<h2>SubmittedText<h2><p>In der Schweiz gibt es in einzelnen Bereichen der Spitzenmedizin eine Überversorgung. Beispiele: Für die Disziplin Herztransplantation gibt es vier Kliniken (Bern, Genf, Lausanne, Zürich), und bei den Lebertransplantationen sind es ebenfalls deren vier (Bern, Genf, Lausanne, Zürich). Lungentransplantationszentren gibt es drei (Genf, Lausanne, Zürich). Die Anzahl der gesamtschweizerisch durchgeführten Transplantationen ist, verglichen mit der Anzahl Kliniken, gering: in der Regel pro Klinik in der Grössenordnung von einem Dutzend pro Jahr, in einigen Fällen sogar weniger. Der materielle und personelle Aufwand für die Erhaltung der Transplantationsbereitschaft ist gross. Zudem wird in Kreisen der Medizin selbst gesagt, dass es für die Erhaltung einer hohen Qualität dieser medizinischen Spitzenleistungen eine grössere Anzahl Transplantationen pro Team braucht. Angesichts dieser Tatbestände bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie sieht die Statistik der Transplantationskliniken (inklusive Niere und Niere-Pankreas) in den letzten Jahren genau aus?</p><p>2. Wie beurteilt er die Dichte der Transplantationskliniken in unserem Lande? Ist er nicht auch der Meinung, weniger wäre finanziell und qualitativ besser?</p><p>3. Wie sieht die entsprechende Statistik in anderen europäischen Ländern aus?</p><p>4. Ist der Bundesrat bereit, zusammen mit den zuständigen Kantonen und Zentrumskliniken eine Reduktion der Transplantationszentren und somit eine gesamtschweizerische Lösung anzustreben?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Transplantationszentren in der Schweiz - Statistik</p><p>Die Schweiz verfügt über insgesamt sechs Transplantationszentren, in denen in den Jahren 1995 bis 1998 folgende Transplantationen vorgenommen wurden:</p><p>1995: Herz: Bern 11; Genf 5; Lausanne 11; Zürich 16. Lunge: Genf 5; Lausanne 3; Zürich 10. Leber: Bern 11; Genf 14; Lausanne 13; Zürich 9. Niere-Pankreas: Zürich 8. Pankreas: Zürich 1. Niere: Basel 28; Bern 21; Genf 15; Lausanne 25; St. Gallen 10; Zürich 59. Niere von lebenden Personen: Basel 23; Bern 4; Genf 3; Lausanne 4; St. Gallen 4; Zürich 3.</p><p>1996: Herz: Bern 11; Genf 5; Lausanne 13; Zürich 12. Lunge: Genf 11; Lausanne 5; Zürich 15. Leber: Bern 10; Genf 27; Lausanne 15; Zürich 15. Niere-Pankreas: Genf 2; Zürich 4. Pankreas: Zürich 1. Niere: Basel 41; Bern 31; Genf 16; Lausanne 13; St. Gallen 7; Zürich 60. Niere von lebenden Personen: Basel 24; Bern 3; Genf 2; Lausanne 2; St. Gallen 2; Zürich 10.</p><p>1997: Herz: Bern 7; Genf 3; Lausanne 10; Zürich 15. Lunge: Genf 5; Lausanne 3; Zürich 8. Leber: Bern 8. Genf 20; Lausanne 17; Zürich 10. Niere-Pankreas: Zürich 5. Niere: Basel 21; Bern 35; Genf 21; Lausanne 36; St. Gallen 17; Zürich 54. Niere von lebenden Personen: Basel 30; Bern 6; Genf 1; Lausanne 6; St. Gallen 4; Zürich 6.</p><p>1998: Herz: Bern 10; Genf 5; Lausanne 13; Zürich 16. Lunge: Genf 11; Lausanne 3; Zürich 16. Leber: Bern 12; Genf 30; Lausanne 16; Zürich 19. Niere-Pankreas: Zürich 3. Pankreas: Zürich 1. Niere: Basel 33; Bern 35; Genf 24; Lausanne 18; St. Gallen 15; Zürich 71. Niere von lebenden Personen: Basel 26; Bern 6; Genf 1; Lausanne 7; St. Gallen 5; Zürich 23.     </p><p>2. Transplantationszentren in der Schweiz - Dichte</p><p>Die Schweiz mit 7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern verfügt über sechs Transplantationszentren, also einem Transplantationszentrum pro 1,2 Millionen Einwohner.</p><p>Allgemein kann der Fachpresse entnommen werden, dass es sinnvoll ist, die Transplantationen nur in wenigen, gut ausgerüsteten medizinischen Zentren durchzuführen. Dafür werden im Allgemeinen die beiden Argumente Kosten und Qualität ins Feld geführt.</p><p>Im Bereich der Kosten wird zugunsten von wenigen routinierten Transplantationszentren argumentiert, da die personelle und apparative Infrastruktur besser ausgelastet werden kann und sich die Kosten somit besser aufteilen. Zudem wird vermutet, dass durch die höhere Erfahrung auch die (teure) Nachfolgetherapie der Transplantatempfänger und Transplantatempfängerinnen besser ist und auch da Kosten eingespart werden.</p><p>Bezüglich der Qualität der Transplantationschirurgie kann vielen Studien entnommen werden, dass mit der Anzahl der durchgeführten Transplantationen (jeweils pro Organ) die Qualität der Resultate steigt. Dabei wird als kritischer Parameter in der Regel die Überlebensdauer des Organs gewählt. Oft wird in diesen Studien eine kritische Mindestzahl von Transplantationen angeführt, die einen minimalen Standard garantieren soll.</p><p>Obwohl die Resultate der Studien nicht direkt auf die Situation der Schweiz übertragen werden können, ist unbestritten, dass mit der Zahl der durchgeführten Transplantationen die Resultate besser werden, also die Qualität steigt. Dies ist nicht nur auf die zunehmende Erfahrung der Ärzte zurückzuführen, sondern auch auf die Erfahrung des ganzen Teams und die Anpassung der Spitalroutine an die Transplantationschirurgie. Das Krankenversicherungsgesetz sieht die Möglichkeit vor, die Leistungen von Voraussetzungen abhängig zu machen und so die Zahl der Zentren zu beschränken.</p><p>Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass in der Schweiz aus Kosten- und Qualitätsgründen eine Beschränkung der Zahl der Transplantationszentren vorteilhaft wäre. Auch die Betroffenen befürworten allgemein eine Beschränkung der Zentren. Dabei werden ein bis drei Transplantationszentren als sinnvoll erachtet, eventuell für die Nieren etwas mehr. Allgemein ist man sich auch einig, dass der Transportweg in der Schweiz keinen Einfluss auf die Zahl der Zentren hat.</p><p>3. Dichte der Transplantationszentren im Ausland</p><p>Eine vergleichbare Statistik zur Anzahl Transplantationen pro Organ und pro Transplantationszentrum in anderen europäischen Ländern liegt dem Bundesrat zurzeit nicht vor. </p><p>Dem Bundesrat liegen jedoch Zahlen zur Anzahl der Transplantationszentren (TZ) im Verhältnis zur Bevölkerungszahl vor.</p><p>Belgien: 10 Millionen Einwohner; 3 TZ; 1 TZ pro 3,3 Millionen Einwohner. Deutschland: 82 Millionen; 42; 1,9. England, Schottland, Irland:  62 Millionen; 38; 1,6. Finnland: 5 Millionen; 1; 5. Norditalien: 18 Millionen; 15; 1,2. Österreich: 8; 5; 1,6. Schweden: 8,7 Millionen; 4; 2,2. Spanien: 39,6 Millionen; 43; 0,9. </p><p>4. Reduktion der Transplantationszentren</p><p>Am 7. Februar 1999 haben Volk und Stände mit überwältigendem Mehr einer Verfassungsbestimmung über die Transplantationsmedizin zugestimmt, die dem Bund die Kompetenz zum Erlass von Vorschriften auf dem Gebiet der Transplantation von Organen, Geweben und Zellen gibt.</p><p>Im Dezember dieses Jahres wird der Bundesrat den Entwurf zu einem Transplantationsgesetz in die Vernehmlassung geben. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass für den Betrieb von Transplantationszentren eine Bewilligung des Bundesrates erforderlich ist. Bei der Bewilligungserteilung ist darauf zu achten, dass Schwerpunkte gebildet werden, um eine bedarfsgerechte, leistungsfähige und kostengünstige Versorgung zu gewährleisten und die Qualität der Organübertragung zu sichern. </p><p>Mit dem Transplantationsgesetz soll damit die Grundlage geschaffen werden, um die Zahl der Transplantationszentren für die Übertragung von Organen zu reduzieren. Im Gegensatz zu den bestehenden Regelungen, die nur indirekt durch Leistungsvoraussetzungen eine Beschränkung der Zentren erlauben, sollen im Transplantationsgesetz die Transplantationszentren einer Bewilligungspflicht unterstellt werden. Die Kantone und Zentrumskliniken haben im Rahmen der Vernehmlassung Gelegenheit, sich zu diesem Entwurf zu äussern.</p>  Antwort des Bundesrates.