<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 15 S.61</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">61</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>15</b></span> <span class="ft1"><b>§ 321 Abs. 4 ZPO.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Das kantonale Prozessrecht bestimmt in Ehescheidungs- und Ehetren-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>nungssachen den genauen Zeitpunkt, bis zu dem im Appellationsverfah-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>ren die nach Art. 138 Abs. 1 ZGB zulässigen neuen Tatsachen und Be-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>weismittel bzw. darauf gestützte neue Rechtsbegehren vorgebracht wer-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>den können. Im Kanton Aargau sind solche Noven und neuen Rechtsbe-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>gehren in der Begründung von Appellation und Anschlussappellation so-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>wie in der Antwort auf diese vorzubringen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Zivilkammer, vom 16. März 2001</span><br/> <span class="ft2">in Sachen L. H.-S. gegen D.M. H.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>.</i></span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft5">3. An der Appellationsverhandlung stellte die Klägerin neu das</span><br/> <span class="ft5">Begehren, der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin aus Güter-</span><br/> <span class="ft5">recht Fr. 289'998.40 zu bezahlen.</span><br/> <span class="ft5">Nach Art. 138 Abs. 1 ZGB müssen in der oberen kantonalen In-</span><br/> <span class="ft5">stanz neue Rechtsbegehren zugelassen werden, sofern sie durch neue</span><br/> <span class="ft5">Tatsachen und Beweismittel veranlasst worden sind. Bei dieser Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmung handelt es sich um einen bundesrechtlich vorgeschriebe-</span><br/> <span class="ft5">nen Minimalstandard. Die Modalitäten des Rechtsmittelverfahrens</span><br/> <span class="ft5">richten sich grundsätzlich nach kantonalem Recht. Dies gilt auch für</span><br/> <span class="ft5">die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt innerhalb des Rechtsmittelver-</span><br/> <span class="ft5">fahrens neue Tatsachen, neue Beweismittel und neue Rechtsbegehren</span><br/> <span class="ft5">geltend gemacht werden können. So kann das kantonale Recht vor-</span><br/> <span class="ft5">schreiben, dass Noven nur in der ersten Rechtsschrift bzw. im ersten</span><br/> <span class="ft5">Parteivortrag in das Verfahren eingebracht werden können und nach-</span><br/> <span class="ft5">her ausgeschlossen sind (Thomas Sutter/Dieter Freiburghaus, Kom-</span><br/> <span class="ft5">mentar zum neuen Scheidungsrecht, Zürich 1999, N. 21 zu Art. 138</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">62</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ZGB). In Einklang mit Art. 138 Abs. 1 ZGB bestimmt das aargaui-</span><br/> <span class="ft5">sche Recht in § 321 Abs. 4 ZPO, dass neue Tatsachen und Beweis-</span><br/> <span class="ft5">mittel uneingeschränkt und neue Rechtsbegehren unter der Voraus-</span><br/> <span class="ft5">setzung von Art. 138 ZGB, d.h. sofern sie durch neue Tatsachen oder</span><br/> <span class="ft5">Beweismittel veranlasst worden sind, nur in der schriftlichen Be-</span><br/> <span class="ft5">gründung von Appellation und Anschlussappellation sowie der Ant-</span><br/> <span class="ft5">wort auf diese vorgebracht werden können. Das neue Begehren der</span><br/> <span class="ft5">Klägerin zum Güterrecht, das erst nach Abschluss des Schriften-</span><br/> <span class="ft5">wechsels vorgebracht wurde, ist somit verspätet, und es kann nicht</span><br/> <span class="ft5">darauf eingetreten werden. Dazu kommt, dass von der Klägerin keine</span><br/> <span class="ft5">neuen Tatsachen vorgebracht werden, auf die sich das neue Begehren</span><br/> <span class="ft5">stützt.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>