B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-655/2014 U r t e i l v o m 1 7 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Anne Kneer. Parteien A._______, geboren (…), Serbien, vertreten durch lic. iur. Oliver Borer, Advokat, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des BFM vom 24. Januar 2014 / N (…). D-655/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland Serbien gemäss eigenen Angaben im September 2008 und hielt sich seit diesem Zeitpunkt ohne geregelten Aufenthaltsstatus bei seiner Partnerin in der Schweiz auf. Am (…) wurde (ihr gemeinsames Kind) geboren. B. Der Beschwerdeführer wurde am 8. Februar 2013 von der Polizei festg e- nommen und mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Z ._______ vom (…) zu zweieinviertel Jahren Gefängnis verurteilt. Am (…) ersuchte er an- lässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Anordnung von En t- fernungs- und Fernhaltemassnahmen beim Migrationsamt des Kantons Z._______ um Asyl. Am 23. September 2013 wurde er vom BFM einläss- lich zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, sein Vater habe sich nach dem Krieg dafür eing e- setzt, dass serbische Gebiete des Kosovos an Serbien angeschlossen und der Kosovo aufgeteilt würde. Durch diese Meinung sei er ein Gegner Miloševićs gewesen. Zudem hätte die Geheimpolizei durch diese neuen Grenzen wichtige Geschäfte verloren. Aufgrund dieses Konflikts sei er als er 17 oder 18 Jahre alt gewesen sei, mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Sein Vater habe Anzeige erstattet, der Angreifer, welchen man gefunden und verurteilt habe, sei nach drei Wochen G e- fängnis wieder freigelassen worden. Er sei dann in schlechte Gesellschaft geraten und sei in drei Gerichtsverfahren angeklagt worden. Im Jahr 2004 habe er sein Leben wieder in die Hand nehmen wollen und in Y._______ ein Lokal eröffnet, dieses aber nach sieben Monaten wieder schliessen müssen, da er die Schutzgelder, welche die Polizei von ihm verlangt h a- be, nicht habe bezahlen können. Er habe aber wenig später ein neues Lokal eröffnet, wobei zu Beginn niemand gewusst habe, dass er der B e- sitzer sei. Vor diesem Lokal sei dann im Jahr 2006 ein Kollege – sein Si- cherheitsmann – erschossen worden. Dieser Anschlag habe eigentlich ihm gegolten, da er immer mit diesem Kollegen zusammen gewesen sei. Als er fünf Tage später zusammen mit einem anderen Kollegen und e i- nem Polizisten auf dem Heimweg vom Friedhof gewesen sei, habe ihnen ein Auto den Weg versperrt. Als er ausgestiegen sei, seien plötzlich Schüsse gefallen. Sein Kollege habe daraufhin zurückgeschossen. Sie hätten sich dann freiwillig der Polizei gestellt und seien in Unters u-D-655/2014 Seite 3 chungshaft gekommen. Nach sieben Monaten sei er im September 2007 aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Gericht habe ihn we- gen versuchter Tötung und illegalem Waffenbesitz zu zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt, obwohl er nicht geschossen habe, was der ballistische Bericht bestätigt habe. Die zweite Instanz habe di e- ses Urteil bestätigt. Der Andere, welcher auf sie g eschossen habe, sei freigelassen worden. Einen Monat vor der Ausreise habe er dann Autos des Sicherheitsdienstes vor seinem Haus gesehen. Er sei dann im So m- mer 2008, zwei Monate nach dem Urteil der Beschwerdeinstanz von e i- nem Mithäftling aus der Untersuchu ngshaft telefonisch informiert worden, dass eine Gruppe von Personen plane, ihn im Gefängnis umzu bringen. Daraufhin sei er in die Schweiz zu seiner schwangeren Freundin gereist. Er habe sie nicht heiraten wollen, da er keine gültigen Papiere besessen habe und er Angst gehabt habe, dass ihn die Schweizer Behörden nach Serbien zurückschicken würden. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer diverse serbische Zeitungsartikel, zwei Gerichtsurteile aus Serbien, einen krim i- naltechnischen Bericht sowie ein Diplom zu den Akten. Zudem reichte er anlässlich des Strafverfahrens seinen echten jugoslawischen Pass ein. C. Mit Verfügung vom 24 . Januar 2014 – eröffnet am 30. Januar 2014 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. D. Mit Eingabe vom 6. Februar 2014 reichte der Beschwerdeführer – han- delnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sa- che zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz, subeventualier die teilwei- se Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung der vor- läufigen Aufnahme. E. Mit Zwischenverfügung vom 17. Februar 2014 stellte die Instruktionsric h- terin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und forderte ihn auf, innert Frist einen Kostenvo r- schuss zu leisten. D-655/2014 Seite 4 F. Am 14. März 2014 wurde der Kostenvorschuss – nach antragsgemässer Gewährung einer Nachfrist – fristgerecht einbezahlt. G. Am 4. April 2014 reichte das BFM eine Vernehmlassung ein, wobei es die Abweisung der Beschwerde beantragte. H. Mit Eingabe vom 5. Mai 2014 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm- lassung des BFM Stellung. Ferner machte er geltend, er habe nun seine Freundin geheiratet. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er diverse Ar- tikel aus dem Internet bezüglich der allgemeinen Situation in Serbien (inkl. deutsche r Übersetzung) sowie 27 Fotos, welche ihn mit seiner Freundin und den Kindern zeigen, zu den Akten. I. Mit Zwischenverfügung vom 16. Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, den Nachweis der Heirat sowie den Nachweis, dass das Gesuch um Familiennac hzug bei den zuständigen kantonalen Behörden gestellt worden sei, innert Frist nachzureichen. Bei ungenutzter Frist we r- de das Verfahren aufgrund der Akten weitergeführt. J. Mit Eingabe vom 26. Mai 2014 reichte der Beschwerdeführer die Heirat s- urkunde (Familienausweis) sowie das Gesuch um Familiennachzug beim Amt für Migration X._______ zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. D ezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det – wie auch vorliegend – auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser D-655/2014 Seite 5 bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [ AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bunde s- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwer de ist fristgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die ang e- fochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Int e- resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Erme ssens) und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den D-655/2014 Seite 6 Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vor, das BFM w ä- re von Amtes wegen verpflichtet gewesen, weitere Abklärungen zu tre f- fen, anstatt seine Aussagen als unglaubhaft zu qualifizieren. Insbesond e- re da sein Gesuch gestützt auf Art. 40 A sylG abgelehnt worden sei. Art. 40 AsylG finde aber nur auf solche Fälle Anwendung, in denen die Flüchtlingseigenschaft offenkundig weder bewiesen noch glaubhaft g e- macht worden sei. Nachfolgend ist diese formelle Rüge vorab zu prüfen, da diese gegebenenfalls zur Kassation der vorinstanzlichen Verfügung führen kann. 4.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Un- richtig" ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter bel egbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sac h- verhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den En t- scheid wesentlichen Sachum stände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, Art. 49, in: Auer/Müller, Schindler, VwVG, Kommen- tar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28, S. 676 f.). Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht a l- lerdings in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). 4.3 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesver- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlang t, dass die verf ü- gende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung der Verfügung soll es dem Betrof- fenen ermöglichen, den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufech- ten. Art. 35 Abs. 1 VwVG umschreibt den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher; verlangt wird aber, dass die Begründung eines Entscheides so a bgefasst wird, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als D-655/2014 Seite 7 auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, Art. 35, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Rz. 6 ff., S. 510 ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6). 4.4 Die Rüge, das BFM wäre verpflichtet gewesen, weitere Abklärungen zu treffen, erweist sich als unbegründet. Das BFM durfte sich bei der Be- gründung s einer Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen G e- sichtspunkte beschränken und war nicht gehalten, sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinander zu setzen (BGE 126 I 97 E. 2.b). Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, wonac h das BFM den Sachverhalt ungenügend festgestellt beziehungsweise sich mit di e- sem nicht auseinandergesetzt hätte. So hat sich das BFM in der ang e- fochtenen Verfügung eingehend mit der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers befasst und ausführlic h begründet , weshalb es diese als unglaubhaft bewertet. Ferner findet die Untersuchungspflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers (vgl. Art. 8 AsylG), der auch die Substanziierungslast trägt (vgl. Art. 7 AsylG). Es sind auch keine Elemente ersichtlich, welche nach der Anhö- rung aufgrund fehlender Abklärungen seitens des BFM offen geblieben wären. Das BFM hat den Sachverhalt somit richtig und vollständig abge- klärt. Somit liegen keine Verletzungen der Verfahrensgarantien vor. 5. 5.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das BFM im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe keine substanziierten A n- gaben zu seiner Gefährdungslage machen können. Er kenne seine G e- fährdungslage lediglich vom Hörensagen, denn ein ehemaliger Mithäftling habe ihn informiert. Konkrete Angaben habe er keine zu machen ve r- mocht. Er habe die vertiefenden Fragen dazu nicht beantworten können und habe nicht anzugeben vermocht, wer dies plane, woher diese Info r- mationen stammten oder wie und wo her der ehemalige Mithäftling dies erfahren haben soll. Bezüglich des Motivs habe er angegeben, sein Vater sei ein Milošević-Gegner, habe dessen Politik bekämpft und Studente n- proteste organisiert, die zum Sturz Miloševićs geführt hätten. Sein Vater sei während des Kriegs in den Militärdienst eingezogen worden, was für einen (…) unüblich gewesen sei. Zudem sei er vom Geheimdienst abg e- hört worden. Weitere Nachteile, die sein Vater wegen seiner Opposition gegenüber Milošević erlitten habe, seien seinen Angaben nicht zu en t- nehmen. Sein Vater sei nie in ein Gerichtsverfahren verwickelt worden und er bekleide bis heu te eine Arbeitsstelle (…). Andere Gefährdung s-D-655/2014 Seite 8 hinweise würden sich aus den Akten keine ergeben. Somit sei sein Vater in der Milošević-Ära, aber auch danach kaum behelligt worden. Eine kon- krete Gefährdung seines Vaters sei daher nicht ersichtlich. Daraus eine Gefahr für den Beschwerdeführer selbst abzuleiten, sei nicht plausibel. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer anstelle se i- nes Vaters getroffen werden sollte. Aus diesen Gründen sei das von ihm geltend gemachte Mordkomplott gegen ihn nicht glaubhaft. Die Unglau b- haftigkeit der Vorbringen würden auch durch das Verhalten des B e- schwerdeführers bestätigt. Der Beschwerdeführer habe im Sommer 2008 vom Mordkomplott erfahren und sei bis Ende September 2008 in Serbien geblieben, ohne dass etwas geschehen sei. Seine Aufenthaltsadresse sei den Behörden bekannt gewesen und er habe sich die letzten Wochen vor der Ausreise dort aufgehalten. Wenn d er Geheimdienst oder Personen aus diesem Umfeld ein Interesse an seiner Verfolgung gehabt hätten, wä- re es ihnen ein Leichtes gewesen, ihn ausfindig zu machen. Auch sein Verhalten in der Schweiz spreche gegen eine Gefährdung. Denn er habe jahrelang in der S chweiz gelebt, ohne seinen Aufenthalt zu regeln. Dies widerspreche dem Verhalten tatsächlich verfolgter Personen. Seine B e- gründung, er habe aus Furcht vor einer Rücküberstellung oder Auslief e- rung an Serbien seine wahre Identität gegenüber den Schweizer Beh ör- den nicht offenlegen wollen, vermöge keineswegs zu überzeugen, diene doch das Asylverfahren gerade dem Schutz Verfolgter. Zudem müsse er an der Regelung seines Aufenthaltes in der Schweiz ein grosses Intere s- se gehabt haben, weil er hier ein Kind habe. Da er jahrelang kein Asylge- such eingereicht habe, sei davon auszugehen, dass er aus asylfremden Motiven in die Schweiz gekommen sei. Aufgrund seiner unsubstanziierten Angaben zur Täterschaft, den nicht plausiblen Angaben zum Motiv seiner Gefährdung sowie auf grund der verzögerten Ausreise aus Serbien und der noch extremeren Verzögerung bei der Einreichung des Asylgesuches sei nicht glaubhaft, dass er in Serbien gefährdet sei. Des Weiteren mache er geltend, unschuldig verurteilt worden zu sein. Da er dies ebenf alls auf die oppositionelle Haltung seines Vaters zurückführe, sei auch dieses Vorbringen nicht glaubhaft. Aus der Durchsicht der eingereichten Urteile erster und zweiter Instanz, würden sich zudem keine Hinweise entne h- men lassen, dass die Gerichtsverfahre n nicht korrekt abgehalten worden seien. Er habe sein Recht auf Beschwerde wahrnehmen können, das Ap- pellationsgericht habe sich mit dem Urteil der ersten Instanz auseina n- dergesetzt, es habe keine Fehlbeurteilung festgehalten und das Urteil erster Instanz g egen den Beschwerdeführer bestätigt. Das Strafmass bewege sich innerhalb des Strafrahmens und sei unter der Maximalstrafe geblieben. Die weiteren eingereichten Dokumente vermö chten an den D-655/2014 Seite 9 bisherigen Erwägungen nichts zu ändern. Aus diesen Gründen würden seine Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Ferner sei die Furcht vor einer rechtsstaatlich legitimen Strafverfolgung im Heimatland kein Grund für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. Er sei wegen versuch- ter Tötung und illegalen Waffenbesitzes verurteilt worden. Bei seine r Festnahme, Untersuchungshaft und Verurteilung handle es sich um staat- liche Massnahmen, die der Untersuchung und Ahndung von Straftaten dienen würden. Solchermassen legitime Massnahmen der Behörden se i- en nicht asylrelevant. Bei der vorgebrachten Messerattacke, welcher er zum Opfer gefallen sei, handle es sich um Vorkommnisse aus den Jahren 1999 oder 2000. Der Beschwerdeführer habe Serbien Ende September 2008 verlassen. Damit würden die geltend gemachten Ereignisse zu weit zurück liegen, um noch als Anlass für die Ausreise zu gelten. Dieses Vo r- bringen sei daher nicht asylrelevant. Demzufolge erfülle er die Flüch t- lingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Seine Wegweisung sei ferner unter dem Gesichtspunkt von Art. 83 Abs. 7 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) zu prüfen. Er sei in der Schweiz und in Serbien zu Freiheitsstrafen von zweie inhalb und von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Damit würden die Verurteilungen sowohl in der Schweiz als auch in Serbien klar über der Schwelle von einem Jahr liegen. Aus dem Urteil des (Strafgerichts des Kantons Z._______) gehe hervor, dass er angesichts der Menge Kokain, eine erhebliche gesun d- heitliche Schädigung eines grossen Personenkreises in Kauf genommen habe und damit die öffentliche Sicherheit und Ordnung in schwerwiege n- der Weise verletzt habe. Unter diesen Umständen überwiege das ö ffentli- che Interesse der Schweiz am Vollzug seiner Wegweisung seinem priv a- ten Interesse am Verbleib in der Schweiz. Weiter sei zu prüfen, ob er sich auf die Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) berufen könne. Es könne vorliegend schon de s- halb nicht von einer intakten Beziehung gesprochen werden, weil er sich jahrelang nicht darum bemüht habe, die Beziehung zur Mutter seines Kindes und zum Kind s elber zu regeln. Seine diesbezüglichen Erkläru n- gen seien nicht nachvollziehbar. Denn er hätte ohne Weiteres ein Asylge- such einreichen und damit seinen Aufenthalt in der Schweiz legalisieren können. Dass er sich erst jetzt darum bemühe, lasse den Schluss zu , dass ihm bisher nicht viel am Kindswohl gelegen sei. Da er nicht in einer intakten Beziehung gelebt habe, könne er sich nicht auf diese Norm beru-D-655/2014 Seite 10 fen. Es ändere sich nicht s am überwiegenden Interesse der Schweiz am Vollzug. Weder die im Heimatstaat herrsc hende politische Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit der Rückführung spr e- chen. Ausserdem sei der Vollzug technisch zulässig und möglich. 5.2 In seiner Beschwerde brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er wolle seine Freundin in Kürze heiraten. Bis zu se iner Verhaftung habe er zusammen mit ihr, dem gemeinsamen Kind und (seinem gemein- samen Kind) aus erster Ehe gelebt. Da in Serbien sein Leben aufgrund der früheren regimekritischen Tätigkeiten seines Vaters gefährdet sei und er im Falle einer gehör igen Anmeldung bei den Schweizer Ausländerb e- hörden eine mögliche Abschiebung befürchtet habe, habe er sich nicht getraut, schon früher seinen Aufenthaltsstatus zu legalisieren. Als illegal anwesender Ausländer sei es ihm nicht möglich be ziehungsweise zumut- bar gewesen, seine Verlobte in der Schweiz zu heiraten und (das g e- meinsame Kind) unter falschem Namen anzuerkennen. Die Argumentat i- on des BFM, es liege keine intakte Familie vor, nur weil er sich nicht fr ü- her darum bemüht habe, seine Bez iehung zur Kindsmutter und zum Kind rechtlich zu regeln, sei unhaltbar. Relevant sei nicht das rechtliche Band, sondern vielmehr die Tatsache, dass er bis zu seiner Verhaftung zusa m- men mit seiner Verlobten und den beiden Kindern gelebt habe und sich massgeblich um sie gekümmert habe. Dass ihm bisher nicht viel am Ki n- deswohl gelegen sei, entbehre jeglicher Grundlage. Dadurch, dass er nicht einfach irgendwo untergetaucht sei, sondern zu seiner Verlobten und den Kindern in die Schweiz geflüchtet und seither we sentlich für sie gesorgt habe (auch finanziell), beweise das Gegenteil. Massgeblich sei die tatsächlich gelebte Beziehung, nicht das Bestehen oder Fehlen eines rechtlichen Bandes. Seine Angaben seien absolut kohärent, substantiiert, plausibel und schlüssig . Die Fülle an Details und die Genauigkeit seiner Aussagen würden eindeutig für tatsächlich Erlebtes und gegen Erfindu n- gen oder Hinzudichtungen sprechen. Das BFM hätte die Flüchtlingse i- genschaft bejahen und sein Asylgesuch gutheissen müssen. Stattdessen habe es seine kohärenten, substantiierten, plausiblen und schlüssigen Angaben ohne Weiteres als unglaubhaft abgetan und sein Gesuch g e- stützt auf Art. 40 AsylG abgelehnt. Dabei werde verkannt, dass Art. 40 AsylG nur auf solche Fälle Anwendung finde, da der As ylsuchende seine Flüchtlingseigenschaft "offenkundig" weder beweisen noch glaubhaft m a- chen könne. Davon könne im vorliegenden Fall nicht die Rede sein. Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs sei zu bemerken, dass das Bu n- desgericht in Bezug auf Art. 8 EMRK f estgehalten habe, dass sich nach D-655/2014 Seite 11 seiner Rechtsprechung aus einem Konkubinatsverhältnis ein (Aufen t- halts-) Bewilligungsanspruch ergebe, wenn eine lang dauernde und g e- festigte Partnerschaft vorliege und die Heirat unmittelbar bevorstehe. Demnach stelle das Bundesgericht für die Beurteilung der Frage, ob eine intakte und gelebte Beziehung bestehe, auf die tatsächlichen Verhältnisse ab und nicht auf das eheliche Band. Er und seine Verlobte seien seit Jah- ren ein Paar und lebten nunmehr seit über fünf Jahren zusa mmen in der Schweiz. Darüber hinaus hätten sie (ein gemeinsames Kind) und ihre Heirat s tehe kurz bevor. Demnach sei auch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts im vorliegenden Fall von einer intakten und gelebten Beziehung auszugehen, die zu einer Beru fung auf Art. 8 EMRK legitimi e- re. Ferner sei der vorliegende Fall sehr ähnlich gelagert wie der Fall des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Udeh gegen die Schweiz. Hier wie dort habe er sich hauptsächlich wegen Betäubungsmit- teldelikten strafbar gemacht. Gewaltverbrechen habe er keine begangen. Eine besondere Bedrohung für die innere und äussere Sicherheit der Schweiz, die es rechtfertigen würde , ihn entgegen des Kindeswohls aus der Schweiz wegzuweisen, liege nicht vor. Seine Kinder müssten die Möglichkeit haben, bei ihm auf wachsen zu dürfen. Wie der EGMR en t- schieden habe, sei das Kindeswohl höher zu gewichten. Der Vollzug wür- de Vater und (das Kind) auseinanderreissen und damit das Recht auf Zu- sammenleben als Teilgehalt von Art. 8 EMRK verletzen. Art. 44 AsylG hal- te explizit fest, dass das BFM bei Wegweisungsverfügungen und deren Vollzug den Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen habe. Sollte ihm daher kein Asyl in der Schweiz gewährt werden können, müss- te er zumindest vorläufig aufgenommen werden. 5.3 Das BFM führte in seiner Vernehmlassung aus, die Beschwerde ent- halte keine konkreten und substanziierten Angaben, die die Glaubhafti g- keit der Angaben des Beschwerdeführers wieder herzustellen vermöc h- ten. Sie erschöpfe sich in der blossen Behauptung, die Aussagen des Beschwerdeführers seien absolut kohärent, substanziiert, plausibel und schlüssig, ohne sie mit Beispielen zu untermauern oder sich mit den g e- genteiligen Argumenten auseinanderzusetzen. Der Antrag auf vorläufige Aufnahme sei abzulehnen, weil das öffentliche Interesse an der Wegwe i- sung des Beschwerdeführers seine privaten Interessen überwiege. Im Unterschied zum zitierten Fall Udeh sei der Beschwerdeführer nicht ve r- heiratet. Eine vom Vollzug einer Wegweisung betroffene aus ländische Person könne sich nur dann auf die Achtung ihres Familienlebens ber u- fen, wenn sie eine Ehe oder ein Kind-Elternverhältnis tatsächlich lebe und die Beziehung intakt erscheine. Eine Person, die in einer ausserhalb der D-655/2014 Seite 12 Formen des Zivilrechts geführt en Gemeinschaft lebe, wie beispielsweise ein Konkubinatspartner, könne – gemäss Bundesgericht – besagten Schutz nicht beanspruchen. Weitere Voraussetzungen seien eine intakte und intensive Beziehung zu seinem Kind und dass die betroffene Person in der Schweiz ein gefestigtes Anwesenheitsrecht besitze, auf deren Ve r- längerung ein Anspruch bestehe. Letzteres sei im vorliegenden Fall im Gegensatz zum Fall Udeh nicht erfüllt. Weiter sei offenbar die lange A n- wesenheitsdauer in der Schweiz ein wichtiger Faktor bei der Strassburger Urteilsfindung im Fall Udeh gewesen. Dieser sei 2003 in die Schweiz g e- kommen und habe eine Schweizerin geheiratet. Im Unterschied dazu b e- finde sich der Beschwerdeführer seit Herbst 2008, also seit fünfeinhalb Jahren, in der Schweiz. Und w ie erwähnt habe er seine Beziehung zu Mutter und Kind zivilrechtlich nicht abgesichert. Deshalb könne auch nicht von einer intakten Beziehung gesprochen werden. 5.4 In seiner Replik führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, seine Ausführungen im Zusamm enhang mit der alles durchdringenden Kriminalität in Y ._______ seien sehr wohl wahr. Grundsätzlich sei festz u- halten, dass sowohl die Polizeibehörden als auch andere Regierungso r- ganisationen in der Provinz W._______ von kriminellen Personen durc h- drungen gewesen seien. Dass sich seine Eltern als (…) schon früh gegen das Regime von Slobodan Milošević gestellt hätten und sich insbesonde- re auch der Vater aktiv in der Politik eingeschaltet habe, sei es auch für ihn immer schwieriger geworden, so dass er sich massivsten Repressa- lien in Serbien ausgesetzt gesehen habe und er wegen Straftaten veru r- teilt worden sei, die er nicht begangen habe. Er habe seine Partnerin zw i- schenzeitlich geheiratet; mit ihr habe er auch (ein Kind) . Er habe sehr wohl mit ihr zusammengelebt und sich um seine Familie gekümmert. D a- her könne sehr wohl von einer intakten Beziehung gesprochen werden, welche seit mehr als fünf Jahren dauere. 6. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüc h- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt od er bewusst falsch dar -D-655/2014 Seite 13 stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n- begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum strikten B eweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzus tellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet zwar die Tötung des Koll e- gen und die Verwicklung des Beschwerdeführers in die Schiesserei im Dezember 2006 insbesondere durch die bei der Vorinstanz eingereichten Beweismittel als glaubhaft. Allerdings gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, den Zusammenhang zum politischen Engagement des Vaters – und somit zu einer allenfalls asylrelevanten Verfolgung – in nachvollziehbarer Weise aufzuzeigen. Seine Aussagen müssen diesbezüglich allgemein als oberflächlich und substanzlos bezeichnet werden. Der Beschwerdeführer vermag auch auf Rückfragen die Situationen nicht eingehender zu schi l- dern. So brachte er beispielsweise vo r, bereits das Tötungsdelikt um se i- nen Kollegen würde politische Züge aufweisen, indem einflussreiche Poli- tiker und der Geheimdienst darin verwickelt gewesen seien, und er das eigentliche Ziel dieses Anschlags gewesen sei. Diese Behauptung kann er jedoch nicht detailliert, substanziiert und in nachvollziehbarer Weise er- läutern. So antwortete der Beschwerdeführer auf die Frage, weshalb man ihn unschuldig verurteilt habe mit: "Das hängt mit den Problemen z u- sammen, die ich mit Leuten des Geheimdienstes hatte. (…)" (vgl. BFM Akten A14 F41). Weder die Probleme, noch die Ursachen dafür vermoch- te der Beschwerdeführer konkret zu erläutern. Es bleibt unklar , wer ihn genau und weshalb verfolgen sollte. So erscheint es viel wahrscheinl i- cher, dass die se Geschehnisse im Zusammenhang mit der "schlechten Gesellschaft" und den drei anderen gegen ihn gerichteten Gerichtsverfah- ren in den Jahren 2003 und 2004 – welche überdies nicht näher erläutert werden – stehen, als dass sie mit dem politischen Engagement des V a-D-655/2014 Seite 14 ters zu tun hätten . Ferner erscheint es kaum nachvollziehbar, warum die Eltern und insbesondere der Vater des Beschwerdeführers, welcher au f- grund seines politischen Engagements die Ursache der Verfol gung sein soll, nach wie vor (arbeiten) können, in keine Gerichtsverfahren verwickelt waren und auch sonst keinen nennenswerten Behelligungen ausgesetzt waren. Wäre tatsächlich das Engagement des Vaters die Ursache für die Probleme des Beschwerdeführers, wäre zu erwarten, dass auch dieser von den Behörden unter Druck gesetzt worden wäre, um ihn zu einem konformen Handeln zu bewegen. Ohne den Zusammenhang der vorg e- brachten Ereignisse zum politischen Engagement des Vaters, ist kein asylrelevantes Verfolgungsmotiv – namentlich Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten soziale n Gruppe oder politische Anschauungen – ersichtlich. Somit können die Vorbringen bereits aus diesem Grund keine ernsthaften Nachteile im asylrechtlichen Sinne b e- gründen. Es gelingt dem Beschwerdeführer überdies auch nicht den ei- gentlichen Auslöser für sein e Flucht in die Schweiz – das angebliche Mordkomplott im Gefängnis – glaubhaft zu schildern. Seine diesbezügl i- chen Aussagen bleiben äussers t allgemein und unsub stanziiert. Trotz mehrmaligem Nachfragen, konnte der Beschwerdeführer beispielsweise den Namen d er Person, welcher ihn über das Mordkomplott informiert haben soll , nicht nennen (vgl. A14 F48, F49, F51). Auch die Aussage, dass dieser ihm nicht detailliert berichtet, sondern nur gesagt habe, man plane seinen Tod (vgl. A14 F53) erscheint nicht nachvollziehbar. So hätte der Beschwerdeführer versucht, mehr darüber herauszufinden, um die Gefahr abschätzen zu können , falls das Mordkomplott einen realen Hi n- tergrund gehabt hätte. 6.3 Nach dem Gesagten genügen die Vorbringen des Beschwerdeführers insbesondere bezüglich der Verfolgung durch die Geheimpolizei und dem geplanten Mordkomplott gegen ihn im Gefängnis den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle anzumerken, dass die Messerattacke auf den Beschwerdeführer – vorausgesetzt diese wäre aufgrund des politischen Engagements des Vaters und somit aus allenfalls politischen Motiven verübt worden – aufgrund des fehlenden sachlichen und zeitlichen Ka u- salzusammenhangs in Bezug auf die Ausreise nicht asylrelevant. 7. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund der Verurteilung eine asylrelevante Verfolgung geltend machen kann. D-655/2014 Seite 15 7.1 Die Furcht vor einer rechtsstaatlich legitimen Strafverfolgung im He i- matland bildet grundsätzlich keinen Grund für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und für die Asylgewährung. Ausnahmsweise kann aber die Durchführung eines Strafverfahrens wegen eines gemeinrechtl i- chen Delikts eine Verfolgung im as ylrechtlichen Sinne darstellen. Dies trifft unter anderem da nn zu, wenn einer Person eine gemeinrechtliche Tat untergeschoben wird, um sie wegen ihrer äusseren oder inneren Merkmale zu verfolgen, oder wenn die Situation eines Täters, der ein g e- meinrechtliches Delikt tatsächlich begangen hat, aus einem solchen Motiv in bedeutender Weise erschwert wird. Eine solche Erschwerung der Lage (sog. Politmalus) ist insbesondere dann anzunehmen, wenn deswegen eine unverhältnismässig hohe Strafe ausgefällt wird (sog. Malus im abs o- luten Sinne), wenn das Strafverfahren rechtsstaa tlichen Ansprüchen kla- rerweise nicht zu genügen vermag oder wenn der asylsuchenden Person in Form der Strafe oder im Rahmen der Strafverbüssung eine Verletzung fundamentaler Menschenrechte, insbesondere Folter droht (vgl. MARIO VENA: Parallele Asyl - und Au slieferungsverfahren in: ASYL 2007/02 S. 3 ff., MARIO GATTIKER, Das Asyl - und Wegweisungsverfahren, Bern 1999, S. 74, WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, B a- sel/Frankfurt a.M. 1990, S. 112 ff., ALBERTO ACHERMANN /CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts, Bern/Stuttgart 1991, S. 102; BVGE 2011/10 E. 4.3 S. 127 f., EMARK 1996 Nr. 34 E. 3 S. 316 f.). 7.2 Ein solcher Politmalus ist in casu nicht ersichtlich. Da wie bereits e r- läutert, die geltend gemachte politische Verfolgung aufgrund des Eng a- gement des Vaters nicht als glaubhaft erachtet wird, ist kein asylrechtlich relevantes Motiv für einen Politmalus zu erkennen. Das serbische Gericht hat sich ausführlich mit dem Sachverhalt und den Zeugenaussagen b e- schäftigt und seine rechtliche Würdigung ausführlich begründet. Bezeich- nenderweise hat sich das Gericht – entgegen den Aussagen des B e- schwerdeführers – mit dem ballistischen Bericht des Gutachters im Urteil auseinandergesetzt und diesen entsprechend gewürdigt. Dem B e- schwerdeführer war es zudem möglich, vo n seinem Beschwerderecht Gebrauch zu machen und ein Gericht zweiter Instanz anzurufen . Schliesslich erscheint das Strafmass von zwei Jahren und zwei Monaten im Hinblick auf den Vorwurf der versuchten Tötung und des illegalen Waf- fenbesitzes nicht als unverh ältnismässig hohe Strafe, womit auch aus diesem Aspekt nicht von einem politischen Malus auszugehen ist. Im Ge- such um Familiennachzug vom 26. Mai 2014 wird überdies geltend g e- macht, dass zwischenzeitlich das Vollzugsverfahren zufolge absoluter Verjährung e ingestellt worden sei und er die Freiheitsstrafe in Serbien D-655/2014 Seite 16 nicht antreten müsse. Daher erübrigen sich diesbezüglich weitere Erwä- gungen. 8. Der Beschwerdeführer kann daher keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen und folglich nicht als Flüchtling anerkannt werden. Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Eine Ausnahme von der Regel liegt unter anderem dann vor, wenn die beschwerdeführende Person über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung (Art. 32 lit. a AsylV 1) oder einen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 mit Hinweisen auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 9.a). 9.2 Ist ein grundsätzlicher Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewi l- ligung zu bejahen, fällt die konkrete Beurteilung dieses Anspruchs und damit auch der Entscheid über die Wegweisung in die Zuständigkeit der fremdenpolizeilichen Behörden. Hat die asylsuchende Person die zustä n- dige ausländerrechtliche Behörde mit einem Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung befasst, welche nach wie vor bei den kantonalen Behörden hängig ist, so hat das Bundesverwa ltungsgericht eine vom BFM angeordnete Wegweisung aufzuheben (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 mit Hinweisen auf EMARK 2001 Nr. 21). 9.3 Der Beschwerdeführer hat am (…) B._______ geheiratet und ist Vater (des gemeinsamen Kindes) . Die Ehefrau des Beschwerdeführers sowie auch (ihr gemeinsames Kind) verfügen über eine Niederlassungsbewill i- gung in der Schweiz (Art. 34 AuG). Gemäss Art. 43 AuG verfügen aus- ländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung grund- sätzlich über einen Anspruch auf Erteilung der Aufe nthaltsbewilligung. Dieser Anspruch wurde in einem am (…) gestellten Gesuch um Familien- nachzug beim Amt für Migration des Kantons X._______ von der Ehefrau des Beschwerdeführers – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – geltend gemacht. Dieses Gesuch ist derzeit bei den kantonalen Behörden hängig. D-655/2014 Seite 17 9.4 Somit ergibt sich, dass die von der Vorinstanz mit Verfügung vom 24. Januar 2014 verfügte Wegweisung aufzuheben ist. Damit erübrigen sich Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvollzuges. Die Prüfung der Frage, ob allfällige Vollzugshi n- dernisse vorliegen, fällt damit in die Zuständigkeit der kantonalen Behö r- de, gegen deren Verfügungen der ausländerrechtliche Rechtsweg offen steht. 10. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwer de betreffend die Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung abzuweisen ist. Betreffend die Anordnung der Wegweisung ist sie gutzuheissen, im Übrigen als g e- genstandslos geworden abzuschreiben. 11. 11.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen des Beschwerdeführers aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen. Der Beschwerdeführer ist bezüglich seiner Anträge auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der A sylgewährung unterlegen. Bezüglich der Anordnung der Wegweisung hingegen hat er obsiegt. Praxisgemäss b e- deutet dies ein hälftiges Obsiegen, weshalb die Verfahrenskosten grun d- sätzlich zur Hälfte dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die dem Beschwerdeführer aufzuerlegenden Verfahren s- kosten sind demnach auf insgesamt 300. – festzusetzen (Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser B e- trag wird dem Kostenvorschuss entnommen. Der Res tbetrag von Fr. 300.– wird zurückerstattet. 11.2 Angesichts des teilweisen Obsiegens (betreffend der Anordnung der Wegweisung) ist die Vorinstanz anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine hälftige Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE). Eine Kostennote wurde bisher nicht zu den Akten gereicht. Auf das Nachfordern einer solchen kann indes verzichtet werden, da sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten hinreichend zuverlässig abschätzen lässt. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) ist dem Beschwerd e- führer zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 800.– zuzusprechen. D-655/2014 Seite 18 (Dispositiv nächste Seite) D-655/2014 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird im Asylpunkt abgewiesen. 2. Betreffend die Wegweisung wird die Beschwerde im Sinne der Erwägu n- gen gutgeheissen und die vom BFM angeordnete Wegweisung aufgeh o- ben. Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs wird die Beschwerde als g e- genstandslos geworden abgeschrieben. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 300. – werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag wird dem Kostenvorschuss ent nommen. Der Res t- betrag von Fr. 300.– wird zurückerstattet. 4. Das BFM hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 800.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Anne Kneer Versand: