<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 120 S.444</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>120 Gültigkeitsdauer einer Baubewilligung; Projektänderungen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Der Baubeginn muss innerhalb der Gültigkeitsdauer einer Baubewil-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ligung erfolgen; hernach dauert die Geltung der Baubewilligung aber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>grundsätzlich bis zur Bauvollendung fort.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Bei wesentlichen Projektänderungen müssen diese innert zweier</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Jahre nach Rechtskraft des Projektänderungsentscheides in Angriff</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>genommen werden; bei Projektänderungen untergeordneter Natur</b></span><br/> <span class="ft2"><b>unterbricht der Projektänderungsentscheid die bereits für die ur-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprüngliche Bewilligung laufende Frist nicht bzw. der Baubeginn des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Hauptvorhabens gilt auch als Baubeginn für die Projektänderung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2c).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 22. September 2004 i.S. F.F.</span><br/> <span class="ft3">gegen Baudepartement und Gemeinderat S.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Die Koordinationsstelle Baugesuche des Baudepartemen-</span><br/> <span class="ft1">tes hat die Abweisung des Baugesuchs im Wesentlichen damit be-</span><br/> <span class="ft1">gründet, dass eine Abbaubewilligung nach kantonaler Praxis nicht</span><br/> <span class="ft1">"auf Vorrat" erteilt werden könne; eine erteilte Bewilligung erlösche</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 65 BauG denn auch bei Nichtgebrauch innert 2 Jahren seit</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft. (</span><span class="ft5">...)</span><br/> <span class="ft5">b) (...)</span><br/> <span class="ft1">c) Als nicht zutreffend erweist sich aber auch die Rechtsauffas-</span><br/> <span class="ft1">sung des Baudepartementes sowie der Beschwerdegegnerin, dass im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Fall die auf 2 Jahre beschränkte Gültigkeitsdauer einer</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung gemäss § 65 Abs. 1 BauG es verbietet, bereits im</span><br/> <span class="ft1">heutigen Zeitpunkt eine Bewilligung zu erteilen, nachdem der zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich beantragte Kiesabbau voraussichtlich erst im Jahre 2012</span><br/> <span class="ft1">stattfinden soll. Wohl ist richtig, dass Baubewilligungen wegen ihrer</span><br/> <span class="ft1">beschränkten Gültigkeitsdauer nicht "auf Vorrat" erteilt werden dür-</span><br/> <span class="ft1">fen. Dies einerseits aus Gründen des öffentlichen Interesses: Das öf-</span><br/> <span class="ft1">fentliche Baurecht unterliegt oftmals starken Änderungen und es be-</span><br/> <span class="ft1">steht daher ein Bedürfnis, nach einer gewissen Zeit Klarheit zu ha-</span><br/> <span class="ft1">ben, ob das Bauvorhaben verwirklicht wird oder nicht bzw. ob es</span><br/> <span class="ft1">wieder frei beurteilt werden darf, ohne Bindung an die engen wider-</span><br/> <span class="ft1">rufsrechtlichen Schranken gemäss § 26 Abs. 1 des Gesetzes über die</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflege vom 9. Juli 1968 (VRPG). Andererseits</span><br/> <span class="ft1">sprechen auch nachbarschützerische Gründe gegen eine Baubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungserteilung "auf Vorrat": Die Nachbarn haben einen Anspruch,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">446</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einmal endgültig zu wissen, was auf den Baugrundstücken tatsäch-</span><br/> <span class="ft1">lich geschieht. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Bauvorhaben in-</span><br/> <span class="ft1">nerhalb der zweijährigen Geltungsdauer vollendet sein müssen; ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Lehre und Praxis ist - obwohl gesetzlich nicht geregelt - die</span><br/> <span class="ft1">Frist mit dem rechtzeitigen Baubeginn eingehalten, und hernach</span><br/> <span class="ft1">dauert die Geltung der Baubewilligung grundsätzlich weiter bis zur</span><br/> <span class="ft1">Bauvollendung (vgl. AGVE 1997 S. 147 f. mit zahlreichen Hinwei-</span><br/> <span class="ft1">sen). Freilich mag dies aus den dargelegten öffentlichen und nach-</span><br/> <span class="ft1">barschützerischen Interessen insbesondere bei Vorhaben, die sich -</span><br/> <span class="ft1">wie der Kiesabbau - naturgemäss über einen Zeitraum von mehreren</span><br/> <span class="ft1">Jahren hinziehen, kaum zu befriedigen; die Praxis trägt diesem Um-</span><br/> <span class="ft1">stand damit Rechnung, dass in den entsprechende Bewilligungen zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich der Zeitpunkt der Vollendung verfügungsmässig festgelegt</span><br/> <span class="ft1">wird, wie dies auch im vorliegenden Fall in der Kiesabbaubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung vom 24. Oktober 1996 geschehen ist.</span><br/> <span class="ft1">Beabsichtigt nun eine Bauherrschaft bereits vor Baubeginn bzw.</span><br/> <span class="ft1">während der Bauausführung, von den bewilligten Plänen abzuwei-</span><br/> <span class="ft1">chen, bedarf diese Änderung wiederum der Bewilligung durch die</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Behörden. Dies hat indessen nicht automatisch zur Kon-</span><br/> <span class="ft1">sequenz, dass für eine solche Bewilligung wieder eine neue Frist ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss § 65 Abs. 1 BauG zu laufen beginnt. Vielmehr ist diese Frage</span><br/> <span class="ft1">nach Massgabe der Bedeutung der Änderung im Vergleich zur bishe-</span><br/> <span class="ft1">rigen Bewilligung zu entscheiden: Handelt es sich um eine wesent-</span><br/> <span class="ft1">liche Änderung, ist als (neuer) Anfangszeitpunkt der Geltungsdauer</span><br/> <span class="ft1">die formelle Rechtskraft des Projektänderungsentscheids zu erachten</span><br/> <span class="ft1">und die Ausführung des geänderten Projektes ist innerhalb der näch-</span><br/> <span class="ft1">sten zwei Jahre in Angriff zu nehmen (vgl. hiezu auch VGE vom ...);</span><br/> <span class="ft1">handelt es sich dagegen um eine Änderung untergeordneter Natur,</span><br/> <span class="ft1">unterbricht der Projektänderungsentscheid eine bereits laufende Frist</span><br/> <span class="ft1">nicht bzw. der Baubeginn des Hauptvorhabens gilt auch als Baube-</span><br/> <span class="ft1">ginn für die Projektänderung. Mit andern Worten hängt von der Be-</span><br/> <span class="ft1">deutung der Änderung ab, ob die Änderungsbewilligung ein eigenes</span><br/> <span class="ft1">rechtliches "Schicksal" hat oder dieses mit der bereits früher erteilten</span><br/> <span class="ft1">Bewilligung des Hauptvorhabens teilt.</span><br/> <span class="ft1">Dass es sich im vorliegenden Fall nun tatsächlich um eine Pro-</span><br/> <span class="ft1">jektänderung und nicht - wie das Baudepartement und die Beschwer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">degegnerin annehmen - um ein separates, neues Abbaugesuch han-</span><br/> <span class="ft1">delt, ergibt sich aus dem engen Konnex mit dem 1996 bewilligten</span><br/> <span class="ft1">Kiesabbau. Insbesondere die vom Baudepartement selbst vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommene Verknüpfung mit dem Etappenplan der Kiesabbaubewilli-</span><br/> <span class="ft1">gung vom 24. Oktober 1996 führt zwingend zu diesem Schluss.</span><br/> <span class="ft1">Wäre dem nämlich nicht so, könnte dem Beschwerdeführer - wie er</span><br/> <span class="ft1">zu Recht ausführt - nicht verwehrt werden, das zusätzliche Abbau-</span><br/> <span class="ft1">volumen bereits heute und nicht erst im Rahmen der bereits bewil-</span><br/> <span class="ft1">ligten Kiesabbauetappe 15b abzubauen; mit der per 1. Januar 2001</span><br/> <span class="ft1">erfolgten Aufhebung des Dekrets über den Abbau von Steinen und</span><br/> <span class="ft1">Erden (Abbaudekret) vom 19. August 1980 besteht das Verbot, im</span><br/> <span class="ft1">gleichen Gebiet an mehreren Stellen gleichzeitig abzubauen, nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr. An der Charakterisierung als blosser Projektänderung nichts zu</span><br/> <span class="ft1">ändern vermögen die von der Abteilung für Umwelt vorgebrachten</span><br/> <span class="ft1">Argumente, dass der zusätzliche Abbau ausserhalb der seinerzeit be-</span><br/> <span class="ft1">willigten Abbaukubatur bzw. des seinerzeit bewilligten Abbauperi-</span><br/> <span class="ft1">meters erfolgen soll und der Beschwerdeführer ein formelles Bewil-</span><br/> <span class="ft1">ligungsgesuch eingereicht hat. Einerseits ist zu berücksichtigen, dass</span><br/> <span class="ft1">nicht eine Ausdehnung des Abbauperimeters in ein neues, bis anhin</span><br/> <span class="ft1">vom Kiesabbau "unberührtes" Gebiet geplant ist; vielmehr handelt es</span><br/> <span class="ft1">sich im Grunde genommen um eine Reduktion des aufgrund der bis-</span><br/> <span class="ft1">herigen Sicherheitsvorschriften des Eidg. Rohrleitungsinspektorates</span><br/> <span class="ft1">ausgesparten Bereichs entlang der Hochdruckgasleitungen, welche</span><br/> <span class="ft1">die vom Kiesabbau ohnehin betroffenen Parzellen durchqueren.</span><br/> <span class="ft1">Andererseits kann nicht der verfahrensrechtliche Weg, den ein Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchsteller einschlägt, sondern nur der Inhalt eines Gesuchs massge-</span><br/> <span class="ft1">bend sein für die Qualifikation als selbständig zu beurteilendes Ge-</span><br/> <span class="ft1">such bzw. als Projektänderung; zu Recht macht denn auch der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer geltend, dass sein Bestreben, formell korrekt vorzu-</span><br/> <span class="ft1">gehen, ihm nicht zum Nachteil ausgelegt werden dürfe.</span><br/> <span class="ft1">Die vorliegend zu beurteilende Projektänderung ist nun zwei-</span><br/> <span class="ft1">felsohne von untergeordneter Bedeutung; wie der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">zutreffend festhält, ergibt sich gegenüber der Kiesabbaubewilligung</span><br/> <span class="ft1">vom 24. Oktober 1996 eine Zunahme der Abbaufläche von lediglich</span><br/> <span class="ft1">1.88 % und eine Zunahme der Abbaukubatur von lediglich 2.11 %.</span><br/> <span class="ft1">Von dieser untergeordneten Bedeutung scheint letztlich sogar das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Baudepartement auszugehen, stellt es doch eine Zustimmung zum</span><br/> <span class="ft1">zusätzlich anbegehrten Kiesabbau im Rahmen der Freigabe der Ab-</span><br/> <span class="ft1">bauetappe 15b ohne eigenständiges Abbaugesuch in Aussicht (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Stellungnahme der Abteilung für Umwelt vom ...; Stellungnahme des</span><br/> <span class="ft1">Generalsekretariates des Baudepartementes vom ...); dies ist gemäss</span><br/> <span class="ft1">§ 32 Abs. 1 der Allgemeinen Verordnung zum Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft1">23. Februar 1994 (ABauV) allerdings nur zulässig bei "geringfügigen</span><br/> <span class="ft1">Abweichungen von den bewilligten Plänen". In Fällen der vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Art darf freilich trotz der Geringfügigkeit der Änderung auf eine</span><br/> <span class="ft1">Publikation und öffentliche Auflage nicht verzichtet werden, damit</span><br/> <span class="ft1">betroffene Dritte ihre Interessen wahrnehmen können; dies ist hier</span><br/> <span class="ft1">denn auch geschehen. Angesichts dessen spricht aber nichts dagegen,</span><br/> <span class="ft1">die Bewilligung bereits im heutigen Zeitpunkt im Rahmen eines</span><br/> <span class="ft1">förmlichen Verfahrens zu erteilen; wie dargetan, teilt eine solche Er-</span><br/> <span class="ft1">gänzungsbewilligung wegen ihrer untergeordneten Bedeutung das</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Schicksal der am 24. Oktober 1996 erteilten Kiesabbau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung, von welcher unbestrittenermassen bereits Gebrauch</span><br/> <span class="ft1">gemacht wurde.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>