B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-782/2021 U r t e i l v o m 2 2 . M ä r z 2 0 2 1 Besetzung Richterin Esther Marti (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. Parteien A._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin) und ihre Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), alle Sri Lanka, alle vertreten durch (…), Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Mehrfachgesuch/Wiedererwägung); Verfügung des SEM vom 21. Januar 2021 / (…). E-782/2021 Seite 2 Sachverhalt: I. A. A.a Der Ehemann der Beschwerdeführerin ersuchte am (…) in der Schweiz um Asyl. Zur Begründung seines Asylgesuchs gab er an, er habe ab (…) ungefähr sechs Monate lang sein Motorrad und das gemietete Tuk- Tuk den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) für (…) zur Verfügung gestellt. Am (…) sei er vermutungsweise von Angehörigen des Criminal In- vestigation Department (CID) am Bein angeschossen worden. Später habe das CID ihn zu (…) befragt und der Unterstützung der LTTE beschuldigt. Sie hätten ihm eine wöchentliche Unterschriftspflicht auferlegt. Dabei sei er auch gefoltert worden. Nach einem Ausreiseversuch im Jahr (…) habe er bis Ende (…) im (…)camp in D._______ Unterschrift geleistet. Von (…) bis (…) habe er wieder bei den Eltern in E._______ (ca. 25 Kilometer vom bisherigen Wohnort entfernt) gelebt. Nach seiner Ausreise im Januar (…) habe die Polizei, welche mit dem CID zusammenarbeite, seine Ehefrau und seine Eltern aufgesucht und nach ihm gefragt. Es habe keinen spezi- ellen Grund für die Ausreise gegeben. A.b Mit Verfügung vom 22. Februar 2018 lehnte die Vorinstanz das Asyl- gesuch des Ehemannes der Beschwerdeführerin ab, verfügte die Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzu g an. Dagegen erhob der Ehemann der Beschwerdeführerin Beschwerde beim Bundesverwaltungs- gericht (Beschwerdeverfahren E-1872/2018). B. B.a Die Beschwerdeführerin reiste zusammen mit ihren Kindern ebenfalls in die Schweiz, wo sie am (…) um Asyl ersuchte. Sie füh rte im Wesentli- chen aus, sie sei Tamilin, habe den Beschwerdeführer im Jahr (…) gehei- ratet und in F._______, gelebt. Sie verwies auf die Asylvorbringen ihres Ehemannes und machte geltend, ab (…) seien monatlich zwei Personen des Geheimdienstes bei ihr vorb eigekommen und hätten nach dem Ver- bleib ihres Ehemannes gefragt. Im (…) sei sie zwei Mal (…). Am 28. März 2019 seien abends Männer vorbeigekommen und hätten ihr gesagt, sie müsse ins Camp mitkommen. Am nächsten Tag sei sie zum Camp gegan- gen, wo sie zum Ver bleib ihres Ehemannes und (…) befragt worden sei. Am (…) sei sie mit den Kindern nach Colombo und am (…) seien sie mit dem Reisepass legal von Colombo mit dem Flugzeug ausgereist. E-782/2021 Seite 3 B.b Mit Verfügung vom 23. September 2019 stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (Beschwe rdeverfahren E-5092/2019). C. C.a Das Bundesverwaltungsgericht behandelte die beiden Beschwerde- verfahren koordiniert und fällte am 23. September 2020 die Urteile E-1872/2018 und E -5092/2019, wobei es die jeweilige Einschätzung der Vorinstanz stützte. C.b Die Vorbringen des Ehemannes der Beschwerdeführerin befand das SEM für unglaubhaft. Zwischen den Vorfällen bis zum Jahr (…) und der Ausreise im Jahr (…) fehle es am zeitlichen Kausalzusammenhang, hin- sichtlich der Schussverletzung an der Gezieltheit der Verfolgu ng. Folglich sei auch die behördliche Suche nach ihm bei der Beschwerdeführerin und seinen Eltern nach seiner Ausreise als unglaubhaft zu qualifizieren. C.c Auch die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielt das Bundesverwal- tungsgericht für unglaubhaft. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Ge- heimdienst die Beschwerdeführerin monatlich nach dem Verbleib ihres Ehemannes gefragt, aber nie den Ehemann direkt behelligt haben solle, zumal es naheliegend gewesen wäre, bei seinen Eltern nach ihm zu su- chen. Zudem ha be ihr Ehemann diese Besuche nicht erwähnt. Die zwei (…) habe sie stereotyp und oberflächlich geschildert. C.d Hinsichtlich des Wegweisungsvollzuges der Familie führte das Bun- desverwaltungsgericht aus, es sei anzunehmen, dass der Ehemann nach seiner Rückkehr seine Arbeitstätigkeit wieder aufnehmen und die Familie zusammen in ihrem Haus leben könne. Ausserdem verfügten sie über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz. Auch das Wohl der Kinder sowie das Asthma bronchiale des älteren Kindes stehe einem Wegweisungsvoll- zug nicht entgegen. II. E-782/2021 Seite 4 D. D.a Am 14. Dezember 2020 reichte die Beschwerdeführerin für sich und ihre Kinder beim SEM ein Wiedererwägungsgesuch ein und beantragte, es sei in Anbetracht der neuen erheblichen Tatsachen auf den Entscheid vom 23. September 2019 zurückzukommen und ihnen sei A syl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon seien sie vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Feststellung der aufschiebenden Wirkung des Wiedererwägungsgesuchs und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Sie begründeten ihr Gesuch damit, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines Suizidversuchs unter Einna hme von verschiedenen Medikamenten am (…) 2020 in die Notfallstation des Kantonsspitals G._______ eingelie- fert worden sei. Zur weiteren Abklärung habe sie eine Nacht dort verbracht, bevor sie in die Psychiatrie H._______ überwiesen worden sei. Dem Be- richt des Kantonsspitals G._______ vom 19. Oktober 2020 sei zu entneh- men, dass sie an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leide, damals mit akuter Suizidalität. Gemäss Folgebericht der Psy- chiatrie H._______ vom 28. Oktober 2020 sei neben der PTBS auch eine Anpassungsstörung sowie eine absichtliche Selbstschädigung diagnosti- ziert worden. Die traumaindizierte Symptomatik habe sich seit der drohen- den Ausschaffung akzentuiert. Sie leide sowohl an Schlafproblemen als auch an Albträumen, Flashbacks und grossen Ängsten. Nach dem statio- nären Aufenthalt sei eine ambulante Therapie sowie eine Anmeldung beim Ambulatorium I._______ in die Wege geleitet worden. Wegen ihrer schwe- ren PTBS steige das Risiko eines Suizides merklich an, sobald in ihrem Leben eine Stresssituation hinzukomme. Der hier in der Schweiz began- gene Suizidversuch sei nicht der erste. Bereits in Sri Lanka habe sie ver- sucht, sich das Leben zu nehmen, nachdem sie (…) geworden sei. Damit bestünde eine Lebensgefahr, würde sie nach Sri Lanka zurückgeschafft. Dies insbesondere, wenn der Faktor der Retraumatisierung mitberücksich- tigt werde. Die Beschwerdeführerin sei (…) geworden, weswegen sie alle Vorausset- zungen der Flüchtlingseigenschaft erfülle und ihr Asyl erteilt werden sollte. Mindestens sei sie aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs vorläufig aufzunehmen. Psychisch erkrankte Menschen seien in Sri Lanka diskriminierenden Verhaltensweisen ihrer Mitmenschen ausgesetzt, E-782/2021 Seite 5 was sie daran hindere sich in Behandlung zu begeben. Zudem sei der Zu- gang zu psychiatrischer Versorgung im ehemaligen Konfliktgebiet unzu- länglich und problematisch, dies insbesondere aufgrund des Mangels an qualifiziertem psychiatrischem Personal und stationären Behandlungs- möglichkeiten. D a das öffentliche Gesundh eitswesen lange Wartezeiten mit sich bringe, teilweise Abklärungen nicht gemacht werden könnten oder verschriebene Medikamente nicht verfügbar seien, sähen sich viele Perso- nen gezwungen, ihre Gesundheitsleistungen im privaten Sektor zu bezie- hen, wo sie die Kosten selbst übernehmen müssten. In diesem Sinne sei der Zugang zu einer längerfristigen Behandlung, wie sie sie benötige, in der Nordprovinz höchstwahrscheinlich nicht möglich. Ein pauschaler Ver- weis auf die medizinische Rückkehrhilfe oder ein allgemeiner Verweis auf gewisse Gesundheitszentren in der Region D._______ vermöge die aus- serordentlich tiefen Zahlen an verfügbaren Psychiatern nicht aus dem Weg zu räumen. Vielmehr bedürfe es einer vertieften Überprüfung der tatsäch- lichen Behandlungsmöglichkeiten vor Ort durch das SEM. D.b Als Beweismittel legte die Beschwerdeführerin je einen Austrittsbericht des Kantonsspitals G._______ vom 19. Oktober 2020 und der Psychiatrie H._______ vom 28. Oktober 2020 mit dem Ausdruck einer E-Mail vom 12. November 2020 an die rubrizierte Rechtsvertreterin (betreffend die Weiter- leitung der genannten Arztberichte) sowie das Themenpapier der Schwei- zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) Sri Lanka: Psychiatrische Behandlung und Psychotherapie im Norden vom 3. September 2020 ein. E. Das SEM nahm die Eingabe vom 14. Dezember 2020 als Wiedererwä- gungsgesuch entgegen, wies es mit Verfügung vom 21. Januar 2021 – tags darauf eröffnet – ab und erklärte die Verfügung vom 23. September 2019 für rechtskräftig und vollstreckbar. Ausserdem wies es das Gesuch um un- entgeltliche Prozessführung ab, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. F. Mit Beschwerde vom 22. Februar 2021 an das Bundesverwaltungsgericht beantragt die Beschwerdeführ erin die Aufhebung der Verfügung vom 21. Januar 2021 beziehungsweise vom 23. September 2019 sowie die Ge- währung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf- nahme in der Schweiz zu gewähren. E-782/2021 Seite 6 In prozessualer Hinsicht beantragt sie, der Beschwerde sei die aufschie- bende Wirkung zu erteilen. Ausserdem sei die unentgeltliche Prozessfüh- rung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu gewäh- ren und die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei- zuordnen. Ausserdem sei aufgrund einer Verhängung einer Quarantäne- pflicht beziehungsweise Isolation der Rechtsvertretung eine Frist zur Be- schwerdeergänzung einzuräumen. Als Beweismittel stellte sie ei nen neuen ärztlichen Bericht in Aussicht, nachdem der Hausarzt der Beschwerdeführerin diese zur Behandlung an das J._______ überwiesen habe, wo am 18. Februar 2021 ein erster Ter- min stattfinde. G. Am 23. Februar 2021 setzte die Instruktionsrichterin den Wegweisungsvoll- zug mittels einer provisorischen Massnahme aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie- dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re- gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs weise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 E-782/2021 Seite 7 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist – unter dem nachstehenden Vorbehalt – einzutreten. 1.4 Auf das Begehre n, es sei ihr Asyl zu gewähren , ist nicht einzutreten. Die materiellen Asylgründe sind im vorliegenden Wiedererwägungsverfah- ren nicht Verfahrensgegenstand. Dieser beschränkt sich auf die Prüfung der Frage, ob die Vorinstanz in zutreffender Weise das Bestehen von (qua- lifizierten und einfachen) Wiedererwägungsgründen verneint und an ihrer ursprünglichen Verfügung vom 23. September 2019 festgehalten hat. Lie- gen qualifizierte Wiedererwägungsgründe vor, hebt das Bundesverwal- tungsgericht die angefochtene Verfügung auf und wei st die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurück. Liegen Wiedererwägungsgründe im Sinne einer neuen Sachlage hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs vor, entscheidet das Gericht gegebenenfalls in der Sache selbst. Nicht Verfahrensgegenstand sind mangels Anfechtung die Ziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfügung. Die Behandlung des Begehrens auf Wie- derherstellung der aufschiebenden Wirkung erübrigt sich mit dem vorlie- genden Entscheid in der Sache. 1.5 Hinsichtlich des Verfahrensantrages auf Ansetzung einer Frist zur Be- schwerdeergänzung ist folgendes festzuhalten: Die Rechtsvertreterin macht geltend, zur Besprechung heikler Fragen be- züglich (…) der Suizidversuche wäre es nötig gewesen, ein Vertrauensver- hältnis zur Beschwerdeführerin aufzubauen, was telefonisch nicht möglich sei. Sie befinde sich nämlich seit 15. Februar 2021 in Quarantäne aufgrund des Verdachtes einer Ansteckung mit dem Corona Virus. Für den Fall eines positiven Testresultats, das aktuell noch ausstehe, müsse sie in Isolation bleiben. Ein persönliches Gespräch habe deshalb nicht stattfinden können. Dem ist zu entgegnen, dass die Rechtsvertreterin die Beschwerdeführerin bereits seit dem 6. Dezember 2019 vertritt (vgl. Vollmacht, Beilage 2 zur Beschwerdeschrift) und davon ausgegangen werden darf, es habe seither durchaus ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden können. Bereits das Wiederwägungsgesuch wurde zudem von der Rechtsvertreterin einge- reicht. Warum allenfalls noch offene Fragen nicht telefonisch hätten be- sprochen werden können, erhellt nicht. Es war der Rechtsvertreterin dann auch ohne weiteres möglich, eine vollständige und rechtsgenügliche Be- schwerdeschrift zu verfassen. Ausserdem ist ihr bekannt, dass gemäss Art. 32 Abs. 2 VwVG Parteivorbringen trotz Verspätung zu berücksichtigen E-782/2021 Seite 8 sind, soweit sie ausschlaggebend erscheinen. Bis heute sind allerdings keine weiteren Eingaben mehr erfolgt. Eine Durchsicht der Akten ergibt zu- dem, dass der Sachverhalt als hinreichend erstellt gelten kann. Angesichts dieser Überlegungen ist der Antrag um Ansetzung einer Nach- frist zur Beschwerdeergänzung abzuweisen. Es erübrigt sich auch, das an- gekündigte Arztzeugnis abzuwarten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 In der angefochtenen Verfügung nimmt das SEM zunächst eine Quali- fikation der Eingabe vom 14. Dezember 2020 vor. Es nimmt diese als Wie- dererwägungsgesuch entgegen, da die Beschwerdeführerin geltend ma- che, mit den neu beigebrachten Beweismittel n belegen zu können, dass die ursprüngliche Verfügung des SEM vom 23. September 2019 fehlerhaft sei. Da die Beweismittel erst nach dem Urteil des Bundesverwaltungsge- richts E -5092/2019 vom 23. September 2020 entstanden seien, sei die neue Eingabe soweit sie sich auf die Flüchtlingseigenschaft beziehe als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch und betreffend die Frage der Zuläs- sigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs als einfaches Wieder- erwägungsgesuch entgegen zu nehmen. Unter dem Aspekt qualifizierter Wiedererwägungsgründe führt das SEM aus, Arztberichte könnten in der Regel Indizien, nicht jedoc h alleinige Be- weise für Verfolgungsvorbringen wie Misshandlungen und daraus resultie- rende psychische Folgestörungen darstellen. Im vorliegenden Fall sei der Arztbericht vom 28. Oktober 2020 aufgrund der gesamten Akten nicht ge- eignet, die bereits vom SEM sowie vom Bundesverwaltungsgericht im Rah- men des ordentlichen Verfahrens aufgrund verschiedener Kriterien festge- stellte Unglaubhaftigkeit der (…) sri-lankische Regierungsbeamte zu wider- legen. Dies gelte auch für das neue Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie bereits in Sri Lanka einen Suizidversuch wegen der angeblich erlittenen (…) unternommen habe, zumal sie diesen Versuch im bisherigen E-782/2021 Seite 9 Verfahren an keiner Stelle erwähnt habe, was angesichts der Dramatik ei- nes solchen Ereignisses nicht nachvollziehb ar sei. Dieses Vorbringen sei daher als unglaubhaft einzustufen, weshalb es auch keinen Beweiswert für die bereits als unglaubhaft beurteilten (…) zu entfalten vermöge. Unter dem Aspekt der aus dem ärztlichen Bericht vom 28. Oktober 2020 abgeleiteten einf achen Wiedererwägungsgründe in Bezug auf allfällige Wegweisungsvollzugshindernisse, hielt die Vorinstanz unter anderem fest, es sei im Falle einer Rückführung nicht von einer Retraumatisierung aus- zugehen, da sich die geltend gemachten, angeblich in Sri Lanka erfolgten Ursachen für die angebliche PTBS als unglaubhaft erwiesen hätten. Es sei nicht ungewöhnlich, dass der negative Abschluss eines Asylverfahrens und die damit verbundene Enttäuschung wie auch die Aussicht auf eine anste- hende Rückführung bei den b etroffenen Personen psychische Probleme auslösten. Diese psychischen Krisen dürften jedoch nicht dazu führen, eine Rückführung zu verhindern. Das SEM – in Übereinstimmung mit der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) – werde die zuständigen kantonalen Vollzugsbehörden auf das besondere Risiko der Beschwerdeführerin hinweisen und darum ersuchen, im Rahmen des Voll- zugs auf ihren Gesundheitszustand Rücksicht zu nehmen und ihm mit ent- sprechenden Massnahmen Rechnung zu tragen. Somit sp reche das gel- tend gemachte Suizidrisiko nicht gegen die Zulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs nach Sri Lanka im Sinne von Art. 3 EMRK. Es sei zu erwarten, dass ein Wegweisungsvollzug im Familienverband und mit der Unterstüt- zung des Ehemannes weniger belaste nd für die Beschwerdeführerin sei, als wenn sie diesen Schritt alleine unternehmen müsste. Ausserdem gehe das SEM in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts davon aus, dass die psychiatrische Versorgung in Sri Lanka im Allgemeinen und auch in der Herkunftsregion der Beschwerdeführerin, in der Nordprovinz Sri Lankas, ausreichend vorhanden und zugänglich sei. Der Bericht der SFH vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Es werde nicht vorausgesetzt, dass die medizinische Behandlung schweizeri- schem Standard entspreche und auch nicht, dass die medizinische Versor- gung im Heimat- oder Herkunftsstaat völlig kostenlos sein müsse. Die gel- tend gemachten psychischen Probleme schienen zudem nicht so gravie- rend zu sein, als dass sie oh ne Behandlung nach schweizerischem Stan- dard rasch zu einer lebensbedrohlichen Situation führen könnten, weshalb der Wegweisungsvollzug auch zumutbar sei. E-782/2021 Seite 10 4.2 Die Beschwerdeführerin entgegnet in ihrer Rechtsmittelangabe, ange- sichts der ärztlichen Feststellung ihrer Traumatisierung müsse die Ein- schätzung bezüglich der Glaubhaftmachung (…) erneut überprüft werden. Die Traumatisierung, die geäusserten Schwierigkeiten (…) seien Indizien, die für die Glaubhaftigkeit der vorgebrachten (…) sprächen. Erneut weise sie darauf hin, dass sie an der Anhörung aufgefordert worden sei, nicht alle, sondern nur die wichtigen Details zu nennen, was sie verwirrt habe. Auch ihre grosse Angst, dass (…), sei ein starkes Indiz für den Wahrheitsgehalt ihres Vorbringens. Nun decke sich ihr Vorbringen mit dem durch Fachper- sonen festgestellten mentalen Zustand. Gerade Flashbacks könnten un- möglich vorgespielt werden. Auch wenn spekuliert werden könne, dass es andere Gründe für ihre Traumatisierung geben könnte, müsse angesichts des bereits E rläuterten sowie der Übereinstimmung ihrer Vorbringen mit mehreren Berichten über Sri Lanka von einer überwiegenden Wahrschein- lichkeit ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin (…) geworden und ihr Vorbringen als glaubhaft zu qualifizieren sei. Als (…) durch Beamte erfülle sie folglich die Flüchtlingseigenschaft. Die (…) seien aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, der LTTE -Tätigkeit ihres Ehemannes und auf- grund (…) erfolgt. Angesichts der politischen Veränderungen in Sri Lanka, könne weder von einer Verbesserung der Gefährdungssituation, noch von einer Fluchtalternative in Sri Lanka ausgegangen werden. Es würden auch verurteilte Täter von schwersten Verbrechen – geschehen in Bezug auf ei- nen (…) – begnadigt, da sie dem Militär angehörten. Sie habe sich entge- gen der Anweisung nicht für Verhöre zur Verfügung gehalten, würde aus dem Ausland zurückgeschafft und sei aufgrund der (…), weshalb sie gleich mehrere Risikofaktoren erfülle. Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs weist sie auf drohende weitere (…) hin, weshalb eine Rückschaffung den menschenrechtlichen Verpflichtun- gen der Schweiz widersprechen würde und somit unzulässig wäre. Ausser- dem sei der Vollzug der Wegweisung aufgrund der gestellten Diagnose der PTBS nicht zumutbar. Diesbezüglich wiederholt s ie ihre Vorbringen aus dem Wiedererwägungsgesuch, weshalb darauf verwiesen werden kann (vgl. Sachverhalt, Bst. D). 5. 5.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge- regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift- lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). E-782/2021 Seite 11 5.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wi edererwä- gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (sog. einfaches Wiederwägungsgesuch; vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwägung geprüft werden können ge- gebenenfalls – wie vorliegend – Beweismittel, die erst nach einem materi- ellen Beschwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts entstanden sind und daher nicht im Rahmen eines Revisionsverfahrens vor Bundes- verwaltungsgericht berücksichtigt werden können (sog. qualifiziertes Wie- dererwägungsgesuch; vgl. BVGE 2013/22, insb. E.12.3). 5.3 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf insbesondere nicht dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wie- der infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1). 6. 6.1 Vorab ist zu erörtern, ob das SEM das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 14. Dezember 2020 zu Recht als Wiedererwägungsgesuch qualifiziert hat. Dies ist aus folgenden Gründen zu bejahen: 6.1.1 Die Eingabe vom 14. Dezember 2020 stützt sich hauptsächlich auf die ärztlichen Berichte des Kantonsspitals G._______ vom 19. Oktober 2020 und der Psychiatrie H._______ vom 28. Oktober 2020, Beweismittel, die nach dem Urteil E -5092/2019 vom 23. September 2020 entstanden sind. Soweit aus diesen Arztberichten abgeleitet wird, die im besagten Ur- teil respektive in der diesem zugrunde liegenden SEM -Verfügung vom 23. September 2019 als unglaubhaft erachtete Verfolgung sei damit belegt, hat das SEM dieses neue Beweismittel zu Recht als qualifizierten Wieder- erwägungsgrund eingestuft und entsprechend geprüft. Ebenfalls im Wesentlichen auf die beiden genannten Arztberichte stützt sich die Beschwerdeführerin, wenn sie geltend macht, ihre gesundheitliche Situation habe sich seit Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens verän- dert. Das SEM hat die Eingabe vom 14. Dezember 2020 auch diesbezüg- lich zu Recht als (einfaches) Wiedererwägungsgesuch qualifiziert. 6.2 Nachdem die Vorinstanz die Rechtzeitigkeit und den Anspruch der Be- schwerdeführerin auf Behandlung ihres Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt hat und – soweit überhaupt zulässige Wiederwägungs-E-782/2021 Seite 12 gründe betroffen sind – darauf eingetreten ist, hat das Bundesverwaltungs- gericht zu prüfen, ob das SEM in zutreffender Weise das Bestehen der geltend gemachten Wiedererwägungsgründe verneint und an seiner ur- sprünglichen Verfügung festgehalten hat. Dabei ist praxisgemäss der sich im Urteilszeitpunkt präsentierende Sachverhalt massgebend (vgl. statt vie- ler: Urteil des BVGer E-5049/2019 vom 6. Dezember 2019 E. 4.2). 7. Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Probleme (als quali- fizierte Wiedererwägungsgründe) ist zunächst festzustellen, dass sich die Beschwerdeführerin bereits seit Juli 2019 in der Schweiz aufhält, sich aber erst nach Ergehen des abweisenden Urteils des Bundesverwaltungsge- richts E-5092/2019 vom 23. September 2020, nach einem Suizidversuch, in ärztliche Behandlung begab. Zwar ist bekannt – und anerkannt – dass (…), zumal in Berücksichtigung spezifischer kultureller Umstände, möglich- erweise erst verspätet über ihre Erlebnisse berichten können, oft erst nach Beginn oder im Verlauf einer psychiatrischen Behandlung. Vo rliegend ist aber keine solche Konstellation gegeben. Die Beschwerdeführerin berich- tete bereits anlässlich der Anhörungen vom August und September 2019 ausführlich über die erlittenen (…). Die von ihr geltend gemachten (…) sei- tens Regierungsbeamter wurden aber vom SEM in der angefochtenen Ver- fügung aus verschiedenen Gründen für unglaubhaft befunden. Diese Ein- schätzung wurde durch das Bundesverwaltungsgericht bestätigt. Es wurde im ordentlichen Asylverfahren nicht nur erwogen, die (…) seien unglaub- haft, weil sie diese zu oberflächlich und zu wenig detailliert habe schildern können, sondern unter anderem auch, weil nicht nachvollziehbar sei, wes- halb sich diese Vorfälle erst zwei Jahre nach der Ausreise ihres Eheman- nes hätten abspielen sollen. Auch die Begründung, sie seien gekommen, weil sie eine Frau und alleine gewesen sei, überzeuge nicht, da sie bereits seit dem Jahr (…) alleine gelebt habe. Zudem sei nicht nachvollziehbar, dass sie nach dem einmonatigen Aufenthalt bei einer Bekannt en wieder nach Hause zurückgekehrt und dort noch drei Monate gelebt habe (vgl. Urteil E-5092/2019 E. 8.1). Im ordentlichen Verfahren waren auch bereits die im Wiedererwägungsverfahren erneut vorgebrachte (…) bekannt. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die ärztlichen Berichte und die darin enthal- tenen Diagnosen, auch nicht diejenige einer PTBS, an dieser auf verschie- denen Argumenten basierenden Einschätzung im ordentlichen Verfahren etwas zu ändern vermöchten (vgl. zum Inhalt der ärztlichen Berichte nach- folgend E. 8.2.2). E-782/2021 Seite 13 Insgesamt ist das SEM zu Recht zum Schluss gelangt, die geltend ge- machten gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien nicht geeignet die Verfügung vom 23. September 2019 als ursprünglich fehlerhaft zu qualifi- zieren und entsprechend ihre Rechtskraft aufzuheben. Auch auf Beschwer- deebene wurde kein weiterer Arztbericht eingereicht . Weder ein solcher des Ambulatoriums I._______ oder der K._______, obwohl gemäss Arzt- bericht vom 28. Oktober 2020 eine Überweisung zur weiteren Behandlung erfolgt sei, noch ein solcher der die Beschwerdeführerin angeblich seit 18. Februar 2021 neu behandelnden Ärzte. Es werden für die Zeit nach dem letzten ärztlichen Bericht auch keine weitergehenden Ausführungen zum psychischen Zustand der Beschwerdeführerin gemacht. 8. Auch unter dem Aspekt einer allenfalls veränderten Sachlage betreffend allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse (Art. 83 Abs. 1 -4 AIG) sind keine (einfachen) Wiedererwägungsgründe ersichtlich. 8.1 Im Rahmen der Prüfung der Frage der Zulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs (Art. 83 Abs. 3 AIG) müsste die Beschwerdeführerin mit Blick auf Art. 3 EMRK gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte (EGMR) das ernsthafte Risiko ("real risk") nachweisen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124-127 m.w.H.). Dies hat sie im ordentlichen Asylverfahren nicht vermocht. Da die (…) durch Armeegehörige nicht glaubhaft gemacht worden ist, ist auch nicht davon auszugehen, dass sie durch (…) sein könnte. Daran ändert auch nichts, dass die Brüder Rajapaksa seit dem letzten Urteil ihre Macht noch ausdehnen konnten. Auch die im Übrigen geltend gemachten Verschlech- terungen der allgemeinen Lage in Sri Lanka bringt die Beschwerdeführerin nicht in Verbindung mit der eigenen Person, weshalb auch diese nichts an der Einschätzung des SEM und des Bundesverwaltungsgerichts zu ändern vermögen. 8.2 8.2.1 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kan n nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium E-782/2021 Seite 14 und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche- ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar- ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, mit Hinweisen auf die damalige Praxis des EGMR). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener me- dizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Lei- den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 8.2.2 Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der geschilderten und diagnostizierten gesundheitlichen Beschwerden nicht gegeben. Dem Austrittsbericht des Kantonsspitals G._______ vom 19. Oktober 2020 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am (…) 2020 in Begleitung ihrer Asylbetreuerin eingetreten sei, nachdem sie versucht ha be, sich mit Tabletten zu suizidieren. Es wurde eine aktuell schwere PTBS mit akuter Suizidalität bei aktueller Belastungssituation diagnostiziert. Tags darauf wurde die Beschwerdeführerin mittels Fürsorgerischer Unterbringung zur spezialisierten Therapie in die psychiatrische Klinik L._______ überwiesen. Dort verblieb sie zwei Tage, bis am (…) 2020. Gemäss Austrittsbericht vom 28. Oktober 2020 der Psychiatrie H._______ wurde bei der Beschwerde- führerin eine Anpassungsstörung (ICD-F43.2), eine absichtliche Selbstbe- schädigung (ICD-10 X84.9) sowie eine PTBS (ICD-10 F43.1) diagnosti- ziert. Die Erhebung eines ausführlichen psychopathologischen Befundes sei nicht möglich gewesen. Seit die Ausschaffung angedroht worden sei, habe sich eine zunehmende traumainduzierte Symptomatik entwickelt, mit Albträumen, Flashbacks und grossen Ängsten. Die Patientin habe sich rasch von handlungsnaher Suizidalität distanzieren können und den Wunsch geäussert, in das Asylheim zu ihrer Familie zurückzukehren. Bei Austritt habe die Beschwerdeführerin keinen Anhalt für kognitive Störungen oder manifeste Zwangsstörungen gezeigt. Das formale Denken sei unauf- fällig, inhaltlich habe sie vermehrte Ängste. Sie sei im Affekt deprimiert, ratlos, teilweise emotional modulationsfähig, der Antrieb sei etwas vermin- dert, Schlafstörung habe sie keine mehr und der Appetit sei ungestört. Es bestünde kein Anhalt für Selbst - oder Fremdgefährlichkeit. Der behan- delnde Arzt verschrieb der Beschwerdeführerin Seralin Mepha Lactab 50mg sowie die Reservemedikatio n Mirena lntrauterinsystem IUP . Sie werde zur weiteren Behandlung im Ambulatorium in I._______ angemeldet E-782/2021 Seite 15 und es werde eine Anfrage zur ambulanten Traumatherapie in der K._______ gemacht. Die Beschwerdeführerin hatte im ordentlichen Verfahren nie geltend ge- macht, an gesundheitlichen Problemen zu leiden, gab vielmehr an, sie sei gesund (vgl. u.a. SEM-Akten 1046611-26/19, F116). Ohne an den Diagno- sen, die sich aus den beiden Austrittsberichten – die zur Begründung des Wiedererwägungsgesuches dienen – zweifeln oder diese beschönigen zu wollen, geht aus diesen Berichten vom 19. und vom 28. Oktober 2020 keine schwerwiegende Erkrankung hervor. Dem Bericht vom 28. Oktober 2020 ist zwar eine Überweisung der Beschwerdeführerin an das Ambula- torium I._______ sowie eine Anfrage zur ambulanten Traumatherapie in der K._______ zu entnehmen, eine entsprechende Behandlung wurde aber weder im Wiederwägungsgesuch noch in der Beschwerdeschrift er- wähnt, und es wurden auch kein e diesbezüglichen Beweismittel einge- reicht. Die Beschwerdeführerin erklärt nicht, wie es ihr in den letzten vier Monaten ergangen beziehungsweise ob und welche (medikamentöse, psy- chiatrische/psychologische) Therapie allenfalls eingeleitet worden sei, weshalb davon auszugehen ist, dass sie seit Ende Oktober 2 020 bis im Februar 2021 nicht auf eine medizinische Behandlung angewiesen war. Der Beschwerdeschrift ist lediglich zu entnehmen, dass die Beschwerde- führerin durch den Hausarzt an das Psychiatrie-Zentrum J._______ über- wiesen worden sei, wobei auch dies nich t belegt wir d. Ein Erstgespräch habe am 18. Februar 2021 stattgefunden. Ein entsprechender Arztbericht wurde, obwohl in Aussicht gestellt, bis heute nicht beim Gericht eingereicht. Angesichts der Umstände darf aber in antizipierter Beweiswürdigung da- von ausgegangen werden, der Gesundheitszustand habe sich nicht in ei- ner entscheidenden Weise verschlechtert. Damit ist zusammenfassend einerseits keine schwerwiegende Erkrankung dargetan und andererseits ist auch nicht ersichtlich, dass die Beschwerde- führerin auf eine dringende medizinische Behandlung in der Schweiz an- gewiesen wäre um eine entscheidende Verschlechterung ihres Gesund- heitszustandes zu vermeiden. Hinsichtlich einer allfälligen Gefahr der Selbstgefährdung der Beschwerde- führerin ist darauf hinzuweise n, dass vom Vollzug der Wegweisung ge- mäss konstanter Rechtsprechung nicht Abstand genommen wird, solange Massnahmen zwecks Verhütung der Umsetzung einer Suiziddrohung ge- troffen werden können (vgl. Urteil des BVGer D -3574/2016 vom 14. Juli 2016 E. 5.3.2 m.w.H.). Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung zu E-782/2021 Seite 16 Recht darauf hingewiesen, allfälligen suizidalen Tendenzen der Beschwer- deführerin wäre daher mit entsprechenden Massnahmen bei der Vollzugs- organisation Rechnung zu tragen. Folglich liegt es in der Verantw ortung der Beschwerdeführerin, sich zusammen mit den sie behandelnden Ärzten und den Vollzugsbehörden auf eine Rückkehr in ihre Heimat vorzubereiten. Es ist diesbezüglich nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführerin wäre bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer akuten Lebensgefahr aus- gesetzt. 8.3 Zusammenfassend ist der Vollzug der Wegweisung weiterhin als zu- lässig zu beurteilen. 8.4 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus- länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini- scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest- gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. 8.4.1 Im Urteil E-5092/2019 (vgl. dort E.11.3) hat das Bundesverwaltungs- gericht festgestellt, es sei weder in der allgemeinen Lage in Sri Lanka noch in individuellen Umständen der Beschwerdeführerin eine konkrete Gefähr- dung zu sehen. 8.4.2 Gemäss konstanter Praxis kann aus gesundheitlichen Gründen nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen werden kann, wenn eine absolut notwendige me- dizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und eine fehlende Möglichkeit der (Weiter-)Behandlung bei einer Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszu- stands, zur Invalidität oder gar zum Tod der betroffenen Person führen würde; Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). Es ist in Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände zwar nicht auszu- schliessen, dass die Beschwerdeführerin (…) erlebt hat, auch wenn sie keine qualifizieren Wiedererwägungsgründe in dem Sinne darzutun ver- mag, dass mit den neuen Beweismitteln die im ordentlichen Verfahren aus verschiedenen Gründen als unglaubhaft qualifizierten beiden (…) nun doch E-782/2021 Seite 17 als glaubhaft erachtet werden könnten. Es ist aber insgesamt auch heute nicht davon auszugehen, eine Rückkehr nach Sri Lanka könnte eine mas- sive Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes und eine medizinische Notlage zur Folge haben. Es ist anzunehmen, dass sie sich, sollte es sich dies als notwendig erweisen, wird behandeln lassen können. Die Gesund- heitsversorgung ist in Sri Lanka grundsätzlich kostenlos und hat in den letz- ten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Das Land weist neben Spitälern mit psychiatrischen Abteilungen zur stationären Betreuung auch zahlreiche Einrichtungen für die ambulante Behandlung von psychisch kranken Pati- enten auf (vgl. u.a. Urteile des B VGer E-2455/2018 vom 20. November 2020 E. 5.3.4, D -3210/2018 vom 5. Juli 2019 E. 8.3; D -2356/2019 vom 27. Juni 2019 E. 9.2, m.w.H.). Der Einwand, sie könnte sich nicht in Be- handlung begeben, weil sie dadurch stigmatisiert wäre, vermag nichts Ent- scheidendes zu bewirken. Auch aus dem Umstand, dass sie sich aufgrund langer Wartezeiten in private Behandlung oder nach Colombo begeben müsste, ergibt sich nichts zu ihren Gunsten. Es ist davon auszugehen, dass sie mit Hilfe ihrer familiären Beziehungen Zugang zu ei ner allenfalls notwendigen Behandlung erhalten wird. Das Bundesverwaltungsgericht hat es im Urteil E-5092/2019 vom 23. Sep- tember 2020 (vgl. dort E. 11.3) für gegeben erachtet, dass die Beschwer- deführerin auch bei einer Rückkehr auf ihr tragfähiges familiä res Bezie- hungsnetz wird zurückgreifen können. Ausserdem wird sie die Rückreise zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern antreten und so auch auf deren Unterstützung und Halt zählen können. Überdies steht es ihr frei, ein Gesuch um medizinische Rückkehrhilfe zu stellen. 8.5 Abschliessend kann auf die zutreffenden Erwägungen in der vo- rinstanzlichen Verfügung sowie auf die im ordentlichen Verfahren erfolgte Prüfung der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungs- vollzugs im ordentlichen Verfahren (vgl. E-5092/2019 E. 11.3) verweisen werden. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall weder im Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin eine entscheidend veränderte Sachlage unter dem Blickwinkel allfällige r Wegweisungsvollzugshindernisse vorliegt noch, dass dafür andere Gründe ersichtlich wären. Zu Recht hat das SEM somit auch das Vorliegen einfa- cher Wiedererwägungsgründe verneint. E-782/2021 Seite 18 9. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die von der Beschwerdeführerin im Wiedererwägungsverfahren vorgelegten Beweismittel und die entspre- chenden Vorbringen nicht geeignet sind, die Verfügung vom 23. Septem- ber 2019 als ursprünglich fehlerhaft zu qualifizieren . Sie vermögen auch keine veränderte Sachlage zu begründen, die eine von der bisherigen Be- urteilung abweichende Würdigung in Bezug auf die Frage der Durchführ- barkeit des Wegweisungsvollzugs rechtfertigen könnten. Das SEM hat das Wiedererwägungsgesuch vom 14. Dezember 2020 demnach zu Recht ab- gewiesen und die Verfügung vom 23. September 2019 für rechtskräftig er- klärt. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf eingetreten wird. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde jedoch im Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht als aussichtslos betrachtet werden konnte und weiterhin von der Mittellosigkeit der Beschwerdeführerin aus- gegangen werden kann, sind in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlic hen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG keine Kosten zu erheben. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 11.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe ersuchte die Beschwerdeführ erin um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbei- ständin. Dazu ist festzustellen, dass im Rahmen von Wiedererwägungsverfahren unter den in Art. 65 Abs. 1 VwVG umschriebenen Voraussetzungen eine unentgeltliche Rechtsbeiständin oder ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt wird, wenn es zur Wahrung der Rechte der Partei notwendig ist (aArt. 110a Abs. 2 AsylG i.V.m. 65 Abs. 2 VwVG). Ausschlaggebend ist da- bei das Kriterium, ob die Beschwerde führende Partei zur Wahrung ihrer E-782/2021 Seite 19 Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines An- waltes bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f.; 122 I 49 E. 2c S. 51 ff.; 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie das vorlie- gende – trotz verstärkter Mitwirkungspflicht vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die Gewährung der unentgelt- lichen Verbeiständung anzusetzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Praxisgemäss wird die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG nur in den besonderen Fällen gewährt, in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen. Das vorliegende Verfahren erscheint weder in tatsächlicher noch in recht- licher Hinsicht besonders komplex, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist. 12. Die mit superprovisorischer Massnahme vom 23. Februar 2021 verfügte einstweilige Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung fällt mit dem vorlie- genden Urteil dahin. (Dispositiv nächste Seite) E-782/2021 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen soweit darauf eingetreten wird. 2. Der mit Verfügung vom 23. Februar 2021 angeordnete Vollzugsstopp wird aufgehoben. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird abgewiesen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Regina Seraina Goll Versand: