Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Februar 2014 (720 13 326 / 60) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bemessung der Invalidität, Abzug vom Tabellenlohn Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1980 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Novembe r 2002 bis 31. Dezember 2011 im Zentrum X.____ als Tierpflegerin angestellt. Am 10. November 2010 meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) unter Hinweis a uf eine Burnout-Problematik zum Bezug von Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitli- chen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt und zudem E ingliederungsmassnahmen durch- geführt hatte, ermittelte sie bei der Versicherten ab 6. Juli 2011 einen IV-Grad von 56% und ab 1. Januar 2012 einen solchen von 38%. Gestützt auf diese s Ergebnis sprach sie A.____ nach Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 11. Oktober 2013 für die Zeit vom 1. Juli 2011 bis 30. April 2012 eine befristete halbe Rente zu. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Nico lai Fullin, am 11. November 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicher ungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung der Verfügung vom 11. Oktober 2013 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr ab 1. Juli 2011 eine Dreiviertelsrente und ab 1. Mai 2012 eine Viertelsrente zu- zusprechen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtliche r Hinsicht beantragte sie die Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokat Full in als unentgeltlichen Rechtsvertreter. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass für den Zeitraum Juli 2011 bis Dezember 2011 von einer Arbeitsfähigkeit von 45% auszugehen sei. Zudem sei der Einkommensvergleich nicht korrekt durchgeführt worden. C. Mit Eingabe vom 3. Dezember 2013 zog die Beschwerdef ührerin das Gesuch um Bewil- ligung der unentgeltlichen Rechtspflege zurück. D. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Dezember 2013 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 11. November 2013 ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Be schwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochten en Verfügung vom 11. Oktober 2013 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfäh igkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Diese Definitionen entsprechen den vor Inkrafttreten des ATSG per 1. Januar 2003 von der Rechtsprechung entwickelten Begriffen in der Invalidenversicherung (BGE 130 V 343 ff.). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alterna- tive Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung d es Gesundheitszustandes und der Arbeits- fähigkeit der Versicherten auf das von ihr bei Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, in Auftrag gegebene Gutachten vom 23. März 201 3. Demnach wurden bei der Versicher- ten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine nicht näher bez eichnete organische oder symptomatische psychische Störung (ICD-10 F09) und eine Aufmerksamkeitsstör ung (ICD-10 F90.0) diagnosti- ziert. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünde eine Lese- und Rechtschreibestörung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (ICD-10 F81.0) und akzentuierte Persönlichkeitszüge mit se lbstunsicheren, ängstlichen und emotional instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1). Aus psychiat rischer Sicht bestehe eine Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit von circa 30%. Diese sei in de m noch vorhandenen depressiven Zu- standsbild in Kombination mit den Hirnleistungsstörunge n begründet. Merk- und Konzentrati- onsfähigkeit seien deutlich vermindert. Andererseits ar beite die Versicherte aktuell in einem 50% Pensum. Zudem sei zu berücksichtigen, dass sie in der L age sei, den Haushalt zu führen und Sachbücher zu lesen. Die Explorandin benötige bei i hrer Tätigkeit aufgrund der raschen Erschöpfbarkeit mehrere Pausen. Weiter seien an die be rufliche Tätigkeit keine erhöhten An- forderungen an Konzentration, Merkfähigkeit und Aufme rksamkeit zu stellen. In Berufen, die erhöhte Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit stellen würden so- wie in administrativen Tätigkeiten bestehe eine Arbei tsunfähigkeit von circa 50%. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte bis circa Mitte 2011 nahe zu vollständig arbeitsunfähig gewe- sen sei. Ab Mitte 2011 sei von einer Arbeitsunfähigkeit vo n circa 40% bis 50% und seit Ende 2011 von einer solchen von circa 30% auszugehen. 5.2 Die IV-Stelle ging demzufolge davon aus, dass die Versicherte ab Juli 2010 bis 30. Juni 2011 vollständig arbeitsunfähig war und ab Juli 2011, zu folge Verbesserung des Gesundheits- zustandes, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % aufwies. Für die Zeit ab Januar 2012 wurde der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von 7 0% attestiert. Nach dem oben Gesag- ten (vgl. E. 4.3 hiervor) ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver lässigkeit der Expertise sprechen. Sol- che Indizien liegen keine vor. Das Gutachten von Dr. B. ____ vom 23. März 2013 erweist sich sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhäng e als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend. Die Besch werdeführerin hat zu Recht nicht beanstandet, dass die IV-Stelle darauf abgestellt hat. Demnach ist davon auszugehen, dass die Versicherte bis Mitte 2011 vollständig arbeitsunfähig wa r, im Zeitraum Juli 2011 bis Dezember 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 40% bis 50% und ab Janu ar 2012 eine solche von 30% auf- wies. Soweit die Beschwerdeführerin rügt, die IV-Stelle hätte für den Zeitraum von Juli 2011 bis Dezember 2011 nicht von einer Arbeitsfähigkeit von 50%, sondern von einem Mittelwert von 45% ausgehen müssen, kann ihr nicht beigepflichtet werden . Dr. B.____ attestierte der Be- schwerdeführerin in diesem Zeitraum eine Arbeits un fähigkeit von circa 40% bis 50%, weshalb – unter Berücksichtigung des Mittelwertes (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 4. Juli 2013, 9C_730/2012, E. 4.2) – von einer Arbeits fähigkeit von 55% auszugehen ist. 6.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versi- cherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des Ren tenbeginns abzustellen ist (BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher – zu Recht unbestr itten - auf Juli 2011 zu liegen kommt (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 IVG). Für den nachfolgend durchzuführenden Einkommens- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vergleich sind demnach die zu diesem Zeitpunkt gegebene n Einkommensverhältnisse massge- bend. 6.1.1 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielb aren Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Z eitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) als Gesunde tatsächlich verdie- nen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fä higkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung , soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hätte (BGE 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b). Da im Gesundhe itsfall erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit in der Regel weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teue rung sowie der realen Einkommens- entwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S . 101 E. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 E. 3c). 6.1.2 Die IV-Stelle ermittelte das Valideneinkommen a ufgrund der Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin im "Fragebogen Arbeitgeber" vom 7. Deze mber 2010. Demnach resultiert ausge- hend von einem Jahresverdienst von Fr. 59‘831.85 im Ja hr 2010 und unter Berücksichtigung einer Nominallohnentwicklung im Jahr 2011 von 1% (vgl. BFS Lohnentwicklung Tabelle T 39) ein massgebendes Valideneinkommen von Fr. 60‘430.15. W enn die Beschwerdeführerin ein- wendet, es sei anzunehmen, dass sie ohne die angeborenen gesundheitlichen Probleme die Regelschule besuchen und einen Lehrabschluss hätte machen können, weshalb das massge- bende Valideneinkommen auf der Basis der LSE Anforderu ngsniveau 3 zu veranschlagen sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu, dass bei der Versicherten ein psychoorgani- sches Syndrom (POS) diagnostiziert wurde. Aufgrund der Akt en steht aber fest, dass sie trotz ihrer angeborenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach der obligatorischen Schulzeit in der Lage war, im Jahr 2008 einen Lehrabschluss als Tierpf legerin zu erwerben und danach bis Juli 2011 auf diesem Beruf gearbeitet hatte. Damit h atte die Beschwerdeführerin eine Betäti- gung gefunden, welche sie bewältigen konnte und ihr ein branchenübliches Auskommen er- möglichte. Da aufgrund der Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die Versicherten im Gesundheitsfall die bisherige Tätigkeit weitergeführt hätte und bei der Bemessung des Valideneinkommens entscheidend ist, was eine versicherte Person als Gesun- de überwiegend wahrscheinlich tatsächlich verdienen würde, und nicht, was sie bestenfalls ver- dienen könnte (BGE 131 V 51 E. 5.1), ist nicht zu bea nstanden, dass die Vorinstanz das Vali- deneinkommen aufgrund der Lohnangaben der ehemaligen Arbeitgeberin bemessen hat. 6.2.1 Bei der Ermittlung des trotz Gesundheitsschadens zumutbarerweise erzielbaren Ein- kommens (Invalideneinkommen) ist zu Recht unbestritten , dass dieses unter Beizug der der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen ist. Laut Tabel- le TA 1, belief sich der Zentralwert für die im Anfo rderungsniveau 4 beschäftigten Frauen im Jahr 2010 auf Fr. 4‘225.--. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden und einer Nominallohnentwicklung von 1 % (vgl. BFS Lohnentwicklung Tabel- le T 39) resultiert ab Juli 2011 (Arbeitsfähigkeit von 55%) ein Invalideneinkommen von Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 29‘360.80 (Fr. 4‘225.-- x 12 : 40 x 41,7 x 101% x 55%) und ab Januar 2012 (Arbeitsfähigkeit von 70%) ein solches von Fr. 37‘368.30 (Fr. 4‘225.-- x 12 : 40 x 41,7 x 101% x 70%) 6.2.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage vo n statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa). Ein Abzug hat jedoch nicht automatisch, sondern nur dann zu erfolgen, wenn im Einzelfall An- haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person we gen eines oder mehrerer dieser Merkmale die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 80 E. 5b/aa in fine). Besteht Anlass für einen Abzug, so ist dieser unter Würdi gung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25% nicht übersteigen (BGE 135 V 301 E. 5.2 , 126 V 80 E. 5b/bb-cc). 6.2.3 Vorliegend hat die IV-Stelle keinen Abzug vom Ta bellenlohn vorgenommen. Die Be- schwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe nicht berücksichtigt, dass sie besser entlohnte Beru- fe, etwa im administrativen Bereich, nur eingeschränk t ausüben könne, was zu einer weiteren Einkommenseinbusse führe und sich deshalb ein Abzug von 10% rechtfertige. 6.2.4 Wie sich aus der massgebenden gutachterlichen Zu mutbarkeitsbeurteilung von Dr. B.____ im Gutachten vom 23. März 2013 (vgl. E. 5.1 hiervor) ergibt, hat dieser bei der Fest- legung der Arbeitsfähigkeit sowohl die verminderte Au fmerksamkeits- und Konzentrationsfähig- keit, als auch den erhöhten Pausenbedarf berücksichtigt. E ine zusätzliche Veranschlagung die- ser Einschränkungen unter dem Titel des leidensbedingten Abzugs im Sinne von BGE 126 V 75 würde somit zu einer unzulässigen doppelten Anrechnung d esselben Faktors führen. Bei der Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkei t nicht berücksichtigt sind jedoch die bestehenden akzentuierten Persönlichkeitszüge mit selbstunsi cheren, ängstlichen und emotio- nal instabilen Zügen (ICD-10 F81) sowie die Lese- u nd Schreibstörung (ICD-10 F81). In Anbe- tracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin infolge dieser Beeinträchtigungen im Ver- gleich zu einer gesunden Person im Bereich der ihr zumu tbaren Tätigkeiten doch deutlich ein- geschränkt ist, was eine Reduktion des potenziell angebote nen Lohnes zur Folge haben könn- te, erscheint - entgegen der Ansicht der Vorinstanz - e in leidensbedingter Abzug von 10% als angemessen. Kriterien für die Vornahme eines weiterge henden Abzuges sind nicht ersichtlich, weshalb sich ein solcher nicht begründen lässt. Werden die vorstehend (vgl. E. 6.2.1 hiervor) ermittelten Einkommen von Fr. 29‘360.80 (ab Juli 20 11) und von Fr. 37‘368.30 (ab Januar 2012) um 10% gekürzt, so ergibt dies ein massgebendes Inva lideneinkommen von Fr. 26‘424.70 (Fr. 29‘360.80 x 90%) resp. Fr. 33‘631.45 (Fr. 37‘368.30 x 90%). 6.3 Stellt man im Einkommensvergleich diese Invalidenei nkommen von Fr. 26‘424.70 resp. Fr. 33‘631.45 dem oben (vgl. E. 6.1.2 hiervor) ermi ttelten Valideneinkommen von Fr. 60‘430.15 gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 34‘005.45 resp. Fr. 26‘798.70, was ab Juli 2011 einen IV-Grad von rund 56% (vgl. zur Rundungspraxis BGE 130 V 121 ff.) und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab Januar 2012 von rund 44% ergibt. Demnach hat die Be schwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juli 2011 Anspruch auf eine halbe Rente und ab 1. April 2012 - unter Berücksichtigung der dreimonatigen Übergangsfrist (vgl. Art. 88a Abs. 1 IV V) - Anspruch auf eine Viertelsrente. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ve rfahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden und der Beschwerdeführerin der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.--zurückzuerstatten ist. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Rechtsvertreter der Beschw erdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 23. Januar 2014 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 7,75 Stunden und Auslagen von Fr. 37.30 geltend gemacht, was angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des Aktenumfangs ni cht zu beanstanden ist. Damit ist der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeve rfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘132.80 (7,75 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 37.30 zuzüglich 8% MwSt.) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 11. Okto ber 2013 auf- gehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführer in mit Wir- kung ab 1. Juli 2011 Anspruch auf eine halbe Rente und ab 1. April 2012 Anspruch auf eine Viertelsrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘132.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht