Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Oktober 2017 (720 17 209 / 275) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Eintreten auf Leistungsbegehren / Glaubhaftmachung einer Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes des Versicherten Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Andrea Scheidegger Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Guido Ehrler , Advokat , Rebgasse 1, Postfach 477, 4005 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A. Der 1957 geborene A.____ arbeitete zuletzt als P olymechaniker bei der B.____ AG. Am 5. Januar 2015 meldete er sich unter Hinweis auf eine koronare Herzkrankheit, nach Myo- kardinfarkt im Juli 2014, erstmals bei der Eidgenös sischen Invalidenversicherung (IV) an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Ver hältnisse lehnte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) einen Rentenanspruch aufgrun d Nichterfüllens des Wartejahres mit Ver- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht fügung vom 6. Juni 2016 ab. Nachdem am 29. Septembe r 2016 erneut ein Leistungsbegehren bei der IV-Stelle eingegangen war, trat diese mit Verfügung vom 6. Juni 2017 darauf nicht ein. B. Gegen die Verfügung vom 6. Juni 2017 erhob A.___ _, vertreten durch Advokat Guido Ehrler, am 3. Juli 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die Verfügung vom 6. Juni 2017 auf- zuheben und die IV-Stelle anzuweisen, auf das Gesuch vom 5. Januar 2015 (recte: 29. September 2016) einzutreten. Eventualiter sei die IV-Stelle anzuweisen, dem Beschwerde- führer mit Wirkung ab 1. Juni 2015 eine IV-Rente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von mindestens 60 % auszurichten; alles unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. August 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 3. Juli 2017 ist einzutreten . 2. Zu prüfen ist vorliegend, ob die IV-Stelle auf di e Neuanmeldung zum Leistungsbezug des Beschwerdeführers vom 29. September 2016 (Eingang) zu Recht nicht eingetreten ist. Es ist darauf hinzuweisen, dass das Gericht im Rahmen des vorliegenden Prozesses keine materi- elle Prüfung des Rentenanspruchs vornehmen kann, gehör t eine solche doch weder zum An- fechtungs- noch zum Streitgegenstand des vorliegenden Besc hwerdeverfahrens. Soweit der Beschwerdeführer in seinem Rechtsbegehren die Ausrichtung von Rentenleistungen beantragt, kann daher auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. Indes geht der Antrag, die angefoch- tene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle anzu weisen, auf sein Leistungsbegehren vom 5. Januar 2015 (recte: 29. September 2016) einzutre ten, nicht über den Streitgegenstand des vorliegenden Prozesses hinaus. Diesbezüglich ist auf die Beschwerde einzutreten. 3.1 Wurde ein Rentenanspruch einer versicherten Person wegen eines zu geringen Invali- ditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 erfüllt sind. Danach ist von d er versicherten Person im Ge- such glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invaliditä t in einer für den Anspruch erhebli- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wi rd auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 198 E. 4b). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht damit einer neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit be urteilte Sachverhalt sich in der Zwi- schenzeit nicht verändert hat. Erheblich ist eine Sachve rhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil de s Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruch sprüfung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1 mit weiteren Hinweisen). Die Verwaltung ver fügt bei der Beurteilung der Eintretens- voraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderunge n stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdings herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversich erungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigs- tens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus n och mit der Möglichkeit zu rech- nen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die beha uptete Änderung nicht erstellen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darz ulegen. Wie das Bundesgericht im Entscheid 130 V 64 ff. bekräftigt hat, spielt der Unt ersuchungsgrundsatz, wonach die Verwal- tung von Amtes wegen für die richtige und vollständig e Abklärung des rechtserheblichen Sach- verhaltes zu sorgen hat (BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a, je mit Hinweisen), insoweit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Be weismittel, insbesondere Arztberich- te, hingewiesen, die noch beigebracht würden oder vo n der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person nach der Rechtsprechung eine angemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenen- falls auf Nichteintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 64 f. E. 5.2.5 mit Hinweisen). Wenn die der Neuanmeldung beiliegenden ärztlichen Berichte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse alle nfalls rechtfertigen würde, ist es der Ver- waltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzu stellen oder bei der versicherten Person Belege nachzufordern, eine Verpflichtung der IV -Stelle zur Nachforderung weiterer An- gaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht indessen nur , wenn den – für sich allein genom- men nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztberichte n konkrete Hinweise entnommen wer- den können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erh ebungen erstellbare rechtserhebli- che Änderung vorliegt. Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch ke in materielles Eintreten auf die Neu- anmeldung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 3.4 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [A TSG] vom 6. Oktober 2000) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheide nd, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experti n oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 3.5 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Prüfung der verän derten Verhältnisse bildet die letzte materielle Beurteilung des Rentenanspruchs mit rechtskonfo rmer Sachverhaltsabklärung, Be- weiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleic hs. Vorliegend fand im Rahmen der erstmaligen Anmeldung zum Leistungsbezug vom 5. Ja nuar 2015 eine umfassende Abklä- rung des Sachverhalts statt. Die IV-Stelle lehnte gestü tzt darauf mit Verfügung vom 6. Juni 2016 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers aufgrund Nichterfüllens des Warte- jahres ab. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Ä nderung in den tatsächlichen Verhält- nissen erfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neuanme ldung rechtfertigen würde, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenverfügu ng vom 6. Juni 2016 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefocht enen Nichteintretensverfügung vom 6. Juni 2017. 4.1 Die IV-Stelle stützte ihre rentenablehnende Verfü gung vom 6. Juni 2016 auf die Beur- teilung von Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chiru rgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) be ider Basel, vom 21. März 2016. Dem- nach wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt. Die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers sei nicht als derart körp erlich anspruchsvoll einzustufen, dass sich – gemessen an den letztlich objektivierbaren medizinisc hen Befunden – eine massgebliche und dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit plausibel ergeben könnte. Vom 13. Juli 2014 bis zum 18. September 2014 habe eine vollständige Arbeits unfähigkeit von 100 % bestanden. Nach der Entlassung aus der Herzrehabilitation könne ei ne 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit im Sin- ne eines schrittweisen beruflichen Wiedereinstiegs ab dem 19. September 2014 aus versiche- rungsmedizinischer Sicht nachvollzogen werden. Ab diesem Zeitpunkt seien – mit Ausnahme der subjektiven Beschwerden mit Selbstlimitierung – kei ne funktionellen Einschränkungen mit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen T ätigkeit mehr ausgewiesen. Deshalb be- stehe spätestens ab dem 20. Oktober 2014 aus versicherungsme dizinischer Sicht in seiner be- ruflichen Tätigkeit als Polymechaniker keine Arbeitsunfähigkeit mehr. 4.2.1 Im Rahmen seiner Neuanmeldung mit Eingang vom 2 9. September 2016 reichte der Versicherte das Wiedererwägungsgesuch vom 19. September 2016 von Dr. med. D.____, FMH Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin, ein. Demn ach habe sich seine Leistung bzw. sein Allgemeinbefinden seit der letzten Kontrolle im Juli 2015 weiter verschlechtert, so dass er kaum mehr beschwerdefreie Tage erlebe. Bei bereits geringe r Anstrengung komme es zu Atemnot sowie zu rezidivierenden, atypisch anmutenden thorakalen Beschwerden. Objektiv zeige sich auch eine Verschlechterung seiner Leistung bzw. der lin ksventrikulären Auswurfleistung bei neuem Nachweis eines Aneurysmas im Herzspitzenbereich. Dies erkläre die eingeschränkte Leistungsfähigkeit sowie einen Teil seiner Thoraxbeschw erden. Zusammenfassend handle es sich somit um eine progrediente koronare Herzerkrankung, deren Prognose im Falle einer künf- tig möglichen Herzinsuffizienz insgesamt schlecht sei. Di e Registerdaten würden aus den gros- sen internationalen Studien dokumentierte 5-Jahres-Mor talitäten um 30 % bis 50 % ergeben. Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen bzw. der Befunde der kardialen Funktionsdiagnostik sei der Patient aus kardialer Sicht für seinen bisherigen Beruf als Arbeiter bei der B.____ AG zu mindestens 60 % arbeitsunfähig. Daher erachte er eine Wiedererwägung der Arbeitsfähigkeit bzw. eine erneute Anmeldung bei der IV-Stelle für ge rechtfertigt und er bitte den Hausarzt, eine Revision einzuleiten. 4.2.2 Dem Schreiben des Hausarztes Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 19. September 2016 an die F.____ ist zu entnehmen , dass der Patient am 13. Juli 2015 einen antero-lateralen Herzinfarkt erlitten habe. Nach diesem Herzinfarkt habe er seine Arbeit nur noch zu 60 % ausführen können. Er habe auch immer atypische Thoraxschmerzen gehabt. Kardiologisch könnten diese aber nicht erklärt werden. Die Taggeldversicherung habe wegen nicht objektivierbarer Befunde (vor allem Müdigkeit) die Zahlungen eingestellt, so dass der Pati- ent nur noch 60 % seines Lohnes bekomme. Nun habe ihm die Arbeitgeberin geschrieben, dass sie sein Arbeitspensum weiter reduzieren wolle. De r Patient sei dadurch sehr gekränkt und reagiere mit einem depressiven Verhalten. Er fühl e sich schlecht behandelt, sei traurig und könne nicht schlafen. Des Weiteren führt Dr. E.____ aus, dass er die F.____ bitte, den Patien- ten zur psychiatrischen Therapie – wenn möglich in italie nischer Sprache – aufzubieten. 4.2.3 In der rheumatologischen Untersuchung vom 10. Okt ober 2016 bei Dr. med. G.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, berichtete der Beschwerdeführer, dass er seit ca. 30 Jahren an chronisch-rezidivierenden Rückenschmerzen leide. Di ese hätten sich in den letzten Monaten und Jahren massiv verstärkt. Sie würden beim Lie gen, Sitzen und Stehen sowie beim Gehen auftreten, bei Belastungen seien sie stärker. Oft leide er auch an einer Schwäche in den Beinen, so dass er zum Teil auf der Strasse einknicke. Dar auffolgend diagnostizierte Dr. G.____ in seinem ärztlichen Bericht vom 13. Oktober 2016 einen Status nach leichtgradigen Segment-Degenerationen der unteren Lendenwirbelsäule in der Magnetresonanztomographie (MRT). Die nozizeptive Schmerzkomponente erkläre sich durch die nachgewiesenen Segment- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Degenerationen. Eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis ab und zu mittelschwe- re Tätigkeiten, also auch für den bisherigen Beruf, sei zumutbar. 4.2.4 Dr. med. H.____, FMH Innere Medizin und Pneumo logie, äusserte sich in seinem Be- richt vom 17. Oktober 2016 über die Pulsoxymetrie, welch e er in der Nacht vom 12. Oktober 2016 auf den 13. Oktober 2016 durchführte. Der Beschw erdeführer leide an schlafbezogenen Atemstörungen, welche mit leichten und mittelschweren Sauerstoffentsättigungen und mit leich- ten Pulsschwankungen verbunden seien. Die subjektiven Be schwerden tagsüber und nachts seien durch den erhobenen Befund erklärbar. Aufgrund des Schweregrades und bei den be- kannten zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktoren werde e ine CPAP-Heimtherapie empfoh- len. Anhand der vorliegenden Untersuchung könne nicht entschieden werden, ob das Apnoe-/Hypopnoe-Syndrom vom zentralen oder obstruktiven Typ sei. 4.2.5 Der RAD-Arzt Dr. C.____ hielt in seinem Berich t vom 21. Oktober 2016 fest, dass es sich bei den subjektiven Beschwerden des Versicherten gemäss kardiologischer Anamnese und Beurteilung ausdrücklich um atypische Thoraxschmerzen ha ndeln würde, die jedoch nur „relativ bedingt“ mit einem apikalen Aneurysma zu erklä ren seien. Gegen eine funktionelle Re- levanz würden jedoch die objektiven Messdaten sprechen, zum Beispiel die einer regelrechten myokardialen Wandkontraktibilität. Zum Zeitpunkt des Erg ometrie-Abbruchs hätten sich trotz der gegenwärtigen kardialen Belastung keine Ischämieze ichen in der Elektrokardiographie ge- zeigt, was klar für eine objektiv nicht ausgeschöpfte ka rdiale Leistungsfähigkeit zu diesem Zeit- punkt spreche. Der Versicherte wäre somit bei kritischer Auswertung der ergometrischen Aus- lastungskriterien noch höher belastbar gewesen. Die körp erlich leichte Arbeit des Versicherten weise nicht andeutungsweise kardiopulmonale Belastungsspit zen auf. Inkohärent erscheine es auch, dass der behandelnde Kardiologe noch im Juli 2015 der Überzeugung gewesen sei, die Beschwerden des Versicherten seien als am ehesten muskuloskele ttaler Natur zu interpretie- ren, während nun trotz fehlender wegweisender Befunde eher eine kardiale Diagnose zu finden sei. Die subjektiven, letztlich nur vordergründig kardiopu lmonal einzustufenden Beschwerden des Versicherten würden sich auch ohne grössere Belastung weder organisch zuordnen lassen, noch lasse sich damit versicherungsmedizinisch eine massgebli che Limitierung der Arbeitsfä- higkeit in einer bereits körperlich angepassten Tätigkei t begründen. Die Beschwerden würden bei genauer Betrachtung der Angaben jedoch eher eine r vorauseilenden Angsthaltung bezüg- lich möglicher Restenosierungen entsprechen. Eine massgebl iche Verschlechterung sei nicht glaubhaft, bzw. medizinisch nicht nachvollziehbar. Des Weiteren erklärte Dr. C.____ in seinem RAD-Bericht vom 18. November 2016, dass sich aus versicherungsmedizinischer Sicht aus der neu vorgebrachten psychischen Problematik aus mehreren Gründen bis auf weiteres keine massgebliche und dauerhafte Limitierung der Arbeits- fähigkeit und damit eine Verschlechterung im postuliert en Sinne der IV-Anmeldung ableiten lasse. Bezüglich einer subjektiv erhöhten Tagesmüdigkeit we rde ein mittelschweres Schlaf- Apnoe-Syndrom mit leichten bis mittelschweren Sauerstoff entsättigungen in Zusammenhang gebracht, das jedoch bei aufgezeigten Behandlungsoptio nen und noch ausstehender Behand- lung aus versicherungsmedizinischer Sicht als behandelbar und damit nicht als dauerhaft ein- gestuft werden könne. Vor dem Hintergrund der diversen Befundinkonsistenzen seien die sub- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht jektiven Beschwerden des Versicherten punkto Tagesmüdigkeit jedoch auch hinsichtlich ihrer tatsächlichen Ausprägung und vor allem Auswirkung zu hinterfragen, auch wenn die Beschwer- den vorderhand mit den objektiven Befunden erklärbar scheinen würden. Auch mit den nachge- reichten Berichten sei bei genauer Betrachtung der med izinischen Befunde unter versiche- rungsmedizinischen Kriterien keine wegweisende Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft vorgebracht. Es entstehe dagegen eher der E indruck, dass nun mit einem auffällig wechselnden Diagnosespektrum – nicht nur somatischer, sonde rn auch psychischer Art – ver- sucht werde, dem Verschlechterungsantrag medizinisch Nachdruck zu verleihen. 4.2.6 Der RAD-Arzt Dr. med. I.____, FMH Innere Medizi n, bestätigte in seinem Bericht vom 9. März 2017 die Beurteilung der kardialen Leistungsf ähigkeit durch Dr. C.____. Eine Stellung- nahme durch einen Kardiologen sei nicht notwendig. Di e Äusserungen von Dr. D.____ dem Hausarzt gegenüber seien ausreichend. 4.2.7 Dem Bericht des RAD-Arztes Dr. C.____ vom 20. Mär z 2017 ist weiter zu entnehmen, dass der RAD sich bezüglich der medizinisch-theoretischen Z umutbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf die objektiven medizinischen Eckdaten und nicht auf die subjektiven Beschwerden des Ver- sicherten abgestützt habe. Dem möglicherweise psychiatrischen Sachverhalt sei bereits ent- sprechend Rechnung getragen worden. Neue fachpsychiatrische Daten, die nach ausgeschöpf- ter leitliniengerechter psychiatrischer Behandlung eine dauerhafte Minderung der Arbeitsfähig- keit begründen könnten, würden nicht vorgelegt. Ausser dem sei die psychische Anamnese bis September 2016 absolut leer gewesen, so dass sich anhan d der beschriebenen Eckdaten eine reaktive psychische Verstimmung als überwiegend wahrscheinl ich aufdränge. Es sei am ehes- ten eine Anpassungsstörung als wahrscheinlich einzustufen, d ie aber als behandelbar und ver- sicherungsmedizinisch ohne Relevanz gelten könne. Des Weite ren seien durch die degenerati- ven Veränderungen intermittierende Schmerzzustände ausge löst worden, die aber eine alters- entsprechend mögliche Varianz nicht überschreiten und a ngesichts der umrissenen Befunde letztlich als symptomatisch soweit behandelbar eingestuft we rden könnten. So werde eine Rü- cken angepasste Tätigkeit, wie sie bereits vorliege, nich t massgeblich eingeschränkt, zumal auch der optimale Behandlungsrahmen nicht ausgeschöpft worden sei. Die kardiologisch von Dr. D.____ postulierte Arbeitsfähigkeit von 50 % lasse sich gestützt auf die kardiologischen Eckdaten unter versicherungsmedizinischen Kriterien nicht nachvollziehen. 5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 6. Juni 2017 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes des Versicherten im Wesentlichen auf die RAD-Berichte von Dr. C.____ vom 21. Oktober 2016, 18. November 201 6 und 20. März 2017. Sie ging dem- zufolge davon aus, dass eine massgebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versicherten medizinisch nicht nachvollziehbar sei. Diese r Auffassung der IV-Stelle kann nicht beigepflichtet werden. Wie in Erwägung 3.2 hiervor ausgeführt, genügt es für das Glaubhaftma- chen im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV, dass für den gelt end gemachten rechtserheblichen Sa- chumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch we nn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhalts- änderung nicht erstellen lassen. Solche Anhaltspunkte si nd vorliegend aufgrund der neu aufge- legten medizinischen Unterlagen zu bejahen. So beschei nigte Dr. D.____ im Wiedererwä- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungsgesuch vom 19. September 2016 eine Verschlechteru ng der Herzleistung des Versicher- ten seit der letzten Kontrolle im Juli 2015, insbesond ere der linksventrikulären Auswurfleistung bei neuem Nachweis eines Aneurysmas im Herzspitzenbereich. Weiter beauftragte Dr. E.____ die F.____ mit Schreiben vom 19. September 2016, den Versicherten zur psychiatrischen The- rapie aufzubieten, da dieser aufgrund der beruflichen Situation gekränkt sei und mit depressi- vem Verhalten reagiere. Schliesslich ist dem Bericht von D r. G.____ vom 13. Oktober 2016 zu entnehmen, dass im MRT leichtgradige Segment-Degenerat ionen der unteren Lendenwirbel- säule festgestellt wurden, welche die nozizeptive Schmer zkomponente erklären. Damit ist aus den vom Beschwerdeführer neu eingereichten medizinischen Unterlagen eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versicherten zumindest glaubh aft gemacht. Demgegenüber ist die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. C.____ nicht stichhal tig. Dies gilt umso mehr, als er in seiner Beurteilung der medizinischen Sachlage zu weit geht und teilweise bereits eine materiel- le Prüfung der Invalidität des Versicherten vornimmt. Da bei hätte er lediglich dazu Stellung nehmen müssen, ob Anhaltspunkte für eine Verschlechterun g des Gesundheitszustandes des Versicherten vorliegen. Zu erwähnen ist ausserdem, dass gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV eine Neu- anmeldung zum Rentenbezug auf die Konstellation zugesch nitten ist, in welcher ein Rentenan- spruch einer versicherten Person wegen eines zu geringen I nvaliditätsgrades verweigert wurde (vgl. E. 3.1 hiervor). Vorliegend hat die IV-Stelle j edoch in der Verfügung vom 6. Juni 2016 den Rentenanspruch des Versicherten nicht mangels eines rent enrelevanten Invaliditätsgrades ab- gelehnt, sondern mit der Begründung, das Wartejahr sei nicht erfüllt. Die Frage, ob die Verfü- gung vom 6. Juni 2017 auch in diesem Punkt in formell er Hinsicht zu beanstanden wäre, kann allerdings offen gelassen werden, da ohnehin eine Versch lechterung des Gesundheitszustan- des durch den Versicherten glaubhaft gemacht wurde. Insof ern hat die IV-Stelle das Leistungs- begehren des Versicherten materiell zu prüfen. 5.2 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der Beschwe rdeführer die Ver- schlechterung seiner gesundheitlichen Situation in ein er Weise glaubhaft gemacht hat, welche ein Eintreten auf das Leistungsbegehren erforderlich macht . Folglich ist die IV-Stelle zu Unrecht auf die Leistungsanmeldung nicht eingetreten. Die Ang elegenheit ist daher an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese die glaubhaft gemachte Verschle chterung des Gesundheitszu- standes weiter abklärt. Demnach ist in teilweiser Guthei ssung der Beschwerde die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 6. Juni 2017 aufzuh eben und diese anzuweisen, das Leis- tungsbegehren des Beschwerdeführers mit Eingang vom 29. September 2016 materiell zu prü- fen. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicheru ng (IVG) vom 19. Juni 1959 ist das Beschwerdeverfahren bei S treitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kanton alen Versicherungsgericht kosten- pflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt; gegenüber der Vorinstanz bzw. den kan tonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vorinstanz un terlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten und dem Beschw erdeführer der geleistete Kos- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückzuerstatten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer in casu obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen . Der Rechtsvertreter des Versicher- ten hat in seiner Honorarnote vom 28. September 2017 für das vorliegende Beschwerdeverfah- ren einen Zeitaufwand von 13,42 Stunden geltend gem acht, was umfangmässig angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstande n ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche F älle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu bea nstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr . 40.80. Dem Beschwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung von Fr. 3‘667.45 (13, 42 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 40.80 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzuspre- chen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). 7.2 Beim vorliegenden Entscheid, durch welchen die Besch werdegegnerin verpflichtet wird, das Leistungsbegehren materiell zu prüfen, hand elt es sich somit um einen Zwischenent- scheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Besch werde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver- fügung vom 6. Juni 2017 aufgehoben und die Sache an d ie IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen mit der Anweisung, das G esuch vom 29. September 2016 materiell zu prüfen. Im Übrigen wird auf die Beschwerde nicht eingetreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- - wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘667.45 (inkl. Au slagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht