<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2019.00357</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=219715&amp;W10_KEY=13013489&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2019.00357</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 13.11.2019</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 14.04.2020 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung wegen Scheinehe.] Angesichts des bereits 2008 erfolgten erfolglosen Versuches der Beschwerdeführerin, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen, und der im Heiratszeitpunkt fehlenden Möglichkeit, ohne Heirat anderweitig eine solche zu erhalten, der Aussage der Beschwerdeführerin, für die Betreuung der Kinder ihres Neffen hierhergekommen zu sein, der kurzen Dauer des Kennenlernens bis zur Heirat, der kurz nach Ablauf der â für die Erlangung der Niederlassungsbewilligung erforderlichen - Fünfjahresfrist erfolgten Trennung, der widersprüchlichen Angaben der Eheleute bezüglich Ablauf des Kennenlernens und der Hochzeit sowie der fehlenden gegenseitigen Interessen und Kenntnisse durfte die Vorinstanz zum Schluss kommen, dass gewichtige Indizien vorliegen, welche für eine Scheinehe sprechen. Der Beschwerdeführerin gelingt der Gegenbeweis nicht (E. 3). Gutheissung bezüglich UP/URB, Kürzung der Honorarnote (E. 7). Im Mehrumfang Abweisung der Beschwerde.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DRITTSTAATSBÃRGER">DRITTSTAATSBÃRGER</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INDIZIENBEWEIS">INDIZIENBEWEIS</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHEINEHE">SCHEINEHE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 50 Abs. I AIG</span><br/><span class="ungerade">Art. 51 Abs. II lit. a AIG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=44878" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2019.00357</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">13. November 2019</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Elisabeth Trachsel, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Katharina Haselbach. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Aufenthaltsbewilligung,</span></b></p> <p class="MsoNormal"><b><span> </span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>A, Jahrgang 1957, StaatsangehÃ¶rige der TÃ¼rkei, ersuchte am 28. Dezember 2008 um Einreisebewilligung sowie um eine Aufenthaltsbewilligung aus humanitÃ¤ren GrÃ¼nden, da sie in der TÃ¼rkei alleine lebe und niemanden ausser ihren in K wohnhaften Sohn habe, der sich um sie sorgen kÃ¶nne. Dieses Gesuch wurde vom Migrationsamt am 15. April 2009 abgewiesen. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Am 19. Januar 2010 reiste A mit einem 90-tÃ¤gigen Besuchervisum in die Schweiz ein. Am 7. April 2010 ersuchte sie zufolge einer VirusmittelohrentzÃ¼ndung und schweren fieberhaften Bronchitis um VerlÃ¤ngerung der Ausreisefrist, was das Migrationsamt bewilligte. Am 7. Mai 2010 teilte ihr Neffe C dem Migrationsamt mit, seine Tante habe wÃ¤hrend der Ausheilung ihrer MittelohrentzÃ¼ndung D, Jahrgang 1956, kennen und lieben gelernt, und ersuchte um vorlÃ¤ufige Bewilligung des Aufenthalts zwecks Abschluss des Ehevorbereitungsverfahrens. Diesem Gesuch wurde nicht stattgegeben. A heiratete am 19. Juni 2010 in J D. Am 5. August 2010 ersuchte sie um Aufenthaltsbewilligung zwecks Verbleib bei ihrem hier niedergelassenen Ehemann, welche ihr erteilt und in der Folge stets verlÃ¤ngert wurde, zuletzt bis am 18. Juni 2016. Mit Strafbefehl vom 17. Dezember 2010 verurteilte die Staatsanwaltschaft ZÃ¼rich-Sihl A fÃ¼r den illegalen Aufenthalt zwischen Ablauf der verlÃ¤ngerten Ausreisefrist und dem 5. August 2010 zufolge Widerhandlung gegen das AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG; vormals Bundesgesetz Ã¼ber die AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤nder [AuG]). </p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Am 10. Mai 2015 ersuchte A um Erteilung der Niederlassungsbewilligung. Dieses Gesuch wies das Migrationsamt zufolge SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit seit dem 1. Oktober 2012 ab und drohte A die PrÃ¼fung des Widerrufs ihrer Aufenthaltsbewilligung an, sollte sie weiterhin nicht in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt aus eigenen KrÃ¤ften zu bestreiten. Per 1. September 2015 zog A aus der ehelichen Wohnung aus und trat per 1. Oktober 2015 eine 50 %-Stelle als Reinigungskraft an. Die Ehe von A mit D wurde am 30. Juni 2016 geschieden. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b>Mit VerfÃ¼gung vom 16. Oktober 2017 wies das Migrationsamt das VerlÃ¤ngerungsgesuch vom 2. Juni 2016 ab und setzte A eine Frist bis 18. Januar 2018 zum Verlassen der Schweiz an. Zur BegrÃ¼ndung wurde angefÃ¼hrt, A und D seien die Ehe nur zum Schein eingegangen, um den Aufenthalt von A in der Schweiz zu sichern.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Den hiergegen erhobenen Rekurs wies die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 26. April 2019 ab und setzte der Rekurrentin eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 29. Mai 2019 beantragte A dem Verwaltungsgericht, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und der BeschwerdefÃ¼hrerin die Aufenthaltsbewilligung zu verlÃ¤ngern. Weiter ersuchte die BeschwerdefÃ¼hrerin um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung und unentgeltliche RechtsverbeistÃ¤ndung, alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen. Innert mit VerfÃ¼gung vom 23. September 2019 angesetzter Frist nahm die BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼berdies Stellung zur Einvernahme von D vom 22. November 2010, welche dem Verwaltungsgericht seitens der Vorinstanz mitsamt den Akten von D zugestellt worden war und dessen Fehlen die BeschwerdefÃ¼hrerin in der Beschwerdeschrift bemÃ¤ngelt hatte. </p> <p class="Urteilstext">WÃ¤hrend die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion auf Vernehmlassung verzichtete, liess sich das Migrationsamt nicht vernehmen. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen, einschliesslich Ermessensmissbrauch, -Ã¼ber- und -unterschreitung und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden, nicht aber die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (§ 20 Abs. 1 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>AuslÃ¤ndische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern haben nach Art. 42 Abs. 1 des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG, vormals: AuslÃ¤ndergesetz [AuG]) Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Nach AuflÃ¶sung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht dieser Anspruch weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration vorliegt oder wichtige persÃ¶nliche GrÃ¼nde einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 AIG). Die AnsprÃ¼che nach den Artikeln 43 und 50 erlÃ¶schen, wenn sie rechtsmissbrÃ¤uchlich geltend gemacht werden, namentlich um Vorschriften dieses Gesetzes und seiner AusfÃ¼hrungsbestimmungen Ã¼ber die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (Art. 51 Abs. 2 lit. a AIG). Unter den Begriff des Rechtsmissbrauchs fÃ¤llt unter anderem die sogenannte Schein- oder AuslÃ¤nderrechtsehe, welche die Ehegatten nur zur Erlangung des Aufenthaltsrechts eingehen, ohne eine echte eheliche Gemeinschaft zu beabsichtigen (BGr, 25. November 2014, 2C_310/2014, E. 2.1; BGr, 4. April 2017, 2C_1020/2016, E. 4.1).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Ob eine Scheinehe vorliegt, entzieht sich in der Regel dem direkten Beweis und kann diesfalls nur durch Indizien nachgewiesen werden (BGE 130 II 113 E. 10.2; BGE 127 II 49 E. 5a). Zu diesen Indizien zÃ¤hlen unter anderem folgende UmstÃ¤nde: die Tatsache, dass die nachzuziehende Person von einer Wegweisung bedroht ist oder ohne Heirat keine Aufenthaltsbewilligung erlangen kann; das Vorliegen eines erheblichen Altersunterschieds zwischen den Ehegatten; die UmstÃ¤nde des Kennenlernens und der Beziehung, so etwa eine kurze Bekanntschaft vor der Heirat oder geringe Kenntnisse eines Ehegatten Ã¼ber den anderen; die Vereinbarung einer Bezahlung fÃ¼r die Heirat oder die Tatsache, dass die Ehegatten nie eine Wohngemeinschaft aufgenommen haben (BGE 128 II 145 E. 3.1; BGr, 30. August 2018, 2C_377/2018, E. 3.1). </p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>Die VerwaltungsbehÃ¶rde trÃ¤gt die Beweislast fÃ¼r das Vorliegen einer Scheinehe. Ob die Ehe bloss (noch) formell besteht, entzieht sich in der Regel dem direkten Beweis und kann nur durch Indizien erstellt werden. Solche Indizien kÃ¶nnen Ã¤ussere Begebenheiten sein wie eine drohende Wegweisung, das Fehlen einer Wohngemeinschaft, ein erheblicher Altersunterschied, Schwierigkeiten in der Kommunikation, fehlende Kenntnisse Ã¼ber den Ehepartner und dessen Familie oder die Bezahlung einer EntschÃ¤digung. Die Indizien kÃ¶nnen aber auch psychische VorgÃ¤nge betreffen, wie den tatsÃ¤chlichen Willen. Es liegt in der Natur des Indizienbeweises, dass mehrere Indizien, welche fÃ¼r sich allein noch nicht den Schluss auf das Vorliegen einer bestimmten Tatsache erlauben, in ihrer Gesamtheit die erforderliche Ãberzeugung vermitteln kÃ¶nnen. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung werden sÃ¤mtliche Indizien â auch solche mit geringer(er) Beweiskraft â berÃ¼cksichtigt. Die geringe(re) Beweiskraft eines Indizes fÃ¼hrt demnach nicht zwingend zu dessen vollstÃ¤ndiger NichtberÃ¼cksichtigung im Rahmen der Gesamtbetrachtung. Vielmehr ist es zulÃ¤ssig und erforderlich, den unterschiedlichen Grad der Beweiskraft einzelner Indizien und ihren Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Tatsache zu berÃ¼cksichtigen (VGr, 18. MÃ¤rz 2009, VB.2008.00587, E. 2.3). Die VerwaltungsbehÃ¶rde kann sich daher veranlasst sehen, von bekannten Tatsachen auf unbekannte zu schliessen. Dabei handelt es sich um Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezogen werden. Spricht die Vermutung fÃ¼r eine vorhandene TÃ¤uschungsabsicht, obliegt es dem zur Mitwirkung verpflichteten Betroffenen, die Vermutung durch den Gegenbeweis beziehungsweise durch das Erwecken erheblicher Zweifel an deren Richtigkeit umzustÃ¼rzen (BGE 130 II 482 E. 3.2 mit Hinweisen; BGr, 17. August 2018, 2C_169/2018, E. 2.4; BGr, 9. Juni 2008, 2C_60/2008, E. 2.2.2).</p> <p class="Erwgung2">Eine Umgehungsehe liegt nicht bereits dann vor, wenn auch auslÃ¤nderrechtliche Motive die Fortdauer der Lebensgemeinschaft beeinflusst haben. Erforderlich ist, dass der Wille zur FÃ¼hrung der Lebensgemeinschaft im Sinn einer auf Dauer angelegten wirtschaftlichen, kÃ¶rperlichen und spirituellen Verbindung zumindest bei einem der Ehepartner fehlt. Sprechen bereits gewichtige Hinweise fÃ¼r eine Scheinehe, wird von den Eheleuten erwartet, dass sie von sich aus UmstÃ¤nde vorbringen und belegen, um den echten Ehewillen glaubhaft zu machen. Umso mehr muss in diesen FÃ¤llen gelten, dass die BehÃ¶rden die Beweisangebote der Eheleute anzunehmen haben (zum Ganzen: BGr, 21. MÃ¤rz 2019, 2C_1049/2018, E. 2.3; BGr, 4. April 2019, 2C_631/2018, E. 2.3 - je mit Hinweisen).</p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b>Die Vorinstanz erblickte im vorliegenden Fall mehrere Indizien, welche den Verdacht erhÃ¤rten wÃ¼rden, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin und D die Ehe lediglich zum Schein eingegangen seien: Die Heirat stellte fÃ¼r die Rekurrentin die einzige MÃ¶glichkeit dar, in den Genuss einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu kommen. Hinzu komme, dass D zum Zeitpunkt des Eheschlusses vollumfÃ¤nglich sozialhilfeabhÃ¤ngig war und somit einer Zielgruppe von Personen angehÃ¶rt, die von AuslÃ¤ndern vorzugsweise fÃ¼r das Eingehen von Scheinehen ausgesucht werde. Weiter sei der zeitliche Ablauf der Ereignisse auffÃ¤llig. Schliesslich deutet gemÃ¤ss der Vorinstanz auf eine Scheinehe hin, dass sowohl die BeschwerdefÃ¼hrerin als auch D anlÃ¤sslich der Befragung nur wenig Ã¼ber die FamilienverhÃ¤ltnisse des anderen wussten und kaum daran interessiert zu sein schienen. Daran vermÃ¶ge auch der mehrfach vorgebrachte Hinweis auf die â allerdings sehr selektive â Vergesslichkeit der beiden nichts zu Ã¤ndern, ebenso wenig wie das Argument, dass die Rekurrentin im Fall einer Scheinehe sicherlich nicht das Risiko einer Ehescheidung eingegangen wÃ¤re. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.5 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt dagegen vor, es stimme grundsÃ¤tzlich, dass die Heirat die einzige MÃ¶glichkeit fÃ¼r sie gewesen sei, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen; hingegen habe sie bei ihrer Einreise in die Schweiz gar nicht vorgehabt, hier zu bleiben, sondern nur, die Tochter ihres Neffen zu besuchen. Es handle sich somit um ein sehr dÃ¼rftiges Indiz. Was die ZugehÃ¶rigkeit von D zur Zielgruppe fÃ¼r Scheinehen betreffe, so habe dieser bereits einen Monat nach Eheschliessung wieder seiner angestammten ErwerbstÃ¤tigkeit nachgehen kÃ¶nnen und sei somit nur kurzzeitig und vorÃ¼bergehend wirtschaftlich unterstÃ¼tzt worden. Im Ãbrigen sei der Wille zur Eheschliessung von D ausgegangen. Ebenso bemÃ¤ngelt die BeschwerdefÃ¼hrerin, dass die Vorinstanz von AuffÃ¤lligkeiten in der zeitlichen Abfolge ausgegangen ist. So bestehe keinerlei Zusammenhang zwischen dem abgewiesenen Gesuch um Aufenthalt aus humanitÃ¤ren GrÃ¼nden und der tatsÃ¤chlichen Einreise. Die Erkrankung, welche zur VerlÃ¤ngerung der Ausreisefrist fÃ¼hrte, sei Ã¤rztlich attestiert gewesen und im Ãbrigen sei unklar, was die Vorinstanz im Nachhinein daraus zugunsten ihres Standpunktes ableiten wolle. Die Tatsache, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin illegalerweise nach Ablauf ihrer Ausreisefrist nicht ausreiste, sei einzig strafrechtlich relevant, lasse aber keine SchlÃ¼sse auf eine Scheinehe zu, da die Ehe auch bei vorÃ¼bergehender Ausreise und Wiedereinreise geschlossen worden wÃ¤re. Ebenso wenig kÃ¶nne die nachtrÃ¤gliche und unverschuldete SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit als Indiz fÃ¼r das Eingehen einer Scheinehe Ã¼ber zwei Jahre zuvor herangezogen werden. Die Trennung der BeschwerdefÃ¼hrerin von ihrem Ehemann schliesslich stehe in einem ganz anderen Zusammenhang, nÃ¤mlich mit der unverschuldeten SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit von D, und habe sich bereits vor dem Schreiben des Migrationsamtes vom 23. Juli 2015 abgezeichnet. Schliesslich bemÃ¤ngelt die BeschwerdefÃ¼hrerin, dass die Vorinstanz gestÃ¼tzt auf die Einvernahmen vom 22. November 2010 und vom 9. Januar 2017 von mangelnden gegenseitigen Kenntnissen der Eheleute ausgegangen sei.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Vorliegend sind beide Parteien ungefÃ¤hr gleich alt, stammen aus demselben Land und sprechen die gleiche Sprache (tÃ¼rkisch) und sind insofern in einer Ã¤hnlichen Lebenssituation, als beide alleinstehend sind und erwachsene Kinder haben. Vor diesem Hintergrund scheint es durchaus denkbar, dass sich die BeschwerdefÃ¼hrerin und D wÃ¤hrend des Besuchsaufenthaltes der BeschwerdefÃ¼hrerin hier kennen und lieben lernten und sich dafÃ¼r entschieden, zu heiraten. Ãberdies gibt es keine Nachweise dafÃ¼r, dass sie vom Zeitpunkt ihrer Eheschliessung am 19. Juni 2010 bis am 1. September 2015 nicht zusammengewohnt hÃ¤tten, zumal die BeschwerdefÃ¼hrerin in den Mietvertrag mit eintrat. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>DemgegenÃ¼ber ist die Tatsache, dass eine Heirat fÃ¼r die BeschwerdefÃ¼hrerin grundsÃ¤tzlich die einzige MÃ¶glichkeit war, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen, sehr wohl im Sinne der Rechtsprechung als Indiz fÃ¼r eine Scheinehe zu werten. Dies gilt umso mehr, als die BeschwerdefÃ¼hrerin mit ihrem Gesuch vom 28. Dezember 2008 um humanitÃ¤ren Aufenthalt, welches am 15. April 2009 abgewiesen wurde, erwiesenermassen bereits zuvor Interesse an einer Aufenthaltsbewilligung bekundet hatte. Das Vorbringen, dass "keinerlei Zusammenhang" zwischen dem abgewiesenen Gesuch und der nur gerade neun Monate nach Abweisung desselben erfolgten Einreise am 19. Januar 2010 bestehe, ist unglaubwÃ¼rdig, zumal nicht vorgebracht wird, dass sich die Situation der BeschwerdefÃ¼hrerin in dieser kurzen Zeit derart geÃ¤ndert hÃ¤tte, dass ihr Wunsch, zu ihrem Sohn in die Schweiz zu ziehen, plausiblerweise erlÃ¶schte. Des Weiteren erkannte die Vorinstanz zu Recht in der kurzen Dauer zwischen Kennenlernen und Heirat ein Indiz fÃ¼r eine Scheinehe. Dasselbe gilt fÃ¼r die auffÃ¤llige Tatsache, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin nur gerade eineinhalb Monate, nachdem ihr am 23. Juli 2015 vom Migrationsamt bestÃ¤tigt worden war, die fÃ¼nfjÃ¤hrige Frist zur Erteilung der Niederlassungsbewilligung gemÃ¤ss Art. 43 Abs. 2 AuG (heute geÃ¤nderter Art. 43 Abs. 5 AIG) sei in ihrem Fall erfÃ¼llt, aus der gemeinsamen Wohnung auszog.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Zu beachten ist Ã¼berdies, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin bereits im Jahr 2010 in ihrer Einvernahme ausgesagt hatte, einer ihrer Neffen habe ein Kind bekommen und eine Betreuerin benÃ¶tigt. Er habe sie daher gebeten, in die Schweiz zu kommen und sich um das Kind zu kÃ¼mmern. Auch anlÃ¤sslich ihrer zweiten Einvernahme am 9. Januar 2017 gab sie auf die Frage, ob sie Betreuungsaufgaben fÃ¼r die Kinder ihres Neffen Ã¼bernommen habe, an, fÃ¼r die Kinder ihres Neffen hierhergekommen zu sein und ungefÃ¤hr ein Jahr diese Betreuungsaufgaben 1â2 Mal pro Woche wahrgenommen zu haben. Diese beiden Aussagen erwecken den Eindruck, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin bereits bei ihrer Einreise beabsichtigte, hier zu bleiben und dass nicht erst das Kennenlernen von D sie dazu bewog, hierzubleiben.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.4 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrerin ist zuzustimmen, dass sich aus der gestÃ¼tzt auf das Ã¤rztliche Zeugnis erlangten Erstreckung der Ausreisefrist nichts zugunsten einer Scheinehe ableiten lÃ¤sst, ebenso wenig wie aus dem illegalen Aufenthalt zwischen Ablauf der Ausreisefrist und Erteilung der Aufenthaltsbewilligung zwecks Verbleib beim Ehemann. Dasselbe gilt fÃ¼r die Aufnahme einer ErwerbstÃ¤tigkeit per Oktober 2015: Die BeschwerdefÃ¼hrerin fand, nachdem ihr das Migrationsamt am 23. Juli 2015 im Falle weiteren Sozialhilfebezugs den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung angedroht hatte, innert zweier Monate eine 50 %-Stelle, welche sie bis heute ausÃ¼bt. Dies, nachdem sie sich seit Beginn der vollumfÃ¤nglichen UnterstÃ¼tzung durch die Sozialhilfe im Oktober 2012 gegenÃ¼ber der SozialbehÃ¶rde stets auf eine 100 % Krankschreibung aus psychischen GrÃ¼nden berufen hatte und deshalb gemÃ¤ss Auskunft der SozialbehÃ¶rde J weder beruflich noch sozial integrierbar, ja sogar "integrationsresistent" gewesen sei. Dieser Ablauf wirft in der Tat die Frage auf, ob eine berufliche Integration und damit Entlastung der Sozialhilfe nicht bereits frÃ¼her mÃ¶glich gewesen wÃ¤re, und damit kein besonders gutes Licht auf die BeschwerdefÃ¼hrerin. Allerdings betrifft diese Frage den Integrationswillen der BeschwerdefÃ¼hrerin und nicht die Frage, ob sie eine "echte" Ehe fÃ¼hrte oder nur zum Schein.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.5 </b>Des Weiteren bezeichnet es die Vorinstanz als Indiz, dass D im Zeitpunkt des Kennenlernens vollumfÃ¤nglich Sozialhilfe bezog und somit zu einer Zielgruppe fÃ¼r Scheinehepartner gehÃ¶rt habe. Dass Menschen in schwierigen finanziellen VerhÃ¤ltnissen gemÃ¤ss Rechtsprechung zur Zielgruppe fÃ¼r Scheinehepartner gezÃ¤hlt werden (VGr, 17. April 2019, VB.2019.00142, E. 3.3), liegt daran, dass man diese als besonders empfÃ¤nglich fÃ¼r finanzielle Anreize einschÃ¤tzt (vgl. BGE 122 II 289 E. 2c). Dass D durch den Eheschluss finanziell bessergestellt worden ist, ist vorliegend nicht aktenkundig. Die BeschwerdefÃ¼hrerin ging wÃ¤hrend der Ehe keiner bezahlten ArbeitstÃ¤tigkeit nach. Entsprechend kann die ZugehÃ¶rigkeit von D zu einer Zielgruppe vorliegend nur als untergeordnetes Indiz gewertet werden. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.6 </b>Was das Kennenlernen und die Heirat betrifft, so fÃ¤llt auf, dass die Parteien bereits im November 2010, mithin nicht einmal ein Jahr nach diesen VorgÃ¤ngen, teils widersprÃ¼chliche Aussagen zum Kennenlernen machten: WÃ¤hrend sich die Parteien nach Aussage von D nach dem Kennenlernen am 27. Februar 2010 bis zur Hochzeit dreimal getroffen und regelmÃ¤ssig telefoniert hÃ¤tten, trafen sie sich gemÃ¤ss der BeschwerdefÃ¼hrerin 9â10 Mal. GemÃ¤ss D feierte das frischvermÃ¤hlte Ehepaar im Anschluss an die zivile Hochzeit in einem Restaurant in K, wÃ¤hrend gemÃ¤ss Aussage der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Feier "unter uns" in der Wohnung ihres Bruders stattgefunden habe.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.7 </b>Schliesslich stÃ¼tzte die Vorinstanz ihren Entscheid auf die fehlenden gegenseitigen Kenntnisse und das fehlende gegenseitige Interesse der Ehepartner. Die BeschwerdefÃ¼hrerin und D wurden erstmals im Rahmen der strafrechtlichen AbklÃ¤rungen zum illegalen Aufenthalt der BeschwerdefÃ¼hrerin am 22. November 2010 einvernommen und ein zweites Mal nach Aufnahme der Ermittlungen wegen Scheinehe am 9. Januar 2017. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.7.1 </b>Vorab ist angesichts der RÃ¼gen der BeschwerdefÃ¼hrerin zu klÃ¤ren, inwiefern auf diese Einvernahmen vom 9. Januar 2017 abgestellt werden kann.</p> <p class="Erwgung4"><b>3.7.1.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt vor, sie sei anlÃ¤sslich der Befragung vom 9. Januar 2017 unter hohem psychischem Druck gestanden und sei ausgewiesenermassen in einem schlechten gesundheitlichen Zustand gewesen. Dies zeige sich daran, dass sie nicht einmal ihr eigenes Geburtsdatum habe nennen kÃ¶nnen. Dieses habe im Ãbrigen kulturell bedingt nur geringe Bedeutung. Dass D seinerseits grosse MÃ¼he mit Zahlenangaben bekundete, sei auf seine mangelnde Schulbildung und seinen ebenfalls schlechten Gesundheitszustand zurÃ¼ckzufÃ¼hren. Angesichts der Arztzeugnisse der BeschwerdefÃ¼hrerin und der IV-Rente von D sei medizinisch abzuklÃ¤ren, ob und wenn ja in welchem Umfang die Krankheitsbilder der (damaligen) Ehegatten Auswirkungen auf deren GedÃ¤chtnis und ihr Aussageverhalten hatten. </p> <p class="Erwgung4"><b>3.7.1.2 </b> Aus dem Einvernahmeprotokoll vom 9. Januar 2017 ist ersichtlich, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin MÃ¼he mit einigen Daten bekundet und dies auch bereits anlÃ¤sslich der Einvernahme explizit mit ihrer Vergesslichkeit begrÃ¼ndete, etwa bezÃ¼glich ihr eigenes Geburtsdatum oder das Datum des Kennenlernens. Dies ist im Rahmen der BeweiswÃ¼rdigung zu berÃ¼cksichtigen. DarÃ¼ber hinaus ist aber auch festzuhalten, dass sie durchaus in der Lage war, in anderen ZusammenhÃ¤ngen sehr konkrete Angaben zu machen, etwa bezÃ¼glich ihres Einreisedatums (19. Januar). Das verwaltungsrechtliche Untersuchungsprinzip gilt nicht uneingeschrÃ¤nkt und findet seine Begrenzung in der Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 90 AIG; vgl. VGr, 21. September 2016, VB.2016.00269, E. 2.3). Wollte die BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼ber die sich aus der Einvernahme selbst ergebenden Schwierigkeiten hinaus etwas zu ihren Gunsten aus ihrem Gesundheitszustand ableiten, so hÃ¤tte sie daher konkret darlegen mÃ¼ssen, inwiefern ihr Aussageverhalten im Zeitpunkt der Einvernahme beeintrÃ¤chtigt war. Der Hinweis auf ein elf Monate nach der Einvernahme ausgestelltes Arztzeugnis, welches der BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼berdies pauschal die FÃ¤higkeit abspricht, gegenÃ¼ber BehÃ¶rden korrekte AuskÃ¼nfte zu geben, genÃ¼gt dieser Substanziierungspflicht nicht. Dasselbe gilt fÃ¼r die geltend gemachte gesundheitliche BeeintrÃ¤chtigung von D, bezÃ¼glich der die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht einmal behauptet, die IV-Rente stehe in einem Zusammenhang mit einer gesundheitlichen BeeintrÃ¤chtigung, welche das Aussageverhalten beeinflussen kÃ¶nnte. DafÃ¼r bestehen auch in den Akten keine Anhaltspunkte, verwies doch D anlÃ¤sslich seiner Einvernahme am 9. Januar 2017 bezÃ¼glich seiner gesundheitlichen Probleme auf ein sehr starkes "Brennen" in seinen Beinen, RÃ¼cken- und Prostataprobleme und erwÃ¤hnte nebenbei Depressionen. Vergesslichkeit und Alzheimererkrankung machte er aber erst geltend, als er mit detaillierten Fragen zum Kennenlernen konfrontiert wurde. Vor diesem Hintergrund kann auf die von der BeschwerdefÃ¼hrerin beantragten AbklÃ¤rungen verzichtet werden. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.7.2 </b>Die Vorinstanz stÃ¼tzt sich im Entscheid vom 26. April 2019 darauf, dass den (inzwischen ehemaligen) Eheleuten weder das Geburtsdatum und die schulische Bildung, noch die genaueren familiÃ¤ren VerhÃ¤ltnisse des jeweilig anderen gelÃ¤ufig gewesen ist und nur wenige Kenntnisse Ã¼ber Hobbies und persÃ¶nliche Vorlieben vorhanden waren. Ebenso wenig sei die BeschwerdefÃ¼hrerin in der Lage gewesen, den Namen des zum Zeitpunkt ihrer ersten Befragung aktuellen Arbeitgebers ihres Ehemannes zu nennen. Ãberdies wÃ¼rden sich beide Eheleute nicht an die angeblich schwerwiegende Erkrankung der BeschwerdefÃ¼hrerin im April 2010 erinnern, obwohl sie sich gemÃ¤ss Schreiben von C vom 7. Mai 2010 wÃ¤hrend jener Zeit kennengelernt und sich D rÃ¼hrend um die BeschwerdefÃ¼hrerin gekÃ¼mmert haben soll. </p> <p class="Erwgung3">Die BeschwerdefÃ¼hrerin lÃ¤sst ausfÃ¼hren, der Vorwurf der fehlenden Kenntnis der schulischen Bildung des jeweils anderen ziele angesichts der fehlenden schulischen Ausbildung beider ins Leere. Ebenso sei der Vorwurf, den Namen des Arbeitgebers von D nicht gekannt zu haben, angesichts der klaren Rollenteilung lebensfremd. Ãberdies habe D seinen Trauzeugen, C, korrekt benennen kÃ¶nnen. Dass D gesagt habe, die BeschwerdefÃ¼hrerin sei nicht krank gewesen, als sie sich kennengelernt hÃ¤tten, treffe aus seiner Sicht zu, habe die BeschwerdefÃ¼hrerin ihm doch damals nicht von ihrer psychischen BeeintrÃ¤chtigung erzÃ¤hlt und sei die MittelohrentzÃ¼ndung keine schwere Krankheit, welche eine Pflege durch ihn verlangt hÃ¤tte, zumal die Ã¤rztliche Versorgung sichergestellt gewesen sei. Dass D die Eltern der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht kenne, liege daran, dass das Ehepaar aus finanziellen und gesundheitlichen GrÃ¼nden keinen Urlaub machen konnte. Die beiden Reisen der BeschwerdefÃ¼hrerin in ihr Heimatdorf seien von ihrem Sohn finanziert worden und in dessen Begleitung erfolgt. Dies auch deshalb, weil ihre Heirat im Dorf der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht goutiert worden wÃ¤re. Deshalb habe sie auch lediglich ihren Vater, hingegen nicht ihre Geschwister darÃ¼ber informiert. Entsprechend habe man auch die BeschwerdefÃ¼hrerin den Eltern von D nur telefonisch vorgestellt. Dass D die BeschwerdefÃ¼hrerin seinen Kindern nicht vorgestellt habe, liege daran, dass diese ihn wegen der Scheidung von der Kindsmutter mieden und er nicht mit allen Kontakt habe. So habe er auch von keinem der Kinder das Alter und von einer Tochter nicht einmal den Nachnamen und den Namen seiner Enkelin benennen kÃ¶nnen. Ebenso pflege er keinen Kontakt zu seinen Geschwistern im Ausland, deren Alter er nicht genau kenne. Hingegen hÃ¤tten die Parteien mit den hier anwesenden Verwandten Kontakt gepflegt: So habe D oft den Sohn der BeschwerdefÃ¼hrerin, E, getroffen, ebenso sei der Kontakt zum Bruder der BeschwerdefÃ¼hrerin, F, der Schwester G und deren Sohn C gepflegt worden. Dass die Parteien gegenseitig keine Hobbies nennen kÃ¶nnten, liege daran, dass dies kulturell nicht Ã¼blich und finanziell nicht mÃ¶glich gewesen sei. Die gemeinsamen Interessen hÃ¤tten in der gegenseitigen UnterstÃ¼tzung und der Pflege der Beziehung zu hier ansÃ¤ssigen Familienmitgliedern, welche die Ehe gutgeheissen hÃ¤tten, bestanden. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.7.3 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrerin ist beizupflichten, dass ihr, wenn sie schon ihr eigenes Geburtsdatum nicht genau nennen kann, die Unkenntnis desselben von D nicht zulasten gelegt werden kann. Selbst wenn man die fehlende gegenseitige Kenntnis genauer Daten wie des Geburtsdatums aber ausser Acht lÃ¤sst, bestehen in den Aussagen der Eheleute zahlreiche WidersprÃ¼che und WissenslÃ¼cken: </p> <p class="Erwgung4"><b>3.7.3.1 </b>Die Vorinstanz wertete die gegenseitigen fehlenden Familienkenntnisse zu Recht als Indiz fÃ¼r eine Scheinehe: So wusste die BeschwerdefÃ¼hrerin etwa weder 2010 noch 2017, dass D gemÃ¤ss eigenen Angaben keine Eltern mehr hatte, und behauptete noch 2017, dass diese in H (TÃ¼rkei) wohnen wÃ¼rden. WÃ¤hrend die BeschwerdefÃ¼hrerin zwar die Anzahl der Geschwister von D kannte, aber nicht wusste, dass diese nicht alle in der TÃ¼rkei wohnhaft waren, war D nicht einmal die Anzahl der Geschwister der BeschwerdefÃ¼hrerin gelÃ¤ufig, "er habe sich nie danach erkundigt". Ebenso wenig kannte er 2017 Name und Wohnort der Eltern der BeschwerdefÃ¼hrerin, da er letztere "nie danach gefragt habe". Wie bereits 2010 gab die BeschwerdefÃ¼hrerin auch 2017 an, dass die vier Kinder von D in der TÃ¼rkei leben wÃ¼rden, obwohl ein Sohn â mit dem er allerdings keinen Kontakt pflegt â gemÃ¤ss seinen Angaben weiterhin in K wohnt. Selbst wenn der Kontakt zu diesen Familienmitgliedern nicht regelmÃ¤ssig gepflegt wurde resp. die Ehe angesichts des Alters der BeschwerdefÃ¼hrerin und der Tatsache, dass D bereits geschieden war, fÃ¼r die Familienmitglieder teils problematisch gewesen wÃ¤re und deshalb die Eheleute einander ihren Familien nicht vorgestellt hÃ¤tten, darf bei gegenseitigem Interesse davon ausgegangen werden, dass zumindest die Familienkonstellation dem Ehepartner jeweils bekannt ist. Ãberdies steht das Vorbringen der BeschwerdefÃ¼hrerin, ihre Ehe sei fÃ¼r ihre Familien problematisch gewesen, im Widerspruch zur Aussage von D im November 2010, wonach er seine Schwiegereltern wohl (erst) nÃ¤chstes Jahr kennenlernen und die BeschwerdefÃ¼hrerin dann auch seine Familie kennenlernen werde. </p> <p class="Erwgung4"><b>3.7.3.2 </b>Ebenso wenig vermag das Argument, die Eheleute hÃ¤tten keine gegenseitigen Hobbies nennen kÃ¶nnen, weil die Pflege derselben kulturell nicht Ã¼blich und finanziell nicht mÃ¶glich gewesen sei, das Argument der fehlenden gegenseitigen Kenntnisse und Interesse zu entkrÃ¤ften: BezÃ¼glich des Ehelebens fÃ¼hrte D 2017 aus, dass die Eheleute ihre Freizeit zuhause verbracht hÃ¤tten, manchmal seien sie spazieren gegangen. Sie hÃ¤tten keine gemeinsamen Hobbies oder Interessen gehabt. Auch hÃ¤tten sie sich nie darÃ¼ber unterhalten, welches Essen oder welchen Musikstil sie mÃ¶gen wÃ¼rden. Nur wenn er kurdische Musik abgespielt habe, habe sie gesagt, dass sie die Musik nicht verstehe, weil sie nicht Kurdin sei. Beide Eheleute gaben bereits 2010 an, keine gemeinsamen Interessen zu haben. In der Beschwerdeschrift wird vorgebracht, die gemeinsamen Interessen hÃ¤tten in der gegenseitigen UnterstÃ¼tzung und der Pflege der Beziehung zu hier ansÃ¤ssigen Familienmitgliedern, welche die Ehe gutgeheissen hÃ¤tten, bestanden. DiesbezÃ¼glich fÃ¼hrte D aber 2017 aus, den Sohn E der BeschwerdefÃ¼hrerin zwar zu kennen und zu wissen, dass dieser zwei Kinder habe; von denen kenne er aber weder Namen noch Alter. Er habe E wÃ¤hrend der ersten beiden Jahre der Ehe relativ oft gesehen, wenn dieser jeweils die BeschwerdefÃ¼hrerin abgeholt habe. Dies steht im Widerspruch zu den Aussagen der BeschwerdefÃ¼hrerin von 2017, wonach sich D und die Familie ihres Sohnes auch nach der Trennung noch alle drei bis vier Tage sehen wÃ¼rden und ihr Sohn aus religiÃ¶sen GrÃ¼nde an Festtagen zu D gehe, um ihm die HÃ¤nde zu kÃ¼ssen. Zweitens zeigt sich an dieser Aussage, dass D sich offenbar auch wÃ¤hrend der Ehe nicht am Familienleben der BeschwerdefÃ¼hrerin beteiligte, wenn er ihren Sohn nur dann sah, wenn dieser die BeschwerdefÃ¼hrerin abholte, und Ã¼berdies nur wÃ¤hrend der ersten zwei (von fÃ¼nf) Jahren des Zusammenwohnens regelmÃ¤ssig. Ãberdies verwechselte er 2017 bei der Frage, wie oft die BeschwerdefÃ¼hrerin die Kinder ihres Neffen C gehÃ¼tet habe, diesen mit dem Sohn der BeschwerdefÃ¼hrerin. Auch dass er sich 2017 nicht mehr daran erinnern vermochte, dass gemÃ¤ss Ã¼bereinstimmenden Aussagen von 2010 die Frau von C, I, die zweite Trauzeugin gewesen ist, lÃ¤sst darauf schliessen, dass D keinen regelmÃ¤ssigen Kontakt mit dieser pflegte. Schliesslich kannte D auch den Namen der hier lebenden Schwester der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht und gab an, diese nur dreimal gesehen und keine enge Beziehung zu ihr zu haben. Einzig bezÃ¼glich den Bruder F der BeschwerdefÃ¼hrerin gab er an, mit ihm eine gute Beziehung zu pflegen. GemÃ¤ss Aussage von D im Jahr 2017 hatten die Eheleute auch keine gemeinsamen Bekannten ausserhalb der Familie. Vor diesem Hintergrund lÃ¤sst sich nicht nachvollziehen, dass die Eheleute gemeinsam den Kontakt zu den hier lebenden Familienmitgliedern, welche ihre Ehe gutgeheissen haben, pflegten, ja dies gar der hauptsÃ¤chliche Eheinhalt gewesen sein soll.</p> <p class="Erwgung4"><b>3.7.3.3 </b>Weiter erklÃ¤rten beide Eheleute 2017, dass der jeweils andere die Primarschule besucht habe, sie selbst jedoch gar nie die Schule besucht hÃ¤tten. Dies lÃ¤sst sich entgegen der Aussage in der Beschwerdeschrift nicht mit der fehlenden Ausbildung erklÃ¤ren, machen die Parteien in ihren Aussagen doch selbst jeweils die Unterscheidung zwischen Besuch der Primarschule und fehlendem Schulbesuch. Offenbar haben sie sich nie Ã¼ber ihre Schulbildung ausgetauscht. Dass die BeschwerdefÃ¼hrerin 2010 den Namen des Arbeitgebers ihres Ehemannes nicht nennen konnte, zeigt zumindest, dass die Parteien offenbar auch nicht Ã¼ber den Berufsalltag von D miteinander gesprochen hatten. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.7.4 </b>Zusammengefasst interessierten sich die Parteien nur wenig fÃ¼r ihre gegenseitigen FamilienverhÃ¤ltnisse und alltÃ¤gliche Vorlieben, pflegten nicht regelmÃ¤ssig gemeinsamen Kontakt zu Familienmitgliedern/Bekannten, tauschten sich kaum Ã¼ber ihre Herkunft, Ausbildung oder das Berufsleben von D aus und hatten nicht ersichtlich gemeinsame Interessen oder bevorzugte TÃ¤tigkeiten. Auch wenn das Gesetz fÃ¼r den Familiennachzug keine Liebesheirat verlangt, ist nach dem Willen des Gesetzgebers doch zumindest eine "Realbeziehung" vorausgesetzt, der eine auf Dauer konzipierte, wirtschaftliche, kÃ¶rperliche und spirituelle Vereinigung zugrunde liegt, was minimale wechselseitige Kenntnisse der Partner und ein gewisses solidarisches, nicht auf GleichgÃ¼ltigkeit beruhendes Verhalten voraussetzt (BGr, 18. Februar 2014, 2C_808/2013, E. 3.2). Eine solche ist vorliegend nicht ersichtlich. </p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.8 </span></b><span>Angesichts des bereits 2008 erfolgten erfolglosen Versuches, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen und der im Heiratszeitpunkt fehlenden MÃ¶glichkeit fÃ¼r die BeschwerdefÃ¼hrerin, ohne Heirat anderweitig eine solche zu erhalten, der Aussage der BeschwerdefÃ¼hrerin, fÃ¼r die Betreuung der Kinder ihres Neffen hierhergekommen zu sein, der kurzen Dauer des Kennenlernens bis zur Heirat, der kurz nach Ablauf der â fÃ¼r die Erlangung der Niederlassungsbewilligung erforderlichen â FÃ¼nfjahresfrist erfolgten Trennung, der widersprÃ¼chlichen Angaben der Eheleute bezÃ¼glich Ablauf des Kennenlernens und der Hochzeit sowie der fehlenden gegenseitigen Interessen und Kenntnisse durfte die Vorinstanz zum Schluss kommen, dass gewichtige Indizien vorliegen, welche fÃ¼r eine Scheinehe sprechen. Folglich wÃ¤re es an der BeschwerdefÃ¼hrerin gelegen, den Gegenbeweis anzutreten und die angefÃ¼hrten Indizien zu entkrÃ¤ften, was ihr nicht gelungen ist. </span></p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung1">Die BeschwerdefÃ¼hrerin beantragt eine weitere Befragung, da die Einvernahme von D vom 22. November 2010 nicht bei den Akten sei und die Ex-Eheleute Ã¼berdies gesundheitlich angeschlagen seien. <span>Die Beteiligten wurden indes zur Sache bereits zweimal befragt. Die Aussagen von D vom 22. November 2010 befinden sich bei den dem Verwaltungsgericht eingereichten Akten und der BeschwerdefÃ¼hrerin wurde wÃ¤hrend des Verfahrens nochmals Gelegenheit zur Stellungnahme dazu eingerÃ¤umt. Es ist nicht zu erwarten, dass eine weitere Befragung bessere Erkenntnisse bringen wÃ¼rde. In antizipierter BeweiswÃ¼rdigung kann deshalb auf weitere Beweiserhebungen in Form einer weiteren Einvernahme verzichtet werden (vgl. VGr, 20. MÃ¤rz 2019, VB.2018.00602, E. 3.3).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung1">Schliesslich rÃ¼gt die BeschwerdefÃ¼hrerin eine Verletzung des Vertrauensgrundsatzes. Sie verkennt dabei, dass sie daraus, dass die MigrationsbehÃ¶rde in einem frÃ¼heren Zeitpunkt zum Schluss gekommen ist, die Indizien wÃ¼rden fÃ¼r die Annahme einer Scheinehe nicht ausreichen, nichts fÃ¼r sich ableiten kann. Handelt es sich nÃ¤mlich â wie vorliegend â um die VerlÃ¤ngerung einer abgelaufenen Bewilligung, gelangen nicht die Regeln Ã¼ber den Widerruf rechtskrÃ¤ftiger Bewilligungen zur Anwendung, sondern die BehÃ¶rde kann aufgrund einer GesamtwÃ¼rdigung â unter Einbezug bereits frÃ¼her bekannter und zusÃ¤tzlicher neuer Erkenntnisse â das Vorliegen einer Scheinehe bejahen (BGr, 9. Mai 2017, 2C_1019/2016, E. 3.1, mit weiteren Hinweisen, insbes. auf BGr, 2C_310/2014, 25. November 2014, E. 2.4.2). </p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung1">Eine Bewilligungsverweigerung erscheint sodann auch im Rahmen des gemÃ¤ss Art. 96 Abs. 1 AIG pflichtgemÃ¤ss auszuÃ¼benden Ermessens der Vorinstanzen verhÃ¤ltnismÃ¤ssig: Die BeschwerdefÃ¼hrerin hÃ¤lt sich zwar seit neun Jahren in der Schweiz auf. Sie kam aber erst mit 52 Jahren in die Schweiz und verbrachte ihr ganzes Leben davor in der TÃ¼rkei, weshalb sie sowohl mit der dortigen Sprache als auch den dortigen GebrÃ¤uchen weiterhin vertraut sein dÃ¼rfte. Ãberdies leben drei Geschwister sowie die Eltern weiterhin der TÃ¼rkei, und kÃ¶nnen ihr bei der Reintegration behilflich sein. Auch ergeben sich aus dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gemÃ¤ss Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV keine AufenthaltsansprÃ¼che: Trotz Pflege eines engen Kontaktes zum bereits erwachsenen Sohn sowie zum ebenfalls bereits erwachsenen Neffen und deren Familien fallen diese Beziehungen nicht in den Schutzbereich des Rechts auf Familienleben, schÃ¼tzt dieses doch in erster Linie die Kernfamilie, d.<span> </span>h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjÃ¤hrigen Kindern (BGr, 28. Januar 2013, 2C_695/2012, E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). Ein besonderes AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis (namentlich Betreuungs- oder PflegebedÃ¼rfnisse bei kÃ¶rperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten), welches einen Aufenthaltsanspruch zu begrÃ¼nden vermÃ¶chte, ist ebenso wenig ersichtlich wie andere besonders intensive, Ã¼ber eine normale Integration hinausgehende private Bindungen zu hier anwesenden Personen. Ohnehin wÃ¤ren aufgrund des rechtsmissbrÃ¤uchlichen Verhaltens der Eheleute auch Eingriffe in das Recht auf Familien- oder Privatleben statthaft (vgl. Art. 8 Abs. 2 EMRK; VGr, 19. Dezember 2018, VB.2018.00553, E. 3.6). </p> <p class="Urteilstext">Ebenso wenig wurde ein persÃ¶nlicher HÃ¤rtefall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG substanziiert noch ergeben sich aus den Akten Anhaltspunkte fÃ¼r einen solchen. </p> <p class="Urteilstext">Die Beschwerde ist daher abzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>7.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin beantragt die GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und des unentgeltlichen Rechtsbeistands sowohl fÃ¼r das vorliegende als auch fÃ¼r das vorinstanzliche Verfahren. GemÃ¤ss § 16 Abs. 1 VRG ist Privaten, welchen die nÃ¶tigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, auf entsprechendes Ersuchen die Bezahlung von Verfahrenskosten und KostenvorschÃ¼ssen zu erlassen. Sie haben nach Abs. 2 derselben Bestimmung Anspruch auf die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands, wenn sie nicht in der Lage sind, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren. Offensichtlich aussichtslos sind Begehren, bei denen die Aussichten zu obsiegen wesentlich geringer sind als die Aussichten zu unterliegen und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden kÃ¶nnen. Je stÃ¤rker ein Verfahren mit Grundrechtseingriffen der gesuchstellenden Person verbunden ist, desto geringere Anforderungen sind an das Kriterium der fehlenden Aussichtslosigkeit zu stellen, zumal davon auszugehen ist, dass bei drohenden schweren Eingriffen auch Selbstzahlende trotz geringer Erfolgsaussichten zur ProzessfÃ¼hrung bereit wÃ¤ren (VGr, 14. Januar 2016, VB.2015.00635, E. 3.2, mit Verweis auf Kaspar PlÃ¼ss in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014, § 16 N. 46). </p> <p class="Erwgung2"><b>7.2 </b>Aus den eingereichten Lohnabrechnungen MÃ¤rzâMai 2019 geht hervor, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin monatlich netto Fr. 1'500.75 erzielt und somit nicht in der Lage ist, fÃ¼r die Prozess- bzw. Vertretungskosten aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen mÃ¼sste, die zur Deckung ihres grundlegenden Lebensbedarfs notwendig sind. Sie kann daher als mittellos gelten, wenn ihr Einkommen auch Zweifel an der Finanzierung ihres Lebensunterhalts weckt. Die vorliegende Beschwerde erweist sich Ã¼berdies nach dem Gesagten sowie angesichts des drohenden schweren Eingriffs nicht als offensichtlich aussichtslos, weshalb dem Gesuch um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung und dem Gesuch um unentgeltliche RechtsverbeistÃ¤ndung zu entsprechen ist. Dies trifft auch fÃ¼r das vorinstanzliche Verfahren zu. Der BeschwerdefÃ¼hrerin ist damit fÃ¼r beide Verfahren Rechtsanwalt B als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Die BeschwerdefÃ¼hrerin wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4 VRG).</p> <p class="Erwgung2"><b>7.3 </b>Rechtsanwalt B weist in seiner Kostennote einen zeitlichen Aufwand von 12 h 40 min fÃ¼r das vorliegende Verfahren und einen Aufwand von 12 h 15 min fÃ¼r das Rekursverfahren aus, was bei einem Stundenansatz von Fr. 220.- sowie inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer einer EntschÃ¤digung von Fr. 3'021.60 fÃ¼r das vorliegende Verfahren und einer EntschÃ¤digung von Fr. 2'929.60 fÃ¼r das Rekursverfahren entspricht. </p> <p class="Urteilstext">Dieser zeitliche Aufwand erscheint nicht angemessen: Dem unentgeltlichen Rechtsbeistand wird der notwendige Zeitaufwand nach den StundenansÃ¤tzen des Obergerichts fÃ¼r die amtliche Verteidigung entschÃ¤digt. Dabei werden die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses berÃ¼cksichtigt. Barauslagen werden separat entschÃ¤digt (§ 9 Abs. 1 der GebÃ¼hrenverordnung des Verwaltungsgerichts vom 23. August 2010 [GebV VGr]). Als erforderlich ist jener Zeitaufwand zu betrachten, den auch eine nicht bedÃ¼rftige Person von ihrem Rechtsvertreter vernÃ¼nftigerweise erwartet hÃ¤tte und zu dessen Zahlung sie bereit gewesen wÃ¤re, um ihre Rechte im Verfahren zu wahren. Ãberdies reduziert sich der erforderliche Aufwand fÃ¼r ein Rechtsmittelverfahren in der Regel, wenn die gleiche Vertretung schon im vorinstanzlichen Verfahren bestand (VGr, 24. Oktober 2018, VB.2018.00326, E. 7.4; vgl. BGr, 21. Februar 2013, 2C_101/2013, E. 3).</p> <p class="Urteilstext">Vorliegend werden fÃ¼r das Rekursverfahren 2 h 5 min reines "Aktenstudium" und 5 h "Aktenstudium/Rekurs verfassen" geltend gemacht, nebst zusÃ¤tzlich 2 h 30 min rein "Rekurs verfassen". Dieser Aufwand erscheint angesichts der Aktenmenge und der 13-seitigen Beschwerdeschrift als zu hoch. Dasselbe gilt fÃ¼r das Beschwerdeverfahren, wofÃ¼r in zahlreichen Positionen "Aktenstudium" und "Beschwerde erstellen" resp. "Beschwerde ergÃ¤nzen" geltend gemacht wird, ohne dass sich der genaue Aufwand pro Position eruieren lÃ¤sst und nebst weiteren 3 h 40 min reiner Beschwerderedaktion. Zwar weist die Beschwerdeschrift einen Umfang von 19 Seiten aus; ein Grossteil der sich stellenden Rechtsfragen wurden jedoch bereits vor den Vorinstanzen thematisiert. Insgesamt und mit Hinblick auf die ParteientschÃ¤digung, welche einer obsiegenden Partei fÃ¼r das vorliegende Verfahren zugesprochen werden kÃ¶nnte, rechtfertigt es sich, den Aufwand im Rekursverfahren um 2 h und denjenigen des Beschwerdeverfahrens um 3 h zu kÃ¼rzen, was einen Aufwand von 10 h 15 min fÃ¼r das Rekursverfahren und einen Aufwand von 9 h und 40 min fÃ¼r das Beschwerdeverfahren ergibt. Die EntschÃ¤digung fÃ¼r den unentgeltlichen Rechtsbeistand ist damit fÃ¼r das Rekursverfahren inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer auf Fr. 2'454.40 und fÃ¼r das Beschwerdeverfahren auf Fr. 2'310.75 festzusetzen. </p> <p class="Erwgung2"><b>7.4 </b>Da die Beschwerde in der Hauptsache abzuweisen ist, sind die Kosten des Verfahrens der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). Ihr teilweises Obsiegen in Sachen der unentgeltlichen RechtsverbeistÃ¤ndung ist dabei im Gesamtzusammenhang von untergeordneter Bedeutung. Eine ParteientschÃ¤digung steht ihr damit von vornherein nicht zu (§ 17 Abs. 2 VRG; VGr, 14. Januar 2016, VB.2015.00635, E. 4.1).</p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Erwgung1">Der vorliegende Entscheid kann mit Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) angefochten werden, soweit ein Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung geltend gemacht wird. Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</p> <p class="Urteilstext"> </p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Der BeschwerdefÃ¼hrerin wird fÃ¼r das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung gewÃ¤hrt und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person von Rechtsanwalt B bestellt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. </span></p> <p class="Einzug2"><span>In AbÃ¤nderung von Dispositiv-Ziffer III des Rekursentscheids vom 26. April 2019 wird das Gesuch um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und der unentgeltlichen RechtsverbeistÃ¤ndung gutgeheissen. Der BeschwerdefÃ¼hrerin wird fÃ¼r das Rekursverfahren die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung gewÃ¤hrt und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person von Rechtsanwalt B bestellt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>Rechtsanwalt B wird fÃ¼r das Rekursverfahren mit Fr. 2'454.40 (Mehrwertsteuer inklusive) aus der Staatskasse entschÃ¤digt. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrerin gemÃ¤ss § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten. </span></p> <p class="Einzug2"><span>Im Ãbrigen wird die Beschwerde abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellkosten,<br/> Fr. 2'060.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Gerichtskosten werden der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegt, jedoch einstweilen zufolge GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung auf die Gerichtskasse genommen. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrerin nach § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Rechtsanwalt B wird fÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Verfahren mit Fr. 2'310.75 (Mehrwertsteuer inklusive) aus der Gerichtskasse entschÃ¤digt. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrerin nach § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde im Sinn der ErwÃ¤gungen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. Mitteilung an â¦</span></p> <p class="Urteilstext"> </p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>