<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>86 Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung; wichtige persönliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die in Art. 50 Abs. 2 AuG sowie in der Botschaft exemplarisch aufgezähl-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ten wichtigen persönlichen Gründe, welche einen Verbleib in der Schweiz</b></span><br/> <span class="ft2"><b>erforderlich machen können, betreffen einerseits besondere Umstände bei</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Auflösung der Familiengemeinschaft. Andererseits ist das Vorliegen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles ebenfalls als wichtiger</b></span><br/> <span class="ft2"><b>persönlicher Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG zu betrachten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(E. II./5.1.).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">BeschwerdengegenEinspracheentscheidedesM...</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">24. September 2009 in Sachen N.B.A., R.B.R. und A.R.B.R. betreffend Nicht-</span><br/> <span class="ft3">verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung (1-BE.2009.3).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 5.1. Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin 1 gestützt</span><br/> <span class="ft1">auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG einen Anspruch auf Verbleib in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz hat, weil wichtige Gründe den Aufenthalt in der Schweiz er-</span><br/> <span class="ft1">forderlich machen. Das Gesetz regelt nicht abschliessend, wann</span><br/> <span class="ft1">wichtige persönliche Gründe anzunehmen sind. Art. 50 Abs. 2 AuG</span><br/> <span class="ft1">präzisiert lediglich, dass solche namentlich dann vorliegen können,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde</span><br/> <span class="ft1">und die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefähr-</span><br/> <span class="ft1">det erscheint. Dem Wortlaut der Bestimmung ist zu entnehmen, dass</span><br/> <span class="ft1">nicht jeder beliebige Grund zu einem Bewilligungsanspruch führt.</span><br/> <span class="ft1">Dies ergibt sich auch aus der Formulierung, dass ein Anspruch nur</span><br/> <span class="ft1">besteht, wenn der weitere Aufenthalt erforderlich ist.</span><br/> <span class="ft1">Die Botschaft führt in diesem Zusammenhang unter dem Titel</span><br/> <span class="ft1">"Weiterbestand des Aufenthaltsrechts nach Auflösung der Familien-</span><br/> <span class="ft1">gemeinschaft in Härtefällen" Folgendes aus (Botschaft AuG,</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 1.3.7.6, S. 3754):</span><br/> <span class="ft3">"Um Härtefälle zu vermeiden, ist vorgesehen, dass das Aufenthalts-</span><br/> <span class="ft3">recht der Ehegatten und der Kinder auch nach Auflösung der Ehe oder der</span><br/> <span class="ft3">gemeinsamen Wohnung weiter besteht, wenn wichtige persönliche Gründe</span><br/> <span class="ft3">einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 49</span><br/> <span class="ft3">[heute Art. 50]). Diese Lösung entspricht weitgehend dem vom Nationalrat</span><br/> <span class="ft3">gutgeheissenen Vorschlag zur Parlamentarischen Initiative Goll, Rechte für</span><br/> <span class="ft3">Migrantinnen (96.461; siehe auch Ziffer 1.3.7.5).</span><br/> <span class="ft3">Ein weiterer Aufenthalt in der Schweiz kann sich etwa dann als erfor-</span><br/> <span class="ft3">derlich erweisen, wenn der in der Schweiz lebende Ehepartner verstorben</span><br/> <span class="ft3">ist oder wenn aufgrund der gescheiterten Ehe die familiäre und soziale Wie-</span><br/> <span class="ft3">dereingliederung im Herkunftsland stark erschwert wird. Dies gilt auch,</span><br/> <span class="ft3">wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind, zu denen eine enge Beziehung</span><br/> <span class="ft3">besteht und die in der Schweiz gut integriert sind. Zu berücksichtigen sind</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">jedoch stets auch die Umstände, die zur Auflösung der Gemeinschaft ge-</span><br/> <span class="ft3">führt haben. Steht fest, dass die im Familiennachzug zugelassene Person</span><br/> <span class="ft3">durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernstlich gefährdet ist und</span><br/> <span class="ft3">ihr eine Fortführung der ehelichen Beziehung nicht länger zugemutet wer-</span><br/> <span class="ft3">den kann, ist dies beim Entscheid besonders in Rechnung zu stellen.</span><br/> <span class="ft3">Demgegenüber ist eine Rückkehr zumutbar, wenn der Aufenthalt in</span><br/> <span class="ft3">der Schweiz nur kürzere Zeit gedauert hat, keine engen Beziehungen zur</span><br/> <span class="ft3">Schweiz geknüpft wurden und die erneute Integration im Herkunftsland</span><br/> <span class="ft3">keine besonderen Probleme stellt. Wichtig ist, dass jeweils die konkreten</span><br/> <span class="ft3">Umstände des Einzelfalls geprüft werden. Mit der Gewährung eines gesetz-</span><br/> <span class="ft3">lichen Aufenthaltsrechts wird auch die Praxis in den einzelnen Kantonen</span><br/> <span class="ft3">harmonisiert. Ein Teil der Vernehmlasser sprach sich auch hier wegen der</span><br/> <span class="ft3">erwarteten zusätzlichen Belastungen der Rechtspflege gegen neue Aufent-</span><br/> <span class="ft3">haltsansprüche aus. Sie sind der Ansicht, dass die bereits heute bestehende</span><br/> <span class="ft3">Möglichkeit einer Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des</span><br/> <span class="ft3">Ermessens in Härtefällen ausreicht."</span><br/> <span class="ft1">Die in Art. 50 Abs. 2 AuG sowie in der Botschaft exemplarisch</span><br/> <span class="ft1">aufgezählten wichtigen persönlichen Gründe, welche einen Verbleib</span><br/> <span class="ft1">in der Schweiz erforderlich machen können, betreffen einerseits be-</span><br/> <span class="ft1">sondere Umstände bei der Auflösung der Familiengemeinschaft. An-</span><br/> <span class="ft1">dererseits ist aufgrund der Erläuterungen der Botschaft zu Art. 50</span><br/> <span class="ft1">AuG - nicht zuletzt mit Blick auf den Titel - davon auszugehen, dass</span><br/> <span class="ft1">der Gesetzgeber das Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen</span><br/> <span class="ft1">Härtefalles ebenfalls als wichtigen persönlichen Grund im Sinne die-</span><br/> <span class="ft1">ser Bestimmung betrachtete. Wichtige persönliche Gründe im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG liegen demzufolge zumindest immer</span><br/> <span class="ft1">dann vor, wenn die Voraussetzungen für einen schwerwiegenden</span><br/> <span class="ft1">persönlichen Härtefall erfüllt sind. Davon ging auch der Bundesrat</span><br/> <span class="ft1">aus, indem er bei der Normierung von Art. 31 VZAE, der die Krite-</span><br/> <span class="ft1">rien für die Prüfung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles</span><br/> <span class="ft1">umschreibt, unter anderem auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG verwies (vgl.</span><br/> <span class="ft1">hierzu auch den Bericht des Eidgenössischen Justiz- und Poli-</span><br/> <span class="ft1">zeidepartements [EJPD] zum Vernehmlassungsentwurf der VZAE zu</span><br/> <span class="ft1">Art. 31 VZAE).</span><br/></div> </div> </body> </html>