<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 0] </div> <div class="para">1P.92/2000/boh </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG </div> <div class="para">********************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Aemisegger, Präsident der </div> <div class="para">I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter </div> <div class="para">Aeschlimann, Bundesrichter Favre und Gerichtsschreiber Forster. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para">P.________, Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">R.________, privater Beschwerdegegner, Untersuchungsrichteramt des Kantons Solothurn, Geschäftsstelle Oensingen, Obergericht des Kantons Solothurn, Anklagekammer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para">Strafanzeige, Keine-Folge-Verfügung, </div> <div class="para">hat das Bundesgericht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass P.________ am 4. August 1999 gegen R.________ und die übrigen Mitglieder der Sozialhilfekommission der Einwohnergemeinde Etziken einen Strafantrag wegen Ehrverletzung stellte, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das Untersuchungsrichteramt des Kantons Solothurn dem Strafantrag mit Verfügung vom 24. August 1999 keine Folge leistete, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass P.________ dagegen Beschwerde erhob, welche das Obergericht (Anklagekammer) des Kantons Solothurn mit Entscheid vom 23. Dezember 1999 abwies, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass das Obergericht dabei erwog, dass "allen Ehrverletzungsdelikten des dritten Teils des schweizerischen Strafgesetzbuches (<span class="artref"><artref id="CH/311.0/173" type="start"></artref>Art. 173-177 StGB</span><artref id="CH/311.0/177" type="end"></artref>) der zentrale Begriff der Ehre eigen" sei, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass "Vorwürfe von (vor allem psychischer) Krankheit und Abnormität grundsätzlich nicht die Ehre" beträfen, "und eine Ehrverletzung lediglich vorläge, wenn psychiatrische Fachausdrücke in diffamierender Absicht verwendet würden, was vorliegend nicht der Fall" sei, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass der Beschwerdeführer einen Verstoss "gegen das Rechtsgleichheitsgebot" rügt, "weil der nach Rechtsprechung und bundesgerichtlicher Praxis sich ergebende Rechtssatz nicht richtig angewendet" worden sei, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass er die Auffassung vertritt, die fraglichen Äusserungen des privaten Beschwerdegegners seien "ehrverletzend und strafbar entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=4&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F93-IV-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page52">BGE 93 IV 52</a> 'Psychopath')", bzw. "psychiatrische Fachausdrücke" seien "wider besseres Wissen in verleumderischer Absicht verwendet" worden, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass die staatsrechtliche Beschwerde nur zulässig ist, soweit die behauptete Rechtsverletzung nicht sonstwie durch Klage oder Rechtsmittel beim Bundesgericht oder einer andern Bundesbehörde gerügt werden kann (<span class="artref">Art. 84 Abs. 2 OG</span>), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass eine Verletzung von materiellem Bundesstrafrecht, insbesondere eine unzutreffende Auslegung von <span class="artref"><artref id="CH/311.0/173" type="start"></artref>Art. 173-177 StGB</span><artref id="CH/311.0/177" type="end"></artref>, mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde anzufechten wäre (Art. 268 f. BStP), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass auch die Rechtsmittelbelehrung im angefochtenen Entscheid ausdrücklich darauf hinweist ("Rechtsmittel: Nichtigkeitsbeschwerde an das Bundesgericht gemäss <span class="artref">Art. 268 ff. </span></div> <div class="para">BStP; Frist 10 Tage ab schriftlicher Eröffnung"), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass der Beschwerdeführer innert der Fristen von <span class="artref"><artref id="CH/312.0/272/2" type="start"></artref><artref id="CH/312.0/272/1" type="start"></artref>Art. 272 Abs. 1 - 2 BStP</span><artref id="CH/312.0/272/2" type="end"></artref><artref id="CH/312.0/2" type="end"></artref> keine eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde erhoben hat, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass insbesondere keine Anmeldung der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde innert zehn Tagen seit Eröffnung des angefochtenen Entscheides erfolgt ist (<span class="artref">Art. 272 Abs. 1 BStP</span>), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass die Beschwerde insoweit offensichtlich unzulässig ist, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass der Beschwerdeführer auch noch vorbringt, im angefochtenen Entscheid werde "nicht erwähnt", dass dem privaten Beschwerdegegner im kantonalen Verfahren "fast 3 Wochen Zeit" für seine "Stellungnahme" eingeräumt worden sei; "diese Nichterwähnung sowie die nicht richtige Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung" liessen "das Obergericht des Kt. Solothurn als parteiisch erscheinen", </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass die Rüge der Parteilichkeit, soweit sie überhaupt ausreichend substanziert erschiene (<span class="artref">Art. 90 Abs. 1 lit. b OG</span>), offensichtlich unbegründet wäre, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass im Umstand, wonach das Obergericht dem privaten Beschwerdegegner fast drei Wochen Zeit für die Einreichung der Rekursvernehmlassung einräumte, weder eine Verletzung prozessualer Vorschriften noch ein objektiver Grund für die Annahme von Parteilichkeit zu sehen wäre, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass die Beschwerde als offensichtlich unbegründet bzw. </div> <div class="para">unzulässig im vereinfachten Verfahren und mit summarischer Begründung abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann (Art. 36a Abs. 1 lit. a - b und Abs. 3 OG), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass der Beschwerdeführer zwar ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellt, die Beschwerde aber zum Vornherein aussichtslos erscheint, weshalb die gesetzlichen Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind (<span class="artref">Art. 152 OG</span>), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">dass auf die Erhebung von Gerichtskosten jedoch im vorliegenden Fall ausnahmsweise verzichtet werden kann (<span class="artref">Art. 156 Abs. 1 OG</span>), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">im Verfahren nach <span class="artref">Art. 36a OG</span> erkannt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.-Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.-Es werden keine Kosten erhoben. </div> <div class="para">3.-Dieses Urteil wird den Parteien sowie dem Untersuchungsrichteramt, Geschäftsstelle Oensingen, und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Anklagekammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para">Lausanne, 6. April 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>