<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">6S.24/2002/kra </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> K A S S A T I O N S H O F </div> <div class="para"> ************************* </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Sitzung vom 25. Juni 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Schubarth, Präsident des </div> <div class="para">Kassationshofes, Bundesrichter Schneider, Wiprächtiger, </div> <div class="para">Kolly, Karlen und Gerichtsschreiberin Schild Trappe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons Z ü r i c h, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">X.________ Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt </div> <div class="para">Kurt Zollinger, Bahnhofstrasse 61, Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> betreffend </div> <div class="para"> bedingter Strafvollzug </div> <div class="para"> (Fahren in angetrunkenem Zustand), </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- X.________ lenkte am 17. November 2000 um 16.45 </div> <div class="para">Uhr mit einer Blutalkoholkonzentration von 2,32 bis 3,13 </div> <div class="para">Gewichtspromille seinen Personenwagen "Daimler" in Zürich </div> <div class="para">von der Talstrasse in Richtung Bürkliplatz, um an seinen </div> <div class="para">Wohnort in Herrliberg zurückzukehren. Bei der Verzweigung </div> <div class="para">Talstrasse/Bürkliplatz missachtete er das Rotlicht und </div> <div class="para">verursachte dadurch eine Kollision mit einem korrekt von </div> <div class="para">rechts kommenden Lieferwagen, was je geringe Sachschäden </div> <div class="para">an beiden Fahrzeugen zur Folge hatte. Ohne am Unfallort </div> <div class="para">anzuhalten, fuhr X.________ über die Quaibrücke weiter. Er </div> <div class="para">wurde von dem ihn daraufhin verfolgenden Lieferwagenlenker </div> <div class="para">beim Rotlicht am Bellevue eingeholt und aufgefordert, bei </div> <div class="para">der wenige Meter davon entfernten Bushaltestelle am </div> <div class="para">Bellevue anzuhalten. Zwar bog X.________ dort ein und </div> <div class="para">hielt kurz an. Er setzte seine Fahrt dann aber gleich </div> <div class="para">wieder fort und lenkte seinen Wagen - immer noch vom </div> <div class="para">Lenker des Lieferwagens verfolgt - weiter durch den </div> <div class="para">Utoquai. Dann bog er links ab und beendete seine Fahrt </div> <div class="para">erst im Hinterhof an der Dufourstrasse 73, d.h. mehr als </div> <div class="para">500 Meter vom Unfallort entfernt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Bereits am 9. Juni 1995 war X.________ wegen </div> <div class="para">Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von <span class="artref">Art. 91 Abs. </span></div> <div class="para">1 SVG sowie wegen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 90 Ziff. 1 SVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 31 Abs. 1 </span></div> <div class="para">SVG zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten Gefängnis, </div> <div class="para">dies unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer </div> <div class="para">Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von Fr. </div> <div class="para">10'000.-- verurteilt worden. X.________ hatte beim damals </div> <div class="para">zu beurteilenden Vorfall vom </div> <div class="para">3. Februar 1995 kurz nach Mitternacht eine Blutalkohol- </div> <div class="para">konzentration von mindestens 2,71 Gewichtspromille aufge- </div> <div class="para">wiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B.- Am 11. Mai 2001 sprach der Einzelrichter in </div> <div class="para">Strafsachen des Bezirksgerichts Zürich X.________ schuldig </div> <div class="para">des Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von <span class="artref">Art. 91 </span></div> <div class="para">Abs. 1 SVG sowie der groben Verletzung einer Verkehrsregel </div> <div class="para">im Sinne von <span class="artref">Art. 90 Ziff. 2 SVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 27 </span></div> <div class="para">Abs. 1 SVG und <span class="artref">Art. 68 Abs. 1 SSV</span> und verurteilte ihn zu </div> <div class="para">einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten Gefängnis, dies </div> <div class="para">unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer </div> <div class="para">Probezeit von vier Jahren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- Gegen dieses Urteil legten sowohl X.________ wie </div> <div class="para">auch die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich Berufung </div> <div class="para">ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Am 2. November 2001 sprach das Obergericht des </div> <div class="para">Kantons Zürich, II. Strafkammer, X.________ schuldig des </div> <div class="para">Fahrens in angetrunkenem Zustand im Sinne von <span class="artref">Art. 91 Abs. </span></div> <div class="para">1 SVG, der groben Verletzung einer Verkehrsregel im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 90 Ziff. 2 SVG</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 27 Abs. 1 </span></div> <div class="para">SVG und <span class="artref">Art. 68 Abs. 1 SSV</span>, der versuchten Vereitelung </div> <div class="para">einer Blutprobe im Sinne von <span class="artref">Art. 91 Abs. 3 SVG</span> in </div> <div class="para">Verbindung mit <span class="artref">Art. 22 Abs. 1 StGB</span> und des pflichtwidrigen </div> <div class="para">Verhaltens bei einem Unfall im Sinne von <span class="artref">Art. 92 Abs. 1 </span></div> <div class="para">SVG in Verbindung mit <span class="artref">Art. 51 Abs. 3 SVG</span> und </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 56 Abs. 1 VRV</span>. Es verurteilte X.________ zu einer </div> <div class="para">Freiheitsstrafe von sechs Monaten Gefängnis und zu einer </div> <div class="para">Busse von Fr. 5'000.--. Den Vollzug der Freiheitsstrafe </div> <div class="para">schob es bei einer Probezeit von fünf Jahren auf, und es </div> <div class="para">erteilte ihm die Weisung, sich während der Probezeit unter </div> <div class="para">Betreuung einer Fachstelle für Alkoholprobleme oder eines </div> <div class="para">Arztes seiner Wahl des Alkoholkonsums gänzlich zu ent- </div> <div class="para">halten. Das Obergericht lud das Amt für Justizvollzug ein, </div> <div class="para">die Einhaltung der Weisung zu überwachen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> D.- Mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde bean- </div> <div class="para">tragt die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, das ange- </div> <div class="para">fochtene Urteil wegen Verletzung von <span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 </span></div> <div class="para">Abs. 1 StGB aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an </div> <div class="para">die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> E.- X.________ beantragt in seiner Vernehmlassung die </div> <div class="para">Abweisung der Nichtigkeitsbeschwerde. Das Obergericht des </div> <div class="para">Kantons Zürich, II. Strafkammer, hat auf eine </div> <div class="para">Vernehmlassung verzichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Die Vorinstanz befasst sich sehr ausführlich mit </div> <div class="para">der Frage der subjektiven Voraussetzungen für die Gewäh- </div> <div class="para">rung des bedingten Strafvollzugs. Sie weist vorab auf den </div> <div class="para">tadellosen persönlichen wie auch automobilistischen Leu- </div> <div class="para">mund des Beschwerdegegners hin sowie darauf, dass er den </div> <div class="para">Behörden - mit Ausnahme der Vorstrafe aus dem Jahre 1995 - </div> <div class="para">noch nie negativ aufgefallen sei. Er lebe in geordneten, </div> <div class="para">soliden familiären Verhältnissen zusammen mit seiner eben- </div> <div class="para">falls erwerbstätigen Ehefrau und seinen beiden Kindern. Er </div> <div class="para">habe sich auch während des laufenden Verfahrens korrekt </div> <div class="para">und kooperativ verhalten. Allerdings sei zu beachten, dass </div> <div class="para">der Beschwerdegegner trotz all diesen sehr guten </div> <div class="para">allgemeinen familiären und beruflichen Rahmenbedingungen </div> <div class="para">erneut straffällig geworden sei. Er habe fast in gleicher </div> <div class="para">Weise wie beim ersten Mal erheblich dem übermässigen Alko- </div> <div class="para">holkonsum zugesprochen und eine grosse Gefahr für die </div> <div class="para">übrigen Strassenbenützer geschaffen. Die allgemeinen und </div> <div class="para">besonderen Rahmenbedingungen böten deshalb keine genügende </div> <div class="para">Gewähr dafür, dass der Beschwerdegegner nicht erneut in </div> <div class="para">gleicher Art und Weise straffällig werde. Beim ersten </div> <div class="para">Vorfall im Jahre 1995 habe der Beschwerdegegner der Länge </div> <div class="para">nach eine Schutzinsel überfahren und dabei zwei Insel- </div> <div class="para">schutzpfosten sowie einen Signalständer beschädigt. Hätten </div> <div class="para">sich damals auf dieser Schutzinsel Fussgänger befunden, </div> <div class="para">wären deren Leib und Leben in Gefahr gewesen. Auch diesmal </div> <div class="para">sei es zu einer - wenn auch nur harmlosen - Kollision </div> <div class="para">gekommen, die aber schlimmer hätte enden können, wenn </div> <div class="para">nämlich der neben dem Lieferwagen fahrende Motorradfahrer </div> <div class="para">nicht noch rechtzeitig hätte stark abbremsen können. Beide </div> <div class="para">Vorfälle hätten sich fast identisch abgespielt. Die erste </div> <div class="para">Trunkenheitsfahrt habe sich am Freitag, dem 3. Februar </div> <div class="para">1995, und die zweite nur fünfeinhalb Jahre später am </div> <div class="para">Freitag, dem 17. November 2000, ereignet. Es handle sich </div> <div class="para">in beiden Fällen um eine typische Vorwochenend-Trinkerei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Dem Beschwerdegegner sei die Problematik von Al- </div> <div class="para">kohol am Steuer sehr bewusst, sei er doch bei seinen </div> <div class="para">Gästen diesbezüglich vorsichtig. Zudem lasse er sein </div> <div class="para">Fahrzeug zu Hause, wenn er mit einem Lunch rechne. Zu </div> <div class="para">beachten sei aber, dass der Beschwerdegegner auf Grund </div> <div class="para">seiner beruflichen Tätigkeit, die zwingend Kundenkontakte </div> <div class="para">mit einschliesse, immer wieder mit der nicht voraussehba- </div> <div class="para">ren Situation konfrontiert sein werde, mit Kunden einen </div> <div class="para">Lunch einnehmen zu müssen. Für diese Fälle bestehe über- </div> <div class="para">haupt keine Gewähr, dass er nicht erneut zu viel Alkohol </div> <div class="para">konsumieren und dann ein Fahrzeug lenken würde. Selbst </div> <div class="para">sein eigener Arzt bestätige seine lockere und freie Be- </div> <div class="para">ziehung zu alkoholischen Getränken. Der Beschwerdegegner </div> <div class="para">leide zwar nicht an einer chronischen Alkoholsucht, ver- </div> <div class="para">liere jedoch in bestimmten Situationen die Kontrolle über </div> <div class="para">sein Trinkverhalten, was sich trotz seinen verbalen Beteu- </div> <div class="para">erungen wiederholen könne. Auch nach dem ersten äusserst </div> <div class="para">gefährlichen Vorfall habe er beteuert, die Konsequenzen </div> <div class="para">gezogen zu haben, was aber durch sein erneutes Delinquie- </div> <div class="para">ren widerlegt sei. Die spezialpräventive Wirkung des Aus- </div> <div class="para">weisentzugs dürfe bei der Frage der Gewährung des beding- </div> <div class="para">ten Strafvollzugs nicht ausser Acht gelassen werden; der </div> <div class="para">Führerausweis sei dem Beschwerdegegner mit Verfügung vom </div> <div class="para">29. Juni 2001 mit Wirkung vom 17. November 2000 bis und </div> <div class="para">mit 16. Dezember 2001 für die Dauer von 13 Monaten ent- </div> <div class="para">zogen worden. Mit Verfügung vom 4. September 2001 sei </div> <div class="para">diese Massnahme jedoch auf Grund der Zusage zum Besuch des </div> <div class="para">bfu-Kurses (bfu: Schweizerisches Büro für Unfallverhütung) </div> <div class="para">vorzeitig aufgehoben worden. Der Entzug habe demzufolge </div> <div class="para">nicht einmal ein ganzes Jahr gedauert. Bei dieser Sachlage </div> <div class="para">könne nicht von einer erheblichen Einschränkung des Be- </div> <div class="para">schwerdegegners durch den Ausweisentzug, welcher einen be- </div> <div class="para">sonders nachhaltigen Eindruck auf ihn machen würde, ge- </div> <div class="para">sprochen werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Zum Einwand, eine unbedingte Freiheitsstrafe </div> <div class="para">hätte für den Beschwerdegegner in beruflicher Hinsicht </div> <div class="para">eine sehr einschränkende Wirkung, selbst wenn er diese in </div> <div class="para">Halbgefangenschaft verbüssen könnte, bemerkt die Vorin- </div> <div class="para">stanz, dass wohl jeder Freiheitsentzug eine Beeinträchti- </div> <div class="para">gung in der beruflichen Betätigung bedeute. Darauf sei im </div> <div class="para">Rahmen des Vollzugs so weit wie möglich Rücksicht zu neh- </div> <div class="para">men. Bei der Prüfung der Frage der Gewährung des bedingten </div> <div class="para">Strafvollzugs dürfe dies aber nicht zu einer Zweiklassen- </div> <div class="para">justiz führen in dem Sinne, dass Angehörigen von gewissen </div> <div class="para">Berufen, wie etwa Fernfahrern oder Nachtwächtern, der be- </div> <div class="para">dingte Strafvollzug nur deshalb gewährt werden müsste, </div> <div class="para">weil sie ihre Freiheitsstrafe nicht in Halbgefangenschaft </div> <div class="para">verbüssen könnten. Aus diesem Grund könne auch das Argu- </div> <div class="para">ment des Beschwerdegegners nicht gehört werden, er sei </div> <div class="para">sehr strafempfindlich, weil eine unbedingte Freiheits- </div> <div class="para">strafe ihn härter treffen würde, als dies bei einer Person </div> <div class="para">mit permanenter Tätigkeit in der Schweiz der Fall wäre. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Hingegen sei zu beachten, dass der Beschwerdegeg- </div> <div class="para">ner im Berufungsverfahren neu vorbringe, dass er seit dem </div> <div class="para">Vorfall vom November 2000 eine Totalabstinenz einhalte, </div> <div class="para">und seine diesbezüglichen Ausführungen auch belege. In </div> <div class="para">diesem Zusammenhang bestätige sein Hausarzt zuhanden des </div> <div class="para">Institutes für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM), </div> <div class="para">dass er den Beschwerdegegner seit dem Ereignis vom 17. No- </div> <div class="para">vember 2000 in regelmässigen Abständen zu Allgemeinunter- </div> <div class="para">suchungen, zur Überprüfung der Labor-Tests und zu Gesprä- </div> <div class="para">chen sehe und die Einhaltung einer Alkoholtotalabstinenz </div> <div class="para">seit dem 18. November 2000 bestätigen könne. Diese Alko- </div> <div class="para">holtotalabstinenz stehe aber im Zusammenhang mit der Wie- </div> <div class="para">deraushändigung des Führerausweises. In der Verfügung be- </div> <div class="para">treffend Führerausweisentzug werde nämlich auf den Unter- </div> <div class="para">suchungsbericht vom 17. Mai 2001 verwiesen, in welchem der </div> <div class="para">Amtsarzt am IRM feststelle, dass die Fahreignung des Be- </div> <div class="para">schwerdegegners nur bei Einhaltung einer Alkoholtotalab- </div> <div class="para">stinenz bejaht werden könne. Gestützt darauf habe das </div> <div class="para">Strassenverkehrsamt am 4. September 2001 eine Alkoholto- </div> <div class="para">talabstinenz angeordnet und verfügt, dass der Beschwerde- </div> <div class="para">gegner sich unter Betreuung der zuständigen Fachstelle für </div> <div class="para">Alkoholprobleme oder eines Arztes seiner Wahl des Alkohol- </div> <div class="para">konsums gänzlich zu enthalten habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Da der Beschwerdegegner seit dem 18. Novem- </div> <div class="para">ber 2000 totalabstinent sei, er den Kurs des bfu besuche </div> <div class="para">und ihm der Führerausweis unter Auflage einer Totalabsti- </div> <div class="para">nenz wieder erteilt worden sei, sei davon auszugehen, dass </div> <div class="para">er nun die notwendigen Konsequenzen gezogen habe. Auf </div> <div class="para">Grund dieser neuen Tatsache könne ihm nochmals der be- </div> <div class="para">dingte Strafvollzug gewährt werden. Den trotzdem bestehen- </div> <div class="para">den Bedenken sei dadurch Rechnung zu tragen, dass die </div> <div class="para">Probezeit auf die längste mögliche Dauer von fünf Jahren </div> <div class="para">anzusetzen sei. Zudem sei dem Beschwerdegegner gestützt </div> <div class="para">auf <span class="artref">Art. 41 Ziff. 2 StGB</span> die Weisung zu erteilen, sich </div> <div class="para">unter Betreuung einer Fachstelle für Alkoholprobleme oder </div> <div class="para">eines Arztes seiner Wahl während der Probezeit des Alko- </div> <div class="para">holkonsums gänzlich zu enthalten. Mit der Überwachung </div> <div class="para">dieser Weisung sei das Amt für Justizvollzug zu beauf- </div> <div class="para">tragen. Es werde Sache dieser Amtsstelle sein, die genauen </div> <div class="para">Überwachungsmodalitäten mit dem Beschwerdegegner zu re- </div> <div class="para">geln. Anzumerken bleibe, dass es angezeigt erscheine, den </div> <div class="para">Beschwerdegegner jeweils ohne entsprechende Vorankündigung </div> <div class="para">kurzfristig zu den einzelnen Kontrollen aufzubieten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Die Beschwerdeführerin sieht <span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 </span></div> <div class="para">Abs. 1 StGB verletzt. Der Beschwerdegegner habe sich nicht </div> <div class="para">"nur" des Fahrens in einem ganz erheblich angetrunkenen </div> <div class="para">Zustand schuldig gemacht, sondern überdies versucht, sich </div> <div class="para">einer Blutprobe zu entziehen, obwohl er sowohl unmittelbar </div> <div class="para">nach der Kollision als auch nach der Quaibrücke bei der </div> <div class="para">Bushaltestelle am Bellevue vom Geschädigten aufgefordert </div> <div class="para">worden sei anzuhalten. In diesem Benehmen komme eine </div> <div class="para">gewisse Abgeschlagenheit zum Ausdruck, welche ebenfalls </div> <div class="para">gegen eine günstige Prognose spreche. Ein nachvollzieh- </div> <div class="para">barer oder gar einfühlbarer aussergewöhnlicher Trinkanlass </div> <div class="para">sei nicht ersichtlich; im Gegenteil habe der Beschwerde- </div> <div class="para">gegner einfach einer Einladung Folge geleistet, um dann </div> <div class="para">ganz massiv dem Alkohol zuzusprechen, darum wissend, dass </div> <div class="para">sich in der Tiefgarage desselben Gebäudes sein Fahrzeug </div> <div class="para">befunden habe, mit welchem er anschliessend noch nach </div> <div class="para">Hause fahren würde. All dies sei vor dem Hintergrund einer </div> <div class="para">einschlägigen früheren Verurteilung zu einer Freiheits- </div> <div class="para">strafe und eines vom 3. Februar 1995 bis 2. Juli 1995 </div> <div class="para">dauernden Führerausweisentzuges geschehen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Vorinstanz habe in Überschreitung ihres Er- </div> <div class="para">messens dem Beschwerdegegner letztlich nur deswegen den </div> <div class="para">bedingten Strafvollzug gewährt, weil er im Berufungsver- </div> <div class="para">fahren eine durch seinen Hausarzt bestätigte Alkoholtotal- </div> <div class="para">abstinenz geltend gemacht habe. Diese Abstinenz stehe im </div> <div class="para">Zusammenhang mit der Wiederaushändigung des Führeraus- </div> <div class="para">weises - ein Umstand, welcher klar deren Bedeutung </div> <div class="para">relativiere. Aus der dem Beschwerdegegner vom Strassen- </div> <div class="para">verkehrsamt am 4. September 2001 auferlegten Alkohol- </div> <div class="para">totalabstinenz könne nicht darauf geschlossen werden, dass </div> <div class="para">der Beschwerdegegner die notwendigen Konsequenzen gezogen </div> <div class="para">habe. Auch mit einer Weisung, sich während der Probezeit </div> <div class="para">des Alkoholkonsums gänzlich zu enthalten, lasse sich die </div> <div class="para">Gewährung des bedingten Strafvollzugs nicht begründen. Die </div> <div class="para">Einhaltung einer solchen Weisung sei im Übrigen schwer zu </div> <div class="para">überwachen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- a) Gemäss <span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB</span> kann der </div> <div class="para">Richter den Vollzug einer Freiheitsstrafe von nicht mehr </div> <div class="para">als 18 Monaten aufschieben, wenn Vorleben und Charakter </div> <div class="para">des Verurteilten erwarten lassen, er werde auch durch eine </div> <div class="para">bedingt vollziehbare Strafe von weiteren Delikten abgehal- </div> <div class="para">ten. Der Richter hat also eine Prognose über das zukünfti- </div> <div class="para">ge Verhalten des Täters zu stellen. Dabei steht dem Sach- </div> <div class="para">richter ein erhebliches Ermessen zu. Das Bundesgericht </div> <div class="para">hebt einen Entscheid auf, wenn die Vorinstanz nicht von </div> <div class="para">rechtlich massgebenden Gesichtspunkten ausgegangen ist </div> <div class="para">oder diese in Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermes- </div> <div class="para">sens unrichtig gewichtet hat. Bei der Prüfung, ob der </div> <div class="para">Verurteilte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet, </div> <div class="para">ist eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vor- </div> <div class="para">zunehmen. In die Beurteilung mit einzubeziehen sind neben </div> <div class="para">den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie </div> <div class="para">alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den </div> <div class="para">Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung </div> <div class="para">zulassen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=21&amp;from_date=20.06.2002&amp;to_date=09.07.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IV-97%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page97">BGE 118 IV 97</a> E. 2b). Für die Einschätzung des </div> <div class="para">Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit </div> <div class="para">unerlässlich. Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche </div> <div class="para">Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsverhal- </div> <div class="para">ten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Sucht- </div> <div class="para">gefährdungen usw. (Wiprächtiger, Strafzumessung und be- </div> <div class="para">dingter Strafvollzug, ZStrR 114/1996, S. 457, mit Hin- </div> <div class="para">weisen). Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum </div> <div class="para">Zeitpunkt des Entscheides mit einzubeziehen. Es ist unzu- </div> <div class="para">lässig, unter den nach <span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB</span> zu </div> <div class="para">berücksichtigenden Umständen einzelnen eine vorrangige </div> <div class="para">Bedeutung beizumessen und andere zu vernachlässigen oder </div> <div class="para">überhaupt ausser Acht zu lassen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=21&amp;from_date=20.06.2002&amp;to_date=09.07.2002&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IV-97%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page97">BGE 118 IV 97</a> E. 2b; 123 </div> <div class="para">IV 107 E. 4a). Wie bei der Strafzumessung müssen die Grün- </div> <div class="para">de im Urteil so wiedergegeben werden, dass sich die rich- </div> <div class="para">tige Anwendung des Bundesrechts überprüfen lässt (BGE 117 </div> <div class="para">IV 112 E. 3a). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Vorinstanz führt bei der Prüfung der sub- </div> <div class="para">jektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten </div> <div class="para">Strafvollzugs - abgesehen vom tadellosen persönlichen </div> <div class="para">Leumund - fast ausschliesslich Umstände auf, die gegen </div> <div class="para">eine günstige Prognose sprechen. Die schliesslich von ihr </div> <div class="para">gestellte gute Prognose wird - abgesehen vom Leumund - </div> <div class="para">schwergewichtig mit dem Umstand begründet, dass der Be- </div> <div class="para">schwerdegegner seit dem Vorfall vom November 2000 eine </div> <div class="para">Alkoholtotalabstinenz einhalte. Ganz am Ende ihrer Er- </div> <div class="para">wägungen äussert die Vorinstanz ihre trotzdem bestehenden </div> <div class="para">Bedenken und betont, dass dem Beschwerdegegner der be- </div> <div class="para">dingte Strafvollzug ohne die Abstinenz nicht hätte gewährt </div> <div class="para">werden können. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Zu prüfen ist, ob der Alkoholtotalabstinenz </div> <div class="para">die von der Vorinstanz beigemessene überragende Bedeutung </div> <div class="para">zukommt. Zur Feststellung der Alkoholtotalabstinenz stützt </div> <div class="para">sie sich auf das vom Hausarzt am 24. Oktober 2001 zuhanden </div> <div class="para">des IRM ausgestellte Zeugnis betreffend Fahreignung und </div> <div class="para">Alkohol, in dem dieser die Einhaltung derselben durch den </div> <div class="para">Beschwerdegegner seit dem 18. November 2000 bestätigt. </div> <div class="para">Gemäss <span class="artref">Art. 277bis Abs. 1 BStP</span> ist der Kassationshof an </div> <div class="para">die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz gebunden. </div> <div class="para">Dementsprechend ist davon auszugehen, dass der Beschwer- </div> <div class="para">degegner vom 18. November 2000 - zumindest - bis zum Zeit- </div> <div class="para">punkt der Ausfällung des vorinstanzlichen Urteils totalab- </div> <div class="para">stinent war. Keinen Beweis vermag das Zeugnis hingegen </div> <div class="para">hinsichtlich seiner zukünftigen Entwicklung zu erbringen. </div> <div class="para">Selbst der Nachweis einer bereits verhältnismässig lang </div> <div class="para">andauernden Einhaltung einer Alkoholtotalabstinenz ver- </div> <div class="para">möchte jedoch für sich alleine eine günstige Prognose bei </div> <div class="para">einem wie vorliegend doch recht schweren Rückfall von </div> <div class="para">Fahren in angetrunkenem Zustand noch nicht zu rechtfer- </div> <div class="para">tigen. Die Vorinstanz hat dementsprechend dem Beschwerde- </div> <div class="para">gegner auch die Weisung erteilt, sich unter Betreuung </div> <div class="para">einer Fachstelle für Alkoholprobleme oder eines Arztes </div> <div class="para">seiner Wahl während der auf die längste mögliche Dauer von </div> <div class="para">fünf Jahren angesetzten Probezeit weiterhin gänzlich des </div> <div class="para">Alkoholkonsums zu enthalten. Mit der Überwachung dieser </div> <div class="para">Weisung wurde das Amt für Justizvollzug beauftragt, das </div> <div class="para">auch die Überwachungsmodalitäten zu regeln hat. Nach </div> <div class="para">Einschätzung der Vorinstanz wäre es aber angezeigt, den </div> <div class="para">Beschwerdegegner jeweilen ohne Vorankündigung kurzfristig </div> <div class="para">zu den einzelnen Kontrollen aufzubieten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Es ist prinzipiell nicht zu beanstanden, dass die </div> <div class="para">Vorinstanz der Alkoholtotalabstinenz in diesem Fall eine </div> <div class="para">grosse Bedeutung beigemessen hat. Nachdem sie aber selber </div> <div class="para">bekundet hat, sie gewähre dem Beschwerdegegner gestützt </div> <div class="para">darauf nur mit Bedenken den bedingten Strafvollzug, hätte </div> <div class="para">sie dies nur tun dürfen, wenn sie stärker dafür besorgt </div> <div class="para">gewesen wäre, dass diese Abstinenz auch weiterhin einge- </div> <div class="para">halten wird. Bei einer solchen Ausgangslage leistet auch </div> <div class="para">die Weisung, wonach der Beschwerdegegner weiterhin total- </div> <div class="para">abstinent zu sein habe und sich dabei auch von einem Arzt </div> <div class="para">seiner Wahl betreuen lassen kann, keine hinreichende Ge- </div> <div class="para">währ für die weitere konsequente Einhaltung der Abstinenz. </div> <div class="para">Daran vermag auch die ebenfalls unsicher anmutende Anord- </div> <div class="para">nung einer - noch nicht hinreichend definierten - Über- </div> <div class="para">wachung nichts zu ändern. Dementsprechend wäre eine güns- </div> <div class="para">tige Prognose nur gerechtfertigt, wenn beispielsweise die </div> <div class="para">Alkoholtotalabstinenz nach der Weisung regelmässig durch </div> <div class="para">einen unabhängigen Facharzt überprüft wird und wenn über- </div> <div class="para">dies sichergestellt ist, dass der Beschwerdegegner jeder- </div> <div class="para">zeit zu einer unangemeldeten Kontrolle aufgeboten werden </div> <div class="para">kann. Ohne diese Rahmenbedingungen durfte vorliegend nicht </div> <div class="para">eine günstige Prognose gestellt werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Vorinstanz hat mit der Annahme einer guten </div> <div class="para">Prognose ohne diese Rahmenbedingungen das ihr zustehende </div> <div class="para">Ermessen überschritten und damit <span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 </span></div> <div class="para">StGB verletzt. Dies führt zur Gutheissung der Nichtig- </div> <div class="para">keitsbeschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Ur- </div> <div class="para">teils. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Es werden keine Kosten erhoben. Bei diesem Aus- </div> <div class="para">gang des Verfahrens sind keine Parteientschädigungen aus- </div> <div class="para">zurichten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Die Nichtigkeitsbeschwerde wird im Sinne der </div> <div class="para">Erwägungen gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des </div> <div class="para">Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 2. November 2001 </div> <div class="para">aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die </div> <div class="para">Vorinstanz zurückgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Es werden keine Kosten erhoben und keine Partei- </div> <div class="para">entschädigungen ausgerichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Oberge- </div> <div class="para">richt des Kantons Zürich, II. Strafkammer, schriftlich </div> <div class="para">mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> _____________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 25. Juni 2002 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Im Namen des Kassationshofes </div> <div class="para"> des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para"> Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>