B. Gerichtsentscheide 2276 54 Bestand geschützte Substanz und Grundstruktur entfe rnt wurde, so dass die ersatzweise errichtete Betonelementmauer m it Hinterfüllung und der darauf abgestützte Abstellplatz nun auch de n Schutz durch die bundesrechtliche Bestandesgarantie verloren hab en (vgl. Baltha- sar Heer, St. Gallisches Bau - und Planungsrecht, Bern 2003, N 744). Daher kann der Beschwerdeführer auch aus BGE 113 Ia 119 nichts mehr gegen die ihm nun spätestens 2005 durch das ka ntonale Recht auferlegte Baubewilligungspflicht ableiten (Art. 94 Abs. 5 BauG). Da der bislang auf Holzschwellen abgestützte Abstellpl atz im Jahr 2005 abgebrochen und gestützt auf eine Betonelementmauer neu errichtet wurde, steht dem nachträglichen Baubewilligungsverf ahren auch die auf maximal 30 Jahre begrenzte Frist für eine Wiede rherstellung des rechtsmässigen Zustandes nicht entgegen. VGer, 30.04.2008 2276 Verfahren. Wurde die Baubewilligungspflicht einer ohne Bewil ligung erstellten Anlage in einem rechtskräftigen Rekursen tscheid bejaht und die Sache deshalb zur Neubeurteilung an den Gemeind erat zurück - gewiesen, so stellt in der Folge die gemeinderätlic he Aufforderung an den Grundeigentümer, für das Vorhaben sei nun das e rforderliche Baugesuch einzureichen, keine erneut selbständig an fechtbare Verfügung dar. Aus den Erwägungen: 3. Als Verfügung gelten – a uch wenn das kantonale Recht dafür keine Legaldefinition kennt – Anordnungen der Behörden im Einzelfall, mit denen gestützt auf öffentliches Rec ht in einseitiger, verbindlicher und vollstreckbarer Weise ein Rechtsv erhältnis geregelt wird. Form und Inhalt einer Verfügung richten sich nach Art. 16 Abs. 1 und Art. 18 VRPG. Ob eine behördliche Handlung eine Verfügung darstellt, hängt nach Lehre und Rechtsprechung wede r von der Bezeichnung noch von der äusseren Form ab, sondern einzig davon, ob die vorgenannten Strukturelemente kumulativ erfü llt sind (vgl. Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli , Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. A., Bern 2005, N 1 und 16 ff. zu § 28; Markus Müller in: Kommentar 54B. Gerichtsentscheide 2276 55 zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Ber n 2008, N 7 z u A r t . 5 ) . Nach kantonalem Recht sind Verfügungen nur anfechtba r, soweit das Gesetz und insbesondere das VRPG nichts anderes vor - sieht (Art. 30 Abs. 1 VRPG). Vor - und Zwischenentscheide sind demnach anfechtbar, wenn sie für den Betroffenen ei nen Nachteil zur Folge haben, der sich später voraussichtlich nicht mehr beheben lässt (Art. 30 Abs. 2 VRPG). Nicht anfechtbar sind sodann insbesondere verfahrensleitende Verfügungen (Art. 31 lit. b VRPG ). Bei den Vollstreckungsverfügungen stehen dem Betroffenen ei nerseits nicht mehr alle Einreden gegen die rechtskräftige Sachverfü gung zu, son - dern nur noch die Einrede der Rechtswidrigkeit oder Unange - messenheit des Vollzuges (Art. 63 Abs. 4 i.V.m. Art . 33 VRPG; vgl. auch AR GVP 8/1996, Nr. 1285). Anderseits ist bei d er Vollstreckun g zu beachten, dass die der Sachverfügung in der Rege l nachfolgenden Schritte die oben erwähnten kumulativen Verfügungsm erkmale nur noch teilweise aufweisen, so dass einzelne dieser S chritte nicht als Verfügung (bzw. Anfechtungsobjekt) qualifiziert wer den können. Als Verfügung gilt dabei in der Regel nur die konkrete Androhung des Zwangsmittels unter Ansetzung einer letzten Erfüllu ngsfrist. Nicht als Verfügung (bzw. Anfechtungsobjekt) gilt in der Rege l die Mitteilung über das Wann und Wo der Vollstreckung sowie die An wendung des Zwangsmittels (vgl. Markus Müller, a.a.O., N 62 zu Art. 5; Tschannen/ Zimmerli, a.a.O., N 18 zu § 32). Auch ausserhalb der Vollst reckung gelten nicht als Verfügungen – auch wenn diese in der Form oder als solche bezeichnet ergehen – blosse Auskünfte oder Hinweise, Be - lehrungen oder Ratschläge einer Behörde. Dies gilt unter Umständen sogar für die behördliche Aufforderung, innert 5 Ta gen eine Bau - bewilligung einzureichen, verbunden mit der Androhu ng, im Säum - nisfall werde aufgrund der Akten ein kostenpflichti ger Entscheid gefällt (vgl. GVP SG 1998, Nr. 9, auch zum Folgenden). Denn das Ein - reichen eines Baugesuches kann grundsätzlich nicht erzwungen werden. Dies ergibt sich durch die vorstehend anged rohte Sanktion und auch daraus, dass ein Baugesuch als Willenserkl ärung zur Anhebung eines Baubewilligungsverfahrens gilt. Dazu kommt, dass die Aufforderung zur Einreichung eines Baugesuches noch keine verbindliche Begründung, Änderung oder Aufhebung ei nes Rechts - verhältnisses bewirkt. Diese Rechtsfolge wird auch im nachträglichen Baubewilligungsverfahren erst der verbindliche Ents cheid haben, der 55B. Gerichtsentscheide 2276 56 Baute oder Anlage werde die nachträgliche Baubewill igung erteilt oder verweigert. 3.1 Da mit der rechtskräftigen Rückweisung an den Gemei nderat die Baubewilligungspflicht der im Jahr 2005 abgebroche nen und wieder aufgebauten Anlageteile bejaht wurde, konnte n die nach - folgenden Schritte des Gemeinderates nun lediglich noch dem Vollzug dieses Sachentscheides dienen. Mit der vom Gemeinde rat als Verfügung bezeichneten Aufforderung an den Beschwer deführer, wonach er für die Abstellfläche und den darauf abge stellten Wohnwagen eine Baubewilligung einzuholen habe, wurd e nur voll - zogen, was mit dem zuvor rechtskräftig gewordenen R ekursentscheid des Departements Bau und Umwelt (DBU) an Pflichten einerseits dem Gemeinderat (Abklärungspflicht) und anderseits dem Beschwerde- führer (Baubewilligungspflicht) auferlegt wurde. Da mit dieser Auf - forderung und Feststellung allein jedenfalls keine über den rechts - kräftigen Sachenentscheid hinausgehenden Pflichten auferlegt wur - den, kann es sich dabei nicht um eine neue, selbstä ndig anfechtbare Sachverfügung handeln. Bei dieser Aufforderung hand elt es sich aber auch noch nicht um eine eigentliche Vollstreckungsv erfügung. Der Gemeinderat hat nämlich noch darauf verzichtet, die se Aufforderung mit einer Erfüllungsfrist zu verbinden und auch dar auf, für den Säumnisfall eines der ihm zur Durchsetzung des mate riellen Rechts alternativ offen stehenden Zwangsmittel zu bestimme n (Ersa tzvor- nahme, unmittelbarer Zwang, Strafverfolgung, vgl. A rt. 63 VRPG) oder dem Beschwerdeführer sonst einen, dem gleichen Zwec k dienenden Rechtsnachteil in Aussicht zu stellen bzw. anzudroh en (als Alternative zu den erwähnten Zwangsmitteln könnte der Gemeinder at androhen, dass im Säumnisfall über die nachträgliche Bewillig ungsfähigkeit des Abstellplatzes aufgrund der Akten summarisch entsch ieden werde, oder dass angenommen werde, der Beschwerdeführer ve rzichte auf seinen Anspruch, den Abstellplatz nachträglich auf seine materielle Bewilligungsfähigkeit überprüfen zu lassen; vgl. da zu Urs. R. Beeler , Die widerrechtliche Baute, Zürich 1984, S. 64; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Bd. I, 3. A., Bern 2007, N 14a zu Art. 46). Weil dem Beschwerdefü hrer durch die blosse Aufforderung, ein Baugesuch einzureichen, we der eine Frist gesetzt noch eines der Zwangsmittel oder sonst ein Rechtsnachteil angedroht wurde, steht fest, dass dem Beschwerdefüh rer kein später nicht wieder gut zu machender Nachteil droht, so da ss es sich bei der 56B. Gerichtsentscheide 2276 57 angefochtenen Aufforderung auch nicht um eine anfec htbare Vor - oder Zwischenverfügung handeln kann (vgl. Art. 30 A bs. 2 VRPG). Da die Bewilligungspflicht für den Abstellplatz grunds ätzlich schon im rechtskräftig gewordenen Rekursentscheid des DBU be jaht wurde, wird durch die schlichte Aufforderung, ein Baugesuc h einzureichen, weder eine zusätzliche Pflicht noch sonst einseitig ein Rechts - verhältnis begründet, abgeändert oder aufgehoben. D ie bei der Vor - instanz und nunmehr bei Gericht angefochtene Auffor derung erfüllt somit verschiedene der kumulativen Merkmale einer V erfügung nicht, so dass diese nun trotz ihrer Bezeichnung nicht als solche qualifiziert werden kann. Aber selbst wenn man der sinngemäss sc hon im rechtskräftigen Sachentscheid enthaltenen Aufforderun g, es sei ein Baugesuch einzureichen, einzig aufgrund der Festste llung des Gemeinderates, es sei für den Abstellplatz weder ei ne Baubewilligung noch eine Meldung aktenkundig, Verfügungscharakter zubilligen wollte, könnte es sich dabei bestenfalls um eine ve rfahrensleitende Verfügung handeln. Nach Art. 31 lit. a und Art. 59 VRPG sind indessen auch verfahrensleitende Verfügungen weder mit Rekurs noch mit Beschwerde anfechtbar. Damit steht nun vol lends fest, d ass der Gemeinderat mit der seiner Aufforderung beigege benen Rechts - mittelbelehrung auf eine vorliegend gar nicht gegeb ene Rekurs - möglichkeit hingewiesen hat. Diese Umstände übersah offenbar auch das Departement, als es auf den daraufhin bei ihm e rhobenen Rekurs ohne weiteres eintrat. Da Behörden ihre Zuständigke it von Amtes we - gen zu prüfen haben und selbst im Einvernehmen mit den Parteien keine vom Gesetz abweichende Zuständigkeit begründe n können (Art. 2 Abs. 1 und 4 VRPG), muss der somit auf eine nicht anfechtbare Verfügung hin ergangene Rekursentscheid hinsichtlich der Ziff. 1 (Sachentscheid) und 2 (Kostenauflage) e rsatzlos aufge - hoben werden. Auch dem Gericht ist es verwehrt, übe r die derzeit nicht mit Rechtsmitteln anfechtbare Aufforderung de s Gemeinderates zu befinden. Damit behält dessen Aufforderung ohne weiteres Bestand, und die Sache ist unverändert beim Gemeind erat anhängig. Der Gemeinderat bleibt verpflichtet und befugt, das nachträgliche Baubewilligungsverfahren für die 2005 errichtete An lage e ntspre- chend seiner Aufforderung durch weitere Schritte fortzusetzen. VGer, 30.04.2008 57B. Gerichtsentscheide 2277 58 Das Bundesgericht ist auf eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten nicht einge - treten (1C_23/2009). Es qualifizierte den Rückweisu ngsentscheid des Verwaltungsgerichtes als Zwischenentscheid; für des sen Anfechtung fehle es an der zweiten Voraussetzung in Art. 93 A bs. 1 lit. b BGG: Im vorliegenden Fall sei nicht zu erwarten, dass im nachträglichen Baubewilligungsverfahren noch ein weitläufiges Bewe isverfahren durchgeführt werden müsse. 2277 Assekuranz. Ermittlung des versicherten Elementarschadens und Abgrenzung zu nicht versicherten Schäden im Fall ei ner durch Schneedruck eingestürzten Produktionshalle. Sachverhalt: Die C. AG ist Eigentümerin einer im Jahr 1968 in Holzbauwe ise erstellten Produktionshalle, welche 1972 erweitert und 1982 im Gefolge eines Sturmschadens verstärkt wurde. Der mi ttlere Teil der Halle (zwischen den Bindern 4 –14) stürzte im März 2006 ein, nachdem innerhalb weniger Tage erhebliche Schneemen gen gefallen waren. Durch Windverfrachtung an eine über das Hall endach hinausragende Silowand war dort der Schneedruck am grössten; zugleich wies dort das Rahmenfachwerk einmalig eine n von 6 auf 8 m vergrösserten Abstand zwischen zwei Bindern auf, we shalb der initiale Bruch im Bereich dieser Binder 8 und 9 ver mutet wird. Mit einer auch auf Einsprache hin unveränderten Sch adens- verfügung, welche gestützt auf ein im Strafverfahre n eingeholtes Gutachten der Ingenieure B. erging, setzte die Asse kuranz von Appenzell Ausserrhoden (Assekuranz) den Gebäudescha den auf Fr. … und die Baunebenkosten auf Fr. … fest. Sie kürzte di esen Betrag um 20 % auf eine Schadenvergütung im Betrag von Fr. … mit der Begründung, dass die Schäden im Bereich der Binder 8 bis 10 aufgrund der dort grobfahrlässig vergrösserten Rahm enabstände entstanden seien. Obwohl Schäden, die auf eine mang elhafte Konstruktion zurückzuführen seien, nicht als versic herte Elementar - schäden gelten, verzichtete die Assekuranz aufgrund der länger 58