B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1526/2017 U r t e i l v o m 2 6 . A p r i l 2 0 1 7 Besetzung Richter David R. Wenger (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiber Arthur Brunner. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, Gesuchsteller und Beschwerdeführer im Verfahren E-1117/2017, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Ausstandsbegehren im Verfahren E-1117/2017. E-1526/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Gesuchsteller suchte am 26. Februar 2014 in der Schweiz um Asyl nach. Mit Verfügung vom 19. Januar 2017 lehnte das SEM das Asylgesuch ab, wies den Gesuchsteller aus der Schweiz weg und beauftragte den zu- ständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Gegen diese Verfü- gung gelangte der Gesuchsteller mit Eingabe vom 20. Februar 2017 an das Bundesverwaltungsgericht. Das Bundesverwaltungsgericht eröffnete daraufhin unter de r Nummer E -1117/2017 ein neues Beschwerdeverfah- ren, das Daniel Willisegger als Instruktionsrichter zugewiesen wurde. A.b In der Beschwerde vom 20. Februar 2017 beantragte der Gesuchstel- ler in verfahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem, es sei vom Bundesver- waltungsgericht zu bestätigen, dass die mit dem Beschwerdeverfahren be- trauten Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien. Auf diesen An- trag trat Instruktionsrichter Daniel Willisegger mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2017 nicht ein. Er begründete dies damit, dass die Zufälligkeit der Zusammensetzung des Spruchkörpers zwar bestätigt werden könnte, der Beschwerdeführer indes nicht legitimiert sei, rein gerichtsorganisatori- sche Fragen aufzuwerfen. B. Mit zwei Eingaben vom 10. März 2017 an das Bundesverwaltungsgericht beziehungsweise an Richterin Muriel Beck Kadima führte der Rechtsver- treter des Gesuchstellers aus, das Bundesverwaltungsgericht verfolge in Bezug auf die Bestätigung der Zufälligkeit der Spruchkörperzusammenset- zung eine Praxis, an die sich Richter Daniel Willisegger zumindest gemäss dem Wortlaut der Zwischenverfügung vom 23. Februar 2017 nicht hal- ten wolle. Das Bundesverwaltungsgericht habe in einem Verfahren unter dem Vorsitz von Richterin Muriel Beck Kadima (vgl. Urteil des BVGer E-56/2016 vom 30. Januar 2017) in anderem Zusammenhang eine unklare Wortwahl von Richter Daniel Willisegger eingeräumt, sei je doch zum Schluss gekommen, dass er sich mit seinen Ausführungen nicht gegen die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts stellen wolle. Daher schlage er vor, dass Richterin Muriel Beck Kadima bei Richter Daniel Willisegger nach- frage, wie denn seine Aussage diesmal zu verstehen sei, und ihm die Aus- sage danach in einer sprachlich korrekten und verständlichen Form und ohne Unklarheiten übermittle. Bis dahin habe Richter Daniel Willisegger vorläufig in den Ausstand zu treten. Es sei daran zu erinnern, dass die be- wusste Abweichung und das Desavouieren der eigenen Rechtsprechung E-1526/2017 Seite 3 und Praxis als schwerer fachlicher Fehler zu qualifizieren sei, der zum dau- erhaften Ausstand des betroffenen Richters führen müsse. C. Die zuständige Präsidentin der Abteilung V (siehe Art. 23 Abs. 4 und Art. 31 Abs. 1 des Geschäftsreglements vom 17. April 2008 für das Bundesver- waltungsgericht [VGR]) legte die Schreiben des Rechtsvertreters des Ge- suchstellers vom 10. März 2017 im Sinne eines Ausstandsbegehrens ge- gen den Instruktionsrichter des B eschwerdeverfahrens E-1117/2017 aus. Sie eröffnete deshalb am 16. März 2017 unter der Verfahrensnummer E-1526/2017 das vorliegende Verfahren, dem in der Folge gestützt auf Art. 31 Abs. 1 und Art. 32 Abs. 1 VGR unter Verwendung eines EDV-ge- stützten Zuteilungssystems der oben bezeichnete Spruchkörper zugewie- sen wurde. D. Mit internem Schreiben vom 16. März 2017 ersuchte der Instruktionsrichter des vorliegenden Verfahrens Richter Daniel Willisegger um Stellungnahme zu den geltend gemachten Ausstandsgründen. E. In seiner Stellungnahme vom 16. März 2017 wies Richter Daniel Williseg- ger darauf hin, dass das Ausstandsgesuch erstens offensichtlich unzuläs- sig sei, weil es ein bedingtes Begehren stelle, indem der Ausstand nur un- ter der Bedingung einer Klärung verschiedene r Fragen verlangt werde. Zweitens genüge das Ausstandsgesuch den Begründungsanforderungen von Art. 36 Abs. 1 BGG in Verbindung mit Art. 38 VGG nicht, weil die Be- hauptung eines nur möglichen Ausstandsgrundes nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit glaubhaft gemacht sei. Drittens sei das Ausstandsge- such offensichtlich unbegründet, weil ein unklarer Wortlaut eines Aus- drucks in der Rechtsanwendung keinen der gesetzlichen Ausstandsgründe erfüllen könne. F. Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2017 stellte der Ins truktionsrichter dem Rechtsvertreter des Gesuchstellers die Stellungnahme von Richter Daniel Willisegger zu und gewährte ihm die Möglichkeit, innert fünf Tagen nach Erhalt der Verfügung eine Replik einzureichen. E-1526/2017 Seite 4 G. Mit Zwischenverfügung vom 23. März 2017 sistierte der für das Beschwer- deverfahren E-1117/2017 zuständige Instruktionsrichter Daniel Willisegger jenes Verfahren bis zur Erledigung des vorliegenden Ausstandsverfahrens. H. Mit Eingabe vom 29. März 2017 teilte der Rechtsvertreter des Gesuchstel- lers mit, ihm sei unklar, aus welchem Grund ein Ausstandsverfahren eröff- net worden sei. Unter Verweis auf sein Schreiben vom 10. März 2017 im Verfahren E-1117/2017 sei festzuhalten, dass in der vorliegenden Sache kein Ausstandsbegehren gestellt, sondern verlangt worden sei, dass Rich- ter Daniel Willisegger bis zur Klärung des Inhalts der von ihm in der Zwi- schenverfügung vom 23. Februar 2017 gewählten Formulierung in den Ausstand zu treten habe. Aus der Stellungnahme vom 16. März 2017 er- gebe sich, dass Richter Daniel Willisegger Mühe haben könne, den Inhalt von an ihn gerichteten Schreiben zu vers tehen. In dem Schreiben vom 10. März 2017 sei nicht ein Ausstand unter der Bedingung einer Klär ung verschiedener Fragen verlangt worden, sondern ein vorläufiger Ausstand, bis der tatsächliche Inhalt seiner Aussagen geklärt sei. Zudem verlangte er die Offenlegung der im vorliegenden Verfahren mitwir- kenden Gerichtspersonen sowie eine Darlegung, auf welchem Wege diese eingesetzt worden seien. I. Mit Zwischenverfügung vom 6. April 2017 teilte der Instruktionsrichter dem Rechtsvertreter des Gesuchstellers die voraussichtliche Zusammenset- zung des Spruchkörpers des vorliegenden Verfahrens mit. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Aus dem Wortlaut der Eingaben des Rechtsvertreters des Gesuchstel- lers geht nicht eindeutig hervor, ob er um Erläuterung der Zwischenverfü- gung vom 23. Februar 2017 oder um (vorläufigen) Aussta nd von Rich- ter Daniel Willisegger im Verfahren E-1117/2017 ersucht. Seine Eingaben sind nicht zuletzt deshalb auslegungsbedürftig, weil ihnen nur verdeckte Anträge zu entnehmen sind. E-1526/2017 Seite 5 1.2 Zwar stellt sich der Rechtsvertreter in seiner Eingabe vom 29. März 2017 auf den Standpunkt, er habe i n den Eingaben vom 10. März 2017 lediglich einen vorläufigen Ausstand verlangt, bis die Frage geklärt sei, wel- cher Sinn den Ausführungen von Richter Daniel Willisegger in der Zwi- schenverfügung vom 23. Februar 2017 zuzumessen sei; ein Ausstandsbe- gehren liege nicht vor. Damit verkennt er jedoch, dass ein von der Erläute- rung einer bestimmten Wortwahl abhängiges Ausstandsbegeh- ren nicht möglich ist. Hinzu kommt, dass der Wortlaut der Zwischenverfügung vom 23. Feb- ruar 2017 völlig klar ist. Es ist vor diesem Hintergrund nicht davon auszu- gehen, dem Rechtsvertreter liege etwas an einer Erläuterung der dort ver- wendeten Wortwahl. Um „Klärung des Wortlauts“ ersucht der Rechtsver- treter des Gesuchstellers nur deshalb, weil das Bundesverwaltungsgericht in einem anderen Zusammenhang zum Schluss gekommen ist, ein unter dem Vorsitz von Richter Daniel Willisegger ergangenes Urteil sei an einer Stelle zwar unklar, nicht jedoch praxiswidrig ausgefallen (vgl. Urteil des BVGer E-56/2016 vom 30. Januar 2017 E. 5.2.2). Dass der Rechtsvertreter die in jenem Verfahren als Instruktionsrichterin mitwirkende Richterin Mu- riel Beck Kadima mit Eingabe vom 10. März 2017 direkt angeschrieben und um Erläuterung der Zwischenverfügung vom 23. Februar 2017 ersucht hat, weil sie gemäss dem Urte il des BVGer E -56/2016 „in der Lage [sei], die Wortwahl [von Daniel Willisegger] so zu interpretieren, dass sich daraus ergeben soll, was tatsächlich gemeint [sei]“, ist als Scheinfrage anzusehen, mit welch er der Rechtsvertreter implizit sein Missfallen über jenes Ur- teil zu erkennen gibt. Aus verschiedenen Passagen in den Eingaben vom 10. März 2017 und 29. März 2017 geht überdies hervor, dass Richter Daniel Willisegger in der Zwischenverfügung vom 23. Februar 2017 in den Augen des Rechtsvertre- ters des Gesuchstellers – wie schon in anderen Verfahren – bewusst gegen die Praxis des Bunde sverwaltungsgerichts verstossen und damit ei- nen Ausstandsgrund gesetzt habe. Ein solches Verständnis der Eingaben des Rechtsvertreters des Gesuchstellers drängt sich auch deshalb auf, weil das Recht zur Stellung eines Ausstandsbegehrens im Sinne von Art. 36 Abs. 1 BGG gemäss der dem Rechtsvertreter wohlbekannten Rechtspre- chung des Bundesgerichts verwirkt, wenn Ausstandsgründe nicht unver- züglich nach deren Kennt nis geltend gemac ht werden (BGE 120 Ia 19 E. 2c). E-1526/2017 Seite 6 1.3 Mit seinen Eingaben vom 10. März 2017 hat der Rechtsvertreter des Gesuchstellers folglich im Verfahren E -1117/2017 ein (unbedingtes) Aus- standsbegehren gegen den zuständigen Instruktionsrichter Daniel Willise- gger gestellt. Der Umstand, dass die Eingaben vom 10. März mit „vorläufi- ger Ausstand von Bundesverwaltungsrichter Daniel Willisegger“ übertitelt sind, stützt dieses Auslegungsergebnis, dass vorliegend nicht ein Erläute- rungs-, sondern ein Ausstandsbegehren in Frage steht. Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 6. April 2017 festgehalten worden ist, ist die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verlangte Klärung der in der Zwi- schenverfügung vom 23. Februar 2017 verwendeten Wortwahl jedoch Ge- genstand der vorliegend vorzunehmenden Prüfung, ob durch die Instrukti- onsweise von Richter Daniel Willisegger im Verfahren E -1117/2017 ein Ausstandsgrund gesetzt worden ist. 2. 2.1 Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des SEM, ausser – was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsgesuches des Staates, vor welchem die beschwerdeführende P erson Schutz sucht (vgl. dazu Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31 und 33 VGG sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Im Rahmen dieser Verfahren ist das Bundes- verwaltungsgericht auch zur abschliessenden Beurteilung von Ausstands- begehren zuständig, wobei di e Bestimmungen des BGG über den Aus- stand sinngemäss gelten (Art. 38 VGG i.V.m. Art. 34 ff. BGG; vgl. BVGE 2007/4 E. 1.1). Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach für die Beur- teilung des vorliegenden Ausstandsbegehrens zuständig. 2.2 Will eine Partei den Ausst and einer Gerichtsperson verlangen, so hat sie dem Gericht ein schriftliches Begehren einzureichen, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis erhalten hat (Art. 36 Abs. 1 BGG). Macht die Partei die Ausstandsgründe nicht unverzüglich geltend, so verwirkt sie i hr Ablehnungsrecht (vgl. BGE 120 Ia 19 E. 2c). Unter Berücksichtigung der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts in vergleichbaren Fällen (vgl. bei- spielsweise Urteil des BVGer D-7053/2016 vom 10. Februar 2017) ist da- von auszugehen, dass das Ausstandsbegehren vom 10. März 2017 innert nützlicher Frist erfolgte. Darauf ist einzutreten. 2.3 Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist nach dem Gesag- ten (vgl. E. 1), ob Richter Daniel Willisegger durch die Wortwahl in der Zwi- schenverfügung vom 23. Februar 2017 einen Ausstandsgrund im Sinne von Art. 38 VGG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 1 BGG gesetzt hat, nicht E-1526/2017 Seite 7 jedoch, ob ihm – wie vom Rechtsvertreter vorgeworfen – in anderen Ver- fahren fachliche Verfehlungen vorzuwerfen sind. 3. 3.1 Die Ausstandsregelung von Art. 34 ff. BGG gewährleistet den in Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Anspruch, dass eine Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Rich- ter ohne Einwirkung sachfremder Umstände entschieden wird (vgl. BGE 134 I 238 E. 2.1 und BVGE 2007/5 E. 2.2). 3.2 Der Gesuchsteller beruft sich vorliegend sinngemäss auf den Aus- standsgrund von Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG (vgl. dazu auch nachfolgend, E. 4). Gemäss dieser Bestimmung haben Gerichtspersonen in den Aus- stand zu treten, wenn sie aus anderen als den in Art. 34 Abs. 1 Bst. a-d BGG genannten Gründen befangen sein könnten. Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG kommt die Funktion einer Auffangklausel zu, die – über den Bereich der in Bst. a-d namentlich erwähnten besonderen sozialen Bezie- hungen hinausgehend – sämtliche Umstände abdeckt, die den Anschein der Befangenheit einer Gerichtsperson erwecken und objektiv Zweifel an deren Unvoreingenommenheit zu begründen vermögen (vgl. AUBRY GIRAR- DIN, Rz. 29 zu Art. 34 BGG, in: Corboz/Wurzburger/Ferrari/Frésard/Aubry Girardin [Hrsg.], Commentaire de la LTF, 2. Aufl. 2014, m.w.H.). 3.3 Unter den Anwendungsbereich von Art. 34 Abs. 1 Bst. e BGG fällt nach der Rechtsprechung unter and erem die mögliche Voreingenommenheit aufgrund der Vorbefassung mit einer Sache auf Stufe der Verfahrensin- struktion (Urteil des BVGer D -5636/2015 vom 13. Oktober 2015 E. 4.3). Das Treffen eines Zwischenentscheids in der gleichen Sache stellt noch keine Vorbefassung dar. Für die Annahme der Voreingenommenheit müs- sen vielmehr weitere Gründe und konkrete Anhaltspunkte hinzukommen, zum Beispiel dass sich der Richter bereits in einer Art festgelegt hat, dass er einer anderen Bewertung der Sach- und Rechtslage nicht mehr zugäng- lich ist und der Verfahrensausgang deshalb nicht mehr offen erscheint (vgl. Urteil des BVGer D -5636/2015 vom 13. Oktober 2015 E. 4.3). Ein Aus- standsgesuch kann überdies grundsätzlich nicht mit dem Ergebnis bzw. dem Inhalt bereits gefällter Entscheidungen begründet werden (Verfügung des BGer 2E_1/2008 vom 29. Mai 2008 E. 2.1.4). So genügt für den Ver- dacht der Befangenheit auch nicht, dass ein Richter eine falsche Instruk- tionsmassnahme oder eine unzutreffende Würdigung vorgenommen habe (vgl. Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-E-1526/2017 Seite 8 kommission [ARK; EMARK] 2001 Nr. 6 E. 7e). Verfahrens- und Einschät- zungsfehler und falsche Sachentscheide sind für sich allein nicht Ausdruck einer Voreingenommenheit (Urteil des BGer 1B_60/2008 vom 4. Juni 2008 E. 4 ) und vermögen die Unabhängigkeit einer Gerichtsperson nur aus- nahmsweise in Frage zu stellen (HÄNER, Rz. 19 zu Art. 34 BGG , in: Nig- gli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesge- richtsgesetz, 2. Aufl. 2011). 3.4 Für eine Ausstandspflicht wegen richterlichen Verfahrensfehlern oder eines falschen Entscheids in der Sache müssen objektiv gerechtfertigte Gründe zur Annahme bestehen, dass sich in den Rechtsfehlern gleichzeitig eine Haltung manifestiert, die auf fehlender Distanz und Neutralität beruht (Urteil des BGer 1B_60/2008 vom 4. Juni 2008 E. 4; HÄNER, a.a.O., Rz. 19 zu Art. 34 BGG ; KIENER, Richterliche Unabhängigkeit, 1. Aufl. 2001, S. 105 f.). Dies ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts nur dann anzunehmen, wenn besonders krasse und wiederholte Irrtümer vorliegen, die einer schweren Amtspflichtverletzung gleichkommen und sich einseitig zu Lasten einer der Prozessparteien auswirken können (Urteile des BGer 1B_60/2008 vom 4. Juni 2008 E. 4 und 5A_206/2008 vom 23. Mai 20 08 E. 2.2; BGE 125 I 119 E. 3e und 116 Ia 135 E. 3a; HÄNER, a.a.O., Rz. 19 zu Art. 34 BGG; bejaht beispielsweise in BGE 141 IV 178). 3.5 Die Tatsachen, die den Ausstandsgrund bewirken, müssen von der Partei, die sich darauf berufen will, zumindest glaubhaft g emacht werden (Art. 36 Abs. 1 BGG). Bloss allgem eine Vorwürfe der Befangenheit – bei- spielsweise andere Ansichten in Grundsatzfragen oder der Umstand, dass die herrschende Praxis der Behörde zu einer bestimmten Frage von der Auffassung der betreffenden Partei abweicht – sind keine konkreten An- haltspunkte für eine Befangenheit (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Pro- zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.69). Hin- gegen bedeutet Glaubhaftmachung auch nicht, dass die volle Überzeu- gung des Gerichts vom Vorhandensein des geltend gemachten Ausstands- grunds herbeigeführt zu werden braucht; es genügt, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür spricht (BGE 120 II 393 E. 4c). Es dürfen keine zu hohen Massstäbe angelegt werden, da die Ausstandsgründe in Bezug auf Gerichtspersonen eine Konkretisierung der Verfahrensgarantien von Art. 30 Abs. 1 BV bilden (vgl. EMARK 2003 Nr. 26 E. 3a [= VPB 68.42]). 4. Der Rechtsvertreter des Gesuchstellers geht davon aus, Richter Daniel E-1526/2017 Seite 9 Willisegger habe gegen die bestehende Praxis des Bundesverwaltungsge- richts verstossen, indem er auf seinen Verfahrensantrag, die Zufälligkeit der Zusammensetzung des Spruchkörpers festzustellen, mit Zwischenver- fügung vom 23. Februar 2017 nicht eingetreten ist. Gemäss der Rechtspre- chung sei das Desavouieren der eigenen bundesgerichtlichen Rechtspre- chung als schwerer fachlicher Fehler zu qualifizieren, welcher zum dauer- haften Ausstand des betroffenen Richters führen müsse. 4.1 Es trifft zu, dass das Bundesverwaltungsgericht gegenüber dem Rechtsvertreter des Gesuchstellers in verschiedenen Zwischenverfügun- gen und in einem materiellen Entscheid unter Hinweis auf Art. 31 f. VGR in Verbindung mit Art. 4 des Reglements über die Zusammenarbeit der Abtei- lungen IV und V des Bundesverwaltungsgerichts (ZASAR) die Zufälligkeit der Zusammensetzung des Spruchkörpers bestätigt hat (vgl. Urteil des BVGer E-7576/2016 vom 28. Dezember 2016, S. 6). Insofern ist nachvoll- ziehbar, dass der Rechtsvertreter davon ausgeht, es bestehe erstens ein Anspruch darauf, dass die S pruchkörper zufällig zusammengesetzt wür- den, und zweitens – daraus abgeleitet – ein Anspruch darauf, die Zufällig- keit der Zusammensetzung bestätigt zu erhalten. Bevor beantwortet wer- den kann, ob Bundesverwaltungsrichter Daniel Willisegger durch seine Wortwahl in der Zwischenverfügung eine bestehende Praxis des Bundes- verwaltungsgerichts „desavouiert“ und deshalb einen „schweren fachlichen Fehler“ begangen hat (E. 4.3), ist daher nachstehend zu prüfen, ob diese Annahmen des Rechtsvertreters einer genaueren do gmatischen Durch- leuchtung standhalten (E. 4.2). 4.2 Zunächst ist zu prüfen, ob ein rechtlicher Anspruch auf zufällige Zu- sammensetzung der Spruchkörper am Bundesverwaltungsgericht besteht. 4.2.1 Art. 30 Abs. 1 BV garantiert Rechtssuchenden den Anspruch auf ein durch Gesetz geschaffenes Gericht. Die Bestimmung erstreckt sich nach einhelliger Auffassung auch auf die Bildung des Spruchkörpers im Einzel- fall. Verboten ist demnach die gezielte Auswahl von Richterinnen und Rich- tern zur Beeinflussung des Ergebnisses im Ein zelfall (vgl. KIENER, a.a.O., S. 310; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.54 m.w.H. ). Gemäss der Rechtsprechung liegt ein Verstoss gegen Art. 30 Abs. 1 BV etwa dann vor, wenn ein Gericht mit Rücksicht auf die an einem bestimmten Prozess beteiligten Personen in einer von der sonst üblichen Praxis abweichenden Weise besetzt wird (BGE 105 Ia 172 E. 5b). Verlangt wird, dass die Aus- wahl des Spruchkörpers anhand objektiver Kriterien erfolgt (vgl. Urteil des E-1526/2017 Seite 10 BGer. 6P .102/2005 E. 2.2), nicht jedoch dass die Auswahl zufällig oder au- tomatisiert geschieht (vgl. MEYER/TSCHÜMPERLIN, Zusammensetzung des Spruchkörpers – Auswahl oder Automatisierung, Justiz – Justice – Giusti- zia 2012/2, Rz. 13 ff. m.w.H.) . Die Vorbestimmung des Spruchkörpers schliesst in diesem Sinne ein gewisses Ermessen bei der Besetzung nicht aus, sofern ausreichende Kontrollmechanismen zur Verfügung stehen (BGE 137 I 340 E. 2.2.1). 4.2.2 Die Zusammensetzung der Spruchkörper am Bundesverwaltungsge- richt ist auf Gesetzesstufe nur rudimentär geregelt. Gemäss Ar t. 24 VGG regelt das Bundesverwaltungsgericht die Bildung der Spruchkörper durch Reglement. Gemäss der Botschaft zum identisch formulierten Art. 22 BGG dient die generell -abstrakte Regelung von Kriterien zur Spruchkörperbe- setzung dazu, möglichen Missbräuchen vorzubeugen (vgl. Botschaft des Bundesrates zur Totalrevision der Bundesrechtspflege vom 28. Februar 2001, BBl 2001 4202, S. 4286). Die durch Art. 24 VGG vorgesehene Normierung der Spruchkörperzusam- mensetzung durch Reglement stellt demnach in Ausführu ng von Art. 30 Abs. 1 BV sicher, dass die einzelfallweise Zusammensetzung der Richter- bank frei bleibt von unsachlichen Beeinflussungen oder Manipulationen ir- gendwelcher Art (vgl. FÉRAUD, Rz. 7 zu Art. 22 BGG, in: Nig- gli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basle r Kommentar zum Bundesge- richtsgesetz, 2. Aufl. 2011) und nur nach objektiven Kriterien erfolgt. Art. 24 VGG verlangt jedoch keine zufällige Bildung der Spruchkörper. 4.2.3 In Ausführung von Art. 24 VGG hat das Bundesverwaltungsgericht statuiert, es sei Aufgabe der gemäss Art. 23 VGR jeweils zuständigen Ab- teilungspräsidentin, die Geschäfte auf die Kammern zu verteilen (Art. 31 Abs. 1 VGR). Sodann fällt es in die Kompetenz des Kammerpräsidenten, die Geschäfte einem Richter oder einer Richterin zur Prozessinstruktio n und Fallerledigung zuzuteilen, soweit er diese Aufgabe der Verfahrenslei- tung nicht selber wahrnimmt (Art. 31 Abs. 2 VGR). Erst wenn feststeht, dass das Geschäft nicht in die Kompetenz einer Einzelrichterin fällt, be- zeichnet der Kammerpräsident das zweite und dritte Mitglied des Spruch- körpers nach einem von den Abteilungen im Voraus festgelegten Schlüs- sel, wobei unter anderem die Amtssprachen, der Beschäftigungsgrad der Richter und Richterinnen und deren Belastung durch die Mitarbeit in Ge- richtsgremien zu berücksichtigen sind (Art. 32 Abs. 1 VGR in Verbindung mit Art. 31 Abs. 3 VGR). E-1526/2017 Seite 11 Keine weitergehenden Anforderungen können sich aus dem nicht öffentlich publizierten ZASAR ergeben. Dieses ist als gerichtsinternes, von der Ver- waltungskommission genehmigtes Reglement (vgl. Art. 26 Abs. 2 VGR) zwar intern verbindlich, entfaltet jedoch – analog zu verwaltungsinternen Verordnungen (vgl. dazu MOOR/FLÜCKIGER/MARTENET, Droit Administratif, Vol. 1, 2. Aufl. 2012, S. 420 ff.) – grundsätzlich keine Aussenwirkungen, so dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers sich nicht darauf berufen kann (vgl. analog HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs- recht, 7. Aufl. 2016, Rz. 87). 4.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Bestimmungen von Art. 31 VGR und Art. 32 Abs. 1 VGR in Verbindung mit Art. 24 VGG durch die Ein- führung eines EDV-gestützten Programms umgesetzt ( vgl. MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.54). Der sogenannte „Bandlimat“ bestimmt den Spruchkörper für den Einzelfall unter Berücksichtigung be- stimmter Krite rien (beispielsweise Sprache, Stellenprozente der Richter , besondere Fachkenntnisse, ferien- oder krankheitsbedingte Abwesenhei- ten) grundsätzlich zufällig. Nur in wenigen Fällen wird in die automatische Verteilung eingegriffen – etwa aus Gründen der Effizi enz (Bündelung gleichgelagerter Verfahren beim gleichen Spruchkörper), bei Dringlichkeit oder zur Ausgleichung der Arbeitslast innerhalb der Abteilungen. In heiklen Angelegenheiten kann es zudem vorkommen, dass ein Spruchkörper ge- ändert wird, um zu vermeid en, dass er aus Richtern der gleichen politi- schen Ausrichtung besteht (vgl. zum Ganzen Group of States against Cor- ruption [GRECO], Evaluationsbericht Schweiz zur Prävention von Korrup- tion bei Mitgliedern von Parlamenten, Gerichten und Staatsanwaltschaft, Ziff. 121, abrufbar unter <https://www.ejpd.admin.ch/dam/data/bj/sicher- heit/kriminalitaet/korruption/grecoberichte/ber-iv-2016-5-d.pdf>, zuletzt ab- gerufen am 12. April 2017). Der Einsatz eines computergestützten Zufalls- generators geht über die oben erwähnten gesetzlichen Anforderungen hin- aus, und ist aus Sicht richterlicher Unabhängigkeit zwar wünschbar, jedoch rechtlich gesehen nicht zwingend (vgl. MEYER/TSCHÜMPERLIN, a.a.O., Rz. 16). 4.2.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass zwar ein verfassungsrecht- licher Anspruch darauf besteht, dass die Spruchkörper am Bundesverwal- tungsgericht anhand objektiver Kriterien besetzt werden . Diesem verfas- sungsrechtlichen Auftrag haben der Bundesgesetzgeber durch Art. 24 VGG und das Bundesverwaltungsgericht durch die einschlägig en Rege- lungen des VGR Rechnung getragen, die für die Asylabteilungen des Bun- desverwaltungsgerichts verbindlich sind. E-1526/2017 Seite 12 Hingegen besteht aufgrund der anwendbaren Rechtsgrundlagen kein An- spruch darauf, dass die Spruchkörper zufällig zusammengesetzt werden. Bei dieser Rechtslage fehlt eine rechtliche Anspruchsgrundlage dafür, die Zufälligkeit der Zusammensetzung des Spruchkörpers bestätigt zu erhal- ten. Dass verschiedene Instruktionsrichterinnen und Instruktionsrichter dem Rechtsvertreter in anderen Beschwerdeverfahren vor Bundesverwal- tungsgericht bestätigt haben, der Spruchkörper sei nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden, ist schon deshalb nicht geeignet, eine Praxis zu be- gründen, die allgemeinverbindlich wäre. 4.3 Nach dem Gesagten besteht keine rechtliche Pfl icht des Bundesver- waltungsgerichts, dem Rechtsvertreter des Gesuchstellers in jedem einzel- nen Fall zu bestätigen, dass der Spruchkörper zufällig zusammengesetzt worden sei. Richter Daniel Willisegger hat durch seine Wortwahl in der Zwischenverfü- gung vom 23. Februar 2017 folglich keinen Verfahrensfehler begangen. Vielmehr hat er in der Zwischenverfügung – dem Rechtsvertreter des Ge- suchstellers entgegenkommend – implizit die Zufälligk eit der Spruchkör- perzusammensetzung auch in jenem Verfahren bestätigt („dass die Zufäl- ligkeit […] bestätigt werden könnte“ ). Eine rechtliche Verpflichtung dazu bestand jedoch nicht und besteht auch in anderen Verfahren des Bundes- verwaltungsgerichts nicht. 5. Die Vorbringen im Ausstandsgesuch vom 10. März 2017 sind nach dem Gesagten nicht geeignet, in objektiver Weise den Anschein von Befangen- heit von Instruktionsrichter Daniel Willisegger zu begründen. Bei dieser Sachlage erweist sich das Ausstandsbegehren al s unbegründet und ist entsprechend abzuweisen. Die Akten sind nach Abschluss des vorliegen- den Verfahrens zur Weiterführung des Verfahrens E-1117/2017 an den zu- ständigen Instruktionsrichter zu überweisen. Es ist im Übrigen anzumerken, dass sich das vorlieg ende Ausstandsge- such in eine Reihe von Ausstandsgesuchen und Revisionsbegehren (we- gen Verletzung von Ausstandsvorschriften) des Rechtsvertreters gegen Richter Daniel Willisegger einreiht, die allesamt negativ beurteilt worden sind (vgl. Urteile des BVGer E -56/2016 vom 30. Januar 2017, E -57/2016 vom 16. Januar 2017, E-8432/2015 vom 9. Januar 2017, E-7190/2016 vom 2. Dezember 2016, E -8433/2015 vom 15. November 2016, E -8435/2015 E-1526/2017 Seite 13 vom 14. September 2016, D-78/2016 vom 18. Februar 2016, E-4497/2012 vom 23. Oktobe r 2012). Es bewegt sich damit an der Grenze zur Miss- bräuchlichkeit und Eintretenspflicht des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.154 und 4.22). 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Gesuchstel ler aufzuerlegen (Art. 37 VGG in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 2 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und praxisgemäss auf Fr. 300.– festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-1526/2017 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Das Ausstandsbegehren wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden dem Gesuchsteller auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, an Richter Daniel Willisegger und zu den Verfahrensakten E-1117/2017. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Arthur Brunner Versand: