Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. April 2015 (720 14 362 / 99; 720 14 373 / 100) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Festsetzung des Beginns der Wartezeit für eine Invalidenrente; Ermittlung des Validen- einkommens aufgrund des zuletzt erzielten Einkommens, da die Stelle aus krankheitsbe- dingten Gründen verloren ging Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber i.V. Lukas Meyer Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Erich Züblin , Advo kat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.6287.0540.80) A.1 Der 1967 geborene A.____ arbeitete seit 1. März 1989 als Depotangestellter bei der SBB und übernahm ab August 1991 die Funktion als Sc haltwärter in Basel. Seit März 2005 war der Versicherte aufgrund von Rückenschmerzen in ein er Verweistätigkeit bei der SBB ange- stellt. Am 30. April 2007 endete die gemäss GAV gel tende zweijährige Lohnfortzahlungsfrist. Das Arbeitsverhältnis wurde in gegenseitigem Einver nehmen auf dieses Datum beendet. Be- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht reits am 13. Juni 2005 beantragte A.____ unter Hinwei s auf seine Rückenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) die Umschulung au f eine neue Tätigkeit. Diesen Antrag lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 29. September 2005 ab, da es ihm aus medizinischer Sicht zumutbar sei, ein r entenausschliessendes Einkommen zu generieren. Der Versicherte stellte sodann am 17. Februar 2006 einen Antrag auf eine Rente der IV. Dieser wurde mit Verfügung vom 21. Juni 2007 m it der Begründung abgelehnt, der IV- Grad betrage in jedem Fall höchstens 21 %, weshalb kein Anspruch auf eine Rente bestehe. Im Dezember 2009 stellte A.____ erneut Antrag auf eine Rente sowie Umschulung auf eine andere Tätigkeit. Auf diesen wurde mit Verfügung vom 4. Februar 2009 nicht eingetreten. Einem weite- ren, am 7. Mai 2010 eingereichten Antrag wurde insow eit entsprochen, als dem Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche gewäh rt und eine Kostengutsprache für ein Arbeitstraining bei der Stiftung B.____ vom 21. Mär z 2011 bis am 20. Juni 2011 erteilt wurde. Mit Verfügung vom 22. September 2011 wurde festgehalt en, dass eine Arbeitsvermittlung der- zeit nicht möglich sei, da dem Versicherten ein medizinischer Eingriff bevorstehe. A.2 Am 8. Februar 2012 stellte A.____, unterstützt d urch die Rheumaliga beider Basel, er- neut einen Antrag auf Ausrichtung einer Invalidenrente . Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle beim Versicherten ab dem 6. September 2012 einen Invaliditätsgrad von 58 %, ab dem 1. Oktober 2012 einen Invaliditätsgrad von 100 % und ab 1. März 2013 wieder einen Invaliditätsgrad von 58 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahr en – mit Verfügung vom 16. Ok- tober 2014 eine halbe Rente ab 1. November 2014 zu. G leichzeitig hielt sie fest, dass sie die rückwirkenden Verfügungen vom 1. September 2012 bis 31. Oktober 2014 zu einem späteren Zeitpunkt erlassen werde. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Er ich Züblin, am 18. November 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversich erungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflich- ten, ihm mit Wirkung ab 1. Mai 2012 eine ganze Invali denrente auszurichten; unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorbringen, dass gemäss bidisziplinärem Gutachten von Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psych otherapie, und Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, vom 25. Februa r 2014, auf welches sich die IV-Stelle bei ihrem Rentenentscheid gestützt habe, die gesetzliche Wartefrist nicht erst mit der Operation im September 2011, sondern bereits mit der rheumatolo gischen Behandlung bei Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie, am 4. Mai 2011 begonnen habe. Es sei schon ab diesem Zeit- punkt eine Verschlimmerung des chronischen Schmerzzustandes an zunehmen. Im Weiteren könne das Valideneinkommen nicht gestützt auf die viel t ieferen statistischen Löhne gemäss LSE, Anforderungsniveau 4, berechnet werden. Vielmehr sei das effektive Einkommen als Schaltwärter bei der SBB aus dem Jahr 2004 als Grundla ge zu nehmen, da er diese ange- stammte Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit a us medizinischen Gründen verloren habe. Insofern bestehe ein Anspruch auf eine volle Rente ab Mai 2012. C. Am 19. November 2012 erliess die IV-Stelle die in der ersten Verfügung vom 16. Okto- ber 2014 in Aussicht gestellten zusätzlichen Verfügungen , mit welchen sie über die rückwirken- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Rentenzahlungen an A.____ für die Periode ab Sep tember 2012 bis Oktober 2014 ent- schied. In diesen drei neuen Verfügungen sprach die IV- Stelle dem Versicherten rückwirkend ab 1. September 2012 bis 31. Dezember 2012 eine halb e, ab 1. Januar 2013 bis 31. Mai 2013 eine ganze und ab 1. Juni 2013 bis 31. Oktober 2014 wieder eine halbe Invalidenrente zu. Auch dagegen erhob A.____ am 27. November 2014, weiterhin vertreten durch Advokat Erich Züblin, Beschwerde und beantragte die Aufhebung der drei Ver fügungen vom 19. November 2014 und die Zusprechung einer ganzen Rente mit Wirkung ab 1. M ai 2012. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht beantragte er zudem die Vereinigung des Verfahren s mit dem bereits hängigen Be- schwerdeverfahren vom 18. November 2014; unter o/e-Ko stenfolge. Das Kantonsgericht ent- sprach diesem Antrag mit Verfügung vom 4. Dezember 2014 , indem es die beiden Beschwer- deverfahren (Verfahren Nr. 720 14 362/99 und 720 14 373/100) aus prozessökonomischen Gründen zusammenlegte. D. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Januar 2015 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bilden die Verfügungen der IV-Stelle vom 1 6. Oktober respektive 19. Novem- ber 2014, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsg erichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist so- mit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobenen Beschwerden vom 18. No vember respektive 27. November 2014 ist einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochten en Verfügungen vom 10. Oktober bzw. 19. November 2014 entwickelte. Dieser Zeitpunkt ist rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 4.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E . 1c). Ausschlaggebend für den Beweis- wert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Bewe ismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnah me als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiter en Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversicherung entwickelten Grundsätze finden für da s IV-Verwaltungsverfahren sinnge- mäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 43 7/99 und I 575/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und so ll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Abschät- zung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassen den Beweiswürdigung dürfen al- lerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandeln den Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustuf en; die einen längeren Zeitraum ab- deckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzt e bringt oft wertvolle Erkenntnis- se hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschie dliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Beg utachtungsauftrag des amtlich be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab- weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjek- tiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urte il des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.5 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist darauf hinzuweise n, dass der Sozialversicherungs- prozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist. Danach h aben der Sozialversicherer und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a, je mit weiteren Hinweisen). Wegen der Massgeblichkeit des Untersuchungsgrundsatzes entfällt im Sozialversicherungsrecht eine Beweisführungslast. Immerh in tragen die Parteien im Sozialver- sicherungsverfahren eine dahingehende Beweislast, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (BGE 121 V 208 E. 6a, 115 V 133 E. 8a). 6.1 Zwischen den Parteien ist zunächst umstritten, wann de r Anspruch auf eine IV-Rente entstanden ist. Die Beschwerdegegnerin hielt in der an gefochtenen Verfügung fest, dass der Rentenanspruch am 1. September 2012 entstanden sei. In den medizinischen Akten seien kei- ne Hinweise auf eine relevante Verschlechterung aus subje ktiver und objektiver Sicht auf die Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt der Operation im Se ptember 2011 zu finden. Demnach sei davon auszugehen, dass das Wartejahr am 6. September 20 11 begonnen habe. Der Be- schwerdeführer macht dagegen geltend, dass die Wartezeit am 4. Mai 2011 begonnen habe, da gemäss den gutachterlichen Beurteilungen von Dr. C.__ __ und Dr. D.____ eine erhebliche Ar- beitsunfähigkeit bereits ab dem Zeitpunkt des Beginns der rheumatologischen Behandlung bei Dr. E.____ bestehe. 6.2 Es ist darauf hinzuweisen, dass mit der 5. IVG-Revisio n per 1. Januar 2008 eine sechs- monatige Wartefrist ab Einreichung des Leistungsgesuchs eingeführt wurde (Art. 29 Abs. 2 IVG). Der Rentenanspruch kann folglich frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Gel- tendmachung des Leistungsanspruchs ausgerichtet werden. Vorliegend wurde das Gesuch vom Beschwerdeführer am 8. Februar 2012 eingereicht. D emzufolge kann die Ausrichtung ei- ner allfälligen Rente frühestens ab August 2012 erfolgen. 6.3 Im Weiteren setzt der Anspruch auf eine IV-Rente gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG, wie in Erwägung 3.1 hiervor erwähnt, voraus, dass die versich erte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (sog. Wartejahr). Die Wartezeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (Urteil des Bundesgerichts vom Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 24. November 2010, 9C_757/2010, E. 4.1). Dabei ist nur die Arbeitsunfähigkeit von Bedeutung, das heisst die als Folge des Gesundheitsschadens bedingte E inbusse an funktionellem Leis- tungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereic h (Urteil vom 5. Dezember 2011, 8C_652/2011, E. 2). Die finanziellen Auswirkungen einer solchen Einbusse sind für deren Beur- teilung während der Wartezeit grundsätzlich unerheblich (BGE 130 V 97 E. 3.2, 118 V 16 E. 6d, 105 V 156 E. 2a; ZAK 1986 S. 476 E. 3, 1984 S. 230 E. 1, 1980 S. 283 E. 2a). Ebenfalls uner- heblich ist, auf welche gesundheitlich bedingten Ursachen die Arbeitsunfähigkeit zurückzufüh- ren ist (Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherun gen BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gülti g ab 1. Januar 2012, Rz. 2009). Der Zeit- punkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem i m Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 17. Mai 2011, 8C_41/2011, E. 2.2) n achgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizin ische Annahmen und spekulative Über- legungen ersetzt werden. Vielmehr bedarf es dazu regelm ässig zusätzlich einer (überzeugen- den) medizinischen Einschätzung, die ordentlicherweise ech tzeitlicher Natur ist (SVR 2010 IV Nr. 17, 8C_195/2009, E. 5). 6.4 Die am Gutachten vom 25. Februar 2014 beteiligten Fachärzte Dr. C.____ und Dr. D.____ kamen zum Schluss, dass sich aus psychiatrischer Sicht we der die höchstens leichte depressive Störung (ICD-10 F33.0) noch die Agoraphobie (ICD-10 F40.0), die schon seit Jah- ren bestehe, auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Aus soma tischer Sicht könne im Vergleich zur erstmaligen rheumatologischen Begutachtung im Rahmen d es bidisziplinären Gutachtens vom Dezember 2010 eine zwischenzeitliche Verschlechterung des Ge sundheitszustandes bestätigt werden. Trotz dreimaliger Rückenoperation müsse weiterhi n von einem chronischen Schmerzsyndrom ausgegangen werden, welches auch in Zukunft bestehen werde. Dadurch könne eine Zunahme der Einschränkung der Arbeitsfähigk eit, insbesondere für leichte körperli- che Tätigkeiten, begründet werden. Bezüglich der Arbei tsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei dem Beschwerdeführer jede körperlich adaptierte Tätigk eit in vollem Umfang möglich und eine dauerhafte Einschränkung liesse sich nicht begründen. Aus somatischer Sicht seien dem Be- schwerdeführer keine schwer wie auch mittelschwer wirbelsäu lenbelastende Tätigkeiten mehr möglich, eine leichte Tätigkeit in Wechselbelastung ohn e Zwangshaltung sei zu 50 % möglich. Diese neue Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei ab Be ginn der rheumatologischen Behand- lung durch Dr. E.____ im Mai 2011 anzunehmen, da die ser eine Verschlimmerung des chroni- schen Schmerzzustandes beschrieben habe. 6.5 Am 14. April 2014 prüfte pract. med. F.____, Reg ionaler ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), das Gutachten vom 25. Februar 2014 im Hinblick a uf Inhalt und Qualität und hielt fest, dass es den Anforderungen entspräche. Sie äusserte sich je doch kritisch über den von den Gutachtern festgelegten Zeitpunkt des Beginns der Wart ezeit und wiederholte ihre Einschät- zungen am 2. September 2014. Ihrer Meinung nach sei al s Zeitpunkt der Verschlechterung des Gesundheitszustandes auf den Operationstermin vom 6. Sept ember 2011 bei Prof. Dr. med. G.____, FMH Neurochirurgie, abzustelle n, da es bis zu diesem Termin in den medizinischen Akten keinen Hinweis auf eine relevante Ve rschlechterung aus subjektiver und objektiver Sicht mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gäbe. Prof. Dr. G.____ halte mit Schreiben Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 16. Juni 2011 vielmehr fest, dass seit 1993 Lumbalg ien und seit etwa 6 Jahren zusätzlich radikulär imponierende Einstrahlungen ins linke Bein über die Gesässbacke bis hinunter zur Fusssohle bestünden. Bei der Untersuchung dokumentierte er einen stabilen Gesundheitszu- stand seit sechs Jahren ohne deutliche radikuläre Reizsympt omatik. Prof. Dr. G.____ hätte zu diesem Zeitpunkt keine sichere OP-Indikation gesehen. We iter habe der Beschwerdeführer ein dreimonatiges Arbeitstraining absolviert, das er nur mit fünf Absenztagen zu Ende geführt habe. 6.6 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des Zeitpunktes des Beginns der Warte- zeit vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen pract. med. F.____ im RAD-Bericht gelangt ist. Sie ging demnach davon aus, dass beim Beschwerdeführer ei ne Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes ab der Operation im September 2011 anzunehmen sei und damit das War- tejahr ab diesem Zeitpunkt beginne. Diese vorinstanzl iche Beweiswürdigung ist nicht zu bean- standen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertisen sprechen. Im vorliegenden Fall stellt hingegen der RAD-Bericht das Gutachten der Dres. C.____ und D.____ bezüglich der Festsetzung des Beginns der Wartezeit in Frage. Be- richte regionaler ärztlicher Dienste haben Gutachtenqualität, wenn sie den allgemeinen beweis- rechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht ge nügen (Urteil des Bundesgerichts 9C_204/2009 vom 6. Juli 2009 E. 4.4) und der betreff ende RAD-Arzt über die im Einzelfall ge- fragte persönliche und fachliche Qualifikation verfügt . Nicht zwingend erforderlich ist, dass die versicherte Person untersucht wird (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009). Frau pract. med. F.____ ist persönlich und fachlich qu alifiziert die entsprechende Fragestellung zu beantworten. Dem von ihr verfassten medizinischen Beri cht kommt volle Beweiskraft zu, da er in Kenntnis aller relevanten Akten erstellt wurde und sie sich somit ein umfassendes Bild ver- schaffen konnte. Während das bidisziplinäre Gutachten zur Frage des Beginns der Wartezeit lediglich darauf verweist, dass ab Mai 2011 eine Verschl immerung des chronischen Schmerz- zustandes anzunehmen sei, legt pract. med. F.____ in übe rzeugender Weise Tatsachen dar, die gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. D ie RAD-Ärztin berichtet, dass Prof. Dr. G.____ in seiner Untersuchung vom 16. Juni 2011 noch k eine sichere OP-Indikation sah und der Beschwerdeführer sein dreimonatiges Arbeitstrainin g vom 21. März 2011 bis 20. Juni 2011 mit nur fünf Absenztagen zu Ende führte. Sie begründet hiermit schlüssig und nachvollziehbar, weshalb die Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht bereits im Mai 2011 mit dem Beginn der rheumatologischen Behandlung bei Dr. E.__ __, sondern erst zum Zeitpunkt des operativen Eingriffs im September 2011 begonnen hat. Die IV-Stelle ist demnach zu Recht von dem im Gutachten festgelegten Beginn der Wartezeit ab gewichen und hat diesen stattdessen auf den Operationstermin im September 2011 festgesetzt. 7.1 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, wie sich die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf den Invaliditätsgrad auswirkt. 7.2 Vorliegend stützte sich die IV-Stelle bei der Beme ssung des Validen- wie auch des Inva- lideneinkommens auf die Tabellenlöhne der Schweizeri schen Lohnstrukturerhebung des Bun- desamtes für Statistik (LSE) 2010 ab. Beim Valideneink ommen ging sie davon aus, dass der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführer nach Ablauf der Wartezeit im Septemb er 2012 ein Jahreseinkommen von Fr. 62‘415.-- erzielen könnte. Grundlage hierfür war die Tabelle TA1, privater Sektor, Anforde- rungsniveau 4, Spalte Männer, von Fr. 4‘901.-- pro Mo nat, basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Anpassung dieses Betrages an die Nominallohnentwicklu ng von 1.8% und Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41, 7 Stunden resultierte das vorstehend genannte Jahreseinkommen. Nach einer unbestrittenen vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad erneut ab 2013 be rechnet. Der Beschwerdeführer könnte da- nach ein Jahreseinkommen von Fr. 62‘906.-- erzielen. G rundlage hierfür war die Tabelle TA1, privater Sektor, Anforderungsniveau 4, Spalte Männer, von Fr. 4‘901.-- pro Monat, basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Anpassung dieses Betrages an die Nominallohnentwicklung von 2.6% und Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden resul- tierte das vorstehend genannte Jahreseinkommen von Fr. 62‘ 906.--. Das Invalideneinkommen berechnete die Vorinstanz ebenfalls gestützt auf Tabell e TA1, Privater Sektor, Anforderungsni- veau 4, Spalte Männer, von monatlich Fr. 4‘901.--, basi erend auf 40 Wochenstunden. Nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung von 1.8% (respekt ive 2.6 % nach 2013) und an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche sowie unter Berücksichtigung des zu- mutbaren Pensums von 50% berechnete sie ein Jahreseinkomme n von Fr. 31‘208.-- (bzw. Fr. 31‘452.-- nach 2013) Von diesem Betrag nahm die Vorinstanz einen leidensbedingten Ab- zug von 15% vor, woraus das massgebende Jahreseinkommen von F r. 26‘526.-- (bzw. Fr. 26‘734.--) resultierte. Eine Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ergab den Invaliditätsgrad von 58% zwischen dem 6. September 2012 und 1. Oktober 2012 sowie ab 1. März 2013. 7.3 Der Beschwerdeführer macht in Bezug auf das Valide neinkommen geltend, dass jenes Einkommen massgebend sei, das er bis zum Jahr 2004 als Schal twärter erzielt habe. Die IV- Stelle hätte in ihrer Berechnung nicht von den LSE-Tabellenlöhnen ausgehen dürfen. 7.4 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielbar en Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Z eitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) als Gesunde tatsächlich verdie- nen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fä higkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hierfür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hätte (BGE 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b). Da im Gesundhe itsfall erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit in der Regel weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teue rung sowie der realen Einkommens- entwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 E. 3c). 7.5 Ging eine Arbeitsstelle aus invaliditätsfremden Grü nden verloren und wäre die versicher- te Person somit auch ohne gesundheitliche Beeinträchtigung nicht mehr an der bisherigen Stel- le tätig, so ist von dem unter Erwägung 7.4 hiervor gen annten Grundsatz abzuweichen. Das Valideneinkommen ist demgemäss nicht aufgrund der Lohna ngaben des letzten Arbeitgebers, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss LSE zu ermitteln (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2010, 9C_130/2010, E. 3.3.1 mit Hinwei sen). Im vorliegenden Fall verweist die Beschwerdegegnerin darauf, dass der Beschwerdeführer sei ne ehemalige Arbeitsstelle als Schaltwärter bei der SBB verloren habe, obwohl diese Tätigkeit aufgrund sämtlicher medizini- scher Gutachten als leichte bis mittelschwere Tätigkeit ein gestuft wurde und deren Ausübung ihm bis zum Zeitpunkt der Operation im September 2011 weiterhin zumutbar gewesen sei. Das Gutachten von Dr. med. H.____, FMH Rheumatologie, Ph ysikalische Medizin und Rehabilitati- on, vom 23. November 2006 halte ausdrücklich fest, dass laut Angaben des Beschwerdeführers die frühere Tätigkeit, die er bis Dezember 2004 verrich tet habe, als leicht bis mittelschwer ein- zustufen sei. Zudem sei das Arbeitsverhältnis exakt zu dem Z eitpunkt beendet worden, zu wel- chem der Lohnzahlungsanspruch des Beschwerdeführers gemäss G AV erlosch. Es sei somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt, dass der Be schwerdeführer seinen Arbeitsplatz nicht aus Krankheitsgründen verloren habe und deshalb n icht auf den damals erzielten Lohn abgestellt werden könne. Die Berechnung des Validenein kommens sei zu Recht anhand der Tabellenlöhne nach LSE 2010 erfolgt. Demgegenüber w endet der Beschwerdeführer ein, dass die SBB nach dem 29. Oktober 2004 aufgrund seiner Ges undheitsstörungen ein Case Ma- nagement eingerichtet habe. Er sei intern auf eine A rbeitsstelle, die seinen Leiden besser an- gepasst war, versetzt worden. Diese Schonarbeitsstelle sei nach Ablauf der Lohnfortzahlungs- pflicht durch die Arbeitgeberin mit der Bemerkung gekündigt worden, dass das Arbeitsverhältnis mit der SBB Cargo aus medizinischen Gründen im gegensei tigen Einvernehmen per 30. April 2004 aufgelöst worden sei. Deshalb müsse auf den zuletzt erzielten Lohn in der angestammten Tätigkeit als Schaltwärter abgestellt werden. 7.6 Aus den Akten und insbesondere aus dem Personaldo ssier der SBB ist der Eintritt der Gesundheitsstörungen, aufgrund derer der Beschwerdeführ er ab dem 29. Oktober 2004 von seinem behandelnden Arzt Dr. I.____, FMH Allgemeine Medizin, wiederholt für unterschiedliche Dauer krankgeschrieben wurde, ersichtlich. Weiter zeigt sich , dass die SBB die Stellen der Schaltwärter per 12. Dezember 2004 aufhob. Ein Teil d er Schaltwärter wurde in eine andere Abteilung übernommen. Der Beschwerdeführer gehörte n icht dazu. Ihm wurde aufgrund seiner Beschwerden ein Schonarbeitsplatz zugeteilt. Im Gutach ten von Dr. C.____ vom 4. Dezember 2006 wurde dementsprechend ausgeführt, dass der Versicher te zunehmend unter Beschwer- den, insbesondere Rückenbeschwerden leide und dass er d eswegen an einem besonderen Arbeitsplatz, wo er nur einige Stunden pro Woche tät ig sei, arbeite. Diese Tätigkeit sei ihm zu- gewiesen worden, weil es für ihn keine andere Möglichk eit gegeben habe. Auch die SBB liess die Tauglichkeit des Beschwerdeführers in seiner angesta mmten Tätigkeit als Schaltwärter von Dr. med. J.____, Chefarzt-Stellvertreterin des Ärztlichen Kompetenzzentrums für Unternehmen, beurteilen. Aus ihrem Bericht vom 7. Mai 2007 ist folg endes zu entnehmen: Der Versicherte sei in der Lage leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeit en ohne Heben und Tragen über 15 kg ganztags zu verrichten. Gemäss Auskunft des Arbeitgebers lä gen die Anforderungen an einen Schaltwärter heute deutlich höher, da vermehrt gekuppel t werden müsse. Daher müsse er für eine uneingeschränkte Tätigkeit als Schaltwärter aus med izinischen Gründen untauglich erklärt werden. Am 31. Oktober 2006 hielt die SBB Cargo in e inem Schreiben an den Versicherten fest, dass wegen mangelnder medizinischer Tauglichkeit die SBB Cargo das Arbeitsverhältnis per 30. April 2007 auflöse. Eine berufliche Reintegr ation sei leider nicht absehbar. Auch der Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kündigung vom 26. Januar 2007 ist zu entnehmen, dass das A rbeitsverhältnis mit der SBB Cargo AG - gemäss Vereinbarung vom 31. Oktober 2006 - aus medizinischen Gründen beendet worden sei. Ebenso explizit belegt das Arbeitszeugnis, dass das Arbeitsverhältnis infolge medi- zinischer Einschränkungen im angestammten Tätigkeitsbereich aufgelöst wurde. 7.7 Wenn die IV-Stelle in den angefochtenen Verfügun gen vom 16. Oktober 2011 und 19. November 2011 davon ausgeht, dass zur Ermittlung des Valideneinkommens auf die Tabel- lenlöhne gemäss LSE 2010 abzustellen sei, da der Versi cherte seine Stelle trotz gesundheitli- cher Zumutbarkeit und demnach aus invaliditätsfremden Gr ünden verloren habe, kann ihr nicht gefolgt werden. Die IV-Stelle zog zur Begründung ihr es Standpunktes das rheumatologische Gutachten von Dr. H.____ vom 23. November 2006 bei, w onach - gemäss der Aussage des Versicherten - die Tätigkeit als Schaltwärter als leicht b is mittelschwer einzustufen sei. Sie ge- langte somit zum Schluss, dass diese Tätigkeit bis zur Opera tion im Oktober 2011 zumutbar gewesen wäre. Dem rheumatologischen Gutachten stellt sich der Bericht von Dr. J.____ vom 7. Mai 2007 entgegen. Ihre Abklärungen stützten sich auf das Anforderungsprofil einer leichten bis mittelschweren Erwerbstätigkeit und ergaben, dass die Tä tigkeit des Versicherten unter ande- rem im Kuppeln und Entkuppeln von Lokomotiven bestehe u nd diese Arbeitsvorgänge täglich 25 bis 30 mal vorkommen. Aufgrund dieser Tatsachen musste sie den Beschwerdeführer für eine uneingeschränkte Tätigkeit als Schaltwärter aus me dizinischen Gründen untauglich erklä- ren. Ob die angestammte Erwerbstätigkeit als leicht bis mittelschwer zu qualifizieren ist und ob ihm diese Tätigkeit zumutbar war, kann für die Beurtei lung des Kündigungsgrundes indes of- fenbleiben, da bereits aufgrund der Personalakten der SBB fest steht, dass der Versicherte seine Stelle als Schaltwärter aus gesundheitlichen Gründ en verloren hat (vgl. E. 7.6 hiervor). Die Stellen der Schaltwärter wurden zwar per 12. Deze mber 2004 aufgehoben, jedoch wurde der Versicherte bereits nach der Krankschreibung am 29. O ktober 2004 wegen seiner gesund- heitlichen Beschwerden in einer leichteren Tätigkeit - unter anderem im Sicherheitsbereich und Kurierdienst - eingesetzt. Demnach hing die Versetzung von der Schaltwärterstelle zu einer leichteren Tätigkeit nicht von der Aufhebung dieser Stellen ab, sondern erfolgte aus gesundheit- lichen Gründen. Selbst die zeitliche Nähe der Stellena ufhebung und des Eintritts der gesund- heitlichen Beeinträchtigung bildet gemäss bundesgerichtli cher Rechtsprechung keinen hinrei- chenden Grund, auf Tabellenlöhne abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Dezem- ber 2010, 9C_699/2010 E. 3.2). Unter diesen Umständen ist mit überwiegender Wahrschein- lichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine Tätigkeit als Schaltwärter im Jahr 2004 aus gesundheitlichen Gründen verloren hat. Folgli ch ist die Berechnung des Validenein- kommens aufgrund der Tabellenlöhne gemäss LSE 2010 nicht richtig und die IV-Stelle hätte für dessen Bemessung auf das Einkommen des Versicherten im Ja hr 2004 in der Höhe von Fr. 85‘521.-- abstellen müssen. 8. Die Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 % für leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung und ohne Einnahme von Zwangshaltungen, welche nach Ablauf der Wartefrist resultiert, wird ebenso wie das berechnete Invalideneinkommen des Beschw erdeführers nicht bestritten. Des- halb ist nicht weiter darauf einzugehen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Ausgehend vom ermittelten Jahresverdienst von Fr. 85‘5 21.-- im Jahr 2004 und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (vgl. BFS Nominallohnentwicklung, Männer, Ver- kehr: 0.1 % (2005), 0.8 % (2006), 1.9 % (2007), 1.8 % (2008), 2.1 % (2009), 0.6 % (2010), 0.5 % (2011), 0.9 % (2012)) resultiert ein massgebendes Val ideneinkommen von Fr. 93‘233.--. Stellt man im Einkommensvergleich das Invalideneinkommen von Fr. 26‘526.-- diesem Validen- einkommen gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbse inbusse von Fr. 66‘707.--, was be- reits ab September 2012 einen IV-Grad von rund 72% ( vgl. zur Rundungspraxis BGE 130 V 121 ff.) zur Folge hat. Die Beschwerde erwei st sich daher als begründet und ist in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtenen Verfügun gen vom 16. Oktober 2014 und 19. November 2014 aufgehoben werden und dem Beschwer deführer ab dem 1. September 2012 eine volle Rente zugesprochen wird. 10.1 Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 69 Abs. 1bis IVG ist das Be- schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’ 000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Ge richt die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 60 0.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin un terlegene Partei, weshalb sie grund- sätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO der Vorinstanz bzw. den kantonalen Behörden ge- mäss Verwaltungsverfahrensgesetz vom 13. Juni 1988 keine V erfahrenskosten auferlegt wer- den. Aufgrund dieser Bestimmung ist auf Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten, und der geleistete Kostenvorschuss ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 10.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer steht sodann ei ne Parteientschädigung zu. Der eingereichten Honorarnote vom 23. Januar 2015 zufolg e beläuft sich der geltend gemachte Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren auf 9 Stunden 45 Minuten. Dieser Aufwand erscheint angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und R echtsfragen grundsätzlich als an- gemessen. Der der Honorarnote beigelegten Deservitenkarte ist allerdings zu entnehmen, dass sich darunter eine Bemühung im Umfang einer Stunde befindet, welche auf den Kontakt mit der Rechtsschutzversicherung des Beschwerdeführers zurückzuführen i st. Diese Bemühungen würden im Falle einer nicht Rechtsschutz versicherten Per son nicht anfallen und können daher nicht berücksichtigt werden. Es ergibt sich demnach eine Pa rteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin in der Höhe von insgesamt Fr. 2‘497.05 (8 Stunden 45 Minuten à Fr. 250.- zuzüglich Spesen in der Höhe von Fr. 124.60 und 8 % Mehrwertsteuer). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerden werden in dem Sinne gutgeheisse n, dass die ange- fochtenen Verfügungen vom 16. Oktober bzw. 19. Novembe r 2014 aufgehoben werden und festgestellt wird, dass der Beschw erdeführer ab 01. September 2012 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'497.05 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht