Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. Juli 2016 (810 16 150) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Vorsorglicher Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes und Sistierung des persönli- chen Verkehrs Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Gerichtsschreiberin Chiara Piras Beteiligte A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advo- kat, gegen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____, Vorinstanz C.____, Beigeladener Betreff Prüfung von Kindesschutzmassnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 17. Mai 2016) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.____ und C.____ sind die nicht miteinander verheirateten, gemeinsam sorgeberech- tigten Eltern von D.____ (geboren 2011). Die Eltern trennten sich im Jahr 2012, wobei D.____ unter der Obhut der Mutter verblieb . Die Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) errichtete mit Entscheid vom 30. Mai 2013 für D.____ eine Erziehungsbeistandschaft. B. Am 2. Juni 2015 übermittelte die Kinderschutzgruppe des E.____ -Spitals d er KESB eine Gefährdungsmeldung. Darin äusserten die Fachleute Bedenken über die gesunde En t- wicklung von D.____. Sie empfahlen eine Abklärung in der Kinder - und Jugendpsychiatrie b e- treffend die Erziehungsfähigkeit von A.____ und das Besuchsrecht des Vaters. Die Erziehungs- beiständin zeigte sich in einem Zwischenbericht vom 19. Juni 2015 ebenfalls in Sorge um das Kindeswohl von D.____ und beantragte bei der KESB die Vornahme weiterer Abklärungen über den Gesundheitszustand von Mutter und Kind und über die Erz iehungsfähigkeit der Mutter. In der Folge ordnete die KESB mit Entscheid vom 15. Juli 2015 die Einholung eines prozessorien- tierten Gutachtens bei der Psychiatrie F.____, unter anderem über die Erziehungsfähigkeit der Mutter, an. C. Die Gutachterin der Psychiatrie F.____ kam im Gutachten vom 17. Februar 2016 (Gut- achten Psychiatrie F.____ ) zum Schluss, dass die Kindsmutter Anzeichen einer Persönlic h- keitsakzentuierung zeige und in ihrer Erziehungsfähigkeit eingeschränkt sei. Ihre Überzeugung, D.____ könnte krank sein und die daraus folgenden häufigen Arztbesuche, hätten einen wah n- haften Charakter. Sie empfahl eine weiterführende psychiatrische Begutachtung. Am 7. März 2016 reichte die Kindertagesstätte G.____ (KITA), welche D.____ seit Januar 2016 besuchte, der KESB eine Gefährdungsmeldung ein und berichtete darin, dass A.____ in wechselnden Versionen wirre Missbrauchsvorwürfe gegen den Kindsvater, die Grossmutter väterlicherseits sowie Mitarbeiter der KITA gerichtet habe. In den nachfolgenden Gesprächen mit der KESB verweigerte die Kindsmutter jegliche Kooperation hinsichtlich sozialpädagogischer Massna h- men oder weitergehender Abklärungen ihres Gesundheitszustandes. D. Mit Entscheid vom 17. Mai 2016 ordnete die KESB eine psychiatrische Begutachtung der Kindsmutter an und wies sie im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung zu einer stat i- onären Vorabbegutachtung in die Psychiatrische Klinik H.____ ein. Mit gleichzeitig eröffnetem Entscheid der Vizepräsidentin der KESB wurde den Eltern vorsorglich das Aufent haltsbestim- mungsrecht über D.____ entzogen und diese in einer den Parteien vorerst nicht bekannt geg e- benen Institution platziert. Der persönliche Kontakt zwischen der Kindsmutter und D.____ wu r- de bis zur Klärung der Gefährdung D.____’s vorläufig sistiert. Die KESB erklärte die Anordnung für sofort vollstreckbar und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Die vorsorglichen Massnahmen wurden zusammenfassend damit begründet, dass A.____ im Gu t- achten der Psychiatrie F.____ vom 17. Februar 2016 als wahnhaft und unberechenbar b e- schrieben worden sei und sie sich in der Folge jeglicher ambulanter Behandlung widersetzt h a- be. Seither habe sich die Situation zugespitzt, so dass nunmehr bei einem weiteren Aufenthalt von D.____ bei der Kindsmutter von einer akuten und hohen Gefährdung des Kindeswohls aus- zugehen sei. Anlässlich der Anhörung habe A.____ zudem angekündigt, im Falle einer Fremdplatzierung des Kindes mit diesem sofort nach I.____ (Afrika) ausreisen zu wollen, we s-Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht halb der persönliche Kont akt zum Schutz des Kindes vorläufig zu sistieren sei, bis geklärt sei, welche Gefährdung von der Kindsmutter ausgehe und unter welchen Umständen sie D.____ künftig sehen könne. E. Gegen den Entscheid über die vorsorglichen Massnahmen erhob A.____, vertret en durch Nicolas Roulet, Advokat, mit Eingabe vom 26. Mai 2016 Beschwerde beim Kantonsge- richt Basel -Landschaft, Abteilung Verfassungs - und Verwaltungsrecht (Kan tonsgericht). Sie beantragte, die vorsorglichen Massnahmen seien vollumfänglich aufzuheben und d ementspre- chend sei die Fremdplatzierung ihrer Tochter aufzuheben, der persönliche Kontakt wiederhe r- zustellen und ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____ wieder zuzuerkennen. In ve r- fahrensmässiger Hinsicht wurden die Wiederherstellung der aufschiebe nden Wirkung und die persönliche Anhörung der Beschwerdeführerin beantragt. F. Am 15. Juni 2016 liess sich der beigeladene Kindsvater vernehmlassen und äusserte sich dahingehend, dass er den Entscheid der KESB nicht beanstande. G. In der Vernehmlassung vom 22. Juni 2016 beantragte die KESB die vollständige A b- weisung der Beschwerde. H. Mit Präsidialverfügung vom 27. Juni 2016 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt und der Verfahrensantrag au f Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 140 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden, wobei dieser Bestimmung über Art. 314 Abs. 1 ZGB auch in kindesrechtlichen Belangen Geltung zukommt. Das geltende Recht enthält in den Art. 443 ff. ZGB eine verbindliche bundesrechtliche Verfah rensordnung für Fragen des Erwachsene n- schutzrechtes. Die Art. 450 ff. ZGB befassen sich mit dem Verfahren vor der Rechtsmitt e- linstanz. Art. 450f ZGB behält das kantonale Recht vor, d.h. die Kantone haben die Kompetenz, eigene Verfahrensbestimmungen zu erla ssen (vgl. hierzu DANIEL STECK, in: Geiser /Reuser [Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 9 ff. zu Art. 450 ZGB). Der Kan- ton Basel-Landschaft verweist diesbezüglich in § 66 Abs. 2 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 auf das Verfahrensrecht nach Art. 450 – 450e ZGB und im Übrigen auf das kantonale Verwaltungsrecht. 1.2 Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind sämtliche Endentscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vor sorgliche Massnahmen (Art. 445 Abs. 3 ZGB). Beim angefochtenen Entscheid der Vizepräsidentin der KESB handelt es sich um einen Zw i- schenentscheid im Sinne von Art. 445 Abs. 3 ZGB. Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorli e- genden Streitsache liegt in Anwendung von § 66 Abs. 2 EG ZGB i.V.m. § 1 Abs. 3 lit. f des kan-Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tonalen Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. D e- zember 1993 bei der präsidierenden Person. Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, kann auf die vorliegende Beschwerde eingetreten werden. 2. Nach Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhaltes (Ziff. 2) sowie die Unang e- messenheit (Ziff. 3) gerügt wer den. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorli e- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder sie dazu ausserstande sind. Auf Antrag einer am Verfahren beteiligten Person oder von Amtes wegen trifft die Kindes - und Erwachse- nenschutzbehörde auch alle für die Dauer des Verfahre ns notwendigen Massnahmen (Art. 445 Abs. 1 ZGB). Vorsorgliche Massnahmen müssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, spätere Entscheid nicht abgewartet werden kann, ohne einen erheblichen Nachteil für die betroffene Person in Kauf zu nehmen (vgl. CHRISTOPH HÄFELI, Grundriss zum Erwac h- senenschutzrecht, Bern 2013, S. 285). Für die Anordnung einer vorsorglichen Massnahme g e- nügt das Beweismass der Glaubhaftmachung. Es muss demnach ausreichen, wenn eine Ge- fährdung aufgrund summarischer Prüfung zwar als wahrscheinlich scheint, die Möglichkeit einer Fehlannahme aber nicht ausgeschlossen werden kann (vgl. CHRISTOPH AUER/MICHÈLE MARTI, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Aufl., Basel 2014 [BSK ZGB I], N 29 zu Art. 445 ZGB). 4.1 Das Aufenthaltsbestimmungsrecht ist ein Teilaspekt der elterlichen Sorge (Art. 301a Abs. 1 ZGB). Dieses beinhaltet das Recht über den Aufenthaltsort eines Kindes zu bestimmen, d.h. darüber zu entscheiden, ob das Kind im Haushalt der Eltern, dauernd oder zeitweise bei Verwandten oder einer anderen Pflegefamilie, in einem Internat oder einem Heim lebt ( HÄFELI, a.a.O., S. 348; INGEBORG SCHWENZER/MICHELLE COTTIER, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], BSK ZGB I, N 4 ff. zu Art. 301a ZGB ). Materiell-rechtlich beruht der Entzug des Aufenthaltsbesti m- mungsrechtes auf Art. 310 Abs. 1 ZGB. Danach hat die Kindes - und Erwachsenenschutzbehör- de das Kind den Eltern wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen, wenn der Gefährdung des Kindes ni cht anders begegnet werden kann (vgl. PETER BREITSCHMID, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], BSK ZGB I, N 3 zu Art. 310 ZGB). Die Gefährdung muss darin li e- gen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre. Unerheblich ist, auf welchen U r- sachen die Gefährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen oder in einem Fehlve r- halten des Kindes, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. Desgleichen spielt auch kei- ne Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Massgeben d ist, dass die Vor- kehr das richtige Mittel zur Verwirklichung des Zieles ist, d.h. die Unterbringung (z.B. in einem Heim) muss besser als jene beim bisherigen Obhutsinhaber Gewähr dafür bieten, dass das Kind in seiner Entfaltung geschützt und gefördert wird (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 5A_322/2014 vom 14. Juli 2014 E. 2 und 5C.132/2006 vom 18. September 2006 E. 3.1 ). Eine Kindeswohlgefährdung kann sich unte r anderem bei Unfähigkeit der Eltern ergeben, sich ad ä-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht quat um das Kind zu kümmern, weil sie durch persönliche Probleme übermässig absorbiert oder weil sie allgemein überfordert sind; weiter kann sie - und im vorliegenden Zusammenhang interessierend - bei psychischer Erkrankung der Eltern mit entsprechend konkreten, objektivier- baren Auswirkungen auf das Wohl des Kindes sowie bei allen Formen der Misshandlung ang e- zeigt sein (vgl. PETER BREITSCHMID, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], BSK ZGB I, N 5 zu Art. 310 ZGB; HÄFELI, a.a.O., S. 350). Entsprechend sämtlicher Kindesschutzmassnahmen muss auch der Entzug des Aufenthalt sbestimmungsrechtes erforderlich sein (Subsidiarität) und es ist i m- mer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme anzuordnen (Proportionalit ät); diese soll elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität). Das Aufenthalt s- recht zu entziehen, ist somit nur zulässig, wenn andere Massnahmen ohne Erfolg geblieben sind oder von vornherein als ungenügend erscheinen, um die Ge fährdung abzuwenden (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 5A_401/2015 vom 7. September 2015 E. 5.2; BREITSCHMID, a.a.O., N 4 zu Art. 310 ZGB). Hingegen ist die Aufhebung der Obhut als vorsorgliche Massnahme für die Dauer einer Abklärung zulässig (vgl. HÄFELI, a.a.O., S. 349). 4.2 Das Recht auf angemessenen persönlichen Verkehr zwischen Eltern und Kindern s o- wie dessen Schranken richten sich nach Art. 273 ff. ZGB. Nach Art. 273 Abs. 1 ZGB besteht das gegenseitige Recht von Eltern und unmündigen Kindern, Kontakte untereinander zu pfl e- gen, wenn den Eltern beziehungsweise dem betroffenen Elternteil die elterliche Sorge oder die Betreuung der Kinder nicht zusteht (vgl. auch Art. 9 Abs. 3 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes [UNKRK] vom 20. November 1989 und Art. 8 Abs. 1 der Europäischen Kon- vention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK] vom 4. November 1950). Dieses Recht steht dem Betroffenen um seiner Persönlichkeit willen zu (vgl . BGE 136 III 353 E. 3.4). Eine analoge Anwendung des Art. 273 ZGB ist dann geboten, wenn sich das Kind dauernd tatsächlich bei einer anderen Person als dem Inhaber der elterlichen Sorge oder dem Obhutsberechtigten aufhält (vgl. INGEBORG SCHWENZER/MICHELLE COTTIER, in: Honsell/Vogt/ Geiser [Hrsg.], BSK ZGB I, N 8 zu Art. 273 ZGB ). Oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs ist immer das Kindeswohl, das anhand der Umstände des konkreten Einzelfalls zu beurteilen ist (vgl. BGE 131 III 212 E. 1; BGE 130 III 585 E. 2.1; Urteil des Bu n- desgerichtes 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4.1). Wird das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet, üben die Eltern den persönlichen Verkehr pflichtwidrig aus, haben die Eltern sich nicht ernsthaft um das Kind gekümmert oder liegen andere wichtige Gründe vor, kann ihnen das Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB ; GISELA KILDE, Der persönliche Verkehr: Eltern -Kind-Dritte, Zivilrechtliche und interdisziplinäre Lösungsansätze, Diss., Zürich 2015, S. 159 ff.). 4.3 Eine Gefährdung des Wohls des Kindes liegt dann vor, wenn dessen ungestörte kö r- perliche, seelische oder sittliche Entfaltung durch ein auch nur begrenztes Zusammensein mit dem (nicht obhutsberechtigten) Elternteil bedroht ist (vgl. BGE 122 III 404 E. 3b; Urteile des Bundesgerichtes 5A_719/2013 vom 17. Oktober 2014 E. 4.3 ; 5A_505/2013 vom 20. August 2013 E. 2.3; 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4.1; 5C.293/2005 vom 6. April 2006 E. 3; ANDREA BÜCHLER/ANNATINA WIRZ, in: Schwenzer [Hrsg.], FamKomm Scheidung, 2. Aufl., Bern 2011, Bd. I, N 7 f. zu Art. 274 ZGB ). Bei der Beschränkung des persönlichen Verkehrs ist stets das Gebot der Verhältnismässigkeit zu beachten. Erforderlich ist demnach, dass dieser Bedr o-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht hung nicht durch geeignete andere Massnahmen begegnet werden kann. Im Interesse des Kin- des darf ein Elternteil vom persönlichen Verkehr nur ausgeschlossen werden, wenn die nachtei- ligen Auswirkungen des persönlichen Kontaktes sich nicht anderweitig in für das Kind vertretba- ren Grenzen halten lassen ( vgl. BGE 122 III 40 4 E. 3b; Urteil des Bundesgerichtes 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4.1). Geg ebenenfalls kann den allfällig befürchteten nachteiligen Auswirkungen des persönlichen Verkehrs für das Kind durch die persönliche A n- wesenheit einer Drittperson (sog. begleitetes Besuchsrecht) begegnet werden (vgl. BGE 122 III 404 E. 3c; Urteil des Bundesgerichtes 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4.1). 5.1 Die KESB erwog im angefochtenen Entscheid, dass dem Gutachten der Psychiatrie F.____ vom 17. Februar 2016 zu entnehmen sei, dass durch das Verhalten der Beschwerd e- führerin die Entwicklung von D.____ gefährdet sei. Die Beschwerdeführerin sei im Gutachten als wahnhaft und unberechenbar beschrieben worden. So habe sie insbesondere D.____ a n- gewiesen, unter ein Tram zu springen. Dem Schreiben der KITA sei ferner zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin damit gedroht habe, einer Betreuerin das Handgelenk zu brechen. Au f- grund der gegenwärtigen, sich zuspitzenden Situation und gestützt auf die Aussage n der invol- vierten Fachpersonen stelle ein weiterer Aufenthalt D.____’s bei der Kindsmutter eine akute und hohe Gefährdung des Kindeswohls dar. Da sich die Beschwerdeführerin bis anhin weitg e- hendst geweigert habe, den im Gutachten der Psychiatrie F.____ empfohlenen ambulanten Massnahmen Folge zu leisten, wurde den Eltern vorsorglich das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D.____ entzogen und Letztere sofort in eine r geeigneten Institution untergebracht. Des Weiteren verfügte die KESB eine vorläufige Sistierung der persönlichen Kontakte zwischen D.____ und der Kindsmutter, bis mittels psychiatrischem Gutachten geklärt sei, welche Gefäh r- dung von der Beschwerdeführerin ausgehe. Dies sei insbesondere notwendig, weil die B e- schwerdeführerin anlässlich der Anhörung da mit gedroht habe, im Falle einer Platzierung von D.____ sofort mit dieser nach I.____ auszureisen. 5.2 Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, der Entzug des Aufenthaltsbestimmung s- rechtes und der Abbruch sämtlicher Kontakte zu D.____ seien nicht gerech tfertigt und liessen sich insbesondere nicht mit dem Kindeswohl vereinbaren. Das zwischenzeitlich von der Psychi- atrischen Klinik H.____ erstellte Vorabgutachten habe nämlich unmissverständlich festgehalten, dass von der Beschwerdeführerin keine akute Selbs t- oder Fremdgefährdung ausgehe. Auch nach einem stationären Aufenthalt von vier Tagen in der Psychiatrischen Klinik H.____ habe bei der Beschwerdeführerin keine akute psychische Dekompensation diagnostiziert werden kö n- nen. Es sei bei der Beschwerdeführeri n weder eine Wahrnehmungs - noch eine Ich -Störung, sondern vielmehr eine gute affektive Schwingungsfähigkeit festgestellt worden. Ferner seien die von der Beschwerdeführerin gemeldeten medizinischen Beschwerden von D.____ zwische n- zeitlich durch das Spital E .____ bestätigt worden (namentlich Skoliose, Mikrohämaturie und virale Pharyngitis) und könnten somit nicht als Wahnvorstellungen abgetan werden. Die Mas s- nahmen seien zudem unverhältnismässig, da insbesondere durch den Kontaktabbruch D.____ von der Beschwerdeführerin entfremdet werde. 6.1 Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass sowohl der Entzug des Aufenthaltsbesti m- mungsrechtes als auch die Sistierung des persönlichen Kontaktes zwischen der Beschwerd e-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin und D.____ vorliegend als vorsorgliche Massna hmen erlassen wurden. Die auf die konkrete familiäre Situation zugeschnittenen verhältnismässigen Kindesschutzmassnahmen sind somit im laufenden Verfahren bzw. nach Vorliegen des psychiatrischen Gutachtens betre f- fend die Kindsmutter erst noch zu bestimmen. 6.2 Die vorübergehende Fremdplatzierung D.____‘s und die Sistierung des persönlichen Verkehrs zwischen Mutter und Tochter erfolgten in einer akuten Situation: Nach der Gefäh r- dungsmeldung der KITA, der jüngsten Weigerung der Beschwerdeführerin, sich weiteren ge- sundheitlichen und ihre Erziehungsfähigkeit betreffende Abklärungen zu unterziehen (vgl. Anhö- rung der Beschwerdeführerin vom 14. April 2016) und ihrer Drohung, im Falle einer Fremdpla t- zierung ihrer Tochter mit dieser nach I.____ auszureisen (vgl. Anhörung der Beschwerdeführe- rin vom 17. Mai 2016, S. 3), verfügte die KESB die hier angefochtenen Massnahmen. Aus den vorinstanzlichen Akten geht zwar hervor, dass die Beschwerdeführerin insgesamt eine fürsorgliche und liebevolle Mutter ist, die sich u m das Wohlergehen ihrer Tochter bemüht (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 8 und 9). Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie den Behörden, dem medizinischen Personal und der KITA gegenüber als eine sehr unzuverläs- sige und in ihrem Handeln unberechenbare, impulsive und sture Person auftrat (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 6 und 7; Gefährdungsmeldung KITA, S. 2 und 3). Während der Abkl ä- rungsphase für die Erstellung des psychiatrischen Gutachtens durch die Psychiatrie F.____ hat die Beschwerdeführerin beispielsweise D.____ mehrmals genötigt, sich zu den vermeintlichen sexuellen Übergriffen durch den Kindsvater zu äussern oder die von der Beschwerdeführerin dargelegte Sicht der Dinge zu bestätigen und zu ergänzen (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 6 f.). Das Gutachten kam dabei zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin damit D.____ in die passive Rolle eines kranken, missbrauchten Kindes dränge (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 7). Aus dem Gutachten geht fe rner hervor, dass die Beschwerdeführerin in der Ve r- gangenheit dem Kindsvater öfters gedroht habe, sowohl ihn als auch D.____ zu verletzen oder gar umzubringen, wenn er ihren Forderungen nicht nachkomme (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 7). Angesichts der gesamten Umstände kam die Gutachterin der Psychiatrie F.____ zum Schluss, dass die Erziehungsfähigkeit der Beschwerdeführerin eingeschränkt sei (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 9). Es müsse deshalb eine detaillierte psychiatrische Abkl ä- rung über die Gefahr einer Selbst - und/oder Fremdgefährdung der Beschwerdeführerin vorg e- nommen werden. Ebenfalls Gegenstand eines zusätzlichen Gutachtens müsse das wahnhaft anmutende Verhalten der Beschwerdeführerin bezüglich vermeintlicher Erkrankungen D.____’s sein (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 7 und 9). Diese Empfehlungen stützten sich auf E r- kenntnisse, welche die Gutachterin - unter anderem - nach Gesprächen mit der Beschwerd e- führerin, dem Kindsvater, D.____, zwei D.____ behandelnden Kinderärzten und d em betreuen- den Sozialarbeiter gewinnen konnte. 6.3 Nach Eröffnung des vorliegend angefochtenen Entscheides vom 17. Mai 2016, wurde die Beschwerdeführerin vom 17. bis 19. Mai 2016 in der Psychiatrischen Klinik H.____ hospita- lisiert. Nach drei Gesprächen m it der Beschwerdeführerin wurden am 19. Mai 2016 ein Au s- trittsbericht und am 20. Mai 2016 ein Vorabgutachten erstellt. Beide Berichte beschrieben die Beschwerdeführerin als ruhige, kooperierende und ausgeglichene Person. Während den drei Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tagen habe die Bes chwerdeführerin keine impulsiven Handlungen gezeigt (vgl. Austrittsbericht Psychiatrische Klinik H.____, S. 3; Vorabgutachten Psychiatrische Klinik H.____, S. 2), weshalb die Ärzte in den Berichten unter anderem zum Schluss kamen, es bestehe keine akute Se lbst- oder Fremdgefährdung (vgl. Austrittsbericht Psychiatrische Klinik H.____, S. 3; Vorabgutachten Psychiatrische Klinik H.____, S. 2 f.). 6.4 Gesamthaft gesehen weisen d ie vorgehend dargelegten Auszüge aus den Akten je- doch hinreichend konkrete und glaubhafte Anhaltspunkte für eine zumindest drohende Gefäh r- dung von D.____‘s Kindeswohl auf. Vornehmlich hat d ie Beschwerdeführerin D.____ wieder- holt, drängend und in suggestiver Weise immer wieder zu Aussagen über sexuelle Übergriffe durch den Kindsvater bewe gen wollen (vgl. Gutachten Psychiatrie F.____, S. 7). Vor diesem Hintergrund erscheint die Schlussfolgerung der Vorinstanz nachvollziehbar, dass die B e- schwerdeführerin in Bezug auf D.____ unberechenbar erscheine und D.____ unter einen pe r- manenten psychischen Druck gesetzt habe. Augenscheinlich versuchte sie D.____ zu Aussa- gen zu bewegen, zu denen diese nicht bereit war. Zudem hat sie ihre Tochter wiederholt wegen ständig wechselnden, beliebigen Symptome n zu medizinischen Untersuchungen und Behan d- lungen vorgestellt. Auch ist es objektiv betrachtet nicht auszuschliessen, dass die Beschwerd e- führerin sich mit D.____ ins Ausland absetzen könnte, um sich weiteren Kindesschutzmas s- nahmen zu entziehen. Die verfügten Massnahmen sind somit auch unter diesem Aspekt g e- rechtfertigt. Die von der Beschwerdeführerin gegen die Platzierung und die Sistierung des persönlichen Kontaktes erhobenen Einwände erweisen sich somit als unbegründet. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass das von den Fachpersonen beobachtete auf fällige Verhalten der Be- schwerdeführerin ihrer Tochter gegenüber gegenwärtig einer gesunden Entwicklung D.____‘s abträglich ist. Für die Frage, ob sich die Erkenntnisse der beiden am 19. Mai und am 20. Mai 2016 erstellten Austritts - bzw. Vorabgutachten bestätigen werden, bleibt gegenwärtig das Er- gebnis des von der Vorinstanz in Auftrag gegeben en Gutachtens abzuwarten. Nach den übe r- zeugenden Erwägungen der Vorinstanz und e ntgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin w a- ren die vorläufige Platzierung D.____‘s in einer ausserfamiliären Institution und die Sistierung des persönlichen Kontaktes zur Beschwerdeführerin erforderlich, um einer allfälligen Gefäh r- dung D.____’s zu begegnen und die Notwendigkeit anderer Massnahmen zu prüfen. 7.1 Mit Bezug auf die Verhältni smässigkeit moniert die Beschwerdeführerin, der komplette Kontaktabbruch zwischen Mutter und Tochter sei nicht gerechtfertigt und die privaten Intere s- sen D.____’s seien dabei nur unzureichend berücksichtigt worden. 7.2 Es ist der Vorinstanz jedoch dahing ehend beizupflichten, dass die Sistierung des pe r- sönlichen Kontaktes zur Beschwerdeführerin notwendig ist, um eine allfällige Gefährdung des Kindes durch die Beschwerdeführerin im Rahmen eines umfassenden psychiatrischen Gutac h- tens abzuklären. Die von der Vorinstanz geltend gemachten Wahnvorstellungen der Beschwer- deführerin, ihre Drohung , mit D.____ nach I.____ auszureisen und eine damit einhergehende Gefährdung des Kindeswohls sind gestützt auf die Verfahrensakten glaubhaft dargelegt wo r- den. Eine mildere Massnahme, wie dies ein begleitetes Besuchsrecht darstellen könnte, kommt Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegend, angesichts des von der Beschwerdeführerin an den Tag gelegten Aggressionsp o- tentials (vgl. Drohungen gegenüber Mitarbeitern der KITA, Akten - bzw. Telefonnotiz der KESB vom 1. März 2016, S. 1), nicht in Betracht. Die Beschwerdeführerin hat sich bisher auch meh r- heitlich geweigert, die im Zwischenbericht der Beiständin vom 19. Juni 2015 bereits vorg e- schlagenen Massnahmen freiwillig umzusetzen (vgl. Anhörung der Beschwerdeführer in vom 8. Juli 2015). Folglich ist vorliegend in einer milderen Massnahme von vornherein kein taugl i- ches Mittel zur Abwendung einer unmittelbar drohenden oder bereits eingetretenen Kinde s- wohlgefährdung zu erblicken. Sowohl der Entzug des Aufenthaltsbestimm ungsrechtes als auch die Sistierung des persönlichen Kontaktes zwischen der Beschwerdeführerin und D.____ wu r- den zudem vorsorglich erlassen. Die Platzierung und die Sistierung des persönlichen Kontaktes sind demgemäss auch unter dem Gesichtspunkt der Verhä ltnismässigkeit nicht zu beansta n- den. 7.3. Vor diesem Hintergrund erweisen sich der von der Vorinstanz angeordnete Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes, die ausserhäusliche Platzierung von D.____ und die Sisti e- rung des persönlichen Kontaktes zwischen der Beschwerdeführerin und D.____ als erforderl i- che und mildeste Erfolg versprechende Massnahme, um eine Kindeswohlgefährdung abzuwen- den bzw. um ihr begegnen und die notwendigen Sachverhaltserhebungen durchführen zu kö n- nen. 8. Schliesslich stellen sich i m vorliegenden Verfahren zur Prüfung von vorsorglich erla s- senen Kindesschutzmassnahmen keine sachverhaltlichen oder rechtlichen Fragen, die nicht in angemessener Weise aufgrund der vorliegenden Akten beurteilt werden können. Mit ihrem nicht weiter begründe ten Gesuch , mündlich angehört zu werden, vermag die Beschwerdeführerin keine triftigen Gründe aufzuzeigen, die eine ausnahmsweise Durchführung einer Anhörung rechtfertigen würden. Damit ist von der Anordnung weiterer Beweismassnahmen für das vorli e- gende Ve rfahren abzusehen. Der Antrag auf Durchführung einer mündlichen Anhörung ist dementsprechend abzuweisen. 9.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. D ie Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 500.-- sind dem Ausgang des Verfahrens entsprechend der Beschwer- deführerin aufzuerlegen, wobei sie zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege zula s- ten der Gerichtskasse gehen. 9.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Be i- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Ausgangsgemäss sind die Parteikosten wettzuschlagen. In seiner Honorarnote macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘434.50 (inkl. Auslagen und 8 % MwSt) geltend, was angemessen ist. Zufolge Bewill i- gung der unentgeltlichen Rechtspflege ist dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin e in Ho- norar in der Höhe von Fr. 1‘434.50 zulasten der Gerichtskasse auszurichten. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie zur Nachza h- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gericht [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2002). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500. -- werden der B e- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gericht s- kasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter der B e- schwerdeführerin eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 1‘434.50 (inkl. Auslagen und 8% MwSt) aus der Gerichtskasse entrichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin