Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. April 2020 (810 19 278) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Direkte Bundessteuer 2012 / Abzug von Verlusten aus selbständiger Erwerbstätigkeit; zweiter Rechtsgang Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer , Daniel Häring, Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiber i.V. Roger Meier Beteiligte 1. A.____ , Beschwerdeführer 2. B.____ , Beschwerdeführerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rechtsdienst, Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , Eigerstrasse 65, Postfach, 3003 Bern, Beigeladene Betreff Direkte Bundessteuer 2012 / Zweiter Rechtsgang (Entscheid der Abteilung Steuergericht vom 19. Mai 2017) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. In der Veranlagung für das Steuerjahr 2002 verwei gerte die Steuerverwaltung des Kan- tons Basel-Landschaft (Steuerverwaltung) dem Ehepaar A. ____ und B.____ den Abzug von Verlusten aus selbständigem Nebenerwerb von A.____, da dessen Tätigkeit nicht gewinnorien- tiert sei und seit Jahren in Verlusten resultiere. B. Mit Schreiben vom 20. Mai 2003 protestierte A.____ gegen die Verweigerung der Ver- lustabzüge. Er führte aus, dass sein selbständiger Neben erwerb nicht "extrem gewinnorientiert" sei, dass es aber "hie und da zu einem kleinen Ertrag kom me"; wenn die Verluste nicht mehr akzeptiert würden, wolle er auch die Einkünfte nicht meh r deklarieren. Eine genauere Um- schreibung seiner Tätigkeit reichte A.____ der Steuerver waltung mit Schreiben vom 7. Juni 2003 ein. Hierin gab er an, dass er vereinzelt Patente anmelde oder Patentrecherchen machen lasse und versuche, die Patente anschliessend zu verkaufen . Zudem entwickle er patentiertes Gerät weiter, nehme an technischen Ausschreibungen teil und erledige Beratungsaufträge. Für all diese Zwecke unterhalte er ein kleines Labor, welches laufende Kosten verursache. C. Aufgrund dieser Beschreibung teilte die Steuerbehö rde A.____ mit Schreiben vom 17. Juni 2003 mit, dass er inskünftig in der Abteilung f ür Unselbständigerwerbende veranlagt und dementsprechend der Steuerabteilung der Wohngemeinde zugeordnet werde. A.____ wur- de darauf hingewiesen, dass dennoch grundsätzlich alle Einkünfte zu deklarieren seien und er insbesondere Einkünfte aus Patenten oder Ausschreibungen nach § 24 Abs. 1 lit. e des Geset- zes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 weiterhin zu versteuern habe. D. Mit Schreiben vom 22. Mai 2009 setzte A.____ die S teuerverwaltung darüber in Kennt- nis, dass er im Jahr 2008 das erste Mal seit 2003 wied er Einkünfte aus selbständigem Neben- erwerb gehabt habe und wohl ab Februar 2009 wieder regelmässige Einnahmen erzielen wer- de, weshalb er ab diesem Zeitpunkt Geschäftsunkosten wie Mietwert für Geschäftsräume, Kos- ten für Heizung, Strom, Telefon etc. geltend machen werde. Im Übrigen wolle er die geschäft- lich begründeten Ausgaben aus den Jahren 2003 bis 2008 vortragen. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2009 beurteilte die Steuerverwaltung die selbständige Nebenerwerbstätigkeit für das Steuerjahr 2007 als hinreichend nachgewiesen. E. In der Steuererklärung 2009 deklarierte das Ehepaa r A.____ und B.____ Verluste aus selbständiger Tätigkeit von A.____ in der Höhe von Fr. 28'582.--, die in den Jahren 2003 bis 2008 entstanden waren. Mit Verfügungen vom 26. Mai 2011 verweigerte die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft den entsprechenden Abzug. D iese Verfügungen wurden letztin- stanzlich durch das Bundesgericht mit Urteil vom 14. Oktober 2013 (2C_1278/2012 und 2C_1279/2012) bestätigt. Hierbei konnte die Frage na ch der Qualifikation der besagten Tätig- keit von A.____ indes vor allen Instanzen offenbleiben. F. Für das Steuerjahr 2009 versteuerte das Ehepaar A._ ___ und B.____ Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit in der Höhe von Fr. 66'4 63.-- und für das Steuerjahr 2010 Ein- kommen aus selbständigem Nebenerwerb in der Höhe von 3 9'060.--. Für das Steuerjahr 2011 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht wies die entsprechende Veranlagungsverfügung einen Verlust aus selbständigem Nebenerwerb in der Höhe von Fr. 5'690.-- aus. G. In der Steuererklärung 2012 deklarierte das Ehepaar A.____ und B.____ einen Verlust aus selbständiger Erwerbstätigkeit von A.____ in der Höh e von Fr. 5'907.-- sowie als "Vermö- gensverwaltungskosten" Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 4 '000.--. Zum Beleg der Kosten aus selbständiger Erwerbstätigkeit reichte das Ehepaar A.____ und B.____ mit der Steuererklä- rung 2012 ein Dokument mit dem Titel "Einnahmen und Ausgaben selbständige Tätigkeit 2012, Ingenieursleistungen" ein. Hierin sind ein Umsatz in d er Höhe von Fr. 0.-- sowie die nachfol- genden Kostenpositionen ausgewiesen. Software […] Fr. 226.80 Toner Drucker / Büromaterial Fr. 111.80 Anmeldegebühr WH_2012_Variante_2 Fr. 200.00 Patentgebühr Getriebe Fr. 200.00 Elektronikmaterial Fr. 154.00 Telefon / Internet Fr. 828.00 Heizung Fr. 394.24 Elektrizität Fr. 57.60 Miete Raum Fr. 3'535.54 Total Fr. 5'707.98 H. Mit den definitiven Steuerveranlagungen für die St aatssteuern und die direkte Bundes- steuer 2012 vom 24. März 2016 liess die Steuerverwaltung den deklarierten Verlust aus selb- ständiger Erwerbstätigkeit sowie die geltend gemachten Gerichtskosten nicht zum Abzug zu. I. Die dagegen erhobenen Einsprachen waren ebenso erfo lglos wie ein Rekurs und eine Beschwerde beim Steuer- und Enteignungsgericht des Ka ntons Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht). Die gegen die Entscheide des Steuergerichts erhobenen Be- schwerden des Ehepaars A.____ und B.____ wies das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, mit Urteilen vom 28. Februar 2018 für die Staatssteu- ern 2012 (810 17 237) und die direkte Bundessteuer 20 12 (810 17 238) vollumfänglich ab, so- weit es darauf eintrat. Die Verweigerung des Abzuges von Verlust aus selbständiger Erwerbstä- tigkeit wurde im Wesentlichen damit begründet, dass nu r solche Aufwendungen verrechenbar seien, die zur Erzielung von Einkünften getätigt worden seien. Folglich könne der geltend ge- machte Verlust aus selbständiger Erwerbstätigkeit in de r Höhe von Fr. 5'907.-- nicht als Gewin- nungskosten verrechnet werden, da die Abzugsfähigkeit b ereits am fehlenden Konnex zu den diesjährigen Einkünften – Einnahmen aus Rentenleistu ngen, Erwerbsausfallentschädigungen und Wertschriftenerträgen – scheitere. Die Frage, ob d ie Ingenieurstätigkeiten des Beschwerde- führers als Erwerbstätigkeit zu qualifizieren seien, könne daher offenbleiben. J. Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei ten vom 20. Juni 2018 gelangte das Ehepaar A.____ und B.____ an das Bundesgericht und beantragte sinngemäss, die Urteile Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Kantonsgerichts vom 28. Februar 2018 seien aufzuh eben und die geltend gemachten Kos- ten seien zum Abzug zuzulassen. K. Mit Urteil 2C_534/2018 vom 27. September 2019 hi ess das Bundesgericht die Be- schwerde teilweise gut und hob die Urteile des Kanton sgerichts vom 28. Februar 2018 (Verfah- ren 810 17 237 und 810 17 238) insoweit auf, als dar in die Reduktion des steuerbaren Ein- kommens um den in der Steuererklärung 2012 geltend ge machten Verlust aus selbständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 5'907.-- verweigert wird. Die Sache wurde diesbezüglich zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an das Kantonsge richt zurückgewiesen; im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen. L. Mit Eingabe vom 18. Oktober 2019 machten die Besch werdeführenden Ausführungen zum Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2019 und wiesen auf einige Aspekte hin, die ihrer Meinung nach vom Kantonsgericht im Rahmen der Entscheidfindung in Betracht zu ziehen seien. Auf den Inhalt dieser Eingabe sowie die weiter en Ausführungen der Parteien wird – so- weit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen e ingegangen. M. Mit Präsidialverfügung vom 22. Oktober 2019 setzte das Kantonsgericht das Be- schwerdeverfahren unter den Verfahrensnummern 810 19 2 77 und 810 19 278 fort und über- wies den Fall der Kammer zur Beurteilung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Weist das Bundesgericht die Sache zur neuen Beurteilu ng an die Vorinstanz zurück, ist diese auf diejenige Thematik beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahr en wird nur insoweit neu in Gang ge- setzt, als dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwäg ungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das neue Urteil zu über- nehmen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; Urteil des Bundesge richts 6B_89/2017 vom 24. November 2017 E. 4.1). 2. In seinem Urteil 2C_534/2018 vom 27. September 20 19 führt das Bundesgericht im Wesentlichen aus, das Kantonsgericht habe verkannt, dass g eschäfts- oder berufsmässig be- gründete Kosten, wenn sie die Einkünfte aus selbständi ger Erwerbstätigkeit übersteigen, auch zu Lasten anderer Einkünfte geltend gemacht werden kö nnen. Es würde dem Gesamtreinein- kommensprinzip widersprechen, wenn Körbe zu bilden wären, innerhalb welcher eine Aufwand- verrechnung stattzufinden hätte. Massgebend sei somit einzig , ob für das Steuerjahr 2012 von einer selbständigen Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführe rs 1 ausgegangen werden könne. Das Kantonsgericht habe diese rechtserhebliche Frage zu Unrecht nicht beantwortet. 3.1 Im angefochtenen Entscheid stellte das Steuergericht fest, dass der Beschwerdeführer für das Steuerjahr 2012 keine Geschäftstätigkeit nachge wiesen habe, weshalb nicht beurteilt werden könne, ob eine selbständige Erwerbstätigkeit vor liege. Mit der Steuererklärung 2012 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 25. April 2013 hätten die Beschwerdeführenden eine Aufstellung mit dem Titel "Einnahmen und Ausgaben selbständige Tätigkeit 2012" eingereicht. In dieser Auflistung seien Ausgaben für Software, Toner, Patentgebühren und Aufwendungen fü r Elektronikmaterial aufgeführt. Im Wei- teren hätten die Beschwerdeführenden Kosten für Inter net, Telefon, Elektrizität und Raummiete aufgelistet. Den Umsatz hätten sie hingegen mit Fr. 0.- - beziffert. Von der Steuerverwaltung sei hinsichtlich dieser Kostenaufstellung festgehalten worden, dass die Beschwerdeführenden zwar darlegten, dass sie Aufwendungen gehabt hätten, nicht aber, dass sie damit zusammenhän- gende Einkünfte erzielt hätten oder in näherer Zukunft erzielen könnten. Zudem sei aus dieser Aufstellung auch nicht ersichtlich, für welches Projekt de r Beschwerdeführer diese Kosten ver- wendet habe und welcher Art die bisherigen Bemühunge n gewesen seien. Bei den einzelnen Ausgaben handle es sich zudem um solche, die fast in je dem Haushalt anfallen würden. Die einzigen Kosten, die nicht zu dieser Kategorie gehörten, seien Patentgebühren in der Höhe von Fr. 200.--. Diesbezüglich scheitere der Abzug allerding s am Nachweis einer auf Gewinn ausge- richteten Tätigkeit. 3.2 Die Beschwerdeführenden bringen in der Beschwerde vom 14. September 2017 und in ihrer Eingabe vom 18. Oktober 2019 im Wesentlichen vor, es sei stossend, dass sie in den Jah- ren 2010 und 2011 (richtigerweise wohl 2009 und 2010) Gewinne hätten versteuern müssen, Verlustjahre aber nicht anerkannt würden. Die Behaupt ung des Steuergerichts, die geltend ge- machten Kosten würden praktisch in allen Haushalten anfallen und könnten deshalb keine Kos- ten einer selbständigen Erwerbstätigkeit sein, sei will kürlich und lebensfremd, zumal auch die meisten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) solche Kosten hätten und diese steuerlich geltend machen könnten. Würde der Argumentation konsequ ent gefolgt, sei auch einer "Ein- mann-Anwaltskanzlei" die Gewinnstrebigkeit abzusprechen. Die Steuerverwaltung könne von Unternehmen nicht verlangen, dass sie erklärten, welche Projekte genau welche Kosten verur- sacht hätten. 4.1 Für den Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit kennzeichnend ist die Tätigkeit einer natürlichen Person, mit der diese auf eigenes Risiko, un ter Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, in einer von ihr frei gewählten Arbeitsorganisation, dauernd oder vorüberge- hend, haupt- oder nebenberuflich, in jedem Fall aber mit der Absicht der Gewinnerzielung am Wirtschaftsverkehr teilnimmt (BGE 125 II 113 E. 5b; M ARKUS REICH /J ULIA VON AH, in: Zwei- fel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steue rrecht, Bundesgesetz über die di- rekte Bundessteuer, 3. Aufl., Basel 2017, N 14 zu Art. 18 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer [DBG] vom 14. Dezember 1990). Untergeord nete Anhaltspunkte sind etwa die Beschäftigung von Personal, das Ausmass der Investitionen, e in vielfältiger, wechselnder Kun- denstamm und das Vorliegen eigener Geschäftsräumlichkeit en (BGE 138 II 251 E. 2.4.2). Ne- ben dem subjektiven Streben nach Einkommen muss die ausgeü bte Tätigkeit zudem objektiv geeignet sein, nachhaltig Gewinn zu erzielen (Urteil d es Bundesgerichts 2C_188/2015 und 2C_189/2015 vom 23. Oktober 2015 E. 2.2). Die Prüfung ist von Fall zu Fall aufgrund einer um- fassenden Würdigung der tatsächlichen Umstände vorzunehmen . Die einzelnen Merkmale dür- fen dabei nicht isoliert betrachtet werden und können auch in unterschiedlicher Intensität auftre- ten (BGE 125 II 113 E. 5b; BGE 138 II 251 E. 2.4.2; REICH /VON AH, a.a.O., N 15 zu Art. 18 DBG). Lässt sich eine Tätigkeit anhand der vorstehenden In dizien nicht als selbständige Er- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbstätigkeit qualifizieren – mangelt es insbesondere an der Gewinnstrebigkeit bzw. der Ge- winngeeignetheit – liegt Liebhaberei vor. Entspreche nde Vermögensabgänge stellen Einkom- mensverwendung dar und sind nicht abzugsfähig (Urteil d es Bundesgerichts 2C_186/2014 und 2C_187/2014 vom 4. September 2014 E. 2). 4.2.1 Nach der allgemeinen Beweislastregel im Steuerre cht trägt die Veranlagungsbehörde die Beweislast für steuererhöhende und steuerbegründend e Tatsachen, während die steuer- pflichtige Person jene Tatsachen nachzuweisen und zu be legen hat, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (BGE 140 II 248 E. 3.5). Der Beweis einer selbständigen Erwerbstätig- keit obliegt somit jener Partei, die – bezogen auf die in Frage stehende Steuerperiode – einen abzugsfähigen Verlust oder einen steuerbaren Gewinn g eltend machen will (vgl. Urteil des Ver- waltungsgerichts des Kanton Zürichs vom 21. Februar 2018 [SB.2017.00103] E. 3.1.4). Diesbe- züglich ist ferner festzuhalten, dass Taxationen aus frühe ren Steuerperioden grundsätzlich kei- ne Rechtskraft für spätere Veranlagungen entfalten und es der Steuerbehörde freisteht, die tat- sächliche und rechtliche Ausgangslage vollständig zu überprü fen und, soweit erforderlich, ab- weichend zu würdigen (Urteile des Bundesgerichts 2C_ 41/2016 vom 25. April 2017 E. 4.2; 2C_107/2017 vom 6. Dezember 2017 E. 3.2.1). 4.2.2 Vorliegend wäre es zufolge des geltend gemachten Verlusts an den Beschwerdefüh- renden gelegen, die behauptete selbständige Tätigkeit des Beschwerdeführers für das Steuer- jahr 2012 spätestens im Verfahren vor Kantonsgericht zu b eweisen (vgl. § 6 Abs. 3 VPO). Die Beschwerdeführenden hätten insbesondere einen ausfüh rlichen und aktuellen Beschrieb der Geschäftstätigkeit, Belege eines allfälligen Marktauft ritts oder – sofern solche Arbeiten verrich- tet wurden – weitere Unterlagen hinsichtlich der Pate nttätigkeiten einreichen können. Insoweit die Beschwerdeführenden aus vergangenen Steuerperioden etwas für sich ableiten wollen, wä- re ihnen sodann zuzumuten gewesen, dem Gericht darzuleg en, in welcher Weise die nun getä- tigten Ausgaben zu den vergangenen Gewinnjahren in d irekter Verbindung stehen. Entspre- chende Mitwirkungshandlungen haben die Beschwerdeführen den allerdings unterlassen und sich darauf beschränkt, lediglich das oben genannte Dokum ent "Einnahmen und Ausgaben selbständige Tätigkeit 2012" zu den Akten zu reichen. 4.3.1 In Übereinstimmung mit den Vorinstanzen ist festzust ellen, dass aus der besagten Auf- listung nicht hinreichend hervorgeht, dass der Beschwerdefü hrer für das Steuerjahr 2012 eine auf Gewinnerzielung ausgerichtete Tätigkeit verfolgte. Aus den Akten allein lässt sich eine selb- ständige Tätigkeit für das Steuerjahr 2012 sodann nicht ableiten, zumal der einzige aktenkundi- ge Beschrieb der Tätigkeit des Beschwerdeführers vom 7. Ju ni 2003 mangels hinreichender Aktualität für das vorliegende Verfahren nicht relevan t sein kann. Es lassen sich keinerlei An- haltspunkte finden, die zum jetzigen Zeitpunkt die Qual ifikation der Tätigkeit des Beschwerde- führers als selbständige Erwerbstätigkeit zulassen würde n. Insbesondere ist in keiner Weise ersichtlich, welche Arbeit der Beschwerdeführer während der in Frage stehenden Steuerperiode konkret verrichtete, welches Risiko er bei seinem Tätigwer den auf sich nahm oder in welcher Weise er am Markt auftrat. Mangels hinreichender Beleg e lässt sich ferner auch nicht beurtei- len, ob die Tätigkeit des Beschwerdeführers zur nachha ltigen Gewinnerzielung überhaupt ge- eignet ist. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer währe nd langer Jahre unbestrittenermas- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen Verluste erwirtschaftete, legt als Indiz vielmehr nah e, dass es an der subjektiven Gewinn- strebigkeit oder objektiven Gewinngeeignetheit seiner T ätigkeit mangelt (BGE 143 V 177 E. 4.2.3). 4.3.2 Die Beschwerdeführenden argumentieren ferner, eine Mehrzahl der geltend gemach- ten Kosten fiele auch in KMU an und würde dort zum Ab zug zugelassen. Die Steuerverwaltung könne nicht verlangen, dass Unternehmen erklärten, welc he Projekte genau welche Kosten verursachten und wäre hiermit auch "komplett überforder t". Dieses Vorbringen geht am Inhalt des angefochtenen Entscheides vorbei. Die Vorinstanz int erpretierte die geltend gemachten Kostenpositionen insbesondere hinsichtlich des Vorliegens einer selbständigen Erwerbstätigkeit und stellte deren Aussagekraft – in Ermangelung anderw eitiger Belege und aufgrund ihrer Nähe zu typischen Lebenshaltungskosten – zu Recht in Abrede. D er hypothetische Vergleich zu an- deren Steuerpflichtigen ist vorliegend wenig hilfreich , doch kann im Grundsatz festgehalten werden, dass das Vorliegen einer selbständigen Erwerb stätigkeit auch in anderen Fällen zu beweisen ist, sofern diesbezüglich ein Verlustabzug in Frage steht. 4.3.3 Ergänzend sei festgestellt, dass die Beschwerdeführen den nicht anwaltlich vertreten sind und es sich um juristische Laien handelt. Im Verlauf des Verfahrens sind die Beschwerde- führenden allerdings rechtsgewandt in Erscheinung getr eten und haben ihre Argumentation jeweils in stringenter Weise dargetan. Die Streitfrag e um die Qualifikation der Tätigkeit des Be- schwerdeführers wurde von ihnen letztmalig in der Eing abe vom 18. Oktober 2019 explizit an- erkannt, weshalb ihnen keine weitere Gelegenheit zur Beibringung zusätzlicher Unterlagen ein- zuräumen ist. 4.4.1 Die Beschwerdeführenden bringen zudem vor, es sei stossend, dass sie Einkom- mensüberschüsse zu versteuern hätten, Verluste aber nicht z um Abzug zugelassen würden. Hierbei verkennen sie den Charakter der in Art. 16 Abs. 1 DBG festgeschriebenen Einkom- mensgeneralklausel. Dieser Bestimmung liegt das Konzept der Reinvermögenszugangstheorie zugrunde, wonach grundsätzlich sämtliche wiederkehrenden u nd einmaligen Einkünfte der Be- steuerung unterliegen; vorbehalten bleiben Kapitalgew inne aus der Veräusserung von Privat- vermögen (Art. 16 Abs. 3 DBG) und die Erlöse aus Bezugsre chten, sofern sie zum Privatver- mögen zählen (Art. 20 Abs. 2 DBG), sowie die in Art . 24 DBG abschliessend enumerierten Tat- bestände (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_1151/2012 vo m 3. Juni 2013 E. 2.1 m.w.H.). Grundsätzlich sind demnach auch Einkünfte aus Liebhaberei zu versteuern, sofern diese sich nicht unter den vorgenannten Negativkatalog subsumieren l assen (vgl. R EICH /WEIDMANN , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], a.a.O., N 27 zu Art. 16 DBG; U rteil des Verwaltungsgerichts des Kan- tons Zürich [SB.2013.00012] vom 2. April 2014 E. 3.4 m.w.H.). 4.4.2 Wohl trifft es zu, dass die veranlagten Erträge und Verluste aus selbständiger Er- werbstätigkeit und selbständigem Nebenerwerb aus den Jahren 2009 bis 2011 ein unstetes Bild der Veranlagungspraxis zeichnen (vgl. auch bereits Urte il des Kantonsgerichts [KGE VV] vom 12. September 2012 [810 12 155/168] lit. E.), doch wäre ein treuwidriges Verhalten der Steuer- verwaltung nur dann anzunehmen, wenn sie die Beschwerdef ührenden durch ihr Gebaren im Glauben gelassen hätte, die geltend gemachten Verluste würden weiterhin bzw. erneut akzep- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tiert. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Steuerver waltung machte betreffend die Abzugsfä- higkeit allfälliger Verluste aus der Tätigkeit des Beschwerdeführers keinerlei Zusicherungen und verhielt sich auch nicht in einer Weise, die bei den Besch werdeführenden eine begründete Er- wartung auf weitere Verlustabzüge hätte wecken können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_107/2017 vom 6. Dezember 2017 E. 3.2.1 ff. m.w.H. ). Insbesondere sind dem veranlagten Verlust aus selbständigem Nebenerwerb in der Höhe von Fr . 5'960.-- für die Steuerperiode 2011 keinerlei vertrauensbegründende Eigenschaften zuzu sprechen, da der Beschwerdeführer für seine eigene Tätigkeit einen Einkommensüberschuss in d er Höhe von Fr. 7'767.-- deklarier- te. Deshalb und aufgrund der bereits festgehaltenen periodenbegrenzten Rechtskraft der ent- sprechenden Veranlagungen vermögen die Beschwerdeführe nden aus den vergangenen Ver- anlagungsverfügungen nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Ob und auf welche Weise Einkom- mensüberschüsse in vorgehenden Steuerjahren zu versteuern gewesen wären, ist vorliegend nicht von Belang. 5. Der guten Ordnung halber sei zuletzt darauf hingewi esen, dass es den Beschwerde- führenden freisteht, in den nächsten Jahren erneut Ver luste aus der Tätigkeit des Beschwerde- führers geltend zu machen und hierfür den Beweis einer selbständigen Erwerbstätigkeit anzu- treten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_186/2014 und 2C_187/2014 vom 4. September 2014 E. 3.6.3). 6. Gesamthaft ist die durch die Beschwerdeführenden v orgebrachte selbständige Tätig- keit des Beschwerdeführers nicht hinreichend bewiesen. Diese Beweislosigkeit wirkt sich zu Ungunsten der Beschwerdeführenden aus und das Vorliegen einer selbständigen Erwerbstätig- keit ist für die Steuerperiode 2012 zu verneinen. Hier aus folgt, dass die Vorinstanzen die gel- tend gemachten Verluste aus der Tätigkeit des Beschwerde führers für die Steuerperiode 2012 zu Recht nicht zum Abzug zugelassen haben. Die Beschwerde i st demnach auch in diesem Punkt abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu verrechnen. Die Parteikosten sind ausgangs- gemäss wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführenden auferlegt und mit dem geleisteten Ko stenvor- schuss in der Höhe von 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 4. August 2020 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_620/2020) erhoben.