Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 16. Juni 2015 (460 14 210) ____________________________________________________________________ Strafrecht Schändung / sexuelle Handlungen mit Kindern Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin A.____ , vertreten durch Advokatin Dr. Sabine Aeschlimann, LL.M., Haupt- strasse 104, 4102 Binningen, Privatklägerin und Berufungsklägerin gegen B.____ , vertreten durch Advokatin Anina Hofer, Oberwilerstrasse 3, Post- fach, 4123 Allschwil, Beschuldigter C.____ , vertreten durch Advokat Dr. Dieter Thommen, Dornacherstrasse 192, Postfach, 4018 Basel, Beschuldigte Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegenstand Schändung und sexuelle Handlungen mit Kindern (Berufungen der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 17. Juni 2014) A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 1 7. Juni 2014 wurde der Beschuldigte B.____ der sexuellen Handlungen mit Kindern schuldi g erklärt und zu einer bedingt vollziehba- ren Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt, unter Anrechnung der ausgestandenen Un- tersuchungshaft von sieben Tagen und bei einer Probezeit von zwei Jahren; dies in Anwendung von Art. 187 Ziff. 1 al. 1 und Ziff. 4 StGB, Art. 40 StGB und Art. 42 Abs. 1 StGB. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass die Vorinstanz sowohl im Urt eilstext auf Seite 46 als auch im Urteilsdis- positiv die Untersuchungshaft angerechnet, anschlie ssend aber vergessen hat, den entspre- chenden Art. 51 StGB ins Urteilsdispositiv aufzuneh men. Für die Dauer der Probezeit wurde in Anwendung von Art. 44 Abs. 2 StGB und Art. 93 StGB Bewährungshilfe angeordnet. Vom Vor- wurf der Schändung wurde der Beschuldigte freigespr ochen, und das Verfahren wegen Kaufs und Konsums von Betäubungsmitteln im Jahre 2010 wur de zufolge Verjährung eingestellt. Des Weiteren wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin A.____ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 1'000.-- zu bezahlen, wobei die Mehrfo rderung auf den Zivilweg verwiesen wur- de. Ausserdem wurde der Beschuldigte verurteilt, der Privatklägerin in solidarischer Haftung mit D.____ eine Parteientschädigung gemäss Art. 433 Abs . 1 StPO in der Höhe von CHF 6'751.85 zu bezahlen. Schliesslich hatte der Beschuldigte B.____ einen Drittel des ihn betreffenden Teils der Kosten des Vorverfahrens von CHF 2'366.60 sowie einen Neuntel der Gerichtsgebühr von CHF 8'000.-- zu tragen. Mit gleichem Urteil wurde d ie Beschuldigte C.____ von den Vorwürfen der Schändung und der sexuellen Handlungen mit Kind ern freigesprochen, und das Verfahren wegen Kaufs und Konsums von Betäubungsmitteln bis z um 20. Dezember 2010 wurde zufolge Verjährung eingestellt. Für die ausgestandene Unter suchungshaft von insgesamt drei Tagen wurde der Beschuldigten nach Art. 429 StPO eine Gen ugtuung im Umfang von CHF 600.-- zu- gesprochen. Die gegen die Beschuldigte geltend gema chte Genugtuungsforderung wurde ab- gewiesen, und die sie betreffenden Verfahrenskosten gingen zu Lasten des Staates. Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden E ingaben der Parteien wird, soweit erfor- derlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaf t vom 17. Juni 2014 meldete die Staatsanwaltschaft mit Datum vom 23. Juni 2014 die Berufung an. In ihrer Berufungserklärung vom 18. September 2014 stellte die Staatsanwaltschaft sodann folgende Anträge: Es sei der mit Ziffer II.3 des angefochtenen Urteils ausgesprochen e Freispruch aufzuheben, und es sei der Beschuldigte B.____ wegen Schändung schuldig zu sprechen (Ziff. 1). Des Weiteren sei der mit Ziffer III.1 des angefochtenen Urteils ausgesproche ne Freispruch aufzuheben, und es sei die Beschuldigte C.____ gemäss Anklage schuldig zu spre chen (Ziff. 2). Mit Eingabe vom 9. De- zember 2014 reichte die Staatsanwaltschaft in Ergän zung zu ihren bisherigen Eingaben die Berufungsbegründung ein, in welcher sie an den bereits gestellten Rechtsbegehren festhielt. C. Mit Schreiben vom 30. Juni 2014 meldete auch die P rivatklägerin die Berufung an, wobei sie in der Berufungserklärung vom 30. September 201 4 die folgenden Rechtsbegehren stellte: Es sei die Berufung gutzuheissen (Ziff. 1). Somit s ei der Beschuldigte B.____ in Abänderung des angefochtenen Urteils nicht nur der sexuellen H andlungen mit Kindern, sondern zusätzlich auch der Schändung schuldig zu sprechen und zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jah- ren zu verurteilen (Ziff. 2). Ebenso sei die Beschu ldigte C.____ in Abänderung des angefochte- nen Urteils der sexuellen Handlungen mit Kindern un d der Schändung schuldig zu erklären und zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren zu verurteilen (Ziff. 3). Zudem seien sowohl B.____ als auch C.____ adhäsionsweise zu verurteile n, dem Opfer eine Genugtuung in der Höhe von je CHF 8'000.-- zu bezahlen (Ziff. 4). Sch liesslich sei dem Opfer die unentgeltliche Prozessführung für das Berufungsverfahren zu bewill igen (Ziff. 5); dies alles unter o/e Kosten- folge (Ziff. 6). Mit Datum vom 10. Dezember 2014 re ichte die Privatklägerin ihre summarische Berufungsbegründung ein, in welcher sie ebenfalls a n ihren bereits gestellten Rechtsbegehren festhielt. D. Demgegenüber beantragte die Beschuldigte C.____ in ihrer Berufungsantwort vom 15. Januar 2015 Folgendes: Die Berufungen der Staat sanwaltschaft sowie der Privatklägerin seien abzuweisen, und das angefochtene Urteil sei z u bestätigen (Ziff. 1). Dementsprechend sei sie von den Vorwürfen der Schändung und der sex uellen Handlungen mit Kindern freizu- sprechen (Ziff. 2). Ausserdem sei die Zusprechung e iner Genugtuungsentschädigung an sie für die ausgestandene Untersuchungshaft zu bestätigen ( Ziff. 3); dies alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 4). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Ebenso beantragte der Beschuldigte B.____ in sein er Berufungsantwort vom 22. Januar 2015, es sei das angefochtene Urteil zu bestätigen, und er sei vom Vorwurf der Schändung vollumfänglich freizusprechen. Im Weiteren sei auch die Genugtuungsforderung der Privatklä- gerin gänzlich abzuweisen; dies alles unter o/e Kos tenfolge zu Lasten der Berufungsklägerin- nen sowie in Bestätigung der amtlichen Verteidigung. F. Mit Verfügungen des Kantonsgerichts Basel-Landscha ft, Abteilung Strafrecht, vom 28. Oktober 2014 und 30. Oktober 2014 wurde den Bes chuldigten B.____ und C.____ die amt- liche Verteidigung und mit Verfügung vom 11. Dezemb er 2014 der Privatklägerin die unentgelt- liche Rechtspflege für das zweitinstanzliche Verfahren bewilligt. G. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung ersch einen die beiden Beschuldigten C.____ und B.____ mit ihren jeweiligen Rechtsvertre tern Dr. Dieter Thommen und Anina Hofer sowie Anne-Kathrin Goldmann als Vertreterin der Sta atsanwaltschaft. Die Privatklägerin und deren Rechtsvertreterin Dr. Sabine Aeschlimann habe n auf ein Erscheinen verzichtet. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausführungen wird ebe nfalls, soweit erforderlich, in den nach- folgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeri chts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung de r vorliegenden Berufungen ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 li t. a EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlich er Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs . 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschl iesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und Ab s. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Er öffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 2 0 Tagen seit der Zustellung des be- gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklär ung einzureichen. Die Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Ergreifung des Rechtsmittels schliesslich wird in Art. 381 Abs. 1 StPO normiert und diejenige der Privatklägerin in Art. 3 82 Abs. 1 StPO. Nachdem das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Privatklägerin berufungslegitimiert sind, zulässige Rügen erheben und die Rechtsmittelfrist ge- wahrt haben sowie der Erklärungspflicht nachgekommen sind, ist ohne Weiteres auf die beiden Berufungen einzutreten. 1.2 Aufgrund der Tatsache, dass lediglich die Staatsan waltschaft und die Privatklägerin ein Rechtsmittel gegen das vorinstanzliche Urteil ergri ffen haben und dieses ausdrücklich nur ge- gen den Freispruch vom Vorwurf der Schändung betref fend die beiden Beschuldigten B.____ und C.____ und den Freispruch vom Vorwurf der sexue llen Handlungen mit Kindern betreffend die Beschuldigte C.____ sowie damit im Zusammenhang stehend die Strafzumessungen und die Genugtuungsforderungen richten, sind auch nur d iese strittigen Punkte Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens. Nicht mehr zu beu rteilen sind damit gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO namentlich die Verurteilung des Beschul digten B.____ wegen sexueller Handlun- gen mit Kindern, die Verurteilung des Beschuldigten D.____ wegen Schändung und sexueller Handlungen mit Kindern sowie die Verfahrenseinstell ungen wegen Kaufs und Konsums von Betäubungsmitteln betreffend alle drei Beschuldigten. 2. Stellungnahmen der Parteien 2.1 Die Staatsanwaltschaft beantragt anlässlich der he utigen Parteiverhandlung, der Be- schuldigte B.____ sei zusätzlich zum bereits erfolg ten Schuldspruch wegen sexueller Handlun- gen mit Kindern der Schändung schuldig zu sprechen und zu einer bedingt vollziehbaren Frei- heitsstrafe von zwei Jahren zu verurteilen, bei ein er Probezeit von zwei Jahren. Gleichermas- sen sei auch die Beschuldigte C.____ wegen sexuelle r Handlungen mit Kindern und wegen Schändung zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitss trafe von zwei Jahren, bei einer Probezeit Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht von zwei Jahren, zu verurteilen. Zur Begründung ihr er Berufung führt die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen aus was folgt: Gerügt werde eine falsc he Beweiswürdigung des Strafgerichts in Bezug auf die Tatbeiträge der beiden Beschuldigten C.____ und B.____. Entscheidend sei, welchen Tatbeitrag die beiden Beschuldigten geleistet hätten und wie dies rechtlich zu würdigen sei. Gemäss den Aussagen von D.____ und B.____ sei C.____ die treibende Kraft für den Partnertausch gewesen, was auch bereits von der Vor instanz festgestellt worden sei. Ihr Wunsch sei den beiden Mitbeschuldigten denn auch in der Tatnacht gegenwärtig gewesen, und sie habe die beiden Männer während der sexuellen Ha ndlungen zum Tausch der Partnerinnen aufgefordert. B.____ sei dieser Aufforderung eher u nwillig nachgekommen, womit sich zeige, dass die Beschuldigte C.____ während der Tat einen Einfluss auf die Tathandlungen des Be- schuldigten zum Nachteil des Opfers ausgeübt habe, welcher von seiner Art und seinem Um- fang her als Mittäterschaft zu dessen Handlungen, e ventualiter als Anstiftung zur Schändung sowie zu sexuellen Handlungen mit Kindern, zu quali fizieren sei. Der Beschuldigten sei zudem zum Tatzeitpunkt klar gewesen, dass das Opfer eine Freundin der damals erst 15-jährigen Schwester von D.____ gewesen sei, womit sie zuminde st damit habe rechnen müssen, dass A.____ noch keine 16 Jahre alt gewesen sei, zumal s ie gewusst habe, dass Minderjährige an- wesend gewesen seien. Im Verlaufe des Abends habe s ie zudem mitbekommen, dass das Op- fer stark alkoholisiert gewesen sei. Dasselbe gelte für den Beschuldigten B.____, welcher aus- geführt habe, man habe sich gar nicht mit dem Opfer unterhalten können, weil es sich in einem derart reduzierten Zustand befunden habe. Anlässlic h der heutigen Verhandlung habe der Be- schuldigte B.____ zudem bestätigt, dass das Opfer s o stark betrunken gewesen sei, dass es sich habe übergeben müssen und durch den Beschuldig ten D.____ und die Beschuldigte C.____ betreut worden sei. Es sei daher davon auszu gehen, dass die Widerstandsunfähigkeit des Opfers für die beiden Beschuldigten B.____ und C.____ erkennbar gewesen sei, womit keine Hinweise darauf bestünden, dass dieses mit de n sexuellen Handlungen einverstanden gewesen sein könnte. Insofern seien seine Angaben, wonach sich das Opfer einigermassen aktiv verhalten und in die sexuellen Handlungen ein gewilligt habe, als reine Schutzbehauptun- gen zu qualifizieren, und es habe zusätzlich ein Sc huldspruch wegen Schändung zu erfolgen. Da die Annahme des Tatbestandes der Schändung und d er sexuellen Handlungen mit Kindern keine Eigenhändigkeit erfordere, sei zu prüfen, ob die Handlungen der Beschuldigten C.____ einen substantiellen Tatbeitrag darstellten. In Würdigung des Umstandes, wonach der Beschul- digte B.____ die inkriminierten Handlungen ohne die Aufforderung der Beschuldigten C.____ mangels eigenem Interesse gar nicht begangen hätte, was diese auch gewusst habe, sei ihr – Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht soweit er nicht vorsätzlich gehandelt habe – die Ro lle einer mittelbaren Täterin zuzusprechen, zumal sie es pflichtwidrig unterlassen habe, sich z u vergewissern, ob das Opfer, welches sie in die Ausführung ihres Wunsches nach einem Partnertau sch mit einbezogen habe, das 16. Al- tersjahr bereits vollendet habe. Hinsichtlich der T atvariante des Einbezuges des Opfers in se- xuelle Handlungen mit Kindern sei darauf hinzuweise n, dass die Beschuldigte ihre Phantasie, zu dritt oder zu viert gleichzeitig sexuelle Handlu ngen auszutauschen, habe ausleben wollen, wodurch die Anwesenheit des Opfers eine Rolle gespi elt habe oder zumindest in Kauf genom- men worden sei. Soweit aufgrund der fahrlässigen Ta tbegehung von B.____ eine Mittäterschaft entfalle, sei C.____ ebenfalls wegen fahrlässiger s exueller Handlungen mit Kindern schuldig zu sprechen. 2.2 Die Privatklägerin verweist in ihrer Stellungnahme bezüglich des Strafpunkts vollumfäng- lich auf die Ausführungen der Staatsanwaltschaft. G erügt werde damit ebenfalls eine falsche Beweiswürdigung durch die Vorinstanz in Bezug auf d ie Tatbeiträge der beiden Beschuldigten B.____ und C.____. Die Tatbeiträge der beiden Besch uldigten würden mindestens ebenso schwer wiegen wie diejenigen des mitbeteiligten D._ ___, welcher sowohl wegen sexueller Handlungen mit Kindern als auch wegen Schändung ver urteilt worden sei. Aufgrund des Ein- griffs in die sexuelle Entwicklung und in die sexue llen Selbstbestimmungsrechte des Opfers stehe ohne Weiteres fest, dass ein Genugtuungsanspr uch bestehe. Aus dem Bericht der be- handelnden Psychologin gehe zudem hervor, dass beim Opfer psychische und somatische Be- schwerden als Folge der Ereignisse bestünden. Da si ch die beiden Beschuldigten B.____ und C.____ hinsichtlich derselben Straftatbestände schu ldig gemacht hätten wie der bereits verur- teilte D.____, seien auch sie entsprechend zu einer Genugtuung von je CHF 8'000.-- zugunsten des Opfers zu verurteilen. 2.3 Im Gegensatz zur Anklagebehörde und der Privatkläg erin ist der Beschuldigte B.____ der Ansicht, er sei vom Vorwurf der Schändung freizuspr echen und die Genugtuungsforderungen seien abzuweisen, womit das angefochtene Urteil unt er o/e Kostenfolge zu bestätigen sei. Zur Begründung führt B.____ im Wesentlichen aus, er hab e in der Tatnacht das Zimmer von D.____ kaum verlassen und somit nicht wissen können , wie viel das Opfer getrunken und in welchem Zustand es sich befunden habe; immerhin sei es in der Lage gewesen, das Zimmer einige Male zu verlassen. Praxisgemäss müsse das Op fer bei der Schändung widerstandsun- fähig sein, was dem Täter bekannt sein müsse; er ha be aber am fraglichen Abend kaum Kon- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht takt zu anderen Leuten als zu D.____ und C.____ gehabt. Auch sei aus den Akten nicht erstellt, dass er gewusst habe, dass das Opfer erbrochen habe . Dieses habe selber ausgesagt, es sei herumgelaufen, nachdem es geschlafen habe. Es sei z war nicht mehr feststellbar, wie oft das Opfer das Zimmer verlassen und was es genau gemacht habe, allerdings habe es durchaus herumlaufen und mit anderen Personen sprechen könne n. Es sei daher davon auszugehen, dass sich die Privatklägerin im Zeitraum zwischen d em Zeitpunkt, in welchem es ihr schlecht gegangen sei, und den späteren Vorkommnissen offenb ar einigermassen erholt habe. Es habe ausserdem nie einen Plan gegeben, A.____ in die sex uellen Handlungen einzubeziehen. Falls wider Erwarten von einem solchen Plan auszugehen se i, habe dieser von der Beschuldigten C.____ gestammt. Als es zum Geschlechtsverkehr mit C.____ gekommen sei, habe er gese- hen, dass A.____ zeitgleich Sex mit D.____ gehabt h abe. Von diesem Geschehen nebenan habe er lediglich mitbekommen, dass A.____ die Auge n offen gehabt habe, dass sie sich wäh- rend des Aktes bewegt und gedreht und dabei gestöhn t habe, woraus er geschlossen habe, dass sie sich aktiv am Geschlechtsverkehr beteiligt habe. Aus seiner Sicht habe er daher an- nehmen dürfen, dass die beiden freiwillig Geschlechtsverkehr miteinander gehabt hätten. Als es auf Initiative von C.____ zum Partnertausch gekomme n sei, habe er ebenfalls davon ausgehen können, dass A.____ damit einverstanden gewesen sei, zumal sie sich nicht gewehrt und ihm in keiner Art und Weise gezeigt habe, dass sie keinen Geschlechtsverkehr gewollt habe. Vielmehr habe sie bejaht, dass es für sie in Ordnung gewesen sei, und sie hätten sich beide während des Aktes geküsst. Soweit es unklar sei, ob A.____ sich habe wehren können oder nicht, sei es of- fensichtlich, dass er keinen Geschlechtsverkehr mit einer widerstandsunfähigen Person habe vollziehen wollen, nachdem er eigentlich überhaupt keinen Partnertausch und damit keinen Ge- schlechtsverkehr mit A.____ gewollt habe, was sich auch aus seinen Problemen mit dem tat- sächlichen Vollzug des Aktes mangels Erektion manif estiere. Seine Aussagen seien im Gegen- satz zu denjenigen des Opfers, welche stereotyp ers chienen, durchgehend glaubhaft und plau- sibel, sich ergebende teilweise Ungenauigkeiten sei en auf die Alkoholisierung und den Zeitab- lauf seit den Geschehnissen zurückzuführen, immerhi n liege die ganze Angelegenheit bereits fünf Jahre zurück. 2.4 Gleichermassen beantragt die Beschuldigte C.____ e ine Bestätigung des angefochtenen Urteils und demzufolge einen vollumfänglichen Freis pruch von den Anklagepunkten sowie eine Abweisung der Genugtuungsforderungen. Eine unmittel bare Täterschaft ihrerseits komme so- wohl in Bezug auf den Vorwurf der Schändung als auc h auf denjenigen der sexuellen Handlun- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen mit Kindern von vornherein nicht in Frage, da s ie keinerlei körperlichen Kontakt zum Opfer gehabt habe. Für eine Mittäterschaft wäre nicht nur ein gemeinsamer Tatplan erforderlich ge- wesen, welcher in casu gefehlt habe, sondern auch e ine aktive Beteiligung an den Tathandlun- gen. Sie habe aber nichts dafür getan, dass A.____ ins Zimmer gekommen sei, und sie habe auch nicht gewollt, dass B.____ mit dem Opfer Gesch lechtsverkehr gehabt habe, ihr Ziel sei lediglich der Sex mit D.____ gewesen. Somit seien w eder im Hinblick auf D.____ noch auf B.____ die Voraussetzungen für eine Mittäterschaft gegeben. Ausserdem sei B.____ vom Vor- wurf der Schändung freigesprochen worden, was zur F olge habe, dass damit eine Mittäter- schaft von ihr nicht zur Diskussion stehe. Die Kons truktion einer mittelbaren Täterschaft schei- tere daran, dass D.____ und B.____ keine willenlose n, fremdgesteuerten Werkzeuge gewesen seien, deren sie sich bedient hätte, um sexuelle Ha ndlungen gegenüber dem Opfer zu bege- hen. Ausserdem seien die Vorbringen der Staatsanwal tschaft sowohl hinsichtlich der mittelba- ren Täterschaft als auch bezüglich des Vorwurfs der Anstiftung nicht Gegenstand des erstin- stanzlichen Verfahrens gewesen, weshalb im Berufung sverfahren in Beachtung des Akkusati- onsprinzips nicht darauf einzutreten sei. Selbst we nn diese Frage geprüft werde, könne keine Rede davon sein, dass sie jemanden zur Schändung od er zu sexuellen Handlungen mit Kin- dern angestiftet habe. Zum einen habe sie das Verha lten von D.____ gegenüber A.____ in kei- ner Weise beeinflusst, zum anderen habe sie auch ni cht B.____ angehalten, sich gegenüber dem Opfer sexuell zu betätigen. Sie habe zwar Gesch lechtsverkehr mit D.____ gewollt, sie ha- be aber in keiner Weise von B.____ verlangt, sich a n A.____ sexuell zu vergreifen. Nachdem B.____ vom Vorwurf der Schändung freigesprochen worden sei, weil für ihn die Widerstandsun- fähigkeit des Opfers nicht zwingend ersichtlich gew esen sei, müsse dies umso mehr auch für sie zutreffen, da sie nur aus der Ferne mitbekommen habe, was zwischen D.____ und A.____ abgelaufen sei. Sie sei immer klar der Meinung gewe sen, dass die Privatklägerin mit dem Ge- schlechtsverkehr einverstanden gewesen sei. Für sie sei überhaupt nicht erkennbar gewesen, dass A.____ sexuelle Handlungen abgelehnt habe bzw. gar nicht in der Lage gewesen sein soll, ihren diesbezüglichen Willen zu artikulieren. Hinsichtlich der Tatbestandsvariante des Ein- beziehens von Kindern in sexuelle Handlungen werde vorausgesetzt, dass das Kind die Hand- lungen als solche unmittelbar wahrnehmen, und diese Wahrnehmung das eigentliche Hand- lungsziel sein müsse. Vorliegend habe der Geschlech tsverkehr zwischen ihr und B.____ bzw. D.____ zwar in einer gewissen Nähe zu A.____ stattgefunden, das Ziel sei aber in keiner Weise der Einbezug des Opfers gewesen, welches im Übrigen gleichzeitig mit ihrem jeweiligen Sexu- alpartner beschäftigt gewesen sei. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Tatbestand der Schändung 3.1 Gemäss Art. 191 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe be- straft, wer eine urteilsunfähige oder eine zum Wide rstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlich en oder einer anderen sexuellen Handlung missbraucht. Urteilsunfähig im Sinne von Art. 191 S tGB ist, wer in sexuellen Belangen nicht eigenverantwortlich, d.h. in wirklicher Kenntnis der Bedeutung und Tragweite seines Verhaltens, entscheiden kann. Auf welchen Gründen die Urteilsun fähigkeit beruht, ist ohne Bedeutung; er- forderlich ist jedoch stets, dass sie vollständig i st. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Urteilsfähigkeit des Opfers nach relativen Krit erien zu bestimmen (S TEFAN TRECHSEL / CARLO BERTOSSA , Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 3 zu Art. 191 StGB, mit Hinweisen). Gemäss der Praxis des Bundesgerichts (BGE 133 IV 49 E. 7.2) ist widerstandsunfähig, wer nicht im Stande ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte physisch zu wehren. Die Bestimmun g schützt somit Personen, die einen zur Abwehr ausreichenden Willen zum Widerstand gegen se xuelle Übergriffe nicht oder nicht sinn- voll bilden, äussern oder betätigen können. Dabei g enügt, dass das Opfer nur vorübergehend zum Widerstand unfähig ist. Die Gründe für die Wide rstandsunfähigkeit können dauernder oder vorübergehender, chronischer oder situationsbedingt er Natur sein, also ebenso in schweren psychischen Defekten wie in einer hochgradigen Into xikation durch Alkohol oder Drogen, in körperlicher Invalidität wie in einer Fesselung, in der besonderen Lage der Frau in einem gynä- kologischen Stuhl (BGE 103 IV 165; BGE 119 IV 230 E . 3a, mit Hinweis) oder auch in einer Summierung von Schläfrigkeit, Alkoholisierung und e inem Irrtum über die Identität des für den Ehemann gehaltenen Sexualpartners liegen (BGE 119 I V 230 E. 3a). Erforderlich ist hingegen, dass die Widerstandsfähigkeit gänzlich aufgehoben u nd nicht nur in irgendeinem Grad beein- trächtigt oder eingeschränkt ist. Bei blosser – z.B . alkoholbedingter – Herabsetzung der Hemm- schwelle ist keine Widerstandsunfähigkeit gegeben ( BGE 119 IV 230 E. 3a). Gewöhnliche Be- trunkenheit bewirkt im Gegensatz zum pathologischen Rausch oder zur hochgradigen Intoxika- tion keine Widerstandsunfähigkeit (T RECHSEL / BERTOSSA , a.a.O., N 4 zu Art. 191 StGB, mit Hinweisen; PHILIPP MAIER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 5 f. zu Art. 191 StGB, mit Hinweisen; GÜNTER STRATENWERTH / GUIDO JENNY / FELIX BOMMER , Schwei- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht zerisches Strafrecht BT I, 7. Auflage, Bern 2010, § 8 Rz. 38, mit Hinweisen). Missbrauch liegt vor, wenn der Täter die Schutzlosigkeit des Opfers ausnützt (BGE 119 IV 230 E. 3a). 3.2.1 In casu ist der rechtlich relevante Sachverhalt unter den Parteien weitgehend unbestritten, wodurch zweifellos feststeht, dass der Beschuldigte B.____ in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2010 im Haus der Mutter von D.____ in X.____ an der am Y.____ 1995 geborenen und damit zum fraglichen Zeitpunkt unter 16-jährigen, u nter Alkoholeinfluss stehenden A.____ den Geschlechtsverkehr vollzogen hat. In diesem Zusamme nhang ist er denn vom Strafgericht we- gen sexueller Handlungen mit Kindern nach Art. 187 Ziff. 1 al. 1 in Verbindung mit Ziff. 4 StGB verurteilt worden, nachdem ihm dieses einerseits zu gute gehalten hat, dass er das Alter des Opfers nicht gekannt bzw. dessen Minderjährigkeit n icht in Kauf genommen habe; andererseits jedoch hat es ihm angelastet, dass er bei pflichtge mässer Vorsicht den Irrtum betreffend des Alters hätte vermeiden können. Fraglich und zu prüf en ist im Berufungsverfahren, ob diese Handlungen auch den Tatbestand der Schändung gemäss Art. 191 StGB erfüllen. Die Vor- instanz hat diese Frage verneint mit der Begründung , dass für B.____ die Widerstandsunfähig- keit der Privatklägerin nicht zwingend ersichtlich gewesen sei. Allerdings geht das Strafgericht davon aus, dass beim Opfer aufgrund dessen Zustande s (Alkoholisierung, Schlaf bzw. Auf- wachphase sowie jugendliches Alter) eine Widerstand sunfähigkeit vorgelegen habe. Diese Konklusion wird vom Kantonsgericht nicht geteilt, w as sich wie folgt begründet: Zunächst ist in genereller Weise festzustellen, dass die Anzeige de s Opfers erst ein halbes Jahr nach den in- kriminierten Vorfällen eingereicht worden ist und n ur deshalb, weil eine Kollegin von ihm Prob- leme mit drei anderen Mädchen gehabt hat (act. 533). Dies hat zur Folge gehabt, dass auch die Einvernahmen mit den Beteiligten relativ spät durch geführt worden sind. Ausserdem ist auf- grund der Akten davon auszugehen, dass alle Beteili gten zum fraglichen Zeitpunkt mehr oder weniger erheblich alkoholisiert gewesen sind. Insofern liegt es in der Natur der Sache, dass die diversen Aussagen der Beteiligten lückenhaft und in sich selber sowie im Vergleich mit den an- deren teilweise mit erheblichen Widersprüchen behaf tet sind. Nachdem das Opfer zudem be- reits im Vorfeld der Befragung mit anderen Personen und nicht zuletzt auch mit seinem Freund über die Geschehnisse geredet hat, ist eine gewisse Form der äusseren Beeinflussung eben- falls naheliegend. Gleiches gilt natürlich auch für die Darlegungen der Beschuldigten. Abgese- hen davon erscheinen die Aussagen des Opfers in ihr er Gesamtheit tatsächlich, wie dies von den Beschuldigten bemängelt wird, als einsilbig und stereotyp, und das Kantonsgericht kommt nicht umhin, festzustellen, dass einige der von der Praxis und Lehre entwickelten Realitätskrite- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht rien fehlen. Ungeachtet dieser Mängel hat das Opfer das Kerngeschehen weitgehend identisch geschildert wie der Beschuldigte B.____, weshalb bei der nachfolgenden Subsumption trotzdem in grundsätzlicher Weise auf ihre Depositionen abzustellen ist. 3.2.2 Wie bereits vorgängig dargelegt (oben E. 3.1), mus s zur Erfüllung des Tatbestandes von Art. 191 StGB eine urteilsunfähige oder eine zum Wi derstand unfähige Person zu einer sexuel- len Handlung missbraucht werden. In casu steht zwei fellos fest, dass die Privatklägerin zum fraglichen Zeitpunkt urteilsfähig gewesen ist, wesh alb es vorliegend nur um die zweite Tatbe- standsvariante und somit um die Frage gehen kann, o b das Opfer während der Geschehnisse widerstandsunfähig gewesen ist. Praxisgemäss ist wi derstandsunfähig, wer nicht im Stande ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte physisch zu wehren. Dabei genügt, dass das Opfer nur vorübergehend zum Widerstand unfähig ist; erfor derlich ist aber, dass die Widerstandsfä- higkeit gänzlich aufgehoben und nicht nur in irgend einem Grad beeinträchtigt oder einge- schränkt ist. Namentlich ist bei blosser – z.B. alk oholbedingter – Herabsetzung der Hemm- schwelle keine Widerstandsunfähigkeit gegeben. Ents cheidend ist zudem, dass der Täter im Wissen um die Widerstandsunfähigkeit des Opfers dessen Wehrlosigkeit ausnutzt. 3.2.3 In casu hat A.____ anlässlich der beiden Befragung en durch das Bezirksstatthalteramt X.____ vom 16. Dezember 2010 (act. 533 ff.) und die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 31. März 2011 (act. 845 ff.) unter anderem ausgefüh rt, sie habe vor dem inkriminierten Vorfall das Zimmer von D.____ verlassen, um in das Zimmer v on E.____ zu gehen, in welchem sie zuerst noch etwas getrunken habe, bevor sie zunächs t ins Wohnzimmer gegangen und schliesslich wieder in das Zimmer von D.____ zurück gekommen sei und sich dort schliesslich schlafen gelegt habe (act. 581, 585). Im Weiteren h at sie dargelegt, sie habe zuerst mit D.____ am Fernseher mit der Playstation gespielt, bevor si e irgendwann eingeschlafen sei (act. 583). Zu einem späteren Zeitpunkt, als die beiden Männer die Sexualpartnerin gewechselt hätten und der Beschuldigte B.____ zu ihr gekommen sei, habe s ie versucht, ihn wegzuschubsen, und habe ihm gesagt, er solle aufhören; zudem habe sie zuerst aufstehen wollen, er sei aber schon auf ihr gewesen (act. 593, 933 f.). Sodann habe der Beschuldigte D.____ versucht, sie anal zu penetrieren, was er aber nicht geschafft habe, weil sie sich gewehrt und sich umgedreht habe (act. 597, 939). B.____ hat (in Abwesenheit von C._ ___) vor dem Kantonsgericht dargelegt, er wisse noch, dass es A.____ zuerst schlecht gegangen sei, und dass C.____ und D.____ ihr mit einem kalten Lappen geholfen hätten. Er habe auch g ehört, dass A.____ habe erbrechen müs- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen, habe es aber nicht selbst gesehen. Am Anfang s ei A.____ stark alkoholisiert gewesen, dies habe sich aber im Laufe des Abends sehr gelegt . Aus seiner Wahrnehmung sei sie zum Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs nicht mehr so bet runken gewesen. Sie sei zwar nicht nüch- tern gewesen, aber einfach nicht mehr so alkoholisi ert wie zu Beginn. Er habe mit ihr geredet, habe sie gefragt, ob es für sie okay sei. Er wisse aber nicht mehr, was sie ihm ins Ohr gesagt habe. Seine Schlussfolgerung sei gewesen, wenn jema nd absolut besoffen sei, würde er nur noch auf dem Boden liegen. A.____ habe aber nicht n ur gelallt, sondern auch noch normal ge- redet. Sie sei zwar angetrunken gewesen, aber nicht völlig besoffen. Der Sex habe erst gegen Morgen angefangen, so um ca. 2 Uhr oder 3 Uhr; ins Zimmer sei A.____ vielleicht um ca. 21 Uhr gekommen. Sie habe in der Zwischenzeit auf dem Sofa gelegen und geschlafen. Zwischen dem Zeitpunkt, als A.____ ins Zimmer gekommen sei, und demjenigen, als der Geschlechts- verkehr stattgefunden habe, hätten ein paar Stunden gelegen. Er habe realisiert, dass sie wäh- rend des Sexes nicht mehr so alkoholisiert gewesen sei (Protokoll KG S. 6 ff.). C.____ hat (in Abwesenheit von B.____) vor dem Kantonsgericht zu P rotokoll gegeben, zu Beginn sei es A.____ schlecht gegangen, sie habe auf dem Boden ge legen, wobei sie (C.____) und die Mut- ter von D.____ sich um die Privatklägerin gekümmert hätten. Sie wisse nicht mehr genau, was wann passiert sei. Ihre letzte Erinnerung sei, dass A.____ alleine ins Zimmer gekommen sei. Sie seien aber alle mehrfach ins Zimmer gekommen un d aus dem Zimmer gegangen. Einmal sei A.____ mit D.____ ins Zimmer gekommen, und sie habe ihr einen nassen Lappen gegeben. Die ganze Sache sei nicht geplant gewesen, sie seien einfach betrunken gewesen und es habe sich so entwickelt. Für sie sei es nicht wichtig ge wesen, dass B.____ mit A.____ Sex gehabt habe; sie sei sowieso eifersüchtig auf die Privatkl ägerin gewesen, weil diese viele Männer an- gemacht habe. Als sie A.____ zum ersten Mal wahrgen ommen habe, sei diese bereits ange- trunken gewesen. Dieser Zeitpunkt habe sicher vor M itternacht gelegen, und sie habe sie da- nach mehrfach kommen und gehen sehen bis zu den sex uellen Handlungen ein paar Stunden später. Sie habe zwar gemerkt, dass A.____ betrunke n gewesen sei, so wie sie und alle ande- ren auch, und dass es ihr am Anfang schlecht gegangen sei. Die Privatklägerin habe dann aber sicher zwei Stunden auf dem Sofa geschlafen, bevor es zum Sex gekommen sei, wobei es ihr später besser gegangen sei (Protokoll KG S. 9 ff.). 3.2.4 Aus den Aussagen der direkt Beteiligten schliesst das Kantonsgericht, dass es dem Opfer zu einem gewissen Zeitpunkt am fraglichen Abend alkoholbedingt zweifellos schlecht gegangen ist, was die beiden Beschuldigten zugestandenermass en auch gewusst haben. Diese Erkennt- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht nis ist aber nicht ausschlaggebend, entscheidend is t vielmehr die Frage, wie sich der konkrete Zustand des Opfers zum Zeitpunkt des Geschlechtsver kehrs mit dem Beschuldigten B.____ präsentiert hat. Diese Frage kann nach Ansicht des Kantonsgerichts nicht schlüssig beantwortet werden. So steht aufgrund der Depositionen des Opfe rs fest, dass dieses im Verlaufe des Abends durchaus zu koordinativen Abläufen fähig gewesen ist, indem es gemäss eigenen Aus- sagen mit D.____ Playstation gespielt hat, was bei einer Volltrunkenheit nicht möglich gewesen wäre. Ebenso ist es in der Lage gewesen, das Zimmer von D.____ offenbar ohne fremde Hilfe verlassen und später wieder betreten zu können, was auf eine gewisse autonome Mobilität schliessen lässt. Des Weiteren ist nicht bekannt, wann die inkriminierten Vorkommnisse stattge- funden haben und wie viel Zeit vergangen ist seit d emjenigen Zeitpunkt, in welchem es dem Opfer unbestrittenermassen schlecht gegangen ist. I nsofern kann nicht ausgeschlossen wer- den, dass es dem Opfer zum fraglichen Zeitpunkt tat sächlich wieder besser gegangen ist, wie dies die beiden Beschuldigten behaupten. Sodann ist wiederum gestützt auf die Depositionen des Opfers davon auszugehen, dass es während des Ge schlechtsverkehrs durchaus mitbe- kommen hat, was geschehen ist, indem es sich ersten s beim Akt mit dem Beschuldigten D.____ gewehrt und umgedreht hat, damit dieser nich t von hinten hat eindringen können, und indem es versucht hat, den Beschuldigten B.____ weg zuschubsen und ihm gesagt hat, er solle aufhören. Solche konkreten und mit einer gewissen B estimmtheit ausgeführten, wenngleich teilweise auch erfolglosen, Abwehrhandlungen schlie ssen eine tatbeständliche Widerstandsun- fähigkeit aus. Nach Ansicht des Kantonsgerichts wei st die vorliegende Beweislage somit im Ergebnis darauf hin, dass einerseits die Widerstandsfähigkeit des Opfers während der Übergrif- fe aufgrund des übermässigen Alkoholkonsums sowie seiner Müdigkeit durchaus eingeschränkt gewesen ist, dass andererseits jedoch – nicht zulet zt in Anwendung der Maxime "in dubio pro reo" – die von Lehre und Praxis geforderte gänzlich e Aufhebung der Widerstandsfähigkeit nicht vorgelegen hat. Gemäss diesen Erwägungen fehlt es b ereits am Vorliegen des objektiven Tat- bestandes von Art. 191 StGB, womit die Berufungen d er Staatsanwaltschaft und der Privatklä- gerin hinsichtlich des Anklagevorwurfs der Schändung gegenüber dem Beschuldigten B.____ in Bestätigung des angefochtenen Urteils abzuweisen sind. 3.3 Im Hinblick auf den Vorwurf der Schändung gegenübe r der Beschuldigten C.____ ist mit nämlicher Begründung wie vorgängig in Erwägung 3.2. 4 davon auszugehen, dass beim Opfer zum massgeblichen Zeitpunkt der sexuellen Handlunge n von B.____ lediglich eine herabge- setzte Widerstandsfähigkeit vorgelegen hat, welche zur Erfüllung des Tatbestandes von Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 191 StGB nicht ausreicht, wodurch eine Mittäte rschaft der Beschuldigten von vornherein ausgeschlossen ist. Aufgrund des Umstandes, wonach bereits der objektive Tatbestand der Schändung zufolge des Fehlens der gänzlichen Widers tandsunfähigkeit des Opfers in Bezug auf die Handlungen von B.____ nicht vorliegt, erübr igen sich an dieser Stelle zudem weiterge- hende Ausführungen zur mittelbaren Täterschaft sowi e zur Anstiftung durch C.____. Demzufol- ge sind auch die Berufungen der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin hinsichtlich des An- klagepunktes der Schändung gegenüber der Beschuldig ten C.____ in Bestätigung des ange- fochtenen Urteils abzuweisen. 4. Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern 4.1 Nach Art. 187 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstraf e bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe be- straft, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sex uelle Handlung vornimmt, es zu einer sol- chen Handlung verleitet oder es in eine sexuelle Ha ndlung einbezieht. Mit Einbeziehen sind diejenigen sexuellen Handlungen des Täters gemeint, die er vor dem Kind vornimmt, wobei es aber zu keinen körperlichen Berührungen zwischen dem Täter und dem Opfer kommt. Das Kind wird bei dieser Tatbestandsvariante durch gezieltes Verhalten als Zuschauer in die sexuelle Handlung einbezogen. Der Täter macht das Kind auf d iese Weise zum Sexualobjekt. Nach neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung bedeutet das Einbeziehen des Kindes in eine se- xuelle Handlung, dass der Täter das Kind gezielt zu m Zuschauer seiner sexuellen Handlungen und dadurch zum Sexualobjekt macht. Das Opfer muss den äusseren Vorgang der sexuellen Handlung als Ganzes unmittelbar sinnlich wahrnehmen . Nicht erforderlich ist jedoch, dass das Kind den Vorgang als sexuelle Handlung begreift. Allerdings scheiden Vorgänge, in welchen ein Kind mehr oder weniger zufälligerweise Zeuge sexuel ler Handlungen wird, von vornherein aus. Auf der subjektiven Seite wird Vorsatz verlangt, wo bei Eventualvorsatz genügt. Der Täter muss also zumindest in Kauf nehmen, dass sich das Kind n och im Schutzalter befinden und der Al- tersabstand zu ihm mehr als drei Jahre betragen kön nte, ferner muss er sich der sexuellen Be- deutung seiner Handlung bewusst sein. Für die Tatbe standsvariante des Einbeziehens in eine sexuelle Handlung verlangt die Mehrheit der Lehre u nd Rechtsprechung jedoch einen direkten Vorsatz des Täters, da dieser die Wahrnehmung seine r sexuellen Handlungen durch das Kind als eigentliches Handlungsziel wollen muss. Bei der Strafzumessung ist zu berücksichtigen, ob es sich um ein pubertierendes Opfer oder um ein kle ines Kind handelt (M AIER , a.a.O., N 17 ff. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu Art. 187 StGB, mit Hinweisen; T RECHSEL / BERTOSSA , a.a.O., N 9 zu Art. 187 StGB, mit Hin- weisen; STRATENWERTH / JENNY / BOMMER , a.a.O., § 7 Rz. 16 f., mit Hinweisen). 4.2.1 Im Hinblick auf die konkrete rechtliche Würdigung macht die Staatsanwaltschaft im Ver- fahren vor dem Kantonsgericht geltend, die Beschuld igte C.____ habe während der Tat einen Einfluss auf die Tathandlungen des Beschuldigten B. ____ zum Nachteil des Opfers ausgeübt, welcher von seiner Art und seinem Umfang her als Mi ttäterschaft zu dessen Handlungen zu qualifizieren sei, eventualiter sei ihr Beitrag als Anstiftung zu sexuellen Handlungen mit Kindern zu werten bzw. sei ihr die Rolle einer mittelbaren Täterin zuzusprechen. Demgegenüber erach- tet die Beschuldigte den erst vor dem Kantonsgerich t erhobenen Vorwurf der Anstiftung sowie der mittelbaren Täterschaft – abgesehen davon, dass er nicht zutreffend sei – als eine Verlet- zung des Anklagegrundsatzes. 4.2.2 Der Anklagegrundsatz nach Art. 9 Abs. 1 StPO bedeu tet, dass eine Straftat nur dann ge- richtlich beurteilt werden kann, wenn die Staatsanw altschaft gegen eine bestimmte Person we- gen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zus tändigen Gericht Anklage erhoben hat. Dem Anklageprinzip kommen folgende Funktionen zu: Rollentrennung - die Person, welche den Vorwurf erhebt, soll nicht dieselbe sei, die ihn be urteilt; Umgrenzung - das Thema des Strafpro- zesses soll klar umschrieben sein; Immutabilität - der erhobene Vorwurf soll sich im Verlauf des Prozesses nicht beliebig ändern können; Information - der Beschuldigte soll wissen, was ihm vorgeworfen wird, damit er sich verteidigen kann (S TEFAN HEIMGARTNER / MARCEL ALEXANDER NIGGLI , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess ordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 16 ff. zu Art. 9 StPO, mit Hinweisen). Welchen In halt die Anklageschrift aufweisen muss, ergibt sich aus Art. 325 StPO. Gestützt auf Art. 32 5 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklage- schrift möglichst kurz, aber genau die der beschuld igten Person vorgeworfenen Taten mit Be- schreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Diese Bestimmung ist so zu lesen, dass der Anklagevorwurf sich grundsätzlic h auf eine präzise, konzise Bezeichnung der Sachverhaltselemente zu beschränken hat, die fü r eine Subsumption der anwendbaren Straftatbestände erforderlich sind. Wie detailliert der Sachverhalt umschrieben sein muss, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, insbesondere der Schwere der Vorhalte, der Komplexi- tät der Subsumption und der Beweislage. Das Akkusat ionsprinzip ist verletzt, wenn die Anklage nicht diejenigen Umstände anführt, welche auf das V orliegen der Kernelemente eines Tatbe- standes schliessen lassen (H EIMGARTNER / NIGGLI , a.a.O., N 19, 25 und 37 zu Art. 325 StPO, Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall vertritt das Kantonsgericht die Auffassung, dass durch den Strategiewechsel der Staatsanwaltschaft im Berufung sverfahren das Anklageprinzip nicht ver- letzt worden ist. Zumindest die vorgeworfene Teilna hme der Beschuldigten in Form der Anstif- tung kann ohne Weiteres unter den im dritten Absatz der Anklageschrift vom 21. Juni 2013 auf Seite 3 des angefochtenen Urteils beschriebenen Leb enssachverhalt – wonach C.____ ihren Vorschlag, die Partner zu tauschen, wiederholt und B.____ veranlasst habe, die Stellung von D.____ bei A.____ einzunehmen – subsumiert werden. Etwas grenzwertiger verhält es sich allerdings in Bezug auf den neu vorgebrachten Vorwu rf der mittelbaren Täterschaft, wobei das Kantonsgericht auch diesbezüglich der Ansicht ist, dass – nicht zuletzt in Beachtung der Vorga- be, wonach die Anklageschrift möglichst kurz und ge nau zu erfolgen hat – keine übertriebenen Anforderungen zu stellen sind, solange die Anklages chrift sowohl die Umgrenzungs- als auch die Informationsfunktion erfüllt. Gestützt auf die nachfolgenden Erwägungen ist diese Frage jedoch nicht von massgeblicher Bedeutung. 4.2.3 Anstifter ist nach der gesetzlichen Umschreibung, wer jemanden zu dem von ihm verüb- ten Delikt vorsätzlich bestimmt hat (Art. 24 Abs. 1 StGB). Der spezifische Beitrag des Anstifters zur Tat liegt nach dem Gesetzeswortlaut darin, dass er den Täter zu ihr bestimmt. Bestimmen heisst, beim Täter den Entschluss zur Begehung der Tat hervorrufen, wobei der Entschluss die Gesamtheit der subjektiven Tatbestandselemente umfa sst. Anerkannt ist von der Praxis und der herrschenden Lehre, dass von einer Anstiftung n ur die Rede sein kann, wenn der Täter zu vorsätzlicher Verwirklichung des Deliktstatbestande s veranlasst wird (G ÜNTER STRATENWERTH , Schweizerisches Strafrecht AT I, 4. Auflage, Bern 2 011, § 13 Rz. 99 ff., mit Hinweisen). In casu ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte B.___ _ vom Strafgericht in Anwendung von Art. 187 Ziff. 1 al. 1 in Verbindung mit Ziff. 4 St GB wegen eines bloss fahrlässigen Handlungs- delikts verurteilt worden ist, weshalb bereits per definitionem eine Teilnahme in Form einer von der Beschuldigten C.____ begangenen Anstiftung zu diesem Delikt ausser Traktanden fällt. 4.2.4 Gemäss Praxis und herrschender Lehre kommt mittelb are Täterschaft in erster Linie dort in Betracht, wo dem unmittelbar Handelnden, dem Tat mittler, die Herrschaft über den tatbe- standserfüllenden Geschehensablauf aus irgendwelche n Gründen fehlt. Das Bundesgericht spricht hier davon, dass der Täter einen anderen Me nschen als sein willenloses oder wenigs- tens nicht vorsätzlich handelndes Werkzeug benützt, um durch ihn die beabsichtigte strafbare Handlung ausführen zu lassen (S TRATENWERTH , a.a.O., § 13 Rz. 20 ff., mit Hinweisen). Bezo- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen auf vorliegenden Fall ist zu konstatieren, dass keine Hinweise zu erkennen sind, wonach die Beschuldigte C.____ B.____ als Werkzeug benützt hätte. Aufgrund der in diesem Punkt übereinstimmenden Aussagen von B.____ und D.____ is t zwar davon auszugehen, dass C.____ durchaus die treibende Kraft für den Partner tausch gewesen ist, wenngleich sie dies zum heutigen Zeitpunkt in Abrede stellt. Alleine di eser Umstand bedeutet aber nicht, dass B.____ durch den Wunsch von C.____ zum eigentlichen Werkzeug geworden ist, vielmehr hat er seine Tathandlungen nach wie vor selbst zu veran tworten. Abgesehen davon, dass der Be- schuldigte B.____ nicht von C.____ instrumentalisie rt worden ist, hat deren Bestreben per se nicht darin gelegen, dass er Geschlechtsverkehr mit dem Opfer hat. Für C.____ ist es vielmehr einzig darum gegangen, Sex mit D.____ zu haben. Ob B.____ in der Folge tatsächlich zeit- gleich und im selben Raum Geschlechtsverkehr mit dem Opfer gehabt hat oder nicht, hat für sie in diesem Zusammenhang keine Rolle gespielt. Insofe rn scheidet eine mittelbare Täterschaft der Beschuldigten C.____ aus. 4.2.5 Hinsichtlich des Tatbestandes der sexuellen Handlu ngen mit Kindern sind grundsätzlich die folgenden drei Tatbestandsvarianten möglich: di e Vornahme von sexuellen Handlungen, das Verleiten zu sexuellen Handlungen sowie das Ein beziehen in sexuelle Handlungen. Die Vornahme von sexuellen Handlungen setzt voraus, das s es zu einem körperlichen Kontakt zwi- schen dem Täter bzw. der Täterin und dem Opfer komm t (M AIER , a.a.O., N 10 zu Art. 187 StGB, mit Hinweisen). Nachdem zwischen der Beschuld igten und dem Opfer zweifellos kein körperlicher Kontakt stattgefunden hat, scheidet diese Tatbestandsvariante von vornherein aus. Gleiches gilt für das Verleiten zu sexuellen Handlu ngen, da das Opfer selber keinerlei sexuelle Handlungen vorgenommen hat. Somit verbleibt als ein zig mögliche Tatbestandsvariante das Einbeziehen des Opfers in sexuelle Handlungen. Hier bei macht der Täter bzw. die Täterin das Kind gezielt zum Zuschauer seiner sexuellen Handlun gen und dadurch zum Sexualobjekt, wo- bei die Wahrnehmung der sexuellen Handlungen durch das Kind als eigentliches Handlungsziel gewollt sein muss, was auf der subjektiven Tatbesta ndsseite einen direkten Vorsatz des Täters bzw. der Täterin voraussetzt. In casu ist, wie bereits festgehalten (oben E. 4.2.4), zwar aufgrund der in diesem Punkt übereinstimmenden Aussagen von B.____ und D.____ davon auszugehen, dass C.____ die Initiative für den Partnertausch er griffen hat; allerdings hat ihr Handlungsziel darin gelegen, mit dem Beschuldigten D.____ Geschlechtsverkehr zu haben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist sie einverstanden gewesen, dass ihr damaliger Freund B.____ ebenfalls Ge- schlechtsverkehr mit einer anderen Person hatte. We r aber diese Person gewesen ist, hat für Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beschuldigte grundsätzlich keine Rolle gespielt. Ebenso unerheblich ist für sie gewesen, wo der Beschuldigte B.____ den Geschlechtsakt mit der anderen Person vollzogen hat. Für das Kantonsgericht liegen keine Hinweise vor, wonach es für das Ausleben der sexuellen Phantasie der Beschuldigten essentiell gewesen wäre, dass die vierte Person, vorliegend das Opfer, ihre sexuellen Handlungen als Zuschauerin unmittelbar wa hrnimmt. Vielmehr muss davon ausge- gangen werden, dass es der Beschuldigten schlichtwe g egal gewesen ist, dass eine vierte Per- son während ihres Geschlechtsverkehrs mit den beide n Beschuldigten B.____ und D.____ im selben Raum anwesend gewesen ist. Infolgedessen ist die Anwesenheit des Opfers als eine blosse Begleiterscheinung dafür, dass der Beschuldigte B.____ dem Partnertausch zugestimmt hat, zu qualifizieren; keinesfalls aber hat die Wah rnehmung der sexuellen Handlungen durch das Kind das eigentliche Handlungsziel gebildet. So mit ist zwar der objektive Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 al. 3 StGB erfüllt, nachdem die Be schuldigte vor den Augen der zum inkriminier- ten Zeitpunkt knapp 15-jährigen A.____ den Beischla f mit den beiden Beschuldigten B.____ und D.____ vollzogen hat, andererseits ist aber ein e direktvorsätzliche Tatbegehung durch die Beschuldigte auszuschliessen, womit das Vorliegen d es subjektiven Tatbestandes der sexuel- len Handlungen mit Kindern zu verneinen ist. Demzuf olge sind die Berufungen der Staatsan- waltschaft und der Privatklägerin auch hinsichtlich des Anklagepunktes der sexuellen Handlun- gen mit Kindern gegenüber der Beschuldigten C.____ in Bestätigung des angefochtenen Urteils abzuweisen. 5. Strafzumessung und Zivilforderungen Angesichts der mit vorliegendem Urteil zu bestätige nden Freisprüche der beiden Beschuldigten von den im Berufungsverfahren zu beurteilenden Vorw ürfen der Schändung (B.____ und C.____) sowie der sexuellen Handlungen mit Kindern (C.____) hat das Kantonsgericht keine Veranlassung, hinsichtlich der Strafzumessung und d er Genugtuungsforderungen der Privat- klägerin am angefochtenen Urteil eine Änderung vorzunehmen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Kostenfolge Bei diesem Verfahrensausgang – indem sowohl die Ber ufung der Staatsanwaltschaft als auch diejenige der Privatklägerin vollumfänglich abgewie sen werden – gehen in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO die ordentlichen Kosten des Be rufungsverfahrens in der Höhe von CHF 13'000.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 12'7 50.-- [achteinhalb Stunden Verhandlung zu jeweils CHF 1'500.-- pro Stunde] sowie Auslagen von CHF 250.--) zu Lasten der Berufungs- klägerinnen, wobei der Anteil der Privatklägerin zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechts- pflege ebenso vom Staat getragen wird. Ebenfalls zu folge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wird der Rechtsvertreterin der Privatk lägerin A.____, Advokatin Dr. Sabine Aeschlimann, zu Lasten der Gerichtskasse ein pausch ales Honorar in der Höhe von CHF 1'080.-- (fünf Stunden Aufwand mitsamt zwei Stu nden Aufwand für die Hauptverhandlung zu jeweils CHF 200.-- pro Stunde inklusive Auslagen plus CHF 80.-- Mehrwertsteuer) zugespro- chen. Des Weiteren wird der Rechtsvertreterin des B eschuldigten B.____, Advokatin Anina Hofer, zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigu ng ein Honorar gemäss ihrer Honorarnote (plus achteinhalb Stunden Aufwand für die Hauptverh andlung zu jeweils CHF 200.-- pro Stun- de) in der Höhe von CHF 4'689.40 (inklusive Auslage n und CHF 347.35 Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Schliesslich wird dem Rechtsvertreter der Beschuldig- ten C.____, Advokat Dr. Dieter Thommen, zufolge Bew illigung der amtlichen Verteidigung ein Honorar gemäss seiner Honorarnote (plus achteinhalb Stunden Aufwand für die Hauptverhand- lung zu jeweils CHF 200.-- pro Stunde) in der Höhe von CHF 4'490.40 (inklusive Auslagen und CHF 332.60 Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtska sse ausbezahlt. In Bezug auf die erstin- stanzlichen Verfahrenskosten und deren Verteilung e rübrigen sich aufgrund des zu bestätigen- den vorinstanzlichen Urteils an vorliegender Stelle weitergehende Ausführungen. Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 17. Juni 2014, auszugsweise lautend: "I. (…) Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht II . 1. B.____ wird der sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 7 Monaten, unter Anrechnung der vom 17. Dezember 2010, 08:00 Uhr, bis zum 23. Dezember 2010, 10:50 Uhr, ausgestandenen Un ter- suchungshaft von 7 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 187 Ziff. 1 al. 1 und 4 StGB , Art. 40 StGB und Art. 42 Abs. 1 StGB. 2. Gemäss Art. 44 Abs. 2 StGB und Art. 93 StGB wir d für die Dauer der Probezeit Bewährungshilfe angeordnet. 3. B.____ wird vom Vorwurf der Schändung freigespr ochen. 4. Das Verfahren gegen B.____ wegen Kaufs und Kons ums von Betäubungsmitteln im Jahre 2010 wird zufolge Verjäh rung ein- gestellt. III . 1. C.____ wird vom Vorwurf der Schändung und der sexuellen Handlungen mit Kindern freigesprochen. 2. Das Verfahren gegen C.____ wegen Kaufs und Kons ums von Betäubungsmitteln bis zum 20. Dezember 2010 wird zu folge Verjährung eingestellt. 3. C.____ wird für die ausgestandene Untersuchungs haft im Zeitraum vom 20. Dezember 2012, 09:00 Uhr, bis zum 22. De- zember 2010, 15:15 Uhr, von insgesamt 3 Tagen in An wen- dung von Art. 429 StPO eine Genugtuung im Umfang vo n Fr. 600.00 zugesprochen. IV. 1.a) (…) Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) B.____ wird verurteilt, A.____ eine Genugtuung von Fr. 1‘000.00 zu bezahlen, die Mehrforderung wird au f den Zi- vilweg verwiesen. c) Die gegen C.____ geltend gemachte Genugtuungsfo rderung wird abgewiesen. 2.a) Die unentgeltliche Prozessführung für A.____, vertreten durch Dr. Sabine Aeschlimann, wird zufolge unvollständige n Ge- suchs nicht bewilligt. b) D.____ und B.____ werden in solidarischer Haftu ng dazu verurteilt, A.____, vertreten durch Advokatin Dr. S abine Aeschlimann bzw. Advokatin Martina Horni, gemäss Ar t. 433 Abs. 1 StPO eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 6‘751.85 zu bezahlen. V. 1.a) Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorver- fahrens von insgesamt Fr. 9‘064.45 und einer pausch alen Ge- richtsgebühr von Fr. 8‘000.00. b) (…) B.____ trägt 1/3 des ihn betreffenden Teils der Ko sten des Vorverfahrens von Fr. 2‘366.60, 2/3 gehen zufolge T eilfrei- spruchs zu Lasten des Staates. Die Kosten des Vorverfahrens betreffend C.____ in Höhe von Fr. 2’130.10 gehen zufolge Freispruchs zu Lasten des Staates. c) Die Gerichtsgebühr von Fr. 8‘000.00 wird wie fo lgt aufgeteilt: 3/9 zu Lasten D.____, 1/9 zu Lasten B.____ und 5/9 zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und wird kein beg ründetes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die str afgerichtliche Gebühr auf Fr. 4‘000.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.a) (…) b) Das Honorar der amtlichen Verteidigung von B.__ __ (Advokat Prof. Dr. Niklaus Ruckstuhl, vertreten durch Advoka tin Anina Hofer) in Höhe von insgesamt Fr. 6‘591.25 (inkl. Au slagen, Mehrwertsteuer und 8 Stunden Hauptverhandlung - unt er Kür- zung des Ansatzes für Volontäre von Fr. 120.00 auf Fr. 90.00 und unter Kürzung des Mehrwertsteueransatzes von 8% auf 7.6% für das Jahr 2010) wird aus der Gerichtskasse entrichtet. c) Das Honorar der amtlichen Verteidigung von C.__ __ (Advokat Dr. Dieter Thommen) in Höhe von insgesamt Fr. 9‘411.45 (inkl. Auslagen, Mehrwertsteuer und 8 Stunden Hauptverhand lung - unter Kürzung der sachfremden Position vom 23. Janu ar 2014 sowie unter Kürzung des Mehrwertsteueransatzes von 8% auf 7.6% für das Jahr 2010) wird aus der Gerichtskasse entrich- tet." wird in Abweisung der Berufungen der Staatsanwaltsc haft und der Privatklägerin vollumfänglich bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 13'000.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 12'7 50.-- sowie Auslagen von CHF 250.--) gehen – zufolge Bewilligun g der unent- geltlichen Rechtspflege an die Privatklägerin – vol lumfänglich zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechts pflege wird der Rechtsvertreterin der Privatklägerin A.____, Advoka tin Dr. Sabine Aeschlimann, zu Lasten der Gerichtskasse ein pausch ales Honorar in der Höhe von CHF 1'080.-- (inklusive Auslagen un d CHF 80.-- Mehrwertsteuer) zugesprochen. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird der Rechtsver- Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht treterin des Beschuldigten B.____, Advokatin Anina Hofer, ein Hono- rar in der Höhe von CHF 4'689.40 (inklusive Auslage n und CHF 347.35 Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtska sse ausge- richtet. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter der Beschuldigten C.____, Advokat Dr. Dieter Thommen, ein Honorar in der Höhe von CHF 4'490.40 (inklusive Aus lagen und CHF 332.60 Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtska sse ausge- richtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann