200 19 884 IV LOU/ISD/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 7. Juli 2020 Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Jakob Gerichtsschreiber Isliker A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 21. Oktober 2019 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1963 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) ist gelernter ... und seit 1988 beim C.________ in ... Funktion tätig, zuletzt als .... Im Juli 2018 meldete er sich unter Hinweis auf eine Krebserkrankung, einen Herzinfarkt, psychische Erkrankungen sowie eine Depression bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 11 und 32). Die IVB traf erwerbliche und medizinische Abklärungen, nament- lich holte sie die Akten der D.________ und Stellungnahmen des Regiona- len Ärztlichen Dienstes (RAD) ein, und stellte dem Versicherten mit Vorbe- scheid vom 11. April 2019 (AB 49) die Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht. Nachdem der Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte (AB 59), holte die IVB weitere Unterlagen ein und nahm abermals Rück- sprache mit dem RAD. Gestützt darauf hielt die IVB mit Verfügung vom 21. Oktober 2019 (AB 71) an ihrem Vorbescheid fest. B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 19. November 2019 Beschwerde und bean- tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprache einer Invalidenrente; eventualiter die Rückweisung der Sache an die Be- schwerdegegnerin, damit diese weitergehende medizinische Abklärungen vornehme und anschliessend erneut über den Leistungsanspruch befinde. Mit Eingabe vom 27. November 2019 reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein. Mit Beschwerdeantwort vom 16. Dezember 2019 schloss die Beschwerde- gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 11. Mai 2020 machte der Beschwerdeführer weitere Aus- führungen und reichte zusätzliche Unterlagen ein.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung 21. Oktober 2019 (AB 71). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 4 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). 2.2.1Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund- lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an- spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221). Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatori- schen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). 2.2.2Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Ge- sundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). 2.2.3Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 5 Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429). 2.2.4Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren lassen sich oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinne des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff klar zwischen dem Gesundheitsschaden, an dem die versicherte Person leidet, und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, welche durch soziale Um- stände verursacht werden und bei Wegfall der Belastung wieder ver- schwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Zwar kann einer fachge- recht diagnostizierten psychischen Krankheit der invalidisierende Charakter nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale Belas- tungssituation abgesprochen werden. Je stärker aber psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbst- ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlim- mern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (BGE 139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2). In diesem Sinn werden Wechselwirkungen zwischen sich körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen Umwelt berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem in der Medizin verbreiteten bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 204 E. 4.2). 2.3Um den Leistungsanspruch bemessen zu können, ist die Verwal- tung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weite- ren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 6 Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 3. 3.1Den medizinischen Akten ist im Wesentlichen das Folgende zu ent- nehmen: 3.1.1Im Bericht vom 27. April 2018 (AB 33/8 f.) diagnostizierte med. pract. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.10) und hielt fest, aufgrund der gesundheitlichen Situation mit einer multimorbiden somatischen Belas- tung und gleichzeitig aufgetretener problematischer Arbeitsplatzsituation sei es zur aktuellen Erkrankung gekommen. Der Beschwerdeführer sei aktuell vollständig arbeitsunfähig und befinde sich in psychotherapeutischer (wöchentlich) sowie antidepressiver Behandlung. 3.1.2Dr. med. dipl. psych. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psy- chotherapie, führte im Bericht vom 12. September 2018 (AB 33/1-6) aus, nach einer ersten Behandlung zwischen Mai 2014 und April 2015 sei der Beschwerdeführer seit März 2018 wieder in Behandlung. Er leide gemäss eigenen Angaben an einem Erschöpfungszustand und einer posttraumati- schen Belastungsstörung. Er habe viele Handicaps, habe Krebs und einen Herzinfarkt gehabt und seine kognitiven Fähigkeiten seien aufgrund der durchlaufenen Chemotherapie sehr stark beeinträchtigt worden. Dies habe er über die Jahre gut kompensieren können, sei jetzt aber damit überfor- dert. Nach 30 Jahren als ..., davon die letzten 15 Jahre als ... und ..., sei der Betrieb umstrukturiert und er durch verschiedene aggressive Chefs gemobbt worden. Dies alles habe seinen aktuellen Zustand bedingt. Dr. med. dipl. psych. F.________ hielt weiter fest, aktuell stehe eine mittelgra- dige depressive Symptomatik im Vordergrund – mit einem sehr hartnäcki- gen Verlauf. Es bestehe eine permanente Erschöpfung; der Beschwerde- führer sei müde und benötige für jede Tätigkeit länger, seine Stressverar- beitungsfähigkeit sei sehr stark reduziert, er bekomme bei Stress Blocka- den, habe keine Ausdauer, kein Durchhaltevermögen und ziehe sich sozial Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 7 zurück. Aus psychopathologischer Sicht dürften sich die kognitiven Störun- gen sei der letzten neuropsychologischen Untersuchung im Jahr 2014 ver- schlechtert haben. Die aktuelle Tätigkeit beim ... sei nicht mehr zumutbar und der Beschwerdeführer sei aufgrund seines ausgeprägten Störungs- musters nicht in der Lage, eine angepasste Tätigkeit zu absolvieren. 3.1.3Im Arztbericht vom 9. November 2018 (AB 39) hielt Dr. med. G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Endokrinolo- gie-Diabetologie, als Hauptdiagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit einen psychophysischen Erschöpfungszustand (multifaktoriell bedingt, u.a. mitbedingt durch sehr problematische Arbeitsplatzsituation), eine Ony- chorrhexis Digitus I Fuss rechts, ein Status nach Achillodynie rechtsseitig, Muskelhartspann paravertebral linksseitig auf Höhe BWS und eine Notalgia paraestetica Th5 rechts fest. Nach einer mehrmonatigen kompletten Ar- beitsunfähigkeit und weiteren Abklärungen gelange er, Dr. med. G.________, zur Überzeugung, dass längerfristig eine 50%ige Arbeits- und Erwerbsfähigkeit realistisch sei. Es bestünden ganz klare Einschränkun- gen, wie sie bei Burnout, Chronic Fatigue, Überlastungssyndrom, schweren Depressionen oder aber bei Chemo Brain gesehen würden: Bei Normalbe- lastung in der anspruchsvollen Berufstätigkeit komme es primär zu raschen Belastungen, Überforderungsreaktionen, klassischen Blackouts, Versiegen intellektueller Fähigkeiten und Unmöglichkeit zum Multitasking, was den Beschwerdeführer prompt massiv erschöpfe, und sekundär komme es auch zu psychischen Symptomen, was die effektive Arbeitsleistung zusätz- lich einschränke. Zusätzlich komme es zu klassischer Überforderung und physischen Überlastungssymptomen. Der Beschwerdeführer weise überaus zahlreiche Ressourcen auf, wobei aktuell das Thema nicht eine Eingliederung, sondern eine teilweise Entlastung zur ausreichenden Erho- lung sei. 3.1.4Der RAD-Arzt Dr. med. H.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in der Stellungnahme vom 9. April 2019 (AB 48) aus, ge- stützt auf die medizinischen Akten bestehe eine Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule infolge einer Hyperkyphose und einer Bandscheibendegenera- tion an der LWS, degenerative Veränderungen an der rechten Schulter, eine abgeheilte Achyllodynie und möglicherweise eine Schmerzverursa-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 8 chung durch ein Überbein am Achillessehnenansatz. Diese Befunde seien jedoch nicht geeignet, in der zuletzt ausgeübten körperlich leichten Tätig- keit zu einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu führen. Auch den übrigen aktenkundigen körperlichen Befunden sei keine leis- tungsrelevante Einschränkung in einer körperlich leichten Tätigkeit beizu- messen. Namentlich werde der Hormonmangel (Testosteronmangel auf- grund einer Orchidektomie rechts 2004) mit Testosteron substituiert, die signifikante Einengung eines Herzkranzgefässes (des RIVA) sei 2008 mit- tels pericutaner transluminaler Koronarangioplastik (PCI) mit gutem Resul- tat behoben worden und die Endoskopie der Speiseröhre von Oktober 2018 habe kein Rezidiv der Oesophagitis gezeigt. Die angestammte Tätig- keit sei aus somatischer Sicht daher uneingeschränkt zumutbar. Dasselbe gelte allgemein auch für eine körperlich leichte Tätigkeit mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung und ohne manuelles Arbeiten über Schulterniveau (AB 48/4 f.). 3.1.5Die RAD-Ärztin Dr. med. I.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in der Stellungnahme vom 9. April 2019 (AB 47) fest, die von med. pract. E.________ erstmals gestellte und anschliessend von Dr. med. dipl. psych. F.________ übernommene Diagnose einer mittelgra- digen depressiven Episode sei nicht unter Zugrundelegung der ICD-10- Diagnosekriterien objektiviert worden, sondern würde auf den Selbstaus- künften des Beschwerdeführers beruhen. Es würden lediglich ein nahezu unauffälliger Psychostatus und eine unspezifische subdepressive Stim- mungslage attestiert. Die vom Beschwerdeführer vorgetragenen kognitiven Beeinträchtigungen hätten zu keinem Zeitpunkt objektiv bestätigt werden können. Dies spreche ebenfalls gegen das Vorliegen einer leistungsrele- vanten sowohl mittelschweren wie auch schweren affektiven Störung. Im Jahr 2011 habe sich anlässlich einer neuropsychologischen Testung keine Diagnose objektiveren lassen; in einer weiteren Testung im Jahr 2014 sei- en gesamthaft leichte neuropsychologische Störungen im Bereich von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exekutivfunktionen, wahrscheinlich im Rahmen der verschiedenen Grunderkrankungen, beschrieben worden. Die höheren kognitiven Leistungen seien anlässlich beider Untersuchungen übereinstimmend normal bis überdurchschnittlich ausgefallen. Der Be- schwerdeführer habe zudem innerhalb des gleichen Testverfahrens sowie Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 9 im Intertestvergleich im Jahr 2014 sogar bessere Leistungen bei höheren und komplexeren Leistungsanforderungen als bei einfacheren Aufgaben erbracht. Die dokumentierten Leistungsschwankungen innerhalb der Auf- merksamkeitstestung im Jahr 2014 würden auf ein willentlich gesteuertes Leistungsverhalten schliessen lassen und deuteten auf eine gute Selbst- und Situationskontrolle hin. Für die vom behandelnden Psychiater im Sep- tember 2018 beschriebene angebliche Verschlechterung der kognitiven Störung seit 2014 bestünden keine objektiven Befunde. Die aktenkundigen wiederholten Krankschreibungen seit 2004 stünden im Zusammenhang mit verschiedenen somatischen Vorerkrankungen. Die aktuelle Krankschrei- bung aus psychischen Gründen sei medizinisch nicht plausibel nachvoll- ziehbar und habe nicht objektiv begründet werden können. Im Kontext des Beginns der Krankschreibung (22. Februar 2018) seien die Umstrukturie- rung des Arbeitsplatzes des Beschwerdeführers, Mobbing durch verschie- dene aggressive Chefs sowie ein gereiztes, aggressives und herabwürdi- gendes Klima am Arbeitsplatz gestanden. Die unbeeinträchtigten höheren kognitiven Leistungen sprächen gegen eine leistungsrelevante psychische Störung. Der Beschwerdeführer verfüge aufgrund der negativen psychiatri- schen Vorgeschichte, des hohen Ausbildungs- und Bildungsniveaus mit erfolgreichen regelmässigen Weiterbildungen, der regelmässigen körperli- chen Aktivität und der Pflege ausserberuflicher Interessen über Schutzfak- toren vor der Entwicklung einer Depression bzw. von Stress-Folgeer- krankungen. Insgesamt hätten auf dem psychiatrischen Fachgebiet bisher keine Diagnose mit Auswirkung auf das berufliche Leistungsvermögen ob- jektiviert werden können. Unter Berücksichtigung des somatisch bedingten allgemeinen Leistungsvermögens für körperlich leichte Tätigkeiten mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung und ohne manuelles Arbeiten über Schulterniveau wie auch für die angestammte Tätigkeit habe bereits zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung (recte: Früherfassung) im Juni 2018 eine un- eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestanden (AB 47/15-17). 3.1.6Dr. med. G.________ führte im Schreiben vom 4. Juli 2019 (AB 59/3 f.) hinsichtlich des negativen Renten-Vorbescheides vom 11. April 2019 (AB 49) aus, dieser sei zwingend anzufechten, was er auch dem Be- schwerdeführer geraten habe. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die von sämtlichen involvierten Ärztinnen und Ärzten attestierte langdauernde Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 10 (vollständige) Arbeitsunfähigkeit nicht rentenrelevant sein soll. Die neuro- psychologische Abklärung von 2014 sei im Zusammenhang mit dem Bur- nout unzureichend gewürdigt worden und es sei aufgrund der bestehenden Progression eine erneute Beurteilung notwendig. Zudem bestehe eine sehr schwer negativ interferierende Endokrinopathie. Konkret bedürfe es eines multidisziplinären Gutachtens. Alleine die Kombination Erschöpfungsde- pression/Burnout/kognitive Einbussen begründe eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Der hierzu komorbide Hypogonadismus begründe we- nigstens eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit und das frühe Herzleiden führe bei einer ängstlich disponierten und mittlerweile schweren (Erschöpfungs-) Depression zu einer Teilarbeitsunfähigkeit von schätzungsweise 30 %. 3.1.7Der RAD-Arzt Dr. med. H.________ hielt in der Stellungnahme vom 29. August 2019 (AB 64) zum Schreiben von Dr. med. G.________ vom 4. Juli 2019 (AB 59/3 f.) fest, für die darin attestierte vollständige Arbeitsun- fähigkeit finde sich keine plausible somatisch abgestützte Begründung. Auch seien die weiter angenommenen verschiedenen Teilarbeitsunfähig- keiten aus somatischer Sicht nicht nachvollziehbar. Entgegen Dr. med. G.________ habe der RAD die Ergebnisse der neuropsychologischen Un- tersuchung von 2014 gewürdigt, wobei weder gestützt darauf noch auf das MRT des Gehirns objektive Hinweise für eine organisch bedingte kognitive Beeinträchtigung bestünden. Gegen eine leistungsrelevante Beeinträchti- gung der kognitiven Fähigkeiten sprächen auch die langjährige Berufsaus- übung in einer intellektuell anspruchsvollen Tätigkeit, die Rezertifizierung als ... im Oktober 2015, die Fremd- und Selbsteinschätzung des Beschwer- deführers in den Case Management-Berichten der D.________ zum lau- fenden Arbeitsversuch und das Stellenbewerbungsschreiben des Be- schwerdeführers von Dezember 2017. Es bestehe daher – in Übereinstim- mung mit dem beratenden Arzt der D.________ – kein weiterer Ab- klärungsbedarf, namentlich nicht vermittels eines Gutachtens. 3.1.8In der Stellungnahme vom 24. September 2019 (AB 66) führte die RAD-Ärztin Dr. med. I.________ aus, für das von Dr. med. G.________ beschriebene schwere depressive Zustandsbild lägen keine objektiven Be- funde wie etwa ein Psychostatus nach AMDP vor. Die von der D.________ dokumentierte zeitliche Belastbarkeit, die Selbstsicherheit und Teamfähig-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 11 keit des Beschwerdeführers, die Anwendung seiner fachlichen Kompeten- zen und die Selbstbehauptungsfähigkeit, die dokumentierte Fähigkeit zu Spontanaktivitäten sowie ein fehlendes depressionstypisches Morgentief sprächen allesamt gegen das Vorliegen eines schwer depressiven Zu- standsbildes. Wie bereits im RAD-Bericht vom 9. April 2019 (AB 47) darge- legt, bestünden entgegen med. pract. E.________ bzw. Dr. med. dipl. psych. F.________ keine objektiven Befunde im psychiatrischen Fachge- biet, welche eine Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Ferner werde in einem zuhanden der D.________ von lic. phil. J.________, Psychologin (vgl. <https://www.....ch/...>, Aufruf vom 7. Juli 2020; ein Eintrag im Eid- genössischen Psychologieberuferegister <htt- ps://www.psyreg.admin.ch/ui/personensearch> besteht nicht) erstellten und von med. pract. E.________ visierten Bericht vom 19. April 2019 (AB 62/36 f.) u.a. eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD- 10: F43.1) diagnostiziert. Ein hierfür gemäss ICD-10-Klassifikation voraus- gesetztes traumatisierendes Ereignis in den letzten sechs Monaten sei nicht aktenkundig und die behandelnden Ärzte hätten in früheren Berichten keine entsprechende Diagnose gestellt. Daneben sprächen auch das do- kumentierte freundliche und offene Kontaktverhalten, die vom Beschwerde- führer beschriebene gute Schlafqualität, die gute Teamintegration, das Pflegen von sozialen Kontakten mit anderen Mitarbeitern sowie das hohe Interesse an der Arbeit gegen das Vorliegen einer PTBS. 3.2Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 12 Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis- wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs- sigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem An- stellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Gleiches gilt, wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wiederholt für die Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Urteilt das Gericht indessen abschliessend gestützt auf Beweis- grundlagen, die aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungsträger stammen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzu- nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 122 V 157 E. 1d S. 162). 3.3 3.3.1Die Aktenbeurteilungen der RAD-Ärzte Dr. med. H.________ vom 9. April und 29. August 2019 (AB 48, 64) und Dr. med. I.________ vom 9. April und 24. September 2019 (AB 47, 66) erfassen den gesamten medi- zinischen Sachverhalt und stützen sich auf die vollständigen jeweiligen Vorakten. Dabei legten die RAD-Ärzte die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dar und begründeten ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar und überzeugend. Diesbezüglich er- geben sich weder aus den medizinischen Akten noch der Dokumentation zur beruflichen Wiedereingliederung der D.________ (vgl. dazu E. 3.3.4 hiernach) Anhaltspunkte, welche auch nur geringe Zweifel an der Vollstän- digkeit und Schlüssigkeit der RAD-ärztlichen Einschätzungen zu wecken vermögen. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt verfängt sodann ebenfalls nicht, wie nachfolgend aufgezeigt wird. 3.3.2In somatischer Hinsicht legte der RAD-Arzt Dr. med. H.________ in der Stellungnahme vom 9. April 2019 (AB 48/4 f.) einlässlich begründet und im Einklang mit den entsprechenden fachärztlichen Untersuchungsberich-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 13 ten (vgl. etwa AB 26.2/3 f., 6, 19 f. 104, 120 f.; 33/21 ff.) dar, dass gestützt auf die aktenkundigen klinischen und bildgebenden Abklärungen zwar eine gewisse körperliche Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule sowie degenerati- ve Veränderungen an der rechten Schulter bestehen, diese jedoch nicht geeignet sind, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit oder einer anderweitigen körperlich leichten Tätigkeit eine dauerhafte Einschränkung zu bewirken. Dies ist angesichts der von der Arbeitsgeberin des Beschwerdeführers be- schriebenen Tätigkeitsgebiete (Konzeptarbeiten, Koordination und Organi- sation, Korrespondenz, Gesprächsführung, Administrative Arbeiten, Mitar- beiterführung und Kontrolle [AB 32/7 Ziff. 5]) und den damit verbundenen relativ geringen körperlichen Anforderungen nicht zu beanstanden. Weiter zeigte der RAD-Arzt Dr. med. H.________ in Übereinstimmung mit den echtzeitlichen fachärztlichen Abklärungen auf, dass die weiteren körperli- chen Befunde ebenfalls keine anspruchsrelevante Einschränkung der kör- perlichen Leistungsfähigkeit zu bewirken vermögen. Der Hormonmangel infolge Orchidektomie im Jahr 2004 wurde substituiert (vgl. AB 33/28 f.), die vormals signifikante Einengung eines Herzkranzgefässes (RIVA) wurde im Jahr 2008 mit einem ausgezeichneten Langzeitvaskularisationsresultat behoben (AB 26.2/89 f.) und aufgrund einer Endoskopie der Speiseröhre im Oktober 2018 konnte kein Rezidiv der Oesophagitis festgestellt werden (vgl. AB 43.2/19, 33/26 f.). Damit besteht auf dem somatischen Gebiet mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein anspruchsbegründender Gesund- heitsschaden, der eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten ...-administrativen oder einer vergleichbaren, kör- perlich leichten Tätigkeit zur Folge hätte. Demgegenüber sind die abweichenden Einschätzungen des behandelnden Hausarztes und Endokrinologen Dr. med. G.________, namentlich im Arzt- bericht vom 9. November 2018 (AB 39) und mit Schreiben vom 4. Juli 2019 (AB 59/3 f.), welche im Wesentlichen gestützt auf die subjektiven Be- schwerdenschilderungen ohne Vornahme einer entsprechenden medizini- sche Plausibilisierung bzw. Objektivierung (vgl. BGE 140 V 290 E. 3.3.2 S. 297) erfolgten, nicht geeignet, auch nur geringe Zweifel an der RAD- ärztlichen Beurteilung zu wecken. Der RAD-Arzt Dr. med. H.________ wi- derlegte denn auch die pauschalen Einwände sowie die auf unbelegten fachfremden diagnostischen Mutmassungen beruhenden Arbeitsunfähig-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 14 keitseinschätzungen von Dr. med. G.________ im Schreiben vom 4. Juli 2019 (AB 59/3 f.) im Rahmen der zweiten Stellungnahme vom 29. August 2019 (AB 64/3 f.) im Einzelnen vollumfänglich. Neben dem Umstand, dass es sich bei Dr. med. G.________ um den behandelnden Arzt des Be- schwerdeführers handelt, wobei diesbezüglich rechtsprechungsgemäss der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass Hausärzte und behan- delnden Spezialärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstel- lung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3), ergibt sich aus dem sinngemässen ärztlichen Einwand vom 4. Juli 2019 (AB 59/3 f.) gegen den negativen Vorbescheid vom 11. April 2019 (AB 49; vgl. ferner das Schreiben vom 29. Januar 2019 [AB 43.2/5]), dass sich Dr. med. G.________ mit den Interessen des Beschwerdeführers über das Mass hinaus identifiziert, das von einem behandelnden Arzt oder Thera- peuten zu erwarten wäre. Aufgrund dieses Rollenwechsels vom behandelnden Fach- und Hausarzt zum Parteivertreter, kommt den Ausführungen von Dr. med. G.________ auch aus diesem Grund von Vorherein nur sehr begrenzter Beweiswert zu (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 8C_79/2018 vom 6. Juni 2018 E. 4.2). 3.3.3In psychiatrischer Hinsicht legte die RAD-Ärztin Dr. med. I.________ in ihrer ersten Beurteilung vom 9. April 2019 (AB 47) – gestützt auf eine umfassende Würdigung des psychiatrischen und neuropsychologi- schen Sachverhaltes im zeitlichen Längsverlauf (vgl. AB 47/3 ff.) – einläss- lich und überzeugend begründet dar, dass die von den behandelnden Psychiatern diagnostizierte mittelgradige depressive Störung nach den klassifikatorischen Vorgaben gemäss ICD-10 nicht nachvollziehbar sei (AB 47/14 ff.). So gründet die von med. pract. E.________ im Bericht vom 27. April 2018 (AB 33/8 f.) erstmals diagnostizierte und anschliessend von Dr. med. dipl. psych. F.________ mit Bericht vom 12. September 2018 (AB 33/1-6) unkritisch übernommene affektive Störung im Wesentlichen auf den nicht massgebenden subjektiven Beschwerdeangaben (vgl. BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281). Eine kritische Würdigung der vorgetragenen Beschwerden bzw. den anamnestischen Angaben i.S.e. rechtsprechungsgemäss vorausgesetzten sorgfältigen Plausibilisierung (BGE 140 V 290 E. 3.3.1 S. 296) erfolgte demgegenüber nicht. Weiter wer-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 15 den sowohl von den behandelnden Psychiatern med. pract. E.________ (vgl. AB 33/8) und Dr. med. dipl. psych. F.________ (vgl. AB 33/4 f.) wie auch Dr. med. G.________ (vgl. AB 33/10 „Aktuelle Diagnosen“) wiederholt verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2) aufgeführt, namentlich die Um- strukturierung und Verlegung des Arbeitsplatzes, Mobbing durch verschie- dene aggressive Chefs und eine Überforderung in der aktuellen leitenden beruflichen Funktion (vgl. auch AB 47/12). Diese Umstände waren für die erfolgte psychische Dekompensation subjektiv (AB 33/3) wie auch gemäss den behandelnden Ärzten ursächlich. Letztere gingen demnach offenkun- dig von einem – im Rahmen der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6 ATSG je- doch nicht massgebenden – „bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell“ (vgl. Entscheid des BGer vom 13. Februar 2019, 9C_813/2018, E. 4.3.1; BGE 143 V 418 E. 6 S. 426 f.) aus. Vielmehr haben die durch die vorgenannten sozialen Belastungsfaktoren bewirkten negativen funktionellen Folgen vor- liegend ausser Acht zu bleiben (vgl. E. 2.2.4 hiervor; vgl. Entscheid des BGer vom 20. Januar 2020, 8C_559/2019 E. 3.2 mit Hinweisen). Ein über dieses reaktive Geschehen hinausgehender, verselbstständigter psychi- scher Gesundheitsschaden mit Krankheitswert wurde sodann von der RAD-Ärztin Dr. med. I.________ gestützt auf die weitgehend unauffälligen Befunde im Psychostatus und die umfassenden anamnestischen, berufli- chen, freizeitlichen und sozialen Ressourcen (vgl. AB 47/16 f., 66/4 ff.) überzeugend begründet verneint. Zu den weiter von den behandelnden Ärzten erwähnten „multimorbiden somatischen Belastungen“ (vgl. AB 33/8, 39/2 Ziff. 2.5 erstes Lemma) ist sodann zu wiederholen (vgl. E. 3.3.2 hier- vor), dass keine anspruchsrelevante Einschränkung der funktionellen Leis- tungsfähigkeit in der angestammten und einer vom körperlichen Belastbar- keitsprofil her vergleichbaren Tätigkeit besteht. Die beschriebene psycho- physische Erschöpfung bzw. das Burnout – das keiner Erkrankung im Sin- ne eines anerkannten internationalen Klassifikationssystems entspricht und als solches nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheits- schadens fällt (SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.1; vgl. auch Entscheid des BGer vom 20. Juni 2018, 8C_127/2018, E. 5.2.1 mit Hinweis) – beruhen damit insgesamt nicht auf einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten physischen bzw. psychischen Pathologie. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 16 Hinsichtlich der erst im Bericht vom 19. April 2019 (AB 62/36 f.) von der Psychologin lic. phil. J.________ diagnostizierten PTBS ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen anamnestischen Angaben le- diglich bis 2005 mit der K.________ in Krisengebieten stationiert war (vgl. AB 33/2 f.) und zudem aus den Akten weder in diesem Zusammenhang noch zu einem anderen Zeitpunkt ein traumatisierendes Ereignis von aus- sergewöhnlicher Schwere hervorgeht. Gemäss den diagnostischen Leitlini- en soll eine PTBS indessen nur dann diagnostiziert werden, wenn sie in- nerhalb von sechs Monaten nach einem derartigen Ereignis aufgetreten ist (DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation psychischer Störungen ICD-10 Kapitel V [F], 10. Aufl. 2015, S. 208). Da vorliegend ein solches katastrophales Ereignis fehlt (vgl. auch AB 66/6), ist die Diagnose bereits aus diesem Grund nicht nachvollziehbar (vgl. SVR 11/2019 IV Nr. 83 S. 275 f.). Im Übrigen legte die RAD-Ärztin Dr. med. I.________ in der Stellungnahme vom 24. September 2019 (AB 66/6 f.) einlässlich be- gründet dar, dass auch das Kontakt- und Sozialverhalten, die vom Be- schwerdeführer geschilderte Schlafqualität und die Rückmeldungen des Teamleiters des Beschwerdeführers gegen das Vorliegen einer PTBS sprechen. Zu keinem anderen Ergebnis führen die Ergebnisse der vergangenen neu- ropsychologischen Untersuchungen in den Jahr 2011 und 2014 (vgl. AB 6/7 ff., 33/28 f.), aus denen sich keine Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten respektive einer vergleichbaren angepassten Tätigkeit entnehmen lässt. Zwar wurde anlässlich derjenigen im Jahr 2014 eine leichte neuropsychologische Störung im Bereich von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exekutivfunktio- nen wahrscheinlich im Rahmen der verschiedenen Grunderkrankungen beschrieben (vgl. AB 6/12), jedoch ohne diese fachärztlich anhand eines anerkannten Klassifikationssystems diagnostisch einzuordnen (vgl. E. 2.2.1 hiervor) oder hieraus eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abzuleiten. Es wurden lediglich Empfehlungen zu den Arbeitsbedingungen abgegeben. Zu den Abklärungsergebnissen zeigte die RAD-Ärztin weiter auf, dass in beiden Testungen die höheren kognitiven Leistungen allesamt normal bis überdurchschnittlich gewesen seien und die dokumentierten Leistungsschwankungen auf ein willentlich gesteuertes Leistungsverhalten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 17 zurückzuführen seien (AB 47/15). Eine massgebende Einschränkung des funktionellen Leistungsvermögens lässt sich vor diesem Hintergrund nicht feststellen. Zudem handelt es sich bei den neuropsychologischen Ab- klärungen lediglich ein Mittel der Zusatzdiagnostik, deren Befunde – wie vorliegend erfolgt (vgl. AB 47/14 ff., 66/4 ff.) – in die fachärztlich zu erfol- gende versicherungsmedizinische Würdigung miteinzubeziehen ist (vgl. SVR 10/2019 IV Nr. 78, 9C_752/2018; Entscheid des BGer vom 13. No- vember 2018, 8C_584/2018, E. 4.1.1.2, mit Hinweis auf BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195; vgl. auch SVR 2017 IV Nr. 75 S. 231 E. 4.1.1). Wenn die RAD- Ärztin Dr. med. I.________ daher in der abschliessenden Stellungnahme vom 24. September 2019 (AB 66/5 f.) gestützt auf die somatische Beurtei- lung von RAD-Arzt Dr. med. H.________ (AB 64) und bei fehlender objekti- ver Grundlage für die von Dr. med. dipl. psych. F.________ gestützt auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers postulierte Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten auf erneute neuropsychologische Abklärungen verzichtete, ist dies nicht zu beanstanden. 3.3.4Für eine erhaltene Arbeitsfähigkeit sprechen schliesslich auch die zeitnahen Angaben in den Akten der D.________, indem die Case- Management-Berichte zum ab April 2019 gestarteten Arbeitsversuch im C.________ im Bereich ... und ... durchwegs positiv ausfielen. Der Be- schwerdeführer habe sich nach einer anfänglichen Unsicherheit ohne grös- sere Probleme in die Gruppe einbringen und das Pensum steigern können. Gemäss Selbst- und Fremdeinschätzung sei der Beschwerdeführer selbst- sicherer und belastbarer geworden; seine Organisation und die Arbeitsqua- lität seien nicht zu beanstanden (AB 62/3 f.). Der Beschwerdeführer fühlte sich zudem sehr gut im Team aufgenommen und integriert und beschrieb die neue Aufgabe als hochspannend (AB 62/14). Eine massgebende Ein- schränkung der Arbeits- und Partizipationsfähigkeit ist unter diesen Um- ständen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Soweit demgegenüber im Bericht des M.________ vom 24. Oktober 2018 (AB 43.2/17 f.) gestützt auf die Einschätzungen der behandelnden Ärzte ein Wiedereinstieg in die angestammte Tätigkeit bei der K.________ nicht mehr als sinnvoll erachtet bzw. hierfür die medizinische Tauglichkeit ver- neint wird, entbehrt dies dem Voranstehenden zufolge (vgl. E. 3.3.2 f. hier-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 18 vor) einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten objektiven medizini- schen Basis. Namentlich ergibt sich aus den aktuellen medizinischen Akten keine hinreichende Grundlage, welche im Gegensatz zur früheren Taug- lichkeitseinschätzung des M.________ vom 25. April 2016 (AB 29.3/7) eine massgebende Verschlechterung der gesundheitlichen Situation nahelegen würde. Schliesslich begründet auch das im Beschwerdeverfahren eingereichte Schreiben des ... der L.________ vom 18. November 2019 (Beschwerde- beilage [BB] 4) keine Zweifel an den überzeugenden RAD-ärztlichen Beur- teilungen des psychischen bzw. physischen Gesundheitszustandes sowie dessen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Denn die im besagten Schrei- ben festgehaltene fehlende Einsatzfähigkeit in der neu ab 1. Januar 2018 zugewiesene Funktion ... entbehrt wiederum einer hinreichenden medizini- schen Grundlage (vgl. E. 3.3.2 f.). Eine allenfalls (erst nachträglich erkann- te) unzureichende fachliche oder persönliche Eignung für die neue, im Rahmen der Umstrukturierung der L.________ zugewiesene und fachlich anspruchsvollere höhere leitende Aufgabe fällt demgegenüber nicht in den Leistungsbereich der Invalidenversicherung. 3.4Zusammenfassend erfüllen die Aktenbeurteilungen der RAD-Ärzte Dres. med. H.________ (AB 48, 64) und I.________ (AB 47, 66) somit die Anforderungen der Rechtsprechung an eine beweiskräftige versicherungs- interne Aktenbeurteilung (vgl. E. 3.2 hiervor), weshalb darauf abgestellt werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat folglich den medizinischen Sachverhalt mit Blick auf den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG; BGE 117 V 282 E. 4a S. 283) rechtsgenüglich abgeklärt, weshalb sie in zulässiger antizipierter Beweiswürdigung auf weitere Beweisvorkeh- rungen, namentlich das Einholen eines versicherungsexternen medizini- schen Gutachtens, verzichten durfte (vgl. E. 3.2 hiervor; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2017 ALV Nr. 6 S. 18 E. 4.2). 3.5Nach dem Dargelegten liegt beim Beschwerdeführer mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429) kein fachärztlich nachgewiesener verselbstständigter invalidisierender psychi- scher Gesundheitsschaden mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeits-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 19 fähigkeit vor und in somatischer Hinsicht bestehen keine anspruchsrelevan- ten gesundheitlichen Einschränkungen mit Auswirkung auf das Zumutbar- keitsprofil in der angestammten bzw. einer anderweitigen vergleichbaren Tätigkeit. Damit liegt keine Invalidität im Rechtssinne vor und demzufolge hat der Beschwerdeführer kein Anspruch auf Rentenleistungen. Die ange- fochtene Verfügung vom 21. Oktober 2019 (AB 71) ist somit nicht zu bean- standen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 4. 4.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 4.2Es besteht gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG (Um- kehrschluss) kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 20 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 7. Juli 2020, IV/19/884, Seite 21 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.