B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3122/2019 U r t e i l v o m 3. D e z e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Déborah D'Aveni, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener Parteien A._______, geboren am (…), Sudan, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 17. Mai 2019 / N (…). E-3122/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein Angehöriger des Stammes beziehungsweise der Ethnie der B._______, geboren in C._______, Bundesstaat Darfur – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im neu nten Monat 2013 und reiste nach Libyen, wo er sich zirka eineinhalb Jahre lang aufge- halten habe, bevor er nach Europa weitergereist und am 17. Juli 2015 in die Schweiz gelangt sei. Am gleichen Tag suchte er im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) des SEM in D._______ um Asyl nach. Am 24. Juli 2015 fand die Befr agung zur Person (BzP) statt. Am 7. Juni 2017 und 12. Juli 2017 folgten vertiefte Anhörungen zu seinen Asylgründen . Am 8. März 2019 wurde er ergänzend angehört. In der BzP führte er aus, wegen der grossen Armut und weil er habe stu- dieren wollen, um seine Familie finanziell unterstützen zu können, ausge- reist zu sein. Anlässlich der drei Anhörungen begründete er sein Asylge- such im Wesentlichen damit, er und seine Famil ie hätten bis 2004 in C._______ gewohnt. Später habe er im Dorf E._______ respektive zwi- schen C._______ und E._______, in F._______ (Bundesstaat Khartum), und in der Region zwischen Libyen und Sudan (Triangolo) gelebt. Er habe nach der Erlangung der Maturität ein dreimonatiges Militärtraining absol- viert und anschliessend nach G._______ zum Militärdienst einrücken müs- sen. Stattdessen sei er nach E._______ geflüchtet, wo er durch die Bewe- gung für Gerechtigkeit und Gleichheit (Justice & Equality Movement; JEM) zwangsrekrutiert worden sei. Ab 2010 habe er in einer (…) in F._______ gearbeitet und für die JEM Waren eingekauft und deren Transport in den Südsudan organisiert. Am 11. November 2012 sei er wegen seiner kranken Schwester nach C._______ zurückgekehrt und nach drei Monaten erneut nach F._______, später nach H._______, welches zwei Tage Autoreise von I._______, asch-Schamaliyya, liege, gegangen, wo er für sechs Monate (…) respektive (…) verrichtet habe. Schliesslich habe er, weil er wegen Desertion und seiner Tätigkeit für die JEM behördlich verfolgt worden sei, den Sudan verlassen. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. Der Beschwerdeführer reichte ein Unterstützungsschreiben der (…) vom 20. August 2016, eine Bestätigung des Bildungsministeriums des Bundes- staates Darfur, ein Zertifikat für d ie Grundschule sowie Geburtsurkunden E-3122/2019 Seite 3 seiner Mutter und seines Vaters, ausgestellt am 15. April 2013 beziehungs- weise 10. Juli 2013 in C._______, samt Übersetzungen, als Beweismittel ein. B. Mit Verfügung vom 17. Mai 2019 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh- rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Es begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft stand- halten. C. Mit Eingabe vom 19. Juni 2019 erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht dagegen Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung der vorläufigen A ufnahme, subeventualiter die Rückwei- sung an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung so- wie zu neuem Entscheid. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses und um Bestellung des unterzeichnenden Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand. D. Mit Verfügung vom 27. Juni 2019 hiess die Instruktionsrichterin die Gesu- che um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbei- ständung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführ er sein en Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand bei. Ferner ersuchte sie das SEM, eine Vernehmlassung einzureichen. E. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 12. Juli 2019 die Abweisung der Beschwerde. F. Der Beschwerdeführer reichte am 30. Juli 2019 eine Replik ein. Die in die- ser Eingabe als Beilage erwähnte Kostennote lag nicht bei. E-3122/2019 Seite 4 G. Mit Verfügung vom 16. September 2021 forderte die Instruktionsrichterin den Rechtsvertreter dazu auf, eine Kostennote einzureichen. H. Mit Eingabe vom 16. September 2021 reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 aArt. 108 Abs. 1 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. E-3122/2019 Seite 5 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer beantragt subeventualiter die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung an die Vorinstanz zwecks Feststellung des Sachverhalts und zu neuem Entscheid . Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge- listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuche nden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen sowie allfällige Beweismittel vollstän- dig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Ver- letzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwer- degrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlich en Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 3.3 3.3.1 Der Beschwerdeführer begründet seinen Eventualantrag damit , es könne nicht nachvollzogen werden, ob sämtliche seiner Ausführungen und Erklärungen protokolliert worden seien. Die anlässlich der ergänzenden Anhörung vom 8. März 2019 anwesende Hilfswerkvertreterin habe auf un- zulängliche Deutschkenntnisse des übersetzenden Dolmetschers hinge- wiesen. 3.3.2 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung zur Rüge der mangel- haften Übersetzung der Anhörung vom 8. März 2019 aus, dem diesbezüg- lichen Protokoll könne keine absolut mangelhafte Übersetzungsarbeit des Dolmetschers entnommen werden. Dabei weist sie auf die Qualitätsprü- fung der Dolmetscher durch das SEM und die Möglichkeit der Beurteilung durch die Asylspezialisten hin . Bei Verständigungsproblemen könne eine E-3122/2019 Seite 6 Anhörung jederzeit abgebrochen werden, was sich vorliegend zu keinem Zeitpunkt aufgedrängt habe. Die Hilfswerk vertretung habe im Verlauf der Anhörung zu keinem Abbruch angeregt. Der Beschwerdeführer habe auch auf keine konkreten Verständigungsschwierigkeiten oder fehlerhaften Übersetzungen hingewiesen und die Richtigkeit des ihm rückübersetzten Anhörungsprotokolls mit seiner Unterschrift bestätigt. 3.3.3 In der Replik weist der Beschwerdeführer auf einzelne Stellen des Protokolls hin, welche auf eine mangelhafte Übersetzung hinweisen wür- den. Der Dolmetscher habe bei der Rückübersetzung zwar gewisse Fehler und Ungenauigkeiten ausbessern können; gewisse Details seien möglich- erweise nicht mehr protokolliert worden. Die Vorinstanz habe sich auf eine ergänzende Anhörung gestützt, die offensichtlich mangelhaft übersetzt worden sei. Sie wäre gehalten gewesen, die se zu wiederholen und allfäl- lige Unklarheiten anzusprechen. 3.3.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach einer Durchsicht de s entsprechenden Protokolls zur Ansicht, dass die Einwände des Beschwer- deführers unbegründet sind. Der Beschwerdeführer antwortete auf die Frage zu Beginn der Anhörung, wie er den Dolmetscher verstehe, mit "gut". Bei der Anhörung zur Sache konnte er sich vorab in freier Erzählform äus- sern (vgl. Akte A24 F5). Anschliessend wurden ihm zur vorgebrachten Mi- litärdienstzeit zahlreiche Fragen (Umstände betreffend militärische Einbe- rufung [Ort, Zeitpunkt, Kenntnisnahme, Dauer, Ablauf, Gesundheitsunter- suchung, etc.], dreimonatiges Trainingslager [Tagesablauf, Trainingsein- heiten, Ausrüstung, militärische Einteilung, Ende], Eintritt in Militärdienst in G._______, Erhalt seines Maturazeugnisses , Kontakte zu " J._______", Gründe seiner Militärdienstverweigerung, Militärdiensturlaub [Vorausset- zungen, Bewilligung, Militärausrüstung, Reise nach E._______], Militär- dienstverweigerung, Suche nach ihm, Verweigerung gegenüber Rebellen- gruppe) gestellt. Dabei entstand nicht der Eindruck, dass der Dolmetscher nur ungenügende Deutschkenntnisse gehabt hätte. Die von ihm übersetz- ten Antworten waren zwar an sehr wenigen Stellen nicht klar formuliert, was jedoch nicht auf eine insgesamt ungenügende Übersetzungsqualität zurückzuführen ist. Jedenfalls lässt keine der vom Beschwerdeführer zitier- ten Passagen (a.a.O., F11, F15, F31, F34, F36, F52, F72) auf eine insge- samt ungen ügende Übersetzung des Dolmetschers schliessen. Zwar machte die Hilfswerksvertreterin auf dem Unterschriftenblatt Bemerkun- gen, wonach der Dolmetscher Hilfe beim Formulieren von ganzen Sätzen erhalten habe und Sätze erst nach Rückfrage der Hilfswerksvertretung fer- tig übersetzt haben soll, wobei vorliegend unklar ist, um welche Stellen es E-3122/2019 Seite 7 sich dabei handelt, zumal es im Laufe der Anhörung keine diesbezüglichen Einwände gab. Überdies erhielt die Hilfswerksvertretung im Laufe der An- hörung Gelegenheit, um Fragen zu stellen, wovon sie auch Gebrauch ge- macht hat (a.a.O. F132 ff.). Insgesamt kann weder dem Protokoll noch der anschliessenden Rückübersetzung entnommen werden, dass die Überset- zung insgesamt mangelhaft ausgefallen ist. Dagegen spricht auch der Um- stand, dass der Beschwerdeführer sämtliche Angaben in seine Mutterspra- che Arabisch (vgl. Akte A6 Ziff. 1.17.01) rückübersetzt erhielt und er dabei Korrekturen einzelner Passagen hat anbringen können (vgl. Akte A24 S. 17). Dabei stand ihm auch offen, allfällige fehlende Angaben ergänzen zu können. Überdies bestätigte er unterschriftlich, dass das Protokoll in eine ihm verständliche Sprache rückübersetzt worden sei und seinen freien Äusserungen entspreche (a.a.O. S. 17). Nach Ansicht des Gerichts be- stand für das SEM somit keine Veranlassung, die ergänzende Anhörung des Beschwerdeführers zu wiederholen. Der Vorinstanz stand damit – zu- sammen mit den früheren A nhörungsprotokollen – eine ausreichende Grundlage für ihren Entscheid zur Verfügung. Insgesamt bestehen keine stichhaltigen Gründe, von einem unvollständigen Sachverhalt auszugehen. Das Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist demzufolge abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüch tlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die ei nen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-3122/2019 Seite 8 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei stän- diger Praxis (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie BVGE 2013/11 E. 5.1; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfah- ren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts, Asyl 2/2015 S. 5). 5. 5.1 Das SEM führte zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten. Im Einzelnen hielt es fest, mangels rechtsgenüglicher Dokumente sowie gestützt auf die weiteren Angaben zu seiner Identität bestünden Vorbehalte an der von ihm geltend gemachten Herkunft. So datierten die eingereichten Geburtsurkunden seiner Eltern aus dem Jahr seiner Ausreise (2013) und die Bestätigung des Bildungsministeriums des Bundesstaates Darfur aus dem Jahre nach seiner Ausreise aus dem Sudan (2015). Damit würden Zweifel an seinen Vorbringen aufkommen, zumal er angegeben habe, sich vor seiner Ausreise in der Umgebung von I._______, Bundesstaat asch - Schamaliyya, aufgeha lten und wegen der behördlichen Verfolgung das Land verlassen zu haben. Es komme der Verdacht auf, dass es unter an- deren als den genannten Umständen zu seiner Ausreise gekommen sei respektive diese im Vorfeld geplant worden sei. Im Weiteren wolle er sich im Jahre 2011 in F._______ eine Identitätskarte ausstellen lassen haben, zu einem Zeitpunkt, in dem er wegen Wehrdienstverweigerung und seiner Tätigkeit für die JEM behördlich gesucht worden sei. Die Ausstellung eines amtlichen Dokuments (zu jenem Zeitpunkt) lasse erhebliche Zweifel an sei- nen Fluchtgründen aufkommen. Zudem überzeuge seine Begründung für das Fehlen jeglicher Identitätsdokumente ("in der Wüste verloren") nicht. Ausserdem habe er sich bei der Einreise nach Italien unter einer anderen Identität registrieren lassen, was die Vorbehalte an seinem Aussageverhal- ten respektive an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit erhärte. Unbesehen der Glaubhaftigkeit seiner Herkunft aus dem Bundess taat Darfur würde (einzig) dieser Umstand seine Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen vermögen. Im Weiteren hielt die Vorinstanz fest, die in der Erstbefragung genannten Fluchtgründe – wirtschaftliche Gründe und Perspektivenlosigkeit – würden den in den weiteren Anhörungen geltend gemachten Asylkernvorbringen – E-3122/2019 Seite 9 Desertion und Zwangsrekrutierung durch die JEM – diametral gegenüber- stehen. Da der Beschwerdeführer in der BzP die konkrete Nachfrage nach weiteren Fluchtgründen oder Problemen mit den Behörden und Dritten ver- neint habe, bestünden grundlegende Zweifel an den Vorbringen anlässlich der späteren Anhörungen. Weiter habe der Beschwerdeführer anlässlich der direkten Bundesanhö- rung (bezeichnet hienach als BA; Akten A19 und A22) vorgebracht, na ch Abschluss der Mittelschule in den Militärdienst eingerückt zu sein. Er habe ein dreimonatiges Training absolviert und sei am 10. Juli 2008 entlassen worden. Bezüglich seiner Aushebung und der Ausbildung im Militärlager habe er diese in der ergänzenden A nhörung (bezeichnet hienach als EA; Akte A24) nicht angemessen zu konkretisieren vermocht. Seine Antworten hätten sich auf rein äusseres Geschehen reduziert und es fehlten Angaben zu inneren Gedanken- und Gefühlsvorgängen. Ferner habe er zuerst aus- geführt, jeder Staatsbürger sei verpflichtet, nach Erhalt des Maturazeug- nisses für drei Monate ins Militärlager zur Ausbildung zu gehen, bevor man die Universität besuche. In der ergänzenden Anhörung habe er demgegen- über erklärt, erst das dreimonatige Militärtraining absolviert und danach sein Maturitätszeugnis erhalten zu haben. Da es sich bei diesen Vorbrin- gen um Kernelemente handle, hätte vom Beschwerdeführer eine konzisere Darlegung erwartet werden dürfen. Sodann sei es bei der Darlegung bezüglich der Leistung des Militärdiens- tes, der Beendigung des Militärtrainings, der Übergabe des Maturazeug- nisses, der Zuteilung nach G._______, des Kontakts mit J._______, seines Weggangs (Abschied von seiner Familie) im Verlaufe des Verfahrens zu unterschiedlichen Herleitungen der Ereignisse gekommen. Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer das Schulsystem und die Wehrpflicht kennen wolle, würden Vorbehalte aufkommen. Zudem bestünden Zweifel hinsichtlich seiner Angaben zur Beurlaubung und der hierauf folgende n Flucht, da die diesbezüglichen Ausführungen realitätsfremd, teilweise wi- dersprüchlich und der Logik zuwiderlaufend ausgefallen seien. Ferner sei es in Bezug auf die anschliessende Flucht nach E._______ zu unverein- baren Angaben gekommen. In der BA habe er angegeben, mit drei weite- ren Freunden innert dreier Tage nach E._______ gelangt zu sein, während- dem er in der ergänzenden Anhörung vorgebracht habe, zusammen mit einem Freund in einem Tag nach E._______ gelangt zu sein. Schliesslich sei schleierhaft, wo s eine militärische Ausrüstung geblieben sei. Einmal habe er erklärt, diese sei zu Hause, an anderer Stelle habe er gesagt, die JEM-Milizen hätten diese mitgenommen. Zudem seien seine Angaben zur E-3122/2019 Seite 10 behördlichen Suche nach ihm wegen Desertion vage und gehaltlos geblie- ben. Es laufe jeglicher Logik zuwider, sollte er trotz behördlicher Suche ohne weiteres zur Familie nach Norddarfur zurückgekehrt sein. Ferner könnten seinen Ausführungen zur Zwangsrekrutierung durch Anhänger der Milizen "Al Adi Wa Al Musawa" beziehungsweise der JEM keine derartigen konkreten Hinweise entnommen werden. Er habe diese damit begründet, im Unterschied zu seinen Kollegen habe er eine höhere Bildung gewünscht und nicht freiwillig mitgehen wollen. Einen Fluchtversuch habe er nicht un- ternommen. Es bestehe der Verdacht, dass er – falls überhaupt – aus freien Stücken Teil der Miliz JEM gewesen sei. Zudem habe er die Ziele der Bewegung nur äusserst stereotyp und pauschal wiedergeben können. Seine Schilderungen zum Aufbau und zur Organisation der Miliz liessen die zu erwartende Dichte und Detailliertheit vermissen. Seine mutmassl i- che Tätigkeit scheine somit gesteigert und aufgebauscht. Im Weiteren seien seine Herleitungen für seinen Einsatz als (…) und für den Waffen- transport von Libyen in den Sudan realitätsfremd und der Logik widerlau- fend ausgefallen. Dass der Fahrer an der Gren ze bei mutmasslichen Un- terstützungsleistungen für die JEM entdeckt und unbehelligt geblieben sei, der Beschwerdeführer hingegen F._______ wegen der behördlichen Ver- folgung umgehend habe verlassen müssen, sei nicht nachvollziehbar. Fer- ner habe er angegeben, die JEM habe ihn nach K._______ respektive L._______ geschickt, um ihn in Sicherheit zu wissen. Im Widerspruch dazu habe er angegeben, die Miliz habe nach Beschlagnahmung der Waren seine Mitgliedschaft nicht mehr gewollt. Ferner hätten sich seine Schilde- rungen zur angeblichen behördlichen Verfolgung seiner Person auf subjek- tive Befürchtungen und Hörensagen Dritter beschränkt. Im Weiteren habe er angegeben, ab dem Zeitpunkt des Beitritts zur Miliz bis zur Ausreise in F._______ parallel zu seiner Miliztätigkeit in einer Wäscherei und später im M._______ in einer (…) gearbeitet zu haben. Angesichts seiner ursprüng- lichen Vorbringen in der BzP scheine ein Aufenthalt an diesen Orten aus finanziellen Motiven wahrscheinlich. Sodann sei selbst bei Wahrunterstel- lung seiner Vorbringen festzustellen, dass sowohl die Wehrdienstverwei- gerung wie auch die niederschwellige Mitgliedschaft in der Miliz keine Asyl- relevanz entfalten würden. Den Ausführungen seien keine konkreten Hin- weise dafür zu entnehmen, dass er persönlich je Opfer gezielt gegen seine Person gerichteter asylbeachtlicher Massnahmen der sudanesischen Be- hörden geworden sei. Es sei ihm nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er zum Zeitpunkt seiner Ausreise über ein derart herausragendes po- litisches Profil verfügt habe, welches es als wahrscheinlich habe erschei- nen lassen, dass er deswegen in asylrelevanter Weise verfolgt worden sei respektive eine begründete Furcht vor entsprechender Verfolgung habe. E-3122/2019 Seite 11 Schliesslich hielt die Vorinstanz bezüglich der Situation im S udan fest, diese stelle sich nicht derart dar, wonach jeder Rückkehrer in den Sudan automatisch einer asylrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sei. Auf- grund der einzelfallspezifischen Beurteilung sei vorliegend nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Sudan nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Auch unter dem Aspekt objektiver Nachfluchtgründe seien die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft vorliegend nicht erfüllt. 5.2 Der Beschwerdeführer führt demgegenüber aus, die Vorinstanz habe seine Herkunft zu Unrecht in Zweifel gezogen. Es sei ihm nicht möglich, weitere Dokumente einzureichen. Die Vorinstanz hätte eine Sprachanalyse einleiten können. Weiter habe er Desertion und Zwangsrekrutierung bei der JEM nicht bereits in der BzP , welche ohnehin sehr knapp ausgefallen sei, vorgebracht, weil er sich vor einer Rückführung in den Sudan gefürchtet habe, was nachvollziehbar sei. Entgegen der Argumentation der Vorinstanz seien seine Ausführungen zum dreimonatigen Training und dem anschliessenden Aufgebot zum Militärdienst lebensnahe, ausführlich und individuell ausgefallen, wobei er einzelne Stellen der Protokolle wiedergibt, die als Realkennzeichen zu werten seien. Zudem sei aufgrund der man- gelhaften Übersetzung bei der Wertung seiner Aussagen Vorsicht geboten. Im Weiteren sei es offenbar zu Begriffsverwechslungen gekommen (z.B. Zertifikat/Maturitätszeugnis, Ausbildung/Militärdienst). Es sei überdies von der Reihenfolge "Schulabschluss – militärische Ausbildung – Erhalt Zeug- nis – Militärdienst" entsprechend der ergänzenden Anhörung auszugehen, womit diesbezüglich kein Widerspruch vorliege. Ferner liege auch kein Wi- derspruch in seinen Angaben zum Kontakt zwischen ihm und J._______ vor. Es sei nicht ersichtlich, weshalb diese ihm bereits früher hätte abraten sollen, nach G._______ zu gehen, habe er doch von der Versetzung dort- hin erst nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub, am 18. Juli 2008, erfahren. Zudem seien beide davon ausgegangen, dass er nach Abschluss der mili- tärischen Ausbildung ein Studium beginnen könne. Auch liege zur diesbe- züglichen Kontaktaufnahme kein Widerspruch vor. Er habe seinen Werde- gang nach Abschluss der Schulbildung insgesamt konzise, nachvollziehbar und einheitlich geschildert. Ferner argumentiert der Beschwerdeführer, es sei, da er von seinem Ein- satz in ein von der Regierung nicht kontrolliertes Gebiet möglicherweise nicht zurückgekehrt wäre, nachvollziehbar, dass er sich – wie weitere sei- ner Kollegen – von seiner Familie habe verabschieden dürfen. Zudem sei E-3122/2019 Seite 12 nicht aussergewöhnlich, dass er die schon gefasste Ausrüstung mitgenom- men habe und ein Fahrer detachiert worden sei. Auch seien seine Angaben zur Verabschiedung mit drei Kollegen, seiner Vereinbarung mit zwei Kolle- gen und seinem Weggang mit einem Kollegen und bezüglich der Dauer der Reise nach E._______ bei genauerem Betrachten nicht widersprüchlich o- der jedenfalls nicht derartig widersprüchlich ausgefallen. Weiter liege in sei- ner Antwort zur Ausrüstung, welche er zu Hause gelassen habe und diese von der JEM, als sie ihn habe rekrutieren wollen, mitgenommen worden sei, kein Widerspruch vor. Schliesslich habe die Vorinstanz seine Aussage, dass er auch mehrere Jahre später behördlich noch gesucht werde, zu Un- recht in Zweifel gezogen, zumal er sowohl wegen der Desertion als auch wegen seiner Tätigkeit für die JEM bekannt gewesen sei. Im Übrigen habe er nach der Rekrutierung durch die J EM aus verständli- chen Gründen – andernfalls wäre er sowohl behördlich als auch von der JEM gesucht worden und die Flucht wäre schwer zu organisieren gewesen – vorerst beschlossen, bei der Bewegung zu bleiben. Entgegen der Mei- nung der Vorinstanz habe er zur Entstehung und zu den Zielen der JEM präzise Angaben gemacht. Es sei unklar, inwiefern seine Antworten unklar ausgefallen sein soll ten. Zudem habe er zu seiner Tätigkeit bei der JEM (Zeitraum, Grund, Sensibilität seiner Arbeit, Kontakte, Grund für Ende sei- ner Tätigkeit) detaillierte und nachvollziehbare Angaben gemacht. Insgesamt hätten die meisten von der Vorinstanz angeführten Ungereimt- heiten entkräftet werden können. Weiter führt der Beschwerdeführer aus, entgegen der Einschätzung der Vorinstanz sei er nicht lediglich ein niederschwelliges Mitglied der JEM, und verweist auf das Grundsatzurteil BVGE 2013/5. Wegen seiner mehrjähri- gen zentralen Tätigkeit bei der JEM drohe ihm willkürliche Inhaftierung mit anschliessender unmenschlicher Behandlung respektive Folter. Damit er- fülle er die Flüchtlingseigenschaft und es sei ihm Asyl zu gewähren. 5.3 Die Vorinstanz entgegnete in ihrer Vernehmlassung, bei den von ihr festgestellten Widersprüchen in den Asylvorbringen des Beschwerdefüh- rers handle es sich um sachliche Diskrepanzen, die nicht durch ungenaue respektive mangelhafte Übersetzung der Dolmetscher erklärbar sei. Seine späteren Angaben würden den Ausführungen in der Erstbefragung diamet- ral entgegenstehen. Ferner bestünden aufgrund der erheblichen Divergen- zen in den Angaben zu seiner Person Vorbehalte an seinem Aussagever- halten respektive dessen persönlicher Glaubwürdigkeit. Verschweige ein E-3122/2019 Seite 13 Asylsuchender trotz Hinweis auf die Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht bei der BzP Asylgründe, bedürfe es besondere Anstrengungen, diese zu be- weisen oder glaubhaft zu machen, da die Glaubhaftigkeit von nachgescho- benen Asylgründen grundsätzlich zu bezweifeln seien. Es sei dem Be- schwerdeführer, der auf seine Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht aufmerk- sam gemacht worden sei, mehrfach Gelegenheit gegeben worden, seine Ausreisegründe darzulegen. Er habe unterschriftlich bestätigt, dass seine Aussagen der Wahrheit entsprechen würden. 5.4 Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik demgegenüber fest, er habe sich in der BzP kurz fassen müssen. Der Umstand, dass er – als nicht vertretener Asylsuchender – auf die Verschwiegenheitspflicht aufmerksam gemacht worden sei, ändere nichts daran, dass er in den ersten Wochen Mühe gehabt habe, den Behörden zu vertrauen. 6. Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffen- den Erkenntnis gelangt, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerde- führers weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung noch denjeni- gen an die Asylrelevanz genügen. Auf die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und Vernehmlassung (vgl. hievor E. 6.1 und 6.3) kann mit den nachfolge nden Ergänzungen verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene und die dort gemachten Hinweise auf verschiedene Berichte sowie die eingereichten Beweismittel führen zu kei- ner anderen Betrachtungsweise. 6.1 Insbesondere ist der Vorinstanz zuzustimmen, wonach aufgrund feh- lender Dokumente, insbesondere der Ausstellungsdaten der eingereichten Unterlagen, der Vorbringen des Beschwerdeführers zu seinem Aufenthalt vor der Ausreise und der Ausstellung eines amtlichen Dokumentes trotz angeblicher behördlicher Suche nach ihm sowie der Registrierung in Italien unter einem anderen Namen zu Recht erste Zweifel an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit anzubringen sind. Der Beschwerdeführer vermag diesen Argumenten mit seinem Hinweis auf die Unmöglichkeit, andere Dokumente einreichen zu können, nichts Substanzielles entgegenzuhalten. Entgegen seiner Meinung war die Vorinstanz auch nicht gehalten, eine Sprachana- lyse zu veranlassen, zumal sie selbst bei Wahrunterstellung der Herkunft aus dem Sudan zum Schluss kam, dass seine Asylvorbringen aus weiteren Gründen nicht glaubhaft seien. E-3122/2019 Seite 14 6.2 Der Vorinstanz ist weiter insofern beizupflichten, als sie dem Beschwer- deführer vorwirft, in der BzP gänzlich andere Gründe für seine Ausreise aus dem Heimatstaat als in den späteren Anhörungen angeführt zu haben. Der Beschwerdeführer vermag mit seinem Einwand, zu Beginn seines Auf- enthalts in der Schweiz nur wenig Vertrauen in die Behörden gehabt zu haben, das Nachschieben der später als zentral dargestellten Asylvorbrin- gen nicht zu erklären. Nachdem er sich in die Schweiz begeben hat, um sich unter den Schutz der hiesigen Behörden zu stellen und ihm seine Rechte und Pflichten zu Beginn der Befragung erklärt worden sind, wobei er auch auf die Verschwiegenheitspflicht der Asylbehörden und seine Mit- wirkungspflicht aufmerksam gemacht worden war (vgl. Akte A6 S. 2), er- scheint es nicht nachvollziehbar, dass er sich während der BzP zu einem derartigen Aussageverhalten hät te veranlasst sehen sollen . Da s Nach- schieben der vorgebrachten Desertion aus der sudanesischen Armee und der Zwangsrekrutierung durch die JEM sowie der behördlichen Verfolgung, welche der Beschwerdeführer als Kernelemente seiner Gesuchsbegrün- dung dargestellt hat, lässt deshalb Zweifel an deren Wahrheitsgehalt auf- kommen. Auch wenn dem Protokoll der BzP angesichts des summarischen Charakters der Befragung nur ein beschränkter Beweiswert zukommt, dür- fen Widersprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit dann herangezo- gen werden, wenn klare Aussagen bei der BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung diamet- ral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, wel- che später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der BzP zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-5019/2018 E. 6.1.2 m.w.H; EMARK 1993 Nr. 3). Der Beschwer- deführer hat genügend Zeit gehabt, die später als zentral dargestellten Vor- bringen bereits in der BzP vorzutragen, denn immerhin dauerte die sum- marische Befragung (inklusive einer Pause von 25 Minuten) zwei Stunden und 45 Minuten. Zudem verneinte er die Frage nach Problemen mit den Behörden oder Dritten und nach anderen Gründen ausdrücklich (vgl. Akte A6 S. 8 f.). Nachdem der Beschwerdeführer am Schluss der BzP die Wahr- heit und Korrektheit seiner Aussagen nach Rückübersetzung in seiner Mut- tersprache auf jeder Seite unterschriftlich bestätigte (vgl. Akte A6 S. 10), muss er sich bei seinen diesbe züglichen Aussagen behaften lassen. Das SEM hat sich in der angefochtenen Verfügung somit zu Recht auch auf das Protokoll der BzP abgestützt. 6.3 Schliesslich erweisen sich die vom Beschwerdeführer erstmals in den Anhörungen vorgebrachten Ausreisegründe – die Desertion, die Zwangs- rekrutierung und die deswegen erfolgte behördliche Suche – wie von der E-3122/2019 Seite 15 Vorinstanz ausführlich dargestellt, aufgrund zahlreicher Unstimmigkeiten ohnehin als unglaubhaft. Der Beschwerdeführer vermag diesen Überle- gungen keine überzeugenden Argumente entgegenzusetzen. 6.3.1 Insbesondere sind die Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich der militärischen Aushebung und Ausbildung im Militärlager entgegen sei- ner Erklärungsversuche – auch mit den Hinweisen auf einzelne Protokoll- stellen, wonach er diese lebensnah, ausführlich und individuell dargestellt habe – wenig konkret ausgefallen. Dies gilt für seine Antworten auf die Fra- gen zur diesbezüglichen Meldung (wie, wann und wo, vgl. Akte A24 F7 – 13) und zum Prozedere der Gesundheitsuntersuchungen ( a.a.O. F14 ff.) sowie hinsichtlich seiner weiteren diesbezüglichen Angaben (vgl. a.a.O., F39 ff.). Auch sein Einwand, wonach es wegen der mangelhaften Überset- zung anlässlich der ergänzenden Anhörung möglicherweise zu Begriffsver- wechslungen gekommen sei, bei der Reihenfolge betreffend Matura/Aus- bildung/Militärdienst indes von derjenigen der ergänzenden Anhörung aus- zugehen sei, über zeugt nicht. Weiter vermag er den vorinstanzlichen Er- wägungen, wonach es im Zusammenhang mit de r Leistung des Militär- dienstes, de r Beendigung des Militärtrainings, der Übergabe des Matu- razeugnisses, der Zuteilung nach G._______, der Kontaktaufnahme mit J._______, seines Weggangs (Abschied von seiner Familie) zusammen mit drei weiteren Kollegen im Verlaufe des Verfahrens zu unterschiedlichen Herleitungen der Ereignisse gekommen sei, keine überzeugenden Argu- mente entgegenzuhalten. Auch sind seine Angaben zu seinem Werdegang nach Schulabschluss weder konzis, nachvollziehbar noch einheitlich aus- gefallen. Überdies erweisen sich die vom Beschwerdeführer geschilderten Um- stände zum Abschied vor dem Einsatz ins Kriegsgebiet (durch Chauffeur des Militärs, samt Ausrüstung, Dauer der Reise nach E._______) und zur Flucht nach E._______ wie von der Vorinstanz zutreffend aus geführt, als unglaubhaft. Die diesbezüglichen Einwände des Beschwerdeführers, wo- nach der Abschied von der Familie und die Mitnahme der Militärausrüstung nicht aussergewöhnlich seien, sind eine blosse Behauptung und überzeu- gen nicht. Insgesamt erweisen sich die Angaben des Beschwerdeführers zur Leis- tung eines Militärtrainings und der anschliessenden Desertion als unglaub- haft. Gegen eine anhaltende behördliche Suche wegen Desertion – von dieser will er zudem von Dritten erfahren haben – spricht des Weiteren E-3122/2019 Seite 16 auch die bereits erwähnte Ausstellung einer Identitätskarte (amtliches Do- kument) sowie die vorgebrachte Rückkehr des Beschwerdeführers zu sei- ner Familie im Jahre 2012 zwecks Besuchs seiner kranken Schwester. 6.3.2 Im Weiteren müssen die Angaben des Beschwerdefüh rers zur Zwangsrekrutierung durch die JEM und die für diese Organisation ausge- übte Tätigkeit wie in der angefochtenen Verfügung ausführlich dargelegt, als unglaubhaft bezeichnet werden. Abgesehen davon, ist erneut darauf hinzuweisen, dass er diese Vorbring en in der BzP mit keinem W ort er- wähnte. Der Beschwerdeführer vermag mit seinen verschiedenen Erklä- rungen zur fehlenden Glaubhaftigkeit – anfängliche Weigerung mitzuma- chen, schwer zu organisierbare Flucht, seine Angaben zur Organisation [Entstehung, Ziele, führende Personen, etc.] , seine Tätigkeit [Warenan - und verkauf, Zeitraum, Gründe], Flucht – keine überzeugenden Gründe an- zuführen, die zu einer Änderung der vorinstanzlichen Beurteilung führen könnten. Das in diesem Zusammenhang als Beweismittel eingereichte Be- stätigungsschreiben von N._______, Büro JEM Schweiz, vom (…) 2018 ist – auch unter Berücksichtigung der unglaubhaften Angaben – als Gefällig- keitsschreiben zu qualifizieren. So wird der Beschwerdeführer in diesem Schreiben in übersteigerter, pauschaler Weise als "sehr aktives Mitglied der JEM" bezeichnet. Es können ihm indes keine näheren Angaben zur angeblichen Tätigkeit des Beschwerdeführers im Sudan entnommen wer- den. Diesem Beweismittel kommt deshalb nur beschränkt Beweiswert zu. Auf die als Beweismittel eingereichten Unterlagen der JEM (Schreiben vom […] 2018 und […] 2019 und Mitgliedschaftsausweis), welche zudem die Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der JEM in der Schweiz belegen sol- len, ist weiter unten näher einzugehen (vgl. E. 8). 6.4 Nachdem sich die geltend gemachte Wehrdienstverweigerung und die Tätigkeit des Beschwerdeführers für die JEM im Sudan als unglaubhaft er- wiesen haben, erübrigt es sich, zu prüfen, ob diese allenfalls asylrechtlich relevant wären. 6.5 Schliesslich ist anzuführen, dass Nachteile, die auf die allgemeinen po- litischen, wirtschaftlichen oder sozialen Lebensbedingungen in einem Staat zurückzuführen sind, keine Asylrelevanz zu entfalten vermögen, da sie keine individuelle Verfolgung darstellen , sondern die ganze Bevölke- rung oder einen grossen Teil derselben in gleichem Ausmass treffen. So- weit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang in der BzP auf die schwierigen Lebensumstände in seiner Heimat hinwies, stellen diese keine asylbeachtliche Verfolgung dar, zumal sie nicht gezielt gegen seine Person E-3122/2019 Seite 17 gerichtet waren oder in ihrer Art und Dauer nicht als genügend intensiv zu erachten sind, um ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darzu- stellen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen Situation im Su- dan. 6.6 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, bereits die Zugehörigkeit zur Ethnie der (…) oder (…) erhöhe das Risiko einer behördlichen Verfolgung, ist darauf hinzuweisen, dass er in der BzP geltend gemacht hat, er wisse nicht, ob sein Stamm den (…), (…) oder (…) angehöre. Jedenfalls machte er im Zusammenhang mit seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie oder eines bestimmten Stammes keine Probleme geltend. Für seine dies- bezüglichen Befürchtungen vor einer allenfalls künftigen Verfolgung beste- hen auch sonst keine Anhaltspunkte. 6.7 Bei dieser Sachlage bestehen insgesamt keine konkreten Anhalts- punkte dafür, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Sudan einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war beziehungs- weise eine solche zu befürchten hatte. 7. 7.1 Asylsuchende sind auch dann als Flüchtlinge anzuerkennen, wenn sie erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer Rückkehr in ihren Heimat - oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen objektiven und subjektiven Nachfluchtgründen. Objektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Ein- fluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von einer Ver- folgung bedrohten Person ist in solchen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung zu befürchten hat; in diesen Fällen wird kein Asyl gewährt (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.). 7.2 Der Beschwerdeführer macht mit dem Hinweis auf seine exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz subjektive Nachfluchtgründe geltend. Dazu reichte er verschiedene Unterlagen der JEM Schweiz inklusive eines Schreibens von N._______ vom (…) 2018 sowie der Kopie eines Mitglied- schaftsausweises für die JEM ein. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass er bereits im Sudan in den Fokus der Behörden geraten sei und seine Unter- stützung für die JEM in der Schweiz fortführe. Es sei zu beachten, dass auch das Stellen eines Asylantrags im Ausland im Falle einer Rückkehr von E-3122/2019 Seite 18 den sudanesischen B ehörden als regimekritische Einstellung gewertet werde. Im Schreiben von N._______, JEM Schweiz, vom (…) 2018 wird zudem ausgeführt, der Beschwerdeführer sei ein aktives Vorstandsmitglied für den Kanton O._______. Er habe im Büro des früheren Leiters der B e- wegung, P ._______, in Libyen, gearbeitet, und sei vom Präsidenten beauf- tragt worden, in den Sudan zurückzukehren und die ihm übertragenen Auf- gaben auszuführen. Es werden in diesem Schreiben zudem verschiedene Aktivitäten durch "Herrn Q._______" für die JEM erwähnt. 7.3 In seinem Referenzurteil D-2899/2016 vom 24. August 2017 beschäf- tigte sich das Bundesverwaltungsgericht mit der aktuellen Rechtsprechung des EGMR betreffend den Sudan. In den Entscheiden A. I. gegen die Schweiz (Beschwerde Nr. 23378/15) und N. A. gegen die Schweiz (Be- schwerde Nr. 50364/14) vom 30. Mai 2017 habe der Gerichtshof seine bis- herige Einschätzung, dass sich die Gefährdung des sudanesischen Staats nicht ausschliesslich auf Oppositionelle mit ausgeprägtem Profil zu be- schränken scheine, sondern jede Person treffen könne, die sich dem Re- gime widersetze oder entsprechend verdächtigt werde, wiederholt. Auch habe der Gerichtshof erneut darauf hingewiesen, dass das sudanesische Regime die Aktivitäten der politischen Opposition im Ausland überwa che. In beiden Urteilen habe der EGMR allerdings auch eine gewisse Präzisie- rung vorgenommen. Gestützt auf die Feststellung, dass die Überwachung der Aktivitäten der regimekritischen Opposition im Ausland durch die suda- nesischen Geheimdienste nicht systemat isch sei, habe der Gerichtshof festgehalten, dass bei der Beurteilung des Verfolgungsrisikos bei einer Rückkehr in den Sudan verschiedene Kriterien zu berücksichtigen seien: das allfällige Interesse der sudanesischen Behörden an den Betroffenen aufgrund deren Vergangenheit, sei es im Sudan oder Ausland; die Zuge- hörigkeit im Sudan zu einer regimekritischen Organisation unter Berück- sichtigung des Charakters und der Weise, in welcher diese Organisation durch die sudanesische Regierung anvisiert werde; der Charakter des po- litischen Engagements der Betroffenen in ihrem Aufenthaltsland, insbeson- dere ihre Beteiligung an Versammlungen und Kundgebungen sowie ihre Aktivitäten im Internet; ihre persönlichen oder familiären Verbindungen mit prominenten Mitgliedern der Opposition im Exil (vgl. D-2899/2016 E. 4.5 f.). 7.4 Wie hievor bereits festgestellt worden ist, kommt dem Schreiben von N._______ vom (…) 2018 lediglich Gefälligkeitscharakter zu, was durch die nachfolgenden Feststellungen zusätzlich bestätigt wird. So enthält es Angaben, die der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren nicht vorgebracht hat. Dort hat er weder eine aktive Mitgliedschaft in der Schweiz E-3122/2019 Seite 19 noch eine solche im Vorstand der JEM für den Kanton O._______ erwähnt, so auch nicht anlässlich der ergän zenden Anhörung vom 8. März 2019, welche nach dem Erstellen dieses Schreibens und der weiteren Unterlagen der JEM erfolgt ist. Im genannten Schreiben werden überdies lediglich in pauschaler Weise Angaben zu den exilpolitischen Aktivitäten des Be- schwerdeführers als Mitglied und im Vorstand der JEM gemacht. Überdies werden im Schreiben Aktivitäten für die JEM erwähnt, die einen "Herrn Q._______" betreffen. Selbst wenn der Beschwerdeführer in der Schweiz einfaches Mitglied der JEM sein und an einzelnen Aktivitäten dieser Orga- nisation teilgenommen haben sollte, können den vorliegenden Akten keine Anhaltspunkte dafür entnommen werden, dass er sich als solches in ir- gendeiner Art und Weise exponiert hätte und/oder weiterhin tut. Auch lässt sich den ei ngereichten Beweismitteln nicht entnehmen, inwiefern er sich als allfälliger Teilnehmer von Demonstrationen der JEM in besonderem Masse hervorgehoben hätte. Er hat jedenfalls nichts Entsprechendes sub- stanziiert. Ferner ist nicht belegt, dass er, wie im Schreiben von N._______ erwähnt, persönliche Verbindungen zu prominenten Mitgliedern der JEM respektive Aufträge derselben erhalten hätte , zumal eine Tätigkeit für die JEM im Sudan hievor als unglaubhaft erachtet worden ist. Die auf Be- schwerdeebene eingereichten Unterlagen der JEM sind damit zum Beleg einer allfälligen Verfolgung sfurcht wegen exilpolitischen Tätigkeiten nicht beweiskräftig. Insgesamt vermag der Beschwerdeführer auch mit dem Hinweis auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-678/2012 vom 27. Ja- nuar 2016 nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, wobei dies auch unter Be- rücksichtigung des hievor erwähnten Urteils D-2899/2016 vom 24. August 2017, in dem die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aktuali- siert worden war, sowie den aktuellen politischen Entwicklungen im Sudan (vgl. E.7.6 hienach), gilt. So war der Beschwerdeführer – wie sich vorste- hend ergeben hat – vor seiner Ausreise aus dem Sudan nicht politisch aktiv und ist auch sonst nicht aufgefallen. Bei dieser Sachlage ist nicht überwie- gend wahrscheinlich, dass die sudanesischen Behörden ihn registriert ha- ben und bei einer Rückkehr b ehelligen würden. Auch das Stellen seines Asylantrags im Ausland lässt keinen solchen Schluss zu. 7.5 Die geltend gemachten Nachfluchtgründe ver mögen die Anforderun- gen einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung nach dem Gesagten nicht zu erfüllen. E-3122/2019 Seite 20 8. Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine gemäss Art. 3 AsylG relevante Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun, weshalb das SEM die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11. Die Vorinstanz erachtete in ihrer angefochtenen Verfügung den Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich. Dabei führte die Vorinstanz in ihrer Verfügung unter anderem aus, weder die politische Situation im Heimatstaat noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Sie verwies auf die damaligen E ntwicklungen – der Sturz des damaligen Staatspräsidenten Omar al Bashir durch das Militär und das Einsetzen eines Übergangsrats zur Vorbereitung demokratischer Wahlen und Übergabe einer Zivilregie- rung – , aufgrund derer nicht von einer landesweiten Kriegs - beziehungs- weise Bürgerkriegssituation oder einem Zustand allgemeiner Gewalt aus- zugehen sei. E-3122/2019 Seite 21 Dieser Einschätzung kann mit Blick auf die seither eingetretene Entwick- lung, insbesondere die aktuellen Ereignisse im Sudan nicht ohne weiteres gefolgt werden. So ist in den zweieinhalb Jahren nach dem Sturz des frühe- ren Diktators Omar al-Bashir die Kluft zwischen Demokratieanhängern und Militärs wieder voll aufgebrochen. Der Sudan geht durch seine schwerste Krise seit dem Sturz Bashirs. Wie der Machtkampf ausgehen wird, ist offen ("Tanz des Sudans am Abgrund", NZZ vom 23. Oktober 2021). Schliesslich hat das Militär gegen die Übergangsregierung geputscht und mehrere Mi- nister der Übergangsregierung festgenommen. Ministerpräsident Abdalla Hamdok wurde unter Hausarrest gestellt. General Abdel Fattah al-Burhan führte aus, man habe die Übergangsregierung aufgelöst, weil sie durch in- terne Machtkämpfe blockiert gewesen sei. Burhan hat sich zwar zur Macht- teilung bekannt; viele zweifeln jedoch an der Lauterkeit seiner Pläne ("Mi- litär des Sudans greift nach der absoluten Macht", NZZ vom 26. Oktober 2021). Seit dem Putsch kam es in verschiedenen Städten des Sudans zu grösseren Ausschreitungen mit Verletzten und Toten ("Proteste gegen Mi- litärherrscher des Sudans enden blutig", NZZ vom 1. November 2021, "Der Putschführer Burhan folgt dem Beispiel Bahirs", NZZ vom 16. November 2021). Zwar wurde der gestürzte Abdalla Hamdok wieder ins Amt einge- setzt. Hamdok und Burhan sollen eine Vereinbarung für eine neue Über- gangsregierung unterzeichnet haben ("Gestürzter Ministerpräsident im Su- dan wieder im Amt", NZZ vom 22. November 2021). Die Proteste im Sudan halten aber trotz Rückkehr Hamdoks an (NZZ vom 23. November 2021). Das Bundesverwaltungsgericht gelangt aufgrund der erwähnten Ereig- nisse zum Schluss, dass sich die politische Situation im Sudan seit der angefochtenen Verfügung verändert hat. Indes lässt die Berichterstattung zur derzeitigen Situation vorderhand keine abschliessende Beurteilung zu. 12. 12.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge- stellt werden müssen und ein umfasse ndes Beweisverfahren durchzufüh- ren ist (vgl. P HILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S. 1264). Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1). E-3122/2019 Seite 22 12.2 Das Bundesverwaltungsgericht kommt vorliegend zum Schluss, dass sich der Sa chverhalt in Bezug auf den Vollzug der Wegweisung seit der Verfügung des SEM wesentlich verändert hat. Indes lässt sich die Ent- scheidreife nicht mit geringem Aufwand herstellen. Es ist deshalb ange- zeigt, die angefochtene Verfügung im Wegweisungsvollzugspunkt gestützt auf Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG aufzuheben und die Sache zwecks umfas- sender Überprüfung der weiteren Entwicklung der Situation im Sudan an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Übrigen bleibt auf diese Weise der In- stanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesverwaltungs- gericht letztinstanzlich entscheidet. Die angefochtene Verfügung ist dem- nach im Vollzugspunkt aufzuheben und die Vorinstanz ist gehalten, den Sachverhalt im Sinne der Erwägungen umfassend zu erstellen und an- schliessend rechtlich zu würdigen und neu zu verfügen. 13. Zusammenfassend ist die Beschwerde soweit sie die Gewährung von Asyl, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Wegweisung betrifft, abzuweisen. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde sind die Ziffern 4 und 5 des Dis positivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 17. Mai 2019 aufzuheben und diesbezüglich an die Vorinstanz zwecks Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurückzuweisen. 14. 14.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und di e Parteientschädigung sind nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüglich sei- nes Antrags auf Feststel lung der Flüchtlingseigenschaft, Gewährung von Asyl und Wegweisung unterlegen. Bezüglich des Vollzugspunkts hat er ob- siegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen , was zu der nachfolgenden Kosten- und Entschädigungsreglung führt. 14.2 Die Verfahrenskosten wären zur Hälfte dem Beschwerdeführer aufzu- erlegen. Indessen ist aufgrund der Gutheissung des Gesuchs um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung in der Verfügung des Bundesver- waltungsgerichts vom 27. Juni 2019 und infolge der Teilgutheissung auf die Erhebung von hälftigen Verfahrenskosten zu verzichten, zumal keine Än- derung der finanziellen Lage zu erkennen ist. 14.3 Der amtliche Rechtsbeistand hat für das hälftige Unterliegen des Be- schwerdeführers im Verfahren Anspruch auf Übernahme der notwendiger-E-3122/2019 Seite 23 weise erwachsenen Vertretungskosten durch das Bundesverwaltungsge- richt (vgl. Art. 8–14 VGKE). Am 16. September 2021 reichte er eine Hono- rarnote ein, in der ein zeitl icher Vertretungsaufwand von insgesamt 14.65 Stunden und Auslagen von Fr. 9.30 geltend gemacht werden, die als angemessen erscheinen. Wie in der Verfügung vom 27. Juni 2019 an- gekündigt, ist bei nichtanwaltlichen Rechtsbeiständen von einem Stunden- ansatz von maximal Fr. 150.– auszugehen. Demzufolge ist dem amtlichen Rechtsbeistand ein Gesamtbetrag von Fr. 1'188.– (inkl. die Hälfte der Aus- lagen und Mehrwertsteueranteil) durch das Gericht zu vergüten. 14.4 Sodann ist dem vertretenen Beschwerdeführer angesichts seines teil- weisen Obsiegens in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine praxisgemäss um die Hälfte reduzierte Entschädigung für die ihm not- wendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen . Die Partei ent- schädigung, die durch das SEM zu vergüten ist, ist auf der Basis des in der Honorarnote ausgewiesenen Stundenansatzes von Fr. 300.– somit auf ins- gesamt Fr. 2'372.– (inkl. die Hälfte der Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzulegen. (Dispositiv nächste Seite) E-3122/2019 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, Ablehnung des Asylgesuchs und der Wegweisung abgewiesen. Die Be- schwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung beantragt wird. 2. Die Ziffern 4 und 5 der Verfügung vom 17. Mai 2018 werden aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das SEM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dem als amtlichen Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter wird z u- lasten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 1'188.– ausgerichtet. 5. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine reduzierte Partei- entschädigung von total Fr. 2'372.– zu entrichten. 6. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener