Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. September 2019 (720 19 169 / 232) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Nikolaus Tamm, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1969 geborene A.____ absolvierte nach Abschluss d er obligatorischen Schulzeit eine Lehre zum Metallbauschlosser. Seit seiner Lehrzeit litt er an chronisch-rezidivierenden Rückenbeschwerden, welche dazu führten, dass er seine angestammte Tätigkeit als Metallbau- schlosser seit dem Jahr 1993 nicht mehr ausüben konnte. In der Folge wurde A.____ von der IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Fahrrad- und M otorradmechaniker umgeschult. Da er nach der Umschulung keine Stelle im erlernten Beruf f and, trat er 1996 erneut eine Stelle als Metallbauschlosser bei der B.____ AG an. Nachdem er d iese Stelle im Jahr 2000 von sich aus Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gekündigt hatte, meldete er sich erneut bei der IV-Stelle an und beantragte eine Umschulung in den Beruf des Konstrukteurs. Nach erfolgter Begutachtu ng lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. September 2000 die Umschulung zum Konstrukteur mit der Begründung ab, dass A.____ die Tätigkeit als Fahrrad- und Motorradmechaniker weiterhin zumutbar sei. Im Jahr 2001 kam die IV-Stelle zum Schluss, dass die Tät igkeit als Fahrrad- bzw. Motorradme- chaniker auf längere Sicht doch nicht geeignet sei und sprach ihm eine Umschulung zum eidge- nössisch diplomierten Hauswart zu. Nach erfolgter Umschulung war er seit dem Jahr 2005 beim C.____ als Hauswart tätig. Mit Gesuch vom 28. Oktober 2016 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine gesundheitliche Verschlechterung erneut bei der IV-Stelle an. Nach erfolgter Abklärung der gesundheitlichen und der erwerblichen Verhältnisse und durchgeführtem Vorbescheidverfah- ren lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. April 2019 einen Rentenanspruch von A.____ bei einem IV-Grad von 26 % ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Nikolaus Tamm, mit Schreiben vom 24. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgeri cht, Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm eine Invalidenrente zuzusprechen. Im Weiteren sei ein Gerichtsgutachten einzuholen, even- tualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzu- weisen. C. Mit Vernehmlassung vom 12. Juli 2019 beantragte die IV-Stelle, die vorliegende Be- schwerde sei abzuweisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fo rm- und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die I V-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 8. April 2019 gestützt auf den Sachverhalt, wie er sich damals präsentiert hat, einen Ren- tenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem n ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweis-würdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt- nisse hervor. Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen, zu welchen RAD-Berichte gehö- ren, kommt nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Ger ichtsgutachten. An die Beweiswürdi- gung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Be stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ä rztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5. 1, 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C _879/2014, E. 5.3). Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist jedoch da nn mit dem Beweiswert von externen medizinischen Sachverständigengutachten (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353) vergleichbar, wenn sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten ge- nügen (SVR 2009 IV Nr. 56 S. 174, 9C_323/2009 E. 4.3.2). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerd eführers liegen im Wesentli- chen die folgenden ärztlichen Unterlagen vor: 5.1 Mit Austrittsbericht vom 1. Dezember 2016 (Hospitali sation vom 30.11.2016-1.12.2016) hält Dr. med. D.____, Oberarzt Chirurgie E.____-Spital, folgende Diagnosen fest: 1. Nackenschmerzen rechtsbetont mit/bei - unklarer Läsion im Bereich der Facetten HWK7 und B WK1 rechts 2. Unklare Kribbelparästhesie und Schwäche beider Beine mit/bei - St.n. Bandscheibenoperation L5/S1 2006 und 2008 - St.n. TLIF L5/S1 09/2011 - OSME Pedikelschrauben L5/S1 10/2012 Nach durchgeführter Biopsieentnahme HWK/BWK1 habe sich postoperativ ein problemloser Ver- lauf gezeigt. Der Patient werde in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen. 5.2 Mit Bericht vom 29. Dezember 2016 wiederholt Dr. D .____ die Diagnosen vom 1. De- zember 2016. Weiter führt er aus, bei positivem Wachstu m von Propionibacterium acnes könne nicht ganz sicher geklärt werden, ob der Keim direkt am Facettengelenk vorgelegen habe oder ob es sich um eine Kontamination handle. Klinisch zeig e sich der Befund absolut reizlos, labor- chemisch liege keine akute Entzündung vor. Aus seiner Sicht sei am ehesten von einem dege- nerativen Geschehen im Bereich dieses Facettengelenks au szugehen. Grundsätzlich stehe er einer weiteren Operation sehr zurückhaltend gegenüber. Er denke, dass ein schwerer körperli- cher Beruf für den Patienten in der Zukunft nicht sinnv oll erscheine, das Tragen von schweren Gegenständen wie auch intensive Putzarbeiten würden wohl nicht mehr durchgeführt werden können. 5.3 In einem weiteren Bericht vom 2. Februar 2017 hä lt Dr. D.____ folgende Diagnose fest: Chronische Wirbelsäulenschmerzen mit/bei: - Multiplen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäu le mit Diskopathie HWK 5-7 sowie ausgeprägter Diskopathie BWK 10/11 - St. n. navigierter Biopsieentnahme Facettengelenk HW K 7/ BWK 1 am 30.11.2016 - St.n. Bandscheibenoperation L5/S1 2006 und 2008 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht - St. n. TLIF L5/S1 09/2011 - OSME Pedikelschrauben L5/S1 10/2012 Dr. D.____ führt aus, in der Bildgebung würden sich multiple degenerative Veränderungen der gesamten Wirbelsäule zeigen. Eine Diskushernie bestehe nicht. Hingegen bestehe eine ausge- prägte Degeneration mit Betonung auf das Bandscheibenfach BWK 10/11 mit leichter Protrusion der Bandscheibe. Eine sinnvolle chirurgische Therapie könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht ange- boten werden. Es werde empfohlen die konservative Therapie mit Physiotherapie und das Aus- schöpfen anderer alternativen Therapien fortzusetzen. Langfristig werde eine dauerhaft körperli- che Arbeit mit Belastungen mit Heben von schweren Lasten über 10-15 kg wahrscheinlich nicht möglich sein. Um die exakte Arbeitsfähigkeit einzuschätzen werde aus seiner Sicht ein ordentli- ches Gutachten nötig sein, da beim Versicherten verschiede ne Aspekte berücksichtigt werden müssten. 5.4 Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Medizin, hält im Bericht vom 22. März 2017 folgende neue Diagnosen fest: V.a. Wadenclaudatio/pAKV 2 sowie unklare Atembeschwerden, DD: Rest- riktive Einschränkungen bei Beweglichkeitsverminderung des Thorax durch degenerative Verän- derungen. Beide Diagnosen seien eventuell relevant für die Arbeitsfähigkeit. Objektiv würden fast fehlende Fusspulse am Fussrücken bestehen, anamnestisch dur ch Belastung wie Velofahren oder Laufen ausgelöste Schmerzen in den Waden, die allerdings auch nach Stillstehen nicht ver- schwinden würden und auch schon am Morgen früh auftrete n könnten, bevor Belastungen be- stehen würden. 5.5 PD Dr. med. G.____, Chefarzt Klinik Neurologie d es H.____-Spitals, hält mit Bericht vom 16. August 2017 folgende Diagnosen fest: 1. Rezidivierende Sensibilitätsstörung i.B. der gesamten Hand, gelegentlich auch des gesam- ten Armes wechselseitig, aktuell eher linksbetont - bei V.a. unspezifisches/muskuläres TOS 2. Akzentuiert in den Fingern I-III der linken Hand au ftretende Sensibilitätsstörungen in der Nacht - neurographisch mit linksbetonter mittelgradiger Mye linscheidenschädigung des N. me- dianus i.B. des Carpaltunnels - nervensonographisch linksseitig mit einem relativ we it in den Carpaltunnel hinein-zie- henden Extensorenmuskel als prädisponierenden Faktor 3. Klinisch und elektrophysiologisch kein Hinweis für eine zervikoradikuläre Symptomatik. Klinische oder elektrophysiologische Hinweise für das Vorlie gen eines zervikoradikulären Aus- falls- oder Schmerzsyndroms würden sich nicht ergeben. Die Sensibilitätsstörungen in den Fin- gern I-III seien wahrscheinlich auf ein linksbetontes Carpaltunnelsyndrom zurückzuführen. 5.6 In seiner Stellungnahme vom 26. Oktober 2017 führt der RAD-Arzt Dr. med. I.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, unter anderem aus, die Problematik einer eingeschränkten Belastbarkeit des Achsenorgans des Versicherten lumbal sei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bereits bekannt gewesen. Nun sei auch eine solche zervikal nachvollziehbar, wobei sich diverse Beschwerden des Versicherten nicht objektivieren liessen, bzw. würden diese ohne konkretes Korrelat im Raum stehen. Nachvollziehbar seien im MRT fassbare Veränderungen im Bereich des zervikothorakalen Übergangs wegen eines kräftigen Weichteil- und Knochenmarködems im rechten Facettengelenk HWK7/BWK1, das man in erster Li nie einer Arthritis entsprechend ein- gestuft habe. In einer dem Rücken angepassten Tätigkeit mit leichten bis intermittierenden kör- perlichen Arbeiten könne dem Versicherten eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit zugemutet werden. 5.7 Am 26. Januar 2018 ergeht der Operationsbericht vo n Dr. med. L.____, FMH Chirurgie, betreffend die Operation vom 16. Januar 2018. Aufgru nd eines klinisch und neurologisch gesi- cherten Karpaltunnelsyndroms links sei eine offene Karpaldachspaltung links erfolgt. 5.8 In seiner Beurteilung vom 14. März 2018 führt Dr. I.____ aus, dass das mittelgradige Karpaltunnelsyndrom keine massgebliche Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründen könne mit Ausnahme einer ca. sechs wöchigen Belastungskarenz ab Operation vom 16. Januar 2018. 5.9 Dr. med. K.____, Oberarzt Institut für Radiologie am H.____-Spital, hält in seiner Beur- teilung vom 30. April 2019 fest, dass epifusionelle degenerative Veränderungen im Segment LWK 4/5 mit ausgeprägter Spondylarthrose und linksbetonter Einengung der Neuroforamina beidseits mit fraglicher foraminaler Affektion der Nervenwurzel L4 beidseits, linksbetont vorliegen würden. Es bestehe eine Einengung der Neuroforamina beidseits i m Segment LWK 5/SWK 1 mit mögli- cher foraminaler Affektion der Nervenwurzel L5 beidseit s sowie fraglicher Kompromittierung re- cessal der Nervenwurzel S1 rechts. 5.10 Mit Bericht vom 14. Juni 2019 nimmt Dr. I.____ no chmals Stellung und hält an der bis- herigen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit fest. Die o bjektiv fehlenden Befunde sensomotori- scher Ausfälle, wie sie übrigens auch hausärztlicherseits feststellbar gewesen seien, würden un- ter ergonomisch-funktionellen Überlegungen die Formulierung einer entsprechenden Zumutbar- keit ermöglichen. Die somatischen Veränderungen würden dabei per se nicht in Abrede gestellt, sondern nur unter Bezug auf die objektiven Befunde ergonomisch-funktionell bewertet. Dass die Beurteilung bloss nach Aktenlage erfolgt sei, sei anhand der fachlich interdisziplinär (allgemein- internistisch, neurologisch, neurochirurgisch, spinalchirurgisch) und medizinisch komplexen Be- fundlage nach wie vor vertretbar, weshalb auch das Kriterium einer fehlenden RAD-Untersuchung nicht als unbedingter Mangel nachvollzogen werden könne. Zum MRI-Befund des Achsenorgans lumbal führt Dr. I.____ aus, dieser Befund stehe ohne weitere objektive Befunde klinischer wie auch neurologischer Art ungefiltert im Raum. Immerhin würden neben den degenerativen Verän- derungen allenfalls mögliche neurokompressive/-kom-promit tierende Veränderungen beschrie- ben, deren Relevanz jedoch ohne objektive klinische neurologische Befunde wie z.B. einer Mes- sung der Nervenleitgeschwindigkeit im Raum stehen würde n. Eine degenerative Minderbelast- barkeit des Achsenorgans sei vom RAD bereits hinlänglich berücksichtigt worden und es seien keine neuen wegweisenden Befunde zu den bereits vorbekannten degenerativen Veränderungen dokumentiert. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Beurteilu ng der Arbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers auf die diversen RAD-Berichte von Dr. I.____. Sie geht demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Der RAD habe sich bei der Beurteilung strikt an den medizinischen Berichten der Behandler orientiert. Es fällt auf, dass Dr. I.____ zum MRI des Achsenorgans lumbal ausführt, dass der Befund des H.____-Spitals ohne weitere objektive Befunde klinischer wie auch neurologischer Art ungefiltert im Raum stehe. Immerhin würden durch das H.____-Spi tal allenfalls mögliche neurokompres- sive/-kompromittierende Veränderungen beschrieben. Deren Relevanz würde gemäss Dr. I.____ aber ohne objektive klinische, neurologische Befunde "im Raum stehen". Er hält jedoch weiter fest, dass solche Befunde z.B. mittels einer Messung der N ervenleitgeschwindigkeit abgeklärt werden könnten. Dies zeigt, dass weitere Untersuchungen zur Abklärung der Beschwerden des Versicherten möglich wären. Ausserdem steht die abschliessende Zumutbarkeitsbeurteilung des RAD auch im Widerspruch zur Einschätzung von Dr. D.____. Dieser hält fest, dass sich in der Bildgebung multiple degenerative Veränderungen der gesamten Wirbelsäule zeigen würden. Es bestehe eine ausgeprägte Degeneration mit Betonung auf das Bandscheibenfach BWK10/11 mit leichter Protrusion der Bandscheibe. Zur Einschätzung der exakten Arbeitsfähigkeit sei aus seiner Sicht ein ordentliches Gutachten nötig, da beim Versicherten verschiedene Aspekte berücksich- tigt werden müssten. Diese Feststellungen lassen Zweifel an der Beurteilung durch Dr. I.____ bzw. an der rechtsgenüglichen Abklärung des medizinischen Sachverhalts aufkommen. Die Tat- sache, dass auch Dr. I.____ die Angelegenheit als fachlich interdisziplinär (allgemeininternistisch, neurologisch, neurochirurgisch, spinalchirurgisch) und medizinisch komplex beurteilt, verstärken die Zweifel an der vorgenommenen medizinischen Beurteilung durch einen verwaltungsinternen Arzt alleine gestützt auf die vorliegenden Akten. 7. Demzufolge ergibt sich, dass der medizinische Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abge- klärt ist, da zumindest geringe Zweifel an den verwaltungsinternen Arztberichten des RAD beste- hen (vgl. oben E. 4.3). Da der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde, ist die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen und z um Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Die Vorinstanz wird dabei eine verwaltungsexterne Begutachtung in orthopädischer und neurologischer Hinsicht anzuordnen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdever fahrens zu befinden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens - und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einh eitlich auf Fr. 800.-- fest. In der ab 1. Januar 2019 neu in Kraft getretenen Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die or- dentlichen Kosten auch den unterliegenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist die IV- Stelle unterliegende Partei. Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt, und der geleistete Kostenvorschuss ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in sei- ner Honorarnote vom 31. Juli 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insge- samt 11 Stunden und 25 Minuten geltend gemacht, was si ch in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in So- zialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangen- den Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 39.50. Dem Beschwerdeführer ist folglich eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'116.50 (11 Stunden und 25 Minuten à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 39.50 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesg ericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die Verfügung vom 8. April 2019 aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer eine Part eientschädigung in der Höhe von Fr. 3'116.50 (inklusive Auslagen und 7,7 % Mehrwert- steuer) auszurichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht