<h2>SubmittedText<h2><p>Gemäss Artikel 89 Ziffer 1 Bundesverfassung sorgen Bund und Kantone "für eine ausreichende, breit gefächerte, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung". In den Energieperspektiven 2050+ wird unter einer Reihe von Annahmen dargelegt, wie bei durchschnittlicher Stromproduktion und Energieverbrauch die Versorgung sichergestellt ist. Die Produktionsschwankungen bei Photovoltaik und Wind können aber zu massiver Mindererzeugung im Winter führen (Angebot). Auch der Verbrauch (Nachfrage) wird wegen zunehmender Wärmepumpen und Elektromobilität im Winter grössere Schwankungen aufweisen. </p><p>Die aktuelle Situation zeigt, wie unsicher Strom- und Gasimporte sind, wenn Nachbarländer unter Knappheit leiden. Um eine ausreichende Energieversorgung jederzeit zu gewährleisten, muss der Bund deshalb wissen, wie sich Angebot und Nachfrage unter Schwankungen verhält. Eine stochastische Modellierung aller relevanten Angebots- und Nachfragekategorien unter Einbeziehung von Abhängigkeiten in stündlicher Auflösung ist dafür unverzichtbar. </p><p>Im Hinblick auf eine Revision der Energiestrategie 2050 bitten wir den Bundesrat, einen Fachbericht in Auftrag zu geben, der eine stochastische Energiesystemoptimierung für das Jahr 2050 mit folgenden Annahmen macht: </p><p>- Jährliche Bevölkerungswachstumsrate bis 2050 entspricht der durchschnittlichen Wachstumsrate 2000-2021. </p><p>- In Stressjahren (maximale inländische Unterdeckung in 20 respektive 50 Jahren) ist zusätzlich der Elektrizitäts- und Gasimport im Winterhalbjahr unterbunden. </p><p>- Der Bedarf von Industrie, Gewerbe und Privaten ist in den zwei Stressjahren zu jeder Stunde gedeckt und wirtschaftlich bezahlbar. </p><p>- Annahmen über künftige Kosten/Kapazitäten von neuen Technologien (Batterien, Wasserstoff, Kerntechnik, Photovoltaik, Windkraft) werden technologieneutral und mit angemessener Vorsicht gemacht. </p><p>- Die Kosten bei starkem Solar-/Windkraftausbau berücksichtigen auch den Infrastrukturausbau für die Peak-Netzbelastung (Netz, Pumpspeicher, usw.). </p><p>- Das stochastische Modell ist technologieoffen/-neutral, minimiert die Gesamtkosten und hält Umweltbedingungen ein (netto CO2-emissionsfrei, Flächen- und Artenschutz).</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Aktuelle und robuste Szenarien zur Entwicklung des Energiesystems der Schweiz unter Berücksichtigung der Entwicklungen im Ausland sind für die schweizerische Energie- und Klimapolitik wichtig. Das Energiesystem muss nicht nur unter Normalbedingungen zuverlässig funktionieren, sondern auch Extremsituationen standhalten. Dafür sind Stresstests erforderlich. Beides gibt das Bundesamt für Energie (BFE) regelmässig in Auftrag.</p><p>Mit den Energieperspektiven 2050+ (EP 2050+; www.bfe.admin.ch &gt; Politik &gt; Energieperspektiven 2050+) von 2020 verfügt der Bund über eine breit abgestützte und robuste Grundlage für die langfristige Energie- und Klimapolitik. Schwankungen der Produktion und des Verbrauchs werden darin durch stündliche Modellierung der Stromnachfrage und -produktion abgebildet. Der stündlichen Modellierung wurden reale Wetterjahre zugrunde gelegt, welche eine realistische Abbildung der fluktuierenden Erzeugung ermöglicht. Für die Integration der erneuerbaren Produktion im Stromsystem gilt es, die Flexibilitätspotenziale sowohl auf der Angebots- (z. B. Speicherwasserkraft) als auch auf der Nachfrageseite (Pumpspeicher, Elektromobilität, etc.) auszunutzen. Auf der Nachfrageseite werden stündliche Lastprofile inklusiv möglicher Flexibilitäten insbesondere beim Stromverbrauch der Elektromobilität und der Wärmepumpen berücksichtigt.</p><p>Energieperspektiven werden vom BFE periodisch erarbeitet. Bei jeder Neuauflage werden die jeweils aktuellsten Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Verkehrsszenarien des Bundes sowie die aktuellsten Entwicklungen der technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren berücksichtigt. Bei den Kosten wird auf die aktuellsten verfügbaren Schätzungen zurückgegriffen. Die Annahmen werden dann mit einer breit abgestützten Begleitgruppe diskutiert und festgelegt - bei den EP 2050+ waren Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Bundesämter, der Kantone und Städte, der Energiewirtschaft, der Wirtschafts- und Umweltverbände, der Gewerkschaften und des Konsumentenschutzes dabei. Auch der Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird sichergestellt.</p><p>Ergänzend zu den Energieperspektiven werden systemische Analysen zur kurz-, mittel- und langfristigen Stromversorgungssicherheit regelmässig durchgeführt (System Adequacy). Diese Stresstests berücksichtigen insbesondere auch ungünstige Wetterkonditionen (z. B. trockenes Jahr oder Dunkelflaute) sowie verschiedene nationale und internationale Entwicklungen bezüglich Stromproduktion, -verbrauch und -austausch. Die neuste System Adequacy Studie fokussiert auf die Jahre 2025-2040 und wurde Ende 2022 publiziert (siehe Medienmitteilung des Bundesrates vom 21. Dezember 2022).</p><p>Energieperspektiven und System Adequacy Studien werden in Abhängigkeit von den aktuell im Energiebereich laufenden Gesetzgebungsprozessen und der technischen Entwicklungen zu gegebener Zeit aktualisiert bzw. durchgeführt. Deshalb erachtet der Bundesrat die Erarbeitung eines zusätzlichen Berichts in Erfüllung des vorliegenden Postulats als nicht zielführend.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.