Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 22. Januar 2014 (810 13 264) ___________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Baugesuch für Einbau von 3 Wohnungen/Terrassenanbau/Dachaufbauten Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Kanto nsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Edgar Schürmann , Gerichtsschreiber Stefan Suter Parteien A.____ AG , Beschwerd efü hrerin , vertreten durch Stephanie Trüeb , Advokatin gegen Baurekurskommission des Kantons Basel -Landschaft , Rheinst ra s- se 29, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin B.____ AG , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Roman Zeller, Advokat C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Roman Zeller, Advokat Beigeladene D.____ Betreff Baugesuch für Einbau von 3 Wohnungen/Terrasse nanbau/ Dachaufbauten (Entscheid der Baurekurskommission des Kantons Basel-Landschaft vom 23. April 2013) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Das Hofgut E.____, Parzelle Nr. 6247, GB D.____, b efindet sich im Gebiet F.____ der Gemeinde D.____ in der Wohn- und Geschäftszone 3 und besteht aus einem zweigeschos- sigen Wohngebäude und einer angebauten Scheune. Das Wo hngebäude ist im kantonalen In- ventar der geschützten Kulturdenkmäler aufgeführt, das Ö konomiegebäude wurde in das kan- tonale Bauinventar aufgenommen und ist im Zonenplan a ls kommunal erhaltenswertes Gebäu- de (Kategorie A) gekennzeichnet. Am 8. Juli 2010 ert eilte das Bauinspektorat des Kantons Ba- sel-Landschaft (Bauinspektorat) der A.____ AG die Baub ewilligung zum Einbau von drei Woh- nungen in das bestehende Dachgebälk der ehemaligen Sc heune, dazu kamen ein Terrassen- anbau und Dachaufbauten. Anlässlich einer Baustellenkont rolle vom 1. Juni 2012 stellte das Bauinspektorat fest, dass teilweise entgegen den bewillig ten Plänen gebaut worden war. So wurde unter anderem im Dachgeschoss auf der Ostseite ein sich im Bau befindlicher nicht be- willigter Balkonanbau moniert. Mit gleichentags ergang ener Verfügung ordnete das Bauinspek- torat die Einstellung sämtlicher Bauarbeiten an und fo rderte von der Bauherrschaft bereinigte Pläne ein. Die A.____ AG kam dieser Aufforderung am 13. Juni 2012 nach, wobei die neuen Pläne auf der östlichen Gebäudeseite in der Höhe des Dachgeschosses einen über die Fassa- denflucht hinausragenden Balkon unter dem Vordach vorsa hen. Gegen das neu aufgelegte geänderte Projekt erhoben die B.____ AG und C.____ E insprache und machten im Wesentli- chen geltend, die baulichen Massnahmen an der Scheune be einträchtigten das Wohngebäude und damit ein kantonal geschütztes Kulturdenkmal. Die Ba uherrschaft reichte mit Eingabe vom 13. August 2012 nochmals bereinigte Pläne ein, worauf die Einsprecher an ihren Einsprachen festhielten. B. Mit Entscheid vom 29. Oktober 2012 hiess das Bauinspe ktorat die Einsprachen teil- weise gut und wies das Baugesuch bezüglich des Balkons auf der Ostseite ab. Es verfügte wei- ter unter Hinweis auf Art. 292 des Schweizerischen Straf gesetzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937 und unter Androhung kostenpflichtige r Ersatzvornahme den Rückbau der entgegen der rechtskräftigen Baubewilligung vorgenommenen und nachträglich nicht bewilligten baulichen Massnahmen. Zur Begründung wurde unter Verwe is auf die Stellungnahme der Kan- tonalen Denkmalpflege zusammenfassend ausgeführt, dass de r Balkon unter dem Vordach an der Ostfassade der Vorschrift des Zonenreglements widerspr eche, das Erscheinungsbild zu erhalten. Zudem störe der Balkon das unmittelbar daneben anschliessende kantonal geschützte Kulturdenkmal. C. Die Baurekurskommission des Kantons Basel-Landschaft (Ba urekurskommission) wies die von der A.____ AG, vertreten durch Stephanie Trüeb, Advokatin, dagegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 23. April 2013 ab und set zte die Frist zur Ausführung der ver- fügten Änderungen auf den 31. Januar 2014 fest. Die s begründete sie im Wesentlichen damit, dass der weit ausladende Dachvorsprung als ein charakteristi sches konstruktives Merkmal von derartigen Ökonomiegebäuden anzusehen sei und dass die Fassadenflucht typischerweise frei gehalten worden sei. Die Konstruktion habe dazu gedi ent, das Heu ungehindert und vor der Witterung geschützt in den Dachstock zu befördern. Es sei deshalb entscheidend für die Erhal- tung des Erscheinungsbildes, dass der Bereich vor der Fa ssadenflucht bis unter das Dach frei bleibe und nicht mit einem vorgebauten Balkon verstellt werde. Der Balkonanbau befinde sich des Weiteren auf der Ostseite des Ökonomieteils, der di rekt an den Wohnteil des Hofguts an- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schliesse, weshalb auch das Erscheinungsbild des geschützten Wohnteils beeinträchtigt werde. Die Baurekurskommission verneinte sodann eine Verletzung des Grundsatzes der Rechts- gleichheit und kam zum Schluss, der angeordnete Rückbau erweise sich als verhältnismässig, wobei der eingezogene Balkon belassen werden könne und lediglich der eingesetzte Boden ausserhalb der Fassadenflucht zu entfernen sei. D. Mit Eingabe vom 14. August 2013 hat die A.____ AG , weiterhin vertreten durch Ad- vokatin Stephanie Trüeb, beim Kantonsgericht, Abteilu ng Verfassungs- und Verwaltungsrecht, (Kantonsgericht) Beschwerde gegen den Entscheid der Bau rekurskommission vom 23. April 2013 erhoben. Sie stellt das Begehren, der Entscheid d er Baurekurskommission sei aufzuhe- ben und ihr Baugesuch unter Abweisung der dagegen er hobenen Einsprachen sei zu bewilli- gen. Dies habe unter o/e-Kostenfolge zu geschehen. In d er Beschwerdebegründung rügt die Beschwerdeführerin eine mehrfache falsche Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverlet- zungen. Sie weist zunächst darauf hin, dass der vom Bauge such betroffene Ökonomieteil des Hofguts nie formell unter Schutz gestellt worden sei, we shalb er auch nicht mit derart strengen denkmalschützerischen Auflagen belegt werden könne. Ohneh in verkenne die Vorinstanz den Umstand, dass früher an der Stelle des geplanten Balkons an der Ostfassade ein über die Fas- sadenflucht herausragender Holzlattenboden angebracht g ewesen sei, welcher der Zwischen- lagerung bei der Beförderung des Heus in den Dachstock gedient habe. Das neue Erschei- nungsbild passe sich deshalb in die bestehende Struktur e in und verfälsche keineswegs die Ablesbarkeit des ursprünglichen Zwecks der Konstruktion. Die Ostfassade des Hofguts werde von der unmittelbar neben dem Objekt stehenden moderne n Wohnüberbauung ohnehin gera- dezu verschluckt, der Balkon sei ausserdem aufgrund der davo r stehenden alten Linde von der Strasse her kaum einsehbar. Seitlich zum Hofgut sei zudem ein weiterer Wohnblock geplant, der den Balkon auch seitlich vollends verdecken werde. Di e Ausführungen der Vorinstanz zum Erscheinungsbild erwiesen sich deshalb gesamthaft als obje ktiv nicht nachvollziehbar. Die Vo- rinstanz wie die Kantonale Denkmalpflege hätten sich bei der Wertung in unzulässiger Weise von einer besonderen, subjektiven ästhetischen Empfindlichkeit leiten lassen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 10. September 2013 verw eist die Gemeinde D.____ vollumfänglich auf ihre dem Bauvorhaben zustimmende Ste llungnahme im Baugesuchsverfah- ren. F. Am 25. September 2013 teilen die B.____ AG und C .____, vertreten durch Roman Zeller, Advokat, mit, dass sie sich am Verfahren nicht beteiligen wollen. G. Mit Vernehmlassung vom 25. September 2013 beantra gt das Bauinspektorat die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. In seiner Beg ründung folgt es den Erwägungen der Vorinstanz und unterstreicht, dass das Ökonomiegebäu de des Hofguts gemäss rechtskräf- tigem Zonenplan unter Schutz stehe. Weiter bilde nicht die benachbarte Überbauung und deren Ästhetik Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, sondern der entgegen den bewilligten Plä- nen erstellte Balkon. Das Bauinspektorat erklärt überdi es die beigelegte Stellungnahme der Kantonalen Denkmalpflege zum integrierenden Bestandtei l ihrer Vernehmlassung. Darin führt diese aus, die Beschwerdeführerin habe gegen die Untersch utzstellung des Ökonomiegebäu- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des zu keinem Zeitpunkt ein Rechtsmittel ergriffen. Die Kantonale Denkmalpflege habe der Be- schwerdeführerin ausserdem schon im ursprünglichen Baugesuc hsverfahren unmissverständ- lich erklärt, einem Balkon unter dem Vordach nicht zustim men zu können. Die Darstellung der Beschwerdeführerin, wonach ursprünglich ein Bretterbod en vor der Fassadenflucht bestanden habe, sei überdies unzutreffend, da ein Vorbau irgen dwelcher Art den Transportweg für das Heu verstellt hätte. H. Im Rahmen der heutigen Parteiverhandlung hat das Kantonsgericht einen Au- genschein an Ort und Stelle durchgeführt, an dem die R echtsvertreterin der Beschwerdeführe- rin wie auch Vertreter des Bauinspektorates sowie der Kantonalen Denkmalpflege teilnahmen. An der anschliessenden Parteiverhandlung halten die Par teien an ihren schriftlich gestellten Begehren und Begründungen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 134 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugesetz es (RBG) vom 8. Januar 1998 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entschei de der Baurekurskommission durch die Betroffenen und die Gemeinden beim Kantonsg ericht angefochten werden. Die Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vor liegenden Beschwerde ist somit gege- ben. Die Beschwerdeführerin ist durch den angefochtene n Entscheid in schutzwürdigen Inte- ressen betroffen und demnach zur Beschwerde legitimiert. Die weiteren formellen Vorausset- zungen sind ebenfalls erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. In der Beurteilung der vorliegenden gegen den Ent scheid der Baurekurskommission gerichteten verwaltungsgerichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfäl- liger Rechtsverletzungen zu überprüfen bzw. zu prüfen , ob die Vorinstanz ein allfälliges Ermes- sen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob diese den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Unan gemessenheit eines angefochtenen Ent- scheids kann jedoch nur in den vom Gesetz abschliessend aufge zählten Fällen, die vorliegend nicht einschlägig sind, sowie gestützt auf spezialgesetzliche Vorschriften überprüft werden (§ 45 lit. c VPO). Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 ist in Fällen wie dem vorliegenden die volle Überprüfung einschliesslich der Kon- trolle der Angemessenheit durch wenigstens eine unabhä ngige Beschwerdebehörde verlangt. Die Baurekurskommission erfüllt diese Voraussetzungen ohn e Weiteres, weshalb die in der VPO vorgesehene Kognitionsbeschränkung des Kantonsgerich ts den Anforderungen des RPG genügt (Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassung s- und Verwaltungsrecht, [KGE VV] vom 20. Januar 2011 [810 09 128] E. 2; KGE VV vom 17. Oktober 2007, in: BLKGE 2007 Nr. 41 E. 3.1). Die Überprüfung der Angemessenheit des angef ochtenen Entscheides der Baurekurs- kommission ist dem Kantonsgericht somit verwehrt. Ausserde m auferlegt sich das Kantonsge- richt in Übereinstimmung mit der Praxis des Bundesgericht s bei der Auslegung der massgebli- chen unbestimmten Rechtsbegriffe Zurückhaltung, weil den kantonalen Behörden und der Bau- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rekurskommission ein gewisser Beurteilungsspielraum zukommt , wenn der Entscheid Vertraut- heit mit den tatsächlichen Verhältnissen oder besondere Fachkenntnisse voraussetzt. Verfügt eine Behörde über besonderes Fachwissen, so ist ihr bei der Bewertung von ausgesprochenen Fachfragen ein gewisser Beurteilungsspielraum zu belass en, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderliche n Abklärungen sorgfältig und umfas- send durchgeführt hat (vgl. ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Ver- waltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, N 446c f.; BGE 135 II 384 E. 2.2.2; KGE VV vom 20. März 2013 [810 12 97] E. 2; KGE VV vom 17. Oktober 2007, i n: BLKGE 2007 Nr. 41 E. 3.3). Die In- terventionsmöglichkeiten des Kantonsgerichts sind somit begr enzt und auf die Kontrolle von Rechts- und Sachverhaltsverletzungen beschränkt, wobei die Rechtsanwendung unter Beach- tung der gebotenen Zurückhaltung überprüft wird. 3.1 Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Vorinst anz die der Beschwerdeführerin mit Verfügung des Bauinspektorats vom 29. Oktober 2012 aufer legten Wiederherstellungsmass- nahmen bezüglich der Entfernung des Balkons an der Ostfassade zu Recht bestätigte. 3.2 Bauten und Anlagen bedürfen einer behördlichen Bewilligung (Art. 22 RPG; § 120 RBG). Gemäss § 122 Abs. 1 RBG darf von den genehmigten Plänen nur mit Zustimmung der Baubewilligungsbehörde und nach Anhörung der Gemeinde und der betroffenen Nachbarschaft abgewichen werden. Bei erheblichen Abweichungen ist ei ne neue Baubewilligung erforderlich (§ 122 Abs. 2 RBG). Werden Bauten nicht den genehmig ten Plänen entsprechend gebaut, so verfügt die Baubewilligungsbehörde die Baueinstellung oder nötigenfalls ein Benutzungsverbot unter Androhung der Ungehorsamsstrafe gemäss Schweizerische m Strafgesetzbuch (§ 137 Abs. 1 RBG). Falls eine nachträgliche Baubewilligung n icht erteilt werden kann, wird unter An- setzung einer angemessenen Frist die Wiederherstellung de s rechtmässigen Zustandes ange- ordnet (§ 137 Abs. 3 RBG). Eine Baute, die ohne Baub ewilligung oder in Überschreitung einer Baubewilligung erstellt wurde, ist somit im Grundsatz zu beseitigen (vgl. P ETER HÄNNI , Pla- nungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl., Bern 2008, S. 343). Der Abbruch von Bauten trotz fehlender Baubewilligung hat jedoch zu unterbleiben, wenn die Baute materiell nicht baurechtswidrig ist und nachträglich bewilligt werden kann (vgl. BGE 136 II 359 E. 6; BGE 123 II 248 E. 3a/bb; KGE VV vom 15. Februar 2012 [81 0 11 297] E. 5.2). Sind die gesetzlichen Voraussetzungen, wie unter anderem die im Nutzungsplan ausgedrückten räumlichen Ord- nungsvorstellungen, alle übrigen planerischen sowie die baupolizeilichen Vorschriften, erfüllt, besteht ein Anspruch auf (nachträgliche) Erteilung der Baubewilligung (HÄNNI , a.a.O., S. 322 f.). 3.3 Vorliegend stellt die Beschwerdeführerin nicht in Frage, dass der in den ursprünglich bewilligten Plänen nicht eingezeichnete Balkonanbau vo n der am 8. Juli 2010 erteilten Baube- willigung erheblich abweicht. Sie vertritt jedoch den Standpunkt, der Balkon erfülle die gesetzli- chen Bewilligungsvoraussetzungen, weshalb er nachträglich zu bewilligen sei. 4.1 Nach § 104 RBG sind alle bewilligungspflichtigen B auten und Anlagen unter Berück- sichtigung der Ziele des Natur-, Landschafts-, Denkmal- und Heimatschutzes derart zu gestal- ten und in die Umgebung einzugliedern, dass auf wertvol le Objekte Rücksicht genommen wird. Wertvolle Objekte im Sinne dieser Bestimmung sind unt er anderem Kulturdenkmäler (vgl. § 3 f. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Gesetzes über den Denkmal- und Heimatschutz [DHG] vom 9. April 1992). Schutz und Un- terhalt von schützenswerten Kulturdenkmälern können dabe i etwa durch Ausscheidung und Bezeichnung in Zonenplänen oder mittels Aufnahme in d as Inventar der geschützten Kultur- denkmäler erreicht werden (§ 5 Abs. 1 lit. a und b DH G). § 29 Abs. 3 RBG hält dazu ausdrück- lich fest, dass schützenswerte Einzelobjekte in den Zonenvor schriften bezeichnet und um- schrieben werden. Art. 25 Abs. 1 des Zonenreglements S iedlung (ZRS) der Gemeinde D.____ vom 17. Dezember 2008 sieht in dieser Hinsicht vor, dass die im Zonenplan bezeichneten er- haltenswerten Gebäude in ihrer Substanz, Konstruktion u nd Erscheinung zu erhalten sind und verweist im Übrigen auf die Bestimmungen des kantonalen Rechts. § 7 Abs. 1 DHG untersagt die Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes. Bauten und Anlagen sind zudem in das Orts- und Landschaftsbild einzupassen. Explizit Bezug zu geschützten Kulturdenkmälern neh- men § 7 Abs. 3 DHG und § 9 DHG. Gemäss § 7 Abs. 3 DHG i st es verboten, die geschützten Kulturdenkmäler in ihrem Bestand zu gefährden, sie in i hrem Wert oder in ihrer Wirkung zu be- einträchtigen oder sie zu beseitigen. Geschützte Kulturd enkmäler dürfen darüber hinaus durch bauliche oder technische Veränderungen in ihrer Umgeb ung nicht beeinträchtigt werden. Als Umgebung gilt der nähere Sichtbereich des Kulturdenkmals (§ 9 DHG). 4.2 Mit Art. 25 Abs. 1 ZRS, den §§ 7 und 9 DHG sowie mit § 104 RBG statuiert das Gesetz sogenannte Ästhetikklauseln (vgl. KGE VV vom 25. Januar 20 12 [810 11 197] E. 7.3). Die Äs- thetikvorschriften bezwecken allgemein den Schutz des Landschafts-, Orts- und Strassenbildes, der historischen Stätten sowie der Natur- und Kunstden kmäler (HÄNNI , a.a.O., S. 318). Sie sind zumeist in Form einer Generalklausel umschrieben, können jedoch auch detaillierte Vorschrif- ten bezüglich einzelner Gestaltungselemente der Baute n wie beispielsweise Baumaterialien, Farbgebung oder Materialauswahl beinhalten (H ÄNNI , a.a.O., S. 319; MARCEL STEINER , Die Äs- thetikgeneralklauseln, Baurecht 1994, S. 117; zum Ganz en auch B EAT ZUMSTEIN , Die Anwen- dung der ästhetischen Generalklauseln des kantonalen Bau rechts, St. Gallen 2001, S. 27 ff.). Die Ästhetikvorschriften bilden Teil des materiellen Bau polizeirechts, weshalb jedes Bauvorha- ben der ästhetischen Beurteilung unterliegt. Die Rechtsanwendung muss sich dabei auf objekti- ve und grundsätzliche Gesichtspunkte stützen und auf einem Werturteil beruhen, das Auffas- sungen entspricht, die eine gewisse Verbreitung und All gemeingültigkeit beanspruchen dürfen (ZUMSTEIN , a.a.O., S. 119; R ENÉ WIEDERKEHR , Grundprobleme des basellandschaftlichen Bau- und Planungsrechts, BJM 2006, S. 248 ff.; BGE 114 Ia 343 E. 4b; BGE 82 I 102 E. 4). 5. Die Beschwerdeführerin wirft der Baurekurskommission zunächst vor, den relevanten Sachverhalt in verschiedener Hinsicht unrichtig festgestellt zu haben. 5.1 So führt sie aus, die Vorinstanz habe verkannt, dass lediglich das Wohngebäude des Hofguts unter Schutz gestellt worden sei, der Schutz ha be den Ökonomieteil gerade nicht er- fasst. Eine entsprechende Verfügung sei nie ergangen, vi elmehr sei der Ökonomieteil von der Unterschutzstellung explizit ausgeklammert worden. Auf dem Zonenplan Siedlung, Planteil überlagernde G ebiete, der Gemeinde D.____ - in der vom Regierungsrat mit Beschluss Nr. 805 vom 8. Juni 2010 ge nehmigten rechtskräftigen Fas- sung vom 17. Dezember 2008 - ist das gesamte Hofgut, d.h. sowohl das Wohnhaus als auch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der angebaute Ökonomieteil, als "erhaltenswertes Gebäu de (Kategorie A)" markiert, wobei das Wohnhaus zusätzlich mit einem schwarzen Punkt gekennzeichnet ist. Dieser Punkt bezeichnet eine Baute unter kantonalem Schutz (Art. 25 Abs. 2 ZRS). Das Wohngebäude ist demnach kan- tonal geschützt, währenddem die Scheune im Zonenplan als kommunal erhaltenswertes Ge- bäude ausgeschieden und bezeichnet ist. Damit ist sie al s schützenswertes Einzelobjekt unter kommunalen Schutz gestellt, wozu keine gesonderte Verfü gung zu ergehen hatte (vgl. § 5 Abs. 1 lit. a DHG und § 29 Abs. 3 RBG). Die Darstellun g der Beschwerdeführerin, das Ökono- miegebäude stehe nicht unter Schutz, erweist sich damit als klar aktenwidrig. 5.2 Die Beschwerdeführerin bringt sodann vor, die Vor instanz habe die Einsehbarkeit des Balkons falsch festgestellt. Der Balkonanbau entfalte keine massgebende Aussenwirkung, da er entgegen den Ausführungen im angefochtenen Entscheid f ür die Öffentlichkeit nicht einsehbar sei. Entsprechend werde die Erscheinung des Objekts nicht negativ beeinflusst. Vorauszuschicken ist, dass im vorliegenden Fall der Aussenwir kung von vornherein nicht das ihr von der Beschwerdeführerin beigemessene ausschlaggeben de Gewicht zukommt (vgl. un- ten E. 6.2.3 und 6.2.4). Wie das Kantonsgericht aber a nlässlich des durchgeführten Augen- scheins feststellen konnte, ist der (erst teilweise erstellt e) Balkonanbau bereits von der rund 80 Meter entfernt vorbeiführenden, als Hauptverkehrsstrasse klassifizierten X.____strasse aus sehr wohl zu erkennen. Auch wenn die durch den Anbau bewirkte Änderung des Erscheinungs- bilds einem flüchtigen Betrachter nicht sofort auffall en mag und selbst wenn der Anblick in den Sommermonaten durch einen Laubbaum - je nach Blickwinkel - teilweise verdeckt werden mag, so ist die Einsehbarkeit entgegen der Auffassung der Besch werdeführerin bereits aus dieser Distanz zu bejahen. Auch wenn berücksichtigt wird, dass womöglich in den kommenden Jahren noch weitere Überbauungen unmittelbar neben dem Hof gut hinzukommen werden, welche die Sicht aus der Distanz auf das geschützte Objekt zusätzlich einsch ränken würden, so änderte dieser Umstand an der Beurteilung nichts. Hinzu kommt nämlich, dass die Y.____strasse, durch welche das Grundstück erschlossen ist, als öffentliche Strasse ebenfalls der Allgemeinheit zu- gänglich ist. Steht ein Benützer dieser Quartierstrasse au f der Höhe des Zugangs zur Liegen- schaft, so sticht ihm die Veränderung an der Fassade sof ort ins Auge. Darüber hinaus soll ge- mäss den Angaben im Baugesuch im Erdgeschoss der Liegenschaf t eine Weinhandlung mit Bistro eingerichtet werden. Die Beschwerdeführerin bea bsichtigt somit, den Vorplatz direkt un- ter dem strittigen Balkon öffentlich zugänglich zu machen , womit sie ihrer eigenen Argumentati- on vollends den Boden entzieht. Der Vorinstanz kann in dieser Hinsicht somit keine unrichtige Feststellung des Sachverhalts vorgeworfen werden. 5.3 Des Weiteren bestreitet die Beschwerdeführerin die Ausführungen der Vorinstanz, wo- nach der Bereich unterhalb des weit ausladenden Dachvor sprungs charakteristischerweise frei gehalten worden sei, um das Heu von der Witterung ge schützt in die Scheune einzubringen. Diese ignoriere die Tatsache, dass sich im vorliegenden Fa ll bereits früher ein Bretterboden über die Fassadenflucht hinaus erstreckt habe. Dieser ha be als Zwischenboden dazu gedient, das Heu zwischenzulagern, bevor es alsdann mittels Flaschenzu g in den Dachstock befördert worden sei. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit diesen in keiner Weise belegten Behauptungen vermag die Beschwerdeführerin keine feh- lerhafte Sachverhaltsermittlung durch die Vorinstanz darzutun. Vielmehr ergibt sich aus den sich bei den Akten befindlichen alten Fotografien und z usätzlich aus der von der Kantonalen Denkmalpflege am Augenschein präsentierten Fotodokumen tation aus dem Jahr 1941 eindeu- tig, dass der Bereich unter dem Vordach - wie von der Baurekurskommission festgehalten - zu Zeiten der ursprünglichen landwirtschaftlichen Nutzung unverbaut und offen war. Zudem zeigen die Aufnahmen, dass das Heu ehemals nicht wie behauptet in den Dachstock, wo sich gar kei- ne Öffnung befand, sondern offensichtlich durch ein To r in den ersten Stock der Scheune ge- hievt wurde, weshalb auch aus diesem Grund die von der Beschwerdeführerin vertretene These eines vorbestehenden Zwischenbodens nicht einleuchtet. Di e Darstellung der Beschwerdefüh- rerin zur ursprünglichen baulichen Gestaltung erscheint auch im Hinblick auf die Praktikabilität wenig plausibel, hätte doch ein Vorbau irgendwelcher Art den wettergeschützten Transport des Heus in das obere Stockwerk wesentlich erschwert. 5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Vorinstanz ke ine unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des Sachverhalts vorgeworfen werden kann. 6. Die Beschwerdeführerin rügt ausserdem eine Reihe von Rechtsverletzungen. 6.1 Das Bauinspektorat und die Baurekurskommission ginge n übereinstimmend davon aus, dass der umstrittene Balkonanbau unter dem Vordach a n der Ostfassade der ehemaligen Scheune nicht mit den massgebenden Ästhetikvorschriften ve reinbar sei. Im vorliegenden Fall ist somit fraglich, ob der umstrittene Balkonanbau das Ökonomiegebäude - wie von Art. 25 Abs. 1 ZRS verlangt - in seiner Konstruktion und Erschei nung bewahrt und ob er das Wohn- haus des Hofguts im Sinne von § 7 Abs. 3 DHG und § 9 DH G gefährdet bzw. beeinträchtigt. Das vorliegend relevante gesetzliche Gebot der Erhaltung der Erscheinung sowie die Verbote der Gefährdung und Beeinträchtigung der Wirkung stell en wie oben erwähnt als Ästhetikklau- seln unbestimmte Rechtsbegriffe dar, für deren Auslegun g und Handhabung die Verwaltungs- behörde zur Auslegung kompetenter erscheint, handelt es sich dabei doch jeweils um ausge- sprochene Fachfragen, bei deren Beantwortung besondere Fachkenntnisse und die Vertrautheit mit den tatsächlichen Verhältnissen vorausgesetzt werden . Dementsprechend übt das Kan- tonsgericht bei der nachfolgend vorzunehmenden Überpr üfung der Anwendung und Interpreta- tion dieser unbestimmten Rechtsbegriffe praxisgemäss Zurü ckhaltung (vgl. oben E. 2; KGE VV vom 25. Januar 2012 [810 11 197] E. 7.4). 6.2.1 Die Beschwerdeführerin macht in erster Linie gel tend, die Vorinstanz blende in ihrer Beurteilung die unmittelbare Umgebung des Hofguts au s und beachte damit den Gesamtkon- text des Bauvorhabens nur ungenügend. Sie habe sich über dies in unzulässiger Weise vom Denken und Fühlen einzelner Personen von besonderer ä sthetischer Empfindlichkeit und spe- zieller Geschmacksrichtung leiten lassen. Sie lasse insbesondere ausser Acht, dass in den ver- gangenen Jahren in unmittelbarer Nähe auf der westlich des Hofgutes angrenzenden Parzelle eine Überbauung mit Mehrfamilienhäusern gebaut worde n sei, welche zu einer massiven Be- einträchtigung des Baudenkmals geführt hätten. Auf de m Grundstück nördlich des Hofguts sei ein weiterer Wohnblock im selben modernen Stil geplan t, wodurch die Denkmalqualität noch Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht einmal wesentlich geschmälert werde. Im Vergleich zu die sen negativen Einflüssen in der Um- gebung störe der nicht einsehbare Balkonanbau das Schutzobjekt nur unwesentlich. 6.2.2 Diese Argumentation geht weitgehend an der Sach e vorbei. Die in Art. 25 Abs. 1 ZRS statuierte Pflicht zur Bewahrung der Konstruktion und Erscheinung erhaltenswerter Gebäude gilt unabhängig von der Ausgestaltung der das Objekt umg ebenden Nachbarschaft. Ziel dieser Bestimmung ist die Sicherung des Schutzobjekts selber vor Beeinträchtigungen. Gemäss dem kantonalen Inventar der geschützten Kulturdenkmäler ist das im 18. Jahrhundert erbaute Hofgut E.____ der letzte noch gut erhaltene Einzelhof ausse rhalb des Stadtzentrums und bezeugt auch mit seiner Ausstattung die Wohn- und Baukultur de r wohlhabenden ländlichen Bevölke- rung. Wie die Vorinstanz unter Bezugnahme auf die di versen Stellungnahmen der Kantonalen Denkmalpflege ausführte, verfügte die Scheune an der Ostfassade ausserhalb der Fassaden- flucht über einen weit ausladenden Dachvorsprung, der h istorisch typischerweise frei resp. of- fen sei. Dieses Detail sei als charakteristisches konstruktives Merkmal des Ökonomieteils anzu- sehen. Es sei deshalb entscheidend für die Erhaltung de r Erscheinung und Konstruktion des Gebäudes, dass der Bereich von der Fassadenflucht bis unter das Dach frei bleibe und durch keinen neuen Bauteil verstellt werde. Jeglicher Vorbau ve rfälsche die Ablesbarkeit des ur- sprünglichen Zwecks. Diese Ausführungen der Vorinstanz, die mit den tatsächlichen Verhältnis- sen vertraut ist und im Bereich der Denkmalpflege über besondere Fachkenntnisse verfügt, sind für das Kantonsgericht ohne Weiteres nachvollziehbar. In der Tat bleibt der kulturelle Zeugnis- wert eines Baudenkmals nur erhalten, wenn dessen ursprü ngliche Funktion weiterhin ablesbar ist. Wird das Erscheinungsbild des Ökonomieteils derart ver fälscht, dass die ursprüngliche landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr erkennbar ist, so wird gleichzeitig die Gesamtwirkung des Hofguts und damit auch des angebauten geschützten W ohnhauses durch bauliche Verän- derungen unmittelbar beeinträchtigt, weshalb § 7 Abs. 3 DHG und § 9 DHG ebenfalls einer Be- willigungserteilung entgegenstehen. Auch diese Schluss folgerung der Vorinstanz ist schlüssig und überzeugt. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführerin eine Vielzahl von Veränderungen an Dach und Fassade bewilligt wurde , so unter anderem auch ein Balkon auf der Westseite des Gebäudes. An der Ostfassade wurde zudem an Stelle des angebauten Balkons ein eingezogener Balkon akzeptiert, so dass vorlie gend die Anwendung der massge- benden Ästhetikvorschriften auch unter Verhältnismässigkei tsgesichtspunkten nicht zu bean- standen ist. 6.2.3 Soweit die Beschwerdeführerin im vorliegenden Z usammenhang jegliche Aussenwir- kung des Balkonanbaus bestreitet, argumentiert sie im Wi derspruch zu den sachverhaltlichen Feststellungen und ist damit nicht zu hören (vgl. oben E . 5.2). Ohnehin gebietet das öffentliche Interesse an der Bewahrung des baukulturellen Erbes nicht zwingend, dass das Schutzobjekt in die Öffentlichkeit hinauswirkt (F ELIX BERNET , Rechtliche Probleme der Pflege von Kulturdenk- mälern durch den Staat, Zürich 1975, S. 25 f., mit weiteren Hinweisen). 6.2.4 Der Beschwerdeführerin ist vorliegend durchaus da rin beizupflichten, dass das Hofgut in der Nähe zu modernen Wohnüberbauungen steht und k ünftig wohl noch weiter von ihnen umgeben sein wird, was die ästhetische Gesamtwirkung im Sinne eines gefälligen Anblicks, der angenehme Empfindungen hervorruft, durchaus zu schmäle rn vermag. Sie übersieht jedoch, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass im Baudenkmalschutz kulturhistorische Interessen gewa hrt werden, die von den rein äs- thetischen Interessen im Sinne von Verunstaltungsverboten oder Eingliederungsgeboten zu unterscheiden sind (vgl. Z UMSTEIN , a.a.O., S. 10; W ALTER ENGELER , Das Baudenkmal im schweizerischen Recht, Zürich 2008, S. 58). Das kulturhist orische Interesse an der Erhaltung des baukulturellen Erbes als solches bildet demnach eine n eigenständigen zusätzlichen Schutzzweck. Der Vorwurf, die Vorinstanz habe sich von ein em subjektiven, überempfindlichen Ästhetikempfinden leiten lassen, zielt somit weitgehend ins Leere. Auch der von der Beschwer- deführerin gezogene Vergleich mit der ästhetischen Wir kung der Umgebung auf das Schutzob- jekt ist aus demselben Grund von vornherein nicht zielfüh rend. Wie der Augenschein gezeigt hat, wird aber auch die Auffassung der Vorinstanzen, du rch den Balkonanbau werde das Ge- samtbild des Inventarobjekts erheblich beeinträchtigt und dieser erscheine als Fremdkörper, durch die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht wir ksam entkräftet. Wie die Vorinstanz zu- dem zutreffend bemerkt, bilden Wohn- und Ökonomieteil des Hofguts eine Einheit, womit die Scheune eine baulich und räumlich viel grössere Nähe zum Kulturdenkmal aufweist als die Mehrfamilienhäuser in der Nachbarschaft, woraus sich gleichzeitig auch eine grössere Empfind- lichkeit für bauliche Eingriffe herleiten lässt. Eine re chtsungleiche Behandlung der Baugesuche ist überdies bereits aufgrund der augenscheinlich nicht ve rgleichbaren tatsächlichen Verhältnis- se zu verneinen. 6.3 Die Beschwerdeführerin argumentiert sodann, der B alkonanbau sei aus Gründen der Sicherheit unumgänglich. Unter Berufung auf diverse Stellungnahmen ihres Bauingenieurs führt sie aus, der frühere Dachaufbau sei wesentlich leichter g ewesen als heute. Der Umbau in Wohnungen habe zusätzliche thermische Dämmungen und Verkl eidungsplatten erfordert, was zu höheren Quadratmetergewichten führe. Ohne Balkon-Qu eraussteifung könne für das Vor- dach die Gefahr eines Kippmoments bestehen. Mit diesen Ausführungen vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Die Vorinstanz hat zur vorliegenden Problematik festgeh alten, der Balkonboden sei aus stati- schen Gründen nicht notwendig, es beständen durchaus alt ernative Konstruktionsmöglichkei- ten. Die Beschwerdeführerin verweist zur Entgegnung au f die Ausführungen ihres Ingenieurs, wobei allerdings aus dessen kurzen und nicht näher erläu terten diesbezüglichen Ausführungen im Schreiben vom 15. August 2013 nicht hervorgeht, waru m die Auffassung der in Fragen des Bauingenieurwesens fachkundigen Vorinstanz offensichtli ch unzutreffend sein soll. Baugesu- che, die den Zonenvorschriften und den Vorgaben des Den kmal- und Heimatschutzes wider- sprechen, können aber ganz allgemein nicht allein aufgr und von angeblichen ingenieurtechni- schen Sachzwängen bewilligungsfähig werden. Dies muss insbesondere dann gelten, wenn die vorgebrachten Sachzwänge von der Baugesuchstellerin selb st erst geschaffen wurden. Wie sich aus dem bei den Akten befindlichen Schreiben des ve rantwortlichen Bauingenieurs vom 14. August 2012 ergibt, wurde beim Einbau der Wohnun gen die alte Holztragkonstruktion mit liegendem Dachstuhl ersetzt, wobei die alte Gaube bei behalten wurde. Diese Gaube sei vom Holzbauer etwas nachlässig an der neuen Holztragkonstruktio n befestigt worden. Somit zeigt sich, dass das behauptete Sicherheitsdefizit auf Baumängel zurückzuführen ist, die direkt der Beschwerdeführerin zuzurechnen sind. Es liegt in ihrer V erantwortung, dass bei baulichen Ver- änderungen die anerkannten Regeln der Baukunde beacht et werden (vgl. § 102 Abs. 1 RBG) Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht und dass die fertiggestellte Baute die notwendige Stan dfestigkeit aufweist sowie den Anforde- rungen an die Sicherheit genügt (§ 101 Abs. 1 RBG). D ie angeführten Baumängel führen nicht zur Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens, vielmehr ist die Befestigung der Gaube im Rah- men der ursprünglich erteilten Baubewilligung allenfalls nachzubessern. 6.4 Schliesslich führt die Beschwerdeführerin an, die Wo hnung im Dachgeschoss habe als Folge der denkmalpflegerischen Auflagen erheblich an Li chtqualität und Charme verloren, was die Vermietbarkeit einschränke. Dadurch seien ihre wirt schaftlichen Interessen in ungerechtfer- tigter Weise tangiert worden. Dem ist entgegenzuhalt en, dass Massnahmen zum Schutz von Baudenkmälern, zum Schutz des Orts- und Landschaftsbildes u nd von ästhetischen Anliegen im öffentlichen Interesse liegen. Wie das Bundesgericht in diesem Zusammenhang wiederholt festgehalten hat, überwiegt dieses ausgewiesene öffentl iche Interesse das rein finanzielle Inte- resse des Eigentümers an einer möglichst gewinnbringenden Ausnutzung seiner Liegenschaft (BGE 126 I 219 E. 2c; BGE 114 Ia 364 E. 4; Urteil d es BGer 1C_101/2010 vom 11. Mai 2010 E. 3.5; STEINER , a.a.O., S. 117). 6.5 Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz zu Recht zum Sch luss gekommen, dass der im Baugesuch beantragte Balkonanbau die gesetzlichen Bewil ligungsvoraussetzungen nicht erfüllt und demzufolge nicht nachträglich bewilligt werden kann. 7.1 Der Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässige n Zustands kommt massgeben- des Gewicht für den ordnungsgemässen Vollzug des Raumpla nungs- und Baurechts zu. For- mell rechtswidrige Bauten, die auch nachträglich nicht legalisiert werden können, müssen daher grundsätzlich beseitigt werden (HÄNNI , a.a.O., S. 343; BGE 136 II 359 E. 6). § 137 Abs. 3 RBG statuiert dementsprechend, dass unter Ansetzung einer angemessenen Frist die Wiederherstel- lung des rechtmässigen Zustandes anzuordnen ist, falls eine nachträgliche Baubewilligung nicht erteilt werden kann. Die Anordnung des Abbruchs bereits erstellter Bauten kann jedoch nach den allgemeinen Prinzipien des Verfassungs- und Verwaltungsrechts (ganz oder teilweise) aus- geschlossen sein (BGE 136 II 359 E. 6; BGE 111 Ib 213 E. 6; je mit Hinweisen). So kann die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unterbleib en, wenn die Abweichung vom Er- laubten nur unbedeutend ist oder die Wiederherstellun g nicht im öffentlichen Interesse liegt, ebenso, wenn der Bauherr in gutem Glauben angenomme n hat, die von ihm ausgeübte Nut- zung stehe mit der Baubewilligung im Einklang, und ihr e Fortsetzung nicht schwerwiegenden öffentlichen Interessen widerspricht (BGE 132 II 21 E. 6; KGE VV vom 15. Februar 2012 [810 11 297] E. 6.1). 7.2 Der vorliegend umstrittene Balkonanbau widerspricht wie oben aufgezeigt den materiel- len Bauvorschriften; von einer bloss geringfügigen Missacht ung der Vorschriften kann nicht ge- sprochen werden. Das gewichtige öffentliche Interesse an der Wiederherstellung des rechtmäs- sigen Zustands gründet nach den zutreffenden Ausführun gen der Vorinstanz nicht nur im all- gemeinen Interesse an der Einhaltung der Planungs- und Bauvorschriften, sondern auch in der Bewahrung wertvoller Baukultur in der Form einer de nkmalgeschützten Liegenschaft. Dem sind die entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin als nich t schwer zu qualifizierenden, vor- nehmlich finanziellen privaten Interessen gegenüber zu st ellen. In diesem Zusammenhang ist Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht anzumerken, dass einzig Teile des Balkonbodens rechtswidrig erstellt worden sind und nur die- ser zu entfernen ist, was keine erheblichen Wiederherstell ungskosten verursacht. Da der erst ansatzweise erstellte Balkonanbau bisher nicht genutzt werden konnte, steht der Wiederherstel- lung des rechtmässigen Zustands auch kein Nutzungsverlust ent gegen. Zu beachten ist aus- serdem die bundesgerichtliche Praxis, wonach ein Eigent ümer, dem - wie vorliegend unbestrit- ten - kein Gutglaubensschutz zukommt, in Kauf nehmen mu ss, dass die Behörden aus grund- sätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechtsgleich heit und der baurechtlichen Ord- nung, dem Interesse an der Wiederherstellung des gese tzmässigen Zustandes erhöhtes Ge- wicht beimessen und die dem Bauherren erwachsenden Nacht eile nicht oder nur in verringer- tem Mass berücksichtigen (BGE 132 II 21 E. 6.4; BGE 123 II 248 E. 4a; Urteil des BGer 1C_535/2012 vom 4. September 2013 E. 4.2.1; HÄNNI , a.a.O., S. 346). Das im Vergleich zu den privaten Interessen der Beschwerdeführerin ohnehin gew ichtige öffentliche Interesse an der rechtmässigen Nutzung des Raumes erhält folglich umso meh r an Gewicht und vermag durch die privaten Interessen der Beschwerdeführerin nicht aufgewogen zu werden. Die Rechtserörte- rungen der Beschwerdeführerin zur Verhältnismässigkeit de s Rückbaus basieren im Übrigen auf der Annahme, der Balkonanbau verstosse nicht gegen öffentliche Normen. Nachdem diese Ansicht wie oben aufgezeigt nicht zutrifft, braucht an dieser Stelle auf die entsprechende Kritik am Entscheid der Vorinstanz nicht weiter eingegangen zu werden. 7.3 Folglich erweist sich der vom Bauinspektorat verfügte und von der Vorinstanz im ange- fochtenen Entscheid bestätigte Rückbau der entgegen der r echtskräftigen Baubewilligung vor- genommenen baulichen Massnahmen als verhältnismässig. Die B eschwerde ist aus diesem Grund abzuweisen und die Beschwerdeführerin erhält neu Frist bis zum 31. August 2014 für die Umsetzung der Verfügung. 8.1 Es bleibt über die Verteilung der Kosten zu entsch eiden. Dem Verfahrensausgang ent- sprechend werden die Verfahrenskosten gemäss § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VPO der unterliegenden Partei auferlegt. Für die heutige Parteiverhandlung mit Augen- schein ist eine Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 2'200.-- zu entrichten. Dazu kommen weitere Auslagen in der Höhe von Fr. 445.--. Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 2'645.-- sind aus- gangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.-- zu verrechnen. Die Beschwer deführerin hat demzufolge restliche Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 445.-- zu bezahlen. 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessen e Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss § 21 Abs. 2 VPO wird dem Kanton keine Par- teientschädigung zugesprochen, während Gemeinden und andere Träger öffentlicher Aufgaben Anspruch auf eine Parteientschädigung haben, sofern de r Beizug eines Anwalts bzw. einer An- wältin gerechtfertigt war. Die Gemeinde ist nicht an waltlich vertreten. Die Beigeladenen haben sich nicht am Verfahren beteiligt. Die Parteikosten werden dementsprechend wettgeschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Frist zur Vornahme der mit Verfügung des Baui nspektorates des Kantons Basel-Landschaft vom 29. Oktober 2012 angeordnet en bauli- chen Massnahmen wird neu auf den 31. August 2014 festgesetzt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'645.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Ko stenvorschuss von Fr. 2'200.-- verrechnet. Die Beschwerdeführerin hat demzufolge restliche Verfah renskosten in der Höhe von Fr. 445.-- zu bezahlen. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber