Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Juni 2015 (720 13 354 / 145) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf Hilfsmittel im Bereich der Sonderschulung; Auswirkungen der Umsetzung der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung (NFA) vom 1. Januar 2008 Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n i.V. Katja Wagner Parteien A.____ u. B.____, Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Die 1999 geborene C.____ leidet seit ihrer Gebu rt an einer zerebralen Malformation, einer psychomotorischen Entwicklungsretardierung, e iner armbetonten, ataktischen Bewe- gungsstörung sowie einer komplexen partiellen Epile psie. Am 6. Juni 2011 reichten ihre Eltern bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) ein Gesuch um Kostengutsprache für ein Computerschreibsystem bestehend aus einem Standardn otebook, einer speziellen Tastatur (Clevy Tastatur mit grossen farbigen Tasten) sowie einer Software zur sprechenden Textverar- beitung und einer Armstütze mit kurzer Auflage ein. Die Offerte der Stiftung für elektronische Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hilfsmittel (FST) vom 7. November 2012 veranschlagte da für Gesamtkosten, inkl. Inbetriebset- zung des Systems sowie die nötige Schulung, im Betrag von Fr. 9‘704.50. B. Mit Verfügung vom 4. November 2013 lehnte die IV- Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens das Leistungsbegehren mit der Begründung ab, dass das beantragte Notebook mit Zubehör der Versicherten hauptsächlich zur schulischen Integration in die von ihr besuchte Sonderschule diene . Gemäss Leistungsvereinbarung zwi- schen der Stiftung für elektronische Hilfsmittel (FST) un d der Invalidenversicherung erfolge bei Hilfsmitteln, welche hauptsächlich in der Sonderschule benutzt werden oder der Sprachförde- rung dienen, keine Finanzierung durch die IV-Stelle. C. Gegen diese Verfügung erhob C.____, vertreten d urch ihre Eltern A.____ und B.____, am 2. Dezember 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Base l-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, die Verfügung vom 4. November 2013 sei aufzuheben und es sei ihr eine Kostengutsprach e für das Computerschreibsystem zu erteilen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlich er Hinsicht beantragte sie die Sistierung des Verfahrens, um ein Gesuch um Kostengutsprache beim Kanton einzureichen. D. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2013 bewilligte di e instruierende Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts die Sistierung des Verfahrens bis zum 31. März 2014. E. Mit Verfügung vom 1. April 2014 bzw. Verfügung vo m 30. Juni 2014 wurde dem Antrag auf Verlängerung der Verfahrenssistierung stattgegeben. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2014 wurde die Verfahrenssistierung aufgehoben. F. Mit Schreiben vom 20. Mai 2014 erteilte die IV-St elle Kostengutsprache für die bean- tragte Spezialtastatur. G. Am 30. September 2014 reichte die Beschwerdeführe rin eine ergänzende Beschwer- debegründung ein, wobei sie im Wesentlichen an ihren A nträgen festhielt. Ergänzend liess sie vorbringen, dass sie das Computerschreibsystem nicht überwieg end in der Sonderschule, son- dern vor allem auch zu Hause, namentlich zur Pflege von Kontakten über das Internet, benöti- ge. H. In der Vernehmlassung vom 17. Dezember 2014 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2. Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet das Präsidium des K antonsgerichts, Abteilung So- zialversicherungsrecht, Streitigkeiten bis zu einem Streit wert von Fr. 10'000.--. Im vorliegenden Fall liegt der Streitwert unter dieser Grenze, so dass die Sache präsidial zu entscheiden ist. 3.1. Nach Art. 8 Abs. 1 erster Satz IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte grundsätzlich Anspruch auf Eingliederungsmassn ahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fäh igkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti- gen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG). Zu den Ein- gliederungsmassnahmen gehört gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. d IVG die Abgabe von Hilfsmitteln. 3.2 Gemäss Art. 21 Abs. 1 Satz 1 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmi ttel, derer sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit in ihrem Aufgabe nbereich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zweck der funktionellen Angewöhnung bedarf. Fe rner bestimmt Art. 21 Abs. 2 IVG, dass die Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kost spieliger Geräte bedarf, im Rahmen ei- ner vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel hat. 3.3 In Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversi cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 hat der Bundesrat die ihm in Art. 21 Abs. 1 IVG übert ragene Kompetenz zur Regelung der Vo- raussetzungen für die Abgabe von Hilfsmitteln dem Eidgen össischen Departement des Innern (EDI) überlassen. Dieses hat gestützt auf diese Subdelegation die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) vo m 29. November 1976 mit der im An- hang aufgeführten Hilfsmittelliste erlassen. Gemäss Art. 2 Abs. 1 HVI besteht im Rahmen der im Anhang der HVI aufgeführten Liste Anspruch auf Hil fsmittel, soweit diese für die Fortbewe- gung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt od er für die Selbstsorge notwendig sind. Art. 2 Abs. 2 HVI hält sodann fest, dass Anspruch auf die mit (*) bezeichneten Hilfsmittel nur besteht, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbe- reich, für die Schulung, Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffen- den Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannten Tätigkeiten notwendig sind. Gemäss Art. 21 Abs. 3 IVG und Art. 2 Abs. 4 HVI besteht nur Anspruch au f Hilfsmittel in einfacher und zweck- mässiger Ausführung. 3.4 Gemäss Ziffer 13.01(*) des Anhangs der HVI vergüte t die Invalidenversicherung unter dem Titel Hilfsmittel am Arbeitsplatz, im Aufgabenbere ich, zur Schulung und Ausbildung sowie für bauliche Vorkehrungen zur Überwindung des Arbeitsweges invaliditätsbedingte Arbeits- und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Haushaltgeräte sowie Zusatzeinrichtungen, Zusatzgeräte und Anpassungen für die Bedienung von Apparaten und Maschinen. Bei der Abgabe von Geräte n, die auch eine gesunde Person in gewöhnlicher Ausführung benötigt, hat sich die versicherte Person an den Kosten zu beteiligen. Hilfsmittel, deren Anschaffungskosten den Betrag von 400 Franken nicht übersteigen, gehen zulasten der versicherten Person. 3.5 Die Invalidenversicherung kann – handelnd durch da s BSV – mit Leistungserbringern wie namentlich den Abgabestellen für Hilfsmittel Vertr äge schliessen, um die Tarife für die Ver- gütung der vom Leistungserbringer in Rechnung gestellte n Kosten festzulegen (Tarifverträge; Art 27 Abs. 1 IVG i.V.m Art. 24 Abs. 2 IVV). 3.6 Seit der Umsetzung der Neugestaltung des Finanzausg leichs und der Aufgabenteilung (NFA) am 1. Januar 2008 hat sich die Invalidenversicherun g aus der Finanzierung der Sonder- schulung zurückgezogen. Die volle fachliche und finanzielle Verantwortung in diesem Bereich wurde den Kantonen übertragen. Die Kantone finanzier en die Sonderschulung integral, d.h. sie kommen sowohl für die individuellen als auch die kollektiven Leistungen an Kinder und Jugend- liche mit Behinderungen bzw. an entsprechende Institut ionen auf. Die Kantone übernehmen damit die Gesamtverantwortung von der heilpädagogischen Früherziehung bis zum Abschluss der Sonderschulung. Infolge der Neugestaltung wurden die invalidenversicherungsrechtlichen Bestimmungen über die Massnahmen für die besondere Schu lung mit Wirkung ab 1. Januar 2008 aufgehoben (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 7. Sep tember 2005 zur Ausführungsge- setzgebung zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Au fgabenteilung zwischen Bund und Kantonen [NFA], 6218 f.). Davon betroffen sind auch die individuellen Leistungen sowie die Bau- und Betriebsbeiträge an Institutionen, welche Massnahmen zur Sonderschulung durchfüh- ren. Die Beiträge umfassen Schulgeld, Kostgeld sowie b esondere Entschädigungen für zusätz- lich zum Sonderschulunterricht notwendige Massnahmen päda gogisch-therapeutischer Art (alt Art. 19 IVG; alt Art. 8ter IVV in Bezug auf zusätzlich zum Sonderschulunterricht erforderliche Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art [für bestimmte Versicherte Sprachheilbehand- lung, Hörtraining und Ableseunterricht, Massnahmen zum S pracherwerb und Sprachaufbau bzw. Sondergymnastik zur Förderung gestörter Motorik], alt Art. 9 IVV in Bezug auf für die Teil- nahme am Sonderschulunterricht notwendige Massnahmen pä dagogisch-therapeutischer Art [für bestimmte Versicherte Sprachheilbehandlung bzw. Hörtraining und Ableseunterricht] und alt Art. 10 IVV in Bezug auf im vorschulpflichtigen Alter zur Vorbereitung auf den Besuch des Son- der- oder Volksschulunterrichtes erforderliche Massnahmen p ädagogisch therapeutischer Art [für bestimmte Versicherte Sprachheilbehandlung, Hörtra ining und Ableseunterricht bzw. heil- pädagogische Früherziehung] sowie alt Artikel 11, 12 und 74ter Buchstabe c) IVV) (vgl. Bot- schaft des Bundesrates vom 7. September 2005 zur Ausführun gsgesetzgebung zur Neugestal- tung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen [NFA], 6219 ff; vgl. zum Ganzen auch S ILVIA BUCHER , Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 106 ff.). 4.1 Praxisgemäss ist unter einem Hilfsmittel im Sinne des IVG ein Gegenstand zu verste- hen, dessen Gebrauch den Ausfall gewisser Teile oder Fu nktionen des menschlichen Körpers zu ersetzen vermag (BGE 131 V 9 E. 3.3; BGE 115 V 194 E. 2c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Die Beschwerdeführerin leidet insbesondere an ei ner Balkenagnesie mit weiteren Be- hinderungen. Die Auswirkungen dieser Einschränkungen man ifestieren sich im vorliegenden Fall in der Feinmotorik und der Konzentrationsfähigkeit. Gemäss den fachärztlichen Angaben ist es ihr aufgrund ihrer Behinderung nicht möglich eine H andschrift zu erlernen. Sie kennt zwar das Alphabet, kann jedoch nur einfache Wörter schreibe n. Das beantragte Computer- schreibsystem gleicht dieses behinderungsbedingte Defizit i nsofern aus, als die Beschwerde- führerin bei der Ausübung von schriftlichen Aufgaben eine auditive Rückmeldung der Buchsta- ben und Wörter erhält und sich somit auf den Text konzent rieren kann. Insgesamt kann das beantragte Notebook als Ersatz zu einem normalen Schreibstift gesehen werden. 5. Unter den Parteien ist unbestritten, dass die Beschw erdeführerin an einem Geburtsge- brechen leidet, welches von Ziffer 381 des Anhangs der Ve rordnung über die Geburtsgebre- chen (GgV) vom 9. Dezember 1985 erfasst wird. Ferner ist unter den Parteien nicht streitig, dass es sich bei dem beantragten Computerschreibsystem grun dsätzlich um ein geeignetes und notwendiges Hilfsmittel gemäss den allgemeinen Anspr uchsvoraussetzungen handelt . Streitig und im Folgenden zu prüfen ist hingegen, ob die IV-Stelle das Gesuch um Kostengut- sprache für das Computerschreibsystem zu Recht abgelehnt hat. 6.1 Die IV-Stelle begründet die Ablehnung des Kosteng utsprachegesuchs im Wesentlichen damit, dass die Versicherte die beantragten Gegenstände für die schulische Integration über- wiegend in der Sonderschule sowie ergänzend bei den Ha usaufgaben benötige. Laut Ziffer 4.2 der Leistungsvereinbarung zwischen der FST und der IV erf olge bei Hilfsmitteln, welche haupt- sächlich in der Sonderschule benutzt werden oder der Sprachförderung dienen, keine Finanzie- rung durch die Invalidenversicherung. Hierfür sei der K anton zuständig (vgl. hierzu IV- Rundschreiben Nr. 312). Sie stützt ihre Verfügung insb esondere auf das Schreiben der FST vom 11. Februar 2013, wonach der Antrag um Kostengutsprache an die IV hauptsächlich damit begründet wird, dass es sich bei den beantragten Hilfsmitteln um solche zur Schulung und Aus- bildung bzw. zur schulischen Integration gemäss Ziffer 13. 01 (*) des Anhangs zur HVI handle. Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin in ihr er Beschwerdebegründung auf den Standpunkt, dass sie die entsprechenden Hilfsmittel, entgegen den Ausführungen der IV-Stelle, nicht überwiegend in der Sonderschule, sondern vor allem auch zu Hause benötige. Zur Selbst- ständigkeitsentwicklung gehöre auch der Umgang mit den heutigen technischen Möglichkeiten. Überdies sei es zur Pflege von Kontakten und zur Vergröss erung ihres sozialen Netzwerkes wichtig, dass sie sich wie andere Jugendliche in ihrem Alter per Skype etc. unterhalten könne. 6.2 Wie sich aus dem oben Ausgeführten ergibt, bestrei tet die Beschwerdegegnerin nicht, dass das beantragte Computerschreibsystem grundsätzlich unter die in Ziffer 13.01(*) des An- hangs zur HVI erwähnten Arbeitsgeräte und Zusatzeinri chtungen subsumiert werden kann. In- dessen macht sie geltend, dass das beantragte Computerschreibsystem, da es im vorliegenden Fall zur schulischen Integration in die von der Beschwerd eführerin besuchte Sonderschule und zur Teilnahme am sonderschulischen Unterricht erforderl ich sei, gestützt auf die Leistungsver- einbarung zwischen der FST und der IV nicht in den Leis tungsbereich letzterer falle und somit per se vom Anspruch nach Ziffer 13.01(*) ausgenommen sei. Wie bereits ausgeführt (vgl. Er- wägung 3.6 hiervor), sind von der Umsetzung des Finanza usgleichs die eigentliche Schulaus- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bildung bzw. individuelle Beiträge an die Sonderschulun g in Form von Schulgeldern, Kostgel- dern und Entschädigungen für zusätzliche Massnahmen pädag ogisch therapeutischer Art be- troffen. Nicht betroffen sind die medizinischen Massnahmen nach Art. 16 IVG sowie die eigent- lichen Bestimmungen zu den individuellen Hilfsmitteln na ch Art. 21 IVG. Vor dem Hintergrund der gemachten Ausführungen kann der Begriff „Hilfsmit tel“ wie er in Ziffer 4.2 der entsprechen- den Leistungsvereinbarung aufgeführt wird nur in einem weiten Sinne verstanden werden, näm- lich als Mittel die von der Finanzierung der eigentlichen Schulausbildung bzw. insbesondere des Unterrichts umfasst sind und im Bereich der Sonderschulung neu ebenfalls von den Kantonen zu tragen sind. Gemäss neuerer Lehre sind dies alle notw endigen und dem Unterricht dienen- den Mittel, namentlich die Lehrmittel und Schulmaterialien sowie individuell nötiger Zusatzunter- richt, wie im Fall der Sonderschule die pädagogisch-th erapeutischen Massnahmen (vgl. BERNHARD EHRENZELLER / MARKUS SCHOTT , Art. 62 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999, in: Ehrenze ller / Mastronardi / Schweizer / Vallen- der, Die Schweizerische Bundesverfassung, Kommentar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2014, Art. 62 Rz. 35 mit Hinweisen; vgl. auch H ERBERT PLOTKE , Schweizerisches Schulrecht, 2. Auf- lage, Bern 2003; vgl. zu den einzelnen Massnahmen oben, Erwägung 3.6). Zur Beantwortung der vorliegend strittigen Frage ist zunächst zu prüfen, o b das beantragte Computerschreibsys- tem ein Hilfsmittel im Sinne eines Lehrmittels im oben beschriebenen Sinne darstellt, für dessen Kosten der Kanton aufzukommen hat. 6.3 Bei einem Lehrmittel handelt es sich um ein im Unt erricht oder in anderen pädagogi- schen Handlungen eingesetztes Hilfsmittel. Es bildet eine fiktive Brücke zwischen dem zu ver- mittelnden Inhalt und dem Lernenden. In einem weiten Sinne verstanden dient die Verwendung des beantragten Hilfsmittels als Ersatz für die normale Handschrift, die der Förderung mentaler Prozesse dient und das Lernen erleichtert, zweifellos da zu, Lerninhalte aufzunehmen. Dessen ungeachtet hat der Einsatz des Computerschreibsystems vorlie gend aber primär die Funktion, das behinderungsbedingte Defizit der Beschwerdeführerin zu überwinden, um ihr die Aufnahme von Lerninhalten bzw. die Teilnahme am Unterricht über haupt zu ermöglichen. Es schafft der Beschwerdeführerin damit Voraussetzungen, über die andere Schülerinnen und Schüler bereits verfügen. Insofern kann das Computerschreibsystem nicht al s eigentliches Lehrmittel im Sinne eines dem Unterricht dienenden Mittels verstanden werd en, dessen Kosten vom Kanton zu tra- gen sind. Darüber hinaus kommt eine Übernahme der Kos ten durch den Kanton auch nicht ge- stützt auf die zusätzlich zum Sonderschulunterricht notwend igen Massnamen pädagogisch the- rapeutischer Art in Betracht. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Geräte unter dem Rechtstitel der pädagogisch therapeutischen Massnahmen von der Invalidenversicherung (bzw. seit der Umgestaltung des Finanzausgleichs vom Kant on) zu übernehmen, wenn ihr Ge- brauch gewissermassen als Bestandteil einer einschlägigen Therapie erscheint und alle übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (BGE 131 V 24 E. 5 .2.2.1). Im vorliegenden Fall wird das beantragte Gerät aber nicht im Rahmen einer durch zuführenden pädagogisch- therapeutischen Behandlung benötigt. Überdies hat di e Subsumtion unter die Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art insbesondere dann Bedeut ung, wenn einem beantragten Ge- rät kein Hilfsmittelcharakter zukommt und damit nach de n massgebenden gesetzlichen Best- immungen kein eigenständiger Anspruch darauf besteht (vgl. BGE 131 V 13 E. 3.3). Wie nach- folgend darzulegen sein wird, sind diese Voraussetzungen im vorliegenden Fall aber erfüllt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Damit bleibt zu prüfen, ob das fragliche Computersch reibsystem unter dem Titel der Ziffer 13.01(*) des Anhangs zur HVI von der IV zu übernehmen ist. 7.1 Wie die Beschwerdeführerin zunächst in ihrem Schreiben g egen den Vorbescheid gel- tend macht und von der Beschwerdegegnerin im Grundsatz anerkannt wird, kann das beantrag- te Notebook mit Zubehör rechtsprechungsgemäss grundsätzli ch unter die in Ziffer 13.01(*) des Anhangs zur HVI erwähnten Arbeitsgeräte und Zusatzeinri chtungen subsumiert werden (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts vom 2. September, 9C_20 9/2010 E. 2.3 mit Hinweisen). Der Anspruch ist an die Voraussetzung geknüpft, dass das Hilfsmi ttel für die Ausübung einer Er- werbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung oder die funktionelle Angewöhnung erforderlich ist (Art. 2 Abs. 2 HVI; Urteile des Eidgenössischen Ver- sicherungsgerichts vom 3. September 2003, I 803/02, E. 1.2.2). Als Eingliederungsmassnahme unterliegt jede Hilfsmittelversorgung den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen des Art. 8 Abs. 1 IVG. Sie hat somit den dort mit Blick auf die vom Gesetz anerkannten Eingliederungs- bereiche ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeign etheit und Notwendigkeit zu genü- gen. Die Verwendung eines für eine Ausbildung erford erlichen Computers und allfälliger Zu- satzgeräte ist nicht invaliditätsbedingt, wenn diese auch von einer gesunden Person unter sonst gleichen Umständen benötigt werden, mit andern Worten auch für eine nicht behinderte Person unerlässliche Arbeitsinstrumente darstellen (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 23. Juli 2012, 9C_80/2012, E. 1.2 mit Hinweisen). Soweit die Verwen dung eines Geräts nicht invaliditätsbe- dingt ist, geht es im Rahmen von Ziffer 13.01(*) des A nhangs zur HVI nicht zulasten der Invali- denversicherung (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherun gsgerichts vom 8. November 2001, I 427/00). In diesem Fall werden von vornherei n nur allfällige Zusatzeinrichtungen und Zusatzgeräte von der Invalidenversicherung übernommen. Lassen sich diese nicht vom Grund- gerät getrennt betrachten, weil es sich um eine behinde rungsbedingte Spezialausführung des Geräts handelt, kann dem Umstand, dass auch eine gesunde Person das Gerät in gewöhnli- cher Ausführung benötigt, auch durch eine Kostenbeteiligung des Versicherten bzw. durch eine blosse Kostenbeteiligung statt -übernahme durch die Invalidenversicherung Rechnung getragen werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 3 . September 2003, I 803/02, E. 1.2.2). 7.2 Wie bereits dargelegt (vgl. Erwägung 4.2 hiervor ), kann aus den fachärztlichen Anga- ben geschlossen werden, dass es der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Ein- schränkungen nicht möglich ist eine Handschrift zu erlernen . Das Verfassen von schriftlichen Texten ist indes unabdingbare Voraussetzung, um überhaupt am Schulunterricht teilnehmen zu können. Das beantragte Computerschreibsystem gleicht die ses behinderungsbedingte Defizit insofern aus, als die Beschwerdeführerin bei der Ausüb ung von schriftlichen Aufgaben eine auditive Rückmeldung der Buchstaben und Wörter erhält u nd sich somit auf den Text konzent- rieren kann. Damit wird ihr die Teilnahme am Unterri cht ermöglicht und es steht grundsätzlich fest, dass die beantragten Gegenstände für die Versichert e zur Schulung geeignete und not- wendige Hilfsmittel darstellen. Dies wird von der Besch werdegegnerin – zu Recht – auch nicht bestritten. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3 Hinsichtlich der invaliditätsbedingten Notwendigke it kann festgehalten werden, dass das beantragte Computerschreibsystem für die anderen Mi tschüler unter sonst gleichen Vor- aussetzungen kein unerlässliches Arbeitsinstrument darstellt , da die Verwendung eines ent- sprechenden Geräts vorliegend zur Teilnahme am Unterrich t in der Sonderschule nicht uner- lässlich ist. Vielmehr ergibt sich aus den massgeblichen Akt en, dass den Mitschülern in der Schule ein Computer für verschiedene schulische Aktivitäten zur Verfügung steht, diese im Un- terricht aber ansonsten einen normalen Schreibstift verwenden. Demgegenüber ist die Versi- cherte zur Teilnahme am Unterricht auf die entsprechen den Hilfsmittel angewiesen. Dies trifft nicht nur für das Sprach- und Worterkennungsprogramm, so ndern insbesondere auch für das beantragte Notebook zu, da die Beschwerdeführerin die Software auch zu Hause für die Haus- aufgaben und das Schreiben von schriftlichen Texten benöti gt, sodass eine Installation dersel- ben auf einem in der Schule zur Verfügung stehenden C omputer ausser Betracht fällt. Gleich verhält es sich in Bezug auf die Armstütze mit kurzer Aufla ge. Dem Umstand, dass auch eine gesunde Person das Gerät in gewöhnlicher Ausführung b enötigt, durch eine Kostenbeteiligung des Versicherten bzw. durch eine blosse Kostenbeteiligun g statt -übernahme durch die Invali- denversicherung vorliegend nicht Rechnung zu tragen. Wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführt trifft es zwar zu, dass die private Nutzung des Notebooks zur Pflege der Kontakte über das Internet sowie für Unterhaltungen per Skype in gru ndsätzlicher Hinsicht nicht als invalidi- tätsbedingt notwendig erachtet werden kann. Indessen kommt diesem Umstand vorliegend aber keine eigenständige Bedeutung zu, da das Hilfsmittel, entgegen der Annahme der Beschwer- degegnerin, gestützt auf Ziffer 13.01(*) in den Leistu ngsbereich der Invalidenversicherung fällt und es in erster Linie zur schulischen Integration erford erlich ist. Daran vermag nichts zu än- dern, dass das Computerschreibsystem überdies für private Zwecke verwendet werden kann. 7.4 Neben den Erfordernissen der Geeignetheit und de r Erforderlichkeit hat eine Hilfsmit- telversorgung stets auch dem Grundsatz der Angemessenheit (Verhältnismässigkeit im enge- ren Sinne) zu genügen. Die Abgabe eines Hilfsmittels m uss demnach unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände de s Einzelfalles in einem angemesse- nen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel steh en. Dabei lassen sich wiederum vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zei tliche, die finanzielle und die persönli- che Angemessenheit. Die Massnahme muss demnach prognostisch e in bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; sodann muss gewährleis tet sein, dass der angestrebte Eingliederungserfolg voraussichtlich von einer gewissen Da uer ist; des Weitern muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Eingliede- rungsmassnahme stehen; schliesslich muss die konkrete Massnahme dem Betroffenen auch zumutbar sein (BGE 132 V 215 E. 3.2.2 mit Hinweisen; ebenfalls BGE 130 V 491 mit Hinwei- sen; MEYER -BLASER , Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistu ngsrecht, Diss. Bern 1985, S. 77 ff., insbes. S. 83 ff.; J ÜRG MAESCHI , Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG] vom 19. Juni 1992, Bern 2000, N 18 f. zu Art. 33). Diesbezüglich kann festgehalten werden, dass diese Teilaspekte vorliege nd unbestrittenermassen erfüllt sind. Mit der vorgesehenen Bedarfs- und Fähigkeitsanalyse sowi e der Schulung, die während der ganzen Lebensdauer des Geräts beansprucht werden kann, dürfte die Beschwerdegegnerin mit dem entsprechenden Programm bzw. dem beantragten Compu terschreibsystem insgesamt mühelos zurechtkommen. Der Umstand, dass das Computerschreib system die Teilnahme am Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sonderschulischen Unterricht überhaupt ermöglicht, führt überdies zur Bejahung eines hinrei- chenden Masses an Eingliederungswirksamkeit desselben. In d iesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass die FST offizielle Partnerin d es BSV ist, was für die Qualität der von der FST entwickelten bzw. vorgeschlagenen Hilfsmittel spri cht. Alsdann weist auch nichts auf eine Eingliederungsmassnahme hin, mit welcher der Eing liederungszweck im Sinne des Ver- hältnismässigkeitsgrundsatzes durch eine einfachere Ausfü hrung des Hilfsmittels als des vor- liegend strittigen erreicht werden könnte. Unter Gesamt würdigung der Teilaspekte der Verhält- nismässigkeit, stehen somit auch die Kosten für das Hilfsmittel insgesamt in einem vernünftigen Verhältnis zum Erfolg der Eingliederungsmassnahme. 8. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist zusammen fassend festzuhalten, dass das beantragte Computerschreibsystem unter dem Titel de r Ziffer 13.01(*) des Anhangs zur HVI von der Invalidenversicherung zu übernehmen ist. Es kan n nicht als ein dem Sonderschul- unterricht dienendes Hilfsmittel qualifiziert werden, w elches vom Anwendungsbereich von Ziffer 13.01(*) ausgenommen ist, weil der Kanton seit der Um gestaltung des Finanzausgleichs für dessen Kosten aufzukommen hat. Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde gutzuheissen. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden Verfahrenskosten in der Regel der unter- legenen Partei auferlegt; gegenüber der Vorinstanz bzw . den kantonalen Behörden werden in- des keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vor instanz unterlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten und de r geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurü ckzuerstatten. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Beschwerd eführerin ein Hilfs- mittel in der Form eines Computerschreibsystems bestehend a us einem Standardnotebook, einer Software zur sprechenden Textve rarbeitung sowie einer Armstütze mit kurzer Auflage zugesprochen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.