<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 77 S.300</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">300</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>77</b></span> <span class="ft2"><b>Kumulative Erhebung von Anschlussgebühren und Perimeterbeiträgen</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine Reduktion der Anschlussgebühren bei gleichzeitiger Erhebung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>von Perimeterbeiträgen ist weder nach kantonalem Recht noch nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bundesrecht vorgesehen und liegt im Ermessen der Gemeinde</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 6.3.)</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Keine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots gegenüber Eigen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tümern, welche nur Anschlussgebühren zu leisten haben (Erw. 6.4.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft5">23. Oktober 2007 in Sachen H. und G. S. gegen Einwohnergemeinde H.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">6.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführer sehen die Verletzung des Gleich-</span><br/> <span class="ft1">behandlungsgebots darin, dass die Gemeinde ihnen neben den An-</span><br/> <span class="ft1">schlussgebühren auch Perimeterbeiträge in Rechnung stellte. Dies sei</span><br/> <span class="ft1">ungerecht, denn Eigentümer, die an einer erschlossenen Gemein-</span><br/> <span class="ft1">destrasse eine Baute erstellten, würden nicht zur Bezahlung von Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsbeiträgen verpflichtet, sondern müssten lediglich An-</span><br/> <span class="ft1">schlussgebühren bezahlen. Bei der Erstellung eines Bauwerks seien</span><br/> <span class="ft1">die Anschlussgebühren bei Bezahlung der Perimeterbeiträge deshalb</span><br/> <span class="ft1">entsprechend zu reduzieren. Dies sei in anderen Gemeinden auch</span><br/> <span class="ft1">üblich.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">301</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdegegnerin bringt dagegen vor, nach den</span><br/> <span class="ft1">Reglementen der Gemeinde H. seien die Anschlussgebühren an die</span><br/> <span class="ft1">Wasserversorgung und an die Kanalisation auch dann geschuldet,</span><br/> <span class="ft1">wenn Perimeterbeiträge für die Erschliessung geleistet werden. So-</span><br/> <span class="ft1">weit andere Gemeinden in ihren Reglementen eine Vergünstigung</span><br/> <span class="ft1">vorsehen würden, könne diese Praxis in der Gemeinde H. nicht an-</span><br/> <span class="ft1">gewendet werden, da jede Gemeinde individuell ihre eigenen Re-</span><br/> <span class="ft1">glemente erlasse.</span><br/> <span class="ft1">Das Gebiet ,,T." sei im Bauzonenplan als erschliessungspflich-</span><br/> <span class="ft1">tig bezeichnet worden. Es handle sich um bisher unerschlossenes</span><br/> <span class="ft1">Land, welches demzufolge auch zu einem günstigeren Baulandpreis</span><br/> <span class="ft1">erworben worden sei. Den Beschwerdeführern sei bekannt gewesen,</span><br/> <span class="ft1">dass sie mit Erschliessungsbeiträgen zu rechnen hatten, und sie hät-</span><br/> <span class="ft1">ten diesen auch zugestimmt.</span><br/> <span class="ft1">Der Preis, zu welchem die Beschwerdeführer das unerschlos-</span><br/> <span class="ft1">sene Bauland auf der Parzelle 311 erworben hätten, entspreche</span><br/> <span class="ft1">Fr. 183.30/m². Die Erschliessungskosten würden umgerechnet eine</span><br/> <span class="ft1">Belastung von 39.60/m² ausmachen, was einen Preis von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 222.90/m² für erschlossenes Bauland ergebe und für die schöne</span><br/> <span class="ft1">Lage sehr günstig sei. Ein Vergleich mit dem Bauland der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">H. im ,,Gebiet S.", wo der erschlossene Boden Fr. 250-275/m² koste</span><br/> <span class="ft1">und beim Bau ebenfalls die ordentlichen Anschlussgebühren ge-</span><br/> <span class="ft1">schuldet werden, zeige, dass die Beschwerdeführer korrekt und kei-</span><br/> <span class="ft1">neswegs ungleich behandelt worden seien.</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">Der in Art. 8 Abs. 1 BV gewährleistete Grundsatz der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">gleichheit besagt, dass Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit</span><br/> <span class="ft1">gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich</span><br/> <span class="ft1">zu behandeln ist. Einerseits verbietet das Gleichheitsprinzip unter-</span><br/> <span class="ft1">schiedliche Regelungen, denen keine rechtlich erheblichen Unter-</span><br/> <span class="ft1">scheidungen zu Grunde liegen. Anderseits untersagt es aber auch die</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Gleichbehandlung von Fällen, die sich in tatsächlicher</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht wesentlich unterscheiden (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allge-</span><br/> <span class="ft1">meines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, N 495).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">302</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">Vorerst ist festzuhalten, dass weder im Abwasserreglement der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde H. vom 29. November 2001 (AR) noch im Wasser-</span><br/> <span class="ft1">reglement der Gemeinde H. vom 27. November 2003 (WR) eine Re-</span><br/> <span class="ft1">duktion der Anschlussgebühren bei gleichzeitiger Bezahlung der Pe-</span><br/> <span class="ft1">rimeterbeiträge vorgesehen ist und die Nichtgewährung einer Re-</span><br/> <span class="ft1">duktion in vorliegendem Fall reglementskonform erfolgte. Eine bun-</span><br/> <span class="ft1">desrechtliche oder kantonale Regelung, wonach eine Reduktion</span><br/> <span class="ft1">zwingend zu gewähren ist, liegt nicht vor.</span><br/> <span class="ft1">Soweit nun die Beschwerdeführer vorbringen, der Verstoss der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgleichheit liege in der ungleichen Behandlung gegenüber Ei-</span><br/> <span class="ft1">gentümern anderer Gemeinden, welchen eine Reduktion der An-</span><br/> <span class="ft1">schlussgebühren bei zusätzlicher Bezahlung der Erschliessungsge-</span><br/> <span class="ft1">bühren gewährt werden, gehen sie mit ihrer Rüge fehl. Eine allfällig</span><br/> <span class="ft1">unterschiedliche Regelung der zu entrichtenden Abgaben in ver-</span><br/> <span class="ft1">schiedenen Gemeinden verletzt das Rechtsgleichheitsgebot nicht</span><br/> <span class="ft1">(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 501, mit Verweisen auf die Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgerichtspraxis). § 34 Abs. 3 BauG hält ausdrücklich fest, dass die</span><br/> <span class="ft1">Regelung der Beitrags- und Gebührenerhebung den Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">überlassen ist, soweit keine kantonalen Vorschriften bestehen. Die</span><br/> <span class="ft1">unterschiedliche Regelung in den einzelnen Gemeinden ist somit</span><br/> <span class="ft1">Konsequenz der Gemeindeautonomie, und es liegt folglich im Er-</span><br/> <span class="ft1">messen der Gemeinden, ob ein "Rabatt" bei gleichzeitiger Bezahlung</span><br/> <span class="ft1">von Erschliessungsbeiträgen und Anschlussgebühren zu gewähren</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/> <span class="ft1">6.4.</span><br/> <span class="ft1">Es ist somit nur zu beurteilen, ob die Beschwerdeführer ge-</span><br/> <span class="ft1">genüber anderen Grundeigentümern in der Gemeinde H. rechtun-</span><br/> <span class="ft1">gleich behandelt wurden, welche nur Anschlussgebühren und keine</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsbeiträge zu leisten haben.</span><br/> <span class="ft1">6.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Auf den ersten Blick könnte eine ungleiche Behandlung darin</span><br/> <span class="ft1">gesehen werden, dass von einem bauwilligen Grundeigentümer an</span><br/> <span class="ft1">einer bereits erschlossenen Lage nur Anschlussgebühren erhoben</span><br/> <span class="ft1">werden und eine Beitragserhebung mangels einer neu zu erstellenden</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsanlage nicht in Betracht fällt. Effektiv unterscheidet</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">303</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sich aber deren Ausgangslage grundsätzlich von der Situation der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer: dort, wo die Erschliessung bereits vorhanden ist,</span><br/> <span class="ft1">wurde schon früher der notwendige Aufwand betrieben und die ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden Kosten haben sich nach allen ökonomischen Gepflo-</span><br/> <span class="ft1">genheiten direkt oder indirekt im Landpreis niedergeschlagen. Einen</span><br/> <span class="ft1">Erschliessungsbeitrag als solchen muss dann der Bauwillige nicht</span><br/> <span class="ft1">entrichten, die vorhandene Erschliessung wurde jedoch in der Regel</span><br/> <span class="ft1">indirekt über den höheren Preis für erschlossenes Bauland überwälzt,</span><br/> <span class="ft1">so dass letztlich die Anschlussgebührenerhebung ökonomisch in bei-</span><br/> <span class="ft1">den Varianten auf demselben Niveau ansetzt - einmal mit ausdrückli-</span><br/> <span class="ft1">chem Baubeitrag, einmal mit im Landpreis eingerechnetem Baubei-</span><br/> <span class="ft1">trag (vgl. auch Preisunterschiede für erschlossenes oder unerschlos-</span><br/> <span class="ft1">senes Land).</span><br/> <span class="ft1">Mit anderen Worten sind die Parzellen derjenigen Grundeigen-</span><br/> <span class="ft1">tümer, welche keine Perimeterbeiträge bezahlen müssen, bereits er-</span><br/> <span class="ft1">schlossen und die entsprechenden (Grob-) Erschliessungsbeiträge</span><br/> <span class="ft1">wurden bereits - wenn auch möglicherweise nicht vom bauenden Ei-</span><br/> <span class="ft1">gentümer - erhoben. Bei der Parzelle 311 handelt es sich dagegen um</span><br/> <span class="ft1">bisher unerschlossenes Land, was sich - wie die Gemeinde H. in der</span><br/> <span class="ft1">Duplik vom 11. September 2006 zu Recht anfügt - in der Regel auch</span><br/> <span class="ft1">auf den Landpreis auswirkt.</span><br/> <span class="ft1">Eine Ungleichbehandlung liegt somit nicht vor, da die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer bezüglich Anschlussgebühren von unterschiedlichen</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalten ausgehen, welche nicht miteinander verglichen wer-</span><br/> <span class="ft1">den können.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>