Interpellation Duvoisin 1240 N 19 juin 1992 sprünglichen Projekt ausdrücklich empfohlen hat, die PTT an- zuhalten, die Zahl von 25 Postcheckämter massiv einzu- schränken. Diese Forderung wurde von der parlamentari- schen Arbeitsgruppe Apoco übernommen. Das neue Konzept entspricht dieser Vorgabe: es besteht aus sechs dezentralen Verarbeitungszentren für die Datenerfassung der Zahlungs- aufträge der Postkonto-Inhaber und einem Rechenzentrum in Bern für die Kundendatenbank und Kontobewirtschaftung. Die 6-Zentren-Lösung erlaubt eine optimale Auslastung der technischen Kapazität der Anlagen dank einer gleichmässi- gen Aufteilung des Belegvolumens. Die PTT sehen je ein Zen- trum in den Regionen Westschweiz, Bern, Nordwestschweiz, Zentralschweiz/Tessin, Zürich und Ostschweiz vor. Mit dieser Struktur haben die PTT bereits sprachliche und regionale Ueberlegungen berücksichtigt und sich gegen eine extrem zentralisierte Lösung entschieden. Zurzeit laufen Studien über die genauen Standorte. Der erforderliche Rahmenkredit für das neue Projekt beträgt 138,8 Millionen Franken, das ursprüngliche Konzept dagegen 520 Millionen Franken. Die Einsparung von rund 380 Millio- nen Franken resultiert hauptsächlich aus der Reduktion der Zahl von Verarbeitungszentren. Für bauliche Anpassungen in diesen sechs Zentren und im Rechenzentrum sind insgesamt lediglich 5,5 Millionen Franken eingestellt Neubauten oder grosse Umbauten sind damit ausgeschlossen. Massgebend bei der Standortwahl ist deshalb auch die bereits vorhandene Infrastruktur. Gegenüber heute können die PTT mit dem neuen System jährlich rund 33 Millionen Franken einsparen, was angesichts ihrer schwierigen finanziellen Lage eine abso- lute Notwendigkeit darstellt Die PTT-Betriebe sind gemäss PTT-Organisationsgesetz ver- pflichtet, ihr Unternehmen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zu führen. Der Bundesrat kann die PTT somit nicht dazu anhalten, zwar historisch gewachsene, heute je- doch überholte und zu kostspielige Strukturen aufrechtzuer- halten. Die PTT versuchen aber überall dort, wo es wirtschaftlich und technisch machbar und von den Arbeitsabläufen her sinnvoll ist, Arbeitsplätze in Randregionen zu verlegen. So bieten die Postdienste mit ihren rund 3900 Poststellen heute praktisch in den meisten Gemeinden Arbeitsplätze an. Die Fernmeldedienste haben zur Entlastung des Auskunfts- dienstes (Telefonili) Verkehr in Randregionen mit etwa 140 Arbeitsplätzen in Schiers, Chur, Sion, Thun, Neuenburg, Porrentruy und Uster umgeleitet In Bellinzona und Thun sind zentrale Reparaturwerkstätten aufgebaut worden, und die Auslagerung weiterer Werkstattbetriebe wird geprüft Auch bei der Standortwahl der geplanten Ausbildungszentren werden regionale Gesichtspunkte berücksichtigt Im Bereich der Datenverarbeitung haben die PTT in Sion, Sierre, Bulle, Neuchâtel, Chur und Meggen dezentrale EDV- Stützpunkte mit einer ganzen Anzahl Arbeitsplätzen auf- gebaut Das Automationsprojekt der PTT mit weiterhin sechs regiona- len Verarbeitungszentren steht deshalb nicht in Widerspruch zu den Anstrengungen des Bundesrates, Bundesämter zu de- zentralisieren. 2. Beschäftigung von teilinvalidem PTT-Personal? Der regalfreie Postzahlungsverkehr ist mit gegenwärtig noch rund 2650 Stellen zu personal- und damit zu kostenintensiv. Die PTT müssen mit der Automation ihre Dienstleistungen ver- bessern und gleichzeitig den Kostensteigerungen mit Ratio- nalisierungen begegnen, wollen sie sich im harten Zahlungs- verkehr-Markt behaupten. Sie werden sich jedoch auch künf- tig anstrengen, Beschäftigungsmöglichkeiten für teilinvalides Personal bereitzustellen. 3. Aufrechterhaltung von 25, mindestens aber von 11 Post- checkämtern Die PTT müssen bei den 6 regionalen Verarbeitungszentren auf gute Verkehrsverbindungen achten, denn die Zahlungs- aufträge der Kontoinhaber an ihr Zentrum und die Belege für die Kunden werden noch während vielen Jahren in Papierform auf dem Postweg spediert werden. Es ist nicht zu erwarten, dass in absehbarer Zeit die Mehrheit der Postkontoinhaber ih- ren Zahlungsverkehr rein elektronisch abwickelt Jedes wei- tere Zentrum würde schätzungsweise Mehrinvestitionen von 8 bis 17 Millionen Franken verursachen Qe nachdem, ob teure Neubauten oder lediglich Umbauten nötig würden). Entspre- chend würden die Personal- und Betriebskosten steigen und die jährlichen Einsparungen von 33 Millionen Franken des Projektes absinken. Mehr als 6 Zentren kommen wegen einer nicht mehr optimalen Auslastung und den negativen finanziel- len Auswirkungen nicht in Betracht Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- tes nicht befriedigt #ST# 92.3077 Interpellation Duvoisin Tod des Simplon-Express Mort du Simplon-Express Wortlaut der Interpellation vom 11. März 1992 1. Hat der Bundesrat für die Bahnlinien, die durch den Jura führen, eine Politik? Wenn ja, welche? 2. Beabsichtigt der Bundesrat, diese Linien mirtei- oder langfri- stig durch eine Taktik der allmählichen Aufhebung der interna- tionalen und regionalen Verbindungen stillzulegen? 3. Lässt der Bundesrat bewusst zu, dass der schweizerisch- französische Jura zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Wü- ste verkommt, weil für die Bahnverbindungen nichts unter- nommen wird? Texte de l'interpellation du 11 mars 1992 1. Le Conseil fédéral conduit-il une politique de liaisons ferro- viaires transjurassiennes, et laquelle? 2. Le Conseil fédéral entend-t-il, à moyen ou long terme, désaf- fecter ces liaisons par la tactique du démantèlement progres- sif des relations internationales et régionales transjuras- siennes? 3. Admet-il délibérément que les régions de l'Arc jurassien franco-suisse se transforment en désert économique et cultu- rel faute de liaisons ferroviaires revivifiées? Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Béguelin, Brunner Christiane, Carobbio, Caspar, Chevallaz, Etique, Haering Bin- der, Hafner Ursula, Jeanprêtre, Jöri, Ledergerber, Leemann, Mamie, Pidoux, Ruffy, Savary (17) Schriftliche Begründung-Développement par écrit Le nouvel horaire des liaisons ferroviaires internationales pré- sente plusieurs modifications importantes, dont notamment la suppression des trains de nuit Paris-Milan, via Vallorbe et Lau- sanne, sans rupture de charge. Une solution de remplace- ment par Genève, avec rupture de charge et passage de douane est prévue. La décision paraît découler d'une politique délibérée de démantèlement progressif des liaisons ferroviai- res internationales et régionales transjurassiennes. Cette poli- tique serait extrêmement préjudiciable à l'avenir économique et culturel de la vaste région de l'arc jurassien franco-suisse, actuellement en voie de développement difficile. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 13. Mai 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral du 13 mai 1992 L'ancien «Simplon-Express» était un train international de nuit qui reliait Paris à Belgrade via Vallorbe-Lausanne-Brigue-Ve- nise-Trieste. Au cours de ces dernières années, son taux d'oc- cupation a diminué progressivement sur le tronçon français; l'année dernière, il s'est même effondré en raison des troubles politiques en Yougoslavie. Les chemins de fer français (SNCF)19. Juni 1992 N 1241 Interpellation Keller Rudolf n'étant donc plus disposés à faire circuler ce convoi au départ de Paris, la mesure entrera en vigueur au changement d'ho- raire du 31 mai 1992. Les CFF manifestent néanmoins un certain intérêt pour le maintien d'une liaison de nuit avec l'Italie et les Balkans. Faute d'un volume de trafic suffisant, il n'a cependant plus été possi- ble de choisir Vallorbe comme gare de départ. Les CFF se sont donc décidés à faire circuler le Simplon-Express à partir de Genève. Cette modification se justifie par trois raisons évidentes: - le volume de trafic entre la ville et l'aéroport de Genève peut être mis à profit; - il est possible d'établir une correspondance à Genève pour les voyageurs venant de Paris en TGV; - les CFF peuvent conduire le Simplon-Express dans le sillon horaire du train No 1949 (Genève-St-Maurice), qui pourra ainsi être supprimé. On procédera de la même manière dans le sens inverse, le Simplon-Express remplaçant l'actuel train direct Brigue-Ge- nève. Si la SNCF revenait sur sa décision au cours des années à venir et qu'elle demandait à nouveau une liaison directe Pa- ris-ltalie-Balkans, l'ancien parcours pourrait être rétabli sans problème en Suisse. Le Conseil fédéral n'a absolument pas l'intention de «transfor- mer l'arc jurassien franco-suisse en un désert économique et culturel», comme le craint l'auteur de l'interpellation. Le Simplon-Express circulait très tôt le matin et très tard le soir. De plus, il reliait Lausanne à Vallorbe sans arrêt, ne profitant guère à la population locale. Par ailleurs, il convient de répéter que c'est la France, et non la Suisse, qui est à l'origine de la décision de supprimer la paire de trains en question. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- tes teilweise befriedigt #ST# 92.3084 Interpellation Keller Rudolf Gefährdung der Nordwestschweizer Bevölkerung durch Atommülltransporte Transports de déchets nucléaires. Mise en danger de la population du nord-ouest de la Suisse Wortlaut der Interpellation vom 11. März 1992 Einem in den letzten Tagen veröffentlichten Flugblatt der Um- weltorganisation Greenpeace ist zu entnehmen: «Die Atom- müllzüge stehen oft stundenlang auf unbewachten Rangier- bahnhöfen herum oder laufen bei der Durchfahrt durch Bahn- höfe (z. B. Rangierbahnhof Muttenz oder Basler Bahnhof und SNCF) Gefahr, mit einem rangierenden oder kreuzenden Gü- terzug mit brennbarem Gefahrengut zu kollidieren.» Die Risikoerfassung beim Transport gefährlicher Güter auf Schiene und Strasse ist bekanntermassen eine Schwachstelle im Umweltschutzverfahren. Trotzdem erstaunt es einigermas- sen, dass - gemäss Aussagen von Greenpeace - für den Transport von Atommüll keine Sicherheitsvorkehren in Szene gesetzt werden. Ich ersuche darum den Bundesrat um eine grundsätzliche Stellungnahme unter Würdigung aller Aspekte des Umwelt- schutzrechts. Fragen an den Bundesrat: 1. Sind die Feststellungen von Greenpeace in allen Punkten zutreffend, und bestehen erhebliche Risiken für die Nordwest- schweizer Bevölkerung durch den Transport von Atommüll auf dem Schienenweg? 2. Ist es zutreffend, dass die SBB für Transporte solcher Art kei- nerlei zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen treffen und dass mit A-Müll beladene Waggons stundenlang und völlig unbe- wacht herumstehen (laut Greenpeace in Muttenz und Basel)? 3. Ist es zutreffend, dass weder Polizei noch Feuerwehr und andere Sicherheitsorgane über die Abwicklung solcher Trans- porte informiert werden? Texte de l'interpellation du 11 mars 1992 Selon un tract publié ces derniers jours par l'organisation éco- logiste Greenpeace, il n'est pas rare que des trains chargés de déchets nucléaires restent stationnés pendant des heures dans des gares de triage ne faisant l'objet d'aucune surveil- lance ou qu'ils risquent, en traversant des gares (par exemple la gare de triage de Muttenz ou les gares suisse et française de Baie) d'entrer en collision avec un convoi de marchandises dangereuses combustibles en train de manoeuvrer ou venant en sens inverse. Comme chacun le sait, le risque en cas de transport de mar- chandises dangereuses par le rail et la route est insuffisam- ment pris en compte dans les mesures de protection de l'envi- ronnement. Mais il est tout de même étonnant que - au dire de Greenpeace -aucune mesure de sécurité ne soit prise pour le transport de déchets nucléaires. Je prie donc le Conseil fédéral de donner son avis, d'une façon générale, sur cette question en tenant compte de tous les as- pects de la législation sur la protection de l'environnement Mes questions sont les suivantes: 1. Les affirmations de Greenpeace sont-elles absolument véri- diques et existe-t-il des risques considérables pour la popula- tion du nord-ouest de la Suisse lors du transport de déchets nucléraires par le rail? 2. Est-il vrai que les CFF ne prennent pas de mesures de sécu- rité supplémentaires pour des transports de ce type et que des wagons contenant des déchets nucléaires restent stationnés pendant des heures sans aucune surveillance (à Muttenz et Baie selon Greenpeace)? 3. Est-il vrai que ni la police, ni les pompiers, ni d'autres orga- nes de sécurité ne sont informés de ces transports? Mitunterzeichner-Cosignataires: Bischof, Borradori, Maspoli, Ruf, Scherrer Werner, Stalder (6) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 13. Mai 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral du 13 mai 1992 Für den Transport radioaktiver Stoffe sind in internationalen Abkommen und nationalen Gesetzen und Verordnungen für alle Verkehrsträger entsprechende Vorschriften festgelegt Diese Vorschriften basieren auf Empfehlungen der Internatio- nalen Atomenergieorganisation (IAEO), sie werden neuen Er- kenntnissen ständig angepasst Der Transport radioaktiver Stoffe erfolgt in international nor- mierten und geprüften speziellen Behältern. Die Behälter zum Transport von abgebrannten Brennelementen sind so ausge- legt, dass ihre Integrität und Dichtigkeit auch bei sehr schwe- ren Bahn- oder Strassenverkehrsunfällen gewährleistet blei- ben. Weltweit werden jährlich Hunderte von Transporten pro- blemlos durchgeführt Dabei hat sich kein Unfall mit radiologi- schen Folgen ereignet Jeder Transport ist bewilligungspflichtig. Die Bewilligung wird vom Bundesamt für Energiewirtschaft erteilt, wenn die interna- tionalen und nationalen atomrechtlichen Bestimmungen für die sichere Beförderung radioaktiver Stoffe eingehalten sind. Was die allgemeine Risikoerfassung beim Transport gefährli- cher Güter anbelangt, trifft es nicht zu, dass in diesem Bereich eine Schwachstelle im Umweltschutzverfahren besteht Ver- kehrswege (Schiene, Strasse, Rhein), auf denen gefährliche Güter transportiert werden, fallen unter den Geltungsbereich der am 1. April 1991 in Kraft getretenen Störfallverordnung.Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Duvoisin Tod des Simplon-Express Interpellation Duvoisin Mort du Simplon-Express In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1992 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 16 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3077 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 19.06.1992 - 08:00 Date Data Seite 1240-1241 Page Pagina Ref. No 20 021 324 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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