B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2634/2013 U r t e i l v o m 2 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Rainer Weibel, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. April 2013 / N (…). E-2634/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._______ (Jaffna), verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am (…). Er gelang- te (…) auf dem Luftweg (…) nach Deutschland und von dort am 14. Oktober 2008 in die Schweiz; gleichentags suchte er um Asyl nach. Mit Schreiben vom 16. Oktober 2008 zeigte sein Rechtsvertreter die Man- datsübernahme an und beantragte, es sei umgehend ein rechtsmedizin i- sches Gutachten zu Folterspuren anzuordnen. Am 20. Oktober 2008 be- antragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter , es sei ihm Asyl zu gewähren, eventuell sei er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen; für die Dauer des Asylverfahrens sei er (…) zuzuweisen; er sei anwaltlich zu verbeiständen , und es sei möglich st rasch ein rechtsmedizinisches Gutachten anzuordnen, zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Am 22. Oktober 2008 wurde der Beschwerdeführer zur Person befragt (BzP); am 13. Juli 2009 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen. B. Zur Begründung seines Gesuches brachte der Beschwerdeführer vor, er habe als (…) gearbeitet und ein eigenes Geschäft gehabt. Am (…) sei dort eine Bombe explodiert. Darauf hin sei er verdächtigt, von Soldaten festgenommen und in ein Camp gebracht worden, wo man ihn verhört und schwer gefoltert habe. Am nächsten Tag respektive nach einer W o- che sei er freigelassen worden ; er habe jeden Sonntag respektive jeden Tag zur Unterschrift in das Camp gehen müssen, dies bis (…) respektive (…), wobei er jeweils geschlagen und m isshandelt worden sei. Einmal hätten Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) bei ihm Pla- kate aufgehängt, worauf ihn Soldaten aufgefordert hätten, diese zu ze r- reissen. In der Folge hätten die LTTE ihn mitgenommen und befragt. Sie hätten ihn i n einen Wald geführt, ge fesselt, geschlagen und gedroht, ihn zu erschiessen. Er sei sowohl von den LTTE, als auch von der Armee be- fragt und behelligt worden. Im (…) habe er sich nach C._______ bege- ben, wo er jedoch nicht habe bleiben können. Auch danach ha be er mit beiden Seiten Probleme gehabt und sich deshalb schliesslich entschlo s- sen, ins Ausland zu gehen. E-2634/2013 Seite 3 Der Beschwerdeführer reichte seine sri -lankische Identitätskarte, seine Geburtsurkunde sowie die Geburtsurkunden seiner Frau und seiner Toch- ter zu den Akten. C. Mit am 8. April 2013 eröffneter Verfügung vom 4. April 2013 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begrü ndung führte das Bundesamt aus, die Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand und seien asy l- rechtlich unbeachtlich. D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 8. Mai 2013 liess der Beschwerdeführer diesen Entscheid anfechten. Er beantragte in materieller Hinsicht die Auf- hebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventuell die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Ergänzung des rechtserheblichen Sachverhaltes, subeventuell die Feststellung, dass er nicht in sein Heimatland zurückgeschafft werden dürfe, subsubevent u- ell die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. In prozes- sualer Hinsicht beantragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen und der Vorinstanz sowie (…) sei mit zuteilen, dass der angefochtene Entscheid bis zu dessen Rechtskraft nicht vollz o- gen werden dürfe. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er eine Clearance vom (…), die Kopie eines Schreiben des D._______ vom (…) inklusive Übersetzung sowie mehrere Berichte zu Sri Lanka zu den Akten und führte eine Reihe von in (…) wohnhaften Zeugen auf. Als weitere, zu edierende Beweismit- tel gab er vorinstanzliche Akten und die Tagebücher des E._______ von (…) bis (…) an. E. Am 10. Mai 2013 bestätigte der Instruktionsrichter den Eingang der B e- schwerde. Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2013 teilte er dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und der angefochtene Entscheid könne infolge der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde währen d des hängigen Verfahrens nicht vollzogen we r-E-2634/2013 Seite 4 den. Unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall forderte er ihn auf, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten. F. Der Beschwerdeführer bezahlte den Kostenvorschuss fristgerecht. M it Eingabe vom 7. Juni 2013 reichte er als Beweismittel ein Schreiben von F._______ vom (…), welcher in der Rechtsmitteleingabe als Zeuge ang e- geben worden sei, zu den Akten. G. In seiner Vernehmlassung vom 10. Juli 2013 führte das Bundesamt aus, es liege kei ne Verletzung des rechtlichen Gehörs vor ; es wäre zu erwar- ten gewesen, dass der Beschwerdeführer bezüglich der Folterspuren ein medizinisches Gutachten einreichen würde. Es sei ihm nicht gelungen, die Unglaubhaftigkeitselemente zu entkräften, und die Bewei smittel hät- ten wenig Beweiskraft. Das BFM halte vollumfänglich an seinen Erwägun- gen fest. H. Mit Replik vom 25. Juli 2013 bestätigte der Beschwerdeführer die gestel l- ten Rechtsbegehren und führte aus, indem die Vorinstanz kein rechtsme- dizinisches Gutachten habe erstellen lassen , habe sie seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt . Als Beweismittel reichte er das Original des Schreibens des D._______ vom (…) und ein Bestätigungsschreiben der G._______ vom (…) nach. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge hört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [(AsylG, SR 142.31] ; E-2634/2013 Seite 5 Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Beschwerde sind vo r- liegend erfüllt. 2. Mit Beschwerde kann die Verle tzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt Verfahrensmängel, insbesondere die Ve r- letzung des rechtlichen Gehörs und die unvollständige respektive unric h- tige Abklärung des Sachverhaltes. Diese Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verf ü- gung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; A LFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwa l- tungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, m.w.H.). 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspru ch auf rechtliches Gehör. Dieses dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines En t- scheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beiz u- bringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisantr ä- gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise en t- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbri n- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entsch eidfin-E-2634/2013 Seite 6 dung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristge- rechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkre- ten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der oder die Betroffene den Entscheid g e- gebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlich - en Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht e rforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur; dessen Verletzung führt ungeachtet der Erfolgsaussichten in der Sache selbst in der Regel zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. 3.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismi ttel (Bstn. a-e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mi t- wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzu- geben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der An- hörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die unrichtige oder unvo llständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akte nwid- riger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄ- NER, a.a.O., Rz. 630). Das Bundesverwaltungsgericht kann den rechtserheblichen Sachverhalt, wie ihn die Vorinstanz festgestellt hat, uneingeschränkt überprüfen (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es ist dazu in dem Masse verpflichtet, als die Be- schwerdepartei die Sachverhaltsfeststellungen oder die ihr zugrunde lie- gende Beweiswürdigung als fehlerhaft rügt und sich mit der angefocht e- nen Verfügung sachbezogen auseinandersetzt (vgl. CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltung s- rechtlichen Prozessmaximen, Diss. Bern 1997, S. 79 f. ; Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts E-36/2008 vom 30. November 2011, E. 5.1). E-2634/2013 Seite 7 4. 4.1 In der Beschwerde wird vorgebracht, der Sachverhalt sei unvollstä n- dig festgestellt worden. In seinem schriftlichen Asylgesuch vom 20. Ok- tober 2008 habe der Beschwerdeführer ausdrücklich um die Erstellung eines rechtsmedizinischen Gutachtens ersucht, welches über die von ihm erlittenen körperlichen und sexuellen Misshandlungen Auskunft gebe. Ein solches Gutachten sei nie erstellt worden . Die erlittenen Verletzungen habe das BF M auch nicht anderweitig als Beweismittel abgenommen, und auf das gestellte Begehren sei es nie eingegangen. Dem Anhörungs- protokoll vom 13. Juli 2009 sei zudem zu entnehmen, dass der B e- schwerdeführer dem Befrager angeboten habe, ihm die Narben (…) zu zeigen, worauf dieser verzichtet habe. Damit sei das rechtliche Gehör krass verletzt worden. Der Sachverhalt sei auch in Bezug auf die heutige Lage in Sri Lanka unzutreffend festgestellt worden. 4.2 Das BFM begründete die Ablehnung des Asylgesuches damit, dass die Vorbringen einerseits nicht glaubhaft und anderseits nicht asylrelevant seien. Bezüglich der Glaubhaftigkeit führte es neben dem Aufzeigen meh- rerer Widersprüche insbesondere aus, es ergebe keinen Sinn, dass der Beschwerdeführer wegen des Verdachts auf Verb indungen zu den LTTE von (…) bis (…) angeblich praktisch täglich verfolgt, misshandelt und b e- helligt worden sei, jedoch innerhalb eines Tages einen Pass ausgestellt bekommen habe und mehrmals jährlich (…) und letztlich legal ins Au s- land habe reisen können. Es sei erfahrungswidrig, dass die sri-lankischen Behörden ihn von (…) bis (…) derart intensiv verfolgt, befragt und mis s- handelt hätten, ohne von ihm Informationen über die LTTE erhalten zu haben. Zudem sei im Kontext des sri -lankischen Bürgerkrieges nicht nachvollziehbar, dass er wegen der bis (…) geltenden Meldepflicht im (…) ausgereist sei, weil zwei Bekannte, welche sich auch hätten melden müssen, erschossen worden seien. In seiner Vernehmlassung vom 10. Juli 2013 führte das BFM aus, es liege keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, wenn die anhörende Person während der Anhörung auf dem Körper sichtbare Fol terspuren nicht a n- schauen wolle, da dies nicht der geeignete Ort und Zeitpunkt sei, um al l- fällige Folterspuren festzustellen. Der Beschwerdeführer habe es trotz seiner mehrjährigen Anwesenheit in der Schweiz unterlassen, ein mediz i- nisches Gutachten einzureichen. Dies wäre angesichts der Bedeutung, welche er dieser Angelegenheit zumesse zumindest auf Beschwerdeebe- ne zu erwarten gewesen. Bezeichnenderweise seien seine Vorbringen im Zusammenhang mit der Folter unglaubhaft. E-2634/2013 Seite 8 5. 5.1 Die Unglaubhaftigkeitsargumentation der Vorinstanz vermag nicht in allen Punkten zu überzeugen. Insbesondere können die Vorbringen zu den sexuellen Übergriffen nicht aufgrund von Wid ersprüchen zwischen den Aussagen der beiden Befragungen oder aufgrund erst bei der zwe i- ten Befragung vorgebrachter Sachverhalte als unglaubwürdig bezeichnet werden, zumal bei der BzP eine Frau (als Übersetzerin) zugegen war und sich der Beschwerdeführer ausdrücklich vorbehielt, in Gegenwart eines Übersetzers männlichen Geschlechts weitere Gründe für seine Ausreise zu nennen. 5.2 Bereits in seiner Eingabe an das BFM vom 20. Oktober 2008 bea n- tragte der Beschwerdeführer die Erstellung eines Gutachtens über die er- littenen körperlichen und sexuellen Misshandlungen und führte aus, er habe Mühe, "demütigende Punkte" in verständlicher Weise zur Sprache zu bringen. Anlässlich der BzP vom 22. Oktober 2008 machte er Angaben zu den Folterungen und den sexuellen Misshandl ungen (vgl. Akten BFM A1/13 S. 5) und deutete seit den Misshandlungen andauernde körperliche Beschwerden an (vgl. a.a.O. S. 8). Der für den Rechtsvertreter anwese n- de Substituent wies darauf hin, dass er sich vorbehalte, weitere Gründe der Ausreise zu nennen, sobald ein Dolmetscher männlichen Geschlechts anwesend sei. Anlässlich der Anhörung vom 13. Juli 2009, welche durch ein reines Männerteam durchgeführt wurde, schilderte der Beschwerd e- führer, wie er misshandelt und erniedrigt worden sei. Er wies darauf h in, dass er die Folternarben zeigen könne, was der Befrager ablehnte (vgl. A16/19 S. 5 f.). Auf Nachfragen hin berichtete er von weiteren sex u- ellen Misshandlungen und fortdauernden Be schwerden (vgl. a.a.O. S. 9, 13 f., 16 f.). Der Hilfswerksvertreter regte im Sinne weiterer Sachverhalts- abklärungen an, dem Beschwerdeführer bezüglich der traumatisierenden Erlebnisse Hilfe anzubieten. Trotz des ausdrücklichen schriftlichen Antrages, ein medizinisches Gu t- achten zu erstellen, und den Hinweisen des Beschwerdeführers auf erli t- tene Misshandlungen und die fortbesteh ende körperlichen Beschwerden blieb das BFM in der Folge diesbezüglich völlig untätig. In der Verfügung vom 4. April 2013 wurde auf den Antrag auf Erstellung eines Guta chtens sowie auf die geltend gemachte erlittene Folter und den sinngemäss als Beweisantrag gestellten Augenschein der Folterspuren nicht eingega n- gen. E-2634/2013 Seite 9 Das Bundesamt wäre jedoch gehalten gewesen, auf den Beweis antrag einzugehen, ihn allenfalls gutzuheissen oder mit entsprechender Begrün- dung abzuweisen. Indem es die Hinweise und klaren Beweisofferten zum Sachverhalt unbeachtet liess, verletzte es seine Pflicht, die wesentlichen Vorbringen tatsächlich zu hören, zur Kenntnis zu nehmen und zu würd i- gen. Zwar wies die Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 10. Juli 2013 zu Recht darauf hin, dass die Anhörung nicht der geeignete Ort und Zei t- punkt ist, um Folterspuren festzustellen , dies bereits deshalb, weil das befragende Personal nicht die notwendigen medizinischen Fachkenntnis- se besitzen dürfte, welche zur sachgerechten Beurteilung von Foltersp u- ren erforderlich sind. Dennoch hätte es das BFM nicht dabei bew enden lassen dürfen, sondern eine anderweitige Untersuchung anordnen oder den Beschwerdeführer an eine geeignete Stelle verweisen sollen. Zumin- dest wäre es gehalten gewesen, vom H._______, in welchem sich der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge hatte behandeln lassen (vgl. A16/19 S. 13 f.), einen Bericht anzufordern. Der Hinweis, der Beschwe r- deführer hätte selbst ein Gutachten erstellen lassen sollen, ist angesichts des bereits zu Beginn des Verfahrens gestellten (unbeantwortet gebli e- benen) Beweisantrages untauglich. 5.3 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz das rechtliche Gehör verletzt. Eine Heilung der Gehörsverl etzung ist schon deshalb nicht möglich, weil das Versäumte bisher nicht nachgeholt worden ist. Es ist auch nicht S a- che der Beschwerdeinstanz, den Sachverhalt an Stelle des BFM vol l- ständig festzustellen. Auf die im Beschwerdeverfahren in reformatorischer Hi nsicht gestellten Rechtsbegehren und deren Begründung sowie die eingereichten Dok u- mente ist bei diesem Verfahrensausgang nicht einzugehen, weil es Sache des Bundesamtes sein wird, sich damit zu befassen. 5.4 Bei dieser Aktenlage ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. D iese ist gehalten, den Beweisantrag des Beschwerdeführers zu behandeln, den rechtserhebl i- chen Sachverhalt vollständig und richtig abzuklären und gestützt darauf einen neuen Entscheid zu fällen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.– ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. E-2634/2013 Seite 10 6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wur- de keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretung s- aufwand lässt sich jedoch aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschä t- zen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zulas- ten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-2634/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Verfügung des BFM vom 4. April 2013 wird aufgehoben und die S a- che im Sinne der Erwägungen an das BFM zurückgewiesen. 2. Es werd en keine Verfahrenskosten erhoben. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 2500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub