B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-8439/2015 U r t e i l v o m 1 6 . M ä r z 2 0 1 6 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Angela Stettler, Advokatur Kanonen- gasse, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. November 2015 / N (…). E-8439/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamili- scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ (Nordprovinz), verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am (…), gelangte auf dem Luftweg nach Italien und von dort in einem Auto am 29. November 2010 in die Schweiz, wo er am 30. November 2010 ein Asylgesuch einreichte. Er wurde am 9. Dezember 2010 zur Person befragt (Protokoll: SEM-Akte A1). Die Anhö- rung zu den Gesuchsgründen fand am 29. Juli 2013 statt (Protokoll: A15). A.b Mit Verfügung vom 2. August 2013 wies das damalige Bundesamt für Migration (BFM, heute SEM) das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab , verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 6. September 2013 hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 20. März 2014 gut und wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entschei- dung an die Vorinstanz zurück. B. B.a Der Beschwerdeführer liess durch seinen damaligen Rechtsvertreter am 24. Dezember 2014 Fotos und Internetausdrucke von vier exilpoliti- schen Veranstaltungen einreichen. B.b An seiner ergänzenden Anhörung vo m 9. März 2015 (Protokoll: A33) brachte der Beschwerdeführer vor, er habe Probleme mit der sri-lankischen Armee gehabt und werde gesucht, weil er mit Mitgliedern der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zusammen gewesen sei. Er habe im Jahr 2008 damit begonnen, die LTTE zu unterstützen, unter anderem mit Le- bensmitteln. Im März 2008 sei er festgenommen, nach LTTE -Mitgliedern gefragt und geschlagen worden. Nach einem Tag habe man ihn freigelas- sen; danach habe er eine wöchentliche Meldepflicht gehabt. Er habe auf- grund der Schläge eine Rückenverletzung erlitten und sei deswegen vo- rübergehend im Spital und während mehrere r Monate in Behandlung ge- wesen. Am 10. Mai 2010 habe die Armee ihn noch einmal gesucht, als er gerade am Einkaufen gewesen sei. Als ihm seine Mutter davon erzählt habe, sei er aus Angst zum Haus seines Onkels gegangen und später aus- gereist. E-8439/2015 Seite 3 In der ersten Anhörung hatte er zudem geltend gemacht, bereits während der Schulzeit die LTTE unterstützt zu haben, indem er bei diversen Anläs- sen bei den Vorbereitungen und der Dekoration geholfen habe. Ausserdem habe er sie informieren müssen, wenn die sri -lankische Armee in der Ge- gend gewesen sei. Er reichte seine sri-lankische Identitätskarte, einen Geburtsregisterauszug mit englischer Übersetzung und ein Notizbuch des C._______ aus dem Jahr 2008 ein. B.c Mit Ei ngabe vom 17. März 2015 übermittelte er einen Bericht des D._______ vom (…) und ein psychologisch -neuropsychologisches Gut- achten von PD Dr. phil. E._______ vom (…), welche Unterlagen er bereits im Rahmen des ersten Beschwerdeverfahrens beim Bundesverwaltungs- gericht eingereicht hatte. Am 18. März 2015 ging beim SEM ein ärztlicher Bericht von Dr. med. F._______ vom (…) ein. Am 22. Juni 2015 erkundigte er sich nach dem Stand des Verfahrens. B.d Das SEM stellte mit Verfügung vom 27. November 2015 – eröffnet am 30. November 2015 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei- genschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und nahm ihn zufolge unzumutbaren Wegweisungsvoll- zugs vorläufig auf. C. Der Beschwerdeführer liess diese Verfügung mit Eingabe seiner Rechts- vertreterin vom 29. Dezember 2015 anfechten und beantragte in materiel- ler Hinsicht, die Dispositivziffern 1 –3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und Rechtsverbeiständung sowie Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte er die Kopie eines Polizeirapports vom 25. August 2013 und zwei Fotos von Demonstrationen in der Schweiz ein. D. Der Instruktionsrichter hiess die Gesuche um Gewä hrung der unentgeltli- chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung mit Verfügung vom 7. Januar 2016 gut, forderte den Beschwerdeführer zur Einreichung einer E-8439/2015 Seite 4 Fürsorgebestätigung auf und ordnete ihm MLaw Angela Stettler als unent- geltliche Rechtsbeiständin bei. Die Fürsorgebestätigung wurde dem Gericht am 12. Januar 2016 über- mittelt. E. Das SEM bestätigte in der Vernehmlassung vom 14. Januar 2016 seine Einschätzung, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers auch unter Be- rücksichtigung seiner kognitiven Defizite den Anforderungen an die Glaub- haftigkeit nicht genügen würden, bezweifelte die vorgebrachte Tätigkeit als Organisator von politischen Anlässen in der Schweiz und führte aus, dem eingereichten Polizeirapport sei ein geringer Beweiswert beizumessen. F. Der Besc hwerdeführer replizierte am 2. Februar 2016 , die Glaubhaftig- keitsprüfung sei den besonderen Umständen nicht angepasst und seine persönliche Glaubwürdigkeit nicht beachtet worden. Bei der Organisation von exilpolitischen Anlässen habe er lediglich mitgeholf en, was unter Be- rücksichtigung seines psychischen Defizits sehr wohl plausibel sei. Am 10. März 2016 reichte die Rechtsvertreterin ihre Honorarnote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die E-8439/2015 Seite 5 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Bereich des Asylrechts nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden ; a ls ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, die Neubewertung der Risikoprofile infolge der Lageanalyse zu Sri Lanka führe grundsätzlich nicht zur Neubeurteilung der Glaubhaftigkeit von Asyl- vorbringen. Vorliegend seien aber verschiedene ärztliche Unterlagen zu berücksichtigen, namentlich das neuropsychologische Zeugnis vom (…), in welchem dem Beschwerdeführer eine kognitive Wahrnehmung auf nied- rigem Niveau attestiert werde, welche ihm nicht erlaube, erlebte Ereignisse kohärent und in sich geschlossen darzustellen. Es dürften daher keine allzu hohen Anforderungen an Struktur und Chronologie der Schilderungen ge- stellt werden. E-8439/2015 Seite 6 Seine Vorbringen würden jedoch Unstimmigkeiten enthalten, welche allein durch die genannte ärztliche Einschätzung nicht zu erklären seien. Er habe einerseits angegeben, die LTTE letztmals zwei Jahre vor seiner Verhaftung unterstützt zu haben, anderseits aber ausgeführt, seine Unterstützungstä- tigkeit erst wenige Wochen vor der Verhaftung aufgenommen zu haben. Dies erstaune selbst unter der Annahme, da ss er die Tätigkeit aufgrund von Gedächtnisschwierigkeiten zeitlich nicht eingrenzen könne, zumal er ohne Not genaue Jahreszahlen genannt habe. Es erschliesse sich auch nicht, auf welche Weise der Kontakt zu den LTTE zustande gekommen sein solle. Gemäss seinen Aussagen sei er nicht Mitglied gewesen und in keinem direkten Kontakt zur Organisation gestanden, habe aber bei der Vorbereitung von Anlässen mitgeholfen und Meldung über die Bewegun- gen der Armee erstattet, wobei der Kontakt über seine beiden Freunde er- folgt sei. Er habe allerdings erst im März 2008 von deren Zugehörigkeit zu den LTTE erfahren. Diese logische Lücke habe er auch auf Nachfrage nicht zu schliessen vermocht. Die Hintergründe der Verhaftung könnten damit nicht zu einem schlüssigen Ganzen zu sammengefügt werden. In dieses Bild würden sich auch seine Ausführungen zur geltend gemachten Fest- nahme einfügen, welche einerseits bei ihm zu Hause, andererseits auf halbem Weg zum Tempel erfolgt sein solle. Danach habe man ihn gezwun- gen, in ein Fahrzeug einzusteigen respektive zu Fuss ins Camp zu gehen. In der ersten Anhörung habe er angegeben, eine Nacht und zwei Tage lang festgehalten worden zu sein; gemäss seinen Angaben an der ergänzenden Anhörung habe die Festhaltung von frühmorgens bis zum Abend des sel- ben Tages gedauert. Auf Vorhalt des Widerspruchs habe er sich nicht erin- nern können, ob er im Camp übernachtet habe. Auch unter Berücksichti- gung allfälliger Gedächtnisprobleme hätte hier erwartet werden können, dass er zumindest den groben Ablauf der In haftierung hätte wiedergeben können, zumal es sich um ein einschneidendes Ereignis und das Kernvor- bringen seines Asylgesuches handle. Weiter sei er nach der Freilassung einen Monat im Krankenhaus und ein halbes Jahr bettlägerig gewesen, wolle aber auf der anderen Seite gleich nach seiner Freilassung nach Hause zurückgekehrt sein, wo er sich auf sein alltägliches Leben konzentriert habe. Ausserdem habe er während etwa dreier Monate respektive während eines Monats bis zweier Monate oder einiger Wochen wöchentlich Unterschrift leisten müssen. Aus diesen Aussagen lasse sich kein Gesamtbild herstellen. Sein mehrwöchiger Kran- kenhausaufenthalt und die wöchentliche Meldepflicht würden sich gegen- seitig ausschliessen. Allein mit seinen Erinnerungsproble men lasse sich auch dieser Widerspruch nicht erklären. Zudem habe er das Verschwinden E-8439/2015 Seite 7 seiner Freunde in keine schlüssige Chronologie bringen können. Auch sei nicht ersichtlich, weshalb die sri-lankischen Behörden im Jahr 2010, mithin zwei Jahre nach seiner Freilassung im März 2008, in welchen er die LTTE nicht mehr unterstützt habe und nichts Besonderes vorgefallen sei, plötz- lich wieder Interesse an ihm bekundet haben sollte n. Auch seine Flucht durch das ganze Land ohne jede persönliche Kontrolle erscheine ange- sichts der damaligen Lage in Sri Lanka wenig realitätsnah. An den Namen im gefälschten Pass habe er sich im Juli 2013 nicht erinnern können, im März 2015 dagegen schon. Es sei ihm damit auch vor dem Hintergrund der eingereichten ärztlichen Unterlagen n icht gelungen, eine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen. Seine Herkunft aus dem Norden Sri Lankas, sein Alter von (…) im Zeitpunkt der Ausreise sowie die Ausreise selbst könnten allenfalls die Aufmerksam- keit der sri-lankischen Behörden ihm gegenüber bei einer Rückkehr nach Sri Lanka erhöhen. Es bestehe aber kein begründeter Anlass zur An- nahme, er hätte Massnahmen zu befürchten, welche über einen sogenann- ten Background-Check hinausgehen würden. Es sei nicht von Verfolgungs- massnahmen auszugehen. An dieser Einschätzung vermöge sein nieder- schwelliges exilpolitisches Engagement in der Schweiz nichts zu ändern. Seine Teilnahme an einer LTTE-freundlichen Kundgebung im (…) und an weiteren Anlässen sei keineswegs als extensiv zu bezeichnen und dürfte kaum das Interesse der sri-lankischen Behörden geweckt haben. Er erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft nicht. 4.2 In der Beschwerde wurde ausgeführt, dem neuropsychologischen Gut- achten vom (…) sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer einen In- telligenzquotient v on 78 habe und sich seine kognitiven Leistungen auf niedrigem bis niedrigstem Niveau bewegen würden. Insbesondere sei sein bildliches Sinnverständnis beeinträchtigt, er verfüge über eine sehr geringe Belastbarkeit, schwache Aufmerksamkeit und ein äusserst schwaches lo- gisch-schlussfolgerndes Denk vermögen. Trotz der intakten Wahrneh- mungsgenauigkeit bleibe es ihm verwehrt, beobachtete Vorgänge in seiner Umwelt in ihrer Bedeutung zu begreifen. Um Details in Erinnerung zu be- halten, sei sein Gedächtnisraster zu g rob. Es sei wahrscheinlich, dass er dazu tendiere, Erinnerungslücken durch Konfabulation zu ersetzen, insbe- sondere wenn er unter Druck stehe. Ob die kognitiven Schwächen durch die geschilderten Misshandlungen verstärkt worden seien, lasse sich nicht klären. Er sei aber kaum in der Lage, erlebte oder beobachtete Gescheh- nisse kohärent und in sich geschlossen darzustellen oder sich an deren Chronologie zu erinnern. E-8439/2015 Seite 8 In der ergänzenden Anhörung habe es ihm grosse Schwierigkeiten berei- tet, sich an die Chronologie der Geschehnisse zu erinnern, und er habe seine Unterstützungstätigkeit für die LTTE nicht mehr genau datieren kön- nen. Dies sei Ausdruck seiner kognitiven Schwäche und werde durch die eingereichten Arztberichte erklärt. Dass er Jahreszahlen genannt habe, ob- wohl er sich nicht habe erinnern können, lasse sich mit der Tendenz zur Konfabulation erklären. Er habe jedoch mehrmals betont, dass er sich nicht genau erinnern könne. Ausserdem habe er sehr wohl erklärt, wie er in Kon- takt mit den LTTE gekommen sei. Einerseits sei seine Schulklasse aufge- fordert worden, sie zu unterstützen, und andererseits habe er später zwei Freunde gehabt, welche aktive LTTE -Mitglieder gewesen seien. Er habe viel Zeit mit ihnen verbracht und ausserdem weiterhin die LTTE unterstützt. Erst durch seine Verhaftung habe er erfahren, dass seine Freunde Mitglie- der der LTTE gewesen seien. Bezüglich der geltend gemachten Inhaftierung habe die Vorinstanz nur auf die hauptsächlich chronologischen Widersprüche abgestellt und die ärztli- chen Diagnosen völlig unberücksichtigt gelassen. Der Beschwerdeführer habe die Ereignisse im Militärcamp genau geschildert und mehrere Einzel- heiten erwähnt. Er habe sich daran erinnert, dass er frühmorgens festge- nommen worden sei, und habe die Festnahme genau geschildert. Er habe erwähnt, dass seine Identitätskarte konfisziert worden sei, dass er sich in die Kleider uriniert habe, dass vermummte Tamilen im Camp gewesen seien, welche LTTE-Mitglieder identifiziert hätten, dass er dort nicht habe schlafen können, weil er ständig befragt worden sei, und dass seine Augen die meiste Zeit verbunden gewesen seien. Deshalb habe er sich nicht mehr genau erinnern können, wie lange er festgehalten worden sei und ob er im Camp übernachtet habe. Dies betreffe jedoch die Chronologie d er Ereig- nisse und werde durch die ärztliche Diagnose erklärt. Die Vorinstanz hätte das berücksichtigen müssen. Der Einwand der Vorinstanz, dass sich der lange Spitalaufenthalt mit der wöchentlichen Meldepflicht nicht vereinbaren lasse, sei unbegründet. Er habe korrekt angegeben, dass er zuerst für einige Tage nach Hause zu- rückgekehrt und danach von seiner Mutter in ein Spital gebracht worden sei. Er sei ungefähr einen Monat lang hospitalisiert und danach bettlägerig gewesen. Gleichzeitig sei er meldepflichtig gewesen, da sich die sri-lanki- schen Behörden nicht um seinen Gesundheitszustand geschert hätten. Seine Vorbringen würden sich somit nicht gegenseitig ausschliessen. Er habe sich auch während des Spitalaufenthaltes einmal pro Woche auf den Posten begeben, was für meldepflichtige Personen üblich gewesen sei. E-8439/2015 Seite 9 Die Vorinstanz moniere, dass er die Chronologie zum Verschwinden seiner Freunde nicht korrekt wiedergegeben habe. Dies sei ihm jedoch, wie aus dem neuropsychologischen Gutachten hervorgehe, aufgrund seiner kogni- tiven Fähigkeiten gar nicht möglich gewesen. Indem es dies unbeachtet lasse, diskriminiere das SEM den Beschwerdeführer aufgrund seiner "mentalen Behinderung". Das gleiche gelte für den Namen im gefälschten Pass, was im Übrigen kein zentraler Punkt seiner Vorbringen sei. Schliess- lich sei er auf dem Weg nach Colombo nicht kontrolliert worden, da der Schwiegervater seines Onkels die Kontrolleure an den Checkpoints besto- chen habe. Aus seinen Aussagen könne demnach nicht auf die Unglaubhaftigkeit sei- ner Vorbringen geschlossen werden. Seine Schilderungen seien glaubhaft und würden mit den Länderberichten zur Situation in Sri Lanka überein- stimmen. Ausserdem habe das SEM nicht berücksichtigt, dass verschie- dene Arztberichte seine von der Folter herrührende n Rückenschmerzen bestätigen würden, und dass ein Polizeibericht eingereicht worden sei, wel- cher die Suche nach dem Beschwerdeführer belege. Die Vorinstanz habe den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hin- reichend Rechnung getragen und nicht beachtet, dass er die einzelnen Er- eignisse an sich glaubhaft geschildert habe und persönlich glaubwürdig sei. So habe er mehrmals auf seine Gedächtnisschwäche hingewiesen und immer wieder versucht, sich an die Chronologie zu erinnern. Es liege auf der Hand, dass er weitaus geschickter vorgegangen wäre, wenn er die Handlungen erfunden hätte. Beim Beschwerdeführer würden mehrere Risikofaktoren vorliegen, welche auf eine begründete Furcht vor Verfolgung hindeuten würden. Insbeson- dere habe er die LTTE unterstützt , und er wäre ein aus der Schweiz zu- rückkehrender abgewiesener Asylbewerber. Zudem sei dem eingereichten Polizeirapport zu entnehmen, dass er gesucht werde. Selbst wenn es sich bei seiner Unterstützung der LTTE um untergeordnete Tätigkeiten gehan- delt habe, würde er als Tamile bei einer Einreise ins Visier der sri -lanki- schen Behörden gelangen. Er würde ohne Reisepass reisen, wäre als ab- gewiesener Asylsuchender erkennbar, würde befragt und als LTTE -Sym- pathisant identifiziert und wahrscheinlich gefoltert werden. Zudem werde der Norden Sri Lankas de facto noch immer vom Militär regiert, und die Überwachung durch Sicherheitskräfte halte an. Er habe in der Schweiz an zahlreichen Demonstrationen gegen das sri - lankische Regime teilgenommen und bei der Organisation von Anlässen E-8439/2015 Seite 10 geholfen. Da die sri-lankische Diaspora überwacht werde, wäre er wegen seiner exilpolitischen Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Sri Lanka zusätz- lich gefährdet. Er erfülle demnach die Flüchtlingseigenschaft und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 4.3 Das SEM führte in der Vernehmlassung aus, auch bei gesuchstellen- den Personen mit kognitiven oder psychischen Defiziten sei eine Glau b- haftigkeitsprüfung vorzunehmen. D ie Prädispositionen der Person seien bei der Gewichtung zu berücksichtigen. Die beim Beschwerdeführer diag- nostizierte leichte Intelligenzminderung, die schwache Gedächtnisleistung und die festgestellte Schwierigkeit, die Bedeutung beobachteter Vorgänge zu begreifen, seien im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung berücksichtigt worden. Es sei von ihm kein schlussfolgerndes Denken oder Erkennen übergeordneter Zusammenhänge verlangt worden, sondern es sei um die blosse Wiedergabe von Selbsterlebtem gegangen. Zwar werde ihm auch diesbezüglich ein Defizit attestiert, im angefochtenen Entscheid sei indes- sen nicht auf Details oder Nebensächlichkeiten abgestellt worden. Viel- mehr hätten seine Angaben in den Kernpunkten direkte Widersprüche ent- halten. Es dürfe jedoch trotz der geschilderten Defizite erwartet werden, dass er beispielsweise anzugeben vermöge, ob er zu Fuss oder in einem Auto ins Camp gebracht worden sei und ob er dort übernachtet habe oder nicht. Es treffe nicht zu, dass er angegeben habe, nach der Freilassung zunächst für einige Tage nach Hause gegangen und danach von seiner Mutter ins Spital gebracht worden zu sein. Auch erschliesse sich nicht, dass er sich in der ersten Anhörung nicht an den Namen im Pass erinnert habe, ihm dieser aber zwei Jahre später wieder eingefallen sei. Auch unter Berück- sichtigung seiner kognitiven Defizite würden seine Vorbringen den Anfor- derungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. Dass er einerseits auf- grund seiner kognitiven Einschränkung nicht in der Lage sei, seine eigene Lebensgeschichte einigermassen kohärent wiederzugeben, und ander - seits in der Schweiz politische Anlässe organisiert haben solle, sei unwahr- scheinlich. Schliesslich sei der eingereichte Polizeirapport von geringem Beweiswert, zumal der darin enthaltene Vorwurf, er gehöre dem LTTE-Ka- der an, mit seinen Vorbringen nicht vereinbar sei. 4.4 Der Beschwerdeführer replizierte, die Glaubhaftigkeitsprüfung sei den besonderen Umständen nicht angepasst und es sei hauptsächlich auf Wi- dersprüche in der Chronologie der Ereignisse abgestellt worden. Bei der Inhaftierung und den in der Haft erlittenen Misshandlungen handle es sich E-8439/2015 Seite 11 um traumatisierende Ereignisse, was bei der Glaubhaftigkeit sprüfung zu berücksichtigen sei und seine widersprüchlichen Angaben erkläre. Mit der Aussage, er habe sich nach der Freilassung auf sein alltägliches Leben konzentriert, habe er sagen wollen, dass er keinen Kontakt mehr zu LTTE- Mitgliedern gehabt habe. Dies schliesse den vorgebrachten Krankenhaus- aufenthalt nicht aus. Bei der Organisation von exilpolitischen Anlässen habe er lediglich mitgeholfen, was unter Berücksichtigung seines psychi- schen Defizits sehr wohl plausibel sei. Sodann entziehe es sich dem Wis- sen des Beschwerdeführers, aus welchen Gründen die Polizei ihn als Ka- dermitglied der LTTE bezeichnet habe. Vermutlich wegen seiner Freund- schaft zu zwei LTTE -Mitgliedern und seiner Hilfeleistungen, und weil die Polizei damit seine Festnahme habe legitimieren können. 5. 5.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt zunächst fest, dass entgegen der Einschätzung des Beschwerdeführers keine Hinweise dafür bestehen, das SEM habe seiner diagnostizierten Intelligenzminderung respektive seinem kognitiven Defizit nicht angemessen Rechnung getragen. Im Gegenteil ergibt sich aus den Akten, dass seine Gedächtnisschwierigkeiten in der er- gänzenden Anhörung thematisiert und bei der Fragestellung berücksichtigt wurden. Er wurde nicht nur gefragt, wie sich die Gedächtnisschwierigkeiten äusserten und wie sich die ärztliche Behandlung gestalte (vgl. A33 F7 ff.), sondern auch darauf hingewiesen, dass es kein Problem sei, wenn er sich an etwas nicht erinnern könne (vgl. A33 F18), dass ihm wegen der nicht im Dossier befindlichen Dokumente kein Vorwurf gemacht werde und man ihn nicht in die Enge treiben wolle (vgl. A33 F89 ff.). Die Fragen waren einfach strukturiert, leicht verständlich und knüpften immer wieder ausdrücklich an seine Aussagen an, so dass er kaum den Faden verlieren konnte. Dies dürfte ihm die Bewältigung der Befragungssituation erheblich erleichtert haben. Dass angemessen auf ihn eingegangen und die Anhörung seinen Fähigkeiten angepasst wurde, wird durch die Bemerkung der Hilfswerks- vertretung bestätigt, wonach die Anhörung fair und korrekt durchgeführt worden und das Anhörungsklima ruhig und entspannt gewesen sei, so dass er frei und ohne Angst habe erzählen können (vgl. A33 S. 14). In der angefochtenen Verfügung wurde explizit auf die ärztlichen Berichte Bezug genommen und festgehalten, an Struktur und Chronologie der Schilderungen dürften keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Verschiedentlich wurde sodann darauf hingewiesen, dass davon ausge- gangen werde, dass der Beschwerdeführer die vorgebrachten Erlebnisse trotz seiner kognitiven Beeinträchtigung zumindest in groben Zügen habe E-8439/2015 Seite 12 darlegen können und dass sich die Widersprüche mit dem Hinweis auf Ge- dächtnisprobleme nicht erklären liessen. Es ist deshalb festzustellen, dass das SEM die kognitive Beeinträchtigung des Beschwerdeführers zur Kenntnis nahm und in den Erwägungen angemessen berücksichtigte. 5.2 5.2.1 Der Beschwerdeführer beanstandete, die in der angefochtenen Ver- fügung aufgezeigten Widersprüche würden sich grösstenteils auf die Chro- nologie beziehen. Dem ist zu widersprechen. So ist b eispielsweise die Feststellung, dass nicht ersichtlich sei, wie der Kontakt zu den LTTE zu- stande gekommen sei, nicht von einer chronologischen Einordnung abhän- gig. Selbst wenn die Frage der Chronologie ausgeklammert wird, erstaunt, dass der Beschwerdeführer einerseits angab, die LTTE vor seiner Verhaf- tung bereits jahrelang unterstützt zu haben (A15 F75 und F83 f.), anderer- seits aber ausführte, erst kurz vor der Verhaftung damit begonnen zu ha- ben (vgl. A33 F28 f.). Auch der Widerspruch hinsichtlich des Ortes der vor- gebrachten Festnahme und der Frage, wie er ins Armeecamp gebracht worden sei, hat nichts mit der Chronologie der Ereignisse zu tun. Die Erin- nerungsschwierigkeiten des Beschwerdeführers vermögen nicht zu erklä- ren, weshalb er diesbezüglich völlig unterschiedliche Szenen schilderte. In der angefochtenen Verfügung wurde sodann nicht darauf beharrt, dass er hätte wissen müssen, wie lange er genau im Camp gewesen sei, sondern im Sinne einer Gesamtwürdigung festgehalten, dass hätte erwartet werden können, er könne den groben Ablauf der Inhaftierung wiedergeben , was nicht zu beanstanden ist. Das vorinstanzliche Argument, der mehrwöchige Krankenhausaufenthalt sei mit der gleichzeitigen Meldepflicht nicht verein- bar, beschlägt zwar indirekt die Chronologie, zeigt aber in erster Linie einen Widerspruch in seinen Schilderungen der Ereignisse direkt nach seiner Freilassung auf. So sprach er einerseits von der Meldepflicht, welche ihm verunmöglicht habe, nach Jaffna oder Colombo zu reisen (vgl. A15 F59 und F69 f.), und gab an, einige Tage zu Hause geblieben zu sein und sich auf sein alltägliches Leben konzentriert zu haben (vgl. A33F46 ff.) . Ande- rerseits erwähnte er einen Krankenhausaufenthalt, welchen er jedoch we- der zeitlich noch inhaltlich -logisch mit der Meldepfl icht in Verbindung brachte (vgl. A15 F5 und F90). Die Behauptung in der Beschwerde, er sei seiner Meldepflicht vom Krankenhaus aus nachgekommen, ist daher zu bezweifeln. Angesichts seiner kognitiven Fähigkeiten ist dagegen durchaus nachvollziehbar, dass er das Verschwinden seiner Freunde chronologisch nicht richtig einordnete und dazu widersprüchliche Angaben machte, wes- halb den diesbezüglichen Widersprüchen kein grosser Stellenwert beizu- messen ist. Demgegenüber vermochte er auch in der Beschwerde nicht E-8439/2015 Seite 13 glaubhaft darzulegen, weshalb sich die sri-lankische Armee im Jahr 2010 plötzlich wieder für ihn interessiert haben sollte, nachdem er die LTTE seit seiner Freilassung nie mehr unterstützt habe. Diese Unstimmigkeit hängt nicht mit der Chronologie der Ereignis se zusammen und lässt sich auch nicht mit seinem schlechten Erinnerungsvermögen erklären. Es ist nach dem Gesagten nicht ersichtlich, dass das SEM unzulässiger- weise auf Widersprüche abgestellt hätte, welche seiner Unfähigkeit der korrekten chronologischen Wiedergabe von Erlebnissen zuzuschreiben waren. Die Behauptung, die ärztlichen Diagnosen seien unberücksichtigt geblieben, trifft nicht zu . Ausserdem stellt das Ger icht fest, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelang, die zahlreichen grundlegenden und von der chronologischen Einordnung unabhängigen Widersprüche i n seinen Vorbringen aufzulösen. 5.2.2 Im ärztlichen Bericht des D._______ vom (…) wurde unter anderem der Verdacht auf eine leichte Intelligenzminderung oder Normalintelligenz im unteren Bereich geäussert, wobei die Intelligenz nicht abgeklärt worden sei. Der Beschwerdeführer wurde als wach und bewusstseinsklar beschrie- ben, das formale Denken scheine abgesehen von gelegentlichem "Vorbei- reden" logisch und kohärent. Es wurde beobachtet, dass er mit der zeitli- chen Einordnung von Ereignissen Schwierigkeiten habe und häufig Wider- sprüche aufgetreten seien. Das neuropsychologische Gutachten vom (…) stellte beim Beschwerdeführer kognitive Leistungen auf niedrigem bis nied- rigstem Niveau und einen Intelligenzquotienten von 78 fest, was nur ein sehr bescheidenes Erkennen von Zusammenhängen und Schlussfolgern von einem Sachverhalt auf einen anderen zulasse. Aufgrund seines schwachen Sinnverständnisses bleibe es ihm verwehrt, beobachtete Vor- gänge in ihrer Bedeutung zu begreifen. Sein Gedächtnisraster sei zu grob, um Details einer erzählten Geschichte in Erinnerung zu behalten, und es werde begreiflich, dass er sich an länger zurüc kliegende Ereignisse sehr schlecht erinnern könne . Bei einem rudimentären Gedächtnis sei zudem die Tendenz wahrscheinlich, Erinnerungslücken durch Konfabulationen zu ersetzen. Er sei aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten kaum in der Lage, beobachtete oder ihm widerfahrene Geschehnisse kohärent und in sich geschlossen darzustellen, geschweige denn sich an die Chronologie der Ereignisse zu erinnern. Aufgrund dieser Berichte ist zu anerkennen, dass es dem Beschwerdefüh- rer schwer fällt, Erlebnisse in einen logischen und zeitlich richtigen Zusam- menhang zu setzen. Indessen kann davon ausgegangen werden, dass er E-8439/2015 Seite 14 grundsätzlich in der Lage ist, Erlebtes wiederzugeben, soweit er sich noch daran zu erinnern vermag. Angesichts der leichten Intelligenzminderung ist demnach nicht anzunehmen, er wäre ausserstande gewesen, seine Asyl- gründe im Kern nachvollziehbar vorzubringen. Wie bereits festgestellt wurde (vgl. E. 5.2.1 vorstehend), machte der Beschwerdeführer unabhän- gig von der chronologischen Einordnung und den Gedächtnislücken grund- legend widersprüchliche Angaben, welche sich mit der Intelligenzminde- rung nicht erklären lassen. Dass er zu Konfabulationen neigen dürfte, kann zwar widersprüchliche Aussagen erklären, führ t jedoch unweigerlich zum Schluss, er habe seine Vorbringen erdichtet , was diese nicht glaubhafter erscheinen lässt. Das Argument in der Beschwerde, er wäre weitaus ge- schickter vorgegangen, wenn er seine Vorbringen erfunden hätte, vermag vor dem Hintergrund seiner Schwierigkeiten, sich Geschichten zu merken, nicht zu überzeugen. Vielmehr dürfte es für ihn deutlich schwieriger sein, sich an eine erfundene Geschichte zu erinnern, als tatsächliche Erlebnisse – wenngleich allenfalls mit Erinnerungslücken – wiederzugeben. 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gel ungen ist, eine asylrelevante Verfolgung in Sri Lanka glaubhaft zu machen. Trotz seines kognitiven Defizites lassen se ine widersprüchlichen Angaben be- rechtigte und erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen entstehen. Selbst wenn zu seinen Gunsten angenommen wird, er sei tat- sächlich einmal im Rahmen eines Round-ups festgenommen worden, fehlt aufgrund seiner Schilderungen jeglicher Hinweis auf ein tatsächliches Ver- folgungsinteresse der sri-lankischen Armee an seiner Person. Der Polizei- rapport vom (…) wurde lediglich als Telefax eingereicht, so dass seine Echtheit nicht überprüft werden kann. Zudem brachte der Beschwerdefüh- rer nicht vor, es habe der Verdacht bestanden, er gehöre zum Kader der LTTE, und er wäre wohl in diesem Fall von der Armee nicht bereits nach so kurzer Zeit freigelassen worden. Soweit in der Beschwerde argumentiert wird, seine von der Folter h errührenden Rückenschmerzen würden durch verschiedene Arztberichte bestätigt, ist darauf hinzuweisen, dass die Arzt- berichte zwar die Rückenschmerzen und die anamnestisch erfragte Ursa- che aufzeigen können, nicht aber die konkrete Ursache respektive die Ver- ursacher der Verletzung. Mithin lässt sich aus den attestierten Schmerzen nicht auf eine drohende Verfolgung in Sri Lanka schliessen. Schliesslich ist erneut zu betonen, dass die angefochtene Verfügung nicht darauf hindeutet, das SEM habe zu starkes Gewicht auf möglichst exakte E-8439/2015 Seite 15 Daten und vollständig deckungsgleiche Aussagen gelegt. Der Beeinträch- tigung des Beschwerdeführers wurde im Gegenteil angemessen Rechnung getragen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung vermochte er trotz gross- zügiger Betrachtung und Rücksichtnahme auf seine attestierte Intelligenz- minderung nicht glaubhaft zu machen. Es ist deshalb festzustellen, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka nicht im Sinne des Flüchtlings- begriffs von Art. 3 AsylG verfolgt war. 5.4 Der Beschwerdeführer machte geltend, wegen exilpolitischer Tätigkei- ten gefährdet zu sein. Es ist daher zu prüfen, ob er die Flüchtlingseigen- schaft wegen subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt. 5.4.1 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per- son erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit s ubjektiven Nachfluchtgrün- den erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 und 2009/29 E. 5.1). 5.4.2 Der Beschwerdeführer brachte vor, er habe sich seit seiner Ankunft in der Schweiz exilp olitisch rege betätigt, indem er an zahlreichen De- monstrationen gegen die sri -lankische Regierung teilgenommen und bei der Organisation von Anlässen mitgeholfen habe. Er reichte Fotos und In- ternetausdrucke ein, auf welchen er zu sehen sei. Aufgrund der eingereichten Unterlagen ist nicht ersichtlich, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Teilnahme an Demonstrationen ex- poniert hätte. Auf dem aufgeführten, auf der Internetplattform YouTube publizierten Video ist er als Mitläufer einer Demonstration z u sehen, und auch die eingereichten Fotografien zeigen ihn als einfachen Demonstrati- onsteilnehmer. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern er anhand dieser Bilder oder anhand des Videos namentlich identifiziert werden könnte. Bezüglich der vorgebrachten Mithilfe bei der Organisation von Anlässen liegen dem Gericht keine Dokumente vor, welche eine exponierte Tätigkeit und eine namentliche Identifizierbarkeit vermuten lassen würden. Eine erkennbare, exponierte politische Tätigkeit vermochte der Beschwerdeführer d amit nicht glaubhaft zu machen. Durch diese als niederschwellig zu bezeich- nende Aktivität dürfte er nicht ins Visier der sri-lankischen Sicherheitskräfte geraten sein oder deren Interesse geweckt haben. E-8439/2015 Seite 16 5.4.3 Er machte weiter geltend, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefähr- det zu sein, weil er ein Risikoprofil erfülle, weshalb angenommen werden müsse, dass er bei der Einreise verhaftet und in der Folge gefoltert würde. Einzig aus seinem Alter von heute (…) Jahren, seinem mehrjährigen Aus- landaufenthalt und dem er folglos durchlaufenen Asylverfahren kann nicht auf eine ernstzunehmende Gefahr von Verhaftung und Folter geschlossen werden. Zurückkehrende tamilische Asylsuchende sind gemäss Kenntnis des Gerichts und geltender Rechtsprechung nicht generell in asylrelevan- ter Weise gefährdet. Die Gefährdung ist vielmehr vom Vorliegen weiterer Risikofaktoren abhängig. Hinsichtlich einer erhöhten Gefährdung im Zu- sammenhang mit einer Unterstützung der LTTE ist festzustellen, dass beim Beschwerdeführer kein derartiger Risikofaktor besteht, zumal die behaup- tete Verbindung zu den LTTE nicht geglaubt werden kann und er die an- geblich erlittenen staatlichen Eingriffe nicht glaubhaft darzulegen ver- mochte (vgl. E. 5.2 vorstehend). Es ergeben sich sodann keine Hinweise dafür, er würde bei einer Rückkehr als besonders wohlhabende Person wahrgenommen und wäre somit einem erhöhten Entführungs- und Erpres- sungsrisiko ausgesetzt. Die Zugehörigkeit zu einer besonders gefährdeten Gruppe von rückkehrenden Asylsuchenden ist daher nicht gegeben. 5.4.4 Nach dem Gesagten ist das Bestehen subjektiver Nachfluchtgründe zu verneinen. 5.5 Das Bundesverwaltungsgericht erkennt somit, dass der Beschwerde- führer keine ihm drohende, asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft machen konnte, weshalb das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführe r verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). E-8439/2015 Seite 17 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmöglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Der Beschwerdeführer wurde mit Entscheid des SEM vom 27. Novem- ber 2015 wegen unzumutbaren Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenom- men. Ausführungen zum Wegweisungsvollzug erübrigen sich demnach. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtse rheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm die unentgeltliche Pro- zessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 9.2 Nachdem dem Beschwerdeführer seine Rechtsvertreterin als amtliche Beiständin beigeordnet wurde, ist ihr ein angemessenes Honorar auszu- richten. Die eingereichte Kostennote vom 2. Februar 2016 weist einen Stundenansatz von Fr. 250.– auf. Dieser ist indes praxisgemäss (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -5563/2014 vom 29. Mai 2015 m.w.H.) auf Fr. 200.– zu kürzen. Nachdem der zeitliche Vertretungsaufwand ange- messen erscheint, is t der Rechtsvertreterin für ihre Bemühungen im Be- schwerdeverfahren zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 1760.30 (inklusive ausgewiesene Auslagen und Mehrwert- steueranteil) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-8439/2015 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers wird zu Las- ten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 1760.30 ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Stöckli Sarah Straub