Seite 1 Entscheid vom 1. März 2013 (510 12 84) __________________________________________________ ___________________ Nachsteuern Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter J. Felix, R. Richner, M. Zeller, Dr. L. Schneider, Gerichtsschreiber i.V. v. Q. P. Tran Parteien A. A. und B. A. , vertreten durch C. Rekurrenten gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33, 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Nachsteuern zur Staats - und Gemeindesteuer 2001 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Schreiben vom 1. Oktober 2007 leitete die Steue rverwaltung gegen die Pflichtigen aufgrund einer nicht deklarierten Dividendenzahlung der D. AG in Höhe von Fr. 1'000'000.-- ein Nachsteuerverfahren ein. Auf die Anhebung eines Strafst euerverfahrens wurde zum damaligen Zeitpunkt mangels Vorliegens eines Hinterziehungstatbestandes verzichtet. Mit Veranlagungsverfügung zur Staatssteuer vom 24. Janua r 2008 (ersetzt Verfügung vom 25. Februar 2003) wurde die Dividende nachbesteuert. 2. Mit Schreiben vom 7. Februar 2008 erhob die damal ige Vertreterin Einsprache und be- gehrte, die Veranlagungsverfügung vom 24. Januar 2008 (Ersetzt-Verfügung) sei aufzuheben und die Verfügung vom 25. Februar 2003 wieder herzustellen. Zur Begründung führte sie aus, die Pflichtigen bestri tten die Zulässigkeit der Ersetzt- Verfügung. Zudem seien sie nur unter Vorbehalt der Gutschrift der Verrechnungssteuer in Höhe von Fr. 350'000.-- mit einer Rektifizierung einverstanden. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 26. März 2008 hiess die St euerverwaltung die Einspra- che gut, hob die Ersetzt-Verfügung vom 24. Januar 2008 auf und setzte die Veranlagungsver- fügung vom 25. Februar 2003 wieder in Kraft. Zur Begründung führte sie aus, da die angefochtene Ersetzt-Verfügung mehr als fünf Jahre nach Rechtskraft der Veranlagung vom 25. Februar 20 03 eröffnet worden und die Pflich- tigen damit nicht einverstanden seien, sei sie als gegen standslos zu erklären. Das am 1. Okto- ber 2007 eingeleitete Nachsteuerverfahren müsse demnach fortgesetzt werden. 4. Mit Schreiben vom 15. Mai 2008 wurde der Vertrete rin die Möglichkeit eingeräumt, eine Stellungnahme einzureichen, die sie innert zweimalig e rstreckter Frist mit Schreiben vom 13. August 2008 nachlieferte. Die Vertreterin führte aus , ein Nachsteuerverfahren könne nicht weitergeführt werden, da noch gar keines eröffnet word en sei. Die Steuerdeklaration 2001 ent- halte die Dividende auf Grund eines Versehens nicht. Am 20. September 2004 sei das Dossier der Abteilung Nach- und Strafsteuern übergeben worden und im Dezember 2004 habe die Ver- treterin die Angelegenheit mit der Steuerverwaltung besprochen. Die Parteien seien sich einig Seite 3 gewesen, dass die Angelegenheit durch Rektifikate gelöst werden sollte. Die Vertreterin habe sich mit dem Vorgehen einverstanden erklärt und auf die Einrede der materiellen Rechtskraft verzichtet, sofern den Pflichtigen die Verrechnungssteuer gutgeschrieben werden würde. Die Vertreterin führte weiter aus, dass bei den Akte n ein Systemausdruck liege, welcher dem Steuerveranlager vorgelegen sei. Bei angemessener Sorgfalt hätte der Deklarationsfehler der Pflichtigen erkannt werden müssen. 5. Mit Schreiben vom 25. August 2008 forderte die Ste uerverwaltung die Gemeinde E. auf, ihre Nachsteuerberechnungen einzureichen. Die Gemeinde E. setzte diese auf Fr. 109'193.30 fest. 6. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 setzte die Steu erverwaltung die Nachsteuern zur Staatssteuer auf Fr. 227'326.25 und die Nachsteuern zu r Gemeindesteuer auf Fr. 117'019.30 fest. Sie führte aus, das Nachsteuerverfahren sei mit Schrei ben vom 1. Oktober 2007 korrekt eingeleitet worden. Im Rahmen dieses Verfahrens habe die Besprechung mit der Vertreterin stattgefunden, anlässlich welcher in Aussicht gestellt wo rden sei, das Verfahren mit einer Er- setzt-Rechnung abzuschliessen. Da die Pflichtigen gegen d iese Veranlagung erfolgreich Ein- sprache erhoben hätten, sei das am 1. Oktober 2007 eing eleitete Nachsteuerverfahren fortzu- setzen. In Bezug auf das Vorliegen einer neuen Tatsache hielt die Steuerverwaltung fest, die Pflichtigen hätten im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung 2001B den Ertrag der Aktien mit 0.00 bzw. 0 angegeben. Für den zuständigen Veranlager habe aufgrund dieser klaren Erklä- rung keine Veranlassung bestanden, die Richtigkeit und Vollständigkeit der Deklaration zu überprüfen. Der erwähnte Systemausdruck enthalte das Dat um "27.10.2003". Die definitive Veranlagung für das Jahr 2001 datiere vom 10. Februar 2003, also über acht Monate früher als der Systemausdruck. Dem Ausdruck sei zwar zu entnehmen, d ass jemand am 10. Februar 2003 eine Abfrage gestartet habe, jedoch sei es nie zu einer Neubewertung des Steuerwertes gekommen. Interne Abklärungen hätten ergeben, dass der Veranlager den Steuerwert per 31.12.2003 abgefragt habe, um eine Neubeurteilung des Steuerwertes zu beantragen. Vorliegend handle es sich nicht um eine Missachtung der Untersuchungspflicht. Auch wenn bei besserer Untersuchung bzw. erhöhter Sorgfalt der Veranlager die Nichtdeklaration der Dividende hätte im Nachhinein erkennen können, wiege die "doppelte" Pflichtverletzung der Seite 4 Pflichtigen schwerer. Der Pflichtige sei im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht gehalten gewesen, auf die Unterlassung hinzuweisen. 7. Mit Schreiben vom 13. November 2008 erhob die dama lige Vertreterin Einsprache und begehrte, die Verfügung vom 16. Oktober 2008 sei mang els Vorliegens der Voraussetzungen zur Erhebung einer Nachsteuer aufzuheben und das Verfahren einzustellen. Sie hielt fest, aus der Kopie des Systemausdruckes sei er sichtlich, dass am 10. Februar 2003 eine Systemabfrage zu den Aktienkursen sowie den A ktienerträgen gestartet worden sei. Der Ausdruck enthalte neben der Bewertung des Aktientit els auch die Dividendenerträge der Jahre 1997 bis und mit 2001. Weiter führte die Vertre terin aus, wie die Steuerverwaltung auf Nachfrage bestätigt habe, handle es sich um die Abklärun g des Steuerwertes per 31.12.2001. Objektiv betrachtet sei damit das Dividendeneinkommen 2001 also bereits am 10. Februar 2003 ersichtlich gewesen. Zudem sei ein Nachsteuerverfahren auch ausgeschlossen, wenn die ver- anlagende Behörde einen erkennbar unvollständigen ode r fragwürdigen Sachverhalt habe un- geklärt gelassen. Abschliessend hielt die Vertreterin fest, dass die Pfli chtigen mit der definitiven Verwir- kung der Rückforderung der Verrechnungssteuer bereits ih re Steuerlast getragen resp. für ihr Fehlverhalten materiell "gebüsst" worden seien. 8. Mit Entscheid vom 4. Oktober 2012 wies die Steuerver waltung die Einsprache ab. Sie führte aus, die ordentliche Veranlagung für das Jahr 20 01 sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Gerade die Höhe des undeklariert gebliebene n Einkommens, wie auch der Um- stand, dass auch bei einer bloss summarischen Kontrolle d er definitiven Steuerrechnung mit einem Steuerbetrag von Fr. 0.-- die Unvollständigkeit d er Deklaration hätte auffallen müssen, zeige, dass die Pflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nich t gehörig erfüllt hätten. Der zuständige Veranlagungsexperte habe keinen Grund gehabt, den Angaben in der Steuererklärung zu miss- trauen. Die Veranlagungsbehörde sei nicht gehalten, nach undeklarierten Einkünften zu for- schen. Eine Grobfahrlässigkeit oder ein Missachten der Unt ersuchungspflicht, sei demnach auszuschliessen. Betreffend dem erwähnten Systemausdruck hielt die Steue rverwaltung fest, dass dieser wohl ein Abfragedatum vor der Eröffnung der Veranla gung erwähne. Es lasse sich auch nicht erhärten, wer dies gewesen sei, sowie ob diese Abfrag e der Veranlagung 2001 gedient habe und nicht einer späteren Steuerperiode. Einzig gesich ertes Datum sei der 27. Oktober 2003 Seite 5 (Ausdrucksdatum). Die definitive Steuerveranlagung 2001 s ei jedoch früher in Rechtskraft er- wachsen. Bezüglich der Verrechnungssteuer sei der Vertreterin be izupflichten, dass die Pflichtigen den Verrechnungssteueranspruch verwirkt hätten. Davon bl ieben die Nachsteuergrundlagen allerdings unberührt. 9. Mit Schreiben vom 2. November 2012 erhob die Vert reterin der Pflichtigen Rekurs mit den Begehren, es sei der Einsprache-Entscheid vom 4. Okt ober 2012 mangels Vorliegen der Voraussetzungen zur Erhebung einer Nachsteuer aufzuheben und das Verfahren unter Kosten- folge einzustellen. Zur Begründung führte sie aus, in den Steuerakten hä tten sich zwei Systemabfragen befunden, eine erste mit Datum vom 14. Dezember 2001 u nd eine zweite mit Datum vom 10. Februar 2003. Es sei somit bewiesen, dass eine Systemabfrage getätigt worden sei, welche vor Zustellung der definitiven Veranlagungsverfügung klare und unmissverständliche Informationen zur fehlerhaften Deklaration geliefert habe. Der zuständige Veranlagungsexperte habe die Mög- lichkeit gehabt, die Nicht-Deklaration der Dividende zu e ntdecken. Aufgrund des engen sachli- chen und auch zeitlichen Zusammenhangs der Systemabfragen mit der definitiven Veranla- gungsverfügung liege der Schluss nahe, dass der Sachbearb eiter die Nicht-Deklaration ent- deckt, aber vergessen habe, diese Daten korrekt im System e inzugeben oder dass er im Rah- men der Untersuchungspflicht die offensichtlichen Infor mationen zur Nicht-Deklaration nicht gehörig abgeklärt und sich in pflichtwidriger Verletzung der gebotenen Sorgfalt auf die Falsch- deklaration der Pflichtigen verlassen habe. 10. Mit Vernehmlassung vom 27. November 2012 beantrag te die Steuerverwaltung die Ab- weisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, die Kausalität des Nach steuerverfahrens sei durch die Pflichtigen selbst gesetzt worden, indem eine unvollstä ndige und nicht wahrheitsgemässe De- klaration eingereicht worden sei. Auffallend sei in d iesem Zusammenhang, dass die damalige Vertreterin nicht nur die Steuerdeklaration 2001 bes orgt habe, sondern auch noch Revisions- stelle der Dividenden ausschüttenden Gesellschaft gewesen sei. Die Kausalität könne nun nicht durch eine allfällige mangelnde Sorgfalt der Veranla gungsbehörde unterbrochen werden. Die einzelnen Systemabfragen, welche sich in den Akten befä nden, hätten in erster Linie dazu ge- Seite 6 dient, den korrekten Steuerwert der Aktie der D. AG pe r 31. Dezember 2001 zu entnehmen bzw. zu kontrollieren. Dass nach all den Jahren dieser Sachverhalt rückblickend hä tte möglicherweise besser beurteilt werden können, vermöge die Nichtdeklaration e ines Einkommens von Fr. 1'000'000.-- nicht aufzuwiegen. 11. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstritt ener Steuerbetrag wie im vor- liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Strittig ist, ob die Voraussetzungen zur Einleitung eines Nachsteuerverfahrens in casu gegeben waren und ob die Steuerverwaltung zu Recht N achsteuern zur Staats- und Gemein- desteuern für die Steuerperiode 2001 erhoben hat. a) Ergibt sich gemäss § 146 Abs. 1 StG in der für den vorliegenden Fall massgebli- chen Fassung vom 1. Januar 2001, dass aufgrund von Tatsache n oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht bekannt waren, eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist, oder ist ein e unterbliebene oder unvollständige Veranlagung auf ein Verbrechen oder Vergehen gegen d ie Steuerbehörde zurückzuführen, so wird die nicht erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer e ingefordert. Wegen ungenügender Bewertung allein kann keine Nachsteuer erhoben werden. Seite 7 Das Recht, ein Nachsteuerverfahren einzuleiten erlisch t 10 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, für die eine Veranlagung zu Recht unterblieb oder eine rechtskräftige Veran- lagung unvollständig ist (Abs. 2). b) Damit eine Nachsteuer erhoben werden kann, muss somi t die in Frage stehende Einschätzung erstens rechtskräftig sein, zweitens ungenügend ausgefallen sein und drittens auf im Einschätzungszeitpunkt nicht bekannte Tatsachen oder Bew eismittel oder ein Verbrechen oder Vergehen zurückzuführen sein (vgl. Richner/Frei/Kauf mann/ Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A. Zürich 2006, § 160 N 9). c) Bei rechtskräftigen Veranlagungen ist eine einfache Nachforderung von Steuer- beträgen die nicht durch die Verfügung gedeckt sind, nicht möglich. Das Prinzip der Rechtskraft wird jedoch in den Gesetzen regelmässig durchbrochen, ind em auch dem Fiskus die Möglich- keit gegeben wird, die Verfügung unter bestimmten Vo raussetzungen zu seinen Gunsten abzu- ändern und einen zusätzlichen Steuerbetrag (samt Zins) als Nachsteuer einzufordern (Höhn/Waldburger, Steuerrecht Band I, 9. Aufl., Ber n/Stuttgart/Wien 2001, § 36 N 22). Die Nachsteuer ist die "Mehrsteuer", welche sich gegenüber de r ursprünglich veranlagten Steuer ergibt. Mit dem Nachsteuerverfahren soll der vom Fiskus d urch die ungerechtfertigte Verkür- zung der Steuer erlittene Steuerausfall ausgeglichen werden, doch darf die Nachsteuer nicht zur Überbesteuerung des Pflichtigen führen (vgl. Schneid er/Merz in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaf t, 146 N 1). Von den im ordentli- chen Veranlagungsverfahren erhobenen Steuern unterscheid et sich die Nachsteuer nur in for- meller Hinsicht (vgl. Vallender in: Zweifel/Athanas, K ommentar zum Schweizerischen Steuer- recht I/1, Art. 53 StHG N 2). Die Nachsteuer hat von i hrer Natur her somit keinen pönalen Cha- rakter und ist demnach weder mit einer Busse verbunden noch setzt sie das Verschulden des Steuerpflichtigen voraus (Schneider/Merz, in: a.a.O., 147 N 2). d) Da die Pflichtigen gegen die Ersetzt-Veranlagung vom 24. Januar 2008 erfolg- reich Einsprache erhoben haben, ist die definitive Veranlagung vom 25. Februar 2003 wieder in Kraft gesetzt worden. Diese Einschätzung ist unbestritternermassen rechtskräftig geworden. Zu prüfen bleibt, ob auch die weiteren Voraussetzung en zur Erhebung einer Nachsteuer in casu vorliegen. Mit anderen Worten ist zu nächst festzustellen, ob die von den Pflichtigen erhaltene Dividende als Einkommensbestandtei l hätte erkannt und in der Folge als Einkommen hätte erfasst werden müssen. In einem nächsten Schritt ist die eigentliche Kernfra- Seite 8 ge zu prüfen, nämlich ob sich die Steuerverwaltung auf das Vorliegen einer neuen Tatsache hat berufen können. 3. a) Gemäss § 23 Abs. 1 StG unterliegen der Einkommen ssteuer alle wiederkehren- den und einmaligen Einkünfte aller Art der natürliche n sowie der ihnen gleichgestellten juristi- schen Personen. Als Einkommen im steuerrechtlichen Sinn ist gemäss der Reinvermögenszu- flusstheorie nur zu verstehen, was von aussen in die Vermöge nssphäre der Steuerpflichtigen hineinkommt (vgl. Reich in: in: Zweifel/Athanas, a.a .O, Art. 7 StHG N 20). Gemäss § 24 lit. e StG gehören zum steuerbaren Einkommen unter anderem a lle Einkünfte aus beweglichem Vermögen, namentlich Zinsen aus Guthaben, Dividenden u nd geldwerte Leistungen aus Betei- ligungen aller Art unter Einschluss des über den Nennwe rt ausgeschütteten Liquidationserlö- ses, ferner Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung, Nutz niessung oder sonstiger Nutzung be- weglicher Sachen oder nutzbarer Rechte aus immaterielle m Güterrecht (Patente, Lizenzen usw.), aus Renten, aus geldwerten Vorteilen bei Nutzni essung sowie aus vertraglicher oder öffentlich-rechtlicher Nutzung. Das steuerbare Einkommen bemisst sich nach § 88 Abs. 1 StG nach den Ein- künften in der Steuerperiode. b) Eine Einkunft gilt steuerlich dann als zugeflossen, wenn der Gläubiger die Leis- tung vereinnahmt oder einen festen Rechtsanspruch mit ta tsächlicher Verfügungsmacht darauf erwirbt. In der Regel wird bereits der Forderungserw erb als einkommensbildend betrachtet, so- fern die Erfüllung nicht als unsicher erscheint oder der Leistungsanspruch nur ein bedingter ist. Massgebend ist der Zeitpunkt, zu dem die Verwirklichung d er Forderung so gewiss und gesi- chert ist, dass sie dem Zufluss von Geld gleichgestellt werden kann (Reich, Die ungerechtfertig- te Bereicherung und andere rechtsgrundlose Vermögensübe rgänge im Einkommenssteuer- recht, IFF Forum für Steuerrecht 2004, S. 7). Bei Ei nkünften aus Kapitalvermögen wird jedoch grundsätzlich auf den Zeitpunkt der Fälligkeit der Leistung abgestellt. Im Zeitpunkt der Fälligkeit verwirklicht sich gemäss Bundesgericht der Vermögenszuwachs beim Gläubiger, welcher ab diesem Moment darüber verfügen kann. Als Verfügung de s Gläubigers gilt zum Beispiel auch die Reinvestition in dieselbe Anlage, die mit dem erzi elten Vermögensertrag finanziert wird. Vom Fälligkeitsprinzip muss jedoch abgewichen werden, so fern der Gläubiger im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht über den Vermögenszuwachs verfügen kan n, weil die Auszahlung zum Beispiel auf behördliche Anordnung hin verweigert wird (vgl. F indeisen/Theiler in: Nefz- ger/Simonek/Wenk, a.a.O, 24 N 134; Entscheid des Bundesg erichts [BGE] Nr.114/2001 vom Seite 9 10. Juli 2001, E. 3; BGE 2A.613/2006, a.a.O., E. 3.1 ; BGE 2P.208/2002 vom 6. Februar 2003, E. 2.2.2; BGE vom 21. Oktober 1996, a.a.O., E. 4a). c) Aus dem Gesagten folgt, dass eine Dividende zweifello s zum Einkommen zählt. In casu hätte die Dividende in Höhe von Fr. 1'000'000.-- deklariert und erfasst werden müssen. Von höchster Relevanz ist aber, ob die Steuerbehörde zum Zeitpunkt der definiti- ven Veranlagung, also am 25. Februar 2003, bereits übe r alle relevanten Tatsachen im Bilde gewesen war. Denn kann ein Pflichtiger nachweisen, da ss der nachbesteuerte Einkommensan- teil der Steuerverwaltung bereits zum Zeitpunkt der ordentlichen Veranlagung bekannt gewesen war, entfällt die Rechtsgrundlage für ein Nachsteuer verfahren und es darf keine Nachsteuer erhoben werden (vgl. Vallender in: a.a.O., Art. 53 S tHG N 8). "Bekannt" ist für die Steuerbehör- de im Zeitpunkt der Veranlagung, was akten- oder amtskundig ist. Dem Steuerpflichtigen obliegt es dabei, den Nachweis zu erbringen, dass der Behörde d ie Tatsache hätte bekannt sein müs- sen (Höhn/Waldburger, a.a.O., § 36 N 24). 4. a) Die Veranlagung des Einkommens und Vermögens de r natürlichen Personen erfolgt durch das System des gemischten (ordentlichen) Ve ranlagungsverfahrens. Das ge- mischte Veranlagungsverfahren kombiniert und koordiniert Mitwirkungshandlungen der steuer- pflichtigen Person und Untersuchungshandlungen der Ein schätzungsbehörden (Ludwig in: Nefzger/Simonek/Wenk, a.a.O., 101 N 1). Während die St euerpflichtige Person verpflichtet ist, eine Steuererklärung einzureichen und alle für eine k orrekte Veranlagung notwendigen Mitwir- kungshandlungen vorzunehmen, hat die Einschätzungsbehörde gemäss § 109 Abs. 1 StG die nötigen Erhebungen zur Feststellung der für die Steuer veranlagung bedeutsamen Tatsachen vorzunehmen (vgl. Ludwig in: a.a.O., 101 N 2). b) Tatsachen sind Zustände oder Vorgänge (Ereignisse), die den gesetzlichen Steuertatbestand betreffen. Wie der Ausdruck sagt, sind Beweismittel Erkenntnisquellen, die dazu geeignet sind, den rechtserheblichen Sachverhalt fe stzustellen, d.h. vom Vorliegen der rechtserheblichen Tatsachen zu überzeugen (Vallender in: a.a.O., Art. 53 StHG N 7). Entscheidend für die Einleitung eines Nachsteuerverfa hrens ist, dass die Be- weismittel und Tatsachen neu, d.h. erst nach Eintritt der Rechtskraft der Veranlagung entdeckt worden sind. Zwar ist der Steuerpflichtige verantwortl ich für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben in der Steuererklärung, doch darf die Beh örde - im Wissen, später ohne weiteres ein Nachsteuerverfahren einleiten zu können - nicht l eichtfertig auf die Richtigkeit der deklarier- Seite 10 ten Angaben vertrauen. Vielmehr muss ein Nachsteuerve rfahren dann ausgeschlossen sein, wenn die veranlagende Behörde einen erkennbar unvol lständigen oder fragwürdigen Sachver- halt ungeklärt liess. Bei der Beurteilung der Frage, o b Tatsachen und Beweismittel neu sind, kommt es somit auf die Würdigung der jeweiligen Pflich ten des Steuerpflichtigen und der Steu- erbehörde bei der Veranlagung an (vgl. BGE 2C_557/20 07 vom 21. Dezember 2007, E. 2). Auf erkennbar unsicherer Grundlage verfügte Veranlagungen d ürfen nicht über ein Nachsteuerver- fahren "verbessert" werden, wenn sich diese Grundlage im Nachhinein als unzutreffend erweist (vgl. Schneider/Merz, in: a.a.O., 146 N 4). Entgegen d ieser Beschränkung festgestellte Tatsa- chen sind nicht neu (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., 2. A. Zürich § 160 N 32). c) Es ist unbestritten, dass die Rekurrenten die in Frag e stehende Dividende weder in ihrer Steuererklärung 2001A vom 29. November 2001 , noch in Ihrer Steuererklärung 2001B vom 8. Januar 2003 deklariert haben. Die Steuerverwaltu ng vertritt nun den Standpunkt, dass diese Erklärung derart klar gewesen sei, dass der Veranlager keine weiteren Abklärungen hätte tätigen müssen. Die Vertreterin ist hingegen der Ansich t, dass die Steuerverwaltung aufgrund der ihr vorliegenden Dokumente sich zumindest habe veranla sst sehen müssen, weitere Abklä- rungen hinsichtlich der Dividende vorzunehmen. d) In Ihrem Rekursschreiben vom 2. November 2012 reichte die Vertreterin Kopien zweier Systemausdrucke nach, die anlässlich der Akteneinsicht vom 26. Oktober 2012 in den Steuerakten der Pflichtigen zum Vorschein kamen. Der ei ne Systemausdruck weist das Abfra- gedatum 14. Dezember 2001, 12.31 Uhr auf. Der zweite Ausdruck das Datum vom 10. Februar 2003, 15.13 Uhr. Die beiden Systemabfragen datieren also etwa zwei Wochen, resp. 14 Monate vor der definitiven Veranlagung und weisen beide die D ividende in Höhe von Fr. 1'000'000.-- aus, was nicht zu übersehen ist. Bei der Beantwortung der Frage, ob neue Tatsachen oder Beweismittel schon zur Zeit der Veranlagung vorlagen, ist gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung der Aktenstand in diesem Zeitpunkt massgeblich (vgl. BGE Nr. 2 A.187/2000 vom 3. November 2010; BGE Nr. 2C_26/2007 vom 10. Oktober 2007, E. 3.1 in: ASA 78 S. 308; Vallender in: a.a.O., Art. 53 StHG N 9). Eine nachträglich festgestellte Tatsache ist demnach nicht neu, wenn der Veranlager einen als erheblich erkennbaren, aber noch unklaren oder unvollständigen Sachverhalt nicht weiter abgeklärt hat (vgl. Vallender in: a.a.O., Art. 53 StHG N 8). Die Steuerverwaltung argumentiert, der Steuerveranl ager habe aufgrund der kla- ren Steuerdeklaration keine weiteren Abklärungen tätig en müssen. Die Pflichtigen seien im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht gehalten gewesen, auf die Unterlassung hinzuweisen. Dem ist Seite 11 zu entgegnen, dass die sehr hohe Dividende auf den Systemauszügen nicht zu übersehen war. Auf Grund der Dividendenhöhe lässt sich zudem sagen, dass i n casu nicht nur ein untergeord- neter Teil der Steuerfaktoren widersprüchlich war, w eshalb es im System der gemischten Ver- anlagung der Behörde obliegt, die korrekte Sachverhaltsdarstellung durch ergänzende Untersu- chungen sicherzustellen (vgl. Der Steuerentscheid [StE], 1999, B 97.41 Nr.11 E. 2). Die Steuer- verwaltung hat es vorliegend unterlassen, einen bestimmte n, einfach zu erhellenden Umstand näher abzuklären, obwohl dazu Anlass bestanden hat (vgl. BGE Nr. 2C_223/2011 vom 13. Sep- tember 2011, E. 3.3). Das Bundesgericht hält hierzu f est, dass der Kausalzusammenhang zwi- schen der nicht gehörigen Deklaration der Pflichtigen und dem Steuerausfall unterbrochen wer- de, wenn die Unzuverlässigkeit der Steuererklärung und der Beilagen der Einschätzungsbehör- de bekannt war oder hätte bekannt sein müssen, und vo n dieser wider besseres Wissen oder aus Nachlässigkeit nicht beachtet wurde (vgl. Zweifel/Ca sanova, Schweizerisches Steuerver- fahrensrecht, 1. Aufl, 2008, § 26 N. 15; StE, 2000, B 97.41 Nr. 13; BGE vom 29. März 1946, in: ASA 14 S. 488). Aus dem Gesagten folgt, dass die Zahlung der Dividen de der D. AG bereits zum Zeitpunkt der definitiven Veranlagung zum Aktenstand ge hörte und somit keine neue Tatsache darstellt. Das Steuergericht erkennt, dass die Voraussetzungen zur Erhebung einer Nachsteuer mangels einer neuen Tatsache in casu nicht erfüllt waren, wesh alb die Erhebung einer Nachsteuer zur Staats- und Gemeindesteuer für das Jahr 2001 demgemäss n icht zulässig und die Nachsteuer- verfügung vom 16. Oktober 2008 aufzuheben ist. 5. Unabhängig von einer Nachsteuer können Pflichtige gemäss § 151 StG mit einer Busse bestraft werden, die vorsätzlich oder fahrlässig bewirken, dass eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist. Dazu müsste die Steuerverwaltung aber gemäss § 161 StG fristgemäss ein Strafsteuerverfahren eingeleitet haben. Die Steuerverwaltung führte in ihrer Vernehmlassung vom 27. November 2012 zutref- fend aus, dass die damalige Vertreterin der Pflichtigen nicht nur die Steuerdeklaration 2001 besorgt habe, sondern auch noch Revisionsstelle der Divide nden ausschüttenden Gesellschaft gewesen sei. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie über die Einkünfte der Pflichtigen vollständig informiert war. Gleichwohl hat die Steuer verwaltung von Beginn an das Vorliegen eines Hinterziehungstatbestandes gemäss § 151 StG verneint und auf die Einleitung eines Strafsteuerverfahrens verzichtet. Eine Prüfung der Vora ussetzungen zur Auferlegung einer Seite 12 Busse wurde aus unersichtlichen Gründen nicht vorgenommen , obwohl keine be- noch entlas- tenden Erkenntnisse vorlagen. Ein Strafsteuerverfahren kann praxisgemäss unabhängig von einem Nachsteuerverfah- ren angehoben und geführt werden. Auch das Argument, die Rekurrenten hätten mit Abliefe- rung der Verrechnungssteuer ihre Steuerschuld bereits getragen, ist nicht zu hören, als dies für die Erhebung einer Strafsteuer ebenfalls nicht von Bela ng ist. Die nicht Anhebung eines Strafsteuerverfahrens erscheint in diesem Licht zumind est als fragwürdig, zumal eine Einstel- lung des Verfahrens zu einem späteren Zeitpunkt problem los möglich gewesen wäre. Eine wei- tergehende Beurteilung dieser Thematik erübrigt sich hier jedoch. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Rekurs gu tzuheissen ist und die Nachsteu- erverfügung zur Staats- und Gemeindesteuer für das Jahr 2001 vom 16. Oktober 2006 aufzu- heben ist. 6. a) Ausgangsgemäss sind den Rekurrenten keine Verfahr enskosten aufzuerlegen (Art. 130 StG i.V.m § 20 des Gesetzes vom 16. Dezembe r 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]). b) Nach § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei B eschwerden in Steuersachen der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei zug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesproc hen werden. Vorliegend hat die Ver- treterin der Pflichtigen eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 4'880.50 inkl. MWSt. geltend gemacht. Diese setzt sich zusammen aus 9.75 Stunden à F r. 450.-- und Auslagen in Höhe von Fr. 131.50 zzgl. MWSt. Der Stundenansatz beträgt für N icht-Anwälte praxisgemäss Fr. 150.--, weshalb dieser von Fr. 450.-- auf Fr. 150.-- zu kürzen ist, sodass sich die Honorarnote bereinigt auf Fr. 1'721.50.-- inkl. MWSt. und Auslagen beläuft. Seite 13 Demgemäss wird erkannt: ://: 1. Der Rekurs wird gutgeheissen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Der bereits bezahl te Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 1'000.-- wird den Rekurrenten zurückerstattet. 3. Die Steuerverwaltung hat den Rekurrenten eine re duzierte Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1'721.50 (inklusive Auslagen und MWSt.) zu bezahlen. 4. Mitteilung an den Vertreter, für sich und zhd. der Rekurrenten (2), die Gemeinde E. (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiber i.V.: v. Q. P. Tran