<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">446</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft4"><b>84</b></span> <span class="ft4"><b>Verfall eines Verpflichtungskredits</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Die fünfjährige Verfallsfrist spielt keine Rolle mehr, wenn mit einem Vor-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>haben begonnen worden ist. Der Kredit verfällt dann nur noch, wenn der</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Zweck erreicht ist oder aufgegeben wird.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres,</span><br/> <span class="ft5">Gemeindeabteilung, vom 18. August 2016 in Sachen Z. gegen die Einwohner-</span><br/> <span class="ft5">gemeinde C. (76445/25.1).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.1</span><br/> <span class="ft1">Die Stimmberechtigten der Stadt C. haben in der Volksabstim-</span><br/> <span class="ft1">mung vom 24. Februar 2008 den Vorvertrag vom 8. November 2007</span><br/> <span class="ft1">über den Erwerb eines Miteigentumsanteils für 17 Millionen Franken</span><br/> <span class="ft1">genehmigt und damit eine allfällige Beteiligung an der Eigentümer-</span><br/> <span class="ft1">gesellschaft des Stadions bewilligt. Es handelt sich hierbei unbe-</span><br/> <span class="ft1">strittenermassen um einen Verpflichtungskredit. Nachfolgend ist die</span><br/> <span class="ft1">Frage zu beantworten, ob dieser Verpflichtungskredit verfallen ist</span><br/> <span class="ft1">oder nicht, bzw. unter welchen Voraussetzungen er in Zukunft ver-</span><br/> <span class="ft1">fallen könnte.</span><br/> <span class="ft1">2.2</span><br/> <span class="ft1">Auf den 1. Januar 2014 hat der Grosse Rat das neue Finanzrecht</span><br/> <span class="ft1">(Umsetzung und Einführung des harmonisierten Rechnungsmodells</span><br/> <span class="ft1">2 [HRM2] in den Aargauer Gemeinden) in Kraft gesetzt. Materiell</span><br/> <span class="ft1">hat sich mit der Umsetzung des HRM2 in Bezug auf das Kreditrecht</span><br/> <span class="ft1">jedoch nichts geändert (vgl. Botschaft des Regierungsrats an den</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rat vom 22. Juni 2011 zum Harmonisierten Rechnungsmo-</span><br/> <span class="ft1">dell 2, Bericht und Entwurf zur 1. Beratung, S. 19).</span><br/> <span class="ft1">2.3</span><br/> <span class="ft1">Das kantonale Recht sah noch im alten Recht vor, dass nach</span><br/> <span class="ft1">§ 93 Abs. 1 zweiter Satz aGG Verpflichtungskredite zeitlich nicht be-</span><br/> <span class="ft1">schränkt sind. Vorbehalten bleiben sollten jedoch Verjährungsvor-</span><br/> <span class="ft1">schriften. Solche Verjährungsvorschriften hatte der Grosse Rat ge-</span><br/> <span class="ft1">stützt auf seine Kompetenz von § 85 aGG in § 15 Abs. 6 des Dekrets</span><br/> <span class="ft1">über den Finanzhaushalt der Gemeinden und der Gemeindeverbände</span><br/> <span class="ft1">(Finanzdekret) vom 17. März 1981 festgelegt. Mit der Aufhebung</span><br/> <span class="ft1">des Finanzdekrets ist der Wortlaut der Verjährungsvorschriften iden-</span><br/> <span class="ft1">tisch in § 90h GG des neuen Finanzrechts überführt worden. § 90h</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 GG lautet wie folgt:</span> <span class="ft1">Ein Verpflichtungskredit verfällt, wenn</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Zweck erreicht ist, aufgegeben wird oder wenn das Vorhaben in-</span><br/> <span class="ft1">nerhalb von fünf Jahren noch nicht begonnen wurde.</span><br/> <span class="ft1">2.4</span><br/> <span class="ft1">Aus den zitierten Gesetzesbestimmungen ergibt sich, dass ein</span><br/> <span class="ft1">Verpflichtungskredit grundsätzlich zeitlich nicht begrenzt ist. Ver-</span><br/> <span class="ft1">fallen kann er nur unter den drei im Gesetz ausdrücklich genannten</span><br/> <span class="ft1">Verjährungsgründen. Ist mit einem Vorhaben begonnen worden,</span><br/> <span class="ft1">spielt auch die fünfjährige Verjährungsfrist keine Rolle mehr. Der</span><br/> <span class="ft1">Kredit verfällt dann nur noch, wenn der Zweck erreicht ist oder</span><br/> <span class="ft1">aufgegeben wird. Die Anforderungen in Bezug auf den Beginn eines</span><br/> <span class="ft1">Vorhabens dürfen nicht hoch angesetzt werden. So stellen etwa be-</span><br/> <span class="ft1">reits die Einleitung von Ausführungsarbeiten Handlungen dar, wel-</span><br/> <span class="ft1">che als Beginn eines Vorhabens zu werten sind. Zu diesen Ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">rungsarbeiten zählt die Lehre insbesondere das Erteilen von Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungsaufträgen oder Abklärungen zum beschlossenen Projekt (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Andreas Baumann, Aargauisches Gemeinderecht, 3. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">2005, S. 415).</span><br/> <span class="ft1">2.5</span><br/> <span class="ft1">Eine allfällige Befürchtung, dass ein Projekt nach dem Beginn</span><br/> <span class="ft1">des Vorhabens durch die Exekutive verschleppt werden könnte, wenn</span><br/> <span class="ft1">kein Kreditverfall einzutreten droht, erweist sich insofern als unbe-</span><br/> <span class="ft1">rechtigt, als das kantonale Recht den kommunalen Exekutivorganen</span><br/> <span class="ft1">nach § 37 Abs. 2 lit. a GG die Pflicht auferlegt, die Beschlüsse der</span><br/> <span class="ft1">Gemeindeversammlung, des Einwohnerrats oder der Stimmbürger-</span><br/> <span class="ft1">schaft an der Urne zu vollziehen. Somit steht es nicht im Ermessen</span><br/> <span class="ft1">eines Exekutivorgans, von der Umsetzung eines von den Stimmbe-</span><br/> <span class="ft1">rechtigten beschlossenen Projekts abzusehen.</span><br/> <span class="ft1">2.6</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall haben die Stimmberechtigten der Stadt C.</span><br/> <span class="ft1">in der Volksabstimmung vom 24. Februar 2008 den Vorvertrag vom</span><br/> <span class="ft1">8. November 2007 über den Erwerb eines Miteigentumsanteils am</span><br/> <span class="ft1">Fussballstadion für 17 Millionen Franken genehmigt und damit eine</span><br/> <span class="ft1">allfällige Beteiligung an der Eigentümergesellschaft des Stadions be-</span><br/> <span class="ft1">willigt.</span><br/> <span class="ft1">Ein Verpflichtungskredit verfällt nun nicht nach fünf Jahren,</span><br/> <span class="ft1">wenn der Erwerb des Miteigentumsanteils nicht vollzogen worden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">449</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ist, sondern gemäss der gesetzlichen Bestimmung, wenn das Vorha-</span><br/> <span class="ft1">ben auf den Erwerb des Miteigentumsanteils noch nicht begonnen</span><br/> <span class="ft1">wurde. Mit dem Beschluss des Verpflichtungskredits haben die</span><br/> <span class="ft1">Stimmberechtigten die Finanzierung des Geschäfts sichergestellt.</span><br/> <span class="ft1">Der Erwerb eines Miteigentumsanteils an einem Fussballstadion</span><br/> <span class="ft1">kann aber aus rechtlichen Gründen nicht unmittelbar nach dem</span><br/> <span class="ft1">Finanzbeschluss vollzogen werden, der Erwerb ist vielmehr erst</span><br/> <span class="ft1">möglich, wenn das Stadion gebaut worden ist. Dass das Stadion ge-</span><br/> <span class="ft1">baut werden kann, setzt wiederum voraus, dass der Bauherrschaft</span><br/> <span class="ft1">eine Baubewilligung erteilt worden ist, gestützt darauf mit dem Bau</span><br/> <span class="ft1">begonnen werden kann. Wie oben ausgeführt genügt die Einleitung</span><br/> <span class="ft1">von Ausführungsarbeiten, um den Beginn eines Vorhabens zu bele-</span><br/> <span class="ft1">gen. Damit sind alle Aktivitäten und Handlungen der Stadt C., wel-</span><br/> <span class="ft1">che zu einer Realisierung des Fussballstadions beitragen, als Schritte</span><br/> <span class="ft1">zur Umsetzung des beschlossenen Vorhabens anzusehen.</span><br/> <span class="ft1">2.7</span><br/> <span class="ft1">Die Einwohnergemeinde C., handelnd durch den Stadtrat, hat</span><br/> <span class="ft1">wie sich aus den eingereichten Akten ergibt, umgehend auf eine Um-</span><br/> <span class="ft1">setzung des Beschlusses hingearbeitet. So hat der Stadtrat bereits am</span><br/> <span class="ft1">2. Juli 2008 eine Aktiengesellschaft die Stadion C. AG gegründet,</span><br/> <span class="ft1">deren Verwaltungsrat im Auftrag der Stadt die Anforderungen an ein</span><br/> <span class="ft1">Fussballstadion mit dem Fussballclub und der Bauherrschaft koordi-</span><br/> <span class="ft1">niert, die Unterlagen bereitstellt und die Sicherheitsanforderungen</span><br/> <span class="ft1">klärt. Dieser Vorgang stellt objektiv betrachtet einen ersten Schritt</span><br/> <span class="ft1">auf dem Weg zur Realisierung des Fussballstadions dar und ist dem-</span><br/> <span class="ft1">nach als Beginn des Vorhabens im Sinne von § 90h GG einzustufen.</span><br/> <span class="ft1">Die vom Stadtrat in der Vernehmlassung vorgenommene</span><br/> <span class="ft1">Zusammenstellung aller Aktivitäten, welche er im Zeitraum zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen dem Beschluss des Verpflichtungskredits und heute unter-</span><br/> <span class="ft1">nommen hat, insbesondere die für den Stadionbau notwendigen</span><br/> <span class="ft1">Änderungen bei den kommunalen Planungsgrundlagen (Volksab-</span><br/> <span class="ft1">stimmung über die Nutzungsplanung vom 13. Juni 2010 und der Be-</span><br/> <span class="ft1">schluss über den Zonen- und Gestaltungsplan durch den Stadtrat vom</span><br/> <span class="ft1">23. August 2010) oder die für die Entwicklung der umgebenden</span><br/> <span class="ft1">Infrastruktur notwendigen Baukredite sowie deren Realisierung, zei-</span><br/> <span class="ft1">gen auf, dass mit der Umsetzung zeitgerecht und zielgerichtet begon-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2016</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">450</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nen wurde. Als Beginn und Weiterführung des Vorhabens sind alle</span><br/> <span class="ft1">diese Handlungen zu betrachten, da sie sämtlich dazu dienen, dass</span><br/> <span class="ft1">das Projekt umgesetzt werden kann. Die Gemeinde C. hat damit ohne</span><br/> <span class="ft1">weiteres den Nachweis erbracht, dass innerhalb der Frist mit der Um-</span><br/> <span class="ft1">setzung des Projekts begonnen worden ist. Von einem Verfall des</span><br/> <span class="ft1">Verpflichtungskredits kann daher keine Rede sein.</span><br/> <span class="ft1">2.8</span><br/> <span class="ft1">(...) Nachdem mit dem Vorhaben begonnen worden ist, spielt</span><br/> <span class="ft1">aber die Verfallsfrist von fünf Jahren keine weitere Rolle mehr. Wie</span><br/> <span class="ft1">oben erwähnt, besteht zum heutigen Zeitpunkt und solange die</span><br/> <span class="ft1">Stimmberechtigten keinen gegenteiligen Beschluss fassen, im Ge-</span><br/> <span class="ft1">genteil die Verpflichtung, dass der Stadtrat die Beschlüsse vollzieht</span><br/> <span class="ft1">und das Projekt zu einem Abschluss bringt.</span><br/></div> </div> </body> </html>