Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Mai 2020 (720 19 294 / 105) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Medizinische Massnahmen. Geringe Zweifel an der versicherungsinternen medizinischen Beurteilung. Rückweisung zur Vornahme von weiteren Abklärungen. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Daniela Bu- ser Parteien SWICA Krankenversicherung AG , Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur, Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Beigeladener A.____ , vertreten durch seine Eltern B.____ und C.____ Betreff Medizinische Massnahmen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.a Dem 2000 geborenen A.____ wurden aufgrund der G eburtsgebrechen Ziffern 404 und 462 bereits mehrfach Kostengutsprachen für medizinische Massnahmen durch die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) erteilt. Zuletzt gewährte sie ihm mit Mitteilung 12. September 2013 die Übernahme der Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 462 (inklusive Wachs- tumshormonbehandlung) sowie mit Mitteilung vom 20. Dezember 2018 die Kostengutsprache für eine ambulante Psychotherapie im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 404. A.b Mit Schreiben vom 29. März 2019 ersuchte die SWICA Krankenversicherungs AG (SWICA) bei der IV-Stelle um Kostenübernahme für die Behandlung eines femoroazetabulären Impingements von A.____ im Sinne einer medizinischen Massnahme. Nach durchgeführtem Vor- bescheidverfahren lehnte die IV-Stelle dieses Leistungsb egehren mit Verfügung vom 16. Juli 2019 ab. B. Dagegen erhob die SWICA am 9. September 2019 Besch werde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung vom 16. Juli 2019 sei die IV-Stelle zu verpflichten, die Behandlungskosten zu übernehmen und der SWICA die erbrachten Vorleistun gen zu erstatten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme von ergänzenden medizinischen Abklärungen und zum neuen Ent- scheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 3. Oktober 2019 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Sie begründete ihren Antrag im Wesentlichen damit, dass es sich beim operativen Eingriff an der rechten Hüfte um eine Behandlung des Leidens handle, mit welcher keine mass- gebliche Verbesserung der beruflichen Möglichkeiten erreicht werden könne. Eine Erwerbsunfä- higkeit sei zudem nicht zu erwarten, da der Versicherte einer leidensadaptierten Tätigkeit nach- gehen könne. D. Mit Replik vom 4. November 2019 hielt die Beschwerdef ührerin an ihren Anträgen fest. Zu den Ausführungen der IV-Stelle im Rahmen der Vernehmlassung führte sie an, die medizini- sche Beurteilung der Beschwerdegegnerin beruhe auf ung enügenden Grundlagen. Auch unter- liege der Versicherte keiner Schadenminderungspflicht, weshalb er mit seiner Berufswahl keine Spätfolgen zu verhindern habe. Aus welchem Grund bei e iner leidensadaptierten Berufswahl nicht von einer teilweisen oder ganzen Erwerbsunfähigkeit ausgegangen werden könne, sei des- halb nicht nachvollziehbar. Abschliessend verwies sie darauf, dass jede Korrektur eines stabilen Defekts am knöchernen Skelett einen Anspruch nach Art . 12 IVG begründe. Massnahmen, die pathologische Bewegungsabläufe korrigierten, seien davon nicht ausgenommen. E. Im Rahmen der Duplik vom 20. November 2019 verwies die IV-Stelle im Wesentlichen auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung vom 16. Juli 2019 sowie in der Vernehm- lassung vom 3. Oktober 2019. Ergänzend führte sie aus, dass sämtliche den pathologischen Be- wegungsablauf in einem Gelenk korrigierende Massnahmen von der Leistungspflicht der IV aus- genommen seien, was vorliegend der Fall sei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Verfügung vom 27. November 2019 wurde A.____, vertreten durch seine Eltern B.____ und C.____, zum Verfahren beigeladen. G. Mit Schreiben vom 26. Dezember 2019 nahm der Beige ladene Stellung. Die Beschwer- degegnerin verzichtete mit Eingabe vom 15. Januar 2020 auf eine weitere Stellungnahme und verwies vollumfänglich auf ihre Vernehmlassung vom 3. Okt ober 2019 sowie die Duplik vom 20. November 2019. Mit Schreiben vom 20. Januar 2020 nahm die Beschwerdeführerin erneut Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Be- schwerde vom 9. September 2019 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die IV-S telle die Kostenübernahme für die Be- handlung des femoroazetabulären Impingements des Versicherten zu Recht abgelehnt hat. 2.1 Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernim mt gemäss Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 1994 die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer K rankheit und ihrer Folgen dienen. Nach Art. 12 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendete n 20. Altersjahr Anspruch auf medizini- sche Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leide ns an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesent- lich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. 2.2 Art. 12 IVG bezweckt namentlich, die Aufgabenbereich e der Invalidenversicherung ei- nerseits und der sozialen Kranken- und Unfallversicherung anderseits gegeneinander abzugren- zen. Diese Abgrenzung beruht auf dem Grundsatz, dass die Behandlung einer Krankheit oder einer Verletzung ohne Rücksicht auf die Dauer des Leide ns primär in den Aufgabenbereich der Kranken- und Unfallversicherung gehört. Nach der Recht sprechung sind nur solche Vorkehren von der Invalidenversicherung zu übernehmen, die nicht auf die Heilung oder Linderung labilen pathologischen Geschehens gerichtet sind. Während dies be i Erwachsenen ohne Weiteres gilt, sind bei Jugendlichen - ihrer körperlichen und geistigen Entwicklungsphase Rechnung tragend - Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinische Vorkehren trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der Invaliden- versicherung zu übernehmen, wenn ohne diese in absehbarer Zeit eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würden. Die Invalidenversicherung hat daher bei Jugendlichen nicht nur unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrektur stabil er Defektzustände oder Funktionsausfälle gerichtete Vorkehren zu übernehmen, sondern auch dann Leistungen zu erbringen, wenn es da- rum geht, mittels geeigneter Massnahmen einem die berufliche Ausbildung oder die künftige Er- werbsfähigkeit beeinträchtigenden Defektzustand vorzubeugen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Mai 2015, 9C_912/2014, E. 1.2 mit Hinweisen). 2.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Ein gliederungserfolg bei jüngeren Versicherten als dauernd zu betrachten, wenn er wahrsch einlich während eines bedeutenden Teils der konkreten Aktivitätserwartung, welche ihrerseits nicht wesentlich herabgesetzt sein darf, erhalten bleiben wird. Bestehen Nebenbefunde, welche geeignet sind, die Aktivitätserwartung trotz der medizinischen Massnahme wesentlich herabzusetzen, ist die Dauerhaftigkeit des Ein- gliederungserfolgs zu verneinen. Ob der Eingliederun gserfolg dauerhaft sein wird, ist prognos- tisch zu beurteilen. Massgebend ist der medizinische Sachverh alt vor Durchführung der Mass- nahme in seiner Gesamtheit (Urteil des Bundesgerichts vom 27. April 2017, 9C_842/2016, E. 4.2 mit Hinweisen). 2.4 Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) erliess im Kreisschreiben über die me- dizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversiche rung (KSME; Version gültig ab 1. Juli 2019) unter anderem Ausführungen zum Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 12 IVG bei Leiden an Knochen und Bewegungsorgan en (Rz. 731-738/931-938.1). Danach können nur Korrekturen von stabilen Defekten des knöche rnen Skeletts als Massnahme nach Art. 12 IVG anerkannt werden, nicht aber alle Massnahmen, die den pathologischen Bewegungs- ablauf in einem Gelenk korrigieren. Am Bewegungsappar at sind stabile Defekte nur im Bereich des knöchernen Skeletts anzunehmen, nicht aber an Sehnen, Bandscheiben, Bändern oder dem Knorpel. 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen ann ehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanw endende Behörde ihren Ent- scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über- wiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mögl ichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwaltung und Gericht haben vielmehr jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein- lichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialver- sicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungspr ozess tragen mithin die Parteien in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle d er Beweislosigkeit der Entscheid zu Un- gunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rah- men des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er- mitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 3.2 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungs- gericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte B eweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Dennoch erachtet es die bundesg erichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizini- scher Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführ- liche Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispielsweise Berichten und Gutach- ten versicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Be weiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichts- gutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge A nforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärzt- lichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4. Zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts liege n diverse Berichte vor, welche durch das Gericht allesamt gewürdigt wurden. Nachfolgend sind diejenigen gelistet, welche sich für den vorliegenden Entscheid als relevant erweisen. 4.1 Dr. med. D.____, FMH Kinder- und Jugendmedizin, e rhob in ihrem Bericht vom 9. Sep- tember 2013 (act. 39) die Diagnose Kleinwuchs knapp unter P3 bei hypothalamo-hypophysärer Insuffizienz und partiellem HGH-Defizit (Human Growth H ormon [HGH]; Wachstumshormon), eine verzögerte Knochenreifung im Handröntgenbild sow ie ein sehr gutes Ansprechen auf die HGH-Substitutionstherapie mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von nunmehr 9.6 cm pro Jahr. Die Diagnose des Geburtsgebrechen Ziffer 462 sei bereits im März 2013 erfolgt. Der Versicherte wachse unter den elterlichen Vorgaben und der Wachstumsverlauf sei deutlich abgesunken. So liege die Knochenreifung im Bereich der Hand bei einem chronologischen Alter von 12.9 Jahren bei lediglich 10.6 Jahren. Die Abklärung habe nach Aussch luss anderer Ursachen eine tiefe Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wachstumshormonaktivität und eine retardierende Knochenr eifung ergeben. Im April 2013 sei deshalb mit einer HGH-Substitutionstherapie begonnen worden, auf welche der Versicherte sehr gut anspreche. Die nunmehr erreichte Wachstumsgeschwindigkeit sei als präpuberal sehr gutes Wachstum zu werten. Es sei vorgesehen diese Therapie bi s längstens nach Abschluss der Wachstumsphase fortzuführen. 4.2 Im Operationsbericht vom 11. Mai 2018 (act. 63) d iagnostizierte Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein femoroacetabuläres Impingement rechts sowie eine unvollständige Knochenreifung mit sekundären Verknöcherungs- zentren am Pfannenrand. Nach Übereinstimmung der Anam nese mit dem klinischen und radio- logischen Befund bei einem symptomatischen femoroazetabu lären Impingement sei die Indika- tion zur Hüftarthroskopie erstellt. Weitere Ausführung en zum klinischen und radiologischen Be- fund seien dabei dem Bericht der ambulanten Sprechstunde zu entnehmen. Im Rahmen des Ein- griffs seien eine Offset-Korrektur, eine partielle Syn ovektomie sowie eine Kapselnaht durchge- führt worden. Postoperativ sei während zwei Wochen eine Mobilisation an Stöcken unter Teilbe- lastung des rechten Beins notwendig. Anschliessend solle ein rascher Übergang zur stockfreien Vollbelastung erfolgen. 4.3 Der Vertrauensarzt der SWICA, Dr. med. F.____, F MH Rechtsmedizin, führte in seiner Stellungnahme vom 21. Mai 2019 (Beilage zur Replik) aus, dass beim Versicherten gemäss Ope- rationsbericht vom 11. Mai 2018 ein femoroazetabuläres Impingement der rechten Hüfte und eine unvollständige Knochenreifung mit sekundären Verknöcher ungszentren am Pfannenrand be- stehe. Im Rahmen des operativen Eingriffs werde nahe d er Gelenklippe eine partielle Synovek- tomie aufgrund einer bestehenden Synovitis vorgenommen. Anschliessend werde zur Behebung des femoroazetabulären Impingements eine Offset-Korrektur mittels Burr durchgeführt. Der ent- standene Knochendebris werde entfernt. Mit der Offset-Korrektur liege zweifelsfrei ein Eingriff am knöchernen Skelett vor, weswegen es sich klar um eine medi zinische Massnahme nach Art. 12 IVG handle. Die Synovektomie stelle lediglich einen Ne beneingriff von untergeordneter Bedeu- tung dar. Im Vordergrund stehe die Offset-Korrektur zur Behebung des femoroazetabulären Im- pingements, welches unbehandelt zur vorzeitigen Hüftarthrose geführt hätte. 4.4 Nach den Ausführungen von Dr. med. G.____, FMH O rthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD), im Bericht vom 13. Juni 2019 (act. 74) sei die Operationsindikation gleichwohl eine symptomatische und damit belas- tungsabhängige Beschwerdesymptomatik, auch wenn im Rahmen des operativen Eingriffs knö- cherne Strukturen wie etwa der Pfannenrand korrigiert worden seien. Begründet werde dieser Eingriff primär mit den aktuellen Beschwerden und nic ht mit einer zentral im Fokus stehenden Verbesserung der beruflichen Möglichkeiten. Damit stehe die Behandlung des Leidens im Vor- dergrund. Das Behandlungsziel sei vorliegend die Korrektur des pathologischen Bewegungsab- laufs im betroffenen Hüftgelenk, welcher durch die knöchern-weichteilige, anlagebedingte Patho- logie eingeschränkt gewesen sei. Darauf würden sich schliesslich auch die therapeutsch-invasi- ven Massnahmen konzentrieren. Massnahmen zur Behandlung von pathologischen Bewegungs- abläufen seien jedoch entsprechend den Ausführungen i m KSME von einer Kostenübernahme durch die Invalidenversicherung ausgeschlossen. Auslöser der Symptomatik seien in diesem Fall Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht am ehesten die leistungssportlichen Ambitionen des Versicherten, welche aber sowohl somatisch als auch aufgrund von psychischen Faktoren in Frage zu s tellen seien. Ein Zusammenhang mit dem vorbekannten Geburtsgebrechen Ziffer 404 sei nicht gegeben. 4.5 Dr. F.____ hielt anlässlich der Aktenbeurteilung v om 14. Oktober 2019 (Beilage zur Rep- lik) fest, dass er den Ausführungen von Dr. G.____ nicht folgen könne, denn seine fachärztlichen Folgerungen seien nicht mit entsprechenden Untersuchun gsbefunden aus den medizinischen Akten belegbar. So lasse die Aktenlage keinen eindeutig en Schluss auf einen pathologischen Bewegungsablauf im betroffenen Hüftgelenk zu, welcher zu Schmerzen geführt haben soll. Viel- mehr könne auch ein völlig normaler Bewegungsablauf vorgelegen haben, welcher schmerzhaft gewesen sei. Damit wäre die Diagnose eines femoroacetabulären Impingements ebenfalls gege- ben, auch wenn sich intraoperativ morphologische Verände rungen am knöchernen Skelett ge- zeigt hätten, welche die Schmerzen hinreichend erklären würden. Weiter sei den Akten nicht zu entnehmen, dass die beim Versicherten erhobenen organi schen Veränderungen mit entspre- chender Beschwerdesymptomatik auf sportliche Ambitionen oder psychische Faktoren zurückzu- führen seien. Dr. G.____ habe sich insbesondere auch nicht mit der Berufswahl des Versicherten und deren längerfristigen Kompatibilität mit einem femoroacetabulären Impingement sowie allfäl- ligen Spätfolgen auseinandergesetzt. Ausserdem würden Angaben zu den präoperativ klinisch erhobenen Befunden und den präoperativ geklagten Besch werden fehlen. Zusammenfassend könne über einen denkbaren pathologischen Bewegungsablau f erst dann befunden werden, wenn ein solcher mit entsprechenden Befunderhebungen belegt worden sei. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 16. Juli 2019 auf den Bericht von Dr. G.____ vom 13. Juni 2019. Demzufolge vertrat sie die Auffassung, dass es sich bei der Hüftarthroskopie vom 11. Mai 2018 um eine Beha ndlung des Leidens handle, welche nicht als medizinische Massnahme anzuerkennen sei. Trotz Bete iligung knöcherner Strukturen verbleibe als Operationsindikation letztlich eine belastungsabhängige Beschwerdesymptomatik. Ziel der Operation sei die Korrektur des pathologischen Bewegungsablaufes im betreffenden Hüftgelenk gewesen. Eine Verbesserung der beruflichen Möglichkeiten habe dabei nicht im Vor- dergrund gestanden. 5.2 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Wie b ereits in Erwägung 3.2 hiervor aus- geführt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungs- fall wie vorliegend ohne die Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Be- stehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinter- nen ärztlichen Feststellung, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Derartige Zweifel lie- gen hier vor, wie sich im Folgenden ergibt. 5.3.1 Die Invalidenversicherung hat – wie vorstehend er wähnt – nur diejenigen Kosten für me- dizinischen Massnahmen zu übernehmen, welche auf die Beseitigung oder Korrektur von stabilen Defektzuständen oder Funktionsausfällen gerichtet sind. Vorkehren, welche die Heilung oder Lin- derung eines labilen pathologischen Geschehens bezwecken, stellen dagegen keine medizini- schen Massnahmen im erwähnten Sinne dar. Nach den Ausführungen im KSME (vgl. Erwägung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 und 2.4 hiervor) können bei Gelenkschäden nur Korrekturen von stabilen Defekten des knö- chernen Skeletts als medizinische Massnahme nach Art. 12 IVG anerkannt werden, nicht aber alle Massnahmen, die den pathologischen Bewegungsablau f in einem Gelenk korrigieren. Wie sich vorliegend aus der angefochtenen Verfügung vom 16. Juli 2019 ergibt, vertritt die Beschwer- degegnerin den Standpunkt, dass Korrekturen eines pathologischen Bewegungsablaufes gene- rell von der Anerkennung als medizinische Massnahme ausgeschlossen seien, was sich aus Rz. 731-738/931-938.1 des KSME ergebe. Dieser Auslegung kann jedoch nicht gefolgt werden. Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung gelten als stabile oder mindestens relativ stabili- sierte Defektzustände oder Funktionsausfälle bei Gelenksschäden nur solche im knöchernen Be- reich, also Anomalien des Skelettes selbst. Nur die der Korrektur oder Beseitigung eines stabilen Skelettdefekts und dessen unmittelbaren mechanischen Folgen dienenden Eingriffe sind medizi- nische Massnahmen der IV. Diesen Massnahmen zugängliche Fehl stellungen im knöchernen Bereich sind nur solche der Knochen, die durch Defekte dieser selber verursacht sind, nicht auch solche, die durch Mängel der Knorpelpartien oder des Bänder- und Muskelsystems hervorgerufen werden (BGE 105 V 139 E. 3a mit Hinweisen; ZAK 1988 S. 84). Bei Mischformen ist jeweils zu prüfen, ob der Defekt vorwiegend auf die Knochenmissbildung oder auf andere Ursachen zurück- geführt werden muss (ZAK 1988 S. 84). Soweit die Beschw erdegegnerin nun Eingriffe zur Kor- rektur eines pathologischen Bewegungsablaufs per se von einer Anerkennung als medizinische Massnahme im Sinne von Art. 12 IVG ausschliesst, geht sie fehl. Schliesslich ist bei der Frage nach einer Anerkennung als medizinische Massnahme vielmehr massgebend, dass es sich um einen zu behandelnden, stabilen knöchernen Defekt oder um einen Defekt handelt, welcher über- wiegend auf eine Missbildung der Knochen zurückzuführen i st. Demnach gilt es vorliegend zu- nächst zu prüfen, ob es sich beim operativen Eingriff vom 11. Mai 2018 um eine Massnahme zur Behebung eines knöchernen Defekts im hiervor erwähnten Sinne handelt. 5.3.2 Im Zentrum der medizinischen Aktenlage steht de r Operationsbericht von Dr. E.____ vom 11. Mai 2018. Weitere medizinischen Unterlagen in Bezug auf die Impingement-Problematik sind den Akten nicht zu entnehmen. Wie die Beschwerde führerin zutreffend darlegt, gehen aus dem Operationsbericht weder ein präoperativer Befund noch Angaben zu allfälligen, präoperativ vorhandenen Beschwerden hervor. Insofern lassen sich au ch die Ausführungen der Beschwer- degegnerin, wonach ein pathologischer Bewegungsablauf bestanden habe, welcher mit dem ope- rativen Eingriff korrigiert worden sei, nicht nachvoll ziehen. Dasselbe gilt für die leistungssportli- chen Ambitionen des Versicherten, die angeblich zur Sympto matik beigetragen hätten. Diese Ausführungen sind somit nicht mit entsprechenden medizinischen Befunden belegbar. In diesem Zusammenhang verweist Dr. E.____ im erwähnten Operationsbericht ausdrücklich auf einen Be- richt der ambulanten Sprechstunde, welchem weitere Ausführungen zum klinischen und radiolo- gischen Befund zu entnehmen seien. Dieser Bericht wurde d urch die Beschwerdegegnerin je- doch nicht eingeholt. 5.3.3 Betreffend die Frage, ob im vorliegenden Fall ein knöcherner Defekt am Skelett bestan- den hat, sind sich die Parteien insofern einig, als dass im Rahmen des operativen Eingriffs vom 11. Mai 2019 knöcherne Strukturen beteiligt gewesen sind. Die IV-Stelle geht von einer knöchern- weichteiligen, anlagebedingten Pathologie aus, durch w elche das rechte Hüftgelenk einschrän- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kend verändert gewesen und welche operativ therapiert worden sei. Die Beschwerdeführerin ver- tritt – gestützt auf die Stellungnahme von Dr. F.___ _ vom 21. Mai 2019 – die Auffassung, dass die Offset-Korrektur als Eingriff am knöchernen Skelett zur Behandlung des femoroazetabulären Impingements im Vordergrund stehe. Bei der Synovektom ie handle es sich lediglich um einen Nebeneingriff von untergeordneter Bedeutung. Damit liege ihrer Ansicht nach eine medizinische Massnahme zur Behandlung eines knöchernen Skelettdefeks im Sinne des IVG vor. Sie verkennt dabei jedoch, dass nicht der Anteil des operativen Eingriffs am knöchernen Skelett jenen an den Weichteilen zu überwiegen hat, sondern dass der im Rahmen der Operation zu behebende De- fekt überwiegend auf eine Missbildung der Knochen zurückzu führen sein muss, damit diese als medizinische Massnahme anerkannt werden kann. Diesbezüglich werden im Operationsbericht vom 11. Mai 2018 zwar Angaben zu den Operationsmethoden und dem entsprechenden Vorge- hen während des Eingriffes gemacht. Ob im Rahmen der Operation ein Defekt im Sinne der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung behoben worden ist, geht aus dem Bericht nicht eindeutig her- vor. Folglich sind weitere medizinische Abklärungen notwen dig. In diesem Zusammenhang hat die IV-Stelle insbesondere abzuklären, ob ein Defekt am knöchernen Skelett vorgelegen hat, der anlässlich der Operation vom 11. Mai 2018 behoben word en ist, und ob dieser Defekt überwie- gend auf eine Missbildung der Knochen zurückzuführen ist. 5.4 Medizinische Massnahmen im Sinne von Art. 12 Abs. 1 I VG werden – wie bereits in Erwägung 2.1 hiervor ausgeführt – nur gewährt, wenn diese unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit o- der die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Bei Jugendlichen ist diese Voraussetzung bereits dann erfüllt, wenn mittels geeigneter Massnahmen ein Defektzustand verhindert wird, der die berufliche Ausbildung oder die künftige Erwerbsfä higkeit beeinträchtigen würde (vgl. Erwä- gung 2.2 hiervor). Vorliegend hielt die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung fest, dass die Massnahme zur Behandlung des femoroazetabulären Imping ements nicht unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich ausgerichtet sei. Die Beschwerde- führerin macht dagegen geltend, die Impingement-Problematik hätte ohne den operativen Eingriff vom 11. Mai 2018 eine die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende Schädigung des rechten Hüftge- lenks in Form einer Arthrose oder einer Vergrösserung des Labrumabrisses zur Folge gehabt. Im Falle einer Nichtbehandlung des Impingements in Verbindung mit der unvollständigen Knochen- reifung mit sekundären Verknöcherungszentren am Pfanne nrand könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem die Erwerbsfähigkeit beein trächtigenden Gesundheitsschaden ausgegangen werden. Auch diese Ausführungen der Part eien stehen ohne entsprechende me- dizinische Befunde im Raum und sind folglich keiner Prüfung zugänglich. Ob es beim Versicher- ten ohne Behandlung des Impingements zu einem Defektzustand gekommen wäre und ob dieser zu einer Einschränkung der Berufsbildung bzw. der Erwerbsfähigkeit geführt hätte, kann gestützt auf die vorhandenen Unterlagen nicht abschliessend beurteilt werden. In diesem Zusammenhang fehlen namentlich Angaben zur Operationsindikation und möglichen Spätfolgen ohne entspre- chende Behandlung. 5.5 Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Invali denversicherung (IVV) gelten als me- dizinische Massnahmen im Sinne von Art. 12 IVG namentlich chirurgische, physiotherapeutische Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht und psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folgezustands eines Geburtsgebrechens, ei- ner Krankheit oder eines Unfalls eingetretene Beeintr ächtigung der Körperbewegung, der Sin- neswahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit zu beheben o der zu mildern trachten, um die Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu bestätigen, dauernd und wesent- lich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Beim Versicherten wur- den im vorliegenden Fall die Geburtsgebrechen Ziffe rn 404 und 462 diagnostiziert. Unbestritten ist, dass zwischen dem femoroazetabuläre Impingement und dem Geburtsgebrechen Ziffer 404 kein Zusammenhang besteht. Fraglich ist jedoch, ob es sich bei der Impingement-Problematik um einen Folgezustand des Geburtsgebrechens Ziffer 462 handelt. Schliesslich diagnostizierte Dr. D.____ im Bericht vom 9. September 2013 beim Ver sicherten Kleinwuchs bei hypothalamo- hypophysärer Insuffizienz und partiellem Wachstumshormondef izit sowie eine verzögerte Kno- chenreifung. Zur Behandlung sei eine Substitutionstherapie mit Wachstumshormonen begonnen worden. Im Operationsbericht vom 11. Mai 2018 erhob Dr. E.____ wiederum eine unvollständige Knochenreifung mit sekundären Verknöcherungszentren am P fannenrand. Den Ausführungen des Beigeladenen in seiner Stellungnahme vom 26. Dezemb er 2019 ist letztlich zu entnehmen, dass die Hüftproblematik auf die Ausübung des Kampfsp ortes Judo im Zusammenhang mit der Wachstumshormonbehandlung und dem daraus resultierende n schnellen Wachstum zurückzu- führen sei. Die massive Veränderung im Hüftgelenk wäre ohne die Kombination der erwähnten Faktoren nicht in diesem Ausmass entstanden. Möglich sei aber auch eine familiäre Disposition. Aufgrund der vorstehende Ausführungen ist unklar, ob es sich beim femoroazetabulären Impin- gement um einen Folgezustand des Geburtsgebrechens Ziffer 462 handelt, oder ob allenfalls ein Zusammenhang mit dessen Behandlung durch Wachstumshormon e besteht. Der Bereinigung dieser Unklarheiten dienende medizinische Ausführungen si nd den Akten nicht zu entnehmen. Auch wurde diese Frage in der angefochtenen Verfügung nicht diskutiert. 6. Zusammenfassend ergibt sich, dass vorliegend Zweifel an den Ausführungen von Dr. G.____ in seinem Bericht vom 13. Juni 2019 bestehen. Bei dieser Sachlage kann nicht auf diese versicherungsinterne Beurteilung abgestellt werden, denn die Beschwerdegegnerin hat es unterlassen, im Rahmen der ihr obliegenden Untersuchun gspflicht ergänzende Abklärungen im Rahmen eines unabhängigen Gutachtens im Sinne von Art. 44 ATSG einzuholen, um die beste- henden Unklarheiten auszuräumen. Die angefochtene Verf ügung ist somit aufzuheben und es sind weitere medizinischen Abklärungen vorzunehmen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre- chung können die Sozialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsa- che an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst die nötigen Abklärungen vorzunehmen, wenn sie einen im Ver waltungsverfahren anderweitig erho- benen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administ- rativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht bew eiskräftig ist (vgl. BGE 139 V 100 E. 1.1, 137 V 263 E. 4.4.1 ff.). Da die Beschwerdege gnerin den medizinischen Sachverhalt un- vollständig abgeklärt hat und es nicht die Aufgabe des k antonalen Gerichts ist, im Verwaltungs- verfahren versäumte Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Beschwerde- gegnerin auch unter Berücksichtigung der zitierten Recht sprechung des Bundesgerichts nichts entgegen. Demzufolge ist die Angelegenheit zur Einholung eines versicherungsexternen medizi- nischen Gutachtens nach Art. 44 ATSG an die Beschwerdege gnerin zurückzuweisen, damit die Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht in den vorstehenden Erwägungen (E. 5.3.2 bis 5.5) erw ähnten offenen Fragen geklärt werden können. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 7.1 Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Ge mäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.- - festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten i n Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Di e Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwa ltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, w eshalb ihr die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen sind. Die Beschwerdeführerin erhält ihren bereits geleisteten Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 7.2.1 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Wortlaut der genannten Bestimmung schränkt den Anspruch somit auf die Beschwerde führende Person ein. Es stellt sich deshalb die Frage, ob damit einzig die Beschwerde führende versicherte Person gemeint ist oder ob auch ein obsiegender Beschwerde führender Sozialversicherer eine Parteientschädigung zu L asten des unterliegenden Versiche- rungsträgers beanspruchen kann. Nach Lehre und Rechtsprechung ist Art. 61 lit. g ATSG in Über- einstimmung mit Art. 68 Abs. 3 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 auszulegen (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020 , Art. 61 Rz. 218 f.; Sozialversicherungsrecht - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [SVR] 2009 IV Nr. 33). Die letztgenannte Bestimmung sieht vor, dass Bund, Kantonen und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen wird, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskre is obsiegen. Sozialversicherer ge- hören zu den im Sinne von Art. 68 Abs. 3 BGG mit öffe ntlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen (UELI KIESER , a.a.O., Art. 61 Rz. 219). Daraus folgt, dass vorliege nd die obsie- gende KPT Krankenkasse AG als Beschwerde führender, in seinem amtlichen Wirkungskreis tätiger Krankenversicherer keine Parteientschädigung zu Lasten der unterliegenden Invaliden- versicherung beanspruchen kann. 7.2.2 Wenn eine Beiladung erfolgt, kann der beigelad enen versicherten Person bei Obsiegen ein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zustehen. Diese Kosten sind grundsätzlich vom unter- liegenden Versicherungsträger zu übernehmen (UELI KIESER , a.a.O., Art. 61 Rz. 220 mit Hinweis). Zu den Parteikosten zählen insbesondere die Kosten, die einer versicherten Person im gerichtli- chen Verfahren für den Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwaltes entstanden sind. Vorliegend hat der nicht anwaltlich vertretene Beigeladene keinen Anspruch auf Ersatz der Par- teikosten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewir ken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich um einen derartigen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelege nheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entschei- det das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrück- lichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutheissen, a ls die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 16. Juli 2019 aufgeho- ben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.