Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Juni 2019 (720 19 90 / 137) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Vorbereitung auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte als berufliche Massnah- me der IV Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ und B.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Berufliche Massnahmen für C.____ A.a Die 2001 geborene C.____ leidet an verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Nachdem ihre Eltern, A.____ und B.____, sie im März 2007 ein erstes Mal bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug ange meldet hatten, sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft in den folgenden Jahren v erschiedene Leistungen zu (u.a. eine Hilf- losenentschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit). Zudem erteilte sie C.____ mehrmals eine Kostengutsprache für ambulante Ergotherapie nach ärztli cher Verordnung als medizinische Massnahme der IV. Nachdem die behandelnde Kinderärztin die IV-Stelle im Juli 2016 darum Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht ersuchte hatte, die Kosten der Ergotherapie von C.____ (erneut) als medizinische Massnahme der IV zu übernehmen, lehnte die IV-Stelle dieses Lei stungsbegehren mit Verfügung vom 7. August 2017 ab. Gegen diese Verfügung erhob die D. ____ AG als obligatorischer Kranken- versicherer von C.____ am 12. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Mit Urteil vom 28. Januar 2018 (Verfahren-Nr. 720 17 281 / 30) hiess das Kantonsgericht diese Beschwerde in dem Sinne gut, als es die ange- fochtene Verfügung der IV-Stelle aufhob und die Ange legenheit zur weiteren Abklärung im Sin- ne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückwies. In Nachachtung dieses Urteils holte die IV-Stelle bei Dr. phil. E.____, Fachpsychologin für Neu- ropsychologie FSP und für Psychotherapie FSP, sowie Dr. med. F.____, Kinder- und Jugend- psychiatrie und -psychotherapie FMH, ein psychiatrisch-neuro psychologisches Gutachten über die Versicherte ein, das am 4. Oktober 2018 erstattet wurde. Gestützt auf dessen Ergebnisse gelangte die IV-Stelle zur Auffassung, dass die Anspruchsvoraussetzungen zur Übernahme der Kosten der Ergotherapie von C.____ als medizinische Massna hme der IV nicht erfüllt seien. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren erliess die IV- Stelle am 22. März 2019 eine ent- sprechende leistungsablehnende Verfügung. A.b Bereits zuvor - am 1. November 2018 - hatte C.___ _, vertreten durch ihre Eltern, der IV-Stelle überdies ein Gesuch um Kostengutsprache für ei ne erstmalige berufliche Ausbildung als berufliche Massnahme der IV eingereicht. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer Abklärungen erliess die IV-Stelle am 7. März 2019 eine Verfügung, mit welcher sie dieses Leistungsbegeh- ren abwies. Zur Begründung führte sie aus, nach Prüfun g der medizinischen Akten sei man zum Schluss gekommen, dass eine Ausbildung zu keiner wirtsch aftlich ausreichend verwertba- ren Arbeitsleistung führen werde und somit die Vorauss etzungen für den Anspruch auf berufli- che Massnahmen nicht gegeben seien. Das Dossier der Versicherten werde deshalb auf der IV- Berufsberatung geschlossen und im Hinblick auf die Voll endung des 18. Lebensjahres im Au- gust 2019 bereits jetzt an die Rentensachbearbeitung weitergegeben. B. Gegen diese Verfügung erhoben A.____ und B.____ am 14. März 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragten sie sinngemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien die Kosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung ihrer Tochter C.____ als berufliche Massnahme der IV zu übernehmen. C. Am 20. März 2019 ersuchten B.____ und C.____ zudem um Bewilligung der unentgelt- lichen Prozessführung. Mit Verfügung vom 12. April 201 9 entsprach das Kantonsgericht ge- stützt auf die eingereichten Unterlagen diesem Begehren. D. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Mai 2019 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde vom 14. März 2019 ist demnach einzutreten. 1.2 Anders als im vorausgegangen Beschwerdeverfahren, in welchem der Rückweisungs- entscheid des Kantonsgerichts vom 25. Januar 2018 ergin g, steht heute nicht zur Diskussion, ob die Versicherte Anspruch auf Übernahme der Kosten der ambulanten Ergotherapie nach ärztlicher Verordnung als medizinische Massnahme der IV hat . Anfechtungs- und Streitgegen- stand des vorliegenden Verfahrens bildet ausschliesslich d er Anspruch der Versicherten auf Übernahme der Kosten für eine erstmalige berufliche Ausbildung als berufliche Massnahme der IV . 2.1 Invalide oder von einer Invalidität im Sinne von Ar t. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 bedrohte Versi- cherte haben nach Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingli ederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit ode r die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu v erbessern (lit. a), und die Vorausset- zungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). 2.2 Die in Aussicht genommene Massnahme hat neben den in Art. 8 Abs. 1 IVG ausdrück- lich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und No twendigkeit auch demjenigen der An- gemessenheit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhältnis- mässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Danach muss sie unter Berü cksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel stehen. Hinsichtlich d er Angemessenheit lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zei tliche, die finanzielle und die persönli- che Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prognostisch e in bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; sodann muss gewährleis tet sein, dass der angestrebte Eingliederungserfolg voraussichtlich von einer gewissen Da uer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Eingliede- rungsmassnahme stehen; schliesslich muss die Massnahme dem Bet roffenen auch zumutbar sein (BGE 142 V 523 E. 2.3 mit zahlreichen Hinweisen). 2.3 Zu den Eingliederungsmassnahmen gehören nach Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG die Mass- nahmen beruflicher Art, wozu insbesondere auch die e rstmalige berufliche Ausbildung zählt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dazu ist in Art. 16 IVG vorgesehen, dass Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen berufli chen Ausbildung in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten haben, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht (Ab s. 1). Der erstmaligen beruflichen Aus- bildung gleichgestellt ist unter anderem (neben hier nicht weiter interessierenden Tätigkeiten) die Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte (Abs. 2 lit. a; vgl. auch Art. 5 Abs. 1 der Verordnun g über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 2.4 Als geschützte Werkstätten gelten kaufmännisch geführ te Produktionsbetriebe, deren Hauptzweck darin besteht, Invaliden, die nicht oder noch nicht in der freien Wirtschaft einge- gliedert werden können, ein Erwerbseinkommen zu versch affen (U LRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz übe r die Invalidenversi- cherung [IVG], 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 16 N 20). 2.5 Die Arbeitsleistung der versicherten Person, die du rch die berufliche Ausbildung bzw. durch die Vorbereitung auf eine Tätigkeit in einer g eschützten Werkstätte erreicht werden soll, muss eine gewisse wirtschaftliche Verwertbarkeit aufweisen . Im Rahmen von Art. 16 Abs. 2 lit. a IVG verlangt die Praxis im Hinblick auf die Eing liederungswirksamkeit (Art. 8 Abs. 1 IVG) nur eine minimale sachliche Angemessenheit. Die wirtscha ftliche Verwertbarkeit der Arbeit ei- ner versicherten Person nach der Ausbildung in einer geschützten Werkstätte wird bejaht, wenn der Lohn dem Minimallohn entspricht, der für die Gew ährung von Betriebsbeiträgen für Werk- stätten nach dem per 1. Januar 2001 aufgehobenen Art . 106 IVV erforderlich war (M EYER / REICHMUTH , a.a.O., Art. 16 N 21). Diese Praxis gilt weiterhin. Der Minimallohn beläuft sich heute auf Fr. 2.55 pro Stunde (Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE], gültig ab 1. Januar 2014, Rz 3010). 2.6 Die berufliche Integration von Sonderschulabgänger n erfolgt entweder über IV- Anlehren oder über eine Praktische Ausbildung (PrA) nac h den Richtlinien für die PrA des Nati- onalen Branchenverbands der Institutionen für Menschen mit Behinderung (INSOS). Dabei handelt es sich um niederschwellige Ausbildungen, welch e sich nach den individuellen Res- sourcen der Lernenden richten und die zumeist in geschü tzten Ausbildungsstätten oder Behin- derten-Werkstätten durchgeführt werden. Das Ziel dieser Ausbildungen ist, dass die jungen Versicherten nach deren Abschluss an einem ihren Fähigkei ten entsprechenden Arbeitsplatz eingesetzt werden können. Hauptkriterium dafür, dass di e IV die zusätzlichen Kosten über- nimmt, die einer versicherten Person infolge Invalidit ät bei der erstmaligen beruflichen Ausbil- dung entstehen, ist die ausreichende wirtschaftliche Ve rwertbarkeit der Arbeitsleistung nach erfolgter Ausbildung (vgl. E. 2.5 hiervor). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren u nd der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollst ändige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen a nnehmen, wenn sie von ihrem Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat die rechtsanwendende Behörde ihren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes v orsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Verwalt ung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast be griffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Ver waltungsstelle) ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes au fgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 3.2 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen- den medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf di e eine und nicht auf die andere medi- zinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). 4.1.1 Wie eingangs ausgeführt, hatte die Versicherte in zeitlicher Hinsicht vor dem heute zur Beurteilung stehenden Gesuch um Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbil dung als berufliche Massnahme der IV ein Gesuch um Übernahme der Kosten der ambulanten Ergo- therapie nach ärztlicher Verordnung als medizinische Massna hme der IV stellen lassen. Nach- dem die IV-Stelle dieses Leistungsbegehren mit Verfüg ung vom 7. August 2017 abgewiesen hatte, erhob die D.____ AG als obligatorischer Kranken versicherer der Versicherten hiergegen Beschwerde beim Kantonsgericht (Verfahren-Nr. 720 17 281 / 30). 4.1.2 Im damaligen Prozess hatte die IV-Stelle - nebs t anderem - geltend gemacht, dass bei der Versicherten ein schwerwiegender Nebenbefund in For m einer Intelligenzminderung vorlie- ge, welcher den Eingliederungserfolg beeinträchtige und somit die beanspruchte medizinische Massnahme ausschliesse. Zusätzlich seien bei der Versicherten deutliche motorische Einbus- sen im Sinne einer ausgeprägten Feinmotorikstörung, ei ne Dyspraxie sowie eine Wahrneh- mungsstörung vorhanden. Auch habe die Versicherte zwischenze itlich noch relevante kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankungen wie eine spezifische Phobie und eine soziale Phobie ausgebildet. Somit würden mehrere schwerwiegende, ein gliederungsrelevante Nebenbefunde Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegen, die in ihrer Kombination die strittige Le istung nach Art. 12 IVG zurzeit ebenfalls aus- schliessen würden. 4.1.3 Das Kantonsgericht pflichtete der IV-Stelle in seinem Urteil vom 25. Januar 2018 da- hingehend bei, dass bei der Versicherten die vorstehend erwähnten gesundheitlichen Beein- trächtigungen diagnostiziert worden seien (vgl. etwa di e Berichte von Dr. med. G.____, Fach- arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherap ie, vom 17. Januar 2017 und von Dr. med. H.____, Kinder- und Jugendmedizin, spez. Neuropädiatrie FMH, vom 29. Juli 2016). In Bezug auf diese Diagnosen gelte es allerdings vorab kl arzustellen, dass es sich bei den im Be- richt von Dr. H.____ festgehaltenen Leiden (ausgepräg te Feinmotorikstörung, Dyspraxie, Wahrnehmungsstörung) im vorliegenden Zusammenhang nicht um Nebenbefunde handle, auf- grund derer die Erwerbsfähigkeit - trotz der medizinisch en Massnahme - allenfalls zusätzlich beeinträchtigt werde, denn die strittige Ergotherap ie bezwecke ja gerade die Behandlung und Linderung dieser Beeinträchtigungen. Bei der Beurtei lung des zur Diskussion stehenden An- spruchs der Versicherten auf Übernahme der Kosten der ambulanten Ergotherapie stellten die- se Beeinträchtigungen vielmehr die Hauptbefunde dar, d ie therapeutisch angegangen werden sollten. Bei den anderen, von Dr. G.____ festgehaltene n Diagnosen einer sozialen Phobie (ICD-10 F40.1) und einer spezifischen Phobie (ICD-10 F40.2) handle es sich hingegen - wie bei der bereits früher diagnostizierten leichten Intellig enzminderung - um solche zusätzlich zu den erwähnten Hauptbefunden vorhandene, bei der Beurtei lung der Dauerhaftigkeit des Eingliede- rungserfolgs allenfalls mit zu berücksichtigende Nebenbef unde. Diese dürften nun allerdings, sofern man jede für sich alleine betrachte, kaum derar t schwerwiegend sein, dass sie ihrerseits die Erwerbsfähigkeit der Versicherten wesentlich bee inträchtigen würden. Fragen könne man sich indessen, ob sich die Kombination der bei der Versicherten diagnostizierten Nebenbefunde in ihrer Gesamtheit derart schwerwiegend auswirke, dass sie zu einer eingliederungsrelevanten Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit führe. Das Kan tonsgericht gelangte in der Folge zum Ergebnis, dass sich dies gestützt auf die vorhandene medizin ische Aktenlage nicht abschlies- send beurteilen lasse. Es hob deshalb die angefochtene V erfügung auf und wies die Angele- genheit zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurück. Dabei hielt es diese insbesondere an, die erwähnte Frage, ob sich d ie Kombination der bei der Versicher- ten diagnostizierten Nebenbefunde in ihrer Gesamtheit derart schwerwiegend auswirke, dass sie zu einer eingliederungsrelevanten Beeinträchtigung d er Erwerbsfähigkeit führe, durch ein versicherungsexternes fachärztliches Gutachten abklären zu lassen. 4.2 In Nachachtung dieses kantonsgerichtlichen Rückweisungsen tscheids gab die IV- Stelle bei Dr. E.____ und Dr. F.____ ein psychiatrisch- neuropsychologisches Gutachten in Auf- trag, das am 4. Oktober 2018 erstattet wurde. Darin gelangten die beiden Expertinnen zusam- menfassend zu folgender Beurteilung: 4.2.1 Bei der Versicherten könne übereinstimmend mit de n Angaben in den Vorakten und vor allem mit dem Schulniveau (HPS) eine Intelligenzmi nderung objektiviert werden. Aus einer früheren Abklärung im Jahr 2008 werde von einem IQ <70 berichtet, im heutigen Intelligenztest- verfahren WAIS-IV (Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) könnten unter wohlwollender und supportiver Testatmosphäre ein Gesamt-lQ von 54 und e in Allgemeiner Fähigkeitsindex (AFI) Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 57 errechnet werden. Wie der Gesamt-IQ stelle der AFI eine Einschätzung der allgemeinen Leistungsfähigkeit dar, verzichte aber auf die Berücksichti gung von Arbeitsgedächtnis und Ver- arbeitungsgeschwindigkeit. Testpsychologisch könnten kein e eigentlichen Stärken evaluiert werden. Die Intelligenzminderung sei testpsychologisch d eutlich ausgeprägt, überdies verfüge die Versicherte im Lebensalter von knapp 17 Jahren nur über geringfügige Kenntnisse in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen und einen geringen schulischen Wissensstand. Feinmotorisch bestünden keine relevanten Auffälligkeiten (mehr). Graphomotorische Ausfüh- rungen würden linkshändig, sehr sorgfältig mit/bei an gemessener Druckstärke und tempomäs- sig verlangsamt erfolgen. Eine kursorische Praxie-Testung falle, abgesehen von sprachlichen Verständnisschwierigkeiten, unauffällig aus. 4.2.2 Auf Verhaltensebene präsentiere sich eine freund liche und kooperative, im Gesamt- eindruck jedoch infantil wirkende Jugendliche. Eine allgemeine Kommunikationsfähigkeit sei auf einfachster Ebene gegeben, bei komplexen Themen und A ufgaben-/lnstruktionsanweisungen sei sie eingeschränkt. Eine erhöhte Ermüdbarkeit bestehe nicht, im Rahmen der Begabung ver- füge die Versicherte über eine sehr gute Ausdauer für Leistungsaufgaben. Affektiv wirke die Versicherte schwingungsfähig, es entstehe eine heitere S timmung. Die lebenspraktischen Fä- higkeiten seien trotz intensiver Förderung und intensivem Üben eingeschränkt. Die psychische Symptomatik (Ängstlichkeit, Vermeidungstendenz mit soziale m Rückzug, Selbstunsicherheit) interpretiere man im Rahmen von Überforderungsreaktio nen bei Intelligenzminderung. Die Be- gleitsymptomatik rechtfertige aber derzeit in ihrem Schw eregrad und Ausmass kein eigenstän- diges - gemäss einem international anerkannten Klassifik ationssystem kodiertes - psychiatri- sches Krankheitsbild. 4.2.3 Aus fachlich neuropsychologischer und psychiatrischer Si cht könne die Intelligenzmin- derung, die eine Hilflosenentschädigung mittleren Gra des begründe, bei der Versicherten nicht nur als schwerwiegender Nebenbefund bezeichnet werden, sondern sie sei in der Gesamt- schau Leitsymptom. Die berufliche Eingliederung sei allei ne durch diese Intelligenzminderung relevant beeinträchtigt. Die testpsychologischen Befunde lägen erfahrungsgemäss im Grenzbe- reich, bei welchem eine praktische Ausbildungsfähigkeit in einem geschützten Ausbildungsrah- men gegeben wäre. Zusätzlich bestünden eingeschränkte le benspraktische Fähigkeiten, hier habe auch die bisherige Ergotherapie keine eingliederungsrelevante Verbesserung zu bewirken vermögen. 4.2.4 Abschliessend hielten die beiden Gutachterinnen im Zusammenhang mit der ihnen unterbreiteten Fragestellung als Ergebnis fest, die Ko mbination der bei der Versicherten diag- nostizierten (Neben-) Befunde wirke sich in ihrer Gesamt heit derart schwerwiegend aus, dass die berufliche Eingliederungsfähigkeit in relevantem Masse eingeschränkt sei. 4.3.1 Die IV-Stelle legte das Gutachten von Dr. E.____ und Dr. F.____ vom 4. Oktober 2018 ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beider Basel zur Prüfung vor. In ihrer Beurteilung vom 23. Oktober 2018 gelangte die RAD-Ärztin I.____, F achärztin für Kinder- und Jugendpsy- chiatrie und -psychotherapie sowie für Psychiatrie und Psych otherapie, zum Schluss, dass aus medizinischer Sicht die Anspruchsvoraussetzungen zur Zusprach e von medizinischen Mass- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nahmen nach Art. 12 IVG nicht gegeben seien. Sie schla ge deshalb vor, basierend auf dem vorliegenden Gutachten an der Ablehnung des Gesuchs festz uhalten. Bereits die Einschrän- kung in der kognitiven Leistungsfähigkeit im Rahmen ein er mittelgradigen Intelligenzminderung (Gesamt-IQ 54 nach WAIS-IV), wie sie im Gutachten beschrieben sei, müsse aus medizinischer Sicht als derart schwerwiegend und einschränkend verstanden werden, dass eine Ausbildungs- fähigkeit schon unabhängig weiterer, ebenfalls noch bestehender Einbussen nicht gegeben sei. Dies deshalb, weil bei einer kognitiven Leistungseinsch ränkung im Bereich der mittelgradigen Intelligenzminderung basale Fähigkeiten, einen Arbeit sprozess steuern zu können, so einge- schränkt seien, dass auch mit entsprechendem externem Sup port und sachkundiger Anleitung nur einfachste Tätigkeiten ausgeführt werden könnten, die nicht dem Leistungsniveau einer späteren Tätigkeit in einem geschützten Rahmen entsprechen würden. 4.3.2 Nachdem die IV-Stelle noch die von Dr. E.____ im Rahmen ihrer Begutachtung erho- benen Testresultate beigezogen hatte, hielt die RAD-Ä rztin I.____ am 21. Januar 2019 in ihrer ergänzenden Stellungnahme fest, die Testresultate würd en ein homogenes niedriges Leis- tungsniveau zeigen. Bei einem Gesamt-IQ von 54 sei ni cht anzunehmen, dass sich dahinter Teilleistungsstärken verbergen würden und das ergother apeutische Beüben einzelner Ein- schränkungen das kognitive Niveau dergestalt anheben könn e, dass eine Erwerbstätigkeit auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt denkbar wäre. 5.1 Wie eingangs geschildert, hatte die Versicherte dur ch ihre Eltern a m 1. November 2018 bei der IV-Stelle zusätzlich ein Gesuch um Kostengu tsprache für eine erstmalige berufli- che Ausbildung als berufliche Massnahme der IV eingerei cht. Die IV-Stelle beauftragte darauf- hin die Abteilung Berufsberatung mit dessen Behandlu ng. In ihre m “Abschlussbericht der Ein- gliederungsmassnahme“ vom 30. November 2018 hielt die z uständige Berufsberaterin als Fazit fest, aufgrund der schwerwiegenden kognitiven Einschränku ngen werde die Versicherte die Anforderungen einer späteren Tätigkeit im geschützten Rahmen mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit nicht erfüllen können. Der Antrag auf Unt erstützung bei der erstmaligen berufli- chen Ausbildung werde deswegen abgelehnt und das Dossie r werde auf der Berufsberatung geschlossen. Obwohl die Versicherte erst 17 Jahre alt se i, werde das Dossier nach Absprache mit der entsprechenden Sachbearbeitung weitergeleite t, damit im Hinblick auf die Vollendung des 18. Altersjahres die Rentenprüfung vorgenommen werden könne. 5.2 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 7. März 2019, mit der sie das Gesuch der Versicherten um Kostengutsprache für be rufliche Massnahmen ablehnte, formell auf den erwähnten “Abschlussbericht der Eingl iederungsmassnahme“ ihrer Berufsbera- terin. Deren Hauptargument, wonach die Versicherte aufgrund der schwerwiegenden kognitiven Einschränkungen die Anforderungen einer späteren Täti gkeit im geschützten Rahmen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht werde erfüllen können, basiert aber auf den fachärztli- chen Beurteilungen der RAD-Ärztin I.____ vom 23. Oktober 2018 und 21. Januar 2019 und die- se wiederum auf einzelne Feststellungen im - allerdings in anderem Zusammenhang erstellten - Gutachten von Dr. E.____ und Dr. F.____ vom 4. Oktober 2018 . Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Diesem Ergebnis der vorinstanzlichen Beweiswürdigung ka nn gestützt auf die vorhan- dene Aktenlage nicht beigepflichtet werden. Es beruht letztlich auf einer unvollständigen Abklä- rung des massgeblichen Sachverhalts. 6.1.1 Das Gutachten von Dr. E.____ und Dr. F.____ vom 4. Oktober 2018 ist für das vorlie- gende Beschwerdeverfahren nur beschränkt aussagekräftig, da es im Hinblick auf die Beurtei- lung des Anspruchs der Versicherten auf eine Kostengutspr ache für ambulante Ergotherapie nach ärztlicher Verordnung als medizinische Massnahme der IV erstellt wurde. Dies zeigen ins- besondere die zusammenfassenden Ausführungen auf Seite 13 des Gutachtens, wo die Wirk- samkeit der Ergotherapie als medizinische Massnahme nach Art. 12 IVG beurteilt wird. Das Gutachten wirft nun allerdings bereits in dieser Hinsich t Fragen auf. Die Expertinnen hatten zwar Kenntnis von den Berichten über die bisherige Erg otherapie und insbesondere vom Schreiben von Dr. med. J.____, Allgemeine Medizin FMH, vom 10. Mai 2017, in dem beschrie- ben wird, dass die Versicherte durch die Ergotherapie d eutliche Fortschritte in der selbständi- gen Fortbewegung erzielen und die für ihre Stabilitä t notwendigen Muskeln aufbauen konnte. Diese Aspekte sind zweifellos auch für die Eingliederun gsfähigkeit relevant. Trotzdem halten die Gutachterinnen fest, dass die bisherige Ergotherapie keine eingliederungsrelevante Verbes- serung habe bewirken können. Dies ist so nicht nachvollziehbar. 6.1.2 Vorliegend geht es nun allerdings um die Beur teilung der Fähigkeiten der Versicherten im Hinblick auf die Vorbereitung auf eine Tätigkeit i n einer geschützten Werkstätte. Da sich Dr. E.____ und Dr. F.____ in ihrem Gutachten mit dem Anspruch der Versicherten auf eine Kostengutsprache für Ergotherapie als medizinische Massnah me der IV zu befassen hatten, fehlt in ihrer Expertise verständlicherweise eine vertief te Auseinandersetzung mit der Frage der praktischen Ausbildungsfähigkeit der Versicherten für ein e spätere Tätigkeit in einer geschütz- ten Werkstätte. Dem Gutachten lassen sich denn auch keinerl ei Aussagen entnehmen, welche Anforderungen Jugendliche erfüllen müssen, damit sie eine solche Vorbereitung auf eine Tätig- keit in einer geschützten Werkstätte als berufliche Massnahme der IV beanspruchen können. Auf die Frage der praktischen Ausbildungsfähigkeit der Versicherten gehen die Expertinnen lediglich an einer Stelle ihres Gutachtens ein, nämli ch im letzten Abschnitt von Seite 12. Dort halten sie zum einen fest, dass die berufliche Eingliede rung allein durch die in den Testverfah- ren erhobene Intelligenzminderung relevant beeinträc htigt werde. Zum andern weisen sie gleichzeitig auch darauf hin, dass „die testpsychologischen Befunde erfahrungsgemäss im Grenzbereich liegen, bei welchem eine praktische Ausb ildungsfähigkeit in einen geschützten Rahmen gegeben wäre.“ Mit diesem Hinweis, dass die Befu nde in einem Grenzbereich liegen würden, bei welchem eine praktische Ausbildungsfähigkeit in einen geschützten Rahmen gege- ben wäre, wird nun aber gerade nicht gesagt, ob eine entsprechende praktische Ausbildungsfä- higkeit der Versicherten aus ihrer Sicht bejaht werden k ann oder nicht. Somit wird diese für das vorliegende Verfahren auschlaggebende Frage - entgegen der Auffassung der IV-Stelle - durch das Gutachten von Dr. E.____ und Dr. F.____ nicht beantwortet. 6.2 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung wirft aber auch mit Blick auf die übrigen Akten Fragen auf. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Die Eltern der Versicherten weisen in ihrer Besc hwerde darauf hin, dass ihre Tochter in der Institution K.____ eine dreiwöchige Schnupperleh re absolviert habe. Anlässlich des Ab- schlussgesprächs sei ihnen von Herrn L.____, dem zuständig en Betreuer ihrer Tochter, erklärt worden, dass eine interne Ausbildung für ihre Tochter machbar sei. Gestützt auf diesen Hinweis in der Beschwerde erkundigte sich die zuständige Berufsber aterin der IV-Stelle bei Herrn L.____ am 26. März 2019 telefonisch über den betreffen den Einsatz der Versicherten. Die von der Berufsberaterin zu diesem Gespräch erstellte Aktenn otiz hält fest, dass die Versicherte während dreier Wochen in der Montage der Institution K.____ gearbeitet habe. Sie habe gute manuelle Fähigkeiten gezeigt, die Leistung sei gut g ewesen, sie habe Aufträge korrekt umge- setzt, sie sei pingelig und produktiv gewesen. Einschränkungen bestünden in den Sozialkompe- tenzen (Kommunikation), die Versicherte sei sehr schüchtern und sehr verhalten. Sie habe sich in der Institution K.____ sehr wohl gefühlt und hätte den Einsatz am liebsten verl ängert. Von Seiten der Institution K.____ sehe man die Versicherte nicht in einer Beschäftigung. Man emp- fehle eine interne praktische Ausbildung und ein inter nes Wohnen, wobei Letzteres der Unter- stützung der persönlichen Entwicklung dienen würde. Die Berufsberaterin der IV-Stelle konfron- tierte in der Folge telefonisch die RAD-Ärztin I.____ mit den Ergebnissen der bei Herrn L.____ eingeholten Auskünfte. Laut einer weiteren Telefonnotiz der Berufsberaterin vom 27. März 2019 beschränkte sich die RAD-Ärztin dabei auf die Empfehlun g, an der Ablehnung der beruflichen Massnahme festzuhalten, und den Hinweis, dass aus medizin ischer Sicht nicht nachvollziehbar sei, dass die Versicherte dauerhaft eine wirtschaftlich ausr eichend verwertbare Arbeitsleistung erbringen könne. 6.2.2 Im Zusammenhang mit der vom zuständigen Betreuer der Institution K.____ empfohle- nen internen praktischen Ausbildung erweisen sich die Abklär ungen der IV-Stelle als ungenü- gend. Die zuständige Berufsberaterin hätte sich in Anbe tracht dieser Empfehlung nicht mit ei- nem Telefongespräch mit dem Betreuer der Institution K.____ begnügen dürfen, sondern statt- dessen bei diesem einen ausführlicheren schriftlichen Ber icht einholen sollen. Darin hätte der Betreuer aus seiner fachspezifischen Sicht die Stärken u nd Schwächen der Versicherten und die Anforderungen, die an eine solche praktische Ausbildung gestellt werden, etwas detaillierter darstellen und insbesondere auch aufzeige n können, für welche Art von Ausbildung er seine Empfehlung ausgesprochen hatte. Anschliessend wäre es ang ezeigt gewesen, diesen Bericht dem RAD zu unterbreiten. Die zuständige Ärztin wäre d adurch besser in der Lage gewesen, sich - in Kenntnis der Einschätzung des Betreuers der Ins titution K.____ - nochmals spezifisch, in Bezug auf eine konkrete Tätigkeit und somit vertieft er als bisher mit der Frage der prakti- schen Ausbildungsfähigkeit der Versicherten auseinander zu setzen. Aufgrund der Aktennotiz vom 27. März 2019 über das Telefongespräch zwischen der I V-Berufsberaterin und der RAD- Ärztin kann man sich jedenfalls des Eindrucks nicht erwehren, dass Letztere sich ohne wirkliche Prüfung der durch den Betreuer der Institution K.____ abgegebenen Einschätzung der Ausbil- dungsfähigkeit und somit ohne die erforderliche inhal tliche Auseinandersetzung mit derselben lediglich darauf beschränkt hat, an der von ihr berei ts vorgängig empfohlenen Ablehnung des Leistungsbegehrens festzuhalten. 6.3 Bei den Akten liegt schliesslich noch ein Bericht de s Schulheims M.____ zum Schul- jahr 2017/18. Die Gutachterinnen hatten Kenntnis von d iesem Schulbericht und diesen denn Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch ausführlich vorgestellt. Im Zusammenhang mit der von ihnen vorgenommenen „kursori- schen Prüfung der Leistungsfähigkeit in den Kulturtech niken Lesen, Schreiben und Rechnen“ gehen sie jedoch nicht näher darauf ein, obwohl beisp ielsweise die Ergebnisse in den Berei- chen Rechnen und Lesen in der Testsituation im Vergleich zu den Beurteilungen im Schulbe- richt offenbar schlechter ausgefallen sind. Sodann werden die verschiedenen, im Schulbericht geschilderten positiven Fähigkeiten der Versicherten nich t weiter diskutiert. Von Seiten der IV- Stelle wurde in der Folge gar nicht auf diesen Schul bericht eingegangen, obwohl die verschie- denen Personen, die im Schulheim M.____ regelmässig und zum Teil schon länger pädago- gisch und therapeutisch mit der Versicherten arbeiten, zwe ifellos wertvolle Hinweise zur Frage der praktischen Ausbildungsfähigkeit der Versicherten g eben könnten. Auch dieser Umstand, dass bei den zuständigen Fachleuten des Schulheims M.____ keine Auskünfte eingeholt wur- den, stellt eine weitere, nicht unerhebliche Verletzung der der IV-Stelle obliegenden Pflicht zur vollständigen Sachverhaltsabklärung dar. 6.4 Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten: Die IV- Stelle hat sich zur Begrün- dung ihrer leistungsablehnenden Verfügung vom 7. März 2019 zu Unrecht lediglich auf einzelne Aussagen des Gutachtens von Dr. E.____ und Dr. F.____ vom 4. Oktober 2018 und auf die hierzu erfolgte Kurzbeurteilung der RAD-Ärztin I.____ vom 23. Oktober 2018 gestützt. Zum ge- nannten Gutachten ist festzuhalten, dass dieses im Zusamm enhang mit einer anderen Frage- stellung in Auftrag gegeben worden ist, weshalb es sich b ezüglich der hier interessierenden Thematik - verständlicherweise - als unvollständig und zu wenig schlüssig erweist. Darüber hin- aus weisen die Beschwerdeführer zu Recht darauf hin, dass sich den Akten durchaus Hinweise für eine praktische Ausbildungsfähigkeit der Versicherten entnehmen lassen. Mit diesen Hin- weisen allein lässt sich zwar (noch) keine Gutheissung des Ge suchs der Beschwerdeführer begründen, sie sind aber immerhin dergestalt, dass ihnen die IV-Stelle im Rahmen ihrer Sach- verhaltsabklärungen vertiefter hätte nachgehen müssen. Dieser Pflicht ist die IV-Stelle zum Teil gar nicht und teilweise nur unzureichend nachgekommen. Damit hat sie aber den das sozial- versicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren beherrschenden Untersuchungsgrundsatz ver- letzt, nach welchem der Versicherungsträger von Amtes we gen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat. 7. Da sich die Frage der der praktischen Ausbildungsfähi gkeit der Versicherten nach dem Gesagten gestützt auf die vorhandene Aktenlage nicht abschliessend beurteilen lässt, kann heute über das Gesuch der Versicherten um Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung als berufliche Massnahme der IV nicht entschie den werden. Die angefochtene Ver- fügung vom 7. März 2019 ist deshalb aufzuheben und die Angelegenheit zwecks weiterer Ab- klärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. In deren Rahme n sind einerseits medizinische Ab- klärungen vorzunehmen, darüber hinaus ist es aber auch er forderlich, einen Bericht der Institu- tion K.____ über den dortigen Einsatz der Versicherten und die in diesem Zusammenhang ab- gegebenen Empfehlungen einzuholen. Dies gilt selbstverst ändlich auch bezüglich allfälliger Berichte weiterer geschützter Werkstätten, falls die Versi cherte zwischenzeitlich zusätzliche Schnupperlehren oder anderweitige praktische Einsätze a bsolviert haben sollte. Ebenso ist es angezeigt, Rücksprache mit den zuständigen Fachleuten des S chulheims zu nehmen, in wel- chem die Versicherte das letzte Schuljahr besucht hat. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer zusätz- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Abklärungen hat die IV-Stelle anschliessend über den Anspruch der Versicherten neu zu befinden. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8. Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitw ert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Ange- legenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägu ngen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unte rliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). B eim vorliegenden Prozessausgang sind deshalb die Verfahrenskosten der IV-Stelle zu auferlegen. 9.1 Gemäss Art. 90 BGG ist die Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfah ren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwisc henentscheide über die Zustän- digkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bede utenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde ( Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei ein em Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehre- ren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) bean twortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 7. März 20 19 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. http://www.bl.ch/kantonsgericht