B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6555/2023 U r t e i l v o m 5 . D e z e m b e r 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Chiara Piras, mit Zustimmung von Richter Basil Cupa; Gerichtsschreiber Nikola Nastovski. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch MLaw Nathalie Kux, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 15. November 2023 / N (…). D-6555/2023 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer am 8. Oktober 2023 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac» -Datenbank vom 11. Oktober 2023 ergab, dass er am 5. Oktober 2023 in Kroatien ein Asylgesuch gestellt hatte, dass am 17. Oktober 2023 seine Personalien aufgenommen wurden, dass er mit Vollmacht vom 20. Oktober 2023 die ihm zugewiesene Rechts- vertretung des Bundesasylzentrums (BAZ) der Region B._______ manda- tierte, dass ihm anlässlich des Dublin -Gesprächs vom 24. Oktober 2023 das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens, zu einer all- fälligen Rückkehr dorthin sowie zu seinem Gesundheitszustand gewährt wurde, dass das SEM gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio- nalen Schutz zuständig ist (nachfo lgend Dublin -III-VO) am 24. Okto- ber 2023 die kroatischen Behörden um Übernahme des Beschwerdefüh- rers ersuchte, dass die kroatischen Behörden das Ersuchen innerhalb der Frist gemäss Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO unbeantwortet liessen, dass das SEM mit Verfügung vom 1 5. November 2023 – eröffnet am 20. November 2023 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien anordnete, den Beschwerdeführer zum Verlassen der Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist aufforderte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte, die editionspflichtigen Akten aushän- digte und feststellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschie- bende Wirkung zu, D-6555/2023 Seite 3 dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2 7. November 2023 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und fünf Dokumente beilegte, darunter zwei Fotos einer Handverletzung mit Datum vom 10. Oktober 2023 (Beilage 3), einen Bericht einer Biopsie vom 15. Juni 2023 in Kopie auf Türkisch (Beilage 4) und einen Bericht «Over- view of the Dublin situation» vom 22. September 2023 (Beilage 5), dass er darin beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das Asyl- verfahren in der Schweiz durchzuführen; eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Sachverhalts- abklärungen an das SEM zurückzuweisen, dass er in prozessualer Hinsicht – unter Anweisung an die Vollzugsbehör- den, von einer Wegweisung nach Kroatien abzusehen, bis das Bundesver- waltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden habe – um Erteilung der aufschiebenden Wirkung im Sinne einer vorsorglichen Mas- senahme ersuchte, dass er weiter beantragte, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu ge- währen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die Akten der Vorinstanz sowie das Verfahren seines Neffen betreffend (N […]) beizuziehen, dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 28. November 2023 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG), dass die zuständige Instruktionsrichterin mit Verfügung vom 28. November 2023 den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 des Bundesgeset- zes übe r das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021) per sofort einstweilen aussetzte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 des Bundesgeset- zes über das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Juni 2005 [VGG; SR 173.32] und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bun- desgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]), D-6555/2023 Seite 4 dass sich das Verfahren nach dem Bundesgesetz über das Verwaltungs- verfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021), dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass sich die Kognition des Gerichts beziehungsweise die zulässigen Rü- gen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an dere n Aufhebung beziehungsweise Ände- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründethei t hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vor - instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.), dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig- keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent- scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), dass das vorliegende Beschwerdeverfahren aufgrund des engen sachli- chen und persönlichen Zusammenhang s mit demjenigen seines Neffen (D- 6560/2023; N […]) koordiniert behandelt wird, dass in der Beschwerde gerügt wurde, die Vorinstanz habe den Sachver- halt in Bezug auf die psychische Gesundheit des Beschwerdeführers sowie auf die Situation als Dublin -Rückkehrer nach Kroatien nur unzureichend abgeklärt und ihre Begründungspflicht sowie weitere Teilgehalte des An- spruchs auf rechtliches Gehör verletzt, D-6555/2023 Seite 5 dass das Verwaltungs - respektive Asylverfahren vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht wird (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen, die rechtlich relevanten Um- stände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H), dass die Sachverhaltsfeststellung namentlich unvollständig ist, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa- chumstände berücksichtigt hat (vgl. BVGE 2008/43 E. 7.5.6; ferner AUER/ BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Auflage 2019, N 16 zu Art. 12 VwVG), dass gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) und Art. 29 VwVG die Parteien eines Verfahrens Anspruch auf rechtliches Gehör haben, wonach die verfügende Behörde d ie Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 m.w.H.), dass sich die Vorinstanz – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung – mit allfälligen systemischen Mängeln auseinandergesetzt und sich dabei auf umfangreiche Abklärungen durch die Schweizer Bot- schaft in Kroatien abgestützt hat, dass sie damit auch ihrer Begründungspflicht nachgekommen ist, dass sich das SEM des Weiteren beim Gesundheitsdienst des BAZ C._______ über den medizinischen Sachverhalt betreffend den Beschwer- deführer erkundigt hat (vgl. SEM -Akte 20/2) und dies in die Begründung des Nichteintretensentscheids vom 15. November 2023 eingeflossen ist, dass der Beschwerdeführer trotz Hinweises auf die entsprechende Mög- lichkeit sich nie medizinisch untersuchen liess (vgl. SEM-Akten 13/3 und 20/2), dass vorliegend nicht ersichtlich ist, welche weiteren Abklärungen die Vor- instanz noch hätte tätigen sollen, D-6555/2023 Seite 6 dass der Beschwerdeführer insbesondere eine posttraumatische Belas- tungsstörung vorbringt, die ihm Schlaflosigkeit und Gefühle der Angst be- reite, und seine seelischen Wunden die schlimmsten Wunden seien (vgl. Beschwerdeschrift, S. 5), dass er auch auf Beschwerdeebene keine entsprechenden ärztlichen Be- richte zu den Akten reichte (vgl. Art. 8 AsylG), dass von den geltend gemachten Beschwerden einzig Rosazea ärztlich di- agnostiziert worden ist, dass somit de r Sachverhalt vollständig erstellt wurde und sich die Vor- instanz in der angefochtenen Verfügung unter E. II, S. 6 ff. auch rechts- genüglich geäussert hat, dass der Umstand, dass der Beschwerdeführer die diesbezüglichen Schlussfolgerungen der Vorinstanz nicht teilt, keine Verletzung des rechtli- chen Gehörs oder der Pflicht zur vollständigen Sachverhaltsabklärung dar- stellt, sondern eine materielle Frage über die vorgebrachten Überstellungs- hindernisse betrifft, dass sich aufgrund des Gesagten die formellen Rügen als unbegründet erweisen, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache an die Vor- instanz zurückzuweisen und das entsprechende Eventualbegehren abzu- weisen ist, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG) und diesbe züglich die Dublin -III-VO zur Anwendung kommt, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi- gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vg l. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) – wie im vorliegenden Fall – grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III stattfindet (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.), D-6555/2023 Seite 7 dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig- keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu- ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grund- rechte der Europäischen Union (nachfolgend: EU -Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der Dublin-III-VO kein anderer zustän- diger Mitgliedstaat bestimmt werden kann, dass der nach Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 wieder aufzune hmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin- III-VO), dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell- ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), dass dieses Selbsteintrittsrecht im Landesrecht in Art. 29a Abs. 3 der Asyl- verordnung 1 vom 11. August 1 999 (AsylV 1; SR 142.311) konkretisiert wird und das SEM ein Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung aus huma- nitären Gründen auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin- III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, dass dies auch im Rahmen des take back-Verfahrens gilt und bei Vorliegen individueller völkerrechtlicher Überstellungshindernisse der Selbsteintritt zwingend ist (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1), dass die Vorinstanz anhand der Angaben in der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zuständigkeit Kroatiens erkannte und die kroatischen Behörden – gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO – um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ersuchte (sog. take back-Verfahren), D-6555/2023 Seite 8 dass die kroatischen Behörden diesem Gesuch unbeantwortet liessen, wo- mit die Zuständigkeit Kroatiens im Sinne von Art. 25 Abs. 2 Dublin -III-VO grundsätzlich gegeben ist (vgl. SEM-Akte 18/1), dass der Beschwerdeführer vorbringt, ihm seien die Fingerabdrücke gegen seinen Willen und unter Anwendung von Gewalt abgenommen worden und er habe als Folge davon Verletzungen an den Händen davongetragen, dass er in Kroatien kein Asylgesuch gestellt habe, dass ihn die kroatische Polizei aufgegriffen und geschlagen habe, dass sie ihn unmenschlich erniedrigend und sogar lebensbedrohend behan- delt habe, indem er in einen Container mit 23 anderen Personen unterge- bracht worden sei, man ihn beleidigt habe, auf seine Kleider herumgetram- pelt sei und ihn der Kälte ausgesetzt habe, dass das Asylverfahren in Kroatien systemische Mängel aufweise, dass der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang diverse Beiträge und Urteile erwähnt, unter anderem einen Bericht der «Croatia Submis- sion» vom 20. Januar 2023, Recherchen der Gruppe «Lighthouse Re- ports» von Anfang April 2023, ein Bericht der NGO «Solidarité sans fronti- ères», die Urteile des EGMR in Sachen M.H. und andere gegen Kroatien sowie Daraibou gegen Kroatien, ein Bericht der Delegation des Netzwerks migrationscharta.ch vom 9. August 2023 sowie diverse Berichte der SFH, dass er weiter einen Artikel der Wochenzeitung (WOZ, «Eine Kette der Verachtung» vom 22. Dezember 2022) zitiert, der die Aussagekraft der Ab- klärungen durch die Schweizerische Botschaft in Zagreb in Zweifel ziehen soll, dass der Beschwerdeführer gemäss E urodac-Datenbank – entgegen sei- ner Behauptung – am 5. Oktober 2023 in D._______, (Kroatien) ein Asyl- gesuch gestellt hat (vgl. SEM-Akte 7/1), dass aufgrund der Aktenlage keine Sachverhaltsumstände ersichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Überstellung in den zuständigen Dublin-Vertragsstaat Kroatien sprechen würden, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ih- ren Antrag prüfenden Staat auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), D-6555/2023 Seite 9 dass sich die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden aus- ländischen Personen und Asylsuchenden auf Art. 14 Abs. 1 der Verord- nung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 (Eurodac -Verordnung) stützt und das Vorgehen der kroati- schen Behörden insoweit nicht zu beanstanden ist, dass ungeachtet der anderslautenden Beschwerdevorbringen in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass Kroatien Signatarstaat der EMRK, des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei Kroatien nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach- kommt, dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner jüngst bestätigten Recht- sprechung unter Berücksichtigung diverser staatlicher und nichtstaatlicher Quellen sowie die Rechtsprechung anderer Dublin -Staaten nicht davon ausgeht, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023; statt vieler jüngst Urteil des BVGer D-5936/2023 vom 16. November 2023 E. 6.3.2), dass auch unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer geschilder- ten Erlebnisse nicht davon auszugehen ist, Kroatien verstosse systema- tisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen, weshalb di e Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, dass der angeführte WOZ -Artikel beziehungsweise ein darin enthaltenes Zitat per se nicht geeignet ist, Zweifel an der Ernsthaftigkeit der durch das SEM durchgeführten Abklärungen zur Sit uation von Dublin -Rückkehren- den aufkommen zu lassen (vgl. Urteil BVGer D -6006/2022 vom 8. Mai 2023 E. 4.2), dass die vom Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene eingereichten Fo- tos zwar durchaus Blessuren zeigen, diese allerdings weder einen relevan- ten Schweregrad aufweisen noch für sich allein einen Kausalzusammen- hang zu den geschilderten Vorfällen zu beweisen vermögen (vgl. Be- schwerde, Beilage 3), D-6555/2023 Seite 10 dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge- tan hat, wonach er in Kroatien persönlich ernsthaft gefährdet wäre oder sich die kroatischen Behörden weigern würden, ihn aufzunehmen und sei- nen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber- kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) zu prü- fen, dass den Akten sodann auch keine Gründe für die konkrete Annahme zu entnehmen sind, Kroatien werde im Fall des Beschwerdeführers den Grundsatz des Non -Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen kann (vgl. Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H., bestätigt durch Savran gegen Dä- nemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer 57467/15, §§ 121 ff.), dass eine solche Situation vorliegend nicht gegeben ist, zumal in den Akten keine Arztberichte vorhanden sind und auch keine Informationen zu durch- geführten oder pendenten Arztterminen vorliegen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten gesundheitlichen Be- schwerden (Rosazea, psychische Belastung mit Schlafproblemen) sodann auch kein Hindernis für eine Überstellung nach Kroatien darstellen, zumal Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur (auch für psy- chische Leiden) verfügt und es keinen Grund zur Annahme gibt, ihm werde dort im Rahmen seiner Aufnahme notwendige medizinische Behandlung beziehungsweise Weiterbehandlung verweigert (zur medizinischen Ver- sorgung in Kroatien vgl. statt vieler Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 10.2), dass sich der Beschwerdeführer im Übrigen bei Bedarf – entgegen der an- derslautenden Beschwerdevorbringen – an die kroatischen Behörden wen- den und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern kann (vgl. insb. Art. 26 der Richtlinie d es Europäischen D-6555/2023 Seite 11 Parlaments und des Rats 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen, sog. Aufnahmerichtlinie), dass sich aus der – koordiniert mit dem Neffen zu erfolgenden – Überstel- lung nach Kroatien mithin auch unter Berücksichtigung der gesund heitli- chen Vorbringen des Beschwerdeführers keine Verletzung von Art. 3 EMRK oder anderer völkerrechtlicher Verpflichtungen ergibt, dass demnach kein Grund für eine zwingende Anwendung der Ermessens- klausel von Art. 17 Dublin-III-VO ersichtlich ist und den Akten auch nicht zu entnehmen ist, dass das SEM sein Ermessen bei der Prüfung von allfälli- gen Überstellungshindernissen im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht korrekt ausgeübt hätte, dass die Vorinstanz nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Kroatien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass demnach die Beschwerde abzuweisen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich die Begehren auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung mit entsprechender Anweisung an die zuständigen Behörden sowie auf Erlass des Kostenvorschusses als gegenstandslos erweisen und der am 28. No- vember 2023 angeordnete Vollzugsstopp dahinfällt, dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als offensichtlich aussichtlos zu bezeichnen sind, womit eine der kumulativen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten in der Höhe von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]) dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-6555/2023 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Vollzugsbehörden werden angewiesen, die Überstellung des Be- schwerdeführers nach Kroatien mit jenen seines Neff en (D -6560/2023; N […]) zu koordinieren. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Chiara Piras Nikola Nastovski Versand: