B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-719/2019 U r t e i l v o m 1 2 . A u g u s t 2 0 2 1 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Roswitha Petry; Gerichtsschreiberin Natassia Gili. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 8. Januar 2019 / N (…). E-719/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin, syrische Staatsangehörige arabischer Ethnie, reiste am 11. Juni 2016 in die Schweiz ein und suchte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Am 16. Juni 2016 wurde sie summarisch zur Person ( Befragung zur Person; BzP) befragt, die Anhörung zu den Asylgründen fand am 23. Februar 2018 statt. Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie im Wesentlichen vor, aus C._______ zu stammen und dort die Schule besucht zu haben. Ihr Univer- sitätsstudium habe sie im Jahre 1995 in D._______ abgeschlossen und danach als (…) in ihrer eigenen Praxis in E._______ gearbeitet. Sie sei verheiratet gewesen und habe drei Kinder. Ihr damaliger Ehemann sei (…), habe an de r Universität F._______ gelehrt und später ebenfalls seine ei- gene Praxis in E._______ geführt. Sie und ihr damaliger Ehemann hätten nicht dieselbe politische Meinung. Er sei Palästinenser und unterstütze das syrische Regime, sie sei hingegen regimekritisch eingestellt. Eines Tages habe sie vernommen, wie ihr damaliger Ehemann einem Kollegen erzählt habe, dass er zwei seiner Studenten, die oppositionell eingestellt gewesen seien, an den syrischen Geheimdienst verraten habe. Daraufhin sei es zum Streit mit ihm gekommen, wobei er sie geschlagen und ihre Nase gebro- chen habe. In der Folge habe sie die Scheidung von ihm verlangt, welche im Jahre 2011 erfolgt sei. Sie habe ihrem Ehemann das Haus überlassen und fortan in ihrer Praxis gewohnt. Die beiden Söhne seien dem Recht entsprechend beim Vater geblieben, die T ochter habe mit ihr gelebt. Im Februar 2013 sei die Praxis ihres geschiedenen Mannes zerstört worden, woraufhin er sie gebeten habe, bei ihr arbeiten zu dürfen, was sie verwei- gert habe. Ihr geschiedener Mann habe sie daraufhin bedroht und diese Drohung auch in Bezug auf ihre beiden Brüder ausgeweitet. Nur kurze Zeit später sei die Farm ihrer Brüder durch Bombardierungen zerstört worden, woraufhin diese das Land verlassen hätten. Sie vermute, dass ihr geschie- dener Mann für diese Bombardierung verantwortlich sei, da er mächtig sei. Am 1. März 2013 sei sie ebenfalls in Richtung Libanon und später in die Türkei geflohen. Bis im Juni 2016 habe sie in der Türkei gelebt, sei im Be- sitz einer türkischen Aufenthaltsbewilligung gewesen und habe als (…) ar- beiten können. Im August 2014 sei ihr geschiedener Mann in die Türkei gekommen und habe die gemeinsame Tochter gegen ihren Willen zurück nach Syrien mitgenommen; diese Entführung habe sie den türkischen Be-E-719/2019 Seite 3 hörden angezeigt. Eines Tages habe sie in Istanbul über einen ihrer Pati- enten einen ehemaligen syrischen Geheimdienstmitarbeiter kennenge- lernt, der ihr erzählt habe, dass ihr geschiedener Mann sie in Syrien wegen Kindesentführung angezeigt habe – obschon sich die Tochter bei ihm be- finde – sowie wegen Zus ammenarbeit mit der türkischen Regierung und oppositioneller Tätigkeit gegen das syrische Regime. Sie h abe daher um ihr Leben gefürchtet, auch weil sie sich beobachtet gefühlt habe. Überdies habe es Probleme mit der Erneuerung ihrer Aufenthaltsbewilligung gege- ben, weswegen sie die Türkei im Juni 2016 verlassen habe. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte sie (im Original) ihren Pass, ihre Identitätskarte, zwei türkische Arbeitsbewilligungen, eine Karte der (…)-Vereinigung Syriens, ein medizinisches Attest sowie eine Geburtsur- kunde ihrer Tochter ein. Jeweils in Kopie reichte sie zudem die Scheidungs- unterlagen, eine Scheidungsbestätigung mit türkischer Übersetzung, eine Bewilligung zur Ausübung eines (…) Berufs in Syrien, ihr (…)diplom, den Pass ihrer Tochter, die Identitätskarte ihres geschiedenen Mannes, das Fa- milienbüchlein, eine Arbeitsbewilligung des syrischen (…)ministeriums, drei Fotos von sich, eine Anzeige betreffend die Entführung ihrer Tochter bei den türkischen Behörden, einen Auszug aus dem türkischen Strafregis- ter sowie einen Artikel der «Voix d’Exils» zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 8. Januar 2019 – eröffnet am 10. Januar 2019 – stellte die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfüllt, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Wegen Unzumutbarkeit wurde der Beschwerdeführe- rin die vorläufige Aufnahme in der Schweiz gewährt. C. Die Verfügung der Vorinstanz focht die Beschwerdeführerin, handelnd durch den rubrizierten Rechtsvertreter, mit Eingabe vom 11. Februar 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie ersuchte in formeller Hinsicht zu- nächst um vollumfängliche Einsicht in die Akten A5/1, A7/1 und A8/4 und um Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den betreffenden Akten. Nach Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des rechtlichen Gehörs sei ihr eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung einzuräumen. Sie beantragte des Weiteren die Aufhebung der angefochte- nen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur vollständigen Abklä- rung des rechtserheblichen Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vor -E-719/2019 Seite 4 instanz. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben, ihre Flücht- lingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und sie als Flüchtling anzuerkennen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Mit der Beschwerde wurden zwei Screenshots zweier Videos sowie Bilder der Tochter der Beschwerdeführerin , aufgenommen in Istanbul im Jahr 2013, Screenshots von Videos der Beschwerdef ührerin im Fernsehen in Istanbul, ein Artikel der Beschwerdeführerin für «Voix d’Exils» vom 22. Mai. 2017, eine Übersetzung der Bestätigung des Rechtsverzichts, Bilder des Onkels und der Cousins der Beschwerdeführerin, Screenshots zweier Vi- deos der Beschwerdeführerin in C._______ 2011 sowie ein Ausdruck be- treffend mehrere Facebook-Profile der Beschwerdeführerin eingereicht. D. Mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2019 hiess die Instruktionsrichte- rin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Vorin - stanz wurde zudem angewiesen, die Akte A5/1 korrekt in das vorinstanzli- che Dossier aufzunehmen und der Beschwerdeführerin Einsicht zu gewäh- ren. Der Beschwerdeführerin wurde eine Frist zur Einreichung einer Be- schwerdeergänzung nach entsprechender Einsicht eingeräumt. Das Ge- such um Einsicht in die Akten A7/1 und A8/4 oder allenfalls Gewährung des rechtlichen Gehörs wurde hingegen abgewiesen. E. Mit Schreiben vom 20. Februar 2019 informierte das SEM die Beschwer- deführerin, dass die Akte A5/1 aufgrund eines Paginierungsfehlers nicht existiere und der Akte A15 (Anm.: Beweismittelcouvert) entspreche, des- sen Inhalt der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 24. Januar 2019 be- reits zugestellt worden sei. F. Mit Eingabe vom 12. März 2019 machte die Besc hwerdeführerin geltend, sie habe bis heute keine Einsicht in die Akte A5/1 erhalten. Die Behauptung des SEM, diese Akte existiere nicht, sei nicht überprüfbar, zumal das Bun- desverwaltungsgericht mit seiner Verfügung vom 15. Februar 2019 offen-E-719/2019 Seite 5 sichtlich zu einem anderen Schluss gekommen sei und das SEM ausdrück- lich angewiesen habe, Einsicht in dieses Dokument zu gewähren. Des Wei- teren reichte die Beschwerdeführerin zwei Fotos zu den Akten, welche sie an einer Demonstration vor dem UNO-Gebäude in G._______ zeigen. G. Mit Eingabe vom 11. Juli 2019 reichte die Beschwerdeführerin zwei Kopien befristeter Arbeitsverträge sowie eine Kopie ihres Schweizerischen Führe- rausweises zu den Akten. H. Ein bei der Vorinstanz am 17. Juni 2020 eingereichtes Gesuch um Kan- tonswechsel wurde mit Verfügung vom 28. August 2020 abgewiesen. I. Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2020 wurde die Vorinstanz zur Ein- reichung einer Vernehmlassung eingeladen. Diese nahm mit Vernehmlas- sung am 10. September 2020 zu den Beschwerdebegehren Stellung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. J. Mit Zwischenverfügung vom 16. September 2020 wurde die Beschwerde- führerin zur Einreichung einer Replik eingeladen, welche mit Eingabe vom 29. September 2020 Eingang fand. K. Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2021 wurde die Beschwerdeführerin unter Verweis auf den von ihr im Verfahren eingereichten Arbeitsvertrag aufgefordert, zur Frage ihrer Bedürftigkeit Stellung zu nehmen, dies unter Bezugnahme auf die ihr für das Beschwerdeverfahren gewährte unentgelt- liche Prozessführung. L. Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr bedürftig sei. E-719/2019 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Das SEM hat in seiner Verfügung vom 8. Januar 2019 die vorläufige Auf- nahme der Beschwerdeführerin zufolge Unzumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs angeordnet. Damit beschränkt sich das vorliegende Be- schwerdeverfahren auf die Fragen, ob die Beschwerdeführerin die Flücht- lingseigenschaft erfüllt und ihr Asyl zu gewähren ist, sowie auf die Frage der Wegweisung. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. E-719/2019 Seite 7 4. 4.1 In der Beschwerdeschrift werden verschiedene formelle Rügen erho- ben. Diese sind vorab zu prüfen, da sie angesichts der formellen Natur des Anspruchs auf rechtliches Gehör allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken. 4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht der Be troffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ih ren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab- gefasst sein, dass die betroffene Person de n Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegun- gen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 4.3 Die Beschwerdeführerin rügt, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, weil sie keine Einsicht in die Akte 5/1 erhalten habe. Statt- dessen habe die Vorinstanz mit Schreiben vom 20. Februar 2019 mitgeteilt, ihr sei bei der Paginierung der Akten ein Fehler unterlaufen. Die Akte 5/1 existiere nicht und entspreche der Akte 15 (Anm.: Beweismittelcouvert), welche ihr zur Einsichtnahme am 24. Januar 2019 zugestellt worden sei. Der Beschwerdeführerin sei es aber nicht möglich zu überprüfen, ob die Behauptung des SEM, die Akte existiere nicht, wirklich zutreffe. Ausserdem E-719/2019 Seite 8 sei das Bundesverwaltungsgericht, indem es das SEM zur Ein sicht in die Akte 5/1 aufgefordert habe, offensichtlich zu einem anderen Schluss ge- kommen. Dem ist zunächst zu entgegnen, dass auch das Bundesverwaltungsgericht keine Kenntnis von einer Akte 5/1 hat , weil die Instruk tionsrichterin zum Zeitpunkt der Instruktion noch in Unkenntnis der vom SEM geschilderten Umstände war. Die Erläuterung des SEM ist plausibel und es ist davon auszugehen, dass der Vorinstanz bei der Paginierung ein Fehler unterlau- fen ist und die genannte Akte nicht existiert. Die Rüge der Beschwerdefüh- rerin hat daher insofern ihre Berechtigung, als das SEM seiner Aktenfüh- rungs- und Paginierungspflicht nur ungenügend nachgekommen ist. Eine Aufhebung der Verfügung und Rückweisung an die Vorinstanz rechtfertigt sich diesbezüglich jedoch von vornherein nicht. 4.4 Soweit die Beschwerdeführerin in der Beschwerde die Verletzung des Akteneinsichtsrechts in Bezug auf die Akten A7/1 und A8/4 rügt, ist auf die Zwischenverfügung vom 15. Februar 2019 zu verweisen, in welcher fest- gestellt wurde, dass die Vorinstanz diese Aktenstücke zu Recht nicht ediert hat und die Beschwerdeführerin kein schützenswertes Interesse an deren Offenlegung darzulegen vermochte, weshalb der Antrag auf Einsicht in diese Akten oder die allfällige Gewährung des rechtlichen Gehörs dazu ab- gewiesen wurde. 4.5 Ebenfalls bereits mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2019 wies das Gericht die Rüge, die Beweismittel seien von der Vorinstanz nicht num- meriert worden, ab. 4.6 Des Weiteren beanstandet die Beschwerdeführerin, das SEM habe zentrale Vorbringen und wesentliche Sachverhaltselemente, wie beispiels- weise ihre Demonstrationsteilnahmen in C._______ ab dem Jahre 2011 oder den Umstand, dass sie sich aus politischen Gründen habe scheiden lassen, in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt. Das SEM habe zu- dem ihre späteren politisch-humanitären Aktivitäten in Syrien und der Tür- kei, ihre Verfolgungssituation in der Türkei durch ihren geschiedenen Ehe- mann sowie ihre gesundheitlichen Probleme, welche die Durchführung der Anhörung massiv beeinträchtigt hätten, weder erwähnt noch gewürdigt und damit seine Abklärungspflicht verletzt. Das SEM habe in der Verfügung eine Vermischung der Argumente betreffend die Asylrelevanz und die Glaubhaftmachung vorgenommen und dabei im Textbaustein der Asylrele- vanz ausgeführt, sie habe keine detaillierten Ausführungen gemacht. Ihre E-719/2019 Seite 9 Schilderungen, insbesondere auch an der BzP , seien aber äusserst detail- liert gewesen und würden offensichtlich die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbrin- gen aufzeigen. Diesbezüglich ist darauf zu verweisen, dass sich die Vorinstanz nicht mit allen Aussagen der Beschwerdeführerin einzeln auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken darf . Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, dass sich die Vorinstanz mit dem zentralen Vorbringen der Beschwerdeführerin befasst hat und ein e sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich gewesen ist , was sich ebenfalls an der einlässlichen Beschwerdeschrift zeigt. Der blosse Um- stand, dass die Beschwerdeführerin die Auffassung des SEM hinsichtlich der materiellen Beurteilung des Vorbringens nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungs- oder Abklärungspflicht. In Bezug auf den geltend gemachten schlechten Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin an der Anhörung ist festzustellen, dass sie zu Proto- koll gegeben hat, an (…) zu leiden und müde zu sein (act. A14/23 Q74). Aus dem weiteren Verlauf der Anhörung lässt sich indessen nicht schlies- sen, dass die Beschwerdeführerin in einem Zustand war, der ihr Vermögen, die ihr gestellten Fragen zu verstehen und sie frei und umfassend zu be- antworten, in relevanter Weise eingeschränkt haben könnte. Die Antworten der Beschwerdeführerin lassen zu keinem Zeitpunkt den Eindruck entste- hen, sie sei aufgrund der (…)- und (…)schmerzen nicht mehr in der Lage gewesen, der Anhörung zu folgen. Auch die bei der Anhörung anwesende Hilfswerkvertreterin brachte keinerlei entsprechende Bemerkungen oder Einwände an. Schliesslich ist die strukturierte Vorgehensweise des SEM im Asylent- scheid bezüglich Abhandlung der einzelnen Asylvorbringen nicht zu bean- standen. 4.7 Die Beschwerdeführerin rügt weiter, dass das SEM seit Einreichung des Asylgesuchs am 11. Juni 2016 bis zur Anhörung am 23. Februar 2018 eineinhalb Jahre ungenutzt habe verstreichen lassen, was eine schwerwie- gende Verletzung der Abklärungspflicht darstelle. Des Weiteren hätte die BzP anders strukturiert werden müssen, da sie in Ziffer 2.04 nicht, wie vor- gesehen, über ihre Auslandaufenthalte berichtet, sondern eingehend zu ih- ren Asylgründen Stellung genommen habe. Schliesslich habe die A nhö- rung zu lang, insgesamt acht Stunden und zehn Minuten, gedauert. E-719/2019 Seite 10 Hierzu ist festzuhalten, dass die gesamte Anhörungsdauer, anders als in der Beschwerde ausgeführt, fünf Stunden und 15 Minuten dauerte und drei Pausen von insgesamt einer Stunde und 15 Minuten integriert waren. Die Rückübersetzung dauerte zusätzlich rund eineinhalb Stunden. Die Anhö- rungsdauer erscheint mithin nicht unangemessen lang. Zudem sind weder aus dem Protokoll selbst noch aus dem Bestätigungsblatt der beobachten- den Hilfswerksvertretung kognitive Beeinträchtigungen bei der Beschwer- deführerin oder der Dolmetscherin feststellbar. Was die Rüge der über eineinhalbjährigen Zeitspanne zwischen Asylge- such und Anhörung anbelangt, kann selbst darin keine Verfahrensverlet- zung festgestellt werden . Eine zeitnahe Anhörung zum Asylgesuch ist grundsätzlich wünschenswert, jedoch ergibt sich diesbezüglich keine ge- setzliche Verpflichtung der Vorinstanz. Zudem konkretisiert die Beschwer- deführerin die sie behauptungsgemäss belastende Unfairness nicht . Ent- sprechendes hat sie auch im vorinstanzlichen Verfahren nicht zum Aus- druck gebracht. Das Protokoll der betreffenden Anhörung ist somit verwert- bar und die formelle Rüge ist abzuweisen. Soweit geltend gemacht wird, dass die Beschwerdeführerin an der BzP zu ihren Asylgründen befragt worden sei, ist festzustellen, dass sie sich tat- sächlich eingehend und ohne vom Sachbearbeiter unterbrochen worden zu sein, zu ihren Asylgründen geäussert hatte, obwohl sie lediglich nach ihren Aufenthaltsorten gefragt wurde. Ein Nachteil hieraus ist jedoch nicht ersichtlich und wurde auch nicht substantiiert. 4.8 Nach dem Gesagten erweisen sich die prozessualen Rügen der Be- schwerdeführerin insgesamt als unbegründet. Es besteht keine Veranlas- sung, die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur Abklärung und Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sach- verhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Begehren ist abzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtl ingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung E-719/2019 Seite 11 des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die eine n unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – das heisst von Dritten nachvollzieh- bare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6, je m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungs- weise die begründete Furcht vor künftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätz- lich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelver- mutung – auf eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der Situation zwischen Ausreis e und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51 E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.). 5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft - machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). E-719/2019 Seite 12 5.4 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe gel- tend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG, führen aber gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls (Art. 2 AsylG). Stattd essen wer- den Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und E. 7.1 sowie 2009/28 E. 7.4.3, beide mit weite- ren Hinweisen). 6. 6.1 Die Vorinstanz führte aus, dass es sich bei der vorgebrachten Verfol- gungssituation um eine private, von Dritten ausgehende handle. Die Be- schwerdeführerin habe aber die syrischen Behörden diesbezüglich nie um Hilfe ersucht, obschon sie nie Probleme mit denselben gehabt habe und die Scheidung von ihrem damaligen Ehemann vor Gericht habe durchset- zen können. Es würden keine Hinweise dafür vorliegen, dass der syrische Staat nicht gewillt gewesen wäre, ihr entsprechenden Schutz zu bieten , zumal sie die Hilfe ihres Bruders, der als (…) tätig sei, in Anspruch hätte nehmen können. Soweit die Beschwerdeführerin befürchte, bei einer Rück- kehr nach Syrien wegen der Anschuldigung ihres geschiedenen Mannes, die gemeinsame Tochter entführt zu haben und oppositionspolitisch tätig gewesen zu sein, verhaftet zu werden, sei festzuhalten, dass es sich hier- bei um eine subjektive Furcht der Beschwerdeführerin vor zukünftiger Ver- folgung handle, die lediglich auf den Informationen beruhe, die sie von ei- nem ehemaligen Geheimdienstmitarbeitenden erhalten habe. Eine objektiv begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung sei aber nicht ersichtlich. Ausserdem seien ihre Schilderungen hinsichtlich der falsc hen Anschuldi- gungen durch diese Person , die von ihrem geschiedenen Mann bezahlt worden sei, wenig substanziiert und nicht überzeugend ausgefallen. Des Weiteren sei es erstaunlich, dass ihr geschiedener Mann sie beim syri- schen Regime beschuldigt haben solle, sie dies aber erst im Jahre 2016, mithin drei Jahre nach ihrer Ausreise, erfahren habe. Ihm wäre es ferner bereits früher möglich gewesen, viel direkter Einfluss auf sie zu nehmen, als sie noch in Istanbul gelebt habe. Ausserdem habe sie den Heimatstaat problemlos legal mit ihrem eigenen Pass verlassen können. Sie habe auch keine Dokumente einreichen können, die auf ein Gerichtsverfahren in Sy- rien hindeuten würden. Insgesamt seien die Anforderungen an die Flücht- lingseigenschaft nicht erfüllt. Schliesslich seien die Lebensbedingungen und Probleme der Beschwer deführerin in der Türkei , welche ausserhalb E-719/2019 Seite 13 des Heimatstaates stattgefunden hätten, nicht asylrelevant. Dass ihr ge- schiedener Mann die gemeinsame Tochter entführt haben soll e, falle im Übrigen in die Kompetenz der heimatlichen Justizbehörden. 6.2 Dem hielt die Beschwerdeführerin in der Beschwerde entgegen, dass die Scheidung aus politischen Gründen erfolgt sei, ihre seit Jahrzehnten aktive turkmenische Familie in C._______ ab dem Jahr 2011 an Demonst- rationen teilgenommen und sie in der Folge begonnen habe, Personen zu unterstützen, die politisch aktiv gewesen seien oder hätten flüchten müs- sen. Mithin würden ihre politischen Tätigkeiten ein zentrales Vorbringen darstellen. Sowohl in der Türkei , wo sie als (…) für syrische Flüchtlinge bekannt geworden sei, als auch in der Schweiz sei sie politisch aktiv und habe unter anderem an Demonstrationen teilgenommen, wie dies die ein- gereichten Beweismittel belegen würden. Ausserdem habe sie sich bereits vor der syrischen Revolution humanitär betätigt und zusammen mit and e- ren Frauen eine Gruppe gegründet, welche ein Waisenhaus sowie ein «(…)» unterstützt habe. Des Weiteren habe sie ihr geschiedener Mann in ihrer Praxis aufgesucht und sie aufgefordert, ihm diese zur Verfügung zu stellen, wobei er sich mutmasslich in die Pra xis habe einbringen wollen, um sie auszuspionieren. Ihr geschiedener Mann sei sehr einflussreich und mächtig und verfüge über viele Kontakte, weswegen sie die Drohung, die er gegen sie und ihre Brüder ausgesprochen habe, ernst nehme. Sie habe sogar in der Türkei vor ihm fliehen müssen. Ihr geschiedener Mann, der für das syrische Regime gearbeitet und dieses unterstützt habe, habe sie als aktive Regimegegnerin denunziert und ein regimefeindliches Profil von ihr erstellt, weswegen sie bei einer Rückkehr nach Syrien erneut gezielt asyl- relevant verfolgt werden würde. Es sei ausserdem offensichtlich, dass sie sich als politisch aktive Person nicht an die syrischen Behörden zur Schutz- gewährung habe wenden können, wie von der Vorinstanz angenommen. Dass ihr Bruder Anwalt sei und ihr hätte behilflich sein können, ändere nichts daran, zumal auch er aus der turkmenischen, regimekritischen Fa- milie stamme. Sie habe ihre Verfolgungssituation äusserst detailliert und widerspruchsfrei geschildert, so dass die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen, namentlich die Begegnung mit dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter und die Denunziation durch ihren geschiedenen Mann, zu bejahen sei, un- geachtet des Fehlens allfälliger Beweismittel. Selbst ihre Kinder hätten sie zur Vorsicht vor ihrem geschiedenen Mann gemahnt. Soweit das SEM fer- ner ausgeführt habe, das Verhalten ihres geschiedenen Mannes sei unlo- gisch, könne dieses nicht als Unglaubhaftigkeitsargument angeführt wer- den. Sie sei im Jahre 2013 innert weniger Tage ausgereist, was ebenfalls auf eine Verfolgungssituation hindeute. Sie sei ausserdem nicht legal aus E-719/2019 Seite 14 Syrien ausgereist, sondern habe nur dank der Hilfe eines ehemaligen (…), der Chauffeur sei und auf der Strecke zwischen E._______ und Beirut ge- arbeitet habe, die Grenze überqueren können. 7. 7.1 Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt, hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass die Vorbringen der Beschwerdefüh- rerin im Ergebnis den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft ge- mäss Art. 3 und 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. 7.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sich sowohl in Syrien als auch in der Türkei politisch engagiert zu haben und bereits deswegen im Fokus der syrischen Behörden zu stehen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat vorwiegend sozial enga- giert hat, indem sie vor Ausbruch des Bürgerkrieges zusammen mit ande- ren Frauen beispielsweise regelmässig ein (…) respektive (…) besucht und unterstützt und während des syrischen Bürgerkriegs Hilfsgüter und Geld an Bedürftige in C._______ verteilt hat beziehungsweise über ihren Bruder hat verteilen lassen (act. A14/23 Q22 S. 4 f.). Ihren sozialen und wohltäti- gen Hilfsaktivitäten kann keine besondere politische oder gar regimekriti- sche Haltung entnommen werden. Die Beschwerdeführerin macht auch nicht geltend, dass sie deshalb bis zu ihrer Ausreise in den Fokus der syri- schen Behörden geraten ist. Dies gilt im Übrigen ebenfalls für ihr Vorbrin- gen, sie habe sich in der Heimat drei- bis viermal an eine Demonstration begeben und in ihrer Praxis Hilfsmittel für verletzte Demonstrationsteilneh- mer zur Verfügung gestellt. Auch diesbezüglich ist sie offenbar nicht in den Fokus der Sicherheitsbehörden geraten. Vielmehr gab sie an, mit den hei- matlichen Behörden keine Probleme gehabt zu haben (act. A14/23 Q43). 7.3 Soweit nunmehr auf Beschwerdeebene vorgebracht wird, die Be- schwerdeführerin stamme aus einer turkmenischen, regimekritischen Fa- milie, die in C._______ an Demonstrationen teilgenommen habe, ist fest- zustellen, dass sie diese Vorbringen nicht weiter konkretisiert hat. Die von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren geschilderten Um- stände des Todes ihrer Eltern in C._______ sind tragisch. Es scheint sich dabei aber um Umstände zu ha ndeln, die im Zusammenhang mit der un- berechenbaren Bürgerkriegssituation stehen und ihre Eltern daher Opfer zufälliger Tötungshandlungen wurden. Gezielte Verfolgungshandlungen aufgrund der turkmenischen Abstammung wurden nicht geltend gemacht. E-719/2019 Seite 15 7.4 Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihr geschiedener Mann habe nach der Zerstörung seiner eigenen Praxis in ihrer Praxis praktizieren wol- len, sie habe dies abgelehnt, woraufhin er sie bedroht und die Grundstücke ihrer Brüder bombardiert habe (act. A14/23 Q41), scheint konstruiert. Ins- besondere konnte die Beschwerdeführerin nicht schlüssig darlegen, wie es ihrem geschiedenen Ehemann gelungen sein soll, innerhalb kürzester Zeit einen Angriff auf das Grundstück ihrer Brüder zu lancieren. Der pauschale Verweis, ihr geschiedener Mann sei sehr einflussreich, überzeugt diesbe- züglich nicht. Soweit sie weiter vorbringt, nach ihrer Ausreise aus dem Hei- matstaat in der Türkei politisch aktiv, insbesondere bei syrischen Flüchtlin- gen bekannt gewesen zu sein und Patienten jedwelcher politischen Gesin- nung behandelt zu haben, ergibt sich aus diesem Vorbringen kein konkre- ter Hinweis darauf, dass sie in den Fokus der syrischen Behörden geraten ist. 7.5 Grundsätzlich sind für die Beurteilung eines Asylgesuchs Verfolgungs- massnahmen unwesentlich, die eine asylsuchende Person ausserhalb des Staates, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, erlitten hat. Soweit sich die Vorbringen der Beschwerdeführerin auf den Zeitraum nach Verlassen ihres Heimatstaates beziehen, sind diese einzig dann für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft relevant, wenn diese in Syrien zu einer relevan- ten Verfolgungssituation führen. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung eine Verfolgungssituation in Syrien jedoch zutreffend verneint. 7.6 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, während ihres Aufent- halts in der Türkei in arabisch-sprachigen TV-Sendungen aufgetreten zu sein. Diesbezüglich hält sie aber selbst fest, sich dabei nicht gegen das syrische Regime geäussert zu haben (act. A14/23 Q62 f.). Hinsichtlich der TV-Sendungen ist ausserdem festzustellen, dass sich die als Beweismittel eingereichten Screenshots auf mehrere Ausstrahlungen eines ägyptischen Fernsehsenders aus Istanbul beziehen, bei welchen die Beschwerdefüh- rerin als Gast auftrat und (…) Auskünfte gab. In ihrer Funktion als (…) sprach sie dabei Themen wie (…) und (…) an. Dass sie sich im Rahmen dieser TV-Sendungen in irgendeiner Weise regimekritisch geäussert hat und damit in den Fokus der syrischen Behörden geraten ist, ist hingegen nicht ersichtlich. Auch auf Beschwerdeebene vermag die Beschwerdefüh- rerin nicht darzulegen, inwiefern der Inhalt der TV -Sendungen sie gegen- über den syrischen Behörden als Regimekritikerin erkennbar gemacht ha- ben sollte. E-719/2019 Seite 16 7.7 Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass die Tätigkeiten der Be- schwerdeführerin in Syrien und in der Türkei den syrischen Behörden be- kannt geworden sein könnte n, oder der Tätigkeit generell eine Intensität und Exponiertheit zukam, die behördliches Interesse hätte vermuten las- sen. 7.8 Des Weiteren ist festzustellen, dass die (nach-)ehelichen Probleme der Beschwerdeführerin mit ihrem geschiedenen Mann vorliegend zwar grund- sätzlich nicht in Abrede gestellt werden . Den Akten ist aber auch zu ent- nehmen, dass sich die Beschwerdeführerin auf eigenen Wunsch hin hat scheiden lassen können und das Sorgerecht für ihre Tochter erlangt hat, sie mithin ihre Rechte gegenüber ihrem geschiedenen Mann zumindest teilweise hat durchsetzen können. In Bezug auf die geltend gemachte Ent- führung ihrer Tocht er aus Istanbul durch ihren geschiedenen Mann im Jahre 2015 ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sich die Be- schwerdeführerin an die heimatlichen Strafverfolgungsbehörden wenden kann, allenfalls mithilfe ihres Bruders, der als (…) tätig ist. Den geschilder- ten Problemen betreffend die Tochter ist zudem von vornherein kein asyl- relevantes Motiv zu entnehmen. 7.9 Des Weiteren ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin in Bezug auf die angeblich durch ihren geschiedenen Mann erfolgte Denunziation vage und teils unplausibel ausgefallen sind. Die Beschwerdeführerin bringt zwar vor, ihr geschiedener Mann sei mächtig, habe viele Kontakte und sei Mitglied der Organisation Ahmad Jibril. Sie vermochte aber weder näher auszuführen, welche Funk- tion er bei der Organisation innehaben noch über welche einflussreichen Kontakte er verfügen soll (act. A14/23 Q30 ff.). Ihre diesbezüglichen Aus- führungen verlieren sich in allgemeinen Informationen zur Organisation Ahmad Jibril (act. A14/23 Q30). Ausserdem gelingt es ihr nicht, schlüssig aufzuzeigen, inwiefern ihr geschiedener Mann auch politisch Einfluss ge- habt haben soll. Das Vorbringen, er sei von vielen Personen besucht und um Hilfe gebeten worden (act. A14/23 Q31), erklärt seinen angeblich en- gen Kontakt zum syrischen Regime nicht. Ebenso das Vorbringen, er habe sie an das syrische Regime wegen Kindsentführung und Unterstützung der türkischen Regierung im Krieg gegen Syrien verraten, erscheint nach dem Gesagten unplausibel. Zudem scheint das Vorbringen zum Aufeinandertreffen Anfang 2016 mit ei- nem ihr unbekannten Mann, bei welchem es sich um einen ehemaligen syrischen Geheimdienstmitarbeiter handeln soll, auch nach Ansicht des E-719/2019 Seite 17 Gerichts konstruiert. Ihre Vorbringen, de r ehemalige Geheimdienstmitar- beiter habe über sie und ihren Fall im Detail Bescheid gewusst, der syri- sche Geheimdienst habe ihrem geschiedenen Mann gegen Bezahlung ge- holfen, einen Fall gegen sie zu konstruieren , und der ehemalige Geheim- dienstmitarbeiter habe sein Gewissen beruhigen wollen und ihr deshalb davon erzählt (act. A14/23 Q52 ff.), mutet realitätsfremd an und ist nicht nachvollziehbar. Entsprechend kann auch das Vorbringen, dieser ihr unbe- kannte Mann habe ihr von einem Urteil gegen sie wegen Kindesentführung erzählt, welches in Syrien in ihrer Abwesenheit ergangen sei, was ihre beim Vater lebenden Kinder ihr gegenüber bestätigt hätten, nicht geglaubt wer- den. Wie bereits vom SEM beanstandet, vermochte die Beschwerdeführe- rin keine entsprechenden Beweise für dieses gegen sie ergangene Urteil einzureichen. 7.10 Auf Beschwerdeebene wird ausserdem e ine exilpolitische Tätigkeit der Beschwerdeführerin in der Schweiz geltend gemacht und zwei Fotos von ihr an einer Demonstration in G._______ eingereicht. Dieses Vorbrin- gen ist aber nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung als der getroffe- nen im Hinblick auf das Risikoprofil zu führen, zumal die Fotos undatiert sind, offensichtlich keine politische Demonstration zeigen und das angeb- liche politische Engagement der Beschwerdeführerin in der Schweiz auch sonst nicht weiter substanziiert wird. Weder die geltend gemachte Teil- nahme an einer Demonstration noch die (im Übrigen nicht belegten) Face- book-Profile der Beschwerdeführerin lassen auf ein exilpolitisches Enga- gement schliessen, das sie als ernsthafte Regimekritikerin erkennen lässt. 7.11 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Vor- bringen nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu be- gründen. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch der Beschwerdeführerin abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). E-719/2019 Seite 18 8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8.3 Im vorliegenden Fall ist im Übrigen anzumerken, dass sich aus den angestellten Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerdeführerin sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der jüngsten Entwicklungen der Si- tuation in Syrien in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage im Falle der Beschwerdeführerin ausschliesslich auf die allgemeine in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurückzu- führen, welche durch die Vorinst anz mit Verfügung vom 8. Januar 2019 gestützt auf Art. 83 Abs. 4 des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR 142.20) im Rahmen der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs berücksichtigt wurde. 8.4 Nach konstanter Praxis sind die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un- möglichkeit) alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Wegweisungsvollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere An- wesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen der vorläufigen Auf- nahme zu regeln (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; BVGE 2009/51 E. 5.4). Nachdem die Vorinstanz gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AIG zufolge Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme angeordnet hat erübrigen sich weitere Ausführungen in diesem Zusammenhang. 9. 9.1 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt hat (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 15. Feb- ruar 2019 wurde zwar das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ge- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen , dies aber unter dem Vorbehalt einer nacht räglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse . Die Be- schwerdeführerin ist zwischenzeitlich in der Schweiz erwerbstätig und hat mit Eingabe vom 5. Jul i 2021 erklärt, nicht m ehr bedürftig im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu sein. Die gewährte unentgeltliche Prozessführung ist daher wiedererwägungsweise aufzuheben. E-719/2019 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die mit Verfügung vom 15. Februar 2019 gewährte unentgeltliche Prozess- führung wird wiedererwägungsweise aufgehoben. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Natassia Gili Versand: