Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2018 (760 18 113 / 199) ____________________________________________________________________ Familienzulagen Auslandaufenthalt nicht als Ausbildung anerkannt. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtss chreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen Familienausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Ausbildungszulagen für Tochter B.____ A. Am 11. Oktober 2017 reichte A.____ der Familiena usgleichskasse Basel-Landschaft (Kasse) eine Ausbildungsbestätigung ein, wonach ihr e 1997 geborene Tochter B.____ vom 28. August 2017 bis zum 22. Juni 2018 beim C.____ P rogramm in Schweden an einem „full- time education programm“ teilnehme. Mit Schreiben v om 20. Oktober 2017 ersuchte die Kasse um weitere Unterlagen und Informationen zu diesem P rogramm. Nachdem B.____ am 17. No- vember 2017 eine schriftliche Begründung für ihr Studienjahr am C.____ sowie weitere Unterla- gen zum Programm eingereicht hatte, verfügte die Ka sse gegenüber A.____ am 1. Dezember 2017 die Ablehnung des Anspruchs auf Ausbildungszul agen für B.____ ab 1. August 2017. Ei- ne dagegen am 12. Januar 2018 erhobene Einsprache v on A.____ wies die Kasse mit Ein- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht spracheentscheid vom 8. März 2018 nach Sichtung weiterer im Einspracheverfahren einge- reichter Unterlagen ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 9. April 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landsch aft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die Kasse zu verpflichten, die ihr zustehen- den Ausbildungszulagen für die Zeit vom 1. August 2017 bis 30. Juni 2018 auszurichten, unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung machte sie unter Hinwe is auf eine tags darauf eingereichte, weitere Bestätigung der C.____ im Wesentlichen geltend , dass das klar vorgegebene Schul- programm mindestens 20 Lektionen pro Woche umfasse. Auss erdem sei gewährleistet, dass auch die Nachmittage in englischer Sprache abgehalten würden. Das von B.____ absolvierte Brückenjahr sei deshalb als Ausbildung zu qualifizieren. C. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 23. Mai 2018 au f Abweisung der Beschwer- de. Die Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben sich, soweit für den Entscheid von Bedeutung, aus den nachfolgenden Erwägungen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Am 1. Januar 2009 ist das Bundesgesetz über die Fam ilienzulagen (Familienzulagenge- setz, FamZG) vom 24. März 2006 in Kraft getreten, welch es das kantonale Familienzulagenge- setz (FaZG) vom 9. Juli 2005 ersetzt. Gemäss Art. 1 FamZG sind die Bestimmungen des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 auf die Familienzulagen anwendbar, soweit das Fa mZG nicht ausdrücklich eine Abwei- chung vom ATSG vorsieht. Nach Art. 60 Abs. 1 ATSG in V erbindung mit § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 kann gegen Einspracheentscheide der Versicherungstr äger innert 30 Tagen beim Kan- tonsgericht Beschwerde erhoben werden. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist der A nspruch der Beschwerdeführerin auf Ausbildungszulagen für ihre Tochter B.____ ab 1. Augu st 2017 von monatlich Fr. 250.-- zu be- urteilen. Die Angelegenheit ist somit präsidial zu entscheiden. 2.1 Nach Art. 3 FamZG umfassen die Familienzulagen die Kinder- und die Ausbildungszula- gen. Die Ausbildungszulage wird ab Ende des Monats, in dem das Kind das 16. Altersjahr voll- endet, bis zum Abschluss der Ausbildung ausgerichtet, längs tens jedoch bis zum Ende des Monats, in dem es das 25. Altersjahr vollendet (Art. 3 A bs. lit. b FamZG). Gemäss Art. 1 der Verordnung über die Familienzulagen vom 31. Oktober 2007 (FamZV) besteht ein Anspruch auf Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Ausbildungszulage für Kinder, die eine Ausbildun g im Sinne von Artikel 25 Absatz 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- u nd Hinterlassenenversicherung (AHVG) absolvieren. 2.2 Art. 25 Abs. 5 Satz 2 AHVG beauftragt den Bundesra t, den Begriff der Ausbildung zu regeln, was dieser mit den auf den 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Art. 49 bis und 49 ter der Verordnung zur Alters- und Hinterlassenenversicherung (AH VV) vom 31. Oktober 1947 getan hat. Nach Art. 49 bis AHVV ist ein Kind in Ausbildung, wenn es sich auf der Grundlage eines ord- nungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannte n Bildungsganges systematisch und zeitlich überwiegend entweder auf einen Berufsabsc hluss vorbereitet oder sich eine Allge- meinausbildung erwirbt, die Grundlage für den Erwerb verschiedener Berufe bildet (Abs. 1). Als in Ausbildung begriffen gilt ein Kind aber auch dann, wenn es sogenannte Brückenangebote wahrnimmt wie Motivationssemester, Vorlehren, Au pair -Einsätze sowie Sprachaufenthalte, sofern diese Angebote einen Anteil an Schulunterricht enthalten (Abs. 2). Die Ausbildung gilt mit einem Berufs- oder Schulabschluss beendet (Art. 49 ter Abs. 1 AHVV). Sie gilt ausserdem auch dann als beendet, wenn sie ab- oder unterbrochen wird oder wenn ein Anspruch auf eine Inva- lidenrente entsteht (Abs. 2). Nicht als Unterbrechung i m Sinne von Abs. 2 gelten – sofern die Ausbildung unmittelbar danach fortgesetzt wird – übli che unterrichtsfreie Zeiten und Ferien von längstens vier Monaten, Militär- oder Zivildienst von l ängstens fünf Monaten und gesundheits- oder schwangerschaftsbedingte Unterbrüche von längstens zwölf Monaten (Abs. 3 lit. a-d). 2.3 Die Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicheru ngen (BSV) über die Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (RWL; Stand 1. Januar 2018) hält in diesem Zusammenhang fest, dass die systematisc he Vorbereitung erfordert, dass das Kind die Ausbildung mit dem objektiv zumutbaren Ei nsatz betreibt, um sie innert nützlicher Frist abschliessen zu können. Während der Ausbildung muss sic h das Kind zeitlich überwie- gend dem Ausbildungsziel widmen. Dies gilt nur dann als erfüllt, wenn der gesamte Ausbil- dungsaufwand (Lehre im Betrieb, Schulunterricht, Vorlesungen, Kurse, Vor- und Nachbereitung, Prüfungsvorbereitung, Selbststudium, Verfassen einer Di plomarbeit, Fernstudium etc.) mindes- tens 20 Stunden pro Woche ausmacht. Der effektive Ausbil dungsaufwand kann teilweise nur mittels Indizien, mit dem Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit, eruiert werden. Dabei ist insbesondere auch auf Auskünfte des Ausbildung sanbieters über die durchschnittlich aufzuwendende Zeit für die jeweilige Ausbildung abzustellen. Wer wöchentlich nur eine geringe Anzahl Kurslektionen besucht (z.B. 4 Lektionen abends) u nd daneben zur Hauptsache arbeitet (ohne Ausbildungscharakter) oder auch gar keinem Erwerb nachgeht, vermag den erforderli- chen überwiegenden Ausbildungsaufwand nur schwer nachzuw eisen. RWL Rz. 3360 f. nennt folgendes Beispiel: Eine bei der Abschlussprüfung geschei terte Lehrabgängerin, die im an- schliessenden Jahr lediglich ein paar wenige Repetitionsk urse belegt, befindet sich nicht mehr in Ausbildung, wenn es ihr nicht gelingt, einen überwiegenden Ausbildungsaufwand nachzuwei- sen. Übt das Kind lediglich eine praktische Tätigkeit au s, um sich dabei einige Branchenkennt- nisse und Fertigkeiten anzueignen, um die Anstellungscha ncen bei schwieriger Beschäfti- gungssituation zu verbessern oder um eine Berufswahl zu t reffen, liegt ebenfalls keine Ausbil- dung vor (RWL Rz. 3362; Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2008, 9C_223/2008, E. 1.2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Auch ein Praktikum wird als Ausbildung anerkannt, wenn es gesetzlich oder reglementa- risch entweder für die Zulassung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung vorausgesetzt ist, oder wenn es zum Erwerb eines Diploms oder eines B erufsabschlusses verlangt wird (Rz. 3361 RWL). Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, so wird ein Praktikum trotzdem als Aus- bildung anerkannt, wenn es für eine bestimmte Ausbil dung faktisch geboten ist und mit dem Antritt des Praktikums auch tatsächlich die Absicht besteh t, die angestrebte Ausbildung zu rea- lisieren (BGE 139 V 209) sowie wenn das Praktikum im b etreffenden Betrieb höchstens ein Jahr dauert (BGE 140 V 299). Dabei wird nicht verlan gt, dass das Kind während eines Prakti- kums schulischen Unterricht besucht. Übt das Kind jedoch led iglich eine praktische Tätigkeit aus, um sich dabei einige Branchenkenntnisse und Fertigke iten anzueignen, um die Anstel- lungschancen bei schwieriger Beschäftigungssituation zu v erbessern oder um eine Berufswahl zu treffen, liegt keine Ausbildung vor (Beispiel: Praktikum in einer Filmproduktionsfirma nicht als Ausbildung anerkannt gemäss Urteil des Bundesgerichtes vom 1. April 2008; 9C_223/2008). Kinder, die zwischen der Schulzeit und einer Anschlusslösung (wie beispielsweise eine Lehr- stelle) ein Brückenangebot in Form eines Motivationssemesters (arbeitsmarktliche Massnahme) oder eine berufsorientierende Vorlehre wahrnehmen, befinden sich in Ausbildung. Vorausset- zung ist jedoch, dass ein Schulanteil (Schulfächer, Werkstat tunterricht) von mindestens acht Lektionen (à 45 bis 60 Minuten) pro Woche Bestandteil dieser Zwischenlösung ist (Rz. 3363 RWL). Kinder, die sich in einem fremdsprachigen Gebiet als Au Pair betätigen oder in einem fremdsprachigen Gebiet einen Sprachaufenthalt machen, befinden sich nur dann in Ausbildung, sofern mindestens vier Schullektionen (à 45 bis 60 Minut en) pro Woche Bestandteil der Ausbil- dung sind (Rz. 3364 RWL). 2.5 Verwaltungsweisungen, zu welchen auch die RWL zähle n, richten sich an die Durchfüh- rungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht ni cht verbindlich. Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie e ine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzliche n Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht deshalb nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vor gaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen ein e rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 257 ff. E. 3.2 mit Hinweisen). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsat z gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist jedoch , dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnot wendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherungs gerichts ist, für die Zusammentra- gung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversi cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.2 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen ei ne vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vg l. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung al s verfügende Instanz und – im Beschwer- defall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur d ann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsr echt hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmeh r jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 4.1 Im angefochtenen Einspracheentscheid hat die Kasse de n Ausbildungszulagenanspruch mit der Begründung abgelehnt, dass es sich bei dem von B.____ besuchten Praktikum bei der C.____ nicht um eine anerkannte Ausbildung handle. In ihrer Vernehmlassung weist sie präzi- sierend darauf hin, dass keine Bestätigung vorliege, wona ch das bei der C.____ absolvierte Programm für einen angestrebten Studiengang anerkannt oder reglementarisch verlangt würde. Ebenso fehle es an konkreten Informationen und Unterlagen hinsichtlich der Absolvierung eines bestimmten Studiengangs. Schliesslich stelle das von B.___ _ absolvierte Programm bei der C.____ weder einen Sprachaufenthalt dar, noch führe dieses zu einem Zertifikat oder Leis- tungsausweis in englischer Sprache. Die Beschwerdeführerin lässt demgegenüber vorbringen, dass sich B.____ während des gesamten Jahres im Ausland i n der C.____ befinde. Deren ge- samter Unterricht sowie sämtliche Arbeiten und Präsentat ionen würden in Englisch abgehalten. Bei den in der C.____ zu bearbeitenden Themen würde es sich teilweise um anspruchsvolle Herausforderungen handeln, für die eine fortgeschritt ene Sprachkompetenz erforderlich sei. Das Brückenangebot werde daher ohne Zweifel zu sehr gu ten Englischkenntnissen führen. Be- standteil dieses Brückenjahres seien jeweils Vormittage m it schulischer Ausbildung. Nachmit- tags fänden unterschiedliche Aktivitäten statt, die teilw eise ebenfalls schulische Elemente um- fassen würden. Der Schulunterricht würde mindestens 20 Lektionen pro Woche umfassen und ausserdem gewährleisten, dass auch die Gruppentätigkeit nachmittags in Englisch abgehalten würde. 4.2 Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten gebl ieben, dass es sich bei dem von B.____ absolvierten Auslandjahr bei der C.____ weder u m einen rechtlich noch faktisch aner- kannten Bildungsgang handelt. Nichts desto trotz gilt ein Kind gemäss Art. 49 bis Abs. 2 AHVV jedoch auch dann in Ausbildung begriffen, wenn es sog enannte Brückenangebote wie insbe- sondere Motivationssemester oder Sprachaufenthalte wahrnimmt. Ein derartiges Praktikum wird den auch von der Beschwerdeführerin zitierten Bestimmung en der einschlägigen Wegleitung zufolge – von welchen abzuweichen vorliegend keine Ver anlassung besteht – einerseits dann Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht als Ausbildung anerkannt, wenn es gesetzlich oder regle mentarisch für die Zulassung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung vorausgesetzt ist, oder wenn es zum Erwerb eines Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt wird. Diese Voraussetzungen sind hier klarerweise nicht gegeben. Jedenfalls liegen keinerlei Anhaltspunkte in den Akten, wonach das von der C.____ dargebotene Ausbildungsprogramm Voraussetzung für eine von B.____ angestrebte Ausbil- dung darstellen würde. Ausserdem ist bereits an dieser S telle festzustellen, dass ebenso wenig ein Au-Pair-Verhältnis oder ein Motivationssemester ge geben ist. Mit letzterem wird zwar – ab- weichend zu sonstigen Praktika (vgl. sogleich nachfolgen de Erwägung 4.3) – keine Ausbildung im Hinblick auf einen bestimmten Berufsabschluss durchlaufen ; ein Motivationssemester stellt indessen stets eine arbeitsmarktliche Massnahme dar, von welcher im vorliegenden Fall auszu- gehen weder ebenso wenig ein Hinweis in den Akten noch Veranlassung besteht. 4.3 Ein Praktikum ist während der Dauer höchstens eines Jahres allerdings auch dann als Ausbildung anzuerkennen, wenn es für eine bestimmte Ausbildung lediglich faktisch geboten ist und mit dessen Antritt auch tatsächlich die Absicht beste ht, die angestrebte Ausbildung zu rea- lisieren (RWL Rz. 3361.1). Der am 17. November 2017 bei der Kasse eingegangenen Begrün- dung von B.____ ist in diesem Zusammenhang zu entnehmen , dass unterschiedlichste Gründe für die Absolvierung ihres Studienjahrs bei C.____ be stehen würden. Unter anderem gehe es ihr darum, ihren persönlichen Herausforderungen ins Gesicht zu schauen, um ein darauffolgen- des längeres Studium zielgerichteter angehen zu können. Die bei der C.____ erlernten, sozia- len Fertigkeiten betrachte sie in therapeutischen und sozialen Berufen als unerlässlich. Sie möchte sich anschliessend in eine von diesen Richtungen bewe gen (Beilage 3 zur Vernehm- lassung). Aus dem Schreiben an die Kasse vom 12. Januar 20 18 geht sodann hervor, dass B.____ ein Brückenangebot wahrnehme, welches nebst eine r Verbesserung ihrer englischen Sprachkenntnisse auch als Vorbereitung verschiedener Ausbildungen diene (Beilage 5 zur Ver- nehmlassung). Es vermittle ihr die Grundlagen, um anschl iessend ihr Studium voraussichtlich im Bereich der sozialen Arbeit aufzunehmen (Beilage 7 zur Vernehmlassung). Aus diesen Darlegungen erhellt, dass B.____ Ende Augus t 2017, als sie das umstrittene Aus- landjahr begonnen und sich nach Schweden begeben hatte , noch keine klaren Vorstellungen über ihre berufliche Zukunft hatte. Insbesondere war i n diesem Zeitpunkt noch offen, ob und gegebenenfalls welches Studium sie nach ihrer Rückkehr ge nau in Angriff nehmen wird. Auch wenn das künftige Berufsziel im Bereich sozialer Arbeit dazumal zwar schon grob avisiert wor- den war, kann mit Blick auf die für eine Anerkennung a ls Ausbildung dargelegte Rechtslage nicht davon gesprochen werden, der in Angriff zu nehmende berufliche Werdegang sei im mas- sgebenden Zeitpunkt des Beginns des Auslandjahres bei der C.____ bereits geplant und damit konkret entschieden gewesen. Dies zeigt denn auch ein Blick auf den nur sehr allgemein gehal- tenen Kursbeschrieb der C.____, wonach deren Lehrplan die Teilnehmenden beim Erlernen von Fähigkeiten unterstütze, die für soziale Herausforde rungen zu erkennen wichtig sind (Bei- lage 8 zur Vernehmlassung). Es tritt hinzu, dass das Kurs programm offenbar einen nicht unbe- deutenden Bezug zu global-ökologischen Herausforderungen aufweist, welche mit dem von B.____ erwähnten Berufsziel im sozialen Bereich keinen en gen Sachbezug voraussetzen. Bei dieser Sachlage aber fehlt es an dem rechtsprechungsgem äss notwendigen Zusammenhang zwischen dem Aufenthalt in der C.____ und einem bestimm ten Berufsziel (BGE 139 V 209). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Soweit die Beschwerdeführerin bereits in ihrer Eingabe vom 12. Januar 2018 darauf hingewie- sen hatte, dass das Bundesgericht wiederholt bestätigt h abe, dass der Begriff der Ausbildung weit zu fassen sei (Beilage 7 zur Vernehmlassung), ist ihr mithin zu entgegnen, dass die strittige Ausbildung unabhängig von ihrem schulischen Pensenanteil stets einen Zusammenhang mit einem bestimmten Berufsziel aufweisen muss. Anders als be ispielsweise in der im Urteil des Bundesgerichts vom 8C_292/2016 vom 18. August 2016 vorge legenen Konstellation liegt hier gerade kein Fall vor, in welchem „tatsächlich“ bereits eine Absicht bestanden hat, eine bestimm- te, angestrebte Ausbildung konkret zu realisieren (a.a.O ., E. 5.2). Mangels einer tatsächlichen Absicht, eine konkrete Ausbildung anzustreben, kann das Zw ischenjahr der Tochter der Be- schwerdeführerin somit nicht als Praktikum anerkannt wer den. Daran vermag nichts zu ändern, dass die durch Absolvierung eines C.____-Praktikums erworben en „Creditpoints“ im Rahmen des „European Credit Transfer System“ (ECTS) für einen Abschluss im Sozialbereich anerkannt werden. Eine ECTS-Grundlage alleine vermag noch keine rechtliche oder faktische Anerken- nung als Ausbildung zu rechtfertigen. Bei diesem Zwisch energebnis kann deshalb zugleich da- hin gestellt bleiben, wie hoch der schulische Ausbildungs anteil im Rahmen des absolvierten C.____-Programms ausfällt. 4.4 Während die Beschwerdeführerin in ihrer vorangeh enden Einsprache (Beilage 7 zur Vernehmlassung) in erster Linie noch damit argumentie rt hatte, ihre Tochter nehme ein Brü- ckenangebot wahr, welches ihr die Grundlagen vermittle, um anschliessend ein Studium vo- raussichtlich im Bereich der sozialen Arbeit aufzunehmen ( vgl. soeben Erwägung 4.3), begrün- det sie ihre Beschwerde vorliegend nunmehr insbesonder e auch damit, dass das Brückenan- gebot ohne Zweifel zu sehr guten Englischkenntnissen führe werde. Das Eidgenössische Versi- cherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2008: Bundesgeri cht, Sozialrechtliche Abteilungen) hat allerdings schon früh erkannt, dass auch ein Sprachaufen thalt im Ausland nur soweit als Be- standteil einer Ausbildung gilt, als zwischen einem solche n Sprachaufenthalt und dem ange- strebten Berufsziel ein Zusammenhang besteht. Im Weitere n hat es festgestellt, dass wer sich ins Ausland begibt, um dort seine Sprachkenntnisse zu ve rbessern, ohne eine ausreichende feststehende Ausbildung in Aussicht genommen zu haben, sich nicht in Ausbildung befindet (BGE 102 V 209 E. 3). Dem Gesagten zufolge liegt vo rliegend kein Fall vor, in welchem zu Be- ginn des Praktikumsjahres bereits eine Absicht bestanden ha t, eine angestrebte Ausbildung konkret zu realisieren (oben, Erwägung 4.3). Damit feh lt es aber auch unter dem Titel eines Sprachaufenthaltes an dem rechtsprechungsgemäss erforde rlichen Zusammenhang zwischen Aufenthalt und Ausbildung. Die sinngemäss damit verbundene Argumentation der Beschwerde- führerin, wonach gute Englischkenntnisse beinahe in jede m Beruf vorausgesetzt würden, mag zwar zutreffen. Daraus zu folgern, dass der Aufenthalt in Schweden ohne Rücksicht darauf, dass er ohne konkretes Berufsziel angetreten worden ist, a ls Ausbildung zu gelten habe, wider- spräche aber der dargelegten Rechtsprechung. Daran ist festzuhalten (vgl. auch Urteil des So- zialversicherungsgerichts Zürich vom 22. September 2006, AB 2005.00122). Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 5. Von der Erhebung von Verfahrenskosten ist gemäss Art. 61 lit. a ATSG abzusehen. Die ausserordentlichen Kosten sind gemäss Art. 61 lit. g ATSG wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.