<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 37</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">37</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Anwaltsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>7</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 12 lit. a BGFA</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Informiert ein Rechtsanwalt eine Arbeitgeberin über das mutmasslich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ungebührliche Verhalten eines ihrer Angestellten, welcher in privater</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mission mit dem Geschäftsauto der Arbeitgeberin unterwegs war und mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dem Mandanten des Rechtsanwaltes eine Auseinandersetzung hatte, so</b></span><br/> <span class="ft2"><b>stellt dies keine Verletzung von Art. 12 lit. a BGFA dar. Solange nämlich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die vom Anwalt getroffenen Massnahmen der Erreichung des Ziels die-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nen, das der Mandant anstrebt, und das Ziel selbst als auch die Handlung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Anwalts legal sind, ist das Vorgehen disziplinarrechtlich irrelevant,</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auch wenn sich der Anzeiger unfair behandelt fühlt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 13. September 2011, i.S.</span><br/> <span class="ft3">Y. (AVV.2011.21).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">2.3.</span><br/> <span class="ft5">Gemäss Ausführungen des Anzeigers handelt es sich bei der K.</span><br/> <span class="ft5">AG um seine Arbeitgeberin. Die K. AG hat aufgrund des Schreibens</span><br/> <span class="ft5">vom 14. März 2011 des beanzeigten Anwalts die Information erhal-</span><br/> <span class="ft5">ten, dass der Anzeiger ausserhalb seiner beruflichen Tätigkeit als</span><br/> <span class="ft5">"Rechtsvertreter" tätig und dazu mit dem Geschäftsauto der K. AG</span><br/> <span class="ft5">unterwegs sei. Zudem erhielt die K. AG Kenntnis darüber, dass sich</span><br/> <span class="ft5">der Anzeiger gegenüber A.B. despektierlich geäussert haben soll.</span><br/> <span class="ft5">Des Weiteren wurde gegenüber dem Anzeiger im Wiederholungsfall</span><br/> <span class="ft5">mit einer Strafanzeige wegen Ehrverletzung gedroht.</span><br/> <span class="ft5">2.3.1.</span><br/> <span class="ft5">Der beanzeigte Anwalt bringt vor, dass er von seinem Klienten</span><br/> <span class="ft5">(A.B.) über die Hintergründe, wonach der Anzeiger die Stellvertre-</span><br/> <span class="ft5">tung für Herrn E. in der Angelegenheit betreffend Mietzins in seiner</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">38</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Freizeit und nicht als Angestellter für die K. AG gemacht habe, nicht</span><br/> <span class="ft5">instruiert worden sei. Damit macht er geltend, davon ausgegangen zu</span><br/> <span class="ft5">sein, dass der Anzeiger als Angestellter der K. AG aufgetreten war.</span><br/> <span class="ft5">Dies kann aber offen bleiben.</span><br/> <span class="ft5">Der beanzeigte Anwalt wollte offenbar die K. AG bzw. die Ar-</span><br/> <span class="ft5">beitgeberin über das Benehmen eines ihrer Angestellten (des Anzei-</span><br/> <span class="ft5">gers) orientieren, damit diese ihren Angestellten zu einem "anständi-</span><br/> <span class="ft5">gen Verhalten" gegenüber Kunden ermahne. Insbesondere da der An-</span><br/> <span class="ft5">zeiger mit einem Geschäftswagen der K. AG in Erfüllung eines Auf-</span><br/> <span class="ft5">trags (selbständig oder als Angestellter) aufgetreten ist, ist die Orien-</span><br/> <span class="ft5">tierung der K. AG über das (mutmasslich) ungebührliche Verhalten</span><br/> <span class="ft5">eines ihrer Angestellten durch den beanzeigten Anwalt grundsätzlich</span><br/> <span class="ft5">nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft5">2.3.2.</span><br/> <span class="ft5">Das Schreiben beinhaltete zwar auch eine "Anschwärzung" des</span><br/> <span class="ft5">Anzeigers gegenüber der K. AG. Dafür gab es aber nachvollziehbare</span><br/> <span class="ft5">Gründe. So wollte der beanzeigte Anwalt die K. AG als Arbeitgebe-</span><br/> <span class="ft5">rin offensichtlich über das mutmasslich ungebührliche Verhalten des</span><br/> <span class="ft5">Anzeigers, der ihr Angestellter war, informieren. Die K. AG war</span><br/> <span class="ft5">zumindest indirekt in die Angelegenheit involviert (immerhin hat der</span><br/> <span class="ft5">Anzeiger ihren Geschäftswagen benutzt) und der beanzeigte Anwalt</span><br/> <span class="ft5">hatte im Interesse seines Klienten, um weitere "Attacken" des Anzei-</span><br/> <span class="ft5">gers zu verhindern, die Variante einer schriftlichen Kontaktaufnahme</span><br/> <span class="ft5">mit der Arbeitgeberin gewählt. Indem der Anzeiger mit dem Ge-</span><br/> <span class="ft5">schäftswagen seiner Arbeitgeberin auftrat, musste er zweifelsohne</span><br/> <span class="ft5">auch damit rechnen, dass diese irgendwann in der einen oder anderen</span><br/> <span class="ft5">Form kontaktiert würde. Vor diesem Hintergrund ist das Vorgehen</span><br/> <span class="ft5">des beanzeigten Anwalts nicht als Verletzung von Art. 12 lit. a BGFA</span><br/> <span class="ft5">zu qualifizieren. Solange nämlich die vom Anwalt getroffenen Mass-</span><br/> <span class="ft5">nahmen der Erreichung des Ziels dienen, das der Klient anstrebt, und</span><br/> <span class="ft5">sowohl das Ziel selbst als auch die Handlung des Anwalts legal sind,</span><br/> <span class="ft5">ist das Vorgehen disziplinarrechtlich irrelevant, auch wenn sich der</span><br/> <span class="ft5">Anzeiger unfair behandelt fühlt (vgl. auch hinsichtlich Verhalten ge-</span><br/> <span class="ft5">genüber der Gegenpartei: W</span><span class="ft3">ALTER</span> <span class="ft5">F</span><span class="ft3">ELLMANN</span> <span class="ft5">in: W</span><span class="ft3">ALTER</span> <span class="ft5">F</span><span class="ft3">ELL</span><span class="ft5">-</span><br/> <span class="ft3">MANN</span> <span class="ft5">/</span> <span class="ft5">G</span><span class="ft3">AUDENZ</span> <span class="ft5">G.</span> <span class="ft5">Z</span><span class="ft3">INDEL</span> <span class="ft5">[Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsge-</span><br/> <span class="ft5">setz, 2. Auflage, Zürich 2011, N 50d zu Art. 12, S. 197). Das bean-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">39</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">standete Verhalten des beanzeigten Anwalts ist somit vertretbar und</span><br/> <span class="ft5">gefährdet das Vertrauen in die Anwaltschaft nicht.</span><br/> <span class="ft5">2.3.3.</span><br/> <span class="ft5">Was die Androhung einer allfälligen Strafanzeige wegen Ehr-</span><br/> <span class="ft5">verletzung im Wiederholungsfall betrifft, ist festzuhalten, dass diese</span><br/> <span class="ft5">aufgrund der Auseinandersetzung zwischen dem Anzeiger und A.B.</span><br/> <span class="ft5">(verbale Auseinandersetzung) aus disziplinarrechtlicher Sicht eben-</span><br/> <span class="ft5">falls nicht zu beanstanden ist.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>