<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">100</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>15</b></span> <span class="ft2"><b>Abzug behinderungsbedingte Kosten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abzugsfähigkeit der Kosten eines Hörgeräts als behinderungsbedingte</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kosten?</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 21. Juni 2012 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">P.T. und E.T. (WBE.2011.384).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Soweit sich den Akten und den Ausführungen des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führers entnehmen lässt, hat er vor geraumer Zeit im Militärdienst</span><br/> <span class="ft1">eine Schädigung seines Gehörs erlitten, die Anlass für die Ausrich-</span><br/> <span class="ft1">tung von Leistungen gemäss Art. 21 MVG gibt. Wie aus einer eben-</span><br/> <span class="ft1">falls in den Akten liegenden Rechnung der Hörberatung X. hervor-</span><br/> <span class="ft1">geht, hat er im Jahr 2006 zwei Hörgeräte der Marke Y. mit einem</span><br/> <span class="ft1">Gesamtpreis von Fr. 6'115.00 erworben. Gemäss der Rechnung hat</span><br/> <span class="ft1">die Militärversicherung davon Fr. 3'690.00 übernommen. Insgesamt</span><br/> <span class="ft1">hatte der Beschwerdeführer damit (nach Abzug eines Skontos von</span><br/> <span class="ft1">2% und unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer und zusätzlich</span><br/> <span class="ft1">bezogenen Zubehörs) einen Betrag von Fr. 2'595.10 zu bezahlen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. a - g MVG hat der Versicherte für</span><br/> <span class="ft1">verschiedene Zwecke (u.a. für die Verbesserung seines Gesundheits-</span><br/> <span class="ft1">zustands, für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder für die Tätig-</span><br/> <span class="ft1">keit in seinem Aufgabenbereich, für den Kontakt zur Umwelt, etc.)</span><br/> <span class="ft1">Anspruch auf Hilfsmittel. Wird den Angaben des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">gefolgt, so handelt es sich bei den Fr. 3'690.00 um in Anwendung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 21 Abs. 1 lit. b und g in Verbindung mit Abs. 2 MVG</span><br/> <span class="ft1">geleistete Amortisationsbeiträge. Aus Art. 21 Abs. 2 MVG ergibt</span><br/> <span class="ft1">sich, dass die Militärversicherung Hilfsmittel abgibt bzw. Amortisa-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">101</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tionsbeiträge leistet für Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger</span><br/> <span class="ft1">Ausführung. Kosten, die darüber hinausgehen, hat der Versicherte</span><br/> <span class="ft1">selbst zu tragen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 10. März</span><br/> <span class="ft1">2008 [8C_832/2007] sowie J</span><span class="ft3">ÜRG</span> <span class="ft1">M</span><span class="ft3">AESCHI</span><span class="ft1">, Kommentar zum Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgesetz über die Militärversicherung vom 19. Juni 1992, Bern</span><br/> <span class="ft1">2000, Art. 21 N 40 f.). Aufgrund der nur bruchstückhaften Angaben</span><br/> <span class="ft1">des Beschwerdeführers muss davon ausgegangen werden, dass es bei</span><br/> <span class="ft1">den von ihm selbst getragenen Kosten um solche geht, welche sich</span><br/> <span class="ft1">aus einer kostspieligeren und/oder anderen als den Zwecken gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 21 Abs. 1 lit. a und g MVG dienenden Ausführung der Geräte</span><br/> <span class="ft1">ergibt. Mit anderen Worten hat der Beschwerdeführer seinen eigenen</span><br/> <span class="ft1">Bedürfnissen optimal dienende Geräte ausgewählt, für deren Kosten</span><br/> <span class="ft1">er, da die Militärversicherung von Gesetzes wegen nur Hilfsmittel in</span><br/> <span class="ft1">einfacher und zweckmässiger Ausführung übernehmen muss und</span><br/> <span class="ft1">nicht etwa die Bestmöglichen, teilweise selbst aufkommen musste.</span><br/> <span class="ft1">Schon aus diesem Grund fällt ausser Betracht, die "überschiessen-</span><br/> <span class="ft1">den" Kosten als behinderungsbedingt zum Abzug zuzulassen, muss</span><br/> <span class="ft1">doch davon ausgegangen werden, dass nach der ratio legis von</span><br/> <span class="ft1">Art. 21 MVG die Bereitstellung einfacher und zweckmässiger Mittel</span><br/> <span class="ft1">ausreicht, um die behinderungsbedingte Benachteiligung der betrof-</span><br/> <span class="ft1">fenen Versicherten aufzufangen.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Hinzu kommt, dass gemäss dem Kreisschreiben Nr. 11 der</span><br/> <span class="ft1">EStV vom 31. August 2005 betreffend Abzug von Krankheits- und</span><br/> <span class="ft1">Unfallkosten sowie von behinderungsbedingten Kosten leichte</span><br/> <span class="ft1">Beeinträchtigungen, deren Auswirkungen - wie etwa bei einer Seh-</span><br/> <span class="ft1">oder Hörschwäche - durch ein Hilfsmittel behoben werden können</span><br/> <span class="ft1">(Brille oder Hörgerät), nicht als Behinderung gelten (Kreisschreiben</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 4.1). Das Kreisschreiben vermag zwar entsprechend seinem</span><br/> <span class="ft1">Charakter als blosse Verwaltungsverordnung das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">nicht zu binden, sondern stellt eine - für das Gericht nicht verbind-</span><br/> <span class="ft1">liche - Auslegungshilfe dar (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft1">25. Oktober 2007 [9C_238/2007], Erw. 3.3. mit Hinweisen). Es liegt</span><br/> <span class="ft1">indessen auf der Hand, dass es die ratio legis von § 41 lit. i</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">StG</span><br/> <span class="ft1">bzw. der gleichlautenden Bestimmungen von Art. 9 Abs. 2 lit. h</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span><br/> <span class="ft1">StHG bzw. von Art. 33 Abs. 1 lit. h</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">DBG sprengen würde, würden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">102</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sämtliche Ausgaben für Brillen und Hörgeräte als behinderungs-</span><br/> <span class="ft1">bedingte Kosten anerkannt (vgl. aber immerhin die Qualifikation von</span><br/> <span class="ft1">Ausgaben für Brillen als Krankheitskosten in Ziff. 3.1 des Kreis-</span><br/> <span class="ft1">schreibens). Der Zweck des BehiG besteht darin, Benachteiligungen</span><br/> <span class="ft1">zu verringern oder zu beseitigen, denen Menschen mit Behinderun-</span><br/> <span class="ft1">gen ausgesetzt sind (Art. 1 Abs. 1 BehiG). Im Rahmen dieser Zweck-</span><br/> <span class="ft1">setzung würde es zu weit führen, sämtliche Kosten für Hilfsmittel</span><br/> <span class="ft1">zur Behebung von Beeinträchtigungen zum Abzug zuzulassen,</span><br/> <span class="ft1">welche in der Bevölkerung weit verbreitet sind und gemeinhin nicht</span><br/> <span class="ft1">als eigentliche Behinderung empfunden werden - obwohl ohne ein</span><br/> <span class="ft1">entsprechendes Hilfsmittel (Brille, Hörgerät) allenfalls die Vornahme</span><br/> <span class="ft1">alltäglicher Verrichtungen und/oder die Ausübung einer Erwerbs-</span><br/> <span class="ft1">tätigkeit erheblich erschwert bzw. sogar verunmöglicht wäre. Ob</span><br/> <span class="ft1">solche Beeinträchtigungen von Geburt an bestehen, später erworben</span><br/> <span class="ft1">wurden oder gegebenenfalls infolge von Vorfällen im Militärdienst</span><br/> <span class="ft1">eintraten, kann dabei unter dem Gesichtspunkt der Rechtsgleichheit</span><br/> <span class="ft1">keine Rolle spielen. Dabei sei nicht verhehlt, dass je nach der</span><br/> <span class="ft1">Schwere der Beeinträchtigung wohl auch Ausgaben für Seh- und</span><br/> <span class="ft1">Hörhilfen den Charakter von eigentlichen behinderungsbedingten</span><br/> <span class="ft1">Kosten annehmen können. Dies schliesst das Kreisschreiben nicht</span><br/> <span class="ft1">aus. Dass hier die entsprechende Schwelle überschritten sei, macht</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführer aber nicht, jedenfalls nicht ausreichend sub-</span><br/> <span class="ft1">stanziiert geltend und ist auch sonst nicht ersichtlich. Die Steuer-</span><br/> <span class="ft1">behörde hat ihm daher den von ihm beanspruchten Abzug gemäss der</span><br/> <span class="ft1">Regelung des Kreisschreibens, welche in überzeugender Weise den</span><br/> <span class="ft1">Sinn der in § 41 lit. i</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">StG bzw. Art. 9 Abs. 2 lit. h</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">StHG bzw.</span><br/> <span class="ft1">Art. 33 Abs. 1 lit. h</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">DBG getroffenen Regelung konkretisiert, zu</span><br/> <span class="ft1">Recht verweigert.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>