B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5426/2011 U r t e i l v o m 2 8 . J u n i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch lic. iur. Susanne Sadri, Asylhilfe Bern, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. August 2011 / N (…). D-5426/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, irakischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie, mit angeblich letztem Wohnsitz in B._______, verliess seine Heimat a m 8. Oktober 2008 und gelangte via C._______ und D._______ nach E._______. Er reiste am 21. Oktober 2008 von E._______ in einem LKW weiter und am 27. Oktober 2008 illegal in die Schweiz ein, wo er am 28. Oktober 2008 ein Asylgesuch stellte. Er wurde am 31. Oktober 2008 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ summarisch und am 16. Oktober 2009 eingehend durch das BFM befragt. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kanton G._______ zugewiesen. B. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass er i n B._______ zusammen mit seinem G e- schäftspartner als (Berufsbezeichnung) eine Werkstatt betrieb en habe . Am 29. September 2008 seien zwei unbekannte Männer in die Werkstatt gekommen und hätten de n Geschäftspartner aufgefordert , 50'000 Dollar zu bezahlen. Danach sei er - auf Anraten seines Onkels - nicht mehr ar- beiten gegangen. Vier Tage später sei sein Geschäftspartner in der Werkstatt ermordet worden. Er sei schriftlich aufgefordert worden, den Geldbetrag zu bezahlen, ansonsten auch er umgebracht würde. Darauf- hin habe er sich beim Polizeiposten in der Nähe des Wohnortes des O n- kels gemeldet. Es sei ihm gesagt worden, dass schon öfter solche Schreiben verschickt, die Täter aber bisher nicht gefasst worden seien. Aus Angst habe er schliesslich am 8. Oktober 2008 den Irak verlassen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine iraki- sche Identitätskarte und die Kopie einer Wohnsitzbestätigung von B._______ zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 29. August 2011 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung führte das Bundesamt im Wesent- lichen aus, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderu n- gen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 des Asylg esetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standhalten würden. Der Wahr- heitsgehalt wesentlicher Vorbringen, insbesondere hinsichtlich seiner a n- geblichen Herkunft aus H._______ (recte: B._______) sei zweifelhaft. So habe er in der Kurzbefragung angegeben, seit seiner Geburt in D-5426/2011 Seite 3 H._______ (recte: B._______) gelebt zu haben, sei jedoch nicht in der Lage, substantiierte Angaben zu seinem Herkunftsort zu machen. Die zu den Akten gereichte Identitätskarte sei am 16. und 27. Oktober 2009 e i- ner amtsinternen Überprüfung unterzogen worden, welche ergeben habe, dass das Dokument zahlreiche objektive Fälschungs merkmale aufweise. Es müsse davon ausgegangen werden, dass er die Behörden über seine tatsächliche Herkunft zu täuschen versuche, komme doch auch die LIN- GUA-Herkunftsanalyse zum Schluss, dass er mit Sicherheit nicht aus H._______ (recte: B._______) stamme, sondern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus I._______, in der Provinz J._______. Bei der Kurzbefragung vom 31. Oktober 2008 habe er zudem weder den Droh- brief noch die Tatsache, dass er den Vorfall der Poli zei gemeldet habe, erwähnt. Insgesamt würden die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anford e- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, weshalb deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, das Asylgesuch sei abzuweisen. Aus den Akten würden sich auch keinerlei Hinweise ergeben, dass ihm bei einer Rückkehr eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Behandlung oder Bestrafung zuteilwerden würde. Da dem Beschwerdeführer d ie angeblich e Herkunft aus H._______ (recte: B._______) nicht ge glaubt werde und vielmehr davon auszugehen sei, dass er aus dem kurdisch -kontrollierten, nordirakischen I._______ stam- me, sei d er Wegweisungsvollzug grundsätzlich zumutbar. Aus den Akten seien auch keine individuellen Gründe ersichtlich , die gegen die Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen würde n, da davon auszug e- hen sei, dass der Beschwerdeführer im Nordirak über ein soziales Netz verfüge, welches ihm bei der Reintegration behilflich sein könnte. D. Mit Eingabe vom 29. September 2011 erhob der Beschwerdeführer mi t- tels seiner Rechtsvertreterin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung der Vorinstanz und die Ge- währung von Asyl; eventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutba r- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht wurde um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs.1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) und um Er lass der Kostenvorschusspflicht ersucht. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass der Beschwerdeführer D-5426/2011 Seite 4 sehr wohl aus B._______ stamme, jedoch nur fünf bis sechs Jahre zur Schule gegangen sei und ihm seine Familie den Kontakt mit arabisch sprechenden Kindern verboten habe, weshalb er nur bescheidene Ara- bischkenntnisse habe. Auch den Weg zu seinem Onkel habe er in der Anhörung detailliert beschrieben. Ferner müsse festgehalten werden, dass er - entgegen den falschen Ausführungen des BFM - nie behauptet habe, er stamme aus H._______. Die durchgeführte LINGUA -Analyse müsse in Zweifel gezogen worden, da der Gutachte r offensichtlich nicht wisse, dass K._______ eher in B._______ und I._______ und weniger in H._______ gesprochen werde. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien insgesamt substantiiert, plausibel, übereinstimmend und asylr ele- vant, weshalb ihm als Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG Asyl zu gewäh- ren sei. Die desolate Sicherheitslage lasse den Vollzug der Wegweisung schliesslich auch als unzulässig, respektive unzumutbar erscheinen. Zur Stützung der Vorbringen wurden - jeweils in Kopie - die Ausstellungs- bestätigung der Identitätskarte der Direktion für Nationalität L._______ vom 16. September 2011, das Schulzeugnis der M._______ Primarschule in B._______ vom 21. September 2011, demgemäss der Beschwerdefüh- rer 1998/1999 das vierte Abschlussexamen erfolgreich absolviert habe , die Zulassungsbewilligung des Geschäftspartners des Beschwerdefü h- rers als (Berufsbezeichnung), ausgestellt am 29. November 1989 von der Provinz L._______, sowie zwei Fotos des angeblichen Arbeitsplatzes des Beschwerdeführers im Original zu den Akten gereicht. E. Mit Verfügung vom 11. Oktober 2011 wurde das Gesuch um unentgeltl i- che Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut geheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. F. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2011 reichte der Beschwerdeführer je das Original und die deutsche Übersetzung der Ausstellungsbestätigung der Identitätskarte der Direktion für Nationalität L._______ vom 16. Septem- ber 2011, des Zeugnisses der M._______ Primarschule in B._______ vom 21. September 2011 und der Zulassungsbewilligung des Geschäft s- partners vom 29. November 1989 zu den Akten. G. Mit Verfügung vom 2. November 2011 wurde der Beschwerdeführer au f-D-5426/2011 Seite 5 gefordert, das in Aussicht gestellte Beweismittel (Drohbrief vom Septe m- ber 2008) nachzureichen. H. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2011 wurde d ie Vorinstanz aufgefor- dert, bis zum 4. Januar 2012 eine Vernehmlassung einzureichen. I. Mit Eingabe vom 29. Dezember 2011 beantragte die Vorinstanz die A b- weisung der Beschwerde und führte aus, dass – wie in der Beschwerde zu Recht gerügt – in den Erwägungen der Verfügung vom 29. August 2011 B._______ und H._______ vertauscht worden sei en. Dabei handle es sich jedoch um einen Formfehler, der an der Tatsache, dass der B e- schwerdeführer nicht aus der von ihm angegebe nen Provinz stamme, nichts zu ändern vermöge. D ie LINGUA-Analyse vom 11. April 2011 komme denn auch zum Schluss, dass er mit überwiegender Wahrschei n- lichkeit aus I._______ und nicht aus B._______ stamme. Die im B e- schwerdeverfahren eingereichten Dokumente (die Ausstellungsbestät i- gung der Identitätskarte der Direktion für Nationalität L._______ 16. Sep- tember 2011, das Zeugnis der M._______ Primarschule in B._______ vom 21. September 2011, die Zulass ungsbewilligung des Geschäftspart- ners vom 29. November 1989 und zwei Fotos des angeblichen Arbeit s- platzes) seien aufgrund der hohen Fälschungsanfälligkeit nicht geeignet, die Zweifel an der geltend gemachten Herkunft des Beschwerdeführers auszuräumen. J. Mit Verfügung vom 16. Januar 2012 wurde dem Beschwerdeführer Gel e- genheit eingeräumt, bis zum 31. Januar 2012 eine Replik einzureichen. K. In der Eingabe vom 1. Februar 2012 (Poststempel) stellte die Recht s- vertreterin fest, dass sich die Vorinstanz nicht mit den im vorliegenden Verfahren vorgebrachten Argumenten auseinandergesetzt habe . Die Er- wägungen der Verfügung würden allgemein bei irakischen Beschwerden eingesetzt und es scheine überhaupt keine Rolle zu spielen, ob der B e- schwerdeführer aus H._______, B._______ oder I._______ stamme. Trotz der eingereichten Beweismittel erkenne das BFM den Asylg rund ohne triftigen Grund nicht an – es handle sich hierbei um keine zutreffe n- de Ablehnungsargumentation. Es sei dem Beschwerdeführer Schutz und Asyl zu gewähren. D-5426/2011 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Ar t. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswe ise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetz t zu werden. Als D-5426/2011 Seite 7 ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbr ingen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylent scheides führte die Vori n- stanz im Wesentlichen aus, dass die Schilderungen des Beschwerdefü h- rers zu seinem angeblichen Herkunftsort H._______ (recte: B._______), wo er fast sein ganzes Leben zugebracht haben w olle, vage und u n- substantiiert aus gefallen seien. Er vermöge zu seinem angeblichen Wohnort nur o berflächliche Angaben zu machen und sei nicht in der L a- ge, substantiierte oder präzise Angaben zum Weg von seinem Haus zum Haus seines Onkels oder in die Werkstatt zu machen. Die vom B e- schwerdeführer eingereichte Identitätskarte weise zahlreiche objektive Fälschungsmerkmale auf, weshalb davon ausgegangen werden müsse, dass er die Behörden über seinen tatsächlichen Aufenthaltsort zu tä u- schen versuche. Aus der LINGUA-Herkunftsanalyse gehe hervor, dass – aufgrund seiner geringen Kenntnisse der Kultur und Geographie, seines Dialekts und der Tatsache, dass er kaum A rabisch spreche – mit Sicher- heit festgestellt werden könne, dass er aus dem Irak, wahrscheinlich aus I._______, sicherlich aber nicht aus H._______ (recte: B._______) stamme. Deshalb müsse davon ausgegangen werden, dass er nicht wie von ihm angegeben in H._______ (recte: B._______) geboren und au f- gewachsen sei. Die Zweifel an seiner Herkunft könnten auch durch die zu den Akten gereichte Wohnsitzbestätigung und die Ausführungen in der im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den Fälschungsvo r- würfen und Ergebnissen der LINGUA -Analyse eingereichten Stellun g- nahme vom 16. Mai 2011 (A 16/1) – wonach alle eingereichten Dokumen- te echt seien und er nur schlecht arabisch verstehe, weil seine Eltern den Kontakt zu arabisch sprechenden Kindern verboten hätten – nicht ausge- räumt werden. Ferner habe er in der Kurzbefragung den Drohbrief und die Tatsache, dass er den Vorfall der Polizei gemeldet habe, mit keinem D-5426/2011 Seite 8 Wort erwähnt, weshalb es sich hierbei um nachgeschobene Vorbringen handle. Schlussendlich würden die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standhalten, weshalb de- ren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Da aus den Akten keinerlei Hinweise auf e ine durch Art. 3 EMRK verb o- tene Strafe oder Behandlung im Falle einer Rückkehr des Beschwerd e- führers ersichtlich seien und, wie oben ausgeführt, davon auszugehen sei, dass er aus dem von der kurdischen Region alregierung kontrollierten nordirakischen I._______ in der Provinz J._______ stamme, wohin der Wegweisungsvollzug gemäss Rechtsprechung als grundsätzlich zumu t- bar erachtet werde , und auch keine individuellen Gründe gegen diese Feststellung sprächen, sei er aus der Schweiz wegzuweisen und der zu- ständige Kanton mit dem Vollzug zu beauftragen. 4.2 Demgegenüber hält der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe fest, er beharre auf seinen bisher gemachten Angaben, wonach er in B._______ geboren und aufgewachsen sei, fünf bis sechs Jahre zur Schule gegangen und schliesslich in der Werkstatt als (Berufsbezeich- nung) gearbeitet habe. In der Anhörung habe er sehr wohl detaillierte Auskunft zum Weg von seinem Haus zum Haus des Onkels gegeben. Da er nur wenige Jahre Schulbildung genossen habe und der Erhalt der kur- dischen Sprache ein grosses Anliegen seiner Familie sei, habe er nur wenig Arabischkenntnisse. Seine Rechtsvertreterin habe seinen Onkel in B._______ angerufen und um Zusendung diverser Beweismittel gebeten (Ausstellungsbestätigung der Identitätskarte der Direktion für Nationalität L._______ vom 16. September 2011, Schulzeugnis der M._______ Pri- marschule in B._______ vom 21. September 2011 - demgemäss der Be- schwerdeführer 1998/1999 das vierte Abschlussexamen e rfolgreich a b- solviert habe - Zulassungsbewilligung des Geschäftspartners des B e- schwerdeführers, ausgestellt am 29. November 1989 von der Provinz L._______, sowie zwei Fotos seines Arbeitsplat zes), welche der Be- schwerde in Kopie beigeleg t w orden seien . Seine Herkunft aus B._______ sei somit glaubhaft gemacht. Den Erwägungen der Verfügung des BFM sei zu entnehmen, dass er a n- gegeben habe, er stamme aus H._______; die durchgeführte LINGUA - Analyse komme jedoch zum Schluss, dass er mit Sicherheit nicht aus H._______, sondern sehr wahrscheinlich aus I._______ stamme. Entge- gen den Ausführungen in der Verfügung des BFM habe er nie behauptet, er stamme aus H._______. Zudem müsse die Qualifikation des LINGUA -D-5426/2011 Seite 9 Gutachters in Frage gestellt werden, wenn dieser nicht wisse , dass K._______ – der vom Beschwerdeführer gesprochene Dialekt – eher in B._______ oder I._______, nicht aber in H._______ gesprochen werde. Dies allein stelle einen wesentlichen Grund zur Aufhebung der angefoc h- tenen Verfügung dar. Er habe sein Heimatland aufgrund einer ernsthaften Gefährdung und der Tatsache, dass die irakischen Behörden nicht in der Lage seien , ihn zu beschützen, verlassen, weshalb ihm gemäss Art. 3 AsylG als Flüchtling Asyl zu gewähren sei. Aufgrund der nach wie vor de- solaten Sicherheitslage erscheine der Vollzug der Wegweisung darüber hinaus auch als unzulässig respektive unzumutbar. 4.3 In der Beschwerde wird sinngemäss gerügt, die Vorinstanz habe – in- dem sie in ihrer Begründung H._______ mit B._______ verwechselte – den rechts erheblichen Sachverhalt nicht richtig festgestellt und ihre B e- gründungspflicht verletzt. Alleine deshalb müsse die Verfügung der Vorin- stanz aufgehoben werden. Zunächst ist deshalb auf diese Rügen einzugehen. Wie den Akten en t- nommen werden kann, ist die Vo rinstanz bei der Abklärung des rechtse r- heblichen Sachverhalts – namentlich bei der Kurzbefragung und der An- hörung (A 1/9; A 9/11), der Durchführung der LINGUA -Analyse (A 12/1; A 14/9) und der Gewährung des rechtlichen Gehörs (A 15/2) – stets von B._______ und nicht von H._______ ausgegangen. Auch in der Darstel- lung des Sachverhalts in der ablehnenden Verfügung führte sie zunächst an, der Beschwerdeführer habe angegeben , aus B._______ zu stammen (vgl. angefochtene Verfügung S. 2 Punkt 1), um hernach in der B egrün- dung konsequent fälschlicherweise H._______ anstatt B._______ zu schreiben. Auch wenn dieser Fehler der Vorinstanz unsorgfältig und unschön ist (und die entsprechende Irritation der Rechtsvertreterin durchaus nac h- vollziehbar ist), so ist mitnichten davon auszugehen, sie habe ihren En t- scheid auf Basis eines falschen Sachverhalts getroffen; aus den oben e r- wähnten Akten geht klar hervor, dass im Rahmen der Entscheidfindung von der angeblichen Herkunft des Beschwerdeführers aus B._______ ausgegangen wurde. Es handelt sich demnach um ein klares und offe n- sichtliches Versehen der Vorinstanz, welches nicht zur Aufhebung der Verfügung führen kann. Gleiches muss denn auch hinsichtlich der sin n- gemässen Verletzung der Begründungspflicht gelten, da ein offensichtl i- ches Versehen nicht in eine Verletzung der Begründungspflicht münden kann, zumal aus dem gesamten Verfahren ersichtlich war, dass die Vorin-D-5426/2011 Seite 10 stanz immer von B._______ und nicht von H._______ ausging. Deshalb verfängt auch diese Rüge nicht. 5. 5.1 Grundsätzlich si nd Vorbringen dann glaub haft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüs sig und plausibel sind; sie dür fen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, dürfen in we sentlichen Punk ten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allge meinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwür dig erschei - nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbrin gen auf gefälschte oder verfä lschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG). Aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unter drückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ein wände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Beschwer deführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaub haft gemacht, wenn der Richter oder die Richterin von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber für überwiegend wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma chung reicht es de m- gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbrin gen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände ge gen die vorgebrachte Sach verhaltsdarstellung spre chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Rich tigkeit der Sachver haltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekti vierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1, E. 5a S. 4 f.). 5.2 Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, kommt das Bundesverwaltungsg e- richt nach Würdigung der Akten zum Schluss, dass die Erwägungen der Vorinstanz zur fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwe r- deführers zutreffen und die Ausführungen in der Beschwerdeschrift sowie die mit dieser eingereichten Beweismittel nicht geeignet sind, die Ei n- schätzung des BFM in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt LINGUA -Analysen des BFM nicht als Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundes-D-5426/2011 Seite 11 zivilprozess [BZP , SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern als schriftliche Auskünfte einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZ P i.V.m. Art. 19 VwVG), misst ihnen indessen − sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind − erhöhten B eweiswert zu (vgl. EMARK 2003 Nr. 14 E. 7, EMARK 1998 Nr. 34). Demnach sind LINGUA -Analysen grundsätz- lich geeignet, den Nachweis einer Herkunftstäuschung zu erbringen (vgl. EMARK 1999 Nr. 19 E. 3d). 5.4 Die LINGUA-Analyse vom 11. April 2011 ist fundiert, diffe renziert und in allen Teilen der Begründung überzeugend ausgefallen. Sie gibt zu ke i- nen Beanstandungen Anlass. Der die Analyse durchführende Gutachter verfügt ge mäss Aktenlage über 42 Jahre Erfahrung in der analyserel e- vanten Länderkonstellation und der zu analysierenden Sprache, über ei- nen Doktor in Linguistik und einen Master in Übersetzung (vgl. A 14/9 S. 9). Es liegen demnach keine Gründe vor, an der Qualifikation des Gu t- achters insbesondere hinsichtlich der Analyse der sprachlichen Sozi - alisation des Beschwerdeführers zu zweifeln. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift - die fachliche Kompetenz des Gutachters müsse in Zweifel gezogen werden, weil er nicht wisse, dass K._______ mehrheit- lich in B._______ oder I._______ gesprochen werde, nicht aber in H._______ - fusst im bereits oben erläuterten Fehler der Vorinstanz, w o- nach in der Verfügung fälschlicherweise H._______ und nicht B._______ geschrieben wurde. Die LINGUA-Analyse kommt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer mit Sicherheit nicht aus B._______, sondern sehr wahrscheinlich aus I._______ stamme – von einem angeblichen Bezug zu H._______ ist nirgends die Rede . Die Verwechslung zwischen B._______ und H._______ findet sich einzig in der Verfügung der Vori n- stanz, wobei es sich – wie bereits dargele gt – offensichtlich um ein Ver- sehen handelt, das an den ansonsten zutreffenden Ausführun gen nichts zu ändern vermag. Demnach ist von korrekten Ergebnissen der LINGUA-Analyse auszuge- hen, die geeignet sind, die Glaubhaftigkeit der angeblichen Verfolgung im angegebenen Herkunftsgebiet zu beeinträchtigen. Im Gutachten wurde der Dialekt des Beschwerdeführers auf Aussprache, Satzbau und Wor t- schatz hin analysiert, Fragen zu seinen geographischen und sozio - kulturellen Kenntnissen zum angeblichen Herkunftsort gest ellt und seine Arabischkenntnisse bewertet. Die LINGUA -Analyse stellt fest, dass die wenigen Sätze Arabisch des Beschwerdeführers hinsichtlich Syntax und D-5426/2011 Seite 12 Dialekt falsch waren, obwohl er sein gesamtes Leben in einer (…) Stadt gelebt, in der Schule während fünf Jah ren Arabisch gelernt und während mehrerer Jahre als (Berufsbezeichnung) gearbeitet haben wolle; die Ara- bischkenntnisse würden nicht einer Person entsprechen, die behaupte, ihr ganzes Leben in B._______ verbracht zu haben. Währenddem die Sozialisation des Beschwerdeführers im Irak bestätigt wurde, konnte der Gutachter seine angebliche Herkunft aus B._______ mit Sicherheit au s- schliessen. Gemäss der LINGUA-Analyse stammt der Beschwerdeführer sehr wahrscheinlich aus I._______, in der Provinz J._______. 5.5 Das Ergebnis der Herkunftsanalyse wird grundsätzlich auch dadurch erhärtet, dass die vom Beschwerdeführer eingereichte Identitätskarte gemäss einer internen Analyse des Bundesamtes zahlreiche objektive Fälschungsmerkmale aufweist (A10/4). Die vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Mai 2011 gemachten Gegenargumente – er habe die Identitätskarte persönlich von der zuständigen Behörde ausgehändigt e r- halten und es handle sich nicht um eine Fälschung – vermögen die Zwei- fel an der Echtheit des Dokumentes nicht zu beseitigen. Darüber hinaus gehend ist auch d as vom Beschwerdeführer beigebrachte Schreiben der Direktion für Nationalität in L._______ vom 16. September 2011 aufgrund der hohen Fälschungsanfälligkeit – wie in der Ve rnehmlassung richtig festgestellt – nicht geeignet, die Echtheit der Identitätskarte glaubhaft zu machen. Angesichts der zahlreichen, vom BFM aufgelis teten Fä l- schungsmerkmale der Identitätskarte, welche durch die Gegenargumente des Beschwerdeführers nicht hinreichend erklärbar erscheinen, kann die- sem Dokument demnach in Bezug auf die Herkunft des Beschwerdefü h- rers kein Beweiswert zuerkannt werden. 5.6 Des Weiteren war der Beschwerdeführer nicht in der Lage substant i- ierte Angaben zu seinem Herkunftsort zu machen, obwohl er, eigenen Angaben zufolge, (…) Jahre lang dort gelebt haben will. So sind die Aus- führungen zum Weg von seinem Zuhause zum Haus seines Onkels oder zu seiner Werkstatt substanzlos (A 9/11 S. 4 und 6) ; er war weder in der Lage, die Adresse des Onkels zu nennen (A 9/11 S. 7), noch den Namen des Polizeipostens anzugeben, bei welchem er angeblich Anzeige ersta t- tet haben will (A 9/11 S. 3). Die stereotypen Ausführungen des Beschwer- deführers weisen nur äusserst wenig Realk ennzeichen auf und wirken insgesamt konstruiert. 5.7 An dieser Feststellung vermögen schliesslich auch die eingereichten Beweismittel – neben dem Schreiben der Direktion für Nationalität D-5426/2011 Seite 13 L._______ vom 16. September 2011 wurden ein Zeugnis der M._______ Primarschule in B._______ vom 21. September 2011, die Zulassungsbe- willigung des Geschäftspartners vom 29. November 1989 , zwei Fotos, sowie eine Kopie einer Wohnsitzbestätigung vom 3. November 2009 zu den Akten gereicht – nichts zu ändern, da die Dokumente insgesamt eine hohe Fälschungsanfälligkeit aufweisen. Dies muss insbesondere für das eingereichte Primarschulzeugnis, welches am 21. September 2011 au s- gestellt und mit einem aktuellen Foto des Beschwerdeführers versehen wurde, gelten. Die Zulassungsbewilligung d es Geschäftspartners (…) ist insofern ein untaugliches Beweismittel, als es die angebliche Geschäfts- beziehung zwischen ihm u nd dem Beschwerdeführer nicht beweisen kann. Dasselbe hat für die eingereichten Fotos, welche den Beschwerd e- führer mit seinem angeblichen Geschäftspartner zeigen sollen, zu gelten, da diese Fotos lediglich den Innenraum einer Werkstatt und diverse Per- sonen – unter anderem de n Beschwerdeführer – zeigen. Über den Standort dieser Werkstatt sagen die Bilder nichts aus; daran vermag auch die Kopie einer Zulassungsbewilligung nichts zu ändern. Schliesslich vermag auch der Umstand, dass die Rechtsvertreterin mit dem angebl i- chen Onkel des Beschwerdeführers telefoniert hat, nicht auf eine He r- kunft aus B._______ deuten, da es sich bei der a ngegebenen Telefon- nummer (…) gemäss Erkenntnissen des Gerichts um eine Nummer des Anbieters Asiacell, des grössten irakischen Mobilfunkanbieters, handelt, der angebliche Wohnort des Onkels mithin völlig offensteht. 5.8 In Anbetracht dieser Umstände sowie des klaren Ergebnisses der LINGUA-Analyse gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorin - stanz zum Schluss, dass der Beschwerdeführer seine Hauptsozialisation in B._______ nicht glaubhaft gemacht hat. Demzufolge ist die von ihm vorgebrachte Gefährdung d urch arabische Terroristen auch in diesem Lichte besehen nicht glaubhaft. 5.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen des B e- schwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermögen, so dass deren Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG nicht zu prüfen ist. Nach dem Gesagten erü b- rigt es sich, auf die Ausführungen und Einwände in der Beschwerde b e- ziehungsweise die eingereichten Beweismittel weiter einzugehen, weil sie nicht zu einer von der Vori nstanz veränderten Betrachtungsweise führen. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. D-5426/2011 Seite 14 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundes gesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshinde r- nissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingsei genschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und ander n- falls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ue- bersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., B a- sel 2009, Rz. 11.148). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder D-5426/2011 Seite 15 unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh- rers in den Heimatstaat ist demnach un ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Irak dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Me n- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder u n- menschliche Behandlung drohen würde (vgl . EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird ei ne konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1 Wie oben ausgeführt, ist von einem langjährigen Aufenthalt des B e- schwerdeführers in der Provinz J._______ auszugehen. Das Bundesver- waltungsgericht geht gemäss konstanter Praxis da von aus, dass in den drei kurdischen Provinzen Dohuk, Erbil und Sulaymaniya keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die dortige po litische Lage nicht derart D-5426/2011 Seite 16 angespannt ist, dass eine Rückführung dor thin generell als unzumutbar betrachtet werden müsste (BVGE 2008/5 E. 7.5.8). Zusammenfassend wird im erwähnten Urteil festgehalten, dass die Anordnung des Wegwe i- sungsvollzugs in der Regel für alleinstehende, gesunde und junge kurd i- sche Männer, die ursprün glich aus einer der drei kurdischen Provinzen stammen oder eine längere Zeit dort gelebt haben und dort nach wie vor über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) oder Parteibeziehungen verfügen, zumutbar ist, während für alleinst e- hende Frauen und für Familien mit Kindern, sowie für Kranke und Betagte bei der Feststellung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs grosse Zurückhaltung angebracht ist (BVGE 2008/5). Die Sicherheitssituation in den drei kurdischen Provinzen hat sich nicht wesentlich verändert. In der überwiegenden Mehrheit der Berichte von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen wird eine insgesamt st a- bile Situation beschrieben (vgl. dazu UK Home Office, Operational Country of Origin Information Report: Kurdistan Regi onal Government Area of Iraq, 16. September 2009, S. 32 ff. ; UK Home Office, Country of Origin Information Iraq Report, 25. März 2011, S. 69 f. ; Report on Joint Finnish-Swiss Fact-Finding Mission to Amman and the Kurdish Regional Government [KRG] Area, vom 10. - 22. Mai 2011 , Finnish Immigration Service, Swiss Department of Justice and Police & Federal Office for M i- gration, 02/2012). In seinem Bericht von Mai 2012 bestätigt das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) die rel a- tiv stabile Sicherheitslage in den drei kurdischen Provinzen ( UNHCR Eli- gibility Guidelines for Assessing the International Protection Needs of Ir a- qi Asylum-Seekers, Mai 2012, S. 9; S. 46 f.). 7.4.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen, alleinste - henden und gemäss Aktenlage gesunden Mann. Er verfügt über Sprac h- kenntnisse, eine gewiss e Schulbildung und Arbeitserfahrung als (Berufs- bezeichnung). Dabei erzielte er offenbar ein hohes Einkommen (A 1/9 S. 2; A 9/11 S. 6 ). Ferner war es ihm möglich, wiederholt Beweismit tel aus dem Irak einzureichen, was auf soziale Anknüpfungs punkte vor Ort hi n- deutet. Nach dem oben gemachten Ausführungen steht auch fest, dass er sehr wahrscheinlich aus I._______ in der Provinz J._______ stammt. Auf- grund des erhärteten Verdachts, der Beschwerdeführer lasse die Asylbe - hörden über seine tatsächliche soziale Situation vor Ort letztlich im Du n- keln, kann der Umstand, ob er ge mäss seinen Angaben tatsächlich über keine Verwandten in den drei genannten nordiraki schen Provin zen ve r- fügt, letztlich nicht ge klärt werden und ist vom Bundesverwaltungsge richt D-5426/2011 Seite 17 praxisgemäss auch nicht weiter abzuklä ren, da die Untersu chungspflicht nach Treu und Glau ben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der b e- schwerdeführenden Person findet (Art. 8 AsylG), die auch die Substan - ziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Unter diesen Umständen ist entgegen seinen Aussagen grundsätzlich davon auszugehen, dass er dort über ein tragfähiges familiäres und soziales Netz verfügt. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumut- bar. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) . Mit Verfügung vom 11. Oktober 2011 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gewährt. Eine solche ist vorliegend nicht ersich tlich, weshalb entsprechend auf eine Kostenauflage zu verzichten ist. (Dispositiv nächste Seite) D-5426/2011 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: