Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 17. Februar 2020 (400 19 231) ___________________________________________________________________ Zivilprozessrecht Gerichtsstand am Erfüllungsort der charakteristischen Leistung gemäss Art. 31 Abs. 1 ZPO; bei einem Unternehmensberater liegt dieser Erfüllungsort für Beratungsleistun- gen grundsätzlich am Domizil des Beraters (E. 2.1.4.2). Obligationenrecht Eine monatlich geschuldete Vergütung aus einem Auftragsverhältnis gilt vorliegend als periodische Leistung und verjährt nach Art. 128 OR in fünf Jahren (E. 2.3.3.a). Das Zivilgericht hat nach Art. 53 OR mindestens über die Schuldfrage und die Scha- densbestimmung selbständig und frei zu entscheiden (E. 3.2). Die Mitglieder des Verwaltungsrates sind der Gesellschaft für den Schaden verantwort- lich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten verursachen. Schliesst ein Verwaltungsrat durch Selbstkontrahierung in Verletzung des Schriftlich- keitserfordernisses nach Art. 718b OR einen Darlehensvertrag ab, so ist dieser zufolge Nichtigkeit ex tunc unwirksam und die Gesellschaft erleidet durch die Abdisposition des Darlehensbetrags einen Schaden (E. 3.3, 3.3.3.b/ab). Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richter Daniel Noll (Ref.), Richterin Barbara Jermann Richterich; Gerichtsschreiber Stefan Steinemann Parteien A._____ AG (vormals B._____ AG), vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Marc Bernheim, Staiger Rechtsanwälte AG, Talacker 41, Postfach 2012, 8027 Zürich, Klägerin, Widerbeklagte und Anschlussberufungsklägerin gegen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht C._____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Michael Hunziker, Schärer Rechtsanwälte, Hintere Bahnhofstrasse 6, 5001 Aarau 1, Beklagter, Widerkläger und Berufungskläger Gegenstand Forderung Berufung und Anschlussberufung gegen das Urteil des Zivilkreisgerichtes Basel-Landschaft West vom 2. Juli 2019 A. a) C._____ gründete am 30. September 2008 die D._____ AG. Er war damals von E._____, Alleinaktionär der D._____ AG, beauftragt worden, die B._____ AG treuhänderisch zu erwer- ben. Als Käuferin der B._____ AG trat die D._____ AG auf. C._____ war vom 30. September 2008 bis zum 6. Dezember 2010 einziger Verwaltungsrat der D._____ AG und vom 8. Dezem- ber 2008 bis zum 6. Dezember 2010 Verwaltungsrat bei der B._____ AG. b) Im Jahre 2010 wurde die Übernahme der F._____ AG geplant. Dazu gründete C._____ zusammen mit zwei weiteren Personen am 30. Juni 2010 die G._____ AG. Vom 7. bis 28. Juli 2010 liess E._____ durch seine beiden Unternehmen H._____ AG und B._____ AG in 9 Tran- chen CHF 450'000.− an die D._____ AG überweisen. C._____ veranlasste als einzelzeich- nungsberechtigter Verwaltungsrat der D._____ AG mit Valuta vom 28. Juli 2010 die Überwei- sung des Betrags von CHF 450'000.− auf sein eigenes Privatkonto bei der Bank I._____. Von dort liess er den Betrag auf das Kontokorrent der G._____ AG bei der Bank J._____ transfe- rieren. Am 19. August 2010 schloss C._____ als Darlehensgeber mit der G._____ AG als Darlehensnehmerin im eigenen Namen einen nachrangigen, schriftlichen Darlehensvertrag über CHF 450'000.− ab. Am gleichen Tag wurde der Kaufvertrag betreffend die F._____ AG unterzeichnet und der Kauf vollzogen. c) Am 4. August 2011 erhob die K._____ AG (umfirmiert von D._____ AG) bei der Staats- anwaltschaft Basel-Stadt Strafanzeige gegen C._____. Nachdem er in erster Instanz freige- sprochen wurde, verurteilte ihn das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt wegen un- getreuer Geschäftsbesorgung. Das Bundesgericht bestätigte mit Urteil vom 7. November 2016 den Schuldspruch des Appellationsgerichts. Nachdem die K._____ AG gegen C._____ Betrei- bung eingeleitet hatte, bezahlte dieser mit Valuta vom 12. August 2011 einen Betrag von CHF 338'037.90 an die K._____ AG zurück. Den Restbetrag von CHF 111'962.10 verrechnete C._____ mit eigenen Forderungen gegen die K._____ AG. B. a) Gestützt auf die Klagebewilligung vom 4. Juli 2017 erhob die K._____ AG am 13. No- vember 2017 beim Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West (fortan: Zivilkreisgericht) Klage ge- gen C._____ mit folgenden Anträgen: Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. C._____ sei zu verpflichten, der K._____ AG CHF 151'604.76 zuzüglich folgenden Zin- sen zu bezahlen: - 5 % p.a. auf CHF 111'962.10 seit 13. August 2011 - 5 % p.a. auf CHF 23'424.66 seit 2. August 2012 - 5 % p.a. auf CHF 16'218.− seit 24. April 2017. 2. Der K._____ AG sei in der Betreibung Nr. 1._____ des Betreibungsamtes Basel-Land- schaft (Zahlungsbefehl vom 7. November 2016) definitive Rechtsöffnung im Umfang fol- gender Beträge zu erteilen: - CHF 111'962.10 zzgl. Zins zu 5 % p.a. seit 13. August 2011 - CHF 23'424.66 - CHF 15'000.− zzgl. Zins zu 5 % p.a. seit 24. April 2017. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWST) zulasten von C._____. b) Am 7. März 2018 begehrte C._____ mit Klageantwort die Abweisung der Klage und erhob eventualiter Widerklage mit dem Antrag, die K._____ AG sei zu verpflichten, ihm CHF 58'162.10 zzgl. Zins von 5 % seit 11. August 2011 zu bezahlen; je unter Kosten- und Entschä- digungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der K._____ AG. c) Am 2. Juli 2018 hielt die K._____ AG mit Replik an ihren Klagebegehren fest und bean- tragte gleichzeitig mit Eventualwiderklageantwort die Abweisung der Widerklage, soweit da- rauf einzutreten sei; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten von C._____. d) Am 24. Oktober 2018 bestand C._____ mit Duplik und Eventualwiderklagereplik auf sei- nen Anträgen. e) Am 14. Januar 2019 teilte die B._____ AG dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West mit, dass Aktiven und Passiven der K._____ AG zufolge Fusion auf sie übergegangen sei. Diese Fusion wurde am 20. November 2018 im Tagebuch des Handelsregisters eingetragen. f) Am 15. Februar 2019 hielt die B._____ AG mit Stellungnahme zu Dupliknoven und Even- tualwiderklageduplik an ihren Anträgen fest. g) Anlässlich der mündlichen Hauptverhandlung vor dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West vom 2. Juli 2019 hielten die B._____ AG (fortan: Klägerin) und C._____ (fortan: Beklag- ter) an ihren Begehren fest. h) Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West erkannte mit Entscheid vom 2. Juli 2019: 1. Die Klage wird teilweise gutgeheissen und der Beklagte verurteilt, der Klägerin CHF 111'962.10 nebst 5 % Zins seit 13 . August 2011 zu bezahlen. Für die Mehrforderung wird die Klage abgewiesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die Betreibung Nr. 1._____ des Betreibungsamtes Basel -Landschaft kann in obener- wähntem Umfang fortgesetzt werden. 3. Die Widerklage wird abgewiesen. 4. Die Kosten des Schlichtungsverfahrens von CHF 500.− werden zu einem Fünftel der Klägerin und zu vier Fünfteln dem Beklagten auferlegt. Die Gerichtsgebühr beträgt CHF 24'000.− und wird zu einem Fünftel der Klägerin und zu vier Fünfteln dem Beklagten auferlegt. Wird keine schriftliche Begründung verlangt, beträgt die Gerichtsgebühr CHF 20'000.− und wird zu einem Fünftel der Klägerin und zu vier Fünfteln dem Beklagten auferlegt. Die Forderung des Staates betreffend Gerichtskosten wird mit den geleisteten Kosten- vorschüssen von CHF 18'000.− der Klägerin und CHF 6'000.− des Beklagten verrechnet. Wird keine schriftliche Begründung verlangt und die Gerichtsgebühr auf CHF 20'000.− reduziert, so wird der Klägerin der zu viel geleistete Kostenvorschuss von CHF 4'000.− zurückerstattet. Der Beklagte hat der Klägerin CHF 13'600.− resp. 10'400.− (inkl. Kosten des Schlich- tungsverfahrens) zu ersetzen. Der Beklagte hat der Klägerin eine CHF 16'505.60 (inkl. Auslagen) zu bezahlen. C. Der Beklagte beantragte am 27. September 2019 beim Kan tonsgericht, Abteilung Zivil- recht, mit Berufung: 1. Die Dispositivziffern 3 und 4 des Entscheides des Zivilkreisgerichtes Basel -Landschaft West vom 2. Juli 2019 seien vollumfänglich aufzuheben und wie folgt neu zu fassen: "3. Die Widerklage wird teilweise gutgeheissen und die Klägerin verurteilt, dem Beklag- ten CHF 56'490.− zzgl. Zins von 5 % seit 11. August 2011 zu bezahlen. 4. Die Kosten des Schlichtungsverfahrens von CHF 500.− werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Die Gerichtsgebühr beträgt CHF 24'000.− und wird den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Die Forderung des Staates betreffend Gerichtskosten wird mit den geleisteten Kos- tenvorschüssen von CHF 18'000.− der Klägerin und CHF 6'000.− des Beklagten verrechnet. Der Beklagte hat der Klägerin CHF 6'250.− (inkl. Kosten des Schlichtungsverfah- rens) zu ersetzen. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen." 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7 % MWST) zu Lasten der Beru- fungsbeklagten. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht D. Die Klägerin begehrte am 15. November 2019 mit Berufungsantwort: 1. Die Berufung sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und der Entscheid des Zivil- kreisgerichtes Basel-Landschaft West vom 2. Juli 2019 sei unter Vorbehalt der nachfol- gend erklärten Anschlussberufung vom 15. November 2019 zu bestätigen. 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beklagten. Gleichzeitig erhob die Klägerin Anschlussberufung mit den Anträgen: 3.1 Der zweite Satz der Dispositivziffer 1 des Entscheides des Zivilkreisgerichtes Ba sel- Landschaft West vom 2. Juli 2019 sei aufzuheben und der Beklagte sei in Abänderung und Ergänzung zu Dispositivziffer 1 des angefochtenen Entscheides zu verpflichten, der Klägerin CHF 23'424.66 zzgl. Zins von 5 % p.a. seit 2. August 2012 zu bezahlen. 3.2 Eventualiter zum Rechtsbegehren 3.1 sei der Beklagte in Abänderung von Dispositivzif- fer 1 des angefochtenen Entscheides zu verpflichten, der Klägerin CHF 7'273.95 zzgl. Zins von 5 % p.a. seit 2. August 2012 zu bezahlen. 3.3 Subeventualiter zu den Rechtsbegehren 3.1 und 3.2 sei der Beklagte in Abänderung von Dispositivziffer 1 des angefochtenen Entscheides zu verpflichten, der Klägerin CHF 1'849.30 zzgl. Zins von 5 % p.a. seit 2. August 2012 zu bezahlen. 4. Der Beklagte sei in Abänderung und weiterer Ergän zung von Dispositivziffer 1 des an- gefochtenen Entscheides zu verpflichten, der Klägerin nebst den vorgenannten Beträ- gen CHF 16'218.− zzgl. Zins von 5 % p.a. seit 24. April 2017 zu bezahlen. 5. Die Dispositivziffer 3 des angefochtenen Entscheides sei aufzuh eben, und es sei nicht auf die Widerklage einzutreten. Eventualiter sei die Dispositivziffer 3 des angefochtenen Entscheides zu bestätigen. 6. Die Dispositivziffer 4 des angefochtenen Entscheides sei aufzuheben, und es seien dem Beklagten die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen sowie der Klägerin die volle Parteientschädigung zuzusprechen. 7. Eventualiter zu den Rechtsbegehren 3 bis 6 seien der zweite Satz der Dispositivziffer 1, die Dispositivziffer 3 und die Dispositivziffer 4 des angefochtenen Entscheides aufzuhe- ben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West zurückzuweisen. 8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beklagten. E. Die Beklagte schloss am 19. Dezember 2019 mit Anschlussberufungsantwort auf Ab- weisung der Anschlussberufung, soweit darauf einzutreten sei; unter Kosten- und Entschädi- gungsfolgen (zzgl. 7.7 % MWST) zulasten der Anschlussberufungsklägerin. F. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2019 wurde der Schriftenwechsel geschlossen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1.1 1.1.1 Mit Berufung sind erstinstanzliche Endentscheide in vermögensrechtlichen Ange- legenheiten anfechtbar, wenn der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.− beträgt (Art. 308 Abs. 1 li t. a i.V.m. Abs. 2 ZPO). Die Berufung ist bei der Rechtsmittelinstanz innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides be- ziehungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und be- gründet einzureichen (Art. 311 ZPO). 1.1.2 Der Beklagte hat die Berufung rechtzeitig gegen einen erstinstanzlichen Endent- scheid in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit, deren Streitwert gemäss den zuletzt vor erster Instanz aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mehr CHF 10'000.− beträgt, erhoben. Er verfügt überdies über ein schutzwürdiges Interesse im Sinne Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO und hat den Kostenvorschuss von CHF 4'500.− fristgerecht bezahlt. Auf die Berufung ist somit − unter Vorbehalt hinreichender Begründung − einzutreten. Zur Beurteilung der Berufung ist die Drei- erkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantons gerichtes sachlich zuständig (§ 6 Abs. 1 lit. d EG ZPO). 1.1.3 Das Berufungsverfahren is t als eigenständiges Verfahren ausgestaltet. Es dient nicht der Vervollständigung des vorinstanzlichen Verfahrens, sondern der Überprüfung und Korrektur des erstinstanzlichen Entscheides im Lichte konkret dagegen vorgebrachter Bean- standungen (BGE 142 III 4 13 E. 2.2.2). Entsprechend ist die Berufung nach Art. 311 Abs. 1 ZPO begründet einzureichen. Der Berufungskläger muss aufzeigen, inwiefern er den ange- fochtenen Entscheid als fehlerhaft erachtet. Um dieser Pflicht nachzukommen genügt es nicht, wenn er auf s eine Vorbringen vor der ersten Instanz verweist oder den angefochtenen Ent- scheid in allgemeiner Art und Weise kritisiert. Vielmehr muss der Berufungskläger im Einzel- nen die vor instanzlichen Erwägungen bezeichnen, die er beanstandet, sich mit ihnen argu- mentativ auseinandersetzen und die Aktenstücke nennen, auf denen seine Kritik beruht. Die Begründung muss hinreichend explizit sein, dass sie von der Berufungsinstanz einfach nach- vollzogen werden kann (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 5A_466/2016 vom 12. April 2017 E. 3.1; 4A_142/2017 vom 3. August 2017 E. 3.1; 4A_397/2016 vom 30. November 2016 E. 3.1; 4A_580/2015 vom 11. April 2016 E. 2.2, nicht veröffentlicht in: BGE 142 III 271). Der blosse pauschale Verweis auf Beilagen genügt in aller Regel nicht (BGer 4A_4 43/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.1). Auf Rügen, die eine sachbezogene Auseinandersetzung mit den Er- wägungen des angefochtenen Urteils vermissen lassen, ist nicht einzutreten. Von der Beru- fungsinstanz kann nicht erwartet werden, dass sie von sich aus in den Vorakten die Argumente zusammensucht, die zur Begründung der Berufung geeignet sein könnten (BGer 5A_438/2012 vom 27. August 2012 E. 2.4). Die Parteien sind überdies grundsätzlich gehalten, erstinstanz- lich gestellte Beweisanträge, denen nicht entsprochen wurde, vor der zweiten Instanz zu wie- derholen. Es kann aus praktischen Gründen nicht vom Berufungsgericht verlangt werden, dass es die − oft umfangreichen − erstinstanzlichen Akten nach erstinstanzlich erhobenen, vor zwei- ter Instanz jedoch nicht erneuerten Beweisanträgen durchforstet. Zudem entspräche dies nicht der Natur des Berufungsverfahrens als eigenständiges Verfahren (BGE 144 III 394 E. 4.2). Die Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dargestellten Begründungsanforderungen gelten sinngemäss auch für den Inhalt der Beru- fungsantwort (BGer 4A_580/2015 vom 11. April 2016 E. 4.2, nicht veröffentlicht in: BGE 144 III 394; OGer ZH LB180032 vom 12. April 2019 E. III/1.2). 1.1.4 Abgesehen von offensichtlichen Mängeln hat sich das Berufungsgericht grund- sätzlich auf die Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort gegen das erstinstanz- liche Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die Rügen der Parteien geben mithin das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz vor. In rechtlicher Hinsicht ist das Berufungsge- richt, in Anwendung des G rundsatzes "iura novit curia", bei dieser Prüfung jedoch weder an die Erwägungen der ersten Instanz noch an die Argumente der Parteien gebunden. In tatsäch- licher Hinsicht ist es nicht an die Würdigung des erstinstanzlich festgestellten Sachverhaltes gebunden, auch wenn mangels entsprechender Sachverhaltsrügen der Parteien im Beru- fungsverfahren der erstinstanzliche Entscheid nach dem Gesagten in der Regel als Grundlage des Rechtsmittelverfahrens dient (BGE 144 III 394 E. 4.1.4; 142 III 413 E. 2.2.4). Das Ber u- fungsgericht kann die Berufung daher auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den Entscheid mit einer Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (sog. Motivsubstitution, vgl. BGE 136 III 247 E. 4; OGer ZH LB180032 vom 12. April 2019 E. III/1.3). 1.2 1.2.1 Die Anschlussberufung ist innert 30 Tagen seit Zustellung der Hauptberufung zur schriftlichen Stellungnahme zu erheben (Art. 313 i.V.m. Art. 312 Abs. 1 und 2 ZPO). Die An- schlussberufung muss nach den für die Berufung geltenden Formvorschriften begründet wer- den (PETER REETZ/SARAH HILBER, in: Sutter -Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kom- mentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N 29 zu Art. 313 ZPO). 1.2.2 Die Klägerin hat die Anschlussberufung rechtzeitig innert der Frist zur Erstattung der Berufungsantwort erhoben. Sie hat auch den Kostenvorschluss von CHF 2'300.− fristge- recht geleistet. Auf die Anschlussberufung ist somit − unter Vorbehalt hinreichender Begrün- dung − einzutreten. 2. Im vorinstanzlichen Verfahren forderte der Beklagte mit der Eventualwiderklage von der Klägerin die Bezahlung von CHF 56'490.−. Er begründete dies damit, dass er bei der Klägerin vom April bis Oktober 2010 im Proj ekt B._____ AG tätig gewesen sei und ihm eine Entschädigung in Höhe von CHF 56'490.− zustehe. 2.1 Zu prüfen ist vorab, ob die örtliche Zuständigkeit der Vorinstanz zur Beurteilung der Eventualwiderklage gegeben gewesen ist. 2.1.1 Die Vorinstanz bejahte ihre örtliche Zuständigkeit. Sie erwog zusammengefasst, gemäss Art. 31 ZPO sei für Klagen aus Vertrag das Gericht am Wohnsitz oder Sitz der be- klagten Partei oder an dem Ort zuständig, an dem die charakteristische Leistung zu erbringen sei. Der Beklagte sei unstrittig für die Klägerin als deren einziger Verwaltungsrat tätig gewesen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Weder liege eine Vereinbarung über den Erfüllungsort vor, noch ergebe sich ein bestimmter Erfüllungsort aus den Umständen. Somit gelte vorliegend laut Art. 74 Abs. 2 Ziff. 3 OR der Wohnsitz des Beklagten als Erfüllungsort. Der Beklagte habe schon zum Zeitpunkt der Erfül- lung des Auftrages seinen Wohnsitz in L._____ gehabt. Infolgedessen sei der Gerichtsstand am Ort des angerufenen Zivilkreisgerichtes Basel-Landschaft West gegeben. 2.1.2 Die Klägerin hält dem in der Berufungsantwort im Wesentlichen entgegen, der Be- klagte mache Forderungen aus Tätigkeiten für die B._____ AG mit Sitz in M._____ geltend. Aufgrund der zwischen den Parteien bestehenden Vereinbarung (vgl. Replik und Widerkla- geantwort, Rz 132 ff.) und den Umständen ergebe sich, dass der Beklagte seine Leistungen am Sitz der B._____ AG in M._____ habe erbringen müssen (vgl. Replik und Widerklageant- wort, Rz 11). Eventualiter sei von der Vereinbarung der Leistungserbringung am damaligen Geschäftsort des Beklagten bei N._____ in O._____ auszugehen. Folglich könne auf die Even- tualwiderklage des Beklagten nicht eingetreten werden (vgl. Replik und Widerklageantwort, Rz 12). 2.1.3 Die Klägerin begnügt sich in der Berufungsantwort damit zu behaupten, dass sich der Erfüllungsort aufgrund einer entsprechenden Vereinbarung und den Umständen in M._____ befinde, ohne vor Kantonsgericht substanziiert darzulegen, aus welcher Stelle wel- cher Vereinbarung und welchen bestimmten Umständen anzunehmen wäre, der Erfüllungsort liege in M._____. Im Weiteren verweist sie pauschal auf ihre Vorbringen in der Replik. Die Klägerin bestreitet somit lediglich in allgemeiner Form die örtlic he Zuständigkeit der Vor -in- stanz. Infolgedessen erweist sich die Berufung santwort in diesem Punkt offenkundig als un- genügend begründet, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. 2.1.4 Selbst wenn die örtliche Zuständigkeit zu prüfen wäre, ergäbe sich, dass die Vor- instanz ihre örtliche Zuständigkeit zu Recht angenommen hat. 2.1.4.1 Nach einem allgemeinen prozessualen Grundsatz ist bei der Beurteilung der Zu- ständigkeit primär auf den vom Kläger eingeklagten Anspruch und dessen Begründung abzu- stellen. Die vom Kläger behaupteten Tatsachen, die sowohl für die Zuständigkeit des angeru- fenen Gerichtes als auch die Begründetheit der Klage erheblich sind (sog. doppelrelevante Tatsachen), sind für die Beurteilung der Zuständigkeit als wahr zu unterstellen. Sie werden erst im Moment der materiellen Prüfung des eingeklagten Anspruchs untersucht; diesbezügli- che Einwände der Gegenpartei sind im Rahmen der Zuständigkeitsprüfung unbeachtlich. Eine Ausnahme gilt nur für den Fall, dass der klägerische Tatsachenvortrag auf Anhieb fadenschei- nig oder inkohärent erscheint und durch die Klageantwort sowie die von der Gegenseite pro- duzierten Dokumente unmittelbar und eindeutig widerlegt werden kann (BGE 137 III 32 E. 2.2 f.). Vorliegend ist die Frage, ob der Beklagte aufgrund eines Auftrages als Unterneh- mensberater oder als Verwaltungsrat für die Klägerin tätig war, sowohl für die örtliche Zustän- digkeit als auch für die materielle Beurteilung der Klage von Bedeutung. Entsprechend ist bei der Beurteilung der örtlichen Zuständigkeit auf den vom Beklagten mit der Eventualwiderklage geltend gemachten Anspruch und dessen Begründung abzustellen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1.4.2 Gemäss Art. 31 Abs. 1 ZPO ist für Klagen aus Vertrag "das Gericht am Wohnsitz oder Sitz der beklagten Partei oder an dem Ort zuständig, an dem die charakteristische Leis- tung zu erbringen ist". Weil sich der Sitz der Klägerin in M._____ befindet, kommt für die Be- gründung der örtlichen Zuständigkeit der Vorinstanz einzig die zweite Variante von Art. 31 ZPO, der Gerichtsstand am Erfüllungsort der charakteristischen Leistung, in Betracht. Die cha- rakteristische Leistung eines Vertrages ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung unter Berücksichtigung von Art. 117 Abs. 3 IPRG zu bestimmen. Bei Auftrag, Werkvertrag und ähn- lichen Dienstleistungsverträgen gilt nach Art. 117 Abs. 3 lit. c IPRG die Dienstleistung als cha- rakteristisch (BGE 145 III 190 E. 2). Der Beklagte beriet die Klägerin vorwiegend auf dem Gebiet der Unternehmensumstrukturierung. Die charakteristische Leistung bestand somit in der vom Beklagten erbrachten Dienstleistung. Wo diese zu erbringen war, besti mmt sich in aller Regel nach Art. 74 OR. Laut Absatz 1 dieser Bestimmung wird der Ort der Erfüllung durch den ausdrücklichen oder aus den Umständen zu schliessenden Willen der Parteien bestimmt. Zu den Umständen, die für eine stillschweigende (mittelbare) Bestimmung des Erfüllungsortes sprechen, gehören nach der Lehre insbesondere die Natur der Verpflichtung, die Verkehrssitte und die Usanzen einer bestimmten Branche (MARIUS SCHRANER, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2000, N 44 zu Art. 74 OR). Der Beklagte war f ür die Klägerin als Unternehmensberater tätig. Diese Tätigkeit wird usanzgemäss schwerpunktmässig am Domizil des Beraters verrichtet . Vorliegend legt die Klägerin weder substanziiert dar, noch weist sie nach, dass der Beklagte abweichend von dieser Usanz seine Arbeit an ihrem Domizil zu leisten hatte. Somit ist davon auszugehen, dass der Beklagte die charakteristische Leistung des Auftrages an seinem Do- mizil zu erbringen hatte (so auch SCHRANER, a.a.O., Art. 74 N 54). Davon ist vorliegend umso mehr auszugeh en, als in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen als Gerichtsstand der Wohnsitz bzw. Geschäftssitz des Beklagten vereinbart wurde und beide sich in L._____ be- fanden. Der Beklagte hatte entgegen den Behauptungen der Klägerin zur damaligen Zeit den Geschäftssitz nicht bei N._____ in O._____. Unter dem Namen " N._____" traten fünf je für sich selbständige Einzelpersonen − unter anderem der Beklagte − auf. Die Berater der N._____ waren selbständig erwerbende Unternehmer. Da sich zur Zeit der Erbringu ng der Beratungsleistungen der Geschäftssitz und der Wohnsitz des Beklagten in L._____ befanden und er diese Dienstleistung dort zu erbringen hatte, lag der Erfüllungsort auch dort. Demzu- folge war die Vorinstanz zur Beurteilung der Eventualwiderklage örtlich zuständig. 2.2 Die Vorinstanz beschränkte den Eventualwiderklageprozess auf die Frage der Ver- jährung. Die Vorinstanz stellte mithin den Bestand der vom Beklagten geltend gemachten For- derung nicht fest. Dieser bleibt auch im Berufungsverfahren strittig . Der Beklagte strebt mit dem Berufungsantrag auf Verpflichtung der Klägerin zur Leistung eines Betrages von CHF 56'490.− an ihn die Durchsetzung dieser Forderung im zweitinstanzlichen Verfahren an. Sei- nem Antrag könnte die Berufungsinstanz nur entsprechen, wenn die Sache vor der Berufungs- instanz spruchreif ist. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, müsste der Beklagte in der Beru- fung alle Tatsachen, aus denen er den Bestand der Forderung ableitet, substanziiert darlegen und die entsprechenden Beweismittel an geben. Vorliegend macht der Beklagte in der Beru- fung allerdings nur allgemeine Angaben zum behaupteten Auftragsverhältnis zwischen den Parteien und zum Entschädigungsanspruch, ohne hinreichend bestimmt die Voraussetzungen für die eingeklagte Entschädigungsforderung darzulegen. Er beschränkt sich im Wesentlichen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht darauf, pauschal auf seine Ausführungen in der Klageantwort und der Duplik zu verweisen. Auch nennt er in der Berufung keinerlei Beweismittel. Dies genügt den Begründungsanforde- rungen an eine Berufu ng nicht. Auf die Berufung kann demnach insoweit nicht eingetreten werden. 2.3 Lediglich der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Berufung auch kein Er- folg beschieden gewesen wäre, wenn auf diese einzutreten gewesen wäre, da die Widerklage − wie nachfolgend dargestellt − zufolge Verjährung abzuweisen wäre. 2.3.1 Die Vorinstanz wies die Eventualwiderklage aufgrund des Eintritts der Verjährung ab. Sie erwog insbesondere, gemäss Art. 128 Ziff. 1 OR verjährten Forderungen für Miet -, Pacht- und Kapitalzinsen sowie für andere periodische Leistungen mit Ablauf von fünf Jahren. Periodische Leistungen seien separat fällige, periodisch wiederkehrende Einzelleistungen aus einheitlichem Rechtsgrund. Der Beklagte sei für die Klägerin in einem unbefristeten Auftrags- verhältnis von September 2008 bis Oktober 2010 tätig gewesen. Die Zusammenarbeit sei un- strittig durch die Klägerin mit Kündigung per Oktober 2010 beendet worden. Gemäss überein- stimmenden Ausführungen hätten die Parteien als Entschädigung für die Tätigkeit des Beklag- ten eine monatliche Pauschale von CHF 7'500.− vereinbart und diese sei bis März 2010 be- zahlt worden. Die Klägerin habe somit dem Beklagten aufgrund eines Dauerschuldverhältnis- ses wiederkehrende, betragsgleiche Entschädigungen entrichten müss en. Der Beklagte for- dere diese Entschädigungen als wiederkehrende monatliche Einzelleistungen. Es handle sich um periodische Leistungen im Sinne Artikel 128 Ziff. 1 OR, für die eine Verjährungsfrist von fünf Jahren gelte. Die vorliegenden Forderungen aus dem Jahr 2010 seien somit bei der An- hebung der Widerklage am 7. März 2018 bereits verjährt gewesen. Die Widerklage sei deshalb abzuweisen. 2.3.2 Der Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, seine Forderungen seien nicht ver- jährt. Zur Begründung bringt er unter anderem vor, auf Auftragsdienstleistungen − wie sie vor- liegend in Frage stünden − sei Art. 128 Ziff. 1 OR nicht anwendbar. Entgegen den Feststel- lungen der Vorinstanz mache er zudem nicht wiederkehrende Einzelleistungen geltend. Allein aus dem Umstand, dass er für im Voraus vereinbarte Beträge aus einem Auftragsverhältnis monatlich Rechnung gestellt habe, könne nicht geschlossen werden, dass periodische Leis- tungen im Sinne von Art. 128 Ziff. 1 OR vorlägen. Hier gehe es nicht um gestaffelt fällig wer- dende Leistungen aus einem Dauerschuldverhältnis. Es handle sich vielmehr um eine Forde- rung aus Auftragsrecht, wofür die zehnjährige Verjährung nach Art. 127 OR gelte. Die Wider- klage sei demnach bei deren Geltendmachung noch nicht verjährt gewesen und damit durch- setzbar. 2.3.3 a) Gemäss Art. 127 OR verjähren mit Ablauf von zehn Jahren alle Forderungen, für die das Bundeszivilrecht nicht etwas A nderes bestimmt. Art. 128 OR sieht für verschiedene Fälle eine fünfjährige Verjährungsfrist vor, insbesondere für Miet-, Pacht- und Kapitalzinse so- wie für andere periodische Leistungen (Ziff. 1). Periodische Forderungen sind nach bundes- gerichtlicher Rechtsprechung regelmässig wiederkehrende Forderungen, die auf einem ein- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht heitlichen Schuldgrund beruhen. Darunter ist eine Dauerschuld zu verstehen, aus der periodi- sche Leistungspflichten hervorgehen, die während der Zeitspanne dieser Schuld immer wieder neu und selbständig entstehen (BGE 143 III 348 E. 2.1). Vergütung und Verwendungsersatz für einen Beauftragten können als periodische Leistungen ausgestaltet sein ( STEPHEN V. BERTI, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2002, N 26 zu Art. 128 OR). b) Die Verjährung ist durch Einrede geltend zu machen. Für ihre tatsäc hlichen Vor- aussetzungen trägt der Schuldner die Behauptungs- und Beweislast. Beansprucht der Schuld- ner eine fünfjährige Verjährungsfrist nach Art. 128 OR, trägt er somit die Beweislast für die tatsächlichen Voraussetzungen einer entsprechenden Forderung ( HANS PETER WALTER, in: Berner Kommentar, 2012, N 621 der Einleitung Art. 1-9 ZGB; HGer ZH HG110135 vom 27. Mai 2015 E. B/2.8.4.c). Die Behauptungs- und Beweislast für den Eintritt der Verjährung trägt hier also die Klägerin. 2.3.4 Im vorliegenden Fall erhob die Klägerin die Verjährungseinrede rechtzeitig in der Widerklageantwort. Der Beklagte behauptet in der Berufung selbst, er sei im Rahmen eines Auftragsverhältnisses bis Ende Oktober 2010 für die Klägerin im Projekt B._____ AG tätig gewesen. Als Entschädigung sei eine monatliche Pauschale von CHF 7'500.− vereinbart wor- den. Bei dem vom Beklagten behaupteten Anspruch handelt es sich folglich um eine Dauer- schuld, wobei die monatliche Pauschale von CHF 7'500.− eine wiederkehrende Leistung dar- stellt, die durch Zeitablauf immer wieder neu und selbständig entstand. Die vom Bek lagten geltend gemachten Honoraransprüche für die Monate April bis Oktober 2010 fallen demnach unter die fünfjährige Verjährungsfrist gemäss Art. 128 Ziff. 1 OR. Diese einzelnen Honoraran- sprüche waren jeweils sofort fällig (Art. 75 OR) und damit bei der An hebung der Widerklage am 7. März 2018 offenkundig bereits verjährt. Die Vorinstanz hat somit die Widerklage zu Recht abgewiesen. 3.1 3.1.1 Die Klägerin verlangte mit ihrer Klage vom Beklagten die Bezahlung eines Betra- ges von CHF 23'424.66 als Schadenszins von 5 % auf dem vom Beklagten aus ihrem Vermö- gen behändigten Betrag von CHF 450'000.− für die Zeitperiode vom 28. Juli 2010 bis zum 12. August 2011. Die Vorinstanz wies die Klage in diesem Punk t ab, wogegen die Klägerin An- schlussberufung erhob. Zur Begründung erwog das Zivilkreisgericht unter anderem , gemäss dem Urteil des Bundesgerichtes vom 7. November 2016 in der Strafsache liege der Vermö- gensschaden in der schadensgleichen Vermögensgefährdung infolge der durch den Beklag- ten vorgenommenen marktunüblic hen Ausrichtung des Darlehens an sich selbst. Der straf- rechtliche Schadensbegriff stimme mit dem zivilrechtlichen nicht in jeder Hinsicht überein. Der Schadensbegriff des Strafrechtes beruhe zwar auf jenem des Zivilrechtes, neben der Vermö- gensverminderung und der Nichtvermehrung fielen jedoch auch die vorübergehende Vermö- gensschädigung und die Vermögensgefährdung unter den strafrechtlichen Vermögensbegriff. Eine endgültige Vermögensschädigung sei nicht erforderlich. Zur Begründung des Schadens verweise die Klägerin im Wesentlichen auf die Ausführungen in den Strafurteilen des Appella- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht tionsgerichtes Basel-Stadt vom 11. Dezember 2015 und des Bundesgerichtes vom 7. Novem- ber 2016. Weil diese Gerichte für die Bejahung eines Vermögensschadens schon eine Ver- mögensgefährdung hätten genügen lassen, hätten sie das Vorliegen einer tatsächlichen Ver- mögensverminderung nicht geprüft. Den von einem Konto der Klägerin entnommenen Betrag von CHF 450'000.− habe der Beklagte am 2. Mai 2011 im Umfang von CHF 111'962.10 zur Verrechnung gebracht und mit Valuta vom 12. August 2011 im Umfang von CHF 338'037.90 zurückbezahlt. Damit habe der Beklagte die Forderung der Klägerin anerkannt und unter der Voraussetzung der Zulässigkeit der Verrechnung und dem Bestand der Verrechnungsfor de- rungen bereits vor Einreichung der Klage getilgt. Die Klägerin bestreite die Zulässigkeit der Verrechnung. Bei Nichtzulassung der Verrechnung verbliebe der Klägerin eine vollstreckbare Forderung gegen den Beklagten. Einen Schaden im Sinne einer konkreten Vermögensvermin- derung oder eines entgangenen Gewinns weise die Klägerin nicht nach. Damit liege kein Scha- den im Sinne von Art. 754 Abs. 1 OR und Art. 41 Abs. 1 OR vor. Der Beklagte hafte deshalb nicht aus unerlaubter Handlung. Folgerichtig könne die Kläge rin auf der ursprünglichen For- derung von CHF 450'000.− bis zum 12. August 2011 auch keinen Schadenszins vom Beklag- ten beanspruchen. 3.1.2 Die Klägerin wendet dagegen in der Anschlussberufung insbesondere ein, entge- gen der Darstellung der Vorinstanz habe sie nicht bloss auf die Urteile des Appellationsgerich- tes Basel-Stadt und des Bundesgerichtes verwiesen. Vielmehr habe sie in der Klage eine tat- sächliche Verminderung ihres Vermögens substanziiert nachgewiesen: Am 21. Juli 2010 habe der Beklagte mit Valuta vom 28. Juli 2010 die Überweisung von CHF 450'000.− auf sein per- sönliches Konto bei der I._____ veranlasst. Der vom Beklagten behauptete Darlehensvertrag, mit welchem der Klägerin für den entnommenen Betrag eine vertragliche und damit eine ein- bringliche Gegenforderung vorgelegen haben solle, sei ex tunc nichtig gewesen, was der vo- rinstanzliche Entscheid bestätige. Nach der sogenannten Differenztheorie bestehe der Scha- den der Klägerin in der Differenz zwisc hen dem Stand des Vermögens der Klägerin am 28. Juli 2010 und dem hypothetischen Stand, den ihr Vermögen zu diesem Zeitpunkt ohne die Pflichtverletzung gehabt hätte. Ohne die Pflichtverletzung des Beklagten wäre das Vermögen der Klägerin am 28. Juli 2010 bis zum 12. August 2011 hypothetisch um CHF 450'000.− höher gewesen. Der Umstand, dass der Beklagte diese Forderung im Rahmen der Buchführung ab- sichtlich falsch als "Darlehensforderung" verbucht habe, ändere an der bei der Klägerin durch die widerrechtliche Entnahme der CHF 450'000.− tatsächlich eingetretenen Vermögensver- minderung nichts. Bei der Klägerin sei somit eine konkrete Vermögensverminderung und somit ein Schaden im Sinne von Art. 745 Abs. 1 OR (recte: Art. 754 Abs. 1 OR) und Art. 41 Abs. 1 OR eingetreten. Fehl gehe weiter die Begründung der Vorinstanz, wonach der Beklagte durch die Teilrückzahlung und die geltend gemachte Verrechnung für den Restbetrag von CHF 111'962.10 die Forderung der Klägerin im Grundsatz anerkannt habe, womit sich diese in je- dem Fall vollstrecken liesse und deshalb keine konkrete Vermögensverminderung vorläge. Allein die Teilrückzahlung und die Verrechnungserklärung des Beklagten stellten keine Schuldanerkennung im Sinne von Art. 82 SchkG dar, mit welcher die Forderung im Rahm en einer Rechtsöffnung rasch und einfach durchgesetzt werden könnte. Ernsthaft sofort voll- streckbar bzw. liquid sei eine Zivilforderung nur dann, wenn hierfür eine öffentliche Urkunde im Sinne von Art. 347 ff. ZPO vorläge, welche als definitiver Rechtsöffn ungstitel gälte. Die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Forderung gegen den Beklagten sei hier alles andere als liquide, habe die Klägerin diese doch trotz sogenannter "Anerkennung im Grundsatz" durch den Beklagten in einem langjährigen Rechtsstreit und hohem Kostenaufwand, der nur teilweise durch die Parteientschädigung ge- deckt werde, mühselig gegen den Beklagten durchprozessieren müssen. Mutmasslich meine die Vorinstanz daher mit "vollstreckbare" Forderung eine "einklagbare" Forderung; aber auch Schadenersatzansprüche aus Art. 745 Abs. 1 OR (recte: Art. 754 Abs. 1 OR) und Art. 41 Abs. 1 OR seien einklagbar und damit "vollstreckbar". Damit sei auch dieses Kriterium nicht geeig- net, das Vorliegen eines Schadens bei der Klägerin im Sinne von Art. 745 Abs. 1 OR (recte: Art. 754 Abs. 1 OR) und Art. 41 Abs. 1 OR zu verneinen. Überdies erscheine es vor dem Hintergrund dieser Ausführungen als widersprüchlich, dass die Vorinstanz die vom Beklagten abgegebene Verrechnungserklärung in Bezug auf die Restschuld von CHF 111'962.10, also "den Akt der Anerkennung der Forderung" aufgrund der widerrechtlichen Besitzanmassung im Sinne von Art. 125 Ziff. 1 OR als unzulässig und damit als rechtlich unwirksam beurteile. Im Ergebnis stehe fest, dass der Beklagte durch die widerrechtliche Entnahme von CHF 450'000.− vom Konto der Klägerin nach der Differenztheorie eine tatsächliche Vermögensver- minderung im Umfang des genannten Betrages verursacht und damit einen Schaden im Sinne von Art. 745 Abs. 1 OR (recte: Art. 754 Abs. 1 OR) und Art. 41 Abs. 1 OR bewirkt habe. Zur vollständigen Deckung des bei der Klägerin verursachten Schadens schulde der Beklagte der Klägerin für die Zeitperiode vom 28. Juli 2010 bis zum 12. August 2011 auf dem Betrag von CHF 450'000.− einen Zins von 5 %, d.h. somit eine Geldsumme von CHF 23'424.66. Für diese Forderung sei der Beklagte mit Zustellung des Zahlungsbefehl es vom 11. Juli 2012 am 2. August 2011 (recte: 2. August 2012) in Verzug gesetzt worden, weshalb er der Klägerin auf diesem Betrag von CHF 23'424.66 zusätzlich Zins von 5 % p.a. seit diesem Datum schulde. 3.2 Gemäss Art. 53 OR ist der Richter bei der Beurteilung der Schuld oder Nichtschuld, Urteilsfähigkeit oder Urteilsunfähigkeit an die Bestimmungen über strafrechtliche Zurech- nungsfähigkeit oder an eine Freisprechung durch das Strafg ericht nicht gebunden (Abs. 1). Ebenso ist das strafgerichtliche Erkenntnis mit Bezug auf die Beurteilung der Schuld und die Bestimmung des Schadens für den Zivilrichter nicht verbindlich (Abs. 2). Auch die Zivilpro- zessordnung sieht keine Bindung des Zivil richters an die Sachverhaltsfeststellungen und die Beweiswürdigung des Strafrichters vor (BGer 4A_169/2016 vom 12. September 2016 E. 6.4.3, nicht publ. in: BGE 142 III 626). Nach der Rechtsprechung verpflichtet die Bestimmung von Art. 53 OR den Zivilrichte r, mindestens über die Schuldfrage und die Schadensbestimmung selbständig und frei zu entscheiden ( BGE 107 II 489 E. 5b) . Dem Zivilrichter ist es jedoch erlaubt, in den Grenzen des massgebenden Prozessrechtes sich auf aus dem Strafverfahren ergebende Tatsachenfeststellungen zu beziehen und anschliessend eine unabhängige zivil- rechtliche Beurteilung des Falles vorzunehmen (BGE 125 III 401 E. 3; BGer 4A_319/2012 vom 28. Januar 2013 E. 4.1; ROLAND BREHM, Berner Kommentar, 4. Aufl. 2013, N 29 zu Art. 53 OR). 3.3 Gemäss Art. 754 Abs. 1 OR sind die Mitglieder des Verwaltungsrates und alle mit der Geschäftsführung oder mit der Liquidation befassten Personen sowohl der Gesellschaft als auch den einzelnen Aktionären und Gesellschaftsgläubigern für den Schaden verantwort- lich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten verursachen. Die Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Voraussetzungen einer Haftung aus aktienrechtlicher Verantwortlichkeit sind somit das Vorlie- gen eines Schadens, einer Pflichtverletzung, des natürlichen und adäquaten Kausalzusam- menhanges zwischen Schaden und Pflichtverletzung sowie eines Verschuldens (BGE 132 III 564 E. 4.2; 132 III 342 E. 4.1). Es obliegt dem Kläger, der die aktienrechtliche Verantwortlich- keit behauptet, die kumulativen Voraussetzungen zu beweisen (BGE 132 III 564 E. 4.2; HGer ZH HG160283 vom 6. April 2018 E. 2.3). 3.3.1 Unstrittig steht aufgrund der vorinstanzlichen Erkenntnis fest, dass die Klägerin als Gesellschaft aktivlegitimiert und der Beklagte als ehemaliger Verwaltungsrat der Klägerin pas- sivlegitimiert ist. 3.3.2 a) Nach Art. 717 Abs. 1 OR müssen die Mitglieder des Verwaltungsrates ihre Aufga- ben mit aller Sorgfalt erfüllen und die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen wahren. Diese Treuepflicht charakterisiert sich als Inte ressenwahrungspflicht und gebietet, dass die Mitglieder des Verwaltungsrates ihr Verhalten am Geschäftsinteresse ausrichten und eigene Interessen gegebenenfalls zurückstellen, wobei ein strenger Massstab anzulegen ist. Besteht die Gefahr eines Interessenko nfliktes, hat der betroffene Verwaltungsrat mittels geeigneter Massnahmen sicherzustellen, dass die Interessen der Gesellschaft gebührend berücksichtigt werden (BGE 130 III 213 E. 2.2.2; BGer 4A_524/2011 vom 16. Februar 2012 E. 2.1; 4A_462/2009 vom 16. März 2010 E. 6.3). b) Im vorliegenden Fall hat der Beklagte als Verwaltungsrat der Klägerin seine Sorg- falts- und Treuepflichten gegenüber der Klägerin verletzt. Am 21. Juli 2010 überwies er als alleiniger Verwaltungsrat der Klägerin von einem klägerischen Konto CHF 450'000.− auf ein persönliches Konto und verbuchte den Vorgang als Darlehen an sich selbst. Weil dieses In- sichgeschäft entgegen den Anforderungen von Art. 718b OR nicht schriftlich abgeschlossen wurde, erweist sich der Darlehensvertag als nichtig. Zudem traf der Beklagte für das Darlehen keine Zinsabrede und verzichtete auf jegliche Sicherheiten und die Vereinbarung eines Ver- rechnungsverbotes. Mit dieser Darlehensgewährung verstiess der Beklagte gegen seine Pflichten als Verwaltungsrat der Klägerin. Das Urteil des Appellationsgerichtes des Kantons Basel-Stadt vom 11. Dezember 2015, mit welchem der Beklagte wegen ungetreuer Geschäfts- besorgung schuldig gesprochen wurde, entspricht diese r Einschätzung. Das Bundesgericht bestätigte mit Urteil vom 7. Nov ember 2016 den Schuldspruch des Appellationsgerichtes. Auch wenn der Zivilrichter in Schuldfragen nicht an die Erkenntnisse des Strafrichters gebun- den ist, sind vorliegend die Tatsachen, welche zur strafrechtlichen Verurteilung des Beklagten führten, dieselben, aus denen eine Pflichtverletzung des Beklagten als Verwaltungsrat zu be- jahen ist. Somit besteht kein Anlass in dieser Hinsicht von der Beurteilung des Strafrichters abzuweichen. Es ist folglich auch zivilrechtlich eine Verletzung der Pflichten des Beklagten als Verwaltungsrat der Klägerin anzunehmen. Da es sich beim Tatbestand der ungetreuen Ge- schäftsbesorgung um eine haftpflichtrelevante Schutznorm handelt, hat der Beklagte mit der Abdisposition der CHF 450'000.− eine widerrechtliche Handlung gemäss Art. 41 Abs. 1 OR begangen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.3 a/aa) Der Beklagte macht in der Anschlussberufungsantwort geltend, die Klägerin habe keinen Schaden nachgewiesen und behauptet nun erstmals mit der Anschlussberufung und damit verspätet, ihr Vermögen wäre ohne die Pflicht verletzung des Beklagten um CHF 450'000.− höher gewesen. Somit ist nachfolgend zu prüfen, ob die Klägerin im erstinstanzli- chen Verfahren in Bezug auf den Schaden ihrer Behauptungs- und Substanziierungslast nach- gekommen ist. ab) In Verfahren, die wie das v orliegende vom Verhandlungsgrundsatz beherrscht sind, tragen die Parteien die Verantwortung für die Beschaffung des Tatsachenstoffes. Sie haben alle Tatbestandselemente der materiellrechtlichen Normen zu behaupten, die den von ihnen anbegehrten Anspruch begründen (siehe Art. 55 ZPO). Entsprechend hat die Klage ein Rechtsbegehren, Tatsachenbehauptungen und die Bezeichnung der einzelnen Beweismittel zu den behaupteten Tatsachen zu enthalten (Art. 221 Abs. 1 lit. b, d und e ZPO). Der Behaup- tungslast ist Genüge getan, wenn die Parteien in ihrem Tatsachenvortrag in allgemeiner Weise sämtliche Tatsachen benennen, welche unter die ihren Antrag stützenden Normen zu subsu- mieren sind. Ein solchermassen vollständiger Tatsachenvortrag wird als schlüssig bezeichnet, wenn er bei Unterstellung, er sei wahr, den Schluss auf die anbegehrte Rechtsfolge zulässt. Dabei bestimmt sich nach den einschlägigen bundesrechtlichen Normen, welche Tatsachen für einen schlüssigen Vortrag zu behaupten sind. Bestreitet der Prozessgegner den schlüssi- gen Tatsachenvortrag der behauptungsbelasteten Partei, greift eine über die Behauptungslast hinausgehende Substanziierungslast. Die Vorbringen sind diesfalls nicht nur in den Grundzü- gen, sondern in Einzeltatsachen zergliedert so umfassend und klar darzulegen, dass darüber Beweis abgenommen oder dagegen der Gegenbeweis angetreten werden kann (BGE 127 III 365 E. 2b; BGer 4A_441/2019 vom 9. Dezember 2019 E. 2.1; 4A_398/2018 und 4A_400/2018 vom 25. Februar 2019 E. 10.4; 4A_261/2017 vom 30. Oktober 2017 E. 4.3; 4A_724/2016 vom 19. Juli 2017 E. 3.1; 4A_552/2015 vom 25. Mai 2016 E. 2.6). Entsprechend ist nach der bun- desgerichtlichen Rechtsprechung der Behauptungs- und Substanziierungslast in den Rechts- schriften zu entsprechen. Der blosse pauschale Verweis a uf Beilagen genügt in aller Regel nicht (BGer 4A_281/2017 vom 22. Januar 2018 E. 5; 4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 4.2.2; 5A_61/2015 vom 20. Mai 2015 E.4.2.1.3; 4A_317/2014 vom 17. Oktober 2014 E. 2.2; 4A_195/2014 und 197/2014 vom 27. November 2014 E. 7.3, nicht publ. in BGE 140 III 602). Es geht darum, dass nicht das Gericht und die Gegenpartei aus den Beilagen die Sachdar- stellung zusammensuchen müssen. Es ist nicht an ihnen, Beilagen danach zu durchforsten, ob sich daraus etwas zu Gunsten der behauptu ngsbelasteten Partei ableiten lässt (BGer 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.1). ac) Die Klägerin führte in der Klage zusammengefasst unter anderem aus, am 21. Juli 2010 habe der Beklagte mit Valuta vom 28. Juli 2010 die Überweisung von CHF 450'000.− auf sein persönliches Konto bei der I._____ veranlasst. Für diese Zahlung an sich selbst habe der Beklagte und einzelzeichnungsberechtigte Verwaltungsrat der Klägerin weder einen schriftli- chen Darlehensvertrag mit Rückzahlungsmodalitäten abgeschlossen, noch habe er sich einer Zinszahlungspflicht oder einem Verrechnungsverbot unterstellt. Obschon der Beklagte sein gesamtes Wertschriftenvermögen bereits für den Lombardkredit von CHF 550'000.− für das Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gründungskapital der G._____ AG verpfändet und die Bank eine darüber hinausgehende Be- lehnung abgelehnt gehabt habe, habe er die Bestellung von Sicherheiten unterlassen. Zudem habe der Beklagte diese Transaktion weder von E._____ als mittelbaren Alleinaktionär geneh- migen lassen, noch habe er einen Universalversamml ungsbeschluss veranlasst. Er habe es sogar unterlassen, seinen Beschluss als einziger Verwaltungsrat der Klägerin wenigstens zu protokollieren. Da der Klägerin in Bezug auf die Zahlung der CHF 450'000.− lediglich eine Belastungsanzeige vorgelegen sei, jedo ch keine weiteren Dokumente, wie Salärberechnun- gen, Bonusvereinbarungen, Darlehensverträge etc. und auch kein Vermerk über den Zah- lungsgrund aus der Belast ungsanzeige hervorgegangen sei und da bis zu jenem Zeitpunkt keine Rückzahlung festgestellt worden sei und der Beklagte sich geweigert habe, einen Dar- lehensvertrag mit der Gewährung von Sicherheiten zu unterzeichnen, habe die Revisionsstelle der Klägerin die volle Wertberichtigung der Forderung im Umfang von CHF 450'000.− per 31. Dezember 2010 verlangt. E ntsprechend sei der Jahresabschluss per Ende 2010 angepasst und eine Nachtragsbuchung getätigt worden. Damit sei der Schaden auch buchhalterisch nachvollzogen worden. Das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt und das Bundesge- richt bestätigten das Vorliegen eines Vermögensschadens bei der Klägerin. Vom ursprüngli- chen Schaden von CHF 450'000.− habe der Beklagte der Klägerin am 12. August 2011 einen Teilbetrag von CHF 338'037.90 zurückerstattet und im übrigen Verrechnung erklärt. Aufgrund des fehlenden Verrechnungsverbotes habe sich die Beklagte berechtigt gefühlt, eine unzuläs- sige Verrechnungserklärung zu erheben, weshalb der Schaden im Umfang von CHF 111'962.10 bestehen geblieben sei. Damit hat die Klägerin in der Klage in allgemeiner Weise sämtliche Tatsachen dargelegt, aus welchen Gründen sie einen Schaden von CHF 450'000.− bzw. einen verbleibenden Schaden von CHF 111'962.10 annimmt, so das s der Beklagte die Behauptung der Klägerin in der Klagantwort substanziiert bestreiten konnte (Klage N 17 f., 59 ff.). Nachdem der Beklagte das Vorliegen eines Schadens in der Klagantwort bestritten hatte, legte die Klägerin in der Replik den Schaden in Einzeltatsachen zergliedert so umfassend und klar dar, dass fraglos darüber Beweis abgenommen oder durch die Beklagte der Gegenbeweis angetreten werden konnte. Die Klägerin führte zusammengefasst insbesondere aus, weil das zwingende Schrifterfordernis von Art. 718b OR nicht eingehalten worden sei, sei nie ein Dar- lehensvertrag zustandegekommen. Die Forderung sei für sie deswegen lediglich schwer ein- bringlich gewesen und es sei ihr durch das pflichtwidrige Verhalten des Beklagten ein Schaden entstanden. Würden Wertberichtigungen vorgenommen oder müssten solche vorgenommen werden, liege nach der Differenzmethode ein tatsächlicher Schaden im Sinne des Zivilrechtes vor. Die Revisionsstelle habe ihr am 12. Mai 2011 die volle Wertberichtigung der Forderung empfohlen. Mit der Nachtragsbuchung der Wertberichtigung sei der Schaden betreffend die vom Beklagten unrechtmässig vorgen ommene Abdisposition der CHF 450'000.− buchhalte- risch nachvollzogen worden (Replik N 47 ff., 51 ff.). Nach alledem folgt, dass die Klägerin in Bezug auf den geltend gemachten Schaden von CHF 450'000.− im erstinstanzlichen Verfah- ren den Anforderungen an die Behauptungs- und Substanziierungslast nachgekommen ist. b/aa) Ein S chaden ist im Recht über die Verantwortlichkeit der Gesellschaftsorgane, gleich wie im übrigen Haftpflichtrecht, nach ständiger Rechtsprechung des Bundes gerichtes die ungewollte Verminderung des Reinvermögens. Er kann in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder in entgangenem Gewinn bestehen und entspricht der Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (Differenztheorie; BGE 142 III 23 E. 4.1; 132 III 564 E. 6.2; 129 III 331 E. 2). b/ab) Im vorliegenden Fall wäre ohne die Pflichtverletzung des Beklagten das Vermögen der Klägerin in der Zeitperiode vom 28. Juli 2010 bis zum 12. August 2011 um CHF 450'000.− höher gewesen. Der Umstand, dass der Beklagte die Forderung der Klägerin gegenüber ihm in der Bilanz unter der Position "Sonstige Forderungen" verbuchte, ändert nichts an der durch die widerrechtliche Entnahme der CHF 450'000.− am 28. Juli 2010 tatsächlich eingetretenen Vermögensverminderung in voller Höhe des behändigten Guthabens. Weil der vom Beklagten behauptete Darlehensvertrag, wenn er dann überhaupt je vereinbart worden wäre, aufgrund der Missachtung der bei der vorliegenden Selbstkontrahierung nach Art. 718b OR vorgeschrie- benen Schriftlichkeit nichtig und ex tunc unwirksam gewesen wäre, hat die Klägerin offenkun- dig zu keinem Zeitpunkt über einen gültigen Rechtsanspruch auf Rückzahlung des Darlehens verfügt. Bereits aufgrund dessen steht fest, dass die Klägerin am 28. Juli 2010 durch die Ab- disposition des erwähnten Betrages durch den Beklagten aus ihrem Vermögen einen tatsäch- lichen Schaden von CHF 450'000.− erlitt en hat. Davon ist umso mehr auszugehen, als die Klägerin aufgrund der Empfehlung ihrer Revisionsstelle, der P._____ AG, im Schreiben vom 12. Mai 2011 in einer Nachtragsbuchung eine Wertberichtigung auf dem Betrag von CHF 450'000.− vornahm. Angesichts der Nichtigkeit des Darlehensvertrages musste die Klägerin diese Wertberichtigung im vollen Umfang von CHF 450'000.− zwingend vornehmen. In dieser Wertberichtigung liegt auch nach der Differenzmethode ein tatsächlicher Schaden ( HANS CASPAR VON DER CRONE, Aktienrecht, 2014, § 8 N 131). Selbst wenn davon auszugehen wäre, der Darlehensvertrag sei nicht nichtig gewesen, vermöchte dies am oben dargestellten Ergeb- nis nichts zu ändern. Die übereinstimmende Willenserklärung über das in Frage stehende In- sichgeschäft bezüglich der CHF 450'000.− fand einzig im Kopf des Beklagten statt . Deshalb fehlte es naturgemäss an unabhängigen Zeugen. Auch mangels eines schriftlichen Vertrages war die Beweislage für die Klägerin völlig unsicher. Die Darlehensforderung hätte deshalb auch aus diesem Grund in vollem Umfang wertberichtigt werden müssen. Unbehelflich ist im Übrigen das Vorbringen des Beklagten in der Berufungsantwort, wonach sich aus der Stel- lungnahme der Q._____ AG vom 28. November 2012 ergäbe, dass die von der Klägerin vor- genommene Wertberichtigung aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht notwendig gewesen sei. Für die Zulässigkeit der Wertberichtigung wäre eine Bonitätsprüfung des Beklagten notwendig gewesen, um festzustellen, in welchem Umfang allenfalls eine Wertberichtigung aufgrund feh- lender Bonität vorzunehmen gewesen wäre. Von den Parteien in Auftrag gegebene Stellung- nahmen sind in Bezug auf Fragen, die in gleicher Weise zum Gegenstand eines Gerichtsgut- achtens gemacht werden könnten, für sich allein nicht zum Beweis geeignet (BGE 141 III 433 E. 2.5.3). Sie gelten vielmehr als blosse Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.6; BGer 4A_66/2018 vom 15. Mai 2019 E. 2.2). Die von der Beklagten eingeholte Stellungnahme der Q._____ AG vom 28. November 2012 ist somit nicht bewe isbildend. Die Beurteilung der Q._____ AG ist auch unvollständig, da sie sich im Wesentlichen auf die Frage beschränkt, wie sich die Besicherung der Schuld und die Bonität des Schuldners auf die Notwendigkeit der Vornahme einer Wertberichtigung auswirken. Die Q._____ AG äussert sich dagegen nicht Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht dazu, wie vorliegend die Nichtigkeit des Darlehensvertrages bzw. das Fehlen eines schriftli- chen Darlehensvertrages in Bezug auf die Werthaltigkeit des Anspruches der Klägerin auf Rückzahlung des Darlehens zu beurteilen ist. Wie bereits dargelegt, gebieten diese Umstände eine vollständige Wertberichtigung des Anspruches der Klägerin gegenüber dem Beklagten auf Rückzahlung des Darlehens in Höhe von CHF 450'000.−. Die Tatsache , dass der Beklagte in Bezug auf den in Fr age stehenden Betrag von CHF 450'000.− am 2. Mai 2011 im Umfang von CHF 111'962.10 gegenüber der Klägerin Verrech- nung erklärte und mit Valuta vom 12. August 2011 CHF 338'037.90 der Klägerin zurückzahlte, ändert am festgestellten Schaden nichts. Denn zum ei nen macht eine nachträgliche Tilgung einen bereits eingetretenen Schaden nicht ungeschehen. Zum anderen konnte der Beklagte den Betrag von CHF 111'962.10 aufgrund von Art. 125 Ziff. 2 OR gegen den Willen der Klä- gerin gar nicht durch Verrechnung mit den der Klägerin rechtswidrig entzogenen CHF 450'000.− tilgen. Fehl geht sodann die Auffassung der Vorinstanz, bei Nichtzulassung der Ver- rechnung sei der Klägerin eine Forderung gegen den Beklagten verblieben, welche sich voll- strecken lasse. Denn diesbezüglich lag keine Schuldanerkennung im Sinne von Art. 82 SchkG vor. Die Forderung gegen den Beklagten war deshalb alles andere als liquide, was auch durch den Umstand verdeutlich wird, dass die Klägerin diese erst nach einem langjährigen Recht s- streit hat durchsetzen können. 3.3.4 Eine Haftung eines Organes einer Aktiengesellschaft setzt das Vorliegen eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen Schaden und Pflichtverletzung voraus. Wie bereits dargelegt, verletzte der Beklagte seine Pflichten als Verwaltungsrat ge- genüber der Klägerin durch die Abdisposition der CHF 450'000.−. Dadurch wurde die Klägerin im Zeitpunkt der Abdisposition fraglos im Umfang des erwähnten Betrages geschädigt. Dies gilt auch unter dem Gesichtspunkt der adäquaten Kausalität. Denn das Verhalten des Beklag- ten war nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahren an sich geeignet, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen. 3.3.5 a) Die Pflichtverletzung muss schuldhaft sein. Für eine Haftung nach Art. 754 ff. OR genügt leichte Fahrlässigkeit (BGE 139 III 24 E. 3.5). Dabei gilt nach allgemein anerkannter Auffassung ein objektivierter Verschuldensmassstab. Ein Verschulden ist grundsätzlich immer gegeben, wenn der in Anspruch Genommene nicht so gehandelt hat, wie es von einem sach- kundigen Organ in der konkreten Stellung objektiv verlangt werden darf (BGer 4A_15/2013 vom 11. Juli 2013 E. 8.1; 4C.358/2005 vom 12. Februar 2007 E. 5.6, nicht publiziert in: BGE 133 III 116; vgl. auch BGE 113 II 52 E. 3a S. 56). b) Da der Beklagte gegen die aktienrechtliche Sorgfalts- und Treuepflichten verstos- sen hat und keinerlei Rechtfertigungsgründe geltend macht, ist sein Verschulden erstellt. 3.3.6 Dem Gesagten zufolge wurde der Beklagte nach Art. 754 Abs. 1 OR für den Scha- den durch die Überweisung von CHF 450'000.− von einem Konto der Klägerin auf ein eigenes Konto per Valuta 28. Juli 2010 gegenüber der Klägerin haftpflichtig. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.7 Wer auf Grund e iner unerlaubten Handlung einen Schaden erleidet, hat ab dem Schadenseintritt bis zum Tag der Zahlung des Schadenersatzes Anspruch auf Schadenszins (BGE 130 III 591 E. 4). Der Schadenszins wird wie der Verzugszins gemäss Art. 73 OR mit 5 % bemessen (BGE 131 III 12 E. 9.4). Vorliegend trat das schädigende Ereignis am 28. Juli 2010 ein. Der Beklagte hat somit der Klägerin auf dem Betrag von CHF 450'000.− ab dem schädigenden Ereignis vom 28. Juli 2010 bis zum geltend gemachten Zeitpunkt der teilweisen Rückzahlung, dem 12. August 2011, einen Zins von 5 %, d.h. einen Betrag von CHF 23'424.66, zu bezahlen. Weil das Zinseszinsverbot auch im Bereich der ausservertraglichen Haftung gilt (BGE 131 III 12 E. 9.3 f.), kann die Klägerin auf der Schadenszinssumme von CHF 23'424.66 keinen Verzugszins beanspruchen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass, selbst wenn mit der Vorinstanz davon auszugehen wäre, die Klägerin habe gegenüber dem Beklagten einen Anspruch auf Rückerstattung der CHF 450'000.− aus ungerechtfertigter Bereicherung verfügt, der Beklagte der Klägerin den Betrag von CHF 23'424.66 als Bereicherungszins zu bezahlen hätte (BGE 120 II 259 E. 5; 116 II 689 E. 3b/bb; 84 II 179 E. 4). 4.1 4.1.1 Die Klägerin verlangte mit der Klage vom Beklagten , ihr für vorprozessuale An- waltskosten CHF 15'000.− und für Betreibungsauslagen CHF 1'218.− zu ersetzen. Die Vor - instanz wies die Klage in diesem Punkt ab. Sie erwog, die Klägerin mache diese Forderung als weiteren Schadensposten im Rahmen der unerlaubten Handlung geltend. Weil der Kläge- rin indes kein Schaden im zivilrechtlichen Sinne aus einer unerlaubten Handlung entstanden sei, stehe ihr der eingeklagte Anspruch nicht zu. 4.1.2 Die Klägerin wendet dagegen in ihrer Anschlussberufung im Wesentlichen ein, ihr sei durch die Entnahme der CHF 450'000.− durch den Beklagten ein Schaden im Sinne von Art. 745 Abs. 1 OR (recte: Art. 754 Abs. 1 OR) erwachsen. Infolgedessen hafte der Beklagte auch für die vorprozessualen Anwalts - und Betreibungskosten. Der Einfachheit ha lber habe sie ihre Forderung auf Ersatz der vorprozessualen Anwaltskosten auf einen Betrag von CHF 15'000.− beschränkt. Zur Substanziierung dieser Forderung habe sie mit den Klagebeilagen 65/1-10 die entsprechenden Rechnungen inkl. Fakturadetails ins Recht gelegt. Die geltend gemachten Anwaltskosten seien gerechtfertigt und notwendig gewesen, da sich der Beklagte während über zehn Jahre hinweg geweigert habe, ihr den durch sein widerrechtliches Handeln verursachten Schaden zu ersetzen. Aus dem gleichen Grund habe sie sich auch gezwungen gesehen, die Schadenersatzforderung gegen den Beklagten jährlich in Betreibung zu setzen. 4.2 Gemäss der Rechtsprechung des Bundes gerichtes können vorprozessuale An- waltskosten haftpflichtrechtlich Bestandteil des Schadens b ilden, aber nur wenn sie gerecht- fertigt, notwendig und angemessen waren, der Durchsetzung der Schadenersatzforderung dienen und nur soweit, als sie nicht durch die Parteientschädigung gedeckt sind (BGE 131 II 121 E. 2.1; 117 II 394 E. 3a; 117 II 101 E. 5; BGer 4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 3). Um die Frage der Notwendigkeit und Angemessenheit der Ersatzforderung für vorprozessuale Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anwaltskosten überhaupt prüfen zu können, sind die tatsächlichen Aufwendungen des Rechts- vertreters darzulegen und zu konkre tisieren (vgl. BGer 4A_127/2011 vom 12. Juli 2011E. 12.4). Die eine Ersatzforderung beantragende Partei hat somit die einzelnen Positionen der Honorarnote in ihren Rechtsschriften zu erläutern (KGer GR ZK1 17 46 vom 12. Juni 2018 E. II.5.3.2). 4.3 In der Anschlussberufung trägt die Klägerin pauschal vor, sie habe zur Substanzi- ierung der vorprozessualen Anwaltskosten von CHF 15'000.− mit den Klagebeilagen 65/1-10 die entsprechenden Rechnungen inkl. Fakturadetails ins Recht gelegt; diese Anwaltskosten seien gerechtfertigt und notwendig gewesen, da sich der Beklagte während über zehn Jahre hinweg geweigert habe, ihr den durch sein widerrechtliches Handeln verursachten Schaden zu ersetzen. Damit legt sie nicht rechtsgenügend dar, dass sie die Anspruchsvoraussetzungen für diese vorprozessualen Anwaltskosten bereits im erstinstanzlichen Verfahren prozesskon- form behauptete und die Vorinstanz ihr diese deshalb hätte zuzusprechen müssen. Die Klä- gerin hat es auch unterlassen, substanziiert darzutun, weshalb und inwiefern die anwaltlichen Aufwendungen von insgesamt CHF 15'000.− vorliegend notwendig oder nützlich und ange- messen waren. Die blosse Auflistung des Fakturadatums und -betrages von Anwaltsrechnun- gen in der Klage, ohne die Umstände aufzuzeigen, die dafür sprechen, dass die geltend ge- machten Aufwendungen haftpflichtrechtlich Bestandteil des Schadens darstellen, mithin ge- rechtfertigt, notwendig und angemessen waren, der Durchsetzung der Schadenersatzforde- rung dienen und nicht durch die Parteientschädigung gedeckt sind, entspricht den Anforderun- gen an die Behauptungslast in der Klage keineswegs (siehe E. 3.3.3.a/ab). Auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, die Honorarnote im Volltext in die Rechtsschrift aufzunehmen, so sind doch Konkretisierungen und Erläuterungen derselben unerlässlich, damit die geltend gemachten Positionen von der Gegenpartei und dann vom Gericht im Hinblick auf die massgebenden Kriterien für die Ersatzfähigkeit vorprozessualer Anwaltskosten geprüft und gegebenenfalls substanziiert bestritten werden können ( BGer 4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 4.2.2) . Solche Ausführungen hat die Klägerin jedoch vermissen lassen. Die Ausführungen der Kläge- rin in d er Replik genügen sodann den Anforderungen an die Sub stanziierung nicht. In d er Replik macht sie neben der Darstellung der allgemeinen Voraussetzungen für den Ersatz von vorprozessualen Anwaltskosten lediglich pauschale Ausführungen zum konkreten Fall. So trägt sie bloss vor, sämtliche Aufwendungen der Rechtsvertreter seien notwendig ge wesen, um ihre Rechte zu wahren. Die Aufwendungen bezögen sich nur auf die Bemühungen im Zu- sammenhang mit den zivilrechtlich notwendigen Massnahmen und prozessualen Schritten. Sie unterlässt es damit, hinreichend bestimmt darzulegen, dass die geltend gemac hten An- waltskosten haftpflichtrechtlich Bestandteil des Schadens bilden und nicht bereits durch die Parteientschädigung abgedeckt wird. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Klägerin in der Berufung ihren Antrag auf Ausrichtung von CHF 15'000.− für vorpro zessuale Anwaltskosten nicht ausreichend begründet, weshalb insoweit auf die Anschlussberufung nicht eingetreten werden kann. 4.4 Die Klägerin forderte von der Beklagten mit Betreibung vom 11. Juli 2011 CHF 450'000.− und mit weiteren Betreibungen in den Jahren 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016 den Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht unbeglichenen Restbetrag von CHF 111'962.10. Wie bereits gezeigt, liegt in der widerrechtli- chen Entnahme der CHF 450'000.− aus dem Vermögen der Klägerin durch den Beklagten ein Schaden im Sinne von Art. 754 Abs. 1 OR vor. Folglich haftet der Beklagte der Klägerin für die Kosten der gebotenen Betreibungen. Es trifft zwar zu, dass der Beklagte mit Urteil des Bun- desgerichtes vom 7. November 2016 wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt wurde und damit aufgrund von Art. 60 Abs. 2 OR für die zivilrechtliche Klage zur Geltendmachung der vorgenannten Beträge die längere strafrechtliche Verjährungsfrist galt. Gerade da der Be- klagte vom Strafdreiergericht Basel-Stadt am 23. Januar 2014 freigesprochen wurde, erschien es vorliegend bis zum Urteil des Bundesgerichtes keineswegs als ausgeschlossen, dass die einjährige Verjährungsfrist gemäss Art. 60 Abs. 1 OR zur Anwendung gelang en könnte. Ent- gegen der Auffassung des Beklagten ist somit davon auszugehen, dass die Klägerin ex ante betrachtet zwecks Verhinderung der Verjährung ihrer Ansprüche gehalten war, die erwähnten Betreibungen vorzunehmen. Die entsprechenden Betreibungskosten von total CHF 1'218.− erscheinen somit als gerechtfertigt und notwendig, weshalb der Beklagte diese der Klägerin zu ersetzen hat. Mit Schlichtungsgesuch vom 24. April 2017 wurde der Beklagte in Bezug auf diese Kosten in Verzug gesetzt, weshalb der Beklagte der Klägerin ab diesem Zeitpunkt auf dem Betrag von CHF 1'218.− einen Zins von 5 % zu bezahlen hat. 5. Nach dem Gesagten ist d ie Berufung ab zuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Die Anschlussberufung ist teilweise gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist, und das Urteil des Zivilkreisgerichtes Basel-Landschaft West vom 2. Juli 2019 aufzuheben. Die Klage ist teil- weise gutzuheissen und der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin CHF 136'604.76 zuzüglich Zins von 5 % auf dem Betrag von CHF 111'962.10 seit 13. August 2011 und Zins von 5 % auf dem Betrag von CHF 1'218.− seit 24. April 2017 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist die Klage abzuweisen. Es ist festzustellen, dass die Betreibung Nr. 1._____ des Betreibungsamtes Ba- sel-Landschaft im obgenannten Umfang fortgesetzt werden kann. Die Widerklage ist abzuwei- sen. 6.1. 6.1.1 Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3 ZPO). Die Höhe der vor- instanzlichen Gerichtsgebühr von CHF 24'000.− und der Kosten des Schlichtungsverfahrens von CHF 500.− wurden nicht angefochten und sind zu bestätigen. 6.1.2 Da der Beklagte im erstinstanzlichen Verfahren weitestgehend unterliegt, sind ihm die erstinstanzlichen Gerichtskosten von CHF 24'000.− und die Kosten des Schlichtungsver- fahrens von CHF 500.− zur Gänze aufzuerlegen. Die vorinstanzliche Gerichtsgebühr ist im Umfang von CHF 18'000.− mit dem klägerischen Kostenvorschuss und im übrigen Umfang von CHF 6'000.− mit dem Kostenvorschuss des Beklagten zu verrechnen (Art. 111 Abs. 1 ZPO), wobei der Beklagte der Klägerin den Kostenvorschuss und die Kosten des Schlich- tungsverfahrens im Umfang von total CHF 18'500.− zu ersetzen hat (Art. 111 Abs. 2 ZPO). Überdies ist der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin für das erstinstanzliche Verfahren eine Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht Parteientschädigung zu bezahlen. Deren Höhe ist auf den vor der Vorinstanz in seiner Gänze unstreitig gebliebenen Betrag von CHF 26'343.− zu bestimmen. 6.2 6.2.1 Vorliegend schliessen sich die Haupt - und Widerklage nicht aus, weshalb die Streitwerte zur Bestimmung der Prozesskosten zusammenzurechnen sind (Art. 94 Abs. 2 ZPO). Der für die Kosten- und Entschädigungsfolgen so berechnete massgebliche Streitwert beträgt hier CHF 96'132.66. In Anbetracht des Streitwertes, der Schwierigkeit des Falls sowie des Arbeits- und Zeitaufwands ist die zweitinstanzliche Entscheidgebühr auf CHF 6'800.− fest- zulegen (§ 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 lit. f Ziff. 3 und § 3 Abs. 1 GebT). Die Klägerin obsiegt im Umfang von CHF 81'132.66 oder zu sechs Siebteln, während sie zu einem Siebtel unterliegt. Die Gerichtskosten sind somit den Parteien für das zweitinstanzliche Verfahren in diesem Ver- hältnis aufzuerlegen. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist im Umfang von CHF 4'500.− mit dem Kostenvorschuss des Beklagten und im übrigen Umfang von CHF 2'300.− mit dem Kos- tenvorschuss der Klägerin zu verrechnen (Art. 111 Abs. 1 ZPO), wobei der Beklagte der Klä- gerin den Vorschuss im Umfang von CHF 1'328.55 (CHF 2'300.− [Kostenvorschuss der Klä- gerin] – CHF 971.45 [Anteil der zweitinstanzlichen Gerichtsgebühr zulasten der Klägerin]) zu ersetzen hat (Art. 111 Abs. 2 ZPO). 6.2.2 Ausgangsgemäss wird der Beklagte weiter im zweitinstanzlichen Verfahren ent- schädigungspflichtig. Weil der Rechtsvertreter der Klägerin im zweitinstanzlichen Verfahren keine Honorarnote eingereicht hat, ist die Parteientschädigung der Klägerin aufgrund von § 18 Abs. 1 TO vom Gericht von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen. Diese ist ausgehend von einem Streitwert von CHF 96'132.66 und nach Massgabe des Unterliegens der Klägerin auf CHF 7'142.85 festzusetzen (§ 2 Abs. 2, § 7 Abs. 1 lit. f TO i.V.m. § 10 TO), mangels eines entsprechenden Antrages ohne Auslagen und Mehrwertsteuerzusatz (KGer BL 400 19 217 vom 10. Dezember 2019 E. III/2.2). Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: 1. 2. Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. Die Anschlussberufung wird teilweise gutgeheissen, soweit darauf einzu- treten ist, und das Urteil des Zivilkreisgerichtes Basel -Landschaft West vom 2. Juli 2019 wird aufgehoben und wie folgt neu gefasst: "1. Die Klage wird teilweise gutgeheissen und der Beklagte verpflichtet, der Klägerin CHF 136'604.76 zuzüglich Zins von 5 % auf dem Betrag von CHF 111'962.10 seit 13. August 2011 und Zins von 5 % auf dem Betrag von CHF 1'218.− seit 24. April 2017 zu bezahlen. Im Mehrbe- trag wird die Klage abgewiesen. 2. Die Betreibung Nr. 1._____ des Betreibungsamtes Basel-Landschaft kann im obgenannten Umfang fortgesetzt werden. 3. Die Widerklage wird abgewiesen. 4. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr von CHF 24'000.− und die Kos- ten des Schlichtungsverfahrens von CHF 500.− werden dem Beklag- ten auferlegt. Die erstinstanzlichen Gerichtskosten werden mit den geleisteten Kos- tenvorschüssen der Klägerin von CHF 18'000.− und des Beklagten von CHF 6'000.− verrechnet. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin ihren Kostenvorschuss und die Kos ten des Schlichtungsverfahrens, d.h. insgesamt CHF 18'500.−, zu ersetzen. 5. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine Parteientschädigung von CHF 26'343.− zu bezahlen." Im Übrigen wird die Anschlussberufung abgewiesen. 3. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr von CH F 6'800.− wird zu einem Siebtel der Klägerin und zu sechs Siebteln dem Beklagten auferlegt. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird mit den geleisteten Kosten- vorschüssen des Beklagten von CHF 4'500.− und der Klägerin von CHF 2'300.− verrechnet. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin CHF 1'328.55 zu ersetzen. 4. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für das zweitinstanzliche Ver- fahren eine reduzierte Parteientschädigung von CHF 7'142.85 zu bezah- len. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Stefan Steinemann