Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 727 42 Auszug aus dem Urteil der Abteilung I i.S. Swissstaffing und Verein Paritätischer V ollzug gegen Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUV A A‒5111/2013 vom 6. August 2014 Öffentlichkeitsprinzip. Auskunftsgesuch. Schutz von Per sonendaten. Frage des Vorrangs sozialversicherungsrechtlicher Geheimhaltungs - normen. Interessenabwägung. Art. 4 Bst. a und Art. 9 BGÖ. Art. 33 ATSG. Art. 97 UVG. Art. 19 Abs. 1bis DSG. 1. Die sozialversic herungsrechtlichen Geheimhaltungsnormen die - nen dem Schutz der Persönlichkeit der versicherten Personen und können daher im vorliegend en Zusammenhang keinen Vor - rang beanspruchen (E. 4.4). Restriktive Auslegung dieser Nor - men im Lichte des grundsätzlich fr eien Zugangs zu Informa - tionen, wie er im BGÖ vorgesehen ist (E. 4.5). 2. Voraussetzungen der Bekanntgabe von Personendaten nach Art. 19 Abs. 1bis DSG. Abschluss und Allgemeinverbindlich - erklärung eines GA V entsprechen einem öffentlichen Interesse. Konsequente Durchsetzung und Einhaltung des GA V , Wahrung des Arbeitsfriedens und Verhinderung unlauterer Wettbewerbs - vorteile stellen gewichtige öffentliche Interessen dar (E. 7.4.2). Betriebe, welche sich der Unterstellung unter den GA V bewusst entziehen, sind nicht zu schützen (E. 7.4.3). Keine milderen Massnahmen; Verhältnismässigkeit der Auskunftserteilung (E. 7.4.4). Einschränkung des Zugangs zu den Personendaten auf Personen, welche mit dem Vollzug des GA V betraut sind (E. 7.4.5). Principe de la transparence. Demande de renseignement s. Protection des données personnelles. Examen de la primauté des normes du droit des assurances sociales relatives à la confidentialité. Pesée des intérêts. Art. 4 let. a et art. 9 LTrans. Art. 33 LPGA. Art. 97 LAA. Art. 19 al. 1bis LPD. 2014/42 Öffentlichkeitsprinzip 728 BVGE / ATAF / DTAF 1. Les normes du droit des assurances sociales relatives à la confi - dentialité servent à protéger la personnalité des personnes assurées et ne sauraient pour ce motif primer dans le cas d'espèce (consid. 4.4). Interprétation restrictive de ces norm es à la lumière du principe de libre accès aux informations, tel qu'il est prévu dans la LTrans (consid. 4.5). 2. Conditions pour la communication de données personnelles selon l'art. 19 al. 1bis LPD. La conclusion et la déclaration de force obligatoire génér ale d'une CCT répondent à un intérêt public. L'application rigoureuse d'une CCT et son respect, la garantie de la paix du travail, et la prévention d'avantages concurrentiels déloyaux constituent des intérêts publics prépondérants (consid. 7.4.2). Les entr eprises qui sciemment se soustraient à l'application d'une CCT ne sont pas dignes de protection (consid. 7.4.3). Pas de mesures moins intrusives; proportionnalité de la communication des renseignements (consid. 7.4.4). Restric- tion de l'accès à des données personnelles aux personnes chargées de l'exécution de la CCT (consid. 7.4.5). Principio della trasparenza. Richiesta di informazioni. Protezione dei dati personali. Questione della preminenza delle norme del diritto delle assicurazioni sociali relative al la confidenzialità. Ponderazione degli interessi. Art. 4 lett. a e art. 9 LTras. Art. 33 LPGA. Art. 97 LAINF. Art. 19 cpv. 1bis LPD. 1. Le norme sulla confidenzialità previste dal diritto delle assicura - zioni sociali servono a proteggere la personalità degli assicurati, ragione per cui esse non possono prevalere nel caso concreto (consid. 4.4). Interpretazione restrittiva delle predette norme alla luce del principio del libero accesso alle informazioni sancito dalla LTras (consid. 4.5). 2. Presupposti per la comu nicazione di dati personali ai sensi dell'art. 19 cpv. 1bis LPD. La conclusione e la dichiarazione di ob - bligatorietà generale di un CCL rispondono ad un interesse pubblico. L'applicazione rigorosa e il rispetto del CCL, la salva - guardia della pace del lav oro e l'impedimento di vantaggi concorrenziali di carattere sleale costituiscono importanti inte - ressi pubblici (consid. 7.4.2). Le aziende che si sottraggono deli -Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 729 beratamente all'assoggettamento al CCL non meritano di essere tutelate (consid. 7.4.3). Manc ata adozione di misure meno in - cisive; proporzionalità della comunicazione di informazioni (consid. 7.4.4). Accesso ai dati personali circoscritto alle sole per - sone incaricate dell'attuazione del CCL (consid. 7.4.5). Am 13. Dezember 2011 hat der Bundesrat den am 17. März 2009/15. Juli 2011 zwischen dem Verband Swissstaffing und den Gewerkschaften Unia und Syna, dem Kaufmännischen Verband Schweiz sowie dem Verband Angestellte Schweiz abgeschlossenen Gesamtarbeitsvertrag für den Personalverleih (nachfolgend: GA V) allgemeinverbindlich erklärt. Die Allgemeinverbindlicherklärung gilt für Betriebe, die Inhaber einer eidgenössischen oder kantonalen Arbeitsverleihbewilligung nach Arbeits- vermittlungsgesetz sind und in der Klasse 70C SUV A-versichert sind und pro Kalenderjahr eine Lohnsumme von mindestens Fr. 1 200 000.‒ auf- weisen (Art. 2 Abs. 2 Bundesratsbeschluss vom 13. Dezember 2011 über die Allgemeinverbindlicherklärung des GA V für den Personalverleih). Der Beschluss des Bun desrates trat am 1. Januar 2012 in Kraft und galt bis zum 31. Dezember 2014. Am 3. Januar 2012 stellte Georg Straub als Direktor von Swissstaffing und Vizepräsident der Schweizerischen Paritätischen Berufskommission Arbeitsverleih (SPKA) über seinen Rechts anwalt ein Auskunftsgesuch nach Art. 10 ff. des Öffentlichkeitsgesetzes vom 17. Dezember 2004 (BGÖ, SR 152.3) an die SUV A. Um folgende Auskünfte an die SPKA wurde ersucht: 1. Welche Personalverleihbetriebe sind gemäss Art. 66 UVG in der Klasse 70C SUV A-versichert? 2. Welche Personalverleihbetriebe weisen bezüglich der verliehenen Arbeitnehmenden pro Kalenderjahr eine Lohnsumme von min - destens 1 200 000.‒ Franken auf? Die SUV A hat am 21. Januar 2012 eine Auskunftserteilung abgelehnt. Am 10. Februar 2 012 stellte der Verband Swissstaffing beim Eidge - nössischen Datenschutz - und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) ein Schlichtungsgesuch nach Art. 13 BGÖ. Am 4. Juli 2013 erliess der EDÖB eine Empfehlung gemäss Art. 14 BGÖ zum Schlichtungsantrag von Swisssta ffing und empfahl der SUV A, dem Antragsteller Zugang zu den verlangten Informationen zu gewähren. An - dernfalls solle sie innert 20 Tagen eine Verfügung erlassen. 2014/42 Öffentlichkeitsprinzip 730 BVGE / ATAF / DTAF In Anwendung von Art. 15 BGÖ erliess die SUV A (nachfolgend: V or - instanz) am 23. Juli 2013 eine Verfügung und wies das Auskunftsgesuch des Verbandes Swissstaffing ab. Gegen diese Verfügung erheben Swissstaffing (nachfolgend: Beschwer - deführer 1) und der Verein Paritätischer V ollzug (nachfolgend: Be - schwerdeführer 2) am 11. September 2013 Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht. Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde im Sinne der Erwägungen gut und hebt die Verfügung vom 23. Juli 2013 auf. Aus den Erwägungen: 3. 3.1 Am 1. Juli 2006 ist das Öffentlichkeitsgesetz in Kraft getreten, welches die Transparenz über den Auftrag, die Organisation und die Tätigkeit der Verwaltung fördern will (Art. 1 BGÖ). Durch die Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Zugang zu amtlichen Dokumenten, welcher unabhängig vom Nachweis besonderer Interessen besteht, wurde hi n- sichtlich der Verwaltungstätigkeit ein Paradigmenwechsel vom Geheim - haltungsprinzip mit Öffentlichkeitsvorbehalt hin zum Öffentlichkeits - prinzip mit Geheimhaltungsvorbehalt vollzogen (Art. 6 Abs. 1 BGÖ; vgl. dazu BGE 133 II 209 E. 2.1; MAHON/GONIN, in: Öffentlichkeitsgesetz, 2008, Art. 6 Rz. 11 ff., nachfolgend: Kommentar BGÖ; LUZIUS MADER, La loi fédérale sur le principe de la transparence dans l'administration, in: La mise en œuvre du principe de transparence dans l'administration, 2006, S. 16 f.). Das Prinzip soll Transparenz schaffen, damit Bürgerinnen und Bürger politische Abläufe erkennen und beurteilen können. Nebst Vertrauen soll dadurch das Verständnis für die Verwaltung und ihr Funk - tionieren gefördert sowie die Akzeptanz staatlichen Handelns erhöht wer- den (BGE 133 II 209 E. 2.3.1; BVGE 2011/52 E. 3; statt vieler aus der neueren Praxis: Urteil des BVGer A‒2064/2013 vom 9. Dezember 2013 E. 3). Grundsätzlich hat jede Person das Recht, amtliche Dokumente einzu - sehen und von den Behörden Ausku nft über den Inhalt amtlicher Doku - mente zu erhalten (Art. 6 Abs. 1 BGÖ). Damit wird jeder Person ein generelles Recht auf Zugang zu amtlichen Dokumenten, über welche die Verwaltung verfügt, gewährt, ohne dass ein besonderes Interesse nachge - wiesen werden müsste (BGE 136 II 399 E. 2.1; 133 II 209 E. 2.1; BVGE 2011/52 E. 3; statt vieler: Urteil des BVGer A‒4962/2012 vom 22. April Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 731 2013 E. 4). Es obliegt entsprechend nicht mehr dem freien Ermessen der Behörden, ob sie Informationen oder Dokumente zugänglich ma chen wollen oder nicht. Der Zugang zu amtlichen Dokumenten kann jedoch eingeschränkt, aufgeschoben oder verweigert werden, wenn überwie - gende private oder öffentliche Interessen an der Geheimhaltung einer Offenlegung entgegenstehen (Art. 7 BGÖ) oder wenn e in Ausnahmefall gemäss Art. 8 BGÖ vorliegt (s. auch BGE 136 II 399 E. 2). 3.2 Das Öffentlichkeitsgesetz gilt auch für Organisationen des öf - fentlichen Rechts, die nicht der Bundesverwaltung angehören, soweit sie Erlasse oder erstinstanzliche Verfügungen im Sin ne von Art. 5 VwVG erlassen (Art. 2 Abs. 1 Bst. b BGÖ). Erfasst werden nur jene Bereiche, in denen Organisationen hoheitlich tätig sind ( THOMAS SÄGESSER, Kom - mentar BGÖ, Art. 2 Rz. 30). Gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG (SR 832.20) kann die SUV A Verfügungen nach Art. 49 A TSG (SR 830.1) erlassen und untersteht damit vorbehältlich spezialgesetzlicher Bestimmungen dem Öffentlichkeitsgesetz ( SÄGESSER, Kommentar BGÖ , Art. 2 Rz. 37; Bot - schaft vom 12. Februar 2003 zum Öffentlichkeitsgesetz, BBl 2003 1963, 1987, nachfolgend: Botschaft zum BGÖ). 3.3 Eine Ausnahme, was den sachlichen Geltungsbereich gemäss Art. 3 BGÖ betrifft, liegt nicht vor. Folglich fällt die vorliegende Ange - legenheit in den persönlichen und sachlichen Geltungsbereich des Öf - fentlichkeitsgesetzes. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BGÖ im vorlie - genden Fall anwendbar ist. 4. 4.1 Nach Art. 4 Bst. a BGÖ werden spezielle Bestimmungen an - derer Bundesgesetze, die bestimmte Informationen als geheim be - zeichnen, vorbehalten. Unter den Begriff Bundesgesetze fallen dabei nur formelle Gesetze, das heisst vom Bundesparlament erlassene generell - abstrakte V orschriften gemäss Art. 163 Abs. 1 BV . Folglich gilt der V orbehalt in Art. 4 BGÖ nicht für Geheimhaltungsnormen, die durch Verordnungen oder V orschriften unterhalb der Verordnu ngsstufe einge - führt wurden. ( BERTIL COTTIER, Kommentar BGÖ, Art. 4 Rz. 7; Bot - schaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 1989). Oft sind die spezialgesetzlichen Geheimhaltungsnormen breit formuliert und ihre Tragweite nicht ohne Weiteres klar. Welche Informationen konkret zu schützen sind, ist in Ko - ordination mit dem BGÖ und durch Auslegung festzustellen ( COTTIER, Kommentar BGÖ, Art. 4 Rz. 10). Nachfolgend ist zu prüfen, ob die von der V orinstanz geltend gemachten sozialversicherungsrechtlichen Ge -2014/42 Öffentlichkeitsprinzip 732 BVGE / ATAF / DTAF heimhaltungsnormen den allgemeinen Bestimmungen des Öffentlich - keitsgesetzes vorgehen. 4.2 Gemäss Art. 33 A TSG haben Personen, die an der Durchführung sowie der Kontrolle oder der Beaufsichtigung der Durchführung der So - zialversicherungsgesetze beteiligt sind, gegenüber Dritten Verschwiegen- heit zu bewahren. Die Schweigepflicht als allgemeiner sozialversiche - rungsrechtlicher Grundsatz hat den Schutz der Persönlichkeit derjenigen Person zum Ziel, über welche Informationen vorliegen. Ferner werden Personen oder Stellen wie Abklärun gsstellen, Ärzte oder Auskunftsper - sonen geschützt, welche die betreffende Kenntnis vermittelt haben ( UELI KIESER, A TSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Art. 33 N. 3). Ausnahmen von der allgemeinen Schweigepflicht sind bei V orliegen einer gesetzlichen Grundlage i m A TSG oder einer einzelgesetzlichen Regelung zulässig (KIESER, a.a.O., Art. 33 N. 15). Für den Bereich der Unfallversicherung finden sich die V oraussetzungen zur Datenbekanntgabe in Art. 97 UVG. Gemäss Art. 97 Abs. 6 UVG dürfen Daten in Abweichung von Art . 33 A TSG an Dritte bekannt gegeben werden, wenn es sich um nicht per - sonenbezogene Daten handelt und die Bekanntgabe einem überwiegen - den Interesse entspricht (Bst. a) oder bei Personendaten (Bst. b), sofern die betroffene Person im Einzelfall schriftlich eingewilligt hat oder, wenn das Einholen der Einwilligung nicht möglich ist, diese nach den Um - ständen als im Interesse des Versicherten vorausgesetzt werden darf. 4.3 Art. 33 A TSG und Art. 97 UVG regeln die Bekanntgabe bezie - hungsweise Geheimhaltung gewisse r Daten detailliert und könnten des - halb grundsätzlich als Spezialbestimmungen dem BGÖ vorgehen (Art. 4 Bst. a BGÖ). Die beiden Bestimmungen wurden vor Inkrafttreten des BGÖ erlassen und sind mit dem BGÖ nicht geändert worden. Für die Rangordnung zwischen Normen der gleichen Erlassstufe sind zwei Re - geln massgebend: Der V orrang der lex posterior gegenüber der lex prior sowie der V orrang der lex specialis gegenüber der lex generalis. Diese beiden Regeln führen im Falle eines älteren Spezialgesetzes zu wider - sprüchlichen Ergebnissen. Im vorliegenden Fall spricht der mit dem Inkrafttreten des Öffentlichkeitsgesetzes verbundene Paradigmenwechsel (vgl. E. 3.1) klar für die Anwendung der lex -posterior-Regel. Weil die älteren sozialversicherungsrechtlichen Geheimha ltungsbestimmungen je- doch offensichtlich bewusst nicht geändert wurden (vgl. Botschaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 1990), ist mittels Auslegung zu prüfen, ob diese im vorliegenden Fall als lex specialis trotzdem V orrang gegenüber dem neueren BGÖ haben ( CHRISTA STAMM-PFISTER, in: Basler Kommentar Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 733 Datenschutzgesetz/Öffentlichkeitsgesetz, 3. Aufl. 2014, Art. 4 BGÖ N. 2, nachfolgend: Basler Kommentar BGÖ; FORSTMOSER/VOGT, Einführung in das Recht, 5. Aufl. 2012, Rz. 276 ff.; Urteil des BVGer A‒5781/2007 vom 18. Juni 2008 E. 7.2; BGE 123 II 534 E. 2d). 4.4 Wie bereits ausgeführt, dienen die Bestimmungen zur Geheim - haltung im A TSG hauptsächlich dem Schutz der Persönlichkeit derje - nigen Person, über welche Informationen vorliegen. Art. 33 A TSG dient somit in erster Linie d em Persönlichkeitsschutz der versicherten Person. Die Schweigepflicht bezieht sich auf schützenswerte Informationen aus der Privatsphäre, insbesondere auf den Gesundheitszustand der ver - sicherten Person ( COTTIER, Kommentar BGÖ, Art. 4 Rz. 9 f.). Insoweit konkretisiert Art. 33 A TSG das in Art. 28 ZGB geschützte Persönlich - keitsrecht der betreffenden Person ( KIESER, a.a.O., Art. 33 N. 3). Art. 97 UVG ist zwar nuancierter als Art. 33 A TSG und sieht in Abweichung von Art. 33 A TSG in bestimmten, klar definierten Fällen Ausnahmen von der Geheimhaltung vor ( COTTIER, Kommentar BGÖ, Art. 4 Rz. 11). Doch auch bei dieser Bestimmung geht es um den Schutz der versicherten Person beziehungsweise des Verunfallten (vgl. Die Schweizer Privatver- sicherungen, Wegleitung zur ob ligatorischen Unfallversicherung UVG, 3. Aufl. 2004, S. 86), zumal die Bestimmung eine Ausnahmebestimmung zu Art. 33 A TSG darstellt (vgl. Urteil des BVGer A‒4962/2012 E. 6.1.3). Im vorliegenden Fall geht es demgegenüber um Daten, welche den Arbeitgeber der Versicherten betreffen, also nicht um persönliche Daten der versicherten beziehungsweise verunfallten Person, welche durch die Geheimhaltungsnormen besonders geschützt werden. Folglich regeln die erwähnten Bestimmungen zur Geheimhaltung im Sozialversicher ungs- recht den vorliegenden Sachverhalt gerade nicht und können deshalb im vorliegenden Fall nicht als Spezialnormen im Sinne von Art. 4 BGÖ gelten. 4.5 Zum selben Ergebnis gelangt man, wenn man die Bestim - mungen zur Geheimhaltung im Sozialversicherungsrecht i m Lichte des grundsätzlich freien Zugangs zu Informationen, wie er im BGÖ vor - gesehen ist, auslegt (vgl. STAMM-PFISTER, Basler Kommentar BGÖ, Art. 4 BGÖ N. 9). Auch unter diesem Aspekt rechtfertigt es sich, die Regeln der Geheimhaltung im Sozialversicherun gsrecht nach Inkraft - treten restriktiv auszulegen und diese wie erwähnt auf den Schutz der Persönlichkeit und die persönlichen Daten der versicherten Person zu beschränken (vgl. COTTIER, Kommentar BGÖ, Art. 4 Rz. 10). 2014/42 Öffentlichkeitsprinzip 734 BVGE / ATAF / DTAF 4.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass Art . 33 A TSG und Art. 97 UVG zumindest für den vorliegenden Fall keine Spezialbestimmungen darstellen, die dem BGÖ vorgehen. 5. 5.1 Das BGÖ regelt den Zugang zu amtlichen Dokumenten. Darun - ter fällt gemäss Art. 5 Abs. 1 BGÖ jede Information, die auf einem belie - bigen Informationsträger aufgezeichnet ist (Bst. a), sich im Besitz einer Behörde befindet, von der sie stammt oder der sie mitgeteilt worden ist (Bst. b), und die Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe betrifft (Bst. c). Als amtliche Dokumente gelten auch s olche, die durch einen einfachen elektronischen V organg aus aufgezeichneten Informationen erstellt wer - den können, welche die Anforderungen nach Bst. b und c erfüllen (Art. 5 Abs. 2 BGÖ). Folglich fallen die bereits elektronisch existierenden, aber noch ni cht auf Informationsträger aufgezeichneten Informationen eben - falls unter den Begriff des amtlichen Dokuments ( ROBERT BÜHLER, Basler Kommentar BGÖ, Art. 5 BGÖ N. 17). V on einer Behörde zu erstellende Auszüge aus einer Datenbank zur Beantwortung von Aus - künften sind vom Recht auf Zugang erfasst, wenn ein einfacher elek - tronischer V organg es erlaubt, das Dokument aus vorhandenen Informa - tionen zu erstellen (Botschaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 1996). 5.2 Im vorliegenden Fall ersuchten die Beschwerdeführenden bei der V orinstanz um Auskunft in Form einer Liste mit Namen und Adres - sen aller bei der V orinstanz in der Klasse 70C versicherten Arbeitgeber beziehungsweise Personalverleihbetrieben mit einer Lohnsumme von über Fr. 1 200 000.‒. Weil die V orinstanz zweifelsfrei über die geforder - ten Angaben verfügt und im Übrigen nicht substanziiert darlegt, weshalb die Erstellung eines Auszugs aus ihrer Datenbank nicht mittels eines einfachen elektronischen V organgs möglich wäre, erfüllt die beantragte Auskunft die V oraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 BGÖ ohne Weiteres, da die V orinstanz im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung eine öffentliche Aufgabe erfüllt (Art. 58 ff. UVG; vgl. Art. 117 BV). Die beantragte Information ist somit als amtliches Dokument im Sinne des BGÖ zu behandeln. 5.3 Da wie oben ausgeführt (E. 4) keine Spezialbestimmungen ge - mäss Art. 4 BGÖ anwendbar sind, sind nach dem Gesagten für die Aus - kunftserteilung im vorliegenden Fall die Bestimmungen des Öffentlich - keitsgesetzes anzuwenden. Nachfolgend ist zu prü fen, ob die V orinstanz das Auskunftsgesuch der Beschwerdeführenden zu Recht abgelehnt hat. Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 735 6. 6.1 Jede Person hat das Recht, amtliche Dokumente einzusehen und von den Behörden Auskünfte über deren Inhalt zu erhalten (Art. 6 Abs. 1 BGÖ). Der Zugang zu amtlichen D okumenten kann jedoch einge - schränkt, aufgeschoben oder verweigert werden, wenn überwiegende pri - vate oder öffentliche Interessen an der Geheimhaltung einer Offenlegung entgegenstehen (Art. 7 BGÖ) oder wenn ein Ausnahmefall gemäss Art. 8 BGÖ vorliegt (vgl. zum Ganzen E. 3.1). Aufgrund des in Art. 6 Abs. 1 BGÖ festgeschriebenen Öffentlichkeitsprinzips besteht eine Vermutung zugunsten des freien Zugangs zu amtlichen Dokumenten. Dies führt zu einer Umkehr der Beweislast. Zur Widerlegung der Vermutung des freien Zugangs muss deshalb die Behörde beweisen, dass die in Art. 7 und 8 BGÖ aufgestellten Ausnahmefälle gegeben sind (vgl. Art. 12 Abs. 4 BGÖ; BVGE 2011/52 E. 6; eingehend aus der neueren Praxis: Urteil des BVGer A‒5489/2012 vom 8. Oktober 2013 E. 4–7; MAHON/GONIN, Kommentar BGÖ, Art. 6 Rz. 11; Botschaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 2002). Die V orinstanz äussert sich nicht über das Bestehen möglicher Ausnahmefälle im Sinne von Art. 7 oder 8 BGÖ. Sie macht jedoch gel - tend, das Interesse am Schutz der Personendaten würde im vorliegenden Fall überwiegen (vgl. Art. 7 Abs. 2 BGÖ). 6.2 Zum Schutz von Personendaten sind amtliche Dokumente, wel - che Personendaten enthalten, nach Möglichkeit vor der Einsichtnahme zu anonymisieren (Art. 9 Abs. 1 BGÖ). Wenn ein Dokument nicht anony- misiert werden kann, kommt Art. 19 DSG (SR 635.1) zur Anwendung (Art. 9 Abs. 2 BGÖ). Der Begriff « Personendaten » deckt sich dabei mit der Definition in Art. 3 Bst. a DSG (BVGE 2011/52 E. 7.1). Personen - daten gemäss DSG sind alle Angaben, die sich a uf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen, wobei es sich um natürliche und juris - tische Personen handeln kann. Mit « Angaben » ist jede Art von Infor - mation oder Aussage gemeint, und zwar jeder Art, jeden Inhalts und jeder Form (DA VID ROSENTHAL, in: Handkommentar zum Datenschutzgesetz, 2008, Art. 3 Bst. a N. 6 ff., nachfolgend: Handkommentar DSG). Bei der von den Beschwerdeführenden verlangten Auskunft, welche eine Liste mit Namen und Adressen von Personalverleihbetrieben und ihren Lohn - summen bein haltet, handelt es sich um Personendaten im Sinne des DSG. Da die Beschwerdeführenden gerade an den Namen der Personal - verleihbetriebe interessiert sind, kommt eine Anonymisierung dieser An - gaben im vorliegenden Fall nicht in Frage. Wenn Namen und Adressen der Betriebe, welche die V oraussetzungen erfüllen, eingeschwärzt wer -2014/42 Öffentlichkeitsprinzip 736 BVGE / ATAF / DTAF den, würde die Liste unbrauchbar. Die konkreten Lohnsummen der ein - zelnen Betriebe können jedoch durchaus abgedeckt werden, da die Beschwerdeführenden nur wissen wollen, welche Betriebe eine Lohn - summe von Fr. 1 200 000.‒ übersteigen. Da eine umfassende Anony - misierung nicht möglich ist, ist folglich Art. 19 DSG anzuwenden. 7. 7.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1bis DSG, mit welchem eine Koordina - tionsnorm für die Regelung des Zugangs zu amtlichen Dokumen ten mit Personendaten geschaffen wurde, dürfen Bundesorgane gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Personendaten bekannt geben, wenn diese im Zu - sammenhang mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben stehen (Bst. a) und an deren Bekanntgabe ein überwiegendes ö ffentliches Interesse besteht (Bst. b; vgl. auch Art. 7 Abs. 2 BGÖ; YVONNE JÖHRI, Handkommentar DSG, Art. 19 Abs. 1bis N. 31; ALEXANDRE FLÜCKIGER, Kommentar BGÖ, Art. 9 Rz. 47; Botschaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 2033). Die erstgenannte V oraussetzung trägt d em Zweckbindungsgebot Rechnung und ergibt sich für das Öffentlichkeitsgesetz bereits aus der Definition des Begriffs « amtliches Dokument » in Art. 5 Abs. 1 Bst. c BGÖ (ISABELLE HÄNER, Basler Kommentar BGÖ, Art. 9 BGÖ N. 12; JÖHRI, Handkommentar DSG, Art. 19 Abs. 1bis N. 54; Botschaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 2033). Die zweite V oraussetzung verlangt nach einer Ab - wägung der konkret auf dem Spiel stehenden Interessen. Mittels Verhält - nismässigkeitsprüfung muss ein überwiegendes öffentliches Interesse an der B ekanntgabe festgestellt werden. Teilweise wird gefordert, Art. 19 Abs. 1bis DSG restriktiv auszulegen und ein qualifiziertes öffentliches Interesse zu verlangen ( JENNIFER EHRENSPERGER, Basler Kommentar BGÖ, Art. 19 DSG N. 45 m.H.; JÖHRI, Handkommentar DSG, Art. 19 Abs. 1bis N. 66). Bei der Interessenabwägung im Einzelfall spielt auch die Qualifikation der Daten eine Rolle. Geht es um die Beurteilung des Zu - gangs zu besonders schützenswerten Personendaten im Sinne von Art. 3 Bst. c DSG oder Persönlichkeitsprofilen im Sinne von Art. 3 Bst. d DSG, dürfte die Güterabwägung eher zugunsten der Privatsphäre Dritter erfol - gen (BVGE 2011/52 E. 7.1.1 m.H.; EHRENSPERGER, Basler Kommentar BGÖ, Art. 19 DSG N. 46; HÄNER, Basler Kommentar BGÖ, Art. 19 BGÖ N. 13; JÖHRI, Handkommentar DSG, Art. 19 Abs. 1bis N. 45). Das öffentliche Interesse am Zugang kann aber gemäss Art. 6 Abs. 2 der Öffentlichkeitsverordnung vom 24. Mai 2006 (VBGÖ, SR 152.31) über - wiegen, wenn die Zugänglichmachung einem besonderen Informations - interesse der Öffentlichkeit dient, insbesondere aufgrund wichtiger Inte -Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 737 ressen (Bst. a), die Zugänglichmachung dem Schutz spezifischer öffentlicher Interessen dient, insbesondere dem Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit oder der öffentlichen Gesundheit (Bst . b), oder die Person, deren Privatsphäre durch die Zugänglichmachung beeinträch - tigt werden könnte, zu einer dem Öffentlichkeitsgesetz unterstehenden Behörde in einer rechtlichen oder faktischen Beziehung steht, aus der ihr bedeutende V orteile erwachsen (Bst. c). Denkbar ist ein Zugang, wenn es sich um Dokumente handelt, welche im Zusammenhang mit der Gewäh - rung namhafter wirtschaftlicher V orteile an Einzelne stehen, wenn Inha - ber von Bewilligungen und Konzessionen betroffen sind oder wenn es sich um Vertr äge handelt, die der Staat mit Privaten abgeschlossen hat oder wenn die Angabe der Daten freiwillig und ohne behördlichen oder gesetzlichen Zwang erfo lgt ist (Botschaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 2033; COTTIER/SCHWEIZER/WIDMER, Kommentar BGÖ, Art. 7 Rz. 72 und 82). Unproblematisch ist zudem eine Publikation, bei welcher es nach den Umständen des jeweiligen Einzelfalls unwahrscheinlich ist, dass sie die Privatsphäre der betroffenen Person beeinträchtigt (BVGE 2011/52 E. 7.1.1; JÖHRI, Handkommentar DSG, Art. 19 Abs. 1bis N. 48). 7.2 In jedem Fall sind die allgemeinen Datenschutzgrundsätze, na - mentlich der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, einzuhalten. An die Notwendigkeit und Erforderlichkeit der Bekanntgabe von Personendaten sind hohe Anforderungen zu stellen ( JÖHRI, Handkommentar DSG, Art. 19 Abs. 1bis N. 53). Der Zugang zu amtlichen Dokumenten kann ein - geschränkt, aufgeschoben, verweigert oder – in Ausnahmefällen – mit Auflagen oder Bedingungen verbunden werden (Botschaft zum BGÖ, BBl 2003 1963, 2005 und 2007). D as Gebot der Verhältnismässigkeit verlangt, dass die gewählten Verwaltungsmassnahmen für das Erreichen des gesetzten Ziels geeignet, notwendig und für den Betroffenen zumut - bar sind. Der angestrebte Zweck muss in einem vernünftigen Verhältnis zu den einges etzten Mitteln beziehungsweise zu den zu seiner Verfol - gung notwendigen Beschränkungen stehen, die den Privaten auferlegt werden. Die Verwaltungsmassnahme darf in sachlicher, räumlicher, zeit - licher und personeller Hinsicht nicht einschneidender sein als e rforder- lich und hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde (BGE 130 I 16 E. 5; 128 II 292 E. 5.1; Urteile des BVGer A‒3443/2010 vom 18. Oktober 2010 E. 4 und A‒3631/2009 vom 15. September 2009 E. 2.6 m.w.H.). 2014/42 Öffentlichkeitsprinzip 738 BVGE / ATAF / DTAF 7.3 Da es sich bei der beantragten Auskunft um ein amtliches Do - kument im Sinne von Art. 5 Abs. 2 BGÖ handelt (vgl. E. 5.2), liegt ein hinreichender Zusammenhang mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben nach Art. 19 Abs. 1bis Bst. a DSG vor (eingehend BVGE 2011/52 E. 7.1.1 und aus der neusten Praxis Urteile des BVGer A‒5489/2012 E. 7.2.3 und A‒2434/2013 vom 9. Dezember 2013 E. 10.1, je m.w.H.). 7.4 Nachfolgend sind die im vorliegenden Fall geltend gemachten öffentlichen und privaten Inte ressen an der Erteilung oder Verweigerung der Auskunft gegeneinander abzuwägen. Weiter ist zu prüfen, ob über - mässige öffentliche Interessen die Auskunftserteilung rechtfertigen und ob diese verhältnismässig ist. 7.4.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, ein e grosse Zahl von Personalverleihbetrieben mit einer erheblichen Lohnsumme entziehe sich der Unterstellung unter den GA V Personalverleih. Die Durchsetzung des GA V sei im öffentlichen Interesse und ein V ollzug des GA V durch die paritätischen Organe nur mögl ich, wenn die fehlbaren Betriebe be - kannt seien. Sich dem GA V entziehende Unternehmungen würden keinen Schutz verdienen und ihre Interessen seien nicht zu berücksichtigen. Die V orinstanz verweigerte die Auskunftserteilung mit der Begründung, die Durchsetzung der Versicherungspflicht als öffentliche Aufgabe sei ge - fährdet, wenn Daten der versicherten Unternehmen ohne Einverständnis weitergegeben würden. Die Betriebe würden darauf vertrauen, dass die V orinstanz die Daten nur für den V ollzug der Unfallversicherung erhebe und verwende. Zudem sei sie auf die freiwillige Mitwirkung der Betriebe angewiesen. Im vorliegenden Fall gehe es nicht um öffentliche Interes - sen, sondern um die Interessen des Berufsverbandes. Die Herausgabe der Daten sei zudem gar nicht nötig , weil alle Personalverleiher eine Be - willigung benötigen würden und deshalb in einer vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO geführten Liste aufgeführt seien. Eine Kontaktauf - nahme beziehungsweise das Einholen einer Einwilligung für die Aus - kunftserteilung sei auf diesem Weg möglich. 7.4.2 In den Sozialzielen der Bundesverfassung ist verankert, dass sich Bund und Kantone für den Schutz der Arbeitnehmenden einsetzen. Erwerbsfähige sollen ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu angemes - senen Bedingunge n bestreiten können (Art. 41 Abs. 1 Bst. d BV; vgl. Art. 34 aBV, BS 1 3 ). Dementsprechend hat der Bund die Kompetenz, Massnahmen zum Schutz von Arbeitnehmenden zu erlassen und Gesamt - arbeitsverträge allgemeinverbindlich zu erklären (Art. 110 Abs. 1 Bst. d und Abs. 2 BV). Das Bedürfnis nach Allgemeinverbindlicherklärung er -Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 739 gibt sich aus dem Ziel, bei schlechter Wirtschaftslage « Schmutzkon- kurrenz » oder « Sozialdumping » zu vermeiden ( THOMAS GÄCHTER, in: Die schweizerische Bundesverfassung, 2. Aufl. 2008, Art. 110 N. 29). Mit einem Gesamtarbeitsvertrag soll den Verbänden eine reale Einfluss - möglichkeit auf die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse in die Hand gege - ben werden, um minimale Arbeits- und Sozialbedingungen für die einzel- nen Arbeitnehmer festzulegen . Der Gesamtarbeitsvertrag bezweckt, die schwächere Partei zu schützen, eine einheitliche Behandlung der Arbeit - nehmer zu sichern, sozialen Konflikten vorzubeugen und die Anstel - lungsbedingungen mit relativ flexiblen Normen zu ordnen (BGE 121 III 168 E. 3a m.H.). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 28. Sep- tember 1956 über die Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeits - verträgen (A VEG, SR 221.215.311) kann der Geltungsbereich eines zwischen Verbänden abgeschlossenen GA V auf Antrag aller Vertrag s- parteien durch Anordnung der zuständigen Behörde auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer des betreffenden Wirtschaftszweiges ausgedehnt werden, die am Vertrag nicht beteiligt sind. Ist das Gebiet mehrerer Kantone be - troffen, ist der Bundesrat für die Allgemeinv erbindlicherklärung zustän - dig (Art. 7 A VEG). Die Allgemeinverbindlicherklärung eines Gesamt - arbeitsvertrags will einheitliche Mindestarbeitsbedingungen für die auf dem gleichen Markt tätigen Unternehmen schaffen und damit verhindern, dass ein Unternehmen durch schlechtere Arbeitsbedingungen einen Wett- bewerbsvorteil erlangen kann, der als unlauter gilt (Urteil des BGer 4A_377/2009 vom 25. November 2009 E. 3.1). Die einheitliche Rege - lung der Arbeitsbedingungen in einem Betrieb oder in einer Branche dient insbesondere der Wahrung und Förderung des Arbeitsfriedens (vgl. Botschaft vom 29. Januar 1954 zum Entwurf eines Bundesgesetzes über den Gesamtarbeitsvertrag und dessen Allgemeinverbindlichkeit, BBl 1954 I 125, 131). Folglich entsprechen der Abschluss und d ie Allgemein- verbindlicherklärung eines GA V durchaus einem öffentlichen Interesse. Damit die im öffentlichen Interesse liegenden Ziele auch erreicht werden können, ist nach der Allgemeinverbindlicherklärung die konsequente Durchsetzung und flächendeckende Einhaltung der Bestimmungen des GA V durch die unterworfenen Betriebe erforderlich. Die Beschwerde - führenden machen folglich zu Recht geltend, die Durchsetzung des GA V liege im öffentlichen Interesse. Die Wahrung des Arbeitsfriedens, der Ar - beitnehmerschutz und die Verhinderung des unlauteren Wettbewerbs stel- len gewichtige und anerkannte öffentliche Interessen dar. 7.4.3 Was die Abwägung der sich entgegenstehenden Interessen im Sinne von Art. 19 Abs.1 bis Bst. b DSG anbelangt, ist nicht ersichtlich, 2014/42 Öffentlichkeitsprinzip 740 BVGE / ATAF / DTAF inwiefern durc h die Aushändigung einer Liste mit Personalverleihbe - trieben, welche bei der SUV A versichert sind und über eine Lohnsumme von mindestens Fr. 1 200 000.‒ verfügen, eine Persönlichkeitsverletzung bei den aufgezeigten Unternehmen riskiert wird respektive für diese mehr als eine « geringfügige oder bloss unangenehme Konsequenz » ent- stehen könnte (BVGE 2011/52 E. 7.1.2; Urteil des BVGer A‒3609/2010 vom 17. Februar 2011 E. 4.4; COTTIER/SCHWEIZER/WIDMER, Kommen - tar BGÖ, Art. 7 Rz. 58). Entziehen sich gewisse Betr iebe, obwohl sie die Kriterien erfüllen, bewusst der Unterstellung unter den GA V und den damit im öffentlichen Interesse liegenden Zielen, so verdient dieses Ver - halten keinen Schutz und darf in der Interessenabwägung nicht berück - sichtigt werden. Dies gilt umso mehr, als keine Veröffentlichung von sen- siblen Personendaten zur Diskussion steht. Für die Beschwerdeführenden geht es nur darum, alle Namen der Betriebe zu kennen, welche aufgrund der festgelegten Kriterien dem GA V unterstehen, um diese zu kontakt ie- ren und die Einhaltung des GA V zu überprüfen sowie allfällige Mass - nahmen und Sanktionen ergreifen zu können. Bezüglich Lohnsumme geht aus der von den Beschwerdeführenden verlangten Liste lediglich hervor, dass die Grenze von Fr. 1 200 000.‒ bei den auf geführten Betrie- ben überschritten ist. Über die effektive Höhe der Lohnsumme wird kei - ne Auskunft erteilt. Insgesamt ist somit das öffentliche Interesse an der Erteilung der gewünschten Auskunft, welche Betriebe die Unterstel - lungskriterien erfüllen, höhe r zu gewichten als das allgemeine Interesse der V orinstanz an der Durchsetzung der Unfallversicherungsgesetzge - bung. 7.4.4 Die Auskunftserteilung durch die SUV A und damit die Kenntnis aller Personalverleihbetriebe, welche die Kriterien für die Unterstellung unter den GA V Personalverleih erfüllen, ermöglicht es den Beschwerde - führenden, die Einhaltung der im GA V festgelegten Arbeitsbedingungen zu überprüfen und im Falle des Nichteinhaltens Sanktionen zu ergreifen (Art. 32 ff. GA V). Die Massnahme ist folglich geeig net, das im öffent - lichen Interesse liegende Ziel zu erreichen. Entgegen den V orbringen der V orinstanz ist die Auskunftserteilung durch die V orinstanz für die Be - schwerdeführenden die einzige Möglichkeit, mit verhältnismässigem Aufwand an die erforderliche n Daten für den V ollzug des allgemeinver - bindlichen GA V zu gelangen. Es liegen keine milderen Massnahmen vor. Die vom SECO geführte und auf der Website des SECO aufgeschaltete Liste aller Bewilligungsinhaber im Personalverleih ist für die Überprü - fung der Einhaltung des GA V ungeeignet, da sie keine Informationen zur Lohnsumme der Betriebe enthält. Es ist zudem klar, dass die Kontaktauf -Öffentlichkeitsprinzip 2014/42 BVGE / ATAF / DTAF 741 nahme zu allen rund 6 000 auf der SECO -Liste aufgeführten Personal - verleihbetrieben mit der Aufforderung zur Selbstdeklarat ion der Lohn - summe für die Beschwerdeführenden nicht zumutbar und insbesondere nicht zielführend ist. Denn genau diejenigen Betriebe, welche aktuell den GA V nicht einhalten, werden auch in Zukunft den V ollzugsorganen des GA V keine brauchbaren beziehungswei se wahrheitsgemässen Informa - tionen zu ihrer Lohnsumme liefern. Aus demselben Grund sind auch das Angebot der SUV A (…), die potenziell unterstellten Betriebe über den GA V zu informieren und sie aufzufordern, der Schweizerischen Paritä - tischen Berufskommission Personalverleih die notwendigen Angaben für den V ollzug des Vertrags zu liefern, sowie die von der V orinstanz geltend gemachte gegenseitige Kontrolle in der Branche, nicht geeignet. Aus den gleichen Gründen wäre es im Übrigen den Beschwerdeführenden ni cht zuzumuten, bei allen Personalverleihbetrieben Einverständniserklärungen für die Veröffentlichung beziehungsweise Weitergabe ihrer Daten einzu - holen (vgl. Art. 19 Abs. 1 Bst. b DSG). Die Auskunftserteilung erweist sich folglich als verhältnismässig. 7.4.5 Allerdings rechtfertigt es sich im vorliegenden Fall, den Zugang zu den gewünschten – wenn auch nicht besonders sensiblen – Personen- daten ausnahmsweise einzuschränken (vgl. E. 7.2). Mit dem V ollzug des GA V Personalverleih ist der Beschwerdeführer 2 betraut ( Art. 7 Abs. 3 GA V). Dem Beschwerdeführer 1 fehlen die entsprechenden Befugnisse. Folglich ist es angebracht, den Zugang zu den gewünschten Auskünften lediglich dem Beschwerdeführer 2 zu gewähren. Wie bereits ausgeführt, ist zudem die Auskunft dahingehend z u beschränken, dass dem Be - schwerdeführer 2 nur die Namen und Adressen der bei der SUV A in der Klasse 70C versicherten Personalverleihbetriebe mit einer Lohnsumme über Fr. 1 200 000.‒ mitzuteilen sind. Andere Betriebe oder Details der Lohnsummen sind nicht in der Liste aufzuführen. 7.5 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ein überwiegendes öffent - liches Interesse an der Herausgabe der nicht anonymisierten Personen - daten der Personalverleihbetriebe an den Beschwerdeführer 2 besteht und dass diese verhältnismässig ist. Gestützt auf Art. 9 Abs. 2 BGÖ in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1bis DSG hat die V orinstanz folglich die Auskünfte mit den erwähnten Einschränkungen zu erteilen. Bei diesem Ergebnis kann offenbleiben, ob im vorliegenden Fall eine Auskunfts - erteilung auch gestützt auf Art. 97 Abs. 6 UVG möglich wäre.