B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2923/2021 U r t e i l v o m 3 0 . J u n i 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Constance Leisinger, mit Zustimmung von Richter William Waeber; Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Makbule Dügünyurdu, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 15. Juni 2021 / N (…). E-2923/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger – ersuchte am 2. Februar 2021 in der Schweiz um Asyl. Er gab an, am (…) geboren und damit minderjährig zu sein. B. Die Abfrage des SEM bei der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Eu- rodac) am 4. Februar 2021 ergab, dass der Beschwerdeführer am 12. No- vember 2016 in Österreich um Asyl ersucht hatte. C. Am 5. Februar 2021 wurde für das vorliegende Verfahren eine Rechtsver- tretung gemäss Art. 102f ff. AsyIG (SR 142.31) beigeordnet. D. Aufgrund der angegebenen Minderjährigkeit wurde am 15. Februar 2021 eine Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (EB UMA) durchgeführt. Es wurden Fragen zur Biographie, Identitätsdokumenten, der Familie und Ausreise sowie zum Reiseweg gestellt. Zudem wurde dem Beschwerde- führer mitgeteilt, dass eine rechtsmedizinische Altersabklärung in Betracht gezogen werde und in diesem Zusammenhang wurden am 15. Februar 2021 Zusatzfragen zur Altersabklärung gestellt. E. Am 16. Februar 2021 wurde ein Informationsersuchen an die österreichi- schen Behörden gestellt. Mit Auskunft vom gleichen Tag erklärten die ös- terreichischen Behörden, dass der Beschwerdeführer bei der Asylgesuch- stellung in Österreich angegeben habe, am (…) geboren zu sein. Eine Al- tersfeststellung sei nicht erfolgt. Das Asylgesuch sei am 18. Januar 2021 rechtskräftig abgelehnt worden. F. Am 24. Februar 2021 wurde durch das rechtsmedizinische Institut des Kan- tonsspitals St. Gallen im Auftrag des SEM eine Altersabklärung durchge- führt, gemäss welcher der Besch werdeführer ein durchschnittliches Le- bensalter von (…) Jahren aufweise und das (…) Lebensjahr sicher vollen- det habe (Mindestalter). Das vom Beschwerdeführer angegebene Alter von (…) Monaten könne nicht zutreffen. E-2923/2021 Seite 3 G. Am 1. März 2021 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zum Ergebnis der forensischen Altersschätzung gewährt. Dazu bezog er mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin am 4. März 2021 Stellung. H. Am 10. März 2021 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden um die Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be- stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). I. Am 15. März 2021 hiessen die österreichischen Behörden das Rücküber- nahmegesuch gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO gut. J. Mit Verfügung vom 15. Juni 2021 (eröffnet am 17. Juni 2021) trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung nach Öster- reich, den gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung seines Asylgesuches zuständigen Dublin -Staat. Gleichzeitig beauftragte es den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung nach Österreich und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie- bende Wirkung zu. Dem Beschwerdeführer wurden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt. Festgestellt wurde sodann, dass das Geburtsdatum im zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…) laute. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, Österreich sei trotz eines rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahrens gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin -III-VO weiterhin für das Verfahren des Be- schwerdeführers bis zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug o der einer allfälligen erneuten Regelung des Aufenthaltsstatus zuständig. Es würden keine systemischen Mängel im Asyl- und Aufnahmesystem Österreich vor- liegen. Ein Selbsteintritt würde sich sodann ebenfalls nicht rechtfertigen. Es würden keine Hinweise vorliegen, wonach Österreich seinen völker- rechtlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei und das Asyl - und E-2923/2021 Seite 4 Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchgeführt h abe. Diese Einschät- zung gelte auch unter Berücksichtigung der Vorbringe n zum Verfahren in Österreich. Die Ausführungen des Beschwerdeführers im Verfahren ver- möchten die Zuständigkeit Österreichs zur Durchführung seines Asyl- und Wegweisungsverfahrens nicht zu widerlegen. Österreich sei sowohl Signa- tarstaat des Abkommens über die Rechtstellung der Flüchtlinge (Flücht- lingskonvention) als auch der EMRK. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung nach Österreich im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK gravierenden Menschenrechts- verletzungen ausgesetzt wäre, in eine existenzielle Notlage geraten würde oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter Verletzung des Non-Re- foulement-Gebots in seinen Heimatstaat überstellt würde. In Bezug auf die geltend gemachte Minderjährigkeit sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine Identitätsdokumente zu den Akten gereicht habe. Zudem sei er zum Alter, der Familie und den Ausreiseumstän den befragt worden und habe in dieser Hinsicht nur wenige aussagekräftige Angaben gemacht. Insbesondere seien seine Angaben zum Zeitpunkt sei- ner Ausreise vage ausgefallen. Er habe lediglich erklärt, Afghanistan im Jahr 2012 oder 2013 verlassen zu haben, als er (…) oder (…) Jahre alt gewesen sei. Im Jahr 2016 sei er aus dem Iran nach Afghanistan zurück- geschafft worden. Kurz darauf habe er, ohne seine Eltern wiederzusehen, das Heimatland erneut verlassen. Demgegenüber habe er anlässlich sei- ner Asylgesuchstellung ein präzises Geburtsdatum, nämlich den (…) an- gegeben. Im Weiteren habe er erklärt, dass er nicht zur Schule gegangen sei. Er habe nur während eines Jahres die Koranschule besucht. Auch zu diesen Umständen habe er keine genaueren Angaben gemacht. Demge- genüber habe er sowohl die erste Reise von Afghanistan in den Iran als auch die zweite Reise von Afghanistan nach Österreich detailliert beschrei- ben können. Er habe das Alter seines Vaters mit etwa (…) Jahren angege- ben, das Alter seiner Schwester mit etwa 30 Jahren und habe keine weite- ren Geschwister genannt, die zwischen ihm und seiner Schwester geboren seien. Das Alter der Mutter habe er nicht genannt, jedoch erklärt, dass diese vor einem Jahr und acht Monaten an Krebs verstorben sei. Aufgrund der wenigen Angaben zur Biographie und den Familienmitglie- dern anlässlich der EB UMA habe nicht beurteilt werden können, ob das angegebene Geburtsdatum glaubhaft sei. Aus dem Altersgutachten vom 24. Februar 2021 würden sich aus rechtsmedizinischer Sicht keine Hin- weise auf eine relevante Entwicklungsstörung ergeben. Die Altersanalyse stütze sich auf die Untersuchungen der Hand, der Schlüsselbein - und E-2923/2021 Seite 5 Brustbeingelenke und die Mineralisation der Weisheitszähne. Aufgrund der genannten Befunde ergebe si ch zum Zeitpunkt der Untersuchung ein durchschnittliches Lebensalter von (…) bis (…) Jahren und die sichere Voll- endung des (…) Lebensjahrs. Das angegeben Geburtsdatum (chronologi- sches Lebensalter von (…) Jahren und (…) Monaten) könne somit auf- grund der Erg ebnisse der forensi schen Altersschätzung nicht zutreffen. Gemäss Antwort der österreichischen Behörden sei der Beschwerdeführer sodann im Jahre 2016 in Österreich mit dem Geburtsdatum (…) registriert worden. Damit sei er zum Zeitpunkt seiner Asylgesuchstel lung in Öster- reich im November 2016 knapp (…) Jahre alt gewesen und somit noch minderjährig. Diese Altersangabe sei von den österreichischen Behörden nicht per se ang ezweifelt worden. Es g äbe aber keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer damals erst (…) Jahre und (…) Monate alt ge- wesen sei, wovon bei Zugrundelegung seines in der Schweiz angegebe- nen Alters auszugehen gewesen wäre. Es könne davon ausgegangen wer- den, dass die österreichischen Behörden das vom Beschwerdeführer gel- tend gemachte Alter von knapp (…) Jahren als glaubhaft befunden hätten. Dementsprechend wäre der Beschwerdeführer nunmehr (…) Jahre alt. Ins- gesamt habe der Beschwerdeführer die behauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen können. Aufgrund dessen könne vielmehr davon ausge- gangen werden, dass er bei Gesuchseinreichung bereits (…) Jahre alt ge- wesen sei. Das Geburtsdatum werde daher im ZEMIS (Zentrales Migrati- onssystem) mit dem (…) erfasst, versehen mit einem Bestreitungsvermerk. Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitli chen Probleme ([…]prob- leme und psychische Probleme, Schmerzen im linken […] bedingt durch […]) sei festzuhalten, dass Österreich über eine ausreichende medizini- sche Infrastruktur verfüge und verpflichtet sei, die erforderliche medizini- sche Versorgung, welche zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö- rungen umfasse, zu gewähren. Es würden keine Hinweise vorliegen, wo- nach Österreich dem Beschwerdeführer eine künftige medizinische Be- handlung verweigern würde. Eine allfällig benötigte medizinische Behand- lung könne auch in Österreich in Anspruch genommen werden und eine solche sei gemäss Angaben des Beschwerdeführers dort auch schon er- folgt. Für das weitere Dublin-Verfahren sei einzig seine Reisefähigkeit aus- schlaggebend, welche kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt werde. Sofern angezeigt, trage das SEM dem aktuellen Gesundheitszustand bei der Überstellung nach Österreich Rechnung. E-2923/2021 Seite 6 Es würden sich insgesamt auch keine Gründe ergeben, welche die Anwen- dung der Souveränitätsklausel im Sinne von Art. 29 Abs. 3 AsylV1 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzeigen würden, weshalb auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei. Der Beschwerdefü hrer sei somit verpflichtet, die Schweiz zu verlassen. K. Mit Beschwerde vom 23. Juni 2021 an das Bundesverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch die ihm zugewiesene Rechtsvertretung die Verfügung des SEM vom 15. Juni 2021 anfechten und beantragte, die Ver- fügung sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und ein materielles Asylverfahren durchzuführen, eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Begründung und richtigen Sachver- haltsabklärung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht be- antragte er, es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wir- kung zu erteilen, im Sinne einer superprovisorischen Massnahme der Be- schwerde seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Überstellung nach Österreich einstweilen abzusehen. Ferner wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. In der Beschwerde wurde im Wesentlichen ausgeführt, es werde an dem vom Beschwerdeführer geltend gemachten Geburtsdatum (…) festgehal- ten. Der Beschwerdeführer habe die österre ichischen Behörden bewusst über sein Alter getäuscht, da er von anderen Personen in der Unterkunft erfahren habe, dass er bei einem Alter unter (…) Jahren keine Freiheiten habe und die Unterkunft nicht verlassen dürfe. Sofern die Vorinstanz die präziseren Angaben zu seinem Reiseweg mit den weniger substanziierten zu seiner Kindheit vergleiche , sei dieser Vergleich nicht sachgerecht, da der Reiseweg (kürzlich erlebt) präsenter sei als Erlebnisse aus der Kind- heit. Bei den Angaben zum Reiseweg würde es sich um eine Beschreibung eines längeren Zeitraumes handeln, bei den Angaben zum Alter um die Nennung einer Jahres- oder Alterszahl. Es stelle sich die Frage, wie detail- liert eine Alter sangabe überhaupt sein könne. Sein Alter habe der Be- schwerdeführer genannt. Mehr könne nicht verlangt werden. Zeitlichen An- gaben komme in Afghanistan im Übrigen kein solcher Stellenwert zu wie in der Schweiz. Der Beschwerdeführer habe die Gründe für die falschen An- gaben seines Geburtsdatums in Österreich im vorinstanzlichen Verfahren dargelegt. Trotz Aufforderung der Rechtsvertreterin seien die Akten aus Österreich nicht beigezogen worden. Diesbezüglich liege eine Verletzung E-2923/2021 Seite 7 des rechtlichen Gehörs vor. Die Vermutung des SEM, dass aus der unter- bliebenen Altersabklärung in Österreich geschlossen werden könne, die österreichischen Behörden hätten das Alter von kna pp (…) Jahren nicht angezweifelt, sei unverständlich. Vielmehr spreche die unterbliebene Ana- lyse dafür, dass die österreichischen Behörden den Beschwerdeführer jün- ger als knapp (…)-jährig erachtet hätten. Hinzuweisen sei auch auf die Richtlinien des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UN- HCR), wonach an die Schilderungen von Minderjährigen nicht die gleichen Anforderungen gestellt werden könnten wie an diejenigen eines Erwach- senen. Das Altersgutachten sei im Übrigen unter rechtswidrigen Umstän- den zustande gekommen und müsse vernichtet werden. Dies, weil die Vo- rinstanz die Erstellung des Gutachtens mit den Angaben des Beschwerde- führers zu seinem Geburtsdatum in Österreich und den vagen Ausführun- gen begründet habe. Beide Punkte hätten aber entkräftet werden können. Selbst wenn das Ergebnis des Gutachtens als verwertbar erachtet werde, sei es gemäss Rechtspraxis lediglich ein schwaches Indiz. Hingewiesen wurde zudem auf schlechte Zustände in der Asylunterkunft in Österreich und die nicht ausreichende Prüfung des Asylgesuchs in Öster- reich ohne genügende Rechts verbeiständung, die eine Verletzung des Non-Refoulement Gebotes nach sich ziehe. Es bestehe die Gefahr einer Kettenabschiebung. Zudem sei der Beschwerdeführer psychisch krank. Er befinde sich in laufender ärztlicher Behandlung wegen (…)- und (…)zu- ständen sowie (…)problemen. Im Zeitraum vom 23. März 2021 bis 19. Ap- ril 2021 habe er sich in einer psychiatrischen Klinik befunden, wo eine (…) Episode diagnostiziert worden sei. Es seien (…) verordnet worden, in Ös- terreich hingegen nur (…). Im Falle ei ner Überstellung sei mit einer Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes zu rechnen. Sodann wurden materielle Ausführungen zum Asylgesuch des Beschwerdeführers getrof- fen. Mit der Beschwerde wurden ärztliche Berichte zu den Akten gereicht. L. Am 25. Juni 202 1 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori- schen Vollzugsstopp an. Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsge- richt die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). E-2923/2021 Seite 8 M. In der Beschwerde angefochten wurde auch di e Dispositivziffer 6 (Daten- schutz, ZEMIS-Eintrag). Dieses Begehren wurde am 25. Juni 2021 von den übrigen Rechtsbegehren getrennt und ein Verfahren unter der Verfahrens- nummer E-2951/2021 eröffnet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn e von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Soweit den Antrag auf Aufhebung der Dispositivziffer 6 betreffend Da- tenänderung im ZEMIS, ist festzuhalten, dass dieses Begehren nicht Ge- genstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet. Dieses Rechts- begehren wird separat im Beschwerdeverfahren E-2951/2021 behandelt. 1.5 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zuständigke it mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur- teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). E-2923/2021 Seite 9 1.6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gemäss Art. 106 Abs. 1 AsylG gerügt werden (zur Kognition betreffend die Ermes- sensausübung im Dublin-Verfahren vgl. BVGE 2015/9). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 2.3 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin -III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref- fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 2.4 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit- gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). E-2923/2021 Seite 10 Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back), wie vor- liegend der Fall, findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zu- ständigkeitsprüfung nach dem Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän- digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An- nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An- tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu- ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän- dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (vgl. Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 2.5 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat i st verpflichtet, die antragstellende Person, de ren Antrag abgelehnt wurde und d ie in ei- nem anderen Mitgliedstaat ei nen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho- heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, wie- deraufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin -III-VO). Die Dublin -III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). Schliesslich gilt das Prinzip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch einen einzigen Mitglied- staat («one chance only»), welches der Vermeidung von multiplen Asylge- suchen in verschiedenen Staaten dient (Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO). 2.6 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von einem Dri ttstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung «aus hu- manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III- VO ein anderer Staat zuständig wäre. E-2923/2021 Seite 11 3. 3.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Euro- dac»-Datenbank ergab, dass er bereits in Österreich um Asyl nachgesucht hatte. Die österreichischen Behörden wurden um Übernahme des Be- schwerdeführers angefragt und stimmten dem Übernahmeersuchen am 15. März 2021 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO unter Verweis auf ein in Österreich durchgeführtes Asylverfahren zu. Die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs zum "take back" ist somit gegeben. 3.2 3.2.1 In Bezug auf Österreich liegen sodann keine Anhaltspunkte im Sinne des Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO vor, wonach das Asylverfahren und die Auf- nahmebedingungen für Asylsuchende systemische Schwachstellen auf- weisen würden, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigen- den Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden und nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO das Selbsteintritts- recht auszuüben wäre. 3.2.2 Österreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übere inkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokol ls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner- kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt- linien des Europ äischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie der Richtlinie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 3.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin - III-VO nicht gerechtfertigt. 4. 4.1 Es gebietet sich vorliegend sodann auch kein (zwingender) Selbstein- tritt gestützt auf Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK. E-2923/2021 Seite 12 4.2 4.2.1 In Bezug auf die medizinischen Gründe ist Folgendes festzustellen: Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob- lemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und be- reits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Euro- päischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch d ie Ab- schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Lei den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180 - 193 m.w.H.). 4.2.2 Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Aus den Arztbe- richten des (…), psychiatrische Dienste , vom 29. April und 27. Mai 2021 sowie von B._______ vom 26. Mai 2021 geht hervor, dass der Beschwer- deführer an einer (…) sowie vergrösserten (…) am (…) leidet. Bei der di- agnostizierten psychischen Beeinträchtigung handelt es sich zwar um eine ernstzunehmende Erkrankung. Den ärztlichen Berichten lässt sich indes nicht entnehmen, dass der Beschwerdeführer nicht reisefähig sei oder eine Überstellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde (vgl. Beschwer- debeilagen). Sein Gesundheitszustand verma g eine Unzulässigkeit im Sinne der erwähnten, restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die gesundheitlichen Probleme sind auch nicht von einer derartige n Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgese- hen werden müsste. 4.2.3 Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Österreich über eine ausrei- chende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind ver- pflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng- lich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige E-2923/2021 Seite 13 Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Be- treuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Österreich dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern würden, zumal der Beschwerdefüh- rer dort bereits in Behandlung war (vgl. SEM -Akte […]-11/11 Ziff. 2.06, 8.02). Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr diese Behandlung wiederaufnehmen kann und auch in Bezug auf seine psychischen Erkrankungen die benötigte medizinische Behand- lung erhalten wird. 4.2.4 Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte- nen Verfügung beauftragt sind, haben den medizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung des Be- schwerdeführers Rechnung zu tragen und die österreichischen Behörden gegebenenfalls vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen me- dizinischen Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Ausschlag- gebend für den weiteren Verlauf des Verfahrens ist einzig die Reisefähig- keit, welche – wie das SEM in seiner Verfügung festgehalten hat – kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt wird. 4.3 4.3.1 Ein zwingender Selbsteintritt gebietet sich sodann auch nicht unter dem Aspekt des Kindeswohls. Das Gericht geht nämlich mit der Vorinstanz davon aus, dass der Beschwerdeführer eine bestehende Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen konnte. Diesbezüglich ist auf die einlässlichen vo- rinstanzlichen Erwägungen zu verweisen, denen auf Beschwerdeebene nichts Relevantes entgegengehalten wird. Zur Ergänzung ist Folgendes auszuführen: 4.3.2 Die Beurteilung der Glaubhaftmachung der Minderjährigkeit erfolgt im Rahmen einer Gesamtwürdigung. Es ist eine Abwägung sämtlicher An- haltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Alters- angaben sprechen, vorzunehmen (vgl. BVGE 2009/54 E. 4.1). Fehlen rechtsgenügliche Identitätsausweise oder bestehen Hinweise, dass eine angeblich minderjährige asylsuchende Person das Mündigkeitsalter be- reits erreicht hat, so kann im Rahmen der Feststellung des Sachverhalts mit Unterstützung wissenschaftlicher Methoden abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person dem tatsächlichen Alter ent- spricht (Art. 17 Abs. 3bis AsylG; Art. 7 Abs. 1 Asylverordnung 1 vom 11. Au- gust 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). E-2923/2021 Seite 14 4.3.3 Eine Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz wegen Verfah- renspflichtverletzungen, im Zusammenhang mit der Beurteilung der gel- tend gemachten Minderjährigkeit kommt vorliegend nicht in Betracht. Es wird eine Verletzung der Abklärungspflicht dahingehend gerügt, dass die Vorinstanz die Verfahrensakten der österreichischen Behörden nicht bei- gezogen habe. Hierzu ist festzustellen, dass die V orinstanz zum Beizug der Verfahrensakten Österreichs nicht verpflichtet ist, sondern der Verfah- rensgang nach den Bestimmungen der Dublin -III-VO und deren Ausfüh- rungsbestimmungen zu gewähren ist. Dieses Verfahren wurde vorliegend eingehalten. Es ergeben sic h auch keine Verfahrenspflichtverletzungen hinsichtlich der Abklärung zur angegebenen Minderjährigkeit durch ein Al- tersgutachten. Die Vorinstanz erachtete aus sachlichen Gründen eine Al- tersabklärung nach Art. 17 Abs. 3bis AsylG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 AsylV 1 als geboten. Dem Beschwerdeführer wurde hierzu im Vorfeld der Abklärung im Beisein seiner Rechtsvertreterin das rechtliche Gehör gewährt, ebenso zum Abklärungsergebnis und zur Annahme der Volljährigkeit. Damit wurde den Verfahrensrechten vollumfänglich Genüge getan. 4.3.4 Der Beschwerdeführer hat keine Identitätspapiere oder andere Do- kumente zu den Akten gereicht, mit welchen er sein Geburtsdatum glaub- haft machen kann. Seine Angaben zur familiären Situation und den Um- ständen in seinem Heimatstaat, die Rückschlü sse auf sein Alter zulassen könnten, fielen rudimentär aus. Das von der Vorinstanz in Auftrag gege- bene medizinische Altersgutachten kommt zum Schluss, dass der Be- schwerdeführer ein Mindestalter von 19 Jahren aufweist. Das Bundesver- waltungsgericht hat sich zur Beweistauglichkeit dieser Altersabklärung in grundsätzlicher Art geäussert (BVGE 2018 VI/3). Praxisgemäss können von den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Alters- abklärung nur die Schlüsselbein - respektive Skelettaltersanalyse und di e zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder- be- ziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet sein. Relevant für die Beurteilung sind mithin die Ergebnisse be treffend das festgestellte Min- destalter der Schlüsselbeinanalyse sowie der zahnärztlichen Untersu- chung. Medizinische Altersabklärungen stellen – je nach Ergebnis – unter- schiedlich zu gewichtende Indizien für das Vorliegen der Minder - respek- tive Volljährigkeit einer Person dar. Ein starkes Indiz für Volljährigkeit liegt vor, wenn das Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettalters- analyse oder der zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und die sich anhand der beiden Analysen ergebenden Altersspannen überlap- pen (vgl. a.a.O. E. 4.2.2). Dies ist vorliegend der Fall. Gemäss Gutachten E-2923/2021 Seite 15 ergibt die Schlüsselbeinanalyse ein Durchschnittsalter von 23 Jahren (23.6+/-2.6) sowie ein Mindestalter von 19 Jahren. Die Weisheitszähne weissen ein Mineralisationsstadium H auf, was auf ein Mindestalter von 17 bis 17.4 Jahren schliessen lässt und auf ein Durchschnittalter von 22 Jah- ren (vgl. SEM-Akte […]-22/9 S. 4 f.). 4.3.5 Der Beschwerdeführer hat sodann im Asylverfahren in Österreich als Geburtsdatum den (…) angegeben, gemäss welchem er nunmehr eben- falls volljährig ist. Sofern er vorbringt, er habe dieses Alter bewusst ange- geben, um sich im österreichischen Zentrum freier bewegen zu können, da unter (…)-Jährige sich nicht aus der Unterkunft hätten entfernen könne n, ist dies als Schutzbehauptung zu werten, zumal sein Asylgesuch in Öster- reich erst mit Entscheid vom 18. Januar 2021 abgewiesen wurde und nicht plausibel dargelegt wird, warum der Beschwerdeführer kein Interesse da- ran gehabt haben soll, seine Minderjährigkeit im weiteren Verlauf des Ver- fahrens offen zu legen, ist diese doch nach seiner Auffassung ein Aspekt, der einer Wegweisung nach Afghanistan entgegensteht. Die Annahme des SEM, wonach die österreichischen Behörden sich bei unterstelltem Ge- burtsdatum (…) (wie in der Schweiz angegeben) einem (…)-Jährigen Asyl- suchenden gegenübergesehen hätten und anzunehmen sei, dass sie dies- bezüglich Feststellungen getroffen hätten in Bezug auf das von ihm ange- gebene Alter von knapp (…) Jahren, teilt das Gericht. Die Beschwerdeaus- führungen sind diesbezüglich nicht überzeugend. 4.3.6 In der Gesamtschau aller Aspekte gilt der Beschwerdeführer nach Ansicht des Gerichts als volljährig, weshalb Fragen des Kindeswohls vor- liegend nicht einzufliessen haben. 4.4 Gemäss Praxis des Bundesver waltungsgerichts verfügt das SEM bei der Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspiel- raum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter die- sem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über - respektive Un- terschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich des- halb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 4.5 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er- messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Es besteht kein Anlass, die an- gefochtene Verfügung aufzuheben und auf das Asylgesuch einzutreten be- ziehungsweise die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die E-2923/2021 Seite 16 Vorinstanz zurückzuweisen. Somit bleibt Österreich der für die Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständige Mitgliedstaat ge- mäss Dublin-III-VO. 5. Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie- derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Österreich in An- wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 6. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu p rüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 7. Nach dem Gesagten ist die Verfügung des SEM zu bestätigen und die Be- schwerde abzuweisen. 8. Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 25. Juni 2021 angeordnete Voll- zugsstopp dahin. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Beschwerde ist gegenstandslos geworden. 9. 9.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde- begehren bereits bei Einreichung des Rechtsmittels als aussichtslos zu gelten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürf- tigkeit – eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht er- füllt. Das entsprechende Gesuch ist abzuweisen. Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung ist mit dem vorliegenden Entscheid ge- genstandslos geworden. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die E-2923/2021 Seite 17 Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-2923/2021 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Claudia Jorns Morgenegg Versand: