Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 14. Dezember 2021 (460 21 214) ____________________________________________________________________ Strafrecht Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl / Strafzumessung Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), Richter Daniel Häring; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde Privatklägerschaft gegen A.____ , vertreten durch Rechtsanwältin Clivia Wullimann, Bettlachstrasse 8, Postfach 1221, 2540 Grenchen, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl etc. (Berufung des Beschuldigten gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 3. August 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 3. August 2021 wurde der Beschuldigte A.____ des mehrfachen, teilweise banden- und gewerbsm ässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung und des mehrfachen, teilweise versucht en Hausfriedensbruchs schuldig erklärt und ‒ unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaf t und des verbüssten vorzeitigen Strafvollzugs von insgesamt 369 Tagen ‒ zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt; dies in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 St GB (teilweise in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 2 StGB), Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB (teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 S tGB sowie Art. 51 StGB. In Bezug auf die Anklageziffer 2 wurde A.____ von den Vorwürfen des versu chten Diebstahls, der Sachbeschä- digung sowie des versuchten Hausfriedensbruchs freigesprochen (Ziff. 1.1). Des Weiteren wur- de der Beschuldigte gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. c und lit. d StGB für die Dauer von zehn Jahren des Landes verwiesen (Ziff. 2.1). Ferner wurde A .____ in solidarischer Haftung mit B.____ dazu verurteilt, folgende Zivilforderungen zu b ezahlen: CHF 1'355.85 an die Gebrüder C.____ AG (Fall 6 der Anklageschrift) sowie CHF 200.- - an die D.____ AG (Fall 8 der Anklage- schrift). Demgegenüber wurden folgende Zivilforderunge n auf den Zivilweg verwiesen: E.____ GmbH über CHF 2'700.-- (Fall 5 der Anklageschrift), F .____ GmbH über CHF 5'000.-- (Fall 7 der Anklageschrift), Einwohnergemeinde G.____ über CH F 800.-- (Fall 9 der Anklageschrift) und H.____ AG über CHF 2'284.36 (sic!) (Fall 10 der Anklageschrift) (Ziff. 3). Das Honorar der amtlichen Verteidigerin von A.____ in der Höhe von i nsgesamt CHF 10'288.-- (inklusive Ausla- gen und Mehrwertsteuer) wurde, unter Vorbehalt der R ückzahlungsverpflichtung des Beschul- digten nach Art. 135 Abs. 4 StPO, aus der Gerichtskasse en trichtet (Ziff. 4.1). Schliesslich wur- den die A.____ betreffenden Verfahrenskosten, bestehen d aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 10'780.--, den Kosten des Zwangsmassnahmengerich ts von CHF 350.-- und der Ge- richtsgebühr von CHF 4'000.--, dem Beschuldigten aufer legt, wobei auf deren Erhebung ge- stützt auf Art. 425 StPO zufolge Aussichtslosigkeit verzicht et wurde (Ziff. 5.1). Auf die Begrün- dung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. B. Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 3. August 2021 meldete A.____ mit Schreiben vom 11. August 2021 die Berufung an und stellte dabei in seiner Berufungserklärung an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 20. September 2021 die folgenden Anträge: Es seien die Ziffern 1.1 und 2.1 des angefoch tenen Urteils aufzuheben (Ziff. 1), und er sei zu einer Freiheitsstrafe von maximal 18 Monaten zu ve rurteilen, wobei die Freiheitsstrafe im Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Umfang von einem Jahr unbedingt und im Umfang von sechs Monate bedingt zu vollziehen sei (Ziff. 2). Ausserdem sei dem Beschuldigten der bereits ausgestandene Freiheitsentzug an seine Strafe anzurechnen (Ziff. 3). Sodann sei ihm die amt liche Verteidigung zu gewähren (Ziff. 4), und es sei zu einer mündlichen Berufungsverhandlung vorzuladen (Ziff. 5); dies alles unter Kos- ten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 6). C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 21. Oktober 2021 wurde festgestellt, dass die übrigen Parteien weder einen Antrag auf Nichteintret en noch die Anschlussberufung erklärt ha- ben. Gleichzeitig wurde die Durchführung des mündlich en Verfahrens angeordnet, und es wur- den die Staatsanwaltschaft sowie der Beschuldigte verpf lichtet, vor Kantonsgericht persönlich zu erscheinen. In der Folge wurde auf die Einholung weiterer Stellungnahmen verzichtet. D. Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 14. Dezember 2021 sind der Beschuldigte mit seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin Clivia Wullimann, sowie Monika Genovese als Vertreterin der Staatsanwaltschaft a nwesend. Auf die von den Anwesen- den getätigten Ausführungen wird wiederum, soweit er forderlich, in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beru- fungsinstanz zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmitte ls ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a EG StPO. Nach Art. 3 98 Abs. 1 StPO ist die Berufung zuläs- sig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abge- schlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO könne n mit der Berufung gerügt wer- den: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung un d Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststel- lung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufun g dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder m ündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung d es begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Legitimation des B eschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Na chdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, der Beschuldig te berufungslegitimiert ist, zulässige Rügen erhebt und die Rechtsmittelfristen gewahrt hat s owie der Erklärungspflicht nachgekom- men ist, ist im Folgenden ohne Weiteres auf dessen Berufung einzutreten. 1.2 Gegen das erstinstanzliche Urteil hat lediglich der Besch uldigte A.____ ein Rechtsmittel ergriffen, wobei er dieses im Rahmen seiner Berufung serklärung zunächst auf die Strafzumes- sung (Ziff. 1.1 des angefochtenen Urteils) und die Lan desverweisung (Ziff. 2.1 des angefochte- nen Urteils) beschränkt hat. Anlässlich der mündlichen Part eiverhandlung hat der Beschuldigte sodann seine Berufung auf die Anfechtung der Strafzume ssung reduziert, weshalb gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO im vorliegenden Berufungsverfahre n nur noch dieser Punkt Gegenstand der richterlichen Überprüfung bildet (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). 2. Ausführungen der Parteien 2.1 (...). 2.2 (...). 3. Strafzumessung 3.1.1 Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe innerh alb des massgebenden Strafrah- mens nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le ben des Täters (Abs. 1). Das Ver- schulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefäh rdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründe n und Zielen des Täters sowie da- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage ge- wesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). 3.1.2 Das Gericht bewertet das Verschulden ausgehend von der objektiven Tatschwere. Diese ist zunächst danach zu bestimmen, wie stark das betroffen e Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Dabei sind das Ausmass des Erfolgs, die Gefährdung, d as Risiko sowie die Art und Weise des Tatvorgehens zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Intensität der durch die Tat und Tatausführung offenbarten kriminellen Energie, sowie die Grösse des Tatbeitrags bei meh- reren Tätern und die hierarchische Stellung (H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 91 ff. zu Art 47 StGB). Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere bilden namentlich die Bewegg ründe und Ziele des Täters, der bei der Tat aufgewendete Wille, das Motiv sowie das Mass an E ntscheidungsfreiheit massgebende Strafzumessungskriterien (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 115 ff. zu Art. 47 StGB). Das Ge- richt hat die objektive Tatschwere zu bewerten und in den Urteilserwägungen anzugeben, ob diese aufgrund der Beurteilung der subjektiven Tatschwere reduziert, bestätigt oder erhöht wer- den soll. Dabei muss es gemäss Art. 50 StGB festhalten , welche die für die Strafzumessung erheblichen Umstände sind und wie es diese gewichtet. Hi erzu muss das Gericht in seinem Urteil darlegen, welche verschuldensmindernden und wel che verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteins chätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich eingehen, die es – ohne dass die s ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von ge ringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 144 IV 313 E. 1.2; BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings muss das Gericht das Gesamtverschulden qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschuld ens im Urteil ausdrücklich benen- nen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nac h Schweregrad auszugehen ist (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, mittelschwer, schwer, se hr schwer). Im Übrigen betont das Bun- desgericht in seiner Rechtsprechung, dass die Formulieru ng des Verschuldens und die Fest- setzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehe n müssen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.1; 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1.3 In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe , die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu b estimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufg rund wesentlicher Täterkomponenten, d.h. tatunabhängiger Strafzumessungsfaktoren, erhöht oder reduziert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7; BGE 134 IV 132 E. 6.1). 3.2.1 Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen di e Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zu der Stra- fe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhö hen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden. Die Vorschrift von Art. 49 Abs. 1 StGB legt somit die Rechtsfolgen fest, die einen Täter treffen, der denselben Straftatbestand mehrfach oder mehre- re verschiedene Straftatbestände verletzt hat. Die Vorschr ift regelt das methodische Vorgehen der Strafzumessung im Konkurrenzfall aber nur rudiment är; ihr selbst lässt sich nicht entneh- men, wann die Voraussetzungen gleichartiger Strafen erfüllt sind, was die schwerste Straftat ist und wie diese zu ermitteln und erhöhen ist (BGE 144 IV 217 E. 3.2). 3.2.2 Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Geldstrafe und Freiheitstrafe sind kei ne gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Ungleichartige Strafen sind kumul ativ zu verhängen. Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkre ten Fall für jeden einzelnen Norm- verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (sog. kon krete Methode). Dass die anzuwenden- den Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen vo rsehen, genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2; 142 IV 265 E. 2.3.2; 1 38 IV 120 E. 5.2; BGer 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2). 3.2.3 Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist in einem ersten Schritt an- hand der abstrakten Strafdrohung des Gesetzes der Stra frahmen für die schwerste Straftat zu ermitteln. Sind mehrere Straftatbestände mit gleich em Strafrahmen zu beurteilen, ist von derje- nigen Straftat auszugehen, die im konkreten Fall die höchste Strafe nach sich zieht (H ANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 485). Die tat- und täterange- messene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlich en Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahme n ist vom Gesetzgeber in aller Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten U mständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffass ung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üb lichen Zumessungskriterien festzuset- zen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wen n aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). 3.2.4 In einem zweiten Schritt hat das Gericht die Einsatzstr afe für die schwerste Tat innerhalb des betreffenden gesetzlichen Strafrahmens nach der ob jektiven und subjektiven Tatschwere bzw. den Tatkomponenten festzusetzen (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2; 127 IV 101 E. 2b). Dabei hat das Gericht eine vorläufige Gesamteinschätzung im Sinne einer hypothetischen Einsatzstrafe vorzunehmen, wobei das Verschulden im Rahmen einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, m ittelschwer, schwer, sehr schwer) zu be- stimmen und in der Begründung des Urteils zu nennen ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7). 3.2.5 In einem dritten Schritt sind die übrigen Delikte – w iederum anhand der Tatschwere bzw. den Tatkomponenten entsprechend den vorstehenden Ausfü hrungen – zu beurteilen, wobei für jede zusätzliche Straftat, derentwegen der Beschuldigte verurteilt wird, unter Berücksichtigung des jeweiligen Verschuldens eine hypothetische Einzelstrafe zu ermitteln ist. Mithin sind für jede (zusätzliche) konkrete Tat die angemessene Strafhöhe sowi e die passende Strafart zu bestim- men (BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E 1.1.1 und E. 1.4; BGer 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4; 6B_1071/2019 vom 5. Novemb er 2020 E. 3.3.2). Anschliessend ist zu prüfen, aus welchen der festgelegten Einzelstrafen e ine Gesamtstrafe zu bilden ist bzw. Ge- samtstrafen zu bilden sind. Soweit für mehrere zu beurte ilende Straftaten jeweils gleichartige Strafen als angemessen erscheinen, ist unter Berücksichtigu ng des Asperationsprinzips eine hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E. 1.4; BG er 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4). Bei der Bemessung der Gesamtstrafe müssen die e inzelnen Straftaten innerhalb des (allenfalls erweiterten) Strafrahmens gesamthaft gewü rdigt werden. Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenh eit der verletzten Rechtsgüter und die Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Deliktes wird Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte z eitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; B Ger 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2). 3.2.6 Bei einem qualifizierten Fall ist sodann zu beachten, dass die Umstände, die zur Anwen- dung eines höheren Strafrahmens führen, innerhalb des geänderten Strafrahmens nicht noch einmal als Straferhöhungsgründe berücksichtig werden dürf en (sogenanntes Doppelverwer- tungsverbot; BGE 118 IV 342 E. 2b; vgl. auch W IPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 102 f. zu Art. 47 StGB, mit Hinweisen). Demgegenüber ist das Ge richt nicht daran gehindert, in seine Würdigung miteinzubeziehen, in welchem Ausmass ein quali fizierender Tatumstand gegeben ist (BGE 141 IV 61 E. 6.1.3; 120 IV 67 E. 2b; 118 IV 342 E. 2b; WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 102 zu Art. 47 StGB), namentlich in welcher Intensit ät Gewerbsmässigkeit betrieben (BGer 6B_708/2017 vom 13. November 2017 E. 3.3.1; 6B_1192/2 014 vom 24. April 2015 E. 5.4.2) oder in welcher Art und Weise bandenmässig vorgegangen worden ist (BGer 6B_237/2018 vom 24. August 2018 E. 1.4.2). Ebenso darf das gleichzeiti ge Vorliegen mehrerer Qualifikations- gründe innerhalb des Strafrahmens der Qualifikation Berücksichtigung finden (BGE 120 IV 330 E. 1c/aa; BGer 6B_708/2017 vom 13. November 2017 E. 3.3.1; 6B_662/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2.4.3; 6B_683/2012 vom 17. Juli 2013 E. 3.5; jeweils mit Verweisen). 3.2.7 Nach der Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe(n) für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkomponenten zu berücksichtigen. Bei de r Bestimmung der Täterkompo- nenten kann es sich rechtfertigen, die einzelnen Aspekte g esamthaft für sämtliche begangenen Taten zu würdigen, sofern diese für alle Delikte in gl eicher oder vergleichbarer Weise Geltung beanspruchen (BGer 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1; 6B_496/2011 vom 19. November 2021 E. 4.2). Die Täterkomponenten umfa ssen die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht oder ein Geständnis (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 92 ff. zu Art. 47 StGB). 3.3 Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung bringt der Be schuldigte vor, er sei zu einer Freiheitsstrafe von maximal 18 Monaten zu verurteilen , unter Anrechnung des bereits ausge- standenen Freiheitsentzugs von insgesamt 503 Tagen (vgl. oben E. 2.1). Demgegenüber be- gehrt die Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufu ng und demnach die Bestätigung des Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht angefochtenen Urteils, mittels welchem der Beschuldigte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt worden ist (vgl. oben E. 2.2). 3.4.1 Die Tatsache, dass der Beschuldigte das erstinstanzliche Str afmass beanstandet, erhellt, dass von Seiten des Kantonsgerichts eine neue Strafzumessu ng vorzunehmen ist. Dies gilt in casu umso mehr, als die Vorinstanz bei ihrer Strafzumessun g die vorgängig dargelegten Vor- gaben des Bundesgerichts nicht beachtet und somit Bundesre cht verletzt hat. Da gemäss Art. 408 StPO die Berufungsinstanz ein neues Urteil zu f ällen hat, welches das erstinstanzliche ersetzt, ist auf die vorinstanzliche Bemessung der Strafe n icht weiter einzugehen. Das Beru- fungsgericht hat sowieso die Strafe nach eigenem Ermessen festzusetzen und muss sich auch nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die ein zelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). 3.4.2 Im vorliegenden Fall ist zu konstatieren, dass der Beschu ldigte vom Strafgericht in den Fällen 5 - 16 der Anklageschrift wegen gewerbs- und ban denmässigen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 2 StGB), im Fall 1 der Anklageschrift wegen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 StGB), in den Fällen 1, 5 - 8 und 10 - 16 wegen mehrfacher Sachbe- schädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) sowie in den Fällen 1, 5, 7, 8 und 10 - 16 wegen mehrfa- chen, teilweise versuchten Hausfriedensbruchs (Art. 186 S tGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig erklärt worden ist. Diese S chuldsprüche sind vom Kantonsgericht mangels Anfechtung nicht zu überprüfen. Gestützt auf di e genannten Verurteilungen hat das Kantonsgericht hingegen nunmehr anstelle des Strafgerich ts eine bundesrechtskonforme Straf- zumessung vorzunehmen. 3.5.1 Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kanton sgericht zunächst den Straf- rahmen nach der abstrakt schwerwiegendsten Straftat zu bestimmen. Vorliegend weist der bandenmässige Diebstahl den höchsten abstrakten Strafrah men auf. So reicht dieser gemäss Art. 139 Ziff. 3 StGB von sechs Monaten Freiheitsstrafe am unteren bis zu zehn Jahren Frei- heitsstrafe am oberen Ende. Aussergewöhnliche Umstände, welche es angezeigt erscheinen lassen würden, diesen Strafrahmen zu verlassen, liegen au ch unter Berücksichtigung der Tat- und Deliktsmehrheit nicht vor. Die Strafe ist daher in nerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzulegen. Für den bandenmässigen Diebstahl ist somit eine Einsatzstrafe festzusetzen. Hin- zu kommen der gewerbsmässige Diebstahl mit einem Strafrah men von 90 Tagessätzen Geld- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht strafe bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe (welcher in casu allerdings in die Einsatzstrafe mitein- zubeziehen ist; vgl. nachfolgend E. 3.6.1), der Diebstah l mit einem Strafrahmen von drei Ta- gessätzen Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe, die Sachbeschädigung mit einem Straf- rahmen von drei Tagessätzen Geldstrafe bis zu drei Jah ren Freiheitsstrafe sowie der Hausfrie- densbruch mit dem nämlichen Strafrahmen von drei Tagess ätzen Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. 3.5.2 Wie dargelegt, führt die Deliktsmehrheit im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB nicht zu einer Erhöhung der abstrakten Strafrahmen, ist aber innerhal b des ordentlichen Strafrahmens des schwersten Delikts bei der Gesamtstrafenbildung straferhö hend zu gewichten. Dabei kommt, wie ebenfalls bereits erwähnt, die Bildung einer Gesa mtstrafe in Anwendung des Asperations- prinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB nur in Betracht, wenn gleichartige Strafen auszusprechen sind. Nicht ausgeschlossen ist, dass namentlich bei Tatserien, d.h. bei tatsächlich und zeitlich verknüpften Straftaten, eine Kategorisierung erfolgen kann, soweit sich identische Überlegun- gen hinsichtlich der Zweckmässigkeit einer bestimmten Sank tion aufdrängen (BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.3). Für den gewerbsmässigen Diebstahl, den Diebstahl, die jeweiligen Sachbeschädigungen und die j eweiligen Hausfriedensbrüche ist in casu zwar im Gegensatz zum bandenmässigen Diebstahl aufgru nd der jeweils ermittelten Strafeinheit die Ausfällung von Geldstrafen möglich, a ufgrund der Tatsache, dass sämtliche Tathandlungen zeitlich, sachlich, situativ und deliktisch i n einem ausgesprochen engen Konnex zueinander stehen und die Sachbeschädigungen sowie die H ausfriedensbrüche bloss Begleit- delikte zum banden- und gewerbsmässigen Diebstahl sowie z um Diebstahl darstellen, kommt vorliegend aber hinsichtlich sämtlicher Tatbestände nur eine Freiheitsstrafe in Frage. Dies gilt umso mehr, als bei der Wahl der Sanktion auf die Zweckm ässigkeit, die Auswirkungen auf den Beschuldigten sowie die präventive Effizienz zu achten und in diesem Zusammenhang festzu- stellen ist, dass der Beschuldigte trotz mehrfacher einsch lägiger Verurteilungen zu teilweise mehrjährigen Freiheitsstrafen vorliegend wiederum mit Einbruchdiebstählen in Erscheinung getreten ist, woraus deutlich erhellt, dass die nötige präventive Wirkung durch eine blosse Geldstrafe in keiner Weise erzielt werden könnte. Im Ergebnis ist damit das Asperationsprinzip zur Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe ohne Weiteres anwendbar. 3.5.3 Die von der Vorinstanz vorgenommene Gesamtbetrachtung ist angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte des mehrfachen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung und des Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehrfachen , teilweise versuchten Hausfriedensbruchs schuldig gespro chen worden ist, nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganzen BGer 6B_14 22/2019 vom 28. Mai 2021 E. 6.4.1) unzulässig. Vielmehr müssen die einzelnen Tathandlungen vor der Bildung einer allfäl- ligen Gesamtstrafe ‒ wie es das Kantonsgericht vorliegend gemacht hat ‒ in einem selbststän- digen Schritt vorab gewürdigt werden (vgl. BGer 6B_ 998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). Die enge Verknüpfung der einzelnen Delikt e entbindet nicht von dieser Vorgehens- weise (BGer 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.4). We nngleich bei der Bemessung der hy- pothetischen Gesamtstrafe die einzelnen Straftaten in e inem selbstständigen Schritt gewürdigt werden müssen, ist bei Vorliegen einer Tatserie eine p unktuelle Kategorisierung gleichgelager- ter Delikte (z.B. nach Schadenshöhe, Tatvorgehen) nicht ausgeschlossen. Sie hat sich aber immer am Mass des der konkreten Tat immanenten Verschul dens zu orientieren. Eine gemein- same Bewertung unterschiedlicher Taten widerspricht der Gesamtstrafenbildung nach dem As- perationsprinzip (BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). 3.6.1 Einsatzstrafe für den banden- und gewerbsmässigen Diebstahl: aa) Zunächst ist festzustellen, dass es sich vorliegend im Zusa mmenhang mit den rubrizierten Anklagepunkten um zwölf (Ziffern 5 - 16 der Anklageschrif t) gleichwertige Serientaten handelt, welche alle die banden- und gewerbsmässige Qualifikation erfüllen, womit es sowohl zweck- mässig als auch gerechtfertigt ist, für die banden- und gewerbsmässigen Einbruchdiebstähle eine einheitliche Einsatzstrafe festzusetzen (BGer 6B_ 797/2011 vom 13. April 2012 E. 3.1.2; MARCEL ALEXANDER N IGGLI / CHRISTOF RIEDO , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, StGB, 4. Auflage, Basel 2019, N 136 zu 139 StGB). Bei der Festlegung der Einsatzstrafe würdigt das Kantonsgericht auf der Seite der objektiven Tatkompone nten, dass der Beschuldigte während rund zwei Wochen, konkret im Zeitraum vom 17. Juli 2020 bis zum 31. Juli 2020, zwölf Ein- bruchdiebstähle, teilweise versucht, verübt und dabei e inen Deliktsbetrag von rund CHF 11'560.-- erbeutet hat. Entgegen der Ansicht des Beschuldigten definiert sich dabei seine verschuldenserhöhend zu gewichtende kriminelle Energie ni cht allein anhand der tatsächlich erbeuteten Vermögenswerte, welchen angesichts der Einbr uchsobjekte faktisch etwas Zufälli- ges anhaftet, sondern vielmehr durch die stattliche Anz ahl der ihm zur Last gelegten zwölf De- likte innerhalb von nur zwei Wochen bzw. anlässlich dreier Deliktserien (17./18. Juli 2020, 20. Juli 2020 und 30./31. Juli 2021) sowie durch die im Zusammenhang mit dieser hohen Inten- sität aufgewendeten Zeit und Tatkraft. Weiter ist bei der Verschuldensbewertung zu berücksich- tigten, dass der Beschuldigte die Einbruchdiebstähle sow ohl banden- wie auch gewerbsmässig Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht begangen hat. Verschuldenserhöhend ist zu gewichten, dass er als Kriminaltourist ohne jegli- chen Bezug zur Schweiz ausschliesslich zur Begehung der fragl ichen Delikte eingereist ist. Keine Rolle spielt demgegenüber bei der Beurteilung der rubrizierten Delikte der verursachte Sachschaden, welcher vielmehr im Zusammenhang mit der F estlegung der Einzelstrafe(n) be- züglich den Sachbeschädigungen zu werten ist. Neutral zu beurteilen sind sodann die Umstän- de, dass der Beschuldigte "bloss" in Geschäfts- und nicht i n Wohnliegenschaften eingebrochen ist (vgl. nachfolgend E. 3.6.4) sowie, dass nicht bekannt ist, auf welcher Hierarchiestufe er in- nerhalb der Bande agiert hat, wobei zu vermuten ist, d ass er keine Führungsfunktion einge- nommen hat. Aufgrund dieser geschilderten Umstände ist die objektive Tatschwere als leicht im mittleren Bereich einzustufen. bb) In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er direktvorsätzlich und offensichtlich aus rein finanziellem Interesse bzw. gewi nnsüchtigen Motiven gehandelt hat. Letzteres ist indessen dem Qualifikationsgrund der Gewe rbsmässigkeit inhärent, weshalb es sich nicht weiter auf die Verschuldensbewertung auswirkt. Gleichwohl ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nicht aus einer rein finanziellen Notlag e heraus gehandelt hat. Dem deliktischen Handeln des Beschuldigten ist schliesslich erst durch dessen Verhaftung ein Ende gesetzt wor- den, er hat mithin nicht aus eigenem Antrieb davon abgelassen. Die subjektive Schwere der Tat relativiert somit das objektive Tatverschulden in keiner Weise. cc) Im Rahmen der Gesamtqualifikation des Tatverschuldens h insichtlich der Einsatzstrafe ist somit das Verschulden des Beschuldigten in Bezug auf den ba nden- und gewerbsmässigen Diebstahl betreffend die Anklageziffern 5 - 16 als leich t im mittleren Bereich zu qualifizieren, was bei einer Mindeststrafe von sechs Monaten Freiheit sstrafe und einer Maximalstrafe von zehn Jahren Freiheitsstrafe zu einer hypothetischen schuldangemessenen Einsatzstrafe von 20 Monaten Freiheitsstrafe führt. 3.6.2 Einzelstrafe für den Diebstahl: aa) Bezüglich des Vorwurfes des Diebstahls gemäss Ziffer 1 de r Anklageschrift ist betreffend die objektive Tatschwere zu veranschlagen, dass der Beschuldi gte zusammen mit I.____ in Mittäterschaft in der Nacht vom 24. oder 25. März 2018 in ein Restaurant eingebrochen ist und dabei ein Serviceportemonnaie samt Bargeld im Umfang vo n rund CHF 500.-- gestohlen hat. Der Höhe des Deliktsbetrags kommt dabei keine primäre B edeutung zu, haftet dieser doch Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch hier etwas Zufälliges an. Verschuldenserhöhend ist wiederum zu gewichten, dass der Be- schuldigte als Kriminaltourist ohne jeglichen Bezug zur Schweiz ausschliesslich zur Begehung des fraglichen Deliktes eingereist ist. Neutral zu wert en ist demgegenüber der Umstand, dass der Beschuldigte "bloss" in eine Geschäftsliegenschaft ei ngebrochen ist (vgl. nachfolgend E. 3.6.4). Aufgrund dieser geschilderten Umstände ist d ie objektive Tatschwere als leicht zu qualifizieren. bb) In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten anzulasten, d ass er direktvorsätzlich und offensichtlich aus rein finanziellem Interesse bzw. gewi nnsüchtigen Motiven gehandelt hat. Festzuhalten ist dabei, dass keine Hinweise darauf besteh en, wonach der Beschuldigte aus einer finanziellen Notlage heraus gehandelt hat, zum al er unbestrittenermassen zum fraglichen Zeitpunkt an seinem damaligen Wohnort in J.____ über eine Arbeitsstelle verfügt hat. Die sub- jektive Schwere der Tat hat somit keinen Einfluss auf das objektive Tatverschulden. cc) In Bezug auf die hypothetische Einzelstrafe betreffen d den Diebstahl gemäss Ziffer 1 der Anklageschrift ist somit das Tatverschulden gesamthaft als leicht einzustufen. Als Strafart wäre zwar theoretisch eine Geldstrafe möglich, wie bereits d argelegt (vgl. oben E. 3.5.2), kommt in casu aber nur die Ausfällung einer Freiheitsstrafe in Betracht, wobei eine solche in der hypothe- tischen Höhe von eineinhalb Monaten als angemessen erach tet wird. Im Rahmen der Asperati- on ist zu Gunsten des Beschuldigten zu beachten, dass de r Gesamtschuldbeitrag des vorlie- genden Deliktes im Verhältnis zum banden- und gewerbsmä ssigen Diebstahl angesichts der Gleichheit der verletzten Rechtsgüter und der Begehungsweisen geringer zu veranschlagen ist. Die engen sachlichen und situativen Zusammenhänge zwische n den einzelnen Tatkomplexen berücksichtigend erachtet es das Kantonsgericht daher im Er gebnis als angebracht, die hypo- thetische Einsatzstrafe für den banden- und gewerbsmässig en Diebstahl von 20 Monaten um lediglich einen halben Monat für den weiteren Diebstahl zu erhöhen. 3.6.3 Einzelstrafen für die mehrfache Sachbeschädigung: aa) Bezüglich des Schuldspruchs wegen mehrfacher Sachbeschäd igung ist zu konstatieren, dass ‒ unter Berücksichtigung der Anklageschrift der Staatsanw altschaft vom 16. Dezember 2020 und der darin konkret aufgelisteten Delikte samt en tsprechender Täterschaft ‒ durch die Vorinstanz betreffend den Beschuldigten A.____ offenba r eine Verurteilung in Bezug auf die Anklageziffern 1, 5 - 8 sowie 10 - 16 erfolgt ist, wenn gleich dies nicht explizit ausgeführt wird. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wie vorstehend dargelegt (oben E. 3.5.3), ist es nach der Praxis des Bundesgerichts zulässig, bei Vorliegen einer Tatserie eine punktuelle Kategor isierung gleichgelagerter Delikte (z.B. nach Schadenshöhe, Tatvorgehen) vorzunehmen, wobei sich diese am Mass des der konkreten Tat immanenten Verschuldens zu orientieren hat. Im vorlieg enden Fall steht fest, dass die Sachbe- schädigungen bezüglich der Anklageziffern 5 - 8 sowie 10 - 16 diejenige Deliktserie betreffen, welche vorgängig im Rahmen der Würdigung des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls beurteilt worden ist, während die Sachbeschädigung hi nsichtlich Ziffer 1 der Anklageschrift im Zusammenhang mit der Würdigung des Diebstahls gemäss Ankla gepunkt 1 steht. Infolgedes- sen rechtfertigt es sich in casu, in einem ersten Schritt hypothetische Einzelstrafen für die Sachbeschädigung gemäss Anklageziffer 1 und für die jewe iligen Sachbeschädigungen nach den Anklageziffern 5 - 8 sowie 10 - 16, bei welchen oh ne Zweifel sehr vergleichbare Vorge- hensweisen manifestiert und zudem auch vergleichbare Schä den verursacht worden sind, fest- zulegen, und diese danach einzeln zu asperieren. bb) Bezüglich des Vorwurfes der Sachbeschädigung gemäss Zif fer 1 der Anklageschrift ist betreffend die objektive Tatschwere zu veranschlagen, d ass der Beschuldigte zusammen mit I.____ in Mittäterschaft in der Nacht vom 24. oder 25 . März 2018 in ein Restaurant eingebro- chen ist und dabei einen Schaden an der Alarmanlage u nd am aufgehebelten Fenster in der Höhe von total CHF 5'892.-- verursacht hat. Dieser Schad en steht in einem krassen Missver- hältnis zum erbeuteten Deliktsbetrag von rund CHF 500.- - und lässt auf eine hohe Rücksichts- losigkeit gegenüber fremden Rechtsgütern schliessen. Kei ne entlastende Rolle spielt in casu der Umstand, dass der Beschuldigte "bloss" eine Geschäftsl iegenschaft beschädigt hat. Auf- grund dieser geschilderten Umstände ist die objektive Tat schwere als leicht zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten anzulasten, das s er direktvorsätzlich gehandelt hat zwecks Förderung des eigentlich angestrebten Diebstahls, w eshalb die subjektive Schwere der Tat das objektive Tatverschulden nicht zu relativieren vermag. cc) Im Hinblick auf die übrigen Sachbeschädigungen gemäss d en Ziffern 5 - 8 sowie 10 - 16 der Anklageschrift ist betreffend die objektive Tatschwer e zu erwägen, dass der Beschuldigte zusammen mit B.____ und teilweise I.____ in Mittätersch aft im Zeitraum vom 17. Juli 2020 bis zum 31. Juli 2020 zwölf Einbruchdiebstähle, teilweise ve rsucht, begangen und dabei in elf Fäl- len einen Sachschaden (im Einzelfall variierend zwischen CHF 500.-- und CHF 2'500.--) an den Fenstern, den Türen, den Schränken und den Tresoren von insgesamt ca. CHF 12'600.-- verur- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht sacht hat. Dieser Schaden steht ebenfalls in einem Missver hältnis zum gleichzeitig erbeuteten Deliktsbetrag von rund CHF 11'560.-- und lässt auf ein e ausgeprägte Gleichgültigkeit gegen- über fremdem Eigentum schliessen. Auch hier spielt kei ne Rolle der Umstand, dass der Be- schuldigte "bloss" Geschäftsliegenschaften beschädigt hat. A ufgrund der geschilderten Um- stände ist die objektive Tatschwere jeweils als leicht, ab er nicht immer am unteren Rand zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigt en anzulasten, dass er jeweils direkt- vorsätzlich gehandelt hat zwecks Förderung der eigentlich a ngestrebten Diebstähle, weshalb die subjektive Schwere der Tat jeweils das festgestellte objektive Tatverschulden nicht zu relati- vieren vermag. Im Ergebnis führen die jeweils ermittel ten Strafeinheiten mit Blick auf das Ver- hältnis der Einzelsubsumptionen zueinander bzw. darauf , dass die jeweiligen Sachbeschädi- gungen in einem engen zeitlichen, sachlichen und situat iven Konnex zum Diebstahl bzw. zum banden- und gewerbsmässigen Diebstahl stehen, im Hinbli ck auf den Vorwurf der mehrfachen Sachbeschädigung nach erfolgter Einzelasperation der e ntsprechenden Einheiten zu einer As- peration im Umfang von total zweieinhalb Monaten Freiheitsstrafe. 3.6.4 Einzelstrafen für den mehrfachen, teilweise versuchten Hausfriedensbruch: aa) Bezüglich des Schuldspruchs wegen mehrfachen, teilweis e versuchten Hausfriedens- bruchs ist zu konstatieren, dass ‒ unter Berücksichtigung der Anklageschrift der Staatsanwa lt- schaft vom 16. Dezember 2020 und der darin konkret aufge listeten Delikte samt entsprechen- der Täterschaft ‒ durch die Vorinstanz betreffend den Beschuldigten A.__ __ offenbar eine Ver- urteilung in Bezug auf die Anklageziffern 1, 5, 7, 8 und 10 - 16 erfolgt ist, wenngleich dies wie- derum nicht explizit ausgeführt wird. Wie vorstehend da rgelegt (oben E. 3.5.3), ist es nach der Praxis des Bundesgerichts zulässig, bei Vorliegen einer Tat serie eine punktuelle Kategorisie- rung gleichgelagerter Delikte (z.B. nach Schadenshöhe, Tatvorgehen) vorzunehmen, wobei sich diese am Mass des der konkreten Tat immanenten Verschul dens zu orientieren hat. Im vorliegenden Fall steht fest, dass die Hausfriedensbrüche bezüglich der Anklageziffern 5, 7 und 8 sowie 10 - 16 diejenige Deliktserie betreffen, welch e vorgängig im Rahmen der Würdigung des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls beurteilt wor den ist, während der Hausfriedens- bruch hinsichtlich Ziffer 1 der Anklageschrift im Zusamme nhang mit der Würdigung des Dieb- stahls gemäss Anklagepunkt 1 steht. Infolgedessen rechtfer tigt es sich in casu, in einem ersten Schritt hypothetische Einzelstrafen für den Hausfrieden sbruch gemäss Anklageziffer 1 und für die jeweiligen Hausfriedensbrüche nach den Anklageziff ern 5, 7 und 8 sowie 10 - 16, bei wel- chen ohne Zweifel sehr vergleichbare Vorgehensweisen man ifestiert worden sind, allerdings Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch zu berücksichtigen ist, dass teilweise nur der Versuch (so in den Fällen 8, 12 und 14) hier- zu stattgefunden hat, festzulegen, und diese danach einzeln zu asperieren. bb) Bezüglich des Vorwurfes des Hausfriedensbruchs gemäss Zif fer 1 der Anklageschrift ist betreffend die objektive Tatschwere zu veranschlagen, d ass der Beschuldigte zusammen mit I.____ in Mittäterschaft in der Nacht vom 24. oder 25. März 2018 auf der Suche nach Deliktsgut in ein Restaurant eingebrochen ist. Neutral zu werten ist in casu der Umstand, dass der Be- schuldigte "bloss" in eine Geschäftsliegenschaft eingedrung en ist. Aufgrund dieser geschilder- ten Umstände ist die objektive Tatschwere als leicht zu qu alifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten anzulasten, dass er direktvorsätzlich gehan delt hat zwecks Förderung des Diebstahls, weshalb die subjektive Schwere der Tat das objektive Tatverschulden nicht zu rela- tivieren vermag. cc) Im Hinblick auf die übrigen, teilweise versuchten Haus friedensbrüche gemäss den Ziffern 5, 7 und 8 sowie 10 - 16 der Anklageschrift ist betreffe nd die objektive Tatschwere zu erwägen, dass der Beschuldigte zusammen mit B.____ und teilweis e I.____ in Mittäterschaft im Zeitraum vom 17. Juli 2020 bis zum 31. Juli 2020 zwölf Einbruchdi ebstähle, teilweise versucht, verübt und dabei in sieben Fällen (Ziffern 5, 7, 10, 11, 13 , 15 und 16) vollendete Hausfriedensbrüche und in weiteren drei Fällen (Ziffern 8, 12 und 14) versuchte Hausfriedensbrüche begangen hat. Diese Häufung innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums lässt auf eine ausgeprägte Gleichgül- tigkeit gegenüber dem Eigentum anderer im Generellen sowie dem fremden Hausrecht im Spe- ziellen schliessen. Nicht zu übersehen ist dabei, dass di e Hausfriedensbrüche keinen Selbst- zweck gehabt haben, sondern vielmehr Voraussetzung gewesen sind für die eigentlich ange- strebten Diebstähle. Diejenigen Fälle, in welchen es b eim Versuch geblieben ist, sind jeweils verschuldensminder zu veranschlagen als die vollendeten D elikte, wenngleich dies wohl mehr dem Zufall als dem Zutun des Beschuldigten zu verdanken ist. Neutral zu werten ist der Um- stand, dass der Beschuldigte "bloss" in Geschäftsliegenschaften eingebrochen ist. Aufgrund der geschilderten Umstände ist die objektive Tatschwere jewei ls als leicht, aber nicht immer am unteren Rand zu qualifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten anzulasten, dass er jeweils direktvorsätzlich gehandelt hat zwecks Förderung des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls, weshalb die subjektive Schwere der Tat jewe ils das festgestellte objektive Tatver- schulden nicht zu relativieren vermag. Im Ergebnis führ en die jeweils ermittelten Strafeinheiten mit Blick auf das Verhältnis der Einzelsubsumptionen zue inander bzw. darauf, dass die jeweili- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen, teilweise versuchten Hausfriedensbrüche in einem engen zeitlichen, sachlichen und situa- tiven Konnex zum Diebstahl bzw. zum banden- und gewerbsm ässigen Diebstahl stehen, im Hinblick auf den Vorwurf des mehrfachen, teilweise versuch ten Hausfriedensbruchs nach er- folgter Einzelasperation der entsprechenden Einheiten zu einer Asperation im Umfang von total einem Monat Freiheitsstrafe. dd) Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist damit im Ergebnis für den mehrfachen, teilweise banden- und gewerbsmässigen Diebstahl, die me hrfache Sachbeschädigung und den mehrfachen, teilweise versuchten Hausfriedensbruch ein e tatbezogene hypothetische Gesamt- strafe in der Höhe von 24 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. 3.6.5 aa) In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob diese hypoth etische Gesamtstrafe aufgrund der besonderen Täterkomponenten anzupassen ist. Einleitend festzuhalten ist hierbei, dass die diesbezüglich massgeblichen Faktoren Vorleben, persönlich e Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren für alle Straftaten grundsätzlich gleichermassen gelten. In Be- zug auf die Faktoren Vorleben und persönliche Verhält nisse sind in erster Linie die zahlreichen und einschlägigen Vorstrafen ganz erheblich zu Ungunsten des Beschuldigten zu würdigen. So ist dieser mit Urteil des Gerichtshofes Alba (Rumänien) vom 4. Mai 2011 wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt sechs Jahren verurteilt worden (act. 25 f., A 1 ff.). Weiter ist er mit Urteil des Gerichtshofes Limburg (Niederlande) vom 13. August 2016 wegen qualifizier- ten Diebstahls zu Freiheitsstrafen von drei und 90 Tagen sowie zu einer Busse verurteilt wor- den (act. 25 f., A 1 ff.). Schliesslich ist der Beschuldigt e mit Urteil des Amtsgerichts Deggendorf (Deutschland) vom 19. Januar 2017 wegen Diebstahls in e inem besonders schweren Fall zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten ver urteilt worden. Gestützt auf diese Fak- ten muss der Beschuldigte als offensichtlich unbelehrbare r Berufsdelinquent bezeichnet wer- den. Die Tatsache, dass der Beschuldigte in drei verschie denen Ländern einschlägig und teil- weise wegen qualifizierten Delikten vorbestraft und dab ei insgesamt zu über sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden ist, ohne dass er si ch erkennbar hiervon distanziert hätte, fällt beachtlich straferhöhend ins Gewicht. bb) Die übrigen Umstände bezüglich den Faktoren Vorleben und persönliche Verhältnisse fallen demgegenüber nicht ins Gewicht. So ist der Besch uldigte am ____ 1987 in L.____ (Ru- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht mänien) geboren und aufgewachsen, wo er die Schule bes ucht und eine normale Kindheit so- wie Jugend verbracht hat. Danach arbeitete er zunächst i n M.____ und später in J.____, zu- meist auf dem Bau oder als Tagelöhner. Der Beschuldigt e ist geschieden und hat eine minder- jährige Tochter, welche bei seiner Ex-Frau in Rumänie n wohnt. Gesundheitliche Beeinträchti- gungen sind nicht bekannt (act. 27 ff., Protokoll KG S. 3 f.). Ebenfalls neutral zu werten ist die anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kantonsgericht eingereichte, nicht verifizierbare Be- stätigung, wonach der Beschuldigte nach seiner Haftentla ssung angeblich eine Arbeitsstelle in M.____ antreten könne. cc) Im Hinblick auf die Faktoren Nachtatverhalten und Verh alten im Strafverfahren ist hinge- gen zu konstatieren, dass dem Beschuldigten eine gewisse Geständigkeit zu Gute zu halten ist. Relevant ist in diesem Zusammenhang, dass der Beschuldigte mit seinen Aussagen zwar keine neuen Delikte aufgedeckt, aber immerhin das Strafverfahren in Bezug auf die bereits bekannten Straftaten vereinfacht hat. Diese, nicht in besonder em Masse ausgeprägte Geständigkeit führt zu einer leichten Strafminderung. Eine besondere Stra fempfindlichkeit, welche nicht die logi- sche und adäquate Folge des strafbaren Verhaltens ist, ist sodann nicht auszumachen. dd) Insgesamt sind somit die Faktoren Vorleben, persönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren gestützt auf diese Dar legungen als eindeutig negativ zu wer- ten, weshalb sich aufgrund der besonderen Täterkompone nten eine Erhöhung der tatbezoge- nen hypothetischen Gesamtstrafe um insgesamt vier Monate aufdrängt. 3.6.6 aa) Tat- und täterunabhängige Strafzumessungsfaktoren (Ve rletzung des Beschleunigungs- gebotes nach Art. 5 StPO; Zeitablauf gemäss Art. 48 l it. e StGB) sind in casu keine zu berück- sichtigen, womit sich im Ergebnis in Würdigung sämtlicher Tat- und Täterkomponenten eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten als angemessen erweist. bb) Bei diesem Strafmass ist der bedingte Strafvollzug nach A rt. 42 Abs. 1 StGB bereits aus formellen Gründen ausgeschlossen, möglich ist hingegen de r teilbedingte Vollzug. Diesbezüg- lich bestimmt Art. 43 Abs. 1 StGB, dass das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von min- destens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise auf schieben kann, wenn dies notwen- dig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen. Damit eine teilbedingte Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strafe verhängt werden kann, müssen die materiellen Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges gemäss Art. 42 StGB erfüllt sein. Erst wenn das Gericht die Anwen- dung zunächst einer bedingten und anschliessend einer teilbedingten Strafe verneint hat, kommt eine unbedingte Strafe zum Zuge. Die Prüfung de r Bewährungsaussichten des Täters ist wie nach Art. 42 Abs. 1 StGB anhand einer Gesamtw ürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung einzufliessen haben ne ben den Tatumständen das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die g ültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Die pe rsönlichen Verhältnisse sind bis zum Zeitpunkt des Entscheids, also bis zum Urteilsdatum, mi teinzubeziehen. Wenn und soweit die Legalprognose des Täters nicht schlecht ausfällt, verlangt Art. 43 StGB, dass zumindest ein Teil der Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird (R OLAND M. SCHNEIDER / ROY GARRÉ , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 1 1 ff. zu Art. 43 StGB, mit zahlreichen Hin- weisen). Wenn der Täter innerhalb der letzten fünf Ja hre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt worden ist, so ist der Auf- schub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorlie gen (Art. 42 Abs. 2 StGB). Wie vorstehend dargelegt, ist der Beschuldigte mit Urteil d es Amtsgerichts Deggendorf vom 19. Ja- nuar 2017 wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall zu einer unbedingten Freiheits- strafe von zehn Monaten verurteilt worden. Damit ist i n casu ein Strafaufschub nur bei beson- ders günstigen Umständen möglich. Solche liegen bereits a ngesichts der weiteren einschlägi- gen Vorstrafen offensichtlich nicht vor, weshalb in concreto ausschliesslich eine unbedingte Strafe in Frage kommt und folglich die festgesetzte Fre iheitsstrafe von 28 Monaten unbedingt zu verhängen ist. cc) Einer Anrechnung des ausgestandenen Freiheitsentzugs i n Form der Untersuchungshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs bis zum heutigen Ur teilszeitpunkt von insgesamt nunmehr 502 Tagen nach Art. 51 StGB steht nichts im Wege. dd) Abschliessend ist zu konstatieren, dass diese Strafe unt er Berücksichtigung aller strafzu- messungsrelevanten Faktoren bei einer Gesamtbetrachtung im Rahmen eines hypothetischen Vergleichs im Einklang steht zu derjenigen des Mitbeschuld igten B.____, welcher vom Strafge- richt ebenfalls mit Urteil vom 3. August 2021 wegen gew erbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen, teilweise versuchten Hausfrie- Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht densbruchs gleichermassen ‒ unter Anrechnung des ausgestandenen Freiheitsentzugs ‒ zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt worden ist. ee) Demzufolge ist in Abweisung der Berufung des Beschuldig ten sowie in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils der Berufungskläger des mehrfach en, teilweise banden- und gewerbs- mässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung un d des mehrfachen, teilweise ver- suchten Hausfriedensbruchs schuldig zu erklären und ‒ unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft und des verbüssten vorzeitigen Strafvollzugs im Umfang von insgesamt 502 Tagen ‒ zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten zu verurteilen. 4. Kosten Bei diesem Verfahrensausgang gehen in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 5'0 00.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 4'875.-- [3,25 Stunden Hauptverhandlung zu CHF 1 '500.--/h] sowie pauschale Auslagen von CHF 125.--) zu Lasten des Beschuldigten. Die Kosten der Dolmetscherin in der Höhe von CHF 315.-- gehen gestützt auf Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO zu Lasten des Staates. Zufolge Bewil- ligung der amtlichen Verteidigung für das Berufungsve rfahren wird der Rechtsvertreterin des Beschuldigten, Rechtsanwältin Clivia Wullimann, ein Ho norar gemäss ihrer Honorarnote vom 13. Dezember 2021 in der Höhe von insgesamt CHF 3'898. 75 (inklusive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 278.75 Mehrwertsteuer) zu Lasten des S taates ausgerichtet. Der Beschul- digte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtliche n Verteidigung an den Kanton Ba- sel-Landschaft verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlich en Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Abschliessend ist festzustellen, dass an gesichts der Bestätigung des erstin- stanzlichen Urteils keine Veranlassung besteht, an der Ko stenverteilung des Strafgerichts eine Änderung vorzunehmen. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 3. August 2021, auszugsweise lautend: "1.1 A.____ wird schuldig erklärt des mehrfachen, teilweise ba nden- und gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschä di- gung und des mehrfachen, teilweise versuchten Hausfried ens- bruchs und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft und des verbüssten vorzeitigen Strafvollzugs von insgesamt 369 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise i. V.m. Art. 139 Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 2 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, A rt. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 51 StGB. A.____ wird in Bezug auf die Anklageziffer 2 von den Vorwürfen des versuchten Diebstahls, der Sachbeschädigung sowie des ver- suchten Hausfriedensbruchs freigesprochen. Das wegen Hausfriedensbruchs geführte Strafverfahren wir d in Bezug auf Anklageziffer 9 zufolge Fehlens des Strafan trags einge- stellt. 2.1 A.____ wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. c und d StGB für die Dauer von 10 Jahren des Landes verwiesen. 3. (...) A.____ wird verurteilt, folgende Zivilforderungen zu bezahlen: - Fr. 1'355.85 an die Gebrüder C.____ AG [AS 6]; - Fr. 200.-- an D.____ AG [AS 8]. In Bezug auf die Zivilforderungen gemäss Anklageziffer 6 und 8 Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht haften B.____ und A.____ solidarisch. Folgende Zivilforderungen werden auf den Zivilweg verwiesen: - Zivilforderung der E.____ GmbH über Fr. 2'700.-- [AS 5]; - Zivilforderung der F.____ GmbH über Fr. 5'000.-- [AS 7]; - Zivilforderung der Einwohnergemeinde G.____ über Fr. 800.- gegenüber A.____ [AS 9]; - Zivilforderung der H.____ AG über Fr. 2'284.36 [A S 10]. 4.1 Das Honorar der amtlichen Verteidigerin von A.____ in Höhe von Fr. 10'288.-- (vor Anklageerhebung: Fr. 3'915.95; nach Anklageer- hebung: Fr. 6'372.05; inkl. Auslagen und MwSt.) wird aus der Ge- richtskasse entrichtet, unter Vorbehalt der Rückzahlungsver pflich- tung von A.____ gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 5.1 Die A.____ betreffenden Verfahrenskosten, bestehend au s den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 10'780.--, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von Fr. 350.-- und der Gerichts ge- bühr von Fr. 4'000.--, gehen grundsätzlich zulasten vo n A.____. Gestützt auf Art. 425 StPO wird hingegen auf deren E rhebung zu- folge Aussichtslosigkeit verzichtet." wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten A.____ vollum- fänglich bestätigt und von Amtes wegen in Ziffer 1.1 wie folgt aktu- alisiert : 1.1 A.____ wird schuldig erklärt des mehrfachen, teilweise ba nden- und gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschä di- gung und des mehrfachen, teilweise versuchten Hausfrie dens- bruchs und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft und des verbüssten vorzeitigen Strafvollzugs von insgesamt 502 Tagen , Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise i. V.m. Art. 139 Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 2 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, A rt. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 51 StGB. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 5'000.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 4'875. -- sowie Auslagen von CHF 125.--) gehen zu Lasten des Beschuldigten. Die Kosten der Dolmetscherin in der Höhe von CHF 315.-- gehen zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung für das Berufungs- verfahren wird der Rechtsvertreterin des Beschuldigten, Rechtsan- wältin Clivia Wullimann, ein Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 3'898.75 (inklusive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 278.75 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Ar t. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist rechtskräftig