Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Oktober 2014 (725 14 186 / 252) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Überschneidung von unfallkausalen und unfallunabhängigen Beschwerdebildern; An- wendungsbereich von Art. 36 Abs. 1 UVG; Rückweisung an Vorinstanz zur weiteren Ab- klärung des Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Thomas Hunkeler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Nikolaus Tamm, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen (4.86957.13.1) A.1 Der am 16. April 1960 geborene A.____ leidet se it Geburt an einer kongenitalen Atre- sie der rechten Hand. Am 4. August 2013 stürzte A._ ___ mit dem Fahrrad und zog sich eine mehrfache Schlüsselbeinfraktur links zu. Vom 4. bis 7. August 2013 befand sich der Versicherte deshalb in stationärer Behandlung im Spital B.____, wo er am 5. August 2013 operiert wurde (Plattenosteosynthese). Zum Zeitpunkt des Unfalls w ar A.____ arbeitslos und folglich bei der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligat orisch gegen die Folgen von Unfäl- len versichert. Die SUVA erbrachte in der Folge die ge setzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) A.2 Am 20. Februar 2014 wurde der Versicherte kreisärztl ich untersucht. Gemäss dem Bericht von Kreisarzt Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, sei der Endzustand noch nicht erreic ht. Der Versicherte sei indessen aufgrund der erhobenen Befunde und unter Berücksichtigu ng der erlittenen Unfallfolgen in der angestammten Tätigkeit als Informatiker zu 100 % arbeitsfähig. Gestützt auf diesen Bericht ver- fügte die SUVA am 24. Februar 2014 die Einstellung der Taggeldleistungen ab dem 17. März 2014. A.3 Eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 3. März 2014 wies die SUVA mit Entscheid vom 20. Mai 2014 ab. Zur Begründung stützte sie sich dabei im Wesentlichen auf einen weiteren im Rahmen des Einspracheverfahrens ei ngeholten Bericht von Dr. C.____ vom 8. Mai 2014, worin dieser an seinen Einschätzungen fe sthielt, dass dem Versicherten aufgrund der klinischen Befunde in der angestammten Tätigkeit au f dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Arbeitsfähigkeit von 100 % zu attestieren sei. Weiter wurde ausgeführt, dass es sich beim Feh- len der rechten Hand nicht um eine Unfallfolge hand le, weshalb dies für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht zu berücksichtigen sei. B. Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vertre ten durch Advokat Nikolaus Tamm, am 20. Juni 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, der angefochten e Einspracheentscheid sei aufzuheben und die SUVA sei anzuweisen, weiterhin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesonde- re Taggelder über den 16. März 2014 hinaus (nach)zuzahlen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. August 2014 beantra gte die SUVA, vertreten durch Advokat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bunde sgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in D.____, weshal b die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des G esetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurtei lt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einsprache- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die SUVA über den 1 6. März 2014 hinaus für die Folgen des Unfalls vom 4. August 2013 aufzukommen hat. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Tagg eld. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10% invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn v on der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederu ngsmassnahmen der Invalidenversiche- rung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fal len die Heilbehandlung und die Tag- geldleistungen dahin (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Inte gritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenan spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.2 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer n ur unter der Voraussetzung auf- zukommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krank- heit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher und adäquater Kausal- zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen K ausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ei ngetreten gedacht werden kann. Ent- sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des nat ürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Stö- rungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Pe rson beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitli- che Störung entfiele (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 mit H inweisen). Ein adäquater Kausalzusam- menhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetrete nen Schaden ist nach der Recht- sprechung dann zu bejahen, wenn das Ereignis nach dem ge wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des einge- tretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als be- günstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversiche rers erst, wenn der Unfall nicht die na- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht türliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darst ellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich n ach dem schicksalsmässigen Verlauf ei- nes krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326, U 180/93 E. 3b mit Hinweisen). 2.4 Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG werden die Pflegeleistun gen und Kostenvergütungen so- wie die Taggelder und Hilflosenentschädigungen nicht g ekürzt, wenn die Gesundheitsschädi- gung nur teilweise Folge eine Unfalles ist. Diese Best immung beinhaltet eine Durchbrechung des Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein Gesundhei tsschaden durch das Zusammenwir- ken konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfa llfremder Ursachen bewirkt worden ist (Bot- schaft des Bundesrates zum UVG vom 18. August 1976, BBl 1976 III S. 175 und 197). Ihre An- wendung setzt indes voraus, dass der Unfall und die unfallfremden Ursachen einen bestimmten Gesundheitsschaden gemeinsam verursacht haben. Haben demgegenüber teils unfallbedingte, teils unfallfremde Einwirkungen einander nicht beeinf lussende Schäden verursacht – so etwa, wenn der Unfall und ein nicht versichertes Ereignis versch iedene Körperteile betreffen, sodass sich die Krankheitsbilder nicht überschneiden – kommt d ie Anwendung von Art. 36 Abs. 1 UVG nicht in Frage. In diesem Fall sind die Folgen des versicherten Unfalles für sich allein zu bewer- ten (BGE 113 V 58 mit Hinweisen). Für den Unfallversicherer besteht deshalb auch gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG keine Leistungspflicht für vorbestandene oder nach dem Unfall aufgetretene Krankheiten, auf die der Unfall keinerlei Einfluss ausz uüben vermochte (Urteil des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. Februar 2003, U 287/02, und S. vom 22. Oktober 2002, U 227/01). Art. 36 Abs. 1 UVG regelt demnach d as Vorgehen, wenn sich unfallbedingte und unfallfremde Ursachen konkurrenzieren. Danach ist d ie Beurteilung von unfallbedingten Ursachen ohne Berücksichtigung der gegebenen unfallfremde n Beschwerden zulässig, wenn sich diese beiden Krankheitsbilder nicht gegenseitig bee influssen. Nichts anderes kann gelten, wenn im Zeitpunkt des zu beurteilenden Unfallereigniss es bereits Vorzustände vorliegen, wel- che auf einen vorangegangenen Unfall zurückzuführen sind. Die Folgen des neuen versicherten Ereignisses können für sich alleine geprüft werden, sofe rn sich diese nicht mit den Krankheits- bildern des unfallbedingten Vorzustandes überschneiden. 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wi e alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind ( BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss i st es dem Sozialversicherungs- gericht demnach nicht verwehrt, gestützt ausschliesslich a uf versicherungsinterne medizinische Unterlagen zu entscheiden. Wie das Bundesgericht unl ängst präzisiert hat, sind in solchen Fäl- len jedoch strenge Anforderungen an die Beweiswürdi gung in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit jener ärztlichen Feststel- lungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. U rteil des Bundesgerichts, I. sozial- rechtliche Abteilung, vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E . 3.2 mit Verweisen). In Bezug auf Be- richte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gerich t der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftra gsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei- felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Pa tienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftra g des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag d es amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urtei l des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stel- len und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anders- lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichen- de Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärzt- licher Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die im Rahmen der Begutachtung un- erkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4. Zur Beurteilung der umstrittenen Frage sind die fo lgenden medizinischen Berichte zu berücksichtigen: 4.1 Gemäss dem Operationsbericht von Dr. med. E.____, O berarzt Traumatologie, und Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Tra umatologie des Bewegungsapparates, des Spitals B.____ vom 5. August 2013 habe sich der Versi cherte am 4. August 2013 beim Sturz vom Fahrrad eine dislozierte mehrfragmentäre Claviculaschaftfraktur links zugezogen. Bei der Operation vom 5. August 2013 sei eine offene Repo sition und Plattenosteosynthese Clavi- cula links mittels 3.5mm 9-Loch Reko-LCP-Platte durchgeführt worden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Dem Bericht von PD Dr. med. G.____, FMH Allgemein chirurgie und Traumatologie, des Spitals B.____ vom 23. September 2013 kann entnomm en werden, dass der Patient vor allem über dem AC-Gelenk noch Schmerzen verspüre. Die B eweglichkeit in der Schulter sei aber bereits praktisch symmetrisch. Die Stellungsverhältnisse seien radiologisch unverändert und eine ossäre Heilung könne noch nicht dokumentiert werden. Der Versicherte berichte über Schmerzen im linken Handgelenk, vor allem bei Belastun g, weshalb noch eine Röntgenabklä- rung veranlasst worden sei. Diese habe indessen jedoch ke inen Frakturnachweis oder sonsti- gen Befund ergeben. 4.3 In der Besprechung mit der SUVA vom 25. September 2013 gab der Beschwerdeführer als Folge des Unfalls Kniebeschwerden an. Am 17. Septem ber 2013 wurde in der Klinik für Ra- diologie und Nuklearmedizin des Spitals B.____ ein MRI des rechten Kniegelenks durchgeführt. Im MRI-Bericht werden im Vergleich zu einer Voruntersu chung vom 15. Mai 2013 bekannte Knorpelfissuren an der medialen retropatellären Gele nkfacette erwähnt, aber keine neue Knie- binnenläsion. 4.4 Den ärztlichen Berichten von Dr. G.____ vom 24. Oktob er 2013 und 11. Dezember 2013 zufolge habe der Versicherte deutliche lokale Besch werden, wechselnd, in Form von Ver- spannungen und Schmerzen im Frakturbereich und im Berei ch des AC-Gelenks sowie musku- läre Verspannungen im Halsbereich. Gesamthaft mache er kleine Fortschritte. Die Beweglich- keit sei noch nicht frei. Der Verlauf sei aufgrund der lokalen Beschwerden etwas mühsam, ge- samthaft jedoch nicht ungewöhnlich. 4.5 Gemäss dem kreisärztlichen Bericht von Dr. C.____ vom 2 0. Februar 2014, zeige der Versicherte objektiv eine reizlose Narbe im Bereich der l inken Clavicula und eine bereits entwi- ckelte aktive und passive Beweglichkeit der linken Schulter. Subjektiv seien noch Verhärtungen der Clavicula links und Schmerzzustände vorhanden. Ein End zustand im Bereich der linken Clavicula sei noch nicht erreicht. Laut Angaben des Versich erten sei eine Metallentfernung in circa einem Jahr geplant. Unter Berücksichtigung der erli ttenen Unfallfolgen sei der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Informatiker indessen zu 100 % arbeitsfähig. Wechselbelas- tende und mittelschwere Tätigkeiten ohne Überkopfarbe iten seien dem Versicherten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ganztägig zumutbar. Aufgrund der beschriebenen Verhärtungs- und Schmerzzustände der linken Clavicula, seien im Arbeitsalltag regelmässige Pausen einzulegen. 4.6 Der Stellungnahme von Dr. G.____ vom 8. April 2 014 kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer immer noch deutliche lokale Beschwer den habe, einerseits eher etwas lateral von der Platte ausgehend über die Pektoralismu skulatur auf den Oberarm ausstrahlend. Andererseits zeige er heute ein eindeutig schmerzhaftes u nd druckdolentes AC-Gelenk. Die Beschwerden, die der Versicherte äussere, seien aus der Sicht von Dr. G.____ absolut plausi- bel. Es sei nicht selten, dass nach Osteosynthesen, beding t durch die Platten, Weichteilirritatio- nen auftreten würden und sich eine symptomatische AC-Gel enkarthrose entwickle. Ein Patient mit beidseitig ansonsten gesunden oberen Extremitäten k önne dies möglicherweise noch bes- ser kompensieren, beim Beschwerdeführer sei dies aber aufgrund der Atresie der rechten Hand nicht möglich. Der Versicherte könne die durch die Clavicu lafraktur entstandenen Beschwerden Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit der rechten Seite nicht genügend auffangen. Er se i aktuell nicht arbeitsfähig. Auch leichte Tätigkeiten seien im Moment nicht möglich, da es sofort zu einer schmerzhaften Dekompensa- tion der isolierten linken oberen Extremität komme. Der kreisärztliche Bericht von Dr. C.____ sei nicht schlüssig. Zum einen könne die Atresie der rechten Ha nd zur Beurteilung des Heilungs- verlaufs, der Wertigkeit der Restbeschwerden und deren A uswirkungen auf den Funktionszu- stand sowie der Leistungsfähigkeit nicht einfach ausser Betracht gelassen werden. Das Ganze sei voneinander nicht zu trennen. Zum anderen habe sich i m aktuellen radiologischen Verlauf gezeigt, dass es durch eine Überlastung des AC-Gelenks zu einer Arthrose gekommen sei, welche ebenfalls zu erheblichen Beschwerden führe. Gesam thaft kommt Dr. G.____ zum Schluss, dass mit einer vollen Reintegration des Versich erten in den Arbeitsprozess gerechnet werden könne, dies jedoch noch Zeit und die Unterstützung der SUVA benötige. 4.7 Gemäss der Stellungnahme von Dr. C.____ vom 8. Mai 2014 habe der Versicherte im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung eine gute Beweglichkeit im Bereich der linken Schul- ter und des linken Handgelenkes gezeigt. Die linke Hand zeige darüber hinaus einen unauffälli- gen Faustschluss, unauffälliges Fingerspreizen und eine k orrekte Rotationsstellung der Finger der linken Hand. Zudem seien keine Schwellungen im B ereich der linken Hand zu sehen. Be- züglich die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. C.____ an seine r Einschätzung fest, dass der Versicherte als Informatiker im angestammten Bereich zu 100 % arb eitsfähig sei. Der Versicherte zeige eine gute aktive und passive Beweglichkeit der linken Sch ulter. Die Atresie der rechten Hand dürfe bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt werden, da es sich beim Fehlen der rechten Hand nicht um eine Unfallfolge h andle. Die Arthrose im AC-Gelenk sei kein neu aufgetretener Befund, sie sei bereits bei der kreisä rztlichen Untersuchung vom 20. Februar 2014 ersichtlich gewesen. Es müsse deshalb keine neue Beurteilung erfolgen. 5. Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf den kreisä rztlichen Bericht von Dr. C.____ davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner angestamm ten Tätigkeit als Informatiker seit dem 17. März 2014 wieder zu 100 % arbeitsfähig sei. A rt. 36 UVG könne vorliegend nicht zur Anwendung kommen, da es im konkreten Fall um Einwirkungen gehe, die einander nicht beein- flussende Schäden verursacht hätten. Auch wenn die Unfal lfolgen den Beschwerdeführer auf- grund der fehlenden rechten Hand stärker treffen würden als andere Patienten, könne dies nicht berücksichtigt werden, da die Atresie keine Unfallfolge sei. Die Leistungen seien demnach nicht verfrüht eingestellt worden. Der Beschwerdeführer bring t demgegenüber vor, dass die Ein- schätzungen von Dr. C.____ in medizinischer Hinsicht nicht h altbar seien und daher vielmehr auf die Ausführungen von Dr. G.____ abzustellen sei, w elcher mit überzeugender Begründung zu deutlich abweichenden Einschätzungen komme. Die Vorin stanz hätte übersehen, dass die Auswirkungen der vorbestehenden kongenitalen Atresie de r rechten Hand bzw. deren Wech- selwirkung mit den direkten Unfallfolgen nicht nur med izinisch, sondern gemäss Art 36 Abs. 1 UVG auch unfallversicherungsrechtlich nicht ausgeblendet werden dürften. Ausserdem habe der Befund einer Arthrose im AC-Gelenk erst in der Spr echstunde vom 7. April 2014 radiolo- gisch objektiviert werden können. Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, dass die Vo- rinstanz den beruflichen Werdegang des Versicherten und d ie angestammte Tätigkeit, die mit „Informatiker“ verkürzt und damit irreführend wiederge geben wird, offensichtlich falsch ein- schätze. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Zunächst ist vorliegend zu prüfen, ob bei der Beur teilung des Gesundheitszustands und der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwer deführers allein auf den mit der Schlüsselbeinfraktur eingetretenen Gesundheitsschaden abzustellen ist oder ob die Atresie der rechten Hand im Sinne der Auffassung des Beschwerdeführe rs ebenfalls mitberücksichtigt wer- den muss. 6.2 Zu Recht unbestritten ist, dass es sich bei der Atresie der rechten Hand nicht um eine Folge des Unfalls, sondern um ein Geburtsgebrechen handelt. Klarerweise liegt auch kein klas- sischer Fall einer Prädisposition vor, da nicht ein vorbest ehender Zustand durch das Unfaller- eignis verschlimmert wurde. Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG we rden insbesondere die Taggelder nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalles ist. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), findet Art. 36 UVG jedoch nur in jenen Fällen Anwendung, in welchen sich unfallkausale und unfallunabhängige Beschwer debilder überschneiden. Dagegen ist Art. 36 UVG nicht anwendbar, wenn die beiden Einw irkungen einander nicht beeinflussende Schäden (trennbare Gesundheitsschäden) verursacht haben, so etwa, wenn der Unfall und das nicht versicherte Ereignis verschiedene Körperteile betre ffen und sich damit die Krankheitsbil- der nicht überschneiden (BGE 113 V 58 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend jedoch gerade nicht der Fall. Die Frage, ob das Kriterium der Trennbarkei t erfüllt ist, ist nicht nur auf den Gesund- heitsschaden selbst zu beziehen, sondern auch auf dessen Auswirkungen. Es kann nicht, wie von der Beschwerdegegnerin vorliegend angenommen, auf eine isolierte medizinische Trenn- barkeit von verschiedenen Körperteilen ankommen. Solch eine Betrachtungsweise würde bei- spielsweise dazu führen, dass bei ursächlich verschiedenen Schädigungen von mehreren Fin- gern die Handfunktion und die Greiffunktion unbeacht et blieben (da es sich bei den jeweiligen Fingern um medizinisch klar trennbare Körperteile hande lt) obwohl sich gerade in diesen Funk- tionen eine Überschneidung der Beschwerdebilder manifestieren und eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit ergeben würde. Die Gesundheitsschädi gung ist folglich nicht isoliert, sondern unter Würdigung der zusammenhängenden Funktionen zwischen den verschiedenen Körpertei- len zu beurteilen. Dies deckt sich auch mit der Regelung der Invaliditätsbeurteilung bei paarigen Organen, wie bei den Augen (vgl. P ETER OMLIN , Die Invalidität in der obligatorischen Unfallver- sicherung, Diss. Freiburg 1995, S. 128 f.). Der behande lnde Arzt Dr. G.____ führt im Bericht vom 8. April 2014 in plausibler und einleuchtender Art aus, dass es dem Beschwerdeführer als direkte Folge der Atresie der rechten Hand nicht mögli ch sei, die mit dem Schlüsselbeinbruch verbunden Beschwerden teilweise zu kompensieren, wie dies beidhändige Patienten könnten. Aufgrund der vorbestehenden Atresie sei der Beschwerdefü hrer seit jeher gezwungen gewe- sen, alle manuellen Tätigkeiten mit der linken Extremi tät auszuführen. Das Unfallereignis und die damit verbundene Verletzung der linken oberen Ext remität hätten nun zu einer Dekompen- sation dieser Situation geführt. Nach dem von Dr. G.__ __ Vorgebrachten kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Armen bzw. den Händen in der vorliegenden Kons- tellation um zwei medizinisch und funktional komplett tre nnbare Körperteile handelt. Geht man bei der Beurteilung der Trennbarkeit des Gesundheitssch adens richtigerweise von den Auswir- kungen des Gesundheitsschadens unter Berücksichtigung des Zusammenspiels der Organ- funktionen aus, so ist es einleuchtend, dass die aus dem Unfallereignis resultierende Claviculaf- raktur durch die vorbestehende Atresie negativ beeinflusst wird und sich die beiden Beschwer- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht debilder folglich überschneiden. Der kreisärztliche Berich t von Dr. C.____, welcher diesem As- pekt keine Beachtung schenkt und das Unfallereignis isolie rt betrachtet, vermag diesbezüglich entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht zu überzeugen und wird von Dr. G.____ in seinen Ausführungen zu Recht in Zweifel gezogen. Der Gesundheitsschaden und damit einher- gehend die Arbeitsfähigkeit sind daher gesamthaft zu w ürdigen. Art. 36 Abs. 1 UVG ist folglich als anwendbar zu erachten. Vor diesem Hintergrund kann der Beschwerdegegnerin auch nicht gefolgt werden, wenn sie sich bei der Einschätzung der Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei Vorlie- gen eines Schlüsselbeinbruchs auf allgemeine Erfahrungsw erte abstützt. Der vorliegende Fall ist gerade nicht als Normalfall eines Schlüsselbeinbruchs z u behandeln, sondern unter Berück- sichtigung der besonderen Umstände zu werten. 6.3 Weiter beschreibt Dr. G.____ in der Stellungnahme vom 8. April 2014 erstmals den Befund einer Arthrose des linken AC-Gelenks. Die Frage, ob aufgrund dieses radiologischen Befundes einer Arthrose im AC-Gelenk von einer neuen Situation auszugehen sei, wird von Dr. C.____ in seinem Bericht vom 8. Mai 2014 verneint . Zur Begründung führt er dabei aus, dass es sich beim Befund der Arthrose im AC-Gelenk nicht um einen neu aufgetretenen Befund handle. Sie sei bereits bei der kreisärztlichen Untersuchu ng vom 20. Februar 2014 ersichtlich gewesen, weshalb keine neue Situation vorliege und de mentsprechend auch keine neue Beur- teilung erforderlich sei. Diese Ausführungen des Kreisarztes sind nicht stichhaltig. Im kreisärztli- chen Bericht vom 20. Februar 2014 lassen sich keinerlei Hi nweise auf einen entsprechenden Befund finden, was von Dr. G.____ in seinem Bericht unter Hinweis auf bisher fehlende radiolo- gische Befunde auch erklärt wird. 6.4 Bei Beurteilungen durch versicherungsinterne Ärzte genügen bereits geringste Zweifel, um ihre Verbindlichkeit aufzuheben. Hinzu kommt, dass ein medizinischer Aktenbericht als Ent- scheidungsgrundlage lediglich zulässig ist, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamne- se, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_653/2009, E. 5 .2 mit Hinweis). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Der behandelnde Arzt Dr. G.____ führt in seinem Bericht vom 8. April 2014 in glaubhafter und schlüssiger Weise aus, dass einerseits die Auswirkung der vorbestehenden Atresie sowie andererseits die Arthrose im linken AC-Gelenk im kreisärztlichen Bericht zu wenig berücksichtigt wurden. Damit bestehen begründete Zweife l an der kreisärztlichen Beurteilung, weshalb ihr nicht gefolgt werden kann. Auf die von Dr . G.____ geschlussfolgerte volle Arbeits- unfähigkeit kann jedoch, unter Berücksichtigung seiner St ellung als behandelnder Arzt des Be- schwerdeführers (vgl. E. 3.2 hiervor) und mangels begrün deter Auseinandersetzung mit der konkreten Tätigkeit des Versicherten, auch nicht gefolgt werden. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt weiterer Abklärungen bedarf. 7. Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, dass die Beschwerdegegnerin sei- nen beruflichen Werdegang und seine angestammte Täti gkeit, welche mit „Informatiker“ ver- kürzt und damit irreführend wiedergegeben werde, offe nsichtlich falsch eingeschätzt habe und verweist insoweit auf seinen Lebenslauf und eine Beschreibung der angestammten Tätigkeit. In der Vernehmlassung vom 20. August 2014 bringt die Beschw erdegegnerin dagegen vor, prak- tisch alle vom Beschwerdeführer ausgeübten Tätigkeiten hä tten mit Computern zu tun gehabt, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht weshalb sich deren Arbeitsweisen nicht deutlich voneinand er unterscheiden würden. Zudem habe der Beschwerdeführer selber in seiner Tätigkeitsauf zählung unter anderem Informatiker sowie Informatikverantwortlicher aufgeführt. Aus diesem Grund sei es durchaus legitim, ihn als Informatiker zu bezeichnen. Dieser Argumentation kann n icht gefolgt werden. Zwar kann ange- nommen werden, dass praktisch alle bisherigen Tätigkeiten des Beschwerdeführers, und insbe- sondere die zuletzt ausgeübten, mit Computer zu tun hatten. Dies rechtfertigt jedoch keine Qua- lifikation als Informatiker. Die Informatik ist ein sehr breites Berufsfeld, welches die unterschied- lichsten Tätigkeiten umfasst. Der Begriff Informatiker f indet daher ohne Zusatz auch keine ein- heitliche Verwendung. Die verschiedenen Tätigkeiten können von reinen Schreibtischtätigkeiten (Applikationsentwickler oder Wirtschaftsinformatiker) zu physischen Tätigkeiten (im Bereich des Supports von Computeranlagen oder bei Systemtechnikern) reichen (vgl. www.berufsberatung.ch/dyn/1199.aspx?id=7671 und www.b erufe-lexikon.de/berufsbild-beruf- informatiker.htm). Daraus können sich unterschiedliche F olgen hinsichtlich des Belastungspro- fils ergeben. Der Kreisarzt ist bei seiner Beurteilung offenbar in Unkenntnis der verschiedenen, vom Beschwerdeführer ausgeübten Tätigkeiten von einem I nformatikberuf im Sinne einer rei- nen Schreibtischtätigkeit ausgegangen. Ob dieses Belastungsprofil auch auf andere Tätigkeiten im Informatikbereich und namentlich auf die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers passt, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurte ilt werden, da die Sachverhaltsabklä- rungen diesbezüglich unvollständig sind. Daraus folgt, da ss die SUVA den rechtlich relevanten Sachverhalt auch bezüglich der beruflichen Situation des Beschwerdeführers ungenügend ab- geklärt hat. 8. Gemäss neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne n die Sozialversicherungs- gerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Strei tsache zur weiteren Abklärung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat für m edizinische Abklärungen vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten einzuholen, w enn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für guta chtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserhebli chen Punkt nicht beweiskräftig ist (vgl. BGE 137 V 263 ff. E. 4.4.1 ff). Da die Beschwerdegeg nerin vorliegend sowohl in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als auch betreffend der beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht alle notwendigen Abklärungen vorgenommen hat und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte Abklärun gen nachzuholen, steht einer Rück- weisung an die Vorinstanz auch unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung des Bun- desgerichts nichts entgegen. Demzufolge ist die Angelegen heit in Aufhebung des angefochte- nen Einspracheentscheids vom 20. Mai 2014 zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegne- rin zurückzuweisen. Diese hat den Beschwerdeführer insbes ondere in Bezug auf den erlittenen Gesundheitsschaden und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit unter Einbezug der kon- genitalen Atresie der rechten Hand sowie in Bezug auf die Arthrose im linken AC-Gelenk von einer unabhängigen Ärzteschaft untersuchen zu lassen. Die Beschwerdegegnerin hat zudem die berufliche Situation und die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers näher abzuklä- ren. Dabei wird der Beschwerdeführer auch aufzufordern sein, die behaupteten Tätigkeiten mit- tels Arbeitszeugnissen zu belegen. Gestützt auf die Erg ebnisse der Aktenergänzung wird die Beschwerdegegnerin über die Ansprüche des Beschwerdeführ ers neu zu verfügen haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gerich t festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsach e und nach der Schwierigkeit des Prozes- ses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts ist unte r Obsiegen im Streit um eine Leistung in der Sozialversicherung nicht nur das materiel le Obsiegen in dem Sinne zu verste- hen, dass die Beschwerde führende Person die beantragte Leistung erhält. Vielmehr genügt für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädig ung auch ein formelles Obsiegen in dem Sinne, dass der Beschwerde führenden Person durch d ie Aufhebung der angefochtenen Verfügung und der Rückweisung der Sache an die Verwaltu ng zur weiteren Abklärung und neuen Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine be anspruchte Leistung gewahrt bleiben (ZAK 1987, S. 266 ff.). Nachdem die Beschwerde gutzuhe issen und die Sache weiteren Abklä- rung im Sinne der Erwägungen an die SUVA zurückzuweisen ist, hat diese dem Beschwerde- führer eine Parteientschädigung auszurichten. In seiner H onorarnote vom 11. September 2014 hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Aufwa nd von 14.42 Stunden und Ausla- gen in Höhe von Fr. 44.40 geltend gemacht, was angem essen ist. Bei einem praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 250.-- hat die SUVA dem Beschwer deführer demnach eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘941.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 10. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der B eschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 20. Mai 2014 aufgehoben und die Angele genheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘941.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu entrichten.