<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2021.00412</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=222084&amp;W10_KEY=13013468&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2021.00412</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 02.02.2022</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Aufenthaltsanspruch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG (eheliche Gewalt). Kriterien für das Vorliegen eines nachehelichen Härtefalls aufgrund häuslicher Gewalt (E. 2.2.1). Beurteilung des Schweregrads häuslicher Gewalt (E. 2.2.3). Gesamtwürdigung der Aussagen und der vorliegenden Berichte (E. 4.1). Bei der Beschwerdeführerin wurde im Nachhinein die Diagnose einer posttraumatischen Störung aufgrund der Erlebnisse in der Ehe gestellt. Gleiches geht aus dem Bericht der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) hervor. In Würdigung der diversen Aussagen der Beschwerdeführerin, des Ex-Ehemanns sowie von Drittpersonen und insbesondere der Arztberichte sowie des Berichts der FIZ (siehe dazu E. 4.2) muss die Glaubhaftmachung der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten ehelichen Gewalt bejaht werden. Zwar bekräftigten die ehemaligen Mitbewohner der Eheleute, von ehelicher Gewalt nichts mitbekommen zu haben. Das Zusammenleben der Mitbewohner und der Eheleute dauerte aber nur kurz. Ausserdem waren die Mitbewohner primär mit dem Ex-Ehemann befreundet gewesen, was bei der Würdigung ihrer Aussagen zu beachten ist (E. 4.3). Gutheissung. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ARZTBERICHT">ARZTBERICHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EHELICHE GEWALT">EHELICHE GEWALT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FACHSTELLE">FACHSTELLE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GLAUBHAFTMACHUNG">GLAUBHAFTMACHUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GUTHEISSUNG">GUTHEISSUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: HÃUSLICHE GEWALT">HÃUSLICHE GEWALT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: INTENSITÃT">INTENSITÃT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 50 Abs. I lit. b AIG</span><br/><span class="ungerade">Art. 50 Abs. II AIG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=55905" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2021.00412</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">2. Februar 2022</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Elisabeth Trachsel, Verwaltungsrichterin Viviane Sobotich, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Jsabelle Mayer. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B,</span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Die aus ... stammende A, geboren 1993, lebte seit ihrem zweiten Lebensjahr in einem Kinderheim und reiste am 7. Dezember 2010 in die Schweiz ein. Am 5. Juni 2014 heiratete sie den Schweizer C, geboren 1984. A erhielt in der Folge eine Aufenthaltsbewilligung. Das seit dem 14. Oktober 2019 geschiedene Paar lebte nach der Heirat bis zum Bezug einer eigenen Wohnung am 1. Dezember 2014 mit anderen Personen in einer Wohngemeinschaft. </p> <p class="Urteilstext"><span>Am 30. MÃ¤rz 2015 erliess die Staatsanwaltschaft ZÃ¼rich-Limmat gegen A einen Strafbefehl wegen rechtswidrigen Aufenthalts zwischen dem 7. MÃ¤rz 2011 bis zum 11. April 2014. Sie wurde mit einer Geldstrafe von 20 TagessÃ¤tzen zu je Fr. 100.- bestraft, unter Aufschiebung des Vollzugs und Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>A ersuchte am 17. Mai 2016 um VerlÃ¤ngerung der zuletzt bis am 4. Juni 2016 gÃ¼ltigen Aufenthaltsbewilligung. Das Gesuch enthielt die Bemerkung, das Paar habe nur kurze Zeit zusammengewohnt. Mit Briefen vom 20. Mai 2016 stellte das Migrationsamt Trennungsanfragen an die Eheleute. Der Ehemann erstattete die Stellungnahme am 14. Juni 2016 und A am 24. Juni 2016. Daraus ging hervor, dass die Eheleute seit dem 31. Mai 2015 getrennt lebten. Am 4. Juli 2016 gewÃ¤hrte das Migrationsamt A das rechtliche GehÃ¶r zur beabsichtigen NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung. Die Stellungnahme wurde vom damaligen Rechtsvertreter am 25. August 2016 erstattet. Gleichentags erfolgte ein Fristerstreckungsgesuch des neuen Rechtsvertreters. Dessen Stellungnahmen erfolgten am 19./20. September 2016. Anfragen seitens des Migrationsamts an den Ehemann betreffend die allfÃ¤llige Wiederaufnahme des ehelichen Zusammenlebens blieben unbeantwortet. Am 12. Januar 2017 wies das Migrationsamt das Gesuch um VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung vom 17. Mai 2016 ab. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Dagegen erhob A am 21. Februar 2017 Rekurs bei der Rekursabeilung der Sicherheitsdirektion und berief sich unter anderem darauf, Opfer ehelicher Gewalt gewesen zu sein. Die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion hiess den Rekurs am 19. Januar 2018 teilweise gut und wies die Sache zur SachverhaltsabklÃ¤rung und zum Neuentscheid an das Migrationsamt zurÃ¼ck. Die Verfahrenskosten wurden auf die Staatskasse genommen. Das Begehren von A um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands wurde abgewiesen.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b>Mit Schreiben vom 25. April 2018 befragte das Migrationsamt den Ehemann zu den VorwÃ¼rfen ehelicher Gewalt, die er mit E-Mail vom 27. April 2018 bestritt. Seine Rechtsvertreterin nahm mit Schreiben vom 22. Juni 2018 nÃ¤her Stellung. Am 28. Juni 2018 wurden dem Ehemann zusÃ¤tzliche Fragen gestellt, die am 11. Juli 2018 beantwortet wurden. Weitere schriftliche Fragen an diverse Drittpersonen erfolgten am 26. September 2018, die am 19. bzw. 23. Oktober 2018 beantwortet wurden. Ebenfalls am 26. September 2018 forderte das Migrationsamt A auf, bei der Psychiatrischen UniversitÃ¤tsklinik auf eigene Kosten einen fachÃ¤rztlichen Bericht erstellen zu lassen und befragte das Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM) am 1. Oktober 2018 zur Zumutbarkeit ihrer Wegweisung nach ..., was vom SEM mit Bericht vom 5. Dezember 2018 fÃ¼r grundsÃ¤tzlich zumutbar qualifiziert wurde. Am 16. Oktober 2018 teilte A mit, bereits im April Dr. med. D, FachÃ¤rztin fÃ¼r Psychiatrie und Psychotherapie, fÃ¼r einen Bericht beauftragt zu haben. Dieser wurde am 2. November 2018 erstattet. Am 29. Januar 2019 richtete das Migrationsamt erneut Fragen an diverse Drittpersonen, deren Stellungnahmen am 4. und 14. Februar 2019 respektive 18. und 20. MÃ¤rz 2019 eingingen. Am 2. Mai 2019 teilte das Migrationsamt An die Absicht der NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung mit, wozu sie am 19. Juni 2019 Stellung nahm. Weitere Fragen an A folgten am 8. Oktober 2019. Am 3. November 2019 stellte sie das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Die Fragen vom 8. Oktober 2019 beantwortete sie am 26. November 2019, (nebst anderem) unter Beilage eines Berichts vom 1. November 2019 von Dr. med. E, FachÃ¤rztin fÃ¼r Psychiatrie und Psychotherapie, und eines gynÃ¤kologischen Berichts vom 22. August 2019 betreffend ZellverÃ¤nderungen. Dazu stellte das Migrationsamt am 14. Februar 2020 weitere Fragen, die am 5. MÃ¤rz 2020 beantwortet wurden. Am 18. Juni 2020 stellte das Migrationsamt beim SEM eine Anfrage zur medizinischen BehandlungsmÃ¶glichkeit in ..., was vom SEM mit Schreiben vom 30. Juni 2020 bejaht wurde. A nahm am 11. bzw. 24. September 2020 Stellung. </p> <p class="Urteilstext">Am 1. MÃ¤rz 2021 wies das Migrationsamt das Gesuch von A um VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung ab und setzte ihr Frist zum Verlassen der Schweiz bis am 1. Juni 2021.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">A gelangte mit Rekurs vom 7. April 2021 an die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit den AntrÃ¤gen um Aufhebung der VerfÃ¼gung des Migrationsamts vom 1. MÃ¤rz 2021 und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, eventualiter auf RÃ¼ckweisung der Sache. Die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion wies den Rekurs am 28. April 2021 ab.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Dagegen erhob A (nachfolgend: die BeschwerdefÃ¼hrerin) am 3. Juni 2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Sie beantragte die Aufhebung des Rekursentscheids vom 28. April 2021 und die VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, eventualiter sei die Sache zur weiteren AbklÃ¤rung an das Migrationsamt zurÃ¼ckzuweisen, alles unter entsprechender Kosten- und EntschÃ¤digungsfolge. Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 4. Juni 2021 wurde A kautioniert. Die Kaution ging am 28. Juni 2021 ein. Die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion verzichtete am 8. Juni 2021 auf eine Vernehmlassung. Am 25. Juni 2021 ging ein Schreiben des Partners von A ein. Es folgten keine weiteren Eingaben.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden, nicht aber die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (§ 20 Abs. 1 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Am 1. Januar 2019 sind zahlreiche Ãnderungen des AuslÃ¤ndergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG), das nunmehr AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetz (AIG) heisst, in Kraft getreten. In Anwendung von Art. 126 Abs. 1 AIG bleibt auf Gesuche, die â wie das vorliegende â vor Inkrafttreten der GesetzesÃ¤nderung eingereicht wurden, grundsÃ¤tzlich das bisherige Recht anwendbar. Die hier anwendbaren Bestimmungen haben jedoch keine massgeblichen Ãnderungen erfahren, sodass auf das neue Recht Bezug genommen wird.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Vorliegend ist unbestritten, dass die Ehe der BeschwerdefÃ¼hrerin weniger als drei Jahre gelebt wurde und sie aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG (in Verbindung mit Art. 42 AIG) keinen Aufenthaltsanspruch ableiten kann. Umstritten ist hingegen, ob der BeschwerdefÃ¼hrerin ein Anwesenheitsanspruch aus wichtigen persÃ¶nlichen GrÃ¼nden im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG (in Verbindung mit Art. 42 AIG) zusteht.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Wichtige persÃ¶nliche GrÃ¼nde im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG (in Verbindung mit Art. 42 AIG) kÃ¶nnen namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder wenn deren soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefÃ¤hrdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.1 </b>Ein sogenannter nachehelicher HÃ¤rtefall im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG liegt gemÃ¤ss Abs. 2 derselben Bestimmung namentlich vor, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde. Erfasst ist nach der Rechtsprechung grundsÃ¤tzlich jede Form ehelicher bzw. hÃ¤uslicher Gewalt, sei sie physischer oder psychischer Natur (BGE 138 II 229 E. 3.2; BGr, 19. September 2018, 2C_165/2018, E. 2.1). HÃ¤usliche Gewalt bedeutet Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuÃ¼ben. Nicht jede unglÃ¼ckliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung rechtfertigt es, von einem nachehelichen HÃ¤rtefall im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG auszugehen (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.2). HÃ¤usliche Gewalt physischer oder psychischer Natur muss somit von einer gewissen Konstanz bzw. <i>IntensitÃ¤t</i> sein (vgl. BGr, 26. Mai 2016, 2C_777/2015, E. 3.2 [diese ErwÃ¤gung nicht publ. in BGE 142 I 152, jedoch in Pra 106 [2017] Nr. 63]). Dabei ist eine GesamtwÃ¼rdigung vorzunehmen (BGE 138 II 229 E. 3.2.2). Die GewÃ¤hrung eines Aufenthaltsrechts fÃ¼r Opfer ehelicher Gewalt nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG soll verhindern, dass eine von ehelicher Gewalt betroffene Person nur deshalb in einer fÃ¼r sie objektiv unzumutbaren ehelichen Gemeinschaft verbleibt, weil die Trennung fÃ¼r sie nachteilige auslÃ¤nderrechtliche Folgen zeitigen wÃ¼rde (BGr, 20. Dezember 2019, 2C_842/2019, E. 4.4, auch zum Folgenden). Ausgehend vom dargelegten Normzweck ist fÃ¼r die Annahme eines nachehelichen HÃ¤rtefalls bei hÃ¤uslicher Gewalt vorauszusetzen, dass ein hinreichend enger Zusammenhang zwischen der ehelichen Gewalt und der Trennung besteht. Fehlt es an einem solchen Zusammenhang, ist nicht davon auszugehen, dass sich das Opfer von hÃ¤uslicher Gewalt in der fÃ¼r die Annahme des nachehelichen HÃ¤rtefalls vorausgesetzten Dilemmasituation befand, zwischen dem unzumutbaren Verbleib in der Ehe und der Beendigung des Aufenthalts in der Schweiz entscheiden zu mÃ¼ssen. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.2 </b>Die auslÃ¤ndische Person trifft bei den Feststellungen des entsprechenden Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (Art. 90 AIG). Sie muss die eheliche Gewalt in geeigneter Weise glaubhaft machen (Arztberichte oder psychiatrische Gutachten, Polizeirapporte, Berichte/EinschÃ¤tzungen von Fachstellen [FrauenhÃ¤user, Opferhilfe usw.], glaubwÃ¼rdige Zeugenaussagen von weiteren AngehÃ¶rigen oder Nachbarn etc.). Allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen genÃ¼gen nicht (BGE 142 I 152 E. 6.2 = Pra 106 [2017] Nr. 63 E. 3.3). Wird hÃ¤usliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, mÃ¼ssen die <i>Systematik</i> der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert und beweismÃ¤ssig unterlegt werden. Nur in diesem Fall und beim Bestehen entsprechender BeweisantrÃ¤ge, die nicht in antizipierter BeweiswÃ¼rdigung abgewiesen werden kÃ¶nnen, wobei aber allfÃ¤lligen sachinhÃ¤renten besonderen Beweisschwierigkeiten Rechnung zu tragen ist, rechtfertigt es sich, ein auslÃ¤nderrechtliches Beweisverfahren durchzufÃ¼hren (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.3).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.3 </b>GemÃ¤ss dem vom Bundesgericht erwÃ¤hnten, im Auftrag des EidgenÃ¶ssischen BÃ¼ros fÃ¼r die Gleichstellung von Frau und Mann erstellten Bericht vom Juni 2012 mit dem Titel "Beurteilung des Schweregrades hÃ¤uslicher Gewalt â Sozialwissenschaftlicher Grundlagenbericht" (nachfolgend: "Bericht EBG") ist es nicht einfach, Formen von im intimen Rahmen erlittener hÃ¤uslicher Gewalt und Ãberwachung in bestimmte Kategorien zu fassen. Deshalb mÃ¼ssten die Nachforschungen begangene Taten, die vom Opfer empfundene Gewalt und deren GefÃ¤hrlichkeit sowie die Auswirkung auf die Person (hinsichtlich Gesundheit, EinschrÃ¤nkungen im tÃ¤glichen Leben) berÃ¼cksichtigen. Das Bundesgericht hielt fest, daraus habe die Rechtsprechung geschlossen, dass der Begriff der ehelichen Gewalt eine gewisse <i>IntensitÃ¤t</i> ausweisen mÃ¼sse (siehe E. 2.3.1) und seien bei psychischen ZwÃ¤ngen die <i>systematische</i> Misshandlung bzw. ihre Dauer und der dadurch entstandene Druck glaubhaft zu machen (siehe E. 2.3.2; zum Ganzen vgl. BGr, 26. Mai 2016, 2C_777/2015, E. 3.2 und E. 3.3 = Pra 106 [2017] Nr. 63, mit Hinweisen, unter anderem auf Bericht EBG, S. 22). </p> <p class="Urteilstext">Der genannte Bericht weist darauf hin, dass hÃ¤usliche Gewalt in erster Linie mit physischer Gewalt gleichgesetzt werde, was das Problem jedoch nur mangelhaft erfasse. Gezieltes EinschÃ¼chtern und Abwertungen der Person, das Angstmachen und Ãussern von (Todes-)Drohungen, das Verbieten und systematische Unterbinden sozialer Kontakte und das Nachstellen und stÃ¤ndige Kontrollieren, Zurechtweisen und Bestrafen der Person gehÃ¶rten ebenso vorrangig zur hÃ¤uslichen Gewalt (vgl. Bericht EBG S. 8). </p> <p class="Urteilstext">Genannt werden zwei Gewaltformen, nÃ¤mlich das "systematische Gewalt- und Kontrollverhalten" und das "situativ Ã¼bergriffige Konfliktverhalten". Kennzeichnend fÃ¼r das erste Gewaltmuster sei ein umfassendes, bestÃ¤ndiges Muster kontrollierender, einschrÃ¤nkender und machtmissbrauchender Verhaltensweisen, worunter unter anderem emotionaler Missbrauch und psychische Gewalt (drangsalieren, blossstellen, demÃ¼tigen, schlechtmachen, als dumm hinstellen, erniedrigen, beschimpfen, eifersÃ¼chtiges Verhalten, beschuldigen), Isolation, sexuelle Gewalt (Geschlechtsverkehr oder nicht konsensuale Praktiken erzwingen), Ã¶konomische Gewalt (Geld entziehen), Drohung, EinschÃ¼chterung und Angst machen gehÃ¶rten. In diesem Gewaltmuster kÃ¶nnten auch physische Ãbergriffe vorkommen (Bericht S. 8â10). Beim "situativ Ã¼bergriffigen Konfliktverhalten" stehe dagegen eine konkrete konfliktive Situation im Vordergrund, das heisst ein einzelnes, abgrenzbares Ereignis. Die Beteiligten wÃ¼rden sich grundsÃ¤tzlich als ebenbÃ¼rtig und eigenstÃ¤ndig/selbstÃ¤ndig wahrnehmen. Zu beachten sei, dass situativ Ã¼bergriffiges Konfliktverhalten in systematisches Gewalt- und Kontrollverhalten Ã¼bergehen kÃ¶nne (vgl. Bericht S. 11 f.). </p> <p class="Erwgung3"><b>2.2.4 </b>Da sich die BeschwerdefÃ¼hrerin auf einen nachehelichen HÃ¤rtefall beruft, ist als Erstes zu prÃ¼fen, ob ein solcher zu bejahen ist.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin hÃ¤lt fest, ihr Ex-Ehemann habe sich gemÃ¤ss eigenen Angaben schon psychiatrischen Behandlungen unterzogen und habe offenbar auch einen problematischen Alkohol- und Drogenkonsum aufgewiesen. Ihr gegenÃ¼ber sei er zunehmend eifersÃ¼chtig und machtausÃ¼bend gewesen. So habe er sie unter anderem regelmÃ¤ssig verbal erniedrigt und als "dick", "dumm", "Hure" oder "Dummerchen" bezeichnet. Zudem habe er sie immer wieder Situationen ausgesetzt, die sie als Ã¤usserst unangenehm bzw. belÃ¤stigend empfunden habe, indem sie beispielsweise zu spÃ¤ten Uhrzeiten und ohne entsprechenden Appetit noch mit ihm habe essen mÃ¼ssen. In ihrer Anwesenheit habe er laute Heavy-Metal-Musik gespielt oder Drogen und Alkohol konsumiert. Weiter sei sie von ihm zu unerwÃ¼nschten Sexpraktiken bis hin zum Geschlechtsverkehr, teilweise durch subtilen psychischen Druck, genÃ¶tigt worden, sodass der Verzicht, sich zu wehren, das kleinere Ãbel dargestellt habe. Es sei auch zu tÃ¤tlichen Ãbergriffen seinerseits gekommen, indem er sie beispielsweise gegen die Zimmerwand geworfen oder ihr HaarbÃ¼schel ausgerissen habe. Zwischen Oktober 2014 und Juni 2015 habe sie eine haarwuchsfÃ¶rdernde Medikamententherapie durchgefÃ¼hrt, was ebenfalls eindeutig fÃ¼r die erfahrene Gewalteinwirkung in Form von an den Haaren reissen spreche. Selber habe sie das "Thema eheliche Gewalt" nach der Trennung fÃ¼r sich eigentlich begraben und soweit mÃ¶glich verdrÃ¤ngen worden. Erst unter dem "grossen migrationsrechtlichen Druck" habe sie sich gezwungen gesehen, sich mit diesen Erlebnissen doch wieder auseinanderzusetzen, weil solche eheliche Gewalt migrationsrechtlich nun einmal relevant sei. </p> <p class="Erwgung2">Personen aus ihrem vertrauten Umfeld, so die Eheleute F, bzw. die ehemalige Arbeitgeberin G, hÃ¤tten bestÃ¤tigt, bei ihr, der BeschwerdefÃ¼hrerin, Blessuren in Form von blauen Flecken und Prellungen im Gesicht von mÃ¶glichen tÃ¤tlichen Ãbergriffen gesehen und von ihr erfahren zu haben, dass diese vom Ex-Ehemann stammten. Auch hÃ¤tten sie beobachtet, dass sie ein zunehmend verstÃ¶rtes und depressives Verhalten aufgewiesen habe. Von einer "migrationsrechtlichen Strategie" kÃ¶nne keine Rede sein, andernfalls sie die eheliche Gewalt gleich zu Beginn des Verfahrens geltend gemacht hÃ¤tte. Sodann hÃ¤tte sie sich die Blessuren auch noch eigens zuziehen mÃ¼ssen, was vernÃ¼nftigerweise ausser Betracht falle. Ebenso wenig kÃ¶nne ernsthaft in Betracht gezogen werden, dass die Auskunftspersonen ihre Wahrnehmungen wahrheitswidrig schriftlich festgehalten hÃ¤tten. </p> <p class="Erwgung2">Auch Dr. med. D habe ihr im Bericht vom 2. November 2018 Symptome einer posttraumatischen StÃ¶rung aufgrund der wÃ¤hrend der Ehe erlittenen hÃ¤uslichen Gewalt attestiert. Die Konfrontation mit dem Ex-Ehemann im Rahmen des Scheidungsverfahrens habe offenbar wieder zu massiven SchlafstÃ¶rungen und depressiven Angstsymptomen gefÃ¼hrt. Dasselbe ergebe sich aus dem Bericht von Dr. med. E. HÃ¤tte die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion die psychiatrischen Berichte â nachdem sie selber einen fachÃ¤rztlichen Bericht verlangt habe â als den Beweisanforderungen nicht genÃ¼gend erachtet, hÃ¤tte sie eine ErgÃ¤nzung einholen mÃ¼ssen. Diese einfach als ungenÃ¼gend abzustempeln, komme einer unzulÃ¤ssigen BeweiswÃ¼rdigung gleich. Ebenso habe der Bericht der Fachstelle H vom 14. April 2021 eine posttraumatische BelastungsstÃ¶rung festgehalten, die hÃ¶chstwahrscheinlich aufgrund der Konfrontation mit dem Ex-Ehemann im Rahmen des Scheidungsverfahrens ausgelÃ¶st worden sei. </p> <p class="Erwgung2">Die Vorinstanz habe die Aussagen der vier Mitbewohner des Ex-Ehemanns als starkes Indiz gegen die behauptete eheliche Gewalt betrachtet. Die eheliche Gewalt habe aber praktisch ausschliesslich nach dem Auszug in die Wohnung am I-Weg per Anfang Dezember 2014 stattgefunden. Der Ex-Ehemann habe kurz vor dem Umzug sowohl seine Arbeit wie auch sein Studium aufgegeben, was seine Lebenssituation destabilisiert und bei ihm zu einem erhÃ¶hten Drogen- und Alkoholkonsum gefÃ¼hrt habe. Die Ãbergriffe, die noch in der WG stattfanden, hÃ¤tten die Mitbewohner gar nicht wahrnehmen kÃ¶nnen, weil diese dann jeweils nicht anwesend gewesen seien. Der Ex-Ehemann habe sich insofern unter Kontrolle gehabt, als er sich ihr gegenÃ¼ber in Anwesenheit der Mitbewohner nicht Ã¼bergriffig verhalten habe. Der Mitbewohner J habe ab Juni 2014 nicht mehr in der WG gelebt. K und L hÃ¤tten sich hinsichtlich der HÃ¤ufigkeit von gemeinsamen Essen widersprochen. Die sexuellen Ãbergriffe hÃ¤tten sowieso hinter verschlossener TÃ¼r stattgefunden. Sie sei dazu auch nicht primÃ¤r durch physische Gewalt, sondern Ã¼berwiegend in Form von subtilen Drohungen und psychischem Druck genÃ¶tigt worden, weshalb sie sich auch nicht mit aller (physischer) Kraft zur Wehr gesetzt habe, was fÃ¼r die Mitbewohner allenfalls hÃ¶rbar gewesen wÃ¤re. Auch kÃ¶nne deren Unvoreingenommenheit infrage gestellt werden, seien sie doch offenbar mit dem Ex-Ehemann befreundet gewesen. Unter anderem sei sie gerade deshalb darum besorgt gewesen, dass keiner der Mitbewohner etwas davon mitbekomme und allfÃ¤llige kÃ¶rperliche Spuren sehe. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Im Rekursentscheid vom 28. April 2021 wurden die behaupteten Vergewaltigungen "als nicht ansatzweise" substanziiert gewÃ¼rdigt. Der Psychiaterin Dr. med. D habe die BeschwerdefÃ¼hrerin erzÃ¤hlt, vom Ex-Ehemann an die Wand geworfen worden zu sein. Dass sie dieses eindrÃ¼ckliche Erlebnis in der ersten Schilderung der hÃ¤uslichen Gewalt nicht erwÃ¤hnt habe, lasse bereits Zweifel an ihrer Darstellung aufkommen. WÃ¤re sie, wie behauptet, an die Wand geworfen worden und hÃ¤tte er ihr bÃ¼schelweise Haare ausgerissen, so hÃ¤tte dies der Wohngemeinschaft nicht verborgen bleiben kÃ¶nnen. Von den schriftlich befragten vier Bewohnern habe sich keiner an Gewaltszenen erinnern kÃ¶nnen. K habe das Zimmer direkt neben jenem der BeschwerdefÃ¼hrerin gehabt und hÃ¤tte deshalb mitbekommen mÃ¼ssen, wenn sie an die Wand geworfen worden wÃ¤re. Er habe die Beziehung zwischen den Eheleuten als insgesamt harmonisch beschrieben, auch wenn es hin und wieder zu lauten Streitereien gekommen sei. Auch die Behauptung, sie sei vom Partner zum Essen gezwungen worden, habe von K nicht bestÃ¤tigt werden kÃ¶nnen. L habe ausgefÃ¼hrt, es sei zwischen den Eheleuten zu Streitereien gekommen. An Gewalt habe er sich nicht erinnern kÃ¶nnen. In gleicher Weise habe sich M geÃ¤ussert. Er habe die BeschwerdefÃ¼hrerin nach dem Auszug des Paars aus der Wohngemeinschaft noch mehrere Male in der Stadt getroffen. Sie habe auf ihn recht glÃ¼cklich gewirkt und keine Andeutungen gemacht, wonach die Ehe im Argen lÃ¤ge. Die Aussagen von J wÃ¼rden mit jenen der Ã¼brigen drei Bewohnern Ã¼bereinstimmen. Die Aussagen der vier Mitbewohner sprÃ¤chen dafÃ¼r, dass die von der BeschwerdefÃ¼hrerin behauptete hÃ¤usliche Gewalt nicht stattgefunden habe. </p> <p class="Urteilstext">Der Bericht von Dr. med. D vom 2. November 2018 stelle keinen Beweis fÃ¼r die Jahre zurÃ¼ckliegende hÃ¤usliche Gewalt dar, dies wegen der zeitlichen Distanz und weil die Schilderungen einzig auf den ErzÃ¤hlungen der BeschwerdefÃ¼hrerin beruhten. Zudem habe die Ãrztin die BeschwerdefÃ¼hrerin als "liebenswÃ¼rdige, kultivierte PersÃ¶nlichkeit" beschrieben, was eine wenig ausgeprÃ¤gte ObjektivitÃ¤t erkennen lasse, sei es doch nicht Sache einer Psychiaterin, ob eine Person liebenswÃ¼rdig sei. Der Bericht von Dr. med. E aus dem Jahr 2019 stÃ¼tze die Behauptungen der BeschwerdefÃ¼hrerin ebenfalls nicht. Auch die Aussagen der Eheleute F seien kein genÃ¼gender Hinweis auf die behauptete hÃ¤usliche Gewalt, zumal die von ihnen bei der BeschwerdefÃ¼hrerin festgestellten blauen Flecken auf irgendeine andere Ursache zurÃ¼ckgehen kÃ¶nnten. Diese habe denn auch erst Jahre nach den angeblichen VorfÃ¤llen und unter dem Druck eines migrationsrechtlichen Verfahrens behauptet, Opfer hÃ¤uslicher Gewalt worden zu sein, wofÃ¼r aber keine Beweise vorlÃ¤gen. Nicht nachvollziehbar sei sodann, dass sie trotz der behaupteten hÃ¤uslichen Gewalt und mehr als ein Jahr nach dem Auszug des Ex-Ehemanns in der Eingabe vom 24. Juni 2016 ausgefÃ¼hrt habe, ihr Ehemann sei jederzeit willkommen. Sie hoffe aber, dass es keine Probleme mehr mit Alkohol und Drogen gebe. HÃ¤tte sie tatsÃ¤chlich unter ehelicher Gewalt gelitten, wÃ¤re sie kaum mehr bereit gewesen, ihn willkommen zu heissen. Ihre Behauptung, sie habe sich niemandem anvertrauen kÃ¶nnen, sei aktenwidrig, habe sie doch wegen der erlittenen hÃ¤uslichen Gewalt im November 2014 den Hausarzt konsultiert. Ein Bericht des Hausarztes, von dem eine zeitnahe Schilderung hÃ¤tte erwartet werden kÃ¶nnen, sei indes nicht eingereicht worden.</p> <p class="Urteilstext">Bis zum ersten Rekursverfahren habe die BeschwerdefÃ¼hrerin die Strategie gehabt, am formellen Bestand der Ehe festzuhalten und keine hÃ¤usliche Gewalt erwÃ¤hnt. Nach der Abweisung des VerlÃ¤ngerungsgesuchs durch den Beschwerdegegner habe sie das Narrativ geÃ¤ndert, den fortbestehenden Ehewillen nicht mehr geltend gemacht und dafÃ¼r hÃ¤usliche Gewalt behauptet. Das Narrativ sei den Anforderungen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG angepasst worden. Die behauptete hÃ¤usliche Gewalt sei nicht bewiesen, auch wenn an den Beweis keine hohen Anforderungen gestellt wÃ¼rden.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Wie ausgefÃ¼hrt, ist bei der PrÃ¼fung ehelicher Gewalt eine <i>GesamtwÃ¼rdigung</i> der Aussagen und der diversen Berichte vorzunehmen (E. 2.2.1). Daran Ã¤ndert grundsÃ¤tzlich nichts, dass sich die BeschwerdefÃ¼hrerin noch bis zum ersten Rekursverfahren eine Wiederaufnahme der ehelichen Beziehung vorstellen konnte, kann dies doch gerade Folge multipler AbhÃ¤ngigkeiten einer gewaltbelasteten Beziehung sein. Darunter fÃ¤llt beispielsweise das PhÃ¤nomen, dass sich die gewaltbetroffene Person eigentlich gar nicht trennen mÃ¶chte. Sie mÃ¶chte "nur", dass die Gewalt ende und kehrt deshalb, bei entsprechenden Versprechungen, zum Partner zurÃ¼ck, was als "Kreislauf der Gewalt" bezeichnet wird (vgl. Bericht EBG, S. 15). Jedenfalls kann daraus, dass sich die BeschwerdefÃ¼hrerin nach erfolgter Trennung anfÃ¤nglich eine Wiederaufnahme des Zusammenlebens vorstellen konnte und die eheliche Gewalt nicht sofort thematisierte, nicht von vornherein geschlossen werden, diese habe nicht stattgefunden. Davon ging ursprÃ¼nglich auch die Vorinstanz aus, andernfalls sie die Sache am 19. Januar 2018 nicht zur Sachverhaltsfeststellung und zum Neuentscheid an den Beschwerdegegner zurÃ¼ckgewiesen hÃ¤tte. Insoweit widersprechen sich der Rekursentscheid vom 19. Januar 2018 und jener vom 28. April 2021.</p> <p class="Erwgung2">Fest steht, dass nach Jahren die Glaubhaftmachung erlittener ehelicher Gewalt und insbesondere entsprechender konkreter gewaltbelasteter Ereignisse schwierig ist, weshalb die Vornahme einer sogenannten gesamthaften Betrachtung unter BerÃ¼cksichtigung aktuellerer Berichte von Fachpersonen umso wichtiger ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.1 </b>Bezogen auf die Zeit des ehelichen Zusammenlebens sind einige Fragmente rekonstruierbar. So steht fest, dass der Ex-Ehemann psychische Probleme hatte und die BeschwerdefÃ¼hrerin nach Ansicht von Drittpersonen vorerst stabilisierend auf ihn wirkte. Bereits vor der Ehe war er auf freiwilliger Basis fÃ¼r ca. drei Monate in stationÃ¤rer psychiatrischer Behandlung. Der Klinikrechnung vom 6. Juni 2013 lÃ¤sst sich der Diagnosecode F1 entnehmen. GemÃ¤ss Darlegung der BeschwerdefÃ¼hrerin wurde der Ex-Ehemann wÃ¤hrend des ehelichen Zusammenlebens aufgrund Substanzmissbrauchs gewalttÃ¤tig, was die Eheleute F mit E-Mail vom 17. Februar 2017 bestÃ¤tigten, ebenso die ehemalige Arbeitgeberin G mit Schreiben vom 9. Mai 2017. Am 19. Oktober 2018 wiederholten die Eheleute F auf Anfrage des Beschwerdegegners, bei der BeschwerdefÃ¼hrerin blaue Flecken gesehen und bei ihr eine VerstÃ¶rtheit festgestellt zu haben. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe von der ehelichen Gewalt erzÃ¤hlt. Die ehemalige Arbeitgeberin G bezeugte mit Schreiben vom 23. Oktober 2018, nachdem auch sie vom Migrationsamt schriftlich befragt worden war, die BeschwerdefÃ¼hrerin sei mit einem blauen Auge zur Arbeit erschienen. Sie sei immer stiller geworden, sei sehr traurig und deprimiert gewesen und habe oft geweint. Sie habe sich darÃ¼ber beklagt, dass ihr Mann zuhause sehr oft betrunken sei und Marihuana rauche und sie nichts dagegen tun kÃ¶nne, weil er sonst gewalttÃ¤tig reagiere. Sie habe Angst vor ihm gehabt. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe auf keinen Fall gewollt, dass weitere Personen von den VorfÃ¤llen erfÃ¼hren. Es sei ihr extrem peinlich gewesen und sie habe absolut nicht darÃ¼ber sprechen wollen. Weiter findet sich in den Akten ein von der BeschwerdefÃ¼hrerin mit einem Fitnesscenter am 2. Juli 2014 fÃ¼r die Dauer eines Jahres abgeschlossener Vertrag. Damit wollte sie in der Rekurseingabe vom 21. Februar 2017 untermauern, dass der Ehemann sie bezÃ¼glich ihres Aussehens erniedrigt hatte und sie ihm habe gefallen und ihre Figur erhalten wollen. In derselben Rekurseingabe hatte sie auch auf die Medikamententherapie fÃ¼r den Haarwuchs verwiesen, weil der Ehemann sie derart an den Haaren gerissen habe, dass ihr die Haare bÃ¼schelweise ausgefallen seien. Ebenso liegt ein nicht datiertes Foto bei den Akten, das Prellungen bei der BeschwerdefÃ¼hrerin aufweist. GemÃ¤ss ihrer Eingabe vom 28. April 2017 soll das Foto aus dem Jahr 2014 stammen. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.2 </b>Mit Eingabe vom 22. Juni 2018 rÃ¤umte der Ex-Ehemann ein, es seien ausgefallene Sexualpraktiken ausgeÃ¼bt worden, allerdings immer im gegenseitigen Einvernehmen. Gleichzeitig hielt er fest, die BeschwerdefÃ¼hrerin schrecke nicht davor zurÃ¼ck, ihn falsch anzuschuldigen, nur um den Aufenthalt in der Schweiz zu erzwingen. Am 11. Juli 2018 bestritt der Ex-Ehemann eine psychische LabilitÃ¤t und Sucht seinerseits und fÃ¼hrte gleichzeitig aus, es sei richtig, dass er psychiatrische Hilfe beansprucht habe. Sodann hielt er fest, es sei erklÃ¤rungsbedÃ¼rftig, was unter dem Vorwurf "regelrecht vergewaltigt" zu verstehen sei. Auch diese Behauptungen der BeschwerdefÃ¼hrerin seien, sofern Ã¼berhaupt relevant, unzutreffend und wÃ¼rden bestritten. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.3 </b>Die frÃ¼heren Mitbewohner der Eheleute Ã¤usserten sich wie folgt: </p> <p class="Erwgung3">K verneinte, bei der BeschwerdefÃ¼hrerin jemals Verletzungen gesehen zu haben. Er sei niemals Zeuge von physischer oder psychischer Gewalt durch den Ehemann gegen die Ehefrau geworden. Es habe schon hin und wieder lautstarke Streitereien gegeben, die seiner Erinnerung nach aber verbal ausgetragen worden seien und sich in einem normalen Rahmen gehalten hÃ¤tten. Die VorwÃ¼rfe gegen den Ehemann seien umso erschÃ¼tternder, da sie sich Ã¼berhaupt nicht mit seiner Wahrnehmung der Beziehung der beiden deckten. Er habe manchmal mit den beiden gekocht und hÃ¤ufiger gemeinsam das getrennt zubereitete Essen gegessen. Er kÃ¶nne sich an keinen Fall erinnern, wonach der Ehemann die Ehefrau zum Essen gezwungen habe. Er kÃ¶nne sich an keine Erniedrigung seitens des Ehemanns erinnern. Dagegen wisse er noch sehr genau, wie positiv er sich ihm gegenÃ¼ber Ã¼ber seine damalige Freundin und spÃ¤tere Ehefrau geÃ¤ussert habe, vor allem auch in Bezug auf ihre physische Erscheinung. Zum ehelichen VerhÃ¤ltnis kÃ¶nne er weniger Auskunft geben als zum vorehelichen VerhÃ¤ltnis. Seiner Erinnerung nach sei der Ehemann sehr verliebt in sie gewesen. Wenn Ã¼berhaupt, habe er, K, zwischenzeitlich den Eindruck gehabt, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin die GutmÃ¼tigkeit ihres spÃ¤teren Ehemanns ausnÃ¼tzen kÃ¶nnte. Dieser habe gerade zu der Zeit auch noch selber nicht sehr gefestigte Vorstellungen zu seiner persÃ¶nlichen Entwicklung und dem, was er beruflich machen wollte, gehabt. Es sei damals aber sehr positiv zu beobachten gewesen, dass seine Beziehung zu seiner spÃ¤teren Frau ihm auch in diesem Zusammenhang Halt zu geben schien. Umso mehr hÃ¤tten ihn, K, die hier vorgebrachten VorwÃ¼rfe erschÃ¼ttert.</p> <p class="Urteilstext">L verneinte mit am 14. Februar 2019 beim Beschwerdegegner eingegangenem Antwortschreiben, GewaltvorfÃ¤lle wahrgenommen zu haben. Er hielt aber fest, er habe durchaus mehr Spannungen wahrnehmen kÃ¶nnen, als er es in seinen Beziehungen gewohnt sei, allerdings seien die von beiden Seiten ausgegangen und hÃ¤tten nicht besorgniserregend geschienen. Es sei hin und wieder zu "Streits" gekommen, aber handgreiflich sei in seiner Anwesenheit niemand geworden.</p> <p class="Urteilstext">Auch M verneinte mit am 18. MÃ¤rz 2019 beim Beschwerdegegner eingegangenem Schreiben, bei der BeschwerdefÃ¼hrerin Hinweise auf kÃ¶rperliche Gewalt erkannt zu haben. Er habe keinen LÃ¤rm feststellen kÃ¶nnen, der auf Gewalt jeglicher Form hingewiesen hÃ¤tte. Hie und da habe es Streit aus verschiedenen GrÃ¼nden gegeben, die seines Wissens nach jedoch nie gewaltsam ausgetragen worden seien. Zwei GrÃ¼nde fÃ¼r Streit hÃ¤tten einerseits Finanzielles betroffen, da sich die BeschwerdefÃ¼hrerin trotz ihres Einkommens nicht immer in fairer Weise an der Miete beteiligt habe, und andererseits ihre Gewohnheit, am Wochenende viel Zeit im Ausgang zu verbringen, was wiederum einen Einfluss auf ihre Finanzen gehabt habe. Er habe ein gutes VerhÃ¤ltnis zur BeschwerdefÃ¼hrerin gehabt und habe sich hin und wieder mit ihr Ã¼ber ihre Beziehung und auftauchende Probleme unterhalten. Sie habe den Anschein erweckt, grundsÃ¤tzlich zufrieden zu sein. Beide Eheleute hÃ¤tten ungewÃ¶hnliche Essgewohnheiten gehabt. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe er Ã¶fters am Mittag angetroffen, als sie sich ihr FrÃ¼hstÃ¼ck gemacht habe und sich damit in das gemeinsame Zimmer zurÃ¼ckgezogen habe. Der Ehemann habe sich vornehmlich von Fertiggerichten ernÃ¤hrt. Es sei eher die Ausnahme als die Regel gewesen, dass die beiden gemeinsam gegessen hÃ¤tten. Die Ehe sei sicher nicht in allen Belangen perfekt gewesen. Er habe die Eheleute jedoch insgesamt als harmonierendes Paar wahrgenommen. Nach dem Umzug der Eheleute sei er der BeschwerdefÃ¼hrerin noch einige Male in der Stadt begegnet. Sie habe immer recht glÃ¼cklich gewirkt und habe keine Andeutungen gemacht, dass mit der Ehe etwas im Argen lÃ¤ge. Auch mit dem Ehemann sei er noch einige Monate in Kontakt gestanden und habe erfahren, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin von ihm die Scheidung verlange und dass er den Prozess bezahle. Der Ehemann habe darÃ¼ber sehr zerstreut gewirkt, da er lieber an der Beziehung gearbeitet hÃ¤tte, als sie aufzugeben; er sei sich finanziell ausgenutzt vorgekommen.</p> <p class="Urteilstext">Mit E-Mail vom 19. MÃ¤rz 2019 verneinte J, GewaltvorfÃ¤lle mitbekommen zu haben. Gleichzeitig hielt er fest, er habe die Wohngemeinschaft vor oder kurz nach der Heirat der beiden verlassen.</p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.4 </b>Weiter liegen Ã¤rztliche Berichte bzw. ein Bericht der Fachstelle H betreffend die BeschwerdefÃ¼hrerin vor:</p> <p class="Urteilstext">Dr. med. D bescheinigte der BeschwerdefÃ¼hrerin am 2. November 2018 eine posttraumatische StÃ¶rung (ICD 10 F43.1) mit Schlaflosigkeit, Depression, AngstzustÃ¤nden, vegetativen Symptomen und allgemeiner Verunsicherung. Diese StÃ¶rungen seien Folge der wÃ¤hrend der Ehe erlittenen hÃ¤uslichen Gewalt. Ihr Ehemann habe mÃ¶glicherweise eine psychotische Entwicklung durchgemacht. Er habe sie sowohl kÃ¶rperlich als auch seelisch missbraucht, oft unter Anwendung von kÃ¶rperlichen TÃ¤tlichkeiten, die ihr Verletzungen beigebracht hÃ¤tten. Er habe sie geschlagen, gegen die Wand geworfen, Sex erzwungen etc. Die Psychiaterin erwÃ¤hnt eine "wahrscheinlich krankhafte Entwicklung des Ehemannes", die nicht vorauszusehen gewesen sei. Die BeschwerdefÃ¼hrerin sei eine intelligente, liebenswÃ¼rdige und kultivierte PersÃ¶nlichkeit. Sie versuche, trotz ihren kÃ¶rperlichen und seelischen Symptomen, ein unabhÃ¤ngiges Leben in der Schweiz aufzubauen. Ein ZurÃ¼ck nach ... kÃ¤me fÃ¼r sie einer Katastrophe gleich. Die BeschwerdefÃ¼hrerin war vom 4. April bis 17. September 2018 fÃ¼nfmal bei der Ãrztin gewesen.</p> <p class="Urteilstext">Auch Dr. med. E, welche die BeschwerdefÃ¼hrerin seit dem 26. Juli 2019 betreut und fÃ¼nfmal in der Praxis gesehen hatte, hielt am 1. Oktober 2019 fest, diese habe sie wegen massiver SchlafstÃ¶rungen und depressiver Angstsymptomen (mit vegetativen Symptomen) aufgesucht. In den Sitzungen habe sich herausgestellt, dass sie auch unter Symptomen (Flashbacks, Derealisations- und Depersonalisationserleben), wie sie bei Traumapatienten zu finden seien, leide. Die traumatischen Erfahrungen hÃ¤tten anamnestisch in der Ehe stattgefunden, weshalb die (damals) bevorstehende Scheidung und auch die Verhandlung selbst eine Belastung fÃ¼r sie darstelle, der sie sich aber unbedingt stellen mÃ¶chte, um einen Abschluss fÃ¼r sich finden zu kÃ¶nnen. Dies sei aus therapeutischer Sicht zu unterstÃ¼tzen. Entspannungsverfahren hÃ¤tten zur deutlichen Reduzierung der massiven SchlafstÃ¶rungen gefÃ¼hrt und die Patientin kÃ¶nne so einer 60%-Anstellung als ... weiterhin nachgehen.</p> <p class="Urteilstext">Der Hausarzt der BeschwerdefÃ¼hrerin, Dr. med. N, hielt mit Arztzeugnis vom 29. Mai 2017 fest, er betreue sie seit November 2014. Am 14. November 2014 habe sie ihn mit starkem Husten ohne ErkÃ¤ltung aufgesucht. Diese Erkrankung habe sich ursÃ¤chlich durch den Ã¼bermÃ¤ssigen Nikotinkonsum des Ehemanns manifestiert, welcher keinerlei Einsicht gezeigt habe und trotz offensichtlicher Verschlechterung des Zustands der BeschwerdefÃ¼hrerin tagsÃ¼ber und auch nachts in den gemeinsam bewohnten RÃ¤umlichkeiten weiter geraucht habe. Sie habe eine starke antientzÃ¼ndliche und spasmolytische Inhalationstherapie erhalten, wie sie sonst Asthmatiker erhalten.</p> <p class="Urteilstext">GemÃ¤ss Bericht der FIZ vom 14. April 2021 meldete sich die BeschwerdefÃ¼hrerin dort erstmals am 15. Mai 2019 und kam am 21. Mai 2019 zum persÃ¶nlichen ErstgesprÃ¤ch. Sie habe glaubwÃ¼rdig geschildert, weshalb sie sich wegen der erlittenen Gewalt wÃ¤hrend der Ehe nicht getraut habe, Hilfe bei einer Fachstelle oder der Polizei zu holen. Sie habe vor allem grosse SchamgefÃ¼hle gehabt und aufgrund der Suchtproblematik des Ehemanns die Hoffnung gehegt, dass sich mit einem Entzug die Situation verbessere. Bereits vor der Ehe habe er erfolgreich einen Entzug gemacht und den Anschein vermittelt, durch den Beginn einer neuen Ausbildung sein Leben in den Griff zu bekommen. Auch habe sie befÃ¼rchtet, durch den Einbezug der Polizei oder anderer Institutionen ihre Arbeit und den sicheren Aufenthalt in der Schweiz zu verlieren. GemÃ¤ss EinschÃ¤tzung der FIZ-Beraterin habe die BeschwerdefÃ¼hrerin im GesprÃ¤ch Anzeichen einer posttraumatischen BelastungsstÃ¶rung gezeigt und immer wieder mit den TrÃ¤nen gekÃ¤mpft. Am 29. MÃ¤rz 2021 habe sich die BeschwerdefÃ¼hrerin erneut gemeldet. Nach Kenntnis der VerfÃ¼gung des Beschwerdegegners kÃ¶nne sie kaum mehr schlafen und leide unter Flashbacks, wo sie teilweise die Schmerzen der Gewalt erneut spÃ¼re. Die zustÃ¤ndige Sozialarbeiterin gelangte zur Schlussfolgerung, dass das von der BeschwerdefÃ¼hrerin beschriebene systematische Gewalt- und Kontrollverhalten detailliert, plausibel und kongruent sei. Nach EinschÃ¤tzung der Fachstelle lÃ¤gen keine GrÃ¼nde vor, an der GlaubwÃ¼rdigkeit der BeschwerdefÃ¼hrerin zu zweifeln.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>In WÃ¼rdigung der diversen Aussagen der BeschwerdefÃ¼hrerin und des Ex-Ehemanns sowie von Drittpersonen und insbesondere der Arztberichte sowie des Berichts der FIZ muss die <i>Glaubhaftmachung</i> der von der BeschwerdefÃ¼hrerin geltend gemachten ehelichen Gewalt (vgl. E. 3.1) aus folgenden GrÃ¼nden bejaht werden: </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.1 </b>Die Schilderungen der BeschwerdefÃ¼hrerin werden von den Aussagen der frÃ¼heren Mitbewohner der Eheleute nicht widerlegt. Das Zusammenleben der Mitbewohner und der Eheleute dauerte ohnehin nur kurz, zog das Paar doch schon am 1. Dezember 2014 in eine eigene Wohnung. Ausserdem waren die Mitbewohner primÃ¤r mit dem Ex-Ehemann befreundet gewesen, was bei der WÃ¼rdigung ihrer Aussagen zu beachten ist. Die Mitbewohner verneinten zwar, eheliche Gewalt festgestellt zu haben, berichteten aber immerhin von gewissen Verwerfungen zwischen den Eheleuten. So erwÃ¤hnte K, lautstarke Streitereien zwischen den beiden wahrgenommen zu haben. Auch sprach er davon, sehr positiv beobachtet zu haben, dass die Beziehung dem Ex-Ehemann Halt zu geben schien. Auch L nahm "mehr Spannungen" wahr, als er es sich in einer Beziehung gewohnt sei. M hielt ebenfalls fest, hie und da habe es Streit zwischen den beiden gegeben. Die GrÃ¼nde dafÃ¼r fÃ¼hrte er auf das Verhalten der BeschwerdefÃ¼hrerin zurÃ¼ck, die sich nicht fair an der Miete beteiligt und an den Wochenenden viel Zeit im Ausgang verbracht haben soll. Hin und wieder habe er sich mit der BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼ber ihre Beziehung und auftauchende Probleme unterhalten. Sie habe den Anschein erweckt, grundsÃ¤tzlich zufrieden zu sein. Die Ehe sei sicher nicht in allen Belangen perfekt gewesen. Auch spÃ¤ter, als er die BeschwerdefÃ¼hrerin in der Stadt angetroffen habe, habe sie recht glÃ¼cklich gewirkt.</p> <p class="Urteilstext">Fest steht, dass auch die Mitbewohner Streitigkeiten und Spannungen zwischen den Eheleuten mitbekommen haben. Wie sich den Aussagen von K entnehmen lÃ¤sst, stand auch eine gewisse psychische InstabilitÃ¤t des Ex-Ehemanns im Raum. Was zwischen den Eheleuten, gerade im intimen Bereich, genau ablief, ob der Ex-Ehemann die BeschwerdefÃ¼hrerin an den Haaren riss und sie wegen ihres Ãusseren erniedrigte, konnten selbstredend auch die Mitbewohner nicht wissen, zumal sie nicht immer zugegen sein konnten. Die von ihnen geÃ¤usserten Wahrnehmungen vermÃ¶gen jedenfalls die von der BeschwerdefÃ¼hrerin geschilderten Gewaltvorkommnisse nicht zu erschÃ¼ttern.</p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.2 </b>FÃ¼r die Glaubhaftmachung der von der BeschwerdefÃ¼hrerin geschilderten GewaltvorfÃ¤lle sprechen nebst den Schreiben der Eheleute F und der ehemaligen Arbeitgeberin G insbesondere die Arztberichte von Dr. med. D und Dr. med. E. Dass Dr. med. D die BeschwerdefÃ¼hrerin als "intelligente, liebenswÃ¼rdige und kultivierte PersÃ¶nlichkeit" beschrieben hat, lÃ¤sst auch nicht auf eine Voreingenommenheit der Ãrztin schliessen, gehÃ¶ren doch zu einem derartigen Bericht gerade auch Wahrnehmungen der Fachperson betreffend das Auftreten der Patientin, die Ã¤ussere Erscheinung und sprachliche VerstÃ¤ndigung sowie die Beschreibung der PersÃ¶nlichkeit insgesamt. Die Ãrztinnen D und E haben bei der BeschwerdefÃ¼hrerin eine auf die Ehe zurÃ¼ckzufÃ¼hrende traumatische StÃ¶rung festgestellt. Auch die Fachperson des FIZ stellte Anzeichen einer posttraumatischen StÃ¶rung bei der BeschwerdefÃ¼hrerin fest. Dass die BeschwerdefÃ¼hrerin eine auf eheliche Gewalt zurÃ¼ckzufÃ¼hrende posttraumatische StÃ¶rung nur vortÃ¤uschte und dies sÃ¤mtlichen Fachpersonen verborgen geblieben sein soll, erscheint als unwahrscheinlich. Auch dem Arztzeugnis des Hausarztes Dr. med. N vom 29. Mai 2017 lÃ¤sst sich entnehmen, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin ihn Mitte November 2014, also wÃ¤hrend des ehelichen Zusammenlebens, aufgesucht hatte. Es war die Rede davon gewesen, dass der Ehemann trotz ihres ErkÃ¤ltungszustands mit seinem Nikotinkonsum keinerlei RÃ¼cksicht auf sie nehme, was das Bild des geschilderten rÃ¼cksichtslosen Verhaltens des Ex-Ehemanns abrundet. Ins gleiche Bild passt das undatierte Foto mit den Prellungen der BeschwerdefÃ¼hrerin (E. 4.2.1). In diesem Zusammenhang ist nochmals festzuhalten, dass sowohl die Eheleute F als auch die ehemalige Arbeitgeberin G entsprechende Verletzungen bei der BeschwerdefÃ¼hrerin gesehen haben. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.3 </b>Insbesondere stellte der Ex-Ehemann selber psychische Probleme seinerseits nicht in Abrede. Solche wurden denn auch von Drittpersonen und Ã¤rztlich festgestellt. Des Weiteren bestritt er die AusÃ¼bung ausgefallener Sexualpraktiken nicht, was aber immer im gegenseitigen Einvernehmen geschehen sei. Es mag sein, dass er von einem gegenseitigen Einvernehmen ausging. Allein die Tatsache, dass er ausfÃ¼hren liess, es sei "erklÃ¤rungsbedÃ¼rftig", was unter dem Vorwurf "regelrecht vergewaltigt" zu verstehen sei, deutet auf eine wenig reflektierte Sichtweise seinerseits hin (E. 4.2.2). Die BeschwerdefÃ¼hrerin hat diese Praktiken jedoch anders wahrgenommen und sich dazu gedrÃ¤ngt, wenn nicht gar genÃ¶tigt gefÃ¼hlt. Fest steht, dass der Ex-Ehemann mit seiner eigenen psychischen Stabilisierungsproblematik zu kÃ¤mpfen hatte und ihn die BedÃ¼rfnisse der BeschwerdefÃ¼hrerin wenig zu interessieren schienen. Seine Aussagen bzw. seine Sichtweise sind daher nicht geeignet, ein gegenÃ¼ber der BeschwerdefÃ¼hrerin ausgeÃ¼btes systematisches Gewalt- und Kontrollverhalten zu entkrÃ¤ften. Es ist eher das Gegenteil der Fall, bestreitet er doch diverse Geschehnisse gerade nicht, sondern nur, nicht einvernehmlich gehandelt zu haben. Es liegen aber genÃ¼gende Indizien dafÃ¼r vor, dass sein Ã¼bergriffiges Verhalten nicht einvernehmlich sein konnte, so die Blessuren bei der BeschwerdefÃ¼hrerin, die auch von Drittpersonen wahrgenommen wurden. Insbesondere haben mehrere Fachpersonen die bei der BeschwerdefÃ¼hrerin aufgrund des erlittenen Gewaltmusters aufgetretenen schwerwiegenden Folgen bestÃ¤tigt.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Die Beschwerde ist damit gutzuheissen und es sind der Entscheid des Beschwerdegegners vom 1. MÃ¤rz 2021 ganz und der Rekursentscheid vom 28. April 2021 teilweise aufzuheben, unter Aufrechterhaltung von Dispositiv-Ziff. II des Rekursentscheids (Vormerknahme vom RÃ¼ckzug des Gesuchs um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen Rechtspflege und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands). Der Beschwerdegegner ist anzuweisen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Die PrÃ¼fung weiterer Fragen, namentlich der Zumutbarkeit einer Wegweisung nach ... bzw. der dortigen Gewaltsituation und allfÃ¤lliger medizinischer BehandlungsmÃ¶glichkeiten, erÃ¼brigt sich hiermit.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG). Dieser ist zudem zu verpflichten, der obsiegenden BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Beschwerde- und das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von je Fr. 1'500.- (Mehrwertsteuer inklusive) zu bezahlen (§ 17 Abs. 2 lit. a VRG).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin geleistete Kaution ist dem zentralen Inkasso des Obergerichts zur Verrechnung mit (allenfalls) noch offenen Schulden aus frÃ¼heren Verfahren zu Ã¼berweisen (vgl. VGr, 1. Dezember 2021, VB.2021.00566, E. 3.2 [nicht auf www.vgr.zh.ch verÃ¶ffentlicht]; VGr, 1. Februar 2017, VB.2016.00687, E. 4.2 mit Hinweisen).</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung3"><span>Der vorliegende Entscheid kann mit Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) angefochten werden, soweit ein Rechtsanspruch auf eine fremdenpolizeiliche Bewilligung geltend gemacht wird. Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid der Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion vom 28. April 2021 wird teilweise im Sinn der ErwÃ¤gungen und die VerfÃ¼gung des Beschwerdegegners vom 1. MÃ¤rz 2021 ganz aufgehoben. Der Beschwerdegegner wird angewiesen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Kosten des Rekursverfahrens werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- (inklusive Mehrwertsteuer) zu bezahlen. </span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- (Mehrwertsteuer inbegriffen) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde im Sinn der ErwÃ¤gungen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>