2011 1 Art. 24 RPG; Art. 6 NHG. Zulässigkeit und Landschaf tsverträglichkeit des Projekts für einen neuen Siblinger Randenturm (OGE 60/2010/6 und 60/2010/40 vom 16. Dezember 2011) Veröffentlichung im Amtsbericht Der vorgesehene neue Randenturm erfüllt grundsätzl ich die Voraus- setzung der Standortgebundenheit, zumal es sich um den Ersatz für den be- stehenden Turm aus dem Jahr 1882 handelt und die Er richtung von Aus- sichtstürmen auf den Randenhöhen einem seit dem 19. Jahrhundert anerkann- ten Bedürfnis des lokalen Tourismus entspricht (E. 3c). In der geplanten Form mit einem massiven, technisc h nicht erforder- lichen Sockel und weiteren störenden Elementen (u.a . weit auskragende Aus- sichtsplattform, Chromstahldach, Überhöhung durch e inen Fahnenmast) kann der Turm aber nicht verwirklicht werden, da er in dieser Form einen schweren Eingriff ins BLN-Gebiet "Randen" darstellen würde (E. 3c und e). ENHK-Gutachten als massgebende Grundlage für die B eurteilung der Landschaftsverträglichkeit (E. 3c). Die Gemeinde Siblingen möchte anstelle des bestehe nden, baufälligen Randenturms einen neuen, höheren Turm errichten. Da s kantonale Bau- inspektorat erteilte die erforderliche baurechtlich e Ausnahmebewilligung. Gegen diesen Entscheid erhob der Schweizer Heimatschutz durch seine lokale Sektion Rekurs an den Regierungsrat. Dieser wies di esen Rekurs ebenso wie einen Rekurs gegen die später erteilte Rodungsbewil ligung ab. Das Ober- gericht hiess die gegen die beiden Rekursentscheide erhobenen Verwaltungs- gerichtsbeschwerden gut. Aus den Erwägungen: 3. – a) Zu prüfen ist zunächst, ob für das vorliegende Proj ekt (Ersatz des bestehenden Siblinger Randenturms durch einen Neuba u mit Verlegung des Wanderweges sowie Erstellung einer provisorischen B auzufahrt auf dem Grundstück GB Siblingen Nr. 4 "Schlossranden") eine Baubewilligung erteilt werden kann. Das betroffene Gebiet liegt gemäss Bau ordnung der Gemeinde Siblingen vom 25. Februar 2005 in einem als "Verkehrsfläche" (weisse Farbe) umschriebenen Gebiet. Wie der Regierungsrat jedoch zu Recht ausgeführt 2011 2 hat, kann es sich nicht um eine eigentliche Verkehr sfläche handeln, liegt doch weder eine Strasse noch ein Platz vor. Vielmehr ist die betreffende Fläche na- turbelassen und gemäss Zonenplan vollumfänglich von Wald umgeben, wes- halb es sich jedenfalls um ein Gebiet ausserhalb de r Bauzonen handelt. Über- dies liegt das fragliche Gebiet gemäss kantonalem R ichtplan 1 und Natur- schutzverordnung 2 im Engeren Randenschutzgebiet (ERS) des BLN-Gebiet es "Randen".3 Da unbestrittenerweise kein zonenkonformes Bauproj ekt vorliegt, ist somit eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG 4 erforderlich. Eine solche kann nur erteilt werden, wenn der Zweck der Baute und Anlage einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert (lit. a) und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b). b) An die Standortgebundenheit eines Vorhabens im Sinn von Art. 24 lit. a RPG sind strenge Anforderungen zu stellen, u m der Zersiedelung der Landschaft entgegenzuwirken. Die Standortgebundenheit ist nach der bundes- gerichtlichen Praxis zu bejahen, wenn eine Anlage a us technischen oder be- triebswirtschaftlichen Gründen oder wegen der Boden beschaffenheit auf einen Standort ausserhalb der Bauzone angewiesen is t oder wenn ein Werk aus bestimmten Gründen in einer Bauzone ausgeschlos sen ist. Die Standort- gebundenheit muss ausserdem einem aktuellen und tat sächlichen Bedarf, nicht bloss subjektiven Wünschen, entsprechen. Sie fehlt, wenn sie im Hin- blick auf eine künftige, sich nur möglicherweise re alisierende Situation be- hauptet wird oder wenn der vorgebrachte Zweck der B aute nur vorgeschoben ist. Die Standortgebundenheit eines Vorhabens folgt schliesslich auch nicht aus dem Umstand, dass in unmittelbarer Nähe ein zon enwidriges Bauwerk gleicher Zweckbestimmung schon besteht. Dagegen kön nen Bauten, die einem zonenfremden, aber standortgebundenen Betrieb dienen und aus tech- nischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen notwe ndig sind, ebenfalls als standortgebunden anerkannt werden (sogenannte "abge leitete Standortgebun- denheit"). Ausreichend ist sodann eine relative Sta ndortgebundenheit. Es ist nicht erforderlich, dass überhaupt kein anderer Sta ndort in Betracht fällt; es müssen jedoch besonders wichtige und objektive Grün de vorliegen, die den 1 Vgl. Kantonaler Richtplan (Zusammenfassung Richtp lan 2001 und Anpassung/nachgeführt 2006), Grundlagen Landschaft, S. 52 mit Karte "BLN-Gebiete". 2 § 11a der Verordnung über den Naturschutz vom 6. März 1979 (Naturschutzverordnung, NHV/SH, SHR 451.101) mit Anhang III (Karte Abgrenzung BLN-Gebiet "Randen"). 3 Vgl. dazu Verordnung über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler vom 10. August 1977 (VBLN, SR 451.11) mit Anhang Ziff. 1102 zum BLN-Gebiet "Randen". 4 Bundesgesetz über die Raumplanung vom 22. Juni 19 79 (Raumplanungsgesetz, RPG, SR 700). 2011 3 vorgesehenen Standort gegenüber anderen Standorten innerhalb der Bauzone als viel vorteilhafter erscheinen lassen. 5 Unter Beachtung dieser Grundsätze erscheint das vo rliegende Projekt im Prinzip als standortgebunden, was unbestritten ist, zumal es sich um den Er- satz eines schon seit 1882 bestehenden Aussichtsturms handelt, welcher bau- fällig ist und aus Sicherheitsgründen nicht mehr be stiegen werden darf. Die Errichtung von Aussichtstürmen auf den Randenhöhen, welche einen Aus- blick auf die umgebende Landschaft und eine Fernsic ht auf die Alpen er- möglicht, entspricht überdies einem berechtigten Be dürfnis des lokalen Tou- rismus, wie es schon seit dem 19. Jahrhundert beste ht. 6 Keine Standort- gebundenheit besteht demgegenüber grundsätzlich für Anlagen bei Aussichts- punkten, mit welchen lediglich ein Wahrzeichen in d er Landschaft bzw. ein besonderes Landschafts-Kunstwerk geschaffen werden soll. 7 Umstritten ist vorliegend auch noch die Frage, ob der vom Beschwer deführer als massiv empfundene Sockel mit dem vorgesehenen Magazin stan dortgebunden sei. Diese Frage kann jedoch offen gelassen werden, da d as Projekt in der vor- gesehenen Form bzw. mit dem geplanten Sockelbau – w ie sich aus den nach- folgenden Erwägungen ergibt – ohnehin nicht realisi ert werden kann. 8 c) Einem standortgebundenen Bauvorhaben dürfen – als z weite Voraus- setzung gemäss Art. 24 RPG – keine überwiegenden Interessen entgegen- stehen. 9 Art. 24 lit. b RPG verlangt, dass alle sich widers treitenden räum- lichen Interessen (private und öffentliche) ermitte lt, gegeneinander abgewo- gen und mit sachgerechten Erwägungen gewichtet werd en. 10 In diesem Zu- sammenhang zu berücksichtigen sind auch die besonde ren Abwägungs- vorschriften des Natur- und Heimatschutzgesetzes 11 zur Landschaftsverträg- lichkeit von Bauprojekten, zumal es sich bei der Er teilung von Ausnahme- bewilligungen nach Art. 24 RPG – wie übrigens auch bei der Erteilung einer Rodungsbewilligung – um eine Bundesaufgabe handelt und daher die Vor- 5 Vgl. dazu BGE 1C_328/2011 vom 7. März 2011 (Hotel Uto Kulm, Uetliberg) sowie Peter Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. A., Bern 2008, S. 220 f. 6 Vgl. dazu auch das Gutachten der ENHK zum Neubau des Beringer Randenturms vom 4. Ok- tober 1996, S. 2, sowie die von der kantonalen Denk malpflege am 22. Oktober 2010 ein- gereichten Unterlagen (mit Hinweisen auch zur Geschichte des bisherigen Turms). 7 Vgl. dazu den Entscheid des Kantonsgerichts Appen zell Innerrhoden vom 6. September 2005, ZBl 2006, S. 489 ff. (mit redaktionellen Bemerkungen). 8 Vgl. zur strengen Beurteilung einer "abgeleiteten " Standortgebundenheit von Magazinen und Geräteräumen ausserhalb der Bauzone auch OGE Nr. 60 /2007/42 vom 20. August 2010, E.2, Amtsbericht 2010, S. 100 ff. 9 Art. 24 lit. b RPG. 10 Vgl. auch Art. 3 der Raumplanungsverordnung vom 2 8. Juni 2000 (RPV, SR 700.1). 11 Bundesgesetz über den Natur und Heimatschutz vom 1. Juli 1966 (NHG, SR 451). 2011 4 schriften der Art. 2 ff. NHG zur Anwendung gelangen . Im Bereich der in die Bundesinventare gemäss Art. 5 NHG aufgenommenen Geb iete, also ins- besondere auch in dem vorliegend durch das Bundesin ventar der Land- schaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutun g (BLN) geschützten Gebiet, darf ein Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung nur in Er- wägung gezogen werden, wenn ihr bestimmte gleich- o der höherwertige In- teressen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgege nstehen. 12 Wo die Er- teilung einer Ausnahmebewilligung ein Objekt erhebl ich beeinträchtigen kann, wie dies vorliegend der Fall ist, muss grunds ätzlich ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) eingeholt werden. 13 Dabei ist allerdings zu beachten, dass nicht jedes Bauvorhaben zu einem Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung führen muss. Mögliche Beeinträchtigungen sind vielmehr an den verschieden en Schutzzielen zu mes- sen, die in den gesondert veröffentlichten Beschrei bungen zu den Inventar- gebieten festgehalten werden. 14 Diese Schutzziele sind allerdings namentlich beim Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkm äler von nationaler Bedeutung (BLN) oft sehr allgemein gefasst und weni g aussagekräftig; sie müssen im Anwendungsfall von den zuständigen Behörd en regelmässig noch konkretisiert werden, wobei der ENHK als besonderer Fachbehörde eine wichtige Funktion zu kommt; die entscheidenden Behö rden dürfen von deren gutachterlichen Feststellungen nur aus triftigen Gründen abweichen. 15 Der Beurteilung durch die kantonale Natur- und Heimatschutzkommis- sion (KNHK), welche namentlich bei heiklen Vorhaben im Bereich der in kantonalen Inventaren aufgeführten Schutzzonen und -objekten beizuziehen ist, 16 kommt daneben schon aus grundsätzlichen Überlegungen nur eine unter- geordnete Bedeutung zu, zumal – wie erwähnt – bei m öglicher erheblicher Beeinträchtigung von Bundesinventarobjekten ein Gut achten der Eidgenössi- schen Natur- und Heimatschutzkommission obligatoris ch eingeholt werden muss und primär die eidgenössische Kommission für d ie gleichmässige Durchsetzung der Inventarvorschriften im ganzen Lan d verantwortlich ist. Im 12 Art. 6 NHG. 13 Art. 7 NHG; vgl. dazu auch BGE 127 II 273 E. 4b, S. 280 f., und neuerdings das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Nr. A-8386/2010 vom 1. De zember 2011, E. 6.4, je mit weiteren Hinweisen. 14 Vgl. zum Ganzen auch Waldmann/Hänni, Handkommentar Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 24 Rz. 22, S. 593 f. 15 Vgl. dazu und zur laufenden Überarbeitung der geb ietsspezifischen BLN-Schutzziele Rausch/ Marti/Griffel, Umweltrecht, Zürich/Basel/Genf 2004, Rz. 552 f., S . 183 f., und Rz. 568, S. 189, sowie Arnold Marti, Das Schutzkonzept des Natur- und Heimatschutzgeset zes auf dem Prüfstand, SJZ 2008, S. 81 ff., S. 89 f., je mit weiteren Hinweisen. 16 Vgl. Art. 14 Abs. 2 des Gesetzes über den Natur u nd Heimatschutz im Kanton Schaffhausen vom 12. Februar 1968 (NHG/SH, SHR 451.100). 2011 5 vorliegenden Fall wird auf die Beurteilung der KNHK auch deshalb nicht ab- gestellt, weil gegen X., welcher gleichzeitig KNHK- Mitglied und Vorstands- mitglied des Schaffhauser Heimatschutzes ist, Befan genheitsrügen erhoben wurden. Selbst wenn die Beurteilung der KNHK ebenfa lls herbeigezogen werden könnte, würde sich am Ergebnis jedoch nichts ändern, da auch die kantonale Natur- und Heimatschutzkommission bezügli ch des vorliegenden Bauvorhabens zu einem negativen Ergebnis gelangt ist. 17 d) Die Bedeutung des BLN-Objekts Nr. 1102 "Randen" wird im Bundes- inventar wie folgt umschrieben: "Typische Tafeljura -Landschaft. Schichten- folge der Juraformation mit interessanten Aufschlüs sen. Reich an Versteine- rungen. Ausgesprochenes Wald- und Landwirtschaftsge biet. Bis heute ex- tensive Bewirtschaftung, daher weitgehend natürlich e Erhaltung der Vegeta- tion. Reiche Flora mit zahlreichen Einstrahlungen v on kontinentalen Floren- elementen aus dem Donaugebiet, submediterranen Elem enten aus Südeuropa und subalpinen Elementen aus dem Alpengebiet. Trock enheit und Wärme lie- bende Vegetation an Südhängen. Wichtiges Wandergebiet." Für das durch das vorliegend zu beurteilende Projekt betroffene Gebie t des Siblinger Randens hat die ENHK in ihrem Gutachten sodann folgende konkretisierten Schutz- ziele formuliert: – Ungeschmälerte Erhaltung der stark bewaldeten und noch weitgehend von technischen Infrastrukturen und störenden Bauten fr ei gebliebenen Land- schaft. – Ungeschmälerte Erhaltung der naturnahen Lebensräu me, insbesondere der- jenigen mit trockener Ausprägung, und der darin vor kommenden standort- spezifischen oder seltenen Tier- und Pflanzenarten. aa) Bei der Beurteilung des vorliegenden Projekts gelan gt die ENHK zum Schluss, dass dieses einen schweren Eingriff in das BLN-Objekt "Ran- den" darstelle, zumal es aus zwei unterschiedlichen Grü nden nicht mit dessen Schutzzielen vereinbar sei. Dies wird wie folgt begründet: 18 Zum einen erweist sich die Gestaltung des Turmsocke ls als zu massiv und der Umgebung unangepasst. Während dank der transparente n Gestaltung des heu- tigen Stahlturms der natürliche Felssporn nur wenig beansprucht und verstellt wird, und zudem der Wanderweg unter dem Turm hindur ch geführt werden kann, sieht das Projekt für den neuen Turm ein mass ives, 4 m hohes, die Flä- che eines kleinen Einfamilienhauses beanspruchendes , raumhaltiges Funda- ment vor. Auf den Steinkorbsockel soll eine axial z wischen zwei Steinkorb- mauern gesetzte Treppenanlage hochführen. Damit wir d ohne überzeugenden Zweck – der entstehende Hohlraum ist als Abstellrau m von untergeordneter Bedeutung und der ökologische Nutzen einer im Schat ten liegenden Steinkorb- 17 Vgl. Bericht der kantonalen Natur- und Heimatschu tzkommission vom 29. April 2009. 18 Vgl. Gutachten, S. 4 f. 2011 6 mauer ist hochgradig fraglich – die Waldlichtung an ihrem südwestlichen Ende komplett verstellt und blockiert. Die Lesbarkeit de s Felssporns, auf dem sich der Turm erhebt, wird stark gestört. Der Wanderweg, welcher einem im Gebiet verbreiteten Muster folgend über den Grat läuft, mu ss unnötigerweise auf die Seite verlegt werden. Verstellt wird auch der Blick von der Lichtung Richtung Süden, der heute je nach Jahreszeit bzw. Belaubungs zustand des Waldes än- dert: im Winterhalbjahr eröffnet sich eine Aussicht auf das Tal und den ge- genüberliegenden Hügelzug, wie schon am Augenschein anfangs November erkennbar wurde. Die geplante Anlage erinnert an eine mittelamerikan ische Stufenpyramide und lässt die Mauerfragmente am Ort der historischen Bu rgstelle bedeutungslos wirken. Mit der über dem Sockel vorgesehenen Stahlk onstruktion entsteht ein Gebilde, welches mit seinen zwei weiteren Plattform en, der weit auskragenden obersten Plattform, dem Dach und dem Fahnenmast ges talterisch nicht zu be- friedigen vermag. Schon der Sockel ist ein wuchtige s Element im lichten Wald, auch ohne Turmaufbau, welcher durch die einge fügte Normtür wieder- um konterkariert wird. Die hybride Stahlkonstruktio n mit den geknickten Hauptstützen und der zusätzlichen Mittelstütze für die gewendelte Treppe, den unterschiedlichen Geländerlösungen, den kreuzweisen Verspannungen aus Ka- beln und dem vergleichsweise klein wirkenden Dach a us Chromstahlblech ist überladen. Die Konstruktion wirkt als eine Summe vo n sehr vielen Einzel- entscheiden ohne inneren Zusammenhalt. Die beabsich tigte Gestaltung wirkt insgesamt massiv störend in ihrer unkontrollierten Vielfalt an Details und For- men und lässt sich mit dem Ziel der ungeschmälerten Erhaltung der von stö- renden Bauten weitgehend frei gebliebenen Landschaf t, aber auch mit der Be- deutung des Gebietes als "wichtiges Wandergebiet" nicht vereinbaren. Zum anderen führt die vorgesehene Höhe des Turms, n amentlich angesichts der ausladenden Gestaltung der überdachten Plattfor m, der funktional unnöti- gen und als Wetterschutz ungeeigneten Überdachung u nd der offenbar er- forderlichen Befeuerung der Turmspitze zu einem neu en, schweren Eingriff in das Landschaftsbild, wie es sich vom Tal her erlebe n lässt. Der heutige Turm ist mit Ausnahme seiner Fahne vom Tal aus nicht zu sehen. Die das Klettgau flankierenden Hügelketten zeigen sich weitgehend fr ei von technischen An- lagen, welche diese überragen. Der geplante Turm wird durch die exponierte Lage au f einem ins Tal vor- springenden Sporn von weitem sichtbar sein. Er ragt über die bewaldete Kuppe hinaus und zieht grossräumig die Aufmerksamkeit auf sich; dies namentlich deshalb, weil die oberste Plattform eine Fläche von 64 m 2 aufweisen soll – während die heutige Plattform ca. 16 m 2 umfasst – und von einem Dach mit einer Fläche von 25 m 2 überragt wird. Darüber erhebt sich der Mast mit Fa hne und Positionslicht, welcher etwa in 26 m Höhe endet . Die vorgesehene Höhe dient, wie sich den Ausführungen der Projektverfass er am Augenschein ent- nehmen lässt, weniger der Gewährleistung der Fernsi cht Richtung Alpen, son- dern vor allem dazu, den Blick auf Siblingen und au f das weiter nördlich ge- legene Randenhaus zu ermöglichen. Damit soll nicht bloss ein Aussichtsturm, sondern ein Wahrzeichen in die Landschaft gestellt werden. Der Turm in der vorgesehenen Gestalt muss indessen vor allem als st örendes, in der schützens- 2011 7 werten Landschaft des Randens unpassendes Bauwerk, das nachts überdies eine unerwünschte Lichtquelle trägt, qualifiziert werden. Der Beringer Randenturm, der 1996 neu um 9 m höher als der Vorgängerturm gebaut wurde, ist zwar vom Tal aus teilweise als de n Horizont übersteigend sichtbar; er steht indessen zurückversetzt vom Haup ttal, weshalb er das Ge- samtbild weniger stark stört. Wie überdies anzumerk en ist, verfolgt die Eid- genössische Natur- und Heimatschutzkommission seit 1998 eine konsequenter als zuvor auf die jeweils massgeblichen Schutzziele ausgerichtete Praxis (siehe dazu Heinz Aemisegger/Stephan Haag, Gedanken zu Inhalt und Aufbau der Gutachten der Eidg. Natur- und Heimatschutzkommissi on, in: Umweltrecht in der Praxis, 1998 S. 568 ff). Im Lichte dieser Praxi s ist es wenig wahrschein- lich, dass das Beringer Projekt heute gleich wie damals beurteilt würde. Die ENHK beantragt aus diesen Gründen, die Beschwer de gegen die erteilten Baubewilligungen gutzuheissen und diese Bewilligung en aufzuheben. Die Pla- nung eines bewilligungsfähigen Projekts wird sich a n Folgendem zu orientie- ren haben: Die Gestaltung soll nicht wesentlich von jener des heutigen Turms abweichen, sowohl in der Dimensionierung, als auch in der Mate rialisierung. Es ist eine leichte, der heutigen vergleichbare Fundierung vorzusehen. Die Turmhöhe muss so bemessen werden, dass sich ein e Befeuerung erübrigt. Grundsätzlich erscheint eine Anordnung der obersten Plattform (Unterkante) nur unwesentlich über der Höhe der umgebenden Baumw ipfel als angezeigt. Der heute noch bestehende, aber aus Sicherheitsgrün den nicht mehr zugängli- che Turm aus dem Jahre 1884 mit seiner Höhe von 12 m konnte über 100 Jahre als Aussichtsturm dienen, weil in Zusammenarbeit mi t dem Forstamt am steil abfallenden Hang in kleinem Radius die an diesem St andort nur langsam wachsende Bewaldung nieder gehalten und dadurch die Sicht auf den Gegen- hang und bei klarem Wetter bis zu den Alpen – zum " mythischen Zentrum" der Schweiz – gewährleistet wurde. Solche Eingriffe zur Wahrung der Aussicht sind ohne weiteres auch in Zukunft möglich. Die Anlage der temporären Baustellenzufahrt und des Stapel- und Wende- platzes für die Fahrzeuge ist mit den Schutzzielen des BLN vereinbar. Ins- besondere müssen auf den dafür vorgesehenen Flächen , trotz Rodungsgesuchs- pflicht, faktisch keine Bäume gefällt werden. Eine Wiederherstellung ist somit ohne bleibende Schäden möglich. Die ENHK gelangt aufgrund dieser Überlegungen zum Schluss, dass der vorgesehene Neubau des Aussichtsturms eine schwere Beeinträchtigung des BLN-Objektes Nr. 1102 "Randen" darstelle und beantr agt, dass die erteilten Bewilligungen aufgehoben werden. Im Hinblick auf di e Ausarbeitung eines neuen Projekts hält die Kommission fest, dass – ein neuer Turm nicht wesentlich höher wie der bes tehende werde und kein Dach erhalten darf, 2011 8 – ein neuer Turm wie bisher ohne Sockel als einfach e Stahlkonstruktion direkt aus dem Wald heraus wachsen und die Treppe innerhal b des Gevierts des Turms angelegt werden soll, – ein neuer Turm keine glänzenden und reflektierend en Materialien aufweisen soll. … e) aa) Bei der Beurteilung und Würdigung des ENHK-Gutachte ns ist zunächst die Frage zu klären, was Landschaftsverträglichkeit im Sinn des BLN bedeutet, zumal dies auch für die Frage der Konkretisierung der Schutz- ziele im vorliegenden Fall von Bedeutung ist, wo der Reg ierungsrat eine Er- gänzung bzw. Präzisierung mit folgendem Inhalt vors chlägt: "Grundsätzlich bewilligungsfähige Bauvorhaben gelten aus der Sicht des Landschafts- schutzes als unproblematisch, soweit sie das Landschaftsbild nicht beeinträch- tigen." Bereits aus dieser Formulierung ergibt sich, dass der Regierungsrat die Landschaftsverträglichkeit im Sinn der BLN-Vorschri ften ausschliesslich oder jedenfalls vorwiegend im Sinn des Schutzes des grossräumigen Land- schaftsbildes, nicht auch der kleinräumigen Naturla ndschaft verstehen will. Dieses Verständnis des Landschaftsschutzes ist jedo ch viel zu eingeschränkt und lässt sich weder mit den Grundlagen des BLN noc h mit den heutigen An- forderungen an einen nachhaltigen Natur- und Landschaftsschutz vereinbaren. Es mag zutreffen, dass der Begriff des Landschaftss chutzes ursprünglich vor allem im Sinn des Schutzes des optischen Landschaft sbildes verstanden wor- den ist. 19 Bereits aus der 1962 geschaffenen Verfassungsgrund lage des Natur- und Heimatschutzes auf Bundesebene und dem NHG als Ausführungs- gesetzgebung ergibt sich jedoch, dass von einem wei teren Begriff des Land- schaftsschutzes auszugehen ist, wurde doch in Art. 24 sexies aBV 20 ausdrücklich von Schutz des heimatlichen Landschafts- und Ortsbi ldes sowie von Natur- und Kulturdenkmälern gesprochen. 21 Entsprechend diesem Verfassungs- auftrag hat der Bund 1977 gestützt auf Art. 5 NHG d urch eine Verordnung (VBLN) das Bundesinventar der Landschaften und Natu rdenkmäler (BLN) geschaffen, aus dessen Titel sich bereits ein klar über das Landschaftsbild hinausgehender Schutz ableiten lässt. Inzwischen spricht im Übrigen auch der 19 Vgl. zum Begriff des Landschaftsschutzes und dess en Entwicklung Josef Rohrer in Keller/ Zufferey/Fahrländer (Hrsg.), Kommentar zum Bundesge setz über den Natur- und Heimat- schutz, Zürich 1997, S. 15 ff., mit zahlreichen Hinweisen, u.a. auf BGE 90 I 341. 20 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossens chaft vom 29. Mai 1874 (BS 1, S. 3 ff.). 21 Vgl. dementsprechend auch die Umschreibung in der Grundnorm von Art. 3 NHG. 2011 9 Verfassungsauftrag nicht mehr vom Schutz des Landsc haftsbildes als sol- chem, sondern der Landschaft an sich. 22 Durch das BLN besonders geschützt werden denn auch eine grosse Zahl von Landschaften und Naturdenkmälern von ganz unter schiedlicher Grösse, Lage und Beschaffenheit, wobei namentlich besonders wertvolle und mög- lichst wenig veränderte sowie in naturnaher Weise g enutzte (Kultur-)Land- schaften und Naturdenkmäler erfasst werden. Ziel de s Inventars ist es, Viel- falt und Eigenart der einzelnen Objekte zu bewahren und gleichzeitig zur Er- haltung der landschaftlichen Schönheit, der natürli chen Ressourcen und der Biodiversität der Schweiz beizutragen. 23 Dieser Zielsetzung entsprechen die von der ENHK für das Gebiet des Siblinger Randens f ormulierten, an die all- gemeine Umschreibung für das BLN-Objekt Nr. 1102 "R anden" angelehnten konkreten Schutzziele (ungeschmälerte Erhaltung der stark bewaldeten und noch weitgehend von technischen Infrastrukturen und störenden Bauten frei gebliebenen Landschaft; ungeschmälerte Erhaltung de r naturnahen Lebens- räume). 24 Eine Grundlage für eine Einschränkung dieser Schut zziele im Sinn des Vorschlags des Regierungsrats, welcher den Schu tz bei grundsätzlich be- willigungsfähigen Bauvorhaben auf das Landschaftsbi ld beschränken will, ist nicht ersichtlich und würde vielmehr den Zielsetzun gen des BLN-Inventars widersprechen. ... bb) In grundsätzlicher Hinsicht rügt der Regierungsra t, die ENHK habe keine bzw. keine genügende Interessenabwägung vorgenommen und ins- besondere das Interesse an der Förderung eines natu rnahen Tourismus und der möglichen Schaffung eines regionalen Naturparks nicht berücksichtigt. Dazu ist zunächst festzuhalten, dass die Aufnahme eines Gebiets in das BLN- Inventar gemäss Art. 6 NHG bewirkt, dass das betreffende Gebiet in besonde- rem Mass die ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls aber unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnah men die grösstmögli- che Schonung verdient; allenfalls denkbar sind – sofern hiefür überwiegen de Interessen bestehen – nur geringfügige Eingriffe, w elche die Schutzziele nicht wesentlich beeinträchtigen. 25 Ein Abweichen von der ungeschmälerten Er- haltung darf im Übrigen bei der Erfüllung von Bunde saufgaben, wozu – wie erwähnt – die Erteilung von Ausnahmenbewilligungen nach Art. 24 RPG und 22 Vgl. dazu und generell zur offen angelegten Umsch reibung der NHG-Schutzobjekte Arnold Marti in St. Galler Kommentar zur Bundesverfassung, 2. A ., Zürich/St. Gallen 2008, Art. 78 Rz. 9, S. 78. 23 Vgl. dazu "Das BLN im Überblick" unter www .bafu .admin .ch , Rausch/Marti/Griffel, Rz. 567 f., S. 189, Jörg Leimbacher, Komm. NHG, Art. 5 Rz. 10 ff., S. 196 ff., und Nina Dajcar, Na- tur- und Heimatschutz-Inventare des Bundes, Diss. Zürich 2011, S. 6 f. 24 Vgl. dazu im einzelnen oben E. 3d. 25 Vgl. Art. 6 Abs. 1 NHG und dazu Rausch/Marti/Griffel, Rz. 552 ff., S. 183 f. 2011 10 von Rodungsbewilligungen gehört, nur in Erwägung ge zogen werden, wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegenstehen. 26 Hinsichtlich der Abgrenzung anderer Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung besteht noch kaum eine konsistente Praxis des Bundesgerichts; dieses nimmt meist vielmehr ein e Würdigung im Einzel- fall vor. Als solche Interessen anerkannt wurden et wa Interessen der Landes- verteidigung, des Hochwasserschutzes, des Fernmelde verkehrs sowie der Energie- und Rohstoffversorgung, wobei aber nicht j ede Anlage in diesen Be- reichen von nationaler Bedeutung ist, sondern die Bedeutung des betreffenden Projekts im Gesamtrahmen gewürdigt werden muss. 27 Tourismusinteressen wurden bisher vom Bundesgericht noch kaum je als na tionale Interessen an- erkannt, welche eine Abweichung von der ungeschmäle rten Erhaltung von BLN-Objekten zu rechtfertigen vermögen. 28 Auch der geplante neue Aus- sichtsturm entspricht offensichtlich lediglich eine m regionalen touristischen Interesse und vermag daher eine Abweichung von der ungeschmä lerten Er- haltung eines BLN-Objektes nicht zu begründen. Im Ü brigen hat der Be- schwerdeführer zu Recht darauf hingewiesen, dass di e ENHK sich ja nicht grundsätzlich gegen einen neuen Randenturm ausgespr ochen hat, sondern nur gegen die vorgesehene Turmgestaltung und -höhe. Ins ofern stellt sich die Frage einer Abwägung von unterschiedlichen national en Interessen gar nicht, wobei überdies darauf hinzuweisen ist, dass selbst bei Bestehen von gleich- oder höherwertigen Interessen von nationaler Bedeut ung auf eine grösst- mögliche Schonung der BLN-Objekte zu achten ist, wa s gegebenenfalls auch entsprechende gestalterische Einschränkungen und Au flagen erfordert. 29 Bei Windenergieanlagen wiederum stellen sich ganz andere Fragen, weshalb diesbezüglich ohnehin nichts aus dem vorliegenden E ntscheid abgeleitet wer- den kann. 30 Der Umstand, dass im Kanton Schaffhausen möglicher weise ein regionaler Naturpark im Sinn von Art. 23g NHG errichtet wird, 31 vermag ebenfalls nichts an der Geltung und Anwendung der B LN-Vorschriften zu 26 Vgl. Art. 6 Abs. 2 NHG und dazu Rausch/Marti/Griffel, Rz. 555 ff., S. 184 f. 27 Vgl. dazu Rausch/Marti/Griffel, Rz. 557, S. 185, Leimbacher, Komm. NHG, Art. 6 Rz. 21, S. 215, und Dajcar, S. 135 ff. 28 Vgl. z.B. BGE 127 II 273 E. 4e S. 286 zu einer ge planten Bootssteganlage in Ermatingen (blosses regionales touristisches Anliegen). 29 Vgl. dazu Rausch/Marti/Griffel, Rz. 558, S. 185 f.; Leimbacher, Komm. NHG, Art. 6 Rz. 26, S. 217 f., und Dajcar, S. 139. 30 Vgl. dazu das BAFU-Positionspapier Windenergie vo m März 2010 unter www .admin .bafu .ch und die von den eidgenössischen Räten angenommene M otion 09.4082 (Beschleunigung der Bewilligungsverfahren für Anlagen zur Stromerzeugun g aus erneuerbaren Energien) von Na- tionalrat Cathomas. 31 Die Trägerschaft soll im Januar 2012 gegründet we rden; vgl. Schaffhauser Nachrichten vom 19. November 2011, S. 17. 2011 11 ändern. Der Einbezug von BLN-Inventargebiet in eine n regionalen Naturpark kann selbstredend nicht zu einer Aufweichung des BL N-Schutzes führen; vielmehr sind bei einer Überlagerung von Park- und Inventargebieten die je- weils strengeren Vorschriften zu beachten. 32 cc) Die Beschwerdegegner machen sodann allgemein noch g eltend, die ENHK lege im vorliegenden Fall andere Massstäbe an als bei andern ent- sprechenden Anlagen in der übrigen Schweiz, und verweisen hiefür in er ster Linie auf das Beispiel des Uetlibergs. Dazu hält die ENHK aber zu Recht fest, dass der Uetliberg von einem grossen und landschaft lich tatsächlich pro- blematischen Sendeturm der Swisscom (nationales Fer nmeldeinteresse) do- miniert werde und überdies bereits mit zahlreichen intensivtouristischen An- lagen belegt sei, weshalb dieses Gebiet nicht mit d em naturnahen Gebiet des Siblinger Randens verglichen werden könne. Dies tri fft unbestreitbar zu und kommt auch in den besonderen Schutzzielen für den S iblinger Randen zum Ausdruck. 33 Im Übrigen kann auch darauf hingewiesen werden, dass das Bun- desgericht durchaus auch im Gebiet des Uetlibergs a uf der Einhaltung der be- stehenden bau- und planungsrechtlichen Vorschriften beharrt. 34 dd) aaa) Für die Beurteilung des Bauprojekts ist somit – wie dargelegt – von den von der ENHK festgelegten konkretisierten Schutzzielen auszuge- hen, wobei geprüft werden muss, ob diese Zielsetzun gen durch das vorliegen- de Bauvorhaben eingehalten werden oder nicht. Unbes tritten geblieben ist hierbei, dass am vorgesehenen Standort ein Aussicht sturm erstellt werden darf, zumal es sich um eine Ersatzbaute handelt und die Standortgebundenheit gegeben ist. 35 Zu prüfen ist jedoch, ob die vorgesehene Ersatzbau te mit den konkretisierten Schutzzielen vereinbar ist oder nic ht. Die ENHK verneint dies namentlich aus zwei Gründen. Zunächst wird die Gestaltung und Materiali- sierung des vorgesehenen Turms kritisiert. Tatsächlich ist nicht ersichtlich, weshalb in der sensiblen, bisher abgesehen vom einf ach und transparent kon- struierten Stahlturm unverbauten Naturlandschaft ei n derart massiver Turm- sockel in der Grösse eines Einfamilienhauses erstellt wer den muss, womit die Waldlichtung versperrt wird, der natürliche Gelände verlauf nicht mehr voll- ständig einsehbar ist und der auf dem Grat verlaufe nde Wanderweg verlegt werden muss. Auch die bestehenden Mauerfragmente de r historischen Burg- 32 Vgl. dazu Arnold Marti, Bundesinventargebiete und neue Naturpärke: Gemeinsamkeiten, Un- terschiede, Bewertung, in: Bisang/Hirschi/Ingold (H rsg.), Umwelt und Gesellschaft im Ein- klang? Festschrift für Willi Zimmermann, Zürich/St. Gallen 2011, S. 31 ff., S. 40. 33 Vgl. dazu oben E. 3d/Einleitung. 34 Vgl. BGE 1C_328/2010 vom 7. März 2011 (Ablehnung der nachgesuchten nachträglichen bau- und forstrechtlichen Bewilligungen für verschiedene bereits erstellte Neubauten und -an- lagen). 35 Vgl. dazu oben E. 3b. 2011 12 anlage werden dadurch völlig unnötig tangiert, wenn es sich hierbei auch nur um eine geringfügige Beeinträchtigung handelt. 36 Ein entsprechendes mas- sives Fundament ist aber jedenfalls weder von der K onstruktion des Turms her erforderlich, noch dient es einem zulässigen zw ingenden Zweck. Insoweit liegt jedenfalls keine blosse Architekturkritik vor . Vielmehr wird die Schutz- zielsetzung (möglichst ungeschmälerte Erhaltung der bisher weitgehend frei gebliebenen Naturlandschaft) durch diesen Sockelbau völlig unnötig und nicht nur geringfügig beeinträchtigt. Bereits diese r Mangel führt dazu, dass das vorliegende Baugesuch in der vorgelegten Form nach insoweit einmütiger Auffassung der urteilenden Kammer des Obergerichts jedenfalls nicht be- willigt werden kann. bbb) Die ENHK macht weitere Mängel des vorliegenden Projekts gel- tend. So vermöchten weitere Gestaltungselemente (na mentlich die weit aus- kragende oberste Plattform, das Dach und der Fahnenmast) nach Auffassung der ENHK gestalterisch nicht zu befriedigen. Die EN HK findet, die hybride Stahlkonstruktion mit den geknickten Hauptstützen u nd der zusätzlichen Mit- telstütze für die gewendelte Treppe, den unterschie dlichen Geländerlösungen, den kreuzweisen Verspannungen aus Kabeln und dem ve rgleichsweise klein wirkenden Dach aus Chromstahlblech sei überladen. D ie Konstruktion wirke als eine Summe von sehr vielen Einzelentscheiden oh ne inneren Zusammen- halt. Die beabsichtigte Gestaltung wirke insgesamt massiv störend in ihrer unkontrollierten Vielfalt an Details und Formen und lasse sich daher mit dem Ziel der ungeschmälerten Erhaltung der von störenden Bauten weitgehend frei gebliebenen Landschaft nicht vereinbaren. Diese Kri tik betrifft sehr aus- geprägt die Turmgestaltung, und es ist insofern nic ht ganz unverständlich, dass der Regierungsrat rügt, es handle sich vorwieg end um Architekturkritik, die mit der Landschaftsverträglichkeit nichts zu tu n habe. Letzteres trifft al- lerdings nach Auffassung der Gerichtsmehrheit insofern nicht zu, als das Ziel der ungeschmälerten Erhaltung der weitgehend von te chnischen Infrastruktu- ren frei gebliebenen Landschaft und der naturnahen Lebensräume eine mög- lichst wenig störende, naturnahe Gestaltung des gru ndsätzlich zulässigen Turms erfordert. Es kann hierbei nach Auffassung de r Gerichtsmehrheit auch darauf hingewiesen werden, dass für die Schaffung e ines eigentlichen Wahr- zeichens, wie dies die Beschwerdegegnerin 1 im Zusa mmenhang mit der Er- stellung eines neuen Turms beansprucht, ganz abgese hen von der Land- schaftsverträglichkeit keine Standortgebundenheit g eltend gemacht werden kann. 37 Nach Auffassung der Gerichtsminderheit könnte dagegen der Turm – abgesehen vom unnötigen und störenden Sockelbau – g rundsätzlich in der 36 Vgl. dazu Stellungnahme der Kantonsarchäologie vo m 6. Januar 2011. 37 Vgl. oben E. 3b a.E. 2011 13 vorgelegten Form verwirklicht werden, da er ledigli ch Ersatz des bestehenden Turms bildet, Randentürme zum Schaffhauser Landscha ftsbild gehören und die baugesuchstellende Gemeinde über eine gewisse g estalterische Freiheit sollte verfügen können. Die Gerichtsminderheit würde daher nur eine Auflage machen, weniger störendes Material zu verwenden sow ie auf den massiven Sockelbau zu verzichten. ccc) Im Zusammenhang mit der Turmgestaltung ist noch die besondere Frage der Turmhöhe umstritten, welche die ENHK als übermässig beurtei lt. Sicher trifft es zu, dass der geplante Turm durch d ie exponierte Lage auf dem ins Tal vorspringenden Sporn des Siblinger Randens von weither sichtbar ist, soweit er die bewaldete Kuppe überragt. Andererseits ist zu beachten, dass die Funktion eines grundsätzlich zulässigen Aussichtstu rms nur gewährleistet ist, wenn er die Baumwipfel überragt und eine Aussicht e ffektiv ermöglicht. Nach Möglichkeit soll ein Aussichtsturm auch eine R undumsicht gewähr- leisten, weshalb es insoweit verständlich ist, dass die Beschwerdegegnerin 1 auch eine Sicht auf das Siblinger Randenhaus ermögl ichen will. Soweit es ohne übermässigen Eingriff in die Landschaft möglic h ist, darf hierbei auch die Sicht auf die Standortgemeinde ermöglicht werde n. In diesem Sinn er- scheint das ENHK-Gutachten nach einmütiger Auffassu ng der urteilenden Gerichtskammer als zu streng, soweit es lediglich e ine Turmhöhe von zwei Metern über den heute bestehenden Baumwipfeln ermög lichen will. Dies vor allem auch deshalb, weil für die Zukunft ein Zurück schneiden der Wald- bäume empfohlen wird, was kaum im Sinn eines wohlve rstanden Natur- und Landschaftsschutzes ist. 38 Wird ein Aussichtsturm zugelassen, was im vorlie- genden Fall dem Grundsatz nach unbestritten geblieb en ist, muss daher in Kauf genommen werden, dass der Turm die Silhouette der bewaldeten Ran- denhöhe durchbricht und vom Tal her sichtbar ist. E s kann in diesem Zu- sammenhang auch darauf hingewiesen werden, dass die andern vergleich- baren Randentürme durchaus auch Höhen von 20 Metern (Schleitheimer Ran- denturm) bzw. 26 Metern (Beringer Randenturm) aufwe isen, 39 wobei die Er- höhung des Beringer Randenturms von 18 auf 26 Meter von der ENHK noch 1996 als landschaftsverträglich bezeichnet wurde mi t dem Hinweis, dass der neue Turm das BLN-Gebiet kaum mehr beeinträchtigen würde als der be- stehende und solche Aussichtstürme überdies Kulturo bjekte seien, die vom zunehmenden Verständnis für unsere Landschaft und v om Tourismus des 38 Vgl. dazu auch das ENHK-Gutachten zum Beringer Ra ndenturm vom 4. Oktober 1996, wo ein entsprechendes Niederhalteservitut als Widerspruch zur Walderhaltungspflicht bezeichnet wurde. 39 ... Der Hagenturm (40 m) stellt insofern eine Bes onderheit dar, als dessen primäre Funktion einer Übermittlungseinrichtung im Rahmen der Landesverteidigung dient. 2011 14 19. Jahrhunderts zeugten. 40 Es trifft zwar zu, dass der Beringer Randenturm weniger exponiert ist als der Siblinger Randenturm, doch übersteigt er eben- falls den Horizont. Dies wird aber durch die konkre tisierten BLN-Schutzziele auch nicht ausgeschlossen, zumal sich diese nicht a usdrücklich mit der Hori- zontlinie befassen, sondern lediglich allgemein ein e ungeschmälerte Er- haltung der von technischen Infrastrukturen und stö renden Bauten frei ge- bliebenen Landschaft verlangen, was – wie erwähnt – den notwendig ge- wordenen Ersatz des bestehenden Aussichtsturms nich t ausschliesst und von dessen Funktion her bzw. zur Vermeidung problematis cher Niederhalte- anordnungen eine gewisse Erhöhung des Turms erforde rt. Insoweit vermag nach Auffassung der urteilenden Gerichtskammer auch die heutige, metho- disch konsequentere Praxis der ENHK, welche namentl ich eine ausdrückliche Konkretisierung der Schutzziele verlangt, die viel strengere Beurteilung als beim Beringer Randenturm – entgegen den Darlegungen im ENHK-Gut- achten – nicht zu begründen. ddd) Nach einmütiger Auffassung der urteilenden Kammer des Ober- gerichts könnte somit grundsätzlich ein höherer Tur m gebaut werden, als dies die ENHK zulassen will. Die Zulassung einer über da s von der ENHK zu- gestandene Mass hinausgehenden Turmerhöhung legt al lerdings für die Ge- richtsmehrheit eine besonders rücksichtsvolle, möglichst einfache und wenig störende Bauweise nahe, welcher die vorgesehene Ges taltung mit der – auch unter Sicherheitsaspekten 41 nicht unproblematischen – grossen, weit aus- kragenden Aussichtsplattform, dem chromstahlglänzen den Dach und dem grossen Fahnenmast nicht entspricht. 42 Ein neuer Turm sollte vielmehr wie bisher ohne Sockel als einfache Stahlkonstruktion d irekt aus dem Wald her- aus wachsen und die Treppe innerhalb des Gevierts d es Turms angelegt wer- den; überdies sollte der Turm keine glänzenden und reflektierenden Materia- lien aufweisen und keinen Dachaufbau, sondern höchs tens allenfalls einen nicht sehr grossen, unauffälligen Fahnenmast erhalt en. 43 Es kann in diesem Zusammenhang auch darauf hingewiesen werden, dass d ie ENHK im Falle des Beringer Randenturms die frühere Konstruktion a ls eher schwerfällig be- zeichnet und eine neuzeitliche elegantere Form als wünschbar bezeichnet 40 Vgl. dazu das erwähnte ENHK-Gutachten, S. 2. 41 Soweit ersichtlich wurde namentlich die Frage ein es genügenden Fluchtwegs nicht geprüft. 42 Vgl. zum Grundsatz grösstmöglicher Schonung von B LN-Objekten auch Art. 6 Abs. 1 NHG und dazu Rausch/Marti/Griffel, Rz. 558, S. 185 f., Leimbacher, Komm. NHG, Art. 6 Rz. 26, S. 217 f., und Dajcar, S. 139. 43 Vgl. dazu die Empfehlungen der ENHK im Gutachten, S. 5, auf welche insoweit verwiesen werden kann. 2011 15 hat. 44 Bei einem neuen Projekt werden daher nach Auffassu ng der Gerichts- mehrheit die erwähnten Grundsätze (einfache und ele gante, möglichst wenig störende Bauweise) zu beachten sein, und auch die Turmhöhe wird auf das im erwähnten Sinn nötige Mass (Plattformhöhe maximal 1 9 m, Turmspitze ma- ximal 25 m) zu beschränken sein. 45 Dabei ist insbesondere auch dafür zu sor- gen, dass keine zusätzliche Lichtquelle (Befeuerung wegen Flugsicherheit) nötig wird. Dies sollte aber bei einer Höhe unter 2 5 Metern nach den An- gaben der Baugesuchstellerin ohne weiteres möglich sein. Die Gerichtsminderheit würde demgegenüber den vorgesehenen neuen Turm in der projektierten Form, aber ohne Sockelbau , mit unproblematischen Materialien und einer Maximalhöhe von 25 Metern zulassen. f) Die unterschiedlichen Auffassungen von Gerichtsme hrheit und Ge- richtsminderheit wirken sich auch auf das Ergebnis aus. Nach Auffassung der Gerichtsmehrheit muss das Projekt in verschiedener, im Einzelnen no ch nicht bestimmter Hinsicht (namentlich bezüglich Sockel, T reppenaufgang, Platt- form, Dach und Fahnenmast) überarbeitet werden, was eine grundsätzliche Projektänderung darstellt, eine neue Ausschreibung erfordert und daher ent- gegen der Auffassung der Baugesuchstellerin nicht d urch Auflagen im Rah- men des vorliegenden Beschwerdeverfahrens erledigt werden kann. 46 Die er- teilte baurechtliche Ausnahmebewilligung muss daher aufgrund der von der Gerichtsmehrheit bemängelten Punkte in Gutheissung der Verwaltungs- gerichtsbeschwerde aufgehoben werden . Die von der Gerichtsminderheit be- mängelten Punkte (Weglassen des unnötigen und störe nden, für die Kon- struktion nicht erforderlichen Sockelbaus und ander e Materialwahl) könnten dagegen nach Auffassung der Gerichtsminderheit durc h eine bloss teilweise Gutheissung und Anbringung entsprechender Auflagen berücksichtigt wer- den. 44 Vgl. Gutachten vom 4. Oktober 1996, S. 1 und S. 2 . Vgl. auch die mit der Vernehmlassung des Regierungsrats vom 9. März 2010 eingereichte Be ilage "Aussichtstürme Schweiz/ Deutschland" mit guten und schlechten Beispielen. 45 Vgl. dazu oben E. 3e dd ccc. 46 Vgl. dazu Art. 73 des Gesetzes über die Raumplanu ng und das öffentliche Baurecht im Kan- ton Schaffhausen vom 1. Dezember 1997 (Baugesetz, S HR 700.100); zu den Grenzen einer Korrektur eines Baubewilligungsentscheids durch blo sse Auflagen OGE Nr. 60/1999/10 vom 3. Dezember 1999, E. 5b, c, Amtsbericht 1999, S. 11 7 ff. (keine wesentliche Projektänderung bei Auflage der Verbreiterung der Erschliessungsstr asse bei grösserer Reihenhausüberbau- ung).