Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. August 2023 (810 22 250) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Quartierplanvorschriften / Eingliederung der Überbauung in die Umgebung / Zulässigkeit der Abweichungen von der Nutzungsordnung im umliegenden Gebiet Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Hans Furer, Daniel Ivanov, Gerichts- schreiber Marius Wehren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Roman Laubscher, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Vorinstanz Einwohnergemeinde Arlesheim , Domplatz 8, 4144 Arlesheim, Be- schwerdegegnerin Betreff Quartierplanvorschriften "Finkelerweg" (RRB Nr. 1613 vom 1. November 2022) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 24. Juni 2021 beschloss die Einwohnergemeindeversa mmlung Arlesheim die Quartierplanvorschriften "Finkelerweg", bestehend aus Quartierplan und Quartierplanreglement (QPR). Der Quartierplan umfasst die Parzellen Nr. 458, 461 und 526, Grundbuch Arlesheim, mit einer Gesamtfläche von 5'495 m 2. B. Die öffentliche Planauflage fand vom 12. August 20 21 bis 10. September 2021 statt. Während der Auflagefrist erhob unter anderem A.____ , vertreten durch Roman Laubscher, Ad- vokat, Einsprache gegen die Quartierplanvorschriften. C. Anlässlich der Verständigungsverhandlung vom 18. Janua r 2022 konnte mit dem Ein- sprecher keine Einigung erzielt werden. D. Mit Entscheid des Regierungsrats des Kantons Basel- Landschaft vom 1. November 2022 wurde die Einsprache von A.____ abgewiesen, sowei t darauf eingetreten wurde (Ziff. 1). Die Quartierplanvorschriften "Finkelerweg" wurden im Sinne der Erwägungen genehmigt und allgemeinverbindlich erklärt (Ziff. 2). E. Gegen den Entscheid des Regierungsrats vom 1. Novemb er 2022 erhob A.____, ver- treten durch Roman Laubscher, Advokat, mit Eingabe vom 14. November 2022 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwal tungsrecht. Er stellt das Begehren, es sei der angefochtene Entscheid vollumfänglich aufzuheben und den Quartierplanvorschriften "Finkelerweg" sei die Genehmigung zu verweigern (Ziff. 1). Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 2). Alles unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 3). F. Mit Eingabe vom 16. Januar 2023 reichte der Beschwerd eführer die Beschwerdebe- gründung ein. G. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Februar 2023 beant ragt die Einwohnergemeinde Arlesheim, es sei die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. H. Der Regierungsrat beantragt in seiner Vernehmlassun g vom 20. März 2023 die Abwei- sung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werde. I. Mit Verfügung vom 23. März 2023 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über- wiesen. J. An der heutigen Parteiverhandlung mit vorgängigem Augenschein vor Ort hielten die Parteien an den gestellten Begehren fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialge setzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts, A bteilung Verfassungs- und Verwaltungs- recht, zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. 1.2 Der Beschwerdeführer ist Grundeigentümer der an d as Quartierplanareal angrenzen- den Parzelle Nr. X, Grundbuch Arlesheim. Als solcher ist er durch den angefochtenen Ent- scheid im Sinne von § 47 Abs. 1 lit. a VPO berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Vorausse tzungen sind erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. 2.1 Die Kognition des Kantonsgerichts ist gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO grundsätz- lich auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach verhalts beschränkt. Die Unange- messenheit kann nach § 45 Abs. 1 lit. c VPO nur in den i n dieser Bestimmung genannten Aus- nahmefällen überprüft werden. Entscheide betreffend die Nutzungsplanung fallen nicht darun- ter. 2.2 Nach Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über d ie Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 hat das kantonale Recht die volle Überpr üfung von Verfügungen und Nutzungs- plänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde zu gewährleisten. Volle Überprüfung bedeu- tet in diesem Zusammenhang nicht nur die freie Prüfun g des Sachverhalts und der sich stellen- den Rechtsfragen, sondern auch eine Ermessenskontrolle. Die Überprüfung hat sich dabei dort sachlich zurückzuhalten, wo es um lokale Angelegenheiten g eht, hingegen so weit auszugrei- fen, dass die übergeordneten, vom Kanton zu sichernden Interessen einen angemessenen Platz erhalten. Im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 33 RP G ist der den Planungsträgern durch Art. 2 Abs. 3 RPG zuerkannte Gestaltungsbereich z u beachten. Ein rechtmässiger Pla- nungsentscheid ist daher zu schützen, auch wenn weitere, ebenso zweckmässige Planungslö- sungen denkbar sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_4 83/2021 vom 10. März 2022 E. 4.3.2 mit Hinweisen; P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 7. Aufl., Bern 2022, S. 596). Den obgenannten Anforderungen g enügt es praxisgemäss, wenn der Re- gierungsrat – wie im vorliegenden Fall – als einzige In stanz mit voller Kognition über Einspra- chen und Beschwerden entscheidet (vgl. BGE 127 II 238 E. 3b/bb; BGE 119 Ia 321 E. 5c; BGE 114 Ia 233 E. 2b; H ÄNNI , a.a.O., S. 595; B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Raumplanungs- gesetz, Bern 2006, Art. 33 N 74 f.). 3. Strittig ist, ob die Vorinstanz zu Recht die Einspr ache des Beschwerdeführers gegen die Quartierplanvorschriften "Finkelerweg" abwies und letztere genehmigte. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Das von der Quartierplanung betroffene Gebiet wu rde im Rahmen der Revision der Zonenvorschriften Siedlung im Jahr 2016 der Zone mit Q uartierplanpflicht "Finkelerweg" zuge- wiesen. Es ist von der Wohnzone W2 umgeben und grenzt im Süden an den Finkelerweg und im Osten an den Hollenweg an. Gemäss § 11.13 des Zonenreglements Siedlung der Gemeinde Arlesheim (ZRS) vom 20. April 2016 dient die Zone mit Quartierplanpflicht "Finkelerweg" aus- schliesslich oder überwiegend der Wohnnutzung (Abs. 1). N eubauten haben auf den bestehen- den Obstbaumhain Rücksicht zu nehmen (Abs. 2). Mit der Q uartierplanung "Finkelerweg" wer- den für das betreffende Gebiet eigenständige Nutzungs- und Bauvorschriften erlassen, welche die Nutzung des Areals zonenrechtlich abschliessend regeln . Die Zone mit Quartierplanpflicht "Finkelerweg" wird mit Inkraftsetzung der Quartierplan vorschriften abgelöst (Planungs- und Be- gleitbericht zur Quartierplanung "Finkelerweg" [Planungsbericht] vom 28. Januar 2022, S. 26). 4.2 Der Quartierplan legt zwei Baubereiche fest, in we lchen eine maximale Bruttoge- schossfläche von 2'300 m 2 (Baubereich 1) und 1'000 m 2 (Baubereich 2) zulässig ist (§ 2 Abs. 5 QPR). Hauptbauten dürfen nur innerhalb der im Quartierplan festgelegten Baubereiche erstellt werden, welche die Lage, Dimensionierung und Geschossigkeit der Bauten definieren. Beim Baubereich 1 muss das bauliche Volumen mindestens dr ei Höhenstufen aufweisen. Die Versatzhöhe muss dabei jeweils mindestens 0.5 m betragen. Die Staffelung der Bauten ist in der Situation bei beiden Baubereichen mit einem weiteren Versatz gemäss Festlegung im Quar- tierplan pro einzelner Gebäudestaffelung auszubilden (§ 3 Abs. 1 QPR). 5.1 Der Beschwerdeführer macht zusammengefasst geltend, mit der im Baubereich 1 vor- gesehenen Baute entstehe ein 65 m langer Riegel, wel cher sich nicht in die Umgebung einpas- se. Die vorgesehene Staffelung des Gebäudekörpers vermög e dies in keiner Weise zu ändern. Nach Auffassung der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin führe die Staffelung dazu, dass die Längenwirkung aufgehoben bzw. gemindert werde. Ei n konkreter Nachweis oder ein objek- tives Gutachten diesbezüglich liege jedoch nicht vor. E s werde lediglich auf die Stellungnahme der kantonalen Fachkommission zur Beurteilung von Arealübe rbauungen (ABK) verwiesen, welche dem Beschwerdeführer bis heute nicht vorliege. Die mögliche Gebäudelänge von 65 m stelle gegenüber der maximal zulässigen Gebäudelänge von 30 m in der umliegenden Zone W2 mehr als eine Verdoppelung dar. Der Quartierplan we iche damit massiv von der Grundordnung ab und entleere diese von jeglichem Sinngehalt. 5.2 Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin entgegnen , mit der vorgesehenen Be- bauung habe möglichst der Vorgabe in § 11.13 Abs. 2 ZRS entsprochen werden sollen, auf den bestehenden Obstbaumhain Rücksicht zu nehmen. Daraus hab e sich ergeben, dass mit der Bebauungsstruktur eines Riegelbaukörpers und einer weite ren Baute die Erhaltung des Obst- baumhains am besten umsetzbar sei. Es treffe zu, dass die Umgebung mehrheitlich freistehen- de Einfamilienhäuser umfasse und der Baubereich 1 auf grund seiner Länge verglichen mit die- sen als ungewöhnlich erscheine. Nordwestlich des Quartie rplan-Perimeters bzw. der Parzelle des Beschwerdeführers befänden sich aber auch Reihenei nfamilienhäuser, deren Längenwir- kung mit derjenigen des Baubereichs 1 vergleichbar sei. Mit den Vorgaben des Quartierplans sowie des Quartierplanreglements betreffend Lage, Dime nsionierung und Geschossigkeit der Hauptbauten sei zudem eine genügende Eingliederung de s Baubereichs 1 bzw. des dadurch Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ermöglichten Baukörpers in die Umgebung gewährleistet. Dies gelte insbesondere hinsichtlich der Staffelung der Baute in der Höhe und Tiefe. Zud em werde zwischen dem Baubereich 1 und dem Grundstück des Beschwerdeführers eine Schutzbepflanzu ng und der Erhalt bestehender Bäume vorgeschrieben, was einem natürlichen Sichtschutz gl eichkomme. Die Auswirkungen auf die Liegenschaft des Beschwerdeführers lägen somit i n einem städtebaulich begründbaren Mass. 5.3.1 Nach § 18 Abs. 1 RBG erlassen die Gemeinden für das ganze Gemeindegebiet Zo- nenvorschriften, bestehend aus Zonenplänen und Zonenreglementen. Die Zonenpläne untertei- len das Gemeindegebiet in verschiedene Nutzungszonen (§ 18 Abs. 2 RBG). Die Zonenregle- mente bestimmen Art und Mass der Nutzung, insbesondere die Bauweise, die Gebäudemasse (Gebäudelänge, Gebäudetiefe, Gebäudehöhe oder Geschosszahl), die maximal zulässige bau- liche Nutzung sowie die Dachformen und ihre Ausgestalt ung. Die maximal zulässige bauliche Nutzung wird mit der Überbauungs-, Grünflächen- und/od er der Ausnützungsziffer bestimmt (§ 18 Abs. 3 RBG). Gestützt auf § 20 Abs. 1 lit. h RBG können Zonen mit Quartierplanpflicht festgelegt werden. Nach § 25 Abs. 1 RBG umfassen Zonen mit Quartierplanpflicht Gebiete, in denen nur aufgrund eines Quartierplans gebaut werden darf. Für Zonen mit Quartierplanpflicht können die Zonenvorschriften Bestimmungen über die qua rtierplanmässige Nutzung und Ge- staltung enthalten (§ 25 Abs. 2 RBG). 5.3.2 Quartierpläne bezwecken eine haushälterische Nutzun g sowie eine architektonisch und erschliessungsmässig gute, der Umgebung angepasste und auf die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtete Überbauung eines zusammenhänge nden Teilgebietes der Bauzo- nenfläche (§ 37 Abs. 1 RBG). Sie legen für neu zu üb erbauende oder überbaute Quartiere die Vorschriften für die Nutzung und Überbauung bzw. für die Erneuerung und Erhaltung fest (§ 38 Abs. 1 RBG). Der Quartierplan kann insbesondere auch Vorschriften über Lage, Grösse, Ge- staltung und Nutzung der Bauten und Freiflächen sowie d eren Einordnung in die bauliche und landschaftliche Umgebung festlegen (§ 38 Abs. 1 lit. a RBG). Quartierpläne können von den Zonenvorschriften und der Erschliessungsplanung abweiche nde Bestimmungen enthalten (§ 40 Abs. 1 RBG). Gemäss § 40 Abs. 2 RBG gelten Zonen vorschriften, Strassennetz- sowie Bau- und Strassenlinienpläne als aufgehoben, soweit sie im Widerspruch zu einem rechtskräfti- gen Quartierplan stehen. 5.3.3 Sondernutzungspläne gestalten die im Rahmennut zungsplan (Zonenplan) festgelegte Grundordnung näher aus und schaffen davon abweichende R egelungen. Grundsätzlich ist es Sache des kantonalen Gesetzgebers, die Arten von Sonder nutzungsplänen zu definieren, das Erlassverfahren zu regeln und zu bestimmen, inwieweit u nd unter welchen Voraussetzungen Abweichungen von der Grundordnung zulässig sind. Dabei verfügen die Kantone über einen weiten Gestaltungsraum. Die Kantone sind indes nicht f rei, beliebig grosse Abweichungen von der Grundordnung zuzulassen. Die Nutzungsplanung muss g rundsätzlich aus einer Gesamt- sicht der raumbedeutsamen Belange heraus erfolgen, unte r umfassender Abwägung und Ab- stimmung aller räumlich wesentlichen Interessen und Gesic htspunkte. Der unkoordinierte Er- lass von Sondernutzungsordnungen für Teile des Gemeind egebiets widerspricht der Planungs- pflicht von Art. 2 Abs. 1 RPG. Sondernutzungspläne, we lche die Grundordnung in wesentlichen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Teilen ausser Kraft setzen, sind grundsätzlich unzulässig. Abweichungen von der Grundord- nung dürfen insbesondere nicht dazu führen, die plan erisch und demokratisch abgestützte Grundordnung ihres Sinngehalts zu entleeren (vgl. BGE 149 II 79 E. 3.3; BGE 135 II 209 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 1C_573/2015 vom 5. Juli 2016 E. 2.2; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vo m 28. Januar 2015 [810 13 396/398] E. 4.5; KGE VV vom 27. Mai 2015 [810 14 264 ] E. 5.2; MICHAEL PLETSCHER , Der Ge- staltungsplan i.e.S., Basel 2021, Rz. 461 und passim; ELOI JEANNERAT /P IERRE MOOR , in: Aemi- segger et al. [Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanu ng, Zürich 2016, Art. 14 N 30). Die in Art. 2 Abs. 1 RPG statuierte Planungspflicht verlan gt, dass die Grundordnung überprüft wird, wenn sich für Teilgebiete erhebliche Abweichungen von der bisherigen Grundordnung aufdrän- gen (vgl. BGE 149 II 79 E. 3.3; Urteil des Bundesgeri chts 1C_573/2015 vom 5. Juli 2016 E. 2.2). 5.3.4 Im Zusammenhang mit Abweichungen der Sondernutz ungsplanung von der Grundord- nung wird in der Lehre vom "Kohärenzprinzip" gesprochen. Danach muss die Sondernutzungs- planung mit der Grundordnung insofern kohärent blei ben, als dass sie diese nicht mit zu zahl- reichen oder zu erheblichen Abweichungen materiell änd ern darf (vgl. P LETSCHER , a.a.O., Rz. 458 ff., Rz. 462). Dies schliesst nicht aus, dass einzelne Abweichungen sehr weit gehen können, wenn die Interessenlage entsprechendes gebietet. Vorausgesetzt ist jedoch stets, dass die Grundordnung zumindest in den Grundzügen bzw. strukt urell im Sondernutzungsplan er- kennbar bleibt (vgl. PLETSCHER , a.a.O., Rz. 465, Rz. 513, Rz. 516). Gemäss der bundesgericht- lichen Rechtsprechung ist zudem von Bedeutung, ob die Abweichung gleichzeitig eine geringe- re demokratische Abstützung bedeutet oder nicht. Ein str engerer Massstab an die Zulässigkeit solcher Abweichungen ist anzulegen, wenn der Erlass eines Sondernutzungsplans von einer weniger stark demokratisch legitimierten Behörde bzw. in einem weniger stark demokratisch abgestützten Verfahren ergangen ist als der Erlass der Grundordnung. Allerdings darf ein Son- dernutzungsplan die Grundordnung auch nicht ihres Sinn gehalts entleeren, wenn er von den gleichen Organen und im gleichen Verfahren festgesetzt und genehmigt wurde wie die Grund- ordnung (vgl. BGE 149 II 79 E. 3.3). 5.4.1 Der Beschwerdeführer rügt hinsichtlich der im Qu artierplan vorgesehenen Gebäude- länge und Gebäudehöhe sinngemäss eine Verletzung der Bauvorschriften. 5.4.2 Soweit er in diesem Zusammenhang auf § 45.2 A bs. 2 ZRS verweist, kann ihm nicht gefolgt werden. Wie die Vorinstanz und die Beschwerde gegnerin unter Hinweis auf den Titel von § 45 ZRS zutreffend festhalten, bezieht sich die genannte Bestimmung auf das vereinfachte Quartierplanverfahren. Die vorliegend strittige Quarti erplanung wurde indes nicht vom Gemein- derat im vereinfachten Quartierplanverfahren (§ 42 RBG), sondern von der Gemeindeversamm- lung im ordentlichen Quartierplanverfahren (§ 41 RBG ) beschlossen. Entsprechend sind die in § 45.2 Abs. 2 ZRS enthaltenen Maximalmasse, welche für Quartierplanungen im vereinfachten Quartierplanverfahren gelten, nicht massgebend. Der Beschwerdeführer kann auch aus seinem Verweis auf § 90 RBG nichts zu seinen Gunsten ableiten. Gemäss § 90 Abs. 2 RBG haben Ge- bäude einen nach Fassadenlänge und Geschosszahl definierten Grenzabstand einzuhalten. Bei Fassadenlängen über 36 m oder Gebäuden mit mehr als fü nf Geschossen muss der Grenzab- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stand von der Baubewilligungsbehörde unter Berücksichtigu ng der örtlichen Verhältnisse fest- gelegt werden (§ 90 Abs. 2 und 3 RBG). Aus der fragl ichen Bestimmung lässt sich entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers keine Beschränkung der zulässigen Fassadenlänge auf maximal 36 m ableiten. Entsprechend kann aus einer Übe rschreitung der Fassadenlänge von 36 m auch nicht auf eine Verletzung des Grenzabstands geschlossen werden. 5.5.1 Der Beschwerdeführer beanstandet, dass zur Frage der Einpassung der geplanten Überbauung in die Umgebung keine objektive Begutachtung vorgenommen worden sei. 5.5.2 Im Rahmen der Nutzungsplanung sind die in Betr acht fallenden öffentlichen und priva- ten Interessen zu erfassen und im Hinblick auf die anzustr ebende räumliche Entwicklung und im Lichte der Ziele und Grundsätze der Raumplanung geg eneinander abzuwägen (Art. 1 und 3 RPG; Art. 2 und 3 der Raumplanungsverordnung [RPV] vom 28. Juni 2000). Die verschiedenen Planungsziele und Planungsgrundsätze gemäss Art. 1 und 3 RPG bilden Entscheidungskrite- rien und Zielvorgaben, die im Rahmen der Interessenab wägung abgewogen werden müssen (vgl. BGE 134 II 97 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts 1C_99/2022, 1C_101/2022 vom 25. April 2023 E. 11.1; 1C_230/2017 vom 24. Mai 2018 E. 5.1). Nach Art. 47 Abs. 1 RPV ist der kantona- len Genehmigungsbehörde Bericht zu erstatten, wie die Nutzungspläne die Ziele und Grundsät- ze der Raumplanung (Art. 1 und 3 RPG), die Anregunge n aus der Bevölkerung (Art. 4 Abs. 2 RPG), die Sachpläne und Konzepte des Bundes (Art. 13 RPG) und den Richtplan (Art. 8 RPG) berücksichtigen und wie sie den Anforderungen des übrige n Bundesrechts Rechnung tragen (vgl. HEINZ AEMISEGGER /S AMUEL KISSLING , in: Aemisegger et al. [Hrsg.], a.a.O., Vorbemerkun- gen zur Nutzungsplanung, N 20 f.). Den genannten Vor gaben (Art. 47 RPV) hat die Beschwer- degegnerin mit der Berichterstattung im Rahmen des Pla nungsberichts in formeller Hinsicht unbestrittenermassen entsprochen. Hinzu kommt, dass die städtebaulichen Aspekte der Quar- tierplanung durch die ABK einer fachlichen Beurteilun g unterzogen wurden (E. 5.6.2 hiernach), welche dem Planungsbericht als Anhang beigefügt war u nd dem Beschwerdeführer bekannt sein musste. Inwiefern die Beschwerdegegnerin darüberh inausgehend verpflichtet gewesen sein soll, zur Frage der Einordnung der Überbauung ei n "objektives Gutachten" einzuholen, ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht weiter ausgeführt. 5.6.1 Zu prüfen ist in materieller Hinsicht, ob die Qu artierplanung eine der Umgebung ange- passte Überbauung ermöglicht und sich die damit verbunde nen Abweichungen von der Grund- ordnung im umliegenden Gebiet (Zone W2) als zulässig erweisen. 5.6.2 Im Planungsbericht wird ausgeführt, dass das Ric htprojekt zwei unterschiedlich grosse Baukörper mit je drei Vollgeschossen vorsehe. Der westli che längliche Baukörper werde durch das Staffeln in Tiefe und Höhe fein in das natürliche Terrain eingebettet. Um eine möglichst grosse zusammenhängende Gartenfläche beizubehalten, werd e das bestehende Wohnhaus rückgebaut und die neuen Wohngebäude würden auf mögli chst kleiner und zusammenhängen- der Grundfläche konzentriert. Durch die Beschränkung au f zwei Baukörper und die Anordnung der Gebäudeerschliessung entlang der Parzellengrenze im Nordwesten und entlang dem Hol- lenweg werde es möglich, den zwischen den Baukörpern gepl anten Baumgarten "obsthainty- pisch" ohne Durchwegung zu gestalten (Planungsbericht, S. 2 f.). Eine Bebauung mit drei oder Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vier Baukörpern würde demgegenüber zu einem weitgehend en Verlust des Obstbaumhains führen und es würden kaum zusammenhängende Strukturen verbleiben (Planungsbericht, S. 6 f.). Die tiefen- und höhengestaffelte Typologie des Richtprojekts werde in den Quartier- planvorschriften in den Grundzügen festgelegt und gleichzeitig genügend Flexibilität für die wei- tere Projektentwicklung gewährleistet (Planungsbericht, S. 11). Im Reglement werde festgelegt, dass Materialien, Farbgebung und Architektur der Übe rbauung sorgfältig aufeinander abzu- stimmen seien. Damit solle ein ästhetisch ansprechender G esamteindruck und eine gute Ein- passung der Überbauung in das benachbarte Siedlungsgebiet sichergestellt werden (Planungs- bericht, S. 12). Mit der Quartierplanung würden rund 68 % des Quartierplanareals als Freiraum- bereich ausgeschieden. Durch den Erhalt von 12 Bäumen u nd die Pflanzung von zusätzlichen 16 Bäumen werde eine gute Versorgung des Areals mit Bäumen sichergestellt (Planungsbe- richt, S. 16). Die bauliche Nutzung werde gegenüber d er umliegenden Zone W2 lediglich in ge- ringem Mass angehoben. Die Quartierplanung ermögliche damit eine Siedlungsverdichtung auf einem bereits bebauten, aber unternutzten Areal (Plan ungsbericht, S. 17). In ihrer Stellung- nahme zu den städtebaulichen Aspekten der Quartierplanun g hält die ABK fest, dass sich die vorgesehenen Bauten mit Blick auf die Differenzierung d es Bauvolumens sowie die Staffelung des grösseren Baukörpers in der Höhe gut in den Hang u nd in ihr städtebauliches Umfeld ein- passten und eine Weiterbearbeitung des Projekts begrüsst werde (Auszug aus dem Beschluss- protokoll der ABK vom 4. Juni 2019, Planungsbericht Anhang 1). 5.6.3 Das der Quartierplanung zugrundeliegende Bebau ungskonzept, wie es im Planungsbe- richt dargelegt wird, beruht auf sachlichen Gründen. N amentlich entstehen mit der Konzentrati- on der Nutzung auf zwei kompakte Baukörper unter- und oberhalb des grösseren Gebäudes zusammenhängende Flächen, welche den Erhalt bzw. die N euausbildung eines Obstbaum- hains ermöglichen. Wie der projektverantwortliche Arch itekt anlässlich des heutigen Augen- scheins schlüssig und im Einklang mit dem Planungsbericht ausführte, verblieben bei einer Auf- teilung der Nutzung auf drei oder vier Baukörper dem gegenüber lediglich noch Resträume von Grünflächen, was der zonenrechtlich vorgeschriebenen Rü cksichtnahme auf den Obstbaum- hain (§ 11.13 Abs. 2 ZRS) zuwiderlaufen würde. 5.6.4 Der Quartierplan ermöglicht im Baubereich 1 die Erstellung eines Gebäudes mit einer Gesamtlänge von rund 65 m (Plan "Situation und Schnitt e", Massstab 1:500), was eine deutli- che Abweichung gegenüber der maximal zulässigen Gebäudel änge von 30 m in der umliegen- den Zone W2 darstellt. Die vorgesehene Gebäudelänge w ird allerdings dadurch massgeblich relativiert, dass der Quartierplan eine ausgeprägte Sta ffelung des Baukörpers vorsieht. Der Baubereich 1 legt drei rund 17.5 m lange Abschnitte fe st, welche um jeweils rund 7.5 m vonei- nander abgesetzt sind. Ausserdem sehen die Quartierplan vorschriften die Ausbildung eines zusätzlichen Versatzes pro Gebäudestaffelung sowie drei Höhenstufen mit einer Versatzhöhe von mindestens 0.5 m vor (§ 3 Abs. 1 QPR). Die Längenwirkung des Baukörpers wird durch die solchermassen vorgegebene Staffelung in der Tiefe und H öhe zwar nicht aufgehoben, aber jedenfalls deutlich gemindert. Die Staffelung führt i nsbesondere dazu, dass das Gebäude nicht wie eine geschlossene, 65 m lange "Talsperre" in Erscheinu ng tritt, sondern eher wie mehrere Einzelgebäude. Dieser Eindruck wird nicht zuletzt durch di e Visualisierungen des Richtprojekts verdeutlicht, welche zuhanden der ABK erstellt wurden u nd teilweise im Planungsbericht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht (S. 2 f.) aufgeführt sind. Mit der Staffelung des gr össeren Baukörpers wird gewährleistet, dass die Grundordnung des umliegenden Gebiets in ihren Gru ndzügen erkennbar bleibt. Hinzu kommt, dass der Quartierplan die in der Nachbarschaft bereits vorhandene Typologie von in der Tiefe und Höhe gestaffelten Bauten aufnimmt (Planun gsbericht, S. 18). Dies betrifft die nord- westlich der Parzelle des Beschwerdeführers gelegene Überb auung mit Reiheneinfamilienhäu- sern, welche zwei 30 m lange Baukörper mit dazwischenli egenden eingeschossigen Anbauten umfasst. Das Kantonsgericht hat in einem ähnlichen Fall eine gemäss Quartierplan mögliche Gebäudelänge von 80 m gegenüber der maximal zulässigen Gebäudelänge von 35 m nach der Regelbauweise mit der Begründung als zulässig erachtet, dass eine gute Einpassung des Ge- bäudes in die Umgebung vorliege (vgl. KGE VV vom 27. Mai 2015 [810 14 264] E. 5.5, bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 1C_573/2015 vom 5. Jul i 2016). In jenem Fall befand sich in der unmittelbaren Umgebung des Quartierplanareals ebenfalls eine Überbauung mit Reiheneinfami- lienhäusern, welche unter Berücksichtigung der eingescho ssigen Zwischenbauten eine Ge- samtlänge von 80 m aufwies. 5.6.5 Die mögliche Gebäudehöhe beträgt gemäss den im Quartierplan ausgewiesenen Schnittlagen rund 10 m, wobei das Richtprojekt Gebäude höhen von jeweils rund 9 m vorsieht. Die maximal zulässige Gebäudehöhe in der Zone W2 beträg t demgegenüber 11.8 m. Die vor- gesehenen Gebäude treten talseitig mit drei und berg seitig mit zwei Geschossen in Erschei- nung. In der Zone W2 sind demgegenüber zwei Vollgescho sse zugelassen. Zu beachten gilt indes, dass in der Zone W2 Attikageschosse zulässig sind, au f welche im Richtprojekt verzich- tet wird. Hinzu kommt, dass bei Quartierplanungen im vereinfachten Verfahren in der Zone W2 bei Flachdachbauten drei Geschosse zulässig sind, wobei auf ein Attikageschoss zu verzichten ist (§ 45.2 Abs. 2 ZRS). Das Richtprojekt entspricht den letztgenannten Anforderungen, zumal es Flachdachbauten vorsieht, welche talseitig mit drei G eschossen in Erscheinung treten und kein Attikageschoss aufweisen. Zu berücksichtigen ist weiter, dass die im Quartierplan vorge- sehenen Baubereiche einen grosszügigen Abstand zu den Na chbarparzellen wahren. Gemäss Richtprojekt beträgt der Abstand zur Parzelle des Beschwe rdeführers unter Berücksichtigung der vorgesehenen Staffelung sowie des zusätzlichen Versat zes rund 15 m bis 17.5 m (12.5 m bis 15 m gemäss Baubereich). Lediglich am nördlichen Ran d der Parzelle des Beschwerdefüh- rers ragt das Gebäude an einem Punkt bis auf rund 12.5 m (9 m gemäss Baubereich) an die Parzellengrenze heran. Der vorgesehene Abstand entspri cht im Wesentlichen einer Verdoppe- lung des grössten in § 90 Abs. 2 RBG definierten Abstan ds für dreigeschossige Bauten, wel- cher 7 m beträgt. Er nimmt damit in gebührender Weise auf die nachbarlichen Interessen Rück- sicht. Inwiefern die Parzelle Nr. X von übermässigem Sch attenwurf betroffen sein soll, ist vor diesem Hintergrund – mit Blick auf die grosszügige Bemess ung des Grenzabstands und die zurückhaltende Höhe der Gebäude – nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert dargelegt. 5.6.6 Hinsichtlich der Ausnützungsziffer ist festzustellen, dass der Quartierplan eine maxima- le Ausnützung von 60 % ermöglicht. Die Zone W2 erlaub t demgegenüber eine Nutzung von maximal 55 % nach der Regelbauweise und von 59 % bei Quartierplanungen im vereinfachten Verfahren (§ 45.2 Abs. 2 ZRS). Durch die vorliegenden Quartierplanvorschriften wird mithin eine geringfügige Verdichtung eines bis anhin unternut zten Areals erreicht, womit dem Pla- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nungsgrundsatz von Art. 3 Abs. 3 lit. a bis RPG Rechnung getragen wird. Positiv zu würdigen ist sodann der Umstand, dass die Mehrzahl der Parkplätze unter irdisch anzuordnen sind (§ 5 Abs. 4 QPR). Namentlich wird damit dem Planungsgrunds atz von Art. 3 Abs. 3 lit. b RPG ent- sprochen, wonach Wohngebiete vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen wie Luftver- schmutzung, Lärm und Erschütterungen möglichst verschont w erden sollen. Zur guten Einord- nung in die Umgebung tragen zudem die Anforderungen an den Baumbestand und der gegen- über der Regelbauweise deutlich erhöhte Anteil an Grü nflächen bei (Art. 3 Abs. 3 lit. e RPG). Die Vorinstanz weist zutreffend darauf hin, dass der vo rgeschriebene Baumbestand am westli- chen Rand des Quartierplanareals einem natürlichen Si chtschutz gleichkommt, was nebst der Staffelung dazu beiträgt, dass der grössere Baukörper ni cht störend in Erscheinung tritt. Zwar trifft zu, dass das fragliche Gebäude insbesondere in der wärmeren Jahreszeit von den Bäumen im belaubten Zustand verdeckt wird. Ein gewisser Sichtschu tz besteht indes ungeachtet des vom Beschwerdeführer angeführten Laubfalls auch im Winter. 5.6.7 Aus den Quartierplanvorschriften und dem Planung sbericht ergibt sich insgesamt das Bild einer Überbauung, welche sich gut in die baulich e und landschaftliche Umgebung einord- net. Die Überbauung tritt in eine Beziehung zu ihrer Umgebung und nimmt auf diese Rücksicht. Soweit der Quartierplan ein Gebäude mit einer Gesamt länge von 65 m zulässt, ist dies unter Berücksichtigung der planerisch vorgegebenen Anordnung des Baukörpers nicht zu beanstan- den. Namentlich wird durch die entsprechenden Vorgabe n gewährleistet, dass die Strukturen der Grundordnung im Quartierplan erkennbar bleiben. Die Abweichungen gegenüber der umlie- genden Zone W2 bewegen sich gesamthaft betrachtet in e inem Ausmass, welches mit den An- forderungen an die Planungspflicht gemäss Art. 2 Abs. 1 RPG und dem Kohärenzprinzip (E. 5.3.3 f. hiervor) vereinbar ist. Dies gilt umso meh r, als die vorliegende Quartierplanung nicht vom Gemeinderat im vereinfachten, sondern von der Geme indeversammlung im ordentlichen Verfahren erlassen wurde. Entsprechend ist an die Zulässi gkeit von Abweichungen des Quar- tierplans gegenüber der Grundordnung ein weniger stre nger Massstab anzulegen (E. 5.3.4 hiervor). Der vorliegende Fall ist im Übrigen nicht m it demjenigen vergleichbar, welcher dem vom Beschwerdeführer angeführten Urteil des Verwaltung sgerichts Zürich zugrunde lag. In je- nem Fall wich die Sondernutzungsplanung in mehreren Bereichen deutlich von der Grundord- nung ab. Nebst Abweichungen von den Vorgaben des regio nalen Richtplans lagen jeweils Ver- doppelungen der Höhen- und Längenbegrenzungen und an nähernd eine Verdoppelung der Baumassenziffer vor (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts de s Kantons Zürich [VB.2021.00038] vom 28. April 2022 E. 4.4). Im vorliegenden Fall lieg t demgegenüber einzig in Bezug auf die Gebäudelänge eine massgebliche Abweichung von der Rege lbauweise im umliegenden Gebiet vor, welche zudem auf sachlichen Gründen beruht und der en Auswirkungen aufgrund der pla- nerischen Vorgaben zu relativieren sind. Aus dem Verwei s auf das genannte Urteil des Verwal- tungsgerichts Zürich kann der Beschwerdeführer somit nichts zu seinen Gunsten ableiten. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt im Weiteren, die vorge sehenen Parkierungsmöglichkeiten und die erstellte Verkehrsbetrachtung seien ungenügend. Da pro Wohnung nur ein Parkplatz vorgesehen sei, werde es zu wildem Parkieren und Suchver kehr im Quartier kommen. Mit Blick auf die geplanten 3.5- bis 4.5-Zimmerwohnungen werd e ausser Acht gelassen, dass viele Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Haushalte über mindestens zwei Fahrzeuge verfügen würd en, da die Parzellen peripher gele- gen und nur ungenügend mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen seien. 6.2 Der Planungsbericht hält fest, dass sich die Berech nung des Bedarfs für Autoabstell- plätze nach § 70 bzw. Anhang 11/1 der Verordnung zum Raumplanungs- und Baugesetz (RBV) vom 27. Oktober 1998 richte. Gemäss Richtprojekt betrage d er Autoparkplatzbedarf für die vor- liegende Quartierplanung ca. 23 Stammparkplätze und 7 Besucherparkplätze. Für nichtmotori- sierte Fahrzeuge wie Velos, Kinderwagen und dergleiche n werde im Reglement festgelegt, dass in jeder Hauptbaute ausreichende Abstellräumlichkeit en zu erstellen seien. Zudem seien im Aussenraum oberirdische Veloabstellplätze für Besuch erinnen sowie für das kurzzeitige Ab- stellen vorzusehen (Planungsbericht, S. 15). In Anlehn ung an Verkehrsbetrachtungen anderer Planungen in Arlesheim könne davon ausgegangen werden , dass pro Parkplatz und Tag rund 3 Fahrten (total Zu- und Wegfahrten) getätigt würde n. Ausgehend von 30 Parkplätzen führe die Quartierplanung damit zu rund 90 zusätzlichen Fahrten p ro Tag. Für die erfahrungsgemäss verkehrsintensivste Abendspitzenstunde zwischen 17.00 und 18.00 Uhr sei entsprechend mit rund 12 Fahrten vom oder zum Quartierplanareal zu rech nen. Aufgrund dieser geringen Ver- kehrsmengen sei davon auszugehen, dass die vorliegende Qua rtierplanung keinen massgebli- chen Einfluss auf die Verkehrskapazität des übergeordneten Strassennetzes habe und auch das Verkehrsregime im umgebenden Wohnquartier nicht massgeblich beeinflusse (Planungsbe- richt, S. 19 f.). 6.3 Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, legen die Quartierplanvorschriften die Anzahl Autoabstellplätze nicht fest und wird im Rahmen des Ba ubewilligungsverfahrens die Mindest- zahl der Abstellplätze für Motorfahrzeuge gemäss § 70 Abs. 1 RBV einzuhalten sein. Dass die Quartierplanung den diesbezüglichen Vorgaben nicht genügen kann, wird vom Beschwerdefüh- rer zu Recht nicht geltend gemacht. Ausgehend von den im Richtprojekt vorgesehenen 23 Wohnungen ist die Erstellung von 23 Stammparkplätzen und 7 Besucherparkplätzen vorge- sehen, womit § 70 bzw. Anhang 11/1 RBV entsprochen wir d. Zutreffend ist, dass das Quartier- planareal (knapp) keiner ÖV-Güteklasse zugeordnet ist. Entsprechend wäre eine Herabsetzung der Mindestzahl der Abstellplätze gestützt auf § 70 Abs. 2 bis RBV im vorliegenden Fall nicht möglich. Inwiefern die Beschwerdegegnerin verpflichtet sein soll, im Rahmen der Quartierpla- nung eine über die Mindestzahl der Abstellplätze gemä ss § 70 Abs. 1 RBV hinausgehende An- zahl Parkplätze festzulegen, ist indes nicht ersichtlich. De r Beschwerdeführer vermag mithin nicht substantiiert aufzuzeigen, inwiefern die vorliege nde Quartierplanung – welche notabene nicht mit einer massgeblichen Nutzungserhöhung gegenübe r der Grundordnung verbunden ist – zu einer Überlastung des Strassennetzes des umliegend en Wohngebiets führen soll. Der Schluss der Beschwerdegegnerin, wonach aus der Quartierp lanung lediglich geringe zusätzli- che Verkehrsmengen resultieren, welche keinen massgeblic hen Einfluss auf das Verkehrsre- gime im umliegenden Wohngebiet haben, ist nicht zu beanstanden. 7.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, der O bstbaumhain werde im Rahmen der Quartierplanung nicht angemessen berücksichtigt. Die vorgesehene Erdüberdeckung von 1.2 m sei ungenügend und der Erhalt des Obstbaumhains sei ni cht gesichert. Weiter sei ohne Grund eine Erhöhung der Ausnützungsziffer bewilligt worden, wobei der gewährte Ausnützungsbonus Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 5 % unzulässig sei. Dieser sei ursprünglich gewährt wo rden, damit der Obstbaumhain teil- erhalten und weiterentwickelt werde. Zwischenzeitlich sei en jedoch zwei Dutzend Obstbäume durch die Eigentümerschaft der Quartierplanparzellen a bgeholzt worden, weshalb die Gewäh- rung eines Ausnützungsbonus unangebracht sei. 7.2 Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin wenden dagegen ein, gemäss dem er- stellten Gutachten zu den Naturwerten sei der Baumbesta nd überaltert und müsse sukzessive durch Jungbäume ersetzt werden. Um eine Überbauung des Quartierplanareals zu ermögli- chen, sei es unabwendbar, einen Teil des Obstbaumbestand es zu fällen. Dies sei zulässig, da der Baumbestand nicht rechtsverbindlich geschützt sei. In § 4 des Quartierplanreglements wer- de jedoch explizit geregelt, dass insgesamt 16 neue Bau mpflanzungen erfolgen müssten. Die Erdüberdeckung von 1.2 m werde als Mindestmass vorgegebe n und sei zu erhöhen, sofern dies für das Gedeihen der zu pflanzenden Bäume erforde rlich sein sollte. Im Übrigen sei es möglich, die Hochstammbäume ausserhalb der gemäss Bebau ungskonzept vorgesehenen un- terirdischen Bauten anzupflanzen. Der Erhalt bzw. die Weiterentwicklung des Obstbaumhains sei somit gesichert. Inwiefern eine Ausnützungsziffer von 0 .6 vorliegend unzulässig sein solle, sei nicht ersichtlich, zumal die Ausnützungsziffer nur ge ringfügig höher sei als diejenige in der Zone W2. 7.3.1 Die Zonenvorschriften schreiben für die Zone mit Quartierplanpflicht "Finkelerweg" wie bereits ausgeführt (E. 4.1 hiervor) vor, dass Neubaute n auf den bestehenden Obstbaumhain Rücksicht zu nehmen haben. Ein rechtsverbindlicher Schutz des Obstbaumhains dahingehend, dass der gesamte Baumbestand auf dem Quartierplanarea l erhalten werden muss, ist damit nicht verbunden. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt , erstreckte sich der Obstbaumhain ur- sprünglich über das gesamte Areal. Eine Überbauung des Gebiets, wie sie in den Zonenvor- schriften ausdrücklich vorgesehen ist (§ 11.13 Abs. 1 ZRS) , setzt somit zwingend voraus, dass ein Teil des Obstbaumhains der Überbauung weichen muss. Gleichzeitig ändert der Umstand, dass zwischenzeitlich ein grösserer Teil der Bäume – insbeso ndere im Bebauungsbereich – gefällt wurde und der ursprüngliche Baumbestand aktuel l lediglich noch in reduziertem Umfang vorhanden ist, nichts an der zonenrechtlichen Vorgabe von § 11.13 Abs. 2 ZRS. 7.3.2 Die Beschwerdegegnerin hat als Planungsbasis auf eine naturfachliche Beurteilung abgestellt, welche von der Bauherrschaft auf Empfehlun g des Gemeinderats Arlesheim in Auf- trag gegeben wurde (Gutachten Naturwerte Quartierpl anung Finkelerweg, MerNatur Natur- schutzbiologie GmbH, August 2020). Darin wird ausgefüh rt, dass der Obstbaumbestand auf dem Quartierplanareal 25 Obstbäume, davon 20 Hochstamm -Obstbäume, umfasse. Zudem fänden sich auf dem Areal 3 weitere Bäume. Der Baumbe stand sei durchgehend alt und es fänden sich keine Jungbäume unter 20 Jahren. Während 17 Bäume dem Alter entsprechend in einem recht guten Zustand seien, sei die Standfestigkeit bei 9 Bäumen aufgrund des durchgän- gig hohen Alters reduziert. Der Baumbestand werde sich durch natürliche Abgänge in den nächsten 10 bis 20 Jahren von selber halbieren. Viele B äume zeigten grössere Anteile an Tot- holz und teils dürre Kronenteile. Dies sei ein Hinweis, dass der Bestand überaltert sei und daher auch in einem Obstgarten eines Bauernhofs sukzessive durch Ju ngbäume ersetzt werden müsste (Gutachten, S. 6). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.3 Das Quartierplanreglement schreibt vor, dass die im Quartierplan verzeichneten 12 Bäume zu erhalten sind. Soweit der Fortbestand die ser Bäume nicht mehr gewährleistet ist, sind in Absprache mit dem Gemeinderat Neupflanzungen im selben Standortbereich vorzu- nehmen (§ 4 Abs. 4 lit. b QPR). Zudem sind auf dem ge samten Quartierplanareal insgesamt 16 neue Baumpflanzungen vorzunehmen. Im Bereich des Ob stbaum-Hains sind mindestens 8 Hochstamm-Obstbäume anzupflanzen. Soweit möglich, mü ssen die Hochstamm-Obstbäume ausserhalb der Einstellhalle bzw. auf natürlichem Boden angepflanzt werden (§ 4 Abs. 4 lit. c QPR). Bei Baumpflanzungen über unterirdischen Bauten m uss die Erdüberdeckung eine Höhe von mindestens 1.2 m aufweisen (§ 4 Abs. 4 lit. g QPR). Die Quartierplanvorschriften schreiben mithin rechtsverbindlich einen Bestand von insgesamt 28 Bäumen vor, womit der ursprüngliche Baumbestand – ungeachtet der Überbauung des Areals – vo m Umfang her erhalten werden kann. Die vom Beschwerdeführer geäusserten Bedenken hinsic htlich der vorgesehenen Erd- überdeckung von 1.2 m Höhe erweisen sich insofern als u nbegründet, als es sich dabei um eine Mindesthöhe handelt und die Hochstamm-Obstbäume zu dem möglichst ausserhalb der Einstellhalle auf natürlichem Boden angepflanzt werde n müssen. Gemäss den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ist eine Anpflanzung der vo rgeschriebenen 8 Hochstamm- Obstbäume ausserhalb der im Richtprojekt vorgesehenen un terirdischen Bauten denn auch möglich. Die im Quartierplan vorgesehene Überbauung n immt nach dem Gesagten in ange- messener Weise auf den Obstbaumhain Rücksicht und entspricht damit den Anforderungen von § 11.13 Abs. 2 ZRS. Inwiefern der Umstand, dass ein Tei l des Obstbaumhains bereits abge- holzt wurde, zur Unzulässigkeit der Nutzungserhöhung ("A usnützungsbonus") führen soll, ist entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers nicht ersichtlich. Die mit der fraglichen Nutzungserhöhung verbundene massvolle Verdichtung liegt wie dargelegt (E. 5.6.6 hiervor) im öffentlichen Interesse und ist nicht zu beanstanden. 8.1 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Quartierpl anung "Finkelerweg" eine der Umgebung angepasste Überbauung vorsieht und sich die da mit verbundenen Abweichungen von der Nutzungsordnung im umliegenden Gebiet als zulä ssig erweisen. Auch die in Bezug auf die weiteren Aspekte der Quartierplanung (Parkierung, Verkehr, Obstbaumhain) erhobenen Rügen erweisen sich als unbegründet. 8.2 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz zu Recht die E insprache des Beschwerdefüh- rers abgewiesen und den Quartierplanvorschriften "Finkel erweg" die Genehmigung erteilt. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Im vorliegenden Fall sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer au fzuerlegen. Die Parteikosten sind wettzuschlagen (§ 21 Abs. 1 VPO). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 3'000.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber