Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. Juni 2015 (720 15 82 / 157) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Beurteilung des medizinischen Sachverhalts / Auf die schlüssigen Verwal- tungsgutachten kann abgestellt werden Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Markus Mattle, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1969 geborene A.____ arbeitete seit 5. Mai 2 008 als “Betriebsmitarbeiterin Verpa- ckung“ bei der B.____ AG. Am 16. Juli 2012 meldete sich A.____ unter Hinweis auf verschie- dene Gesundheitsbeeinträchtigungen bei der Eidgenös sischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundh eitlichen und der erwerblichen Verhält- nisse lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 30. Januar 2015 einen Anspruch von A. ____ auf eine IV-Rente mit der Begrün- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung ab, dass bei ihr laut den Ergebnissen der medizini schen Abklärungen keine (andauernde) Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ am 24. Februa r 2015 Beschwerde beim Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht), mit welcher sie sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer IV-Rente beantragte. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. April 2015 beantra gte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Nachdem die Beschwerdeführerin ein entsprechendes G esuch nachgereicht hatte, gewährte ihr das Gericht mit Verfügung vom 13. April 2015 gestützt auf die eingereichten Unter- lagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung. E. Am 25. Mai 2015 reichte die Beschwerdeführerin ein en Bericht von Prof. Dr. med. C.____, Neurochirurgie FMH, vom 15. Mai 2015 ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 24. Februar 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle zog im Rahmen der Abklärung des med izinischen Sachverhalts die Akten der D.____ AG, des Krankentaggeldversicherers der Besch werdeführerin, bei. Diese hatte im Zusammenhang mit der Beurteilung ihrer Leistungspflicht bei den Dres. med. E.____, Psychiat- rie und Psychotherapie FMH, und F.____, Rheumatologie und Innere Medizin FMH, eine psy- chiatrische und eine rheumatologische Begutachtung der Versicherten in Auftrag gegeben. 5.2 In ihrem psychiatrischen Gutachten, welches sie am 29. O ktober 2012 erstattete, ge- langte Dr. E.____ zum Ergebnis, dass aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit erhob die Gutachterin eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die Versicherte leide laut ihren Angaben unter dauernden, quälenden Schmerzen im Hals, Nacken und Rücken, wel- che somatisch jedoch nicht erklärt werden könnten. Was die von anderen Ärzten gestellten Di- agnosen einer depressiven Störung und eines Verdachts ei ner generalisierten Angststörung betreffe, so könnten diese nicht bestätigt werden. Ge gen das Vorliegen einer eigenständigen depressiven Störung spreche der Umstand, dass die depressive Verstimmung laut Angabe der Explorandin erstmalig im Zusammenhang mit der anhaltenden Schmerzstörung aufgetreten sei. Zudem sei das Ausmass der Depressivität objektiv nur leicht, auch nach Absetzen der antide- pressiven Medikation habe sich die Stimmung der Versicherten nicht über ein leicht depressives Mass hinaus verschlechtert. Im Zusammenhang mit der Beur teilung der Arbeitsfähigkeit führte die Gutachterin sodann aus, die Explorandin sei in wese ntlichen Funktionsbereichen ihrer Psy- che aktuell nicht erheblich beeinträchtigt. Namentlich sei sie in der Stimmung nur leicht beein- trächtigt, sie zeige eine uneingeschränkte Realitätsprüf ung, eine unauffällige kognitive Leis- tungsfähigkeit, eine normale soziale Interaktionsfähig keit und einen nur geringgradig beein- trächtigten Antrieb. Die Angststeuerung sei lediglich i n Bezug auf die Beschwerden am Hals beeinträchtigt. Man könne bei der Explorandin einen primären (und teilweise sekundären) Krankheitsgewinn feststellen. Im Weiteren liege bis heute weder ein mehrjähriger, therapeutisch unbeeinflussbarer Verlauf noch eine erhebliche körperl iche oder psychische Begleiterkrankung vor. Die Explorandin sei sozial gut integriert. Zudem se ien auch noch keine gezielten rehabilita- tiven Massnahmen durchgeführt worden. Es lägen somit keine medizinisch-psychiatrischen Gründe vor, die es der Explorandin zur Zeit verunmöglich en würden, ihre leichten Einschrän- kungen mit der nötigen Willensanstrengung zu überwinden. Insgesamt sei die Explorandin des- halb in der angestammten und in einer angepassten Ver weistätigkeit aus psychiatrischer Sicht vollschichtig arbeitsfähig. 5.3 Dr. F.____ diagnostizierte in seinem rheumatologisch en Gutachten vom 2. November 2012 bei der Explorandin ein chronifiziertes fibromyalgi sches Schmerzsyndrom bei aktuell kei- ner objektivierbaren muskuloskelettalen Problematik und bei Zeichen einer Symptomauswei- tung. Die klinisch rheumatologische Untersuchung habe abg esehen von einer muskulären De- konditionierung, die durch die Inaktivität der Exploran din plausibel erklärbar sei, keine relevan- ten somatischen Befunde ergeben. Auffällig seien die Zeichen der Symptomausweitung wie die völlige Fixierung auf das Schmerzerleben, die immer gle iche Schmerzintensität und die fehlen- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht de Wirkung von medikamentösen oder physiotherapeutischen Massnahmen. Eine relevante Aktivitätseinschränkung sei durch die objektiven Befunde n icht zu begründen. Medizinisch- theoretisch bestehe aus rheumatologischer Sicht keine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit. 5.4 Auf Veranlassung der D.____ AG hatte G.____, Bet riebsphysiotherapeut, am 1. No- vember 2012 überdies eine Evaluation der funktionelle n Leistungsfähigkeit der Versicherten durchgeführt. Dieser gelangte dabei zum Ergebnis, dass i nfolge erheblicher Symptomauswei- tung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz die Resultate der physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nicht verwer tbar seien. Das Ausmass der demons- trierten physischen Einschränkungen liesse sich mit den wen ig relevanten objektivierbaren pa- thologischen Befunden aus somatischer Sicht nur ungenügend erklären. 5.5 Die IV-Stelle gelangte in der angefochtenen Ver fügung vom 30. Januar 2015 in An- wendung der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den Schmerzstörungen (BGE 130 V 352 ff.) gestützt auf die beigezogenen Gutachte n der Dres. E.____ und F.____ zur Auf- fassung, dass die Versicherte aus psychiatrischer und aus soma tischer Sicht in sämtlichen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten uneingeschränkt a rbeitsfähig ist. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausg eführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht er statten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Bew eiswürdigung volle Beweiskraft zu- zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuve rlässigkeit der Expertisen spre- chen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Die Gutacht en der Dres. E.____ und F.____ vom 29. Oktober/2. November 2012 weisen weder formale noch inhaltliche Mängel auf, sie sind - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor ) - für die streitigen Belange umfas- send, sie beruhen auf allseitigen Untersuchungen, sie berücksichtigen die geklagten Beschwer- den, sie sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worde n, sie leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der me dizinischen Situation ein, sie set- zen sich mit den vorhandenen abweichenden ärztlichen Einsc hätzungen auseinander und sie sind in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbesonder e nehmen die Gutachter auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. 5.6 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht ge eignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft der Gutachten der Dres. E.____ und F.____ in Frage zu stellen. Sie beanstandet ins- besondere, dass die IV-Stelle zu Unrecht auf die Beurte ilungen dieser Gutachter statt auf die Einschätzungen der behandelnden Ärzte, die sie besser kenn en würden, abgestellt habe. Mit diesem Einwand kann die Versicherte jedoch nichts zu ihr en Gunsten ableiten. Zum einen ver- weist die IV-Stelle in ihrer Vernehmlassung diesbezügli ch zu Recht auf die bundesgerichtliche Praxis, wonach bei der Würdigung der Berichte von Hausä rzten und behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden soll, dass Hau särzte und behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b /cc). Zum andern verhält es sich aber auch nicht so, dass ihr die behandelnden Ärzte durchwegs e ine andauernde Arbeitsunfähigkeit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht attestieren würden. So hält etwa Dr. med. H.____, Ch efarzt, Klinik für Schmerztherapie, Spital I.____, in seinem Austrittsbericht vom 10. Dezember 2014 für die Versicherte eine leichte Arbeit mit wechselnder Tätigkeit explizit als durchaus möglich und auch der Hausarzt Dr. med. J.____, Allgemeine Medizin FMH, befürwortet in seinem kurzen S chreiben vom 19. Dezember 2014 ausdrücklich die Vornahme eines Arbeitsversuchs. Soweit di e Beschwerdeführerin schliesslich auf eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes verw eist, kann ihr ebenfalls nicht ge- folgt werden. Für eine solche Annahme enthalten die Akten keine hinreichenden Anhaltspunkte, insbesondere lässt sich auch den vorstehend erwähnten, unm ittelbar vor Verfügungserlass ver- fassten Berichten der Dres. H.____ und J.____ nichts Entsprechendes entnehmen. Schliesslich wird auch im zuletzt eingereichten Bericht von Prof. Dr . C.____ vom 15. Mai 2015 weitgehend auf die „bestens bekannte Diagnose“ sowie wiederum auf eher diskrete somatische Befunde und auf die im Vordergrund stehende Schmerzproblematik hingewiesen. 6.1 Am geschilderten Ergebnis, wonach bei der Versichert en das Vorliegen einer massge- blichen Arbeitsunfähigkeit verneint werden muss, änder t auch der soeben ergangene Grund- satzentscheid des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015 (9C_492/2014) nichts. In diesem zur Publi- kation vorgesehenen Urteil hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den Vorausset- zungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstöru ngen und vergleichbare psycho- somatische Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geändert. Da diese Rechtsprech ungsänderung grundsätzlich auf lau- fende Verfahren wie das vorliegende Anwendung findet (vgl. Urteil A. vom 3. Juni 2015, 9C_492/2014, E. 8 und BGE 137 V 266 E. 6), ist abschl iessend kurz aufzuzeigen, weshalb sich daraus keine Auswirkungen auf den hier zu beurteilenden Fall ergeben. 6.2.1 Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann w eiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diag nostizierten Gesundheitsbeeinträchti- gung ist. Auch künftig wird der Rentenanspruch - in Nac hachtung der verfassungs- und ge- setzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassu ng der Schweizerischen Eidge- nossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rechtsgleichheit) u nd Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) - anhand eines normativen Pr üfrasters beurteilt, und es braucht me- dizinische Evidenz, dass die Erwerbsunfähigkeit aus objektiv er Sicht eingeschränkt ist. Indes hält das Bundesgericht - der seit längerem namentlich au s medizinischer, aber auch aus juristi- scher Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäu sserten Kritik Rechnung tragend - an der Überwindbarkeitsvermutung nicht weiter fest. An stelle des bisherigen Regel/Ausnahme- Modells tritt ein strukturierter, normativer Prüfraste r. In dessen Rahmen wird im Regelfall an- hand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermas- sen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (Urteil A. des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hin- weisen). 6.2.2 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschrän kt ist. Die diesbezüglichen Anforde- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und - in der Folge - Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Ausm ass nachgewiesen sind (Urteile A. des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3. 2 und A. vom 3. Juni 2015, 9C_492/2014, E. 6). 6.2.3 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Li chte dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten - wie die hier vorliegenden Gu tachten der Dres. E.____ und F.____ - nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen e iner gesamthaften Prüfung des Einzel- falls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhob enen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrun dlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-b eweisrechtlich geänderten Anforde- rungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die b eigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten - gegebenenfall s im Kontext mit weiteren fachärztli- chen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte de r massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (Urteil A. des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015, 9C_492/2014, E. 8 mit Hinweis). 6.3 Vorliegend haben die Gutachter Dres. E.____ und F .____ der Versicherten hinsichtlich leichter bis mittelschwerer Tätigkeiten weder aus psychia trischer noch aus somatischer Sicht eine (andauernde) Arbeitsunfähigkeit attestiert. Aus d en beiden Gutachten ist denn auch zu schliessen, dass die Ausprägung der diagnoserelevanten Be funde nicht allzu stark ins Gewicht fällt. Auffallend ist hingegen, dass beide Fachärzte ei ne erhebliche Symptomausweitung durch die Versicherte beschreiben. Zusätzlich wird im Bericht übe r die durchgeführte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit eine starke Selbstli mitierung der Versicherten festgehalten und auf Inkonsistenzen hingewiesen. Im Weiteren führt die psychiatrische Gutachterin auch aus, dass die Beschwerdeführerin sozial gut integriert sei, we nngleich ihre Aktivitäten schmerzbe- dingt reduziert seien. Ebenso ist die Fachärztin der kla ren Auffassung, dass die Therapiemög- lichkeiten nicht ausgeschöpft seien, und sie billigt de r Versicherten durchaus auch mobilisierba- re persönliche (und familiäre) Ressourcen zu. Diese Eindrü cke werden letztlich auch durch den aktuellen Bericht von Dr. H.____ vom 10. Dezember 2014 bestätigt, in welchem über verschie- dene - teilweise unter Einbezug des Ehemannes - in An griff genommene therapeutische Mass- nahmen und hinsichtlich des beruflichen Wiedereinstiegs ins Auge gefasste Schritte berichtet Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird. Bei dieser Sachlage ergeben sich aber auch in Berü cksichtigung der neuen bundesge- richtlichen Schmerzrechtsprechung keine erheblichen funkt ionellen Auswirkungen der medizi- nisch festgestellten Diagnosen, weshalb die Gutachter - insbesondere die diesbezüglich fach- lich zuständige psychiatrische Expertin - die anhaltende soma toforme Schmerzstörung (mit Selbstlimitierung) in nachvollziehbarer Weise als Dia gnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit aufgeführt haben. 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-S telle in der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2015 einen Rentenanspruch der Versicherten zu Recht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich demn ach als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sin d. Der Beschwerdeführerin ist nun aller- dings mit Verfügung vom 13. April 2015 die unentgel tliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig a uf die Gerichtskasse genommen. Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich auf § 53 a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 8.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdeführerin am 30. November 2015 Be- schwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Ur teils: Verfahren-Nr. 8C_878/2015 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht