Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 9. Oktober 2012 (400 12 184) ___________________________________________________________________ Zivilrecht Ergänzung eines ausländischen Scheidungsurteils hinsichtlich des nacheheli- chen Unterhalts und der bei einer schweizerischen Pensionskasse geäufneten Austrittsleistung Besetzung Präsidentin Christine Baltzer, Richterin Barbara Jerm ann Richterich (Re- ferentin), Richter René Borer; Gerichtsschreiber Andreas Linder Parteien A. _____, vertreten durch Advokat Javier Ferreiro, Gerbergasse 1, 4001 Basel, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B. _____, vertreten durch Advokatin Dr. Eva Weber, Heuberg 16, 4051 Basel, Beklagter Gegenstand Ehescheidung / Ergänzung des Scheidungsurteils vom 13. Februar 2008 des Tribunal Judical de X. _____ A. Die Parteien haben am 12. April 1976 in Portugal g eheiratet. Aus der Ehe sind zwölf Kinder hervorgegangen, geboren in den Jahren 1975 bi s 1991. Mit Urteil vom 13. Februar 2008 erklärte das Tribunal Judicial de X. _____, Portugal, die Ehe der Parteien für aufgelöst. Mit Eingabe vom 20. Juni 2011 gelangte A. _____, wohnhaft in X. _____, Portugal, vertreten durch Advokat Javier Ferreiro, an das Bezirksgericht Arles heim und verlangte eine Ergän- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zung des besagten Scheidungsurteils des Tribunal Judical de X. _____. Sie liess beantra- gen, dass der Beklagte, wohnhaft in Oberwil/BL, zu verur teilen sei, ihr mit Wirkung ab Juni 2010 einen angemessenen Unterhaltsbeitrag, in güterre chtlichter Hinsicht den Betrag von CHF 1'000.00, Mehrforderung vorbehalten, sowie die Hä lfte der ehezeitlich vom Beklagten erworbenen Freizügigkeitsleistung auf ein zu bezeichnen des Konto zu bezahlen. Im Verlauf des Verfahrens liess die Klägerin ihre Forderung aus Güterrecht fallen. Mit Entscheid vom 6. März 2012 wies das Bezirksgericht Arlesheim die Klage ab. Die Prozesskosten wurden der Klägerin auferlegt und den Parteivertretern zufolge B ewilligung der unentgeltlichen Rechts- pflege Honorare aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Das Bezirksgericht Arlesheim erwog im Zusammenhang mit d em Begehren der Klägerin um nachehelichen Unterhalt im Wesentlichen, der Begründun g des portugiesischen Urteils sei zu entnehmen, dass die Parteien zum Zeitpunkt der Schei dung seit mindestens 16 Jahren ununterbrochen getrennt gelebt und unabhängig vonein ander gewirtschaftet hätten. Beide Parteien hätten im vorliegenden Verfahren bestätigt, dass der Beklagte niemals Unterhalts- beiträge an die Klägerin geleistet habe. Zahlungen seien lediglich in Form von Unterhaltsbei- trägen für die Kinder an die Klägerin geflossen. Zum Zeitpunkt der Ehescheidung im Februar 2008 seien bis auf den jüngsten Sohn bereits alle geme insamen Kinder volljährig gewesen, so dass das Argument der fehlenden Leistungsfähigkeit f ür Ehegattenunterhalt wegen des Kinderunterhalts für den Zeitpunkt der Ehescheidung n icht mehr zutreffen könne. Es sei so- mit davon auszugehen, dass für die Klägerin im Scheidun gszeitpunkt kein Anspruch auf Un- terhalt gegeben gewesen sei und damit auch nachträgli ch keine Unterhaltsbeiträge mehr geltend gemacht werden könnten. Auch in subsidiärer A nwendung der lex fori sei aufgrund der Erwägungen im Scheidungsurteil davon auszugehen, d ass die Parteien wirtschaftlich unabhängig voneinander gelebt hätten und damit jede r selbst für seinen gebührenden Un- terhalt habe aufkommen können. Demgemäss könnten der K lägerin auch nach schweizeri- schem Recht keine Unterhaltsbeiträge zugesprochen werden. Die Abweisung des Begehrens um Teilung der berufliche n Vorsorge begründete das Be- zirksgericht Arlesheim im Wesentlichen wie folgt: Die Teilung der Austrittsleistung unterstehe grundsätzlich dem auf die Scheidung anwendbaren Recht ( Scheidungsstatut). Das Schei- dungsstatut sei das portugiesische Recht als das gemeinsame Heimatrecht der Parteien. Mit Art. 15 IPRG stelle das Gesetz eine Ausnahmeklausel zu Ve rfügung. Diese erlaube aus- nahmsweise das Recht, auf welches die Kollisionsnorm verwe ise, nicht anzuwenden, wenn nach den gesamten Umständen offensichtlich sei, dass der S achverhalt mit diesem Recht in nur geringem, mit einem anderen Recht aber in viel en gerem Zusammenhang stehe. Der Sachverhalt der Vorsorgeaufteilung habe lediglich ein en einzigen Bezugspunkt zur schwei- zerischen Rechtsordnung, nämlich dass der Beklagte seit 199 0 in der Schweiz erwerbstätig gewesen sei. Auf Seiten der Klägerin bestehe kein Zusam menhang zur schweizerischen Rechtsordnung. Sie habe ihren Wohnsitz in Portugal beh alten und im relevanten Zeitraum vom Beklagten getrennt gelebt, ohne wirtschaftliche Verb indung zu ihm. Es sei somit nicht von einer beidseitigen Vorsorgeprägung des vom Beklagte n in der Schweiz geäufneten Vor- sorgeguthabens auszugehen. Es bestehe nach den gesamten Um ständen nicht ein geringe- rer Zusammenhang zur portugiesischen Rechtsordnung, auf w elche die Kollisionsnorm des IPRG verweise, als zur schweizerischen Rechtsordnung. Art. 15 IPRG gelange letztlich nicht Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu Anwendung, womit gemäss Art. 63 Abs. 2 IPRG portugi esisches Recht anzuwenden sei. Das portugiesische Recht kenne allerdings keinen Vorsorgeausgleich. B. Die Klägerin, nach wie vor vertreten durch Advokat Javier Ferreiro, liess mit Eingabe vom 15. Juni 2012 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Zivilrecht, Berufung gegen den Entscheid des Bezirksgerichts Arlesheim vom 6. März 2012 einreichen. Sie bean- tragte, dass der besagte Entscheid vollumfänglich aufzuh eben und in Ergänzung des Schei- dungsurteils des Tribunal Judicial de X. _____ vom 13. Februar 2008 der Beklagte zu verur- teilen sei, der Klägerin mit Wirkung ab 5. Januar 20 07 eventualiter ab Juni 2011 einen nach- ehelichen Unterhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'000.00 zu bezahlen (lit. a); die Hälfte der ehezeitlich vom Beklagten erworbenen Freizügigkeitsleistung , mithin den Betrag von CHF 51'356.60 zzgl. reglementarischen, mindestens aber g esetzlichen Zins von 2.75 % für das Jahr 2008 und von 2 % ab dem Jahr 2009 auf ein vo n der Klägerin zu bezeichnendes Konto zu bezahlen (lit. b). Alsdann sei die PK-Bau P ensionskasse für das erweiterte Bauge- werbe, Basel, anzuweisen, vom Vorsorgeguthaben des Bekl agten den Betrag von CHF 51'356.60 zzgl. reglementarischen, mindestens aber g esetzlichen Zins von 2.75 % für das Jahr 2008 und von 2 % ab dem Jahr 2009 auf ein von d er Klägerin noch zu bestimmen- des Konto zu überweisen. Ferner sei der Klägerin die un entgeltliche Rechtspflege zu bewilli- gen; unter o/e Kostenfolge zu Lasten des Beklagten, wobei ihr eventualiter eine angemesse- ne Parteientschädigung aus der Gerichtskasse zu entrichten sei. In der Begründung liess die Klägerin im Wesentlichen vorbringen, die Parteien seie n portugiesische Staatsangehörige. Der Berufungsbeklagte habe während der Ehe u.a. in der Schweiz gearbeitet und gelebt. Die Berufungsklägerin ihrerseits habe etliche Monate in der Schweiz verbracht, sei aber nie hier registriert gewesen. Die Parteien hätten insgesamt zwö lf gemeinsame Kinder. Der Beru- fungsbeklagte, der zwischenzeitlich wieder verheiratet sei, lebe weiterhin in der Schweiz, wo er arbeite und somit der schweizerischen Vorsorgeeinri chtung angeschlossen sei. Die Beru- fungsklägerin habe während der gesamten Ehedauer die K inder betreut und den Haushalt besorgt. Sie sei während der Ehe nicht erwerbstätig g ewesen, so dass sie keine eigene Al- tersvorsorge habe aufbauen können. Vor diesem Hintergrund seien die Voraussetzungen für die Anwendung von Art. 15 IPRG klarerweise erfüllt und die Regelung des Vorsorgeaus- gleichs sei gemäss Schweizer Recht vorzunehmen. Das Pension skassenguthaben des Be- klagten sei zweifellos für ihn und seine Familie vorsorgeprägend. In Bezug auf den nachehe- lichen Unterhalt gelange portugiesisches Recht und somit die Art. 2003 ff. des Portugiesi- schen Zivilgesetzbuches zur Anwendung. Das portugiesische Recht sei mit dem hiesigen Recht vergleichbar. Bei mittleren Einkommen sei von ei ner Überschussbeteiligung auszuge- hen. Bei der Bedarfsrechnung sei in Bezug auf den Grun dbetrag der Klägerin den tieferen Lebenshaltungskosten in Portugal Rechnung zu tragen. Im Vergleich zur Schweiz liege in Portugal das Preisniveau bei rund 68 % im Vergleich zu r Schweiz. Der Grundbetrag bei der Klägerin werde daher auf CHF 825.00 gesetzt. Die Be rufungsklägerin erziele ein Rentenein- kommen von umgerechnet rund CHF 200.00 pro Monat, wom it ein Unterhaltsbeitrag von CHF 1'000.00 geschuldet sei. Der Unterhaltsbeitrag in dieser Höhe wahre das rechtlich ge- schützte Existenzminimum des Berufungsbeklagten, der ein E inkommen von mindestens CHF 4'800.00 pro Monat erziele. Auf die weitergehend e Begründung ist in den Erwägungen zurückzukommen, soweit sich dies als notwendig erweist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit der Berufungsantwort vom 19. Juli 2012 beantragte der Beklagte, vertreten durch Advokatin Dr. Eva Weber, es seien die Rechtsbegehren d er Klägerin und Berufungsklägerin vollumfänglich abzuweisen. Zudem sei dem Beklagten und Berufungsbeklagten für die Ver- fahren vor erster und zweiter Instanz die unentgeltliche Prozessführung mit der Unterzeich- nerin als Armenanwältin zu gewähren, im Übrigen unter o/e Kostenfolge. Im Falle des Unter- liegens der Klägerin sei sodann aufgrund offensichtliche r Uneinbringlichkeit die Parteient- schädigung aus der Gerichtskasse auszurichten. In der Begrü ndung wurde zusammenge- fasst ausgeführt, das Begehren der Klägerin um Zahlung eines nachehelichen Unterhalts sei mangels Geltendmachung vor den Gerichten in Portugal a bzuweisen. Weiter sei es gemäss portugiesischem und schweizerischem Unterhaltsrecht aufgrund der wirtschaftlichen Unab- hängigkeit der Ehefrau während 16 Jahren vor Einleit ung des Scheidungsverfahrens abzu- weisen. Das Begehren der Klägerin um Teilung des Pensio nskassenguthabens des Beklag- ten sei abzuweisen, weil das schweizerische Vorsorgerecht im vorliegenden Fall keinen en- geren Bezug zum Sachverhalt habe als das portugiesische, dies insbesondere deshalb, weil das Vorsorgeguthaben des Ehemannes für die Ehefrau ni cht vorsorgeprägend sei. Die ein- lässliche Begründung ist in den Erwägungen wiederzugeben, soweit dies erforderlich ist. D. Mit Verfügung vom 20. Juli 2012 wurde der Schriftenw echsel geschlossen und die Par- teien wurden zur Hauptverhandlung vor die Dreierkamm er des Kantonsgerichts, Abteilung Zivilrecht, geladen. Zudem wurde eine Übersetzerin fü r die portugiesische Sprache geladen. Der Berufungsklägerin wurde die unentgeltliche Rechtspfl ege bewilligt. Ihre weiteren Be- weisanträge wurden mangels Relevanz abgewiesen. Nachdem der Berufungsbeklagte weite- re Dokumente vorgelegt hatte, wurde ihm mit Verfügung vom 30. August 2012 alsdann die unentgeltliche Rechtspflege mit einem Selbstbehalt von CHF 1'000.00 teilweise bewilligt. E. Zur heutigen kantonsgerichtlichen Verhandlung ist di e Berufungsklägerin mit Advokat Javier Ferreiro erschienen. Der Berufungsbeklagte ist mit Advokatin Dr. Eva Weber zugegen. Im gegenseitigen Einverständnis sind sodann eine Tochte r der Parteien sowie die Ehefrau des Beklagten anwesend. Ausserdem nimmt eine Dolmetsche rin portugiesischer Sprache als Übersetzerin an der Hauptverhandlung teil. Einleit end werden die Parteien durch das Gericht nochmals zu den rechtserheblichen Tatsachen befra gt. Die relevanten Aussagen sind in den Erwägungen wiederzugeben. Nachdem ein Vo rschlag der Präsidentin für eine gütliche Verständigung der Parteien nicht zustande komm t, halten die Parteivertreter ihren mündlichen Schlussvortrag. Soweit sie in ihren Plädoyers von den Darlegungen in den Rechtsschriften abweichen, ist auf ihre entsprechenden Ausführungen ebenfalls in den Er- wägungen zurückzukommen. Erwägungen 1. Auf das vorliegende Verfahren kommt die am 1. Januar 2011 in Kraft getretene Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) zur Anwen dung. Erstinstanzliche End- entscheide sind gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO mit B erufung anfechtbar, wobei in vermö- gensrechtlichen Angelegenheiten die Berufung nur zulässig ist, wenn der Streitwert der zu- letzt aufrecht erhaltenen Rechtsbegehren mindestens C HF 10'000.00 (Art. 308 Abs. 2 ZPO) Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht beträgt. Vorliegend ist dieser Streitwert fraglos err eicht. Die Berufung ist gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO innert 30 Tagen seit Zustellung des begründ eten Entscheides beziehungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet einzu- reichen. Im vorliegenden Falle wurde der Klägerin am 16. Mai 2012 die schriftliche Begrün- dung des Entscheides des Bezirksgerichts Arlesheim vom 6. Mä rz 2012 nachgeliefert. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Berufung vom 15. Juni 2012 somit gewahrt. Da die übrigen Formalien erfüllt sind, ist auf die Berufung einzutre ten. Zuständig für die Beurteilung der Be- rufung ist gemäss § 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO (SGS 221) di e Dreierkammer der Abteilung Zivil- recht des Kantonsgerichts. 2. Mit Urteil vom 13. Februar 2008 erklärte das Tribunal Judicial de X. _____, Portugal, die Ehe der Parteien für aufgelöst. Die Nebenfolgen der Scheidung scheinen im Rahmen dieses Urteils nicht geregelt worden zu sein. Im Streit e steht eine Ergänzung des besagten Urteils des Tribunal Judicial de X. _____ durch die hiesigen Gerichte. Die Klägerin hält dafür, dass das portugiesische Urteil Lücken enthalte und sie Anspr uch auf nachehelichen Unter- halt sowie auf eine Beteiligung an der beruflichen Vorsorge des Beklagten habe. Der Beklag- te hält im Wesentlichen dagegen, die Klägerin habe e s vorab versäumt, den Anspruch auf nachehelichen Unterhalt im Scheidungsverfahren in Portu gal anzumelden bzw. es bestehe kein Bedarf für nachehelichen Unterhalt an die Kläge rin und ein Ausgleich der beruflichen Vorsorge sei dem anwendbaren portugiesischen Recht unbek annt. Das Bezirksgericht Ar- lesheim bejahte einleitend seine Zuständigkeit und äusser te sich zum anwendbaren Recht. In der Sache wurden die Begehren der Klägerin abgewi esen. Die Vorinstanz machte implizit eine Lückenhaftigkeit und somit eine Ergänzungsbedürft igkeit des portugiesischen Urteils aus. Das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, hält mit d er Klägerschaft dafür, dass sich das vorgelegte Urteil vom 13. Februar 2008 nicht zu den Ne benfolgen der Scheidung ausspricht und damit Lücken vorliegen, die gemäss Art. 64 IPRG (SR 291) zu füllen sind. Aus dem übersetzten Scheidungsurteil ergibt sich weder, dass das po rtugiesische Gericht die Schei- dungsnebenfolgen geregelt hätte noch dass ein Verfahr en diesbezüglich andauere. Insbe- sondere ist dem Urteil nicht zu entnehmen, dass sich das Ger icht zum nachehelichen Unter- halt der Klägerin geäussert hätte. Der Beklagte lässt da rüber hinaus auch nicht substanziiert die Ergänzungsbedürftigkeit des portugiesischen Urteils bestreiten und sein Vorbringen, es sei auf das dortige Verfahren die Dispositionsmaxime zur A nwendung gelangt, bleibt unbe- wiesen. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Z ivilrecht, wird nachfolgend noch- mals über die Ansprüche der Klägerin auf nachehelichen Unterhalt sowie auf Vorsorgeaus- gleich zu befinden haben. Die Zuständigkeit des angeruf enen Gerichts in der Schweiz sowie die Frage des anwendbaren Rechts, nämlich die Unterstel lung unter das Scheidungsstatut, sind grundsätzlich nicht mehr strittig. 3.1 Das Bezirksgericht Arlesheim hielt im Zusammenhang mit dem Begehren der Klägerin um nachehelichen Unterhalt im Wesentlichen fest, gemäs s Art. 4 des Haager Unterhaltssta- tutübereinkommens von 1973 komme portugiesisches Recht zur Anwendung. Das Tribunal Judicial de X. _____ habe im Scheidungsurteil vom 13. F ebruar 2008 das Verschulden ge- prüft und sei zum Schluss gekommen, dass es nicht möglich sei, einem der beiden Ehegat- ten die alleinige oder hauptsächliche Schuld an der Scheidung zuzuweisen. Somit wäre im Zeitpunkt der Ehescheidung auf Seiten der Ehefrau un d heutigen Klägerin grundsätzlich ein Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Recht auf Unterhalt gegeben gewesen. Es seien jedoch i m Scheidungsurteil weder Unter- haltsbeiträge zugesprochen, noch sei ein Unterhaltsansp ruch ausdrücklich verneint worden. Der Begründung des Urteils sei zu entnehmen, dass die Par teien zum Zeitpunkt der Schei- dung seit mindestens 16 Jahren ununterbrochen getrenn t gelebt hätten und unabhängig voneinander wirtschafteten. Beide Parteien hätten im vorliegenden Verfahren bestätigt, dass der Beklagte niemals Unterhaltsbeiträge an die Beklagt e geleistet habe. Zahlungen seien lediglich in Form von Unterhaltsbeiträgen für die Kinder an die Klägerin geflossen. Die Kläge- rin habe ausgeführt, dass der Beklagte an sie selbst keine n Unterhalt habe leisten können, da er für die Kinder Beiträge bezahlt habe und damit seine finanzielle Leistungsfähigkeit er- schöpft gewesen sei. Zum Zeitpunkt der Ehescheidung im F ebruar 2008 seien allerdings bis auf den jüngsten Sohn bereits alle gemeinsamen Kinder volljährig gewesen. Das Argument der fehlenden Leistungsfähigkeit für Ehegattenunterha lt aufgrund des zu leistenden Kinder- unterhalts könne somit für den Zeitpunkt der Ehescheidu ng nicht mehr zutreffen. Dennoch habe das portugiesische Gericht festgehalten, dass die Par teien wirtschaftlich voneinander unabhängig leben würden. Es sei demgemäss davon auszugehe n, dass für die Klägerin im Scheidungszeitpunkt kein Anspruch auf Unterhalt gegeben g ewesen sei und damit auch nachträglich keine Unterhaltsbeiträge mehr geltend gemacht werden könnten. Auch in subsi- diärer Anwendung der lex fori sei aufgrund der Erwägu ngen im Scheidungsurteil vom 13. Februar 2008 davon auszugehen, dass die Parteien wirtschaf tlich unabhängig voneinander gelebt hätten und damit jeder selbst für seinen gebühr enden Unterhalt habe aufkommen können. Demgemäss könnten der Klägerin auch nach schweize rischem Recht keine Unter- haltsbeiträge zugesprochen werden. 3.2 Die Klägerin lässt mit der Berufung im Wesentlichen vo rtragen, es stehe fest, dass im ausländischen Scheidungsurteil keinerlei Nebenfolgen g eregelt worden seien, was nichts Aussergewöhnliches für ausländische Rechtsordnungen sei. Zu r Anwendung gelange portu- giesisches Recht und somit die Bestimmungen von Art. 2003 ff. des Portugiesischen Zivilge- setzbuches. In Bezug auf den nachehelichen Unterhalt sei das portugiesische Recht mit dem hiesigen Recht vergleichbar. Bei mittleren Einkommen sei nach bundesgerichtlicher Recht- sprechung von einer Überschussbeteiligung auszugehen. Der Beklagte lebe mit seiner neu- en Ehefrau zusammen. Die Ansprüche der ersten Ehefrau würden vorgehen, da die zweite Ehefrau um die Verpflichtungen des Beklagten bei der E heschliessung gewusst habe. Bei der Bedarfsrechnung sei in Bezug auf den Grundbetrag der Klägerin den tieferen Lebenshal- tungskosten in Portugal Rechnung zu tragen. Im Vergleich zur Schweiz liege in Portugal das Preisniveau bei rund 68 % im Vergleich zur Schweiz. De r Grundbetrag bei der Klägerin wer- de daher auf CHF 825.00 gesetzt. Die Berufungsklägeri n erziele ein Renteneinkommen von umgerechnet rund CHF 200.00 pro Monat, womit ein Unt erhaltsbeitrag von CHF 1'000.00 geschuldet sei. Der Unterhaltsbeitrag in dieser Höhe w ahre das rechtlich geschützte Exis- tenzminimum des Berufungsbeklagten, der ein Einkommen v on mindestens CHF 4'800.00 pro Monat erziele. Betreffend den sachverhaltlichen und rechtlichen Erörterungen des portu- giesischen Gerichts sei keinerlei Bindungswirkung für das a ngerufene Gericht abzuleiten. Das Gericht habe lediglich das Urteilsdispositiv zu beachte n. Im Dispositiv seien keinerlei Anordnungen betreffend den nachehelichen Unterhalt enthalten. Die Berufungsklägerin habe gegen diese sachverhaltliche Feststellung keinerlei Rechtsm ittel ergreifen können, da be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht kanntlich nur gegen das Dispositiv solche offen stünden. Fak t sei, dass selbst nach Auffas- sung des Berufungsbeklagten Zahlungen geflossen seien. D ass diese nur die Kinder betrof- fen hätten, sei unbewiesen. Unter Beachtung der Anza hl Kinder und des Einkommens des Berufungsbeklagten könne davon ausgegangen werden, dass zumindest zeitweise mangels Leistungsfähigkeit kein ehelicher Unterhalt an die Ber ufungsklägerin zahlbar gewesen sei. Daraus könne aber nicht abgeleitet werden, die Berufungsklägerin habe keinen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt. Ein allfälliger Verzicht auf nachehelichen Unterhalt könne für das Gericht nicht bindend sein, wenn dadurch eine Sozialhilf ebedürftigkeit der an sich an- spruchsberechtigten Ehefrau resultiere. Die Berufungskläg erin lebe von rund 200.00 Euro pro Monat, welche sie von der Sozialversicherungsanstalt i n Portugal erhalte. Sie sei somit nachweislich sozialhilfebedürftig, womit sie berechtigt sein müsse, einen nachehelichen Un- terhaltsbeitrag zu verlangen und diesen auch zugesprochen zu bekommen. 3.3 Der Berufungsbeklagte entgegnet, vorliegend sei portugi esisches Recht anwendbar, welches mit dem schweizerischen Recht vergleichbar sei. Die Klägerin habe es unterlassen, die Scheidungsakten aus dem Scheidungsverfahren in Portu gal einzureichen und über die im portugiesischen Recht allfällig geltende Dispositionsm axime Ausführungen anzubringen. Auch ein entsprechender Beweisantrag fehle. Es bleibe deshalb ungeklärt, ob gemäss por- tugiesischem Recht beim nachehelichen Unterhalt die Dispo sitionsmaxime gelte. Ohne ent- sprechende Ausführungen gelte, weil nichts anderes erstel lt sei, dass die Klägerin es unter- lassen habe, im Scheidungsverfahren in Portugal Anträge zum nachehelichen Unterhalt zu stellen und deshalb keine Anträge mehr in der Schweiz g estellt werden dürften. Im Übrigen seien in der Scheidungsklage und im Scheidungsurteil d ie für die Abweisung des nacheheli- chen Unterhalts erforderlichen Fakten zusammengetragen worden: Gemäss Scheidungskla- ge vom 5. Januar 2007 bestehe zwischen den Ehegatten seit 16 Jahren kein Zusammenle- ben oder irgendwelche nähere Beziehung mehr. Im Schei dungsurteil vom 13. Februar 2008 sei festgehalten worden, dass die Parteien seit mindeste ns 16 Jahren ununterbrochen in getrennten Wohnungen leben würden. Seither bestehe zw ischen ihnen keinerlei persönliche Beziehung oder Lebensgemeinschaft mehr. Das portugiesi sche Gericht habe festgehalten, dass die Parteien wirtschaftlich voneinander unabhängig leben würden, weshalb davon aus- zugehen sei, dass für die Klägerin im Scheidungszeitpunkt kein Anspruch auf Unterhalt ge- geben gewesen sei und damit auch nachträglich keine Un terhaltsansprüche mehr geltend gemacht werden könnten. Gemäss Art. 6 des Haager Überei nkommens sei diesfalls noch das schweizerische Recht heranzuziehen, welches aber ebenf alls aufgrund der der Schei- dung vorangehenden 16-jährigen wirtschaftlichen Unabhä ngigkeit der Ehefrau keinen nach- ehelichen Unterhaltsanspruch vorsehe. 3.4. Es steht ausser Frage, dass gemäss Art. 63 Abs. 2 IPRG i.V . mit Art. 49 IPRG im Be- reiche des nachehelichen Unterhaltes das Haager Überein kommen vom 2. Oktober 1973 über das auf die Unterhaltspflichten anzuwendende Recht zur Anwendung gelangt (HUÜ; SR 0.21.213.01). Nach Art. 8 Abs. 1 HUÜ kommt das auf die Scheidung angewandte Recht aus- schliesslich zur Anwendung. In vorliegender Konstellation von Art. 61 Abs. 2 IPRG - gemein- same ausländische effektive Staatsangehörigkeit, nur eine P artei mit Wohnsitz in der Schweiz - kommt das gemeinsame portugiesische Heimatrecht als Scheidungsstatut und über Art. 8 Abs. 1 HUÜ auch als Unterhaltsstatut zur Anw endung. Gemäss dem ausdrückli- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Wortlaut der Bestimmung gilt die für solche Fälle vorgesehene Stufenanknüpfung, wie sie die Vorinstanz im angefochtenen Urteil vorsah (Art. 4 - 6 HUÜ), nicht für den nacheheli- chen Unterhalt. Nach dem portugiesischen Recht ist der U nterhalt nach den Mitteln des Un- terhaltspflichtigen und der Bedürftigkeit des Unterha ltsberechtigten zu bemessen. Bei der Feststellung des Unterhalts wird auch berücksichtigt, dass de r Unterhaltsverpflichtete für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen kann (Art. 200 4 Código Civil [CC] vom 25. Novem- ber 1966; vgl. B ERGMANN /F ERID /H ENRICH ; Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, 6. Auf- lage, Portugal, S. 76 ff.). Im Weiteren sehen die besonderen Vorschriften in Art. 2016 A Abs. 1 CC unter dem Titel "Höhe des Unterhalts" vor, dass da s Gericht bei der Feststellung der Unterhaltsleistung die Dauer der Ehe, den Beitrag zu den Kosten der Haushaltsführung, das Alter und den Gesundheitszustand der Ehegatten, ihre beruflichen Qualifikationen und Ein- stellungschancen, die Zeit für die Erziehung gemeinsamer Kinder, ihre Einkünfte und Ren- ten, eine neue Eheschliessung oder faktische Gemeinschaf t und im Allgemeinen alle Um- stände, welche die Bedürftigkeit des Unterhaltsgläubig ers und die Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners beeinflussen, berücksichtigen muss. 3.5 Die Klägerin hält dafür, dass das portugiesische Recht in Bezug auf den nachehelichen Unterhalt mit dem hiesigen Recht vergleichbar sei und es sei daher von einer Überschussbe- teiligung nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei mi ttleren Einkommen auszugehen. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrech t, teilt die Ansicht der Klägerin im Grundsatz, zumal die Kriterien im zitierten portugiesisch en Recht der Bestimmung von Art. 125 ZGB in der Tat nahe kommen und der Sachrichter für die Bemessung des nachehe- lichen Unterhalts ohnehin ein weites Ermessen geniesst. Die verbreitete Methode für die Unterhaltsfestsetzung ist bekanntlich die Gegenüberstell ung der beidseitigen Existenzmini- ma und des Gesamteinkommens mit anschliessender Überschussteilung. In BGE 134 III 145 hatte das Bundesgericht allerdings festgehalten, dass di ese Methode für den nachehelichen Unterhalt wenig sachgerecht sei. Dieser Entscheid hat in der Praxis allgemein Verunsiche- rung ausgelöst, weshalb sich das Bundesgericht in BGE 134 III 577 zu einer Präzisierung dahingehend veranlasst sah, dass die genannte Methode f ür den nachehelichen Unterhalt nicht von vornherein ausgeschlossen ist, sondern bei mittler en Einkommen durchaus zu sachgerechten Ergebnissen führen kann. Indes darf die Me thode nicht einfach schematisch angewandt werden und sind in jedem Fall die konkreten Lebensverhältnisse festzustellen. Der nacheheliche Unterhalt hängt sodann ganz wesentlich von der Unterscheidung ab, ob eine Ehe lebensprägend war oder nicht. Lebensprägung wird vermutet, wenn aus der Ehe gemeinsame Kinder hervorgegangen sind oder der ansprec hende Ehegatte mit der Heirat aus seinem bisherigen Kulturkreis entwurzelt worden ist. Bei der lebensprägenden Ehe ha- ben beide Parteien Anspruch auf Fortführung der ehe lichen Lebenshaltung (BGE 132 III 593 E. 3.2), weil das Vertrauen des ansprechenden Ehegatten auf Fortführung der Ehe und auf den Weiterbestand der bisherigen, frei vereinbarten Aufgabenteilung als objektiv schutzwür- dig anzusehen ist. In der Regel wird bei der lebensprä genden Ehe nachehelicher Unterhalt bei anhaltend fehlender oder ungenügender Eigenversor gungskapazität im Allgemeinen bis zum Erreichen des AHV-Alters zugesprochen. Werden diese K riterien auf den vorliegenden Fall angewendet, so ist trotz der langjährigen räumlich en Trennung der Parteien von einer lebensprägenden Ehe auszugehen. Der Beklagte verzeichnet zwar seit langem seinen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wohnsitz in der Schweiz, um hier einem Erwerb nachzugehen. Allerdings kann allein aus der räumlichen Trennung der Parteien nicht unbesehen auf e in Erlöschen des Ehewillens ge- schlossen werden und als Folge davon ausgegangen werden , dass die Klägerin für ihrem Lebensunterhalt durchwegs selbst besorgt war. So führte die Klägerin anlässlich der heuti- gen Befragung aus, zum Zeitpunkt der Übersiedlung des da maligen Ehemannes sei man noch nicht getrennt gewesen. Sie sei vielmehr in die Schweiz gekommen, um hier mit ihm zusammen zu leben. Die Kinder seien derweil in Portuga l bei der Schwägerin verblieben. Der Beklagte entgegnet, der jüngste Sohn sei damals - soweit erinnerlich - vier bis fünf Jahre alt gewesen, als die vormalige Ehefrau ihm in die Sc hweiz gefolgt sei. Es habe allerdings bereits nach kurzer Zeit Schwierigkeiten gegeben, weil si e regelmässig viel Alkohol konsu- miert habe und sich die Nachbarn über sie beschwert hät ten. Sie habe dann bereits nach drei Wochen polizeilich heimgeschafft werden müssen. Er sei seinerzeit bereits mit einer anderen Frau liiert gewesen, die während des Aufenth alts seiner Ehefrau zwischenzeitlich anderweit untergebracht worden sei. Fern der Heimat habe er hier halt auch das Bedürfnis nach einer Frau gehabt, die für ihn sorge. Zudem ha be er sehen wollen, ob sich die Alkohol- sucht seiner damaligen Ehefrau bessere. Sie habe sich al lerdings 16 Jahre lang nicht dazu geäussert und habe in Ruhe gelassen werden wollen. Er habe regelmässig Gelder in die Heimat geschickt, die seiner Meinung nach für seine Ki nder bestimmt gewesen seien. Ge- stützt auf die heutigen Ausführungen der Parteien schei nt es dem Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, nicht wenig wahrscheinlich, dass sich die Partei en einvernehmlich darüber ver- ständigt haben, dass der Beklagte im Ausland einem Erwe rb nachgeht und die Ehefrau mit den Kindern in der Heimat in Portugal verbleibt. Die Parteien haben zwölf gemeinsame Kin- der und der Beklagte räumt ein, regelmässig und über Ja hre hinweg Unterhaltsbeiträge an die Familie in der Heimat überwiesen zu haben. Selbst wenn sich heute der genaue Umfang dieser Leistungen nicht mehr quantifizieren lässt, erschei nt die Annahme, dass diese Unter- haltsbeiträge allein den Kindern zugedacht gewesen seie n, lebensfremd. Die Klägerin ist nach grundsätzlich unbestrittenen Aussagen ohne Ausbildung und nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Die bescheidenen Einkünfte, welche sie h eute erhält, entspringen der Sozi- alhilfe bzw. staatlichen Fürsorge und diese decken allein die notwendigsten Grundbedürfnis- se. Es entspricht einem allgemeinen Rechtsgrundsatz, dass Leistungen der Sozialhilfe sub- sidiär zu familienrechtlichen Unterhaltsleistungen sind. Soweit der Beklagte mithin in der La- ge ist, einen finanziellen Beitrag an den Unterhalt zu leisten, kann er sich nicht darauf beru- fen, die Klägerin funktioniere wirtschaftlich selbständig. Der Rechtsvertreter der Klägerin legt der Berechnung des Bedarfs einen erweiterten Grundbe trag von CHF 1'005.00 sowie Zu- schläge für eine Hausrat-/Haftpflichtversicherung von CHF 30.00 und für den Aufbau einer beruflichen Vorsorge von CHF 200.00 zugrunde. Sie lässt dazu ausführen, das Preisniveau in Portugal liege bei rund 68 % im Vergleich zur Sch weiz. Nach Erachten des Kantonsge- richts, Abteilung Zivilrecht, wird die Annahme eines Preisniveaus von 68 % den vorliegenden Verhältnissen klarerweise nicht gerecht. Dem bei den Akte n befindlichen Kaufkraftvergleich rund um die Welt vom August 2010 (Beilage 8 der an der Hauptverhandlung vor Bezirksge- richt eingereichten Unterlagen) kann zwar entnommen we rden, dass das Preisniveau ohne Miete in Lissabon 61.4 beträgt (Zürich = 100). Allerdings übersieht der Vertreter der Klägerin, dass dieses Preisniveau die Verhältnisse in der portugi esischen Hauptstadt abbildet und keinesfalls dem tatsächlichen Preisniveau am Wohnort der Klägerin im nördlichsten Teil von Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Portugal entspricht. Die Klägerin wird Auslagen, die im Grundbetrag enthalten sind (z.B. Nahrung, Kleidung und Wäsche einschliesslich deren Inst andhaltung, Körper- und Gesund- heitspflege, Unterhalt der Wohnungseinrichtung, Kulturelles sowie Auslagen für Beleuchtung, Kochstrom und/oder Gas) vor Ort zu deutlich günstigeren Bedingungen erwerben können, soweit solche Auslagen überhaupt anfallen sollten. Die Kosten für Versicherungen sind so- dann ohnehin im Grundbetrag enthalten und Auslagen für den Aufbau einer Vorsorge sind nicht belegt. Die Klägerin verfügt über eine kostenlos e Unterkunft und unterliegt nicht der Steuerpflicht. Sie bestreitet laut eigenem Bekunden m it einem monatlichen Betrag von rund CHF 200.00 ihren aktuellen Bedarf. Das Kantonsgericht B asel-Landschaft, Abteilung Zivil- recht, hält dafür, dass letztlich mit einem Beitrag von C HF 300.00 pro Monat der Unterhalts- anspruch der Klägerin hinreichend abgedeckt ist. Der Be klagte ist in der Lage, diesen Bei- trag an die Klägerin zu leisten, ohne dass in sein Exist enzminimum eingegriffen wird, wobei dieser Unterhalt erst im Folgemonat ab der Klaganhebu ng am 20. Juni 2011, d.h. mithin ab Juli 2011 bis zur ordentlichen Pensionierung des Beklagten im Juni 2020 geschuldet ist. 4.1 Die Abweisung des Begehrens um Teilung der beruflich en Vorsorge begründete das Bezirksgericht Arlesheim im Wesentlichen wie folgt: Die T eilung der Austrittsleistung der be- ruflichen Vorsorge lasse sich weder unter die unterhaltsr echtliche noch unter die güterrecht- liche Sonderanknüpfung des IPRG einreihen. Damit komme grundsätzlich das Scheidungs- statut zum Tragen. Die Parteien seien beide portugie sische Staatsangehörige und nur der Beklagte habe Wohnsitz in der Schweiz. Das Scheidungsstatu t sei somit das portugiesische Recht als das gemeinsame Heimatrecht der Parteien. Mit Art. 15 IPRG stelle das Gesetz eine Ausnahmeklausel zu Verfügung. Diese erlaube ausnahmsweise das Recht, auf welches die Kollisionsnorm verweise, nicht anzuwenden, wenn nach den gesamten Umständen of- fensichtlich sei, dass der Sachverhalt mit diesem Recht i n nur geringem, mit einem anderen Recht aber in viel engerem Zusammenhang stehe. Beide Parteien hätten vorliegend die por- tugiesische Staatsbürgerschaft. Sie hätten am 12. April 1976 geheiratet. Seit dem Jahr 1990 habe der Beklagte in der Schweiz gelebt und sei hier ei ner Erwerbstätigkeit nachgegangen. Ab diesem Zeitpunkt sei er in einer Pensionskasse versicher t gewesen und habe eine Al- tersvorsorge äufnen können. Dass der Beklagte, wie von d er Klägerin behauptet, seit den 70er Jahren in der Schweiz gewesen sei, werde von diesem bestritten und sei nicht erstellt. Die Klägerin habe ihren Wohnsitz nie in die Schweiz verl egt. Sie habe sich offenbar ein oder mehrere Male für einige Zeit in der Schweiz aufgehal ten, wobei eine Anmeldung jedoch un- terblieben sei. Die Klägerin habe bis heute immer Wo hnsitz in Portugal behalten. Gemäss Scheidungsurteil des Tribunal Judicial de X. _____ hätte n die Parteien bei der Scheidung schon seit mindestens 16 Jahren getrennt gelebt. Dies bed eute, dass die Aufnahme des Getrenntlebens durch die Parteien und der Beginn der Erwerbstätigkeit des Beklagten in der Schweiz ungefähr zeitgleich Anfang der 90er Jahre stattg efunden habe. Weiter werde im Scheidungsurteil festgehalten, dass zwischen den Parteien kein wie auch immer geartetes gemeinschaftliches Leben mehr stattgefunden habe. Der Sachverhalt der Vorsorgeaufteilung habe demgemäss nur einen einzigen Bezugspunkt zur schweize rischen Rechtsordnung, nämlich dass der Beklagte seit 1990 in der Schweiz erwerbstätig sei. Auf Seiten der Klägerin bestehe kein Zusammenhang zur schweizerischen Rechtsordnung. Sie habe ihren Wohnsitz in Portugal behalten und im relevanten Zeitraum vom Beklagten getrennt gelebt, ohne wirt- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaftliche Verbindung zu ihm. Es sei somit nicht von eine r beidseitigen Vorsorgeprägung des vom Beklagten in der Schweiz geäufneten Vorsorgeguth abens auszugehen. Es bestehe nach den gesamten Umständen nicht ein geringerer Zusam menhang zur portugiesischen Rechtsordnung, auf welche die Kollisionsnorm des IPRG ve rweise, als zur schweizerischen Rechtsordnung. Art. 15 IPRG gelange nicht zu Anwendun g, womit gemäss Art. 63 Abs. 2 IPRG portugiesisches Recht anzuwenden sei. Das portugiesi sche Recht kenne allerdings keinen Vorsorgeausgleich. 4.2 Mit der Berufung lässt die Klägerin vortragen, der Berufungsbeklagte habe während der Ehe u.a. in der Schweiz gearbeitet und gelebt. S ie ihrerseits habe etliche Monate in der Schweiz verbracht, sei aber nie hier registriert gewesen. Man habe insgesamt zwölf gemein- same Kinder. Der Berufungsbeklagte, der zwischenzeitlich wieder verheiratet sei, lebe wei- terhin in der Schweiz, wo er arbeite und somit der schwe izerischen Vorsorgeeinrichtung an- geschlossen sei. Sie habe während der gesamten Ehedaue r die Kinder betreut und den Haushalt besorgt. Sie sei während der Ehe nicht erwer bstätig gewesen, so dass sie keine eigene Altersvorsorge habe aufbauen können. Vor diesem Hintergrund seien die Vorausset- zungen für die Anwendung von Art. 15 IPRG erfüllt un d die Regelung des Vorsorgeaus- gleichs sei hiernach gemäss schweizer Recht vorzunehmen. An gesichts der langen Ehe- dauer der Parteien von knapp 33 Jahren, der Geburt zwölf gemeinsamer Kinder, der langjäh- rigen Tätigkeit des Beklagten in der Schweiz samt dem damit verbundenen obligatorischen Anschluss an eine Vorsorgeeinrichtung in der Schweiz und dem Fehlen zusätzlicher Vorsor- ge durch eine freiwillige Versicherung oder durch mass gebliche Vermögensbildung sei das Pensionskassenguthaben des Beklagten zweifellos für ihn un d seine Familie vorsorgeprä- gend. Dass die Parteien Portugiesen seien und teilweise in Portugal gewohnt hätten, genüge demgegenüber nicht, für den Entscheid über die Teilun g der Austrittsleistung einen grösse- ren Zusammenhang zum portugiesischen Recht herzustellen. Nach der einschlägigen bun- desgerichtlichen Rechtsprechung stehe ausser Frage, da ss auf diese Frage das schweizeri- sche Recht anzuwenden sei. Demzufolge sei Art. 122 ZGB a nzuwenden, wonach die ehe- zeitlich erworbenen Freizügigkeitsguthaben hälftig zu t eilen seien. Die Vorinstanz verkenne die Rechtslage und die höchstrichterliche Rechtsprechung, da sie die Auffassung vertrete, das Vorsorgeguthaben des Berufungsbeklagten sei erst g eäufnet worden, als sich die Ehe- gatten getrennt hätten. Aus diesem Umstand schlussfolgere die Vorinstanz zu Unrecht, dass die Freizügigkeitsguthaben des Berufungsbeklagten für die Familie bzw. die Berufungskläge- rin nicht vorsorgeprägend seien. Zudem sei die Dauer der Trennung nicht massgebend für die Frage, ob das Vorsorgesubstrat vorsorgeprägend gew esen sei oder nicht. Das Bundes- gericht habe mehrfach betont, dass die Trennungsdauer ke inen Einfluss auf die Teilung der ehezeitlich erworbenen Austrittsleistung habe. Vielmehr betreffe der Vorsorgeausgleich die für die Ehedauer zu ermittelnden Austrittsleistungen. Massgebend sei laut Bundesgericht die Zeitspanne zwischen dem Tag der Heirat und dem Tag, an dem das Urteil über die Schei- dung rechtskräftig werde. Abzustellen sei somit auf die g anze Ehedauer und nicht auf die tatsächlich gelebte Ehedauer. Ein mehr oder weniger l ang andauerndes Getrenntleben sei bei formell bestehender Ehe auf Grund des Gesetzeswortl autes und der Konzeption des Vorsorgeausgleichs ausser Betracht zu lassen. Zu beachten sei zudem, dass der Beru- fungsbeklagte, hätte er in der Schweiz die Scheidungskla ge anhängig gemacht, gar nicht Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestreiten könnte, dass das Vorsorgesubstrat hälftig zu teilen sei. Wohlweislich und im Sinne des forum shoppings habe er die Litispendenz in Portuga l begründet, damit er der Teilung der ehezeitlich erworbenen Freizügigkeitsguthaben hab e entkommen können. Es könne so- mit für die Frage, ob das Vorsorgesubstrat vorsorgeprä gend gewesen sei, nicht entschei- dend sein, wo die Klage anhängig gemacht worden und wie lange die Trennungszeit vor der Litispendenz gewesen sei. Aus den Unterlagen gehe hervo r, dass der Beklagte weiterhin einer Pensionskasse angeschlossen sei, dass kein Vorsorgefall eingetreten sei und per Scheidungszeitpunkt ein teilbares Freizügigkeitsguthaben von CHF 102'713.20 bestanden habe. Der Anspruch der Berufungsklägerin betrage somit CHF 51'356.60. Diese Forderung sei zudem vom Stichtag der Teilung an zu verzinsen. Massgeb end sei der reglementarische Zins bzw. der gesetzliche Mindestzinssatz. Im Jahr 2008 habe d er Mindestzinssatz 2.75 % betragen; ab dem 1. Januar 2009 2 %. 4.3 Mit der Berufungsantwort erwidert der Beklagte, grund sätzlich komme vorliegend bei der Frage der Teilung der Pensionskasse das Scheidungsstatu t und somit das portugiesi- sche Recht zur Anwendung. Das portugiesische Recht sehe kein en Vorsorgeausgleich vor. Die Klägerin berufe sich zu Unrecht auf die Ausnahmekla usel gemäss Art. 15 IPRG. Diese Bestimmung gelange nur dann zur Anwendung, wenn der S achverhalt betreffend Vorsorge ganz offensichtlich einen viel engeren Zusammenhang zum sc hweizerischen Recht als zum portugiesischen Recht habe. Das sei mit Blick auf BGE 131 III 289 nur dann der Fall, wenn die Äufnung der Pensionskasse durch den erwerbstätigen E hemann auch für die nicht er- werbstätige Ehefrau vorsorgeprägend sei. Das wiederum könne nur bei einer während der Erwerbstätigkeit des Ehemannes existierenden ehelichen G emeinschaft oder aber bei Schweizer Bürgern der Fall sein und werde vorliegend aufgrund der Trennung der Ehegatten während der gesamten Dauer der Erwerbstätigkeit des E hemannes in der Schweiz bestrit- ten. Die Voraussetzungen der Ausnahmeklausel von Art. 15 IPRG würden aufgrund des Ge- sagten nicht vorliegen: Die Wohnsitznahme durch den Bekl agten in der Schweiz sei auf- grund der Trennung der Ehegatten in Portugal erfolg t. Die Ehefrau lebe seit jeher aus- schliesslich in Portugal. Beide Parteien sowie ihre Kind er seien portugiesische Staatsange- hörige, beide Parteien würden kein Wort Deutsch reden . Das Scheidungsverfahren habe in Portugal stattgefunden. Das gemeinsame Heimatrecht der Parteien sei das portugiesische Recht. Die schweizerischen Verhältnisse würden somit nur d en Ehemann tangieren und das auch nur aufgrund und seit der im Jahre 1990 aufgenommenen Trennung. Es würden Art. 61 Abs. 2, Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 Abs. 2 IPRG und som it das portugiesische Recht zur An- wendung kommen. Dieses kenne keinen Vorsorgeausgleich. 4.4 Nach dem seit 1. Januar 2000 geltenden schweizerischen Scheidungsrecht hat auf den Zeitpunkt der Scheidung ein Teilungsausgleich zwischen den Ansprüchen aus beruflicher Vorsorge stattzufinden. Art. 63 Abs. 2 IPRG äussert sich zu diesem Anspruch nicht direkt. Im Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels gab es einen solchen Anspruch im schweizerischen Recht noch nicht, und im Zeitpunkt der Einführung diese s Anspruchs ins schweizerische Scheidungsrecht ist das IPRG nicht angepasst worden. Der Vo rsorgeausgleich ist als An- spruch sui generis zwischen Scheidungs- und Güterrecht ange siedelt. Entsprechend stellt sich regelmässig die Frage nach seiner Anknüpfung in inte rnationalen Verhältnissen. Das Bundesgericht hat in mehreren Entscheidungen festgehalt en, dass der Vorsorgeausgleich Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom Kapitel "Scheidung und Trennung" (Art. 59 ff. IPRG) erfasst wird und in diesem Rahmen als "Nebenfolge" (Art. 63 IPRG), nicht jedoch als Teilaspekt des Unterhalts- oder Güterrechts zu behandeln ist. Die in der Lehre umstrittene Frage der Anknüpfung (Scheidungsstatut oder Vorsorgestatut) kann daher als durch die Rechtsprechung g eklärt betrachtet werden. Der Vorsorgeausgleich untersteht demselben Recht wie die Sc heidung (Art. 63 Abs. 2 IPRG). Geht es um ein Ergänzungsurteil, hat sich das Gericht a uf dasjenige Recht zu stützen, das es auf die Scheidung als Ganzes anzuwenden hätte (Art. 64 Abs. 2 IPRG). Das Bundesge- richt hat in BGE 131 III 289 ff. sowie in 5C.123/200 6 vom 29. März 2007 die in einem Teil des Schrifttums vertretene Auffassung, wonach das zuständ ige Gericht gestützt auf Art. 15 IPRG den Vorsorgeausgleich ausnahmsweise nach dem auf die Vorsorgeeinrichtung an- wendbaren Recht (sog. Vorsorgestatut) beurteilen kann , wo es um ein Guthaben geht, das für die Vorsorge der Ehegatten prägend war, bestätigt , und damit die Reichweite des aus- ländischen Scheidungsstatuts zurückgedrängt. Nach dem Vor stehenden ist mithin darüber zu befinden, ob das Gericht gestützt auf Art. 15 IPRG d en Vorsorgeausgleich ausnahmswei- se nach dem Vorsorgestatut, also dem schweizerischen Recht, zu beurteilen hat. Den von den Parteien anlässlich der heutigen Verhandlung nochm als zitierten höchstrichterlichen Entscheiden (vgl. dazu T RECHSEL , Der Vorsorgeausgleich im internationalen Verhältnis, in: FamPra 2010, S. 260 ff.) lassen sich wenig konkrete Kr iterien entnehmen, nach denen sich der vorsorgeprägende Charakter messen soll. Auffallend ist allein der Umstand, dass es sich um Vorsorgeguthaben in der Schweiz gehandelt hat. Da s läuft im Ergebnis darauf hinaus, dass das Scheidungsstatut nur dann unangefochten massgeb end ist, wenn die Scheidung schweizerischem Recht untersteht. Ist auf die Scheidung a usländisches Recht anwendbar, dürften Vorsorgeguthaben in der Schweiz regelmässig auch nach schweizerischem Recht beurteilt werden (vgl. FamKomm Scheidung/J AMETTI GREINER , Anh. IPR N 56). Das Kan- tonsgericht, Abteilung Zivilrecht, teilt die zitierte Auffassung und kommt zum Schluss, dass eine Teilung des ehezeitlich angesparten Vorsorgeguthabens des Beklagten angezeigt ist. In Abweichung von der Meinung der Vorinstanz, welche die langjährige berufliche Tätigkeit des Beklagten als einziges Anknüpfungskriterium gelten liess, sind nämlich auch die lange Dauer der Ehe, die gelebte Rollenverteilung und damit zusam menhängend die Abwesenheit einer entsprechenden Altersvorsorge auf Seiten der Klägerin sowie deren Unfähigkeit, sich ab Scheidung bis zum Eintritt ins ordentliche Pensionierungs alter eine adäquate Altersvorsorge selbst zu äufnen, besonders stark zu gewichten. Der auslän dische Wohnsitz der Klägerin und deren fehlende Kenntnisse der deutschen Sprache scheinen dem Kantonsgericht, Abtei- lung Zivilrecht, hingegen wenig relevante Gesichtpunkte zu sein, sind diese Merkmale für die Teilung der Vorsorge im Allgemeinen doch unerheblich. Auch das Abstellen auf die räumli- che Trennung der Ehegatten rechtfertigt keinen generel len Ausschluss von Art. 15 IPRG, zumal sich die Parteien - wie hievor in E. 3.5 bereits ausgeführt - zumindest konkludent dar- über verständigt haben, dass der Beklagte im Ausland eine m Erwerb nachgeht und die Ehe- frau mit den Kindern in der Heimat in Portugal verbl eibt. Zwar ist Art. 15 IPRG als ein "Not- ventil" konzipiert, welches nur ausnahmsweise ein Abweichen von der Verweisungsnorm des IPRG erlaubt. Im Bereiche des internationalen Vorsorge ausgleichs ist die Anwendung von Art. 15 IPRG jedoch in Fällen, welche mit der vorlieg enden Sachlage vergleichbar sind, re- gelmässig angebracht. Auch die anstehende Gesetzesnovelle zum Vorsorgeausgleich zielt darauf ab, dass der Vorsorgeausgleich immer nach schweizer Recht erfolgt, womit der Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rückgriff auf den Ausnahmetatbestand des Art. 15 IPRG kün ftig entfällt (vgl. Vernehmlas- sungsvorlage zum Vorsorgeausgleich bei Scheidung). Im Erg ebnis erachtet das Kantonsge- richt, Abteilung Zivilrecht, somit eine hälftige Teilun g der ehezeitlich erworbenen Freizügig- keitsleistung des Beklagten als richtig. Die massgebliche Su mme wurde durch die Vorsorge- einrichtung des Beklagten, die PK BAU Pensionskasse für da s erweiterte Baugewerbe, Re- gion Basel, ermittelt und mit Schreiben vom 19. Okto ber 2011 auf CHF 102'713.20 beziffert. Der Betrag wurde von den Parteien nicht in Frage ge stellt, so dass diese Summe in Anwen- dung von Art. 122 Abs. 1 ZGB hälftig aufzuteilen und der zu überweisende Betrag auf CHF 51'356.60 festzulegen ist. Geschuldet ist darüber hinaus der reglementarische, mindes- tens aber gesetzliche Zins von 2.75 % für das ab dem Jahr 2008 (ab Scheidungsdatum) und von 2 % ab dem Jahr 2009, was vom Beklagten denn auch n icht bestritten wurde. Die betei- ligte Einrichtung der beruflichen Vorsorge, die PK B AU Pensionskasse für das erweiterte Baugewerbe, Region Basel, hat im Übrigen eine Bestäti gung über die Durchführbarkeit, da- tierend vom 15. November 2011, eingereicht. Die erwäh nte Vorsorgeeinrichtung ist somit anzuweisen, vom Vorsorgeguthaben des Beklagten den Betr ag von CHF 51'356.60 zzgl. reglementarischen, mindestens aber gesetzlichen Zins von 2 .75 % für das Jahr 2008 und von 2 % ab dem Jahr 2009 auf ein von der Klägerin no ch zu bestimmendes Konto zu über- weisen. Die Berufungsklägerin hat der PK BAU Pensionskasse für das erweiterte Baugewer- be die notwendige Zahlungsadresse (Bank/Post, Kontonum mer, Kontoinhaber) für die Über- weisung direkt mitzuteilen. 5. Die Berufung stellt grundsätzlich ein reformatorisches R echtsmittel dar. Kommt die Berufungsinstanz zum Schluss, dass die Berufung zulässig und begründet ist, so heisst sie diese gut und trifft somit in der Regel einen neuen Entscheid. Dieser Entscheid unterscheidet sich naturgemäss inhaltlich vom angefochtenen Entscheid, d.h., der angefochtene Entscheid wird dadurch im Umfange der Gutheissung der Berufungsa nträge aufgehoben und neu ge- fasst (vgl. REETZ /H ILBER , in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm ., Art. 318 N 27). Die vorstehenden Ausführungen haben aufgezeigt , dass das Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, zu einer im Sinne d er Klägerin vom angefochten Urteil ab- weichenden Entscheidung gelangt und sich die Berufung g rundsätzlich als begründet her- ausstellt. Der Entscheid des Bezirksgerichts Arlesheim vom 6. März 2012 wird daher wie folgt geändert: "1. Der Beklagte hat der Klägerin ab 1. Juli 2011 bis und mit Juni 2020 einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von monatlich und im Voraus von CHF 300.00 zu bezahlen. 2. Der Beklagte hat der Klägerin die Hälfte der ehezeitlich erworbenen Freizügigkeitsleistung, mithin einen Betrag von CHF 51'356.60 zzgl. reglementa rischen, mindestens aber gesetzli- chen Zins von 2.75 % für das Jahr 2008 und von 2 % ab d em Jahr 2009 auf ein von der Klä- gerin zu bezeichnendes Konto zu bezahlen. Die PK BAU P ensionskasse für das erweiterte Baugewerbe, Region Basel, Elisabethenstrasse 23, 4010 Basel, wird angewiesen, vom Vor- sorgeguthaben des Beklagten den Betrag von CHF 51'356.6 0 zzgl. reglementarischen, min- destens aber gesetzlichen Zins von 2.75 % für das Jahr 200 8 und von 2 % ab dem Jahr 2009 auf ein von der Klägerin noch zu bestimmendes Konto zu überweisen". 6.1 Abschliessend hat das Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht , noch über die Verteilung der Prozesskosten, bestehend aus den Gerichtskosten sowie der Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), des Berufungsverfahrens zu befinde n. Hinsichtlich der erstinstanzli- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Prozesskosten wurde der Entscheid vom 6. März 2012 nicht ausdrücklich angefochten, so dass die Rechtsmittelinstanz hierüber keinen neuen Entsc heid zu treffen hat (vgl. REETZ /H ILBER , a.a.O., Art. 315 N 17). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO w erden die Pro- zesskosten der unterliegenden Partei auferlegt. Hat kein e Partei vollständig obsiegt, so wer- den die Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens ver teilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). In familienrechtlichen Verfahren kann das Gericht von de n Verteilungsgrundsätzen abweichen und die Prozesskosten nach Ermessen verteilen (Art. 107 A bs. 1 lit. c ZPO). Diese Grund- sätze gelten auch für die Rechtsmittelinstanz (B OTSCHAFT ZPO, S. 7296). Im vorliegenden Fall beantragte die Klägerin mit der Berufung, dass d er Beklagte zu verurteilen sei, ihr mit Wirkung ab 5. Januar 2007, eventualiter ab Juni 2011 einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'000.00 zu bezahlen sowie die Hälf te seiner ehezeitlich erworbenen Freizügigkeitsleistung zu übertragen. Der Beklagte wieder um beantragte in der Berufungs- antwort, die Rechtsbegehren der Klägerin seien vollumfänglich abzuweisen. Das Kantonsge- richt, Abteilung Zivilrecht, verpflichtete den Beklagte n, an den nachehelichen Unterhalt der Klägerin ab 1. Juli 2011 bis und mit Juni 2020 einen Betrag von CHF 300.00 zu bezahlen sowie die Hälfte der Freizügigkeitsleistung zu überweisen . Die Berufungsklägerin ist mithin mit ihren Begehren in etwa hälftigem Umfange durchge drungen, so dass sich eine Halbie- rung der Gerichtskosten aufdrängt. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist da- bei in Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 li t. i des Gebührentarifs (SGS 170.31) auf pauschal CHF 3'000.00 festzusetzen. Zu dieser Gerichtsg ebühr kommen die Kosten für die Übersetzung durch die Dolmetscherin anlässlich der heutigen Verhandlung von CHF 157.50 (Art. 95 Abs. 2 lit. d ZPO). Die Parteientschädigung en sind analog der Verteilung der Ge- richtskosten zu verlegen, so dass die Parteien grundsätzlich die entsprechenden Kosten selbst zu tragen haben und gegenseitig keine Parteientschädigungen geschuldet sind. 6.2 Der Berufungsklägerin wurde mit Verfügung vom 20. Jul i 2012 die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt. Dem Berufungsbeklagten wiederu m wurde mit Verfügung vom 30. August 2012 die unentgeltliche Rechtspflege mit ein em Selbstbehalt von CHF 1'000.00 teilweise bewilligt. Anlässlich der heutigen Verhandlu ng wurden die Parteien nochmals zu ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen befragt. D ie gemachten Verlautbarungen der Parteien legen kein Rückkommen auf die vorgenannt en Entscheide zur unentgeltlichen Rechtspflege nahe, selbst wenn der Beklagte nach seiner Genesung mittlerweile ein leicht höheres Einkommen erzielt. So besitzen die Parteien lau t glaubhaften Aussagen insbeson- dere keine werthaltigen Liegenschaften im Ausland. De r gesamte Kostenanteil der Beru- fungsklägerin geht somit zufolge unentgeltlicher Rechts pflege zulasten des Staates. Vom Kostenanteil der Gerichtskosten des Berufungsbeklagten gehen zufolge teilweiser unentgelt- licher Rechtspflege CHF 578.75 zulasten des Staates. Ausser Frage steht, dass die gericht- liche Bestellung von Rechtsbeiständen zur Wahrung der Rechte der Parteien notwendig war. Die Entschädigungen der unentgeltlichen Rechtsbeistände ist folglich durch die Gerichtskas- se zu übernehmen. Der Rechtsvertreter der Berufungsklägeri n, Advokat Javier Ferreiro, hat eine vom 9. Oktober datierende Honorarnote eingereic ht. Der darin geltend gemachte Zeit- aufwand inklusive der heutigen Verhandlung von 14.25 S tunden ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, allein der Ansatz von CHF 200.00 ist in Anw endung von § 3 Abs. 2 Tariford- nung für die Anwältinnen und Anwälte (TO; SGS 178.1 12) auf CHF 180.00 herabzusetzen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die vorgelegte Honorarnote von Dr. Eva Weber, Rechtsver treterin des Berufungsbeklagten, weist einen Aufwand ohne Hauptverhandlung von 22.75 St unden aus. Dieser Zeitaufwand erscheint dem Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, in A nbetracht des Schwierigkeitsgrades und der Bedeutung der Sache überhöht, wurden doch die wesentlichen Rechtsfragen bereits im vorinstanzlichen Verfahren abgehandelt. Insbesondere die Positionen für die Ausfertigung der Berufungsantwort und die Vorbereitung zur heutig en Verhandlung sind um sechs Stun- den zu kürzen, so dass im Ergebnis ein Stundenaufwand zuzü glich der heutigen Verhand- lung von gesamthaft 18.25 Stunden als statthaft zu era chten ist. Im Weiteren sind den Rechtsbeiständen die fakturierten Auslagen sowie die Mehrwertsteuer zu vergüten. Es resul- tiert eine Summe von CHF 2'947.90 für Advokat Javier F erreiro und eine solche von CHF 3'617.55 für Advokatin Dr. Eva Weber. Gemäss Art. 1 23 Abs. 1 ZPO sind Parteien, de- nen die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage sind. Die Berufungsklägerin ist folgli ch anzuhalten, ihren Kostenanteil von CHF 1'578.75 sowie die an ihren unentgeltlichen Rechts beistand ausgerichtete Entschädi- gung von CHF 2'947.90 bei Barauszahlung der Freizügigkei tsleistung an die Justizverwal- tung zu erstatten (PC 40-1036-1). Demnach wird erkannt: ://: I. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und der Entscheid des Be- zirksgerichts Arlesheim vom 6. März 2012 wie folgt geändert: "1. Der Beklagte hat der Klägerin ab 1. Juli 2011 bis und mit Juni 2020 einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von monatlich un d im Vor- aus von CHF 300.00 zu bezahlen. Der Beklagte hat der Klägerin die Hälfte der ehezei tlich erworbe- nen Freizügigkeitsleistung, mithin einen Betrag von CHF 51'356.60 zzgl. reglementarischen, mindestens aber gesetzlichen Zins vo n 2.75 % für das Jahr 2008 und von 2 % ab dem Jahr 2009 auf ein von der Klägerin zu bezeichnendes Konto zu bezahlen. Die PK BAU Pensionskasse für das erweiterte Baugewer be, Regi- on Basel, Elisabethenstrasse 23, 4010 Basel, wird ange wiesen, vom Vorsorgeguthaben des Beklagten den Betrag von CHF 51'356.60 zzgl. reglementarischen, mindestens aber gesetz- lichen Zins von 2.75 % für das Jahr 2008 und von 2 % ab dem Jahr 2009 auf ein von der Klägerin noch zu bestimmende s Konto zu überweisen". Im Übrigen bleibt der angefochtene Entscheid unverän dert. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht II. Die PK BAU Pensionskasse für das erweiterte Baugewe rbe, Region Basel, Elisabethenstrasse 23, 4010 Basel, wird angewie sen, vom Vorsorgeguthaben des Berufungsbeklagten den Betrag von CHF 51'356.60 zzgl. reglementarischen, mindestens aber gesetzli- chen Zins von 2.75 % für das Jahr 2008 und von 2 % ab dem Jahr 2009 auf ein von der Berufungsklägerin noch zu bestimmendes Konto zu überweisen. Die Berufungsklägerin hat der PK BAU Pen sionskas- se für das erweiterte Baugewerbe die notwendige Zahlu ngsadresse (Bank/Post, Kontonummer, Kontoinhaber) für die Überw eisung direkt mitzuteilen. III. Die Entscheidgebühr für das kantonsgerichtliche Ve rfahren von CHF 3'000.00 zuzüglich Kosten für die Übersetzung von C HF 157.50 wird den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Der gesamt e Kostenanteil der Berufungsklägerin geht zufolge unentgeltlicher Rec htspflege zu- lasten des Staates. Die Berufungsklägerin wird angehalte n, ihren Kostenanteil von CHF 1'578.75 bei Barauszahlung der Freizügigkeits- leistung an die Justizverwaltung, Bahnhofplatz 16, 4410 Liestal, zu erstatten (PC 40-1036-1). Vom Kostenanteil des Berufungsbeklagten gehen zufolge teilweiser unentgeltlicher Rechtspflege CHF 578.75 zulasten des St aates; vor- behalten bleibt der Rückforderungsanspruch des Staate s während zehn Jahren, sobald der Berufungsbeklagte zur Nachzahlung in der Lage ist (Art. 123 ZPO). IV. Es werden gegenseitig keine Parteientschädigungen zugesprochen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege beider Parteien w erden den unentgeltlichen Rechtsbeiständen folgende Entschädigunge n inkl. Auslagen und MWST aus der Gerichtskasse ausgerichtet: - an Advokat Javier Ferreiro CHF 2'947.90 - an Advokatin Dr. Eva Weber CHF 3'617.55. Vorbehalten bleibt der Rückforderungsanspruch des Staates während zehn Jahren, sobald die Parteien zur Nachzahlung in der Lage sind (Art. 123 ZPO). Die Berufungsklägerin wird angehalte n, die an ihren unentgeltlichen Rechtsbeistand ausgerichtete Entschädi gung von CHF 2'947.90 bei Barauszahlung der Freizügigkeitsleistun g an die Justizverwaltung, Bahnhofplatz 16, 4410 Liestal, zu erstatt en (PC 40- 1036-1). Präsidentin Christine Baltzer Gerichtsschreiber Andreas Linder Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegen diesen Entscheid hat der Beklagte Beschwerde in Zivilsachen ans Bundesgericht erhoben (5A_874/2012).