Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. März 2018 (720 17 51 / 69) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Auf das von der IV-Stelle eingeholte Verlaufsgutachten kann abgestellt werden; Anspruch auf eine Invalidenrente in Anwendung der spezifischen Methode ver- neint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichte- rin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.___, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1951 geborene A.___ meldete sich am 23. Feb ruar 2011 unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der Eidgenössischen Inval idenversicherung (IV) zum Leistungsbe- zug an. Nach Abklärung der erwerblichen, gesundheit lichen und haushälterischen Verhältnisse wurde der Anspruch auf eine Invalidenrente mit Verf ügung vom 3. Juni 2013 in Anwendung der spezifischen Bemessungsmethode gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 13.3% abgelehnt. Die gegen diese Verfügung geführte Beschwerde hiess das Kantonsgericht des Kantons Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge richt), mit Urteil vom 3. Oktober 2013 in dem Sinne gut, als dass es die Angelegenheit zu r weiteren Abklärung an die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zurückwies. Es entschied, d ass die Auswirkung von neu aufgetre- tenen somatischen Leiden auf die Einschränkung im Hausha lt nicht abgeklärt worden sei. Überdies hätten insbesondere die psychischen Leiden der Versicherten, welche einen wesentli- chen Anteil an allen diagnostizierten Leiden ausmachen würden, im Rahmen der Haushaltsab- klärung keine Beachtung gefunden. Die IV-Stelle habe demnach eine neuerliche Haushaltsab- klärung durchzuführen und deren Ergebnis nötigenfalls ei ner medizinischen bzw. psychiatri- schen Fachperson zur Stellungnahme zu unterbreiten. A.2 Nach Vornahme der angeordneten Haushaltsabklärun g lehnte die IV-Stelle mit Verfü- gung vom 5. September 2014 nach Durchführung des Vorbesch eidverfahrens abermals einen Rentenanspruch unter Hinweis auf einen neu ermittelt en Invaliditätsgrad von 27.6% ab. Auch gegen diese Verfügung erhob die Versicherte Beschwerde beim Kantonsgericht, welches die Angelegenheit mit Urteil vom 25. Juni 2015 (Verfahre n-Nr. 720 14 302 / 159) erneut in Gutheis- sung der Beschwerde an die IV-Stelle zurückwies. Es gelang te dabei zur Auffassung, dass die IV-Stelle den erforderlichen Abklärungen im Sinne des Urteils des Kantonsgerichts vom 3. Ok- tober 2013 nicht genügend nachgekommen sei. Die IV-Stel le habe es versäumt, die nicht uner- heblichen psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin a ktuell psychiatrisch abzuklären. Aus diesem Grund wurde die Angelegenheit an die IV-S telle zurückgewiesen, damit diese zur Klärung der Frage, inwiefern die Beschwerdeführerin a us medizinisch-psychiatrischer Sicht im Haushalt eingeschränkt sei, bei Dr. med. B.___, FMH P sychiatrie und Psychotherapie, ein Ver- laufsgutachten in Auftrag gebe. Nach Einholung des Verlaufsgutachtens wies die IV-Ste lle das Leistungsbegehren mit Verfü- gung vom 19. Januar 2017 bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 27.6% erneut ab. B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 14. Februar 2017 (Eingang) Be- schwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte sie sinng emäss deren Aufhebung sowie die Zusprechung einer Invalidenrente. Zur Begründung brac hte sie im Wesentlichen vor, dass der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 27. 6% anhand der medizinischen Aktenlage nicht nachvollziehbar sei. Vielmehr betrage der Invaliditätsgrad mindestens 50%. C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Februar 2017 beant ragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die form- und fristgerecht beim örtlich wie sa chlich zuständigen Gericht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar beitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 hat die versicherte Person Anspr uch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertel srente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der IV-Gr ad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der IV-Grad b estimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haus- halt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerb stätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgab enbereich zu betätigen (Betäti- gungsvergleich bzw. spezifische Methode; Art. 28a Abs. 2 IVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern einzig in welchem Pensu m sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 19. Januar 2017) entwickelt haben, wobei für d ie hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der i m Sozialversicherungsrecht übliche Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderl ich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebene nfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sow ie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsber eich im Besonderen bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsberichts sind – analog zur Rechtsprechung zur B eweiskraft von Arztberichten (BGE 134 V 232) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen . Ein Haushaltsabklärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Perso n verfasst wird, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der Beeintr ächtigungen und Behinderungen hat, die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben. Weite r sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzei- gen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begrün det und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Ü bereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI-Praxis 2003 S . 218 E. 2.3.2; Urteil des Bundesge- richts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Tr ifft all dies zu, besitzt der Abklärungsbe- richt volle Beweiskraft. Praxisgemäss wird dabei in der Re gel auf die sogenannten spontanen Aussagen der ersten Stunde abgestellt, denen in bewei smässiger Hinsicht grösseres Gewicht beizumessen ist als späteren Darstellungen, die bewusst ode r unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art b eeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a). Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für d ie Unrichtigkeit der Abklärungsresul- tate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen . Das gebietet insbesondere der Um stand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil des B undesgerichts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 128 V 93 f. E. 4). 4.5 Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Aus- masses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten. S eine grundsätzliche Massge- blichkeit ist darum praxisgemäss eingeschränkt, wenn die versich erte Person an psychischen Beschwerden leidet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 1 3. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss bedarf es hier des Beizugs einer ärztlichen Fachperson, die sich unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit auch zur Haushaltsführung zu äussern hat (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008 , 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Zwar bildet die Abklärung vor Ort auch hier grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Invaliditätsbemessung im Aufgabenbereich. Den ärztlichen Stellungnahmen ist in der Regel jedoch mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung. Diese prinzi- pielle Gewichtung hat ihren Grund darin, dass es für di e Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einschränkungen zu erkennen. Für die Rechtsanwendung i m konkreten Fall bedeutet dies, dass – wenn Widersprüche zwischen den Ergebnissen der Hau shaltsabklärung und den ärztli- chen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre Haushaltstätigkeiten trotz des psychischen Leidens noch verrichten zu können bestehen – der medizinischen Einschätzung prinzipiell höheres Gewicht beizumessen ist (Urteil des Bun desgerichts vom 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2 mit weiteren Hinweisen; Urt eil des EVG vom 23. Dezember 2003, I 311/03, E. 5.3). 5.1 Zwischen den Parteien zu Recht unbestritten geblie ben sind die Statusfrage und die damit zusammenhängende Methodenwahl. Die IV-Stelle hat den Invaliditätsgrad erneut anhand der spezifischen Methode bemessen. Auch aus den Akten er geben sich keine Hinweise, wo- nach im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen dur ch das Gericht eine davon ab- weichende Einschätzung vorzunehmen wäre, zumal sich die Verhältnisse seit dem Urteil des Kantonsgerichts vom 25. Juni 2015 nicht geändert haben und die Versicherte im Verfügungs- zeitpunkt bereits das Pensionsalter erreicht hatte (vgl. Urteil des Kantonsgerichts vom 25. Juni 2015, 720 14 302 / 159, E. 4.2). 5.2 Zwischen den Parteien weiterhin umstritten ist der von der IV-Stelle in Anwendung der spezifischen Methode ermittelte Invaliditätsgrad von 27 .6%. Wie eingangs erwähnt, stellte das Kantonsgericht in seinem Urteil vom 25. Juni 2015 fest, dass die Beschwerdegegnerin den mit Urteil vom 3. Oktober 2013 festgelegten Auftrag unerf üllt gelassen habe. Hintergrund dieser Erwägung bildete der Umstand, dass der im Anschluss an da s Urteil vom 3. Oktober 2013 ein- geholte Haushaltsbericht vom 4. Februar 2014 mit Blick a uf die in Erwägung 4.5 vorstehend dargelegte Rechtsprechung nach Auffassung des Gerichts ke ine rechtsgenügliche Grundlage darstellte. Das Gericht gelangte zum Schluss, dass es an e iner aktuellen psychiatrischen Ein- schätzung zum Haushaltsbereich gefehlt habe, da die Besc hwerdegegnerin im nochmaligen Abklärungsverfahen auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr . med. C.___, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. B.___ vom 2. S eptember 2011, abgestellt habe, im Rahmen dessen die Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht mit 100% und aus psychiatrischer Sicht mit 50% veranschlagt wurde. Diese habe auch nicht durch nachträgliche medizinisch- theoretische Beurteilungen ersetzt werden können. Nicht beanstandet wurde vom Gericht, dass der Haushaltsbericht in grundsätzlicher Hinsicht sowie in Bezug auf die somatischen Be- schwerden eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage darstell t (vgl. hierzu ausführlich Urteil des Kantonsgerichts vom 25. Juni 2015, 720 14 302 / 159, E. 7.2 ff.). 6.1 In Nachachtung des Urteils des Kantonsgerichts vom 25. Juni 2015 holte die Be- schwerdegegnerin ein psychiatrisches Verlaufsgutachten bei D r. B.___ ein, welches am 22. Februar 2016 erstattet wurde. Darin wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstli ch-selbstunsicheren, abhängigen und unreifen Anteilen (ICD-10 F61.0) gestellt. Aufgrund der aktuellen Untersuchungsbefunde müsse vorweggenommen werden, dass sich aus rein psychiatrischer S icht in diesem vierjährigen Zeit- raum keinerlei Änderungen hinsichtlich der psychiatrischen Diagnosen ergeben hätten. Die An- gaben, welche die Explorandin im Rahmen der Untersuch ung gemacht habe, seien praktisch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht identisch mit jenen ausgefallen, die sie bereits im Aug ust 2011 getätigt habe. In diesem Sinne sei auch der objektive Psychostatus weitgehend identisch mit jenem ausgefallen, der im Gut- achten vom 2. September 2011 festgehalten worden sei. D amit könne auch aus heutiger Sicht eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger depressiver Episode di- agnostiziert werden. Die Explorandin erfülle die entspr echenden Kardinalkriterien. Sie berichte über eine anhaltende depressive und niedergeschlagene Grundstimmung, über eine Freud-, Interesse- und Lustlosigkeit, eine Antriebsminderung u nd eine erhöhte Ermüdbarkeit. Im objek- tiven Psychostatus zeige die Explorandin nach und nach eine mittelgradige depressive Grund- stimmung. Sie zeige auch eine gewisse Affektverarmung, d ie aber nicht schwer ausfalle, sowie wiederholt affektlabile Einbrüche. Zudem seien einzeln e Parameter, die sehr gut die innerpsy- chische Vitalität objektiv abbilden würden, pathologisch ausgelenkt. Zu diesen Parametern ge- hörten das äussere Erscheinungsbild, die Psycho- und Sprac hmotorik, die Mimik und Gestik, das Denktempo, die kognitiven Leistungen, die Affektvera rmung sowie die affektive Schwing- ungsfähigkeit. Es sei aber nicht so, dass die Mehrheit dieser spezifischen Parameter erheblich bzw. schwer pathologisch ausgelenkt wäre, sodass aus objekti ver Sicht keine schwere Einbus- se der innerpsychischen Vitalität nachgewiesen werden kön ne. Dies decke sich gut mit dem objektiven Befund der rein affektiven Parameter, was b edeute, dass die Grundstimmung mittel- gradig und nicht etwa schwer depressiv ausfalle. Die im Gutachten vom 2. September 2011 diskutierte innerpsychische Struktur der Explorandin gelt e auch noch aus heutiger Sicht. Es müsse diesbezüglich davon ausgegangen werden, dass die z ahlreichen, zum Teil ernsthaften somatischen Krankheiten der Explorandin die depressive S ymptomatik kontinuierlich aufrecht- erhalten bzw. einen relevanten Beitrag leisten würden , sodass diese sich nicht zumindest einer Remission zuführen lasse. Vor dem Hintergrund dieser ernst en somatischen Krankheitsbilder könne nicht erwartet werden, dass sich die depressive Stör ung relevant verbessern werden könne. Dies auch nicht im Rahmen einer psychotherapeutisc hen bzw. ambulant- psychiatrischen Behandlung. Es müsse davon ausgegangen werde n, dass sich die depressive Störung unter dem Einfluss der anhaltenden körperlichen und gesundheitlichen Beeinträchti- gungen zunehmend autonomisiert habe und heute als eine deutlich chronifizierte depressive Störung vorliege. Hinsichtlich der qualitativen Funktio nsfähigkeiten könne auch aus heutiger Sicht gesagt werden, dass ein enges Zusammenspiel zwischen der Persönlichkeitsstörung der Explorandin und ihren rezidivierenden depressiven Episoden bestehe. Letztere würden dadurch entstehen, dass die Explorandin nicht auf genügend st abile innerpsychische Ressourcen und Strukturen zurückgreifen könne, wenn sie Belastungen ausg esetzt sei. Im Rahmen ihrer Per- sönlichkeitsstörung komme es nicht zu einer klinischen Manifes tation der ängstlichen Anteile, sondern vor allem zur Entwicklung depressiver Symptome. Mit anderen Worten könne gesagt werden, dass die rezidivierende depressive Störung aus der zugrunde liegenden Persönlich- keitsstörung resultiere. Es sei somit primär diese Persönl ichkeitsstörung als Hauptursache für die Einbussen der Funktionsfähigkeit aus psychiatrischer Si cht zu sehen, auch wenn in der konkreten Beurteilung derselben die depressiven Symptome vo rdergründig zu berücksichtigen seien. Die Persönlichkeitsstörung selbst trage dazu bei, d ass die Explorandin psychisch redu- ziert belastbar und unsicher sei und in Belastungssituatio nen ängstlich und depressiv reagieren würde. Für die Beurteilung der Auswirkungen auf die A rbeitsfähigkeit könnten die beiden Diag- nosen nicht separat voneinander betrachtet werden. Ins gesamt bestünden bei der Explorandin aus psychiatrischer Sicht nach wie vor qualitative Funkti onseinbussen in der Höhe von 50%. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dabei seien eine erhöhte Ermüdbarkeit, eine Antriebsa rmut sowie eine reduzierte psychische Belastbarkeit berücksichtigt. 6.2 Am 22. August 2016 präzisierte Dr. B.___ sein Guta chten. Er führte aus, dass sich die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 50% auch auf den Haushalt auswirke. Unter Hinweis auf die mit der Explorandin diskutierten Haushaltsber eiche und unter Berücksichtigung der Tat- sache, dass eine der angestammten oder eine der Verweist ätigkeiten jene einer Hausfrau sei, könne die im Haushaltsbericht vom 4. Februar 2014 erho bene Einschränkung von 27.6% nach- vollzogen werden. Diese decke sich auch mit den Angaben, welche die Explorandin anlässlich der Begutachtung zu den einzelnen Bereichen im Hausha lt gemacht habe. So habe sie ihre damaligen Ausführungen bestätigen können, wobei sie e rneut in erster Linie ihre Schmerzen als Grund für die Einschränkung im Haushalt angegeben habe. 6.3 Im Rahmen einer weiteren Stellungnahme vom 6. S eptember 2016 äusserte sich Dr. B:___ auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin zum Ver hältnis der gutachterlich attestierten Funktionseinbussen im Umfang von 50% und der anerkannt en Einschränkung im Haushaltsbe- reich. Hierzu führte er aus, dass seine Aussage, wonach di e psychisch reduzierte Arbeitsfähig- keit einen Einfluss auf die Haushaltstätigkeit habe, als g enerelle Feststellung zu verstehen sei. Die Einschränkungen, die im Haushaltsbericht vom 4. Feb ruar 2014 erhoben worden seien, könnten aber aus fachärztlicher Sicht bestätigt werden. 7.1 Auf der Grundlage der Ergebnisse, zu denen Dr. B._ __ in seinem Verlaufsgutachten vom 22. Februar 2016 gelangt war, ging die IV-Stelle erneut von einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 27.6% aus. 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen keine vor. Es ist vielmehr festzuhalten, dass sich der Gutachter hinreichend mit den wesentlichen medizinischen U nterlagen auseinandersetzt und insgesamt ein vollständiges Bild des Gesundheitszustands der B eschwerdeführerin vermittelt. Alsdann nimmt der Gutachter gestützt auf seine eingehen de persönliche Untersuchung und Befunderhebung eine schlüssige und überzeugende Beurtei lung der zumutbaren Arbeitsfähig- keit vor. Diese im Vergleich zu seinem früheren Guta chten unverändert attestierte Arbeitsunfä- higkeit von 50% steht auch im Einklang mit dem zugrundel iegenden Gesundheitszustand, hin- sichtlich dessen er keine wesentlich abweichenden Befunde od er Änderungen feststellen konn- te. Überdies legt er in seiner Stellungnahme vom 22. A ugust 2016 dar, dass eine Einschrän- kung von 27.6% im Haushaltsbereich nachvollziehbar sei, wo bei er gleichzeitig festhält, dass sich die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50% auf den Haushalt auswirke. In seiner ergänzen- den Stellungnahme vom 6. September 2016 äussert er sich zu dieser auf den ersten Blick er- scheinenden Inkonsistenz, welche er in dem Sinne auflöst, dass seine Aussage, wonach die psychisch reduzierte Arbeitsfähigkeit einen Einfluss auf die Haushaltstätigkeit habe, als generel- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht le Feststellung zu verstehen sei, und die im Haushalts bericht vom 4. Februar 2014 erhobene Einschränkung von 27.6% aus fachärztlicher Sicht bestätig t werden könne. Dabei nimmt er im Rahmen dieser Stellungnahmen keine materielle Ergänzung seiner Expertise vor, welche deren Beweiswert in Frage zu stellen vermöchte. Insgesamt ist daher nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle dem Gutachten vollen Beweiswert zuerkannte. 7.3 Die von der Beschwerdeführerin angerufenen, bereit s im Verfahren vor dem Kantons- gericht vom 25. Juni 2015 gewürdigten medizinischen Berich te vermögen diese (aktuellen) fachärztlichen Schlussfolgerungen nicht in Zweifel zu zieh en. Dies gilt umso mehr, als sich da- bei lediglich die behandelnde Ärztin der Beschwerdeführerin − als Nicht-Fachärztin für Psychiat- rie − zur Leistungsfähigkeit im Haushalt äussert, wie da s Kantonsgericht bereits im damaligen Verfahren festgestellt hat. Ebenso wenig legt die Besc hwerdeführerin eine zwischenzeitlich ein- getretene Verschlechterung ihres Gesundheitszustands dar. Für eine solche Verschlechterung bestehen sodann auch keine Anhaltspunkte, zumal im Verlaufsgutachten vom 22. Februar 2016 unveränderte gesundheitliche Verhältnisse festgestellt worden sind, was die Beschwerdeführe- rin mit ihren Ausführungen hinsichtlich der einzelnen Bereiche im Haushalt selbst bestätigt hat. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 19. Ja- nuar 2017 gestützt auf das Verlaufsgutachten von Dr. B .___ zu Recht in Anwendung der spezi- fischen Methode von einem Invaliditätsgrad von 27.6% ausgegangen ist. Bei diesem Ergebnis ist die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensa ufwand und unabhängig vom Streit wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Nac h § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Vor- liegend sind der Beschwerdeführerin als unterliegende Partei Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- aufzuerlegen. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Der Beschwerdeführerin werden Verfahrenskosten in d er Höhe von Fr. 400.-- auferlegt. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.