<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">156</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>29</b></span> <span class="ft2"><b>Eigentum an einer Brücke des Kantonalen Wanderwegnetzes; Zuständig-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keit für den Unterhalt.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Brücken sind Bauten einer bewilligungspflichtigen Nutzung eines</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gewässers und damit Eigentum des Strasseneigentümers.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der Kanton hat nur jene Wanderwege des kantonalen Wanderweg-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>netzes zu unterhalten, die keinem anderen Zweck dienen bzw. denen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keine andere (Erschliessungs-) Funktion zukommt.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">157</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 23. Juni 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft5">Einwohnergemeinde A. und Ortsbürgergemeinde A. gegen Kanton Aargau</span><br/> <span class="ft5">(WKL.2008.4).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach Darstellung der Klägerinnen ist der Weg und die Brücke</span><br/> <span class="ft1">Bestandteil des Kantonalen Wanderwegnetzes, nach Auffassung der</span><br/> <span class="ft1">Beklagten gehören sie zu einer Gemeindestrasse. Beide Parteien ge-</span><br/> <span class="ft1">hen damit davon aus, dass der Weg und die Brücke allen Bürgern zur</span><br/> <span class="ft1">bestimmungsmässigen Benutzung offen stehen. Es handelt sich somit</span><br/> <span class="ft1">um Sachen im Gemeingebrauch und im Verwaltungsvermögen, mit-</span><br/> <span class="ft1">hin um öffentliche Sachen (Ulrich Häfelin / Georg Müller / Felix</span><br/> <span class="ft1">Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 2365 ff.). Öffentliche Sachen stehen unter kantonaler Hoheit</span><br/> <span class="ft1">(Art. 664 Abs. 1 ZGB). Aufgrund dieser Hoheit an öffentlichen Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen fällt die Rechtszuständigkeit einschliesslich der Gesetzge-</span><br/> <span class="ft1">bungskompetenz umfassend den Kantonen zu (Art. 664 Abs. 3 ZGB;</span><br/> <span class="ft1">Heinz Rey, Basler Kommentar zum ZGB, 3. Auflage, Basel 2007,</span><br/> <span class="ft1">Art. 664 N 2). Gemäss § 82 Abs. 3 EG ZGB sind die Normen des öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichen Rechts, insbesondere in den Gesetzen und Erlassen über</span><br/> <span class="ft1">das Strassenwesen, die Gewässer, die Wasserwerke, die Fischerei</span><br/> <span class="ft1">und die öffentlichen Anlagen massgebend. Die öffentlichen Sachen</span><br/> <span class="ft1">im Gemeingebrauch sind gemäss § 82 Abs. 1 EG ZGB entweder Ei-</span><br/> <span class="ft1">gentum des Staates oder Eigentum der Gemeinden. Die (sachen-</span><br/> <span class="ft1">rechrechtliche) Eigentumszuständigkeit hat neben der kantonalen</span><br/> <span class="ft1">Hoheit keine selbstständige Bedeutung, weshalb sich die Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">und Instandstellungspflicht für öffentliche Sachen primär aus dem</span><br/> <span class="ft1">kantonalen öffentlichen Recht ergibt, nicht aus den sachenrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen (Arthur Meier-Hayoz, Berner Kommentar, Band IV,</span><br/> <span class="ft1">Bern 1964, Art. 664 N 59 f.; Rey, a.a.O., Art. 664 N 29 und 30).</span><br/> <span class="ft1">Diese Ordnung schliesst nicht aus, dass das kantonale öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Recht auf das Eigentum abstellt, wie dies u.a. in § 11 der Verordnung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">158</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">über Fuss- und Wanderwege vom 3. April 1989 (VVFWG; SAR</span><br/> <span class="ft1">759.111) vorgesehen ist. Massgebend bleibt jedoch stets das kanto-</span><br/> <span class="ft1">nale öffentliche Recht.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege vom 4. Oktober</span><br/> <span class="ft1">1985 (FWG; SR 704) will die Planung, Anlage und Erhaltung eines</span><br/> <span class="ft1">zusammenhängenden Fuss- und Wanderwegnetzes sicherstellen. Die</span><br/> <span class="ft1">Kantone haben dafür zu sorgen, dass bestehende und vorgesehene</span><br/> <span class="ft1">Fuss- und Wanderwegnetze in Plänen festgehalten und mit denjeni-</span><br/> <span class="ft1">gen der Nachbarkantone koordiniert und dass Fuss- und Wanderwege</span><br/> <span class="ft1">angelegt, unterhalten und gekennzeichnet werden (Art. 4 ff. FWG).</span><br/> <span class="ft1">Fusswegnetze im Sinn des FWG sind Verkehrsverbindungen für die</span><br/> <span class="ft1">Fussgänger, die in der Regel im Siedlungsgebiet liegen (Art. 2 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">FWG); Wanderwegnetze dienen vorwiegend der Erholung und liegen</span><br/> <span class="ft1">in der Regel ausserhalb des Siedlungsgebiets (Art. 3 Abs. 1 FWG).</span><br/> <span class="ft1">Fusswegnetze wie auch schwach befahrene Strassen können als</span><br/> <span class="ft1">Verbindungsstücke zwischen den Wanderwegen ausserhalb des Sied-</span><br/> <span class="ft1">lungsgebiets dienen (Art. 3 Abs. 2 FWG). Die bundesrechtliche Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung geht mithin davon aus, dass Wanderwege zwar durchgängig</span><br/> <span class="ft1">vernetzt sind, die Vernetzung innerhalb des Siedlungsgebiets aber</span><br/> <span class="ft1">auch durch Fusswegnetze und schwach befahrene Strassen erfolgen</span><br/> <span class="ft1">kann und nicht notwendigerweise durch einen Wanderweg im Sinn</span><br/> <span class="ft1">von Art. 3 Abs. 1 FWG sichergestellt werden muss. Daraus folgt,</span><br/> <span class="ft1">dass allein die Qualifikation als "Wanderweg" noch nichts darüber</span><br/> <span class="ft1">aussagt, ob es sich um einen Wanderweg im Sinn von Art. 3 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">FWG oder um Verbindungsstücke im Sinn von Art. 3 Abs. 2 FWG,</span><br/> <span class="ft1">die aus Fusswegnetzen und schwach befahrenen Strassen bestehen</span><br/> <span class="ft1">und Wanderwege verbinden, handelt. Das FWG nimmt aber keine</span><br/> <span class="ft1">trennscharfe Definition von Fuss- und Wanderwegen vor, sondern</span><br/> <span class="ft1">überlässt dies im Grundsatz den Kantonen (Botschaft zu einem Bun-</span><br/> <span class="ft1">desgesetz über Fuss- und Wanderwege [FWG] vom 26. September</span><br/> <span class="ft1">1983 [BBl 1983 IV 1; Nr. 83.070]). Danach stellen Fusswegnetze</span><br/> <span class="ft1">"im Allgemeinen" im Siedlungsgebiet die Verkehrsverbindungen für</span><br/> <span class="ft1">die Fussgänger sicher; als Beispiele können, so die Botschaft, die</span><br/> <span class="ft1">Schulwege oder die Wege zu den Arbeitsplätzen und zu den Halte-</span><br/> <span class="ft1">stellen des öffentlichen Verkehrs erwähnt werden. Wanderwegnetze</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">159</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">hingegen sollen laut Botschaft vor allem von den Erholungssu-</span><br/> <span class="ft1">chenden benützt werden; ihnen sind ausser den eigentlichen Wander-</span><br/> <span class="ft1">wegen auch die Spazierwege zuzuordnen; in der Regel liegen die</span><br/> <span class="ft1">Wander- und Spazierwege ausserhalb des Siedlungsgebietes (Bot-</span><br/> <span class="ft1">schaft, S. 4).</span><br/> <span class="ft1">Das Fuss- und Wanderweggesetz ist ein Rahmengesetz, welches</span><br/> <span class="ft1">hinsichtlich Planung und Bau, wie auch beim Unterhalt von Fuss-</span><br/> <span class="ft1">und Wanderwegen Ziele festlegt (BGE 129 I 337 Erw. 1.2 = Die</span><br/> <span class="ft1">Praxis 93 (2004) Nr. 79). Entsprechend der eingeschränkten verfas-</span><br/> <span class="ft1">sungsrechtlichen Grundlage in Art. 88 Abs. 1 BV greift das Bundes-</span><br/> <span class="ft1">recht nicht in die Strassenhoheit und Gesetzgebungskompetenz der</span><br/> <span class="ft1">Kantone für öffentliche Sachen ein (Martin Lendi, Die Schweizeri-</span><br/> <span class="ft1">sche Bundesverfassung, 2. Auflage, St. Gallen 2008, Art. 88 Rz. 8).</span><br/> <span class="ft1">Die Regelung der (innerkantonalen) Zuständigkeiten zur Planung,</span><br/> <span class="ft1">zum Bau und zum Unterhalt wie auch zur Signalisation und Markie-</span><br/> <span class="ft1">rung der Fuss- und Wanderwege und deren Verhältnis zum Grundei-</span><br/> <span class="ft1">gentum ist Sache des kantonalen Rechts.</span><br/> <span class="ft1">Die Kantone sind im Rahmen der bundesrechtlichen Zielvorga-</span><br/> <span class="ft1">ben frei, die Zuständigkeiten und die Massnahmen zur Planung</span><br/> <span class="ft1">(Art. 4 FWG), zur Anlage und Erhaltung (Art. 6 FWG) und zum Er-</span><br/> <span class="ft1">satz aufgehobener Fuss- und Wanderwege selbstständig zu regeln.</span><br/> <span class="ft1">Das FWG enthält mithin keine von der kantonalen Normsetzungs-</span><br/> <span class="ft1">kompetenz gemäss Art. 664 ZGB abweichende öffentlichrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Bestimmungen.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Zur Umsetzung der bundesrechtlichen Zielvorgaben des FWG</span><br/> <span class="ft1">erliess der Regierungsrat die Verordnung über Fuss- und Wanderwe-</span><br/> <span class="ft1">ge (VVFWG). Diese Verordnung erging zudem gestützt auf die Dele-</span><br/> <span class="ft1">gationsnorm in § 227 aBauG, welches bis 31. März 1994 [AGS Band</span><br/> <span class="ft1">14, S. 454] in Kraft war.</span><br/> <span class="ft1">Die bundesrechtliche Planungspflicht in Art. 4 FWG wird für</span><br/> <span class="ft1">die Wanderwege in der Richtplanung erfüllt, indem der Grosse Rat</span><br/> <span class="ft1">das Wanderwegnetz festsetzt und nachführt (vgl. § 85 BauG und § 10</span><br/> <span class="ft1">VVFWG; vgl. Beschlüsse zum Wanderwegnetz V/2.4 [Richtplantext</span><br/> <span class="ft1">S. 63]). Zuständig für die Planung des Fusswegnetzes sind die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinden (§ 9 VVFWG). In § 9 Abs. 3 VVFWG ist vorgesehen, dass</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">160</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ein Verzeichnis der bestehenden und geplanten Fusswegnetze vom</span><br/> <span class="ft1">BVU geführt wird. Ein solches Verzeichnis wurde indessen nie er-</span><br/> <span class="ft1">stellt oder wird nicht mehr nachgeführt. Jedenfalls ist es bei den Kan-</span><br/> <span class="ft1">tonalen Behörden unbekannt. Der Unterhalt der Fuss- und Wander-</span><br/> <span class="ft1">wege ist in § 11 VVFWG wie folgt geregelt:</span><br/> <span class="ft5">" 1.</span><br/> <span class="ft5">Der Unterhalt von Fusswegen, die keinem anderen Zweck dienen, ist</span><br/> <span class="ft5">Sache der Gemeinden; derjenige von Wanderwegen ist Sache des</span><br/> <span class="ft5">Kantons.</span><br/> <span class="ft5">2.</span><br/> <span class="ft5">Der Unterhalt von Wegen und Strassen, die als Fuss- und Wanderwe-</span><br/> <span class="ft5">ge mitbenutzt werden, ist Sache der Eigentümer.</span><br/> <span class="ft5">3.</span><br/> <span class="ft5">An den Ausbau und Unterhalt von Privatwegen, die als Fuss- oder</span><br/> <span class="ft5">Wanderwege mitbenutzt werden und für Ersatzmassnahmen können</span><br/> <span class="ft5">Beiträge geleistet werden. Zuständig für die Fusswege ist der Ge-</span><br/> <span class="ft5">meinderat, für die Wanderwege das Departement Bau, Verkehr und</span><br/> <span class="ft5">Umwelt."</span><br/> <span class="ft1">Die Zuständigkeit für den Unterhalt von Fuss- und Wanderwe-</span><br/> <span class="ft1">gen folgt damit einer Dreiteilung. Je nach Zweckbestimmung und</span><br/> <span class="ft1">Benutzung der betroffenen öffentlichen Strassen trifft die Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">pflicht die Gemeinden, den Kanton oder Private. Wie bereits er-</span><br/> <span class="ft1">wähnt, sind für die Zuordnung der Strassen die Gesetze und Erlasse</span><br/> <span class="ft1">über das Strassenwesen (siehe vorne Erw. 2.1) und damit das Bauge-</span><br/> <span class="ft1">setz massgebend. Die Baugesetz-Revision vom 10. März 2009, in</span><br/> <span class="ft1">Kraft seit 1. Januar 2010 (AGS 2009, S. 237), gelangt vorliegend</span><br/> <span class="ft1">nicht zur Anwendung.</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">Im kantonalen Baugesetz wird wie folgt normiert: Öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Strassen sind alle dem Gemeingebrauch offenstehenden Strassen,</span><br/> <span class="ft1">Wege und Plätze mit ihren Bestandteilen (§ 80 BauG); dabei dienen</span><br/> <span class="ft1">Kantonsstrassen der Verbindung von Kantonsteilen untereinander,</span><br/> <span class="ft1">mit anderen Kantonen und mit dem Ausland, Gemeindestrassen hin-</span><br/> <span class="ft1">gegen dem Verkehr innerhalb der Gemeinde oder dem Anschluss an</span><br/> <span class="ft1">Kantonsstrassen (§ 83 Abs. 1 und § 84 Abs. 1 BauG). Fuss- und Rad-</span><br/> <span class="ft1">wege gelten als Gemeindestrassen, wenn sie nicht Bestandteile von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">161</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Kantonsstrassen oder von dem Gemeingebrauch zugänglichen</span><br/> <span class="ft1">Privatstrassen sind (§ 84 Abs. 2 BauG). Wanderwege werden nicht</span><br/> <span class="ft1">näher definiert und eine Abgrenzung zwischen Fuss- und Wanderweg</span><br/> <span class="ft1">fehlt.</span><br/> <span class="ft1">Zuständig für den Bau der kantonalen Radrouten und Wander-</span><br/> <span class="ft1">wege ist der Kanton (§ 86 Abs. 1 lit. a BauG); für die Finanzierung</span><br/> <span class="ft1">gelten § 87 Abs. 2 und Abs. 3 BauG. Für Gemeindestrassen gehen die</span><br/> <span class="ft1">Kosten für Bau, Erneuerung zu Lasten der Gemeinde, wobei der</span><br/> <span class="ft1">Kanton Beiträge leistet "wenn eine Gemeindestrasse Bestandteile</span><br/> <span class="ft1">von Kantonsstrassen ersetzt". Bau, Erneuerung und Änderung von</span><br/> <span class="ft1">Wanderwegen finanziert der Kanton nur, "wenn sie nicht Bestandteil</span><br/> <span class="ft1">von Gemeindestrassen oder von dem Gemeingebrauch zugänglichen</span><br/> <span class="ft1">Privatstrassen sind". Für den Unterhalt der öffentlichen Strassen sind</span><br/> <span class="ft1">die §§ 97 ff. BauG grundlegend. Die Unterhaltspflicht obliegt dem</span><br/> <span class="ft1">Strasseneigentümer (§ 99 Abs. 1 BauG). Der Unterhalt von Wan-</span><br/> <span class="ft1">derwegen, "die nicht Bestandteil von Gemeindestrassen sind (...) ist</span><br/> <span class="ft1">Sache des Kantons" (§ 99 Abs. 3 BauG).</span><br/> <span class="ft1">Weitere Bestimmungen über die Finanzierung und Kostenver-</span><br/> <span class="ft1">teilung der öffentlichen Strassen enthalten das Gesetz über die Na-</span><br/> <span class="ft1">tional- und Kantonsstrassen und ihre Finanzierung vom 17. März</span><br/> <span class="ft1">1969 (Strassengesetz, StrG [SAR 751.100]; in der Fassung gemäss</span><br/> <span class="ft1">Gesetz vom 5. September 2000) und das Dekret über den Bau, den</span><br/> <span class="ft1">Unterhalt und die Kostenverteilung bei Kantonsstrassen vom</span><br/> <span class="ft1">20. Oktober 1971 (Kantonsstrassendekret; SAR 751.120). In § 87</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 BauG wird auf diese Erlasse verwiesen. Für die Finanzierung</span><br/> <span class="ft1">der Erneuerung und den Unterhalt von Wanderwegen relevant sind</span><br/> <span class="ft1">§ 2 StrG, wonach der Kanton die Kantonsstrassen unterhält, und § 7</span><br/> <span class="ft1">lit. c StrG, der zulasten der Strassenrechnung Beiträge an Wander-</span><br/> <span class="ft1">wege vorsieht. Der Unterhalt der Kantonsstrassen geht zulasten des</span><br/> <span class="ft1">Kantons soweit er verpflichtet ist (§ 12 Kantonsstrassendekret).</span><br/> <span class="ft1">Beim baulichen Unterhalt sind Sonderfälle zu § 99 BauG vorge-</span><br/> <span class="ft1">sehen, allerdings ohne dass die Wanderwege aufgeführt werden (vgl.</span><br/> <span class="ft1">§ 20 und 21 Kantonsstrassendekret).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">162</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Das Eigentum an den öffentlichen Strassen erstreckt sich auf</span><br/> <span class="ft1">alle Bauten und Vorrichtungen insbesondere auch auf Brücken (vgl.</span><br/> <span class="ft1">§ 80 Abs. 2 und § 81 Abs. 2 BauG; vgl. Erich Zimmerlin, Baugesetz</span><br/> <span class="ft1">des Kantons Aargau, 2. Auflage, Aarau 1985, § 20 N 1 und § 11 N 5).</span><br/> <span class="ft1">Dass im vorliegenden Fall der Regierungsrat gestützt auf § 81 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">BauG eine Sonderregelung getroffen hätte, machen die Kläger nicht</span><br/> <span class="ft1">geltend.</span><br/> <span class="ft1">Bei Brücken handelt es sich stets um eine bewilligungspflich-</span><br/> <span class="ft1">tige Nutzung eines Gewässers und damit um eine Baute, die nicht</span><br/> <span class="ft1">dem Gewässer- sondern dem Strassen- oder Wegeigentümer zuzu-</span><br/> <span class="ft1">rechnen ist (§ 116 Abs. 2 BauG). Die Eigentumsverhältnisse am Ge-</span><br/> <span class="ft1">wässer sind daher für die umstrittene Unterhalts- oder Erneuerungs-</span><br/> <span class="ft1">pflicht der S.-brücke irrelevant (vgl. hiezu AGVE 1984, S. 292 ff. zur</span><br/> <span class="ft1">gleichlautenden Regelung unter dem alten Baugesetz).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Finanzierungslast für den Unterhalt und die Erneuerung öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlicher Strassen folgt der Strassenhoheit und der Einteilung der</span><br/> <span class="ft1">Strassen. Als Grundsatz gilt, dass für Kantonsstrassen die Strassen-</span><br/> <span class="ft1">baulast und die Unterhaltspflicht beim Kanton und für die Gemein-</span><br/> <span class="ft1">destrassen bei der Gemeinde liegen. Wanderwege, auch wenn sie im</span><br/> <span class="ft1">kantonalen Wanderwegnetz festgesetzt sind, sind keine Kantonsstras-</span><br/> <span class="ft1">sen. Auch mit der Festsetzung des Wanderwegnetzes in der</span><br/> <span class="ft1">Richtplanung werden sie nicht zu Kantonsstrassen. Die Festsetzung</span><br/> <span class="ft1">in der Richtplanung kann auch keine neuen Verbindlichkeiten des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinwesens begründen, welche ihre Grundlage nicht schon in</span><br/> <span class="ft1">einem Sachgesetz haben. Die Aufnahme in den Richtplan hat keinen</span><br/> <span class="ft1">Rechtssatzcharakter. Sie ist vielmehr ein behördenverbindlicher In-</span><br/> <span class="ft1">teressennachweis für die (nachfolgende) Nutzungsplanung (vgl.</span><br/> <span class="ft1">hiezu AGVE 1999, S. 122 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Das Kantonale Wanderwegnetz überlagert daher Kantons-, Ge-</span><br/> <span class="ft1">meindestrassen oder evtl. dem Gemeingebrauch gewidmete Pri-</span><br/> <span class="ft1">vatstrassen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">163</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Im Hinblick auf das Legalitätsprinzip, welches für das ganze</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungshandeln mit Einschluss der Leistungsverwaltung gilt</span><br/> <span class="ft1">(BGE 128 I 113 Erw. 3c mit Hinweisen), und im Lichte der kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalen Bestimmungen zur Strassenbaulast ist vorliegend daher ent-</span><br/> <span class="ft1">scheidend, ob der A.-weg über die S.-brücke nebst seiner Funktion</span><br/> <span class="ft1">als Wanderweg auch Bestandteil einer Gemeindestrasse (§ 99 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">BauG) ist. Die Verordnungsbestimmungen in § 11 Abs. 1 und 2</span><br/> <span class="ft1">VVFWG können nur so verstanden werden, dass der Unterhalt von</span><br/> <span class="ft1">Wegen und Strassen, die als Wanderwege mitbenutzt werden, Sache</span><br/> <span class="ft1">der <i>Strasseneigentümer</i> ist, während der Unterhalt von Wanderwe-</span><br/> <span class="ft1">gen, <i>welche keinem andern Zwecke dienen,</i> eine Kantonsaufgabe</span><br/> <span class="ft1">darstellt. Der Kanton hat daher nur jene Wanderwege zu unterhalten,</span><br/> <span class="ft1">die keinem anderen Zweck dienen bzw. denen keine andere (Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungs-) Funktion zukommt.</span><br/> <span class="ft1">Entgegen der Auffassung der Klägerinnen hat das Baugesetz</span><br/> <span class="ft1">1993 an der materiellen Regelung hinsichtlich der Wanderwege im</span><br/> <span class="ft1">alten Baugesetz nichts geändert (vgl. Botschaft des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft1">vom 21. Mai 1990, S. 39; mit dem ausdrücklichen Vermerk "sanfte</span><br/> <span class="ft1">Renovation" und dem Hinweis auf den Wortlaut von § 16 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">aBauG). Die Bestimmungen des Baugesetzes des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft1">vom 2. Februar 1971 sind auch darum besonders relevant, weil die</span><br/> <span class="ft1">VVFWG mit Inkrafttreten des Baugesetzes 1993 unverändert blieb</span><br/> <span class="ft1">und das aBauG daher für die Auslegung von § 11 VVFWG wertvoll</span><br/> <span class="ft1">bleibt. Der bereits erwähnte § 16 Abs. 3 aBauG bestimmte ausdrück-</span><br/> <span class="ft1">lich, dass Wanderwege besonders markierte Fusswege sind und die</span><br/> <span class="ft1">Wanderwegmarkierung an der Strasseneinteilung nichts änderte (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Zimmerlin a.a.O., § 16 N 4; Walter Müller, Die öffentliche Strasse</span><br/> <span class="ft1">und ihre Benutzung nach aargauischem Verwaltungsrecht unter be-</span><br/> <span class="ft1">sonderer Berücksichtigung des neuen Baugesetzes, Diss. Fribourg</span><br/> <span class="ft1">1973, S. 40). Aus dem systematischen Zusammenhang zum (alten)</span><br/> <span class="ft1">Baugesetz folgte insbesondere, dass die VVFWG die Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">pflicht bzw. die Strassenbaupflicht nicht selbstständig und abschlies-</span><br/> <span class="ft1">send regelt, sondern die §§ 11 Abs. 1 und 2 so zu verstehen sind, dass</span><br/> <span class="ft1">die Strassenbaulast und Unterhaltspflicht den Kanton nur trifft, wenn</span><br/> <span class="ft1">Wanderwege nicht Bestandteil von Gemeindestrassen inkl. Fuss- und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">164</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Radwege sind (§ 84 Abs. 2 BauG). Aus den erwähnten Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mungen folgt schliesslich im Grundsatz, dass die Finanzierungslast</span><br/> <span class="ft1">den Kanton nur dort trifft, wo keine andere Strassenhoheit in Frage</span><br/> <span class="ft1">steht.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">4.2.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Aus dem Funktionsansatz lässt sich die Zuteilung des Weges</span><br/> <span class="ft1">nicht ausschliesslich und abschliessend bestimmen. Die Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">haben es auch nicht in der Hand, durch blosse "Funktionserklärun-</span><br/> <span class="ft1">gen" über die Strassenhoheit und damit über Kostentragung zu be-</span><br/> <span class="ft1">stimmen.</span><br/> <span class="ft1">4.3.</span><br/> <span class="ft1">(....)</span><br/> <span class="ft1">Die tatsächliche Benutzung spricht daher für die kommunale</span><br/> <span class="ft1">Strassenhoheit. Der Weg dient, wenn nicht gar mehrheitlich, so je-</span><br/> <span class="ft1">denfalls in erheblichem Masse dem Freizeitanspruch der A. Bevöl-</span><br/> <span class="ft1">kerung und hat als Strasse den Charakter einer typisch städtischen</span><br/> <span class="ft1">Naherholungsverbindung. Dieser Funktion entspricht auch die Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung des A.-wegs in der Planung der Stadt A.. Im Schlussbericht</span><br/> <span class="ft1">zum Fusswegkonzept A. vom Februar 1999 wird der A.-weg als</span><br/> <span class="ft1">wichtiger bestehender Fussweg mit Anschluss an das überregionale</span><br/> <span class="ft1">Wanderwegnetz kartiert. Im Umsetzungsprogramm betrifft der Hand-</span><br/> <span class="ft1">lungsbereich 4 den A.-raum, wo erste Teilprojekte realisiert werden.</span><br/> <span class="ft1">Der Verkehrsrichtplan des Stadtrats A. vom 24. Oktober 2005 be-</span><br/> <span class="ft1">handelt unter dem System "Grünräume und Wald" auch den A.-raum</span><br/> <span class="ft1">mit dem Hinweis, dass diese Gebiete bereits ein eigenes konsistentes</span><br/> <span class="ft1">Wegnetz aufweisen und nur bescheidener Ergänzungen bedürfe.</span><br/> <span class="ft1">Wichtig sei die Erreichbarkeit dieses Gebiets, wobei die Überein-</span><br/> <span class="ft1">stimmung mit dem kantonalen Wanderwegnetz zu berücksichtigen</span><br/> <span class="ft1">ist. Die übergeordneten Festlegungen im kommunalen Richtplan füh-</span><br/> <span class="ft1">ren - wie bereits erwähnt - nicht dazu, dass die Fusswegverbindun-</span><br/> <span class="ft1">gen unter Gemeindehoheit aufgehoben wären (siehe vorne Erw. 3.2).</span><br/> <span class="ft1">Die Verkehrsrichtpläne "Fussverkehr" und "Veloverkehr" vom</span><br/> <span class="ft1">10. Oktober 2005 zeigen allenfalls auf, dass der A.-weg ganz bzw.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">165</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">teilweise (Velo) kommunalen Interessen dient und kommunale Funk-</span><br/> <span class="ft1">tionen erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">Daraus folgt, dass der A.-weg nicht nur Wanderweg ist, sondern</span><br/> <span class="ft1">auch kommunalen Zwecken dient, weshalb die Erneuerungs- und</span><br/> <span class="ft1">Unterhaltspflicht für Weg und Brücke bei den Klägerinnen liegt und</span><br/> <span class="ft1">das Klagebegehren in Ziffer 1 hinsichtlich der S.-brücke abzuweisen</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>