Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 12. Januar 2012 (410 11 296) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch (ZGB) Bauhandwerkerpfandrecht Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader; Gerichtsschreiberin i.V. Nathalie Aebischer Parteien A.____ , vertreten durch Advokatin Stephanie Trüeb, Haus Thurgauerhof, Büche- listrasse/Lindenstrasse 2, Postfach 552, 4410 Liestal, Beschwerdeführer gegen B.____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Thomas Kaufmann, Centralbahnstras- se 7, 4010 Basel, Beschwerdegegner Gegenstand Bauhandwerkerpfandrecht / Beschwerde gegen das Zwischenurteil des Bezirksgerichtspräsidenten Liestal vom 2. September 2011 A. Am 20. Januar 2011 reichte B.____ das Gesuch um Bewi lligung des Eintrages eines pro- visorischen Bauhandwerkerpfandrechts zu Lasten der Stockwerkeig entümergemeinschaft an Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der X.____strasse 27 in Liestal (Parzelle-Nr.:____) ei n. Die Vormerkung der vorläufigen Eintra- gung wurde gleichentags vom Bezirksgerichtspräsidenten Liestal bewilligt. Zur Bestätigung oder Aufhebung der Verfügung wurden die Parteien zu einer Verhandlung am 15. Februar 2011 vor- geladen. B. Mit Urteil vom 15. Februar 2011 bestätigte der Gerich tspräsident die Vormerkung der vor- läufigen Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts au f der Stockwerkeigentumsparzelle Nr.____ des Grundbuches X.____ (Miteigentum am Grundstü ck Nr.____) in Höhe von CHF 4'433.70 nebst Zins und Kosten. Der Gesuchssteller er hielt zudem Frist bis zum 15. März 2011 zur Einreichung der Klage auf Definitverklärung d es provisorischen Bauhandwerkerpfand- rechts sowie zur Einreichung der entsprechenden schriftlic hen Klagebegründung, mit dem Hin- weis, dass das provisorische Bauhandwerkerpfandrecht gelösch t wird, wenn innert Frist die Klage nicht anhängig gemacht wird. C. Am 14. März 2011 ging beim Bezirksgericht Liestal ein au f 15. März 2011 datiertes Frist- erstreckungsgesuch zur Klageeinreichung des Beschwerdegegn ers ein. Die Frist wurde bis zum 30. April 2011 vorperemptorisch erstreckt. Am 2. Mai 2011 reichte der Beschwerdegegner erneut ein Fristersteckungsgesuch ein, worauf die Frist p eremtorisch bis zum 20. Juni 2011 erstreckt wurde. D. Am 17. Juni 2011 reichte der Beschwerdegegner die Kla ge betreffend definitive Eintra- gung des Bauhandwerkerpfandrechts ein. Gleichzeitig ste llte er einen Verfahrensantrag, wo- nach das Verfahren, bis über die Werklohnforderung de s Klägers gegen die C.____GmbH, Y.____strasse 34, 4415 Lausen, im Forderungsprozess rech tskräftig entschieden wurde, zu sistieren sei. E. Mit Eingabe vom 15. August 2011 nahm der Beklagte Ste llung zum Sistierungsantrag. Er führte aus, die Fristerstreckung zur Klageeinreichung se i nicht zulässig, die Frist somit verwirkt und das Verfahren abzuschreiben. Eventualiter sei der Be klagte mit dem Sistierungsantrag ein- verstanden. F. Mit Zwischenurteil vom 2. September 2011 wies der Bezirksg erichtspräsident Liestal das Gesuch des Beklagten um bereits vorgängige Abschreibung des Verfahrens ab und sistierte das Verfahren im gegenseitigen Einverständnis der Part eien bis zum rechtskräftigen Entscheid über die Werklohnforderung des Klägers gegenüber der C.____GmbH. G. Mit Beschwerde vom 7. Oktober 2011 gelang der Beschwerde führer ans Kantonsgericht, Abteilung Zivilrecht, und verlangte die Aufhebung des Zwischenurteils vom 2. September 2011 und die Abschreibung des Verfahrens. Demzufolge sei das G rundbuchamt anzuweisen, die provisorische Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts zu lö schen; unter o/e-Kostenfolge. Er führte aus, bei Art. 263 ZPO handle es sich um eine a llgemeingültige Bestimmung im Rahmen der vorsorglichen Massnahme, die zwar Grundlage der Frist ansetzung zur Klageanhebung sei, in vorliegend speziellem Fall jedoch eine bundesgericht liche Rechtsprechung zur Fristanset- zung bei Klageeinreichung auf definitive Eintragung de s Bauhandwerkerpfandrechts bestehe, Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht welche klar definiere, dass die richterlich angesetzte Fri st einer gesetzlichen Verwirkungsfrist gleichkomme und deshalb nicht erstreckbar sei. H. Der Beschwerdegegner reichte am 23. November 2011 die Beschwerdeantwort ein und beantragte die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Zwischen- entscheids des Bezirksgerichts Liestal vom 2. September 2011; unter Auferlegung der ordentli- chen und ausserordentlichen Kosten zu Lasten des Beschwerdeführers. Erwägungen 1. Gegen nicht berufungsfähige erstinstanzliche Zwischenurte ile ist die Beschwerde nach den Bestimmungen von Art. 319 ff. ZPO zulässig. Die Bes chwerde muss gemäss Art. 321 Abs. 1 ZPO schriftlich und begründet innert 30 Tagen se it Zustellung des begründeten Ent- scheids erfolgen. Inhaltlich können die unrichtige Rechtsan wendung und die offensichtlich un- richtige Feststellung des Sachverhaltes gerügt werden (Art. 320 ZPO). Das angefochtene Zwi- schenurteil des Bezirksgerichtspräsidenten Liestal wurde der Vertreterin des Beschwerdefüh- rers am 7. September 2011 zugestellt, womit die Beschw erde vom 7. Oktober 2011 fristgerecht erfolgt ist. Nachdem auch die übrigen formellen Vora ussetzungen erfüllt sind, ist auf die vorlie- gende Beschwerde einzutreten. Zuständig für Beschwerden gegen Entscheide der Präsidien der Bezirksgerichte ist das Präsidium, Abteilung Zivilrecht, des Kantonsgerichts (§ 5 Abs. 1 lit. b EG ZPO). 2. Der Beschwerdeführer zitiert in seiner Beschwerdeschrift (S. 6 Ziff. 7) Literatur und Recht- sprechung, die sich teilweise auf die kantonalen Zivilpr ozessordnungen beziehen. In den ange- gebenen Fundstellen werden Ausführungen über die Anw endbarkeit kantonaler Verfahrensvor- schriften betreffend die Erstreckbarkeit der bundesrechtlich en Frist zur Eintragung des definiti- ven Bauhandwerkerpfandrechts gemacht. Um eine einheitliche Rechtsanwendung gewähren zu können, sollen demnach bundesrechtliche Fristen nicht na ch kantonalen Regeln erstreckt wer- den können. Durch die Einführung der Schweizerischen Zivi lprozessordnung am 1. Januar 2011, und der damit erfolgten Vereinheitlichung der Verfahrensregeln, sind die Ausführungen zu den kantonalen Zivilprozessordnungen heute veraltet und für den vorliegenden Fall, welcher sich vollständig unter neuem Recht zugetragen hat, nicht mehr zu berücksichtigen. 3.1 Die vorläufige Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrech ts ist ein Anwendungsfall des vorsorglichen Rechtsschutzes und entspricht somit einer vorsor glichen Massnahme, wie sie in Art. 261 ff. ZPO umrissen wird (Bger 5A_453/2011, E. 3.3; S TEPHAN MAZAN , in: Spüh- ler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schwei zerische Zivilprozessordnung, Basel 2010, N 19 zu Art. 249 ZPO; THOMAS SPRECHER , in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2010 , N 18 zu Art. 262 ZPO; L UCIUS HUBER , in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Ko mmentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, N 12 zu Art . 262 ZPO). Gemäss Art. 263 ZPO setzt das Gericht, wenn die Klage in der Hauptsache noch nicht rechtshängig ist, eine Frist zur Einreichung der Klage, mit der Androhung, die angeor dnete Massnahme falle bei ungenutztem Ablauf der Frist ohne Weiteres dahin. Bei der Klagefr ist handelt es sich um eine richterliche Frist, die gegebenenfalls nach Art. 144 Abs. 2 ZPO erst reckt werden kann (THOMAS SPRECHER , Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar , Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2010, N 18 zu Art. 263 ZPO; L UCIUS HUBER , in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.] Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, N 18 zu Art. 263 ZPO). Die Dauer der Frist bestimmt der Richter nach pflichtgemässem Ermessen. 3.2 Auch Art. 961 Abs. 3 ZGB verlangt nach der Vormerkung einer vorläufigen Eintragung im Grundbuch die Ansetzung einer Frist zur gerichtlichen Gelt endmachung der Ansprüche (THOMAS SPRECHER , in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommen tar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2010, N 10 zu Art. 263 ZPO) . Der Richter hat die Wirkung einer Vormerkung "zeitlich und sachlich genau festzustellen". Er begrenzt infolgedessen die Pfandbe- lastung und die Geltungsdauer der Vormerkung. Letzteres kann er auf zwei Arten tun: Entweder er befristet die Vormerkung, sodass nach Ablauf der Frist die vorläufige Eintragung ihre Wirk- samkeit verliert, oder, und einfacher, der Richter setzt eine Frist zur Klageanhebung hinsichtlich der definitiven Eintragung und ordnet an, dass bei Ein haltung der Frist die provisorische Eintra- gung bis zum Prozessende wirksam bleibt; in diesem Fall e rhält die durch rechtskräftige Ent- scheidung eingeräumte Klagefrist die Bedeutung einer bundesrechtlichen Verwirkungsfrist. Grundsätzlich kann die Klagefrist von der Gerichtsbehörde , welche die Frist angesetzt hat, er- streckt werden, da es sich zwar um eine bundesrechtliche Fr ist, jedoch nicht um eine gesetzli- che Frist handelt (J OSEF HOFSTETTER /C HRISTOPH THURNHERR , in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar Zivilgesetzbuch II, Basel 2011, N 36 zu Art. 839/840 ZGB; R AINER SCHUHMACHER , Das Bauhandwerkerpfandrecht, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, § 31 N 1487). 3.3 Im vorliegenden Fall wurde die provisorische Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts am 15. Februar 2011 bewilligt und gleichzeitig eine Frist zur Klageeinreichung für die definitive Eintragung bis zum 15. März 2011 angesetzt, mit dem Hi nweis, dass wenn die Klage innert Frist nicht anhängig gemacht wird, das provisorische Bauh andwerkerpfandrecht wieder ge- löscht wird. Somit stellt der Richter die Wirkung der V ormerkung zeitlich genau fest und setzt dem Kläger eine Frist zur Klageanhebung, die als bundesrechtlich erstreckbare Verwirkungsfrist qualifiziert wird. Der Kläger reichte einen auf 15. März 2011 datierten, aber bereits am 14. März 2011 eingegangenen Fristerstreckungsantrag ein. Diesem Antrag wurde am 15. März 2011 ent- sprochen und die Frist vorperemptorisch bis zum Samstag 30. April 2011 erstreckt. Gestützt auf ein weiteres Gesuch vom Montag 2. Mai 2011 wurde die Frist peremptorisch bis zum 20. Juni 2011 erstreckt. Aufgrund der als erstreckbar qualifizierte n richterlichen Frist war die gewährte Fristerstreckung zulässig und die mit Datum vom 17. Juni 2011 eingereichte Klage auf definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts erfolgte somit fristgerecht. Das Verfahren ist daher nicht vorzeitig abzuschreiben und die Beschwerde abzuweisen. 4.1 Da die Beschwerde abzuweisen ist, hat der Beschwerdeführe r als unterliegende Partei gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO die Prozesskosten zu tragen. Di e Gerichtsgebühr wird in Anwen- dung von § 9 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (Gebührentarif, GebT, SGS 170.31) auf CHF 300.00 festgesetzt. 4.2 Ausserdem hat der unterliegende Beschwerdeführer dem Beschwerdegegner eine Partei- entschädigung zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Da d er Rechtsvertreter des Beschwerde- gegners keine Honorarnote eingereicht hat, ist die Parteientschädigung von Amtes wegen nach Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ermessen festzusetzen (§ 18 Abs. 1 der Tarifordnung für d ie Anwältinnen und Anwälte, SGS 178.112). Da es sich um fünf Parallelfälle mit inh altlich gleichlautenden Rechtsschriften handelt, und die Beschwerdeantwort nicht sehr aufwän dig war, erscheint eine Parteientschädi- gung von 2 Stunden à CHF 250.00 zuzüglich Auslagen von CHF 20.00 zuzüglich Mehr- wertsteuer, insgesamt somit CHF 561.60 (inklusive Auslag en und Mehrwertsteuer) pro Verfah- ren als angemessen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen und der Zwische nentscheid des B e- zirksgericht Liestal vom 2. September 2011 bestätigt. 2. Die Gerichtsgebühr in Höhe von CHF 300.00 wird dem Beschwerdefü h- rer auferlegt. 3. Der Beschwerdeführer hat dem Beschwerdegegner für das Beschwe r- deverfahren eine Parteientschädigung von CHF 500.00 zu züglich Au s- lagen von CHF 20.00 sowie 8% Mehrwertsteuer, insgesamt somit CHF 561.60 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin i.V. Nathalie Aebischer