Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 23. Juli 2019 (460 18 364) ____________________________________________________________________ Strafrecht Beschimpfung Für die Frage, ob die Versendung von neun Einzahlung sscheinen mit je einem Grossbuchsta- ben darauf den objektiven Tatbestand der Beschimpfung er füllt, kann nicht massgeblich sein, wie hoch die vom Empfänger der Einzahlungsscheine zu e rbringende intellektuelle Eigenleis- tung ist, um die Buchstaben zusammenzusetzen. Irrelevant ist auch der Umstand, dass aus den neun Buchstaben neben dem Wort "Arschloch" ebenfalls das Wort "Scholarch" gebildet werden kann, zumal aus den Aussagen des Beschuldigten deutlich h ervorgeht, dass er aufgrund der vorhandenen zivilrechtlichen Streitigkeit mit dem Privatkl äger seinem Ärger auf diese Weise Luft verschaffen wollte. Es ist demnach offensichtlich, dass der Beschuldigte dem Privatkläger die neun Buchstaben auf den Einzahlungsscheinen in spezi fischer und gewollter Beleidigungs- absicht hat zukommen lassen. Was die Tathandlung im Si nne von Art. 177 Abs. 1 StGB anbe- langt, ist festzuhalten, dass es sich bei mehreren, zusam menzusetzenden Buchstaben durch- aus um eine Schrift handelt. Selbst wenn es sich bei noch zusammenzusetzenden Buchstaben nicht um eine eigentliche Schrift handeln sollte, wäre immer noch die Tathandlung durch „Bild“ möglich (E. III. 3.1 – 3.4). Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , vertreten durch Fürsprecher Daniel Buchser, Sandgasse 1, 5734 Reinach AG, Privatkläger und Anschlussberufungskläger gegen B.____ , vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, Hauptstrasse 104, Postfach, 4102 Binningen, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Beschimpfung Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel- Landschaft vom 16. August 2018 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgerichts- vizepräsidium) vom 16. August 2018 wurde B.____ in teil weiser Bestätigung des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (nachfolgend: S taatsanwaltschaft) vom 1. September 2017 der Beschimpfung schuldig erklärt und zu einer bed ingt vollziehbaren Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit vo n 2 Jahren, verurteilt (Ziff. 1). Die Genugtu- ungsforderung von A.____ in der Höhe von Fr. 200.-- wurde abgewiesen (Ziff. 2). B.____ wurde dazu verurteilt, A.____ gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO e ine Entschädigung in der Höhe von Fr. 500.-- zu bezahlen (Ziff. 3). Ausserdem wurden B .____ die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 370.-- und de r Gerichtsgebühr von Fr. 600.--, in An- wendung von Art. 426 Abs. 1 StPO auferlegt (Ziff. 4). B. Gegen dieses Urteil meldete B.____ (nachfolgend: Beru fungskläger), vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, am 21. August 2018 beim Strafgericht Berufung an. C. Auch der Privatkläger, A.____, vertreten durch Rechtsan walt und Fürsprecher Daniel Buchser, meldete am 27. August 2018 die Berufung gegen das obgenannte Urteil an. D. Am 10. Dezember 2018 reichte der Berufungskläger beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kanton sgericht), seine Berufungserklärung ein und beantragte, es sei der Berufungskläger in Gutheissung der Berufung und in Abänderung des Urteils des Strafgerichtsvizepräsidiums vom 16. August 20 18 vom Vorwurf der Beschimp- fung kostenlos freizusprechen (Ziff. 1). Ferner sei dem Privatkläger keine Parteientschädigung gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO zulasten des Beschuldigten z uzusprechen (Ziff. 2). Sodann sei gestützt auf Art. 426 StPO dem Berufungskläger eine an gemessene Parteientschädigung für die gesamte Verteidigung vor erster Instanz zuzusprechen und es seien die Verfahrenskosten vollumfänglich zu Lasten des Staates zu verlegen (Ziff. 3). Schliesslich sei dem Berufungsklä- ger für das zweitinstanzliche Verfahren eine angemessene Entschädigung für die Kosten seiner Verteidigung zu entrichten (Ziff. 4); dies alles unter o/e-Kostenfolge. E. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 teilte der Privatklä ger mit, dass er nach Einsicht- nahme in das begründete Urteil auf eine eigene Beruf ung verzichte und deshalb keine Beru- fungserklärung eingereicht habe, weil sich der Aufwand hierfür nicht lohne. In diesem Sinne Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ziehe er die Berufungsanmeldung zurück. Vorbehalten ble ibe allerdings die Anschlussberufung im Falle der Berufung des Beschuldigten. F. Das Kantonsgericht verfügte am 19. Dezember 2018 unter anderem, dass die Beru- fungserklärung des Beschuldigten vom 10. Dezember 2018 an die Gegenparteien geht, die in- nert 20 Tagen seit Empfang der Berufungserklärung schri ftlich einen begründeten Antrag auf Nichteintreten stellen oder Anschlussberufung erklären können. G. Daraufhin erhob der Privatkläger (nachfolgend: Anschlussbe rufungskläger) mit Eingabe vom 4. Januar 2019 Anschlussberufung und beantragte, es sei die Berufung des Beschuldigten abzuweisen (Ziff. 1), das Urteil im Strafpunkt zu bestä tigen (Ziff. 2), der Beschuldigte zu verur- teilen, dem Anzeiger eine Parteientschädigung von Fr. 1‘706.65 für das erstinstanzliche Verfah- ren (Ziff. 3), und eine Parteientschädigung von Fr. 632.10 für das Berufungsverfahren zu bezah- len (Ziff. 4); alles unter Kosten- und Entschädigungsf olgen zu Lasten des Beschuldigten (Ziff. 5). H. Das Kantonsgericht stellte mit Verfügung vom 14. Januar 2019 fest, dass die Staatsan- waltschaft weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben hat. Ausserdem setzte das Kan- tonsgericht den Parteien Frist bis zum 25. Januar 2019 , um bekanntzugeben, ob sie mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens anstelle einer mündlichen Berufungsverhandlung einverstanden sind. I. Am 17. Januar 2019 teilte der Anschlussberufungskläger mit , dass er mit der Durchfüh- rung des schriftlichen Verfahrens einverstanden sei. J. Mit Eingabe vom 25. Januar 2019 gab der Berufungskläger kund, dass er mit der Durch- führung eines rein schriftlichen Verfahrens zurzeit nicht einverstanden sei. Er beantrage jedoch, den Parteien vorerst gestützt auf Art. 403 Abs. 4 StPO eine angemessene Frist zur Begründung der Berufung zu gewähren. Nach Eingang der schriftliche n Berufungsbegründungen und dem Austausch etwaiger Berufungsantworten sei den Parteien noch einmal Gelegenheit zu geben, sich zur Frage eines etwaigen Verzichts auf eine mündliche Parteiverhandlung zu äussern. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Am 28. Februar 2019 reichte der Privatkläger eine Erg änzung zu seiner Anschlussberu- fungserklärung ein und begehrte die Gutheissung der Anschlussberufung. L. Der Berufungskläger reichte am 7. März 2019 seine Beruf ungsbegründung ein und wie- derholte seine in der Berufungserklärung vom 10. Dezember 2018 gestellten Rechtsbegehren. M. Am 17. April 2019 reichte der Berufungskläger seine Ansch lussberufungsantwort ein und begehrte, es sei die Anschlussberufung des Privatkläger s vollumfänglich abzuweisen; dies unter o/e-Kostenfolge. N. Mit Verfügung vom 26. April 2019 fragte das Kantons gericht die Parteien erneut an, ob sie mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens a nstelle einer mündlichen Berufungsver- handlung einverstanden sind. O. Am 29. April 2019 hielt die Staatsanwaltschaft fest, da ss sie keine Einwände gegen die Durchführung des schriftlichen Verfahrens habe. P. Der Berufungskläger teilte dem Kantonsgericht am 9. Mai 2019 mit, dass auch er mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden sei. Q. Mit Verfügung vom 16. Mai 2019 hielt das Kantonsgericht fest, dass gestützt auf Art. 406 Abs. 2 lit. b StPO das schriftliche Verfahren unter Ve rzicht auf eine mündliche Berufungsver- handlung durchgeführt wird. Mit derselben Verfügung s chloss das Kantonsgericht schliesslich den Schriftenwechsel. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfah- ren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 399 StPO meldet die Partei die Berufung dem erstinstanzlic hen Gericht innert 10 Tagen seit der Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Prot okoll an (Abs. 1) und reicht dem Beru- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht fungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des beg ründeten Urteils eine schriftliche Beru- fungserklärung ein (Abs. 3). Die Anschlussberufung richt et sich gemäss Art. 401 Abs. 1 StPO sinngemäss nach Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO. Somit ist di e schriftliche Anschlussberufung in- nert 20 Tagen seit Zustellung der Berufungserklärung de r Gegenpartei bei der Rechtsmitte- linstanz einzureichen. Zur Ergreifung der Berufung ist jede Partei legitimiert, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung ei nes Entscheids hat (Art. 382 Abs. 1 StPO). Vorliegend haben der Berufungskläger am 21. Au gust 2018 und der Anschlussberu- fungskläger am 27. August 2018 gegen das Urteil des Str afgerichtsvizepräsidiums vom 16. Au- gust 2018 die Berufung angemeldet. Das begründete Urt eil wurde dem Berufungskläger am 20. November 2018 und dem Anschlussberufungskläger am 21. November 2018 zugestellt. Mit Eingabe vom 10. Dezember 2018 erklärte der Berufungskläg er beim Kantonsgericht die Beru- fung. Am 17. Dezember 2018 zog der Anschlussberufungsklä ger seine Berufungsanmeldung zurück, behielt sich jedoch die Anschlussberufung im Falle der Berufung des Beschuldigten vor. Mit Eingabe vom 4. Januar 2019 reichte der Anschlussbe rufungskläger sodann seine An- schlussberufung ein. Am 7. März 2019 legte der Berufung skläger schliesslich die Berufungsbe- gründung vor. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des K antonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden B erufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführu ngsgesetzes zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung (EG StPO; SGS 250). Da demzufolge sämtliche Formalien erfüllt sind, ist auf die Berufung des Beschuldigten sowie auf die Anschlussberufung des Privatklägers einzutreten. 2. Anlässlich seiner Eingabe vom 28. Februar 2019 hat der Anschlussberufungskläger ei- nen Beweisantrag gestellt, wonach C.____, seine ehem alige Partnerin, als Zeugin zu befragen sei. Gemäss Art. 139 Abs. 1 StPO setzen die Strafbehörde n zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wissenschaft und Erfahrung geeigneten B eweismittel ein, die rechtlich zulässig sind. Nach Abs. 2 derselben Bestimmung wird über Tatsac hen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, nicht Beweis geführt. Der obgenannte Beweisantrag des Anschlussberufungsklägers ist abzuweisen, zumal eine Befra- gung dieser Dame zu einem angeblichen früheren Vorfall für den vorliegend strittigen Fall uner- heblich ist. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht II. Gegenstand der Berufung Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsge richt das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Aufgrund des Gegenstandes d er Berufung des Beschuldigten so- wie der Anschlussberufung des Privatklägers stehen vorlie gend der Schuldspruch und die Strafzumessung (Dispositiv-Ziffer 1), die Entschädigun g für die Privatklägerschaft (Dispositiv- Ziffer 3), sowie die Auferlegung der Verfahrenskosten der ersten Instanz (Dispositiv-Ziffer 4) des Urteils des Strafgerichtsvizepräsidiums vom 16. August 2018 zur Disposition, weshalb die- ses Urteil als teilweise i.S.v. Art. 399 Abs. 3 lit. a u nd Abs. 4 StPO angefochten gilt. Demgegen- über ist insbesondere die Abweisung der Genugtuungsfo rderung des Privatklägers (Dispositiv- Ziffer 2) durch das vorinstanzliche Urteil mangels Ergr eifens eines Rechtsmittels per Urteilstag in Rechtskraft erwachsen (Art. 437 Abs. 1 lit. a und Art. 437 Abs. 2 StPO). III. Materielles 1. Parteistandpunkte 1.1 Im Strafbefehl vom 1. September 2017 legt die Staatsanwaltschaft dem Berufungskläger folgenden Sachverhalt zur Last: „Der Beschuldigte wurde mittels Urteil des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 4. April 2017 dazu verpflichtet, der Privatklägerschaft einen Betrag über CHF 1'957.50 zu bezahlen. Die Bezahlung wurde am 17. Mai 2017 mittels Posteinzahlung geleistet, indem der Beschuldigte die Gesamtsumme des A usstandes auf neun Einzahlungs- scheine auf kleinere Beträge aufgesplittet und bei der Mitteilungsspalte jedes Einzahlungs- scheins jeweils einen Grossbuchstaben angebracht hat, so da ss aus diesen das Wort „ARSCHLOCH“ gebildet werden konnte, wodurch sich der Geschädigte in seiner Ehre verletzt fühlt. Aus den neun Buchstaben kann ansonsten kein sinnvolles Wort gebildet werden." 1.2 Der Vorderrichter bringt im Urteil vom 16. August 201 8 zur Begründung insbesondere vor, es müsse nicht weiter ausgeführt werden, dass das Wort „Arschloch“ eine Formalinjurie darstelle, das heisse ein blosser Ausdruck der Missachtung, o hne dass sich die Aussage er- kennbar auf bestimmte, dem Beweis zugängliche Tatsachen stütze. Ferner sei davon auszuge- hen, dass der Tatbestand der schriftlichen Beschimpfung au ch verschlüsselte Formen wie bspw. spiegelverkehrte oder rückwärts zu lesende Buchstaben kombinationen umfasse, welche entschlüsselt gelesen ein Schimpfwort bilden würden. W eiter habe der Beschuldigte in der Hauptverhandlung selbst angegeben, er habe mit den au f den Einzahlungsscheinen geschrie- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht benen Buchstaben nichts gemeint. Die Auswahl zur Bildung eines sinnvollen Wortes aus den neun Buchstaben sei aber offenkundig eingeschränkt gewese n. Der Berufungskläger wolle die Buchstaben willkürlich ausgewählt haben. Er könne inde s jedenfalls keinen nachvollziehbaren Grund aufzeigen, weshalb er auf neun Einzahlungsscheinen je einen der fraglichen Grossbuch- staben als Mitteilung an den Empfänger geschrieben hab e. Vom Beschuldigten werde denn auch nicht bestritten, dass er überaus verärgert über d ie Verpflichtung zur Zahlung der Summe an den Anschlussberufungskläger gewesen sei. Er habe zunächst 100 Einzahlungsscheine für die Zahlung verwenden wollen, was ihm dann jedoch zu a ufwändig erschienen sei. Der Beru- fungskläger habe dem Privatkläger eine verschlüsselte schrif tliche Mitteilung beinhaltend das Wort „Arschloch“ zukommen lassen, Letzterer habe diese Mi tteilung im Sinne des Absenders zur Kenntnis genommen und als Beschimpfung empfunden. De mzufolge sei der objektive Tat- bestand der Beschimpfung erfüllt. Auch der subjektive Ta tbestand der Beschimpfung sei gege- ben. 1.3 Demgegenüber führt der Berufungskläger in seiner Beru fungsbegründung vom 7. März 2019 aus, dass er keine der abschliessend in Art. 177 St GB aufgeführten Tathandlungen be- gangen habe. Die Buchstaben hätten den Empfänger in völlig zufälliger Reihenfolge erreicht. Die von der Vorinstanz vorgebrachten Beispiele seien kein e wirklichen Verschlüsselungen. Es dürfte kaum jemand zur „Entzifferung“ einer spiegelv erkehrten oder rückwärts zu lesenden Schrift eine nennenswerte kognitive Leistung erbringen müssen. Auch beim Beispiel mit einem Säckchen, das die drei Buchstaben T, O und D enthalte, sei ebenso offenkundig, dass sich die Eigenleistung des Empfängers in Grenzen halte, denn mö glich seien sechs verschiedene Ab- folgen. Um eine Beschimpfung durch Schrift annehmen zu können, müsse einem der Sinn der Buchstabenfolge geradezu ins Auge springen. Mit den v orliegend in Frage stehenden Buchsta- ben A, R, S, C, H, L, O, C und H seien 90‘720 untersch iedliche Abfolgen möglich, weshalb vom Empfänger eine enorme Eigenleistung verlangt werde. D a in casu die Merkmale einer Schrift nicht erfüllt seien und der Inhalt nur durch eine erhe bliche Eigenleistung des Privatklägers ent- standen sei, sei eine einschlägige Tathandlung nicht ge geben, womit der Tatbestand der Be- schimpfung nicht erfüllt sei. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Der Tatbestand der Beschimpfung nach Art. 177 Ab s. 1 StGB 2.1 Nach Art. 177 Abs. 1 StGB wird, auf Antrag, mit Gelds trafe bis zu 90 Tagessätzen be- straft, wer jemanden in anderer Weise durch Wort, Schr ift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift. Bei Ehrverletzungen unterscheide t man zwischen Tatsachenbehauptun- gen und Werturteilen. Mit Werturteilen ist die unmittelbare Kundgabe von Geringschätzung oder Missachtung gemeint, eine Kundgabe, welche durchaus nic ht den Charakter eines „Urteils“ zu haben braucht, sondern auch durch beleidigendes Verhalte n erfolgen kann. Wird die Tatsa- chenbehauptung gegenüber Dritten aufgestellt, kann sie beliebig weitergegeben werden und damit unabsehbare Folgen für die Ehre des Betroffene n haben. Das Werturteil hingegen er- schöpft sich in der einmaligen Äusserung. Bei einer Komb ination der Unterscheidung beider Formen der Ehrverletzung mit einer Unterscheidung der möglichen Adressaten bestehen vier Möglichkeiten: die der Tatsachenbehauptung gegenüber dem Verletzten selbst oder gegenüber Dritten sowie die des Werturteils gegenüber dem Verle tzten selbst oder gegenüber Dritten. Nur der Fall der Tatsachenbehauptung gegenüber Dritten i st speziell geregelt, wobei hier noch die weitere Unterscheidung danach getroffen wird, ob der Täter wider besseres Wissen handelt (Verleumdung; Art. 174 StGB) oder nicht (üble Nachrede; Art. 173 StGB). Die anderen drei Fäl- le werden im Tatbestand der Beschimpfung gemäss Art. 17 7 StGB zusammengefasst (GÜNTER STRATENWERTH /G UIDO JENNY /F ELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl., Bern 2010, § 11 RN 16 f.). Dass es sich im vorliegenden Fall beim Wort „Arschloch“ um ein reines Werturteil bzw. um eine Formalinjurie hand elt, ist offensichtlich, bereits von der Vor- instanz korrekt festgestellt worden und zwischen den Parte ien auch nicht streitig, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen. 2.2 Zwischen den Parteien ist hingegen umstritten, ob das Einzahlen einer Forderungs- summe mit neun Einzahlungsscheinen, die jeweils einen G rossbuchstaben enthalten und in ihrer Gesamtheit das Wort „Arschloch“ ergeben, eine Ta thandlung nach Art. 177 Abs. 1 StGB darstellt. Art. 177 Abs. 1 StGB umschreibt das strafbare Verhalten dahingehend, dass der Täter „jemanden in anderer Weise durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift“. Einer Beschimpfung nach Art. 177 Abs. 1 StG B macht sich demnach strafbar, wer eine Tatsachenbehauptung gegenüber dem Verletzten, ei n Werturteil gegenüber Dritten oder ein Werturteil gegenüber dem Verletzten äussert (S TRATENWERTH /J ENNY /B OMMER , a.a.O., § 11 RN 68). Die Formulierung „in anderer Weise“ bringt z um Ausdruck, dass Art. 177 StGB lediglich subsidiär zu Art. 173 StGB oder Art. 174 StGB zur Anwe ndung gelangt. Die Täterhandlung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht kann durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkei ten erfolgen, wobei diese Aufzählung abschliessend ist („numerus clausus“). Subjektiv ist Vorsat z erforderlich. Besteht die Beschimp- fung in einem Werturteil, muss sich der Vorsatz nur darau f richten, dass die Äusserung ehren- rührig ist (FRANZ RIKLIN , BSK StGB, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 177 N 2 ff.). 2.3 Eine Schrift bildet ein System von Zeichen, das durch Lesen, d.h. visuelle Wahrneh- mung durch eine Person, welche die Symbolik der Zeichen ve rsteht, entschlüsselt wird und be- liebige und komplexe Informationen und Gedanken über mitteln kann. „Schrifturkunden geben durch Buchstaben oder andere Zeichen, die Worte versinnbildlichen, Gedanken kund, und zwar derart, dass sie für den Leser der Schrift aus sich selbst heraus verständlich sind“ (BGE 103 IV 27 E. 13b; STEFAN TRECHSEL /L ORENZ ERNI , Praxiskommentar StGB, 3. Aufl., 2018, Vor Art. 251, RN 1). Jedes beliebige Zeichensystem – Handschrift, Compu terausdruck, Stenografie, Silben- schrift, Blindenschrift usw. – genügt dazu, wenn mindesten s eine zweite Person es versteht; beispielsweise bejaht für den Balkencode auf Waren oder für das den vollen Namen vertreten- de Visum (STEFAN TRECHSEL /L ORENZ ERNI , Praxiskommentar StGB, 3. Aufl., 2018, Vor Art. 251, RN 1). BGE 111 IV 119 sowie SJZ 84 (1988) Nr. 5 dehn ten den Begriff der Schrift auf Compu- terprogramme aus, die auf Magnetbändern, Disketten usw. gespeichert sind und nur mittels eines passenden Gerätes auf dem Bildschirm oder durch Ausdruck lesbar werden. Im Gegen- satz zum Mikrofilm, der die Schrift nur verkleinert, wurde hier aus kriminalpolitischen Gründen die gesetzliche Definition verlassen und der strafrechtlic he Schutz vorverlegt. BGE 116 IV 345 ff. anerkannte die an dieser Rechtsprechung von J ENNY und S CHULTZ geäusserte Kritik und präzisierte, Schrift seien die Bildschirmanzeige respektive der Ausdruck. Gleichgültig ist jedoch das Mittel, womit die Zeichen geschrieben, und die Unterlage, worauf sie angebracht sind, doch ist jeweils eine gewisse Dauerhaftigkeit („scripta manent “) zu fordern (S TEFAN TRECHSEL /L ORENZ ERNI , Praxiskommentar StGB, 3. Aufl., 2018, Vor Art. 251, RN 2). Die Schrift muss einen menschlichen Gedanken mindestens mittelbar ausd rücken, mithin Erklärung einer Person sein (BGE 116 IV 343 E. 5c; S TEFAN TRECHSEL /L ORENZ ERNI , Praxiskommentar StGB, 3. Aufl., 2018, Vor Art. 251, RN 3). 3.1 Im vorliegenden Fall bringt der Berufungskläger im Wes entlichen vor, dass bei der Be- schimpfung nach Art. 177 Abs. 1 StGB ein „numerus clausu s“ an möglichen Tathandlungen vorgegeben sei, und er keine der abschliessend aufgeführt en Tathandlungen begangen habe. Er führt aus, dass die Versendung von neun Einzahlungs scheinen mit je einem Grossbuchsta- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben darauf den objektiven Tatbestand der Beschimpfung nicht erfülle, da der Anschlussberu- fungskläger die Buchstaben zunächst habe zusammensetzen mü ssen und sich durch die Zu- sammensetzung des Wortes „Arschloch“ in gewisser Weise sel ber beschimpft habe. Der Sinn der dadurch kreierten Wörter hänge in dieser Konstellation einzig und allein von der Vorstellung und dem Willen des Empfängers ab. Der Berufungskläger a rgumentiert mit der vom Empfänger der Einzahlungsscheine zu erbringenden intellektuellen Eigenleistung, mit der die Beschimp- fung überhaupt erst erkennbar werde. Um eine Beschimpfu ng durch Schrift annehmen zu kön- nen, müsse einem der Sinn der Buchstabenfolge geradez u ins Auge springen, um immer noch von einer Schrift und somit von einer einschlägigen Tathandlung ausgehen zu können. 3.2 Entgegen der Auffassung des Berufungsklägers ist allerdin gs nicht ersichtlich, was das Mass an kognitiver Eigenleistung des Anschlussberufungsklägers mit der Frage zu tun hat, ob der objektive Tatbestand der Beschimpfung erfüllt ist oder nicht. Sollte der Empfänger einer solchen Nachricht intellektuell nicht in der Lage sein, d ie einzelnen Buchstaben zusammenzu- setzen, würde es sich immerhin noch um eine versuchte Bes chimpfung handeln. In casu kön- nen aus den neun Buchstaben aber ohnehin nur die beiden Wörter „Arschloch“ und „Scholarch“ sinnvollerweise gebildet werden. Der Geschädigte musste daher keine erhebliche Eigenleistung erbringen, um auf das Wort „Arschloch“ zu schliessen. Die s insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Berufungskläger und der Anschlussberufungskläger im Vorfeld bereits eine zivilrechtli- che Streitigkeit gegeneinander geführt hatten und de r Anschlussberufungskläger davon ausge- hen konnte, dass die neun Buchstaben auf den Einzahlungss cheinen – welche überdies alle- samt zur Tilgung derselben Forderungssumme verwendet wur den – zusammengesetzt eine Mitteilung an ihn ergeben sollen, welche naheliegen derweise kaum positiven Inhalts war. Dies gilt im Unterschied zu dem vom Berufungskläger anlässlich se ines Parteivortrages an der Hauptverhandlung vor Strafgericht vom 16. August 2018 vorgebrachten Beispiel mit der Buch- stabensuppe, zumal der Gast im Restaurant – wie die Vorinstanz bereits richtig ausgeführt hat – im Regelfall keinen Anlass hat, den Buchstaben in d er Suppe eine weitere Bedeutung beizu- messen und diese zu einem oder mehreren Worten zusammenzusetzen. Wie bereits erwähnt, kann aus den neun fraglichen Bu chstaben sowohl das Wort „Arschloch“ als auch das Wort „Scholarch“ gebildet werden. Der Beru fungskläger macht geltend, dass da- her die Ausführung der Staatsanwaltschaft im Strafbefehl vom 1. September 2017, wonach aus den neun Buchstaben ansonsten (abgesehen von „Arschloch “) kein sinnvolles Wort gebildet werden könne, nicht korrekt sei. Ein Scholarch ist der Le iter einer höheren Bildungseinrichtung, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht wobei der Begriff aus den antiken athenischen Philosop henschulen stammt (vgl. Wikipedia). Der betreffende Einwand des Berufungsklägers vermag i ndes nicht zu überzeugen: Zum einen erscheint es durchaus fraglich, ob der Berufungskläger d as Wort Scholarch überhaupt gekannt hat, zumal es nicht gerade durch häufigen Gebrauch allge mein bekannt ist. Zum anderen wäre es völlig absurd, wenn der Beschuldigte dem Anschlussberu fungskläger im konkreten Kontext mit den Einzahlungen ebendieses Wort hätte mitteilen wollen, da dieses Vorgehen offensicht- lich keinerlei Sinn ergeben hätte. Wahrscheinlicher er scheint es, dass der Berufungskläger nach Eröffnung des gegen ihn geführten Strafverfahre ns die Hilfe eines Buchstabensalat- Entschlüsselungsprogramms (beispielsweise http://scrabblemania.de/ ) in Anspruch genommen hat, um zu eruieren, welche Wörter – abgesehen von „A rschloch“ – noch aus den neun Buch- staben gebildet werden können. 3.3 Was die Tathandlung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB anbelangt, ist festzuhalten, dass es sich bei mehreren, zusammenzusetzenden Buchstaben du rchaus um eine Schrift han- delt. Die Buchstaben konnten durch den Anschlussberufung skläger durch Lesen entschlüsselt werden. Wie bereits erwähnt, genügt für den Begriff der Schrift jedes beliebige Zeichensystem, wenn mindestens eine zweite Person es versteht (vgl. E. 2. 3 hiervor). Selbst wenn es sich aber bei noch zusammenzusetzenden Buchstaben nicht um eine Schrift handeln sollte, wäre immer noch die Tathandlung durch „Bild“ möglich. Jeder ein zelne auf einem Einzahlungsschein ver- merkte Buchstabe stellt ein Bild dar; alle neun Buchstabe n auf den Einzahlungsscheinen erge- ben zusammengesetzt ein Buchstabenbild. Insofern fällt die Tathandlung des Beschuldigten – entgegen seiner Auffassung – durchaus unter den „nume rus clausus“ gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB. 3.4 In seiner Einvernahme vom 16. August 2017 hat der Beru fungskläger explizit ausge- führt, dass er wütend auf den Anschlussberufungskläger un d auf das Urteil des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft Ost vom 4. April 2017 gewesen sei . Er habe sich dann ursprünglich überlegt, die Forderungssumme auf 100 Einzahlungsscheine zu verteilen, so dass der Privat- kläger für jeden einzelnen Einzahlungsschein eine gewisse Gebühr hätte bezahlen müssen. Er sei aber von dieser Idee wieder losgekommen, nachdem er e inige Einzahlungsscheine auszu- füllen begonnen habe und immer wieder das Gleiche hab e schreiben müssen. Dies sei ihm dann doch zu aufwändig gewesen. Es sei ihm verleidet, und er habe zufälligerweise bei neun Einzahlungsscheinen aufgehört. Dass das Wort „Arschloch“ d araus gebildet werden könne, sei Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein Zufall. Wenn er „Arschloch“ hätte schreiben wollen, hätte er dies auf einem Einzahlungs- schein ausgeschrieben. Dass er überhaupt Buchstaben auf die Mitteilungszeilen notiert habe, habe sich bei einem Monopoly-Spiel mit einem irischen Kollegen so ergeben (vgl. staatsanwalt- schaftliche Einvernahme vom 16. August 2017, Akten S. 61) . Aus diesen Aussagen geht deut- lich hervor, dass der Berufungskläger aufgrund der zivilrech tlichen Streitigkeit mit dem An- schlussberufungskläger dermassen aufgebracht war, dass er seinem Ärger irgendwie Luft ver- schaffen wollte. Er hat selber zugegeben, dass er zunächst 100 Einzahlungsscheine verwenden wollte, damit der Anschlussberufungskläger Gebühren zu bezahlen gehabt hätte. Nur weil ihm dies in der Folge zu mühsam geworden ist, hat er sich et was Neues überlegt und ist auf die Idee mit den neun Einzahlungsscheinen und der Beschimpf ung gekommen. Dass das Wort „Arschloch“ nur zufälligerweise entstanden ist und die Buchstaben aus einem Monopoly-Spiel resultiert sind, vermag in keinster Weise zu überzeugen und muss als offensichtliche Schutzbe- hauptung qualifiziert werden. Vielmehr legen es die g esamten Umstände in casu nahe, dass der Berufungskläger dem Anschlussberufungskläger die neu n Buchstaben auf den Einzah- lungsscheinen in spezifischer und gewollter Beleidigungsabsicht hat zukommen lassen. 3.5 Insgesamt ist festzuhalten, dass der Berufungskläger mit Wissen und Willen auf den Einzahlungsscheinen die neun Buchstaben notiert hat, um den Anschlussberufungskläger mit dem Wort „Arschloch“ zu beschimpfen. Die neun zusammenzu setzenden Buchstaben stellen zudem sowohl eine Schrift als auch ein Bild dar, unab hängig davon, ob der Anschlussberu- fungskläger die Buchstaben zunächst zusammensetzen musste u nd wie intensiv seine dazu benötigte kognitive Eigenleistung war. Demzufolge ist vorliegend sowohl der objektive als auch der subjektive Tatbestand der Beschimpfung nach Art. 17 7 Abs. 1 StGB erfüllt, weshalb das Strafgerichtsvizepräsidium den Berufungskläger mit Urteil vom 16. August 2018 zu Recht der Beschimpfung schuldig erklärt hat. In diesem Sinne ist das vorinstanzliche Urteil – welches sich im Übrigen sehr detailliert über 14 Seiten mit dem vorliegenden wohl als Bagatelle zu bezeich- nenden Fall auseinandersetzt – zu bestätigen und die Be rufung des Beschuldigten abzuweisen. IV. Strafzumessung Der Beschuldigte hat für den Fall der Bestätigung des e rstinstanzlichen Schuldspruchs die vom Vorderrichter ausgesprochene bedingt vollziehbare Geldstr afe von 5 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, nicht in Frage gestellt. Das Kantonsgericht schliesst Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich deshalb den überzeugenden Erwägungen der Vorinsta nz betreffend die Strafzumessung an. Auf die korrekten Ausführungen der Erstinstanz zur Strafzumessung kann somit vollumfäng- lich verwiesen werden (vgl. Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Be schimpfung wird gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB mit Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen bestra ft. Vorliegend handelt es sich um ei- nen leichten Fall der Beschimpfung, und die persönliche n Eigenschaften des Berufungsklägers sind allesamt neutral zu werten, weshalb die von der Vorinstanz gegenüber dem Beschuldigten verhängte Strafe von 5 Tagessätzen à Fr. 30.-- folgeric htig zu bestätigen ist. Die Probezeit ist zu Recht auf das gesetzliche Minimum von 2 Jahren gemäss A rt. 44 Abs. 1 StGB beschränkt worden, weshalb dies ebenfalls zu bekräftigen ist. Sch liesslich erscheint auch der Verzicht auf eine Verbindungsbusse im vorliegenden Fall als angemessen. V. Parteientschädigung der Privatklägerschaft 1.1 Der Vorderrichter hat im Urteil vom 16. August 2018 festgehalten, dass der Vertreter des Privatklägers mit der Anzeige und den mit dieser zusamme n eingereichten Unterlagen bereits die für die Verurteilung des Beschuldigten erforderlichen Unterlagen geliefert und insofern dafür gesorgt habe, dass seitens der Strafverfolgungsbehörde n mit Ausnahme der Einvernahme des Beschuldigten keine weiteren Untersuchungshandlungen n otwendig gewesen und die staatli- chen Kosten für die Untersuchung gering ausgefallen se ien. Das Strafgerichtsvizepräsidium ist davon ausgegangen, dass es sich um einen Bagatellfall ha ndle, für welchen grundsätzlich der Beizug eines Anwalts nicht notwendig, dem Privatkläger jedoch eine Entschädigung für die ge- ringer ausgefallenen Untersuchungskosten zuzusprechen sei. Nachdem der Gesamtaufwand des Privatklägers bekannt sei, erscheine ein Pauschalbetrag v on Fr. 500.-- als Entschädigung für die beim Staat verringerten Verfahrenskosten als a ngemessen, zumal auch die Entschädi- gung eines anwaltlich nicht vertretenen Privatklägers für dessen notwendige Aufwendungen zu prüfen wäre. 1.2 In seiner Eingabe vom 4. Januar 2019 führt der Anschlussberufungskläger aus, dass der Vorderrichter die geltend gemachte Parteientschädigung massiv gekürzt und bloss einen gerin- gen Teilbetrag zugesprochen habe, weil nur in diesem Umfang die Arbeit der Strafverfolgungs- behörden erleichtert bzw. übernommen worden sei. Dies e Argumentation sei falsch und sach- fremd: Die Parteientschädigung entschädige nicht den S taat für dessen Tätigkeit, sondern die verletzte Partei für deren Auslagen, welche aufgrund de r Straftat entstanden seien. Der Privat- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht kläger sei Opfer einer Straftat geworden und habe ei nzig deshalb einen Anwalt beauftragt, um seinen Anspruch geltend zu machen. Die Mandatierung e ines Anwalts sei richtig und ange- bracht gewesen und die dadurch entstandenen Kosten seien von Gesetzes wegen, unabhängig vom Aufwand der Strafverfolgungsbehörden, zu ersetzen. Dass das Gericht auf die Anträge des Privatklägers nicht eingegangen sei, ändere nichts dar an, dass die Arbeit seines Vertreters notwendig, sinnvoll und angemessen gewesen sei. Ausserde m sei nur der absolut notwendige Aufwand betrieben worden. Es gebe mithin keinen Grund, die geltend gemachte Parteientschä- digung zu kürzen. 1.3 Der Berufungskläger verweist diesbezüglich in seiner Ansch lussberufungsantwort vom 17. April 2019 vollumfänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz im Urteil vom 16. August 2018. 2. Die Privatklägerschaft hat gestützt auf Art. 433 Abs. 1 l it. a StPO gegenüber der be- schuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt. Die zu entschädigenden Aufwendungen des Privatklägers für die Teilnahme am Verfahren müssen einen gewissen Umfan g erreichen, nicht unnötig und durch ein schutzwürdiges Interesse gedeckt sein (N IKLAUS SCHMID /DANIEL JOSITSCH , Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, Rn. 1 830). Als notwendige Aufwendun- gen im Verfahren gelten Anwaltskosten, wenn der Privat kläger durch seine Abklärungen we- sentlich zur Untersuchung einer Strafsache und Verurteilung eines Täters beigetragen hat, da in diesem Falle die staatlichen Kosten entsprechend gering er ausfallen müssten und die aufzuer- legenden Kosten tiefer anzusetzen wären. Auch bei komp lexen, nicht leicht überschaubaren Straffällen, an deren gründlicher Untersuchung und ger ichtlicher Beurteilung der Kläger ein er- hebliches Interesse hatte oder wenn der Beizug eines An walts im Hinblick auf die sich stellen- den, nicht einfachen rechtlichen Fragen gerechtfertigt erschien, muss von notwendigen Auf- wendungen ausgegangen werden. Hingegen wird die Hal tung, wonach eine anwaltliche Vertre- tung in Bagatellfällen regelmässig unnötig ist und ein e entsprechende Entschädigung deswe- gen zu verweigern sei, nicht mehr vertreten. Vielmehr wird es, da die Rechts- und Entschädi- gungsfolgen auch in derartigen Fällen erheblich sein können, auch hier auf die Komplexität der sich stellenden Rechtsfragen ankommen müssen (S TEFAN WEHRENBERG /F RIEDRICH FRANK , BSK StPO, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 433, N 19). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Mit vorliegendem Urteil wurde der Schuldspruch des Beru fungsklägers wegen Be- schimpfung bestätigt und die Abweisung der Genugtuung sforderung des Anschlussberufungs- klägers nicht angefochten, weshalb sie bereits in Teil rechtskraft erwachsen ist. Der Vorderrich- ter hat dem Privatkläger für seine Aufwendungen zum St rafpunkt gestützt auf Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung von Fr. 500.-- pauschal z ugesprochen (Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils). Mit dem Strafgerichtsvizepräsidiu m ist festzuhalten, dass für die Ver- tretung der Interessen des Anschlussberufungsklägers im ge gebenen Fall grundsätzlich kein Anwalt sachlich notwendig erscheint. Der vorliegende Straffall kann weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht als komplex bzw. nicht leicht über schaubar bezeichnet werden, was selbst für eine betroffene Laienperson Geltung hat. De r Beizug eines Anwalts war daher im Hinblick auf die sich stellenden einfachen Fragen keines falls zwingend. Der Privatkläger wäre durchaus in der Lage gewesen, die Anzeige, das Urtei l des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 4. April 2017, die neun Einzahlungsscheine sowi e die Stellungnahmen selbst einzu- reichen. Die Argumentation des Strafgerichts, wonach der Vertreter des Privatklägers mit der Anzeige und den mit dieser zusammen eingereichten Unterlagen bereits die für die Verurteilung des Beschuldigten erforderlichen Unterlagen geliefert und insofern dafür gesorgt habe, dass seitens der Strafverfolgungsbehörden mit Ausnahme der Einvernahme des Beschuldigten keine weiteren Untersuchungshandlungen notwendig gewesen und die staatlichen Kosten für die Un- tersuchung gering ausgefallen seien, ist dennoch nachvol lziehbar und schlüssig. Dass dem Privatkläger deshalb eine Entschädigung von Fr. 500.-- zu Lasten des Beschuldigten zugespro- chen wurde, erscheint zwar eher grosszügig, aber durchaus vertretbar, weshalb sich die An- schlussberufung des Privatklägers im Ergebnis als unbegründet erweist und abzuweisen ist. VI. Verfahrenskosten vor Strafgericht Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wen n sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Im vorliegenden Fall wurde der Berufungskläger von der Vorinstanz verur teilt. Da der Schuldspruch im Beru- fungsverfahren nicht aufgehoben wurde, rechtfertigt es sich nicht, die Kostenregelung des erst- instanzlichen Verfahrens zu ändern; sie ist vielmehr zu bestätigen (vgl. Dispositiv-Ziffer 4). Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht VII. Kosten vor Kantonsgericht Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die K osten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Entsprechend de m Ausgang des vorliegenden Verfahrens, mithin der vollständigen Abweisung der Be rufung des Beschuldigten sowie der An- schlussberufung des Privatklägers, werden die Verfahrenskost en des Kantonsgerichts in der Höhe von Fr. 1‘600.--, bestehend aus einer Gerichtsgeb ühr von Fr. 1‘500.--, in Anwendung von § 12 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Ge richte (GebT/BL; SGS 170.31) sowie Auslagen von Fr. 100.--, somit total Fr. 1'600.--, zu 4/5 bzw. Fr. 1‘280.-- dem Beschuldigten und zu 1/5 bzw. Fr. 320.-- dem Privatkläger auferlegt. Unter diesen Umständen sind auch keine Par- teientschädigungen zu entrichten. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtsvizepräsidiums Basel-La ndschaft vom 16. August 2018, auszugsweise lautend: "1. B.____ wird in teilweiser Bestätigung des Strafbefehls der Staats- anwaltschaft Basel-Landschaft vom 1. September 2017 der Be- schimpfung schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 5 Tagessät zen zu je Fr. 30.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 177 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB sowie Art. 44 Abs. 1 StGB. 2. Die Genugtuungsforderung von A.____ in Höhe von Fr. 200.-- wird abgewiesen. 3. B.____ wird dazu verurteilt, A.____ gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in Höhe von Fr. 500.-- zu bezahlen. 4. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 370.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 600.--. B.____ trägt die Verfahrenskosten in Anwendung von Ar t. 426 Abs. 1 StPO.“ wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten sowie in Abweisung der Anschlussberufung des Privatklägers v ollum- fänglich bestätigt . II. Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus eine r Gebühr von Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 1‘500.-- und Auslagen von Fr. 100.--, somit total Fr. 1‘600.--, gehen im Umfang von 4/5, d.h. Fr. 1‘280.--, zu Lasten des Beschu ldigten und im Um- fang von 1/5, d.h. Fr. 320.--, zu Lasten des Privatklägers. Es werden keine Parteientschädigungen ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiberin Olivia Reber Gegen diesen Entscheid wurde am 25. Oktober 2019 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 6B_1232/2019 ) erhoben.