<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 113 S.521</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Abgaberecht</span> <span class="page_no">521</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Abgaberecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>113 Erlass von Grundbuchabgaben: Gemeinnützigkeit (§ 3 GBAG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Gemeinnützigkeit im Grundbuchabgabenrecht wird nach der Praxis</b></span><br/> <span class="ft3"><b>des Regierungsrats stets im Sinne der steuerlichen Terminologie aus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gelegt. Seit dem Inkrafttreten des Steuerharmonisierungsgesetzes</b></span><br/> <span class="ft3"><b>wird klarer und eindeutiger zwischen öffentlichen und gemeinnützi-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen Zwecken unterschieden.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Gemeinnützigkeit setzt die gegenwärtige und dauernde Förderung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer im Interesse der Allgemeinheit liegenden Aufgabe, Uneigen-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nützigkeit, Opferbringung und einen offenen Destinatärskreis vor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>aus; Opferbringung im vorliegenden Fall verneint.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 19. Januar 2005 i.S. Stiftung A.</span><br/> <span class="ft4">in O.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus dem Sachverhalt:</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">A. Seit dem 25. Januar 1971 besteht unter dem Namen "Stiftung</span><br/> <span class="ft7">A." eine Stiftung im Sinne von Art. 80 ff. ZGB mit Sitz in O. Sie be-</span><br/> <span class="ft7">zweckt auf gemeinnütziger Basis die Errichtung und den Betrieb ei-</span><br/> <span class="ft7">nes Altersheimes, den Bau und die Verwaltung von Alterswohnungen</span><br/> <span class="ft7">sowie die Förderung und Schaffung weiterer Einrichtungen und Vor-</span><br/> <span class="ft7">kehren der Altersfürsorge in O.</span><br/> <span class="ft7">Mit Verfügungen vom 28. Januar und 19. Oktober 1993 sowie</span><br/> <span class="ft7">17. Oktober 1995 hatte das Departement des Innern frühere Gesuche</span><br/> <span class="ft7">der Stiftung um Erlass der Grundbuchabgaben im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft7">mit der Errichtung von Schuldbriefen im Betrag von insgesamt 5.45</span><br/> <span class="ft7">Mio. Franken gutgeheissen. Die Stiftung hatte jeweils nur die Ausla-</span><br/> <span class="ft7">gen des Grundbuchamts zu bezahlen.</span><br/> <span class="ft7">B. Am 6. Februar 2003 stellte die Stiftung bei der Sektion</span><br/> <span class="ft7">Grundbuch und Notariat des Departements des Innern erneut ein Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">522</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">such um Erlass der Grundbuchabgaben, diesmal im Zusammenhang</span><br/> <span class="ft7">mit der Errichtung eines Schuldbriefes in der Höhe von 4.5 Mio.</span><br/> <span class="ft7">Franken auf dem Grundstück GB Nr. 1259. Mit Verfügung vom</span><br/> <span class="ft7">11. Februar 2004 entschied der Rechtsdienst des kantonalen Steuer-</span><br/> <span class="ft7">amts, dass die Stiftung wegen Verfolgung von öffentlichen Zwecken</span><br/> <span class="ft7">von den Kantons- und Gemeindesteuern sowie der direkten Bundes-</span><br/> <span class="ft7">steuer befreit werde. Mit Verfügung vom 11. Juni 2004 wies die Sek-</span><br/> <span class="ft7">tion Grundbuch und Notariat das Gesuch der Stiftung um Erlass der</span><br/> <span class="ft7">Grundbuchabgaben unter Bezugnahme auf die Verfügung des kanto-</span><br/> <span class="ft7">nalen Steueramts ab.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">1. a) Gemäss § 3 des Gesetzes über die Grundbuchabgaben</span><br/> <span class="ft7">(GBAG) sowie § 2 des Dekrets über die Grundbuchgebühren</span><br/> <span class="ft7">(GBGD), beide vom 7. Mai 1980, kann der Regierungsrat gemein-</span><br/> <span class="ft7">nützigen Institutionen auf Gesuch hin die Abgaben für grundbuchli-</span><br/> <span class="ft7">che Vorgänge ganz oder teilweise erlassen. Vom Erlass ausgenom-</span><br/> <span class="ft7">men sind die Kanzleigebühren und die Auslagen (Porti, Telefon usw.;</span><br/> <span class="ft7">vgl. § 1 GBAG). Ein rechtlicher Anspruch auf Erlass der Abgaben</span><br/> <span class="ft7">besteht indessen nicht.</span><br/> <span class="ft7">Nachdem die Grundbuchabgaben gemäss § 5 GBAG im Voraus</span><br/> <span class="ft7">zu bezahlen oder angemessen sicherzustellen sind, ist vorliegend zu</span><br/> <span class="ft7">beurteilen, ob die Beschwerdeführerin im Februar 2003, d.h. im Zeit-</span><br/> <span class="ft7">punkt der Anmeldung des Pfandrechts beim Grundbuchamt, eine ge-</span><br/> <span class="ft7">meinnützige Institution war. Im konkreten Fall geht es um den Erlass</span><br/> <span class="ft7">von Grundbuchabgaben in der Höhe von 2 der Pfandsumme von</span><br/> <span class="ft7">4.5 Mio. Franken, d.h. um Fr. 9'000.-- (vgl. § 23 lit. a GBAG).</span><br/> <span class="ft7">1. b) Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung bzw.</span><br/> <span class="ft7">in ihrer Stellungnahme vom 24. August 2004 aus, dass der Begriff</span><br/> <span class="ft7">der Gemeinnützigkeit im Lichte der steuerrechtlichen Terminologie</span><br/> <span class="ft7">auszulegen sei. Sie stütze sich in ihren Entscheiden um Erlass der</span><br/> <span class="ft7">Grundbuchabgaben regelmässig auf die Beurteilung des kantonalen</span><br/> <span class="ft7">Steueramts über eine allfällige Gemeinnützigkeit. Dieses habe am</span><br/> <span class="ft7">11. Februar 2004 entschieden, dass die Stiftung wegen Verfolgung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Abgaberecht</span> <span class="page_no">523</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">öffentlicher Zwecke von den Steuern befreit sei. Diese Verfügung sei</span><br/> <span class="ft7">unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Seit Inkrafttreten des neuen</span><br/> <span class="ft7">Steuergesetzes per 1. Januar 2001 nehme nicht mehr die Veranla-</span><br/> <span class="ft7">gungsbehörde, sondern das kantonale Steueramt diese Beurteilung</span><br/> <span class="ft7">vor. Es werde dabei genau zwischen der Verfolgung von öffentlichen</span><br/> <span class="ft7">und gemeinnützigen Zwecken unterschieden, obwohl - im Gegensatz</span><br/> <span class="ft7">zum alten, bis Ende 2000 geltenden Steuergesetz - nicht mehr nur</span><br/> <span class="ft7">Zuwendungen an gemeinnützige Institutionen als freiwillige Zuwen-</span><br/> <span class="ft7">dungen in der Steuererklärung abzugsfähig seien. Indem sie sich der</span><br/> <span class="ft7">Verfügung des Steueramts angeschlossen habe, würden einerseits</span><br/> <span class="ft7">widersprüchliche Entscheide kantonaler Amtsstellen über die</span><br/> <span class="ft7">Gemeinnützigkeit verhindert und andererseits werde so auch das Ge-</span><br/> <span class="ft7">bot der Rechtsgleichheit eingehalten. So dürften Altersheime im Ver-</span><br/> <span class="ft7">gleich zu anderen Institutionen, die ebenfalls öffentliche Zwecke ver-</span><br/> <span class="ft7">folgten, nicht privilegiert werden.</span><br/> <span class="ft7">Für die Beschwerdeführerin ist nicht nachvollziehbar, wieso</span><br/> <span class="ft7">von der bisherigen Praxis der Abgabenbefreiung abgewichen wird,</span><br/> <span class="ft7">obwohl sich ihrer Auffassung nach weder an der rechtlichen noch an</span><br/> <span class="ft7">der tatsächlichen Situation der Stiftung etwas geändert habe. Da die</span><br/> <span class="ft7">bevorstehende Renovation als auch der Ausbau des Heimes mit ei-</span><br/> <span class="ft7">nem Kantonsbeitrag unterstützt werde, sei auch nicht verständlich,</span><br/> <span class="ft7">wenn nun auf der anderen Seite eine Abgabe erhoben werde, welche</span><br/> <span class="ft7">in keinem Verhältnis zum Aufwand stehe.</span><br/> <span class="ft7">2. a) Der hier umstrittene Begriff der Gemeinnützigkeit wird</span><br/> <span class="ft7">nach der geltenden Praxis der Vorinstanz und des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft7">stets im Sinne der steuerrechtlichen Terminologie ausgelegt (vgl.</span><br/> <span class="ft7">auch RRB Nr. ...). Wurde früher kaum zwischen öffentlichen,</span><br/> <span class="ft7">gemeinnützigen, wohltätigen oder kirchlichen Zwecken unterschie-</span><br/> <span class="ft7">den, findet heute seit dem Inkrafttreten von Art. 23 Abs. 1 lit. f des</span><br/> <span class="ft7">Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der</span><br/> <span class="ft7">Kantone und Gemeinden (StHG) bzw. des im aargauischen Steuerge-</span><br/> <span class="ft7">setz identisch formulierten § 14 Abs. lit. c am 1. Januar 2001 eine</span><br/> <span class="ft7">klarere und eindeutige Trennung insbesondere zwischen öffentlichen</span><br/> <span class="ft7">und gemeinnützigen Zwecken statt. Das kantonale Steueramt führt</span><br/> <span class="ft7">die entsprechenden Institutionen in 2 Kategorien. Im Gegensatz zur</span><br/> <span class="ft7">Ansicht der Beschwerdeführerin hat deshalb sehr wohl eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">524</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Rechtsänderung stattgefunden. An der geltenden Praxis der Anwen-</span><br/> <span class="ft7">dung des steuerrechtlichen Gemeinnützigkeitsbegriffs ist festzuhal-</span><br/> <span class="ft7">ten.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss der rechtskräftigen Verfügung des Steueramts vom</span><br/> <span class="ft7">11. Februar 2004 ist die Beschwerdeführerin nicht wegen Gemein-</span><br/> <span class="ft7">nützigkeit, sondern wegen Verfolgung öffentlicher Zwecke von der</span><br/> <span class="ft7">Steuer befreit.</span><br/> <span class="ft7">2. b) Gemeinnützigkeit im steuerrechtlichen Sinne setzt die ge-</span><br/> <span class="ft7">genwärtige und dauernde Förderung einer im Interesse der</span><br/> <span class="ft7">Allgemeinheit liegenden Aufgabe, Uneigennützigkeit, Opferbringung</span><br/> <span class="ft7">und einen offenen Destinatärskreis voraus. Zudem wird verlangt,</span><br/> <span class="ft7">dass die Tätigkeit keine Erwerbs- oder Selbsthilfezwecke verfolgt</span><br/> <span class="ft7">(vgl. dazu Marianne Klöti-Weber, Dave Siegrist, Dieter Weber, Kom-</span><br/> <span class="ft7">mentar zum Aargauer Steuergesetz, Band 1, §§ 1 bis 111, 2. Auflage,</span><br/> <span class="ft7">Muri-Bern 2004, N 23 und 34 zu § 14).</span><br/> <span class="ft7">2. c) Ohne Weiteres erfüllt die Beschwerdeführerin die Kriterien</span><br/> <span class="ft7">der ,,Förderung einer im Interesse der Allgemeinheit liegenden Auf-</span><br/> <span class="ft7">gabe", der "Uneigennützigkeit" und des ,,offenen Destinatärkreises".</span><br/> <span class="ft7">Die "Opferbringung" erfordert, dass mit den Leistungen an</span><br/> <span class="ft7">Dritte erhebliche personelle und finanzielle Opfer erbracht werden,</span><br/> <span class="ft7">d.h. wenn also der Leistung keine Gegenleistung gegenübersteht. Die</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführerin verlangt von den Benutzenden ihrer Einrichtun-</span><br/> <span class="ft7">gen unbestrittenermassen Taxen (vgl. Ziffer III der Verfügung kanto-</span><br/> <span class="ft7">nalen Steueramts vom 11. Februar 2004). Die Taxen allein machen</span><br/> <span class="ft7">den auch einen Grossteil des Jahresumsatzes der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft7">aus. Im Rechnungsjahr 2003 waren es immerhin 87,6 % des Um-</span><br/> <span class="ft7">satzes (vgl. Rechnungsabschluss 2003 vom 15. Juni 2004). Auch er-</span><br/> <span class="ft7">zielte die Beschwerdeführerin in den letzten Jahren stets einen Ein-</span><br/> <span class="ft7">nahmenüberschuss. In diesem Sinne verfolgt die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft7">auch Erwerbszwecke. Der Regierungsrat anerkennt zwar, dass Mittel</span><br/> <span class="ft7">aus dem ,,Fondskapital" für bedürftige und mittellose Heimpensio-</span><br/> <span class="ft7">näre sowie Mieter der Alterswohnungen eingesetzt werden (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Reglement über den Spendenfonds vom 9. September 1997) und dass</span><br/> <span class="ft7">nebst den ehrenamtlichen Mitgliedern von Stiftungsrat und Be-</span><br/> <span class="ft7">triebsausschuss jährlich auch rund 20 Freiwillige für die Stiftung tä-</span><br/> <span class="ft7">tig sind. Von einem dauerhaften Opferbringen durch die Beschwerde-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Abgaberecht</span> <span class="page_no">525</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">führerin als Stiftung kann dennoch nicht die Rede sein: Ihr Eigenka-</span><br/> <span class="ft7">pital und ihr Fondskapital sind in den letzten Jahren stetig gestiegen.</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Stiftung nicht</span><br/> <span class="ft7">sämtliche Kriterien der dauernden Gemeinnützigkeit erfüllt.</span><br/></div> </div> </body> </html>