<h2>SubmittedText<h2><p>In den Antworten auf die Interpellationen Regazzi 14.3421 und Streiff-Feller 14.3419 zur "Love Life"-Kampagne 2014 vertritt der Bundesrat die Meinung, dass die sexualisierten Bilder der Kampagne "Minderjährigen nicht schaden und auch keinen Einfluss auf die sexuelle Entwicklung haben". Er stützt sich dabei auf die Meinung der "Experten in der Sexualpädagogik" der Stiftung Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGS), mit welcher das Bundesamt für Gesundheit im Bereich Prävention von HIV und anderen STI sowie der Sexualpädagogik - z. B. am inzwischen geschlossenen Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule an der PHZ Luzern - seit einigen Jahren zusammenarbeitet. Die Thesen zur (psycho)sexuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, auf welchen SGS all ihre Angebote in den Bereichen Prävention und Sexualpädagogik aufbaut, sind aber unter Experten sehr umstritten. Wir fordern daher den Bundesrat auf, eine Prüfung dieser Grundlagen durch eine insbesondere von SGS unabhängige Expertenkommission aus Medizinern, Entwicklungspsychologen und Allgemeinpädagogen zu veranlassen und darauf gestützt einen Bericht zu präsentieren.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Im Bereich der sexuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wird international und insbesondere im angelsächsischen Raum geforscht. Die Ergebnisse dieser Forschung sind publiziert. Das WHO-Regionalbüro Europa und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland haben basierend auf diesen Erkenntnissen und unter Beteiligung einer internationalen Expertengruppe mit mehr als 20 Vertretern aus Fachorganisationen und Wissenschaft aus europäischen Ländern, inklusive der Schweiz, 2010 Standards für die Sexualaufklärung in Europa publiziert. Viele Experten und Organisationen in der Schweiz stützen sich in ihrer Arbeit unter anderem auf die entsprechenden Erkenntnisse aus der Forschung und die darauf basierenden Standards.</p><p>Der Bundesrat ist bereit, im Bereich der sexuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen die wissenschaftlichen Grundlagen zu vertiefen und zu erweitern und deshalb den geforderten Expertenbericht im Rahmen der bestehenden Budgetmittel in Auftrag zu geben.</p><p>Der Bundesrat ist aber der Ansicht, dass bei dieser Gelegenheit nicht nur die Materialien von Sexuelle Gesundheit Schweiz untersucht werden sollen, sondern der Bericht auch die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen darstellen soll. Deshalb erweitert er die Expertengruppe von Medizinern, Allgemeinpädagogen und Entwicklungspsychologen um auf dieses Gebiet spezialisierte Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendpsychologen, Sozialpsychologen und Sexualpädagogen. Er lädt auch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen und die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit ein, in die Expertengruppe Einsitz zu nehmen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.