B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-8422/2008 U r t e i l v o m 8 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richterin Emilia Antonioni, Richter Walter Stöckli, Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advoka- tur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. Septem- ber 2008 / N (…). E-8422/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, eine irakische Staatsangehörige kurdischer s o- wie arabischer Volkszugehörigkeit, verliess eigenen Angaben zufolge ihr Heimatland mit der Familie im August 2006 und reiste über Syrien, die Türkei sowie unbekannte Länder am 6. September 2006 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Fü r die Dauer des Asylver- fahrens wurde sie dem Kanton (...) zugewiesen. Am 27. September 2006 wurde sie im Empfangs - und Verfahrenszentrum [EVZ] (...) sowie am 7. November 2006 vom zuständigen Kanton zu ihren Ausreise - und Asyl- gründen befragt. Anlässlich ihr er Anhörungen trug die Beschwerdeführ e- rin im Wesentlichen Folgendes vor: Sie sei in B._______, Irak, geboren, habe aber als Kind in Bagdad ge- wohnt. Mit [Kindsalter] sei sie mit ihren Eltern in den Iran, nach C._______ geflüchtet, wo sie eine grüne Flüchtli ngskarte erhalten hätten. Im Jahre (…) habe sie ihren Ex -Ehemann, D._______ (E-6107/2008), geheiratet und in der Folge seien ihre drei gemeinsamen Kinder – die in C._______ verheiratet Tochter E._______ sowie die Tochter F._______ und der Sohn G._______ (E-8421/2008 und E -6108-/2006) – zur Welt gekommen. Ihre Eltern hätten den Iran (…) wieder verlassen. Da die ira- nischen Behörden die Beschwerdeführerin und ihre Familie gezwungen hätten, das Land zu verlassen, seien sie, ihr Ex-Ehemann und die Kinder am 1. August 2006 ausgereist und in den Irak zurückgekehrt. Sie seien zum [Verwandten] ihres Ex -Ehemannes nach Dohuk gegangen, wo sie erfahren hätten, [Familienfehde mit blutigem Ausmass, Tötungsdelikten sowie allfälligen Racheakten zwische n der Familie de s Ex-Ehemannes und der Familie einer angeheirateten Person am Geburtsort des Ex - Ehemannes]. Aufgrund dieser blutigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Familie n habe der [Verwandte] ihres Ex -Ehemannes der Be- schwerdeführerin und ihrer Fa milie geraten, aufgrund allfälliger Rach e- handlungen (…) sofort wieder auszureisen. Eine Tochter sei (…) verheiratet und wohne in C._______. Sodann habe die Beschwerdeführerin die Eltern und [Geschwisterteil], welche in Ba g- dad leben würden. Der gemeinsam mit der Familie ausgereiste Sohn G._______ sei unterwegs von den anderen getrennt worden und in der Türkei zurückgeblieben. B. Mit Verfügung vom 9. September 2008 – eröffnet am darauffolgenden E-8422/2008 Seite 3 Tag – stellte das BFM fest, d ie Beschwerdeführerin, ihr Ex -Ehemann so- wie die gemeinsame Tochter würden die Flüchtlingseigenschaft nicht er- füllen, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, dass die geltend gemach- ten Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standz u- halten vermöchten. Die Vorinstanz hielt insbesondere fest, der Ex- Ehemann der Beschwerdeführerin habe sich in Bezug auf das Datum der Ausreise aus dem Iran und des beabsichtigten Reiseziels im Irak in W i- dersprüche verwickelt: Während er in der EVZ -Befragung behauptet h a- be, die Familie habe den Iran am 1. Aug ust 2006 verlassen müssen (vgl. A1/11 S. 2, 7), habe er vor dem Kanton angegeben, sie hätten den Iran erst am 20. August 2006 verlassen (vgl. A17/14 S. 2). Weiter sei se i- nen Aussagen im EVZ zu entnehmen, dass das unmittelbare Reiseziel seiner Familie Dohuk gewesen sei, wo sie von seinem [Verwandten] über die Familienfehde an seinem Geburtsort H._______ erfahren hätten, was sie davon abgehalten habe, dorthin zu fahren (vgl. A1/11 S. 6); indes er in der kantonalen Befragung erklärt habe, dass sie nach dem Grenzübertritt zunächst nach H._______ habe reisen wollen, jedoch davon abge sehen hätten, nachdem sie vom Chauffeur erfahren h ätten, dass dort ständig Anschläge verübt würden (vgl. A17/14 S. 5). Diese widersprüchlichen Darlegungen würden erhebliche Zweifel an den geltend gemachten Vo r- bringen betreffend die angebliche Gefährdung im Irak wecken, zumal die Aussagen durchwegs unsubstanziiert, realitätsfremd und nachgeschoben seien. Der Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin habe vor dem Kanton zu Protokoll gegeben, [die verfeindete Familie] hätten ihm bereits mit dem Tod gedroht (vgl. A17/14 S. 9), während in der EVZ -Befragung weder die Beschwerdeführerin noch ihr Ex-Ehemann oder die Tochter eine solche konkrete Drohung erwähnt hät ten. Die Beschwerdeführerin habe zudem vor dem Kanton behauptet, der Grund für die Ausreise der Familie sei die Flucht [eines Verwandten] gewesen (vgl. A18/12 S. 5). Anlässlich ihrer EVZ-Befragung habe sie die Flucht [des Verwandten] jedoch nicht e r- wähnt. Ferner seien die zu der angeblichen Gefährdung führenden Vorfäl- le weder konkretisiert noch chronologisch eingeordnet worden. Namen t- lich sei dem Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin nicht einmal der Name der ihn angeblich bedrohenden Familie (...) bekannt gewesen (vgl. A17/14 S. 4). Auch die Aussagen der Tochter über die einzelnen Vor- kommnisse seien unsubstanziiert ausgefallen. Insbesondere habe sie an- lässlich ihrer EVZ -Befragung [Tötung eines Verwandten nicht erwähnt] E-8422/2008 Seite 4 (vgl. A3/9 S. 5). Es mute im Übrigen realitätsfremd an, dass die Familie und insbesondere der Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin über die seit Jahren andauernde Familienfehde in ihrem Heimatland nichts gewusst habe. Die Erklärung des Ex-Ehemannes der Beschwerdeführerin , er sei mit seiner Arbeit beschäftigt gewesen, vermöge die fehlende Realitätsb e- zogenheit dieser Behauptung nicht zu beseitigen (vgl. A17/14 S. 7). Au f- grund des Gesagten sei zwingend davon auszugehen, dass der behau p- tete Sachverhalt nicht selbst erlebt worden sei. Die zweifelhaften Ang a- ben über den Ausreiseweg würden zudem den Eindruck entstehen las- sen, man versuche die schweizerischen Behörden über den wirklichen Zeitpunkt der Ausreise aus dem Irak und den tatsächlichen Aufenthalt vor der Einreise in die Schweiz zu täuschen. C. Mit Eingabe vom 15. September 2008 (Datum Poststempel: 24. Septe m- ber 2008) erhob d ie Beschwerdeführerin – zusammen mit ihrem Ex- Ehemann, D._______ (E-6107/2008), und der Tochter, F._______ (E-8421/2008) – beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung und beantragte dabei, der Entscheid des BFM sei aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Fe r- ner wurde sinngemäss beantragt, die vorläufige Aufnahme sei anzuord- nen, es seien eine Aufenthalts - sowie Arbeitsbewilligung zu erteilen und "keine unbegründeten Drohungen" auszustossen. Der Argumentation des BFM wurde entgegengehalten, die Familie der Beschwerdeführerin und sie selber würden das barbarische Verbrechen (…) verurteilen, jedoch sei es wegen der tiefverwurzelten Sitte und Trad i- tion nicht möglich, Schutz zu finden. Das Just iz- und Polizeiwesen habe mit solchen Problemen nichts zu tun. Weiter sei zwar den Akten zu en t- nehmen, dass es anlässlich der beiden Befragungen zu teilweise wide r- sprüchlichen Aussagen gekommen sei, die Erklärungen hierfür seien j e- doch in den folgenden Grü nden zu suchen: Die meisten Jahre hätten die Beschwerdeführerin und ihre Familie auf der Flucht gelebt. Ferner habe ihr Ex-Ehemann sein ganzes Leben – in einem fremden Land – nur gear- beitet. Nach vielen schweren Jahren habe sic h die Familie gleichwohl in C._______ etablieren können. Die Familie habe sich dort wohl gefühlt. Sowohl die Beschwerdeführerin als auch ihre Familie würden sich, unter der Bedingung, dass das iranische Regime sie aufnehme und einbürgere, in den Iran zurückbegeben. Deshalb hätten sie – mit dem in Kopie beige- legtem Schreiben vom (…) September 2008 – die Regierung in Teheran ersucht, ihnen eine Rückkehr nach C._______ zu ermöglichen. Sodann E-8422/2008 Seite 5 habe die Beschwerdeführerin ihren Ex -Ehemann früh geheiratet, damit sie keine finanzielle Belastung mehr für ihre eigene Familie habe darste l- len müssen. Zudem seien auch die Kinder der Beschwerdeführerin durch die entstandenen familiären Probleme belastet worden. Im Übrigen wü r- den die Beschwerdeführerin und ihr Ex-Ehemann zwar über keine Ausbil- dung ver fügen, dafür hätten zumindest die gemeinsamen Kinder eine Schulausbildung im Iran geniessen können. Tage und Monate seien für den Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin nahezu unbedeutend, da er nicht einmal seinen Vornamen schreiben könne. Auch der Umstand, dass im Iran ein anderer Jahreskalender gelte als in der restlichen Welt, sei als Faktor für die allfälligen Widersprüche in den Aussagen zu berücksicht i- gen. Überdies habe selbst das BFM auf der zweiten Seite seiner Verf ü- gung Daten falsch erfasst, indem es v om 20. August 2008 anstatt vom Jahr 2006 spreche. Sodann sei weder der Name noch der Vorname des Ex-Ehemannes der Beschwerdeführerin vom Dolmetscher richtig erfasst worden. Schliesslich sei auch der unterschiedliche ethnische Hintergrund des Ex-Ehemannes und der Beschwerdeführerin zu beachten. Zur Stützung der Vorbringen wurde eine Kopie (mit Originalunterschrift) eines von der Beschwerdeführerin und ihrer Familie verfassten Briefes an die iranische Botschaft in Bern zwecks Weiterleitung nach Teheran vom (…) September 2008 ins Recht gelegt. D. Der Sohn G._______ folgte seiner Familie am 9. November 2006 und stellte in der Schweiz ebenfalls ein Asylgesuch. Das BFM lehnte das Asylgesuch des Sohnes mit ebenfalls vom 9. September 2008 datiere n- der Verfügung ab, wo gegen G._______ fristgerecht Beschwerde erhob (Verfahren E-6108/2008). E. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2008 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, d ie Beschwerdeführerin, ihr Ex-Ehemann und die Tochter könnten den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwa rten, und forderte sie auf, einen Kostenvorschuss – unter Androhung des Nichteintretens bei Ausbleiben der Bezahlung – in der Höhe von Fr. 600.– zu leisten. F. Mit Eingabe vom 29. September 2008 teilte die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht mit, ihr Ex-Ehemann leide unter Schlafstöru n- gen, Alpträumen und Verstimmungen und habe aus diesem Grunde b e-E-8422/2008 Seite 6 reits einen Psychiater, Herrn Dr. med. I._______, Facharzt FMH für Ps y- chiatrie und Psychotherapie, aufgesucht, gemäss w elchem er nervlich sehr belastet sei und deshalb absolute Ruhe sowie eine gewissen S i- cherheit im Leben benötige. Im Übrigen wurde ein Bestätigungsschreiben der " (…) – Deutschkurse" vom (…) September 2008 den Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin betreffend zu den Akten gereicht. G. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2008 ersuchte d ie Beschwerdeführerin – zu- sammen mit ihrem Ex-Ehemann, der Tochter und dem Sohn, G._______ (E-6108/2008) – um unentgeltliche Prozessführung oder zumindest um ratenweise Zahlung des Kostenvorschusses. Zur Stützung der geltend gemachten Vorbringen wurden zwei Fürsorg e- bestätigungen vom 7. Oktober 2008 eingereicht. H. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2008 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, der Kostenvorschuss sei fristgerecht geleistet worden u nd auf die Beschwerde sei folglich einzutreten, das zwischenzeitlich eingegangene Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege werde zu einem späteren Zei t- punkt geprüft und die Vorinstanz werde zur Einreichung einer Verneh m- lassung – insbesondere zur Zumutbarkeit eines allfälligen Wegweisungs- vollzugs in den Nordirak unter Berücksichtigung der ethnischen Zugeh ö- rigkeit, des familiären Netzes sowie der langjährigen Landesabwesenheit – eingeladen. I. In seiner Vernehmlassung vom 18. November 2008, welche de r Be- schwerdeführerin und ihrer Familie zur Kenntnis gebracht wurde, hielt das BFM fest, die Beschwerdeschrift enthalte keinen neuen erheblichen Ta t- sachen oder Beweismittel, welche eine Änderung des vorinstanzlichen Standpunktes rechtfertigen könn ten, weshalb d as Bundesamt die Abwe i- sung der Beschwerde beantrage. J. Mit Eingabe vom 26. Juni 2009 reichte der neu mandatierte Rechtsvertre- ter Kopien der iranischen Ausländerausweise der Beschwerdeführerin, ih- res Ex-Ehemannes sowie der gemeinsamen Kinder samt Übersetzun g sowie ein Schreiben des Ex-Ehemannes, in welchem er seinen in den E-8422/2008 Seite 7 Ausweisen aufgeführten Stammesnamen " (...)" erläutere, zu den Akten. Ferner wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin, ihr Ex-Ehemann und die Kinder bei einer allfälligen Rückkehr über kein tragfähiges Famili- ennetz im Nordirak zurückgreifen könnten. Lediglich der [Verwandte] des Ex-Ehemannes lebe in Dohuk. (…). Die Eltern sowie [Geschwisterteil] der Beschwerdeführerin würden in Bagdad leben; lediglich [ein Verwandter] halte sich in Dohu k auf. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Familie nur wenige Jahre im Irak gelebt habe und die Kinder kaum Kur disch- Badini und kein Arabisch sprechen würden. K. Mit Schreiben vom (…) 2010 an das Bundesverwaltungsgericht liess [Migrationsamt des zuständi gen Kantons] eine Fotokopie des Sche i- dungsurteils (...) zukommen, welchem zu entnehme n sei, dass die Ehe zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ex-Ehemann seit (…) 2010 rechtskräftig geschieden worden sei. L. Mit Verfügung vom 19. November 2010 hielt das Bundesverwaltungsge- richt fest, dass es sich aufgrund der neuen Sachlage rechtfertige, das Verfahren der Beschwerdeführerin, ihres Ex-Ehemannes sowie der Toch- ter zu trennen. Die Verfahren des Ex -Ehemannes sowie der Tochter der Beschwerdeführerin würden unte r der Nummer E -6107/2008 bezi e- hungsweise E -8422/2008 geführt werden , während das Verfahren der Beschwerdeführerin die Nummer E-8421/2008 erhalte. Nach Möglichkeit seien die Verfahren – einschliesslich demjeni gen des Sohnes (E-6108/2006) – koordiniert zu behandeln. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Ver waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne E-8422/2008 Seite 8 von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Au s- nahme liegt in casu nicht vor; somit ist das Bundesverwaltungsgericht vorliegend letztinstanzlich zuständig. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be - schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali - tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen erns thaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli -E-8422/2008 Seite 9 chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1. Das BFM hat im vorliegenden Fall die Flüchtlingseigenschaft de r Be- schwerdeführerin und ihrer Familie in Bezug auf ihren Heimatstaat Irak geprüft. Eine Prüfung, ob allenfalls der Iran – angesichts des jahrzehnte- langen Aufenthalts dort – für die Beschwerdeführerin und ihre Familie als sicherer Drittstaat zu gelten hat (und somit auf das Asylgesuch gemäss Art. 34 AsylG nicht einzutreten gewesen wäre), ist seitens des BFM nicht erfolgt und ist demnach auc h nicht Prozessgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. 4.2. Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Frage, ob sich die geltend gemachte Familienfehde tat- sächlich zugetragen hat, letztlich offen bleiben kann, denn die Vorbringen der Beschwerdeführerin und ihrer Familie entbehren grund sätzlich jegli- cher Asylrelevanz. Dass sie und ihre Familie eine im asylrechtlichen Kon- text bedeutsame Verfolgung im Heimatland zu befürchten haben, wird aus der vorgetragenen Sach verhaltsdarstellung nicht ersichtlich. Eigenen Angaben zufolge hat sie allfällige Racheakte seitens [der verfeindeten Familie] lediglich aus privaten Gründen – (…) – zu befürchten. Selbst gemäss dem Fall, die zuständigen staatlichen Organe wären nicht gewillt, der Beschwerdeführerin und ihrer Familie gegen allfällige Nachstellungen seitens [der verfeindeten Familie] Schutz zu bieten respektive die ange b- lichen Drohungen könnten nicht zur Anzeige gebracht werden, könnte dies im asylrechtlichen Kontext nicht berücksichtigt werden, da lediglich eine private Familienfehde geltend gemacht wurde, welcher es am Erfo r- dernis der flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotivation mangelt. Schliesslich vermögen auch die in der Beschwerdeschrift aufgeführten Gründe den Einwand der fehlenden Asylrelevanz nicht zu entkräften. Somit führt die angebliche blutige Familienauseinandersetzung als solche nicht bereits zur Annahme einer begründeten Furcht im oben erwähnten Sinne. Die Asylvorbringen sind nach dem Gesagten als ni cht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren. Ob die geltend gemachte F a- milienfehde und allfällige Racheakte im Hinblick auf die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs (Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum E-8422/2008 Seite 10 Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]) re- levant wären, wäre nachfolgend unter der E. 6 zu erörtern. 5. 5.1. Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Die Beschwerdeführerin besitzt keine Aufenthalts - oder Niederlas - sungsbewilligung oder einen entsprechenden Anspruch, weshalb die Vor- instanz gestützt auf Art. 44 Abs. 1 AsylG zu Recht ihre Wegweisung ver- fügt hat (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 6. 6.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis des Bundesve rwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). Demgegenüber genügen Hinweise auf blosse Eventualitäten und vage Möglichkeiten von Vollzugshindernissen nicht. 6.2. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Voll zug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmög lichkeit) sind alternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwe- senheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4, 2011/7 E. 8, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 ff.). Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung aus den nachfolgend aufgezeigten Gründen als unzumutbar erweist, kann auf eine Erörterung der beiden anderen Kriterien – insbesondere der Zulässig keit des Weg weisungsvollzuges – verzichtet werden. E-8422/2008 Seite 11 6.3. 6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Auslän derinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medi zinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Bot schaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.3.2. Den Akten ist zu entnehmen, dass es sich eigenen Angaben zufol- ge bei der Beschwerdeführerin um eine irakische Staatsangehörige kur- discher sowie arabischer Volkszugehörigkeit handelt, welche zwar in Bagdad ge boren ist, jedoch bereits [im Kindsalter] zusammen mit ihren Eltern nach C._______, Iran, flüchtete, wo sie bis zum August 2006 lebte. Dies wird von der Vorinstanz auch nicht bestritten (vgl. Verfügung vom 9. September 2008, E. II Ziff. 2). Auch für das Bundesverwaltungsgericht überwiegen die Gründe, welche für einen glaubhaften langjährigen Au f- enthalt der Beschwerdeführerin im Iran sprechen, zumal si ch die in der angefochtenen Verfügung aufgeführten Ungereimtheiten in den Aussagen insbesondere auf die Ausreise aus dem Iran und die Einreise in den Irak beziehen und nicht die Frage des Aufenthalts de r Beschwerdeführerin und ihrer Familie im Iran per se tangieren. 6.3.3. Im hier interes sierenden Zusammenhang hielt das Bundesverwal- tungsgericht in seinem Urteil BVGE 2008/12 fest, dass die Sicherheitsla- ge im Zentralirak von einer weit verbreiteten Gewalt und signifikanter I n- stabilität gekennzeichnet ist. Die Region Bagdad gilt nach wie vor als R e- gion mit einer sehr grossen Gewaltdichte. Gezielte Gewalttaten gegen Zi- vilisten, (Suizid-)Anschläge und Attentate sowie Entführungen und andere kriminelle Handlungen prägen den Alltag der Bevölkerun g. Die Einor d- nung der Gewalthandlungen und Bedrohungsszenarien gestaltet sich i n- sofern als äusserst schwierig und komplex, als einer Vielzahl von Akte u- ren eine ebenso grosse Zahl von potenziellen Opfern dieser Gewalthan d- lungen gegenübersteht. Interessen un d Zielsetzungen der Akteure unte r- scheiden sich zum Teil massiv. Sie bewegen sich jedoch zunehmend ent- lang ethnischer, religiöser und tribaler Grenzen und scheinen zudem eng verknüpft mit der politischen Entwicklung im Land. Zwar kann man von einer gewissen Verbesserung der Sicherheitslage in den Regionen Ba g- dad und Anbar sowie von politisch zögerlichen Fortschritte n ausgehen, E-8422/2008 Seite 12 welche jedoch nicht zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung im Zentralirak geführt haben. Vielmehr widerspiegeln sich die Probleme auch in den Feststellungen, die im Hinblick auf den Justiz - und Sicherheitsap- parat im Zentralirak zu treffen sind (vgl. BVGE 2008/12 E. 6.4 und 6.7 mit weiteren Hinweisen). Dass sich die Lage im Zentralirak seither in nac h- haltiger und entscheidender Weis e verbessert hätte, kann nicht bejaht werden. Vor dem Hintergrund dieser Lageanalyse kommt das Bundesverwa l- tungsgericht zum Schluss, dass sich im vorliegenden Fall der Wegwei- sungsvollzug als unzumutbar erweist. Der Umstand, dass sich sowohl die Eltern der Beschwerdeführerin als auch [Geschwisterteil], zu denen sie allerdings keinen Kontakt pflege (vgl. auch die protokollierten Aussagen ihrer Kinder, sie hätten weder die Grosseltern noch [den Geschwisterteil der Mutter] je gesehen, A19/10 S. 4 sowie B11/11 S. 4), in Bagdad aufhal- ten würden, vermag dabei die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht zu begründen, da vielmehr in Abwägung aller sachverhaltsrelevan- ten Faktoren – namentlich die im Ira k herrschende Gewaltsituation, d ie quasi lebenslange Abwesenheit der Beschwerdeführerin aus dem Irak, ihr Zivilstand (geschiedene muslimische Frau) und die fehlende Ausbildung – der Beschwerdeführerin eine Rückkehr nach Bagdad nicht zumutbar ist. 6.3.4. Des Weiteren ist eine Aufenthaltsalternative im Nordirak für die B e- schwerdeführerin zu verneinen, da die Anordnung des Wegweisungsvoll- zugs in eine der drei autonomen kurdischen Nordprovinzen Dohuk, Erbil und Suleimaniya insbesondere voraussetzt, dass die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt oder eine läng ere Zeit dort gelebt hat (vgl. hierzu BVGE 2008/5), was im Falle der Beschwerdeführerin nicht zutrifft, da sie aus Bagdad stammt und sich im August 2006 lediglich etwa 20 Tage in Dohuk aufgehalten hat. 6.3.5. Nach dem Gesagten erweist sich der Wegweisungsvollzu g somit als unzumutbar im Sinne des Art. 83 Abs. 4 AuG und die Beschwerdefüh- rerin ist in der Schweiz vorläufig aufzunehmen ( Art. 83 Abs. 1 AuG). Der Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG kommt vorliegend nicht zum Zug. 7. Vor dem Hintergrund obiger Erwägungen ist festzuhalten, dass die Vorin- stanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin im Ergebnis zu Recht verneint und die Wegweisung korrekterweise angeordnet hat. In diesen Punkten ist die Beschwerde abzuweisen. E-8422/2008 Seite 13 Die Beschwerde ist allerding in Bezug auf den Vollzug der Wegweisung aus der Schweiz gutzuheissen. Die Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 9. September 2008 sind aufzuheben und das BFM ist a n- zuweisen, die Beschwerdeführerin infolge Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs in der Schw eiz vorläufig aufzunehmen (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG). 8. 8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die reduzierten Verfa h- renskosten der Beschwerdefüh rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Mit Verfügung des Bundesverwaltungsgericht vom 31. Oktober 2008 wur- de das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist gutzuheissen, nachdem die Rechtsbegehren nicht aussichtlos waren und sich in den Akten keine Hinweise darauf finden, dass die B e- schwerdeführerin inzwischen (seit der Bestätigung der Fürsorgeabhä n- gigkeit vom 7. Oktober 2008) nicht mehr bedürftig ist. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600. – ist de r Be- schwerdeführerin zu einem Drittel (Fr. 200.–) – die restlichen beiden Drit- tel werden dem Ex-Ehemann und der Tochter ausbezahlt – zurückzuer- statten. 8.2. Der Beschwerdeführerin ist angesicht s des hälftigen Obsiegens im Beschwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine e r- mässigte Parteientschädigung für ih r erwachsene notwendige Vertr e- tungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 11. Deze m- ber 2006 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter – der das Mandat erst im Laufe des Beschwerdeve r- fahrens übernommen und lediglich die Eingabe vom 26. Juni 2009 zu den Akten gereicht hat, welche sich zudem neben dem vorliegenden zugleich auf drei weitere Beschwerdeverfahren bezieht – hat keine Kostennote eingereicht. Der Aufwand lässt sich indessen aufgrund der Akten zuve r- lässig einschätzen und wird – für jedes der vier betroffenen Beschwerd e- verfahren – auf je Fr. 250 .– geschätzt, wobei dieser Betrag angesichts E-8422/2008 Seite 14 des nur teilweisen Obsiegens auf die Hälfte zu reduzieren ist. Das BFM ist demnach anzuweisen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 125.– auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-8422/2008 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird den Vollzug der Wegweisung betreffend gutgehei s- sen. Die Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 9. Septe m- ber 2008 werden aufgehoben. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewi e- sen. 2. Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführerin in der Schweiz vo r- läufig aufzunehmen. 3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600. – ist der B e- schwerdeführerin zu einem Drittel (Fr. 200. –) – die restlichen beiden Drit- tel werden dem Ex -Ehemann und der Tochter ausbezahlt – zurückzuer- statten. 5. Das BFM wird angewiesen, de r Beschwerdeführerin eine Parteientschä- digung von Fr. 125.– zu entrichten. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand: