B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6747/2014 U r t e i l v o m 2 5 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter William Waeber; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien 1. A._______, geboren (…), dessen Ehefrau 2. B._______, geboren (…), und deren Kinder 3. C._______, geboren (…), 4. D._______, geboren (…), Kosovo, (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); Verfügung des BFM vom 13. November 2014 / N (…). D-6747/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführenden am 16. März 2011 in der Schweiz um Asyl nachsuchten, dass das BFM mit Verfügung vom 6. Mai 2013 feststellte, dass die B e- schwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, die Asylg e- suche ablehnte und die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug a n- ordnete, dass die Beschwerdeführenden gegen den angeordneten Wegweisung s- vollzug am 15. Mai 2013 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde er- hoben und um Feststellung der Unzumutbarkeit des Vollzugs der We g- weisung sowie um Gewährung der vorläufigen Aufnahme ersuchten, dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde mit Urteil vom 16. Juli 2013 abwies (Verfahren […]), dass die Beschwerdeführenden am 10. Juni 2014 eine als Wiedererw ä- gungsgesuch betitelte Eingabe beim BFM einreichten, dass das BFM mit Verfügung vom 13. November 2014 – eröffnet am 14. November 2014 – feststellte, dass es sich bei der als Wiedererw ä- gungsgesuch betitelten Eingabe vom 10. Juni 2014 um neuerliche Asy l- gesuche (d. h. um Mehrfachgesuche) handle und es diesbezüglich fes t- stellte, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten, die Asylgesuche ablehnte und die Wegweisung der Beschwer- deführenden aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug anordnete, und eine Gebühr von Fr. 600.– erhob, dass die Beschwerdeführenden dagegen mit Eingabe vom 19. November 2014 beim Bundesverwalt ungsgericht Beschwerde erhoben und um Auf- hebung der vori nstanzlichen Verfügung vom 13. November 2014 ersuch- ten, dass auf die Beschwerdebegründung – soweit entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, dass die vorinstanzlichen Akten am 21. November 2014 beim Bundesver- waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), D-6747/2014 Seite 3 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des St aates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG ric h- tet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über of fensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solc he handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass die Beschwerdeführenden unter anderem rüg ten, der rechtserhebli- che Sachverhalt sei durch das BFM nur unvollständig erhoben respektive D-6747/2014 Seite 4 die Begründungspflicht verletzt und damit ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden, dass diese verfahrensrechtlichen Rügen vorab zu prüfen sind, da sie a l- lenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38), dass im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – der Un- tersuchungsgrundsatz gilt, dass die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör haben (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 [S. 293]; BVGE 2009/35 E. 6.4.1), dass die Behörde demnach verpflichtet ist, von Amtes wegen für die ric h- tige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 12 VwVG) und der Anspruch auf re chtliches Gehör verlangt, dass die ve rfügende Behörde die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört und diese – wie die unterbreiteten Beweismittel – sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich en t- sprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss , so dass die Betroffenen den Entscheid gegebenen falls sachgerecht anfechten können (Art. 35 Abs. 1 VwVG; vgl. hierzu auch BVGE 2008/47 m.w.H.), dass die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebl i- chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht einen Beschwerdegrund bildet (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG), dass in casu konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die vorinstanz- liche Verfügung den Anforderungen an eine vollständige Sachverhaltse r- stellung und an die Begründungspflicht nicht zu genügen vermag, dass die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 9. September 2014 – beim BFM eingegangen am 15. September 2014 – einen vom 22. August 2014 datierenden Bericht der (Klinik) betreffend die vom (…) bis (…) er- folgte ambulante Untersuchung und Behandlung der Beschwerdeführ e- rin 3 und ein vom 9. September 2014 datierendes Bestätigungsschreiben der (…) eingereicht hatten (vgl. vorinstanzliche Akten B5), D-6747/2014 Seite 5 dass die Beschwerdeführenden diesbezüglich in der Beschwerdeeingabe vom 19. November 2014 rüg ten, das BFM habe sich in der angefocht e- nen Verfügung trotz der mit dem ärztlichen Bericht vom 22. August 2014 belegten psychiatrischen Behandlung der Beschwerdeführerin 3 nicht zur gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin 3 geäussert, dass eine Prüfung der vorinstanzlichen Akten ergibt, dass das BFM die belegten, fachärztlich erhobenen gesundheitlichen Probleme der B e- schwerdeführerin 3 (vgl. B5 [Bericht der (Klinik) betreffend die Beschwer- deführerin 3 vom 22. August 2014]) in der angefochtenen Verfügung tat- sächlich nicht erwähnt und sich nicht damit auseinandergesetzt hat, dass das BFM auch das Bestätigung sschreiben der (…) vom 9. September 2014 in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt und sich nicht damit auseinandergesetzt hat, dass das BFM es damit unterlassen hat, die von den Beschwerdeführen- den unterbreiteten Beweismittel vom 22. August 2014 und 9. September 2014 in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, dass damit davon auszugehen ist, dass das BFM den Sachverhalt nur unvollständig erhoben, seiner Begründungspflicht nicht genügend nac h- gekommen und damit den Anspruch der Beschwerdeführenden auf recht- liches Gehör verletzt hat, dass der Anspruch auf rechtliches Gehör formeller Natur ist und eine Ver- letzung desselben grundsätzlich zur Aufhebung des daraufhin ergang e- nen Entscheides führt, ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 [S. 676]), dass eine Heilung einer Gehörsverletzung nur ausnahmsweise und unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden kann, mithin nur dann, wenn die Gehörsverletzung nicht schwerwiegender Natur ist (vgl. BVGE 2008/47 a.a.O.), dass sich vorliegend der festgestellte Verfahrensmangel nicht im Rahmen des Beschwerdeverfahrens heilen lässt, zumal es nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht ist, den Sachverhalt rechtsgenüglich zu erstellen, dass die Beschwerde demnach gutzuhei ssen ist, soweit darin die Aufh e- bung der angefochtenen Verfügung beantragt wird, und das Verfahren zur D-6747/2014 Seite 6 Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM zurückzuweisen ist, dass es sich damit erübrigt, auf die weiteren Beschwerdevorbringen n ä- her einzugehen, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten zu e r- heben sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG), dass den nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführenden durch die Beschwerdeführung keine notwendigen Kosten im gesetzlichen Sinn e erwachsen sind, weshalb ihnen trotz Obsiegens keine Parteientschäd i- gung zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.v.m. Art. 7 Abs. 1 und 4 sowie Art. 9 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vo r dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-6747/2014 Seite 7 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der vorinstanz- lichen Verfügung beantragt wird. 2. Die Verfügung vom 13. November 2014 wird aufgehoben und das Verfah- ren im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz z u- rückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Susanne Burgherr Versand: