Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. August 2015 (715 14 372 / 215) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Vorliegend ist eine beitragspflichtige Beschäftigung mehr als zwölf Monaten während der Rahmenfrist für die Beitragszeit zu bejahen. Der Beschwerdeführer ist als Angestellter eines Architekturbüros zu qualifizieren und er hat – wenn auch unregelmässig – Lohn erhalten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer als selbständiger Partner im Architekturbüro tätig war und deshalb nicht beitragspflichtig gewesen wäre. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Dominique Erhart, Rechtsanwalt, Konsumstrasse 1, Postfach, 4104 Oberwil BL gegen Syna Arbeitslosenkasse , Zahlstelle Pool , Römerstrasse 7, Pos t- fach, 4601 Olten, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1983 geborene A.____ war bei seinem Vater im Architekturbüro B.____ angestellt. Mit Schreiben vom 29. November 2013 wurde A.____ vo n seinem Vater wegen der „Konkurs- Situation“ fristlos gekündet. A.____ meldete sich a m 6. Dezember 2013 in seiner Wohngemein- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht de zur Arbeitsvermittlung an. Gleichzeitig stellte er be i der Syna Arbeitslosenkasse (Arbeitslo- senkasse) einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 2. Dezember 2013. Mit Verfügung vom 17. April 2014 lehnte die Arbeitslosenkasse die Anspruchsberechtigung von A.____ wegen Nichterfüllung der Beitragszeit und Nichtvorliegens ein es Grundes für die Befreiung von der Beitragszeit ab. Gegen diese Verfügung erhob A.____ a m 22. Mai 2014 Einsprache. Mit Ent- scheid vom 4. September 2014 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid reichte A.____, ve rtreten durch Rechtsanwalt Do- minique Erhart, am 26. November 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht (Kantonsgericht), ein und beantragte, es s ei der Einspracheentscheid vom 4. September 2014 aufzuheben. Dem Beschwerdeführer sei die ihm seit dem 2. Dezember 2013 zustehende Arbeitslosenentschädigung zuzüglich 5 % Zins p.a . auszurichten; eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen, verbun den mit der Anweisung, dem Be- schwerdeführer die erwähnten Leistungen auszurichten. Verfahrensmässig wurde die Durchfüh- rung einer mündlichen Parteiverhandlung, eventualiter ein zweiter Schriftenwechsel beantragt. C. Mit Schreiben vom 7. Januar 2015 verzichtete die Ar beitslosenkasse auf eine Stellung- nahme und verwies auf ihren Einspracheentscheid sowie die beigelegten Akten. D. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte mit Schreiben vom 23. Februar 2015 seine Honorarnote sowie ein Schreiben des Treuhä nders des ehemaligen Architekturbü- ros B.____ vom 8. Januar 2015 zu den Akten. Darin best ätigte der Treuhänder, dass A.____ nach seiner Ausbildung (von August 2000 - Juli 2004) bis zum Konkurs des Architekturbüros in diesem Büro angestellt gewesen sei. Er sei während der ganzen Zeit Angestellter seines Vaters gewesen und nie am Geschäft beteiligt, was auch aus dem Handelsregister ersichtlich sei. Sein Mandant habe dieses Dokument erst kürzlich aufgefunden bzw . erhältlich machen können, weshalb es erst jetzt habe eingereicht werden können. E. Mit Schreiben vom 25. August 2015 teilte die Beschw erdegegnerin dem Kantonsge- richt mit, dass sie zufolge Arbeitsunfähigkeit der zuständi gen Mitarbeiterin auf eine Teilnahme an der Parteiverhandlung verzichte. F. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hält der Beschwerdeführer an seinen Anträ- gen und wesentlichen Begründung fest. Der Vater des Be schwerdeführers, B.____, wird als Auskunftsperson befragt. Auf seine Ausführungen wird in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Das Kantonsgericht hat gemäss § 16 Abs. 2 des Gesetzes ü ber die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 v on Amtes wegen, d.h. unabhän- gig von allfälligen Parteianträgen, zu prüfen, ob auf das Rechtsmittel eingetreten werden kann. Da der Versicherte seinen Wohnsitz sowohl im Zeitpunkt d es Erlasses der Einstellungsverfü- gung bzw. des Einspracheentscheides als auch im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung in Met- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zerlen bzw. Hofstetten und somit im Kanton Solothurn ( Bezirk Dorneck) hatte, seiner Kontroll- pflicht aber im Kanton Basel-Landschaft (RAV Oberwil) nachgekommen ist, ist in formeller Hin- sicht zu prüfen, ob die basellandschaftlichen Arbeitslosenversicherungs-Organe im Zusammen- hang mit der Prüfung der Voraussetzungen zur Leistung von Arbeitslosenunterstützung zustän- dig waren und ob das Kantonsgericht zur Beurteilung de r vorliegenden Beschwerde örtlich zu- ständig ist. 1.2 Gemäss der Vereinbarung der Kantone Basel-Landsc haft und Solothurn vom 9. Dezember 2003 über die Abtretung von Aufgaben aus d em AVIG-Vollzug vom Kanton Solo- thurn an den Kanton Basel-Landschaft (Vereinbarung BL /SO; SGS 837.31) überträgt der Kan- ton Solothurn dem Kanton Basel-Landschaft für die Gem einden der solothurnischen Bezirke Dorneck und Thierstein sämtliche bisher durch das RAV Bre itenbach sowie die Kantonale Amtsstelle im Rahmen des Vollzuges des Arbeitslosenversicheru ngsgesetzes wahrgenomme- nen Aufgaben (§ 1 Abs. 1 Vereinbarung BL/SO). Demzufolge hat der Beschwerdeführer im vor- liegenden Fall die Kontrollpflicht gestützt auf diese Vereinbarung beim RAV Oberwil im Kanton Basel-Landschaft zu erfüllen. 1.3 Gemäss den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann geg en Einspracheentscheide der Versicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicheru ngsgericht erhoben werden. Ört- lich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Zu beachten ist diesbezüglich aber, dass der Bundesrat in Art . 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 ATSG zu r egeln. Gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 li t. a und Abs. 2 der Verordnung über die ob- ligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentsc hädigung (AVIV) vom 31. August 1983 ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons örtl ich zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpfli cht erfüllt. Aufgrund dieser Bestimmung ist das hiesige Gericht – ungeachtet des ausserkantonalen Wohnsitzes des Versicherten – zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde örtlich zuständig. Laut § 54 Abs. 1 lit. a VPO beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige geric htliche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträg er gemäss Art. 56 ATSG, wes- halb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgericht gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 2. Die versicherte Person hat Anspruch auf Arbeitslosene ntschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 2 lit. a AVIG), wenn sie unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Bei- tragszeit befreit ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 13 und 14 AVIG). Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafü r vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitrags- zeit von zwei Jahren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während minde stens zwölf Monaten eine beitrags- pflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt gemäss Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jahre vor der Rahmenfrist für d en Leistungsbezug. Letztere wiederum Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht beginnt gemäss Art. 9 Abs. 2 AVIG an jenem Tag, an de m sämtliche Anspruchsvoraussetzun- gen erfüllt sind. Massgebend ist dabei der Zeitpunkt, in welchem sich die versicherte Person erstmals zur Erfüllung der Kontrollpflicht auf der Wohn sitzgemeinde meldet (vgl. Art. 17 Abs. 2 AVIG). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsat z gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch , dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnot wendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherungs gerichts ist, für die Zusammentra- gung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversi cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen eine vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vgl. § 57 VPO i.V.m. Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende I nstanz und – im Beschwerdefall – das Ge- richt dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiese n annehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsrecht hat das Ge richt seinen Entscheid, sofern das Ge- setz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). Dabei stellt der Grundsatz, wonach die spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässig er sind als spätere Schilderungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegung en versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können, eine im Rahmen d er freien Beweiswürdigung zu berück- sichtigende Entscheidungshilfe dar (Urteil des Eidgenö ssischen Versicherungsgerichts [heute: Bundesgericht; sozialrechtliche Abteilung] vom 23. November 2006, U 258/04, E. 3.1 mit weite- ren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 2 2. September 2008, 8C_827/2007, E. 5.2). 4. Strittig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab 2. Dezember 2013 und dabei insbesondere die Frage, o b der Beschwerdeführer die Beitrags- zeit erfüllt hat. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschäd igung unter dem Gesichts- punkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs. 1 lit. e in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 AVIG ist grundsätzlich einzig die Ausübung einer beitragspflichti gen Beschäftigung während der gefor- derten Dauer von mindestens zwölf Beitragsmonaten. Die se Tätigkeit muss genügend über- prüfbar sein. Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung kom mt dabei nicht der Sinn einer selbstständigen Anspruchsvoraussetzung zu, wohl aber jene r eines bedeutsamen und in kriti- schen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes fü r die Ausübung einer beitrags- pflichtigen Beschäftigung. Als Beweis für die tatsächliche n Lohnzahlungen genügen gemäss Rechtsprechung Belege über entsprechende Zahlungen auf ein Post- oder Bankkonto, das auf den Namen des Arbeitnehmers lautet. Weitere Belege wi e Arbeitgeberbescheinigungen, Lohn- abrechnungen sowie Steuererklärungen und Eintragungen im individuellen Konto sind gemäss Rechtsprechung höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen (BGE 131 V 444 E. 1.2 mit Hinweisen). Soweit eine solche Beschäftigung nachgewie sen, der exakte ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben ist, hat eine Korrektur über d en versicherten Verdienst zu erfolgen (BGE 131 V 444 E. 3.2.2 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juni 2013, 8C_75/2013, E. 2.2). 4.2. Die Arbeitslosenkasse ging davon aus, dass der Beschwer deführer den vertraglich vereinbarten Lohn nicht erhalten habe. Sie führte aus, es sei davon auszugehen, dass sich die Zusammenarbeit von Vater und Sohn nach der Lehrzeit in eine Partnerschaft ohne regelmässi- ge Lohnzahlungen entwickelt habe. Das Einkommen des Beschw erdeführers sei vom Ge- schäftsgang abhängig gewesen. In welchem Umfang die Täti gkeit im Geschäft des Vaters aus- geübt worden sei, sei nicht erstellt. Hingegen gehe aus den Bankbelegen hervor, dass teilweise Honorareinnahmen auf das Konto des Beschwerdeführers flossen und nicht auf das Geschäfts- konto des Vaters. Demzufolge sei eine beitragspflichtige Beschäftigung von mindestens 12 Mo- naten in der Beitragsrahmenfrist nicht nachgewiesen. Fo lglich sei die Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers abzulehnen. Der Versicherte machte geltend, er habe den Lohn wegen des rückläufigen Honoraraufkom- mens aus den Architekturaufträgen, was letztlich zum Konku rs des Architekturbüros geführt habe, in der letzten Zeit unregelmässig bzw. mehrheitlich nicht mehr erhalten. Weiter gab er an, dass sein Vater von seinem privaten Konto Geldbezüge gemacht und ihm soweit möglich Akon- tozahlungen in bar ausgerichtet habe. Diese habe er zur Begleichung seiner dringendsten Aus- stände verwendet und nicht auf ein Bankkonto einbezahlt. Die meisten Lohnzahlungen seien in bar ausgerichtet worden. Bereits im Verwaltungsverfahren hat der Vater des Bes chwerdeführers in einer E-Mail vom 24. April 2014 angegeben, dass sein Sohn seine 4-jährig e Hochbauzeichner-Lehre bei ihm ab- solviert habe und anschliessend als CAD-Hochbauzeichner we itere 10 Jahre bei ihm angestellt gewesen sei. An der heutigen Parteiverhandlung hat B. ____ als Auskunftsperson angegeben, dass er selbst als Architekt tätig gewesen sei und Aufträg e akquiriert habe. Sein Sohn sei als Hochbauzeichner eingesetzt gewesen und habe in erster Li nie gezeichnet, insbesondere CAD, was er selbst nicht könne. Ab und zu habe er sich auch als Bauführer betätigt. Mit seinem Sohn sei ein Monatslohn von Fr. 4‘500.-- x 13 vereinbart gew esen. Er sei aber mit den Lohnzahlun- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen immer im Verzug gewesen. Den Lohn habe er ihm me hrheitlich in bar übergeben. Im Jahre 2009 habe er bzw. seine Frau ein Haus aus einem Auftra g übernehmen können. Ca.im Mai 2012 habe der Sohn das Haus von der Mutter übernommen . Damit seien auch Schulden begli- chen worden. 4.3 Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung haben sow ohl der Vater des Beschwerde- führers wie auch der Beschwerdeführer selbst glaubhaft und nachvollziehbar dargelegt, dass dieser als Hochbauzeichner für die Einzelfirma seines Vat ers gearbeitet habe. Gelegentlich sei er auch als Bauführer tätig gewesen. Ebenso wurde dargelegt, dass der Vater des Beschwerde- führers bereits seit Jahren finanzielle Schwierigkeiten h atte und aufgrund des schlechten Ge- schäftsgangs aus nachvollziehbaren Gründen den Lohn des Besc hwerdeführers teils gar nicht, teils nur in Akonto-Beträgen bezahlen konnte. Viele Z ahlungen seien auch in bar erfolgt. Der Beschwerdeführer habe eine Liste mit den Schulden sein es Vaters geführt. Den Erhalt der Bar- zahlungen habe er nicht quittiert. 5. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beiträge an die A HV für die Jahre 2012 und 2011 basierend auf einem Jahreslohn von Fr. 65‘000.-- (bzw. für das Jahr 2012 später auf den Betrag von Fr. 50‘294.-- reduziert) abgerechnet worden sind und der Beschwerdeführer gegenüber der Steuerbehörde für das Jahr 2011 ein Einkommen von rund Fr. 58‘000.-- und für das Jahr 2012 von Fr. 44‘800.-- deklariert hat. Entgegen der Auffassu ng der Kasse ergibt sich aus dem Aus- zug aus dem individuellen Konto des Beschwerdeführers, dass er bereits für die Jahre 2008 - 2010 AHV-Beiträge entrichtet hat. Gemäss vorliegendem Arbeitsvertrag aus dem Jahr 2009 betrug der vereinbarte Lohn zwischen dem Architekturbüro B.____ und A.____ Fr. 5‘200.-- pro Monat zuzüglich 13. Monatslohn. Des Weiteren befindet si ch in den Akten ein Lohnausweis für das Jahr 2012, der einen Bruttojahreslohn von Fr. 50‘2 94.-- ausweist. Allerdings datiert dieser Lohnausweis vom 22. November 2013 und ist damit zeitnah zum Ende des Arbeitsverhältnisses erstellt worden und deshalb nur mit Zurückhaltung zu würdigen. Aus den vorliegenden Bank- auszügen ergibt sich, dass in der interessierenden Zeitspa nne gelegentlich Überweisungen an den Beschwerdeführer im Betrag von Fr. 4‘500.-- erfo lgt sind, welche mit dem Vermerk „Lohn“ bzw. „13. ML“ bezeichnet waren (Oktober 2013, Dezember 2012). Es gibt auch eine weitere Zahlung im Betrag von Fr. 4‘500.-- (November 2012) sow ie zusätzliche Zahlungen in unter- schiedlicher Höhe, welche nicht als Lohn bezeichnet wurden, aber vom Vater des Beschwerde- führers stammen. Ausserdem ist ein als Architektenhonorar aufgeführter Zahlungseingang von Fr. 5‘000.-- in den Bankauszügen ersichtlich. Angesichts der Lohnausstände sind wohl auch diese Gutschriften als Lohn zu betrachten. Durchaus glaub haft – wenn auch nicht nachgewie- sen – ist die Aussage des Beschwerdeführers, dass er einen Grossteil seines Lohnes in bar erhalten habe. Denkbar ist, dass zudem finanzielle Abge ltungen im Zusammenhang mit dem Hauskauf des Beschwerdeführers von seiner Mutter wie auch aus dem Mietverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer (Vermieter) und dem Vater (Miete r) erfolgt sind, welche als Lohn anzu- rechnen wären. Angesichts der familiären Verhältnisse i st auch verständlich, dass der Be- schwerdeführer nicht mit rechtlichen Schritten den ausste henden Lohn geltend gemacht hat. Des Weiteren hat der ehemalige Treuhänder des Architekt urbüros in einem Schreiben vom 8. Januar 2015 bestätigt, dass A.____ nach seiner Ausbildung (von August 2000 - Juli 2004) bis zum Konkurs des Architekturbüros in diesem Büro angestellt w ar. Er sei während der ganzen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeit Angestellter seines Vaters und nie am Geschäft bet eiligt gewesen, was auch aus dem Handelsregister ersichtlich sei. Ein weiteres Indiz für die Annahme einer Anstellung ist die Tat- sache, dass sowohl Hochbauzeichner als auch Bauführer in der Regel in einem Anstellungs- verhältnis tätig sind. Gestützt auf diesen Sachverhalt, der mit den glaubhafte n und nachvollziehbaren Aussagen der Auskunftsperson und des Beschwerdeführers übereinstimmt, i st nicht daran zu zweifeln, dass der Beschwerdeführer Angestellter des Architekturbüros war und – wenn auch unregelmässig – Lohn erhalten hat. Zudem gibt es keine Hinweise darauf , dass der Beschwerdeführer als selb- ständiger Partner im Architekturbüro tätig war und deshalb nicht beitragspflichtig gewesen wäre. Jedenfalls kann aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer seinen Lohn nur unregelmässig erhalten hat, nicht geschlossen werden, er sei als Part ner am Geschäft beteiligt gewesen. Der Arbeitslosenkasse ist zwar beizupflichten, dass der Lohn des Be schwerdeführers betragsmäs- sig nicht exakt belegt ist und wohl nicht dem im Arbeit svertrag aufgeführten Betrag von Fr. 5‘200.-- monatlich entspricht; dies ist aber für di e Frage der Erfüllung der Beitragszeit nicht erforderlich. 6. Demzufolge ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefü hrer in der massgeblichen Beitragsrahmenfrist vom 2. Dezember 2011 bis 1. Dezembe r 2013 während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat, weshalb von einem Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung auszugehe n ist, falls auch die übrigen An- spruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Die vorliegende Beschwer de ist daher gutzuheissen und die Angelegenheit an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen , damit sie die übrigen Anspruchs- voraussetzungen, insbesondere den versicherten Verdienst, p rüft und im Anschluss daran neu verfügt. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Versicherungsge- richt für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist dem obsie- genden Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zu Last en der Arbeitslosenkasse zuzu- sprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner H onorarnote vom 23. Februar 2015 einen Zeitaufwand von insgesamt 15,75 Stunden (wovon 5,5 Stunden für das Einsprachever- fahren) geltend gemacht. Zu berücksichtigen ist dabei, dass im vorliegenden Verfahren lediglich der Aufwand für das Verfahren vor Kantonsgericht berücksic htigt werden kann. Der für das Be- schwerdeverfahren verbleibende Aufwand beträgt damit 10,25 Stunden. Dieser ist um den Zeit- aufwand des Rechtsvertreters für die Parteiverhandlung un d deren Vorbereitung zu erhöhen. Insgesamt erweist sich ein Aufwand von 15,25 Stunden (inkl. 5 Stunden im Zusammenhang mit der Parteiverhandlung) in Anbetracht der sich stellende n Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Bemühungen von 15,25 Stunden sind zu de m in Sozialversicherungsprozes- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangende n Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Aus- lagen von Fr. 161.40. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4‘291.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer ) zu Lasten der Arbeitslosenkasse zu- zusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass das Vorliegen einer beitragspflichtigen Beschäftigung bejaht und di e Angelegenheit zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen an die Syn a Ar- beitslosenkasse zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 4‘291.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht