B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1747/2018 U r t e i l v o m 2 0 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Richter Lorenz Noli (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Rajeevan Linganathan, Rechtsanwalt, Clivia Wullimann & Partner, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 14. Februar 2018 / N (…). E-1747/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 17. Mai 2016 in der Schweiz um Asyl und machte anlässlich der Befragung zur Person vom 20. Mai 2016, der Anhörung vom 30. Juni 2016 und der ergänzenden Anhörung vom 29. No- vember 2017 im Wesentlichen geltend, sri -lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie zu sein und zusammen mit seinen Angehörigen in B._______, C._______, Distrikt Jaffna, gelebt zu haben. An der Universität habe er Ökonomie studiert und das Studium mit einem Bachelor of Arts abgeschlossen. Am 5. Septemb er 2015 habe er in einem Tempel in D._______ religiös geheiratet. Seine Frau studiere an der Universität und lebe bei ihren Eltern in B._______. Im August 2006 sei er von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert worden, nach sechs oder sieben Tagen habe er jedoch während einer Bombardierung flüchten können. Ende 2008 sei sein Bruder von den LTTE mitgenommen worden; er sei bei der Computerabteilung der LTTE tätig gewesen und habe nach einem oder eineinhalb Monaten fliehen können. Ende März 2009 seien der Beschwerdeführer und seine Familie aus dem von den LTTE kontrollierten Gebiet in das von der sri-lankischen Armee (SLA) kontrollierte Gebiet geflohen und von der SLA zuerst ins Camp E._______ in F._______ und danach in ein Camp in G._______ ge- bracht worden. Im November 2009 hätten sie das Camp verlassen dürfen und seien nach Kudathanai gegangen. Sein Bruder sei in ein Rehabilitati- onscamp verlegt worden. Seine Mutter habe einem Beamten des Criminal Investigation Department (CID) Geld gegeben, weshalb der Bruder illegal aus dem Camp freigelassen worden sei. Im September 2010 seien sie nach B._______ zurückgekehrt. Sein Bruder habe Probleme mit der SLA gehabt und sei deshalb im Jahr 2011 ausgereist. Im April 2013 sei er (Beschwerdeführer) zum ersten Mal vom CID zu sei- nem Bruder befragt worden. Danach sei er mehrmals auf dem Gelände der Universität von Personen des CID belästigt worden. Um besser vor dem CID geschützt zu sein, sei er ins Internat der Universität gezogen. Am 3. November 2014 habe ein grüner Jeep vor der Universität gehalten und zwei Personen des CID sowie drei Soldaten der SLA seien ausgestiegen und hätten ihn geschlagen und zu seinem Bruder befragt. Er habe ihnen nicht verraten, wo sich sein Bruder aufhalte. Nachdem die Personen weg- gefahren seien, sei er in ein Spital gebracht worden. Dort habe er sich bis zum 5. November 2014 wegen seinen Verletzungen an Nase, Rücken und E-1747/2018 Seite 3 Schulter aufgehalten. Dem (…) habe er von diesem Vorfall erzählt. Dieser sei mit ihm zusammen zu einer Menschenrechtsorganisation gefahren. Er habe alles berichtet, sie hätten ihm dort jedoch nicht weiterhelfen können. Am 11. Februar 2015 habe er bei der Schweizer Botschaft in Colombo um ein humanitäres Visum ersucht. Nach seiner Rückkehr sei er in Jaffna von CID-Angehörigen zu seinem Aufenthalt in Colombo befragt worden. Am 13. Juli 2015 sei er mit dem Motorrad auf dem Weg nach Hause gewesen und in H._______ von zwei CID-Beamten zusammen mit drei Soldaten ange- halten worden. Mit einem Jeep sei er in ein Camp gebra cht worden. Dort sei er zu seinem Bruder verhört worden. Während der Befragung sei erst seine Hand und später sein Penis in einer Schublade eingeklemmt worden. Er sei dann freigelassen worden und sie hätten ihm gesagt, sie würden ihn am nächsten Tag telefonisch kontaktieren; er solle herausfinden, wo sich sein Bruder befände. In derselben Nacht sei er zu einer Kollegin nach I._______ gefahren und habe sich für eine Zeit dort aufgehalten. Im Januar 2016 habe er sich in Colombo einen Pass ausstellen lassen. Am (…) 2016 habe er an der Diplomfeier der Universität teilgenommen, ohne CID -Be- amte gesehen zu haben. Am (…) 2016 hätten CID-Beamte einen Studien- kollegen nach ihm befragt. Auch in I._______ hätten sie nach ihm gesucht, weshalb er sich nach B._______ und da nn zu seinem Onkel nach J._______ begeben habe. Am 14. Februar 2016 abends sei das Haus sei- ner Familie durchsucht worden und seiner Mutter sei mitgeteilt worden, das CID hätte Beweise, dass er bei den LTTE gewesen sei. Falls sie ihn antref- fen würden, würde er sofort erschossen werden. Am nächsten Tag habe er sich deshalb zu einer Frau nach K._______ begeben und am 18. Februar 2016 einer Menschenrechtsorganisation von seinen Problemen erzählt. Mit einem Schlepper sei er am 13. Mai 2016 nach Colombo gefahren. Von Co- lombo sei er mit seinem eigenen Pass in den Oman gereist und von dort weiter mit einem indischen Pass in die Türkei. Über den Landweg sei er schlussendlich in die Schweiz gelangt. Im Oktober 2016 hätten CID -Be- amte und Armee-Angehörige ihn erneut zu Hause gesucht. Als Beweismittel reichte er folgende Dokumente ein: seine sri -lankische Identitätskarte (im Original), seine Studentenkarte der "University of Jaffna" (im Original), seine Geburtsurkunde (in Kopie), Todesurkunden seines Va- ters, Cousins und Schwester (in Kopie), ein Schreiben der " L._______" vom 31. Mai 2016 (im Original), ein schriftliches Asylgesuch des Beschwer- deführers an die Schweizer Botschaft in Colombo vom 15. Februar 2016 (im Original), ein Schreiben der Schweizer Botschaft in Colomb o vom 23. März 2016 (im Original), vier Schreiben der "M._______" vom 6. November 2014, 12. Februar 2015 sowie vom 18. und 23. Februar 2016 (im Original), E-1747/2018 Seite 4 ein Schreiben der "N._______" vom 6. Januar 2015 (im Original), ein ärzt- liches Zeugnis vom 16. Novemb er 2014 (im Original), eine Familienkarte des Flüchtlingscamps G._______, ein Zertifikat der "University of Jaffna" vom 17. November 2015 und drei Schulzeugnisse (im Original). B. Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 (eröffnet am 19. Februar 2018) ver- neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. März 2018 Beschwerde a n das Bundesverwaltungsgericht und bean- tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Seine Flüchtlingsei- genschaft sei festzustellen und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder die Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung des rubrizierten Rechts- vertreters als amtlichen Rechtsbeistand. D. Mit Zwischenverfügung vom 23. März 2018 zeigte das Bundesverwal- tungsgericht den Eingang der Beschwerde an und teilte dem Beschwerde- führer mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. E. Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Zwischenverfügung vom 28. März 2018 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtli- chen Rechtsbeistand unter der Voraussetzung der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut. Bei unterlassener Nachreichung setzte es dem Beschwerdeführer Frist zur Bezahlung eines Kostenvorschusses. Mit Ein- gabe vom 10. April 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebe- stätigung nach. E-1747/2018 Seite 5 F. Mit Zwischenverfügung vom 2. Mai 2018 lud das Bundesverwaltungsge- richt die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. Diese liess sich mit Eingabe vom 14. Mai 2018 vernehmen. G. Mit Eingabe vom 1. Juni 2018 legte der Beschwerdeführer ein "Police Mes- sage Form" vom 25. März 2018 im Original und mit englischer Übersetzung als Beweismittel zu den Akten und reichte am 12. Juni 2018 eine Replik ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge- setzesbezeichnung verwendet. 2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer- deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-1747/2018 Seite 6 4. 4.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Asylentscheids führte die Vor - instanz aus, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien weder glaubhaft noch asylrelevant, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Obwohl er eine Reflexverfolgung wegen seines Bruders geltend mache, habe er nur sehr wenig zu den Schwierigkeiten seines Bruders mit der Regierung erzählen können. Er habe ausgeführt, sein Bruder sei auf- grund eines eineinhalbmonatigen Einsatzes in der Computerabteilung der LTTE verfolgt worden. Dabei handle es sich jedoch lediglich um eine Ver- mutung. Weshalb die Behörden sich trotz des kurzen LTTE-Einsatzes fast zehn Jahre lang für seinen Bruder interessiert haben sollen, habe er nicht überzeugend erklären können. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb er den Behörden nicht mitgeteilt habe, dass sich der Bruder im Ausland befände. Wenig plausibel erscheine seine Aussage, nicht zu wissen, ob sein Bruder nach Kriegsende rehabilitiert worden sei. Zu den angeblichen Befragungen durch das CID ab dem Jahre 2013 habe er nicht angeben können, woher die mutmasslichen CID -Agenten ihn erkannt hätten und jeweils gewusst haben wollen, wo er anzutreffen sei. Nicht nachvollziehbar sei, dass sich die Behörden erst im Jahr 2013, mithin zwei Jahre nach der Ausreise sei- nes Bruders, über dessen Aufenthaltsort informiert haben wollen. Nicht zu überzeugen vermöge seine Antwort, seine Mu tter und Schwester seien nicht nach seinem Bruder befragt worden, da die Behörden davon ausge- gangen seien, der Bruder halte sich nicht zu Hause auf. Die Verletzungen nach dem angeblichen Vorfall im November 2014 würden nicht mit dem ärztlichen Bericht übereinstimmen. Er habe weder die Begründung für die Festnahme nennen können noch weshalb er für die Befragung in ein Camp gebracht worden sei. Zu der Festnahme selbst, der Befragung und Folte- rung im Camp habe er nur standardisierte und substanzlose Angaben ge- macht. Die verschiedenen Empfehlungsschreiben würden lediglich seine Version der Ereignisse widerspiegeln und hätten deshalb einen geringen Beweiswert. Er habe nicht glaubhaft machen können, asylrelevanten Ver- folgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Nach Kriegsende habe er noch acht Jahre in seinem Heimatland gelebt und sei mit seinem eigenen Pass ausgereist. Allfällige im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten deshalb kein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden ausgelöst. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden würde. 4.2 Auf Beschwerdeebene rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil sie es unterlassen E-1747/2018 Seite 7 habe, die Verfahrensakten seines Bruders beizuziehen sowie seine eige- nen Visumsakten bei der Schweizer Vertretung in Colombo zu beantragen. Seine Asylvorbringen hätten mit diesen Unterlagen belegt werden können. Die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt. Zu Un- recht sei sie von der Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen ausgegangen und habe dadurch ihre Begründungspflicht verletzt. Im Rahmen der freien Schilderung habe er seine Fluchtgr ünde in eindrücklicher und besonders lebhafter Art und Weise dargelegt. Seine substantiierten und widerspruchs- freien Aussagen seien voller Realkennzeichen. Die Vorinstanz habe sich jedoch pauschal auf den Standpunkt gestellt, seine Ausführungen seien unglaubhaft. Sein Bruder sei in der IT -Abteilung der LTTE tätig gewesen und habe deshalb Kenntnis vieler diskreter Informationen (namentlich Aus- landbeziehungen der LTTE, Geldtransfer, Waffenschäfte etc.) erlangt. Der sri-lankische Staat habe ein grosses Interes se daran, Personen zu elimi- nieren, die eine Gefahr für den Einheitsstaat darstellen und vom Ausland ein allfälliges Wiederaufflammen einer Separatismus-Bewegung organisie- ren könnten. Beim Bruder handle es sich nicht um ein gewöhnliches LTTE- Mitglied, sondern um ein Mitglied mit Geheimkenntnissen. Für den sri-lan- kischen Staat sei der Bruder von grosser Bedeutung. Deshalb sei glaubhaft und nachvollziehbar, dass er (Beschwerdeführer) zu seinem Bruder befragt und dabei gefoltert worden sei. Damit liege eine Reflexverfolgung vor. Sein Bruder habe zudem die Rehabilitation nicht abgeschlossen, sondern sei frühzeitig gegen Geld freigelassen worden. Gestützt auf weitere Ermittlun- gen seien die sri-lankischen Behörden deshalb auf seine Familie aufmerk- sam geworden. Seine Mutter und Schwester seien nicht ins Visier der Be- hörden geraten, da der Fokus auf jungen Männern liege; diese würden die grösste Gefahr für ein allfälliges Wiederaufleben einer Unabhängigkeitsbe- wegung darstellen. Nicht angelastet werden könne ihm, dass seine Verlet- zungen vom Vorfall vom 3. November 2014 nicht mit denjenigen im Arzt- bericht übereinstimmen würden; das ärztliche Attest sei unvollständig und es sei nicht sein Verschulden, dass der Arzt unsorgfältig gearbeitet habe. Für die Glaubhaftigkeit dieses Vorfalls spreche zudem, dass er dieses Er- eignis dem (…) geschildert und den Vorfall zusätzlich bei einer Menschen- rechtsorganisation gemeldet habe. Den Vorfall vom Juli 2015 habe er frei und widerspruchsfrei geschildert und er sei während der Erzählung mehr- mals in Tränen ausgebrochen. Aufgrund seiner Gefährdung habe er auch nicht in Jaffna geheiratet, sondern in D._______, Distrikt I._______. Er ge- höre zudem zur bestimmten sozialen Gruppe der abgewiesenen tamili- schen Asylgesuchsteller, die bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit systematisch aufgrund eines Generalver-E-1747/2018 Seite 8 dachts der Unterstützung den LTTE durch die sri-lankischen Behörden ver- haftet, unter Anwendung von schwerer Folter und auch auf unbestimmte Zeit inhaftiert würden. Sein Profil bringe ihn gemäss der aktuellen Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts und den Präjudizen des SEM bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in asylrelevanter Weise in Gefahr. We- gen seiner Mitgliedschaft bei den LTTE und derjenigen seines Bruders sei er staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt. Seit seiner Ausreise werde er weiterhin behördlich gesucht. Aufgrund der verschiedenen und kumulierten Risikofaktoren sei er als Flüchtling anzuerkennen. Weiter for- muliert der Beschwerdeführer verschiedene Beweisanträge, auf die nach- folgend (E. 6) eingegangen wird. 4.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, es sei zutreffend, dass der Bruder des Beschwerdeführers in der Schweiz als Flüchtling auf- genommen worden sei. Nicht ersichtlich sei jedoch, weshalb der Beizug dieser Akten vorliegend wesentlich sein soll. Die geltend gemachte Re- flexverfolgung sei nach Überprüfung der Aussagen des Beschwerdefüh- rers als unglaubhaft eingestuft worden. Die elektronisch aufbewahrten Ak- ten des Visumsverfahrens vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern und seien deshalb n icht berücksichtigt worden. Auf Beschwerde- ebene seien die Akten jedoch ausgedruckt und ins Papierdossier gelegt worden. Es sei nicht Pflicht des SEM, ein medizinisches Gutachten anzu- ordnen, um mögliche Narben oder andere Folgen eine r angebliche Miss- handlung bestätigen zu lassen. Es stehe dem Beschwerdeführer frei, ein solches Gutachten einzureichen. 4.4 Replizierend macht der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz habe die von ihm geltend gemachte Reflexverfolgung für unglaubhaft be- funden, weshalb ein Beizug der Akten des Asylverfahrens seines Bruders notwendig gewesen wäre. Dadurch hätte festgestellt werden können, dass seine Aussagen mit denjenigen seines Bruders übereinstimmen würden. Das Gleiche gelte für die Akten seines Visumsverfahrens. Er habe bereits im Februar 2015 bei der Schweizer Vertretung in Colombo einen Antrag auf Erteilung eines Visums gestellt und seine Probleme mit den sri -lanki- schen Behörden dargelegt. Durch den Beizug dieser Akten hätte festge- stellt werden können, dass seine Geschichte wahr sei. Die Tatsache, dass er sich an die Schweizer Vertretung gewandt habe zeige zudem, in welch gefährlichen Situation er sich befunden habe. Sollte auf Beschwerdeebene kein Gutachten zu seinem Gesundheitszustand in Auftrag gegeben wer- den, so sei ihm daz u eine angemessene Frist anzusetzen. Dem "Police E-1747/2018 Seite 9 Message Form" lasse sich sodann entnehmen, dass er inzwischen behörd- lich gesucht werde. Aus diesem Formular gehe hervor, dass er sich bei der Terror Investigation Division (TID) melden müsse. Um die Echtheit dieser Urkunde nachzuweisen, sei eine Botschaftsabklärung vorzunehmen. 5. 5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive Verletzung der Begrün- dungspflicht, unvollständige und unrichtige Abkl ärung des rechtserhebli- chen Sachverhalts) erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allen- falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be- wirken. 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches a ls Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk- ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück- lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un- richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 5.3 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil sie sie es unterlassen habe, die vorinstanz- lichen Verfahrensakten seines Bruders beizuziehen sowie seine eigenen Visumsakten bei der Schweizer Vertretung in Colombo zu edieren. Seine eigenen Asylvorbringen hätten mit diesen Unter lagen belegt werden kön- nen. Die Vorinstanz habe es unterlassen, den Sachverhalt vollständig ab- zuklären. E-1747/2018 Seite 10 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung aufführt, wurde der Bruder des Beschwerdeführers im Jahr 2015 in der Schweiz als Flüchtling anerkannt. Demzufolge geht die Vorinstanz davon aus, dass dieser in Sri Lanka in asylrelevanter Weiser verfolgt wird. Sein Bruder reiste bereits im Jahr 2011 aus. Der Beschwerdeführer wurde gemäss eigenen Aussagen jedoch erst im Jahr 2013 – also erst zwei Jahre später – in Sri Lanka erst- mals zu seinem Bruder befragt. Zu der angeblichen Reflexverfolgung kann der Bruder daher gar keine Angaben machen, da er sich nach 2011 nicht mehr in Sri Lanka aufgehalten hat. Die Vorinstanz konnte deshalb darauf verzichten, die Akt en des Bruders des Beschwerdeführers beizuziehen. Auf Vernehmlassungstufe zog die Vorinstanz die Akten des Visumsverfah- rens des Beschwerdeführers bei, ohne dass sie darin Gründe für eine Wie- dererwägung ihrer Verfügung erblickte. Der Beschwerdeführer verlan gte keine Akteneinsicht in seine eigenen Akten. Es ist davon auszugehen, dass ihm diese bekannt sind. Die Verfügung der Vorinstanz betreffend Abwei- sung der Einsprache gegen den ablehnenden Visumsentscheid vom 12. Juni 2015 wurde ihm am 30. Juni 2015 zugest ellt (vgl. Akten Visumsver- fahren). Die Vorinstanz hat den Sachverhalt vollständig abgeklärt. 5.4 Beim weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers, die Vorinstanz sei zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen ausgegangen und habe dadurch ihre Begründungspflicht verletzt, handelt es sich um die Wür- digung des Sachverhalts und nicht um eine Verletzung der Begründungs- pflicht. Die angefochtene Verfügung hält in genügender Weise fest, wes- halb die Vorbringen des Beschwerdeführers für unglaubhaft befunden wur- den und er konnte die Verfügung anfechten. 5.5 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als offensichtlich unbe- gründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis- anträge: die Akten des Asylverfahrens seines Bruders sowie seine eigenen Akten bezüglich der Beantragung eines Visums für die Schweiz seien bei- zuziehen. Es sei durch die Schweizer Botschaft in Colombo eine Zeugen- befragung von Frau O._______ durchzuführen. Weiter sei ein medizini- sches Gutachten bezüglich seiner Verletzungen (G esicht, obere Extremi- tät, Genitalien) zufolge des Angriffs auf ihn vom 3. November 2014 und der E-1747/2018 Seite 11 Folter vom 13. Juli 2015 anzuordnen. Allenfalls soll ihm eine Frist zur Ein- reichung eines solchen Gutachtens eingeräumt werden. Sollten seine Asyl- vorbringen als unglaubhaft eingestuft werden, so müsse ihm eine ange- messene Frist angesetzt werden, um die Glaubhaftigkeit der Vorbringen zusätzlich zu belegen und es müsse ihm die Möglichkeit gegeben werden, sich im Rahmen einer Anhörung zu den erhobenen Vorwürfen äussern zu können. 6.2 Angesichts der vorliegenden Akten und Umstände sieht sich das Bun- desverwaltungsgericht nicht veranlasst, einen ausführlichen Bericht zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers einzuholen oder ihn erneut anzuhören. Anlässlich der BzP und der Anhörung erklärte er auf Nachfrage, es gehe ihm gesundheitlich gut (vgl. act. A32 F170); im Verlauf des erstin- stanzlichen Verfahrens sind nie gesundheitliche Probleme geltend ge- macht oder Arztberichte eingereicht worden. Es hätte ihm sodann zumin- dest seit Beschwerdeerhebung freigestanden und es wäre seine Mitwir- kungspflicht gewesen, einen Arztbericht beizubringen. Eine Fristansetzung zur Einreichung eines Gutachtens erübrigt sich damit. Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass der Bruder des Beschwerdefüh- rers im Jahr 2015 in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wurde. Damit ist belegt, dass der Bruder in Sri Lanka einer asylrelevanten Verfolgung aus- gesetzt war. Es erübrigt sich vor diesem Hintergrund, die Akten des Bru- ders beizuziehen, denn zu der angeblichen Reflexverfolgung nach seiner Ausreise kann dieser keine Angaben machen. Die Akten betreffend den Visumsantrag des Beschwerdeführers wurden von der Vorinstanz auf Ver- nehmlassungsstufe beigezogen und liegen dem Gericht vor. Dem Be- schwerdeführer wurde am 30. Juni 2015 der Entscheid bezüglich seiner Einsprache gegen den abgelehnten Visumsantrag zugestellt. Eine Akten- einsicht in dieses Verfahren verlangte der Beschwerdeführer nicht. Der An- trag auf Durchführung einer Zeugenbefragung von O._______ ist abzuwei- sen. O._______ war beim Vorfall vom 13. Juli 2015 nicht vor Ort und kann deshalb dazu auch keine Ausführungen machen. Das Rechtsmittel der Be- schwerde dient der Anfechtung des vorinstanzlichen Asylentscheids und der Beschwerdeführer ha t darin darzulegen, weshalb der vorinstanzliche Entscheid unzutreffend ist und alle notwendigen Beweismittel beizubrin- gen. Eine Stellungnahme und erneute Anhörung vor dem Bundesverwal- tungsgericht ist nicht angezeigt und der diesbezügliche Antrag ist abzuwei- sen. E-1747/2018 Seite 12 7. 7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 7.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder mas sgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 8. 8.1 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge- langt, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin- gen würden den Anforderungen a n die Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz nicht genügen, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es bleibt zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Reflexverfol- gung glaubhaft ist. Aufgrund der Anerkennung seines Bruders als Flücht- ling in der Schweiz ist davon auszugehen, dass er in Sri Lanka verfolgt wurde. Dieser flüchtete im Jahr 2011 aus Sri Lanka. Der Beschwerdeführer wurde gemäss eignen Angaben erstmals im Jahr 2013 zu ihm befragt. Zu- vor hatte er keinerlei Probleme mit den sri-lankischen Behörden (vgl. act. A23 F68). Gemäss seinen Ausführungen sei er am 3. November 2014 von Mitgliedern des CID und Soldaten der SLA auf die Schultern und den Rü- cken geschlagen worden, weshalb er gleichentags bis zum 5. November 2014 in ein Spital h abe gebracht werden müssen (vgl. act. A23 F96 und F100). Diesen Vorfall habe er dem (…) geschildert (vgl. act. A23 S.7). Ge- mäss der vorinstanzlichen Abweisung der Einsprache gegen den ableh- nenden Visumsentscheid wurde der (…) von der Schweizer Vertretung in Colombo telefonisch befragt und dieser habe ausgeführt, der Beschwerde- führer habe ganz normal die Vorlesungen an der Universität besucht und befände sich nicht in Gefahr. Beim Bestätigungsschreiben der "N._______" handle es sich um ein Gefälligkeitsschreiben. Der Beschwerdeführer teilte E-1747/2018 Seite 13 der Schweizer Vertretung daraufhin schriftlich mit, der (…) habe aus Angst, abgehört zu werden, nicht frei sprechen können, dieser stelle sich jedoch einem persönlichen Gespräch zur Verfügung. Aufgrund dieser Ergänzung habe die Schweizer Vertretung den (…) zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Dieser habe dies jedoch als unnötig empfunden und das An- gebot abgelehnt (vgl. Entscheid des SEM betreffend Einsprache gegen den ablehnenden Visumsentscheid vom 12. Juni 2015). Die Schilderungen des Beschwerdeführers zum Vorfall selbst fielen sodann oberflächlich und vage aus. Seine geltend gemachten Verletzungen an Rücken und Schulter (vgl. act. A23 F101) beziehungsweise an Rücken und Nack en sowie die gebrochene Nase (vgl. act. A32 F115) werden im ärztlichen Bericht vom 16. November 2014 nicht erwähnt und auch das Datum der Hospitalisie- rung stimmt nicht mit den Aussagen des Beschwerdeführers überein. Im Arztbericht wurde vermerkt, der Beschwerdeführer leide an Schmerzen im Schultergelenk und an einer Fibrositis, weshalb er vom 12. November 2014 an drei Tage hospitalisiert worden sei (vgl. act. A20 Beweismittel 13). Die Begründung des Beschwerdeführers, der Arzt habe unsorgfältig gearbeitet, überzeugt nicht. Im Juli 2015 will er sodann festgenommen, in ein Camp gebracht und misshandelt worden sein. Dazu brachte er vor, seine Hand und sein Penis seien in einer Schublade eingeklemmt worden. Bei der Be- schreibung des Raumes erwähnte er jedoch nich t, dass der Tisch eine Schublade gehabt habe, sondern führte lediglich aus, im Raum habe es bloss einen Tisch und vier Stühle, einen Dachventilator und Lampen ge- habt; sonst nichts (vgl. act. A23 F137). Trotz der angeblichen Verfolgung durch das CID besucht e der Beschwerdeführer jedoch am (…) 2016 die Diplomfeier der Universität. Ebenfalls im Januar 2016 liess er sich sogar einen Reisepass in Colombo ausstellen und begab sich dazu persönlich zur zuständigen Stelle. Ohne Probleme habe er einen Pass erhalten ( vgl. act. A23 F166 ff.). In einer Gesamtwürdigung sind die geltend gemachten Probleme mit den sri -lankischen Behörden als unglaubhaft einzustufen. Am 14. Februar 2016 soll das CID erstmals den Beschwerdeführer selbst zufolge seiner Mitgliedschaft bei den L TTE bei seiner Mutter aufgesucht haben (vgl. act. A23 S. 8 und F65). Der Beschwerdeführer reiste erst rund drei Monate nach der angeblichen Hausdurchsuchung aus und flog prob- lemlos mit seinem eigenen Pass von Colombo in den Oman. Dies zeigt auf, dass er vo n den sri -lankischen Behörden nicht gesucht worden ist und auch die angebliche Suche nach ihm am 14. Februar 2016 und Oktober 2016 erscheinen unglaubhaft. E-1747/2018 Seite 14 Die Bestätigungsschreiben der " L._______" und der " N._______" sowie die Schreiben der " M._______" sind als Gefälligkeitsschreiben mit gerin- gen Beweiswert einzustufen; sie geben lediglich die Version des Be- schwerdeführers wider. Auf Beschwerdeebene reichte der Beschwerdefüh- rer ein "Police Message Form" ein woraus er ableitet, immer noch gesucht zu werden. Der Beschwerdeführer erläuterte nicht, wie er in Besitz dieses Dokumentes gekommen ist. Das Dokument, wobei es sich gemäss Anga- ben des Beschwerdeführers um eine Vorladung der TID handle, enthält keinerlei Sicherheitsmerkmale. Solche Dokumente sind leicht käuflich er- werb-, manipulier- oder fälschbar. Es erscheint auch überhaupt nicht plau- sibel, dass der Beschwerdeführer drei Jahre nachdem er problemlos einen Reisepass beantragt und ohne Beanstandungen erhalten hat, nun aufge- sucht werden sollte. Der Antrag a uf Prüfung des Dokumentes auf seine Echtheit mittels einer Botschaftsabklärung ist damit abzuweisen. Der Be- schwerdeführer kann gestützt auf dieses Dokument keine individuelle Ver- folgung ableiten. 8.2 Zu prüfen bleibt, ob die im Referenzurteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 (vgl. a.a.O. E. 8.5) aufgeführten Risikofaktoren erfüllt sind, deren Vor- liegen zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft führen können. Die Asyl- vorbringen des Beschwerdeführers sind unglaubhaft ausgefallen. Er wurde zwar gemäss eigenen Angaben im August 2006 von den LTTE zwangsre- krutiert, floh jedoch nach sieben Tagen und hatte danach keinen Kontakt zu den LTTE mehr. Sein Bruder wurde in der Schweiz zufolge seiner Zu- gehörigkeit zur LTTE als Flüchtling anerkannt, der Beschwerdeführer erlitt deswegen jedoch keine Reflexverfolgung und hatte auch keine Schwierig- keiten wegen seiner eigenen angeblichen siebentägigen Zwangsrekrutie- rung. Seine Familie in Sri Lanka weist aktuell keine Verbindungen zu den LTTE auf. Die angeblichen Behelligungen durch das C ID sind nach dem oben Gesagten nicht glaubhaft geworden. Weiter wurde er keiner Straftat angeklagt oder verurteilt und verfügt somit auch nicht über einen Strafre- gistereintrag. Dass er in einer „Stop List“ aufgeführt sein soll, erscheint auf- grund des Gesagten und insbesondere aufgrund seiner Ausreise mit sei- nem eigenen Reisepass über den Flughafen Colombo als unwahrschein- lich. Allein aus der tamilischen Ethnie und der mittlerweile vierjährigen Lan- desabwesenheit kann keine Gefährdung abgeleitet werden. Unter Würdi- gung aller Umstände besteht daher kein Grund zu der Annahme, der Be- schwerdeführer könnte von der sri-lankischen Regierung zu jener kleinen Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wie- deraufleben zu lassen und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheits- staat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihm persönlich im Falle E-1747/2018 Seite 15 einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 8.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge- lehnt. 9. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs . 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger- krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei- sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AlG). E-1747/2018 Seite 16 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Die Vorinstanz führte aus, zufolge der Nichterfüllung der Flüchtlings- eigenschaft des Beschwerdeführers könne auch der Grundsatz der Nicht- rückschiebung nicht angewandt werden und die allgemeine Menschen- rechtssituation in Sri Lanka lasse den Wegweisungsvollzug nicht generell als unzulässig erscheinen. Zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen in Sri Lanka drohe nicht generell eine unmenschliche Behandlung, sondern im Einzelfall müsse eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden. Weder den Aussagen des Beschwerdeführers noch den Akten würd en sich An- haltspunkte dafür ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr mit beachtli- cher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Be- handlung drohe. Weiter würden weder allgemeine noch individuelle Hin- dernisse vorliegen, weshalb sich der Wegweisungsvollzug auch als zumut- bar erweise. Der Vollzug der Wegweisung sei sodann technisch möglich und praktisch durchführbar. 10.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, für ihn als zurückgeschafften tamilischen Asylbewerber sei der Wegweisungsvollzug unzulässig und ge- nerell unzumutbar. Entgegen der pauschalen Einschätzung der Vorinstanz würden keine begünstigenden Faktoren vorliegen. Der Wegweisungsvoll- zug sei deshalb auch in individueller Hinsicht unzumutbar. 10.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfüg ung mit zutreffender Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs- vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12.2 f.). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklungen (vgl. E. 10.5) in Sri Lanka festzuhalten. Im Hin- blick auf die diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri -lankischen und der schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer Angestell- ten der schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November 2019) E-1747/2018 Seite 17 besteht ebenfalls kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen po- litischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Besch werdeführer auswirken (vgl. Entscheid D -1466/2020 vom 23. März 2020 E. 7.2.2). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus- zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch- liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom- men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep- tember 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten „Background Check“ (Be- fragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegwei- sung ist zulässig. 10.5 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Am 16. November 2019 wurde der frühere Verteidigungssekretär Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka k ehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential- candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 05.03.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru- der Mahinda (früherer Präsident) zum Premierminister und band einen wei- teren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Go- tabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regie- rungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institu- tionen (vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including- presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of- state20191127174753/, abgerufen am 04.03.2020). Beobachter und ethni- sche / religiöse Minderheiten bef ürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und - aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regie- rungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Re- gierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kün- digte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament E-1747/2018 Seite 18 auf, 03.03.2020). Nach einer eingehenden Analyse der siche rheitspoliti- schen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) be- jaht werden kann (vgl. Urteil E -1866/2015 E. 13.2). In einem weiteren als Referenzurteil publizierten Entscheid erachtet das Bundesverwaltungsge- richt auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). An dieser Einschätzung vermögen auch die aktuellen Ereignisse in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer lebte bis vor seiner Ausreise mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester sowie deren Familie in B._______, Distrikt Jaffna. Der Beschwerdeführer ist jung, gesund und verfügt über eine uni- versitäre Ausbildung. Während seines Studiums wurde er von seiner Mut- ter, die als Troc kenfischhändlerin arbeitet, unterstützt und sie finanzierte ihm auch die Ausreise (vgl. act. A32 F169). Sein Bruder in der Schweiz unterstützt die Familie ebenfalls (vgl. act. A32 F8). Seine Mutter, zwei Schwestern mit ihren Familien sowie weitere Verwandt e leben in B._______ und J._______ (vgl. act. A32 F13 ff.). Es ist davon auszugehen, dass die Familie ihn bei der Wiedereingliederung unterstützen kann und er eine neue Existenz wird aufbauen können. Es liegen auch in individueller Hinsicht keine Wegweisungsvollzugshindernisse vor. 10.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 10.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt ric htig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. E-1747/2018 Seite 19 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Zufolge der mit Zwi- schenverfügung vom 28. März 2018 gewährten unentgeltlichen Prozess- führung ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten jedoch zu verzichten. 12.2 Das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands im Sinne von aArt. 110 a Abs. 1 AsylG wurde mit Zwischenverfügung vom 28. März 2018 gutgeheissen und dem Beschwerdeführer der rubrizierte Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand beigeordnet. Die notwendi- gerweise erwachsenen Parteikosten sind deshalb durch das Bundesver- waltungsgericht zu übernehmen (vgl. aArt. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9– 14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach Praxis des Gerichts werden amtlich bestellte Rechtsvertreter mit Anwalts- patent mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis 220.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der in der Honorarnote vom 12. Juni 2018 geltend gemachte Aufwand von 14.25 Stunden erscheint für das vor- liegende Verfahren zu hoch und ist auf 10 Stunden zu kürzen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Rechtsbeistand zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Hono- rar von insgesamt 2'304.– (inklusive Auslagen) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-1747/2018 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand des Beschwerdeführers wird zu Lasten der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 2'304.– entrichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Lorenz Noli Annina Mondgenast Versand: