Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. September 2017 (715 16 317 / 263) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Erfüllung der Beitragszeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1972 geborene A.____ meldete sich am 22. Sep tember 2014 zur Arbeitsvermitt- lung an und stellte den Antrag auf Arbeitslosenents chädigung ab gleichem Tag. Demgemäss wurde die Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 22. September 2012 bis 21. September 2014 festgelegt. Mit Verfügung vom 4. November 2014 lehn te die Öffentliche Arbeitslosenkasse Ba- selland (Arbeitslosenkasse) die Anspruchsberechtigung von A.____ ab. Zur Begründung führte sie aus, der Versicherte habe während der Rahmenfri st für die Beitragszeit lediglich eine bei- tragspflichtige Beschäftigung von 11,340 Monate nachweisen können und damit die Mindestbei- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tragszeit von 12 Monaten nicht erfüllt. Die gegen di ese Verfügung erhobene Einsprache wies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 17. August 2016 ab. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit E ingabe vom 16. September 2016 Beschwerde am Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abt eilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids. C. Mit Verfügung vom 23. Januar 2017 wies das Kanton sgericht ein Sistierungsgesuch des Beschwerdeführers ab. D. Die Arbeitslosenkasse beantragte mit Vernehmlassung vo m 10. April 2017 die Abwei- sung der Beschwerde. E. Nachdem der Beschwerdeführer beim Bezirksgericht B.___ _ gegen seine ehemalige Arbeitgeberin, C.____, ein Schlichtungsverfahren anhä ngig gemacht hatte, sistierte das Kan- tonsgericht mit Verfügung vom 21. April 2017 das vorli egende Beschwerdeverfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens vor dem Bezirksgericht B.____. F. Mit Eingabe vom 27. Juni 2017 stellte der Beschwerd eführer dem Kantonsgericht den Entscheid des Bezirksgerichts B.____ vom 16. Mai 2017 inklusive beigeheftetem Vergleich zwi- schen dem Kläger und der Beklagten zu. Die ehemalige A rbeitgeberin verpflichtete sich darin, dem Beschwerdeführer Lohn für die Zeit vom 19. September 2014 - 6. Oktober 2014 auszurich- ten und ordentlich abzurechnen. In seiner Eingabe er klärte der Beschwerdeführer ausserdem, er habe bis zum 6. Oktober 2014 bei C.____ gearbeitet. Ab 7. Oktober 2014 habe er bei der D.____ eine neue Arbeitsstelle angetreten und am 8. Oktober 2014 habe er einen Verkehrsun- fall erlitten und sei seither „zu 100 % krankgeschrieben “. In der Folge hob das Kantonsgericht mit Verfügung vom 28. Juni 2017 die Sistierung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens auf. G. Die Arbeitslosenkasse hielt mit Stellungnahme vom 2 5. August 2017 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers ging sie nun davon aus, dass der Beschwerdeführer eine Beitragsz eit von 11,78 Monaten (bisher 11,340) erfülle. Des Weiteren führte sie aus, dass – sel bst wenn der Beschwerdeführer die Bei- tragszeit von 12 Monaten erfüllen würde – sein Anspruc h auf Arbeitslosenentschädigung abzu- lehnen wäre, da er vom 22. September 2014 - 6. Oktob er 2014 gearbeitet habe und auch ab 7. Oktober 2014 in einem Arbeitsverhältnis gestanden habe. H. Mit Eingabe vom 18. September 2017 reichte der Besch werdeführer weitere Unterla- gen ein, woraufhin die Arbeitslosenkasse am 21. Septe mber 2017 erklärte, sie verzichte auf eine Stellungnahme. Am 27. September 2017 reichte de r Beschwerdeführer nochmals Unterla- gen zu den Akten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Nach Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist das Versicherun gsgericht jenes Kantons ört- lich zuständig, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. In Abweichung von dieser Bestimmung hat der Bund esrat gestützt auf Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicheru ng und die Insolvenzentschädi- gung (AVIG) vom 25. Juni 1982 die örtliche Zuständigke it des kantonalen Versicherungsge- richts in Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obl igatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 geregel t. Demgemäss richtet sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für di e Beurteilung von Beschwerden ge- gen Kassenverfügungen sinngemäss nach Art. 119 AVIV. Diese Bestimmung wiederum hält in Abs. 1 lit. a unter anderem fest, dass sich die örtliche Z uständigkeit unter der kantonalen Amts- stelle für die Arbeitslosenentschädigung nach dem Ort r ichtet, wo der Versicherte die Kontroll- pflicht erfüllt. Massgebend ist dabei der Zeitpunkt der Verfügung (vgl. Art. 119 Abs. 2 AVIV). Demzufolge richtet sich auch die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Streitigkeiten über die Arbeitslosenentschädigung nach jenem Ort, an welchem der Versicherte beim Erlass der streitigen Verfügung seine Kontrollpfl icht erfüllt hat. Der Beschwerdeführer hat seine Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfül lt, weshalb vorliegend das hiesige Kan- tonsgericht örtlich zuständig ist. 1.2 Gemäss Art. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 57 ATS G und § 54 Abs. 1 lit. k des Geset- zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanto ns Basel-Landschaft zur Behand- lung von Beschwerden gegen Verfügungen gemäss Art. 100 A VIG sachlich zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Laut Art. 8 Abs. 1 AVIG hat eine versicherte Person Anspruch auf Arbeitslosenent- schädigung, wenn sie ganz oder teilweise arbeitslos ist (lit. a), einen anrechenbaren Arbeitsaus- fall hat (lit. b), in der Schweiz wohnt (lit. c), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht hat noch eine Altersre nte der AHV bezieht (lit. d), die Bei- tragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beit ragzeit befreit ist (lit. e), vermittlungsfähig ist (lit. f) und die Kontrollvorschriften erfüllt (lit. g ). Diese Erfordernisse müssen kumulativ gegeben sein. Das bedeutet, dass der Leistungsanspruch bei Feh len auch nur einer Voraussetzung ent- fällt. 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügen de Instanz und – im Beschwerde- fall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als be wiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat di e rechtsanwendende Behörde ih- ren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Ve rwaltung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von al len möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mi t Hinweisen). Der Untersuchungs- grundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführ ungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügende n Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach- verhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel grei ft allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsat zes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgericht sbeschwerdeverfahren gilt fer- ner der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozial- versicherungsgericht die Beweise frei und somit ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N. 330, 1001 und 1226). Für das Beschwerdeverfa hren hat dies zur Folge, dass das So- zialversicherungsgericht alle Beweismittel – unabhängig da von, von wem sie stammen – objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gesta tten. Weiter dürfen die Verwaltung als verfügende Instanz beziehungsweise im Beschwerdefall das G ericht eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überze ugt sind. Im Sozialversiche- rungsrecht ist der Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas A bweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fäll en. Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Vielmehr ist jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen Ge schehensabläufen als die wahrschein- lichste zu würdigen ist (BGE 126 V 353 E. 5b mit weiteren Hinweisen). 4. Vorliegend ist strittig, ob der Beschwerdeführer ei ne genügende Beitragszeit von min- destens zwölf Monaten im Sinne von Art. 13 Abs. 1 AVIG nachweisen kann. 4.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Arbeitslosenen tschädigung, wenn sie unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfü llung der Beitragszeit befreit ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. e in Verbindung mit Art. 13 und 14 AVIG) . Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitrags- zeit erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit von zwei Jah- ren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Mona ten eine beitragspflichtige Beschäfti- gung ausgeübt hat (vgl. AVIG-Praxis ALE, Arbeitsmarkt un d Arbeitslosenversicherung [AVIG- Praxis] Rz. B143). 4.2 Art. 13 Abs. 1 AVIG setzt nach dem Gesagten eine be itragspflichtige Beschäftigung voraus. Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbe itslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlasse nenversicherung (AHVG) vom Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 20. Dezember 1946 obligatorisch versichert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit beitragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne v on Art. 5 Abs. 2 AHVG bezieht (vgl. BGE 122 V 251 E. 2b mit Hinweisen). Die Beitrag spflicht einer versicherten unselbststän- dig erwerbenden Person entsteht mit der Leistung der A rbeit. Beiträge sind indessen erst bei Realisierung des Lohn- oder Entschädigungsanspruchs geschu ldet (vgl. BGE 111 V 166 f. E. 4a und b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen des Art. 13 Abs. 1 AVIG deshalb vorausgesetzt, dass die versicherte Person e ffektiv eine beitragspflichtige Be- schäftigung ausgeübt und der Arbeitgeber für diese Beschä ftigung tatsächlich auch einen Lohn entrichtet hat (vgl. BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil d es Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen ] vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Erfordernis des Nachweises effektiver Lohnzahlung sollen Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arb eitnehmer verhindert werden (vgl. ARV 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). 4.3 In BGE 131 V 444 ff. präzisierte das EVG, die bishe rige Rechtsprechung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine beitragspflichtige Besc häftigung überhaupt nur dann zur Bildung von Beitragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis tatsächlicher Lohnzahlungen erbracht ist. Unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Bei tragszeit nach Art. 8 Abs.1 lit. e AVIG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 AVIG sei die faktische Au sübung einer beitragspflichtigen Be- schäftigung während der geforderten Dauer die einzige Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (vgl. BGE 113 V 352 f.). Dem Nachweis tatsächlicher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer selbstständigen Ansp ruchsvoraussetzung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in kritischen Fällen unter Umständen ausschlaggebenden Indizes für die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung (BGE 131 V 453 E. 3.3 in fine). Das im Gesetz zwar nicht ausdrücklich genannte, nach ständiger Rech tsprechung aber massgebliche Erfordernis der genügenden Überprüfbarkeit der beitra gspflichtigen Beschäftigung diene der Verhinderung von Missbräuchen (vgl. Urteil des Bundesger ichts vom 29. Dezember 2005, C 258/04, E. 3.2 mit Hinweis). Fehle es am Nachweis ei ner tatsächlich ausgeübten unselbst- ständigen Tätigkeit, sei das Anspruchserfordernis nach A rt. 8 Abs. 1 lit. e AVIG und Art. 13 AVIG nicht gegeben. Dies gelte auch dann, wenn als Lohn bezeichnete oder auf ein als solches bezeichnetes Lohnkonto erfolgte Zahlungen des Arbeitge bers bestehen würden. Dieser Um- stand bilde eben nur, aber immerhin, ein bedeutsames Indiz für eine beitragspflichtige Beschäf- tigung (vgl. BGE 131 V 451 E. 3.2.2). 4.4 In zwei weiteren Urteilen (C 83/06 vom 18. August 2006 und C 111/06 vom 6. März 2007) hat die höchstrichterliche Rechtsprechung schliesslich präzisierend festgehalten, dass der Umstand, dass eine tatsächliche Lohnzahlung nicht hinreichend belegt werden könne, nicht bedeute, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ku rzerhand abzulehnen wäre. Massgebend sei nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes einzig, dass innerhalb der Rahmen- frist für die Beitragszeit eine beitragspflichtige Beschä ftigung während der Mindestdauer von zwölf Monaten rechtsgenüglich dargetan sei. Soweit eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen, der exakt ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben sei, habe eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (vgl. Urtei l des EVG vom 18. August 2006, C 83/06, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 451 E. 3.2 .3). Was die Einkommenshöhe betreffe, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe sich die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöhe d iesfalls grundsätzlich zu Ungunsten der versicherten Person auszuwirken (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 6. März 2007, C 111/06, E. 3.4). 5.1 Zu Recht unbestritten ist vorliegend, dass der Beschwer deführer mit seinen diversen Tätigkeiten eine Beitragszeit von mindestens 11,78 Mona ten erreicht. Daraus folgt, dass dem Beschwerdeführer neben den von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten Arbeitstagen noch fünf zusätzliche Arbeitstage fehlen, um die erforderlich e Beitragszeit von 12 Monaten zu errei- chen. Strittig ist, ob der Beschwerdeführer während der Rahmenfrist für die Beitragszeit weitere beitragspflichtige Tätigkeiten ausgeübt hat. 5.2.1 Der Beschwerdeführer gibt unter anderem an, er habe von Juni - Juli 2013 zwei Mona- te bei der E.____ gearbeitet, was von der Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt worden sei. In der Tat ergibt sich aus dem IK-Auszug, dass der Beschw erdeführer in den Monaten Juni und Juli 2013 für die E.____ gearbeitet und dabei ein Ei nkommen von Fr. 6‘000.-- erzielt hat. Auf- grund dieser Angaben ist mit überwiegender Wahrscheinl ichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in den Monaten Juni und Juli 2013 ei ner beitragspflichtigen Tätigkeit nach- gegangen ist. Die Beschwerdegegnerin gibt diesbezüglich an, sie könne die genaue Beitrags- zeit infolge fehlender Unterlagen nicht genau berechne n. Tatsächlich steht nicht fest, wie viele Tage der Beschwerdeführer für die E.____ gearbeitet h at. Angesichts des IK-Auszugs, welcher einen Verdienst von Fr. 6‘000.-- ausweist, ist aber d avon auszugehen, dass der Beschwerde- führer sicherlich mehr als fünf Tage für die E.____ gea rbeitet hat. Damit kann mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer jedenfalls während mindestens fünf zusätzlichen Tagen gearbeitet u nd demzufolge die erforderliche Bei- tragszeit erfüllt hat. 5.2.2 Gemäss Angaben des Beschwerdeführers hat er des Weit eren vom 28. Januar 2014 - 7. Februar 2014 Arbeiten für F.____ verrichtet. Dieser bestreitet zwar in einer E-Mail vom 16. Oktober 2014, dass zwischen ihm und dem Beschwerdeführer ein Arbeitsverhältnis bestanden habe. Aufgrund des E-Mail-Verkehrs zwischen F.____ und de m Beschwerdeführer sowie der Überweisung von Fr. 500.-- von F.____ an den Beschwerdeführer mit dem Vermerk „Anzahlung Fliesenleger“ ist jedoch davon auszugehen, dass dieser auch vom 28. Januar 2014 - 7. Februar 2014 evtl. auch noch von Anfang März - 7. März 2014 gea rbeitet hat. Dies wird auch von F.____ in einem Schreiben vom 16. April 2014 an den B eschwerdeführer bestätigt. In diesem Schreiben gibt F.____ an, der Beschwerdeführer habe am 28. Januar 2014 mit den Arbeiten begonnen und am 7. Februar 2014 mitgeteilt, dass die Fliesen ausgegangen seien. Er habe dann drei Wochen benötigt, um neue Fliesen zu organisi eren, weshalb davon auszugehen ist, dass diese etwa am 28. Februar 2014 eingetroffen sind. Der Beschwerdeführer sei dann am 7. März 2014 mit den Arbeiten fertig gewesen. Weiter ergibt sich aus dem Schreiben, dass die Parteien über die Qualität der Arbeit stritten eben so wie über die Zahlungsmodalitäten. Klar ist, dass die Anzahlung von Fr. 500.-- nicht dem angegebenen Aufwand entspricht. Ob weitere Zahlungen erfolgt sind, ist aus den Akten nicht ersichtlich . Auf eine vom Beschwerdeführer er- hobene Klage gegen F.____ ist das Bezirksgericht X.____ nicht eingetreten, wobei die Gründe Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht für das Nichteintreten nicht ersichtlich sind. Dennoch er gibt sich aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer von F.____ Fr. 500.-- als Anzahlung er halten hat sowie aus dem Schreiben von F.____ vom 16. April 2014, dass der Beschwerdeführer für F.____ gearbeitet hat. Da be- reits die Tätigkeit bei der E.____ mehr als die zusätzl ich notwendigen fünf Arbeitstage ergibt, kann offen bleiben, wieviele zusätzliche Arbeitstage mit der Tätigkeit für F.____ anfallen bzw. zu berücksichtigen sind. Es braucht diesbezüglich auch nicht weiter abgeklärt zu werden, ob die Arbeiten im Rahmen einer selbständigen oder unselbständ igen Tätigkeit ausgeführt wurden. Wie bereits erwähnt – vgl. oben Ziff. 4.3 und 4.4 – bildet jedenfalls der Nachweis des Lohnflus- ses für die Annahme einer beitragspflichtigen Beschäftigung keine selbstständige Anspruchsvo- raussetzung. Kann jedoch der Lohnfluss nicht nachgewiesen werden, so würde sich dies – so- fern alle weiteren Anspruchsvoraussetzungen zu bejahen sind – bei der Berechnung des versi- cherten Verdienstes auswirken. 6. Die Arbeitslosenkasse hat mit Stellungnahme vom 25. A ugust 2017 geltend gemacht, selbst wenn der Beschwerdeführer die Beitragszeit von 1 2 Monaten erfüllen würde, wäre sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung abzulehnen, da e r vom 22. September 2014 - 6. Oktober 2014 gearbeitet habe und auch ab 7. Oktobe r 2014 in einem Arbeitsverhältnis ge- standen habe. Aufgrund der Akten und der Angaben des Beschwerdeführer s ist davon auszugehen, dass die- ser nach Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug am 22. September 2014 weiterhin in einem Arbeitsverhältnis stand und ab 8. Oktober 2014 a ufgrund eines Unfalls Taggelder der Suva erhalten und demzufolge wohl keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. Die vorliegenden Unterlagen ergeben aber keine genügende Grundlage, um abschliessend beurtei- len zu können, ob die Anspruchsvoraussetzungen während der gesamten Rahmenfrist bis zum 21. September 2016 tatsächlich nicht erfüllt waren wie die Arbeitslosenkasse in ihrer Stellung- nahme geltend macht. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdefüh rer die Beitragszeit erfüllt hat, aber unklar bleibt, ob er auch die übrigen Anspru chsvoraussetzungen erfüllt. Die Angele- genheit ist demzufolge an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen , damit diese das Vorliegen der weiteren Anspruchsvoraussetzungen prüft und neu verfügt. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Ein- spracheentscheid vom 17. August 2016 aufgehoben, die E rfüllung der Beitragszeit von 12 Monaten bejaht und die Angelegenheit zur Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen an die Öffentliche Arbeitslo- senkasse zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht