B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1219/2011 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Kosovo, vertreten durch Annelise Gerber, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung, Verfügung des BFM vom 20. Januar 2011 / N (…). E-1219/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein serbischsprachiger Roma muslimischen Glaubens aus B._______, Kosovo, reiste eigenen Angaben zufolge am 20. Dezember 2010 in die Schweiz ein, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum [EVZ] (…) ein Asylgesuch stellte. Für die Dauer des Verfahrens wurde er dem Kanton (…) zugeteilt. Anlässlich der Kur z- befragung im EVZ vom 27. Dezember 2010 und der einlässlichen Anh ö- rung vom 13. Januar 2011 zu seinen Ausreise- und Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei zusammen mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder in die Schweiz gekommen, weil sie in ihrer Heimat seit Jahren keine Freiheit und keine Unterkunft hätten. Sie würden ständig in Angst leben und hä t- ten Probl eme mit Albanern und Serbe n. Ihr Haus in B._______ sei vor Jahren in Brand gesteckt worden. Ferner habe sein Vater während des Krieges besondere Aufgaben wahrgenommen. Junge Albaner hätten sie deshalb aufgefordert, Kosovo zu verlassen. Sie hätten daraufhin überall in Kosovo sowie in Serbien gelebt. Zur Stützung der geltend gemachten Vorbringen reichte er eine Kopie seines Geburtsscheines (ausgestellt in [Serbien]) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 20. Januar 2011 – eröffnet am 21. Januar 2011 – lehn- te das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ord nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. Die Vorinstanz begründete die Gesuchsabweisung mit dem Umstand , dass die geltend gemachten Vorbringen de s Beschwerdeführers teils nicht den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) standzuhalten vermöc h- ten, teils keine Asylrelevanz nach Art. 3 AsylG entfalten würden. I n Koso- vo sei es in den vergangenen Jahren vereinzelt zu schwerwiegenden Übergriffen auf Angehörige der ethnischen Minderheiten, namentlich der serbischsprachigen Roma, gekommen. Es könne jedoch von keinen al l- gemeinen Vertreibungen ausgegangen werden. Am 17. Februar 2008 ha- be Kosovo die Unabhängigkeit erklärt. Gemäss der neuen kosovarischen Verfassung, die am 15. Juni 2008 in Kraft getreten sei, sei auch nach dem Statuswechsel eine internationale zivile und militärische Präsenz vorgesehen. Zudem würden in Kosovo mit der UNMIK (United Nations In-E-1219/2011 Seite 3 terim Administration Mission in Kosovo) und der EU zwei internationale Missionen bestehen. Die am 9. Dezember 2008 offiziell gestartete E U- LEX-Mission (European Union Rule of Law Mission in Kosovo) sei formal den Vereinten Nationen unterstellt und werde unter deren Oberhoheit und innerhalb eines statusneutralen Rahmens geführt. Die EULEX -Mission umfasse Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Strafvollzugsbeamte. Die internationalen Streitkräfte sowie die Kosovo Police (KP) würd en die S i- cherheit garantieren und seien weitgehend in der Lage, die ethnischen Minderheiten in Kosovo zu schützen. Bei Übergriffen würden die Siche r- heitskräfte regelmässig intervenieren, und bei Straftaten gegen Angehör i- ge von Minderheiten würden Ermittlun gen aufgenommen. Zentrale Pol i- zeifunktionen würden weiterhin von internationalen Polizeikräften wah r- genommen. Die neue kosovarische Verfassung gestehe den Minderhe i- ten umfassende Rechte zu. Da vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaa t auszugehen sei, seien die Befürchtu n- gen des Beschwerdeführers, von Albanern oder Serben behelligt zu we r- den, im vorliegenden Fall nicht asylrelevant. Für Serben und serbisc h- sprachige Roma aus den südlichen Bezirken bestehe zudem eine inne r- staatliche Aufenthaltsalternative im Norden Kosovos. Durch das grun d- sätzliche Bestehen einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative erübrige sich eine weitergehende Auseinandersetzung mit der Frage, ob Serben und serbischsprachige Roma im Kosovo einer asylrelevanten Gefährdung ausgesetzt seien. Des Weiteren seien die Vorbringen des Beschwerdeführers und seiner Familie (Eltern und jüngerer Bruder, Verfahren E -1215/2011) aufgrund wesentlicher Widersprüc he als unglaubhaft zu bewerten. Namentlich würden Unstimmigkeiten betr effend den Aufenthalt des Beschwerdefüh- rers und seiner Familie in den letzten zehn Jahren bestehen. Auf die W i- dersprüche angesprochen, habe der Beschwerdeführer zuerst erklärt, die Aussagen seines Vaters würden nicht zutreffen, dann jedoch behauptet, er sei überfordert und das, was der Vater gesagt habe, treffe zu. Im Übr i- gen könne sich sein jüngerer Bruder an nichts erinnern – insbesondere habe er nicht angeben können, wo er mit seiner Familie die letzten zehn Jahre gelebt habe –, weshalb seine Aussagen oh nehin nicht glaubhaft seien. Betreffend den Wegweisungsvollzug sei festzuhalten, dass sich die S i- cherheitslage in Kosovo zwar in den vergangenen Jahren verbessert h a- be, jedoch könne die Wahrscheinlichkeit einer konkreten Gefährdung für serbischsprachige Roma ausserhalb ihrer Enklaven weiterhin nicht au s-E-1219/2011 Seite 4 geschlossen werden, weshalb eine Rückkehr nach Kosovo in der Regel als unzumutbar erachtet werde. Eine Ausnahme bilde der Norden Kos o- vos. Die Rückkehr dorthin sei für serbischsprachige Romas zumutbar. Da der Beschwerdeführer mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder be- reits im Norden Kosovos gelebt h abe und keine individuellen Gründe g e- gen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs sprechen würden, sei ihm und seiner Familie eine Rückkehr dorthin zumutbar. Im Übrigen stehe es ihm und seiner Familie frei, nach Serbien zurückzukehren, wo sie sich gemäss den Aussagen des Vaters des Beschwerdeführers die letzten zehn Jahre mehrheitlich aufgehalten hätten. C. Mit Eingabe vom 19. Februar 2011 (Poststempel: 22. Februar 2011; vorab per Telefax vom 21. Februar 2011) erhob die Rechtsvertre terin namens und im Auftrag des Beschwerdeführers und seiner Familie gegen die vor- instanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde un d beantragte, es sei die jeweilige Verfügung des BFM vom 20. Januar 2011 aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und se i- ner Familie festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren; eventualiter sei die vorläufige Aufnahme infolge Unzulässigk eit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wur- de um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwa l- tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ersucht und beantragt, die beiden Dossiers E-1219/2011 und E-1215/2011 (Eltern und jüngerer Bruder des Beschwerdeführers) zusammen zu legen und gemeinsam zu behandeln. Der Argumentation des BFM wurde im Wesentlichen entgegengehalten, die von der Vorinstanz angeführten Widersprüche in den Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Familie würden sich insbesondere damit erklären lassen, dass der Beschwerdeführer und sein jüngerer Bruder nie zur Schule gegangen seien und mit ihren Eltern stets den Woh nort ge- wechselt hätten. Aus dem Gespräch mit den Eltern sei hervorgegangen, dass die Söhne eigentlich nicht wissen würden, wo die Familie jeweils gewohnt habe. Sie hätten sich selten draussen aufgehalten und den E l- tern auch keine entsprechenden Fragen gest ellt. Sie hätten einfach nur Jahre der Unsicherheit, der Angst und der dauernden Wohnortwechsel er- lebt. Die Söhne seien während der Anhörung überfordert und nicht in der Lage gewesen, den Behörden richtig Auskunft zu geben. Ferner könnten die ausländischen und kosovarischen Organisationen und Behörden den Angehörigen der Minderheiten keinen effektiven Schutz gewähren. Insbe-E-1219/2011 Seite 5 sondere könnten sie den zwangsweise rückgewiesenen Roma keine I n- tegrationsmöglichkeit bieten. Zudem könnten der Beschwerdeführer und seine Familie nicht nach B._______ zurückkehren, weil sie dort an Leib und Leben gefährdet seien und unter Massnahmen zu leiden hätten, we l- che einen unerträglichen Druck erzeugen würden. Des Weiteren sei der Norden Kosovos für den Beschwerdeführer und seine F amilie keine Auf- enthaltsalternative, da sie sich dort nur eine kurz Zeit aufgehalten hätten. Langfristig könnten sie sich dort keine Existenz aufbauen. Ausserdem be- stehe die reelle Gefahr, dass der Vater des Beschwerdeführers dort von Albanern wiedererkannt würde. Zwar sei der Norden Mitrovicas vorwi e- gend von Serben bewohnt, jedoch sei es nicht auszuschliessen, dass er von den betroffenen Albanern aus Gründen der Familienrache bis dorthin verfolgt würde. Im Übrigen bilde auch Serbien keine A ufenthaltsalternati- ve für den Beschwerdeführer und seine Familie. Sie hätten sich dort in di- versen Orten kurzfristig aufgehalten, ohne eine Lösung zu finden . Schliesslich könnten sie auch nicht mit einer finanziellen Unterstützung von Familienmitgliedern aus dem Ausland rechnen. Im Übrigen wurde auf die Pressemitteilung der Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, Monika Lüke, vom Dezem- ber 2010 sowie den Bericht " EUROPA/300: Systematische Diskrimini e- rung von Roma im Kosovo" im Amnesty Journal, Dezember 2010/Januar 2011 hingewiesen. D. Mit Zwischenverfügung vom 8. März 2011 hielt das Bundesverwaltung s- gericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und die beiden Verfahren E-1219/2011 und E-1215/2011 würden angesichts ihres engen Sachzusammenhanges ver- einigt, jedoch würden beide Dos siers ihre Verfahrensnummer beibeha l- ten. Ferner werde aufgrund der Aussichtslosigkeit der Beschwerdebegeh- ren das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gemäss Ar t. 65 Abs. 1 VwVG abgewiesen ; der Beschwerdeführer und seine Familie wurden aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten, andernfalls auf die beiden vereinigten Beschwerden unter Kostenfolge nicht eingetreten werde. Der vom Bundesverwaltungsgericht eingeforderte Kostenvorschuss wu r- de fristgerecht geleistet. E-1219/2011 Seite 6 E. Mit Verfügung vom 7. September 2012 lud das Bundesverwaltungsgericht das BFM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. F. In seiner Vernehmlassung vom 19. September 2012, w elche dem B e- schwerdeführer am 24. September 2012 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde, beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde, da die Rechtsmitteleingabe keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismit- tel enthalte, welche eine Änderung des vorinsta nzlichen Standpunktes zu rechtfertigen vermöchten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal - tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i.S. von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Ge- biet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs weise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige E-1219/2011 Seite 7 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmte n sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachte i- len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingse i- genschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E.7.2.6.2, BVGE 2008/4 E. 5.2). Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpu nkt des Entscheides – nicht diejenige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränd e- rungen der Situation im Hei matstaat zwischen Ausreise und Asylen t- scheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu b e- rücksichtigen (BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 f., jeweils mit weiteren Hinweisen). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtl ingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält (Art. 7 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genü- gend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen . Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erschei - nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung der Vorbringen e r- gibt, dass die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung E-1219/2011 Seite 8 der asylsuchenden Person sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.6, EMARK 2004 Nr. 1 E. 5, mit weit e- ren Hinweisen). 4. 4.1 Nach Durchsicht der vorliegenden Akten gelangt das Bundesverwa l- tungsgericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschwerdeführer und seine Familie nicht glaubhaft darlegen kon n- ten, dass der kosovarische Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkommt beziehungsweise nicht in der Lage ist, Schutz zu gewähren. 4.2 Der Beschwerdeführer und seine Familie machten in ihren Asylvo r- bringen geltend, sie seien wegen ihrer ethnischen Herkunft sowohl durch Albaner als auch d urch Serben beschimpft und bedroht worden. Ferner sei der Vater des Beschwerdeführers während der wenigen Male , die er nach B._______ gereist sei, um sich nach einer Unterkunft zu erkund i- gen, von Albanern angehalten worden. Bei den geltend gemachten B e- helligungen handelt es sich um Übergriffe Dritter. Der schweizerische Bundesrat hat mit Beschluss vom 6. März 2009 (Wirkung ab 1. April 2009) Kosovo als sogenannten verfolg ungssicheren Staat bezeichnet. Massgebliche Kriterien für die Bezeichnung eines Staates als verfo l- gungssicher sind dessen Einhaltung der Menschenrechte und die A n- wendung internationaler Konventionen im Menschenrechtsbereich. Die Vertreter der neuen Regierung haben sich im Rahmen ihrer Unabhängi g- keitserklärung im Februar 2008 verpflichtet, säm tliche Verträge und A b- sprachen, die sich aus dem "Umfassenden Vorschlag zur Regelung des Kosovostatus" des Sondergesandten des UNO -Generalsekretärs für den Prozess zur Bestimmung des künftigen Status von Kosovo ergeben, vol l- umfänglich zu erfüllen. Die Sic herheitslage für Minderheiten von nicht - albanischer Volkszugehörigkeit i n Kosovo hat sich in den letzten Jahren deutlich entspannt; dies insbesondere dank dem Einsatz internationaler Sicherheitskräfte wie UNMIK, KFOR oder EULEX. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kommt die Republik Kosovo ihrer staatlichen Schutzpflicht im Sinne der geltenden Schutztheorie (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8) nach (vgl. BVGE 2011/50 E. 4.7) . Die zuständi- gen Behörden von Kosovo gehen – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – denn auch in aller Regel gegen Bedrohungen und Übergriffe Dritter vor. Insoweit ist vom bestehenden Schutzwillen und auch von der weitgehe n- den Schutzfähigkeit der in Kosovo tätigen Sicherheitsbehörden auszuge-E-1219/2011 Seite 9 hen. Dem Beschwerdeführer und seine r Familie stand es somit (zumi n- dest) ab April 2009 (Geltung als Safe Country) offen, sich aufgrund der geltend gemachten Behelligungen seitens Dritter an die heimatlichen B e- hörden zu wenden und diese um Schutz zu ersuchen. Weshalb sie – falls sie zu diesem Zeitpunkt weiterhin Behelligungen ausgesetzt gewesen wä- ren – davon abgesehen haben, erscheint unter Berücksichtigung der d a- mals sowie heute herrschenden politischen und rechtlichen Zustände im Kosovo nicht nachvollziehbar. Aufgrund der Aktenlage ist jedenfalls nicht hinreichend dargelegt, dass die zuständigen staatlichen Organe de m Be- schwerdeführer und seine r Familie den erforderlichen Schutz verweigert hätten oder in Zukunft verweigern würden. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die kosovarischen Behörden gewillt und fähig sind, der Zivilbevölkerung – unabhängig von ihrer ethn i- schen Herkunft – staatlichen Schutz zu gewähren, und dabei durch die in- ternationalen Schutztruppen unterstützt werden. Aus diesem Grunde ist auf die Ausführungen des Beschwerdeführers und seiner Familie hinsicht- lich ihres Aufenthaltes in den letzten zehn Jahren im Rahmen der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft nicht weiter einzugehen. 4.3 Somit ist nicht davon auszugehe n, dass d er Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr in eine Bedrohungssituation geraten würde. Die Vori n- stanz hat zu Recht und mit zutreffender Begründung die Flüchtlingse i- genschaft de s Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abg e- lehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrecht liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 , mit weiteren Hinweisen ). Die Wegwei- sung wurde demnach zu Recht angeordnet. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmög- lich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den ge -E-1219/2011 Seite 10 setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De - zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bei der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt nach ständi - ger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1, mit weiteren Hinweisen). 6.2 Aufgrund der nachfolgenden Erwägungen – wonach im Zusamme n- hang mit der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges weitere Abkl ä- rungen vorzunehmen sind und daher die Sache an die Vorinstanz z u- rückzuweisen ist – erübrigen sich an dieser Stelle Ausführungen zur Z u- lässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass w e- der die im Heimatstaat herrsche nde politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung nach Kosovo sprechen. So habe sich die Sicherheitslage in den vergangenen Jahren gebessert oder zumindest stabilisiert. Die Wahrscheinlichkeit einer konkreten G e- fährdung könne jedoch für serbischsprachige Roma ausserhalb ihrer E n- klaven weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Eine Rückkehr nach Ko- sovo werde demnach in der Regel als unzumutbar erachtet. Eine Au s- nahme bilde der Norden Kosovos. Für serbischsprachige Roma, die b e- reits im Norden Kosovos gelebt hätten, sei die Rückkehr dorthin zumu t- bar. Im vorliegenden Fall hätten der Beschwerdeführer und seine Familie bereits im Norden Kosovos gelebt, weshalb eine Rückkehr dorthin als zumutbar erachtet werde. Im Übrigen stehe es ihne n frei, nach Serbien zurückzukehren, wo sie sich gemäss den Angaben des Vaters des B e-E-1219/2011 Seite 11 schwerdeführers die letzten zehn Jahre mehrheitlich aufgehalten hätten. Somit sei die Inanspruchnahme der Aufenthaltsalternative in Serbien ebenfalls zumutbar. 6.4 6.4.1 Das Bunde sverwaltungsgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass der Vollzug der Wegweisung von albanischsprachigen Roma, As h- kali und "Ägyptern" nach Kosovo in der Regel zumutbar ist, sofern au f- grund einer Einzelfallabklärung – namentlich durch Untersuchungen vor Ort (heute über die Schweizerische Bo tschaft, vor der Unabhängigkeit Kosovos und dessen Anerkennung durch die Schweiz via das Verbi n- dungsbüro in Kosovo) – feststeht, dass bestimmte Reintegrationskriterien – wie berufliche Ausbildung, Gesundheitszustand, A lter, ausreichende wirtschaftliche Lebensgrundlage und Beziehungsnetz i n Kosovo – erfüllt seien (vgl. BVGE 2007/10). Eine Einzelfallabklärung der individuellen Umstände im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung muss nicht nur für die aufgeführten Minderheiten, so ndern vielmehr erst recht auch für se r- bischsprachige Roma vorgenommen werden, bildet Serbisch doch eine Minderheitensprache in Kosovo. 6.4.2 Die Vorinstanz bejahte in der angefochtenen Verfügung die Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzuges, ohne sich auf Abklärung en vor Ort stützen zu können. Es wird lediglich pauschal darauf verwiesen, dass die Rückkehr in den Norden Kosovos für serbischsprachige Roma, die b e- reits dort gelebt hätten, zumutbar sei. Da d er Beschwerdeführer und sei- ne Familie zuvor im Norden Kosovos g elebt hätten, sei ihnen die Rüc k- kehr dorthin zumutbar. Eine genau Abklärung sowie Würdigung hinsich t- lich Ortschaft und Dauer des Aufenthaltes de s Beschwerdeführers und seiner Familie im Nordkosovo fehlen gänzlich. Ungeachtet der (wide r- sprüchlichen) Aussagen de s Beschwerdeführers und seiner Eltern zum Aufenthalt in Mitrovica ist an dieser Stelle festzuhalten, dass das Bundes- verwaltungsgericht in seinem Urteil BVGE 2011/50 festgehalten hat, ein Wegweisungsvollzug serbischsprachiger Muslime – beim Beschwerd e- führer und seiner Familie handelt es sich um serbischsprachige Roma muslimischen Glaubens – in die Region Mitrovica sei nicht generell z u- mutbar (BVGE 2011/50 E. 8.6). Im vorliegenden Verfahren kann aufgrund der Aktenlage, wie sie sich nach der Erstbefragung und der direkten Anhörung darstellt, im Sinne der zitierten Rechtsprechung nicht der Schluss gezogen werden, ein We g-E-1219/2011 Seite 12 weisungsvollzug in den Nordkosovo sei für d en Beschwerdeführer und seine Familie zumutbar. Dem BFM ist vorzuhalten, dass es sich mit der angeführten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in keiner Weise auseinandergesetzt hat. Folglich erscheint ein Verzicht auf zusätz- liche tatbeständliche Abklärungen vor Ort zur Feststellung der Zumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs nicht gerechtfertigt. 6.4.3 Weiter führte das BFM aus, dem Beschwerdeführer und seiner Fa- milie würde es im Übrigen frei stehen, nach Serbien zurückzukehren, wo sie sich gemäss Aussagen des Vaters des Beschwerdeführers die letzten zehn Jahre mehrheitlich aufgehalten hätten. Das Bundesverwaltungsgericht hielt in seinem Grundsatzurteil BVGE 2010/41 fest, dass der Wegweisungsvollzug nach Serbien lediglich für aus dem Kosovo stammende Personen serbischer Ethnie als zumutbar erachtet werde. Bei m Beschwerdeführer und seiner Familie handelt es sich um ethnische Roma. Die Inanspruchnahme einer Aufenthaltsaltern a- tive in Serbien für ethnische Roma kann gemäss der zitierten Rechtspr e- chung mithin nicht angenommen werden. Allenfalls wäre aufgrund der geltend gemachten Umstände – der Beschwerdeführer und seine Familie seien bereits 1999 aus dem Kosovo ausgereist und hätten sich gemäss Aussagen des Vaters des Beschwerdeführers überwiegend in Serbien aufgehalten – anhand einer Botschaftsanfrage abzuklären, ob sie (auch) über die serbische Staatsangehörigkeit verfügen. 6.4.4 Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz ohne Berufung auf besondere Gründe vom durch die Rechtsprechung begründeten Grundsatz abgewichen ist, dass für die Beurteilung der Z u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Falle der Roma -Minderheit (so- wie Ashkali und "Ägyptern") aus Kosovo eine Abklärung vor Ort vorz u- nehmen ist. Die angefochtene Verfügung beruht im Vollzugspunkt auf e i- nem unvollständig abgeklärten Sachverhalt. 7. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht ents cheidet in der Regel reformat o- risch. Nur ausnahmsweise wird eine angefochtene Verfügung kassiert und an die Vorinstanz zurückgewiesen. Vorliegend liegt der Mangel der angefochtenen Verfügung in einer unvollständigen Abklärung des Sac h- verhalts. Die unterbliebenen, notwendigen Abklärungen vor Ort stellen ei- ne relativ aufwändige Beweiserhebung dar. In einem solchen Fall rech t-E-1219/2011 Seite 13 fertigt sich gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die Kassation der angefochtenen Verfügung. Zudem bleibt de m Beschwerdeführer auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als im Asylverfahren das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet (Näheres zur Praxis bei mangelhafter Abklärung des Sachverhaltes in: ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 180 f. Rz. 3.193 ff.). So- mit erweist es sich als angezeigt, die Sache an die Vorinstanz zwecks Vornahme der erforderlichen Abklärungen zurückzuweisen. 7.2 Mit Bezug auf die Anordnung des Wegweisun gsvollzuges durch die Vorinstanz kann somit festgehalten werden, dass die Dispositiv -Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung vom 20. Januar 2011 aufzuheben sind. Die Beschwerde ist im Wegweisungsvollzugspunkt gutzu heissen. Das BFM ist anzuweisen, die e rforderlichen Abklärungen vor Ort vorz u- nehmen bzw. vornehmen zu lassen und aufgrund des vollständig erstel l- ten und aktualisierten Sachverhalts betreffend den Vollzug der Wegwe i- sung neu zu entscheiden. 7.3 Im Übrigen – im Asyl- und Wegweisungspunkt (Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 3 der angefochtenen Verfügung vom 20. Januar 2011) – ist die B e- schwerde nach dem oben Gesagten abzuweisen. 8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die reduzierten Verfahren s- kosten de m Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Mit Zwischenverfügung vom 8. März 2011 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abgewiesen und d er Beschwerdeführer und seine Familie wurden aufgefordert, einen Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600.– (für das vo r- liegende Verfahren sowie das Verfahren E-1215/2011) zu leisten. Die um die Hälfte reduzierten Kosten in der Höhe von Fr. 300.– (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsg ericht [VGKE, SR 173.320.2] ) sind dem Beschwerdeführer und seiner Familie aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und wurden im Verfahren E-1215/2011 (die Familie des Be- schwerdeführers betreffend) bereits abgewickelt. 8.2 Angesichts des teilweise n Obsiegens (betreffend Wegweisungsvol l- zug) ist die Vorinstanz anzuweisen, dem Beschwerdeführer und seiner E-1219/2011 Seite 14 Familie eine hälftige Parteientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE. Die Parteientschädigung wurde ebenfalls bereits im V erfahren E-1215/2011 (selbe Rechtsvertreterin in beiden Beschwerdeverfahren) festgesetzt und abgewickelt. (Dispositiv nächste Seite) E-1219/2011 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Asyl - und Wegweisungspunkt (Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 3 der angefochtenen Verfügung vom 20. Januar 2011) abgewie- sen. 2. Die Beschwerde wird in Bezug auf die vorinstanzliche Anordnung des Wegweisungsvollzuges gutgeheissen. Die Disposi tiv-Ziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 20. Januar 2011 werden aufgehoben. Die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz z u- rückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten sowie die Parteientschädigung (für die beiden B e- schwerdeverfahren E -1219/2011 und E -1215/2011) wurden bereits im Verfahren E-1215/2011 abgewickelt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: