B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5539/2011 U r t e i l v o m 2 0 . F e b r u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richter Yanick Felley, Gerichtsschreiberin Christa Grünig. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. August 2011 / N (…). D-5539/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess, nachdem er im Jahre (…) vergeblich um Ausstellung eines Visums für die Schweiz ersucht hatte, sein Heimatland eigenen Angaben zufolge anfangs (…) per Flugzeug und gelangte via B._______, C._______ und wieder B._______ nach D._______, von wo aus er auf dem Landweg am (…) illegal in die Schweiz einreiste und am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 21. Juli 2011 erhob das BFM im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ seine Personalien und befragte ihn summarisch zu seinem Reiseweg sowie zu seinen Au s- reisegründen. Am 5. August 2011 hörte ihn das BFM einlässlich zu seinen Asylgründen an und wies ihn mit Zwischenverfügung vom 16. August 2011 für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton F._______ zu. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer, ein aus G._______ (Distrikt Vavuniya) stammender sri -lankischer Staatsa n- gehöriger tamilischer Ethnie, im Wesentlichen geltend, dass er im Zei t- raum des Jahres (…) bi s ca. (…) Taxifahrten mit seinem eigenen Van durchgeführt habe. In dieser Zeit habe ihn ein Angehöriger der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) namens H._______ beauftragt, LTTE- Angehörige aus dem IDP -Camp in I._______ nach G._______ zu trans- portieren. Auch habe er diesen LTTE -Angehörigen Essen gebracht. Er habe im Juli oder August (…) insgesamt (…) Mal diese Transporte im Beisein eines Begleiters namens J._______, den ihm H._______ ge- schickt habe, durchgeführt, danach habe er H._______ mitgeteilt, dass er aus Angst keine solche n Aufträge mehr ausführen möchte. Anfangs (…) sei er wegen Verdachts, der LTTE anzugehören, während (…) Tage im K._______-Camp inhaftiert gewesen und sei kurz darauf aufgrund eines Briefs des (…) in w elchem bestätigt w orden sei , dass es sich bei G._______ um seinen Geburts ort handle, freigelassen worden mit der Auflage, sich monatlich zwecks Unterschriftsleistung zu melden. Im April (…) habe H._______ von ihm verlang t, er solle ihn nach L._______ fah- ren, wonach sie zu dritt bzw. J._______ und er anschliessend alleine wieder nach O._______ zurückgekehrt seien. Zwei Tage später sei H._______ von der Armee erschossen und J._______ und er seien au f- gefordert worden, sich im M._______-Camp in N._______ zu melden. Da er jedoch seine Mut ter habe hospitalisieren müssen, sei J._______ allei- ne ins Camp gegangen. Um ca. 21.00 Uhr sei er aufgrund eines an se i- nem Haus vorbeifahrenden Vans misstrauisch geworden und habe sich in einem nahegelegenen Ziehbrunnen versteckt. Kurz darauf sei die Armee D-5539/2011 Seite 3 mit J._______ aufgetaucht und habe sich bei seiner Frau nach ihm e r- kundigt. Dabei hätten sie gewalttätig sein Haus durchsucht und ein Ange- höriger der Armee habe J._______ ins Bein geschossen, um von diesem herauszufinden, wo sich der Beschwerdefü hrer aufhalte. Bis zwei Uhr morgens habe er im Ziehbrunnen ausgeharrt bis seine Frau ihm erzählt habe, dass die Soldaten gedroht hätten, in seinem Haus werde es nie- mand überleben, wenn er sich nicht im M._______-Camp melden würde. Seine Frau habe ihm geraten wegzugehen , worauf er sich mit einem Fahrrad auf den Weg zu seinem Schwager gemacht habe und dort um 05.00 Uhr morgens angekommen sei. Die Armee sei danach erneut bei seinem Haus aufgetaucht und habe sich in der Umgebung nach ihm e r- kundigt. Als er zirka ein halbes Jahr später zum Haus der Schwester se i- ner Frau gegangen sei, um sein Kind zu sehen, habe man aus einem Van auf ihn geschossen. Später habe man J._______ in T._______ ermordet aufgefunden und es hätten sich Unbekannte in G._______ nach ihm e r- kundigt, worauf er mit Hilfe eines Schleppers das Land verlassen habe. B. Mit Verfügung vom 31. August 2011 – eröffnet am 7. September 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingabe vom 6. Oktober 2011 erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung des BFM vom 31. August 2011 beim Bundesverwaltungsg e- richt Beschwerde. Darin beantragte er, die Verfügung der Vorinstanz vom 31. August 2011 sei aufzuheben und ih m in der Folge Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurüc k- zuweisen und subeventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit der Wegweisung (recte: des Wegweisungsvollzugs) festzustellen sowie die Vorinstanz anzuweisen, ihn vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht stellte der Beschwerdeführer die Anträge, es sei ihm die unen t- geltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses zu verzichten. Mit der Rechtsmittelschrift reichte der Beschwerdeführer die Kopien einer Quittung sowie eines Schreibens von P ._______, vom (…) ein. Auf die Beschwerdebegründung wird, soweit entscheiderheblich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D-5539/2011 Seite 4 D. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2011 liess der Beschwerdeführer vom Depar- tement Gesundheit und Soziales des Kantons F._______ eine Bestät i- gung seiner Fürsorgeabhängigkeit einreichen. E. Mit Verfügung vom 10. Oktober 2011 hielt der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer dürfe den Au s- gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass über das Gesuch um Gewäh rung der unentgeltli- chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfa h- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) im Enden t- scheid befunden und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzich- tet werde. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG wies er mangels Notwendigkeit ab. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwalt ungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich des Asylrechts endgültig, ausser, was vorliegend nicht zutrifft, bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än - derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. D-5539/2011 Seite 5 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der R e- gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG verzichtete das Bu n- desverwaltungsgericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 4. 4.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht gerügt, der Sachverhalt sei unrichtig beziehungsweise ungenügend erstellt worden. Dieser Vo r- wurf ist vorab zu prüfen, da er im Bejahungsfall geeignet wäre, eine Kas- sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdefü h- rer begründete seine Rüge damit, an der Anhörung vom 5. August 2011 vom BFM nicht aufgefordert worden zu sein, detailliert über die Vorfälle im Camp zu sprechen. Man habe ih n vielmehr nur gefragt, was sich im Camp zugetragen habe, was er auch beantwortet habe. In der Folge sei über seinen Reiseweg gesprochen worden, ohne dass weiter auf seinen Aufenthalt im Camp eingegangen worden sei. Generell sei er in der Anhö- rung vom 5. August 2011 nicht dazu gekommen, frei zu sprechen, und sei ständig unterbrochen worden, wenn er länger habe sprechen wollen, was ihn verwirrt habe. Auch anlässlich der Erstbefragung vom 21. Juli 2011 sei praktisch nicht auf seine Inhaftierung eingegangen wo rden. Er sei ledi g- lich gefragt worden, ob er jemals inhaftiert gewesen sei, worauf er gean t- wortet habe, dass er wegen des Verdachts , den LTTE anzugehören, an- fangs (…) für (…) Tage im K._______-Camp inhaftiert gewesen sei. Das BFM habe aber anschliessend keine weiteren Fragen mehr dazu gestellt. Dies lasse eine genaue Sachverhaltsabklärung seitens des BFM vermi s- sen und es dürfe ihm nicht vorgeworfen werden, dass er sich zu wenig konkret und detailliert geäussert habe, da er keine Chance erhalten habe, genau zu erzählen, was im Camp vorgefallen sei. Es sei ihm bewusst, ei- ner Mitwirkungspflicht zu unterliegen und seine Asylgründe glaubhaft vo r- zutragen, dennoch könne von ihm nicht erwartet werden, dass er wisse, was die Behörden von ihm verlangen würden. 4.2 Bezüglich dieser Rüge ist festzuhalten, dass die Untersuchungspflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht eines Gesuchste l- lers findet (vgl. Art. 8 AsylG), der auch die Substant iierungslast trägt (vgl. D-5539/2011 Seite 6 Art. 7 AsylG). Der Beschwerdeführer wurde auf seine Mitwirkungspflicht und die Folgen im Falle der Unterlassung hingewie sen (vgl. act. A4/12 S. 1). Weiter ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer aus dem Vo r- wurf der mangelhaften Befragungstechnik durch das BFM nichts zu se i- nen Gunsten abzuleiten vermag, zumal der bei der Anhörung anwesende Hilfswerksvertreter zum Protokoll keinerlei Einwände anmeldete (vgl. act. A11/16). Sollte der Beschwerdeführer in seinen Ausführungen unterbr o- chen worden sein, dann nur, um eine korrekte Übersetzung seiner Aus- sagen gewährleisten zu können. Insbesondere ist aus dem Protokoll nicht ersichtlich, inwiefern der Befrager den Beschwerdeführer zu seinem Nachteil unterbrochen und er sich nicht frei habe äussern können . So wurde er entgegen an derslautender Einschätzung mehrfach und gezielt nach seinen Gründen, die ihn zur Flucht aus seinem Heimatland veran- lasst haben , befragt . Nachdem der Beschwerdeführer zuerst entgegnet hatte, er sei aufgeregt gewesen und habe anlässlich der BzP nur die wichtigsten Gründe erwähnen können (vgl. act. A11/16 S. 8, F73) , wurde er anschliessend explizit aufgefordert, nun alle Gründe vorzubringen, worauf er lediglich antwortete, keine weiteren Gründe zu haben, da er alle schon erwähnt habe (vgl. act. A11/16 S. 8, F75). Aufgrund dieser Antwort wurde abermals nachgefragt, ob er noch wesentliche Gründe vortragen wolle, worauf er dies erneut verneinte (vgl. act. A11/16 S. 8, F76). Am Schluss der Anhörung wurde der Beschwerdeführer erneut zweimal g e- fragt, ob er alles, was ihm für sein Asylgesuch wichtig scheine, habe nen- nen können , was dieser bejahte (vgl. act. A11/16 S. 13). Es kann dem BFM somit nicht vorgeworfen werden, dem Beschwerdeführer keine Mög- lichkeit eingeräumt zu haben, seine Fluchtgründe darzustellen. Dem Vor- wurf des Beschwerdeführers, das BFM habe ihn nicht aufgefordert, detail- liert über die Vorfälle im K._______-Camp zu sprechen, ist entgegenzu- halten, dass er sogar ausdrücklich aufgefordert wurde zu schildern, was sich dort zugetragen habe (vgl. act. A11/16 S. 12, F 121), er dies jedoch ebenfalls unterliess. Demzufolge ist auch das Vorbringen, er habe keine Chance erhalten, genau zu erzählen, was im Camp vorgefallen sei, unbe- rechtigt. Sein Vorwurf, es sei nicht auf seine Inhaftierung eingegangen worden und das BFM habe keine weiteren Fragen dazu gestellt, ist eben- falls zurückzuweisen, da es dem Beschwerdeführer im Sinne seiner Mi t- wirkungspflicht obliegt, seine ihm wesentlich erscheinenden Gründe dar- zulegen. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer den Wortlaut und die Richtigkeit der Protokolle mit seiner Unterschrift bestätig- te, weshalb er sich seine Aussagen entgegenhalten lassen muss. Nach Durchsicht der Protokolle ist das Bundesverwaltungsgericht der Auffa s- sung, dass der rechtserhebliche Sachverhalt durch das BFM richtig und D-5539/2011 Seite 7 vollständig abgeklärt und der Beschwerdeführer in zureichender Weise angehört wurde. 4.3 Die formelle Rüge ist somit unbegründet, weshalb weder eine Neube- urteilung der vorgebrachten Asylgründe noch eine weitere Anhörung in Betracht kommt. Der Eventualantrag , die Verfügung des BFM sei aufz u- heben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwe i- sen, wird demnach abgewiesen. 5. 5.1 Im Weiteren ist zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Besc hwerdeführers verneint und dessen Asylgesuch abgewiesen hat. 5.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, R eligion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.4 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaat liche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft D-5539/2011 Seite 8 ausserdem voraus, dass die betroff ene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i- lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesen t- lich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwisc hen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/ Geiser [Hrsg.] , Ausländerrecht, 2. Aufl., B a- sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 5.5 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive er folgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010/44 E. 3.4 S. 620 f., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 6. 6.1 Die Vorinstanz begründete die Ablehnung des Asylgesuchs des B e- schwerdeführers im Wesentlichen damit, es sei in Bezug auf die Vorbrin- gen des Beschwerdeführers zu seinen Fluchtgründen nicht nachvollzieh- bar, dass dieser einerseits wegen vermuteter Zugehörigkeit zu den LTTE habe inhaftiert werden sollen, andererseits unbehelligt bzw. kaum kontrol- liert Transporte mit LTTE -Angehörigen habe ausführen können und ein Jahr später im April erneut hätte befragt werden sollen. Der Aufforderung zu schildern, was sich a nfangs (…) im K._______-Camp zugetragen h a- be, wo er eigenen Angaben zu folge während (…) Tage wegen des Ve r- dachts, de n LTTE anzu gehören, inhaftiert gewesen sei, sei der Be- schwerdeführer in exemplarisch unsubstantiierter Weise nachgekommen; seine Schilderungen würden jeglichen Eindruck subjektiven Erlebens und D-5539/2011 Seite 9 persönlicher Betroffenheit vermissen lassen. Die Aussagen zur Vis a- ausstellung und zur Verlängerung seines Passes seien nicht schlüssig. 6.2 Der Beschwerdeführer wandte diesbezüglich auf Beschwerdeebene in Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen im Wesentlichen ein, dass er sich das Vorgehen auch nicht erklären könne, wonach er au f- grund der Zugehörigkeit zu den LTTE inhaftiert worden sei, jedoch kaum kontrollierte Transporte habe durchführen können und erst ein Jahr später im April (…) erneut hätte befragt werden sollen. Vermutlich habe man zu- erst H._______ und J._______ erwischen wollen, bevor man ihn selbst erneut ins Visier genommen hätte. Auf Anraten anderer sri -lankischer Asylbewerber habe er bisher nicht e r- wähnt, dass er im Januar (…) versucht habe, sein Heimatland zu verla s- sen. Bei der Kontrolle am Flughafen habe sich herausgestellt, dass das Visum gefälscht sei, weshalb er für (…) Tage in Haft gehalten, befragt und massiv geschlagen worden sei. Man habe von ihm wissen wollen, ob er Mitglied der LTTE sei und wie oft er für d ie LTTE als Chauffeur gearbeitet habe. Gegen Bezahlung von (…) Rupien sei er unter der Auflage freig e- lassen worden, sich monatlich in Q._______ zur Unterschrift zu melden. Weiter machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, als Chauffeur Personentransporte für die LTTE unternommen zu haben, wo- mit er unter Generalverdacht stehe, diesen anzugehören. Ausserdem sei er als ehemaliger Chauffeur für die LTTE und als zurückkehrender Tamile, der im Ausland ein Asylgesuch eingereicht ha be, einer besonderen Risi- kogruppe zuzurechnen. Es sei klar, dass er bei einer Rückkehr mit sehr grossen Problemen, mit Befragungen und Folter zu rechnen habe , auch könne ihm de r Tod drohen. Es würden derzeit noch tausende Personen vermisst, welche die Regierung habe verhaften lassen. Das IKRK habe keinen Zugang zu den Haftzentren und es gebe kein unabhängiges und faires Verfahren. Weiter zu beachten sei auch der Umstand, dass bereits ein Gerücht, die LTTE unterstützt zu haben, für jeden Tamilen eine asy l- rechtliche Gefährdung dars telle. Unter der Notstandgesetzgebung reiche schon ein Verdacht aus, um in zeitlich unbegrenzte Pr äventivhaft g e- nommen zu werden. Durch seine Flucht sei er erst recht ins Visier der sri- lankischen Behörden gelangt, so dass er bei seiner Rückkehr mit willkü r- licher Haft rechnen müsse. Eine inländische Fluchtalternative sei zu ve r- neinen, da er sich in Colombo beispielsweise nicht niederlassen könne und Tamilen auch heute noch bei einer Registrierung scharf überwacht würden. Ein Aufenthalt in Colombo könne ohne weiteres verweigert wer-D-5539/2011 Seite 10 den. Tamilen würden noch immer bei Razzien und Suchaktionen willkü r- lich festgenommen. Es könne demnach nicht, wie vom BFM in seinem Entscheid vom 31. August 2011 angenommen, davon ausgegangen wer- den, dass die Bewegungsfreiheit heute praktisch im gan zen Land g e- währleistet sei. 6.3 Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich aus den wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers zum Nachweis seiner Flüchtlingseigenschaft eine asylrelevante Gefährdungssituation ergibt. 6.3.1 Im Urteil BVGE 2011/24 nahm das Bundesverwaltungsgericht eine ausführliche Analyse der Lage in Sri Lanka vor. Darin stellte das Gericht im Wesentlichen fest, dass sich die Lage in Sri Lanka seit Beendigung des militärischen Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbessert hat (vgl. a.a.O. E. 7). Militärisch gelten die LTTE als vernichtet und auch die Sicherheitslage hat sich in bedeutsamer Weise stabilisiert. Gleichzeitig aber hat sich die Mensche n- rechtslage vor allem hinsichtlich der Meinungsä usserungs- und Press e- freiheit weiter verschlechtert. Politisch Oppositionelle werden seitens der Regierung als Staatsfeinde betrachtet und müssen mit entsprechenden Verfolgungsmassnahmen rechnen. Angesichts der allgemein verbesse r- ten Lage definierte das Ge richt Personenkreise, welche einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen (vgl. a.a.O. E. 8). Darunter fallen Pers o- nen, welche auch nach Beendigung des Krieges verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen, beziehungsweise gestanden zu h a- ben. Au ch unabhängige Journalisten beziehungsweise regierungskrit i- sche Medienschaffende verfügen über ein erhöhtes Risikoprofil. Im We i- teren ist bei Opfern und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen und Personen, die entsprechende Übergriffe behördlich angezeigt h aben, mit erhöhter Verfolgungsgefahr zu rechnen. Ausserdem laufen abgewiesene tamilische Asylsuchende aus der Schweiz unter Umständen Gefahr, bei der Rückkehr behördlich belangt zu werden, weil ihnen Kontakte zu fü h- renden LTTE-Kadern in der Schweiz unterst ellt werden. Wegen drohe n- der Erpressung, Kidnapping und anderen Verfolgungshandlungen bilden schliesslich Personen, welche über beträchtliche finanzielle Mittel verf ü- gen, eine weitere Risikogruppe. 6.3.2 Im Folgenden ist daher zu prüfen, inwieweit der Beschwerde führer – allenfalls als Angehöriger einer Risikogruppe – im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland eine begründete Furcht vor asylbeachtlicher Verfo l- gung im Sinne von Art. 3 AsylG hat. D-5539/2011 Seite 11 6.3.3 Bezüglich der geltend gemacht en Verfolgung durch die sri -lanki- schen Sicherheitskräfte aufgrund des Verdachts von Unterstützungstäti g- keiten zugunsten der LTTE kann festg ehalten werden, dass der B e- schwerdeführer die LTTE – abgesehen von den von ihm geltend gemach- ten Taxifahrten und Essen slieferungen – eigenen Angaben zufolge nicht unterstützte. Auch war er gemäss eigenen Aussagen nie religiös oder po- litisch tätig und hatte , bis auf die vorgebrachte (…)-tägige Inhaftierung , nie Probleme mit den Behörden zu verzeichnen (vgl. act. A4/12 S. 7 f.). Weiter ist darauf hinzuweisen, d ass nicht davon auszugehen ist, der B e- schwerdeführer wäre im Jahr (…) bereits nach nur (…) Tagen von der sri- lankischen Armee freigelassen worden, hätte sie ihn tatsächlich ernsthaft verdächtigt, die LTTE in irgendeiner Form zu unterstützen, da dies dem üblichen Vorgehen der sri -lankischen Behörden widersprechen würde. Wäre der Beschwerdeführer den sri-lankischen Sicherheitsbehörden ta t- sächlich als LTTE -Unterstützer bekannt gewesen und hätten diese de s- wegen ein Interesse an seiner Person gehabt, wären sie mit Sicherheit anders vorgegangen und hätten ein Verfahren gegen ihn eröffnet. Der Umstand, dass dies nicht geschehen ist, lässt die geltend gemachte G e- fährdung als unwahrscheinlich erscheinen. Entgegen den Behauptungen in der Beschwerde haben die sri -lankischen Behörden heute indessen primär ein Interesse daran, ehemalige Führungspersonen und K ämpfer der LTTE zu überführen, um mit deren Hilfe möglichst umfassende Kenntnisse über die Organisation und die Kommandostrukturen der LTTE zu erlangen und dergestalt geeignete Massnahmen treffen zu können, um ein allfälliges Wiedererstarken dieser Organis ation zu unterbinden. Es ist deshalb aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, dass die sri -lankischen Be- hörden den Beschwerdeführer, der erst seit vergleichsweise kurzer Zeit in der Schweiz lebt und aufgrund der Aktenlage kein nennenswertes Risik o- profil aufweist, bei einer Rückkehr pauschal der Unterstützung der LTTE verdächtigen würden. Entgegen der Behauptung in der Rechtsmitte l- schrift gehört der Beschwerdeführer somit keiner der in BVGE 2011/24 definierten Risikogruppe an, weshalb er in Sri Lanka keine asylr elevante Verfolgung zu befürchten hat. An dieser Einschätzung vermögen auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern, zumal sich die Bestätigung des (…) auf die die geltend gemachte (…)-tägige Gefangenschaft bezieht, welche vom Bundesve r- waltungsgericht sowieso nicht in Zweifel gezogen wird . Aus der eing e- reichten Quittung ist zudem nicht zu schliessen, inwiefern damit ein asy l- relevanter Umstand belegt werden könnte. Diese Dokumente liegen aus-D-5539/2011 Seite 12 serdem lediglich in Kopie vor, weshalb ihr Beweiswert ohnehin nur als ge- ring einzuschätzen ist . Auffallend ist zudem, dass laut Bestätigung des (…) der Beschwerdeführer am (…) verhaftet worden sei. Der Beschwe r- deführer hingegen gab zu Protokoll, er sei Anfang (…) verhaftet worden (vgl. act. A4/12 S. 8). 6.4 Im Übrigen ist in Übereinstimmung mit dem BFM festzuhalten, dass es in der Tat nicht nachvollziehbar ist, dass der Beschwerdeführer eine r- seits wegen vermuteter Zugehörigkeit zu den LTTE hätte inhaftiert we r- den sollen, andererseits unbehelligt bzw. kaum kontrolliert T ransporte mit LTTE Angehörigen ausführen konnte und ein Jahr später im April (…) er- neut hätte befragt werden sollen. Der Beschwerdeführer vermag in seiner Rechtsmitteleingabe denn auch keine schlüssige Erklärung dazu anzu- bringen. Auch mutet es merkwürdig a n, dass er anlässlich der Kurzbefr a- gung vorbrachte, von einem LTTE-Angehörigen namens "H._______" zu den Fahrten beauftragt worden zu sein, anlässlich der Anhörung jedoch aussagte, ein LTTE-Angehöriger namens "U._______" habe ihm den Auf- trag zu den Fahrten erteilt. Auf die Frage, ob es sich um dieselbe Person handle, gab der Beschwerdeführer keine klare Antwort. Weiter ist festzu- stellen, dass er anlässlich der Kurzbefragung bezüglich der Beantragung eines Visums erwiesenermassen falsche Angaben machte, indem er vor- brachte, er habe noch nie ein Visum beantragt (vgl. act. A4/12 S. 4), sich aus den Akten aber ergibt, dass er die Schweiz bereits um Ausstellung eines Visums ersucht hatte (vgl. act. A9/1 sowie act. A10/8), was seine Glaubwürdigkeit generell in Frage stellt. Weder die Erklärung anlässlich der Anhörung , e r habe nicht gewusst, ein en Visumsantrag zu stell en, sondern sei vielmehr davon ausgegangen, auf der Botschaft um Asyl e r- sucht zu haben, noch d er Beschwerdee inwand, der Schlepper namens "S._______" habe mit seinem Pass ein Visum beantragt , ver mögen zu überzeugen. Die ohne nachvollziehbaren Grund erst auf Beschwerd e- ebene geltend gemachten Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer aufgrund eines gefälschten Visums bei einem Ausreiseversuch im Januar (…) inhaftiert worden sei, sind als nachgeschoben und mithin als u n- glaubhaft zu qualifizieren. 6.5 Aus dem Gesagten folgt, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelu n- gen ist, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumin dest glaub- haft zu machen. Es erübrigt sich daher, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde näher einzugehen, da sie am Entscheidergebnis nichts zu ändern vermögen . Das BFM hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. D-5539/2011 Seite 13 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, EMARK 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nic ht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslä nder [AuG, SR 142.20]). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegens tehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land ge zwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Me n- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach Sri Lanka ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwer -D-5539/2011 Seite 14 deführer – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt ist. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers e r- geben sich ausserdem auch – dies unter Berücksichtigung seiner Zug e- hörigkeit zur tamilischen Ethnie – keine konkreten und gewichtigen A n- haltspunkte für d ie Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 2001 Nr. 17 S. 130 f.; aus der Praxis des Europäisch en Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde Nr. 37201/06, Para. 124 ff., jeweils mit weiteren Hinweisen). Zwar ist die allgemeine Menschenrechtssit uation in Sri Lanka nach dem Ende des Bürgerkriegs im Mai 2009 auch heute noch in verschiedener Hinsicht als problematisch zu bezeichnen (vgl. anstelle vieler etwa A m- nesty International [AI], Report 2011, S. 301 ff. [AI -Index: POL 10/001/2011]). Insbesondere ist unklar, wie die Regierung mit den ehema- ligen Angehörigen und Anhängern der LTTE umgeht beziehungsweise weiter umgehen wird. In Bezug auf den Beschwerdeführer sind jedoch (in Anbetracht der Ausführungen in E. 6.3.1 – 6.5 keine konkreten Hinweise dafür vorhanden, er könnte den sri -lankischen Sicherheitskräften zum heutigen Zeitpunkt in spezifischer Weise als verdächtig erscheinen. Somit besteht auch unter den derzeit herrschenden Bedingungen in Sri Lanka kein konkreter Anlass zur Annahme, dem Beschwerd eführer drohe eine entsprechende Gefährdung. Der Vollzug der Wegweisung ist somit s o- wohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen B e- stimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung ins be- sondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausge - setzt ist. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen ang e- wendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels per- sönlicher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigen - schaft noch jene des völkerrechtlichen Non -Refoulement-Prinzips erfül - len, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt sind, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit D-5539/2011 Seite 15 grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä- ren (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 8.3.2 In der angefochtenen Verfügung vom 31. August 2011 hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Wesentlichen fest, der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den separatistischen LTTE sei im Mai 2009 mit deren Niederlage zu Ende g e- gangen. Seither befinde sich das gesamte Land wieder unter Regi e- rungskontrolle und es sei zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE mehr gekommen. Nach sorgfältiger Verfolgung der Entwicklung der Lage in Sri Lanka und nach eingehender Prüfung u nter Berücksichtigung der UNHCR-Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs sri-lankischer Asylsuchender vom 5. Juli 2010 sei man zum Schluss g e- kommen, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka seit Mai 2009 deutlich entspannt habe. Es sei festgestellt worden, die Lebensbe- dingungen hätten sich soweit verbessert, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten von Sri Lan ka grundsätzlich wieder zumutbar sei. Die Bewegungsfreiheit sei praktisch im ganzen Land gewährleistet. In der Ostprovinz sei der bewaffnete Konflikt bereits im Jahr 2007 zu Ende g e- gangen und die Lebensumstände hätten sich seither kontinuierlich ve r- bessert. Im Norden des Landes seien die Lebensbedingungen teilweise sehr unterschiedlich. In den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrollen stehen würden, zum Beispiel die Halbinsel vor Jaff- na oder in den südlichen Teilen der Distrikte Va vuniya und Mannar, her r- sche weitgehend ein normales Alltagsleben. Im ehemals von de n LTTE kontrollierten Vanni-Gebiet seien die Lebensbedingungen hingegen nach wie vor als schwierig einzustufen. Der Beschwerdeführer stamme aus G._______, Distrikt Vavuniya. Der Vollzug der Wegweisung werde somit als zumutbar erachtet, da weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch individuelle Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen würden. Ehefrau, Kind sowie Eltern und Geschwister würden in G._______, sein Schwager im ca. 30 Kilome ter entfernten I._______ le- ben. Der Beschwerdeführer sei ein gesunder junger Mann und verfüge zudem über eine gute Schulbildung und habe Erfahrung als selbständiger Taxiunternehmer. 8.3.3 Der Beschwerdeführer führte in seiner Rechtmittelei ngabe unter Verweis auf verschiedene Quellen im Wesentlichen aus, dass die Sicher- heitslage in den Nord - und Ostprovinzen nach wie vor prekär sei, die Le-D-5539/2011 Seite 16 bensbedingungen für rückkehrende Flüchtlinge katastrophal seien und eine immer noch andauernde und konse quente Diskriminierung der tami- lischen Bevölkerung seitens der Regierung bestehe. Da die aktuelle S i- cherheits- und Menschenrechtslage im Osten und Norden von Sri Lanka noch klar ungenügend sei, sei die Rückkehr nicht als zumutbar zu qualif i- zieren. In Bezug auf die weiteren anhängig gemachten Ausführungen, wird auf die Beschwerde verwiesen. 8.3.4 Im Urteil BVGE 2011/24 nahm das Bundesverwaltungsgericht a n- gesichts der veränderten Lage nach dem Ende des sri -lankischen Bü r- gerkriegs im Mai 2009 eine vertiefte Beurteil ung vor. Demzufolge ist seit dem Ende des bewaffneten Konflikts von einer erheblich verbesserten Menschenrechts- und Sicherheitslage auszugehen, wobei sich die Situ a- tion nicht in allen Landesteilen gleich präsentiert. In das sogenannte "Vanni-Gebiet" – die Distrikte von Kilinochchi und Mullaitivu und die nör d- lichen Teile der Distrikte von Mannar und Vavuniya sowie einen schmalen Landstreifen an der Ostküste des Jaffna -Distrikts südlich von Nagarkovil umfassend – ist eine Rückkehr aufgrund der weitgehend zer störten Infra- struktur und der Verminung weiterhin unzumutbar. In das übrige Staat s- gebiet ist der Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar, wobei bei aus der Nordprovinz stammenden Personen – wie dem Beschwerdeführer – wie folgt zu differenzieren ist: Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist die Rückkehr als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betre f- fende Person auf d ie gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsitua- tion zurückgreifen kann, und dem Wegweisungsvollzug auch anderweitig nichts entgegensteht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zurück oder gehen kon krete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensu m- stände seit der Ausreise massgeblich verändert haben könnten, sind die aktuell vorliegenden Lebens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären. Liegen keine begünstigenden Faktoren wie die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkrete Möglichkeit der Sicherung des Existenzminiums und der Wohnsituation in der Nordprovinz vor, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative zu pr üfen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.1 – 13.3 S. 511 ff.). 8.3.5 Den Akten zufolge hat der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz in G._______ (Distrikt Vavunyia) und lebte dort seit Geburt zusammen mit seiner Familie bis kurz vor seiner Ausreise aus Sri Lanka anfangs (…). D-5539/2011 Seite 17 Dieses Gebiet liegt nich t im oben definierten "Vanni -Gebiet". Den Aussa- gen des Beschwerdeführers zufolge leben seine Ehefrau mit seinem Kind, seine Eltern, zwei Brüder und eine Schwester nach wie vor in G._______, ein Schwager lebt in I._______ (vgl. act. A4/12 S. 2 ff.). Der Beschwerdeführer verfügt somit über ein tragfähiges Beziehungsnetz in seiner Heimat, bei welchem er Unterkunft finden wird und welches ihm bei der Wiedereingliederung behilflich sein kann. Weiter handelt es sich bei ihm um einen jungen, gemäss den Akten gesun den Mann, der über elf Jahre Schulbildung sowie über (…)-kenntnisse verfügt (vgl. act. A4/12 S. 3 ). Der Beschwerdeführer arbeitete ausserdem während mindestens (…) Jahren als selbständiger Taxiunternehmer mit eigenem Van. In An- betracht dieser Sachlage kann davon ausgegangen werden, dass es ihm bei einer Rückkehr in seinem Heimatland gelingen wird, sich eine wir t- schaftliche Existenz aufzubauen . Es ist somit vom Vorhandensein g e- nannter begünstigender Faktoren aufgrund der persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers auszugehen und es sind keine weiteren persönli- chen Gründe ersichtlich, aufgrund de rer geschlossen werden könnte, er geriete im Falle der Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation . Der Vollzug der Wegweisung ist daher – in Übereinstimmung mit dem BFM – als zumutbar zu erachten. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkeh r notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG, dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungs vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 10. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Beza hlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren D-5539/2011 Seite 18 nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 10. Oktober 2011 wurde die Behandlung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen, jedoch antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Hinsichtlich des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist festzustellen, dass von der Bedürftigkeit de s Beschwerdeführers auszugehen ist. Auch können die Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist somit gut- zuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten (Dispositiv nächste Seite) D-5539/2011 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Christa Grünig Versand: