Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. August 2017 (720 17 114 / 224) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf Integrationsmassnahmen in Form eines Arbeitstrainings verneint. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch André M. Brunner , Adv o- kat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen A. Der 1977 geborene A.____ meldete sich am 27. Mai 2004 erstmals bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle die gesundheitli- chen, beruflichen und erwerblichen Verhältnisse, na mentlich nach Einholung eines psychiatri- schen Gutachtens bei Dr. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 30. Oktober 2004, abgeklärt hatte, zog der Versicherte sein Leistungs gesuch am 22. Februar 2005 vorbehaltlos wieder zurück. B. Am 23. September 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine seit der Pubertät bestehende psychische Störung erneut bei der IV-Ste lle zum Leistungsbezug an. In der Folge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt die IV-Stelle dem Versicherten Ende Mai 2015 m it, dass zurzeit keine Eingliederungsmass- nahmen möglich seien und der Rentenanspruch geprüft we rde. Daraufhin klärte sie erneut die beruflichen, gesundheitlichen und erwerblichen Verhält nisse ab, wobei im Juni 2015 wiederum bei Dr. B._____ ein psychiatrisches Gutachten eingeholt wurde. Dieses erging am 5. Oktober 2015. C. Weil dem Versicherten im weiteren Verlauf der medi zinischen Abklärungen durch seinen behandelnden Psychiater eine bipolare Störung attestie rt worden war, ordnete der regional- ärztliche Dienst (RAD) eine weitere Verlaufsbegutacht ung bei Dr. B._____ an. Nachdem sich der Versicherte mit dem Vorgehen der IV-Stelle nicht e inverstanden erklärt hatte, erliess die IV- Stelle am 27. März 2017 eine Zwischenverfügung, mit we lcher sie an der psychiatrischen Ver- laufsbegutachtung durch Dr. B._____ festhielt. Hierg egen erhob der Versicherte, vertreten durch Advokat André M. Brunner am 8. Mai 2017 Beschwer de beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Dieses Verfahren (Nr. 720 17 139) ist zurzeit noch rechtshängig. D. Bereits zuvor hatte der Versicherte in diversen Schrei ben zu Handen der IV-Stelle die Durchführung von beruflichen Massnahmen, namentlich erstm als mit Schreiben vom 2. Sep- tember 2016 die Durchführung eines minimalen Belastun gstrainings für die Dauer von wenigen Stunden im geschützten Rahmen, beantragt. Mit Schreibe n vom 2. Februar 20917 teilte die IV- Stelle mit, dass aufgrund des zurzeit unklaren Gesundheit szustandes zunächst noch weitere medizinische Abklärungen erfolgen müssten. Berufliche Mass nahmen würden im Moment des- halb nicht in Frage kommen. Nachdem der Versicherte um eine beschwerdefähige Verfügung ersucht hatte, lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. März 2017 die Durchführung von be- ruflichen Massanahmen ab. E. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Ad vokat André M. Brunner, am 7. April 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte in A ufhebung der angefochtenen Verfü- gung die sofortige Durchführung beruflicher Massnahmen. Zur Begründung liess er im Wesent- lichen geltend machen, dass er schon seit einiger Zeit n icht mehr arbeitsfähig sei. Erfahrungs- gemäss sei in solchen Situationen von einer Dekondition ierung auszugehen. Ein direkter Wie- dereinstieg in das Berufsleben im Umfang des medizinisch- theoretischen Zumutbarkeitsprofils könne ihn überfordern. Angesichts dieser grundlegenden Gegebenheit schade es nicht, wenn in medizinischer Hinsicht nicht alle Fragen geklärt seien. V orliegend würden sich alle involvierten Ärzte dahingehend äussern, dass der Versicherte in einem geschützten Rahmen auf das Be- rufsleben vorzubereiten sei. Er sei sich nicht an einen g eregelten Tagesablauf gewöhnt und müsse sich deshalb zunächst wieder an eine regelmässige Arb eitstätigkeit gewöhnen, so dass mit einem minimalen Belastungstraining im Umfang weni ger Stunden in einem geschützten Rahmen begonnen werden müsse. F. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 6. Juni 2017 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung hielt sie im Wesentlichen fest, dass über allfällige berufliche Mass- nahmen erst entschieden werden könne, wenn durch das a ngeordnete Verlaufsgutachten bei Dr. B._____ geklärt sei, ob Eingliederungsmassnahmen no twendig und geeignet seien, die Er- werbsfähigkeit des Versicherten zu erhalten oder zu verbessern. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die weiteren Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 1.2 Ursprünglich hatte die IV-Stelle dem Versicherten am 28. Mai 2015 mitgeteilt, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-Dok 62). In der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 15. März 2017 hat sie ihre Leistungsablehn ung indessen auf die beruflichen Massnahmen beschränkt. Der Hintergrund ihrer Vorgehenswe ise liegt offensichtlich darin, dass der Versicherte mit Bezug auf den Arztbericht von Dr. C.____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, vom 8. April 2016 mit Eingabe vom 2. Septembe r 2016 (IV-Dok 86) unter dem Titel „Be- rufliche Massnahmen“ die Durchführung eines minimalen Be lastungstrainings von wenigen Stunden im geschützten Rahmen verlangt hat. In termin ologischer und systematischer Hinsicht ist an dieser Stelle jedoch darauf hinzuweisen, dass be rufliche Massnahmen gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. a bis IVG eine Unterkategorie der Eingliederungsmassnahmen d arstellen. Das vom Versicherten auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren un ter dem Titel von beruflichen Mas- snahmen beantragte Arbeitstraining beschlägt indessen eine Integrationsmassnahme (IM). Die- se stellt keine berufliche Massnahme dar, sondern dient d er Vorbereitung auf eine berufliche Eingliederung nach Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG (Botschaft vom 22. Juni 2005 zur Änderung des Bun- desgesetzes über die Invalidenversicherung [5. Revision], BBl 2005 S. 4523 und 4564; ebenso Leitfaden betreffend berufliche Eingliederungsmassnahm en des Bundesamts für Sozialversi- cherungen [BSV] Nr. 4.09, Stand 1. Januar 2015, Ziff er 1). Die Bezeichnung in der Titelüber- schrift zu Art. 14a IVG spricht in diesem Zusammenhang für sich: „Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung“ solle n den Versicherten dazu befähigen, über- haupt eine berufliche Eingliederung antreten und in der Folge mit einer besseren Chance auf Erfolg absolvieren zu können. Sie sind von beruflichen Ma ssnahmen mithin klar zu unterschei- den (Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2009, 9C_599/2009, E. 2.2.2). Dahinter steht die Erkenntnis, dass Versicherte insbesondere mit psychischen Beeinträchtigungen – für welche die IM (gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. a bis IVG in Verbindung mit Art. 14a. IVG) in erster Lini e konzipiert worden sind – bis anhin oft mit den beruflic hen Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 lit b IVG in Verbindung mit Art. 15 ff . IVG überfordert waren. Es werden zwei Arten von IM unterschieden: Massnahmen zur sozialberuflichen Reha bilitation (Belastbarkeitstraining Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Aufbautraining [Arbeitstraining] sowie wirtschaf tsnahe Integration mit Support am Arbeits- platz) und Beschäftigungsmassnahmen (zwecks Erhalt der Tage sstruktur und einer allenfalls vorhandenen Restarbeitsfähigkeit). Sie sollen die Lücke schliessen zwischen sozialer und be- ruflicher Integration (E RWIN MURER , Invalidenversicherung: Prävention, Früherfassung und I n- tegration, Verlag Stämpfli, Bern 2009, Kommentar zu Art. 14a IVG, Rz. 3 ff.). Diese in streitge- genständlicher Hinsicht relevante Einordnung wird im vorliegenden Fall auch durch den Bericht des behandelnden Psychiaters vom 13. November 2014 (IV-Do k 29) bestätigt, wonach bereits das Aufnehmen eines strukturierten Arbeitstrainings ode r eines Beschäftigungsprogramms schwierig und eine Rückkehr in eine strukturierte Beschäft igung am ehesten im geschützten Rahmen möglich sei (a.a.O., ad Ziffer 1.4. a.E., S. 3). 1.3 Rechtsprechungsgemäss kann das sozialversicherungsgerich tliche Verfahren aus pro- zessökonomischen Gründen auf eine ausserhalb des Anfechtung sgegenstands, d.h. auf eine ausserhalb des durch die Verfügung bestimmten Rechtsver hältnisses liegende spruchreife Fra- ge ausgedehnt werden, wenn diese mit dem bisherigen Streitgegenstand derart eng zusam- menhängt, dass von einer Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann und wenn sich die Verwaltung zu dieser Streitfrage mindestens in Form ei ner Prozesserklärung geäussert hat (BGE 122 V 34 E. 2a). Beide Voraussetzungen sind hier g egeben: Obschon in der angefochte- nen Verfügung fälschlicherweise als berufliche Massnahme b ezeichnet, beschlägt die vorlie- gend strittige Angelegenheit ausschliesslich die Durchführ ung einer allfälligen IM. Als erstes Zwischenergebnis kann demnach festgehalten werden, dass der Streitgegenstand einerseits auszuweiten, sogleich aber auf die Frage zu beschränken ist, ob der Versicherte Anspruch auf IM und hier insbesondere Anspruch auf eine Massnahme zur so zialberuflichen Rehabilitation in Form eines Arbeitstrainings (oben, Erwägung 1.2 a.E. hiervor) gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. a bis IVG besitzt. 2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von e iner Invalidität unmittelbar bedroh- te Versicherte grundsätzlich Anspruch auf Eingliederungsm assnahmen beruflicher Art, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigke it oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben- bereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und soweit die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massn ahmen erfüllt sind (lit. b). Als Inva- lidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 gilt die vorau ssichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. In Konkretisierung der für die Eingliede- rung massgebenden Voraussetzung einer drohenden Invali dität bestimmt Art. 1 novies der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Jan uar 1961, dass eine solche nur dann und insoweit vorliegt, wenn der Eintritt einer Erwer bsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist dabei unerheblich. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur- sacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen , Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG, Art. 3 und 4 ATSG). Eingliederun gsmassnahmen setzen ausserdem stets eine subjektive Eingliederungsfähigkeit und Motivatio n (Urteil des BGer 8C_664/2013 vom 25. März 2014, E. 3.4) sowie die Bereitschaft zur Erfül lung verbindlich festgelegter Ziele voraus (Urteil des Bundesgerichts 8C_583/2014 vom 12. Dezember 2014, E. 5.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Im Unterschied zu den beruflichen Massnahmen gemäss A rt. 15 ff. IVG wird das Erfor- dernis einer (drohenden) Invalidität für die Gewähru ng von IM in Art. 14a IVG jedoch nicht er- wähnt. Obschon die systematische Stellung von Art. 14a I VG dafür spricht, dass der Anspruch auf IM das Vorliegen einer leistungsspezifischen Invalidität gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG in Verbin- dung mit Art. Art. 8 Abs. 1 und 3 IVG voraussetzt, spri cht gegen das Erfordernis einer (drohen- den) Invalidität aber auch die Tatsache, dass die IM kei ne „klassischen“ Eingliederungsmass- nahmen darstellen, sondern als Vorbereitung auf eine berufliche Eingliederung nur in einem beschränkten Umfang notwendig und geeignet sein müssen ( Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2009, 9C_599/2009). Insbesondere das Ar beitstraining als Unterkategorie einer IM soll gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte befähigen, Eingliederungsmassnahmen beruf- licher Art (berufliche Massnahmen) überhaupt erst in Angriff zu nehmen und mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg durchzustehen. Ein Arbeitstraining kommt daher nur dann in Betracht, wenn ohne ein solches die Eingliederung (noch) gar nicht mö glich wäre. Wie es sich dabei mit dem Erfordernis eines (drohenden) invalidisierenden Gesundhe itsschadens im Detail verhält, kann jedoch offengelassen werden, da für die Gewährung von IM gemäss Art. 14a IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 lit. b IVG (oben, Erwägung 2.1 hie rvor) nebst den allgemeinen Anspruchsvo- raussetzungen stets auch das kumulative Erfordernis einer mindestens sechsmonatigen Ar- beitsunfähigkeit von 50% erfüllt sein muss, welches der leistungsspezifischen Invalidität letztlich sehr nahe kommt (M URER , a.a.O., Rz. 15 und 31). Bei einer (wiedererlangten ) Arbeitsfähigkeit ab 50% gilt die Eingliederungsfähigkeit als erreicht u nd es sind (direkt) berufliche Massnahmen vorzusehen (Kreisschreiben über die Integrationsmassnahmen [KSIM], gültig ab 1. Januar 2012, Rz 1027). 3. Bei der Frage der dem Beschwerdeführer noch verblei benden Arbeitsfähigkeit stützte sich die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, dass der Gesundheits- zustand des Versicherten zurzeit unklar sei, weshalb zunäch st weitere medizinische Abklärun- gen erfolgen müssten. Diese Ansicht ist mit Blick auf die massgebende medizinische Aktenlage nicht zu beanstanden. Aufgrund der medizinischen Aktenl age erhellt, dass sich die gesundheit- liche Situation und ihre Auswirkungen auf die dem Versi cherten noch verbleibende Arbeitsfä- higkeit widersprüchlich präsentieren. Zwischen den betei ligten Ärzten besteht bereits auf diag- nostischer Ebene eine grundsätzliche Uneinigkeit, ob de r Versicherte an einer bipolaren Stö- rung leidet oder nicht. Auch wenn einem Verwaltungsgu tachten rechtsprechungsgemäss ein hoher Beweiswert zukommt (BGE 125 V 353 E. 3b/bb), mu ss den Berichten des behandelnden Fachpsychiaters vorliegend ebenfalls ein grosses Gewicht einge räumt werden. Dieser hatte dem Versicherten bereits mit Bericht vom 13. November 201 4 rund ein Jahr und damit noch deutlich vor der Begutachtung bei Dr. B._____ eine bi polare Störung attestiert, welche Dr. B._____ in seinem Gutachten vom 5. Oktober 2015 mit der Begründung verworfen hat, dass keine Hinweise für das Vorliegen einer manisch-depressiven Psychose vorliegen würden. Die- ser durch Dr. B._____ gewonnene Befund beruht auf de r ambulanten Exploration vom 2. Oktober 2015. Er widerspricht jedoch auch den Angaben des behandelnden Psychiaters vom 8. April 2016, der den Versicherten echtzeitlich sowohl in depressiven als auch manischen Pha- sen selbst beobachtet hat. Zumal der Versicherte ursprüng lich wegen einer bipolaren Persön- lichkeitsstörung von seinem Hausarzt überhaupt an Dr. C._ ____ überwiesen worden war (IV- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dok 29, oben Erwägung 4.2 hiervor), kann angesichts die ser sich diametral widersprechenden Befunde mitnichten davon gesprochen werden, dass die gesun dheitlichen Verhältnisse und mit ihnen die noch verbleibende Restarbeitsfähigkeit rechts genüglich und umfassend genug abge- klärt sind. Während Dr. B._____ eine Restarbeitsfähigkeit von 80% attestiert hat, gehen sowohl Dr. C._____ als auch der Hausarzt (IV-Dok 58) davon aus, d ass der Versicherte im ersten Ar- beitsmarkt vollständig arbeitsunfähig ist. Mit Blick auf d ie für eine IM vorausgesetzte Arbeitsun- fähigkeit von mindestens 50% kann damit zurzeit aber noc h nicht entschieden werden, ob der Versicherte Anspruch auf IM in Form eines Arbeitstrainings besitzt (oben, Erwägung 2.2 und 3.1 hiervor). Unter diesen Umständen kann das Erfordernis ein er für die Gewährung von IM vo- rausgesetzten Arbeitsunfähigkeit im Zeitpunkt der vorlie gend angefochtenen Verfügung jeden- falls nicht bejaht werden. Die IV-Stelle war bei diese r Ausgangslage gemäss der ihr obliegen- den Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen vielmehr verpfl ichtet, die gesundheitlichen Ver- hältnisse erneut abzuklären (Art. 43 ATSG). Ihr Vorgehen, eine erneute medizinische Begutach- tung in die Wege zu leiten, ist deshalb nicht zu beanstan den. Ob diese ergänzenden Abklärun- gen im Rahmen einer erneuten Verlaufsbegutachtung b ei Dr. B._____ durchzuführen sein wer- den, bildet nicht Gegenstand dieses Verfahrens, sondern wird im Rahmen der parallel hängigen Beschwerde betreffend die Zwischenverfügung der IV-Ste lle vom 27. März 2017 präsidial zu entscheiden sein (§ 1 Abs. 3 lit. g VPO). 4.1 Unabhängig von der dargelegten Voraussetzung eine r mindestens 50%-igen Arbeitsun- fähigkeit ist zu berücksichtigen, dass die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungs- verfahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zw eckmässigkeit von medizini- schen Erhebungen zukommt. Das Gericht greift bei der Frag e der Notwendigkeit einer Begut- achtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzungen vorliegen oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess (Urteile des Kantonsgerichts, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht [KGE SV] vom 10. Mai 2012, 720 11 393 E. 3 und 720 11 441 E.3). Solche Umstände liegen im vorliegenden Fall aber keine vor. Die IV-Stelle war vielmehr berechtigt, die Gewährung von IM auch aus grundsätzliche n Überlegungen abzulehnen: Obschon der Versicherte mit Eingabe seines Rechtsvertret ers vom 2. September 2016 (IV-Dok 62, S. 2 ad berufliche Massnahmen) darauf hingewiesen hatte, mit einem minimalen Belastbar- keitstraining im geschützten Rahmen mittlerweile einverstanden zu sein, war er zuvor nie bereit, an einer solchen Massnahme teilzunehmen. Anlässlich der Exploration bei Dr. B._____ hatte er insbesondere jedes Arbeitstraining explizit abgelehnt un d keine Motivation gezeigt, einer beruf- lichen Tätigkeit nachzugehen (Gutachten von Dr. B.____ _ vom 5. Oktober 2015, S. 13 und 19; ebenso Triage-Gespräch, IV-Dok 41, S. 2). Da Dr. C._ ____ mit Arztbericht vom 8. April 2016 ebenfalls noch davon ausgegangen war, dass sich die gesun dheitlichen Einschränkungen durch allfällige Eingliederungsmassnahmen nicht verhindern lassen würden, durfte die IV-Stelle die Gewährung von IM vorerst verneinen. Daran ändert n ichts, dass das Arbeitstraining als Un- terkategorie einer IM gesundheitlich beeinträchtigte Versicherte befähigen soll, Eingliederungs- massnahmen beruflicher Art überhaupt erst in Angriff ne hmen zu können (oben, Erwägung 2.2 hiervor). Hintergrund bildet die Voraussetzung, dass für Eingliederungsmassnahmen insgesamt und mithin auch für die Gewährung von IM nicht nur e ine subjektive Eingliederungsfähigkeit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegeben sein muss (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2 017, 9C_59/2017, E. 3.1 mit Ver- weis; oben, Erwägung 2.1 a. E. hiervor), sondern eine Eingliederungsmassnahme von Geset- zes wegen stets auch geeignet sein muss (Art. 8 Abs. 1 lit . a IVG). Auch diese Voraussetzun- gen im Rahmen einer ergänzenden Abklärungen der gesu ndheitlichen Verhältnisse genauer zu prüfen, oblag im vorliegenden Fall dem Ermessen der I V-Stelle im Rahmen der Abklärung des Sachverhalts von Amtes wegen. Zumal den zuvor ergangenen medizinischen Unterlagen weder eine Eingliederungsbereitschaft noch eine objektive Eignung für die in Frage kommenden IM zu entnehmen war, ist daher nicht zu beanstanden, wenn di e IV-Stelle verfügungsweise vorerst an ihrer Einschätzung und Mitteilung vom 28. Mai 2015 (I V-Dok 62 und 65) festgehalten hat. Dies gilt umso mehr, weil die IV-Stelle gestützt auf den Bericht des Hausarztes vom 11. Mai 2015 in erster Linie die vom Versicherten und seinem Hausarzt exp lizit gewünschte Rentenfrage zu prüfen hatte (IV-Dok 59). Nachdem der Fokus ihrer Abklärungen somit zu Recht auf die Renten- frage gerichtet war, war die IV-Stelle vorliegend un besehen des Grundsatzes Eingliederung vor Rente mit anderen Worten berechtigt, zunächst die Erg ebnisse ihrer ergänzenden Abklärungen medizinischer Natur abzuwarten und erst danach über die (zusätzliche) Gewährung von IM zu befinden. Ihr diesbezügliches Vorgehen ist nicht zu beanstanden, weshalb die gegen die Verfü- gung vom 15. März 2017 gerichtete Beschwerde abzuweisen ist. 4.2 Der Beschwerdeführer ist jedoch darauf hinzuweisen, dass er ein erneutes Gesuch um Integrationsmassnahmen stellen kann. Ein solches Gesuch ka nn insbesondere dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn nebst der subjektiven Eingliede rungsfähigkeit mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auch die kumulativ erforderliche Voraussetzu ng einer mindestens 50%-igen Ar- beitsunfähigkeit zu bejahen ist. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1'000.— festgelegt . Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlieg end ist dem Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihm ist allerdings mit verfahrensleitender Verfügung vom 19. April 2017 die unentgeltliche Prozessführung bewil- ligt worden, weshalb die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 5.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer mit prozessleitender Verfüg ung vom 19. April 2017 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertret er bewilligt worden ist, hat dessen Ent- schädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 200.— pro Stunde. Der Rechtsvertreter h at in seiner Honorarnote vom 20. Juni 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 5 Stunden und 21 Minuten sowie Spesen und Auslagen von insgesamt Fr. 57.60 geltend ge macht, was umfangmässig nicht zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beanstanden ist. Ihm ist deshalb ein Honorar in der Hö he von Fr. 1‘217.80 (5 Stunden und 21 Minuten à Fr. 200.— zuzüglich Spesen und Auslagen v on Fr. 57.60 sowie 8% Mehrwert- steuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 5.3 Der Beschwerdeführer wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘217.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet.