<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>55</b></span> <span class="ft2"><b>Gewinnungskosten des selbständig Erwerbenden; Kulanzzahlung (§ 36</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zahlungen aus Kulanz und ohne rechtliche Verpflichtung sind, wenn</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keine Gegenleistung zu erwarten ist, kein geschäftsmässig begründeter</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Aufwand und damit nicht abzugsfähig.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Steuerrekursgerichtes vom 27. Mai 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">R. + S.S. (3-RV.2009.158)</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent ist selbständig erwerbstätiger Versicherungs-</span><br/> <span class="ft1">makler. Im Jahr 2004 schloss er mit drei Kunden Vermögensver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsaufträge ab, wonach er zum Handel mit Vermögenswerten</span><br/> <span class="ft1">der Kunden bei der S. beauftragt wurde. Aus diesen Vermögensver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsaufträgen ergaben sich nach Angaben des Rekurrenten bei</span><br/> <span class="ft1">den drei Kunden per 31.</span> <span class="ft1">Oktober 2006 Verluste von total</span><br/> <span class="ft1">CHF 435'734.00.</span><br/> <span class="ft1">Im Dezember 2006 schloss der Rekurrent mit den drei Kunden</span><br/> <span class="ft1">Vereinbarungen über die Übernahme der Verluste durch den Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrenten ab, wobei die Rückzahlung ratenweise während vier bis</span><br/> <span class="ft1">sechs Jahren erfolge. Dazu hielt der Rekurrent in einer Besprechung</span><br/> <span class="ft1">auf dem Steueramt betreffend das Steuerjahr 2004 fest, die Über-</span><br/> <span class="ft1">nahme der Verluste sei freiwillig erfolgt, da die Haftpflichtversiche-</span><br/> <span class="ft1">rung die Verluste nicht decke.</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">In der Buchhaltung des Jahres 2005 verbuchte der Rekurrent</span><br/> <span class="ft1">eine Rückstellung von CHF 50'000.00 für die Verlustübernahme.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/> <span class="ft1">5.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Rückstellungen sind nur möglich für Kosten, die selber als ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsmässig begründeter Aufwand zu qualifizieren sind. Daher ist</span><br/> <span class="ft1">vorerst zu prüfen, ob die Schadenersatzzahlungen durch den Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrenten geschäftsmässig begründeten Aufwand darstellen.</span><br/> <span class="ft1">5.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 36 Abs. 1 StG werden bei den selbständig Erwerben-</span><br/> <span class="ft1">den die geschäfts- oder berufsmässig begründeten Gewinnungs-</span><br/> <span class="ft1">kosten von den steuerbaren Einkünften abgezogen. Gewinnungs-</span><br/> <span class="ft1">kosten sind Aufwendungen, welche mit der Einkommenserzielung in</span><br/> <span class="ft1">einem direkten, ursächlichen Zusammenhang stehen. Zur Hauptsache</span><br/> <span class="ft1">bestimmt sich der Gewinnungskostencharakter von Auslagen eines</span><br/> <span class="ft1">selbstständig Erwerbenden nach betriebswirtschaftlichen Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkten. Dabei interessiert, ob die Tätigkeit, welche den</span><br/> <span class="ft1">Aufwand verursacht hat, durch den Zweck des Unternehmens ge-</span><br/> <span class="ft1">deckt ist. Darauf, ob sich der Aufwand bei zweckmässiger betrieb-</span><br/> <span class="ft1">licher Organisation hätte vermeiden lassen, kommt es nicht an. Viel-</span><br/> <span class="ft1">mehr ist entscheidend, ob der Aufwand in Erwartung einer wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Gegenleistung erbracht worden ist. Auch nach Auffas-</span><br/> <span class="ft1">sung des Verwaltungsgerichts lässt sich nur unter Zugrundelegung</span><br/> <span class="ft1">einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise ermitteln, welche Auf-</span><br/> <span class="ft1">wendungen geschäftsmässig begründet sind (VGE vom 7. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2004 in Sachen J.M. [BE.2004.00103]; RGE vom 20. September</span><br/> <span class="ft1">2007 in Sachen F. + I.B.; Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., § 36 StG N 5).</span><br/> <span class="ft1">5.2.3.</span><br/> <span class="ft1">Dem - schliesslich auf Aufforderung im Rekursverfahren einge-</span><br/> <span class="ft1">reichten - "Handelsvertrag" vom 10. August 2004 zwischen dem Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrenten und K. ist folgendes zu entnehmen:</span><br/> <span class="ft3">(Zitat des Anlageziels, der Risiken im Anlagegeschäft und der Haftung</span><br/> <span class="ft3">des Rekurrenten)</span><br/> <span class="ft1">Aus diesen Vertragsbestimmungen, die nach Angaben des Re-</span><br/> <span class="ft1">kurrenten in allen drei Verträgen gleich lauten, ergibt sich, dass der</span><br/> <span class="ft1">Rekurrent nicht zur Übernahme des bei den Kunden eingetretenen</span><br/> <span class="ft1">Schadens aus der Vermögensverwaltung verpflichtet war. Der Re-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kurrent hat den Schaden, wie er auch selber ausführt, freiwillig er-</span><br/> <span class="ft1">setzt.</span><br/> <span class="ft1">Derartige Zahlungen aus Kulanz und ohne rechtliche Ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtung können nur ausnahmsweise geschäftsmässig begründeten</span><br/> <span class="ft1">Aufwand darstellen (RGE vom 21. Januar 2010 in Sachen A. +</span><br/> <span class="ft1">M.M.). Dazu ist insbesondere erforderlich, dass die Kulanzzahlung</span><br/> <span class="ft1">in Erwartung einer Gegenleistung erbracht worden ist, etwa bei ei-</span><br/> <span class="ft1">nem Grosskunden oder wenn aus den der Kulanzzahlung folgenden</span><br/> <span class="ft1">Aufträgen Gewinne zu erwarten sind, die die Höhe der Kulanzzah-</span><br/> <span class="ft1">lung übersteigen.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall macht der Rekurrent keine Ausführungen,</span><br/> <span class="ft1">aus welchem Grund er die Kulanzzahlungen geleistet hat. Jedoch</span><br/> <span class="ft1">würden, selbst wenn die Vermögensverwaltungsaufträge weiterge-</span><br/> <span class="ft1">führt worden sind (was unklar ist), die zu erwartenden Erträge aus</span><br/> <span class="ft1">den Aufträgen in keinem Verhältnis zu den Kulanzzahlungen stehen.</span><br/> <span class="ft1">Die dem Rekurrenten zustehende Handelsgebühr beträgt 1 % des</span><br/> <span class="ft1">Depotwertes pro Jahr, bei den drei Depots mit einem Wert per</span><br/> <span class="ft1">30. Oktober 2006 von rund CHF 550'000.00 also etwa CHF 5'500.00</span><br/> <span class="ft1">pro Jahr. Eine Gewinnbeteiligung wäre erst auszuzahlen, wenn der</span><br/> <span class="ft1">"historische Höchststand" wieder erreicht ist, also die erlittenen</span><br/> <span class="ft1">Verluste ausgeglichen wurden, und nur auf dem 7 % Rendite pro Jahr</span><br/> <span class="ft1">übersteigenden Gewinn. Unter diesem Aspekt ist keine Gegen-</span><br/> <span class="ft1">leistung zu erwarten.</span><br/> <span class="ft1">5.2.4.</span><br/> <span class="ft1">Da somit die Kulanzzahlungen an sich beim Rekurrenten nicht</span><br/> <span class="ft1">geschäftsmässig begründeten Aufwand darstellen, gilt dies für die</span><br/> <span class="ft1">dafür verbuchten Rückstellungen ebenso. Die Steuerkommission hat</span><br/> <span class="ft1">somit zu Recht die Rückstellung von CHF 50'000.00 nicht anerkannt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>