17. März 1989 N 627 Interpellation Zwygart Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bun- desrates befriedigt. #ST# 88.879 Interpellation Zwygart Menschenrechte in der Tschechoslowakei. Fall Navratil Droits de l'homme en Tchécoslovaquie. Affaire Navratil Wortlaut der Interpellation vom 15. Dezember 1988 Nach wie vor sind in der Tschechoslowakei Bürger aus politischen Gründen eingekerkert oder in psychiatrischen Kliniken zwangseingewiesen. Eines dieser Opfer des Miss- brauchs der Psychiatrie aus politischen Gründen ist Augustin Navratil. Der Eisenbahnangestellte Navratil hatte zusammen mit ändern politische und religiöse Schriften verfasst. Er gehörte mit zu den Initianten einer Petition für Religionsfrei- heit in der Tschechoslowakei, die von gegen 600 000 Perso- nen unterzeichnet wurde. Er wurde schon mehrfach verur- teilt und in Kliniken eingewiesen, so auch in diesem Jahr. Navratil hatte um eine Untersuchung einer internationalen Aerztedelegation über seinen Gesundheitszustand gebeten. In einem Gutachten vertraten zwei Schweizer Aerzte die Meinung, dass bei Augustin Navratil «keine Zeichen einer psychischen Krankheit» vorhanden seien. Die Gutachter waren zum Prozess zugelassen und bezeich- neten diesen als Farce. Ich bitte den Bundesrat um Auskunft über die folgenden Fragen: List dem Bundesrat der Fall Augustin Navratil bekannt? Was wurde von den Schweizer Behörden in diesem Fall unternommen, und was gedenken sie weiter zu unter- nehmen? 2. Was kann der Bundesrat veranlassen, um die Menschen- rechtsverletzungen in der Tschechoslowakei zu vermin- dern? Texte de l'interpellation du 15 décembre 1988 En Tchécoslovaquie, et pour des raisons politiques, des citoyens sont encore emprisonnés ou hospitalisés de force en clinique psychiatrique. Augustin Navratil est l'une des victimes de l'utilisation abusive de la psychiatrie à des fins politiques. Cet employé de chemins de fer est coauteur d'écrits politi- ques et religieux, ainsi que d'une pétition demandant la liberté de religion signée par près de 600 000 personnes. Il a été jugé et enfermé en clinique à plusieurs reprises, dont la dernière fois cette année. Il avait demandé que son état de santé soit examiné par une délégation médicale internatio- nale et dans leur rapport d'expertise, deux médecins suisses ont conclu à «l'absence de symptômes d'une maladie psy- chique» chez Augustin Navratil. Les experts ont été autorisés à assister au procès qu'ils ont qualifié de farce. Le 29 octobre 1988, Navratil a été hospitalisé de force à la clinique psychiatrique de Kromeriz. Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions sui- vantes: 1. A-t-il connaissance du cas d'Augustin Navratil? Qu'ont entrepris les autorités suisses à ce propos, et qu'envisagent- elles d'entreprendre encore? 2. Que peut entreprendre le Conseil fédéral en vue d'obtenir, une réduction du nombre de violations des droits de l'homme en Tchécoslovaquie? Mitunterzeichner-Cosignataires: Bäumlin Ursula, Biel, Bir- cher, Bonny, Bürgi, Büttiker, David, Diener, Dietrich, Dor- mann, Dünki, Fankhauser, Fischer-Sursee, Früh, Grendel- meier, Günter, Hänggi, Mari, Hess Peter, Jaeger, Keller, Loeb, Longet, Maeder, Meier-Glattfelden, Müller-Aargau, Müller-Meilen, Nabholz, Neuenschwander, Oester, Ott, Pac- colat, Portmann, Sager, Schmid, Schnider, Seiler Hanspeter, Seiler Rolf, Steffen, Stucky, Thür, Ulrich, Wanner, Weder- Basel, Wellauer, Widmer, Wiederkehr, Wyss Paul, Zbinden Hans, Zölch, Züger, Zwingli (52) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 13. Februar 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 13 février 1989 1. Dem Departement für auswärtige Angelegenheiten ist der Fall Navratil bekannt, und es hat zu seinen Gunsten bereits zweimal bei den tschechoslowakischen Behörden interve- niert. Die erste Demarche wurde am 4. November 1988 durch den Chef der schweizerischen Delegation am KSZE-Folgetreffen in Wien unternommen; im Aide-Mémoire, welches dem Chef der tschechoslowakischen Delegation übergeben wurde, haben die Schweizer Behörden ersucht, die ergriffene Mass- nahme ohne Verzug rückgängig zu machen, da sie die Internierung als ungerechtfertigt und gegen den Buchsta- ben und Geist der humanitären Bestimmungen der KSZE betrachteten. Im weiteren sei erwähnt, dass eine Petition zugunsten von Herrn Navratil, die von 42 Schweizer Parla- mentariern unterzeichnet worden war, am S.Januar 1989 durch den Chef der obenerwähnten Delegation seinem tschechoslowakischen Kollegen übergeben wurde. In einer zweiten Demarche beim Ministerium für auswärtige Angelegenheiten hat unser Botschafter in Prag am 12. Januar 1989 erneut die Missbilligung der Schweizer Behör- den zu diesem Fall geäussert. Die tschechoslowakischen Behörden gaben bekannt, dass sich der Fall in Revision befände und Herr Navratil durch weitere Aerzte erneut unter- sucht werde. Es sei auch erwähnt, dass aufgrund verschie- dener Demarchen, einschliesslich jener der Schweiz, Herr Navratil die Weihnachtstage bei seiner Familie verbringen konnte. Der Bundesrat behält sich vor, erneut zugunsten von Herrn Navratil zu intervenieren, falls die Angelegenheit keinen befriedigenden Ausgang nimmt. 2. Gleiches wird er auch in anderen Individualfällen von schweren Menschenrechtsverletzungen tun können, sei es auf rein bilateraler Ebene oder im Rahmen der durch das KSZE-Schlussdokument von Wien festgelegten Mechanis- men zur Kontrolle der Einhaltung der durch die Staaten eingegangenen Verpflichtungen im humanitären Bereich. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Zwygart Menschenrechte in der Tschechoslowakei. Fall Navratil Interpellation Zwygart Droits de l'homme en Tchécoslovaquie. Affaire Navratil In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 88.879 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 17.03.1989 - 08:00 Date Data Seite 627-627 Page Pagina Ref. No 20 017 309 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.