Kantonsgericht Schwyz Beschluss vom 27. Dezember 2022 BEK 2022 145 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsident lic. iur. Stefan Weber, Kantonsrichter Clara Betschart und Dr. Stephan Zurfluh, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch. In Sachen A.________, Beschuldigter und Beschwerdeführer, erbeten verteidigt durch Rechtsanwältin B.________, gegen Staatsanwaltschaft, 2. Abteilung, Postfach 1201, 6431 Schwyz, Strafverfolgungsbehörde und Beschwerdegegnerin, vertreten durch Staatsanwältin C.________, betreffend Entnahme einer Haarprobe (Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 29. Septem- ber 2022, SU 2022 7794);- hat die Beschwerdekammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Die Staatsanwaltschaft ordnete am 29. September 2022 gegenüber dem wegen Betäubungsmittelhandels und -lagerung beschuldigten A.________ eine Haarprobe an, um den Sachverhalt festzustellen, insbesondere abzu- klären, ob der Beschuldigte selbst Betäubungsmittel konsumiere. Gegen diese Verfügung erhob der Beschuldigte umgehend am 30. September 2022 Be- schwerde vorab wegen fehlenden Tatverdachts auf Betäubungsmittelkonsum. Die Staatsanwaltschaft überwies die Akten elektronisch mit dem Antrag auf kostenpflichtige Beschwerdeabweisung. Sie führt vernehmlassend aus, das Eigenkonsumverhalten des Beschuldigten sei im Hinblick auf die Menge der beschlagnahmten Betäubungsmittel mit grosser Wahrscheinlichkeit relevant zur Widerlegung der Schutzbehauptung, die aufgefundenen Drogen seien einzig für den Eigenkonsum vorgesehen gewesen. Durch eine Haaranalyse könne ferner dargestellt werden, ob und wann eine Kontamination von aussen auf die Haare stattgefunden habe (KG-act. 5). 2. Die Staatsanwaltschaft begründet einerseits weder in der angefochtenen Verfügung noch in den Gegenbemerkungen zu der Beschwerde einen hinrei- chenden Tatverdacht auf Betäubungsmittelkonsum. Damit fehlt es der Zwangsmassnahme der angeordneten Haarprobe insoweit an einer erforderli- chen gesetzlichen Voraussetzung (Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO). Andererseits lässt die Beschwerde unbestritten, dass der Tatverdacht auf Betäubungsmit- telhandel hinreichend ist, so dass die Anordnung einer Haarprobe bei ent- sprechender Deliktskonnexität und Eignung des Beweismittels nicht von Vornherein unzulässig ist. So könnte eine negative Haarprobe den möglichen Einwand des Beschuldigten, die beschlagnahmten Betäubungsmittel für den Eigenkonsum gekauft und gelagert zu haben, als Schutzbehauptung hinstel- len. Indes legt die Staatsanwaltschaft konkret nicht dar, dass der Beschuldigte solches behauptet und angesichts der kiloweisen Sicherstellung von Betäu- bungsmitteln eine solche Behauptung überhaupt noch Sinn machen könnte. Kantonsgericht Schwyz 3 Soweit die Haarprobe bei einem positiven Ergebnis beweisen könnte, in wel- chem Zeitraum der Beschuldigte sich in einer kontaminierten Umgebung be- wegte, legt die Staatsanwaltschaft schliesslich ebenfalls nicht dar, inwiefern ein solcher Nachweis angesichts der sichergestellten Betäubungsmittel nach dem wissenschaftlichen Stand überhaupt und in vorliegendem Fall abgesehen vom Eigenkonsum in Bezug auf den Nachweis der verdächtigen Betäu- bungsmitteldelikte geeignet wäre (vgl. Art. 139 StPO). 3. Aus diesen Gründen ist die Beschwerde gutzuheissen und die ange- fochtene Verfügung unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates aufzuheben; -Kantonsgericht Schwyz 4 beschlossen: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung aufgehoben. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 1’000.00 gehen zu Las- ten des Staates. 3. Der Beschuldigte wird für das Beschwerdeverfahren mit pauschal Fr. 800.00 aus der Kantonsgerichtskasse entschädigt. 4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa- chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 5. Zufertigung an die Staatsanwaltschaft (2/R an die 2. Abteilung sowie 1/R an die Amtsleitung/zentraler Dienst), und an die Verteidigerin (2/R) so- wie nach definitiver Erledigung an die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Beschwerdekammer Der Kantonsgerichtsvizepräsident Der Gerichtsschreiber Versand 28. Dezember 2022 kau