Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 3. November 2015 (460 14 156) ____________________________________________________________________ Strafrecht Betrug Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde gegen A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Claude Hentz, Gartenhofstrasse 15, Postfach 1633, 8026 Zürich, Beschuldigte und Berufungsklägerin Gegenstand Mehrfacher, teilweise versuchter Betrug (Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel- Landschaft vom 4. März 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landsc haft vom 4. März 2014 wurde A.____ des mehrfachen, teilweise versuchten Betruges schul dig erklärt und – unter Anrechnung der vom 24. Juni 2010 bis zum 30. Juni 2010 ausgestande nen Untersuchungshaft von sieben Ta- gen – zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt; dies in Anwendung von Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit A rt. 22 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 49 StGB sowie Art. 51 StGB. Gemäss diesem Prozessausga ng gingen die Verfahrenskosten, be- stehend aus den Kosten des Vorverfahrens in der Höh e von CHF 5'182.10 sowie der Gerichts- gebühr von CHF 2'000.--, gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO zu Lasten der Beschuldigten. Des Weiteren wurde erkannt, dass der beschlagnahmte Not izzettel mit der Aufschrift B.____ sowie die beschlagnahmten vier Fotografien von Häusern be i den Akten verbleiben. Auf die Begrün- dung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingabe n der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. B. Gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel -Landschaft vom 4. März 2014 melde- te die Beschuldigte mit Datum vom 24. März 2014 die Berufung an. In ihrer Berufungserklärung vom 10. Juli 2014 stellte die Berufungsklägerin fol gende Anträge: An der Berufung gemäss schriftlicher Berufungserklärung (recte: Berufungsa nmeldung) vom 24. März 2014 werde voll- umfänglich festgehalten (Ziff. 1). Das Urteil der V orinstanz werde vollumfänglich und in allen Punkten angefochten und sei aufzuheben (Ziff. 2). E s werde ein vollständiger Freispruch vom Vorwurf des mehrfachen, teilweise versuchten Betrug es beantragt. Ebenso werde eine ange- messene Entschädigung für sämtliche im Zusammenhang mit dem Strafverfahren erwachsenen Auslagen, insbesondere die Erstattung der gesamten Anwaltskosten, beantragt. Ausserdem sei ihr eine angemessene Genugtuungszahlung für erlitte ne Unbill und sieben Tage ausgestande- ner Untersuchungshaft auszurichten (Ziff. 3). Ferne r werde beantragt, sämtliche Untersu- chungs- und Verfahrenskosten beider Gerichtsinstanz en vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen bzw. abzuschreiben (Ziff. 4). Des Weiteren s eien ihr die beschlagnahmten Notizzettel und Fotografien nach Eintritt der Rechtskraft unbes chwert herauszugeben (Ziff. 5). Schliesslich seien die zuständigen Behörden vom Gericht anzuweis en, umgehend sämtliche erkennungs- dienstlichen Daten und Unterlagen, welche von ihr e rstellt worden seien, zu vernichten, unter gleichzeitiger Löschung derselben aus sämtlichen Da tenbanken (Ziff. 6). Eventualiter, soweit die Berufungsinstanz nicht zum beantragten Freispru ch mit den vorgenannten Rechtsfolgen gelange, sei maximal auf eine bedingte Geldstrafe i n der Höhe von 90 Tagessätzen zu jeweils CHF 30.--, unter Ansetzung einer Probezeit von maximal drei Jahren, zu erkennen (Ziff. 7). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Demgegenüber beantragte die Staatsanwaltschaft Bas el-Landschaft, Allgemeine Haupt- abteilung, in ihrer Stellungnahme vom 5. September 2014 Folgendes: Die Rechtsbegehren der Beschuldigten seien vollumfänglich abzuweisen (Ziff . 1). Demzufolge sei das angefochtene Ur- teil in allen Punkten zu bestätigen, womit die Besc huldigte zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von zehn Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft, zu verurteilen sei (Ziff. 2). Im Sinne eines Verfah rensantrages wurde zudem begehrt, die Staatsanwaltschaft sei von der anzusetzenden Hauptverhandlung zu dispensieren (Ziff. 3). D. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft , Abteilung Strafrecht, vom 8. September 2014 wurde das mündliche Verfahren ang eordnet und die Beschuldigte verpflich- tet, vor dem Kantonsgericht persönlich zu erscheine n. Mit Verfügung vom 24. November 2014 wurde der mit selbem Datum gestellte Antrag der Bes chuldigten um Verschiebung der kantons- gerichtlichen Hauptverhandlung vom 25. November 201 4 einstweilen abgewiesen. Mit erster Verfügung vom 25. November 2014 wurde erkannt, dass über das erneute Gesuch der Be- schuldigten um Verschiebung der Berufungsverhandlun g anlässlich der gleichentags anbe- raumten Verhandlung vorfrageweise entschieden wird, und mit zweiter Verfügung vom 25. No- vember 2014 wurde festgestellt, dass sowohl die Ber ufungsklägerin als auch deren Rechtsver- treter nicht zur Berufungsverhandlung erschienen sind. In der Folge wurde die kantonsgerichtli- che Hauptverhandlung vom 25. November 2014 abgeboten und neu angesetzt. E. Am 2. Februar 2015 fand eine erste Parteiverhandlu ng vor dem Kantonsgericht statt, in deren Folge der Fall jedoch zwecks medizinischer Be gutachtung der Berufungsklägerin ausge- stellt wurde. Gestützt auf diesen Entscheid des Ger ichts wurde mit Verfügung vom 4. Februar 2015 eine forensisch-psychiatrische Begutachtung de r Beschuldigten angeordnet und zu die- sem Zweck die Staatsanwaltschaft ersucht, unter Wah rung der Verfahrensrechte der Betroffe- nen ein solches Gutachten gemäss gerichtsüblicher F ragestellung in Auftrag zu geben; sodann wurde die kantonsgerichtliche Hauptverhandlung bis zum Vorliegen des Gutachtens vertagt. F. Mit Datum vom 31. Juli 2015 erstellten die Univers itären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) das vom Kantonsgericht hinsichtlich der Besch uldigten angeordnete forensisch- psychiatrische Gutachten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Verfügung vom 4. August 2015 wurde die Fortset zung der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung vom 2. Februar 2015 angeordnet und die Berufungsklägerin zur Verhand- lung geladen. Schliesslich wurde mit Verfügung vom 18. August 2015 das Gesuch der Beschul- digten um Dispensation von der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung abgewiesen. H. Anlässlich der heutigen neuerlichen Parteiverhandl ung vor dem Kantonsgericht sind die Berufungsklägerin sowie ihr Rechtsvertreter anwesen d. Der Staatsanwaltschaft ist die Teilnah- me an der Berufungsverhandlung mit Verfügung vom 4. August 2015 ins freie Ermessen ge- stellt worden. Auf die von den Anwesenden getätigte n Ausführungen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Formelles und Verfahrensgegenstand 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeri chts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung de r vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 li t. a EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlich er Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs . 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschl iesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Gestützt auf Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen sei t Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Legitimation der Beschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels schl iesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO nor- miert. Nachdem das angefochtene Urteil ein tauglich es Anfechtungsobjekt darstellt, die Be- schuldigte berufungslegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat sowie der Erklärungspflicht nachgekommen ist, ist ohne Weiteres auf die Berufung einzutre- ten. 1.2 Angesichts der Tatsache, wonach die Beschuldigte d as Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 4. März 2014 vollumfänglich anficht, sind im vo rliegenden Verfahren sowohl der erstin- stanzliche Schuldspruch als auch die Strafzumessung und die dem Prozessausgang folgende Kostenverteilung zu prüfen. Aufgrund des Schlechter stellungsverbots, der sogenannten "refor- matio in peius", kann der angefochtene Entscheid ge stützt auf den Umstand, dass nur die Be- schuldigte ein Rechtsmittel ergriffen hat, nicht zu deren Nachteil abgeändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO). 2. Stellungnahmen der Parteien 2.1 Die Beschuldigte beantragt anlässlich der Hauptver handlung vor dem Kantonsgericht, sie sei in Aufhebung des angefochtenen Urteils von alle n Vorwürfen freizusprechen. Eventualiter sei sie des Betruges schuldig zu erklären und zu ei ner Geldstrafe in der Höhe von 180 Tagess- ätzen zu jeweils CHF 60.-- bzw. zu maximal 90 Tagen gemeinnütziger Arbeit zu verurteilen (Ziff. 1). Ferner sei ihr für die erlittene Haft ei ne angemessene Entschädigung zuzusprechen, approximativ mit CHF 150.-- pro Tag ausgestandener Haft veranschlagt, und es seien ihr die entstandenen Anwaltskosten angemessen zu erstatten (Ziff. 2). Des Weiteren seien die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen. Eventualiter seien ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen, sodann aber einstweilen zu sistieren und auf die Staats- kasse zu nehmen (Ziff. 3). Gegen den Beschluss, die beschlagnahmten Notizzettel und Foto- grafien bei den Akten zu belassen, werde nicht mehr opponiert (Ziff. 4). Zur Begründung führt die Beschuldigte im Wesentlichen aus, die Geschädig te C.____ habe im Rahmen der Strafun- tersuchung einen überzeugenden und vitalen Eindruck hinterlassen und dabei unmissverständ- lich kundgetan, dass sie kein Interesse an einer Be strafung ihrer Person habe. Es sei zwar zu- gestanden, dass sie von C.____ unter falschen Angaben CHF 2'000.-- erbettelt habe, allerdings sei der Tatbestand des Betruges zufolge fehlender A rglist nicht erfüllt. So leide sie unter psy- chotischen Schüben, welche sich in Panikattacken un d Angstzuständen manifestierten. Sie sei in einer schwierigen Lebenslage gewesen und habe un ter Depressionen gelitten, weshalb es auch nicht verwundere, dass sie einige Tage vor Fäl ligkeit ihrer Miete von existenzieller Angst Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ergriffen worden sei und sich Geld erbettelt habe. Zudem habe die Geschädigte bestätigt, dass sie mit ihr Mitleid gehabt und ihr habe helfen woll en. Abgesehen davon habe sie zwar Geld er- hältlich machen, dieses sodann aber wieder zurückza hlen bzw. abarbeiten wollen. Gleicher- massen fehle es auch beim zweiten Vorfall, bei welc hem es um weitere CHF 20'000.-- gegan- gen sei, am unabdingbaren Tatbestandselement der Ar glist, nachdem die Geschädigte gemäss deren eigenen Aussagen das Geld nicht ohne schriftl ichen Vertrag aus der Hand gegeben hät- te. Ausserdem seien an die Opfermitverantwortung um so höhere Anforderungen zu stellen, je höher der zur Diskussion stehende Betrag sei. Sowei t die Berufungsinstanz am Schuldspruch festhalte, sei die Strafe antragsgemäss zu reduzier en. Eine unbedingte Freiheitsstrafe wäre für sie unter medizinischen und persönlichen Gesichtspu nkten eine Katastrophe und würde den über die vergangenen Jahre mühsam stabilisierten un d mit Medikamenten eingestellten Ge- mütszustand, welcher es unter anderem erlaube, ein Erwerbseinkommen als Raumpflegerin zu erzielen, zunichte machen. Insbesondere die Verpflichtung zu gemeinnütziger Arbeit könne zei- gen, dass sie es ernst meine und gewillt sei, den v on ihr eingeschlagenen Weg eines delikt- freien Lebens unter beachtlichen finanziellen und p ersönlichen Einschränkungen unter Beweis zu stellen. Hinsichtlich der Prognose sei festzuste llen, dass sie geständig sei, ihre Taten be- reue, sich seit dem Jahr 2010 nichts mehr habe zusc hulden kommen lassen und sich ein Er- werbseinkommen aufgebaut habe. Ausserdem sei es mit hilfe ihrer Ärzte gelungen, ihre Krank- heit in den Griff zu bekommen. Ferner lebe sie in e inem stabilen sozialen Umfeld, habe einen geregelten Tagesablauf und könne sich bei Problemen an Dr. D.____ wenden, womit im Er- gebnis von besonders günstigen Umständen auszugehen sei, welche den bedingten Vollzug gestatten würden. Insofern sei auch dem zwischenzei tlich ergangenen forensisch- psychiatrischen Gutachten im Hinblick auf die dort festgestellte Gesamtsituation zu widerspre- chen. Diesbezüglich bemängle Dr. D.____ beispielsweise, dass die unterzeichnende Ärztin kein Facharzt für Psychotherapie oder Psychiatrie sei, dass die Wirksamkeit des Medikaments "No- zinan" falsch beschrieben sei sowie dass die Gutach terin zu Ungunsten der Beschuldigten ständig zwischen den Beurteilungsebenen wechsle. 2.2 Demgegenüber ist die Staatsanwaltschaft unter Verw eis auf ihre Bemerkungen in der Überweisung des Strafbefehls an das Strafgericht vo m 23. Oktober 2013 sowie die Ausführun- gen im angefochtenen Urteil vom 4. März 2014 der An sicht, die Gewährung des bedingten Strafvollzuges komme schon alleine wegen der Anwend barkeit von Art. 42 Abs. 2 StGB und des Fehlens besonders günstiger Umstände nicht in B etracht. Die Beschuldigte vermöge nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht darzulegen, worin diese günstigen Umstände liegen k önnten, zumal sich weder aus den Akten noch dem Protokoll der Hauptverhandlung vor dem Str afgericht ergebe, dass die lediglich be- hauptete und pauschal erwähnte positive Wandlung de r Lebensumstände tatsächlich eingetre- ten sei. Die Bemühungen der Beschuldigten, sich ein e eigene Existenz aufzubauen, seien für sich allein nicht geeignet, für das Vorliegen beson ders günstiger Umstände zu sorgen. Unter diesen Umständen seien an dem im angefochtenen Urte il festgestellten Sachverhalt, der vor- genommenen rechtlichen Würdigung sowie der Strafzumessung unverändert festzuhalten. 3. Tatbestand des Betruges 3.1.1 Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betruge s unter anderem schuldig, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig z u bereichern, jemanden durch Vorspiege- lung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so den Irrenden zu einem Verhal- ten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. Angriffs- mittel beim Betrug ist die Täuschung des Opfers. Al s Täuschung gilt jedes Verhalten, das da- rauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirklichkeit abweichende Vorstellung hervorzu- rufen. Sie ist eine unrichtige Erklärung über Tatsachen, d.h. über objektiv feststehende, vergan- gene oder gegenwärtige Geschehnisse oder Zustände. Zukünftige Ereignisse sind, soweit sie jedenfalls ungewiss sind, keine Tatsachen. Massgebend ist, ob die Äusserung ihrem objektiven Sinngehalt nach einen Tatsachenkern enthält. Äusserungen oder Prognosen über künftige Vor- gänge können zu einer Täuschung führen, wenn sie in nere Tatsachen wiedergeben. Die Zu- kunftserwartung kann mithin als gegenwärtige innere Tatsache täuschungsrelevant sein (vgl. BGE 119 IV 210 E. 3b mit Hinweis; G ÜNTHER STRATENWERTH / GUIDO JENNY / FELIX BOMMER , Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Auflage 2010, § 15 N 7 ff.; G UNTHER ARZT , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage 2013, N 35 ff. zu Art. 146 StGB; A DOLF SCHÖNKE / HORST SCHRÖDER / PETER CRAMER / WALTER PERRON , Strafgesetzbuch, Kommentar, 27. Aufla- ge 2006, N 9 f. zu § 263 dStGB). 3.1.2 Die Erfüllung des Tatbestandes erfordert eine argli stige Täuschung. Betrügerisches Ver- halten ist strafrechtlich erst relevant, wenn der T äter mit einer gewissen Raffinesse oder Durch- triebenheit täuscht. Ob die Täuschung arglistig ist , hängt indes nicht davon ab, ob sie gelingt. Aus dem Umstand, dass das Opfer der Täuschung nicht erliegt, lässt sich nicht ableiten, diese Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei notwendigerweise nicht arglistig. Wesentlich is t, ob die Täuschung in einer hypothetischen Prüfung unter Einbezug der dem Opfer nach Wissen de s Täters zur Verfügung stehenden Selbstschutzmöglichkeiten als nicht oder nur erschw ert durchschaubar erscheint (U RSULA CASSANI , Der Begriff der arglistigen Täuschung als krimina lpolitische Herausforderung, ZStrR 117/1999 S. 164; W ILLI WISMER , Das Tatbestandselement der Arglist beim Betrug, 1 988, S. 117). Der Tatbestand des Betruges fusst auf dem Gedanken, dass nicht jegliches täuschen- de Verhalten im Geschäftsverkehr strafrechtliche Fo lgen nach sich ziehen soll. Dem Merkmal der Arglist kommt mithin die Funktion zu, legitimes Gewinnstreben durch Ausnutzung von In- formationsvorsprüngen von der strafrechtlich releva nten verbotenen Täuschung abzugrenzen und den Betrugstatbestand insoweit einzuschränken ( vgl. zum geschichtlichen Hintergrund der Grenzziehung ARZT , a.a.O., N 1 ff., 13 zu Art. 146 StGB; K LAUS TIEDEMANN , in: Strafgesetz- buch, Leipziger Kommentar, Bd. VI, 11. Auflage 2005 , N 34 ff. vor § 263 dStGB; M ANFRED ELLMER , Betrug und Opfermitverantwortung, Berlin 1986, S. 31 ff., 214 f.). Dies geschieht einer- seits durch das Erfordernis einer qualifizierten Tä uschungshandlung. Aus Art und Intensität der angewendeten Täuschungsmittel muss sich eine erhöhte Gefährlichkeit ergeben (betrügerische Machenschaften, Lügengebäude). Einfache Lügen, plum pe Tricks oder leicht überprüfbare fal- sche Angaben genügen demnach nicht. Andererseits er folgt die Eingrenzung über die Berück- sichtigung der Eigenverantwortlichkeit des Opfers. Danach ist ausgehend vom Charakter des Betrugs als Beziehungsdelikt, bei welchem der Täter auf die Vorstellung des Opfers einwirkt und dieses veranlasst, sich selbst durch die Vornah me einer Vermögensverfügung zugunsten des Täters oder eines Dritten zu schädigen, zu prüf en, ob das Opfer den Irrtum bei Inanspruch- nahme der ihm zur Verfügung stehenden Selbstschutzm öglichkeiten hätte vermeiden können. Diesen Gedanken hat die bundesgerichtliche Rechtsprechung schon früh in die Formel gefasst, dass den Strafrichter nicht anrufen soll, wer allzu leichtgläubig auf ein Lüge hereinfällt, wo er sich mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit durch Überprüfung der falschen Angaben selbst hätte schützen können (BGE 72 IV 126 E. 1) b zw. wer den Irrtum durch ein Minimum zumutbarer Vorsicht hätte vermeiden können (BGE 99 IV 75 E. 4a). Ein Täter, der nicht die mangelnden Geisteskräfte, sondern den offensichtlic hen Leichtsinn des Opfers zur Irreführung missbraucht, erscheine nicht strafwürdiger als derj enige, der durch eine einfache Lüge zum Ziele gelangt (BGE 99 IV 75 E. 4a). In diesem Sinne hat das Bundesgericht erkannt, bei der Beantwortung der Frage, ob Arglist gegeben sei, sei auch der Gesichtspunkt der Opfermitver- antwortung zu berücksichtigen (BGE 120 IV 186 E. 1a). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1.3 Bei der Berücksichtigung der Opfermitverantwortung ist allerdings nicht aufgrund einer rein objektiven Betrachtungsweise darauf abzustelle n, wie ein durchschnittlich vorsichtiger und erfahrener Dritter auf die Täuschung reagiert hätte . Das Mass der vom Opfer erwarteten Auf- merksamkeit richtet sich vielmehr nach einem indivi duellen Massstab. Es kommt mithin auf die Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Ein zelfall an. Namentlich ist auf geistes- schwache, unerfahrene oder auf Grund von Alter oder Krankheit beeinträchtigte Opfer oder auf solche, die sich in einem Abhängigkeits- oder Unter ordnungsverhältnis oder in einer Notlage befinden, und deshalb kaum im Stande sind, dem Täte r zu misstrauen, Rücksicht zu nehmen. Der Leichtsinn oder die Einfalt des Opfers mögen dem Täter bei solchen Opfern die Tat erleich- tern, auf der anderen Seite handelt dieser hier abe r besonders verwerflich, weil er das ihm ent- gegengebrachte – wenn auch allenfalls blinde – Vert rauen missbraucht (T IEDEMANN , a.a.O., N 38 vor § 263 dStGB). Auf der anderen Seite sind d ie allfällige besondere Fachkenntnis und Geschäftserfahrung des Opfers in Rechnung zu stelle n, wie sie etwa im Rahmen von Kredit- vergaben Banken beigemessen wird (vgl. BGE 119 IV 28 E. 3f). Auch unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Eigenverantwortlichkeit des Be troffenen erfordert die Erfüllung des Tatbe- stands indes nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle erdenklichen ihm zur Verfügung stehenden Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht be achtet. Entsprechend entfällt der straf- rechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit de s Opfers, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in de n Hintergrund treten lässt (BGE 128 IV 18 E. 3a; BGE 126 IV 165 E. 2a; BGE 122 IV 146 E. 3a, mit Hinweisen). Die zum Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opfermitveran twortung kann daher nur in Ausnahme- fällen bejaht werden (BGer 6S.168/2006 vom 6. Novem ber 2006 E. 1.2 und 6S.167/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.4, beide zitiert bei J ÜRG -BEAT ACKERMANN , Wirtschaftsstrafrechts-Report 2005-2007, Aktuelle Rechtsprechung, in: Aktuelle Anwaltspraxis 2007, S. 829 ff.). 3.1.4 Arglist wird nach all dem – soweit das Opfer sich m ithin nicht in leichtfertiger Weise seiner Selbstschutzmöglichkeiten beraubt – in ständiger Re chtsprechung bejaht, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet (BGE 119 IV 28 E. 3c) oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe (manoeuvres frauduleuses; mise en scène ; BGE 133 IV 256 E. 4.4.3; BGE 132 IV 20 E. 5.4, mit Hinweisen) bedient. Ein Lügengebäude liegt vor, wenn mehrere Lügen derart raf- finiert aufeinander abgestimmt sind und von besonde rer Hinterhältigkeit zeugen, dass sich selbst ein kritisches Opfer täuschen lässt (BGE 119 IV 28 E. 3c). Als besondere Machenschaf- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten (machinations) gelten Erfindungen und Vorkehren sowie das Ausnützen von Begebenhei- ten, die allein oder gestützt durch Lügen oder Knif fe geeignet sind, das Opfer irrezuführen. Es sind eigentliche Inszenierungen, die durch intensiv e, planmässige und systematische Vorkeh- ren, nicht aber notwendigerweise durch eine besondere tatsächliche oder intellektuelle Komple- xität gekennzeichnet sind (BGE 122 IV 197 E. 3d). A rglist wird aber auch schon bei einfachen falschen Angaben bejaht, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, und wenn der Täter das Opf er von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass dieses di e Überprüfung der Angaben auf Grund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 128 IV 18 E. 3a; BGE 126 IV 165 E. 2a; BGE 125 IV 124 E. 3; BGE 122 IV 246 E . 3a). Der Gesichtspunkt der Überprüf- barkeit der falschen Angaben erlangt nach der neuer en Rechtsprechung auch bei einem Lü- gengebäude oder bei betrügerischen Machenschaften Bedeutung (BGE 126 IV 165 E. 2a). 3.1.5 Auf der subjektiven Seite erfordert der Betrug zwe ierlei: den Vorsatz und die Bereiche- rungsabsicht. Der Vorsatz muss sich auf die Verwirk lichung sämtlicher objektiver Tatbestands- merkmale richten, also sowohl das motivierende Verh alten und das Setzen eines Motivs beim Betroffenen, wie dessen Verfügung und die Vermögens schädigung – einschliesslich des Moti- vationszusammenhangs zwischen ihnen – umfassen. Das s Eventualdolus genügt, ist unbestrit- ten (S TRATENWERTH / JENNY / BOMMER , a.a.O., § 15 N 58 ff.). Wenn der Täter sein Verhalten als einfache, leicht durchschaubare Lüge und damit als nicht arglistig qualifiziert oder den Nachteil als nicht wirklich schädigend bewertet, liegt ein u nbeachtlicher Subsumtionsirrtum vor (A RZT , a.a.O., N 124 ff. zu Art. 146 StGB, mit Hinweisen). 3.2.1 Im vorliegenden Fall wird der Beschuldigten im Wes entlichen zur Last gelegt, sie sei am 16. Juni 2010 in X.____ während des Besuchs einer K apelle an C.____ (Jahrgang 1924) her- angetreten und habe diese in der Absicht, sich unrechtmässig zu bereichern, unter Verwendung eines falschen Namens und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen arglistig dazu gebracht, ihr insgesamt CHF 2'000.-- auszuhändigen. Die Beschuldigte habe dabei vorausgesehen, dass die 86-jährige Geschädigte die entsprechenden Angaben nicht überprüfen werde bzw. aufgrund der fehlenden Informationen gar nicht habe überprüfen k önnen. Sodann habe die Beschuldigte am 24. Juni 2010 um 07:00 Uhr bei der Geschädigten zu Hause um Einlass gebeten und in der Folge wiederum in unrechtmässiger Bereicherungsabsi cht und unter falschen Angaben vorge- geben, weitere CHF 20'000.-- zu benötigen. Als sich die Geschädigte mit ihrem Treuhandbüro Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe in Verbindung setzen wollen, habe ihr die Besc huldigte den Telefonhörer aus der Hand genommen und diese dadurch von einer allfälligen Üb erprüfung ihrer Angaben abgehalten. Da die Telefonverbindung allerdings nicht unterbrochen worden sei, habe eine Mitarbeiterin des Treuhandbüros das Gespräch mitgehört und die Polize i verständigt, wodurch es bedingt durch die Festnahme der Beschuldigten nicht zur Übergabe der CHF 20'000.-- gekommen sei. Dieser inkriminierte Sachverhalt wird von der Beschuldigte n grundsätzlich eingestanden, sie macht jedoch geltend, dass das Tatbestandselement der Arglist nicht erfüllt sei. 3.2.2 Aufgrund des unbestrittenen massgeblichen Sachverh alts sowie der im Grundsatz nicht bemängelten rechtlichen Würdigung dieses Sachverhal ts durch das Strafgericht ist an vorlie- gender Stelle gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO auf die entsprechenden und zutreffenden Erwä- gungen der Vorinstanz (E. II.A. und B. S. 3 ff. zum Vorfall vom 16. Juni 2010 sowie E. II.A. und B. S. 7 ff. zum Vorfall vom 24. Juni 2010) zu verwe isen, welchen sich das Kantonsgericht vor- behaltlos anschliesst. Damit ist ohne Weiteres erst ellt, dass die Geschädigte durch die Irrefüh- rung seitens der Beschuldigten zu einem Verhalten bewegt worden ist, welches hinsichtlich des Vorfalls vom 16. Juni 2010 zu einer Vermögensvermin derung auf ihrer Seite und einer un- rechtmässigen Bereicherung auf Seiten der Beschuldigten in der Höhe von CHF 2'000.-- geführt hat. Gleichermassen hat das irreführende Verhalten der Beschuldigten bezüglich des Vorfalls vom 24. Juni 2010 dazu dienen sollen, die Betroffen e im Umfang von CHF 20'000.-- zu schädi- gen und sich selbst im nämlichen Umfang unrechtmäss ig zu bereichern, wobei die geplante Vermögensverschiebung lediglich aufgrund der Festna hme der Beschuldigten nicht vollzogen worden ist. Bezüglich des bestrittenen Tatbestandse lements der Arglist ist im Hinblick auf den ersten Vorfall vom 16. Juni 2010 zu konstatieren, dass die Beschuldigte die betagte Geschädig- te im Rahmen eines Besuchs einer Kapelle angesproch en, diese in ein religiöses Gespräch verwickelt und dabei mit Erzählungen über den Krieg und ihre erfundene Notlage emotional stark unter Druck gesetzt hat. Ausserdem hat die Be schuldigte in ihrem fordernden Auftreten auf eine sofortige Übergabe des Geldes gedrängt und der Geschädigten keine Möglichkeit ge- lassen, die ganze Sache nochmals zu überdenken. Des Weiteren hat die Beschuldigte eine Überprüfung ihrer Geschichte mit der Angabe eines f alschen Namens und falscher Daten von vornherein verhindert. Dieses Geflecht aus Lügen un d dem Ausnützen der spezifischen Situati- on muss nach Praxis und Lehre (vgl. oben E. 3.1.4) als besondere Machenschaften qualifiziert werden, deren Vorhandensein zweifellos die Arglist in der Vorgehensweise der Beschuldigten begründen. In Bezug auf den zweiten Vorfall vom 24. Juni 2010 ist neben den bereits für den Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht ersten Vorfall relevanten Umständen darauf hinzuweisen, dass die Beschuldigte die Geschädig- te am frühen Morgen um 07:00 Uhr aufgesucht hat, of fensichtlich um sie zu überrumpeln, und sie dieses Mal nicht nur verbal und zeitlich unter Druck gesetzt hat, sondern sie sogar hand- greiflich durch Wegnahme des Telefonhörers vor weit eren Nachforschungen versucht hat ab- zuhalten. Nachdem praxisgemäss Arglist schon bei ei nfachen falschen Angaben bejaht wird, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besondere r Mühe möglich oder nicht zumutbar ist sowie wenn der Täter das Opfer von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umstän- den voraussieht, dass dieses die Überprüfung der An gaben auf Grund eines besonderen Ver- trauensverhältnisses unterlassen werde, stellt das in casu zu beurteilende Verhalten der Be- schuldigten fraglos eine arglistige Vorgehensweise dar. 3.2.3 Den im Berufungsverfahren vorgebrachten Einreden d er Beschuldigten, wonach sie von existenzieller Angst ergriffen worden sei, das erbe ttelte Geld wieder habe zurückzahlen wollen, die Geschädigte von vornherein kein Interesse an ei ner Bestrafung kundgetan und ihr habe helfen wollen und überdies der Aspekt der Opfermitv erantwortung zu berücksichtigen sei, ist Folgendes zu entgegnen: In Bezug auf die geltend ge machte existenzielle Angst ist darauf hin- zuweisen, dass bereits die Vorinstanz festgestellt hat, dass die Beschuldigte zum fraglichen Zeitpunkt weder Miet- noch sonstige Schulden gehabt hat und dementsprechend auch nicht von der Kündigung ihrer Wohnung bedroht gewesen ist (vg l. E. II.A.6 f. S. 4 f.). Ausserdem ist sie gemäss dem forensisch-psychiatrischen Gutachten der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) vom 31. Juli 2015 zum Tatzeitpunkt wede r in der Fähigkeit zur Einsicht in das Un- recht der Tat oder im Handeln gemäss dieser Einsicht eingeschränkt gewesen (S. 32). Hinsicht- lich ihres Arguments, sie habe das erbettelte Geld wieder zurückzahlen wollen, ist zu bemer- ken, dass es sich hierbei offensichtlich um eine du rch nichts substantiierte und gängige Schutz- behauptung handelt, nachdem die Beschuldigte bereit s sowohl im Jahre 2008 gegenüber der Kantonspolizei Graubünden in einem gegen sie geführten Verfahren wegen Betrugs als auch in einem vom Landesgericht in Strafsachen Wien mit Urt eil vom 15. April 2009 beurteilten Fall die nämliche Ausrede vorgebracht hat (vgl. E. II.B.8 S. 7 und E. II.A.7 S. 9). Bezüglich dem von der Beschuldigten geltend gemachten fehlenden Interesse der Geschädigten an einer Bestrafung ihrer Person ist darauf hinzuweisen, dass eine solc he allfällige Desinteresseerklärung keinen Einfluss auf die rechtliche Beurteilung des inkrimi nierten Sachverhalts hat. Gleiches gilt ange- sichts der besonderen Machenschaften der Beschuldig ten uneingeschränkt auch für den Um- stand, wonach die Geschädigte den Betrag von CHF 20 '000.-- allenfalls nicht ohne schriftlichen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vertrag aus der Hand gegeben hätte. Ebenso unerhebl ich ist, dass die Geschädigte allenfalls tatsächlich Mitleid mit ihr gehabt und ihr hat helf en wollen, entspricht es doch genau dem Kon- zept bei dieser Art von Betrug, bei der geschädigte n Person das Bedürfnis zur Hilfeleistung zu erwecken. Insofern ist das an den Tag gelegte Verha ltensmuster der Geschädigten nichts als die klassische Folge der tatbestandlichen Täuschung shandlungen der Beschuldigten. Was schliesslich den Aspekt der Opfermitverantwortung a nbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass nach der vorgängig zitierten Lehre und Praxis (vgl. oben E. 3.1.3) die zum Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opfermitveran twortung nur in Ausnahmefällen bejaht werden kann. Worin in casu ausgerechnet ein solcher Ausnahmefall begründet sein soll, wird nicht substantiiert geltend gemacht und ist darüber hinaus für das Kantonsgericht auch nicht ersichtlich. Gemäss diesen Erwägungen sind in Bezug auf den ersten Vorfall vom 16. Juni 2010 sowohl die objektiven als auch die subjektiven Tatbestandselem ente und im Hinblick auf den zweiten Vor- fall vom 24. Juni 2010 mit Ausnahme der Vermögensve rschiebung ebenfalls sämtliche objekti- ven wie auch subjektiven Tatbestandselemente erfüll t, womit die Beschuldigte in Abweisung ihrer diesbezüglichen Berufung und in Bestätigung d es angefochtenen Urteils des mehrfachen, teilweise versuchten Betruges schuldig zu erklären ist. 4. Strafzumessung 4.1.1 Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nac h dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Ver werflichkeit des Handelns, den Beweg- gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt , wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährd ung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Ge richt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver gehen abzuhalten. Ist jedoch der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu ein er bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht von mindestens sechs Monaten oder zu einer Geldstra fe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt worden, so ist der Aufschub nur zulässig , wenn besonders günstige Umstände vorlie- gen (Art. 42 Abs. 2 StGB). Laut Art. 44 Abs. 1 StGB bestimmt das Gericht dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren, wenn es den Vol lzug einer Strafe ganz oder teilweise auf- schiebt. 4.1.2 Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der obj ektiven Tatschwere das Verschul- den zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtun g festzuhalten hat – im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernde und welche verschulden serhöhende Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachger ichts, in welchem Umfang es die verschie- denen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es mu ss nicht auf Umstände ausdrücklich ein- gehen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahl en oder Prozenten anzugeben, wie es die ein- zelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings hat das Ge- richt das Gesamtverschulden zu qualifizieren und di e Gesamteinschätzung des Tatverschul- dens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, s chwer, sehr schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Ver- fügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenen- falls in einem dritten Schritt aufgrund wesentliche r Täterkomponenten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7). Die tat- und täterangemessene St rafe ist grundsätzlich innerhalb des or- dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendende n Strafbestimmung festzusetzen. Die- ser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen kon- kreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffas- sung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den übli- chen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Der ord entliche Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint ( BGE 136 IV 55 E. 5.8). Im Übrigen drängt das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung vermehrt darauf, dass die Formulierung des Ver- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2; vgl. auch BGe r 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). 4.2.1 Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung macht di e Beschuldigte anlässlich der Haupt- verhandlung vor dem Kantonsgericht geltend, sie sei bei einer allfälligen Verurteilung wegen Betruges in Abänderung des angefochtenen Urteils le diglich zu einer Geldstrafe in der Höhe von 180 Tagessätzen zu jeweils CHF 60.-- bzw. zu maximal 90 Tagen gemeinnütziger Arbeit zu verurteilen. Demgegenüber beantragt die Staatsanwal tschaft eine vollumfängliche Bestätigung des erstinstanzlichen Strafmasses. Gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinstanz ein neues Urteil, welches das vorinstanzliche ersetzt. Dabei hat sie die Strafe nach ihrem eigenen Ermes- sen festzusetzen und muss sich nicht daran orientie ren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B _298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). Im vorliegenden Fall ist die Beschuldigte gestützt auf das im Strafpunkt zu bestätigende Urteil der Vorinstanz wegen mehrfachen, teilweise versucht en Betruges schuldig zu sprechen, wobei der ordentliche Strafrahmen nach Art. 146 Abs. 1 StGB bei einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jah- ren oder bei einer Geldstrafe zwischen einem Tagess atz und 360 Tagessätzen (Art. 34 Abs. 1 StGB) zu liegen kommt. Die Deliktsmehrheit gemäss A rt. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist aber innerhalb des ordentlichen Rahmens strafschärfend zu gewichten. Auf der anderen Seite ist zu berücksi chtigen, dass es beim zweiten Vorfall ledig- lich beim Versuch geblieben ist. 4.2.2 Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kantonsgericht nunmehr die Strafe für die inkriminierten Taten unter Einbezug aller straf erhöhenden und strafmindernden Umstände innerhalb des abstrakten Strafrahmens festzusetzen. Hinsichtlich der objektiven Tatkomponen- ten ist dabei in erster Linie das dreiste und profe ssionelle Vorgehen der Beschuldigten straf- schärfend zu berücksichtigen. So hat diese gezielt eine hochbetagte Person in einer religiösen Umgebung als Opfer ausgesucht und deren Hilfsbereit schaft sowie das entgegen gebrachte Vertrauen grob missbraucht, was offenbar einem gäng igen Verhaltensmuster der Berufungs- klägerin entspricht. Hinzu kommt, dass die Beschuld igte die Geschädigte beim zweiten Vorfall zu Hause aufgesucht und dadurch zusätzlich deren Pr ivatsphäre verletzt hat. Zudem fällt er- schwerend ins Gewicht, dass die Beschuldigte nach d em erfolgreichen ersten Versuch nur we- nige Tage später die Betroffene um den zehnfach höh eren Betrag hat schädigen wollen, was Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht von einer hohen kriminellen Energie zeugt. Wennglei ch es sich bei der Schadenssumme beim vollendeten Betrug um einen relativ moderaten Betra g von CHF 2'000.-- gehandelt hat, hat der zweite Versuch auf einen namhaften Betrag von CHF 2 0'000.-- abgezielt, was ebenfalls negativ zu würdigen ist. Zu Gunsten der Beschuldigten spric ht, dass beim zweiten Vorfall der Taterfolg ausgeblieben ist. Allerdings ist diesbezüglich zu erwägen, dass dieser Umstand einzig dem um- sichtigen Verhalten der Treuhandmitarbeiterin, welc he rechtzeitig die Polizei avisiert hat, ge- schuldet ist, weshalb in diesem Kontext nur eine geringfügige Reduzierung der Strafe angezeigt ist. 4.2.3 Bezüglich der subjektiven Tatkomponenten ist die d irektvorsätzliche Willensrichtung im Sinne eines straferhöhenden Kriteriums einzubeziehe n. Des Weiteren ist zu Ungunsten der Beschuldigten zu werten, dass sie allein aus finanz iellen Gründen gehandelt hat, nachdem be- reits mehrfach festgestellt worden ist, dass entgeg en ihren Behauptungen keine Notlage be- standen hat. In diesem Zusammenhang wird im Gutacht en der UPK vom 31. Juli 2015 unmiss- verständlich festgehalten, dass aus forensisch-psyc hiatrischer Sicht nicht von einer Einschrän- kung der Schuldfähigkeit auszugehen sei, da die Ber ufungsklägerin trotz der psychischen Symptomatik in der Fähigkeit zur Einsicht in das Un recht der Tat oder im Handeln gemäss die- ser Einsicht nicht eingeschränkt gewesen sei (S. 29 , 32). Zum Zeitpunkt der Tat habe bei der Berufungsklägerin eine Symptomatik vorgelegen, best ehend aus affektiven, psychotischen, kognitiven und Angstsymptomen, welche sich nicht ei ndeutig und zweifelsfrei einer Diagnose zuordnen liessen (S. 32). Gesamthaft sei am ehesten von einer Aggravation verschiedener Symptomenkomplexe ausgehen, wobei allenfalls der Na chweis einer rezidivierenden depressi- ven Störung in der Vergangenheit plausibel zu führen, aufgrund der Aggravationstendenzen die Ausprägung der depressiven Episoden jedoch sowohl a ktuell als auch zum Tatzeitpunkt nicht positiv zu belegen sei (S. 27). Daraus erhellt, dass zum Deliktszeitpunkt keinerlei Beschränkung der Entscheidungsfreiheit der Beschuldigten nachweisbar ist, womit diese ohne Weiteres in der Lage gewesen wäre, die Delikte schlichtweg nicht zu begehen. Im Übrigen ist für das Kantons- gericht kein Grund ersichtlich, vom überzeugenden G utachten, welches sich in nachvollziehba- rer Weise mit den einschlägigen Diagnosekriterien a useinandersetzt, abzuweichen. Die in die- sem Zusammenhang von der Beschuldigten bzw. Dr. D._ ___ vorgebrachten Beanstandungen werden weder belegt noch erscheinen sie als stichha ltig. Namentlich ist darauf hinzuweisen, dass das Gutachten von einer spezialisierten Oberär ztin in der Erwachsenenforensik erstellt und vom leitenden Facharzt der Erwachsenenforensik überprüft worden ist. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.4 Im Rahmen der besonderen Täterkomponenten ist der Faktor Vorleben stark zu Lasten der Beschuldigten zu gewichten, nachdem diese mehrf ach vorbestraft ist. So lassen sich dem österreichischen Strafregister insgesamt fünf einschlägige Vorstrafen in Deutschland und Öster- reich entnehmen, von welchen ihr gestützt auf Art. 369 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 3 und Abs. 7 StGB das Urteil des Landesgerichts Korne uburg vom 30. Juni 1999 (unbedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr) sowie das Urteil de s Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 15. April 2009 (bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr plus Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils EUR 50.--) zum heutigen Zeitpunkt entgegen zu halten sind. Positiv zu werten ist hinge- gen der Faktor persönliche Verhältnisse aufgrund de r Entwicklung der Beschuldigten seit den inkriminierten Taten, indem sie nunmehr offenbar über ein soziales Beziehungsnetz verfügt, mit ihrer Berufstätigkeit als Raumpflegerin in der Lage ist, ihren Lebensunterhalt ohne Probleme selbst zu finanzieren, und offensichtlich gelernt h at, ihre psychischen Defizite proaktiv anzuge- hen. Insofern ist davon auszugehen, dass sich die B eschuldigte in einer stabilen Lebenssituati- on mit gefestigten privaten, beruflichen und gesundheitlichen Verhältnissen befindet. Zudem hat bereits das Strafgericht aufgrund der psychischen P robleme zu Gunsten der Berufungsklägerin eine leicht erhöhte Strafempfindlichkeit angenommen . Entgegen den Darlegungen der Vor- instanz wertet das Kantonsgericht sodann das Nachta tverhalten der Beschuldigten und deren Verhalten im Strafverfahren als neutral. So hat die se mit ihrem heutigen Geständnis in Bezug auf ihre Beweggründe beim versuchten Betrug immerhi n ein minimales Mass an Einsicht an den Tag gelegt, wobei aber eine eigentliche Reue fü r eingestandenes Fehlverhalten nicht er- kennbar ist. Gesamthaft ist somit unter dem Titel b esondere Täterkomponenten insbesondere aufgrund der einschlägigen Vorstrafen eine Strafschärfung vorzunehmen. 4.2.5 In Würdigung aller geschilderten tat- und täterbezo genen Umstände erachtet das Kan- tonsgericht wie bereits die Vorinstanz das Verschul den der Berufungsklägerin als mittelschwer im unteren Bereich. Diesem definierten Verschulden entsprechend folgt in Anbetracht des ab- strakten Strafrahmens, dass die von der Vorinstanz verhängte Strafe von zehn Monaten Frei- heitsstrafe im Ergebnis als angemessen zu qualifizi eren und demzufolge zu bestätigen ist. Dar- aus ergibt sich des Weiteren, dass die von der Beschuldigten beantragte Sanktion in Form einer Geldstrafe bzw. einer gemeinnützigen Arbeit als nic ht schuldadäquat erscheint. Namentlich un- ter Berücksichtigung der Tatsache, wonach die Besch uldigte bereits mehrfach einschlägig vor- bestraft und dabei auch mehrfach eine Freiheitsstra fe verhängt worden ist – zuletzt mit Urteil Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 15. Apr il 2009 und damit lediglich ein Jahr vor den inkriminierten Taten – dies aber trotzdem eine weitere Delinquenz nicht hat verhindern können, muss festgestellt werden, dass alles andere als eine Freiheitsstrafe als auszuspre- chende Sanktion in casu aus spezialpräventiver Sich t von vornherein als offensichtlich untaug- lich zu qualifizieren ist. 4.2.6 Bezüglich der Frage, ob der Beschuldigten der bedi ngte Vollzug der Freiheitsstrafe ge- währt werden kann, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass angesichts des Urteils des Landes- gerichts für Strafsachen Wien vom 15. April 2009, m it welchem diese zu einer bedingten Frei- heitsstrafe von einem Jahr sowie zu einer Geldstraf e von 90 Tagessätzen zu jeweils EUR 50.-- verurteilt worden ist, Art. 42 Abs. 2 StGB zur Anwe ndung kommt, wonach der Aufschub der Strafe nur bei Vorliegen von besonders günstigen Um ständen zulässig ist. Solche Umstände liegen etwa vor, wenn in der Zwischenzeit eine deut lich positive Wandlung der Lebensumstän- de des Täters eingetreten ist (R OLAND M. SCHNEIDER / ROY GARRÉ , in: Basler Kommentar, Straf- recht I, 3. Auflage 2013, N 97 zu Art. 42 StGB, mit zahlreichen Verweisen). In casu geht das Kantonsgericht mit der Vorinstanz und der Staatsanwaltschaft einig, dass zum Zeitpunkt sowohl des Strafbefehls als auch der erstinstanzlichen Hau ptverhandlung keine Hinweise auf das Vor- liegen der in Art. 42 Abs. 2 StGB vorausgesetzten b esonders günstigen Umständen bestanden haben. Gleichermassen geht das Gutachten der UPK vo m 31. Juli 2015 in der Gesamtbeurtei- lung von einer eher ungünstigen Prognose aus, da hi nsichtlich der mit dem Delikt in Zusam- menhang stehenden Symptomatik keine Besserung bzw. kein Erlernen von Umgangs- oder Problemlösungsstrategien stattgefunden habe (S. 31) . Nach Ansicht des Kantonsgerichts prä- sentiert sich jedoch zum heutigen Zeitpunkt hierzu eine veränderte Situation, indem eine deut- lich positive Wandlung der Lebensumstände der Besch uldigten stattgefunden hat. So ist davon auszugehen, dass trotz der bei der Risikoanalyse zu Ungunsten der Berufungsklägerin zu wer- tenden Gesichtspunkte – wie die bisherige Kriminali tätsentwicklung, die Persönlichkeit der Be- schuldigten bzw. die vorhandene psychische Störung und das spezifische Konfliktverhalten – die neutral oder günstig zu gewichtenden Faktoren – wie die Einsicht der Beschuldigten in ihre Störung, ihre soziale Kompetenz, die erstmals anläs slich der Hauptverhandlung vor dem Kan- tonsgericht erfolgte Auseinandersetzung mit der Tat , die realen Therapiemöglichkeiten bei Dr. D.____ in Y.____ und die in diesem Zusammenhang nac hgewiesene Therapiebereitschaft der Berufungsklägerin, der soziale Empfangsraum sowie d er bisherige Verlauf nach den Taten, nachdem seit der in casu zu beurteilenden Delikte a us dem Jahre 2010 keine weitere Delin- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht quenz aktenkundig ist – im Ergebnis eine positive P rognose zulassen. Nach Auffassung des Kantonsgerichts ist demnach unter Berücksichtigung der Krankheits- und Behandlungseinsicht der Beschuldigten, der konkreten Therapiemöglichkei t bei Dr. D.____ und namentlich auch de- ren Wahrnehmung bei Bedarf, was zu einer offensicht lichen psychischen Stabilisierung der Be- schuldigten geführt hat, der Einbindung der Berufun gsklägerin in ihre Familie, deren geregelten beruflichen Situation und damit verbunden der gesicherten wirtschaftlichen Verhältnisse und der stabilen Wohnsituation das Vorliegen besonders güns tiger Umstände zu bejahen, was die Ge- währung des bedingten Strafvollzugs rechtfertigt. D en letztlich nicht gänzlich auszuräumenden, verbleibenden Bedenken hinsichtlich der Legalprogno se ist mit einer Verlängerung der Probe- zeit auf vier Jahre Rechnung zu tragen. Schliesslic h steht einer Anrechnung der ausgestande- nen Untersuchungshaft von sieben Tagen nach Art. 51 StGB nichts im Wege. Gemäss diesen Erwägungen ist das angefochtene Urteil in teilweiser Gutheissung der Berufung der Beschuldigten in dem Sinne zu ändern, dass die in casu zu verhängende Strafe von zehn Monaten Freiheitsstrafe, bei einer Probezeit von vi er Jahren und unter Anrechnung der Unter- suchungshaft von sieben Tagen, bedingt auszusprechen ist. Im Übrigen jedoch sind sowohl die Verurteilung wegen mehrfachen, teilweise versuchten Betruges als auch die Strafart und das Strafmass vollumfänglich zu bestätigen. 5. Kostenentscheid Bei diesem Verfahrensausgang – indem die Berufung d er Beschuldigten dahingehend teilweise gutzuheissen ist, als die in der Höhe sowie in der Strafart zu bestätigende erstinstanzlich ver- hängte Freiheitsstrafe nunmehr bedingt vollziehbar ausgesprochen wird – rechtfertigt es sich in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO, die ordentliche n Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 19'101.05 (beinhaltend eine Gebühr von CHF 9'000.-- [insgesamt sechs Stun- den Aufwand für zwei Hauptverhandlungen zu CHF 1'50 0.--/h], die Kosten des forensisch- psychiatrischen Gutachtens im Umfang von CHF 9'901. 05 sowie Auslagen von CHF 200.--) im Verhältnis von drei Vierteln (= CHF 14'325.80) zu L asten der Beschuldigten zu einem Viertel (= CHF 4'775.25) zu Lasten des Staates zu verteilen . Ausserdem wird der Beschuldigten eine reduzierte pauschale Parteientschädigung in der Höh e von CHF 1'620.-- (CHF 1'500.-- pau- schale Aufwandsentschädigung inklusive Auslagen zuz üglich 8 % Mehrwertsteuer von Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 120.--) zu Lasten des Staates ausgerichtet. In Bezug auf die erstinstanzlichen Verfahrens- kosten und deren Verteilung erübrigen sich angesich ts des im Strafpunkt zu bestätigenden vor- instanzlichen Urteils an vorliegender Stelle weiter gehende Ausführungen. Gleiches gilt für die Entschädigungs- und Genugtuungsforderung der Beschuldigten sowie die beantragte Löschung der erkennungsdienstlichen Daten. Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Base l-Landschaft vom 4. März 2014, lautend: „1. A.____ wird schuldig erklärt des mehrfachen, te ilweise versuchten Betruges und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten, unter Anrechnung der vom 24. Juni bis zum 30. Juni 2010 ausgestandenen Untersuchungshaft von 7 Tagen, in Anwendung von Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise i. V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 S tGB sowie Art. 51 StGB. 2. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von Fr. 5‘182.10 sowie der Ge- richtsgebühr von Fr. 2‘000.--, gehen gestützt auf A rt. 426 Abs. 1 StPO zu Lasten von A.____. Wird mangels Berufung keine nachträgliche schriftli che Urteilsbegründung ausgefertigt, wird die Gerichtsge bühr auf Fr. 1‘000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 und 2 GebT). 3. Der beschlagnahmte Notizzettel mit der Aufschr ift B.____ sowie die beschlagnahmten vier Fotografien von Häus ern bleiben als deren Bestandteil bei den Akten." Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Beschuldigten in Ziffer 1 wie folgt abgeändert : 1. A.____ wird schuldig erklärt des mehrfachen, tei lweise versuchten Betruges und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 10 Monaten, bei einer Probezeit von 4 Jahren , unter An- rechnung der vom 24. Juni 2010 bis zum 30. Juni 201 0 ausgestandenen Untersuchungshaft von 7 Tagen, in Anwendung von Art. 146 Abs. 1 StGB, teilweise i. V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 StGB , Art. 44 Abs. 1 StGB , Art. 49 Abs. 1 StGB sowie Art. 51 StGB. Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 19'101.05 (beinhaltend eine Gebühr von CHF 9'00 0.--, die Kosten des forensisch-psychiatrischen Gutachtens vo n CHF 9'901.05 sowie Auslagen von CHF 200.--) gehen i m Verhältnis von drei Vierteln (= CHF 14'325.80) zu Lasten der B eschuldigten zu einem Viertel (= CHF 4'775.25) zu Lasten des Staates. III. Der Beschuldigten wird eine reduzierte pauscha le Parteientschädi- gung in der Höhe von CHF 1'620.-- (inklusive Auslag en sowie Mehrwertsteuer von CHF 120.--) zu Lasten des Staate s ausgerich- tet. Präsident Enrico Rosa Gerichtsschreiber Pascal Neumann