<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 116 S.511</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Entschädigung</span> <span class="page_no">511</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Entschädigung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>116 Gebäudewasserversicherung. § 3 lit. b GWVV.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>§ 3 lit. b GWVV stellt eine Ausschlussklausel dar; keine Vor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>leistungspflicht des AVA (Erw. 3.1.1.f.).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Frage der Haftbarkeit des Dritten ist vom zuständigen Zi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vilgericht zu entscheiden. Bei Unzumutbarkeit verzichtet die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Oberschätzungsbehörde auf eine Verweisung der Parteien auf</b></span><br/> <span class="ft3"><b>den Zivilweg. Fälle der Unzumutbarkeit (Erw. 3.2.2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus einem Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span><br/> <span class="ft5">vom 6. Dezember 2001 in Sachen Ehegatten V. gegen AVA.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">3.1.1. Der Wortlaut von § 3 GWVV (Marginalie: "Aus-</span><br/> <span class="ft7">schlüsse"; alinea 1: "von der Gebäudewasserversicherung ausge-</span><br/> <span class="ft7">schlossen sind") spricht klar für einen gänzlichen Wegfall der</span><br/> <span class="ft7">Leistungspflicht des AVA, falls für die Schäden ein Dritter haftbar ist</span><br/> <span class="ft7">(sog. Subsidiaritätsklausel [Alfred Maurer, Schweizerisches Privat-</span><br/> <span class="ft7">versicherungsrecht, Bern 1995, 3. Auflage, S. 374 ff.]). Alfred Mau-</span><br/> <span class="ft7">rer definiert die Ausschlüsse als Sachverhalte, die zwar durch die</span><br/> <span class="ft7">abstrakte Umschreibung der Gefahr gedeckt sind, indessen nicht</span><br/> <span class="ft7">versichert werden (Maurer, a.a.O., S. 245).</span><br/> <span class="ft7">Anhaltspunkte für eine Leistungspflicht mit blossem Regress-</span><br/> <span class="ft7">recht finden sich nicht. Auch aus der Systematik ergibt sich, dass § 3</span><br/> <span class="ft7">GWVV mit dem Versicherungsausschluss nicht ein Regressrecht</span><br/> <span class="ft7">meint: in der Liste von § 3 GWVV finden sich keine weiteren Fälle</span><br/> <span class="ft7">der Haftbarkeit Dritter, so dass von vornherein eine Regressregelung</span><br/> <span class="ft7">nicht gegeben sein kann. Da bei der Gebäudewasserversicherung der</span><br/> <span class="ft7">Geschädigte mit dem Versicherten identisch ist, stellt sich auch nicht</span><br/> <span class="ft7">die Frage, ob sich der Ausschluss nicht bloss auf das Innenverhältnis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span> <span class="page_no">512</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">(d.h. Versicherung - Versicherter) bezieht, das Aussenverhältnis (d.h.</span><br/> <span class="ft7">Versicherung - Geschädigter) aber nicht betrifft und daher das Rück-</span><br/> <span class="ft7">griffsrecht des Versicherers auf den Versicherten verschafft (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Thomas Geiser / Peter Münch [Hrsg.], Handbücher für die Anwalts-</span><br/> <span class="ft7">praxis, 5. Teil Schaden-Haftung-Versicherung, Basel/Genf/München</span><br/> <span class="ft7">1999, N. 4.78 ff.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine</span><br/> <span class="ft7">Vorleistungspflicht seitens des AVA besteht (vgl. auch BGE 114 V</span><br/> <span class="ft7">171 ff.).</span><br/> <span class="ft7">3.1.2. Gemäss Art. 33 VVG muss eine Ausschlussklausel be-</span><br/> <span class="ft7">stimmt und unzweideutig abgefasst sein.</span><br/> <span class="ft7">Wie oben bereits erwähnt, ist dieses Erfordernis hier erfüllt. Es</span><br/> <span class="ft7">wäre denn auch nicht ersichtlich, auf was sich der Ausschluss bezie-</span><br/> <span class="ft7">hen sollte, wenn wie nach Ansicht der Beschwerdeführer das AVA</span><br/> <span class="ft7">trotz § 3 lit. b GWVV gegenüber den Versicherten leistungspflichtig</span><br/> <span class="ft7">bleibt, jedoch zusätzlich in den Genuss eines Regressrechtes gegen-</span><br/> <span class="ft7">über dem haftbaren Dritten kommt.</span><br/> <span class="ft7">3.2.1. Damit bleibt zu prüfen, ob in casu § 3 lit. b GWVV erfüllt</span><br/> <span class="ft7">ist, welcher die Leistungspflicht des AVA ausschliesst. Strittig ist</span><br/> <span class="ft7">hier, ob für den Schaden ein Dritter wegen fehlerhaften Unterhaltsar-</span><br/> <span class="ft7">beiten haftbar ist. Die Beschwerdeführer halten dies in casu für nicht</span><br/> <span class="ft7">erwiesen (...), das AVA stellt sich dagegen auf den Standpunkt, die</span><br/> <span class="ft7">Haftbarkeit ergebe sich aus dem Expertenbericht von S.; ein rechts-</span><br/> <span class="ft7">kräftiges Urteil, welches die Haftbarkeit des Dritten (...) feststelle,</span><br/> <span class="ft7">könne nicht verlangt werden, zumal das AVA in einem solchen Pro-</span><br/> <span class="ft7">zess nicht Partei wäre (...). Dem halten die Beschwerdeführer wie-</span><br/> <span class="ft7">derum entgegen, dass das AVA in einem solchen Prozess gestützt auf</span><br/> <span class="ft7">das Regressrecht von Art. 72 VVG Parteistellung hätte (...). Gemäss</span><br/> <span class="ft7">AVA stelle sich bei einem Ausschlussgrund nicht die Frage nach</span><br/> <span class="ft7">einer Vorfinanzierung mit anschliessendem Regress (...).</span><br/> <span class="ft7">3.2.2. Mangels direkten Anspruchs kann das AVA nicht selber</span><br/> <span class="ft7">einen rechtskräftigen Entscheid über die Haftbarkeit der Firma C.</span><br/> <span class="ft7">AG erwirken. Diese Möglichkeit entstünde erst, nachdem das AVA</span><br/> <span class="ft7">den Beschwerdeführern eine Entschädigung geleistet hat (und auch</span><br/> <span class="ft7">dann nur insoweit, als den Beschwerdeführern gegenüber der Firma</span><br/> <span class="ft7">C. AG ein Ersatzanspruch aus unerlaubter Handlung zusteht) (Art. 72</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 VVG). Wie bereits erwähnt, findet sich im GWVV keine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Entschädigung</span> <span class="page_no">513</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Vorleistungspflicht. Eine solche schreibt auch das subsidiär</span><br/> <span class="ft7">anwendbare VVG nicht vor (vgl. dagegen z. B. die Vorleistungs-</span><br/> <span class="ft7">pflicht in Art. 112 der Verordnung über die Krankenversicherung</span><br/> <span class="ft7">vom 27. Juni 1995 [SR 832.102]).</span><br/> <span class="ft7">Das AVA kann deshalb (d.h. keine Vorleistungspflicht vorge-</span><br/> <span class="ft7">schrieben) nicht verpflichtet werden, den geltend gemachten Schaden</span><br/> <span class="ft7">den Beschwerdeführern zu entschädigen, einzig um in den Genuss</span><br/> <span class="ft7">des Regressrechts zu kommen und so einen rechtskräftigen Entscheid</span><br/> <span class="ft7">über die Haftbarkeit der Firma C. zu erwirken (vgl. Maurer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft7">S. 374 ff.). Daraus ergibt sich, dass die Anwendbarkeit von § 3 lit. b</span><br/> <span class="ft7">GWVV nicht schon deshalb verneint werden kann, weil das AVA</span><br/> <span class="ft7">keinen rechtskräftigen Entscheid über die Haftbarkeit der Firma C.</span><br/> <span class="ft7">AG vorlegen kann.</span><br/> <span class="ft7">Es stellt sich die Frage, ob die Oberschätzungsbehörde vorfra-</span><br/> <span class="ft7">geweise die Haftbarkeit des Dritten zu entscheiden hat. Der Prozess</span><br/> <span class="ft7">über die Haftbarkeit des Dritten fällt in den Zuständigkeitsbereich</span><br/> <span class="ft7">des Zivilgerichtes. Es ist nicht Aufgabe der Oberschätzungsbehörde</span><br/> <span class="ft7">als Spezialgericht, in diese Zuständigkeitsordnung einzugreifen. Die</span><br/> <span class="ft7">Gefahr sich widersprechender Urteile (divergierende Entscheide der</span><br/> <span class="ft7">Oberschätzungsbehörde und des Zivilgerichtes über die identische</span><br/> <span class="ft7">Frage der zivilrechtlichen Haftbarkeit des Dritten) ist nicht von der</span><br/> <span class="ft7">Hand zu weisen. Allerdings kann es nicht angehen, die Parteien auf</span><br/> <span class="ft7">den Zivilweg zu verweisen, falls dies unzumutbar ist. Die Unzumut-</span><br/> <span class="ft7">barkeit ist insbesondere gegeben, falls keine überwiegende Wahr-</span><br/> <span class="ft7">scheinlichkeit für ein Obsiegen in der Haftbarkeitsklage gegen den</span><br/> <span class="ft7">Dritten anzunehmen ist, der zivilprozessuale Gerichtsort aufgrund</span><br/> <span class="ft7">seiner Distanz nicht zugemutet werden kann oder wenn mit unzu-</span><br/> <span class="ft7">mutbaren Kosten zu rechnen ist (vgl. LGVE 1994 II 33 [Entscheid</span><br/> <span class="ft7">des Verwaltungsgerichts Luzern vom 2. September 1994], S. 252,</span><br/> <span class="ft7">mit Verweis auf einen Entscheid des Eidgenössischen Versiche-</span><br/> <span class="ft7">rungsgerichts vom 14. September 1993, in Sachen H., Erw. 3c).</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>