<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2024.00053</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=224617&amp;W10_KEY=13045530&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2024.00053</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 09.01.2025</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Der Beschwerdeführer, ein 1967 geborener Staatsangehöriger Serbiens, erhielt 2018 eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Schweizer Ehefrau. Im Oktober 2023 verweigerte der Beschwerdegegner ihm die weitere Verlängerung der Bewilligung, weil davon ausgegangen werden müsse, dass seine Ehe aus ausländerrechtlichen Motiven eingegangen worden sei, und kein gemeinsamer Wohnsitz der Eheleute bestehe.] Die fehlende Nähe ihrer Familien und das (unbestrittene) Getrenntleben von August 2021 bis April 2023 allein lassen noch nicht auf eine Scheinehe schliessen. Im Rahmen ihrer Befragungen durch die Polizei wussten die Eheleute sodann relativ gut über die Gewohnheiten des anderen Bescheid und stellten ihr Kennenlernen, ihre Eheschliessung und das Eheleben in weiten Teilen übereinstimmend dar. Auch sagten der Beschwerdeführer und seine Ehefrau einhellig aus, sich am Vortag nach der Arbeit (des Beschwerdeführers) getroffen und etwas getrunken zu haben. Auf Anfang April 2023 meldete sich der Beschwerdeführer schliesslich wieder an der gleichen Adresse wie seine Ehefrau an, wo Mitte Dezember 2024 eine (unangemeldete) polizeiliche Wohnungskontrolle stattfand. Diese ergab zufolge der die Kontrolle durchführenden Beamten, dass die Eheleute dort auch wirklich zusammenlebten. Damit ist der Nachweis einer Scheinehe nicht erbracht, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdegegner einzuladen ist, dem Beschwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (zum Ganzen E. 2). Gutheissung. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INDIZIEN">INDIZIEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTSMISSBRAUCH">RECHTSMISSBRAUCH</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHEINEHE">SCHEINEHE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WOHNUNGSKONTROLLE">WOHNUNGSKONTROLLE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZUSAMMENWOHNEN">ZUSAMMENWOHNEN</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 42 AIG</span><br/><span class="ungerade">Art. 49 AIG</span><br/><span class="gerade">Art. 51 Abs. 1 lit. a AIG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>4. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=69187" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2024.00053</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 4. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom 9. Januar 2025</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sidentin Tamara NÃ¼ssle<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichter Marco Donatsch, Verwaltungsrichter Martin Bertschi, Gerichtsschreiberin Sonja GÃ¼ntert. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="MsoNormal"><span>A (gemÃ¤ss aktuellem Reisepass C), ein im Oktober 1967 geborener StaatsangehÃ¶riger Serbiens, hielt sich von Oktober bis Dezember 2010 sowie im Mai 2011 illegal in der Schweiz auf. Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland verurteilte ihn vor diesem Hintergrund mit Strafbefehl vom 23. Mai 2011 wegen mehrfacher rechtswidriger Einreise, mehrfachen rechtswidrigen Aufenthalts und mehrfacher ErwerbstÃ¤tigkeit ohne Bewilligung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 TagessÃ¤tzen; das Bundesamt fÃ¼r Migration (BFM, heute Staatssekretariat fÃ¼r Migration [SEM]) auferlegte ihm am 24. Mai 2011 ein dreijÃ¤hriges Einreiseverbot. Am 26. Mai 2011 wurde A mit dem Flugzeug nach Belgrad ausgeschafft. </span></p> <p class="MsoNormal">Am 21. Januar 2018 reiste A erneut in die Schweiz ein und heiratete Anfang Februar 2018 die im Oktober 1970 geborene Schweizerin D, worauf ihm das Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich am 16. Februar 2018 eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau erteilte. </p> <p class="MsoNormal">Da A im Rahmen seines letzten Gesuchs um VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung angegeben hatte, getrennt von seiner Ehefrau zu wohnen, beauftragte das Migrationsamt die Kantonspolizei ZÃ¼rich Anfang Juli 2022 damit, die Eheleute A/D zu befragen und ihre Wohnungen zu kontrollieren. Mit VerfÃ¼gung vom 10. Oktober 2023 verweigerte das Migrationsamt A die weitere VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung und wies ihn aus der Schweiz weg, weil davon ausgegangen werden mÃ¼sse, dass die Ehe von ihm und D aus auslÃ¤nderrechtlichen Motiven eingegangen worden sei, und kein gemeinsamer Wohnsitz bestehe. </p> <p class="MsoNormal"><b><span>II. </span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal">Einen dagegen erhobenen Rekurs wies die Sicherheitsdirektion des Kantons ZÃ¼rich mit Entscheid vom 22. Dezember 2023 ab (Dispositiv-Ziff. I), setzte A eine neue Ausreisefrist bis 31. MÃ¤rz 2024 (Dispositiv-Ziff. II), auferlegte ihm die Kosten des Rekursverfahrens (Dispositiv-Ziff. III) und verweigerte ihm in Dispositiv-Ziff. IV eine ParteientschÃ¤digung.</p> <p class="MsoNormal"><b><span>III. </span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal">A erhob am 30. Januar 2024 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, unter EntschÃ¤digungsfolge sei der Entscheid der Sicherheitsdirektion vom 22. Dezember 2023 aufzuheben und seine Aufenthaltsbewilligung zu verlÃ¤ngern. </p> <p class="MsoNormal">Die Sicherheitsdirektion verzichtete am 5. Februar 2024 auf Vernehmlassung. Das Migrationsamt reichte dem Verwaltungsgericht am 28. Februar 2024 seine VerfÃ¼gung vom 26. Februar 2024 ein, womit es auf ein WiedererwÃ¤gungsgesuch von A vom 7. Februar 2024 nicht eingetreten war. Am 23. April 2024 und am 6. August 2024 reichte das Migrationsamt neue AktenstÃ¼cke ein.</p> <p class="MsoNormal">Mit Schreiben vom 20. November 2024 beauftragte das Verwaltungsgericht die Kantonspolizei ZÃ¼rich, Polizeiposten BÃ¼lach, mit der DurchfÃ¼hrung einer polizeilichen Kontrolle an der neuen gemeinsamen Meldeadresse der Eheleute A/D. Am 11. Dezember 2024 erstattete die Kantonspolizei einen entsprechenden Bericht. Hierzu Ã¤usserte sich A nicht, sein Rechtsvertreter reichte allerdings am 17. Dezember 2024 eine Kostennote ein.</p> <p class="MsoNormal"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="MsoNormal"><span>Das Verwaltungsgericht ist fÃ¼r Beschwerden gegen Rekursentscheide der Sicherheitsdirektion Ã¼ber Anordnungen des Migrationsamts betreffend das Aufenthaltsrecht nach §§ 41 ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) zustÃ¤ndig. Weil auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><a id="_Ref146787072"><b>2.1 </b>Nach Art. 42 Abs. 1 des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20) haben auslÃ¤ndische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. </a></p> <p class="MsoNormal">Im Rahmen des Rekursverfahrens reichte der BeschwerdefÃ¼hrer eine MeldebestÃ¤tigung der Gemeinde E nach, woraus hervorgeht, dass er seit dem 4. April 2023 wieder an der gleichen Adresse wie seine Schweizer Ehefrau (und deren Mutter) gemeldet ist. Anders als noch im erstinstanzlichen Verfahren ist das Erfordernis des Zusammenlebens somit als erfÃ¼llt zu erachten. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Die AnsprÃ¼che aus Art. 42 AIG erlÃ¶schen, wenn sie rechtsmissbrÃ¤uchlich geltend gemacht werden, namentlich um Vorschriften Ã¼ber die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a AIG). Unter den Begriff des Rechtsmissbrauchs fÃ¤llt unter anderem die sogenannte Schein- oder AuslÃ¤nderrechtsehe, welche die Eheleute (oder zumindest jemand von ihnen) nur zur Erlangung des Aufenthaltsrechts eingehen, ohne eine echte eheliche Gemeinschaft zu beabsichtigen (BGr, 5. April 2011, 2C_820/2010, E. 3.1).</p> <p class="MsoNormal"><span>Dass eine Scheinehe vorliegt, darf nicht leichthin angenommen werden. FÃ¼r die Annahme, es liege eine AuslÃ¤nderrechtsehe vor bzw. der Bewilligungsanspruch werde rechtsmissbrÃ¤uchlich geltend gemacht, bedarf es vielmehr konkreter Hinweise. Ob im massgeblichen Zeitpunkt zumindest seitens eines Ehepartners die Absicht bestand, keine Ehe fÃ¼hren zu wollen, entzieht sich aber in der Regel dem direkten Beweis und ist oft nur Ã¼ber Indizien festzustellen. Solche Indizien lassen sich nach der Rechtsprechung unter anderem darin erblicken, dass der auslÃ¤ndischen Person die Wegweisung droht, weil sie ohne Heirat keine Aufenthaltsbewilligung erhielte bzw. eine Bewilligung ohne Ehe nicht oder kaum erhÃ¤ltlich gemacht werden kÃ¶nnte. FÃ¼r das Vorliegen einer AuslÃ¤nderrechtsehe kÃ¶nnen sodann die UmstÃ¤nde des Kennenlernens und die kurze Dauer der Bekanntschaft sprechen. Dasselbe gilt bei Vorliegen eines grossen Altersunterschieds oder wenn die Eheleute gar nie eine Wohngemeinschaft aufgenommen haben bzw. aufgrund unterschiedlicher Kulturkreise Schwierigkeiten bei der Kommunikation haben oder einer von ihnen eine Parallelbeziehung lebt (BGr, 6. September 2024, 2C_5/2024, E. 6.1 mit Hinweisen). Eine AuslÃ¤nderrechtsehe liegt umgekehrt nicht bereits dann vor, wenn auch auslÃ¤nderrechtliche Motive fÃ¼r den Eheschluss entscheidend waren. Erforderlich ist, dass der Wille zur FÃ¼hrung der Lebensgemeinschaft im Sinn einer auf Dauer angelegten wirtschaftlichen, kÃ¶rperlichen und spirituellen Verbindung zumindest bei einem der Ehepartner fehlt. Verlangt ist eine Realbeziehung, die minimale Kenntnisse Ã¼ber wesentliche LebensumstÃ¤nde des Partners bzw. der Partnerin und ein gewisses solidarisches, nicht allein auf GleichgÃ¼ltigkeit beruhendes Verhalten voraussetzt. LÃ¤sst die Indizienlage keinen klaren und unzweideutigen Schluss zu, ist das Vorliegen einer Scheinehe nicht erstellt (zum Ganzen BGr, 19. Januar 2024, 2C_106/2023, E. 3.3 ff. mit Hinweisen).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>GemÃ¤ss Vorinstanz bestehen im Fall des BeschwerdefÃ¼hrers genÃ¼gend Indizien fÃ¼r den Nachweis einer Scheinehe. So habe der BeschwerdefÃ¼hrer in der Vergangenheit ein grosses Interesse an einer Wohnsitznahme bzw. der Aufnahme einer ErwerbstÃ¤tigkeit in der Schweiz gezeigt, was ihm schliesslich erst die Ehe mit seiner Schweizer Ehefrau ermÃ¶glichte. Weiter lÃ¤gen keine plausiblen GrÃ¼nde dafÃ¼r vor und widerspreche es den kulturellen Gepflogenheiten der Eheleute, dass diese ihre jeweiligen Familien, insbesondere die ebenfalls in der Schweiz wohnhaften Eltern von D und ihre erwachsenen SÃ¶hne, nicht Ã¼ber die Heirat informierten. Generell liessen die Angaben des BeschwerdefÃ¼hrers und seiner Ehefrau im Rahmen ihrer polizeilichen Befragungen darauf schliessen, dass die beiden kein Interesse an der Familie bzw. Ã¼berhaupt an den persÃ¶nlichen VerhÃ¤ltnissen des anderen hÃ¤tten, was mit einer ehelichen Beziehung nicht in Einklang zu bringen sei. Die Befragung wie auch die eingeholten Wohnsitz- bzw. MeldebestÃ¤tigungen legten ausserdem nahe, dass der BeschwerdefÃ¼hrer und seine Ehefrau gar nie zusammengelebt hÃ¤tten, sondern D nach der Heirat zunÃ¤chst (weiterhin) im gemeinsamen Haushalt mit ihren Eltern gelebt habe und seit dem Tod ihres Vaters am 12. April 2021 in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrer Mutter.</p> <p class="MsoNormal"><span>Der Vorinstanz ist insoweit zuzustimmen, dass insbesondere darin, dass der BeschwerdefÃ¼hrer und seine Ehefrau jeweils getrennt voneinander Ferien im gemeinsamen Heimatland verbringen und keinen Kontakt zur Familie des anderen unterhalten, gewichtige Indizien fÃ¼r das Vorliegen einer Scheinehe zu erblicken sind. Auch erscheint zumindest zweifelhaft, ob die Eheleute bis zur Meldung des Getrenntwohnens zusammenlebten, handelt es sich bei der vom BeschwerdefÃ¼hrer von Oktober 2018 bis April 2023 bewohnten Wohnung doch um ein 1-Zimmer-Appartement und wohnte seine Ehefrau sowohl vor ihrer Heirat und dem angeblichen Einzug in die (erste) eheliche Wohnung im Oktober/November 2018 fÃ¼r einige Jahre mit ihren Eltern bzw. ihrer Mutter zusammen wie auch aktuell wieder seit dreieinhalb Jahren. </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Die fehlende NÃ¤he ihrer Familien und das (unbestrittene) Getrenntleben von August 2021 bis April 2023 allein lassen allerdings noch nicht auf eine Scheinehe schliessen. Der BeschwerdefÃ¼hrer und seine Ehefrau fÃ¼hren diesbezÃ¼glich zumindest Ã¼bereinstimmend aus, dass sie aus der gleichen Region Serbiens stammten und sich bereits wÃ¤hrend der Schulzeit ineinander verliebt hÃ¤tten, wobei die Eltern von D die Beziehung abgelehnt und sie deshalb 1986 mit zu sich in die Schweiz genommen hÃ¤tten. Im Jahr 2017 hÃ¤tten sie und der BeschwerdefÃ¼hrer sich wieder getroffen, wobei die Eltern der Ehefrau des BeschwerdefÃ¼hrers diesem gegenÃ¼ber unverÃ¤ndert ablehnend eingestellt gewesen seien. Die SÃ¶hne des BeschwerdefÃ¼hrers aus einer frÃ¼heren Ehe seien ebenfalls gegen die Beziehung gewesen bzw. generell gegen eine neue Ehe des BeschwerdefÃ¼hrers. Nach dem Tod ihres Vaters im FrÃ¼hjahr 2021 sei die Ehefrau des BeschwerdefÃ¼hrers wieder zur Mutter gezogen bzw. habe mit ihr eine neue Wohnung bezogen, da die Witwe nicht Ã¼ber ausreichend finanzielle Mittel verfÃ¼ge und auf finanzielle wie auch psychische UnterstÃ¼tzung angewiesen sei. Der Auszug fÃ¼hrte laut dem BeschwerdefÃ¼hrer zu einer gewissen Entfremdung des Paars. AnlÃ¤sslich seiner polizeilichen Befragung im Juli 2022 Ã¤usserte der BeschwerdefÃ¼hrer diesbezÃ¼glich die BefÃ¼rchtung, dass die GefÃ¼hle von D ihm gegenÃ¼ber abkÃ¼hlen kÃ¶nnten. Sicher sei, dass sie von ihrer Mutter unter Druck gesetzt werde, besonders seit dem Tod des Vaters. Trotz ihrer rÃ¤umlichen Trennung wollen sich die Eheleute allerdings weiterhin regelmÃ¤ssig geschrieben und sich auch gesehen haben. Dabei fÃ¤llt bei Betrachtung ihrer Aussagen anlÃ¤sslich ihrer Befragungen im Juli 2022 zwar auf, dass sich der BeschwerdefÃ¼hrer und seine Ehefrau wÃ¤hrend der fraglichen Zeit vergleichsweise selten gesehen und â namentlich auch an Geburts- und Feiertagen â kaum etwas gemeinsam unternommen haben dÃ¼rften. Gleichzeitig lassen die Schilderungen der Eheleute aber auch erkennen, dass die beiden relativ gut Ã¼ber die Gewohnheiten des anderen Bescheid wussten, ihr Kennenlernen, ihre Eheschliessung und das Eheleben in weiten Teilen Ã¼bereinstimmend darstellten und D zudem die damalige Wohnung des BeschwerdefÃ¼hrers detailliert zu beschreiben vermochte. Auch sagten der BeschwerdefÃ¼hrer und seine Ehefrau einhellig aus, sich am Vortag nach der Arbeit (des BeschwerdefÃ¼hrers) getroffen und etwas getrunken zu haben.</span></p> <p class="MsoNormal">Anfang Februar 2023 bezog D dann mit ihrer Mutter eine Vierzimmerwohnung in E. Auf Anfang April 2023 meldete sich der BeschwerdefÃ¼hrer an der gleichen Adresse an. Am 11. Dezember 2024 fand an besagter Adresse eine (unangemeldete) polizeiliche Wohnungskontrolle statt, die â zufolge der die Kontrolle durchfÃ¼hrenden Beamten â ergab, dass die Eheleute dort auch wirklich zusammenlebten. Davon zeugten jedenfalls die gerahmten Fotografien des Paares im gemeinsamen Schlafzimmer sowie die separaten KleiderschrÃ¤nke und die diversen MÃ¤nnerkleider, MÃ¤nnerschuhe und Hygieneartikel fÃ¼r MÃ¤nner in der Wohnung. Auch sei die Ehefrau des BeschwerdefÃ¼hrers gerade am Ãffnen von Briefen gewesen, die an ihren Ehemann adressiert gewesen seien, und habe ihre Mutter bestÃ¤tigt, dass ihr Schwiegersohn mit ihnen zusammenwohne.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.4 </b>Damit ist der Nachweis einer Scheinehe nicht erbracht, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdegegner einzuladen ist, dem BeschwerdefÃ¼hrer eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Sollten sich kÃ¼nftig neue Hinweise fÃ¼r eine Scheinehe ergeben, wÃ¤re eine erneute ÃberprÃ¼fung des Aufenthaltsrechts des BeschwerdefÃ¼hrers angezeigt.</p> <p class="MsoNormal">Bei diesem Verfahrensausgang braucht nicht auf die RÃ¼gen des BeschwerdefÃ¼hrers eingegangen zu werden, sein GehÃ¶rsanspruch sei anlÃ¤sslich der Befragung durch die Polizei im Juli 2022 verletzt worden. Ebenso wenig sind weitere SachverhaltsergÃ¤nzungen notwendig.</p> <p class="MsoNormal"><b><span>3. </span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 Satz 1 teilweise in Verbindung mit § 65a Abs. 2 VRG). Er hat dem BeschwerdefÃ¼hrer zudem eine angemessene ParteientschÃ¤digung fÃ¼r das Rekurs- sowie das Beschwerdeverfahren zu bezahlen (§ 17 Abs. 2 VRG). Der Vertreter des BeschwerdefÃ¼hrers reichte eine Honorarnote ein, worin ein Aufwand von insgesamt Fr. 8'873.20 fÃ¼r das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren geltend gemacht wird. PraxisgemÃ¤ss steht der obsiegenden Partei jedoch keine volle EntschÃ¤digung zu, vielmehr sind ihr nur die notwendigen Kosten zu ersetzen. Vorliegend ist eine ParteientschÃ¤digung im gerichtsÃ¼blichen Umfang von Fr. 2'000.- fÃ¼r das Rekurs- und von Fr. 1'500.- (jeweils inklusive Mehrwertsteuer) fÃ¼r das Beschwerdeverfahren angemessen (vgl. VGr, 27. Mai 2021, VB.2020.00644, E. 7; ferner ausfÃ¼hrlich VGr, 28. Juli 2022, VB.2022.00150, E. 2.3). </span></p> <p class="MsoNormal"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="MsoNormal">1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die VerfÃ¼gung des Migrationsamts vom 10. Oktober 2023 und Dispositiv-Ziff. I und II des Rekursentscheids der Sicherheitsdirektion vom 22. Dezember 2023 werden aufgehoben. Der Beschwerdegegner wird angewiesen, die Aufenthaltsbewilligung des BeschwerdefÃ¼hrers zu verlÃ¤ngern.</p> <p class="MsoNormal"> In AbÃ¤nderung von Dispositiv-Ziff. III und IV des Rekursentscheids der Sicherheitsdirektion vom 22. Dezember 2023 werden die Rekurskosten dem Beschwerdegegner auferlegt und wird dieser verpflichtet, dem BeschwerdefÃ¼hrer fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 2'000.- zu bezahlen.</p> <p class="MsoNormal">2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 170.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'170.--</u> Total der Kosten.</p> <p class="MsoNormal">3. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</p> <p class="MsoNormal">4. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, dem BeschwerdefÃ¼hrer fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- zu bezahlen. </p> <p class="MsoNormal">5. Gegen dieses Urteil kann <span>Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (SR 173.110) </span>erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</p> <p class="MsoNormal">6. Mitteilung an:<br/> a) die Parteien;<br/> b) die Sicherheitsdirektion;<br/> c) das Staatssekretariat fÃ¼r Migration.</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>