<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 30 S.173</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">173</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>30 Bereinigung</b></span> <span class="ft3"><b>der</b></span> <span class="ft3"><b>Angebote.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Anforderungen an die Offertbereinigung.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Transparenzgebot; Gleichbehandlungsgrundsatz (Erw. 4.2.2).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eine nachträgliche Abänderung eines wesentlichen Teils des</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Angebots sowohl in inhaltlicher als auch in preislicher Hinsicht ist</b></span><br/> <span class="ft3"><b>unzulässig (Erw. 4.3.1).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 23. Juni 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">M. AG gegen das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (WBE.2008.51).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">4.</span><br/> <span class="ft8">Zu prüfen ist zunächst, ob es beim Angebot der Zuschlagsemp-</span><br/> <span class="ft8">fängerin nach der Öffnung der Angebote zu einer unzulässigen</span><br/> <span class="ft8">Veränderung des Leistungsinhalts gekommen ist.</span><br/> <span class="ft8">4.1.</span><br/> <span class="ft8">4.1.1.</span><br/> <span class="ft8">Die Vergabebehörde prüft die Angebote rechnerisch und fach-</span><br/> <span class="ft8">lich. Sie bringt sie auf eine vergleichbare Basis (§ 17 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">SubmD). Sind Angaben eines Angebots unklar, insbesondere bezüg-</span><br/> <span class="ft8">lich Bauabläufen und Prozessoptimierungen, so können von den An-</span><br/> <span class="ft8">bietenden Erläuterungen, fachliche Präsentationen, Begehungen usw.</span><br/> <span class="ft8">verlangt werden, die schriftlich festzuhalten sind (§ 17 Abs.</span> <span class="ft8">2</span><br/> <span class="ft8">SubmD). Die Vergabestelle darf offensichtliche Rechnungsfehler</span><br/> <span class="ft8">korrigieren (§ 17 Abs. 3 SubmD). Verhandlungen zwischen der Ver-</span><br/> <span class="ft8">gabestelle und den Anbietenden über Preise sind unzulässig (§ 17</span><br/> <span class="ft8">Abs. 4 SubmD); einzig im freihändigen Verfahren sind Verhandlun-</span><br/> <span class="ft8">gen zulässig (§ 17 Abs. 5 SubmD). Auch Art. 11 lit. c IVöB statuiert</span><br/> <span class="ft8">als allgemeinen Grundsatz den Verzicht auf Abgebotsrunden. Die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">174</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Vergaberichtlinien (VRöB) aufgrund der IVöB führen dazu in § 30</span><br/> <span class="ft8">unter dem Titel "Verbot von Abgebotsrunden" präzisierend aus:</span><br/> <span class="ft8">"Verhandlungen zwischen der Auftraggeberin oder dem Auftraggeber</span><br/> <span class="ft8">und den Anbieterinnen oder Anbietern über Preise, Preisnachlässe</span><br/> <span class="ft8">und Änderungen des Leistungsinhaltes in diesem Zusammenhang</span><br/> <span class="ft8">sind unzulässig" (§ 30 Abs. 1 VRöB). Zulässig sind Verhandlungen</span><br/> <span class="ft8">im freihändigen Verfahren (§ 30 Abs. 2 VRöB).</span><br/> <span class="ft8">4.1.2.</span><br/> <span class="ft8">Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts sind Offert-</span><br/> <span class="ft8">bereinigungen technischer Natur, die über die Berichtigung von</span><br/> <span class="ft8">Rechnungsfehlern oder anderer offensichtlicher Irrtümer und Fehler</span><br/> <span class="ft8">hinausgehen, aufgrund der mit ihnen verbundenen Gefahr der Wett-</span><br/> <span class="ft8">bewerbverfälschung bzw. Begünstigung einzelner Bewerber eher</span><br/> <span class="ft8">zurückhaltend zu handhaben; sie dürfen auf keinen Fall zu einer Än-</span><br/> <span class="ft8">derung des Leistungsinhalts führen (AGVE 1999, S. 344). Das Ver-</span><br/> <span class="ft8">bot nachträglicher Offertänderungen gilt sowohl für die Anbieter als</span><br/> <span class="ft8">auch die Vergabestellen. Rückfragen bei den Anbietern sind, soweit</span><br/> <span class="ft8">erforderlich, zulässig; sie haben aber mit der nötigen Zurückhaltung</span><br/> <span class="ft8">und Sorgfalt zu erfolgen, und es sind alle Anbieter nach gleichen</span><br/> <span class="ft8">Massstäben zu behandeln. Die Offertbereinigung insgesamt und ihr</span><br/> <span class="ft8">Ergebnis müssen nachvollziehbar sein. Mit dem schriftlichen Fest-</span><br/> <span class="ft8">halten soll sichergestellt werden, dass das Bereinigungsverfahren</span><br/> <span class="ft8">nicht für fremde Zwecke missbraucht wird; das Ergebnis der Be-</span><br/> <span class="ft8">reinigung muss für die Mitbewerber nachvollziehbar sein, damit sie</span><br/> <span class="ft8">sich wehren können (vgl. Protokoll des Grossen Rates vom 26. No-</span><br/> <span class="ft8">vember 1996, S. 618, Votum Küng; vgl. auch Protokoll der gross-</span><br/> <span class="ft8">rätlichen Kommission, 3. Sitzung, vom 4. September 1996, S. 13,</span><br/> <span class="ft8">Voten Pfisterer; ferner VGE</span> <span class="ft8">III/127 vom 3.</span> <span class="ft8">September 1998</span><br/> <span class="ft8">[BE.98.00168], S. 9). Unzulässig ist daher beispielsweise eine aus-</span><br/> <span class="ft8">schliesslich telefonisch vorgenommene Bereinigung, über die keiner-</span><br/> <span class="ft8">lei schriftliche Aufzeichnungen erstellt worden sind (AGVE 2003,</span><br/> <span class="ft8">S. 247 ff.; Elisabeth Lang, Der Grundsatz der Transparenz im öffent-</span><br/> <span class="ft8">lichen Beschaffungsrecht, in: Festschrift 100 Jahre Aargauischer</span><br/> <span class="ft8">Anwaltverband, Zürich / Basel / Genf 2005, S. 130).</span><br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">175</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">4.2.</span><br/> <span class="ft8">4.2.1.</span><br/> <span class="ft8">Vorliegend steht unbestrittenermassen fest, dass beide Angebote</span><br/> <span class="ft8">von den Anbieterinnen nach der Offertöffnung gestützt auf die Vor-</span><br/> <span class="ft8">gaben der Vergabestelle sowohl inhaltlich als auch preislich verän-</span><br/> <span class="ft8">dert worden sind. Beim Angebot der Zuschlagsempfängerin ist in</span><br/> <span class="ft8">diesem Zusammenhang der Lieferant für die Hydraulik und die</span><br/> <span class="ft8">Steuerung ausgewechselt worden, und es hat auch eine sehr erhebli-</span><br/> <span class="ft8">che Preisreduktion von rund 24 % stattgefunden. Demgegenüber ha-</span><br/> <span class="ft8">ben sich die vorgenommenen Anpassungen beim Angebot der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführerin preislich nicht bzw. nur geringfügig im Umfang</span><br/> <span class="ft8">von weniger als 0,5 % ausgewirkt.</span><br/> <span class="ft8">Seitens der Vergabestelle wird ausgeführt, beide Angebote hät-</span><br/> <span class="ft8">ten bezüglich der Hydraulikanlage und der Steuerung nicht den An-</span><br/> <span class="ft8">forderungen der diesbezüglich offenbar zu wenig präzise formulier-</span><br/> <span class="ft8">ten Ausschreibungsunterlagen entsprochen. Die Vergabestelle habe in</span><br/> <span class="ft8">den Submissionsunterlagen als Grundvariante eine gesteuerte Anlage</span><br/> <span class="ft8">verlangt, die im Vergleich zur (komplexeren, mit hoher Rechenleis-</span><br/> <span class="ft8">tung) geregelten Anlage den gestellten Anforderungen genügt hätte.</span><br/> <span class="ft8">Beide Anbieterinnen hätten eine geregelte Anlage angeboten und so-</span><br/> <span class="ft8">mit nicht den Submissionsunterlagen entsprochen. Beide Anbieterin-</span><br/> <span class="ft8">nen seien im Punkt Steuerung und Hydraulik sowie weiteren Punkten</span><br/> <span class="ft8">von den Submissionsunterlagen wesentlich abgewichen. Aufgrund</span><br/> <span class="ft8">der Dringlichkeit habe sich die Vergabestelle entschieden, das Ver-</span><br/> <span class="ft8">gabeverfahren nicht von vorne zu wiederholen - dies wäre bei einem</span><br/> <span class="ft8">Einladungsverfahren der vorliegenden Art einem leeren Formalismus</span><br/> <span class="ft8">gleichgekommen -, sondern die eingeladenen Parteien unter Wah-</span><br/> <span class="ft8">rung des Gleichbehandlungs- und Transparenzgebots aufzufordern,</span><br/> <span class="ft8">die Offerten zu verbessern. In Fällen wie hier, wo im Einladungsver-</span><br/> <span class="ft8">fahren kein Angebot eingereicht werde, das die Erfordernisse der</span><br/> <span class="ft8">Submissionsunterlagen erfülle, sei die Vergabestelle ohnehin berech-</span><br/> <span class="ft8">tigt, den Auftrag freihändig zu vergeben.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">Beiden Anbietern seien die nicht umgesetzten Anforderungen</span><br/> <span class="ft8">der Submissionsunterlagen vom Experten am 20. bzw. 27. November</span><br/> <span class="ft8">2007 mündlich erläutert worden. Diese Erläuterungen seien nötig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">176</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gewesen, um weitere Missverständnisse in dieser technisch kom-</span><br/> <span class="ft8">plexen Sache zu vermeiden. Die Fachperson habe den Offerierenden</span><br/> <span class="ft8">die Anforderungen an eine genügende Offerte erklärt und in welchen</span><br/> <span class="ft8">Anforderungen sie ihre Eingabe zu verbessern hätten. Angaben über</span><br/> <span class="ft8">Konkurrenzofferten seien keine gemacht worden. Über diese Erläu-</span><br/> <span class="ft8">terungen sei kein Protokoll erstellt worden. Die Anbieter seien so-</span><br/> <span class="ft8">dann unabhängig voneinander schriftlich (zur Bereinigung) einge-</span><br/> <span class="ft8">laden worden mit genauer Angabe, was bereinigt werden solle.</span><br/> <span class="ft8">4.2.2.</span><br/> <span class="ft8">Zunächst steht fest, dass zwischen der Vergabestelle bzw. dem</span><br/> <span class="ft8">in ihrem Auftrag handelnden Experten am 20. bzw. 27. November</span><br/> <span class="ft8">2007 Gespräche mit den beiden Anbieterinnen über die jeweiligen</span><br/> <span class="ft8">Angebote bzw. deren Inhalt geführt worden sind (Erläutern der nicht</span><br/> <span class="ft8">umgesetzten Anforderungen der Submissionsunterlagen). Es ist auch</span><br/> <span class="ft8">unbestritten, dass über diese Gespräche bzw. deren genauen Inhalt</span><br/> <span class="ft8">keine schriftlichen Aufzeichnungen erstellt worden sind. Insofern ist</span><br/> <span class="ft8">nicht nachzuvollziehen, welche Änderungen/Anpassungen die Verga-</span><br/> <span class="ft8">bestelle bzw. der Experte von den Anbietern, insbesondere aber von</span><br/> <span class="ft8">der Zuschlagsempfängerin, konkret verlangt hat. Dies stellt im Hin-</span><br/> <span class="ft8">blick auf § 17 SubmD und das Transparenzgebot klarerweise einen</span><br/> <span class="ft8">Fehler des Submissionsverfahrens dar (vgl. AGVE 2003, S. 248).</span><br/> <span class="ft8">Daran vermag auch nichts zu ändern, dass die beiden Anbieterinnen</span><br/> <span class="ft8">mit inhaltlich identischem Schreiben vom 23. November 2007 (spe-</span><br/> <span class="ft8">diert am 26. November 2007) schriftlich zur Überarbeitung ihrer An-</span><br/> <span class="ft8">gebote aufgefordert worden sind. Dieses Schreiben weist folgenden</span><br/> <span class="ft8">Inhalt auf:</span><br/> <span class="ft9">"Das Angebot entspricht bezüglich Hydraulikanlage und der Steue-</span><br/> <span class="ft9">rung nicht den Anforderungen der Ausschreibung.</span><br/> <span class="ft9">Für den Betrieb der Anlage erwarten wir eine sehr einfache Bedienung</span><br/> <span class="ft9">und Instandstellung. Aus diesem Grund wurden durch Eigengewicht</span><br/> <span class="ft9">schliessende Schützentafeln als Sicherheitselemente spezifiziert:</span><br/> <span class="ft9">- Als Zylinder werden Standard-Zylinder erwartet. Die Messtechnik</span><br/> <span class="ft9">soll nicht in die Zylinder eingebaut werden.</span><br/> <span class="ft9">- Das Aggregat soll sehr einfach mit Handumschaltung konzipiert</span><br/> <span class="ft9">sein.</span><br/> <span class="ft9">- Die Anlage ist in der Grundvariante nur gesteuert ausgeschrieben."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">177</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Entgegen der Behauptung der Vergabestelle kann nicht davon</span><br/> <span class="ft8">gesprochen werden, es seien mit diesem Schreiben genaue Angaben</span><br/> <span class="ft8">gemacht worden, was zu bereinigen sei. Es ist zum Beispiel unbe-</span><br/> <span class="ft8">stritten, dass die Beschwerdeführerin - im Gegensatz zur Zuschlags-</span><br/> <span class="ft8">empfängerin - bereits in ihrem (ersten) Angebot einen Standard-Zug-</span><br/> <span class="ft8">zylinder mit separater Messvorrichtung offeriert hat. Insofern be-</span><br/> <span class="ft8">stand hier für sie überhaupt keine Veranlassung zu einer Änderung.</span><br/> <span class="ft8">Weiter ist festzustellen, dass die Vergabestelle im vorliegenden Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahren beanstandet, die Beschwerdeführerin habe weder Betriebsar-</span><br/> <span class="ft8">tenschalter noch Hauptschütz zur Sicherung der Stillsetzung offe-</span><br/> <span class="ft8">riert, wie dies in Maschinenrichtlinie MRL 2006/42/EG verlangt</span><br/> <span class="ft8">werde. Im Angebot der Beschwerdeführerin sei somit das Einhalten</span><br/> <span class="ft8">der MRL 2006/42/EG nicht gewährleistet; die Vorrichtung zur Siche-</span><br/> <span class="ft8">rung der Stillsetzung fehle. Weiter seien die Positionen 2, 3 und 5 der</span><br/> <span class="ft8">Spezifikation Hydraulikzylinder sowie die Positionen 6 und 7 der</span><br/> <span class="ft8">Spezifikation Hydraulikaggregat vergabewidrig nicht offeriert wor-</span><br/> <span class="ft8">den. Wieso die Beschwerdeführerin im Rahmen der weitreichenden</span><br/> <span class="ft8">Bereinigung nicht zur Behebung dieser von der Vergabestelle festge-</span><br/> <span class="ft8">stellten Mängel in ihrem Angebot aufgefordert worden ist, ist im</span><br/> <span class="ft8">Hinblick auf die von der Vergabestelle angestrebte Gleichbehandlung</span><br/> <span class="ft8">der Anbietenden nicht nachvollziehbar und widersprüchlich. Das</span><br/> <span class="ft8">Argument vermag auch insofern nicht zu überzeugen, als die Verga-</span><br/> <span class="ft8">bestelle das Angebot der Beschwerdeführerin lediglich hinsichtlich</span><br/> <span class="ft8">der Kriterien "Preis" und "Referenzanlagen" mit einem Abzug be-</span><br/> <span class="ft8">wertet hat, während die Beschwerdeführerin insbesondere unter</span><br/> <span class="ft8">"Ausführung", "Technische Grundlagen" und "Leistungsfähigkeit"</span><br/> <span class="ft8">die volle Punktzahl erhalten hat. Ebenfalls nicht gefolgt werden kann</span><br/> <span class="ft8">dem Argument der Vergabestelle, im Sinne der Gleichbehandlung</span><br/> <span class="ft8">und aus Gründen der Transparenz habe sie die Schreiben an beide</span><br/> <span class="ft8">Anbietende im gleichen Wortlaut abfassen müssen, so dass beide</span><br/> <span class="ft8">Parteien immer über alle Punkte den gleichen Wissensstand gehabt</span><br/> <span class="ft8">hätten. Der Grundsatz der Gleichbehandlung schliesst es selbstver-</span><br/> <span class="ft8">ständlich nicht aus, dass die Vergabestelle dem jeweiligen Anbieter</span><br/> <span class="ft8">konkret diejenigen Punkte seines Angebots nennt, die noch zu be-</span><br/> <span class="ft8">reinigen sind. Hingegen verlangt das Transparenzgebot, dass dies in</span><br/> <span class="ft8">nachvollziehbarer Weise geschieht, d.h. entweder schriftlich erfolgt</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">178</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">oder aber - wenn mündlich erfolgt - zumindest in den wesentlichen</span><br/> <span class="ft8">Punkten protokolliert wird. An einer Dokumentation, aus der nach-</span><br/> <span class="ft8">vollziehbar hervorgeht, in welchen Punkten die beiden Anbieterinnen</span><br/> <span class="ft8">ihre Angebote zu bereinigen hatten, fehlt es wie ausgeführt im vor-</span><br/> <span class="ft8">liegenden Fall.</span><br/> <span class="ft8">4.3.</span><br/> <span class="ft8">4.3.1.</span><br/> <span class="ft8">In Bezug auf die Zuschlagsempfängerin im Besonderen ist</span><br/> <span class="ft8">festzuhalten, dass deren ursprüngliches Angebot vom 9. November</span><br/> <span class="ft8">2007 als Unterlieferantinnen für die Hydraulik die A. in B. und für</span><br/> <span class="ft8">die Steuerung und Messung die C. in D. nannte. Im überarbeiteten</span><br/> <span class="ft8">Angebot vom 7. Dezember 2007 ist als Lieferantin von Hydraulik</span><br/> <span class="ft8">und Steuerung die E., d.h. dieselbe Lieferantin wie beim Angebot der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführerin, vorgesehen. Zudem wird die Hydraulik neu für</span><br/> <span class="ft8">Fr. 54'500.00 (statt ursprünglich Fr. 107'020.00) und die Steuerung</span><br/> <span class="ft8">neu für Fr. 32'000.00 (statt ursprünglich Fr. 84'650.00) offeriert. Das</span><br/> <span class="ft8">heisst, Hydraulik und Steuerung wurden - anders als beim Angebot</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdeführerin - nicht lediglich in einigen untergeordneten</span><br/> <span class="ft8">Punkten den Vorgaben der Vergabestelle angepasst, sondern voll-</span><br/> <span class="ft8">ständig neu mit einem neuen Lieferanten offeriert. Damit kann nicht</span><br/> <span class="ft8">mehr von einer "Angebotspräzisierung" bzw. einer zulässigen</span><br/> <span class="ft8">Bereinigung des Angebots im Sinne von § 17 SubmD gesprochen</span><br/> <span class="ft8">werden. Vielmehr liegt eine wesentliche nachträgliche Änderung des</span><br/> <span class="ft8">Leistungsinhalts vor. Seitens der Vergabebehörde ist unbestritten,</span><br/> <span class="ft8">dass das ursprüngliche Angebot der Zuschlagsempfängerin den</span><br/> <span class="ft8">grundlegenden Anforderungen der Ausschreibung nicht entsprach.</span><br/> <span class="ft8">Aus dem Vergabeantrag geht hervor, dass die Offerten der ersten</span><br/> <span class="ft8">Eingabe nicht den spezifischen Vorgaben entsprachen und nicht</span><br/> <span class="ft8">vergleichbar waren. Erst nachdem die Zuschlagsempfängerin ihre</span><br/> <span class="ft8">Unterlieferanten für Hydraulik und Steuerung wechselte und den</span><br/> <span class="ft8">gleichen Unterlieferanten wie die Beschwerdeführerin beizog,</span><br/> <span class="ft8">wurden die Angebote überhaupt miteinander (systemtechnisch) ver-</span><br/> <span class="ft8">gleichbar. Laut der Vergabestelle entsprachen die Angebote im</span><br/> <span class="ft8">Übrigen auch nach der Änderung nicht vollumfänglich den Anforde-</span><br/> <span class="ft8">rungen, wurden aber nichtsdestotrotz aus Zeitgründen akzeptiert, da</span><br/> <span class="ft8">sie nun immerhin, da in Bezug auf Hydraulik und Steuerung die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">179</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gleiche technische Lösung angeboten wurde, miteinander vergleich-</span><br/> <span class="ft8">bar waren. Angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ihr</span><br/> <span class="ft8">Angebot letztlich nur sehr geringfügig modifiziert hat, wird offen-</span><br/> <span class="ft8">sichtlich, dass die ursprüngliche Offerte der Zuschlagsempfängerin</span><br/> <span class="ft8">in wesentlichen Punkten (Hydraulik und Steuerung) von den Vor-</span><br/> <span class="ft8">gaben der Ausschreibung abwich und infolgedessen gar nicht hätte</span><br/> <span class="ft8">bereinigt werden dürfen, sondern bereits vorher als nicht ausschrei-</span><br/> <span class="ft8">bungskonformes Angebot von der Vergabe hätte ausgeschlossen wer-</span><br/> <span class="ft8">den müssen.</span><br/> <span class="ft8">Auf jeden Fall aber hätte der Ausschluss des betreffenden An-</span><br/> <span class="ft8">gebots erfolgen müssen, nachdem die Zuschlagsempfängerin für die</span><br/> <span class="ft8">(Teil-) Bereiche Hydraulik und Steuerung ein vollständig neues An-</span><br/> <span class="ft8">gebot mit anderen Lieferanten und damit auch anderen Produkten</span><br/> <span class="ft8">einreichte. Hierbei handelt es sich - wie bereits erwähnt - klarerwie-</span><br/> <span class="ft8">se um eine nachträgliche Abänderung eines wesentlichen Teils des</span><br/> <span class="ft8">Angebots sowohl in inhaltlicher als auch in preislicher Hinsicht, was</span><br/> <span class="ft8">nicht zulässig ist. Offen bleiben kann, ob der von der Zuschlagsemp-</span><br/> <span class="ft8">fängerin vorgenommene Lieferantenwechsel für Hydraulik und Steu-</span><br/> <span class="ft8">erung durch die Vergabestelle initiiert wurde, wie die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">führerin vermutet.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>