Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. März 2017 (810 16 360) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Weisung gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB / Errichtung Beistandschaft / gesundheitliche Prob- leme / Schulabsentismus Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.A.____ , Beschwerdeführerin , B.A.____ und C.A.____ , Beschwerdeführer, alle vertreten durch Niggi Dressler, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____, Vorinstanz Betreff Weisung gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB, Erricht ung einer Erziehungsbei- standschaft, Ernennung einer Mandatsperson, Aufhebung der Kinds- vertretung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 7. November 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.A.____, geboren am XX.XX.2001, ist die Tochter vo n B.A.____ und C.A.____. Mit Schreiben vom 25. März 2015 reichte die Schulleitung der Sekundarschule C.____ eine Ge- fährdungsmeldung betreffend A.A.____ bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) ein, da die Jugendliche ihrer Schulpflich t nicht nachkomme. Sie habe im 1. Se- mester 60 Tage gefehlt und im 2. Semester sei sie noch gar nicht im Unterricht erschienen. A.A.____ habe verschiedene medizinische Probleme und di e Absenzen seien jeweils mit Arzt- zeugnissen oder von den Kindseltern entschuldigt worden. Die KESB beauftragte die Sozialen Dienste C.____ mit der Abklärung, ob eine Gefährdung des Kindeswohls vorliege und Kindes- schutzmassnahmen notwendig seien. Im Bericht vom 12. Juni 2015 empfahl die abklärende Sozialarbeiterin eine Abklärung bei der Kinder- und J ugendpsychiatrie Basel-Landschaft (KJP) über die gesundheitliche und soziale Gesamtsituation u nd die schulische Entwicklung der Ju- gendlichen. Zudem sei eine Beistandschaft zu errichten. Mit Schreiben vom 18. Juni 2015 teilte der Rechtsvertreter des Kindsvaters, Niggi Dressler, Advok at, mit, dass seine Mandantschaft weder mit einer Begutachtung noch mit einer Beistandschaft einverstanden sei. In der Folge reichte der Kindsvater weitere Arztzeugniss e bzw. Arztberichte ein. Am 24. No- vember 2015 ging bei der KESB erneut eine Gefährdung smeldung der Schulleitung der Sekun- darschule C.____ ein. A.A.____ sei weiterhin dem Unter richt ferngeblieben. Die KESB zog die Kinderschutzgruppe des Spitals D.____ mit der Bitte um eine Einschätzung der Kindeswohlge- fährdung bei. Nach der Sitzung der Kinderschutzgruppe des Spitals D.____ vom 10. Februar 2016, an der fünf Mitglieder der Kinderschutzgruppe, vier behandelnde Ärzte von A.A.____ und ein Mitglied der KESB teilgenommen hatten, reichte diese einen Bericht vom 17. Februar 2016 mit ihrer Einschätzung bei der KESB ein. Bei A.A.___ _ würden sich multiple Probleme zeigen, welche sich bislang nur teilweise durch somatische Ursach en erklären liessen. Zudem bestehe die Gefahr, dass sie den Anschluss an die Schule verpasse. Des Weiteren leide sie unter einer massiven Adipositas mit dem Risiko körperlicher Folgeschäden. Das Übergewicht habe trotz Intervention bislang nicht nachhaltig reduziert werden können. Die Kinderschutzgruppe des Spi- tals D.____ empfahl die Errichtung einer Beistandschaft für medizinische Belange und eine sta- tionäre Abklärung in einer für Psychosomatik spezialisierten Einrichtung mit dem Ziel einer psy- chiatrischen Abklärung, der Wiedereingliederung in der Schule sowie einer Gewichtsreduktion. B. Mit Entscheid vom 23. März 2016 ordnete die KESB für A.A.____ eine Kindsvertre- tung gemäss Art. 314a bis des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezemb er 1907 an und setzte Dr. Jonas Schweighauser, Rechtsanwalt, ein. Gegen diesen Entscheid er- hob A.A.____, vertreten durch Niggi Dressler, am 12. Ap ril 2016 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht (Kantonsgericht; Verfah- rensnummer 810 16 107). C. Nachdem anlässlich einer Anhörung durch die KESB vom 14. Juni 2016 die Kindsel- tern und A.A.____ mitteilten, dass es A.A.____ seit der letzten Operation im Mai 2016 wieder viel besser gehe und sie nach den Sommerferien wieder zur Schule gehen werde, sistierte die KESB das Verfahren betreffend Prüfung von Kindesschutzmassnahmen bis auf Widerruf, längs- tens jedoch bis zum 31. Dezember 2016. Als Folge davon sistierte das Kantonsgericht seiner- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht seits mit Verfügung vom 24. Juni 2016 das Verfahren betr effend Beschwerde gegen die Einset- zung eines Kindsvertreters bis zum 31. Dezember 2016. D. Nachdem nach den Sommerferien der Kindsvater weiter e Arztzeugnisse betreffend Krankschreibung von A.A.____ eingereicht hatte, hob die KESB mit Entscheid vom 11. Oktober 2016 die Sistierung des Verfahrens betreffend Prüfung von Kindesschutzmassnahmen auf. Mit Schreiben vom 13. Oktober 2016 teilte Dr. Jonas Schwei ghauser der KESB mit, dass die Wei- terführung der Kindsvertretung keinen Sinne mehr erg ebe, da sich A.A.____ weigere, mit ihm zu kommunizieren bzw. ihn zu instruieren. Mit Schreiben v om 24. Oktober 2016 informierte der Rechtsvertreter Niggi Dressler die KESB dahingehend, da ss A.A.____ an sehr schmerzhaften Komplikationen leide und wohl eine weitere Operatio n nötig sei. Es würden jedoch nur körperli- che und keine psychischen Leiden vorliegen. Eine ambulant e und erst recht stationäre psychi- sche Abklärung werde abgelehnt. Gegen die Entlassung des Kindsvertreters sei nichts einzu- wenden. E. Mit Entscheid vom 7. November 2016 verfügte die KE SB Folgendes: “1. Die Kindseltern und A.A.____ werden gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB angewiesen, für A.A.____ eine stationäre psychosomatische Abklärung sowie eine allfällige Therapie in Anspruch zu nehmen. 2. Für A.A.____, geb. XX.XX.2001, wird eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB errichtet. 3. Als Beistand wird … ernannt und beauftragt: a) Die Eltern in ihrer Sorge um die Tochter A.A.____ mit Rat und Tat zu unterstützen und zu beraten, b) Für A.A.____ eine stationäre psychosomatische Abklärung zu organisieren, c) Für A.A.____ in Zusammenarbeit mit den Kindselter n sowie den involvierten Fachstellen und -per- sonen den Wiedereinstieg in die Schule zu organisieren, d) Der KESB B.____ Meldung zu erstatten, falls A.A._ ___ und ihre Eltern die Weisung gemäss Zif- fer 1 dieses Entscheides nicht einhalten, e) Der KESB B.____ Antrag zu stellen, sofern weitere oder andere Massnahmen notwendig werden, f) Der KESB B.____ so oft als notwendig, erstmals s pätestens per 31.10.2018, ordentlich Bericht zu erstatten. 4. Die Entschädigung für die Führung der Beistandscha ft bemisst sich nach dem Tarif der Verordnung über die Gebühren zum Zivilrecht. 5. Die Kindsvertretung gemäss Art. 314a bis ZGB für A.A.____ wird aufgehoben. 6. - 8. … 9. Die bei der KESB B.____ aufgelaufenen Kosten bet ragen CHF 3‘237.50 … Den Kindseltern werden die Kosten von CHF 3‘237.50 in Rechnung gestellt. …“ F. Das Kantonsgerichtspräsidium schrieb in der Folge mit Verfügung vom 21. Novem- ber 2016 das Verfahren Nr. 810 16 107 betreffend Ano rdnung der Kindsvertretung als gegen- standslos ab. G. Gegen den Entscheid der KESB vom 7. November 2016 erhoben A.A.____, B.A.____ und C.A.____, alle vertreten durch Niggi Dre ssler, mit Eingabe vom 7. Dezember 2016 beim Kantonsgericht Beschwerde und beantragten, es seien die Ziffern 1 bis 4 und Ziffer Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9 der Verfügung der KESB vom 7. November 2016 aufzuhe ben. Es sei eine mündliche Ver- handlung durchzuführen und der Beschwerde die aufschieb ende Wirkung zuzuerkennen; alles unter o/e-Kostenfolge. Im Wesentlichen machten die B eschwerdeführer geltend, dass, wie die Arztberichte und die verschiedenen Operationen zeigen wü rden, die Schmerzen von A.A.____ nicht psychisch bedingt seien. Demzufolge sei auch keine psychiatrische Abklärung – erst recht keine stationäre – notwendig. Diese wäre für A.A.____ nur eine zusätzliche Belastung. Die sta- tionäre psychiatrische Abklärung wäre nichts anderes al s ein fürsorgerischer Freiheitsentzug. A.A.____ sei aber weder selbst- noch fremdgefährdend. Das Gewichtsproblem werde unter Beizug professioneller Hilfe angegangen, sobald sich A.A. ____ wieder normal bewegen könne. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen , zumindest bis die Ergebnisse der Abklärungen im Kantonsspital E.____ vorliegen würden. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Januar 2017 beantragt e die KESB die kostenpflichtige Abwei- sung der Beschwerde. H. Mit Verfügung vom 18. Januar 2017 überwies das Ka ntonsgerichtspräsidium den Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer nicht öffentlichen, unter Ausschluss der Par- teien stattfindenden Urteilsberatung. Die Akten des Ver fahrens Nummer 810 16 107 betreffend Anordnung der Kindsvertretung wurden beigezogen. Die Beweisanträge der Beschwerdeführer auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung, auf Parteibefragung sowie auf Befragung von Dr. med. F.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, und von Dr. med. G.____, Allgemeine Innere Medizin FMH, als Zeugen bzw. Auskunftspersonen wurden abgewiesen. Mit Eingabe vom 8. Februar 2017 beantragten die Beschwerdeführer die Sistierung des Verfah- rens, da sich A.A.____ am 3. Februar 2017 einer weiteren Operation habe unterziehen müssen. Die KESB beantragte in ihrer Stellungnahme vom 22. F ebruar 2017 die Abweisung des Sistie- rungsgesuchs des Verfahrens im Wesentlichen mit der Be gründung, dass A.A.____ den Schul- unterricht seit August 2014 nicht mehr regelmässig und ab 2015 gar nicht mehr besucht habe, was zwangsläufig zu einem enormen Rückstand der Schulbildu ng und der allgemeinen alters- gerechten Entwicklung sowie einer sozialen Isolation geführt habe. Mit präsidialer Verfügung vom 23. Februar 2017 wies da s Kantonsgericht das Sistierungsge- such ab. Mit innert erstreckter Frist eingereichter Stell ungnahme teilten die Beschwerdeführer dem Kantonsgericht mit, dass die Operation erfolgreich verlaufen sei und A.A.____ noch bis Ende April 2017 krankgeschrieben sei. A.A.____ sei durch die mehrfachen Fehldiagnosen der Ärzte gefährdet gewesen. A.A.____ sei nicht sozial isoliert. Des Weiteren arbeite sie den Schul- stoff laufend nach. Letzteres hätten auch die Tests im So mmer beim Schulpsychologischen Dienst in H.____ ergeben. Eine Psychiatrisierung wäre e ine schwere Belastung für A.A.____, die sie nicht verdient habe und entschieden ablehne. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide d er Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Au fgrund von Art. 440 Abs. 3 ZGB fallen aber auch die Entscheide der Kindesschutzbehörd e darunter (vgl. DANIEL STECK , in: Gei- ser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Art. 360 - 456 ZGB und Art. 14, 14a SchlT ZGB, Basel 2012, Rz 17 ff. zu Art . 450). Gestützt auf Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 und § 66 Abs. 1 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist die Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft für di e Beurteilung der vorliegenden An- gelegenheit zuständig. Die Beschwerdeführer sind gemäss A rt. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Be- schwerde legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzu ngen nach Art. 450 ff. ZGB in Verbindung mit § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzu- treten. 1.2. Beschwerden sind innert der gesetzlich vorgeschrieben en Frist schriftlich einzu- reichen. Sie müssen unter anderem ein klar umschriebenes Begehren haben und begründet werden (§ 5 Abs. 1 VPO). Die Beschwerdeführer haben in ihrer innert der gesetzlich vorge- schriebenen Frist eingereichten Beschwerde vom 7. Dezember 2016 beantragt, es sei die Ver- fügung der KESB vom 7. November 2016 in den Ziffern 1 bis 4 und 9 aufzuheben. Soweit das in der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 12. April 2016 gestellte Rechtsbegehren, es sei der Entscheid der KESB vom 23. März 2016 aufzuhebe n, eine Erweiterung der Rechtsbe- gehren im Vergleich zur Beschwerde vom 7. Dezember 2016 enthalten sollte, was aufgrund der Begründung nicht der Fall zu sein scheint, wäre auf di ese Erweiterung ohnehin nicht einzutre- ten. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind demzufo lge die Rechtsbegehren gemäss der Beschwerde vom 7. Dezember 2016. 1.3 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerd e Rechtsverletzungen (lit. a), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach verhalts (lit. b) sowie die Unangemes- senheit (lit. c) gerügt werden. Dem Kantonsgericht komm t bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Zu prüfen ist, ob die Weisung der KESB gemäss Art. 3 07 Abs. 3 ZGB, die Kindseltern und A.A.____ hätten für A.A.____ eine stationäre psycho somatische Abklärung sowie eine all- fällige Therapie in Anspruch zu nehmen, und die Erri chtung einer Erziehungsbeistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB mit den im angefochten en Entscheid genannten Aufgaben des Beistandes zu Recht erfolgten. 3.1 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB ist die Kindesschutzbehörd e dazu verpflichtet, bei einer Gefährdung des Kindeswohls die geeigneten Massnahmen zum Schutze des Kindes zu ergrei- fen, wenn die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorg en oder dazu ausserstande sind. Die Kindesschutzbehörde kann nach Art. 307 Abs. 3 ZGB insbeso ndere die Eltern oder das Kind Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ermahnen, ihnen bestimmte Weisungen für die Pflege, Erziehung oder Ausbildung erteilen und eine geeignete Person oder Stelle bestimmen, der Einblick und Auskunft zu geben ist. 3.2. Erfordern es die Verhältnisse, ernennt die Kindes schutzbehörde dem Kind gestützt auf Art. 308 Abs. 1 ZGB einen Beistand, der die Eltern i n ihrer Sorge um das Kind mit Rat und Tat unterstützt. Die Kindesschutzbehörde kann dem Beistand be sondere Befugnisse übertragen, namentlich die Vertretung des Kindes bei der Feststellun g der Vaterschaft, bei der Wahrung seines Unterhaltsanspruches und anderer Rechte und die Übe rwachung des persönlichen Ver- kehrs (Art. 308 Abs. 2 ZGB). Die Beistandschaft zielt au f aktives, autoritatives und kontinuierli- ches Einwirken auf die Erziehungsarbeit der Eltern und d as Gebaren des Kindes ab (P ETER BREITSCHMID , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Z ivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456 ZGB, 5. Aufl., Basel 2014, Rz 2 zu Art. 308). Die Erzi ehungsbeistandschaft soll durch Kontakt mit Eltern und Kind erzieherische Missstände abbauen. Dem Beistand stehen dafür Instrumente wie Vermittlung, Anleitung oder Weisung gegenüber d en Eltern, dem Kind und Dritten zur Ver- fügung. Das elterliche oder familiäre Umfeld bleibt e rhalten, soll aber durch stete persönliche Kontakte (insbesondere auch Hausbesuche) beobachtet w erden. Der Beistand ist Vertrauens- und Ansprechperson aller Betroffenen und soll insbeson dere auch zum Kind eine tragfähige Beziehung aufbauen (BREITSCHMID , a.a.O., Rz 4 zu Art. 308). 3.3. Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Kindesschutzbehörd e das Kind den Eltern oder, wenn es sich bei Dritten befindet, diesen wegzunehmen un d in angemessener Weise unterzu- bringen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht anders be gegnet werden kann. Anders als bei den Kindesschutzmassnahmen nach Art. 307 und 308 ZGB wi rd bei einer Massnahme nach Art. 310 Abs. 1 ZGB das elterliche Aufenthaltsbestimmung srecht aufgehoben (YVO BIDERBOST , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen und Fami- lienrecht, 3. Aufl., Zürich 2016, Rz 1 zu Art. 310 ZGB). 3.4.1. Nach Art. 314b Abs. 1ZGB sind die Bestimmungen d es Erwachsenenschutzes über die fürsorgerische Unterbringung (Art. 426 ff. ZGB und Art . 449 ZGB) sinngemäss anwendbar, wenn das Kind in einer geschlossenen Einrichtung oder i n einer psychiatrischen Klinik unterge- bracht werden muss. Nach 449 Abs. 1 ZGB weist die Erwachs enenschutzbehörde die betroffe- ne Person zur Begutachtung in eine geeignete Einricht ung ein, sofern eine psychiatrische Be- gutachtung unerlässlich ist und nicht ambulant durchgeführt werden kann. Nach Art. 449 Abs. 2 ZGB sind hierfür die Bestimmungen über das Verfahren b ei fürsorgerischer Unterbringung sinngemäss anwendbar. Wo lediglich eine vorläufige Unte rbringung zum Zweck weiterer Unter- suchungen – z.B. Erstellung eines kinderpsychiatrischen Gutac htens – angeordnet wird, kann es sich um eine Massnahme nach Art. 307 handeln. Zum Tei l wird die Lehrmeinung vertreten, dass es sich jedoch – wo nicht lediglich eine ganz kurzfristi ge Unterbringung von höchstens wenigen Stunden und nicht über Nacht für den Untersu chungszweck genügt oder Gefahr im Verzug liegt – qualitativ bereits um einen Obhutsentz ug nach Art. 310 handelt. Dieser kann ge- gebenenfalls bereits als vorsorgliche Massnahme im Sinne von Art. 445 ZGB oder als stationä- re Begutachtung im Sinne von Art. 449 angeordnet werden, was letztlich ein Vorgehen nach der Ordnung von Art. 310 i.V.m. 314 oder Art. 314b i.V.m . 426 ff gebietet (B REITSCHMID , a.a.O., Rz 3 zu Art. 314b ZGB; D ANIEL ROSCH /A NDREA HAURI , in: Roch/Fountoulakis/Heck [Hrsg.], Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Handbuch Kindes- und Erwachsenenschutz, 1. Aufl., Bern 20 16, Rz 1042; vgl. auch Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 8. Juli 2011, in: Die Praxis des Familienrechts 2011 S. 1038). 3.4.2. Es stellt sich somit vorliegend die Frage, ob die Anweisung an die Eltern, für ihre Toch- ter eine stationäre psychosomatische Abklärung in Anspruch zu nehmen, im R ahmen von Art. 307 Abs. 3 ZGB erfolgen durfte oder nicht vielme hr im Rahmen von Art. 310 ZGB unter Beachtung der Bestimmungen über die fürsorgerische Unte rbringung hätte erfolgen müssen. Diese Frage kann jedoch, wie später aufzuzeigen sein wird, offen gelassen werden. 3.5. Im Sinne einer Stufenfolge gilt, dass wo Beratun g, Mahnung oder Weisungen i.S. von 307 Abs. 3 ZGB als mildeste Massnahme nicht ausreichen, entweder eine Beistandschaft an- zuordnen (Art. 308 f. ZGB), das Aufenthaltsbestimmungsre cht aufzuheben (Art. 310 ZGB) oder als ultima ratio die elterliche Sorge zu entziehen ist (Art. 311 ZGB). Massnahmen nach Art. 307 Abs. 3, Art. 308 f. ZGB und Art. 310 ZGB können kombin iert werden, soweit sie in ihrer Summe nicht faktisch den Entzug der elterlichen Sorge bewirken . In der behördlichen Praxis wird die Stufenfolge allerdings nicht konsequent gehandhabt ( BREITSCHMID , a.a.O., Rz 1 ff. zu Art. 307 ZGB). 3.6. Die angeordnete Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB stellt eine Kindes- schutzmassnahme im Sinne von Art. 307 ff. ZGB dar. Die Anordnung einer Beistandschaft hat den im Kindesschutz geltenden Grundsätzen zu genügen. Vor ausgesetzt ist somit eine Gefähr- dung der Entwicklung des Kindes (BGE 108 II 372 E. 1 S. 373), welcher nicht durch die Eltern und auch nicht durch weniger einschneidende Massnahmen ge mäss Art. 307 ZGB begegnet werden kann (Grundsatz der Verhältnismässigkeit). Die E rrichtung einer Beistandschaft muss zudem zur Erreichung des angestrebten Zwecks als geeignet erscheinen (Grundsatz der Ge- eignetheit; BGE 140 III 242 E. 2.1; Urteil des Bunde sgerichts 5A_404/2015 vom 27. Juni 2016 E. 5.2.1; C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, N 27 .09). Kindes- schutzmassnahmen müssen zur Erreichung des angestrebten Ziels erforderlich sein (Subsidia- rität), und es ist immer die mildeste Erfolg verspreche nde Massnahme anzuordnen (Proportio- nalität); diese soll elterliche Bemühungen nicht ersetze n, sondern ergänzen (Komplementarität, zum Ganzen B REITSCHMID , a.a.O., Rz 4 ff. zu Art. 307; H EGNAUER , a.a.O., N 27.10 ff.; BGE 5A_932/2012 E. 5.1; BGE 5A_701/2011 E. 4.2.1). 4.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, dass die Kindse ltern sich gut um das Kinds- wohl von A.A.____ sorgen würden, dass A.A.____ über ei n unterstützendes Umfeld und ein Heer von Ärzten verfügen würde, die Schmerzen rein physischer Ursache seien und daher eine psychiatrische Abklärung und die Einsetzung eines Beistande s unnötig und damit unverhält- nismässig seien. 4.2. Die KESB führt demgegenüber aus, dass das Kindswohl von A.A.____ wegen Schul- absentismus, Adipositas und sozialer Isolation gefährdet se i und die Kindseltern dieser Gefähr- dung nicht ausreichend entgegenwirken würden, dass eine Abklärung psychosomatischer Ur- sachen notwendig sei und für die Organisation dieser A bklärungen gegen den Willen der Be- schwerdeführer sowie für den schulischen Wiedereinstieg vo n A.A.____ auch die Errichtung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Erziehungsbeistandschaft notwendig sei. Die KESB stützt die angeordneten Massnahmen primär auf die von der Schule gemachten Gefährdungsmeldungen, den Bericht der abklärenden Sozialarbeiterin vom 12. Juni 2015 und den Bericht de r Kinderschutzgruppe des Spitals D.____ vom 10. Februar 2016. 5.1. In der Gefährdungsmeldung der Sekundarschule C.__ __ vom 25. März 2015 werden die Schulabsenzen bemängelt. A.A.____ werde von Notfall zu Notfall geschickt. Der Vater gebe sich vermeintlich kooperativ, unternehme aber nichts, um di e Beschulung der Tochter zu ge- währleisten. Er verspreche immer wieder, dass A.A.____ nach der aktuellen Absenz den Unter- richt wieder besuche, was aber nie der Fall sei. Es hä tten schon mehrere Gespräche und Ver- einbarungen unter anderem zwischen dem Klassenlehrer un d dem Vater stattgefunden. In der Gefährdungsmeldung der Sekundarschule C.____ vom 20. Nov ember 2015 wird festgehalten, dass A.A.____ die Schulpflicht nicht einhalte, der Vat er die Absenzen der Tochter lückenlos durch Arztzeugnisse entschuldige und gemäss Versicherung des V aters der nach Hause mit- gegebene Schulstoff mit A.A.____ intensiv aufgearbeitet werde. Der Vater wiederhole immer, dass A.A.____ nach der aktuellen Abwesenheit den Unterr icht lückenlos besuchen werde, was nie der Fall sei. 5.2. I.____, Sozialarbeiterin FH, hält in ihrem Beri cht vom 12. Juni 2015 fest, dass A.A.____ seit rund drei Jahren in der Schule viel gefehlt habe und schon in der Primarschulzeit immer wieder krankgeschrieben gewesen sei. In der Sekundarschul e habe A.A.____ im ersten Se- mester 60 Tage gefehlt und im zweiten Semester habe sie lediglich einen Vormittag (am 1. Juni 2015) die Schule besucht, obwohl der Vater praktisch w öchentlich versichere, A.A.____ werde in der drauffolgenden Woche wieder zur Schule gehen. A.A.____ leide gemäss Familie und Arztberichte seit 2,5 Jahren an immer wiederkehrenden Ba uchschmerzen. Ärztlich sei immer wieder auf das Übergewicht von A.A.____ hingewiesen wo rden. Der schulische Stand sei vom Schulpsychologischen Dienst und dem Heilpädagogen auf vie rte bis fünfte Klasse geschätzt worden, obwohl sich A.A.____ in der sechsten Klasse befin de. Die Sozialarbeiterin beantragte eine Abklärung bei der KJP. Es solle die gesundheitliche und soziale Gesamtsituation beurteilt sowie abgeklärt werden, wie die schulische Entwicklung gesi chert und durch welche Massnah- men die Gesamtsituation von A.A.____ verbessert werden könne. Des Weiteren empfahl die Sozialarbeiterin die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft. 5.3. Die KESB bat am 10. Februar 2016 die Kinderschu tzgruppe des Spitals D.____ um eine Beratung im Falle A.A.____. In ihrem Bericht vo m 17. Februar 2016 führt die Kinder- schutzgruppe aus, dass sich bei A.A.____ multiple Probleme zeigen würden, welche sich trotz intensiven medizinischen Abklärungen bislang nur teilweise durch somatische Ursachen erklä- ren liessen. Aktuell stünden Bauchschmerzen im Vordergrund , für die trotz multiplen Untersu- chungen keine körperlichen Ursachen hätten eruiert werd en können. Aus ihrer Sicht scheine eine psychosomatische Ursache der Beschwerde stark im Vord ergrund zu stehen. Es bestün- den zudem Diskrepanzen bei den Schilderungen der Beschw erden durch den Vater und durch A.A.____. Eine fundierte psychiatrische Abklärung von A.A .____ habe bisher nicht stattgefun- den. Diese Beschwerden hätten dazu geführt, dass A.A._ ___ im letzten Jahr die Schule prak- tisch nicht mehr besucht habe. Durch diese Absenzen bes tünde die Gefahr, dass sie den An- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht schluss in der Schule komplett verpasse, was eine spätere b erufliche Zukunft gefährde. Des Weiteren bestehe eine massive Adipositas. Bisher habe tro tz Intervention keine nachhaltige Gewichtsreduktion erzielt werden können. Aktuell sei das Übergewicht in einem Ausmass, bei welchem das Risiko für körperliche Folgeschäden stark zunehme . Für die Kinderschutzgruppe stelle sich die Frage, ob die Ziele des Vaters, dass A.A._ ___ Kickprofi werden solle, sich mit den Zielen von A.A.____ decken würden und ob die Beschw erden nicht allenfalls ein Vorwand seien, um sich dem Training zu entziehen. 5.4. A.A.____ wurde im Verlauf der letzten Jahre mehr eren Operationen unterzogen. Ge- mäss Bericht von Dr. G.____ vom 29. September 2016 bestand ein Status nach: - offener Hernienversorgung mit präperitonealer Netze inlage am 11. Mai 2016 bei umbilikalem Trokarhernien rezidiv, - offener Trokarhernienversorgung mittels Direktnaht a m 8. Juli 2015 im Spital D.____, - laparoskopischer Appendektomie am 22. April 2015 im S pital D.____, - Kreuzbandoperation links am 14. August 2014, - Behandlung einer Pyelonephritis rechts März 2016 (Nier enbeckenentzündung). Am 3. Februar 2017 wurde A.A.____ erneut operiert. Festgestellt wurden intraabdominelle Ad- häsionen (vgl. Bericht von Prof. Dr. med. J.____, Facharzt Chirurgie FMH, Klinik K.____). 5.5. Im Bericht des Spitals D.____ vom 31. Juli 2015 wi rd ausgeführt, es hätten seit mehre- ren Monaten abdominelle Beschwerden mit Hauptausprägun g im Unterbauch bestanden. Schliesslich habe sich die Verdachtsdiagnose neurogene App endikopathie bestätigt. Hierbei handle es sich um eine spezielle Form einer chronischen Bl inddarmentzündung. Es habe eine laparoskopische Appendektomie (operative Entfernung des Wu rmfortsatzes am Blinddarm) stattgefunden. Zum Zeitpunkt der Operation habe sich im Präparat des Blinddarms sogar eine akute Entzündung nachgewiesen. A.A.____ sei nach der Oper ation, die am 22. April 2015 er- folgt sei, vollkommen beschwerdefrei gewesen. Leider s ei es im Weiteren im Rahmen physio- therapeutischer Massnahmen zu neuen akut aufgetretenen Schmerzen gekommen. Es sei eine Narben-Hernie/Trokar-Hernie umbilical festgestellt worden. Dies sei eine mögliche Komplikation nach laparoskopischen Eingriffen. Am 9. Juli 2015 sei die operative Revision der Narben-Hernie im Bereich des Laparoskopie-Zuganges am Nabel erfolgt. Im Schreiben von Dr. med. L.____, Facharzt FMH und Allgemeinmedizin, an die Familie A.____ vom 16. Juli 2015 wird unter ande- rem ausgeführt, dass sich seit dem Telefongespräch mit I.____, Sozialarbeiterin in C.____, vom 12. Juni 2015 gezeigt habe, dass wirklich somatische Ursachen für die anhaltenden Bauch- schmerzen bestanden hätten, welche eine nochmalige Operation notwendig machen würden. 5.6. Im Januar 2016 wurden die Schrauben aus dem Knie von A.A.____ operativ entfernt. Am 11. Mai 2016 wurde A.A.____ wiederum operiert. G emäss Arztzeugnis von Prof. Dr. med. M.____, Spital D.____, lautete die Diagnose “Kleine Rezidiv-Trokarhernie umbilikal“. Bei der Operation wurde eine “Offene Hernienversorgung mit p räperitonealer Netzeinlage“ durchge- führt. Nach einer gewissen (fast) schmerzfreien Zeit wu rde A.A.____ ab September 2016 wie- der von Schmerzen geplagt (vgl. auch Bericht der Klinik K. ____ vom 12. Januar 2017). Als Ur- sache wurde eine Adhäsion einer Dünndarmschlinge (vgl. S chreiben von Dr. F.____ vom Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 19. Oktober 2016; ärztliches Zeugnis von Dr. G.____ vom 1. November 2016; Schreiben von Dr. G.____ vom 29. September 2016 und vom 16. Novemb er 2016). Sowohl Dr. G.____ als auch Dr. F.____ führen in ihren Berichten aus, dass ihr er Meinung nach kein psychologisches, psychosomatisches oder psychisches Problem vorliege (ärztliches Ze ugnis von Dr. G.____ vom 1. November 2016, Anmerkungen von Dr. F.____ in se inem Bericht vom 27. November 2016) und dass A.A.____ durch die Eltern gut betreut se i (Schreiben von Dr. F.____ vom 19. Oktober 2016; Schreiben von Dr. G.____ vom 1. Deze mber 2016). Am 3. Februar 2017 wurde A.A.____ erneut operiert. Die postoperative Diagnose von Prof. Dr. J.____ lautete: “Bride von umbilikal zu Dünndarmschlinge, sonst keine weiteren Adh äsionen des Dünndarmes“ (Die Bride bezeichnet in der Medizin einen Narbenstrang in d er Bauchhöhle. Man spricht auch all- gemein von Verwachsungen oder intraabdominellen Adhäsi onen; https://de.wikipedia.org/wiki/ Bride). Prof. Dr. J.____ hält in seinem Bericht fest, dass der intraoperative Befund mit der Bride das Beschwerdebild der Patientin erkläre. Dr. G.____ e rklärt in ihrem Schreiben vom 17. Februar 2017, dass A.A.____ am 17. Februar 2017 n ach dem Mittagessen Bauchkrämpfe und Blutauflagerungen im Stuhl gehabt habe. 5.7. Aus den Akten geht hervor, dass A.A.____ in den le tzten Jahren unzählige Male not- fallmässig ins Spital eingeliefert wurde und im März 20 16 eine Nierenbeckenentzündung hatte. Im Bericht von Dr. F.____ vom 27. November 2016 steht, dass bei A.A.____ seit Monaten das CRP leicht erhöht sei, ebenso die Leukozyten. (Das CRP ist ein Eiweiß, das bei Entzündungen im Körper vermehrt im Blut vorhanden ist; https://de.wikipedia.org/wiki/C-reaktives_Protein). 5.8. Dr. G.____ führt in ihrem Bericht vom 1. Dezembe r 2016 aus, A.A.____ seit Juli 2016 als Hausärztin zu betreuen und sich mittlerweile sehr gu t in die Krankengeschickte eingelesen zu haben. A.A.____ stehe seit April 2015 regelmässig in ärztlicher Behandlung initial bei Dr. F.____ und seit Juli 2016 bei ihr. Sie sehe A.A. ____ mindestens einmal pro Woche und nehme sie als schmerzgeplagte Patientin wahr, welche tr otz allem im Eigenstudium sehr gute schulische Leistungen erbringe. Ihrer Meinung nach täusche A.A.____ die Schmerzen nicht vor. Sie habe A.A.____ schon mehrfach körperlich untersucht und zudem würden laborchemische sowie computertomographische Befunde vorliegen. Seit Wo chen leide A.A.____ täglich unter krampfartigen Bauchschmerzen mit einer Schmerzscala 8 - 10 und müsse deswegen teils star- ke Schmerzmittel nehmen. So gut wie sie A.A.____ kenne ngelernt habe, kenne sie den Vater mittlerweile ebenfalls sehr gut und könne von ihrer Seite nur sagen, einen besorgten und sehr gut betreuenden Vater zu sehen, der alles dafür in die Wege leite, dass es seiner Tochter gut gehe. 5.9. Gemäss Bericht des Spitals D.___, Abteilung Schmerzth erapie, vom 18. November 2015 wog A.A.____ 144 kg bei einer Grösse von 1.72 m. Zudem wird dort ausgeführt, dass A.A.____ seit August 2014 20 bis 40 kg zugenommen habe n. Anlässlich der Anhörung von A.A.____ vom 14. Juni 2016 erklärt A.A.____ zu dem Ze itpunkt 142 kg zu wiegen. Sie habe in der letzten Zeit 13 kg durch eine Diät, welche ihr Va ter ihr zusammengestellt habe, abgenom- men. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1. Aufgrund der Unterlagen zeigt sich, dass A.A.____ in den letzten Jahren mehrere Ope- rationen und eine Vielzahl von Arztbesuchen, Notfallbesu chen, Untersuchungen und Therapie- sitzungen, wie z.B. Schmerztherapien, wahrgenommen hat. Des Weiteren ergibt sich aus den Unterlagen, dass die Beschwerdeführer dem Spital D.___ _ Fehldiagnosen und -behandlung vorwerfen (siehe z.B. Anhörungsprotokoll der KESB vom 14. Juni 2016). A.A.____ hat früher geboxt. Anlässlich der Anhörung von A.A.____ am 14. Juni 2016 hat Letztgenannte ausgeführt, vor den Verletzungen bzw. Schmerzen fünf Mal die Woche je eine Stunde trainiert plus am Wo- chenende Sparringtraining gehabt zu haben. 6.2. Die KESB stützt ihre Massnahmen unter anderem auf den Bericht der Sozialarbeiterin I.____ vom 12. Juni 2015, den Bericht der Kinderschut zgruppe des Spitals D.____ vom 17. Februar 2016 und die zwei Gefährdungsmeldungen de r Schule. In den bis zu jenem Zeit- punkt erfolgten ärztlichen Berichten findet sich öfters die Aussage, es fänden sich keine somati- schen Ursachen für die Beschwerden von A.A.____. Wie die o perative Entfernung des Wurm- fortsatzes am Blinddarm vom 22. April 2015 zeigte, litt A.A.____ an einer speziellen Form einer chronischen Blinddarmentzündung. Nach kurzer Zeit traten wieder Schmerzen auf. Die Opera- tion vom 9. Juli 2015 bestätigte, dass sich bei A.A.____ e ine Narben-Hernie im Bereich des Laparoskopie-Zuganges am Nabel gebildet hatte, welche als somatische Ursache für A.A.____s Bauchschmerzen anerkannt wurde. Im Januar 2016 wurden die Schrauben aus dem Knie operativ entfernt. Am 11. Mai 2016 wurde bei A. A.____ wieder einer Hernie festgestellt und operiert (kleine Rezidiv-Trokarhernie umbilikal). Na ch einer kurzen schmerzfreien Zeit wur- de A.A.____ wieder von Schmerzen geplagt. Sowohl Dr. G.____ als auch Dr. F.____ führen in ihren Berichten vom 1. November 2016 bzw. 27. November 2016 aus, dass ihrer Meinung nach kein psychologisches, psychosomatisches oder psychisches Problem v orliege. Am 3. Februar 2017 wurde A.A.____ wieder operiert wegen einer Dün ndarmschlinge. Der operierende Profes- sor führt aus, dass der intraoperative Befund das Beschwerdebild der Patientin erkläre. 6.3. Die Operationen haben jeweils gezeigt, dass somat ische Gründe für die Schmerzen von A.A.____ vorlagen. Der Bericht der Kinderschutzgruppe wurde zu einem Zeitpunkt verfasst, als “erst“ zwei Bauchoperationen durchgeführt worden wa ren. Erst im Nachhinein stellte sich jeweils heraus, dass die Schmerzen von A.A.____ somatisch begründbar waren. Spätestens im Zeitpunkt der Verfügung der KESB ist aufgrund der ver schiedenen Operationsberichte und des Verlaufs der gesundheitlichen Probleme von A.A.____ davon auszugehen, dass die Schmerzen von A.A.____ somatisch erklärbar waren und sind. So erkl ären sowohl Dr. G.____ als auch Dr. F.____ in ihren Berichten vom 1. November 2016 b zw. 27. November 2016, dass ihrer Mei- nung nach kein psychologisches, psychosomatisches oder psychisches Problem vorliege. Auch im Operationsbericht betreffend die Operation vom 3. Februar 2017 wird erklärt, dass der Be- fund das Beschwerdebild der Patientin erkläre. Das gesam te Ausmass der Erkrankung zeigt, dass die Beschwerden von A.A.____ somatisch erklärbar sind. Auch ist die Aussage der Kin- derschutzgruppe, der Vater habe das Ziel, dass A.A.____ Kickprofi werden solle und A.A.____ sich dann durch Angaben von Schmerzen dem Training entzie hen wolle, durch nichts unter- mauert. Es liegt demzufolge kein Grund dafür vor, A.A._ ___ einer stationären psychosomati- schen Abklärung zu unterziehen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4. A.A.____ wog gemäss Bericht des Spitals D.____, A bteilung Schmerztherapie, vom 18. November 2015 144 kg. Anlässlich der Anhörung von A.A.____ vom 14. Juni 2016 erklärt A.A.____ zu dem Zeitpunkt 142 kg zu wiegen, nachdem sie 13 kg abgenommen habe. Die Ge- wichtsproblematik von A.A.____ ist nicht zu unterschätzen und stellt sicherlich eine gesundheit- liche Gefährdung für A.A.____ dar. A.A.____ hat bis vo r der Knieverletzung 5 Mal pro Woche Boxtraining und am Wochenende noch Sparringtraining gehabt. Das Problem des Übergewichts bestand in einem gewissen Rahmen möglicherweise schon seit längerer Zeit. Aufgrund der Umstände ist jedoch davon auszugehen, dass die starke Gewicht szunahme mit den gesund- heitlichen Problemen von A.A.____ im Zusammenhang ste ht. Die starke Gewichtszunahme ist mit den gesundheitlichen Problemen von A.A.____, mit den starken Schmerzen und dem ein- hergehenden Bewegungsmangel, mit der Einnahme der vie len Schmerzmittel, der Priorität der Genesung von A.A.____ und mit dem Einstellen einer vor her grossen sportlichen Aktivität er- klärbar. Auch hat A.A.____ nach der Operation vom 11. Mai 2016, nach der sie während einer gewissen Zeit fast schmerzlos war, innert kurzer Zeit mit H ilfe ihres Vaters 13 kg abgenommen (vgl. Bericht von A.A.____ mit dem Titel “Historie der Operationen und Behandlungen von mir A.A.____“ vom 12. Juni 2016 und Anhörung von A.A.____ vom 14. Juni 2016). Aus der Tatsa- che, dass A.A.____ übergewichtig ist, kann demzufolge nicht geschlossen werden, dass die Eltern oder A.A.____ die Ernährung von A.A.____ und ihre Gewichtsproblematik nicht genü- gend angehen. Aus diesem Grund rechtfertigt das Überge wicht von A.A.____ nicht die Anord- nung von kindesschutzrechtlichen Massnahmen. 6.5. Die Schule hat zwei Gefährdungsmeldungen gemacht, da A.A.____ trotz immer wie- derkehrenden Versicherungen des Vaters seit Jahren die Sc hule so gut wie nicht besucht hat. Der Schulabsentismus ist sicherlich ein schwerwiegendes Probl em und bedeutet für A.A.____ eine Gefährdung in Bezug auf ihre berufliche Zukunft. Die Schule war verpflichtet, aufgrund des langen Schulabsentismus Gefährdungsmeldungen zu machen. Wi e die obigen Ausführungen aber zeigen, muss davon ausgegangen werden, dass somatisch e und nicht psychosomatische Probleme Grund dafür waren, dass A.A.____ die Schule n icht besuchen konnte. Auch sind kei- ne Gründe ersichtlich, die den Schluss zulassen, der Schu labsentismus sei Folge mangelnder Erziehungsfähigkeit der Eltern. Aufgrund der Akten ist nicht ersichtlich, dass die Schulbehörden die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft ha ben. Unter diesen Umständen ist nicht erstellt, dass das Subsidiaritätsprinzip gewahrt wurd e und die kindesschutzrechtlichen Massnahmen verhältnismässig sind. Die Schulbehörden haben mit den Eltern nach einer Lö- sung für die Beschulung von A.A.____ zu suchen. So ist a uch abzuklären, welche spezielle Beschulungsform für A.A.____ zu erfolgen hätte, wenn sie weiterhin gesundheitliche Probleme haben sollte. Sollte auf diesem Weg eine angemessene Be schulungsform für A.A.____ nicht erreicht werden, wären erneut kindesschutzrechtliche Massnahmen zu prüfen. 7. Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass das Ki ndeswohl von A.A.____ auf- grund des Schulabsentismus, der allfälligen damit einhe rgehenden sozialen Isolation und des Übergewichts gefährdet ist. Jedoch ist diesen Problemen durch die Eltern angemessen begeg- net worden bzw. es ist nicht erstellt, dass der schulische n Situation von A.A.____ nicht durch entsprechende Massnahmen der Schulbehörden begegnet w erden kann, so dass sowohl die Anordnung einer Beistandschaft als auch die Anordnung e iner stationären psychosomatischen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärung nicht verhältnismässig sind. Die Beschwerde ist de mzufolge gutzuheissen und die Ziffern 1 bis 4 und die Ziffer 9 des Entscheids der KESB vom 7. November 2016 sind aufzuhe- ben. 8.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. Gest ützt auf § 20 Abs. 1 VPO in Ver- bindung mit § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskoste n in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Wobei den Vorinstanzen gemäss § 20 Abs. 3 und 4 VPO nur Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn sie das Kantonsgericht in Anspruch nehmen. Demzufolge werden keine Verfahrenskosten erhoben. Den Beschwerdeführern ist folgl ich der bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- zurückzuerstatten. 8.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden (§ 21 Abs. 1 VPO). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer macht in seiner Honorarnote vom 9. März 2017 für die Zeit vom 14. Jun i 2016 bis zum 9. März 2017 und damit für das vorinstanzliche (Zeit vom 14. Juni 2016 bis 24. Oktober 2016) und das kantonsgerichtli- che Verfahren (Zeit vom 9. November 2016 bis zum 9. März 2017) einen Aufwand von 14.92 Stunden und Spesen in der Höhe von Fr. 257.95.-- geltend. Auf das kantonsgerichtliche Verfah- ren entfallen davon ein Zeitaufwand von 9 Stunden un d Spesen von rund Fr. 150.--, was nicht zu beanstanden ist. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer macht für das Verfahren vor der KESB einen Aufwand von 5.92 Stunden und Spesen von rund Fr. 107.95 geltend. Gemäss § 69 Abs. 4 EG ZGB in Verbindung mit § 22 Abs. 1 des Verwal tungsverfahrensgesetzes Basel- Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 wird im erstinsta nzlichen Verfahren in der Regel kei- ne Parteientschädigung zugesprochen. Demzufolge wird den Beschwerdeführern für das Ver- fahren vor der KESB keine Parteientschädigung zugespro chen. Die Vorinstanz hat den Be- schwerdeführern damit für das kantonsgerichtliche Verfah ren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘592.-- (9 Stunden à Fr. 250.-- inkl. Auslagen in der Höhe von Fr. 150.--, alles zuzüglich 8.0% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen we rden die Parteikosten wettge- schlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden die Ziffe rn 1 bis 4 und die Zif- fer 9 des Entscheids der Kindes- und Erwachsenenschutzbehör de B.____ vom 7. November 2016 aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der beza hlte Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1‘800.-- wird den Beschwerdef ührern zurück- erstattet. 3. Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführern für das ka ntonsgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 2‘592.-- (inkl. Auslagen und 8.0% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übri gen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin