TPF 2005 114 114 TPF 2005114 30.AuszugausdemEntscheiddesPr äsidentenderBeschwerdekammerin SachenBundesanwaltschaftgegenUnbekannt,alias „A.“,vom9.Mai2005 (VE.2005.1) Einsatz eines verdeckten Ermittlers; Absehen von einer Mitteilung. Art. 22 Abs. 2 BVE Übergangsrecht; VerzichtaufMitteilungwegenUnerreichbarkeitdesBeschul- digten. Mise en oeuvre d'un agent infiltré; renonciation à la communication. Art. 22 al. 2 LFIS Droittransitoire;renonciation à lacommunicationenraisondel'impossibili té d'atteindre l'inculpé. Intervento di un agente infiltrato; rinuncia alla comunicazione. Art. 22 cpv. 2 LFIM Dirittotransitorio;rinunciaallacomunicazioneacausa dell’irraggiungibilità dell’imputato. Zusammenfassung des Sachverhalts: IneinemgerichtspolizeilichenErmittlungsverfahrengegenUnbekannt,alias „A“, wegenVerdachtsderWiderhandlungengegendasBetmG,mengen-, banden-undgewerbsm ässig qualifiziertbegangen(Art.19Ziff.1und Ziff. 2BetmG),ausgehendvoneinerkriminellenOrganisationi.S.v. Art. 260ter StGB, ordnete die Bundesanwaltschaft den Einsatz eines verdeck- ten Ermittlers an. DerPr äsidentderBeschwerdekammerstimmtedemVerzichtaufMitteilung zu.TPF 2005 114 115 Aus den Erwägungen: Am1.Januar2005tratdasBundesgesetz überdieverdeckteErmittlung (BVE,SR312.8)vom20.Juni2003inKraft.BiszudiesemZeitpunktbe- standaufBundesebenelediglichf ürErmittlungenimBereichderBet äu- bungsmittelkriminalität eineausdr ücklichegesetzlicheGrundlagef ürden EinsatzvonverdecktenErmittlern(Art.23Abs.2BetmG).In übergangs- rechtlicherHinsicht bestimmtArt. 25 Abs. 1 BVE, dass die nach bisherigem RechtrichterlichgenehmigtenZusicherungenvonSchutzmassnahmenihre Gültigkeitbehalten.Zudemkanngem äss Abs.2derselbenBestimmung einerichterlichgenehmigteverdeckteErmittlunginnerhalbeinesErmitt- lungsverfahrens,dasvorInkrafttretendesBVEer öffnetwurde,nachdem daraufangewendetenVerfahrensrechtabgeschlossenwerden.Absatz3sieht vor,dassdie Zuständigkeitenf ürdie ÜberwachungdesPost-undFernmel- deverkehrssinngem äss gelten,solangeeinKantondie Behördennochnicht bezeichnethat,welchedieverdeckteErmittlunganordnenundgenehmigen. Weitere ÜbergangsbestimmungensinddemBVEnichtzuentnehmen. WennbeiderAnwendungdesneuenRechtsaufVer hältnisseabgestellt wird,dieschonunterderHerrschaftdesaltenRechtsentstandensindund beimInkrafttretendesneuenRechtsnochandauern,sprichtmanvonunech- ter Rückwirkung(BGE126V134,135E.4am.w.H.),dieinsbesondereim BereichdesVerfahrensrechtszurAnwendunggelangt,indemdasselbe unmittelbarauf sämtliche hängigenVerfahrenangewendetwird(H ÄFELIN/ MÜLLER,AllgemeinesVerwaltungsrecht,4.Aufl., Zürich/Basel/Genf2002, N.340).VorliegendhandeltessichumdenEinsatzeinesverdecktenEr- mittlers,welchervorInkrafttretendesBVEvonderBundesanwaltschaft (BA)bewilligtundbeendet,dasStrafverfahrenjedochnochnichtabge- schlossenwordenist.DaderBAalsanordnende BehördeimBundesstraf- prozessParteistellungzukommt(Art.34BStP),handeltsichnichtumeine richterliche BehördeimSinnevonArt.25BVE,womitdie Übergangsbe- stimmungendiesesGesetzesnichtexplizitregeln,wieindervorliegenden Situationzuverfahrenist.BeiderhieranbegehrtenZustimmungzurNicht- mitteilunggem äss Art.22Abs.2BVEhandeltessichumeineunmittelbar zurAnwendunggelangendereineVerfahrensvorschriftimSinnederRecht- sprechungbetreffenddieunechteR ückwirkung.AufdasGesuchistdem- nach einzutreten. NachMassgabevonArt.22Abs.1BVEteiltdieanordnende Behördeder beschuldigtenPerson spätestensvorAbschlussderUntersuchungodernach EinstellungdesVerfahrensmit,dassgegensieverdecktermitteltwurde.TPF 2005 116 116 AusnahmsweisekannsiemitZustimmungderGenehm igungsbehördedie Mitteilungl ängeraufschiebenodervonihrabsehen,wenndieErkenntnisse nichtzuBeweiszweckenverwendetwerdenund(Art.22Abs.2BVE):( … ) diePersonnichterreichbarist(Art.22Abs.2lit.dBVE).( …. )Imvorlie- gendenFallhatdieBAmitVerf ügungvom11.Juni2004denEinsatzeines verdecktenErmittlersbewilligt,derimAnschlussdaranmiteinemMitglied einesmutmasslichinternationaloperierendenDrogenringesinKontakttrat. DiesePersonstelltesich gegenüberdemverdecktenErmittleralsA.vor, konnteallerdingsnichteindeutigidentifiziertwerden,zumalsiesicham Telefon „B.“oder „C.“nannteundeinemGespr ächsteilnehmergarerkl ärte: „Denk daran,dassichmichA. nenne.“ Zudemer klärtederangeblicheA. gegenüberdemverdecktenErmittler,erseiKolumbianer,lebeaberinPeru. OffiziellsolleraberausZ.,Venezuelastammen.ZudemsollderInhaber desReisepassesNr.D.,mitdemderangeblicheA.eingereistist,nichtiden- tischmitA.sein.( … )NacheinigenwenigenTreffenzwischendemangeb- lichenA.unddemverdecktenErmittlerimJuni2004verliessderBeschul- digte überraschendschnelldieSchweiz.SeinderzeitigerAufenthaltist unbekanntbzw.nichteindeutigauszumachen.DiebetroffenePersonist damitnichterreichbar,eskannfolglichausnahmsweiseaufeineMitteilung desEinsatzesdesverdecktenErmittlersverzichtetwerdenbzw.istdieMit- teilung zufolge Unerreichbarkeit nichtmöglich. (… ) TPF 2005116 31.AuszugausdemEntscheiddesPr äsidentenderBeschwerdekammerin SachenBundesanwaltschaftgegenA.undMitbeteiligtevom20.Mai2005 (TK.2005.61) Telefonüberwachung; Verlängerung der Überwachung. Art. 7 Abs. 4 und 5 BÜPF Die Verlängerung einer Überwachungsmassnahmewirdnichtgenehmigt,wenn keineVerdichtungundKonkretisierungdesTatverdachtsdargetanwird.Dies gilt für alleKatalogtaten, für welchedie Überwachungangeordnetwurde, insbesondereauch für denSachverhalt,welcherdieZ uständigkeitdesBundes begründet.