<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 63 S.205</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">205</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>63</b></span> <span class="ft2"><b>Ortsbildschutz in einer Dorfkernzone (Mobilfunkantenne).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Umschreibung</b></span> <span class="ft2"><b>des</b></span> <span class="ft2"><b>massgeblichen</b></span> <span class="ft2"><b>Orts-</b></span> <span class="ft2"><b>bzw.</b></span> <span class="ft2"><b>Quartierbildes</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/b/aa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Kommunale Anforderungen (Erw. 2/b/bb/bbb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Einheitlichkeit der Bebauungsstruktur auf Grund typischer, charak-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teristischer Gestaltungselemente (Erw. 2/b/bb/ccc).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Fehlende Ortsbildverträglichkeit, auch wenn das Bauvorhaben am</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rand der Dorfkernzone geplant ist (Erw. 2/b/bb/ddd).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Fehlen überwiegender entgegenstehender Interessen (Erw. 2/b/bb/</b></span><br/> <span class="ft2"><b>eee).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 6. Dezember 2001 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen Einwohnergemeinde Küttigen gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1. Die Beschwerdegegnerin beabsichtigt, auf dem Dach des</span><br/> <span class="ft5">Gebäudes Nr. 1349 einen Antennenmast mit vier Antennen für den</span><br/> <span class="ft5">Mobilfunk GMS zu erstellen. Zwei Antennen senden auf dem Fre-</span><br/> <span class="ft5">quenzband 900 MHz, zwei Antennen auf dem Frequenzband 1'800</span><br/> <span class="ft5">MHz. Der Mast soll den First des Satteldachs um 4.50 m überragen.</span><br/> <span class="ft5">Gemäss dem Bauzonenplan der Gemeinde Küttigen vom 25. März</span><br/> <span class="ft5">1994 / 11. März 1997 befindet sich das Baugrundstück (Parzelle</span><br/> <span class="ft5">Nr. 4875) in der Dorfkernzone.</span><br/> <span class="ft5">2. Die Beschwerdeführerin macht vor Verwaltungsgericht aus-</span><br/> <span class="ft5">schliesslich noch geltend, einer Baubewilligung stünden die An-</span><br/> <span class="ft5">forderungen des Ortsbildschutzes entgegen; die Vereinbarkeit des</span><br/> <span class="ft5">Bauvorhabens mit der bundesrätlichen Verordnung über den Schutz</span><br/> <span class="ft5">vor</span> <span class="ft5">nichtionisierender</span> <span class="ft5">Strahlung</span> <span class="ft5">(NISV;</span> <span class="ft5">SR 814.710)</span> <span class="ft5">vom</span><br/> <span class="ft5">23. Dezember 1999 ist dagegen kein Thema mehr.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">206</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">a) Zu den Rechtsgrundlagen ist Folgendes anzumerken:</span><br/> <span class="ft5">aa) Gebäude müssen sich hinsichtlich Grösse, Gestaltung und</span><br/> <span class="ft5">Oberfläche des Baukörpers sowie dessen Aussenraumes so in die</span><br/> <span class="ft5">Umgebung einordnen, dass eine gute Gesamtwirkung entsteht; Bau-</span><br/> <span class="ft5">ten, Anschriften, Bemalungen, Antennen und Reklamen dürfen ins-</span><br/> <span class="ft5">besondere Landschaften sowie Orts-, Quartier- und Strassenbilder</span><br/> <span class="ft5">nicht beeinträchtigen (§ 42 BauG). Ergänzend bestimmt § 31 Abs. 3</span><br/> <span class="ft5">der Bauordnung (BO) der Gemeinde Küttigen (mit denselben Be-</span><br/> <span class="ft5">schluss- und Genehmigungsdaten wie der Bauzonenplan) zum Er-</span><br/> <span class="ft5">scheinungsbild von Bauten und Anlagen in der Dorfkernzone:</span><br/> <span class="ft6">"An Bauten und Anlagen werden in dieser Zone sowohl bezüglich ih-</span><br/> <span class="ft6">rer Gesamtwirkung wie auch bezüglich Ausmass, Stellung, kubischer</span><br/> <span class="ft6">Gliederung, Gestaltung von Fassaden und Dachflächen, Baumateria-</span><br/> <span class="ft6">lien und Farbgebung besonders hohe Anforderungen gestellt, um den</span><br/> <span class="ft6">ausgeprägten Dorfkerncharakter zu erhalten."</span><br/> <span class="ft5">Zu beachten ist ferner § 64 Abs. 2 BO, der vorschreibt, dass</span><br/> <span class="ft5">sich Aussenantennen aller Art "einwandfrei in das Orts- und Land-</span><br/> <span class="ft5">schaftsbild einzupassen" haben.</span><br/> <span class="ft5">bb-dd) (Siehe AGVE 1993, S. 379 ff.; 1995, S. 334)</span><br/> <span class="ft5">b) Die Rechtsanwendung ergibt was folgt:</span><br/> <span class="ft5">aa) Als massgebliches Orts- bzw. Quartierbild ist im vorliegen-</span><br/> <span class="ft5">den Falle die Überbauung innerhalb des der Dorfkernzone zugewie-</span><br/> <span class="ft5">senen Schildes zu betrachten. Dieser Schild beginnt im Süden beim</span><br/> <span class="ft5">Waldbach und erstreckt sich dann, unterbrochen nur durch die Zone</span><br/> <span class="ft5">für öffentliche Bauten und Anlagen im Bereich der Schulanlagen, in</span><br/> <span class="ft5">einer Tiefe zwischen rund 40 und rund 120 m sowie über eine</span><br/> <span class="ft5">Strecke von rund 500 m beidseits der Hauptstrasse und von rund 150</span><br/> <span class="ft5">m beidseits der Benkenstrasse.</span><br/> <span class="ft5">bb) aaa) Die Beschwerdeführerin beruft sich im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft5">auf den Grundsatz der Gemeindeautonomie. Bei der Ausscheidung</span><br/> <span class="ft5">von Nutzungszonen (§ 15 BauG) komme den Gemeinden eine ver-</span><br/> <span class="ft5">hältnismässig erhebliche Entscheidungsfreiheit zu. Es müsse ihnen</span><br/> <span class="ft5">auch das Recht zustehen, die von ihnen erlassenen Reglemente selbst</span><br/> <span class="ft5">auszulegen; die kantonalen Beschwerdeinstanzen dürften nicht von</span><br/> <span class="ft5">einer vertretbaren Auslegung des kommunalen Rechts durch die</span><br/> <span class="ft5">Gemeindebehörden oder von einer klaren und konstanten Praxis der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">207</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Gemeindebehörden abweichen. Die Gemeinden hätten insoweit das</span><br/> <span class="ft5">Letztentscheidungsrecht. Mit § 31 Abs. 1 BO werde bezweckt, in der</span><br/> <span class="ft5">Dorfkernzone aus Rücksicht auf den typischen Charakter des alten</span><br/> <span class="ft5">Dorfteils als Juradorf besondere und damit strengere Bauvorschriften</span><br/> <span class="ft5">als in andern Zonen durchzusetzen. Mit dem Argument, die</span><br/> <span class="ft5">Schutzwürdigkeit der Dorfkernzone sei nicht überall gleich hoch ein-</span><br/> <span class="ft5">zustufen, werde deren Sinn und Zweck in Frage gestellt. Ebenso we-</span><br/> <span class="ft5">nig dürfe argumentiert werden, aus grosser Distanz sei nicht auszu-</span><br/> <span class="ft5">machen, ob die fragliche Antenne überhaupt in der Dorfkernzone</span><br/> <span class="ft5">stehe; andernfalls würden die Zonengrenzen völlig verwischt.</span><br/> <span class="ft5">bbb) Fest steht zunächst, dass bei Bauvorhaben in der Dorf-</span><br/> <span class="ft5">kernzone, welche "bezüglich Gruppierung und Bausubstanz den</span><br/> <span class="ft5">eigentlichen Kern des ursprünglichen Strassendorfes" bildet (§ 31</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 Satz 1 BO), unter dem Ortsbildschutzaspekt besondere Sensi-</span><br/> <span class="ft5">bilität verlangt wird. Von allen Bauzonen in der Gemeinde ist der</span><br/> <span class="ft5">Schutzgrad hier am höchsten, höher auch als in der Dorfzone, die</span><br/> <span class="ft5">den Übergangsbereich zwischen der Dorfkernzone und den eigentli-</span><br/> <span class="ft5">chen Neubaugebieten umfasst (§ 30 Abs. 1 BO). Um das Erhaltungs-</span><br/> <span class="ft5">ziel zu erreichen, werden in der Dorfkernzone an die Erscheinungs-</span><br/> <span class="ft5">weise von Bauten und Anlagen "besonders hohe Anforderungen"</span><br/> <span class="ft5">gestellt (§ 31 Abs. 3 BO; siehe auch § 31 Abs. 1 Satz 2 BO). Als</span><br/> <span class="ft5">beurteilungsrelevante Elemente gelten das Ausmass, die Stellung und</span><br/> <span class="ft5">die kubische Gliederung der Baute, die Gestaltung von Fassaden und</span><br/> <span class="ft5">Dachflächen, die Baumaterialien und die Farbgebung (§ 31 Abs. 3</span><br/> <span class="ft5">BO). Sodann findet sich in der - für das ganze Gemeindegebiet</span><br/> <span class="ft5">geltenden - Spezialbestimmung über die Antennen das Erfordernis,</span><br/> <span class="ft5">dass sich Antennen "einwandfrei" ins Ortsbild einzupassen haben</span><br/> <span class="ft5">(§ 64 Abs. 2 BO).</span><br/> <span class="ft5">ccc) Im Folgenden ist zu eruieren, welches in der Dorfkernzone</span><br/> <span class="ft5">die typischen, charakteristischen Gestaltungselemente sind und ob</span><br/> <span class="ft5">von einer einheitlichen Bebauungsstruktur gesprochen werden kann.</span><br/> <span class="ft5">aaaa) In seiner Stellungnahme vom 26. November 2001 ver-</span><br/> <span class="ft5">weist der Gemeinderat zunächst auf den folgenden Wortlaut von § 12</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 der gegenwärtig noch im Entwurf vorliegenden Sondernut-</span><br/> <span class="ft5">zungsvorschriften des Gestaltungsplans "Dorfkern Süd / Gänsacker /</span><br/> <span class="ft5">Biel":</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">208</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">"Die bestehenden Bauten innerhalb des Perimeters weisen zum gros-</span><br/> <span class="ft6">sen Teil einheitliche Gestaltungsmerkmale auf, welche in Ergänzung</span><br/> <span class="ft6">zu den Vorschriften von § 30 BO (Dorfzone) für die Projektierung</span><br/> <span class="ft6">neuer Bauten oder Bauteile als Richtlinie gelten: Einfache Baukörper</span><br/> <span class="ft6">aus massivem, verputztem Mauerwerk, Fassadengestaltung mit Loch-</span><br/> <span class="ft6">fenstern von hochrechteckigem Format, grössere Öffnungen oder</span><br/> <span class="ft6">holzverkleidete Partien allenfalls beim Ökonomieteil der landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlichen Bauten, Vor- oder Anbauten als Leichtkonstruktionen in</span><br/> <span class="ft6">Holz, ruhige, wenig durchbrochene Satteldächer mit Tonziegelein-</span><br/> <span class="ft6">deckung."</span><br/> <span class="ft5">Ergänzend merkt der Gemeinderat in der erwähnten Stellung-</span><br/> <span class="ft5">nahme an, dass die Perimeter der Dorfkernzone und des Gestaltungs-</span><br/> <span class="ft5">plans "Dorkern Süd / Gänsacker / Biel" zwar nicht identisch seien,</span><br/> <span class="ft5">sich jedoch zu einem wesentlichen Teil überschnitten. Für den Be-</span><br/> <span class="ft5">reich der Dorfkernzone allein gelte als weiteres Merkmal die starke</span><br/> <span class="ft5">Betonung und gute Ablesbarkeit des ehemaligen Strassendorfcha-</span><br/> <span class="ft5">rakters. Dies äussere sich in einer starken räumlichen Geschlossen-</span><br/> <span class="ft5">heit beidseits der Hauptstrasse einschliesslich der Verzweigung Ben-</span><br/> <span class="ft5">kenstrasse, einer baulichen Massierung (Dichte, Masse der Bauten)</span><br/> <span class="ft5">und einer deutlich höheren Zahl von Bauten mit öffentlicher oder</span><br/> <span class="ft5">halböffentlicher Nutzung (Läden, Restaurants, Post). Entsprechend</span><br/> <span class="ft5">höher seien dieser Strassenraum und seine Gestaltung innerhalb des</span><br/> <span class="ft5">gesamten Ortsbildes zu werten. Besondere Bedeutung komme der</span><br/> <span class="ft5">Gestaltung der Dachlandschaft zu. Weil der Kernbereich des Dorfs in</span><br/> <span class="ft5">einer Geländemulde liege, seien die Dächer von den umliegenden</span><br/> <span class="ft5">Hügeln aus besonders gut einsehbar. Eine erhöhte Sorgfalt bei der</span><br/> <span class="ft5">Gestaltung dieser für die Gesamterscheinung und Fernwirkung</span><br/> <span class="ft5">wichtigen Elemente sei deshalb angebracht. Die als Charakteristikum</span><br/> <span class="ft5">beschriebenen</span> <span class="ft5">Gestaltungsmerkmale</span> <span class="ft5">seien</span> <span class="ft5">im</span> <span class="ft5">Ist-Zustand</span><br/> <span class="ft5">selbstverständlich nicht durchwegs und flächendeckend anzutreffen.</span><br/> <span class="ft5">Sie entsprächen aber den vorherrschenden, ortsüblichen Bautypen</span><br/> <span class="ft5">und seien Richtschnur für Um- und Neubauten sowie die Beseitigung</span><br/> <span class="ft5">störender Elemente. Es gehe dabei nicht um eine historisierende</span><br/> <span class="ft5">Konservierung und Ergänzung des ursprünglich fast rein bäuerlich</span><br/> <span class="ft5">geprägten Dorfkerns. Neue und zeitgemässe Elemente sollten</span><br/> <span class="ft5">möglich sein, müssten sich aber an den vorhandenen räumlichen und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">209</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">baulichen Grundmustern orientieren, welche das Ortsbild in mar-</span><br/> <span class="ft5">kanter Weise prägten.</span><br/> <span class="ft5">bbbb) Das Dorf Küttigen figuriert auch im Bundesinventar der</span><br/> <span class="ft5">schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), wenn auch nicht als</span><br/> <span class="ft5">Objekt von nationaler Bedeutung (Art. 1 der Verordnung über das</span><br/> <span class="ft5">ISOS [VISOS; SR 541.12] vom 9. September 1981 i.V.m. Art. 5</span><br/> <span class="ft5">NHG). In der einschlägigen Dokumentierung vom 9. Dezember 1975</span><br/> <span class="ft5">wird ausgeführt, dass sich das Bauerndorf Küttigen vorerst als lang-</span><br/> <span class="ft5">gestreckte, geschlossene Anlage entlang der nach Aarau führenden</span><br/> <span class="ft5">Strasse entwickelt habe. Durch die wirtschaftliche Entwicklung im</span><br/> <span class="ft5">18. und 19. Jahrhundert (Weinbau, Abbau von Bohnerz) sei eine</span><br/> <span class="ft5">grössere Anzahl von "Kleinweinbauern-Arbeiterhäusern" entstanden,</span><br/> <span class="ft5">die in lockerer Anordnung entlang kleinerer Erschliessungsstrassen</span><br/> <span class="ft5">im Anschluss an das eigentliche Dorf aufgereiht seien und als Cha-</span><br/> <span class="ft5">rakteristikum bei den Tenneinfahrten grosse sandsteingefasste</span><br/> <span class="ft5">Rundbogentore aufwiesen. Auf der Siegfriedkarte von 1878 sei die</span><br/> <span class="ft5">Durchgangsstrasse als Hauptbebauungsachse mit den ältesten Anla-</span><br/> <span class="ft5">geteilen der Siedlung erkennbar, und als seitliche Bebauungsäste</span><br/> <span class="ft5">griffen die erwähnten Ortserweiterungen mit Kleinbauernhäusern in</span><br/> <span class="ft5">die Landschaft aus. In der Folge habe sich die Bautätigkeit auf Er-</span><br/> <span class="ft5">neuerungen der Bausubstanz entlang der Durchgangstrasse be-</span><br/> <span class="ft5">schränkt. Diese Bebauung weise trotz einzelnen Neubauten noch</span><br/> <span class="ft5">immer das alte Bebauungsmuster mit vorwiegend zweigeschossigen</span><br/> <span class="ft5">Giebelbauten auf, wobei sich eine Baugruppe im Bereich der ehe-</span><br/> <span class="ft5">maligen Mühle durch seine Intaktheit deutlich abhebe. Bei der Be-</span><br/> <span class="ft5">wertung des Ortsbildes im regionalen Vergleich werden dem Dorf</span><br/> <span class="ft5">"gewisse räumliche Qualitäten durch den zusammenhängenden</span><br/> <span class="ft5">Strassenraum entlang der Durchgangsstrasse mit differenzierter</span><br/> <span class="ft5">Begrenzung durch die leichte Staffelung der Bauten" zugebilligt.</span><br/> <span class="ft5">cccc) Der Rundgang entlang der Haupt- und der Benkenstrasse</span><br/> <span class="ft5">anlässlich der Augenscheinsverhandlung hat gezeigt, dass der Grad</span><br/> <span class="ft5">der Einheitlichkeit innerhalb der bäuerlich geprägten Dorfkernzone</span><br/> <span class="ft5">tatsächlich recht hoch ist. In Bezug auf den äusseren Baustil handelt</span><br/> <span class="ft5">es sich vorwiegend um zweigeschossige Bauten mit rechteckigem</span><br/> <span class="ft5">Grundriss. Die Baukörper verfügen über massives, verputztes Mau-</span><br/> <span class="ft5">erwerk und hochrechteckige Fensterfronten. Fast sämtliche Häuser</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">210</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">weisen Sattel- oder Walmdächer mit Tonziegeleindeckung und ein-</span><br/> <span class="ft5">heitlicher Dachneigung auf. Dachdurchbrüche und Dachaufbauten</span><br/> <span class="ft5">sind nur wenige vorhanden, wobei die Dachaufbauten fast aus-</span><br/> <span class="ft5">schliesslich herkömmliche Lukarnen mit einem Sattel- oder</span><br/> <span class="ft5">Walmdach sind. Von Aussenantennen sind die Dächer in der Dorf-</span><br/> <span class="ft5">kernzone - bis auf vier unbewilligte Antennen (eine TV-Antenne auf</span><br/> <span class="ft5">der Parzelle Nr. 6494 [erstellt vor 1980], zwei Parabolspiegel-Anten-</span><br/> <span class="ft5">nen auf der Parzelle Nr. 3296 [erstellt ca. 1996] sowie eine Ama-</span><br/> <span class="ft5">teurfunkantenne auf der Parzelle Nr. 6812 [erstellt ca. 1993]) -</span><br/> <span class="ft5">durchwegs frei.</span><br/> <span class="ft5">dddd) Dem Gemeinderat muss somit attestiert werden, dass die</span><br/> <span class="ft5">von ihm artikulierten Anliegen in Bezug auf die Erhaltung einer</span><br/> <span class="ft5">intakten Dachlandschaft innerhalb der Dorfkernzone keine blossen</span><br/> <span class="ft5">Lippenbekenntnisse sind. Vielmehr ist es ihm in der Vergangenheit</span><br/> <span class="ft5">offensichtlich gelungen, durch eine konsequente Praxis ins Gewicht</span><br/> <span class="ft5">fallende "Bausünden" zu vermeiden. Namentlich sind weder unter</span><br/> <span class="ft5">der früheren noch unter der geltenden Bauordnung in der Dorfkern-</span><br/> <span class="ft5">zone Baubewilligungen für Dachantennen erteilt worden (siehe auch</span><br/> <span class="ft5">den VGE III/58 vom 16. Juni 1992 [BE.1992.00030] in Sachen W. u.</span><br/> <span class="ft5">M., S. 6 f., 13 f.; BGE vom 4. Februar 1994 in gleicher Sache</span><br/> <span class="ft5">[1P.66/1993], S. 9). Je näher die effektive Bebauungsweise dem</span><br/> <span class="ft5">Idealbild kommt, desto eher lässt sich eine solche restriktive Praxis</span><br/> <span class="ft5">rechtfertigen. Es mag sein, dass darin eine eher konservative Grund-</span><br/> <span class="ft5">haltung zum Ausdruck kommt, doch liegt dies klar innerhalb des</span><br/> <span class="ft5">Beurteilungsspielraums, der dem Gemeinderat auf Grund der Ge-</span><br/> <span class="ft5">meindeautonomie zugebilligt werden muss. Es geht hier um die</span><br/> <span class="ft5">Entscheidung einer Frage, die von ausschliesslich lokaler Bedeutung</span><br/> <span class="ft5">ist; auf dieser Ebene muss der Gemeinderat unter verschiedenen</span><br/> <span class="ft5">Lösungsmöglichkeiten auswählen können, sofern und soweit er seine</span><br/> <span class="ft5">Wahl mit entsprechenden Argumenten unterlegen kann. Die</span><br/> <span class="ft5">präjudizierende Wirkung einer Bewilligung kann dabei eine wichtige</span><br/> <span class="ft5">Rolle spielen (siehe zum Ganzen: AGVE 1993, S. 384; VGE III/84</span><br/> <span class="ft5">vom 18. September 1989 in Sachen P., S. 8). Richtig ist anderseits,</span><br/> <span class="ft5">dass die gemeinderätliche Praxis nicht zu einem generellen Anten-</span><br/> <span class="ft5">nenverbot in der Dorfkernzone ausarten darf; Antennen sind ja</span><br/> <span class="ft5">grundsätzlich erlaubt, sofern sie den Anforderungen von § 31 Abs. 3</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">211</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">BO und § 64 Abs. 2 BO genügen. Dessen ist sich auch der Ge-</span><br/> <span class="ft5">meinderat bewusst, weshalb er nach wie vor beispielsweise das Er-</span><br/> <span class="ft5">richten von Parabolantennen auf dem Boden oder an der Fassade</span><br/> <span class="ft5">erlaubt. Jedenfalls gelangt das Verwaltungsgericht zur Auffassung,</span><br/> <span class="ft5">dass der gemeinderätlichen Bewilligungspraxis betreffend Dachan-</span><br/> <span class="ft5">tennen keine unsachlichen, dem Zweck der massgebenden Vor-</span><br/> <span class="ft5">schriften fremden Erwägungen zugrunde liegen; die dargelegten</span><br/> <span class="ft5">Gründe erscheinen durchwegs nachvollziehbar.</span><br/> <span class="ft5">ddd) Die Verweigerung der Baubewilligung für den von der Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdegegnerin geplanten Antennenmast auf dem Dach des Ge-</span><br/> <span class="ft5">bäudes Nr. 1349 liegt auf der Linie der erwähnten Praxis. Nach Mei-</span><br/> <span class="ft5">nung der Beschwerdeführerin genügt die Baute dem Einordnungsge-</span><br/> <span class="ft5">bot von § 64 Abs. 2 BO nicht. Die optischen Auswirkungen, welche</span><br/> <span class="ft5">die Mobilfunkantenne auf Grund ihrer Höhe und Form auf das Dorf-</span><br/> <span class="ft5">bild habe, seien derart einschneidend, dass für eine Bewilligung kein</span><br/> <span class="ft5">Raum bleibe; von den insgesamt vier GSM-Sendern seien insbeson-</span><br/> <span class="ft5">dere die beiden grossen Antennen ausserordentlich klobig und auf-</span><br/> <span class="ft5">fallend. Tatsächlich ist die "Fremdkörperwirkung" des den Dachfirst</span><br/> <span class="ft5">um 4.50 m überragenden (vorne Erw. 1) Antennenmastes mit den</span><br/> <span class="ft5">vier Antennen unter Berücksichtigung der in der Dorfkernzone</span><br/> <span class="ft5">vorherrschenden Dachlandschaft und der Einbettung des Dorfes in</span><br/> <span class="ft5">eine weiträumige, gut einsehbare Geländekammer nicht unerheblich;</span><br/> <span class="ft5">von einer "relativ filigranen Baute" kann kaum gesprochen werden.</span><br/> <span class="ft5">Das Ganze wird entgegen der Auffassung des Baudepartements auch</span><br/> <span class="ft5">nicht dadurch entscheidend relativiert, dass das Bauvorhaben am</span><br/> <span class="ft5">Rand der Dorfkernzone realisiert werden soll. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft5">führerin hält diesem Argument zu Recht entgegen, dass auf diese</span><br/> <span class="ft5">Weise die Bestimmungen über die Dorfkernzone aufgeweicht bzw.</span><br/> <span class="ft5">unterlaufen werden könnten; naturgemäss muss bezüglich der Zo-</span><br/> <span class="ft5">nenunterteilung irgendwo eine Grenze gezogen und aus Gründen der</span><br/> <span class="ft5">Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit dann auch strikte beachtet</span><br/> <span class="ft5">werden (siehe VGE III/58 vom 22. September 1988 in Sachen S. und</span><br/> <span class="ft5">S., S. 11). Die ästhetische Bewertung des Bauvorhabens durch den</span><br/> <span class="ft5">Gemeinderat lässt sich somit nicht beanstanden.</span><br/> <span class="ft5">eee) Überwiegende öffentliche und/oder private Interessen, die</span><br/> <span class="ft5">einer Ablehnung des Baugesuchs entgegenstehen könnten, sind nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">212</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ersichtlich. Gemäss den Angaben der Beschwerdegegnerin wird mit</span><br/> <span class="ft5">dem Bauvorhaben der Zweck verfolgt, die NATEL-Versorgung in</span><br/> <span class="ft5">Küttigen zu verbessern und zusätzliche Bandbreite zu gewinnen. So</span><br/> <span class="ft5">müsse die Versorgung auch in den Häusern gewährleistet sein, was</span><br/> <span class="ft5">derzeit nicht unbedingt der Fall sei. Ferner diene das Bauvorhaben</span><br/> <span class="ft5">der Entlastung des Standorts Aarau. Mit Blick auf die dort geplante</span><br/> <span class="ft5">Verkleinerung der Zellen würde der Verzicht auf das Bauvorhaben in</span><br/> <span class="ft5">Küttigen zu einer weiteren Verschlechterung der Versorgung führen.</span><br/> <span class="ft5">Dies hätte zur Folge, dass man die internen Vorgaben nicht mehr</span><br/> <span class="ft5">einhalten könnte. Auch die Konzession verlange ein qualitativ</span><br/> <span class="ft5">hochstehendes Netz. Das Bauvorhaben dient somit bloss dazu, die</span><br/> <span class="ft5">Versorgung in Küttigen in qualitativer Hinsicht zu verbessern und</span><br/> <span class="ft5">den Standort Aarau zu entlasten. Eine eigentliche Versorgungslücke,</span><br/> <span class="ft5">wie sie von der Beschwerdegegnerin behauptet wird, besteht indes-</span><br/> <span class="ft5">sen offensichtlich nicht. Abgesehen davon schliesst auch die Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerdegegnerin selber nicht aus, dass es auf dem Gemeindegebiet</span><br/> <span class="ft5">von Küttigen weitere passende Standorte geben könnte; Alternativ-</span><br/> <span class="ft5">standorte sind aber bisher überhaupt nicht geprüft worden. Zu be-</span><br/> <span class="ft5">rücksichtigen ist schliesslich, dass durch die Ablehnung des Bauge-</span><br/> <span class="ft5">suchs der bestimmungsgemässe Gebrauch der Parzelle Nr. 4875 we-</span><br/> <span class="ft5">der verunmöglicht noch stark erschwert wird, weshalb auch unter</span><br/> <span class="ft5">diesem Gesichtspunkt kein Anlass besteht, die autonome Stellung der</span><br/> <span class="ft5">Gemeinde und ihrer Organe einzuschränken (AGVE 1993, S. 384).</span><br/> <span class="ft5">c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerde</span><br/> <span class="ft5">gutzuheissen, der angefochtene Entscheid des Baudepartements vom</span><br/> <span class="ft5">22. November 2000 aufzuheben und der ablehnende Bauge-</span><br/> <span class="ft5">suchsentscheid des Gemeinderats Küttigen vom 15. Mai 2000 zu</span><br/> <span class="ft5">bestätigen ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>