Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 8. September 2015 (460 15 108) ____________________________________________________________________ Strafrecht Versuchte schwere Körperverletzung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richter Peter Tobler; Gerichtsschreiberin Nicole Schneider Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin A.____, vertreten durch Advokat Niggi Dressler, Hauptstrasse 46, 4102 Binningen, Privatkläger und Berufungskläger gegen B.____ , vertreten durch Advokat Dr. Dieter M. Troxler, Advokatur zum Wasserturm, Wasserturmplatz 2, 4410 Liestal, Beschuldigter Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung etc. Berufung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 10. Dezember 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (Dreierkammer 4) vom 10. Dezember 2014 wurde der Beschuldigte von der Anklage der versucht en schweren Körperverletzung, eventuali- ter der einfachen Körperverletzung mit einen gefährlichen Gegenstand und der Gefährdung des Lebens sowie der mehrfachen Drohung freigesprochen (Ziffer 1 des Urteilsdispositivs). Das wegen Beschimpfung zum Nachteil von C.____ und D.__ __ gegen den Beschuldigten eingelei- tete Verfahren wurde mangels gültiger Strafanträge gestützt auf Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StPO eingestellt (Ziffer 2 des Urteilsdispositivs). Mit Bezug auf die Anordnungen betreffend das Beschlagnahmegut ist auf Ziffer 3 des Urteilsdispos itivs zu verweisen. Die Genugtuungsforde- rung von A.____ wurde in Anwendung von Art. 126 Abs . 1 lit. b StPO abgewiesen. Schliesslich wurden die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kost en des Vorverfahrens von Fr. 3‘779.75 und der Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.--, dem Staat überwälzt und dem amtlichen Verteidiger wurde ein Honorar in Höhe von insgesamt Fr. 9‘991.70 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entrichtet. B. Gegen dieses Urteil meldeten zum einen die Staatsa nwaltschaft Basel-Landschaft mit Eingabe vom 17. Dezember 2014 und zum anderen der Privatkläger, A.____ , mit Eingabe vom 19. Dezember 2014 Berufung an. In ihrer Berufungserklärung vom 21. Mai 2015 stellt die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft folgende Anträge: „1. Es sei der mit Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 10. Dezember 2014 ausge- sprochene Freispruch wegen einfacher Körperverletzu ng mit einem gefährlichen Ge- genstand aufzuheben und der Beschuldigte sei wegen versuchter schwerer Körperver- letzung ev. einfacher Körperverletzung mit einem ge fährlichen Gegenstand schuldig zu sprechen. Die übrigen Freisprüche werden nicht angefochten. 2. Der Beschuldigte sei zu einer angemessenen Stra fe zu verurteilen. 3. Die ordentlichen und ausserordentlichen Kosten seien dem Beschuldigten aufzuerle- gen.“ Der Privatkläger stellt mit Eingabe vom 26. Mai 2015 folgende Rechtsbegehren: Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht „1. Der Angeschuldigte sei der versuchten schweren Körperverletzung für schuldig zu spre- chen. 2. Der Angeschuldigte sei im Punkt 3 der Anklage d er Drohung mit einer Eisenstange für schuldig zu sprechen. 3. Der Angeschuldigte sei entsprechend, angemessen zu bestrafen. 4. Der Angeschuldigte sei zu verurteilen, dem Priv atkläger 1 und Opfer eine Genugtuung im Umfang von Fr. 6‘000.-- zu bezahlen. 5. Der Angeschuldigte sei zu verurteilen, dem Priv atkläger 1 eine Parteientschädigung für das erstinstanzliche Verfahren im Umfang von Fr. 4‘784.35 zu bezahlen. 6. Die o/e Kosten für das zweitinstanzliche Verfah ren seien dem Angeschuldigten aufzuer- legen. 7. Dem Privatkläger 1 sei die unentgeltlichen Rech tspflege mit dem Unterzeichneten als Advokaten zu bewilligen.“ C. Mit Eingabe vom 23. Juni 2015 reichte der Beschuld igte seine Vernehmlassung zu den Anträgen der Berufungskläger ein. Die Berufungskläg er reichten ihrerseits - die Staatsanwalt- schaft mit Eingabe vom 3. Juli 2015, der Privatkläg er mit Eingabe vom 23. Juli 2015 - die Beru- fungsbegründungen ein. Die Ausführungen im angefochtenen Urteil sowie in d en erwähnten Eingaben werden - soweit erforderlich - in den nachfolgenden Erwägungen dargelegt. D. Anlässlich der heutigen zweitinstanzlichen Hauptve rhandlung, zu welcher der Beschul- digte zusammen mit seinem Vertreter, Rechtsanwalt D r. Dieter Troxler, Staatsanwältin Catheri- ne Züllig-Schlatter für die Staatsanwaltschaft sowie der Privatkläger mit seinem Vertreter, Advo- kat Niggi Dressler, erscheinen, wird der Beschuldig te eingehend zum angeklagten Sachverhalt befragt. In ihren Parteivorträgen halten die Berufu ngskläger an den schriftlichen Begehren fest. Der Vertreter des Beschuldigten beantragt die Abwei sung der Berufungen und überdies, dass seinem Mandanten eine Genugtuung im Betrag von Fr. 5‘000.-- zu Lasten des Staates für die zu Unrecht erfolgte Strafuntersuchung ausgerichtet wird. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die Depositionen des Beschuldigten und die Ausf ührungen der Parteien wird - soweit not- wendig - in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1.1 Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zuläs sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilwei se abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollständige oder unricht ige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungs gericht das Urteil in allen angefochte- nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs . 2 und Abs. 3 StPO). Die Berufung ist zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Ta gen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden. Danach muss beim Berufung sgericht innert 20 Tagen seit der Zu- stellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung eingereicht werden (Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO). 1.2 Gemäss Art. 381 Abs. 1 StPO ist die Staatsanwaltsch aft dazu legitimiert, zugunsten o- der zuungunsten der beschuldigten Person ein Rechtsmittel zu ergreifen. Art. 382 Abs. 1 StPO sieht sodann vor, dass jede Pa rtei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides ha t, zur Berufung legitimiert ist. Die Be- rechtigung zur Einlegung eines Rechtsmittels ist eine Eintretensvoraussetzung. Die Legitimation ist dann gegeben, wenn die Partei ein aktuelles rec htlich geschütztes Interesse an der Aufhe- bung oder Änderung eines Entscheides hat, d.h. wenn sie durch den angefochtenen Entscheid beschwert ist. Der Begriff „Partei“ ist - wie sich im Übrigen auch aus Art. 104 Abs. 1 StPO ergibt, wonach nebst der beschuldigten Person und der Staatsanwaltschaft auch die Privatklägerschaft Partei sein kann - weit zu verstehen. Demzufolge da rf auch die Privatklägerschaft, sofern sie durch einen Entscheid beschwert ist, ein Rechtsmitt el ergreifen. Gemäss Art. 382 Abs. 2 StPO kann die Privatklägerschaft einen Entscheid jedoch nicht hinsichtlich der ausgesprochenen Sanktion anfechten. Dies bedeutet „e contrario“, da ss sie einen Entscheid in allen anderen Punkten beanstanden darf, insbesondere wenn sich de r angefochtene Entscheid auf die Beur- teilung ihrer Zivilansprüche auswirkt (M ARTIN ZIEGLER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StPO, 2014, Art. 382 N 1 ff.). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 In casu wird das Urteil des Strafgerichts Basel-Lan dschaft vom 10. Dezember 2014 an- gefochten. Dieses Urteil stellt ein taugliches Anfe chtungsobjekt dar. Die Staatsanwaltschaft hat mit ihrer Eingabe vom 17. Dezember 2014 fristgerech t Berufung angemeldet. Das begründete Strafgerichtsurteil wurde ihr am 6. Mai 2015 zugest ellt. Die Berufungserklärung vom 21. Mai 2015, die am gleichen Tag bei der Post zum Versand aufgegeben wurde, ist innert der 20- tägigen Frist und damit ebenfalls rechtzeitig erfol gt. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufung sgericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft kann somit eingetreten werden. 2.2 Der Privatkläger hat seine Berufung am 19. Dezember 2014 beim Strafgericht angemel- det, womit die 10-tägige Frist seit Eröffnung des S trafgerichtsurteils vom 10. Dezember 2014 eingehalten ist. Die Berufungserklärung des Privatk lägers datiert vom 26. Mai 2015. In Anbe- tracht der am 6. Mai 2015 erfolgten Zustellung des begründeten Strafgerichtsurteils ist demzu- folge auch die Berufungserklärung des Privatklägers rechtzeitig erfolgt. Wie sich aus den zuvor dargelegten Rechtsbegehren ergibt, verlangt der Privatkläger zum einen, dass der Beschuldigte wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Droh ung mit einer Eisenstange schuldig er- klärt sowie zu einer angemessenen Strafe verurteilt wird (Ziffer 1 - 3 der Rechtsbegehren). Zum anderen beantragt er die Zusprechung der von ihm ge ltend gemachten Zivilforderungen (Ziffer 4 und 5 der Rechtsbegehren). Da der Privatkläger ge mäss Art. 382 Abs. 2 StPO einen Ent- scheid hinsichtlich der Sanktion nicht anfechten ka nn, muss ihm auch der Antrag auf eine an- gemessene Bestrafung verwehrt bleiben. Auf Ziffer 3 seiner Rechtsbegehren ist somit nicht ein- zutreten. Ansonsten kann aber auf seine Berufung eingetreten werden. II. Gegenstand des Berufungsverfahrens 1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufung sgericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es ist daher vora b darzulegen, was im zweitinstanzlichen Verfahren noch zur Diskussion steht. 2. Die Vorinstanz musste sich im angefochtenen Urteil mit einem Vorfall auseinanderset- zen, der sich am 18. August 2012 ereignet hatte und der sich in drei Sequenzen und damit in drei Anklagepunkte unterteilen liess. In der ersten Phase ging es um eine Drohung mit einem Messer, bei der zweiten Phase stand eine Körperverletzung durch Losfahren mit einem Auto im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Raum und schliesslich ging es in der dritten Phase erneut um eine Drohung, diesmal mit einer Eisenstange. Die Berufung der Staatsanwaltschaft bezieht sich au f die zweite Phase und richtet sich dort ge- gen die rechtliche Würdigung des angeklagten Sachve rhalts sowie gegen den Freispruch des Beschuldigten. Die Staatsanwaltschaft macht geltend , dass der gemäss Anklageschrift geschil- derte Vorfall rechtlich falsch gewürdigt worden sei . Dieser Fall müsse als versuchte schwere Körperverletzung qualifiziert werden und zudem sei nicht von einer Putativnotwehr auszugehen. Die Berufung des Privatklägers bezieht sich auf die zweite und die dritte Phase des Vorfalls. Er beanstandet die Freisprüche vom Vorwurf der versuch ten schweren Körperverletzung und der Drohung mit einer Eisenstange. Ausserdem geht es de m Privatkläger auch um seine Zivilforde- rungen. Er macht nämlich eine Genugtuung und eine P arteientschädigung geltend und bean- tragt die Beurteilung resp. Gutheissung dieser Zivilansprüche. III. Tatsächliches 1. Der im erstinstanzlichen Urteil als massgeblich fe stgestellte Sachverhalt wird weder von der Staatsanwaltschaft noch vom Privatkläger explizit beanstandet. In Anbetracht, dass aber die rechtliche Würdigung des angeklagten Vorfalls zur D iskussion steht, ist zunächst aufzuzeigen, von welchem Sachverhalt das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, ausgeht. Im Sinne einer Vorbemerkung ist dabei auf Art. 82 A bs. 4 StPO hinzuweisen. Gemäss dieser Bestimmung kann das Gericht im Rechtsmittelverfahre n für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz verweisen, wenn dieser beigepflichtet wird. Hingegen ist auf n eue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfa hren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2014, Art. 82 N 9). Es ist hier sodann festzuhalten, dass die Vorinstan z den relevanten Sachverhalt in ihrem Urteil sorgfältig dargelegt hat. Die Aussagen der involvie rten Personen wurden korrekt wiedergege- ben und alle weiteren vorhandenen Beweismittel, wie namentlich die Auskünfte des Kantonsspi- tals Liestal betreffend die Verletzungen des Privat klägers oder die Fotos vom Fahrzeug des Beschuldigten, wurden erwähnt und hinreichend gewür digt. Mit Bezug auf den angeklagten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt und die Aussagen der Parteien kann dahe r grundsätzlich auf das erstinstanzliche Urteil verwiesen werden. 2.1 In der ersten Phase der Auseinandersetzung vom 18. August 2012 ging es um einen verbalen Streit zwischen dem Beschuldigten auf der einen Seite und dem Ehepaar C.____ und D.____, A.____, dem Vater von C.____, sowie seinem Kollegen, E.____, auf der anderen Seite. Ort des Geschehens war der Parkplatz vor der Liegen schaft X.____-Strasse in Y.____, also beim Wohnort der Beteiligten. Was genau der Auslöse r des Streits gewesen war, vermutlich von D.____ abgestellte leere Red-Bull-Dosen, für de ren Entfernung sich der Beschuldigte als Abwart verantwortlich gefühlt hatte, liess die Vori nstanz offen. Ob allenfalls eine vierte männli- che Person - der Beschuldigte erwähnte den Bruder v on D.____ - beim Streit anwesend war, liess die Vorinstanz ebenfalls offen, zumal die Übe rlegenheit der drei jüngeren Männer gegen- über dem im Tatzeitpunkt 67-jährigen Beschuldigten ohnehin auch ohne Anwesenheit einer vierten männlichen Person als offensichtlich ersche ine. Aufgrund der übereinstimmenden An- gaben der Beteiligten ging die Vorinstanz weiter da von aus, dass der Beschuldigte nach der anfänglichen verbalen Auseinandersetzung ein Tasche nmesser hervorgenommen und dieses geöffnet habe. Gemäss Aussagen des Beschuldigten ha be er das Messer zur Verteidigung ge- gen die drei auf ihn zukommenden Männer hervorgehol t, worauf er zurückgewichen sei. Er ha- be das Messer nicht gegen die Männer gerichtet, son dern dieses mit offener Klinge neben sei- nem Hosensack gehalten. Mit dem Messer habe er sich nur schützen wollen und nicht die Ab- sicht gehabt, damit jemanden anzugreifen. Diese Sac hverhaltsdarstellung wurde im Wesentli- chen von A.____ bestätigt, der zum einen angab, dass der Beschuldigte seinen Arm nach unten gehalten und gezittert habe und dass er sich selber zu keinem Zeitpunkt durch den Beschuldig- ten bedroht gefühlt habe. Auch D.____ bestätigte di ese Version insoweit, als er angab, der Be- schuldigte habe die Position des Messers ständig ge wechselt, vermutlich in der Meinung, er werde von ihm und A.____ angegriffen. Die Vorinstanz ging daher zusammenfassend von folge ndem Sachverhalt aus: A.____, D.____ und E.____ seien im Verlauf einer verbalen Auseinan dersetzung auf den Beschuldigten zuge- gangen, worauf dieser sein Taschenmesser hervorgeho lt, dessen Klinge geöffnet und mit dem Arm nach unten zitternd in der Hand gehalten habe. Hierauf habe sich D.____ abgewendet, während A.____ und E.____ weiter auf den Beschuldigten zugegangen seien. E.____ habe den Beschuldigten dann mit Worten soweit beruhigen könn en, dass er sich nicht mehr angegriffen gefühlt habe. In der Folge habe E.____ den Beschuldigten an den Schultern gehalten und ihn in Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dessen Auto gesetzt. C.____ sei während dieses Vorf alls ca. 15 m entfernt gewesen. Festzu- halten sei ausserdem, dass A.____ gemäss eigenen Au ssagen keine Angst vor dem Beschul- digten oder dessen Messer gehabt habe (Strafgerichtsurteil S. 10 ff.). Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, schliesst sich diesen Sachverhaltsfeststellungen voll- umfänglich an. 2.2 Die zweite Phase fand bei der Coop-Tankstelle (Ver zweigungsgebiet M.-Strasse/ N.- Weg) in Y.____ statt. Die am ersten Vorfall beteili gten Personen hatten sich mit ihren Fahrzeu- gen dorthin verschoben. Die Vorinstanz ging aufgrun d der Aussagen des Beschuldigten davon aus, dass er als Erster vom Parkplatz an der X.____ -Strasse in Y.____ losgefahren sei. Dies werde nicht nur durch die ersten Depositionen von C .____ sowie die Angaben von A.____ und von E.____ bestätigt, sondern ergebe sich auch aus der Endstellung der Fahrzeuge vor der Coop-Tankstelle. Zuvorderst sei nämlich gemäss über einstimmender Aussagen der Beteiligten das Fahrzeug mit A.____ und E.____, dann, leicht ve rsetzt, das Fahrzeug des Beschuldigten und zuhinterst das Fahrzeug mit D.____, C.____ und deren Kinder gestanden. In dubio pro reo sei ausserdem davon auszugehen, dass der Beschuldig te vom Fahrzeug, in dem E.____ und A.____ sassen, ausgebremst und bei der Coop-Tankste lle zum Halten gezwungen worden sei. In der Folge sei dann auch D.____ mit seinem Auto b ei der Coop-Tankstelle eingetroffen und habe dieses unmittelbar hinter dem Fahrzeug des Bes chuldigten angehalten. Gemäss überein- stimmender Aussagen der Beteiligten seien A.____ un d E.____ aus dem Auto ausgestiegen. D.____, der sein Fahrzeug - wie erwähnt - hinter de mjenigen des Beschuldigten parkiert hatte, habe sich gemäss Aussagen des Beschuldigten ebenfal ls seinem Fahrzeug genähert. Ob auch der Bruder von D.____ mit einem Hammer ins Geschehe n eingegriffen habe, liess die Vo- rinstanz offen. Völlig abwegig erscheine diese Auss age aufgrund der sehr widersprüchlichen Sachverhaltsschilderungen der Familie D.____, insbe sondere auch betreffend den Beginn der Auseinandersetzung, nicht, zumal der Beschuldigte b ehaupte, der Bruder von D.____ habe keine Aufenthaltsberechtigung, was zumindest eine E rklärung für das Abstreiten seiner Anwe- senheit durch die Beteiligten wäre. Nicht auszuschl iessen sei zudem, dass A.____, wie vom Beschuldigten behauptet, mit dem Fuss an dessen Aut o getreten habe. Auf der anderen Seite erscheine die Schilderung von A.____, sie hätten de n Beschuldigten vor dem Losfahren auffor- dern wollen, auf die Polizei zu warten, nicht nachv ollziehbar, habe doch hierzu kein nachvoll- ziehbarer Anlass bestanden, zumal man die Polizei j a vom Wohnort aus hätte informieren kön- nen. Aufgrund der Aussagen der Beteiligten sei A.__ __ sodann vor dem Auto des Beschuldig- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten durchgegangen resp. vor dessen Auto gestanden. Er habe damit - gemäss seinen eigenen Angaben - die Wegfahrt des Beschuldigten verhindern wollen. Dazu habe er sich mit beiden Händen auf der Motorhaube abgestützt, doch dann sei der Beschuldigte plötzlich angefahren. A.____ habe sich von der Kühlhaube gestossen und se i neben das Fahrzeug gesprungen. In diesem Zusammenhang erachtete die Vorinstanz die Schilderung in der Anklageschrift, wonach A.____ vom Personenwagen des Beschuldigten am Knie touchiert worden sei, als nicht erwie- sen. Aufgrund der Aussagen und des Verletzungsbilde s bzw. der Ausführungen im Arztbericht könne jedoch festgestellt werden, dass A.____ infol ge der Vorwärtsbewegung des Personen- wagens des Beschuldigten zu Boden gestürzt und sich den Fuss gebrochen habe. In Anbe- tracht der widersprüchlichen Aussagen lasse sich im Übrigen nicht verifizieren, wie sich das Losfahren (Geschwindigkeit), das Abstützen von A.____ auf der Motorhaube, der Sturz und die Fussverletzung von A.____ im Detail abgespielt haben. Die Vorinstanz liess diese Punkte daher offen (Strafgerichtsurteil S. 15 ff.). Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, erachtet auch diese Sachverhaltsfeststellungen grundsätzlich als zutreffend. Hinsichtlich der erst instanzlich offengelassenen Anfahrtsgeschwin- digkeit vertritt das Gericht hingegen folgende Auff assung: Nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ und aufgrund der ärztlich diagnostizierten Ver letzungen (eine Aussenknöchelfraktur am rechten Fuss, die operativ saniert wurde, sowie ein e Stauchung des linken Handgelenks, die ohne Eingriff durch Ruhigstellung behandelt werden konnte; vgl. dazu Strafgerichtsurteil S. 18), ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte langsam angefahren ist. Der erstinstanzliche Sachverhalt ist somit in diesem Sinne zu ergänzen. 2.3 Zur dritten Phase ist zunächst Folgendes festzuhal ten: Der Beschuldigte fuhr, nachdem A.____ von der Motorhaube gefallen war, weiter, wobei er wieder nach Hause, also zur X.____- Strasse in Y.____ fahren wollte. A.____ und die and eren Beteiligten stiegen ebenfalls in ihr Au- to und fuhren ihm nach. Die Vorinstanz liess offen, welchen Weg der Beschuldigte von der Coop-Tankstelle zu seiner Wohnung gefahren war. Sie wies indessen darauf hin, dass seine Aussagen, wonach D.____ versucht habe, ihn mit sein em Auto zum Anhalten zu zwingen, durch die Aussagen von C.____ bestätigt würden. Die Vorinstanz erachtete es daher als er- stellt, dass der Beschuldigte bei der Fahrt zu sein er Wohnung zumindest von einem Fahrzeug, gelenkt durch D.____, verfolgt worden sei und man ihn zum Anhalten habe zwingen wollen. Bei seinem Wohnort angelangt, habe der Beschuldigte - gemäss Ausführungen im erstinstanzlichen Urteil - sodann eine Eisenstange aus dem Gebüsch ge holt und diese zu seiner Verteidigung in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Händen gehalten. Zwischen dem Beschuldigten auf der einen Seite und D.____, C.____ und A.____ auf der anderen Seite habe sich in der F olge ein Wortgefecht entwickelt, wobei die Parteien ausserhalb ihrer Autos ca. 15 - 20 m entfe rnt voneinander gestanden seien. Der Be- schuldigte habe die Eisenstange zitternd bei hängen dem Arm in seiner rechten Hand gehalten und diese dem hinzugekommenen Nachbarn, F.____, auf dessen Aufforderung hin ohne Weite- res übergeben. F.____ hatte - wie die Vorinstanz eb enfalls erwähnte - als Zeuge zu Protokoll gegeben, der alte Mann habe gezittert und einen ver zweifelten Eindruck auf ihn gemacht. Er habe wenig Aggression von ihm verspürt und auch kei nen Widerstand geleistet (vgl. Strafge- richtsurteil S. 27 ff.). Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, stellt au ch mit Bezug auf diese Phase auf die erstin- stanzlichen Sachverhaltsdarstellungen ab. IV. Rechtliches In rechtlicher Hinsicht kam die Vorinstanz zu folgenden Schlüssen: 1.1 Sie verneinte den in der ersten Phase zur Diskussi on stehenden Tatbestand der mehr- fachen Drohung zum Nachteil von C.____ und D.____ s owie A.____, weil keine objektive Be- drohungssituation vorgelegen habe bzw. weil sich di e Betroffenen durch den Beschuldigten auch gar nicht bedroht gefühlt hätten (Strafgericht surteil S. 15). Diese Würdigung wird nicht angefochten. 1.2 Mit Bezug auf den zweiten Anklagepunkt wies die Vo rinstanz darauf hin, dass der Be- schuldigte A.____ durch das Losfahren mit seinem Pe rsonenwagen verletzt bzw. durch dieses Manöver zu Fall gebracht und dieser sich dabei den Fuss gebrochen habe. Damit habe er den Tatbestand der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand objektiv und subjektiv erfüllt (vgl. Strafgerichtsurteil S. 24). Die Vorinstanz verneinte hingegen den Tatbe- stand der versuchten schweren Körperverletzung (vgl . Strafgerichtsurteil S. 21 ff.). Sie ging überdies davon aus, dass der Beschuldigte sich von A.____ und den übrigen Beteiligten be- droht gefühlt habe. Dass damals eine wirkliche Notw ehrlage vorgelegen habe, sei zwar nicht objektivierbar. Der Beschuldigte habe jedoch mehrfa ch angegeben, dass er sich in diesem Moment zu Tode gefürchtet habe. Dies sei nachvollziehbar. In dubio pro reo ging die Vorinstanz daher davon aus, dass der Beschuldigte im Moment, a ls sich A.____ seinem Fahrzeug bzw. dessen Fahrertüre genähert habe, irrtümlich von ein em unmittelbar bevorstehenden Angriff auf Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sein Leben durch die ihm weit überlegenen A.____, E .____ und D.____ ausgegangen sei. Er habe sich somit aus seiner Sicht in einer Notwehrsi tuation befunden, aus welcher er keinen anderen Ausweg gesehen habe, als loszufahren und hi erbei eine Körperverletzung von A.____ in Kauf zu nehmen. Es liege daher ein Fall von Putativnotwehr im Sinne von Art. 15 StGB i.V.m. Art. 13 StGB vor, weshalb der Beschuldigte vom Vorw urf der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand freizusprechen sei (vgl. Strafgerichtsurteil S. 24 ff.). 1.3 Zur dritten Phase resp. zum dritten Anklagepunkt h ielt die Vorinstanz schliesslich fest, dass der Beschuldigte die Eisenstange - wie bereits das Taschenmesser anlässlich der ersten verbalen Auseinandersetzung - lediglich zur Abwehr in die Hand genommen und auch in einer Abwehrhandlung in der Hand gehalten habe. Zudem sei er in einiger Entfernung, nämlich 15 - 20 m von D.____, C.____ und A.____ gestanden. Letztere hätten zweifellos eine zahlen- mässige und körperliche Übermacht gegenüber dem 67- jährigen Beschuldigten dargestellt. Eine objektive Bedrohungssituation seitens des Besc huldigten sei nicht gegeben gewesen, zu- mal sich A.____ gemäss eigenen Aussagen auch gar ni e durch den Beschuldigten, der doch ein alter Mann sei, bedroht gefühlt habe. Dass sich D.____ und C.____ durch das Verhalten des 67-jährigen Beschuldigten in Angst und Schrecke n versetzt fühlten, sei ebenfalls nicht er- stellt, insbesondere aufgrund ihrer Distanz zum Ges chehen. Der Tatbestand der mehrfachen Drohung zum Nachteil von C.____ und D.____ sowie A. ____ sei deshalb nicht erfüllt (vgl. Strafgerichtsurteil S. 31). 2.1 Die Berufungen der Staatsanwaltschaft sowie des Pr ivatklägers richten sich zunächst gegen den Freispruch des Beschuldigten vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverlet- zung im zweiten Anklagepunkt. Die beiden Berufungsk läger machen diesbezüglich geltend, der Beschuldigte habe eventualvorsätzlich eine schwere Körperverletzung in Kauf genommen. Der Privatkläger verlangt mit seiner Berufung überd ies, dass der Beschuldigte auch im dritten Anklagepunkt wegen Drohung mit einer Eisenstange schuldig erklärt und verurteilt wird. 2.2 Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB handelt ein Täter vorsä tzlich, wenn er ein Verbrechen oder ein Vergehen mit Wissen und Willen ausführt. Vorsät zlich handelt ein Täter aber auch dann, wenn er die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Beim Eventualvorsatz, der auch dolus eventualis genannt wird, sieht der T äter die Verwirklichung eines Tatbestandes zwar nicht mit Gewissheit voraus, hält ihn aber doc h ernsthaft für möglich und nimmt die Erfül- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung des Tatbestandes für den Fall, dass sie eintre ten sollte, in Kauf, findet sich also mit dem allfälligen Erfolg ab, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; vgl. auch STEFAN TRECHSEL /M ARC JEAN -RICHARD , Praxiskommentar StGB, 2013, Art. 12 N 13, sowie MARCEL ALEXANDER NIGGLI /S TEFAN MAEDER , Basler Kommentar StGB I, 2013, Art. 12 N 52, beide mit zahlreichen weiteren Hinweisen auf die Pr axis). Für eine Bejahung des Eventualvor- satzes wird also - wie bei der bewussten Fahrlässig keit - auf der Wissensseite verlangt, dass dem Täter die Möglichkeit resp. das Risiko der Tatb estandsverwirklichung bewusst ist. Der Un- terschied zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fa hrlässigkeit liegt im Willensmoment. Der bewusst fahrlässig handelnde Täter vertraut aus pfl ichtwidriger Unvorsichtigkeit darauf, dass der von ihm als möglich vorausgesehene Erfolg nicht eintritt. Demgegenüber nimmt der eventu- alvorsätzlich handelnde Täter den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich damit ab. Nicht erforderlich is t, dass er den Erfolg billigt (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /S TEFAN MAEDER , a.a.O., Art. 12 N 58; S TEFAN TRECHSEL /M ARC JEAN - RICHARD , a.a.O., Art. 12 N 14; vgl. auch BGE 133 IV 9 E. 4 .1 und BGer 6B_655/2012 vom 15. Februar 2013 E. 3.4.2). Eine eventualvorsätzliche Tatbegehung kann also auch dann ange- nommen werden, wenn der Täter mit der als möglich e rkannten Herbeiführung des Erfolgs in- nerlich nicht einverstanden war (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /S TEFAN MAEDER , a.a.O., Art. 12 N 55 f.). Für den Nachweis des Eventualvorsatzes darf das Ger icht grundsätzlich vom Wissen des Tä- ters auf den Willen schliessen, wenn sich diesem di e Verwirklichung der Gefahr als so wahr- scheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie a ls Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann ( BGE 137 IV 1 E. 4.2.3). Dieser Rück- schluss vom Wissen auf den Willen darf aber nicht u nbesehen erfolgen. Ob der Täter die Tat- bestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss d as Gericht - bei Fehlen eines Geständ- nisses - aufgrund der Umstände entscheiden. Es kann sich dabei nur auf äusserlich feststellba- re Indizien und auf Erfahrungswerte stützen, die Rü ckschlüsse auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu diesen äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählen namentlich die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbesta ndsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Tät ers und die Art der Tathandlung. Von Be- deutung kann ebenfalls sein, ob der Täter das ihm b ekannte Risiko kalkulieren und dosieren kann und ob das Opfer eine Abwehrchance hat (BGer 6 B_655/2012 vom 15. Februar 2013 E. 3.4.3 ff.; vgl. auch BGE 133 IV 9 E. 4.1; 135 IV 12 E. 2.3.2 sowie M ARCEL ALEXANDER NIGGLI / Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht STEFAN MAEDER , a.a.O., Art. 12 N 53 f.). Je grösser die Wahrsche inlichkeit der Tatbestands- verwirklichung ist und je schwerer die Rechtsgutsve rletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsver wirklichung in Kauf genommen (BGer 6B_754/2012 vom 18. Juli 2013 E. 3.2.4). 3.1 Im vorliegenden Fall steht aufgrund der eigenen De positionen von A.____ fest, dass er von sich aus vor das Auto des Beschuldigten stand, um dessen Wegfahrt zu verhindern, und dass er sich dabei mit beiden Händen auf der Motorh aube des Fahrzeuges abstützte. Gemäss Kantonsgericht, Abteilung Strafre cht, ist nicht erwiesen, dass A.____ vom Auto des Beschuldigten touchiert wurde, dass also sein Sturz auf den Boden resp. seine Verlet- zung auf eine Kollision mit dem anfahrenden Fahrzeu g zurückgeführt werden muss. Erwiesen ist - wie bereits die Vorinstanz festhielt - ledigl ich, dass A.____ infolge der Vorwärtsbewegung des Personenwagens des Beschuldigten zu Boden gefal len ist und sich dabei den Fuss gebro- chen hat. Das Kantonsgericht geht sodann - wie zuvo r dargelegt - davon aus, dass der Be- schuldigte sein Fahrzeug langsam in Bewegung setzte . Bei dieser Sachlage ist das Risiko der angeklagten Tatbestandsverwirklichung, mithin das R isiko einer schweren Körperverletzung aber als gering einzustufen. Diese Einschätzung wir d im Übrigen auch dadurch gestützt, dass die von A.____ tatsächlich erlittene Verletzung, nä mlich eine Aussenknöchelfraktur am rechten Fuss sowie eine Stauchung des linken Handgelenks (v gl. dazu oben unter Ziffer III. 2.2), nicht als schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB zu qualifizieren ist. Es ist ausserdem davon auszugehen, dass der Beschuldigte durch das l angsame Anfahren das Risiko einer schweren Verletzung seines Widersachers kalkulieren und dosieren konnte und dass A.____ dadurch auch eine gute „Abwehrchance“ hatte. Wie eb en dargelegt, wurde er nämlich durch das Fahrzeug des Beschuldigten nicht touchiert, die s obwohl er davorstand und sich sogar mit seinen Händen auf der Motorhaube des Fahrzeuges abs tützte. Er konnte also offensichtlich rechtzeitig zur Seite springen. In Anbetracht all d ieser Umstände kann nicht von einer versuch- ten, eventualvorsätzlich begangenen schweren Körper verletzung ausgegangen werden. Wie bereits die Vorinstanz angenommen hat, liegt somit lediglich eine vollendete einfache Körper- verletzung mit einem gefährlichen Gegenstand vor. 3.2 Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, geht sod ann weiter und wiederum mit der Vorinstanz davon aus, dass der Beschuldigte sich vo n A.____ und den übrigen Beteiligten kon- kret bedroht gefühlt hat. Aufgrund der Sachverhalts feststellungen steht nämlich fest, dass der Beschuldigte nach der Anfangsphase der Auseinanders etzungen auf dem Parkplatz an der Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht X.____-Strasse in Y.____ als erster davongefahren i st und damit als erster die Initiative ergrif- fen hat, um den Streitigkeiten ganz konkret und tat kräftig ein Ende zu setzen. Warum sowohl A.____ und sein Kollege E.____ als auch C.____ und D.____ inklusive ihrer Kinder mit je einem Auto dem Beschuldigten nachgefahren sind und alle d anach an der Coop-Tankstelle in Y.____ angehalten haben, konnte zwar nicht restlos geklärt werden und muss daher offen bleiben. In tatsächlicher Hinsicht steht indessen weiter fest, dass der Beschuldigte während der Fahrt vom Wagen, in dem A.____ und E.____ sassen, überholt un d dann bei der Coop-Tankstelle ausge- bremst wurde, dass D.____ sein Auto unmittelbar hin ter dem Fahrzeug des Beschuldigten ab- stellte, womit ein Ausweichen nach hinten gänzlich verunmöglicht wurde, und dass schliesslich zunächst A.____ sowie E.____ und danach auch D.____ aus ihren Autos ausstiegen und sich dem Fahrzeug des Beschuldigten näherten. Obwohl kei ne wirkliche und objektivierbare Not- wehrlage vorlag, erscheint es angesichts der dargel egten Umstände vollkommen nachvollzieh- bar, dass der Beschuldigte Angst hatte und von eine m unmittelbar bevorstehenden Angriff sei- tens der ihm weit überlegenen A.____, E.____ und D. ____ ausging. Das Gericht schliesst sich daher der erstinstanzlichen Würdigung vollumfänglic h an, wobei auch hinsichtlich der Ausfüh- rungen zu den Rechtfertigungsgründen, namentlich den Voraussetzungen für die Bejahung von Art. 15 StGB ebenfalls auf die Erwägungen der Vorin stanz verwiesen wird (vgl. Strafgerichtsur- teil S. 24 f.): Der Beschuldigte befand sich aus se iner Sicht in einer Notwehrsituation, aus wel- cher er keinen anderen Ausweg sah, als loszufahren und hierbei eine einfache Körperverlet- zung von A.____ in Kauf zu nehmen. Da nun aber wede r A.____ noch seine Begleiter den Be- schuldigten tatsächlich angreifen wollten, dieser also irrtümlich von einem rechtswidrigen Angriff ausging, liegt ein Fall von Putativnotwehr im Sinne von Art. 15 StGB i.V.m. Art. 13 StGB vor. Zu prüfen bleibt schliesslich im Zusammenhang mit d er Notwehr, ob die vom Beschuldigten gewählte Abwehr des vermeintlichen Angriffs angemes sen war. Dies ist zu bejahen. Im vorlie- genden Fall hatte sich der Beschuldigte bereits in der ersten Phase der Auseinandersetzung bedroht gefühlt. Obwohl er sich dem Streit dann ent ziehen wollte, wurde er verfolgt und dann bei der Coop-Tankstelle ausgebremst. Darüber hinaus stellte D.____ sein Auto unmittelbar hin- ter dem Fahrzeug des Beschuldigten ab, so dass dies er nicht mehr nach hinten ausweichen konnte. Als dann A.____ vor sein Auto stand und sic h auch noch E.____ und D.____ seinem Fahrzeug näherten, ging der Beschuldigte - wie eben dargelegt - von einem bevorstehenden Angriff aus. Dass er unter diesen Umständen in Pani k geriet und nur noch eine Flucht nach vorne in Betracht zog resp. sich dem Angriff durch eine Wegfahrt entziehen wollte, ist verständ- lich und stellt daher eine angemessene Reaktion dar. Da er überdies seinen Wagen langsam in Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bewegung setzte, ist die vom Beschuldigten gewählte Abwehr als verhältnismässig zu bezeich- nen, der Grundsatz der Proportionalität also gewahr t und ein Notwehrexzess zu verneinen. Der Beschuldigte wurde demnach in erster Instanz zu Rec ht vom Vorwurf der einfachen Körperver- letzung mit einem gefährlichen Gegenstand freigespr ochen. Die Berufungen der Staatsanwalt- schaft und des Privatklägers hinsichtlich des zweiten Anklagepunktes sind somit abzuweisen. 3.3 Mit Bezug auf die dritte Phase des Vorfalls steht in tatsächlicher Hinsicht zunächst fest, dass A.____ und die anderen Beteiligten dem Beschul digten, der nach dem Zwischenfall bei der Coop-Tankstelle an seinen Wohnort zurückkehren wollte, wiederum nachfuhren und ihn erneut zum Anhalten zwingen wollten, der Beschuldig te also ein weiteres Mal verfolgt und be- drängt wurde und dass A.____ und seine Leute sowohl zahlenmässig als auch körperlich zwei- fellos eine Übermacht gegenüber dem 67-jährigen Bes chuldigten darstellten. Gestützt auf die glaubhaften Aussagen von F.____ steht sachverhaltsm ässig überdies fest, dass der Beschul- digte die Eisenstange zitternd bei hängendem Arm in seiner rechten Hand hielt, dass er einen verzweifelten Eindruck auf ihn machte und er die St ange ohne weiteres übergab, als F.____ darum bat. Zu guter Letzt fühlte sich A.____ gemäss eigenen Aussagen auch gar nie durch den Beschuldigten, der doch ein alter Mann sei, bedroht . In Anbetracht dieser Umstände geht das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, - wie bereits die Vorinstanz - davon aus, dass keine objek- tive Bedrohung vom Beschuldigten ausging. Die Beruf ung des Privatklägers ist somit abzuwei- sen und der Freispruch vom dritten Anklagepunkt zu bestätigen. Eine Beurteilung resp. Gut- heissung der Zivilansprüche des Privatklägers steht bei diesem Verfahrensausgang ausser Frage. V. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien di e Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegen s. Im vorliegenden Fall sind die Staats- anwaltschaft sowie der Privatkläger mit ihren Berufungen gänzlich unterlegen. Diesem Ausgang des Verfahrens entsprechend und in Anbetracht, dass die geltend gemachten Zivilforderungen des Privatklägers aufgrund des Freispruchs nicht ge prüft werden mussten, erscheint es ange- bracht, die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehe nd aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 9‘000.-- und Auslagen von Fr. 1‘200.--, total Fr. 1 0‘200.--, den beiden Berufungsklägern je zur Hälfte aufzuerlegen (Y VONA GRIESSER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 428 N 5). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dem Privatkläger wurde mit Verfügung vom 17. August 2015 die unentgeltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren bewilligt. Gemäss Art. 1 36 Abs. 2 lit. b und c StPO bedeutet dies, dass er von der Zahlung der Verfahrenskosten sowie der Kosten für seinen Rechtsbeistand befreit wird. Der ihm auferlegte Anteil der Verfahr enskosten geht daher zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege zu Lasten des Staates. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfleg e ist dem Privatkläger ausserdem für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 2‘800.-- zuzüglich Auslagen im Betrag von Fr. 125.50 und Mehrwertsteuer von 8% resp. Fr. 234.05, total Fr. 3‘159.55, zu Lasten des Staates auszubezahlen. In analoger Anwendung von Ar t. 135 Abs. 4 StPO ist der unterlegene Privatkläger indessen verpflichtet, bei ausreichend er Verbesserung seiner wirtschaftlichen Situ- ation die übernommenen Parteikosten zurückzuzahlen (GORAN MAZZUCCHELLI / MARIO POSTIZZI , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., 2014, Art. 138 N 4). 2. Dem Beschuldigten ist sodann zufolge Bewilligung d er amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 3‘100.-- zuzüglich Auslagen im Betrag von Fr. 22.-- und Mehrwertsteuer von 8% resp. Fr. 249.75, total also Fr. 3‘371.75, zu Lasten des Staates auszu- bezahlen. Von einer Rückzahlungsverpflichtung gemäs s Art. 135 Abs. 4 StPO kann hier abge- sehen werden, zumal der Beschuldigte im Berufungsve rfahren obsiegt hat und demzufolge nicht zur Zahlung von Verfahrenskosten verpflichtet wurde. Der Beschuldigte beantragt schliesslich, dass ihm z u Lasten des Staates eine Genugtuung im Betrag von Fr. 5‘000.-- für die zu Unrecht erfolgte Strafuntersuchung ausgerichtet wird. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuld igte Person, die freigesprochen wird, An- spruch auf eine Genugtuung für besonders schwere Ve rletzungen ihrer persönlichen Verhält- nisse, insbesondere bei Freiheitsentzug. Der Beschuldigte legt nicht dar, inwiefern er durch das vorliegende Strafverfahren in seinen persönlichen V erhältnissen besonders schwer verletzt wurde und eine vorgängige Inhaftierung steht ebenfa lls nicht zur Diskussion. Die Vorausset- zungen für eine Genugtuung sind daher nicht gegeben , weshalb der Antrag des Beschuldigten abzuweisen ist. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 10. Dezember 2014, das auszugsweise wie folgt lautet: „1. B.____ wird von der Anklage der versuchten sch weren Kör- perverletzung, eventualiter einfachen Körperverletz ung mit ei- nen gefährlichen Gegenstand und Gefährdung des Lebe ns (Art. 15 StGB in Verbindung mit Art. 13 StGB), und der mehr- fachen Drohung freigesprochen. 2. Das Verfahren gegen B.____ wegen Beschimpfung z um Nachteil von C.____ und D.____ wird mangels gültige r Straf- anträge gestützt auf Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StP O einge- stellt. 3.a) Das beschlagnahmte Taschenmesser (G 23383) un d die be- schlagnahmte Eisenstange (G 23384) werden nach Rech ts- kraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestützt au f Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO B.____ zurückgegeben. B.____ wird unter Androhung der Vernichtung im Unt erlas- sungsfalle eine Frist von 3 Monaten ab Rechtskraft des vorlie- genden Urteils angesetzt, um die Gegenstände nach t elefoni- scher Vorankündigung beim Strafgericht abzuholen. b) Die beschlagnahmten Kleider und Schuhe (Trai nerhose grau, Träger-Shirt weiss, 1 Paar Hausschuhe) werden nach Rechts- kraft unter Aufhebung der Beschlagnahme gestützt au f Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO A.____ zurückgegeben. A.____ wird unter Androhung der Vernichtung im Unt erlas- sungsfalle eine Frist von 3 Monaten ab Rechtskraft des vorlie- genden Urteils angesetzt, um die Gegenstände nach t elefoni- scher Vorankündigung beim Strafgericht abzuholen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Die Genugtuungsforderung von A.____ wird in Anw endung von Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abgewiesen. 5. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver- fahrens von Fr. 3‘779.75 und der Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.--, gehen zulasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründe tes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgeric htliche Ge- bühr auf Fr. 2‘000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 6. Das Honorar des amtlichen Verteidigers in Höhe von insge- samt Fr. 9‘991.70 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertst euer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet. 7. ….“ wird in Abweisung der Berufung der Staatsanwaltscha ft sowie in Abweisung der Berufung des Privatklägers vollumfänglich bestätigt. Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Genugtuung von Fr. 5‘000.-- zu Lasten des Staates (Art. 429 Ab s. 1 lit. c StPO) wird abgewiesen. II. Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Ge- richtsgebühr von Fr. 9‘000.-- und Auslagen von Fr. 1‘200.--, total Fr. 10‘200.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten des Privatklägers und zu Lasten des Staates. Der auf den Privatkläger entfallende Anteil der Ver fahrenskosten geht zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege zu Lasten des Staates. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfleg e wird dem Privatkläger für das Berufungsverfahren eine Partei entschädigung von Fr. 2‘800.-- zuzüglich Auslagen im Betrag von F r. 125.50 und Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mehrwertsteuer von 8% resp. Fr. 234.05, total Fr. 3 ‘159.55, zu Las- ten des Staates ausbezahlt. Der Privatkläger ist, sobald es seine wirtschaftlic hen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der un entgeltlichen Rechtspflege zurückzuzahlen (Art. 138 Abs. 1 StPO i .V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO). Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Vertreter des Beschuldigten für das Berufungsverfahren ein Ho norar von Fr. 3‘100.-- zuzüglich Auslagen im Betrag von Fr. 2 2.-- und Mehr- wertsteuer von 8% res p. Fr. 249.75, total also Fr. 3‘371.75, zu Las- ten des Staates ausbezahlt. III. Mitteilung des begründeten Urteils an: - die Parteien - das Strafgericht Basel-Landschaft - die SUVA Basel, St. Jakobs-Strasse 24, 4052 Basel Mitteilung des begründeten Urteils nach Rechtskraft an: - das Amt für Migration BL, Parkstrasse 3, 4402 Fre nkendorf Mitteilung des Urteilsdispositivs an: - die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Koordina tionsstelle Strafregister, Grenzacherstrasse 8, 4132 Muttenz - die Gerichtsverwaltung Basel-Landschaft, Kostenei nzug, Bahnhofplatz 16, 4410 Liestal. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiberin Nicole Schneider