Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Juni 2022 (720 21 129 / 128) ____________________________________________________________________ IV-Rente Bei der Bemessung der Invalidität von Selbständigerwerbenden ist je nach Einzelfall die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs oder das ausserordentliche Bemes- sungsverfahren anzuwenden. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin i.V. Andrina Lang Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Axel Delvoigt, Advo- kat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ ist gelernter Metallbausch losser und arbeitet seit 2015 als Selbständigerwerbender in der B.____, wobei er dara n zu 75% beteiligt ist. Am 11. Dezem- ber 2017 (Eingang) meldete er sich unter Hinweis auf Beschwerden des Bewegungsapparats bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungs bezug an. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge den gesundheitlichen und erwerblichen Sachverhalt ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte die IV -Stelle mit Verfügung vom 9. März 2021 einen Rentenanspruch des Versicherten gest ützt auf einen Invaliditätsgrad von 24 % (ab Juni 2018) bzw. 13 % (ab Januar 2019) ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr . Axel Delvoigt, mit Eingabe vom 23. April 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Lan dschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es sei die Verfügung vom 9. März 2021 aufzuheben und es sei ihm ab dem 1. Juni 2018 mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen, unter o/e-Kos- tenfolgen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur wei teren Abklärung an die IV-Stelle zurückzu- weisen. In der Beschwerde wurde im Wesentlichen gelten d gemacht, dass der Invaliditätsgrad falsch berechnet worden sei, da die IV-Stelle sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkom- men in nicht korrekter Weise ermittelt habe. Bestritten wurde sodann die von der IV-Stelle ange- nommene Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigk eit, wobei dieser Frage nur dann Bedeu- tung zukomme, wenn abweichend von der bisherigen Berechnung der IV-Stelle das Invalidenein- kommen aufgrund einer angepassten Tätigkeit ermittelt werde. C. Mit Vernehmlassung vom 17. Juni 2021 hielt die IV-S telle fest, dass dem Beschwerde- führer insoweit zuzustimmen sei, als die streitige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer Ver- weistätigkeit insoweit vernachlässigbar sei, als die Ermittlung des Invalideneinkommens sich auf die effektiv vom Beschwerdeführer in seinem Beruf als Schlosser erzielten Einkommen abstütze. Die Beschwerdegegnerin verwies im Übrigen auf den Abklä rungsbericht für Selbstän-digerwer- bende vom 16. Juni 2021, wonach gemäss neuer Berechnung ein Invaliditätsgrad von 31.45 % resp. 36.22 % ermittelt wurde. Demzufolge beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 31. August 2021 nahm der Beschwerdefü hrer zu den in der Vernehmlas- sung neu vorgebrachten Argumenten Stellung, beantragte neu eine halbe Rente ab dem 1. Juni 2018, unter o/e-Kostenfolge, und reichte zudem diverse Unterlagen zu den Akten. E. Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Duplik vo m 27. Oktober 2021 eine teilweise Gutheissung der Beschwerde. Die IV-Stelle verwies auf einen am 27. Oktober 2021 neu erstellten Abklärungsbericht. Darin wurde ein Invaliditätsgrad von 48.93 % im Jahr 2018 resp. 49.53 % im Jahr 2019 ermittelt. Demzufolge bestehe Anspruch auf ei ne Viertelsrente. Gleichzeitig machte die IV-Stelle geltend, dass der Beschwerdeführer ihr im Verwaltungsverfahren entscheidrelevante Unterlagen vorenthalten habe. Somit sei er seiner Mitwirkungspflicht nicht genügend nachgekom- men und habe mutwillig eine Prozessführung veranlasst. Folglich beantragte sie, die Verfahrens- und Parteikosten seien trotz teilweiser Gutheissung der Beschwerde vollumfänglich vom Be- schwerdeführer zu tragen. F. Mit Schreiben vom 19. November 2021 nahm der Besch werdeführer zu den Anträgen in der Duplik der Beschwerdegegnerin Stellung und hielt an seinen Rechtsbegehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über di e Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen f rist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde vom 23. April 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19 . Juni 2020 beschlossene Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 ("Weiterentwick- lung der IV", WEIV) in Kraft. Die vorliegend angefo chtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massge- benden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3 .1, 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2. Vorliegend streitig und zu prüfen ist der Renten anspruch des Beschwerdeführers. 3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsun fähigkeit ist der durch Beeinträchti- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich- keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge- sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 3.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die wäh- rend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfä- hig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigke it müssen kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (Urteile des Bundesgerichts vom 21. Okto- ber 2013, 8C_174/2013, E. 3.2 und vom 5. Mai 2011, 9C_996/2010, E. 7.1, je mit Hinweisen). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei ei- nem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halb e Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstäti gen Versicherten – auch von Selbstän- digerwerbenden – ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28 a Abs. 1 IVG). Demnach wird für die Be- stimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei a usgeglichener Arbeitsmarktlage er- zielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie er- zielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensver- gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom- men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einande r gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimme n (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a u nd b). Insoweit die fraglichen Er- werbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werde n können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und si nd die so gewonnenen Annäherungs- werte miteinander zu vergleichen. 3.3.2 Namentlich bei Selbständigerwerbenden kann sich eine zuverlässige Ermittlung der bei- den hypothetischen Vergleichseinkommen als schwierig ode r unmöglich erweisen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen weder zuverlässig ermitteln noch schätzen, so ist ausnahmsweise in Anlehnung an Art. 27 IVV ein Betätig ungsvergleich durchzuführen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkun gen der verminderten Leistungsfä- higkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu best immen (sog. ausserordentliches Bemes- sungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1; Urteil des Bundesgeri chts vom 7. Oktober 2009, 9C_236/2009, E. 3 und 4). Zunächst ist anhand des Bet ätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung festzustellen; sodann ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung beson- ders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funkti onellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge zu haben. Eine gesetzliche Regelung, welche Bemessungsmethode bei Selb- ständigerwerbenden anzuwenden ist, gibt es nicht. Welche Methode Anwendung findet, hängt in erster Linie davon ab, ob sich die hypothetischen Erwerbseinkommen zuverlässig schätzen las- sen (allgemeine Methode) oder nicht (ausserordentliche Methode). Anzufügen ist in diesem Zu- sammenhang, dass den Verwaltungsbehörden bezüglich der Auswahl der Methode ein gewisser Ermessensspielraum zusteht, in den das Gericht nicht ohne Not eingreift (Urteil des Bundesge- richts vom 7. November 2021, 9C_424/2012, E. 5.3). 4.1 Die Ermittlung des Invaliditätsgrades basiert auf d er Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Im vorliegenden Fall gehen die Parteien übereinst immend davon aus, dass der Be- schwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als selbständiger Schlosser aus gesundheitlichen Gründen nur noch zu 70 % bzw. maximal 80 % arbeitsfähig ist. Die Einschätzungen der behan- delnden Ärzte, Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chi rurgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, und Dr. med. D.____, FMH Innere Medizin, einerseits und des Regionalen ärzt- lichen Dienstes (RAD) andererseits decken sich insoweit weitgehend und sind absolut schlüssig. Streitig ist die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, da die IV-Stelle diesbezüglich ge- stützt auf die Beurteilungen von Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumato- logie des Bewegungsapparates, RAD, in seiner Beurteilung vom 24. April 2019 von einer Arbeits- fähigkeit von 50 % ab 25. April 2018 bzw. 80 % ab 2. Ju li 2018 ausgeht, während sich der Be- schwerdeführer insoweit auf die Arbeitsunfähigkeitsbesche inigungen der behandelnden Ärzte stützt. Letztere differenzieren jedoch, wie die Beschwerdegegnerin zurecht geltend macht, nicht zwischen angestammter Tätigkeit und möglicher Verweistätigkeit. Diese Diskrepanz ist aber wie- derum solange unerheblich, als wie hier auch das Invalide neinkommen auf der Basis des tat- sächlich noch erzielten Einkommens des Beschwerdeführers als selbständigem Schlosser ermit- telt wird. Vor diesem Hintergrund kann auf weitere Ausführungen zur gesundheitlichen Situation und der daraus resultierenden medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit verzichtet werden. 5. Zu prüfen sind nachfolgend die erwerblichen Auswirku ngen der Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit. 6.1 Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad zu nächst gestützt auf die Schweizeri- sche Lohnstrukturerhebung LSE (Valideneinkommen) einerseits und die Angaben aus dem indi- viduellen Konto (IK) der Ausgleichskasse für das Jahr 201 8 andererseits (Invalideneinkommen) errechnet und gelangte zu einem Invaliditätsgrad von 24 % ab 25. April 2018 und von 13 % ab 1. Januar 2019. Im Verlauf des Beschwerdeverfahrens gelangte die IV-Stelle gestützt auf einen weiteren Abklärungsbericht vom 16. Juni 2021 mittels ge änderter Berechnungsmethode unter Berücksichtigung der Einwände des Beschwerdeführers und d er Geschäftsunterlagen zum Er- gebnis, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2018 eine Erwerbseinbusse von 31,45 % und im Jahr 2019 eine solche von 36,22 % erlitten habe, womit sich nach wie vor kein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergebe. Im Nachgang zur Replik des Beschwerdeführers wurde ein weiterer Ab- klärungsbericht erstellt, welcher vom 27. Oktober 2021 da tiert. In dieser Berechnung ermittelte die Beschwerdegegnerin zunächst auf Basis eines Betätigungsvergleichs, dass die Tätigkeit des Beschwerdeführers in den Bereichen Administration, Ku ndenberatung, Materialbeschaffung/Ar- beitsvorbereitung und Reinigung mit einem Gesamtantei l von 19 % unter Berücksichtigung der Schadenminderung in Etappen und verlangsamt im bisherigen Rahmen umsetzbar sei und folg- lich keine Einschränkung vorliege. In den Bereichen Schl osser- und Montagearbeiten mit Ge- samtanteil von 81 % habe der Beschwerdeführer 56,7 Stu nden pro Woche gearbeitet. Bei der Berechnung der Mehrkosten für diese beiden Bereiche sind deshalb die ausgewiesenen Perso- nalkosten, welche aufgrund des Gesundheitsschadens angefallen sind, bei einer 42-Stundenwo- che auf 56,7 Stunden pro Woche hochgerechnet worden. Die Restarbeitsfähigkeit des Beschwer- deführers wurde sodann wieder in Abzug gebracht. Konkret wurde zur Berechnung des Validen- einkommens das Nettoeinkommen gemäss Lohnausweis 2018, der Anteil des Beschwerdefüh- rers am Betriebserfolg (im Umfang von 75 %) sowie ein Anteil der entstandenen Mehrkosten Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch die Anstellung von Ersatzmitarbeitern addiert. Da s Invalideneinkommen ergab sich aus dem Nettoeinkommen gemäss Lohnausweis 2018 zuzüglich dem Anteil am Betriebserfolg. Die Berechnung von Validen- und Invalideneinkommen 2019 erfolgte in gleicher Weise unter Berück- sichtigung der Angaben für das Jahr 2019. Daraus ergab si ch für 2018 eine Erwerbseinbusse von Fr. 78'830.-- und damit ein Invaliditätsgrad von 48.93 % und für 2019 eine Erwerbseinbusse von Fr. 83'265.-- und folglich ein Invaliditätsgrad von 49.53 %. Damit hat die Beschwerdegegnerin ihre Berechnung des Invaliditätsgrads – entsprechend den Vorgaben von Gesetz und Rechtsprechung – auf die konkret vorliegenden Zahlen abgestützt, wobei sie die Mehrkosten, welche dem Beschwerdeführer auf Grund der Anstellung von Ersatz- mitarbeitern entstanden sind, anhand eines Betätigungsv ergleichs der versicherten Person er- mittelt und berücksichtigt hat. Da der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der im Dezember 2017 erfolgten Anmeldung und dem frühestens sechs Mon ate später möglichen Rentenbeginn unbestrittenermassen frühestens ab Juni 2018 Anspruch auf eine IV-Rente hat, wurden die Ver- hältnisse der Jahre 2018 und 2019 berücksichtigt. 6.2 Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist im Grundsatz nicht zu beanstanden, wie auch der Beschwerdeführer anerkennt. Soweit sich auf dieser Basis für das Jahr 2019 ein Invali- ditätsgrad von 49,53 % ergibt, führt dies – entgegen dem Antrag der Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 27. Oktober 2021 – nicht zu einer V iertels-, sondern zu einer halben Rente, da bei dieser Sachlage gemäss Rechtsprechung (vgl. BGE 130 V 121) eine Rundung zu erfolgen hat, was einen Invaliditätsgrad von 50 % ergibt. Nachd em auch der Beschwerdeführer ab dem Jahr 2019 eine halbe Rente beantragt hat, sind weitere Ausführungen dazu entbehrlich. 6.3 Zu beurteilen bleibt damit die Höhe des Rentena nspruchs für den Zeitraum Juni bis De- zember 2018. Die Beschwerdegegnerin geht insoweit von einem Anspruch auf eine Viertelsrente aus, während der Beschwerdeführer auch hier einen Ansp ruch auf eine halbe Rente geltend macht. Der Beschwerdeführer rügt, dass er während des ganzen Jahres 2018 auf einen Ersatz- mitarbeiter angewiesen gewesen sei, nicht nur während der 10,5 Monate, welche die IV-Stelle bei den Kosten der Angestellten F.____ und G.____ b erücksichtigt habe. Andererseits übe seit Mai 2018 allein G.____ die Position des Beschwerdeführers aus, bei dem höhere Lohnkosten als bei F.____ anfallen würden. F.____ habe nicht die nötigen Fähigkeiten besessen, den Beschwer- deführer zu vertreten, und sei auch nicht mehr für die Firma tätig. Die IV-Stelle hat sich zu diesen Vorbringen nicht mehr geäussert. Die Argumentation des Beschwerdeführers überzeugt nicht. So ergibt sich einerseits aus den Akten, dass die Herren F._ ___ und G.____ nicht nacheinander beim Beschwerdeführer tätig waren, sondern gleichzeitig. Gemäss Lohnausweis war G.____ ab Mai 2018 beim Beschwerdeführer angestellt, F.____ vom 17. September bis 30. November 2018. Andererseits ist auch der Umstand, dass in der Berechnung vom 27. Oktober 2021 lediglich Per- sonalkosten für 10,5 Monate berücksichtigt wurden, entgegen der Auffassung des Beschwerde- führers nicht zu beanstanden, da sich aus den Akten zweife lsfrei ergibt, dass im Jahr 2018 tat- sächlich nur während insgesamt 10,5 Monaten Dritte für den Beschwerdeführer tätig waren. 6.4 In der Berechnung der Beschwerdegegnerin nicht ber ücksichtigt wurde jedoch, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2018 nach einer Operation während zweieinhalb Monaten vollständig Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht arbeitsunfähig war (vgl. dazu RAD-Bericht von Dr. E.__ __ vom 24. April 2019). In dieser Zeit konnte er keine neuen Aufträge akquirieren, was sich zweifellos auf den Betriebserfolg niederge- schlagen hat. Wird der von der Beschwerdegegnerin einge setzte Anteil am Betriebserfolg ent- sprechend hochgerechnet, ergibt sich ein Betrag von Fr. 15'129.-- (Fr. 11'977.-- / 9,5 x 12). Damit erhöht sich das Valideneinkommen auf Fr. 164'246.--, w as bei einem Invalideneinkommen von Fr. 82'264.-- zu einer Erwerbseinbusse von Fr. 81'982. -- oder 49,9 % führt. Entsprechend den bereits erwähnten Rundungsregeln (vgl. E. 6.2 hiervor) ergibt sich somit auch für das Jahr 2018 ein Anspruch auf eine halbe IV-Rente, beginnend am 1. Juni 2018. 7. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerde i n dem Sinne gutzuheissen ist, als die angefochtene Verfügung vom 9. März 2021 aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer ab Juni 2018 Anspruch auf eine halbe Rente hat. 8. Es bleibt, über die Verlegung der Kosten zu befind en. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der un terliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Im Weiteren hält Art. 61 lit. g AT SG fest, dass die obsiegende beschwerde- führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat. Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist somit grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen (sog. Unterlieger- bzw. Obsiegerprinzip). 8.1.1 Nach dem Gesagten wären im vorliegenden Beschwerd everfahren die ordentlichen Kos- ten der unterliegenden IV-Stelle zu auferlegen und diese zu verpflichten, dem obsiegenden Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung zu bezahlen. D ie IV-Stelle macht nun allerdings gel- tend, dass die Kosten in Abweichung vom Unterliegerprinzip dem Beschwerdeführer zu auferle- gen seien. 8.1.2 In ständiger Rechtsprechung zum Parteientschädigu ngsrecht hat das damalige Eidge- nössische Versicherungsgericht (heute: Bundesgericht, sozi alrechtliche Abteilung) im Rahmen der bundesrechtlichen Vorschriften über die Parteientschädigung im kantonalen Beschwerdever- fahren – wie etwa der damaligen Bestimmungen von Art. 85 Abs. 2 lit. f des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 und Art. 108 Abs. 1 lit. g des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 – das Verur- sacherprinzip anerkannt. Danach hat unnötige Kosten zu bezahlen, wer sie verursacht hat (BGE 125 V 375 E. 2b). Dementsprechend kann keine Parteie ntschädigung beanspruchen, wer zwar im Prozess obsiegt, sich aber den Vorwurf gefallen lassen muss, er habe den unnötigen Prozess durch Verletzen der Mitwirkungspflicht selber zu verantw orten (SVR 2004 ALV Nr. 8 E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch: MARTIN BERNET , Die Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltungsrechtspflege, Zürich 1986, S. 13 6 ff.). Die im Rahmen von Art. 85 Abs. 2 lit. f AHVG sowie Art. 108 Abs. 1 lit. g UVG en twickelten Grundsätze zum Anspruch auf Parteientschädigung im kantonalen Beschwerdeverfahren haben unter der Herrschaft des ATSG Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiterhin Geltung und sind demnach für die Auslegung v on Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG massge- bend (SVR 2004 ALV Nr. 8 E. 3.1). 8.1.3 Die IV-Stelle macht zur Begründung ihres Stan dpunkts geltend, dass das vorliegende Beschwerdeverfahren hätte verhindert werden können, wenn der Versicherte sämtliche, das Ab- klärungsergebnis beeinflussende Unterlagen bereits im Verwaltungsverfahren eingereicht hätte. Durch das Vorenthalten relevanter rechtserheblicher Ta tsachen sei er seiner Mitwirkungspflicht nicht gehörig nachgekommen und habe den vorliegenden Prozess unnötig verursacht. Die damit verursachten Kosten habe er somit selbst zu tragen. 8.1.4 Der Beschwerdeführer wiederum verweist darauf, dass die IV-Stelle das Gerichtsverfah- ren provoziert habe, indem sie in ihrer Verfügung vom 9 . März 2021 behauptet habe, es könne kein Einkommensvergleich vorgenommen werden und sich stattdessen sowohl für das Invaliden- als auch für das Valideneinkommen auf Statistiklöhne gestützt habe. Weiter bringt er vor, sämtli- che Fragen beantwortet und die gewünschten Unterlagen eingereicht zu haben. 8.1.5 Es trifft zwar zu, dass der Beschwerdeführer im Verw altungsverfahren wiederholt er- mahnt werden musste, Unterlagen einzureichen. Allerdi ngs hat die IV-Stelle die angefochtene Verfügung auf einen Einkommensvergleich unter Zugrund elegung von Tabellenlöhnen bzw. IK- Auszügen gestützt, ohne dass dies mit der fehlenden Einreichung von Unterlagen begründet wor- den wäre. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens hat sie dann korrekterweise die Berechnungs- weise geändert. Damit kann aber keine Rede davon sein, dass der Beschwerdeführer der IV- Stelle Unterlagen vorenthalten und dadurch das Verfah ren unnötigerweise verursacht hat. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch nicht näher dargelegt, welche Unterlagen ihr konkret vorent- halten sein sollen und bei rechtzeitiger Vorlage zu einer anderslautenden Verfügung geführt hät- ten. Somit liegen keine Gründe vor, um von den gesetzl ich vorgesehenen Kostenverlegungs- grundsätzen abzuweichen. Die Kosten des vorliegenden Verfahrens sind daher der IV-Stelle als unterliegender Partei zu auferlegen. 8.1.6 Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufw and und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festg elegt (vgl. § 19 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Gebühren der Gerichte vom 15. November 2010). Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrens- kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Diese Kosten sind gemäss den vorstehenden Ausführungen von der IV-Stelle zu tragen. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss ist ihm zurückzuerstatten. 8.2 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat übe rdies Anspruch auf eine Parteient- schädigung. Sein Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 19. November 2021 einen Zeit- aufwand von 25 Stunden und 18 Minuten und Auslagen vo n Fr. 252.50 geltend gemacht, was zwar hoch, unter Berücksichtigung der Komplexität der Rechtsfrage, der verschiedenen Berech- nungen und des doppelten Schriftenwechsels indessen noch als angemessen erscheint. Die Be- mühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisge mäss zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. De m Beschwerdeführer ist deshalb für Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die im vorliegenden Beschwerdeverfahren erbrachten Bemühungen seines Rechtsvertreters eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 7'083.95 (25. 3 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 252.50 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 9. März 2021 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab 1. Juni 201 8 Anspruch auf eine halbe Rente hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 7'083.95 (inkl. Ausla gen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht