B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2683/2017 U r t e i l v o m 2 4 . A u g u s t 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, mit Zustimmung von Richter Walter Lang; Gerichtsschreiberin Karin Fischli. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, c/o B._______, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 4. Mai 2017 / N (…). D-2683/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin stammt gemäss eigenen Angaben aus C._______ in Syrien. Am 10. Dezember 2016 sei sie – zusammen mit ihren Eltern – ausgereist und am 20. März 2017 in die Schweiz gelangt, wo sie gleichen- tags um Asyl nachsuchte. Am selben Tag wurde ihr mitgeteilt, dass sie per Zufallsprinzip der Testphase des Verfahrenszentrums (VZ) Zürich zugewie- sen worden sei. B. Am 23. März 2017 wurden der Beschwerdeführerin die Mitarbeitenden der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende im VZ Zürich als Rechtsvertretung zugewiesen. C. Am 27. März 2017 wurde die Beschwerdeführerin zu ihrer Person sowie summarisch zu ihrem Reiseweg befragt. D. Mit der Beschwerdeführerin wurde am 30. März 2017 ein persönliches Ge- spräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei- nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit- gliedstaat gestellten Antrags auf intern ationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) und zum medizinischen Sachverhalt durchge- führt. E. Am 13. und am 25. April 2017 fanden zwei Anhörungen der Beschwerde- führerin statt. Ihr Asylgesuch begründete sie im Wesentlichen damit, dass sie mit ihren Eltern und Geschwistern im Quartier D._______ in C._______ gewohnt und die Schule bis zur neunten Klasse besucht habe. Ausgereist sei sie, weil sie von den „Apoci“ hätte rekrutiert werden sollen – ihre Brüder seien aufgrund des Rekrutierungsrisikos schon wenige Jahre zuvor ins Ausland geflüchtet. „Apoci“ sei eine allgemeine Bezeichnung für die PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê ; Arbeiterpartei Kurdistans), die YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) und die PYD (Par- tiya Yekitîya Demokrat; Demokratische Einheitspartei). Am (…) 2016 seien zwei Männer und zwei Frauen der „Apoci“ persönlich bei ihnen zuhause vorbeigekommen und hätten gedroht, sie mit Zwang mitzunehmen . Da D-2683/2017 Seite 3 habe ihr Vater sie (die „Apoci“) beschimpft und beleidigt, woraufhin sie ihn mit einem Maschinengewehr geschlagen hätten. Deswegen sei er zu Bo- den gestürzt, wo sie ihn mit den Füssen getreten hätten . Dabei hätten sie ihm auch mit dem Tod gedroht. Als er am Boden gelegen sei, sei ihre Mutter zur Hilfe geeilt, wobei sie keine Luft mehr bekommen habe und bewusstlos geworden sei. Daraufhin habe sie (die Beschwerdeführerin) ihren Eltern helfen wollen. Die „Apoci“ hätten jedoch versucht, sie zu greifen und mit- zunehmen. Sie habe ihnen daraufhin gesagt, dass sie ihre Eltern so nicht zurücklassen könne, aber dass sie, wenn es ihnen wieder besser gehe, zur YPG gehen werde. Danach seien die vier Leute gegangen. Dass sie tat- sächlich in den Krieg gehen müsste, habe ihr Vater allerdings nicht zulas- sen wollen. Und wenn er die Mitnahme ei n weiteres Mal hätte verhindern wollen, hätte ihm der Tod gedroht. Deswegen sei sie noch in derselben Nacht mit ihren Eltern ins Ausland geflohen. Zum Nachweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihre Identi- tätskarte zu den Akten. F. Am 2. Mai 2017 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin die Möglich- keit, zum Entscheidentwurf Stellung zu nehmen. Die Rechtsvertretung reichte am 3. Mai 2017eine Stellungnahme ein. G. Mit Verfügung vom 4. Mai 2017 (Eröffnung am selben Tag) stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an, schob jedoch den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vor- läufigen Aufnahme auf. H. Am 4. Mai 2017 wurde das Mandatsverhältnis zwischen der Beschwerde- führerin und der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende im VZ Zürich als beendet erklärt. I. Mit Eingabe vom 9. Mai 2017 erhob die Beschwerdeführerin gegen die Ver- fügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Beantragt wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anweisung der Vorinstanz, der Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren. Eventualiter sei sie als Flüchtling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen. In pr ozessualer D-2683/2017 Seite 4 Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Zusammen mit der Beschwerde wurde der Artikel „America’s Favorite Sy- rian Militia Rules With an Iron Fist“ von Roy Gutman vom 13. Februar 2017, der Artikel „Syrien: Menschenrechtsverletzungen in kurdischen Enklaven“ von Human Rights Watch (HRW) vom 19. Juni 2014 und der Artikel „Wei- tere Schwere Menschenrechtsverstösse der PYD (PKK) in Syrien“ von der Europaorganisation der Kurdischen Zukunftsbewegung in Syrien vom 25. Januar 2015 eingereicht. J. Am 11. Mai 2017 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwer- deführerin den Eingang ihrer Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sac hgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Aufgrund der Zuweisung der Beschwerdeführerin in die Testphase des VZ Zürich kommt die Verordnung vom 4. September 2013 über die Durchfüh- rung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich (TestV, SR 142.318.1) zur Anwendung (Art. 1 und Art. 4 Abs. 1 TestV). D-2683/2017 Seite 5 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 38 TestV i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Das vorliegende Verfahren ist koordiniert mit jenem der Eltern der Be- schwerdeführerin – E._______ und F._______ – (D-2685/2017) zu behandeln. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Fr eiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die D-2683/2017 Seite 6 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das SEM begründete seine Verfügung im Wesentlichen dam it, dass bezüglich des Vorbringens der Zwangsrekrutierung durch die YPG festzu- halten sei, dass es in jenen Gebieten Nordsyriens, die durch die PYD und die YPG kontrolliert würden, seit einiger Zeit Bestrebungen zur Rekrutie- rung von Kämpfern gebe. Im Juli 2014 hätten die YPG eine militärische Wehrpflicht deklariert. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichtes handle es sich bei den Rekrutierungsbemühungen der YPG mangels eines Verfolgungsmotivs und mangels hinreichender Intensität je- doch nicht um eine asylrechtlich relevante Verfolgung. Es stelle sich somit die Frage, ob die Rekrutierungsbemühungen der YPG im Fall der Be- schwerdeführerin als derart intensiv einzustufen seien, dass sie alleine auf- grund ihrer Intensität ein asylrelevantes Ausmass annähmen. Die geltend gemachten Rekrutierungsbemühungen der YPG hätten bestimmt in einem gewissen Erwartungsdruck ihr gegenüber gemündet. Die geschilderten Massnahmen der YPG gegen sie seien jedoch nicht als derart intensiv ein- zustufen, als dass diese für sich bereits ein asylrelevantes Ausmass ange- nommen hätten. Auch die geltend gemachte Furcht vor der Rekrutierung durch die YPG aufgrund einer allgemeinen Wehrpflicht respektive eine al- lenfalls daraus resultierende Zwangsrekrutierung sei gemäss Rechtspre- chung nicht als asylrelevant zu qualifizieren. Die beschr iebenen Rekrutie- rungsbemühungen durch die YPG seien somit auf die zurzeit herrschende Lage in Syrien zurückzuführen und nicht als asylrechtlich relevant einzu- stufen, zumal die Benachteiligungen auch nicht aus den in Art. 3 AsylG er- wähnten Gründen erfolgt sei. Auch die Gefahr einer asylrelevanten Verfol- gung für Personen, welche sich einer Rekrutierung beziehungsweise der Teilnahme am bewaffneten Kampf der YPG verweigern würden, sei nach geltender Rechtsprechung im gegenwärtigen Zeitpunkt zu verneinen. Demnach würden zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten Hinweise dafür vorliegen, dass die YPG Personen, welche die Teilnahme am bewaffneten Kampf der Organisation ablehnen würden, als Verräter an der kurdischen Sache betrachten und einer politisch motivierten unverhältnismässigen Be- strafung zuführen würden. Das Bundesverwaltungsgericht gehe davon aus, dass in den von der PYD und den YPG kontrollierten Gebieten Nord- syriens zwar Aufforderungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen D-2683/2017 Seite 7 würden, eine Weigerung zum heutigen Zeitpunkt jedoch keine asylrelevan- ten Sanktionen nach sich ziehe. Die Beschwerdeführerin gebe ferner an, dass sie bei einer Rückkehr nach Syrien mitgenommen und in den Krieg geschickt würde. Diese Furcht sei jedoch ebenfalls nicht asylrelevant. Auf- grund vorstehender Ausführungen sei somit auch eine begründete Furcht vor einer Verfolgung asylrelevanten Ausmasses durch die YPG aufgrund ihrer Weigerung, sich diesen anzuschliessen, zu verneinen. Dem SEM seien bisher auch keine Fälle bekannt, in welchen Rüc kkehrer konkreten Verfolgungsmassnahmen seitens der YPG ausgesetzt gewesen wären. In der Stellungnahme der Rechtsvertretung zum Entscheidentwurf der Ver- fügung des SEM habe sich die Beschwerdeführerin mit dem Entwurf nicht einverstanden gezeigt. Dabei seien jedoch keine Tatsachen oder Beweis- mittel vorgelegt worden, welche eine Änderung des Standpunktes des SEM rechtfertigen könnten. 5.2 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerde im Wesentlichen ent- gegnet, dass die PKK durch ihre Tochterpartei PYD und deren Armee YPG die Kontrolle in den kurdischen Gebieten innehabe. Die PKK terrorisiere die anderen kurdischen Parteien und deren Angehörige. Wer ihr nicht an- gehöre oder nahe stehe, werde als Feind und Verräter betrachtet. Die PKK verwalte die Geschäfte in den kurdisc hen Gebieten, regiere aber auf kei- nen Fall demokratisch sondern diktatorisch. Die Bekämpfung des IS diene der PKK als Propaganda, was sie gegen die Bevölkerung dort effektiv an- stelle, scheine niemanden zu interessieren. Wer jedoch von der PKK ver- folgt werde, habe mit Haft, Folter und Ermordung zu rechnen. Es könne gemäss aktuellen Berichten nicht mehr bestritten oder angezweifelt wer- den, dass die YPG zwangsrekrutiere. Es scheine, als ob in der vorinstanz- lichen Verfügung Sympathien für die YPG ausgedrückt würden, weil diese gegen den IS kämpfe, wobei die Menschenrechtsverletzungen der YPG übersehen beziehungsweise nicht beachtet würden. Die aktuelle Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts müsste revidiert und nicht voll- umfänglich auf den vorliegenden Fall angewendet werden. Zahlreiche junge Männer würden vor der Zwangsrekrutierung der YPG flüchten und eine Verweigerung bringe schlimme Folgen mit sich. Gemäss aktuellen Meldungen würden verstärkte Zwangsrekrutierungsmassnahmen in Afrin, Qamishli und Maabadah beobachtet. Auch würden die „regressiven“ Mass- nahmen gegen Medien und Journalisten weitergehen. Keine politische Op- position werde zugelassen und Gegner würden unterdrückt, verfolgt, ins Exil verbrannt oder verhaftet und gefoltert. Sie (die Beschwerdeführerin) sei in Syrien kurz vor einer gewaltsamen Zwangsrekrutierung gestanden. D-2683/2017 Seite 8 Ihre Eltern seien deshalb geschlagen worden und sie habe sich etwas ein- fallen lassen müssen, um sich selbst und ihre Eltern vor der Gewalt zu schützen. Deshalb habe sie der YPG versichert, dass sie sich demnächst freiwillig aus innerer Überzeugung der YPG anschliessen werde. Sie habe grosse Angst gehabt, dass ihr Vater schwer verletz t oder gar erschossen würde, weil er die YPG beschimpft habe. Die Situation sei sehr bedrohlich gewesen. Sie habe nicht nur befürchten müssen, rekrutiert zu werden, son- dern sie sei sehr nahe daran gewesen, direkt zu Rekrutierungszwecken mitgenommen zu werden. Sie habe sich dem nur durch ihre Flucht entzie- hen können. Sie müsse jedoch mit Folgen und Bestrafungen rechnen. Es sei bekannt, dass Dienstverweigerung hart bestraft werde. Deshalb sei sie weiterhin grossen Gefahren und Gewalt ausgesetzt. Die erste Massnahme nach ihrer Flucht sei die Beschlagnahmung des Hauses ihrer Eltern gewe- sen. Welche weiteren Massnahmen noch getroffen würden und welche schweren Folgen diese haben werden, sei offen. Die Vorinstanz habe es unterlassen, mögliche Folgen zu beurteilen. Kein Mensch, welcher sich der Rekrutierung der PYD/YPG entzogen habe, sei nach Syrien zurückge- kehrt, weil er grossen Gefahren ausgesetzt sei und mit harten Bestrafun- gen rechne. Deshalb seien der Vorinstanz bis jetzt auch keine Fälle be- kannt. Die PYD sei keine Regierungspartei sondern eine Miliz, welche be- stimmte Gebiete mit Gewalt erobert habe und Menschenrechte nicht be- achte. Die Gefängnisse seien überfüllt mit Menschen, welche die Rekrutie- rung verweigert beziehungsweise dagegen Widerstand geleistet hätten, sowie mit politischen Gegnern und Kritikern. Es gebe nur Scheingerichte, welche von Laien geführt würden, ohne dass ausgebildete Richter oder qualifiziertes Personal involviert seien. Es gebe keine rechtlichen Instituti- onen und nur Anhänger und Mitglieder der PYD würden die Geschäfte füh- ren und wichtige Posten besetzen – ohne über die nötigen Qualifikationen zu verfügen. Die Praxis des SEM führe zu falschen Einschätzungen. Zu ihren Nachfluchtgründen sei anzumerken, dass der gewaltsame Rekru- tierungsversuch der YPG nicht bestritten werde. Es werde weiter nicht be- stritten, dass sie sich nur durch die Flucht der Zwangsrekrutierung habe entziehen können. Sie gelte deshalb nun als Dienstverweigerin, weil sie – entgegen ihrem Versprechen zu bleiben – geflüchtet sei. Die Strafen für eine Dienstverweigerung seien nicht angemessen, weil die PYD eine Miliz sei und ohne Gesetze regiere. Es würden ihr deshalb Strafmassnahmen mit einem hohen Mass an Brutalität drohen, weshalb sie begründete Furcht habe, bei einer Rückkehr nach Syrien ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden, womit sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Eine Gefährdung durch zukünftige Verfolgung könne aufgrund der D-2683/2017 Seite 9 Dienstverweigerung, der Anti-PYD-Haltung und der bereits geschehenen Vorkommnisse nicht ausgeschlossen werden. Es könne nicht behauptet oder ausgeschlossen werden, dass seitens der PYD kein Interesse mehr an ihrer Person bestehe. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat. Im Wesentlichen kann auf die Ausführungen des SEM ver- wiesen werden. Die Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen kann offen gelassen werden, da die geltend gemachten Vorkommnisse und Befürch- tungen nicht asylrelevant sind, wie nachfolgend ausgeführt wird. 6.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, wenn sie aus einem dort aufgeführten Motiv Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2), wobei eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung nicht genügt, sondern vielmehr konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen r ealistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen müssen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5, 2010/44 E. 3.4). 6.3 In Bezug auf die Ereignisse im Zusammenhang mit der versuchten (Zwangs-)rekrutierung ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass diese nicht asylrelevant sind. Es fehlt an einem in Art. 3 AsylG umschriebenen Motiv für die Verfolgungshandlung. Zur Rekrutierung durch die YPG ist generell auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Juni 2015 zu verweisen, in welchem festgehalten wird, dass einer Verweigerung der Rekrutierung durch die YPG grundsätzlich keine Asylrelevanz zukommt (vgl. Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3). Derzeit lie- gen insbesondere keine konkreten Hi nweise dafür vor, die YPG habe im Dezember 2016 Personen, welche die Teilnahme am bewaffneten Kampf der Organisation ablehn ten, als „Verräter“ betrachte t und sie daher einer politisch motivierten drakonischen Bestrafung zugeführt, weshalb es einem asylrelevanten Verfolgungsmotiv mangelt. Auch im heutigen Kontext ist da- von auszugehen, dass in den von der PYD und der YPG kontrollierten Ge- bieten zwar Aufforderungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen, eine Weigerung jedoch keine asylrelevanten Sanktionen nach sich zieht (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -507/2015 vom 5. Mai 2017 Erw. 6.2). D-2683/2017 Seite 10 6.4 Ferner ist bezüglich des Rekrutierungsversuchs der Vollständigkeit hal- ber anzumerken, dass die vier Angehörigen der YPG zwar gewaltbereit ge- wesen sein sollen und der Vater der Beschwerdeführerin umgefallen und geschlagen worden sei. Auch ihre Mutter sei vor ihnen auf den Boden ge- fallen und dort bewusstlos liegen gelassen worden. Alle rdings hätten die Leute der YPG, nachdem eine der Frauen die Beschwerdeführerin am Arm gehalten habe, von ihr abgelassen . Dies obschon es ein Leichtes für sie gewesen wäre, die Beschwerdeführerin abzuführen. Stattdessen hätten sie auf das Versprechen der Beschwerdeführerin hin, sich ihnen später an- zuschliessen, nachgegeben und seien ohne die Beschwerdeführerin ge- gangen. Dieses Vorgehen lässt sich mit der geschilderten Gewaltanwen- dung gegenüber dem Vater der Beschwerdeführerin nur schlecht verein- baren und spricht nicht für einen ernsthaften Rekrutierungswillen. Auf Be- schwerdeebene wird weiter geltend gemacht, dass es mittlerweile eine erste Massnahme seitens der YPG gegen sie und ihre Eltern in Form der Beschlagnahmung ihres Hauses gegeben habe. Dazu ist jedoch zunächst anzumerken, dass es sich hierbei um eine reine Behauptung der Be- schwerdeführerin ohne jeden Beleg handelt. Zudem ist damit noch nicht dargetan, dass von einer dauerhaften Massnahme auszugehen wäre, wel- che überdies wohl keinen Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG darzu- stellen vermöchte. Auch ist nicht auszuschliessen, dass es sich um eine allgemeine Folge bei einer leer stehenden Liegenschaft handelt, indessen nicht um eine direkte Konsequenz der verweigerten Rekrutierung. Im kon- kreten Fall ist somit gestützt auf den vorgebrachten Rekrutierungsversuch keine asylrechtlich relevante Verfolgung ge geben. Auch der Befürchtung, die Beschwerdeführerin könnte in der Zukunft bei einer allfälligen (hypo- thetischen) Rückkehr von der YPG bestraft oder rekrutiert werden, kommt keine Asylrelevanz zu. 6.5 Schliesslich vermögen auch die von der Beschwerdeführerin einge- reichten Beweismittel diese Schlussfolgerungen nicht umzustossen. 6.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte u nd deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Das SEM hat ihr Asyl- gesuch somit zu Recht abgelehnt. Für eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung besteht kein Anlass. D-2683/2017 Seite 11 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7.3 Im Sinne einer Klarstellung wird abschliessend festgehalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Be- schwerdeführerin sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Syrien in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG einzuordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzu- mutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch das SEM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 9. 9.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, weshalb sich der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschus- ses als gegenstandslos erweist. 9.2 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Voraussetzungen der Nichtauslosigkeit, wie den vorangehenden Erwägungen entnommen wer- den kann, nicht erfüllt ist. 9.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– D-2683/2017 Seite 12 festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2683/2017 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Karin Fischli Versand: