Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. April 2013 (720 11 307 / 86) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhaltes / Gerichtsgutachten Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Daniel Riner, Advo- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1973 geborene, zuletzt vom 19. Juni 2006 bis 3 1. Dezember 2007 als Lagerarbeiter bei der B.____ AG tätig gewesene A.____ meldete sich a m 6. Dezember 2007 unter Hinweis auf eine Depression bei der Eidgenössischen Invalidenversi cherung (IV) zum Bezug von Leis- tungen an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft klärte in d er Folge die gesundheitlichen und die er- werblichen Verhältnisse ab, wobei sie einen Invalidität sgrad des Versicherten von 46 % ermit- telte. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach die IV-Stel le A.____ nach Durchführung des Vorbe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheidverfahrens mit Verfügung vom 18. Juli 2011 rückwirkend ab 1. August 2008 eine Viertels- rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dr. Daniel Riner, am 9. September 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die ange fochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen IV-Leistungen (ganze Rente) a uszurichten. Eventualiter seien weite- re medizinische Abklärungen durchzuführen; alles unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 7. November 2011 bean tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich einer im Rahmen der Verfahrensinstruktion vorgenommenen Prüfung der medizinischen Unterlagen gelangte der Instruktionsrichte r zur Auffassung, dass das Gericht gestützt auf die vorhandenen Akten nicht in der Lage sein werde, eine abschliessende Beurtei- lung der Angelegenheit vorzunehmen. Er ordnete desha lb mit Verfügung vom 30. Dezember 2011 die Einholung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens zum Gesundheitszustand und zu dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschw erdeführers an. Gleichzeitig gab er den Parteien Gelegenheit, sich auf eine gemeinsame G utachterperson zu einigen. Auf Grund der Mitteilung der Parteien, dass ein solcher gemeinsam er Gutachtervorschlag nicht zu Stande gekommen sei, bestimmte der Instruktionsrichter mit Ver fügung vom 23. April 2012 Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zum Gerichtsgutachter. Gleichzeitig unterbreitete er den Parteien den vorgesehenen Fragenkatalog. Nachdem die IV-Stelle und der Beschwerde- führer weder Einwände gegen die Person des Gutachter s erhoben noch von der Möglichkeit, Zusatzfragen zu stellen, Gebrauch gemacht hatten, ergin g der entsprechende Auftrag am 30. Mai 2012 an Dr. C.____. E. Am 18. September 2012 erstattete Dr. C.____ das in Auftrag gegebene psychiatrische Gerichtsgutachten. Die Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutach- tens und zur Frage zu äussern, wie sich die Ergebnisse der aktuellen medizinischen Begutach- tung auf einen allfälligen Leistungsanspruch des Versiche rten auswirken würden. Der Be- schwerdeführer machte am 12. Oktober 2012 hiervon Gebrau ch, wobei er seiner Eingabe eine Stellungnahme von Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psych otherapie FMH, vom 9. Oktober 2012 beilegte. Am 19. Oktober 2012 beantragte er zudem, es seien ihm im Zusammenhang mit der auszurichtenden Parteientschädigung auch die Kosten d er Bemühungen von Dr. D.____ zuzusprechen. Die IV-Stelle liess sich am 14. November 201 2 zum Gutachten und zu dessen Auswirkungen auf den Leistungsanspruch vernehmen, wob ei sie der Eingabe ihrerseits eine Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. E.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. September 2012 beilegte. In einem abschliessenden kurzen Schriftenwechsel teilte die Beschwerdegegnerin am 6. Dezember 2012 mit, dass sie auf eine zusätzliche Stellungnahme verzichte. Der Beschwerdeführer wiederum äusserte sich am 19. Dezember 2012 zum Schrei- ben der IV-Stelle vom 14. November 2012 und zu den Aus führungen des RAD-Arztes Dr. E.____ vom 26. September 2012. Da der Versicherte seiner Eingabe einen weiteren Bericht von Dr. D.____ vom 14. Dezember 2012 beilegte, erhielt die Beschwerdegegnerin Gelegenheit, Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich hierzu zu äussern. Sie machte hiervon am 1. Februar 2013 Gebrauch, wobei sie ihrerseits eine zusätzliche Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. E.____ vom 11. Januar 2013 einreichte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 9. September 2011 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). 4.3.1 So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach d er Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholt es Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfer- tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen ande rer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsg utachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise fü r angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens ab weichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.2 Im Weiteren ist laut diesen Richtlinien den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beo- bachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszu standes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten ein psychiatrisches Gutachten beim RAD-Arzt D r. E.____ ein, welches am 4. Januar 2010 erstattet wurde. Darin hielt der Facha rzt als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Stö rung, gegenwärtig leichtgradige Episode mit somatischem Syndrom (Schlafstörung, Affektlabilität, A nhedonie und Libidoverminderung; ICD-10 F33.01) und eine Intelligenzminderung mit Reg ressionstendenzen (ICD-10 F78) fest. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, aus rein psychiatrischer Sicht sei dem Exploranden - zumindest seit September 2009 - eine ein fach strukturierte Tätigkeit (ohne Schichtarbeit) in zeitlicher Hinsicht zu 100 % zumutbar. Allerdings bestehe ein Einschränkung des Rendements von aktuell 40 %, denn auf Grund der Fu nktionseinschränkungen im Rahmen der Depression - wie Vergesslichkeit, Müdigkeit, körperliche Ermüdbarkeit und zeitweise stärke- re Kopfschmerzen - müsse der Versicherte während der Ar beit häufige Pausen einlegen. Der Explorand sei aktuell sowie auch kurz- und mittelfristig voraussehbar nicht in der Lage, höhere Arbeitstempi zu erzielen. 5.2 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte Dr. D.__ __ der Beschwerdegegnerin am 19. Juli 2010 eine ausführliche Stellungnahme zum Gut achten von Dr. E.____ ein. Darin führte er - zusammenfassend - aus, dass man es beim Versicherten m it einem psychisch schwer kranken Mann zu tun habe. Die diagnostische Einordnung sei ner Leiden sei sehr schwierig. Mit der von Dr. E.____ erhobenen Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwär- tig leichtgradige Episode, werde man dem Ausmass der E rkrankung sicher nicht gerecht. Der Patient leide tatsächlich an einer schweren Verhaltensstö rung, was auch das Wesentliche sei- ner Behinderung sei. Die Frage stelle sich, ob diese Ve rhaltensdefizite Folge einer Residual- symptomatik der im Zeitraum von September bis November 2 007 durchgemachten psychoti- schen Phase, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung oder einer Intelligenzminderung sei. Mög- licherweise würden alle Faktoren dazu beitragen. Akzentui ert werde diese schwierige Situation noch durch die minimalen Deutschkenntnisse und die massive soziale Problematik. Auf dem Hintergrund dieser mangelhaften diagnostischen Beurteil ung habe Dr. E.____ eine Arbeitsfä- higkeit von 60 % für einfach strukturierte Verweistätigke iten postuliert. Wie zwei Eingliede- rungsversuche gezeigt hätten, sei der Versicherte aber sei t Oktober 2007 in einem derart schlechten gesundheitlichen Zustand, dass nicht einmal berufliche Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Die postulierte Arbeitsfähigkeit von 60 % sei nicht realistisch. Aktuell könne der Versicherte nicht einmal an einem geschützten Arbeitsplat z beschäftigt werden. Erste Rehabili- tationsschritte wären allenfalls in einem tagesklinischen Setting möglich. Auf Grund seiner krankheitsbedingten Verhaltensstörung sei es bisher nicht gelungen, den Versicherten dazu zu motivieren. Insgesamt könne nach dem Gesagten bei der Be urteilung des aktuellen Gesund- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten n icht auf das RAD-Gutachten von Dr. E.____ abgestellt werden. Der Fall sei seines Era chtens vielmehr durch einen unabhängi- gen Gutachter zu klären. 5.3 Der Instruktionsrichter gelangte anlässlich einer im Rahmen der Verfahrensinstruktion vorgenommenen Prüfung der medizinischen Unterlagen zur A uffassung, dass das Gericht ge- stützt auf die vorhandenen Akten - insbesondere in Anbet racht der vorstehend geschilderten, stark divergierenden Beurteilungen durch die Dres. E.__ __ und D.____ - nicht in der Lage sein werde, eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit vorzunehmen. Er erachtete deshalb die Einholung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens zum Gesundheitszustand und zur Ar- beitsfähigkeit des Beschwerdeführers als angezeigt, worau f Dr. C._____ mit dessen Erstellung beauftragt wurde. 6.1 Im Rahmen seiner Begutachtung hat Dr. C.____ den Versicherten zweimal unter Beizug eines Dolmetschers ambulant psychiatrisch untersucht. Zudem hat er bei der Klinik F.____ zu- sätzliche Unterlagen und beim behandelnden Arzt Dr. D._ ___ einen aktuellen Verlaufsbericht vom 30. August 2012 eingeholt. Gestützt auf seine Unter suchungen hält Dr. C.____ in seinem Gerichtsgutachten vom 18. September 2012 als Diagnosen eine schwere kombinierte Persön- lichkeitsstörung mit emotional instabilen, unreifen und in geringem Masse dissozialen Anteilen (ICD-10 F61.0) und sekundäre, wiederkehrende leichte d epressive Episoden (ICD-10 F33.4) fest. Eine andere psychische Störung liege nicht vor, insbe sondere bestünden keine schizoaf- fektive, keine schizophrene und keine schwere affektive Stö rung. Möglicherweise liege eine leichte Minderbegabung vor, welche aber schon immer best anden und den Exploranden nicht an einer Arbeitstätigkeit gehindert habe. Das Scheitern an verschiedenen Arbeitsstellen sei nicht durch die mögliche Minderbegabung, sondern durc h die beschriebene Persönlichkeitsstö- rung begründet. 6.2 Sodann stellt der Gutachter in Anlehnung an die “ International Classification of Functio- ning“ (ICF) fest, dass der Explorand in verschiedenen F ähigkeiten in hohem Masse beeinträch- tigt sei, so hauptsächlich, in der Fähigkeit, Regeln ei nzuhalten (Arbeitsplatzprobleme mit Ent- fernen von der Arbeit, häufige Absenzen), in der Planu ng und Strukturierung von Aufgaben (ra- sche Überforderung im Haushalt), in der Flexibilität un d Umstellfähigkeit, in der Durchhaltefä- higkeit (rasch auftretende Probleme am Arbeitsplatz), in der Kontaktfähigkeit zu Dritten (häufige Konflikte an verschiedenen Arbeitsplätzen, mit Institut ionen und sogar in der Klinik F.____ mit Mitpatienten und Personal, massive Grenzüberschreitung gegenüber Mitpatientin), in der Grup- penfähigkeit (vgl. die vorstehenden Hinweise zur Konta ktfähigkeit), in der Selbstbehauptungs- fähigkeit (der Explorand sei dazu nicht in der Lage, oh ne in hohem Masse soziale Normen zu überschreiten) sowie in der Fähigkeit zu ausserberuflichen und ausserfamiliären Aktivitäten. 6.3 In seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Ver sicherten weist der Gutachter darauf hin, dass der Explorand in seinem Verhalten und seiner psychischen Funktion seit zwei Jahr- zehnten dokumentiert sehr auffällig und von der Norm in einem derart hohen Masse abwei- chend sei, dass eine Erwerbstätigkeit praktisch undenkbar sei. Selbst an einem niederschwelli- gen Arbeitsplatz mit wenig anspruchsvollen Aufgaben un d geduldiger, pädagogisch geschulter Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Leitung (Werkhof einer Gemeinde) wäre der Explorand infolge der beschriebenen Verhal- tensauffälligkeiten nicht über längere Zeit tragbar. Der rasche Abbruch der elementaren Leis- tungsabklärung in einem geschützten Rahmen mit profession eller Betreuung - mit sieben Ab- senzen an elf Arbeitstagen - verdeutliche das Ausmass der Verhaltensstörung des Exploran- den. Die schwere Verhaltensstörung sei der schweren komb inierten Persönlichkeitsstörung zu- zuschreiben. Sie entziehe sich weitgehend der Willensfähi gkeit des Exploranden, sie sei also nicht absichtlich und/oder bewusst herbeigeführt. Zu beachten sei sodann, dass die Persönlich- keitsstörung des Versicherten eine schlechte Prognose habe , eine Verbesserung der massiven Verhaltensstörung sei nicht zu erwarten. Abschliessend gelangt der Gutachter in seiner Beurtei- lung deshalb zum Ergebnis, dass die Arbeitsfähigkeit des Exploranden durch die beschriebene schwere Persönlichkeitsstörung in hohem Masse („mindestens 70 bis 80 %“) eingeschränkt sei. Wichtiger sei aber der Aspekt, dass eine Person mit einer derart schweren Persönlichkeitsstö- rung einem Arbeitgeber nicht zugemutet werden könne. Ein potentieller Arbeitgeber wäre kaum in der Lage, das Fehlverhalten des Exploranden über einen längeren Zeitraum mit erzieheri- scher Geduld und Konsequenz zu beantworten, ohne nicht sel ber innert Kürze überfordert zu sein. 7.1 In seiner Stellungnahme vom 6. Oktober 2012 zum Ge richtsgutachten von Dr. C.____ bezeichnet der Beschwerdeführer dieses als schlüssig und sor gfältig begründet, weshalb bei der Beurteilung seines Leistungsanspruchs vollumfänglich a uf dessen Ergebnisse abgestellt werden könne. Die IV-Stelle teilt in ihrer Eingabe vom 14. November 2012 die Auffassung, dass bei der Beurteilung des aktuellen medizinischen Sachverhaltes auf das Gerichtsgutachten ab- gestellt werden könne. Was den Beginn der gutachterlich festgestellten Arbeitsunfähigkeit betreffe, vertrete man allerdings die Ansicht, dass er st ab dem Datum der Begutachtung durch Dr. C.____, also ab Juli 2012, lediglich noch eine (Re st-) Arbeitsfähigkeit von 25 % angenom- men werden könne. Für die Zeit davor sei dagegen - w ie in der angefochtenen Verfügung vom 18. Juli 2012 festgehalten - von einer Arbeitsfähigkeit des Versicherten von 60 % auszugehen. 7.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3.1 hiervor), weich t das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Ein schätzung des medizinischen Exper- ten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stel- len, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorliegend sind keinerlei Grün- de ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens von Dr. C.____ vom 18. September 2012 in Frage zu stelle n oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsi cht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesger icht verlangt wird (vgl. E. 4.3 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf a llseitigen Untersuchungen, es berücksich- tigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vo rakten abgegeben worden und es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizi- nischen Situation ein. Sodann weist das Gutachten keinerlei Widersprüche auf und es setzt sich auch mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) f achärztlichen Einschätzungen ausein- ander. So zeigt der Gerichtsgutachter insbesondere mit überzeugenden Argumenten auf, dass beim Versicherten - entgegen der von Dr. E.____ in sei nem Gutachten vom 4. Januar 2010 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vertretenen Auffassung - nicht bloss eine rezidivierende depressive Störung, sondern eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung vorliegt. Diese Beurteilung deckt sich denn auch vollumfänglich mit der Einschätzung von Dr. D.____, der den Versicherten seit Jahren behan- delt und ihn deshalb von allen involvierten Fachärzten am besten kennt (vgl. etwa den letzten Verlaufsbericht von Dr. D.____ vom 30. August 2012). Al s schlüssig erweist sich sodann auch die aktuelle gutachterliche Beurteilung der (Rest-) Arbeitsfähigkeit des Versicherten. Dr. C.____ weist zwar darauf hin, dass beim Versicherten aus medizinisch -theoretischer Sicht noch eine bescheidene (Rest-) Arbeitsfähigkeit (von maximal 20 - 30 %) besteht, er legt aber überzeu- gend dar, dass der Versicherte infolge seiner schweren Per sönlichkeitsstörung einem Arbeitge- ber nicht mehr zugemutet werden kann. Zu ergänzen blei bt abschliessend, dass die Ergebnis- se, zu denen der Gerichtsgutachter Dr. C.____ in der Beu rteilung des aktuellen medizinischen Sachverhaltes gelangt ist, auch von den Parteien - zu Recht - nicht in Frage gestellt werden. 7.3. Zu prüfen bleibt, ab welchem Zeitpunkt diese gut achterliche Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit Gültigkeit beanspruchen kann. 7.3.1 Wie oben erwähnt (vgl. E. 7.1 hiervor), vertrit t die IV-Stelle diesbezüglich den Stand- punkt, dass die Ergebnisse des Gerichtsgutachtens lediglich insoweit massgebend seien, als es um die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherte n ab dem Datum der Begutachtung durch Dr. C.____ im Juli 2012 gehe. Für den Zeitraum davor sei gestützt auf die Einschätzung von Dr. E.____ in dessen Gutachten vom 4. Januar 2010 vo n einer 60 %-igen Arbeitsfähigkeit des Versicherten auszugehen. 7.3.2 Die IV-Stelle begründet ihre Auffassung im Wese ntlichen mit dem Hinweis, dass die Persönlichkeitsstörung des Versicherten vor dem Gutachten vo n Dr. C.____ in den medizini- schen Akten nirgends erwähnt sei. Soweit sie daraus ableit en will, dass die betreffende Erkran- kung demnach erst (kurz) vor der Begutachtung durch Dr. C .____ aufgetreten sei, kann ihr kla- rerweise nicht gefolgt werden. So lässt sich dem Bericht von Dr. D.____ vom 14. Dezember 2012 entnehmen, dass bereits anlässlich der Risikokonferenz vom 13. November 2007 und in der Verlaufszusammenfassung vom 16. Juni 2009 jeweils die Verdachtsdiagnose einer Persön- lichkeitsstörung gestellt worden ist. Dr. D.____ legt in diesem Zusammenhang sodann zutref- fend dar, dass es sich bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht um eine Momentauf- nahme handle, sondern dass es in der Natur der Sache lie ge, dass diesbezüglich am Anfang nur Verdachtsdiagnosen gestellt werden könnten. Die Cha rakteristika dieser Störungen würden dann aber mit zunehmendem Verlauf immer deutlicher si chtbar. Diese Erörterungen von Dr. D.____ stehen durchaus im Einklang zu den Aussagen , welche Dr. C.____ in seinem Ge- richtsgutachten zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit macht. Dieser führt dazu aus, die Bedrohung am Arbeitsplatz Ende 2007 habe den Exploranden destabilisiert, ihn aus dem vorher bereits seit Jahren bestehenden labilen Gleichgewicht gebracht und e ine verheerende psychosoziale Ent- wicklung mit sozialem Rückzug und zunehmender Fixierung in passivem und verweigerndem Fehlverhalten im Sinne eines schweren Chronifizierungsp rozesses in Gang gebracht, welcher infolge der beschriebenen Persönlichkeitsstörung bis heute einen sehr ungünstigen Verlauf ge- zeigt habe. Der Explorand sei bereits vor 2007 in der Ar beitswelt sehr auffällig gewesen; die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Destabilisierung im Jahr 2007 habe eine praktisch vollstä ndige Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt. 7.3.3 Im Lichte der schlüssigen und nachvollziehbaren Aus führungen des Gerichtsgutachters und des behandelnden Arztes zum Beginn und zum Verlauf der festgestellten Arbeitsunfähig- keit, ist im Ergebnis mit dem Beschwerdeführer davon auszu gehen, dass dieser seit dem zwei- ten Halbjahr 2007 in erheblicher Weise dauernd in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. 7.4 Als Ergebnis ist gestützt auf das überzeugende Gericht sgutachten von Dr. C.____ vom 18. September 2012 zusammenfassend festzuhalten, dass b eim Beschwerdeführer seit dem zweiten Halbjahr 2007 aus medizinisch-theoretischer Sicht lediglich noch von einer (Rest-) Ar- beitsfähigkeit von maximal 20 - 30 % ausgegangen werde n kann. Infolge der diagnostizierten schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung kann der Versich erte aber keinem Arbeitgeber (mehr) zugemutet werden, sodass die aus medizinisch-theoret ischer Sicht noch vorhandene (bescheidene) Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertet werden kann. 8.1 Weiter oben ist ausgeführt worden (vgl. E. 3.2 h iervor), dass gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten auf G rund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen ist. Die IV-Stelle hat sowohl in der angefoch tenen Verfügung als auch in ihrer Stel- lungnahme vom 14. November 2012 zum Gerichtsgutachten j eweils einen Einkommensver- gleich vorgenommen. Dabei hat sie in der erwähnten Ste llungnahme für den Zeitraum, ab wel- chem auch sie lediglich noch von einer Restarbeitsfähigk eit von 25 % ausgegangen ist (ab Juli 2012), auf der Basis eines Valideneinkommens von Fr. 61’ 164.-- und eines noch zumutbaren Invalideneinkommens von Fr. 12'539.-- einen Invaliditä tsgrad von 80 % ermittelt. Diesem Er- gebnis - und der ihm zu Grunde liegenden Vorgehensweise - kann nun aber nicht beigepflichtet werden. Die IV-Stelle übersieht, dass in casu kein solcher Einkommensvergleich mehr vorzu- nehmen ist. Nach dem oben Gesagten besteht beim Versiche rten zwar aus medizinisch- theoretischer Sicht noch eine bescheidene (Rest-) Arbe itsfähigkeit von maximal 20-30 %, von entscheidender Bedeutung ist aber, dass der Versicherte i nfolge seiner schweren Persönlich- keitsstörung einem Arbeitgeber nicht mehr zugemutet werden kann. Er kann aus diesem Grund seine Restarbeitsfähigkeit gar nicht mehr verwerten. I st der Beschwerdeführer aber nicht mehr in der Lage, ein Invalideneinkommen zu erzielen, ist a uch kein Einkommensvergleich mehr vor- zunehmen. Stattdessen ist ohne Weiteres von einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit und somit von einem Invaliditätsgrad des Versicherten von 100 % auszugehen. 8.2 Aus dem Gesagten ergibt sich zusammenfassend, dass bei m Beschwerdeführer seit dem Ablauf des Wartejahres, den die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung zutreffend auf den August 2008 festgesetzt hat, ein Invaliditätsgrad von 100 % vorliegt, weshalb er mit Wir- kung ab 1. August 2008 Anspruch auf eine ganze Rente hat. In Gutheissung der Beschwerde ist deshalb die angefochtene Verfügung vom 18. Juli 2011, mit welcher die IV-Stelle dem Versi- cherten gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 46 % ei ne Viertelsrente zugesprochen hat, auf- zuheben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführ er mit Wirkung ab 1. August 2008 Anspruch auf eine ganze Rente hat. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grundsätz- lich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist der Beschwerdeführer obsiegende und die IV-Stelle unterliegende Partei. 9.2.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstan zen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten au ferlegt werden. Aufgrund dieser Be- stimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterlie gens nicht für die Verfahrenskosten auf- zukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden P rozess keine Verfahrenskosten er- hoben werden. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 9.2.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungstr äger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend gelangte der Instruktionsrichter anlässlich einer im Rahmen der Verfah rensinstruktion vorgenommenen Prü- fung der medizinischen Unterlagen zur Auffassung, dass das Gericht gestützt auf die damals vorhandenen Akten nicht in der Lage sein werde, eine abschliessende Beurteilung der Angele- genheit vorzunehmen. Da er aus Gründen der Verfahrensfairness eine Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle als nicht oppor tun erachtete, entschied sich der Instruk- tionsrichter, die erforderliche zusätzliche Abklärung des medizinischen Sachverhaltes im Rah- men eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen. Wie sich anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, war das in der Folge eingeholte Gerichtsgutachten von Dr. C.____ vom 18. September 2012 für eine abschliessende Beurteilung des Rentenanspruchs des Versicherten unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind demnach die Kosten dieses Gutachtens, welche sich gemä ss Honorarrechnung vom 18. September 2012 auf Fr. 4'213.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 15. Februar 2013 für da s vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 15,1 Stunden geltend gemacht, was sich umfangm ässig in Anbetracht der sich stel- lenden Sachverhalts- und Rechtsfragen und des Umstandes, dass verschiedene Eingaben an Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Gericht erforderlich waren, als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozi- alversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fäl le zur Anwendung gelangen- den Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen. Nic ht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 304.--. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'405.30 (15,1 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 304.-- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.4 Der Beschwerdeführer beantragt überdies, es seien ihm im Zusammenhang mit der auszurichtenden Parteientschädigung auch die Kosten der Bemühungen von Dr. D.____ ge- mäss dessen Rechnung vom 10. Oktober 2012 in der Höhe von F r. 2'020.-- zuzusprechen. Die Privatbegutachtung durch Dr. D.____ sei unerlässlicher Be standteil der materiellen Beurteilung des Leistungsanspruchs des Versicherten, weshalb die IV-Stel le für diese Kosten aufzukom- men habe. Dem Beschwerdeführer ist insoweit beizupflicht en, als nach der Rechtsprechung unter dem Titel der Parteientschädigung auch die Kost en privat eingeholter Gutachten zu ver- güten sind, soweit die Parteiexpertise für die Entsch eidfindung unerlässlich war (BGE 115 V 63 E. 5c; Urteil B. des Bundesgerichts vom 24. April 2007, I 1008/06, E. 3.1 mit weiteren Hinwei- sen). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG festgehalten (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009 , Art. 45 Rz. 12). Vorliegend ist der fachärztlichen Stellungnah me von Dr. D.____ vom 9. Oktober 2012, auf welche sich die hier zur Diskussion stehende Rechnungsste llung vom 10. Oktober 2012 bezieht, im Hinblick auf den Prozessausgang keine entscheid relevante Bedeutung zugekom- men. Ausschlaggebend für die Gutheissung der Beschwerde ist vielmehr das Gerichtsgutach- ten von Dr. C.____ vom 18. September 2012 gewesen. So mit sind aber die Voraussetzungen für eine Vergütung der Kosten dieses privat eingeholte n fachärztlichen Berichts von Dr. D.____ nicht gegeben, weshalb dem entsprechenden Begehren des B eschwerdeführers nicht entspro- chen werden kann. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 18. Juli 2011 aufgeho ben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. August 2008 Anspruch auf eine ganze Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 4'213.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4'405.30 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht