200 19 955 UV SCP/SHE/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 4. Mai 2020 Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiber Schnyder A.________ vertreten durch B.________ AG Beschwerdeführerin gegen AXA Versicherungen AG Generaldirektion, General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 25. November 2019 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 2002 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwer- deführerin) war bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend AXA oder Beschwerdegegnerin) obligatorisch nach dem Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) versichert, als sie am 29. September 2018 beim Zügeln der Kühe über einen Zaun sprang und nach der Landung auf dem Boden einen Knacks „vom“ linken Knie hörte (Akten der AXA [act. II A] 1). Die AXA tätigte in der Folge Abklärungen zum Ereignishergang sowie zum Gesundheitszustand (vgl. act. II A3, Akten der AXA [act. II M] 1 ff.). Am 18. Oktober 2018 (act. II M5) unterzog sich die Versicherte einem operativen Eingriff am linken Knie. Nach Vorlage des Versicherungsdossiers an ihren beratenden Arzt, Dr. med. C.________, Facharzt für Chirurgie (vgl. Stellungnahme vom 5. April 2019 [act. II M14]), teilte die AXA der Versicherten mit Schreiben vom 17. April 2019 (act. II A12) formlos mit, da das Ereignis vom 29. September 2018 weder ein Un- fall im Rechtssinn noch eine leistungsauslösende unfallähnliche Körper- schädigung darstelle, bestehe kein Anspruch auf Leistungen der obligatori- schen Unfallversicherung. An diesem Entscheid hielt die AXA mit Verfü- gung vom 25. Juni 2019 (act. II A24) fest. Nach dagegen erhobenen Ein- sprachen der Versicherten (act. II A28) und deren obligatorischen Kranken- pflegeversicherung (act. II A33) holte sie eine Beurteilung von Dr. med. D.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 10. November 2019 (act. II A16) ein und wies mit Entscheid vom 25. November 2019 (act. II A39) die Einsprachen ab. B. Mit Eingabe vom 23. Dezember 2019 erhob die Versicherte, vertreten durch die B.________ AG, hiergegen Beschwerde mit folgenden Rechts- begehren: 1. Der Entscheid vom 25. November 2019 sei aufzuheben.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 3 2. Die Beschwerdegegnerin habe die unfallversicherungsrechtlichen Leistungen für das Ereignis vom 29. September 2018 bis zum Erreichen des Status quo si- ne vel ante der Beschwerdeführerin zu erbringen. 3. Eventuell sei die Sache mit der Auflage an die Beschwerdegegnerin zurückzu- weisen, eine weitere Begutachtung durch einen versicherungsexternen Arzt zu veranlassen. - Alles unter Entschädigungsfolge - Der Beschwerde beigelegt war eine Stellungnahme von Dr. med. E.________, praktischer Arzt, vom 4. Dezember 2019 (Akten der Be- schwerdeführerin [act. I] 4). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 26. März 2020 auf Abweisung der Beschwerde. Dieser beigelegt war eine Stellung- nahme von Dr. med. D.________ vom 11. März 2020 (act. II M17). Mit prozessleitender Verfügung vom 14. April 2020 stellte der zuständige Instruktionsrichter der Beschwerdeführerin die Stellungnahme von Dr. med. D.________ vom 11. März 2020 (act. II M17) zur Kenntnis zu und gewährte ihr für eine allfällige Stellungnahme eine Frist bis zum 4. Mai 2020. Hiervor machte die Beschwerdeführerin am 30. April 2020 Gebrauch und hielt an den beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren fest. Der Stellungnahme beigelegt war eine weitere Aktenbeurteilung von Dr. med. E.________ vom 17. April 2020 (Akten der Beschwerdeführerin [act. IA] 1). Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver- waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok- tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 4 anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist ge- geben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsgegenstand bildet der Einspracheentscheid vom 25. November 2019 (act. II A39). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf die gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 29. September 2018. 1.3Der Versicherten wurde ab dem 29. September 2018 bis zum 10. Januar 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und danach bis zum 10. April 2019 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. II M1 ff.). Unter Berücksichtigung von Art. 16 Abs. 2 UVG, nachdem der Anspruch auf Tag- geld erst am dritten Tag nach dem Unfalltag entsteht, dem versicherten Verdienst von Fr. 12‘503.80 (12 x [Fr. 955.-- + Fr. 7.40] + Fr. 955.--) und der Regelung von Art. 17 Abs. 1 UVG, wonach das Taggeld 80% des ver- sicherten Verdienstes beträgt und bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit entspre- chend gekürzt wird, sind bei einer Arbeitsunfähigkeit von 101 Tagen zu 100% und 90 Tagen zu 50%, Taggelder von approximativ Fr. 4‘001.20 (Fr. 2‘767.95 [Fr. 12‘503.80 x 80% / 365 Tage x 101 Tage] + Fr. 1‘233.25 ([Fr. 12‘503.80 x 80% x 50% / 365 Tage x 90 Tage]) umstritten. Da von den Par- teien unbestritten blieb, dass die angefallenen Heilbehandlungskosten inkl. Operation den Betrag von Fr. 16‘000.-- überschreiten, liegt der Streitwert unter Fr. 20‘000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzel- richterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 5 2. 2.1Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi- cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). 2.2Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge- sundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). 2.2.1Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objekti- ven Massstab – nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist. Das Merkmal des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen Vorfall. Einwirkungen, die aus alltäglichen Vorgängen resultieren, taugen in aller Regel nicht als Ursa- che einer Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund somit allein im Innern des Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslösung des Gesundheitsschadens durch einen äusseren Faktor nichts; Unfall setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungewöhnlich ist, dass eine endogene Verursachung ausser Betracht fällt (BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76 und E. 4.1.1 S. 77). Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich- keit bezieht sich nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist in- soweit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Un- gewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 S. 79; SVR 2018 UV Nr. 8 S. 27 E. 3.1.1; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 6. Mai 2019, 8C_842/2018, E. 3.3.1). 2.2.2Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt da- bei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 6 beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der unge- wöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Verände- rung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Pro- grammwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 S. 118; SVR 2018 UV Nr. 8 S. 27 E. 3.1.2). Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (RKUV 2004 U 502 S. 183 E. 4.1, 1999 U 345 S. 422 E. 2b). 2.2.3Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind vom Leistungs- ansprecher oder der Leistungsansprecherin glaubhaft zu machen. Wird die- ser Forderung nicht nachgekommen, indem unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben gemacht werden, die das Bestehen eines unfall- mässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind (BGE 116 V 136 E. 4b S. 140, 114 V 298 E. 5b S. 305; SVR 2016 UV Nr. 44 S. 146 E. 3.4). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Ge- richt dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Ge- richt seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweis- anforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstel- lung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429). Im Sozialversicherungsrecht gilt die Beweismaxime, wonach die sogenann- ten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbe- wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder an- derer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2 S. 174, 121 V 45 E. 2a S. 47).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 7 2.3Die am 1. Januar 2017 in Kraft getretenen und vorliegend anwend- baren Änderungen vom 25. September 2015 des UVG (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG) und vom 9. November 2016 der Verordnung vom 20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202; vgl. Art. 147b UVV) haben an den obigen Bestimmungen (vgl. E. 2.2 vorne) materiell nichts ge- ändert. 2.4Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistun- gen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g), Trommelfellverletzungen (lit. h). Nach Meldung einer Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG hat der Unfallversicherer die genauen Begleitumstände abzuklären. Ist die Listen- verletzung auf ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG zurückzuführen, so ist der Unfallversicherer solange leistungspflichtig, bis der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsscha- den also nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Sind hingegen nicht sämtliche Kriterien des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG erfüllt, so wird der Unfallversicherer für eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Ver- letzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (Entscheid des BGer vom 24. September 2019, 8C_22/2019 [zur Publikati- on vorgesehen], E. 9.1). Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Un- fallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschätzungen – mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit – nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ursa- chenspektrum zu mehr als 50%, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu- führen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (BGer 8C_22/2019, E. 8.6).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 8 3. 3.1Hinsichtlich des Ereignisherganges vom 29. September 2018 findet sich in den Akten im Wesentlichen das Folgende: 3.1.1Am Ereignistag konsultierte die Beschwerdeführerin das Spital F.________. Dabei gab sie an, am Mittag über einen Zaun gesprungen zu sein und bei der Landung das linke Bein mehr belastet zu haben, worauf stechende Schmerzen aufgetreten seien (act. II M4) bzw. bei einem Sprung aufs linke Bein sei plötzlich ein stechender Schmerz im Knie aufgetreten (act. II M2). 3.1.2Mit Schadenmeldung UVG vom 8. Oktober 2018 (act. II A1) meldete die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin, sie sei am 29. Septem- ber 2018 beim „Zügeln der Kühe“ über einen Zaun gesprungen und habe, als sie auf dem Boden gelandet sei, einen Knacks „vom“ Knie gehört. 3.1.3Im Operationsbericht vom 19. Oktober 2018 (act. II M5) betreffend die am vorherigen Tag durchgeführte Operation wurde angegeben, vor knapp vier Wochen habe sich ein Sekundärtrauma mit Kniedistorsion nach Sprung und Sturz ereignet. 3.1.4Im Fragebogen vom 25. Oktober 2018 (act. II A3) gab die Be- schwerdeführerin an, beim Alpabzug sei sie mit beiden Beinen über einen Zaun gesprungen und habe bei der Landung das linke Bein mehr belastet. Daraufhin habe sie einen stechenden Schmerz verspürt und sei einge- knickt. Die Frage, ob sich etwas Ungewöhnliches oder Programmwidriges ereignet habe, das zum Ereignis beigetragen habe, wie z.B. ein Ausgleiten oder ein Sturz, beantwortete die Versicherte nicht. Bei der Frage, wann die Beschwerden / Schmerzen erstmals aufgetreten seien, und wie sich die Verletzungen geäussert hätten, gab sie an, die Beschwerden seien sofort nach dem Sturz aufgetreten. Die Verletzung habe sich durch starke Schmerzen und einer starken Schwellung, welche einige Minuten nach dem Sprung aufgetreten sei, geäussert (S. 1). 3.1.5In der Einsprache vom 18. Juli 2019 (act. II A28) wurde das Ereignis in dem Sinne beschrieben, als dass die Beschwerdeführerin bei einem Sprung über einen Zaun nicht wie vorgesehen und beabsichtigt mit einer Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 9 für beide Beine gleichen Belastung gelandet sei. Das linke Bein sei stärker belastet worden, woraufhin sie eingeknickt sei (S. 2 Ziff. 18). 3.2Wie die Beschwerdegegnerin treffend ausführt (vgl. Beschwerdeant- wort S. 3 Ziff. 1.2), gab die Beschwerdeführerin bei der Erstkonsultation am Ereignistag und damit echtzeitlich an, über einen Zaun gesprungen zu sein und bei der Landung das linke Bein mehr belastet zu haben, worauf ste- chende Schmerzen aufgetreten seien (act. II M4) bzw. nach einem Sprung einen plötzlichen Schmerz im linken Knie verspürt zu haben (act. II M2). Dass es zu einem initialen Sturz gekommen wäre (vgl. act. II A3, M5 sowie Beschwerde S. 4 Ziff. 8), ist mit Blick auf die Beweisregel der Aussage der ersten Stunde (vgl. E. 2.2.3) weit weniger wahrscheinlich als die Schilde- rungen anlässlich der Erstkonsultation im Spital F.________ am Ereignis- tag wie auch in der Unfallmeldung, bei welcher kein Sturz angegeben bzw. in den diesbezüglichen Berichten festgehalten wurde. Die Aussagen der Beschwerdeführerin betreffend Qualität der Aussage der ersten Stunde (vgl. Stellungnahme vom 30. April 2020 S. 2 Ziff. 5) sind nicht zu hören, machten doch insbesondere ihre Eltern ihre Angaben im Rechtsmittelver- fahren (act. II A16; vgl. auch E. 3.3.3, S. 11 unten, hiernach). Vielmehr ist mit der Begründung der Beschwerdegegnerin (Beschwerdeantwort S. 4 Ziff. 1.2) davon auszugehen, dass ein Sturz als eigentlich zentrales Sach- verhaltselement von Anfang an in der Unfallmeldung wie auch den erstbe- handelnden Ärzten gegenüber erwähnt worden wäre, wenn er sich tatsäch- lich ereignet hätte. Der vorliegend massgebende Geschehensablauf erfüllt den Unfallbegriff nicht, gehört es doch zur normalen Bandbreite des Bewe- gungsablaufs bei einem Sprung über einen Zaun, dass sich die Wucht der Landung nicht immer auf beide Beine gleich verteilen lässt. Ein in der Aus- senwelt begründeter Umstand, der den natürlichen Ablauf einer Körperbe- wegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat bzw. eine unkoordi- nierte Bewegung, wie z.B. ein Ausrutschen oder eine unphysiologische äussere Einwirkung, ist vorliegend nicht auszumachen und wird von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. Kommt es beim geschilderten Bewegungsablauf zu einer Schädigung des Knies, handelt es sich – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt (Beschwerdeantwort S. 4 Ziff. 1.3) – um einen rein inneren Ablauf, welcher durch keinen ungewöhnlichen äusseren Einfluss gestört wurde. Selbst ein auf den einschiessenden (inne-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 10 ren) Schmerz folgender Sturz würde daher in diesem Fall kein Unfall im Rechtssinn darstellen, hätte sich doch die Verletzung vorher ereignet und wäre ein allfälliger Sturz lediglich deren Folge, sodass es am notwendigen Begriffsmerkmal der Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor mangeln würde. 3.3Damit ist in tatsächlicher Hinsicht mit dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit erstellt (vgl. E. 2.2.3 hiervor), dass das Ereignis vom 29. September 2018 mangels Ungewöhnlichkeit den rechtlichen Un- fallbegriff (vgl. E. 2.2. hiervor) nicht erfüllt. Von den Parteien unbestritten und durch die Akten erstellt (vgl. u.a. act. II M5, 14 f.) ist, dass es sich bei der Innenmeniskusruptur um eine Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG handelt. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist in diesem Zusammen- hang, ob diese Listenverletzung – wie die Beschwerdegegnerin vorbringt – mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf Abnützung bzw. Erkrankung zu- rückzuführen ist und eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin damit entfällt. Diesbezüglich ist den medizinischen Akten im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen: 3.3.1Dr. med. C.________ führte in der Stellungnahme vom 5. April 2019 (act. II M14) aus, es lägen eine unbehandelte VKG-Ruptur links nach Ski- sturz am 21. Januar 2017 sowie neu eine vertikale Meniskusbasisruptur am medialen Meniskushinterhorn links bei vorbestehender relevanter Kniein- stabilität vor (S. 3 Ziff. 2). Letztere sei vorwiegend auf Abnützung oder Er- krankung zurückzuführen (Ziff. 2). 3.3.2Dr. med. E.________ führte am 8. Juli 2019 (act. II M15) aus, bei Berücksichtigung des beschriebenen Ereignisses, der sofortigen Schmer- zen, der am Ereignistag klinisch vermuteten Läsion des medialen Meniskus und des medialen Seitenbandes wie vor allem der Lokalisation des vertika- len Risses, neige er dazu, dass es sich bei der akuten Läsion um einen Listendiagnose handle ohne Anhaltspunkte für eine Degeneration des me- dialen Meniskus. Bezüglich der Mitwirkung der chronischen Instabilität sei zu erwähnen, dass die chronische VKB-Instabilität bekannterweise zu einer Degeneration vor allem des medialen Meniskus führe. Allerdings erst ab einer Zeitspanne von ca. zehn Jahren. Im konkreten Fall lägen zwischen dem ersten und zweiten Ereignis nur zwei Jahre zurück. Somit sei die Me-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 11 niskusläsion als frisch zu betrachten, ohne dass degenerative Veränderun- gen des Meniskus bildgebend oder perioperativ nachgewiesen worden sei- en. Der Status quo sine wäre bei unauffälligem Verlauf acht Wochen post- operativ begründbar (S. 3). 3.3.3Dr. med. D.________ kam in der Beurteilung vom 10. November 2019 (act. II M16) zum Schluss, es handle sich mit der vollständigen isolier- ten VKB-Ruptur vom 22. Januar 2017 um eine prognoserelevante Knie- schädigung links, die in der initialen Heilungsphase zu einem funktionell gut kompensierten Kniegelenk geführt habe. Naturgemäss habe jedoch keine VKB-Heilung stattgefunden und zum Zeitpunkt des erneuten Ereignisses vom 29. September 2018 habe eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit des linken Kniegelenkes vorgelegen. VKB-Rupturen als Ausdruck einer kom- plexen Knieverletzung zeigten naturgemäss progrediente Folgeverände- rungen, am offensichtlichsten an den Menisken und am Knorpel, die verzö- gert manifest werden könnten. Die Integrität des Innenmeniskus sei zum Zeitpunkt des Ereignisses vom 29. September 2018 als nicht erhalten zu betrachten (S. 7 f.). Weiter sei der geschilderte Schadenmechanismus (Sprung über Zaun mit Landung auf beiden Beinen, linkes Bein stärker be- lastet) nicht geeignet, die isolierte Innenmeniskusruptur (Vertikalriss Hinter- horn) zu verursachen. Die morphologischen Zusammenhänge der als ge- schädigt beschriebenen Begleitstrukturen im medialen Kompartiment (Bone Bruise, Innenbandschädigung) sprächen mit überwiegender Wahrschein- lichkeit gegen die Entstehung einer komplexen frischen Schädigung des Innenmeniskus, so dass man nicht von einem Meniskusriss im eigentlichen Sinne, sondern von einer isolierten und somit chronischen Meniskusschä- digung ausgehen müsse. Eine frische Meniskusruptur könne gemäss me- dizinischer Literatur auf diese Weise nicht zustande gekommen sein. Die Kriterien für einen seltenen sogenannten Drehsturz seien keineswegs er- füllt. Auch eine ungleichzeitige, allenfalls links verstärkte Belastung in der Landephase könne ohne charakteristische Begleitverletzung nicht zu einem Meniskusriss führen. Der Schadenmechanismus spreche bei bekannter vorderer Kreuzbandinsuffizienz deutlich für eine charakteristische Giving- way-Krise bei Knieinstabilität. Durch die Aussage der Eltern mit dem Kna- cken und Aushängen des Knies und dem Zusammenprall der einzelnen Knochen werde diese Interpretation eindrücklich unterstrichen (S. 8 Ziff. 1). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 12 Die sofortigen, offensichtlich medialen Knieschmerzen, gleichentags repro- duzierbar durch Valgusstress und entsprechend dokumentiert im MRI vom 1. Oktober 2018 wiesen auf eine Innenbandzerrung links hin, was als neue Verletzung verstanden werden könne. Dabei handle es sich marginal um eine Listendiagnose (Bandläsion, Gelenkverrenkung), die aber gute Chan- cen habe, innert acht bis neun Wochen abzuheilen (Status quo ante bezüg- lich Innenband), ohne dass operativ etwas unternommen werden müsste. Was die Meniskus- und VKB-Strukturen betreffe, handle es sich bei beiden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um eine Spätfolge des Ereignisses von 2017 (S. 8 f. Ziff. 2). Die Meniskusschädigung medial zeige nicht die Charakteristica einer frischen Ruptur und somit könne diesbezüglich nicht von einer Listenverletzung ausgegangen werden (S. 9 Ziff. 4). Die gegen- teiligen Aussagen von Dr. med. E.________ bezüglich Schadenmechanis- mus wie auch Schadenbild seien nicht stichhaltig und würden an seinen (Dr. med. D.________) Feststellungen nichts ändern (S. 9 f. Ziff. 5). 3.3.4Dr. med. E.________ erläuterte in der Stellungnahme vom 4. De- zember 2019 (act. I 4), Dr. med. D.________ nenne zwar die Begleitverlet- zungen (Bone Bruise, Innenbandschädigung), führe diese aber auf eine degenerative Ursache zurück, obwohl es sich um klare Begleitverletzungen im Bereich des medialen Meniskus handle. Weiter sei nicht nachvollzieh- bar, warum Dr. med. D.________ auf einen komplexen Meniskusriss schliesse, obwohl perioperativ wie auch im MRI ein vertikaler Meniskusriss ohne weitere komplexen Nebenrisse beschrieben würde. Auch die Lokali- sation des Risses spreche nicht für einen typischen degenerativen Menis- kus. Unverständlich seien die Mutmassungen von Dr. med. D.________, wonach in der Initialphase die Begleitschädigung am Knorpel und Meniskus wohl vorgelegen habe, jedoch nicht sichtbar und noch nicht manifest gewe- sen sei. Auch lasse Dr. med. D.________ das Alter der Versicherten sowie die zeitliche Distanz zwischen den fraglichen Ereignissen unberücksichtigt. Es sei nicht klar, weshalb er eine Drehüberlastung des linken Kniegelenkes im Rahmen des geschilderten Ereignisses so vehement verneinte. Im kon- kreten Fall sei auch auf die Art und Weise der Behandlung der Meniskuslä- sion hinzuweisen. Eine Meniskusnaht bei einem degenerativen Aspekt ei- nes Meniskusrisses wäre eine gewagte Behandlungsart. Die Tatsache, dass die Meniskusnaht offenbar bisher gehalten habe, sei ein weiteres Zei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 13 chen einer frischen Läsion, welche bei einem geeigneten Ereignis 2018 mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zugezogen wor- den sei. Schlussendlich gehe Dr. med. D.________ zu wenig auf den ein- gegangenen Fall ein resp. habe das Ereignis ungenügend analysiert. Er (Dr. med. E.________) halte an seiner früheren Schlussfolgerung fest (S. 2). 3.3.5Dr. med. D.________ führte in seiner Stellungnahme vom 11. März 2020 (act. II M17) aus, Dr. med. E.________ beziehe sich in seiner Beurtei- lung weder auf die von ihm (Dr. med. D.________) vorgenommene aus- führliche Auflistung der Akteninhalte, noch die ausführliche Würdigung der einzelnen Komponenten für eine Schadensbeurteilung oder die Abstützung in der zitierten versicherungsmedizinischen Literatur (S. 1 Ziff. 1). Seine (Dr. med. D.________) Beurteilung habe sich streng an die Erfahrungen, Empfehlungen und die Strukturierung einer Begutachtung in der versiche- rungsmedizinischen Standardliteratur gehalten, die der Aktenbeurteilung extra beigelegt worden sei (Ziff. 2). Zu den Ausführungen von Dr. med. E.________ sei Folgendes zu sagen: Ein komplexer Meniskusriss unter- scheide sich vom isolierten Meniskusriss, indem bei ersterem eine direkt benachbarte Begleitverletzung am Innenband, das als primärer Stabilisator gelte, vorliegen müsse. Eine isolierte Meniskusruptur komme gemäss der versicherungsmedizinischen Standardliteratur nur beim Drehsturz vor, was hier eindeutig nicht der Fall sei. Vorliegend habe kein topographischer Be- zug zwischen der Meniskusläsion im Hinterhorn und der medialen Seiten- bandzerrung corpus- und deutlich femoralseitig hergestellt werden können (S. 1 f. Ziff. 3). Dr. med. E.________ fokussiere seine Begründung der traumatischen Genese auf „die Lokalisation und Art des Risses als Hilfe für die Bestimmung einer frischen Läsion und einer degenerativen Läsion“. Der Riss sei gemäss MRI im Hinterhorn vertikal transmural durch die Menis- kussubstanz hindurch, also nicht peripher gewesen. Die peripheren Kap- selstrukturen seien noch unversehrt mit dem peripheren Meniskusring ver- bunden gewesen. Diesbezüglich habe er (Dr. med. D.________) sich nochmals mit einem auf muskuloskelettale Veränderungen sehr erfahrenen Radiologen, ausgetauscht. Aufgrund dessen Feststellungen lasse sich die Vorstellung, dass eine vertikale Zusammenhangstrennung des Meniskus eine traumatische Genese darstelle, im aktuell gültigen logischen Denken Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 14 nicht mehr aufrechterhalten. Heute gelte es als konsentiert, dass nicht von der Rissform auf eine traumatische Ursache geschlossen werden könne (S. 2 f. Ziff. 4). Es gebe mehrere Studien, bei denen Kollektive nach VKB- Ruptur frühoperiert versus spätoperiert verglichen wurden. Darin werde festgehalten, dass die Spätoperierten eine erhöhte Prävalenz von Menis- kusschädigungen aufwiesen als die Frühoperierten. Mit diesem Argument solle die Frühoperation legitimiert werden. Man gehe davon aus, dass in- nerhalb von zwei Jahren zuvor okulte Meniskusschädigungen manifest werden könnten. Abgesehen von den Denkfehlern, die bei dieser Studien- anlage bestünden, deute diese unterschiedliche Rate von Meniskusschädi- gungen (und auch Knorpelschädigungen) doch darauf hin, dass auch im vorliegenden Fall zwischen Januar 2017 und September 2018 etwas sich neu manifestiert haben könne, zumal von Skifahreraktivitäten im Winter 2018 berichtet werde (S. 3 Ziff. 5). Dr. E.________ schliesse aus dem Um- stand, dass die Meniskusnaht (bzw. Ankerrefixation) immer noch halte, auf eine frische Meniskusruptur. Diesbezüglich sei wohl zu hoffen, dass dieser Anker nach zwei Jahren noch nicht einen Ermüdungsbruch erfahre, zumal ja auch keine Angaben vorlägen, wie sich die Versicherte zwischenzeitlich sportlich betätigt habe. Zudem seien auch bei degenerativ entstandenen Korbhenkelläsionen Meniskusnähte bei jungen Patienten recht lange wir- kungsvoll (Ziff. 6). Dr. med. E.________ könne nicht folgen, dass ein Er- eignis bei einem Sprung über einen Zaun auf Grasboden nicht geeignet gewesen sein sollte, eine Drehüberlastung des Kniegelenkes zu verursa- chen. Hier sei, abgesehen von der Frage, ob und inwieweit Torsionskräfte eingewirkt hätten, wiederum auf das zu erwartende Schadensbild Rück- sicht zu nehmen. Die Zeichen einer Innenbandzerrung seien klinisch und bildgebend dokumentiert und unbestritten. Dass sich nun im Hinterhorn, d.h. ortsfern zur Lokalisation der Innenbandschädigung, eine Vertikalruptur ergeben haben sollte, sei logischerweise nicht nachzuvollziehen. Aus der Art und Weise der Versorgung einer Meniskusveränderung lasse sich je- denfalls nicht auf die Art und Weise der Entstehung schliessen. Zudem müsste bei mindestens 50% aller Sprünge über einen Zaun eine Meniskus- ruptur folgen (S. 3 f. Ziff. 7). Zusammenfassend seien die Zeichen, dass vorwiegend eine relevante Knievorschädigung beim Ereignis vom 29. Sep- tember 2018 bestanden hat und zur Erklärung des Schadenbildes logisch nachvollziehbar (S. 4).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 15 3.3.6Dr. med. E.________ führte in der Beurteilung vom 17. April 2020 (act. IA1) aus, die Meniskusläsion sei eine in Art. 6 Abs. 2 UVG aufgelistete Diagnose. Eine erhebliche degenerative Komponente am Meniskus habe weder bildgebend noch perioperativ festgestellt werden können. Eine er- hebliche Degeneration des Meniskus werde durch den Jahrgang der Versi- cherten, durch die Behandlungsart und durch die Risslokalisation weitge- hend ausgeschlossen. Die VKB-Plastik wäre überwiegend wahrscheinlich ohne das Sekundärtrauma 2018 nicht zum aktuellen Zeitpunkt nötig ge- worden. Eine richtungsgebende Verschlimmerung sei überwiegend wahr- scheinlich. 3.4Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, un- abhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi- dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh- ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati- on einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen In- halt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.5Die Beschwerdegegnerin stützt sich im Wesentlichen auf die von ihr veranlassten versicherungsmedizinischen Beurteilungen von Dr. med. D.________ vom 10. November 2019 (act. II M16) und vom 11. März 2020 (act. II M17). Diese erfüllen die Voraussetzungen an medizinische Berichte Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 16 (E. 3.4) und überzeugen. Dr. med. D.________ hat sich in seinen Beurtei- lungen sorgfältig mit den gesundheitlichen Einschränkungen auseinander- gesetzt und seine Schlussfolgerungen in Übereinstimmung mit den Akten getroffen. Die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen Zusam- menhänge sind einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand nachvollziehbar begründet. Einer eigenen Untersu- chung bedurfte es nicht, da der medizinische Sachverhalt feststeht und es allein um die medizinische Würdigung dieses Sachverhalts geht. Damit sind im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für einen rechtsgenüglichen Aktenbericht (vgl. Entscheid des BGer vom 14. November 2007, I 1094/06, E. 3.1.1 in fine) erfüllt, den Aktenbeurteilungen kommt voller Beweiswert zu und es ist in der Folge darauf abzustellen. Danach ist erstellt, dass der durch die G.________ nach dem Bundesge- setz vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) und nicht nach dem UVG versicherte Skiunfall aus dem Jahr 2017 zu einer Knieinstabilität geführt hat, welche zu einer chronischen Meniskusschädi- gung bzw. ausserordentlichen -abnützung führte und dass der Schadenme- chanismus bei vorderer Kreuzbandinsuffizienz deutlich für eine charakteris- tische Giving-way-Krise spricht. Die Beschwerdeführerin wurde anlässlich dieses früheren Ereignisses bloss konservativ behandelt und insbesondere nicht operiert, womit eben in Bezug auf das vorliegende Ereignis vom 29. September 2018 ein krankhafter Vorzustand vorlag, welchem namentlich bei sportlichen Aktivitäten ein hohes Rückfallrisiko inhärent ist. Dr. med. D.________ legt nachvollziehbar und übereinstimmend mit den in der ver- sicherungsmedizinischen Fachliteratur anerkannten Kriterien (vgl. u.a. LU- DOLPH/SCHÜRZMANN/GAIDZIK, Kursbuch der ärztlichen Begutachtung, aktu- alisierte Ausgabe 2018; act. IIA M16/1) dar, dass der hier überwiegend wahrscheinliche Schadenmechanismus (vgl. E. 3.2 hiervor) nicht geeignet war, eine isolierte Meniskusschädigung zu verursachen. Seine schlüssigen Ausführungen zum Schadenmechanismus sprechen klar für eine degene- rative Genese der Meniskusläsion. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hinweist, ist, wenn das Ereignis vom 29. September 2018 die Schä- digung gar nicht verursachen konnte, in logischer Folge darauf zu schlies- sen, dass diese auf Abnützung oder Krankheit beruhen muss, wofür auch das morphologische wie auch funktionelle Schadensbild spricht (vgl. Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 17 schwerdeantwort S. 12 f. Ziff. 2.3.1 ff.). Daran ändern die Beurteilungen des Dr. med. E.________ nichts. Er verfügt als praktischer Arzt über keinen Facharzttitel in Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates oder Rheumatologie. Damit eignen sich seine Aus- führungen per se nicht, um die fachärztlichen Feststellungen von Dr. med. D.________ als Inhaber eines Facharzttitels für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates zu entkräften (vgl. diesbe- züglich insbesondere Entscheid des BGer vom 13. November 2018, 8C_584/2018, E. 4.1.1.2), weshalb sich eine weitere Auseinandersetzung mit seinen Stellungnahmen erübrigt. Dr. med. E.________ mag zwar eine lange Erfahrung als Arzt haben und sich dabei unfallmedizinisches Erfah- rungswissen angeeignet haben (vgl. Beurteilung von Dr. med. E.________ vom 17. April 2020 [act. IA 1] und Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 30. April 2020 S. 1 Ziff. 2). Dies ändert indessen nichts daran, dass er sich an die Fakten zu halten hat, namentlich dass vorliegend nicht vom jugendlichen Alter der Beschwerdeführerin aus zu argumentieren, sondern zu berücksichtigen ist, dass bei ihr ein Vorzustand besteht, welcher Folge eines bei der Beschwerdegegnerin nicht versicherten Ereignisses ist. Selbst Dr. med. E.________ hat denn in seiner Stellungnahme vom 8. Juli 2019 (act. II M15) ausdrücklich bestätigt, dass eine VKB-Instabilität dem Meniskus nicht gut tut (S. 2). Soweit er unter Hinweis auf das Alter der Be- schwerdeführerin (act. I 4 S. 1) und den zeitlichen Verlauf der Degeneration (act. II M15 S. 3) eine überwiegend degenerative Ursache ausschliesst und daraus auf die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin schliesst, vermag dies deshalb nicht zu überzeugen, weil eben gerade bei sportlichen Patien- ten, wie es die Beschwerdeführerin zu sein scheint, zur Verhinderung von Folgeschäden bei einer VKB-Ruptur nicht eine konservative Behandlung, sondern die Operation empfohlen wird. Soweit die Beschwerdeführer eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin mit Hinweis auf die Stellungnah- me von Dr. med. D.________ vom 17. April 2020 (act. IA 1) über den Um- weg einer angeblichen richtungsgebenden Verschlimmerung durch das Ereignis vom 29. September 2018 zu begründen versucht (Stellungnahme vom 30. April 2020 S. 2 Ziff. 4), ist ihr nicht zu folgen. Da das besagte Er- eignis kein Unfall im Rechtsinne ist und die diagnostizierte Verletzung zu mehr als 50% auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, ist die Beschwerdegegnerin von ihrer Leistungspflicht befreit (vgl. BGer Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 18 8C_22/2019, E. 8.5). Nur der Vollständigkeit ist darauf hinzuweisen, dass zudem das Ereignis vom 29. September 2018 nicht geeignet war, eine rich- tungsgebende Verschlimmerung des Vorzustandes zu bewirken. 3.6Aufgrund des Dargelegten steht fest, dass die Meniskusschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit degenerativer Genese ist. Somit erweist sich der Einspracheentscheid vom 25. November 2019 (act. II A39) auch in dieser Hinsicht als korrekt und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Für die obsiegende Beschwerdegegnerin besteht praxisgemäss kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 104 Abs. 4 VRPG). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, UV/19/955, Seite 19 3. Zu eröffnen (R): - B.________ AG z.H. der Beschwerdeführerin - AXA Versicherungen AG, Generaldirektion (samt Eingabe der Be- schwerdeführerin vom 30. April 2020 inkl. Beurteilung von Dr. med. E.________ vom 17. April 2020) - Bundesamt für Gesundheit Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.