Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. März 2019 (715 18 333 / 61) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz aus gesundheitlichen Gründen nicht rechtsgenüglich belegt. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer in , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Die 1969 geborene A.____ war seit Juli 2001 zunä chst im Umfang von 70% und ab Januar 2017 im Umfang von 80% als Teamleiterin angestellt. Am 28. Februar 2018 kündigte sie ihr Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der gesetzli chen Kündigungsfrist per Ende Mai 2018. Am 7. Juni 2018 meldete sie sich bei der Kasse zum Bez ug von Arbeitslosenentschädigung und tags darauf zur Arbeitsvermittlung an. B. Mit Verfügung vom 9. Juli 2018 stellte die Kasse die Versicherte wegen selbstver- schuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 31 Ta gen in der Anspruchsberechtigung ein. Da- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 6. September 2018 fest. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass die Versicherte mit ihrer Kün digung einer möglichen Erkrankung ha- be zuvor kommen wollen. Sowohl im Zeitpunkt ihrer Kü ndigung als auch bereits geraume Zeit zuvor sei sie jedoch nicht arbeitsunfähig gewesen. Es sei nicht erstellt, dass ein Verbleiben am bisherigen Arbeitsplatz aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar gewesen wäre. C. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwa lt Daniel Altermatt, am 8. Okto- ber 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozi alversicherungsrecht (Kantonsge- richt), und beantragte die Aufhebung des Einspracheen tscheids vom 6. September 2018. Eventualiter seien die Einstelltag e angemessen zu reduzieren, unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung liess sie in ihrer Beschwerd ebegründung vom 30. Oktober 2018 im Wesentlichen geltend machen, dass die Kündigung aus ge sundheitlichen Gründen habe erfolgen müssen. Dem eingereichten Arztzeugnis zufolge leide sie an einer Erschöpfungssymp- tomatik. Dass daraus nur implizit hervorgehe, dass der be handelnde Arzt ihr geraten habe, die Anstellung zu kündigen, dürfe ihr nicht zum Nachteil g ereichen. Sie sei bereits vor ihrer Kündi- gung über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg in ärztlicher Behandlung gestanden. Der be- handelnde Arzt sei offenbar bereits schon dazumal zur Ansicht gelangt, dass eine Beibehaltung der bisherigen Anstellungen unzumutbar sei. Die Tatsa che, dass er diese Erkenntnis erst im Nachgang zur Kündigung festgehalten habe, ändere nicht s an der Echtzeitlichkeit des entspre- chenden Arztzeugnisses. Durch das problembehaftete Verhältn is zu ihrer neuen Vorgesetzten habe sich die bereits vorbestehende Problematik der Erschöp fungssymptomatik verschärft. Un- ter der Gesamtwürdigung aller subjektiven und objektiven Umstände könne von einer selbstver- schuldeten Arbeitslosigkeit keine Rede sein. D. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 17. Dezember 201 8 auf Abweisung der Beschwerde. Auf die Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägungen einzu- gehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereich- te Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO in der ab 1. Januar 2019 anw endbaren Fassung entscheidet die Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kan tonsgerichts bei Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20‘000.—. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. B ei einem Taggeld von Fr. 262.25 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 8‘129.75. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Ein Selbst- verschulden im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt da nn vor, wenn und soweit der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven F aktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versi- cherten Person liegt, für das die Versicherung die Haftu ng nicht übernimmt (ARV 1998 N 9 S. 44 E. 2b). Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsver- hältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Ste lle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 2; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Umstände vorli egen, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu ve rbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zür ich 1998, S. 116). Die Zu- mutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstel le wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 2.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Ar t. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. J uni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen ; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ( „ volontairement“) Auf- geben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans motif légitime“ ) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 2.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt di e Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundheitsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht (mehr) zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person be gnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachver halts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). Ärztliche Zeugnisse müssen einerseits eine Diagnose und anderseits eine aus- sagekräftige Erklärung für die Arbeitsunfähigkeit (Kausalität) enthalten. 2.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mein ungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C128/96). Bei Schwierigkei- ten wie Auseinandersetzungen oder Stresssituationen un d dergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlussstel- le aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass b elastende Verhältnisse am Arbeits- platz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nich t rechtfertigen. Sie können aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der ver sicherten Person nicht entsprechendes Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich dara uf hinzuweisen, dass das sozial- versicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgericht sbeschwerdeverfahren vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht wird. Danach haben Versi cherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sin d, wenn hierzu aufgrund der Par- teivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebende r Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinwei- sen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mit- wirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, U rteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht ist in Sozialversicherungssachen zur vollständigen Überprüfung befugt und in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bewiesen anne hmen, wenn sie von ihrem Bestehen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozial- versicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei- chendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu fol gen, die es von allen möglichen Ge- schehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 12 6 V 360 E. 5b; 125 V 195; 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). 4.1 Es steht fest, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeit sverhältnis per Ende Mai 2018 aufgelöst hat, ohne dass ihr im Kündigungszeitpunkt von anderer Seite bereits eine neue Ar- beitsstelle zugesichert gewesen wäre. Die Frage der Ein stellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihr ein Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen Anstellung zumutbar gewesen wäre (oben, Erwägung 2.3). Damit ist zu prüfen, ob die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz aus gesundheitlichen Gründen durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel belegt ist (oben, Erwägung 2.5). 4.2 Dem Arztzeugnis von Dr. C.____, FMH Allgemeine Medi zin, vom 12. Juli 2018 kann entnommen werden, dass sich die Versicherte bereits seit de m 12. Juni 2015 wegen einer Er- schöpfungssymptomatik in ärztlicher Behandlung befunden hab e. Die Frage, ob die Patientin gesundheitliche Probleme geschildert habe, die aufgru nd der Tätigkeit beim Arbeitgeber ent- standen seien oder die sie bei der Arbeit beeinträchti gt hätten, hat der Arzt bejaht. Die Versi- cherte habe psychosomatische Symptome mit Palpitationen, A ngstzuständen, muskulären Ver- spannungen und rezidivierenden Infekten der oberen Luft wege gezeigt. Die empfohlene Krank- schreibung sei von ihr abgelehnt worden. Der Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz hätte eher zu einer Verschlechterung der Symptomatik geführt. Eine B esserung hätte unter diesen Umstän- den nicht erwartet werden können. Wegen gesundheitliche r Unzumutbarkeit ihrer Arbeit sei die Versicherte vom 3. Oktober 2016 bis 6. Oktober 2016 letzt mals zu 100% arbeitsunfähig gewe- sen. Grundsätzlich könne sie jede Tätigkeit ausüben, wenn die Rekonvaleszenz abgeschlossen sei (Kassen-Dok 94 f.). 4.3 Weitere Arztzeugnisse oder sonstige medizinische Unter lagen sind in den Akten keine vorhanden. Indessen ist dem Antrag der Versicherten zum Bezug von Arbeitslosenentschädi- gung vom 7. Juni 2018 zu entnehmen, dass sie als Teamleit erin sehr viel Verantwortung getra- gen habe. Diese Tätigkeiten hätten Flexibilität und Be lastbarkeit erfordert. Sie habe ihren Ver- antwortungsbereich gerne wahrgenommen, da sie von alle n bisherigen Leitungen unterstützt worden sei. Ab August 2018 (recte: 2017) habe sich mit d er neuen Leitung die Situation aber geändert. Sie habe sich zunehmend überfordert und missver standen gefühlt (Kassen-Dok 22 ff.). Der Arbeitgeberbescheinigung vom 13. Juni 2018 zu folge hatte die Versicherte in den letz- ten zwölf Monaten ihrer Beschäftigung keine Absenzen we gen Krankheit oder Unfalls zu ver- zeichnen (Kassen-Dok 31). Im Fragebogen vom 29. Juni 2018 hat die Versicherte die Frage, ob sie ihr Arbeitsverhältnis aus gesundheitlichen Gründen au fgelöst habe, sowohl bejaht als auch verneint (Kassen-Dok 86). In ihrer Stellungnahme vom 29. Juni 2018 hat sie ausgeführt, dass sie seit rund drei Jahren vermehrt Stresssymptome aufgewi esen habe, weshalb sie sporadisch Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch immer wieder bei ihrem Hausarzt in Behandlung ge standen sei. Als alleinerziehende Mut- ter habe sie nebst ihrer beruflich grossen Verantwortu ng auch ihren Sohn betreut. Mit ihrem Pensum von 80% sei sie dabei an ihre Grenzen gelangt. Durch Rückhalt, Unterstützung und das Vertrauen ihrer jeweiligen Vorgesetzten habe sie d iese Situation aber sehr gut meistern und einen vollen Einsatz leisten können. Mit der neuen Leitung sei dies ab August 2017 zuse- hends schwieriger geworden. Im Februar 2018 sei es zu ei nem Vorfall gekommen, wodurch sich ihr Vertrauen in ihre Vorgesetzte sehr negativ verä ndert habe. Ein persönliches Gespräch habe keine Lösung gebracht. Nicht nur sie sei betroffe n gewesen, in der ganzen Abteilung sei- en Missmut und ein Vertrauensverlust spürbar gewesen. Di e Arbeitssituation sei nicht mehr tragbar gewesen. Ab Februar 2018 sei klar gewesen, dass sie die Reissleine ziehen müsse. Sie habe sich nicht mehr genügend konzentrieren können. Ihr e Gedanken hätten sich einzig noch darum gedreht, wie sie aus dieser aussichtslosen Situation herausfinde. Die einzige Lösung sei für sie die Kündigung gewesen. Sie habe in ihrer nächsten Umgebung in den letzten Jahren mit ansehen müssen, wie Arbeitskollegen in ein Burnout gefa llen seien. Dies habe sie sehr nach- denklich gemacht, und sie habe so etwas nicht erleben wollen (Kassen-Dok 84 f.). 4.4 Der Einsprache der Versicherten vom 13. Juli 2018 ist zu entnehmen, dass sie vermei- den wollte, in ein Burnout zu fallen. Sie wisse aus Beo bachtungen aus ihrem näheren, berufli- chen Umfeld, dass eine solche Situation nicht zu einer positiven Ausgangslage beitrage und bei der Jobsuche nicht förderlich sei. Sie habe sich deshalb entschlossen, die Reissleine zu ziehen, um sich in den Bewerbungsgesprächen in einer angemessenen Verfassung präsentieren zu können. Unter den gegebenen Umständen sei eine Unzumu tbarkeit partiell als gegeben zu er- achten. Der Grad ihres Verschuldens sei aufgrund ihrer Se lbstinitiative, weitere gesundheitliche Schäden abzuwenden, zu reduzieren. Es rechtfertige sich e ine Dauer in der Anspruchsberech- tigung im Umfang von zehn Tagen (Kassen-Dok 99 f.). Sch liesslich findet sich in den Akten ein befristeter Arbeitsvertrag vom 18. September 2018. Dar aus geht hervor, dass die Versicherte mit Wirkung ab 1. Oktober 2018 für die Dauer von dre i Monaten eine befristete Anstellung im Umfang von 70% wieder als Teamleiterin zu denselben Lo hnkonditionen mit der gleichen An- stellungsbehörde eingegangen ist, bei welcher sie zuvor bis Ende Mai 2018 angestellt gewesen war (Kassen-Dok 122). 5.1 Die Beschwerdeführerin lässt zusammengefasst geltend machen, dass ihre Kündigung zum Selbstschutz notwendig gewesen sei. Ein Zuwarten hät te die Inkaufnahme gravierender gesundheitlicher Probleme mit ungewissem Ausgang zur Folge gehabt. Die Kasse stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass trotz ärztlichen B erichts aus arbeitslosenversiche- rungsrechtlicher Sicht nicht hinreichend erstellt sei, dass ein Verbleib am bisherigen Arbeits- platz für die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar gewesen sei. Das Zeugnis von Dr. C.____ würde den Anforderungen an ein rechtsgenügliches Arztzeugnis nicht genügen. 5.2 Wie bereits ausgeführt (oben, Erwägung 2.5) ist di e Unzumutbarkeit des Verbleibens an einer Arbeitsstelle nur dann zu bejahen, wenn die versicherte Person die Umstände für ihre Kündigung durch ein echtzeitliches und eindeutiges ärztl iches Zeugnis belegen kann. Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Der Beschwerdefü hrerin ist zwar beizupflichten, dass Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sie sich schon länger in ärztlicher Behandlung befunden h at. Dies ändert jedoch nichts daran, dass sie ihre Stelle gekündigt hat, ohne dass ihr von ihre m Hausarzt vor ihrer Kündigung die Auflösung ihres Arbeitsverhältnisses aus gesundheitlichen Gründen empfohlen worden war. Aus dem Arztzeugnis von Dr. C.____ geht lediglich hervor , dass der Hausarzt der Versicherten empfohlen hatte, sich krankschreiben zu lassen. Unklar bleib t sodann, ob diese Empfehlung zeitnah vor der hier interessierenden Kündigung Ende Fe bruar 2018 erfolgt ist oder nicht. Wie es sich damit genau verhält, kann jedoch offen bleiben: Es ist zwar glaubhaft, dass eine bereits vorbestehende Problematik in den gesundheitlichen Verh ältnissen durch einen Wechsel der Vorgesetzten der Versicherten ab August 2017 verschärft wor den ist. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass der Verbleib in der bisherigen Ans tellung im Sinne der dargelegten Recht- sprechung unzumutbar gewesen wäre. Dagegen spricht in e rster Linie der Umstand, dass das Zeugnis von Dr. C.____ erst im Einspracheverfahren einge reicht worden ist. Entgegen der von ihr vertretenen Auffassung ist die Echtzeitlichkeit eine r ärztlichen Bescheinigung rechtspre- chungsgemäss nämlich dann zu verneinen, wenn die Ausstell ung eines entsprechenden Zeug- nisses erst nach der Kündigungserklärung erfolgt (Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 10. Juli 2014, Abteilung Sozialversicherungsrecht, 715 13 366 E. 5.5). Nicht anders verhält es sich im vorliegenden Fall. Daran vermögen die abweic henden Erläuterungen in der Be- schwerdebegründung nichts zu ändern; die dort vertretene Auslegung des Zeugnisses von Dr. C.____ (Beschwerdebegründung Ziffer 7) zeigt im Ge genteil auf, dass für die Annahme ei- nes nicht mehr zumutbaren Verbleibens bei einer Arbeit sstelle eine ärztliche Bestätigung vo- rausgesetzt wird, welche keinen Spielraum für allfällig e Interpretationen bietet. Hier aber liegt weder ein echtzeitliches noch ein genügend klares Zeugnis vor, wie es vorausgesetzt wäre, um die Unzumutbarkeit des Verbleibens am bisherigen Arbeits platz mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit zu belegen. 5.3 Der Hausarzt der Versicherten geht in seinem Zeugni s vom 12. Juli 2018 davon aus, dass ein Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz „eher“ zu einer Verschlechterung der Symptomatik geführt hätte. Eine Verbesserung der gesundheitlichen V erhältnisse habe unter Beibehaltung der Anstellung nicht erwartet werden können. Dies mag durchaus zutreffen; dass ein Verbleib aber unzumutbar gewesen wäre und der sich über Jahre hinweg entwickelten Symptomatik nicht nur durch eine Krankschreibung, wie sie ärztlicherse its offenbar empfohlen worden war, sondern einzig mit einer Kündigung hätte entgegnet we rden können, lässt sich den ärztlichen Aussagen nicht entnehmen. Gegen die Unzumutbarkeit eines Verbleibs sprechen aber auch die Aussagen der Versicherten, welche letztlich selbst bestäti gt, sie habe die Reissleine gezogen, um sich bei künftigen Stellenbewerbungen noch in einer angemessenen Verfassung präsentie- ren zu können. Unter diesen Umständen kann nicht davon gesprochen werden, es läge eine Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen vor (Kassen-Dok 86 und 122). 5.4 In objektiver Hinsicht liegt mit dem Zeugnis von Dr. C.____ weder eine ärztliche Emp- fehlung noch eine schlüssige Bestätigung vor, dass eine Künd igung objektiv angezeigt gewe- sen wäre. Gegen eine Gesundheitsschädigung, welche eine sofortige Kündigung notwendig gemacht hätte, spricht ausserdem der Umstand, dass sich in den Akten keinerlei Anhaltspunkte finden lassen, wonach in der Vergangenheit bereits ei nmal eine massgebende Arbeitsunfähig- keit bestanden hätte. Die Beschwerdeführerin macht auch nicht geltend, dass sie vor ihrer Kün- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht digung um eine Reduktion der Arbeitsbelastung bemüht g ewesen wäre. Für einen Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz aus persönlichen, nicht aber a us medizinischen Gründen spricht schliesslich die Tatsache, dass die Versicherte ab 1. Oktober 2018 eine befristete Anstellung im Umfang von 70% wiederum als Teamleiterin zu denselben Lohnkonditionen mit der gleichen Anstellungsbehörde eingegangen ist, bei welcher sie vie r Monate zuvor bis Ende Mai 2018 noch angestellt gewesen war (Kassen-Dok 122). Bei dieser Aktenlage wäre es ihr in arbeitslo- senversicherungsrechtlicher Hinsicht deshalb zumutbar gewesen, ihre Anstellung – gegebenen- falls unter einer vorübergehenden Krankschreibung oder einer allfälligen ärztlichen Therapie – vorerst beizubehalten. Der Beschwerdegegnerin ist daher beizupflichten, dass die Beschwerde- führerin für ihr entsprechendes Verhalten in arbeitsl osversicherungsrechtlicher Hinsicht – näm- lich die Auflösung des Arbeitsverhältnisses ohne Zusicheru ng einer anderen Anstellung – trotz allfälliger gesundheitlicher Probleme selbst einzusteh en hat. Das Gericht verkennt dabei nicht, dass die Kumulation von Beruf und Familie insbesonder e bei Alleinerziehenden eine grosse Belastung darstellt. Eine solche Belastung kann zweifel sohne auch zu gesundheitlichen Prob- lemen führen, welcher die Betroffenen nur mit einer Beendigung der fraglichen Anstellung zu begegnen in der Lage sind. Die resultierenden Konseque nzen dürfen dem Gesagten zufolge aber nur dann auf die Arbeitslosenversicherung abgewäl zt werden, wenn eine solche Beendi- gung ärztlicherseits klar und unmissverständlich bescheinigt ist. Dies ist hier nicht der Fall. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstversc huldeter Arbeitslosigkeit ist des- halb im Grundsatz nicht zu beanstanden. 6.1 Es verbleibt zu prüfen, ob die verfügte Einstellungsd auer angemessen ist. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl . Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsberec htigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31-60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens fällt die Arbeitslo senkasse ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die Pr äsidentin der sozialversicherungs- rechtliche Abteilung des Kantonsgerichts die angefochtene Verfügung auch auf deren Ange- messenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei der Beu rteilung der von der Arbeitslosenkasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspiel- raum ein. 6.2 Die Kasse hat das Verhalten der Versicherten als schwer es Verschulden qualifiziert und die Dauer der Einstellung auf 31 Tage festgesetzt . Dabei unterschritt sie die bei selbstver- schuldeter Arbeitslosigkeit übliche Einstelldauer von 36 Ta gen. Bei der Festlegung der Dauer der Einstellung zu Gunsten der Beschwerdeführerin hat sie berücksichtigt, dass die Versicherte gesundheitlich angeschlagen war und Probleme am Arbei tsplatz bestanden haben. Wie vorste- hend dargelegt wurde, ist jedoch nicht ausreichend bele gt, dass die Weiterführung der bisheri- gen Arbeit für die Beschwerdeführerin aus gesundheitl icher Sicht nicht zumutbar gewesen wä- re. Die Beschwerdeführerin hat ihre Arbeitsstelle vor de r Zusicherung einer neuen Anstellung aufgegeben und musste deshalb auch damit rechnen, nach Ablauf der Kündigungsfrist arbeits- los zu werden. Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV liegt e in schweres Verschulden vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat. Wie oben da rgelegt besteht kein Grund, – insbeson- dere auch keine Unzumutbarkeit aus gesundheitlicher Sicht – der die Kündigung der Be- schwerdeführerin entschuldigen würde. Mit einer Einstel ldauer von 31 Tagen bewegt sich die Beschwerdegegnerin an der unteren Grenze der gesetzlich vorgesehenen Dauer für ein schwe- res Verschulden. Die von ihr verfügte Einstellungsdauer ist deshalb nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädigung ist keine auszurichten. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet.