<h2>SubmittedText<h2><p>Die künstlerische Leitung der Expo.02 hat am 3. August 2001 die Lia Rumantscha, die Dachorganisation der Romaninnen und Romanen, schriftlich darüber informiert, dass sie aus finanziellen Gründen das Projekt "Lust und Lüge" gestrichen hat. Mit diesem Entscheid wurde auf das einzige Projekt verzichtet, in dem die rätoromanische Sprache und Kultur einigermassen angemessen berücksichtigt worden wäre. Die Entrüstung bei den Romaninnen und Romanen ist in den regionalen, kantonalen, und nationalen Medien zum Ausdruck gekommen. Die Rumantschia, eine in ihrer Existenz bedrohte Sprachminderheit, reagiert empfindlich auf diese Nichtberücksichtigung und erwartet eine angemessene Präsenz an der Expo.02. Ohne dieses Projekt würden sich die Rätoromanen als Bürgerinnen und Bürger einer der vier Sprachregionen der Schweiz an der Expo.02 nicht repräsentiert fühlen. Die Schweiz präsentiert sich nach aussen gerne als ein Musterbeispiel funktionierender Mehrsprachigkeit. Die Expo bietet die beste Chance, diese oft gepriesene Vielsprachigkeit auch zu leben. Mit dem als gut eingestuften mehrsprachigen Projekt hat die Rumantschia die Grundlagen dazu geschaffen.</p><p>Bundesrat Couchepin hat im Juni 1999 gegenüber dem künstlerischen Expo-Leiter, M. Heller, festgehalten: "Je vous prie donc de veiller à ce que la langue romanche - comme d'ailleurs les trois autres langues nationales - soit représentée au sein des projets qui formeront le contenu de l'exposition. Une telle préoccupation me paraît être une condition nécessaire pour la réussite d'Expo.01 dont la contribution à la cohésion nationale est l'un des objectifs déclarés."</p><p>Der Bundesrat wird hiermit ersucht, zu den nachfolgenden Fragen Stellung zu nehmen:</p><p>1. Welche Bedeutung misst er der Funktion der nationalen Kohäsion der Expo.02 bei?</p><p>2. Weshalb ist er nicht bereit, vom gesprochenen Expo-Budget einen kleinen, prozentual etwa dem Anteil der rätoromanischen Bevölkerung entsprechenden Teil von 2 bis 3 Millionen Franken für das mit rätoromanischer Beteiligung vorbereitete Projekt "Lust und Lüge" frei zu machen?</p><p>3. Welche Massnahmen gedenkt er zu treffen, damit die Rumantschia, jedoch auch die Italianità an der Expo.02 gebührend berücksichtigt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat bedauert es sehr, dass das Ausstellungsprojekt "Lust und Lüge" keine genügende Finanzbasis gefunden hat. Es ist jedoch nach wie vor ein Anliegen von Bundesrat und Expo-Leitung, alle vier Landessprachen gebührend an der Landesausstellung zu berücksichtigen.</p><p>1. Der Bundesrat misst der nationalen Kohäsion der Expo.02 einen sehr hohen Stellenwert zu. Seit der Landesausstellung des Jahres 1964 und dem inzwischen eingetretenen tief greifenden gesellschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen sowie wissenschaftlichen Wandel ergibt sich mit der Expo.02 wiederum eine ideale Gelegenheit, einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung des inneren Zusammenhaltes, der Zusammengehörigkeit und der Solidarität in unserem Lande zu leisten. Durch eine stärkere Kohäsion innerhalb unseres Landes wird es auch möglich sein, den gegenwärtigen und sich in nächster Zukunft stellenden Herausforderungen besser entgegenzutreten.</p><p>Über alle Kantons-, Sprach- und Kulturgrenzen hinweg soll mit einer Landesausstellung für alle Schweizerinnen und Schweizer sowie ihre Gäste aus dem Ausland wieder einmal ein grosses Fest gefeiert werden.</p><p>2. Der Bund verwaltet vom Expo-Kredit die 50 Millionen Franken für die vier Bundesprojekte (je ein Projekt pro Arteplage). Dieser Betrag ist bereits knapp kalkuliert. Es stand nie zur Debatte, davon noch 2 bis 3 Millionen Franken für andere Ausstellungsprojekte abzuzweigen. Im Gegenteil, die bundeseigenen Projekte sind ihrerseits sogar noch auf Sponsoring-Beiträge angewiesen.</p><p>3. Die zuständige künstlerische Direktion der Expo.02 hat sich Mitte Oktober 2001 erneut mit Vertretern der Lia Rumantscha getroffen, um die neue Lage genau zu analysieren. Seitens des Literaturkredits der Pro Helvetia steht ein Betrag von 250 000 Franken zur Verfügung, der in angemessener Verteilung auch Veranstaltungen in rätoromanischer Sprache bzw. Veranstaltungen zur Thematisierung des Rätoromanischen zugute kommen wird. Von einer privaten Stiftung sind zudem 250 000 Franken zur Förderung des Rätoromanischen an die Expo.02 in Aussicht gestellt worden. Gemeinsam mit der Lia Rumantscha wurde beschlossen, diesen Betrag in das Projekt "Cirque des idées" einzubringen, der in Form einer wandernden Veranstaltung (3 bis 4 Mal pro Arteplage) verschiedene Programmfenster (Literatur, Musik, Film) für die rätoromanische Kultur öffnet. Die entsprechenden Abklärungen sind im Gange.</p><p>Die Expo-Leitung ist zudem bemüht, in ihren Publikationen und Ausstellungstexten dem Rätoromanischen eine gute und selbstverständliche Präsenz zukommen zu lassen.</p><p>Die gleichen Überlegungen und Anstrengungen gelten auch für die Vertretung der italienischen Sprache an der künftigen Landesausstellung.</p>  Antwort des Bundesrates.