B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6716/2013 U r t e i l v o m 1 6 . A p r i l 2 0 1 4 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richterin Marianne Teuscher, Gerichtsschreiber Lorenz Noli. Parteien 1. A._______, 2. B._______, 3. C._______, Beschwerdeführende, alle vertreten durch Werner Spirig, Fürsprecher, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-6716/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1945 geborene, sri -lankische Staatsangehörige A._______ (im Fo l- genden: Gesuchstellerin bzw. Beschwerdeführerin 1) beantragte am 10. Juni 2013 bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo ein Sche n- gen-Visum für ein en dreimonatigen Besuchsaufenthalt bei ihrer in Bern lebenden Tochter und deren Ehemann (im Folgenden: Gastgeber bzw. Beschwerdeführende 2 und 3). B. Die Gastgeber hatten am 29. Mai 2013 ein entsprechendes Einladung s- schreiben an die Schweizerische Botschaft in Colombo gerichtet. C. Mit Formularentscheid vom 4. Juli 2013 lehnte es die schweizerische Ver- tretung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Hal- tung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für eine fristgerech- te Wiederausreise d er Gesuchstellerin aus dem Schengen -Raum nach einem Besuchsaufenthalt. D. Gegen diesen Entscheid liessen die Gesuchstellerin und die Gastgeber durch ihren Rechtsvertreter am 2. August 2013 Einsprache bei der Vori n- stanz erheben. Zur Begründung führten sie im Wesentlichen an, Zweifel an einer fristgerechten Wiederausreise der Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt seien unbegründet. Die Gesuchstellerin lebe in Sri Lanka in geordneten Verhältnissen und hege keine Absichten, in die Schweiz auszuwandern. E. Auf Ersuchen der Vorinstanz hin richtete die Migrationsbehörde der Stadt Bern am 1. Oktober 2013 einen Fragebogen an die Gastgeber, den diese umgehend beantworteten. F. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2013 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der Schweizer Auslandvertretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der Gesuc h- stellerin nach einem Besuchsaufenthalt nicht als gesichert betrachtet werden könne. Sie stamme aus einer Region, aus welcher als Folge der in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht schwierigen Verhältnisse ein C-6716/2013 Seite 3 anhaltend starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. Besonderheiten in den persönlichen Verhältnissen der Gesuchstellerin, die das Risiko e i- nes nicht rechtskonformen Verhaltens rel ativieren könnten, lägen keine vor. G. Gegen den ablehnenden Einspracheentscheid gelangten die Gesuchste l- lerin und ihre Gastgeber mit einer Rechtsmitteleingabe vom 29. Nove m- ber 2013 an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen darin, die vo- rinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und das Besuchsvisum sei zu e r- teilen. Zur Begründung machen sie im Wesentlichen geltend, die Vori n- stanz vermute bloss, die Gesuchstellerin würde die Schweiz nach einem Besuchsaufenthalt nicht wieder bereitwillig verlassen. Die Vermutungsba- sis sei ungenügend. Die Gesuchstellerin lebe in Sri Lanka in geordneten Verhältnissen mit familiärer Einbindung und hege keine Migrationsabsich- ten. Die Vorinstanz habe auch nicht berücksichtigt, dass die Gesuchste l- lerin ihre Tochter (die Beschwerd eführerin 2) seit 12 Jahren nicht mehr und ihre hier geborenen Enkelkinder überhaupt noch nie gesehen habe. Die Beschwerdeführerin 2 wiederum habe in Colombo einmal unang e- nehme Erfahrungen mit der Polizei gemacht, weshalb sie es nicht wage, ihre Mutter in Sri Lanka zu besuchen. Eine Reise in ein Drittland wie I n- dien könne sich die Familie aus finanziellen Gründen nicht leisten. Zum Nachweis ihrer Vorbringen legen die Beschwerdeführenden vier Gruppenaufnahmen ins Recht, welche die Gesuchstellerin zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt im Kreis von Familienangehörigen zeigen so l- len. H. Vom Bundesverwaltungsgericht zur Vernehmlassung eingeladen, bea n- tragte die Vorinstanz in einer Stellungnahme vom 13. Januar 2013 [recte: 2014] Abweisung der Beschwerde. I. Die B eschwerdeführenden hielten ihrerseits mit einer Replik vom 17. Februar 2014 an ihrem Antrag und dessen Begründung fest. Dabei benutzten sie die Gelegenheit, in Bezug auf eines der eingereichten F o- tos die Abgebildeten zu benennen. C-6716/2013 Seite 4 J. Auf den weiteren Akteninh alt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchs- zwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesver - waltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführenden sind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist - und formgerecht einge - reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwalt ungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer Staatsangehör igen von Sri Lanka um Erteilung eines Visums für einen dreimonatigen Aufent- halt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die C-6716/2013 Seite 5 EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die bea b- sichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorli e- gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsb e- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen ha t. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden B e- stimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bunde s- gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r- aussetzungen für Einreise und Visum aufstell t und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. EGLI/MEYER, in: Caroni/ Gächter/Thurnherr, Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsm o- natszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedokumente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staats- angehörige beim Überschreiten der Aussen grenzen im Besitz eines V i- sums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangeh ö- rige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benö- tigen Drittstaatsangehörige, di e Inhaber eines gültigen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt verf ü-C-6716/2013 Seite 6 gen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Ab s. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Inform a- tionssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, d ie öffent- liche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglie d- staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehme n, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge fahr einer rechtswid- rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervor hebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). C-6716/2013 Seite 7 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, w elche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk - ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Vorau s- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit unterliegt di e Beschwerdeführerin 1 der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesicherten Wiederausreise im Vordergrund. Eine so lche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allg e- meinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entspr e- chender Risiken sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und a n- standslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreiseg e- suche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit poli- tisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen kö n- nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. 6. 6.1 Die Beschwerdeführerin 1 ist tamilischer Ethnie und lebt im Norden von Sri Lanka im Distrikt Vavuniya; einer Region, die im Bürgerkrieg die Frontlinie zwischen den tamilischen Rebellen und der srilankischen A r- mee darstellte und in der gemäss den Fests tellungen der Schweizer i- schen Vertretung in Colombo noch heute ein "sehr hoher Migrat i- onsdruck" herrsche. C-6716/2013 Seite 8 6.2 Die Wirtschaft Sri Lankas befindet sich zwar im Aufschwung, die A r- mut in der Bevölkerung im Norden des Landes bleibt aber hoch. Grosse Teile der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von einem US - Dollar pro Tag und betrachten ihre Ernährungslage als nicht gesichert. Ih- re Verdienstmöglichkeiten in Landwirtschaft und Fischerei sind gering, da der Zugang zu diesen wichtigen Einkommensquellen häufig durch die – auch in der Privatwirtschaft omnipräsente – Armee und durch Siche r- heitskräfte blockiert wird. Ihren Übergriffen sind ethnische Tamilen immer noch besonders ausgesetzt. Zwar hat der im Mai 2009 zu Ende gega n- gene Bürgerkrieg die Diskussion um eine politische Lösung für den ethni- schen Konflikt zwischen Singhalesen und der tamilischen Minderheit wi e- der entfacht. Eine solche Lösung zeichnet sich allerdings nicht so bald ab, da eine Aufarbeitung des Konflikts und seiner Ursachen bisher nicht stattgefunden hat (Quelle: Website der Schweizerische Flüchtlingshilfe, http://www.fluechtlingshilfe.ch > Herkunftsländer > Asien – Pazifik > Sri Lanka > Sri Lanka: Aktuelle Situation, Update von Adrian Schuster, 15. November 2012). 6.3 Prekär für die tamilische Bevöl kerung im Norden ist aber auch die ö f- fentliche Gesundheitsversorgung mit ungenügend qualifiziertem Personal und eingeschränktem Zugang zu an sich kostenlosen Medikamenten. Viele Kliniken im Norden verfügen nur über sehr rudimentäre Behan d- lungsmöglichkeiten (vgl. zitierte Quelle > Sri Lanka: Gesundheitsverso r- gung im Norden Sri Lankas, Themenpier der Länderanalyse, Adrian Schuster, 26. Juni 2013). 6.4 Dass sich die Situation der tamilischen Bevölkerung auch Jahre nach Beendigung des Bürgerkrieges noch nicht defin itiv zum Guten gewendet hat, spiegelt sich im Übrigen auch in der Schweizerischen Asylstatistik wider. Ihr zufolge befanden sich Ende 2013 1279 Personen aus Sri Lanka im Asylprozess; 684 von ihnen hatten im Verlauf jenes Jahres ein Asylge- such eingereicht. Gegenüber dem Vorjahr 2012 bedeutet dies sogar eine Zunahme um 38,5%, was wiederum auf die vom BFM Ende August 2013 beschlossene vorläufige Sistierung von Rückführungen abgewiesener Asylbewerber nach Sri Lanka zurückzuführen ist (Quelle: Bundesamt für Migration, http://www.bfm.admin.ch > Dokumentation > Zahlen und Fa k- ten > Asylstatistik > Jahresstatistiken > Kommentierte Asylstatistik 2013 S. 3 und 9). 6.5 Im Falle der Schweiz wird die Tendenz zur Immigration erfahrungsge- mäss dort noch begünstigt, wo durch die Anwesenheit von Verwandten C-6716/2013 Seite 9 oder Freunden bereits ein minimales soziales Beziehungsnetz besteht. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung werden dabei nicht selten ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen, indem versucht wird, den Aufenthalt – einmal eingereist – auf eine ganz andere rechtliche oder fak- tische Basis zu stellen und sich so der Pflicht zur Wiederausreise zu ent - ziehen. Solche allgemeinen Erfahrungen können beim Entscheid über die Erteilung eines Visums mit berücksichtigt werden. 6.6 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allg e- meinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichts - punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer g e- suchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine beson dere be- rufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser U m- stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise b e- günstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine b e- sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem B e- suchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 7. 7.1 Die Beschwerdeführenden machen unter Verweis auf die sozialen und familiären Verhältnisse vor Ort sowie den Zweck d er beabsichtigten Reise eine Verwurzelung der Gesuchstellerin in ihrem angestammten L e- bensumfeld geltend, was wiederum ernsthafte Zweifel an der Gewähr für eine Wiederausreise ausschliesse. 7.2 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 69 -jährige, seit 1996 verwitwete Frau. Eine Auslandsreise hat sie bisher offenbar noch nie u n- ternommen. Den Angaben der Beschwerdeführenden 2 und 3 zufolge lebt sie im Kreis der Schwiegereltern eines ihrer Söhne, einer Schwägerin der Schwiegermutter und deren Kinder. Sie s ei während des Bürgerkrieges von Jaffna nach Vavunya geflohen und lebe nun dort schon seit 17 Ja h- ren "in gefestigter Situation". Finanziell werde sie von ihren Söhnen und der Tochter aus dem Ausland unterstützt. 7.3 Bei der Gastfamilie handelt es sich also ni cht um direkte Verwandte, sondern um die angeheiratete Verwandtschaft eines der Söhne der G e- suchstellerin. Die eigenen drei Söhne und die Tochter der Gesuchstellerin leben demgegenüber ausserhalb Sri -Lankas; je ein Sohn in Indien, in Frankreich und in der Schweiz, die Tochter – wie gesagt – ebenfalls in der Schweiz. Die Wohnsituation der Gesuchstellerin kann somit nicht über die C-6716/2013 Seite 10 Tatsache hinwegtäuschen, dass ihre direkten Nachkommen alle aus Sri - Lanka emigriert sind. Vor diesem Hintergrund ist die Darstellu ngsweise der Beschwerdeführenden, wonach die Gesuchstellerin in ihrer ang e- stammten Umgebung verwurzelt und mit ihrer Situation zufrieden sei, entscheidend zu hinterfragen. 7.3.1 Die wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen die Gesuchstellerin lebt, sind nicht transparent. In ihrem Visumsgesuch vom 10. Juni 2013 gab sie auf die Frage nach ihrer derzeitigen Beschäftigung an, sie sei als Hau s- frau tätig. Die Beschwerdeführenden 2 und 3 äusserten gegenüber der kantonalen Migrationsbehörde, dass die Gesuchstellerin e igenes Land bewirtschafte (vgl. handschriftliche Angaben zum Fragekatalog des Mi g- rationsamtes der Stadt Bern vom 4. Oktober 2013). In ihrer Rechtsmi t- teleingabe vom 29. November 2013 brachten die Beschwerdeführenden 2 und 3 vor, die Gesuchstellerin bestreit e die Kosten ihres Lebensunte r- haltes primär durch finanzielle Unterstützung, die sie von ihren im Au s- land lebenden Söhnen und der Tochter erhalte. Aus den lückenhaften, nicht ganz kohärenten Angaben kann zumindest nicht geschlossen we r- den, die Gesuchstelle rin lebe in wirtschaftlich besonders vorteilhaften Verhältnissen. Sie ist offensichtlich von ihren Söhnen und der Tochter ab- hängig. 7.4 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund durfte die Vori n- stanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für ei- ne fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. Die zumindest sinngemäss ei n- gebrachten Beteuerungen der Beschwerdeführenden 2 und 3, sich an die in der Schweiz geltenden Gesetze halten und für eine fristgerechte Wi e- derausreise der Gesuchstellerin besorgt sein zu wollen, können den En t- scheid über das Visumgesuch nicht beeinflussen. Denn in ihrer Eige n- schaft als Gastgeber können die Beschwerdeführenden zwar für gewisse finanzielle Risiken (Lebensunterhaltskosten während des Besuchsaufent- haltes, allfällig ungedeckte Kosten für Unfall oder Krankheit sowie Rüc k- reisekosten) Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und fakt i- scher Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten des Gas tes (vgl. dazu BVGE 2009/27 E. 9). 7.5 Fehlt es an einer genügenden Gewähr für die fristgerechte Wiede r- ausreise, so kann ein sogenanntes "einheitliches Visum", das für den g e- samten Schengen-Raum gilt, nicht erteilt werden. C-6716/2013 Seite 11 8. Bleibt zu prüfen, ob die Vorausset zungen für die Ausstellung eines V i- sums mit räumlich beschränkter Gültigkeit vorliegen (vgl. E. 4.5). Ein sol- ches kann – wie erwähnt – erteilt werden, wenn ein Mitgliedstaat es aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder au f- grund internationaler Verpflichtungen für erforderlich hält. Die damit ei n- hergehende Abweichung von den allgemeinen Einreisevoraussetzungen erfordert eine sorgfältige Abwägung der sich gegenüberstehenden Int e- ressen, die nicht leichthin zur Erteilung eines auf nationales Hoheitsgebiet beschränkten Visums führen darf (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1). 8.1 Als mögliche Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit könnten die Vorbringen der Beschwerdeführe n- den angesehen werden, wonach sich die Bete iligten seit Jahren nicht mehr bzw. überhaupt noch nie gesehen hätten, und angesichts der Situa- tion in Sri Lanka grosse Bedenken beständen, die Gesuchstellerin dort zu besuchen. 8.2 Der persönliche Kontakt zwischen den Beteiligten stellt in casu zwar eine unter den Schutz von Art. 8 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV fallende familiäre Beziehung dar. Daraus können die Beschwerdeführenden im vorliegend zu beurteilenden Kontext jedoch nichts Wesentliches für sich ableiten. Denn nur Beeinträchtigungen des Familienleben s von einer g e- wissen Mindestschwere stellen rechtfertigungsbedürftige Eingriffe in die genannten Garantien dar. Dass diese Mindestschwere im vorliegenden Fall erreicht wird, erscheint unter den gegebenen Umständen fraglich. Zwar wird von den Beschwerdeführ enden sinngemäss behauptet, dass persönliche Kontakte nur durch eine Einreise der Gesuchstellerin in die Schweiz zu realisieren wären. Demgegenüber ist aber nicht einsichtig, was die Beschwerdeführenden 2 und 3, die inzwischen über die Schwe i- zerische Staatsbürgerschaft verfügen, an einer Besuchsreise in ihr He i- matland oder nach Indien, wo ein Sohn bzw. Bruder lebt, objektiv hindern könnte. Doch selbst wenn von einem rechtfertigungsbedürftigen Eingriff in die erwähnten Garantien auszugehen wäre, würde es sic h nur um einen von nur untergeordneter Bedeutung handeln, der durch die auf dem Spie- le stehenden öffentlichen Interessen gerechtfertigt wäre (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; Art. 36 BV). 8.3 Die geltend gemachten privaten Interessen rechtfertigen solcherma s- sen auch nicht, ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit auszuste l- len. C-6716/2013 Seite 12 9. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 10. Entsprechend dem Ausgang des Verfa hrens werden die unterliegenden Beschwerdeführenden kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos ten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). (Dispositiv Seite 13) C-6716/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900. - werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Dossier Ref-Nr. [...]) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Lorenz Noli Versand: