B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4541/2011 U r t e i l v o m 1 7 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Walter Stöckli, Richter Markus König, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien 1. A._______, Geburtsdatum unbekannt, 2. B._______, Geburtsdatum unbekannt, 3. C._______, Geburtsdatum unbekannt, 4. D._______, Geburtsdatum unbekannt, 5. E._______, Geburtsdatum unbekannt, 6. F._______, Geburtsdatum unbekannt, Pakistan, p.A. Schweizerische Vertretung in Islamabad Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung vom 7. März 2011 / N (…). E-4541/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit englischsprachiger Eingabe vom 8. Dezember 2009 an das BFM (Eingang 29. Dezember 2009) ersuchte der Beschwerdeführer 1 für sich und seine Familie (Beschwerdeführende 2 bis 6) um Asyl in der Schweiz nach. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, er und seine Familie wür- den in G._______, Belutschistan leben. Ihre Vorfahren würden aus Os t- punjab, dem heutigen Indien stammen und seien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach G._______ gezogen. Seit mehreren Jahren gebe es diverse Organisationen, welche eine feindliche Einstellung zu den pun- jabischen Siedlern hätten, obschon sie seit Generationen dort leben wü r- den. Aktuell sei es zu einer Reihe von gezielten Tötungen ("target ki l- lings") von Siedlern gekommen, darunter Dozenten, Lehrer und andere Personen, die entweder aus dem indischen oder pakistanischen Punjab stammen würden. Dies habe zur Vertreibung von punjabischen Siedlern und rund 120 Dozenten respektive Universitätsprofessoren geführt. In G._______ würden Flugblätter verteilt, in welchen Personen mit punjab i- scher Herkunft angedroht werde, dass sie mit schwerwiegenden Kons e- quenzen zu rechnen hätten, falls sie Belutschistan nicht verlassen wü r- den. Es sei zu verschiedenen Zwischen fällen in und um G._______ ge- kommen, und das Leben des Beschwerdeführers und seiner Familie sei nicht mehr sicher. Man würde ihnen in G._______ auch keinen Schutz gewähren. Aus diesen Gründen würden der Beschwerdeführer und seine Familie gerne in die Schweiz kommen, um ein friedliches Leben führen zu können. Gleichzeitig wurden eine Aufstellung der Familienmitglieder und verschie- dene Zeitungsartikel in Kopie eingereicht. B. Mit Schreiben vom 27. Januar 2010 gab das BFM durch Vermittlung der Schweizerischen Botschaft in Islamabad den Beschwerdeführenden G e- legenheit, ihre aktuelle persönliche Situation darzulegen und allfällige neue Gesuchsgründe einzubringen. Gleichzeitig wurde ihnen mitgeteilt, dass es die Aktenlage erlaube, ohne Durchführung einer Befragung ü ber ihr Gesuch zu entscheiden. Die Beschwerdeführenden haben auf das Schreiben nicht geantwortet. E-4541/2011 Seite 3 C. Mit Verfügung vom 7. März 2011 verweigerte das BFM die Einreise der Beschwerdeführenden in die Schweiz und lehnte die Asylgesuche ab. Die in deutscher Sprac he abgefasste Verfügung wurde den Beschwerdefü h- renden gemäss Bestätigung von TCS Services (Delivery Confirmation; Anhang zu Akte A9) am 15. April 2011 zugestellt. D. Mit Eingabe vom 18. April 2011 (Eingang Schweizerische Botschaft in I s- lamabad: 21. April 201 1), durch die Botschaft am 10. Mai 2011 an das BFM übermittelt, ersuchten die Beschwerdeführenden um Übersetzung der vorinstanzlichen Verfügung ins Englische. E. Das BFM ersuchte die Botschaft mit Mail vom 8. Juni 2011 darum, den Beschwerdeführenden mitzuteilen, dass sie für die Übersetzung der vor - instanzlichen Verfügung selber besorgt sein müssten. Zudem wurde die Botschaft darum gebeten, die Beschwerdeführenden über den negativen Einreiseentscheid und die Möglichkeit einer Beschwerde an das Bunde s- verwaltungsgericht zu orientieren. F. Mit Schreiben vom 24. Juni 2011 teilte die Schweizerische Vertretung in Islamabad den Beschwerdeführenden in englischer Sprache mit, dass sie selber für die Übersetzung der Verfügung des BFM besorgt sein müssten. Gleichzeitig wies sie auf die Beschwerdemöglichkeit hin. G. Mit Eingabe vom 14. Juli 2011 (Eingang Botschaft in Islamabad: 25. Juli 2011) erhoben die Beschwerdeführenden (in englischer Sprache) B e- schwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung. H. Mit Begleitbrief vom 29. Jul i 2011 übermittelte die Schweizerische Vertre- tung die Beschwerde dem Bundesamt (Eingang: 8. August 2011), we l- ches die Unterlagen dem zur Prüfung und Behandlung zuständigen Bu n- desverwaltungsgericht weiterleitete (Eingang: 18. August 2011). I. Am 15. Februar 2012 erkundigte sich das BFM auf Anfrage der zuständ i- gen Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts bei der Schwe i-E-4541/2011 Seite 4 zerischen Vertretung in Islamabad per E-Mail nach dem Verbleib des sei- nerzeitigen Begleitschreibens der Botschaft vom 11. April 2011. J. Die Schweizerische Vertretung übermittelte eine Kopie dieses Begleitbrie- fes gleichentags dem BFM (Eingang BFM: 24. Februar 2012), das diesen am 8. März 2012 dem Bundesverwaltungsgericht weiterleitete. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung d er vorliegenden Be- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersu- chens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden die Beschwerdefrist (vgl. Art. 50 VwVG) eingehalten haben. Dazu sind vorweg folgende Fest- stellungen zu machen: 1.3.1 Aus der an die Schweizerische Vertretung in Islamabad gerichtete Eingabe der Beschwerdeführenden vom 18. April 2011 geht hervor, dass sie ein Schreiben ("letter") der Botschaft vom 11. April 2011 zusammen mit einem Brief ("letter") des BFM erhalten haben. Da Letzterer nicht in den Akten war, ersuchte die zuständige Instruktionsrich terin des Bundes- verwaltungsgerichts das Bundesamt am 10. Februar 2012 telefonisch um E-4541/2011 Seite 5 dessen Zustellung. Am 8. März 2012 (Eingang) wurde es dem Bundes- verwaltungsgericht übermittelt. Den nun vorliegenden Unterlagen kann entnommen werden, dass die Botschaft den Beschwerdeführenden mit auf Englisch verfasstem Be- gleitbrief vom 11. April 2011 die Verfügung des BFM vom 7. März 2011 ("letter of the EJPD/BFM dated 07.03.2011") übermittelt hat mit der Au f- forderung, den Zustellschein ("delivery slip") mit Datum und U nterschrift an die Botschaft zurückzusenden. In der Folge haben sich die Beschwer- deführenden mit Schreiben vom 18. April 2011 bei der Botschaft (Ein- gang: 21. April 2011) implizit nach dem Inhalt des Schreibens ("letter") des BFM vom 7. März 2011 erkundigt, indem sie deren Übersetzung b e- antragten. Die Eingabe wurde von der Botschaft am 10. Mai 2011 an das BFM übermittelt. In der Folge ersuchte das BFM die Botschaft mit E-Mail vom 8. Juni 2011 darum, den Beschwerdeführenden mitzuteilen, dass sie für die Übers etzung der vorinstanzlichen Verfügung selber besorgt sein müssten. Gleichzeitig wurde die Botschaft darum gebeten, die Beschwe r- deführenden über den negativen Einreiseentscheid und die Möglichkeit einer Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zu orientie ren. Die Botschaft machte die Beschwerdeführenden mit auf Englisch abgefas s- tem Schreiben vom 24. Juni 2011 auf die Rechtsmittelbelehrung in der Verfügung des BFM aufmerksam . Schliesslich erhoben die Beschwerd e- führenden mit Eingabe vom 14. Juli 2011 (Eingan g Botschaft in Islam a- bad: 25. Juli 2011) (in englischer Sprache) Beschwerde gegen die vor - instanzliche Verfügung. 1.3.2 Gestützt auf das soeben Erwähnte stellt sich prioritär die Frage, ob den Beschwerdeführenden die vorinstanzliche Verfügung rechtsgenüglich eröffnet wurde. Vorweg ist festzustellen, dass mit der ordnungsgemässen Zustellung die Rechtsmittelfrist zu laufen beginnt; die Eröffnung ist grund- sätzlich Voraussetzung für die Gültigkeit einer Verfügung (vgl. JÜRG STA- DELWIESER, Die Eröffnung von Verfügungen, St. Gallen 1994, S. 10). Ge- mäss Art. 38 VwVG darf den Parteien aus einer mangelhaften Eröffnung kein Nachteil erwachsen. Dies stellt einen allgemeinen Grundsatz des ö f- fentlichen Prozessrechts dar, der aus dem in Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV enthaltenen Pr inzip von Treu und Glauben abgeleitet wird (vgl. FELIX UHLMANN / ALEXANDRA SCHWANK, zu Art. 38 VwVG, in: Bernhard Wal d- mann / Philippe Weissenberger [Hrsg]: Praxiskommentar zum Bundesg e- setz über das Verwaltungsverfahren, Zürich, Basel, Genf, 2009, Rz. 1, S. 822; LORENZ KNEUBÜHLER, zu Art. 38 VwVG, in: Christoph Auer / Markus Müller / Benjamin Schindler [Hrsg.]: Kommentar zum Bundesgesetz über E-4541/2011 Seite 6 das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen, 2008, Rz. 1, S. 527; BGE 129 II 125 E. 3.3). Das Prinzip von Treu und Glauben verschafft den Bürgerinnen und Bürgern einen Anspruch auf Schutz berechtigten Ve r- trauens in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwa r- tungen begründendes Verhalten, sofern sich dieses auf eine konkrete, die betreffende Person berührende Angelegenheit bezieht (vgl. BGE 130 I 60 E. 8.1, 129 I 161 E. 4.1 ). Aufgrund des Vertrauensschutzes hat die Ve r- waltung insbesondere jegliche Verhaltens weise zu unterlassen, die g e- eignet wäre, die Betroffenen zu täuschen. Hauptsächliche Rechtsfolge des Vertrauensschutzes ist die Bindung des Staates an die geschaffene Vertrauensgrundlage. Im vorliegenden Zusammenhang bedeutet dies, dass ein Rechtsmittel trotz Mängeln – typischerweise Verspätung – als gültig anerkannt wird (vgl. KNEUBÜHLER, zu Art. 38 VwVG, a.a.O., Rz. 2, S. 527). 1.3.3 Die mangelhafte Eröffnung umfasst alle formellen Fehler in der Aus- fertigung und Bekanntgabe einer Verfügung (UHLMANN / SCHWANK, zu Art. 38 VwVG, a.a.O., Rz. 2). Welche Folge ein Eröffnungsfehler hat, lässt sich nicht generell umschreiben, sondern muss durch eine Interessena b- wägung zwischen dem Rechtsschutzinteresse des von einem Mangel Be- troffenen und dem Interesse an Rechtssicherheit (Gewissheit über den Eintritt der Rechtskraft) bestimmt werden. Gemäss der Rechtsprechung ist dem Rechtsschutzinteresse Genüge getan, wenn eine objektiv ma n- gelhafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht. Es ist im Ein- zelfall zu prüfen, ob die betroffene Person durch den gerügten Eröf f- nungsmangel tatsächlich irregeführt und dadurch ben achteiligt worden ist (vgl. BGE 122 V 189 E. 2; BGE 122 I 97 E. 3a/aa, u.a.). Die Mangelhaf- tigkeit der Eröffnung hat also nur Folgen, wenn die Betroffenen deswegen erstens einem Irrtum unterliegen und wenn sie zweitens infolge dieses Irr- tums einen Nachteil erleiden (vgl. ALFRED KÖLZ / ISABELLE HÄNER, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Rz. 364, S. 131, 2. Auflage, Zürich, 1998; m.H.). Andererseits dürfen die Verfü- gungsadressatinnen und –adressaten keine Mitverantwortung an der mangelhaften Einreichung des Rechtsmittels tragen (vgl. KNEUBÜHLER, zu Art. 38 VwVG, a.a.O., Rz. 5, S. 529) und sie alles ihnen Zumutbare zur Behebung des Eröffnungsmangels ab Kenntnisnahme unternommen h a- ben, um sich auf einen Erö ffnungsfehler berufen zu können (vgl. UHL- MANN / SCHWANK, zu Art. 38 VwVG, a.a.O., Rz. 8, S. 824). Es wird von ei- ner Partei erwartet, dass sie ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme vom Eröffnungsmangel innert zumutbarer Frist die ordnungsgemässe Eröf f- nung verlangt oder Beschwerde führt. Die zumutbare Frist entspricht nicht E-4541/2011 Seite 7 zwingend der Rechtsmittelfrist; vielmehr wird auf die Umstände des Ei n- zelfalls abgestellt (Urteile EVG I 565/02 vom 6. Mai 2003, E. 3.1 m.w.H., und I 598/01 vom 6. August 2002, E. 2.2). Sind die se Voraussetzungen gegeben, findet Art. 38 VwVG An wendung (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER, zu Art. 38 VwVG, a.a.O., Rz. 13, S. 533). Die von Art. 38 VwVG vertrauen s- rechtlich geschützte Disposition liegt normalerweise darin, dass eine B e- schwerde nicht oder in prozessrechtlich fehlerhafter Wei se eingereicht wird. Die Folge des Vertrauensschutzes muss also primär darin liegen, das mängelbehaftete Rechtsmittel als formgültig zu anerkennen. 1.3.4 Vorliegend ist die Eröffnung der Verfügung des BFM vom 7. März 2011 mit unpräzisen Angaben im Schreiben der Botschaft vom 11. April 2011 behaftet. So bezeichnete die Botschaft die Verfügung des BFM in ih- rem Begleitschreiben als "letter", was bewirkte, dass das Do kument für die Beschwerdeführenden nicht als Verfügung erkennbar war. D ie B e- schwerdeführenden wurden dadurch in die Irre geführt. Ob deshalb von einer mangelhaften Eröffnung der Verfügung vom 7. März 2011 auszug e- hen ist, kann offen bleiben. Indessen darf aufgrund der Vertrauensgrun d- lage, die durch das auf Englisch verfasste Schreiben der Botschaft g e- schaffen wurde, indem die Zustellung der Verfügung des BFM lediglich als Brief angekündigt wurde, den Beschwerdeführenden nicht zum Nac h- teil gereichen, dass sie diesen nicht als Verfügung erkennen konnten und so ihr Rechtsmittel verspätet einreichten. Dies ums o weniger, als sie sich bereits am 18. April 2011 in einem Schreiben an die Botschaft (implizit durch das Verlangen einer Übersetzung) nach dem Inhalt des "letters" er- kundigten und wohl im Vertrauen darauf, dass die Botschaft ihnen rasch eine Antwort zukom men lassen würde – was ihnen eine Beschwerdee r- hebung innert Frist ermöglicht hätte –, mit weiteren Schritten zuwarteten. Folglich kann ihnen keine prozessuale Unsorgfalt vorgeworfen werden (vgl. E. 1.3.3 hievor). Die Beschwerdeführenden haben schliesslich, nachdem ihnen die Bo t- schaft am 24. Juni 2011 unter Hinweis auf die Rechtmittelbelehrung im letzten Paragraph sinngemäss mitgeteilt hat, dass es sich bei der Eing a- be des BFM vom 7. März 2011 um eine Verfügung ("decision") handle (vgl. Bst. I und J), am 14. Juli 2011 gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde erhoben. Daraus folgt, dass die Beschwerdeeingabe (Ei n- gang Botschaft: 25. Juli 2011) unter dem Aspekt des Vertrauensschutzes als fristgerecht anzuerkennen ist. E-4541/2011 Seite 8 1.4 Die Beschwerdeführenden haben am Verf ahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung und sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.5 Schliesslich ist festzustellen, dass die Beschwerde nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst ist. Jedoch kann auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung aus prozessökonomischen Gründen verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Beschwerd e- eingabe genügend klare Rechtsbegehren und deren Begründung zu en t- nehmen ist und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. 1.6 Somit ist auf die frist - und – bis auf den sprachlichen Mangel – form- gerecht eingereichte Beschwe rde einzutreten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG). Indessen ergeht der vorliegende En t- scheid in deutscher Sprache (Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG; vgl. E. 4 hienach). 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die un richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Die Beschwerdeführenden ersuchen zunächst darum, den Beschwer- deentscheid in französischer Sprache abzuhandeln. 4.2 Art. 33a Abs. 1 VwVG bestimmt, dass das Verwaltungsverfahren in einer der vier Amtssprachen der Schweiz (Deutsch, Französisch, Itali e- nisch, Rumantsch Grischun) geführt wird, in der Regel in der Sprache, in der die Parteien ihre Begehren gestellt haben. Dasselbe sieht Art. 54 Abs. 1 BGG (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG) für das Beschwerdeverfahren vor, wobei jenes in der Regel in der Sprache des angefochten en Entscheids geführt wird. Verwenden die Parteien eine andere Amtssprache, so kann das Verfahren in dieser Sprache geführt werden. E-4541/2011 Seite 9 4.3 Die Entgegennahme von Beschwerden in englischer Sprache – so- weit diese verständliche Anträge und Begründungen enthalten – kann sich aus prozessökonomischen Gründen rechtfertigen, eine Verpflichtung dazu besteht jedoch nicht. Hinsichtlich der Verfahrensführung – und damit auch der Redaktion der Entscheide durch das BFM und das Bundesve r- waltungsgericht – bestehen mit Art. 33a VwVG und Art. 54 BGG aber kla- re Regelungen. Der vorliegende Entscheid ist deshalb ebenfalls in deu t- scher Sprache zu verfassen. 5. 5.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch bei einer schwe i- zerischen Vertretung im Ausland gestellt werden. Diese führt mit der asyl- suchenden Person in der Regel eine Befragung durch. Ist dies nicht mög- lich, hat sie die Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhal- ten (Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahren s- fragen [AsylV 1, SR 142.311]). Neb en organisatorischen oder kapazität s- mässigen Engpässen kann sich eine Befragung auch erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als rechtsgenüglich erstellt erscheint. Diesfalls ist der asylsuchenden Person das rechtlich e Gehör zu gewähren. Der Verzicht auf eine Befragung ist vom BFM zu begründen (vgl. BVGE 2007/30, E. 5). 5.2 Vorliegend wurde auf die Durchführung einer Befragung durch die schweizerische Vertretung in Islamabad verzichtet (vgl. Akte A5), weil das BFM nach Prü fung der Akten zum Schluss gelangte, der entscheidrel e- vante Sachverhalt sei bereits aufgrund der schriftlichen Begründung der Asylgesuche und der eingereichten Beweismittel als erstellt zu erachten. Über diesen Beschluss wurden die Beschwerdeführenden mit Schreiben des BFM vom 27. Januar 2010 in Kenntnis gesetzt, wobei sie – zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs – vom BFM gleichzeitig zur Stellun g- nahme eingeladen wurden. Dabei wurde ihnen vom BFM eröffnet, dass eine Abweisung der Asylgesuche in Erwägung gez ogen werde, unter gleichzeitiger Bekanntgabe der entsprechenden Gründe (kein notwend i- ger Schutz im asylrechtlichen Sinn). Die Beschwerdeführenden haben keine Stellungnahme eingereicht. Vor dem Hintergrund der massgeblichen Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus dem Ausland und zur Einreisebewilligung sowie unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage ist festzustellen, dass in vo r- liegender Sache auf eine Befragung der Beschwerdeführenden verzichtet E-4541/2011 Seite 10 werden durfte und dass mit der Einladung zur St ellungnahme vom 27. Januar 2010 den massgeblichen verfahrensrechtlichen Anforderu n- gen Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30, E 5.6 ff.). 6. 6.1 Es ist weiter zu prüfen, ob das BFM den Beschwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert und i hre Asylgesuche abge- lehnt hat, weil sie keiner Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausg e- setzt und damit nicht schutzbedürftig seien. 6.2 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubh aft machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Woh n- sitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszure i- sen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz - und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächt i- gen, Asylsuchende n die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebewilligung sind grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat , die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschla g- gebend ist mit anderen W orten die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen, mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufen t- haltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. dazu BVGE 2011/10 E.3.3). 7. 7.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, der Konflikt zwischen der Zentralregierung in Pakistan und lokalen E-4541/2011 Seite 11 Machthabern in der Provinz Belutschistan sei im Jahre 2006 nach dem Tod des Stammesführer s Nawab Akhbar Khan Bugti, dem ehemaligen Gouverneur und Chefminister von Belutschistan eskaliert. Seither sei es seitens lokaler militanter Nationalisten regelmässig zu gezielten Übergri f- fen auf unbeteiligte Siedler respektive zu ihrer Ermordung gekommen, was zu Vergeltungsmassnahmen seitens der Zentralregierung geführt habe. Dabei sei der pakistanische Staat selber an der Besiedlung von Be- lutschistan durch Siedler aus dem Punjab, an der Besetzung von Schlü s- selpositionen durch dieselben wie auch an einer S chwächung nationalis- tischer Bewegungen und Gruppierungen Belutschistans interessiert. Er sei grundsätzlich als schutzwillig und schutzfähig einzuschätzen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden Übergriffe durch militante Gruppierunge n und unbekannte Drittpersonen der Polizei melden könnten, und dass der pakistanische Staat seine Schutzpflicht im Rahmen des Möglichen wahrnehme. Im Einzelfall könne es zwar durc h- aus vorkommen, dass die Schutzgewährung unterbleibe oder nicht in ausreichendem Mass gewährt werde. Eine faktische Garantie des Schutzgewährens für langfristigen individuellen Schutz der bedrohten Personen könne nicht verlangt werden. Keinem Staat gelinge es, die a b- solute Sicherheit aller seiner Bürger jederzeit und überall zu gar antieren. Von den in Belutschistan seitens der Zentralregierung eingesetzten Sicherheitskräften könne beispielsweise nicht erwartet werden, dass sie jeder Person, die einen gewissen Gefährdungsgrad aufweise, einen u m- fassenden Personenschutz zukommen lasse. Aus diesen Gründen seien die von den Beschwerdeführenden befürchteten Übergriffe seitens mil i- tanter nationalistischer Belutschen nicht einreisebeachtlich. Im Weiteren sei den Beschwerdeführenden gestützt auf die in der Verfassung Paki s- tans verankerte Nied erlassungsfreiheit zumutbar, sich allfälligen in Z u- kunft befürchteten radikalen Vertreibungsmassnahmen in Belutschistan mittels Verlegung ihres Wohnsitzes in eine andere Provinz Pakistans zu entziehen, um dort ein ungestörtes Leben zu führen. Die Grundlage n für den Aufbau einer neuen Existenz ausserhalb Belutschistans sei insofern gegeben, als jedes Mitglied der Familie der Beschwerdeführenden über eine hervorragende abgeschlossene Ausbildung verfüge oder sie gerade durchlaufe, und mehrere Familienmitgliede r über Berufserfahrungen ve r- fügten. Zudem hätten sie geltend gemacht, dass sie das Geld für die Re i- se in die Schweiz aufbringen könnten, womit diese finanziellen Mittel auch bei der Erschaffung einer neuen Lebensgrundlage an einem and e- ren Ort in Pakistan zur Verfügung stehen würden. E-4541/2011 Seite 12 7.2 Die Beschwerdeführenden führten demgegenüber in ihrer Beschwe r- de aus, aufgrund der unsicheren Situation sei es für sie schwierig, in i h- rem Heimatstaat weiter zu leben. Demgegenüber würde die Schweiz von ihrem hiesigen Aufenthalt profitieren. 8. 8.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass in den vorgebrachten Schilderungen der Beschwerdefü h- renden keine Asylgründe im Sinne von Art. 3 AsylG vorhanden sind. Es besteht auch keine Veranlassung, die Erwägungen des Bundesamtes zu beanstanden. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann daher vorab auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwi e- sen werden. Die Beschwerdeführenden vermögen der Argumentation der Vorinstanz auch nichts entgegenzusetzen. Vielmehr beschränken sie sich auf die Aussage, wonach die Situation in ihrem Heimatstaat unsicher und es für sie schwierig sei, dort weiter zu leben, ohne konkrete Hinweise auf irgendeinen individuell zugefügten Nachteil oder eine akute gezielte Ge- fahr für sie selber darzutun. Auch können den Akten keine Hinweise für eine künftige, asylrelevante Verfolgung und eine damit einhergehende, begründete Verfolgungsfurcht entnommen werden. 8.2 Im Anschluss an die obgenannten Ausführungen ist zusammenfas- send festzustellen, dass die Beschwerdeführenden in Pakistan nicht akut gefährdet sind. Die Schutzbedürftigkeit der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 20 i.V.m Art. 3 AsylG ist mithin als nicht gegeben zu qualifi- zieren. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die E inreise der Beschwerd e- führenden verweigert und ihre Asylgesuche abgewiesen. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerd e- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Aus verwaltung s- ökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem E-4541/2011 Seite 13 Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist im vorliegenden Falle allerdings auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-4541/2011 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden , das BFM und die Schweizerische Vertretung in Islamabad. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand: