B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1371/2016 U r t e i l v o m 5 . J a n u a r 2 0 1 7 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 2. Februar 2016 / N (…). D-1371/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Die kurdische Beschwerdeführerin verliess gemäss eigenen Angaben ih- ren Heimatstaat ungefähr im Herbst 2012 und reiste mit ihren Eltern und ihrer Schwester in die Türkei, wo sie sich ein Jahr in M._______ aufgehal- ten habe. Am 7. März 2014 sei sie mit einem von der Schweizer Vertretung in Istanbul ausgestelltem Visum auf dem Luftweg in die Schweiz gereist, wo ihr Bruder B._______ sie erwartet habe. Am 17. März 2014 stellte sie ein Asylgesuch, zu dem sie am 26. März 2014 summarisch befragt wurde. Die eingehende Anhörung zu den Asylgründen fand am 19. August 2014 statt. B. B.a Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie stamme aus N._______ (phon.) in der Pro- vinz Hasaka und habe sieben bis acht Jahre vor ihrer Ausreise aus Syrien zusammen mit ihren Eltern in O._______ (in der Nähe von Damaskus) ge- wohnt. Die letzten zwei bis drei Monate vor der Ausreise aus Syrien habe sie wieder in N._______ gewohnt. Sie sei ledig, kinderlos und habe im Jahr 2010 ein Geologiestudium an der Universität von Damaskus abgeschlos- sen. Einer beruflichen Tätigkeit sei sie nicht nachgegangen. Am 12. März 2009 sei sie vorübergehend festgenommen worden, weil sie an einer Kundgebung an der Universi tät teilgenommen habe. Im Verlauf des Ver- hörs sei sie beschimpft und ihr eine Ohrfeige verpasst worden, weil sie sich geweigert habe, ihren Namen anzugeben. Dieser Vorfall habe sie psy- chisch dermassen belastet, dass sie das Examen im Studienjahr 2009 nicht geschafft und ihr Studium erst im Jahr 2010 habe abschliessen kön- nen. Ende 2011 und Anfang 2012 habe sie in O._______ an Demonstrati- onen teilgenommen, einmal gemeinsam mit ihrem Onkel. In der Woche, in der sie aus Syrien ausgereist sei, habe sie von desse n Verhaftung erfah- ren. Nun befürchte sie, er habe allenfalls unter Folter ihre Teilnahme ge- standen. Ihr Vermieter habe mit der Freien Syrischen Armee (FSA) sympathisiert und die Kämpfer hätten sich von ihrer Familie verköstigen lassen. Die syri- schen Behörden hätten das Haus in O._______ durchsucht. Dabei hätten die Soldaten auch Wertsachen mitgenommen. Es habe Gefechte und Ra- keteneinschläge gegeben. Ihre Brüder hätten ein Aufgebot zum Reserve- dienst erhalten. Aus diesem Grund sei sie gemeinsam mit ihren Familien- angehörigen in ihr Dorf N._______ zurückgekehrt, wo sie für zwei bis drei D-1371/2016 Seite 3 Monate bei Verwandten untergekommen sei. Ihre Eltern hätten keinen Zu- gang mehr zu Medikamenten gehabt, weshalb sie schliesslich in die Türkei ausgereist seien. B.b Die Beschwerdeführerin reichte einen syrischen Reisepass, ausge- stellt am 28. April 2011 in P ._______, zu den Akten. C. C.a Mit Verfügung vom 2. Februar 2016, welche der Beschwerdeführerin am 3. Februar 2016 eröffnet wurde, wies das SEM deren Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, erachtete den Wegwei- sungsvollzug aufgrund der in Syrien herrschenden Lage als unzumutbar und gewährte ihr die vorläufige Aufnahme in der Schweiz. C.b Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass im Rah- men von K rieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene Nachteile keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstellen würden, soweit sie nicht auf der Absicht beruhten, einen Menschen aus einem der in Art. 3 AsylG (SR 142.31) erwähnten Gründe zu treffen. Die von der Beschwer- deführerin geltend gemachten Nachteile (Hausdurchsuchungen, welche die gesamte Bevölkerung des Quartiers betroffen hätten, der Umstand, dass ihr Vermieter Kämpfer n der FSA Unterschlupf gewährt habe sowie der Umstand, dass ihre Brüder zum Militärdienst aufgeboten worden seien) seien auf den in Syrien herrschenden Bürgerkrieg zurückzuführen und wür- den die gesamte Zivilbevölkerung Syriens betreffen. Mit Hinweisen auf die Rechtspraxis des Bundesverwaltungsgerichts hielt das SEM fest, dass eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung nicht genüge, damit das Vorliegen einer begründeten Furcht vor Verfolgung angenommen wer- den könne (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 m.w.H.). Ferner liege ein „unerträg- licher psychischer Druck“ im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG vor, wenn ein- zelne Personen oder Teil einer Bevölkerung systematisch schweren oder wiederholten Eingriffen in ihre Menschenrechte durch den Staat ausgesetzt seien und diese Eingriffe eine derartige Intensität erreichen würden, dass ein menschenwürdiges Leben nicht mehr möglich erscheinen würde (vgl. BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1 m.w.H.). Ein solcher Nachteil müsse in jedem Fall gezielt sein und eine bestimmte Intensität aufweisen, die dann zu be- jahen sei, wenn der Eingriff das Leben gefährde, die körper liche Integrität verletze oder – im Falle von Freiheitsbeschränkungen – von einer gewis- sen Dauer sei oder zumindest in seiner Gesamtheit mit einer gewissen Häufigkeit vorkomme (vgl. BVGE 2013/12 E.6 m. w.H.). D-1371/2016 Seite 4 C.c Die geltend gemachte Festnahme im Jahr 2009 und die damit verbun- denen Behelligungen und Nachteile für die Beschwerdeführerin seien vor dem Hintergrund der erwähnten Rechtsprechung asylrechtlich nicht von Bedeutung. Zum einen habe dieser Vorfall keine konkreten Verfolgungs- massnahmen nach sich gezogen. Zum anderen handle es sich um ein ein- maliges Ereignis, bei welchem sie weder verletzt noch einem derart psy- chischen Druck ausgesetzt worden sei, dass von der erforderlichen Inten- sität nach Art. 3 AsylG ausgegangen werden könn e. Im Zusammenhang mit den geltend gemachten Demonstrationsteilnahmen in den Jahren 2011 und 2012 in O._______ sowie der Verhaftung ihres Onkels und ihrer Be- fürchtung, er könnte sie unter Folter an die syrischen Behörden verraten haben, hielt das SEM fest, aus den Akten würden sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sie aufgrund von Demonstrationsteilnahmen von den syrischen Behörden gesucht werde. Einzig die hypothetische Annahme, ihr Onkel könne sie an die syrischen Behörden verraten haben, genüge nicht, um von einer asylreleva nten Verfolgung seitens der syrischen Behörden auszugehen. D. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – mit Eingabe vom 3. März 2016 beim Bundesver- waltungsgericht Beschwerde und beantragte, es seien die Ziffern 1 – 3 der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigen- schaft festzustellen. Das Verfahren sei mit denjenigen ihrer Eltern und ihrer Schwester zu vereinigen; eventualiter sei es mit deren Verfahren zu koor- dinieren. Subeventualiter sei die Sache zur neuen Entscheidung nach er- gänzender Sachverhaltsfeststellung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Pro- zessführung, den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so- wie die Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Person des Unterzeichnenden. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, das SEM sei in der angefochtenen Verfügung zu Unrecht von der Asylirrelevanz ihrer Vorbrin- gen ausgegangen. Es habe ni cht berücksichtigt, dass ihre Familie als re- gimekritisch bekannt sei und die Beschwerdeführerin deshalb sowie wegen des politischen Engagements ihrer Brüder verfolgt sei. In diesem Zusam- menhang wurden verschiedene Urteile des Bundesverwaltungsgerichts zi- tiert und ein im Internet veröffentlichter Bericht des UNHCR eingereicht. D-1371/2016 Seite 5 E. Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. März 2016 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Bestellung des Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses abgewiesen. Gleich- zeitig wurde die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Säumnisfolge zur Leistung eines Kostenvorschusses bis zum 23. März 2016 aufgefor- dert. F. Mit Eingaben (per Post und per Telefax) vom 16. März 2016 machte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine unterschiedliche Entscheid- praxis in den Asylabteilungen zur Frage der Gewährung von unentgeltli- cher Rechtspflege geltend. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sowie auf die Instruktionen in den Be- schwerdeverfahren der Eltern und einer Schwester der Beschwerdeführe- rin, in welchen einem entsprechenden Gesuch entsprochen worden sei. Gleichzeitig regte er an, ein Gespräch zwischen den involvierten Richtern und Richterinnen zu suchen, um eine einheitliche Beurteilung der Prozess- aussichten herbeizuführen und ersuchte wiedererwägungsweise um Ein- schätzung der Prozessaussichten. G. Mit Schreiben vom 17. März 2016 verwies der Präsident der Abteilung IV darauf, dass die Leitung eines Verfahrens und insbesondere auch dessen Instruktion dem jeweiligen Instruktionsrichter beziehungsweise der jeweili- gen Instruktionsrichterin obliege. Sie gehöre zum Kernbereich der richter- lichen Unabhängigkeit und Unparteilichkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 BV. Beim Entscheid über ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege handle es sich um eine entsprechende prozessleitende Massnahme, die je nach Sachverhaltsumständen und abhängig von der tatsächlichen und beweismässigen Lage getroffen werde. H. Mit Zwischenverfügung vom 24. März 2016 wurde das Gesuch um Wieder- erwägung der Zwischenverfügung vom 8. März 2016 abgewiesen und die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Säumnisfolge innert Frist zur Leistung des ausstehenden Kostenvorschusses aufgefordert. Die Beschwerdeführerin hatte zwischenzeitlich den Kostenvorschuss am 23. März 2016 geleistet. D-1371/2016 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa ltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochte ne Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be- schwerdeentscheid nur summarisch zu begrün den ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. In der Beschwerdeschrift wird beantragt, das vorliegende Verfahren sei mit denjenigen der Eltern und der Schwester zu vereinigen; eventualiter sei es mit diesen zu koordinieren. Diese Begehren sind abzuweisen, zumal die D-1371/2016 Seite 7 Verfahren der Eltern wie auch der Schwester vom Bundesverwaltungsge- richt bereits mit Urteilen vom 6. Juli 2016 letztinstanzlich entschieden wur- den (vgl. E -7047/2015 und E -8046/2015). Indessen ist den Dossiers der Eltern und der Schwester zusammengefasst Folgendes zu entnehmen: 4.1 C._______ und D._______ (N …), die Eltern der Beschwerdeführerin, begründeten ihre Asylgesuche vom 17. Mä rz 2014 im Wesentlichen mit dem in ihrer Heimat herrschenden Bürgerkrieg. Der Vater der Beschwer- deführerin sei zudem im Jahr 2004 für vier Monate im Gefängnis i n R._______ gewesen und ein weiteres Mal sieben Tage festgenommen worden (A20 S. 3). Im Jahr 2007 seien sie aufgrund einer Enteignung ihres Landes genötigt worden, ihre Heimatregion zu verlassen, woraufhin sie in die Nähe von Damaskus zu ihren Kindern gezogen seien (A7 S. 4; A10 S. 4). Ihre Kinder seien geflüchtet, weil diese in O._______ an Demonstra- tionen gegen das Regime teilgenommen hätten und sie aufgefordert wor- den seien, in den Militärdienst einzutreten (Akten N […]; A10 S. 7; A20 S. 4). Sicherheitsbeamte und Oppositionelle (A20 S.5) seien viele Male bei ihnen erschienen, hätten ihr Haus durchs ucht und sie bedroht: „Wenn ihr nicht eure Jungen schickt, nehmen wir eure Mädchen“ (A20 S. 4 und S. 6.f.). Demgegenüber betonten die Beschwerdeführenden, dass sie mit den Behörden keine Probleme gehabt hätten (vgl. A7 S. 7; A10 S. 7; A20 S. 6). Sie seien wegen der geltend gemachten Drohungen in die Türkei und von dort in die Schweiz gereist, des Weiteren aber auch, weil ihre Bleibe und ihr Haus in der Provinz Hasaka zerstört worden sei. 4.2 E._______ (N …), die Schwester der Beschwerdeführerin, machte zur Begründung ihres Asylgesuches vom 17. März 2014 im Wesentlichen die Auswirkungen des in Syrien herrschenden Bürgerkrieges geltend (Haus- durchsuchungen durch Kämpfer der FSA sowie der syrischen Armee des Regimes, Belästigungen von verschiedenen Kampfeinheiten und Bombar- dements). Sie selber habe keine Probleme mit Behörden oder anderen Or- ganisationen gehabt (A5 S.7), aber ihre Brüder hätten an politischen Kund- gebungen teilgenommen. 5. 5.1 Vorab soll die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung ge- prüft werden, d a ein allenfalls ungenügend abgeklärter Sachverhalt eine materielle Behandlung verunmöglichen würde. 5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die zuständige Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Sie ist in dem Ausmass zur Untersuchung des D-1371/2016 Seite 8 Sachverhaltes verpflichtet, als man dies vernünftigerweise von ihr erwarten kann. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der gesetzli- chen Mitwirkungspflicht der Parteien. Art. 13 VwVG verpflichtet die Par- teien, an der Feststellung des Sachverhaltes in Verfahren mitzuwirken, die sie durch ihr Begehren eingeleitet haben. Die Mitwirkungspflicht des Ge- suchstellers betrifft insbesondere Tatsachen, die seine persönliche Situa- tion betreffen und die der Gesuchsteller besser kennt als die Behörden oder die von diesen ohne seine Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünf- tigem Aufwand erhoben werden können (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 m.w.H.). Art. 8 AsylG konkretisiert diese Mitwirkungspflicht für das Asylver- fahren. Der Anspruch auf rechtliches Gehör wird durch Art. 29-33 VwVG konkreti- siert. Danach umfasst der Anspruch auf rechtliches Gehör einen Anspruch der Parteien auf vorgängige Anhörung durch die Behörde (Art. 30 und Art. 30a VwVG), auf Anhörung in Bezug auf erhebliche Vorbringen einer Gegenpartei (Art. 31 VwVG), auf Prüfung eigener erheblicher Vorbringen durch die Behörde (Art. 32 VwVG) sowie auf Abnahme der angebotenen und tauglichen Beweise durch die Behörde (Art. 33 VwVG). Antworten auf die Frage, welche spezifischen Teilgehalte der Anspruch des rechtlichen Gehörs im Einzelnen umfasse, können sich darüber hinaus auch unmittel- bar aus dem übergeordneten Verfassungsrecht (Art. 29 Abs. 2 BV) erge- ben. 5.3 Die Beschwerdeführerin monierte in der Beschwerdeschrift vom 3. März 2016, dass das SEM die Akten ihrer Eltern und ihrer Geschwister nicht berücksichtigt habe. In Syrien sei ihre ganze Familie als regimekri- tisch wahrgenommen worden. Das SEM habe jedoch die politischen Akti- vitäten ihrer Brüder nicht berücksichtigt beziehungsweise habe es unter- lassen, ihre Gefährdung aufgrund ihrer verfolgten Brüder zu prüfen oder zu gewichten, dass keines ihrer Geschwister mehr in Syrien lebe. 5.4 Einerseits ist die zuständige Behörde verpflichtet, die Vorbringen der Betroffenen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Andererseits ist festzuhalten, dass sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und je- dem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken darf (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3; je m.w.H.). Allein die Tatsache, dass das SEM gewisse Sachverhaltselemente in der Verfügung nicht explizit erwähnte bezie-D-1371/2016 Seite 9 hungsweise berücksichtigte, ist nicht auf eine unrichtige oder ungenü- gende Abklärung des Sachverhaltes zurückzuführen, sondern beschlägt die der angefochtenen Verfügung zugrunde liegende rechtliche Würdigung der Vorbringen. Diesbezüglich liegt im Übrigen auch keine Verletzung der Begründungspflicht vor, zumal die vorinstanzliche Verfügung die wesentli- chen Überlegungen des SEM beinhaltet und es der Beschwerdeführerin möglich war, den Entscheid sachgerecht anzufechten (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2, mit Hinweisen). 5.5 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass im vorliegenden Ver- fahren eine Verletzung der Begründungspflicht nicht ersichtlich ist, weil sich das SEM mit den entscheidwesentlichen Vorbringen auseinandergesetzt hat. Auch könnten zusätzliche Abklärungen im vorliegenden Beschwerde- verfahren nicht zu neuen sachdienlichen Erkenntnissen füh ren bezie- hungsweise noch wären sie im vorinstanzlichen Verfahren entscheiderheb- lich gewesen. In antizipierter Beweiswürdigung ist festzustellen, dass eine ergänzende, vertiefte Sachverhaltsfeststellung bei der Beurteilung des vor- liegenden Verfahrens nicht zu einem anderen Entscheid führen könnte. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, die angefochtene Verfügung zu kassieren und zu neuem Entscheid zurückzuweisen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirke n. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-1371/2016 Seite 10 7. 7.1 Vorab ist anzumerken, dass das syrische Regime seit Beginn der Un- ruhen im Jahre 2011 zunehmend gewaltsam gegen die landesweiten Pro- teste mit Hunderten von Todesopfern sowie der Inhaftierung und Folterung Zehntausender von Personen reagierte. Es folgte eine Eskalation des Kon- flikts, der schliesslich in einen erbarmungslosen Bürgerkrieg mündete (vgl. dazu BVGE 2015/3 E. 6.2.1), dessen Ende nicht absehbar ist. Soweit sich die Beschwerdeführerin auf die ernsthaften Nachteile dieses Bürgerkrieges bezieht, ist nicht von einer gezielten Verfolgung des syrischen Regimes gegen sie auszugehen, sondern als Folge eines Kam pfs um einen strate- gisch wichtigen Ort im Westen Syriens, von welchem alle seine Einwohner betroffen sind, zu betrachten. (Art. 3 AsylG). Wie das SEM in der angefoch- tenen Verfügung zutreffend festgestellt hat, zählen die von der Beschwer- deführerin geltend gemachten Hausdurchsuchungen, der Umstand, dass ihr Vermieter Kämpfern der FSA Unterschlupf gewährt habe sowie die Auf- bietung ihrer Brüder zum Militärdienst zu diesen Nachteilen (vgl. vorste- hend Bst. C.b). Auch der auf Beschwerdeebene erhobene und nicht näher begründete Bestreitungsvermerk, wonach die Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit der Militärdienstverweigerung ihrer Brüder stehen würden und deshalb keine allgemeine Folge des Krieges seien, vermag zu keiner anderen Einschätzung zu führen. 7.2 Ferner macht die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift gel- tend, das SEM habe nicht berücksichtigt, dass ihre Familie als regimekri- tisch bekannt sei und sie deswegen sowie wegen des politischen Engage- ments ihrer Brüder verfolgt sei. In diesem Zusammenhang zitierte sie ver- schiedene Urteile des Bundesverwaltungsgerichts sowie einen im Internet veröffentlichten Bericht des UNHCR (vgl. vorstehend Bst. D). 7.2.1 Eine Reflexverfolgung liegt vor, wenn sich Verfolgungsmassnahmen – abgesehen von der primär betroffenen Person – auch auf Familienange- hörige und Verwandte erstrecken. Dies kann flüchtlingsrechtlich im Sinne von Art. 3 AsylG relevant sein, allerdings hängen die Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität stark von den konkreten Um- ständen des Einzelfalls ab. Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht vor zukünftiger (Reflex -)Verfolgung muss ferner sach- lich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunfts- staat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktu- ell sein. D-1371/2016 Seite 11 7.2.2 Wie vorstehend unter E. 4.5 f. ausgeführt wurde, wurden die Asylge- suche der Eltern und der Schwester der Beschwerdeführerin, mit Verfü- gung des SEM vom 30. September 2015 sowie mit Verfügung vom 11. No- vember 2015 abgelehnt und die dagegen erhobenen Beschwerden mit se- paraten Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts (E -7047/2015 sowie E-8046/2015) abgewiesen. In beiden Urteilen wurde das Vorliegen einer Reflexverfolgung verneint. 7.3 Auch in den Aussagen der Beschwerdeführerin ist kein asyl rechtlich genügend intensiver Nachteil zu erkennen. Sie führte lediglich aus, ihre Familie sei seit längerem als regimekritisch wahrgenommen worden. Ei- nige ihrer Brüder hätten bei Ausbruch der Unruhen in R._______ demons- triert. Zudem hätten ihre Brüder den Wehrdienst verweigert und die Kur- denbewegung unterstützt. Ihr Bruder F._______ habe denn auch bei der Bundesanhörung klargestellt, dass seine Familie und seine Angehörigen alle Sympathisanten der „Kurden“-Sache seien (vgl. Akten N […] A7 F. 23). Auch habe er erklärt, dass seine Eltern von den Behörden mehrmals auf- gesucht und aufgefordert worden seien, seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben (vgl. a.a.O. F. 17). Die von ihrem Bruder erwähnten Hausdurchsu- chungen wurden auch von der Beschwerdeführerin geltend gemacht (vgl. vorstehend Bst. B.a). Weitere Eingriffe seitens de r Sicherheitsbehörden machten die Beschwerdeführerin (wie auch ihre Eltern und ihre Schwester) nicht geltend, obwohl ihr Bruder F._______, der mit einem Haftbefehl vom 18. August 2010 gesucht wurde, im September 2009 ( also gut drei Jahre vor ihrer Ausreise ) und ihr Bruder G._______ im Frühling 2013 aus Syrien ausreisten. Aus den Schilderungen von G._______, der Syrien nach sei- nem Bruder und seinen Eltern verlassen hat, ist im Übrigen auch kein e Reflexverfolgung bezüglich seiner Eltern zu entnehmen (vgl. E-7074/2015 E. 6.2 S. 12 m. w. H.). 7.4 Ebenso wenig vermag die Beschwerdeführerin aus den von ihr in ihrer Rechtsmitteleingabe zitierten Urteilen etwas zu ihren Gunsten abzuleiten, da diesen ein an derer Sachverhalt zugrunde liegt. So nahmen gemäss dem unter anderem erwähnten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2027/2015 vom 22. Oktober 2015 die dortigen Beschwerdeführenden (ein Ehepaar, welche beide aus politisch interessierten und engagierten Familien stammen) gleich zu Beginn der Revolution an Kundgebungen teil und deren weitere Familienmitglieder wurden in Syrien über Jahre hinweg bewacht, befragt sowie inhaftiert. Auch haben sich diese nach ihrer Aus- reise exilpolitisch engagiert (vgl. ebenda E. 5.4). D-1371/2016 Seite 12 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass keine asylrechtlich rele- vanten Verfolgungsgründe ersichtlich sind, weshalb das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und das Asylge- such abgelehnt hat. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilun g einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8.3 Da die Vorinstanz am 2. Februar 2016 die vorläufige Aufnahme ange- ordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 23. März 2016 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten ver- wendet. (Dispositiv nächste Seite) D-1371/2016 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens- kosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: