A bteilung V E -5083/2006 {T 0/2} U rte il v o m 1 8 . S e p te m b e r 2 0 0 7 R ichter Kurt G ysi (Vorsitz), R ichter M artin Zoller, R ich- ter Bruno H uber, G erichtsschreiberin Eveline C hastonay. X._______, E ritrea, vertreten durch lic. iur. Tarig H assan, _______ Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verfügung vom 18. April 2006 betreffend Asyl (W iederer- w ägung) / N _______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l B esetzung P arteien G egenstandE -5083/2006 Sachverhalt: A . D er aus der R egion von A._______ stam m ende Beschw erdeführer tigrinischer Ethnie verliess den H eim atstaat eigenen Angaben zufolge im O ktober 1995 und gelangte in den B._______, w o er sich bis zum 1. Juli 2002 in einem Flüchtlingslager aufhielt. Von C ._______ aus gelangte er über D ._______ nach E._______; von dort reiste er m it der Bahn am 22. August 2002 in die Schw eiz, w o er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am 4. Septem ber 2002 w urde er im Em p- fangszentrum C hiasso erstm als angehört. Für den Aufenthalt w ährend des Asylverfahrens w urde der Beschw erdeführer dem Kanton F._______ zugew iesen. Am 28. Januar 2003 w urde der Beschw erdeführer durch die zuständige kantonale Behörde ausführlich zu seinen Asylgründen befragt. Zur Begründung seines Asylgesuches m achte der Beschw erdeführer im W esentlichen geltend, er habe zw ischen dem 1. O ktober 1988 und Februar 1995 als Soldat in der eritreischen A rm ee "EPLF" gedient. N achdem die Soldaten und ihre Vorgesetzten den Entscheid der R e- gierung kritisiert hätten, dass nach sechs Jahren D ienst in der A rm ee kein Sold ausgerichtet w ürde, seien die ranghöheren M ilitärangehöri- gen festgenom m en, die einfachen Soldaten - darunter der Beschw er- deführer - zum Strassenbau abberufen w orden. N ach sechs M onaten, im August 1995, sei ihm die Flucht gelungen. Er sei in den B._______ gelangt, w o er in einem Flüchtlingslager untergekom m en sei. Er habe einen Ausw eis des R oten Kreuzes erhalten und auch genug zum Leben sow ie einen Platz zum Schlafen gehabt. Als es zu G erüchten gekom m en sei, w onach zw ischen Eritrea und B._______ ein Abkom m en zustande kom m en w ürde, w elches die R epatriierung von eritreischen Staatsangehörigen erm ögliche, habe er sich zum Verlassen von B._______ entschlossen. B . D as Bundesam t stellte m it Verfügung vom 12. Septem ber 2003 fest, die Vorbringen des Beschw erdeführers genügten w eder den Anforde- rungen an das G laubhaftm achen noch seien diese asylrelevant, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die W egw eisung des Beschw erdeführers aus der Schw eiz und ordnete deren Vollzug an. S eite 2E -5083/2006 C . Am 26. Septem ber 2003 reichte der Beschw erdeführer gegen die Ver- fügung des BFM vom 12. Septem ber 2003 bei der vorm als zuständi- gen Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) Beschw erde ein, auf w elche diese m it U rteil vom 18. N ovem ber 2003 zufolge N ichtbe- zahlens des Kostenvorschusses nicht eintrat. Am 27. D ezem ber 2003 ersuchte der Beschw erdeführer um R evision des U rteils der AR K vom 18. N ovem ber 2003. Auf dieses R evisionsge- such trat die AR K m it U rteil vom 14. Januar 2004 nicht ein. D . M it Eingabe vom 22. D ezem ber 2005 (D atum Poststem pel) ersuchte der Beschw erdeführer um w iedererw ägungsw eise G ew ährung des Asyls oder Feststellung der Flüchtlingseigenschaft; eventuell sei die vorläufige Aufnahm e w egen U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit und U n- m öglichkeit des W egw eisungsvollzugs anzuordnen. Zur Begründung w urde im W esentlichen auf die G efährdungssituation des aus der Ar- m ee desertierten Beschw erdeführers im Falle einer R ückkehr nach Eritrea hingew iesen. W eiter w urde ausgeführt, der Beschw erdeführer leide unter der schw eren Krankheit "G ._______", w elche in seinem H eim atland nicht behandelt w erden könne, w eshalb eine R ückkehr un- ter diesem Aspekt nicht zum utbar sei. Zum Beleg reichte der Beschw erdeführer ein ärztliches Zeugnis von I._______ vom 30. N ovem ber 2005 zu den Akten. Am 3. Januar 2006 setzte das BFM im Sinne einer vorsorglichen M assnahm e den Vollzug der W egw eisung einstw eilen aus. E. M it Verfügung vom 18. April 2006 w ies die Vorinstanz das W iedererw ä- gungsgesuch im Asylpunkt ab und erklärte die Verfügung vom 12. Septem ber 2003 diesbezüglich als rechtskräftig. H ingegen stellte sie fest, der Vollzug der W egw eisung sei aufgrund des schlechten G e- sundheitszustandes des Beschw erdeführers nicht zum utbar. Als Folge davon hob das BFM die Ziffern 4 und 5 des Verfügungsdispositivs vom 12. Septem ber 2003 auf und ordnete die vorläufige Aufnahm e des Be- schw erdeführers in der Schw eiz an. F. M it Eingabe vom 16. M ai 2006 an die AR K reichte der Beschw erdefüh- S eite 3E -5083/2006 rer durch seinen früheren R echtsvertreter Beschw erde gegen die Ver- fügung des BFM vom 18. April 2006 ein und beantragte deren Aufhe- bung im Asylpunkt. Es sei dem Beschw erdeführer Asyl zu gew ähren oder jedenfalls dessen Flüchtlingseigenschaft festzustellen. In prozes- sualer H insicht w urde die G ew ährung der unentgeltlichen R echtspfle- ge sow ie der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses be- antragt. Zum Beleg seiner Vorbringen liess der Beschw erdeführer zw ei Foto- grafien aus dem M ilitärdienst, einen Abstim m ungsausw eis aus dem Jahr 1993 (inkl. Ü bersetzung), ein Bestätigungsschreiben (gem einsa- m er M ilitärdienst) von J._______ vom 15. M ai 2006, einen M itgliederausw eis der "Eritrean Liberation Front - R C " (ELF-R C ) vom 28. O ktober 2004 sow ie eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit der H ._______ vom 23. D ezem ber 2005 ins R echt legen. G . M it verfahrensleitender Verfügung vom 24. M ai 2006 hiess der Instruk- tionsrichter die G esuche um G ew ährung der unentgeltlichen R echts- pflege sow ie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gut und überw ies die Akten der Vorinstanz zur Vernehm lassung. H . D ie Vorinstanz hielt in ihrer Vernehm lassung vom 20. Juni 2006 an ih- rer Verfügung fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. D iese Stellungnahm e w urde dem Beschw erdeführer am 23. Juni 2006 unter Ansetzen einer Frist zu allfälligen G egenäusserungen zur Kennt- nis gebracht. D er Beschw erdeführer liess in der Folge am 25. Juli 2006, nach ge- w ährter Fristerstreckung, seine Stellungnahm e zu den Akten reichen. I. Am 12. Septem ber 2006 reichte der Beschw erdeführer als w eiteres Bew eism ittel ein undatiertes Bestätigungsschreiben (M itgliedschaft) der ELF-R C zu den Akten. J. M it Schreiben vom 13. N ovem ber 2006 zeigte Tarig H assan, R echtsbe- ratung M uhaijr, durch Einreichen einer Vollm acht die Ü bernahm e des S eite 4E -5083/2006 M andates an und ersuchte darum , allfällige künftige Korrespondenz an seine Adresse zu richten. M it Zw ischenverfügung vom 17. N ovem ber 2006 w ies der Instruktions- richter darauf hin, dass der Beschw erdeführer im vorliegenden Verfah- ren durch K._______ vertreten sei, m ithin bei m ehreren Be- vollm ächtigten und dabei fehlender gem einsam er Zustelladresse die Korrespondenz der zuerst bezeichneten bevollm ächtigten Person zu- gestellt w erden m üsse, und ersuchte um M itteilung einer allenfalls vor- handenen gem einsam en Zustelladresse, ansonsten w eitere allfällige Verfügungen und Entscheide w eiterhin ausschliesslich an den erstge- nannten R echtsvertreter zugestellt w ürden. M it Schreiben vom 24. N ovem ber 2006 reichte Tarig H assan, R echts- beratung M uhaijr, ein Schreiben des zuerst bevollm ächtigten R echts- vertreters vom 21. N ovem ber 2006 ein, in w elchem dieser sein M andat m it sofortiger W irkung niederlegte. K . M it Schreiben vom 25. April 2007 w urde dem Beschw erdeführer m itge- teilt, dass sein hängiges Verfahren per 1. Januar 2007 vom Bundesver- w altungsgericht, Abteilung V, übernom m en w orden sei. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss A rt. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Be- schw erden gegen Verfügungen im Sinne von A rt. 5 des Bundesgeset- zes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). D as BFM gehört zu den Behörden nach A rt. 33 VG G und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverw altungsgerichts. Eine Aus- nahm e, w as das Sachgebiet angeht, ist nicht gegeben (A rt. 32 VG G ). D as Bundesverw altungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschw erde und entscheidet in diesem Bereich end- gültig (A rt. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG , SR 142.31]; A rt. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (vgl. A rt. 53 Abs. 2 VG G ). S eite 5E -5083/2006 1.2 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die U nangem essenheit gerügt w erden (A rt. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw er- deführer ist legitim iert (A rt. 6 AsylG i.V.m . A rt. 48 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. 3.1 D ie W iedererw ägung w ird im G egensatz zur R evision im Vw VG nicht explizit geregelt. G em äss herrschender Lehre und ständiger Pra- xis des Bundesgerichts w ird jedoch gestützt auf A rt. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ein Anspruch auf W iedererw ägung anerkannt, w enn sich der rechtserhebliche Sachverhalt nach einem rechtskräfti- gen Verw altungs- oder Verw altungsgerichtsentscheid in entscheidw e- sentlicher A rt und W eise verändert hat (BG E 109 Ib 251 f.; U R SIN A BEER LI-BO N O R AN D , D ie ausserordentlichen R echtsm ittel in der Ver- w altungsrechtspflege des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 178). N ach ständiger, vom Bundesverw altungsgericht w eitergeführ- ter Praxis der AR K (Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizeri- schen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 1995 N r. 21 S. 202 f.) wird der Begriff der Wiedererwägung in mehrdeutigem Sinn verwendet, wobei im Wesentlichen drei Konstellationen erfasst werden: 3.1.1 In seiner ersten Bedeutung stellt ein W iedererw ägungsgesuch einen blossen R echtsbehelf dar, auf dessen Behandlung durch die ver- fügende Behörde kein Anspruch besteht. 3.1.2 In der zw eiten Bedeutung m eint der Begriff der W iedererw ägung den W iderruf einer unangefochten gebliebenen, form ell rechtskräftigen Verfügung, die sich als ursprünglich fehlerhaft erw eist (vgl. Praxis der AR K in EM AR K 2003 N r. 17 E. 2a S. 103 f.). Analog zur gesetzlichen R egelung von A rt. 66 Vw VG leitet die Praxis dabei unm ittelbar aus A rt. 29 Abs. 1 BV einen Anspruch auf W iedererw ägung ab, sofern R evisi- onsgründe geltend gem acht w erden können. 3.1.3 In seiner letzten Bedeutung bezeichnet der Begriff der W iederer- w ägung die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an S eite 6E -5083/2006 nachträglich eingetretene Veränderungen der Sachlage, dem nach die N euregelung eines R echtsverhältnisses, w elche der neu eingetretenen Sachlage R echnung trägt (vgl. Praxis der AR K in (vgl. EM AR K 2003 N r. 7 E. 1 S. 42 f.). D abei ist unbedeutend, ob die ursprüngliche Verfü- gung unangefochten geblieben ist oder in einem ordentlichen R echts- m ittelverfahren angefochten w orden ist. 3.1.4 Eine W iedererw ägung fällt hingegen dann nicht in Betracht, w enn lediglich eine neue W ürdigung der beim früheren Entscheid be- reits bekannten Tatsachen herbeigeführt w erden soll oder G ründe an- geführt w erden, die bereits in einem ordentlichen Beschw erdeverfah- ren gegen die frühere Verfügung hätten geltend gem acht w erden kön- nen (vgl. EM AR K 2003 N r. 17 E. 2b S. 104). 4. 4.1 D en Anspruch auf Behandlung als W iedererw ägungsgesuch hat die Vorinstanz vorliegend nicht in Abrede gestellt, und sie ist m ateriell auf das G esuch eingetreten. 4.2 D as BFM führte in der angefochtenen Verfügung vom 18. April 2006 im Asylpunkt aus, es bestünden erhebliche Zw eifel an der G laub- haftigkeit der Asylvorbringen des Beschw erdeführers, das Am t w ies dabei auf seine Verfügung vom 12. Septem ber 2003 hin, in w elcher na- m entlich zufolge des N ichtbeibringens von Identitätsausw eisen die G laubhaftigkeit in Frage gestellt w orden w ar. 4.3 In der Beschw erde w ird auf die Ausführungen im W iedererw ä- gungsgesuch vom 22. D ezem ber 2005 (D atum Poststem pel) verw iesen sow ie ausgeführt, die Vorinstanz habe die Asylvorbringen des Be- schw erdeführers einseitig und von der Sichtw eise eines funktionieren- den dem okratischen Staates her gew ürdigt. Eritrea sei dem gegenüber ein Land, w elches nicht nach dem okratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien funktioniere. Es gelte eine allgem eine D ienstpflicht ab dem 18. bis zum 40. Lebensjahr; w er nicht freiw illig einrücke, w erde zw angsrekrutiert. D er Beschw erdeführer habe den H eim atstaat im diensttauglichen Alter verlassen, w eshalb ohne W eiteres davon ausge- gangen w erden könne, dass er M ilitärdienst geleistet habe; dies gehe auch aus den beigelegten Fotografien hervor. Indem der Beschw erde- führer sich dem M ilitärdienst entzogen habe, erfülle er den Tatbestand der D esertion. Aus diesem G rund sow ie aufgrund der Tatsache, dass er in der Schw eiz ein Asylverfahren durchlaufen habe, drohe ihm in S eite 7E -5083/2006 Eritrea eine unverhältnism ässig hohe H aftstrafe, Folter oder die Todes- strafe. Vor dem H intergrund des langjährigen ersten Krieges zw ischen E ritrea und Äthiopien sei es nicht aussergew öhnlich, dass der Beschw erde- führer über die reguläre D ienstzeit hinaus zum M ilitärdienst gezw un- gen w orden sei; es sei sogar vielm ehr die R egel, dass es keine zeitli- che Begrenzung der D ienstzeit gebe, w as zudem gerichtsnotorisch sein dürfte. Eritrea sei in der Auseinandersetzung m it Äthiopien auf je- den einigerm assen W ehrfähigen angew iesen gew esen. Vor diesem H intergrund bestehe eine natürliche Verm utung, dass der Beschw er- deführer ebenfalls über die reguläre D ienstzeit hinaus habe M ilitär- dienst leisten m üssen. D ies w erde auch durch den m ittlerw eile erhalte- nen und eingereichten Abstim m ungsausw eis bekräftigt; darin seien die R ubriken "Beruf" und "Adresse" nicht ausgefüllt, w as bei allen Solda- ten, da w ährend der D ienstzeit über keine ständige Adresse verfü- gend, so gehandhabt w orden sei. Jedenfalls m üsse der M ilitärdienst, der nach Abschluss der obligatorischen W ehrpflicht geleistet w erden m üsse, als illegal bezeichnet w erden. Sodann sei der Beschw erdeführer seit dem 28. O ktober 2004 M itglied der ELF. Bei einer R ückkehr nach Eritrea drohe dem Beschw erdefüh- rer daher sow ohl w egen der D esertion als auch w egen seiner M it- gliedschaft in einer O ppositionspartei eine unverhältnism ässig lange H aftstrafe, Folter und die Todesstrafe. D as provisorische Strafgesetz- buch von Eritrea sehe für D esertion eine bis zu lebenslängliche Strafe vor, w obei in besonders schw eren Fällen die Verhängung der Todes- strafe m öglich sei. Zw ar gehöre die obligatorische M ilitärdienstpflicht auch in anderen Staaten zu den staatsbürgerlichen Pflichten. Aller- dings stehe in den m eisten Ländern die zu erw artende Strafe im U n- terschied zu Eritrea in einem vernünftigen Verhältnis zur begangenen Straftat. D abei sei allgem ein bekannt, dass inhaftierte D eserteure und O ppositionelle zw ecks Abschreckung regelm ässig m ilitärintern exeku- tiert w ürden. D iese Fakten seien im Zeitpunkt des W egw eisungsentscheides nicht in dem Ausm ass bekannt gew esen, m ithin liege eine erhebliche neue Tatsache vor. D er U m stand, dass nunm ehr einige Zeit seit der D eserti- on verstrichen sei, ändere nichts an der Tatsache, dass dem Be- schw erdeführer eine unverhältnism ässig schw ere, völkerrechtsw idrige Strafe nach eritreischem M ilitärstrafrecht drohe, w obei das M iliträrre- S eite 8E -5083/2006 gim e in Eritrea keine Strafverfolgungsverjährungen kenne. Folglich greife das Argum ent des fehlenden zeitlichen Zusam m enhangs im vor- liegenden Fall nicht, zum al die Verfolgungssituation aufgrund der D e- sertion nach w ie vor gegeben sei (vgl. Eingabe vom 22. D ezem ber 2005). 4.4 D as zentrale Vorbringen des Beschw erdeführers ist seine Furcht vor einer Bestrafung w egen D esertion, w elche nunm ehr durch die nachträglich in der Schw eiz eingegangene M itgliedschaft bei der O p- positionspartei ELF-R C noch verstärkt w erde. D ie Vorinstanz hat die diesbezüglichen Vorbringen in ihrem W iederer- w ägungsentscheid vom 18. April 2006 unter H inw eis auf ihre Erstverfü- gung vom 12. Septem ber 2003 als unglaubhaft beurteilt, m ithin ist das BFM auf das W iedererw ägungsgesuch im Asylpunkt eingetreten, hat sich inhaltlich dam it befasst und eine m aterielle (abw eisende) Verfü- gung erlassen, w eshalb nunm ehr auf Beschw erdeebene dieser von der Vorinstanz ergangene Sachentscheid vollum fänglicher Kognition durch das Bundesverw altungsgericht unterliegt. 4.4.1 D er Beschw erdeführer hat im Laufe des Asylverfahrens w ieder- holt und dabei im W esentlichen übereinstim m end dargelegt, dass er in der A rm ee Eritreas D ienst geleistet habe, dabei im August 1995 de- sertiert und im B._______ in einem Flüchtlingslager untergekom m en ist. Auch hat der Beschw erdeführer grundsätzlich glaubhaft die U m stände geschildert, w ie er w ährend des M ilitärdienstes als Bestrafung zum Strassenbau abberufen w orden ist. W eiter führte er aus, er habe B._______ im Som m er 2002 verlassen, w eil er Angst vor einer allfälligen R ückführung nach Eritrea - im Frühjahr 2002 seien diesbezüglich G erüchte im U m lauf gew esen - und dortiger Bestrafung w egen seiner D esertion gehabt habe. D iese Ausführungen des Beschw erdeführers stim m en im W esentlichen m it den entsprechenden Erkenntnissen des Bundesverw altungsgerich- tes überein. So kennt das eritreische R echt die Pflicht zur Leistung ei- nes nationalen D ienstes, w obei M änner und Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren dienstpflichtig sind. Eine Befreiung von der D ienstpflicht oder ein Ersatzdienst aus G ew issensgründen ist nicht vorgesehen. D ie ordentliche D auer der M ilitärdienstpflicht beträgt 18 M onate. In der Praxis gelangt diese Bestim m ung nam entlich seit dem Ausbruch des Krieges zw ischen E ritrea und Äthiopien im Jahr 1998 nicht m ehr zur S eite 9E -5083/2006 Anw endung und die m eisten D ienstpflichtigen verbleiben m ehrere Jah- re im D ienst der eritreischen A rm ee (vgl. EM AR K 2006 N r. 3 E. 4.3 S. 32 f.). Weiter ebenso mit den Erkenntnissen des Bundesverwal- tungsgerichts übereinstimmend sind die Ausführungen des Be- schwerdeführers zu den Gründen, die ihn im Som m er 2002 veran- lasst hätten, B._______ zu verlassen: So hat es im M ai 2002 in den Flüchtlingslagern in B._______ eine grossangelegte Inform ationskam pagne seitens des U N H C R zur R ückkehr gegeben. D am als hatte das U N H C R vor, bis Ende D ezem ber 2002 60'000 Eritreer und E ritreerinnen bei der R ückkehr in ihr H eim atland zu unterstützen, für das Jahr 2003 w ar nochm als die gleiche Anzahl von R epatriierungen vorgesehen. D abei arbeitete das U N H C R unter anderem m it der R egierung E ritreas zusam m en. D ass der Beschw erdeführer vor diesem H intergrund erneut Angst vor Verfolgung w egen seiner D esertion bekom m en hat, ist grundsätzlich nachvollziehbar und erscheint glaubhaft. Insgesam t sind die Ausführungen des Beschw erdeführers zu seinem M ilitärdienst und der D esertion in zeitlicher und inhaltlicher H insicht im W esentlichen w iderspruchsfrei und stehen auch in Einklang m it der in Eritrea herrschenden R ekrutierungspraxis. D ass der Beschw erde- führer hierzu keine w eiteren Belege w ie etw a einen M arschbefehl bei- bringen konnte, verm ag die G laubhaftigkeit nicht zu tangieren, zum al solche D okum ente nicht regelm ässig ausgestellt w erden. An dieser Stelle ist festzuhalten, dass der Beschw erdeführer m it der vorliegen- den Beschw erde unter anderem einen Abstim m ungsausw eis von 1993 eingereicht hat, aufgrund dessen auch die Vorinstanz in der Vernehm - lassung vom 20. Juni 2006 die Zugehörigkeit des Beschw erdeführers zur eritreischen A rm ee jedenfalls im Jahr 1993 nicht m ehr aus- schliessen konnte. In W ürdigung der gesam ten U m stände kom m t das Bundesverw altungsgericht vorliegend entgegen der Auffassung der Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschw erdeführers betreffend seine D esertion aus der eritreischen A rm ee als glaubhaft im Sinne von A rt. 7 AsylG zu beurteilen sind. 4.4.2 N ach dem oben G esagten ist unter H inw eis auf die inzw ischen ergangene, in EM AR K 2002 N r. 3 publizierte und auch für das Bundes- verw altungsgericht m assgebende Praxisänderung für D eserteure und D ienstverw eigerer in Eritrea Folgendes festzuhalten: D ie M issachtung der m ilitärrechtlichen Vorschriften, nam entlich durch D esertion oder D ienstverw eigerung, w ird in Eritrea generell sehr streng bestraft. D ie S eite 10E -5083/2006 vollzogenen Strafm assnahm en zeichnen sich dabei durch ein hohes M ass an Brutalität aus, es drohen den Angeschuldigten unbefristeter Freiheitsentszug und körperliche Strafen. G em äss dem Europäischem G erichtshof für M enschenrechte erfüllt die Behandlung von D ienstver- w eigern in E ritrea den Tatbestand der Folter im Sinne von A rt. 3 der Konvention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K, SR 0.101), w obei grundsätzlich alle Eri- treer unabhängig von ihrer ethnischen, religiösen oder sozialen H er- kunft von diesen unverhältnism ässig strengen Strafm assnahm en im Falle einer D esertion oder D ienstverw eigerung betroffen sind. D iese unverhältnism ässig harten Strafen und speziellen Verfahren für m ilitär- rechtliche D elikte m üssen dabei als Versuch der eritreischen R egie- rung verstanden w erden, Angriffe auf ihre Legitim ität abzuw ehren, m it anderen W orten, es w erden D ienstverw eigerung und D esertion in E ri- trea nicht nur als Verstösse gegen die m ilitärrechtlichen Bestim m un- gen, sondern als Ausdruck einer als oppositionell em pfundenen Ein- stellung dem Staat und deren Führung gegenüber w ahrgenom m en und als solche bestraft. D am it erfolgt die Bestrafung aus politischen G ründen und ist nach A rt. 3 AsylG relevant (vgl. ausführlich zum G an- zen EM AR K 2002 N r. 3). 4.4.3 Sodann w urde im W iedererw ägungsverfahren zutreffend auf die anhaltenden und seit Abschluss des ordentlichen Verfahrens zuneh- m enden Spannungen zw ischen Äthiopien und Eritrea hingew iesen. D iese seit E rlass der vorinstanzlichen Verfügung unveränderte Situati- on bew irkt, dass die M ilitärdienstpflicht in E ritrea noch härter durchge- setzt w ird, und beispielsw eise bereits dem obilisierte R eservisten, eini- ge nach 10-jähriger D ienstzeit, w ieder zum D ienst einberufen w erden, und diejenigen Personen, w elche der Einberufung keine Folge leisten oder w ährend des M ilitärdienstes fliehen, G efahr laufen, O pfer von schw erw iegenden M enschenrechtsverletzungen zu w erden. 4.4.4 Vor dem H intergrund der obigen Ausführungen kom m t das Bun- desverw altungsgericht zum Schluss, dass vorliegend in W ürdigung al- ler U m stände von einer seit Abschluss des ordentlichen Asylverfah- rens w esentlich veränderten Sachlage auszugehen ist, dabei die Furcht des Beschw erdeführers vor einer - unverhältnism ässig harten - Bestrafung w egen D esertion sow ohl subjektiv als auch objektiv nach- vollziehbar und dam it als begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von A rt. 3 Abs. 1 AsylG zu beurteilen ist. Für die Annahm e ei- ner innerstaatlichen Fluchtalternative besteht angesichts der aktuellen S eite 11E -5083/2006 Lage in Eritrea regelm ässig kein R aum (vgl. EM AR K 2006 N r. 3 E. 4.11 S. 41). N ach dem G esagten bleibt festzustellen, dass der Beschw erdeführer die m ateriellen Voraussetzungen für die Anerkennung der Flüchtlings- eigenschaft erfüllt. N achdem sich aus den Akten keine H inw eise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen ergeben, ist ihm in der Schw eiz Asyl zu gew ähren (A rt. 2 AsylG ). 5. D ie Beschw erde ist daher gutzuheissen, die Verfügung des Bundes- am tes vom 18. April 2006 ist insow eit aufzuheben und dieses ist anzu- w eisen, dem Beschw erdeführer als Flüchtling in der Schw eiz Asyl zu gew ähren. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Beschw erdeverfahrens sind keine Kosten zu erheben (A rt. 63 Abs. 1 Vw VG ). 6.2 D er Beschw erdeführer hat sich für das Verfahren vertreten lassen und obsiegt m it seinen R echtsbegehren vollum fänglich, w eshalb ihm eine angem essene Parteientschädigung für die ihm entstandenen not- w endigen und verhältnism ässig hohen Parteikosten zuzusprechen ist. D er Beschw erdeführer hat die Beschw erde vom 16. M ai 2006, die Stellungnahm e vom 25. Juli 2006 sow ie w eitere Bew eism ittel am 12. Septem ber 2006 durch seinen vorm aligen R echtsvertreter verfassen respektive einreichen lassen. D er aktuelle R echtsvertreter hat gem äss Akten seine M andatsübernahm e angezeigt sow ie ein w eiteres Schrei- ben betreffend Zustelladresse und M andatsniederlegung des Vorgän- gers verfasst. D ie eingereichte Kostennote (Fax vom 12. Septem ber 2007) erscheint als angem essen. D ie H öhe der Parteientschädigung für das gesam te Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht ist dem - nach auf Fr. 727.90 (inkl. M W St) festzulegen (A rt. 64 Abs. 1 Vw VG i.V.m . A rt. 7 ff. des R eglem entes über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). S eite 12E -5083/2006 (D ispositiv nächste Seite) S eite 13E -5083/2006 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen. 2. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer als Flüchtling in der Schw eiz Asyl zu gew ähren. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. D em Beschw erdeführer ist von der Vorinstanz für das gesam te Verfah- ren vor dem Bundesverw altungsgericht eine Parteientschädigung in H öhe von Fr. 727.90 (inkl. M W St) auszurichten. 5. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer (eingeschrieben) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - das M igrationsam t des Kantons F_______ ad 1'529'311 D er Instruktionsrichter: D ie G erichtsschreiberin: Kurt G ysi Eveline C hastonay Versand: S eite 14