Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. September 2023 (810 23 86) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Wechsel der Mandatsperson Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Markus Clausen, Daniel Ivanov, Stefan Schulthess , Kantonsrichterin Ana Dett- wiler, Gerichtsschreiberin i.V. Agne Seputyte Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Wechsel der Mandatsperson (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 3. April 2023) A. A.____, geboren 1985, leidet an einer hebephrene n Schizophrenie. Mit Entscheid vom 28. Oktober 2013 errichtete die Kindes- und Erwachsenen schutzbehörde C.____ für A.____ eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung n ach Art. 394 und Art. 395 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezembe r 1907. Aktuell umfasst die Bei- standschaft folgende Bereiche: Gesundheit, Erwerbstätigk eit, Tagesstruktur, soziales Umfeld Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie administrative und finanzielle Angelegenheiten. D er Zugriff auf ihre Bankkonti wurde A.____ entzogen. Zudem bedürfen jegliche Dauerverträg e sowie Verträge, die den Wert von Fr. 200.-- übersteigen, im Rahmen einer Mitwirkungsbe istandschaft gemäss Art. 396 ZGB zur Gültigkeit der Zustimmung der Mandatsperson. B. Seit Errichtung der Beistandschaft wurde die zuständig e Mandatsperson dreimal ge- wechselt. Die im Jahr 2013 ernannte Beiständin D.____ wurde per 1. August 2016 durch E.____ ersetzt. Am 19. März 2019 erfolgte ein weitere r Wechsel und D.____ übernahm die Mandatsführung erneut. Nachdem A.____ ihren Wohnsitz ve rlegt und ausdrücklich um einen Wechsel der Mandatsperson ersucht hatte, wurde F.____ mi t Entscheid der Kindes- und Er- wachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) vom 24. März 2022 zur neuen Beiständin ernannt. C. Mit Schreiben vom 24. Februar 2023 beantragte A.__ __ einen Wechsel der Mandats- person. D. Die KESB lehnte den Antrag auf Wechsel der Mandat sperson mit Entscheid vom 3. April 2023 ab. E. Am 20. April 2023 erhob A.____ gegen diesen Entsch eid eine Beschwerde bei der KESB, welche das Schreiben zuständigkeitshalber an das K antonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), weiterleitete. F. Mit Vernehmlassung vom 11. Mai 2023 beantragte di e Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Verfügung vom 12. Mai 2023 ordnete das Kantons gericht gestützt auf § 9 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwalt ungsprozessordnung (VPO) eine Vorverhandlung an. Diese konnte nicht durchgeführt wer den, da die Beschwerdeführerin zur Vorverhandlung nicht erschienen ist. H. Mit Verfügung vom 14. Juli 2023 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung überwie- sen. Des Weiteren wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide einer Kindesschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht er hoben werden. Zuständiges Gericht im Sinne dieser Bestimmung ist nach § 66 Abs. 1 d es kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. Novemb er 2006 das Kantonsgericht, Ab- teilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Das Verfahre n richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen de s kantonalen Verwaltungsprozess- rechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB; §§ 43 ff. des Ges etzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich ge- schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des a ngefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin de s angefochtenen Entscheids zur Be- schwerdeerhebung legitimiert. 1.3 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwer de Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der Beschwerde somit volle Kognition zu. 1.4 Da es sich um einen klaren Fall handelt, wird vorlie gend im Zirkulationsverfahren ent- schieden (§ 1 Abs. 4 VPO). 2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die KESB de n Antrag der Beschwerdeführerin auf Wechsel der Mandatsperson zu Recht mit Entscheid vom 3. April 2023 abgewiesen hat. 3.1 Im Entscheid vom 3. April 2023 stellt die Vorinsta nz fest, dass aktuell keine wichtigen Gründe vorlägen, welche einen Wechsel der Mandatsper son rechtfertigen würden. Die Mei- nungsverschiedenheiten zwischen der Beiständin und der B eschwerdeführerin seien auf die Krankheit der Letzteren zurückzuführen. Die hebephrene Schizophrenie (gem. Gutachten von G.____ vom 14. April 2021) verursache oftmals eine nicht der Realität entsprechende Sachverhaltswahrnehmung und Ambivalenz hinsichtlich der M andatsperson. Die Beschwerde- führerin sei mitunter insbesondere aufgrund der ordnungsgemässen Aufgabenerfüllung der Bei- ständin unzufrieden. Es lägen keine glaubhaften Hinweise vor, dass die Mandatsperson ihr Amt nicht pflichtgemäss erfülle oder sich im Umgang mit der Beschwerdeführerin nicht angemessen verhalte. Schliesslich funktioniere die Zusammenarbeit zu rzeit gut, was durch die E-Mail- Korrespondenz belegt werde. Die Beschwerdeführerin er suche auch nach dem Antrag auf Wechsel der Mandatsperson bei der aktuellen Beiständin i n zahlreichen Belangen um Hilfe, sodass keine schwerwiegende Störung des Vertrauensverhältni sses vorliegen könne. Da die Mandatsperson zudem über die erforderlichen fachlichen Fähigkeiten sowie Berufserfahrung verfüge, sei sie für das Amt der Beiständin geeignet. 3.2 Die Beschwerdeführerin führt in ihrem Schreiben vom 20. April 2023 diverse Rügen auf. Sie macht zuerst geltend, im letzten Bericht der Beiständin stimme vieles nicht. Sie sei mit der Opferhilfe beider Basel in gutem Kontakt. Es hab e auch nicht viele Wechsel der Mandats- personen gegeben. Die erfolgten Wechsel seien aufgrund von Wohnsitzwechseln in andere Kantone notwendig und erklärbar gewesen, weil die Man datspersonen ihre Aufgaben zum Teil nicht korrekt erfüllt hätten. Darüber hinaus bemängelt die Beschwerdeführerin, dass im letzten Bericht der Beiständin keine der folgenden positiven En twicklungen aufgeführt seien: sie habe mit Unterstützung der Opferhilfe beider Basel Anzeigen verfasst und sie repariere ihre Zähne. Ebenso lasse sie ihre Narben entfernen. Keine der Mandatspersonen habe ihre Schulden begli- chen, obwohl sie auf dem Konto noch Fr. 16'000.-- habe . Des Weiteren rügt die Beschwerde- führerin, sie habe aufgrund des Drucks der Beiständin ei ne Anzeige wegen Vergewaltigung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zurückziehen müssen. Zudem komme die Beiständin ihrem Wuns ch nicht nach, ihr die ganze IV-Rente auszubezahlen, damit sie selbst die Kosten für d as Telefon, Fernsehen und Festnetz begleichen könne. Die Beschwerdeführerin bemängelt zudem , dass die aktuelle Beiständin ihr nicht zuhöre. Ausserdem kenne sie die Beiständin von früh er und habe diese jedoch in "schlechter Erinnerung". Des Weiteren habe die Mandatsp erson sie zu sich ins Büro eingela- den, obwohl sie krank gewesen sei, und sie habe ihren Ko ntostand selbst erforschen und des- wegen Druck auf die Beiständin ausüben müssen. Abschliesse nd hält die Beschwerdeführerin fest, die Mandatsperson halte nicht zu ihr und arbeite gegen sie. 3.3 Die Vorinstanz beantragt die Abweisung der Beschwer de und verweist in ihrer Ver- nehmlassung vom 11. Mai 2023 auf den angefochtenen Ent scheid vom 3. April 2023. Ergän- zend führt sie aus, dass insbesondere das Vertrauensverh ältnis zwischen der Beiständin und der Beschwerdeführerin nicht gestört sei. Selbst wenn eine solche Störung angenommen wür- de, schaffe ein Wechsel der Mandatsperson nicht langfrist ig Abhilfe. Die bereits erfolgten Wechsel der Mandatspersonen würden diese Erkenntnis bestä tigen. Schliesslich könne das Mandat auch deswegen nicht zur vollen Zufriedenheit d er Beschwerdeführerin geführt werden, weil das gemeinsam Vereinbarte nach kurzer Zeit nicht mehr ihren Bedürfnissen entspreche. 4.1 Gemäss Art. 400 Abs. 1 ZGB kann das Amt eines Beista ndes oder einer Beiständin von einer natürlichen Person ausgeübt werden, die für die vorgesehenen Aufgaben persönlich und fachlich geeignet ist. Die Eignung ist ein relati ver Begriff und bezieht sich auf die Aufgaben der Mandatsperson. Die Frage der Eignung bedarf einer Bilanzierung der vorhandenen und fehlenden Fähigkeiten der Mandatsperson in Bezug auf Sozial-, Selbst-, Methoden- und Fach- kompetenz für das konkrete Mandat (vgl. D ANIEL ROSCH , in: Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKomm Erwachsenenschutz, Bern 2013, N 7 zu Art. 423 ZGB; Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 28. Oktober 2020 [810 20 140], E. 5.1). 4.2 Gemäss Art. 423 Abs. 1 ZGB entlässt die KESB den Bei stand oder die Beiständin aus dem Amt, wenn die Eignung für die Aufgabe nicht mehr besteht (Ziff. 1) oder wenn ein anderer wichtiger Grund vorliegt (Ziff. 2). Die Entlassung einer Mandatsperson kann von der betroffenen oder einer ihr nahestehenden Person beantragt werden (Art. 423 Abs. 2 ZGB). Der KESB kommt bei der Beurteilung der Entlassung grosses Ermesse n zu. Sie hat sich dabei nach den Interessen und dem Wohl der betroffenen Person zu ric hten (BGE 143 III 65 E. 6.1). Es gilt da- bei insbesondere eine Interessensabwägung zwischen den Inte ressen an der Weiterführung des Mandats und denjenigen an dessen Beendigung vorzun ehmen. Konkret kann das Vorlie- gen grober Nachlässigkeiten (Urteil des BGer 5A_706/201 3 vom 5. Dezember 2013, E. 4.5), Rollenkonflikte (Urteil des BGer 5A_860/2014 vom 14. Januar 2015), Amtsmissbrauch, Amts- anmassungen und Persönlichkeitsverletzungen zur Entlass ung der Mandatsperson führen (vgl. YVO BIDERBOST , in: Fountoulakis/Affolter-Fringeli/Biderbost/Steck [H rsg.], Fachhandbuch Kin- des- und Erwachsenenschutzrecht, Zürich 2016, N 8.394). E in wichtiger Grund für die Entlas- sung einer Mandatsperson kann des Weiteren dann gegebe n sein, wenn die verbeiständete Person generell das Vertrauen zur Mandatsperson verlie rt oder eine unüberwindbar gestörte Beziehung besteht (BGE 143 III 65 E. 6.1; Urteil des B Ger 5A_401/2015 vom 7. September Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2015 E. 6). Beim geltend gemachten Grund der gestört en persönlichen Beziehung zum Bei- stand ist jedoch Vorsicht und Zurückhaltung bei der Entla ssung geboten, da derartige Schwie- rigkeiten oftmals in der grundlegenden Problematik des Schwächezustands der von der Mass- nahme betroffenen Person begründet sind (z.B. bei psychi schen Beeinträchtigungen) und zu einer angeordneten Betreuung und damit nicht selbstbe stimmten Beziehung führen. Ein Wech- sel der Mandatsperson ist in einer solchen Situation mei st nicht zielführend, zumal die Störung resp. der Vertrauensverlust nicht von der individuellen Persönlichkeit der das Amt ausführenden Person abhängig ist und bei jeder neu eingesetzten Person über kurz oder lang eintreten würde (KGE VV vom 28. Oktober 2020 [810 20 140] E. 5.2; U RS VOGEL , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], BSK ZGB I, Basel 2022, N 24 f. zu Art. 421-424 ZGB). 5.1 In den Akten sind keine Indizien ersichtlich, die dar auf hinweisen, dass die Beiständin persönlich nicht geeignet wäre, das Mandat zu führen. Soweit die Beschwerdeführerin behaup- tet, die Beiständin von früher zu kennen und sie "in schlechter Erinnerung" zu haben, ist ihr ent- gegenzuhalten, dass nach der Mandatsübernahme ein Ken nenlerngespräch zwischen ihr und der Beiständin stattgefunden hat und sie weder während des Gesprächs noch zu einem späte- ren Zeitpunkt je angegeben hat, die Mandatsperson be reits von früher zu kennen. Entspre- chende Hinweise sind im Übrigen auch nicht aktenkundig. Hinsichtlich der fachlichen Eignung der Beiständin ist sodann festzustellen, dass es sich bei ihr um eine Sozialarbeiterin FH han- delt, welche über die erforderlichen fachlichen Fähigk eiten und Berufserfahrung verfügt. Ihre fachliche Qualifikation zur Ausübung eines solchen Manda tes ist somit gegeben und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht in Frage gestellt. We gen fehlender Eignung kann in diesem Fall kein Wechsel der Mandatsperson erfolgen. 5.2 Der Rüge der Beschwerdeführerin, vieles stimme in d em letzten Bericht der Beiständin nicht, ist zu entgegnen, dass die Beiständin erst seit dem 1. April 2022 als Beiständin eingesetzt ist und noch gar keine Berichterstattung im Sinne von A rt. 411 ZGB stattgefunden hat. Soweit die Beschwerdeführerin mit ihrer Rüge auf die intern en Rückmeldungen der Beiständin an die KESB Bezug nimmt, ist sie daran zu erinnern, dass entsprech ende Rückmeldungen lediglich die subjektive Sichtweise einer Beiständin wiedergeben u nd der Betrachtungsweise der verbei- ständeten Person nicht entsprechen müssen. Als unbegrün det erweist sich im Übrigen der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Beiständin habe po sitive Entwicklungen nicht berücksich- tigt bzw. erwähnt. Vielmehr ist aktenkundig, dass die Beiständin der Beschwerdeführerin mehr Verantwortung übertragen hat, was die Beschwerdeführer in anlässlich einer Anhörung bei der KESB über die Zusammenarbeit mit der Beiständin bestätigt hat. 5.3 Die Beschwerdeführerin behauptet des Weiteren, das s die Beiständin sie unter Druck gesetzt habe, eine Anzeige wegen Vergewaltigung zurückz uziehen. Die Beiständin bestreitet diesen Vorwurf glaubwürdig und entgegnet, dass die Beschwerdeführerin offenbar eine Anzeige gegen ihren Ex-Freund wegen sexuellen Missbrauchs habe ma chen wollen und diesbezüglich auch eine anwaltliche Beratung über die Opferhilfe b eider Basel erhalten habe. Da der Ex- Freund zwischenzeitlich fürsorgerisch untergebracht worden sei, habe sich die Beschwerdefüh- rerin aber selbst gegen eine Anzeige entschieden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Die Beschwerdeführerin moniert ferner in finanzie ller Hinsicht, dass die Beiständin ihre Schulden nicht abzahle, obwohl sie noch Fr. 16'000.-- auf dem Konto habe. Diesbezüglich ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin eine IV-Ren te und Ergänzungsleistungen be- zieht. Den Verfahrensakten kann entnommen werden, dass die Ausgaben und Bedürfnisse der Beschwerdeführerin deren Einnahmen regelmässig übersteigen. Die Beschwerdeführerin gene- rierte sodann in der Vergangenheit ohne Mitteilung an die Beiständin und die Sozialversiche- rungsanstalt selbständig Einkommen, was zu Rückforderunge n bei den Ergänzungsleistungen führte. Aufgrund der aktuellen Situation ist nicht er sichtlich, dass die Beschwerdeführerin über den laufenden Bedarf hinaus Einnahmen generieren könn te, die als Sparquote einer sukzessi- ven Schuldenrückzahlung dienen könnten. Demgemäss ist nicht zu beanstanden, dass die Bei- ständin aktuell von einer Schuldenrückzahlung absieht. 5.5 Des Weiteren teilt die Beschwerdeführerin ihren W unsch mit, die ganze IV-Rente zu erhalten, damit sie selbst die Telefon-, TV- und Festn etzkosten bezahlen könne. Die Beschwer- deführerin rügt, dass die Beiständin damit nicht einve rstanden sei. Die bestehende Vertre- tungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung nach Art. 394 und Art. 395 ZGB umfasst die Verwaltung des sämtlichen Einkommens sowie des Vermögens der Beschwerdeführerin. Zu- dem wurde ihr der Zugriff auf ihre Bankkonti entzogen . Jegliche Dauerverträge sowie Verträge, die den Wert von Fr. 200.-- übersteigen, bedürfen im Rahmen der Mitwirkungsbeistandschaft gemäss Art. 396 ZGB zur Gültigkeit der Zustimmung der Beiständin. Die Beiständin führt in ih- rer Stellungnahme vom 10. März 2023 aus, dass die Beschwe rdeführerin Kenntnis von ihrer angespannten finanziellen Lage habe, jedoch sich im Be reich der Ausgaben nicht beschränken könne. Folglich werde das Konto der Beschwerdeführerin m onatlich regelmässig um Fr. 700.-- bis 800.-- überzogen (Aktennotiz KESB vom 25. November 2022). In der Stellungnahme vom 10. März 2023 merkt die Beiständin zudem an, dass sie auf grund des Verhaltens der Be- schwerdeführerin wohl auch in der Zukunft nicht in der Lage sein werde, weitere Betreibungen zu verhindern. Es ist evident, dass die bestehenden Massnahm en zum Schutz der finanziellen Interessen der Beschwerdeführerin notwendig sind. Eine Überweisung der vollen IV-Rente an die Beschwerdeführerin birgt offensichtlich eine erhebliche Gefahr ihrer weiteren Verschuldung. Nach dem Gesagten kann im Vorgehen der Beiständin kei ne Pflichtverletzung und somit auch kein wichtiger Grund erblickt werden, welcher einen Bei standswechsel gemäss Art. 423 ZGB rechtfertigen würde. 5.6 Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin pauschal, die Beiständin höre ihr nicht zu, arbeite gegen sie und halte nicht zu ihr. Aus den Akt en ergeben sich keine Hinweise darauf, dass die Beiständin ihr Amt nicht pflichtgemäss erfüllen würde oder sich gegenüber der Be- schwerdeführerin nicht angemessen verhalten würde. Viel mehr berücksichtigt die Beiständin – soweit möglich – die Wünsche der Beschwerdeführerin, wi e z.B. den von ihr gewünschten Ver- zicht auf Besprechungen in ihrer Wohnung. Das Vertrauen sverhältnis unterliegt aber einer Am- bivalenz und hängt jeweils stark vom aktuellen Empfinden u nd vom psychischen Zustand der Beschwerdeführerin ab. Dies führt dazu, dass die Beschwer deführerin sich neben der erwähn- ten Kritik an der Beiständin verschiedentlich auch positiv über sie äussert. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Abschliessend ist festzustellen, dass die Meinungsverschi edenheiten, Missverständ- nisse und Unzufriedenheit seitens der Beschwerdeführerin eindeutig das Resultat ihres Schwä- chezustands sind. Die Vorgeschichte der Beschwerdeführerin zeigt, dass ihre Krankheit (hebe- phrene Schizophrenie) phasenweise eine von der Realit ät abweichende Wahrnehmung und ambivalentes Verhalten hervorruft (vgl. Berichte der fr üheren Beiständin im Zeitraum vom 1. April 2020 bis 31. März 2021, Aktennotizen KESB B.____ vom 16. März 2021, 25. No- vember 2022 und 21. Februar 2023). Dies bestätigt auch der Austrittsbericht I.____ vom 4. August 2020, wonach die Beschwerdeführerin inhaltlich in ihren Meinungen stark wechselhaft sei, sich in Gesprächen inhaltlich häufig widersprüchlich zeige und unrealistische/teils bizarre Einschätzungen von Kausalitäten aufzeige. Typisch für da s Verhalten der Beschwerdeführerin ist auch der regelmässig wiederkehrende Wunsch nach Wechse l der Vertrauenspersonen. Ge- mäss den Verfahrensakten hat die Beschwerdeführerin sei t 2016 mindestens drei Hausärzte gewechselt. Alleine im Jahr 2021 liess sie sich von drei verschiedenen Psychiaterinnen und Psychiatern behandeln. Bevor die Beschwerdeführerin den Antrag auf den Wechsel der Man- datsperson am 24. Februar 2023 stellte, wurde die B eistandsperson auf ihren Antrag seit 2013 dreimal gewechselt. Den Verfahrensakten kann entnommen werden, dass die Anträge auf Mandatspersonenwechsel für die Beistände und die jewe ilige KESB vollkommen überraschend kamen, da die Beschwerdeführerin kurze Zeit davor sich über die gute Zusammenarbeit berich- tete (Eintrag Arbeitsrapport der früheren Beiständin vom 26. Februar 2021, Aktennotizen KESB B.____ vom 25. November 2022 und 21. Februar 2023; E -Mails der Beschwerdeführerin vom 20. Juli 2022 und 23. Februar 2023). Dass der Wunsc h nach Wechsel der Bezugsperso- nen auf die krankheitsbedingte Ambivalenz der Beschwerde führerin zurückzuführen ist, ergibt sich auch aus der Tatsache, dass sie teils wieder zu den frü heren Ärzten und Beiständen zu- rückkehrte, mit deren Leistungen sie sich vorher nicht zufr ieden gezeigt hatte. Demnach ist festzustellen, dass sämtliche Rügen der Beschwerdeführer in in der Problematik ihres Schwä- chezustands begründet sind und keine wichtigen Gründe für die Entlassung der Mandatsperson vorliegen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 6.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu entsche iden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Di e Verfahrenskosten umfassen die Ge- richtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel in angemessenem Ausmass der ganz oder teilweise unterliegenden Partei auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- sind ausgangsgemäss der Besch werdeführerin aufzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). 6.2 Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung de r unentgeltlichen Prozessfüh- rung wurde mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 14. Juni 2023 bewilligt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 6.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und gehen zufolge Bewilligu ng der unentgelt- lichen Prozessführung zulasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.