<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">111</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>22</b></span> <span class="ft2"><b>Abziehbarkeit einer Studienreise als Weiterbildungskosten. Praxis hin-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sichtlich des Nachweises des Weiterbildungscharakters von Studienreisen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Gewinnungskostenbegriff. Die Abziehbarkeit als Gewinnungskosten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>setzt einen qualifiziert engen Konnex zwischen den getätigten Ausga-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ben und den erzielten Einkünften voraus (Erw. 3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Beweislast im Steuerrecht (Erw. 4).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anforderungen an den Nachweis des beruflichen Charakters der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Reise (Erw. 4.1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der berufliche Charakter der Studienreise ist hier nicht rechtsgenüg-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lich belegt (Erw. 5).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 21. April 2010, in Sachen</span><br/> <span class="ft5">V. (WBE.2009.323).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">2.</span><br/> <span class="ft7">Die Beschwerdeführer machen geltend, angesichts einer dicht</span><br/> <span class="ft7">gedrängten Studienreise mit einem täglichen Programm von mindes-</span><br/> <span class="ft7">tens 8-10 Stunden sei es nicht verständlich und auch nicht akzep-</span><br/> <span class="ft7">tabel, den Privatanteil auf 50 Prozent festzulegen. Wenn während</span><br/> <span class="ft7">einer Studienreise von mehr als 3 Wochen bloss eineinhalb Tage zur</span><br/> <span class="ft7">freien Verfügung stünden und abends auch einmal eine landestypi-</span><br/> <span class="ft7">sche Aufführung besucht oder auf einer langen Reise ausnahmsweise</span><br/> <span class="ft7">ein Badestopp eingeschaltet werde, rechtfertige dies schon aus rech-</span><br/> <span class="ft7">nerischen Gründen keinen Abzug von 50 Prozent an den Gesamt-</span><br/> <span class="ft7">kosten. Die Studienreise sei als Weiterbildung für Lehrpersonen an-</span><br/> <span class="ft7">geboten und organisiert worden und stehe demzufolge in unmittel-</span><br/> <span class="ft7">barem Zusammenhang mit dem Lehrberuf und weise Weiterbil-</span><br/> <span class="ft7">dungscharakter auf. Kulturelle, gesellschaftliche und touristische</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Aspekte gehörten gerade zum beruflichen Kerngeschäft und zu den</span><br/> <span class="ft7">zentralen Themen von Dozierenden im Bereich der Gesellschafts-</span><br/> <span class="ft7">wissenschaften. Es stimme, dass eine von der Route her vergleichba-</span><br/> <span class="ft7">re Reise in jedem Reisebüro gebucht werden könne. Inhaltlich und</span><br/> <span class="ft7">qualitativ seien die beiden Reisen jedoch nicht miteinander ver-</span><br/> <span class="ft7">gleichbar, da sich die Reiseleitung und die Qualität der bearbeiteten</span><br/> <span class="ft7">Inhalte wesentlich voneinander unterscheiden würden.</span><br/> <span class="ft7">3.</span><br/> <span class="ft7">3.1.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss Art. 9 Abs. 1 StHG werden von den gesamten steuer-</span><br/> <span class="ft7">baren Einkünften die zu ihrer Erzielung notwendigen Aufwendungen</span><br/> <span class="ft7">und die allgemeinen Abzüge abgerechnet. Nach diesen harmonisie-</span><br/> <span class="ft7">rungsrechtlichen Vorgaben sind nicht sämtliche Ausgaben, die mit</span><br/> <span class="ft7">der Erzielung der Einkünfte in irgendeinem Zusammenhang stehen</span><br/> <span class="ft7">oder die anlässlich der Einkunftserzielung getätigt werden, abzieh-</span><br/> <span class="ft7">bar, sondern nur die zu deren Erzielung notwendigen Aufwendungen</span><br/> <span class="ft7">(Gewinnungskosten). Die Abziehbarkeit setzt einen qualifiziert</span><br/> <span class="ft7">engen Konnex zwischen den getätigten Ausgaben und den erzielten</span><br/> <span class="ft7">Einkünften voraus, d.h. einen rechtlich erheblichen (wesentlichen)</span><br/> <span class="ft7">Zusammenhang zwischen Art, Grund und Zweck der Ausgabe einer-</span><br/> <span class="ft7">seits und der Natur der beruflichen Tätigkeit andererseits (finale und</span><br/> <span class="ft7">kausale Komponente des Gewinnungskostenbegriffs). Nicht abzieh-</span><br/> <span class="ft7">bar sind demgegenüber grundsätzlich die Lebenshaltungskosten. Die</span><br/> <span class="ft7">Abgrenzung der Gewinnungskosten von den Lebenshaltungskosten</span><br/> <span class="ft7">kann letztlich nur durch eine Wertung getroffen werden (vgl. aus-</span><br/> <span class="ft7">führlich M</span><span class="ft5">ARKUS</span> <span class="ft7">R</span><span class="ft5">EICH</span> <span class="ft7">in: M</span><span class="ft5">ARTIN</span> <span class="ft7">Z</span><span class="ft5">WEIFEL</span><span class="ft7">/P</span><span class="ft5">ETER</span> <span class="ft7">A</span><span class="ft5">THANAS</span><br/> <span class="ft7">[H</span><span class="ft5">RSG</span><span class="ft7">.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Bundes-</span><br/> <span class="ft7">gesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone</span><br/> <span class="ft7">und Gemeinden [StHG], 2. Auflage, Basel-Genf-München 2002,</span><br/> <span class="ft7">Art. 9 N 8 ff., m.w.H.).</span><br/> <span class="ft7">3.2.</span><br/> <span class="ft7">Zu den notwendigen Aufwendungen gehören auch die mit dem</span><br/> <span class="ft7">Beruf zusammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungs-</span><br/> <span class="ft7">kosten (Art. 9 Abs. 1 Satz 2 StHG). Gemäss § 35 Abs. 1 lit. e StG</span><br/> <span class="ft7">werden die mit dem Beruf zusammenhängenden Weiterbildungs- und</span><br/> <span class="ft7">Umschulungskosten als Berufskosten vom steuerbaren Einkommen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">113</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">abgezogen (wörtlich gleichlautend: Art. 26 lit. d DBG). Im Gegen-</span><br/> <span class="ft7">satz dazu sind Ausbildungskosten nicht abziehbar (§ 41 lit. b StG;</span><br/> <span class="ft7">vgl. auch H</span><span class="ft5">ANS</span> <span class="ft7">Z</span><span class="ft5">EHNDER</span><span class="ft7">, Die Behandlung der Kosten für Aus-</span><br/> <span class="ft7">bildung und berufliche Weiterbildung im schweizerischen Steuer-</span><br/> <span class="ft7">recht, Diss. Zürich 1985, S. 38 f.).</span><br/> <span class="ft7">3.3.</span><br/> <span class="ft7">Nach dem Willen des (Bundes-)Gesetzgebers, der hier aufgrund</span><br/> <span class="ft7">der Übernahme der Bestimmungen ins kantonale Recht bei der Aus-</span><br/> <span class="ft7">legung heranzuziehen ist, soll hinsichtlich der abziehbaren "mit dem</span><br/> <span class="ft7">Beruf zusammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungskos-</span><br/> <span class="ft7">ten" das gleiche Kriterium angewendet werden wie bei den Gewin-</span><br/> <span class="ft7">nungskosten Selbständigerwerbender, bei welchen gemäss Art. 27</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 DBG die "geschäfts- oder berufsmässig begründeten Kosten"</span><br/> <span class="ft7">abgezogen werden können (Botschaft über die Steuerharmonisie-</span><br/> <span class="ft7">rung, in: BBl 1983 III 166). Aufwendungen sind im Rahmen einer</span><br/> <span class="ft7">Unternehmung dann geschäftsmässig begründet, wenn sie mit dem</span><br/> <span class="ft7">erzielten Erwerb unternehmungswirtschaftlich in einem unmittel-</span><br/> <span class="ft7">baren und direkten Zusammenhang stehen (vgl. Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="ft7">gerichts vom 18. Dezember 2003 [2A.277/2003], Erw. 2.1, m.w.H.).</span><br/> <span class="ft7">Der Begriff der "Erforderlichkeit" ist nach der bundesgerichtlichen</span><br/> <span class="ft7">Rechtsprechung weit auszulegen. Dass § 35 Abs. 1 lit. e StG den</span><br/> <span class="ft7">Begriff der "Erforderlichkeit" bzw. "Notwendigkeit" nicht enthält,</span><br/> <span class="ft7">steht dem Rückgriff auf diese Rechtsprechung nicht entgegen (vgl.</span><br/> <span class="ft7">zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 8.</span> <span class="ft7">August</span> <span class="ft7">2002,</span><br/> <span class="ft7">[2A.130/2002], Erw. 4.1.1).</span><br/> <span class="ft7">Abziehbar sind alle Kosten der Weiterbildung, die mit dem ge-</span><br/> <span class="ft7">genwärtigen Beruf des Steuerpflichtigen in einem unmittelbaren ur-</span><br/> <span class="ft7">sächlichen Zusammenhang stehen und auf die zu verzichten dem</span><br/> <span class="ft7">Pflichtigen nicht zugemutet werden kann. Als Weiterbildung gelten</span><br/> <span class="ft7">die Aufwendungen zur Erhaltung und Sicherung der Stellung im</span><br/> <span class="ft7">Beruf, aber auch die Aufwendungen für den Aufstieg. Der unmittel-</span><br/> <span class="ft7">bare ursächliche Zusammenhang mit dem ausgeübten Beruf besteht</span><br/> <span class="ft7">lediglich, wenn sich die Weiterbildung auf Kenntnisse bezieht, die</span><br/> <span class="ft7">bei der Berufsausübung verwendet werden. Er fehlt hingegen, wenn</span><br/> <span class="ft7">es nur um persönliche Bereicherung - etwa im Sinne kultureller</span><br/> <span class="ft7">Weiterbildung - geht (BGE 113 Ib 114, Erw. 3b.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">114</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">4.</span><br/> <span class="ft7">Nach der im Steuerrecht allgemein gültigen Regel trägt die</span><br/> <span class="ft7">Steuerbehörde die Beweislast für steuerbegründende Tatsachen, wäh-</span><br/> <span class="ft7">rend der Beweis für steueraufhebende oder steuermindernde Tatsa-</span><br/> <span class="ft7">chen - dazu gehören auch jene Umstände, die eine Ausgabe als Wei-</span><br/> <span class="ft7">terbildungskosten qualifizieren - grundsätzlich den Steuerpflichtigen</span><br/> <span class="ft7">obliegt. Sie haben steuermindernde Tatsachen nicht nur zu behaup-</span><br/> <span class="ft7">ten, sondern auch zu belegen (Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft7">12. Mai 2003 [2P.254/2002], Erw. 4.2, m.w.H.; C</span><span class="ft5">ONRAD</span> <span class="ft7">W</span><span class="ft5">ALTHER</span><span class="ft7">,</span><br/> <span class="ft7">in: M</span><span class="ft5">ARIANNE</span> <span class="ft7">K</span><span class="ft5">LÖTI</span><span class="ft7">-W</span><span class="ft5">EBER</span><span class="ft7">,</span> <span class="ft7">D</span><span class="ft5">AVE</span> <span class="ft7">S</span><span class="ft5">IEGRIST</span><span class="ft7">,</span> <span class="ft7">D</span><span class="ft5">IETER</span> <span class="ft7">W</span><span class="ft5">EBER</span><br/> <span class="ft7">[H</span><span class="ft5">RSG</span><span class="ft7">.], Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 174</span><br/> <span class="ft7">N 28).</span><br/> <span class="ft7">4.1.</span><br/> <span class="ft7">In Bezug auf den Nachweis des Weiterbildungscharakters von</span><br/> <span class="ft7">Studienreisen ist die bisherige aargauische Steuerpraxis streng</span><br/> <span class="ft7">(vgl. dazu Entscheide des Steuerrekursgerichts: AGVE 1987, S. 372;</span><br/> <span class="ft7">AGVE 1979, S. 333; AGVE 1962, S. 114). Keine Berufsreise liegt</span><br/> <span class="ft7">vor, wenn auf einer typischen Besichtigungsfahrt auch beruflich in-</span><br/> <span class="ft7">teressierende Vorgänge in das Programm einbezogen werden (AGVE</span><br/> <span class="ft7">1987, S. 372). Die Reiseaufwendungen müssen in einer Weise</span><br/> <span class="ft7">gemacht werden, die die ausschliesslich oder weitaus berufliche</span><br/> <span class="ft7">Bedingtheit der Reise einwandfrei erkennen lässt (AGVE 1979,</span><br/> <span class="ft7">S. 333). In Betracht fallen von einer Berufsorganisation veranstaltete</span><br/> <span class="ft7">Studienreisen (AGVE 1979, S. 333). Im Falle von Lehrpersonen</span><br/> <span class="ft7">muss das Reiseprogramm eindeutig und ausschliesslich auf die</span><br/> <span class="ft7">beruflichen Bedürfnisse für den Unterricht der jeweiligen Schulstufe</span><br/> <span class="ft7">ausgerichtet sein; entsprechend wird verlangt, dass bei einer solchen</span><br/> <span class="ft7">Veranstaltung Lehrstoff für den Unterricht erarbeitet wird</span><br/> <span class="ft7">(AGVE 1979, S. 335 f.). Diese durch die Steuerbehörden und das</span><br/> <span class="ft7">Steuerrekursgericht begründete Praxis mit Bezug auf Reisekosten ist</span><br/> <span class="ft7">zutreffend und daran ist festzuhalten.</span><br/> <span class="ft7">Gerade bei sog. Studienreisen ist sehr häufig nur schwierig aus-</span><br/> <span class="ft7">zumachen, ob sie vorwiegend privaten oder beruflichen Zwecken</span><br/> <span class="ft7">dienen, d.h. ob sie vorwiegend aus einer direkt mit der Berufsaus-</span><br/> <span class="ft7">übung zusammenhängenden Motivation oder eher aus privaten Grün-</span><br/> <span class="ft7">den unternommen werden ("Das Angenehme mit dem Nützlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">115</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">verbinden"). Damit eine Reise als beruflich bedingte Weiterbildungs-</span><br/> <span class="ft7">aufwendung qualifiziert werden kann, gelten daher hohe Anforderun-</span><br/> <span class="ft7">gen an den Nachweis des beruflichen Charakters der Reise. So muss</span><br/> <span class="ft7">zum Beispiel vom Reiseprogramm her unzweifelhaft sein, dass es</span><br/> <span class="ft7">sich um eine echte Weiterbildungsreise handelt. Das bedeutet, dass</span><br/> <span class="ft7">das Reiseprogramm ganz überwiegend einen fachlichen Charakter</span><br/> <span class="ft7">aufweisen muss, was sich nicht nur im Bezug auf die einzelnen</span><br/> <span class="ft7">Reiseziele, sondern auch konkret mit Bezug auf die Aktivitäten der</span><br/> <span class="ft7">Reiseteilnehmer während der Reise (Besuch von fachspezifischen</span><br/> <span class="ft7">Vorträgen, Teilnahme an fachspezifischen Workshops, Pflicht zur</span><br/> <span class="ft7">eigenen aktiven Erarbeitung von Unterlagen, Präsentationen, etc.)</span><br/> <span class="ft7">ausdrücken muss. Angaben über die Reiseteilnehmer (z.B. nur oder</span><br/> <span class="ft7">ganz überwiegend Angehörige einer bestimmten Berufsgruppe)</span><br/> <span class="ft7">können einen Hinweis auf den berufsbedingten Anlass der Reise dar-</span><br/> <span class="ft7">stellen (vgl. AGVE 1987, S. 372). Ist eine Reise unter Zugrundele-</span><br/> <span class="ft7">gung der genannten strengen Kriterien als hauptsächlich berufsbe-</span><br/> <span class="ft7">dingt zu qualifizieren, ist sodann weiter zu prüfen, ob die gesamten</span><br/> <span class="ft7">Kosten der Reise abzugsfähig sind oder ob allenfalls ein Teil der</span><br/> <span class="ft7">Kosten als privat veranlasst nicht zum Abzug zuzulassen ist (insbe-</span><br/> <span class="ft7">sondere Kosten des Freizeitprogramms im Rahmen einer beruflich</span><br/> <span class="ft7">veranlassten Reise).</span><br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">5.1.</span><br/> <span class="ft7">Die im Reiseprogramm der Studienreise des ULEF "Tradition</span><br/> <span class="ft7">und Moderne" vorgesehenen Besuche von Sehenswürdigkeiten wie</span><br/> <span class="ft7">der Chinesischen Mauer, der verbotenen Stadt oder verschiedener</span><br/> <span class="ft7">bekannter Tempel, Paläste und Museen bilden keinen Hinweis auf</span><br/> <span class="ft7">den fachspezifischen Charakter der Reise. Nach der allgemeinen</span><br/> <span class="ft7">Lebenserfahrung würde jeder kulturell interessierte Tourist die ent-</span><br/> <span class="ft7">sprechenden Sehenswürdigkeiten ebenfalls ansehen. Dem Reise-</span><br/> <span class="ft7">programm sind - wie die Beschwerdeführer selbst bestätigen - inso-</span><br/> <span class="ft7">weit keine Unterschiede zu einer rein touristischen Reise zu entneh-</span><br/> <span class="ft7">men. Auch die blosse Angabe der Beschwerdeführer, bei der Besich-</span><br/> <span class="ft7">tigung der zahlreichen Städte und Sehenswürdigkeiten sei mit ande-</span><br/> <span class="ft7">ren Teilnehmern über Themen diskutiert worden, die in das Fach-</span><br/> <span class="ft7">gebiet der Geografie fallen, vermag den Weiterbildungscharakter</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">nicht rechtsgenüglich zu belegen. Nichts anderes ergibt sich in Bezug</span><br/> <span class="ft7">auf die geltend gemachten qualitativen Unterschiede zu gewöhn-</span><br/> <span class="ft7">lichen Reisen (Reiseleitung, Experten, etc.). Diese mit Ausnahme des</span><br/> <span class="ft7">Reiseleiters namentlich nicht genannten Experten sind weder im</span><br/> <span class="ft7">Reiseprogramm erwähnt, noch wird das Vorbringen, auf berufsspezi-</span><br/> <span class="ft7">fische Interessen der Reiseteilnehmer sei eingegangen worden, be-</span><br/> <span class="ft7">legt.</span><br/> <span class="ft7">Unterscheidet sich das Reiseprogramm - wie hier - nicht von</span><br/> <span class="ft7">demjenigen einer touristischen Rundreise, und werden darin keinerlei</span><br/> <span class="ft7">Veranstaltungen, die sich eindeutig an Geografie- bzw. Didaktik-</span><br/> <span class="ft7">Fachkräfte richten, nachgewiesen, kann - zur korrekten Abgrenzung</span><br/> <span class="ft7">von den nicht abzugsfähigen Lebenshaltungskosten - nicht ohne</span><br/> <span class="ft7">entsprechende Nachweise der Auf- und Verarbeitung der Reise im</span><br/> <span class="ft7">Unterricht auf einen Weiterbildungscharakter der Reise geschlossen</span><br/> <span class="ft7">werden. Das Steuerrekursgericht hatte in einem älteren Entscheid bei</span><br/> <span class="ft7">Lehrpersonen in einer solchen Konstellation für das Vorliegen von</span><br/> <span class="ft7">Gewinnungskosten zu Recht verlangt, dass im Rahmen der Reise</span><br/> <span class="ft7">Unterrichtsstoff erarbeitet wird, der auf die unterrichtete Schulstufe</span><br/> <span class="ft7">zugeschnitten ist (AGVE 1979, S. 335 f.). Die Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">machen zwar geltend, dass die Beschwerdeführerin sich durch die</span><br/> <span class="ft7">Reise eine Meinung zu typisch geografischen Themen, wie Besied-</span><br/> <span class="ft7">lungsmuster, Stadtentwicklungen oder Handelsbeziehungen habe bil-</span><br/> <span class="ft7">den können und diese für den Unterricht aufgearbeitet und eingesetzt</span><br/> <span class="ft7">habe. Den entsprechenden Nachweis dafür erbringen sie indes nicht,</span><br/> <span class="ft7">obwohl sie - da sie nun die vollumfängliche Abzugsfähigkeit der</span><br/> <span class="ft7">Reisekosten verlangen - aufgrund der ihnen obliegenden Beweislast</span><br/> <span class="ft7">(siehe vorne Erw. 4) dazu verpflichtet gewesen wären.</span><br/> <span class="ft7">5.2</span><br/> <span class="ft7">Im Übrigen sind Studienreisen von der Art, wie sie die Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführerin hier unternommen hat, erfahrungsgemäss nicht</span><br/> <span class="ft7">ausschliesslich darauf ausgerichtet, fachliches Wissen zu vermitteln.</span><br/> <span class="ft7">Neben diesem Zweck wird bei der Gestaltung des Reiseprogramms</span><br/> <span class="ft7">regelmässig und nicht nur nebenbei auch auf andere Interessen der</span><br/> <span class="ft7">Teilnehmer Rücksicht genommen. So werden - wie das KStA in der</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeantwort zutreffend ausgeführt hat - zwischen den (hier</span><br/> <span class="ft7">wie erwähnt nicht aktenkundigen) berufsspezifischen Arbeiten/Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">anstaltungen, Besuche von Museen, Empfänge und andere Veranstal-</span><br/> <span class="ft7">tungen gesellschaftlicher, kultureller und unterhaltender Art ein-</span><br/> <span class="ft7">geschaltet. Die auf diesen Teil entfallenden Kosten bleiben selbstver-</span><br/> <span class="ft7">ständlich unter dem Gesichtspunkt der notwendigen Gewinnungs-</span><br/> <span class="ft7">kosten ausser Betracht. Mit Bezug darauf besteht, auch wenn sie in</span><br/> <span class="ft7">Verbindung mit Gewinnungskosten entstanden sind, kein Anlass zur</span><br/> <span class="ft7">Privilegierung (so bereits für das damalige Recht: AGVE 1962,</span><br/> <span class="ft7">S. 114, Erw. 4.).</span><br/> <span class="ft7">5.3</span><br/> <span class="ft7">Auch aus der Bestätigung des Reiseleiters betreffend "Notwen-</span><br/> <span class="ft7">digkeit" der Reise vom 9. März 2009 kann nichts zu Gunsten der Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer abgeleitet werden. Zum einen ist dazu zu bemerken,</span><br/> <span class="ft7">dass die Bestätigung nicht von den Arbeitgebern ausgestellt wurde.</span><br/> <span class="ft7">Darüber hinaus wäre damit, selbst wenn der zuständige Arbeitgeber</span><br/> <span class="ft7">bzw. die zuständige Schulbehörde die Reise als notwendig erachtet</span><br/> <span class="ft7">hätte, noch nichts über die Notwendigkeit im Sinne des Steuerrechts</span><br/> <span class="ft7">resp. die genaue Zuweisung der Reisekosten zu den Weiterbildungs-</span><br/> <span class="ft7">bzw. Lebenshaltungskosten gesagt (so auch Urteil der Steuerrekurs-</span><br/> <span class="ft7">kommission Bern vom 15. Juni 1999, publ. in StE 2000, B 22.3</span><br/> <span class="ft7">Nr. 69, Erw. 6). Zum andern lassen sich auch dieser Teilnahmebes-</span><br/> <span class="ft7">tätigung keinerlei konkrete fachspezifische Veranstaltungen entneh-</span><br/> <span class="ft7">men.</span><br/> <span class="ft7">6.</span><br/> <span class="ft7">Unter Berücksichtigung der vorstehenden Erwägungen ist das</span><br/> <span class="ft7">Steuerrekursgericht den Beschwerdeführern damit bereits (zu) weit</span><br/> <span class="ft7">entgegengekommen, da sie den ihnen obliegenden Nachweis der</span><br/> <span class="ft7">hälftigen - geschweige denn der darüber hinausgehenden - berufli-</span><br/> <span class="ft7">chen Veranlassung der Reise nicht erbracht haben. Da dem Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsgericht in Bezug auf den Abzug verwehrt ist, den angefoch-</span><br/> <span class="ft7">tenen Entscheid zu Ungunsten der Beschwerdeführer abzuändern</span><br/> <span class="ft7">(§ 199 Abs. 2 StG), hat es beim hälftigen Abzug der geltend gemach-</span><br/> <span class="ft7">ten Kosten zu bleiben und eine exakte Festsetzung des angemessenen</span><br/> <span class="ft7">(höheren) Privatanteils erübrigt sich.</span><br/> <span class="ft7">7.</span><br/> <span class="ft7">Die Beschwerde ist somit vollumfänglich abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>