B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7089/2017 U r t e i l v o m 2 . F e b r u a r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Barbara Balmelli, mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiberin Michelle Nathalie Nef. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Angela Stettler, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 15. November 2017 / N (…). E-7089/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer reiste am 13. Oktober 2017 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Im Empfangs - und Verfahrensze- ntrum Kreuzlingen wurde er am 19. Oktober 2017 zur Person befragt (BzP). Der Beschwerdeführer führte im Rahmen der BzP a us, er stamme aus B._______, Jaffna und habe bis zur Ausreise dort gelebt. Seine Familie besitze ein eigenes Haus, wo er zusammen mit seinen Eltern, drei Brüdern und einer Cousine gewohnt habe. Zudem lebten sechs Tanten und zwei Onkel in Jaffna. Nach dem Abschluss des (…) habe er seit dem Jahr 2012 als (…) gearbeitet. Im Jahr (…) habe er sich einen Reisepass ausstellen lassen. Am 1. Juni 2016 habe er Sri Lanka illegal verlassen. A.b Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 9. November 2017 vertieft zu seinen Asylgründen an. Dabei führte er aus, er habe eine Tante väterlicherseits, die im Jahr (…) von den Soldaten verschleppt worden sei. Sie sei seither verschollen. Der Familie seien daraus bis heute keine Prob- leme entstanden. Sein Vater sei Mitglied der Lib eration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen, weshalb er im Jahr (…) verhaftet worden sei. Die Cousine, die bei ihnen wohne, sei früher ebenfalls Mitglied der LTTE ge- wesen. Vom (…) 2009 bis im (…) 2010 sei sie in e inem Rehabilitations- camp interniert worden. Jedoch habe die Familie wegen der Cousine und seines Vaters nie Probleme gehabt. Sodann berichtete der Beschwerdeführer, im Jahr 2011 habe er während den Wahlen für die Tamil National Alliance (TNA) Plakate aufgehängt und Flugblätter verteilt. Dabei sei er von der Eelam People‘s Democratic Party (EPDP) beobachtet worden. Direkte Probleme habe er dadurch nie erhal- ten. Nach dem Abschluss des (…) habe er sich nicht mehr politisch betätigt. Am (…) 2013, kurz vor dem Märtyrertag, seien er und ungefähr acht andere junge Männer bei einem Tempel von Soldaten geschlagen worden, als sie Laternen angezündet hätten. Im Jahr 2014 habe die Armee versucht, junge Männer zu zwangsrekrutieren, namentlich auch ihn. Deshalb habe die Fa- milie ihn nach C._______ geschickt. Er sei vom (…) 2015 bis (…) 2016 legal dort gewesen und habe im (…) gearbeitet. Er sei ohne Probleme mit seinem eigenen Reisepass über den Flughafen in Colombo zurückgekehrt. Am (…) 2016 seien er und ungefähr 14 Freunde auf einem Sportplatz ge- schlagen worden. Er vermute, dass es sich bei den Tätern um Angehörige der Special Task Force (STF) gehandelt habe, da sie auf Motorrädern an-E-7089/2017 Seite 3 gefahren gekommen seien. Durch die Schläge sei ihm das linke Handge- lenk gebrochen worden. Er habe die Angehörigen der STF nicht verstan- den, da er kein Singhalesisch spreche. Den anderen Männern und ihm sei mit dem Tod gedroht worden. Schliesslich sei er weggerannt. Zwischen dem (…) 2016 und seiner Ausreise am 1. Juni 2017 seien zweimal vermu- tungsweise Angehörige des Criminal Investigation Department ( CID) zu Hause vorbeigekommen und hätten kontrolliert, ob er dort sei. Befragt hät- ten sie ihn nicht. Als sie gesehen hätten, da ss er zu Hause sei , seien sie wieder gegangen. Konkrete Probleme seien ihm dadurch nicht entstanden. Von diesem Vorfall bis zur Ausreise sei er von seiner Familie finanziell un- terstützt worden. Die Familie besitze eine (…)plantage. Am (…) 2017 und (…) 2017 hätten erneut Leute zu Hause nach ihm ge- fragt. Seine Familie habe diesen mitgeteilt, er befinde sich im Ausland. B. Mit Verfügung vom 15. November 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der S chweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Am 17. November 2017 reichte der Beschwerdeführer folgende Beweis- mittel bei der Vorinstanz ein: die Geburtsurkunden der Eltern und Brüder in Kopie auf Tamilisch, diverse Fotos, eine Diagnosis Card des D._______, eine Flüchtlingsregistrierungskarte in Kopie auf Tamilisch, einen Arztbericht des D._______, ein Schreiben der (…) auf Tamilisch, ein unleserliches Schreiben in Kopie, eine Fotokopie, verschiedene Dokumente betreffend Verschwinden von E._______ in Kopie auf Englisch, eine Anfrage an eine Menschenrechtsorganisation bezüglich der Ermittlung des Verschwindens in Kopie auf Englisch und Tamilisch, die Geburtsurkunde von E._______ in Kopie auf Tamilisch, eine Detention Attestation betreffend F._______ in Ko- pie auf Englisch, ein Release Certificate in Kopie auf Englisch und Tami- lisch, die Geburtsurkunde von F._______ in Kopie auf Tamilisch. E-7089/2017 Seite 4 D. Mit Eingabe vom 14. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer gegen den Entscheid des SEM Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er beantragt die vollumfängliche Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Es sei die unentgelt- liche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses zu verzichten. In der Person der Unterzeichnenden sei ihm eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen. E. Am 22. Dezember 2017 bestätigte die Instruktionsri chterin den Eingang der Beschwerde. Weiter stellte sie fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht z ur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). E-7089/2017 Seite 5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz- lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu- gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün- dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei- bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg- lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5. 5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asy lentscheids befand die Vor- instanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht genügend. Der Be- schwerdeführer habe keine persönlichen Nachteile wegen des Vorfalls im Jahr 2013 geltend gemacht. Die angegebenen Strassenkontrollen seien zu jener Zeit im Norden Sri Lankas üblich gewesen und er habe in den darauf- folgenden Monaten keinen Behördenkontakt geltend gemacht. Es bestehe kein Grund zur Annahme, diese Kontrollen hätten etwas mit seiner Person zu tun gehabt. Es sei davon auszugehen, dass es sich beim Vorfall im Jahr 2013 um ein einziges, abgeschlossenes Ereignis handle, mithin müsse er deswegen bei einer Rückkehr keine begründete Furcht vor künftiger Ver- folgung haben. Dies werde auch durch seine legalen Ein- und Ausreisen in den Jahren 2015 und 2016 bestätigt. Ebenfalls nicht asylrelevant sei die vorgebrachte Zwangsrekrutierung. Er habe nach seiner Rückkehr aus C._______ deshalb keine Probleme gehabt, zumal in seiner Region zu die- ser Zeit allgemein junge Männer für die Armee rekrutiert worden seien. Auch aus dem Vorfall mit den STF -Angehörigen am (…) 2016 sei keine gezielte Verfolgung erkennbar. Namentlich wisse er nicht, weshalb sie an- gegriffen worden seien. Seine Vermutung, er und seine Freunde seien we- gen Verbindungen zu den LTTE angegriffen worden, entbehre jeglicher Grundlage. Einerseits habe er diese Singhalesisch sprechenden Leute nicht verstanden, andererseits sei er nie besc huldigt worden, Verbindun- gen zu den LTTE zu haben. Sodann wäre anzunehmen gewesen, seine Familienangehörigen, welche Verbindungen zu den LTTE hatten, hätten E-7089/2017 Seite 6 deswegen selbst Nachteile erlitten, was sie gemäss den Angaben des Be- schwerdeführers nicht hatten. Weiter habe der Beschwerdeführer, abgesehen von den angeführten Be- obachtungen, im Zusammenhang mit seinen politischen Aktivitäten für die TNA im Jahr 2011 keine Probleme geltend gemacht. Auch sei er nach dem Jahr 2011 nich t mehr politisch tätig gewesen, mithin würden auch hier keine Anzeichen zur Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Ver- folgung bestehen. Schliesslich seien die Besuche der Behörden nach dem (…) 2017 beim ihm zu Hause, die sich auf Befragungen beschränkt hätten, nicht von asylbeachtlicher Intensität gewesen. 5.2 Den Akten seien auch keine gemäss Referenzurteil des Bundesverwal- tungsgerichts E-1866/2016 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren zu entnehmen. Die Befragung von Rückkehrern, die illegal au sgereist seien und über keine gültigen Identitätsdokumente verfüg ten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen h ätten oder behördlich gesucht w ürden, und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise wür- den keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen darstellen. Rückkehrer würden regelmässig auch am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfas- sung der Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivitäten der Person be- fragt. Diese Kontrollmassnahmen nähmen kein asylrelevantes Ausmass an. Der Beschwerdeführer habe zudem nicht geltend gemacht, vor der Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Allfällige, in Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden auszulösen vermocht. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, wes- halb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der Behörden ge- raten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden solle. 6. 6.1 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, die Flüchtlingseigenschaft sei von der Vorinstanz zu Unrecht verneint worden, mithin liege eine Verletzung von Art. 3 AsylG vor. Die Vorinstanz habe es unterlassen, eine Gesamtwürdigung vorzunehmen. Die mehrmaligen Be- suche des CID bei ihm zu Hause würden das anhaltende Interesse der Sicherheitskräfte an ihm belegen. Der vorinstanzliche Schluss ist indes nicht zu beanstanden. In der ange- fochtenen Verfügung wird ausführlich dargelegt, weshalb die einzelnen E-7089/2017 Seite 7 Vorbringen des Beschwerdefü hrers für sich besehen sowie insgesamt nicht asylrelevant sind. Was in der Rechtsmitteleingabe dagegen vorge- bracht wird, ist nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerdeführers in einem anderen Lichte erscheinen zu lassen. Hinsichtlich der Besuche durch das CID führte der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung ledig- lich aus, dieser habe kontrolliert, ob er zu Hause sei und verneinte direkte Probleme ausdrücklich (vgl. SEM-Akten A10/18 F85 ff.). Sodann ist nicht ersichtlich und wird in der Eingabe auch nicht substantiiert, inwiefern diese Vorsprachen des CID im Jahr 2017 mit den Aktivitäten des Beschwerde- führers für die TNA im Jahr 2011 zusammenhängen sollen. Damals ver- teilte der Beschwerdeführer lediglich Flyer und war in der Folge gemäss eigenen Angaben nach dem Abschluss des (…) nicht mehr politisch aktiv (vgl. SEM-Akten A10/18 F79 ff.). Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvoll- ziehbar, weshalb es bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka nicht nur bei einer allgemeinen Kontrolle durch das CID bleiben sollte. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer im (…) 2016 mit seinem eigenen Reisepass und ohne jegliche Schwierigkeiten in seinen Heimat- staat einreisen konnte (vgl. SEM-Akten A10/18 F117). Hätte je in irgendei- ner Weise ein konkretes Verfolg ungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden am Beschwerdeführer bestanden, wäre dies wohl kaum möglich gewesen. Was sodann den Vorfall im (…) 2016 betrifft, vermutet der Be- schwerdeführer lediglich, dass es sich bei den angeblichen Angreifern um Angehörige des STF handelt. Anhaltspunkte dafür sind den Akten nicht zu entnehmen und auch auf Beschwerdeebene wird diesbezüglich nichts Substantiiertes vorgebracht. Schliesslich ist es eine durch nicht s belegte Behauptung des Beschwerdeführers, dass er immer wieder in Verbindung mit der LTTE gebracht worden sei. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann aufgrund der geltend gemachten Vorkommnisse nicht auf das Vorliegen eines unerträglichen psychischen Drucks geschlossen werden. Gemäss Rechts prechung liegt ein solcher nur dann vor, wenn einzelne Personen oder Teile einer Bevöl- kerung systematisch schweren oder wiederholten Eingriffen in ihre Men- schenrechte durch den Staat ausgesetzt sind und diese Eingriffe eine der- artige Intensität erreichen, dass ein menschenwürdiges Leben objektiv nicht mehr möglich erscheint (vgl. BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1 m.w.H.). Weitergehend beschränkt sich der Beschwerdeführer in der Rechtsmitte- leingabe auf die Wiederholung des aktenkundigen Sachverhalts und das Festhalten daran, seine geltend gemachten Fluchtgründe seien asylrele-E-7089/2017 Seite 8 vant. Inwiefern die Vorinstanz keine Gesamtwürdigung vorgenommen ha- ben soll, ist sodann nicht ersichtlich. Den Akten lassen sich jedenfalls keine Hinweise auf eine Bundesrechtsverletzung entnehmen. Um Wiederholun- gen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefoch- tenen Verfügung verwiesen werden. 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält im als Referenzurteil publizierten Entscheid E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofakt oren (Eintrag in die „Stop-List“, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Akti- vitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Nar- ben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft ge- machten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechsel- wirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Ums tände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. Referenzurteil E. 8.5.5). 6.3 Nachdem die geltend gemachten Ausreisegründe des Beschwerdefüh- rers als nicht asylrelevant zu beurteilen sind, erfüllt er – entgegen den Aus- führungen in der Rechtsmitteleingabe – auch keine der erwähnten Risiko- faktoren. Die Beschwerde zeigt nicht auf, weshalb ihm persönlich im Falle einer Rückkehr ein ernsthafter Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnte. Alleine aus der tamilischen Ethnie und dem nicht vorhandenen gül- tigen Reisepass kann er keine Gefährdung ableiten. Ebenfalls nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag er aus den Narben, da diese lediglich schwach risikobegründend sind. Zudem weist er kein politisches Profil auf. Insbesondere ist nicht davon auszugehen, dass die sri -lankischen Behör- den ihm eine direkte Verbindung zu den LTTE unterstellen. Schliesslich hat er – wie bereits erwähnt – im (…) 2016 mit seinem eigenen Pass ohne Probleme über den Flughafen in Colombo nach Sri Lanka zurückkehren können (vgl. SEM-Akten A10/18 F117). 6.4 Insgesamt hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, das geeignet wäre, Fluchtgründe, die unter den Schutzbereich von Art. 3 AsylG fallen, nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die in der Rechtsmitteleingabe E-7089/2017 Seite 9 zitierten Berichte und die am 17. November 2017 eingereichten Beweis- mittel vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwal- tungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flücht- lingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und an dernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Da der Beschwerdeführer – entgegen den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe – die Flüchtlings- eigenschaft nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit E-7089/2017 Seite 10 des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassung s- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Die allgemeine Menschenrecht ssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei- sungsvollzug aktuell nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 12.2). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen- rechte (EGMR) hat wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus- zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch- liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom- men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep- tember 2013, 10466/11, Ziff. 37). Es ergeben sich aus den Akt en keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück- kehr nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten "Background Check" (Be- fragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völ- kerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollz ug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge- walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Mit vorgenanntem Referenz- urteil E-1866/2015 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/24) bestätigt, wonach der Wegwei- sungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz zumutbar ist. Der Beschwerdeführer lebte, abgesehen von s einem Aufenthalt in C._______, in B._______, Jaffna, wohin der Vollzug grundsätzlich zumut- bar ist. Vorliegend sprechen sodann auch keine individuellen Gründe ge- gen einen Vollzug der Wegweisung. Gemäss eigenen Angaben des Be- schwerdeführers leben seine Eltern, drei Brüder und eine Cousine im Haus E-7089/2017 Seite 11 der Familie in Jaffna und halten sich dort auch mehrere Tanten sowie On- kels auf (vgl. SEM-Akten A6/11 Ziff. 2.01 und 3.01). Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner Heimatregion ein sozi- ales Beziehungsnetz hat, auf welches er bei einer Rückkehr zurückgreifen kann. Sodann verfügt er über einen (…)-Abschluss und Berufserfahrung als (…) ([…] und […] [vgl. SEM-Akten A6/11 Ziff. 1.1.7.04 f A10/18 F 10, F15 f.]). Seine Familie besitzt sodann eine eigene (…)plantage und hat den Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben zwischen dem Vorfall vom (…) 2016 und der Ausreise finanziell unterstützt (vgl. SEM-Akten A10/18 F13). Insoweit ist davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nicht in eine existentielle Notlage geraten und es ihm mög lich sein wird, eine neue ei- gene Existenz aufzubauen. Schliesslich werden die auf Beschwerdeebene erstmals geltend gemachten psychischen Probleme nicht ansatzweise substantiiert. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zumutbar. 8.5 Der Beschwerdeführer hat den Schweizer Behörden eine sri-lankische Identitätskarte abgegeben. Es obliegt ihm, sich der zuständigen Vertretung des Heimatstaates allenfalls weitere für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und unentgeltlichen Verbeistän- dung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG. Aufgrund der vorstehenden Erwä- gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege- ben, weshalb den Gesuchen nicht stattzugeben ist. E-7089/2017 Seite 12 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf Fr. 750.– festzusetzen sind (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). 10.3 Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden (Dispositiv nächste Seite) E-7089/2017 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750. werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Barbara Balmelli Michelle Nathalie Nef Versand: