Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer III III 2024 106 Zwischenbescheid vom 11. Juli 2024 im Hauptverfahren III 2024 104 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident lic.iur. Karl Gasser, Richter Irene Thalmann, Richterin lic.iur. Prisca Reichlin Brügger, Gerichtsschreiberin Parteien 1. A.________ 2. B.________ 3. C.________ 4. D.________ 5. E.________ 6. F.________ 7. G.________, 8. H.________ 9. I.________ 10. J.________ 11. K.________ 12. L.________ 13. M.________ 14. N.________ Beschwerdeführer, alle vertreten durch Rechtsanwalt Dr.iur. O.________2 gegen 1.Bezirksrat Küssnacht, Seeplatz 2/3, Postfach 176, 6403 Küss- nacht, 2.Regierungsrat des Kantons Schwyz, Bahnhofstrasse 9, Postfach 1260, 6431 Schwyz, Vorinstanzen, 3.P.________ AG, Beschwerdegegnerin 1, 4.Q.________ AG, Beschwerdegegnerin 2, beide vertreten durch Rechtsanwalt R.________, Gegenstand Planungs- und Baurecht (Aufhebung Gestaltungsplan; vorsorgliche Massnahme)3 Sachverhalt: A.Am östlichen Rand des Siedlungsgebietes U.________ liegt auf KTN 001._ mit nn m 2 das Gestaltungsplanareal S.________. Der Gestaltungsplan wurde vom Bezirksrat Küssnacht am 9. April 2008 erlassen und vom Regierungsrat am 16. Dezember 2008 genehmigt. 2014 reichte die Bauherrschaft ein Baugesuch für eine Wohnüberbauung auf dem Perimeter des Gestaltungsplanes S.________ ein. Hiergegen wurden verschiedene Einsprachen und Beschwer- den erhoben, welche mitunter Überarbeitungen des Bauprojektes zur Folge hat- ten. Für verschiedene Bauten wurden die Baubewilligungen zwischenzeitlich rechtskräftig (vgl. Urteil BGer 1C_553/2019 vom 17.5.2021). Mit Urteil 1C_197/2023 vom 31. Mai 2024 wies das Bundesgericht eine Beschwerde ge- gen das zuletzt noch hängige Baubewilligungsverfahren ab (Urteil liegt im Dispo- sitiv vor; vgl. Beschwerdeschrift Rz. I.6a und I.7). Am 9. April 2024 erteilte der Bezirk Küssnacht der Bauherrschaft eine Teil-Baufreigabe für die Baustellenin- stallation und die Aushubarbeiten auf dem Gestaltungsplanareal. B. Am 21. Dezember 2023 stellten Anwohner beim Bezirksrat Küssnacht An- trag auf Aufhebung des Gestaltungsplanes S.________. Mit Beschluss Nr. 127 vom 20. März 2024 wies der Bezirksrat den Antrag ab, soweit er darauf eintrat. C.Gegen den Bezirksratsbeschluss erhoben die Anwohner am 9. April 2024 Beschwerde beim Regierungsrat mit den Anträgen: 1. In Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz vom 20. März 2024 sei der Gestal- tungsplan S.________, KTN 001._, aufzuheben. 2. Eventualiter sei der Entscheid der Vorinstanz vom 20. März 2024 aufzuheben und diese anzuweisen, über die Sache im Sinne der Erwägungen neu zu ent- scheiden. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Grundeigentümer und/oder der Vorinstanz. VORSORGLICHE MASSNAHMENANTRÄGE: 4. Den Grundeigentümern und sämtlichen Rechtsnachfolgern und/oder von den Grundeigentümern berechtigten Dritten sei für die Dauer dieses Verfahrens un- ter Androhung von Straffolge nach Art. 292 StGB zu untersagen, auf der Lie- genschaft KTN 001._, mithin gemäss Baugesuch 'Wohnüberbauung S.________ (Projektänderung), KTN 001._, Koordinaten x/y (gemäss Publikati- on im Amtsblatt des Kantons Schwyz Nr. __), zu bauen. 5. Über Antrag Ziff. 4 sei superprovisorisch, mithin ohne Anhörung der Gegenpar- tei zu entscheiden.4 Mit Zwischenbescheid vom 26. April 2024 wies das Sicherheitsdepartement das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen ab. Am 29. April 2024 wurde mit den Bauarbeiten vor Ort gemäss Teilbaufreigabe begonnen. Mit Beschluss Nr. 433/2024 vom 4. Juni 2024 wies der Regierungsrat die Be- schwerde ab, soweit er darauf eintrat. D.Am 26. Juni 2024 lassen A.________ und 13 weitere Parteien gegen den Regierungsratsbeschluss beim Verwaltungsgericht fristgerecht Beschwerde er- heben mit den Anträgen: 1. In Aufhebung des Beschlusses der Vorinstanz 2 vom 4. Juni 2024 sei der Ge- staltungsplan S.________, 001._, aufzuheben. 2.Eventualiter sei der Beschluss der Vorinstanz 2 vom 4. Juni 2024 aufzuheben und diese anzuweisen, über die Sache im Sinne der Erwägungen neu zu ent- scheiden. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Grundeigentümer und/oder des Staates. VORSORGLICHE MASSNAHMEANTRÄGE: 4. Der Grundeigentümerin und sämtlichen Rechtsnachfolgern und/oder von der Grundeigentümerin berechtigten Dritten sei für die Dauer dieses Verfahrens un- ter Androhung von Straffolge nach Art. 292 StGB zu untersagen, auf der Lie- genschaft KTN 001._, mithin gemäss Baugesuch "Wohnüberbauung S.________ (Projektänderung), KTN 001._, Koordinaten x/y" (gemäss Publikation im Amtsblatt des Kantons Schwyz Nr.__), zu bauen. 5. Über Antrag Ziff. 4 sei superprovisorisch, mithin ohne Anhörung der Gegenpar- tei, zu entscheiden. E.Mit Zwischenbescheid III 2024 105 vom 27. Juni 2024 wies der Einzelrich- ter das Begehren um superprovisorische Anordnung des beantragten Bauverbo- tes (Antrag Ziff. 4 und 5) ab. Den Vorinstanzen und Beschwerdegegnern wurde Frist bis 8. Juli 2024 angesetzt, um zum vorsorglichen Massnahmeantrag Stel- lung zu nehmen. Innert Frist gingen Stellungnahmen des Bezirks Küssnacht (Präsidialverfügung vom 8.7.2024) sowie der Beschwerdegegner (Stellungnahme vom 8.7.2024) ein. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.Gegenstand des vorliegenden Zwischenbescheides ist ausschliesslich der Beschwerdeantrag Ziff. 4 betreffend vorsorglich anzuordnendes Verbot zur Vor-5 nahme von jeglichen Bauarbeiten auf dem Gestaltungsplanperimeter S.________ (vgl. Ingress Bst. D). 2.1Gemäss § 23 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRP; SRSZ 234.110) vom 6. Juni 1974 kann die Behörde oder die mit der Vorbereitung des Verfahrens beauftragte Instanz in dringlichen Fällen sofort vorsorgliche Mass- nahmen anordnen. 2.2 Über vorsorgliche Massnahmen kann präsidial entschieden werden (§ 40 Abs. 2 des Justizgesetzes [JG; SRSZ 231.110] vom 18.11.2009). Wie die Kann- Formulierung zeigt, steht diese Kompetenz nicht ausschliesslich dem Einzelrich- ter zu. Bei der gerichtlichen Beurteilung beantragter vorsorglicher Massnahmen nach § 23 Abs. 2 VRP besteht eine konkurrierende Zuständigkeit zwischen der in der Hauptsache zuständigen Gerichtskammer und dem verfahrensleitenden Richter (vgl. VGE III 2014 2 vom 7.1.2014 E. 1.5; VGE 863/05Z vom 25.5.2005 E. 4.1; EGV-SZ 1982 Nr. 1 E. 2). Nachdem vorliegend über den Antrag superprovisorischer Massnahmen bereits einzelrichterlich entschieden wurde (Zwischenbescheid III 2024 105 vom 27.6.2024), zwischenzeitlich die Parteien zum Antrag auf vorsorgliche Massnah- men Stellung nehmen konnten und die zuständige Gerichtskammer zeitnah tagt, drängt sich eine Beurteilung des vorsorglichen Massnahmeantrages durch die zuständige Kammer auf. 2.3.1 Vorsorgliche Massnahmen sind immer dann zu treffen, wenn vorsorglicher Rechtsschutz angezeigt ist, die aufschiebende Wirkung bzw. deren Entzug aber nicht greift (vgl. Kiener, in: Kommentar VRG, § 6 N 11; Kölz/Häner/Bertschi, Ver- waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz. 1071, 1088 ff.). 2.3.2 Vorsorgliche Massnahmen bezwecken einen umfassenden und effektiven Rechtsschutz. Es sollen während der Dauer des Verfahrens keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden, welche den angestrebten Rechtsschutz illuso- risch machen. Vorsorgliche Massnahmen können jederzeit abgeändert oder in Wiedererwägung gezogen werden, insbesondere wenn sich die Umstände mass- geblich geändert haben (Daum/Rechsteiner, in: Kommentar zum bernischen VRPG, Art. 27 N 48; Kiener, a.a.O., § 6 N 41). Vorsorgliche Massnahmen kön- nen jedoch nur zum Schutz von Interessen angeordnet werden, die innerhalb des Streitgegenstandes liegen. Mehr als im Hauptprozess − d.h. definitiv − zu errei- chen ist, kann nicht vorsorglich erwirkt werden (Daum/Rechsteiner, a.a.O., Art. 27 N 4; EGV-SZ 2001 B 8.4 S. 108 f.).6 2.3.3 Der Entscheid über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen setzt Dring- lichkeit voraus, d.h. es muss sich als notwendig erweisen, die fraglichen Vorkeh- ren sofort zu treffen. Sodann muss der Verzicht auf vorsorgliche Massnahmen für den Betroffenen einen Nachteil bewirken, der nicht leicht wieder gutzumachen ist, wofür ein tatsächliches, insbesondere wirtschaftliches Interesse genügt. Er- forderlich ist schliesslich, dass die Abwägung der verschiedenen Interessen den Ausschlag für den einstweiligen Rechtsschutz gibt und dieser verhältnismässig erscheint. Verhältnismässig (im engeren Sinne) sind vorsorgliche Massnahmen dann, wenn sie sich zur Abwehr eines bereits eingetretenen oder drohenden Nachteils eignen und in persönlicher, örtlicher, sachlicher und zeitlicher Hinsicht nicht über das zur Wahrung der gefährdeten Interessen Erforderliche hinausge- hen (Kiener, a.a.O., § 6 N 16 f.; vgl. Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., Rz. 565 - 568). Der durch den Endentscheid zu regelnde Zustand soll weder präjudiziert noch verunmöglicht werden. Vorsorgliche Massnahmen beruhen auf einer bloss sum- marischen Prüfung der Sach- und Rechtslage (EGV-SZ 2008 B 8.1 E. 2.3.1; Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., Rz. 568). Die Hauptsachenprognose kann dabei berücksichtigt werden, wenn sie eindeutig ist; bei tatsächlichen oder rechtlichen Unklarheiten drängt sich hingegen Zurückhaltung auf, weil in diesem Fall die er- forderlichen Entscheidgrundlagen im Hauptverfahren erst noch beschafft werden müssen (BGE 130 II 149 E. 2.2; BGE 127 II 132 E. 3). Befindet eine Behörde über vorsorgliche Massnahmen, ist sie nicht gehalten, für ihren Entscheid zeit- raubende tatsächliche oder rechtliche Abklärungen zu treffen, sondern kann in erster Linie auf die ihr zur Verfügung stehenden Akten abstellen (BGE 145 I 73 E. 7.2.3.2; Urteil BGer 1C_251/2020 vom 8.11.2021 E. 5.1 mit weiteren Hin- weisen). 3.1Gemäss den Beschwerdeführern wäre es angesichts der sich stellenden grundlegenden Fragen zur Aufhebung des Gestaltungsplanes unvertretbar, wenn die Bauherrschaft mit dem Bau nun konkret beginnen könnte. Die krass treuwid- rigen Ausführungen des Regierungsrates würden zeigen, dass nach Ablauf der Frist von 15 Jahren erst damit begonnen werde, nachträglich erste Fakten zu schaffen, diese aber noch längst nicht das Stadium von 'Wesentlichkeit' erlangt hätten, wie dies § 31 Abs. 3 PBG verlange. Gerade weil es sich um Liegenschaf- ten im Parameter der Kernzone und der Umgebungszone I nach ISOS handle, seien Eingriffe auf nicht finaler Grundlage zu vermeiden. Es gehe nicht allein darum, ob die Bauherrschaft für den Fall einer Aufhebung des Gestaltungsplanes die finanziellen Folgen zu tragen hätte, sondern es seien im öffentlichen Interes- se jegliche Eingriffe in die aktuelle Situation zu vermeiden, bis feststehe, ob der Gestaltungsplan so aufrechterhalten werden könne oder aufzuheben sei. 7 3.2.1Der Bezirk beantragt Abweisung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf einzutreten sei. Den Beschwerdeführern fehle die Beschwerdelegitimation. Das Baubewilligungsverfahren (betreffend Überbauung S.________) habe mit dem Bundesgerichtsentscheid 1C_197/2023 vom 31. Mai 2024 seinen Abschluss ge- funden; die Baubewilligungen seien rechtskräftig. Die Aufhebung des Gestal- tungsplanes vermöge die Konsumation der rechtskräftig erteilten Baubewilligun- gen nicht zu verhindern. Diese seien widerrufsfeindlich bzw. Widerrufen nicht zugänglich. Entsprechend hätte die Aufhebung des Gestaltungsplanes S.________ für die Beschwerdeführenden keinen praktischen Nutzen. Damit feh- le es am Rechtsschutzinteresse und der Beschwerdelegitimation. 3.2.2Auch die Beschwerdegegner beantragen Nichteintreten, eventualiter Ab- weisung des Gesuchs um provisorische Anordnung eines Bauverbots. Es liege ein planungsrechtliches Verfahren vor, in dessen Rahmen baurechtliche Ent- scheide (Erlass eines Bauverbotes) planungs- und baurechtlich wie auch verfah- rensrechtlich nicht vorgesehen und unzulässig seien; beantragbar seien nur pla- nungsrechtliche Massnahmen. Der beschwerdeführerische Antrag sei zudem durch den Streitgegenstand (Aufhebung Gestaltungsplan) nicht gedeckt und da- her unzulässig. Zudem würden die Beschwerdeführer ein Aufhebungsverfahren nach § 31 Abs. 3 PBG bemühen, in welchem sie als Dritte nicht aktivlegitimiert seien; sie hätten gar keine Verfahrensparteistellung. Der Entscheid liege allein im Ermessen des Bezirksrates. Die Beschwerde und das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen sei daher von Anfang an unmöglich bzw. ursprünglich gegen- standslos. Auch sei das Vorgehen offensichtlich treuwidrig; man versuche, das Bauprojekt S.________ mit privaten Partikularinteressen unter allen Titeln zu ob- struieren. Schliesslich halten die Beschwerdegegner dafür, die Beschwerdepro- gnose sei negativ, es lägen keine irreversiblen, erheblichen Nachteile vor und für die Aufhebung des Gestaltungsplanes bestehe kein gesetzlicher Aufhebungsbe- darf und kein öffentliches Interesse. 3.3Soweit der Bezirk sowie die Beschwerdegegner Nichteintreten beantragen, ist hierauf im Hauptverfahren vertieft einzugehen. Selbst wenn ihre Vorbringen bisweilen nachvollziehbar sind, kann dennoch nicht von klarem Recht gespro- chen werden, so dass im Rahmen des Verfahrens betreffend vorsorgliche Mass- nahmen Nichteintreten beschlossen werden könnte. Soweit die Beschwerdegeg- ner Nichteintreten auf das Gesuch um Anordnung eines Bauverbotes beantra- gen, ist darauf nachfolgend einzugehen. 3.4Vorsorgliche Massnahmen können nur zum Schutz von Interessen ange- ordnet werden, die innerhalb des Streitgegenstandes liegen und mehr als im 8 Hauptprozess kann nicht anbegehrt werden (vgl. oben E. 2.3.2). Beim Entscheid über vorsorgliche Massnahmen steht der Behörde praxisgemäss ein erheblicher Beurteilungs- und Ermessensspielraum zu (Daum/Rechsteiner, a.a.O., Art. 27 N 5; Seiler, in Waldmann/Krauskopf [Hrsg.] Praxiskommentar VwVG, 3. Auflage, Art. 56 N 41). Dies gilt ebenso für die Beurteilung, ob eine Massnahme innerhalb des Streitgegenstandes liegt, namentlich geeignet ist, vorsorglichen Rechts- schutz im Rahmen des Streitgegenstandes zu bieten. Eine zu enge Betrachtung ist dabei abzulehnen; Massstab muss sein, ob die Massnahme geeignet ist, den Streitgegenstand zu sichern, so dass effektiver Rechtsschutz nicht illusorisch wird. Ob das vorliegend beantragte Bauverbot noch im Rahmen des Streitgegen- standes (Nutzungsplanungsverfahren; Aufhebung Gestaltungsplan) liegt und damit beantragt werden kann, kann vorliegend offenbleiben, da das Gesuch oh- nehin abzuweisen ist. 3.5Der Erlass einer vorsorglichen Massnahme bezweckt einen umfassenden und effektiven Rechtsschutz und setzt als erstes Dringlichkeit voraus. Die gefor- derte Massnahme muss sofort getroffen werden, andernfalls für den Betroffenen ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil eintritt (vgl. oben E. 2.3.3), der angeforderte Rechtsschutz illusorisch würde (vgl. oben E. 2.3.2). Vorliegend fehlt es bereits an der Voraussetzung des nicht wieder gutzumachen- den Nachteils. Wie die Beschwerdegegner zu Recht festhalten, hatte es das Bundesgericht mit Verfügung vom 31. Mai 2023 (im Verfahren 1C_197/2023) ab- gelehnt, der Beschwerde gegen VGE III 2022 101 vom 22. Februar 2023, mit welchem die Baubewilligung bestätigt wurde, aufschiebende Wirkung zu erteilen. Ausdrücklich stellte das Gericht fest, die Aufnahme von Bauarbeiten stelle in ca- su keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil dar, auch wenn die Bauherr- schaft bei Beschwerdegutheissung mit einer Entfernung bzw. Änderung der aus- geführten Bauarbeiten rechnen müsse. Nichts Anderes gilt im Rahmen der Prü- fung der Aufhebung des Gestaltungsplanes, da auch diesfalls aus der Aufhebung des Gestaltungsplanes - wenn überhaupt - nur die Nichtverwirklichung des bewil- ligten Baus resp. Rückbaus bereits erstellter Bauten und Anlagen resultieren könnte. Dies aber stellt, wie vom Bundesgericht festgestellt, kein nicht wieder gutzumachender Nachteil dar. In der Hauptsache fordern die Beschwerdeführer die Aufhebung des Gestal- tungsplanes S.________. Aufgehoben werden kann der Gestaltungsplan nach Anhören der Grundeigentümer, wenn innert fünfzehn Jahren seit Inkrafttreten nicht in wesentlichen Teilen mit der Verwirklichung begonnen wurde (vgl. § 31 Abs. 3 Planungs- und Baugesetz [PBG; SRSZ 400.100] vom 14.5.1987). 9 Nach Inkrafttreten des Gestaltungsplanes wurde auf dessen Areal der T.________weg aus- und eine Scheune zurückgebaut. Es wurde um Bewilligung einer Überbauung ersucht. Bereits rechtskräftig erteilte Baubewilligungen wurden auf Gesuch der Bauherrschaft verlängert. Eine Beschwerde gegen das noch hängige Baubewilligungsverfahren wies das Bundesgericht mit Urteil vom 31. Mai 2024 ab. Am 9. April 2024 erteilte der Bezirk eine Teil-Baufreigabe für die Baustelleninstallation und die Aushubarbeiten auf dem Gestaltungsplanareal. Am 29. April 2024 wurden die entsprechenden Bauarbeiten anhand genommen. Kei- ne Partei macht geltend, dass zwischenzeitlich weitere Baufreigaben erfolgt sind. Zwischen den Parteien ist unter anderem strittig, was unter 'Verwirklichung in wesentlichen Teilen' zu verstehen ist. Für die Frage des beantragten Bauverbo- tes ist dies insoweit von Belang, als beide Überzeugungen gegen den Erlass der beantragten vorsorglichen Massnahme sprechen. Gemäss Regierungsrat kön- nen die Beschwerdeführer nicht glaubhaft darlegen, dass im Gestaltungsplange- biet nicht ernsthaft mit der Verwirklichung begonnen worden sei. Sollte dies zu- treffen, dann kann der Gestaltungsplan nicht aufgehoben werden (da er bereits in wesentlichen Teilen verwirklicht ist). Fehlt es demgegenüber an der wesentlichen Verwirklichung, wie es die Beschwerdeführer geltend machen, dann ist auch im Zeitraum, bis der Beschwerdeentscheid zu erwarten ist, nicht mit einem Baufort- schritt zu rechnen, so dass der bewilligte Gestaltungsplan 'in wesentlichen Teilen' verwirklicht sein wird. Der Aufhebung des Gestaltungsplanes stünde diese Vor- aussetzung dann nicht im Wege (für den Entscheid ist der im Urteilszeitpunkt feststehende Sachverhalt massgebend). Damit aber vermögen selbst die jetzt beginnenden Bauarbeiten den Entscheid betreffend Aufhebung des Gestaltungsplanes S.________ nicht zu präjudizieren. In der Hauptsache bleibt in jedem Fall sowohl eine Beschwerdegutheissung (und Aufhebung des Gestaltungsplanes) wie auch die Beschwerdeablehnung (Bestätigung der Nichtaufhebung) ohne weiteres möglich. Es braucht mithin kein dringlich anzuordnendes Bauverbot als vorsorgliche Massnahme, um vollendete Tatsachen zu verhindern und den angestrebten Rechtsschutz (Aufhebung des Gestaltungsplanes) nicht illusorisch zu machen. Sollte der Gestaltungsplan auf- gehoben werden und wären in der Folge auch die rechtskräftigen Baubewilligun- gen zu widerrufen (was vorliegend nicht zu beurteilen ist), so stellt ein Rückbau bis dahin erstellter Bauten und Anlagen kein nicht wieder gutzumachender Nach- teil dar. 4.Die Voraussetzungen für den Erlass der beantragten vorsorglichen Mass- nahme (vgl. Ingress Bst. D) sind damit nicht gegeben, weshalb der Antrag abzu-10 weisen ist. Über die Kostenfolgen für diesen Zwischenbescheid ist mit der Hauptsache zu entscheiden. 5.Grundsätzlich können nur Endentscheide mit Beschwerde beim Bundesge- richt angefochten werden (vgl. Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge- richt [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005; von Werdt in: Seiler/von Werdt/Güngerich, BGG, Rz. 2ff. zu Art. 90 BGG). Gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegeh- ren ist gemäss Art. 92 BGG die Beschwerde ans Bundesgericht zulässig. Gegen andere selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide ist die Beschwerde gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG zulässig, wenn der Zwischenentscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann oder wenn gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit und Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde. Fraglich ist, ob diese genannten Voraussetzung gegeben sind (vgl. BSK BGG-Uhlmann Art. 92 N 4). Um allen Eventualitäten gerecht zu werden, wird der vorliegende Zwischenbescheid mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen, wobei die Parteien im Falle eines Weiter- zugs daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten können.11 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Der Antrag auf vorsorgliche Massnahmen (Antrag Ziff. 4) wird abgewiesen. 2. Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen dieses Zwischenbescheides wird mit der Hauptsache (Verfahren III 2024 104) entschieden. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwerde* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, 1000 Lau- sanne 14, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). Soweit die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht zulässig ist, kann in derselben Rechtsschrift subsidiäre Verfassungsbe- schwerde* erhoben und die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden (Art. 113ff. BGG). 4. Zustellung an: - den Rechtsvertreter der Beschwerdeführer (2/R; unter Beilage der er- wähnten Stellungnahmen des Bezirkes und der Beschwerdegegner i.S. vorsorgliche Massnahme) - den Rechtsvertreter der Beschwerdegegner (2/R; unter Beilage der nicht eigenen Stellungnahme) - den Bezirksrat Küssnacht (R; unter Beilage der nicht eigenen Stellung- nahme) - und den Regierungsrat (EB; unter Beilage der erwähnten Stellungnah- men). Schwyz, 11. Juli 2024 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die Gerichtsschreiberin:12 *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 11. Juli 2024