Kassationsgericht des Kantons Zürich Kass.-Nr. AC090017/U/mum Mitwirkende: die Kassationsrichter Moritz Kuhn, Präsident, Herbert Heeb, Vizepräsident, Bernhard Gehrig, Andreas Donatsch und Paul Baumgartner sowie der Generalsekretär Viktor Lieber Zirkulationsbeschluss vom 29. Oktober 2010 in Sachen X., …, Verurteilter, Gesuchsgegner und Beschwerdeführer bisher amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Y., neu amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Z. …, gegen Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Bewährungs- und Vollzugsdienste, Massnahmen und Bewährung 2, Feldstr. 42, Postfach, 8090 Zürich, Gesuchsteller und Beschwerdegegner betreffend Vollstreckung aufgeschobener Strafen Nichtigkeitsbeschwerde gegen einen Beschluss der III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 2. Juli 2009 (UG070011/U/gk) - 2 - Das Gericht hat in Erwägung gezogen: I. 1. Das Obergericht des Kantons Züri ch sprach den Beschwerdeführer mit Urteil vom 9. November 2001 der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB und des Raubes im Si nne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig und bestrafte ihn mit dreieinhal b Jahren Zuchthaus, abzüglich 471 Tage Untersuchungshaft. Der Vollzug der Freihe itsstrafe wurde gemäss Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 aStGB zugunsten einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB aufgeschoben; ausserdem wurde der Beschwerdeführer für die Dauer der Massnahme unter Schutzaufsich t gestellt. Am 25. Januar 2002 setzte der zuständige Bewährungsdienst Zürich IV des Amtes für Justizvollzug (nachfol- gend BD) die Massnahme in Vollzug (JuV ac t. 5) und traf im Verlaufe des Voll- zugs im Hinblick auf nachträglich ausgefä llte Freiheitsstrafen (Strafbefehle) weite- re erforderliche Kollisionsregelungen im Sinne des Aufschubs auch dieser Strafen (JuV act. 12, 39). Mit Verfügung vom 14. Februar 2007 stellte der BD fest, dass die ambulante Massnahme per 24. Januar 20 07 abgelaufen sei, und bea ntragte gleichzeitig beim Obergericht, es sei der Vollzug der aufgeschobenen Freiheitsstrafen anzu- ordnen bzw. zu prüfen, ob in Bezug auf di e Reststrafe die Voraussetzungen für eine bedingte Freiheitsstrafe oder ei ne bedingte Entlass ung gegeben seien (OG act. 1). 2. Das Obergericht bestellte dem Beschwerdeführer zunächst für das neue Verfahren einen amtlichen Verteidiger (in der Person des seinerzeitigen Verteidi- gers RA Y.) und nahm in der Folge die erforderlichen Abklärungen vor, alles unter Einräumung der vorgesehenen Äusserungsrechte an die Beteiligten. Mit Beschluss vom 2. Juli 2009 (KG act. 2) ordnete das Obergericht die Voll- streckung folgender aufgeschobener Freiheitsstrafen an: - 3 - - dreieinhalb Jahre Zuchthaus, abzüglich 471 Tage Untersuchungshaft, ge- mäss Urteil der II. Strafkammer des Oberger ichts des Kantons Zürich vom 9. No- vember 2001, - zwei Monate Gefängnis gemäss Strafbef ehl der Bezirksanwaltschaft Zürich vom 19. November 2001, und - drei Monate Gefängnis gemäss Strafbef ehl der Bezirksanwaltschaft Zürich vom 4. November 2004. Beim Vollzug der Freiheitsstrafen wu rden zusätzlich drei Monate Massnah- mevollzug angerechnet. 3. Nachdem er zuvor die Nichtigke itsbeschwerde rechtzeitig angemeldet hatte (KG act. 12), reichte der amtliche Verteidiger gegen den Entscheid des Obergerichts mit Eingabe vom 22. Septem ber 2009 eine begründete Beschwer- deschrift ein und beantragte dessen Aufheb ung bzw. die Verlängerung der bishe- rigen Massnahme, eventualiter die Vollz iehung der Reststrafe im Umfang von bloss 180 Tagen und die bedingte Aufschiebung von 776 Tagen (KG act. 1). Das Studium dieser Beschwerdeschri ft ergab, dass sie den formellen Anfor- derungen an eine kantonale Nichtigkeitsbe schwerde klarerweise nicht genügt, womit keine hinreichende anwaltliche Verbeiständung gegebe n war. Mit Be- schluss vom 24. November 2009 wurde deshalb der bisherige amtliche Verteidi- ger entlassen und für das Kassationsverfahr en neu RA Z. als am tlicher Verteidi- ger bestellt (KG act. 13). Gleichzeitig wu rde die Frist zur Begründung der Nichtig- keitsbeschwerde wiederhergestellt und dem neuen amtlichen Verteidiger entspre- chend Frist angesetzt. 4. Mit fristgerechter Eingabe vom 20. Januar 2010 reichte der amtliche Ver- teidiger die vorliegende Beschwerde ein. Er beantragt die Aufhebung des Be- schlusses vom 2. Juli 2009 und die Rückw eisung der Sache an das Obergericht; dieses sei anzuweisen, dem Beschwer deführer für das erneut durchzuführende Verfahren in der Person des neuen Verteidi gers einen amtlichen Verteidiger bei- zugeben (KG act. 18 S. 2). - 4 - Die Vorinstanz hat auf Vernehmlassung zur Beschwerde verzichtet (KG act. 21); eine Beschwerdeantwort ist nicht eingegangen. II. 1. Als erstes rügt der Beschwerdeführ er eine Verletzung des Anspruchs auf rechtlichen Gehörs, konkret der Begrün dungspflicht (Beschwerde Ziff. II.1, S. 3 ff.). 1.1 Zur Begründung dieser Rüge verwei st der Beschwerdeführer darauf, dass das Obergericht sowohl bei der Beantwortung der grundsätzlichen Frage nach dem Vollzug der aufgeschobenen Stra fen wie auch im Zusammenhang mit der Beantwortung der Frage nach einer Ge währung des (teil-)bedingten Strafvoll- zuges annehme, die ambul ante Massnahme sei gescheitert bzw. deren Weiter- führung sei aussichtslos. Dem angefochte nen Entscheid lasse sich aber nicht konkret entnehmen, weshalb das Oberger icht die Massnahme als gescheitert oder aussichtslos betrachte. So gebe das Obergericht in seinem Entscheid zunächst über weite Strecken den Massnahmeverlauf wieder, w obei es sich um eine vollkommen wertungsfreie Zusammenfassung der Akten und der Stel lungnahme des BD handl e. Dabei blei- be teilweise unklar, welche Festste llungen der mit dem Massnahmevollzug be- trauten Personen das Obergericht als zutreffend erachte. Selbst wenn man aber davon ausginge, es erachte sämtliche ziti erten Ausführungen als zutreffend, blie- be unklar, welche konkreten Ausführung en und Feststellung en die Entschei- dungsgrundlage für die Annahme bildeten, wonach die Massnahme gescheitert bzw. aussichtslos sei. Der Anspruch auf rechtliches Gehör – so der Beschwer deführer – gebiete den Behörden einerseits, sich mit den wesentlichen Parteivorbringen auseinan- derzusetzen; andererseits folge daraus die grundsätzliche Pflicht, Entscheidungen so zu begründen, dass sie gegebenenfalls sachgerecht angefochten werden kön-- 5 - ne. Deshalb müssten jedenfalls kurz di ejenigen Überlegunge n genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen. Dem hier angefochtenen Entscheid lasse sich dies jedoch nicht entnehmen, womit die Vorinstanz ihre Begründungs- pflicht verletzt und den Nichtigkeitsgrund von § 430 Abs. 1 Ziff. 4 StPO erfüllt ha- be. 1.2a) Im angefochtenen Entscheid wird im Anschluss an die detaillierte Wie- dergabe des dem Urteil vom 9. November 2001 zu Grunde liegenden Sachverhal- tes (Beschluss Ziff. II/1, S. 5 bis 9) der Ablauf des Massnahmevollzugs wiederge- geben (Beschluss Ziff. II/2, S. 9 bis 16). Im Weiteren findet sich eine Rekapitulie- rung der Verfügung bzw. der dieser zu Grunde liegenden Beurteilung des BD vom 14. Februar 2007 sowie die Wiedergabe der Stellungnahmen der Staatsanwalt- schaft sowie der amtlichen Verteidigung (Be schluss Ziff. II/3, 16 bis 20). Im An- schluss daran zieht das Gericht die rechtlichen Schlüsse, und zwar wie folgt (Be- schluss S. 20 ff.): Nach der hier gegeben Sa chlage habe die Vollzugsbehörde in ihrer Verfü- gung festgestellt, dass die Höchstdauer der in Frage stehenden Massnahme ab- gelaufen sei, weshalb sie diese gemäss Art. 63a Abs. 2 lit. c StGB aufgehoben habe. Ferner sei die Vollz ugsbehörde unter Hinweis auf den Vollzugsverlauf zur Auffassung gelangt, die Massnahme sei gescheitert, was zudem dem Aufhe- bungsgrund der Aussichtslosigkeit gemäss Art. 63a Abs. 2 lit. b StGB entspreche. Das Obergericht geht also davon aus, dass die Feststellung, wonach die Mass- nahme gescheitert bzw. aufzuheben sei, von der Vollzugsbehörde bereits getrof- fen worden und im gericht lichen Verfahren nicht mehr zu überprüfen sei. Gegen- stand des gerichtlichen Verf ahrens blieben damit noch folgende Punkte (Be- schluss S. 20 unten): - Entscheid über die Anrechnung des mit der ambulanten Behandlung ver- bundenen Freiheitsentzuges auf die Strafe (Art. 63b Abs. 4 Satz 1 StGB); - (allenfalls) Entscheid über die bedingt e Entlassung oder den (teil-)be- dingten Vollzug der Reststrafe (Art. 63b Abs. 4 Satz 2 StGB); - 6 - - allfällige Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme (Art. 63b Abs. 5 StGB). Zu den beiden ersten Punkten nahm das Obergericht in der Folge näher Stellung (Beschluss S. 22 f., 23 ff.) und traf entsprechende Regelungen, während sich die Frage nach einer stationären therapeutischen Massnahme schon man- gels Antragstellung nach Ansicht des Ober gerichts nicht weiter stellte (Beschluss S. 21 Mitte). b) Bei dieser Betracht ungsweise geht die Rüge, di e Vorinstanz habe es un- terlassen, die Annahme des Scheitern s der ambulanten Massnahme selber zu begründen, ins Leere: Die Vorinstanz brauc hte die Feststellung des Ablaufs und damit der Aufhebung der Massnahme, welche der BD in Anwendung von Art. 63 a Abs. 2 StGB als Vollzugsbehörde bereits getr offen hatte, ihrerseits nicht weiter zu begründen, sondern konnte sie übernehmen und hatte lediglich die oben erwähn- ten weiteren Fragen zu entscheiden. Ob di ese rechtliche Betrachtungsweise zu- treffend ist, ist als Frage des Bundesrechts hier grundsätzlich nicht zu überprüfen (§ 430b StPO); immerhin wird auch im Schrifttum die Auffassung vertreten, das Gericht habe in dieser Kons tellation lediglich über die Weiterungen bzw. rechtli- chen Konsequenzen nach erfolgter Au fhebung der ambulanten Massnahme zu entscheiden (BSK StGB-I/H EER, Art. 63b N 25, 27). Der Vollständigkeit halber sei in diesem Zusammenhang folgendes festge- halten: Nachdem die Massnahme die ge setzliche Höchstdauer von fünf Jahren gemäss Art. 63 Abs. 4 StGB erreicht hatte, führte dies allein bereits zu deren Auf- hebung durch die Vollzugsbehörde (Art. 63 a Abs. 2 lit. c StGB); insofern kam es auf den weiteren möglich en Aufhebungsgrund des Scheiterns der Massnahme (Aussichtslosigkeit im Sinne von Art. 63 a Abs. 1 lit. b StGB) nicht mehr an. Für das Obergericht war damit zu prüfen, welches die Folgen der Aufhebung der Massnahme sind (oben lit. a), was es mi t entsprechender Begründung getan hat. Für eine Verlängerung der Massnahme über die Höchstdauer hinaus durch das Obergericht blieb im Übrigen kein Raum, weil ein solcher Antrag von der Voll- zugsbehörde hätte gestellt werden müssen (Art. 63 Abs. 4 Satz 2 a.E. StGB), was aber ausdrücklich nicht der Fall war (vgl . Beschluss S. 21); die Ausführungen des - 7 - BD zum Scheitern bzw. zur Aussichtsl osigkeit der Massnah me sind als Begrün- dung dafür anzusehen, weshalb kein solche r Antrag gestellt wurde. Ob es Sache des Obergerichts gewesen wäre , zu prüfen, ob ein solcher Antrag hätte gestellt werden müssen, ist wiederum eine hier nicht zu prüfende Frage des Bundes- rechts. 2. Der Beschwerdeführer rügt sodann ei ne Verletzung der Untersuchungs- maxime und macht gleichzeitig Willkür und Aktenwidrigkeit geltend (Beschwerde Ziff. II.2, S. 5 ff.). 2.1a) Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, der bisherige amtliche Verteidiger habe das vom BD behauptete angebliche Scheitern der Massnahme zwar nicht in Frage gestellt (dazu nac hfolgend Ziff. 3); dieser Umstand habe das Obergericht angesichts der in § 31 StPO statuierten Untersuchungsmaxime in- dessen nicht von der Pflicht befreit, die Schlussfolgerung des BD kritisch zu hin- terfragen. So wäre es etwa angezeigt gew esen, die der Schlussfolgerung des BD zu Grunde liegenden Prämissen zu hinterfragen, etwa die Feststellung, dass man zu Beginn der Massnahme davon habe ausgehen müssen, dass ein enger Zu- sammenhang zwischen übermässigem Alkoholkonsum und unkontrollierten Im- pulsdurchbrüchen bestehe (was in klarem Widerspruch zum Urteil vom 9. No- vember 2001 stehe). Auch in weiteren Punkten hätten sich – so der Beschwerdeführer – vertiefte eigene Abklärungen der Vorinstanz aufgedrängt. Sodann stehe es keineswegs im Belieben des BD, das Massnahmeziel fort laufend und in Eigenregie zu ändern, und es gehe auch nicht an, die vom Ober gericht seinerzeit angeordnete Mass- nahme abzuändern; konkret hätten etwa die in den Vollzugsakten erwähnte Prob- lematik betreffend Zahlungsmoral und Einhaltung von arbeitsr echtlichen Bestim- mungen bei der Beantwortung der Frage nach Erreichen der Massnahmeziele nicht berücksichtigt werden dürfen. Die Feststellung, wonach die Massnahme ge- scheitert sei, weil diese Ziele nicht erreic ht wurden, sei willkürlich, sofern sie auf Annahmen basiere, wonach es dem Beschwer deführer nicht gelungen sei, die fi- nanziellen und arbeit srechtlichen Probleme in den Griff zu bekommen; eine sol- che Zielsetzung sei nie Gegenstand des Massnahmeauftrags gewesen. - 8 - b) Die hier erhobenen Vorw ürfe decken sich in der Sache mit dem Vorwurf, die Vorinstanz habe die Frage des Scheiterns der ambulanten Massnahme nicht selber entschieden, sondern habe insofern die Auffassung des BD übernommen. Wie bereits oben erwähnt, ist der angefoc htene Entscheid so zu verstehen, dass das Obergericht davon ausging, die Frage der Au fhebung bzw. des Schei- terns Massnahme sei abschliessend vo m BD entschieden worden und es sei nunmehr Sache des Gerichts, über die we iteren Folgen zu entscheiden. Damit geht der Vorwurf der Verletzung der Untersuchungsmaxime ebenfalls ins Leere, denn bei dieser rechtlichen Ausgangslage bestand für eigene weiter gehende Ab- klärungen hinsichtlich der Aufhebung der Ma ssnahme seitens des Gerichts kein Anlass. 2.2a) In diesem Zusammenhang beanstand et der Beschwerdeführer weiter (Beschwerde S. 8), dass einerseits in der Verfügung des BD davon die Rede sei, dass es zu häuslicher Gewalt gekommen sei, womit wahrscheinlich der von Dr. G. erwähnte angebliche Ü bergriff auf die Tochter gem eint werde, während das Obergericht umgekehrt im angefochtenen Entscheid festhalte, es sei seit dem Ur- teil vom November 2001 zu keinerlei Gewaltdelikten gekommen. Insofern liege dem Entscheid allenfalls eine widersprüchliche Feststellung zu Grunde, wobei die Annahme, der Beschwerdef ührer habe während der D auer der Massnahme Ge- waltdelikte begangen, ohnehin der Unschuldsvermutung widerspräche. Indem das Obergericht auch diese Schlussfolgerung des BD nicht hinterfragt habe, habe es erneut den Untersuchungsrundsatz verletzt. Das Obergericht hält an der hier angesprochenen Stelle (Beschluss S. 26) fest, die vom Beschwerdeführer seit dem Urteil vom 9. November 2001 begange- nen zahlreichen weiteren Delikte spräc hen gegen das Vorliegen der für einen Strafaufschub erforderlichen günstigen Prognose, "auch wenn es sich dabei um keine solchen gegen Leib un d Leben oder um Gewaltsdelikte handelte". Diese Feststellung bezieht sich offensichtlich auf die Frage von (rechtskräftigen) Verur- teilungen (nämlich diejenigen gemäss den beid en Strafbefehlen aus den Jahren 2001 und 2004) und steht damit von vornherein nicht in Widerspruch zu einer Aussage, wonach es einmal zu einem tätlichen Über griff gegenüber der Tochter - 9 - (offenbar ohne strafrechtlic he Konsequenzen) gekomm en sein soll (vgl. Be- schluss S. 12). Insofern liegt auch kein Verstoss gegen die gesetzliche Un- schuldsvermutung vor, zumal auf diesen (angeblichen) Vorfall im Rahmen der vom Obergericht zu treffenden Entscheidun g über die Folgen de s Scheiterns der Massnahme nicht Bezug genommen wird. b) Als aktenwidrig erachtet der Besch werdeführer (Beschwerde S. 9) die Annahme des BD, die Massnahmeziele se ien nur vorübergehend und nur teilwei- se erreicht worden, nachdem Dr. A. in seinem Bericht vom 4. Oktober 2006 expli- zit festgestellt habe, dass der Zweck der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung erreicht worden sei. Au ch in diesem Zusammenhang habe das Obergericht im Übrigen den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem es dieser Feststellung nicht weiter auf den Grund gegangen sei. Es kann in diesem Zusammenhang auf das bereits Ausgeführte verwiesen werden, wonach das Obergericht das Scheitern bzw. die Aufhebung der Mass- nahme angesichts der Verfügung des BD als gegeben voraussetzte. Zusätzlich ist festzuhalten, dass zwischen der Feststellung des BD und der Beurteilung von Dr. A. kein Widerspruch besteht. Zwar stellte Dr. med. A. in seinem Bericht vom 4. Oktober 2006 (JuV act. 50 S. 2 Ziff. 3) fe st, der Zweck der Behandlung sei er- reicht; im gleichen Zug wies er darauf hin (a.a.O., Ziff. 4), das Behandlungsziel sei noch nicht in allen Punkten erreicht; nächste Standortbestimmung sei im März 2007. Angesichts dieses (in sich unklare n) Befunds kann es jedenfalls nicht als aktenwidrig oder willkürlich bezeichnet we rden, wenn der BD seinerseits in der Folge davon ausging, es seien "vorübergehend ... spürbare Fortschritte" festzu- stellen gewesen; "nach einer positiven Phase" habe der Beschwerdeführer jedoch wieder alte Verhaltensweisen gezeigt und insgesamt seien die gesteckten Ziele nur vorübergehend und nur teilweise erreicht worden (OG act. 1 S. 2). 3. Schliesslich macht der Beschwerdeführer ungenügende Verteidigung im Verfahren vor der Vorinstanz geltend (Beschwerde Ziff. II.3, S. 9 ff.). 3.1 Zur Begründung dieser Rüge lässt der Beschwerdeführer vorbringen, in der Stellungnahme zur Verfügung des BD habe der frühere Verteidiger das an-- 10 - gebliche Scheitern der Behandlung mit keinem Wort in Frage gestellt und er habe sich mit den entsprechenden Überlegung en des Bewährungsdienstes überhaupt nicht auseinandergesetzt. Vielmehr habe er se lber das (unzutreffende) Bild eines therapieunwilligen Menschen gezeichnet und ausgeführ t, der Beschwerdeführer sei nicht mehr zur Therapie erschienen bzw. habe sich dieser entzogen. Er habe sogar selber bekräftigt, dass die Massnah me gescheitert sei, und zwar, weil der Beschwerdeführer die psychiatrischen Sitzungen ungenügend besucht habe. Den Behörden habe er ledigl ich vorgeworfen, den Besuch der Sitzungen nicht konse- quent genug durchgesetzt zu haben. Entgegen diesen Ausführungen habe sich aber der Beschwerdeführer der Therapie gar nicht entzogen, indem er Termine regelmässig nicht besuchte – nicht einmal in der Verfügung des Bew ährungsdienstes werde solches behauptet bzw. das Scheitern der Massnahme damit begründet. Vor diesem Hintergrund gehe die Argumentation der damaligen Verteidigung, man habe den Beschwerde- führer zu wenig straff geführt, offensichtli ch an der Sache vorbei; sie sei von der Vorinstanz denn auch mit wenigen Zeilen verworfen worden. Das Obergericht ha- be es – wohl in Folge der fehlenden Be streitung durch die Verteidigung – unter- lassen, die Schlussfolgerungen des Bewähr ungsdienstes zu hinterfragen; es sei vielmehr ohne rechtsgenügende Begrün dung davon ausgegangen, die Mass- nahme sei gescheitert bzw. aussichtslos. Weil der bisherige Verteidiger "eine Argumentationsschiene gefahren sei", welche an der Sache vorbeigegangen und deshalb von vornherein chancenlos gewesen sei, sei der Beschwerdeführer im obergerichtlichen Verfahren offensicht- lich im Sinne von § 11 Abs. 2 Ziff. 3 StPO ungenügend vertei digt gewesen. Die vom Bewährungsdienst übernommene Schlussfolgerung könne im vorliegenden Nichtigkeitsverfahren nur noch unter ei ngeschränkten Gesichtspunkten überprüft werden. Vom Obergericht hätten die hier vorgetragenen Einwände gegen das Scheitern der Massnahme hingegen mit vo ller Kognition behandelt werden kön- nen. 3.2 Vorliegend steht fes t, dass notwendige Verteidigung vorliegt; es kann dazu auf die Erwägungen im Zwischenbeschluss vom 24. November 2009 (Erw. - 11 - 5) verwiesen werden, die für das Verf ahren vor Obergericht gleichermassen gel- ten. Auch hinsichtlich der in di esem Zusammenhang bestehenden behördlichen Fürsorgepflicht zur Sicherstellung einer hinreichenden (effektiven) anwaltlichen Verteidigung kann auf den erwähnten Ent scheid und die dorti gen Hinweise ver- wiesen werden. 3.3a) In seiner Verfügung vom 14. Februar 2007 hatte der BD im Wesentli- chen folgendes erwogen: Zunächst habe sich das Sozialpsychia trische Zentrum Limmattal (SPZL) nach Ablauf einer dreim onatigen Probezeit bereit erkl ärt, die ambulante Behand- lung zu übernehmen. Im Behandlungsvertr ag sei u.a. festgehalten worden, dass stichprobeweise Blutproben zur Überwachung des Alk oholkonsums angeordnet würden, nachdem von einem engen Zusa mmenhang zwischen übermässigem Al- koholkonsum und unkontrollierten Impulsdurchbrüchen habe ausgegangen wer- den müssen. Dem Beschwerdeführer sei es jedoch nicht gelungen, sich aus eige- nem Antrieb abstinent zu verhalten, wesh alb sich Therapeut und Hausarzt in Ab- sprache mit der Vollzugsbehörde bereits nach dem ersten Behandlungsjahr für die Antabusabgabe entschieden hätten. Im Weiteren sei intensiv und mit vor- übergehend feststellbarem Fortschritt daran gearbeitet worden, die Angstsym- ptomatik sowie das angstbedingte Vermeidungsverhalten zu reduzieren. Im Oktober 2004 habe das SZPL ent schieden, die ambulante Behandlung nicht weiterzuführen, weil kein wirkliches Vertrauensve rhältnis entstanden sei. Nachträgliche fremdanamnestische Angaben durch den Hausarzt über Impuls- durchbrüche in der Familie, die der Be schwerdeführer in den Therapiestunden jeweils strikt verneint habe, hätten eine Weiterführung der Massnahme verunmög- licht. Hingegen sei der Hausarzt, Dr. A., bereit gewesen, die ambulante Mass- nahme mit Antabusabgabe weiterzuführen. Anfangs sei die Stagnation in der Ver- folgung der Therapieziele scheinbar dur chbrochen worden; nach ersten Anzei- chen für häusliche Gewalt habe sich der Arzt bemüht, die Ehefrau in die Behand- lung einzubeziehen, was aber ohne Erfolg geblieben sei. Nach einer positiven Phase habe der Beschwerdeführer die al ten Verhaltensweisen gezeigt, was die Weiterführung der Therapie als fraglich habe erscheinen lassen. Es habe jede - 12 - Transparenz und Bereitschaft zur Zusammenarbeit gefehlt. Familiäre und finan- zielle Probleme seien negier t worden; bezüglich letzterer sei es dann aber zu ei- ner Schuldenberatung durch den BD gekommen, welcher jedoch mangels Koope- ration der Eheleute wieder eingestellt wo rden sei. Die Ant abus-Behandlung habe probeweise "ausgeschlichen" werden könne n, wobei festzuhalten sei, dass der Beschwerdeführer entgegen der Abmachu ng auch die Abgabe vom Blutproben beim Hausarzt eingestellt habe. Anläss lich der Anhörung vo m 25. Januar 2007 habe der Beschwerdeführer erklärt, er habe genug von der Massnahme; er sei ruhiger geworden und "mache keine Probleme mehr mit anderen". Der BD gelangt zum Schluss, es se i davon auszugehen, dass die Behand- lung gescheitert sei; die anfangs gesteckten Ziele hätt en nur vorübergehend und teilweise erreicht werden können. Nachdem der Beschwerdeführer keine Motiva- tion zeige, die Therapie weiterzuführ en und eine Verlängerung danach auch nicht als sinnvoll erscheine, werde der An trag auf Vollzug der aufgeschobenen Strafen gestellt. b) In seiner Stellung nahme zu diesem Bericht vom 10. September 2007 äusserte sich der damalige Verteidiger im Wesentlichen zur Frage, weshalb die Massnahme gescheitert sei bzw. dazu, dass das Verschulden für den Misserfolg nicht beim Beschwerdeführer liege. So führt er aus ( OG act. 13 S. 4), falls es sich tatsächlich so verhalte, wie dies teilweise vom behandelnden Psychologen ge- schildert worden sei (nämlich: dass der Beschwerdeführer nicht zu den Therapie- stunden erschienen sei), gehe das Misslingen nicht zu seinen Lasten; vielmehr liege entweder ein direktes Versagen der beauftragten Stelle oder ein systembe- dingtes Versagen vor. Konkret bezieht sich der Verteidiger in diesem Zusammen- hang mehrfach darauf, dass der Beschwer deführer zu vereinbarten Sitzungen nicht erschienen sei (a.a.O., Ziff. 8, 10). c) Vorab ist auch in diesem Zusa mmenhang darauf hinzuweisen, dass nach dem Gesagten die Verfügung des BD betre ffend das Scheitern bzw. die Aufhe- bung der ambulanten Massnahme vom Obergeric ht grundsätzlich als verbindlich zu betrachten war und betrachtet wurde. Insofern wären weitere Vorbringen der - 13 - Verteidigung zu dieser Frage von vor nherein nicht geeignet gewesen, den Aus- gang des gerichtlichen Verfahrens zu beeinflussen. Entgegen der Auffassung des Beschwerd eführers kann sodann darin, dass sich der Verteidiger in seiner Stellungnahme zur Verfügung des BD zu einem Um- stand (Nichterscheinen zu ve reinbarten Sitzungsterminen) äusserte, der in der Verfügung vom 14. Februar 2007 gar nicht behauptet worden war, kein Fehler er- blickt werden, der ungenügende Verteidigung begründen würde. Vorliegend ging es um die Frage der Rechtsfolgen nac h der Aufhebung der Massnahme. Dabei hat sich das Gericht (anders etwa als im Rahmen eines Erkenntnisverfahrens, wo es thematisch an den in der Anklage umsc hrieben Sachverhalt gebunden ist) auf sämtliche den Akten zu entnehmenden Umstände zu stützen und ist nicht an den Inhalt des entsprechenden Antrags der Vollzugsbehörde gebunden. Da sich den vorliegenden Akten durchaus Anhaltspunkte dafür en tnehmen lassen, dass der Beschwerdeführer verschiedentlich Sitzungsterminen ferngeblieben war (vgl. JuV act. 14, 32, 34), war nicht zu beanstanden, dass die Verteidigung dieses Thema aufgriff und zu erklären bzw. zu rechtfertigen versuchte. d) Insgesamt erweist sich auch diese Rüge als unbegründet. 4. Wie bereits im Zwischenbeschluss vom 24. November 2009 ausgeführt (KG act. 13, S. 4 ff.), kann sodann auf die vom früheren amtlichen Verteidiger ein- gereichte Beschwerdeschrift mangels Er füllung der formellen Voraussetzungen an eine Nichtigkeitsbeschwerde nicht eingetreten werden. 5. Zusammenfassend erweist sich di e Beschwerde als unbegründet, soweit darauf eingetreten werden kann. Sie ist insoweit abzuweisen. Die Kosten des Kassationsverfahrens, einschliesslich diejenigen der amtli- chen Verteidigung, sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch sofort abzu- schreiben. - 14 - Das Gericht beschliesst: 1. Die Beschwerde wird abgew iesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Gerichtsgebühr für das Kassati onsverfahren wird festgesetzt auf Fr. 500.--. 3. Die Kosten des Kassat ionsverfahrens, einschliesslich diejenigen der amtli- chen Verteidigung, werden dem Beschwe rdeführer auferlegt, jedoch sofort abgeschrieben. 4. Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 90 ff. BGG innert 30 Tagen nach dessen Empfang schriftlich durch eine Art. 42 BGG entsprechende Eingabe Beschwerde gemäss Art. 78 ff. BGG an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, erhoben werden. Sodann läuft die Frist von 30 Tagen zur Anfechtung des Beschlusses des Obergerichtes vom 2. Juli 2009 mit Beschwerde an das Bundesgericht neu ab Empfang des vorliegenden Entscheides (Art. 100 Abs. 1 und 6 BGG). Hinsichtlich des Fristenlaufes gelten die Art. 44 ff. BGG. 5. Schriftliche Mitteilung an die Part eien sowie an die III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich, je gegen Empfangsschein. ______________________________________ KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Der Generalsekretär: