B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4867/2012 D-4870/2012/wif U r t e i l v o m 1 4 . M a i 2 0 1 3 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien 1. A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), dessen Ehefrau 2. C._______, geboren (…), alias D._______, geboren (…), und deren gemeinsame Kinder 3. E._______, geboren (…), 4. F._______, geboren (…), Nepal, alle vertreten durch Thomas Tribolet, Fürsprecher, advocomplex, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 14. August 2012 / N (…) und N (…). D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge gelangten die Beschwerdeführenden am 4. beziehungsweise 6. Januar 2010 in die Schweiz, wo sie am 7. Januar 2010 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) G._______ Asylgesu- che einreichten. Dazu wurden die Besch werdeführenden 1 bis 3 am 27. Januar 2010 im EVZ G._______ befragt (Kurzbefragung) und am 10. r e- spektive am 17. Februar 2010 am selben Ort angehört (Anhörung). A.b Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführe n- den 1 und 2 im Wesentlichen geltend, sie hätten in ihrem Heimatland Probleme mit den Maoisten gehabt, die im Jahre 2000 angefangen hät- ten, als sie noch im Dorf H._______ wohnhaft gewesen seien . Immer wieder seien Maoisten zu ihnen nach Hause gekommen und hätten unter Drohungen Geld und Essen verlangt. Aufgrund dieser Belästigungen h a- be der Beschwerdeführende 1 im Jahre 2002 sein Land für 5,5 Millionen nepalesische Rupien verkauft, wovon die Maoisten einen Viertel verlangt hätten. Um Ruhe vor ihnen zu haben, seien sie nach Kathmandu gezo- gen, wo man den Beschwerde führenden 1 im März 2003 auf der Strasse bedroht habe. Am 21. September 2003 seien sie zu Hause von zirka si e- ben Maoisten angegriffen worden, die vom Beschwerdeführenden 1 er- neut Geld verlangt hätten. E r ha be jedoch fliehen können; nach sei ner Flucht habe er sich an die Polizei gewandt und Anzeige gegen die Maois- ten erstattet. Am 24. September 2003 sei es der Polizei gelungen , fünf oder sechs der Maoisten festzunehmen. Auch nach dieser Verhaftung seien sie mehrmals telefonisch sowie auf der Strasse bedroht worden. Am 27. Oktober 2006 sei die Beschwerdeführende 2 von Leuten unter Gewaltanwendung zum Gericht gebracht worden, wo sie etwas habe u n- terschreiben müssen, damit man die am 24. September 2003 verhaften Maoisten habe freilassen können. Am folgenden Tag seien diese aus dem Gefängnis entlassen worden, wor auf sie gleichentags den Beschwerde- führenden 1 telefonisch mit dem Tod bedroht hätten. Deswegen seien sie am 1. Dezember 2006 nach I._______ (Indien) geflüchtet. Dort seien Ma- oisten, die vermutlich Kontakt mit den Maoisten in Nepal gehabt hätten, am 20. Juli 2009 in ihr Haus einge drungen und hätten wiederum Geld verlangt. Da der Beschwerdeführende 1 ihnen kein Geld gegeben habe, sei er von ihnen geschlagen worden. Die Maoisten seien geflohen, als ein Freund gekommen sei, um einen Schlüssel zurückzubringen. Aufgrund dieses Ereignisses seien sie im August 2009 nach Delhi ge zogen und schliesslich Ende Dezember 2009 beziehungsweise Anfang Januar 2010 D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 3 nach Deutschland respektive in die Schweiz geflogen. Für die übrigen Aussagen wird auf die Akten verwiesen. A.c Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführende 3 im Wesentlichen geltend, sie kenne die genauen Gründe nicht, weshalb sie zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester ihr Heimat land ver- lassen habe, da ihr der Vater nichts erzählt habe. Als sie einmal nach Hause gekommen sei, habe sie viele Leute in ihrem Haus gesehen und es habe eine Auseinandersetzung gegeben. Später habe ihr Vater g e- sagt, es sei zu gefährlich, so könne man nicht leben. Deshalb seien sie in der Folge nach Indien gezogen . Dort sei es wieder zu einem Streit im Haus gekommen, wobei unbekannte Leute ihren Vater geschlagen hä t- ten. Anschliessend habe sich die ganze Familie nach Delhi begeben. En- de Dezember 2009 seien sie zusammen m it ihrem Vater und ihrer Schwester nach Frankfurt geflogen , wo sie und ihre Schwester einem Kollegen ihres Vaters übergeben worden seien . Anschliessend seien sie mit dem Zug in die Schwe iz gereist, wo sie i hre Eltern wieder getroffen hätten. Für die übrigen Aussagen wird auf die Akten verwiesen. A.d Die Beschwerdeführenden reichten im Verfahren vor der Vorinstanz unter anderem je einen nepalesischen Reisepass , zwei Geburtsurku n- den, eine Eheurkunde sowie ein fremdsprachiges Dokument, bei dem es sich um eine Anzeige gegen die Maoisten bei der Polizei in Kat hmandu, datiert vom 29. Oktober 2003, handeln soll, zu den Akten. B. B.a Mit zwei separaten Verfügungen vom 14. August 2012 – eröffnet am 16. August 2012 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfül l- ten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vol l- zug. B.b In der die Beschwerdeführenden 1, 2 und 4 betreffen den Verfügung wurde von der Vorinstanz im Wesentlichen ausgeführt, die Aussagen der Beschwerdeführenden 1 und 2 seien widersprüchlich und unsubstanziiert gewesen. Die Beschwerdef ührende 2 habe angegeben, in Kat hmandu seien sie von den Maoisten zweimal zu Hause und ihr Ehemann zweimal auf der Strasse angegriffen worden . Demgegenüber habe der Beschwe r- deführende 1 lediglich jeweils einen Angriff zu Hause und auf der Strasse geltend gemacht. Er habe ausgesagt, im März 200 3 an einer Bushalt e- stelle von einem Maoisten angegriffen worden zu sein, wohingegen die D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 4 Beschwerdeführende 2 zu Protokoll gegeben habe, ihr Ehemann sei eine Woche nach der Freilassung der Maoisten im Oktober 2006 an der Bu s- haltestelle angegriffen worden. Z um geltend gemachten zweiten Angriff an der Bushaltestelle habe die Beschwerdeführende 2 jedoch keine kon- kreten Angaben machen können. Zudem widerspreche die Aussage des Beschwerdeführenden 1, nach 2003 leidglich einmal einen Drohanruf e r- halten zu haben, d en Vorbringen der Beschwerdeführenden 2. Bezüglich der Drohanrufe seien die Aussagen der Beschwerdeführenden 1 und 2 ebenso diskrepant gewesen. Im Zusammenhang mit den Drohanrufen habe die Beschwerdeführende 2 erwähnt, sie hätten versucht, die Tel e- fonnummer zu wechseln, um so den Drohanrufen zu entgehen. Auf die spezifischen Fra gen zu diesem Sachverhalt habe sie jedoch keine schlüssigen Antworten geben können. Darüber hinaus seien die Schild e- rungen der Beschwerdeführenden 1 und 2 zu den zentralen Ereignisse n ihrer Fluchtgründe sehr unsubstanziiert ausgefallen, womit der Eindruck eines konstruierten Sachverhalts erhärtet werde. Dass die Maoisten, we l- che die Beschwerdeführenden am 21. September 2003 zu Hause überfal- len hätten, für drei Jahre ins Gefängnis geko mmen seien, nachdem der Beschwerdeführende 1 diese bei der Polizei angezeigt habe, hätten die Beschwerdeführenden 1 und 2 nicht überzeugend und glau bhaft schil- dern können. Auch der Umstand, dass sich gemäss den Aussagen der Beschwerdeführenden 1 und 2 die Drohanrufe stets nach demselben Muster abgespielt hätten und inhaltlich immer gleich gewesen seien, wi r- ke stereotyp und deute auf einen konstruierten Sachverhalt hin. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführenden 1 und 2 keine konkreten Ang a- ben dazu hätten mac hen können, wer diese Leute gewesen seien, von denen sie bedroht worden seien beziehungsweise die man aufgrund ihrer Anzeige festgenommen habe. Der vom Beschwerdeführenden 1 behau p- tete Zusammenhang zu den Maoisten wirke zudem konstruiert, zumal er auf die entsprechenden Fragen zunächst ausweichend geantwortet habe. Aufgrund der widersprüchlichen und unsubstanziierten Aussagen sei es den Beschwerdeführenden 1 und 2 nicht gelungen, die geltend gemac h- ten Fluchtgründe überzeugend darzulegen. An dieser Einschätz ung ver- möge auch das eingereichte Beweismittel nichts zu ändern. Die Vorbri n- gen der Beschwerdeführenden hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre Asy lrelevanz nicht geprüft werden müsse. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für den weiteren Inhalt wird auf die Verfügung der Vorinstanz verwiesen. D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 5 B.c In der die Beschwerdeführende 3 betreffenden Verfügung wurde von der Vorinstanz i m Wesentlichen ausgeführt, ihre Schilderungen seien durchwegs sehr unsubstanziiert und nicht überzeugend gewesen. Sie seien weitgehend oberflächlich und schemenhaft geblieben. Greifbare und prägnante Schilderungen darüber, wie si ch beispielsweise die ge l- tend gemachten Streitereien beziehungsweise Besuche der fremden Leu- te abgespielt hätten, fehlten. Die Beschwerdeführende 3 sei nicht im Stande gewesen, schlüssige und verständliche Aussagen zu ihren Fluchtgründen darzulegen. Da die Beschwerdeführende 3 zusammen mit ihren Eltern in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht habe und gemei n- same Fluchtgründe vorlägen, wäre von ihr zu erwarten gewesen, dass sie zu diesen genaue Angaben hätte machen können. Aufgrund des U m- standes, dass die Beschwerdeführende 3 vorgeg eben habe, nichts G e- naues zu wissen, erhärte sich der Eindruck eines konstruierten Sachve r- halts, da auf diesem Weg Widersprüche zu den Aussagen ihrer Eltern hätten vermieden werden können. Der Beschwerdeführenden 3 sei es somit nicht gelungen, die geltend gemachten Fluchtgründe überzeu gend darzulegen. Ihre Vorbringen hielten daher den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so da ss ihre Asylrel e- vanz nicht geprüft werden müsse. Sodann sei der Vollzug der Wegwe i- sung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für den weit e- ren Inhalt wird auf die Verfügung der Vorinstanz verwiesen. C. Mit Beschwerde vom 17. September 2012 an das Bundesverwaltungsge- richt liessen die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter bean- tragen, die Verfügung des BFM vom 14. August 2012 gegen die B e- schwerdeführenden 1, 2 und 4 (Referenz N […]) sowie die Verfügung des BFM gegen die Beschwerdeführende 3 (Referenz N […]) seien aufzuhe- ben und es sei ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die beiden Verfügungen des BFM vom 14. August 2012 aufzuheben und das Bundesamt anzuweisen, die gesetzlich geforderten Sachverhaltsa b- klärungen im Sinne der nachfolgenden Begründung vorzunehmen. Sube- ventualiter seien die beiden Entscheide des BFM vom 14. Au gust 2012 aufzuheben, und die Beschwerdeführenden seien in der Schweiz vorlä u- fig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um Erlass des Kosten- vorschusses, um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Beiordnung des unterzeichnenden Rechtsvertreters als amtlicher Recht s- beistand ersucht. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit en t- scheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 6 Mit der Rechtsmittelschrift wurden unter anderem die folgenden Dok u- mente zu den Akten gereicht: Eine fremdsprachige Polizeianzeige, datiert vom 23. September 2009 (in Kopie, inklusive deutscher Übersetzung), ein fremdsprachiges Urteil des Berufungsge richts J._______ vom 4. Juni 2007 (in Kopie, inklusive deutsche r Übersetzung), drei fremdsprachige Zeitungsartikel (in Kopie, inklusive deutscher Übersetzungen), ein Lehr- vertrag vom 7. Juni 2012 (in Kopie) , ein Schreiben der (…) vom 12. September 2012 sowie vier Fürsorgebestätigungen vom 13. Septe m- ber 2012. D. Mit Zwischenverfügungen des Instruktionsrichters des Bundesverwa l- tungsgerichts vom 27. September 2012 wurde den Beschwerdeführenden mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürften. Gleichzeitig verfügte der Instruktionsrichter, dass auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses verzichtet, über das Gesuch um Gewä h- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah- ren (VwVG, SR 172.021) im Endentscheid befunden und das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abgewiesen werde. Zudem wurde die Vorinstanz eingeladen, bis zum 12. Oktober 2012 eine Vernehmlassung einzureichen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Oktober 2012 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerden. F. Am 25. Oktober 2012 nahmen die Beschwerdeführenden – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – zur Vernehmlassung der Vorin stanz vom 8. Oktober 2012 Stellung. Auf den Inhalt der Stellungnahme wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Der Eingabe lagen die folgenden Dokumente bei: Ein fremdsprachiges Urteil des Katmandu Distrikt -Gerichts vom 27. Oktober 2006 (in Kopi e), eine teilweise englische Übersetzung dieses Urteils durch den Beschwer- deführenden 1 sowie eine Mail des Beschwerdeführenden 1 vom 22. O k- tober 2012 an seinen Rechtsvertreter. D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde n und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [ BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme liegt nicht vor, das Bundesverwa ltungsgericht entscheidet de m- nach endgültig. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Aufgrund des persönlichen und sachlichen Zusammenhangs sowie aus prozessök onomischen Gründen sind die Beschwerdeverfahren b e- züglich der Beschwerdeführenden 1, 2 und 4 ( N […]) und der Beschwe r- deführenden 3 (N […]) zu vereinigen, weshalb im vorliegenden Urteil über beide Beschwerdeverfahren befunden wird. 1.4 Die Beschwerden sind fris t- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene n Verfügungen besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung, weshalb sie zur Einreichung der Beschwerden l e- gitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerden ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 8 3. 3.1 Die Beschwerdeführenden machen in formeller Hinsicht geltend, das BFM habe den Sachverhalt nicht genügend abgeklärt und es pflichtwidrig unterlassen, die Asylrelevanz zu prüfen, was durch die Einreichung diver- ser Beweismittel betreffend den Prozess gegen die Maoisten belegt wer- de. Diese Dokumente würden die wahrheitsgetreuen Aus sagen der B e- schwerdeführenden beweisen. Zudem habe die Vorinstanz die Befragu n- gen nicht mit der geforderten So rgfalt durchgeführt, da sie damals nicht berücksichtigt habe, dass an drei verschiedenen Orten je versc hiedene Vorfälle passiert seien, weshalb es ihr bis heute nicht gelungen sei, den Sachverhalt wirklich abzuklären. Überdies habe die Befragerin anlässlich der Anhörung des Beschwerdeführenden 1 teilweise suggestive Fragen gestellt beziehu ngsweise ihr Befremden über dessen Antworten geäus- sert, wodurch sie ein grosses Misstrauen geäussert habe , was eine denkbar schlechte Voraussetzung sei, um den Sachverhalt auch tatsäc h- lich umfassend abklären zu können. 3.2 Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allen- falls geeignet wären, ei ne Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schwe i- zerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltung s- rechtspflege des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hi n- weisen). 3.3 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Un- richtig" ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sac h- verhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den En t- scheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BENJAMIN SCHINDLER, in: Christoph Auer/Markus Müller, Benjamin Schindler, VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltung s- verfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 28 zu Art. 49, S. 676 f.). 3.4 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bunde s- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 9 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) ergibt sich, dass Asylsuchenden die relevanten Akten offenzulegen sind und ihnen das Recht zur Äusserung (vgl. Art. 30 Abs. 2 VwVG) sowie die Möglic h- keit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu nehmen, zu gewähren ist. Ausserdem haben die verfügenden Behörden ihrer Pflicht zur Begründung in genügender Weise nachzukommen. 3.5 Soweit in der Beschwerde monie rt wird, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht genügend abgeklärt und es pflichtwidrig unterlassen, die Asylrelevanz zu prüfen, was durch die Einreichung diverser Bewei s- mittel betreffend den Prozess gegen die Maoisten belegt werde, ist fest- zustellen, dass diese Rüge unberechtigt ist. Es ergeben sich aufgrund ei- ner Prüfung der vorliegenden Akten und insbesondere der angefochtenen Verfügung(en) keine Hinweise darauf, dass das BFM bei seiner En t- scheidfindung von einem unvollständigen oder unrichtigen Sachverhalt ausgegangen ist. Weder die vorgebrachten Einwände noch die Akten lassen darauf schliessen, dass die vorinstanzliche Sachverhaltsfestste l- lung eine rechtswesentliche Tatsache trotz ihrer Erheblichkeit n icht zum Gegenstand des Beweisverfahrens gemacht oder nicht alle für den En t- scheid rechtserheblichen Tatsachen berücksichtigt hätte ( KÖLZ/HÄNER, a.a.O., S. 97 f.). An dieser Einschätzung ändern auch die den geltend gemachten Prozess gegen die M aoisten betr effenden Beweismittel nichts, zumal diese erst mit der Rechtsmittel schrift eingereicht wurden , weshalb der Vorinstanz nicht vorgehalten werden kann, sie habe sie nicht beachtet und dadurch den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig abgeklärt. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass die Unters u- chungspflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht eines Gesuchstellers findet (vgl. Art. 8 AsylG), der auch die Substanziierung s- last trägt (vgl. Art. 7 AsylG). Folglich erweist sich der Vorhalt in der B e- schwerde, die angefochtenen Verfügungen seien willkürlich begründet, ebenfalls nicht als stichhaltig. Sodann ist auch die Rüge, die Vorinstanz habe die Befragungen nicht mit der geforderten Sorgfalt durchgeführt, da sie nicht berücksichtigt habe, dass an drei verschiedenen Orten je ve r- schiedene Vorfälle passiert seien, unbegründet. Aus den Befragungspro- tokollen ergeben sich keine Hinwei se, dass das BFM die Befragungen nicht mit der nötigen Sorgfalt vorgenommen hätte . Den vorliegenden Ak- ten lässt sich zudem nicht entnehmen , dass das BFM bei seiner En t- scheidfindung die Aussagen der Beschwerdeführenden, wonach sie an drei verschiedenen Orten von den Maoisten verfolgt worden seien, nicht berücksichtigt hätte. So wird in der angefochtenen Verfügung ins beson-D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 10 dere festgehalten, dass die Beschwerdeführenden geltend machten, auch in Indien von Maoisten verfolgt worden zu sein. 3.6 Zum Vorbringen in der Beschwerdeschrift, wonach die Befragerin an- lässlich der Anhörung des Beschwerdeführenden 1 teilweise suggestiv e Fragen gestellt bez iehungsweise ihr Befremden über dessen Antworten geäussert habe, ist Folgendes festzustellen: Die Behauptung, dass bei der Anhörung des Beschwerdeführenden 1 teilweise suggestive Fragen gestellt w orden seien, findet im Protokoll keine Stütze. Zudem ist nach Durchsicht des Anhörungsprotokolls festzuhalten, dass die Befragerin bei der Anhörung kein unangepasstes Befremden bezüglich gewisser An t- worten des Beschwerdeführenden 1 gezeigt hat. Dafür spricht auch, dass die an der Anhörun g des Beschwerdeführenden 1 anwesende Hilfswerk- vertretung auf ihrem Unterschriftenblatt in Bezug auf die Beobachtung der Anhörung keine Bemerkungen beziehungsweise Einwände angebracht hat (vgl. A 17/20 S. 20 ), was zweifellos der Fall wäre, hätte sich die Befragerin anlässlich der Anhörung wirklich unadäquat gegenüber dem Beschwerdeführenden 1 verhalten. Somit erweist sich der Vorhalt in der Rechtsmittelschrift, während der Anhörung sei ein grosses Misstrauen seitens der Befragerin spürbar gewesen, als unzutreffend. Nach dem Ge- sagten ist auch die sinngemäss erhobene Rüge, es sei das rechtliche Gehör des Beschwerdeführenden 1 verletzt worden, unbegründet. 3.7 Somit wurde der relevante Sachver halt entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden vom BFM hinreichend abgekl ärt, zumal auch ke i- ne Fragen ersichtlich sind, die einer näheren Prüfung bedürfen. Die Rüge der Beschwerdeführenden, die Vorinstanz habe es unterlassen, den Sachverhalt systematisch abzuklären und anschliessend die Asylrelevanz zu prüfen, erweist sich dahe r nicht als stichhaltig. Trotz der mit der B e- schwerde eingereichten Beweismittel erübrigen sich weitere Abklärungen bezüglich der Glaubhaftig keit der geltend gemachten Asylvorbringen, da diese vom Bundesverwaltungsgericht als nicht asylrelevant beurteilt w er- den (vgl. nachfolgend E. 4.4 ff.). Nach dem Gesagten ist das Eventualbe- gehren, wonach die beiden Verfügungen des BFM vom 14. August 2012 aufzuheben seien und das BFM anzuweisen sei, die gesetzlich geforder- ten Sachverhaltsabklärungen im Sinne der nachfolgenden Begründung vorzunehmen, abzuweisen. D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 11 4. 4.1 Im Weiteren ist zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall zu Rech t die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und de ren Asylgesuche abgewiesen hat. 4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Das BFM begründete seine ablehnenden Entscheide im Wesentlichen mit der fehlenden Glaubhaftigke it der Verfolgungsvorbringen der Be- schwerdeführenden (Art. 7 AsylG). 4.4 Da das Bundesverwaltungsgericht an die rechtliche Begründung der vorinstanzlichen Verfügung nicht gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), kann es eine angefochtene Verfügung im Ergebnis gleich belassen, di e- ser aber eine andere Begründung zu Grund e legen (Motivsubstitution). Diese Möglichkeit der Motivsubstitution ist im Grundsatz der Rechtsa n- wendung von Amtes wegen begründet (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht, Basel 2008, S. 181 Rz. 3. 197). Im vorliegenden Fall nimmt das Bundesverwaltungsgericht eine Motivsubstitution im erwähnten Sinne vor und würdigt nachstehend die Verfolgungsvorbringen der Beschwerde- führenden nicht unter dem Gesichtspunkt der Glaubhaftigkeit, sondern unter demjenigen der Asylrelevanz. D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 12 4.5 Vorab ist festzuhalten, dass zur Bestimmung der Flüchtlingseige n- schaft – als Grundvoraussetzung der Asylgewährung – grundsätzlich die- jenige Situation relevant ist, wie sie sich im Zeitpunkt des Entscheides darstellt. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.3, BVGE 2008/4 E. 5.4). 4.6 Die Beschwerdeführenden bringen zur Begründung ihrer Asylgesuche im Wesentlichen vor, sie hätten vor ihrer Ausreise aus Nepal grosse Prob- leme mit den Maoisten gehabt. Diese hätten sie immer wieder bedroht und von ihnen Geld verlangt. Ende Oktober 2006 hätten sie den B e- schwerdeführenden 1 mit dem Tod bedroht, weshalb sie am 1. Dezember 2006 nach Indien geflohen seien , wo sie am 20. Juli 2009 von Maoisten überfallen worden seien, worauf sie schliesslich in die S chweiz gereist seien (vgl. dazu vorstehend Bst. A.b). Diesbezüglich führen die B e- schwerdeführenden in der Rechtsmittelschrift aus, sie befürchteten, dass sie auf einer schwarzen Liste der Maoisten stünden und bei einer Rüc k- kehr nach Nepal eine erneute Verfolgung zu gewärtigen hätten. Die R e- gierung in Nepal habe derzeit nicht die Kontrolle über kriminelle maoist i- sche Organisationen und könne ihnen in der momentanen Situation nicht genügend Schutz bieten. 4.7 Hinsichtlich der angeblich auf indischem Territorium erlittenen Verfol- gung durch Maoisten ist vorgängig festzuhalten, dass die Beschwerd e- führenden nach ihren eigenen Angaben nepalesische Staatsangehörige sind und daneben nicht auch noch das Bürgerrecht eines anderen Sta a- tes besitzen. Art. 3 AsylG kann – im Lichte von Art. 1A Abs. 2 des A b- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) ausgelegt – Personen mit einer Staatsangehörigkeit (in Ab- grenzung von Staatenlosen) nur dann als Grundlage für die Anerkennung als Flüchtling dienen, wenn diese Personen in ihrem Heimatland verfolgt sind. Eine allfällige Verfolgung in einem Drittstaat, in welchem sie ge lebt haben, vermag die Flüchtlingseigenschaft daher nicht zu begründen , wenn sie gleichzeitig in ihrem Heimatstaat keine Verfo lgungssituation er- wartet und sie dort Zuflucht finden können (vgl. WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 34 f.). Aus den im Fo l- genden darzulegenden Gründen droht den Beschwerdefüh renden in i h- rem Heimatstaat Nepal zum heutigen Zeitpunkt keine begründete Furcht vor einer künftigen asyl relevanten Verfolgung. Demzufolge braucht nicht näher erörtert zu wer den, ob in Bezug auf die behaupteten Vorkommni s-D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 13 se im Drittstaat Indien die Voraussetzungen zur Zuerkennung der Flüch t- lingseigenschaft erfüllt sind. 4.8 Die allgemeine Lage in Nepal hat sich seit Oktober 2006, dem Zei t- punkt, in dem die Beschwerdeführenden in ihrem Heimatland letztmals von den Maoisten bedroht worden sein wollen, wesentlich verändert: Nach mehrmaliger Verlänge rung des Waffenstillstandes, die mit intens i- ven Friedensverhandlungen einherging, schlossen die Maoisten mit der Regierung am 21. November 2006 schliesslich einen Friedensvertrag. Die Übergangsregierung sollte durch eine neu und in demokratischer Weise gewählte Regierung ersetzt werden. Am 10. April 2008 erfolgten Wahlen, an denen erstmals auch die maoistische Partei ("Unified Co m- munist Party of Nepal [ Maoist] - CPN") teilnahm. Die Maoisten erlangten 229 von 601 Abgeordnetensitzen in der neu gewählten Nationalversamm- lung. In einer Übergangsverfassung wurden aufgrund des Friedensve r- trages von 2006 die Grundzüge der parlamentarischen Aufgaben no r- miert. In der Folge bildeten die beiden anderen grossen anti-maoistischen Parteien (der Nepali Congress [NC] und die Communist Party of Nepal - Unified Marxist -Leninist [CPN -UML,]) mit 20 anderen anti -maoistischen Parteien eine Vielparteienkoalition. Da aber einziges Bindungselement der Parteienkoalition ihre anti-maoistische Haltung war, gelang es ihnen nicht, die angestrebte Verfassungsreform bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist durchzuführen. Es folgten von der Jugendorganisation der maoist i- schen Partei, der "Young Communist Leage" (YCL), angeführte Demons- trationen, die viele Tote und Verletzte forderten. Im Zuge des General- streiks vom Dezember 2009 begannen die Maoisten, eigenmächtig Nepal in autonome Regionen aufzuteilen. Trotz einer grossen Anhängerschaft in der Bevölkerung besassen die Maoisten nicht genug Macht, die Regi e- rung umzustossen. Der steigende internation ale Druck zwang sie zur E r- klärung, sich zukünftig (wieder) aktiv in den Friedensprozess und mithin in die Regierung einbinden zu wollen. Schliesslich wurde im August 2011 der stellvertretende Parteichef der Maoisten vom Parlament zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Die neue Regierung setzte sich dafür ein, dass Strafklagen, die politischen Charakter haben, aus der Kriegszeit z u- rückgezogen werden. Sodann unterzeichneten die vier wichtigsten Pa r- teien Nepals am 1. November 2011 ein bedeutendes Abkommen, dessen wichtigster Teil die Integration maoistischer Kämpfer in d ie nepalesische Armee darstellt. Mit dem Abkommen wurde unter anderem die Schaffung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission beschlossen, die auch das Schicksal von mehr als tausend während de s Bürgerkriegs verschwu n- denen Menschen unte rsuchen soll; die Maoisten verpflichteten sich zu-D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 14 dem dazu, während des Konflikts enteignetes Land an die rechtmässigen Besitzer zurückzugeben und die YCL aufzulösen (vgl. Urteil des Bunde s- verwaltungsgerichts E-7483/2007 vom 6. Februar 2012 E. 6.3). 4.9 Die neuere Entwicklung zeigt, dass sich der Friedensprozess in einer Fortschrittsphase befindet. Die alten Konflikte haben sich abgeflacht und in konstruktive Entwicklungsprozesse transformiert. Die Tatsache, dass sich der Friedensprozess seit dem Friedensabkommen von 2006 auf die Frage der Verschmelzung der beiden Armeen – und nicht auf den gesam- ten Inhalt des Friedensabkommens – zu konzentrieren scheint, ist ebe n- falls ein Zeichen dafür, dass das politische Konfliktpote nzial weitgehend abgebaut worden ist. Die Amnestiebestrebungen für während des Krieges begangene Verbrechen und die Bemühungen, die ehemaligen Maoiste n- kämpfer in die nationale Armee zu integrieren, zeigen, dass der Fokus nicht dem Vergeltungsgedanken gilt, sondern auf einen nachhaltigen Frieden ausgerichtet ist. Letztere Bestrebungen haben am 1. November 2011 einen deutlichen Durchbruch erreicht und den aufgebauten polit i- schen Konsens und den Willen, einen demokratischen Staat zu schaffen, untermauert. Nach dem Gesagten steht fest, da ss sich die im Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 17. Oktober 2006 (EMARK 2006 Nr . 31) festgestellte positive Entwicklung der Sicherheits- lage in Nepal seither kontinuierlich fortgesetzt und konsolidiert hat. 4.10 In Berücksichtigung dieser Entwicklung geht das Bundesverwa l- tungsgericht davon aus, dass für die Beschwerdeführenden aufgrund der geltend gemachten Ereignisse vor ihrer Ausreise aus Nepal im Dezember 2006 jedenfalls im heutigen Zeitpunkt keine begründete F urcht vor einer künftigen asylrelevanten Verfolgung durch Maoisten mehr besteht. Die von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Übergriffe durch die Mao - isten in ihrem H eimatland in den Jahren 2000 bis 2006 sind im Zusa m- menhang mit dem Bürgerkrieg zu sehen, der seit über sechs Jahren b e- endet ist, weshalb zum heutigen Zeitp unkt nicht mehr davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführenden in Nepal seitens der Maoisten etwas zu befürchten haben. Die von den Beschwerdeführenden in der Recht s- mittelschrift geäusserte Befürchtung, dass sie auf einer s chwarzen Liste der Maoisten stünden und bei einer Rückkehr in ihr Heimatland eine e r- neute Verfolgung zu gewärtigen hätten , erscheint – abgesehen davon, dass die namentliche Nennung in einer schwarzen Liste lediglich behaup- tet und nicht belegt ist – aufgrund der heutigen Lage in Nepal als unwahr- scheinlich. D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 15 4.11 Aufgrund des soeben Ausgeführten ist – entgegen der Behauptung in der Rechtsmittelschrift – nicht davon auszugehen, dass die Beschwe r- deführenden zum heutigen Zeitpunkt bei einer Rückkehr in ihr Heimatland asylrelevante Nachteile zu befürchten haben. Mangels Asylrelevanz kann daher darauf verzichtet werden, die von den Beschwerdeführenden vo r- gebrachten Verfolgungsvorbringen und eingereichten Beweismittel unter dem Gesichtspunkt der Glaubhaftigkeit zu prüfen. 4.12 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine Gründe nach Art. 3 AsylG glaubhaft machen oder nachweisen konnten. Die Vorinstanz hat demnach im Ergebnis zu Rech t die Flüch t- lingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und die Asylgesuche abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Ar t. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Be - weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 16 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte u nd Grundfreihei- ten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Die Vorinstanz wies in den angefochtenen Verfügungen zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrecht lichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtling seigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grun dsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anw endung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdefüh- renden nach Nepal ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführen- den noch aus den Ak ten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Nepal dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti- Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi g egen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit w eiteren Hinweisen). Aufgrund der Akten sowie der vorstehenden Erwägungen im Asylpunkt ist indessen nicht davon auszugehen, dass den Beschwerd e- führenden im Falle einer Rü ckschiebung in ihr Heimatland eine derartige D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 17 Gefahr droht. Auch die allgemeine Menschenrechtssituati on in Nepal lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulä s- sig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung s o- wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu- lässig. 6.3 6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, al lgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkret e Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und A usländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2 Zwar bestehen hinsichtlich der menschenrechtlichen Situation N e- pals noch gewisse Defizite , jedoch herrscht in Nepal keine durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeic h- nete allgemeine Lage. Daher erweist sich ein Wegweisungsvollzug nach Nepal generell als zumutbar. 6.3.3 Aus den Akten ergibt sich, dass viele nahe Verwandte ( […], […], […], […]) der Beschwerdeführenden 1 und 2 in Nepa l leben ( BFM-Akten A 7/20 F38 ff., A 8/13 F9 ff.), so dass die Beschwerdeführenden in ihrem Heimatland über ein familiäres Beziehungsnetz verfügen, welches ihnen eine Reintegration erleichtern wird. Insbesondere ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden nach ihrer Rückkehr nach Nepal fürs ers- te bei einem Familienmitglied wohnen können, bis sie eine eigene Wo h- nung gefunden haben. Der Beschwerdeführende 1, der neben seiner Muttersprache Nepali auch Englisch und Hindi spricht, hat gemäss eig e- nen Aussagen vor seiner Ausreise aus Nepal während Jahren einen (…) geführt und so den Lebensunterhalt für seine Familie verdient. Aufgrund des Gesagten ist damit zu rechnen, dass die Beschwerdeführenden sich in Nepal sowohl beruflich als auch wirtschaftlich reintegrieren können. Bei der Integration werden sie im Bedarfsfall auf die (finanzielle) Unterstü t- zung ihrer zahlreichen nahen Verwandten zählen können, die in Nepal le- ben. Die Rückkehrhilfe der Schweiz wird ihnen den Wie dereinstieg in Ne- pal ebenfalls erleichtern (vgl. Art. 62 ff. der Asylverordnung 2 über Fina n- zierungsfragen vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Es ist darauf hinzuweisen, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 18 denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht g e- nügen, um eine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Bezüglich der von den Beschwerdeführenden 1 bis 3 anlässlich ihrer A n- hörungen geltend gemachten gesundheitlichen Probleme (Diabetes, Nie- renschmerzen, Urinproblem, Bauchschmerzen, Asthma) ist zunächst festzuhalten, dass in der Beschwerde und in der Replik vom 25. Oktober 2012 diese gesundheitlichen Probleme nicht mehr geltend gemacht we r- den, weshalb anzunehmen ist, dass die Beschwerdeführenden z um jetzi- gen Zeitpunkt unter keinen nennenswerten gesundheitlichen Problemen leiden, weshalb ihrer Rückkehr nach Nepal auch keine medizinischen Gründe entgegenstehen. Abgesehen davon ist gemäss den Erkenntni s- sen des Bundesverwaltungsgerichts die medizinisch e Grundversorgung in Nepal gewährleistet. Mit Blick auf die vorstehenden Erwägungen bestehen somit keine konkre- ten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden in Nepal aus i n- dividuellen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten würden. Der Vollzug der Wegweisung dorthin ist daher insgesamt als zumutbar zu be- zeichnen. 6.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG) weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG, BVGE 2008/34 E.12). 6.5 Insgesamt ist der durch die Vorinstanz angeordnete Wegweisung s- vollzug zu bestäti gen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene n Verfügun- gen Bundesrecht nicht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt rich- tig und vollständig feststellen und angemessen sind (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerden sind nach dem Gesagten abzuweisen. D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 19 8. 8.1 Zusammen mit ihrer Rechtsmitteleingabe ersuchten die Beschwerde- führenden um Gewährung de r unentgeltlichen Rechtspflege. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einreichung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Vorliegend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die von den Beschwerdeführenden gestellten Begeh- ren aussichtslos erschienen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist deshalb ung e- achtet de r prozessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden abzu- weisen. 8.2 Bei diesem Ausgang de s Verfahrens sind die Kosten den Beschwer- deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insg e- samt Fr. 1'000.-- festzusetzen (Art. 1 -3 des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Fe b- ruar 2008 [VGKE]). (Dispositiv nächste Seite) D-4867/2012 D-4870/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerden werden abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.-- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist mittels beiliegendem Einzahlungsschein innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu übe r- weisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: