<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 76 S.277</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">277</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft1"><b>76</b></span> <span class="ft1"><b>Rechtzeitigkeit der Beschwerde.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Wird eine Verfügung mit gewöhnlicher Post zugestellt, fällt die Be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>weislast für das Empfangsdatum der Behörde zu, weil sie durch den</b></span><br/> <span class="ft1"><b>uneingeschriebenen Versand der Verfügung die Beweislosigkeit verur-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sacht hat; wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung uneinge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>schriebener Sendungen bestritten, muss daher im Zweifel auf die</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Darstellung des Empfängers abgestellt werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 27. Februar 2004 in</span><br/> <span class="ft2">Sachen S. AG gegen Gemeinderat Rothrist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3. Der Gemeinderat vertritt den Standpunkt, auf die Beschwerde</span><br/> <span class="ft4">sei nicht einzutreten, da sie verspätet eingereicht worden sei.</span><br/> <span class="ft4">a) Die angefochtene Verfügung des Gemeinderats Rothrist da-</span><br/> <span class="ft4">tiert vom 15. Oktober 2003. Gemäss Eingangsstempel ist sie der</span><br/> <span class="ft4">Beschwerdeführerin am 20. Oktober 2003 zugegangen. Es ist allseits</span><br/> <span class="ft4">unbestritten, dass die Verfügung trotz des Vermerks "Einschreiben"</span><br/> <span class="ft4">(irrtümlich) mit A-Post verschickt worden ist.</span><br/> <span class="ft4">Nach Darstellung des Gemeinderats wurde die Verfügung am</span><br/> <span class="ft4">16. Oktober 2003 zusammen mit anderen Postsendungen der Post</span><br/> <span class="ft4">übergeben. Eine Empfangsbestätigung könne, da die Sendung nicht</span><br/> <span class="ft4">eingeschrieben erfolgt sei, nicht beigebracht werden. Nach dem ge-</span><br/> <span class="ft4">wöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung</span><br/> <span class="ft4">könne aber ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass der Brief</span><br/> <span class="ft4">am 17., spätestens aber am 18. Oktober 2003 bei der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft4">führerin eingetroffen sei. Das gleichzeitig der Post übergebene</span><br/> <span class="ft4">Schreiben an die F. AG sei dieser am 17. Oktober 2003 zugegangen.</span><br/> <span class="ft4">Die Beschwerdeführerin weist ihrerseits darauf hin, dass die an</span><br/> <span class="ft4">die S. AG Schöftland adressierten Briefe von der Poststelle Schöft-</span><br/> <span class="ft4">land an die Poststelle Sursee zugestellt und von dort an die S. AG</span><br/> <span class="ft4">Sursee weitergeleitet würden. Dies erkläre, weshalb die Zustellung</span><br/> <span class="ft4">der Verfügung vom 15. Oktober 2003 an die Beschwerdeführerin erst</span><br/> <span class="ft4">am 20. Oktober 2003 erfolgt sei.</span><br/> <span class="ft4">b) Wo der Nachweis von Tatsachen über die rechtzeitige Aus-</span><br/> <span class="ft4">übung eines fristgebundenen, verwirkungsbedrohten Rechts im Pro-</span><br/> <span class="ft4">zess in Frage steht, ist über die streitige Tatsache der volle (strikte)</span><br/> <span class="ft4">Beweis zu erbringen; der blosse Wahrscheinlichkeitsbeweis genügt</span><br/> <span class="ft4">nicht (BGE 119 V 10; Pra 1995 Nr. 287, S. 976). Bei der Zustellung</span><br/> <span class="ft4">einer Verfügung bzw. dem Zeitpunkt der Zustellung, welche die</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittelfrist auslösen, handelt es sich um solche Tatsachen, denn</span><br/> <span class="ft4">Rechtsmittelfristen sind Verwirkungsfristen (Ulrich Häfelin / Georg</span><br/> <span class="ft4">Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Zürich 2002, Rz.</span><br/> <span class="ft4">795). Die Beweislast für die Zustellung einer Verfügung und für den</span><br/> <span class="ft4">Zeitpunkt der Zustellung trägt die Verwaltungsbehörde (BGE 114 III</span><br/> <span class="ft4">51; AGVE 1997, S. 230). Wird eine Verfügung mit gewöhnlicher</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">279</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Post zugestellt, fällt die Beweislast für das Empfangsdatum der</span><br/> <span class="ft4">Behörde zu, weil sie durch den uneingeschriebenen Versand der</span><br/> <span class="ft4">Verfügung die Beweislosigkeit verursacht hat (BGE 92 I 258, 114 III</span><br/> <span class="ft4">51; unveröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts, II. öffent-</span><br/> <span class="ft4">lichrechtliche Abteilung, vom 5. Juli 2000 in Sachen Sch., S. 4 f. mit</span><br/> <span class="ft4">weiteren Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung;</span><br/> <span class="ft4">AGVE 1975, S. 400). Wird die Tatsache oder das Datum der Zustel-</span><br/> <span class="ft4">lung uneingeschriebener Sendungen bestritten, muss daher im Zwei-</span><br/> <span class="ft4">fel auf die Darstellung des Empfängers abgestellt werden</span><br/> <span class="ft4">(AGVE 1984, S. 542 f.).</span><br/> <span class="ft4">c) Da die Verfügung vom 15. Oktober 2003 uneingeschrieben</span><br/> <span class="ft4">versandt wurde, vermag die Vergabebehörde den genauen Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft4">der Zustellung nicht durch eine Empfangsbestätigung nachzuweisen.</span><br/> <span class="ft4">Demzufolge ist auf die - im Übrigen durchaus nachvollziehbare und</span><br/> <span class="ft4">glaubhaft erscheinende - Darstellung der Beschwerdeführerin, die</span><br/> <span class="ft4">Verfügung sei bei ihr erst am Montag, den 20. Oktober 2003</span><br/> <span class="ft4">eingegangen, abzustellen.</span><br/> <span class="ft4">d) Die Beschwerdefrist von 10 Tagen begann somit am</span><br/> <span class="ft4">21. Oktober 2003 zu laufen und endete am 30. Oktober 2003. Die</span><br/> <span class="ft4">vorliegende Beschwerde wurde am 30. Oktober 2003 der Schweize-</span><br/> <span class="ft4">rischen Post übergeben und somit fristgerecht beim Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft4">richt eingereicht. Auf die Beschwerde ist demzufolge einzutreten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>