B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1011/2012 U r t e i l v o m 2 3 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…) und dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), sowie deren gemeinsame Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), F._______, geboren am (…), Kosovo, alle wohnhaft (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Januar 2012 / N (…). E-1011/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, Angehörige der ethnischen Minderheit der Roma ursprünglich aus G._______([Kosovo] Beschwerdeführer) respek- tive aus H._______ (Vorort von I._______ [Kosovo] Beschwerdeführerin) stammend verliessen ihr Heimatland am 26. Mai 2011 und gelangten auf dem Landweg über ihnen unbekannte Orte und ohne Ausweispapiere am 6. Juni 2011 in die Schweiz, wo sie am folgenden Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) J._______ um Asyl nachsuchten. Anlässlich der summarischen Befragung im EVZ J._______ vom 15. Juni 2011 und der Anhörung zu den Asylgründen vom 7. Juli 2011 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass seine Eltern im Jahre 1999 während des Kosovo -Krieges von Dorfbewohnern von G._______ weggebracht worden seien und seither als verschollen gälten. Zeitgleich sei einer seiner beiden jüngeren Brüder erschossen worden. Ihm, seinen Schwestern sowie dem anderen jüngeren Bruder (X.) sei damals die Flucht gelungen, letzteren habe er seither allerdings auch aus den Augen verloren. Erst in der Schweiz habe er erfahren, dass sich X. hier aufhalte. Nach den genannten Kriegsgeschehnissen im Jahr 1999, in dessen Rahmen auch das Haus seiner Familie in Brand gesteckt worden sei, h a- be er sich zunächst noch für weitere zwei Jahre in G._______ als (…) verdingt. Als er diese unbefriedigende Situation nicht mehr länger habe ertragen können, sei er nach H._______/I._______ zu seiner Verlobten geflohen. Dort hätten sie beide geheiratet und in einem ihnen von seinen Schwiegereltern zur Verfügung gestellten Raum gelebt. In den darauffol- genden Jahren seien die vier gemeinsamen Kinder zur Welt gekommen. Der Lebensunterhalt für sich und seine Familie habe er mit Arbeiten als (…) bestritten. D arüber hinaus seien sie von seinem Schwiegervater f i- nanziell unterstützt worden. Die Ver gangenheit habe ihn jedoch immer wieder eingeholt. Mit dem Vorwurf konfrontiert, seine Familie habe wä h- rend des Kosovo -Krieges mit den Serben kollaboriert, sei er seit seiner Ankunft in H._______/I._______ wiederholt von Dorfbewohnern aus G._______ aufgesucht, belästigt und zusammengeschlagen worden. Die örtliche Polizei habe auf seine Anzeigen hin nichts unternommen, da er ethnischer Roma beziehungsweise "Majup" sei und als solcher nicht ernst genommen werde. Ab dem Jahr 2003 sei er von Leuten aus G._______ mehrfach gegen seinen Willen zum Landdienst abgeholt worden und h a- be ohne jegliche Entlöhnung deren Felder bearbeiten müssen. Als er eine E-1011/2012 Seite 3 Woche vor der Ausreise erneut von jenen Leuten aus G._______ aufge- sucht worden sei, sei es ihm überdrüssig geworden. Vor diesem Hinter- grund habe er sich entschlossen, sein Land zu verlassen. Seine Ehefrau machte anlässlich ihrer Befragung vom 15. Juni 2011 s o- wie der Anhörung vom 7. Juli 2011 ergänzend geltend, sie und ihre Kinder seien ebenfalls von Bewohnern aus H._______/I._______ belästigt wor- den. So seien die Kinder mit Steinen beworfen und sie auf der Strasse angestarrt worden. Darüber hinaus gebe es in ihrer Heimat weder für sie noch für ihren Mann Arbeit und ein gutes Leben sei für sie dort nicht mög- lich. Für weitere Ausführungen kann auf die Protokolle in den Akten verwiesen werden. B. Mit Schreiben vom 13. Juli 2011 ersuchte das BFM die Schweizerische Vertretung in Priština um nähere Abklärungen bezüglich der geltend g e- machten Asylgründe, der geschilderten Lebensumstände und der familiä- ren Verhältnisse der Beschwerdeführenden. Die Anfrage und d er en t- sprechende Botschaftsbericht datiert vom 15. August 2011 wurde n den Beschwerdeführenden am 16. November 2011 unter Abdeckung der g e- heim zu haltenden Stellen offen gelegt. Aus dem Botschaftsbericht geht hervor, dass ein Vertreter des BFM a n- fangs August 2011 die Eltern der Beschwerdeführerin in I._______ aufge- sucht und mit deren Vater gesprochen hat. Gemäss dessen Angaben sei das Elternhaus des Beschwerdeführers während des Kosovo -Krieges abgebrannt, woraufhin er mit seiner Familie nach K._______ (Serbien) umgezogen sei, wo seine Eltern noch heute leben würden. Nachdem die Beschwerdeführenden im Jahre (…) geheiratet hätten, an deren Hochzeit auch die Eltern des Beschwerdeführers gegenwärtig gewesen seien, ha- be die Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann bei dessen Eltern in K._______, gelebt. In Serbien sei der Beschwerdeführer regelmässig T ä- tigkeiten als (…) nachgegangen. Vor der Ausre ise im Mai 2011 hätten sich die Beschwerdeführenden noch zwei oder drei Monate in I._______ aufgehalten, wo der Beschwerdeführer gegen Entgelt gearbeitet habe. Ferner habe der Beschwerdeführer nie Zwangsarbeiten verrichten mü s- sen, sondern habe jeden Tag Ar beit gesucht und auch gefunden. Insge- samt würden die Angaben zu den Asylgründen, namentlich zum Tod der E-1011/2012 Seite 4 Eltern des Beschwerdeführers sowie die in I._______ geltend gemachten Schwierigkeiten, nicht der Wahrheit entsprechen. C. Mit Eingabe vom 24. November 2011 nahmen die Beschwerdeführenden Stellung zu den Abklärungsergebnissen. Dazu führten sie aus, die vom BFM über den Vater beziehungsweise Schwiegervater gewonnen Abklärungsergebnisse entsprächen nicht der Realität. Vielmehr habe der Vater respektive Schwi egervater der Schwei- zer Vertretung in Priština in böswilliger und heimtückischer Absicht fa l- sche Auskunft erteilt, um ihnen zu schaden. Beim Vater der Beschwerd e- führerin handle es sich um einen herrschsüchtigen und gewalttätigen Dik- tator, der sie unter körperlicher Züchtigung zur Zwangsarbeit gezwungen und von ihnen Gehorsam und Schweigen verlangt habe. Entsprechend seien die von ihm gegenüber der Schweizerischen Botschaft gemachten Aussagen nicht zu berücksichtigen. Vielmehr solle i hren Aussagen zu ih- ren Asylgründen, an welchen sie nach wie vor festhalten würden, Gla u- ben geschenkt werden. D. Auf entsprechende Aufforderung des BFM vom 13. Dezember 2011 hin, reichten die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 23. Dezember 2011 eine Kopie des Flüchtlingsausweises von X., der sich derzeit als Asylsuchender (vgl. N […]) in der Schweiz aufhält, ein. E. Mit Schreiben vom 3. Januar 2012 wurden die Beschwerdeführenden g e- beten, zu den Aussagen von X. anlässlich der im Rahmen dessen Asy l- gesuchs vom 19. Oktober 2010 durchgeführten Befragungen und zu des- sen serbischer Staatsangehörigkeit Stellung zu nehmen. F. In ihrer Stellungnahme vom 13. Januar 2012 hielten die Beschwerdefüh- renden daran fest, keine serbischen Staatsbürger zu sein , und untermau- erten di e kosovarische Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers mit Kopien seiner kosovarischer Geburtsurkunde und seinem kosovarischen Bürgerschein sowie den kosovarischen Geburtsurkunden seiner Eltern. Ihrer Stellungnahme legten sie ferner ein Foto der Überreste des im Krieg zerstörten Hauses der Familie des Beschwerdeführers bei. E-1011/2012 Seite 5 G. Mit Verfügung vom 30. Januar 2012 – eröffnet am folgenden Tag – lehnte das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug an. H. Mit Eingabe vom 21. Februar 2013 – Datum Poststempel: 22. Februar 2012 – erhoben die Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid B e- schwerde, beantragten die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und sinngemäss die Gewährung von Asyl . Ihrer Beschwerde legten sie ein fremdsprachiges Schreiben vom 6. Februar 2012 in Original bei, w o- nach die Beschwerdeführenden zurzeit weder in G._______ noch in den übrigen Landesteilen Kosovos weilen dürften. I. Mit Zwischenverfügung vom 28. Februar 2012 teilte die Instruktionsrichte- rin den Beschwerdeführenden mit, sie können den Ausgang des Verfa h- rens in der Schweiz abwarten , und setzte Frist zur Leistung eines Kos- tenvorschusses von Fr. 600.-, den sie am 5. März 2012 bezahlten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist dah er zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetze s vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. E-1011/2012 Seite 6 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimi ert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der R e- gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG) und k önnen auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG), 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwe isen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Grundsätzlich sind die Vorbringen eines Gesuchstellers dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in w esentlichen Punkten nicht wide r- sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Ta t- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus E-1011/2012 Seite 7 muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insb e- sondere dann nicht der Fall ist, wenn er seine Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen au s- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes In teresse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftm a- chung bedeutet ferne r – im Gegensatz zum strikten Bewei s – ein redu- ziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers . Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des G e- suchstellers sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen. 5. 5.1 Das BFM lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab, da ihre Vorbringen den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaub- haftigkeit) gemäss Art. 7 AsylG nicht standhielten. So stünden die Aussa- gen der Beschwerdeführenden zu ihrer Wohnsituation und zu den Grü n- den, welche sie zum Verlassen ihres Heimatlandes bewogen hätten, in eklatantem Widerspruch zu den von der Schweizer Vertretung in Priština vor Ort gewonnenen Abklärungsergebnissen. Aufgrund dieser diametral entgegenstehenden Darstellungen, würden die Aussage n zu den geltend gemachten Schwierigkeiten in H._______/I._______ jeglicher Grundlage entbehren. Auch seien ihre Ausführungen in ihrer Stellungnahme vom 24. November 2011 , wonach ihren Asylgründen Glauben zu schenken sei, weil der Vater der Beschwerdeführerin der Schweizerischen Ver tre- tung in Priština in heimtückischer und böswilliger Absicht falsche Auskunft erteilt habe, um ihnen zu schaden und er ein herrs chsüchtiger, gewalttäti- ger Diktator sei, der sie unter körperlicher Züchtigung zur Zwangsarbeit gezwungen und von ihnen Gehorsa m und Schweigen verlangt habe, ke i- neswegs geeignet, um die fundierten Abklärungsergebnisse in Frage zu stellen und an den Aussagen des Vaters der Beschwerdeführerin zu zwei- feln. Darüber hinaus würden die Aussagen der Beschwerdeführenden durch die von X. de ponierten Aussagen anlässlich des sen Asylgesuchs vom 19. Oktober 2010 massiv erschüttert. Daraus gehe nämlich hervor, dass sich der Vater und die Mutter mit einem seiner Söhne, mithin mit dem Beschwerdeführer, und zwei seiner Schwestern zum damaligen Zeitpunkt irgendwo in Serbien aufgehalten hätten. Aufgrund dieser Tatsa- che sei davon auszugehen, die Beschwerdeführenden seien seit dem Jahr (…) zusammen mit den Eltern des Beschwerdeführers in Serbien wohnhaft gewesen. Vor dem Hintergrund, dass X. erwiesenerma ssen E-1011/2012 Seite 8 serbischer Staatsangehöriger sei, dränge sich der Verdacht auf, dass auch die Beschwerdeführenden über serbische Identitätsdokumente ve r- fügen würden, die sie den schweizerischen Asylbehörden jedoch bewusst vorenthielten. Dem würden die Beschwerdeführenden in ihrer diesbezüg- lichen Stellungnahme vom 13. Januar 2012 nichts stichhaltiges entge- genhalten, sondern würden lediglich auf der kosovarischen Staatsange- hörigkeit des Beschwerdeführers beharren , die sie mit in Kopie eing e- reichter kosovarischer Geburtsurkunde und kosovarischem Bürgerschein des Beschwerdeführers und dessen Eltern untermauern würden. Da die serbische Verfassung vom Jahre 2006 kosovarische Staatsangehörige auch nach der Unabhängigkeit Kosovos ausschliesslich als serbische Staatsangehörige betrachte, komme diesen Dokumenten keine Bewei s- kraft zu. Letztlich stelle das BFM ihre kosovarische Herkunft nicht in A b- rede. 5.2 Übereinstimmend mit dem BFM geht auch das Bundesverwaltung s- gericht davon aus, dass die von den Beschwerdeführenden gelten d ge- machten Verfolgungsgründe als insgesamt unglaubhaft zu werten sind und sie folglich im Zeitpunkt des Verlassens ihres Heimatlandes nicht in asylrelevanter Weise verfolgt worden sind. Aufgrund der Akten erweisen sich die Erwägungen des BFM zu den Flucht gründen und –umständen sowie zu den Wohn- und Familienverhältnissen insgesamt als zutreffend, und es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden. Entgegen ihren Er- klärungsversuchen in der Beschwerdeeingabe, wonach sie von Chauv i- nisten, Extremisten, Nationa listen und Separatisten verfolgt und schik a- niert worden seien, geht aus der – nicht zu beanstandenden – Bot- schaftsabklärung klar hervor, dass ihre Darstellungen zu ihren Erlebni s- sen in Kosovo auf einem Sachverhaltskonstrukt beruhen und nichts g e- gen die Beschwerdeführenden vorliegt. Bezeichnenderweise nehmen sie in der Beschwerde zu den von der Vorinstanz aufgezeigten Unstimmi g- keitsmerkmalen nicht Stellung, sonder n beschränken sich darauf, ihre Aussagen und Ausführungen in den Stellungnahmen zu wiederholen u nd an deren Wahrheitsgehalt festzuhalten. Damit legen sie aber nicht su b- stantiiert dar, inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf Unglaubhaftigkeit der Vorbringen geschlossen hat. Ebenso wenig sind die allgemeinen Aus- führungen zur Situation der Roma in Kosovo und der diesbezügliche Verweis in der Beschwerde auf die Todesumstände seines Bruders (vgl. Beschwerde S. 9) geeignet, die von der Vorinstanz aufgezeigten Unsti m- migkeiten zu entkräften. Daran ändert auch die mit der Beschwerde ei n- gereichte fremdsprachige Eingabe von drei Dorfbewohnern von G._______, wonach die Beschwerdeführenden in ganz Kosovo nirgends E-1011/2012 Seite 9 verweilen dürften, nichts und ist angesichts des Ausgeführten als Gefä l- ligkeitsschreiben zu werten. Die Beschwerdeführenden haben somit nichts vorgebracht, das geeignet wäre, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu m a- chen. Die Vorinstanz hat demnach die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem E-1011/2012 Seite 10 Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folte r und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unme nschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigen schaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG und Art. 33 FK verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach Kosovo ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde - führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Kosovo dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gericht s- hofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m .w.H.). Auch aus der allgemeinen Menschenrechtssituation in Kosovo oder aus der Tatsache, dass dort Angehörige ethnischer Minderheiten in verschi e- dener Hinsicht Diskriminierungen – so auch von Seiten privater Dritter – ausgesetzt sind, lässt sich noch kein reales Risiko von Folter oder u n- menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung herleiten. E-1011/2012 Seite 11 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinisch er Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.2 Das BFM hat in der angefoc htenen Verfügung festgestellt, die Si- cherheitslage habe sich in den letzten Jahren gebessert und sei vielerorts seit langem stabil. Die Verbesserungen im interethnischen Zusammenl e- ben hätten vor allem für albanischsprachige Roma, Ashkali und Ägypter positive Auswirkungen . Die Wahrscheinlichke it einer konkreten Gefähr- dung für albanischsprachige Roma, allein aufgrund der Ethnie könne mit Ausnahme einiger Dörfer beziehungsweise Gemeinden ausgeschlossen werden. Zudem sei für diese Ethnien die Bewegungsfreiheit grundsätzlich in ganz Kosovo gegeben und auch der Zugang zu den medizinischen und sozialen Strukturen sei grundsätzlich gewährleistet. 7.4.3 In der Beschwerde wird demgegenüber pauschal geltend gemacht, die fehlende Sicherheit und der fehlende Schutz der ethnischen Minder- heiten in Kosovo spreche g egen die Zumutbarkeit einer Rückführung nach Kosovo. Zudem sei es als Angehörige einer ethnischen Minderheit in Kosovo nicht möglich, dort ein menschenwürdiges Leben zu führen. 7.4.4 In Kosovo herrscht im jetzigen Zeitpunkt nicht eine generell uns i- chere, von bewaffneten Konflikten oder jederzeit drohenden Unruhen g e- prägte Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführenden bei einer Rüc k- kehr unweigerlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt würden. Blo s- se soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen weite Tei le der ansässigen Bevölkerung betroffen sind, genügen nicht, um eine Gefäh r- dung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6 S. 591, EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). 7.4.5 Die Beschwerdeführenden gehören der Minderheit der albanisc h- sprachigen Roma an. Kosovo hat den Willen und die Fähigkeit, die ethn i- schen Minderheiten zu schützen, und es exi stieren keinerlei systemat i- sche Verfolgungen derselben. Das Land hat sich auch zu umfassenden E-1011/2012 Seite 12 Sicherheitsgarantien verpflichtet und verzichtet keineswegs auf die Stra f- verfolgung von Personen, die sich vorwerfbare Handlungen gegen Ange- hörige von Minderheiten zuschulden kommen lassen (vgl. BVGE 2011/50 E. 4.7). Das Bundesverwaltungsgericht erachtet deshalb den Vollzug der Wegweisung von Angehörigen von Minderheiten nach Kosovo als zumut- bar, wenn verschiedene Reintegrationskriterien (wie berufliche Ausbi l- dung, Gesundheitszustand, Alter, ausreichende wirtschaftliche Leben s- grundlage und Beziehungsnetz in Kosovo) als gegeben erachtet werden können (vgl. dazu auch die frühere Praxis in BVGE 2007/10, m.w.H.). Gemäss Botschaftsabklärung hat der Beschwerdeführer bis z u seiner Ausreise als (…) mit geregeltem Einkommen gearbeitet (vgl. Akten BFM A 15/4 S. 4). Zudem sind die Beschwerdeführenden kosovarische Staats- angehörige (vgl. auch E. 4.1 oben). Dem Botschaftsbericht zufolge lebt die Familie der Beschwerdeführerin (Eltern und vier Geschwister) seit September 2011 in einem neuen Haus in I._______, dessen Bau mit schweizerischen und österreichischen Geldern finanziert wurde. Damit können die Beschwe rdeführenden in I._______ mit der Familie der B e- schwerdeführerin auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen, wel- ches sie beim Aufbau einer neuen Existenz unterstützen kann. Da Ser- bien die Republik Kosovo nicht als Staat anerkennt und damit die Staat s- angehörigen Kosovos grundsätzlich als serbische Staatsangehörige b e- trachtet, besitzen die Beschwerdeführenden gemäss dem Gesetz (Nr. 135/04) vom 21. Dezember 2004 zudem die serbische Staatsangehöri g- keit. Demnach können sich die Beschwerdeführenden – wie vom BFM zu Recht ausgeführt – auch nach Serbien begeben, wo sie aufgrund der Niederlassungsfreiheit bei den Eltern und Geschwistern des Beschwerde- führers Wohnsitz nehmen können. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung unter Ver- weis auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz auch als zumu t- bar. 7.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerde führenden, sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten E-1011/2012 Seite 13 fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. - den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 5. März 2012 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu ve r- rechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-1011/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag wird mit dem in gleicher Höhe geleisteten Ko s- tenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand: