<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 134 S.545</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">545</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>134</b></span> <span class="ft2"><b>Ausweisung.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Frage nach dem anwendbaren Recht. Ziele des Freizügigkeitsab-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kommens (Erw. II/2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Umfang der Rechte aus dem Freizügigkeitsabkommen. Berücksich-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tigung der EuGH-Rechtsprechung (Erw. II/3).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Prüfung des aktuellen Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/4).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Einschränkung der aus dem Freizügigkeitabkommen eingeräumten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechte. Bedeutung des Verweises auf EG-Richtlinien sowie deren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zweck. Massnahmen aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Si-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>cherheit und Gesundheit (Erw. II/5a bis c).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Prüfung, ob die angeordnete Massnahme im nationalen Recht vorge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sehen ist (Erw. II/5d).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine Massnahme ist nur zulässig, wenn die nachfolgenden Kriterien</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kumulativ erfüllt sind (Erw. II/6).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es muss ein persönliches Verhalten des Betroffenen vorliegen (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>II/6a).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das persönliche Verhalten muss einen Gesetzesverstoss darstellen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/6b).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Neben der Widerrechtlichkeit muss eine gewisse Erheblichkeit und</b></span><br/> <span class="ft2"><b>eine hinreichend wahrscheinliche Wiederholungsgefahr bestehen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/6c).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die vorgesehene Massnahme muss verhältnismässig sein. Bei der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Prüfung der Verhältnismässigkeit kann auf die einschlägigen Be-</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">546</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>stimmungen des nationalen Ausländerrechts zurückgegriffen werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/6d).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Gründe der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dürfen nicht für wirtschaftliche Zwecke geltend gemacht werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/6e).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Im vorliegenden Fall erweisen sich alle Erfordernisse für die An-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wendung einer Massnahme als erfüllt und die angeordnete Auswei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sung erscheint verhältnismässig (Erw. II/6e).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 12. Juli</span><br/> <span class="ft4">2002</span> <span class="ft4">in</span> <span class="ft4">Sachen</span> <span class="ft4">G.L.</span> <span class="ft4">gegen</span> <span class="ft4">einen</span> <span class="ft4">Entscheid</span> <span class="ft4">der</span> <span class="ft4">Fremdenpolizei</span><br/> <span class="ft4">(BE.2002.00008).</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Der Beschwerdeführer reiste erstmals im Jahre 1992 in die</span><br/> <span class="ft1">Schweiz ein und zog nach L. (VD) zu seiner damaligen Verlobten.</span><br/> <span class="ft1">Ohne im Besitze einer Bewilligung zu sein, war er das ganze Jahr</span><br/> <span class="ft1">1993 hindurch erwerbstätig. Nachdem im Dezember 1993 die Bezie-</span><br/> <span class="ft1">hung aufgelöst wurde, zog er zu einem Freund nach L. (LU). Dem</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer wurde durch die zuständige Behörde eine</span><br/> <span class="ft1">Kurzaufenthalterbewilligung zu Erwerbszwecken ausgestellt. Im Juli</span><br/> <span class="ft1">1994 lernte er eine in der Schweiz geborene Landsfrau kennen, wel-</span><br/> <span class="ft1">che im Besitze einer Niederlassungsbewilligung ist. Die beiden hei-</span><br/> <span class="ft1">rateten am 15. Juli 1995. Im Rahmen des Familiennachzuges wurde</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer in der Folge eine Aufenthaltsbewilligung</span><br/> <span class="ft1">erteilt.</span><br/> <span class="ft1">Mit Strafbefehl der Bezirksanwaltschaft Z. (ZH) vom 3. Februar</span><br/> <span class="ft1">1998 wurde der Beschwerdeführer wegen grober Verletzung der</span><br/> <span class="ft1">Verkehrsregeln mit einer Busse von CHF 500.- bestraft. Im Januar</span><br/> <span class="ft1">1999 kündigte er seine Stelle als Chauffeur aufgrund gesundheitli-</span><br/> <span class="ft1">cher Probleme mit dem Rücken. Mit Ausnahme einer sechsmonati-</span><br/> <span class="ft1">gen Teilnahme an einem Beschäftigungsprogramm war der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer seither erwerbslos.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">547</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde am 21. April 2000 im Kanton</span><br/> <span class="ft1">Tessin verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt. Am 23. Januar</span><br/> <span class="ft1">2001 sprach ihn das Geschworenengericht L. der mehrfachen quali-</span><br/> <span class="ft1">fizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig</span><br/> <span class="ft1">und verurteilte ihn zu einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren und 9 Mo-</span><br/> <span class="ft1">naten. Zudem wurde er für 7 Jahre des Landes verwiesen, wobei ihm</span><br/> <span class="ft1">für die Nebenstrafe der bedingte Vollzug, unter Ansetzung einer Pro-</span><br/> <span class="ft1">bezeit von 3 Jahren, gewährt wurde.</span><br/> <span class="ft1">Am 12. November 2001 teilte die Fremdenpolizei dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer mit, dass sie aufgrund seiner Verurteilung erwäge,</span><br/> <span class="ft1">ihn auszuweisen und gewährte ihm diesbezüglich das rechtliche Ge-</span><br/> <span class="ft1">hör. Mit Verfügung vom 3. Januar 2002 wies die Fremdenpolizei,</span><br/> <span class="ft1">Sektion Massnahmen, den Beschwerdeführer für unbestimmte Dauer</span><br/> <span class="ft1">aus der Schweiz aus. Gleichentags ging die verspätete Stellung-</span><br/> <span class="ft1">nahme des Beschwerdeführers im Rahmen des rechtlichen Gehörs</span><br/> <span class="ft1">ein (Frist: 27. November 2001).</span><br/> <span class="ft1">B. Gegen diese Ausweisungsverfügung erhob der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer am 22. Januar 2002 Einsprache, welche der Rechtsdienst der</span><br/> <span class="ft1">Fremdenpolizei (Vorinstanz) am 12. Februar 2002 abwies.</span><br/> <span class="ft1">C. Gegen den Einspracheentscheid erhob der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">am 6. März 2002 Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 2. a) Nachdem am 1. Juni 2002 das Abkommen zwischen der</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen</span><br/> <span class="ft1">Gemeinschaft (EG) und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die</span><br/> <span class="ft1">Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen [FZA]) vom 21. Juni 1999</span><br/> <span class="ft1">in Kraft getreten ist, stellt sich die Frage, ob der Fall des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes über Aufent-</span><br/> <span class="ft1">halt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) vom 26. März 1931</span><br/> <span class="ft1">oder nach denjenigen des Freizügigkeitsabkommens zu prüfen ist.</span><br/> <span class="ft1">b) Gemäss Art. 1 lit. a und c FZA hat das Freizügigkeitsab-</span><br/> <span class="ft1">kommen zu Gunsten der Staatsangehörigen der EG die nachfolgen-</span><br/> <span class="ft1">den Ziele: lit. a): die Einräumung eines Rechts auf Einreise, Aufent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">548</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">halt, Zugang zu einer unselbständigen Erwerbstätigkeit und Nieder-</span><br/> <span class="ft1">lassung als Selbständiger sowie des Rechts auf Verbleib in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz; lit. c): die Einräumung eines Rechts auf Einreise und Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthalt für Personen, die in der Schweiz keine Erwerbstätigkeit aus-</span><br/> <span class="ft1">üben.</span><br/> <span class="ft1">c) Der Beschwerdeführer ist italienischer Staatsangehöriger und</span><br/> <span class="ft1">somit Staatsangehöriger eines EG-Mitgliedstaates. Folglich kann er</span><br/> <span class="ft1">sich auf das Freizügigkeitsabkommen berufen und hat grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz.</span><br/> <span class="ft1">3. Nach Art. 4 FZA wird das Recht auf Aufenthalt und Zugang</span><br/> <span class="ft1">zu einer Erwerbstätigkeit, vorbehaltlich des Art. 10 FZA (Über-</span><br/> <span class="ft1">gangsbestimmungen und Weiterentwicklung des Abkommens), nach</span><br/> <span class="ft1">Massgabe des Anhangs I FZA eingeräumt.</span><br/> <span class="ft1">Weiter treffen gemäss Art. 16 Abs. 1 FZA die Vertragsparteien</span><br/> <span class="ft1">des Freizügigkeitsabkommens alle erforderlichen Massnahmen, da-</span><br/> <span class="ft1">mit in ihren Beziehungen gleichwertige Rechte und Pflichten wie in</span><br/> <span class="ft1">den Rechtsakten der EG Anwendung finden. Namentlich ist dabei die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaften</span><br/> <span class="ft1">(EuGH) vor dem Zeitpunkt der Unterzeichnung des Abkommens zu</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigen (Art. 16 Abs. 2 FZA; vgl. Botschaft zur Genehmi-</span><br/> <span class="ft1">gung der sektoriellen Abkommen zwischen der Schweiz und der EG,</span><br/> <span class="ft1">BBl 1999 6128, S. 6159).</span><br/> <span class="ft1">Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Ausweisung des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers gegen das Freizügigkeitsabkommen verstösst.</span><br/> <span class="ft1">4. a) Zunächst ist der aktuelle Aufenthaltsstatus des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführers einer eingehenderen Betrachtung zu unterziehen. Bis zum</span><br/> <span class="ft1">31. August 2000 war der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 17 Abs.</span><br/> <span class="ft1">2 ANAG zum Zwecke des Verbleibs bei seiner Ehefrau im Besitze</span><br/> <span class="ft1">einer Aufenthaltsbewilligung. Ab dem 1. September 2000 durfte er</span><br/> <span class="ft1">sich, gemäss Art. 1 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung zum Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAV)</span><br/> <span class="ft1">vom 1. März 1949 aufgrund des hängigen Bewilligungsverfahrens, in</span><br/> <span class="ft1">der Schweiz aufhalten. Seit dem Inkrafttreten des Freizügigkeitsab-</span><br/> <span class="ft1">kommens am 1. Juni 2002 hat der Beschwerdeführer, nachdem er für</span><br/> <span class="ft1">die Zeit nach seiner Haftentlassung einen unbefristeten und somit</span><br/> <span class="ft1">überjährigen Arbeitsvertrag vorweisen kann, gemäss Art. 6 Abs. 1</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">549</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Anhang I FZA einen selbständigen Anspruch auf eine Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung mit einer Gültigkeitsdauer von mindestens 5 Jahren.</span><br/> <span class="ft1">b) Da der Beschwerdeführer bereits im Zeitpunkt des Inkraft-</span><br/> <span class="ft1">tretens des FZA zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit berechtigt war</span><br/> <span class="ft1">und er bislang eine Jahresaufenthaltsbewilligung besass, hat er ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Art. 10 Abs. 5 FZA einerseits eine automatischen Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung. Andererseits kommen</span><br/> <span class="ft1">allfällige übergangsrechtliche Einschränkungen (Art. 10 Abs. 1-4</span><br/> <span class="ft1">FZA) in seinem Fall nicht zur Anwendung.</span><br/> <span class="ft1">c) Der Anspruch auf automatische Verlängerung der Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsbewilligung bedeutet jedoch nicht, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">mit Inkrafttreten des FZA ohne weiteres über eine Aufenthaltsbewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung verfügen würde. Den Behörden steht es grundsätzlich frei, die</span><br/> <span class="ft1">Bewilligungserteilung beziehungsweise das Eingreifen in eine beste-</span><br/> <span class="ft1">hende Bewilligung gegebenenfalls einer eingehenden Prüfung zu</span><br/> <span class="ft1">unterziehen. Dabei ist aber den einschlägigen Bestimmungen des</span><br/> <span class="ft1">FZA Rechnung zu tragen (insbesondere Art. 5 Abs. 1 Anhang I</span><br/> <span class="ft1">FZA).</span><br/> <span class="ft1">5. a) Gemäss Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA dürfen die aus dem</span><br/> <span class="ft1">Abkommen eingeräumten Rechte nur durch Massnahmen einge-</span><br/> <span class="ft1">schränkt werden, welche aus Gründen der öffentlichen Ordnung,</span><br/> <span class="ft1">Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind.</span><br/> <span class="ft1">b) Im Weiteren verweist Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA auf die</span><br/> <span class="ft1">entsprechenden Richtlinien der EG. Nach Art. 249 Abs. 3 des Vertra-</span><br/> <span class="ft1">ges zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) ist eine</span><br/> <span class="ft1">Richtlinie hinsichtlich des zu erreichenden Ziels verbindlich, über-</span><br/> <span class="ft1">lässt aber die Wahl der Form und Mittel dem jeweiligen Mitglieds-</span><br/> <span class="ft1">staat (zum Ganzen siehe Stephan Breitenmoser/André Husheer, Eu-</span><br/> <span class="ft1">roparecht, Zürich 2002</span><span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft1">, Rz. 301 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Die Richtlinie 64/221/EWG wurde zum Zwecke der Koordinie-</span><br/> <span class="ft1">rung der Vorschriften über den Ordre-public-Vorbehalt erlassen. In</span><br/> <span class="ft1">den Richtlinien 72/194/EWG und 75/35/EWG wurde der ursprüngli-</span><br/> <span class="ft1">che Kreis der Berechtigten weiter ausgedehnt. Inhaltlich enthält die</span><br/> <span class="ft1">Richtlinie 64/221/EWG in ihren Art. 2-7 eine Reihe von Schranken,</span><br/> <span class="ft1">welche die Geltendmachung der nationalen Sondervorschriften be-</span><br/> <span class="ft1">grenzen sollen. Darüber hinaus enthalten die Art. 8 und 9 der Richt-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">550</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">linie Mindeststandards für den Rechtsschutz der Betroffenen (Hart-</span><br/> <span class="ft1">mut Schneider, Die öffentliche Ordnung als Schranke der Grundfrei-</span><br/> <span class="ft1">heiten im EG-Vertrag, Baden-Baden 1998, S. 109 ff.; als Vorlage von</span><br/> <span class="ft1">Leitlinien für die Auslegung und Anwendung der Richtlinie vgl.</span><br/> <span class="ft1">Mitteilung der Europäischen Kommission vom 19. Juli 1999). Die</span><br/> <span class="ft1">Richtlinie definiert also nicht, welches die durch den Ordre-public-</span><br/> <span class="ft1">Vorbehalt geschützten Polizeigüter der öffentlichen Ordnung und</span><br/> <span class="ft1">Sicherheit sind, sondern überlässt die konkrete Ausgestaltung dem</span><br/> <span class="ft1">jeweiligen Landesrecht (Marcel Dietrich, Die Freizügigkeit der Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitnehmer in der Europäischen Union, Zürich 1995, S. 485 ff.). Der</span><br/> <span class="ft1">EuGH hielt fest, dass der Inhalt dieser Polizeigüter von Land zu</span><br/> <span class="ft1">Land und im zeitlichen Wechsel verschieden sein können und dass</span><br/> <span class="ft1">die einzelnen Staaten im Wesentlichen frei nach ihren nationalen</span><br/> <span class="ft1">Bedürfnissen bestimmen können, was die öffentliche Ordnung ver-</span><br/> <span class="ft1">langt (EuGH, Rs. 41/74, Van Duyn, Slg. 1974 II-1337, Rn. 18 f. so-</span><br/> <span class="ft1">wie EuGH, Rs. 36/75, Rutili, Slg. 1975 II-1219, Rz. 26 ff.). Insge-</span><br/> <span class="ft1">samt stellen sich die Beschränkungen der ausländerpolizeilichen</span><br/> <span class="ft1">Befugnisse als eine besondere Ausprägung des in den Art. 8-11 der</span><br/> <span class="ft1">Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten</span><br/> <span class="ft1">(EMRK) vom 4. November 1950 verankerten Grundsatzes dar, dass</span><br/> <span class="ft1">die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vorgenom-</span><br/> <span class="ft1">menen Einschränkungen nicht den Rahmen dessen überschreiten</span><br/> <span class="ft1">dürfen, was für diesen Schutz in einer demokratischen Gesellschaft</span><br/> <span class="ft1">notwendig ist (EuGH, Rs. 36/75, Rutili, Slg. 1975 II-1219, Rz. 32).</span><br/> <span class="ft1">c) Zu prüfen ist, ob die Ausweisung eine Massnahme i.S.v.</span><br/> <span class="ft1">Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA darstellt. Unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des EuGH (EuGH, Rs. 30/77, Bouchereau, Slg.</span><br/> <span class="ft1">1977 1999, Rz. 21 ff.) ist unter einer Massnahme im Sinne der Richt-</span><br/> <span class="ft1">linie 64/221/EWG und damit i.S.v. Art. 5 Abs.1 Anhang I FZA jede</span><br/> <span class="ft1">Handlung zu verstehen, die das Recht auf freie Einreise und Aufent-</span><br/> <span class="ft1">halt berührt.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem die Ausweisung, welche sowohl eine Entfernungs- als</span><br/> <span class="ft1">auch eine Fernhaltemassnahme umfasst, das Recht auf freie Einreise</span><br/> <span class="ft1">und Aufenthalt berührt, stellt sie eine Massnahme i.S.v. Art. 5 Abs.1</span><br/> <span class="ft1">Anhang I FZA dar (vgl. Marcel Dietrich, a.a.O., S. 508).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">551</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">d) Die Frage, ob die Ausweisung überhaupt als Massnahme des</span><br/> <span class="ft1">nationalen Rechts vorgesehen ist, muss aufgrund der einschlägigen</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen des schweizerischen Ausländerrechts beurteilt wer-</span><br/> <span class="ft1">den (vgl. E. 5b).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG kann ein Ausländer aus der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens</span><br/> <span class="ft1">oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde. Damit steht fest, dass die</span><br/> <span class="ft1">Ausweisung als Massnahme des schweizerischen Rechts grundsätz-</span><br/> <span class="ft1">lich vorgesehen und im konkreten Fall auch anwendbar ist, da der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer wegen eines Verbrechens zu einer Zuchthausstrafe</span><br/> <span class="ft1">verurteilt wurde.</span><br/> <span class="ft1">6. Die Zulässigkeit der Ausweisung ist nach Massgabe der im</span><br/> <span class="ft1">FZA festgelegten Kriterien zu beurteilen. Eine Massnahme ist ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA nur dann zulässig, wenn sie aus</span><br/> <span class="ft1">Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit (und Gesundheit)</span><br/> <span class="ft1">gerechtfertigt erscheint. Dabei müssen - unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="ft1">Schranken gemäss Richtlinie 64/221/EWR und deren Auslegung</span><br/> <span class="ft1">durch den EuGH - die nachfolgenden fünf Kriterien kumulativ erfüllt</span><br/> <span class="ft1">sein: Es muss a) ein persönliches Verhalten der betroffenen Person</span><br/> <span class="ft1">vorliegen, ihr Handeln muss b) widerrechtlich sein und c) eine kon-</span><br/> <span class="ft1">krete Gefahr für die Gesellschaft bedeuten, die getroffene Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme muss d) verhältnismässig sein und darf e) nicht für wirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche Zwecke geltend gemacht werden (zum Ganzen siehe</span><br/> <span class="ft1">Marcel Dietrich, a.a.O., S. 497-504).</span><br/> <span class="ft1">a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 64/221/EWR darf bei</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit nur das per-</span><br/> <span class="ft1">sönliche Verhalten der in Betracht kommenden Einzelpersonen aus-</span><br/> <span class="ft1">schlaggebend sein. Das heisst, dass eine Massnahme nicht auf gene-</span><br/> <span class="ft1">ralpräventive, sondern nur auf spezialpräventive Gründe gestützt</span><br/> <span class="ft1">werden darf (Kay Hailbronner, Handkommentar zum Vertrag über</span><br/> <span class="ft1">die Europäische Union, Köln 1998, zu Art. 48, Rz. 78 f.).</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde wegen mehrfacher qualifizierter</span><br/> <span class="ft1">Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Zucht-</span><br/> <span class="ft1">hausstrafe von 3¾ Jahren verurteilt. Er hat über 1.6 Kilogramm Ko-</span><br/> <span class="ft1">kain verkauft, daneben Kokain transportiert, aufbewahrt sowie gratis</span><br/> <span class="ft1">verteilt. Es liegt somit ein persönliches Verhalten des Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">552</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">führers vor, das sogar zu einer Strafe führte. Da eine allfällige Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme - hier die Ausweisung - dem Zwecke der konkreten zukünfti-</span><br/> <span class="ft1">gen Gefahrenabwehr dient, stützt sie sich auf spezialpräventive Er-</span><br/> <span class="ft1">wägungen.</span><br/> <span class="ft1">b) Weiter muss das persönliche Verhalten des Betroffenen einen</span><br/> <span class="ft1">Gesetzesverstoss darstellen. Entscheidend dabei ist nicht, ob der</span><br/> <span class="ft1">Verstoss zu einer Sanktion führt; einzige Voraussetzung ist, dass das</span><br/> <span class="ft1">deliktische Verhalten nicht nur bei Ausländern, sondern auch bei</span><br/> <span class="ft1">eigenen Staatsangehörigen zu Zwangsmassnahmen oder anderen</span><br/> <span class="ft1">tatsächlichen und effektiven Massnahmen führen würde (EuGH, Rs.</span><br/> <span class="ft1">115 und 116/81, Adoui und Cornuaille, Slg. 1982 1665, Rz. 8).</span><br/> <span class="ft1">Die Strafbestimmungen in Art. 19 des Bundesgesetzes über die</span><br/> <span class="ft1">Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (BetmG) vom 3. Ok-</span><br/> <span class="ft1">tober 1951 gelten für sämtliche in der Schweiz wohnhaften Personen,</span><br/> <span class="ft1">unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Somit sind die Handlungen</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers als widerrechtlich im Sinne der Bestimmun-</span><br/> <span class="ft1">gen zu qualifizieren.</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Da jeder noch so geringe Gesetzesverstoss an sich eine</span><br/> <span class="ft1">Störung der öffentlichen Ordnung darstellt, muss neben der</span><br/> <span class="ft1">Widerrechtlichkeit eine gewisse Erheblichkeit verlangt werden, um</span><br/> <span class="ft1">eine ausländerrechtliche Massnahme rechtfertigen zu können. Vor-</span><br/> <span class="ft1">ausgesetzt wird das Vorliegen einer tatsächlichen und hinreichend</span><br/> <span class="ft1">schweren Gefährdung, die ein Grundinteresse der Gesellschaft be-</span><br/> <span class="ft1">rührt (EuGH, Rs. 30/77, Bouchereau, Slg. 1977 1999, Rz. 33 ff.;</span><br/> <span class="ft1">EuGH, Rs. C 348/96, Calfa, Slg. 1999 I-11, Rz. 25). Eine hinrei-</span><br/> <span class="ft1">chend schwere Gefahr liegt vor, wenn der Aufnahmestaat gegenüber</span><br/> <span class="ft1">dem gleichen Verhalten eigener Staatsbürger ebenfalls Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen oder andere tatsächliche und effektive Massnahmen zur</span><br/> <span class="ft1">Bekämpfung dieses Verhaltens ergreift (EuGH, Rs. 115 und 116/81,</span><br/> <span class="ft1">Adoui und Cornuaille, Slg. 1982 1665, Rz. 8).</span><br/> <span class="ft1">Weiter bestimmt Art. 3 Abs. 2 der Richtlinie 64/221/EWR, dass</span><br/> <span class="ft1">strafrechtliche Verurteilungen alleine nicht ohne weiteres eine Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme begründen können. Die dem Urteil zu Grunde liegenden Um-</span><br/> <span class="ft1">stände müssen ein persönliches Verhalten erkennen lassen, welches</span><br/> <span class="ft1">eine derartige gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung</span><br/> <span class="ft1">und Sicherheit darstellt (EuGH, Rs. 30/77, Bouchereau, Slg. 1977</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdepolizei</div> <span class="page_no">553</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">1999, Rz. 25 ff. und 31 ff.). Zu berücksichtigen sind Art und Schwere</span><br/> <span class="ft1">der begangenen Straftaten, der Zeitraum, welcher seit der letzten</span><br/> <span class="ft1">Tatbegehung</span> <span class="ft1">vergangen</span> <span class="ft1">ist</span> <span class="ft1">sowie</span> <span class="ft1">die</span> <span class="ft1">Gesamtsituation</span> <span class="ft1">der</span><br/> <span class="ft1">betroffenen Person. Für eine ausländerrechtliche Massnahme nach</span><br/> <span class="ft1">einer Verurteilung ist demnach eine konkrete Gefahr neuer Störungen</span><br/> <span class="ft1">der öffentlichen Ordnung und Sicherheit erforderlich. Diese konkrete</span><br/> <span class="ft1">Gefahr muss bei individueller Würdigung des Einzelfalls hinreichend</span><br/> <span class="ft1">wahrscheinlich sein. Bei schwerwiegenden Straftaten, wie etwa bei</span><br/> <span class="ft1">Gewalt- und Betäubungsmitteldelikten, kann bereits nach der ersten</span><br/> <span class="ft1">Verurteilung aus dem Verhalten und der Persönlichkeit des Täters auf</span><br/> <span class="ft1">eine für eine Massnahme ausreichende Wiederholungsgefahr ge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen werden (EuGH, Rs. 30/77, Bouchereau, Slg. 1977 1999,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 29 f.). Hingegen ist eine solche Wiederholungsgefahr in der Re-</span><br/> <span class="ft1">gel zu verneinen, wenn dem Täter der bedingte Strafvollzug gewährt</span><br/> <span class="ft1">wird. Zwar sind die fremdenpolizeilichen Behörden nicht an die</span><br/> <span class="ft1">günstige Prognose des Strafrichters bei der Beurteilung der Wieder-</span><br/> <span class="ft1">holungsgefahr gebunden; die der Prognose zu Grunde liegenden</span><br/> <span class="ft1">Erwägungen sind jedoch zu berücksichtigen (EuGH, Rs. 30/77, Bou-</span><br/> <span class="ft1">chereau, Slg. 1977 1999, Rz. 27 f.; Marcel Dietrich, a.a.O., S. 500 f.</span><br/> <span class="ft1">mit weiteren Hinweisen; Mitteilung der Europäischen Kommission,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., S. 14 f.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Bezüglich der Erheblichkeit der Straftat ist festzuhalten,</span><br/> <span class="ft1">dass der Beschwerdeführer wegen mehrfacher qualifizierter Betäu-</span><br/> <span class="ft1">bungsmittelverstösse verurteilt wurde. Da diese zwingend eine Frei-</span><br/> <span class="ft1">heitsstrafe von mindestens einem Jahr nach sich ziehen, ist die erfor-</span><br/> <span class="ft1">derliche Erheblichkeit in casu klar gegeben.</span><br/> <span class="ft1">Hinsichtlich der konkreten und gegenwärtigen Gefährdung der</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Ordnung und Sicherheit ist festzuhalten, dass der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer bislang zweimal strafrechtlich verurteilt werden</span><br/> <span class="ft1">musste. Nebst der bereits erwähnten schweren Betäubungsmittelde-</span><br/> <span class="ft1">linquenz wurde er wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln be-</span><br/> <span class="ft1">straft. Bezüglich seiner Betäubungsmitteldelikte stellte das Geschwo-</span><br/> <span class="ft1">renengericht L. fest, dass der Beschwerdeführer ein Klima der Angst</span><br/> <span class="ft1">schuf, um die Kontrolle über seine Klienten zu behalten. Er drohte</span><br/> <span class="ft1">und wurde gewalttätig gegenüber Personen, die nicht zahlten. Über</span><br/> <span class="ft1">einen gewissen Zeitraum gesehen war er der wichtigste Lieferant für</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">554</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einen grossen Kreis von Abnehmern. Dies wog für das Gericht umso</span><br/> <span class="ft1">schwerer, als der Beschwerdeführer weder selber drogenabhängig</span><br/> <span class="ft1">war, noch in finanziellen Nöten steckte; auch sein Vorleben gab kei-</span><br/> <span class="ft1">nerlei Entlastungsgründe her. Des Weiteren hielt er sich rund zwei</span><br/> <span class="ft1">Jahre illegal in der Schweiz auf und erzielte sein Einkommen in die-</span><br/> <span class="ft1">ser Zeit ausschliesslich aus Schwarzarbeit (vgl. Botschaft zum Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgesetz über Massnahmen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit,</span><br/> <span class="ft1">BBl 2002 3605). Angesichts dieser Umstände und in Berücksichti-</span><br/> <span class="ft1">gung der hohen unbedingten Strafe ist von einer tatsächlichen und</span><br/> <span class="ft1">hinreichend schweren Gefährdung, die ein Grundinteresse der Ge-</span><br/> <span class="ft1">sellschaft (Schutz vor Drogenhändlern) berührt, auszugehen. Eine</span><br/> <span class="ft1">Wiederholungsgefahr erscheint aufgrund des bisherigen Lebenslaufs</span><br/> <span class="ft1">und Verhaltens des Beschwerdeführers als ausreichend wahrschein-</span><br/> <span class="ft1">lich. Die Anforderungen an die Wiederholungsgefahr sind insbeson-</span><br/> <span class="ft1">dere bei schweren Straftaten (wie etwa Betäubungsmitteldelikten),</span><br/> <span class="ft1">bei denen der zu erwartende Schaden für Leib, Leben und Gesund-</span><br/> <span class="ft1">heit der Öffentlichkeit gross ist, ohnehin tiefer als bei geringfügige-</span><br/> <span class="ft1">ren Delikten zu setzen.</span><br/> <span class="ft1">d) Soweit die erforderlichen Kriterien für einen Vorbehalt aus</span><br/> <span class="ft1">Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit erfüllt sind, ist in</span><br/> <span class="ft1">der Folge zu prüfen, ob sich die vorgesehene Massnahme als ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnismässig erweist. Nachdem sich die Verhältnismässigkeitsprü-</span><br/> <span class="ft1">fung nach gemeinschaftsrechtlicher Auslegung nicht von derjenigen</span><br/> <span class="ft1">nach schweizerischem Recht unterscheidet, kann auf die einschlägi-</span><br/> <span class="ft1">gen Bestimmungen des nationalen Ausländerrechts zurückgegriffen</span><br/> <span class="ft1">werden (vgl. Mitteilung der Europäischen Kommission, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 15).</span><br/> <span class="ft1">aa) Gemäss Art. 11 Abs. 3 ANAG darf eine Ausweisung nur</span><br/> <span class="ft1">ausgesprochen werden, wenn sie nach den gesamten Umständen</span><br/> <span class="ft1">angemessen erscheint. Bei Beurteilung der Angemessenheit ist ins-</span><br/> <span class="ft1">besondere auf die in Art. 16 Abs. 3 ANAV genannten Gesichtspunkte</span><br/> <span class="ft1">abzustellen. Ob diese Kriterien berücksichtigt und richtig angewandt</span><br/> <span class="ft1">worden sind, beziehungsweise ob sich in ihrem Lichte die Auswei-</span><br/> <span class="ft1">sung als verhältnismässig erweist, ist als Rechtsfrage frei zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">Als fremdenpolizeiliche Massnahme steht bei der Ausweisung das</span><br/> <span class="ft1">Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">555</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Dieses Ziel gilt es den privaten Interessen des Beschwerdeführers am</span><br/> <span class="ft1">Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Im Rahmen dieser In-</span><br/> <span class="ft1">teressenabwägung sind vor allem die Schwere des Verschuldens des</span><br/> <span class="ft1">Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und die</span><br/> <span class="ft1">ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft1">bb) Bei der Frage, ob die Ausweisung im Sinne von Art. 11</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 ANAG und Art. 16 Abs. 3 ANAV verhältnismässig erscheint,</span><br/> <span class="ft1">ist vorab das Mass des öffentlichen Interesses anhand der Schwere</span><br/> <span class="ft1">des Verschuldens des Betroffenen sowie der begangenen Delikte zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen. Wie bereits vorstehend (Erw. 4a-c) betrachtet, stellen die</span><br/> <span class="ft1">durch den Beschwerdeführer begangenen Delikte eine schwere Ge-</span><br/> <span class="ft1">fährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit dar. Hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">seines Verschuldens ist festzuhalten, dass das Geschworenengericht</span><br/> <span class="ft1">L. dieses als schwer beurteilte. Für den Beschwerdeführer sprach we-</span><br/> <span class="ft1">nig, was eine Herabsetzung des von Seiten der Anklage geforderten</span><br/> <span class="ft1">Strafmasses (4 Jahre und 6 Monate Zuchthaus) rechtfertigte. Einzig</span><br/> <span class="ft1">seine Vorstrafenlosigkeit und das kooperative Verhalten nach seiner</span><br/> <span class="ft1">Verhaftung liess das Gericht als mildernde und somit strafmassredu-</span><br/> <span class="ft1">zierende Umstände gelten. In Anbetracht aller Umstände ist von ei-</span><br/> <span class="ft1">nem sehr grossen öffentlichen Interesse an der Ausweisung des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">cc) Bezüglich der privaten Interessen ist im Rahmen der Ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnismässigkeitsprüfung vorab die Anwesenheitsdauer in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz zu prüfen. Je länger ein Ausländer in der Schweiz anwesend</span><br/> <span class="ft1">war, desto strengere Anforderungen sind grundsätzlich an die An-</span><br/> <span class="ft1">ordnung einer Ausweisung zu stellen. Zu berücksichtigen ist auch, in</span><br/> <span class="ft1">welchem Alter der Ausländer in die Schweiz eingereist ist (BGE 125</span><br/> <span class="ft1">II 521, E. 2b, S. 523). Ein Ausländer, der in der Schweiz aufgewach-</span><br/> <span class="ft1">sen ist und hier seine familiären, sozialen und kulturellen Wurzeln</span><br/> <span class="ft1">hat, muss sich bei einer Ausweisung in einer für ihn in der Regel</span><br/> <span class="ft1">fremden Umgebung zurechtfinden (BGE 122 II 433, E. 2c, S. 436).</span><br/> <span class="ft1">Demgegenüber ist davon auszugehen, dass ein Ausländer, der als</span><br/> <span class="ft1">Erwachsener in die Schweiz gekommen ist, regelmässig sein Ur-</span><br/> <span class="ft1">sprungsland als "Heimat" empfinden wird. Dies kann unter den Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkten der Dauer der Anwesenheit sowie der persönlichen</span><br/> <span class="ft1">und familiären Nachteile einer Ausweisung wesentlich werden. Al-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">556</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lerdings ist selbst bei einem Ausländer der "zweiten Generation", der</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz verbracht hat und deshalb dieses Land als seine "Heimat"</span><br/> <span class="ft1">betrachtet, eine Ausweisung nicht in jedem Fall ungerechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">(BGE 122 II 433, E. 2c, S. 436). Erst recht gilt dies für Ausländer,</span><br/> <span class="ft1">die erst als Kind oder Jugendlicher in die Schweiz gelangt sind. Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidend ist das Ergebnis der Verhältnismässigkeitsprüfung, die</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf die gesamten wesentlichen Umstände des Einzelfalls</span><br/> <span class="ft1">vorzunehmen ist (BGE 125 II 521, E. 2b, S. 523 f. mit Verweisen auf</span><br/> <span class="ft1">vier unveröffentlichte Urteile, in denen die Einreise im Alter von 9</span><br/> <span class="ft1">bzw. 11 Jahren erfolgte und eine Anwesenheitsdauer von 16 bis 25</span><br/> <span class="ft1">Jahren vorlag).</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hält sich seit dem Jahr 1994, damals</span><br/> <span class="ft1">knapp 24 Jahre alt, legal in der Schweiz auf. Seinen illegalen Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthalt vor diesem Zeitpunkt kann er sich nicht auf die Gesamtanwe-</span><br/> <span class="ft1">senheitsdauer anrechnen lassen. Da der Gesamtdauer auch die in</span><br/> <span class="ft1">Unfreiheit verbrachte Zeitspanne abzuziehen ist, ergibt sich für den</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer eine anrechenbare Aufenthaltsdauer von etwas</span><br/> <span class="ft1">mehr als 6 Jahren (vgl. Entscheid des Rekursgerichtes vom 28. April</span><br/> <span class="ft1">2000, BE. 99.00100, E. 2e, S. 8 f.). Aufgrund dieser zwar nicht sehr</span><br/> <span class="ft1">langen, aber auch nicht unerheblichen Aufenthaltsdauer ist von ei-</span><br/> <span class="ft1">nem leicht erhöhten privaten Interesse des Beschwerdeführers am</span><br/> <span class="ft1">Verbleib in der Schweiz auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">dd) In Bezug auf die Umstände des Einzelfalles spielen insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere die familiären Verhältnisse des Beschwerdeführers, d.h.</span><br/> <span class="ft1">seine Beziehungssituation, und dabei namentlich die Auswirkungen</span><br/> <span class="ft1">und Nachteile einer Ausweisung auf sie, eine Rolle.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer ist mit einer Landsfrau verheiratet, mit</span><br/> <span class="ft1">welcher er keine Kinder hat. Die Ehefrau wurde in der Schweiz ge-</span><br/> <span class="ft1">boren und lebt seither ununterbrochen hier. Sie besitzt die Niederlas-</span><br/> <span class="ft1">sungsbewilligung und betreibt ein eigenes Coiffeurgeschäft in S.</span><br/> <span class="ft1">(AG).</span><br/> <span class="ft1">Gemäss einer Aktennotiz hat die Ehefrau des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rers am 25. Januar 2002 der Fremdenpolizei telefonisch mitgeteilt,</span><br/> <span class="ft1">sie beabsichtige die Scheidung einzureichen. Es sei ihr recht, dass ihr</span><br/> <span class="ft1">Ehemann ausgewiesen werde und sie habe nicht die Absicht, mit ihm</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">557</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nach Italien zu gehen. Sie wies die Fremdenpolizei zudem darauf</span><br/> <span class="ft1">hin, dass eine allfällige Bestätigung von ihr, in welcher sie die Be-</span><br/> <span class="ft1">reitschaft erkläre, weiterhin mit dem Ehemann zusammen zu leben</span><br/> <span class="ft1">und mit ihm Kinder haben zu wollen, nur aus Angst oder Druck von</span><br/> <span class="ft1">ihr unterschrieben würde. Sollte diese Aussage zutreffend sein, hätte</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer keine privaten Interessen aus familiärer Hin-</span><br/> <span class="ft1">sicht. Da die Ausweisung des Beschwerdeführers, wie noch zu zei-</span><br/> <span class="ft1">gen sein wird, auch bei bestehender intakter Beziehung zu seiner</span><br/> <span class="ft1">Ehefrau und unter der Annahme, dass dieser eine Ausreise nach Ita-</span><br/> <span class="ft1">lien unzumutbar wäre, nicht zu beanstanden ist, kann offen bleiben,</span><br/> <span class="ft1">wie sich die Beziehung des Beschwerdeführers zu seiner Ehefrau</span><br/> <span class="ft1">effektiv gestaltet. Nachfolgend ist zu seinen Gunsten davon auszuge-</span><br/> <span class="ft1">hen, dass seiner Ehefrau die Rückkehr nach Italien unzumutbar wäre</span><br/> <span class="ft1">und die Ausweisung eine faktische Trennung nach sich zöge. Unter</span><br/> <span class="ft1">diesen Umständen ist in familiärer Hinsicht von einem grossen pri-</span><br/> <span class="ft1">vaten Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">ee) In persönlicher Hinsicht ist im Weiteren auf die Arbeits- und</span><br/> <span class="ft1">Ausbildungssituation sowie auf die Persönlichkeitsentwicklung des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers einzugehen. Mit zu berücksichtigen ist der Grad</span><br/> <span class="ft1">der Integration (BGE 114 lb 1, E. 2b, S. 3). Im Rahmen der umfas-</span><br/> <span class="ft1">senden fremdenpolizeilichen Interessenabwägung ist auch dem Re-</span><br/> <span class="ft1">sozialisierungsgedanken, insbesondere den Resozialisierungschancen</span><br/> <span class="ft1">im Ausland, Rechnung zu tragen (BGE 114 lb 1, E. 3a, S. 4; 122 II</span><br/> <span class="ft1">433, E. 2b, S. 435 f.).</span><br/> <span class="ft1">Ob der Beschwerdeführer der deutschen Sprache mächtig ist,</span><br/> <span class="ft1">muss bezweifelt werden. Zum einen hat er seine eigenhändig ver-</span><br/> <span class="ft1">fasste Stellungnahme in Italienisch eingereicht. Zum anderen hat er</span><br/> <span class="ft1">sich seit längerem im Kanton Tessin aufgehalten, wo er vornehmlich</span><br/> <span class="ft1">mit italienischsprachigen Personen verkehrte. Dass er im Kanton</span><br/> <span class="ft1">Aargau sprachlich integriert sei, macht der Beschwerdeführer selber</span><br/> <span class="ft1">auch nicht geltend. Diesbezüglich ist folglich nicht von einem er-</span><br/> <span class="ft1">höhten privaten Interesse auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer absolvierte die obligatorische Schulzeit</span><br/> <span class="ft1">in Italien. Anschliessend ging er für ein Jahr in eine Anlehre als Au-</span><br/> <span class="ft1">tomechaniker. Nach seinem Militärdienst im Jahre 1988 fand er ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">558</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schiedene zeitlich beschränkte Anstellungen als Maurer. Nach seiner</span><br/> <span class="ft1">Einreise in die Schweiz arbeitete er unter anderem als Chauffeur,</span><br/> <span class="ft1">bevor er im Januar 1999 arbeitslos wurde. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">absolvierte somit keine Berufsausbildung in der Schweiz; er arbeitete</span><br/> <span class="ft1">jeweils als Hilfskraft. Die bisher hier erworbenen Kenntnisse kann</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer auch in seiner Heimat beruflich verwerten und</span><br/> <span class="ft1">seine Chancen einer beruflichen Wiedereingliederung stehen in Ita-</span><br/> <span class="ft1">lien nicht schlechter als in der Schweiz. Zudem kann in seinem Fall</span><br/> <span class="ft1">nicht von einer nachhaltigen Integration im Berufsleben gesprochen</span><br/> <span class="ft1">werden; dazu ist die Zeitspanne, in welcher der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">regelmässig gearbeitet hat, zu kurz. Unter diesen Umständen kann</span><br/> <span class="ft1">aus beruflicher Sicht nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden.</span><br/> <span class="ft1">Soweit es seine gesellschaftliche Integration betrifft ist festzu-</span><br/> <span class="ft1">halten, dass der Beschwerdeführer im Alter von 24 Jahren legal in</span><br/> <span class="ft1">die Schweiz kam. Demnach hat er die gemeinhin prägendsten Jahre</span><br/> <span class="ft1">der Schulzeit und der Pubertät sowie einen grossen Teil seiner Ju-</span><br/> <span class="ft1">gend in Italien verbracht. Ebenso hat er den Einstieg ins Berufsleben</span><br/> <span class="ft1">in seiner Heimat vollzogen. Die dortigen kulturellen und sozialen</span><br/> <span class="ft1">Gepflogenheiten dürften ihm daher keinesfalls fremd sein. Unter</span><br/> <span class="ft1">diesen Gesichtspunkten sind seine Wiedereingliederungschancen in</span><br/> <span class="ft1">Italien nicht geringer zu werten als hierzulande; bestehen doch zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen den beiden Nachbarstaaten keine gravierenden Unterschiede.</span><br/> <span class="ft1">Italien, Mitglied der Europäischen Union und eine der führenden</span><br/> <span class="ft1">Industrienationen der Welt, weist äquivalente Standards in allen Le-</span><br/> <span class="ft1">bensbereichen wie die Schweiz auf, so dass eine erfolgreiche Wie-</span><br/> <span class="ft1">dereingliederung ebenso dort möglich ist. Dass er sich in der nicht</span><br/> <span class="ft1">sehr langen Zeitspanne seines Aufenthaltes in der Schweiz von der</span><br/> <span class="ft1">italienischen Kultur und Gesellschaft massiv entfremdet habe, wie er</span><br/> <span class="ft1">selber behauptet, muss angesichts seines bisherigen Lebensverlaufs</span><br/> <span class="ft1">und seines Umgangs bezweifelt werden (vgl. vorstehende Erwägun-</span><br/> <span class="ft1">gen). Nachdem seine gesellschaftlichen Wiedereingliederungschan-</span><br/> <span class="ft1">cen in der Heimat nicht geringer zu werten sind als in der Schweiz,</span><br/> <span class="ft1">werden seine privaten Interessen diesbezüglich nicht erhöht.</span><br/> <span class="ft1">ff) Zusammenfassend liegt ein sehr grosses öffentliches Inte-</span><br/> <span class="ft1">resse an der Entfernung und Fernhaltung des Beschwerdeführers vor.</span><br/> <span class="ft1">Dem stehen leicht erhöhte private Interessen bezüglich seiner Auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Fremdenpolizei</div> <span class="page_no">559</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">enthaltsdauer und grosse private Interessen hinsichtlich seiner fami-</span><br/> <span class="ft1">liären Situation gegenüber. Der Beschwerdeführer hat einen selb-</span><br/> <span class="ft1">ständigen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung mit einer Gül-</span><br/> <span class="ft1">tigkeitsdauer von mindestens fünf Jahren (Erw. 4a). Somit ist die</span><br/> <span class="ft1">Eingriffsintensität bei einer ausländerrechtlichen Massnahme in sei-</span><br/> <span class="ft1">nem Fall höher als bei einer Person mit einer kürzeren Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft1">erlaubnis, welche sich nicht auf eine automatische Verlängerung der</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligung berufen kann. Entsprechend erhöht sich</span><br/> <span class="ft1">diesbezüglich auch sein privates Interesse an einem Verbleib in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz. Aufgrund seiner gravierenden Betäubungsmitteldelinquenz,</span><br/> <span class="ft1">seiner nachgewiesen Gewaltbereitschaft, seines kalkulierten Vorge-</span><br/> <span class="ft1">hens bei der Begehung der Delikte sowie in Anbetracht seiner Vor-</span><br/> <span class="ft1">strafe steht jedoch fest, dass das sehr grosse öffentliche, insbesondere</span><br/> <span class="ft1">sicherheitspolizeiliche Interesse an seiner Entfernung und Fernhal-</span><br/> <span class="ft1">tung die privaten Interessen klar überwiegt. Dies selbst dann, wenn</span><br/> <span class="ft1">man davon ausgeht, dass seiner Ehefrau eine Rückkehr in ihr ge-</span><br/> <span class="ft1">meinsames Heimatland nicht zumutbar und der Eingriff in seine</span><br/> <span class="ft1">Rechtsstellung gravierend ist. Die Ausweisung kann folglich nicht</span><br/> <span class="ft1">als unverhältnismässig bezeichnet werden.</span><br/> <span class="ft1">e) Schliesslich dürfen gemäss Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie</span><br/> <span class="ft1">64/221/EWR die Gründe der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und</span><br/> <span class="ft1">Gesundheit nicht für wirtschaftliche Zwecke geltend gemacht wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Soweit es den Beschwerdeführer betrifft, können derartige</span><br/> <span class="ft1">Zwecke im Zusammenhang mit seiner Ausweisung nicht ausgemacht</span><br/> <span class="ft1">werden.</span><br/> <span class="ft1">f) Insgesamt erweisen sich im Falle des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">sämtliche Erfordernisse für die Anwendung einer Massnahme aus</span><br/> <span class="ft1">Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit als erfüllt und die</span><br/> <span class="ft1">angeordnete Ausweisung erscheint verhältnismässig.</span><br/></div> </div> </body> </html>