B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5491/2009 U r t e i l v o m 2 2 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, Irak, vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Selig, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. Juli 2009 / N (…). E-5491/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein arabischer Sunnit aus der Provinz Mosul, ver- liess den Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 5. Januar 2007 und gelangte über Syrien, die Türkei, Griechenland und Italien am 25. August 2007 in die Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Die su m- marische Erstbefragung fand am 30. August 2007 im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen, die Anhörung zu den Asylgründen am 7. und 12. September 2007 statt. Der Beschwerdefü hrer machte zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei unter dem Regime von Saddam Hussein am (…) der republikanischen Garde beigetreten. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte habe er sich zunächst in B._______ versteckt, danach sei er nach C._______ gegangen. Auf dem Weg dorthin hätten ihn Freischärler Saddam s festgenommen, in eine Ka- serne gebracht, verhört und geschlagen. Nach der Freilassung sei er nach Hause zurückgekehrt. Er habe sich in der Folge bei den A merika- nern zum Polizisten ausbilden lassen , und im Jahr (…) habe er den Poli- zeidienst aufgenommen. Während dieser Zeit sei er von einem Imam und einem Nachbarn beschuldigt worden, für ihre Verhaftung durch die Am e- rikaner verantwortlich zu sein. Etwa im (…) habe er einen Angehörigen eines mächtigen Stammes verhaftet und den Amerikanern übergeben. Daraufhin sei er von Mitgliedern dieses Stamms mit dem Tod bedroht worden. Etwa zehn Tage später hätten Unbekannte von einem Auto aus auf ihn geschossen. Weitere ze hn Tage später habe er einen Drohbrief erhalten. Er habe danach aus Sicherheitsgründen etwa zwei Monate lang nur auf dem Polizeiposten geschlafen. Am (…) habe er den Polizeidienst quittiert, nachdem zuvor alle Polizeiposten in C._______ von Terroristen angegriffen – und zum Teil zerstört – worden seien. Er sei nach D._______ zu seiner Schwester gegangen. Nach zehn Tagen habe er versucht, in den Nordirak zu gelangen, sei jedoch an einem Kontrollpo s- ten angehalten worden und daraufhin zur Schwester zurückgekehrt. Nach fünf weiteren Tagen habe er sich einen Reisepass ausstellen lassen, mit dem er nach Syrien gereist sei. (…) sei er in den Irak zurückge kehrt und habe wieder bei der irakischen Polizei gearbeitet. Anfang (…) sei er in der Mittagszeit – er sei mit seiner Freundin in einem Restaurant in C._______ gewesen – von Terroristen entführt worden, habe jedoch nach etwa einer Stunde von den Amerikanern befreit werden können. Kurz darauf habe er einen zweiten Drohbrief erhalten. Er sei in der Folge in den Libanon g e-E-5491/2009 Seite 3 reist, wo er bis (…) geblieben sei. Nach seiner Rückkehr in den Irak (er habe sich wiederum nach D._______ begeben) habe er zunächst vier Monate als Informant bei der Geheimpolizei gearbeite t und dabei Info r- mationen üb er Terroristen gesammelt. Anfang (…) hätten Terroristen in seiner Abwesenheit sein Haus angegriffen. Aus diesen Gründen habe er am 5. Januar 2007 den Heimatstaat verlassen, um in der Schweiz um Asyl nachzusuchen. Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Bes chwerdeführer verschiede- nen Fotografien aus seinem Polizeidienst zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 31. Juli 2009 – eröffnet am 3. August 2009 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft wegen der Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen nicht, lehnte sein Asylg e- such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Wegweisung beurteilte die Vorinstanz als nicht zumutbar und als Fo l- ge davon ordnete sie die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers an. C. Mit Einga be vom 1. September 2009 an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin die Au f- hebung der Dispositivziffern 1, 2 und 3 der vorinstanzlichen Verfügung und die Gewährung des Asyls. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführe r sei Ak- teneinsicht zu gewähren und eine angemessene Nachfrist zur ergänze n- den Beschwerdebegründung zu setzen. Weiter wurde die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beigabe ei ner unentgeltlichen Rechtsvertretung in der Person der Rechtsvertreterin beantragt. D. Der Instruktionsrichter verfügte am 8. September 2009, die Vorakten wür- den dem BFM zur Gewährung der Akteneinsicht un ter Feststellung des Zeitpunkts überstellt. Der Beschw erdeführer wurde gleichzeitig aufgefo r- dert, innert sieben Tagen ab Einsicht in die Vorakten eine den rechtlichen Anforderungen genügende Beschwerdebegründung einzureichen. E-5491/2009 Seite 4 E. Der Beschwerdeführer liess am 18. September 2009 nach erfolgter A k- teneinsicht durch seine Rechtsvertreterin fristgerecht die Begründung seiner Beschwerde nachreichen. F. Mit Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2009 lehnte der Instruktionsric h- ter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung im Sinn von Art. 65 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021) ab . Er stellte weiter fest, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG später entschieden werde, verzichtete auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses und überwies die Beschwerdeeingabe vom 1. September 2009 sowie die Beschwerdeverbesserung vom 18. September 2009 der Vorinstanz zur Stellungnahme. G. Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 13. Oktober 2009 vol l- umfänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Diese Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer am 15. Oktober 2009 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende A usnahme im Sinn von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]); eine solche Ausnahme liegt hier nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. E-5491/2009 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälsch te oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz stellte in ihrer Verfügung fest, die Asylbegründung des Beschwerdeführers weise in zentralen Punkten Widersprüche und Ung e- reimtheiten auf; teilweise seien die Vorbringen auch nachgeschoben oder nicht nachvollziehbar. Zudem sei die gesamte Sachverhaltsschilderung in E-5491/2009 Seite 6 den wesentlichen Punkten unsubstanziiert. Schliesslich habe er nachg e- wiesenermassen tatsachenwidrige Angaben zu seinem Reiseweg in die Schweiz gemacht, was die Ung laubhaftigkeit der Asylvorbringen zusät z- lich unterstreiche. Die zum Beleg eingereichten Fotografien vermöchten an dieser Feststellung nichts zu ändern; sie würden allenfalls seine beruf- liche Tätigkeit, nicht jedoch eine konkrete Gefährdung belegen. Die Vor- bringen würden somit den Anforderungen an d as Glaubhaftmachen im Sinn von Art. 7 AsylG nicht standhalten ; das Asylgesuch sei deshalb ab- zuweisen. 4.2 Im Rechtsmittel respektive der am 18. September 2009 nachgereich- ten Begründung der Beschwerde wird vorweg festgehalten, allein die Tat- sache, dass der Beschwerdeführer zugegebenermassen falsche Ang a- ben zum Reiseweg gemacht habe, rechtfertige weder die Annahme, auch die übrigen Aussagen seien falsch, noch lasse sich daraus eine generelle Unglaubwürdigkeit des Beschwerdeführers ableiten. Im Übrigen wird Fol- gendes geltend gemacht: 4.2.1 Entgegen der Annahme des BFM habe der Beschwerdeführer seine Arbeitstätigkeit nach dem (…) in zeitlicher Hinsicht nicht widersprüchlich geschildert; vielmehr habe er auf die jeweil igen Fragen gemäss ihrer Formulierung geantwortet. 4.2.2 Die unterschiedlichen Datumsangaben bezüglich des Angriffs auf sein Haus im (…) würden auf den ersten Blick widersprüchlich erschei- nen. Allerdings seien diese vermeintlichen Widersprüche innerhalb des Erstprotokolls entstanden, was darauf hinweise, dass die Befragung r e- spektive Übersetzung missverständlich gewesen sei. Jedenfalls könne hier nicht ohne Weiteres auf deren Unglaubhaftigkeit geschlossen we r- den. Dies gelte umso mehr, als der Beschwerdeführer offenbar versuc ht habe, eine möglichst kompakte Lebensgeschichte darzustellen und d abei "in den Zei ten gesprungen" sei . Offenbar sei sein Haus zweimal, i n den Jahren (…) und (…), angegriffen worden. Dies würde auch erklären, dass er angegeben habe, bei einem Freund respe ktive in Syrien gewesen zu sein. Weiter sei zu berücksichtigen, dass er betreffend Drohbrief hinsich t- lich Datum, Inhalt und Art der Zustellung übereinstimmende und damit glaubhafte Angaben gemacht habe. 4.2.3 Bezüglich des Zeitpunkts des zweiten Drohbriefs habe der B e- schwerdeführer in der Erstbefragung den Zeitraum von (…), bei der An- hörung zu den Asylgründen das Jahr (…) genannt. Er habe sich dabei in E-5491/2009 Seite 7 der Erstbefragung zweifellos im Jahr geirrt, was auch aus dem Kontext der Befragung ersichtlich werde, zumal er dort gleichzeitig ausgeführt ha- be, dies sei nach der Rückkehr aus Syrien geschehen, nachdem er als Informant der Geheimpolizei zu arbeiten angefangen gehabt habe . Bei der zweiten Befragung habe er den Zeitpunkt seiner geheimdienstlichen Tätigkeit dann konkret auf den (…) datiert und klargestellt, bereits einmal (…) aus Syrien zurückgekommen zu sein, damals aber bei der Polizei gearbeitet zu haben. Die weiter bestehende Unstimmigkeit lasse jede n- falls letztlich angesichts der besonderen Situation als Asylbew erber nicht bereits die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführe rs insgesamt in Frage stellen. Dass bei der Erstbefragung offensichtlich eine Verwechslung der Jahrzahlen vorliege, werde insofern bestätigt, als er hier auch seinen L i- banonaufenthalt auf (…) datiert habe. 4.2.4 Die unterschiedliche Begründung des Beschwerdeführers für das Verlassen Syriens und seine Rückkehr in den Irak könne als widersprüch- lich betrachtet , jedoch auch als nebeneinander zutreffend beurteilt we r- den; wahrscheinlich sei, dass es dem Beschwerdeführer – der sich im Zeitpunkt der Befragung als "Illegaler" gefühlt habe – unangenehm gewe- sen sei, in diesem Punkt die Wahrheit zu sagen. 4.2.5 Der Vorwurf des BFM, er habe wesentliche Elemente erst im spät e- ren Verlauf des Verfahrens geltend gemacht, sei in dieser Form nicht z u- treffend. So habe der Beschwerdeführer bereits bei der Erstbefragung angegeben, es habe auch Morddrohungen, Mord- und Entführungsversu- che gegeben, diese allerdings angesichts der begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit nicht weiter ausführen können. 4.2.6 Mit Bezug auf den Vorwurf, es sei unlogisch, dass der Beschwerde- führer angesichts der ihm bekannten Bedingungen freiwillig in den Irak zurückgekehrt sei, stelle sich die Frage nach den Alternativen dieses Handelns. Und schliesslich seien seine Schilderungen insgesamt keine s- wegs vage und unsubstanziiert, sondern er habe ausführliche und detai l- lierte Angaben zu Protokoll gegeben, beispielsweise hinsichtlich der T ä- tigkeiten für die republikanische Garde, seiner Entführung oder der Fes t- nahme des Imams. 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht stellt nach Durchsicht der gesamten Akten fest, dass einzelne Unglaubhaftigkeitsargumente des BFM in der Beschwerdebegründung zwar geschickt in Frage gestellt werden, die E-5491/2009 Seite 8 Asylvorbringen des Beschwerdeführers insges amt aber trotzdem als in den zentralen Punkten unglaubhaft zu qualifizieren sind. 4.3.1 Zunächst ist festzuhalten, dass es für die geltend gemachten Mis s- verständnisse anlässlich der Summarbefragung vom 30. August 2007 oder der diesbezüglichen Übersetzung aus der arabischen in die deu t- sche Sprache (vgl. Beschwerdebegründung S. 3) nicht nur keine Anhalts- punkte gibt. Der Beschwerdeführer hatte vielmehr zweimal angegeben, den in seine Muttersprache übersetzenden Dolmetscher "gut" verstanden zu haben (vgl. Protokoll E VZ S. 2 und 9) und das Protokoll nach der Rückübersetzung unterschriftlich als korrekt bestätigt. Bei dieser Sachl a- ge müssen die Ungereimtheiten, die bei Durchsicht des Protokolls der – übrigens vergleichsweise ausführlichen – Erstbefragung ins Auge st e- chen, als Indizien für die Unglaubhaftigkeit der betreffenden Schilderung gewertet werden. 4.3.2 Der Beschwerdeführer hat angegeben, ab (…) als Polizist für die Amerikaner tätig gewesen zu sein. Unter anderem sei er etwa im (…) auf Patrouille und dabei an der Verhaftung eines Mannes an einer Tankstelle beteiligt gewesen. Dabei will er diesen zusammen mit den anderen Poli- zisten überwältigt und zu den Amerikanern gebracht haben , welche ihn dann verhaftet hätten (vgl. Proto koll EVZ S. 6); andererseits sollen die Amerikaner bei jener Auseinandersetzung auf den schreienden Mann aufmerksam geworden und zur Tankstelle gekommen sein, worauf sie ihn dort verhaftet hätten (vgl. Protokoll Anhörung zu den Asylgründen S. 21). Auch hinsichtlich der Festnahme eines Imams finden sich Ungereimthe i- ten in den Aussagen: Gemäss der Aussage in der Erstbefragung wäre zu schliessen, der Beschwerdeführer sei nicht persönlich daran beteiligt re- spektive betroffen gewesen ("An einem Tag wurde ein Imam einer Mo- schee verhaftet. Dann wurde ich verdächtigt, dass ich der Grund für diese Verhaftung war" vgl. Protokoll EVZ S. 6). Später gab er demgegenüber an, er selber habe den Imam – in seiner Funktion als Leiter der Einsat z- gruppe – verhaftet und diesen persönlich auf den Polizeiposten gebracht, wo er auch mit ihm gesprochen habe (vgl. Protokoll Bundesamt S. 20). Diese Steigerung der Sachverhaltsdarstellung erweckt den Eindruck, er habe dem ganzen Vorfall zu seinen Gunsten nachträglich mehr Gewicht verleihen wollen. Sodann schilderte er d en Vorfall unterschiedlich, wonach einmal Unbe- kannte unterwegs aus einem Auto auf ihn geschossen haben sollen. Hier E-5491/2009 Seite 9 soll ihn einerseits ein Opel verfolgt haben; aus diesem sei auf ihn g e- schossen worden, er habe zurückgeschossen (vgl. Protokoll EVZ S. 6). Andererseits gab er zu Protokoll , es seien mehrere Autos hinter ihm her gewesen, und dabei sei sowohl aus einem Opel als auch aus einem "Oldsmobile Celebrity" auf ihn ge feuert worden; er selber habe bei die- sem Überfall in die Luft geschossen und sei – trotz eines Verkehrsstaus – mit etwa 160 Stundenkilometern weitergefahren (vgl. Protokoll Bunde s- amt S. 22 f.). Diese Ungereimtheiten lassen erhebliche Zweifel an den geschilderten Erlebnissen respektive an der daraus angeblich resultierenden Bedr o- hungssituation entstehen. 4.3.3 Diese Unglaubhaftigkeitsindizien werden durch weitere ungereimte respektive nicht nachvollziehbare Aussagen bestätigt. 4.3.3.1 Der Beschwerdeführer hat angegeben, er habe insgesamt drei Drohbriefe erhalten. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffas- sung sind auch die diesbezüglichen Angaben nicht übereinstimmend ausgefallen: Den ersten Drohbrief will er im (…) erhalten haben (vgl. Protokoll EVZ S. 7). Bei der Anhörung zu den Asylgründen führte er dazu aus, die se schriftliche Bedrohung sei von einer unbekannten Organisation gekom- men respektive diese sei von der Al Qaida erfolgt (vgl. Protokoll Anhörung zu den Asylgründen S. 18). In zeitlicher Hinsicht soll dieser Drohbrief et- wa zehn Tage nach den Schüssen auf ihn eingetroffen sein – jenen Vor- fall datierte er auf den Zeitraum zwischen (…) und (…), jedenfalls sicher vor dem (…), als er den Polizeidienst quittiert habe (vgl. a.a.O. S. 18 und S. 23 f.). Den Erhalt des zweiten Drohbriefes datierte er bei der ersten Befragung unmissverständlich auf (…) (vgl. Protokoll EVZ S. 7). Bei der anschliessenden Anhörung zu den Asylgründen führte er aus, diesen im Jahr (…) erhalten zu haben, nachdem er zuvor entführt worden sei (vgl. Protokoll Anhörung zu den Asylgründen S. 19). Auch die Angaben im Zu- sammenhang mit dem angeblich dritten Drohbrief sind widersprüchlich ausgefallen. So will er diesen einmal am (…) erhalten haben. An diesem Tag sei auch sein Haus angegriffen respektive das Haus sei fünf Tage nach Erhalt des Drohbriefes vom (…) respektive am (…) angegriffen wor- den (vgl. Protokoll EVZ S. 7, Protokoll Anhörung zu den Asylgründen S. 18). Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu den unvereinbaren Angaben verwickelte sich der Beschwerdeführer in weitere Widersprüche, indem er E-5491/2009 Seite 10 beispielweise festhielt, den dritten Brief im Jahr (…) erhalten zu haben. Zudem soll gemäss seinen Angaben einmal der erste und dritte Drohbrief von der Al Qaida, dann wiederum der erste und zweite Drohbrief von di e- ser verfasst worden sein (vgl. Protokoll EVZ, S. 7, Protokoll Anhörung S. 18, 19, 29). Die verschiedenen Erklär ungsversuche vermögen keine Klarheit zu schaffen, sondern führen zu weiteren Unstimmigkeiten. Es gelingt dem Beschwerdeführer offensichtlich nicht, die diversen Aussagewidersprüche und Ungereimtheiten aufzulösen respektive plausibel zu erklären. 4.3.4 Hinsichtlich seiner Tätigkeiten sprach er einmal davon, nach seiner Rückkehr aus Syrien Mitte (…) habe er als Informant bei der Geheimpol i- zei gearbeitet. Er sei damals heimgekehrt, weil er "sehr müde" und die Mutter krank gewesen sei (vgl. Protokoll EVZ S. 7). Bei der Anhörung zu den Asylgründen legte er jedoch dar, er habe nach jener ersten Rückkehr Mitte (…) bei der irakischen Polizei gearbeitet. Für d ie Geheimpolizei ha- be er ab (…), nach seiner zweiten Rückkehr, diesmal aus dem Libanon und über Syrien reisend, gearbeitet (vgl. Protokoll Anhörung zu den Asyl- gründen S. 11 ff.). Er sei damals deswegen in den Irak zurück gekehrt, weil sein Pass abgelaufen und er von den syrischen Behörden zur Au s- reise aufgefordert worden sei (vgl. a.a.O. S. 3 f.). 4.3.5 Sodann hat das Bundesamt die angeblich erlebte Entführung des Beschwerdeführers zu Recht als nachgeschoben beurteilt: In der Em p- fangsstelle hat er mit keinem Wort erwähnt, er sei entführt worden; vie l- mehr sprach er – nach der Schilderung der angeblich selber erlebten Drohungen und Angriffe – bloss in allgemeiner Weise davon, es habe "Morddrohungen und Mordversuche und Entführungsversuche" gegeben (vgl. Protokoll EVZ S. 7). Bei der Anhörung zu den Asylgründen führte er demgegenüber aus, er sei im Jahr (…) – zunächst konnte er keine nähe- ren zeitlichen Angaben machen, im Rahmen der fünf Tage später durc h- geführten Fortsetzung der Befragung datierte er den Vorfall auf (…) – von zehn bewaffneten Männern aus e inem Restaurant hinaus entführt wo r- den. Er sei nur deswegen rasch wieder freigekommen, weil die Entführer nach zwei Schusswechseln mit den Amerikanern, die er im Kofferraum des Wagens miterlebt habe, an einem Kontrollposten v on den Amerik a- nern gestoppt worden und daraufhin geflüchtet seien (vgl. Protokoll S. 16 f.). E-5491/2009 Seite 11 Abgesehen davon, dass die geschilderte Sachverhaltsdarstellung offe n- sichtlich nicht plausibel ist, wäre jedenfalls zu erwarten gewesen, dass er diese angebliche erlebte Entführung bereits bei der ersten Befragung von sich aus erwähnt hätte, zumal es sich – schon angesichts der dramat i- schen Umstände – um einen zentralen Teil seiner Asylbegründung g e- handelt hätte (vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilungen der vormal i- gen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). 4.3.6 Weiter hat der Beschwerdeführer zugegebenermassen falsche An- gaben zu seinem Reiseweg in die Schweiz gemacht und auch ve r- schwiegen, dass er – bezeichnenderweise unter einer anderen Identität – am 15. August 2007 in Österreich wie zuvor offenbar bereits in Grieche n- land erfolglos im Asyl nachgesucht hatte (vgl. das Protokoll der am 13. November 2007 durchgeführte n kantonalen Befragung). Dieses Ver- halten ist bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen r e- spektive der persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers selbst- verständlich mitzuberücksichtigen. 4.3.7 Schliesslich bleibt festzuhalten, dass der Beschwerdeführer trotz angeblich massiver Verfolgung zweimal ohne Not aus dem Ausland in den Heimatstaat zurü ckgekehrt ist. Für eine persönlich verfolgte Person hätte die naheliegende Alternative (vgl. Beschwerdebegründung S. 5 f.) darin bestanden, in den Drittstaaten, in denen er gelebt haben will, um Schutz nachzusuchen oder bereits zum damaligen Zeitpunkt nach Euro- pa weiterzuziehen. 4.4 Zusammenfassend ist in Würdigung aller Sachverhaltselemente fes t- zustellen, dass der Beschwerdeführer – angesichts der eingereichten Fo- tografien – allenfalls als Polizeibeamter im Irak tätig war und in diesem Betätigungsfeld auch mit den seinerzeit dort stationierten Amerikanern in Kontakt gekommen sein mag . Auch unter Berücksichtigung der Verm u- tung, dass er durch eine solche berufliche Tätigkeit in ein Spannungsfeld oppositioneller respektive islamischer Kreise geraten wäre, sind die gel- tend gemachten Nachteile offenkundig nicht glaubhaft. 4.5 Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, eine flüchtlings- rechtlich relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG nachzu- weisen oder glaubhaft zu machen. Es erübrigt sich, auf weitere Vorbrin- gen im Einzelnen einzugehen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. Auch für die eventualiter beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht keine Veranlassung. E-5491/2009 Seite 12 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 5.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, regelt das BFM gemäss Art. 44 Abs. 2 AsylG das Anw e- senheitsverhältnis nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme im Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20). Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als u n- durchführbar zu qualifizieren und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Gegen eine allfällige A ufhebung der vorläufi- gen Aufnahme durch die Vorinstanz steht den (ab - und weggewiesenen) Asylgesuchstellern wiederum die Beschwerde an das Bundesverwa l- tungsgericht offen (vgl. Art. 31 VGG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG), wobei in jenem Verfahren sämtliche Vol lzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der dannzumal herrschenden Verhältnisse erneut zu prüfen wären. 5.4 Das BFM hat den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 31. Juli 2009 unter Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu- fig in der Schweiz aufgenommen, weshalb sich heute weitere Erwägun- gen in diesem Zusammenhang erübrigen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist abzuweisen. E-5491/2009 Seite 13 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem dieser seit Ende 2008 in der Schweiz offenbar praktisch unun- terbrochen einer Erwerbstätigkeit nachgeht und mithin über ein gerege l- tes Einkommen verfügt, muss seine prozessuale Bedürft igkeit praxisge- mäss verneint und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG aus diesem Grund abg e- wiesen werden. (Dispositiv nächste Seite) E-5491/2009 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab- gewiesen. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerde- führer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand: