B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1186/2011 U r t e i l v o m 3 0 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren am (…), Somalia, vertreten durch lic. iur. Claudia Tamuk, Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 20. Januar 2011 / N (…). D-1186/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, somalischer Staatsbürger, Angehöriger der Cla n- familie der B._______ aus C._______, verliess seine Heimat am 1. Se p- tember 2008 und reiste am 10. September 2008 in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Er wurde im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) D._______ am 6. Oktober 2008 summarisch und am 19. Mär z 2010 durch das BFM eingehend befragt. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem Kanton E._______ zugewiesen. Zur Begründung seines Asylgesuchs macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass er als uneheliches Kind diskriminiert und deswegen einmal bei einem Streit durch eine Schusswaffe am (…) ver- letzt worden sei. Später habe er für den in der Gunst der äthiopischen Truppen (Ethiopian National Defense Forces, ENDF) stehenden Vize - Verwalter von C._______ namens F._______ als Chauffeur gearbeitet. Er sei von Unbekannten telefonisch bedroht und auf dem Weg zur Arbeit aufgefordert worden, nicht mehr für F._______ zu arbeiten und seinen Wagen zu verkaufen. Als er abgelehnt habe, sei er für zwei Tage von An- gehörigen der Al -Shabab Milizen entführt worden und erst n ach seiner Zusicherung nicht mehr für F._______ zu arbeiten, freigelassen worden. Er sei aber trotz dieses Zwischenfalls weiterhin als Chauffeur für F._______ tätig gewesen. Am 16. Februar 2007 sei er von F._______ ge- beten worden, dessen hochschwangere Frau für die Geburt ins Spital zu fahren. Unterwegs sei eine Mine explodiert, wobei die Frau von F._______ getötet und er schwer verletzt worden sei en. Aufgrund der prekären Sicherheitslage sei er am 27. Februar 2007 vom Spital, in we l- chem er seit der Explosion der Mine in Behandlung war, nach Hause ver- legt worden. Von dort sei er am 1. oder 2. März 2007 durch äthiopische Truppen, die nach heftigen Kämpfen sämtliche Häuser nach Waffen durchsucht hätten, mitgenommen und erst 15 Tage später nach der Inter- vention von F._______ und gegen Bezahlung von 700 $ wieder freigela s- sen worden. Nach der Freilassung habe er sich nicht frei bewegen können und sei so- dann als Landwirt tätig gewesen . Seit 2007 seien äthiopische Soldaten auf den Feldern seiner Familie stationiert gewesen und er habe ihnen seine Ernte verkaufen müssen. Er sei mehrmals bedroht und aufgefordert worden, dies nicht mehr zu tun. D-1186/2011 Seite 3 Im Oktober 2007 sei er telefonisch von einem Lehrer aufgefordert wo r- den, für die Al-Shabab Milizen zu arbeiten. Danach habe er sich an se i- nen Vater und den Bruder des mittlerweile verstorbenen Vize-Verwalters F._______ gewandt. In der Folge hätten Sicherheitskräfte die Leute um diesen Lehrer festnehmen wollen. Dabei sei es zu einem Gefecht g e- kommen, wobei auch mehrere Kinder, die in der Schule des Lehrers u n- terrichtet wurden, ums Leben gekommen seien. Die Elter n dieser Kinder hätten nach ihm gesucht, weil er die Truppen zum Schulhaus geführt h a- be. Bis zu seiner Ausreise aus Somalia am 1. September 2008 habe er bei den auf seinem Feld stationierten äthiopischen Truppen gelebt , da er aufgrund seiner gesundheitlich en Verfassung und den fehlenden fina n- ziellen Mitteln nicht sogleich habe ausreisen können. Im Jahr 2009 sei sein Vater von den Al-Shabab Milizen ermordet worden, da ihm die Unterstützung der Äthiopier und der von ihnen eingesetzten Regierung vorgeworfen wurde. B. Mit Verfügung vom 20. Januar 2011 wies die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz weg und schob den Vollzug zugunsten ei ner vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit auf. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus , dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei , glaubhaft konkrete Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass ihm bei einer Rückkehr in seine Heimat mit b e- achtlicher Wahrscheinlichkeit asylrelevante Nachteile drohen. Zwischen den Benachteiligungen, die der Beschwerdeführer bis im Oktober 2007 erlebt habe und seiner Flucht in die Schweiz könne kein ausreichender zeitlicher Kausalzusammenhang hergestellt werden, weshalb diese Vo r- bringen nicht asylrelevant seien. Es könne deshalb darauf verzichtet we r- den, auf die zahlreichen Ungereimtheiten in den Ausführungen des Be- schwerdeführers einzugehen. Der Beschwerdeführer erfülle die Flüch t- lingseigenschaft nicht, das Asylgesuch sei somit abzulehnen und der B e- schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit der Wegweisung vorläufig aufz u- nehmen. Auf die nähere Begründung wird, soweit entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 18. Februar 2011 (Poststempel) reich te der Beschwe r- deführer durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde beim Bundesverwa l- tungsgericht ein. Der Beschwerdeführer beantragt e unter Kosten - und Entschädigungsfolge die Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz im D-1186/2011 Seite 4 Asyl- und Wegweisungspunkt, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers sowie die Gewährung von Asyl. In pro zessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Verfügung vom 25. Februar 2011 stellte die Instruktionsrichterin fest, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt zu entschieden, das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfle- ge im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG jedoch abzuweisen sei. Auf die Er- hebung ei nes Kostenvorschusses wurde verzichtet und der Vorinstanz Gelegenheit eingeräumt, bis zum 14. März 2011 eine Vernehmlassung einzureichen. E. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 7. März 2011 die Abweisung der Beschwerde und führte an, dass die Beschwerdeschrift keine erheblichen neuen Tatsachen enthalte. Den Akten seien keine A n- haltspunkte dafür zu entnehmen, dass es dem Beschwerdeführer aus ge- sundheitlichen oder anderweitigen Gründen nicht möglich gewesen wäre, früher auszureisen. Gemäss dem Arztbericht vom 10. Juni 2009 habe sich der Beschwerdeführer nach dem Autounfall, welcher sich übrigens bereits 1999 ereignet habe, ungehindert bewegen können. Der B e- schwerdeführer weise ausserdem selber darauf hin, dass er bis zu seiner Flucht in der Landwirtschaft tätig gewesen und es ihm gesundheitlich gut gegangen sei. F. Mit Verfügung vom 14. März 2011 wu rde dem Beschwerdeführer eine Kopie der Vernehmlassung der Vorinstanz zugestellt und bis zum 29. März 2011 Gelegenheit zur Replik gegeben. G. Mit Schreiben vom 25. März 2011 (Poststempel) ersuchte die Recht s- vertreterin des Beschwerdeführers um die Zustellung von Kopien der bis- her zu den Akten gereichten medizinischen Unterlagen, in welche sie bis anhin noch keine Einsicht erhalten hatte. Mit Schreiben vom 31. März 2011 entsprach die damals zuständige Instrukt ionsrichterin dem Gesuch D-1186/2011 Seite 5 und der Rechtsvertreterin wurden Kopien sämtlicher ärztlicher Berichte zugestellt. H. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers nahm innerhalb er streckter Frist am 5. April 2011 zur Vernehmlassung Stellung und führte aus, dass der Beschwerdeführer sowohl psychische als auch physi sche Probleme habe. Seit der (…) könne der Beschwerdeführer nur leise und schwer verständlich sprechen. Durch die Mine sei er sehr schwer verletzt worden und habe sich mehrere Wochen kaum bewegen können. Im ärztlichen Bericht der G._______ würden eine posttraumatische Belastungsstörung, eine mittelgradige depressive Episode und anhalten de somatoforme Schmerzstörungen diagnostiziert. Der Beschwerdefü hrer sei heute nach wie vor am H._______ in Behandlung. In de r Schweiz habe er zudem wegen (…) behandelt werden müssen. In den Arztzeugnissen hätten sich d en Gesundheitszustand des B e- schwerdeführers betreffend einige Unstimmigkeiten e ingeschlichen. Der Autounfall sei der bereits er wähnte, durch die Mine verursachte Zwi- schenfall, welcher sich 2007 und nicht 1999 ereignet habe. Der B e- schwerdeführer leide seit diesem Zwischenfall unter Schmerzen, welche sich im Januar 2009 aufgrund der (…) Erkrankung weiter verschlimmert hätten, jedoch bereits vorher schlimm waren. Da der Beschwerdeführer sich nur durch Dolmetscher, die teils Kollegen und keine professionellen Dolmetscher waren, mit den Ärzten habe verständigen k önnen, sei es nachvollziehbar, dass sich Fehler einschl eichen. Die zu optimistische Einschätzung sei im Hinblick auf den extrem schlechten gesundheitlichen Zustand des Beschwerdeführers ab Januar 2009 und die Übersetzungs- schwierigkeiten zu verstehen. Dasselbe müsse auch für die Anhörung s- protokolle gelten. Sowohl der frühere Hausarzt I._______, wie auch der jetzige Hausarzt K._______ hätten gegenüber der Rechtsvertreterin telefonisch ausg e- sagt, dass die (…) Erkrankung des Beschwerdeführers so schwer gewe- sen sei, dass sich erste Anzeichen wohl schon vor seiner Flucht aus S o- malia gezeigt hätten; aufgrund der fehlenden Krankenakten könne jedoch nichts Genaueres dazu gesagt werden. Schlussendlich seien eine Kom- bination zwischen schlechter psychischer (Trauma und Depression) und physischer Verfassung (Verletzungen durch die Explosion der Mine, erste Symptome der […]), finanzielle n Schwierigkeiten und fehlender Bew e- gungsfreiheit wegen der Besatzung der äthiopischen Truppen dafür ver-D-1186/2011 Seite 6 antwortlich, dass der Beschwerdeführer nicht früher ausgereist sei. Schliesslich sei noch darauf hinzuweisen, das s die äthiopischen Truppen mittlerweile vom Wohnort des Beschwerdeführers abgezogen seien und das Gebiet von den Al -Shabab kontrolliert werde, weshalb sich der B e- schwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr nicht mehr unter den Schutz der äthiopischen Truppen stellen könnte. Es werde somit an allen bisherigen Vorbringen der Beschwerdeschrift festgehalten. I. Mit Schreiben vom 1. März 2012 reichte die Rechtsvertreterin eine aktuel- le Kostennote für das vorliegende Beschwerdeverfahren zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgeri chtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an der en Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige D-1186/2011 Seite 7 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, so lchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. In ihrer angefochtenen Verfügung vom 20. Januar 2011 führt die Vor- instanz aus, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anford e- rungen von Art. 3 AsylG nicht zu genügen vermögen, da zwischen den Benachteiligungen, die der Beschwerdeführer bis im Oktober 2007 erlebt habe und seiner Flucht in die Schweiz im September 2008 kein ausrei- chender zeitlicher Kausalzusammenhang bestehe und diese Vorbringen deshalb als nicht asylrelevant zu qualifizieren seien. Im vorliegenden Fall würden konkrete Anhaltspunkte dafür fehlen, dass dem Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit asylrelevante Nachteile drohen, weshalb darauf verzichtet werden könne, auf die zahlreichen Ungereimtheiten – nachträglich geltend ge- machte Ereignisse, widersprüchliche Schilderungen sowie unsubstanz i- ierte Aussagen – und somit auf die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen. D-1186/2011 Seite 8 Aus diesen Gründen erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseige n- schaft nicht, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei. 4.2. In seiner Beschwerde hält der Beschwerdeführer der Argumentation der Vorinstanz entgegen, dass ihm bei einer Rückkehr politisch motivie r- te, ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG drohen und die Asylgründe immer noch aktuell seien. Das Unvermögen zur Schutzgewährung der äthiopischen Truppen zeige sich deutlich in der Tat sache, dass der Vater des Beschwerdeführers 2009 ermordet w orden sei. Er, der Beschwerd e- führer, habe sich für den Schutz der äthiopischen Truppen in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis begeben und dafür seine Bewegungsfreiheit ein- gebüsst und seine Ernte ve rkaufen müssen. Darüber hinaus sei er dem Schutz der äthiopischen Truppen willkürlich ausgeliefert gewesen , denn er sei bereits einmal von diesen festgenommen und erst gegen Beza h- lung von 700 $ wieder freigelassen worden. Obwohl ihm während fast ei- nes Jahr es keine asylrelevante Behandlung mehr zuteil geworden sei , habe er dennoch eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung , da ihm sowohl von den Al -Shabab als auch von den äthiopischen Truppen Kollaboration mit der jeweils anderen Partei vorgeworfen werde. Zudem werde er durch die Eltern der getöteten Kinder bedroht. Dass er vor seiner Flucht in die Schweiz noch ein knappes Jahr in Som a- lia ausharrte, sei primär auf seinen schlechten gesundheitlichen Zustand und die fehlenden finanziellen Mittel zurückzuführen. Zur Glaubwürdigkeit hält er fest , dass er die Vorbringen substantiiert e r- zählt und die teilweise komplexen Zusammenhänge gut erklärt habe. Zwischen den beiden Anhörungsprotokollen gebe es zwar einige Wide r- sprüche, diese seien aber vornehmlich a uf seinen schlechten physischen und psychischen Zustand zurückzuführen. Neben dem grundsätzlichen Problem sich an Daten erinnern zu können, habe es zwischen dem Do l- metscher und ihm Verständigungsprobleme gegeben, da er sehr leise und aufgrund (…) zum Teil unverständlich spreche. 4.3. In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass die B e- schwerde an ihrer Einschätzung, dass der Beschwerdeführer Gelegenheit zur früheren Ausreise gehabt hätte, nichts zu ändern vermöge. Aus dem Arztbericht vom 10. Juni 2009 ergebe sich, dass sich der Autounfall b e- reits 1999 ereignet habe, dass der Beschwerdeführer in der Landwir t- schaft tätig gewesen sei und es ihm bis zu seiner Ausreise gesundheitlich gut gegangen sei. Der zeitliche Kausalzusammenhang zwischen den D-1186/2011 Seite 9 Vorbringen des Beschwerdeführers und seiner Ausreise sei damit unte r- brochen. 4.4. In ihrer Replik führte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers aus, dass der Beschwerdeführer diverse gesundheitliche Probleme habe, wobei die Hauptprobleme die erwähnte Schusswaffenverletzung (…) und der Minenunfall seien. Diese und andere Ereignisse hätten zudem zu e i- ner multiplen Traumatisierung des Beschwerdeführers geführt, welche sich gemäss ärztlichem Bericht der G._______ in einer posttraumat i- schen Belastungsstörung, einer mittelgradigen depressiven Episode und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung niederschlage. Des Weiteren leide der Beschwerdeführer an einer (…), wobei sich erste Symptome gemäss telefo nischen Aussagen zweier Ärzte bereits vor der Ausreise des Beschwerdeführers aus Somalia manifestiert haben dürften. Die den Akten zu entnehmenden eher optimistischen Aussagen des B e- schwerdeführers betreffend seines Gesundheitszustandes seien vor dem Hintergrund seines extrem schlechten Gesundheitszustands ab Januar 2009 und den Übersetzungsschwierigkeiten zu sehen. Schlussendlich sei eine Kombination aus schlechtem Gesundheitszustand, finanziellen Schwierigkeiten und fehlender Bewegungsfreiheit aufgrund de r Besa t- zung der äthiopischen Truppen dafür verantwortlich, dass der Beschwe r- deführer nicht früher ausgereist sei. 5. 5.1. Grundsätzlich sind die Vorbringen eines Gesuchstellers dann glaub - haft, wenn sie genügend substan ziiert, in sich schlüs sig und plausibel sind; sie dür fen sich nicht in va gen Schilderungen erschöpfen, dürfen in wesentlichen Punkten nicht wider sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus mus s die asylsuchende Person persö n- lich glaubwür dig erschei nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel ab- stützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsa- chen unterdrückt oder bewusst falsch dar stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Inte- resse am Ver fahren zeigt oder die nötige Mit wirkung verweigert. Glaub- haftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaub haft ge macht, wenn der Richter oder die Richterin D-1186/2011 Seite 10 von ihrer Wahrheit nicht völlig über zeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zwei fel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma - chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbrin gen zwar möglich ist, aber in Würdi gung der gesa mten Aspekte we sentliche und überwiegende Umstände ge gen die vorgebrachte Sach - verhaltsdarstellung spre chen. Entscheidend ist im Sinne einer Ge - samtwürdigung, ob die Gründe, die für die Rich tigkeit der Sachver - haltsdarstellung sprechen, überwiegen ode r nicht; dabei ist auf eine o b- jektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1, E. 5a, S. 4f.; EMARK 2005 Nr. 21, E.6.1, S. 190 f.). 5.2. Das BFM führt in seiner Begründung an, in den Ausführungen des Beschwerdeführers fänden sich zahlreiche Ungereimtheiten – nachträg- lich geltend gemachte Ereignisse, widersprüchli che Schilderungen und unsubstanziierte Aussagen. Diese summarischen Ausführungen des BFM vermögen allesamt nicht zu überzeugen. 5.2.1. Was den erst in der ausführliche n Befragung vor dem BFM vom 19. März 2010 geltend gemachten Zwischenfall in der Schule betrifft, b e- stehen nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts gestützt auf Art. 7 AsylG überwiegende Gründe fü r die Annahme, dass die betreffenden Vorbringen den Tatsachen entsprechen. So hat der Beschwerdeführer in der summarischen Befragung den Zwi- schenfall in der Schule zwar nicht erwähnt, dafür jedoch eine glaubhafte Erklärung angeführt; er sei nach der Berichterstattung über den Minenun- fall gefragt worden, ob er bereit wäre , sich wegen den Explosionsverle t- zungen einer Untersuchung zu unterziehen und ihm sei versichert wor- den, dass er sich zu einem späteren Zeitpunkt zu weiteren Vor bringen werde äussern können (A 11, S. 11). Die Schilderung des Vorfalls in der Schule ist sodann ausreichend de tailliert, weist eine logische Konsistenz auf und verfügt über ausreichend Realkennzeichen, indem beispielsweise erklärt wird, dass die Truppen die Glocke gel äutet hätten und alle Kinder, auch die Waisenkinder und die Kinder der Privats chule nach draussen stürmten (A11, S. 9). Bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit der neuen Vorbringen des Beschwe r- deführers ist zudem seiner von fachlich qualifizierter Seite festge stellten Traumatisierung angemessen Rechnung zu tragen, die gemäss den, in verschiedenem Zusammenhang gemachten Angaben auf die von ihm e r-D-1186/2011 Seite 11 littene Verfolgung zurückgeht. Es kann denn auch gerade in dieser Tra u- matisierung begründet liegen, dass er den die Sc hule betreffenden Zw i- schenfall nicht bereits in einem früheren Stadium des Verfahrens erwähnt hat. Wie nämlich wissenschaftlich erwiesen ist, sind schwer traumatisierte Personen mehrheitlich nicht in der Lage, präzise, vollständige und wide r- spruchsfreie Angaben zu erlittenen Misshandlungen zu machen (vgl. d a- zu ausführlich EMARK 2005 Nr. 21, S. 191 f.; EMARK 2003 Nr. 17, S. 106; BVGE 2007/31, E. 5.1, S. 376 f.). Gemäss den eingereichten ärzt- lichen Berichten, an deren sachliche r Richtigkeit zu zweifeln vorli egend kein Anlass besteht, leidet der Beschwerdeführer unter anderem an einer posttraumatischen Belastungsstörung, depressiven Episoden und an e i- ner somatoformen Schmerzstörung ( vgl. A12 [Beweismittelcouvert BFM], Bericht des H._______). Nicht zuletzt auch deshalb gelangt das Bunde s- verwaltungsgericht zum Schluss, dass in der Traumatisierung des B e- schwerdeführers eine – weitere – plausible Erklärung für die unvollständi- ge Aufzählung seiner Fluchtgründe anlässlich der summarischen Befr a- gung im EVZ zu erblicken ist. 5.2.2. In den Schilderungen des Beschwerdeführers finden sich weitere etliche Realkennzeichen und ein hohes Mass an Detailliertheit. Die Schi l- derung wie es zur Schussverletzung (…) kam, ist hinsichtlich des im Schlamm stecken gebliebenen Traktors (A11, S. 4 f.) substantiiert darge- stellt; seinen Arbeitsalltag als Chauffeur hat er mit einer Skizze untermau- ert (Beiblatt zum Anhörungsprotokoll des BFM vom 19. März 2010); die im Anschluss an die zweitätige Entführung geforderte Niederlegung se i- ner Arbeit als Ch auffeur ist durch die Wiedegabe des Dialogs zwischen ihm und seinem Vater mit Realkennzeichen belegt (A11, S. 5); auch dass die Soldaten den Vize -Verwalter nicht verstanden hätten , als sich dieser für seine Befreiung eingesetzt habe, wohl weil sie neu gewesen seien, ist ein typisches Realkennzeichen (A11, S. 6). Des w eiteren führt der B e- schwerdeführer aus, dass er später als er als Landwirt tätig gewesen sei, jeweils drei bis fünf Kisten Gemüse als Wegzoll habe abgeben müssen; oder, dass er einmal in der Regenzeit, Gräser am Flussufer ge schnitten habe (A11, S. 6). 5.2.3. Die Ungereimtheiten in den Sachverhaltsdarstellung en, die sich zwischen der ersten summarischen Befragung vom 6. Oktober 2008 und der ausführlichen Befragung vom 19. März 2010 ergeben haben, konnten grösstenteils in der Letzteren sogleich aufgelöst werden. In der Replik wurde zudem darauf hingewiesen, dass es in den Arztberichten aufgrund der Übersetzungsschwierigkeiten und den Problemen des Beschwerde-D-1186/2011 Seite 12 führers (…) zu einigen Missverständnissen betreffend Daten und zu einer zu optimistischen Einschätzung des Gesundheitszustandes des Be- schwerdeführers gekommen sei , welcher vor dem Hintergrund des e x- trem schlechten Zustandes des Beschwerdeführers im Januar 2009 zu betrachten sei, da sich dieser damals nicht mehr habe bewegen können, vor Schmerzen geschrien und kaum mehr Nahrung zu sich genommen habe. Wie dem Anhörungsprotokoll des BFM vom 19. März 2010 entnommen werden kann, hatte der Dolmetscher tatsächlich Mühe den Beschwerd e- führer zu verstehen, da dieser sehr leise spreche und die Wörter (…) teils nicht verständlich seien (A11, S. 6) . Eine ähnliche Aussage findet sich auch im Bericht des H._______, wonach der Beschwerdeführer sehr leise spreche und die Sprachfähigkeit eingeschränkt sei. Die daraus resulti e- renden Verständigungsprobleme können dem Beschwerde führer somit nicht zu seinem Nachteil angelastet werden. So kann es sich denn auch beim im Arztbericht vom 10. Juni 2009 fälschlicherweise ins Jahr 1999 datierten Autounfall nur um ein en, aus diesen Verständigungsproblemen bei der Anamnese resultierenden Fehler handeln , wurde doch dieser in beiden, eineinhalb Jahre auseinanderliegenden , Anhörungen überei n- stimmend auf den 16. Febr uar 2007 datiert. Gemäss Arztbericht vom 10. Juni 2009 der G._______ bestehen die Schmerzen des Beschwerdefü h- rer seit dem eben genannten Autounfall vom 16. Februar 2007. Wie in der Beschwerde zu Recht ausgeführt, lässt sich aus der Tatsache, dass diese Schmerzen im Verlauf des Jahres 2009 unerträglich wurden in keiner Weise schliessen, dass diese früher nicht schlimm waren. 5.3. Zusammenfassend ist anzuführen, dass die Aussagen des B e- schwerdeführers schlüssig, plausibel und substantiiert sind. Der B e- schwerdeführer erscheint zudem insgesamt als glaubwürdig. Seine Au s- sagen sind demnach als glaubhaft zu qualifizieren. D-1186/2011 Seite 13 6. 6.1. Es gilt demnach die Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerd e- führers im Sinne von Art. 3 AsylG zu prüfen. Dabei ist von folgendem, als glaubhaft erachteten Sachverhalt auszugehen: Der Beschwerdeführer stammt aus C._______, Somalia. Als uneheliches Kind wurde er diskriminiert und einmal bei einem daraus resultierenden Streit mit einer Schusswaffe (…) verletzt. Der Beschwerdeführer und sein Vater sind in C._______ für den damaligen Vize-Verwalter F._______ tä- tig gewesen, wobei der Beschwerdeführer dessen Chauffeur war. Der Beschwerdeführer wurde von Unbekannten telefonisch bedroht und auf dem Weg zur Arbeit aufgefordert seine Tätigkeit für F._______ auf- zugeben und seinen Wagen zu verkaufen. Als er ablehnte, wurde er für zwei Tage entführt und festgehalten und nach seiner mündlichen Zusiche- rung seine Arbeit niederzulegen , schliesslich freigelassen. Dieser Auffo r- derung leistete der Beschwerdeführer aber nicht Folge und war weiterhin als Chauffeur für F._______ tätig. Am 16. Februar 2007 wurde der B e- schwerdeführer gebeten, die hochschwangere Frau von F._______ für die Geburt ins Spital zu fahren, wobei eine Mine explodiert, die Frau getö- tet und der Beschwerdeführer schwer verletzt wurden. Aufgrund von Kämpfen wurde der Beschwerdef ührer am 27. Februar 2007 vom Spital nach Hause verlegt, von wo er sodann am 1. oder 2. März 2007 von äthiopischen Truppen entführt wurde. Aufgrund der I n- tervention von F._______ und gegen Bezahlung von USD 700 $ wurde er nach 15 Tagen freigelassen. Danach konnte er sich nicht frei bewegen, da seit 2007 äthiopische Truppen auf seinen Feldern stationiert waren. Er musste diesen seine Ernte verkaufen und wurde von verschiedenen Sei- ten, insbesondere von Angehörigen der Al -Shabab Milizen, bedroht und aufgefordert, dies nicht mehr zu tun. Im Oktober 2007 wurde er telefo- nisch von einem Lehrer aufgefordert , für die Al -Shabab tätig zu werden. In der Folge wollten Si cherheitskräfte die Leute um diesen Lehrer fes t- nehmen. Dabei kam es zu einem Gefecht, wobei auch mehrere Kinder, die in der Schule des Lehrers unterrichtet wurden, ums Leben kamen. Der Beschwerdeführer wurde sodann von den Eltern der getöteten Kinder gesucht, weshalb er bis zu seiner Ausreise im 1. September 2008 bei den äthiopischen Truppen, die auf seinen Feldern stationiert wa ren und oft angegriffen wurden, leben musste. D-1186/2011 Seite 14 Im Jahr 2009 wurde der Vater des Beschwerdeführers von den Al-Shabab Milizen ermordet, da ihm die Unterstützung der äthiopischen Truppen vorgeworfen wurde. 6.2. Wie nachfolgend im Einzelnen begründet, genügen die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 3 AsylG. Entsprechend der Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernst - hafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat be ziehungsweise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit be achtlicher Wahr- scheinlichkeit und in abs ehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und auf grund bestimmter Ver- folgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG liegt vor, wenn sie Nachteile vo n bestimmter Intensität erlitten hat oder in begründeter Weise in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund von bestim m- ter, in Art. 3 Abs.1 AsylG aufgezählten Verfolgungsmotiven zugefügt wor- den sind oder zugefügt zu werden drohen, ohne dass im Heimatland e f- fektiver Schutz erlangt werden könnte. Verfolgung im flüchtlingsrechtl i- chen ist keine Frage des Urhebers, sondern des Vorhandenseins ad ä- quaten Schutzes im Herkunftsstaat. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrschei n- lichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebendieser Wahrscheinlichkeit in absehba- rer Zeit verwirklichen. Ob in einem bestimmten Fall eine solche Wah r- scheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Diese objektivierte Betrachtungsweise ist mit dem, der Furcht innewohnenden subjek tiven Element zu ergänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine subjektive Furcht. Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht vor künf- tiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asy l- entscheids noch aktuell sein ( EMARK 2000 Nr. 2 E. 8c, S. 21 f.; EMARK 1996 Nr. 29 E. 2b, S. 299; EMARK 1995 Nr. 5 E. 6a, S. 43). Im Übrigen D-1186/2011 Seite 15 muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte asylsuchende Person über keine angemessene innerstaatliche Fluchtalternative verfügt. 6.3. Die vom Beschwerdeführer erlittenen Ereignisse erfüllen die Anforde- rungen der Rechtsprechung an die Flüchtlingseigenscha ft gemäss Art. 3 AsylG. Aufgrund seiner Tätigkeit als Chauffeur von F._______ wurde der Beschwerdeführer zwischen Januar und Oktober 2007 entführt, erpresst und bedroht. Den Zwischenfall mit der Mine im Februar 2007 überlebte der Beschwerdeführer schwer verletzt. Nach dem tragischen Zwischenfall in der Schule, konnte er sich nicht mehr frei bewegen und war dem Wohlwollen der äthiopischen Truppen ausgesetzt, da er Übergriffe der Al- Shabab Milizen sowie Racheakte der Eltern der erschossenen Kinder fürchten mu sste. Die erlittenen Misshandlungen, Einschüchterungen, Drohungen und Entführungen sind intensiv und zahlreich genug, um in ih- rer Summe als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG qualifiziert zu werden. Darüber hinaus handelt es sich um erhebliche Nachteile, die dem Beschwerdeführer aufgrund einer, wegen seiner Tätigkeit als Chau f- feur für F._______, unterstellten politischen Anschauung gezielt zuge fügt wurden, was ohne weiteres auch in die aktuelle Lage in Zentral - und Südsomalia einzureihen ist (vgl. UNHCR Eligibility Guidelines for Asse s- sing the International Protection Needs of Asylum -Seekers from Somalia, 5. Mai 2010, S. 10 f.). Aufgrund seiner Erlebnisse hat der Beschwerdefüh- rer eine begründete Furcht vor weiteren erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG. Er hat demnach bis im Oktober 2007 asylrelevante Nachteile erlitten. Dass zwischen dem letzten Vorfall in der Schule und der Ausreise des Beschwerdeführers am 1. Se ptember 2008 elf Monate vergingen, ver- mag, entgegen den Ausführungen der Vorinstanz, den Kausalzusa m- menhang nicht zu unterbrechen. Die Gründe dafür liegen gemäss den glaubhaften Vorbringen des Beschwerdeführers in den bereits mehrfach erwähnten gesundheitl ichen Probleme n in Verbindung mit den damals fehlenden finanziellen Mitteln für die Flucht und die aufgrund seiner Schutzbedürftigkeit stark eingeschränkte n Bewegungsfreiheit. Diese plausiblen objektiven und subjektiven Gründe machen die zeitlich verz ö- gerte Ausreise erklärbar. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist demnach auch der zeitliche Kausalzusammenhang zwischen der Verfo l- gung und der Ausreise des Beschwerdeführers gegeben. Der Beschwe r- deführer hatte demnach bei seiner Ausreise aus Somalia im Sep tember 2008 begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die Al-Shabab Milizen sowie durch Angehörige der getöteten Kinder. D-1186/2011 Seite 16 6.4. Zu prüfen bleibt, ob die Furcht vor asylrelevanten Nachteilen zum heutigen Zeitpunkt noch besteht. Die Situatio n im heutigen Somalia hat sich hinsichtlich der chaotischen Zustände und der andauernden Gewaltsituation in Zentral- und Südsoma- lia nicht massgeblich verändert. Die Al -Shabab Milizen kontrollieren nach wie vor einen Grossteil von Zentral - und Südsomalia. Sämtliche am Kon- flikt beteiligten Kräfte haben sich schwerwiegende Übergriffe auf die Zivil- bevölkerung und Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht zuschul- den kommen lassen (vgl. Human Rights Watch, World Report Somalia 2012). Der Beschwerdeführer hat demnach zum heutigen, für den Asy l- entscheid massgeblich Zeitpunkt – gerade auch hinsichtlich der Ermo r- dung des Vaters im Jahr 2009 – nach wie vor eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. 7. Zusammenfassend lässt sich demnach festhalten, dass der Beschwerde- führer in seiner Heimat aufgrund seiner ihm unterstellten politischen A n- schauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt war respektive solche b e- fürchten musste, und er auch weiterhin begründete Furcht hat, bei einer Rückkehr in sein Heimatla nd mit grosser Wahrscheinlichkeit und in a b- sehbarer Zukunft Opfer von Verfolgungshandlungen im Sinne von Art. 3 AsylG zu werden. Bei der Prüfung der Frage, ob eine innerstaatliche Fluchtalternative besteht, die das internationale Schutzbedürfnis au s- schliesst, kann im Wesentlichen auf die nach wie vor Gültigkeit beanspru- chende aktualisierte Lagebeurteilung gemäss EMARK 2006 Nr. 2 verwie- sen werden. Eine Rückkehr nach Zentral - und Südsomalia ist demg e- mäss generell unzumutbar, was somit auch für den aus C._______ stammenden Beschwerdeführer zutrifft. Eine Rückkehr nach Somaliland und Pundtland im Sinne einer innerstaatlichen Fluchtalternative ist nur dann möglich, wenn der Beschwerdeführer über enge Verbindungen zur Region verfügt, die es ihm ermöglichen würden dort eine Existenzgrun d- lage aufzubauen und er mit wirkungsvoller Unterstützung des Familie n- clans rechnen kann. Aus den Akten kann nicht geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer über enge Verbindungen nach Somaliland oder Pundtland verfügt, die es ihm ermöglichen würden dort eine neue Exi s- tenzgrundlage aufzubauen. Der Beschwerdeführer verfügt demnach über keine valable in nerstaatliche Fluchtalternative (vgl. BVGE D -4935/2007, E. 8.6). D-1186/2011 Seite 17 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und Art. 7 AsylG erfüllt sind. Aus den Akten gehen keinerlei Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG hervor. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verf ü- gung der Vorinstanz aufzuheben und diese anzuweisen, dem Beschwer- deführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 8. 8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG als gegenstandslos geworden abzu- schreiben ist. Dem Beschwerdeführer ist angesichts des Obsiegens im Beschwerdever- fahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für ihm erwachsene notwendige Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin weist in ihrer Kostennote vom 1. März 2012 einen Gesamtaufwand (inklusive Auslagen in der Höhe von Fr. 54.- und Mehrwertsteuer) von Fr. 1876.50 .- aus. Der ausgewiesene Aufwand umfasst das Verfassen der Beschwerdeschrift, der Replik und einiger kleinerer Schriftenwechsel und erscheint somit angemessen (Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 VGKE). Die Parteientschädigung zu Lasten des BFM ist deshalb auf Fr. 1876.50 .- (inkl. Auslagen und MwSt.) festzuset- zen. (Dispositiv nächste Seite) D-1186/2011 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 20. Januar 2011 wird aufgehoben und das BFM angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen dem Beschwerdeführer eine Parteienen t- schädigung von Fr. 1876.50.- zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: