Beschluss vom 21. August 2014 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Andreas J. Keller und Cornelia Cova, Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia Parteien KANTON BASEL-LANDSCHAFT, Gesuchsteller gegen 1. KANTON ZUG, Gesuchsgegner 1 2. KANTON LUZERN, Gesuchsgegner 2 Gegenstand Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: BG.2014.18 - 2 - Sachverhalt: A. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft führt seit 2012 ein Sammelverfahren gegen A., X.B., Y.B., C., D. und E. wegen mehrfachen Diebstahls und mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenvera r- beitungsanlage (Verfahrensakten, Ordner 3/10, Register 5.2, Polizeilicher Ermittlungsbericht). Die Beschuldigten werden verdächtigt, in unterschiedli- cher Zusammensetzung an insgesamt 85 Portemonnaie -Diebstählen mit anschliessenden betrügerischen Missbräuchen von Datenverarbeitungsan- lagen beteiligt gewesen zu sein . Sie sollen die Straftaten in den Kanton en Basel-Landschaft (30 Fälle), St. Gallen (10 Fälle), Bern (8 Fälle), Aargau (7 Fälle), Luzern (6 Fälle), So lothurn (6 Fälle), Zug (4 Fälle), Thurgau (4 Fä l- le), Schwyz (3 Fäl le), Obwalden (2 Fälle), Schaffhausen (1 Fall), Graubü n- den (1 Fall), Nidwalden (1 Fall), Gla rus (1 Fall) und Appenzell Innerrhoden (1 Fall) im Zeitraum vom 9. Dezember 2011 bis zum 29. November 2013 begangen haben . Die Deliktssumme dieser Taten beläuft sich in sgesamt auf ca. CHF 179'000.-- (für eine detaillierte Übersicht s. das chronologische Delikteverzeichnis in den Verfahrensakten, Ordner 3/10). B. Mit Beschluss BG.2014 .11 vom 7. Mai 2014 trat die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts auf das vom Kanton Basel-Landschaft eingereich- te Gesuch um Festlegung des Gerichtsstandes nicht ein, nachdem sie den vorgängig durchgeführten Meinungsaustausch mit dem Kanton Zug als nicht vollständig erachtete. C. Am 9. Mai 2014 richtete die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel- Landschaft die e ntsprechende Gerichtsstandsanfrage an die Oberstaats- anwaltschaft des Kantons Zug (act. 4.3; Verfahrensakten, Ordner 10/10, Register 7). Diese lehnte eine Übernahme des Verfahrens am 23. Mai 2012 ab (act. 4.4 ). Die Behörde des Kantons Luzern wurde in der Fo lge nicht nochmals zum vorliegenden Gerichtsstandskonflikt angegangen. D. Hierauf gelangte die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft mit Gesuch vom 3. Juni 2014 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafg e- richts und beantragt, es seien die Strafverfo lgungsbehörden des Kantons Zug, eventualiter des Kantons Luzern, als berechtigt und verpflichtet zu e r- klären, die den Beschuldigten zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen (act. 1). Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, Leitender Oberstaatsanwalt, schliesst in ihrer Gesuchsantwort vom 16. Juni 2014 auf die Zuständigkeit der Strafbehörden des Kantons Luzern, eventualiter des Kantons Basel - Landschaft (act. 4 ). Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern stellt - 3 - ihrerseits den Antrag, es seien die Behörden des Kantons Zug zur Verfo l- gung und Beurteilung der den angeführten Beschuldigten vorgeworfenen Taten für berechtigt und verpflichtet zu erklären . Was den Eventualantrag der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft anbelangt, beantragt sie dessen Abweisung (act. 5). Die verschiedenen E ingaben wurden den Parteien mit Schreiben vom 26. Juni 2014 wechselseitig zur Kenntnis gebracht (act. 8). Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, s o- weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug geno m- men. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. 1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentl i- chen Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche E i- nigung (Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschiedener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbre i- tet die Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, de r Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im No r- malfall die Frist von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog a n- zuwenden (vgl. hierzu u. a. TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche be- rechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu KUHN, Basler Kommen- tar, Basel 2011, Art. 39 StPO N. 9 sowie Art. 40 StPO N. 10; SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., Zürich/St. Gal- len 2013, N. 488; GALLIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di procedura pena- le [CPP] – Commentario, Zurigo/San Gallo 2010, n. 5 ad art. 40 CPP). 1.2 Die Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft ist berechtigt (praxisgemäss die jeweils örtlich zuständige Hauptabteilung der Staatsanwaltschaft; act. 1 S. 3), den Gesuchsteller b ei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor - 4 - der Beschwerdekammer zu vertreten (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. § 7 Abs. 2 lit. b des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung des Kantons Basel-Landschaft vom 12. März 2009 [EG StPO/BL, SGS 250] bzw. Ziff. 4 Abs. 3 der Weisung betreffend Kompetenzen innerhalb der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 24. September 2010, act. 1.1). Bezüglich des Ge suchsgegners 1 steht diese Befu gnis im Kanton Zug g e- mäss § 46 Abs. 4 und § 47 des Geset zes über die Organisation der Zivil- und Strafrechtspflege des Kantons Zug vom 26. August 2010 (GOG/ZG; BGS 161.1), § 3 lit. n und § 4 Abs. 1 und 2 der Verordnung über die Staatsanwaltschaft vom 20. November 2007 (VO STA/ZG; BGS 161.3) der Leitenden Oberstaatsanwältin oder dem Leitende n Oberstaatsanwalt zu. Bezüglich des Gesuchsgegners 2 steht diese Befugnis der Oberstaatsa n- waltschaft des Kantons Luzern zu (vgl. § 4 der Verordnung über die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern vom 14. Dezember 2010 [SRL Nr. 275]). Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben vorliegend zu ke i- nen weiteren Bemer kungen Anlass, weshalb auf das Gesuch einzutreten ist. 2. 2.1 Ist eine Straftat von mehreren Mittäterinnen oder Mittätern verübt worden, so sind die Behörden des Ortes zustän dig, an dem zuerst Verfolgung s- handlungen vorgenommen worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat eine b e- schuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zustän dig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat b e- gangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO). Begehen mehrere Beschuldigte zus ammen in verschiedenen Kantonen mehrere Delikte, so sind Art. 33 Abs. 2 und Art. 34 Abs. 1 StPO so miteinander zu kombinieren, dass in der Regel alle Mitwirkenden an dem Orte verfolgt werden, wo von einem Mittäter die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat verübt worden ist. Bei gleich schweren Strafdrohungen bestimmt sich der Gerichtsstand für alle Beteiligten nach dem Ort, wo zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (vgl. hierzu u. a. die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2011.49 vom 19. Januar 2012, E. 2.1; BG.2011.33 vom 28. September 2011, E. 2.2.1; BG.2011.4 vom 10. August 2011, E. 2.2.2). 2.2 Vorliegend sind sich die Parteien grundsätzlich einig, dass als das den Ge- richtsstand bestimmende Delikt der bandenmässig (und gewerbsmässig) begangene Diebstahl zu gelten hat . Währenddem der Gesuc hsteller und der Gesuchsgegner 2 aber die Auffassung vertreten, dass dies alle 85 ver-- 5 - fahrensgegenständlichen Straftaten im Zeitraum vom 9. Dezember 2011 bis zum 29. November 2013 betr effe (act. 1 und 5) , st ellt sich der Gesuchsgegner 1 auf den Standpunkt, dass der qualifizierte Tatbestand auf die ersten 5 Delikte nicht zutreffe (act. 4; s. nachfolgend Ziff. 2.5). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Bandenmässigkeit g e- geben, wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem ausdrücklich oder ko n- kludent geäusserten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbständiger, im Einzelnen möglicherweise noch unbestimmter Straftaten zusammenzuwirken (vgl. BGE 135 IV 158 E. 2 S. 158). Mit di e- ser Formel soll u. a. zum Ausdruck gebracht werden, dass die verschied e- nen Bandenmitglieder sich darüber einig sein müssen, dass sie in Zukunft gemeinsam weitere Delikte begehen wollen ( NIGGLI/RIEDO, Basler Ko m- mentar, 2. Aufl ., Basel 2007, Art. 139 StGB N. 118). Als bandenmässig können dementsprechend nur Delikte gelten, welche tatsächlich von me h- reren Tätern verübt wurden (vgl. hierzu den Entscheid des Bundesstrafg e- richts BG.2010.14 vom 20. September 2010, E. 2.2). Nach der Rechtsprechung liegt im Begriff des berufsmässigen Handelns der Ansatzpunkt für die Umschreibung der Gewerbsmässigkeit. Der Täter handelt berufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den angestrebten und den erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines B e- rufs ausübt. Diese abstrakte Umschreibung kann nur Richtlinienfunktion haben. Eine quasi „nebenberufliche“ delikti sche Tätigkeit kann genügen. Wesentlich ist, dass sich der Täter, wie aus den gesamten Umständen g e- schlossen werden muss, darauf eingerichtet hat, durch deliktische Han d- lungen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten seiner Lebensgestaltung darstellen; dann ist die erforderliche soziale G e- fährlichkeit gegeben. Es ist nach wie vor notwendig, dass der Täter die Tat bereits mehrfach begangen hat, dass er in der Absicht handelte, ein E r- werbseinkommen zu erlangen, und dass aufgrund seiner Taten geschlos- sen werden muss, er sei zu einer Vielzahl von unter die fraglichen Tatb e- stände fallenden Taten bereit gewesen (BGE 123 IV 113 E. 2c S. 116 mit Hinweis auf BGE 119 IV 129 E. 3a S. 132 f. und BGE 116 IV 319). 2.3 Bei der Beurteilung der G erichtsstandsfrage muss von der aktuellen Ve r- dachtslage ausgegangen werden. Massgeblich ist nicht, was dem Beschu l- digten schlussendlich nachgewiesen werden kann, sondern der Tatb e- stand, der Gegenstand der Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erwe i- se sich von vornherein als haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Der G e-- 6 - richtsstand bestimmt sich also nicht nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorgeworfen wird, das heisst, was au f- grund der Aktenlage überhaupt in Frage kommt. Dabe i stützt sich die B e- schwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hypothesen ( MOSER, Basler Ko m- mentar, Basel 2011, Art. 34 StPO N. 11; GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 25] m.w.H.; vgl. nebst anderen den Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2010.12 vom 8. September 2010, E. 2.2 m.w.H.). Es gilt der Grundsatz „in dubio pro duriore“, wonach im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. das schwerere Delikt anz u- nehmen ist (GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 42] m.w.H.). 2.4 Unter den Parteien ist unbestritten, dass von den 85 bisher registrierten Vermögensdelikten der erste Diebstahl mit nachfolgendem betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage am 9. Dezember 2011 in U. im Kanton Zug d urch zwei ( X.B. und A. ) der sechs beschuldigten Täter b e- gangen wurde. Unbestritten ist auch, dass die betreffende Geschädigte be- züglich des Diebstahls noch am gleichen Tag und bezüglich des betrüger i- schen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage am 12. Dezember 2011 bei d er Polizeidienststelle U. Strafanzeige erstattete. Damit erfolgten die ersten Verfolgungshandlungen im Kanton Zug. 2.5 Wie einleiten d ausgeführt (s. supra Ziff. 2.2 ), bestreitet d er Gesuchsgeg- ner 1 allerdings die Qualifikation der ersten Straftat (sowie der weiteren Straftaten Nr. 2 bis 4) als bandenmässige n Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 3 StGB sowie deren Gewerbsmässigkeit. Nach seinem Dafürhalten liesse die Aktenlage noch nicht den Schluss zu, dass sich die Beschuldigten von Beginn weg im Sinne einer Bande z u- sammengeschlossen hätten (act. 4 S. 3) . Bezüglich der ersten fünf Del ikte (zweimal habe dabei A. mit X.B., dreimal habe X.B. alleine oder mit einer unbekannten Person gehandelt) liege noch kein Kollektivdelikt im Sinne der Bandenmässigkeit vor (act. 4 S. 4) . Zu wenige Anhaltspunkte würden für einen Organisationsgrad und eine Deliktshäufigkeit sprechen, um von Ban- denmässigkeit sprechen zu können. Anders präsentiere sich die Situation für die Zeit danach (ab März 2012), wo z.B. im Zeitraum März bis August 2012 die Beschuldigten A., X.B. und E. zusammen 17 Diebstähle bega n- gen haben sollen. Und auch mit der Aus sage von A., er sei zu Beginn von den beiden anderen zum Mittun aufgefordert worden, lasse sich keine Bandenmässigkeit (bereits für Dezember 2011) begründen; vielmehr passe diese Aussage zu den Feststellun gen, dass A. dann eben ab März 2012 mit gerade diesen beiden Personen die Taten begangen haben solle. Schliesslich würden auch die übrigen ermittelten Umstände dafür sprechen, - 7 - dass zu Beginn der Delikte ( Dezember 2011) noch keine Bande, erst recht nicht eine „Sechserbande“ bestan den habe. Gemäss bisherigen Er kennt- nissen seien die einzelnen Täter nicht als ganze Bande in die Schweiz ge- kommen, sondern seien zu ganz verschiedenen Zeiten einzeln, zu zweit oder vielleicht einmal zu dritt, eingerei st und dies offenbar spon tan. Dass sie einander aus dem Dorf ken nen würden, spreche ebenfalls n och nicht für eine Bande, sondern erkläre nur, dass die einzelnen Täter von der Art und Möglichkeit des deliktischen Vorgehens erfahren hätten. Nichts weise denn auch darauf hin, dass die einzelnen Täter den Deliktserlös mit allen sechs Bes chuldigten hätten teilen müssen. Entgegen der Argumentation des Gesuchstellers ergebe sich aus dem Vorgehen der sechs Beschuldi g- ten noch kein Kollektivdelikt von Beginn weg. Dies gelte erst recht, wenn man in Betracht ziehe, dass der modus operandi der Täter nicht vom übl i- chen Vorgehen der Taschendiebe abweiche (act. 4 S. 4). Mit Bezug auf die Gewerbsmässigkeit der vorgeworfenen Taten hält der Gesuchsgegner 1 daran fest, dass ein hinreichender V erdacht auf G e- werbsmässigkeit erst für eine Zeitspanne ab März 2012 gegeben sei (act. 4 S. 4). Eine erste Serie von "bloss" 5 Diebstählen habe in der Zeit vom 9. bis 22. Dezember 2011 stattgefunden und nach dem 22. Dezember 2011 hä t- ten keine weiteren Delikte mehr bis zum 5. März 2012 stattgefunden, womit die deliktsfreie Zeitspanne rund zwei einhalb Monate be trage. Es l iege auf der Hand, dass sich di e Täter zufolge der erf olgreichen ersten Taten von Dezember 2011 im Frühjahr 2012 entschieden hätten, fortan solche Delikte nun regelmässig in der Schweiz zu begehen. Der Vorfall vom 1. Februar 2012 in V. (Kanton Schwyz), Fall Nr. 6, könne klarerweise nicht X.B. ange- lastet werden. Schon der modus operandi sei im Fall Nr. 6 ein ganz and e- rer, und auch die verdächtige Person auf dem Bild treffe nicht auf X.B. zu, zumal auch die Geschädigte davon gesprochen habe, es habe sich beim Täter um einen Libanesen oder ähnlich gehandelt. Auch habe A. nicht etwa X.B. als Täter vom 1. Februar 2012 bezeichnet (act. 4 S. 4) . Für den D e- liktszeitraum von März 2012 bis November 2013 lie ssen sich bezeichne n- derweise dann kei ne mehrmonatigen Unterb rüche mehr finden, womit der Verdacht besteh e, dass für diesen Zeitraum von qualifiz ierten Delikten ausgegangen werden könne (act. 4 S. 4). 2.6 Aufgrund der bisherigen Ermittlungen steht fest, dass alle sechs Beschu l- digten aus derselben Ortschaft in Rumänien stammen. A. , welcher vor sei- ner Heirat den Familienna men "B". trug, und Y.B. sind zudem Brüder. Bei X.B., welcher nach der Heirat den Namen seiner Frau angenommen hat, handelt es sich sodann um den Schwager von A. Laut Aussage von A. handle es sich bei E. um einen Freund von X.B. (Verfahrensakten, Ordner - 8 - 2/10, Einvernahme vom 14. Januar 2014, S. 8). A. selber sagte anlässlich seiner Einvernahme vom 14. Januar 2014 aus, dass er auf Vorsc hlag sei- nes Schwagers X.B. und E. im Jahre 2011 begonnen habe, mit diesen z u- sammen in der Schweiz Portemonnaies zu stehlen (Verfahrensakten, Or d- ner 2/10, E invernahme vom 14. Januar 2014, S. 8). Er habe zu diesem Zeitpunkt nur noch EUR 700 .-- gehabt, was nicht gereicht habe, um die Miete zu bezahlen (a.a.O.). Mit Ausnahme von Y.B. waren alle Beschuldig- ten in mindestens einem europäischen Land wegen (zum Teil auch ban- den- und gewerbsmässigen) Eigentumsdelikten bereits zuvor kriminalpol i- zeilich ver zeichnet (A. [alias "B."] in Deutschland, Österreich und Fran k- reich; X.B. in Deutschland und Öster reich; C. in Deutschland, Österreich und Frankreich; D. in Deutschland und Frankreich; E. in Österreich; s. Ver- fahrensakten, Ordner 1/10; Ordner 3/10, Register 5.2, Polizeilicher Ermit t- lungsbericht, S. 20 ff.). Bereits vor diesem Hintergrund bestehen ausre i- chende Anhaltspunkte, welche einen hinreichenden Tatverdacht auf Ba n- den- und Gewerbsmässigkeit für den ganzen Deliktszeitraum zu rechtferti- gen vermögen. Bei dieser Aktenlage erscheint der vom Gesuchsgegner 1 angeführte zeitliche Abstand von untergeordneter Bedeutung und vermag jedenfalls nicht den Tatverdacht auf Banden- und Gewerbsmässigkeit aus- zuschliessen. Die einzelnen Einwendungen des Gesuchsgegners 1 sowie dessen Schlussfolgerung, wonach sich die Täte r A., X.B. und E. (erst) im Frühjahr 2012 entschieden haben sollen, fortan solche Delikte zu b egehen, überzeugen nicht. Die Argumentationslinie des Gesuchsgegners 1 läuft be- reits im Ansatz dem Grundsatz "in dubio pro duriore" zuwider . Dies gilt auch für seine Bestreitung de s Tatverdachts bezüglich der Täterschaft im Fall Nr. 6. 3. 3.1 Weiter nennt der Gesuchsgegner 1 verschiedene Argumente, weshalb vor- liegend vom gesetzlichen Gerichtsstand abgewichen werden soll (act. 4 S. 5). Unter Berufung auf die Schwerpunkttheorie bringt er vor, dass im Kanton Basel-Landschaft immerhin 30 Vorfälle zur Diskussion stünden, im Kanton Zug seien es lediglich vier. Der Idee der Schwerpunkttheo rie liege der Gedanke zugru nde, dass derjenige Kanton die U ntersuchung führen soll, welcher die not wendigen Untersuchungshandlungen gestützt auf die äusserlichen Bedingungen mit d em geringsten Au fwand vornehme n und damit die Strafverfolgung am schnellsten vorwärts bringen könne (act. 4 S. 5). Wenn – so der Gesuchsgegner 1 weiter – die Zuger Strafverfolgungs- behörden das Verfahren übern ehmen müss ten, würde die Untersuchung unnütz erschwert bzw. be hindert, weshalb u nter den gegebenen Umstän- den auch die "2/3 Regel" im konkreten Fall nicht mehr Bestand habe. Es - 9 - könne nicht sein, dass der Kanton Z ug mit vier Vorfällen nun 85 Fälle u n- tersuchen soll (act. 4 S. 5). 3.2 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un- tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31 – 37 StPO vorgese- henen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tä- tigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Pers on es e r- fordern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Au s- nahme bleiben. Eine Vereinbarung bzw. der Beschluss, einen gesetzlich nicht zuständigen Kanton mit der Verfo lgung zu betrauen, setzt triftige Gründe voraus und die Überlegungen, welche den gesetzlichen Gericht s- stand als unzweckmässig erscheinen lassen, müssen sich gebieterisch aufdrängen; die Latte für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ist entsprechend hoch anzusetzen. Überdies kann ein Kanton entgegen dem gesetzlichen Gerichtsstand nur für zuständig erklärt werden resp. sich se l- ber als zuständig erklären, wenn dort tatsächlich ein örtlicher Anknü p- fungspunkt besteht (vgl. MOSER, Basler Kommentar, Basel 2011, Art. 38 StPO N. 2 m.w.H.; siehe auch BERTOSSA, Commentaire romand, Bâle 2011, n° 2 ad art. 38 CPP; GOLDSCHMID/MAURER/SOLLBERGER, Kom- mentierte Textausgabe zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Bern 2008, S. 32 f.; GALLIANI/MARCELLINI, op. cit., n. 1 e 2 ad art. 38 CPP). Ein triftiger Grund für das Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand kann im Schwergewicht der deliktischen Tätigkeit der Beschuldigten liegen (vgl. Art. 38 Abs. 1 und Art. 40 Abs. 3 StPO). Gemäss konstanter Praxis kann von einem solchen Schwergewicht ausgegangen werden, wenn mehr als zwei Drittel einer grösseren Anzahl von Straftaten auf einen einzigen Ka n- ton entfallen (BGE 129 IV 202 E. 2 S. 203; siehe zuletzt auch den B e- schluss des Bundesstrafgerichts BG.2011.25 vom 28. Se ptember 2011, E. 3.2). Das Übergewicht muss dabei so offensichtlich und bedeutsam sein, dass sich das Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand geradezu au f- drängt (MOSER, a.a.O., Art. 38 StPO N. 7 f.; GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundess trafgerichts zum interkantonalen Gericht s- stand in Strafsachen, Jusletter 21. Mai 2007, [Rz 46] m.w.H.). Fehlt es b e- reits an einer grösseren Zahl der in Frage stehenden Fälle, so drängt sich ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand – sofern nicht weitere trifti- ge prozessökonomische Gesichtspunkte ernsthaft in Betracht gezogen werden müssen – nicht auf (siehe hierzu den Beschluss des Bundesstra f- gerichts BG.2011.25 vom 28. September 2011, E. 3.2; vgl. auch die En t- scheide des Bundesstrafgerichts BG.2009.30 vom 26. Oktober 2009, - 10 - E. 2.3; BG.2009.23 vom 13. Oktober 2009, E. 2.4; BK_G 038/04 vom 13. Juli 2004, E. 5). 3.3 Im Lichte der vorstehend erläuterten Praxis drängt sich bei insgesamt 30 von 85 im Kanton Basel-Landschaft verübten Delikten unter dem Gesichts- punkt eines allfälligen Schwergewichts ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand nicht auf. Die vom Gesuchsgegner 1 genannten Argumente stellen nach der angeführten konstanten Rechtsprechung keine t riftigen Gründe dar, die ein Abweichen vom gesetzlichen Ge richtsstand gebiet e- risch aufdrängen würden. 4. Nach dem Gesagten erweist sich das Gesuch als begründet und es sind die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zug für berechtigt und verpflich- tet zu erklären, die A., X.B., Y.B., C., D. und E. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen. 5. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO). - 11 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zug sind berechtigt und ve r- pflichtet, die A., X.B., Y.B., C., D. und E. zur Last gelegten Delikte zu verfo l- gen und zu beurteilen. 2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. Bellinzona, 21. August 2014 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft - Staatsanwaltschaft des Kantons Zug - Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.