<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">453</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>103 Planungszone</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Frage der Anwendung einer erst nach Einreichung des Baugesuchs</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bzw. erst im Rechtsmittelverfahren erlassenen Planungszone auf ein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hängiges Bauvorhaben</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 17. Dezember 2008 i.S. R.B.</span><br/> <span class="ft5">gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt/Gemeinde-</span><br/> <span class="ft5">rats L.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft1">6. Anwendung der Planungszone auf das vorliegende Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben</span><br/> <span class="ft1">6.1. Der Gemeinderat L. erliess mit Beschluss vom 26. März</span><br/> <span class="ft1">2008 gestützt auf Art. 27 des Bundesgesetzes über die Raumplanung</span><br/> <span class="ft1">(Raumplanungsgesetz, RPG) vom 22. Juni 1979 i.V.m. § 29 des Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzes über Raumplanung, Umweltschutz und Bauwesen (Baugesetz;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">454</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">BauG) vom 19. Januar 1993 über die Parzellen 16, 17, 21, 566 sowie</span><br/> <span class="ft1">teilweise über die Parzellen 18, 19, 20, 39, 41, 42 und 768 im Gebiet</span><br/> <span class="ft1">"H. H." eine Planungszone. Der Beschwerdeführer erhob mit</span><br/> <span class="ft1">Eingabe vom 29. April 2008 dagegen Einsprache. Der Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">L. wies diese sowie eine andere Einsprache mit Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">13. Oktober 2008 ab und bestätigte die festgelegte Planungszone.</span><br/> <span class="ft1">Gegen diesen Entscheid des Gemeinderats hat der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) am 6. Novem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2008 Beschwerde erhoben; ein Entscheid des BVU steht zurzeit</span><br/> <span class="ft1">noch aus.</span><br/> <span class="ft1">6.2. Gemäss § 29 Abs. 1 BauG können, während der Erlass oder</span><br/> <span class="ft1">die Änderung von Nutzungsplänen und -vorschriften vorbereitet</span><br/> <span class="ft1">wird, Planungszonen für genau bezeichnete Gebiete erlassen werden,</span><br/> <span class="ft1">um Vorkehren zu verhindern, welche die Verwirklichung des Zwecks</span><br/> <span class="ft1">dieser Pläne und Vorschriften erschweren. Zuständig ist bei kommu-</span><br/> <span class="ft1">nalen Nutzungsplänen und -vorschriften der Gemeinderat. Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zonen werden mit der öffentlichen Auflage wirksam und gelten bis</span><br/> <span class="ft1">zum Inkrafttreten der Nutzungspläne und -vorschriften, deren Zweck</span><br/> <span class="ft1">sie sichern, längstens 5 Jahre. Bewilligungen für Bauten in der Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone dürfen nur erteilt werden, wenn feststeht, dass sie die</span><br/> <span class="ft1">Verwirklichung der neuen Pläne und Vorschriften nicht erschweren.</span><br/> <span class="ft1">Die Bewilligungen bedürfen der Zustimmung der Behörde, welche</span><br/> <span class="ft1">die Planungszone erlassen hat (§ 29 Abs. 2 BauG). Die Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">von § 29 BauG bezweckt wie Art. 27 RPG die Sicherung der Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidungsfreiheit der Planungsbehörden. Künftigen Planfestset-</span><br/> <span class="ft1">zungen wird durch den Erlass einer Planungszone eine sog. negative</span><br/> <span class="ft1">Vorwirkung zuerkannt, indem Baubewilligungen nur noch erteilt</span><br/> <span class="ft1">werden, wenn dadurch die vorgesehene planerische Neuordnung</span><br/> <span class="ft1">nicht erschwert wird. Eine Plansicherungsmassnahme wie die Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone ist aufgrund ihrer eigentumsbeschränkenden Wirkung nur</span><br/> <span class="ft1">bei Wahrung der Verhältnismässigkeit zulässig (vgl. Alexander Ruch,</span><br/> <span class="ft1">in: Heinz Aemisegger/Alfred Kuttler/Pierre Moor/Alexander Ruch</span><br/> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung</span><br/> <span class="ft1">[Kommentar RPG], Zürich 1999, Art. 27 N. 27).</span><br/> <span class="ft1">6.3. Planungszonen werden in einem selbständigen, nicht wie</span><br/> <span class="ft1">die Bausperre auf ein konkretes Baugesuch bezogenen Verfahren er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">455</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lassen, und zwar "für genau bezeichnete Gebiete" (§ 29 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">BauG). Betroffen sind im vorliegenden Fall Teile des Gebiets "H.</span><br/> <span class="ft1">H.". Da Einsprachen und Beschwerden gegen die Festlegung von</span><br/> <span class="ft1">Planungszonen keine aufschiebende Wirkung zukommt (§ 29 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">BauG), ist der Gemeinderatsbeschluss vom 26. März 2008 grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich verbindlich. Der Regierungsrat hat die Thematik der Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungszone an sich nicht weiter zu hinterfragen, da sie nicht Gegen-</span><br/> <span class="ft1">stand des vorliegenden Verfahrens bildet. Als Vorfrage stellt sich die</span><br/> <span class="ft1">Planungszone (in generellem Sinne) ebenfalls nicht, da ein Entscheid</span><br/> <span class="ft1">der sachkompetenten Behörde, d.h. des Gemeinderats, ja wie er-</span><br/> <span class="ft1">wähnt vorliegt (siehe Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N. 72 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Eine Sistierung des vorliegenden Verfahrens ist seitens des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers abgelehnt worden.</span><br/> <span class="ft1">6.4. Die Wirksamkeit der Planungszone kann im konkreten Ein-</span><br/> <span class="ft1">zelfall allerdings dann in Frage stehen, wenn sich die hinter der</span><br/> <span class="ft1">Massnahme stehende Planungsabsicht erst nach Einreichung des</span><br/> <span class="ft1">Baugesuchs verfestigt hat (BGE 118 Ia 510; Alexander Ruch, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Art. 27 N. 27). Vorliegend erliess der Gemeinderat L. die Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone erst am 26. März 2008 während der Hängigkeit des Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deverfahrens vor dem Regierungsrat. Auch wenn im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">Verfahren W. und H. eine Siedlungsentwicklung Richtung Norden</span><br/> <span class="ft1">angedacht worden sein mag, bestand zum Zeitpunkt der Einreichung</span><br/> <span class="ft1">des Baugesuchs Anfang Juni 2007 jedenfalls noch keine konkrete</span><br/> <span class="ft1">und nach aussen kundgegebene Planungsabsicht, die Zonenplanung</span><br/> <span class="ft1">zu revidieren und das Gebiet ,,H. H." der Bauzone zuzuführen oder</span><br/> <span class="ft1">von Bauten und Anlagen freizuhalten, welche die Siedlungsent-</span><br/> <span class="ft1">wicklung langfristig erschweren. Die entsprechende Planungsabsicht</span><br/> <span class="ft1">verdichtete sich erst nach Baugesuchseinreichung bzw. erst im Laufe</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeverfahrens vor Regierungsrat. Dies ergibt sich u.a.</span><br/> <span class="ft1">aus den Daten der Einleitung der Massnahmen zum Erlass der</span><br/> <span class="ft1">Planungszone sowie der Einholung der Offerte zur Teilrevision der</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplanung und wird auch durch die Aussagen der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">vertreter anlässlich der Augenscheinsverhandlung vom 13. Mai 2008</span><br/> <span class="ft1">belegt. Insofern kann die strittige Frage, ob anlässlich der Augen-</span><br/> <span class="ft1">scheinsverhandlung vom 20. August 2007 von einer Einzonung die</span><br/> <span class="ft1">Rede war oder nicht, offen bleiben.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">456</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.5. Das kantonale Baugesetz sowie die Allgemeine Verordnung</span><br/> <span class="ft1">zum Baugesetz (ABauV) vom 23. Februar 1994 regeln die Frage</span><br/> <span class="ft1">nicht, ob eine Planungszone, welche erst nach Einreichung des</span><br/> <span class="ft1">Baugesuches bzw. erst im Rechtsmittelverfahren erlassen wird, auch</span><br/> <span class="ft1">für das entsprechende Bauvorhaben wirksam ist. Gemäss Lehre und</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung ist es für die Beantwortung der genannten Frage</span><br/> <span class="ft1">notwendig, die privaten Interessen des Bauherrn an der Baurealisie-</span><br/> <span class="ft1">rung und die öffentlichen Interessen an der Planänderung gegenein-</span><br/> <span class="ft1">ander abzuwägen (Alexander Ruch, a.a.O., Art. 27 N. 27; BGE 118</span><br/> <span class="ft1">Ia 510; BGE 1P.539/2003). Dabei kommt den privaten Interessen im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen der Interessenabwägung ein erhöhtes Gewicht zu. Auch</span><br/> <span class="ft1">wenn die Grundeigentümerinnen oder die Grundeigentümer keinen</span><br/> <span class="ft1">Anspruch darauf haben, dass ihre baulichen Nutzungsmöglichkeiten</span><br/> <span class="ft1">dauernd bestehen bleiben, müssen sie doch bei Ausarbeitung eines</span><br/> <span class="ft1">Bauprojekts auf geltende und auf voraussehbare künftige planungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Vorschriften abstellen können. In dieser Situation müssen</span><br/> <span class="ft1">deshalb besondere öffentliche Anliegen in Frage stehen, damit die</span><br/> <span class="ft1">zur Diskussion stehende Planungszone für den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">Geltung haben kann (BGE 118 Ia 510; BGE 1P.539/2003).</span><br/> <span class="ft1">6.6. Gemäss Erläuterungsbericht zur Planungszone "H. H." soll</span><br/> <span class="ft1">im Rahmen der anstehenden Änderung der Nutzungsplanung die Er-</span><br/> <span class="ft1">weiterung des Baugebiets, insbesondere der Wohn- und Mischzonen</span><br/> <span class="ft1">geprüft werden. Dabei ist beabsichtigt, das Planungsgebiet ,,H. H." in</span><br/> <span class="ft1">eine Bauzone zu überführen oder von Bauten und Anlagen freizu-</span><br/> <span class="ft1">halten, welche die Verwirklichung der Siedlungsentwicklung lang-</span><br/> <span class="ft1">fristig erschweren.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat stellt nicht in Frage, dass die seitens der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde damals für eine Auszonung angeführten Überlegungen (u.a.</span><br/> <span class="ft1">lokaler Ortsbildschutz, Siedlungsbegrenzung, Erhaltung der typi-</span><br/> <span class="ft1">schen alten Dorfsituation; vgl. vorne Sachverhalt A.) rund 20 Jahre</span><br/> <span class="ft1">später ihre Gültigkeit verloren haben können. Dies zumal bereits da-</span><br/> <span class="ft1">mals ausdrücklich vorbehalten wurde, dass in 20 - 30 Jahren eine</span><br/> <span class="ft1">Entwicklung in dieser Richtung erfolgen könne (vgl. RRB Nr. ...).</span><br/> <span class="ft1">Ebenso wenig stellt der Regierungsrat grundsätzlich das öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einer Erweiterung des Baugebiets und einer längerfristi-</span><br/> <span class="ft1">gen Siedlungsentwicklung in Abrede. Er ist indessen nicht der Auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fassung, das öffentliche Interesse sei im vorliegenden Fall als beson-</span><br/> <span class="ft1">ders gewichtig einzustufen. Einerseits ist das angeführte öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interesse an der Erweiterung des Baugebiets von allgemeiner Be-</span><br/> <span class="ft1">deutung und nicht einzig auf das Gebiet "H. H." bezogen. Anderer-</span><br/> <span class="ft1">seits wird es durch die Verwirklichung der geplanten Neubaute auch</span><br/> <span class="ft1">nicht verunmöglicht. Wie die Berechnungen der Abteilung für</span><br/> <span class="ft1">Landwirtschaft DFR ergaben, muss der Stall gegenüber einer reinen</span><br/> <span class="ft1">Wohnzone einen Abstand von 26 m und gegenüber einer vorliegend</span><br/> <span class="ft1">wohl im Vordergrund stehenden Mischzone einen Abstand von 18 m</span><br/> <span class="ft1">einhalten, wobei innerhalb der gleichen Zone ab Abluftöffnung bis</span><br/> <span class="ft1">zur nächstgelegenen Fassade gemessen wird. Betrachtet man das</span><br/> <span class="ft1">konkrete Projekt, die örtlichen Verhältnisse, die heutigen Eigentums-</span><br/> <span class="ft1">verhältnisse sowie den gemäss § 6 BNO bei allen Zonen einzuhal-</span><br/> <span class="ft1">tenden Grenzabstand von minimal 4 m wird klar, dass die Einhaltung</span><br/> <span class="ft1">des Mindestabstands gegenüber den nachbarlichen Parzellen im Falle</span><br/> <span class="ft1">einer späteren Einzonung des Gebiets "H. H." lediglich bei Parzelle</span><br/> <span class="ft1">16 problematisch sein könnte. In Anbetracht dessen, dass der Ab-</span><br/> <span class="ft1">stand des geplanten Neubaus zur nachbarlichen Parzelle 39, gemes-</span><br/> <span class="ft1">sen ab Nordwestseite des geplanten Stalls bis zur Parzellengrenze,</span><br/> <span class="ft1">rund 40 m beträgt, liesse sich die künftige Einhaltung des Min-</span><br/> <span class="ft1">destabstands indes mit einem leichten Verschieben des Neubaus</span><br/> <span class="ft1">oder/und einer Umplatzierung des Mistplatzes auch zur Parzelle 16</span><br/> <span class="ft1">hin ohne Weiteres sicherstellen. Es obliegt indes dem Gemeinderat</span><br/> <span class="ft1">L., dies zu prüfen und gegebenenfalls die hierfür erforderlichen</span><br/> <span class="ft1">Auflagen/Bedingungen anzuordnen. Für den Regierungsrat ist jeden-</span><br/> <span class="ft1">falls nicht einsehbar, weshalb bei einer allfälligen späteren Einzo-</span><br/> <span class="ft1">nung des Gebiets der geplante Stallneubau hinsichtlich der Ge-</span><br/> <span class="ft1">ruchsemmissionen problematischer sein sollte als der 1998 bewilligte</span><br/> <span class="ft1">Pferdestall. In Anbetracht des anlässlich der Augenscheinsver-</span><br/> <span class="ft1">handlung feststellbaren landwirtschaftlichen Charakters des fragli-</span><br/> <span class="ft1">chen Gebiets kann auch nicht gesagt werden, dass der Neubau eines</span><br/> <span class="ft1">Stalls das mit der Planungszone belegte Gebiet unwiderruflich in</span><br/> <span class="ft1">seiner äusseren Erscheinung verändern würde. Zudem kann auch</span><br/> <span class="ft1">füglich in Frage gestellt werden, inwieweit es Sinn macht, ein Gebiet</span><br/> <span class="ft1">in die Bauzone überführen zu wollen, welches sich zu einem grossen</span><br/> <span class="ft1">Teil im Eigentum des Beschwerdeführers befindet und somit wohl in</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">458</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">näherer Zukunft nicht handelbar werden dürfte. Hinzu kommt noch,</span><br/> <span class="ft1">dass der Hochstammobstbestand im Kulturlandplan als geschütztes</span><br/> <span class="ft1">Naturobjekt (§ 20 BNO) ausgewiesen ist.</span><br/> <span class="ft1">Der Regierungsrat zieht des Weitern den erfolgten Wandel der</span><br/> <span class="ft1">politischen Vorstellungen über die künftige räumliche Entwicklung</span><br/> <span class="ft1">sowie den Wachstum von L. in Betracht, wurde doch noch im Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren betreffend Auszonung des Gebiets ,,F." seitens des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derats bzw. der Gemeindeversammlung vorgebracht, die Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">L. wünsche kein stärkeres Wachstum, während im vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Verfahren der Wunsch nach einem dynamischen Wachstum geltend</span><br/> <span class="ft1">gemacht wird. Nicht zuletzt ist, wenn es auch vorliegend nicht um</span><br/> <span class="ft1">die Frage der Rechtmässigkeit der Planungszone geht, zu erwähnen,</span><br/> <span class="ft1">dass der zuständige Kreisplaner im Rahmen seiner Vernehmlassung</span><br/> <span class="ft1">zum Schluss kam, dass ein aktueller Bedarf an Wohn- und Mischzo-</span><br/> <span class="ft1">nen in der Gemeinde L. nicht gegeben sei und die bestehenden Ka-</span><br/> <span class="ft1">pazitäten bei der prognostizierten Einwohnerentwicklung ohne</span><br/> <span class="ft1">weiteres für die Planungsperiode von 15 Jahren ausreichen würden.</span><br/> <span class="ft1">Aus all diesen Überlegungen gelangt der Regierungsrat zum Schluss,</span><br/> <span class="ft1">dass im vorliegenden Fall das öffentliche Interesse an der</span><br/> <span class="ft1">planerischen Neuordnung zwar durchaus vorhanden, aber nicht als</span><br/> <span class="ft1">besonders gewichtig zu qualifizieren ist.</span><br/> <span class="ft1">Betrachtet man die Interessenlage des Beschwerdeführers näher,</span><br/> <span class="ft1">ist zunächst zu beachten, dass dieser bzw. dessen Rechtsvorgänger</span><br/> <span class="ft1">durch die im Jahr 1990 erfolgte Auszonung faktisch auf den heutigen</span><br/> <span class="ft1">Betriebsstandort festgemacht worden sind. Gestützt auf diese Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungsgrundlage hat der Beschwerdeführer seit der 1994 erfolgten</span><br/> <span class="ft1">Hofübernahme am heutigen Betriebsstandort erhebliche Dispositio-</span><br/> <span class="ft1">nen getroffen. Gemäss der vom Beschwerdeführer nachträglich ein-</span><br/> <span class="ft1">gereichten Auflistung der Investitionen, welche seitens des Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derats unbestritten blieb, belaufen sich die seit der Hofübernahme</span><br/> <span class="ft1">getätigten Investitionen auf insgesamt Fr. 1`770`000.-, wobei darin</span><br/> <span class="ft1">die Eigenleistungen des Beschwerdeführers noch nicht mal zu 100</span><br/> <span class="ft1">Prozent abgebildet sind; der Brandwert nahm im Zeitraum vom</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 1994 bis zum 1. Januar 2008 sodann um Fr. 1`844`000.- zu.</span><br/> <span class="ft1">Zu diesen getätigten erheblichen Investitionen kommt, dass die</span><br/> <span class="ft1">Mutterkuhhaltung im heutigen Stallprovisorium nicht weiter auf-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Bau-,Raumplanungs-undUmweltschutzrecht</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rechterhalten werden kann und der Beschwerdeführer nach eigenen</span><br/> <span class="ft1">Angaben auf den Erhalt des Eigenlands sowie auf die Ausdehnung</span><br/> <span class="ft1">der Mutterkuhhaltung bzw. den Neubau des Stalls angewiesen ist, um</span><br/> <span class="ft1">weiterhin als landwirtschaftliches Gewerbe im Sinne des Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">setzes über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) vom 4. Oktober 1991</span><br/> <span class="ft1">zu gelten, was Voraussetzung ist, um als Pächter von einem Vor-</span><br/> <span class="ft1">kaufsrecht Gebrauch machen zu können. Insofern ist für den Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat durchaus nachvollziehbar, dass der Bau des geplanten Mut-</span><br/> <span class="ft1">terkuhstalles für die langfristige Sicherung des Landwirtschaftsbe-</span><br/> <span class="ft1">triebs von existenzieller Bedeutung ist.</span><br/> <span class="ft1">Des Weiteren gilt es bei der Interessenlage der Bauherrschaft</span><br/> <span class="ft1">gewichtig zu beachten, dass zumindest die mit den Investitionen ver-</span><br/> <span class="ft1">bundenen diversen Bautätigkeiten einer Bewilligung seitens der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde bedurften. Auch wenn der Regierungsrat keineswegs ver-</span><br/> <span class="ft1">kennt, dass Raumpläne grundsätzlich jederzeit geändert werden kön-</span><br/> <span class="ft1">nen, durfte sich der Beschwerdeführer im konkreten Fall mit den</span><br/> <span class="ft1">seitens der Gemeinde offenbar immer wieder vorbehaltlos und ohne</span><br/> <span class="ft1">jegliche Sicherstellungen bezüglich einer künftigen Bauzonener-</span><br/> <span class="ft1">weiterung erteilten Bewilligungen in seinem Vertrauen in den heuti-</span><br/> <span class="ft1">gen Standort immer wieder von Neuem bestärkt fühlen. Dieses Ver-</span><br/> <span class="ft1">halten der Gemeinde steht für den Regierungsrat in einem gewissen</span><br/> <span class="ft1">Spannungsverhältnis zur Behauptung, wonach es für den Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">rat schon vor 8 Jahren keinen Zweifel daran gab, dass sich die</span><br/> <span class="ft1">Wohnzone in nördlicher Richtung entwickeln solle. Nicht zuletzt ist</span><br/> <span class="ft1">aber auch an die im Falle einer negativen Vorwirkung der Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone nutzlos werdenden planerischen Aufwendungen zu denken.</span><br/> <span class="ft1">Auch wenn es sich beim Vorhaben nicht um ein besonders komple-</span><br/> <span class="ft1">xes Vorhaben handelt, so kann doch auch nicht gesagt werden, dass</span><br/> <span class="ft1">dem Beschwerdeführer nur ein minimer planerischer Aufwand er-</span><br/> <span class="ft1">wachsen sei. In Anbetracht all dessen und aufgrund des nachträgli-</span><br/> <span class="ft1">chen Erlasses der Planungszone verdienen im vorliegenden Fall die</span><br/> <span class="ft1">Aspekte Rechtssicherheit, Vertrauensschutz sowie Treu und Glauben</span><br/> <span class="ft1">erhöhtes Gewicht. Dies umso mehr als - wie vorstehend ausgeführt -</span><br/> <span class="ft1">durch die Verwirklichung des geplanten Bauvorhabens weder die</span><br/> <span class="ft1">Planungsabsichten der Gemeinde (Erweiterung des Baugebiets) ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">unmöglicht werden noch der Erlass der Planungszone über das Ge-</span><br/> <span class="ft1">biet "H. H." generell fragwürdig wird.</span><br/> <span class="ft1">Stellt man dieses namhafte private Interesse an der Realisierung</span><br/> <span class="ft1">des Bauvorhabens dem eingangs geschilderten, gesamthaft betrachtet</span><br/> <span class="ft1">eher geringfügigeren öffentlichen Interesse an einer planerischen</span><br/> <span class="ft1">Neuordnung gegenüber, ergibt sich für den Regierungsrat die</span><br/> <span class="ft1">eindeutige Schlussfolgerung, dass im konkreten Fall die am 26. März</span><br/> <span class="ft1">2008 verfügte Planungszone dem Beschwerdeführer nicht entgegen-</span><br/> <span class="ft1">gehalten werden kann. Dies bedeutet, dass der beabsichtigten Ände-</span><br/> <span class="ft1">rung der planerischen Ordnung im konkreten Fall keine (negative)</span><br/> <span class="ft1">Vorwirkung zukommt und die vom Gemeinderat erlassene Planungs-</span><br/> <span class="ft1">zone für das zu beurteilende Bauvorhaben des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">nicht zu beachten ist.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>