<h2>SubmittedText<h2><text><p>Der Bundesrat hat am 21. Februar 2007 auf meine Anfrage vom 20. Dezember 2006 eine unvollständige und ausweichende Antwort gegeben. Tatsache ist, dass die Einheit der deutschen Rechtschreibung, die bis 1996 gegeben war, aufgelöst ist.</p><p>Ich weise den Bundesrat darauf hin, dass die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) in dieser Lage mit Grundsätzen und Wörterlisten Halt bietet. Die SOK wird von namhaften Zeitungen, Verlagen und Wissenschaftern getragen (www.sok.ch).</p><p>1. Ist der Bundesrat bereit, die Massstäbe der SOK anzuerkennen und sie der Bundeskanzlei zu empfehlen?</p><p>2. Ist er bereit, auf die beteiligten Kantonsregierungen einzuwirken, die Massstäbe der SOK zu übernehmen?</p><p>3. Ist er bereit, auf einer zwischenstaatlichen Konferenz die Massstäbe der SOK zu vertreten und so zur Wiederherstellung einer sprachlich richtigen und einheitlichen Rechtschreibung beizutragen?</p></text><h2>FederalCouncilResponseText<h2><text><p>Der Bundesrat ist nicht der Auffassung, dass "die Einheit der deutschen Rechtschreibung, die bis 1996 gegeben war, aufgelöst ist": Zum einen war vor 1996 keine vollständige Einheitlichkeit gegeben; es gab schon damals Hausorthografien. Zum anderen ist die Einheitlichkeit mit dem neuen Regelwerk von 2006 keineswegs aufgelöst. Die Gefahr bestand eine Zeit lang tatsächlich in Bezug auf die Reform von 1996; von daher rührte die Sorge des Bundesrates, die in seiner Stellungnahme vom 24. November 2004 zum Postulat Riklin 04.3462 zum Ausdruck kam. Inzwischen hat der Rechtschreibrat das Regelwerk überarbeitet und 2006 neu vorgelegt. Das Regelwerk 2006 trägt wesentlichen Einwänden Rechnung und erweist sich als sehr viel konsensfähiger als die ursprüngliche Reform. Damit ist der zurzeit grösstmögliche Konsens in der Rechtschreibung gefunden.</p><p>Zu den einzelnen Fragen äussert sich der Bundesrat wie folgt:</p><p>1. Die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) ist eine private Organisation, welche vom nun weithin anerkannten Kompromiss in der deutschen Rechtschreibung abrücken will. Der Bundesrat sieht keinen Anlass, neue "Massstäbe" anzuerkennen und sie der Bundeskanzlei zu empfehlen. Er hält im Übrigen nationale Standpunkte in Rechtschreibfragen nicht für sinnvoll, abgesehen von gewissen Eindeutschungen von Fremdwörtern, die die Schweiz weiterhin nicht mitmachen wird (statt Kommunikee in der Schweiz weiterhin Communiqué, statt Spagetti weiterhin Spaghetti), die aber das neue Regelwerk auch nicht verlangt. Für die Bundesverwaltung gilt das amtliche Regelwerk von 2006. Die Bundeskanzlei hat im letzten Winter eine behutsame Variantenpriorisierung in den für Rechts- und Verwaltungstexte wichtigen Teilen des Wortschatzes vorgenommen (zu finden unter www.bk.admin.ch &gt; Themen &gt; Sprachen &gt; Hilfsmittel für Textredaktion und Übersetzung), arbeitet daran weiter und bereitet einen Leitfaden zur Rechtschreibung vor. Dabei orientiert sie sich an den Entscheiden anderer, darunter auch der SOK, und übernimmt, was ihr sinnvoll erscheint.</p><p>2. Aus den genannten Gründen ist der Bundesrat nicht bereit, den Kantonsregierungen die Massstäbe der SOK zu empfehlen. Die Bundeskanzlei hat auch bei früheren Reformschritten für die Gesetzes- und Verwaltungssprache eng mit der Staatsschreiberkonferenz kooperiert und hat auch die neuesten Entwicklungen mit ihr abgesprochen. Im Übrigen ist die EDK zuständig für Sprachenfragen, insbesondere was die Schulen betrifft.</p><p>3. Der Bundesrat ist auch nicht bereit, die Massstäbe der SOK auf einer zwischenstaatlichen Konferenz zu vertreten. Eine zwischenstaatliche Konferenz ist ohnehin nicht angezeigt. Wie die SOK in einem Brief vom 12. Juni 2007 an den Rat für Rechtschreibung schreibt, "geht es nicht um Politik". Es geht aber auch nicht um die "Wiederherstellung einer sprachrichtigen und einheitlichen Rechtschreibung". Der Bundesrat hat aus den jahrzehntelangen Querelen um die deutsche Rechtschreibung etwas gelernt: Man sollte sehr vorsichtig sein mit der Forderung nach einer "sprachrichtigen" Rechtschreibung. Ganz offensichtlich können hier Fachleute mit guten Gründen und lauteren Absichten unterschiedlicher Meinung sein.</p></text>