Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Februar 2014 (725 13 327 / 46) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Kausalitätsbeurteilung im Zusammenhang mit einem Rückfall Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Michael G uex, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1963 geborene A.____ ist seit 1. Mai 1991 bei B.____ tätig und durch die Arbeitge- berin bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SU VA) obligatorisch gegen die Fol- gen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert. Am 22 . September 2010 liess A.____ der SUVA durch seine Arbeitgeberin einen Unfall melden, d en er am 15. September 2010 erlitten hatte. Anlässlich der ärztlichen Erstbehandlung vom 17. S eptember 2010 diagnostizierte Dr. med. C.____, Orthopädische Chirurgie FMH, eine Lu mbalgie bei Status nach Verhebetrau- ma am 15. September 2010 (vgl. das “Arztzeugnis UVG“ de s genannten Arztes vom 12. November 2010). Nach Eingang der Unfallmeldung e rbrachte die SUVA die gesetzlichen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder) für die Folgen dieses Ereignisses. Nachdem der Versi- cherte ab 4. Oktober 2010 seine angestammte Tätigkeit wieder aufgenommen am 16. Novem- ber 2010 auf Anfrage der SUVA unterschriftlich erklärt hatte, dass er wieder gesund sei und keine Beschwerden mehr habe, schloss die SUVA den Fall formlos ab. Am 27. Februar 2013 liess A.____ der SUVA durch seine Arbeitgeberin einen Rückfall melden. Laut den Angaben des behandelnden Arztes Dr. C.____ im Formular “Arztzeugnis UVG für Rückfall“ vom 25. Mai 2013 leide der Versicherte seit Anfang Oktober 2012 an einer Lumbo- ischialgie links. Er sei deswegen seit 15. Oktober 2012 vo llständig arbeitsunfähig. Nachdem die SUVA nach Eingang der Rückfallmeldung medizinische Abklärungen vorgenommen hatte, lehn- te sie gestützt auf deren Ergebnisse mit Verfügung vom 2 1. Juni 2013 eine Leistungspflicht mit der Begründung ab, dass die seit 16. Oktober 2012 im Bereich des Rückens erhobenen Befun- de nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Un fallereignis vom 15. September 2010 zurückzuführen seien. Daran hielt die SUVA auf Einsprac he des Versicherten hin mit Ein- spracheentscheid vom 9. Oktober 2013 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 1 1. November 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben un d die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm „die gesetzlichen UVG-Leistungen für den ‘Rückfall‘ (d.h. 100 %-ige Arbeitsun- fähigkeit) vom 16. Oktober 2012 zu erbringen.“ C. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2013 beantr agte die SUVA die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in D.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 11. Nov ember 2013 ist demnach einzutre- ten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversic herung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestä nde dar (Art. 22 UVG; BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rückfal l handelt es sich um das Wiederauffla- ckern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicher- weise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; vo n Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit o rganische oder psychische Veränderun- gen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbi ld führen können. Rückfälle und Spät- folgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unf allereignis an (Kranken- und Unfall- versicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 3. Wie eingangs erwähnt, hat der Beschwerdeführer am 15. September 2010 einen Unfall erlitten, für dessen Folgen die Beschwerdegegnerin nac h Eingang der Unfallmeldung ihre ge- setzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder) erbra cht hat. Nachdem der Versicherte ab 4. Oktober 2010 seine angestammte Tätigkeit wieder aufg enommen am 16. November 2010 auf Anfrage der Beschwerdegegnerin unterschriftlich erklä rt hatte, dass er wieder gesund sei und keine Beschwerden mehr habe, hat diese den damalig en (Grund-) Fall formlos abge- schlossen. Nach Eingang des neuen Leistungsbegehrens des V ersicherten vom 27. Februar 2013 hat die Beschwerdegegnerin dieses als Rückfallmeldung zum Unfallereignis vom 15. Sep- tember 2010 entgegengenommen und es unter diesem Aspe kt geprüft und beurteilt. In der vor- liegenden Beschwerde macht der Versicherte nun allerd ings geltend, er sei seit dem Unfaller- eignis vom 15. September 2010 nie mehr beschwerdefrei gewesen und er stehe seither dau- ernd in ärztlicher Behandlung. Soweit der Beschwerdefüh rer mit diesem Einwand die Recht- mässigkeit des damaligen Abschlusses des Grundfalls in Frage st ellen will, kann ihm nicht ge- folgt werden. Seine heutige Darstellung widerspricht klar seinen echtzeitlichen Angaben im Fra- gebogen der Beschwerdegegnerin vom 16. November 2010, in welchem er ausdrücklich erklärt und unterschriftlich bestätigt hatte, dass er wieder ge sund sei und keine Beschwerden mehr habe. Die Beschwerdegegnerin erinnert in diesem Zusamme nhang in ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2013 zu Recht an die Beweismaxime, wona ch die “Aussagen der ersten Stunde“ in der Regel unbefangener und zuverlässiger si nd als spätere Darstellungen, die be- wusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Solchen “Aussagen der erste n Stunde“ kommt daher meistens Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht grösseres Gewicht zu als späteren abweichenden Darstellun gen (vgl. BGE 121 V 47 E. 2a mit Hinweisen). Auf diesen Grundsatz kann deshalb - darin ist der Beschwerdegegnerin beizupflich- ten - auch im vorliegenden Fall verwiesen werden. Es si nd jedenfalls keine Anhaltspunkte er- sichtlich, weshalb die ursprünglichen Angaben des Versichert en im Fragebogen der Beschwer- degegnerin vom 16. November 2010 nicht zutreffend gew esen sein sollten. Ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Versicherte sodann aus de m Umstand, dass die Beschwer- degegnerin den Grundfall damals formlos abgeschlossen h at. Das Bundesgericht hat zwar im Entscheid 132 V 412 ff. festgehalten, dass der Unfallver sicherer, welcher die Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) ohne Zusprechung von Dauerleis- tungen (Invalidenrente und/oder Integritätsentschädigu ng) beabsichtigt, den damit einherge- henden Fallabschluss nicht im formlosen Verfahren (Art. 51 Abs. 1 ATSG) behandeln darf, son- dern vielmehr verpflichtet ist, einen solchen Fallabschlu ss formell zu verfügen. Falls der Versi- cherer jedoch die (ganze oder teilweise) Verweigerung von Leistungen zu Unrecht nicht in Ver- fügungsform, sondern formlos mitgeteilt hat und die betroffene Person damit nicht einverstan- den ist, hat sie dies grundsätzlich innerhalb eines Jahres zu erklären. Diesfalls hat der Versi- cherer eine Verfügung zu erlassen, gegen welche Einsprache erhoben werden kann. Ohne fristgerechte Intervention erlangt der Entscheid rechtl iche Wirksamkeit, wie wenn er zulässiger- weise im Rahmen von Art. 51 Abs. 1 ATSG ergangen wäre (BGE 134 V 145). Vorliegend hat es der Versicherte unterlassen, innerhalb eines Jahres gegen den zu Unrecht nicht in Verfügungs- form, sondern formlos erfolgten Fallabschluss zu opponi eren. Somit hat dieser nach dem Ge- sagten damals Rechtswirksamkeit erlangt. Unter diesen Umständen hat die Beschwerdegegne- rin das neue Leistungsbegehren des Versicherten vom 27. F ebruar 2013 aber zu Recht als Rückfallmeldung behandelt. 4. Im Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob die Beschwerde gegnerin nach Eingang der Rückfallmeldung des Versicherten vom 27. Februar 2013 zu Recht die erneute Übernahme von Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Unfalle reignis vom 15. September 2010 abgelehnt hat. 4.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt - unter anderem - vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Da ein Rückfall begrifflich an ein bestehendes Un fallereignis anschliesst (vgl. E. 2.2 hiervor), kann er eine Leistungspflicht des Unfallversich erers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerze it beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang b esteht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). Dab ei gilt es klarzustellen, dass der Unfall- versicherer in Bezug auf den geltend gemachten Rückfall nicht auf der Anerkennung des natür- lichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall behaftet wer den kann, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Es oblieg t vielmehr der versicherten Person, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen de m neuen Beschwerdebild und dem Unfall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Je grösser der zeitliche Ab stand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung is t, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusa mmenhangs zu stellen (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c in fine). Bei Beweislosigke it fällt der Entscheid zu Lasten der versi- cherten Person aus (Urteil G. des Bundesgerichts vom 7. J uli 2010, 8C_113/2010, E. 2.3; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 5. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie insbeso ndere der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist d ie rechtsanwendende Behörde re- gelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.1 Nachdem der Versicherte Mitte Oktober 2012 seine A rbeitstätigkeit wegen starker Rü- ckenschmerzen nicht mehr hatte ausüben können, veranlasste der behandelnde Arzt Dr. C.____ bei Dr. med. E.____, Medizinische Radiolog ie FMH, eine triplanare MRI der LWS, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche am 22. Oktober 2012 durchgeführt wurde. Diese e rgab laut Bericht des genannten Ra- diologen vom 25. Oktober auf Höhe L2/3 eine fortgeschr ittene Osteochondrose mit zirkumfe- renzieller Protrusion der Bandscheiben ohne Zeichen ein er Neurokompression, auf Höhe L4/5 eine kleine foraminale und extraforaminale Discushernie links mit möglicher Reizung der L4- Wurzel links und schliesslich auf Höhe L5/S1 eine Osteoch ondrose mit zirkumferenzieller Protrusion der Bandscheibe mit discogener Einengung der Recessi laterales beidseits mit mög- licher Reizung der L5-Wurzeln beidseits. Im Weiteren v eranlasste Dr. C.____ eine fachärztliche neurologische Abklärung des Versicherten durch PD Dr. med. F.____, Neurologie FMH. Dieser diagnostizierte in seinem Bericht vom 26. Februar 2013 eine Lumboischialgie links mit L5- Reizsyndrom bei fehlenden motorischen Defiziten (klinisch), fehlenden frischen Denervations- zeichen (EMG) und fehlender sicherer Neurokompression (MRI LWS 10/2012). Gestützt auf diese medizinischen Unterlagen orientierte die Beschwerd egegnerin den Versicherten mit Schreiben vom 29. Mai 2013, dass man von einer krankheits bedingten Genese der geklagten Beschwerden ausgehe und deshalb das Vorliegen von Unfallfolgen verneine. 6.2 Da sich der Versicherte dieser Einschätzung nicht ansc hliessen konnte, holte die Be- schwerdegegnerin zur weiteren Klärung der Rückfallkausali tät der vom Versicherten geklagten Rückenbeschwerden bei der Kreisärztin Dr. med. G.____, O rthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates FMH, einen fachärztlich e Beurteilung ein. In ihrem aus- führlichen Bericht vom 18. Juni 2013 gelangte die Fachär ztin gestützt auf die ihr unterbreiteten Akten zusammenfassend zum Schluss, dass kein kausaler Zusamme nhang zwischen einem “Hebetrauma“, beschwerdefreiem Intervall und jetzt beste henden chronischen Lumbalgien her- gestellt werden könne. Ein einzelnes Weichteiltrauma abe r ergebe, auch wenn es heftig gewe- sen sei, keine Signifikanz in der Entwicklung chronischer Rückenschmerzen. 6.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurtei lung des medizinischen Sachverhal- tes vollumfänglich auf die Ausführungen der Kreisärztin Dr. G.____ vom 18. Juni 2013. Sie ging demzufolge davon aus, dass die beim Versicherten seit 16. Oktober 2012 im Bereich des Rü- ckens erhobenen Befunde nicht mit dem erforderlichen Be weisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 15. September 2 010 zurückgeführt werden könnten. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beansta nden. Die von der Beschwerdegeg- nerin übernommenen Ergebnisse, zu denen Dr. G.____ g elangt ist, beruhen auf einem sorgfäl- tigen Studium der vorhandenen medizinischen Akten. Der Bericht erweist sich sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezü glich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend, weshalb vollumfän glich darauf abgestellt werden kann. An der Schlüssigkeit der Beurteilung von Dr. G.____ ver mag auch die im Rahmen des Ein- spracheverfahrens eingereichte Stellungnahme des behand elnden Arztes Dr. C.____ vom 26. Juli 2013 nichts zu ändern. Darin vertritt dieser - erstmals explizit - die Auffassung, dass die geklagten Beschwerden des Versicherten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ver- hebetrauma vom 15. September 2010 zurückzuführen seien. Zur Begründung weist er darauf hin, dass der Versicherte, der seit 2002 in seiner Behandlung stehe, bis zu dem Verhebetrauma noch nie und seither aber andauernd über Rückenschmerze n geklagt habe. Diese Kausalitäts- beurteilung vermag nun aber nicht zu überzeugen, läuf t sie doch auf die Schlussfolgerung hin- aus, dass eine gesundheitliche Schädigung durch den Unfal l verursacht gilt, weil sie sich nach Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Unfallereignis manifestiert hat. Die betreffende Argumentation beruht im Ergebnis auf der Beweisformel "post hoc, ergo propter hoc", nach dere n Bedeutung eine gesundheitliche Schä- digung bereits deshalb als durch den Unfall verursacht gil t, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb). Eine solche Beweiswürdigung erweist sich im unfallversicherungs- rechtlichen Bereich aber als unzureichend (vgl. Urteil N . des EVG vom 29. November 2006, U 207/06, E. 2.3). 6.4 Was der Versicherte in seiner Beschwerde vorbringt, ist ebenfalls nicht geeignet, die vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachverhaltes i n Frage zu stellen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, einem kreisärztlichen Be richt könne generell kein ausschlag- gebender Beweiswert zukommen, da die Kreisärztinnen und -ärzte in einem Abhängigkeitsver- hältnis zur Beschwerdegegnerin stünden und deshalb befang en seien, kann ihm nicht beige- pflichtet werden. Das Bundesgericht betont in seiner Re chtsprechung zur Frage der beweis- rechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen den Grundsatz, dass ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Berichten kommt zwar nicht derselbe Be weiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fa chpersonen oder gar wie einem Ge- richtsgutachten, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, a ls nicht Zweifel, seien sie auch nur gering, an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen be stehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorlie- gend gibt es - wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl . E. 6.3 hiervor) - keinen Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen der Kreisärztin Dr. G.__ __ zu zweifeln. Es ist vielmehr festzuhal- ten, dass sich deren Bericht hinreichend mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unter- lagen auseinandersetzt und eine schlüssige Kausalitätsbeurteilung vornimmt. Nicht gefolgt wer- den kann dem Beschwerdeführer sodann, wenn er geltend m acht, auf den Bericht von Dr. G.____ könne auch deshalb nicht abgestellt werden, weil deren Einschätzung lediglich auf einer Beurteilung der Akten und nicht auf einer persön lichen Untersuchung beruhe. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine reine Aktenbeur teilung bzw. ein reines Aktengut- achten nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorlieg t und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden m edizinischen Sachverhalts geht. Akten- gutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die re levanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Di- agnose oder der Kausalzusammenhang und das Ausmass der Be hinderung verschieden be- wertet werden. In diesen Fällen kann sehr wohl in einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiegende W ahrscheinlichkeit für eine be- stimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil G . des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Eine solche Konstellation liegt hier vor. Die Kreis- ärztin hatte gestützt auf die vorhandenen - vor allem bi ldgebenden - medizinischen Akten hauptsächlich zu beurteilen, ob die vom Versicherten als Rückfall gemeldeten LWS- Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in ei nem natürlichen Kausalzusammen- hang zum Grundfall vom 15. September 2010 stehen. Bei dieser Fragestellung kann eine aus- schliesslich gestützt auf die Akten erstellte Beurteilung durchaus Klärung bringen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die Besch werdegegnerin in Bezug auf die am 27. Februar 2013 erfolgte Rückfallmeldung de s Versicherten zu Recht eine Leistungs- pflicht aus der obligatorischen Unfallversicherung verneint hat. Der angefochtene Einsprache- entscheid vom 9. Oktober 2013 ist demnach nicht zu bean standen, was zur Abweisung der da- gegen erhobenen Beschwerde führt. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht