Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 12. September 2012 (810 12 155) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Abzugsfähigkeit von Gewinnungskosten und Verluste aus selbständiger Erwerbstätigkeit Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Bruno Gutzwiller, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Ge- richtsschreiberin i.V. Patricia Bäckert Parteien A.____ und B.____ , Beschwerdeführer gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Be- schwerdegegner Beigeladene Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , Eigerstrasse 65, Postfach, 3003 Bern Betreff Direkte Bundessteuer 2009 (Entscheid der Abt. Steuergericht vom 10. Februar 2012) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (St euerverwaltung) liess mit der definitiven Steuerveranlagung 2009 vom 26. Mai 2011 d ie von A.____ und B.____ geltend ge- machten Verluste aus der selbständigen Tätigkeit von A.____ in der Höhe von Fr. 28'582.-- aus den Jahren 2003 bis 2008 sowie die Anwalts- und Gericht skosten aus den Jahren 2004 bis 2008 in der Höhe von Fr. 27'308.-- nicht zum Abzug zu. B. Am 31. Mai 2011 erhoben A.____ und B.____ gegen die Steuerveranlagung betref- fend die direkte Bundessteuer 2009 vom 26. Mai 2011 Ei nsprache. Darin beantragten sie, dass die von ihnen geltend gemachten „Kosten für die Vermög ensverwaltung" in der Höhe von Fr. 27'308.-- und „die verrechenbaren Geschäftsverluste“ in der Höhe von Fr. 28’582.-- als Abzüge zu gewähren seien. Zur Begründung führten A.____ und B.____ aus, dass es sich bei den an- gefallenen Anwalts- und Gerichtskosten um Gewinnungskosten handle, da sie dazu dienten, die der Ehefrau per letztwillige Verfügung zugesprochenen Vermögenswerte zu erhalten. Schliess- lich müssten auch die Geschäftsunkosten, die bei unregelm ässigem Erwerb als Selbständiger- werbender anfielen, als Aufwendungen anerkannt und e ntsprechend als ein Geschäftsverlust abgezogen werden können. C. Mit Entscheid vom 2. August 2011 wies die Steuerverwa ltung die Einsprache von A.____ und B.____ ab. D. Am 31. August 2011 erhoben A.____ und B.____ gege n den Einsprache-Entscheid der Steuerverwaltung vom 2. August 2011 betreffend di e direkte Bundessteuer 2009 Rekurs beim Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht). Sie stellten bezüglich der Steuerperiode 2009 den Antrag, die geltend gemach- ten Ausgaben aus selbständiger Erwerbstätigkeit in den Jahren 2003 bis 2008, abzüglich den Einnahmen aus 2007 von total Fr. 28'582.--, sowie die Anwalts- und Gerichtskosten aus den Jahren 2004 bis 2008 von total Fr. 27'308.-- seien als A bzüge zuzulassen. Eventualiter seien sämtliche Veranlagungen 2003 bis 2008 respektive 2004 b is 2008 mit den Abzügen der in den betreffenden Perioden angefallenen Verluste respektive Gerichts- und Anwaltskosten zu rektifi- zieren und die Guthaben inklusiv Vergütungszins per heute gutzuschreiben. Bezüglich der ver- rechenbaren Geschäftsverluste führten die Ehegatten aus, dass Verluste aus den sieben der Steuerperiode vorangegangenen Geschäftsjahren abgezogen werden könnten, soweit diese bei der Berechnung des steuerbaren Einkommens dieser Jahre n icht hätten berücksichtigt werden können. Zudem habe die Steuerverwaltung seit 2003 keine Verluste mehr zum Abzug zugelas- sen. Jedoch sei eine Umteilung des Ehemannes in die Abte ilung Unselbständigerwerbende nicht erfolgt. Bezüglich der Vermögensverwaltungskosten e rklärten die Ehegatten, die einzel- nen Gerichts- und Anwaltskosten seien abzugsfähig, da sie zur Erlangung eines Vermögens dienten und es sich somit um Gewinnungskosten handle. E. Das Steuergericht wies mit Entscheid vom 10. Februar 2012 den Rekurs von A.____ und B.____ ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die geltend gemach- ten Verluste periodenfremd seien und daher - trotz ver wirrender Information seitens der Steuer- verwaltung betreffend die Einstufung des Beschwerdeführ ers als Selbständigerwerbender oder Unselbständigerwerbender – nicht mehr zum Abzug zugela ssen werden könnten. Der Abzug Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Anwalts- und Gerichtskosten scheitere am Grundsatz der Periodizität. Die weiteren Fragen, ob A.____ als Selbständiger einzuordnen sei oder nicht und ob es sich bei den geltend ge- machten Prozesskosten um Vermögensverwaltungs- und daher u m Gewinnungskosten handle, könnten daher offen bleiben. F. Am 23. Mai 2012 erhoben A.____ und B.____ (Beschwe rdeführer) gegen den Ent- scheid des Steuergerichts Beschwerde beim Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie bean tragten, es sei der Entscheid des Steuergerichts vom 10. Februar 2012 aufzuheben und es sei im Sinne der Rekursbegehren vom 31. August 2011 zu entscheiden. G. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Juni 2012 stellte d ie Steuerverwaltung den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen H. Mit Vernehmlassung vom 25. Juni 2012 stellte das Ste uergericht ebenfalls den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. I. Mit Präsidialverfügung vom 11. Juli 2012 wurde der Fall an das Kantonsgericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss Art. 145 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die di rekte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 in Verbindung mit § 3 der Vollz ugsverordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. Dezember 1994 und § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1 974 können Entscheide des Steuer- gerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantons gericht als letzte kantonale Instanz angefochten werden. Die übrigen formellen Voraussetzung en nach Art. 140 ff. DBG, Art. 145 Abs. 2 DBG sowie §§ 43 ff. des kantonalen Gesetzes über d ie Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzu- treten ist. 2. Nach § 45 Abs. 1 VPO können mit der verwaltungsger ichtlichen Beschwerde Rechts- verletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch d es Ermessens (lit. a) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverh alts (lit. b) gerügt werden. Die Über- prüfung der Angemessenheit einer Verfügung ist hingeg en nur in Ausnahmefällen vorgesehen (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). Mit der Beschwerde in Steue rsachen können gemäss § 45 Abs. 2 VPO alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangega ngenen Verfahrens gerügt wer- den. § 45 Abs. 2 VPO setzt damit die bundesrechtlichen V orgaben um, wonach im kantonalen Rekurs- und Beschwerdeverfahren betreffend direkte Bundesss teuer gemäss Art. 140 Abs. 3 DBG in Verbindung mit Art. 145 Abs. 2 DBG alle Mäng el des angefochtenen Entscheides und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden können. So mit kann das Kantonsgericht vor- liegend auch die Angemessenheit des angefochtenen Entscheids überprüfen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Fraglich ist vorerst, ob die von den Beschwerdeführe rn im Rahmen der Veranlagung der direkten Bundessteuer 2009 geltend gemachte Tätig keit eine selbständige Erwerbstätigkeit darstellt und die daraus entstandenen Verluste aus den J ahren 2003 bis 2008 in der Höhe von Fr. 28'582.-- zu Recht nicht zum Abzug zugelassen wurden. 3.2 Gemäss Art. 27 Abs. 2 lit. b DBG können bei selbstän diger Erwerbstätigkeit unter an- derem die eingetretenen und verbuchten Verluste auf d em Geschäftsvermögen von den steu- erbaren Einkünften abgezogen werden. Dem Grundsatz de r Besteuerung nach der wirtschaftli- chen Leistungsfähigkeit folgend wird der Verlustvortrag bei jeder selbständigen Tätigkeit ge- währt. Die wesentliche Voraussetzung für die Zulässigkeit des Verlustabzuges ist somit der Nachweis einer haupt- oder nebenberuflich ausgeübten selbständigen Erwerbstätigkeit. 3.3 Der Steuergesetzgebung lässt sich keine Definition entnehmen, wann und unter wel- chen Voraussetzungen eine derartige selbständige Erwerbstä tigkeit vorliegt. Der Terminus der "selbständigen Erwerbstätigkeit" ist ein steuerrechtlicher Begriff, der in der Praxis aufgrund der vielfältigen Sachverhalte, die damit abgedeckt werden, nicht klar definiert ist. Nach der Recht- sprechung fällt unter den Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit allgemein jede Tätigkeit, bei der ein Unternehmer auf eigenes Risiko, unter Einsatz vo n Arbeit und Kapital, in einer frei ge- wählten Organisation und mit der Absicht der Gewinne rzielung am Wirtschaftsverkehr teilnimmt (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 125 II 113 E. 5 b). An dieser Absicht fehlt es regel- mässig dann, wenn eine Tätigkeit aus blosser Liebhaberei betrieben wird. Für eine solche Qua- lifizierung reicht allerdings eine selbst mehrjährige V erlusterzielung alleine noch nicht aus. Massgeblich ist stets die Gewinnerzielungsabsicht. Wird inne rt fünf bis zehn Jahren kein nen- nenswerter Gewinn erzielt, stellt dies ein gewichtiges Indiz dafür dar, dass die diesbezügliche Tätigkeit ein Hobby darstellt und hieraus verursachte V erluste demnach nicht mit dem übrigen steuerpflichtigen Einkommen verrechnet werden können. 3.4 Im vorliegenden Fall kann offen bleiben, ob es s ich bei der Erwerbstätigkeit des Be- schwerdeführers um eine selbständige Erwerbstätigkeit im Sinne des Steuerrechts handelt, da die geltend gemachten Geschäftsverluste - entsprechend de n nachfolgenden Ausführungen - periodenfremd und demnach nicht abzugsfähig sind. 3.5 Im Zusammenhang mit der zeitlichen Zuordnung von Au fwand und Ertrag ist das Peri- odizitätsprinzip einzuhalten. Danach hat ein Unternehme n im Steuerjahr denjenigen Gewinn zu versteuern, den es in der entsprechenden Periode erziel t hat. Es dürfen also nicht nach freiem Belieben die Ergebnisse der Geschäftsperioden unterein ander ausgeglichen werden. So darf beispielsweise das Ergebnis einer Periode nicht zugunsten oder zulasten einer anderen Perio- de vermindert oder erhöht werden. Die steuerpflichti ge Person hat den Verlust im frühestmögli- chen Zeitpunkt geltend zu machen. Versäumt sie dies, hat sie das Verlustverrechnungsrecht insoweit verwirkt, als eine Berücksichtigung des Verlustes b ei der massgebenden Veranlagung möglich gewesen wäre. Es kann nicht angehen, dass sie den Zeitpunkt für die Verlustverrech- nung selbst wählen kann. Denn es ist nicht im Sinne der Verlustverrechnungsregel, durch ge- schickte Verlustverteilung eine möglichst geringe Steuerl ast zu erzielen. (vgl. F ELIX RICHNER /W ALTER FREI /S TEFAN KAUFMANN /H ANS ULRICH MEUTER , Handkommentar zum DBG, 2. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auflage, Zürich 2009, Art. 67 N 6). Dasselbe ergibt si ch aus den handelsrechtlichen Buchhal- tungsvorschriften, in deren Rahmen das Prinzip unter der Bezeichnung "umfassender Periodi- sierungsgrundsatz" und im Einklang mit dem Realisierungsgr undsatz in dem Sinne gilt, dass sämtliche Ertrags- und Kostenelemente, die in eine besti mmte Buchhaltungsperiode fallen, die- ser Periode auch tatsächlich zuzuschreiben sind (vgl. Ur teil des Bundesgerichts [BGer] 2C_429/2010 vom 9. August 2012 E. 2.1). 3.6 Eine Ausnahme vom Periodizitätsprinzip und somit eine Relativierung ergibt sich aus Art. 211 DBG. Diese Bestimmung entspricht dem für jur istische Personen anwendbare Art. 67 DBG. Hiernach können die durch selbständige Erwerbstätig keit erlittenen Verluste der sieben der Steuerperiode vorangegangenen Geschäftsjahre vorgetragen werden. Ein Verlustvortrag ist allerdings nur in dem Umfang möglich, soweit eine Verl ustverrechnung mit dem übrigen Netto- einkommen der jeweiligen Steuerperiode nicht möglich ist. Nur wenn die übrigen Einkünfte nicht ausreichen, kann der Verlust vorgetragen werden. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Natur die zukünftigen Einkommensbestandteile sind. Dies bedeute t, dass Geschäftsverluste nicht nur mit Geschäftsgewinnen, sondern in den nachfolgenden St euerperioden auch mit übrigem Ein- kommen verrechnet werden können (vgl. RICHNER /F REI /K AUFMANN /M EUTE , a.a.O., Art. 67 N 6, Art. 211 N 8; MARKUS REICH /M ARTINA ZÜGER , in: Martin Zweifel/Peter Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht Band I/2b [Kommentar zum DB G I/2b], 2. Auflage, Basel 2008, Art. 211 N 5 ff; P ETER BRÜLISAUER /A NDREAS HELBING , in: Martin Zweifel/Peter Athanas, Kom- mentar zum Schweizerischen Steuerrecht Band I/2a [Kommen tar zum DBG I/2a], 2. Auflage, Basel 2008, Art. 67 N 3 ff). Vortragbare Verluste sind stets mit dem nächstmöglichen Gewinn zu verrechnen. Der Steuerpflichtige hat die Pflicht, einen entsprechenden Antrag zu stellen, auch wenn Verlustbeschlüsse grundsätzlich von Amtes wegen zu berücksich tigen sind. Wurde in einer rechtskräftigen Veranlagung festgehalten, dass kein verrechenbarer Verlust besteht, so kann nicht in den Folgejahren eine Überprüfung von an geblich früher entstandenen Verlusten geltend gemacht werden (vgl. Urteil des BGer 2C_240/2011 vom 8. April 2011 E. 2). 3.7 Vorliegend machten die Beschwerdeführer in der S teuererklärung 2009 im Rahmen der direkten Bundessteuer einen Abzug für einen in de n Jahren 2003 bis 2008 entstandenen Geschäftsverlust geltend. Dieser Geschäftsverlust habe erst im Jahr 2009 geltend gemacht werden können, da in den vorherigen Jahren kein Gewinn erzielt worden sei, mit welchem die Verluste hätten verrechnet werden können. Eine Ausna hme stelle das Jahr 2007 dar, in wel- chem ein erzielter Ertrag der Steuerverwaltung gemeld et und im Steuerjahr 2008 verrechnet worden sei. Ferner habe man die Steuerverwaltung ber eits im Jahr 2007 und 2008 über die Verlustvorträge ab dem Jahr 2003 informiert. Bis ins Jah r 2002 hätten die Beschwerdeführer alle Gewinne und Verluste der Steuerverwaltung gemeld et und diese seien immer akzeptiert worden. Erst im Jahr 2003 habe sich die Steuerverwaltung geweigert, den angegebenen Ver- lust zuzulassen und habe gleichzeitig die Ummeldung vom Selbständigerwerbenden zum Un- selbständigerwerbenden in Aussicht gestellt, ohne diese a ber je vorzunehmen. Da aus selb- ständiger Erwerbstätigkeit bis ins Jahr 2008 keine Gewi nne erzielt worden seien, hätten die Verluste in den Vorjahren - gemeldet oder nicht - in keinem Fall berücksichtigt werden können. Unter diesen Umständen sei ihnen nicht vorzuwerfen, dass si e die Verluste erst im Jahr 2009 geltend gemacht hätten, da ein Gewinn erstmals im Jahr 2009 erzielt worden sei, hätten die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erträge aus den Jahren 2007 und 2009 doch zum ersten Ma l die Verluste seit 2003 überstie- gen. 3.8 Für die Jahre 2003 bis 2008 wurden bereits rechtskrä ftige Veranlagungen erlassen. Aus diesen Veranlagungen geht nicht hervor, dass die Besc hwerdeführer in den entsprechen- den Steuerperioden je Verluste aus selbständiger Erwer bstätigkeit meldeten. Erst im Jahr 2009 reichten die Beschwerdeführer eine Aufstellung über die Einnahmen und Ausgaben aus selb- ständiger Erwerbstätigkeit in den Jahren 2003 bis 2008 ein. Dem Argument der Beschwerde- führer, die Verluste seien nicht mehr gemeldet worden , weil die Steuerverwaltung diese ab 2003 nicht mehr zum Abzug akzeptiert hätte und die Verl uste so oder so nicht hätten mit Ge- winnen verrechnet werden können, kann nicht gefolgt wer den. In der rechtskräftigen Veranla- gung 2002 vom März 2006 wurde - im Gegensatz zur ursprün glichen Veranlagung 2002 vom Mai 2003 - nicht vermerkt, dass keine Verluste aus der um strittenen selbständigen Erwerbstä- tigkeit mehr berücksichtigt würden. Wie bereits das Steue rgericht in seinem Entscheid festhielt (Entscheid des Steuergerichts vom 10. Februar 2012 [53 0 11 21] E. 3b), ist zwar den Be- schwerdeführern insofern zuzustimmen, dass von der Steue rverwaltung betreffend die Einrei- hung des Beschwerdeführers unter die Selbständig - oder Unselbständigerwerbenden nicht klar kommuniziert worden ist. Sollten aber diesbezüglich oder bezüglich der Abzugsmöglichkeit Un- klarheiten bestanden haben, hätten die Beschwerdeführe r zum damaligen Zeitpunkt weitere Informationen oder gar eine anfechtbare Verfügung e infordern müssen. Auf jeden Fall hätten sie allfällige Einnahmen und Ausgaben, die sie verrech net haben wollten, in den betreffenden Steuerjahren melden müssen bzw. mit den Steuererklärungen einreichen müssen. 3.9 Gemäss Art. 211 DBG können zwar Verluste aus den siebe n der Steuerperioden vo- rangegangenen Geschäftsjahren abgezogen werden, voraus gesetzt ist aber, dass die Verluste aus diesen sieben vorangegangenen Perioden bei der Ber echnung des steuerbaren Einkom- mens dieser Jahre nicht berücksichtigt werden konnten. Dies ist der Fall, wenn das Einkommen des Steuerpflichtigen insgesamt geringer ist als der g eltend gemachte Verlust und entspre- chend bei der Verrechnung ein Verlustvortrag resultiere n würde. Da die Beschwerdeführer vor- liegend in den entsprechenden Steuerperioden weder ei n allfälliges Einkommen noch allfällige Verluste aus der selbständigen Tätigkeit ausgewiesen h aben, konnte die Steuerbehörde auch nicht feststellen, ob und inwieweit allfällige Verlust e mit dem Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit hätten verrechnet werden können. Da es die Beschwerdeführer unterlassen haben, die Verluste aus der selbständigen Tätigkeit in den be treffenden Steuerperioden zu melden, kann die Verlustverrechnung in der Steuerperiode 2009 nicht nachgeholt werden. Gemäss Art. 211 DBG ist der Verrechnungsanspruch verwirkt. 3.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanzen im Rahmen der Steuerver- anlagung für das Jahr 2009 zu Recht keine von den Beschw erdeführern geltend gemachten Verluste betreffend die selbständige Erwerbstätigkeit der Jahre 2003 bis 2008 zum Abzug zuge- lassen haben. Die Beschwerde ist insoweit abzuweisen. 4.1 Weiter zu prüfen ist, ob die Steuerverwaltung die von den Beschwerdeführern geltend gemachten Kosten für das Gerichtsverfahren und die anw altliche Vertretung in der Erbstreitig- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit aus den Jahren 2004 bis 2008 in der Höhe von Fr. 27'308.-- für die Steuerperiode 2009 zu Recht nicht zum Abzug zugelassen hat. 4.2 Art. 32 DBG regelt die Abzugsfähigkeit der Gewin nungskosten von Privatvermögen. Es handelt sich hierbei um die Aufwendungen, die durch di e Erzielung von Erträgen aus bewegli- chem (Art. 20 DBG) und unbeweglichem Privatvermögen (Art. 21 DBG) verursacht werden. Das Gesetz unterscheidet zwischen Unterhalts- und Verwaltungsko sten (R ICHNER / FREI /K AUFMANN /MEUTER , a.a.O., Art. 32 N 1 ff). Vermögensverwaltungskosten si nd Vergütun- gen, welche die steuerpflichtige Person Dritten (Banke n, Vermögensverwalter, Vormund, Erb- schaftsverwalter, Willensvollstrecker) für die Besorgung de r allgemeinen Verwaltung von Ver- mögensgegenständen, namentlich solcher, die der Kapitalanlage dienen, entrichtet. Als abzugs- fähig gelten nicht nur die notwendigen Verwaltungskost en, sondern auch diejenigen, deren Vermeidung dem Pflichtigen nicht zugemutet werden kön nen. Wird die Vermögensverwaltung durch den Steuerpflichtigen persönlich besorgt, fehlt es für die Abzugsfähigkeit der kalkulatori- schen Verwaltungskosten schon am Erfordernis der tatsächl ichen Ausgabe (vgl. P HILIP FUNK , Der Begriff der Gewinnungskosten nach schweizerischem Ein kommenssteuerrecht, St. Gallen 1989, S. 172). 4.3 Verwaltungskosten sind nicht nur solche Aufwendungen, die unmittelbar mit den Ver- mögenserträgen zusammenhängen. Es können auch Kosten fü r Anwalt, Gerichts- und Betrei- bungsverfahren darunter fallen, die mit der Sicherun g oder Einforderung von Vermögenserträ- gen zu tun haben oder die der Sicherung oder Einforde rung des ertragbringendenbeweglichen Vermögens an sich dienen. Zu den Verwaltungskosten gehören deshalb auch jene Aufwendun- gen, durch welche die Schmälerung des Vermögensertrags a bgewendet wird (RICHNER /F REI /K AUFMANN /M EUTER , a.a.O., Art. 32 N 20). Nicht zu den Gewinnungskosten zäh- len die Aufwendungen für die Vermögensvermehrung und für die Erzielung von Kapitalgewin- nen, wie auf die Performance ausgerichtete Anlagebera tung, Käufe und Verkäufe von Vermö- gensobjekten (soweit es sich nicht um blosse Wiederanlage fällig gewordener Anlagen handelt) und Vermögensverwaltung nach Ermessen des Verwalters auf grund entsprechender Vollmacht (E RNST HÖHN /R OBERT WALDBURGER , Steuerrecht Band 2, 9. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2002, § 39 N 32). So sind etwa Kosten für die Anlage-, Ste uer- oder Erbschaftsberatung keine ab- zugsfähigen Vermögensverwaltungskosten. Diese dienen dem Erwerb bzw. der Veräusserung von Vermögensgegenständen und deshalb nicht primär der Werterhaltung, sondern der Wert- vermehrung. Gewinnungskosten und damit abzugsfähige Koste n sind demnach nur solche, die der Erhaltung des Vermögens und daher der unmittelbar en Ertragserzielung dienen (RICHNER /F REI /K AUFMANN /M EUTER , a.a.O., Art. 32 N 14). 4.4 Gewinnungskosten sind zudem nur abzugsfähig, wenn ih nen in derselben Steuerperi- ode ein damit zusammenhängendes Einkommen der steuerp flichtigen Person gegenübersteht (vgl. E. 3.3 hiervor). Eine Berücksichtigung von Gewinn ungskosten findet nicht statt, wenn die entsprechenden Einkünfte erst in einer späteren Peri ode zufliessen (R ICHNER /F REI / KAUFMANN /M EUTER , a.a.O., Art. 25 N 8, Art. 32 N 13). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Die Beschwerdeführer machten in der Steuererklärung 2009 im Rahmen der direkten Bundessteuer unter dem Titel "Kosten Vermögensverwaltung " einen Abzug für Anwalts- und Gerichtskosten für die Einforderung von Vermögenswerten aus den Jahren 2004 bis 2008 gel- tend. Sowohl die Steuerverwaltung als auch das Steuerg ericht wiesen die Einsprache respekti- ve den Rekurs im Wesentlichen mit der Begründung ab, die geltend gemachten Kosten in der Höhe von Fr. 27'308.-- seien periodenfremd. Gewinnung skosten müssten mit einem steuerba- ren Ertrag im Zusammenhang stehen, damit sie steuerlich gewährt werden könnten. In der Re- gel seien diejenigen Kosten zum Abzug zuzulassen, die im gleichen Jahr entstehen würden wie das zu ermittelnde steuerbare Einkommen. Die eingerei chten Rechnungen aus den Jahren 2004 bis 2008 seien demnach als periodenfremd zu qualif izieren und somit nicht zum Abzug zugelassen. Die Frage, ob die geltend gemachten Kosten überhaupt steuerlich abzugsfähige Auslagen darstellten, sei nicht zu beantworten. 4.6 Demgegenüber machten die Beschwerdeführer geltend, die Anwalts- und Gerichtskos- ten hätten unzweifelhaft der Einforderung von ertragb ringendem beweglichem Vermögen ge- dient und seien somit abzugsfähige Gewinnungskosten. E s handle sich hier um eine unselb- ständige Tätigkeit weshalb es keine Buchhaltungspflicht respektive buchhalterische Möglichkeit des Ausgleichs von Aufwand und späteren damit zusammenhän genden Erträgen gäbe. Das Periodizitätsprinzip könne hier nicht angewandt werden. Die notwendige Konnexität zwischen Aufwand und Ertrag sei erfüllt. Es sei sodann gerade zu typisch, dass die Anwalts- und Ge- richtskosten einige Steuerperioden vor der Steuerperiode, in welcher "entsprechende Einkünfte" erzielt worden seien, angefallen seien. Es spreche nichts - und insbesondere das Gesetz nicht - dagegen, in diesem Fall die angefallenen Kosten im Ze itpunkt des definitiven Endes des Ge- richtsverfahrens geltend zu machen. 4.7 Es ist - entsprechend den Ausführungen der Vorinstan z - vorliegend unbestritten, dass die Anwalts- und Gerichtkosten nicht in denjenigen Ste uerperioden der Steuerverwaltung ge- meldet worden sind, in denen die Kosten tatsächlich an gefallen sind, sondern erst nach Ab- schluss des Gerichtsverfahrens. Mit der Vorinstanz ist festzuhal ten, dass die Anwalts- und Ge- richtskosten aufgrund der fehlenden zeitlichen Konnexität zum Ertrag nicht abzugsfähig sind. Zwischen den Aufwendungen respektive den Gewinnungskoste n und dem Einkommen muss ein sachlicher und - entgegen der Ansicht der Beschwerde führer - insbesondere ein zeitlicher Zusammenhang bestehen. Das Erfordernis des zeitlichen Zusa mmenhangs ergibt sich in An- lehnung an das Periodizitätsprinzip. Danach sind Gewinnun gskosten nur dann abzugsfähig, wenn ihnen in derselben Steuerperiode ein damit zusam menhängendes Einkommen der steu- erpflichtigen Person gegenübersteht (vgl. R ICHNER /F REI /K AUFMANN / MEUTER , a.a.O., Art. 25 N 8; Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 20. Deze mber 1985, in: ASA 56 S. 132 ff.). Die in den Jahren 2004 bis 2008 angefallenen Anwalts- und Gerichtskosten können demzufolge nicht in den jeweiligen Steuerperioden berücksichtigt werden, da das entsprechende ertragbrin- gende Vermögen erst in einer späteren Steuerperiode zu geflossen ist. Das Zuwarten mit der Geltendmachung der Gewinnungskosten bis zum Abschluss des Verfahrens ist ebenso nicht mit dem Periodizitätsprinzip vereinbar, da die Anwalts- und Gerichtskosten nicht in der gleichen Steuerperiode wie das ertragbringende Vermögen angef allen sind, sodass die Rechnungsbe- träge aus diesem Grund zu Recht nicht zum Abzug zugelassen worden sind. Dementsprechend Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist mit den Vorinstanzen festzuhalten, dass offen blei ben kann, ob die vorliegenden Kosten grundsätzlich abzugsfähig sind. 4.8. Es ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanzen die A nwalts- und Gerichtskosten der Beschwerdeführer aus den Jahren 2004 bis 2008 im Rahmen der Steuerveranlagung für das Jahr 2009 zu Recht nicht zum Abzug zugelassen haben. Die Beschwerde ist demgemäss ab- zuweisen. 5. Soweit die Beschwerdeführer sinngemäss im Eventualant rag die Abänderung der Ver- anlagungen 2003 bis 2008 bzw. 2004 bis 2008 beantragte n, scheitert dieses Begehren bereits an der Rechtskraft der genannten Verfügungen. 6.1 Gemäss Art. 145 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 14 4 Abs. 1 DBG werden Verfahrenskos- ten erhoben, die in der Regel der unterliegenden Pa rtei in angemessenem Ausmass auferlegt werden. Die Beschwerdeführer haben demzufolge die Ve rfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- zu tragen. 6.2 Gemäss Art. 144 Abs. 4 DBG in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG) vom 20. Dezember 1968 kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei eine Entschädigung für unerlässliche und verhältnismässig hohe Kosten zugesprochen werden. Angesichts des Ausgangs des Verfahren s sind die Parteikosten wettzu- schlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin i.V.