Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. April 2016 (725 14 10) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Überwiegend wahrscheinlicher Nachweis des vollständige Wegfalls von teilkausalen Un- fallfolgen bei einer Kniedistorsion mittels gericht lichen Obergutachtens. Massgebender Zeitpunkt der Wiedererlangung des Status quo sine. Pflicht zur Kostenübernahme einer als für die Kausalitätsbeurteilung unerlässlichen A bklärungsmassnahme durch den Un- fallversicherer. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Helsana Unfall AG , Recht , Postfach , 8081 Zürich , Beschwerdege g- nerin Betreff Leistungen / Rückweisung (Urteil BG v. 18.1 2.2013) A. Der 1952 geborene A.____ war seit 1981 bei der H elvetia Versicherungen als Kunden- berater tätig und in dieser Eigenschaft bei der Hel sana Unfall AG (Helsana) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 6. Dezember 2009 verdre hte er sich während eines Ferienaufent- halts infolge eines Zusammenstosses das linke Knie und erlitt dabei gemäss Arztschein UVG vom 13. Januar 2010 eine Distorsion bzw. eventuell einen Meniskusschaden. Die Helsana an- erkannte das Ereignis als Unfall und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Am 10. August 2010 erfolgte eine Rückfallmeldung, mit welcher ein e Arbeitsunfähigkeit ab 2. August 2010 gel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tend gemacht wurde. Die Helsana erbrachte gestützt dara uf zunächst weitere Versicherungs- leistungen, stellte diese aber mit Verfügung vom 10. März 2011 unter Verweis auf den Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs per Ende Dezember 2010 ein. Eine dagegen erhobene Einsprache des Versicherten wies die Helsana am 24. November 2011 ab. B. Mit Urteil vom 23. Mai 2013 hiess das Kantonsgericht die dagegen gerichtete Be- schwerde des Versicherten gut und verpflichtete die Helsana , dem Beschwerdeführer die ge- setzlichen Leistungen über den 31. Dezember 2010 hinaus bis auf weiteres zu erbringen. In teilweiser Gutheissung einer dagegen von der Helsana er hobenen Beschwerde hob das Bun- desgericht mit Urteil vom 18. Dezember 2013 das kantonsg erichtliche Urteil auf und wies die Sache zwecks Klärung der Kausalität der Knieproblematik links zur Erstellung eines gerichtli- chen Obergutachtens sowie zur erneuten Entscheidung an das Kantonsgericht zurück. C. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 27. Januar 20 14 ordnete der instruierende Prä- sident des Kantonsgerichts ein gerichtliches Obergutacht en in orthopädischer Fachrichtung bei der B.____ an. Dieses erging am 18. September 2014. D. Der Beschwerdeführer schloss in seiner Stellungnahme vom 2. Oktober 2014 auf Gut- heissung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 18. Okto- ber 2014 fest, dass die Schlussfolgerungen des gerichtlichen Obergutachtens der B.____ sowie die Antworten zum Fragenkatalog nicht verwertbar seien und deshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Anlässlich der Urteilsberatung vom 15. Jan uar 2015 beschloss das Kantonsge- richt, den Fall auszustellen und den Parteien einen ge richtlichen Vergleichsvorschlag zu unter- breiten, welcher in der Folge jedoch nicht zustande kam. E. Anlässlich seiner zweiten Urteilsberatung vom 27. Augu st 2015 beschloss das Gericht eine ergänzende Nachfrage beim Gerichtsgutachter. Die ergänzende Stellungnahme des Ge- richtsgutachters erging am 11. November 2015. In seiner Stellungnahme vom 20. November 2015 hielt der Beschwerdeführer fest, dass die ergänzen den Antworten der B.____ vom 11. November 2015 seinen Standpunkt stützen würden. D ie Beschwerde sei gutzuheissen. Im Kostenpunkt werde beantragt, dass die Beschwerdegegnerin auch die Kosten für die Einholung der gerichtlichen Gutachten zu tragen habe. Die Helsana schloss mit Stellungnahme vom 30. November 2015 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Nachdem das Kantonsgericht die vorliegende Beschwerde mit Urteil vom 23. Mai 2013 gutgeheissen hatte, hat das Bundesgericht die Angelegen heit mit Urteil vom 18. Dezember 2013 zur erneuten materiellen Prüfung an das Kantonsge richt zurückgewiesen. Auf die Be- schwerde ist daher unbestrittenermassen erneut einzutreten. 2.1 Vorab ist noch einmal auf die auch im vorliegende n Verfahren anzuwendenden materi- ellen Bestimmungen sowie Verfahrensgrundsätze hinzuwei sen, wie sie bereits im Urteil des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kantonsgerichts vom 23. Mai 2013 dargelegt worden sind (vgl. a.a.O., E. 2.1 bis 3.3). Ebenfalls ist noch einmal darauf hinzuweisen, dass das rubrizierte Beschwerdeverfahren ausschliesslich die infolge des Ereignisses vom 6. Dezember 2009 erfolg te Schädigung am linken Knie und damit die Frage betrifft, ob der Beschwerdeführer di esbezüglich über den 31. Dezember 2010 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung besitzt. 3. Nachdem das Bundesgericht in seinem Urteil vom 18. De zember 2013 das Kantonsge- richt angewiesen hat, zur Klärung der Kausalität der str ittigen Knieproblematik ein Obergutach- ten anzuordnen (vgl. a.a.O., E. 3.2 a.E.), steht nunme hr das gerichtliche Obergutachten der B.____ vom 18. September 2014 sowie deren ergänzende Stellungnahme vom 11. November 2015 im Zentrum der medizinischen Aktenlage. 3.1 Anlässlich seiner orthopädischen Begutachtung vom 25 . August 2014 hielt der gericht- liche Obergutachter der B.____ in Bezug auf die erste B ildgebung mittels MRI vom 18. Januar 2010 fest, dass das festgestellte Knochenmarködem verschied ene Ursachen haben könne. Vorliegend komme sowohl ein traumatisch ausgelöstes Ödem als auch ein solches als Begleit- erscheinung eines degenerativen Knorpelschadens in Frage. Gemäss einschlägiger Literatur spreche für eine traumatische Genese, dass sich ein Ödem im Laufe der Zeit wieder zurückbil- de. Im Vergleich zum zweiten MRI vom 18. August 2010 gut acht Monate nach dem Ereignis sei zu erkennen, dass das Knochenmarksödem zwar etwas zurückgegan gen, aber noch immer vorhanden sei. Daraus lasse sich keine überwiegende Wahr scheinlichkeit für eine traumatisch oder für eine degenerativ bedingte Genese ableiten. A uch in Bezug auf den Knorpelschaden seien verschiedene Ursachen denkbar. Von einer traumatisc hen Knorpelschädigung könne auf jeden Fall dann ausgegangen werden, wenn in der Akut situation ein subchondrales Knochen- ödem ohne sichtbare Knorpelschädigung nachzuweisen sei u nd sich in der Folgeuntersuchung ein neuer Knorpelschaden unter oder in der Nähe des Ödems darstelle. Im MRI vom 18. Januar 2010 sei ein Knorpelschaden in Form einer reduzierten Knorpeldicke objektivierbar, an dem sich unmittelbar ein Knochenmarködem anschliesse. Allerdi ngs könnten die mehrfachen, klei- nen Knochenzysten im Knorpelschadenbereich und die Abna hme der Knorpeldicke nicht innert der kurzen Zeit seit der fraglichen Kontusion entstanden sein. Dieser Befund sei vielmehr Aus- druck eines längeren degenerativen Prozesses. Es müsse demn ach mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit ein stummer degenerativer Vorzustand vorgele gen haben. In Bezug auf die Plica mediopatellaris hält der gerichtliche Obergutachter fest, dass diese im MRI bildgebend praktisch nicht darstellbar und nur arthroskopisch sichtbar sei. Di e in der Arthroskopie vom 3. März 2011 festgestellte Plica sei jedoch unfallfremd und es seien ke ine posttraumatischen Gewebsverän- derungen an ihr beschrieben worden. 3.2 Schlussfolgernd aus diesen Feststellungen hält der Gutachter fest, dass mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit zum Zeitpunkt des Unfalls am l inken Knie ein bis dato stummer de- generativer Knorpelschaden am medialen Femurkondylus sowie eine Degeneration des media- len und lateralen Meniskusgewebes als Vorzustand vorgele gen hätten. Diese Feststellung sei durch die in der ersten MRI-Bildgebung vom 18. Januar 2010 erkennbaren strukturellen Verän- derungen belegbar, die eindeutig älter seien als sech s Wochen. Ebenso hätten die Kontusion bzw. die Distorsion vom 6. Dezember 2009 im Sinne einer Teilkausalität zu einer Verschlimme- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung des Vorzustandes am femurkondylen Knorpel geführt. Eine mögliche, zusätzlich hinzuge- kommene strukturelle Verletzung könne nicht ausreichend w ahrscheinlich gemacht werden, weil möglicherweise bereits durch den vorbestehenden d egenerativen Schaden ein Knochen- marködem vorbestanden habe und weil die bei rein traum atischen Knochenmarködemen zu erwartende Rückbildung bis zum Folge-MRI vom 18. August 2010 nur ungenügend eingetreten sei. Die entscheidende Frage, ob durch den Unfall eine nur vorübergehende Verschlimmerung des Vorzustandes eingetreten oder eine dauerhafte, richtunggebende strukturelle Verschlechte- rung ausgelöst worden sei, lasse sich nur durch eine Ver laufsbeobachtung beantworten. Bei direktem Vergleich der beiden MRI vom 18. Januar und 18. August 2010 sei eine erhebliche echte Zunahme des objektivierbaren Befunds weder zu beleg en noch auszuschliessen. Dem- nach habe ein völliger Wegfall von teilkausalen Unfa llfolgen bis zum 31. Dezember 2010 als leistungsaufhebende Tatsache aufgrund der bis dahin vor liegenden Erkenntnisse keine be- weisbare überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich. Eine ausreichende medizinische Abklärung als Basis für die Kausalitätsbeurteilung sei erst durch di e Arthroskopie des Kniegelenks am 3. März 2011 erfolgt. Das dort vorgefundene Bild entsprech e dem Bild im ersten MRI ohne erheb- liche Zunahme der Degeneration. Auch an den Menisci sei der Befund gleich geblieben. Erst gestützt auf diese arthroskopische Befundabklärung könne mit überwiegender Wahrscheinlich- keit nunmehr begründet werden, dass der Gesundheitszusta nd nur noch und ausschliesslich auf unfallfremde Gründe zurückzuführen sei, was ab dem 4 . März 2011 gelte. Die Arthroskopie sei für die Abklärung der Kausalitätsfrage entscheidend gewesen. 3.3 Aus der ergänzenden Stellungnahme des gerichtliche n Obergutachters der B.____ vom 11. November 2015 geht hervor, dass das bone-bruise-S ignal im MRI vom 18. Januar 2010 zwar ein zusätzliches Trauma nahelege. Als Beweis rei che dieser Befund für sich alleine aber nicht aus. Im MRI vom 18. August 2010 sei sieben Mon ate nach dem ersten MRI eine Rückbildungstendenz zu erkennen, die nicht ausgeprägt ge nug sei, einen gänzlichen Wegfall jeglicher Trauma-Anteile zu sichern. Eine objektive Kläru ng sei erst durch die diagnostische Arthroskopie vom 3. März 2011 erfolgt. Zuvor sei eine r ichtunggebende Verschlimmerung des Vorzustandes ebenso wenig auszuschliessen gewesen wie das Gegenteil. Erst der Arthrosko- piebefund vom 3. März 2011 führe zu einer überwiegend wahrscheinlichen Klärung. Es sei da- von auszugehen, dass spätestens fünf Tage nach der diagnostischen Arthroskopie vom 3. März 2011 keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Versichgerten mehr vorgelegen habe. 4.1 Was den medizinischen Sachverhalt und dabei insbesonde re die Beurteilung der stritti- gen Kausalitätsbeurteilung betreffend die über Dezem ber 2010 hinaus anhaltenden Beschwer- den des Versicherten am linken Knie betrifft, kommt de r zitierten gerichtlichen Expertise der B.____ vom 18. September 2014 und den ergänzenden Au sführungen des gerichtlichen Ober- gutachters vom 11. November 2015 ausschlaggebende Bedeu tung zu. Das Kantonsgericht weicht wie oben ausgeführt (vgl. Erwägung 3.4 hiervor) bei Gerichtsgutachten praxisgemäss ohnehin nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzun g des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse ausschliesslich der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen und eingehend zu über- prüfen. Allfällige Gründe für ein solches Abweichen l iegen hier keine vor, zumal es sich vorlie- gend um ein gerichtliches Obergutachten handelt, dessen Aufgabe es in casu war, eine noch- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht malige umfassende Kausalitätsbeurteilung vorzunehmen. D as fragliche Gerichtsgutachten der B.____ weist keine formalen Mängel auf und ist – wie d ies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. Erwägung 3.2 hiervor) – für die streitigen Bela nge umfassend. Es beruht auf allseitigen Untersuchungen des Versicherten, berücksichtigt die geklagt en Beschwerden und ist vor allem in Kenntnis sämtlicher relevanter Vorakten und insbesond ere in Kenntnis der beiden massge- benden MRI-Bildgebungen vom 18. Januar 2010 sowie vom 18. August 2010 abgegeben wor- den (vgl. in diesem Zusammenhang insbesondere die ergänzende Stellungnahme des gerichtli- chen Obergutachters vom 11. November 2015, Antwort ad Fr age 2). Wie das Bundesgericht in seinem Urteil vom 18. Dezember 2013 festgehalten hat, se tzt sich der gerichtliche Experte schliesslich auch einlässlich mit den bei den Akten liegende n, teils abweichenden, fachärztli- chen Einschätzungen insbesondere von Dr. C.____ vom 20. Oktober 2010 und Prof. Dr. D.____ vom 17. Februar 2011 auseinander. Damit ist festzuhalten , dass das gerichtliche Obergutach- ten der B.____ vom 18. September 2014 und dessen Ergä nzung vom 11. November 2015 alle rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräf tige ärztliche Stellungnahme er- füllt (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a). Diese n Unterlagen ist deshalb voller Beweiswert zuzuerkennen. 4.2 Grundsätzlich bestehen auch inhaltlich keine Gründe, v on der detaillierten Beurteilung der B.____ abzuweichen. Es erweist sich als ohne Weiteres n achvollziehbar, dass der degene- rative Knorpelschaden am Femurkondylus und am Meniskusgewe be bereits deshalb vorbe- standen hat, weil die entsprechend strukturellen Verä nderungen, wie sie bereits im MRI vom 18. Januar 2010 ersichtlich gewesen sind, älter als sechs Wochen waren. Sie müssen daher bereits vor dem Unfallereignis vom 6. Dezember 2009 vorh anden gewesen sein. Aufgrund die- ser Erkenntnis ist deshalb auch nicht zu beanstanden, d ass die am 6. Dezember 2009 erlittene Kontusion lediglich zu einer Verschlimmerung des Vorzusta ndes am Femurkondylenknorpel des linken Knies geführt hat, indem ein zuvor stummer Zustand in einen an korresponierender Stelle anhaltend schmerzhaften Zustand umgewandelt wor den ist (vgl. Ziffer 4.2 des gerichtli- chen Obergutachtens der B.____ vom 18. September 2014, Ziffer 4.2). Ebenso ist nachvoll- ziehbar, dass das bildgebend sichtbare Knochenmarksödem vo rbestanden haben könnte, weil dessen Rückbildung bis zur erneuten Bildgebung im MRI a m 18. August 2010 nur ungenügend ausgefallen ist. Hintergrund des Fehlens einer überwi egend wahrscheinlichen Genese bildet in diesem Zusammenhang die medizinische Erfahrung, dass sich t raumatisch ausgelöste Kno- chenmarködeme während einer Zeitspanne von drei Monaten bis zwei Jahren zurückbilden, degenerative Knochenmarksödeme hingegen keine Rückbildu ngstendenz aufweisen (vgl. ge- richtliches Obergutachten der B.____ vom 18. September 2014, S. 9). Auf der alleinigen Basis eines Vergleichs der bildgebenden MRI-Befunde vom 18. Januar 2010 und 18. August 2010 überzeugt demnach auch die Schlussfolgerung, dass sich eine erhebliche Zunahme der dege- nerativen Chondropathie am linken Knie weder belegen noch ausschliessen lässt. 4.3 Damit resultiert, dass sich der Wegfall jeglicher unf allkausaler Folgen gestützt alleine auf einen Vergleich der beiden MRI-Befunde nicht mit üb erwiegender Wahrscheinlichkeit erstellen lässt. Hierfür war vielmehr die Sichtung der orthopädisch en Verhältnisse anlässlich der Arthro- skopie vom 3. März 2011 von Nöten. Erst hier zeigte sich, dass der dort vorgefundene Befund jenen bildgebenden Verhältnissen entsprochen hat, wie sie ohne Zunahme einer Degeneration Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bereits dem ersten MRI-Befund vom 18. Januar 2010 zu Grunde gelegen hatten, ohne dass aus der degenerativen Gewebsveränderung in Inneren des li nken Knies mittlerweile eine Oberflä- chenläsion oder eine Rissbildung entstanden wäre. Wenn d er gerichtliche Obergutachter im Rahmen seiner Schlussfolgerungen festhält, dass im direkten Vergleich des Arthroskopiebefun- des vom 3. März 2011 einerseits und der Bildgebung im ersten MRI vom 18. Januar 2010 ande- rerseits auch an den Menisci der Befund gleichgeblieben, so lässt sich deshalb auch erst mit dem Arthroskopiebefund vom 3. März 2011 eine überwieg ende Wahrscheinlichkeit begründen, dass durch den Unfall vom 6. Dezember 2009 keine richtun ggebende und dauerhafte Ver- schlimmerung des Vorzustandes eingetreten sein kann, sonder n der Status quo sine vielmehr bereits vor Ende Dezember 2010 eingetreten sein muss. Die Schlussfolgerung des gerichtli- chen Experten, dass erst gestützt auf die arthroskopische B efundabklärung vom 3. März 2011 eine überwiegende Wahrscheinlichkeit begründet werden kann, dass der Gesundheitszustand des Versicherten nur noch und ausschliesslich auf unfallfr emde Gründe zurückzuführen ist, er- weist sich daher als schlüssig. 4.4 Soweit der gerichtliche Experte der B.____ gestützt auf diese Ergebnisse im Übrigen dafür hält, dass ein völliger Wegfall von teilkausalen Un fallfolgen bis zum 31. Dezember 2010 keine beweisbare Wahrscheinlichkeit für sich habe, geht e r nun aber in beweisrechtlicher Hin- sicht von einem falschen Verständnis des Begriffes des Status quo sine aus. Entgegen der von ihm vertretenen Auffassung liegt der Status quo sine ni cht erst dann vor, wenn und sobald der Nachweis eines solchen erbracht worden ist. Entscheidend ist vielmehr, wann der durch den Unfall verursachte Beschwerdeschub abgeklungen ist und der fragliche Unfall fortan jegliche kausale Bedeutung verloren hat. Dies aber war den nach vollziehbaren Schlussfolgerungen zu- folge (vgl. oben, Erwägung 4.3 hiervor) bereits vor De zember 2010 der Fall. Hintergrund bildet die Aussage des gerichtlichen Experten, dass der arthroskopisch e Inspektionsbefund vom 3. März 2011 ohne erhebliche Zunahme einer Degenerati on jenen Verhältnissen entsprochen hat, wie sie sich bereits anlässlich der ersten MRI-Bildg ebung vom 18. Januar 2010 präsentiert hatten (vgl. gerichtliches Obergutachten der B.____ vom 18. September 2014, S. 12). 4.5 Am Umstand, dass deshalb jegliche teilkausale Folgen des Unfalls vom 6. Dezember 2009 bereits vor Dezember 2010 weggefallen sein müssen, ändert nichts, dass erst der Arthroskopiebefund vom 3. März 2011 zu einer überw iegend wahrscheinlichen Klärung ge- führt hat. Es gilt mit anderen Worten zwischen dem Zei tpunkt des (erbrachten) Beweises des Eintritts des Status quo sine und jenem Zeitpunkt zu un terscheiden, in welchem der Status quo sine aufgrund eines erst später erhobenen (Vergleichs-)B efunds tatsächlich eingetreten ist. Diese Differenzierung hat der gerichtliche Experte unte rlassen. Obschon sich vor der diagnosti- schen Arthroskopie vom 3. März 2011 noch nicht mit überw iegender Wahrscheinlichkeit be- gründen liess, dass der Gesundheitsschaden am linken Knie des Versicherten ausschliesslich auf unfallfremde Gründe zurückzuführen war, muss aufgrun d der mit der Bildgebung im ersten MRI vom 18. Januar 2010 übereinstimmenden Inspektionsverh ältnisse vom 3. März 2011 da- von ausgegangen werden, dass der Status quo sine bereits vor Ende Dezember 2010 eingetre- ten war. Die in der Folge über diesen Zeitpunkt hinau s bestehenden Beschwerden des Versi- cherten sind demnach nicht mehr überwiegend wahrscheinl ich in unmittelbarem Zusammen- hang mit dem Unfallereignis vom 6. Dezember 2009 zu se hen, sondern vielmehr auf einen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht krankhaften Vorzustand am linken Knie des Versicherten zur ückzuführen. Damit ergibt sich, dass der Vorzustand im linken Kniegelenk des Beschwerdefüh rers durch die Kontusion und Distorsion vom 6. Dezember 2009 zwar traumatisch aktiviert wurde, der Unfall sich aber nicht richtungsweisend auswirkte und der Status quo sine noch vo r der Einstellung der Versiche- rungsleistungen per Ende Dezember 2010 erreicht war (vgl. oben, Erwägung 2.4 hiervor). Es ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin d ie Übernahme der im Zusam- menhang mit der Arthroskopie vom 3. März 2011 angefal lenen Kosten infolge Erreichens des Status quo sine vel ante abgelehnt hat. Die Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin per Ende Dezember 2010 erweist sich vielmehr als rechtmässig. Die gegen den angefochtenen Einspracheentscheid vom 24. November 2011 gerichtete Besch werde ist in diesem Punkt ab- zuweisen. 5.1 Gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt der Versicheru ngsträger die Kosten der Abklä- rung, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil der nachträglich zu gesprochenen Leistungen bilden (Art. 45 Abs. 1 Satz 2 ATSG). Was die Kostentragung bei dieser letztgenannten Ausgangslage betrifft, setzt die zitierte Bestimmung den Grundsatz um, dass diejenige Behörde die Kosten zu tragen hat, in deren Obliegenheit es gefallen wäre, die entsprechenden Abklärungen vorzu- nehmen (UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 45 Rz 17). Der- gestalt verhält es sich insbesondere dann, wenn die in F rage stehende Abklärungsmassnahme zur Beurteilung des Anspruchs auf (weitergehende) Versi cherungsleistungen unerlässlich ge- wesen ist (SVR 2014 IV Nr. 11). Von Bedeutung ist im Ü brigen, dass eine Kostenübernahme der Abklärungsmassnahme nicht voraussetzt, dass in der Folge eine (weitergehende) Leis- tungszusprache erfolgt ist (K IESER , a.a.O., Art. 45 Rz. 21). Schliesslich ist zu berücksichtig en, dass sich durch die Vornahme der im Rahmen des Untersuchu ngsprinzips derart erforderlichen Abklärungen ein Einkommensausfall ergeben kann (vgl. K IESER , a.a.O., Rz 26 ff.). Der Versi- cherungsträger hat den Versicherten diesfalls für den e ntsprechenden Erwerbsausfall und in diesem Zusammenhang entstandene Spesen zu entschädigen (Art. 45 Abs. 2 ATSG). 5.2 Gemäss den Schlussfolgerungen des gerichtlichen Expert en der B.____ vom 18. Sep- tember 2014 lässt sich erst mit dem arthroskopischen Inspekt ionsbefund vom 3. März 2011 eine überwiegende Wahrscheinlichkeit begründen, dass de r Status quo sine bereits vor Ende Dezember 2010 eingetreten ist (vgl. a.a.O., S. 12). Di e am 3. März 2011 erfolgte direkte arthro- skopische Inspektion der Knorpelschadenzone hat sich für die Abklärung der strittigen Kausali- tätsfrage daher als unabdingbare Abklärungsmassnahme erw iesen(vgl. a.a.O., S. 12 sowie S. 14, Antwort ad Frage 2). Daran ändert nichts, dass im Zuge der Befundfeststellung zugleich aufgequollene Knorpelfetzen debridiert und thermoelektrisch geglättet worden sind, da dies eine rational selbstverständliche Begleitmassnahme darstellt (vgl. a.a.O., S. 12, ad Ziffer 4 a.E.). Erst der arthroskopische Inspektionsbefund vom 3. März 2011 hat die Feststellung des mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit erreichten Status quo sine zuge lassen (vgl. Stellungnahme der B.____ vom 11. November 2015, S. 4, Antwort ad Frage 1 a.E.). Es resultiert deshalb, dass die Kosten der Arthroskopie vom 3. März 2011 unter dem Titel von Art. 45 Abs. 1 Satz 2 ATSG von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen sind. Hinsichtlich eines damit allenfalls verbundenen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einkommensausfalls ist zu berücksichtigen, dass spätestens fünf Tage danach keine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vorgelegen hat (vgl . ergänzende Stellungnahme des ge- richtlichen Experten vom 11. November 2015, Antwort ad Frage 3). Ob und in welchem Umfang dem Versicherten für diese beschränkte Zeit ein Einkomme nsausfall entstanden ist, lässt sich aufgrund der vorliegenden Akten jedoch weder entneh men noch mit rechtsgenüglicher Be- stimmtheit bemessen. Dies wird vielmehr Sache der Beschwerd egegnerin sein, an welche die Angelegenheit in diesem Punkt zur ergänzenden Abkläru ng und Festsetzung eines allfälligen Erwerbsausfalls gemäss Art. 45 Abs. 2 ATSG zurückzuweisen ist. 6. Zusammenfassend ist die Beschwerdegegnerin somit in te ilweiser Gutheissung der Beschwerde zu verpflichten, die Kosten für den am 3. M ärz 2011 erfolgten Arthroskopie-Eingriff zu übernehmen. Die Angelegenheit ist sodann zur Festsetz ung eines allenfalls daraus resultie- renden Erwerbsausfalls des Beschwerdeführers an die Besc hwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 7.1 Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind keine Verfahrenskosten zu erheben. Wie das Bundes- gericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an si ch eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt, die Kos- ten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen MEDAS- Begutachtung den IV-Stellen aufzuer- legen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit de r zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4. 4.2). In BGE 138 V 318 ff. hat das Bun- desgericht diese Rechtsprechung auch auf das unfallve rsicherungsrechtliche Verfahren für an- wendbar erklärt (vgl. neuerdings auch Urteil des Bundesge richts vom 6. Juni 2013, 8C_984/2012, E. 4). Vorliegend war das Gericht anlässli ch der Urteilsberatung vom 8. März 2012 zum Ergebnis gelangt, dass ein Entscheid in der An gelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Für eine abschli essende Beurteilung der strittigen Kausalitätsfrage waren das in der Folge eingeholte Gerichtsgutachten des Spitals E.____ sowie dessen ergänzende Stellungnahme deshalb unerlässlich. D aran ändert auch nichts, dass das Bundesgericht die Angelegenheit mit Urteil vom 18. De zember 2013 zur Einholung einer ge- richtlichen Expertise und erneuter Beurteilung wieder an das Kantonsgericht zurückgewiesen hat. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Re chtsprechung sind die resultierenden Kosten, welche sich gemäss Rechnung des Spitals E.____ vom 21. Dezember 2012 auf CHF 2'000.— belaufen, somit der Beschwerdegegnerin auf zuerlegen. Nicht anders gilt hinsicht- lich der gerichtlichen Expertise der B.____ vom 18. Septe mber 2014 und deren ergänzende Stellungnahme vom 11. November 2015. Dem Dargelegten zufolge (vgl. oben, Erwägung 4.3 f. hiervor) hat sich auch diese Expertise als unerlässlich erw iesen, um die strittige Kausalitätsfra- ge letztlich entscheiden zu können (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2013, E. 3.2). Die entsprechenden Kosten der B.____ von insgesamt CHF 6‘643.40 (vgl. Rech- nungen der B.____ vom 26. November 2014 sowie vom 15. Dezember 2015) sind daher eben- falls der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 7.2 Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer steht schliesslich eine Parteientschädi- gung zu. Dabei sind in zeitlicher Hinsicht drei Perioden zu unterscheiden. Nach dem Notwen- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht digkeitsprinzip sind ihm die Bemühungen seines Rechtsvertre ters zunächst für die Zeit bis zum ersten Ausstellungsbeschluss des Kantonsgerichts vom 8. März 20 12 (19. Dezember 2011 bis zum 22. Dezember 2011) im Umfang von 9,6 Stunden (praxi sgemäss zu einem Stundenansatz von CHF 250.—) zuzüglich Auslagen von CHF 49.— zu ersetzen (vgl. Honorarnote vom 3. Feb- ruar 2012). Dies entspricht einem Teilbetrag von CHF 2 ‘645.—. Gemäss Ausgang des bundes- gerichtlichen Verfahrens (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2013) ist ihm infol- ge teilweisen Obsiegens ein hälftiger Anteil für die d anach bis zum Vorliegen des kantonsge- richtlichen Urteils vom 23. Mai 2013 ausgewiesenen Bemühungen zuzusprechen. Dieser zweite Teilbetrag beläuft sich gemäss Honorarnote vom 3. April 2014 auf CHF 1‘294.05 (CHF 5‘233.05 abzüglich CHF 2‘645.— dividiert durch zwei). Infolge tei lweise Obsiegens ist ihm schliesslich für die Bemühungen im vorstehenden Verfahren in der Zeit vom 3. März 2014 bis 14. Dezember 2015 (vgl. Honorarnote vom 14. Dezember 2015; 12,2 S tunden à CHF 250.— zuzüglich Ausla- gen von CHF 149.50) ein ebenfalls hälftiger Teilbetra g von CHF 1‘727.75 zuzusprechen (12,2 Stunden à CHF 250.— zuzüglich Auslagen von CHF 149.50 u nd 8% Mehrwertsteuer dividiert durch zwei). Es ergibt sich demnach eine Parteientschädigu ng zu Lasten der Beschwerdegeg- nerin in der Höhe von insgesamt CHF 5‘666.80 (inkl. Spesen und 8 % Mehrwertsteuer). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird di e Helsana Unfall AG verpflichtet, die Kosten für den am 3. März 2011 erfolg ten Arthrosko- pie-Eingriff zu übernehmen, und die Angelegenheit w ird zur Festset- zung eines allenfalls daraus resultierenden Erwerbsausfa lls des Be- schwerdeführers an die Helsana Unfall AG zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung durch d ie B.____ vom 18. September 2014 und vom 11. November 2015 im Umfan g von ins- gesamt CHF 6‘643.40 sowie die Kosten für die gericht liche Begutach- tung durch das Spital E.____ vom 13. Dezember 2012 im Umfang von CHF 2'000.— werden der Helsana Unfall AG auferlegt. 4. Die Helsana Unfall AG hat dem Beschwerdeführer ein e reduzierte Par- teientschädigung im Umfang von CHF 5‘666.80 (inkl. Ausl agen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde am 16. August 2016 Beschwerde beim Bundesgericht (sie- he nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_513/2016 ) erhoben. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht