A bteilung V E -5337/2006 gyk/bec {T 0/2} U rteil vom 17. Juli 2007 M itw irkung: R ichter G ysi, R ichter Lang, R ichterin Schenker Senn G erichtsschreiber Berger M . _______, geboren _______, Afghanistan, vertreten durch _______ Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 10. A ugust 2006 i.S. W egw eisung und Vollzug der W egw eisung N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest: A. D er Beschw erdeführer reichte am 30. April 2004 in der Em pfangsstelle Kreuzlin- gen ein Asylgesuch ein und w urde dort am 4. M ai 2004 unter anderem zu seiner Ausreise aus dem H eim atland befragt. Seinen Angaben zufolge verliess er Afgha- nistan im M ärz/April 2003 über Pakistan. Er sei in den Iran w eitergereist, w o er sich zw eieinhalb M onate aufgehalten habe, bevor er drei M onate in der Türkei ver- bracht habe. Von dort sei er auf die Insel Kos gelangt, w o er drei M onate inhaftiert w orden sei. D anach habe ihn die R eise über Athen auf dem Seew eg nach Italien geführt, w o er sich zirka zw ei M onate aufgehalten habe, bevor er am 30. April 2004 in die Schw eiz gelangt sei. Am 10. M ai 2004 w urde er vom Bundesam t für M igration gestützt auf Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) direkt angehört. Auf entsprechende Anfrage des BFM teilten die zu- ständigen Behörden von Ö sterreich m it Schreiben vom 28. Juli 2004 m it, dass in Ö sterreich bezüglich des Beschw erdeführers unter anderer Identität, aber unter der gleichen N ationalität, identische Fingerabdrücke einliegen w ürden, die am 20. Februar 2004 in Ö sterreich aufgenom m en w orden seien. Am 16. Septem ber 2004 führte das BFM eine zusätzliche Anhörung des Beschw erdeführers durch, anlässlich derer ihm unter anderem das rechtliche G ehör zu den Abklärungen in Ö sterreich gew ährt w urde. B. Anlässlich der Befragungen m achte der Beschw erdeführer im W esentlichen gel- tend, er stam m e aus _______der Provinz G hazni, gehöre der Ethnie der H azara an und habe seit seiner G eburt bis kurz vor Ausreise dort gelebt. Sein Vater habe das Am t des D orfvorstehers ausgeübt, sei der H izb-i Islam i nahegestanden und als _______ tätig gew esen. N achdem die Taliban die H errschaft in der R egion über- nom m en hätten, habe sich sein Vater gezw ungen gesehen, m it diesen zusam m en- zuarbeiten, w as ihm Kom m andanten um liegender D örfer übel genom m en hätten. N ach dem Sturz der Taliban habe ein einflussreicher Kom m andant ihr D orf m ehr- m als m ilitärisch angegriffen und letztlich besetzt, w obei der Vater und zw ei Brüder des Beschw erdeführers bei den G efechten getötet w orden seien. Ein G egenangriff unter der Führung eines O nkels des Beschw erdeführers sei erfolglos verlaufen. D er O nkel sei m it dem jüngeren Bruder des Beschw erdeführers in den Iran geflo- hen, w ährend der Beschw erdeführer zw ei bis drei M onate im G renzgebiet zum Iran für Schm uggler gearbeitet habe, bevor er für acht M onate auf iranischem Ter- ritorium inhaftiert w orden sei. N ach der Freilassung und R ückschaffung nach Af- ghanistan habe der Beschw erdeführer sein H eim atland verlassen. C . M it Verfügung vom 10. August 2006 lehnte das BFM das Asylgesuch des Be- schw erdeführers ab, ordnete seine W egw eisung aus der Schw eiz an und erw og, der Vollzug der W egw eisung sei zulässig, zum utbar und m öglich. Zur Begründung w urde ausgeführt, die Vorbringen des Beschw erdeführers w ürden den Anforderun- gen an die G laubhaftm achung nach Art. 7 AsylG nicht genügen. Insbesondere habe er zu w esentlichen Punkten des geltend gem achten Sachverhaltes unter- schiedliche und som it w idersprüchliche Angaben gem acht. Bezüglich des Vollzuges der W egw eisung des Beschw erdeführers in den H eim at- staat hält das BFM zunächst fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingsei- genschaft nicht, w eshalb der G rundsatz der N ichtrückschiebung gem äss Art. 5 3 Abs. 1 AsylG keine Anw endung finde. Ferner seien aus den Akten keine Anhalts- punkte ersichtlich, w onach der Beschw erdeführer im Falle seiner R ückkehr in den H eim atstaat dort m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer durch Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt w äre. D er Vollzug der W egw eisung sei dam it zulässig. Im W eiteren führt das BFM aus, die R ückschaffung des Beschw erdeführers in des- sen H eim atland erscheine angesichts der allgem einen Lage in Afghanistan grund- sätzlich als zum utbar. D a in Afghanistan keine Situation allgem einer G ew alt herr- sche, könne trotz Sicherheitsdefiziten in einzelnen Provinzen nicht von einer allge- m einen konkreten G efährdung der Bevölkerung ausgegangen w erden. D er R egie- rung unter Präsident Karzai sei es gelungen, die Situation im Land insgesam t zu stabilisieren, dies insbesondere durch die Einbindung eines G rossteils der lokalen M achthaber, den Aufbau eines Sicherheitsapparates und die Entw affnung der M ili- zen. D ie Am tseinsetzung des Parlam ents sei ebenfalls ein w ichtiger Schritt in R ichtung Stabilisierung der Situation im Land. In Sicherheitsbelangen w erde die afghanische R egierung w eiterhin von der internationalen Schutztruppe ISAF (Inter- national Security and Assistance Force) unterstützt und auch die W iederaufbau- team s (Provincial R econstruction Team PR Ts) seien nach w ie vor im Einsatz. D ie Teilnehm er der internationalen Afghanistan-Konferenz von Anfang 2006 hätten zu- dem beschlossen, dem Land für w eitere fünf Jahre W iederaufbauhilfe zu gew äh- ren. Es sprächen auch keine individuellen G ründe gegen die Zum utbarkeit des W eg- w eisungsvollzugs des Beschw erdeführers. D iesbezüglich sei insbesondere darauf hinzuw eisen, dass er unglaubw ürdige Angaben hinsichtlich seiner fam iliären Be- zugspersonen gem acht habe und diese dem nach nicht als gesichert betrachtet w erden könnten. Es sei dem BFM som it nicht m öglich, sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und fam iliären Verhältnisse zur Zum utbarkeit des Voll- zuges der W egw eisung zu äussern. Es sei jedoch nicht Aufgabe der Asylbehör- den, nach allfälligen W egw eisungshindernissen zu suchen, w enn durch den Be- schw erdeführer die M itw irkungs- und W ahrheitspficht im R ahm en der Sachver- haltserm ittlung verletzt w ürde. D . D er Beschw erdeführer beantragte bei der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) m it Eingabe vom 11. Septem ber 2006 die Aufhebung der Ziffern 3 bis 5 der vorinstanzlichen Verfügung. Er sei w egen U nzulässigkeit beziehungsw eise U nzu- m utbarkeit des W egw eisungsvollzuges vorläufig in der Schw eiz aufzunehm en. In verfahrensrechtlicher H insicht beantragte er, es sei von der Erhebung eines Kos- tenvorschusses abzusehen. Zur Begründung w ird in der R echtsm itteleingabe im W esentlichen vorgebracht, die von der Vorinstanz als w idersprüchlich gew erteten Aussagen seien einerseits auf Ü bersetzungsfehler, andererseits auf Ü bersetzungsproblem e oder M issverständ- nisse oder denn auf Fehlinterpretationen durch die Vorinstanz zurückzuführen. D er Beschw erdeführer sei seiner W ahrheitspflicht nachgekom m en und habe die fam iliäre Situation glaubhaft dargestellt. Im W eiteren sei im Zusam m enhang der Frage des W egw eisungsvollzuges entgegen der Ansicht der Vorinstanz in Afgha- nistan die Sicherheit nicht gew ährleistet und die politische sow ie die w irtschaftliche 4 Situation im m er noch prekär. D er Beschw erdeführer verw ies zudem auf die dam a- lige aktuelle R echtsprechung der AR K, w onach der W egw eisungsvollzug nur für Personen als zum utbar eingestuft w erde, w elche aus Kabul stam m ten. E. M it Zw ischenverfügung vom 14. Septem ber 2006 verzichtete die AR K auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses. F. D ie Vorinstanz beantragte m it Vernehm lassung vom 21. Septem ber 2006 die Ab- w eisung der Beschw erde, da diese keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- w eism ittel enthalte, w elche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könn- ten. D as BFM ergänzte seinen Standpunkt bezüglich der Frage der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges dahingehend, als es dem Beschw erdeführer offenste- hen w ürde, eine innerstaatliche W ohnsitzalternative w ahrzunehm en und er sich beispielsw eise im G rossraum Kabul niederlassen könne. H azara w ürden in der H auptstadt des Landes eine bedeutende M inderheitengruppe bilden, bew ohnten eigene Q uartiere und verfügten über entsprechende N etzw erke. Als Volksgruppe hätten sie traditionsgem äss ein starkes Zusam m engehörigkeitsgefühl entw ickelt, das sich in gegenseitiger H ilfe und U nterstützung äussere. N achbarschaft, Freund- schaft und gem einsam es Schicksal käm en den Bindungen der nahen und fernen Verw andtschaft gleich und w ürden für Solidarität sorgen. Zudem könne davon aus- gegangen w erden, dass der Beschw erdeführer die M öglichkeit habe, über seinen O nkel, der in Kabul offensichtlich über ein gutes Beziehungsnetz verfüge, Zugang zu diesem N etz zu erhalten. D ie Vernehm lassung w urde dem Beschw erdeführer am 25. Septem ber 2006 m it R eplikrecht zur Kenntnis gebracht. G . M it Eingabe vom 9. O ktober 2006 nahm der Beschw erdeführer zur Vernehm las- sung Stellung und führte im W esentlichen aus, Kabul stelle für ihn sow ohl aus Si- cherheitsgründen als auch aus sozio-ökonom ischer Sicht keine zum utbare Alterna- tive dar. D ass der Beschw erdeführer in der H aupstadt auf die H ilfe und U nterstüt- zung der H azara-G em einschaft zählen könne, stelle eine pauschale Behauptung der Vorinstanz dar. Auch verfüge der O nkel des Beschw erdeführers in Kabul nicht über ein derartiges Beziehungsnetz, das dem Beschw erdeführer eine selbständige w irtschaftliche Existenz erm öglichen w ürde. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das Bundesver- w altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung 5 der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfah- rensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist ein- zutreten. 3. D ie vorliegende Beschw erde richtet sich gegen die Ziffern 3 bis 5 des D ispositivs der angefochtenen Verfügung des BFM . D ie Ziffern 1 und 2 des D ispositivs der Verfügung (betreffend Flüchtlingseigenschaft und Asylgew ährung) sind som it in R echtskraft erw achsen. Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob die Vorinstanz die W egw eisung und den Vollzug der W egw eisung zu R echt angeordnet hat. 4. Lehnt das Bundesam t das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnet den Vollzug an; da- bei ist der G rundsatz der Einheit der Fam ilie zu berücksichtigen. D er Beschw erde- führer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbew illigung noch ei- nen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung w urde dem nach zu R echt angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG ). 5. 5.1 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be- stim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N ie- derlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]). 5.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus- länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 5.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 5.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EM R K darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-6 handlung unterw orfen w erden. 5.5 D ie erw ähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der W egw ei- sung (U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit und U nm öglichkeit) sind alternativer N atur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der W egw eisung als undurchführ- bar zu betrachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Be- stim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (vgl. die w eiterhin geltende Praxis der ehem aligen AR K in Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizeri- schen Asylrekurskom m ission / EM AR K 2001 N r. 1 E.6a S. 2, 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54 f.). 5.6 W eil sich vorliegend der Vollzug der W egw eisung - aus den nachfolgend aufge- zeigten G ründen - als unzum utbar erw eist, ist auf eine Erörterung der beiden an- dern Kriterien - insbesondere der Zulässigkeit des W egw eisungsvollzuges - zu ver- zichten. 5.7 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung auch verzichtet, w enn die R ück- kehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herrschenden allge- m einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situati- on allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen, aber nicht m öglichen m edizinischen Be- handlung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 5.7.1 D ie AR K hat sich in EM AR K 2003 N r. 10 und 30 eingehend zur Lage in Kabul ge- äussert und die U nterschiede zw ischen der Stadt Kabul und anderen R egionen Af- ghanistans dargestellt. Infolge der vergleichsw eise günstigeren Situation hat sie den W egw eisungsvollzug nach Kabul unter bestim m ten strengen Voraussetzun- gen, insbesondere einem tragfähigen Beziehungsnetz und einer gesicherten W ohnsituation, als zum utbar erachtet. D ie AR K kam in ihrem publizierten U rteil vom 25. N ovem ber 2003 (EM AR K 2003 N r. 30) gestützt auf eine eingehende Ana- lyse zum Schluss, dass eine R ückkehr in die Provinz G hazni als existenzbedro- hend und dam it als unzum utbar zu qualifizieren sei. In ihrem U rteil vom 24. Januar 2006 (EM AR K 2006 N r. 9) bestätigte und ergänzte die AR K ihre R echtssprechung aus dem Jahr 2003. Zusätzlich zu Kabul erachtete sie den W egw eisungsvollzug in jene R egionen Afghanistans als grundsätzlich zum utbar, in w elchen seit dem Jah- re 2004 keine signifikanten m ilitärischen Aktivitäten stattgefunden haben oder die keiner dauernden U nsicherheit ausgesetzt sind. D iese Voraussetzungen sind im Fall einer W egw eisung nach Kabul und - seit EM AR K 2006 N r. 9 - auch in die Pro- vinzen Parw an, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, H erat und in die G egend von Sam angan, die nicht zum H azarajat zu zählen ist, gegeben, w o- bei im Sinne einer Einschränkung die in EM AR K 2003 N r. 10 erw ogenen strengen Bedingungen beachtet w erden m üssen. In den östlichen, südlichen und südöstli- chen Provinzen hingegen besteht - gestützt auf EM AR K 2006 N r. 9 - w eiterhin eine allgem eine G ew altsituation, w eshalb der W egw eisungsvollzug dorthin nach w ie vor als unzum utbar zu betrachten ist.7 5.7.2 D er Beschw erdeführer ist unbestrittenerm assen Angehöriger der Ethnie der H aza- ra und gilt als aus dem D istrikt D jaghuri der Provinz G hazni stam m end, w o er bis ins Jahre 2003 gelebt hat. D ieser - w estliche - Teil der Provinz G hazni gehört zum H azarajat (vgl. EM AR K 2003 N r. 30 E. 7a S. 193). D ahin erachtet die AR K - w ie sich aus den vorangehenden Erw ägungen ergibt - den Vollzug der W egw eisung als unzum utbar, andererseits ergibt sich aus EM AR K 2006 N r. 9, dass die AR K ei- nen generellen W egw eisungsvollzug in das H azarajat bew usst ausschloss, zum al sie festhielt, dass der W egw eisungsvollzug in die R egion Sam angan nur unter Ausschluss derjenigen G ebiete, w elche zum H azarajat gehören, als generell zu- m utbar erachtet w ürde (EM AR K 2006 N r. 9 E. 7.8 S. 102). D as Bundesverw al- tungsgericht sieht keinen G rund zu einer Änderung oder Präzisierung der in EM AR K 2006 N r. 9 veröffentlichten und sich auf die frühere Praxis stützenden Ein- schätzung der Lage in Afghanistan. D ie bisherige, in EM AR K 2003 N r. 10 und 30 sow ie EM AR K 2006 N r. 9 festgelegte Praxis hat folglich auch im heutigen Zeit- punkt noch G ültigkeit. D em nach ist die Frage, w ie sich die fam iliäre Situation des Beschw erdeführers innerhalb des heim atlichen G ebietes gestaltet und ob die dies- bezüglichen Schilderungen des Beschw erdeführers als glaubhaft zu w erten sind, im R ahm en des vorliegenden Streitgegenstandes nicht entscheidw esentlich. 5.7.3 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschw erdeführer allenfalls eine Aufenthaltsalternative in einem anderen Landesteil Afghanistans zur Verfügung steht. D ie Anerkennung einer zum utbaren innerstaatlichen Aufenthaltsalternative eines aus dem H azarajat stam m enden Asylsuchenden etw a nach Kabul - w o die allgem eine Situation als re- lativ stabil zu bezeichnen ist (vgl. EM AR K 2003 N r. 10 E. 10b S. 66 ff.) - setzt ins- besondere die Existenz eines tragfähigen Fam ilien- oder Beziehungsnetzes sow ie eine gesicherte W ohnsituation in dieser Stadt voraus; m ithin ist bei der Beurteilung der individuellen Zum utbarkeitskriterien eine differenzierte Beurteilung angezeigt (vgl. EM AR K 2003 N r. 30 E. 7b S. 193 f.). D iesen von der geltenden R echtsspre- chung geforderten hohen konkreten persönlichen Anforderungen kann die Ein- schätzung der Vorinstanz in deren Vernehm lassung zur generellen Situation der H azara in Kabul, die grundsätzlich zutreffen m ag, bezüglich der individuellen Vor- aussetzungen des Beschw erdeführers nicht genügen. In konkret persönlicher H in- sicht verm ag der U m stand allein, dass sich ein O nkel des Beschw erdeführers in den letzten Jahren zeitw eise in Kabul aufgehalten hat und dadurch über bezie- hungsm ässige Anknüpfungspunkte verfügt, die Annahm e einer gesicherten W ohn- situation des Beschw erdeführers und einer persönlichen Einbindung in ein künfti- ges genügend tragfähiges Beziehungsnetz nicht hinreichend zu stützen. M ithin fehlen ihm die entscheidenden Zum utbarkeitsfaktoren, um sich in Kabul - oder ei- nem anderen G ebiet seines H eim atlandes - eine Existenzgrundlage aufbauen be- ziehungsw eise sichern zu können. 5.8 Angesichts der gesam ten U m stände ist der Vollzug der W egw eisung - der Praxis dar AR K, w elche in diesem Punkt auch für das Bundesverw altungsgericht w eiter- hin G ültigkeit erlangt, entsprechend - als unzum utbar zu bezeichnen. D ie Voraus- setzungen für die G ew ährung der vorläufigen Aufnahm e sind dem nach erfüllt. Ei- ner vorläufigen Aufnahm e stehen im Ü brigen auch keine einschränkenden gesetz- lichen Tatbestände (Art. 14 Abs. 6 AN AG ) entgegen. 5.9 D ie Beschw erde ist bezüglich der Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der angefochte- nen Verfügung gutzuheissen. D ie Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung 8 des Bundesam tes sind aufzuheben und das Bundesam t ist anzuw eisen, den Be- schw erdeführer vorläufig aufzunehm en (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 14a Abs. 1 und 4 AN AG ). Sow eit die Aufhebung der Ziffer 3 des D ispositivs der ange- fochtenen Verfügung beantragt w ird, ist die Beschw erde abzuw eisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). 7. G em äss Art. 7 Abs. 1 des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 (VG KE, SR 173.320.2) haben obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erw achsenen notw endigen Kosten. Laut Art. 9 VG KE um fassen die Kosten der Vertretung das Anw altshonorar oder die Entschädigung für eine nichtanw altliche berufsm ässige Vertretung (Bst. a), den Ersatz von Auslagen (Bst. b) und den Er- satz der M ehrw ertsteuer für die Entschädigungen nach den Buchstaben a und b, sow eit eine Steuerpflicht besteht und die M ehrw ertsteuer nicht bereits berücksich- tigt w urde (Bst. c). D as Anw altshonorar und die Entschädigung für eine nichtan- w altliche berufsm ässige Vertretung w erden nach dem notw endigen Zeitaufw and des Vertreters oder der Vertreterin bem essen (Art. 10 VG KE). D er Beschw erdeführer hat keine Kostennote zu den Akten gereicht. Vorliegend kann der notw endige Aufw and aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig abge- schätzt w erden und eine Parteientschädigung im Betrage von insgesam t Fr. 1000.-- (inkl. Auslagen und M ehrw ertsteuer) erscheint als angem essen. D as BFM ist anzuw eisen, dem Beschw erdeführer für das Verfahren vor dem Bundes- verw altungsgericht die Parteientschädigung zu entrichten. (D ispositiv nächste Seite)9 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, sow eit die Aufhebung der Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der angefochtenen Verfügung beantragt w ird; sow eit die Aufhebung der Ziffer 3 des D ispositivs der angefochtenen Verfügung beantragt w ird, w ird die Be- schw erde abgew iesen. 2. D ie Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der angefochtenen Verfügung w erden aufgeho- ben. D as BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführer vorläufig aufzunehm en. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung im Betrage von Fr. 1000.-- zu entrichten. 5. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer durch Verm ittlung seines R echtsvertreters, 2 Exem plare (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it deren Akten (R ef.-N r. N _______) - Y._______ D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: Kurt G ysi C hristoph Berger Versand am :