<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 60" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 60</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">377</span> </div> <div class="page" id="S377"> <div role="main"> <span class="text"><b>60 </b> <b>Wiedererwägungsgesuch </b></span><br/> <span class="text"><b>Abgrenzung zwischen Landwirtschaftsbetrieb und Betrieb mit</b></span><br/> <span class="text"><b>zonenwidriger Freizeitlandwirtschaft bzw. hobbymässiger Tierhaltung</b></span><br/> <span class="text"><b>Bedeutung der Anerkennung eines Betriebes als landwirtschaftlicher</b></span><br/> <span class="text"><b>Betrieb für den Erhalt von Direktzahlungen für den raumpla-</b></span><br/> <span class="text"><b>nungsrechtlichen Status dieses Betriebes </b></span><br/> <span class="text"><b>Beschränkung der hobbymässigen Pferdehaltung auf vier Tiere in</b></span><br/> <span class="text"><b>Abgrenzung zu der auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens</b></span><br/> <span class="text"><b>ausgerichteten gewerblichen Pferdehaltung </b></span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 29. August 2018 i.S. M.S. ge-</span><br/> <span class="text">gen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt/Gemeinderats</span><br/> <span class="text">G. (RRB Nr. 2018-000997).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">3.2</span><br/> <span class="text">3.2.1</span><br/> <span class="text">Die Beschwerdeführerin führt zur Begründung ihrer Beschwer-</span><br/> <span class="text">de zunächst aus, dass die Anerkennung ihres Betriebs als landwirt-</span><br/> <span class="text">schaftlicher Betrieb durch die Landwirtschaft Aargau DFR ein ent-</span><br/> <span class="text">scheidrelevantes neues Sachverhaltselement darstelle. Es liege daher</span><br/> <span class="text">eine wesentlich veränderte Sach- beziehungsweise Rechtslage vor,</span><br/> <span class="text">welche im Verfahren vor Bundesgericht nicht habe berücksichtigt</span><br/> <span class="text">werden können und einen Anspruch auf Wiedererwägung begründe.</span><br/> <span class="text">Wie bereits erwähnt, hat die Landwirtschaft Aargau DFR mit</span><br/> <span class="text">Entscheid vom 16. Juni 2017 gestützt auf Art. 6 LBV den Betrieb der</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin als Landwirtschaftsbetrieb anerkannt. Dabei ist</span><br/> <span class="text">jedoch zu berücksichtigen, dass gemäss langjähriger Praxis auch so-</span><br/> <span class="text">genannte Kleinstbetriebe, welche im raumplanungsrechtlichen Sinne</span><br/> <span class="text">in der Landwirtschaftszone als zonenfremd einzustufen sind, als</span><br/> <span class="text">Landwirtschaftsbetriebe anerkannt werden können. Die Betriebsaner-</span><br/> <span class="text">kennung zum Erhalt von Direktzahlungen führt daher nicht zwingend</span><br/> <span class="text">zu einem anderen raumplanungsrechtlichen Status der Liegenschaft</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">378</span> </div> <div class="page" id="S378"> <div role="main"> <span class="text">(vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_516/2016 vom 5. Dezember</span><br/> <span class="text">2017, E. 5.8). Bei der Beurteilung, ob es sich um einen Betrieb mit</span><br/> <span class="text">zonenwidriger Freizeitlandwirtschaft oder einen zonenkonformen</span><br/> <span class="text">landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerbsbetrieb handelt, ist</span><br/> <span class="text">nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf den jeweiligen</span><br/> <span class="text">Einzelfall abzustellen. Indizien für das Vorliegen eines Freizeitland-</span><br/> <span class="text">wirtschaftsbetriebs sind etwa die fehlende Gewinn- und Ertragsorien-</span><br/> <span class="text">tierung, das Nichterreichen einer gewissen Mindestgrösse oder der</span><br/> <span class="text">marginale Arbeitsbedarf auf dem Betrieb. Auf starre Grenzwerte</span><br/> <span class="text">wurde bewusst verzichtet. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung</span><br/> <span class="text">im Sinne von Art. 16a RPG unterscheidet sich von der Freizeitland-</span><br/> <span class="text">wirtschaft insbesondere durch einen dauernden, auf Wirtschaftlich-</span><br/> <span class="text">keit ausgerichteten und organisierten Einsatz von Kapital und Ar-</span><br/> <span class="text">beitskraft in einem wirtschaftlich bedeutsamen Umfang (vgl. Urteile</span><br/> <span class="text">des Bundesgerichts 1C_516/2016 vom 5. Dezember 2017, E. 5.2.;</span><br/> <span class="text">1C_8/2010 vom 29. September 2010 E. 2.2 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">Dass der Betrieb einen hohen Arbeitsaufwand verursacht und</span><br/> <span class="text">die Beschwerdeführerin aufgrund des berechneten Standardarbeits-</span><br/> <span class="text">kraftwerts (SAK) Anspruch auf Direktzahlungen hat (Art. 5 DZV</span><br/> <span class="text">verlangt dafür ein Mindestarbeitsaufkommen von 0,2 SAK), ist nach</span><br/> <span class="text">der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht entscheidend. Der</span><br/> <span class="text">zeitliche Aufwand für Freizeitbeschäftigungen kann durchaus be-</span><br/> <span class="text">trächtlich sein, ohne dass bereits eine berufliche Tätigkeit vorliegt.</span><br/> <span class="text">Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann beispielsweise</span><br/> <span class="text">bei einem jährlichen Arbeitsaufwand von fast 1'200 Stunden oder gar</span><br/> <span class="text">auch bei Aufgabe der bisherigen beruflichen und vollständiger Hin-</span><br/> <span class="text">gabe an die landwirtschaftliche Tätigkeit Freizeitlandwirtschaft vor-</span><br/> <span class="text">liegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_516/2016 vom 5. Dezem-</span><br/> <span class="text">ber 2017, E. 5.8). In Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen</span><br/> <span class="text">Rechtsprechung führt die Landwirtschaft Aargau DFR zudem aus,</span><br/> <span class="text">dass der Arbeitszeitbedarf aus der Primärproduktion (ohne Verarbei-</span><br/> <span class="text">tung, Verkauf und Freizeit-Pferdehaltung) mehr als 0,2 SAK betra-</span><br/> <span class="text">gen müsse (Stellungnahme der Landwirtschaft Aargau DFR vom ...).</span><br/> <span class="text">Gemäss Betriebsanerkennung der Sektion Direktzahlungen der</span><br/> <span class="text">Landwirtschaft Aargau DFR vom 16. Juni 2017 wurden die effektiv</span><br/> <span class="text">gehaltenen und deklarierten Tiere, unabhängig von einer Haltungsbe-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">379</span> </div> <div class="page" id="S379"> <div role="main"> <span class="text">schränkung gemäss laufendem Baurechtsverfahren« für die SAK-Be-</span><br/> <span class="text">rechnung mit berücksichtigt. Es steht somit fest, dass die Landwirt-</span><br/> <span class="text">schaft Aargau DFR bei der Berechnung des SAK-Werts im Rahmen</span><br/> <span class="text">der Betriebsanerkennung zum Erhalt der Direktzahlungen vom</span><br/> <span class="text">16. Juni 2017 den Arbeitszeitbedarf aus der hobbymässigen Pferde-</span><br/> <span class="text">haltung eingerechnet hat. Bei der Beurteilung, ob es sich um einen</span><br/> <span class="text">Betrieb mit zonenwidriger Freizeitlandwirtschaft oder einen zonen-</span><br/> <span class="text">konformen landwirtschaftlichen Betrieb handelt, darf der Arbeitszeit-</span><br/> <span class="text">bedarf aus der hobbymässigen Pferdehaltung nach der soeben zitier-</span><br/> <span class="text">ten bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedoch nicht berücksichtigt</span><br/> <span class="text">werden. Die 3,41 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und die 33</span><br/> <span class="text">Hochstammfeldobstbäume, welche die Beschwerdeführerin gemäss</span><br/> <span class="text">Betriebsblatt 2017 darüber hinaus deklariert hat, führen lediglich zu</span><br/> <span class="text">einem SAK-Wert von 0,1.</span><br/> <span class="text">Auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach die</span><br/> <span class="text">Landwirtschaft Aargau DFR ihr im E-Mail vom 4. Mai 2018 bestä-</span><br/> <span class="text">tigt habe, dass die SAK von 0.2 nun erreicht würden, zielt ins Leere.</span><br/> <span class="text">Dem E-Mail vom 4. Mai 2018 ist nämlich zu entnehmen, dass bei</span><br/> <span class="text">der Ermittlung des SAK-Werts die vier rechtmässig gehaltenen</span><br/> <span class="text">Pferde angerechnet werden. Die Beschwerdeführerin übersieht da-</span><br/> <span class="text">bei, dass es sich bei diesen vier Pferden weiterhin um hobbymässige</span><br/> <span class="text">Pferde handelt, die bei der Beurteilung, ob es sich um einen zonen-</span><br/> <span class="text">konformen landwirtschaftlichen Betrieb handelt, nicht berücksichtigt</span><br/> <span class="text">werden dürfen.</span><br/> <span class="text">Gestützt auf die soeben gemachten Ausführungen ist festzu-</span><br/> <span class="text">halten, dass die Betriebsanerkennung zum Erhalt von Direktzahlun-</span><br/> <span class="text">gen vom 16. Juni 2017 keinen Einfluss auf den raumplanungsrecht-</span><br/> <span class="text">lichen Status der Liegenschaft der Beschwerdeführerin hat. Beim Be-</span><br/> <span class="text">trieb der Beschwerdeführerin handelt es sich weiterhin um einen Be-</span><br/> <span class="text">trieb mit zonenwidriger Freizeitlandwirtschaft beziehungsweise um</span><br/> <span class="text">eine hobbymässige Tierhaltung. Da die Anerkennung des Betriebs</span><br/> <span class="text">der Beschwerdeführerin als landwirtschaftlicher Betrieb für den Er-</span><br/> <span class="text">halt von Direktzahlungen nichts daran ändert, stellt die von der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin geltend gemachte Betriebsanerkennung keine rele-</span><br/> <span class="text">vante neue Tatsache dar, die eine neue materiell-rechtliche Beurtei-</span><br/> <span class="text">lung des vorliegenden Falls rechtfertigen könnte.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">380</span> </div> <div class="page" id="S380"> <div role="main"> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text">(Hinweis: Das Verwaltungsgericht und das Bundesgericht wie-</span><br/> <span class="text">sen die gegen diesen Entscheid erhobenen Beschwerden mit Urteilen</span><br/> <span class="text">vom 22. Februar 2019 und 12. November 2019 ab; Urteil des Ver-</span><br/> <span class="text">waltungsgerichts: WBE.2018.369/MT/jb, Art. 17; Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="text">gerichts: 1C_185/2019)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>