Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Oktober 2018 (720 17 208 / 268) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Methode der Invaliditätsbemessung. Ist ein Abstellen auf die ohnehin nur lückenhaft vor- handenen Geschäftszahlen nicht möglich und lässt sich das Valideneinkommen ander- weitig zuverlässig ermitteln, erübrigt sich die Vornahme der ausserordentlichen Bemes- sungsmethode. Zumutbarkeit eines Berufswechsels bejaht. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1971 geborene A.____ reiste 1982 in die Schw eiz ein und begann im späteren Verlauf eine Ausbildung zum Automechaniker, welche er allerdings ohne Abschluss abbrach. In der Folge arbeitete der Versicherte einerseits als selbständiger Schuhmacher und andererseits in unselbständiger Stellung für seine eigene Gesellschaft B.____ GmbH (GmbH). Am 20. Janu- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ar 2004 meldete er sich bei der IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) unter Hin- weis auf Rückenbeschwerden zum Leistungsbezug an. Nach Abkl ärung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse wies die IV-Stelle den Rentenanspruch des Versicherten gestützt auf einen IV-Grad von 12% mit Verfügung vom 13. Oktob er 2004 ab. Mit Einspracheentscheid vom 27. September 2006 hielt sie an dieser Einschätzung fest. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. B. Mit Anmeldung vom 2. März 2011 ersuchte der Versicher te die IV-Stelle unter Hinweis auf einen am 10. Juni 2008 erlittenen Zusammenstoss be im Fussballspiel und seither resultie- rende Schwindelanfälle erneut um Ausrichtung von Lei stungen der Invalidenversicherung (IV). Mit Vorbescheid vom 18. August 2015 lehnte die IV-Stell e den Rentenanspruch des Versicher- ten wiederum ab. C. Hiergegen liess der Versicherte einwenden, dass er z u Unrecht als unselbständiger Schuhmacher eingestuft worden sei. Korrekterweise hätte er als selbständig erwerbstätige Per- son und Inhaber seiner GmbH qualifiziert werden müssen. Die IV-Stelle forderte den Versicher- ten in der Folge wiederholt erfolglos auf, seine ents prechenden Geschäftsunterlagen einzu- reichen. Mit Schreiben vom 3. Februar 2017 wies sie den Versicherten letztmals darauf hin, die angeforderten Unterlagen bis am 28. Februar 2017 einzureichen. Zugleich teilte sie mit, im Falle des Nichteinhaltens dieser Frist eine entsprechende Verf ügung gestützt auf die vorhandenen Akten zu erlassen. Nachdem die von ihr angesetzte Frist unb enutzt verstrichen war, verfügte die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Mai 2017 die Ren tenabweisung gestützt auf einen IV-Grad von 0%. D. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch R echtsanwalt Daniel Altermatt, am 30. Juni 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, d ass die IV-Stelle in Aufhebung der angefochtenen Verfügung den Rentenanspruch erneut abzukl ären habe. Zur Begründung liess er unter Hinweis auf seine Lohnausweise, Bilanzen und Er folgsrechnungen der Jahre 2005, 2006 sowie 2010 bis 2015 vorbringen, dass die von der I V-Stelle zur Rentenbemessung heran- gezogene allgemeine Methode des Einkommensvergleichs fa lsch sei. Er sei Inhaber eines Un- ternehmens, und es sei deshalb die ausserordentliche Beme ssungsmethode anzuwenden. Er habe seine Bilanzen, Erfolgsrechnungen und Lohnausweise bereits zuvor persönlich sehr wohl der IV-Stelle eingereicht. Es treffe nicht zu, dass diese Unterlagen der IV-Stelle nicht zur Verfü- gung gestanden hätten. Die IV-Stelle hätte nach dem Ausbleiben der Unterlagen Ende Februar 2017 vielmehr ein Mahnverfahren eröffnen müssen. Dere n Hinweis im Schreiben vom 3. Feb- ruar 2017 habe den entsprechenden Anforderungen aber nicht genügt. Die angefochtene Ver- fügung sei somit bereits aus formellen Gründen aufzuheb en und die Angelegenheit sei zur er- neuten Ermittlung des IV-Grads an die Vorinstanz zurückzuweisen. E. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 13. Oktobe r 2017 auf Abweisung der Beschwerde. Zusammenfassend brachte sie vor, dass in Bezug auf die gesundheitliche Situati- on aus dem Unfallereignis vom 10. Juni 2008 keine obj ektivierbaren Gesundheitsbeeinträchti- gungen mehr resultieren würden. Für eine angepasste Ve rweistätigkeit ohne Sturzgefahr und Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ohne Arbeiten an gefährlichen Maschinen bestehe ebenso eine volle Restarbeitsfähigkeit wie in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsführer der eige nen GmbH. Die Aussage des Be- schwerdeführers, seine Geschäfts-Unterlagen der IV-Stell e bereits persönlich übergeben zu haben, sei eine Schutzbehauptung. Gestützt auf die Auszü ge aus seinem individuellen Konto (IK) sei davon auszugehen, dass der Versicherte vor dem U nfall kein höheres Einkommen er- zielt habe als das von der IV-Stelle nunmehr berücksichtig te Valideneinkommen von Fr. 56‘055.—. So sei aus den IK-Auszügen im Zeitraum der Jahre 2005 bis 2007 lediglich ein durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 38‘866.— ausgewi esen. Aus den mit der Be- schwerde eingereichten Geschäftsunterlagen sei zudem ersicht lich, dass der Versicherte im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 lediglich ein Durchschnit tseinkommen von Fr. 36‘212.— erzielt habe. Vergleiche man dieses Durchschnittseinkomme n mit den IK-Auszügen, so lasse sich festhalten, dass der Beschwerdeführer nach seinem Unf all im Jahre 2008 ein ungefähr gleich hohes Einkommen habe erzielen können wie zuvor un d daher nicht in rentenbegründen- dem Masse eingeschränkt sei. F. Nachdem die Angelegenheit dem Gericht zur Beurteil ung überwiesen worden war, machte der Beschwerdeführer mit freiwilliger Replik vom 12. Januar 2018 erneut geltend, dass die Ermittlung des IV-Grads anhand eines ausserordentli chen Betätigungsvergleichs vorge- nommen werden müsse. Ausserdem sei das Valideneinkommen nicht korrekt ermittelt worden. Es könne nicht auf das Einkommen per 2004 abgestellt wer den, weil der Beschwerdeführer ohne das erlittene Unfallereignis im Jahr 2008 seine Firma gänzlich anders und weit erfolgrei- cher hätte führen und ausbauen können. Die IV-Stelle h abe daher mittels eines betriebswirt- schaftlichen Gutachtens abzuklären, wie sich der Geschäftsgang im Gesundheitsfall entwickelt hätte. G. Mit Duplik vom 13. Februar 2018 hielt die IV-Stell e am Antrag auf Abweisung der Be- schwerde fest. H. Anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 12. April 2018 wurde die Angelegenheit ausgestellt und es wurde den Parteien Frist zur Stellu ngnahme hinsichtlich der Zumutbarkeit der Erzielung eines rentenausschliessenden Erwerbseinkomme ns aus unselbständiger Tätig- keit angesetzt. Mit Eingabe vom 18. April 2014 hielt d ie IV-Stelle fest, dass es dem Beschwer- deführer unter dem Aspekt der Schadenminderungspflicht zumutbar sei, eine geeignete unselb- ständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Entsprechend habe die IV-Stelle bereits in der ange- fochtenen Verfügung das mutmasslich erzielbare Invalidenei nkommen auf der Basis der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet und dem Versicherten ein hypothe- tisch mögliches Invalideneinkommen im Umfang von Fr. 66‘1 55.— angerechnet. Der Be- schwerdeführer hielt in seiner Stellungnahme vom 13. Juni 2018 fest, dass ihm die Aufgabe seiner selbständigen Erwerbstätigkeit nicht zugemutet we rden könne. Die IV-Stelle habe die Abklärungen des Valideneinkommens nicht korrekt vorgenommen. So sei nicht geprüft worden, welches Einkommen er hätte erzielen können, wenn er nich t einen grossen Teil seiner ge- schäftlichen Aktivitäten aus gesundheitlichen Gründen hätte einstellen müssen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 9. Juli 2018 wurde der Fall dem Gericht erneut zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 30. Juni 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten – auch von Selb- ständigerwerbenden – ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invali- ditätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimm en. Dazu wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In validität und nach Durchführung der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie- hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat i n der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffe rnmässig möglichst genau ermit- telt und einander gegenübergestellt werden. Aus der E inkommensdifferenz lässt sich der Invali- ditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommen svergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). Insoweit die fraglichen Erwer bseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. 2.5 Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkomm en nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Method e für nicht erwerbstätige Versi- cherte (Art. 28a Abs. 2 IVG) ein Betätigungsvergleich anzustellen, und der Invaliditätsgrad ist nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminder ten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen (BGE 128 V 29 E. 1). Der grundsätzliche Un- terschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Methode gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelba r nach Massgabe des Be- tätigungsvergleichs als solchem bemessen wird. Vielmehr ist zunächst anhand des Betäti- gungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzuste llen; sodann aber ist diese im Hin- blick auf ihre erwerbliche Auswirkungen besonders zu gewicht en. Eine bestimmte Einschrän- kung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstäti gen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise, eine Erwerbseinbusse gleichen Umfan gs zur Folge zu haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betä tigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei diese r Kategorie von Versicherten die In- validität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimme n ist (ausserordentliches Bemes- sungsverfahren; BGE 128 V 30 f. E. 1 mit Hinweisen). Um fasst die Arbeit der versicherten Per- son mehrere Teiltätigkeiten, sind diese nicht nur nach Massgabe des zeitlichen Aufwands, son- dern zusätzlich gestützt auf dem jeweiligen Bereich entsp rechende Lohnansätze auch masslich zu gewichten (BGE 128 V 29 E. 4). 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgab e ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Im vorliegenden Fall sind die gesundheitlichen Verh ältnisse zwischen den Parteien zu Recht unstrittig geblieben. Es kann in diesem Zusammenha ng auf das neuro-otologische Gut- achten des Spitals C.____ vom 6. Mai 2014 verwiesen werden (IV-Dok 76, S. 11 ff.). Nach Aus- schluss einer peripher-vestibulären Funktionsstörung war dem Versicherten von den Gutach- tern weder eine Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit noch eine Einschränkung der Fahrtüch- tigkeit attestiert worden. Hintergrund bildete die gu tachterliche Feststellung, dass sich der ur- sprünglich vorhandene Drehschwindel in einen Schwankschwind el und im weiteren Verlauf in akut einsetzende Drehschwindelattacken von lediglich noch S ekundendauer verändert hatte, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche seither täglich nur noch vereinzelt auftreten. Bejaht wurde von den Gutachtern in die- sem Zusammenhang ausserdem, dass der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit als Geschäftsführer seiner GmbH weiterhin arbeitsfähig sei (IV-Dok 76, S. 16 f.). Mitunter gestützt auf dieses Gutachten hielten die Parteien im Rahmen des vor Kantonsgericht im vorangehend strittigen UV-Verfahren getroffenen Vergleichs vom 12 . Juni 2015 deshalb fest, dass infolge einer vollständigen Erholung der peripher-vestibulären Funktionsstörung die weiterhin geklag- ten, zentralen Schwindelbeschwerden nicht unfallkausal seien (IV-Dok 81, S. 3). Gestützt auf das gerichtliche Gutachten des Spitals C.____ vom 6. M ai 2014 ist der medizinische Sachver- halt damit hinreichend erstellt. Daran ändert nichts, d ass die Gutachter hinsichtlich der anam- nestisch weiterhin geklagten Drehschwindelattacken eine ergänzende arbeitsmedizinische Be- urteilung empfohlen hatten. Die einhergehende Frage stellung betrifft nämlich einzig die Frage, ob der Versicherte weiterhin an rotierenden Maschinen zu arbeiten in der Lage ist. In der vorlie- gend angefochtenen Verfügung hat die IV-Stelle dem Invalideneinkommen indessen eine an- gepasste Tätigkeit ohne Arbeiten an rotierenden oder so nst gefährlichen Maschinen zu Grunde gelegt. Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, kann an die ser Stelle deshalb letztlich offen bleiben, wie es sich damit genau verhält (IV-Dok 107). In antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a) ist bei dieser Aktenlage jedenfalls auf zusätzlich e medizinische Abklärungen zu verzich- ten und es ist als Zwischenergebnis davon auszugehen, dass d er Beschwerdeführer in einer Tätigkeit ohne Sturzgefahr und ohne Arbeiten an gefä hrlichen Maschinen künftig uneinge- schränkt arbeitsfähig ist. 5. Strittig geblieben sind hingegen die erwerblichen Auswirkungen der aus dem Unfaller- eignis im Juni 2008 resultierenden gesundheitlichen Ei nschränkungen. Umstritten ist dabei ins- besondere, welche Methode der Invaliditätsbemessung anzuw enden ist. Während der Be- schwerdeführer die Auffassung vertritt, dass bei ihm das a usserordentliche Bemessungsverfah- ren anzuwenden sei, ist die IV-Stelle der Meinung, dass bei einer Restarbeitsfähigkeit von 100% in Anwendung der allgemeinen Methode des Einkom mensvergleichs von einem renten- ausschliessenden Einkommen auszugehen ist. 5.1 Bei Selbständigerwerbenden, welche allein oder zu sammen mit Familienmitgliedern einen Betrieb bewirtschaften, ist das für die Invaliditä tsbemessung massgebende Erwerbsein- kommen einzig auf Grund ihrer eigenen Mitarbeit im Be trieb zu bestimmen. Abzustellen ist demnach alleine auf jene Einkünfte, welche die versicher te Person selbst durch ihr eigenes Leistungsvermögen zumutbarerweise realisieren kann (Art. 25 Abs. 2 IVV). Die Gegenüberstel- lung der vor und nach Eintritt eines invalidenversicher ungsrechtlichen Versicherungsfalles in einem Gewerbebetrieb realisierten Geschäftsergebnisse na ch Massgabe der Einkommensver- gleichsmethode lässt daher zuverlässige Schlüsse auf die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse nur dort zu, wo mit überwiegender Wahrscheinlichkeit au sgeschlossen werden kann, dass die Betriebsergebnisse durch invaliditätsfremde Faktoren beeinflusst worden sind. Tatsächlich sind aber für die jeweiligen Geschäftsergebnisse eines Gewerbe betriebes häufig zahlreiche schwer überblickbare Komponenten wie etwa die Konjunkturlage, die Konkurrenzsituation, der kom- pensatorische Einsatz von Familienangehörigen, Unternehm ensbeteiligten oder Mitarbeiterin- nen und Mitarbeitern von massgeblicher Bedeutung. Eine verlässliche Ausscheidung der auf solche (invaliditätsfremde) Faktoren zurückzuführenden Ei nkommensanteile einerseits und der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf dem eigenen Leistungsvermögen der versicherten Per son beruhenden Einkommensschöp- fung andererseits ist in solchen Fällen in der Regel auf Grund der Buchhaltungsunterlagen nicht möglich, sodass die Invaliditätsbemessung nach der Methode des ausserordentlichen Bemes- sungsverfahrens zu erfolgen hat (Urteil des Bundesgerichts vom 17. April 2007, I 70/06, E. 4.3 mit Hinweis). 5.2 Eine gesetzliche Regelung, welche Bemessungsmethode an zuwenden ist, existiert nicht. Deren Wahl hängt einzig davon ab, ob sich die hyp othetischen Erwerbseinkommen zu- verlässig schätzen lassen (allgemeine Methode) oder nicht (ausserordentliche Methode). Der IV-Stelle steht bezüglich der Auswahl der Methode ein gewisser Ermessensspielraum zu, in den das Gericht ohne Not nicht einzugreifen hat (Urteil de s Bundesgerichts vom 7. November 2012, 9C_424/2012, E. 5.3). Zu berücksichtigen ist immerhin, dass die ausserordentliche Bemes- sungsmethode nicht bereits dann zur Anwendung gelangen kann, nur weil die versicherte Per- son selbständig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 24. Se ptember 2008, 8C_308/2008, E. 2.2). Obschon das Valideneinkommen von Selbständigerwerbenden allenfalls auf der Basis ihrer Einträge im IK bestimmt werden kann, ist bei unübersicht lichen betrieblichen und erwerblichen Verhältnissen eine solche Vorgehensweise gerade nicht mö glich. Bei unübersichtlichen Ver- hältnissen ist es deshalb auch nicht zielführend, den IV- Grad im ausserordentlichen Bemes- sungsverfahren zu ermitteln. Das Valideneinkommen ist die sfalls vielmehr auf der Grundlage lohnstatistischer Werte zu bestimmen (Urteil des Bund esgerichts vom 22. August 2016, 9C_361/2016, E. 5.2.2). So verhält es sich auch im vorliegenden Fall. 5.3.1 Der Beschwerdeführer war ursprünglich sowohl als Ge schäftsführer seiner eigenen GmbH als auch in seiner Einzelfirma tätig. Wie er re plicando zu Recht selbst vorgebracht hat, sind die Geschäftszahlen seiner Firmen für einen aussagef ähigen Einkommensvergleich nicht verwertbar. Dies gilt namentlich für das noch vor dem Eintritt seiner gesundheitlichen Beein- trächtigungen per November 2002 massgebende Validenein kommen (IV-Anmeldung vom 19. Januar 2004, IV-Dok 1, ad Ziffer 7.3). Bereits in ihrem Abklärungsbericht aus dem Jahre 2006 hatte die IV-Stelle festgehalten, dass die IK-Unterlagen mit den Geschäftsabschlüssen der Jahre 1999 und 2000 nicht übereinstimmen würden. Gene rell sei festzuhalten, dass die Gewin- ne bzw. Verluste in einer GmbH, wie sie der Versicherte unter anderem betreibe, in den Steu- erunterlagen nicht ausgewiesen würden, so dass die Steu erunterlagen einer GmbH stets ein falsches Bild ergeben würden (IV-Dok 39, S. 4 f.). Daran ist angesichts der bereits damals offen gebliebenen Fragen zu den Geschäftsabschlüssen auch heu te festzuhalten. Dass die Ge- schäftsabschlüsse den Anforderungen an einen möglichst prä zisen Einkommensvergleich, wie er rechtsprechungsgemäss erforderlich ist, nicht genügen, zeigt denn auch ein Blick auf die im Jahr 2016 von der IV-Stelle erneut durchgeführte Abklä rung der selbständigen Tätigkeit des Versicherten. Dem entsprechenden Abklärungsbericht ist zu entnehmen, dass sich die Gege- benheiten des Versicherten und dessen Betätigungsfeld s eit dem Unfall stark verändert haben und nicht mehr dieselben Firmen und Tätigkeiten wie z uvor bestehen (Abklärungsbericht vom 5. April 2016, Beilage zur Vernehmlassung der IV-Stel le vom 13. Oktober 2017). Ein Abstellen auf die ohnehin nur lückenhaft vorhandenen Geschäftszahlen ist demnach nicht möglich. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.2 Daraus kann nunmehr aber nicht geschlossen werde n, dass die ausserordentliche Bemessungsmethode zur Anwendung gelangen kann. Massgeben d ist vielmehr, ob sich das hypothetische Erwerbseinkommen und in diesem Zusammenhang insbesondere das hier vorab interessierende Valideneinkommen zuverlässig schätzen lä sst. Dies ist hier gestützt auf die vom Versicherten dazumal echtzeitlich deklarierten Einkomm ensverhältnisse aber ohne Weite- res möglich. Gestützt auf die Selbstdeklarationen des Versi cherten in den Arbeitgeberfragebö- gen für seine beiden Firmen (IV-Dok 4 und 8) ist für die Verhältnisse noch vor Eintritt seiner erstmaligen gesundheitlichen Beeinträchtigung von eine m Gesamt-Einkommen per 2002 von Fr. 50‘000.— auszugehen (Fr. 24‘000.— plus Fr. 26‘000.—; IV-Dok 4 und 8). Nach Anpassung an die seither eingetretene Nominallohnentwicklung im Umfang von 12,1% (Tabellen BFS T1.1.93, T1.1.05 sowie T1.1.10, jeweils Nominallohnin dex Männer, verarbeitendes Gewerbe, 2004-2014) resultiert ein massgebenden Valideneinkommen von Fr. 56‘055.—, wie es von der IV-Stelle der angefochtenen Verfügung mithin zu Rech t zu Grunde gelegt worden ist. Die Selbstangaben des Versicherten erlauben eine zuverlässige Ermittlung des noch vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielten Verdienstes. Damit aber er übrigt sich die Vornahme der aus- serordentlichen Bemessungsmethode, zumal es bei den ge mäss Akten unbestritten unüber- sichtlichen Geschäfts-Verhältnissen ohnehin nicht zielführen d wäre, den IV-Grad im ausseror- dentlichen Bemessungsverfahren zu ermitteln (oben, Erwä gung 5.2). Die Annahme, dass die Geschäfte weit erfolgreicher und mit ihnen das resultie renden Einkommen des Versicherten ohne das im Juni 2008 erlittene Unfallereignis höher als das hypothetische Valideneinkommen von Fr. 56‘055.— ausgefallen wären (Replik vom 12. Janua r 2018, S. 2), ist weder ausgewiesen noch bestehen hierfür allfällige Indizien in den Akte n. Der simple Verweis auf die diversen Aus- bau-Pläne des Versicherten, wie sie im Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 5. April 2016 er- wähnt sind, genügt jedenfalls nicht, das zeitlich noch vor dem erlittenen Unfall selbst deklarierte Valideneinkommen in Frage zu stellen. Allfällige Wei terungen hierzu erübrigen sich daher ebenso wie die Frage, ob die IV-Stelle im Zusammenhang mit den gemäss ihrer Darstellung nie eingereichten Geschäftsunterlagen ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren hätte einleiten müssen. In diesem Zusammenhang ist der guten Ordnung immerhin festzuhalten, dass die IV-Stelle den Versicherten wiederholt darauf hingewiesen hatte, seine Lohnausweise, Bilanzen und Erfolgs- rechnungen einzureichen, andernfalls ein Aktenentscheid gefällt werden würde (IV-Dok 99, 102, 105). Eine Verletzung von Art. 43 Abs. 3 ATSG wäre bei dieser Aktenlage nicht auszumachen. 6.1 Zu prüfen bleibt das Invalideneinkommen. Wie das G ericht bereits anlässlich seiner ersten Urteilsberatung festgehalten hat, gilt im Gebiet der Invalidenversicherung ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistun gen verlangt, alles ihr Zumutbare selbst vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mindern. Ein Rentenan- spruch ist deshalb stets dann zu verneinen, wenn die versich erte Person auch ohne Eingliede- rungsmassnahmen, nötigenfalls aber mit einem Berufswechse l, zumutbarerweise in der Lage ist, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen . Diese Selbsteingliederung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht ist ein e Last, welche die versicherte Per- son auf sich zu nehmen hat, soll ihr Leistungsanspruch – auf gesetzliche Eingliederungsmass- nahmen oder Rente – gewahrt bleiben. Von der versicher ten Person dürfen dabei nur Vorkeh- ren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der ges amten objektiven und subjektiven Ge- gebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (AHI-Praxis 2 001 S. 282, E. 5a/aa; BGE 113 V 28 Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 4a). Aufgrund dieser Schadenminderungspflicht dar f deshalb auch von selbständig Erwerb- stätigen zunächst erwartet werden, dass sie sich im Betri eb soweit möglich so organisieren, dass sie Arbeiten verrichten können, die ihnen gesundhei tshalber noch zumutbar sind. Ist dies überhaupt nicht möglich oder erscheint die bisherige Tä tigkeit aus gesundheitlichen Gründen als ungeeignet, so steht die Aufnahme einer unselbstä ndigen (Haupt-)Erwerbstätigkeit zur Dis- kussion. Nach der Rechtsprechung kann dem Einkommensvergleich eine solche unselbständi- ge Tätigkeit insbesondere dann zugrunde gelegt werde n, wenn hiervon eine bessere erwerbli- che Verwertung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden k ann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsd auer, Ausbildung, Art der bisheri- gen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des damaligen EVG vom 7. Juni 2006, I 38/06, E. 3.2 mit Hinweisen; AHI-P raxis 2001 S 283, E. 5a/bb mit Hinwei- sen). Die Anforderungen an die Pflicht zur Selbsteingl iederung als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht dürfen dabei zulässigerweise do rt höher sein, wo eine verstärkte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht. In die erforderliche Interessenab- wägung sind deshalb auch die in Frage stehenden Rentenl eistungen einzubeziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2009, 9C_111/2009, E. 2.2. 2 mit Hinweisen). Eine Betriebsaufga- be ist nur unter strengen Voraussetzungen unzumutbar. Ein bestehender Betrieb einer selb- ständigen Person kann daher selbst dann nicht auf Kosten der IV aufrechterhalten werden, wenn die versicherte Person darin Arbeit von einer gew issen erwerblichen Bedeutung leistet (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3.1.2). 6.2.1 Aufgrund der mit der Beschwerdebegründung einge reichten Lohnausweise und Ge- schäftsunterlagen resultiert für die Jahre 2009 bis 2011 (Lohn, ab 2010 jeweils zuzüglich Ge- schäftsgewinn) ein durchschnittliches Einkommen des Versicher ten von Fr. 55‘312.— (Lohn- ausweis 2009, Erfolgsrechnungen 2010 und 2011, Sammelbe ilagen 2 und 3 zur Beschwer- debegründung). Unter Berücksichtigung der seither einget retenen Nominallohnentwicklung übersteigt dieses Einkommen nicht nur das massgebende Valideneinkommen von Fr. 56‘055.— (oben, Erwägung 5.3), sondern liegt vor allem deutli ch über dem Durchschnitts-Einkommen vor Eintritt der gesundheitlichen Einschränkungen im Novembe r 2002 (IV-Dok 1), wie es auf der Basis der Geschäftsergebnisse für die Jahre 1999 bis 2001 im Umfang von (recte) Fr. 43‘897.— noch ausgewiesen worden ist (IV-Dok 39). Damit ist zu er kennen, dass der im Jahre 2008 erlit- tene Unfall offenbar kaum zu einer nennenswerten Einko mmensbusse geführt hat. Alleine ge- stützt auf die vorhandenen Geschäftszahlen wäre deshalb b ereits aus diesem Blickwinkel von einem Renten ausschliessenden Einkommen auszugehen. Wie es sich mit Blick auf die Ge- schäftsabschlüsse im Detail verhält, kann wie erwähnt letztlich jedoch offen bleiben. Auch wenn der Beschwerdeführer seine betriebswirtschaftlichen Erfo lge trotz des erlittenen Unfalls vorerst offenbar aufrechthalten konnte, erweist sich die Ausübung seiner bisher selbständigen Tätigkeit aus medizinischer Sicht als nicht ideal. Dies zeigt sich da ran, dass die weiterhin geklagten, zentralen Schwindelbeschwerden trotz vollständiger Erhol ung der peripher-vestibulären Funkti- onsstörung ein Arbeiten an rotierenden Maschinen oder so nstigen, gefährlichen Geräten in Frage stellt wenn nicht gar ausschliesst (IV-Dok 83 und 107). Es kann in dieser Hinsicht auf den Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 5. April 2016 verwie sen werden, wonach eine Tätigkeit mit Selbstverletzungsgefahr nicht mehr möglich sei, eine Ei nschränkung in einer Verweistätigkeit indes ausgeschlossen werden kann (a.a.O., ad Ziffer 1.4 ). Hinzu tritt, dass der Beschwerdefüh- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht rer in einer seinen Leiden adaptierten Verweistätigkei t ohne gefährliche Arbeiten als unselb- ständiger Angestellter in der Lage wäre, ein Vollzei tpensum zu absolvieren (oben, Erwägung 4) und damit die erwerbliche Verwertung seiner Arbeitsfä higkeit im Vergleich zu seiner aktuellen Selbständigkeit deutlich zu verbessern. Hintergrund bild et der Umstand, dass er seinen beste- henden Betrieb zwar massiv verändert hat (a.a.O., ad Zi ffer 5.5), bei einer ihm verbleibenden Restarbeitsfähigkeit von 100% indessen bereits mit ein er leichten Hilfstätigkeit ein rentenaus- schliessendes Einkommen zu erzielen in der Lage wäre, welch es auf der Basis der lohnstatisti- schen Angaben gar deutlich höher ausfallen würde als da s auf der Basis seiner Geschäftszah- len nach seinem Unfall erzielte Invalideneinkommen. 6.2.2 Entgegen seiner Auffassung, dass ihm eine Aufgabe seiner selbständigen Tätigkeit nach mittlerweile 19 Jahren nicht zugemutet werden kö nne, lässt die noch verhältnismässig lange berufliche Aktivitätsdauer des 1971 geborenen V ersicherten einen Berufswechsel nicht als unzumutbar erscheinen. Es kann in dieser Hinsicht auf die strenge Rechtsprechung des Bundesgerichts verwiesen werden, wonach die Zumutbarkeit eines Berufswechsels beispiels- weise auch in einem Fall einer 56-jährigen Wirtin be jaht worden war, die seit 30 Jahren ein ei- genes Restaurant geführt hatte (Urteil des Bundesgericht s vom 7. September 2012, 9C_818/2011; vgl. auch Urteile 9C_525/2017 vom 30. Okt ober 201 betreffend einen Marktfah- rer bei einer Restaktivitätsdauer von lediglich noch ru nd sechseinhalb Jahren, 9C_644/2015 vom 3. Mai 2016 betreffend einen selbständigen Landwi rt oder 8C_492/2015 vom 17. Novem- ber 2015 betreffend einen Versicherten mit Jahrgang 1 961, der ein Lebensmittelgeschäft be- trieben hatte). Bei objektiver Betrachtung ist insbeson dere auch nicht ersichtlich, weshalb die Aufnahme einer unselbständigen Tätigkeit und die damit verbundene Umstellung der bisherigen Lebensweise unzumutbar sein sollen. Auch wenn der Versich erte bisher während vieler Jahre erfolgreich im Bereich der Schliess- und Aufsperrtechnik tätig war, ist es nicht Aufgabe der Inva- lidenversicherung, die Weiterführung eines bisherigen Erwerbsstils zu ermöglichen oder gar die Aufrechterhaltung eines weniger einträglichen Gewerbe s sicherzustellen (Urteil des Bundesge- richts vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3.3.3). Da ran vermag auch nichts zu ändern, dass mittlerweile der Sohn des Versicherten ebenfalls in der väterlichen Firma tätig ist. Der Sohn des Versicherten arbeitet offensichtlich bereits sei t Jahren im Umfang eines Vollzeitpen- sums im väterlichen Betrieb (vgl. Abklärungsbericht vom 5. April 2016, Beilage zur Vernehmlas- sung der IV-Stelle, ad Ziffer 4.1), ist in der Lage, selbst Produkte herzustellen (a.a.O., ad Ziffer 4.3) und wurde schon vor Jahren im Sicherheitsbereich wei ter ausgebildet (a.a.O., ad Ziffer 5.7). Damit aber wäre der Sohn des Beschwerdeführers d urchaus in der Lage, den väterlichen Betrieb gegebenenfalls zu übernehmen, weshalb nicht ge sagt werden kann, dass der Versi- cherte zwingend gehalten wäre, seinen Betrieb zu liqui dieren. Die bisherige Tätigkeit des Soh- nes im väterlichen Betrieb spricht deshalb nicht gegen, sondern eher für die Annahme eines hypothetischen Berufswechsels des Versicherten hin zu eine r unselbständigen Tätigkeit. Ein Berufswechsel wäre dem Beschwerdeführer jedenfalls auch im Hinblick auf die Situation seines Sohnes zumutbar. Im Übrigen sind keine Gründe ersichtlich , weshalb dem Versicherten unter Berücksichtigung der ihm obliegenden Schadensminderung spflicht die Aufgabe seiner zurzeit ausgeübten Beschäftigung nicht zuzumuten wäre. Zu betonen bleibt in diesem Zusammenhang, dass vom Beschwerdeführer nicht erwartet wird, dass er ta tsächlich einen Berufswechsel vor- nimmt. Aufgrund der ihm obliegenden Schadenminderung spflicht muss er sich unter den ge- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht schilderten Umständen aber im Rahmen des Einkommensverglei chs als Invalideneinkommen jene Einkünfte anrechnen lassen, die er in einer leid ensadaptierten Tätigkeit zumutbarer Weise erzielen könnte. Dies gilt umso mehr, weil er durch seine bisher vielschichtige Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt durchaus reelle Chancen haben dürfte , ein rentenausschliessendes Ein- kommen zu erzielen, wie es ihm als Ausfluss seiner Schaden minderungspflicht als Invaliden- einkommen hypothetisch anzurechnen ist. 6.3 Auszugehen ist von einem zumutbarerweise erzielbare n Invalideneinkommen im Um- fang von Fr. 66‘155.—. Grundlage bildet die LSE 2012 , Tabelle TA1, Totalwert Männer, Kompe- tenzniveau 1 für einfache und repetitive Arbeiten (1 2 x Fr. 5‘210.— x 12 / 40 x 41,7 Wochen- stunden, zuzüglich Nominallohnentwicklung per 2014 im Umf ang von +1,5% [Tabelle BFS 1.1.10 Nominallohnindex Männer 2011-2015]). In Gegen überstellung mit dem – im Vergleich zum durchschnittlichen Verdienst gemäss Erfolgsrechnungen un d Lohnausweisen der Jahre 1999-2001 (oben, Erwägung 6.2) deutlich höheren – Va lideneinkommen von Fr. 56‘055.— (oben, Erwägung 5.3) ergibt sich ein Einkommensüberschuss vo n Fr. 10‘100.— und damit ein IV-Grad von 0%. Unbesehen eines allfälligen leidensbed ingten Abzugs beim Invalideneinkom- men wird der für einen Rentenanspruch massgebende Schwe llenwert von 40% demnach so oder anders nicht erreicht. Der Rentenanspruch des Beschw erdeführers ist daher zu Recht ab- gelehnt worden. Dies führt im Ergebnis zur Abweisung der vorliegenden Beschwerde. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.— bis Fr. 1'000.— festgelegt . Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenr ahmens einheitlich auf Fr. 800.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfa hrenskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist der Beschwerdeführer un- terliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten a ufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.— zu verrechnen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.— werd en dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.