Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. Oktober 2015 (710 15 234 / 255) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Die Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin (Reinigungen) ist in Abwägung aller kon- kreten Umstände in sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht als selbständig zu qualifizie- ren, weshalb die Beschwerde gutgeheissen wird Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Sozialversicherungsrechtliche Stellung A. Mit Datum vom 6. August 2012 meldete sich A.____ als selbständig Erwerbende be- züglich der Reinigungsfirma „Z.____“ bei der Ausgle ichskasse Basel-Landschaft (Ausgleichs- kasse) an. Mit Schreiben vom 9. August 2012 und vom 21. August 2012 wurde sie von der Ausgleichskasse aufgefordert, weitere Unterlagen zur Abklärung der sozialversicherungsrechtli- chen Stellung einzureichen. Mit Verfügung vom 1. November 2012 wurde der Antrag abgelehnt, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht da keine weiteren Unterlagen eingegangen waren. Mit Datum vom 1. Dezember 2014 meldete sich A.____ erneut als selbständig Erwerbende für die gl eiche Tätigkeit an. Mit Verfügung vom 30. April 2015 teilte ihr die Ausgleichskasse mit, dass sie für die angegebene Tätigkeit gemäss AHV-Recht als unselbständig Erwerbende gelte. Mit Ein spracheentscheid vom 9. Juni 2015 hielt die Ausgleichskasse an ihrem Entscheid fest. B. Dagegen erhob A.____ beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht) mit Eingabe vom 2. Juli 20 15 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Anerken nung ihres Status als selbständig Erwerbende. C. Mit Vernehmlassung vom 31. Juli 2015 beantragte di e Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. D. Mit Eingaben vom 16. September 2015, vom 25. Septe mber 2015 und vom 28. Sep- tember 2015 reichte die Beschwerdeführerin weitere Un terlagen zu den Akten. Die Beschwer- degegnerin teilte mit Schreiben vom 25. September 20 15 den Verzicht auf eine weitere Stel- lungnahme mit und verwies auf ihre Vernehmlassung vom 31. Juli 2015. Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in V erbindung mit Art. 1 des Bundes- gesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (A HVG) vom 20. Dezember 1946 kann gegen Einspracheentscheide in jedem Kanton bei ei nem Versicherungsgericht als einzige Instanz Beschwerde erhoben werden. In Abweichung von Art . 58 Abs. 1 ATSG ist bei Be- schwerden gegen Verfügungen und Einspracheentscheide k antonaler Ausgleichskassen das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse zuständig ( Art. 84 AHVG). Im Kanton Basel- Landschaft ist gemäss § 54 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über d ie Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsge richt, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht, als einzige gerichtliche Instanz für Beschwerde n gegen Verfügungen einer Aus- gleichskasse gemäss den Artikeln 84 und 91 AHVG zuständig. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Kantonsgericht im Übrigen frist- und formger echt eingereichte Beschwerde vom 2. Juli 2015 ist einzutreten. 2. In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin, dass die gleiche Person bzw. Instanz sowohl die Verfügung erstellt als auch über die Einsprach e entschieden habe. Art. 52 Abs. 1 ATSG legt ausdrücklich fest, dass die Einsprache bei der ve rfügenden Stelle einzureichen ist. Sie ist kein devolutives Rechtsmittel, das die Entscheidungsz uständigkeit an eine Rechtsmitte- linstanz übergehen lassen würde. Das Einspracheverfahren zielt darauf ab, ungenügende Ab- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht klärungen oder Fehlbeurteilungen, aber auch Missverständ nisse, die den angefochtenen Ver- waltungsverfügungen zugrunde liegen, in einem kostenlosen und weitgehend formlosen Verfah- ren auszuräumen, ohne dass die übergeordneten Gerichte angerufen werden müssen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozial- rechtliche Abteilung, vom 20. September 2006, I 618/04 , E. 6.1 mit weiteren Hinweisen). Indem die Beschwerdegegnerin selber über die Einsprache der B eschwerdeführerin entschieden hat, hat sie keine Verfahrensvorschriften verletzt. 3. Streitig und in materieller Hinsicht zu prüfen ist, ob die Erwerbstätigkeit der Beschwer- deführerin (Reinigungen) in sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht als selbständig oder un- selbständig zu qualifizieren ist. 4.1 Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwer bstätiger richtet sich unter ande- rem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkommen als solches aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit zu qu alifizieren ist (Art. 5 und 9 AHVG so- wie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und H interlassenenversicherung [AHVV] vom 31. Oktober 1947). Gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmt e Zeit geleistete Arbeit. Als Einkom- men aus selbständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. 4.2 Die Frage, ob im Einzelfall eine selbständige ode r unselbständige Erwerbstätigkeit vor- liegt, beurteilt sich nach der Rechtsprechung des Bund esgerichts nicht aufgrund der Rechtsna- tur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entsche idend sind vielmehr die wirt- schaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältn isse vermögen dabei allenfalls gewis- se Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Ar- beitgeber in betriebswirtschaftlicher beziehungsweise arbe itsorganisatorischer Hinsicht abhän- gig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus d iesen Grundsätzen alleine lassen sich aber noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalt e zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter W ürdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei oftmals die Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Mer kmale im konkreten Fall über- wiegen (BGE 123 V 161 E. 1). Den Elementen Unterneh merrisiko und Abhängigkeitsverhältnis sowie ihren einzelnen Ausprägungen kann je nach Art d er zu beurteilenden Umstände unter- schiedliches Gewicht zukommen (Wegleitung über den massge benden Lohn in der AHV, IV und EO [WML], gültig ab 1. Januar 2008, Stand 1. Ja nuar 2015, Rz. 1017). So hat das EVG festgestellt, dass gewisse Tätigkeiten ihrer Natur nach n icht notwendigerweise bedeutende In- vestitionen erfordern. Dies könne etwa im Bereich der Dienstleistungen gelten. Der arbeitsorga- nisatorischen Abhängigkeit sei in solchen Fällen gegenübe r einem Investitionsrisiko erhöhtes Gewicht beizumessen (Urteil des EVG vom 14. August 2000, H 30/99, E. 6b mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Selbständige Erwerbstätigkeit liegt normalerweis e dann vor, wenn die beitragspflichtige Person durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei be stimmter Selbstorganisation und nach aussen sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mi t dem Ziel, Dienstleistungen zu erbrin- gen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme od er Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Leistungen abgegolten wird (BGE 115 V 170 E. 9a). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind das Tätigen bedeutender Investitionen, die Benützung eigener Geschäfts- räumlichkeiten sowie die Beschäftigung von Personal charakt eristische Merkmale einer selb- ständigen Erwerbstätigkeit. Das spezifische Unternehmerrisiko besteht dabei darin, dass unab- hängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die die ver sicherte Person selber zu tragen hat. Wei- tere Merkmale sind das einstehen müssen für Verluste, das H andeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung sowie das Beschaffen von Aufträgen (WML, Rz. 1014; vgl. auch P ETER FORSTER , AHV Beitragsrecht: Materiell- und verfahrensrechtliche Grundlagen; Abgrenzung zwi- schen selbständig und unselbständig erwerbstätigen Person en, Zürich/Basel/Genf 2007, S. 85 Rz. 65 mit Hinweisen). 4.4 Von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist auszugehe n, wenn die für den Arbeitsvertrag typischen Merkmale vorliegen, d.h. wenn die versicherte Pe rson Dienst auf Zeit zu leisten hat, wirtschaftlich vom „Arbeitgeber“ abhängig ist und währ end der Arbeitszeit auch in dessen Be- trieb eingeordnet ist. Indizien dafür sind das Vorliege n eines bestimmten Arbeitsplans, die Not- wendigkeit, über den Stand der Arbeiten Bericht zu erst atten, sowie das Angewiesen sein auf die Infrastruktur am Arbeitsort. Das wirtschaftliche Risiko der versicherten Person erschöpft sich diesfalls in der alleinigen Abhängigkeit vom persönlich en Arbeitserfolg oder, bei einer regel- mässig ausgeübten Tätigkeit, darin, dass bei Dahinfallen des Erwerbsverhältnisses eine ähnli- che Situation eintritt, wie dies beim Stellenverlust e ines Arbeitnehmers der Fall ist (BGE 122 V 169 E. 3c). Die arbeitsorganisatorische beziehungsweise wir tschaftliche Abhängigkeit äussert sich namentlich in der Weisungsgebundenheit der erwerbstätigen Person, ihrer Rechenschafts- pflicht, ihrer Eingliederung in eine fremde Arbeitso rganisation, der Pflicht zur persönlichen Auf- gabenerfüllung, einer Präsenzpflicht und in einem Kon kurrenzverbot (WML Rz. 1015; P ETER FORSTER , a.a.O., S. 84 Rz. 63 mit Hinweisen). Auch selbständig Erwerbstätige haben sich je- doch an sogenannte sachliche Weisungen zu halten. Hierb ei handelt es sich um Weisungen des Bestellers oder Auftraggebers, die sich auf den Arbei tserfolg beziehen (P ETER FORSTER , a.a.O., S. 84 f. Rz. 63 mit Hinweisen). 4.5 Bei einer versicherten Person, die mehrere Tätigkeit en gleichzeitig ausübt, ist jedes Erwerbseinkommen einzeln dahingehend zu prüfen, ob es aus selbständiger oder unselbstän- diger Erwerbstätigkeit stammt. Es ist durchaus möglich, d ass jemand gleichzeitig bei einer Fir- ma in einem Arbeitsverhältnis steht und für eine andere selbständig erwerbstätig ist (R ENÉ SCHAFFHAUSER /U ELI KIESER [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 136 mit Hinweisen). 5.1 Nach Auffassung der Vorinstanz überwiegen die chara kteristischen Merkmale einer unselbständigen Erwerbstätigkeit. Im angefochtenen Ein spracheentscheid vom 9. Juni 2015 führte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aus, dass d ie Versicherte keine Investitionen mit langfristigem Charakter tätige und somit auch kein eigenes wirtschaftliches Risiko trage, da Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie die Arbeitsutensilien, welche in den Räumen der ei nzelnen Arbeitgeber zur Verfügung ge- stellt würden, benutze. Zudem sei sie arbeitsorganisat orisch untergeordnet und an Weisungen gebunden, da sie nach Bedarf der einzelnen Auftraggeb er für die Tätigkeit, welche durch die Auftraggeber bestimmt werde, zugezogen werde. Die Versicherte werde durch die Auftraggeber sofort oder monatlich entschädigt und trage insofern ke in eigentliches Inkassorisiko. Die Ent- schädigung erfolge jeweils für die geleisteten Arbeitsst unden. Zudem werde kein Personal be- schäftigt, da die Versicherte selber nicht als Arbeitneh merin der Einzelfirma gelte. Allfällige, durch die Versicherte bei der Ausübung der Tätigkeit veru rsachte Schäden übernehme die Pri- vathaftpflicht oder würden bei der Entschädigung abgezogen. 5.2 Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber vor, d ass sie Investitionen tätige, falls sie einen Auftrag erhalte. Sie benutze zwar die Reini gungsutensilien vor Ort, aber sie habe auch eigene. Sie müsse diesbezüglich keine neuen Anscha ffungen tätigen. Sie habe einen Fir- meneintrag gemacht, habe Visitenkarten drucken lassen un d verfüge über eine Unfallversiche- rung. Sie trage ein wirtschaftliches Risiko insofern, als si e unbezahlte zusätzliche Zeit investie- ren müsse, falls die Auftraggeber nicht zufrieden seien . Dass sie jederzeit Aufträge verlieren könne, stelle auch ein wirtschaftliches Risiko dar. Zudem hafte sie mit ihrem eigenen Vermö- gen. Sie sei nicht in arbeitsorganisatorisch untergeordn eter Position tätig. Sie könne selbst ent- scheiden, wieviel sie arbeiten wolle. Diese Freiheit hätte sie in einem Arbeitsverhältnis nicht. Sie trage ein eigenes wirtschaftliches Risiko, denn lediglich die Hälfte der Klienten zahle gleich nach der Arbeit. Die andere Hälfte zahle einmal pro Monat auf das Konto ein. Sie beschäftige derzeit kein Personal, habe aber eine potenzielle Ang estellte, die am 6. Juli 2015 einen Probe- tag absolvieren werde. 5.3.1 Anhand einer Gewichtung der Umstände ist somit zu klären, ob die Beschwerdeführe- rin selbständig oder unselbständig erwerbstätig ist. Die Beschwerdeführerin erledigt Reini- gungsarbeiten in Privathaushalten und Geschäftsräumlichk eiten. Sie hat ihre Festanstellung aufgegeben, um gemäss eigenen Angaben die Vorzüge der selbständigen Erwerbstätigkeit zu geniessen und ihre Arbeitszeiten sowie deren Umfang selbständig festlegen zu können. 5.3.2 Was das Kriterium des Unternehmerrisikos betrifft, so bringt die Beschwerdegegnerin grundsätzlich zu Recht vor, dass die Beschwerdeführerin kei ne erheblichen Investitionen getä- tigt und sie keine nennenswerten Infrastrukturkosten zu tragen habe. Bei einer Tätigkeit wie der vorliegenden tritt das Unternehmerrisiko als Unterscheidun gsmerkmal für die Abgrenzung der selbständigen von der unselbständigen Erwerbstätigkeit j edoch in den Hintergrund. Dennoch kann vorliegend nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Beschwerdeführerin – im Ver- gleich zu vielen anderen Putzfrauen, die im Privathaus halt Reinigungsarbeiten erledigen – im Hinblick auf ihre selbständige Erwerbstätigkeit gewisse In vestitionen getätigt hat. Sie besitzt eigene Putzutensilien, die sie zu ihren Auftraggebern m itnehmen könnte. Somit könnte sie bei Bedarf die Infrastruktur auch selber stellen. Hinzu kommt , dass sie für einen Handelsregis- tereintrag der Einzelfirma Geld ausgegeben hat (vgl. K opie der Rechnung des Handelsregister- amts für den Eintrag der Firma „Z.____“ im Umfang von Fr. 173.--). Sie hat zudem Visitenkarten drucken lassen und hat eine Unfallversicherung abgeschlossen (vgl. Prämienrechnung vom 24. Juli 2012 und vom 6. Oktober 2014). Zudem trägt sie ei n gewisses Verlustrisiko, da ausgefalle- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne Putzstunden – zum Beispiel bei Ferienabwesenheit – nicht entschädigt werden. Dass die Beschwerdeführerin mit der pünktlichen Zahlung durch di e Kunden rechnen kann, ist kein schlagendes Argument für oder gegen eine unselbständige Erwerbstätigkeit (vgl. Aufstellung der Zahlungseingänge der Kunden für die Monate Septe mber bis November 2014 und die Buchhaltung Reinigungsfirma „Z.____“ 2014). Sie bef indet sich hier aber in keiner anderen La- ge wie jede selbständig erwerbende Person, welche mi t der Begleichung des Honorars grund- sätzlich rechnen kann bzw. auf die zeitnahe Begleichung des Honorars vertrauen muss. 5.3.3 In Bezug auf das Kriterium des betriebswirtschaftl ichen bzw. arbeitsorganisatorischen Abhängigkeitsverhältnisses weist der Umstand, wonach die Beschwerdeführerin gemäss den mit den Auftraggebern geschlossenen Rahmenverträgen k eine Pflicht zur persönlichen Aufga- beerfüllung hat, eher auf eine selbständige Erwerbstät igkeit hin (Verträge mit der B.____ [28. Oktober 2014], der Familie C.____ [11. September 201 4], Frau D.____ [10. September 2014] und Frau E.____ [10. September 2014] sowie mit Famil ie F.____ [1. Januar 2015]. Dass die Beschwerdeführerin die Arbeit in den Räumlichkeiten der Auftraggeber mit den Arbeitsutensilien derselben durchführt, ist kein Ausdruck einer arbeitso rganisatorischen Einbindung. Der Um- stand, dass sich die Entschädigung der Beschwerdeführerin na ch Zeiteinheiten richtet, spricht ebenfalls nicht für eine arbeitnehmerähnliche Stellung . In vielen Berufen, die klassischerweise selbständig erwerbend ausgeübt werden, wird nach Stunde naufwand mit den Auftraggebern abgerechnet. Dies kann somit kein ausschlaggebendes Krit erium für eine eindeutige betriebs- wirtschaftliche oder arbeitsorganisatorische Abhängigke it der Beschwerdeführerin von ihren Auftraggebern sein. Hinzu kommt, dass der Stundenansatz vo n Fr. 30.-- für ein Arbeitsverhält- nis in der Reinigungsbranche unüblich hoch wäre. Gemäss a ktuell geltendem GAV beträgt der Minimallohn für angestellte Reinigungskräfte vom ersten bis zum dritten Dienstjahr Fr. 18.50 ( http://www.gav-service.ch ). Dies lässt darauf schliessen, dass der Lohn noch weitere Aufwen- dungen der Beschwerdeführerin deckt. Es kann zudem nicht von einer im Auftragsrecht das Übliche übersteigende Weisungsgebundenheit die Rede sein. Aus den Verträgen geht überdies keine Pflicht zur persönlichen Arbeitsleistung hervor. Zu dem ist der Vertrag so formuliert, dass es der Beschwerdeführerin offen steht, die Einsätze anz unehmen oder abzulehnen. Es liegt somit weder eine eindeutige arbeitsorganisatorische E inbindung noch eine wirtschaftliche Ab- hängigkeit der Beschwerdeführerin von ihren Auftragge bern vor, die für eine unselbständige Erwerbstätigkeit sprechen würden. 5.3.4 Ausschlaggebend für die Qualifizierung der Beschw erdeführerin als selbständig Erwer- bende ist letztlich, dass die Beschwerdeführerin nach aussen hin sichtbar für eine unbestimmte Anzahl Kunden als Firma und nicht als Einzelperson auft ritt (vgl. dazu das Urteil des Sozialver- sicherungsgerichts Zürich vom 14. Mai 2014 sowie das Urte il des Bundesgerichts vom 5. Au- gust 2008, 9C_141/2008). Die Beschwerdeführerin liess per 12. Juli 2012 eine eigene Firma im Handelsregister eintragen. Sie verwendet im Internet ( Facebook und Firmeninternetseite), auf ihrer Visitenkarte und in den Verträgen die Firmenbe zeichnung „Z.____“. Sie schloss für sich und potenzielle Angestellte bei der X.____ Unfallversich erungen AG eine Unfallversicherung ab. Zudem wies sie stets darauf hin, dass sie beabsichtige, Personen anzustellen. Bereits im Einspracheverfahren reichte sie den Entwurf eines Arbeit svertrags (Arbeit auf Abruf) zu den Akten. Während des Beschwerdeverfahrens teilte die Beschwerdeführerin sodann mit, dass sie Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit zwei Personen auf sechs Monate befristete Arbeitsver träge (Arbeit auf Abruf) abgeschlos- sen habe (vgl. die Verträge zwischen der Reinigungsfirma „Z.____“ und Frau G.____ bzw. Frau H.____, jeweils vom 8. September 2015). Dieser Umstan d hat sich zwar erst nach dem Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids verwirklicht, weshalb er eigentlich nicht mehr berück- sichtigt werden dürfte (BGE 121 V 336 E. 1b, 129 V 4 E. 1.2). Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich jedoch im Sinne einer Gesamtwürdigung, ihn zu berücksichtigen. 6. Im vorliegenden Fall überwiegen somit die charakteri stischen Merkmale einer selb- ständigen Erwerbstätigkeit. Ausschlaggebend ist insbesonde re, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Einzelfirma in der Öffentlichkeit auftritt, was für eine unselbständige Putzfrau eher un- gewöhnlich ist. Die Beschwerdeführerin ist gleichzeitig f ür mehrere Kunden tätig, ohne jedoch von ihnen abhängig zu sein. Sie beschafft sich die Aufträ ge selber und nimmt nach aussen hin sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr mit dem Ziel teil, Dienstleistungen für geldwerte Gegenleis- tungen zu erbringen. Zudem hat sie eigene Mitarbeiter innen angestellt. Diese Umstände zei- gen, dass sie ein eigenes Unternehmen aufbauen und ex pandieren will. Die Tätigkeit der Be- schwerdeführerin als Raumpflegerin unter der Firmenbeze ichnung „Z.____“ ist deshalb als selbständig erwerbend einzustufen. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die aussero rdentlichen Kosten sind wettzuschla- gen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspra cheentscheid vom 9. Juni 2015 mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin für ihre Tätigkeit als Reinigungsfachkraft als selbständig Erwerbe nde zu quali- fizieren ist, aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht