Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. August 2021 (720 21 15 / 220) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision: Beweistauglichkeit der Einschätzung des Regionalen Ärztlichen Diens- tes, keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichteri n Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Tina Ger- ber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch B.____ , wiederum ver- treten durch Valery Furger, Advokatin, Advokatur und Notariat Stadt- hof, Hauptstrasse 47, 4153 Reinach BL gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1959 geborene A.____ meldete sich aufgrund von Rückenbeschwerden im Mai 2010 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug. Die damals zuständige IV-Stelle des Kantons C.____ sprach ihr mit Verfügung vom 9. April 2013 rückwirkend per 1. April 2011 eine halbe Invalidenrente, basierend auf einem I nvaliditätsgrad von 52%, zu. Im Rahmen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer Revision von Amtes wegen stellte die – seit eine m Wohnortswechsel im Jahr 2015 zustän- dige – IV-Stelle Basel-Landschaft mit Mitteilung vom 30. Mai 2016 einen unveränderten Invalidi- tätsgrad fest. Mit Schreiben vom 1. Oktober 2019 beantragte die Versicherte eine Erhöhung der Invalidenrente. Die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab, verneinte indes mit V erfügung vom 30. November 2020 eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes und wies das Rentenerhöhungsgesuch bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 53% ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch ihren So hn B.____, am 17. Januar 2021 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht, (Kantonsgericht) und bean- tragte sinngemäss die Zusprache einer höheren Rente. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ers ucht. Zur Begründung führte die Be- schwerdeführerin aus, dass es ihr aufgrund ihres Medikame ntenplans nicht zumutbar sei, eine angepasste Tätigkeit aufzunehmen. Der behandelnde Arzt habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit festgestellt. Ferner seien die Behandlungen des Rückenleidens und der Blasenprobleme entge- gen den Angaben der Beschwerdegegnerin nicht abgeschlossen. C. Mit Verfügung vom 4. Februar 2021 wurde der Beschw erdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung bewilligt. D. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 9. Februar 2021 unter Hinweis auf eine bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eingeholte Stellungnahme auf Abweisung der Beschwerde. E. Mit Verfügung vom 12. Februar 2021 wurde der Fal l dem Gericht zur Beurteilung über- wiesen. F. Mit Eingabe vom 18. Februar 2021 zeigte Advokatin Valery Furger dem Kantonsgericht an, dass sie die Vertretung der Beschwerdeführerin über nommen hatte und beantragte die An- setzung einer Frist zur Replik. Ferner beantragte sie, es sei die unentgeltliche Verbeiständung mit ihr als Rechtsvertreterin zu bewilligen. Den Anträgen der nunmehr vertretenen Beschwerde- führerin wurde mit Verfügung vom 19. Februar 2021 entsprochen. G. In ihrer Replik vom 21. April 2021 liess die Beschwerd eführerin beantragen, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung mindestens eine Dreiviertelsrente der Invalidenversi- cherung zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenhe it zur weiteren Klärung des medizini- schen Sachverhalts und zur Ermittlung der Restarbeitsfähi gkeit sowie zum neuen Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im We- sentlichen ausgeführt, dass der von der Beschwerdegegneri n vorgenommene leidensbedingte Abzug zu tief angesetzt sei und die Schmerzen und Medikamenteneinnahme bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu Unrecht nicht berücksichtigt worden seien. Ferner sei auch der medizinische Sachverhalt nicht rechtsgenügli ch abgeklärt worden. Das komplexe Beschwerdebild werde durch die kurzen Einschätzungen des RAD nicht genügend gewürdigt. Vielmehr wäre ein Gutachten einzuholen gewesen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Duplik vom 3. Mai 2021 hielt die Beschwerdegegn erin an ihrem Abweisungsantrag fest und nahm zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin in medizinischer Hinsicht Stellung. I. Mit Verfügung vom 7. Mai 2021 wurde der vorliegend e Fall erneut dem Gericht zur Be- urteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen fr ist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde vom 17. Januar 2021 ist demnach einzutreten. 2. Es ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zurecht von eine m im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen ist und folglich die halbe IV-Rente revisionsweise nicht erhöht hat. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 30. November 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeit- liche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min destens 40 % invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu min- destens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu m indestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente , wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die vora ussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 4.1 Gemäss Art. 17 ATSG sind laufende IV-Renten für di e Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in ein er für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Ä nderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerbli- chen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundhei tszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine abw eichende medizinische oder rechtliche Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen Verhältnissen alleine führt nicht zu einer materiellen Revision. 4.2 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkomm ensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 1 E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Beschwerdefüh- rerin mit Verfügung vom 9. April 2013 rückwirkend per 1. April 2011 eine halbe Invalidenrente zu. Nach einem in den Jahren 2015 und 2016 durchgeführte n Revisionsverfahren wurde der Be- schwerdeführerin mit Schreiben vom 30. Mai 2016 (formlos) mitgeteilt, dass die Rente unverän- dert bleibe. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen (auf einer vollständigen materiellen Anspruchsprüfung beruhe nden) Rentenverfügung vom 9. April 2013 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 30. November 2020. 5. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob und inwiefer n sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsunfäh igkeit der Beschwerdeführerin seit der Rentenzusprache am 9. April 2013 in anspruchserheblicher Weise verändert hat. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche un d gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anfor- derungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits be i geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 5.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; U rteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die a nsonsten unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinwei- sen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhaltes in Revisionsfällen im Sinne des Art. 17 ATSG ist überdies Folgendes zu beachten: Da die Feststellung einer revisi- onsbegründenden Veränderung durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des ak- tuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Beweis es das Vorhandensein einer entschei- dungserheblichen Differenz in den medizinischen Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Ren- tenrevision eingeholten medizinischen Unterlagen hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung( en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbar en und schlüssigen medizinischen Beur- teilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), ma ngelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer fr üheren abweichende) ärztliche Einschät- zung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern ei ne effektive Veränderung des Gesund- heitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Urteile des Bundesgerichts vom 29. Au- gust 2011, 9C_418/2010, E. 4.2, und vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 6. Zur Beurteilung des vorliegenden Falles liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgen den sollen indes bloss diejenigen Be- richte wiedergegeben werden, die sich für die Beurtei lung der vorliegend strittigen Fragen als wesentlich erweisen. 6.1 Bei der ursprünglichen Rentenzusprache im Jahr 201 3 stützte sich die Beschwerdegeg- nerin in somatischer Hinsicht im Wesentlichen auf den au sführlichen Bericht der behandelnden Fachärztin Dr. med. D.____, FMH Neurologie, vom 6. März 2012. Darin wird mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) ein chronisches zervikobrachiales Schmerzsyndrom bei Status nach vent- raler Diskektomie C 5/6 notfallmässig am 7. Mai 2007 bei tetraspastischem Syndrom; Status nach interkorporeller Spondylodese und Implantation eines B andscheibenersatzes C 6/7, Neurolyse und Foraminotomie beidseits am 19. Juni 2008; ohne klinische Hinweise für eine Radikulopathie oder Myelopathie; mit computertomographisch festgestellte r Osteochondrose, bilateraler Un- kovertebralarthrose C 6/7 mit vermehrtem Knochenumbau, vereinbar mit einer Instabilität, C 5/6 ossärem Durchbau mit szintigraphisch nur leichter Mehranr eicherung sowie (2) ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit anamnestisch degene rativen Lendenwirbelsäulen- veränderungen und ISG-Arthrosen beidseits diagnostiziert. Als Nebendiagnosen werden akten- anamnestisch ein Fibromyalgiesyndrom und eine Polymyalgi a rheumatica sowie anamnestisch eine psychiatrische Erkrankung festgehalten. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien eine arterielle Hypertonie, ein Diabetes mellitus Typ II, eine Adipositas per magna und eine Hy- percholesterinämie zu diagnostizieren. Ab spätestens 17. November 2011 bestehe eine 50% Ar- beitsunfähigkeit, die auch weiterhin bestehen werde. Das Heben schwerer Lasten und vermehrte Rotationsbewegungen zerviko-thorakal, wie sie die Patie ntin in der angestammten Tätigkeit als Kioskverkäuferin (Ablage von Zeitungen, etc.) durchgeführt habe, seien nicht zumutbar. In einer ruhigen sitzenden Tätigkeit mit wechselhafter Belastun g ohne Tragen von schweren Lasten sei die Patientin zu 50% arbeitsfähig. Weitere medizinische Massnahmen zur Verbesserung des Zu- standsbildes seien nicht bekannt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht In psychiatrischer Hinsicht erachtete die Beschwerdegegnerin den Bericht des behandelnden Facharztes Dr. med. E.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 27. April 2012 als massgeblich. Danach sei bei der Versicherten eine re zidivierende depressive Störung, ge- genwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F 33.0), zu diagnostizieren. Aus psychiatri- scher Sicht bestehe eine leicht verminderte Leistungsfähigkeit aufgrund des depressiven Zustan- des. Die Patientin sei aktuell bloss zu 50% leistungsfähig. Nach einer Remission sei aus psychi- atrischer Sicht mit der Wiedererlangung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen. 6.2 Im Rahmen des vorliegend interessierenden Revisionsve rfahrens finden sich folgende medizinische Unterlagen in den Akten: 6.2.1 Der behandelnde Hausarzt Dr. med. F.____, FMH A llgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht vom 6. Dezember 2019 aus, dass der Partner der P atientin sie seit der Trennung nicht mehr bei der Arbeit als Werbeprospektausträgerin unterstütze. Sie könne aufgrund der Rücken- schmerzen die schweren Zeitungsbündel nicht alleine trag en. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit seien folgende Diagnosen zu stellen: (1) ein Diabetes mellitus Typ II (Erstdiagnose 2002), (2) eine Dyslipidämie, (3) eine arterielle Hypertonie, (4) eine Osteopenie (Erstdiagnose 2018), (5) ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit klini sch Lumboischialgie links und Hypästhesie Bein links, mit ausgeprägter Osteochondrose L 4/5 und L 5/S 1 sowie beidseits knö- cherne Foraminalstenose L 5 mit möglicher Irritation de s Spinalnervs L 5 links und (6) ein chro- nisches zervikobrachiales Schmerzsyndrom beidseits bei Status na ch ventraler Diskektomie C 5/6 im Jahr 2007 sowie Status nach interkorporeller Spondylodese und Implantation eines Band- scheibenersatzes, Neurolyse und Foraminotomie beidseits im Jahr 2008, ohne klinische Hin- weise für eine Radikulopathie oder Myelopathie, bei Osteochondrose, bilateraler Unkovertebral- arthrose C 6/7 mit vermehrtem Knochenumbau, C 5/6 mi t ossärem Durchbau mit szintigrafisch nur leichter Mehranreicherung. Die Arbeit als Zeitungsa usträgerin könne in naher Zukunft nicht mehr ausgeführt werden, die Patientin solle eine neue Aufgabe haben. 6.2.2 Nach dem ablehnenden Vorbescheid verfasste Dr. F. ____ einen weiteren Arztbericht, der am 23. Januar 2020 bei der Beschwerdegegnerin ei nging. Darin präzisierte er – bei gleich- bleibenden Diagnosen –, dass sich die Situation der Rück enschmerzen verschlechtert habe und die Patientin nun keiner Arbeit mehr nachgehen könn e. Es würden weitere Abklärungen vorge- nommen werden. 6.2.3 Mit Bericht vom 16. März 2020 diagnostizierten Dr. med. G.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Wirbelsäulenchirurgie, und Dr. med. H._ ___, FMH Orthopädische Chirurgie und Wirbelsäulenchirurgie, des Spitals K.____ ein chronisch es Lumboischialgiesyndrom mit Osteo- chondrose L 5/S 1, Foraminalstenose L 5/S 1 bei Status nach mehrfachen Facettengelenks- und Wurzelinfiltrationen der Lendenwirbelsäule; ein chronisches zervikales Schmerzsyndrom mit not- fallmässiger ventraler Dekompression und Fusion C 5/6 bei beginnender Tetraparese am 7. Mai 2007 und ventraler Dekompression und Fusion C 6/7 am 19. Juni 2008 sowie ein metabolisches Syndrom mit insulinabhängigem Diabetes mellitus Typ I I. Seit vielen Jahren bestünden Be- schwerden sowohl im Bereich der Halswirbelsäule als auch im Bereich der Lendenwirbelsäule. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die aktuelle Konsultation erfolge wegen der Lendenwirbelsäulenbeschwerden. Seit sechs bis sie- ben Jahren bestünden Lumbalgien mit Ausstrahlung bis ins linke Knie. Die Schmerzen träten vor allem bei der Arbeit als Zeitungs- und Katalogausträ gerin (Pensum 40%) auf, sowie bei langem Stehen und nach einer Gehstrecke von 200 Metern. Auch während der Haushaltstätigkeit sei die Patientin diesbezüglich eingeschränkt. Es liege ein kompl exes Beschwerdebild vor. Aus wirbel- säulenchirurgischer Sicht sei die Patientin in der aktuel len Tätigkeit, die als körperlich schwer bezeichnet werden müsse, zu 100% arbeitsunfähig. Es sei eine weitere Wurzelinfiltration L 5 links veranlasst worden. Vorerst bestünde keine Operationsindikation. 6.2.4 Dr. med. I.____, FMH Allgemeine Innere Medizin , Oberärztin der Klinik Rheumatologie und Schmerzmedizin des Spitals K.____, diagnostizierte im Erstkonsultationsbericht vom 29. Ap- ril 2020 ein lumboradikuläres Reiz- und sensibles Ausfallsyndrom L5 links (fraglich Letzteres auch rechts) bei diskreter rechtskonvexer Torsionsskoliose der unter en Lendenwirbelsäule, diskreter Retrolisthesis L 4/5 und L 1/2, Osteochondrose L 1/2 und L 5/S 1, Spondylarthrose L 3/S 1 jedoch ohne Instabilität, Osteochondrosen, vor allem L 5/S 1, aber auch L 1-3 mit Diskopathie, zusätzlich mit foraminaler Diskushernie mit wahrscheinlicher Kompromittierung L 5 links und einem Status nach verschiedenen lumbalen Infiltrationen sowie ein c hronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom bei Status nach Dekompression und Fusion H5/6 (2007) und H 6/7 (2018). Als Nebendiagnosen wurden ein Diabetes mellitus Typ II, eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas, ein Nikotinabusus, fraglich eine Dyslipidämie, anamnestisch eine Refluxerkrankung, anamnes- tisch eine Fibromyalgie, eine Allergie auf Augmentin, Bactrim forte sowie Diclofenac und ein Sta- tus nach diversen Operationen festgehalten. Die Patien tin leide seit Jahren an Schmerzen aus- gehend von der Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlungen bis ins Knie. Wie empfohlen werde eine CT-gesteuerte Wurzelinfiltration L 5 links vorgenommen. 6.2.5 In der Folge wurden diverse Interventionen vor genommen: Am 27. Mai 2020 wurde eine selektive Wurzelblockade L 5 links durchgeführt, am 5. Au gust 2020 eine intraartikuläre Facet- tenblockade L 4/S 1 und am 29. September 2020 ein Medial branch block L 4/S 1 beidseitig so- wie eine Radiofrequenzläsion L 4/S 1. 6.2.6 Die RAD-Ärztin Dr. med. J.____, Fachärztin für Ph ysikalische und Rehabilitative Medi- zin, nahm am 25. Juni 2020 erstmals zu den vorliegend strittigen medizinischen Fragen Stellung. Sie führte unter Hinweis auf die Berichte der behand elnden Ärzte aus, dass sich der Gesund- heitszustand der Versicherten seit der Rentenzusprache im Jahr 2013 nicht richtungsweisend verändert habe. Dass die Versicherte die Arbeit als Zeitu ngsausträgerin nicht mehr ausüben könne, sei medizinisch absolut plausibel, da diese Tätigkeit rückenbelastend sei und daher auch nicht als Verweistätigkeit gelte. Eine rückenschonende Tät igkeit sei ihr aber aufgrund des Wir- belsäulenstatus weiterhin wie bisher zu 50% zumutbar. Da ss die Versicherte aufgrund ihres Al- ters und ihrer fehlenden beruflichen Ausbildung keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehe, sei letztlich invaliditätsfremd. 6.2.7 Im Hinblick auf die aktuellsten Behandlungen liess sich Dr. J.____ am 21. Oktober 2020 dahingehend vernehmen, dass keine neuen medizinischen Erkenntnisse vorlägen. Der Gesund- heitszustand sei weiterhin unverändert zu demjenigen der letzten Rentenrevision, auch wenn die Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte nun erneut in schmerztherapeutischer Behandl ung stehe. Das bisherige Zumutbar- keitsprofil gelte unverändert. Somit sei weiterhin von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer rü- ckenadaptierten Tätigkeit auszugehen. Zusammenfassend würden die involvierten Behandler in den aktuellen Berichten keine sensomotorischen Defizite f eststellen. Eine Operationsindikation bestehe nicht. Trotz der bekannten degenerativen Veränderungen liege klinisch eine relativ gute Beweglichkeit der Wirbelsäule vor. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefoch tenen Verfügung vom 30. Novem- ber 2020 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vollumfänglich auf die Ausführun- gen ihrer RAD-Ärztin vom 25. Juni 2020 und 21. Oktober 2020. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der Rentenzusprache im Jahr 2013 nicht richtungsweisend verändert habe. Es sei medizinisch absol ut plausibel, dass die rückenbelas- tende Tätigkeit als Zeitungsausträgerin nicht mehr auszuüben sei. Eine rückenschonende Tätig- keit ohne Heben, Tragen, Stossen und Ziehen von Lasten über fünf bis siebeneinhalb Kilogramm, Verrichtungen über Schulterhöhe oder Tätigkeiten in g ebückter oder vorneübergebeugter Hal- tung, Rotationsbewegungen und Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten sei jedoch weiterhin im Um- fang von 50% zumutbar. 7.2 Wie in Erwägung 5.3 hiervor erwähnt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderun- gen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne die Ein holung eines externen Gutachtens ent- schieden werden soll. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist jedoch auch eine reine Aktenbeurteilung nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Ak- tengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diag- nose oder das Ausmass der Behinderung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen kann in einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die über- wiegende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Es sind allerdings be- reits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der (versicherungs-)ärztli- chen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Solche Zweifel liegen vorliegend indessen nicht vor. Die bei der Beschwerdeführerin festg estellten Befunde und Diagnosen sind unbestritten. Unbestritten ist auch, dass der Beschwerdeführerin die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Zeitungs- und Prospektausträgerin nicht zumutbar ist. Ebenso ist unbestritten, dass die Be- schwerdeführerin nach wie vor an starken Rückenbeschwerden leidet, die sie in der Arbeitsfähig- keit erheblich einschränken. Diesen Einschränkungen ist indessen bereits bei der Rentenzuspra- che im Jahr 2013 sowohl in quantitativer (mit einem zum utbaren Pensum von 50%) als auch in qualitativer (Beschreibung eines rückenschonenden Leistu ngsprofils) Hinsicht Rechnung getra- gen worden. Eine rentenrelevante Verschlechterung des G esundheitszustandes geht aus den Akten nicht hervor. Die im Jahr 2018 neu diagnostizierte Osteopenie hat keine zusätzliche Leis- tungseinschränkung zur Folge. Dass sich die Arbeitsfähigk eit der Beschwerdeführerin aufgrund der eingenommenen Medikamente vermindert hat, wird von ärztlicher Seite nicht konstatiert. Eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes wird nich t geltend gemacht und ist Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch aus den medizinischen Unterlagen nicht ersichtlich. Insoweit geht Dr. J.____ schlüssig und nachvollziehbar von einem unveränderten Zumutbarkeitsprofil aus. Nach dem Ausgeführten be- stehen – bei widerspruchsfreien und einheitlichen Bef unden und Einschätzungen – keine auch nur geringen Zweifel an der Einschätzung der RAD-Ärzti n. Sie erweist sich deshalb als beweis- tauglich, weshalb die Beschwerdegegnerin darauf abstellen durfte. 7.3 Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen – wie hier – eine zuverlässige Beur- teilung des aktuellen Gesundheitszustandes der Versicherten und den Einschränkungen im Er- werbsbereich zu, so kann auf die von ihr beantragte An ordnung eines Gerichtsgutachtens bzw. Rückweisung an die Vorinstanz zur Vornahme weiterer medi zinischer Abklärungen verzichtet werden (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BG E 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 8. Zusammenfassend ist nach dem Ausgeführten festzuhalten , dass sich der Gesundheits- zustand der Beschwerdeführerin seit der ursprünglichen Rentenzusprache am 9. April 2013 nicht wesentlich verändert hat. Gestützt auf die schlüssige Einschätzung Dr. J.____ ist vielmehr davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin eine leidensadaptierte Tätigkeit wie bis anhin im Um- fang von 50% zumutbar ist. Eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse, die eine Rentener- höhung gemäss Art. 17 ATSG zur Folge hätte, liegt dam it nicht vor. Eine weitere Prüfung des Rentenbegehrens in Form einer Überprüfung eines Einkommensvergleichs, erübrigt sich bei die- ser Aktenlage. Dies führt im Ergebnis zur Abweisung der Beschwerde. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverf ahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend unterliegt die Beschw erdeführerin, weshalb die Verfah- renskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführerin ist nun allerdings mit Verfügung vom 4. Februar 2021 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskos- ten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen werden. 9.2 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung mit Verfügung vom 19. Februar 2021 ist der Vertreterin der Beschwerdeführerin indes ein Hon orar aus der Gerichtskasse auszurichten. Die Vertreterin der Beschwerdeführerin hat mit Schrei ben vom 21. April 2021 und 12. August 2021 ihre Honorarnoten eingereicht und dabei einen Aufwand von insgesamt 31 Stunden und 20 Minuten sowie Auslagen von Fr. 76.30 geltend gemacht. Während die ausgewiesenen Auslagen zu keinerlei Beanstandungen Anlass geben, muss der ausge wiesene Zeitaufwand als zu hoch bezeichnet werden. Das Kantonsgericht hat anlässlich der heutigen Urteilsberatung beschlossen, den Entscheid über die Höhe des Honorars in Bedacht zu nehmen. Dieser Entscheid ergeht in einem separaten Beschluss. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin ein reduziertes Honorar aus der Gerichtskasse ausge- richtet. Der Entscheid über die Höhe des Honorars wird in Bedacht genommen und ergeht in einem separaten Beschluss. http://www.bl.ch/kantonsgericht