Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Februar 2019 (720 18 214 / 59) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Berufliche Massnahmen: Die Beschwerden des Versicherten sind weder somatisch noch psychopathologisch objektivierbar; mangels einer eingetretenen oder drohenden Invali- dität besteht kein Anspruch auf berufliche Massnahmen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Beat Her sberger, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Berufliche Massnahmen A. Der 1977 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. Jan uar 2007 in einem 100%-Pensum als Wirtschaftsinformatiker bei der B.____ in X.____. Per 1. Juni 2015 reduzierte er aus familiären Gründen das Pensum auf 80%. Am 4. Mai 2016 meldete er sich unter Hinweis auf Schmerzen im Hüftbereich aufgrund einer chronischen Erkrankung bei der Eidgenössischen Invalidenversiche- rung (IV) zur Früherfassung und mit Formular vom 13. August 2016 zum Bezug von Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht an. Nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen klärte die zuständige IV-Stelle Basel-Land- schaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerbliche n Verhältnisse ab. Mit Verfügung vom 24. Mai 2018 wies sie das Leistungsbegehren des Versicherten mangels ausgewiesener gesund- heitlicher Beeinträchtigungen ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanw alt Daniel Altermatt, am 25. Juni 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die Beschwerdegegnerin in Aufhebung der angefochtenen Verfügung zu ver- pflichten, ihm berufliche Massnahmen zu gewähren, eventu aliter sei die Angelegenheit mit der Verpflichtung, eine medizinische Begutachtung durchzufüh ren, an die Beschwerdegegnerin zu- rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um di e Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Rechtsanwalt Altermatt als unentgeltlicher Rechtsbeistand ersucht; alles un- ter o/e-Kostenfolge. C. Mit Verfügung vom 26. Juli 2018 bewilligte das Kant onsgericht das Gesuch des Be- schwerdeführers auf unentgeltliche Prozessführung und u nentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Altermatt als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 31. August 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. E. Nach Überweisung des Falles an das Gericht am 19. Sept ember 2018 reichte der Be- schwerdeführer mit Schreiben vom 28. Dezember 2018 eine Replik ein, in der er die Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen ausstehender Untersuchungsergebnisse beantragte. Mit Dup- lik vom 25. Januar 2019 hielt die Beschwerdegegnerin a n ihrem Antrag auf Abweisung fest, er- klärte sich indessen mit einer Sistierung des Verfahrens grundsätzlich einverstanden, sofern das Gericht eine solche als notwendig erachte. F. Mit Verfügung vom 30. Januar 2019 wies das Kantons gericht den Sistierungsantrag des Beschwerdeführers ab und überwies den Fall erneut dem Gericht zur Beurteilung. G. Mit Eingabe vom 19. Februar 2019 reichte der Besch werdeführer einen Bericht von Dr. C.____, Facharzt für konservative Orthopädie, vom 20. Dezember 2018 ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde vom 25. Juni 2018 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch de s Beschwerdeführers, insbesondere der Anspruch auf berufliche Massnahmen, namentlich auf eine Umschulung. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2018 entwi- ckelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemä ss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von ei ner Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, sowei t diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder her- zustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den Anspruch der einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Einglie derungsmassnahmen umfassen gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG Massnahmen beruflicher Art wie Berufsberatung (Art. 15 IVG), erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG), Umschulung (Art. 17 IVG), Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG) und Kapitalhilfe (Art. 18d IVG). 3.2 Die versicherte Person hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und die Erwerbsfähigkeit dadurch voraus- sichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Der Umschulungsanspruch setzt folglich eine Invalidität oder die unmittelbare B edrohung durch eine solche voraus (Art. 8 Abs. 1 IVG). Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG gilt, wer wegen der Art und Schwere des einge- tretenen Gesundheitsschadens in den bisher ausgeübten und in den ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offenstehenden noch zumutbaren Erwerbstätig keiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet; dabei bemisst sich die Einbusse an dem vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkom men (BGE 124 V 108). Als Um- schulung gilt die Gesamtheit der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art, die wegen der Invalidität notwendig und geeignet sind, einer schon (mit oder ohne Ausbildung) erwerbstätig ge- wesenen versicherten Person nach Eintritt der Invalidität eine neue eingliederungswirksame Er- werbsmöglichkeit zu erschaffen (vgl. ULRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl., Zürich 2014, Rz. 10 zu Art. 17). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung der Invalidität bilde t die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegeben enfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der me- dizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfüg ung. Sie setzen die für die In- validenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktion elle Leistungsfähigkeit der versi- cherten Person fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu- üben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durchführen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest ( Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV]). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Do- kumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten n icht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258; Urteil 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1). 4.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hinsicht- lich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der an gefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD-Berichte gehören – , sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen . In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergän- zende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weite- ren Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie au ch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). 5. Zur Beurteilung des vorliegenden Falls erweisen si ch die nachfolgenden medizinischen Unterlagen als massgebend: 5.1 Der behandelnde Hausarzt Dr. med. D.____, FMH In nere Medizin und Rheumatologie, stellte mit Bericht zuhanden der IV-Stelle vom 25. Nove mber 2016 folgende Diagnose mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Unklare Gesässbeschwerden links bei bildgebend Einrissen des Labrums anterior superior und postero superior mit klinischem Verdacht auf ein femoro-acetabu- läres Impingement vom gemischten Typ und Pincer-Kompone nte bei vermehrter Überdachung des Femurkopfes (MRT vom 14. Januar 2016), ohne Schmerzre duktion nach Infiltrationen mit Kenacort und Hyaluronsäure, bei protrahierter chronischer Schmerzsymptomatik mit invalidisie- rendem Charakter und 50%iger Arbeitsunfähigkeit, und ohne bildgebende Nachweise einer Raumforderung oder Neurokompression (MRT vom 21. August 2016). Seit ca. vier Jahren be- klage der Patient insbesondere nach längeren Autofahrt en Beschwerden im Gesäss links. Eine erste Exazerbation habe im Januar 2015 stattgefunden, der Patient habe dumpfe Schmerzen im Bereich des linken Sitzhöckers bei längerem Sitzen, Liegen und Umhergehen beklagt. Eine wei- tere Exazerbation habe nach der Scheidung im Juni 20 15 stattgefunden, seit August 2015 be- klage der Patient permanente Schmerzen links gluteal. E s gäbe keine Hinweise auf ein senso- motorisches Reiz- oder Ausfallsyndrom der Lendenwirbelsäule und kein sicheres Impingement- syndrom der linken Hüfte, lediglich tieflumbale Beschwer den bei Aussenrotation. Die Prognose sei unklar, empfohlen werde allenfalls eine psychosomatische Exploration. Die bisherige Tätigkeit sei vorerst im Rahmen von 50% (drei bis vier Stunden täglich auf fünf Tage verteilt) ohne vermin- derte Leistungsfähigkeit zumutbar. 5.2 Nach Zuweisung des Patienten durch den Hausarzt hiel t Dr. med. E.____, FMH Neuro- logie, mit Bericht vom 15. Dezember 2016 fest, dass die Gesässschmerzen links bei unklarer Ätiologie am ehesten einem Piriformis-Syndrom entsprächen. 5.3 Am 12. Januar 2017 wurde der Versicherte psychopath ologisch abgeklärt. Dr. med. F.____, Leitende Ärztin der Klinik für Psychia trie und Psychosomatik der G.____ AG, hielt in ihrem Bericht vom 5. April 2017 fest, dass kein e psychiatrische Erkrankung habe festge- stellt werden können, der Patient sei psychopathologisch unauffällig. 5.4 In seinem Bericht vom 11. Mai 2017 führte Dr. med . H.____, FMH Orthopädische Chi- rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, aus, dass der Patient an unklaren Gesäss- beschwerden links leide, differentialdiagnostisch bestehe ein Verdacht auf Neurokompression Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Nervus ischiadicus, differentialdiagnostisch ein Verdacht auf ein radikuläres/pseudoradikulä- res Geschehen oder differentialdiagnostisch ein Verdacht auf arthrogene Beschwerden bei leich- tem Hüft-Impingement. Es könne keine gesicherte Diagnose gestellt werden. Die Arbeitsfähigkeit und allfällige Eingliederungsmassnahmen könnten deshalb aktuell nicht beurteilt werden. 5.5 Dr. D.____ stellte am 7. Juni 2017 in einem weite ren Bericht an die IV-Stelle die be- kannte Diagnose unklarer Gesässschmerzen links und erwähnte die zwischenzeitlich durchge- führten fachärztlichen Abklärungen. Eine sichere Zuordnung der Schmerzsymptomatik sei bisher nicht möglich gewesen. Dass sie weder durch Medikamente, körperliche Schonung oder sonsti- gen Massnahmen positiv beeinflussbar sei, lasse die Prognose in einem düsteren Licht erschei- nen. Auffällig seien die Exazerbationen im Zusammenhang mit den als traumatisch beschriebe- nen Eheproblemen und Sorgerechtskonflikten. Diese seien seiner Ansicht nach in der psychiatri- schen Beurteilung zu wenig berücksichtigt worden. Er vermut e eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung oder eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto- ren. An der Arbeitsfähigkeit habe sich nichts verändert. 5.6 Mit Schreiben vom 28. September 2017 führte der behandelnde Facharzt der I.____ AG, Dr. med. J.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, aus, dass beim Patienten beid- seitig retrotrochantäre Beschwerden bei Protrusionshüft en bestünden. Aus fachärztlicher Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, eine solche sei auch nie besprochen worden, obwohl er in Kenntnis über eine hausärztlich attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit sei. 5.7 In Beantwortung einer entsprechenden Anfrage hi elt Dr. med. K.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, RAD, mit Beurteilung vom 26. Ok- tober 2017 Folgendes fest: Die beim Versicherten vordergründig somatisch gefärbten Beschwer- den seien bei genauer Betrachtung auch nach diversen spezialärztlichen Untersuchungen in der präsentierten Ausprägung und insbesondere auch in de r postulierten Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar, zumal der Versicherte in einer körperli ch nicht speziell belastenden Tätigkeit arbeite. Im Falle organisch den strukturellen Hüftgele nksveränderungen zuordenbaren Be- schwerden sollten sich diese grundsätzlich an einem administ rativen Arbeitsplatz funktionell kaum auswirken. Mit einer entsprechenden Anpassung des Arbeitsplatzes (z.B. mit der Ermögli- chung von Positionswechseln mit einem Stehhocker und/oder einem höhenverstellbaren Schreib- tisch) könnten diese jedoch berücksichtigt werden. Eine schmerzhaft eingeschränkte Flexion (bei 100°) könne durch die Vermeidung von zu tiefem Sitzen v ermieden werden. Schliesslich wäre eine organisch zuordenbare Hüftproblematik im Sinne ei ner ultima ratio mit einer Endprothese behandelbar. Indessen sei die Hüftpathologie in sich wid ersprüchlich, da sie auf medizinische Massnahmen, insbesondere die diagnostische intraartikuläre Infiltration, nicht angesprochen habe. Eine arthrogene Ursache sei daher eher anzuzweife ln. Im Falle des neurologisch vorge- schlagenen Piriformis-Syndroms handle es sich um eine rein weichteilige Problematik, die als behandelbar gelte und auch keine dauerhafte und derar t massgebliche Arbeitsunfähigkeit be- gründen könne. Differentialdiagnostisch habe sich eine unauffällige Lendenwirbelsäule gezeigt, womit auch eine vertebragene Ursache ausgeschlossen sei. Die Beschwerden hätten auch neu- rologisch nicht eingegrenzt werden können. Eine psychiatrische Komorbidität sei ebenfalls nicht ausgewiesen. Zwar spielten offenbar psychosoziale Fakto ren bei der Beschwerdesymptomatik Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Rolle, massgebliche kognitive Einschränkungen hätte n aber nicht festgestellt werden kön- nen. Als Fazit hielt der RAD-Arzt fest, dass die beschriebe nen Beschwerden weder organisch noch psychiatrisch zuordenbar und deshalb unter versicherungsmedizinischen Kriterien als nicht leistungsrelevant einzustufen seien. Dies decke sich nicht zuletzt mit der Beurteilung des behan- delnden Orthopäden der I.____ AG. Die vom Hausarzt wei terhin attestierte Arbeitsunfähigkeit stütze sich hingegen rein auf die subjektiven Beschwerden des Versicherten ab. Die Vermutung einer psychosomatischen Ursache der Schmerzen entspreche eher einem Kausalitätsbedürfnis. Der Versicherte sei damit in vollem Umfang arbeitsfäh ig. Mit Bericht vom 9. April 2018 nahm Dr. K.____ zu den vom Versicherten erhobenen Einwänden Stellung und hielt an seiner Beurtei- lung fest. 5.8 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens rei chte der Beschwerdeführer ei- nen Bericht von Dr. med. L.____, FMH Orthopädische Chi rurgie und Traumatologie des Bewe- gungsapparates, vom 6. September 2018 ein. Darin diagnostizierte dieser ein Femoroacetabulä- res Impingement, links mehr als rechts, vom gemischten T yp bei Coxa profunda beidseits mit Gelenkspaltverschmälerung beidseits, kranial betont, sowie eine Lumbalgie. Dies sei durch aktu- elle MRT-Bilder bestätigt worden, wie auch bereits im Jahr 2016. Inwieweit diese Diagnose für das Beschwerdebild des Patienten verantwortlich sei, müsse weiter abgeklärt werden, insbeson- dere, da drei intraartikuläre Infiltrationen offenb ar keinen Einfluss auf die Symptomatik gezeigt hätten. Ferner reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. C.____ der Klinik M.____ vom 20. Dezember 2018 ein. Daraus geht hervor, dass eine konkrete Schmerzursache bisher unklar geblieben sei. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 24. Mai 2018 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts vollum fänglich auf die Ausführungen ihres RAD vom 26. Oktober 2017 und vom 9. April 2018 ab. Sie ging demzufolge davon aus, dass die beschriebenen Beschwerden weder organisch noch psychiatrisch zuordenbar und deshalb nicht leistungsrelevant seien. Der Beschwerdeführer bringt indessen vor, dass eine versicherungsex- terne medizinische Begutachtung notwendig sei, um über seine Ansprüche zu entscheiden. 6.2 Wie in Erwägung 4.5 hiervor erwähnt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderun- gen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne die Ein holung eines externen Gutachtens ent- schieden werden soll. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist jedoch auch eine reine Aktenbeurteilung nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Ak- tengutachten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diag- nose oder das Ausmass der Behinderung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen kann in einem Aktengutachten das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die über- wiegende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Es sind allerdings be- reits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der (versicherungs-)ärztli- chen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Solche Zweifel liegen vorliegend Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht indessen nicht vor. Die beim Beschwerdeführer festgestel lten somatischen Befunde sind unbe- stritten. Grundsätzlich unbestritten ist auch die Diagnose „unklarer Gesässschmerzen“ bei unkla- rer Ätiologie bzw. bei fehlenden die Beschwerden erklä renden Pathologien. Entgegen der Auf- fassung des behandelnden Hausarztes Dr. D.____ ergeben sich aus den Akten auch keine Hin- weise auf eine psychiatrische Problematik. Dr. F.____ hat im Anschluss an eine entsprechende Untersuchung klar festgestellt, dass kein psychopathologisch es Geschehen vorliegt. Der Be- schwerdeführer befindet sich sodann auch nicht in psychiatrischer Behandlung. Der medizinische Sachverhalt steht folglich nach umfassenden Abklärungen du rch die behandelnden Fachärzte fest. Damit ist die Einholung eines Aktengutachtens zulässig, zumal vorliegend insbesondere das Ausmass der Behinderung streitig ist. 6.3 In seiner Beurteilung vom 26. Oktober 2017 führt D r. K.____ aus, dass die präsentierten Beschwerden organisch nicht hinreichend erklärbar seien. Die somatischen Diagnosen (Impin- gement bei Protrusionshüfte, Piriformis-Syndrom) seien vom potentiellen Ausmass her jedenfalls nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit in einer wechselbelasteten Tätigkeit einzuschränken. Die an- gestammte Tätigkeit sei – nötigenfalls unter möglichen und zumutbaren Anpassungen – als eine solche wechselbelastete, körperlich nicht anstrengende Arbe it zu qualifizieren. Versicherungs- medizinisch sei der Beschwerdeführer vollumfänglich arbe itsfähig. Die Ausführungen des RAD- Arztes überzeugen in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Den medizinischen Akten sind diesbezüglich im Wesentlichen zwei abweichende Ein schätzungen zu entnehmen: Dr. D.____ erachtet den Beschwerdeführer in der ange stammten Tätigkeit als Wirtschaftsinfor- matiker seit ca. August 2015 zu 50% (drei bis vier Stunden täglich auf fünf Tage verteilt) arbeits- fähig. Er begründet dies augenscheinlich mit den vom V ersicherten beklagten Schmerzen nach längerem Sitzen, Liegen und Umhergehen. Demgegenüber äussern sich die behandelnden Fach- ärzte grösstenteils nicht zur Arbeitsfähigkeit (Dr. E.____, Dr. H.____, Dr. L.____, Dr. C.____). In psychiatrischer Hinsicht sind von Dr. F.____ mangels einer e ntsprechenden Pathologie keine Einschränkungen festgestellt worden. Lediglich im Berich t von Dr. J.____ vom 28. September 2017 findet sich aus somatischer Sicht eine weitere Angabe zur Arbeitsfähigkeit. Darin stellt die- ser in Kenntnis der 50%igen Krankschreibung durch den Ha usarzt fest, dass aus somatischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege . Im Hinblick darauf, dass der behan- delnde Hausarzt seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit augenscheinlich ausschliesslich auf die subjektiven Beschwerden des Patienten abstützt, vermag diese keine (auch nur geringe) Zweifel an der nachvollziehbaren und schlüssigen Würdigung von Dr. K.____ zu wecken. Die schlüssige Beurteilung von Dr. K.____ deckt sich vielmehr mit derjenigen des Facharztes Dr. J.____. 6.4 Die Beurteilung von Dr. K.____ erweist sich nach d em Ausgeführten als beweistauglich, weshalb die Beschwerdegegnerin darauf abstellen durft e. Folglich ist mit dem RAD-Arzt davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer weder in seiner angestammten noch in einer anderen, angepassten Tätigkeit wesentlich in seiner Arbeitsfä higkeit eingeschränkt ist. Da ferner auch keine Invalidität einzutreten droht, ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Mass- nahmen, namentlich eine Umschulung, zu verneinen. Die Beschwerde ist dementsprechend ab- zuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 800.-- festgesetzt werden, ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist jedoch mit Verfügung vom 26. Juli 2018 die unentgeltliche Pro- zessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Ge- richtskasse. 7.2 Gemäss dem Ausgang des Verfahrens wird keine Part eientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 1 VPO). Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsver- treter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘567.05 (inklusive Auslagen von Fr. 121.-- und 7,7% Mehrwertsteuer) entsprechend dem in der Hon orarnote vom 25. Februar 2019 ausgewiesenen Aufwand (6 Stunden und 40 Minuten à Fr. 200. --) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 7.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘567.05 (inklusive Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht