Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. Dezember 2020 (810 19 270) ____________________________________________________________________ Übriges Verwaltungsrecht Ausnahmebewilligungen für Arbeiten an einem Feiertag Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clausen , Daniel Häring, Markus Mattle, Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte Unia Aargau -Nordwestschweiz , Beschwerdeführerin, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner A.____ , Beigeladene 1 B.____ , Beigeladene 2, vertreten durch Andrea Stäuble Dietrich, Advo- katin C.____ , Beigeladene 3 D.____ , Beigeladene 4 E.____ , Beigeladene 5 Betreff Bewilligungen für die Arbeiten am 1. Mai 20 18 auf der Baustelle FHNW in Muttenz (RRB Nr. 1301 vom 24. September 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der Kanton Basel-Landschaft errichtete zwischen 2014 u nd 2018 in Muttenz einen Neubau für die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW-Campus Muttenz). B. Die für den Neubau verantwortliche Generalunterne hmerin A.____ (Generalunterneh- merin) gelangte am 26. April 2018 telefonisch an das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) und erklärte sinngemäss, es seien unvorherge sehene Probleme im Zusammen- hang mit dem Bauprojekt aufgetaucht, die es notwendig machen würden, dass auch am 1. Mai 2018 auf der Baustelle gearbeitet werden könne. Das K IGA forderte die A.____ auf, per E-Mail einen Antrag für eine Arbeitsbewilligung für den 1. Mai 2018 zu stellen. Gleichentags beantragte die Generalunternehmerin per E-Mail, dass am 1. Mai 2 018 ganztags im Gebäudeinnern des FHNW-Campus Muttenz gearbeitet werden dürfe. Zur Begr ündung machte die Generalunter- nehmerin geltend, anlässlich der Vorprüfungen für die in der kommenden Woche geplanten integralen Tests seien diverse Mängel festgestellt worden, die kurzfristig und als Voraussetzung für die geplanten integralen Tests behoben werden mü ssten. Vorgesehen sei der Einsatz fol- gender Firmen: A.____, B.____, F.____, G.____, H.____, I.____, J.____ und K.____. Daraufhin teilte das KIGA der Generalunternehmerin telefonisch m it, es müsse mindestens ein Gesuch eines Subunternehmers vor dem 1. Mai 2018 eingereich t werden. Sobald dieses vorliege, wer- de die Erteilung einer Bewilligung für vorübergehend e Sonn- bzw. Feiertagsarbeit geprüft. Die gesamten Formalitäten könnten dann danach abgewickelt werden. C. Am 27. April 2018 gelangte die F.____ mit einem Gesuch um Bewilligung von vorübergehender Feiertagsarbeit für den 1. Mai 2018 an das KIGA. D. Mit E-Mail vom 27. April 2018 bestätigte das KIGA, dass das Gesuch betreffend Feier- tagsarbeit am 1. Mai 2018 für die acht vorgesehenen Firmen aufgrund zeitlicher Dringlichkeit ausnahmsweise vorab bewilligt worden sei. E. Im Rahmen einer am 1. Mai 2018 auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz durchge- führten Kontrolle stellte die Arbeitsmarkt-Kontrolle im Baugewerbe (AMKB) fest, dass 21 Firmen auf der Baustelle gearbeitet haben. F. Daraufhin forderte das KIGA die Generalunternehm erin auf, dafür besorgt zu sein, dass sämtliche Firmen, die im 1. Mai 2018 auf der Baust elle in Muttenz tätig gewesen waren, nachträgliche Bewilligungen beantragen würden. G. Aufgrund der eingegangenen Gesuche erteilte das KI GA im Zeitraum vom 2. Mai 2018 bis zum 25. Mai 2018 insgesamt 16 Ausnahmebewilligungen für die am 1. Mai 2018 geleistete Feiertagsarbeit auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Gegen die Erteilung dieser Bewilligungen erhob d ie Unia Aargau Nordwestschweiz (Unia) am 29. Mai 2018 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft mit den Anträgen, sämtliche Bewilligungen seien aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Ge- suche nicht bewilligungsfähig seien. I. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens entschied der Regie rungsrat, das Verfahren auf vier Musterfälle (Bewilligungen zugunsten der Fir men B.____, C.____, D.____ und E.____) zu beschränken und in Bezug auf die übrigen Fälle zu sistieren. J. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1301 vom 24. Se ptember 2019 wies der Re- gierungsrat die Beschwerden ab, soweit er darauf eintr at und auferlegte der Beschwerde- führerin Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.--. Zudem verpflichtete der Regierungsrat die Beschwerdeführerin, der Firma B.____ eine Parteientsch ädigung in der Höhe von Fr. 980.05 auszurichten. K. Mit Beschwerde vom 11. Dezember 2019 beantragt die U nia, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat in Basel, beim Kantonsgericht, Abtei lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), der RRB vom 24. September 2019 sei a ufzuheben und dementsprechend seien die Bewilligungen des KIGA zugunsten der vier Firm en aufzuheben. Weiter stellt die Be- schwerdeführerin den Beweisantrag, ihr sei Einsicht in den Bericht der AMKB zur Kontrolle vom 1. Mai 2018 zu gewähren. L. Der Beschwerdegegner, vertreten durch das KIGA, schl iesst in seiner Vernehmlassung vom 7. Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Nicht einzutreten sei auf den Antrag der Beschwerdeführerin, den Bericht der AMKB zu edieren, da dieser verspätet gestellt worden sei. M. Die B.____ (Beigeladene 2), vertreten durch Andrea Stäuble Dietrich, Advokatin in Olten, schliesst mit Vernehmlassung vom 10. Februar 20 20 auf Abweisung der Beschwerde. Die Generalunternehmerin (Beigeladene 1) und die we iteren betroffenen Firmen (Beigeladene 3, 4 und 5) haben sich nicht vernehmen lassen. N. Das Kantonsgericht forderte am 5. März 2020 den Be schwerdegegner auf, sämtliche Vorakten (inkl. den Kontrollbericht der AMKB) einzureichen. O. Am 8. Mai 2020 gewährte das Kantonsgericht der Besc hwerdeführerin Akteneinsicht. P. Am 8. Juli 2020 reichte die Beschwerdeführerin ei ne Replik ein. Die Beigeladene 2 und der Beschwerdegegner reichten am 14. August 2020 bzw. 19. August 2020 ihre Dupliken ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Das Kantonsgericht prüft gemäss § 16 Abs. 2 des Geset zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 vor der materiell-rechtlichen Beur- teilung einer Streitsache von Amtes wegen, ob die Ein tretensvoraussetzungen erfüllt sind. Gemäss § 43 Abs. 1 VPO ist gegen Verfügungen und Entsch eide des Regierungsrats die ver- waltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zuläs sig. Da weder ein Ausschlusstat- bestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlicher Ausschl usstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der Beschwerde gegeben. 1.2.1 Näher zu prüfen ist die Legitimation der Beschwe rdeführerin zur Beschwerdeerhebung. Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie vertrete als Gewerkschaft nach ihren Statuten die berufli- chen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Mitg lieder. Sie sei Sozialpartnerin des Lan- desmantelvertrags für das Bauhauptgewerbe und weiterer Gesamtarbeitsverträge (Ausbauge- werbe-, Maler-, Gipser- und Schreiner-GAV), in deren Geltungsbereich die auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz durchgeführten Arbeiten fallen würden. Der Organisationsgrad im Bau- hauptgewerbe betrage 80 %, im Gewerbe seien 40-60 % der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Mitglieder der Gewerkschaft. Sie sei als Gewerkschaft nach Art. 58 des Bun- desgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz, ArG) vom 13. März 1964 berechtigt, Verfügungen der kantonalen B ehörde, die sich – wie die erteilten Bewilligungen – auf das Arbeitsgesetz stützten, anzufechten . 1.2.2 Gemäss § 47 Abs. 1 lit. b VPO sind Personen, Organ isationen und Behörden, die durch besondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt sind, zur verwaltungsgerichtlichen Be- schwerde beim Kantonsgericht befugt. Eine solche spezial gesetzliche Grundlage findet sich in Art. 58 ArG, der vorsieht, dass zur Beschwerde gegen Verf ügungen der kantonalen Behörden und der Bundesbehörden auch die Verbände der beteil igten Arbeitgeber und Arbeitnehmer berechtigt sind. Dabei handelt es sich um die so genan nte ideelle Verbandsbeschwerde. Die Funktion bzw. das Ziel der ideellen Verbandsbeschwerde i st es, den Rechtsschutz auch dort sicherzustellen, wo wichtige Interessen sonst nicht ausreich end berücksichtigt würden. Diese Interessen sind öffentlicher Natur, sodass der Staat für deren Wahrung zuständig ist (vgl. REGINA MEIER , Das ideelle Verbandsbeschwerderecht, 2015, S. 4). Sow eit den Arbeitnehmer- verbänden in Art. 58 ArG das Beschwerderecht eingeräumt wird, handelt es sich um eine so- zialpolitisch motivierte Verbandsbeschwerde (I SABELLE HÄNER , Die Beteiligten im Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsprozess, 2000, N 1026). S ie schafft die Möglichkeit, Verfügun- gen gerichtlich überprüfen zu lassen, ohne dass Arbeitne hmer dies in eigenem Namen tun müssten. Insbesondere wenn sich das Rechtsmittel gegen eine den Arbeitgeber begünstigende Verfügung – wie etwa vorliegend die Bewilligung zur Feiertagsarbeit – richtet, würde andernfalls kaum je ein Rechtsmittel ergriffen, weil Arbeitnehmer Retorsionsmassnahmen des Arbeitgebers befürchten müssten (R ETO HÄGGI FURRER , in: Blesi/Pietruszak/Wildhaber [Hrsg.], Kurzkom- mentar ArG, 2018, Art. 58 N 3; vgl. auch BGE 98 Ib 3 44 E. 1). Dabei ist es nicht das Ziel der ideellen Verbandsbeschwerde, den betroffenen Arbeitneh mern zu unmittelbaren persönlichen, allenfalls auch wirtschaftlichen Vorteilen zu verhelfen: Mit dieser Art von Verbandsbeschwerden können im Regelfall bloss Feststellungsurteile erwirkt w erden, die in erster Linie präjudizielle Wirkung entfalten. Der Verbandsbeschwerde kommt somit au ch eine gewisse Rechtsfortbil- dungsfunktion zu, da durch sie Verfahren über klärungsbedürftige Fragen angestossen werden. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Weiter kann sie präventiv wirken und die Position der Vollzugsbehörden gegenüber den Ge- suchstellenden stärken (MEIER , a.a.O., S. 5 f.; HÄNER , a.a.O., N 1030). 1.2.3 Voraussetzung für das Beschwerderecht von Arbeitneh mer- oder Arbeitgeberverbän- den ist, dass sie statutarisch die Verteidigung der berufl ichen Interessen ihrer Mitglieder bezwecken (HÄGGI FURRER , a.a.O., Art. 58 N 3; Urteil des Bundesgerichts 2C_344 /2008 vom 26. März 2009 E. 3.2). Branchenverbände sind nur legit imiert, soweit die angefochtene Verfü- gung denjenigen Industriezweig betrifft, in dem sie t ätig sind. Demgegenüber sind branchen- übergreifende Verbände – ihrem weit gefassten statuta rischen Zweck entsprechend – grund- sätzlich in jeder Branche, in der sie als Interessenvertre ter auftreten, zur Beschwerde legiti- miert. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die betrof fenen Arbeitnehmer oder einzelne von ihnen Verbandsmitglieder sind oder selbst ein Interesse an der Beschwerdeführung bekunden (vgl. BGE 119 Ib 374 E. 2b/aa; 116 Ib 270 E. 1a und 1b; 98 Ib 344 E. 1; B ENOÎT BOVAY , in: Geiser/von Kaenel/Wyler [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar Arbeitsgesetz, 2005, Art. 58 N 2). 1.2.4 Die Beschwerdeführerin ist eine Organisation de r Arbeitnehmenden der Schweiz. Sie vertritt und fördert als interprofessionelle Gewerkschaft die sozialen, wirtschaftlichen, politi- schen, beruflichen und kulturellen Interessen der Arbeit nehmerinnen und Arbeitnehmer in In- dustrie, Gewerbe und Bau, privaten Dienstleistungen und Landwirtschaft (Art. 1 ff. Statuten Unia). Damit ist die Beschwerdeführerin eine branchenübergreifende Gewerkschaft, die gemäss ihren Statuen die Interessen der Arbeitnehmer vertei digt. Die umstrittenen Verfügungen sind sodann in Anwendung des ArG ergangen, weshalb die Beschwerdeführerin gemäss § 47 Abs. 1 lit. b VPO i.V.m. Art. 58 ArG zur Beschwerde vor dem Kantonsgericht legitimiert ist. 1.3.1 Damit eine Beschwerde an das Kantonsgericht zulässig ist, muss sie grundsätzlich auch noch im Zeitpunkt der Urteilsfällung einem aktue llen und praktischen Interesse entspre- chen (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassu ngs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 7. Dezember 2016 [810 16 159] E. 1.2 mit Hinweisen ; vgl. ebenso BGE 136 II 101 E. 1.1). Dieses Erfordernis gilt grundsätzlich auch bei ideellen Verbandsbeschwerden (vgl. H ANSJÖRG SEILER , in: Seiler/von Werdt/Güngerich/Oberholzer [Hrsg.], St ämpflis Handkommentar Bundes- gerichtsgesetz, 2. Auflage, 2015, Art. 89 N 96). Von di esem Erfordernis kann aber ausnahms- weise abgesehen werden, wenn sich die aufgeworfene Fr age jederzeit und unter gleichen oder ähnlichen Umständen wieder stellen kann, wenn aufgrund ihrer Natur eine gerichtliche Prüfung nicht möglich wäre, bevor sie ihre Aktualität verliert, und wenn an der Beantwortung der streitigen Frage wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung ein hinreichendes öffentliches Interesse besteht (vgl. BGE 140 II 46 E. 1.1 mit Hinweisen = Die Praxis [Pra] 103 [2014] Nr. 66). 1.3.2 Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin kein aktuelles Interesse an der Be- urteilung mehr, weil die vorübergehende Ausnahme vom Arbeitsverbot, die sie bestreitet, ein in der Vergangenheit liegendes Datum – den 1. Mai 2018 – betrifft. In der Beschwerde wird jedoch insbesondere die Frage aufgeworfen, ob die für die re chtmässige Erteilung der Ausnahme- bewilligung notwendige Voraussetzung des dringenden B edürfnisses im Sinne von Art. 19 Abs. 3 ArG gegeben war. Diese strittige Frage könnte, d a die entsprechenden Bewilligungs- gesuche für Sonntags- bzw. Feiertagsarbeit zwangsläufig r elativ kurzfristig gestellt werden, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kaum je rechtlich geklärt werden, würde man auf das Erf ordernis des aktuellen Rechtsschutzinteresses nicht verzichten (vgl. ebenso Urteil d es Verwaltungsgerichts Zürich VB.2007.00278 vom 7. November 2007 E. 1.2.2). Die Besc hwerde wirft somit Fragen auf, die sich unter ähnlichen Umständen regelmässig wieder stellen könnten, ohne dass das Kantons- gericht je in der Lage wäre, sich rechtzeitig dazu zu äussern. Die mit der Beschwerde aufgewor- fenen Fragen beziehen sich ausserdem auf konkrete Problem e eines tatsächlich bestehenden Einzelfalls mit Auswirkungen über diesen hinaus, weshalb die Beantwortung dieser grundsätz- lichen Fragen im öffentlichen Interesse liegt. Demgemä ss rechtfertigt es sich, auf die im Übri- gen rechtzeitig und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten. 2. Das Kantonsgericht überprüft den angefochtenen Entsch eid auf Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrau ch des Ermessens sowie un- richtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalt s (§ 45 Abs. 1 lit. a und b VPO). Die Überprüfung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht d agegen verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Die Vorinstanz verweigerte der Beschwerdeführerin d ie Akteneinsicht in den AMKB- Bericht betreffend die am 1. Mai 2018 auf der Baustel le FHNW-Campus Muttenz durchge- führten Kontrollen. Sie führt diesbezüglich aus, der Verein AMKB führe unter anderem im Auftrag des Kantons Basel-Landschaft Schwarzarbeitskontrollen im Baugewerbe und Kontrollen auf Einhaltung des Entsendegesetzes und auf Einhaltung d es Submissionsgesetzes im Bau- nebengewerbe durch. Diese Aufgaben stünden jedoch in keinem Zusammenhang mit den Gesuchen und Bewilligungen für die vorübergehende Fei ertagsarbeit am 1. Mai 2018 auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz. Das Gesuch zur Edition de s Kontrollberichts der AMKB sei verspätet eingereicht worden und überschreite überdies den ursprünglichen Akteneinsichts- antrag. Es könne deshalb nicht berücksichtigt werden (vgl. § 15 Abs. 1 und 2 des Verwaltungs- verfahrensgesetzes Basel-Landschaft [VwVG BL] vom 13. Juni 1988 sowie § 33 VwVG BL). 3.2 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts und damit des rechtlichen Gehörs. Sie bringt diesbezüglich vor, die V orinstanz verkenne, dass das Editions- begehren keinen eigenständigen Antrag darstelle, welch er den Streitgegenstand erweitere, sondern dass das Editionsbegehren auf eine Beweiserhebu ng abziele, die im Hinblick auf das Beweisthema des dringenden Bedürfnisses an der Feiertag sarbeit hätte durchgeführt werden müssen. Die AMKB sei am 1. Mai 2018 vor Ort gewesen u nd habe festgestellt, welche Firmen überhaupt anwesend gewesen seien, und möglicherweise a uch, welche Arbeiten ausgeführt worden seien. Da bis heute unklar sei, welche Firmen a m 1. Mai 2018 gearbeitet hätten und welche Arbeiten ausgeführt worden seien, hätten die V orinstanzen kraft Untersuchungsgrund- satz dem Antrag stattgeben müssen. Daher werde der Antr ag an dieser Stelle förmlich wie- derholt. 3.3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch a uf rechtliches Gehör. Zum gefestigten Bestand des rechtlichen Gehörs zählen in Rechtsprechung u nd Lehre die Ansprüche auf vorgängige Äusserung und Anhörung, der Anspruch auf Ber ücksichtigung der Vorbringen, der Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anspruch auf Teilnahme am Beweisverfahren unter Einschl uss des Rechts, Beweisanträge zu stellen, das Recht auf Akteneinsicht und das Recht auf einen begründeten Entscheid (BGE 135 II 286 E. 5.1; KGE VV vom 27. April 2016 [ 810 14 312] E. 3.2; KGE VV vom 5. September 2007 [810 06 199] E. 9.1; J ÖRG PAUL MÜLLER /M ARKUS SCHEFER , Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, 2008, S. 846 ff.; M ICHELE ALBERTINI , Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren d es modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; G EROLD STEINMANN , in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], St. Galler Kommentar: Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufla ge, 2014, Art. 29 Rz. 42 ff.). Das kantonale Recht enthält keine weitergehenden Garantie n (vgl. § 9 Abs. 3 der Verfassung des Kantons Basel-Landschaft [KV] vom 17. Mai 1984 und § 13 VwVG BL). 3.3.2 Das Recht auf Akteneinsicht ist wie das Recht, ange hört zu werden, formeller Natur. Die Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht führt daher ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angef ochtenen Verfügung. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung de s Akteneinsichtsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Rechtsmittelinstanz äussern kann, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüft (KGE VV vom 13. Dezember 201 7 [810 17 75] E. 3.2.2); zudem dürfen dem Betroffenen daraus keine Nachteile erwachsen (BGE 135 I 279 E. 2.6; BGE 138 III 225 E. 3.3). Unter dieser Voraussetzung ist darüber h inaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung de s Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehe n, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit z u unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) I nteresse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinba ren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit Hinweisen; BGE 132 V 387 E. 5.1; BGE 133 I 201 E. 2. 2; KGE VV vom 5. September 2007 [810 06 199] E. 9; KGE VV vom 11. Januar 2012 [810 11 122] E. 3 ff. und KGE VV vom 18. Juni 2014 [810 13 350] E. 4.1). Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist angesichts der formellen Natur des Gehörsanspruchs vor den weiteren V orbringen der Beschwerdeführerin zu behandeln (BGE 137 I 195 E. 2.2). 3.3.3 Das Akteneinsichtsrecht soll den Parteien dazu verh elfen, sich über alle für das Verfah- ren wesentlichen Unterlagen zu orientieren. Es ist gleich sam Vorbedingung einer wirksamen und sachbezogenen Ausübung des Äusserungsrechts (BGE 132 V 387 E. 3.1). Die Wahrneh- mung des Akteneinsichts- und Beweisführungsrechts durch den von einer Verfügung Betrof- fenen setzt eine Aktenführungspflicht der Verwaltung vo raus. Die Behörden haben alles in den Akten festzuhalten, was zur Sache gehört und entscheidwesentlich sein kann. Dieser ursprüng- lich für das Strafverfahren entwickelte Grundsatz gilt als Gehalt von Art. 29 Abs. 2 BV für alle Verfahrensarten (BGE 130 II 473 E. 4.1). Sämtliche im Rahmen des Verfahrens vorgenom- menen Erhebungen und Tatsachen sind vollständig festzuha lten. Gespräche mit Verfahrensbe- teiligten sind zu protokollieren, wobei von den Umständ en abhängt, wie detailliert das Protokoll sein muss (Urteil des Bundesgerichts 8C_322/2010 vom 9. August 2010 E. 3; BGE 130 II 473 E. 4.1 f.; A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, 2013, N 497) . Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf sämtliche Akten eines Verfahrens, die für dieses erst ellt oder beigezogen wurden, ohne dass ein besonderes Interesse geltend gemacht werden müsst e (BGE 129 I 249 E. 3; KGE VV vom 24. Mai 2006 [810 05 135] E. 2.e); M ÜLLER /S CHEFER , a.a.O., S. 872; S TEINMANN , a.a.O., Art. 29 Rz. 51) und unabhängig davon, ob aus Sicht der Behörde die fraglichen Akten für den Ausgang des Verfahrens bedeutsam sind (BGE 132 V 387 E. 3.2). Dass die Akten im konkreten Verfahren tatsächlich im konkreten Verfahren als Bewe ismittel herangezogen werden, ist nicht erforderlich. Die Akteneinsicht darf daher nicht mit der Begründung verweigert werden, die betreffenden Akten seien belanglos. Es ist Sache der Ein sichtsberechtigten, dies zu beurteilen (BGE 132 V 387 E. 3.2; K ÖLZ /H ÄNER /B ERTSCHI , a.a.O., N 493; A LBERTINI , a.a.O., S. 227). Grundsätzlich gilt, dass sämtliche Informationen, die dem entscheidenden Organ zur Verfügung stehen, auch der Partei zugänglich sein müssen (MÜLLER /S CHEFER , a.a.O., S. 876). Das Akten- einsichtsrecht findet indes seine Grenzen an überwiegend en öffentlichen Interessen des Staa- tes oder an berechtigten Interessen Dritter. Diesfalls sind die einander entgegenstehenden Inte- ressen an der Akteneinsicht einerseits und an deren Verw eigerung andererseits sorgfältig gegeneinander abzuwägen (BGE 129 I 249 E. 3). 3.4 Unbestrittenermassen hat die AMKB nach der durchgef ührten Kontrolle vom 1. Mai 2018 dem KIGA ihren Kontrollbericht zugestellt und fe hlende Bewilligungen für Arbeiten am 1. Mai 2018 gemeldet. Diesen Bericht hat das KIGA in der Folge zu den Akten beigezogen und gestützt darauf festgestellt, welche Firmen effektiv am 1. Mai 2018 auf der Baustelle FHNW- Campus Muttenz gearbeitet haben. Anschliessend hat das K IGA, wie sich zweifelsfrei aus den Akten ergibt, gestützt auf die aus dem AMKB-Bericht ge wonnenen Erkenntnisse sämtliche am 1. Mai 2018 auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz anwesenden Firmen aufgefordert, nach- träglich Bewilligungsgesuche einzureichen. Die nachträ glich eingegangenen Gesuche hat das KIGA allesamt bis zum 25. Mai 2018 bewilligt. Daraus folgt ohne weiteres, dass der AMKB- Bericht Teil der Akten des KIGA war und das von der Besch werdeführerin mit ihrer Beschwer- deeingabe vom 29. Mai 2018 beim Regierungsrat gestell te Gesuch um vollumfängliche Akteneinsicht nicht verweigert werden durfte. Der Regie rungsrat hat somit das Recht der Be- schwerdeführerin auf Akteneinsicht verletzt. 3.5 Das Kantonsgericht hat den Beschwerdegegner aufgef ordert, den Kontrollbericht der AMKB einzureichen. Dieser Aufforderung ist der Beschwerdegegner am 18. März 2020 nachge- kommen. Zugleich beantragt der Beschwerdegegner, den B ericht nicht an die Beschwerde- führerin weiterzuleiten. Der Beschwerdegegner macht diesbezüglich geltend, der Kontrollbericht der AMKB sei zu Handen des Ressorts Arbeitsmarktaufsicht, Ab teilung Arbeitsbedingungen, des KIGA eingereicht worden. Der Bericht sei in der Fo lge amtsintern an die Abteilung Arbeitsrecht/Arbeitnehmerschutz weitergeleitet worden, mit der Bitte um eine arbeitsgesetzliche Einschätzung im Zusammenhang mit hängigen Verfahren d es Ressorts Arbeitsmarktaufsicht. Parallel dazu habe man sich veranlasst gesehen, eigene rechtliche Schritte einzuleiten. Der Kontrollbericht des AMKB beinhalte eine Vielzahl von P ersonen- und Unternehmensdaten, die für die arbeitsgesetzliche Würdigung der vorliegenden Streitsache nicht relevant seien. Die Per- sonen und Unternehmen hätten ein schutzwürdiges Interesse an der Geheimhaltung ihrer An- gaben, die im Rahmen der Kontrolle vom 1. Mai 2018 e rfasst worden seien. Die Beschwerde- führerin hält dem entgegen, zur Beweisführung, ob ein dringendes Bedürfnis für die Ausführung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Arbeiten vorgelegen habe, sei entscheiderheblich, w elche Firmen vor Ort gewesen seien und welche Arbeiten sie ausgeführt hätten. Die Firmen hätten zudem kein schützenswertes Interesse an der Geheimhaltung, dass sie am 1. Mai 2018 tatsächlich gearbeitet haben. 3.6 Entgegen der Auffassung des Beschwerdegegners kann d ie Akteneinsicht nicht mit dem pauschalen Verweis auf das Geheimhaltungsinteresse der betroffenen Firmen verweigert werden. Das Akteneinsichtsrecht findet zwar seine Grenzen an berechtigten Interessen Dritter oder an überwiegenden öffentlichen Interessen des Staates. In einem solchen Fall sind aber die einander entgegenstehenden Interessen an der Akteneinsi cht einerseits und an deren Verwei- gerung anderseits sorgfältig gegeneinander abzuwägen (BGE 113 Ia 4 E. 4a, 129 I 253 E. 3). Zudem ist gegebenenfalls – als mildere Massnahme gegenü ber der Einsichtsverweigerung – zu prüfen, ob die Einsichtnahme durch Anonymisierung oder Abdeckung von Passagen einge- schränkt gewährt werden kann (K ÖLZ /H ÄNER /B ERTSCHI , a.a.O., N 504). Soweit der Beschwer- degegner im Verfahren vor dem Kantonsgericht geltend macht, die Personen und Unternehmen hätten ein schutzwürdiges Interesse an der Geheimhaltung ihrer Angaben, kann ihm nicht ge- folgt werden, zumal die entsprechenden Daten Bewilli gungsvoraussetzungen darstellen und daher zwangsläufig aktenkundig sind bzw. sein müssen. Darüb er hinaus ist nicht nachvollzieh- bar, worin das vom Beschwerdegegner vorgebrachte Geheim haltungsinteresse der auf der Baustelle arbeitenden Firmen bestehen sollte. Da somit kein schutzwürdiges Interesse der am 1. Mai 2018 auf der Baustelle arbeitenden Firmen an einer Geheimhaltung ersichtlich ist, hat das Kantonsgericht dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Gewährung der Akteneinsicht mit Verfügung vom 8. Mai 2020 vollumfänglich entsprochen. D amit wurde die Verletzung des rechtlichen Gehörs geheilt. 4. Materiell umstritten ist, ob das KIGA in den vier vo m Regierungsrat beurteilten "Mus- terfällen" zu Recht Bewilligungen für vorübergehende Sonntags- bzw. Feiertagsarbeit erteilt hat. 4.1 Der Regierungsrat erwog, die Art und Weise der Ge suchstellung sei aus formeller Sicht nicht zu beanstanden. Nach dem Wortlaut von Art. 49 ArG müsse "der Arbeitgeber" das Gesuch bei der Behörde stellen. Der Arbeitgeber habe die Bewilligungsgesuche rechtzeitig einzureichen und zu begründen, damit die Rechtmässigkeitsprüfung dur ch die Behörde erfolgen könne. Sei dies aufgrund der Dringlichkeit nicht möglich, erlaube Art. 49 Abs. 2 ArG aber auch eine nach- trägliche Gesuchseinreichung. Auch würden sich telefonische Gesuche nicht vermeiden lassen, doch werde vorausgesetzt, dass sie nachher schriftlich best ätigt würden. Dringliche Gesuche, die nicht rechtzeitig gestellt werden könnten, seien vom Arbeitgeber so rasch als möglich unter der Begründung der Verspätung nachzuholen. Nach der W egleitung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO zum Arbeitsgesetz und den Verordnungen 1 und 2 vom November 2006 (SECO-Wegleitung) sei es auf dem Bau üblich, dass sich verschiedene Firmen zu einer Arbeits- gemeinschaft (ARGE) zusammenschliessen würden, um ein Bauprojekt gemeinsam zu realisie- ren (vgl. SECO-Wegleitung 140-2). Solange den einzeln en Firmen bei der Ausführung der Ar- beit ihre Eigenständigkeit belassen werde, und sich die ARGE-Leitung auf die Koordination der Arbeiten, die Administration und die Einhaltung der Termine beschränke, handle es sich zwar nicht um einen Betrieb im Sinne des ArG, und die einz elnen Firmen seien als Betriebe zu betrachten. Das hindere aber die ARGE nicht daran, fü r die Betriebe eine Bewilligung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht einzuholen. Diese "ARGE-Praxis" werde in der SECO-Wegl eitung ausdrücklich unterstützt. Im Ergebnis erscheine es vertretbar, die Bewilligungsanfra ge des Generalunternehmers für seine Subunternehmer analog wie die bei einer ARGE zu beha ndeln. Die Gesuchserteilung sei vorliegend in Anlehnung an die "ARGE-Praxis" pragmatisch und gesetzeskonform erfolgt. 4.2 Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, es stehe fest, dass die vier betroffenen Firmen vor der Aufnahme der Sonntagsarbeit kein Gesuch gestellt hätten. Dagegen sei die Ge- neralunternehmerin am Donnerstag, dem 26. April 2018 telefonisch an das KIGA gelangt und habe um die Erteilung einer Ausnahmebewilligung ersucht. Das SECO anerkenne in ihrer Weg- leitung zu Recht, dass die ARGE-Leitung keinen Betrie b im Sinne des Gesetzes darstelle und deshalb nicht berechtigt sei, ein Gesuch zu stellen, sondern dies nur stellvertretend für die be- teiligten Firmen tun könne. Damit die ARGE-Leitung a ls Stellvertreterin für die beteiligten Fir- men handeln könne, sei nach allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätzen eine Vollmacht notwen- dig. Die Generalunternehmerin habe sich aber nie mit einer Vollmacht ausgewiesen. Somit sei sie auch nicht berechtigt gewesen, für die betroffene n Firmen ein Gesuch zu stellen. Zudem stehe in keiner Weise fest, dass die vier Firmen überhaupt Mitglieder der ARGE gewesen seien. Nicht jede Firma, die bei einem Bauprojekt tätig werd e, werde dadurch automatisch Mitglied einer ARGE. Die Generalunternehmerin sei nicht berech tigt gewesen, ohne Vollmacht Aus- nahmebewilligungen zu beantragen. 4.3.1 Eine Verfügung ist ein individueller, an den Ei nzelnen gerichteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung rechtsg estaltend oder feststellend in verbindlicher und erzwingbarer Weise geregelt wird (U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Auflage, 2020, N 8 49). Die Verfügung soll zum einen dem Recht zur Wirksamkeit verhelfen, zum andere n soll sie der Klarheit und der Rechts- sicherheit dienen (K ÖLZ /H ÄNER /B ERTSCHI , a.a.O., N 326). Um als Verfügung zu gelten, muss ein individueller Verwaltungsakt soweit konkretisiert se in, dass er unmittelbar durchgesetzt und vollzogen werden kann oder mit anderen Worten muss das Verfügungsdispositiv so formuliert sein, dass für Verfügungsadressaten und verfügende Beh örden gleichermassen klar und un- missverständlich ist, was zwischen ihnen genau gilt (Urteil d es Bundesgerichts 2C_950/2012 vom 8. August 2013 E. 4.2; R ENÉ WIEDERKEHR /P AUL RICHLI , Praxis des allgemeinen Verwal- tungsrechts, Bd. I, 2012, S. 822 ff.). Das Dispositiv ist dabei im Zusammenhang mit der Ver- fügungsbegründung zu lesen (BGE 131 II 13 E. 2.3). V erfügungsadressat ist derjenige, dessen Rechte und Pflichten durch die Verfügung geregelt wer den. Die Rechtswirkungen entfalten sich sowohl für die Behörden als auch für die Verfügungsadressaten unmittelbar (Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts A-5646/2009 vom 18. Mai 2010 E. 3. 1). Ist eine Verfügung auf Gesuch hin ergangen, ist der Gesuchsteller regelmässig der Verfügun gsadressat (vgl. Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts B-2257/2010 vom 15. Oktober 2010, E. 4.1, in: Jahrbuch des Schweizeri- schen Arbeitsrechts [JAR] 2011 S. 404). 4.3.2 Nach Art. 49 Abs. 1 ArG hat der Arbeitgeber Ges uche für die im Gesetz vorgesehenen Bewilligungen rechtzeitig einzureichen und zu begründ en sowie die erforderlichen Unterlagen beizufügen. Art. 49 Abs. 1 ArG beschränkt sich darauf, die rechtzeitige Einreichung des Bewil- ligungsgesuchs und der erforderlichen Unterlagen zu ver langen. Letztere müssen die Behörde Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Einhaltung der für die Erteilung von Ausnah men festgelegten Vorbedingungen infor- mieren. Art. 41 und 42 der bundesrätlichen Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) vom 10. Mai 2000 stellen die Liste der Dokumente auf, wel che die schriftlichen Bewilligungsgesuche über die Arbeitszeit begleiten müssen, und erläutern d en Inhalt der durch die Behörde erteilten Bewilligung. Das Bewilligungsgesuch muss den betroffene n Betrieb oder Betriebsteil angeben, die Anzahl der betroffenen Arbeitnehmer (Anzahl Männ er, Frauen und Jugendliche), die vorge- sehene Arbeitszeit (mit den Ruhe- und Pausenzeiten, den Modalitäten der Schichtarbeit, den in diesem Zusammenhang erstellten Plänen und Graphiken, sog ar den Schichtarbeitsplänen), die geforderte Bewilligungsdauer, die Zustimmung der bet roffenen Arbeitnehmer und das Ergebnis der diese betreffenden ärztlichen Untersuchungen, wenn es das Gesetz oder die Verordnung vorschreiben, den Beweis des dringlichen Bedarfs und des un erlässlichen Charakters der Ausnahme, die Zustimmung Dritter, wenn es das Gesetz od er die Verordnung vorschreiben. Sämtliche nützlichen Unterlagen und Auskünfte müssen der Behörde vorgelegt werden, die darüber entscheiden soll (B OVAY , a.a.O., Art. 49 N 3 f.). Der Arbeitgeber hat die Gesuche soweit als möglich so rechtzeitig einzureichen, dass sie von der Bewilligungsbehörde ordnungsgemäss vor dem Beginn der bewilligungsbedürftigen Arbeiten behandelt werden können (WALTHER HUG , Kommentar zum Arbeitsgesetz, 1971, Art. 49 N 1). Lediglich wenn in dringlichen Fällen das Ge- such für eine Arbeitszeitbewilligung nicht rechtzeitig gestellt werden kann, hat der Arbeitgeber dies so schnell wie möglich nachzuholen und die Verspätu ng zu begründen (Art. 49 Abs. 2 ArG). Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn sich ei n dringendes Bedürfnis für Sonn- bzw. Feiertagsarbeit so spät manifestiert, dass das Gesuch n icht mehr rechtzeitig gestellt werden kann, etwa weil die zuständige Behörde (z.B. in der Na cht oder über das Wochenende) nicht erreichbar ist (HUG , a.a.O., Art. 49 N 5; SECO-Wegleitung 049-1). 4.4 Entgegen der Auffassung der Vorinstanzen bestand i m vorliegenden Fall kein Raum für die Anwendung der sog. "ARGE-Praxis", zumal die Ge neralunternehmerin selbst auch nie vorgebracht hat, es handle sich vorliegend um ein ARGE-Gesuch und sie handle als Vertreterin einer ARGE. Vielmehr hätte das KIGA unter diesen Ums tänden der Generalunternehmerin um- gehend nach dem Eingang deren Anfrage klar mitteilen müssen, dass die einzelnen Betriebe, die eine Feiertagsarbeitsbewilligung erhalten wollen , verpflichtet sind, so schnell wie möglich eigene begründete Gesuche einzureichen, damit diese no ch vor dem 1. Mai 2018 individuell geprüft werden können. Dies gilt umso mehr, weil die jeweiligen Gesuchsteller die Verfügungs- adressaten sind, deren Rechte und Pflichten durch die Verfügung geregelt werden und ohnehin nur sie als Arbeitgeber die für die Bewilligung erfor derlichen Angaben inkl. Begründung liefern können. Soweit sich die Vorinstanzen im vorliegenden F all sodann auf Art. 49 Abs. 2 ArG berufen, wonach in dringenden Fällen das Gesuch nachträ glich gestellt werden könne, kann ihnen ebenfalls nicht gefolgt werden. Da sich die Generalunternehmerin bereits am Donnerstag, 26. April 2018, mit dem Begehren um Bewilligung der Feiertagsarbeit an das KIGA gewandt hatte, wäre eine vorgängige schriftliche Gesuchstellung durch sämtliche Betriebe durchaus noch möglich gewesen, selbst wenn dabei berücksichtigt wird, dass der Montag, 30. April 2018, bei den basellandschaftlichen Behörden ein angeordneter Kompensationstag war und die Büros an diesem Tag somit geschlossen waren. Nicht nachvollziehbar bleibt daher, weshalb das KIGA dies unterlassen und stattdessen die Generalunternehmeri n aufgefordert hat, per E-Mail einen Antrag für eine Arbeitsbewilligung für den 1. Mai 2 018 zu stellen, und ihr später telefonisch mit-Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht geteilt hat, es müsse lediglich mindestens ein Gesuch ein es Subunternehmers vor dem 1. Mai 2018 eingereicht werden. Die Art und Weise de r Gesuchstellung erweist sich damit in formeller Hinsicht als fehlerhaft. 5.1 Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid weit er zum Schluss, einzig das gemäss Art. 19 Abs. 2 ArG benötigte dringende Bedürf nis, welches in Art. 27 ArgV 1 konkreti- siert werde, stelle eine materielle Voraussetzung zur Be willigungsfähigkeit vorübergehender Sonntagsarbeit dar. Vorliegend stehe Art. 27 Abs. 1 l it. a ArgV 1 zur Diskussion, wonach ein dringendes Bedürfnis vorliege, wenn zusätzliche Arbeiten kurzfristig anfallen würden, deren Er- ledigung zeitlich nicht aufschiebbar seien und die am Tag und während den Werktagen weder mit planerischen Mitteln noch mit organisatorischen Massn ahmen bewältigt werden könnten. Ein dringendes Bedürfnis könne insbesondere geltend gema cht werden, wenn Konventional- strafen zu zahlen seien oder der Verlust von weitere n Aufträgen drohe, falls die Lieferfristen nicht eingehalten würden. Die Generalunternehmerin habe am 26. April 2018 telefonisch mitge- teilt, dass auf der Baustelle unvorhergesehene Probleme aufgetaucht seien. So hätten Tests an sicherheitsrelevanten gebäudetechnischen Anlagen negative R esultate ergeben. Jeder Tag sei wichtig und es gehe um sehr viel Geld. Weiter führte di e Vorinstanz aus, es sei ihr durchaus bekannt, dass der Termin für Tests allgemein bei solch en Grossbaustellen nicht ohne grosse finanzielle und planerische Auswirkungen verschoben werden könne. Da der 1. Mai 2018 auf einen Dienstag gefallen sei, habe diese Arbeitswoche n ur aus vier Arbeitstagen bestanden. Es sei somit plausibel, dass ein weiterer Arbeitstag für e inige Unternehmen zwingend notwendig gewesen sei, um alle angetroffenen und unerwarteten M ängel bis zum Teststart zu beheben. Ein Verschieben der integralen Tests hätte zudem auch fü r die Bauherrin (d.h. den Kanton Ba- sel-Landschaft) weitreichende Konsequenzen gehabt. Wel che einzelnen Unternehmungen im Detail für die Vorbereitungsarbeiten und Mängelbeheb ung im Vorfeld der integralen Tests auf der Baustelle zwingend von Nöten gewesen seien, sei im Rahmen der Entscheidungsbefugnis der Generalunternehmerin gelegen. Sie habe als Gener alunternehmerin über die notwendige Fachkenntnis verfügt, welches Fachpersonal bei einer solchen Grossbaustelle zur Mängelbehe- bung und Vorbereitung der integralen Tests eingesetzt werden müsse, sei dies nun für Malerar- beiten, Abdichtungsarbeiten oder auch Putzarbeiten. G ewisse Arbeiten könnten auch nur bei sehr geringem Arbeitsbetrieb ausgeführt werden. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass die Generalunternehmerin bzw. deren Subunternehmer ohne triftigen Grund quasi freiwillig einen Lohnzuschlag von 50 % bezahlen würde und somit kaum "u nnötige" Betriebe für diese speziel- len Vorbereitungsarbeiten auf die Baustelle beordert worden seien. Das gemäss Art. 19 Abs. 3 ArG geforderte dringende Bedürfnis sei somit seiner A nsicht nach gegeben. Die sachlich aus- reichende Begründung der Generalunternehmerin habe f ür alle nachträglich eingereichten Gesuche gegolten. Auch wenn somit die vorgängig beschri ebene Begründung für die Ausnah- mebewilligungen von den vier Unternehmungen nicht sepa rat eingereicht worden sei, so dürfe diese doch – wenn auch nachträglich – als ausreichend be urteilt werden. Dass eine der Firmen im nachträglich eingereichten Gesuch eine "unglückliche E rläuterung" für den geleisteten Ar- beitseinsatz abgegeben habe – die im Kanton Zug ansä ssige Firma führte aus, sie arbeite immer am 1. Mai –, schade der Bewilligungserteilung n icht. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Die Beschwerdeführerin rügt, dass auf der Basis der d em KIGA vorgelegenen Infor- mationen die Gesuche nicht hätten bewilligt werden dürfen. In diesem Zusammenhang dürfe nicht übersehen werden, dass das KIGA sämtliche Gesuch e mit der gleichlautenden Begrün- dung bewilligt habe, es müssten wichtige Arbeiten im Z usammenhang mit den anstehenden Fertigstellungsarbeiten und Übergaben an den Bauherr n ausgeführt werden. Dieser Begrün- dung sei nicht zu entnehmen, weshalb am 1. Mai 2018 di e besondere Dringlichkeit gegeben gewesen sein soll. Die entscheidende Frage, inwiefern am 1. Mai 2018 die besondere Dring- lichkeit bestanden habe, die behaupteten wichtigen Arbe iten am Feiertag auszuführen, sei im Verfügungsverfahren nicht geklärt worden. Es sei offensich tlich, dass das KIGA zu einer Allge- meinfloskel habe greifen müssen, weil dem Amt keine bzw . offensichtlich unhaltbare Begrün- dungen der Firmen vorgelegen seien. Es bleibe weiter hin völlig offen, ob die Sonn- bzw. Feier- tagsarbeit durch organisatorische Massnahmen hätte vermied en werden können. Das Gesuch sei aufgrund dieser weiterhin bestehenden Unklarheiten nicht bewilligungsfähig. Auch die weit- gehend theoretischen Erwägungen der Vorinstanz würden die wesentlichen Fragen nicht klären und gingen weitestgehend an der Sache vorbei. In ei ner E-Mail-Nachricht vom 27. April 2018 habe die Generalunternehmerin einem grossen Adressatenkreis (vermutungsweise den Verant- wortlichen aller beteiligten Firmen) mitgeteilt, es sei eine Bewilligung "für Arbeiten im Innern des Gebäudes" erteilt worden. Weiter finde sich in dieser E -Mail-Nachricht folgende Information: "Sämtlichen Unternehmen, welche zur Einhaltung der Te rmine noch dringende Arbeiten aus- zuführen haben, eröffnet sich damit die Gelegenheit, i hr Personal am 1. Mai 2018 in der Zeit von 06.00 Uhr bis 17.00 Uhr auf der Baustelle zu beschäf tigen." Auffällig sei, dass von den an- geblich ohne Verzug durchzuführenden Vorarbeiten zur Dur chführung der angeblichen integra- len Tests nicht die Rede sei. Vielmehr würden ausdrückli ch sämtliche Firmen angesprochen und diesen gegenüber werde der Eindruck erweckt, die Bewilligung für Feiertagsarbeit gelte für alle Tätigkeiten. Die Generalunternehmerin habe die erhaltene Bewilligung offensichtlich zweck- widrig und entgegen der eigenen Begründung dazu verw endet, allen Firmen im Innenbereich auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz am 1. Mai 2018 einen zusätzlichen Arbeitstag zu ermöglichen. Die Firmen seien dadurch in den Glauben versetzt worden, sie seien alle berech- tigt, an diesem Tag arbeiten zu lassen. Auf der Baustelle habe die AMKB daher am 1. Mai 2018 festgestellt, dass 180 Arbeitnehmer gearbeitet hätten. Die Vorinstanz verkenne, dass einer Ge- neralunternehmerin im Rahmen der Prüfung der Bewill igungsvoraussetzungen kein Ermessen zukomme zu entscheiden, welche Firmen für die Durchführung von angeblich dringlich auszu- führenden Arbeiten benötigt würden. Im Bewilligungsve rfahren hätten die betroffenen Firmen darzulegen, dass ihre Tätigkeit die Dringlichkeitsanfo rderungen erfüllen würden. Diese Dring- lichkeitsnachweise hätten die vier betroffenen Firmen nicht erbracht. 5.3.1 Das Arbeitsgesetz dient dem Arbeitnehmerschutz ( vgl. Art. 110 Abs. 1 lit. a BV), insbe- sondere in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht. Die Bestimmungen über die Nacht- und Sonntagsarbeit (Art. 16 ff. ArG) sollen den damit ve rbundenen gesundheitlichen Beeinträchti- gungen und Belastungen der Arbeitnehmenden Rechnung t ragen (Urteil des Bundesgerichts 2C_344/2008 vom 26. März 2009 E. 4.4 mit Hinweisen). Gemäss Art. 18 Abs. 1 ArG ist die Be- schäftigung von Arbeitnehmern zwischen Samstag 23 Uhr und Sonntag 23 Uhr, unter Vorbehalt von Art. 19 ArG, untersagt. Art. 19 Abs. 1 ArG sieht Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit vor, die bewilligungspflichtig sind. Dauernde oder regelmässige wiederkehrende Sonntagsarbeit Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird bewilligt, sofern sie aus technischen oder wirtscha ftlichen Gründen unentbehrlich ist (Art. 19 Abs. 2 ArG). Zuständig für die Bewilligung vo n dauernder oder regelmässiger Sonn- tagsarbeit ist das SECO (Art. 19 Abs. 4 ArG). Vorüberg ehende Sonntagsarbeit wird gemäss Art. 19 Abs. 3 und 4 ArG von der kantonalen Behörde bewilligt, sofern ein dringendes Bedürfnis nachgewiesen wird. Dem Arbeitnehmer ist ein Lohnzuschlag von 50 % zu bezahlen und der Ar- beitgeber darf den Arbeitnehmer ohne dessen Einverständnis nicht zu Sonntagsarbeit heranzie- hen (Art. 19 Abs. 3 und 5 ArG). Als vorübergehend ist gemäss Art. 40 Abs. 3 ArGV 1 Sonntags- arbeit zu verstehen, welche bei sporadisch vorkommenden Ein sätzen nicht mehr als sechs Sonntage, gesetzliche Feiertage inbegriffen, pro Betr ieb und Kalenderjahr umfasst (lit. a) oder welche bei zeitlich befristeten Einsätzen von bis zu drei Monaten einen einmaligen Charakter aufweist (lit. b). Mit "einmaligem Charakter" ist eine wirkliche Ausnahmesituation gemeint, die sich nicht jährlich wiederholen darf (J EAN -FRITZ STÖCKLI /D ANIEL SOLTERMANN , in: Geiser/von Kaenel/Wyler [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar Arbeitsge setz, 2005, Art. 19 N 3). Die Bewil- ligung für vorübergehende Sonntagsarbeit wird nur erteilt, wenn ein dringendes Bedürfnis nach- gewiesen wird (Art. 19 Abs. 3 ArG), wobei die Begrif fsdefinition des dringenden Bedürfnisses jener bei der Nachtarbeit gemäss Art. 17 Abs. 3 ArG en tspricht (PIERRE -YVES MARRO /S ÉVÉRINE FRUNZ /B ALZ GROSS , in: Blesi/Pietruszak/Wildhaber [Hrsg.], Kurzkommentar A rG, 2018, Art. 19 N 21). Das dringende Bedürfnis für die Bewilligung einer vorübergehenden Ausnahme im Sinne von Art. 19 Abs. 3 ArG wird in Art. 27 ArGV 1 umschrieb en. Nach dieser Bestimmung liegt ein dringendes Bedürfnis vor, wenn: a) zusätzliche Arbeite n kurzfristig anfallen, deren Erledigung zeitlich nicht aufschiebbar sind und die am Tag und währ end den Werktagen weder mit planeri- schen Mitteln noch mit organisatorischen Massnahmen bewält igt werden können; b) Arbeiten aus Gründen der öffentlichen Sicherheit oder aus sicherhe itstechnischen Gründen nur in der Nacht oder am Sonntag erledigt werden können; oder c) Ereignisse kultureller, gesellschaftli- cher oder sportlicher Art in Abhängigkeit von den örtli chen Verhältnissen und Gebräuchen oder den spezifischen Bedürfnissen von Kunden die Erbringun g von zeitlich begrenzten Arbeitsein- sätzen in der Nacht oder am Sonntag erfordern. Die Bew eislast für den Nachweis des dringen- den Bedürfnisses liegt beim Gesuchsteller (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B- 2257/2010 vom 15. Oktober 2010, E. 5.4). Blosse Zweckmässi gkeitsüberlegungen genügen nicht, um das Nacht- oder Sonntagsarbeitsverbot aufzuwei chen (Urteil des Bundesgerichts 2C_344/2008 vom 26. März 2009 E. 5 mit Hinweisen). Die Wortwahl "dringendes Bedürfnis" zeigt, dass der Gesetzgeber das Interesse an der Wahrung der Nacht- und Sonntagsruhe weit über die wirtschaftliche Zweckmässigkeit stellt, Nacht- und Sonntags- bzw. Feiertagsarbeit also nur ganz ausnahmsweise bewilligt werden darf, wenn es schlicht nicht anders geht (vgl. BGE 116 Ib 270 E. 4c). Ausnahmen vom Verbot der Sonntags- und Feiertagsarbeit sind im Interesse eines wirksamen Arbeitnehmerschutzes entsprechend dem gesetzgeberischen Grundgedanken nach ständiger Rechtsprechung eng auszulegen und solle n daher nur zurückhaltend und restriktiv bewilligt werden (Urteil des Bundesgerichts 2C _475/2017 vom 15. Dezember 2017 E. 3.3.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 2C_4 4/2013 vom 12. Februar 2014 E. 5.3.4 in: Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwa ltungsrecht [ZBl] 116/2015 S. 41; BGE 139 II 49 E. 6.1 = Pra 102 [2013] Nr. 33; BGE 136 I I 427 E. 3.2 mit Hinweisen; BGE 134 II 265 E. 5.5 = Pra 98 [2009] Nr. 32; BGE 126 II 106 E. 5a ; BGE 116 Ib 270 E. 4a f.; MARRO /F RUNZ / GROSS , a.a.O., Art. 19 N 7). Andernfalls würde die Grundsa tzbestimmung des Beschäfti- gungsverbots, welches im Interesse des Arbeitnehmerschutzes erlassen wurde, unterlaufen. An Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Bewilligungserteilung bei der Sonntagsarbeit wer den höhere Anforderungen als bei der Nachtarbeit gestellt (BGE 120 Ib 332 E. 4b = Pra 84 [ 1995] Nr. 270; SECO-Wegleitung 019-1), was sich auch im Lohnzuschlag spiegelt, der höher liegt al s derjenige für die Nachtarbeit (vgl. MARRO /F RUNZ /G ROSS , a.a.O., Art. 19 N 1). Sonntagsarbeit kann daher nu r bewilligt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Es ist nicht Sache der Behörden oder des Richters, die Ausnahmen vom Sonntagsarbeitsverbot weit u nd entgegen dem Sinn und Zweck des Gesetzes auszulegen, weil dies darauf hinausliefe, das Sonntagsarbeitsverbot, wie es in Art. 18 ArG ausdrücklich festgelegt ist, auszuhöhlen (vgl. BGE 134 II 265 E. 5.5 = Pra 98 [2009] Nr. 32). 5.3.2 Gemäss Art. 20a Abs. 1 ArG ist der Bundesfeierta g (1. August) den Sonntagen gleich- gestellt. Die Kantone können zudem höchstens acht weiter e Feiertage im Jahr den Sonntagen gleichstellen und sie nach Kantonsteilen verschieden anse tzen (Art. 20a Abs. 1 Satz 2 ArG). Dabei handelt es sich um Feiertage, die nicht oder nicht immer auf einen Sonntag fallen. Sie können sowohl konfessionellen als auch patriotischen oder politischen Charakter (z.B. 1. Mai) haben (W OLFGANG PORTMANN /C HRISTINE PETROVIC , in: Geiser/von Kaenel/Wyler [Hrsg.], Ar- beitsgesetz, 2005, Art. 20a N 14). Solche Arbeitsverbot e für Feiertage entsprechen heute in erster Linie einem sozialpolitischen Ziel. Mit anderen Worten wird davon ausgegangen, dass Feiertage im Sinne der Gesetzgebung nicht nur "analog", sondern "identisch" zu den Sonntagen gefeiert werden, die den Arbeitsnehmenden zusätzliche F reizeit gewähren sollen (BGE 145 II 360 E. 3.1 = Pra 109 [2020] Nr. 57). Die bun desgerichtliche Rechtsprechung machte nie einen Unterschied zwischen dem Arbeitsverbot für Sonn- un d Feiertage (vgl. BGE 145 II 360 E. 3.4 = Pra 109 [2020] Nr. 57). Vielmehr besteht de r Zweck der durch Art. 20a ArG geschütz- ten Feiertage gerade darin, den genau gleichen Schut z wie für Sonntage, aber an einem ande- ren Wochentag, anzubieten. Wenn ein Kanton zum Schluss kommt, dass es nicht mehr notwen- dig ist, eine sonntägliche Ruhe an bestimmten als Feier tage bezeichneten Tagen zu gewähr- leisten, obliegt es seinem Gesetzgeber – und nicht dem Richter –, tätig zu werden und den oder die obsolet gewordenen Feiertage abzuschaffen (vgl. BG E 145 II 360 E. 3.7 = Pra 109 [2020] Nr. 57). 5.3.3 Gestützt auf Art. 20a Abs. 1 ArG hat der Kanton Basel-Landschaft im Gesetz über die öffentlichen Ruhetage und den Sonntagsverkauf (Ruhetagsgesetz, RTG) vom 10. Juni 2010 die öffentlichen Ruhetage neu festgesetzt. Mit der Inkraf tsetzung des neuen RTG vom 10. Juni 2010 wurde der Begriff "staatlich anerkannte Feiertage" (§ 3 des Gesetzes über die öffentlichen Ruhetage [aRTG] vom 26. September 1968) neu durch "Ö ffentliche Ruhetage" ersetzt, wobei die Festlegung der Feiertage im RTG bereits deren sta atliche Anerkennung impliziert (Vorlage an den Landrat 2010/061 vom 9. Februar 2010 betreff end Revision des Gesetzes über die öf- fentlichen Ruhetage [Vorlage RTG], S. 20). Gemäss § 2 Abs. 1 RTG gelten – im gesamten Kan- tonsgebiet – als öffentliche Ruhetage die Sonntage (l it. a); die allgemeinen Feiertage: Neujahrs- tag, Ostermontag, 1. Mai, Auffahrt, Pfingstmontag, 1. August, eidgenössischer Dank-, Buss-, und Bettag sowie Stephanstag (lit. b) und die hohen Feiertage: Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag und Weihnachtstag (lit. c). Die öffentlichen Ruhetage gemäss § 2 RTG, die nicht auf einen Sonntag fallen, sind im Sinne der eidgenös sischen Arbeitsgesetzgebung (Art. 20a Abs. 1 Satz 2 ArG) den Sonntagen gleichgestellt (§ 10 RTG). Der 1. Mai ist somit im gesamten Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gebiet des Kantons Basel-Landschaft von Gesetzes wegen i m Sinne des ArG den Sonntagen gleichgestellt, d.h. es herrscht ein grundsätzliches Arbeitsverbot für Arbeitnehmende an diesem kantonalen Feiertag (vgl. Vorlage RTG, S. 28). 5.4 Wie dargelegt, hat der Arbeitgeber, der geltend macht, dass die Ausnahmebedingun- gen für Feiertagsarbeit erfüllt sind, dies nachzuweisen. Die Beweislast liegt beim Gesuchsteller. Das KIGA stellt auf seiner Homepage Gesuchsformulare f ür die Bewilligung von vorüberge- hender Sonntags- bzw. Feiertagsarbeit zur Verfügung, die so aufgebaut sind, dass die im Gesetz und der Verordnung definierten Anforderungen d araus klar hervorgehen. Dementspre- chend ist jedem Gesuch eine ausführliche schriftliche Begründung des dringlichen Bedürfnisses beizulegen, um die materiellen Voraussetzungen gemäss Art. 19 Abs. 3 ArG zu beweisen. Vor- liegend haben die Gesuchsteller, d.h. die Beigeladene n 1-5, keine nachvollziehbare Begrün- dung für ein dringendes Bedürfnis an einer Feiertags arbeit vorgebracht. Insbesondere hat kein Gesuchsteller dargelegt, seit wann die angeblichen Prob leme bekannt waren, welche Arbeiten der jeweilige Betrieb konkret bis zu welchem Termin zw ingend zu erledigen hatte und aus wel- chen Gründen es ihm nicht möglich gewesen wäre, die je weiligen Arbeiten mit Hilfe von ande- ren organisatorischen Massnahmen fristgerecht zu erledige n. Als ungenügend erweist sich ins- besondere auch die angeführte Begründung der Genera lunternehmerin, die keinerlei Ausfüh- rungen zu den konkreten dringenden Bedürfnissen der ein zelnen Firmen enthält. Dazu kommt, dass die Generalunternehmerin gegenüber dem KIGA unte r Bezugnahme auf die angeblich kurzfristig aufgetretenen Mängel geltend gemacht hatte , es müssten lediglich acht Firmen zur Behebung dieser Mängel eingesetzt werden. Nachdem das KIGA der Generalunternehmerin am 27. April 2018 bestätigt hatte, dass das Gesuch bet reffend Feiertagsarbeit am 1. Mai 2018 für die acht vorgesehenen Firmen aufgrund zeitlicher Dringlichkeit ausnahmsweise vorab bewil- ligt worden sei, hat die Generalunternehmerin jedoch nicht nur diese acht Firmen über die vorab erteilte Bewilligung informiert, sondern sie hat per E-Mail sämtlichen Firmen – notabene wahr- heitswidrig – mitgeteilt, dass das KIGA allen Firmen e ine Bewilligung zur Ausführung von Arbei- ten im Inneren des Gebäudes erteilt habe, und dass sich d amit sämtlichen Unternehmen, wel- che zur Einhaltung der Termine noch dringende Arbeit en auszuführen hätten, die Gelegenheit eröffne, ihr Personal am 1. Mai 2018 in der Zeit vo n 06.00 Uhr bis 17.00 Uhr auf der Baustelle einzusetzen. Dies hat letztlich dazu geführt, dass am 1. Ma i 2018 insgesamt 193 Personen von 21 Firmen auf der Baustelle anwesend waren. Bei dies er Aktenlage ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen, dass die Generalunternehmerin gegenüber de n einzelnen Betrieben den Ein- druck erweckt hat, die Bewilligung für Feiertagsarbeit gelte für alle Tätigkeiten, und die vorab zugesicherte Bewilligung zweckwidrig dazu verwendet hat, a llen Firmen im Innenbereich auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz am 1. Mai 2018 eine n zusätzlichen Arbeitstag zu er- möglichen. Da die Gesuchsteller in der Folge – wie erw ähnt – keine detaillierten Begründungen für das dringende Bedürfnis geliefert haben, hat das K IGA die Bewilligungen zugunsten der Beigeladenen 2-5 zu Unrecht erteilt. 5.5 Zusammenfassend ist ein dringendes Bedürfnis im Sin ne von Art. 19 Abs. 3 ArG somit nicht nachgewiesen. Die zugunsten der Beigeladenen 2-5 erteilten Bewilligungen für Feiertags- arbeit verletzen daher Bundesrecht, was zur Gutheissung d er Beschwerde führt. Demgemäss wird der Regierungsratsbeschluss Nr. 1301 vom 24. Septe mber 2019 aufgehoben und es wird Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht festgestellt, dass die Voraussetzungen für die Bewilli gungserteilung für die Arbeiten am 1. Mai 2018 auf der Baustelle FHNW-Campus Muttenz nicht erfüllt waren. 6.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und werden in der Regel der unt erliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Da die Gutheissung der Beschwerde auf die zu Unrecht erfolgte Erteilung der Bewilligungen zurückzuführen i st, werden den Beigeladenen keine Ver- fahrenskosten auferlegt. Die Verfahrenskosten in der Hö he von Fr. 1'400.-- gehen demzufolge vollumfänglich zulasten des Beschwerdegegners. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird dieser zurückgezahlt. 6.2 Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist der Be- schwerdeführerin eine Parteientschädigung zulasten des Be schwerdegegners zuzusprechen. Der Rechtsvertreter macht in seiner Honorarnote vom 8. Ju li 2020 einen Aufwand von insge- samt 19,5 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 250.- - und Auslagen in der Höhe von Fr. 106.50 geltend. In Anbetracht der sich im vorliege nden Verfahren stellenden Sach- und Rechtsfragen erscheinen sowohl der geltend gemachte Zei taufwand als auch der Stundenan- satz in der Höhe von Fr. 250.-- als angemessen. Folglich ist der Beschwerdeführerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 5'365.10 (inkl. Fr. 383.60 MWSt.) zuzuspre- chen, welche dem unterliegenden Beschwerdegegner aufzue rlegen ist. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Bezüglich der Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regier ungsratsbeschluss Nr. 1301 vom 24. September 2019 aufgehoben. Es wird festgestellt, dass die Voraussetzungen für die Bewilligungserteilung für die Arbeiten am 1. Mai 2018 auf der Baustelle FHNW in Muttenz nicht erfüllt waren. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.- - wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d er Beschwerde- führerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'365.10 zu be- zahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber