B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1505/2017 U r t e i l v o m 2 1 . M ä r z 2 0 1 7 Besetzung Richter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Daniel Willisegger; Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren am (…), alias B._______, geboren am (…), Äthiopien, und ihre Tochter C._______, geboren am (…), Äthiopien, beide vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, Badenerstrasse 16, 8004 Zürich, Beschwerdeführerinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 28. Februar 2017 / N (…). D-1505/2017 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin am 9. Juli 2015 ein erstes Asylgesuch in der Schweiz einreichte, dass das SEM mit Verfügung vom 28. September 2015 in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete, dass das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil D-6854/2015 vom 13. November 2015 abwies, wobei unter an- derem die Zuständigkeit der Schweiz im Rahmen des Dublin-Systems auf- grund der geltend gemachten angeblichen Heirat mit D._______ verneint wurde, weil die diesbezüglichen Aussagen vage, missverständlich und teils widersprüchlich seien, dass die Beschwerdeführerin seit dem 26. November 2015 unbekannten Aufenthalts war, das SEM am 22. Januar und 11. Februar 2016 einem Wie- deraufnahmegesuch vom 20. Januar 2016 beziehungsweise Remonstrati- onsbegehren vom 10. Februar 2016 des Dublin Office Liechtenstein unter Hinweis auf die Zuständigkeit Italiens nicht entsprac h und am 29. August 2016 die Schweizer Behörden die Beschwerdeführerin nach Italien über- stellten, dass das SEM am 4. Januar 2017 vom Migrationsamt des Kantons E._______ in Kenntnis gesetzt wurde, dass sich die Beschwerdeführerin ohne Aufenthaltsregelung in der Schweiz aufhalte, dass die Vorinstanz in der Folge beauftragt wurde, die Durchführung eines Dublin-Verfahrens zu prüfen, dass das Migrationsamt des Kantons E._______ am 3. Januar 2017 eine Befragung der Beschwerdeführerin durchführte, dass sie dabei unter anderem aussagte, sie sei am 23. Dezember 2016 von Italien herkommend in die Schweiz gelangt und habe sich gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ gemeldet, dass sie anlässlich des ihr gewährten rechtlichen Gehörs zur allfälligen Zu- ständigkeit Italiens zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfah- rens zu Protokoll gab, „Wo muss ich hin, muss ich zur „Stazione Centrale“?“ (vgl. K 1/8 S. 2), D-1505/2017 Seite 3 dass sie G._______, welchem von der Vorinstanz am 2. August 2011 Asyl gewährt worden war, als ihren Freund und Kindsvater bezeichnete, dass das SEM am 4. Januar 2017 die italienischen Behörden um Über- nahme der Beschwerdeführerin ersuchte, dass G._______ am 26. Januar 2017 vom Migrationsamt des Kantons E._______ zur geltend gemachten Beziehung zur Beschwerdeführerin be- fragt wurde, dass sie am 1. Februar 2017 beim SEM ein schriftliches und begründetes Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c AsylG einreic hte und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersuchte, dass ihr die Vorinstanz mit Schreiben vom 7. Februar 2017 die Gelegenheit bot, sich zur allfälligen Zuständigkeit Italiens und einer allfälligen Wegwei- sung dorthin schriftlich zu äussern, dass die Beschwerdeführerin mit schriftlicher Eingabe vom 17. Februar 2017 erklärte, zwecks Vermeidung von unnötigen Wiederholungen ver- weise sie auf die Eingabe vom 1. Februar 2017 („Grundsatz der Einheit der Familie, katastrophale Unterbringungssituation für besonders verletzliche Personen in Italien“), dass sie am (…) im H._______ Kantonsspital ihre Tochter C._______ zur Welt brachte, dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen am 23. Februar 2017 explizit guthiessen, dass das SEM mit Verfügung vom 28. Februar 2017 – an die Adresse des Rechtsvertreters versandt am 2. März 2017 und frühestens eröffnet am fol- genden Tag – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asyl- gesuche nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien an- ordnete und die Beschwerdeführerin gemeinsam mit ihrer Tochter auffor- derte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent- scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerde- führerin verfügte, D-1505/2017 Seite 4 dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abge- wiesen und eine Gebühr von Fr. 600.– erhoben wurde, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. März 2017 (Poststem- pel) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und das Asylgesuch zur materiellen Neubeurteilung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen, eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sich für das Asylgesuch als zuständig zu erachten und dieses zu prüfen, dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, die Vorinstanz und Vollzugsbehör- den seien anzuweisen, bis zum Entscheid von jeglichen Vollzugsmassnah- men abzusehen, die unentgeltliche Prozessführung sei zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten, dass die vorinstanzlichen Akten am 20. März 2017 vollständig beim Bun- desverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun- gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das VGG und das Asy lG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), D-1505/2017 Seite 5 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, wie nachfolgend a ufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet wurde, dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (e inschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei- nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit- gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein- geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO), dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) die in Kapit el III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der Situ- ation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen i st, in dem der Asylsuchende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dub- lin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA D-1505/2017 Seite 6 SPRUNG, Dublin III-VO, Das Europäische Asylzuständigkeitssystem, Wien 2014, K4 zu Art. 7), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III stattfindet (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.), dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig- keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu- ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grund- rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol- gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden kann, dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an- deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub- lin-III-VO), dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell- ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass die Beschwerdeführerin am 29. August 2016, nach rechtskräftig er- gangenem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. September 2015, nach Italien rücküberstellt wurde, dass sie gemäss eigenen Angaben am 23. Dezember 2016 von Italien her- kommend erneut in die Schweiz gelangte, dass der vorgängige Aufenthalt der Beschwerdeführerin in Italien von die- ser unbestritten ist, D-1505/2017 Seite 7 dass das SEM am 4. Januar 2017 die italie nischen Behörden um Über- nahme im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO ersuchte, dass das Übernahmeersuchen von den itali enischen Behörden am 23. Februar 2017 gutgeheissen wurde, dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist, dass auf Beschwerdeebene im Wesentlichen vorgebracht wird, die Vorin- stanz habe trotz offensichtlicher Hinweise keine hinreichende Prüfung des Vorliegens humanitärer Gründe für einen Selbsteintritt vorgenommen und sich nicht mit der konkreten Situation der Beschwerdeführerin auseinan- dergesetzt, dass die Beschwerdeführerin soeben erst ein Kind zur Welt gebracht habe und somit zu einer besonders verletzlichen Personenkategorie gehöre und zu beachten sei, dass der Kindsvater als anerkannter Flüchtling hier in der Schweiz lebe, dass sie in der Schweiz über verwandtschaftliche Beziehungen relevanter Natur verfüge, so sei der Kindsvater ihr Verlobter, der sie insbesondere hinsichtlich der Erziehung des gemeinsamen Kindes unterstützen könne, dass sie hingegen in Italien über kein Beziehungsnetz verfüge, dass sodann unter Hinweis auf einen Bericht der Schweizerischen Flücht- lingshilfe (SFH) aus dem Jahr 2013 auf Mängel im italienischen Asyl- und Unterbringungssystem verwiesen wird, dass sie und ihr Kind in Italien weder eine angemessene Unterkunft noch eine gesundheitliche Versorgung erhalten würden, dass zudem eine Verletzung von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107) gerügt wird, so habe die Vorinstanz die vorrangige Berücksichtigung des Kindswohls vollständig unterlassen, dass die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nicht geeignet sind, die sich aus der Dublin-III-VO ergebende Zuständigkeit Italiens zu negieren, dass bezüglich der sinngemässen Rüge einer Verletzung des rechtlichen Gehörs festzuhalten ist, dass sich aus den Akten keine Hinweise auf eine D-1505/2017 Seite 8 unvollständige Feststellung des Sachverhalts ergeben, zumal sich die Vorinstanz hinlänglich mit der konkreten Situation der Beschwerdeführerin auseinandersetzte, sich sowohl ausführlich zur geltend gemachten Bezie- hung mit G._______ äusserte beziehungsweise darlegt e, aus welchen Gründen sie sich nicht auf Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO berufen kann, als auch umfassend begründete, inwiefern eine dem Wohl des Kindes entspre- chende und rechtskonforme Rücküberstellung nach Italien gewährleistet ist, dass das SEM zwar im Zusammenhang mit der Partnerschaft zu G._______ zur Vermeidung von Wiederholungen auf das Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts D-6854/2015 vom 13. November 2015 verwies, im damaligen Verfahren indessen eine Beziehung zu D._______ zu prüfen war, dass dieser Umstand jedoch nicht zur Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung führen kann, da die weiteren Erwägungen des SEM in Bezug auf G._______ inhaltlich korrekt sind, dass bezüglich de s Einwands, die Beschwerdeführerin verfüge in Italien über kein soziales Netz, hingegen lebe in der Schweiz ihr Verlobter, der ihr hinsichtlich der Erziehung des gemeinsamen Kindes behilflich sein könne, festzuhalten ist, dass, in Übereinstimmung mit der Vorinstanz, dieser die Anforderungen an Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO nicht zu erfüllen vermag, dass gemäss Art. 2 Bst. g Dublin -III-VO als Familienangehörige unter an- derem Ehegatten und nicht verheiratete Partner gelten, die eine dauerhafte Beziehung führen, welche bereits im Herkunftsland bestanden hat, dass ihr angeblicher Verlobter G._______ anlässlich der Befragung vom 26. Januar 2017 explizit erklärte, die Beschwerdeführerin erst in der Schweiz kennengelernt zu haben, dass er weiter ausführte, sie seien „nicht zusammen“, sie sei „einfach eine Freundin“ von ihm, hingegen zu einem späteren Zeitpunkt erklärte, die Be- schwerdeführerin heiraten zu wollen, da Kinder besser mit ihren Eltern zu- sammen sein sollten (vgl. K 5/3 S. 1 f.), dass, unabhängig von einer allfälligen zukünftigen Heirat, die Beschwerde- führerin ihren Verlobten erst in der Schweiz kennenlernt e, die Beziehung zu ihm in ihrem Herkunftsland noch nicht bestand und diese aus den vom D-1505/2017 Seite 9 SEM zutreffend dargelegten Gründen weder als dauerhaft noch als tat- sächlich gelebt zu werten ist, weshalb die Voraussetzungen an Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO als nicht erfüllt zu qualifizieren sind und deshalb ein Selbst- eintritt in Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO oder aufgrund einer Verletzung von Art. 8 EMRK in casu auszuschliessen ist, zumal die angeb- liche Vaterschaft von G._______ nicht feststeht, dass ergänzend festzuhalten ist, dass für die Beschwerdeführerin während der Dauer eines allfälligen Ehevorbereitungsverfahrens keine Anwesen- heitspflicht in der Schweiz besteht und sie dieses im Ausland abzuwarten hat, dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah- ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Italien würden sys- temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli- chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EU-Grundrech- techarta mit sich bringen, dass Italien Signatarstaat der EMRK, d es Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatz protokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen grundsätzlich nachkommt, dass insbesondere nicht erstellt ist, dass Italien systematisch gegen die Bestimmungen der Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Ra- tes 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zu- erkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfah- rensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz bean- tragen (sog. Aufnahmerichtlinie), verstösst, dass diese Ansicht durch den Europäischen Gerichtshof für Menschen- rechte (EGMR) bestätigt wird, indem dieser in seiner bisherigen Rechtspre- chung festhält, dass in It alien kein systematischer Mangel an Unterstüt- zung und Einrichtungen für Asylsuchende bestehe, obwohl die allgemeine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuchenden, an- erkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus D-1505/2017 Seite 10 in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. Urteile des EGMR Mo- hammed Hussein und andere geg en die Niederlande und Italien vom 2. April 2013, 27725/10, § 78, sowie Tarakhel gegen Schweiz vom 4. No- vember 2014, 29217/12, §§ 114 f. und 120), dass unter die sen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass der in der Rechtsmitteleingabe erwähnte Bericht der SFH aus dem Jahr 2013 nicht geeignet ist, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewir- ken (vgl. etwa Urteile des BVGer D-6246/2016 vom 18. Oktober 2016 S. 8., D-5686/2016 vom 3. Oktober 2016 S. 8), dass hinsichtlich des Einwands der Beschwerdeführe rin, sie und ihr Kind würden weder eine angemessene Unterkunft noch eine gesundheitliche Versorgung erhalten, auf BVGE 2015/4 hinzuweisen ist, wonach im Zeit- punkt der Verfügung der Vorinstanz eine konkretisierte individuelle Zusi- cherung – insbesondere unter Namens - und Altersangaben der betroffe- nen Personen – vorliegen muss, mit welcher namentlich garantiert wird, dass eine dem Alter des Kindes entsprechende Unterkunft bei der Ankunft der Familie in Italien zur Verfügung steht und die Familie bei der Unterbrin- gung nicht getrennt wird (BVGE 2015/4 E. 4.3), dass sich das Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil D -6358/2015 vom 7. April 2016 eingehend zu den italienischen Garantien geäussert hat und zum Schluss gekommen ist, dass das derzeitige System von konkre- ten Zusicherungen unter Namens - und Altersangabe sowie Anerkennung der Familieneinheit, zusammen mit einem (imp liziten) Hinweis auf allge- meine Garantien einer familiengerechten Unterbringung in der Form von Rundschreiben, eine hinreichend konkretisierte und individualisierte Zusi- cherung im Sinne der Anforderungen gemäss BVGE 2015/4 darstellt (vgl. Referenzurteil D-6358/2015 vom 7. April 2016 E. 5.2), dass Italien in einem Rundschreiben vom 2. Februar 2015 festhielt, dass sämtliche Familien, die nach Italien überstellt werden, unter Wahrung der Einheit der Familie in einer familiengerechten Unterbringung aufgenom- men werden, was mit Rundschreiben vom 8. Juni 2015 sodann mit einer Liste von SPRAR -Projekten, in welchen Familien untergebracht würden, konkretisiert worden ist (vgl. Referenzurteil D-6358/2015 vom 7. April 2016 E. 5.2), D-1505/2017 Seite 11 dass vorliegend die italienischen Behö rden die Beschwerdeführe rin und ihre Tochter mit Schreiben vom 23. Februar 2017 unter expliziter Namens- nennung und Altersangabe als Familiengemeinschaft anerkannt und deren familiengerechte Unterbringung gemäss Rundschreiben vom 8. Juni 2015 ausdrücklich garantiert haben (vgl. K 16/1), dass somit in Anwendung der genannten Rechtsprechung von einer hinrei- chenden Zusicherung seitens der italienischen Behörden für die kindsge- rechte Unterbringung unter Wahrung der Familieneinheit auszugehen ist, dass sich auch damit die Rüge der ungenügenden Sachverhaltserstellung als unbegründet erweist und der entsprechende Rückweisungsantrag der Beschwerdeführerin abzuweisen ist, dass das Kindeswohl einer Überstellung nicht entgegensteht, zumal die ei- gens für Familien rese rvierten Aufnahmeplätze in den Unterkünften der SPRAR-Projekte gemäss dem besagten Rundschreiben vom 8. Juni 2015 speziell auf die Bedürfnisse Minderjähriger ausgerichtet sind, und im Übri- gen hinsichtlich der sich erst seit wenigen Monaten in der Schweiz aufhal- tenden Beschwerdeführe rin offensichtlich nicht von einer Verwurzelung hierzulande gesprochen werden kann, die zu einem Selbsteintritt der Schweiz führen müsste, dass die Beschwerdeführerin mit Verweis auf die Mängel im italienischen Asyl- und Unterbringungssystem implizit die Anwendung der Ermessens- klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der – das Selbsteintritts- recht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) fordert, gemäss welcher das SEM ein Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, dass vorliegend indes keine konkreten Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die italienischen Behörden der Beschwerdeführerin die Aufnahme oder den Zugang zum Asylverfahren verweigern respektive in ihrem Fall den Grund- satz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen würde, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wäre oder in dem sie Gefahr lau- fen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, D-1505/2017 Seite 12 dass auch kein Grund zur Annahme besteht, Italien würde de r Beschwer- deführerin die ihr gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden Lebensbedin- gungen vorenthalten (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie), und in diesem Zu- sammenhang erneut auf die hinreichende Garantie der italienischen Be- hörden für eine familien - und kleinkindgerechte Unterbringung der Be- schwerdeführerin und ihres Kindes vom 23. Februar 2017 zu verweisen ist, dass somit kein Grund zur Annahme besteht, die Beschwerdeführerin und ihre Tochter würden in Italien wegen fehlenden Zugangs zum Asylverfah- ren oder ungenügenden Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Not geraten, dass die Mitgliedstaaten auch verpflichtet sind, den Antragstellern die er- forderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe- ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie), und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erforderliche medizini sche oder sonstige Hilfe zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie), dass keine Hinweise vorliegen, wonach Italien die Beschwerdeführerin bei allfällig auftretenden gesundheitlichen Beschwerden eine adäquate medi- zinische Behandlung und entsprechende soziale Unterstützung verweigern würde, und es ihr obliegt, sich diesbezüglich bei Bedarf an die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden, dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält, dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der Ermes- sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und ergänzend festzuhalten ist, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ih- ren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf d as Asylgesuch der Beschwerdeführe rin nicht eingetreten ist D-1505/2017 Seite 13 und – weil die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufent- halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht- eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.), dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstandslos erweisen, dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab- zuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun- gen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Vorausset- zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1‒ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-1505/2017 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand: