Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. August 2016 (731 16 101) ___________________________________________________________________ Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung Nach Taggeldleistungen während rund sieben Monaten ist die Leistungseinstellung zu- recht erfolgt. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichterin E lisabeth Berger Götz, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Klägerin, vertreten durch Raffaell a Biaggi, Advokatin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen AXA Versicherungen AG , General Guisan -Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur, Beklagte Betreff Taggeld A. Die 1988 geborene A.____ arbeitete ab 15. April 2013 als Junior Account Managerin bei der B.____. Im Rahmen dieses Verhältnisses war sie als Mitarbeiterin im Kollektiv- Seite 2 Versicherungsvertrag der Arbeitgeberin bei der AXA Ver sicherungen AG (AXA) kollektiv- krankentaggeldversichert. Im März 2015 wurde sie wegen eines Burnouts 100% arbeitsunfähig. Die AXA richtete in der Folge Taggelder aus. Die Arbe itgeberin löste das Arbeitsverhältnis per Ende September 2015 auf. Am 13. November 2015 liess di e AXA A.____ durch Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vertrauensärztli ch untersuchen. Mit Bericht vom 15. November 2015 kam er zum Schluss, dass A.____ 100% ar beitsfähig sei. Gestützt darauf stellte die AXA mit Schreiben vom 27. November 2015 di e Taggelder per 30. November 2015 ein. A.____ suchte daraufhin Dr. med. D.____, FMH Ki nder- und Jugendpsychiatrie, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, auf, welcher mit Arztberich t vom 30. Dezember 2015 eine depres- sive Entwicklung diagnostizierte und eine volle Arbeitsunfähigkeit attestierte. Mit Stellungnahme vom 11. Februar 2016 bestätigte der beratende Arzt de r AXA, Dr. med. E.____, FMH Psychiat- rie und Psychotherapie, die diagnostische Einschätzung sowie die Beurteilung der Arbeitsfähig- keit durch Dr. C.____. Am 9. März 2016 berichtete Dr. D .____ über den weiteren Behandlungs- verlauf und ging unverändert von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer depressiven Entwicklung aus. Dazu nahm Dr. E.____ ebenfalls Stellun g und kam mit Bericht vom 13. Juni 2016 zum Schluss, dass keine neuen medizinischen Erkenntn isse vorlägen. Im Gegenteil fän- den sich Inkonsistenzen und Diskrepanzen bezüglich der Beschw erdeschilderung, der Befun- derhebung, der diagnostischen Beurteilung und des ther apeutischen Vorgehens. Die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit könne nicht bestätigt werden. B. Mit Klage vom 30. März 2016 forderte A.____, vert reten durch Advokatin Raffaela Biag- gi, von der AXA Fr. 15‘983.55 für ausstehende Taggeld leistungen vom 1. Dezember 2015 bis 9. März 2016 (Mehrforderungen vorbehalten) nebst Zins zu 5% ab Klageeinreichung. Sie mach- te die fehlende Beweiskraft der medizinischen Beurteilu ngen von Dr. C.____ vom 15. November 2015 sowie von Dr. E.____ vom 11. Februar 2016 geltend. Aufgrund der Arzt- zeugnisse von Dr. med. F.____, FMH Allgemeinmedizin, vo m 20. November 2015 sowie Dr. D.____ vom 30. Dezember 2015 und 9. März 2016 sei eine Arbeitsunfähigkeit bis März 2016 ausgewiesen. Folglich schulde die Beklagte für die Zei t vom 1. Dezember 2015 bis 9. März 2016 99 Taggelder à Fr. 161.45. C. Mit Klageantwort vom 15. Juni 2016 beantragte di e AXA die Abweisung der Klage. D. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hielt der Rechtsvertreter der Beklagten an seinem Antrag auf Abweisung der Klage und seinen Ausführungen in der Klageantwort fest. Die Klägerin, vertreten durch Advokatin Raffaela Biaggi, h ielt ebenfalls an ihren Darlegungen in der Klage fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 1.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung un terstehen gemäss Art. 12 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (K VG) vom 18. März 1994 dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) vom 2. Apr il 1908. Streitigkeiten im Be- reich dieser Zusatzversicherungen sind privatrechtlicher Natu r, weshalb strittige Ansprüche darüber in einem zivilprozessualen Verfahren geltend zu machen sind. Das Verfahren im Zivil- prozess regelt die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008. 1.2 Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abte ilung Sozialversicherungsrecht, ergibt sich aus Art. 7 ZPO i.V.m. § 54 Abs. 1 lit. d d es Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993. Wie das Kantonsgericht mit Grundsatzentscheid vom 1. Dezember 2011 festhielt, ist bei Klagen betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung ke ine vorgängige Schlichtung durchzuführen, womit sie direkt am Kantonsgericht, Abt eilung Sozialversicherungsrecht, einzu- reichen sind (Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2011, 731 11 262). 1.3 Die örtliche Zuständigkeit richtet sich grundsätzlich nach Art. 9 ff. ZPO. Der dem vorlie- genden Fall zu Grunde liegende Versicherungsvertrag ist als Konsumentenvertrag im Sinne von Art. 32 ZPO zu qualifizieren, weshalb die Klage am Wo hnsitz des Versicherten eingereicht wer- den kann (Art. 32 Abs. 1 lit. a ZPO; vgl. U RS FELLER / JÜRG BLOCH , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, Art. 32 N 45 ff.). Nichts anderes ergibt sich im vorliegenden Fall aus Art. F1 der Allgemeinen Vert ragsbedingungen für die Krankentaggeld- versicherung, Ausgabe Juli 2010 (AVB), wonach ein Wahlge richtsstand am Wohnsitz der versi- cherten Person besteht. Da die Klägerin Wohnsitz in Prat teln hat, ist das angerufene Gericht auch örtlich zuständig. Auf die formgerecht erhobene Klage ist damit einzutreten. 2.1 Nach Art. 247 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ist der vorliegende Prozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die Untersuchungsmaxi me gebietet es dem Gericht zwar, den Sachverhalt mit eigenen Mitteln abzuklären un d mit vertretbarem Aufwand zu einem hinreichend sicheren Beweisergebnis zu gelangen; es ist dabei aber nicht an Beweisanträge gebunden und kann auch von sich aus Beweis erheben. Die Parteien werden dadurch jedoch nicht von der Mitwirkung an der Erhebung der Beweise un d der Erstellung des Sachverhaltes entbunden. Sie sind es, die primär die Verantwortung für die Ermittlung des Sachverhaltes tra- gen. Das Bundesgericht hat die in den Vorgängernormen zu Abs. 2 enthaltene Untersu- chungsmaxime daher bisweilen auch als gemilderte Verhand lungsmaxime bezeichnet. Nur wenn an der Vollständigkeit der Behauptungen oder Be weise ernsthafte Zweifel bestehen, muss das Gericht nachforschen. Diese Nachforschung besteht aber allein darin, die Parteien auf ihre Mitwirkungspflicht sowie auf die Pflicht zum Be ibringen von Beweisen hinzuweisen. Die Untersuchungsmaxime zwingt das Gericht nicht dazu, das Bew eisverfahren beliebig auszudeh- nen oder alle möglichen Beweise abzunehmen. Ebenso wen ig verleiht die Untersuchungsma- xime den Parteien Anspruch auf ein bestimmtes Beweismit tel. Das Gericht muss die betroffene Partei nur einmal auf etwaige Unzulänglichkeiten in i hren Tatsachenbehauptungen und Be- Seite 4 weismitteln hinweisen. Bei anwaltlicher Vertretung ist das Mass der gerichtlichen Mitwirkung auf "krasse Fälle" beschränkt. Indessen verpflichtet die Unter suchungsmaxime das Gericht, ord- nungsgemäss eingebrachte und taugliche Beweismittel zu b erücksichtigen, wenn es von der Nichterweislichkeit einer bestimmten Tatsache ausgehen wi ll. Die Untersuchungsmaxime än- dert nichts an der formellen Beweislast. Kann etwa das Bestehen einer entscheidungserhebli- chen Tatsache durch das Gericht weder bejaht noch verneint werden, so entscheidet das Ge- richt trotz Untersuchungsmaxime gemäss Art. 8 des Schweizer ischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 nach Beweislastgesichtspunkten (vgl. B ERND HAUCK , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, Art. 247 Abs. 2 ZPO N 33 ff.). 2.2 Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat gemäss Ar t. 8 ZGB derjenige das Vor- handensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, de r aus ihr Rechte ableitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungsrecht die anspruchsbegrün- denden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der übe rwiegenden Wahrscheinlichkeit erwie- sen sein (BGE 130 III 327 E. 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tat- sachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 Z GB beim Versicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Schwei zerischen Bundesgerichts vom 22. Novem- ber 1990]). 2.3 Gelangt das Gericht in Würdigung von Beweisen zur Ü berzeugung, eine Tatsachenbe- hauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweisla stverteilung gegenstandslos (BGE 109 II 251 E. 3.5). Diesfalls liegt freie Beweiswürdigung vor , die bundesrechtlich nicht geregelt ist, auch nicht durch Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung schreibt dem Gericht nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebni s davon zu würdigen ist (BGE 112 II 179); sie schliesst selbst vorweggenommene Beweiswürdigung und Indizienbeweise nicht aus (BGE 109 II 31 E. 3b). Eine beschränkte Beweisabnahme verletzt Art. 8 ZGB daher nicht, wenn das Gericht schon nach deren Ergebnis von der Sachdarstellu ng einer Partei überzeugt ist, ge- genteilige Behauptungen also für unbewiesen hält (BG E 114 II 290 E. 2). Ebenso schliesst der im Verfahren zur Beurteilung von Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung herrschende Untersuchungsgrundsatz die antizipierte Beweiswürdigung nicht aus (Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2006, 5C.206, E. 2.1). 2.4 Dem Versicherer steht ein - aus Art. 8 ZGB abgeleit etes - Recht auf Gegenbeweis zu. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erford erlich, dass der Hauptbeweis er- schüttert wird (BGE 120 II 393 E. 4b) und damit die S achbehauptungen nicht mehr als überwie- gend wahrscheinlich erscheinen. Gelingt der Gegenbeweis, an der Sachdarstellung der An- spruchsberechtigten erhebliche Zweifel zu wecken, so ist d er Hauptbeweis der Anspruchsbe- rechtigten gescheitert. 2.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes i st entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Seite 5 Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei nes Beweismittels noch die Bezeich- nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Ste llungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern ausschliesslich dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). Das Gericht darf dabei eine Tatsac he nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt ist (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozess- rechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 136). 3 Strittig zwischen den Parteien ist die Ausrichtung von Krankentaggeldleistungen vom 1. Dezember 2015 bis 9. März 2016. 3.1 Da das VVG ausser in Art. 87 keine spezifischen Bestim mungen zum Krankentaggeld enthält, sind die vertraglichen Vereinbarungen der P arteien, das heisst in erster Linie die AVB massgebend. Die AXA gewährt die in der Police aufgefü hrten Leistungen für die wirtschaftli- chen Folgen der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit (Art. B1 Abs. 1 AVB). Ist die versicherte Person nach ärztlicher Feststellung arbeitsunfähig, bezah lt die AXA das Taggeld nach Ablauf der vereinbarten Wartefrist längstens während der in d er Police aufgeführten Leistungsdauer (Art. B8 Abs. 1 AVB). Führt eine Krankheit voraussichtli ch zu Leistungen, ist sobald als möglich für fachgemässe ärztliche Pflege zu sorgen. Den Anordnunge n des Arztes ist Folge zu leisten. Jede versicherte Person ist verpflichtet, sich auch kurzfrist ig einer Untersuchung oder Begut- achtung durch von der AXA beauftragte Ärzte zu unterziehen (Art. D2 Abs. 1 AVB). 3.2 Die Arbeitgeberin meldete der AXA eine Arbeitsu nfähigkeit der Klägerin ab 13. März 2015. Gemäss Arztbericht von Dr. F.____ vom 28. April 20 15 litt die Versicherte an einem schweren Burnout. Bis auf weiteres attestierte er ihr ei ne Arbeitsunfähigkeit von 100%. Als the- rapeutische Behandlungen gab Dr. F.____ Physiotherapie , Vitamine, Aufbaupräparate, Phyto- therapie (chinesische Kräuter) sowie Akupunktur an. Am 2 2. August 2015 äusserte sich Dr. F.____ zum Krankheitsverlauf. Dieser sei eher stationä r; es sei nur eine leichte Besserung der Beschwerden eingetreten. Durch die Kündigung der Arbe itgeberin sei zusätzlich ein Stresszu- stand entstanden. Die Versicherte sei unter keinen Umst änden arbeitsfähig, auch nicht teilzeit. Dr. F.____ verordnete weiterhin Ruhe, Physiotherapie und Phytotherapie. 3.3 Die AXA liess die Versicherte am 13. November 2015 durch den Psychiater Dr. C.____ abklären. In seinem Bericht vom 15. November 2015 kam er zum Schluss, dass keine Diagnose nach ICD-10 vorliege. Die unklaren Beschwerden könnten psychiatrisch nicht eingeordnet wer- den. Die geforderten Kriterien für ein depressives Syn drom oder eine Angststörung seien nicht erfüllt; ebenso fehlten Zeichen einer autonomen somato formen Funktionsstörung, einer hypo- chondrischen Störung oder einer Essstörung. Die Schilderun gen der Versicherten in Bezug auf Seite 6 die Symptomatik, insbesondere die Müdigkeit sowie die Konzentrations- und Gedächtnisstörun- gen seien widersprüchlich. Eine Aggravation könne nich t ausgeschlossen werden. Die Arbeits- fähigkeit der Versicherten sei nicht eingeschränkt. 3.4 Nach der Einstellung der Taggeldleistungen per 30 . November 2015 machte die Versi- cherte in einem Brief an die AXA geltend, dass die Un tersuchung bei Dr. C.____ unangenehm gewesen sei und dass sie ihm kein Vertrauen habe entgegen bringen können. Deshalb habe sie wesentliche Aspekte, wie die persönliche Belastungssitu ation zu Hause, nicht erwähnt. Die Beurteilung durch Dr. C.____ sei folglich unvollständig und allein schon aus diesem Grund be- weisuntauglich (vgl. Schreiben der Rechtsvertreterin vom 5. Januar 2016). 3.5 Am 11. Dezember 2015 suchte die Versicherte Dr. D._ ___ auf. Mit Bericht vom 7. Janu- ar 2016 führte Dr. D.____ an, dass die Versicherte geg enüber Dr. C.____ wichtige persönliche Informationen, die wesentlichen Einfluss auf die Beurte ilung der Arbeitsfähigkeit hätten, aus verschiedenen Gründen nicht habe mitteilen können. Die Situation mit den Eltern sei sehr be- lastend. Vorläufig sei von einer vollen Arbeitsunfähigk eit der Versicherten auszugehen. Diag- nostisch komme am ehesten eine depressive Entwicklung (F43.21 nach ICD-10) in Betracht. 3.6 Die Rechtsvertreterin erläuterte mit Brief vom 8. Januar 2016 die innerfamiliäre Konflikt- situation. Der Vater leide an Schizophrenie und werde unter Alkoholeinfluss gewalttätig, die Mutter leide unter einer depressiven Störung. Vermutlich sei es Dr. C.____ aufgrund seiner feh- lenden Spezialisierung auf Jugendliche nicht gelungen, die Problematik zu erkennen. 3.7 Die AXA legte das Dossier dem beratenden psychiatrisch en Arzt Dr. E.____ zur Beur- teilung vor. In seinem ausführlichen Aktenbericht vom 11 . Februar 2016 kam er zum Schluss, dass die Beurteilung von Dr. C.____ plausibel und schlüssi g sei. Die attestierte 100%ige Ar- beitsunfähigkeit durch Dr. D.____ sei bei einer diagnostizierten leichten depressiven Reaktion in Rahmen einer Anpassungsstörung nach ICD-10-F43.21 weder begründet noch ausgewiesen. Die Kritik der Rechtsvertreterin, dass Dr. C.____ als p sychiatrischer Facharzt für Erwachsene die Problematik der Ablösung von Jugendlichen aus dem Elternhaus nicht beurteilen könne, berücksichtige den Umstand nicht, dass die Versicherte scho n 28 Jahre und damit erwachsen sei. Zudem sei die Ablösung vom Elternhaus eine immer w iederkehrende Problematik auch im Erwachsenenalter. Es dürfe davon ausgegangen werden, d ass Dr. C.____ diese Thematik ge- würdigt hätte, wäre sie vorgebracht worden. 3.8 Am 9. März 2016 berichtete Dr. D.____ über den Th erapieverlauf. Seit dem 7. Januar 2016 hätten drei Gespräche stattgefunden. Es liege unver ändert eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vor; diagnostisch falle – wie bereits im Bericht vom 7. Januar 2016 beschrieben – am ehesten eine depressive Entwicklung (ICD-10: F43.21) in Betracht. Seite 7 3.9 Dr. E.____ nahm am 13. Juni 2016 zum neuesten Beri cht von Dr. D.____ Stellung. Der Inhalt liesse auf keinen neuen medizinischen Sachverhalt schliessen. Vielmehr fänden sich In- konsistenzen und Diskrepanzen bei der Beschwerdeschilderung , der Befunderhebung, der di- agnostischen Beurteilung und dem therapeutischen Vorgeh en. Die Aussagekraft des Berichtes sei dadurch erheblich gemindert. Es sei nochmals darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Diagnose ICD-10: F43.21 (Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion) um eine leichte depressive Symptomatik handle, welche nicht zu ei ner anhaltenden Arbeitsunfähigkeit von 100% führe. 4.1 Die Einstellung der Versicherungsleistungen per 30. November 2015 gestützt auf die Beurteilung von Dr. C.____ ist im Ergebnis nicht zu be anstanden. Das Gutachten ist in sich schlüssig. Eine Arbeitsunfähigkeit lässt sich im Untersuchun gszeitpunkt (13. November 2015) nicht mehr bestätigen, auch nicht mit den Berichten von Dr. F.____ und Dr. D.____. Die Thera- pievorschläge von Dr. F.____ lassen vermuten, dass er nicht von einer langandauernden psy- chischen Beeinträchtigung ausging. Er setzte auf Physiothe rapie, Vitamine, Aufbaupräparate, Phytotherapie und Akupunktur. Eine Überweisung an ei ne psychiatrische Fachperson erfolgte erst am 17. November 2015, nachdem fest stand, dass die Versicherung die Taggelder einstel- len werde. Wären die Beeinträchtigungen von März 2015 bis Ende November 2015 wirklich schwer gewesen, hätte eine intensivere Behandlung statt finden müssen. Die Beurteilung der familiären Situation durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie ist nicht von aus- schlaggebender Bedeutung. Dr. E.____ wies zurecht darau f hin, dass die Klägerin erwachsen ist und die Ablösung vom Elternhaus eine immer wiederke hrende Problematik im Erwachse- nenalter darstellt, welche ein Psychiater für Erwachsene beurteilen kann. Es darf ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass Dr. C.____ die Familie nproblematik angemessen gewürdigt hätte, hätte er davon gewusst. Aber selbst der Einbezug der schwierigen familiären Situation in die psychiatrische Beurteilung ändert am Ergebnis der vollen Arbeitsfähigkeit letztlich nichts. Dr. D.____ setzte sich mit der Thematik auseinander. Seine Sc hlussfolgerungen vermögen auf- grund ihrer Formulierung und nach der eingehenden u nd kritischen Würdigung durch Dr. E.____ in seinen Stellungnahmen vom 11. Februar 2 016 und 13. Juni 2016 nicht zu über- zeugen. Dr. D.____ blieb in seiner Diagnosestellung und in seiner Beurteilung der Arbeitsfähig- keit unverbindlich, indem er betonte, dass es sich um eine „vorläufige“ Beurteilung handle und diagnostisch „am ehesten“ die Diagnose ICD-10 F43.21 i n Frage komme. Die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit ist in Berücksichtigung der gestellten Diagnose (Anpassungsstö- rung mit längerer depressiver Reaktion) sodann auch nicht nachvollziehbar. Der Diagnose liegt ein leichter depressiver Zustand als Reaktion auf eine lä nger anhaltende Belastungssituation zugrunde, der im Allgemeinen keine Arbeitsunfähigkeit n ach sich zieht, jedenfalls keine über Monate andauernde 100%ige. Dem Ergebnis von Dr. D.___ _ kann demnach nicht gefolgt wer- den. Dagegen hat sich Dr. E.____ in seinen Stellungna hmen ausführlich mit allen Arztberichten auseinandergesetzt und nachvollziehbar begründet, wesha lb im Ergebnis Dr. C.____ zu folgen ist. Darauf ist abzustellen. Soweit die Klägerin geltend macht, dass den Aktengutachten von Dr. E.____ keine massgebende Beweiskraft zukomme, kann ihr nich t gefolgt werden. Auch reine Seite 8 Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein lücke nloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bundesgerichts vom 8. Jun i 2015 9C_28/2015, E. 3.2 und vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1 mit Hinweisen). Dies ist hier der Fall. Es bestehen insbe- sondere keine Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolg erungen von Dr. E.____, welche eine Neubeurteilung verlangen würden (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 2. Februar 2016, 8C_674/2015). 4.2 Zusammenfassend kann aus schwierigen Umständen und dem daraus folgenden Lei- densdruck nicht schon auf eine psychische Krankheit mit anha ltender Arbeitsunfähigkeit ge- schlossen werden. Selbst wenn die von der Klägerin an d er heutigen Verhandlung plausibel geschilderte unangenehme Untersuchungssituation bei Dr. C.____ vorgelegen hätte, würde dies am Ergebnis nichts ändern. Das Gutachten von Dr. C. ____ stellt nicht die alleinige Grund- lage für die Einstellung der Krankentaggelder dar. S elbst aus den Berichten des behandelnden Psychiaters Dr. D.____ kann nicht auf eine Störung geschlo ssen werden, die eine Arbeitsunfä- higkeit im Zeitraum Dezember 2015 bis März 2016 rechtfe rtigen würde. Nachdem die Beklagte Taggeldleistungen ab März 2015 erbracht hat, ist die Le istungseinstellung per 30. November 2015 nicht zu beanstanden. 5.1 Das Verfahren vor dem Versicherungsgericht ist gem äss Art. 114 Abs. 2 lit. f ZPO kos- tenlos. 5.2. Der obsiegenden Partei ist gestützt auf Art. 106 A bs. 1 ZPO grundsätzlich eine Partei- entschädigung zulasten der unterliegenden Partei zuzuspre chen. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung besteht im Bereich der Zusatzversicherunge n zur sozialen Krankenversiche- rung ein Anspruch des obsiegenden Versicherungsträgers unt er der Voraussetzung, dass der Versicherungsträger durch einen externen Anwalt vertret en ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Januar 2001, 5C.244/2000, E. 5 mit Hinweisen, zu r Geltung dieser Rechtsprechung un- ter der ZPO: Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2010, 4A_194/2010, E. 2.2.1 mit Hinweisen). Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht gegeb en, weshalb die Beklagte keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Kläg erin hat (vgl. auch Urteil des Kan- tonsgerichts vom 9. Mai 2014, 731 13 350, E. 7.2). 5.3 Gemäss den Art. 117 und 118 Abs. 1 ZPO wird eine r Person ein unentgeltlicher Rechts- beistand bewilligt, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint und die anwaltliche Vertretung zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist. Aufgrund der eingereichten Akten ist die prozessuale Be dürftigkeit der Klägerin zu bejahen. Zudem kann die Klage nicht offensichtlich als aussichtslos b ezeichnet werden und die anwaltli- che Vertretung war sachlich geboten. Die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltli- chen Verbeiständung sind demnach gegeben. Demzufolge wir d der Rechtsvertreterin der Klä- Seite 9 gerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 3‘758.30 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Anzumerken ist, dass die Aufw endungen im Zusammenhang mit der Rechtsschutzversicherung vom 17. und 27. März 2016 (2 x Fr. 33.33) nicht berücksichtigt werden. 5.4 Die Klägerin wird ausdrücklich auf Art. 123 Abs. 1 ZPO aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Klägerin ein Honorar in der Höh e von Fr. 3‘758.30 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht