhörung (vgl. A15/20 F 128 S. 17). Betreffend den Vorfall vom (...) August 2013 wurde der Beschwerdefü h- rer 1 anlässlich der Anhörung zunächst aufgefordert, vom 24. September 2013 (letzte Ausreise aus Kosovo) aus rückwärts über die erlebten G e- schehnisse zu berichten. Als er dies auf mehrmalige Nachfrage hin nicht konnte (vgl. A15/20 F49 ff. S. 7), wurde er um eine (chronologische) E-6688/2013 Seite 13 Schilderung der Ereignisse zwischen dem (...) August und dem 24. Se p- tember 2013 gebeten, woraufhin er ständige Bedr ohung geltend machte (vgl. A15/20 F51 S. 8). Auf erneute Frage nach den konkreten Gesche h- nissen zwischen dem (...) Februar 2010 (Entlassung auf Bewährung) und dem (...) August 2013 äusserte er sich nur zu seinen Besuchen bei der Bewährungshilfe (vgl. A15/20 F60 S. 9). Es wurde ihm somit mehrfach die Möglichkeit zur Schilderung des Vorfalls vom (...) August 2013 gegeben . Es hätte damit am Beschwerdeführer 1 gelegen, seine Mitwirkungspflicht wahrzunehmen und detailliert über die Bedrohungen und den angebl i- chen Mordversuch zu berichten. Der Sachverhalt erweist sich mithin aus behördlicher Sicht als richtig und vollständig erstellt. Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu neuem Entscheid ist unter diesen U m- ständen nicht angebracht. 6.4 Aufgrund seiner auswei chenden und oberflächlichen Aussagen ge- lingt es dem Beschwerdeführer 1 nicht, den Vorfall vom (...) August 2013 und eine konkrete Gefahr der Blutrache glaubhaft zu machen. Zudem e r- scheint es realitätsfremd, dass die Blutrache gerade von der Cousine des Beschwerdeführers ausgeübt werden sollte, obgleich deren Familie a n- sonsten ausschliesslich aus Männern besteht (vgl. A11/12 Ziff. 7.02 S. 8 in fine). Sodann reichten die Beschwerdeführenden für den zentralen Vor- fall vom (...) August 2013 keinerlei Beweismi ttel, wie etwa den angeblich erstellten Polizeirapport, zu den Akten. In diesem Zusammenhang fällt überdies auf, dass sich auch die Beschwerdeschrift nur am Rande zu den Ereignissen vom April und August 2013 äussert. Die Argumentation der Beschwerdeführenden konzentriert sich stattdessen auf generelle Auss a- gen über Blutfehden und das übliche Verhalten von an solchen Fein d- schaften beteiligten Personen gemäss dem Kanun. Damit vermögen sie jedoch die zutreffende Erwägung II in der angefochtenen Verfügung (vgl. S. 7 ff.) , auf welche verwiesen werden kann, nicht zu ent kräften. Insbe- sondere ist nicht nachvollziehbar, warum die Beschwerdeführenden a n- lässlich ihrer Einreise in die Schweiz am 24. August 2013 – [Zeitangabe] nach der angeblich versuchten Tötung – Verwandtenbesuche bezi e- hungsweise Ferien machten und nicht bereits damals um Asyl nachsuch- ten. Dies hätte der laufenden Aussöhnung nicht im Wege gestanden, z u- mal die Asylgesuche im Falle der erfolgreichen Versöhnung immer noch hätten zurückgezogen werden können . Die Rückreise der Beschwerd e- führenden im September 2013, welche aufgrund der Stempel in den Re i- sepässen belegt ist , erweist sich als mit einer begründeten Furcht vor Verfolgung nicht vereinbar. Vielmehr wird damit die Unglaubhaftigkeit der E-6688/2013 Seite 14 Vorbringen betreffend die angeblichen Bedrohungen und den Vorfall vom (...) August 2013 bestätigt. Gestützt auf die Akten kann somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass den Beschwerdeführenden bei der Rückkehr in ihren Heimatstaat keine Blutrache droht. 6.5 Daran vermögen auch die betreffend die Tötung von G._______ und die angeblichen Drohungen durch dessen Familie eingereichten Beweis- mittel nichts zu ändern. Diese sind entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift nicht geeignet, eine bestehende Blutfehde zu belegen. Die Berichte des Schuldirektors und des Bildungsdirektors (vgl. A2/1 , Be- weismittel 3 und 4) beinhalten keine eigenen Beobachtungen der Behö r- den. Mehrere der beigebrachten Beweismittel weisen sodann gravierende Ungereimtheiten auf. Im Verfahren vor der Vorinstanz reichten die B e- schwerdeführenden ein Urteil des Obergerichts Kosovo s zu den Akten, welches vom (...) März 2004 datierte. Dies wurde durch das BFM als Fä l- schungsmerkmal angesehen, da das eingereichte erstinstanzliche Urteil vom (...) Juli 2004 datiert. Auf Beschwerdeebene wurde nunmehr ein hi n- sichtlich des Datums – (...) März 2005 – korrigiertes Urteil des Oberg e- richts samt Bescheinigung des Gerichts eingereicht (vgl. die Beschwe r- debeilage 6). Daneben legten die Beschwerdeführenden eine Korrektur des beim BFM eingereichten Protokolls der Versöhnungsverhandlung vom 13. November 2013 ins Recht, bei dem das Datum der Tötung von G._______ von Januar 2005 auf Ja nuar 2004 korrigiert wurde (vgl. die Beschwerdebeilagen 8 und 9). Der lediglich in Kopie eingereichte Polize i- bericht vom 24. April 2013 datiert die Tat hingegen – ebenso wie das ur- sprüngliche Versöhnungsprotokoll – auf das Jahr 2005 (vgl. A2/1, B e- weismittel 2). Im betreffend die Beschwerdeführerin 2 eingereichten Arz t- bericht vom 2. Dezember 2013 wird überdies ausgeführt, die Behandlung habe am Tag nach der Tat, gemäss Arzt am (…) Januar 2004, begonnen. An der Echtheit der aufgeführten Beweismittel bestehen daher zusam- menfassend erhebliche Zweifel. 6.6 Nachdem neben den unglaubhaften Schilderungen der Beschwerd e- führenden nicht nachvollziehbare Ungereimtheiten in den eingereichten Beweismitteln bestehen, konnte die Vorinstanz zu Recht auf eine Abklä- rung durch die schweizerische Vertretung in Kosovo verzichten. Selbst wenn sich jedoch durch eine Botschaftsab klärung erweisen würde, dass die eingereichten (korrigierten) Gerichtsurteile und die Dokumente betre f-E-6688/2013 Seite 15 fend die Bewährungshilfe als echt anzusehen wären, wären eine drohen- de Blutrache und insbesondere der angebliche Vorfall vom (...) August 2013 aufgrund der obigen Ausführungen nach wie vor nicht glaubhaft gemacht. Der Antrag auf Vornahme weiterer Abklärungen, zum Beispiel durch eine Botschaftsanfrage, ist daher abzuweisen. 6.7 Nach dem Gesagten erübrigen sich Aus führungen zur allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers 1 und zur tatsächlichen ve r- wandtschaftlichen Beziehung zwischen diesem und G._______ (Cousin oder Bruder) sowie den diesbezüglichen Ausführungen auf Beschwerd e- ebene. 6.8 Zusammenfassend erweisen sich die Einwendungen der Beschwe r- deführenden gegen die angefoch tene Verfügung als unbehelflich . Das BFM hat die Asylvorbringen zu Recht als unglaubh aft qualifiziert, womit es nicht gehalten war, auf deren Asylrelevanz und insbesondere die Schutzfähigkeit der kosovarisc hen Behörden einzugehen. Die angefoch- tene Verfügung ist somit zu bestätigen. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig - stens glaubhaft zu machen. E-6688/2013 Seite 16 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Sch weiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereink ommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf so- dann niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den B e- schwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdefü h- renden nach Kosovo ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus ihren Aussagen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Kosovo dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Mensche n- rechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi ge gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Die Beschwerdefüh- renden beziehen sich in diesem Zusammenhang auf ihre Asyl gründe und machen gestützt darauf das Risiko einer von Art. 3 EMRK erfassten v er- botenen Behandlung geltend. Dabei seien einerseits der sichere Tod und andererseits das Warten auf den zu ungewisser Zeit zuschlagenden R ä- cher als unmenschliche Beh andlung zu berücksichtigen. Wie zahlreiche Berichte belegen würden, vermöge der kosovarisc he Staat die Blutrache nicht zu verhindern. Nachdem die Asylvorbringen der Beschwerdeführen- den jedoch als unglaubhaft beurteilt wurden, ist eine konkrete Gefahr bei E-6688/2013 Seite 17 der Rückkehr in ihren Heimatstaat nicht ersichtlich. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Kosovo lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 8.3.1 Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, die Sicher- heitslage im Heimatstaat der Beschwerdeführenden habe sich in den vergangenen Jahren stabilisiert. Kosovo sei vom Bundesrat als verfol- gungssicherer Staat (sog. Safe C ountry) bezeichnet worden und die B e- wegungsfreiheit sei für ethnische Albaner m it kosovarischer Staatsang e- hörigkeit wie die Beschwerdeführenden grundsätzlich gegeben. Die se würden in Kosovo sodann gemäss eigenen Angaben nach wie vor über ein Verwandtschafts- und Beziehungsnetz verfügen. Auch ihr Haus und der (zuletzt verpachtete) Acker seien noch immer vorhanden. Zudem hät- ten sie Verwandte in der Schweiz und in Deutschland, die ihnen bei B e- darf wieder finanzielle Unterstützung gewähren könnten. Der Beschwe r- deführer 1 verfüge sodann über Arbeitserfahrung und sei gemäss Akten gesund. Die Beschwerdeführerin 2 habe die geltend gemachte vierjährige psychiatrische Behandlung in Kosovo nicht belegt. Falls sie tatsächlich behandlungsbedürftige gesundheitliche Probleme habe, könne sie sich indessen wie bis anhin in ihrem Heimatstaat behandeln l assen. Der Wegweisungsvollzug erscheine schliesslich auch unter dem Gesicht s- punkt des Kindeswohls als zumutbar, da aufgrund des bisherigen Aufen t- halts der Beschwerdeführenden 3 bis 5 in der Schweiz noch nicht von e i- ner genügenden Assimilierung respektive e iner Entwurzelung in Bezug auf ihre Heimat auszugehen sei. Nach der Rück kehr könnten s ie nach wie vor die Schule besuchen. 8.3.2 Diese Einschätzung, welcher die Beschwerdeführenden nichts Sub- stanzielles entgegenhalten , wird vom Bundesverwaltungsgericht best ä-E-6688/2013 Seite 18 tigt. Ergänzend ist festzuhalten, dass der betreffend die Beschwerdefüh- rerin 2 eingereichte Arztbericht vom 2. Dezember 2013 einer fachärztl i- chen Praxis für Neuropsychiatrie in I._______ den Wegweisungsvollzug nicht unzumutbar erscheinen lässt. Im Bericht wird insbesondere fes t- gehalten, die Beschwerdeführerin 2 sei infolge der Inhaftierung des B e- schwerdeführers 1 wegen posttraumatischen Stresses vom (...) Januar 2004 bis zum 16. Oktober 2008 in ärztlicher Behandlung ge wesen. Sie sei medikamentös und mit ein er Psychotherapie von 32 Sitzungen b e- handelt worden. Es ist jedoch nicht ersichtlich und wird in der Beschwe r- de auch nicht ausgeführt, weshalb die Beschwerdeführerin 2 die se Be- handlung, die mittlerweile fünfeinhalb Jahre zurückliegt, im Bedarfsfall in Kosovo nicht fortsetzen können sollte. Die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung erweisen sich auch hinsichtlich der Beschwerdeführenden 3 bis 5 als zutreffend. Sind Kinder von einem allfälligen Wegweisungsvollzug betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichtspunkt von g e- wichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrecht s- konformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin- des (KRK, SR 0.107). Nachdem die (…)-, (…)- und (…)-jährigen B e- schwerdeführenden 3 bis 5 sich erst seit gut sieben Monaten in der Schweiz aufhalten, kann eine Entwurzelung in Bezug auf ihren Heima t- staat ausgeschlossen werden. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich verfügen die Beschwerdeführenden über bis zum Jahr 2018 beziehungsweise 2020 gültige Reisepässe, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung an keinem nach Art. 106 Abs. 1 AsylG rügbaren Mangel leidet. Die B e- schwerde ist mithin abzuweisen. E-6688/2013 Seite 19 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese beantragten die Gewährung der unentgeltlichen Prozes s- führung. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz e i- ne Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sof ern ihr Begehren nicht au s- sichtslos erscheint. Zum Nachweis ihrer Bedürftigkeit reichten die B e- schwerdeführenden am 11. April 2014 eine Fürsorgebestätigung zu den Akten. Nachdem zudem ihre Rechtsbegehren bei einer summarischen Aktenprüfung nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnten, ist das in der Beschwerdeeingabe gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessfü h- rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Demnach sind den Be- schwerdeführenden keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-6688/2013 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 AsylG wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskos- ten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: