Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 30. Juni 2022 (725 21 258 / 147) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Verwertbare Restarbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung eines Pausenbedarfs, der nicht in den Arbeitsalltag integriert werden kann. Massgebende Vergleichseinkommen gemäss LSE. Ausnahmsweise Anwendung der Ta- belle T1_b namentlich bei der Bemessung des Valideneinkommens im Falle eines lang- jährigen Kadermitarbeiters im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistung. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Susanne Afheldt, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Natalie Matiaska, Advo- katin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG , Dufourstrasse 40, 9001 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG, Rechtsdienst Personenversicherung, Wuhrmattstrasse 19 - 23, 4103 Bottmingen Betreff Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1966 geborene A.____ war seit 1985 bei B.___ _ bzw. in der Folge bei C.____ AG tätig und in dieser Eigenschaft bei der D.____ AG bzw. infolge nachfolgender Fusion der E.____ bei der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend Helvetia) obligato- risch unter anderem gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 10. Februar 2000 erlitt er beim Tischtennisspiel einen Unfall und verletzte sich dabei am rechten Handgelenk. Nachdem der Un- fall zunächst ohne langfristige Leistungen des Unfallversicherers abgeschlossen werden konnte, kam es anfangs des Jahres 2018 zu einer Verschlimmerung d er Handgelenkbeschwerden, in deren Folge der Versicherte am 8. März 2018 eine Rückfallmeldung einreichen liess. Im Zeitpunkt der Verschlimmerung seiner Beschwerden war A.____ in b ereits gekündigter Anstellung bei F.____ AG als Executive Director beschäftigt. Dieses Arbeitsverhältnis endete nach einer länge- ren Freistellung schliesslich Ende Mai 2019. B. Infolge einer posttraumatischen Arthrose wurde dem Versicherten ab Ende Februar 2018 zunächst eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, ab 12. Januar 2019 eine volle und ab 24. Mai 2019 eine hälftige Arbeitsfähigkeit attestiert. Ber eits am 21. November 2018 hatte sich A.____ bei der IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) unter Hinweis auf die aus dem Unfall resultierenden Rückfall-Leiden zum Leistungsbezug angeme ldet. Nach Abklärung der gesund- heitlichen und erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle einen Rentenanspruch nach durch- geführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 19. Oktober 2021 aufgrund eines IV-Grads von 20% ab. C. Nach diversen ärztlichen Behandlungen sowie nach Abkl ärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse des Versicherten, namentlich nach Einholung eines ersten handchirur- gischen Gutachtens bei Dr. med. G.____, FMH Chirurgie und Orthopädie, vom 1. Juni 2019, erliess die Helvetia am 25. Juni 2019 eine Verfügung, mit welcher sie als Folge des im Jahr 2000 erlittenen Unfalls eine Restarbeitsfähigkeit von 80% festhielt und ihre Taggeldleistungen mit Wir- kung ab 6. Juli 2019 einstellte. Nachdem der Versicherte hiergegen am 20. August 2019 formge- recht Einsprache erhoben hatte, unterbreitete die Helvetia die Angelegenheit zunächst ihrem be- ratenden Arzt Dr. med. H.____, FMH für Chirurgie. Schliesslich leitete sie beim Zentrum I.____AG ein weiteres Gutachten namentlich zur Klärung der Frage der Restarbeitsfähigkeit des Versicher- ten in die Wege. Dieses erging am 27. Januar 2020 und attestierte dem Versicherten in einer angepassten Verweistätigkeit infolge Pausenbedarfs eine Restarbeitsfähigkeit von noch 12%. D. Mit einer weiteren Verfügung vom 4. August 2020 le hnte die Helvetia einen Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung mangels E rreichens eines Invaliditätsgrads von 10% ab, stellte mit Wirkung ab 1. September 2019 auch den Anspruch auf Heilbehandlungsmass- nahmen ein und sprach dem Versicherten schliesslich eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 20% in der Höhe von Fr. 21'300.— zu. Nachdem der Versicherte am 14. September 2020 auch hiergegen Einsprache erhoben hatte, wies die Helvetia die beiden Einsprachen des Versicherten mit Einspracheentscheid vom 28. Juli 2021 ab. Zur Begründung hielt sie hinsichtlich der Einstellung ihrer temporären Leistungen fest, dass der Endzustand den medizinischen Akten zufolge am 1. September 2020 errei cht gewesen sei. Die Tatsache, dass der Taggeldanspruch bereits zuvor eingestellt worden se i, basiere auf dem Umstand, dass der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte zeitgleich Leistungen der Arbeitslosenversicher ung erhalten habe und gemäss Art. 25 Abs. 3 der Verordnung über die Unfallversicherung ( UVV) vom 20. Dezember 1982 deshalb keinen Anspruch mehr auf Taggelder des Unfallversicherers besitze. Die Ablehnung des Renten- anspruchs begründete sie im Wesentlichen damit, dass der ä rztlich attestierte Pausenbedarf im Umfang von gut sieben Minuten pro Stunde keine Erwerb sbeeinträchtigung begründe. Sowohl Validen- als auch Invalideneinkommen seien gemäss Tabel le TA1 der statistischen Werte der schweizerischen Lohnstruktur (LSE) 2016, Kompetenzniveau 4 , Sektor Finanz- und Versiche- rungsdienstleistungen (64-66) zu bemessen und beliefen sich beide auf Fr. 149'485.—. Mangels einer Erwerbseinbusse resultiere kein Anspruch auf eine IV-Rente der Unfallversicherung. E. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Ad vokatin Natalie Matiaska, am 7. September 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte mit Wirkung ab 1. Juli 2019 die Zu- sprache einer IV-Rente der Unfallversicherung basierend auf einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 50%, eventualiter von mindestens 20%. Zur Begründung liess er geltend machen, dass lediglich Uneinigkeit darüber bestehe, wie sich seine von drei Gutachtern festgestellte Leistungseinschrän- kung auf das gemäss LSE-Tabellen zu ermittelnde Invalideneinkommen auswirke und auf welche Basis gemäss LSE-Tabellenlöhnen beim Valideneinkommen abzustellen sei. Infolge einer klar verminderten Belastbarkeit des Handgelenks sei er gemäss Gut achten der I.____ im Rahmen der normal üblichen Arbeitszeiten auch für leichte Büro-Tätigkeiten auf vermehrte Pausen im Um- fang einer Stunde pro Tag angewiesen. Die Argumenta tion der Beschwerdegegnerin, wonach dieser Pausenbedarf keine Erwerbsbeeinträchtigung beg ründe, weil er in die üblichen Pausen des Alltags integriert werden könne, sei realitätsfremd, und es realisiere korrekterweise eine Ar- beitsunfähigkeit von 12%. Ohne diese Beeinträchtigung hätte der Beschwerdeführer bei einem anderem Finanz- bzw. Versicherungsinstitut eine neue Stel le gesucht, bei welchem er sein bis- heriges Knowhow als Prozess- und Dokumentenmanager hätte einbringen können. Entgegen der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung bilde die von ihr für das Valideneinkommen herangezogene Tabelle TA1 der LSE 2016 das bisher bei der F.____ AG erzielte Einkommen nur ungenügend ab. Sein tatsächlicher Verdienst habe Fr. 206'635.— betragen. Die Diskrepanz zwischen seinem tatsächlich erzielten Einkommen und dem von der Vorinstanz herangezogenen Tabellenlohn sei mittels einer Parallelisierung entsprechend zu korrigieren, wonach sich zwischen dem tatsächlich erzielten Verdienst und dem branchenspezifischen Tabellenlohn gemäss Tabelle TA1 der LSE 2016 eine Abweichung von 38% ergebe. Wolle man keine Parallelisierung zulassen, sei in Nachachtung der Empfehlung des Bundesamtes für Statistik (BFS) anstelle der von der Helvetia herangezogenen Tabelle TA1 die Tabelle T1_b für Löhne betreffend Finanz- und Versi- cherungsdienstleistungen anzuwenden. Diesfalls resultiere ein Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 204'539.—. Eine Tätigkeit als Führungskraft lass e sich mit dem leidensbedingten Anfor- derungsprofil mit einer eingeschränkten Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht vereinbaren. Für die Bemessung des Invalideneinkommens sei deshalb die Tab elle TA1 der LSE 2018, Branche Fi- nanz- und Versicherungsdienstleistungen, Kompetenzniveau 3, heranzuziehen und es resultiere demnach unter Berücksichtigung der im Gutachten der I._ ___ festgestellten Arbeitsunfähigkeit von 12% ein Invalideneinkommen von Fr. 102'855.— und d amit eine Erwerbseinbusse von 50%. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Die Helvetia schloss mit Vernehmlassung vom 15. Januar 2021 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass nicht nachvollziehbar sei, wes- halb bei der bisher wie künftigen, einen relativ grossen Teil konzeptionelle Arbeiten und Sitzungen umfassenden Tätigkeit des Versicherten die zusätzlich einzuschaltenden Kurzpausen 12% seiner täglichen Arbeitszeit umfassen würden. Es liege zwar eine medizinisch-theoretische Beeinträch- tigung vor. Die Pausen zur Entlastung des Handgelenks kö nnten jedoch in den Arbeitsalltag in- tegriert werden. Bei einer über weite Teile «kopflastigen» Tätigkeit mit abwechselnder Büroarbeit sei eine mindestens 12%-ige Arbeitsunfähigkeit, welche alleine aufgrund von Beschwerden beim Tippen auf einer Tastatur und beim Schreiben eintrete, nicht schlüssig. Rechtsprechungsgemäss sei vom Versicherten eine Anpassung zu erwarten, zumal es diverse Hilfsmittel gebe, um seine Einschränkungen an der Hand auszugleichen. Weil der Besc hwerdeführer seine angestammte Stelle aus unfallfremden Gründen verloren habe, sei hi nsichtlich des Valideneinkommens nicht massgebend, wie hoch sein zuletzt erzieltes Salär ausgefallen sei. Seine Ausführungen nament- lich zu einer allfälligen Parallelisierung der Vergleichseinkommen würden sich deshalb als irrele- vant erweisen. Sein Vorbringen, wonach in der Finanz- oder Versicherungsbranche im bisherigen Lohnsegment keine Teilzeitpensen existieren würden, sei f ragwürdig. Zumal bestritten werde, dass überhaupt eine Arbeitsunfähigkeit vorliege, sei ein Valideneinkommen, welches im Bereich des zuvor erzielten Einkommens zu liegen komme, nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewie- sen. So habe sich der Versicherte namentlich seit dem Jah r 1996 nicht mehr weitergebildet. Es sei demnach davon auszugehen, dass er eine Stelle im Bereich des mittleren bis oberen Kaders gefunden hätte. Dies gelte umso mehr, als er selbst angegeben habe, kein derart hohes Einkom- men wie zuvor bei der F.____ AG mehr erzielen zu kön nen. Die Ermittlung des Valideneinkom- mens gestützt auf die Tabelle TA1 der LSE 2016, Kompe tenzniveau 4, sei daher korrekt. Die beiden Vergleichseinkommen seien gleich zu bewerten, und die Einschränkungen am rechten Handgelenk führten zu keiner Herabsetzung des Verdienstes als invalide Person. G. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 19. November 2021 gewährte das Kantonsge- richt den Parteien Frist zur Stellungnahme zu den mittlerweile beigezogenen, vor Hängigkeit des Verfahrens noch nicht vorhandenen Akten der Invalidenv ersicherung (IV). Mit Stellungnahme vom 8. Dezember 2021 hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass sich daraus keine wesentlichen neuen Erkenntnisse ergäben, welche an ihrem Standpunkt etwas ändern würden. Der Beschwer- deführer beantragte mit Stellungnahme vom 9. Dezember 2021, es sei ihm Frist zur Replik anzu- setzen. Mit Replik vom 10. Januar 2022 hielt er fest, dass es unbillig sei, wenn die Beschwerde- gegnerin auf einen Tabellenlohn beim Validenlohn ab stelle, der nicht dem Lohnniveau entspre- che, in welchem er vor der unfallbedingten Einschränkun g tätig gewesen sei. Dies gelte umso mehr, weil mit der Tabelle T1_b eine Lohntabelle existiere, welche sein Valideneinkommen bes- ser abbilde und deren Anwendung zudem vom BFS empfohlen werde. Er werde nicht mehr wie zuvor in den High-Performance-Bereich zurückkehren könne n und werde eine Stelle suchen müssen, bei der auf seine gesundheitlichen Beschwerden Rücksicht genommen werde und eine Teilzeittätigkeit möglich sei. Diese Umstände resultierten in einer Lohneinbusse von mindestens 20 bis 50%. Die Vielzahl an Gesichtspunkten, welche dabe i beim Einkommensvergleich zu be- rücksichtigen seien, dürften nicht einseitig zu seinen Lasten gehen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Duplik vom 10. Februar 2022 hielt die Beschwerd egegnerin an der Abweisung der Beschwerde fest. Die vom Beschwerdeführer vorgenommen e Berechnung vergleiche ein Ein- kommen in einer bereits vor dem Rückfall gekündigten Anstellung bei einem Pensum von 150% mit jenem einer Fachkraft im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistung bei einem Pensum von 100% mit zusätzlich zu berücksichtigenden Einschränkungen. Dies könne so nicht zutreffen, sei die Arbeitszeit doch rechtsprechungsgemäss au f 41,7 Stunden zu berechnen. Es sei infolge einer bereits vor dem Rückfall verlorenen Anstellung von einem Tabellenlohn auszu- gehen, welcher dem Erfahrungsstand der versicherten Person entspreche. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 ATSG, dessen Be stimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Unfallver sicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desje- nigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtlich e Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Vorab zu klären ist, was Streitgegenstand der Besch werde bildet. In ihrem Einsprache- entscheid vom 15. Dezember 2016 verneinte die Helvetia einerseits den Rentenanspruch. Ande- rerseits sprach sie dem Versicherten für die aus seinem U nfall resultierenden somatischen Be- schwerden eine Integritätsentschädigung gestützt auf einen Integritätsschaden von 20% zu. Die vorliegende Beschwerdebegründung richtet sich einzig geg en die Verneinung des Rentenan- spruchs, während der angefochtene Entscheid hinsichtlich der zugesprochenen Integritätsent- schädigung nicht kritisiert worden ist. Im Lichte der bun desgerichtlichen Rechtsprechung zur Frage der Teilrechtskraft von nicht angefochtenen Besta ndteilen eines angefochtenen Verwal- tungsakts und der damit verbundenen Rügepflicht (BGE 119 V 347 ff.) ist die frist- und formge- recht eingereichte Beschwerde vom 7. September 2021 desha lb lediglich in Bezug auf den von der Helvetia abgelehnten Rentenanspruch an Hand zu nehmen. 2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsun- fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu ge währen. Gemäss Art. 10 UVG hat der Versicherte Anspruch auf Heilbehandlungen unter andere m in Form einer ambulanten Behand- lung durch den Arzt oder auf dessen Anordnung durch ei ne medizinische Hilfsperson (Abs. 1 lit. a). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 % invalid ist und sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat. 2.2 Art. 11 (UVV) hält fest, dass Versicherungsleistunge n auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt werden. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränd erungen bewirkt, die zu einem völlig anders gearteten Krankheitsbild führen können ( BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2). Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversiche- rers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seiner- zeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädig ung ebenfalls ein (natürlicher und adäquater) Kausalzusammenhang besteht (Kranken- und U nfallversicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG, dessen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 UVG auf die Unfallversicherung anwendbar sind, die voraussicht- lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Diese ent- spricht dem durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib enden ganzen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; s eit 1. Januar 2007: sozialrechtli- che Abteilungen des Bundesgerichts) aufgezeigt hat, bracht e das ATSG hinsichtlich der unfall- versicherungsrechtlichen Invaliditätsbemessung keine substanzi ellen Änderungen gegenüber der bis zum 31. Dezember 2002 gültig gewesenen Normenlage. Die im ATSG enthaltenen Defi- nitionen der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG), der Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG) und der In- validität (Art. 8 ATSG) entsprechen ebenso wie die Vorschrift über die Bestimmung des Invalidi- tätsgrades (bei erwerbstätigen Versicherten; Art. 16 ATSG) den bisherigen, in der Unfallversiche- rung von der Rechtsprechung dazu entwickelten Begriffen und Grundsätzen. Die zur altrechtli- chen Regelung ergangene Judikatur bleibt deshalb weiterhin massgebend (Kranken- und Unfall- versicherung - Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 2004 Nr. U 529 S. 573 ff. E. 1.2- 1.4; Urteil K. des EVG vom 28. Juli 2004, U 12/04, E. 1.2). 2.4 Ein allfälliger Rentenanspruch entsteht erst, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleis- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbs- einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der u nfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus- geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehun g gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 2.5 In BGE 134 V 109 ff. hat sich das Bundesgericht e inlässlich mit der Thematik befasst, in welchem Zeitpunkt der Unfallversicherer einen Fall abzu schliessen und - gegebenenfalls - den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritäts entschädigung zu prüfen hat (BGE 134 V 113 E. 3.2). Dies habe, so das Bundesgericht, gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG in dem Zeitpunkt zu geschehen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Bes- serung des Gesundheitszustandes der versicherten Person me hr erwartet werden könne und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen seien (BGE 134 V 113 ff. E. 4). Die Verwendung des Begriffes "namhaf t" durch den Gesetzgeber verdeutliche dabei, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwarte nde Besserung ins Gewicht fallen müsse. Unbedeutende Verbesserungen genügten nicht (BGE 134 V 115 E. 4.3 mit Hinweisen). Wenn eine entsprechende Verbesserung nicht erwartet werden kann, ist der Fall deshalb abzu- schliessen. 3.1 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von A mtes wegen für die richtige und voll- ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa- chen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesge richts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Dies gilt insbesondere auch für die Rechtsfrage, ob mit Blick auf den End- zustand weiterhin von einer namhaften Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse auszu- gehen ist. Auch hier bilden Grundlage für die Beurteilung in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff der Prognose erfasst werden (Urteil des Bundesg erichts vom 22. April 2020, 8C_183/2020, E. 2.3). 3.2 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen. Das Gericht h at diese nach dem für den Sozial- versicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c des Bun- desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, un- abhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver- fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begr ündet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt beispiel sweise Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver sicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4. Was die Frage des mutmasslichen Rentenbeginns betrif ft, ist vorab der gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG massgebende Zeitpunkt des Fallabschlusses einer näheren Prüfung zu unterziehen (oben, Erwägung 2.4 f.). Aus dem von der Helvetia am 18. Februar 2019 in Auftrag gegebenen Gutachten von Dr. G.____ vom 1. Juni 2019 geht in diesem Zusammenhang hervor, dass durch ein Ausschöpfen aller konservativen Massnahmen davon auszug ehen sei, dass in der ange- stammten Tätigkeit bis 1. September 2019 allenfalls wieder mit einer Wiedererlangung einer voll- ständigen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne (a.a.O., S. 12 f.). In der Folge teilte die Hel- vetia dem Versicherten mit formlosem Schreiben vom 3. Juli 2019 deshalb zu Recht mit, dass weiterhin eine namhafte Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse erwartet werden könne und die Heilbehandlungen deshalb vorerst weiterhin üb ernommen würden. Erst mit der in der Folge erneuten Beurteilung der gesundheitlichen Verh ältnisse durch ihren Vertrauensarzt Dr. med. Michael H.____, FMH Chirurgie, vom 31. Oktob er 2019 konnte indes belegt werden, dass von konservativen Massnahmen keine namhafte Verbesse rung mehr zu erwarten war. Diese dienten seither nur noch der Erhaltung des aktue llen Zustandsbildes (IV-Dok 52, S. 77). Abweichend zu dem von der Helvetia in deren Verfügung vom 4. August 2020 festgelegten Zeit- punkt des Fallabschlusses bereits per 1. September 2019 i st somit erst ab 1. November 2019 davon auszugehen, dass keine namhafte Verbesserung der gesundheitlichen Beschwerden mehr zu erwarten war. Mit Blick auf Art. 19 Abs. 1 UVG ist demnach als erstes Zwischenergebnis fest- zuhalten, dass die Helvetia berechtigt war, erst per Ende Oktober 2019 den Fallabschluss vorzu- nehmen und in der Folge erst ab 1. November 2019 die Rentenfrage zu prüfen (BGE 134 V 113 ff. E. 4). 5.1 Bei der hierfür erforderlichen Bemessung der dem B eschwerdeführer noch verbleiben- den Restarbeitsfähigkeit ist die Helvetia von einer künftig noch vollzeitlich zumutbaren Beschäf- tigung in einer angepassten Verweistätigkeit ausgegange n. Dem Gutachten des I.____ vom Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 27. Januar 2020 ist indessen zu entnehmen, dass in einer angepassten Tätigkeit eine Restar- beitsfähigkeit von 88% resultiert (IV-Dok 53, S. 4, ad Ziffern 3.2 und 6.2). Diese Einschätzung ist nachvollziehbar und schlüssig. Sie beruht nebst ausführlichen Auskünften anamnestischer Natur auf einem vollständigen Aktenstudium und vor allem eingehenden Untersuchungen in Form einer umfangreichen Evaluation der arbeitsplatzbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) des Versicherten. Das entsprechende Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend und erfüllt alle rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein bewei skräftiges Verwaltungsgutachten (oben, Erwägung 3.2. f.). Allfällige konkrete Indizi en gegen die Zuverlässigkeit dieser von der Beschwerdegegnerin speziell im Hinblick auf die dem Versicherten noch verbleibende Arbeitsfä- higkeit in Auftrag gegebene Expertise liegen jedenfall s keine vor. Auf das entsprechende Gut- achten der I.____ und die darin formulierte Einschätz ung der Restarbeitsfähigkeit namentlich auch in einer angepassten Verweistätigkeit ist deshalb o hne Weiteres abzustellen. Diese orien- tiert sich in quantitativer Hinsicht an der in den übri gen Akten letztlich übereinstimmend doku- mentierten Einschätzung, dass dem Versicherten aus rheumatologisch-handchirurgischen Grün- den bezogen auf einen deutlich längeren Arbeitstag als acht Stunden in seiner bisherigen Kader- funktion eine Arbeitsunfähigkeit von 20% zu attestieren ist (a.a.O., ad Ziffer 3.2; IV-Dok 40, S. 34 ad Prognose). Damit erweist es sich als sachlogisch, dass in einer lediglich achtstündigen Ver- weistätigkeit, deren Dauer der den LSE zu Grunde liegenden, durchschnittlichen Wochenarbeits- zeit von 40 Stunden entspricht, ein im Verhältnis entsprechend geringerer Pausenbedarf und da- mit auch eine höhere Arbeitsfähigkeit von rund 88% verbleibt (vgl. auch Vernehmlassung der Helvetia vom 15. November 2021, ad Ziffer 5 a.E.). D aran ändert nichts, dass im ersten, vom Unfallversicherer eingeholten handchirurgischen Gutachten von Dr. med. G.____ vom 1. Juni 2019 in einer angepassten Verweistätigkeit zunächst no ch eine Arbeitsfähigkeit von 80% attes- tiert worden war (IV-Dok 40, S. 30). Hintergrund bildet der Umstand, dass dieses erste Gutachten in einem Zeitpunkt verfasst worden war, in welchem noch mit einer namhaften Verbesserung der medizinischen Verhältnisse in Form einer vollständigen Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit gar in der angestammten Arbeitstätigkeit gerechnet werden konnte (a.a.O., S. 34, ad Prognose). Weil es sich aber alleine schon aus grundsätzlichen Überlegung en verbietet, auf eine medizinische Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit noch vor Fallabschluss gemäss Art. 19 UVG abzustellen, vermag diese noch frühe Beurteilung der medizinischen Verhältnisse die von den Gutachtern der I.____ schliesslich statuierte Festlegung einer 12%-igen Restarbeitsfähigkeit in einer angepass- ten Verweistätigkeit nicht in Frage zu stellen. Zumal die Einschätzung der I.____ mit Blick auf die konkrete Belastungssituation des unfallbedingt in Mitlei denschaft gezogenen Handgelenks auf einer umfassenden EFL beruht, ist für eine angepasste Verweistätigkeit demnach von einer noch verwertbaren Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit im Umfang von 88% auszugehen. 5.2.1 Was die Beschwerdegegnerin dagegen vorbringt, übe rzeugt nicht. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit des Versicherten bestehe, weil die notwendigen Pausen in den Arbeitsalltag, namentlich auch in Kaffeepausen und Toilettengänge, integriert werden könnten. Die Tatsache, dass der Versicherte vermehrte Pausen benötige, führe deshalb nicht zu einer Verminderung seiner Arbeitsfä higkeit. Angesichts der ihm zur Verfügung stehenden Hilfsmittel sei die gutachterliche Einschätzun g des I.____ nicht nachvollziehbar. Bei einer in casu über weite Teile «kopflastigen» Tätigkeit mit abwechselnder Büroarbeit sei mit Blick Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts im Zusammenhang mit einer ebenfalls handgelenk- belasteten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit zu erkennen. 5.2.2 Dieser Auffassung ist zu widersprechen. Die Helve tia hat die Begutachtung beim I.____ «zwecks differenzierter Beurteilung des aktuellen Belastungsprofils resp. der zumutbaren Arbeits- fähigkeit» in Auftrag gegeben (IV-Dok 52, S. 12). Wie bereits zuvor schon in ihrer Verfügung vom 25. Juli 2019 zu Recht erwähnt, hat sie sich vor dem Hi ntergrund, dass das I.____ in der Folge eine umfassende EFL mittels einer funktionsorientierten medizinischen Abklärung (FOMA) vor- genommen hat, auch an die entsprechenden gutachterlichen Einschätzungen zu halten. So lässt sich gerade nicht behaupten, die Gutachter hätten die arbeitsplatzbezogene Gesundheitsproble- matik des Versicherten überbewertet oder deren Einschätz ung sei nicht schlüssig. Die Beurtei- lung der funktionellen Leistungsfähigkeit erfolgte nä mlich nicht etwa ab-strakt, sondern anhand einer umfassenden, zwei Tage dauernden Testung. In ihre m Gutachten vom 27. Januar 2020 halten die Gutachter des I.____ mit Blick auf das kon krete Anforderungsprofil des Versicherten fest, dass das arbeitsbezogene Problem in einer verminde rten Belastungstoleranz des rechten Handgelenks liege und es beim längeren Schreiben an de r Tastatur zu einer Zunahme von Be- schwerden komme (a.a.O., ad Ziffer 3.1). Diese Einschätzung wurde schliesslich auch im Wissen um allfällige Anpassungen des Arbeitsplatzes vorgenommen. Wenn die Helvetia diese klaren Aussagen hinsichtlich eines zusätzlichen Pausenbedarfs ne giert und eigenmächtig eine abwei- chende medizinische Einschätzung postuliert, erweist sich ih re Argumentation als unrealistisch. Angesichts der notorisch zunehmenden digitalen Bewirtschaftung gerade im kaufmännischen Be- reich kann namentlich nicht gesagt werden, infolge kopflastiger Arbeiten des Versicherten sei das Tippen auf einer PC-Tastatur von untergeordneter Bedeutung (vgl. in diesem Sinne bereits auch Vernehmlassung der Helvetia vom 15. November 2021, ad Ziffer 6, Arbeitsplatzbeschreibung). Unabhängig davon, dass das I.____ unmissverständlich einen zusätzlichen und vor allem auch regelmässigen Pausenbedarf erhoben hat, kann vor allem aber nicht gesagt werden, ein solcher Pausenbedarf könne durch fixe Kaffeepausen oder zufällige Toilettengänge kompensiert werden. Ganz unabhängig davon, dass es weit hergeholt anmutet, einen medizinisch ausgewiesenen Pausenbedarf quasi auf der Toilette absitzen zu müssen, wird ein solches Postulat der Belas- tungsabhängigkeit von Handgelenksbeschwerden nicht gerecht. Daran vermag auch der Hinweis der Beschwerdegegnerin auf das Urteil des Bundesgerich ts 8C_798/2017 vom 2. August 2018 nichts zu ändern. In jenem Fall war die Vereinbarkeit von fünf konkreten Arbeitsplatz-Dokumen- tationen (DAP) im Zusammenhang mit qualitativen Einsch ränkungen des Versicherten zu beur- teilen. Die hier zu beurteilende Problematik beschläg t demgegenüber einzig die quantitative Frage eines zusätzlichen Pausenbedarfs. Das von der Helvetia zitierte Urteil des Bundesgerichts ist mithin nicht einschlägig. Zusammenfassend ist damit vo n einer Restarbeitsfähigkeit des Be- schwerdeführers in einer angepassten Verweistätigkeit von 88% auszugehen. 6. Zu prüfen sind die erwerblichen Auswirkungen dieser g esundheitlichen Beeinträchtigung. Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invalidit ätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität dur ch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge- glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in valid geworden wäre (Validenein- kommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen- übergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). Dabei ist in zeitlicher Hinsicht g rundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174), wel- cher vorliegend auf den 1. November 2019 zu liegen k ommt (oben, Erwägung 4). Für den Ein- kommensvergleich sind demnach die in diesem Zeitpunkt ge gebenen Einkommensverhältnisse massgebend. 6.1 Zu prüfen ist zunächst, wie es sich im Zusammenhang mit dem vorzunehmenden Ein- kommensvergleich hinsichtlich der Höhe des als valide Person erzielbaren Einkommens des Ver- sicherten verhält. Das Valideneinkommen ist dasjenige Einkommen, das die versicherte Person hypothetisch erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewo rden wäre (Art. 16 ATSG). Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwick- lung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bishe- rige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1, mit Hinweisen). Die objektive Beweislast dafür, dass im Rahmen der Ermittlung des Valideneinkommens diese Regel der An- knüpfung an den zuletzt erzielten Verdienst im konkreten Fall nicht greift, trifft den Versicherer, wenn sich ein Abweichen davon in Form eines tieferen V alideneinkommens zu seinen Gunsten auswirkt (Urteil des Bundesgerichts vom 11. September 20 19, 9C_225/2019, E. 4.2.1; ebenso auch Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2019, 9C_12 9/2019, E. 6.3, mit Hinweis). Ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Validenein- kommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen LSE berechnet wer- den (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts vom 12. April 2016, 9C_887/2015, E. 4.2). Auf solche Erfahrungs- und Durchschnittswerte darf jedoch nur unter Mit- berücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, mit Hinweisen). Ist der zuletzt bezo- gene Lohn überdurchschnittlich hoch, kann er nur dann als Valideneinkommen herangezogen werden, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass er auch weiterhin erzielt wor- den wäre (SVR 2011 IV Nr. 55 S. 163, Urteil des Bund esgerichts vom 28. Oktober 2015, 8C_671/2010, E. 4.5.1; SVR 2009 IV Nr. 58 S. 181). Die Beweislast hierfür hat die versicherte Person zu tragen. Massgebend bleibt jedoch stets, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt als Gesunde tatsächlich verdienen würde und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 135 V 58 E. 3.1). 6.2 Die Parteien sind sich einig, dass der Beschwerdeführ er im Gesundheitsfall nicht mehr bei der F.____ AG tätig gewesen wäre. Dies zu Recht: Weil der Beschwerdeführer seine letzte Anstellung infolge einer Restrukturierung und nicht et wa aus den erst nach der erfolgten Kündi- gung im November 2017 (erneut) eingetretenen gesundheitlichen Gründen verloren hat (IV-Dok 25), ist nicht überwiegend wahrscheinlich, dass er als G esunder diese Anstellung beibehalten hätte. Zutreffend ist daher auch, dass das Valideneinkommen aufgrund lohnstatistischer Angaben der LSE zu bestimmen ist. Während die Helvetia hierfür auf die Tabelle TA1, Sektor Führungs- kräfte im kaufmännischen Bereich, Kompetenzniveau 4, Spal te Männer, der LSE des Jahres Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2016 abgestellt und das Valideneinkommen mit Fr. 149’ 485.— bemessen hat, vertritt der Be- schwerdeführer die Auffassung, dass dieses Vorgehen das als valide Person hypothetisch er- zielte Salär nur ungenügend abbilde. 6.3 Soweit er einwenden lässt, dass das dergestalt mitt els LSE ermittelte Einkommen im Verhältnis zu dem zuvor tatsächlich bei der F.____ AG erzielten Verdienst zu parallelisieren und entsprechend zu erhöhen sei, kann ihm allerdings nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu, dass die Rechtsprechung eine Parallelisierung der für die Inval iditätsbemessung massgebenden Ver- gleichseinkommen kennt: Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung , mangelnde Deutschkenntnisse, be- schränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen Saisonnierstatus) ein deutlich unterdurchschnittli- ches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rech- nung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch sei der Grundsatz ge- wahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entwe- der überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 1 E. 5.4 S. 3, mit Hinweisen). Eine solche Parallelisierung ist jedoch auf jene Konstellationen beschränkt, bei welchen der bisher tatsächlich erzielte Verdienst im Vergleich zur lohnstatistischen Bemessung tiefer ausfällt. Hintergrund bildet der Schutzgedanke gegenüber je- nen Versicherten, bei welchen ein tatsächlich unterdurchschnittlich erzieltes Valideneinkommens dahingehend zu korrigieren ist, als mittels einer Par allelisierung eine Eliminierung invaliditäts- fremder Faktoren, wie namentlich eine fehlende Ausbildung, fehlende Sprachkenntnisse, ein re- gional unterdurchschnittliches Lohnniveau oder gar ein S oziallohn, sichergestellt werden soll (BGE 135 V 58). Eine Parallelisierung ist mit anderen Worten nur dann vorzunehmen, wenn sich zwischen einem unfreiwilligen, tatsächlichen Minderverdienst und dem branchenspezifischen Ta- bellenlohn eine Abweichung nach unten ergibt (BGE 134 V 322). Eine solche Konstellation liegt hier nicht vor. Die rechtsprechungsgemässe Parallelisierung quasi auch in umgekehrter Richtung in jenen Fällen zuzulassen, in welchen der bisher erzielte Lohn deutlich höher ausgefallen ist als das Durchschnittssalär nach LSE, widerspräche dem in Art. 16 ATSG statuierten Grundsatz, dass in Fällen, in welchen die versicherte Person ihre bisher ige Anstellung aus invaliditätsfremden Gründen verloren hat, auf lohnstatistische Angaben abzus tellen ist, weil sich in diesen Fällen gerade nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstel len lässt, dass sie im Gesundheitsfall beim gleichen Arbeitgeber den bisherigen Lohn erzielt hätte. Nicht anders verhält es sich im hier vorliegenden Fall, in welchem das Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers zufolge betrieblicher Umstrukturierung und damit aus invaliditätsfremden Gründen noch vor Eintritt des unfallbedingten Rückfalls aufgelöst worden war, andernfalls sein Validen einkommen wieder an das vor Eintritt des Gesundheitsschadens tatsächlich erzielte Einkommen angepasst würde. 6.4.1 Der Beschwerdeführer lässt weiter einwenden, dass sein als valide Person hypothetisch erzielbares Einkommen durch die LSE-Tabelle T1_b besser abgebildet werde als durch die von der Beschwerdegegnerin herangezogene Tabelle TA1. Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine Stellungnahme des BFS, wonach für Löhne in d er Branche der Finanz- und Versiche- rungsdienstleistungen die hierfür präzisere Tabelle T1 _b nach Wirtschaftszweigen, beruflicher Stellung und Geschlecht heranzuziehen sei. Das Validenei nkommen belaufe sich demnach auf Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 204'539.—. Die Beschwerdegegnerin hält dagegen, d ass die Bemessung des Valideneinkom- mens gemäss Tabelle TA1 zu Recht erfolgt sei. 6.4.2 Auszugehen ist vom Grundsatz, dass das Valideneinkomm en auch auf der Basis lohn- statistischer Angaben der LSE möglichst genau zu bestimm en ist (BGE 130 V 343 E. 3.4.2, mit Hinweisen), wobei stets massgebend bleibt, was die versicherte Person im massgebenden Zeit- punkt als gesunde Person tatsächlich verdienen würde und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 135 V 58 E. 3.1). Praxisgemäss üblich ist dabe i die Anwendung der Tabelle TA1, welche rechtsprechungsgemäss insbesondere auch für Finanzdien stleistungen und mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten gemäss Ziffer 64-66 für die Bestim- mung des Valideneinkommens herangezogen werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 20. September 2019, 8C_395/2019, E. 6.3.2). Dies gilt insbesondere in jenen Fällen, in welchen die versicherte Person seit jeher in dieser Branche tätig wa r und eine Tätigkeit in einem anderen Bürobereich kaum in Frage kommt (Urteil des Bundesgerich ts vom 24. August 2007, 9C_237/2007, E. 5.1). Andererseits darf auf solche Erfahrungs- und Durchschnittswerte der LSE nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöhnung i m Einzelfall relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, mit Hinweisen). Im hier vorliegenden Fall fällt in der Tat auf, dass der zuvor tatsächlich bei der F.____ AG erzielte Ver- dienst deutlich höher ausgefallen ist als der in der Tabelle TA1, Kompetenzniveau 4, ausgewie- sene Durchschnittslohn gemäss den Ziffern 64-66. Nachdem das in den letzten fünf Jahren vor Eintritt des unfallbedingten Rückfalls erzielte Einkommen bei der F.____ AG durchschnittlich Fr. 205’296.— betragen hat (IV-Dok 8/4), liegen die Ansät ze der von der Helvetia in casu herange- zogenen Lohnstatistik der Tabelle TA1 im Umfang von Fr. 149’485.— mit 37% deutlich tiefer. Diese Diskrepanz erweist sich mit Blick auf die für diese lbe Branche ebenfalls zur Verfügung stehende Tabelle T1_b als zu gross, als dass hinsichtlich des G rundsatzes einer möglichst prä- zisen Bemessung des Valideneinkommens unter Berücksichtigung der für die Entlöhnung im hier vorliegenden Einzelfall relevanten persönlichen und ber uflichen Faktoren auf die Tabelle TA1 abzustellen wäre. Dies gilt namentlich in Anbetracht d es Umstandes, dass der Versicherte seit mehr als 30 Jahren bei der F.____ AG bzw. zuvor bei de ren Vorgängerinnen tätig war und die vergangenen fünf Jahre vor dem mutmasslichen Rentenbegin n eine anspruchsvolle Kaderstel- lung wahrgenommen hat, die namentlich durch ein überdurchschnittlich hohes Pensum im High- Performance-Bereich geprägt war (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2018, 8C_458/2017, mit Hinweisen). Dass die Verwendung der Tabelle T1_b im vorliegenden Fall durchaus opportun ist, zeigt denn auch die übrige Rechtsprechung des Bund esgerichts (Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2012, 9C_867/2011, E. 3). Der Umstand, dass in jener Konstellation die Überprüfung des Invalideneinkommens strittig war, ändert nichts dara n, dass die Tabelle T1_b unter densel- ben Voraussetzungen auch beim Valideneinkommen anzuwen den ist, was namentlich auch durch die Mitteilung des BFS vom 9. Juli 2020 untermauert wird (Dok 264 der Akten der Helvetia). Daraus ist ersichtlich, dass die Tabelle T1_b die Löhne i n den Branchen Finanz- und Versiche- rungsdienstleistungen im Einzelfall unter Umständen besser abzubilden vermag. Dies trifft auch im vorliegenden Fall zu, in welchem in der Tabelle T1 _b des Jahres 2018, Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (64-66) für das obere und mittlere Kader, welchem der Beschwer- deführer noch als valide Person während vieler Jahre unzweifelhaft angehört hatte, ein monatli- ches Salär von Fr. 16'350.— und mithin nach Umrechnung auf die durchschnittliche Arbeitszeit Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht von 41,7 Wochenstunden ein Jahreslohn ausgewiesen wird, der mit Fr. 204'539.— annähernd gleich hoch ausfällt, wie der tatsächlich zuletzt durchschnittlich bezogene Lohn in der Höhe von Fr. 205'296.—. 6.4.3 Was die Beschwerdegegnerin dagegen einwendet, v ermag nicht zu überzeugen. Sie moniert, diese Berechnung orientiere sich fälschlicherweise an einem Einkommen in einer bereits vor dem Rückfall gekündigten Anstellung bei einem Pensu m von 150%. Es ist ihr zwar beizu- pflichten, dass Einkünfte nur dann als Validenlohn zu ber ücksichtigen sind, wenn sie bereits im Gesundheitsfall erzielt wurden und auch weiterhin erz ielt worden wären, sofern die versicherte Person keine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitten hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juli 2008, 9C_45/2008, E. 4.2). Dies schliesst indessen nicht aus, dass auch aufgrund guter Be- rufskenntnisse, breiter Berufserfahrung, optimaler Leistung oder eines dauernd überdurchschnitt- lichen Arbeitspensums vor dem Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung erzielte sehr hohe Einkommen in den Einkommensvergleich miteinbezogen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2011, 8C_671/2010, E. 4.5.3). Art. 16 ATSG sieht entsprechend keine obere Grenze für das massgebende Valideneinkommen vor. Die Rechtsordnung verbietet es den versicherten Personen damit auch nicht, mehr als 8,5 Stunden pro Tag zu arbeiten, wie dies namentlich gerade in zahlreichen Kaderpositionen notorisch keine Seltenheit ist. Dies gilt auch im vorliegenden Fall, in welchem der Versicherte sein vor dem Rückfall erzielte s Salär unbestrittenermassen im Rah- men eines deutlich höheren Pensums als 100% erwirtschaftet hat. Unter dem Gesichtspunkt der rechtsgleichen Behandlung ist aber mit Blick auf den Gru ndsatz, dass das Valideneinkommen auch auf der Basis lohnstatistischer Angaben der LSE mö glichst genau zu bestimmen ist (BGE 130 V 343 E. 3.4.2, mit Hinweisen) nicht einzusehen, weshalb nicht ein anhand der LSE zu be- stimmendes Entgelt als Validenlohn berücksichtigt wird, welches zuvor noch während einer über- durchschnittlichen Arbeitszeit erzielt worden ist. Daran ändert schliesslich auch nichts, dass der Versicherte davon ausgegangen ist, künftig einen deutli ch tieferen Lohn als bisher zu erhalten (IV-Dok 11, S. 59). Seine Aussage ist rein subjektiver Natur und beschlägt vor allem nicht das Valideneinkommen, sondern das nach Wiederauftreten de r gesundheitlichen Beschwerden als invalide Person noch erzielbare Salär. 7.1 Zu prüfen bleibt das trotz Gesundheitsschädigung z umutbarerweise noch realisierbare Invalideneinkommen des Beschwerdeführers. Dieser stellt sich in seiner Beschwerdebegründung auf den Standpunkt, dass ein Teilzeitpensum in seiner a ngestammten Tätigkeit auch auf einem theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht realisierbar sei. In dieser Branche könne nicht mit einem entsprechenden Entgegenkommen des Arbeitgebers gerechnet werden, und es würden keine Teilzeitpensen im bisherigen Segment der Finanz- und Versicherungsbranche existieren, weil eine hohe Arbeitszeit, Flexibilität und eine Ver fügbarkeit währen sieben Tagen pro Woche zum Jobprofil gehören würden. Es sei von einer angepassten, leichten Tätigkeit auszugehen und damit die allgemeine Tabelle TA1 der LSE 2018, Sektor Finanz- und Versicherungsdienstleistun- gen, Kompetenzniveau 3, heranzuziehen, und es resultiere ein Invalideneinkommen von Fr. 102’855.—. Die Beschwerdegegnerin vertritt demgegenü ber die Auffassung, dass die Bemes- sung des Invalideneinkommens anhand der LSE-Tabelle T A1, Sektor Führungskräfte im kauf- männischen Bereich, Kompetenzniveau 4, zu erfolgen habe. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Vorliegend war der Versicherte bisher in einem Hig h-Performance-Bereich tätig, wo er zuletzt eine Stabsstelle innegehabt und im Range eines Executive Directors Teams mit bis zu zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt hat (IV-Dok 28, S. 2; Mail-Korrespondenz mit der J.____ GmbH, Beilage 6 zur Einsprachebegründung des Versicherten vom 14. September 2020, S. 3). Ein Teilzeitpensum ist für eine solche Führungsposition auch auf einem theoretisch ausge- glichenen Arbeitsmarkt unrealistisch, bedingt sie doch notorisch eine hohe und vor allem perma- nente, zeitliche Verfügbarkeit. Die Auskunft des Headhunters bestätigt diesen Umstand unmiss- verständlich, wonach in einem solchen High-Performance-U mfeld ein «100%-Pensum zwin- gend» sei. Daraus geht mit anderen Worten hervor, da ss auch auf einem theoretisch ausgegli- chenen Arbeitsmarkt keine entsprechenden Teilzeitstellen existieren. Hierfür spricht nicht nur die soeben zitierte Antwort der J.____ GmbH vom 24. Mai 2020, sondern auch die zuvor ergangene Einschätzung des Berufs-Coaches, der in seinem Bericht vom 16. April 2019 davon ausgegangen war, dass für eine Teilzeitbeschäftigung gar in einem verwandten Gebiet im Sinne eines Wieder- einstiegs «light» praktisch keine Stellen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind (IV-Dok 33, S. 4). Es trifft zwar zu, dass nicht massgebend ist, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeits- marktverhältnissen tatsächlich vermittelt werden kann. Wenn indessen ausgewiesen ist, dass die quantitative Leistungseinschränkung des Versicherten und dessen teilzeitliche Tätigkeit als inva- lide Person mit einer Anstellung als künftige Führung skraft grundsätzlich unverträglich ist, be- schlägt dieser Umstand nicht nur seine konkrete Unvermittelbarkeit, sondern auch die generelle Verfügbarkeit solcher Kader-Teilzeittätigkeiten auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Die Tat- sache, dass der Versicherte mit der Begründung nicht vermittelt werden konnte, dass ein 100%- Pensum namentlich im bisher wahrgenommenen High-Perfor mance-Umfeld zwingend ist, darf mit anderen Worten nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Umstand letztlich den nicht vor- handenen Stellen im Kaderbereich auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt geschuldet ist. Vor diesem Hintergrund erweist es sich deshalb als sachgerecht, und es ist den Parteien beizu- pflichten, innerhalb der Tabelle TA1 weiterhin auf d en Lohn gemäss Ziffern 64-66 für Finanz- dienstleistungen und mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten ab- zustellen, nachdem der Beschwerdeführer quasi seit jeher i n dieser Branche tätig war und eine Tätigkeit in einem anderen Bereich deshalb kaum in Frage kommen wird (BGE 133 V 545 E. 5.1). 7.3 Zu bestimmen bleibt das im Rahmen der Tabelle TA1 zur Anwendung gelangende Kom- petenzniveau. Soweit sich der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auf den Standpunkt stellt, dass auf das Kompetenzniveau 3 abzustellen sei, ist ihm zu widersprechen. Der massge- benden medizinischen Zumutbarkeitsbeurteilung der I.__ __ zufolge ist seine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit einzig auf einen zeitlichen Pause nbedarf zurückzuführen. Darüber hinaus verzeichnet er keine Einschränkungen. Insbesondere sind keine qualitativen Einbussen vorhan- den, welche es ihm beispielsweise aus neurologischer, neuro-kognitiver oder psychiatrischer Hin- sicht erschweren oder gar verunmöglichen würden, sein umf assendes Fachwissen speziell im Bereich des Prozess- und Produktemanagements weiterhin einzusetzen. Obschon das Kompe- tenzniveau 3 ebenfalls komplexe praktische Tätigkeiten umf asst, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet umfassen, verfügt der Versicherte au fgrund seiner bisherigen Führungser- fahrung als Executive Director und ehemaliger Senior M anager im Bereich «Global Output Ma- nagement & Cash Reporting» über weiterführende Beruf serfahrungen im obersten Berufsseg- ment. Nachdem einerseits im Rahmen der noch zumutbaren Restarbeitsfähigkeit von noch 88% Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht und andererseits mittels Anwendung der LSE-Tabelle TA1 bereits dem Umstand Rechnung ge- tragen worden ist, dass er mangels vollzeitlicher Beschäft igung nicht mehr als Führungskraft in einem High-Performance-Bereich tätig sein kann (oben, Erwägung 7.2), käme eine Einreihung in das Kompetenzniveau 3 mithin einer doppelten Berücksich tigung seiner gesundheitlichen Ein- schränkung gleich. Ein solches Vorgehen aber wäre unzul ässig und liesse sich nicht mit dem Umstand vereinbaren, dass sich die von ihm erworbenen Fä higkeiten ohne Weiteres auch im Rahmen eines hypothetisch künftigen Teilzeitpensums anwen den lassen. Unter Berücksichti- gung einer verbleibenden Restarbeitsfähigkeit in eine r angepassten Verweistätigkeit von noch 88% (oben, Erwägung 5.2.2) beläuft sich das massgebende Invalideneinkommen auf der Basis der LSE des Jahres 2018 (Tabelle TA1, Kompetenzniveau 4, Sektor 64-66 Finanz- und Versiche- rungsdienstleistungen, Spalte Männer, 12 x Fr. 11'707.—; hochgerechnet auf die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Arbeitsstunden) somit auf Fr. 128’880.—. 7.4 Rechtsprechungsgemäss kann über die ärztliche Bezei chnung der massgebenden Zu- mutbarkeitsbeurteilung hinaus zusätzlichen Einschränkungen mit einem leidensbedingten Abzug bis maximal 25% Rechnung getragen werden (BGE 135 V 29 7 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2). Bei einem rein pausenbedingt noch zumutbaren Teilzeitpensu m von 88% in einer Verweistätigkeit lässt sich eine teilzeitbedingte Einbusse indessen nicht begründen. Eine solche Anrechnung der gesundheitlichen Leiden des Beschwerdeführers mittels e ines leidensbedingten Abzugs liefe ebenfalls auf eine unzulässige Berücksichtigung derselben Einschränkung hinaus. Da der medi- zinisch ausgewiesene Pausenbedarf in der Pensenreduktion be gründet liegt, hat ein leidensbe- dingter Abzug somit zu unterbleiben. Infolge identischer Parameter kann sodann auch eine No- minallohnindexierung der beiden Vergleichseinkommen per 2019 offenbleiben. 8. Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens in d er Höhe von Fr. 204'539.— (oben, Erwägung 6.1 ff.) mit dem Invalideneinkommen von Fr. 128'880.— (oben, Erwägung 7.1 ff). resultiert für die Zeit nach Fallabschluss (oben, Erwägung 4) bei einer noch verwertbaren Restarbeitsfähigkeit im Umfang von 88% (oben, Erwägung 5) eine Erwerbseinbusse von 37% und damit ab 1. November 2019 ein Rentenanspruch auf eine IV-Rente der Unfallversicherung basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 37%. Die Beschwerde bei diesem Ergebnis teilweise gutzuheissen. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Beschwerdeführer obsiegende Partei ist, ist ihm eine Parteient- schädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin des Be- schwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 1. März 2022 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 13 Stunden und fünf Minut en geltend gemacht. Dieser Zeitaufwand erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittli- che Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.— zu entschädigen. Ebenfalls Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht zu beanstanden sind sodann die geltend gemachten A uslagen von Fr. 127.20. Dem Be- schwerdeführer ist demnach eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'659.70 (13 Stunden und fünf Minuten à Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr . 127.20 und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Suva zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird de r Einspracheent- scheid der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG vom 28. Juli 2021 aufgehoben und es wird festgestellt, da ss der Beschwer- deführer mit Wirkung ab 1. November 2019 Anspruch au f eine Invali- denrente der Unfallversicherung basierend auf einem Erw erbsunfähig- keitsgrad von 37 % hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG hat dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'659.70 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Gegen dieses Urteil wurde am 24. August 2022 Beschwerde beim Bundesgericht erhoben (vgl. nach Vorliegen des Urteils des Bundesgerichts Verfahren 8C_489/2022 ).