B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2706/2016 pjn U r t e i l v o m 2 8 . A p r i l 2 0 1 7 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Martin Scheyli Parteien A._______, geboren am [...], ungeklärter Staatsangehörigkeit (angeblich Somalia), vertreten durch Ruedy Bollack, MLaw, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Solothurn, [...], Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 28. April 2016 D-2706/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stammt nach eigenen Angaben aus Somalia, wobei er Angehöriger der Clanfamilie der Dir, des Clans der B._______ und des Subclans der C._______ sei und seinen l etzten Wohnsitz im Dorf D._______ bei der Stadt E._______ in der Region Gedo gehabt habe. Ge- mäss seinen Ausführungen anläss lich der durchgeführten Befragungen verliess er Somalia im September 2014 in Richtung Äthiopien. Am 28. April 2015 reiste er von Italien her kommend unkontrolliert in die Schweiz ein und stellte gleichentags beim Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlin- gen ein Asylgesuch. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) befragte ihn am 13. Mai 2015 summarisch sowie am 22. März 2016 eingehend zu den Gründen seines Asylgesuchs. Zwischenzeitlich, am 21. Mai 2015, wurde der Beschwerdeführer ‒ der sich zunächst als minderjährig ausgegeben hatte ‒ durch das SEM zu seinem tatsäch lichen Alter befragt und mit den Ergebnissen einer medizinischen Altersanalyse konfrontiert. Am 22. Mai 2015 wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Solothurn zugewiesen. B. Der Beschwerdeführer machte im Rahmen der durchgeführten Befragun- gen im Wesentlichen geltend, es sei in seinem Heimatdorf zu Schwierig- keiten mit der islamistischen Miliz der Shabaab (Harakat al -Shabaab al- Mujahideen; Bewegung der Mujhahideen-Jugend) gekommen. Diese habe alle Jugendlichen zwingen wollen, für sie zu kämpfen. Dabei seien drei Freunde des Beschwerdeführers von Angehörigen der Shabaab mitge- nommen und wenig später getötet worden. Deswegen habe seine Mutter entschieden, er solle das Land verlassen. C. Mit Verfügung vom 1. April 2016 lehnte das SEM das Asylgesuch des Be- schwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz so- wie den Vollzug an. Zur Begründung der Ablehnung des Asylgesuchs führte das Staatssekretariat im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Be- schwerdeführers würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge- mäss Art. 7 des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) nicht genügen. Zum ei- nen sei nicht glaubhaft, dass er durch die Miliz der Shabaab verfolgt wor- den sei. Zum anderen könne dem Beschwerdeführer auch nicht geglaubt werden, dass er wie behauptet aus D._______ in der Region Gedo stamme, und entsprechend sei auch seine somalische Staatsangehörigkeit D-2706/2016 Seite 3 anzuzweifeln. Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung führte das SE M zudem aus, dem Beschwerdeführer könnten die Angaben zu seiner Bio- graphie nicht geglaubt werden, wobei er seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sei. Es sei nicht Aufgabe der Asylbehörden, nach allfälli- gen Vollzugshindernissen zu forschen, und es sei deshalb dav on auszu- gehen, dass keine solchen bestünden. D. Nachdem dieser Entscheid dem Beschwerdeführer nicht zugestellt werden konnte, erliess das SEM mit Datum vom 28. April 2016 eine gleichlautende zweite Verfügung und hielt fest, diese ersetze den erstgenannten Ent- scheid. E. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 2. Mai 2016 erhob der Beschwerdeführer eine gegen die Verfügung vom 1. April 2016 gerichtete Beschwerde. Dabei beantragte er die Aufhebung der genannten Verfügung und die Gewährung des Asyls, event ualiter die Rückweisung der Sache zur erneuten Beurteilung durch das SEM. Weiter beantragte er subeventu- aliter die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht er- suchte er zum einen um Einsicht in die Protokolle seiner Befragungen im vorinstanzlichen Verfahren, zum anderen darum, es sei ihm die unentgelt- liche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren so- wie ein amtlicher Rechtsbeistand gemäss Art. 110a AsylG beizuordnen. F. Mit Eingabe vom 3. Mai 2016 wurde eine Fürsorgebestätigung eingereicht. G. Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 11. Mai 2016 wurde die Eingabe vom 2. Mai 2016 als Beschwerde gegen die Verfügung des SEM vom 28. April 2016 entgegenge nommen. Des Weiteren wurde das Gesuch um Akteneinsicht gutgeheissen, und der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, die Beschwerde innert der noch laufe nden Beschwerdefrist zu ergänzen. Der Beschwerdeführer reichte in der Folge keine Ergänzung seiner Beschwerde ein. H. Mit Zwischenverfügung vom 22. Juni 2016 wurden die Gesuche um unent-D-2706/2016 Seite 4 geltliche Prozessführung und um Bestellung eines amtlichen Rechtsbei- stands gutgeheissen. Zudem wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, bis zum 7. Juli 2016 einen als amtlicher Rechtsbeistand einzusetzenden Rechtsvertreter zu bezeichnen. I. Mit Eingabe vom 4. Juli 2016 zeigte Ruedy Bollack, MLaw, unter Einrei- chung einer entsprechenden Vollmacht des Beschwerdeführers die Über- nahme des Vertretungsmandats an. J. Mit Zwischenverfügung vom 13. Juli 2016 wurde Ruedy Bollack, MLaw, als amtlicher Rechtsbeistand im Sinne von Art. 110a AsylG eingesetzt. K. Mit Vernehmlassung vom 18. Juli 2016 hielt das SE M vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Hiervon wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 19. Juli 2016 Kenntnis gegeben. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge- gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor- den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren b etreffend Personen, gegen die ein Ausliefe- rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end- gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen- dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausl änderrechts richtet sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). D-2706/2016 Seite 5 2. Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist- und formgerecht ein- gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flücht- lingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re- ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus - gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. G laubhaft gemacht ist die Flücht lings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeso ndere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Glaubhaftmachung im Sinne de s Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei- chende Präzision u nd innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit D-2706/2016 Seite 6 usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprec hen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f., BVGE 2010/57 E. 2.3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1, EMARK 1996 Nr. 27 E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 3.4 Im vorliegenden Fall ist zunächst in Üb ereinstimmung mit der diesbe- züglichen Einschätzung der Vorinstanz festzustellen, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner örtlichen Herkunft aus dem Dorf D._______ bei der Stadt E._______ in der somalischen Region Gedo nicht glaubhaft sind. In der angefochtenen Verfügung wird zutreffenderweise festgehalten, dass der Beschwerdeführer zu den Lebensumständen in sei- nem Heimatdorf, in welchem er sich seit frühester Kindheit bis unmittelbar vor seiner Ausreise aus Somalia aufgehalten haben will, wie auch zu des- sen örtlichen Lage keinerlei konkrete Angaben zu machen wusste. So ver- mochte er beispielsweise nicht korrekt anzugeben, dass in der Nähe von D._______ der Fluss Jubba fliesst, sondern gab diesbezüglich den Namen des anderen der beiden ständigen Flüsse Somalias ‒ namens Shabelle – an, der mehrere hundert Kilometer entfernt verläuft. Weiter hielt die Vo- rinstanz zutreffenderweise fest, dass der Beschwerdeführer auch nicht über die verschiedenen in der Gegend von D._______ lebenden Clans in ausreichender, der zentralen Bedeutung solcher Kenntnisse in Somalia ge- recht werdender Weise Bescheid wusste. Es erübrigt sich, auf weitere in der angefochtenen Verfügung aufgeführte zweifelhafte Aspekte hinsicht- lich der örtlichen Herkunft des Beschwerdeführers einzugehen. Im Übrigen wurden weder mit der Beschwerdeschrift noch im weiteren Verlauf des Be- schwerdeverfahrens – nach der Beiordnung des Rechtsvertreters als amt- licher Rechtsbeistand – irgendwelche konkrete Argumente vorgebracht, welche den Einschätzungen der Vor instanz zur Glaubhaftigkeit der Her- kunft aus D._______ etwas entgegenhalten könnten. 3.5 Weiter ist es auch als unglaubhaft zu erachten, dass der Beschwerde- führer in Somalia in der behaupteten Weise durch die extremistisch -is- lamistische Miliz der Shabaab bedroht wurde. Auch diesbezüglich wurde in der angefochtenen Verfügung in zutreffender Weise festgestellt, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragungen zur behaupteten Ent-D-2706/2016 Seite 7 führung und Tötung dreier Freunde durch Angehörige der genannten Grup- pierung in zeitlicher Hinsicht widersprüchliche Angaben machte. So gab er bei der summarischen Befragung an, die Leichen der drei Betroffenen seien drei Tage nach ihrer Entführung aufgefunden worden, wobei sich dies etwa drei Wochen vor seiner Ausreise ereignet hab e (Protokoll der Erstbefragung, S. 8). Bei seiner Anhörung behauptete er demgegenüber, man habe die Leichen der Genannten drei Wochen nach deren Entführung gefunden, und dies sei eineinhalb Jahre vor seiner Ausreise geschehen (Protokoll der Anhörung, S. 8 f.). Es erübrigt sich auch in diesem Zusam- menhang, auf weitere in der angefochtenen Verfügung aufgeführte Wider- sprüche und Unstimmigkeiten näher einzugehen. Auch diesbezüglich hat der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren nichts vorgebracht, was die Beurteilung durch die Vorinstanz in Frage stellen könnte. 3.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM zutreffenderweise zur Einschätzung gelangt ist, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Die Vorinstanz hat folglich das Asylgesuch zu Recht abge- lehnt. 4. 4.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 4.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. auch BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9 sowie EMARK 2001 Nr. 21). 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 5.2 Bei der Geltendmachung von Hindernissen, die dem Wegweisungsvoll- zug entgegenstehen, gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie be i der Prüfung der Flüchtlingseigen- schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich D-2706/2016 Seite 8 ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). Vollzugshindernisse sind grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glau- ben ihre Grenzen in der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers (Art. 8 AsylG), der im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Es kann daher nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen Voll- zugshindernissen zu forschen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 ff.; EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2 S. 4 f.). 5.3 5.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.3.2 Wie sich im vorliegenden Fall gezeigt hat, sind die Angaben des Be- schwerdeführers zu seiner örtlichen Herkunft in Somalia nicht glaubhaft (vgl. zuvor, E. 3.4). Da er auch sonst keine verwertbaren Angaben zu sei- ner Person und insbesondere zu seiner Herkunft gemacht hat, ist es den Asylbehörden nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen per- sönlichen und familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers zur Zuläs- sigkeit des Vollzugs der Wegweisung zu äussern. Der Beschwerdeführer hat den Behörden auch keinerlei Dokumente abgegeben, die zur Ermitt- lung seiner Identität und seiner genauen Herkunft dienen könnten, was für die Überprüfung von Vollzugshindernissen aber grundsätzlich Vorausset- zung ist. Es ist somit auch als offen zu bezeichnen, ob der Beschwerde- führer tatsächlich, wie von ihm selbst behauptet, somalischer Staatsange- höriger ist oder ob er allenfalls aus einem der Nachbarstaaten Somalias stammt, in welchen von verschiedenen ethnischen Gruppen ebenfalls die somalische Sprache gesprochen wird. Aus diesen Gründen hat der Be-D-2706/2016 Seite 9 schwerdeführer die Folgen seiner mangelhaften Mitwirkung beziehungs- weise der Verheimlichung seiner wahren persönlichen Verhältnisse und Herkunft zu tragen. 5.3.3 Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, eine asylrechtlich er- hebliche Gefährdung glaubhaft zu machen, womit das Prinzip des flücht- lingsrechtlichen Non-Refoulements keine Anwendung findet. Aufgrund der mangelhaften Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der Feststellung sei- ner Herkunft sind auch sonst keine Anhaltspunkte für eine ihm in seinem Heimatstaat drohende menschenrechtswidrige Behandlung ersichtlich. Folglich ist der Vollzug der Wegweisung im vorliegenden Fall in Beachtung der massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zuläs- sig zu erachten. 5.4 5.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 5.4.2 Diesbezüglich ist auf die bereits angestellten Erwägungen zur man- gelhaften Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der Feststellung seiner Herkunft zu verweisen (E. 5.3.2), würde doch die Ermittlung der Identität und der genauen Herkunft auch für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Vollzugs die unerlässliche Voraussetzung bilden. Aufgrund der täuschen- den Angaben hinsichtlich der Herkunft ist der Vollzug der Wegweisung mangels gegenteiliger Anhaltspunkte als zumutbar zu erachten. Im Be- schwerdeverfahren wurden keinerlei Argumente vorgebracht, die diesem Schluss entgegenstehen könnten. 5.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12 S. 514 f.), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). D-2706/2016 Seite 10 5.6 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug stehen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmun - gen und sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 6. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver- fügung Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachver- halt richtig und vollständig feststellt ( Art. 106 AsylG; Art. 49 VwVG ). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 22. Juni 2016 gutgeheissen. Somit hat der Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten zu tragen. 7.2 Aufgrund der mit Zwischenverfügungen vom 22. Juni 2016 und vom 13. Juli 2016 angeordneten Bestellung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand gemäss Art. 110a AsylG ist diesem ein entsprechendes Honorar auszurichten (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Partei- entschädigung Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und En tschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer hat keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand für die Be- schwerdeführung zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) ist das Honorar aufgrund der Akten auf Fr. 100.‒ (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-2706/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter wird ein amtliches Honorar von Fr. 100.‒ zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Martin Scheyli Versand: