Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. März 2018 (720 17 352 / 73) ____________________________________________________________________ Neuanmeldung nach rechtskräftiger Verneinung eines Rentenanspruchs; eine Verände- rung des Gesundheitszustandes ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Roman Felix , Advokat , Hauptstrasse 8, Postfach 732, 4153 Reinach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1965 geborene A.____ war zuletzt im Restaur ant B.____ in X.____ als Buffetmitar- beiterin angestellt. Am 4. Dezember 2001 meldete si e sich unter Hinweis auf Kopf- und Na- ckenschmerzen, Angst, Nervosität und Schlafstörunge n bei der Eidgenössischen Invalidenver- sicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem die I V-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie bei der Versicherten in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung (bei Anteilen von 85% Erwerb und 15% Haushalt) einen IV- Grad von 90%. Gestützt auf dieses Er- gebnis sprach sie A.____ mit Verfügung vom 10. November 2003 rückwirkend ab 1. September 2001 eine ganze Rente zu. Am 9. Februar 2007 teilte die IV-Stelle A.____ mit, dass bei der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Überprüfung des Invaliditätsgrads keine Änderung festgeste llt worden sei und weiterhin An- spruch auf die bisherige ganze Rente bestehe. A.2 Im November 2010 leitete die IV-Stelle eine weit ere Rentenrevision von Amtes wegen ein. Gestützt auf ihre Abklärungen gelangte sie zur Auf fassung, dass bei A.____ keine renten- begründende Invalidität mehr ausgewiesen sei. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens hob die IV-Stelle deshalb die laufende ganze Rente vo n A.____ mit Verfügung vom 27. Mai 2013 auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats a uf. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.3 Am 24. Mai 2016 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine mittelgradige Depression, eine chronische Schmerzstörung und Ängste erneut zum Lei stungsbezug an. Nachdem die IV- Stelle die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältn isse abgeklärt hatte, ermittelte sie bei der Versicherten – nunmehr in Anwendung der allgemeinen B emessungsmethode des Einkom- mensvergleichs – einen IV-Grad von 30%, worauf sie nach durchgeführtem Vorbescheidverfah- ren mit Verfügung vom 19. September 2017 einen Rent enanspruch von A.____ wiederum ab- wies. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat R oman Felix, am 18. Oktober 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicher ungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Verf ügung vom 19. September 2017 aufzu- heben und die Beschwerdegegnerin unter o/e-Kostenfolg e zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der angefoch- tene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 18. Oktober 2017 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 19. September Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundes- gericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturier- ten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatore n, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerse its und von Kompensationspotentia- len (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich er reichbare Leistungsvermögen einzu- schätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es geli ngt, auf objektivierter Beurteilungs- grundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeit s- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.5 Auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung nach rechtskräftiger Verneinung eines Rentenanspruchs hat die Verwaltung nur einzutreten, wenn die versicherte Person glaub- haft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise ge- ändert hat (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die I nvalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der An- spruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (SVR 2014 IV Nr. 33 E. 2). Tritt die Verwaltung auf ein Revisionsgesuch oder eine Neuanmeldung ein, so h at sie die Sache materiell abzuklä- ren und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände- rung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist (SVR 2011 IV Nr. 2 E. 3.2; BGE 117 V 198 E. 4b). Stellt sie fest, dass der Invalid itätsgrad seit Erlass der früheren rechts- kräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern- falls hat sie zu prüfen, ob die festgestellte Veränder ung genügt, um nunmehr eine rentenbe- gründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschl iessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (SV R 2008 IV Nr. 35 E. 2.1; BGE 117 V 198 E. 3a). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach- )Arztes einerseits und von Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/ 00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautende n Einschätzungen gelangen. Vorbe- halten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behan- delnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver är ztlicher Interpretation entspringende – As- pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falles liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, wel che sich für den vorliegenden Ent- scheid als zentral erweisen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 In der Verfügung vom 27. Mai 2013, mit welcher d ie ab 1. September 2001 ausgerich- tete ganze Rente mangels Invalidität aufgehoben wurde, stützte sich die IV-Stelle bei der Beur- teilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkei t der Versicherten auf das von ihr ver- anlasste polydisziplinäre Gutachten der Ärztlichen Begut achtungsinstitut GmbH (ABI) vom 4. Juli 2011. Demnach liege keine Diagnose mit Auswir kung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), ein fortgesetzter Nikotinkonsum (ICD-10 F17.1) und eine grenzwertige Adipositas (ICD-10 E66.0). Die Versicherte gebe an, unter Kopf-, Schulte r- und Nackenschmerzen zu leiden. Sie sei müde und es würde ihr die Kraft fehlen. Zudem habe sie Angst vor Menschen. Nachts erwa- che sie wegen der Schmerzen. Manchmal habe sie auch Mühe, sich zu konzentrieren. Sie kön- ne sich nicht mehr richtig freuen und sei oft traurig. Aktuell sei weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigke it für leichte bis mittelschwer belas- tende Tätigkeiten auszumachen. Aufgrund der anamnesti schen Angaben, der Untersuchungs- befunde, der vorliegenden Dokumente und der früher a ttestierten Arbeitsunfähigkeiten sei da- von auszugehen, dass bei der Explorandin spätestens ab Mai 2011 eine remittierte Situation bestünde. 6.3.1 Nachdem sich die Versicherte am 24. Mai 2016 erneu t zum Leistungsbezug angemel- det hatte, holte die IV-Stelle bei der Klinik C.____ einen Bericht ein, welcher am 24. August 2016 erging. Diesem sind mit Auswirkung auf die Arbeit sfähigkeit eine rezidivierende depressi- ve Störung, seit 26. November 2015 mittelgradige Episode ohne psychotische Symptome (ICD- 10 F32.1), eine seit dem Jahr 1997 bestehende chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie Problem e verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung, insbesondere Mangel an Entspan nung und Freizeit (ICD-10 Z73.2) zu entnehmen. Die Versicherte gelange schnell an die Gren zen ihrer Belastbarkeit. Sie fühle sich kraft- und freudlos, berichte von einer körperlich und psychisch verminderten Stressresistenz, Niedergestimmtheit, massiven Schlafstörungen mit Tagesmüd igkeit, Störung der Vitalgefühle, Verlangsamung sowie einer starken Grübelneigung. Sie sei deshalb kognitiv oft abgelenkt und in Gedanken u.a. von ihren Ängsten und Schmerzen absorbi ert. Sie fürchte und meide den Kontakt zu Menschen. Zudem bestünde aufgrund der Entwö hnung vom Arbeitsprozess eine reduzierte Leistungsfähigkeit. Es seien ein phobisches Vermeidungsverhalten, eine soziale Iso- lation und ein Verlust an Bewältigungserfahrung und Leistungsfähigkeit zu bejahen. Die Versi- cherte dürfte körperlich-konstitutionell nicht in der L age sein, in den allgemeinen Arbeitsmarkt einzusteigen. Die Durchhaltefähigkeit und die Kontaktfähigkeit seien erheblich beeinträchtigt. Es sei anzunehmen, dass es ihr kaum möglich sein dürfte, sich an Regeln zu halten, Aufgaben zu planen und zu strukturieren, Routinen einzuhalten und sich in die Organisationsabläufe einzu- fügen. Es sei davon auszugehen, dass die beschriebenen Schwierigkeiten in Überforderungssi- tuationen akzentuiert würden und es wäre mit einer erhöhten Unfallgefahr zu rechnen. 6.3.2 Im Bericht vom 22. März 2017 diagnostizierte der b ehandelnde Arzt Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivieren- de depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne psychotische Symptome (ICD- 10 F32.1) und eine chronische Schmerzstörung mit somatisc hen und psychischen Faktoren Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (ICD-10 F45.41). Die Versicherte berichte über Konzent rations-, Merkfähigkeits- und Gedächt- nisstörungen. Formalgedanklich wirke sie verlangsamt und s tark grüblerisch eingeengt auf ihre Symptomatik. Sie schildere soziale Ängste und ein ausgeprä gtes Vermeidungsverhalten mit sozialem Rückzug. Im Affekt wirke die Versicherte resignier t, rat- und hoffnungslos, ängstlich, sehr niedergeschlagen und vermindert schwingungsfähig. S ie rapportiere klagsam und sie schildere eine starke innere Unruhe, Schuldgefühle sowi e eine Störung der Vitalgefühle und leide an einer Antriebshemmung. Sie lebe sozial isoli ert und berichte über passive rezidivieren- de Suizidgedanken. Die Symptomatik sei morgens akzentuie rt. Der Appetit sei beeinträchtigt, es bestünden massive Ein- und Durchschlafstörungen mit Albt räumen sowie ein nicht erholsa- mer Schlaf mit Tagesmüdigkeit. Zudem leide sie unter At embeschwerden, Schwindelgefühlen, Herz- und Kopfdruck, Rückenbeschwerden, Schweregefühlen i n den Beinen sowie Hitzegefüh- len und Parästhesien. Es bestünde ein Mangel an Krank heitseinsicht. Aus psychiatrischer Sicht bestünde weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. 6.3.3 Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. E.____, FM H Psychiatrie und Psychotherapie, mit einem Gutachten, welches am 20. Juni 2017 erstattet wur de. Demnach wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive S törung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) festgestellt. Die Symptome einer somatoformen Schmerzstörung hätten während der Untersuchung nicht objektiviert werden können, sie seien aber aufgrund de r Akten und der Schilderungen der Ver- sicherten als leichtgradig zu beurteilen. Die ebenfalls l eichtgradig ausgeprägten depressiven Symptome würden zu einer Reduktion des Antriebs, zu eine r erhöhten Ermüdbarkeit und zu Konzentrationsproblemen führen; die Symptome der anha ltenden somatoformen Schmerzstö- rung würden einen erhöhten Pausenbedarf verursachen. Aufgrund der depressiven Symptome und der Schmerzen sei die Versicherte in ihrer früheren Tätigkeit als Mitarbeiterin eines Restau- rationsbetriebs im Umfang von 30% arbeitsunfähig. Di es bestätige auch der aktuelle Mini-ICF- APP-Rating-Bogen. Auch in einer angepassten Tätigkeit bestünde eine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit um 30%. Aus den bei den Akten liegenden Berichten der behandelnden Ärzte würden sich diagnostisch keine Divergenzen ergeben. Ab dem Jahr 2014 würde die depressive Störung aber regelmässig als mittelgradig ausgeprägt e ingestuft und eine vollständige Arbeits- unfähigkeit attestiert. Dies könne aber mit Blick auf die effektive Funktionsfähigkeit der Versi- cherten nicht nachvollzogen werden. Aufgrund der Tatsache, dass die Versicherte nach wie vor den gesamten Haushalt selbstständig führe, täglich selb stständig einkaufe und mehrmals wö- chentlich Therapie-Termine wahrnehme sei nicht von einer mittelgradigen depressiven Episode und einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mehr als 30% auszugehen. 7.1 Die IV-Stelle ging gestützt auf das Gutachten von Dr. E.____ vom 20. Juni 2017 davon aus, dass die Versicherte sowohl in der angestammten ber uflichen Tätigkeit als auch in Ver- weistätigkeiten im Umfang von 70% arbeitsfähig sei. Demgegenüber stellt sich die Beschwerde- führerin auf den Standpunkt, dass das insgesamt oberfläc hliche Gutachten Ungereimtheiten enthalte, nicht hinreichend auf die detaillierte Befunderhebung der behandelnden Ärzte eingehe und zudem keine Stellungnahme zum Verlauf der Erkrank ung enthalte. Zudem begründe der Gutachter seine Einschätzung lediglich mit Blick auf gewiss e Alltagsaktivitäten, welche die Be- schwerdeführerin nach wie vor bewältigen könne. Zudem h abe er es unterlassen, sich mit den Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht behandelnden Ärzten zu besprechen. Insgesamt seien die B eurteilungen der behandelnden Ärzte schlüssiger und detaillierter als diejenige von Dr. E.____, weshalb sein Gutachten nicht beweistauglich sei. 7.2 Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 4.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztin nen und -ärzte, welche aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen. Vorliegend sind keine G ründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten von Dr. E.____ vom 20. Juni 2017 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalte n, dass das Gutachten die rechtspre- chungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteil ungsgrundlage in jeder Hin- sicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundes- gericht verlangt wird (vgl. E. 4.3 hiervor) – umfassend , beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizi- nischen Situation ein und nimmt insbesondere eine hinre ichende Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der Versicherten vor. Sodann weist das Gutachten ke ine Widersprüche auf und es setzt sich auch hinlänglich mit den bei den Akten liegenden ( abweichenden) fachärztlichen Einschät- zungen auseinander. Die entsprechenden, vorstehend (vgl. E. 6.3.3 hiervor) wiedergegebenen Darlegungen der Gutachter vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 7.3 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht geei gnet, Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens vom 20. Juni 2017 zu wecken. Soweit sie si ch auf Berichte der behandelnden Ärzte beruft und rügt, dass das Gutachten von Dr. E.____ ohne Rückfrage bei ihnen erstattet worden sei, ist zunächst zu berücksichtigen, dass die Ang aben der behandelnden Ärzte nach der Rechtsprechung aufgrund der auftragsrechtlichen V ertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (vgl. E. 4.4 hiervor). Die unterschiedliche Beurteilung ergibt sich aus der Divergenz zwischen Behandlungs- und Abklärungsauftrag. Anzumerken ist in diesem Zu- sammenhang, dass eine psychiatrische Exploration von der Na tur der Sache her nicht ermes- sensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtende n Psychiater praktisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpr etationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Experte – wie hier – lege artis vorgegangen ist. Daher kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativexpertise stets da nn in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandel nden Ärzte zu unterschiedlichen Ein- schätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abwe ichenden Auffassungen festhalten (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil vom 4. März 2013, 9C_794/ 2012, E. 4.2 mit Hinweisen). Dies gilt vorliegend umso mehr, als in den obgenannten Berichten der behandelnden Ärzte vom 24. Au- gust 2016 und 22. März 2017 keine Aspekte benennt werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Zwar triff t zu, dass die Berichte der behandelnden Ärzte vom 24. August 2016 und 22. März 2017 einen deta illierten Beschrieb der Befunde ent- halten. Draus kann aber nicht geschlossen werden, die B eurteilung des Gesundheitszustandes und der Zumutbarkeit im Gutachten vom 20. Juni 2017 b asiere auf einem unzutreffenden bzw. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht unvollständigen Sachverhalt. Vielmehr differenzierte d er Gutachter unter Berücksichtigung der Berichte der behandelnden Ärzte zwischen der subjektiv empf undenen Erschöpfung und den objektiv feststellbaren Befunden und legte – unter be sonderer Berücksichtigung des Mini-ICF- Ratings für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psy chischen Erkrankungen – nachvoll- ziehbar dar, weshalb nicht von einer vollständigen Arbei tsunfähigkeit, sondern bloss von einer teilweisen Einschränkung der Leistungsfähigkeit auszugeh en sei, die sich im Umfang von 30% auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten auswirkt. In sgesamt lässt das Gutachten von Dr. E.____ eine zuverlässige Beurteilung der verbleibe nden Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 7.4 Nach dem Gesagten ist gemäss der massgebenden Beurteil ung von Dr. E.____ vom 20. Juni 2017 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich der Gesundheitszustand resp. die Arbeitsfähigkeit der Versicherten seit der let zten Begutachtung durch die ABI invali- denversicherungsrechtlich nicht massgeblich verändert hat. V ielmehr zeigt der Vergleich der Beurteilung im ABI-Gutachten vom 4. Juli 2011, der Be richte der behandelnden Ärzte vom 24. August 2016 und 22. März 2017, der Angaben der Ve rsicherten über die Beschwerden und die Tagesgestaltung einerseits und der Beurteilung im aktuellen Gutachten von Dr. E.____ vom 20. Juni 2017 andererseits ein annähernd deckungsgleiches Bild. Da sich zudem aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendu ng von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung der Vergleichseinkomme n vorzunehmen wäre und die Be- rechnung auch von der Versicherten nicht beanstandet wurd e, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestel lten Einkommensvergleich. Es ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die von Dr. E.____ attestierte Arbeitsunfähigkeit im Um- fang von 30% nicht genügt, um eine rentenbegründende Invalidität zu bejahen. Die angefochte- ne Verfügung vom 19. September 2017, mit welcher ein Rentenanspruch der Beschwerdeführe- rin abgewiesen wurde, ist im Ergebnis nicht zu beanstan den. Die Beschwerde ist deshalb ab- zuweisen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetzes über die Verf assungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfah renskosten in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorl iegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tragen hat. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- ve rrechnet. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht