TPF 2004 34 34 FürdenEntscheid überAnklageoderEinstellungsinddieseZeugeneinver- nahmeninAnbetrachtdesf ürdenEntscheid überdieAnklageerhebung anwendbarenGrundsatzes „in dubioprodurior e“ (PIQUEREZ,Pr océdure pénaleSuisse, Zürich2000,S.648N2969)jedenfallsnichtausschlagge- bend.DerErmessensentscheidderVorinstanzistdeshalbnichtzubeanstan- den.ImSinneeinerSchlussbemerkungseifestgestellt,dassD. anlässlich derKonfrontationseinvernahmevom25.August2004anwesendwar.Das EinverständnisderParteienunddesUntersuchungsrichtersvorausgesetzt, hätte erumgehendkurzbefragtwerden können.WenngleichdieseBefra- gungnichtaufdiedirekteErhellungdesrechtserheblichenSachverhaltes zielte,w äredieZulassungderFragedienlichgewesen.EinBeschuldigter, dervoneinemDrittendavonerf ährt,einErmittlungsbeamterhabesichmit einemihnbelastendenMitbeschuldigten überdessenAussageverhalten unterhalten,hateinlegitimesInteressedaran,dassdieUmst ände jenerUn- terhaltungg eklärtwerden.DerBeschwerdef ührer hättedamitaufdenAn- trag,auchE.alsZeugeneinzuvernehmen,inderFolgeunterUm ständen verzichtenk önnen, wasletztlichderPr ozessökonomiezugutegekommen wäre. TPF 200434 11.AuszugausdemEntscheidderBeschwerdekammerinSachenA.gegen Swissmedicvom 8. November 2004(BK_B 075/04) Hausdurchsuchung; Anfechtungsgegenstand; aktuelles praktisches Interesse. Beschlagnahme; Tatverdacht; Einziehung; Beweismittel; Verhältnismässigkeit. Art.28Abs.1,46Abs.1lit.aundb,48f.VStrR,Art.58StGB,Art.86Abs.1 HMG DervoneinerBeschlagnahmeBetroffeneistvonderZwangsmassnahmedirekt berührt und hat ein schut zwürdiges Interesse an deren Aufhebung (E. 2.1). VerlangtderBetroffenedieAufhebungeiner durchgeführten undabgeschlos- senenHausdurchsuchung,istmangelseinesanfechtbarenGegenstandessowie mangelseinesaktuellenundpraktischenInteressesaufdieBeschwerdenicht einzutreten(E. 2.2). AusreichendkonkreterTatverdacht für eineWiderhandlunggegenArt.86 Abs. 1 HMG (E. 3). TPF 2004 34 35 VoraussetzungenderBeschlagnahmenachArt.46Abs.1lit.aundbVStrR (E. 4.1–4.2). Perquisition domiciliaire; objet de la contestation; intérêt pratique actuel. Séquestre; soupçons; confiscation; moyens de preuve; proportionnalité. Art. 28 al. 1, 46 al. 1 let. a et b, 48 s. DPA, art. 58 CP, art. 86 al. 1 LPTh Lapersonne visée parun séquestre estdirectementatteinteparcettemesurede contrainte et dispose d’un intérêt digne de protection à sa levée (consid. 2.1). Il n’y apaslieu d’entrer en matière surunerequ êteenannulation d’une per- quisitiondedomicileenti èrement exécutée, carlamesurenepeutplus être annulée etil n’existedoncpas d’intérêt pratiqueetactuel à la requête (con- sid. 2.2). Soupçon suffisamment fondé d’une infraction à l’art. 86 al. 1 LPTh (consid. 3). Conditionsdemisesouss équestreposées par l’art.46al.1let.aetbDPA(con- sid. 4.1–4.2). Perquisizione domiciliare; oggetto dell’impugnazione; interesse pratico attuale. Sequestro; indizio di reato; confisca; mezzi di prova; proporzionalità. Art. 28 cpv. 1, 46 cpv. 1 lett. a e b, 48 seg. DPA, art. 58 CP, art. 86 cpv. 1 LATer Lapersonainteressatadaunsequestro è direttamentetoccatadalprovvedi- mentocoercitivoehauninteressedegnodiprotezioneallasuasoppressione (consid. 2.1). Se l’interessato chiede l’annullamentodiunaperquisizionedomiciliareeseguita econclusa,nonsientranelmeritodelreclamoinquantomancanosiaunogget- to impugnabile sia un interesse pratico e attuale (consid. 2.2). Indiziodireatosufficientementeconcretoper un’infrazione all’art. 86cpv.1 LATer (consid. 3). Condizionidelsequestrosecondo l’art. 46cpv.1lett.aebDPA(consid.4. 1– 4.2). Zusammenfassung des Sachverhalts: ImVerwaltungsstrafverfahrengegenA.,B.undC.wegenVerdachtsder unzulässigenBewerbungunddesu nzulässigenVerkaufsvonArzneimitteln undMedizinalproduktenvonderSchweizausf ührtedieSwissmedicunter ZuhilfenahmederKantonspolizeiSt.Gallenam8.Juni2004beiA.,B.undTPF 2004 34 36 C.eineHausdurchsuchungdurch.DabeiwurdeneinNotebook,insgesamt 9 OrdnermitUnterlagen,weitereUnterlageninSchachtelnundSichtmap- pen,48DosenKava-Kava,9DosenGinkgo-Biloba,eineSchachtelmit nochzu überprüfendemMaterial,einBriefumschlagund6Schachteln „Bo- dyAmmoJointConne ction“ sichergestelltundbeschlagnahmt.DieBe- schlagnahmeprotokollewurden von A. und C. unterzeichnet. DieBeschwerdekammerhiesseineBeschwerdevonA. bezüglich derBe- schlagnahmedesNotebooksteilweisegut;im ÜbrigenwiessiedieBe- schwerde ab, soweit siedarauf eintrat. Aus den Erwägungen: 2.1 OhneweitereseinzutretenistaufdieBeschwerdegegendieBeschlag- nahme,daderBeschwerdef ührervonderZwangsmassnahmedirektber ührt ist und ein schutzwürdigesInteressean deren Aufhebung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). 2.2 Andersver hältessichhingegenmitderBeschwerdegegendieHaus- durchsuchung.Dieseist längst durchgeführtundabgeschlossen.Soweitder Beschwerdeführerdie „Aufhebung“ derHausdurchsuchungverlangt,ist deshalbschonmangelseinesanfechtbarenGegenstandesaufdieBeschwer- denichteinzutreten(H AURI,Verwaltungsstrafrecht,Bern1998,S.82f.). DieVoraussetzungenf üreineausnahmsweise Überprüfungderger ügten RechtsverletzungmangelsaktuellenpraktischenInteressesimSinneder bundesgerichtlichenRechtsprechung(BGE118IV67,69)sindhiereben- fallsnichterf üllt. Zwaristdierechtzeitigegerichtliche Überprüfungim Einzelfallkaumjem öglich,indessenfehlteshierandergr undsätzlichen Bedeutungundamentsprechendenhinreichenden öffentlichenInteresse. Insofern istauf die Beschwerde nicht einzutreten. 3. Grundvoraussetzungf ürjedesZwangsmittelbildeteinausreichender Tatverdacht.DieBeschwerdegegnerinhatam26. März2004einVerwal- tungsstrafverfahrener öffnetwegendesVerdachts unzulässigerBewerbung vonArzneimitteln.InderBeschwerdeantwortmachtsieweitergeltend,der Anfangsverdachthabesichbest ätigt,eshabefestgestelltwerden können, dass überdieInternetseitedesBeschwerdef ührersinderSchweiznicht zugelasseneArzneimittelverbotenerweisezumVerkaufangebotenworden seien.DerBeschwerdef ührerseinerseitswendetein,beidenvonderBe-TPF 2004 34 37 schwerdegegnerinalsu nzulässigbezeichnetenKava-Kava-Produktenund beidenGlucosamine-Supplementen „Joint Connectioneffervescent “ handle essichnichtumbewilligungspflichtigeArzneimittel,sondernumNah- rungsergänzungsmittel.Gem äss Art.86Abs.1lit.bdesHeilmittelgesetzes (HMG,SR812.21)machtsichstrafbarundwirdmitGef ängnisoderBusse bisFr.200'000.--bestraft,werdieGesundheitvonMenschengef ährdet, indemervor sätzlichArzneimittelohneZulassung,ohneBewilligungoder entgegenandererBestimmungendiesesGesetzesherstellt,inVerkehr bringt,verschreibt,einf ührt,ausf ührtoderdamitimAuslandhandelt.Glei- chermassenstrafbarmachtsichnachArt.86Abs.1lit.cundeHMG,wer dieGesundheitvonMenschenge fährdet,indemerHeilmittelabgibt,ohne dazuberechtigtzusein,beziehungsweiseMedizinprodukte,diedenAnfor- derungendiesesGesetzesnichtentsprechen,inVerkehrbringt.Ausdem sichindenAktenbefindlichenAusdruckdes „Nahrungsergänzungsproduk- teBestellformular “ aufdervomBeschwerdef ührerbetriebenenInternetseite „http://www.D.“ ergibtsich,dassderBeschwerdef ührer überseine „E. Co.“ inZ.unteranderemGlucosamineComplex „Joint Connection“ inKapsel- formundKava-Kava-ProdukteinGelformzumVerkaufangebotenhat.In einem überdieseInternet-Seiteerstellten(internen)Linkwird „JointCon- nection“ als „zurReparaturundzumWiederaufbau geschädigterKnorpelin denGelenkenundderWir belsäuleundzurKnochenbildu ng“ dienendbe- schrieben.Unbestrittenistferner,dassderBeschwerdef ührerkeineBewilli- gungzumVertriebvonArzneimittelnhat.Esbestehtdaherderkonkrete Verdacht,dassderBeschwerdef ührerdiebeidengenanntenProduktezum Verkaufangebotenundsolcheauchverkaufthat.ObdurchdiesesVerhalten dieGesundheitvonMenschengef ährdetwurdeoderobmangelsdieses qualifizierendenAspektesallenfallsnurder Übertretungstatbestanddes Art. 87lit.aoderbHMGinFragekommt,brauchthierundindieserPhase desVerfahrensnichtentschiedenzuwerden.NachDarstellungderBe- schwerdegegnerinsolldasProdukt „JointConnectioneffervescent “ immer- hininzweiinderSchweizzugelassenen,allerdingsrezeptpflichtigenArz- neimittelnenthaltensein, währendKava-KavainderSchweizganzgenerell ausSicherheitsgr ünden alsArzneimittelnichtzugelassenist.WasderBe- schwerdeführergegendieEinstufungbeiderProduktealsArzneimittelvor- bringt,vermagdagegennichtdurchzudringen.DieBeschwerdegegnerinist immerhindief ürdieEinstufungsolcherProduktealsArzneimittelund deren Zulassung zuständigeInstanz(Art. 16 HMG).Wenn sie diese Produk- teimVerwaltungsstrafverfahrenalsArzneimittelundnichtalsNahrungser- gänzungsmitteleinstuftund überdiesdievomBeschwerdef ührerangeprie- senenWirkungenprimavistaderLegaldefinitionvonArzneimitteln(Art.4TPF 2004 34 38 Abs.1lit.aHMG)entsprechen,soistf ürdieStrafuntersuchungvonzulas- sungspflichtigenArzneimittelnauszugehen.UnterdiesenUm ständen be- stehteinausreichenderkonkreterTatverdachtf üreinestrafbareWiderhand- lung gegenArt. 86 Abs. 1 HMG. (… ) 4.1 Gemäss Art.46Abs.1lit.aVStrRsindGe genstände, diealsBeweis- mittelvonBedeutungsein können, mitBeschlagzubelegen.Dabeige nügt die Möglichkeit,dassG egenständeunmittelbarodermittelbarf ürdieTat oderihreUm stände Beweiserbringen können.Es genügteinegewisse Wahrscheinlichkeit,dassdasBeweisobjektunmittelbarodermittelbarmit derstrafbarenHandlunginZusammenhangsteht(H AUSER/SCHWERI, SchweizerischesStrafprozessrecht, 5.Aufl.,S.313N2).Vorliegendgehtes umdenTatverdachtdesvollendetenoderversuchtenstrafbarenVerkaufs vonArzneimitteln.BeschlagnahmtwurdendievorgefundenenUnterlagen, wobeidieBeschwerdegegnerinanf änglich, dasheisstinderBeschwerde- antwort,nichtausschloss,dasssichdaruntervereinzeltnochUnterlagen privaterNaturbefinden könnten. InderBeschwerdeduplik hält siefest,es handlesichdabeium GeschäftsunterlageninSachen „www.D.“ sowie KontobelegevonKonti,welchemitdemArzneimittelhandelinVerbindung stünden. InsbesonderestelltsieinAbrede,dasssichbeidensichergestellten UnterlageneinEinschreibebriefaus Österreichmit € 145.--befundenhabe. DieserDarstellungistzufolgen,undesistdiesb ezüglichzus ätzlichaufdie vomBeschwerdef ührerunterzeichnetenBeschlagnahmeprotokollezuver- weisen. Geschäftsunterlagensindgr undsätzlichundhierkonkretgeeignet, alsBeweismittelhinsichtlichdesgenanntenTatverdachtszudienen.Insbe- sondere könnensieAuskunft überArtundUmfangderVerkauf stätigkeit geben.EineweitereKonkretisierungderBeweismitteleignungistindiesem Verfahrensstadiumnichterforderlich.DieBeschlagnahmebietetauchunter demGesichtspunktderVer hältnismässigkeit keineProbleme.Sollteder BeschwerdeführerkonkretenBedarf bezüglicheinzelnerPapierehaben, kannersichandieBeschwerdegegnerinwenden,umentsprechendeKopien herstellen zu lassen. 4.2 Gemäss Art.46Abs.1lit.bVStrRsind Gegenstände undandereVer- mögenswerte,dievoraussichtlichderEinziehungunterliegen,mitBeschlag zubelegen.ImVordergrundstehthierdieBeschlagnahmezumZwecke einerallf älligendefinitivenSicherungseinziehungnachArt.58StGB.Da- nachsind Gegenständeeinzuziehen,diezurBegehungeinerstrafbaren Handlunggedienthabenoderbestimmtwaren,oderdiedurcheinestrafbareTPF 2004 34 39 Handlunghervorgebrachtwordensind,wenndieseGegenst ände dieSicher- heitvonMenschen,dieSittlichkeitoderdie öffentlicheOrdnunggef ährden. DieBeschlagnahmealsblossprovisorischeprozessualeMassnahmepr äju- diziertdenmateriellenEinziehungsentscheidnicht.Insofernmussesf ürdie AufrechterhaltungderBeschlagnahmezurSicherungeinerallf älligenSi- cherungseinziehunggen ügen, wenn GegenständemiteinigerWahrschein- lichkeitdieSicherheitvonMenschenbeeintr ächtigenk önnen. DerBe- schwerdeführermachtgeltend,dieQuantit ätenanbeschlagnahmterWare seiendaraufzur ückzuführen,dasserf ürsichundseineFraueinenJahres- bedarff ürdenper sönlichenVerbrauchverf ügbarhabeundessichbeiden Kava-Kava-ProduktenumfamilieninternenBedarfhandle.ObdiesderFall ist,wirddasStrafverfahrenzukl ärenundderSachrichterwirddar überzu befindenhaben.NachdemderBeschwerdef ührerjedochdieseProdukteim InternetzumVerkaufangebotenhat,bestehtderoffenkundigeVerdacht, auchdiebeschlagnahmtenProdukte hätten derLieferunganBestellerge- dient.DaKava-Kava-ProdukteinderSchweizganzallgemeinnichtzuge- lassensind,Glucosamine-SupplementezwarinzugelassenenProdukten vorkommen,essichdabeiaberumrezeptpflichtigeProduktehandelt,ist eineGefahrf ürdieSicherheitDritterbeiEinsatzbeziehungsweisenicht ärztlichkontrolliertemEinsatzsolcherProduktenichtauszuschliessen.Ne- bendemf ürdieSicherungseinziehungerforderlichenDeliktskonnexist damitauchdievomeinzuziehendenGegenstandausgehendeGef ährdung fürdieSicherheitvonMenschenimSinneeinerf ürdieSicherungsbe- schlagnahme genügendenWahrscheinlichkeitinderHanddesBerechtigten auszugehen.Auchdiesb ezüglichergebensichunterdemGesichtspunktdes VerhältnismässigkeitsgrundsatzeskeineEinwendungengegeneineFortset- zungderBeschlagnahmebiszumsachrichterlichenEntscheid.DieBe- schwerde ist daher auchin diesem Punkt abzuweisen.