A bteilung III C -859/2006 {T 0/2} U rteil vom 13. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Bernard Vaudan; R ichter Andreas Trom m er; G erichtsschreiberin Evelyne Sturm . A ._______ und B ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf C ._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Am 7. Juni 2006 ersuchte die indische Staatsangehörige C ._______, geboren am [...] 1977 (nachfolgend: G esuchstellerin), bei der Schw eize- rischen Botschaft in N eu D elhi um eine Einreisebew illigung für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem im Kanton Zürich w ohnhaften Schw ager. D ie Auslandvertretung verw eigerte das beantragte Visum vor- erst form los und überm ittelte anschliessend das G esuch der Vorinstanz zum form ellen Entscheid. B. N achdem die Vorinstanz beim M igrationsam t des Kantons Zürich er- gänzende Auskünfte eingeholt hatte, lehnte sie das Einreisebegehren m it Verfügung vom 21. August 2006 ab. Zur Begründung w urde im W e- sentlichen ausgeführt, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H er- kunftsland, aber auch unter Berücksichtigung der persönlichen Verhält- nisse nicht als gesichert betrachtet w erden. Ausserdem w ürden keine G ründe vorliegen, w elche eine Einreise trotzdem zw ingend notw endig er- scheinen liessen. C . M it Beschw erde vom 16. Septem ber 2006 an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) beantragen der Schw ager, A._______, und dessen Ehefrau, B._______, (nachfolgend: die Beschw erdeführer oder R ekurrenten) die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des Besuchervisum s. D ie Beschw erdeführer bringen zur Begründung vor, die G esuchstellerin lebe in finanziell guten Verhältnissen in D ._______. Sie w ürde ein eigenes H aus besitzen und führe seit 15 Jahren ein erfolgreiches G eschäft. Zudem seien ihre Eltern von Alters w egen auf ihre U nterstützung angew iesen. D ie Beschw erdeführer w eisen ferner auf ihren Leum und sow ie ihre eigenen Verhältnisse hin und versichern, die G esuchstellerin w erde fristgerecht aus der Schw eiz ausreisen. D . In ihrer Vernehm lassung vom 8. N ovem ber 2006 beantragt die Vorinstanz die Abw eisung der Beschw erde und führt unter anderem aus, w eder w ürde in der Beschw erde die U nterstützungsbedürftigkeit der Eltern näher be- gründet, noch sei es nachvollziehbar, w ie die G esuchstellerin ihr gut ge- hendes G eschäft und ihre Eltern ohne w eiters für drei M onate verlassen könne. D ie geltend gem achten Verpflichtungen w ürden daher die W ieder- ausreise nicht als gesichert erscheinen lassen. D iese Einschätzung könne durch die persönlichen R eferenzen und Beteuerungen des G astgebers nicht entkräftet w erden, auch w enn kein Anlass bestehe, an dessen In- tegrität zu zw eifeln. E. D ie Beschw erdeführer liessen die dazu eingeräum te R eplikfrist unbenutzt verstreichen.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Einreise- verw eigerung unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungs- gericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Auf- enthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). D essen U rteil ist entgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die bei Inkrafttreten des Ver- w altungsgerichtsgesetzes bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schieds- kom m issionen oder bei Beschw erdediensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 VG G ). D em nach richtet sich das Verfahren nach den Be- stim m ungen des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Ver- w altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) sow eit das Verw altungsgerichts- gesetz nichts anderes bestim m t (vgl. Art. 37 VG G ). 1.3 D ie R ekurrenten sind als G astgeber gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG i.V.m . Art. 48 Vw VG zur Beschw erdeführung legitim iert. Auf die frist- und form ge- rechte Beschw erde ist daher einzutreten (Art. 49 – 52 Vw VG ). 2. 2.1 Ausländer/-innen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung besitzen oder w enn sie keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a AN AG ). D ie Behörde entscheidet, im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Aus- land, nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt oder N ie- derlassung (Art. 4 AN AG ). D aher räum t das schw eizerische R echt w eder einen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visum s ein (vgl. PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold, Ausländerrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143). D em behördlichen Er- m essen steht som it im Falle der Erteilung einer Einreisebew illigung ein w eiterer Spielraum offen als beispielsw eise bei der Verlängerung einer all- m ählich den Vertrauensschutz verfestigenden Anw esenheitserlaubnis. D ies gilt auch für die Beurteilung von Einreiseersuchen zur Anw esenheit von bis zu drei M onaten, die bew illigungsfrei, aber unter U m ständen visum pflichtig sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 AN AG i.V.m den nachstehenden Vi- sum sbestim m ungen). 2.2 D as Visum w ird verw eigert, w enn die Ausländerin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Art. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländer (VEA, SR 142.211) nicht erfüllt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So m üssen Personen, 4 die in die Schw eiz reisen m öchten, unter anderem G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c. VEA). 2.3 D ie G esuchstellerin kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen und unterliegt aufgrund ihrer N ationalität den Visum sbestim m ungen (vgl. Art. 1- 5 VEA). Für die Prüfung, ob das Kriterium der gesicherten W iederausreise erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Vor- aussagen m achen. D abei sind säm tliche U m stände des konkreten Einzel- falles zu w ürdigen. 3. 3.1 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten W iederausreise können sich aus der allgem einen Lage im H erkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw . R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise un- günstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche In- teressenlage in solchen Fällen nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung im Einklang steht. 3.2 Indien gehört zu denjenigen Ländern, in denen breite Bevölkerungs- schichten unter schw ierigen w irtschaftlichen und sozialen Bedingungen leben. Trotz des anhaltenden W irtschaftsw achstum s ist das Land geprägt von w eit verbreiteter Arm ut und einer hohen Analphabetenrate. Etw a ein Viertel der über eine M illiarde M enschen in Indien lebt unter der Arm uts- grenze und m uss m it w eniger als einem U S-D ollar täglich auskom m en. Knapp 80% der G esam tbevölkerung leben von bis zu zw ei U S-D ollar pro Tag (Länder- und R eiseinform ationen auf der W ebsite des Ausw ärtigen Am tes, Länder- und R eiseinform ationen > Indien > W irtschaft, <http://w w w .ausw aertiges-am t.de>, besucht am 30. Juli 2007). 3.3 In Anbetracht dieser Situation und unter Berücksichtigung, dass die Bereit- schaft, das H eim atland zu verlassen, erfahrungsgem äss dort begünstigt w ird, w o bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland leben, ist die Beur- teilung der Vorinstanz, die das R isiko einer nicht fristgerechten W iederaus- reise als relativ hoch einschätzte, nicht zu beanstanden. Es w äre jedoch zu schem atisch und nicht haltbar, generell und ohne spezifische Anhalts- punkte, ausschliesslich aufgrund der allgem einen Lage im H erkunftsland auf eine nicht hinreichend gesicherte W iederausreise zu schliessen. D ie eben genannten U m stände entbinden die Vorinstanz daher nicht von einer einzelfallbezogenen Beurteilung. N am entlich können berufliche, gesell- schaftliche oder fam iliäre Verpflichtungen die Prognose einer anstands- losen W iederausreise begünstigen. 4. 4.1 D ie 30-jährige, ledige G esuchstellerin lebt in D ._______ im Bundesstaat W estbengalen. N ach Angaben der Beschw erdeführer betreibt sie erfolg- reich seit 15 Jahren ein G eschäft bzw . eine Boutique und besitzt ein ei- genes H aus. Zudem verw eisen die Beschw erdeführer auf fam iliäre Ver- pflichtungen im H eim atland, denn die Eltern der G esuchstellerin seien auf 5 deren U nterstützung angew iesen. W ie die Vorinstanz in ihrer Vernehm - lassung vom 8. N ovem ber 2006 ausführt, begründen die R ekurrenten w eder die beruflichen noch die fam iliären Verpflichtungen näher. Zw ar schliesst ein dreim onatiger Besuchsaufenthalt allfällige berufliche oder fam iliäre Verpflichtungen der G esuchstellerin in ihrem H eim atland nicht aus. D ie beabsichtigte Aufenthaltsdauer lässt jedoch vorliegend darauf schliessen, dass Vertretungsm öglichkeiten bestehen, die auch eine längere Abw esenheit der G esuchstellerin erm öglichen könnten. Insbeson- dere hinsichtlich der U nterstützungsbedürftigkeit der Eltern ist zudem zu berücksichtigen, dass der W unsch nach einer Em igration häufig m it der H offnung und Erw artung verbunden ist, nahe Angehörige später nach- ziehen zu können, oder zurückbleibende Fam ilienangehörige aus dem Ausland effizienter unterstützen zu können. D aher scheint die vorge- brachte fam iliäre Verpflichtung die fristgerechte W iederausreise der G e- suchstellerin nicht ausreichend zu gew ährleisten, zum al auch ihre Schw ester ins Ausland em igrierte. D ieses R isiko verm ögen auch die ange- führten beruflichen Verpflichtungen nicht zu m indern. Selbst w enn die G e- suchstellerin bereits seit 15 Jahren ein G eschäft führen sollte und dadurch eine gew isse berufliche Verw urzelung in ihrem H eim atland vorhanden sein dürfte, so besteht die Tendenz zur Em igration insbesondere bei jüngeren und ungebundenen Personen. D as Alter der G esuchstellerin und der U m - stand, dass keine w eiteren Verpflichtungen im H eim atland ersichtlich sind, sprechen daher nicht zugunsten der Prognose einer fristgerechten W ieder- ausreise. 4.2 D ie persönlichen Verhältnisse der G esuchstellerin lassen som it die fristgerechte Ausreise nach erfolgtem Besuchsaufenthalt nicht als aus- reichend gesichert erscheinen. An diesem Ergebnis verm ögen auch der H inw eis der Beschw erdeführer auf ihren Leum und und ihre am 20. Juli 2006 geleistete G arantieerklärung nichts zu ändern. Zw ar haben sich die Beschw erdeführer m it der G arantieerklärung zur Ü bernahm e säm tlicher Kosten für den Lebensunterhalt sow ie der R ückreise der Beschw erde- führerin, bis zu einem Betrag von Fr. 20 000.-- verpflichtet. D ie R e- kurrenten können jedoch w eder aufgrund der G arantieerklärung noch ihrer persönlichen Zusicherung dazu angehalten w erden, die fristgerechte Aus- reise der Beschw erdeführerin zu veranlassen, w eshalb die Verhältnisse der Beschw erdeführerin ausreichende G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise bieten m üssen (vgl. U rteile des Bundesverw altungs- gerichts C -1000/2006 E. 4.5 vom 4. Juni 2007 sow ie C -778/2006 E. 5 vom 9. M ai 2007). 5. 5.1 Aus diesen G ründen ist som it nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das öffentliche Interesse sow ie die Beachtung der geltenden Be- stim m ungen entsprechend gew ichtete und der G esuchstellerin die Einreise verw eigerte. D ie angefochtene Verfügung verletzt daher das Bundesrecht nicht. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig fest- gestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtge- m äss ausgeübt (vgl. 49 Vw VG ). 6 5.2 D ie Beschw erde ist som it abzuw eisen und die Verfahrenskosten sind den R ekurrenten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 1 und Art. 2 sow ie Art. 3 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden den Beschw erdeführern aufer- legt. Sie sind durch den am 9. O ktober 2006 geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - den Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben, Beilage: Akten R ef-N r. [...] retour) D er Kam m erpräsident: D ie G erichtsschreiberin: A. Im oberdorf E. Sturm Versand am :