B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-150/2016 U r t e i l v o m 2 5 . O k t o b e r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), Sudan, vertreten durch lic. iur. Patrik Fischer, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familienzusammenführung (Asyl) zugunsten von B._______, geboren am (…), Sudan; Verfügung des SEM vom 9. Dezember 2015 / N (…). D-150/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 9. September 2006 in der Schweiz um Asyl nach. Am 17. September 2008 wurde er in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und es wurde ihm hierzulande Asyl gewährt. B. Am 29. Dezember 2008 reichte der Beschwerdeführer beim BFM ein Ge- such um Familienzusammenführung im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG (SR 142.31) zugunsten seiner Ehefrau und den drei Kinder n C._______, D._______ und B._______ ein. Er und seine Ehefrau hätten im Jahr (…) geheiratet und er sei der Vater aller drei Kinder. Seine Ehefrau sei die leibliche Mutter von C._______ und D._______, hingegen nicht von B._______. Dessen Mutter sei wenige Monate nach der Geburt des Kindes gestorben. C. Mit Verfügung vom 3. Februar 2009 lehnte das BFM das Gesuch um Fa- milienasyl ab und verweigerte der Ehefrau des Beschwerdeführers und den drei Kindern die Einreise. Dagegen erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Im Rahmen des dabei durchge- führten Schriftenwechsels hob das BFM am 1. April 2009 seine Verfügung vom 3. Februar 2009 wiedererwägungsweise auf und gewährte der Ehe- frau des Beschwerdeführers und den drei Kindern C._______, D._______ und B._______ die Einreise in die Schweiz zwecks Familienvereinigung mit dem Beschwerdeführer gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG. Es hielt fest, die Schweizer Botschaft in Khartum sei befugt, Einreisevisa für die genannten Personen zu erstellen, sofern sich diese ausgewiesen hätten. D. Am 11. Juli 2009 reisten die Ehefrau und die Kinder C._______ und D._______ – nicht hingegen B._______ – in die Schweiz ein und ersuchten hierzulande um Asyl nach. Mit Verfügung vom 1. September 2009 stellte das BFM fest, dass die Ehefrau und die Kinder C._______ und D._______ die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG nicht erfüllten, anerkannte sie aber gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge und gewährte ihnen Asyl. Am 15. Mai 2010 verzichtete die Ehefrau zwecks Rückkehr in den Heimat- staat auf den Asylstatus und erklärte, dieser Verzicht gelte – mit Einver- ständnis des Beschwerdeführers – auch für C._______ und D._______ Mit D-150/2016 Seite 3 Verfügung vom 3. Juni 2010 stellte das BFM fest, dass das der Ehefrau und den Kindern C._______ und D._______ gewährte Asyl erloschen sei. Am 9. Juli 2010 kehrte die Frau mit den Kindern C._______ und D._______ in den Sudan zurück. E. Mit Schreiben vom 31. Juli 2014 erkundigte sich der Beschwerdeführer beim BFM, ob die für B._______ am 1. April 2009 ausgestellte Einreisebe- willigung noch gültig sei. Sollte dies nicht der Fall sein, ersuch e er erneut um Familienzusammenführung zu dessen Gunsten. Aufgrund des Fehlens benötigter Papiere (Identitätskarte und Geburtsurkunde) habe die Ausreise aus dem Sudan für B._______ nach Erhalt der Einreisebewilligung vom 1. April 2009 nicht organisiert werden können. Als er (der Beschwerdefüh- rer) im Jahr 2006 aus dem Sudan geflüchtet sei, habe er B._______ in der Obhut seiner damaligen Ehefrau, von der er mittlerweile geschieden sei, zurückgelassen. Als seine Ex-Frau im Rahmen des Familiennachzugs in der Schweiz geweilt habe, habe B._______ bei deren Verwandten gelebt. Seit der Rückkehr seiner Ex -Frau in den Sudan im Jahr 2010 lebe B._______ wieder bei ihr. Seine Ex-Frau und deren Familie seien nun aber nicht mehr gewillt, noch länger für den Unterhalt von B._______ aufzukom- men. Er wolle deshalb seiner Verantwortung als Vater gerecht werden und nochmals einen Versuch unternehmen, um für seinen Sohn die Ausreise aus dem Sudan respektive die Einreise in di e Schweiz im Rahmen des Familiennachzugs zu organisieren. F. Mit Schreiben vo m 29. Juni 2015 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, die am 1. April 2009 erteilte Einreisebewilligung für B._______ sei ge- mäss Auskunft der Schweizer Vertretung in Khartum vom 27. Mai 2015 an- nulliert worden. Gleichzeitig forderte es den Beschwerdeführer auf, das Ab- stammungsverhältnis zwischen ihm und B._______ mittels eines DNA - Gutachtens nachzuweisen. Nachdem das SEM mit Verfügung 26. Novem- ber 2015 negativ über das Gesuch entschied, reichte der Beschwerdefüh- rer am 30. November 2015 beziehungsweise 2. Dezember 2015 ein DNA- Gutachten vom 6. August 2015 ein (Resultat: Vaterschaft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwiesen) , welches aufgrund eines Miss- verständnisses nicht früher an das SEM weitergeleitet worden sei. G. G.a Mit Verfügung vom 9. Dezember 2015 – eröffnet am 11. Dezember 2015 – lehnte das SEM das Gesuch des Beschwerdeführers vom 31. Juli D-150/2016 Seite 4 2014 um Familienasyl für B._______ ab und verweigerte dessen Einreise in die Schweiz. G.b Zur Begründung führ te das S EM aus, aufgrund der Resultate des DNA-Tests dürfte die Vaterschaft zwar feststehen, indes lägen Gründe vor, die gegen die Einreise des Sohnes und die Gewährung des Familienasyls sprechen würden. Offenbar stamme B._______ aus einer früheren Bezie- hung des Beschwerdeführers, wobei die Kindsmutter verstorben sei. Aus den Protokollen der Befragungen des Beschwerdeführers im Asylverfahren vom 25. September 2006 und 7. November 2006 würden sich keine glaub- würdigen Hinweise ergeben, dass der Beschwerdeführer vor seiner Mitte Juli 2006 erfolgten Ausreise aus dem Sudan mit B._______ in einem ge- meinsamen Haushalt respektive einer intakten und langjährigen Familien- gemeinschaft gelebt habe. Der Beschwerdeführer habe sich im Asylverfah- ren als ledig bezeichnet und B._______ nicht erwähnt. Sinn und Zweck der Familienzusammenführung sei die Wiederherstellung einer vorbestande- nen Familiengemeinschaft, nicht aber die nachträgliche Begründung einer Beziehung zwischen einem Elternteil und einem Kind. Mangels einer allein durch die Flucht des Beschwerdeführers getrennten, tatsächlich gelebten Beziehung sei B._______ die Einreise am 1. April 2009 zu Unrecht bewil- ligt worden. Nachdem die Einreisebewilligung aber annulliert worden sei, könne der Beschwerdeführer daraus keinen R echtsanspruch (mehr) her- leiten. Im Übrigen habe B._______ während fünf Jahren keinen Gebrauch von der fälschlicherweise ausgestellten Einreisebewilligung gemacht, ohne dies überzeugend zu erklären. Es sei daher von einer freiwilligen Trennung einer allfällig (theoretisch) vorbestandenen Familiengemeinschaft auszu- gehen. Die freiwillige Trennung stelle einen besonderen Umstand im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG dar, welcher dem Familienasyl entgegenstehe. H. H.a Mit Eingabe vom 11. Januar 2016 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, worin um Aufhebung der vor - instanzlichen Verfügung vom 9. Dezember 2015 und um Bewilligung der Einreise von B._______ sowie um Gewährung des Familienasyls ersucht wurde. H.b Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, die Ausreise von B._______ aus dem Sudan habe nicht organisiert werden können, da dieser nicht über einen sudanesischen Ausweis verfüge, was wiederum auf das Fehlen einer Geburtsur kunde zurückzuführen sei. Bei D-150/2016 Seite 5 der Beantragung eines sudanesischen Identitätspapiers müsse eine Ge- burtsurkunde vorgelegt werden. Die Geburtsurkunde von B._______ sei anfangs März 2004 verlorengegangen, als Janjaweed-Milizen ihr D orf in Brand gesteckt hätten; höchstwahrscheinlich sei die Urkunde damals ver- brannt. Seine Ex -Frau habe im Jahr 2009 zwar versucht, für B._______ eine neue Geburtsurkunde ausstellen zu lassen. Dies sei aber nicht mög- lich gewe sen. Für die Neuausstellung müsste er als Vater sein Einver- ständnis geben, entweder persönlich vor Ort oder schriftlich, unter Vorlage seines sudanesischen Identitätsausweises. Diese Anforderungen könne er nicht erfüllen. Er habe seine sudanesische n Identitätsdokumente im Jahr 1991 in E._______ verloren. Für eine Neuausstellung müsste er sich in den Sudan begeben, was ihm als in der Schweiz anerkanntem Flüchtling nicht möglich sei. Seine Ex-Frau, die im Sommer 2010 in den Sudan zurückge- kehrt sei, sei aus finanziellen Gründen nun nicht mehr gewillt, noch länger für den Unterhalt von B._______ aufzukommen. Er habe deshalb im Früh- jahr 2015 für viel Geld über Mittelsmänner gefälschte Papiere (Geburtsur- kunde, Identitätskarte, Pass) für B._______ beschaffen lassen, in der Hoff- nung, seinem Sohn so die Ausreise zu ermöglichen. Eine legale Ausreise aus dem Sudan sei für B._______ nicht möglich. Bei der Organisation der Ausreise wäre er auf die Hilfe der Schweizer Behörden angewiesen, sollte die Familienzusammenführung bewilligt werden. Als er im Jahr 2006 aus dem Sudan geflüchtet sei, habe er seinen Kindern die gefährliche Reise nicht zumuten wollen. Im Z eitpunkt seiner Flucht habe zwischen ihm und B._______ eine Vater-Sohn-Beziehung bestan- den. Es treffe zu, dass er sich im Asylverfahren als ledig bezeichnet und seine Kinder nicht erwähnt habe. Ursprünglich habe er auf dem Personali- enblatt den Zivilstatus „verheiratet“ angekreuzt. Ein Securitas-Angestellter habe dann aber von ihm verlangt , unterschriftlich zu bestätigen, dass er zur Papierbeschaffung innert vierzehn Tagen aufgefordert worden sei. Weil ihm bewusst gewesen sei, dass er innert so kurzer Frist keine Dokumente (insbesondere keine Heiratsurkunde) beschaffen könnte, habe er die Un- terschrift verweigert. Der Securitas-Angestellte habe daraufhin das Perso- nalienblatt zerrissen und ihn vor die Tür gestellt. Erst nachdem er sich be- reit erklärt habe, die Aufforderung zur Papierbeschaffung unterschriftlich zu bestätigen, habe er das Empfangszentrum wieder betreten dürfen. Auf- grund des Erlebten habe er beim erneuten Ausfüllen des Personalienblatts angegeben, ledig zu sein, und seine Kinder folgerichtig auch nicht erwähnt. Er wisse, dass dies nicht korrekt gewesen sei, habe dies aber nicht getan, um einen unlauteren Vorteil zu erlangen, sondern um sich vor einem neu-D-150/2016 Seite 6 erlichen Rauswurf zu schützen. Später habe er sich einem Psychiater ge- genüber geöffnet und von seiner Ehefrau und den Kindern, die er im Sudan zurückgelassen habe, erzählt. Er verweise diesbezüglich auf den akten- kundigen Arztbericht vom 14. August 2008. I. Mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2016 forderte die Instruktionsrich- terin den Beschwerdeführer auf, bis zum 2. Februar 2016 einen Kostenvor- schuss von Fr. 600.– zu leisten, ansonsten auf die Beschwerde nicht ein- getreten werde. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. J. In seiner Vernehmlassung vom 18. Februar 2016 beantragte das SEM die Abweisung der Besch werde. Die Instruktionsrichterin stellte d em Be- schwerdeführer am 24. Februar 2016 eine Kopie zur Kenntnis zu. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end- gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. D-150/2016 Seite 7 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Vorab ist festzustellen, dass der vom BFM am 1. April 2009 erteilten Ein- reisebewilligung für B._______ kein Hinweis auf eine Befristung zu entneh- men ist. Eine ungenutzte Einreisebewilligung kann aber grundsätzlich auf- gehoben werden, wenn sich durch den Zeitablauf erweist, dass die gesetz- lichen Voraussetzungen für deren Erteilung nicht mehr gegeben sind (vgl. bspw. das Urteil des BVGer E -730/2017 vom 4. Mai 2017 E. 4.4). Zu be- achten ist der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV), wobei den Ver- trauensschutz nur geltend mach en kann, wer gestützt auf sein Vert rauen eine Disposition getätigt hat, die ohne Nachteil nicht wieder rückgängig ge- macht werden kann (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal- tungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 660). B._______ reiste nach der am 1. April 2009 erteilten Bewil ligung nicht in die Schweiz ein, machte auch in den nachfolgenden Jahren keinen Gebrauch davon und richtete sich weder selbst noch über den Beschwerdeführer während fünf Jahren nicht mehr an die Schweizer Behörden. Erst am 31. Juli 2014 erkundigte sich der Be- schwerdeführer nach der Gültigkeit d er Einreisebewilligung vom 1. April 2009, wobei er zu erkennen gab, dass er nicht per se auf deren weiteren Bestand vertraute, stellte er doch gleichzeitig ein neues Gesuch um Fami- lienzusammenführung zugunsten von B._______, der bisher keine Ausrei- sedispositionen getätigt habe, sondern sich weiterhin im Sudan aufhält. Eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben liegt durch die vom SEM am 29. Juni 2015 kommunizierte Aufhebung der Einreisebewilli- gung vom 1. April 2009 somit nicht vor und wird in der Beschwerde auch nicht gerügt. Wie vom Beschwerdeführer am 31. Juli 2014 beantragt, führte das SEM ein neues Verfahren um Familienzusammenführung durch. 4. 4.1 Nach Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – die Ehegatten und minderjährigen Kinder von Flüchtlingen ihrerseits als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstän- de dagegen sprechen. Für die Beurteilung der Minderjährigkeit ist gemäss konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts das Alter des Kindes im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs um Familienasyl res- pektive -nachzug massgeblich (vgl. bspw. Urteile des BVGer D-7400/2015 vom 28. Juni 2017 E. 3.1, E -21/2017 vom 30. März 2017 E. 1.3 und E-6677/2014 vom 29. Dezember 2016 E. 4.2). Die Bestimmung von Art. 51 D-150/2016 Seite 8 Abs. 1 AsylG zielt auf die Mitgl ieder der Kernfamilie ab, die mit ein em Flüchtling in die Schweiz gereist sind, ihrerseits aber keine eigenen Asyl- gründe gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG geltend machen können, sondern sich auf der Basis ihrer Familienbande ebenfalls auf die Gesuchsgründe des Flüchtlings abstützen. Grundgedanke des Familienasyls ist es, der gesam- ten Familie eines Flüchtlings einen einheitlichen Rech tsstatus in d er Schweiz zu gewährleisten. Massgeblicher Zeitpunkt zur Feststellung, ob die Voraussetzungen des Familienasyls erfüllt sind, ist derjenige des Ent- scheids (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweize- rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 20 E. 5a). 4.2 Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung entgegenstehende "besondere Umstände" sind beispielsweise anzuneh- men, wenn das Familienmitglied Bürger eines anderen Staates als der Flüchtling ist und die Familie in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Status derivativ erworben hat, oder wenn das Familien- leben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie zusammen- zuleben (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/32 E. 5.1). 4.3 Von dem Anspruch auf derivative Anerkennung als Flüchtling gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ist jener auf Erteilung einer Einreisebewilligung ge- mäss Art. 51 Abs. 4 AsylG zu unterscheiden. Diese Norm bestimmt, dass Personen, welche aufgrund ihrer persönlichen Beziehung im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG einen Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingseigen- schaft und die Gewährung von Asyl haben, auf Gesuch hin die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist, wenn sie sich noch im Ausland befinden und durch die Flucht getrennt wurden. Diese Bestimmung zielt damit auf Mit- glieder der Kernfamilie ab, die aufgrund der Umstände der Flucht von der in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Person getrennt wurden und sich noch im Hei matstaat befinden oder erst einen Drittstaat erreicht haben. Diesen Familienmitgliedern ist – im Sinne eines asylrechtlichen Familien- nachzugs respektive der Familienzusammenführung – die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, jedoch nur dann, wenn sie mit der in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Person zum Zeitpunkt der Flucht effektiv in einer Familiengemeinschaft gelebt haben und diese durch die Flucht getrennt wurde. Zweck von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist somit allein die Bewahrung vor- bestandener Familiengemeinschaften beziehungsweise deren Wiederher- stellung, sofern die Gemeinschaft allein aufgrund der Fluchtumstände und somit unfreiwillig getrennt wurde (vgl. BVGE 2015/29 E. 3.2 und 2012/32 E. 5.4.2). Vorausgesetzt ist somit ein Zusammenleben des den Einbezug D-150/2016 Seite 9 beantragenden Kindes mit dem Elternteil, d em die Flüchtlingseigenschaft originär zuerkannt wurde (vgl. bspw. die Urteile des BVGer E-6309/2006 vom 3. September 2007 und D-273/2017 vom 26. Januar 2017). 4.4 Wer um Erteilung einer Einreisebewilligung zum Zwecks des Familien- asyls ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Fa- miliengemeinschaft, die Familientrennung durch Flucht sowie die fest b e- absichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei- sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass das SEM vorliegend zu Recht die Voraussetzungen für eine Familienzusammenführung beziehungsw eise die Erteilung einer Einreisebewilligung als nicht erfüllt erachtet hat. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 11. Januar 2016 vermögen zu keiner anderen Beurteilung zu führen. 5.2 Der Beschwerdeführer hat die Vaterschaft zwar mittels Vorlage eines DNA-Gutachtens belegt und B._______ ist als Sohn Teil der Kernfamilie im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG. Das Erfordernis der Minderjährigkeit zum relevanten Zeitpunkt (vgl. E. 4.1) ist ebenfalls erfüllt, auch wenn B._______ mittlerweile volljährig ist. Hinsichtlich der Frage, ob die Vater-Sohn-Bezie- hung vor der Flucht des Beschwerdeführers aus dem Sudan im Jahr 2006 tatsächlich im Rahmen einer intakten Familiengemeinschaft gelebt wurde, hegt das SEM berechtigterweise Zweifel, erwähnte der Beschwerdeführer seinen Sohn doch während seines Asylverfahrens mit keinem Wort . Die Erklärung des Beschwerdeführers in der Rechtsmitteleingabe vom 11. Ja- nuar 2016 für das Verschweigen der Vaterschaft während des ganzen Asyl- verfahrens (Angst vor Rauswurf aus dem Empfangs- und Verfahrenszent- rum) vermag nicht zu überzeugen, gab er doch bereits bei seiner er sten Befragung vom 25. September 2006 zu Protokoll, zwei Personalienblätter ausgefüllt zu haben, wobei d as erste, das weggeworfen worden sei, die richtigen Angaben enthalten habe (vgl. vorinstanzliche Akten A1 S. 2). Sei- nen Sohn erwähnte er indes nicht, obwohl er ausdrücklich nach Kindern gefragt wurde (vgl. A1 S. 3). Die Frage, ob vor der Ausreise des Beschwer- deführers aus dem Sudan eine tatsächlich gelebte Vater-Sohn-Beziehung bestand, die einzig durch die Flucht des Beschwerdeführers getrennt wurde (Art. 51 Abs. 4 AsylG), kann aber letztlich offen bleiben, da unab- hängig davon besondere Umstände nach Art. 51 Abs. 1 AsylG vorliegen, D-150/2016 Seite 10 die gegen die F amilienzusammenführung sprechen. Aufgrund der Akten- lage ist nämlich selbst bei Annahme eines vorbestandenen Familienlebens davon auszugehen, dass die Vater-Sohn-Beziehung während einer länge- ren Zeit nicht im Sinne einer effektiven Familiengemeinschaft gelebt wurde. Im Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers aus dem Sudan (Juli 2006) war B._______ erst (…) Jahre alt. Mittlerweile ist er ein junger Mann von (…) Jahren und hat seinen Vater seit nunmehr über elf Jahren – ein- schliesslich der prägenden Jahre der Adoleszenz – nicht mehr gesehen. Hinweise auf direkte Kontakte zwischen den beiden sind nicht aktenkundig. Aber auch wenn B._______ durchaus noch eine Erinnerung an seinen Va- ter haben mag, kann aufgrund der Aktenlage nicht (mehr) davon ausge- gangen werden , dass der Beschwerdeführer seine hauptsächliche Be- zugsperson ist. Vielmehr hat die Stiefmutter respektive deren Familie diese Rolle in den vergangenen elf Jahren erfüllt, lebt B._______ doch laut den Angaben des Beschwerdeführers seit Juli 2006 ununterbrochen in der Ob- hut dieser Familie, die sich auch während des Aufenthalts der Stiefmutter und -geschwister in der Schweiz von Juli 2009 bis Juli 2010 umfassend um ihn gekümmert habe. Die zwischenzeitlich erfolgte Trennung der Stiefmut- ter vom Beschwerdeführer hat laut dem Beschwerdeführer an den Betreu- ungsverhältnissen nichts geändert. Bezüglich des Einwands des Be- schwerdeführers, seine Ex -Frau sei nun aber aus finanziellen Gründen nicht mehr gewillt, noch länger für den Unterhalt von B._______ aufzukom- men, ist darauf hinzuweisen, dass B._______ mittlerweile volljährig ist und es ihm als jungem Mann zuzutrauen sein dürfte, grösstenteils f ür sich selbst sorgen zu können. Zudem darf vom Beschwerdeführer erwartet wer- den, dass er sich nach seinen Möglichkeiten am Unterhalt seines Sohnes finanziell beteiligt. Zudem könnte es B._______ vor wesentliche Integrati- onsprobleme stellen, wenn er nun als junger Mann aus seinem gewohnten Umfeld herausgenommen und in die Schweiz zu seinem Vater, den er letzt- mals als kleiner Junge gesehen hat und zu dem er erst eine neue Bezie- hung aufbauen müsste , geholt würde. Aufgrund einer Gesamtabwägung bestehen somit besondere Umstände nach Art. 51 Abs. 1 AsylG, die gegen eine Familienzusammenführung in der Schweiz sprechen. 5.3 Abschliessend bleibt anzumerken, dass Art. 8 EMRK keine ergän- zende Anwendung findet, wenn die Voraussetzungen des Familienasyls gemäss Art. 51 AsylG nicht erfüllt sind (vgl. bspw. Urteile des BVGer D-7400/2015 vom 28. Juni 2017 E. 7.3.1 und E-1179/2016 vom 30. März 2016 E. 6.2). Ferner vermag auch das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) nichts an obiger Ein- schätzung zu ändern, da dieses weder dem Kind noch einem Elternteil ein D-150/2016 Seite 11 Recht zur Einreise und zum Aufenthalt in der Schweiz im Sinne einer Fa- milienzusammenführung gewährt (vgl. Botschaft des Bundesrats betref- fend den Beitritt der Schweiz zur KRK vom 29. Juni 1994 BBl 1994 V 1 ff., bezüglich Art. 10 KRK S. 33 ff. und 73 f.; BGE 126 II 377 E. 5d S. 392 und 124 II 361 E. 3b S. 367). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-150/2016 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung der Verfah- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das SEM. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr Versand: