Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht Vom 9. Juni 2016 (725 15 318 /144) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungseinstellung / Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Markus Mattle, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1974 geborene A.____ war seit 13. Oktober 20 14 als Bauarbeiter bei der B.____ AG angestellt und durch die Arbeitgeberin be i der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versi- chert. Mit Unfallmeldung vom 26. Oktober 2014 liess A.____ der SUVA durch seine Arbeitgebe- rin einen Unfall melden. Gemäss den Angaben im gena nnten Formular sei der Versicherte am 17. Oktober 2014 mit Arbeiten in einem Graben besch äftigt gewesen, als sich eine Gra- benspriessung gelöst habe und auf seinen Rücken gek ippt sei. Am 23. Oktober 2014 suchte A.____ deswegen Dr. med. C.____, Allgemeine Medizin FMH, auf, der anlässlich dieser Erst- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht behandlung eine Kontusion der Lendenwirbelsäule diagn ostizierte (vgl. das “Arztzeugnis UVG“ vom 22. Dezember 2014). Nachdem die SUVA dem Versicherte n die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten, Taggelder) für die Folgen dieses Unfalls e rbracht hatte, schloss sie mit Verfügung vom 29. April 2015 den Fall per 24. Mai 2015 ab. Gle ichzeitig lehnte sie einen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen ab und stellte die bishe rigen Versicherungsleistungen auf den genannten Zeitpunkt ein. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, laut kreisärztli- cher Beurteilung seien die aktuell bestehenden Beschwerden an der Lendenwirbelsäule und am Rücken nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich kran khafter Natur. Daran hielt die SUVA auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheen tscheid vom 11. September 2015 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertr eten durch D.____, am 12. Oktober 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefo chtene Einspracheentscheid aufzuheben und es seien ihm die ihm zustehenden Versicherungsleistun gen zuzusprechen; unter o/e- Kostenfolge. Am 13. Oktober 2015 reichte die Rechtsvert reterin des Beschwerdeführers zudem einen Bericht von Dr. med. E.____, Facharzt für Anästhe siologie und für Interventionelle Schmerztherapie, vom 8. Oktober 2015 nach. C. In ihrer Vernehmlassung vom 26. November 2015 bea ntragte die SUVA die Abweisung der Beschwerde. D. Nachdem die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers m it Eingabe vom 22. Dezem- ber 2015 bemängelt hatte, dass die Angelegenheit dem Gericht zur Beurteilung überwiesen worden sei, ohne dass sie vorgängig die Möglichkeit erhal ten habe, einen weitere Stellungnah- me eines Chirurgen einzuholen, gewährte ihr der Instr uktionsrichter am 23. Dezember 2015 eine Frist zur Einreichung einer Replik. Mit Schreiben vom 11. Februar 2016 teilte die Rechts- vertreterin jedoch mit, dass sie ihr Mandat für den Besch werdeführer niedergelegt habe. In der Folge reichte der Beschwerdeführer selber innert der ihm eingeräumten Frist statt einer Replik eine Stellungnahme seines Hausarztes Dr. med. F.____, Fa charzt für Allgemeine Innere Medi- zin, vom 23. März 2016 ein. Die SUVA nahm am 21. April 2016 hierzu Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in G.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 12. Oktober 2015 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 17. Oktober 2014 zu Recht per 24. Mai 2015 eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss U VG setzt - unter anderem - vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, li egt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (S ozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil P . des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4.1 Laut den Angaben im “Arztzeugnis UVG“ vom 22. Dezemb er 2014 hatte Dr. C.____ beim Versicherten anlässlich der Erstbehandlung nach dem Unfallereignis als Befund eine wei- che Schwellung links neben der LWS erhoben und eine Ko ntusion der Lendenwirbelsäule diag- nostiziert. Da der Versicherte über einen längeren Zeitraum über anhaltende Schmerzen klagte, überwies ihn Dr. C.____ an Dr. E.____ in die Schmerzsprechstunde des Spitals H.____. Dieser veranlasste seinerseits ein MRI der LWS im Spital I.___ _, welches am 27. Januar 2015 durch- geführt wurde. Die betreffende Untersuchung ergab ei ne leichte foraminale bis diskret extrafo- raminale Bandscheibenextrusion bei LWK 4/5 rechts ohne Verlagerung oder Kompression der Wurzel L4 rechts, im Übrigen keine wesentliche osteodisc oligamentäre Pathologie, einen Ver- dacht auf eine gering aktivierte Spondylarthrose LWK 4/ 5 rechts und ein Ödem in der Massa lateralis des Os sacrum ventral beidseits, rechtsbetont, ohne Hinweise für eine ISG-Arthritis (DD: Fehlbelastung?). In seiner Beurteilung dieses MRI führte Dr. E.____ am 6. Februar 2015 aus, die im MRI beschriebene Ödembildung sei „noch weit erhin als Unfallfolge nach Sturz vom 17.10.2014“ zu werten und erkläre organisch die vom Pat ienten angegebene Schmerzsympto- matik. Differentialdiagnostisch würde eine Exazerbation eines rheumatischen Geschehens nach Trauma in Frage kommen. In einem weiteren Bericht vom 16. April 2015 hielt Dr. E.____ dies- bezüglich allerdings fest, dass ein zwischenzeitlich erfo lgtes Rheumascreening keine Hinweise auf eine rheumatologische Grunderkrankung ergeben habe. 4.2 In der Folge legte die Beschwerdegegnerin die me dizinischen Akten ihrem Kreisarzt Dr. med. K.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie u nd Traumatologie des Bewegungsap- parates, zur Stellungnahme vor. In seiner Beurteilung vom 22. April 2014 hielt dieser zusam- menfassend fest, dass sich keine strukturellen Läsionen, die wahrscheinlich unfallbedingt seien, darstellen würden. Das nachgewiesene Knochenödem sei möglicherweise unfallbedingt, jedoch nicht überwiegend wahrscheinlich, ausserdem sei dies nicht als strukturelle Läsion zu sehen. Im Weiteren sei nach einer Rückenprellung nach allgemeine r Erfahrung der Status quo sine spä- testens nach sechs Monaten erreicht, wenn keine unfallbedi ngten Läsionen nachgewiesen sei- en. Nach diesem Zeitraum würden keine Unfallfolgen m ehr vorliegen, weiterbestehende Be- schwerden seien nicht überwiegend wahrscheinlich als unfallkausal zu sehen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Im Laufe des Einspracheverfahrens reichte der Versicher te einen aktuellen Bericht von Dr. E.____ vom 18. Mai 2015 ein. Darin hielt dieser fest, dass aufgrund der Persistenz der Be- schwerden zur Verlaufskontrolle eine MRI-Untersuchung der LWS und des ISG durchgeführt worden sei. Diese habe ergeben, dass weiterhin persistier ende ödematöse Knochenmarksver- änderungen in beiden ISG auf Seiten des Os sacrum vorli egen würden, was Ausdruck einer bilateralen Sakroiliitis sein könne. Es bestehe eine Befu ndresistenz im Vergleich zu der im Ja- nuar 2015 im Kantonsspital Baselland erfolgten bildge benden Untersuchung. Die Beschwerden seien weiterhin als Unfallfolge zu werten. Aufgrund d ieser Einschätzung von Dr. E.____ ent- schloss sich die Beschwerdegegnerin, eine zusätzliche fachärzt liche Kausalitätsbeurteilung einzuholen. Sie unterbreitete deshalb die medizinischen Akten Dr. med. L.____, Chirurgie FMH, Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, mit der Bitte, zur Unfallkausalität des bestehenden Beschwerdebildes und insbesondere zur Frage, wie es sich diesbezüglich mit dem festgestell- ten Knochenmarködem verhalte, Stellung zu nehmen. Diesem Ersuchen kam Dr. L.____ in ihrer “Chirurgischen Beurteilung“ vom 24. August 2015 nach. D arin gelangte sie zum Schluss, dass unter Berücksichtigung aller vorliegender Dokumente und der aktuellen medizinischen Literatur ein Kausalzusammenhang zwischen Knochenmarködem in der Ma ssa lateralis beidseits des Os sacrum und dem gemeldeten Unfall vom 17. Oktober 2014 nicht überwiegend wahrschein- lich sei. Wäre dieses Knochenödem traumatisch durch eine Kontusion bedingt, wären nicht ausschliesslich die ventralen Anteile der Massa lateralis betroffen, sondern die dorsalen. Zudem sei es nicht möglich, dass eine Kontusion, welche zu einem Bone bruise führe, die mittleren Knochenanteile ausspare und nur exakt die Massa laterali s beidseits betreffe. Ein Bone bruise heile definitionsgemäss im MRI nach drei Monaten ab. Ei n persistierendes Knochenmarködem über diese Zeit hinaus zusammen mit der typischen Lokal isation, welche für eine krankheitsbe- dingte Sakroiliitis spreche, weise auf eine nicht unfallka usale Ursache hin. Im “Arztzeugnis UVG“ vom 22. Dezember 2014 habe Dr. C.____ das Vorlieg en einer weichen Schwellung links im Bereich der LWS dokumentiert. Möglicherweise handle es sich dabei um eine Kontusions- marke. Weitere differenzierte Aussagen über diesen Befu nd würden fehlen. In der Annahme, dass sich am 17. Oktober 2014 eine Kontusion ereignet ha be, die keine unfallkausalen struktu- rellen Verletzungen verursacht habe, sei der Status qu o sine vel ante auf sechs Wochen nach dem Unfallereignis zu terminieren. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtene n Einspracheentscheid bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf den Beri cht des Kreisarztes Dr. K.____ vom 22. April 2015 und insbesondere auf die “Chirurgische B eurteilung“ von Dr. L.____ vom 24. Au- gust 2015. Sie gelangte demzufolge zum Ergebnis, dass be im Versicherten über den Zeitpunkt der strittigen Leistungseinstellung (24. Mai 2015) hi naus überwiegend wahrscheinlich „längst“ keine Unfallfolgen mehr vorliegen würden. Diese vorinsta nzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Nach der Rechtsprechung kommt zwar den Be richten versicherungsinterner Ärz- tinnen und Ärzte nicht derselbe Beweiswert zu wie eine m im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein- geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten, solche Be- richte sind aber, wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), soweit zu berücksichtigen, als keine - auch nur geringe - Zweifel an der Richtigkeit ihrer S chlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorliegend ist kein Anlass ersichtli ch, an der Richtigkeit der Feststellungen der Dres. K.____ und L.____ zu zweifeln. Es ist vielmehr festzuhalten, dass sich deren Berichte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausführlich mit den bei den Akten liegenden medizinische n Unterlagen auseinandersetzen und eine schlüssige Kausalitätsbeurteilung vornehmen. 5.2 Was der Versicherte vorbringt, führt zu keiner an deren Beurteilung der strittigen Kausa- litätsfrage. Der Beschwerdeführer beruft sich im Wesentl ichen auf die Einschätzung von Dr. E.____, der in seinen bereits erwähnten Berichten vom 6. Februar 2015 und vom 18 Mai 2015, aber auch in seiner vom Versicherten im Rahmen d es vorliegenden Beschwerdeverfah- rens eingereichten Stellungnahme vom 8. Oktober 2015 das im MRI nachgewiesene Knochen- marködem in der Massa lateralis beidseits des Os sacrum als F olge des Unfalls vom 17. Okto- ber 2014 wertet. Diese Auffassung vermag jedoch nicht zu überzeugen. Ihr hauptsächlicher Mangel liegt darin, dass Dr. E.____ es weitgehend unterlässt, seinen Standpunkt zu begründen. Demgegenüber legt Dr. L.____, wie oben aufgezeigt, in ihrer Beurteilung nachvollziehbar und schlüssig dar, dass bei einem durch eine Kontusion verursach ten Knochenmarködem nicht ausschliesslich die ventralen, sondern die dorsalen Ante ile der Massa lateralis betroffen wären. Zudem sei es nicht möglich, dass eine Kontusion, welche zu e inem Bone bruise führe, die mitt- leren Knochenanteile ausspare und nur exakt die Massa lat eralis beidseits betreffe. Dieser überzeugenden Argumentation hält Dr. E.____ einzig en tgegen, dass ihm diese „konstruiert scheint“. Gründe für diese Einschätzung nennt er jedoch keine. Ebenso unterlässt er es - erneut im Gegensatz zu Dr. L.____ - gänzlich, differentialdiagn ostische Überlegungen zum durch die bildgebende Beurteilung nachgewiesenen Krankheitsbild anzustellen. Diesbezüglich führt Dr. L.____ - wiederum nachvollziehbar und schlüssig - aus, dass die bildgebend nachgewiese- nen Befunde absolut vereinbar seien mit einer Sakroil iitis. Auch könne davon ausgegangen werden, dass ein Bone bruise definitionsgemäss im MRI nach drei Monaten abheile. Ein persis- tierendes Knochenmarködem über diese Zeit hinaus zusamm en mit der typischen Lokalisation, welche für eine krankheitsbedingte Sakroiliitis spreche, weise auf eine nicht unfallkausale Ursa- che hin. Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Beschwerdeführ er schliesslich auch aus dem an- stelle einer Replik eingereichten Kurzbericht von Dr. F._ ___ vom 23. März 2016. Darin teilt die- ser mit, dass er sich nach Durchsicht aller Unterlagen d er Beurteilung von Dr. E.____ an- schliesse und dass er beim Patienten keine andere Ursache der Schmerzen sehe. Nachdem vorstehend aufgezeigt worden ist, dass die Ausführungen von Dr. E.____ nicht geeignet sind, auch nur geringe Zweifel an der Richtigkeit der Kaus alitätsbeurteilung von Dr. K.____ und ins- besondere an derjenigen von Dr. L.____ zu erwecken, mu ss dies selbstredend auch für das Schreiben von Dr. F.____ gelten, sieht dieser doch gänzlich von eigenen (zusätzlichen) Ausfüh- rungen zur Kausalitätsfrage ab und beschränkt sich stattde ssen darauf, sich der Einschätzung von Dr. E.____ anzuschliessen. 5.3 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so ist dem E ventualantrag des Beschwer- deführers, wonach angesichts der erheblichen Diskrepanzen in den spezialärztlichen Beurtei- lungen ein „Obergutachten“ in Auftrag zu geben sei, n icht stattzugeben. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind i m Rahmen dieses verfassungsmässi- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehme n, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pfli chtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverl ässiges Bild des relevanten Sach- verhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklär t ist, kann auf ein beantragtes Be- weismittel verzichtet werden. Die damit verbundene anti zipierte Beweiswürdigung ist nach kon- stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 1 41 I 64 E. 3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 6. Zusammenfassend ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen für die Folgen des Unfallereig nisses vom 17. Oktober 2014 per 24. Mai 2015 eingestellt hat. Die gegen den betreff enden Einspracheentscheid vom 11. Sep- tember 2015 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegr ündet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozess ausgang entsprechend wettzuschla- gen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht