Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. Januar 2017 (720 16 291 / 01) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung In Würdigung der gesamten Verhältnisse ist gestützt auf das beweiskräftige Gutachten am Anspruch auf eine Dreiviertelsrente festzuhalten. Gestützt auf das weiterhin beste- hende Aktivitätsniveau und die gesundheitlichen Einschränkungen ist von der Verwert- barkeit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers trotz fortgeschrittenem Alter auszugehen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführer , vertreten durch Erich Züblin , Advokat , Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1957, arbeitete seit dem 1. Apri l 2000 als Elektromonteur beim Spital B.____. Mit Gesuch vom 17. Mai 2013 meldete er sich unter Hinweis auf eine Verengung des Spinalkanals der Halswirbelsäule (HWS) mit Schmerze n im Rücken, Nacken und in den Schul- tern bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und erwerblichen Verhält- nisse des Versicherten ab. Mit Verfügung vom 21. Juli 201 6 sprach sie A.____ ab dem 1. Mai 2014 eine Dreiviertelsrente zu, ausgehend von einem IV-Grad von 68 %. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Eri ch Züblin, am 12. September 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht, und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2016 sowie die Verpflich- tung der Beschwerdegegnerin, ihm ab dem 1. Mai 2014 eine ganze IV-Rente auszurichten; un- ter o/e-Kostenfolge. C. Mit Vernehmlassung vom 6. Oktober 2016 beantragte di e Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akt en wird – soweit für die Entscheidung notwendig – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 12. September 2016 ist demnach einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwerd egegnerin dem Beschwerde- führer zu Recht ab dem 1. Mai 2014 eine Dreiviertelsrente zugesprochen hat. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs, BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.3 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Die ärztlichen Stellungnahmen b ilden in diesem Zusammenhang eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbark eit, also der Frage, welche anderen Er- werbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbei t von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden könne n (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 3.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Exp erten begründet sind. Bereits im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten e xterner Spezialärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sow ie nach Einsicht in die Akten Be- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist laut den Richtlinien des Bundesgerichts bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuerken- nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Folgende ärztliche Unterlagen zur Beurteilung de s Gesundheitszustands und der Ar- beitsfähigkeit des Beschwerdeführers liegen vor: 4.2 Dr. med. C.____, Oberarzt der Wirbelsäulenchirurgi e des Spitals B.____, diagnostiziert im Bericht vom 7. Januar 2013 ein chronifiziertes Schm erzsyndrom mit Thoraxschmerzen, linksseitigen Schulter-Arm-Schmerzen, am ehesten entsprechen d C8-Kenn-Dermatom, und Kopfschmerzen sowie eine Aspirin-Unverträglichkeit. Nach weiteren Abklärungen hält Dr. C.____ im Bericht vom 10. April 2013 als Diagnosen ein e cervikale Spinalkanalstenose und eine mehrsegmentale Foramenstenose mit elektrophysiologisch/myographisch akuter Denerva- tion C4 und C5 sowie C7 links, Reflexsprung zwischen obere m schwachem Reflexniveau und unterem gesteigertem Reflexniveau und mehrsegmentaler Spinalstenose und Spondylarthrose beginnend C2/3 bis C6/7 sowie ein chronisches Schmerzsyndr om mit Ausstrahlung in den Hin- terkopf/Occipitalis major fest. Im Schreiben vom 22. April 2013 wiederholt Dr. C.____ die soma- tischen Diagnosen. Er hält fest, dass aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht eine Operationsindika- tion bei drohender Verschlechterung der Myelopathie/der neurologischen Ausfälle bestehe. Un- geachtet dessen sei aber die Arbeitsfähigkeit nicht re duziert. Es bestehe lediglich hinsichtlich des Hebens und Tragens schwerer Lasten und bei Überkopfarbeiten eine Einschränkung. 4.3 Dr. med. D.____, Facharzt für Innere Medizin FMH, stellt mit Bericht vom 12. Juli 2013 die bereits bekannten somatischen Diagnosen und attestie rt eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit ab Mai 2013. Überkopfarbeiten oder Arbeiten am Boden mit Verdrehen der Halswirbelsäule seien nicht zumutbar. Dem ärztlichen Zeugnis vom 8. Oktobe r 2013 kann sodann eine Arbeits- unfähigkeit von 50 % vom 8. Mai 2013 bis 28. Juni 201 3 sowie von 100 % mit Arbeitsversuch von 50 % ab dem 1. Juli 2013 entnommen werden. 4.4 PD Dr. med. E.____, Leitender Arzt der Wirbelsäul enchirurgie des Spitals B.____, di- agnostiziert in seinem Bericht vom 19. September 2013 e ine chronische Cervicobrachialgie links bei Spinalstenose C3/4 und Foramenstenosen bei Spondylarthrose C2/3 bis C6/7. Im Vor- dergrund stünden die belastungsabhängigen Nackenschmerzen. Die Ausstrahlungen insbeson- dere C7 links seien eher zurückgegangen. In der klinischen Untersuchung würden sich keine Zeichen für eine Myelopathie finden lassen. Auch die K raft und die Sensibilität der oberen Ext- remität seien symmetrisch. Es bestehe keine dringliche Oper ationsindikation. Er habe den Pati- enten ermuntert, eine Steigerung der Arbeitsfähigkei t in der rückenadaptierten Tätigkeit zu ver- suchen, um seine Arbeitsstelle zu erhalten. Eine Umschulung über die IV sei seiner Meinung nach aussichtslos. Im Bericht vom 17. Dezember 2013 hält Dr. E.____ fest, dass sich die Situa- tion unverändert präsentiere. Zumutbar seien zur Zei t leichte, wechselbelastende, rückenadap- tierte Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von Lasten gr össer als 5 kg in einem Pensum von 50 %. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Mit Bericht vom 12. März 2014 attestiert Dr. med. F.____, Hausärztin in Ausbildung, bei den bekannten Diagnosen eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bis 31. März 2014. 4.6 Dr. med. G.____, Fachärztin FMH für Rechtsmedizin K linik H.____, diagnostiziert im Bericht vom 3. April 2014 ein chronisches cervicospondylo genes Schmerzsyndrom linksbetont und intermittierende Cervicobrachialgie und Cervicocephal gie links bei multietageren Spinalka- nalstenosen C2-C6 mit linksbetonten Foraminalstenosen un d Spondylarthrosen. Dr. G.____ stellt weiter fest, dass das Heben und Tragen von Lasten , Überkopfarbeiten und Arbeiten in vornübergebeugter Haltung sowie Arbeiten mit Belastun g von Nacken/Schultergürtel zu ver- meiden seien. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Unter Berücksichtigung der ge- nannten Einschränkungen sei eine leichte Tätigkeit mit Wechselbelastung zu 50 % denkbar. Am 18. Juni 2014 bestätigt die Klinik H.____ einen unverä nderten Zustand mit Physiotherapie und Interventionen bei Bedarf. 4.7 In der Folge liess die Beschwerdegegnerin den Beschw erdeführer durch Dr. med. I.____, Rheumatologie FMH, somatisch begutachten. Mit Gutachten vom 29. August 2014 di- agnostiziert Dr. I.____ mit Auswirkungen auf die Arbeit sfähigkeit eine symptomatische hochgra- dige Spinalkanalstenose HWK 3/4 und weniger ausgepräg t HWK 4 bis HWK 6 und Foraminal- stenosen HWK 3 bis BWK 1 rechts sowie HWK 6/7 links und H WK 7/BWK 1 links (MRI der HWS vom 27. November 2012) bei Status nach myographisch dokumentierten akuten Denerva- tionszeichen C4 und C5 links sowie diskret C7 links im Febr uar 2013 und klinisch chronischem cerviko-spondylogenem Schmerzsyndrom links betont. Ohne Auswi rkungen auf die Arbeitsfä- higkeit seien eine Epicondylopathia humeri radialis rechts sowie klinisch deutliche Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung resp. der Verdacht auf eine p sycho-somatische Begleiterkrankung mit motorischer Unruhe, 18 von 18 positiven Fibromyalgie-Dr uckpunkten sowie 3 von 3 positiven Kontrollpunkten. Im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hält Dr. I.____ fest, dass das aktuelle klinische Bild nun deutlich durch eine Schmerzfehlverarbeitung überlagert sei. Der Explorand berichte, dass er praktisch überall am Körper unter Schmerzen leide. Dies wiederspiegle sich in der klini- schen Untersuchung in den aufgeführten positiven Fibromya lgie-Druckpunkten und den positi- ven Kontrollpunkten. Zudem sei eine deutliche motorische Unruhe aufgefallen, indem der Ex- plorand die schmerzhafte Halswirbelsäule ständig bewegt h abe und dabei auch Bewegungsab- läufe durchgeführt oder Stellungen eingenommen habe , die in der klinischen Untersuchung als Provokationstests für Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule gelten würden. Der Explorand habe festgehalten, dass seine Schmerzen durch diese Beweg ungen gelindert würden. Trotz diesen nun deutlichen, nicht organisch begründbaren Be schwerden sei an der somatisch rele- vanten Wirbelsäulenpathologie mit Provokation von erheb lichen und die Arbeitsfähigkeit ein- schränkenden Beschwerden nicht zu zweifeln. Da die angest ammte Tätigkeit des Exploranden häufig ungünstige Bewegungsabläufe und Positionen für die Halswirbelsäule beinhalte, müsse auch aus gutachterlicher Sicht die von verschiedenen Ärzte n attestierte vollständige Arbeitsun- fähigkeit in der ursprünglichen Tätigkeit aufgrund de r symptomatischen erheblichen degenerati- ven Veränderungen an der Halswirbelsäule bestätigt werd en. Die Beurteilung in der möglichen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit wer de aktuell sehr erschwert durch die beschrie- benen Überlagerungsreaktionen, die an ein zusätzliches er hebliches psycho-somatisches Be- schwerdebild denken lassen würden, das offenbar neu fachärztlicherseits abgeklärt werde. Weiter hält Dr. I.____ fest, dass die Arbeitsunfähigkei t in der angestammten Tätigkeit vom 8. Mai 2013 bis zum 28. Juni 2013 50 % betragen habe. Anschliessend habe sie 100 % betra- gen mit einem erlaubten Arbeitsversuch unter adaptier ten Verhältnissen in einem Pensum von 50 %. In einer körperlich leichten bis intermittieren d mittelschweren und rückenadaptierten Tä- tigkeit bezüglich der Halswirbelsäule (keine Arbeitshalt ungen wiederholt oder länger dauernd rekliniert oder vornüber geneigt oder seitlich stark rotiert) sei rein bezogen auf den Bewegungs- apparat ein Pensum von 50 % zumutbar, vorzugsweise aufgeteilt auf 2 x 2 Stunden pro Tag mit dazwischenliegender Pause. Diese Beurteilung beziehe sich einzig auf die symptomatischen somatischen Veränderungen an der Halswirbelsäule. 4.8 Mit Bericht vom 28. Januar 2015 hält Dr. D.____ fest, dass sich die Arbeitsfähigkeit in den letzten Wochen merklich verschlechtert habe. Der Pat ient sei weiterhin regelmässig in der Klinik H.____ in Behandlung. Aufgrund der Nackenschmer zen sei auch der Schlaf massiv ge- stört. Eine Ersatzarbeit sei ab dem 1. Januar 2015 nich t mehr zumutbar; es bestehe eine Ar- beitsunfähigkeit von 100 %. 4.9 Mit Bericht vom 23. März 2015 diagnostiziert Dr. med . J.____, Spezialarzt für Psychiat- rie und Psychotherapie FMH, eine anhaltende somatoform e Schmerzstörung in Zusammen- hang mit alten Traumatisierungen (ICD-10 F45.4), ein e posttraumatische Belastungsstörung, Rebound aus Jugend-, Kriegs- und Fluchterleben (ICD-1 0 F43.1) sowie rezidivierende depres- sive Störungen, aktuell mittelgradig mit somatischen Sym ptomen (ICD-10 F33.11). Einschrän- kungen würden in kognitiver Hinsicht bestehen. Zudem bes tehe ein depressiv-ängstliches, halsentlastendes Verhalten. Der Patient sei kognitiv zu l angsam, es komme zu ständigen Ar- beitsunterbrechungen, Apathie und er verstehe nur schle cht. Es bestehe keinerlei Belastungs- fähigkeit. Der Patient zeige absonderliche Verhaltensweisen. 4.10 In der Folge liess die Beschwerdegegnerin den Besc hwerdeführer auch psychiatrisch abklären. Dr. med. K.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostiziert im Gutachten vom 22. Januar 2016 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfäh igkeit eine rezidivierende depressive Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig mitte lgradiger Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11). Ohne Auswirkungen auf die Arb eitsfähigkeit bestehe der Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41). Aufgrund der Beschwerden von Seiten der rezid ivierenden depressiven Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig mittelgradiger Ep isode mit somatischem Syndrom lasse sich aus rein psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in einer alternativen Tätigkeit von 50 % seit Mitte 2013 begründen; dabei mitberücksichtigt sei eine gleichzeitige Verminderung de r Leistungsfähigkeit. Aufgrund der le- diglich in Verdacht zu stellenden chronischen Schmerzstöru ng mit körperlichen und psychi- schen Anteilen lasse sich aus psychiatrischer Sicht keine Ein schränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am 5. Januar 2016 führten Dr. I.____ und Dr. K.____ eine telefonische Konsensbesprechung durch. Dazu hält Dr. K.____ fest, dass die Einschränkung en der Arbeitsfähigkeit aus rein psy- chiatrischer Sicht diejenigen aus rheumatologischer Sicht zu keinem Zeitpunkt übersteigen würden. Aus diesem Grund könne als gesamtmedizinische Beurteilung diejenige des rheumato- logischen Gutachtens von 29. August 2014 übernommen wer den. Ein additiver Effekt der Ein- schränkungen aus rheumatologischer und aus psychiatrischer Sicht lasse sich nicht begründen. 5.1.1 In somatischer Hinsicht ist der Gesundheitszustand d es Beschwerdeführers unbestrit- ten. Der Beschwerdeführer leidet an einer Spinalkanal stenose im Bereich der Halswirbelsäule, hochgradig bei HWK 3/4, weniger ausgeprägt bei HWK 4 bis 6, sowie an Foraminalstenosen auf der Höhe HWK 3 bis BWK 1 rechts und bei HWK 6 bis B WK 1 links bei Status nach Dener- vationszeichen C 4, 5 und 7 links mit klinisch chronischem cerviko-spondylogenem Schmerz- syndrom links betont. Diese Diagnose wird in allen fachä rztlichen medizinischen Berichten be- stätigt. 5.1.2 Dr. I.____ beurteilt den Beschwerdeführer aus r heumatologischer Sicht für die ange- stammte Tätigkeit als gar nicht mehr arbeitsfähig. In einer angepassten leichten bis intermittie- rend mittel und rückenadaptierten Tätigkeit, das heisst, nicht wiederholt oder länger rekliniert, vornübergeneigt oder seitlich stark rotiert, erachtet er eine 50 %-ige Arbeitstätigkeit, vorzugs- weise 2 x 2 Stunden mit längerer Pause, als zumutbar. 5.1.3 Der Beschwerdeführer bestreitet diese Restarbeit sfähigkeit insbesondere mit dem Hinweis darauf, dass er einen Arbeitsversuch in einem 50 %-Pensum nicht habe bewältigen können. Dem Beschwerdeführer ist dahingehend zuzustimmen , dass gemäss Bundesgericht einer konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht jegliche Aussagekraft für die Be- urteilung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen ist. Letztlich obliegt die abschliessende Beurtei- lung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden fu nktionellen Leistungsfähigkeit in der Hauptsache aber dennoch dem Arzt oder der Ärztin, n icht den Fachleuten der Berufsbera- tung bzw. der beruflichen Eingliederung (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 4. Juli 2008, 9C_833/2007, E. 3.3.2). Der Beschwerdeführer weist zud em darauf hin, dass die Beschwerde- gegnerin selber davon ausgegangen sei, dass die Arbeits fähigkeit tiefer sei, weil sie die Ein- gliederungsmassnahmen abgebrochen habe. Dieser Auffassun g kann nicht gefolgt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich die Beschwerdegegnerin zu diesem Schritt entschloss, weil sich der Beschwerdeführer selbst als vollständig arbeitsu nfähig betrachtete, womit es am sub- jektiven Eingliederungswillen fehlte und damit an eine r zwingenden Voraussetzung für die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen (IV act. 21). 5.1.4 Soweit sich der Beschwerdeführer auf die Berichte seines Hausarztes beruft, der ihm eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, ist festzu halten, dass Dr. D.____ seine Einschät- zung nicht näher begründet, weshalb nicht ausgeschlossen werden kann, dass er auch psycho- somatische Entwicklungen berücksichtigte. Dr. I.____ dageg en legt in nachvollziehbarer Weise dar, weshalb er den Beschwerdeführer in einer adaptie rten Tätigkeit teilweise arbeitsfähig er- achtet. Auch Dr. G.____ hält ein Pensum von 50 % in ei ner adaptierten Tätigkeit als für zumut- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bar. Darüber hinaus kann der Anamnese von Dr. K.____ ( Gutachten S. 9f.) entnommen wer- den, dass der Beschwerdeführer auch zuhause nicht völlig inaktiv ist. Er macht zusammen mit seiner Ehefrau den Haushalt, erledigt Einkäufe und hütet manchmal die Enkelkinder. 5.1.5 Abschliessend ist zu erwähnen, dass das rheumatologisc he Gutachten von Dr. I.____ bereits im August 2014, also fast zwei Jahre vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung, er- stellt wurde. In Anbetracht des Umstands, dass der Beschwe rdeführer nicht geltend macht, dass sich sein Gesundheitszustand seither verschlechtert habe, ist trotz des Zeitablaufs auf die Beurteilung von Dr. I.____ abzustellen. Zusammenfassend liegen somit keine Indizien vor, die an der Beweistauglichkeit der Einschätzung von Dr. I.____ zweifeln lassen würden. 5.2.1 In psychischer Hinsicht ist zwischen den Parteien umstrit ten, ob der Beschwerdeführer neben der von Dr. K.____ und auch von Dr. J.____ atte stierten rezidivierenden depressiven Störung mittelgradigen Ausmasses auch an einer somatofo rmen Schmerzstörung und an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. 5.2.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er wegen se iner Kriegserlebnisse in X.____ an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. Dies wir d von Dr. J.____ auch so diagnosti- ziert. Dr. K.____ legt aber nachvollziehbar dar, weshal b keine posttraumatische Belastungsstö- rung vorliegt. So gibt es keine Intrusionen, der Beschwe rdeführer kann problemlos über seine Kriegserlebnisse berichten, es besteht keine Hypervigilanz und Schreckhaftigkeit und auch kein Vermeidungsverhalten. Der Beschwerdeführer reiste frühe r nach X.____ in die Ferien und um seine Verwandten zu besuchen. In der Schweiz zeigte er a usserdem kein auffälliges Verhalten. Es besteht auch keine genügend schwere Re-Traumatisierung (vgl. Gutachten S. 16). Dr. K.____ zeigt sodann auf S. 15 seines Gutachtens na chvollziehbar auf, weshalb er im Ge- gensatz zu Dr. J.____ lediglich den Verdacht einer som atoformen Schmerzstörung stellt. Dabei führt er unter anderem aus, dass das Schmerzgebaren des Beschwerdeführers teilweise nicht konsequent und somit aufgesetzt und demonstrativ wirke. A uch Dr. I.____ hat bezüglich des Schmerzgebarens festgestellt, dass die Bewegungen mit dem Kopf und dem Nacken nicht dem Verhalten beim Schmerzbild des Beschwerdeführers entsprech en würden, also ebenfalls nicht authentisch wirkten. 5.2.3 Somit liegen auch keine Indizien vor, die gegen d en Beweiswert der Einschätzung von Dr. K.____ sprechen würden. 5.3 Das bidisziplinäre Gutachten von Dr. I.____ und Dr . K.____ genügt damit den Anforde- rungen der Rechtsprechung. Es beruht auf vollständigen medizinischen Unterlagen bezüglich der Krankengeschichte und umfassenden Untersuchungen, be rücksichtigt alle vom Beschwer- deführer geklagten Beschwerden, ist widerspruchsfrei u nd zieht einleuchtende Folgerungen. Die Gutachter setzen sich soweit möglich überzeugend mit allfälligen abweichenden Auffassun- gen der behandelnden Ärzte auseinander. Das Gutachten kann deshalb als Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers berücksichtigt werden. Dies wird vom Beschwerdeführer zumindest in dieser Form nicht bestritten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 Der Beschwerdeführer vertritt aber die Auffassung , dass eine polydisziplinäre Begut- achtung unter Einbezug der Disziplinen Neurologie und O rthopädie hätte durchgeführt werden müssen. In Bezug auf den Fachbereich Orthopädie ist dar auf hinzuweisen, dass die Fachberei- che Rheumatologie und Orthopädie viele Überschneidungen aufweisen. Deshalb kann in der Regel sowohl ein Rheumatologe als auch ein Orthopäde den Sachverhalt umfassend abklären. Zudem behauptet der Beschwerdeführer nicht, Dr. I.___ _ habe den Sachverhalt nicht korrekt festgestellt. Eine zusätzliche Begutachtung im Fachgebie t Orthopädie ist deshalb nicht notwen- dig. In Anbetracht des Umstands, dass beim Beschwerdeführer im Frühjahr 2013 akute Denervie- rungszeichen C4, C5 und C7 festgestellt wurden (vgl. Ber icht von Dr. C.____ vom 10. April 2013), stellt sich die Frage einer zusätzlichen neurologi schen Abklärung. Da die entsprechende Symptomatik aber im Zeitpunkt der Begutachtung nicht meh r vorhanden war, der Beschwerde- führer diesbezüglich von den behandelnden Ärzten auch nicht weiter untersucht oder behandelt wurde und zudem die kursorische neurologische Prüfung a nlässlich der Begutachtung keine Anzeichen für eine neurologische Störung ergab, beste ht kein Anlass für eine zusätzliche neu- rologische Begutachtung. Von der Anordnung einer pol ydisziplinären Begutachtung ist deshalb abzusehen. 5.5 Somit ist mit der Beschwerdegegnerin zur Beurteilu ng der Restarbeitsfähigkeit auf die bidisziplinäre Beurteilung von Dr. I.____ und Dr. K._ ___ abzustellen und davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer körperlich l eichten bis intermittierend mittel- schweren und rückenadaptierten Tätigkeit bezüglich der H alswirbelsäule (keine Arbeitshaltung wiederholt oder länger dauernd rekliniert oder vornü ber geneigt oder seitlich stark rotiert) zu 50 % – bestenfalls auf 2 x 2 Stunden pro Tag verteilt mit dazwischenliegender längerer Pause – zuzumuten ist. 6.1 Zu prüfen ist, wie sich die eingeschränkte Arbeitsfä higkeit auf die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt. 6.2.1 Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts zur Verwertb arkeit der Restarbeitsfähig- keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ist davon auszug ehen, dass dieser durch ein gewis- ses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbei tskräften gekennzeichnet ist und einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten aufweist. D ies gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzung en wie auch hinsichtlich des körperli- chen Einsatzes. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch keine übermässigen Anforderungen zu stellen. Je restriktiver indessen das medizinische Anforderungsprofil umschrieben ist, desto eingehender i st in der Regel die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stell en- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht me hr gesprochen werden, wenn die zu- mutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form mög lich ist, dass sie der ausgeglichene Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nic ht realistischem Entgegenkommen ei- nes durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint. Für die Invaliditätsbemessung ist somit grundsätzlich nicht darauf abzustellen, ob eine invalide P erson unter den konkreten Arbeits- marktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die v erfügbaren Arbeitsplätze dem Ange- bot an Arbeitskräften entsprechen würden. Massgebend ist der Arbeitsmarkt von seiner Struktur her, jedoch abstrahiert von den konjunkturellen Verhäl tnissen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2013, 9C_941/2012, E. 4.1.1 mit weiteren Hinweisen). 6.2.2 Gleichwohl können für die Frage der Verwertbar keit der verbliebenen Restarbeitsfähig- keit auf dem aus medizinisch-theoretischer Sicht grundsätzli ch in Betracht fallenden ausgegli- chenen Arbeitsmarkt unter Umständen auch erfolglose Bemüh ungen um eine Anstellung trotz fachlicher Unterstützung insbesondere durch die Invalide nversicherung im Rahmen von Ar- beitsvermittlung von Bedeutung sein. Voraussetzung ist , dass die versicherte Person ihren Mit- wirkungspflichten bei der beruflichen Integration vollu mfänglich nachgekommen ist und auch deutlich wird, dass der fehlende Eingliederungserfolg nicht der konjunkturellen, sondern der strukturellen Verfassung des Arbeitsmarktes geschuldet ist. Von Relevanz sind auch die Dauer und die Intensität der Bemühungen, ob lediglich lokal oder regional oder sogar in einem grösse- ren Gebiet gesucht wurde, ob die nachgefragten Stelle n dem medizinischen Anforderungsprofil und den Ergebnissen der beruflichen Abklärung effektiv entsprachen und verschiedenste in Betracht fallende Tätigkeiten umfassten sowie Gründe, weshalb es zu keiner Anstellung kam (Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2013, 9C_941/2012, E. 4.1.2). 6.2.3 Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall , ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwe rten oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der ihr auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen ste henden Möglichkeiten zur Verwertung seiner Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren ver langt werden, die unter Berücksichti- gung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenhei ten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinwei- sen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Reste rwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine g anze Invalidenrente begründet (Urteil der EVG vom 21. August 2006, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hinweisen). 6.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er die Re starbeitsfähigkeit von 50 % ins- besondere in Anbetracht seiner persönlichen Umstände gar nicht mehr wirtschaftlich verwerten könne. Zum einen stellt er sich auf den Standpunkt, dass v on diversen Ärzten aus medizini- scher Sicht bestätigt worden sei, dass die Verwertbarkeit d er Restarbeitsfähigkeit nicht mehr möglich sei. Insbesondere Dr. E.____ habe darauf hinge wiesen, dass eine Umschulung durch die IV aussichtslos sei. Darüber hinaus hätten auch die E ingliederungsfachpersonen der Be- schwerdegegnerin ein Eingliederungspotenzial verneint. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3.2 Dr. E.____ hält im Bericht vom 19. September 20 13 fest, dass eine Umschulung seiner Meinung nach aussichtslos sei. Inwiefern Dr. E.____ zu die ser Einschätzung gelangt ist, geht aus seinem Bericht nicht hervor. Immerhin aber kann e ntnommen werden, dass er den Be- schwerdeführer ermunterte, eine Steigerung der Arbeit sfähigkeit in einer rückenadaptierten Tä- tigkeit zu versuchen. Der Hinweis der Beschwerdegegnerin im Bericht vom 8. November 2013 bezieht sich wohl auf die subjektive Einschätzung des Besch werdeführers, keine eigentliche Arbeitsleistung erbringen zu können. Es geht aus dem Ber icht aber nicht hervor, dass die Ein- gliederungsfachpersonen eine Selbsteingliederung aus o bjektiven arbeitsmarktlichen Gründen ausgeschlossen hätten. Was das fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers von – im Begutachtungszeitpunkt (vgl. dazu BGE 138 V 457 E. 3.3) – 58 Jahren betrifft, so schliesst dieses für sich allein die Verwert- barkeit gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung noch nicht aus (BGE 138 V 457 E. 3.1). Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verblie bene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht n ach einer allgemeinen Regel be- messen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit B lick auf die Anforderungen der Ver- weisungstätigkeiten massgebend sind (beispielsweise Art u nd Beschaffenheit des Gesund- heitsschadens und seiner Folgen; absehbarer Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhanden e Begabungen und Fertigkei- ten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendb arkeit von Berufserfahrung aus dem an- gestammten Bereich). Gerade der Umstand, dass der Beschwerdeführer auch wei terhin hand- werkliche Tätigkeiten ausüben kann, lassen seine Chancen trotz vorgerücktem Alter als intakt erscheinen. Zudem ist er gelernter Elektromonteur und h at in seinem Beruf über 35 Jahre lang erfolgreich gearbeitet, weshalb ihm ein Arbeitgeber eher zumuten wird, sich in eine neue Arbeit einzuarbeiten. Mit seiner Ausbildung – er hat in Viet nam die Mittelschule besucht – könnte er auch einfache Büroarbeiten erledigen wie die Arbeit an einer Porte oder Botengänge im inter- nen Postdienst. Die zeitliche Einschränkung ist mit 50 % zwar relativ hoch, sie schliesst die Verwertbarkeit aber nicht aus, da dem Beschwerdeführer aufgrund seiner funktionell nicht er- heblichen Einschränkungen ein weites Spektrum an mögliche n Arbeitsstellen zur Verfügung steht. 6.3.3 Ausgehend von diesen Grundsätzen kann nicht von e inem IV-rechtlich erheblichen, fehlenden Zugang des Beschwerdeführers zum Arbeitsmarkt i m Sinne des Art. 16 ATSG ge- sprochen werden. Die Einschränkungen, die der Beschwerdeführer aufgrund seiner Erkrankung erleidet, reduzieren zwar seine Möglichkeiten auf dem A rbeitsmarkt, lassen aber eine Verwert- barkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht völlig unrealistisch erscheinen. 7.1 Auf der beruflich-erwerblichen Seite der Invalidit ätsbemessung ist schliesslich die Höhe des Leidensabzuges vom Tabellenlohn für die Ermittlung des Invalideneinkommens umstritten. 7.2 Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Ve rfügung vom 21. Juli 2016 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Nachdem sich aus den Akten keine Hin- weise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von A mtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre und die konkret e Berechnung des Validenein- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommens gestützt auf die Angaben des ehemaligen Arbeitg ebers vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten worden ist, erübrigt sich eine detail lierte Auseinandersetzung mit der Berech- nung. Es kann diesbezüglich grundsätzlich vollumfängli ch auf die entsprechenden Ausführun- gen der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfüg ung verwiesen werden. Es ist somit bei einem 100 % Pensum als Elektromonteur von einem Val ideneinkommen von Fr. 89‘169.-- auszugehen. 7.3.1 Bezüglich des Invalideneinkommens ist die Beschwerd egegnerin von einem leidens- bedingten Abzug in der Höhe von 15 % ausgegangen. Der Beschwerdeführer beantragt die Anrechnung des maximal zulässigen Abzuges von 25 % und dam it die Zusprechung einer gan- zen Rente. 7.3.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche u nd berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe h aben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person d eswegen die verbliebene Arbeitsfä- higkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur m it unterdurchschnittlichem erwerbli- chem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). De r Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einze lfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 75 E. 5b/bb-cc, 134 V 322 E. 5.2). Bei der Überprüfung soll die kontrollierend e richterliche Behörde nicht ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzen. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er messen im Einklang mit den allge- meinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffe n hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetät igung der Vorinstanz eingegriffen wer- den, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegeb enheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend e rscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis). 7.3.3 Laut der LSE 2012 belief sich der Zentralwert f ür die mit einfachen Tätigkeiten körperli- cher oder handwerklicher Art (tirage skill level 1) beschä ftigten Männer im Jahre 2012 auf CHF 5‘210.-- (LSE 2012, Privater Sektor, Tabelle TA1 , Total). Dabei ist zu beachten, dass die- ser Tabellenlohn auf einer einheitlichen Arbeitszeit vo n 40 Wochenstunden beruht und für das Jahr 2014 auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit vo n 41,7 Stunden (vgl. www.bfs.admin.ch , Dokument je-d-03.02.04.19) umzurechnen sowie bis ins Jahr 2014 an die entsprechende Nominallohnentwicklung von + 1,5% (vgl. www.bfs.admin.ch , Dokument je-d- 03.04.02.02.03, Nominallohnindex Männer 2011-2014, Spalte Total) anzupassen ist. Damit ergibt sich ein jährliches Invalideneinkommen von CHF 66‘155.-- (12 x CHF 5‘210.-- / 40 x 41,7 x 1,015). 7.3.4 Die Beschwerdegegnerin begründet den von ihr vo rgenommenen Abzug von 15 % mit dem Umstand, dass der Beschwerdeführer nur noch eine Teil zeiterwerbstätigkeit zu 50 % aus- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht üben könne. In der Tat werden Männer mit einem Beschä ftigungsgrad von maximal 89 % auf allen Anforderungsniveaus überproportional tiefer en tlöhnt im Vergleich zu Männern, die ein Vollzeitpensum ausüben. Bei einem Arbeitspensum zwischen 50 % und 74 % erzielten sie im Anforderungsprofil 4 (heute tirage skill level 1) aufg erechnet auf ein Vollzeitpensum in den letz- ten Jahren ein durchschnittlich 9 % tieferes Einkommen als Vollzeitbeschäftigte. Bei einem Ar- beitspensum zwischen 25 % und 49 % betrug die Einbusse g ar 18 %. Die in casu verbleibende Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bildet mit 50 % die Grenze zwischen diesen beiden Erhebungen, weshalb es sich mit Blick auf die resultieren de Einkommenseinbusse rechtfertigt, auf den entsprechenden Mittelwert von 13,5 % zwischen 9 % und 18 % abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Dezember 2010, 9C_643/2010, E. 3.4). Für eine darüber hinaus- gehende Kürzung des Tabellenlohnes (Alter, Dienstjahre, Nationalität) lässt sich in den Akten keine Stütze finden. Das fortgeschrittene Alter wirkt sich im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich nic ht zwingend lohnsenkend aus (Ur- teil des Bundesgerichts vom 6. September 2012, 8C_498/20 12, E. 3.1). Unter gebotener ge- samthafter Berücksichtigung aller Aspekte erscheint ein A bzug von 15 %, wie ihn die Be- schwerdegegnerin vorgenommen hat, als angemessen. Soweit sie damit ab dem 1. Mai 2014 ein Invalideneinkommen von Fr. 28‘116.-- berechnet hat, ist dies korrekt erfolgt. Für die konkre- te Berechnung wird auf die angefochtene Verfügung verwiesen. 7.4 Stellt man das Valideneinkommen von Fr. 89‘169.-- dem Invalideneinkommen von Fr. 28‘116.-- gegenüber, resultiert ein IV-Grad von 68 %. Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. Mai 2014 Anspruch auf eine Dreivier- telsrente hat. Damit ist die angefochtene Verfügung vo m 21. Juli 2016 nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Diese werden mit dem geleiste- ten Kostenvorschuss verrechnet. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht