Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 2. März 2022 (460 21 65) ____________________________________________________________________ Strafrecht Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl, Gefährdung des Lebens Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Ersatzrichterin Cornelia Friedli-Schuler, Richterin Helena Hess, Richter Dominique Steiner; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Allgemeine Delikte, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin Privatklägerschaft gegen A.____ vertreten durch Advokat Dr. Andreas Noll, Falknerstrasse 3, 4001 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl etc. (Berufung des Beschuldigten und Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 4. Dezember 2020) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.a Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 4. De zember 2020 wurde der Beschul- digte A.____ des gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls, der Gefährdung des Le- bens, der mehrfachen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen Sachbeschädigung schuldig erklärt und ‒ unter An- rechnung der vom 17. Oktober 2018 bis zum 5. April 201 9 ausgestandenen Untersuchungshaft und des seit dem 5. April 2019 bis zum 4. Dezember 2020 ausgestandenen vorzeitigen Straf- vollzugs von insgesamt 780 Tagen ‒ zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt; d ies in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1, Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB, Art. 129 StGB, Art. 186 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 94 Abs. 1 SVG sowie Art. 40 StGB, Ar t. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. Demgegenüber wurde A.____ in den Fäll en 4.40 bis 4.43, 5.47 und 5.48 der An- klage freigesprochen. Ausserdem wurde A.____ in solidari scher Verbindung mit B.____ zur Zahlung diverser Schadenersatzforderungen verurteilt. Weitere Schadenersatzforderungen wurden, soweit auf diese eingetreten wurde, abgewiese n oder auf den Zivilweg verwiesen (sie- he zum Ganzen Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdispo sitivs). Die A.____ betreffenden Ver- fahrenskosten, bestehend aus den Kosten seines Vorverf ahrens von CHF 37'303.53, den Kos- ten des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 1'350.-- und der hälftigen Gerichtsgebühr von CHF 7'500.--, gingen zufolge Teilfreispruchs und im Übrigen in Anwendung von Art. 425 StPO (i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO) sowie § 4 Abs. 3 GebT zu folge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. Das Honorar des amtlichen Verteidigers, Advokat Dr. Andreas Noll, wurde in der Höhe von CHF 27'558.30 genehmigt und zuzüglich des Honorar s für die Teilnahme an der Hauptver- handlung von CHF 1'023.15 im Umfang von total CHF 28'581.45 (wovon CHF 13'432.35 für den Aufwand vor Anklageerhebung sowie CHF 15'149.10 für den Aufwand danach) aus der Ge- richtskasse entrichtet. Auf die Begründung dieses Urteils so wie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. A.b Ebenfalls mit Urteil des Strafgerichts vom 4. Dezembe r 2020 wurde der Mitbeschuldigte B.____ des gewerbs- sowie teilweise bandenmässigen Diebsta hls, der Gehilfenschaft zur Ge- fährdung des Lebens, des mehrfachen Hausfriedensbruchs u nd der mehrfachen Sachbeschä- digung schuldig erklärt und ‒ unter Anrechnung der vom 27. März 2017 bis zum 4. Apr il 2017 ausgestandenen Auslieferungshaft, der am 4. November 20 13 ausgestandenen vorläufigen Festnahme sowie der vom 13. November 2018 bis zum 24. April 2019 ausgestandenen Unter- suchungshaft und des seit dem 24. April 2019 bis zum 4. Dezember 2020 ausgestandenen vor- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zeitigen Strafvollzugs von insgesamt 762 Tagen ‒ zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt; dies in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1, Z iff. 2 und Ziff. 3 StGB, Art. 129 StGB (i.V.m. Art. 25 StGB), Art. 186 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB s owie Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. Demgegenüber wurde B._ ___ im Fall 4.41 der Anklage freige- sprochen. Ausserdem wurde das Verfahren bezüglich mehrfac hen Hausfriedensbruchs und mehrfacher Sachbeschädigung in den Fällen 1.1 bis 1.6, 2.7 bis 2.34, 3.35 und 3.36 der Ankla- ge sowie betreffend Entwendung zum Gebrauch (eines Mo torfahrzeuges) in den Fällen 2.8, 2.10, 2.14, 2.18, 2.30 und 2.33 der Anklage aufgrund des Eintritts der Verjährung eingestellt. Ferner wurde B.____ in ausgewählten Fällen bei seiner Erklärung behaftet, Schadenersatz zu bezahlen. In weiteren Fällen wurde B.____ in solida rischer Verbindung mit A.____ zur Zahlung diverser Schadenersatzforderungen verurteilt. Teilweise wurden die Schadenersatzforderun- gen, soweit auf diese eingetreten wurde, abgewiesen o der auf den Zivilweg verwiesen (siehe zum Ganzen Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi tivs). Die B.____ betreffenden Verfah- renskosten, bestehend aus den Kosten seines Vorverfahrens von CHF 48'070.13, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 850.-- und der hälf tigen Gerichtsgebühr von CHF 7'500.--, gingen zufolge Teilfreispruchs und im Übrigen in Anwendung von Art. 425 StPO (i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO) sowie § 4 Abs. 3 GebT zu folge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates; dies nach Anrechnung des beschlagnahmten Barge ldbetrages in der Höhe von CHF 311.40 und USD 2.--. Das Honorar des amtlichen Ve rteidigers, Advokat Gioele Ballarino, wurde in der Höhe von CHF 26'676.20 genehmigt und zu züglich des Honorars für die Teilnah- me an der Hauptverhandlung von CHF 2'746.35 im Umfang von total CHF 29'422.55 (wovon CHF 10'412.25 für den Aufwand vor Anklageerhebung sow ie CHF 19'010.30 für den Aufwand danach) aus der Gerichtskasse entrichtet. B. Gegen das genannte Urteil vom 4. Dezember 2020 melde te der Beschuldigte A.____ mit Schreiben vom 14. Dezember 2020 die Berufung an. In se iner Berufungserklärung vom 29. März 2021 stellte A.____ sodann die folgenden Rec htsbegehren: Es sei das angefochtene Urteil in den Ziffern II.1, II.3, III.4 und III.6 d es Urteilsdispositivs vollumfänglich aufzuheben (Ziff. 1). Stattdessen seien sämtliche gegen den Berufu ngskläger geführten Strafverfahren ein- zustellen, eventualiter sei dieser von Schuld und Straf e freizusprechen (Ziff. 2). Zudem seien sämtliche Zivilforderungen abzuweisen, eventualiter seien diese auf den Zivilweg zu verweisen (Ziff. 3). Ausserdem sei dem Berufungskläger eine Haft entschädigung von CHF 250.-- pro Tag Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ab dem 17. Oktober 2018 zuzüglich Zins von 5 % gemäss mi ttlerem Verfall zuzusprechen (Ziff. 4); dies alles unter o/e Kostenfolge (Ziff. 5). Im Sinne von Verfahrensanträgen wurde be- gehrt, es sei dem Berufungskläger die amtliche Verteid igung für das zweitinstanzliche Verfah- ren zu bewilligen (Ziff. 6), es sei ihm eine angemessene Frist zur schriftlichen Berufungsbe- gründung anzusetzen (Ziff. 7), und es sei ihm Gelegenh eit zu geben, auf eine allfällige Beru- fungsantwort zu replizieren (Ziff. 8). Mit Eingabe vo m 1. April 2021 beantragte der Beschuldigte ferner, es sei das schriftlich begründete Urteil des Str afgerichts vom 4. Dezember 2020 voll- ständig ins Albanische, eventualiter ins Italienische un d subeventualiter ins Französische, zu übersetzen. Mit weiterer Eingabe vom 18. Juli 2021 tei lte der Beschuldigte unter Verweis auf seine bereits vor der Vorinstanz vorgetragenen Einwände mit, dass er sich ausserstande sehe, eine substantiierte Berufungsbegründung einzureichen. Gleichzeitig begehrte er die Einholung eines Rechtsgutachtens beim Schweizerischen Institut für Re chtsvergleichung zur Frage, ob gemäss französischem Recht und Rechtsprechung ausländische Ur teile, insbesondere aus Ländern der EU und der Schweiz, im Rahmen der retrospe ktiven Konkurrenz Berücksichtigung finden oder nicht. C. Gleichermassen meldete der Mitbeschuldigte B.____ mit S chreiben vom 14. Dezember 2020 die Berufung an und begehrte sodann in seiner B erufungserklärung vom 26. März 2021 Folgendes: In teilweiser Aufhebung des Urteils des Strafgerichts vom 4. Dezember 2020 sei der Berufungskläger von sämtlichen Vorwürfen in den Fällen 2.30, 6.56 bis 6.58, 6.68 bis 6.72, 6.75, 6.76, 6.80, 6.81 und 6.82 der Anklage sowie vom Vorwurf des Diebstahls eines Fahrzeu- ges bzw. der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebr auch in den Fällen 6.61, 6.66, 6.73 und 6.78 der Anklage vollumfänglich und kostenlos freizu sprechen (Ziff. 1). In teilweiser Aufhe- bung bzw. Abänderung des angefochtenen Urteils sei der Berufungskläger in den Fällen 1.1, 2.11, 2.12, 2.23, 2.28, 2.29, 2.31, 4.39, 6.60, 6.6 4, 6.74 und 6.77 der Anklage des versuchten gewerbsmässigen, teilweise bandenmässigen Diebstahls schuldig zu erklären (Ziff. 2). In Bestä- tigung des angefochtenen Urteils seien die Verfahren bezüglich mehrfachen Hausfriedens- bruchs und mehrfacher Sachbeschädigung in den Fällen 1.1 bis 1.6, 2.7 bis 2.34, 3.35 und 3.36 der Anklage sowie betreffend Entwendung zum Gebrauch (eines Motorfahrzeuges) in den Fäl- len 2.8, 2.10, 2.14, 2.18, 2.30 und 2.33 zufolge Ei ntritts der Verjährung einzustellen (Ziff. 3). Ebenfalls in Bestätigung des Urteils des Strafgerichts vom 4. Dezember 2020 sei der Beru- fungskläger überdies im Fall 4.41 der Anklage freizuspre chen (Ziff. 4). Im Übrigen sei er in Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht stätigung des angefochtenen Urteils des gewerbsmässigen, t eilweise bandenmässigen Dieb- stahls, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der mehrf achen Sachbeschädigung schuldig zu erklären (Ziff. 5). Des Weiteren sei er in teilweise r Abänderung von Ziff. I.1 des angefochte- nen Urteils zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von ma ximal 16 Monaten zu verurteilen. Even- tualiter, für den Fall der Bildung einer Gesamtstraf e, sei der Berufungskläger zu einer Gesamt- strafe von maximal 64 Monaten zu verurteilen, unter An rechnung der in Frankreich ausgestan- denen Haft von vier Jahren, der vom 27. März 2017 bis zum 4. April 2017 ausgestandenen Aus- lieferungshaft von neun Tagen, der am 4. November 20 13 ausgestandenen vorläufigen Fest- nahme von einem Tag, der vom 13. November 2018 bis zu m 24. April 2019 ausgestandenen Untersuchungshaft sowie des seit dem 24. April 2019 ausgestandenen vorzeitigen Strafvollzugs (Ziff. 6). Für die seit dem 13. März 2020 in Haft verbrachten Tage sei dem Berufungskläger eine Entschädigung von CHF 125.-- pro Tag auszurichten (Zif f. 7). Ferner seien in teilweiser Abän- derung von Ziff. III. des strafgerichtlichen Urteils folgende gegen den Berufungskläger geltend gemachte Zivilklagen mangels Substantiierung oder Bezifferung auf den Zivilweg zu verweisen, eventualiter seien diese dem Grundsatz nach gutzuheissen un d bezüglich deren Höhe auf den Zivilweg zu verweisen: Ziff. 1.2, 1.4, 2.8, 2.9, 2.10, 2.13, 4.37, 4.39, 4.40 und 4.43 (Ziff. 8). Aus- serdem seien in teilweiser Abänderung von Ziff. III. d es Urteils des Strafgerichts vom 4. De- zember 2020 folgende gegen den Berufungskläger geltend gemachte, teilweise unbezifferte Zivilklagen vollumfänglich abzuweisen: Ziff. 1.5, 2.11, 2 .15, 2.17, 2.19, 2.20, 2.24, 2.25, 2.30, 3.36, 4.38, 6.58, 6.63, 6.64, 6.69, 6.70, 6.71, 6.7 2, 6.76, 6.79a, 6.81 sowie 6.83 (Ziff. 9). Ent- sprechend dem Ausgang des Verfahrens seien die Verfahre nskosten sowie die Urteilsgebühr der ersten Instanz angemessen zu reduzieren, und es sei zufo lge Teilfreispruchs und Unein- bringlichkeit auf eine Rückerstattung der ordentlichen u nd ausserordentlichen Kosten zu ver- zichten (Ziff. 10). Im Übrigen seien die den Berufung skläger betreffenden Erkenntnisse des vo- rinstanzlichen Urteils zu bestätigen (Ziff. 11). Dies al les unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates, wobei dem Berufungskläger auch für das Berufungsverfahren die amtli- che Verteidigung zu bewilligen sei (Ziff. 12). Im Sinn e von Verfahrensanträgen wurde zudem begehrt, es sei dem Berufungskläger eine Kopie des Proto kolls der erstinstanzlichen Hauptver- handlung zur Einsichtnahme zuzustellen (Ziff. 13) sowie es sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung der schriftlichen Berufungsbegründung einzur äumen (Ziff. 14). In seiner Beru- fungsbegründung vom 26. Juli 2021 hielt der Mitbeschuld igte B.____ im Wesentlichen an sei- nen bereits in der Berufungserklärung gestellten Antr ägen fest. In der Folge zog er allerdings Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Eingabe vom 7. Januar 2022 seine Berufung zurück. E ntsprechend wurde das Berufungs- verfahren vor dem Kantonsgericht betreffend den Mitbesc huldigten B.____ zufolge Rückzugs der Berufung (und Dahinfallens der entsprechenden An schlussberufung der Staatsanwalt- schaft) mit Beschluss vom 31. März 2022 als erledigt abges chrieben und es wurde erkannt, dass das diesbezügliche Urteil des Strafgerichts vom 4. De zember 2020 per Urteilstag in Rechtskraft erwachsen ist. D. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine H auptabteilung (neu: Hauptabtei- lung Allgemeine Delikte), erklärte ihrerseits mit Eing abe vom 8. April 2021 die Anschlussberu- fung und beantragte dabei in Bezug auf den Beschuldi gten A.____ was folgt: Es sei dieser in teilweiser Abänderung von Ziff. II.1 des angefochtenen Urteils des mehrfachen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, der Gefährdung des Lebens, der mehrfachen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch, des mehrfachen Hausfried ensbruchs sowie der mehrfachen Sachbeschädigung schuldig zu sprechen (Ziff. 1). Ausserd em sei der Beschuldigte in Aufhe- bung von Ziff. II.2 des angefochtenen Urteils in den Fällen 4.40 bis 4.43, 5.47 und 5.48 der An- klage schuldig zu sprechen (Ziff. 2). Sodann sei er in A bänderung von Ziff. II.1 des angefochte- nen Urteils zu einer Freiheitsstrafe von mindestens neu neinhalb Jahren zu verurteilen (Ziff. 3). Im Übrigen sei das angefochtene Urteil zu bestätigen ( Ziff. 4). Mit Datum vom 11. Juni 2021 reichte die Staatsanwaltschaft ihre Anschlussberufungsb egründung ein, in welcher sie vollum- fänglich an ihren bereits gestellten Anträgen festhielt. E. Der Beschuldigte A.____ wiederum begehrte in seiner Stellungnahme vom 30. August 2021 zur Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, es sei auf diese nicht einzutreten. Mit wei- terer Eingabe vom 3. November 2021 nahm der Beschuldigte zudem Stellung zur Berufungsan- twort der Staatsanwaltschaft, ohne jedoch spezifische Antr äge zu stellen. Schliesslich stellte er mit Eingabe vom 20. Januar 2022 das Begehren, es sei be i dem mit der Fallführung des Beru- fungsklägers Beauftragten der Strafvollzugsanstalt Thorberg ein Vollzugsbericht einzuholen. F. Demgegenüber beantragte die Staatsanwaltschaft in i hrer Berufungsantwort vom 30. August 2021, es sei die Berufung des Beschuldigten A .____ in Gutheissung ihrer eigenen Anschlussberufung vollumfänglich abzuweisen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts B asel-Landschaft, Abteilung Straf- recht, vom 7. April 2021 wurde der Antrag des Beschuldigten A.____ vom 1. April 2021, wonach das schriftlich begründete Urteil des Strafgerichts Basel -Landschaft vom 4. Dezember 2020 vollständig ins Albanische, eventualiter ins Italienische , subeventualiter ins Französische, zu übersetzen sei, abgewiesen. Mit weiterer Verfügung vom 10. Mai 2021 wurde festgestellt, dass die Privatklägerschaft innert 20-tägiger Frist seit Zuste llung der Berufungserklärungen der bei- den Beschuldigten weder Antrag auf Nichteintreten gestellt noch Anschlussberufung erklärt hat. Mit nämlicher Verfügung wurde zudem dem Beschuldigten A .____ die amtliche Verteidigung durch seinen Rechtsvertreter im Berufungsverfahren gewährt, und es wurde diesem in Gutheis- sung dessen Antrags ein Replikrecht hinsichtlich einer allf älligen Berufungsantwort der Staats- anwaltschaft gewährt. Mit Verfügung vom 9. November 2021 wurde der Antrag des Beschuldig- ten A.____, es sei beim Schweizerischen Institut für Rech tsvergleichung ein Rechtsgutachten zur Frage einzuholen, ob gemäss französischem Recht und Re chtsprechung ausländische Ur- teile, insbesondere aus Ländern der EU und der Schweiz , im Rahmen der retrospektiven Kon- kurrenz Berücksichtigung finden oder nicht, abgewiesen. Gl eichzeitig wurde verfügt, dass über den Beschuldigten zeitnah zur Hauptverhandlung bei der entsprechenden Justizvollzugsanstalt ein aktueller Führungsbericht eingeholt wird. Sodann wurde mit Verfügung vom 10. Januar 2022 festgestellt, dass der Mitbeschuldigte B.____ seine B erufung zurückgezogen hat (vgl. oben E. C. in fine). Schliesslich wurde wie angekündig t mit Verfügung vom 21. Januar 2022 bei der Justizvollzugsanstalt Thorberg ein aktueller Vollzugsber icht betreffend den Beschuldigten A.____ eingeholt. Dieser vom 17. Februar 2022 datier ende Bericht wurde dem Kantonsgericht am 21. Februar 2022 eingereicht. H. Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 28. Februar 2022 sind der Beschuldigte A.____ mit seinem Rechtsvertreter Dr. Andreas Noll sowie Sandra Altherr als Ver- treterin der Staatsanwaltschaft anwesend. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausführun- gen wird wiederum, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegan- gen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formalien, Verfahrensgegenstand und Beweisanträg e 1.1 Formalien a) Die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beru- fungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsmitt el ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit li t. b EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einsc hliesslich Überschreitung und Miss- brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtene n Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnu ng des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des be- gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung e inzureichen. Die Anschlussberufung ist Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO folgend innerhalb von 20 Tagen seit Empfang der Berufungserklä- rung schriftlich zu erklären. Die Legitimation der Sta atsanwaltschaft zur Ergreifung des Rechts- mittels wird in Art. 381 Abs. 1 StPO und diejenige de s Beschuldigten in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Nachdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt, sowohl der Beschuldigte A.____ als auch die Staatsanwalt schaft berufungs- bzw. anschlussbe- rufungslegitimiert sind, zulässige Rügen erheben und di e Rechtsmittelfristen gewahrt haben sowie der Erklärungspflicht nachgekommen sind, ist im Fol genden ohne Weiteres auf die Rechtsmittel (Berufung des Beschuldigten sowie Anschlussber ufung der Staatsanwaltschaft) einzutreten. b) Explizit nicht zu folgen ist damit der Ansicht des Beschu ldigten A.____, wonach auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft mangels Rechtsschut zinteresses nicht einzutreten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei, nachdem diese vor Strafgericht ein tieferes Strafm ass beantragt habe als letztlich von den Vorderrichtern ausgesprochen worden sei. Abgesehen da von, dass in casu die Staatsanwalt- schaft in den Fällen 4.40 bis 4.43, 5.47 und 5.48 zusä tzliche Schuldsprüche begehrt und dar- über hinaus eine Verurteilung wegen mehrfachen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls anstrebt, liegt bei ihr entgegen den Ausführungen de s Berufungsklägers praxisgemäss immer eine Beschwer vor, wenn der Verdacht besteht, ein Entsc heid verletze materielles oder formel- les Strafrecht; im Übrigen ist angesichts des Wortlautes der einschlägigen Bestimmung von Art. 381 Abs. 1 StPO (im Gegensatz zu Art. 382 Abs. 1 StPO, wonach ein rechtlich geschütztes Interesse der übrigen Parteien vorausgesetzt wird) die Ankläge rin von vornherein vom Erfor- dernis der Beschwer befreit (vgl. M ARTIN ZIEGLER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 20 14, N 2 zu Art. 381 StPO, mit Hin- weisen). Die Staatsanwaltschaft ist überdies im Berufun gsverfahren nicht an ihre vor erster In- stanz vertretenen Standpunkte oder Anträge gebunden, w ie auch die Rechtsmittelinstanz das angefochtene Urteil ohne Bindung an die Rechtsmittel anträge abändern kann (V IKTOR LIEBER , in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3 . Auflage, Zürich / Basel / Genf 2019, N 2 zu Art. 381 StPO, mit Hinweisen). 1.2 Verfahrensgegenstand a) Gegen das erstinstanzliche Urteil hat sowohl der Beschuld igte A.____ als auch die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel ergriffen. Dabei b eantragt der Beschuldigte laut seiner Be- rufungserklärung vom 29. März 2021 die vollumfängliche Aufhebung des angefochtenen Urteils, die Einstellung sämtlicher gegen ihn geführter Strafver fahren, eventualiter die Freisprechung von Schuld und Strafe, sowie die Abweisung sämtlicher Zivilforderungen, eventualiter deren Verweisung auf den Zivilweg. Abweichend hiervon hat de r Berufungskläger anlässlich der Par- teiverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 28. Februar 2022 den Gegenstand seiner Beru- fung gestützt auf ein von ihm eingereichtes Schreiben, da tierend vom 22. Februar 2022, in wel- chem er anerkennt, Einbruchsdiebstähle begangen zu haben , wobei er ausdrücklich dem Ge- richt die Beurteilung überlässt, für wie viele Delikte er schuldig zu sprechen sei, eingeschränkt (vgl. hierzu im Detail unten E. 2.1.c). Diese Zugestän dnisse sind nachfolgend bei der konkreten Würdigung der einzelnen Delikte zu berücksichtigen (vgl. unten E. 4). Die Staatsanwaltschaft begehrt demgegenüber in ihrer Anschlussberufung vom 8. April 2021 in teilweiser Abänderung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht des angefochtenen Urteils eine Verurteilung wegen mehrfachen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, Gefährdung des Lebens, mehrfacher Entwendu ng eines Motorfahrzeuges zum Ge- brauch, mehrfachen Hausfriedensbruchs und mehrfacher Sachbeschädigung, ein zusätzlicher Schuldspruch in den Fällen 4.40 bis 4.43, 5.47 und 5.48 der Anklage sowie eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens neuneinhalb Jahren. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO über- prüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Gestützt auf die Rechtsbegehren der Parteien ist das angefochtene Urteil grundsätzlich ‒ mit Ausnahme der vor Kantonsgericht zugestandenen Han dlungen ‒ voll- umfänglich zu überprüfen, allerdings mit nachfolgenden Einschränkungen: b) Namentlich nicht mehr zu prüfen sind die Festlegung d er Entschädigung an den amtlichen Verteidiger des Beschuldigten A.____ (Dispositiv-Ziff. I I.4), die Anordnung, wonach sämtliche im vorliegenden Verfahren forensisch gesicherten Daten, w elche sich unter der GK-Nummer 1.____ bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-Forensik, b efinden, nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht werden (Dispositiv-Ziff. III.1), diejenige, wonach die gegen A.____ ge- stellten Zivilforderungen abgewiesen werden bzw. auf si e nicht eingetreten wird oder sie auf den Zivilweg verwiesen werden (Dispositiv-Ziff. III.5, I II.7, III.8, III.9 und III.10), sowie schliess- lich sämtliche Bestimmungen, welche sich mit dem Mitbeschuldigten B.____ befassen (Disposi- tiv-Ziff. I.1 bis I.6, III.2 und III.3). 1.3 Beweisanträge a) Anlässlich der Parteiverhandlung vom 28. Februar 2022 begehrt der Beschuldigte A.____, dass sein im Gericht anwesender Vater zu befragen sei u nd sich dieser zur Person des Beru- fungsklägers äussern könne. Dieser Antrag wird vom Kantonsgericht abgewiesen, was sich wie folgt begründet: b) Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Strafverfolgung sbehörden von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen abklären (Art. 6 Abs. 1 StPO), gilt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch für die Gerichte (BGE 147 IV 409 E. 5.3.1; BGer 6B_288/2015 vom 15. Oktober 2015 E.1.3.2, mit Hinweisen). Das Rechtsmittelverfahren beruht indessen gestützt auf Ar t. 389 Abs. 1 StPO generell auf den- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht jenigen Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstan zlichen Hauptverfahren erhoben wor- den sind. Gemäss Abs. 2 von Art. 389 StPO werden Beweis abnahmen des erstinstanzlichen Gerichts nur wiederholt, wenn: Beweisvorschriften verle tzt worden sind (lit. a), die Beweiserhe- bungen unvollständig gewesen sind (lit. b) bzw. die Akten über die Beweiserhebungen unzuver- lässig erscheinen (lit. c). In Anwendung von Art. 389 Ab s. 3 StPO erhebt die Rechtsmitte- linstanz von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise. Dem Wortlaut nach beschränkt sich die zusätzliche Beweiser hebung lediglich auf Beweise, die erforderlich sind. Beweise sind notwendig, wenn sie den Ausgang des Verfahrens beeinflussen könnten (BGE 147 IV 409 E. 5.3.2; BGer 6B_288/2015 v om 15. Oktober 2015 E. 1.3.1, mit Hinweisen). Über Tatsachen, die unerheblich, offenkund ig, der Strafbehörde bekannt oder be- reits rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht Beweis ge führt (Art. 139 Abs. 2 StPO). Der Un- tersuchungsgrundsatz verpflichtet das Gericht nicht, Beweiserhebungen vorzunehmen, wenn es sich aufgrund der bereits erhobenen Beweise seine Überze ugung gebildet hat und in vorweg- genommener Beweiswürdigung annehmen darf, dass die zusätzlichen Beweise nichts an seiner Überzeugung zu ändern vermöchten (BGE 136 I 229 E. 5. 3; BGer 6B_1221/2014 vom 4. Juni 2015 E. 4.4.2; je mit Hinweisen). Vorliegend wird we der dargelegt noch wäre ersichtlich, inwie- fern der Vater des Beschuldigten in irgendeiner Form für den in casu zu fällenden Entscheid massgebliche und sich nicht bereits aus den Akten ergebende Erkenntnisse zu Protokoll geben könnte. 2. Ausführungen der Parteien 2.1 Beschuldigter A.____ (...) 2.2 Staatsanwaltschaft (...) Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Verfahrensgrundsätze, Beweiswürdigung und Sachver halt 3.1 Verfahrensgrundsätze (...) 3.2 Beweiswürdigung (...) 3.3 Sachverhalt Im Hinblick auf die tatsächliche Ermittlung des massgeblichen Sachverhalts wird ‒ unter Beach- tung der vorgängig dargelegten Maxime "in dubio pro r eo" ‒ gestützt auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 21. Januar 2020 und grundsätzlich dem systematischen Aufbau des angefochtenen Urteils und den Erwägungen des Strafgerichts folgend bei der spezifischen Prü- fung der konkreten Anklagepunkte ‒ soweit erforderlich unter Würdigung der diesbezüglich en Darlegungen der Parteien ‒ im Einzelnen auf die rechtserheblichen Beweise und Ind izien ein- gegangen. 4. Banden- und gewerbsmässiger Diebstahl 4.1 Vorbemerkungen a) Die Vorinstanz hat den Beschuldigten A.____ in Bezug auf die Fälle 4.37 bis 4.39, 5.44 bis 5.46, 5.49 bis 5.55 sowie 6.56 bis 6.81 und 6.83 gemäss den Ziffern 4, 5 und 6 der Anklage- schrift des gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls schuldig erklärt. Demgegenüber haben die Vorderrichter den Beschuldigten A.____ im H inblick auf die Fälle 4.40 bis 4.43, 5.47 und 5.48 gemäss den Ziffern 4 und 5 der Anklageschrift von den entsprechenden Vorwürfen freigesprochen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Der Berufungskläger hat zunächst in seinen schriftlichen Eingaben hinsichtlich sämtlicher Fälle eine Einstellung des Verfahrens bzw. einen vollumf änglichen Freispruch von den diesbe- züglichen Vorwürfen begehrt. Hiervon abweichend hat der Beschuldigte im Rahmen der Partei- verhandlung vor dem Kantonsgericht vom 28. Februar 2022 ausdrücklich zugestanden, in den Fällen 5.44, 5.45, 5.50, 5.52 bis 5.54, 6.59, 6.71, 6.72 und 6.83 schuldig zu sein. Im Hinblick auf die genannten Fälle ist folglich davon auszugehen, dass der entsprechende Sachverhalt ge- mäss Anklageschrift ohne Weiteres erstellt ist. Von der Berufung des Beschuldigten erfasst sind bezüglich des rubrizierten Anklagepunktes demnach nur n och die Fälle 4.37 bis 4.39, 5.46, 5.49, 5.51, 5.55 bis 5.58, 6.60 bis 6.70 und 6.73 bis 6.81. c) Die Staatsanwaltschaft wiederum beantragt zusätzlich zu den erstinstanzlichen Schuldsprüchen eine Verurteilung in den Fällen 4.40 bi s 4.43 sowie 5.47 und 5.48, eine Verur- teilung wegen Bandenmässigkeit in den Fällen 5.44 bis 5.55 sowie insgesamt ein Schuldspruch wegen mehrfacher banden- und gewerbsmässiger Tatbegehung. 4.2 Theoretische Erwägungen a) Gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen anderen damit unrechtmässig zu bereichern. Nach Ziff. 2 von Art. 139 StGB wird der Dieb mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe ni cht unter 90 Tagessätzen bestraft, wenn er gewerbsmässig stiehlt. Schliesslich wird der Dieb mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen bestraft, wenn er den Diebstahl als Mitglied einer Bande ausführt, die sich zur fortgesetzten Verübung von R aub oder Diebstahl zusammenge- funden hat (Art. 139 Ziff. 3 al. 1 und al. 2 StGB). Als Tatobjekt kommen nur fremde, bewegliche Sachen in Frage. Die Tathandlung besteht in der Wegn ahme, d.h. im Bruch fremden Gewahr- sams und in der Begründung eines neuen, in der Regel eigenen Gewahrsams. Auf der subjekti- ven Seite ist Vorsatz vorausgesetzt, welcher sich auf alle objektiven Tatbestandselemente be- ziehen muss, d.h. auf die Fremdheit der Sache sowie den Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams. Neben dem Vorsatz gefordert ist zudem die Absicht, sich die Sache anzu- eignen. Aneignungsabsicht meint dolus directus erstes Grad es, also das eigentliche Hand- lungsziel des Täters. Schliesslich fordert Art. 139 StGB a uch die Absicht unrechtmässiger Be- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht reicherung, mithin ist wiederum dolus directus ersten Gr ades gemeint (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI / CHRISTOF RIEDO , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Ba sel, 2019, N 14 ff. und N 67 ff. zu Art. 139 StGB, mit Hinweisen). b) Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eine s Verbrechens oder Vergehens be- gonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende od er tritt der zur Vollendung der Tat gehören- de Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten , so kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Nach dem Wortlaut der Norm mu ss der Täter mit der Ausführung der Tat begonnen haben. Dies erfordert implizit, dass er zuvor ei nen auf ihre Begehung gerichteten Entschluss gefasst hat. Vom vollendeten Delikt unterscheid et sich der Versuch dadurch, dass der objektive Tatbestand nur zum Teil verwirklicht wird, während der subjektive Tatbestand hier wie dort erfüllt sein muss. Zum Tatentschluss gehört stet s der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. Erfordert der Tatbestand zusätzlich subjektive Un rechtsmerkmale, so müssen nach einhelliger Auffassung auch sie gegeben sein. Gemäss de r Praxis des Bundesgerichts wird zum Beginn der Ausführung jede Tätigkeit gerechnet, d ie nach dem Plan, den sich der Täter gemacht hat, auf dem Weg zum Erfolg den letzten entscheidenden Schritt darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen ä usserer Umstände, die eine Weiterver- folgung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1; M ARCEL ALEXANDER N IGGLI / STEFAN MAEDER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Base l 2019, N 1 ff. zu Art. 22 StGB, mit Hinweisen). c) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. zum Gan zen BGer 6B_286/2011 vom 29. August 2011 E. 1.4) liegt Bandenmässigkeit vor, wenn sich zwei oder mehrere Täter mit dem ausdrücklich oder konkludent geäusserten Willen zusammen finden, inskünftig zur Ver- übung mehrerer selbstständiger, im Einzelnen möglicher weise noch unbestimmter Straftaten zusammenzuwirken. Dieser Zusammenschluss ist es, der den Einze lnen psychisch und phy- sisch stärkt, ihn deshalb besonders gefährlich macht und die Begehung von weiteren solchen Straftaten voraussehen lässt. Das Qualifikationsmerkmal d er Bande setzt gewisse Mindestan- sätze einer Organisation, etwa Rollen- oder Arbeitsteil ung, und eine Intensität des Zusammen- wirkens in einem Masse voraus, dass von einem stabilen Team gesprochen werden kann, auch wenn dieses nur kurzlebig ist. Ist demgegenüber schon die Zusammenarbeit derart locker, dass von Anfang an bloss ein loser und damit völlig unbeständiger Zusammenhalt besteht, liegt keine Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bande vor (BGE 135 IV 158 E. 2, mit Hinweisen). Hat d er Täter die Tatsachen, aus denen das Gericht den Schluss auf bandenmässige Tatbegehung zieht, gekannt und gewollt, ist der Vor- satz zu bejahen. Bandenmässigkeit ist erst anzunehmen, wen n der Wille der Täter auf die ge- meinsame Verübung einer Mehrzahl von Delikten gerichtet ist (BGE 124 IV 286 E. 2a, mit Hin- weis). Der Täter muss sich des Zusammenschlusses und der Z ielrichtung der Bande zur Ver- übung mehrerer selbstständiger, im Einzelnen möglicher weise noch unbestimmter Straftaten bewusst sein. Er muss die Tatumstände kennen, welche die Bandenmässigkeit begründen, und diese wollen; dolus eventualis genügt (BGer 6B_861/2009 vom 18. Februar 2010 E. 3.1; NIGGLI / RIEDO , a.a.O., N 118 ff. zu Art. 139 StGB, mit Hinweisen). d) Für die Umschreibung der Gewerbsmässigkeit geht die neu ere bundesgerichtliche Recht- sprechung vom Begriff des berufsmässigen Handelns aus. Der Täter handelt gewerbsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Z eitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufes ausübt. Diese abstrakte Umschreibung hat Richtlinienfun ktion. Die Einnahmequelle braucht nicht den hauptsächlichen oder regelmässigen Erwerb zu bi lden. Eine nebenberufliche delikti- sche Tätigkeit kann als Voraussetzung für Gewerbsmässigkeit genügen, weil auch in diesem Fall die erforderliche soziale Gefährlichkeit gegeben sein kann. Wesentlich ist ausserdem, dass der Täter sich darauf einrichtet, durch sein deliktisches H andeln relativ regelmässige Einnah- men zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die K osten seiner Lebensgestaltung darstel- len. Zudem muss er die Tat bereits mehrfach begangen ha ben und es muss aus den gesamten Umständen geschlossen werden, er sei zu einer Vielzahl unter den entsprechenden Tatbestand fallender Handlungen bereit gewesen (BGE 129 IV 188 E. 3.1.2; 129 IV 253 E. 2.2; 119 IV 129 E. 3a; BGer 6B_1214/2019 vom 1. Mai 2020 E. 3.3; 6B_ 976/2015 vom 27. September 2016 E. 10.3.2; 6B_1192/2014 vom 24. April 2015 E. 3.2; j e mit Hinweisen; N IGGLI / RIEDO , a.a.O., N 89 ff. zu Art. 139 StGB, mit Hinweisen). 4.3 Allgemeines zu den Beweisen a) Der Beschuldigte A.____ hat im Verlaufe der Vorunte rsuchung (Einvernahme vom 8. Ja- nuar 2019 [act. 4319 ff.] und vom 6. Februar 2019 [ act. 4443 ff.]), nachdem ihm betreffend die Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einbruchsdiebstähle alle Einzelfälle vorgehalten worde n sind, eingeräumt, schuldig zu sein, gleichzeitig hat er allerdings bestritten, für diejen ige Anzahl von Delikten verantwortlich zu sein, wie sie ihm vorgehalten worden ist (act. 4545). Er hat bereits früh in der Untersuchung in gene- reller Weise zugestanden, kein Engel zu sein, sich aber dagegen gewehrt, über 80 Einbruchs- diebstähle in der Schweiz begangen zu haben (act. 4257 , 4385, 4459). Anerkannt hat A.____, mindestens ein Auto gestohlen zu haben (act. 4259), sow ie zu wissen, dass er Spuren hinter- lassen habe (act. 4265) und er kein Profi sei (act. 424 3, 4259). Ausserdem hat er zu Protokoll gegeben, die Verantwortung für seine Fälle übernehm en zu wollen (act. 4297). So sei er im Jahr 2014 in einem Fall mit E.____ unterwegs gewesen, D.____ und der Mitbeschuldigte B.____ seien jedoch nicht dabei gewesen (act. 4471). Im Wesentlichen jedoch hat der Beschul- digte A.____ die Aussage verweigert. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht hat der Beschuldigte ferner ausgeführt, zusammen mit dem Mitbeschuldigten B.____ in der Schweiz nicht mehr als vier Mal Einbrüche und überdies al leine bzw. mit E.____ ca. zwei Mal Einbrüche verübt zu haben. Zudem hat er eingeräumt, au ch mit D.____ in der Schweiz Einbrü- che begangen zu haben (act. S 507 f.). Somit ist hinsich tlich des Beschuldigten A.____ zwar eine grundsätzliche Geständigkeit bezüglich der ihm zur La st gelegten Tathandlungen zu kon- statieren, wobei er aber tatsächlich lediglich einen ko nkreten Einbruchsdiebstahl (Fall 5.54, act. 4293 ff.) anerkannt und in Bezug auf die übrigen vorgehaltenen Einzelfälle entweder von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht oder ang egeben hat, sich nicht mehr erinnern zu können. Gleichermassen hat der Beschuldigte A.____ im Rahmen des Berufungs- verfahrens sowohl in seinem persönlichen Schreiben vom 22. Februar 2022 als auch anlässlich der Befragung durch das Kantonsgericht grundsätzlich ei ngestanden, Einbruchsdiebstähle be- gangen zu haben, gleichzeitig hat er aber kein einzige s konkretes Delikt zugegeben, sondern es vielmehr der Würdigung des Kantonsgerichts überlassen, in welchen Fällen er schuldig zu sprechen sei (Protokoll KG S. 7 ff., insbesondere S. 11). Der Rechtsvertreter des Beschuldigten A.____ hat dessen allgemein gehaltenes Geständnis dahing ehend spezifiziert, dass dieser in den Fällen 5.44, 5.45, 5.50, 5.52 bis 5.54, 6.59, 6.71, 6.72 und 6.83 anklagegemäss schuldig zu sprechen sei. b) aa) Der Mitbeschuldigte B.____ hat in der Voruntersuchung (Einvernahmen vom 6. Dezember 2018 [act. 3829 ff.], vom 17. Dezember 2018 [act. 389 3 ff.], vom 31. Januar 2019 [act. 4015 ff.] Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie vom 13. Februar 2019 [act. 4145 ff.]) die ihm vo rgeworfenen Tathandlungen weitgehend eingeräumt und dabei auch Drittpersonen, namentlich de n Beschuldigten A.____, belastet, mit welchem er im Jahr 2014 zahlreiche Einbruchsdiebstähle b egangen habe (act. 3369 bis 3775, 3829 bis 4209, 4553 ff.). Vor dem Strafgericht hat er seine Geständnisse grösstenteils bestätigt, jedoch die Beteiligung des Beschuldigten A.____ an de n Einbruchsdiebstählen teilweise etwas relativiert (act. S 503 ff.). Wie bereits vorgängig er wähnt, hat auch der Beschuldigte A.____ zu- gestanden, mit dem Mitbeschuldigten B.____ in der Schw eiz Einbrüche verübt zu haben. Die Aussagen des Mitbeschuldigten B.____ werden sodann teil weise durch objektive Indizien ge- stützt, wie beispielsweise an den Tatorten bzw. in den entwendeten Fahrzeugen aufgefundene DNA-Spuren der Täterschaft (vgl. die nachfolgend beurt eilten Einzelfälle E. 4.4 ff.). Weiter wer- den die Geständnisse des Mitbeschuldigten B.____ durch sei ne polizeiliche Anhaltung (in den Fällen 3.35 und 3.36) sowie durch Bilder einer Überwa chungskamera (Fall 6.59) erhärtet. Zu- dem weisen sowohl der Beschuldigte A.____ wie auch de r Mitbeschuldigte B.____ je zwei Ver- urteilungen in Frankreich für gemeinsam verübte Einb ruchsdiebstähle, welche teilweise im glei- chen Zeitraum wie die vorliegend zu beurteilenden begangen worden sind, auf (act. 73 ff., 97 ff., 175 ff., 199 ff.). Des Weiteren ist festzustellen, dass d er Mitbeschuldigte B.____, welcher sich selbst nie als blossen Mitläufer bezeichnet hat, mit sein en Aussagen primär sich selbst belastet und mit Ausnahme der Fälle gemäss Ziffer 5 der Anklage, worauf in der Folge in Bezug auf sei- ne Person das diesbezügliche Verfahren eingestellt word en ist (act. 11433 ff.), seine Beteili- gung nie abgestritten hat. Bemerkenswert ist ferner, da ss die Aussagen des Mitbeschuldigten B.____ zahlreiche Realkriterien aufweisen; so hat dieser in Einzelfällen auch unwichtige Details zu schildern vermocht, soweit er über eine konkrete Erinn erung verfügt hat (wie etwa, dass der gestohlene und später getrunkene Wein sehr gut gewesen sei [act. 4125]). Ausserdem hat er Tatbeteiligte nie über Gebühr belastet, sondern vielm ehr insbesondere den Beschuldigten A.____ bezüglich der vorgeworfenen, im Jahr 2013 be gangenen Delikte insofern massgeblich entlastet, als er angegeben hat, dass dieser erst im N ovember 2013 von Albanien nach Frank- reich gekommen sei und er ihn erst dann kennengelernt habe (act. 3837). Im Ergebnis ist damit grundsätzlich von einer hohen Glaubhaftigkeit der Aussag en des Mitbeschuldigten B.____ aus- zugehen. bb) lm Rahmen seiner überaus glaubhaften Erstaussagen hat der Mitbeschuldigte B.____ angegeben, die im Jahr 2014 verübten Einbruchsdiebstä hle mit dem Beschuldigten A.____ be- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht gangen zu haben (act. 3729, 3739, 3887), wobei er ü berdies ausgeführt hat, damals immer mit dem Beschuldigten A.____ unterwegs gewesen zu sein un d gearbeitet zu haben, wohingegen D.____ nicht immer bzw. nur drei bis vier Mal bei Einb ruchsdiebstählen dabei gewesen sei (act. 3935). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme zwi schen dem Beschuldigten A.____ und dem Mitbeschuldigten B.____ vom 2. April 2019 (act . 4553 ff.) hat Letzterer bestätigt, im Jahr 2014 mit Ersterem in der Schweiz Einbruchsdiebstähle begangen zu haben, wofür er ca. sechs bis sieben Mal in die Schweiz gekommen sei (act. 4555 ). Weiter hat der Mitbeschuldigte B.____ zu Protokoll gegeben, im Sommer 2014 jeweils m it dem Beschuldigten A.____ und mit D.____ "unterwegs" gewesen zu sein, wenn sie zu dritt "unterwegs" gewesen seien (act. 4617), wobei als "unterwegs gewesen zu sein" im vorliegenden Kontext selbstredend als Einbruchstour zu verstehen ist. Vor dem Strafgericht hat der Mitbeschul digte B.____ zwar die Beteiligung des Beschuldigten A.____ dahingehend relativiert, dass er i n der Schweiz hauptsächlich bzw. im Jahr 2014 zu 90 % mit D.____ und nur drei bis vier Mal mit dem Beschuldigten A.____ Ein- bruchsdiebstähle verübt habe (act. S 497 ff.). Diese Absc hwächung in Form einer Verlagerung des Schwerpunktes der Beteiligung an den Einbruchsdiebstä hlen in der Schweiz im Jahr 2014 vom Beschuldigten A.____ hin zu D.____ lässt sich jedoch kl arerweise mit dem Bestreben, ab diesem Zeitpunkt den sich in Freiheit befindenden D._ ___ anstelle des anwesenden A.____ zu belasten, erklären. Erhellend ist in diesem Zusammenha ng die Antwort des Mitbeschuldigten B.____ in der Konfrontationseinvernahme, wonach er hi nsichtlich eines bestimmten Deliktes nicht mehr wisse, mit wem er zusammen gewesen sei, jedoch A.____ schaden könnte, wenn er sagen würde, dass er mit ihm unterwegs gewesen sei (act. 4593). In einem solchen Konflikt hat sich der Mitbeschuldigte B.____ zum Zeitpunkt seiner Erst aussagen, als er sowohl den Be- schuldigten A.____ als auch D.____ in Freiheit gewähnt hat, nicht befunden, weshalb in erster Linie auf die diesbezüglichen, wie bereits erwähnt üb eraus glaubhaften, Angaben abzustellen ist. Den erst im Rahmen des Berufungsverfahrens vorgebrach ten Einwänden des Beschuldig- ten, wonach nicht auf die Aussagen des Mitbeschuldigten B.____ abgestellt werden könne, weil dieser erstens in seiner Erstbefragung die übrigen Bete iligten übermässig stark belastet habe und zweitens die Konfrontationseinvernahme zwischen den Beiden nicht gesetzeskonform er- folgt sei, ist nicht zu folgen. Erstens hat der Mitbeschu ldigte B.____ die anderen Tatbeteiligten, darunter auch den Beschuldigten A.____, wie vorstehend ausgeführt, gerade nicht über Gebühr belastet, sondern bloss (in eher unüblicher Weise) entschieden, seine eigenen Tathandlungen ‒ inklusive der gesamthaften Täterschaft ‒ umfassend zu gestehen. Und zweitens sind keine Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweise ersichtlich, wonach die Konfrontationseinvernah me zwischen dem Mitbeschuldigten B.____ und dem Beschuldigten A.____ nicht nach den ge setzlichen Vorgaben unter Berück- sichtigung der massgeblichen Rechtsprechung des Bundesgericht s erfolgt wäre. Zutreffend mag sein, dass die Verteidigungsstrategie des Mitbeschu ldigten B.____ (umfassend geständig zu sein) mit derjenigen des Beschuldigten A.____ (mögli chst viel abzustreiten) kollidiert; dies hat aber selbstredend keinen Einfluss auf die Verwertbarkeit oder die Glaubhaftigkeit der Depo- sitionen des Mitbeschuldigten B.____. c) Im Zuge der Ermittlungen der französischen Behörden i m Zusammenhang mit den auf französischem Boden stattgefunden Einbruchsdiebstählen, f ür welche sowohl der Beschuldigte A.____ als auch der Mitbeschuldigte B.____ rechtskräftig verurteilt worden sind, ist gestützt auf die Erkenntnisse aus der Auswertung diverser Mobiltelef on-Randdaten festgestellt worden, dass sich die Mobiltelefonnummern +33758.____, +33753. ____, +33519.____ und +335190.____ mehrfach zu den Tatzeiten in Tatortnähe registriert haben. Die französischen Ermittlungsbehörden haben dabei diese Nummern gestützt auf ihre Abklärungen dem Beschul- digten A.____ und dem Mitbeschuldigten B.____ zugewie sen (act. 3355, 3445 bis 3459, 3499 bis 3513, CD Copie Dossier 3/15/SS). Der Mitbeschuldigte B.____ hat bestätigt, die Telefon- nummer +33753.____ selbst benutzt zu haben, wobei auch andere Personen das Gerät mit der entsprechenden SIM-Karte verwendet hätten. Auch hat e r im Zusammenhang mit der Telefon- nummer +33751.____ zugestanden, möglicherweise zwei Telefone benutzt zu haben (act. 3567 f., 3699 f.). Der Beschuldigte A.____ hat eingeräumt, Prepaid-Karten von "Lycamobile" beses- sen und mit französischen Telefonnummern telefoniert zu haben. Ausserdem habe er Prepaid- Karten gekauft, mit denen anschliessend andere telefo niert hätten (act. 3525 f.) Sodann hat er eingestanden, dass es sich bei einem Telefongerät um dasje nige seines Vaters, seines Neffen und seines Sohnes gehandelt habe, nachdem ihm eröffnet worden war, dass das auf einem am 11. August 2014 auf seiner Facebook-Seite erkennbare T elefon gleichen Typs sei wie dasjeni- ge, in welches vom 13. bis zum 30. August 2014 die SI M-Karte mit der Rufnummer +33753.____ eingelegt gewesen sei (act. 3527). Gestützt auf die Erkenntnisse der französi- schen Strafbehörden steht somit ausser Zweifel, dass die vorgängig aufgelisteten Telefonnum- mern eine Verbindung zum Beschuldigten A.____ sowie zu m Mitbeschuldigten B.____ aufwei- sen. Unzweifelhaft ist sodann, dass die Telefonnummern +3 3758.____ und +33753.____ auch im Konnex zu den vorliegenden Einbruchsdiebstählen stehen , nachdem sie mehrfach zu den Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tatzeiten im grenznahen Gebiet in Frankreich erfasst wor den sind (vgl. die nachfolgend beur- teilten Einzelfälle E. 4.4 ff.), wobei die Geräte je weils eine auffallende Inaktivität während den Nachtstunden aufgewiesen haben (act. 3355 ff., 3375, C D Copie Dossier 3/15/SS, D 263, D 480 ff.). d) aa) In Bezug auf die in zahlreichen Fällen an den Tator ten bzw. in den von den Tätern ver- wendeten Fahrzeugen gesicherten und mit dem DNA-Profil des Beschuldigten A.____ bzw. des Mitbeschuldigten B.____ übereinstimmenden DNA-Spuren h at bereits die Vorinstanz auf ent- sprechende Rüge der Beschuldigten festgestellt, dass keine rlei Hinweise ausgemacht werden könnten, welche auf eine nicht fachgerechte Erstellung d er Gutachten oder einen nicht schlüs- sigen Inhalt derselben deuten würden. Namentlich habe die Staatsanwaltschaft auf entspre- chenden Einwand der Verteidigung hin, wonach die Rich tigkeit der im Recht liegenden Beweis- wertberechnungen anzuzweifeln seien, die Gutachten bei den entsprechenden Instituten, bei welchen es sich allesamt um akkreditierte Institute aus ver schiedenen Kantonen handle, ergän- zen lassen (act. 365 f., 3663 ff., 3677, 7383 ff., 738 7 bis 7395, 7881 bis 7897, 8251 bis 8263). In der Forensischen Genetik sei zur Berechnung des Bewe iswerts unter anderem gemäss der Empfehlung der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmed izin (vgl. deren Richtlinien zur internen Qualitätssicherung bei Spurenuntersuchungen m ittels DNA-Untersuchungstechniken sowie act. 7891) als biostatischer Ansatz die sogenannte Like lihood Ratio (LR) bzw. der soge- nannte Likelihood Quotient (LQ) zu verwenden. Demgeg enüber spiele bei der Beweiswertbe- rechnung die Berechnung einer Zufallstreffer-Wahrscheinl ichkeit gemäss dem wissenschaftli- chen Konsens keine Rolle. Bei den konkreten Berechnungen in den vorliegenden Gutachten sei gemäss diesen Vorgaben vorgegangen worden, und ein Ver gleich zwischen den aus den ver- schiedenen Instituten stammenden Gutachten zeige ein pra ktisch identisches Vorgehen. Diese Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Vorderrichter sin d ohne Weiteres zu bestätigen, zu- mal im Rahmen des Berufungsverfahrens hiergegen keine Einwände erhoben worden sind. bb) Weiter hat das Strafgericht zu Recht erwogen, dass sich in den Akten zwar verschiedene Auszüge aus der EDNA-Datenbank befänden (z.B. act. 3001 ff. und 3045 ff.), diese Unterschie- de sich bei genauerer Betrachtung jedoch nur vermeintlich als Fehler entpuppten, da die für die Beweiswürdigung massgeblichen Auszüge aus der EDNA-Daten bank diejenigen seien, welche Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Kopf des Auszugs die Beschuldigten mit ihren Persona lien und ihrer PCN aufführten (Mitbe- schuldigter B.____ unter PCN 13.____, act. 3045 ff.; B eschuldigter A.____ unter PCN 40.____, act. 7343 ff.), weil sich nur diesen Auszügen der Vergl eich zwischen den mit 16 typi-Systemen erfassten DNA-Profilen der Beschuldigten und den an den Tatorten gesicherten DNA-Spuren vollständig bzw. im Umfang der maximal 16 zu prüfenden t ypi-Systemen entnehmen lasse (vgl. Art. 1 Abs. 5 und den dazugehörigen Anhang der Veror dnung des EJPD über die Leistungs- und Qualitätsanforderungen für forensische DNA-Analyselabore vom 8. Oktober 2014). Korrekt festgehalten hat die Vorinstanz ferner, dass bezüglich de s Beschuldigten A.____ zusätzlich zwei DNA-Profile existierten, die nicht an das EDNA übermittelt worden seien, bei denen jedoch ein Direktvergleich zwischen dem DNA-Profil des Beschuldigten und der gesicherten DNA-Spur möglich gewesen sei (act. 8129 f., 9403 f.). Auch hinsichtlich des Mitbeschuldigten B.____ liege ein zusätzliches DNA-Profil vor, das auf dem Auszug gemäss act. 3045 nicht erscheine, weil es zeitlich erst nach dessen Erstellung in die Datenbank ein gelesen worden sei (act. 7289 f., 7295 ff.); ungeachtet dessen sei dieses gleichermassen für das gerichtliche Verfahren beweis- relevant. cc) Ebenso zutreffend haben die Vorderrichter dargelegt, dass aus denjenigen Fällen, in wel- chen auf das Einholen einer Beweiswertberechnung verzichtet worden sei, nicht die Unverwert- barkeit der DNA-Hits folge. Vielmehr sei es gängige Pr axis, auf eine Beweiswertberechnung zu verzichten, wenn die gesicherte DNA-Spur und die DNA de r Vergleichsperson in mindestens zehn vergleichbaren typi-Systemen (exklusive dem typi-System zu r Geschlechtsbestimmung) übereinstimmten, da die Wahrscheinlichkeit, dass die bet reffende Person Spurgeber gewesen sei, dann bereits bei über einer Million liege. Im vor liegenden Verfahren beruhten die DNA-Hits in den überwiegenden Fällen auf einem Vergleich von bis zu zehn oder mehr typi-Systemen. Ohnehin stütze sich eine Verurteilung praxisgemäss nicht bloss auf einen DNA-Hit als alleinigen Beweis ab, vielmehr sei ein solcher als Beweis bzw. Ind iz im Rahmen einer Gesamtschau zu bewerten. Gestützt auf diese Erwägungen bestehen vorli egend keine Bedenken, auf die Er- kenntnisse zu den Untersuchungen der DNA-Spuren abzustel len. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte A.____ diese im Berufungsverfahren nicht nur nicht angefochten, sondern viel- mehr seine Täterschaft in allen denjenigen Fällen, in welchen seine DNA an den Tatorten oder in den entwendeten Fahrzeugen sichergestellt worden ist, explizit eingeräumt hat. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Einzelfälle gemäss Ziffer 4 der Anklage (Fälle 4 .37 bis 4.43) a) In rubrizierter Anklageziffer werden dem Beschuldigten sieben Einbruchs- bzw. Ein- schleichdiebstähle im Zeitraum vom 16. März 2014 bis zum 2 5. März 2014, davon zwei Versu- che, zur Last gelegt. Das Strafgericht hat in den Fällen 4.37 bis 4.39 einen Schuldspruch und in den Fällen 4.40 bis 4.43 einen Freispruch ausgefällt. b) In genereller Weise festzustellen ist, dass sich sämtliche Fälle (vgl. act. 6831 ff., 6897 ff., 6979 ff., 7037 ff., 7163 ff., 7197 ff., 7241 ff.) i n Gemeinden des Leimentals zugetragen haben. Allein in Biel-Benken/BL ist vier Mal eingebrochen wor den (Fälle 4.38 sowie 4.41 bis 4.43), da- von zwei Mal in der gleichen Strasse. In vier der sieben Fälle ist die Fensterbohr-Methode zum Einsatz gekommen, zwei Mal ist eine Türe bzw. ein Fenster aufgehebelt worden und ein Mal hat sich die Täterschaft über ein unverschlossenes Fenster Zugang in die Liegenschaft ver- schafft. Bei sechs Liegenschaften hat es sich um Wohnlieg enschaften und bei einer um ein Restaurant mit einer angegliederten Wohnung gehandelt. Fünf Einbrüche haben stattgefunden, während die Bewohner am Schlafen gewesen sind, wobei in einem Fall die Täterschaft sogar das Schlafzimmer betreten hat (Fälle 4.37, 4.38, 4.40, 4.42 und 4.43). In einem Fall ist zudem ein Personenwagen (Mercedes E320 CDl, Kennzeichen BL 1.____) entwendet worden, welcher ca. achteinhalb Monate später in Mulhouse/F aufgefunde n worden ist. In den Fällen 4.37, 4.38, 4.39 und 4.40 sind an den Tatorten Spuren gesichert w orden, welche mit der DNA des Mitbe- schuldigten B.____ übereingestimmt haben (Fall 4.37: act. 6841 f., 6845 ff., 3061; Fall 4.38: act. 6907 ff., 3053; Fall 4.39: act. 6985 ff., 3061; Fall 4.40: act. 7045 ff., 7055 ff., 3053). Ausser- dem ist die DNA des Mitbeschuldigten B.____ im Fall 4. 43 im aufgefundenen Auto entdeckt worden (act. 7289 bis 7301). Dieser verfügt ferner über konkrete Erinnerungen in den Fällen 4.37 und 4.40 (act. 6879, 7145) und hat die Tatbegeh ung in den übrigen Fällen auch nicht be- stritten bzw. diese sogar anerkannt (Fall 4.38: act. 6965 f., 6973; Fall 4.39: act. 7023 f., 7029; Fall 4.41: act. 7181 ff., 7191; Fall 4.42: act. 7231 , 7235; Fall 4.43: act. 7253 f., 7261). Der Mit- beschuldigte B.____ hat zudem ausgesagt (vgl. oben E. 4.3.b), die Delikte immer mit dem Be- schuldigten A.____ und manchmal mit D.____ verübt zu h aben (act. 3967 bis 3991, 4553 ff.). Auch der Beschuldigte A.____ hat zugegeben, gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten B.____ und D.____ im Jahr 2014 Einbrüche in der Schweiz began gen zu haben (vgl. oben E. 4.3.a). Fest steht sodann, dass der Beschuldigte A.____ in den von ihm zugestandenen Einbruchs- Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht diebstählen die Fensterbohr-Methode angewendet hat ( vgl. nachfolgend E. 4.5 f.). Gestützt auf das Urteil des Tribunal Correctionnel de Colmar vom 1 . Februar 2018 ist des Weiteren zu kon- statieren, dass der Beschuldigte A.____ im besagten Zei traum in Frankreich in gleicher Art wie in casu vorgeworfen Einbruchsdiebstähle begangen hat (a ct. 199 ff.). Schliesslich steht fest, dass der Beschuldigte A.____ zusammen mit dem Mitbeschu ldigten B.____ am 12. März 2014 gemeinsam von Albanien herkommend am Flughafen in Wien kontrolliert worden ist (act. 3479), und lediglich vier Tage nach dieser Kontrolle die vorliegende Einbruchsserie begonnen hat. c) Konkrete Würdigung von Fall 4.37 Am Tatort des Einbruchs zum Nachteil von F.____ in Flüh/SO ist die DNA des Mitbeschuldigten B.____ gesichert worden (act. 6831 ff., 6841 f., 6845 ff., 3045, 3061), und dieser hat sich be- züglich des vorliegenden Falles an eine konkrete Tathandlu ng erinnern können (act. 6879), weshalb er vom Strafgericht rechtskräftig als Täter qual ifiziert worden ist. Nach den Angaben des Mitbeschuldigten B.____, bestätigt anlässlich der Ko nfrontationseinvernahme mit dem Be- schuldigten A.____ (act. 6879, 6887), ist davon auszugeh en, dass auch dieser sowie D.____ am fraglichen Einbruch beteiligt gewesen sind. Der zum Z eitpunkt des Einbruchs auf dem Sofa in der Wohnung schlafende Geschädigte hat zu Protokoll gegeben, er sei durch Geräusche geweckt worden und im Gang auf einen unbekannten Mann getroffen. Er habe diesen ange- schrien, worauf ihm der Mann zunächst in einer unbekan nten Sprache etwas entgegnet habe und dann aus dem Fenster im ersten Obergeschoss gesprunge n sei. Zwei weitere unbekannte Männer seien daraufhin dem ersten gefolgt. Alle drei Männer seien zunächst davongelaufen, hätten dann ein Auto bestiegen und seien in Richtung Frankreich davongefahren (act. 6833). Gestützt auf diese Beweislage ist unter Berücksichtigung der vorstehenden allgemeinen Aus- führungen (oben E. 4.3 und 4.4.b) nach Ansicht des Kant onsgerichts die Täterschaft des Be- schuldigten A.____ nachgewiesen und somit der angeklagte Sachverhalt erstellt. In Bezug auf die Zivilforderung (act. 1937) hat die V orinstanz korrekt festgehalten, dass einer- seits lediglich CHF 400.-- Bargeld anstelle der in der Anzeige aufgeführten CHF 700.-- entwen- det worden sind, andererseits jedoch die übrigen Positi onen zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass geben, womit der Wert des Deliktsguts auf gesamthaft CHF 600.-- zu beziffern ist. Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Durch das Aufwuchten der Türe ist zudem ein polizeilich geschätzter Sachschaden von CHF 1'000.-- entstanden, wobei diese Schätzung durch Fotografien (act. 6889 f.) plausibilisiert wird. d) Konkrete Würdigung von Fall 4.38 Auch in diesem Fall zum Nachteil von G.____ in Biel-Benken hat die DNA des Mitbeschuldigten B.____ am Tatort festgestellt werden können (act. 6907 ff., 3053), womit hinsichtlich seiner Tä- terschaft keine Zweifel bestanden haben. Die Geschädigte hat ebenfalls drei fremdsprachige Männer in ihrem Haus entdeckt, nachdem sie durch Geräusch e geweckt worden war und Nachschau gehalten hat (act. 6897 ff.). Der Mitbeschuld igte B.____ wiederum hat ausgesagt, der Beschuldigte A.____ sei sicher und entweder D.___ _ oder H.____ seien vermutlich dabei gewesen, wobei Letzterer sie lediglich in einer Nacht be gleitet habe (act. 6965 f.). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme zwischen dem Beschuldigten A.____ und dem Mitbeschuldig- ten B.____ hat der Zweitgenannte bestätigt, dass Erster er ebenfalls anwesend gewesen sei (act. 6973). Hinsichtlich der Teilnahme von H.____ hat d er Mitbeschuldigte B.____ sodann so- wohl an der Konfrontationseinvernahme als auch anlässli ch der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht deponiert, mit diesem nur ein Mal, als e ine Rolex entwendet worden sei, einen Ein- bruch verübt zu haben (act. 6973, S 503). Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass im Fall 4.40 eine Rolex gestohlen worden ist und die DNA von H.____ am Tatort hat nachgewiesen werden können. Nach übereinstimmenden Aussagen von A._ ___ und B.____ sollen zudem H.____ und der Beschuldigte A.____ nie gemeinsam eine n Einbruch verübt haben (act. 4569, S 503 f.). Gestützt auf diese Erwägungen ist unter Berü cksichtigung der vorstehenden allge- meinen Ausführungen (oben E. 4.3 und 4.4.b) davon au szugehen, dass die Täterschaft des Beschuldigten A.____ wiederum nachgewiesen und somit d er angeklagte Sachverhalt erstellt ist. Das Deliktsgut ist gestützt auf die Auflistung (act. 6905 ) und den eingereichten Beleg (act. 1951) im angeklagten Umfang von total CHF 461.-- nachgewiesen. Der Sachschaden von CHF 3'131.60 ist mit den Reparatur belegen dargetan, wobei ergänzend auf die Fotografie des beschädigten Fensterrahmens zu verweisen ist (act. 1949, 1955, 6977). Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht e) Konkrete Würdigung von Fall 4.39 In diesem Fall zum Nachteil von I.____ in Rodersdorf/SO hat sich wiederum die DNA des Mit- beschuldigten B.____ in einer Spur am Tatort gefunde n. Zwar ist die Täterschaft nicht in die Liegenschaft eingedrungen (act. 6579 ff., 6985 ff., 3061); ungeachtet dessen hat sie das mit Pflanzen und mindestens teilweise mit einem Zaun umfri edete und damit visuell abgegrenzte Grundstück betreten, um zur Sitzplatztüre zu gelangen, welche sie erfolglos und gewaltsam zu öffnen versucht hat (act. 7021, 7031 bis 7035). Da der Geschädigte zum Tatzeitpunkt ferienab- wesend gewesen ist, liegen seinerseits keine Auskünfte zu r Täterschaft vor. Im Rahmen seiner Erstbefragung hat der Mitbeschuldigte B.____ ausgeführ t, dass der Beschuldigte A.____ und möglicherweise D.____ beteiligt gewesen seien. Anlässlic h der Konfrontationseinvernahme hat er sodann vorgebracht, dass es die beiden Genannten gewesen seien, sofern sich der Einbruch in derselben Nacht ereignet habe wie der vorangegange ne Fall. Aufgrund des tatsächlich über- schneidenden Tatzeitraums der beiden Fälle (Fall 4.38: 20. März 2014; Fall 4.39: 17. bis 20. März 2014) besteht per se eine grosse Wahrscheinlichke it, dass sich die beiden Einbrüche in derselben Nacht zugetragen haben, wobei sich diese grosse Wahrscheinlichkeit durch die Tatsache, wonach in beiden Fällen ein vergleichbares B ohrloch im Umfang von rund acht bis neun Millimetern festgestellt worden ist, zur Gewisshe it verdichtet (act. 6981). Folglich ist auch in concreto rechtsgenüglich erstellt, dass der Einbruchsversuch vom Beschuldigten A.____ (zu- sammen mit dem bereits rechtskräftig verurteilten Mitbeschu ldigten B.____ und D.____) verübt worden ist. Da es in casu lediglich beim Versuch geblieben ist, ist kein Deliktsgut entwendet worden. Allerdings ist ein von der Polizei geschätzter und fotog rafisch belegter Sachschaden von CHF 500.-- angerichtet worden (act. 6981, 7031). f) Konkrete Würdigung von Fall 4.40 Der vorliegende Einbruch zum Nachteil von J.____ in Oberwil/BL hat sich ereignet, während der Geschädigte und seine Ehefrau in getrennten Zimmern geschlafen haben. Dabei hat sich die Täterschaft mittels der Fensterbohr-Methode Zutritt zur Liegenschaft verschafft und unter ande- rem auch das Schlafzimmer der Ehefrau betreten (act. 7037 ff., 7123 ff.). Am Tatort sind sowohl Spuren mit der DNA des Mitbeschuldigten B.____ als auch solche mit der DNA von H.____ Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesichert worden (act. 7045 ff., 7055 ff., 7063, 3053 ). Letzterer ist mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 18. Juli 2018 denn auch rechtskräftig für den vorliegenden Einbruch ver- urteilt worden (act. 7139 f.). Der Mitbeschuldigte B. ____ hat sich über sehr konkrete Erinnerun- gen an den Einbruch ausgewiesen, wie beispielsweise an den Erlös von CHF 6'000.-- für die Rolex-Uhr und die Verteilung des Erlöses (CHF 2'000.-- pro Person). Unsicher ist er sich hinge- gen gewesen, ob D.____ oder der Beschuldigte A.____ t eilgenommen hat (act. 7145 ff.). Aus den Aussagen zur Teilung des Erlöses für die Rolex-Uhr ist zu schliessen, dass neben dem Mitbeschuldigten B.____ nur zwei weitere Personen bete iligt gewesen sind, wobei es sich bei einer Person zweifelsfrei um H.____ gehandelt hat. Im Gegensatz zur Ansicht der Vorinstanz verbleibt nach Überzeugung des Kantonsgerichts kein ver nünftiger Zweifel, dass es sich ange- sichts des engen örtlichen und zeitlichen Zusammenhangs zu den vorstehend beurteilten Delik- ten, des an den Tag gelegten modus operandi (Fenster bohr-Methode) sowie des unzweifelhaf- ten Mitwirkens des Mitbeschuldigten B.____, welcher mehrf ach und überaus glaubhaft darge- legt hat, die im Jahr 2014 verübten Einbruchsdiebstähl e immer mit dem Beschuldigten A.____ begangen zu haben, bei der dritten Person um den Beru fungskläger gehandelt hat. Demnach ist nachgewiesen, dass die vorliegende Tathandlung vom B eschuldigten A.____ (zusammen mit den bereits rechtskräftig verurteilten B.____ und H .____) verübt worden ist, womit der an- geklagte Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Das Deliktsgut im Wert von CHF 39'985.-- steht gestützt auf die vorhandenen Belege ohne Wei- teres fest (act. 1985, 1987, 1995, 7043). Gleichermassen ist der Sachschaden im Umfang von CHF 400. -- erstellt (act. 1991, 7039, 7159). g) Konkrete Würdigung von Fall 4.41 Die Fälle 4.41 bis 4.43 haben sich wiederum alle in Biel-Benken ereignet, wobei sich die Täter- schaft in zwei Fällen mit der Fensterbohr-Methode Zutri tt zu den Liegenschaften verschafft hat bzw. versucht hat zu verschaffen (Fall 4.41: act. 7163 ff. ; Fall 4.42: act. 7197 ff.) und in einem Fall ein unverschlossenes Fenster hierzu genutzt hat (Fal l 4.43: act. 7241 ff.). Die Einbrüche in den Fällen 4.42 und 4.43 sind in derselben Nacht und der gleichen Strasse begangen worden, wobei die Täterschaft in beiden Fällen die Liegenschaft en auch tatsächlich betreten hat. Aus- Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht serdem ist im Fall 4.43 ein Personenwagen (Mercedes E3 20 CDl, Kennzeichen BL 1.____) entwendet worden, welcher ca. achteinhalb Monate späte r in Mulhouse/F aufgefunden worden ist. In Bezug auf den Fall 4.41 zum Nachteil von K.____sel . ist zu konstatieren, dass dieser eben- falls in einem überaus engen örtlichen und zeitlichen K onnex zu den vorstehend beurteilten Delikten steht, der bereits mehrfach beschriebene modus operandi (Fensterbohr-Methode) an den Tag gelegt worden ist sowie dass der Mitbeschuldigte B.____ die Tatbegehung nicht be- stritten sowie mehrfach und überaus glaubhaft dargeleg t hat, die im Jahr 2014 verübten Ein- bruchsdiebstähle immer mit dem Beschuldigten A.____ begangen zu haben, womit auch in die- sem Fall die Täterschaft des Beschuldigten A.____ zu b ejahen und folglich der angeklagte Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Da es in casu lediglich beim Versuch geblieben ist, ist kein Deliktsgut entwendet worden. Allerdings ist ein von der Polizei geschätzter und fotog rafisch belegter Sachschaden von CHF 500.-- angerichtet worden (act. 7191 ff.). h) Konkrete Würdigung von Fall 4.42 Zwischen den beiden Fällen 4.42 zum Nachteil von L.___ _ und 4.43 zum Nachteil von M.____ besteht ein sehr enger zeitlicher und örtlicher Konnex, haben doch beide Delikte in der gleichen Nacht und in der gleichen Strasse in Biel-Benken statt gefunden. Hinzu kommt, dass im Fall 4.42 wieder die Fensterbohr-Methode angewendet worde n und zudem in dem im Fall 4.43 ent- wendeten Personenwagen die DNA des Mitbeschuldigten B. ____ aufgefunden worden ist. Fol- gerichtig haben für die Vorderrichter an dessen Tätersch aft keine Zweifel bestanden (act. 7277 bis 7301). Hinsichtlich der Beteiligung des Beschuldigte n A.____ ist zu bemerken, dass zwar zwischen den beiden Fällen 4.42 und 4.43 ein sehr enge r zeitlicher und örtlicher Zusammen- hang besteht, angesichts des Unterbruchs von fünf Tagen zu den vorgängig beurteilten Fällen der zeitliche Konnex hierzu jedoch zu verneinen ist. Di es führt zusammen mit dem Umstand, wonach nicht bekannt ist, aus wie vielen Personen sich die vo rliegende Täterschaft zusammen- gesetzt hat, und der Mitbeschuldigte B.____ überdies ni cht hat ausschliessen können, die frag- lichen Tathandlungen lediglich mit D.____ begangen zu haben, zum Ergebnis, dass der Beru- Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht fungskläger in Anwendung der Maxime "in dubio pro reo" von den Tatvorwürfen betreffend die Fälle 4.42 und 4.43 freizusprechen ist. i) Konkrete Würdigung von Fall 4.43 Zur Vermeidung von Wiederholungen ist diesbezüglich a uf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 4.42 zu verweisen. j) Zusammenfassend ist damit hinsichtlich der Einzelfälle g emäss Ziffer 4 der Anklage (Fälle 4.37 bis 4.43) in Abweisung der Berufung des Beschuldi gten und in teilweiser Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sowie in teilw eiser Abänderung des angefochtenen Urteils die entsprechende Täterschaft des Beschuldigten A.____ in den Fällen 4.37, 4.38, 4.39, 4.40 und 4.41 ohne vernünftigen Zweifel nachgewiesen. Demgegenüber sind die Freisprüche des Strafgerichts in den Fällen 4.42 und 4.43 in Abwe isung der Anschlussberufung der Staats- anwaltschaft zu bestätigen. Die auf diese Erkenntnisse f olgende rechtliche Würdigung des je- weils inkriminierten Sachverhalts ist im Anschluss an die Beurteilung sämtlicher Einzelfälle vor- zunehmen (vgl. unten E. 4.7). 4.5 Einzelfälle gemäss Ziffer 5 der Anklage (Fälle 5 .44 bis 5.55) a) In rubrizierter Anklageziffer werden dem Beschuldigten zwölf Einbruchsdiebstähle im Zeit- raum vom 10. Mai 2014 bis zum 18. Juli 2014, davon vier Versuche, zur Last gelegt. Das Straf- gericht hat in den Fällen 5.47 und 5.48 einen Freispr uch und in den übrigen zehn Fällen einen Schuldspruch ausgefällt. b) In allgemeiner Art ist zu konstatieren, dass dem Beschuld igten A.____ hier vorgeworfen wird, die Einbruchsdiebstähle bzw. die Versuche hierzu zusammen mit N.____ sowie teilweise einer weiteren, unbekannt gebliebenen Person vollzogen zu haben. Bei allen Tatobjekten hat es sich um Wohnliegenschaften gehandelt und in sämtlichen F ällen ist mit der Fensterbohr- Methode vorgegangen worden. Ausserdem sind mit Ausnah me der Fälle 5.51 und 5.55 sämtli- che Geschädigten während der Tatausübung zu Hause am Sch lafen gewesen, wobei in einem Fall die Täterschaft sogar das Schlafzimmer betreten ha t (act. 7303 ff., 7407 ff., 7519 ff., 7655 ff., 7703 ff., 7731 ff., 7753 ff., 7899 ff., 7 925 ff., 8169 ff., 8193 ff., 8275 ff.). Sodann sind in Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Fällen 5.46, 5.47, 5.50 und 5.52 jeweils Personenwagen entwendet worden, wovon einer in Mulhouse/F und einer in Riedisheim/F, einem Vorort vo n Mulhouse, aufgefunden worden ist (Fall 5.47: act. 7679 f., 7683; Fall 5.52: act. 8027 ff., 8053). c) Konkrete Würdigung des Falles 5.44 Bezüglich der Fälle 5.44 bis 5.46 ist zu konstatieren, dass sich die Delikte in den rund zwölf Kilometern voneinander entfernt liegenden Gemeinden Sirnach/TG und Elgg/ZH im Zeitraum zwischen dem 10. Mai 2014 und dem 14. Mai 2014 zugetra gen haben (act. 7303 ff., 7407 ff., 7519 ff.). Im vorliegenden Fall 5.44 zum Nachteil von O.____ und P .____ in Sirnach ist gestützt auf das vor Kantonsgericht vorgebrachte Geständnis des Berufun gsklägers sowie die am Tatort aufge- fundene DNA des Beschuldigten A.____ der inkriminierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Bei seinem zugestandenen Einbruch hat der Beschuldigte A .____ Deliktsgut im Umfang von CHF 21'280.-- erbeutet (act. 7309 ff.). Ausserdem hat er einen von der Polizei geschätzten und fotografisch festgehaltenen Sach- schaden von CHF 550.-- verursacht (act. 7325 ff.). d) Konkrete Würdigung des Falles 5.45 In Bezug auf den Fall 5.45 zum Nachteil von Q.____ in Elgg ist gleichermassen wie hinsichtlich des vorgängigen Falles gestützt auf das vor Kantonsgericht vorgebrachte Geständnis des Beru- fungsklägers sowie die am Tatort aufgefundene DNA des Beschuldigten A.____ der inkriminier- te Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Nachdem der zur Zeit des Einbruchs schlafende Geschädigte und seine Ehefrau aufgrund des Knurrens ihres Hundes aufgewacht sind und der Beschuldig te geflüchtet ist, ist kein Deliktsgut entwendet worden (act. 7409 ff.). Allerdings ist ein von der Polizei geschätzter und fotogr afisch festgehaltener Sachschaden in der Höhe von CHF 700.-- entstanden (act. 7417 ff.). Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht e) Konkrete Würdigung des Falles 5.46 Im Fall 5.46 zum Nachteil von R.____ in Elgg besteht n ach Ansicht des Kantonsgerichts ange- sichts des überaus engen örtlichen und zeitlichen Konne xes zu den beiden Fällen 5.44 und 5.45, den in jenem Zusammenhang aufgefundenen DNA-S puren des Beschuldigten A.____ sowie des bereits mehrfach beschriebenen vergleichbaren modus operandi (Fensterbohr- Methode) und des nunmehr vorliegenden Geständnisses bezü glich der beiden vorstehenden Fälle kein vernünftiger Zweifel an der Täterschaft des Berufungsklägers, womit der inkriminierte Sachverhalt auch in casu erstellt ist. Das angeklagte Deliktsgut in der Höhe von CHF 3'250.-- basiert zwar nur auf Schätzungen, allerdings erscheinen diese aufgrund der detaillierte n Auflistung der gestohlenen Gegenstände sowie der fotografisch festgehaltenen Situation am Tato rt als genügend verlässlich (act. 7525 ff.), zumal keinerlei Hinweise darauf bestehe n, dass die Geschädigte den tatsächlich erfolgten Einbruch genutzt haben sollte, um einen allfälligen Versicherungsbetrug zu begehen. Der von der Polizei geschätzte und fotografisch dokumenti erte Sachschaden von CHF 500.-- gilt ebenfalls als genügend nachgewiesen (act. 7529 ff.). f) Konkrete Würdigung des Falles 5.47 Sowohl der Fall 5.47 als auch der Fall 5.48 haben sich am 9. Juli 2014 in Metzerlen/SO ereig- net, wobei die Tatorte keine 100 Meter auseinander ge legen haben. In beiden Fällen hat sich die Täterschaft mit der Fensterbohr-Methode Zutritt zu den Wohnliegenschaften verschafft und in beiden Fällen haben sich die Geschädigten zum Tatze itpunkt zu Hause aufgehalten und ge- schlafen. Im Fall 5.47 ist zudem ein Personenwagen (Pe ugeot 207, Kennzeichen SO 1.____) entwendet worden, welcher am 1. August 2014 in Riedi sheim/F, einem Vorort von Mulhouse, wo sich der Beschuldigte A.____ zusammen mit dem Mitbesch uldigten B.____ und weiteren Mittätern während der verschiedenen Deliktserien aufge halten hat, entdeckt worden (Fall 5.47: act. 7655 ff., 7679 ff., 7683; Fall 5.48: act. 7703 f f.). Einem gleichentags geposteten Eintrag auf Facebook von N.____ ist zu entnehmen, dass sich dieser und de r Beschuldigte A.____ am 4. Juli 2014 in Mulhouse befunden haben (act. 3233). Zudem haben zum Tatzeitpunkt die in Verbindung zum Beschuldigten A.____ und dem Mitbeschuld igten B.____ stehenden französi- Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Mobiltelefonnummern um 02:54 Uhr in Wolschwiller/F und um 03:11 Uhr in Hagenthal-le- Bas/F und somit in Grenznähe geortet werden können (act. 3355, 3375). Dies alles deutet zwar in grundsätzlicher Weise auf eine mögliche Täterschaft des Berufungsklägers hin, allerdings hat bereits die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass eine alternative Täterschaft, namentlich D.____, N.____ oder H.____, nicht ausgeschlossen werden kann. Infolgedessen ist mangels hinreichend konkreter Beweise und Indizien in Anwendu ng der Maxime "in dubio pro reo" der Beschuldigte A.____ von den Tatvorwürfen betreffend die Fälle 5.47 und 5.48 freizusprechen. g) Konkrete Würdigung des Falles 5.48 Zur Vermeidung von Wiederholungen ist diesbezüglich a uf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 5.47 zu verweisen. h) Konkrete Würdigung des Falles 5.49 In Bezug auf die Fälle 5.49 bis 5.51 ist festzuhalten, dass alle Einbrüche im Zeitraum vom 9. auf den 10. Juli 2014 in der Gemeinde Oeschgen/AG verübt wo rden sind, wobei wiederum aus- schliesslich Wohnliegenschaften heimgesucht worden sind und mit der Fensterbohr-Methode operiert worden ist (act. 7731 ff., 7753 ff., 7899 ff .). Ausserdem ist im Fall 5.50 ein Personen- wagen (VW Golf, Kennzeichen AG 1.____) entwendet wor den, welcher gleichentags wieder in Oeschgen aufgefunden worden ist (act. 7753 ff., 7821 f f.). Die Übereinstimmungen hinsichtlich der Tatorte, des Tatzeitraums und des modus operandi la ssen darauf schliessen, dass die Tat- handlungen gemäss den Fällen 5.49 bis 5.51 von der gle ichen Täterschaft verübt worden sind. Dabei entspricht die Vorgehensweise in den vorliegende n Fällen grundsätzlich dem Tatvorge- hen des Beschuldigten A.____ in den ihm bereits nachge wiesenen Fällen. Zusätzlich existiert im Fall 5.50 eine DNA-Spur, welche aus dem entwendete n Fahrzeug stammt und in neun ver- gleichbaren typi-Systemen mit der DNA des Beschuldigten A.____ übereinstimmt (act. 7851 ff.). Im Hinblick auf den Fall 5.49 zum Nachteil von S.____ besteht nach Ansicht des Kantonsge- richts angesichts des überaus engen örtlichen und zeitlichen Konnexes zum nachfolgenden Fall 5.50, den in jenem Zusammenhang aufgefundenen DNA-S puren des Beschuldigten A.____ sowie des bereits mehrfach beschriebenen vergleichbaren modus operandi (Fensterbohr- Methode) und des nunmehr vorliegenden Geständnisses bezüg lich des nachfolgenden Falles Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht kein vernünftiger Zweifel an der Täterschaft des Berufun gsklägers, womit der inkriminierte Sachverhalt in concreto erstellt ist. Deliktsgut ist in casu offenbar keines entwendet worden. Allerdings ist ein von der Polizei geschätzter und fotogr afisch festgehaltener Sachschaden in der Höhe von CHF 800.-- nachgewiesen (act. 7745 ff.). i) Konkrete Würdigung des Falles 5.50 Im vorliegenden Fall zum Nachteil von T.____, U.____ und V.____ ist gestützt auf das vor Kan- tonsgericht vorgebrachte Geständnis des Berufungskläger s sowie die im entwendeten Fahr- zeug aufgefundene DNA des Beschuldigten A.____ der inkr iminierte Sachverhalt ohne Weite- res erstellt. Das Deliktsgut in Form von gestohlenem Bargeld in der Höhe von CHF 170.-- (act. 7755) gilt als nachgewiesen. Gleichermassen als nachgewiesen zu erachten ist der von der Polizei geschätzte und fotogra- fisch dokumentierte Sachschaden im Umfang von CHF 1'000.-- (act. 7755 ff.). j) Konkrete Würdigung des Falles 5.51 Im Hinblick auf den Fall 5.51 zum Nachteil von W.____ ist nach Dafürhalten des Kantonsge- richts angesichts des überaus engen örtlichen und zeitlichen Konnexes zum vorgängigen Fall 5.50, den in jenem Zusammenhang aufgefundenen DNA-S puren des Beschuldigten A.____ sowie des bereits mehrfach beschriebenen vergleichbaren modus operandi (Fensterbohr- Methode) und des nunmehr vorliegenden Geständnisses bez üglich des Falles 5.50 wiederum kein vernünftiger Zweifel an der Täterschaft des Beruf ungsklägers auszumachen, womit der inkriminierte Sachverhalt in casu erstellt ist. Das angeklagte Deliktsgut in der Höhe von CHF 6'760.-- basiert nur auf Schätzungen, diese erscheinen jedoch aufgrund der detaillierten Auflistung der gestohlenen Gegenstände sowie der fotografisch festgehaltenen Situation am Tatort als ge nügend verlässlich (act. 7905 ff.), zumal Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch hier keinerlei Hinweise darauf bestehen, dass die Geschädigte den tatsächlich erfolgten Einbruch genutzt haben sollte, um einen allfälligen Versicherungsbetrug zu begehen. Der von der Polizei gestützt auf eine entsprechende Re chnung eingestufte und fotografisch dokumentierte Sachschaden in der Höhe von CHF 540.-- ist ebenfalls nachgewiesen (act. 7901 ff.). k) Konkrete Würdigung des Falles 5.52 Im Hinblick auf die Fälle 5.52 bis 5.55 ist festzustelle n, dass sich sämtliche Delikte in Biel- Benken im Zeitraum vom 11. Juli 2014 bis zum 18. Juli 20 14 ereignet haben. Dabei ist wiede- rum in allen Fällen mittels der Fensterbohr-Methode in Wohnliegenschaften eingebrochen oder einzubrechen versucht worden. lm Fall 5.52 ist überdie s ein Personenwagen (BMW 120d, Kennzeichen BL 2.____) entwendet worden, welcher am 1 4. Juli 2014 in Mulhouse aufgefun- den worden ist (act. 8053 bis 8059). Wiederum sind zu d en Tatzeitpunkten, konkret am 11. Juli 2014 um 04:02 Uhr in Hegenheim/F sowie am 14. Juli 2 014 um 03:38 Uhr und um 03:45 Uhr in Hagenthal-le-Bas/F, die in Verbindung zum Beschuldigte n A.____ (und dem Mitbeschuldigten B.____) stehenden französischen Mobiltelefonnummern im grenznahen Raum geortet worden (act. 3249 f., 3375). Auch hier drängen der modus ope randi sowie der enge örtliche und zeitli- che Konnex der Taten untereinander zur Annahme, dass die Delikte von der gleichen Täter- schaft verübt worden sind. Dies gilt umso mehr, als ersten s die Tatorte in den Fällen 5.53 und 5.54 innerhalb eines Radius von nur gerade 50 Metern liegen, und als zweitens das entwendete Fahrzeug am 11. Juli 2014 um 03:44 Uhr in Biel-Benken bei der Ausreise nach Frankreich und am 14. Juli 2014 um 00:48 Uhr ebenfalls in Biel-Benken bei der Einreise in die Schweiz beim Grenzübergang gefilmt worden ist (act. 8041 bis 8047) . Hinzu kommt, dass im aufgefundenen Fahrzeug in einer Spur ein DNA-Mischprofil sichergestell t worden ist, welches in neun ver- gleichbaren typi-Systemen mit der DNA des Beschuldigten A.____ übereingestimmt hat (act. 8081 ff., 8097 ff., 8105 ff., 8123 f.). Gleichermassen hat überdies die DNA des Beschuldig- ten in ebenfalls neun vergleichbaren typi-Systemen mit einer im Fall 5.54 am Tatort gefundenen Spur übereingestimmt (act. 8259 ff.). Im vorliegenden Fall 5.52 zum Nachteil von X.____, Y.__ __, Z.____ und Z1.____ ist gestützt auf das vor Kantonsgericht vorgebrachte Geständnis des Berufungsklägers sowie die im ent- Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht wendeten Personenwagen aufgefundene DNA des Beschuldigt en A.____ der inkriminierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Bei seinem zugestandenen Einbruch hat der Beschuldigte A.____ Deliktsgut im Gesamtwert von CHF 44'800.-- erbeutet, was gestützt auf die einger eichten Unterlagen ohne Weiteres er- stellt ist (act. 7925 ff.). Ebenso erstellt ist der Wer t des entwendeten Fahrzeugs gemäss der entsprechenden Verkehrswertschätzung von CHF 17'000.-- (act. 8027 ff., 8165 f.). Ausserdem hat er einen mittels Rechnung ausgewiesenen S achschaden von CHF 1'186.40 verursacht (act. 7951). l) Konkrete Würdigung des Falles 5.53 Im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z2.____ ist gestüt zt auf das vor Kantonsgericht vorge- brachte Geständnis des Berufungsklägers sowie die übrige B eweis- und Indizienlage der inkri- minierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Nachdem die zur Zeit des Einbruchs schlafenden Eltern de r Partnerin des Geschädigten auf- grund des Bellens des Hundes aufgewacht sind und der Be schuldigte geflüchtet ist, ist kein Deliktsgut entwendet worden (act. 8169 ff.). Allerdings hat er einen von der Polizei geschätzten und fotografisch festgehaltenen Sachscha- den von CHF 500.-- verursacht (act. 8171 ff.). m) Konkrete Würdigung des Falles 5.54 Im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z3.____ ist gestüt zt auf das vor Kantonsgericht vorge- brachte Geständnis des Berufungsklägers sowie die am Tato rt aufgefundene DNA des Be- schuldigten A.____ der inkriminierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Hinsichtlich der Höhe des Deliktsguts ist der Vorinstanz zu folgen, wonach ein Betrag in der Höhe von CHF 2'733.35 angesichts der entwendeten Geg enstände (zwei Laptops, ein Smart- phone und Bargeld) erstellt ist (act. 2163 ff., 8193 ff.). Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der fotografisch dokumentierte Sachschaden ist wiederum auf CHF 500.-- zu schätzen (act. 8203). n) Konkrete Würdigung des Falles 5.55 Im Hinblick auf den Fall 5.55 zum Nachteil von Z4.____ sel. ist nach Dafürhalten des Kantons- gerichts angesichts des überaus engen örtlichen und zeitl ichen Konnexes zu den vorgängigen Fällen 5.52 bis 5.54, den im Zusammenhang mit diesen Fällen aufgefundenen DNA-Spuren des Beschuldigten A.____ sowie des bereits mehrfach beschr iebenen vergleichbaren modus ope- randi (Fensterbohr-Methode) und des nunmehr vorliegenden Geständnisses bezüglich der Fälle 5.52 bis 5.54 wiederum kein vernünftiger Zweifel an d er Täterschaft des Berufungsklägers aus- zumachen, womit der inkriminierte Sachverhalt in casu erstellt ist. Da es der Täterschaft nicht gelungen ist, die Sitzplat ztüre zu öffnen und in das Haus einzudrin- gen, hat sie auch kein Deliktsgut erbeuten können (act. 8275 ff.). Allerdings ist beim Einbruchsversuch ein polizeilich geschätzter und fotografisch dokumentierter Sachschaden in der Höhe von CHF 200.-- verursacht worden (act. 8279 ff.). o) Zusammenfassend ist damit hinsichtlich der Einzelfälle g emäss Ziffer 5 der Anklage (Fälle 5.44 bis 5.55) in Abweisung sowohl der Berufung des Beschuldigten als auch der Anschlussbe- rufung der Staatsanwaltschaft und somit in Bestätigung des angefochtenen Urteils die entspre- chende Täterschaft des Beschuldigten A.____ in den Fäll en 5.44 bis 5.46 und 5.49 bis 5.55 ohne vernünftigen Zweifel nachgewiesen, wogegen die Freisprüche des Strafgerichts in den Fällen 5.47 und 5.48 zu bestätigen sind. Die auf diese Erkenntnisse folgende rechtliche Würdi- gung des jeweils inkriminierten Sachverhalts ist im Anschlu ss an die Beurteilung sämtlicher Einzelfälle vorzunehmen (vgl. unten E. 4.7). 4.6 Einzelfälle gemäss Ziffer 6 der Anklage (Fälle 6 .56 bis 6.83) a) In rubrizierter Anklageziffer werden dem Beschuldigten A.____ 27 Einbruchs- bzw. Ein- schleichdiebstähle sowie darüber hinaus ein weiterer Hau sfriedensbruch im Zeitraum vom Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht 26. Juli 2014 bis zum 26. August 2014, davon sieben Versuch e, zur Last gelegt. Das Strafge- richt hat in sämtlichen Fällen auf einen Schuldspruch erkannt. b) aa) Bei dieser dritten Deliktsserie lässt sich allgemein festh alten, dass schwerpunktmässig Gemeinden des Leimen- und des Laufentals betroffen ge wesen und als Tatobjekte ausnahms- los Wohnliegenschaften ausgewählt worden sind, wobei mi t Ausnahme eines Falles immer die Fensterbohr-Methode angewendet worden ist (act. 8301 f f., 8349 ff., 8389 ff., 8469 ff., 8513 ff., 8547 ff., 8725 ff., 8787 ff., 8813 ff., 8847 ff., 8 967 ff., 9093 ff., 9141 ff., 9163 ff., 9197 ff., 94 77 ff., 9515 ff., 9671 ff., 9697 ff., 9749 ff., 9779 f f., 9821 ff., 9989 ff., 10043 ff., 10081 ff., 10433 ff.). In 21 Fällen sind Personen während der Deliktsverübung am Schlafen gewesen, wobei in ei- nem Fall auch das Schlafzimmer betreten wurde. lm Fall 6.58 ist am 29./30. Juli 2014 ein Fahr- zeug (Audi A3, Kennzeichen SO 2.____) entwendet worde n (act. 8445 f.), welches am 30. Juli 2014 um 04:24 Uhr in Frankreich auf der A36 auf der H öhe von Sausheim/F, in Fahrtrichtung von Deutschland nach Belfort/F, von einer Geschwindigkeit smessanlage erfasst worden ist (act. 8449). Gleichentags um 04:35 Uhr und um 05:02 Uh r sind die in Verbindung zum Be- schuldigten A.____ und dem Mitbeschuldigten B.____ stehe nden französischen Mobiltelefon- nummern in Mulhouse registriert worden (act. 3259, 33 75). Das entwendete Fahrzeug ist so- dann von der Polizei am 22. September 2014 in Oberwil aufgefunden worden, nachdem es über mehrere Wochen hinweg unbewegt an der XY.____strasse 2 39 gestanden hatte (act. 8451 ff.). In Oberwil ist wiederum gemeldet worden, dass in der Nacht des 31. Juli 2014 zwischen 00:33 Uhr und 01:33 Uhr mindestens zwei Männer im Garten der Liegenschaft XY.____strasse 244 herumgeschlichen seien (Fall 6.59: act. 8469 ff.). Fern er ist in der Nacht vom 30./31. Juli 2014 in Biel-Benken anlässlich des Einbruchs betreffend den Fall 6.61 ein weiteres Fahrzeug ent- wendet worden (Audi A4 Quattro, Kennzeichen BL 3.___ _), welches am 4. August 2014 in Dit- tingen/BL aufgefunden worden ist (act. 8547 ff., 865 1 ff., 8665 ff.). In Dittingen wiederum ist in Bezug auf den Fall 6.71 ein Einbruch gemeldet worden , der sich am 4. August 2014 ereignet hat. Anlässlich dieses Einbruchs ist ebenfalls ein Person enwagen (Lexus, Kennzeichen BL 4.____) gestohlen worden (act. 9197 ff., 9369 ff.). D ieses Fahrzeug hat am 7. August 2014 in Luterbach/F, auf der Autobahn A36 abgestellt, aufgef unden werden können (act. 9377 f.). Ein weiterer Personenwagen (Audi Allroad, Kennzeichen BL 5.____) ist betreffend den Fall 6.66 in der Nacht vom 31. Juli 2014 auf den 1. August 2014 anlässlich eines Einbruchs in Röschenz/BL Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht entwendet worden (act. 8847 ff., 8931 ff.). Gestützt auf das ausgewertete Navigationsgerät des Fahrzeugs ist dieses am 1. August 2014 auf der Strecke v on Röschenz nach Folgensbourg/F, am 2. August 2014 auf der Strecke von Mariastein/SO in Richtung Rodersdorf und in der Nacht vom 3./4. August 2014 auf der Strecke von Mulhouse in Richtung Basel durch die französischen Gemeinden Folgensbourg, Bettlach und Oltingue bis nach Röschenz eingeschaltet gewesen (act. 8949 bis 8965). Am 4. August 2014 ist das fraglich e Fahrzeug sodann in Röschenz abge- stellt und dort aufgefunden worden (act. 8935 f.). De s Weiteren ist im Fall 6.73 am 12. August 2014 ein Personenwagen (Opel Zafira, Kennzeichen BL 6.____) entwendet worden, welcher gleichentags in Mulhouse entdeckt worden ist (act. 9515 f f., 9627 ff., 9633 f.). Ausserdem ist in Ettingen/BL am 9. Oktober 2014 ein aus einem Diebstah l vom 11. August 2014 in Niederent- zen/F stammendes Fahrzeug (Citroën Xsara, französisches Ken nzeichen F 1.____) gefunden worden (act. 9579 ff., 9591). Schliesslich ist anlässlich des Einbruchs betreffend den Fall 6.78 ein Personenwagen (Mini One, Kennzeichen SO 3.____) entwendet worden, welcher in Mul- house wieder aufgetaucht ist (act. 9821 ff., 9889 f., 9893 bis 9905). bb) Auch in dieser Deliktsserie sind in mehreren Tatnächten die in Verbindung zum Beschul- digten A.____ und dem Mitbeschuldigten B.____ stehende n französischen Mobiltelefonnum- mern in Tatortnähe registriert worden (act. 3269, 32 77, 3289, 3303, 3315, 3319, 3331, 3375, 3445, 3447, CD Copie Dossier 3/15/SS, Aktenstück D 263 u nd D 480 ff.). Sodann entsprechen die vorliegenden Delikte in ihrem Tatmuster klarerweise der in den vorgängig beurteilten Fällen festgehaltenen Vorgehensweise des Beschuldigten A.____ so wie des Mitbeschuldigten B.____ und weisen wiederholt einen Konnex zum damaligen Wohnort der Beiden in Mulhouse auf. cc) Hinzu kommt, dass im Fall 6.67 ab einem Stein, mit we lchem am Tatort die Scheibe ein- geschlagen worden ist, eine Spur hat gesichert werden können, die in neun vergleichbaren typi- Systemen mit der DNA des Mitbeschuldigten B.____ übereingestimmt hat (act. 9023 f., 9031 ff., 9034 ff., 3045, 3063). Die DNA des Mitbeschuldigten B. ____ hat sich überdies in einer Spur vom Tatort im Fall 6.73 finden lassen; hier hat diese in 13 vergleichbaren typi-Systemen mit dessen DNA übereingestimmt (act. 9523 ff., 9545 ff., 3045, 3053 f.). Zudem hat sich im gleichen Fall die DNA des Mitbeschuldigten B.____ in einer aus dem entwendeten und wiedergefunde- nen Fahrzeug stammenden Spur feststellen lassen, wobei d ieses Mal 16 vergleichbare typi- Systeme übereingestimmt haben (act. 9593 ff., 3045, 3055). Eine weitere DNA-Spur des Mitbe- Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigten B.____ ist sodann im Personenwagen, welcher i m Fall 6.78 entwendet und später in Mulhouse aufgefunden worden ist, entdeckt worden. Dabei hat die Spur in 14 vergleichbaren typi-Systemen übereingestimmt (act. 9899, 9907 ff., 9951 ff., 3045, 3063). Die DNA des Mitbe- schuldigten B.____ hat ferner in einer vom Tatort betr effend den Fall 6.83 stammenden Spur nicht ausgeschlossen werden können (act. 10485 bis 10497). Schliesslich hat sich dessen DNA im in Zusammenhang mit dem Fall 6.83 stehenden Auto (Renault Mégane, französisches Kennzeichen F 3.____) feststellen lassen, wobei die im Fahrzeug gefundene Spur in elf ver- gleichbaren typi-Systemen mit der DNA des Mitbeschuldigt en B.____ übereingestimmt hat (act. 10131 f., insbesondere 10249 ff., 10433 ff., 30 45, 3063). Dieses Auto wiederum hat aus einem am 24. August 2014 in Ostheim/F verübten Einbruch sdiebstahl gestammt (act. 10165, 10171, 10177). Die DNA des Beschuldigten A.____ hat in einer Spur aus dem im Fall 6.71 ent- wendeten Fahrzeug gefunden werden können; danach hat diese in 15 vergleichbaren typi- Systemen mit dessen DNA übereingestimmt (act. 9395 bis 9 405, 9411 f.). lm Fall 6.59 hat überdies die Überwachungskamera des Geschädigten festgehalten, wie sich drei Männer in der Nacht des 31. Juli 2014 im Zeitraum zwischen 00:33 Uhr u nd 01:33 Uhr im Garten seiner Lie- genschaft in Oberwil aufgehalten haben, welche sich erken nbar für eine Fensterfront der Lie- genschaft interessiert und hochgeschlagene Kapuzenpullover sowie Handschuhe getragen ha- ben (act. 8479 ff.). Der Mitbeschuldigte B.____ hat a uf diesen Bildern sich selbst, den Beschul- digten A.____ sowie D.____ identifiziert (act. 8487, 8501, 9507). c) Konkrete Würdigung des Falles 6.56 Die Fälle 6.56 bis 6.58 haben sich allesamt in der Nach t des 29./30. Juli 2014 in den rund drei- einhalb Kilometern voneinander entfernten solothurni schen Gemeinden Flüh und Metzerlen zugetragen (act. 8301 ff., 8349 ff., 8389 ff.). Die b eiden Tatorte in Metzerlen liegen weniger als 120 Meter auseinander, wobei in beiden Fällen die Fe nsterbohr-Methode zum Einsatz gekom- men ist (act. 8349 ff., 8389 ff.). lm Fall 6.58 ist au sserdem ein Fahrzeug entwendet worden (act. 8445 f.), welches am 30. Juli 2014 um 04:24 Uhr in Frankreich auf der A36 auf der Höhe von Sausheim, in Fahrtrichtung von Deutschland nach Belf ort, von einer Geschwindigkeits- messanlage erfasst (act. 8449) und sodann von der Polizei am 22. September 2014 in Oberwil aufgefunden worden ist (act. 8451 ff.). Aufgrund des engen zeitlichen und örtlichen Konnexes der Fälle untereinander sowie des übereinstimmenden m odus operandi besteht kein Zweifel, dass die Delikte von derselben Täterschaft verübt worden sind. lm Fall 6.56 hat eine Auskunfts- Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht person am 30. Juli 2014 um 01:12 Uhr Anzeige bei der P olizei des Kantons Solothurn erstattet, nachdem sie und ihre Begleitperson auf dem Nachhause weg auf drei unbekannte, von der Lie- genschaft XX.____weg 13 aus dem Dunkeln hervortretend e Männer getroffen waren (act. 8301 ff., 8309). lm Fall 6.57 hat die Nachbarin des Geschäd igten Anzeige erstattet und dabei ange- geben, am 30. Juli 2014 um ca. 02:35 Uhr erwacht zu sein und aus dem Schlafzimmerfenster geschaut zu haben. Dabei habe sie im Dunkeln drei Männ er (Ausländertypen) mit Taschenlam- pen unterhalb ihres Schlafzimmers gesehen, wovon einer eine Art Schraubenzieher dabeige- habt habe. Sie habe die Männer sofort als Einbrecher erkannt und diese angeschrien. Die Män- ner hätten sich daraufhin in normalem Tempo entfernt, wobei ihr einer in gebrochenem Deutsch entgegnet habe, dass sie ruhig sein soll (act. 8349 ff., 8359 f.). Zu verweisen ist ferner auf die in Verbindung zum Beschuldigten A.____ und dem Mitbeschuld igten B.____ stehenden französi- schen Mobiltelefonnummern, welche zum fraglichen Zeitpunkt, konkret zwischen 23:10 Uhr und 05:02 Uhr bzw. zwischen 23:51 Uhr und 04:35 Uhr, auffäl lig inaktiv gewesen sind (act. 3375). Fest steht zudem, dass sich der Beschuldigte A.____ und de r Mitbeschuldigte B.____ in der folgenden Nacht im Zeitraum zwischen 00:33 Uhr und 01 :33 Uhr im Garten einer Liegenschaft in Oberwil aufgehalten haben (Fall 6.59, wobei die Täterschaft vom Berufungskläger in diesem Fall zugestanden wird) und dass das im Fall 6.58 entwe ndete Auto ebenfalls in Oberwil aufge- funden worden ist. Schliesslich ist in Erinnerung zu ruf en, dass der Beschuldigte A.____ und der Mitbeschuldigte B.____ zusammen mit D.____ zum Tatzeitraum in Mulhouse gemeinsam in einer Wohnung gelebt haben, dass sowohl der Beschuldigt e A.____ wie auch der Mitbeschul- digte B.____ je zwei Verurteilungen in Frankreich für gemeinsam verübte Einbruchsdiebstähle aufweisen, welche teilweise im gleichen Zeitraum wie di e vorliegend zu beurteilenden began- gen worden sind, sowie insbesondere dass der Mitbeschuldi gte B.____ unzweifelhaft zu Proto- koll gegeben hat, im Sommer 2014 immer mit dem Beschu ldigten A.____ (und manchmal mit D.____) auf Diebestour unterwegs gewesen zu sein (vgl. oben E. 4.3). Gestützt auf diese Er- wägungen besteht für das Kantonsgericht kein vernünftig er Zweifel, dass die vorliegenden Tat- handlungen betreffend die Fälle 6.56 bis 6.58 vom Be schuldigten A.____ (zusammen mit dem bereits rechtskräftig verurteilten Mitbeschuldigten B. ____ und D.____) verübt worden sind, wo- mit der jeweils angeklagte Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinsichtlich der Höhe des Deliktsguts im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z5.____ in Flüh ist wiederum der Vorinstanz zu folgen, wonach der Betrag von CHF 330.-- plausibel dargelegt wird und damit erstellt ist (act. 8303). Nachdem die Täterschaft durch eine unverschlossene Türe in die Liegenschaft eingedrungen ist, ist in casu kein Sachschaden entstanden (act. 8301 ff.). d) Konkrete Würdigung des Falles 6.57 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegen den Fall zum Nachteil von Z6.____ in Metzerlen auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.56 verwiesen. Das Deliktsgut wird in der Höhe von CHF 2'771.80 plausibel dargelegt (act. 8353). Beim Einbruch ist ein polizeilich geschätzter und fotog rafisch dokumentierter Sachschaden in der Höhe von CHF 200.-- verursacht worden (act. 8355 ff.). e) Konkrete Würdigung des Falles 6.58 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegen den Fall zum Nachteil von Z7.____ in Metzerlen auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.56 verwiesen. Das Deliktsgut ist im Umfang von CHF 4'142.40 belegt ( act. 2215, 8395 ff.). Gleichermassen belegt ist der Wert des entwendeten Wagens gemäss der en tsprechenden Verkehrswertschät- zung in der Höhe von CHF 9'000.-- (act. 8445 f., 8465). Ebenso ist der Sachschaden in der Höhe von CHF 1'270.15 nachgewiesen (act. 2215). f) Konkrete Würdigung des Falles 6.59 Im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z8.____in Oberwil ist gestützt auf das vor Kantonsge- richt vorgebrachte Geständnis des Berufungsklägers sowie die Aufnahmen der Überwachungs- kamera des Geschädigten der inkriminierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachdem sich der Beschuldigte in casu am 31. Juli 2014 zwi schen 00:33 Uhr und 01:33 Uhr lediglich im Garten des Betroffenen aufgehalten hat, ist weder Deliktsgut erbeutet noch ein Sachschaden verursacht worden (act. 8469 ff.). g) Konkrete Würdigung des Falles 6.60 Bezüglich der Fälle 6.60 bis 6.62 steht fest, dass in der Zeit vom 26. Juli 2014 bis zum 31. Juli 2014 in Biel-Benken zwei Einbrüche und ein Einbruchsversu ch verübt worden sind, wobei sich auch hier die Täterschaft der Fensterbohr-Methode be dient hat und der Tatzeitraum bloss des- halb ein paar Tage umfasst, weil die Geschädigten teil weise vom 26. Juli 2014 an ferienhalber abwesend gewesen sind. Zwei Tatorte (Fälle 6.60 und 6.62) betreffen Nachbarliegenschaften in der gleichen Strasse, der dritte Tatort (Fall 6.61) l iegt knapp einen Kilometer davon entfernt. Hinsichtlich des Einbruchsversuchs betreffend den Fall 6.60 ist zu bemerken, dass der im XY.____rain 4 wohnhafte Geschädigte am 31. Juli 2014 um ca. 02:00 Uhr durch ein Geräusch geweckt worden ist, worauf er im Haus Licht gemacht hat, jedoch nichts hat feststellen können und sich wieder ins Bett begeben hat. Erst am nächsten Mo rgen hat er sodann im Fensterrah- men des Wohnzimmers ein Bohrloch entdeckt (act. 8515). Wie bereits vorgängig dargelegt, hat sich der Beschuldigte A.____ zusammen mit dem Mitbeschul digten B.____ am 31. Juli 2014 in Oberwil an der XY.____strasse 244 aufgehalten, und das im Fall 6.58 entwendete Fahrzeug ist an der XY.____strasse 239 abgestellt worden. Die XY. ____strasse führt in ihrer Verlängerung von Oberwil bis in die Nachbarsgemeinde Biel-Benken, un d die Liegenschaft des vorliegend Geschädigten wird ca. 700 Meter nach der XY.____strasse 239 bzw. 244 passiert (act. 8529, 3263). lm Fall 6.61 ist in der Nacht vom 30./31. Jul i 2014, zwischen 23:00 Uhr und 03:15 Uhr, ebenfalls ein Personenwagen entwendet worden, der am 4. August 2014 in Dittingen aufgefun- den worden ist (act. 8547 ff., 8651 ff., 8665 ff.). E benso am 31. Juli 2014 ist der Polizei um 03:20 Uhr in Flüh das besagte Fahrzeug mit drei Insassen aufgefallen, worauf sie es zu stop- pen versucht hat. Dies ist jedoch misslungen, da sich der F ahrer mit teilweise stark übersetzter Geschwindigkeit erfolgreich nach Frankreich hat absetzen können (act. 3373, 8651 ff.). Eine in Verbindung zum Beschuldigten A.____ und dem Mitbeschul digten B.____ stehende französi- sche Mobiltelefonnummer hat sich hiernach ebenfalls am 3 1. Juli 2014 um 04:32 Uhr in Mul- house registriert (act. 3269, 3375). Noch am selben Ta g ist zudem das Fahrzeug um 23:53 Uhr in Mulhouse, von Belfort in Richtung Othmarsheim/F f ahrend, von einer Geschwindigkeits- messanlage geblitzt worden. Die französische Polizei hat in der Folge den Mitbeschuldigten Seite 42 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ auf dem Bild erkannt (act. 8673). Dieser hat si ch im Rahmen seiner Erstbefragung an die Flucht vor der Polizei in der Nähe von Flüh erinner t und dargelegt, mit dem Beschuldigten A.____ und D.____ im Auto gewesen zu sein (act. 8625 f .). Das entwendete Fahrzeug ist, wie vorgängig ausgeführt, am 4. August 2014 in Dittingen a ufgefunden worden (act. 8665 ff.), wo sich ebenfalls am 4. August 2014 ein weiterer Einbruchsd iebstahl zugetragen hat (Fall 6.71), bei welchem erneut ein Auto gestohlen worden ist (act. 9197 ff., 9369 ff.). In diesem wiederum sind erneut Spuren mit der DNA des Mitbeschuldigten B. ____ gesichert worden. Zudem steht aufgrund des Geständnisses des Beschuldigten A.____ im Fal l 6.59 fraglos fest, dass sich die- ser am 31. Juli 2014 in Oberwil ‒ und damit zum Tatzeitpunkt in unmittelbarer Tatortnähe ‒ auf- gehalten hat. Gestützt auf diese Erwägungen besteht fü r das Kantonsgericht unter Einbezug der vorstehenden allgemeinen Ausführungen zu den Bewe isen (vgl. oben E. 4.3) kein vernünf- tiger Zweifel, dass die vorliegenden Tathandlungen b etreffend die Fälle 6.60 bis 6.62 vom Be- schuldigten A.____ (zusammen mit dem bereits rechtskräftig verurteilten Mitbeschuldigten B.____ und allenfalls D.____) verübt worden sind, womit der jeweils angeklagte Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Da es in casu beim Delikt zum Nachteil von Z9.____ledig lich beim Einbruchsversuch geblieben ist, ist nichts entwendet worden (act. 8513 ff.). Allerdings ist ein von der Polizei geschätzter und fotog rafisch belegter Sachschaden von CHF 500.-- angerichtet worden (act. 8515 ff.). h) Konkrete Würdigung des Falles 6.61 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z10.____ und Z11.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.60 verwiesen. Das Deliktsgut wird in der Höhe von CHF 2'230.-- plausib el dargelegt (act. 8557 f.). Belegt ist zudem der Wert des entwendeten Fahrzeugs gemäss der entsp rechenden Verkehrswertschät- zung im Umfang von CHF 8'000.-- (act. 8687). Ebenso als erstellt gilt der von der Polizei geschätzte u nd fotografisch belegte Sachschaden in der Höhe von CHF 500.-- (act. 8551 ff.). Seite 43 http://www.bl.ch/kantonsgericht i) Konkrete Würdigung des Falles 6.62 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z12.____ und Z13.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.60 verwiesen. Das Deliktsgut wird in der Höhe von CHF 1'500.-- plausibel dargelegt (act. 8697). Ebenso als erstellt gilt der von der Polizei geschätzte u nd fotografisch belegte Sachschaden in der Höhe von CHF 500.-- (act. 8693 ff.). j) Konkrete Würdigung des Falles 6.63 Im Hinblick auf die Fälle 6.63 bis 6.66 ist allgemein zu bemerken, dass sich diese vier Einbrü- che in der Nacht vom 31. Juli 2014 auf den 1. August 2014 in Röschenz in einem Umkreis von rund 300 Metern ereignet haben, wobei sämtliche Tath andlungen mit der Fensterbohr-Methode vollzogen worden sind, die Tatorte betreffend die Fäll e 6.63 und 6.65 in knapp 100 Metern Gehdistanz voneinander entfernt liegen und in drei von vier Fällen die Hausbewohner während des Einbruchs zu Hause am Schlafen gewesen sind (Fall 6.6 3: act. 8725 ff.; Fall 6.64: act. 8787 ff.; Fall 6.65: act. 8813 ff.; Fall 6.66: a ct. 8847 ff.). Zudem ist im Fall 6.66 in der Nacht vom 31. Juli 2014 auf den 1. August 2014 ein Fahrzeug entwendet worden (act. 8847 ff., 8931 ff.), welches am 4. August 2014 ebenfalls in Rö schenz wieder entdeckt worden ist (act. 8935 f.). Gemäss dem ausgewerteten Navigationsgerät dieses Fahrzeugs ist selbiges am 1. August 2014 um 04:32 Uhr in Röschenz in Fahrtrichtu ng Roggenburg/BL in Betrieb genom- men worden. In der Folge ist die Täterschaft via Rogge nburg durch die französischen Gemein- den Kiffis, Raedersdorf, Oltingue, Fislis, Werentzhouse bis nach Folgensbourg gefahren, wo das Navigationsgerät um 05:02 Uhr ausgeschaltet worden ist. Am 2. August 2014 ist das Gerät sodann um 03:08 Uhr auf der Strecke von Mariastein in Richtung Rodersdorf während einer knappen Minute in Betrieb genommen worden. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass in der Nacht vom 1. auf den 2. August 2014 in Hof stetten und Röschenz ein Einbruch ge- schehen ist, wobei in Röschenz die Fensterbohr-Methode an gewendet und in Hofstetten am Tatort die DNA des Mitbeschuldigten B.____ gefunden w orden ist (vgl. nachfolgend die Fälle 6.67 und 6.69). Das Navigationsgerät aus dem Personenwagen betreffend den Fall 6.66 ist des Weiteren in der Nacht vom 3. auf den 4. August 2014 um 23:49 Uhr auf der Autobahn durch Seite 44 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mulhouse in Fahrtrichtung der Autobahn A35 (Basel-Colm ar-Strasbourg) erneut eingeschaltet gewesen. Kurz vor dem Autobahnzoll ist die Ausfahrt Lör rach/D-St.Louis/F-Huningue/F- Hésingue/F-Altkirch/F genommen worden. Die Fahrt hat anschliessend durch die französischen Gemeinden Folgensbourg, Bettlach und Oltingue bis na ch Röschenz geführt, wo das Gerät am 4. August 2014 um 01:04 Uhr abgestellt worden ist (act. 8949 bis 8965). Ausserdem haben sich zum Tatzeitpunkt wiederum die in Verbindung zum Beschul digten A.____ und dem Mitbeschul- digten B.____ stehenden französischen Mobiltelefonnummer n registriert, und zwar konkret um 05:35 Uhr in Mulhouse, nachdem das eine Mobiltelefon zuvor letztmals um 21:46 Uhr ebenfalls in Mulhouse aktiv gewesen ist und das andere um 00:26 Uhr in Wolschwiller/F, was in Grenz- nähe unweit von Röschenz liegt (act. 3375). Sodann ist in Erinnerung zu rufen, dass das aus dem Einbruch betreffend den Fall 6.61 stammende Fahrz eug im vorliegend relevanten Tatzeit- raum, konkret am 31. Juli 2014 um 23:53 Uhr, in Mulho use mit dem Mitbeschuldigten B.____ und mindestens einer weiteren Person geblitzt worden i st (act. 8673). Überdies steht fest, dass betreffend die Fälle 6.63 und 6.66 an den Tatorten jeweils zwei verschiedene, aber immer glei- che Schuhspuren (S-14-001 und S-14-002) gesichert worden sind, die formaltechnisch gemäss Stufe 4 der ENFSI Skala übereingestimmt haben (act. 8755 bis 8759, 8895 bis 8899). Eine Übereinstimmung dieser Schuhspuren liegt zudem im gle ichen Ausmass mit denjenigen betref- fend den Fall 6.61 vor (act. 3275). Gemäss diesen Darl egungen besteht für das Kantonsgericht unter Einbezug der vorstehenden allgemeinen Ausführu ngen zu den Beweisen (vgl. oben E. 4.3) wiederum kein vernünftiger Zweifel, dass die vorliegenden Tathandlungen betreffend die Fälle 6.63 bis 6.66 vom Beschuldigten A.____ (zusammen mit dem bereits rechtskräftig verur- teilten Mitbeschuldigten B.____ und allenfalls D.____) verübt worden sind, womit der jeweils angeklagte Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Das Deliktsgut wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z14.____ in der Höhe von CHF 510.-- plausibel dargelegt (act. 2245, 8733). Ebenso als erstellt gilt der von der Polizei geschätzte u nd fotografisch belegte Sachschaden in der Höhe von CHF 500.-- (act. 8727 ff.). k) Konkrete Würdigung des Falles 6.64 Seite 45 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z15.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.63 verwiesen. Da im konkreten Fall die ausgelöste Alarmanlage die Tät erschaft verscheucht hat, ist kein De- liktsgut erbeutet worden. Allerdings ist beim Einbruchsversuch ein nachgewiesener Sachschaden in der Höhe von CHF 3'959.95 verursacht worden (act. 2263, 8795 ff.). l) Konkrete Würdigung des Falles 6.65 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z16.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.63 verwiesen. Das Deliktsgut wird im vorliegenden Fall in der Höhe vo n CHF 120.-- plausibel dargelegt (act. 8815 ff.). Ebenso als erstellt gilt der von der Polizei geschätzte u nd fotografisch belegte Sachschaden in der Höhe von CHF 500.-- (act. 8815 ff.). m) Konkrete Würdigung des Falles 6.66 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z17.____ und Z18.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.63 verwiesen. Nebst einem plausibel dargelegten Deliktsbetrag in der Höhe von CHF 3'330.-- (act. 8857 f.) ist auch ein Fahrzeug im geschätzten Wert von CHF 8'000.-- entwendet worden (act. 2305). Zudem ist ein Sachschaden im Umfang von CHF 815.40 nachgewiesen (act. 8851). n) Konkrete Würdigung des Falles 6.67 In Bezug auf die Fälle 6.67 bis 6.70 ist Folgendes rel evant: Neben den vorgängig beurteilten Fällen haben sich einerseits in Hofstetten und anderers eits in Röschenz im Zeitraum vom 31. Juli 2014 bis zum 3. August 2014 weitere Einbrüc he zugetragen, wobei in den drei Fällen 6.68 bis 6.70 in Röschenz wiederum die Fensterbohr-Meth ode zum Einsatz gekommen ist Seite 46 http://www.bl.ch/kantonsgericht (act. 9093 ff., 9141 ff., 9163 ff., 9197 ff.). Die zw ei Fälle 6.68 und 6.69 haben sich in derselben Strasse in unmittelbar nebeneinanderliegenden Nachbar liegenschaften ereignet, was ohne Zweifel für die gleiche Täterschaft und denselben Tatze itpunkt (Nacht vom 1./2. August 2014) spricht. Von der gleichen Täterschaft ist aufgrund der örtlichen und zeitlichen Nähe zu den Fäl- len 6.68 und 6.69 sowie des identischen modus operandi auch im Fall 6.70 auszugehen. Im Fall 6.67, begangen im Zeitraum vom 1. August 2014, 23:00 Uhr, bis zum 2. August 2014, 13:45 Uhr, in Hofstetten hat sich die Täterschaft Zutritt zur Liegenschaft verschafft, indem sie zuerst die Fensterläden mit einem Schraubenzieher aufgehebelt , anschliessend die Fensterscheibe mit einem Stein eingeschlagen und zusätzlich das Fensterkr euz mit einer Astschere zerschnit- ten hat (act. 8967 ff.). Dieses brachiale Tatvorgehen entspricht grundsätzlich nicht der typischen Vorgehensweise des Beschuldigten A.____, allerdings stim mt die ab dem verwendeten Stein gewonnene DNA-Spur in neun vergleichbaren typi-Systemen mit der DNA des Mitbeschuldigten B.____ überein. Zudem hat dieser im Direktvergleich al s Verursacher einer ab dem zurückge- lassenen Schraubenzieher gewonnenen Spur nicht ausgeschlo ssen werden können (act. 9023 ff., 9031 ff., 9035 ff., 3045, 3063). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme hat sich der Mitbeschuldigte B.____ in diesem Fall an "das mit dem Schraubenzieher" erinnern können und zu Protokoll gegeben, den Einbruch entweder mit dem Beschuldigten A.____ oder mit D.____ begangen zu haben (act. 9085). In der Erstbefr agung hat der Mitbeschuldigte B.____ angegeben, er vermöge sich an den Fall zwar nicht konkret zu erinnern, sei im Jahr 2014 je- doch immer mit dem Beschuldigten A.____ zusammen gew esen (act. 9073). Objektive Hinwei- se dafür, dass der Mitbeschuldigte B.____ nicht alleine unterwegs gewesen ist, ergeben sich ferner aus den in den Fällen 6.68 und 6.70 gesichert en Schuhspuren. So sind an den Tatorten je unterschiedliche Schuhspuren gesichert worden (Fall 6 .68: Spur 514-002; Fall 6.70: Spur 514-001). Formaltechnisch gemäss Stufe 4 der ENFSI Skal a haben diese Spuren dabei mit denjenigen betreffend die Fälle 6.63 und 6.66 übereingestimmt (act. 9109 f., 9179 f.). Zudem ist wie bereits vorstehend zu den Fällen 6.63 bis 6.66 ausgef ührt, in der Nacht vom 31. Juli 2014 auf den 1. August 2014 ein Fahrzeug entwendet worde n (act. 8847 ff., 8931 ff.), welches am 4. August 2014 ebenfalls in Röschenz wieder entdeckt worde n ist (act. 8935 f.). Gemäss dem ausgewerteten Navigationsgerät dieses Fahrzeugs ist selbi ges am 1. August 2014 um 04:32 Uhr in Röschenz in Fahrtrichtung Roggenburg in Betri eb genommen worden. In der Folge ist die Täterschaft via Roggenburg durch die französischen Ge meinden Kiffis, Raedersdorf, Ol- tingue, Fislis, Werentzhouse bis nach Folgensbourg gefa hren, wo das Navigationsgerät um Seite 47 http://www.bl.ch/kantonsgericht 05:02 Uhr ausgeschaltet worden ist. Am 2. August 2014 ist das Gerät sodann um 03:08 Uhr auf der Strecke von Mariastein in Richtung Rodersdorf währen d einer knappen Minute in Betrieb genommen worden. Diese Daten passen exakt zu den vorlie gend zu beurteilenden Delikten. Sodann haben sich zum Tatzeitpunkt wiederum die in Ver bindung zum Beschuldigten A.____ und dem Mitbeschuldigten B.____ stehenden französischen M obiltelefonnummern registriert, und zwar konkret um 00:26 Uhr im grenznahen Wolschwille r sowie um 05:35 Uhr in Mulhouse (act. 3277, 3375). Gemäss diesen Darlegungen besteht fü r das Kantonsgericht unter Einbezug der vorstehenden allgemeinen Ausführungen zu den Beweisen (vgl. oben E. 4.3) wiederum kein vernünftiger Zweifel, dass die vorliegenden Tathandlun gen betreffend die Fälle 6.67 bis 6.70 vom Beschuldigten A.____ (zusammen mit dem bereits rech tskräftig verurteilten Mitbeschuldig- ten B.____) verübt worden sind, womit der jeweils ang eklagte Sachverhalt als erstellt zu erach- ten ist. Das Deliktsgut wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z19.____ in der Höhe von CHF 2'590.-- plausibel dargelegt (act. 8969 ff.). Zudem ist ein Sachschaden im Umfang von CHF 2'450.-- nachgewiesen (act. 8971 ff.). o) Konkrete Würdigung des Falles 6.68 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z20.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.67 verwiesen. Das Deliktsgut wird im vorliegenden Fall im Umfang von CHF 810.-- plausibel dargelegt (act. 9101). Ebenso als erstellt gilt der von der Polizei geschätzte u nd fotografisch belegte Sachschaden in der Höhe von CHF 1'000.-- (act. 9095 ff.). p) Konkrete Würdigung des Falles 6.69 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z21.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.67 verwiesen. Seite 48 http://www.bl.ch/kantonsgericht In diesem Fall ist kein Deliktsgut erbeutet worden (act. 9141 ff.). Allerdings gilt ein polizeilich geschätzter und fotograf isch dokumentierter Sachschaden in der Höhe von CHF 500.-- als erstellt (9143 ff.). q) Konkrete Würdigung des Falles 6.70 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z22.____ sel. auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.67 verwiesen. Das Deliktsgut gilt in der Höhe von CHF 450.-- als erstellt (act. 9169). Ebenso als erstellt gilt der von der Polizei geschätzte u nd fotografisch belegte Sachschaden in der Höhe von CHF 500.-- (act. 9185 ff.). r) Konkrete Würdigung des Falles 6.71 Im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z23.____, Z24.____, Z25.____ und der Z26.____ AG ist gestützt auf das vor Kantonsgericht vorgebrachte Gestän dnis des Berufungsklägers sowie die übrige Beweis- und Indizienlage ‒ namentlich die im entwendeten Fahrzeug sichergestellte DNA des Beschuldigten A.____ ‒ der inkriminierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Bei seinem zugestandenen Einbruch hat der Beschuldigte A .____ Deliktsgut im Umfang von CHF 20'934.75 erbeutet (act. 9209 ff.); hinzu kommt de r Wert des entwendeten Fahrzeugs von rund CHF 20'000.-- (act. 9473). Der Sachschaden ist im Umfang von CHF 1'434.55 nachgewiesen (act. 9331 f.). s) Konkrete Würdigung des Falles 6.72 Im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z27.____ ist gest ützt auf das vor Kantonsgericht vorge- brachte Geständnis des Berufungsklägers sowie die übrige Beweis- und Indizienlage ‒ nament- lich die Rahmen des Falles 6.71 sichergestellte DNA des B eschuldigten A.____ ‒ der inkrimi- nierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Seite 49 http://www.bl.ch/kantonsgericht Da es in casu lediglich beim Versuch geblieben ist, ist kein Deliktsgut entwendet worden (act. 9477 ff.). Hingegen ist ein Sachschaden in der Höhe von CHF 1'266.10 nachgewiesen (act. 2377 ff.). t) Konkrete Würdigung des Falles 6.73 Bezüglich der Fälle 6.73 und 6.74 ist festzuhalten, da ss sich in der Nacht vom 11. auf den 12. August 2014 in Ettingen am XZ.____weg 1 ein Einbruch (Fall 6.73) und am XZ.____weg 2F ein Einbruchsversuch (Fall 6.74) ereignet haben. In b eiden Fällen hat sich die Täterschaft der Fensterbohr-Methode bedient, und die Geschädigten sind am Schlafen gewesen (act. 9515 ff., 9627 ff.). Ein am XZ.____weg 2E wohnhafter Nachbar h at in der besagten Nacht um ca. 02:05 Uhr zwei Personen mit Taschenlampen umherschleichen geseh en, wobei die eine mit einem grauen Kapuzenpullover und die andere mit einer schwar zen Hose und einem roten Oberteil bekleidet gewesen sei (act. 2519). Der Mitbeschuldigte B.____ hat in diesem Zusammenhang angegeben, ein rotes Oberteil besessen zu haben, welch es er auch in Frankreich getragen ha- be (act. 9683). Anlässlich des Einbruchs betreffend den Fall 6.73 ist ein Fahrzeug (Opel Zafira, Kennzeichen BL 6.____) entwendet worden (act. 9627 ff.), welches am 12. August 2014 in Mul- house mit N.____ als Fahrer gestoppt worden ist (act. 3 305 f., 9633 f., 9525). Dieser hat dabei in seiner Hosentasche Handschuhe mit sich geführt, ab d eren Innenseite eine in 16 vergleich- baren typi-Systemen mit der DNA des Mitbeschuldigten B._ ___ übereinstimmende Spur hat gesichert werden können (act. 3305 f., 9637 ff., 3045, 3055). Sodann ist am 9. Oktober 2014 in Ettingen ein Fahrzeug (Citroën Xsara, französisches Kenn zeichen F 1.____) aufgefunden wor- den, welches am 10./11. August 2014 in Niederentzen/ F anlässlich eines mittels der Fenster- bohr-Methode begangenen Einbruchs zum Nachteil von Z 28.____ entwendet worden war (act. 9579 ff., 9591, Aktenbeilage CD Copie Dossier 311 7126). Dieses Fahrzeug ist am 11. Au- gust 2014, um 04:29 Uhr, in Oberhergheim/F von einer Geschwindigkeitsmessanlage geblitzt worden, wobei die Person am Steuer Ähnlichkeiten mit dem Beschuldigten A.____ aufgewiesen hat (act. 3303, 3345, 8677). Die forensische Untersuchun g des Wagens hat ausserdem eine Spur zutage gefördert, die in zwölf vergleichbaren typi -Systemen mit der DNA des Mitbeschul- digten B.____ übereingestimmt hat (act. 9593 ff., 30 45, 3055). Eine weitere, in 13 vergleichba- ren typi-Systemen mit der DNA des Mitbeschuldigten B.___ _ übereinstimmende Spur ist über- dies am Tatort betreffend den Fall 6.73 sichergestell t worden (act. 9545 ff., 3045, 3053 f.). Fest Seite 50 http://www.bl.ch/kantonsgericht steht zudem, dass in verschiedenen Gemeinden des Elsass im Zeitraum vom 8. bis zum 11. August 2014 Einbrüche verübt worden sind, und sich dabei die in Verbindung zum Beschul- digten A.____ und dem Mitbeschuldigten B.____ stehende n französischen Mobiltelefonnum- mern mehrfach zu den passenden Tatzeiten in den entspr echenden Ortschaften registriert ha- ben (act. 3303, 3445, CD Copie Dossier 3/15/SS, Aktenstück D 263, D 480 ff.). Der Mitbeschul- digte B.____ hat anlässlich seiner Erstbefragung bestätig t, diese beiden Einbrüche mit dem Beschuldigten A.____ und D.____ begangen zu haben; N. ____ sei danach lediglich mit dem Auto gefahren (act. 9601 ff.). In der Konfrontationseinvernahme hat der Mitbeschuldigte B.____, wie bereits mehrfach wiedergegeben, zu Protokoll gegebe n, immer mit dem Beschuldigten A.____ unterwegs gewesen zu sein bzw. nur mit diesem ge arbeitet zu haben (act. 9619 ff.). Nach Ausgeführtem besteht für das Kantonsgericht unte r Einbezug der vorstehenden allgemei- nen Erwägungen zu den Beweisen (vgl. oben E. 4.3) auc h hier kein vernünftiger Zweifel, dass die vorliegenden Tathandlungen betreffend die Fälle 6.73 und 6.74 vom Beschuldigten A.____ (zusammen mit dem bereits rechtskräftig verurteilten Mit beschuldigten B.____) begangen wor- den sind, womit der jeweils angeklagte Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. In Bezug auf das Deliktsgut ist im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z29.____ ein Betrag im Umfang von CHF 5'250.--, wovon CHF 5'000.-- auf das e ntwendete Fahrzeug entfallen, ange- klagt und erstellt (act. 9521, 9629). Ebenso als erstellt gilt der von der Polizei geschätzte u nd fotografisch belegte Sachschaden in der Höhe von CHF 500.-- (act. 9515 ff.). u) Konkrete Würdigung des Falles 6.74 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z30.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.73 verwiesen. In diesem Fall ist kein Deliktsgut erbeutet worden (act. 9671 ff.). Nachgewiesen ist hingegen ein Sachschaden in der Höhe von CHF 270.-- (act. 2421 f.). v) Konkrete Würdigung des Falles 6.75 Seite 51 http://www.bl.ch/kantonsgericht Wiederum in Biel-Benken ist betreffend die Fälle 6.7 5 und 6.76 eine weitere Einbruchsserie in der Nacht vom 14./15. August 2014 verübt worden, wobei die beiden betroffenen Liegenschaf- ten rund 250 Meter voneinander entfernt liegen (act. 9697 ff., 9749 ff.). In diesem Zusammen- hang ist zu bemerken, dass sich die in Verbindung zum B eschuldigten A.____ und dem Mitbe- schuldigten B.____ stehenden französischen Mobiltelefonnu mmern in der Tatnacht um 02:52 Uhr in Hagenthal-le-Bas und um 02:53 Uhr in Wolschwill er und damit im grenznahen Raum zu den Tatorten registriert haben. Ausserdem hat sich eine der Nummern um 04:41 Uhr in Batten- heim/F, einer Gemeinde in der Nähe von Mulhouse, registriert (act. 3539, 3315, CD Copie Dos- sier 3/15/SS, Aktenstücke D 263, D 480 ff.). In der fraglichen Nacht sind zudem in Bartenheim/F Einbrüche begangen und ist ein Fahrzeug gestohlen worden (act. 9723 bis 9731). Nachdem der Beschuldigte A.____ und der Mitbeschuldigte B.____ fü r mindestens einen dieser Einbrüche ‒ zum Nachteil von Z31.____ ‒ rechtskräftig verurteilt worden sind (act. 97 ff., 199 ff.), steht frag- los fest, dass die Beiden zum Tatzeitpunkt in Tatortnäh e in vergleichbarer Weise delinquiert haben. Betreffend den Fall 6.75 ist die Geschädigte du rch Geräusche geweckt worden, worauf- hin sie Nachschau gehalten hat. Dabei habe sie eine junge, männliche Person entdeckt, welche einen roten Trainer getragen habe und dabei gewesen sei, die Liegenschaft durch die geöffnete Sitzplatztüre zu betreten (act. 9701). Der Mitbeschuldi gte B.____ hat sich bei seiner Befragung an den roten Trainer erinnern können und zudem deponi ert, immer mit dem Beschuldigten A.____ unterwegs gewesen zu sein bzw. nur mit diesem g earbeitet zu haben (act. 9619 ff., 9745). In diesen beiden Fällen ist zwar die Fensterbohr-Methode nicht zum Einsatz gekommen, was aber nichts an den belastenden Umständen ändert, da sich die Täterschaft vorliegend durch Öffnen der unverschlossenen Balkon- bzw. Sitzplatztüre auf einfachere Art Zutritt zu den Liegenschaften hat verschaffen können. Somit sind für d as Kantonsgericht unter Einbezug der vorstehenden allgemeinen Erwägungen zu den Beweisen (vg l. oben E. 4.3) wiederum keine vernünftigen Zweifel ersichtlich, dass die vorliegenden T athandlungen betreffend die Fälle 6.75 und 6.76 vom Beschuldigten A.____ (zusammen mit dem be reits rechtskräftig verurteilten Mit- beschuldigten B.____) verübt worden sind, womit der jeweils angeklagte Sachverhalt als erstellt zu erachten ist. Im Fall 6.75 zum Nachteil von Z32.____ ist es ledigli ch beim Versuch geblieben, womit auch kein Deliktsgut erbeutet worden ist (act. 9697 ff.). Seite 52 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gleichermassen ist kein Sachschaden angerichtet worden (act. 9697 ff.). w) Konkrete Würdigung des Falles 6.76 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z33.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.76 verwiesen. Das Deliktsgut gilt in der Höhe von CHF 1'170.-- als erstellt (act. 9755). Nachdem die Täterschaft die Liegenschaft durch eine unve rschlossene Türe betreten hat, ist kein Sachschaden angerichtet worden (act. 9751). x) Konkrete Würdigung des Falles 6.77 Betreffend die Fälle 6.77 bis 6.79b ist zu konstatier en, dass in der Nacht vom 19. auf den 20. August 2014 erneut in Metzerlen und in Rodersdorf ein Einbruchsversuch und drei vollende- te Einbrüche verübt worden sind, bei welchen drei Mal die Fensterbohr-Methode angewendet worden ist und ein Mal die Täterschaft über eine unver schlossene Verbindungstüre innerhalb einer Liegenschaft, in die sie zuvor gewaltsam eingebrochen war, Zutritt in eine weitere Liegen- schaft erlangt hat (act. 9779 ff., 9821 ff., 9989 ff.) . In drei der vier Fälle sind die Hausbewohner während des Einbruchs am Schlafen gewesen und in eine m dieser drei Fälle hat die Täter- schaft sogar das Schlafzimmer betreten. lm Fall 6.78 ist e in Personenwagen (Mini One, Kenn- zeichen SO 3.____) entwendet worden (act. 9889 ff.), welcher am Folgetag um 03:02 Uhr auf der Autobahn A36 Richtung Belfort in Höhe Sausheim g eblitzt worden ist (act. 9895). Rund vier Monate später ist das Fahrzeug in Mulhouse aufgefunden worden (act. 9899, 9907). In demsel- bigen ist eine Spur gesichert worden, die in 14 vergl eichbaren typi-Systemen mit der DNA des Mitbeschuldigten B.____ übereingestimmt hat (act. 9951 ff., 3045, 3063). Überdies ist im Wa- gen ein Stück verbogener Metalldraht gefunden worden, welcher typischerweise bei der Fens- terbohr-Methode Verwendung findet (act. 9907 bis 9911 , 9943, 9945). In Metzerlen ist ferner am 20. August 2014 im Nachgang zum beanzeigten Delikt in der Nähe des Tatortes das in der Nacht vom 18./19. August 2014 in Ostheim gestohlene Fa hrzeug (Audi A4, französisches Kennzeichen F 2.____) gefunden worden (act. 9787 f.). Für diesen Diebstahl zum Nachteil von Z34.____ sind der Beschuldigte A.____ und der Mitbeschu ldigte B.____ in Frankreich rechts- kräftig verurteilt worden (act. 97 ff., 199 ff., 978 9 f.). lm Fall 6.79a ist überdies ein Mobiltelefon Seite 53 http://www.bl.ch/kantonsgericht entwendet worden, welches am 25. September 2014 im al banischen Mobiltelefonnetz verwen- det worden ist (act. 10017 bis 10025). Im Zusammenhang mit dem Fall 6.78 hat die Geschädig- te vorgebracht, aufgewacht zu sein und zunächst eine P erson im Zimmer bemerkt zu haben. Dann sei ihr jedoch bewusst geworden, dass sich drei jünge re Männer im Zimmer befunden hätten; einer bei der Türe, einer beim Bett und einer beim Sekretär. Nachdem sie "hallo" gesagt habe, hätten sich die drei Personen wortlos und zeitlu penartig aus dem Zimmer entfernt (act. 9831, 9881 ff.). Der Mitbeschuldigte B.____ hat sich an das entwendete Fahrzeug zu erin- nern vermocht sowie aufgrund der Aussagen der Geschädi gten auch an die Beteiligung von D.____ und des Beschuldigten A.____ (act. 9813). Gemäss diesen Erwägungen besteht für das Kantonsgericht unter Einbezug der vorstehenden allgeme inen Ausführungen zu den Beweisen (vgl. oben E. 4.3) wiederum kein vernünftiger Zweifel, dass die vorliegenden Tathandlungen betreffend die Fälle 6.77 bis 6.79b vom Beschuldigten A.____ (zusammen mit dem bereits rechtskräftig verurteilten Mitbeschuldigten B.____ sowie D.____) verübt worden sind, womit der jeweils angeklagte Sachverhalt als erstellt gilt. Nachdem es im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z35.____ in Metzerlen aufgrund der ausge- lösten Alarmanlage beim Diebstahlsversuch geblieben ist, ist kein Deliktsgut erbeutet worden (act. 9779 ff.). Allerdings ist ein polizeilich geschätzter und fotografisc h festgehaltener Sachschaden von CHF 500.-- entstanden (act. 9815 ff.). y) Konkrete Würdigung des Falles 6.78 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegende n Fall zum Nachteil von Z36.____ in Rodersdorf auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.77 verwiesen. Das Deliktsgut gilt in der Höhe von CHF 3'645.-- (act. 9825 f.) sowie von CHF 20'000.-- für das entwendete Fahrzeug (act. 9889 f.) als erstellt. Gleichermassen als erstellt zu bezeichnen ist der polizeili ch geschätzte und bildlich dokumen- tierte Sachschaden in der Höhe von CHF 800.-- (act. 9825 f., 9871 f.). Seite 54 http://www.bl.ch/kantonsgericht z) Konkrete Würdigung des Falles 6.79a Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegende n Fall zum Nachteil von Z37.____ in Rodersdorf auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.77 verwiesen. Im Umfang von CHF 1'129.-- ist die Höhe des Deliktsgutes nachgewiesen (act. 2465). Ebenso nachgewiesen ist ein Sachschaden von CHF 751.70 (act. 2467). z1) Konkrete Würdigung des Falles 6.79b Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegende n Fall zum Nachteil von Z38.____ in Rodersdorf auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.77 verwiesen. Vorliegend gilt das Deliktsgut in der Höhe von CHF 20.-- als erstellt (act. 9993). Ein zum Fall 6.79a zusätzlicher entstandener Sachschaden wird nicht angeklagt. z2) Konkrete Würdigung des Falles 6.80 Hinsichtlich der Fälle 6.80 und 6.81 ist zu bemerken, dass sich in der Nacht vom 24. auf den 25. August 2014 in den solothurnischen Gemeinden Klein lützel und Hofstetten je ein Einbruch mittels der Fensterbohr-Methode zugetragen hat (act. 1 0043 ff., 10081 ff.). Die Geschädigte im Fall 6.80 ist aufgrund von Geräuschen erwacht und in der Folge auf zwei Männer gestossen, als sie die Türe ihres Schlafzimmers geöffnet hat (act. 10053). lm Inneren der Liegenschaft ha- ben Schuhspuren gesichert werden können, die hinsichtlich des Musters mit den im Fall 6.67 gefundenen Spuren übereingestimmt haben (act. 10049 ff., 10057 f., 10065 f.). lm Fall 6.81 sind zwei verschiedene Schuhspuren gesichert worden, wobei ei ne bezüglich des Musters mit Spu- ren aus dem Fall 6.59 übereingestimmt hat (act. 10087 ff., 10107 f.). Zudem sind in beiden vor- liegenden Fällen Schuhspuren entdeckt worden, welche im Muster kongruent gewesen sind (act. 10065 f., 10107 f.). Zusätzlich ist im Fall 6.81 e ine Abriebspur gesichert worden, bei wel- cher der Mitbeschuldigte B.____ im Direktvergleich als Ha uptspurengeber nicht hat ausge- schlossen werden können (act. 10093 ff.). Festzuhalten ist sodann, dass die Tatorte betreffend die Fälle 6.81 und 6.67 nur wenige hundert Meter von einander entfernt liegen (act. 4425). In Bezug auf den Fall 6.67 ist das Kantonsgericht bereits vorgängig zum Schluss gekommen, dass Seite 55 http://www.bl.ch/kantonsgericht das entsprechende Delikt vom Beschuldigten A.____ (zusamm en mit dem bereits rechtskräftig verurteilten Mitbeschuldigten B.____) verübt worden ist. Desgleichen ist im Hinblick auf die vor- liegenden Tathandlungen betreffend die Fälle 6.80 u nd 6.81 unter Einbezug der vorstehenden allgemeinen Ausführungen zu den Beweisen (vgl. oben E . 4.3) wiederum kein vernünftiger Zweifel ersichtlich, dass der jeweils angeklagte Sachverha lt als erstellt zu erachten ist. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte A.____ und der Mitbeschu ldigte B.____ zusammen mit D.____ nur gerade einen Tag später in Biel-Benken ei nen weiteren Einbruchsdiebstahl began- gen und dabei mit einem am 24. August 2014 in Ostheim entwendeten Fahrzeug (act. 10259 ff.) bei der Flucht vor der Polizei eine Sperre durchbroche n haben, was vom Berufungskläger grundsätzlich anerkannt wird (vgl. nachfolgend E. 7). Im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z39.____ ist das De liktsgut im Umfang von CHF 620.-- plausibel dargelegt (act. 10045). Ebenso nachvollziehbar erstellt ist der polizeilich ge schätzte und fotografisch dokumentierte Sachschaden in der Höhe von CHF 300.-- (act. 10045, 10075 ff.). z3) Konkrete Würdigung des Falles 6.81 Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z40.____ auf die vorstehenden Erwägungen zum Fall 6.80 verwiesen. Das Deliktsgut ist in casu im Umfang von CHF 2'112.-- nachgewiesen (act. 2507, 10081 f.). Gleichermassen nachgewiesen ist der entstandene Sachschaden in der Höhe von CHF 800.-- (act. 2507, 10083). z4) Konkrete Würdigung des Falles 6.83 Im vorliegenden Fall zum Nachteil von Z41.____ in Biel -Benken ist gestützt auf das vor Kan- tonsgericht vorgebrachte Geständnis des Berufungsklägers sowie die übrige Beweis- und Indi- zienlage ‒ namentlich das im Zusammenhang mit dem nachfolgend zu würdigenden Vorwurf der Gefährdung des Lebens bereits im Vorverfahren depo nierte Geständnis des Beschuldigten Seite 56 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.____, das in casu benutzte Fluchtfahrzeug gelenkt zu ha ben ‒ der inkriminierte Sachverhalt ohne Weiteres erstellt. Das Deliktsgut ist in der angeklagten Höhe von CHF 9'805.-- nachgewiesen (act. 10469). Gleichermassen nachgewiesen ist der verursachte Sachschaden im Umfang von CHF 561.60 (act. 10461). z5) Zusammenfassend ist damit hinsichtlich der Einzelfälle g emäss Ziffer 6 der Anklage (Fälle 6.56 bis 6.81 und 6.83) in Abweisung des Rechtsmittels d es Berufungsklägers und somit in Be- stätigung des angefochtenen Urteils die entsprechende T äterschaft des Beschuldigten A.____ in sämtlichen Fällen ohne vernünftigen Zweifel nachge wiesen. Die auf diese Erkenntnisse fol- gende rechtliche Würdigung des jeweils inkriminierten Sachverhalts ist sogleich im Anschluss vorzunehmen. 4.7 Rechtliche Würdigung a) aa) Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist der Beschul digte A.____ in den Fällen 4.37, 4.38, 4.40, 5.44, 5.46, 5.50, 5.51, 5.52, 5.54, 6.56, 6.57, 6.58, 6.61, 6.62, 6.63, 6.65, 6.66, 6.67, 6.68, 6.70, 6.71, 6.73, 6.76, 6.78, 6.79a, 6. 79b, 6.80, 6.81 und 6.83 des Diebstahls nach Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie in den Fällen 4.39, 4.4 1, 5.45, 5.49, 5.53, 5.55, 6.60, 6.64, 6.69, 6.72, 6.74, 6.75 und 6.77 des Versuchs hierzu (gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig zu sprechen. Diesbezüglich bestehen keinerlei Zweifel daran, dass er jeweils direktvorsätzlich sowie in Aneignungs- und Bereic herungsabsicht fremde bewegliche Sachen weggenommen hat bzw. zu diesem Zweck jeweils dire ktvorsätzlich sowie in Aneig- nungs- und Bereicherungsabsicht in die einzelnen Liegensc haften eingedrungen ist oder zu- mindest die entsprechenden Grundstücke betreten hat, vo r einer spezifischen Wegnahme je- doch aus verschiedenen und ihm nicht zurechenbaren Grün den hat flüchten müssen. Demge- genüber ist er in den Fällen 4.42, 4.43, 5.47 und 5. 48 mangels Nachweises des inkriminierten Sachverhalts vom entsprechenden Vorwurf freizusprechen. G esamthaft hat der Beschuldigte A.____ im Rahmen seiner Diebstähle Vermögenswerte von über CHF 265'500.-- erbeutet. Seite 57 http://www.bl.ch/kantonsgericht bb) In Bezug auf die entwendeten Fahrzeuge ist unter Ver weis auf die diesbezüglichen Aus- führungen der Vorinstanz (vgl. E. III.1.1 S. 76 f.) zu konstatieren, dass diese Tathandlungen betreffend die Fälle 5.52, 6.58, 6.61, 6.66, 6.71, 6.73 und 6.78 ebenfalls ohne Weiteres unter den Tatbestand des Diebstahls zu subsumieren sind, was den n vom Beschuldigten auch nicht substantiiert angefochten wird. cc) Der Beschuldigte A.____ hat in einem Zeitraum von knap p fünfeinhalb Monaten, konkret vom 16. März 2014 bis zum 26. August 2014, anlässlich mehr erer Deliktsserien 42 Einbruchs- diebstähle begangen (davon 13 Versuche) und dabei zu sammen mit seinen Mittätern einen Deliktsbetrag von über CHF 265'500.-- (davon entfallen CHF 87'000.-- auf die gestohlenen Fahrzeuge) erbeutet. Unzweifelhaft ist, dass sich der Beschuldigte A.____ jeweils nur zu einem einzigen Zweck in der Schweiz aufgehalten hat, nämlich, um in möglichst kurzer Zeit so viele Vermögenswerte zu stehlen wie nur irgendwie möglich. D amit steht ohne jeden Zweifel fest, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Beru fes ausgeübt hat. Es ist ihm offensicht- lich darum gegangen, durch sein deliktisches Handeln rege lmässige Einnahmen zu erzielen, welche angesichts des Fehlens einer irgendwie gearteten legalen Erwerbstätigkeit den aus- schliesslichen Beitrag an die Kosten seiner Lebensgestaltung dargestellt haben. Ebenso fraglos hat er die Taten mehrfach begangen, und er ist selbstv erständlich bereit gewesen, möglichst viele weitere unter den entsprechenden Tatbestand fall ende Handlungen zu begehen. Folglich ist er ohne Weiteres im Hinblick auf die vorstehend aufge listeten Fälle in Anwendung von Art. 139 Ziff. 2 StGB des gewerbsmässigen Diebstahls schul dig zu sprechen. Dies gilt im Übri- gen auch für die versuchten Tatbegehungen, da Ziff. 2 von Art. 139 StGB die verschiedenen begangenen Delikte zu einer rechtlichen Einheit zusamme nfasst, wodurch die Deliktsmehrheit (hinsichtlich der vollendeten wie eben auch der versuchten Straftaten) insgesamt abgegolten ist (vgl. MARCEL ALEXANDER NIGGLI / CHRISTOF RIEDO , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auf- lage, Basel 2019, N 113 zu Art. 139 StGB, mit zahlreichen Hinweisen). dd) In denjenigen 32 Fällen, in welchen der Beschuldigt e A.____ nachweislich immer mit dem Mitbeschuldigten B.____ (und teilweise mit D.____ sowi e anderen Beteiligten) zusammenge- wirkt hat (Fälle 4.37 bis 4.41, 6.56 bis 6.81 und 6.83 ), ist fraglos von einer arbeitsteiligen Tatbe- gehung und einem intensiven Zusammenwirken in einem stab ilen Team, in welchem der Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung einer Mehrzahl von Delikten gerichtet gewesen ist, Seite 58 http://www.bl.ch/kantonsgericht auszugehen, womit diesbezüglich auch der bandenmässige Die bstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 3 StGB zu bejahen ist. Lediglich in Bezug auf die zehn Fälle 5.44 bis 5.46 und 5.49 bis 5.55, bei welchen nicht zweifelsfrei hat nachgewiesen werden können, dass der Beschuldigte A.____ die Straftaten mit den jeweils gleichen Mitt ätern verübt hat, ist das Vorliegen von Ban- denmässigkeit mangels Bestehens eines stabilen Teams zu verneinen. b) aa) Im Rahmen des Berufungsverfahrens hat der Beschuldigte A.____ im Sinne einer Rüge vorgebracht, dass sich in den meisten Fällen die angeklag ten Delikts- bzw. Schadenssummen lediglich auf Schätzungen der Polizei oder Aussagen der Geschädigten abstützten, was aber gemäss der neuen Praxis des Bundesgerichts nicht ausreich end sei, um auf eine entsprechen- de Verurteilung schliessen zu können. Diesem Einwand ist nicht zu folgen. Zutreffend ist zwar, dass das Bundesgericht in seiner neuen Praxis (vgl. zum Gan zen BGer 6B_790/2021 vom 20. Januar 2022 E. 1.5.3) bezogen auf einen konkreten A nwendungsfall erkannt hat, hinsicht- lich des Schuldspruchs wegen Diebstahls, namentlich in Bezu g auf die Fragen, ob und welche fremden beweglichen Sachen der Beschwerdeführer zur Aneignung weggenommen haben soll, seien die Angaben der Geschädigten ausschlaggebend. Weit ere Beweise lägen nicht vor, nachdem das Deliktsgut nicht habe sichergestellt werden kö nnen und es an anderen diesbe- züglichen Hinweisen fehle. Eine formelle Einvernahme d er Geschädigten habe indessen nie stattgefunden. Deren Angaben seien nur im Polizeirapport ersichtlich. Wenn die Vorinstanz ein- zig auf den Polizeirapport abstelle und keine weiteren Beweise abnehme, mithin keine Befra- gungen der Geschädigten über das Deliktsgut vornehme, o bwohl der Beschwerdeführer die Wegnahme desselben bestreite, verfalle sie in Willkür u nd komme ihrer Untersuchungspflicht nicht nach. Ihr Entscheid genüge ferner in diesem Punkt den Begründungsanforderungen von Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG nicht und verletze den Ansp ruch des Beschwerdeführers auf rechtli- ches Gehör. Dieses Urteil kann jedoch nach Überzeugung des Kantonsgerichts aus verschiedenen Gründen nicht auf den vorliegenden Fall übertragen werden. Zunächst ist in allgemeiner Weise festzuhal- ten, dass es im zitierten Entscheid um zwei Fragen gegang en ist, nämlich erstens ob und zwei- tens welche fremden beweglichen Sachen der Beschuldigte zur Aneignu ng weggenommen ha- ben soll. Ob der Beschuldigte in casu fremde bewegliche Sachen zur An eignung weggenom- Seite 59 http://www.bl.ch/kantonsgericht men hat, ist allerdings angesichts der in concreto her rschenden Beweislage gestützt auf die vorstehenden Erwägungen von vornherein nicht mehr frag lich, womit es vorliegend nur noch um das Deliktsgut (sowie die Schadenssumme) gehen kann. Diesbezüglich ist in konkreter Hin- sicht festzustellen, dass sich die spezifischen Schadenssummen nicht bloss auf irgendwelche Schätzungen der Polizei abstützen, sondern ‒ soweit keine Rechnungen oder Reparaturoffer- ten vorliegen ‒ das Resultat von Vergleichen der zahlreichen, in jedem Einzelfall fotografisch dokumentierten Tatorte sowie von Erfahrungswerten unt ereinander darstellen. Die angeklagten Deliktssummen basieren teilweise, namentlich bei den höheren Beträgen, auf den ausbezahlten Versicherungssummen oder Verkehrswertschätzungen von Fahrze ugen und im Übrigen auf den Angaben der Geschädigten. Deren Aussagen jedoch sind samt und sonders einer Plausibi- litätsüberprüfung sowohl in Bezug auf sich selbst als auc h im Vergleich zu den zahlreichen an- deren Fällen unterzogen worden. Angesichts der vorliege nd zu beurteilenden Anzahl von 46 Einbruchsdiebstählen wäre es mit einem nicht zu rechtfe rtigenden bürokratischen Aufwand ver- bunden, hinsichtlich jeder einzelnen Delikts- oder Schade nsbetragsnennung (selbst im Baga- tellbereich) eine förmliche Einvernahme (vor der Beru fungsinstanz) mit den Betroffenen durch- zuführen, zumal der Beschuldigte A.____ eine ganze Rei he von Tathandlungen nicht einmal bestreitet. Dies gilt umso mehr, als nicht zu erwarten i st, dass bei einer solchen förmlichen Ein- vernahme andere Zahlen genannt werden als ihm Rahmen der Anzeige bei der Polizei. Nicht angehen kann in diesem Zusammenhang die unterschwelli ge Unterstellung, wonach die Ge- schädigten per se versucht sein sollen, die objektivierte n Einbrüche zum Anlass zu nehmen, Vorbereitungshandlungen für einen allfälligen Versiche rungsbetrug zu begehen, soweit es sich beim Deliktsgut überhaupt um versicherte bzw. versicherbare Vermögenswerte handelt, was beispielsweise bei Bargeld nur beschränkt der Fall ist. Bei nicht versicherten oder nicht versi- cherbaren Vermögenswerten ist in casu, nachdem zwischen d en Geschädigten und dem Be- schuldigten keinerlei Beziehung besteht, per se überhaup t kein Interesse erkennbar, falsche Angaben zu machen. Nicht einsehbar ist ferner, weshalb i n Bezug auf die Anzeigeerstattung und die darauf fussende gesamtheitliche Strafuntersuch ung ein polizeiliches Protokoll ohne förmliche Einvernahme der Geschädigten genügt, hinsich tlich der einzelnen Delikts- und Scha- denssummen, welche ja nur einen Teil der Anzeige darst ellen, dies aber nicht mehr der Fall sein soll. Entscheidend muss vielmehr sein, dass die entspre chenden Summen im Rahmen einer Gesamtbetrachtung des Einzelfalles sowie unter B erücksichtigung der Zahlen in den ver- gleichbaren übrigen Fällen plausibel dargelegt werden , was vorliegend allesamt geschehen ist. Seite 60 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bloss bei aus der Norm fallenden Summen bzw. soweit auf grund der konkreten Umstände Zweifel daran angebracht sind, ist zu erwarten, dass d iese entweder mittels Unterlagen belegt oder dann stringent begründet werden, was ebenfalls e rfolgt ist. Schliesslich bedarf es offen- sichtlich auch keiner Erklärung, dass die nachweislich gebohr ten Löcher tatsächlich Schäden darstellen. bb) Zu befinden ist schliesslich über die von der Staatsanwal tschaft aufgeworfene Frage, ob der Beschuldigte des einfachen oder des mehrfachen gewe rbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls schuldig zu erklären ist. Nach Ansicht der Sta atsanwaltschaft sei deshalb von einer mehrfachen banden- und gewerbsmässigen Tatbegehung auszu gehen, weil es Unterbrüche zwischen den einzelnen Tatserien gegeben und der Beschul digte jeweils einen erneuten Ta- tentschluss gefasst habe, in der Schweiz zu delinquieren. Diesbezüglich vertritt das Kantonsgericht die Auffassung, dass es sich nur um einen einfachen gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahl handelt. Zutreffend ist zwar, dass vorliegend mehrere Serien angeklagt sind (Fälle 4.37 bis 4.43 im Zeitraum vom 16. März 2014 bis zum 25. März 2014, Fälle 5.44 bis 5.55 im Zeitraum vom 10 . Mai 2014 bis zum 18. Juli 2014 sowie Fälle 6.56 bis 6.83 im Zeitraum vom 26. Juli 2014 b is zum 26. August 2014), und der Beschul- digte mutmasslicherweise zwischen einzelnen Delikten Zeit i n Albanien verbracht hat. Anderer- seits haftet den einzelnen Deliktsserien etwas Zufälliges a n, liegen doch beispielsweise zwi- schen der zweiten und der dritten Serie bloss acht Tage, in denen im Übrigen nicht bekannt ist, wie und wo sie der Beschuldigte verbracht hat. Darüber hinaus ist grundsätzlich nicht zweifels- frei erstellt, wann, wie oft und wie lange der Beschul digte in Albanien gewesen ist, wie auch nicht klar ist, ob im Zeitraum zwischen der ersten und der zweiten Serie nicht tatsächlich (in Frankreich) weiter delinquiert worden ist, so wie ja auch während der Deliktsserien in der Schweiz zusätzlich in Frankreich Tathandlungen verübt word en sind. Ausschlaggebend ist al- lerdings, dass beim Beschuldigten von einem Berufsverbre cher ausgegangen werden muss, und es sich bei seinem Willen, seinen Lebensunterhalt m ittels Einbruchsdiebstählen zu finan- zieren, um einen einheitlichen Tatentschluss im Sinne ein es einmal gefassten, langfristig aus- gerichteten Globalentscheids gehandelt hat, welcher a uch durch die (kurzen) Unterbrechungen in den Handlungen oder durch räumliche Verschiebungen, wie beispielsweise durch Aufenthalte in Albanien, nicht aufgehoben worden ist und dements prechend auch nicht jeweils hat neu ge- Seite 61 http://www.bl.ch/kantonsgericht fasst werden müssen. Dies wird untermauert durch die Tat sachen, wonach der Beschuldigte A.____ nach den Unterbrüchen immer wieder mit den gl eichen Personen zusammengewirkt, denselben modus operandi beibehalten und in den ähnlichen Gemeinden delinquiert hat. c) Zusammenfassend ist damit der Beschuldigte A.____ gestüt zt auf die vorstehenden Er- wägungen in Abweisung seiner diesbezüglichen Berufung und in teilweiser Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in den Fällen 4.37, 4.38, 4.39, 4.40, 4.41, 5.44, 5.45, 5.46, 5.49, 5.50, 5.51, 5.52, 5.53, 5.54, 5.55, 6.56, 6.57, 6.58, 6.60, 6.61, 6.62, 6.63, 6.64, 6.65, 6.66, 6.67, 6.68, 6.69, 6.70, 6.71, 6.72, 6.73, 6.7 4, 6.75, 6.76, 6.77, 6.78, 6.79a, 6.79b, 6.80, 6.81 und 6.83 des gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB schuldig zu erklären. Demgegenüber ist er in den Fäl- len 4.42 und 4.43 sowie 5.47 und 5.48 vom nämlichen Vorwurf freizusprechen. 5. Hausfriedensbruch 5.1 a) Die Vorinstanz hat den Beschuldigten A.____ des mehrf achen Hausfriedensbruchs schul- dig erklärt und dabei ausgeführt, dieser habe sich in 25 Fällen gewaltsam und in drei Fällen ohne Gewalt Zutritt zu den Liegenschaften verschafft und zudem in weiteren 13 Fällen ebenfalls gegen den offenkundigen Willen der Berechtigten erkennbar umfriedete Grundstücke betreten. b) Der Beschuldigte begehrt demgegenüber, er sei wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs in lediglich neun Fällen schuldig zu sprechen. c) Die Staatsanwaltschaft schliesst in diesem Punkt auf Abw eisung der Berufung des Be- schuldigten. 5.2 Nach Art. 186 StGB begeht einen Hausfriedensbruch und wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abgeschlossenen Raum eines H auses oder in einen unmittelbar zu Seite 62 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem Hause gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder G arten oder in einen Werkplatz un- rechtmässig eindringt oder, trotz der Aufforderung eine s Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt. Durch Art. 186 StGB geschütztes Rechtsgut ist das Hausrecht, d.h. die Befugnis, über die bestimmten Räume ungestört zu herrschen und darin den eigenen Willen frei zu betätigen. Geschützt wird auch der unmittelbar zu einem Haus geh örende Garten. Umfriedet bedeutet, dass solche Flächen umschlossen sein müssen, etwa durch Zä une oder Hecken. Massgebend ist die Erkennbarkeit der Abgrenzung, nicht deren Lückenl osigkeit. Eindringen ist das Betreten der geschützten Bereiche gegen den Willen des Berechtig ten. Die Art des Eindringens ‒ heim- lich, offen oder gewaltsam ‒ spielt keine Rolle. Der Wille des Berechtigten kann au sdrücklich oder konkludent zum Ausdruck gebracht werden oder aus den Umständen hervorgehen. Auf der subjektiven Seite erforderlich ist Vorsatz bzw. Event ualvorsatz (V ERA DELNON / BERHARD RÜDY , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Ba sel 2019, N 5 ff. zu Art. 186 StGB, mit Hinweisen). 5.3 Unter Verweis auf die vorstehenden Erwägungen zum gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahl sowie unter Berücksichtigung der zwei zusätzlichen Verurteilungen in den Fällen 4.40 und 4.41 steht nunmehr fest, dass sich der Beschuldigte A .____ in 27 Fällen gewaltsam und in drei Fällen ohne Gewalt Zutritt zu den Liegenschaften verschafft hat zwecks Begehung der ein- zelnen Diebstähle. Ausserdem hat er in weiteren 13 Fäl len (inklusive des Falles 6.59) ebenfalls mit der Absicht, Diebstähle zu verüben, erkennbar um friedete Grundstücke betreten. Bei all diesen Fällen steht ausser Frage, dass er vorsätzlich und g egen den Willen der berechtigten Personen gehandelt hat, womit er in Abweisung seiner d iesbezüglichen Berufung des mehrfa- chen Hausfriedensbruchs nach Art. 186 StGB hinsichtlich aller zu einer Verurteilung führender Fälle schuldig zu erklären ist. 6. Sachbeschädigung 6.1 a) Die Vorderrichter haben den Beschuldigten A.____ fer ner der mehrfachen Sachbeschädi- gung schuldig gesprochen und hierzu dargelegt, dieser habe in zehn Fällen alleine und in weite- Seite 63 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren 31 Fällen gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten B.__ __ Fenster oder Türen beschädigt beim gewaltsamen Öffnen oder dem Versuch dazu. b) Der Beschuldigte beantragt diesbezüglich einen vollumf änglichen Freispruch. c) Die Staatsanwaltschaft begehrt wiederum die Abweisung der Berufung des Beschuldig- ten. 6.2 Nach Art. 144 Abs. 1 StGB wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstra- fe bestraft, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigen tums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungs- recht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar mac ht. Als Beschädigen gilt jedes Herbei- führen einer mehr als nur belanglosen Mangelhaftigke it der Sache. Der Mangel kann durch er- hebliche Verletzung der Substanz der Sache hervorgerufe n werden sowie durch körperliche Einwirkung, welche entweder die bestimmungsgemässe Fun ktionsfähigkeit, die äussere Er- scheinung oder den Zustand der Sache wesentlich beeinträ chtigt. Die Tat ist vollendet, wenn die vom Vorsatz des Täters erfasste Beschädigung zumindest teilweise eingetreten ist. Subjek- tiv erfordert die Sachbeschädigung Vorsatz, wobei Even tualvorsatz genügt (P HILIPPE WEISSENBERGER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auflage, Ba sel 2019, N 22 ff. sowie N 80 ff. zu Art. 144 StGB, mit Hinweisen). 6.3 Wiederum unter Verweis auf die vorstehenden Erwägunge n zum gewerbs- und teilweise ban- denmässigen Diebstahl (insbesondere auch E. 4.7.b/aa) sowie unter Berücksichtigung der zwei zusätzlichen Verurteilungen in den Fällen 4.40 und 4.41 ist erstellt, dass der Beschuldigte A.____ entweder allein oder mit Mittätern, namentli ch dem Mitbeschuldigten B.____, in 38 Fäl- len (d.h. in sämtlichen Fällen mit Ausnahme der Fälle 6.56, 6.59, 6.75, 6.76 und 6.79b) insbe- sondere durch die Anwendung der Fensterbohr-Methode Sc häden im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Eindringen in die einzelnen Liegenschaften oder dem entsprechenden Versuch hierzu an den Fenstern oder Türen in der Höhe von gesa mthaft über CHF 32'380.-- verursacht hat. Dass er dabei ein vorsätzliches Handeln an den Ta g gelegt hat zwecks Erreichung seines eigentlichen Handlungsziels, des angestrebten Diebstahls, steht wiederum ausser Frage. Dem- Seite 64 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach ist der Beschuldigte A.____ in Bezug auf die genannten Fälle in Abweisung seiner diesbe- züglichen Berufung der mehrfachen Sachbeschädigung gemäss Art. 186 StGB schuldig zu sprechen. 7. Gefährdung des Lebens 7.1 a) In rubriziertem Punkt hat die Vorinstanz den Beschuldi gten A.____ zusammengefasst mit folgender Begründung anklagegemäss schuldig erklärt: Gest ützt auf den erstellten Sachverhalt sei festzuhalten, dass die Geschädigten nachts auf einer zweispurigen Strasse mit einem links- seitigen Trottoir eine Sperre errichtet hätten, indem sie ihr ziviles Polizeifahrzeug quer über die in Richtung Grenzübergang führende Fahrbahn platziert hätten. Der Beschuldigte, welcher zu- sammen mit B.____ in einem gestohlenen Fahrzeug unterw egs gewesen sei und kurz zuvor einen Einbruchsdiebstahl begangen habe, habe beabsicht igt, sich der Polizeikontrolle zu ent- ziehen. Bei einer geltenden Geschwindigkeit von 50 km/h sei der Beschuldigte A.____ mit deut- lich übersetzter Geschwindigkeit auf die Sperre zugefahren und habe das Polizeifahrzeug links- seitig ohne massgeblich abzubremsen umfahren. Dabei hätten die Räder des Fluchtfahrzeuges teilweise das Trottoir befahren, so dass die beiden sich auf dem Trottoir befindlichen Geschä- digten zur Seite hätten springen müssen, um vom Fahrzeu g nicht erfasst zu werden. Dieses habe den Geschädigten Z42.____schliesslich in einem Absta nd von ca. 30 bis 40 Zentimetern und den Geschädigten Z43.____ in einem solchen von ca. einem Meter passiert. Es sei ein höchst riskantes Fahrmanöver gewesen, beim dem der Beschuldigte A.____ ohne Weiteres die Beherrschung über das Fahrzeug hätte verlieren und die Geschädigten trotz deren Ausweich- manöver mit dem Fahrzeug erfassen können, zumal es Nacht und er mit dem entwendeten Fahrzeug nicht vertraut gewesen sei. lm Übrigen habe er selbst ohne drohenden Kontrollverlust über das gelenkte Fahrzeug keinen Einfluss auf die Reak tion der Geschädigten gehabt, und er habe sich ohnehin nicht darauf verlassen können, dass es diesen gelingen würde, sich rechtzei- tig aus dem Gefahrenbereich zu begeben. Es sei deshal b nicht dem Beschuldigten, sondern letztlich primär dem Zufall zu verdanken, dass das Fahrma növer geglückt sei. Andernfalls wä- ren die Folgen für die Geschädigten gravierend gewesen . Es dürfe als allgemein und somit auch A.____ bekannt angesehen werden, dass eine Koll ision eines deutlich über 50 km/h fah- Seite 65 http://www.bl.ch/kantonsgericht renden Autos mit einem Menschen mit hoher Wahrscheinli chkeit zu lebensgefährlichen Verlet- zungen führe. Schliesslich stehe das an den Tag gelegte V erhalten in keinem Verhältnis zum avisierten Ziel, womit auch die Skrupellosigkeit zu bejahen sei. b) Demgegenüber ist der Beschuldigte A.____ der Ansicht, es sei realitätsfremd, dass er sich all die Überlegungen gemacht haben soll, wie sie ih m vorgeworfen würden. Sein Ziel sei nicht gewesen, die Polizisten zu schädigen, sondern bloss, diese zu verscheuchen und freie Bahn zu haben. Bestritten werde zudem, dass er haarschar f an ihnen vorbeigefahren sein soll; abgesehen hiervon sei nicht zu erwarten gewesen, dass d iese auf die Fahrbahn springen wür- den. Spekulativ sei zudem die Unterstellung, dass er d ie Beherrschung über das Fahrzeug hät- te verlieren können. Eine unmittelbare Lebensgefahr lasse sich somit nicht nachweisen, ebenso wenig ein direkter Vorsatz und die ebenfalls verlangte Skrupellosigkeit, weshalb er vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens freizusprechen sei. c) Die Staatsanwaltschaft begehrt eine Bestätigung des erst instanzlichen Verdikts und ver- weist in diesem Zusammenhang auf die Begründung der Vorderrichter. 7.2 Gemäss Art. 129 StGB macht sich der Gefährdung des Leb ens schuldig, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bri ngt, wobei die Strafandrohung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre n beinhaltet. Tathandlung ist jedes Verur- sachen einer konkreten, unmittelbaren Lebensgefährdung. Die Lebensgefährdung ist ein Zu- stand, aufgrund dessen nach dem gewöhnlichen Lauf der D inge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Verletzung des geschützten Rechtsgut es besteht, wobei nicht eine ma- thematische Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % vorausge setzt ist. Unmittelbarkeit liegt vor, wenn die Verwirklichung der Gefahr wahrscheinlich und di e unvermittelte, akute Gefahr direkt dem Verhalten des Täters zuzuschreiben ist und nicht etwa aussen stehenden Ereignissen oder Handlungen von Drittpersonen (BGer 6S.467/2005 vom 7 . Juni 2006 E. 2). Auf der subjektiven Seite des Tatbestandes wird Vorsatz und Skrupellosigkeit verlangt. Dolus eventualis bezüglich der Gefährdung genügt nach der Praxis und der Lehre n icht. Der objektive Tatbestand verlangt die Verursachung einer unmittelbaren Lebensgefahr. W er aber bloss eventualvorsätzlich han- delt, schafft keine unmittelbare, sondern höchstens eine mittelbare, bedingte Lebensgefahr. Der Seite 66 http://www.bl.ch/kantonsgericht Täter muss sich bewusst sein, dass er durch sein Verhalten eine unmittelbare Lebensgefahr direkt herbeiführt; er muss die Möglichkeit des Erfolgs eintritts kennen. Im Unterschied zum Tö- tungsdelikt ist bei der Lebensgefährdung gefordert, dass zwar nicht der Erfolgseintritt, aber die unmittelbare Gefahrenlage gewollt ist. Mit der Skrupe llosigkeit ist ein qualifizierter Grad der Vorwerfbarkeit, eine besondere Hemmungs- und Rücksichtslosigkeit des Täters in der Situation gemeint. Zu berücksichtigen sind die Tatmittel, die Tatm otive sowie die konkrete Tatsituation. Skrupellosigkeit liegt umso näher, je grösser die Gefah r ist, die der Täter herbeiführt und je we- niger seine Beweggründe zu billigen oder zu verstehen sind. Skrupellosigkeit muss sich als Qualifikation der Tat ergeben. Vom Eventualvorsatz auf Tötung unterscheidet sich der Gefähr- dungsvorsatz dadurch, dass der Täter darauf vertraut, de r Tod des Opfers werde nicht eintre- ten. Dies setzt voraus, dass er annimmt, die drohende Gefahr könne durch sein eigenes Verhal- ten oder durch eine Reaktion der gefährdeten Person a bgewendet werden. Je mehr die Ver- meidung der Todesfolge dem Zufall überlassen bleibt, desto eher ist eventualvorsätzliche Tö- tung oder der Versuch dazu anzunehmen (S TEFAN MAEDER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 44 ff. zu Art. 129 StGB, m it Hinweisen). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Tatbestand der Gefährdung des Lebens erfüllt, wenn der Beschul- digte bei einer Polizeikontrolle so schnell an den kont rollierenden Polizisten vorbeifährt, dass sie sich mit einem Sprung zur Seite retten müssen (BGer 6B_835/2018 vom 8. November 2018; vgl. auch M AEDER , a.a.O., N 22d zu Art. 129 StGB, mit Hinweisen, sowie GIAN EGE , in: Anno- tierter Kommentar StGB, Bern 2020, N 5 zu Art. 129 StGB, mit Hinweisen). 7.3 In Bezug auf den in casu rechtserheblichen Sachverhalt ist im Einzelnen Folgendes zu erwä- gen: a) aa) Anlässlich der mündlichen Verhandlung vor dem Zwangsma ssnahmengericht Basel- Landschaft vom 6. November 2019 hat der Beschuldigte A.____ zu Protokoll gegeben, die Poli- zisten hätten nicht gesagt, dass er sie berührt habe, so ndern nur, dass er schnell vorbeigefah- ren sei. Er sei mit 40 bis 50 km/h unterwegs gewesen (act. 1361). Seite 67 http://www.bl.ch/kantonsgericht bb) Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme vom 5. März 2 019 mit dem Geschädigten Z43.____ als Auskunftsperson (act. 10395 ff.) hat der B erufungskläger vorgebracht, er sei da- mals gefahren, aber es sei nicht wahr, dass sie zu schnell gefahren seien. Vor ihnen sei noch ein anderes Auto gewesen, welches erlaubterweise durchg efahren sei. Es sei an dieser Stelle unmöglich gewesen, mit hoher Geschwindigkeit zu fahren . Ausserdem hätten die Polizisten ein Nagelbrett ausgeworfen, weshalb er sich an der Autosche ibe verletzt habe. Ihnen sei ein Zei- chen gegeben worden, dass sie fahren könnten. Beim Auto der Polizisten habe es keine Anzei- chen dafür gegeben, dass es sich um ein Polizeiauto gehandelt habe. Er habe gar nicht schnel- ler fahren können als das Fahrzeug vor ihm; auch sei er nicht auf das Trottoir gefahren. cc) Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Strafgericht hat der Beschuldigte A.____ von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht (act. S 515 f.). dd) An der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht bring t der Beschuldigte A.____ vor, er gebe zu, dass er gefahren sei; soweit er sich erinnern könne, habe er nicht beschleunigt. Er glaube, er sei mit 40 km/h unterwegs gewesen. Er sei n icht stolz, dass er vor der Polizei ge- flüchtet sei. In der fraglichen Strasse habe man nicht mi t einer hohen Geschwindigkeit fahren können. Beim Fahrzeug der Polizei habe es sich um ein Z ivilauto gehandelt, weshalb er nicht gewusst habe, dass es Polizisten gewesen seien. Vielmehr h abe er gedacht, dass es sich um Bauern gehandelt habe, die ihn hätten umbringen könn en. Er sei nur 40 km/h gefahren und habe fast angehalten. Die Polizei habe ihm dann angeze igt, dass er weiterfahren könne. Die Distanz zum Trottoir habe über einen Meter betragen. Er habe erst später mitbekommen, dass es die Polizei gewesen sei. Es sei das erste Mal gewesen, dass er vor der Polizei geflüchtet sei. Es könne sein, dass der eine Polizist einen Meter entfernt gewesen sei, aber das mit den 30 bis 40 Zentimetern Abstand beim anderen Polizisten stimme nicht. Es habe niemand auf die Seite springen müssen und niemand sei verletzt worden. Seine M itfahrer hätten ihm gesagt, er solle schnell vor der Polizei wegfahren, was ihn gestresst habe (Protokoll KG S. 11 ff.). b) aa) Anlässlich der Einvernahme durch die Polizei, Spezialisie rter Ermittlungsdienst, vom 17. Dezember 2018 hat der Mitbeschuldigte B.____ deponiert, sie seien unterwegs nach Frank- reich in Richtung Leymen gewesen, als sie vor sich eine zivil e Polizeipatrouille auf der Strasse Seite 68 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesehen hätten. Die betreffenden Personen hätten Wes ten getragen. A.____ sei gefahren, und er sei auf dem Beifahrersitz gesessen. Sie hätten sich ge fragt, was das für ein Auto gewesen sei. Als er bemerkt habe, dass es die Polizei sei, habe er A.____ gesagt, dieser solle vor der Polizei flüchten. Sie seien dann auf der linken Seite neben dem Polizeiauto vorbeigefahren. Auf den Vorhalt, die Polizisten vor Ort hätten ausgesagt, da ss sie auf die Seite hätten springen müssen, ansonsten sie überfahren worden wären, hat B.___ _ zur Antwort gegeben: Ja, selbst- verständlich, A.____ sei sehr schnell gefahren und habe beschleunigt. Dieser habe keine ande- re Wahl gehabt; es sei der einzige Ausweg gewesen (act. 3961). bb) Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme vom 5. März 2 019 mit dem Geschädigten Z43.____ als Auskunftsperson (act. 10395 ff.) hat der Mitbeschuldigte B.____ ausgeführt, er habe die Sperre durchbrochen, weil er nicht ins Gefä ngnis gewollt habe. Es stimme, dass er A.____ gesagt habe, dieser solle vor der Polizei fl üchten. Sobald er die Polizeiweste und das Zivilfahrzeug gesehen habe, habe er gewusst, worum es gehe, und dann seien sie geflohen. Es stimme aber nicht, dass sie schnell gefahren seien. cc) Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Strafgericht hat der Mitbeschuldigte B.____ vorgebracht, A.____ sei der Fahrer gewesen, er selbst de r Beifahrer und D.____ habe hinten gesessen. Es sei logisch, dass sie nicht angehalten hätt en, ansonsten sie im Gefängnis gelan- det wären. Wenn die Polizei sie gestoppt hätte, wären sie ins Gefängnis gebracht worden, da sie ja gestohlen hätten (act. S 515 f.). c) aa) In der Anzeige der Polizei, Hauptposten Muttenz, vom 2 6. September 2014 hat der Ge- schädigte Z43.____ zu Protokoll gegeben, er sei in der Nacht vom 25. August 2014 auf den 26. August 2014 zusammen mit Z42.____in eine Aktion b ezüglich Einbruchsprävention einge- bunden gewesen. Um ca. 01:10 Uhr hätten sie die Meldun g bekommen, dass ein weisses Fahrzeug in Richtung Grenze unterwegs sei. Da sie den Auftrag gehabt hätten, das Fahrzeug zu kontrollieren, hätten sie auf der XW.____strasse ein e Strassensperre errichtet. Dafür hätten sie die Strasse verengt, indem sie mit einem zivilen Fahr zeug die halbe Strassenseite gesperrt hätten. Die zweite Hälfte hätten sie mittels "Stopp-S ticks" sperren wollen. Als das gemeldete Fahrzeug von Biel-Benken her auf der XW.____strasse auf sie zugefahren sei, habe es bereits Seite 69 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine hohe Geschwindigkeit gehabt. Nachdem der Lenker die Sperre erblickt habe, habe er das Fahrzeug nochmals stark beschleunigt und direkt auf sie zugeh alten. Sie seien neben der Strasse auf dem Gehsteig gestanden. Sowohl Z42.____a ls auch ihm selbst sei es gerade noch gelungen, mit Schritten zur Seite aus der Fahrbahn de s Personenwagens zu gelangen. Das Fahrzeug sei nur wenige Zentimeter neben ihnen vorbei gefahren. Es sei klar, dass sie vom Fahrzeug erfasst worden wären, wenn sie nicht zur Seite gesprungen wären (act. 10137). bb) In der Einvernahme vom 29. Januar 2015 durch die Sta atsanwaltschaft hat Z43.____ als Auskunftsperson dargelegt, kurz nach 01:00 Uhr sei die Me ldung einer Patrouille gekommen, dass das Fahrzeug wieder in Richtung Benken 1 gesehen wo rden und mit recht hoher Ge- schwindigkeit unterwegs sei. Sie hätten sich vorbereitet, als letztes Element vor der Grenze im Notfall auch noch eingreifen zu können. Er sei der Fahr er des Fahrzeuges gewesen, Z42.____habe die Haltevorrichtung vorbereitet. Die Strasse habe zwei Trottoirs gehabt; er habe das Fahrzeug so hingestellt, dass die Spur Richtung Grenz e vollständig zu gewesen sei. Auf der Gegenfahrbahn Richtung Schweiz habe es noch Platz ge habt; die Idee sei gewesen, dort die "Stopp-Sticks" zu platzieren. Er habe das Fahrzeug ang ehalten, sei ausgestiegen und um das Auto herumgegangen, als er den Wagen habe kommen sehen. Man habe schon dort ge- merkt, dass das Auto recht zügig gefahren sei. Er sei übe r die Strasse gegangen und habe sei- ne Stablampe hervornehmen wollen. Das Fahrzeug sei viel leicht 40 Meter entfernt gewesen, als der Motor merklich aufgeheult habe. Sie hätten das Fahrzeug auf sich zu fahren gesehen. Z42.____sei etwas zurückgewichen und habe die "Stopp- Sticks" nur noch wegwerfen können. Das Fahrzeug sei dann mit einem Abstand von ca. 30 bis 40 Zentimetern an diesem vorbeige- fahren. Er selbst habe ein wenig mehr Zeit zum Ausweic hen gehabt, das Fahrzeug sei ca. ei- nen Meter entfernt an ihm vorbeigefahren. Das Fahrzeug sei dort entlanggefahren, wo sie zuvor gestanden hätten. Es sei mindestens mit zwei Rädern auf dem Trottoir gefahren, da ihr Fahr- zeug die Spur Richtung Schweiz teilweise verstellt habe. Über die Geschwindigkeit könne er keine Angaben machen, sie sei aber sehr schnell gewesen. Sie hätten den ganzen Abend Fahrzeuge gesehen, die mit schätzungsweise 50 bis 60 km/h d urchgefahren seien; im Verhält- nis zu jenen Fahrzeugen sei dieses deutlich schneller gewesen. Sie wären ohne Frage überfah- ren worden, wenn sie nicht ausgewichen wären (act. 10365 ff.). Seite 70 http://www.bl.ch/kantonsgericht cc) Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit den beide n Beschuldigten vom 5. März 2019 (act. 10395 ff.) hat der Geschädigte Z43.____ al s Auskunftsperson zu Protokoll gegeben, alles sei sehr schnell gegangen. Er sei der Lenker des F ahrzeuges gewesen. Sie hätten die rechte Fahrspur in Richtung Frankreich mit dem Fahrzeug versperrt. Es sei nur noch eine enge Stelle frei gewesen, wo sie sogenannte "Stopp-Sticks" hät ten auslegen wollen, welche die Rei- fen beschädigt hätten, wenn das Fahrzeug trotzdem weitergefahren wäre. Seine Aufgabe sei es gewesen, das Auto zu parkieren, während Z42.____ein Warndreieck aufgestellt und die Westen genommen habe. Sie seien hinter ihrem Fahrzeug auf de m Trottoir gestanden. Dann sei das weisse Fahrzeug relativ schnell herangenaht und in dem Moment, als die lnsassen sie bereits gesehen haben müssten, habe man deutlich ein Aufheule n des Motors gehört und das Fahr- zeug habe nach links genau auf sie zugezogen. Das Tempo se i schwer einzuschätzen. Es sei aber sicherlich schneller als 50 km/h gewesen, das wisse er aus seiner Berufserfahrung heraus. Zudem habe es eine hörbare Beschleunigung gegeben. Di e Behauptung, es habe keine Ge- fährdung vorgelegen, sei definitiv falsch. Die Beschuldi gten seien genau da durchgefahren, wo sie gestanden hätten. Sie hätten zurückweichen müssen, es sei vielleicht ein halber Meter ge- wesen, es sei extrem knapp gewesen. Es sei sicherlich die gefährlichste Situation gewesen, die er erlebt habe, seit er bei der Polizei sei. Wenn sie nicht ausgewichen wären, wären sie garan- tiert schwer verletzt worden, da das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit gefahren sei. Sie hät- ten ausweichen müssen, und es sei trotzdem noch sehr kn app gewesen. Er könne nicht genau sagen, in welchem Abstand das Auto an ihnen vorbeigefah ren sei. Z42.____habe etwas ver- setzt vor ihm gestanden, bei diesem sei es bestenfalls ei n halber Meter Abstand gewesen. Bei ihm selbst seien es ein paar Zentimeter mehr gewesen. E s sei auf jeden Fall sehr, sehr knapp gewesen. Z42.____wäre ganz sicher auch erfasst worden, wenn er sich nicht wegbewegt hätte. Er habe den Beschuldigten definitiv kein Zeichen zur Wei terfahrt gegeben, da es ja gerade ihr erklärtes Ziel gewesen sei, das fragliche Fahrzeug anzuh alten. Auch habe es kein weiteres Fahrzeug vor dem Fluchtfahrzeug gegeben. d) aa) Der Geschädigte Z42.____hat in der Anzeige der Polize i, Hauptposten Muttenz, vom 26. September 2014 vorgebracht, er habe anlässlich ein es zusätzlichen Nachtdienstes zusam- men mit Z43.____ in einem zivilen Polizeifahrzeug den Grenzübergang Benken 1 überwacht. Am 26. August 2014 um ca. 00:12 Uhr hätten sie den Per sonenwagen Renault Mégane, weiss, Seite 71 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kontrollschild CJ.____, festgestellt, welcher gemäss ihre r vorliegenden Liste der Fahrzeugent- wendungen als gestohlen verzeichnet gewesen sei. Der Wagen sei in hohem Tempo über den Grenzübergang Benken in die Schweiz eingereist. Trotz di verser Patrouillen im Gebiet Biel- Benken hätten sie das Fahrzeug nach kurzer Zeit verloren . Z43.____ und er hätten daraufhin beschlossen, dass sie das Fahrzeug bei der Ausreise nach Frankreich hindern würden, indem sie eine offensichtliche Strassensperre mit einem Fahrze ug sowie "Stopp-Sticks" gemacht hät- ten. Um 01:10 Uhr hätten sie die Meldung erhalten, d ass das gesuchte Fahrzeug soeben vom Grenzübergang Benken 2 in Richtung Benken 1 unterweg s sei, woraufhin sie sofort die Stras- sensperre eingerichtet hätten. Es habe ihnen jedoch au s zeitlichen Gründen nicht gereicht, die "Stopp-Sticks" auf der Strasse auszulegen. Z43.____ und e r seien so überrascht worden, dass sie reflexartig mit einem Satz nach hinten vom Trottoi r weggesprungen seien. Die unbekannte Täterschaft sei in der Folge via Trottoir der Strassen sperre ausgewichen und direkt auf sie zu- gefahren. Nur durch grosses Glück habe sie das Fahrzeug ni cht erwischt. Wie durch ein Wun- der sei es zudem beim flüchtenden Fahrzeug und der an grenzenden Strassenmauer bzw. dem Elektrokasten nicht zu einer Kollision gekommen. Nach dem Umfahren der Sperre habe das Fahrzeug erneut sehr stark beschleunigt und sei in Richt ung Frankreich geflüchtet. Die Ge- schwindigkeit des flüchtenden Fahrzeuges sei sehr hoch gewe sen. Er schätze die Geschwin- digkeit auf deutlich mehr als 100 km/h (act. 10137 f.). bb) In der Einvernahme vom 29. Januar 2015 durch die Sta atsanwaltschaft hat Z42.____als Auskunftsperson deponiert, er wisse nicht mehr zu welche m Zeitpunkt, aber plötzlich sei die Meldung einer Patrouille gekommen, dass das Fahrzeug ge sichtet worden sei und in sehr schneller Fahrt in ihre Richtung komme. Sie hätten dann die Strassensperre eingerichtet. Seit dem Zeitpunkt der Meldung bis das Fahrzeug in Sichtweit e gewesen sei, sei es sehr schnell gegangen. Z43.____ sei mit dem Auto auf die Strasse ge fahren, er habe die "Stopp-Sticks" in die Hand genommen und sei ausgestiegen. Er habe das Auto massiv beschleunigend auf sie zufahren gesehen. Er könne sich nur noch erinnern, da ss er die "Stopp-Sticks" auf die Strasse geworfen habe und das Fahrzeug an ihnen vorbeigefahre n sei. Da ihr Auto die Fahrbahn Rich- tung Grenze und einen Teil der Fahrbahn Richtung Schw eiz versperrt habe, habe das andere Auto über das Trottoir fahren müssen, um an ihnen vorb ei zu kommen. Er schätze, dass das Fahrzeug auf der geraden Strecke nach der Sperre vor d em Zoll mindestens 80 bis 100 km/h gefahren sei. Sie seien lange dort gewesen und viele Autos seien mit normaler Geschwindigkeit Seite 72 http://www.bl.ch/kantonsgericht gefahren; dieses sei deutlich schneller gewesen. Als es auf sie zugefahren sei, sei es vielleicht etwas langsamer als 100 km/h gewesen, da der Fahrer es son st kaum geschafft hätte, das Ma- növer auszuführen. Als das Fahrzeug an ihm vorbeigefah ren sei, habe es sehr wenig seitlichen Abstand gehabt, vielleicht etwa 30 Zentimeter, aber d as sei sehr schwierig zu sagen. Er habe einen Schritt oder einen Satz zurück gemacht, um dem Fah rzeug auszuweichen. Wenn er nicht ausgewichen wäre, wäre er erfasst worden (act. 10373 ff.). cc) Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit den beide n Beschuldigten vom 5. März 2019 (act. 10417 ff.) hat der Geschädigte Z42.____als Auskunftsperson zu Protokoll gegeben, sie hätten das Fahrzeug wahrgenommen, als es auf die St rassensperre zugefahren sei. Dabei habe es nicht den Eindruck gemacht, als würde es seine Fahr t verlangsamen. Z43.____ und er hätten beide links neben dem Auto gestanden; da wo si e auch gewollt hätten, dass das Auto durchfahren müsse. Kurz vor der Kontrollstelle habe der Wagen gebremst, um dann richtig zu beschleunigen. Sie seien auf die Seite gesprungen, und der Renault Mégane habe einen Schwenker um ihr Fahrzeug herumgemacht. Er sei schon in diesem Moment erstaunt gewesen, dass es nicht zu einem Unfall gekommen sei. Es sei grosses G lück gewesen, dass es keinen Unfall mit ihnen und auch keine Kollision mit dem El ektrokasten und der Mauer nebenan gege- ben habe. Es sei sehr knapp bzw. äusserst, äusserst knapp ge wesen. Sie seien massiv gefähr- det worden. Wenn sie sich nicht zur Seite bewegt hätten, wären sie mit der Front des Fahrzeu- ges erfasst worden. Der Renault sei mit einem Abstand von vielleicht einer Armlänge an ihnen vorbeigefahren. e) aa) Der Beschuldigte A.____ gesteht den angeklagten Sachve rhalt in grundsätzlicher Weise ein, macht aber geltend, nicht zu schnell gefahren zu sein und insbesondere die beiden Ge- schädigten durch seine Fahrweise nicht gefährdet zu hab en. Diese Vorbringen erachtet das Kantonsgericht als Schutzbehauptungen. Unbestrittenermass en hat sich die Sachlage zum in- kriminierten Zeitpunkt so präsentiert, dass der Beschuldi gte A.____ zusammen mit dem Mitbe- schuldigten B.____ (sowie D.____) mit einem entwendete n Personenwagen sowohl in Frank- reich als auch in der Schweiz auf Diebestour unterwegs g ewesen ist, als er die von den beiden Geschädigten im Rahmen ihres polizeilichen Auftrages er richtete Strassensperre erblickt hat. B.____ hat eingeräumt, erkannt zu haben, dass es sich dabe i um eine Polizeikontrolle gehan- Seite 73 http://www.bl.ch/kantonsgericht delt hat, nachdem er die Westen der beiden Geschädigte n gesehen hat. Weiter hat er vorbe- haltlos zugestanden, dass er A.____ aufgefordert hat, vor der Polizei zu flüchten, ansonsten sie verhaftet worden wären. Auf den Vorhalt, die Poliziste n vor Ort hätten ausgesagt, dass sie auf die Seite hätten springen müssen, ansonsten sie überfahren worden wären, hat B.____ anläss- lich seiner ersten Einvernahme ausdrücklich und nachvollziehb ar zur Antwort gegeben, dass dies selbstverständlich stimme, da A.____ sehr schnell gef ahren sei und beschleunigt habe. Unter diesen Umständen muss die später vorgebrachte Beha uptung, sie seien nicht schnell gefahren, schlechterdings als realitätsfern qualifizier t werden. Geradezu als abwegig zu be- zeichnen ist sodann die Aussage von A.____ vor Kantonsge richt, er habe Angst gehabt, dass ihn irgendwelche Bauern hätten ausrauben bzw. töten wollen. Abgesehen von ihrer grundsätzli- chen Absurdität steht diese Aussage auch im Widerspruch z u seiner Behauptung, er sei nicht schnell vorbeigefahren. Wer angeblich Angst vor einem Üb erfall hat, nimmt sicher keine Rück- sicht auf die potentiellen Räuber. Im Gegensatz zu den unglaubhaften und jeglicher Lebenser- fahrung widersprechenden Depositionen des Berufungskläge rs erscheinen diejenigen der bei- den Geschädigten als überaus glaubhaft. So sind diese z eitnah zum Vorfall stringent, kohärent und sowohl in sich selbst als auch im Vergleich zueinand er widerspruchsfrei vorgebracht und in den weiteren Einvernahmen in allen relevanten Punkte n konstant bestätigt worden. Darüber hinaus sind sie gespickt von zahlreichen Realkriterien und fügen sich nahtlos in das Gesamtbild der erstellten damaligen Umstände ein. Zu beachten ist sodann, dass die beiden Geschädigten, welche zum Zeitpunkt des Vorfalls bloss ihrer beruflichen Pflicht als Polizisten nachgekommen sind, im offensichtlichen Gegensatz zum Berufungskläger keinerlei Grund haben, unzutreffende Aussagen zu machen. bb) In Würdigung der genannten Aussagen steht folglich für das Kantonsgericht ohne Zweifel fest, dass der inkriminierte Sachverhalt gemäss Anklageschr ift erstellt ist. Demnach ist zusam- mengefasst davon auszugehen, dass der Beschuldigte A.____ zusammen mit dem Mitbeschul- digten B.____ (und D.____) nach der Verübung von Einb ruchsdiebstählen in der Schweiz am frühen Morgen des 26. August 2014, ca. um 01:10 Uhr, beabsichtigt hat, am Grenzübergang Benken 1 die Grenze nach Frankreich zu passieren. Als sich di e Beschuldigten in ihrem Fahr- zeug der Polizeisperre genähert und erkannt haben, dass sie sich direkt auf eine Polizeikontrol- le zubewegten, haben sie gemeinsam den Entschluss gefasst, diese in jedem Fall zu durchbre- chen. Während der Beschuldigte A.____ am Steuer des Motorfahrzeuges gesessen hat, hat ihn Seite 74 http://www.bl.ch/kantonsgericht der als Beifahrer neben ihm sitzende Mitbeschuldigte B. ____ aufgefordert, um jeden Preis vor der Polizei zu flüchten. Der Beschuldigte A.____ hat i n der Folge das Fahrzeug auf eine nicht näher bekannte ‒ mit Sicherheit aber im Vergleich zur dort geltenden Geschwindigkeitsbegren- zung von 50 km/h deutlich übersetzte ‒ Geschwindigkeit beschleunigt und das quer zu Fahr- bahn aufgestellte zivile Polizeifahrzeug ohne abzubremsen linksseitig umfahren, wobei er so weit nach links hat ausweichen müssen, dass die Räder seines Fahrzeuges zumindest teilweise das linksseitige Trottoir bzw. die das Trottoir unterbre chende linksseitige Einfahrt überfahren haben. Z42.____und Z43.____, welche sich im Moment de r Durchfahrt in einem Abstand von rund eineinhalb Metern voneinander auf dem linksseitige n Trottoir bzw. allenfalls in der das Trottoir unterbrechenden Einfahrt befunden haben und von der stark übersetzten Geschwindig- keit des Fahrzeuges überrascht worden sind, haben beide r eflexartig zur Seite springen müs- sen, um eine Kollision mit diesem, welches sie schliesslich in einem Abstand von ca. 30 bis 40 Zentimetern (Z42.____) bzw. von ca. einem Meter (Z43.____) passiert hat, zu vermeiden. 7.4 a) Hinsichtlich der konkreten rechtlichen Subsumption macht der Beschuldigte A.____ gel- tend, es lasse sich weder eine unmittelbare Lebensgefahr nachweisen noch ein direkter Vorsatz oder die ebenfalls verlangte Skrupellosigkeit. b) Dieser Argumentation ist nicht zu folgen. Gestützt auf den erstellten Sachverhalt ist davon auszugehen, dass der Berufungskläger, um einer Verhaftu ng zu entgehen, mit übersetzter Ge- schwindigkeit ‒ sicher aber erheblich mehr als 50 km/h (wobei von ihm s elbst eine gefahrene Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h anerkannt wird und de r Mitbeschuldigte B.____ ausgesagt hat, dieser sei sehr schnell gefahren) ‒ eine aus einem Fahrzeug (quer zur Fahrbahn) beste- hende Polizeisperre umfahren und dabei zumindest teilw eise das linksseitige Trottoir befahren hat, wobei es bloss deshalb nicht zu einer Kollision mit den sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Trottoir befindlichen beiden Geschädigten gekommen ist, weil sich diese gerade noch rechtzei- tig und instinktiv mit einem Sprung zur Seite haben i n Sicherheit bringen können. Dieser Um- stand, dass nur die Reaktion der beiden Geschädigten ‒ und nicht etwa ein gelungenes, alltäg- liches und damit völlig unproblematisches Fahrmanöver ‒ und mithin ein glücklicher Zufall eine Kollision vermieden hat, und das Fluchtfahrzeug schliessli ch mit einem sehr geringen Abstand an ihnen vorbeigefahren ist, wobei unter den vorliege nden Umständen (schlechte Lichtverhält- Seite 75 http://www.bl.ch/kantonsgericht nisse mitten in der Nacht, begrenzte Platzverhältnisse, er schwerte Lenkbarkeit durch das Be- fahren des Trottoirs, grosse Aufregung aufgrund der beinahe erfolgten Festnahme, geringe Ver- trautheit des Wagens für den Fahrer angesichts der Entwe ndung am Vortag) ein tatsächlicher Zusammenstoss zwischen dem Fahrzeug und den Geschädigten sehr naheliegend gewesen ist und zweifellos fatale Auswirkungen nach sich hätte ziehen können, führt ohne Weiteres zur An- nahme, dass in casu eine unmittelbare Lebensgefahr bestanden hat. Sodann weist das Strafge- richt zu Recht darauf hin, dass es jeder einigermassen ve rständigen Person zwingend bewusst sein muss, dass ein Zusammenprall zwischen einem mit mindestens 50 km/h fahrenden Perso- nenwagen und einem Menschen gravierendste Konsequenzen h aben kann bzw. haben wird. Diese Gefahr ist für den Beschuldigten A.____ somit zwei fellos erkennbar gewesen. Gleicher- massen fraglos ist ihm die mögliche Folge offensichtlich gl eichgültig gewesen, ist es doch bei seinem Tun ausschliesslich darum gegangen, einer Verhaftun g zu entgehen. So hat der Mitbe- schuldigte B.____ unumwunden zugegeben, dass das Durchbrechen der Polizeisperre für sie in jenem Moment der einzige Ausweg gewesen sei, um nicht im Gefängnis zu landen. Damit steht es ausser Frage, dass der Beschuldigte A.____ direktvorsätzl ich gehandelt hat. Gleichermas- sen unzweifelhaft ist die Skrupellosigkeit, d.h. die beso ndere Hemmungs- und Rücksichtslosig- keit des Täters in der vorliegenden Situation, zu bej ahen, nachdem die von ihm herbeigeführte, unmittelbare Lebensgefahr für die beiden Geschädigten angesichts der geschilderten Umstän- de immens gross gewesen ist und gleichzeitig seine Beweggr ünde hierfür (Flucht vor einer Festnahme) keinesfalls zu billigen sind. Nach Gesagtem sind sowohl der objektive wie auch der su bjektive Tatbestand von Art. 129 StGB erfüllt, womit der Beschuldigte in Abweisung sein er diesbezüglichen Berufung und dem- nach in Bestätigung des angefochtenen Urteils der Gefä hrdung des Lebens schuldig zu spre- chen ist. 8. Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch 8.1 a) Das Strafgericht hat den Beschuldigten in den Fällen 5 .44 und 5.50 der Entwendung ei- nes Motorfahrzeuges zum Gebrauch schuldig erklärt, weil dieser anlässlich der entsprechenden Seite 76 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einbruchsdiebstähle jeweils einen Personenwagen behändigt und damit ohne Aneignungswillen rund 15 Kilometer bzw. einen Kilometer gefahren sei, bevor er diesen wieder habe stehen las- sen. b) Vom Beschuldigten wird eingeräumt, dass im einen Fall der fragliche Tatbestand erfüllt sei; demgegenüber bestreitet er seine Täterschaft im anderen Fall. Nicht dargelegt wird von ihm hingegen, welcher Fall zugestanden wird und welcher nicht. c) Die Staatsanwaltschaft begehrt wiederum eine Bestätig ung des angefochtenen Urteils. 8.2 Nach Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG wird mit Freiheitsstraf e bis zu drei Jahren oder Geldstrafe be- straft, wer ein Motorfahrzeug zum Gebrauch entwendet. I n objektiver Hinsicht setzt der Tatbe- stand voraus, dass das Fahrzeug dem Halter oder einem an derweitig Berechtigten gegen sei- nen Willen entwendet worden ist. Der Begriff der Ent wendung entspricht demjenigen der Weg- nahme in Art. 139 StGB. Subjektiv ist erforderlich, d ass der Täter in der Absicht handelt, das Fahrzeug nur vorübergehend zu gebrauchen (P HILIPPE WEISSENBERGER , Kommentar Strassen- verkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Auflage, Zürich / St. Gallen 2015, N 3 f. zu Art. 94 SVG, mit Hinweisen). 8.3 In Anbetracht der vorgängigen diesbezüglichen Erwägungen zu den Einbruchsdiebstählen ist festzustellen, dass der Beschuldigte A.____ sowohl betre ffend den Fall 5.44 als auch hinsicht- lich des Falles 5.50 den jeweils angeklagten Sachverhal t ausdrücklich eingesteht, womit diese ohne Weiteres erstellt sind. Gestützt auf die nachgewies enen Sachverhalte ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte, indem er im Rahmen der diesbezü glichen Einbruchsdiebstähle jeweils einen Personenwagen entwendet und damit rund 15 Kilo meter bzw. einen Kilometer gefahren ist, bevor er sie wieder abgestellt hat, fraglos sowohl den objektiven wie auch den subjektiven Tatbestand von Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG erfüllt, wom it er der mehrfachen Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch schuldig zu erklären ist. De mnach ist auch die dementspre- chende Berufung des Beschuldigten in Bestätigung des angefochtenen Urteils abzuweisen. Seite 77 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Strafzumessung 9.1 Theoretische Erwägungen a) Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe innerha lb des massgebenden Strafrah- mens nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le ben des Täters (Abs. 1). Das Ver- schulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefäh rdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründe n und Zielen des Täters sowie da- nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage ge- wesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). b) Das Gericht bewertet das Verschulden ausgehend von der objektiven Tatschwere. Diese ist zunächst danach zu bestimmen, wie stark das betroffen e Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Dabei sind das Ausmass des Erfolgs, die Gefährdung, d as Risiko sowie die Art und Weise des Tatvorgehens zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind auch die Intensität der durch die Tat und Tatausführung offenbarten kriminellen Energie sow ie die Grösse des Tatbeitrags bei meh- reren Tätern und die hierarchische Stellung (H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 91 ff. zu Art 47 StGB). Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere bilden namentlich die Bewegg ründe und Ziele des Täters, der bei der Tat aufgewendete Wille, das Motiv sowie das Mass an E ntscheidungsfreiheit massgebende Strafzumessungskriterien (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 115 ff. zu Art. 47 StGB). Das Ge- richt hat die objektive Tatschwere zu bewerten und in den Urteilserwägungen anzugeben, ob diese aufgrund der Beurteilung der subjektiven Tatschwere reduziert, bestätigt oder erhöht wer- den soll. Dabei muss es gemäss Art. 50 StGB festhalten , welche die für die Strafzumessung erheblichen Umstände sind und wie es diese gewichtet. Hi erzu muss das Gericht in seinem Urteil darlegen, welche verschuldensmindernden und wel che verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteins chätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 144 IV 313 E. 1.2; 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich eingehen, die es – ohne dass die s ermessensverletzend wäre – bei Seite 78 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von ge ringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 144 IV 313 E. 1.2; BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings muss das Gericht das Gesamtverschulden qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschuld ens im Urteil ausdrücklich benen- nen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nac h Schweregrad auszugehen ist (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, mittelschwer, schwer, se hr schwer). Im Übrigen betont das Bun- desgericht in seiner Rechtsprechung, dass die Formulieru ng des Verschuldens und die Fest- setzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen müssen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.1; 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). c) In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe , die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu b estimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufg rund wesentlicher Täterkomponenten, d.h. tatunabhängiger Strafzumessungsfaktoren, erhöht oder reduziert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7; BGE 134 IV 132 E. 6.1). d) Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen di e Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zu der Stra- fe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhö hen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden. Die Vorschrift von Art. 49 Abs. 1 StGB legt somit die Rechtsfolgen fest, die einen Täter treffen, der denselben Straftatbestand mehrfach oder mehre- re verschiedene Straftatbestände verletzt hat. Die Vorschr ift regelt das methodische Vorgehen der Strafzumessung im Konkurrenzfall aber nur rudiment är; ihr selbst lässt sich nicht entneh- men, wann die Voraussetzungen gleichartiger Strafen erfüllt sind, was die schwerste Straftat ist und wie diese zu ermitteln und erhöhen ist (BGE 144 IV 217 E. 3.2). e) Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Geldstrafe und Freiheitstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen. Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm- Seite 79 http://www.bl.ch/kantonsgericht verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (sog. kon krete Methode). Dass die anzuwenden- den Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen vo rsehen, genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 2.2; 142 IV 265 E. 2.3.2; 1 38 IV 120 E. 5.2; BGer 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2). f) Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist in einem ersten Schritt anhand der abstrakten Strafdrohung des Gesetzes der Str afrahmen für die schwerste Straftat zu ermitteln. Sind mehrere Straftatbestände mit gleich em Strafrahmen zu beurteilen, ist von derjenigen Straftat auszugehen, die im konkreten Fall die höchste Strafe nach sich zieht (H ANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 485). Die tat- und täterange- messene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlich en Strafrahmens der (schwersten) anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahme n ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten U mständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffass ung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üb lichen Zumessungskriterien festzuset- zen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wen n aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). g) In einem zweiten Schritt hat das Gericht die Einsatzstr afe für die schwerste Tat innerhalb des betreffenden gesetzlichen Strafrahmens nach der ob jektiven und subjektiven Tatschwere bzw. den Tatkomponenten festzusetzen (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2; 127 IV 101 E. 2b). Dabei hat das Gericht eine vorläufige Gesamteinschätzung im Sinne einer hypothetischen Einsatzstrafe vorzunehmen, wobei das Verschulden im Rahmen einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad (sehr leicht, leicht, nicht mehr leicht, m ittelschwer, schwer, sehr schwer) zu be- stimmen und in der Begründung des Urteils zu nennen ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7). h) In einem dritten Schritt sind die übrigen Delikte – w iederum anhand der Tatschwere bzw. den Tatkomponenten entsprechend den vorstehenden Ausfü hrungen – zu beurteilen, wobei für jede zusätzliche Straftat, derentwegen der Beschuldigte verurteilt wird, unter Berücksichtigung des jeweiligen Verschuldens eine hypothetische Einzelstrafe zu ermitteln ist. Mithin sind für jede Seite 80 http://www.bl.ch/kantonsgericht (zusätzliche) konkrete Tat die angemessene Strafhöhe sowi e die passende Strafart zu bestim- men (BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E 1.1.1 und E. 1.4; BGer 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4; 6B_1071/2019 vom 5. Novemb er 2020 E. 3.3.2). Anschliessend ist zu prüfen, aus welchen der festgelegten Einzelstrafen e ine Gesamtstrafe zu bilden ist bzw. Ge- samtstrafen zu bilden sind. Soweit für mehrere zu beurte ilende Straftaten jeweils gleichartige Strafen als angemessen erscheinen, ist unter Berücksichtigu ng des Asperationsprinzips eine hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 144 IV 217 E. 4.1 und E. 4.3; 144 IV 313 E. 1.4; BG er 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4). Bei der Bemessung der Gesamtstrafe müssen die e inzelnen Straftaten innerhalb des (allenfalls erweiterten) Strafrahmens gesamthaft gewü rdigt werden. Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenh eit der verletzten Rechtsgüter und die Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Deliktes wird dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte z eitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; B Ger 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2). i) Die einzelnen Tathandlungen müssen vor der Bildung ein er allfälligen Gesamtstrafe in einem selbstständigen Schritt vorab gewürdigt werden ( BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). Die enge Verknüpfung der einzelnen D elikte entbindet nicht von dieser Vorge- hensweise (BGer 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.4). Wenngleich bei der Bemessung der hypothetischen Gesamtstrafe die einzelnen Straftaten in einem selbstständigen Schritt gewür- digt werden müssen, ist bei Vorliegen einer Tatserie eine punktuelle Kategorisierung gleichge- lagerter Delikte (z.B. nach Schadenshöhe oder Tatvorgeh en) nicht ausgeschlossen. Sie hat sich aber immer am Mass des der konkreten Tat immanenten Verschuldens zu orientieren. Eine gemeinsame Bewertung unterschiedlicher Taten widersprich t der Gesamtstrafenbildung nach dem Asperationsprinzip (BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.4). j) Bei einem qualifizierten Fall ist sodann zu beachten, dass die Umstände, die zur Anwen- dung eines höheren Strafrahmens führen, innerhalb des geänderten Strafrahmens nicht noch einmal als Straferhöhungsgründe berücksichtigt werden d ürfen (sogenanntes Doppelverwer- tungsverbot; BGE 118 IV 342 E. 2b; vgl. auch W IPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 102 f. zu Seite 81 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 47 StGB, mit Hinweisen). Demgegenüber ist das Ge richt nicht daran gehindert, in seine Würdigung miteinzubeziehen, in welchem Ausmass ein quali fizierender Tatumstand gegeben ist (BGE 141 IV 61 E. 6.1.3; 120 IV 67 E. 2b; 118 IV 342 E. 2b; WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 102 zu Art. 47 StGB), namentlich in welcher Intensit ät Gewerbsmässigkeit betrieben (BGer 6B_708/2017 vom 13. November 2017 E. 3.3.1; 6B_1192/2 014 vom 24. April 2015 E. 5.4.2) oder in welcher Art und Weise bandenmässig vorgegangen worden ist (BGer 6B_237/2018 vom 24. August 2018 E. 1.4.2). Ebenso darf das gleichzeiti ge Vorliegen mehrerer Qualifikations- gründe innerhalb des Strafrahmens der Qualifikation Berücksichtigung finden (BGE 120 IV 330 E. 1c/aa; BGer 6B_708/2017 vom 13. November 2017 E. 3.3.1; 6B_662/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2.4.3; 6B_683/2012 vom 17. Juli 2013 E. 3.5; jeweils mit Verweisen). k) Gelangt das Gericht nach der sog. konkreten Methode im Rahmen der Strafzumessung bei der Festsetzung selbstständiger Einzelstrafen für de n einzelnen Gesetzesverstoss auf "360 Strafeinheiten" oder weniger, ist ausser einer Freiheitsstrafe auch die Ausfällung einer Geldstra- fe möglich. Gemäss dem in casu anwendbaren da milderen (vgl. Art. 2 Abs. 2 StGB) Art. 41 Abs. 1 aStGB kann das Gericht auf eine vollziehbare Fre iheitsstrafe von weniger als sechs Mo- naten nur erkennen, wenn die Voraussetzungen für eine b edingte Strafe nicht gegeben sind und zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe oder gemeinnü tzige Arbeit nicht vollzogen werden kann. Mit dieser Bestimmung hat der Gesetzgeber für St rafen unter sechs Monaten eine ge- setzliche Prioritätsordnung zu Gunsten nicht freiheitsent ziehender Sanktionen eingeführt (BGE 137 IV 312 E. 2.4; 134 IV 97 E. 4.2.2; 134 IV 82 E. 4.1). Für Strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr sieht das Gesetz die Geldstrafe (Art. 34 aStG B) und die Freiheitsstrafe (Art. 40 aStGB) vor. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtig stes Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den T äter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2; 134 IV 82 E. 4.1). l) Nach der Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe(n) für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkomponenten zu berücksichtigen. Bei de r Bestimmung der Täterkompo- nenten kann es sich rechtfertigen, die einzelnen Aspekte g esamthaft für sämtliche begangenen Taten zu würdigen, sofern diese für alle Delikte in gl eicher oder vergleichbarer Weise Geltung beanspruchen (BGer 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1; 6B_496/2011 vom 19. November 2021 E. 4.2). Die Täterkomponenten umfa ssen die persönlichen Verhältnisse Seite 82 http://www.bl.ch/kantonsgericht und das Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht oder ein Geständnis (WIPRÄCHTIGER / KELLER , a.a.O., N 92 ff. zu Art. 47 StGB). m) Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täte r begangen hat, bevor er wegen einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren H andlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Das Bundesgericht hat in BGE 142 IV 329 E. 1.4.1 seine frühere Auffassung, wonach Zusatzstrafen auch zu einer im Ausland ausgesprochenen Grundstrafe ausgefällt werden können, aufgegeben. Eine Zusatzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB kann nunmehr nur noch zu inländischen Entscheiden ausgesproc hen werden. Zur Begründung wird ausgeführt, dass es sich bei Art. 49 StGB um eine reine Strafzumessungsnorm handelt, die nur dann zum Zuge kommen kann, wenn die zu beurteilende S traftat der schweizerischen Ge- richtsbarkeit nach den Bestimmungen über den räumlichen Geltungsbereich unterliegt. Art. 49 Abs. 2 StGB soll gewährleisten, dass das in Abs. 1 veranker te Asperationsprinzip auch bei ret- rospektiver Konkurrenz zur Anwendung gelangt, erweitert hingegen den Anwendungsbereich des StGB nicht. Implizite Voraussetzung für eine Zusatzstr afe nach Art. 49 Abs. 2 StGB ist, dass für die bereits beurteilten und noch zu beurteilenden Delikte im Falle gleichzeitiger gericht- licher Beurteilung eine Gesamtstrafe hätte ausgesproche n werden können. Kommt eine ge- meinsame gerichtliche Beurteilung nicht in Betracht, d a die im Ausland begangenen Straftaten nicht in den (räumlichen) Geltungsbereich des StGB fal len, muss dies auch im Rahmen retro- spektiver Konkurrenz gelten (BGer 6B_633/2019 vom 2. Se ptember 2019 E. 1.1; vgl. auch BGer 6B_623/2016 vom 25. April 2017 E. 1.4 und 6B_811/2016 vom 27. Februar 2017 E. 1.4.1; JÜRG -BEAT ACKERMANN , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 160 ff. zu Art. 49 StGB, mit Hinweisen; STEFAN TRECHSEL / MARTIN SEELMANN , in: Trechsel / Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Auflage, Zürich / St. Gallen 2021, N 21 zu Art. 49 StGB, mit Hinweisen). 9.2 Konkrete Erwägungen a) Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung bringt der Beschul digte A.____ im Rahmen des vorliegenden Berufungsverfahrens vor, er sei zu eine r Freiheitsstrafe von 15 Monaten und Seite 83 http://www.bl.ch/kantonsgericht drei Tagen zu verurteilen, wobei ihm der bedingte Strafvollzug bei einer Probezeit von zwei Jah- ren zu gewähren sei. Demgegenüber begehrt die Staat sanwaltschaft eine Erhöhung des Straf- masses auf neuneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. b) Die Tatsache, wonach sowohl der Beschuldigte als auch di e Staatsanwaltschaft eine Ab- änderung des erstinstanzlichen Strafmasses begehren, erhellt, dass von Seiten des Kantonsge- richts eine neue Strafzumessung vorzunehmen ist. Da gemäss A rt. 408 StPO die Berufungs- instanz ein neues Urteil zu fällen hat, welches das erstin stanzliche ersetzt, ist auf die vo- rinstanzliche Bemessung der Strafe nicht weiter einzugehen. Das Berufungsgericht hat ohnehin die Strafe nach eigenem Ermessen festzusetzen und muss sich auch nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). c) In casu ist zu konstatieren, dass der Beschuldigte des gewe rbs- und teilweise banden- mässigen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB), der Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB), der mehrfachen Entwendung eines Mot orfahrzeuges zum Gebrauch (Art. 94 Abs. 1 SVG), des mehrfachen Hausfriedensbruchs (Art. 18 6 StGB) sowie der mehrfachen Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) schuldig erklärt wird. Den Vorgaben des Bundesge- richts folgend hat das Kantonsgericht zunächst den Strafr ahmen nach der abstrakt schwerwie- gendsten Straftat zu bestimmen. Vorliegend weist der bandenmässige Diebstahl den höchsten abstrakten Strafrahmen auf. So reicht dieser gemäss Art . 139 Ziff. 3 StGB von sechs Monaten Freiheitsstrafe am unteren bis zu zehn Jahren Freihei tsstrafe am oberen Ende. Aussergewöhn- liche Umstände, welche es angezeigt erscheinen lassen würden, diesen Strafrahmen zu verlas- sen, liegen auch unter Berücksichtigung der Tat- und Deli ktsmehrheit nicht vor. Die Strafe ist daher innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzule gen. Für den bandenmässigen Dieb- stahl ist somit eine Einsatzstrafe festzusetzen. Hinzu kommen der gewerbsmässige Diebstahl mit einem Strafrahmen von 90 Tagessätzen Geldstrafe bi s zu zehn Jahren Freiheitsstrafe (wel- cher in casu allerdings in die Einsatzstrafe miteinzubeziehen ist; vgl. nachfolgend lit. e), die Ge- fährdung des Lebens mit einem Strafrahmen von drei Tag essätzen Geldstrafe bis zu fünf Jah- ren Freiheitsstrafe, die Sachbeschädigung mit einem Stra frahmen von drei Tagessätzen Geld- strafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, der Hausfriedensbruch mit dem nämlichen Strafrahmen von drei Tagessätzen Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe sowie die Entwendung eines Seite 84 http://www.bl.ch/kantonsgericht Motorfahrzeuges zum Gebrauch mit dem gleichen Strafrahmen von drei Tagessätzen Geldstra- fe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. d) Wie dargelegt, führt die Deliktsmehrheit im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB nicht zu einer Erhöhung der abstrakten Strafrahmen, ist aber innerhal b des ordentlichen Strafrahmens des schwersten Delikts bei der Gesamtstrafenbildung straferhö hend zu gewichten. Dabei kommt, wie ebenfalls bereits erwähnt, die Bildung einer Gesa mtstrafe in Anwendung des Asperations- prinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB nur in Betracht, wenn gleichartige Strafen auszusprechen sind. Nicht ausgeschlossen ist, dass namentlich bei Tatserien, d.h. bei tatsächlich und zeitlich verknüpften Straftaten, eine Kategorisierung erfolgen kann, soweit sich identische Überlegun- gen hinsichtlich der Zweckmässigkeit einer bestimmten Sank tion aufdrängen (BGer 6B_998/2019 vom 20. November 2020 E. 4.2.3). Für den gewerbsmässigen Diebstahl, die Ge- fährdung des Lebens, die jeweiligen Sachbeschädigungen und die jeweiligen Hausfriedensbrü- che ist wie auch für die mehrfache Entwendung eines Mo torfahrzeuges zum Gebrauch in casu zwar im Gegensatz zum bandenmässigen Diebstahl gestützt au f die jeweils noch zu ermitteln- den Strafeinheiten die Ausfällung von Geldstrafen möglich. Aufgrund der Tatsache jedoch, dass sämtliche Tathandlungen zeitlich, sachlich, situativ und d eliktisch in einem ausgesprochen en- gen Konnex zueinander stehen, indem die Sachbeschädigungen sowie die Hausfriedensbrüche bloss Begleitdelikte zum banden- und gewerbsmässigen Die bstahl darstellen und zudem die Gefährdung des Lebens sowie die mehrfache Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Ge- brauch im unmittelbaren Zusammenhang mit dem banden - und gewerbsmässigen Diebstahl stehen (konkret hat sich ersterer Tatbestand auf der Flucht vor der Polizei nach einem Einbruch ereignet und der zweite Tatbestand ist im Rahmen der An- und Wegfahrt von bzw. zu einzelnen Tatorten mehrfach begangen worden), kommt vorliegend hinsichtlich sämtlicher Tatbestände nur eine Freiheitsstrafe in Frage. Dies gilt umso mehr , als bei der Wahl der Sanktion auf die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den Beschuldigten sowi e die präventive Effizienz zu achten und diesbezüglich festzustellen ist, dass A.____ tr otz einschlägiger Verurteilungen zu mehrjährigen Freiheitsstrafen vorliegend wiederum mit Einbruchsdiebstählen in Erscheinung getreten ist, woraus deutlich erhellt, dass die nötige präventive Wirkung durch eine blosse Geldstrafe in keiner Weise erzielt werden könnte. Im Ergebnis ist damit das Asperationsprinzip zur Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe ohne Weiteres an wendbar (vgl. im Einzelnen nachfol- gend lit. e ff.). Seite 85 http://www.bl.ch/kantonsgericht e) Einsatzstrafe für den gewerbs- und teilweise bandenmäs sigen Diebstahl aa) Zunächst ist festzustellen, dass es sich vorliegend im Zusa mmenhang mit den rubrizierten Anklagepunkten um gleichwertige Serientaten handelt, w elche alle die gewerbsmässige und überwiegend auch die bandenmässige Qualifikation erfüllen, womit es sowohl zweckmässig als auch gerechtfertigt erscheint, hierfür eine einheitli che Einsatzstrafe festzusetzen (BGer 6B_797/2011 vom 13. April 2012 E. 3.1.2; MARCEL ALEXANDER NIGGLI / CHRISTOF RIEDO , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, StGB, 4. Auflag e, Basel 2019, N 136 zu Art. 139 StGB). Bei der Festlegung der Einsatzstrafe würdigt das Kantons gericht auf der Seite der objektiven Tatkomponenten, dass der Beschuldigte innert rund fünfei nhalb Monaten, konkret im Zeitraum vom 16. März 2014 bis zum 25. März 2014 (1. Serie), vom 1 0. Mai 2014 bis zum 18. Juli 2014 (2. Serie) sowie vom 26. Juli 2014 bis zum 26. August 2 014 (3. Serie), 42 Einbruchsdiebstähle verübt und dabei einen Deliktsbetrag von über CHF 265'000.-- erbeutet hat. Dabei definiert sich die verschuldenserhöhend zu gewichtende sehr hohe krimine lle Energie des Beschuldigten primär nicht allein anhand der tatsächlich erbeuteten Vermögenswerte, welchen angesichts des sehr unterschiedlichen Wertes des einzelnen Deliktsgutes f aktisch etwas Zufälliges anhaftet, sondern vielmehr durch die grosse Anzahl der ihm zur Las t zu legenden Delikte, den langen Deliktszeitraum sowie durch die im Zusammenhang mit diese r hohen Intensität aufgewendeten Zeit und Tatkraft. Verschuldenserhöhend ist sodann zu wer ten, dass der Beschuldigte als Be- rufseinbrecher agiert und mit der sogenannten Fensterb ohr-Methode ein sehr professionelles, dreistes und rücksichtsloses Vorgehen an den Tag gelegt hat . Ebenfalls ist bei der Verschul- densbewertung zu Ungunsten von A.____ zu berücksichtigten, dass der Beschuldigte nicht nur die überwiegende Anzahl der Fälle zusammen mit B.____ als Mittäter bandenmässig begangen hat, sondern auch, dass in sämtlichen Fällen das Vorliegen von Gewerbsmässigkeit zu bejahen ist. Grossen Einfluss auf das Verschulden hat ferner, dass d er Beschuldigte als Tatobjekte aus- schliesslich Wohnliegenschaften ausgewählt hat, wobei er im mer nachts eingedrungen ist und dabei Konfrontationen mit den Bewohnern ‒ tatsächlich ist es in sieben Fällen zu einer realen Begegnung gekommen ‒ offensichtlich in Kauf genommen hat, zumal er auch nich t davor zu- rückgeschreckt hat, in wiederholten Fällen sogar das Sch lafzimmer der zu dieser Zeit anwe- senden und schlafenden Geschädigten zu betreten. Eine so lche Vorgehensweise muss als nachhaltig traumatisierend für die Betroffenen und d amit als in besonderem Masse verwerflich qualifiziert werden (vgl. nachfolgend lit. h). Hinzu ko mmt, dass sich der Beschuldigte selbst Seite 86 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch die tatsächlich erfolgten Konfrontationen mit de n Bewohnern wie auch durch beinahe erfolgte Anhaltungen durch die Polizei nicht von seinem weiteren Tun hat abhalten lassen. In Bezug auf Letzteres steht fest, dass sich A.____ (zusammen mit seinen Mittätern) drei Mal ‒ am 31. Juli 2014 um 03:20 Uhr in Flüh, am 7. August 2014 um 02:22 Uhr in Kleinlützel sowie am 26. August 2014 um 01:10 Uhr in Biel-Benken ‒ innerorts mit massiv übersetzter Ge- schwindigkeit der Kontrolle durch die Polizei entzogen und unmittelbar nach diesen spektakulä- ren Fluchtvorgängen die Einbruchsserien unbeirrt fortgesetzt hat, was wiederum für ein ausser- ordentliches Mass an Abgebrühtheit spricht. Verschuldense rhöhend ist weiter zu gewichten, dass er als Kriminaltourist ohne jeglichen Bezug zur Schwe iz ausschliesslich zur Begehung der fraglichen Delikte eingereist ist. Keine Rolle spielt be i der Beurteilung der rubrizierten Delikte demgegenüber der verursachte Sachschaden, welcher vielmeh r im Zusammenhang mit der Festlegung der Einzelstrafe bezüglich der Sachbeschädigung en zu werten ist. Neutral zu beur- teilen ist schliesslich der Umstand, dass nicht bekannt ist , auf welcher Hierarchiestufe der Be- schuldigte innerhalb der Bande agiert hat. Aufgrund d ieser geschilderten Umstände ist die ob- jektive Tatschwere als schwer im mittleren Bereich einzustufen. bb) In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er direktvorsätzlich und offensichtlich aus rein finanziellem Interesse bzw. gewi nnsüchtigen Motiven gehandelt hat. Letzteres ist indessen dem Qualifikationsgrund der Gewe rbsmässigkeit inhärent, weshalb es sich nicht weiter auf die Verschuldensbewertung auswirkt. Gleichwohl ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nicht aus einer eigentlichen finanziellen Notlage heraus gehandelt hat. Die dies- bezüglich vom Beschuldigten vorgebrachte Behauptung, wona ch er aufgrund seiner Schulden in Albanien delinquiert habe, wird ‒ soweit dies überhaupt als Rechtfertigung für ein krimi nelles Handeln in dem dem Beschuldigten vorgeworfenen Umfan g dienen kann ‒ durch nichts sub- stantiiert und darüber hinaus durch die unbestrittene Tatsache, dass er sich zwischen den ein- zelnen Tatserien in seiner Heimat aufgehalten und sich damit augenscheinlich dem unmittelba- ren Zugriff durch seine angeblichen Gläubiger ausgeset zt hat, entkräftet. Dem anhaltenden de- liktischen Handeln des Beschuldigten ist schliesslich erst dur ch dessen Verhaftung ein Ende gesetzt worden, er hat mithin nicht aus eigenem Antri eb davon abgelassen. Die subjektive Schwere der Tat relativiert somit das objektive Tatverschulden in keiner Weise. Seite 87 http://www.bl.ch/kantonsgericht cc) Im Rahmen der Gesamtqualifikation des Tatverschuldens h insichtlich der Einsatzstrafe ist somit das Verschulden des Beschuldigten A.____ in Bezug a uf den gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahl als schwer im mittleren Berei ch zu qualifizieren, was bei einer Min- deststrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe und einer Maximalstrafe von zehn Jahren Frei- heitsstrafe zu einer hypothetischen schuldangemessenen Ein satzstrafe von sechseinhalb Jah- ren Freiheitsstrafe führt. f) Einzelstrafe für die Gefährdung des Lebens aa) Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist verschuldenserhö hend zu würdigen, dass der Beschuldigte beim Versuch, sich anlässlich einer Einbruch stour in der Schweiz und in Frank- reich einer Polizeikontrolle und damit einer möglichen Anhaltung um jeden Preis zu entziehen, das Leben zweier Menschen stark gefährdet hat und es mehr dem Zufall bzw. der Reaktion der Betroffenen zu verdanken ist, dass es nicht zu einem Unf all mit möglicherweise fatalen Folgen zwischen dem vom Berufungskläger gelenkten Motorfahrzeug u nd den beiden Polizeiangehöri- gen gekommen ist. Bereits die Vorinstanz hat in diese m Konnex zu Recht darauf hingewiesen, dass der vorliegende Sachverhalt bloss aufgrund des im Zusammenhang mit der Auslieferung des Beschuldigten aus dem Ausland geltenden Spezialitätsp rinzips nicht unter dem Aspekt ei- nes versuchten Tötungsdelikts zu prüfen ist. Als besonder s dreist zu bezeichnen ist überdies, dass der Beschuldigte zusammen mit den Mittätern B.____ und D.____ im unmittelbaren An- schluss an den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt na ch der geglückten Flucht nach Frankreich sofort wieder in eine Liegenschaft eingebrochen ist und erneut ein Fahrzeug gestoh- len hat. Gestützt auf diese Erwägungen ist die objekti ve Tatschwere als mittelschwer zu qualifi- zieren. bb) In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten anzulasten, dass er ‒ wenngleich die Le- bensgefährdung nicht das primäre Handlungsziel dargestell t hat ‒ direktvorsätzlich gehandelt hat, was aber ‒ gleichermassen wie die Skrupellosigkeit ‒ zur Erfüllung des subjektiven Tatbe- standes vorausgesetzt wird und von daher wiederum neu tral zu werten ist. Die subjektive Schwere der Tat vermag somit das objektive Tatverschulden wiederum nicht zu beeinflussen. cc) Im Resultat ist damit im Rahmen einer vorläufigen Ein schätzung das Verschulden des Beschuldigten bezüglich des Vorwurfs der Gefährdung des Lebens als mittelschwer zu qualifi- Seite 88 http://www.bl.ch/kantonsgericht zieren, was in Anbetracht des abstrakten Strafrahmens zu e iner hypothetischen Einzelstrafe von 730 Strafeinheiten führt. In Bezug auf die Sanktio nsart steht damit fest, dass in concreto ausschliesslich eine Freiheitsstrafe in Frage kommt, womit im Ergebnis eine hypothetische Ein- zelstrafe von zwei Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen ist. g) Einzelstrafe für die mehrfache Sachbeschädigung aa) Die Vorinstanz hat es versäumt, die einzelnen Tathandlu ngen vor der Bildung einer allfäl- ligen Gesamtstrafe in einem selbstständigen Schritt vorab zu würdigen. Dies ist nachfolgend zu korrigieren. Wie vorstehend dargelegt (oben E. 9.1.i u nd E. 9.2.d), ist es nach der Praxis des Bundesgerichts zulässig, bei Vorliegen einer Tatserie ein e Kategorisierung gleichgelagerter Delikte vorzunehmen. Im vorliegenden Fall steht fest, dass die in concreto zu bewertenden Sachbeschädigungen diejenigen Deliktserien betreffen, welche vorgängig im Rahmen der Wür- digung des gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebst ahls beurteilt worden sind, weshalb ohne Zweifel von einem einheitlichen Tatvorgehen auszugehen ist. Infolgedessen rechtfertigt es sich in casu, für die jeweiligen Sachbeschädigungen insg esamt eine hypothetische Einzelstrafe festzulegen und diese danach in corpore zu asperieren. bb) Betreffend die objektive Tatschwere ist zu veranschlagen, dass der Beschuldigte allein und zusammen mit anderen Mittätern, namentlich B.____ und teilweise D.____, in einem Zeit- raum von rund fünfeinhalb Monaten 42 Einbruchsdiebstähle verübt und dabei in 38 Fällen einen Sachschaden an den entsprechenden Liegenschaften ‒ namentlich an aufgehebelten oder auf- gebohrten Fenstern, aufgewuchteten Türen sowie beschä digten Aussenscheinwerfern ‒ von gesamthaft über CHF 32'000.-- verursacht hat. Dieser h ohe und ausnahmslos an Wohnliegen- schaften verursachte Schaden lässt auf eine ausgeprägte Gle ichgültigkeit gegenüber fremdem Eigentum schliessen. Andererseits ist festzustellen, dass der Beschuldigte keinen höheren Schaden angerichtet hat als zur Erreichung seines eigen tlichen Handlungsziels nötig gewesen ist. Angesichts dieser Umstände ist die objektive Tatschwere als leicht am oberen Rand zu qua- lifizieren. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten a nzulasten, dass er direktvorsätzlich gehandelt hat zwecks Förderung des jeweils angestrebten Diebstahls, weshalb die subjektive Schwere der Tat das objektive Tatverschulden nicht zu rel ativieren vermag. Gestützt auf diese Erwägungen ist im Rahmen einer vorläufigen Einschätzung das Verschulden des Beschuldigten bezüglich des Tatbestandes der mehrfachen Sachbeschädigun g als leicht am oberen Rand Seite 89 http://www.bl.ch/kantonsgericht einzuschätzen, was zu einer hypothetischen Einzelstrafe vo n 45 Strafeinheiten führt. In Bezug auf die Wahl der Sanktionsart ist zu konstatieren, dass hinsichtlich der vorliegend zu beurteilen- den Tathandlungen angesichts der geschilderten Umständ e und des äusserst engen Zusam- menhangs zum Tatbestand des gewerbs- und teilweise bande nmässigen Diebstahls sowie un- ter Berücksichtigung der Zweckmässigkeiten von Freiheits- und Geldstrafe und der damit ver- bundenen präventiven Effizienz auf den Täter nur ein e Freiheitsstrafe in Betracht kommt (vgl. oben E. 9.2.d). Im Resultat ist damit eine hypothet ische Einzelstrafe von eineinhalb Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. h) Einzelstrafe für den mehrfachen Hausfriedensbruch aa) Auch in diesem Konnex hat es die Vorinstanz unterlasse n, die einzelnen Tathandlungen vor der Bildung einer allfälligen Gesamtstrafe in ein em selbstständigen Schritt vorab zu würdi- gen. Wie vorstehend wiederholt dargelegt (oben E. 9. 1.i und E. 9.2.d), ist es nach der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung zulässig, bei Vorliegen eine r Tatserie eine Kategorisierung gleichgelagerter Delikte vorzunehmen. Im vorliegenden F all steht fest, dass die in concreto zu bewertenden Hausfriedensbrüche diejenigen Deliktserien betreffen, welche vorgängig im Rah- men der Würdigung des gewerbs- und teilweise bandenmässi gen Diebstahls beurteilt worden sind, weshalb ohne Zweifel von einem einheitlichen Tatvorgehen auszugehen ist. Infolgedessen rechtfertigt es sich in casu, für die jeweiligen Hausfriedensbrüche insgesamt eine hypothetische Einzelstrafe festzulegen und diese danach in corpore zu asperieren. bb) Bezüglich der objektiven Tatschwere ist zu erwägen, dass der Beschuldigte allein und zusammen mit anderen Mittätern, namentlich B.____ und teilweise D.____, in einem Zeitraum von rund fünfeinhalb Monaten 42 Einbruchsdiebstähle verübt und insgesamt sogar 43 Hausfrie- densbrüche begangen hat. Diese Häufung lässt auf eine ausgeprägte Gleichgültigkeit gegen- über dem Eigentum anderer im Generellen sowie dem f remden Hausrecht im Speziellen schliessen. Stark verschuldenserhöhend ist dabei zu gewicht en, dass der Beschuldigte aus- nahmslos nachts in Wohnliegenschaften eingebrochen ist, zu einem Zeitpunkt also, in welchem er hat davon ausgehen müssen, dass Bewohner vor Ort sind, zumal er nie (z.B. durch Klingeln) vorgängig deren Anwesenheit abgeklärt hat. In der überwiegenden Anzahl von Fällen sind denn die Bewohner während des Einbruchs tatsächlich am Schlafen gewesen und in sieben Fällen ist es sogar zu einer Konfrontation zwischen den Einbrecher n und den Anwesenden gekommen, Seite 90 http://www.bl.ch/kantonsgericht was ohne Zweifel eine nachhaltig traumatisierende Wirku ng entfaltet hat und als grobe Rück- sichtslosigkeit qualifiziert werden muss. Nicht zu übersehen ist auf der anderen Seite, dass die Hausfriedensbrüche keinen Selbstzweck gehabt haben, sond ern vielmehr Voraussetzung ge- wesen sind für die eigentlich angestrebten Diebstähle. A ngesichts dieser Umstände ist die ob- jektive Tatschwere als mittelschwer am oberen Rand einzust ufen. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten anzulasten, dass er direktvorsätzlich gehan delt hat zwecks Förderung des jeweils angesteuerten Diebstahls, weshalb die subjektive Schwere der Tat das objektive Tat- verschulden nicht zu relativieren vermag. Gestützt auf d iese Erwägungen ist im Rahmen einer vorläufigen Einschätzung das Verschulden des Beschuldigten bezüglich des Tatbestandes des mehrfachen Hausfriedensbruchs als mittelschwer am oberen Rand einzuschätzen, was zu einer hypothetischen Einzelstrafe von 180 Strafeinheiten führ t. In Bezug auf die Wahl der Sanktions- art ist zu konstatieren, dass hinsichtlich der vorliegend zu beurteilenden Tathandlungen ange- sichts der geschilderten Umstände und des äusserst engen Zusammenhangs zum Tatbestand des gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls sowie unter Berücksichtigung der Zweckmässigkeiten von Freiheits- und Geldstrafe und der da mit verbundenen präventiven Effi- zienz auf den Täter nur eine Freiheitsstrafe in Betracht kommt (vgl. oben E. 9.2.d). Im Resultat ist damit eine hypothetische Einzelstrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. i) Einzelstrafe für die mehrfache Entwendung eines Mot orfahrzeuges zum Gebrauch aa) Bezüglich dieses Anklagepunktes ist zunächst darauf hinzuw eisen, dass es die Vorder- richter offenbar versäumt haben, die entsprechenden Ve rurteilungen in die Strafzumessung aufzunehmen. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist z u erörtern, dass der Beschuldigte zusammen mit seinen Mittätern anlässlich der Einbruchsdie bstähle in den Fällen 5.44 und 5.50 jeweils einen Personenwagen behändigt hat und damit i m einen Fall rund 15 Kilometer und im anderen Fall ca. einen Kilometer weit gefahren ist, ehe er das jeweilige Fahrzeug wieder hat stehen lassen. Auch diese Entwendungen haben keinen Selbstzweck gehabt, sondern vielmehr als Transportmittel für die Fortsetzung der eigentli ch angestrebten Diebstähle gedient. Ange- sichts dieser Umstände ist die objektive Tatschwere als leicht einzustufen. bb) In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten anzulasten, dass er direktvorsätzlich gehan- delt hat zwecks Förderung des jeweils angesteuerten Dieb stahls, weshalb die subjektive Schwere der Tat das objektive Tatverschulden nicht zu rel ativieren vermag. Gestützt auf diese Seite 91 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen ist im Rahmen einer vorläufigen Einschätzung das Verschulden des Beschuldigten bezüglich des Tatbestandes der mehrfachen Entwendung ein es Motorfahrzeuges zum Ge- brauch als leicht einzuschätzen, was zu einer hypothetischen Einzelstrafe von 15 Strafeinheiten führt. In Bezug auf die Wahl der Sanktionsart ist zum wiederholten Male zu konstatieren, dass hinsichtlich der vorliegend zu beurteilenden Tathandlun gen angesichts der geschilderten Um- stände und des äusserst engen Zusammenhangs zum Tatbesta nd des gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls sowie unter Berücksichtigung der Zweckmässigkeiten von Frei- heits- und Geldstrafe und der damit verbundenen präven tiven Effizienz auf den Täter nur eine Freiheitsstrafe in Betracht kommt (vgl. oben E. 9.2.d) . Im Resultat ist damit eine hypothetische Einzelstrafe von zwei Wochen Freiheitsstrafe festzusetzen. j) Nachdem vorliegend für sämtliche Delikte in einzelner B etrachtung hypothetische Frei- heitsstrafen ausgefällt worden sind, ist nunmehr unter Berücksichtigung des Asperationsprin- zips eine hypothetische Gesamtstrafe für diese Delikte zu sammen festzulegen. Bei der Bildung der hypothetischen Gesamtstrafe ist zu Gunsten des Beschuld igten die Gleichheit der betroffe- nen Rechtsgüter sowie die Vergleichbarkeit der jeweili gen Begehungsweisen zu berücksichti- gen. Diese überaus engen zeitlichen, sachlichen und situativen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Tathandlungen würdigend erachtet es das Kant onsgericht nach Ermittlung der jewei- ligen Strafeinheiten im Ergebnis als angemessen, die Einsatzstrafe für den gewerbs- und teil- weise bandenmässigen Diebstahl im Umfang von sechseinha lb Jahren Freiheitsstrafe um 14 Monate Freiheitsstrafe für die Gefährdung des Lebens, um weitere drei Wochen Freiheitsstrafe für die mehrfache Sachbeschädigung, um weitere drei Monate Freiheitsstrafe für den mehrfa- chen Hausfriedensbruch sowie schliesslich um eine weitere Woche Freiheitsstrafe für die mehr- fache Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch zu erhöhen. Dies führt zu einer hypo- thetischen Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren. Bezüglich des Einwands des Beschuldigten, wonach die vorliegende Strafe als Zusatzstrafe zum Urteil des Tribunal Correctionnel de Colmar vom 1. Februar 2018 auszusprechen sei, ist zu konstatieren , dass die neu begründete Recht- sprechung des Bundesgerichts zur retrospektiven Konkurrenz hin sichtlich ausländischer Urteile klar und eindeutig ist. Demnach kann eine Zusatzstrafe nur zu inländischen Urteilen ausgespro- chen werden. Vorliegend ist die frühere Strafe aber vo n einem ausländischen Gericht, wie er- wähnt dem Tribunal Correctionnel de Colmar, festgelegt worden, weshalb in casu entgegen der Seite 92 http://www.bl.ch/kantonsgericht Forderung des Beschuldigten keine Zusatzstrafe zum genannte n Urteil zu verhängen, sondern eine eigenständige Strafe auszufällen ist. k) In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob diese tatbe zogene hypothetische Gesamtstrafe aufgrund der besonderen Täterkomponenten anzupassen ist. Einleitend festzuhalten ist hierbei, dass die diesbezüglich massgeblichen Faktoren Vorleben, pe rsönliche Verhältnisse, Nachtat- verhalten und Verhalten im Strafverfahren für alle St raftaten grundsätzlich gleichermassen gel- ten. In diesem Zusammenhang ist zusammenfassend festzuhal ten, dass der Beschuldigte A.____ in Albanien geboren und zusammen mit drei Brü dern und einer Schwester bei seiner Familie in YY.____ aufgewachsen ist, dort die Schule besucht und im Jahre 2004 eine Ausbil- dung zum Elektriker abgeschlossen hat. Über seine aktuel le finanzielle Situation ist nichts Ver- lässliches bekannt. Der Beschuldigte hat offenbar mit sein er Ex-Ehefrau einen zum heutigen Zeitpunkt zehnjährigen Sohn in Albanien sowie mit sei ner Ex-Freundin eine knapp siebenjähri- ge Tochter in YX.____. Eine besondere Strafempfindlichkeit, welche praxisgemäss von vornhe- rein nur bei aussergewöhnlichen Umständen bejaht werden kann, ist nicht zu erkennen. Hin- sichtlich des Gesundheitszustandes des Beschuldigten liegen keine Hinweise vor, welche An- lass zu besonderen Bemerkungen geben würden. Ernsthafte E insicht oder tätige Reue, welche nicht bloss prozesstaktisch motiviert erscheinen, werden ni cht vorgebracht. Diesbezüglich hat bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte zwar teilweise seine Täterschaft anerkannt hat, diese Aussagen aber höchst rud imentär und erst anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht erfolgt sind, womit sie auch nicht zu einer Erleichterung des Strafverfahrens beigetragen haben. An diesen Fes tstellungen vermögen auch die zwi- schenzeitlich vor dem Berufungsgericht erfolgten weitere n Teilgeständnisse nichts zu ändern, nachdem sich erstens der Beschuldigte sowohl in seinem persönlichen Schreiben vom 22. Feb- ruar 2022 als auch in der Befragung durch das Kantonsgericht lediglich in allgemeiner Form des Einbruchsdiebstahls schuldig bekennt und es ausdrücklich dem Gericht überlässt, in welchen konkreten Fällen er zu verurteilen sei, und sich zweitens d ie vom Verteidiger vorgebrachten spezifizierten Zugeständnisse lediglich auf Sachverhalte beziehen, welche zufolge von eindeu- tigen DNA-Spuren des Berufungsklägers beweismässig klar er stellt sind und bereits erstin- stanzlich zu einer Verurteilung geführt haben. Dies al les ist soweit neutral zu werten. Bemer- kenswert ist, dass der Beschuldigte einschlägig vorbestraft ist. So ist dieser vom Tribunal Cor- rectionnel de Mulhouse mit Urteil vom 2. Mai 2016 wege n Diebstahls und Beteiligung an einer Seite 93 http://www.bl.ch/kantonsgericht kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung einer strafba ren Handlung mit einem abstrakten Strafmass von maximal zehn Jahren Gefängnis zu einer Freih eitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten sowie vom Tribunal Correctionnel de Colma r mit Urteil vom 1. Februar 2018 gleichermassen wegen Diebstahls und Beteiligung an ein er kriminellen Vereinigung zur Vorbe- reitung einer strafbaren Handlung mit einem abstrakte n Strafmass von maximal zehn Jahren Gefängnis zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurt eilt worden. Diese Vorstrafen sind ent- gegen der üblichen Praxis allerdings nicht negativ anzur echnen, nachdem deren Berücksichti- gung zu Gunsten des Beschuldigten im Rahmen der retro spektiven Konkurrenz ebenfalls aus- ser Betracht fällt. Gemäss dem Vollzugsbericht der Justizvollzugsanstalt Thorberg vom 17. Feb- ruar 2022 wird das Vollzugsverhalten des Beschuldigten a ls korrekt beurteilt; so zeichne sich dieser durch gute Arbeitsleistungen, Respekt gegenüber der Anstaltsordnung sowie durch die selbstständige Gestaltung seiner Freizeit aus. Allerdi ngs stellt das Wohlverhalten seit der Tat keine besondere Leistung dar, weshalb eine Strafminder ung gestützt auf ein korrektes Verhal- ten während der Untersuchungshaft oder des vorzeitigen Strafvollzugs nicht in Frage kommt (HANS MATHYS , Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, N 392, mit Hinweisen). Nach diesen Erwägungen drängt sich folglich aufgrund de r besonderen Täterkomponenten kei- ne Anpassung der tatbezogenen Freiheitsstrafe auf. l) Grundsätzlich leicht zu Gunsten des Beschuldigten spricht die objektiv betrachtet lange Dauer seit der Begehung der inkriminierten Delikte bis zum Berufungsurteil. Dies wird aber so- gleich wieder relativiert durch den Umstand, wonach der Beschuldigte während dieser Zeitdau- er die vom Tribunal Correctionnel de Colmar mit Urtei l vom 1. Februar 2018 ausgesprochene Freiheitsstrafe im Umfang von vier Jahren in Frankreich abgesessen hat. Nicht anwendbar ist sodann Art. 48 lit. e StGB. Gemäss dieser Bestimmung mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstri chenen Zeit deutlich vermindert ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Wohlverh alten bedeutet vor allem das Fehlen von strafbaren Handlungen (HANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 42 zu Art. 48 StGB, mit H inweisen). Nach der Rechtsprechung ist dieser Strafmilderungsgrund in jedem Fall zu beachten, wenn mindestens zwei Drittel der Ver- jährungsfrist abgelaufen sind. Für die Berechnung ist d er Zeitpunkt des Berufungsurteils mass- gebend (BGE 140 IV 145 E. 3.1). Nach Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB verjährt die Strafverfolgung in 15 Jahren, wenn die für die Tat angedrohte Höchststraf e eine Freiheitsstrafe von mehr als drei Seite 94 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jahren ist. Die Verjährung beginnt mit dem Tag, an d em der Täter die strafbare Tätigkeit aus- führt (Art. 98 lit. a StGB). Wenn der Täter die str afbare Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten aus- führt, beginnt die Verjährung mit dem Tag, an dem e r die letzte Tätigkeit ausführt (Art. 98 lit. b StGB). In casu scheitert es bereits an der Voraussetzung de s Zeitablaufs, nachdem die letzte mit einer angedrohten Höchststrafe von mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe und tatsächlich auch zu einer Freiheitsstrafe führende Tathandlung a m 26. August 2014 stattgefunden hat. Un- ter dem Titel der tat- und täterunabhängigen Strafzu messungsfaktoren zeigt sich nach Darge- legtem wiederum keine Anpassung der Strafe als angezeigt. m) Im Ergebnis erweist sich in Würdigung sämtlicher Tat- und Täterkomponenten sowie der tat- und täterunabhängigen Strafzumessungsfaktoren ei ne Freiheitsstrafe von acht Jahren als angemessen. Bei diesem Strafmass ist der bedingte oder t eilbedingte Strafvollzug nach Art. 42 Abs. 1 StGB sowie Art. 43 Abs. 1 StGB ausgeschlossen. Ein er Anrechnung der ausgestande- nen Haft bzw. des vorzeitigen Strafvollzugs gestützt auf A rt. 51 StGB steht hingegen nichts im Wege. n) In Bezug auf den vom Bundesgericht praxisgemäss geforderte n hypothetischen Vergleich der Strafen der Mittäter ist zu konstatieren, dass di e vorliegende Strafe von acht Jahren Frei- heitsstrafe unter Berücksichtigung aller strafzumessungsrelevanten Faktoren ‒ und nicht zuletzt auch des Grundsatzes der richterlichen Unabhängigkeit ‒ bei einer Gesamtbetrachtung im Ein- klang steht mit derjenigen des Mittäters B.____, welch er erstinstanzlich rechtskräftig wegen gewerbs- und teilweise bandenmässigen Diebstahls, Gehilfe nschaft zur Gefährdung des Le- bens, mehrfachen Hausfriedensbruchs und mehrfacher Sachbeschädigung schuldig erklärt und zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt word en ist, unter Anrechnung der ausge- standenen Haft sowie des ausgestandenen vorzeitigen Strafvollzugs von insgesamt 762 Tagen. Massgeblich ist dabei in erster Linie, dass sowohl B.____ als auch A.____ von der Vorinstanz grundsätzlich die gleiche Strafe, nämlich neun Jahre Fr eiheitsstrafe erhalten haben. In der Fol- ge ist jedoch das Strafmass von B.____ im Gegensatz zu de mjenigen von A.____ aufgrund dessen umfassenden Geständigkeit signifikant um einen Dri ttel auf sechs Jahre Freiheitsstrafe reduziert worden. Begründet worden ist dies damit, dass bei B.____ von Beginn weg eine aus- geprägte Geständigkeit vorgelegen habe, welche seine V erurteilung und diejenige von A.____ im erfolgten Umfang überhaupt erst möglich gemacht habe. Ausserdem habe B.____ mit seinen Seite 95 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angaben das gesamte Verfahren in erheblichem Umfang vereinfacht, und es sei davon auszu- gehen, dass er tatsächlich "reinen Tisch" habe machen w ollen. Demgegenüber ist bei A.____, wie auch schon von den Vorderrichtern erkannt, keine irg endwie geartete Geständigkeit zu er- kennen, vielmehr ist das von ihm im Berufungsverfahren vor gebrachte Teilgeständnis bloss als taktischer Natur zu qualifizieren, nachdem er vor Kantonsgericht bloss einen Teil dessen zugibt, was ihm schon vom Strafgericht zweifelsfrei nachgewiesen worden ist. Als zweiter massgebli- cher und die unterschiedlichen Strafhöhen rechtfertigend er Faktor dient der Umstand, wonach B.____ nur wegen Gehilfenschaft zur Gefährdung des Le bens verurteilt worden ist, während A.____ in diesem wesentlichen Anklagepunkt als Haupttäter dasteht. 10. Zivilforderungen In Bezug auf die Zivilforderungen der Privatklägerschaft ist festzuhalten, dass diese grundsätz- lich der Hauptsache folgen. Angesichts der zu bestätigende n Verurteilungen erübrigen sich da- mit Anpassungen bei den vorinstanzlichen Erkenntnissen ge mäss den Dispositiv-Ziffern III.4 ff. Im Hinblick auf die im vorliegenden Urteil zusätzlich e rfolgten Verurteilungen in den Fällen 4.40 und 4.41 ist sodann schon deshalb keine Änderung vorzuneh men, weil die entsprechende Pri- vatklägerschaft das diesbezügliche erstinstanzliche Urteil nicht angefochten hat. 11. Kostenfolge 11.1 Kantonsgericht a) Nach Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Ko sten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Bei vorli egendem Verfahrensausgang ‒ indem einerseits die Berufung des Beschuldigten ledigli ch insofern teilweise gutgeheissen wird, als das Strafmass von neun Jahren unbedingter Freiheitss trafe auf acht Jahre unbedingte Frei- heitsstrafe reduziert wird, und andererseits die Anschl ussberufung der Staatsanwaltschaft in dem Sinne teilweise gutgeheissen wird, als eine zusätzli che Verurteilung wegen banden- und gewerbsmässigen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Sachbesch ädigung in den Fällen 4.40 Seite 96 http://www.bl.ch/kantonsgericht und 4.41 erfolgt, das darüber hinausgehende Rechtsmittel der Staatsanwaltschaft jedoch eben- falls abgewiesen wird ‒ rechtfertigt es sich, die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von insgesamt CHF 31'500.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 31'250.-- [zwölfein- halb Stunden Hauptverhandlung zu jeweils CHF 2'500.-- /h] sowie Auslagen von CHF 250.--) im Umfang von 80 % (= CHF 25'200.--) zu Lasten des Beschuldi gten und im Umfang von 20 % (= CHF 6'300.--) zu Lasten des Staates zu verteilen. Die Ko sten der Dolmetscherin in der Höhe von CHF 560.-- (acht Stunden zu jeweils CHF 70.--/h) ge hen gestützt auf Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO zu Lasten des Staates. b) In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten des Berufu ngsverfahrens ist zu erkennen, dass zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung d em Rechtsvertreter des Beschuldigten A.____, Advokat Dr. Andreas Noll, ein Honorar zu Last en des Staates ausgerichtet wird. Hin- sichtlich der Höhe dieses Honorars ist zu bemerken, dass sich diese grundsätzlich an der Ho- norarnote des Rechtsvertreters vom 27. Februar 2022 o rientiert. Hinzuzurechnen sind hierbei die Teilnahme an der Hauptverhandlung im Umfang von si ebeneinviertel Stunden plus Weg- pauschale von insgesamt zwei Stunden, die Nachbesprechung i m Umfang von einer halben Stunde sowie die zusätzlich ausgewiesenen Bemühungen d er vom Rechtsvertreter beauftrag- ten Dolmetscherin in der Höhe von CHF 175.--. Hieraus resultiert ein vom Staat zu tragendes Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 10'769.45 (36,76 Stunden Aufwand zu CHF 200.--/h plus 9,25 Stunden Aufwand zu CHF 200.--/h für die Ha uptverhandlung inklusive Weg plus 0,5 Stunden Aufwand zu CHF 200.--/h für die Nachbesprechu ng plus CHF 710.-- Auslagen und CHF 757.45 Mehrwertsteuer). Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Umfang von 80 % (= CHF 8'615.55) an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 11.2 Strafgericht Nachdem schliesslich die Berufung des Beschuldigten im kan tonsgerichtlichen Verfahren im Hinblick auf die zur Anklage gebrachten Sachverhalte un d die daraus resultierenden Verurtei- lungen vollumfänglich abgewiesen wird, besteht keine Ve ranlassung, an der erstinstanzlichen Kostenverteilung eine Änderung vorzunehmen. Seite 97 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 4. Dezember 2020, auszugsweise lautend: "II. 1. A.____ wird des gewerbs- und teilweise bandenmässige n Dieb- stahls, der Gefährdung des Lebens, der mehrfachen Entwe n- dung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der mehrfachen Sachbeschädigung schuldig erklärt und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren, unter Anrechnung der vom 17.10.2018 bis zum 05.04.20 19 aus- gestandenen Untersuchungshaft und des seit dem 05.04. 2019 bis zum 04.12.2020 ausgestandenen vorzeitigen Strafvol lzugs von insgesamt 780 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1, 2 und 3 StGB, A rt. 129 StGB, Art. 186 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 94 Abs. 1 S VG sowie Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. 2. A.____ wird in den Fällen gemäss Ziff. 4.40 - 4.4 3, Ziff. 5.47 und Ziff. 5.48 der Anklage freigesprochen. 3. Die A.____ betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten seines Vorverfahrens von CHF 37'303.53, den Koste n des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 1'350.-- und ½ der Gerichtsgebühr von CHF 15'000.-- (CHF 7'500.--), geh en zufol- ge Teilfreispruchs und im Übrigen in Anwendung von Art . 425 StPO (i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO) sowie § 4 Abs. 3 G ebT zu- folge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. 4. Das Honorar des amtlichen Verteidigers Advokat Dr. A. Noll wird in Höhe von CHF 27'558.-- [recte: CHF 27'558.30] gen ehmigt und zuzüglich des Honorars für die Teilnahme an der Ha uptver- handlung von CHF 1'023.15 (4,75 Stunden inklusive Weg und Nachbesprechung sowie 7,7 % MWSt [CHF 73.15]) im Umfa ng Seite 98 http://www.bl.ch/kantonsgericht von total CHF 28'581.45 (wovon CHF 13'432.35 für den Auf- wand vor Anklageerhebung sowie CHF 15'149.10 für den A uf- wand nach Anklageerhebung) aus der Gerichtskasse entrichtet. III. 1. Sämtliche im vorliegenden Verfahren forensisch gesich erten Daten, welche sich unter der GK-Nummer 1.____ bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-Forensik, befinden, werden nach R echts- kraft des Urteils unwiderruflich gelöscht. (...)" wird in teilweiser Gutheissung sowohl der Berufung des Beschuldig - ten als auch der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaf t in den Ziffern II.1 und II.2. wie folgt geändert : II. 1. A.____ wird des gewerbs- und teilweise bandenmässigen Dieb- stahls, der Gefährdung des Lebens, der mehrfachen Entwe n- dung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen Sachbeschädigun g schuldig erklärt und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren , unter Anrechnung der vom 17.10.2018 bis zum 05.04.201 9 ausgestandenen Untersuchungshaft und des seit dem 05.04.2019 bis zum 02.03.2022 ausgestandenen vorzeitigen Strafvollzugs von insgesamt 1'233 Tagen , in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1, Ziff. 2 und Ziff . 3 StGB, Art. 129 StGB, Art. 186 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 94 Abs. 1 SVG sowie Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. 2. A.____ wird in den Fällen gemäss Ziff. 4.42 und Zif f. 4.43 sowie Ziff. 5.47 und Ziff. 5.48 der Anklage freigesprochen. Seite 99 http://www.bl.ch/kantonsgericht Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 31'500.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 31'25 0.-- sowie Auslagen von CHF 250.--) gehen im Umfang von 80 % (= CHF 25'200.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umfang von 20 % (= CHF 6'300.--) zu Lasten des Staates. Die Kosten der Dolmetscherin in der Höhe von CHF 560.-- gehen zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter des Beschuldigten A.____, Advokat Dr. Andreas N oll, ein Honorar in der Höhe von CHF 10'769.45 (inklusive Haup tverhand- lung, Weg, Nachbesprechung, Auslagen und CHF 757.45 Me hr- wertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Umfang von 80 % (= CHF 8'61 5.55) an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es sei ne wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann Dieser Entscheid ist rechtskräftig.