<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 119 S.457</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>II. Schulrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>119 Zuweisung in eine Sonderschule.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Voraussetzungen für eine Zuweisung in eine Sonderschule</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Abklärung vormundschaftlicher Massnahmen</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eingriff in elterliche Obhut</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Regierungsrates vom 7. März 2007 in Sachen T. und M. G.</span><br/> <span class="ft6">gegen den Entscheid des Schulrates des Bezirks B.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">3. In casu gilt es, verschiedene Problemkreise auseinander zu</span><br/> <span class="ft8">halten: Es ist dies einerseits die Zuweisung in das Schulheim und die</span><br/> <span class="ft8">damit verknüpfte Problematik des Eingriffs in die elterliche Obhut</span><br/> <span class="ft8">und andererseits die Frage, ob der Beschwerdeführer sonderschulbe-</span><br/> <span class="ft8">dürftig ist oder nicht. Ebenfalls zu klären ist, ob die Zuweisung in</span><br/> <span class="ft8">das Sonderschulheim verhältnismässig war oder nicht.</span><br/> <span class="ft8">4. a) Zunächst ist zu prüfen, ob die Einwilligung der Eltern hin-</span><br/> <span class="ft8">sichtlich der Zuweisung in das Sonderschulheim rechtsgenüglich</span><br/> <span class="ft8">vorlag oder nicht. Da es sich bei einer Zuweisung in ein Sonder-</span><br/> <span class="ft8">schulheim um eine schwerwiegende Massnahme handelt, muss das</span><br/> <span class="ft8">Einverständnis der Eltern gegenüber der Schulpflege klar und zwei-</span><br/> <span class="ft8">felsfrei zum Ausdruck gebracht werden.</span><br/> <span class="ft8">b) Die elterliche Sorge ist die gesetzliche Befugnis der Eltern,</span><br/> <span class="ft8">die für das unmündige Kind nötigen Entscheidungen zu treffen. Sie</span><br/> <span class="ft8">bildet die rechtliche Grundlage für die Erziehung und Vertretung des</span><br/> <span class="ft8">Kindes sowie die Verwaltung des Kindesvermögens durch die Eltern</span><br/> <span class="ft8">(Cyril Hegnauer, Grundriss des Kindesrechts, 5. überarbeitete Auf-</span><br/> <span class="ft8">lage, Bern 1999, Rz. 25.02). Auf Grund der elterlichen Sorge steht</span><br/> <span class="ft8">den Eltern die Obhut über das Kind zu. Demgemäss bestimmen sie</span><br/> <span class="ft8">über die Unterbringung des Kindes in ihrer eigenen häuslichen Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">458</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">meinschaft oder bei Dritten. Die Eltern haben ihre Entscheidung im</span><br/> <span class="ft8">Blick auf das Wohl des Kindes gemäss Art. 301 Abs. 1 des Schwei-</span><br/> <span class="ft8">zerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210)</span><br/> <span class="ft8">unter Berücksichtigung seiner Reife und soweit tunlich, seiner Mei-</span><br/> <span class="ft8">nung (Art. 301 Abs. 2 ZGB) zu treffen. Dazu gehört in der Regel,</span><br/> <span class="ft8">dass sie es jedenfalls bis zum Abschluss der Schulpflicht in ihrer</span><br/> <span class="ft8">häuslichen Gemeinschaft aufwachsen lassen. Das Bestimmungsrecht</span><br/> <span class="ft8">der Eltern wird durch Anordnungen über den persönlichen Verkehr</span><br/> <span class="ft8">und durch öffentlich-rechtliche Vorschriften (z.B. Schulpflicht) be-</span><br/> <span class="ft8">schränkt (Hegnauer, a.a.O. Rz. 26.06 und Rz. 26.10).</span><br/> <span class="ft8">Nach Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Vormundschaftsbehörde die</span><br/> <span class="ft8">geeigneten Massnahmen zum Schutze des Kindes, wenn das Wohl</span><br/> <span class="ft8">des Kindes gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe</span><br/> <span class="ft8">sorgen oder sie dazu nicht imstande sind. Eine der Kindesschutz-</span><br/> <span class="ft8">massnahmen ist die Aufhebung der elterlichen Obhut. Art. 310 Abs.</span><br/> <span class="ft8">1 ZGB lautet wie folgt: ,,Kann der Gefährdung des Kindes nicht an-</span><br/> <span class="ft8">ders begegnet werden, so hat die Vormundschaftsbehörde es den El-</span><br/> <span class="ft8">tern oder, wenn es sich bei Dritten befindet, diesen wegzunehmen</span><br/> <span class="ft8">und in angemessener Weise unterzubringen." Zuständig für diese</span><br/> <span class="ft8">Massnahme ist - unter Vorbehalt der Art. 315a und 315b ZGB - aus-</span><br/> <span class="ft8">schliesslich die Vormundschaftsbehörde (Art. 310 und 315 ZGB).</span><br/> <span class="ft8">c) Nach § 73 Abs. 1 des Schulgesetzes vom 17. März 1981</span><br/> <span class="ft8">(SchulG; SAR 401.100) entscheidet die Schulpflege u.a. über die</span><br/> <span class="ft8">Zuweisung in Sonderschulen. Soweit mit der Zuweisung eines Kin-</span><br/> <span class="ft8">des in eine Sonderschule dessen Unterbringung an einem Drittort</span><br/> <span class="ft8">verbunden ist, liegt ein Eingriff in die elterliche Obhut vor. Dieser</span><br/> <span class="ft8">Eingriff ist nicht durch die allgemeine Schulpflicht gedeckt. Es han-</span><br/> <span class="ft8">delt sich daher bei diesem staatlichen Eingriff in die elterliche Obhut</span><br/> <span class="ft8">um eine Kindesschutzmassnahme im Sinne von Art. 307 ff. ZGB,</span><br/> <span class="ft8">wofür ausschliesslich die Vormundschaftsbehörde zuständig ist. Der</span><br/> <span class="ft8">Schulpflege entscheidet lediglich, ob ein Kind einer Sonderschulung</span><br/> <span class="ft8">bedarf. Damit ist allerdings nicht zwingend ein Eingriff in die elterli-</span><br/> <span class="ft8">che Obhut verbunden, da der Besuch einer Sonderschule nicht die</span><br/> <span class="ft8">Unterbringung eines Kindes in einem Heim zur Folge hat. Sofern die</span><br/> <span class="ft8">Unterbringung in einem Heim erforderlich ist, die Eltern jedoch mit</span><br/> <span class="ft8">einer Heimeinweisung nicht einverstanden sind, muss in die elterli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">che Obhut eingegriffen werden, weil ihr Recht, den Aufenthaltsort</span><br/> <span class="ft8">des Kindes zu bestimmen, beeinträchtigt wird (Aargauische Ge-</span><br/> <span class="ft8">richts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 1991 S. 524 ff.).</span><br/> <span class="ft8">In der am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Verordnung über</span><br/> <span class="ft8">die integrative Schulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinde-</span><br/> <span class="ft8">rungen, die Sonderschulung sowie die besonderen Förder- und</span><br/> <span class="ft8">Stützmassnahmen vom 8. November 2006 (V Sonderschulung;</span><br/> <span class="ft8">SAR 428.513) ist denn auch in § 16 Abs. 2 verankert: ,,Die Schul-</span><br/> <span class="ft8">pflege am zivilrechtlichen Wohnsitz des Kindes oder Jugendlichen</span><br/> <span class="ft8">entscheidet mit dem Einverständnis der Inhaber der elterlichen Sorge</span><br/> <span class="ft8">u.a. über die Zuweisung in eine stationäre Sonderschule. Unter-</span><br/> <span class="ft8">bringungen gegen den Willen der Inhaber der elterlichen Sorge er-</span><br/> <span class="ft8">folgen nach den Bestimmungen des Kindesschutzrechts durch die</span><br/> <span class="ft8">Vormundschaftsbehörden.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">d) bb) Die Eltern des Beschwerdeführers willigten zwar schrift-</span><br/> <span class="ft8">lich ein, es sei für T. (Beschwerdeführer) ein geeigneter Schulheim-</span><br/> <span class="ft8">platz zu suchen, jedoch bleibt unklar, ob die Mutter (Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft8">rerin) ihr Einverständnis zur konkreten Zuweisung in die Sonder-</span><br/> <span class="ft8">schule aus Überzeugung abgab. Des Weiteren ist nicht eindeutig fest-</span><br/> <span class="ft8">stellbar, ob die Einwilligung der Mutter nach der Probewoche von T.</span><br/> <span class="ft8">im Sonderschulheim immer noch vorlag. Nicht mehr nachvollziehen</span><br/> <span class="ft8">lässt sich, ob die Mutter tatsächlich zum Einverständnis gedrängt</span><br/> <span class="ft8">wurde. Fest steht jedoch, dass sie sich gegen die mit einer Rechts-</span><br/> <span class="ft8">mittelbelehrung versehenen Zuweisungsverfügung der Schulpflege</span><br/> <span class="ft8">B. vom 5. Dezember 2005 mit Beschwerde an den Schulrat B.</span><br/> <span class="ft8">wehrte. Die Beschwerdeführerin legt in ihren Eingaben glaubhaft</span><br/> <span class="ft8">dar, dass sie mit der Zuweisung ihres Sohnes in die Sonderschule</span><br/> <span class="ft8">nicht einverstanden war bzw. immer noch nicht ist. Das freiwillige</span><br/> <span class="ft8">Belassen von T. vermag - aufgrund der Schwere des Eingriffs - nicht</span><br/> <span class="ft8">zu genügen, um die Zuweisung des Beschwerdeführers in die Son-</span><br/> <span class="ft8">derschule als rechtmässig einzustufen. Untermauert werden kann</span><br/> <span class="ft8">dies damit, dass - selbst wenn von einer Einwilligung hätte ausge-</span><br/> <span class="ft8">gangen werden können - die obhutsberechtigte Mutter bei der Schul-</span><br/> <span class="ft8">pflege jederzeit ein Gesuch hätte einreichen können, es sei ihr Sohn</span><br/> <span class="ft8">einer Regelklasse oder einer Tagessonderschule zuzuteilen, worauf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">die Schulpflege verpflichtet gewesen wäre, sich der Angelegenheit</span><br/> <span class="ft8">nochmals anzunehmen. Es kann somit festgehalten werden, dass</span><br/> <span class="ft8">seitens der Mutter keine rechtsgenügliche Einwilligung vorliegt.</span><br/> <span class="ft8">Folglich ist die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen. So-</span><br/> <span class="ft8">fern der Beschwerdeführer weiterhin in der Sonderschule verbleiben</span><br/> <span class="ft8">soll und die Beschwerdeführerin ihre Einwilligung zum dortigen</span><br/> <span class="ft8">Verbleib nicht ausdrücklich erklärt, sollte möglichst rasch über den</span><br/> <span class="ft8">Obhutsentzug entschieden werden.</span><br/> <span class="ft8">5. a) Des Weiteren ist zu prüfen, ob die Schulpflege B. zu Recht</span><br/> <span class="ft8">angenommen hat, dass der Beschwerdeführer sonderschulbedürftig</span><br/> <span class="ft8">ist. Anschliessend ist zu klären, ob die Einweisung in das Sonder-</span><br/> <span class="ft8">schulheim verhältnismässig war beziehungsweise ist.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">b) Gemäss § 28 SchulG ist Sonderschulung die Förderung und</span><br/> <span class="ft8">Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Son-</span><br/> <span class="ft8">derkindergärten und Sonderschulen.</span><br/> <span class="ft8">Die Zuweisung in eine Sonderschule gemäss § 15 Abs. 1 V</span><br/> <span class="ft8">Sonderschulung setzt voraus, dass:</span><br/> <span class="ft8">a) die Voraussetzungen für die integrative Schulung gemäss § 3</span><br/> <span class="ft8">geprüft und als nicht erfüllt beurteilt worden sind,</span><br/> <span class="ft8">b) beim Kind oder Jugendlichen eines der Kriterien von § 15 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">(siehe nachfolgenden Abschnitt) erfüllt ist,</span><br/> <span class="ft8">c) eine Abklärung gemäss § 17 (bei einer Fachstelle) vorgenommen</span><br/> <span class="ft8">wurde,</span><br/> <span class="ft8">d) es sich beim vorgesehenen Sonderkindergarten bzw. bei der vor-</span><br/> <span class="ft8">gesehenen Sonderschule um eine kantonale oder eine vom Kan-</span><br/> <span class="ft8">ton anerkannte Einrichtung handelt,</span><br/> <span class="ft8">e) im Falle einer ausserkantonalen Platzierung die Bewilligung des</span><br/> <span class="ft8">Departements Bildung, Kultur und Sport gemäss Betreuungsge-</span><br/> <span class="ft8">setzgebung vorliegt.</span><br/> <span class="ft8">Ein Kriterium nach § 15 Abs. 2 V Sonderschulung ist das Vor-</span><br/> <span class="ft8">liegen einer ,,erheblichen sozialen Beeinträchtigung" (lit. g). Dabei</span><br/> <span class="ft8">muss mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:</span><br/> <span class="ft8">1. schwere Störung des Verhaltens,</span><br/> <span class="ft8">2. schwere Störung des psychischen Erlebens,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">3. schwere Störung der Wahrnehmung und/oder der Aufmerk-</span><br/> <span class="ft8">samkeit,</span><br/> <span class="ft8">4. schwere Störung der persönlichen Entwicklung und/oder gesell-</span><br/> <span class="ft8">schaftlichen Integration.</span><br/> <span class="ft8">Die V Sonderschulung erhält keine Übergangsregelung hin-</span><br/> <span class="ft8">sichtlich hängiger Verfahren. Da sich die neuen Bestimmungen mate-</span><br/> <span class="ft8">riell - mit Ausnahme des Grundsatzes der integrativen Schulung -</span><br/> <span class="ft8">praktisch nicht vom alten Recht unterscheiden, erscheint die Anwen-</span><br/> <span class="ft8">dung der geltenden Bestimmungen von der Sache her sinnvoll. An-</span><br/> <span class="ft8">zumerken ist, dass die Kriterien zur Bestimmung der Sonderschulbe-</span><br/> <span class="ft8">dürftigkeit im alten Recht nicht in einem entsprechenden Erlass ver-</span><br/> <span class="ft8">ankert, sondern von der Invalidenversicherung in einem Katalog auf-</span><br/> <span class="ft8">gelistet waren.</span><br/> <span class="ft8">c) Gestützt auf die Ausführungen und Empfehlungen in den Be-</span><br/> <span class="ft8">richten der Sachverständigen kommt der Regierungsrat zum Schluss,</span><br/> <span class="ft8">dass der Beschwerdeführer unter einer schweren sozialen Beein-</span><br/> <span class="ft8">trächtigung im Sinne von § 15 Abs. 2 lit. g V Sonderschulung leidet</span><br/> <span class="ft8">und die Vorinstanzen somit zu Recht davon ausgegangen sind, dass</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdeführer sonderschulbedürftig ist. Besonders hervorzu-</span><br/> <span class="ft8">heben sind dabei einerseits die Aussagen des Schulpsychologen,</span><br/> <span class="ft8">J. G., wonach beim Beschwerdeführer psychosozial, systemisch be-</span><br/> <span class="ft8">dingte Gründe für die Schulverweigerung vorlägen und die psycho-</span><br/> <span class="ft8">logische Arbeit mit dem Beschwerdeführer fast keine Wirkung zeige</span><br/> <span class="ft8">und andererseits die Aussagen des von der Beschwerdeführerin her-</span><br/> <span class="ft8">beigezogenen Psychologen und Psychotherapeuten, W. H., wonach</span><br/> <span class="ft8">dieser bei allen seinen Vorschlägen auf die Notwendigkeit einer</span><br/> <span class="ft8">mehrmals wöchentlich stattzufindenden Psychotherapie für T. hin-</span><br/> <span class="ft8">weist. Anzufügen ist, dass die Beschwerdeführer zwar monieren, die</span><br/> <span class="ft8">Einweisung in das Schulheim sei unverhältnismässig, aber nicht ar-</span><br/> <span class="ft8">gumentieren, T. sei nicht sonderschulbedürftig. Hingegen führen die</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführer in ihrer Beschwerdeschrift an den Regierungsrat</span><br/> <span class="ft8">aus, T. bedürfe einer Begleitung durch einen Psychotherapeuten, um</span><br/> <span class="ft8">seine Verhaltensmuster zu erkennen und zu korrigieren, insbesondere</span><br/> <span class="ft8">um seine Konfliktfähigkeit zu verstärken. Damit deuten die Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer an, dass sie sich der schweren psychischen Störung</span><br/> <span class="ft8">des Beschwerdeführers bewusst sind. Neben § 15 Abs. 1 lit. b V</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">462</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Sonderschulung sind in casu die weiteren Voraussetzungen der vor-</span><br/> <span class="ft8">erwähnten Bestimmung auch erfüllt: So lag vor der Zuweisung in die</span><br/> <span class="ft8">Sonderschule eine Abklärung des Schulpsychologen (lit. c) vor und</span><br/> <span class="ft8">bei der Sonderschule handelt es sich um eine vom Kanton anerkannte</span><br/> <span class="ft8">Einrichtung (lit. d). Die Frage, ob eine integrative Schulung möglich</span><br/> <span class="ft8">gewesen wäre, mussten sich die Vorinstanzen zum damaligen Zeit-</span><br/> <span class="ft8">punkt noch nicht stellen, da die V Sonderschulung noch nicht in</span><br/> <span class="ft8">Kraft war. Diese Frage kann aber heute insofern beantwortet werden,</span><br/> <span class="ft8">als dass nachfolgend geprüft wird, ob die Heimeinweisung als ver-</span><br/> <span class="ft8">hältnismässig einzustufen ist oder nicht. Falls sich die Zuweisung in</span><br/> <span class="ft8">das Sonderschulheim als verhältnismässig erweist, fällt eine integra-</span><br/> <span class="ft8">tive Schulung (vgl. dazu die Voraussetzungen gemäss § 3 V Sonder-</span><br/> <span class="ft8">schulung) von vornherein ausser Betracht.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">d) dd) Die Schulpflege stützte sich bei ihrem Entscheid, den</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführer der Sonderschule zuzuweisen, auf die Empfeh-</span><br/> <span class="ft8">lung des Schulpsychologen, J. G., der sich ganz klar für eine Verset-</span><br/> <span class="ft8">zung in ein Schulheim aussprach. So führte er in seinem Bericht zu-</span><br/> <span class="ft8">handen der Schulpflege aus, Schulverweigerung sei eine schwierige</span><br/> <span class="ft8">und zähe Angelegenheit, die eine schnelle Massnahme mit wesentli-</span><br/> <span class="ft8">chem Veränderungspotenzial brauche, um einen wirklichen Neube-</span><br/> <span class="ft8">ginn zu ermöglichen. Er empfehle daher die Versetzung in die</span><br/> <span class="ft8">1. Klasse. Sofern diese Massnahme nicht greife, müsse der Knabe in</span><br/> <span class="ft8">ein Schulheim versetzt werden.</span><br/> <span class="ft8">Die Einweisung des Beschwerdeführers in das Sonderschul-</span><br/> <span class="ft8">heim bezweckte bzw. bezweckt einerseits die regelmässige Erfüllung</span><br/> <span class="ft8">der Schulpflicht und andererseits die Stabilisierung und Förderung</span><br/> <span class="ft8">des seelischen Wohlbefindens des Beschwerdeführers. Wie sich dem</span><br/> <span class="ft8">ausführlichen Bericht der beiden Fachpersonen der Sonderschule</span><br/> <span class="ft8">vom 5. Juli 2006 entnehmen lässt, ist der Beschwerdeführer auf gu-</span><br/> <span class="ft8">tem Weg, diese Ziele zu erreichen. Die Heimeinweisung bewirkt also</span><br/> <span class="ft8">den gewünschten Erfolg und erweist sich somit als zwecktauglich.</span><br/> <span class="ft8">Des Weiteren ist anzumerken, dass nach sinngemässer Meinung des</span><br/> <span class="ft8">Schulpsychologen die Problematik der Schulverweigerung nur</span><br/> <span class="ft8">durchbrochen werden kann, wenn es zu wesentlichen Veränderungen</span><br/> <span class="ft8">im Leben eines Kindes kommt und damit ein Rückfall in frühere</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Schulrecht</span> <span class="page_no">463</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Verhaltensmuster vermieden werden kann. Bei einer massiven Form</span><br/> <span class="ft8">der Schulverweigerung, wie sie beim Beschwerdeführer vorlag, kann</span><br/> <span class="ft8">es daher notwendig sein, eine Heimplatzierung vorzunehmen. Beizu-</span><br/> <span class="ft8">fügen ist, dass auch der von der Beschwerdeführerin beigezogene</span><br/> <span class="ft8">Psychologe den Verbleib in der Sonderschule für eine gewisse Zeit</span><br/> <span class="ft8">als eine der Varianten aufführte. Damit sprach sich nicht nur der</span><br/> <span class="ft8">Schulpsychologe mit überzeugender Einschätzung, sondern auch</span><br/> <span class="ft8">eine zweite Fachperson für diese Lösung aus. In casu erwies sich die</span><br/> <span class="ft8">Heimplatzierung somit als erforderlich, um das angestrebte Ziel zu</span><br/> <span class="ft8">erreichen. Zur Zumutbarkeit ist zu sagen, dass die regelmässige Er-</span><br/> <span class="ft8">füllung der Schulpflicht und die Förderung des Kindeswohls im</span><br/> <span class="ft8">vorliegenden Fall als wichtiger einzustufen sind als die Beeinträchti-</span><br/> <span class="ft8">gungen, welche die Heimplatzierung von Montag bis Freitag für die</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführerin und ihren Sohn mit sich bringen.</span><br/> <span class="ft8">Die von der Schulpflege angeordnete Massnahme, die auf</span><br/> <span class="ft8">Empfehlung einer ausgewiesenen Fachperson beruht, kann somit als</span><br/> <span class="ft8">geeignet, erforderlich und zumutbar eingestuft werden. Anzufügen</span><br/> <span class="ft8">ist, dass der als verletzt gerügte Grundsatz der Verhältnismässigkeit</span><br/> <span class="ft8">nicht bedeutet, dass die einschneidendsten Massnahmen erst nach</span><br/> <span class="ft8">Anwendung, Ausschöpfung und Misserfolg aller schwächeren Mass-</span><br/> <span class="ft8">nahmen angeordnet werden dürfen. Insofern musste die Schulpflege</span><br/> <span class="ft8">nicht alle möglichen Varianten prüfen, wenn ihr doch die mit der Sa-</span><br/> <span class="ft8">che befasste Fachperson klar eine Zuweisung in ein Schulheim vor-</span><br/> <span class="ft8">schlug (Urteil des Bundesgerichts 5C.71/2005/blb vom 26. April</span><br/> <span class="ft8">2005, E. 3.4).</span><br/> <span class="ft8">Dass sich die Heimplatzierung durch die Schulpflege als richtig</span><br/> <span class="ft8">erweist, zeigt auch die Tatsache, dass der Beistand der Vormund-</span><br/> <span class="ft8">schaftsbehörde B. kürzlich beantragte, es sei der Mutter die Obhut zu</span><br/> <span class="ft8">entziehen und der Beschwerdeführer in der Sonderschule zu belas-</span><br/> <span class="ft8">sen.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>