<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 379</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des M...</span> <span class="page_no">379</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>90</b></span> <span class="ft1"><b>Kantonswechsel; Teilnichtigkeit einer Verfügung wegen fehlender Zu-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ständigkeit</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Die Migrationsbehörde des Kantons Aargau kann im Rahmen eines Kan-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>tonswechsels eine ausserkantonale Niederlassungsbewilligung mangels</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Zuständigkeit nicht widerrufen (E. II./6.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 25. August</span><br/> <span class="ft2">2011 in Sachen H.V.A. betreffend Erteilung einer Niederlassungsbewilligung</span><br/> <span class="ft2">(Kantonswechsel) (1-BE.2010.52).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">II.</span><br/> <span class="ft4">6. [...]</span><br/> <span class="ft4">6.2. Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer seinen</span><br/> <span class="ft4">Wohnsitz per 1. Juli 2009 nach Z. [Kanton Aargau] verlegt. Wie vor-</span><br/> <span class="ft4">stehende Erwägungen gezeigt haben, ist der (nachträglich) beantragte</span><br/> <span class="ft4">Kantonswechsel zu Recht verweigert worden und es ist ihm keine</span><br/> <span class="ft4">Niederlassungsbewilligung für den Kanton Aargau zu erteilen.</span><br/> <span class="ft4">Dessen ungeachtet ist er jedoch noch immer im Besitz einer</span><br/> <span class="ft4">(gültigen) Niederlassungsbewilligung des Kantons Bern. Diese ist</span><br/> <span class="ft4">nicht erloschen und ist - soweit aus den Akten ersichtlich - vom Kan-</span><br/> <span class="ft4">ton Bern auch nicht widerrufen worden. Es ist offensichtlich, dass</span><br/> <span class="ft4">die Migrationsbehörden des Kantons Aargau nicht für den Widerruf</span><br/> <span class="ft4">einer ausserkantonalen Bewilligung zuständig sein können. Der</span><br/> <span class="ft4">durch die Vorinstanz verfügte Widerruf der Niederlassungsbewilli-</span><br/> <span class="ft4">gung sowie die durch das MKA erlassene Wegweisung des Be-</span><br/> <span class="ft4">schwerdeführers aus der Schweiz wurden demnach durch eine örtlich</span><br/> <span class="ft4">unzuständige Behörde erlassen, womit die entsprechenden Anord-</span><br/> <span class="ft4">nungen fehlerhaft sind.</span><br/> <span class="ft4">Fehlerhafte Verfügungen und Entscheide sind in der Regel</span><br/> <span class="ft4">grundsätzlich wirksam, können jedoch auf Anfechtung hin aufgeho-</span><br/> <span class="ft4">ben oder geändert werden (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhl-</span><br/> <span class="ft4">mann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6.</span> <span class="ft4">Auflage, Zürich 2010,</span><br/> <span class="ft4">Rz. 950). Ausnahmsweise kann ein fehlerhafter Entscheid auch nich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">380</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">tig sein. Diesfalls entfaltet er keine Rechtswirkung und ist rechtlich</span><br/> <span class="ft4">unverbindlich. Die Nichtigkeit eines Verwaltungsaktes ist von Amtes</span><br/> <span class="ft4">wegen zu beachten und kann von jedermann jederzeit geltend ge-</span><br/> <span class="ft4">macht werden (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft4">Rz. 950, 955). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind feh-</span><br/> <span class="ft4">lerhafte Entscheide nichtig, wenn der ihnen anhaftende Mangel be-</span><br/> <span class="ft4">sonders schwer wiegt, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht</span><br/> <span class="ft4">erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die Annah-</span><br/> <span class="ft4">me der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird (BGE 130 II 249,</span><br/> <span class="ft4">E. 2.4; BGE 129 I 361, E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Die örtliche</span><br/> <span class="ft4">Unzuständigkeit stellt in der Regel keinen Nichtigkeitsgrund dar</span><br/> <span class="ft4">(Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, a.a.O., Rz. 959). An-</span><br/> <span class="ft4">ders verhält es sich jedoch, wenn eine Behörde im Hoheitsbereich</span><br/> <span class="ft4">eines fremden Gemeinwesens verfügt (Imboden Max/Rhinow René,</span><br/> <span class="ft4">Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 6.</span> <span class="ft4">Auflage, Basel/</span><br/> <span class="ft4">Frankfurt a.M. 1986; Bd. I, S. 242).</span><br/> <span class="ft4">Im vorliegenden Fall waren die Vorinstanzen zuständig für die</span><br/> <span class="ft4">Beurteilung des vom Beschwerdeführer beantragten Kantonswech-</span><br/> <span class="ft4">sels. Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz ist damit in dieser</span><br/> <span class="ft4">Hinsicht nicht zu beanstanden. Indem die Vorinstanzen indessen den</span><br/> <span class="ft4">Widerruf der ausserkantonalen Niederlassungsbewilligung sowie die</span><br/> <span class="ft4">Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz verfügt haben,</span><br/> <span class="ft4">haben sie im Hoheitsbereich eines fremden Gemeinwesens verfügt.</span><br/> <span class="ft4">Dieser Fehler wiegt schwer, und es ist leicht erkennbar, dass die Zu-</span><br/> <span class="ft4">ständigkeit des Kantons Aargau diesbezüglich nicht gegeben ist.</span><br/> <span class="ft4">Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern die Annahme der Nichtigkeit</span><br/> <span class="ft4">im konkreten Fall zu einer Gefährdung der Rechtssicherheit führt.</span><br/> <span class="ft4">Demzufolge erweist sich der Entscheid der Vorinstanz hinsichtlich</span><br/> <span class="ft4">des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung sowie die erstinstanz-</span><br/> <span class="ft4">liche Verfügung betreffend die Wegweisung aus der Schweiz als</span><br/> <span class="ft4">nichtig. Der Beschwerdeführer ist damit weiterhin im Besitz einer</span><br/> <span class="ft4">Niederlassungsbewilligung und kann sich bis zu einem anders lau-</span><br/> <span class="ft4">tenden Entscheid der zuständigen Behörden des Kantons Bern wei-</span><br/> <span class="ft4">terhin dort aufhalten (vgl. hierzu auch Weisungen des BFM zum</span><br/> <span class="ft4">Ausländerbereich, Version 1. Juli 2009, Ziff. 3.1.8.2.1).</span><br/></div> </div> </body> </html>