Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 21. November 2012 (810 12 39) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzuges Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Beat Walther, Bruno Gutzwiller, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Gerichts- schreiberin i.V. Patricia Bäckert Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Daniela Bifl, Rechtsanwäl- tin gegen Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft , 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Betreff Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennac hzuges von Ehefrau B.____ (RRB Nr. 133 vom 24. Januar 2012) A. Der aus dem Sudan stammende A.____, geboren 1965, reiste am 13. März 1994 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge als anerkannter Flüchtling eine Aufenthaltsbewilligung. Am 8. März 1999 erteilte ihm der Kanton St.Gallen die N iederlassungsbewilligung. Am 28. Februar 2000 heiratete er eine Landsfrau, welche im Rahmen des Familiennachzugs am 13. Juli 2001 in die Schweiz einreiste und eine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Bereits am 7. Oktober 2001 reiste Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie wieder aus. Im Mai 2005 stellte A.____ ein erneute s Gesuch um Erteilung einer Einreisebe- willigung zugunsten seiner Ehefrau. Da die vom Amt fü r Migration Basel-Landschaft (AfM) ein- verlangten Unterlagen nie eingereicht wurden, wurde das Gesuch abgeschrieben. Am 15. Ja- nuar 2006 wurde die Ehe geschieden. Nachdem A.____ am 25. Oktober 2005 einen sudanesi- schen Pass erworben hatte und damit zwischen Oktober 2005 und Januar 2006 mehrmals in den Sudan ein- und ausgereist war, wurde ihm der Flüch tlingsstatus in der Schweiz am 18. Januar 2007 aberkannt. Am gleichen Tag erhielt e r die Niederlassungsbewilligung im Kan- ton Basel-Landschaft. Am 17. Mai 2009 heiratete er sei ne jetzige Ehefrau, B.____, geboren 1990, welche ebenfalls sudanesische Staatsangehörige ist. Am 8. Juli 2010 reichte die Ehefrau beim AfM ein Einreisegesuch ein, welches mit Verfügung vom 28. Juli 2010 verweigert wurde, da keine angemessene Familienunterkunft zur Verfügung stehe und A.____ sich in einer "dürf- tigen" finanziellen Situation befinde. B. Mit Verfügung vom 2. Mai 2011 wies das AfM ein ern eutes Nachzugsgesuch von A.____ für seine Ehefrau ab, dies wegen Überschuldung, Arbeitslosigkeit, teilweiser Sozialab- hängigkeit (seit Januar 2011) und unveränderter Wohn situation. Ferner könne sich der Ehe- mann nicht auf Art. 8 EMRK berufen, da ihm zugemutet werden könne, ein gemeinsames Le- ben mit seiner Ehefrau im Ausland zu führen. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch die Rechtsanwältin Daniela Bifl, am 13. Mai 2011 Beschwerde beim Regierungsrat des Kant ons Basel-Landschaft (Regierungs- rat). Er beantragte, die angefochtene Verfügung vom 2. Mai 2011 sei aufzuheben und es sei entsprechend dem Familiennachzug die Einreisebewillig ung für seine Frau zu erteilen. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, A.____ beziehe seit April 2011 keine Sozialhilfe- leistungen mehr. Er habe nur über drei Monate Sozialh ilfe bezogen, sodass nicht von einer er- heblichen Sozialhilfebedürftigkeit ausgegangen werden könne. Zudem arbeite er nun bei der "C.____AG" im Vollzeitpensum und werde bei der D.____ AG bis zu zehn Stunden am Tag ein- gesetzt. Im Weiteren wies er daraufhin, dass ihm eine Rückreise in den Sudan nach 17 Jahren Aufenthalt in der Schweiz nicht zugemutet werden könne. D. Auf Antrag des AfM vom 11. Juli 2011 hin wurde das B eschwerdeverfahren durch den Regierungsrat bis Ende Oktober 2011 sistiert. Mit Schreiben vom 21. November 2011 teilte das AfM dem Regierungsrat mit, dass zwischenzeitlich aktuelle Unterlagen des Arbeitgebers des Beschwerdeführers (D.____AG), der Sozialhilfebehörde E .____ und des Betreibungsamtes F.____ eingeholt worden seien. Danach erziele A.____ zwar ein ausreichendes Nettoeinkom- men (Fr. 4'000.--) um seinen sowie den Lebensunterha lt seiner Ehefrau bestreiten zu können, jedoch seien seine Schulden inzwischen effektiv noch wei ter angewachsen. Im Vergleich zu den zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung vorhandenen dr ei offenen Verlustscheine (Fr. 36'032.--) seien in der Zwischenzeit noch weitere d rei dazugekommen. Die Schulden seien so insgesamt von Fr. 71'677.-- auf Fr. 77'793.-- angest iegen. Deshalb habe A.____ keinen An- spruch auf Nachzug seiner im Sudan lebenden Ehefrau, da er seine finanziellen Pflichten mut- willig und laufend vernachlässige. Zudem sei eine Verw eigerung der Zulassung aufgrund des unmittelbaren Sozialhilferisikos nach wie vor gerechtfer tigt und angemessen, weshalb das AfM dem Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde beantragte. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Mit Eingabe vom 13. Dezember 2011 nahm A.____, wei terhin vertreten durch Daniela Bifl, Stellung zum Schreiben des AfM vom 21. November 2 011. Die Feststellung einer weiteren Verschuldung betreffe lediglich den bescheidenen Betra g von Fr. 6'000.-- und könne die Ver- weigerung einer Einreisebewilligung für seine Ehefra u nicht rechtfertigen. Zudem seien sämtli- che andere Punkte wie fehlende Sozialhilfeabhängigkeit oder Arbeitslosigkeit und auch neu eine 3-Zimmer-Wohnung vorhanden. Damit seien die alt en Gegenargumente des AfM entkräf- tet. Ausserdem tilge der Beschwerdeführer seine Schulden um monatlich Fr. 1'000.--. F. Mit Regierungsratsbeschluss vom 24. Januar 2012 (RRB Nr . 0133) wurde die Be- schwerde von A.____ abgewiesen; dies aufgrund seiner zu nehmenden Schulden, welche zei- gen würden, dass er trotz seines existenzsichernden Einkommen s nicht in der Lage sei, seine finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Seit der an gefochtenen Verfügung seien neue Forderungen in Betreibung gesetzt worden. A.____ verletze mutwillig die ihm obliegenden Zah- lungsverpflichtungen. Somit liege ein Widerrufsgrund nach Art. 62 lit. c AuG und demzufolge auch ein Erlöschenstatbestand gemäss Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG vor. Würde der Nachzug seiner Ehefrau gestattet, wäre die Gefahr einer weiteren Ve rschuldung und letztlich auch einer Sozial- hilfeabhängigkeit gross. Zudem sei es ihm zuzumuten, mit seiner Ehefrau im Sudan ein Leben aufzubauen. Der Schutzbereich von Art. 8 EMRK sei somit nicht verletzt. G. Am 6. Februar 2012 erhob A.____, wiederum vertre ten durch Daniela Bifl, Beschwer- de beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verw altungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei unter o/e-Kostenfolge der Regierun gsratsbeschluss Nr. 0133 aufzuheben und seiner Ehefrau die Einreisebewilligung im Rahmen des Familiennachzugs zu erteilen. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Feststellung de s Sachverhalts an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, es sei durch die eingeleiteten Betreibungsverfahren noch nicht von einer mutwilligen Verletzung öffentlich-rechtlicher und pri- vatrechtlicher Verpflichtungen auszugehen. Er habe erst seit April 2011 ein geregeltes Ein- kommen erwirtschaftet und es könne deshalb nicht von ein er absichtlichen Missachtung der Zahlungsobliegenheiten gesprochen werden. Im Weiteren begleiche er seit Oktober 2011 seine Schulden. Ferner reiche auch die abstrakte Gefahr eines künftigen Sozialhilferisikos als Wider- rufsgrund nicht aus. Mit ergänzender Beschwerdebegründ ung vom 12. März 2012 hielt A.____ ausserdem fest, aus dem Wortlaut von Art. 43 AuG folge, dass dieser Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung dem im Ausland befindlich en Ehegatten zustehe. Demgemäss sei es im vorliegenden Fall rechtlich unzulässig, die nachge suchte Bewilligung mit dem Hinweis darauf zu verweigern, A.____ habe aufgrund der gegen ihn eingeleiteten Betreibungsverfahren den seiner Ehefrau zustehenden Nachzugsanspruch zum Erl öschen gebracht. Selbst wenn man sich über diesen eindeutigen Wortlaut hinwegsetze, sei der Erlöschenstatbestand des Art. 51. Abs. 2 lit. b AuG nicht erfüllt. Das Verhalten des Beschwerdeführers stelle keine mutwil- lige Nichterfüllung öffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Verpflichtungen dar, die einen Ver- stoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung begr ünden würden. Zudem reiche ein er- höhtes Sozialhilferisiko nicht für die Verweigerung der Nachzugsbewilligung. Schliesslich stehe ihm eine Nachzugsbewilligung aufgrund von Art. 8 EMRK zu. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. In seiner Vernehmlassung vom 29. Juni 2012 beantragte der Regierungsrat die Ab- weisung der Beschwerde und hielt im Wesentlichen an se iner bisherigen Argumentation fest. Die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer nun bemühe, seinen finanziellen Verpflichtun- gen nachzugehen, ändere nichts daran, dass dieser in den letzten Jahren seinen öffentlich- rechtlichen finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei. Damit sei der Widerrufsgrund gemäss Art. 62 lit. c AuG erfüllt. Wieso dem Beschwerd eführer ein Leben im Sudan nicht mög- lich wäre, sei nicht erkennbar, zumal er öfter in den S udan gereist sei und dort seine jetzige Ehefrau kennengelernt habe. Ferner verstehe es sich von se lbst, dass beim Nachzuziehenden keine Widerrufsgründe vorliegen dürften. Was jedoch f ür den Nachzuziehenden gelte, müsse auch für den Niederlassungsberechtigten gelten, zumal d er Anspruch auf Familiennachzug für beide Ehegatten bestehe. I. Mit Verfügung der Präsidentin des Kantonsgerichts vom 12. Juli 2012 wurde das Ver- fahren zur Beurteilung an die Kammer überwiesen. J. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung nehmen der Beschwerdeführer mit seiner Rechtsvertreterin sowie ein Vertreter des Regierungsrate s teil. Der Beschwerdeführer reicht dem Gericht ein Schreiben ein, welches seine Bemühung zu r Schuldensanierung aufzeigen soll. Der Vertreter des Regierungsrates reicht dem Gerich t einen aktuellen Betreibungsregister- auszug des Beschwerdeführers ein. Die Parteien halten an ihren Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand gemäss § 44 VPO noch ein spezialg esetzlicher Ausschlusstatbe- stand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgericht s zur Beurteilung der vorliegenden An- gelegenheit gegeben. Als Adressat ist der Beschwerdeführ er sodann vom angefochtenen Ent- scheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an desse n Aufhebung oder Abänderung. Da im Übrigen auch die weiteren formellen Voraussetzu ngen erfüllt sind, kann auf die Be- schwerde eingetreten werden. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitig ist vorliegend die Frage, ob der Ehefrau des Beschwerdeführers zu Recht eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs verweigert wurde. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländeri nnen und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zuständige kan tonale Behörde entscheidet gemäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzlich en Vorschriften und Verträge mit dem Aus- land – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstä- tigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung eine r Aufenthaltsbewilligung hat die ausländi- sche Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflich- tungen sehen dies vor (BGE 133 I 189 E. 2.3; M ARC SPESCHA in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich 2012, N 1 ff. zu Art. 3 AuG; P ETER UEBERSAX in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerre cht, Eine umfassende Dar- stellung der Rechtsstellung von Ausländerinnen und Auslän dern in der Schweiz, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 3.2 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und dem Sudan keine staatsvertragliche Vereinbarung besteht, wel che der Ehefrau einen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz einräumt. 3.3 Einen gesetzlichen Anspruch auf Erteilung und Verlä ngerung einer Aufenthaltsbewilli- gung hat eine ausländische Person gemäss Art. 43 Abs. 1 A uG namentlich dann, wenn sie mit einer Person, welche eine Niederlassungsbewilligung besitzt verheiratet ist und mit ihrem Ehe- gatten zusammenwohnt. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer im Besitz einer schweize- rischen Niederlassungsbewilligung ist und die Ehefrau des Beschwerdeführers in die Schweiz kommen soll, damit die Ehegatten hier zusammen wohnen können. Es ist somit festzuhalten, dass diese Gesetzesbestimmung der Ehefrau grundsätzlich ei nen Rechtsanspruch auf den Er- halt einer Aufenthaltsbewilligung gewährt. 3.4 Die Rechtsansprüche gemäss Art. 43, Art. 48 und A rt. 50 AuG gelten unter Vorbehalt der Erlöschensgründe von Art. 51 Abs. 2 AuG. Nach Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG erlöschen die An- sprüche, wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Gemäss Art. 62 AuG kann die Be- hörde Bewilligungen, ausgenommen Niederlassungsbewilligungen, nach diesem Gesetz wider- rufen, wenn der Ausländer falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen verschwie- gen hat (Art. 62 lit. a AuG), wenn die ausländische Person zu einer längerfristigen Freiheitsstra- fe verurteilt wurde (Art. 62 lit. b AuG) oder wenn die ausländische Person erheblich oder wie- derholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 62 lit. c AuG) oder wenn eine mit der Verfügun g verbundene Bedingung nicht eingehalten wird (Art. 62 lit. d AuG) oder schliesslich eine Person, für die er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist (Art. 62 lit. e AuG). 3.5 Gemäss der Auffassung des Regierungsrates ist vorliegen d der Widerrufsgrund ge- mäss Art. 62 lit. c AuG gegeben, weil der Beschwerdefüh rer seinen öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Zahlungsvereinbarungen nicht nachkomme und diese, wie der Regierungsrat ausführte, mutwillig nicht erfüllt habe. Seit der angefochtenen Verfügung vom 2. Mai 2011 seien neue Forderungen in Betreibung gesetzt worden. Der Beschwerdeführer würde seine Kranken- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kassen- und Steuerforderungen grundsätzlich nicht bezahlen , obwohl er aufgrund seiner Ein- kommenssituation dazu in der Lage wäre. Er erfülle die ihm obliegenden Verpflichtungen, wel- che vorwiegend öffentlich-rechtlicher Natur seien, offe nsichtlich nicht. Der Widerrufsgrund nach Art. 62 lit. c AuG und demzufolge der Erlöschenstatbest and gemäss Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG seien somit erfüllt. 3.6 Demgegenüber hält der Beschwerdeführer fest, die Nichtbefolgung der Zahlungspflicht sei nicht mutwillig gewesen. Er habe erst seit April 2011 ein geregeltes Einkommen erwirtschaf- tet. Aufgrund der Anhäufung diverser Schulden und aufgrund des kurzen Zeitraums könne nicht von einer regelmässigen und absichtlichen bzw. grobfahrlässigen Missachtung der Zahlungsob- liegenheiten gesprochen werden. Zudem begleiche er se it Oktober 2011 seine Schulden mit monatlichen Ratenzahlungen in der Höhe von Fr. 1'000.--. Vor allem aber hält der Beschwerde- führer fest, dass dieser Verstoss seiner Verpflichtung der nachzuziehenden Ehefrau bzw. deren Aufenthaltsbewilligung nicht zum Nachteil führen könne. Vielmehr sei allein darauf abzustellen, ob die Widerrufsgründe in der Person der Ehefrau gege ben seien. Im Weiteren weist der Be- schwerdeführer darauf hin, dass der Widerrufstatbestand von Art. 62 lit. c AuG in Bezug auf die nachzugswillige Ehefrau gegeben sein müsse. 3.7 Der Widerrufsgrund nach Art. 62 lit. c AuG liegt v or, wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit erheblich oder wiederholt gestört oder wen n diese gefährdet wird. Die öffentliche Ordnung umfasst dabei die Gesamtheit der ungeschrieben en Ordnungsvorstellungen, deren Befolgung nach der herrschenden sozialen und ethischen An schauung als unerlässliche Vor- aussetzung eines geordneten menschlichen Zusammenlebens anzusehen ist. Die öffentliche Sicherheit bedeutet die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung, der Rechtsgüter der Einzelnen sowie der Einrichtungen des Staates (H UNZIKER SILVIA in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg], a.a.O., N 32 ff. zu Art. 62 AuG). Wann eine Störung oder eine Gefährdung der öffentli- chen Sicherheit und Ordnung im Einzelnen vorliegt, ist in Art. 80 der Verordnung über Zulas- sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 präzisiert. Danach liegt ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung vo r, wo mutwillig die öffentlich- rechtlichen (z.B. Steuern, Krankenkassenprämien) oder pri vatrechtlichen (z.B. Mietzinse, Prä- mien privater Versicherungen) Verpflichtungen nicht erfüllt werden (vgl. SILVIA HUNZIKER , a.a.O., N 19 zu Art. 63 i.V.m. N 36 zu Art. 62 AuG; das die Aufenthaltsbewilligung betreffende Urteil des Bundesgerichts vom 6. November 2007, 2C_305/2007, E. 2.4 und 3.1). Im vorliegenden Fall hatte der Beschwerdeführer vor Erlass der angefocht enen Verfügung vom 2. Mai 2011 noch acht Verlustscheine von total Fr. 71'677.--. Gemäss dem anlässlich der heutigen Partei- verhandlung eingereichten Betreibungsregisterauszug vom 1 5. November 2012 sind auf den Namen des Beschwerdeführers 19 Betreibungen im Gesamtbe trag von Fr. 52'708.80 und 11 (davon sechs offene) Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 77'793.-- registriert. 4. Zunächst muss geklärt werden, ob die Schulden des Be schwerdeführers überhaupt als Widerrufsgrund für den Anspruch der Ehefrau auf Aufen thalt gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG in Be- tracht kommen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Der Beschwerdegegner äusserte sich in seiner Verneh mlassung vom 29. Juni 2012 zur Frage, ob sich die im Erlöschenstatbestand gemäss Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG genannten Vor- aussetzungen nur auf den nachzuziehenden Ehegatten beziehen dürften. Unbestritten sei, dass sich Art. 43 Abs. 1 AuG lediglich auf die Ansprüche auf E rteilung bzw. Verlängerung der Auf- enthaltsbewilligung für den nachzuziehenden ausländisch en Ehegatten beziehen würden, je- doch stelle das ungenannte Pendant dazu das Recht des n iederlassungsberechtigten Ehegat- ten auf Familiennachzug bzw. dessen Anspruch darauf dar , sofern die Voraussetzungen erfüllt seien. Dementsprechend seien denn auch die Erlöschensta tbestände gemäss Art. 51 AuG mit dem Erlöschen des Anspruchs auf Familiennachzug betitelt . Es verstehe sich von selbst, dass beim Nachzuziehenden keine Erlöschensgründe und insbesond ere keine Widerrufsgründe vor- liegen dürften. Was jedoch für den Nachzuziehenden gelt e, müsse auch für die niederlas- sungsberechtigte Person gelten, zumal der Anspruch auf F amiliennachzug für beide Ehegatten bestehen würde. 4.2 In einem Entscheid des Bundesgerichts vom 21. Juli 20 10 (2C.847/2009 E. 3.2) dem ein ähnlicher Sachverhalt zugrunde lag wie dem vorliege nden Fall wurde darauf hingewiesen, dass Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG zwar vorsieht, dass der Anspruch nach Art. 43 AuG erlischt, wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Diese müsse n jedoch bei derjenigen Person ge- geben sein, welche einen Anspruch auf Bewilligung gelte nd macht. Im erwähnten Urteil wurde die gegenüber dem niedergelassenen Ehegatten verfügte fremdenpolizeiliche Verwarnung bzw. das ihm vorgeworfene Verhalten für den Familiennachzug seiner Ehefrau als bedeutungslos angesehen. Blosse finanzielle Bedenken, weil der niede rgelassene Ehepartner gewisse Schwierigkeiten habe, seinen offenbar teilweise geschä ftlich bedingten finanziellen Verpflich- tungen nachzukommen, genügen nicht, um den Widerrufsgr und gemäss Art. 62 lit. e AuG als erfüllt zu erachten. Dementsprechend wird auch in der Li teratur deutlich darauf hingewiesen, dass gemäss Art. 51 Abs. 2 AuG der Widerrufsgrund bei der jenigen Person gegeben sein muss, welche einen Anspruch auf Bewilligung geltend mach t, d.h. bei der nachzuziehenden Person. Fehlverhalten der in Schweiz niedergelassenen Pe rson, die für einen Widerruf der Be- willigung derselben gestützt auf Art. 62 AuG nicht genü gen, seien ohne Bedeutung (vgl. SPESCHA , a.a.O. N 9 zu Art. 51 AuG; Die familienbezogene Rechtsprechung im Migrationsrecht in: Die Praxis des Familienrechts 2010, S. 868). 4.3 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts und en tgegen der Auffassung der Vorinstanz muss der Widerrufsgrund bei derjenigen Perso n gegeben sein, welche einen An- spruch auf Bewilligung geltend macht, im vorliegenden Fall somit bei der nachzuziehenden Ehefrau. Ob der Ehemann mutwillig seiner Zahlungspflicht nicht nachgekommen ist, kann somit offen gelassen werden, da dies ohnehin vorliegend nicht von Bedeutung ist. Da bei der Ehegat- tin keine Widerrufsgründe geltend gemacht wurden, hat die Ehegattin gestützt auf das vom Be- schwerdeführer abgeleitete Anwesenheitsrecht gemäss Art. 43 AuG einen Anspruch auf Ertei- lung einer Aufenthaltsbewilligung. Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen. 5.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu entscheiden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantons- gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen di e Gerichtsgebühren sowie die Be- weiskosten und werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei aufer- legt, wobei den Vorinstanzen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmen – keine Ver- fahrenskosten auferlegt werden. Der geleistete Kostenv orschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 5.3 Ferner wird dem obsiegenden Beschwerdeführer für d en Beizug einer Anwältin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'510.05 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten des Regierungsrates zugesprochen (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). 5.4 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückgewiesen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-L andschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gelei stete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- wird dem Beschwerdef ührer zu- rückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d em Beschwer- deführer für das Verfahren vor Kantonsgericht eine Pa rteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 3'510.05 (inkl. Auslagen und 8 % Mehr- wertsteuer) auszurichten. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.