<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 93 S.401</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">401</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>93</b></span> <span class="ft2"><b>Einkommenssteuertarif B; geschiedene Eltern (§ 17 Abs. 3 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Es ist beiden Elternteilen der Einkommenssteuertarif B zu gewähren,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wenn sich die gemeinsamen Kinder aufgrund der unmittelbaren Nähe</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der getrennten Wohnsitze der geschiedenen Eltern etwa gleich viel bei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Vater und Mutter aufhalten und der Kinderabzug gemäss § 31 Abs. 1</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lit. a StG halbiert wird.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">13. April 2000 in Sachen Sch., RV.1999.50168/K 6173</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Der Rekurrent beantragt, es sei ihm der Tarif B zu gewähren.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Der Einkommenssteuertarif B ist auch anwendbar auf</span><br/> <span class="ft1">verwitwete, getrennt lebende, geschiedene und ledige Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft1">tige, wenn sie allein mit Kindern zusammenleben, für die ein steuer-</span><br/> <span class="ft1">freier Betrag gemäss § 31 Abs. 1 lit. a gewährt wird (§ 17 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">StG).</span><br/> <span class="ft1">b) Der Rekurrent wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Baden</span><br/> <span class="ft1">vom 18. Juni 1997 geschieden. Die Vorinstanz hat aufgrund dieser</span><br/> <span class="ft1">Scheidung auf den 28. August 1997 (Zeitpunkt unbestritten; effekti-</span><br/> <span class="ft1">ver Auszug der ehemaligen Ehefrau aus der ehelichen Wohnung)</span><br/> <span class="ft1">eine Zwischenveranlagung vorgenommen. Für die Beurteilung der</span><br/> <span class="ft1">Frage, ob dem Rekurrenten für die Veranlagung ab dem 28. August</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">402</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1997 der Tarif A oder B zu gewähren ist, sind die Verhältnisse am</span><br/> <span class="ft1">28. August 1997 massgebend (§ 17 Abs. 7 StG).</span><br/> <span class="ft1">4. Die Vorinstanz gewährte dem Rekurrenten im Einsprache-</span><br/> <span class="ft1">verfahren für seine Kinder I. und T. je einen halben Kinderabzug</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 31 Abs. 1 lit. a StG. Diese Voraussetzung für die Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung des Tarifs B ist somit erfüllt. Damit bleibt die Voraussetzung</span><br/> <span class="ft1">des Zusammenlebens zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">5. a) Ob der Rekurrent am 28. August 1997 mit seinen Kindern</span><br/> <span class="ft1">"zusammenlebte" (§ 17 Abs. 3 StG), hängt nicht vom formellen</span><br/> <span class="ft1">Wohnsitz der Kinder (vgl. dazu Art. 25 Abs. 1 ZGB in der Fassung</span><br/> <span class="ft1">vom 5. Oktober 1984), sondern davon ab, ob sie in seinem Haushalt</span><br/> <span class="ft1">lebten (VGE vom 28. Februar 2000 in Sachen Z.).</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss Scheidungsurteil vom 18. Juni 1997 wurden I. und</span><br/> <span class="ft1">T. unter die elterliche Sorge der Mutter gestellt (weil gemäss dem</span><br/> <span class="ft1">damals geltenden Scheidungsrecht ein gemeinsames Sorgerecht</span><br/> <span class="ft1">[noch] nicht möglich war). Dem Rekurrenten wurde das Recht einge-</span><br/> <span class="ft1">räumt, jeweils zwei Wochenenden im Monat sowie drei Wochen</span><br/> <span class="ft1">Ferien im Jahr mit seinen Kindern zu verbringen. Er wurde ausser-</span><br/> <span class="ft1">dem verpflichtet, für die beiden Kinder Unterhaltszahlungen zu</span><br/> <span class="ft1">leisten (vgl. Ziff. 1 - 3 der richterlich genehmigten Scheidungskon-</span><br/> <span class="ft1">vention).</span><br/> <span class="ft1">c) Die ehemalige Ehefrau des Rekurrenten bezog nach der</span><br/> <span class="ft1">Scheidung in der gleichen Liegenschaft, in welcher sich auch die</span><br/> <span class="ft1">eheliche Wohnung befand, eine eigene Wohnung, bis sie sich dann</span><br/> <span class="ft1">am 30. Juni 1998 in K. abmeldete und mit den Kindern wegzog.</span><br/> <span class="ft1">Nach Auskunft des GStA K. darf aufgrund der unmittelbaren Nähe</span><br/> <span class="ft1">der beiden Wohnungen davon ausgegangen werden, dass sich I. und</span><br/> <span class="ft1">T. nach der Scheidung ihrer Eltern bis zum Wegzug der Mutter von</span><br/> <span class="ft1">K. etwa gleich viel bei ihrem Vater und ihrer Mutter aufhielten (nach</span><br/> <span class="ft1">Auffassung des StRG kann auf weitere Abklärungen zu den Wohn-</span><br/> <span class="ft1">verhältnissen verzichtet werden, weil ohnehin ausschliesslich auf</span><br/> <span class="ft1">Parteiaussagen abgestellt werden muss). Es spricht unter den vorlie-</span><br/> <span class="ft1">genden Umständen nichts gegen die Darlegung des Rekurrenten,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">403</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dass die Kinder von beiden Elternteilen gemeinsam (je in der eigenen</span><br/> <span class="ft1">Wohnung) betreut und offenbar auch finanziert wurden (und die</span><br/> <span class="ft1">Regelung betreffend der elterlichen Gewalt, Besuchszeiten und Un-</span><br/> <span class="ft1">terhaltbeiträge in der Scheidungskonvention für den Richter erstellt</span><br/> <span class="ft1">werden musste; so der Rekurrent in der Replik vom 26. Januar</span><br/> <span class="ft1">2000). Für eine gemeinsame Betreuung spricht auch die Tatsache,</span><br/> <span class="ft1">dass der Rekurrent im Einspracheverfahren zugunsten seiner ehema-</span><br/> <span class="ft1">ligen Ehefrau eine Halbierung der Kinderabzüge beantragte (im Ver-</span><br/> <span class="ft1">anlagungsverfahren wurden ihm zwei volle Kinderabzüge gewährt).</span><br/> <span class="ft1">Es ist unter diesen (vorallem auch durch die Nähe der beiden Woh-</span><br/> <span class="ft1">nungen bedingten) speziellen Umständen davon auszugehen, dass am</span><br/> <span class="ft1">vorliegend massgeblichen Stichtag sowohl der Rekurrent als auch</span><br/> <span class="ft1">seine ehemalige Ehefrau im Sinne der verwaltungsgerichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung zu § 17 Abs. 3 StG allein mit den Kindern in ihrem</span><br/> <span class="ft1">eigenen Haushalt "zusammenlebten". Es stellt sich daher die Frage,</span><br/> <span class="ft1">ob auch dem Rekurrenten (wie seiner ehemaligen Ehefrau) der Tarif</span><br/> <span class="ft1">B gewährt werden kann.</span><br/> <span class="ft1">6. a) Dem Protokoll Plenum Grosser Rat vom 8. Juni 1993</span><br/> <span class="ft1">(S. 122) kann zur vorliegend anwendbaren Fassung des § 17 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">StG folgendes entnommen werden:</span><br/> <span class="ft5">"Die Ihnen von Regierung und Kommission vorgeschlagene Revision</span><br/> <span class="ft5">besteht in der Einfügung des Wortes 'allein'. Im weiteren soll der 2. Satz von</span><br/> <span class="ft5">Absatz 3 wieder wegfallen. Dieser zweite Satz - etwas missverständlich</span><br/> <span class="ft5">formuliert - ist in der Revision 1989 in das Gesetz hineingekommen und</span><br/> <span class="ft5">wird nun mit der Ergänzung des ersten Satzes entbehrlich. Er wollte</span><br/> <span class="ft5">gegenüber Konkubinatspartnern mit gemeinsamen Kindern festhalten, dass</span><br/> <span class="ft5">nur einer der beiden Anspruch auf den Tarif B habe. Mit der Revision</span><br/> <span class="ft5">entfällt nun der Anspruch für beide Partner."</span><br/> <span class="ft1">Daraus kann für die vorliegend zu beantwortende Frage, ob bei</span><br/> <span class="ft1">einer geschiedenen Ehe (wenn die übrigen Voraussetzungen erfüllt</span><br/> <span class="ft1">sind) beiden Elternteilen der Tarif B gewährt werden kann, nichts</span><br/> <span class="ft1">abgeleitet werden.</span><br/> <span class="ft1">b) Nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zum Be-</span><br/> <span class="ft1">griff "Zusammenleben", wonach nicht der formelle Wohnsitz der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">404</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kinder entscheidend ist, sondern in welchem Haushalt sie effektiv</span><br/> <span class="ft1">lebten, muss der Tarif B aufgrund der vorliegenden Umstände so-</span><br/> <span class="ft1">wohl dem Rekurrenten als auch seiner ehemaligen Ehefrau gewährt</span><br/> <span class="ft1">werden. Dagegen sprechen weder der Wortlaut von § 17 Abs. 3 StG</span><br/> <span class="ft1">noch die Materialien. Es sind auch keine steuersystematischen</span><br/> <span class="ft1">Gründe ersichtlich, welche eine doppelte Gewährung des Tarifs B</span><br/> <span class="ft1">ausschliessen. Es kommt hinzu, dass auch zweimal der Tarif B zu</span><br/> <span class="ft1">gewähren wäre, wenn je ein Kind ausschliesslich bei einem Elternteil</span><br/> <span class="ft1">leben würde. Der Rekurs ist folglich gutzuheissen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>