Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 18. Januar 2017 (810 16 206) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz / Straffällig- keit und Schuldenwirtschaft Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Beat Walther, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiber i.V. Léonard Lavanchy Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Matthias Aeberli, Adv o- kat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung (RRB Nr. 869 vom 14. Juni 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der im Jahre 1974 geborene kosovarische Staatsangehör ige A.____ reiste 1988 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge eine Niederl assungsbewilligung. A.____ ist seit 1992 mit B.____ verheiratet, die 1993 im Rahmen des Famil iennachzugs in die Schweiz einreiste. Sie haben drei gemeinsame in der Schweiz geborene Kind er: C.____ (Jahrgang 1996), D.____ (Jahrgang 1999) und E.____ (Jahrgang 2001). Im Zeitr aum zwischen seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1988 und 2004 trat A.____ neun Mal stra frechtlich in Erscheinung. Dabei wur- de er unter anderem wegen Diebstahls, einfacher Körpe rverletzung, Konsums von Betäu- bungsmitteln sowie Widerhandlungen gegen das Strassenv erkehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958 zu Freiheitsstrafen von drei bis maxim al 75 Tagen und zu Bussen von Fr. 50.-- bis maximal Fr. 2‘500.-- verurteilt. B. Mit Schreiben vom 26. Oktober 2004 ermahnte das Amt für Migration des Kantons Basel Landschaft (AfM) A.____ aufgrund der dargestell ten Verurteilungen, der damaligen Schulden (27 offene Verlustscheine in der Höhe von übe r Fr. 50‘000.--) sowie der bezogenen Sozialhilfeunterstützung. Es wurde ihm angezeigt, dass be i Gesetzesverstössen und Schulden die Möglichkeit des Widerrufs der Niederlassungsbewilligu ng bestehe. Am 8. Februar 2006 wurden der Beschwerdeführer und seine Ehefrau wegen der Sozialhilfeabhängigkeit (über Fr. 38‘000.--) sowie der wachsenden Verschuldung (58 of fene Verlustscheine in der Höhe von über Fr. 80‘000.--) durch das AfM verwarnt. Die Ausweisung aus der Schweiz wurde angedroht. Mit Schreiben des AfM vom 7. November 2007 wurde dem Beschwerdeführer aufgrund der ge- schilderten Tatsachen die Prüfung der Ausweisung aus der Schweiz eröffnet. Auf eine Wegwei- sung wurde damals schliesslich verzichtet. C. A.____ trat danach erneut sechs Mal strafrechtlich i n Erscheinung. Dabei wurde er unter anderem wegen mehrfachen Betrugs, einfacher Kör perverletzung und Verletzung der Verkehrsregeln zu 64 Stunden gemeinnütziger Arbeit, dr ei Geldstrafen von jeweils 10, 60 und 120 Tagessätzen und Bussen von Fr. 200.-- bis maximal Fr . 800.-- verurteilt. Gemäss Betrei- bungsregisterauszug vom 19. August 2015 bzw. 27. Oktober 2 015 lagen zum damaligen Zeit- punkt insgesamt 112 Betreibungen in der Höhe von Fr. 152‘720.-- und 95 offene Verlustscheine im Umfang von Fr. 156‘401.25 vor. Ausserdem bezog der Beschwerdeführer zwischen 2002 und 2013 Unterstützungsleistungen der Sozialhilfebehörden Z.____ und Y.___ in der Höhe von Fr. 149‘507.15. Am 21. August 2015 gewährte das AfM dem Beschwerdeführer, seiner Ehefrau, dem gemeinsamen Sohn D.____ sowie der gemeinsamen Tochter E.____ das rechtliche Gehör zum in Aussicht gestellten Widerruf seiner Niederlassungsb ewilligung. Mit Schreiben vom 7. und 8. September 2015 nahmen genannte Personen Stellung zur Sache. D. Am 9. November 2015 verfügte das AfM den Widerruf der Niederlassungsbewilli- gung von A.____ und wies ihn spätestens per 15. Januar 2 016 aus der Schweiz weg. Die Ver- fügung wurde mit dem kontinuierlichen strafrechtlichen Verhalten von A.____ zwischen 1996 und 2015 sowie seinen hohen Schulden begründet. E. Gegen diese Verfügung führte A.____, nachfolgend vertreten durch Dr. Matthias Aeberli, Advokat, mit Schreiben vom 17. November 2015 Beschwerde beim Regierungsrat Ba- sel-Landschaft (Regierungsrat) und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. In Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beschwerdebegründung vom 21. Januar 2016 machte de r Beschwerdeführer primär eine Verletzung von Art. 8 der Konvention zum Schutze der M enschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 geltend. Insbesondere seien die mit dem Widerruf der Nieder- lassungsbewilligung verbundenen Nachteile für die Ehefr au sowie für die teilweise minderjähri- gen Kinder zu wenig berücksichtigt worden. Bei einer Gesamtbetrachtung sei der Entscheid des AfM insbesondere aufgrund der langjährigen Anwesenheit in der Schweiz unverhältnismässig. Zudem stelle der Widerruf der Niederlassungsbewilligun g für den Beschwerdeführer einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall dar. F. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 869 vom 14. Ju ni 2016 wies der Regie- rungsrat die Beschwerde ab. Der Widerrufsgrund des schwer wiegenden Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung zeige sich einerseit s in der Gleichgültigkeit von A.____ ge- genüber öffentlich-rechtlichen und privaten Verpflichtu ngen und anderseits in dessen jahrelan- gen negativen strafrechtlichen Verhalten. Der Widerru f der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung aus der Schweiz sowie der Eingriff in den Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK seien zudem angemessen und verhältnismässig. G. Mit Eingabe vom 23. Juni 2016 erhob A.____ gegen den RRB vom 14. Juni 2016 beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abte ilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), fristgerecht Beschwerde. Er bean tragte die vollumfängliche Aufhebung des RRB vom 14. Juni 2016 und die Belassung der Niederl assungsbewilligung; unter o/e- Kostenfolge. Ausserdem sei eine Parteiverhandlung durchzuführen. In seiner Vernehmlassung vom 26. September 2016 beantra gte der Regierungsrat die Abwei- sung der Beschwerde und den Verzicht auf die Durchführung einer Parteiverhandlung. Mit Verfügung vom 29. September 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwie- sen und der Verfahrensantrag des Beschwerdeführers auf D urchführung einer Parteiverhand- lung abgewiesen. H. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2016 ersuchte der Be schwerdeführer das Kantons- gericht, wiedererwägungsweise auf dessen Entscheid, den Verfahrensantrag des Beschwerde- führers auf Durchführung einer Parteiverhandlung abzuw eisen, zurückzukommen und dem An- trag stattzugeben. Mit Präsidialverfügung vom 17. Oktob er 2016 wies das Kantonsgericht das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers vom 11. Oktober 2016 ab. I. Mit Schreiben vom 22. November 2016 reichte der Rech tsvertreter des Beschwerde- führers nebst seiner Honorarnote ein Pfändungsprotokol l vom 24. Juni 2016 sowie zwei Zah- lungsbelege vom 1. und 29. Oktober 2016 mit der Bit te ein, es sei im Rahmen der Urteilsbera- tung der Umstand zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführ er nun monatlich Fr. 400.-- Schulden abbaue. Mit Eingabe vom 10. Januar 2017 reicht e der Beschwerdeführer einen Be- richt von Dr. med. F.____ vom 13. Dezember 2016 ein, w elcher insbesondere festhielt, dass der Beschwerdeführer bereit sei, sich einem Alkoholentzug sowie einer konsequenten Therapie zur Verbesserung der Konfliktverarbeitungsmöglichkeiten u nd der Frustrationstoleranz, verbun- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den mit einer unterstützenden Pharmakotherapie, zu unt erziehen, und dass solche Massnah- men erfolgsversprechend seien. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgeset zlicher Ausschlusstatbestand vorliegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegen- heit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtene n Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO, e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit verbundene W egweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgten. 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 des Bundesgesetzes über die Ausländerinne n und Ausländer [AuG] vom 16. Dezember 2005; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG im Rahmen der gesetzlich en Vorschriften und Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbs- tätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung ein er Niederlassungsbewilligung hat die aus- ländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Ver- pflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 185 E. 2.3; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, N 7.84 ff.). 4.2.1 Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Kosovo besteht kein Staatsvertrag, der dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz gewähren würde. Es sind entsprechend die Bestimmungen d es AuG, vorbehältlich anderer völ- kerrechtlicher Verträge, anwendbar. 4.2.2 Gemäss Art. 34 Abs. 1 AuG verleiht die Niederla ssungsbewilligung einen zeitlich unbe- fristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz. Es ist somit von einem Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdeführer s auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. 4.3.1 Des Weiteren macht der Beschwerdeführer sinngemäss einen Anwesenheitsanspruch aus dem Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens geltend. 4.3.2 Aus dem in Art. 8 Ziffer 1 EMRK (sowie dem inha ltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) geschütz- ten Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens kö nnen ausländische Staatsangehörige in besonderen Fällen ebenfalls einen Anspruch auf Aufen thalt oder Verbleib in einem andern Staat ableiten, wenn eine staatliche Entfernungsmassnahme zur Trennung von Familienmitglie- dern führt (A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schwei- zerischen Ausländerrecht, Europäische Grundrechte-Zeitschri ft [EuGRZ] 2013, S. 10 ff.; BGE 135 I 153 E. 2.1). Diese Garantien können dann v erletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das gemeinsame Familienleben vereitelt wird. Gemäss ständ iger bundesgerichtlicher Recht- sprechung zu Art. 8 EMRK müssen die sich hierzulande aufhal tenden Angehörigen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen. Dies ist insbeson dere dann der Fall, wenn sie das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligun g besitzen oder über eine Aufent- haltsbewilligung verfügen, die ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht. Zudem müssen diese Personen zur Kernfamilie (Ehegatte oder im gleichen Haushalt lebende, minder- jährige Kinder) gehören und es muss eine enge, tatsäc hliche und intakte Beziehung zu ihnen bestehen (BGE 135 I 143 E. 1.3.1; BGE 130 II 281 E. 3.1; BGE 127 II 60 E. 1d/aa). Ein staatli- cher Eingriff in das Recht auf Achtung des Familienleb ens liegt indessen regelmässig nicht vor, wenn den Angehörigen zugemutet werden kann, ihre Bezi ehung im Ausland zu leben. Ist es den in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Familienmi tgliedern folglich möglich, mit dem Ausländer, dem eine fremdenpolizeiliche Bewilligung ver weigert worden ist, auszureisen, wird der Schutzbereich von Art. 8 EMRK normalerweise nicht berührt (BGE 135 I 153 E. 2.1; BGE 122 II 289 E. 3b). 4.3.3 Die Ehefrau und die drei Kinder des Beschwerdef ührers verfügen über eine Niederlas- sungsbewilligung. Ein gefestigtes Anwesenheitsrecht der Ke rnfamilie des Beschwerdeführers liegt somit vor. Aus den Akten ist zu entnehmen, dass zwische n dem Beschwerdeführer und seiner Kernfamilie eine enge, tatsächliche und intakte Beziehung besteht. Weiter ist festzuhal- ten, dass die Ehefrau zwar ebenfalls kosovarische Staatsang ehörige ist sowie erst 1993 im Rahmen des Familiennachzugs im Alter von 18 Jahren in die Schweiz einreiste und deshalb gut mit der Kultur und der Sprache im Kosovo vertraut ist. Allerdings lebt sie nun seit 24 Jahren in der Schweiz, ist hier arbeitstätig und hat sich in der Schweiz gut integriert. Die drei gemeinsa- men Kinder sind alle in der Schweiz geboren und zur Schule gegangen. Sie sind somit entspre- chend stark in der Schweiz verwurzelt. Mit der Vorinstanz ist demnach davon auszugehen, dass es der Ehefrau und den Kindern nicht zumutbar ist, mit dem Beschwerdeführer das Land zu verlassen. Der Beschwerdeführer kann somit einen Aufentha ltsanspruch aus dem in Art. 8 Zif- fer 1 EMRK garantierten Schutz des Familienlebens ableiten. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Au fenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat- und Fam ilienleben absolut. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist selbst dann möglich, wenn die ausländische Person in der Schweiz geboren wurde und ihr ganzes Leben hier verbrach t hat (vgl. BGE 138 I 31 E. 2.3.1; BGE 139 I 16 E. 2.2.1). 5.2 Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG kann die Niederlassungsbewilli- gung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder de r Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Das Bundesgericht hat das Kriterium der Längerfristigkeit der Strafe in diesem Kontext dahingehend konkretisiert, dass es einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bedarf. Dabei dürfen mehrere unterjähr ige Strafen bei der Berechnung nicht kumuliert werden (BGE 137 II 297 E. 2; BGE 135 II 37 7 E. 4.2).Vorliegend ist der Beschwerde- führer nie zu einer Freiheitsstrafe von mehr als 75 Tage n verurteilt worden, weshalb der Wider- rufsgrund einer längerfristigen Freiheitsstrafe vorliegend eindeutig nicht erfüllt ist. 5.3.1 Ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist allerdings auch möglich, wenn die aus- ländische Person in schwerwiegender Weise gegen die öff entliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder diese gefährd et hat (vgl. Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). 5.3.2.1 Die “öffentliche Sicherheit und Ordnung“ bild et den Oberbegriff der polizeilichen Schutzgüter: Die öffentliche Ordnung umfasst die Gesamthe it der ungeschriebenen Ordnungs- vorstellungen, deren Befolgung nach der herrschenden sozialen und ethischen Anschauung als unerlässliche Voraussetzung eines geordneten menschlichen Zusammenlebens anzusehen ist. Die öffentliche Sicherheit bedeutet die Unverletzlichkei t der objektiven Rechtsordnung, der Rechtsgüter der Einzelnen (Leben, Gesundheit, Freihei t, Eigentum, usw.) sowie der Einrichtun- gen des Staates. Eine Verletzung der öffentlichen Sich erheit und Ordnung ist somit namentlich gegeben bei erheblichen oder wiederholten Verstössen g egen gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen sowie bei Nichterfüllung der öffentlich-rechtlichen (z.B. Steuern, Kran- kenkassenprämien) oder privatrechtlichen Verpflichtungen (z.B. Mietzinsen, Prämien privater Versicherungen; vgl. Art. 80 Abs. 1 lit. a und b der V erordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 2007). 5.3.2.2 Im Gegensatz zum Widerruf einer Aufenthaltsbe willigung gemäss Art. 62 lit. c AuG, welcher voraussetzt, dass die Ausländerin oder der Auslände r “erheblich oder wiederholt“ ge- gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen h at, setzt der Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung nach Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG voraus , dass ein solcher Verstoss “in schwer- wiegender Weise“ erfolgt ist. Damit werden vergleichsw eise erhöhte Anforderungen an einen Bewilligungswiderruf gestellt, was sich eindeutig aus dem französischen Wortlaut der genann- ten Bestimmungen ergibt. Während Art. 2 lit. c AuG vo n einem Verstoss “de manière grave ou répétée“ spricht, wird in Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG di e qualifizierte Formulierung “de manière très grave“ verwendet (BGE 137 II 297 E. 3.2). Zur Abgrenzu ng zwischen Art. 62 lit. c AuG und Art 63 Abs. 1 lit. b AuG ist in erster Linie auf den Stellenwert des beeinträchtigten Rechtsgutes abzustellen. Die Praxis geht bei Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG von der Erfüllung der qualifizierten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Formulierung aus, wenn die ausländische Person mit ihrem Handeln besonders hochwertige Rechtsgüter namentlich die körperliche, psychische und sexu elle Integrität eines Menschen verletzt oder in Gefahr gebracht hat. Indes können auch vergleichsweise weniger gravierende Pflichtverletzungen als “schwerwiegend“ im Sinne von Art . 63 Abs. 1 lit. b AuG bezeichnet wer- den (BGE 137 II 237 E. 3.3). Namentlich kann auch ein e Summierung von Verstössen, die für sich genommen für einen Widerruf nicht ausreichen würden, einen Bewilligungsentzug rechtfer- tigen. In diesem Fall ist nicht die Schwere der verh ängten Strafen, sondern die Vielzahl der De- likte entscheidend. Ein Widerruf der Niederlassungsbewi lligung soll auch dann möglich sein, wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch zukünftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz über die Aus- länderinnen und Ausländer, BBl 2002 3709, 3809 f.). Ob eine Ausländerin oder ein Ausländer willens und in der Lage ist, sich in die hier geltende Ordnung einzufügen, ist anhand einer Ge- samtbetrachtung ihres bzw. seines Verhaltens zu beurteilen (BGE 137 II 297 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_160/2013 vom 15. November 2013 E. 2.1 .1; vgl. auch A NDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände rrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 8.29; S ILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundes- gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Be rn 2010, Rz. 19 zu Art. 63 AuG; SPESCHA , a.a.O., Rz. 10 zu Art. 63 AuG). Gemäss Art. 63 Abs. 2 AuG gilt der Widerrufsgrund auch für Niederlassungsbewilligungen von Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten. 5.3.3 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum zwischen 1996 und 2015 “mehrfach aktenkundig“ sei und “in einem kontinuierlichen Verhalten strafrechtlich in Erscheinung getreten“ sei. De r Beschwerdeführer habe sich offen- sichtlich weder durch die zwei ausländerrechtlichen Verwarn ungen, noch durch die strafrechtli- chen Massnahmen beeindrucken lassen. Sein Verhalten liess e deshalb befürchten, dass er sich auch inskünftig nicht an die geltende Rechtsordnung halten werde. Ausserdem sei ange- sichts der – trotz Sozialhilfeunterstützung – erheblichen Z unahme seiner Verschuldung seit der letzten Verwarnung im Jahre 2006 und der mehrfachen po lizeilichen Vorführungen beim Betrei- bungsamt ein nicht tolerierbarer Grad an Gleichgülti gkeit und Hemmungslosigkeit gegenüber öffentlich- und privatrechtlichen Verpflichtungen zu ver zeichnen. Ausserdem könne man auf- grund der Vielzahl und Verschiedenheit der Betreibung en und Verlustscheine davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer sein Verhalten bezüglich seine r Finanzen in gleicher Weise fortset- zen werde. Ein Widerrufsgrund liege dementsprechend vor. 5.3.4 Dagegen macht der Beschwerdeführer im Wesentli chen geltend, sein strafrechtliches Fehlverhalten könne weder als schwerwiegender Verstoss ge gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung noch als schwerwiegende Gefährdung derselben im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG qualifiziert werden. Die ausgesprochenen Strafen – Bussen oder bedingten Geldstrafen von wenigen Tagessätzen – würden die geringe Schwere der Widerhandlung widerspiegeln. Insbesondere seien die sechs in den letzten zehn Jahren begangenen Delikte eher als gering- fügig zu qualifizieren. Zudem sei zu berücksichtigen, dass d ie berücksichtigten Delikte teilweise vor bereits 20 Jahren begangen worden seien. Ausserdem seien seine Verschuldung und seine Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht strafrechtlichen Verfehlungen grösstenteils auf seine mit dem eingereichten Arztbericht vom 13. Dezember 2016 belegte, alkoholbedingte psychische Instabilität zurückzuführen. Es sei von einer günstigen Prognose auszugehen, da er sich nun er nsthaft zu einem Alkoholentzug und anschliessender Therapie sowie zu einer Therapie für Gewaltprävention begeben wolle und seit Ende 2015 eine Arbeitsstelle habe, was ihm ermöglichen werde, Schulden zurückzahlen. 5.3.5 Das Verhalten des Beschwerdeführers stellt angesic hts der gegen ihn ergangenen strafrechtlichen Verurteilungen und seiner angehäuften , beträchtlichen Schulden eindeutig ei- nen Verstoss gegen die öffentliche Ordnung und Sicherhei t bzw. eine Gefährdung dieser dar. Nebst den sieben aktenkundigen Strassenverkehrsdelikten wu rde der Beschwerdeführer unter anderen wegen Diebstahls, Hehlerei, einfacher Körper verletzung, mehrfachen Betrugs und mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln verurteilt. D er Beschwerdeführer wurde zu Frei- heitsstrafen von insgesamt 198 Tagen, bedingten Geldstr afen von gesamthaft 190 Tagessät- zen, zu 64 Stunden gemeinnützige Arbeit und zu Fr. 6‘5 00.-- Bussen verurteilt. Der Beschwer- deführer hat die körperliche Integrität Dritter durch seine Gewaltakte nicht nur zweifach tatsäch- lich verletzt, sondern diese auch mehrfach abstrakt durch d ie begangenen groben Verkehrsde- likte gefährdet. Nicht ausser Acht zu lassen ist auch, dass der Beschwerdeführer bereits kurz nach der zweiten ausländerrechtlichen Verwarnung vom 8. Februar 2006 erneut delinquierte. Ausserdem nahm unbestrittenermassen die Verschuldung de s Beschwerdeführers nach der letzten Verwarnung erheblich zu. Er bezog zudem jahrel ang und in beträchtlichem Ausmass Sozialhilfegelder. 5.3.6 Ob im vorliegenden Fall nach dem Gesagten der Verstoss gegen die öffentliche Ord- nung und Sicherheit bzw. die Gefährdung dieser durch den Beschwerdeführer die vorausge- setzte Schwere aufweist, um den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu verwirklichen, kann letztlich offen gelassen werden, zumal sich der Widerr uf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und die damit verbundene Wegweisun g – wie nachfolgend aufgezeigt wird – jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Verhältni smässigkeit als unzulässig erweist. 6.1 Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes ist zwar Grundvo raussetzung für den Widerruf der Bewilligung. Der Widerruf der Niederlassungsbewil ligung ist indes nur gerechtfertigt, wenn er sich gestützt auf eine im Einzelfall vorzunehmende Interessenabwägung als verhältnismässig erweist (Art. 96 Abs. 1 AuG). Nach dem Grundsatz der V erhältnismässigkeit muss eine Verwal- tungsmassnahme zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und erforderlich sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt we rden (vgl. U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich 2016 , N 514 ff.). Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (M ARTINA CARONI , in: Caroni/Gächter/ Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinne n und Ausländer, Bern 2010, N 3 zu Art. 51; ANDREAS ZÜND /LADINA ARQUINT HILL , a.a.O, N 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwä- gung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an d er Erteilung bzw. Belassung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sin- ne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwend ig erweist (vgl. BGE 135 I 143 E. 2.1 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Hinweisen). Dabei sind namentlich die Schwere des De likts und des Verschuldens des Be- troffenen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während die- sem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (B GE 135 II 377 E. 4.3). Die Niederlas- sungsbewilligung einer ausländischen Person, die sich scho n seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückhaltung widerrufen werd en, doch ist dies bei wiederholter bzw. schwerer Delinquenz selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn sie das ganze Leben im Land verbracht hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_368/20 15 vom 15. September 2015 E. 2.2; 2C_1193/2013 vom 27. Mai 2014 E. 2.4). Bei schweren S traftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende private oder famili äre Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein schutzwürdiges öffentliches Interesse d aran, die Anwesenheit der ausländi- schen Person zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Ver hütung von (weiteren) Straftaten zu beenden (BGE 139 I 16 E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Gleich wie Art. 96 Abs. 1 AuG verlangt auch die EMRK in diesem Zusammenhang eine Abwä- gung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Belassung der Niederlassungs- bewilligung und den öffentlichen Interessen an deren Widerruf. Der EGMR stützt sich bei der Beurteilung der Zulässigkeit aufenthaltsbeendender Ma ssnahmen im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK auf die gleichen Aspekte wie die bundesgerichtli che Praxis (A NDREAS ZÜND /T HOMAS HUGI YAR , Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen Auslä nderrecht, insbeson- dere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, E uGRZ 2013, S. 13; BGE 139 I 31 E. 2.3.3). Daraus folgt, dass eine Massnahme, die sich im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist, grundsätzlich auch vor Art. 8 EMR K standhält (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 2C_218/2010 vom 27. Juli 2010 E. 4). 6.2 Zu prüfen ist, ob unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Falles die öffentlichen Interessen am Widerruf der Nied erlassungsbewilligung die privaten Inte- ressen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. 6.3.1 Ausgangspunkt für die vorzunehmende ausländerrech tliche Interessenabwägung sind die strafrechtlichen Verurteilungen und die Verschuldu ng des Beschwerdeführers sowie die Schwere seines Verschuldens. Die Vorinstanz erwog diesbe züglich, dass die Delinquenz des Beschwerdeführers bis ins Jahr 1996 zurückreiche, gesamthaf t kein strafloser Zeitraum von mehr als vier Jahren zu verzeichnen sei und es sich bei den begangenen Delikten nicht um Ba- gatelldelikte handle. Das bisherige strafrechtliche Ve rhalten des Beschwerdeführers trotz zwei- maliger Verwarnungen liesse somit auf eine Geringschätzu ng der schweizerischen Rechtsord- nung schliessen. Ihn treffe dementsprechend ein grosses V erschulden, zumal seine Alkohol- krankheit nicht medizinisch belegt sei. Zudem habe seine Schuldenmacherei in mutwilliger Wei- se seit 2006 verheerend zugenommen, was erheblich vorwe rfbar sei. Schliesslich sei die lang- jährige Inanspruchnahme der Sozialhilfe hauptsächlich au f die allgemeine Arbeitsmoral des Beschwerdeführers und den mangelnden Wille einer erfo lgreichen beruflichen Integration zu- rückzuführen. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, d ass die sechs in den letzten zehn Jahren begangenen Delikte eher geringfügiger Natur sei en und ein grosser Teil der im ange- fochtenen RRB aufgezählten Delikte sehr lange – bis zu 2 0 Jahren – zurückliegen würden. Hin- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sichtlich seiner Verschuldung habe sich seine Situation nun ebenfalls grundlegend verändert, da er seit Oktober 2015 als Küchenmitarbeiter im Alters - und Pflegeheim G.____ angestellt sei und erste Bemühungen zur Rückzahlung seiner Schulden unter nommen habe. Ausserdem sei er sich aufgrund seiner Alkoholkrankheit dem Ernst der Si tuation nicht bewusst gewesen und habe deshalb auch die verschiedenen Warnsignale der Behörden vor dem Erhalt der Verfügung vom 9. November 2015 nicht berücksichtigt. Dies bereue er jedoch zutiefst und schäme sich für seine Verfehlungen. Er habe sich deshalb seitdem wohl ve rhalten und arbeite daran, sein Le- ben besser zu gestalten. 6.3.2 Wie bereits zuvor dargelegt wurde der Beschwerdef ührer insbesondere wegen Dieb- stahls, Hehlerei, einfacher Körperverletzung, mehrfa chen Betrugs, mehrfachen Konsums von Betäubungsmitteln sowie verschiedener Strassenverkehrsdelikt e verurteilt. Dabei verletzte er und gefährdete abstrakt mehrfach die körperliche Integrität Dritter. Wegen der begangenen De- likte wurde er zu Freiheitsstrafen von insgesamt 198 Tage n, bedingten Geldstrafen von ge- samthaft 190 Tagessätzen, zu 64 Stunden gemeinnütziger Arbeit und zu Fr. 6‘500.-- Bussen verurteilt. In den letzten Jahren nahmen die Häufigkei t und die Schwere der Straftaten wieder zu. Auch trat der Beschwerdeführer bereits kurz nach der zw eiten ausländerrechtlichen Ver- warnung vom 8. Februar 2006 erneut strafrechtlich in Erscheinung. Zu Gunsten des Beschwer- deführers ist indes zu würdigen, dass er sich seit nunmeh r über drei Jahren in strafrechtlicher Hinsicht wohl verhält, auch wenn er unter dem Einfluss des Strafverfahrens (vgl. Urteil vom 13. Februar 2015) sowie unter dem Druck des vorliegende n ausländerrechtlichen Verfahrens stand. Für ihn spricht zudem, dass er sich nun aktenkundig um die Bewältigung seiner Sucht- und Aggressionsproblematik bemüht. Gemäss Bericht von Dr. med. F.____ vom 13. Dezember 2016 hat der Beschwerdeführer am 11. November 2016 ei ne ambulante Therapie zur Gewalt- prävention begonnen. Im Vordergrund steht dabei die B ehandlung der pathologischen Rausch- zustände des Beschwerdeführers, welche mit erheblicher Ag gression verbunden seien und zu den gesetzlichen Massnahmen geführt hätten, mit Folgesch äden für Familie und Arbeitsplatz (F10.07, F92). Auch hat sich der Beschwerdeführer bere it erklärt, sich der Therapiegruppe für Gewaltprävention anzuschliessen und sich einem Alkoholent zug sowie den begleitenden The- rapien zu unterziehen. Entlastend zu berücksichtigen ist e benfalls, dass ein Grossteil der be- gangenen Delikte über zwölf Jahren zurückliegt. Hinsichtlich der Verschuldung des Beschwer- deführers ist festzuhalten, dass sich die Anzahl und der Umfang der offenen Verlustscheine des Beschwerdeführers seit der letzten Verwarnung im Jahre 2 008 beinahe verdoppelt und sich die bezogene Sozialhilfe um rund Fr. 110‘000.-- erhöht haben. Diesbezüglich ist allerdings das Ver- schulden des Beschwerdeführers insofern zu relativieren, al s dass die angehäuften Schulden sowie die bezogenen Sozialhilfegelder im Rahmen der Fi nanzierung der Lebenskosten der ge- samten Familie entstanden bzw. verwendet wurden. Auch ist der Beschwerdeführer nun wieder arbeitstätig und bemüht sich aktenkundig darum, seine Schulden zu reduzieren. Dem Pfän- dungsprotokoll vom 24. Juni 2016 sowie den zwei eingere ichten Zahlungsbelegen vom 1. und 29. Oktober 2016 ist zu entnehmen, dass er monatlich Fr. 400.-- abbezahlt. Demzufolge ist das Verschulden des Beschwerdeführers als mittelschwer zu qualif izieren. Es besteht somit ein ge- wichtiges öffentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.1 Den genannten öffentlichen Interessen sind die p rivaten Interessen des Beschwer- deführers und seiner Familie am Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. 6.4.2 Die Vorinstanz erwog, dass der Beschwerdeführer we der wirtschaftlich noch sozial in der Schweiz integriert sei. Die neue Stelle des Beschwer deführers sei lediglich eine temporäre Anstellung, die zwar um weitere sechs Monate verlänger t, jedoch nicht in eine Festanstellung umgewandelt worden sei. Dies zeige auf, dass er sich beruflich immer noch nicht bewährt habe. Der Beschwerdeführer habe sich ausserdem nur deshalb um eine Arbeitsstelle bemüht, weil er unter dem Druck des ausländerrechtlichen Verfahrens gesta nden habe. Der Beschwerdeführer pflege nebst dem Verhältnis zu seinen hier lebenden An gehörigen gemäss eigenen Angaben keine engen Freundschaften oder persönlichen Beziehunge n in der Schweiz. Zudem sei ihm die Ausreise nach Kosovo trotz der langen Aufenthaltsdauer insgesamt zumutbar, zumal er dort einen Onkel und seine Grossmutter habe, welche ihn zu Be ginn unterstützen könnten. Er spre- che die Sprache und besuche das Land einmal jährlich, wo durch ihm die dortigen Verhältnisse, Sitten und Gepflogenheiten bekannt seien. Auch sei davo n auszugehen, dass er trotz schwieri- gerer Arbeitslage im Kosovo eine Arbeitsstelle finden werde. Zudem würde er mithilfe einer kleinen finanziellen Unterstützung seiner in der Schwei z lebenden Familie in der Höhe von mo- natlich Fr. 500.-- weit über dem dortigen Existenzmi nimum leben können. Schliesslich stehe es dem Beschwerdeführer frei, nach einer angemessenen Bewäh rungsdauer im Heimatland ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu ste llen. Bezüglich der privaten Interessen der Ehefrau und der Kinder des Beschwerdeführers an de ssen Verbleib bzw. der mit dem Wi- derruf dessen Niederlassungsbewilligung verbundenen Nachteile für sie erwog der Regierungs- rat, dass der Beschwerdeführer selbst nach der Geburt se iner Kinder wiederholt und mehrfach straffällig geworden sei. Die Tatsache, dass die Ehefra u des Beschwerdeführers trotz seiner Delikte seit über 22 Jahren mit ihm verheiratet sei, ze ige eine gewisse Akzeptanz gegenüber seinem Verhalten. Die Familie habe damit rechnen müsse n, dass der Beschwerdeführer bei anhaltender Straffälligkeit eine Freiheitsstrafe zu verb üssen habe oder gar ausländerrechtlich weggewiesen würde. Angesichts der zweiten Verwarnung sei der Widerruf der Niederlassungs- bewilligung keine überraschende Massnahme. Die vorliegende ausländerrechtliche Massnahme habe er ausserdem samt allen Folgen selbst zu verantworte n, zumal er seit der letzten Verwar- nung genug Zeit gehabt habe, um sich zu bewähren. Ausse rdem würde die Wegweisung des Beschwerdeführers keine drohenden Nachteile für die Ehefrau und die teilweise minderjährigen Kinder nach sich ziehen, da der Lohn der Ehefrau zuzügli ch des Betrags, den die älteste Toch- ter monatlich von ihrem Lohn abgebe, zur Deckung des Gru ndbedarfs und der Wohnungskos- ten der Familie sowie zur finanziellen Unterstützung des Beschwerdeführers im Kosovo ausrei- che. Schliesslich könne der Kontakt zum Beschwerdeführer nicht nur mittels moderner Kommu- nikationsmittel, sondern auch in Form von Ferienaufenth alten im Kosovo aufrechterhalten wer- den. Denn es bestünden sehr günstige Flugmöglichkeiten n ach Kosovo und die Kinder seien nun alt genug, um alleine dorthin zu reisen. 6.4.3 Der Beschwerdeführer macht hingegen geltend, es s ei weder der Ehefrau noch den Kindern zumutbar in den Kosovo umzusiedeln. Den minderj ährigen Kindern sei ausserdem nicht zuzumuten, den Kontakt zum Vater nur noch telefoni sch oder mit anderen Kommunika- tionsmitteln und im Rahmen kurzer Besuche alle paar Monate aufrechtzuerhalten. Aus den Stel- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lungnahmen der Kinder sei zu entnehmen, dass der Beschwer deführer eine Vertrauensperson und eine grosse Stütze für seine Kinder sei. Die Kinder könnten sich deshalb nicht vorstellen, getrennt von ihm zu leben. Ein Wegzug des Vaters würde die Kinder sehr belasten und gefähr- de deshalb ihre Entwicklung. Ausserdem sei den minderjä hrigen Kindern nicht möglich ohne Begleitung in den Kosovo zu reisen. Die Familie würde sich solche Reisekosten auch nicht leis- ten können. Der Beschwerdegegner könne sich ausserdem ni cht darauf berufen, dass der Be- schwerdeführer in den Jahren 2004 und 2006 verwarnt u nd ihm der Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung angedroht worden sei. Da die letzte au sländerrechtliche Verwarnung vor über zehn Jahren ergangen sei, sei der vorliegende Widerruf der Niederlassungsbewilligung sehr wohl eine überraschende Massnahme; es wäre eine weitere Verwarnung zwingend auszuspre- chen gewesen. Ausserdem sei die Schweiz aufgrund der lan gen Aufenthaltsdauer sowie der Tatsache, dass seine wichtigsten Verwandten hier leben, zu seiner Heimat geworden. Die wirt- schaftlichen Perspektiven im Kosovo seien derart miserabel, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Arbeitsstelle zu finden, äusserst gering sei. Auch wenn e r eine Arbeit finden würde, würde er angesichts des Durchschnittseinkommens im Kosovo ausserstand e sein, seine Familie finanzi- ell zu unterstützen. Vielmehr würde er vermutlich eine finanzielle Unterstützung von seiner Ehe- frau und seiner ältesten Tochter benötigen. Dies würde die finanzielle Situation der Ehefrau und der Tochter sehr erschweren. Schliesslich könne von der äl testen Tochter nicht erwartet wer- den, dass sie weiterhin zusammen mit ihrer Mutter und d en Geschwistern lebe und diese finan- ziell unterstütze. Deshalb sei die Feststellung der Vori nstanz unzutreffend, wonach es der Ehe- frau möglich wäre, ohne Ehemann und Unterstützung durc h die Sozialhilfe für ihren Lebensun- terhalt und denjenigen ihrer zwei minderjährigen Kinder aufzukommen. 6.4.4 Der Beschwerdeführer ist im Jahre 1988 im Alter von zwölf Jahren in die Schweiz ge- kommen und hat somit die letzten 30 Jahre seines Lebens hi er verbracht. Mit wenigen Aus- nahmen lebt seine gesamte Verwandtschaft im Lande. D emzufolge ist grundsätzlich von einem gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdeführers an e inem Verbleib in der Schweiz aus- zugehen. Zu würdigen ist zudem, dass der Beschwerdeführe r seit Ende 2015 als Küchenmitar- beiter im Alters- und Pflegeheim G.____ beschäftigt i st. Dies deutet entgegen der Auffassung der Vorinstanz auf eine nun endlich geglückte berufliche Integration hin. Ferner nimmt nun der Beschwerdeführer Therapien und professionelle Unterstüt zung in Anspruch, um seine Alkohol- krankheit zu behandeln und seine Aggressionsprobleme zu üb erwinden. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers in den Kosovo ginge zudem mit der Tre nnung der Familie einher und wäre nicht nur für den Beschwerdeführer mit beträchtlichen N achteilen verbunden, sondern würde auch sein familiäres Umfeld hart treffen. Der Beschw erdeführer ist seit nun über 23 Jahren mit seiner Ehefrau verheiratet und spielt eine erhebliche Rolle im Alltagsleben seiner Kinder. Hin- sichtlich der finanziellen Situation der Familie würde diese nicht nur wegen des mit der Weg- weisung verbundenen Wegfalls des Einkommens des Beschwerde führers extrem unter Druck geraten, sondern auch durch die mindestens anfangs notw endige finanzielle Unterstützung des Beschwerdeführers im Kosovo und den für den regelmässige n persönlichen Kontakt notwendi- gen Ausgaben zusätzlich belastet werden. Unter Berücksichti gung dieser Umstände ist vorlie- gend von einem sehr gewichtigen privaten Interesse des Beschwerdeführers und seiner Familie an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Vor diesem Hintergrund erweist sich der von der Vor instanz geschützte Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Blick auf die privaten I nteressen als unverhältnismässig. Die Vorinstanz hat somit den Widerruf der Niederlassungsbewi lligung und die Wegweisung des Beschwerdeführers durch das AfM demnach zu Unrecht bestät igt, was zur Gutheissung der Beschwerde führt. 7.1 Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, abe r den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). Di e Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG ist eine eigenständige ausländerrechtliche Massnahm e, welche das Verfahren mit einer weniger einschneidenden Folge als dem Widerruf oder d er Nichtverlängerung der Bewilligung abschliesst und einen Endentscheid bildet. Die Verwarnun g soll als Ausfluss des Verhältnis- mässigkeitsprinzips verhindern, dass es überhaupt zu einer auf enthaltsbeendenden Massnah- me kommt, und den Betroffenen auf sein problematisches Verhalten zu einem Zeitpunkt hin- weisen, in welchem sich die Anordnung der angedrohten Massnahme gerade noch nicht recht- fertigt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_114/2012 vom 26. März 2013 E. 1.1; 2A.737/2004 vom 30. März 2005 E. 2, in: Die Praxis 2006 Nr. 26 S. 184). 7.2 Im vorliegenden Fall ist wie oben aufgezeigt der Widerruf der Niederlassungsbewilli- gung im aktuellen Zeitpunkt unverhältnismässig. Dementsprechend kommt eine ausländerrecht- liche Verwarnung entgegen der Auffassung des Beschwerd egegners grundsätzlich wohl in Be- tracht. Es ist in diesem Zusammenhang insbesondere zu b erücksichtigen, dass die letzte aus- länderrechtliche Verwarnung des Beschwerdeführers knapp elf Jahre zurückliegt, dass der Be- schwerdeführer nun angefangen hat, sein Alkohol- und Gewaltproblem zu behandeln, und dass er aktuell seine Schulden ratenweise zurückzahlt. Sollte er allerdings in absehbarer Zeit erneut in relevanter Weise straffällig werden oder weitere Schulden anhäufen und damit das durch das Gericht in ihn gesetzte Vertrauen missbrauchen, muss er tr otz seiner langen Anwesenheit und seiner familiären Verhältnisse mit dem Widerruf seine r Niederlassungsbewilligung rechnen. Der Beschwerdeführer ist deshalb im Rahmen des vorliegend en Urteils förmlich ausländerrechtlich zu verwarnen. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantons- gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen di e Gerichtsgebühren sowie die Be- weiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Den Vorinstanzen werden – abg esehen von hier nicht interes- sierenden Ausnahmen – keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dement- sprechend sind im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 8.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. In seiner Honorarnot e vom 22. November 2016 macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 9 .5 Stunden zu Fr. 250.-- sowie Spesen in der Höhe von Fr. 268.50 geltend. Gemäss § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwäl- tinnen und Anwälte (Tarifordnung) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar Fr. 200.-- bis Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 350.-- pro Stunde, je nach Schwierigkeit und Bed eutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung und der persönlichen und finanziellen Ve rhältnisse der zahlungspflichtigen oder der auftraggebenden Person. Vorliegend erscheint ein S tundenansatz in der Höhe von Fr. 250.-- als angemessen. Auch der vom Rechtsvertreter g eltend gemachte Aufwand von 9.5 Stunden für seine Bemühungen sowie die Höhe der eing esetzten Auslagen sind nicht zu bean- standen. Folglich ist dem Beschwerdeführer eine Partei entschädigung in der Höhe von insge- samt Fr. 2‘855.-- (inkl. Auslagen und 8% MWST) zuzusprec hen, welche dem Beschwerdegeg- ner aufzuerlegen ist. 8.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, so ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Der Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägungen ausländer- rechtlich verwarnt. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Beschwerdegegner zurückgewiesen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 5. Der Beschwerdegegner hat dem Beschwerdeführer eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 2‘855.-- (inkl. Auslagen und 8 % Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Franziska Preiswerk Gerichtsschreiber i.V. Léonard Lavanchy