B. Gerichtsentscheide 3553 74 3553 Aufklärungspflicht des Zahnarztes (Art. 398 OR) und Folgen der nicht richtigen Erfüllung des Auftrages (Art. 394 OR). In casu B e- weislastumkehr zufolge ungenügender Aufklärung. Kann nicht ausg e- schlossen werden, dass die Beklagte von der Behandlung ganz abg e- sehen hätte oder diese durch einen anderen Zahnarzt hätte durchfü h- ren lassen, wenn sie von Anfang an korrekt über das Ausmass des Eingriffs sowie die damit verbundenen Risiken und Kosten aufgeklärt worden wäre, erscheint es als angemessen, wenn die unrichtige Au f- tragsausführung zum gänzlichen Verlust des Anspruchs auf Verg ü- tung führt und das Honorar nicht bloss reduziert wird. Sachverhalt: Die Beklagte und Appellantin (nachfolgen d Beklagte genannt) war ab Juli 1994 bei Dr. G. in zahnärztlicher Behandlung. Im Zuge dieser Behandlung wurde der Beklagten im Oberkiefer links beim Zahn Nr. 26 ein Implantat eingesetzt. Des Weiteren wurde eine sogenannte GTR-Membran angebracht, welche mit zwei Fixationsnägel n befestigt wurde. Am 30. April 2001 begab sich die Beklagte in die Behan dlung beim Nebenintervenienten X. Es wurde beschlossen, das Gebiss zu sanieren. Die zahnärztliche Behandlung durch X. zog sich über me h- rere Monate hin und die Beklagte leistete in me hreren Teilzahlungen insgesamt Fr. 6'500.00 an die Kosten der Behandlung. Am 23. August 2001 stellte X. eine Honorarrechnung über Fr. 13'990.40. Die Forderung wurde von der Beklagten nicht bezahlt, weshalb X. am 17. April 2002 den Betrag in Betreibun g setz te. Mit Schreiben vom 20. Mai 2002 an X. zeigte die Beklagte mehrere Probleme an. X. überwies die Beklagte am 8. Oktober 2002 zur Konsultation an Dr. K Am 10. Dezember 2002 sandte X. der Beklagten erneut eine Rec h- nung über Fr. 13'490.40. Nicht berücksichtigt auf der Rechnung wurde eine mittlerweile erfolgte Zahlung der Beklagten über Fr. 500.00. Die Beklagte war mit der durchgeführten Behandlung immer noch nicht zufrieden, kam jedoch mit X. zu keiner Einigung. Im Se ptember 2003 wandte sich die Beklagte an D r. H, der ihre weitere zahnärztliche B e- handlung übernahm. X. trat am 21. November 2002 seine Forderung an die ZZ AG ab, welche diese am 13. Oktober 2003 wiederum an die heutige Kläg erin und Appellantin (nachfolgend Klägerin genannt) zedierte. Die Kläg erin B. Gerichtsentscheide 3553 75 sowie X. fordern von der Beklagten die Bezahlung des ausstehe nden Honorars über Fr. 12'990.40. Die Beklagte stellt sich auf den Stan d- punkt, dass X. den Vertrag nicht bzw. schlecht erfüllt habe und dass für den schlecht erfüllten Teil des Auftrags kein Hon orar geschuldet sei. Darüber hinaus erhebt sie Verrechnungseinrede aus Schadene r- satz und macht eine Genugtuung geltend. Aus den Erwägungen: 1. Nach Art. 398 Abs. 1 OR haftet der Beauftragte im Allgemeinen für die gleiche Sorgfalt wie der Arbeitnehmer im A rbeitsverhältnis. Er haftet dem Auftraggeber für getreue und sorgfältige Ausführung der ihm übertragenen Geschäfte (Art. 398 Abs. 2 OR). Grundsätzlich trägt somit der Auftraggeber die Beweislast dafür, dass die Leistung des Beauftragten nicht gehörig erfol gt ist. Er hat die Vertragsverletzung nachzuweisen. Gelingt dem Auf traggeber der Nachweis der Vertrag s- verletzung (sowie des Schadens und des Kau salzusammenhanges zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden), ist es alsdann Sache des Beauftragten zu bew eisen, dass er die Pflichtverletzung nicht verschuldet bzw. nicht zu vertreten hat ( Walter Fellmann, Berner Kommentar, Bern 1992, N 444 und 447 zu Art. 398 OR). Eine B e- weiserleichterung hat aber dann einzutreten, wenn dem Auftraggeber die volle Beweislast für eine (objektive) Sorgfaltspflichtverletzung nicht zugemutet werden darf, weil der Beauftragte die Aufklärung behindert oder gar verunmöglicht. So kehrt beispielsweise die deutsche Lehre und Rechtsprechung die Beweislast um, wenn „ein Arzt in un gewöhn- lichem Ausmass einfache Diagnose - und Kontrollbefunde nicht erh o- ben hat“ und gerade deswegen der Behandlungsverlauf nicht gen ü- gend aufgeklärt werden kann ( Walter Fellmann , a.a.O., N 452 zu Art. 398 mit weiteren Beispielen). Nach Fellmann (a.a.O., N 455 f. zu Art. 398 OR) müssen diese Grundsätze auch im schweizerischen Au f- tragsrecht Anwendung finden. Dies umso mehr, als sie hier in der R e- chenschaftspflicht nach Art. 400 Abs. 1 OR sogar eine gesetzliche Grundlage finden. Angesichts der Treuepflicht des Beauftra gten g e- hört zur Rechenschaftsablegung nämlich selbstverständlich auch die lückenlose Aufklärung über die Hintergründe und die möglichen Urs a- chen eines Schadens . Kommt der Beauftragte dieser Verpflichtung nicht nach oder sind die vorge brachten Darlegungen a us Gründen, die der Beauftragte zu vertreten hat, derart lü ckenhaft, dass dem Au f- traggeber der Nachweis einer Vertragsverletzung gerade mangels e i-B. Gerichtsentscheide 3553 76 ner sorgfältigen Dokumentation nicht gelingen kann, hat der Beau f- tragte und nicht der Auftraggeber für die Bew eiserschwerung oder Beweisvereitelung einzustehen. Eine so lche Pflichtverletzung hat deshalb im Ergebnis eine Umkehr der Beweislast zur Folge. Zum gle i- chen Ergebnis führt die Überlegung, dass der Beauftragte aufgrund seiner Treuepflichten den Auftraggeber auch auf eigene Fehler hi n- weisen muss. Kommt hinzu, dass der Beweis der gehörigen Aufkl ä- rung gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ganz allgemein dem Arzt obliegt (BGE 117 Ib 197 E. 2 lit. d). Wie nachfolgend dargelegt wird, kann weder die Klägerin noch der sie im Verfah ren unterstützende Nebenintervenient X. den Beweis er- bringen, dass Letzterer die Beklagte über die Behandlung korrekt au f- geklärt hat. Nach dem soeben Gesagten trägt also die Klägerin resp. der sie im Verfahren unterstützende Nebeninterv enient die Beweislast für die richtige Erfüllung. 2.1 Die Beklagte behauptete im Schriftenwechsel vor erster und zweiter Instanz eine Verletzung der Aufklärungspflicht durch den N e- benintervenienten. Dieser lässt den Vorwurf bestreiten. Anlässlich der Parteieinvernahme vom 22. September 2009 gab die Beklagte auf entsprechende Fragen des Obergerichtspräsidenten zu Protokoll, der Nebenintervenient habe ihr nicht erklärt, was bei der Behandlung passieren könne, er habe auch nicht gesagt, was passi e- re, wenn man nichts mache, das sei keine Diskussion gewesen. Sie hätten nie über Geld gesprochen und es habe auch keinen Behan d- lungsplan gegeben. Es sei Schritt für Schritt vorgegangen worden. Die Orientierung sei jeweils kurz vor dem Eingriff erfolgt. […] In einer nächsten Sitzung habe er die vier oberen Schneidezähne gezogen. Das sei vorher nicht besprochen worden. Er habe sie damit an der Sitzung überrumpelt. Der Nebenintervenient habe ein neues Gebiss machen wollen, das habe sie nicht gewollt. Sie sei ein Fan der Im plan- tat-Technik. Notgedrun gen habe sie auf dem Behandlungsstuhl ei n- gewilligt, dass die Schneidezähne gezogen würden. Die Überlegu n- gen des Nebenintervenienten seien ihr nicht klar gewesen, erklärt h a- be er ihr nichts. […] Einen Behandlungsstopp habe sie nich t verlangt; das sei nicht so einfach gewesen. Sie habe eine „Sperre“ im Mund gehabt und habe schon auf dem Behandlungsstuhl gesessen. In di e- sem Moment sei sie hilflos gewesen. […] Der Nebenintervenient habe nie gesagt, die Membran im Oberkiefer links müsse nach einer gewis- sen Zeit entfernt werden. B. Gerichtsentscheide 3553 77 Im Recht liegt das Original der Patientenkarte der Beklagten. Di e- ses Dokument gibt stichwortartig wieder, welche Arbeiten der Nebe n- intervenient an den einzelnen Behandlungsdaten ausgeführt hat. Hi n- weise darüber, ob die Beklagte über Umfang und Art der Behan dlung aufgeklärt worden ist und in diese eingewilligt hat, fehlen. Die im erstinstanzlichen Verfahren beigezogene Gutachterin, Prof. Dr. med. dent. Z. gelangte im Wesentlichen zum Schluss, dass die Krankengeschichte prinzipiell dürftig sei und die Dokumentation der Behandlungen nicht heutigen Standards entspreche. Ebenso fehle e i- ne adäquate röntgenologische Dokumentation (z.B. Schlussröntge n- bilder) nach Einsetzen der verschiedenen Brücken im Ober - und Un- terkiefer. In der Krankengeschichte finde sich keine Angabe zu den technischen Problemen mit dem Implantat in der regio 26 und den Komplikationen, beim Versuch, die Brücke in dieser Region einzugli e- dern. Man erhalte keine Information zu der Art der Komplikation und den erfolgten Massnahmen. Es befänden sich auch keine Einträge zur Behandlungsplanung und Befundsaufnahme der Zähne vor Behan d- lungsbeginn (z.B. Vitalitätstest, Parodontalstatus, Okklusionssituat i- on). Das Nichtentfernen der Membran und eine wohl unsachgemä sse Manipulation beim Implantat 26 hätten eine Kette von Problemen ausgelöst. Die Kommunikation und der Informationsfluss zwischen den Parteien erscheine unk lar, und es bedeute eine gravie rende Un- terlassung, dass zu diesem Zeitpunkt das erkannte Problem mi t der Membran nicht definitiv gelöst worden sei und dass der Nebeninterv e- nient nicht in irgendeiner Form auf eine Lösung gedrängt habe. Die Krankengeschichte ende bereits am 18. September 2001 und enthalte keine Einträge aus dieser Zeit, die auf das Implan tat in der regio 26 hinweisen würden. 2.2 Jede medizinische Behandlung stellt einen Eingriff in das Pe r- sönlichkeitsrecht, und zwar sowohl in das Selbstbestimmungsrecht wie in die körperliche Integrität der Patientin oder des Patienten dar. Ein solcher Ein griff ist rechtswidrig, sofern nicht ein Rechtfertigung s- grund, insbesondere die Einwilligung des Patienten vorliegt. Im Hi n- blick auf die Rechtsfolgen mangelhafter zahnärztlicher Aufklärung ge l- ten die gleichen Grundsätze wie bei unterlassener Aufklärung des Arztes. Wird der Patient ungenügend aufgeklärt, ist keine rechtswir k- same Einwilligung gegeben; es liegt ein widerrechtlicher Eingriff vor. Verletzt der Zahnarzt seine Aufklärungspflicht, kann er sowohl für den materiellen als auch den immateriellen Schade n belangt werden. Er B. Gerichtsentscheide 3553 78 macht sich darüber h inaus einer Körperver letzung (Art. 122 ff. StGB) strafbar (Urteil APH 09 75 des Oberge richts des Kantons Bern, vom 10. Juni 2009, E. B. 1. mit weiteren Verweisen). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes ist de r Arzt ver- pflichtet, den Patienten über Art und Risiken der in Aussicht geno m- menen Behandlungsmethoden aufzuklären, es sei denn, es handle sich um alltägliche Massnahmen, die keine besondere Gefahr und keine endgültige oder länger dauernde Beeinträchtigung der körperli- chen Integrität mit sich bringen. Der Patient soll über den Eingriff und die Behandlung soweit unterrichtet sein, dass er seine Einwilligung in Kenntnis der Sachlage geben kann. Die Aufklärung darf jedoch keinen für seine Gesundheit schädliche n Angstzustand hervorrufen. Mas s- stab des Ausmasses der Aufklärung sind auf der einen Seite die vom Arzt gestellte Diagnose und die nach den medizinischen Kenntnissen des damaligen Zeitpunktes mit dem Eingriff ver bundenen Risiken. Ob die Diagnose rückblicke nd richtig war, ist in diesem Zusamme nhang unerheblich. Das Stellen einer falschen Diagnose bildet allenfalls e i- nen selbständigen Haftungsgrund. Andererseits kann der Arzt im Al l- gemeinen davon ausgehen, dass er es mit einem verständigen Pat i- enten zu tun ha t, der im Rahmen seiner Lebenserfahrung um die al l- gemein bekannten Gefahren der in Frage stehenden Operation weiss. Nicht aufzuklären hat der Arzt deshalb über Komplikation en, die mit einem grösseren Eingriff regelmässig verbunden sind oder ihm folgen können, wie zum Beispiel Blutungen, Infektionen, Thrombosen oder Embolien. Zu berücksichtigen sind aber auch die konkreten Umstä n- de. So braucht der Arzt einen Patienten oder dessen gesetzlichen Vertreter dann nicht in allen Einzelheiten über die Gefahren der g e- planten Operation aufzuklären, wenn auf der Hand liegt, dass diesem aufgrund früherer ähnlicher oder gleicher Operationen die einschläg i- gen Risiken bereits bekannt sein müssen. Allgemein gilt aber, dass der Arzt bei gewöhnlich mit grossen Risiken verbunde nen Operati o- nen, die schwerwiegende Folgen haben können, den Patienten au s- führlicher aufklären und informieren muss, als wenn es sich um einen im allgemeinen unproblematischen Eingriff handelt (BGE 117 Ib 197 E. 3 lit. b mit weiteren Hinweisen). Die Einwilligung in den Heileingriff ist also nur nach vorausgehe n- der Orientierung über den Grund und die Folgen der geplanten B e- handlung möglich. Ohne die nötige Aufklä rung kann der Patient ke i- nen freien Willen bilden. Der Arzt muss deshalb auch ohne aus drück-B. Gerichtsentscheide 3553 79 liches Verlangen vor Beginn seiner Therapie die notwendigen Au s- künfte erteilen. Er hat abzuschätzen, was dem Patienten an Informat i- on zugemutet werden kann und wann und in welcher Form sie erteilt wird ( Walter Fellmann , a.a.O., N 146 f. zu Art 398 OR mit weite ren Verweisen). Nach dem Bundesgericht hat der Arzt auch eine minimale wirtschaftliche Aufklärungspflicht. Diese umfasst die Aufkl ärung über die Kosten eines Eingriffs, wirtschaftliche Besonderheiten der Behand- lung resp. die Frage, ob die Kosten eines Eing riffs von der Kranke n- kasse gedeckt werden (Pra. 84 Nr. 72, Pra. 78 Nr. 266 und Pra. 80 Nr. 72). Bei der Bestimmung des Aufklärungsumfangs der zahnärztlichen Behandlung gelten die gleichen Grundsätze wie bei einer ärztlichen Behandlung. Die Aufklärung muss umfassend erfolgen und den g e- genwärtigen Zustand (Zustand der Zähne, des Kiefers etc.), Aussic h- ten (bei Unterlassung und Vornahme einer Behandlung) und die B e- handlung (Behandlungsmöglichkeiten mit allen Vor - und Nachteilen) beinhalten. Der Zahnarzt muss a uf die Art der möglichen Folgen ei n- gehen, d.h. er hat den Patienten über mögliche Schäden oder v o- rübergehendes Unwohlsein zu informieren. Der Zahnarzt hat im Z u- sammenhang mit der Eintrittswahrscheinlichkeit möglicher Folgen die konkrete Situation des Patie nten zu berücksichtigen, wie z.B. die Krankengeschichte, den Lebenswandel oder die psychische und ph y- sische Resistenz. Im Gegensatz zur ärztlichen Tätigkeit erfolgt in der zahnmedizinischen Praxis die Aufklärung des Patienten in der Regel nur mündlich. Es wird meist kein Aufklärungsformular verwendet, weshalb sich der Nachweis erfolgter Aufklärung und Einwilligung z u- weilen schwierig gestalten kann. Der Zahnarzt sollte daher zumindest auf dem Krankenblatt die Durchführung des Auf klärungsgesprächs dokumentieren, und zwar mit Hinweisen auf die erfolgte Information über Diagnose und Art der geplanten Massnahme, mögliche Risiken, Alternativbehandlungen und den Behandlungs plan. Unter dem G e- sichtspunkt der Beweistauglichkeit genügt es nämlich nicht, in der Krankengeschichte nur ganz allgemein zu vermerken, der Patient sei über die geplante Operation und ihre möglichen Komplikationen i n- formiert worden. Insbesondere im Zusammenhang mit risikoreichen Behandlungen sollte ei ne gewisse Überlegungsfrist zwi schen Aufkl ä- rung und Einwilligung eingehalten werden. Umfangreiche Eingriffe sind häufig auch mit hohen Kosten verbunden. Daher wird in der R e- gel ein Vorgespräch stattfinden, in welchem die Einzelheiten des Ei n-B. Gerichtsentscheide 3553 80 griffs besprochen werden (Art der Behandlung, Risiken, eventue lle Behandlungsalternativen und finanzielle Aspekte ; vgl. Urteil APH 09 75 des Obergerichts des Kantons Bern, vom 10. Juni 2009, E. B. 1. mit weiteren Verweisen). 2.3 Wie bereits erwähnt bilden Aussagen, welche zugunsten der befragten Partei lauten, für si ch allein keinen Beweis (Art. 195 Abs. 3 ZPO). Die Darstellung der Beklagten, wonach der Nebeninte rvenient nie mit ihr über die mutmasslichen Risiken und Kosten der Behan d- lung gesprochen und keinen Behandlungsplan gehabt habe, nie e r- wähnte, dass die Membra n entfernt werden müsse und die Informat i- on über das weitere Vorgehen jeweils auf dem Behandlungsstuhl e r- folgte, wird indes durch die Feststellungen, der vom Kantonsgeric ht eingesetzten Expertin, Prof. Dr. med. dent. Z., bestätigt (vgl. die oben wiedergegebenen Aussagen). Mangels selbst minimaler Angaben in der Krankengeschichte kann die Klägerin, welche die B eweislast trägt, somit nicht darlegen, dass die Beklagte ausreichend aufgeklärt wo r- den ist. Dazu hätten namentlich eine Befundsaufnahme und ein B e- handlungsplan, das Benennen der möglichen Risiken sowie das Au f- zeigen alternativer Behandlungsmöglichkeiten und die dringende Empfehlung, die eingewachsene Membran zu entfernen, gehört, nachdem die Abdeckkappe auf dem Implantat im Rahmen des g e- scheiterten Überkronungsversuches geöffnet worden war. Weiter hä t- te der Nebenintervenient die Beklagte auch über die mutmasslichen Behandlungskosten informieren müssen. Andere Beweise für eine ordnungsgemässe Aufklärung der Beklagten als die Krankeng e- schichte haben weder die Klägerin noch der sie im Verfahren unte r- stützende Nebenintervenient angeboten resp. zum Beweis verstellt. Das Obergericht gelangt daher zum Schluss, dass der Nebeninte r- venient die Beklagte über die an ihr vorgenommene zahnärztliche B e- handlung nicht lege artis aufgeklärt hat. 3. Der Nebenintervenient hat die Beklagte einerseits nicht ang e- messen aufgeklärt, andererseits ist ihm bei der Behandlung – zumin- dest – ein Fehler unterlaufen. Es liegt mithin keine gehörige Erfü llung des Auftrages vor. Im Auftragsrecht ist die Aufklärungs - und Benachrichtigungspflicht des Beauftragten Aus fluss seiner allgemeinen Treuepflicht ( Walter Fellmann, a.a.O., N 146 f. zu Art. 398 OR; Rolf H. Weber , Basler Kommentar, OR I, 4. A., Basel 2007, N 26 zu Art. 398 OR). Operiert der Arzt ohne (gültige) Einwilligung des Patienten, handelt er recht s-B. Gerichtsentscheide 3553 81 widrig und ist zum Ersatz allen Schadens verpflichtet, auch wenn er sich keiner Sorgfaltspflichtverletzung schuldig macht ( Rolf H. Weber , a.a.O., N 29 zu Art. 398 OR mit Verweis auf Urteil BGer 4P.265/2002). Zum Ersatz allen Schadens ist er jedoch auch verpflichtet, wenn er e i- ne Vertragsverletzung, d.h. eine Sorgfaltspflichtverletzung, begeht. Sind die Haftungsvoraus setzungen erfüllt, ist das positive Vertragsi n- teresse zu ersetzen (Rolf H. Weber, a.a.O., N 30 zu Art. 398 OR). Hier liegt (prozessual) jedoch eine andere Situation vor: Und zwar verlangt die Klägerin als Zessionarin einen Teil des ursprünglich vom Nebenintervenienten gegenüber der Beklagten geforderten H onorars. Nebst der Einrede des nicht gehörig erfüllten Vertrags hat die Bekla g- te der Forderung der Klägerin ihre Schadenersatzansprüche sowie e i- ne allfällige Genugtuungsleistung zur Verrechnung gegenüber g e- stellt. Vor dem Bestehen von Schadenersatz - resp. Genugtuungsa n- sprüchen ist also die Begründetheit der Hono rarforderung an sich zu prüfen. Die Rechtsprechung geht mehrheitlich davon aus, dass ein Hon o- rar nur bei korrekter und sorgfaltsgemässer Auftragsausführung g e- schuldet ist. Eine relevante Unsorgfalt führt zum Wegfall der Ho no- rarforderung bzw. berechtigt zur Honorarreduktion, nicht nur zur Gel - tendmachung von Schadenersatz ( Rolf H. Weber , a.a.O., N 43 zu Art. 394 OR mit Verweisen auf die Praxis). In der älteren Lehre wird in diesem Zusammenhang zumeist pauschal die Auffassun g vertreten, der Anspruch auf Entgelt setze richtige Vertragserfüllung voraus. Die Verletzung von Sorgfaltspflichten stelle eine unrichtige Vertragserfü l- lung dar, für die keine Gegenleistung geschuldet sei. Die neuere Le h- re nimmt demgegenüber eine differen ziertere Position ein: Statt jeden Honoraranspruch rundweg abz ulehnen, räumt sie dem Auftraggeber (nur) das Recht auf Minderung der Vergütung ein, wenn der Beau f- tragte die geschuldete Leistung nicht, unvollständig oder schlecht e r- bringt. Die Praxis der Gerichte ist uneinheitlich: In BGE 108 II 198 ver- tritt auch das Bundesgericht die Auffassung, die Verletzun g von Sorg- faltspflichten stelle eine unrichtige Auftragsausführung dar, für welche die Gegenleistung nicht geschuldet sei. Differenzierter äusserte es sich in einem amtlich nicht publizierten Urteil vom 13. Oktober 1970. Dort vertrat es die Auffassung, ein Architekt, dem der Auftrag wegen verzögerter und unsorgfältiger Ausführung des Auftrags entzogen worden sei, habe nur insoweit Anspruch auf die Vergütu ng seiner A r- beit, als diese für den Auftraggeber brauchbar sei ( Walter Fellmann , B. Gerichtsentscheide 3553 82 a.a.O., N 497 ff. zu Art. 394 OR). Fellmann selbst (a.a.O., N 501 zu Art. 394 OR ) favorisiert mit der neueren Lehre den Ansatz, dass die Vergütung nur für nützliche Leistungen des Beauftragten geschuldet ist. Führt der Beauftragte de n Auftrag nicht oder nur unvoll ständig aus oder handelt er unsorgfältig, ist die Vergütung nach dem „Äquivalen z- gedanken“ zu kürzen (gl. Meinung Rolf H. Weber , a.a.O., N 43 zu Art. 394 OR). Der Nebe nintervenient hätte die Beklagte vorliegend – unter B e- rücksichtigung der speziellen Umstände (Zustand der Zähne und des Kiefers, bestehendes Implantat mit eingewachsener Membran) – über die geplante Behandlung und deren Aussichten, die damit verbund e- nen Ri siken und Kos ten sowie – nach dem Scheitern der Überkr o- nung des Im plantats im linken Oberkiefer – über die Änderung der Behandlungsstrategie (Anbringen einer Fliegerbrücke) informieren müssen. Dies hätte er in Stichworten auf dem Patientenblatt schriftlich dokumentieren sollen. Den Nachweis, dass er diese Pflichten erfüllt hat (vgl. BGE 117 Ib 197 und Urteil APH 09 75 des Obergerichtes des Kantons Bern vom 10. Juni 2009, E. B. 2.), kann der Nebeninterv e- nient nicht erbringen. Daraus folgt, dass die Beklagte mangels gehöriger Aufkl ärung Art und Umfang der Behand lung nicht frei wählen konnte und ihre Einwi l- ligung in dieselbe somit nicht wirksam war. Demgemäss war der Ei n- griff durch den Nebenintervenienten widerrech tlich. Darüber hinaus ist dem Nebenintervenienten – zumindest was den linken Oberkiefer a n- geht – auch eine Sorgfaltspflichtverletzung in Form eines Behan d- lungsfehlers vorzuwerfen. Vorliegend kann nach Meinung des Obergerichts nicht ausg e- schlossen werden, dass die Beklagte von der Überkronung der I m- plantate ganz abgesehen oder die Behandlung bei einem anderen Zahnarzt hätte durchführen lassen, wenn der Nebenintervenient sie von Anfang an korrekt über das Ausmass des Eingriffs sowie die d a- mit verbundenen Risiken und Kosten aufgeklärt hätte. Umso mehr als sie vor der Behandlung beim Nebenintervenienten beschwerdefrei war. Demgemäss erscheint es dem Obergericht einzig als angeme s- sen, wenn die unrichtige Auftragsausführung hier zum gänzlichen Ve r- lust des Anspruchs auf Vergütung führt und das Honorar nicht bl oss reduziert wird. OGer, 18.02.2010