<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 63 S.266</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">266</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>63 Schadenersatz</b></span> <span class="ft2"><b>nach</b></span> <span class="ft2"><b>Submissionsdekret.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Das Verwaltungsgericht entscheidet über Schadenersatzbegehren ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mäss § 38 SubmD als erste und einzige (kantonale) Instanz im Klage-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>verfahren nach § 60 ff. VRPG (Erw. I/1).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Ein Schadenersatzanspruch nach § 38 SubmD kann einzig in den Fäl-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>len durchgesetzt werden, in denen ein Feststellungsurteil der Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schwerdeinstanz betreffend der Widerrechtlichkeit der angefochtenen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verfügung ergangen ist, weil die Korrektur der begangenen Rechts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>widrigkeit durch Aufhebung der Verfügung rechtlich nicht mehr mög-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lich war (Erw. II/2).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Anwendbarkeit von § 5 AnwT auf verwaltungsgerichtliche Klagever-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fahren (Erw. III/2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 27. Juni 2003 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen B. AG gegen I. AG.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. 1. a) Gemäss § 38 Abs. 1 SubmD haftet die Vergabestelle für</span><br/> <span class="ft1">Schaden, den sie durch eine rechtswidrige Verfügung verursacht hat.</span><br/> <span class="ft1">Die Haftung ist beschränkt auf die Aufwendungen, die den Anbie-</span><br/> <span class="ft1">tenden im Zusammenhang mit dem Vergabe- und Rechtsmittelver-</span><br/> <span class="ft1">fahren erwachsen sind (§ 38 Abs. 2 SubmD). Das Schadenersatzbe-</span><br/> <span class="ft1">gehren ist innert Jahresfrist, nachdem die Rechtswidrigkeit in einem</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeentscheid festgestellt worden ist, bei der Beschwerdein-</span><br/> <span class="ft1">stanz einzureichen.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Einzige kantonale Beschwerdeinstanz in submissions-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Streitigkeiten ist das Verwaltungsgericht (§</span> <span class="ft1">24</span><br/> <span class="ft1">ff. SubmD). Das Verwaltungsgericht ist somit auch zur Behandlung</span><br/> <span class="ft1">von Schadenersatzbegehren gestützt auf § 38 Abs. 3 SubmD zustän-</span><br/> <span class="ft1">dig. Das Schadenersatzbegehren ist, wie sich aus dem Wortlaut von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">267</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">§ 38 Abs. 3 SubmD ergibt, direkt beim Verwaltungsgericht einzurei-</span><br/> <span class="ft1">chen.</span><br/> <span class="ft1">bb) Das Verwaltungsgericht urteilt gemäss § 60 Ziff. 3 VRPG</span><br/> <span class="ft1">als einzige kantonale Instanz u.a. über vermögensrechtliche Streitig-</span><br/> <span class="ft1">keiten, an denen der Kanton, eine Gemeinde oder eine öffentlich-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Körperschaft oder Anstalt des kantonalen und kommuna-</span><br/> <span class="ft1">len Rechts beteiligt ist, sofern nicht die Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde gegeben oder ein Zivil- oder Spezialrekursgericht zustän-</span><br/> <span class="ft1">dig ist.</span><br/> <span class="ft1">Die Regelung von § 38 Abs. 3 SubmD, wonach das Schadener-</span><br/> <span class="ft1">satzbegehren direkt beim Verwaltungsgericht (und nicht wie im Bund</span><br/> <span class="ft1">zunächst bei der Auftraggeberin mit Weiterzugsmöglichkeit an die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelinstanz [vgl. die Regelung für das Bundesbeschaffungs-</span><br/> <span class="ft1">recht in Art. 35 des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaf-</span><br/> <span class="ft1">fungswesen (BoeB; SR 172.056.1) vom 16. Dezember 1994 und Art.</span><br/> <span class="ft1">64 der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen (VoeB;</span><br/> <span class="ft1">SR 172.056.11) vom 11. Dezember 1995; vgl. ferner BR 2002,</span><br/> <span class="ft1">S. 74]) zu stellen ist, schliesst nicht nur die in Staatshaftungsfällen</span><br/> <span class="ft1">auf Grund von § 9 des Gesetzes über die Verantwortlichkeit der öf-</span><br/> <span class="ft1">fentlichen Beamten und Angestellten und über die Haftung des Staa-</span><br/> <span class="ft1">tes und der Gemeinden für ihre Beamten (Verantwortlichkeitsgesetz;</span><br/> <span class="ft1">SAR 150.100) vom 21. Dezember 1999 gegebene Zuständigkeit des</span><br/> <span class="ft1">Zivilgerichts, sondern auch das verwaltungsgerichtliche Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren nach § 51 ff. VRPG, das eine anfechtbare Verfügung oder</span><br/> <span class="ft1">einen anfechtbaren Entscheid voraussetzt, aus. Demgemäss steht fest,</span><br/> <span class="ft1">dass das Verwaltungsgericht über Schadenersatzbegehren gemäss</span><br/> <span class="ft1">§</span> <span class="ft1">38 SubmD als erste und einzige (kantonale) Instanz im</span><br/> <span class="ft1">Klageverfahren nach den §§ 60 - 67 VRPG entscheidet. Es handelt</span><br/> <span class="ft1">sich um einen Fall ursprünglicher Verwaltungsgerichtsbarkeit.</span><br/> <span class="ft1">c) Auch die übrigen Voraussetzungen von § 60 Ziff. 3 VRPG</span><br/> <span class="ft1">sind vorliegend erfüllt. Es geht um die Beurteilung des Ersatzes von</span><br/> <span class="ft1">im Zusammenhang mit dem Vergabe- und Rechtsmittelverfahren</span><br/> <span class="ft1">erwachsenen Aufwendungen, also um vermögensrechtliche Ansprü-</span><br/> <span class="ft1">che. Das Schadenersatzbegehren richtet sich gegen die I. AG, die den</span><br/> <span class="ft1">vom Verwaltungsgericht aufgehoben Zuschlag verfügt hat. Bei der</span><br/> <span class="ft1">I. AG handelte es sich um eine kommunale Anstalt, die als Vergabe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">268</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">stelle im Sinne von §</span> <span class="ft1">5 Abs.</span> <span class="ft1">1 lit.</span> <span class="ft1">d SubmD aufgetreten ist</span><br/> <span class="ft1">(VGE III/26 [BE.2000.00002] vom 29. Februar 2000 in Sachen der</span><br/> <span class="ft1">Klägerin, S. 3 f.). Es ist seitens der Beklagten unbestritten, dass sie</span><br/> <span class="ft1">für die mit dem Unterwerk H. zusammenhängende Forderung passiv-</span><br/> <span class="ft1">legitimiert ist. Die Tatsache, dass es sich bei der Beklagten heute um</span><br/> <span class="ft1">eine juristische Person des Privatrechts handelt, schliesst die</span><br/> <span class="ft1">Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts im Klageverfahren nicht aus</span><br/> <span class="ft1">(vgl. auch Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und</span><br/> <span class="ft1">Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtspflege, Kommentar zu den §§ 38 - 72 VRPG, Diss.</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1998, § 60 N 34).</span><br/> <span class="ft1">II. 1. Die Vergabestelle haftet für den Schaden, den sie durch</span><br/> <span class="ft1">eine rechtswidrige Verfügung verursacht hat, wobei sich die Haftung</span><br/> <span class="ft1">auf die Aufwendungen beschränkt, die den Anbietenden im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit dem Vergabe- und Rechtsmittelverfahren erwachsen</span><br/> <span class="ft1">sind (§ 38 Abs. 1 und 2 SubmD; vgl. auch Art. XX Ziff. 7 lit. c des</span><br/> <span class="ft1">Übereinkommens über das öffentliche Beschaffungswesen (ÜoeB;</span><br/> <span class="ft1">SR 0.632.231.422) vom 15. April 1994. Es geht dabei ausschliesslich</span><br/> <span class="ft1">um die Aufwendungen, die der Anbieter in Erwartung eines</span><br/> <span class="ft1">regelkonformen Submissionsverfahrens auf sich genommen hat und</span><br/> <span class="ft1">die als Folge des Vergabefehlers nutzlos geworden sind; hinzu kom-</span><br/> <span class="ft1">men die Kosten des Beschwerdeverfahrens (BR 2002, S.</span> <span class="ft1">74).</span><br/> <span class="ft1">Entgangener Gewinn wird also nicht entschädigt (vgl. zur identi-</span><br/> <span class="ft1">schen Regelung im Bund: Peter Gauch/Hubert Stöckli, Vergabethe-</span><br/> <span class="ft1">sen 1999, Thesen zum neuen Vergaberecht des Bundes, Freiburg</span><br/> <span class="ft1">1999, S. 66 Rz. 25.6). Zwischen dem Schaden und der widerrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Verfügung muss überdies ein adäquater Kausalzusammenhang</span><br/> <span class="ft1">bestehen (BR 2002, S. 74 f.). Nicht notwendig ist hingegen, dass der</span><br/> <span class="ft1">Vergabebehörde die Verletzung einer wesentlichen Amtspflicht oder</span><br/> <span class="ft1">ein Verschulden vorgeworfen werden muss. Es genügt, dass sie eine</span><br/> <span class="ft1">submissionsrechtswidrige Verfügung erlassen hat.</span><br/> <span class="ft1">Der Dekretsgeber hat mit der Regelung in § 38 SubmD die</span><br/> <span class="ft1">Empfehlung von § 34 Abs. 1 und 2 der Vergaberichtlinien (VRöB)</span><br/> <span class="ft1">auf Grund der Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Be-</span><br/> <span class="ft1">schaffungswesen (IVöB; SR 172.056.4) vom 25. November 1994 für</span><br/> <span class="ft1">Vergaben im Anwendungsbereich des GATT-Übereinkommens in das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">269</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">kantonale Recht übernommen. Die eingeschränkte submissions-</span><br/> <span class="ft1">rechtliche Haftungsregelung in § 38 SubmD geht als lex specialis § 2</span><br/> <span class="ft1">Verantwortlichkeitsgesetz vor.</span><br/> <span class="ft1">2. Schadenerersatz kann nur verlangen, wer durch eine <i>rechts-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>widrige</i> <i>Verfügung</i> der Vergabestelle einen Schaden erlitten hat. Die</span><br/> <span class="ft1">Rechtswidrigkeit muss zudem in einem Beschwerdeentscheid vor-</span><br/> <span class="ft1">gängig festgestellt worden sein (§ 38 Abs. 3 SubmD).</span><br/> <span class="ft1">a) Die Klägerin macht als Schaden die Kosten der Ausarbeitung</span><br/> <span class="ft1">der Offerte im Betrag von Fr. 189'830.-- und die Kosten des Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittelverfahrens in Höhe von Fr. 15'670.-- geltend. Sie vertritt den</span><br/> <span class="ft1">Standpunkt, das Verwaltungsgericht habe im Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">29. Februar 2000, mit dem es die Verfügungen der I. AG vom</span><br/> <span class="ft1">21. und 22. Dezember 1999 betreffend den Zuschlag an die A. AG</span><br/> <span class="ft1">aufgehoben habe, die Widerrechtlichkeit der Verfügungen klar</span><br/> <span class="ft1">festgestellt, ansonsten keine Aufhebung des Zuschlages hätte erfol-</span><br/> <span class="ft1">gen können.</span><br/> <span class="ft1">Demgegenüber verneint die Beklagte, dass das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richt in seinem Entscheid die Widerrechtlichkeit der Verfügung</span><br/> <span class="ft1">rechtsverbindlich festgestellt habe. Sie vertritt die Auffassung, über</span><br/> <span class="ft1">die Frage der Widerrechtlichkeit müsse als Vorfrage für eine Haftung</span><br/> <span class="ft1">erst noch entschieden werden; die Widerrechtlichkeit ergebe sich</span><br/> <span class="ft1">nicht aus dem Dispositiv des Verwaltungsgerichtsentscheides vom</span><br/> <span class="ft1">29. Februar 2000. Ein Zuschlag könne auch aufgehoben werden,</span><br/> <span class="ft1">ohne dass über eine durch die Vergabestelle geschaffene Widerrecht-</span><br/> <span class="ft1">lichkeit entschieden worden sei. Widerrechtlich sei ein Verhalten,</span><br/> <span class="ft1">wenn entweder ein absolut geschütztes Rechtsgut oder eine Schutz-</span><br/> <span class="ft1">norm verletzt worden sei. In casu sei die Klägerin höchstens vermö-</span><br/> <span class="ft1">gensrechtlich geschädigt worden; das Vermögen stelle aber kein</span><br/> <span class="ft1">absolut geschütztes Rechtsgut dar.</span><br/> <span class="ft1">b) Ziff. 1 des Dispositivs des verwaltungsgerichtlichen Urteils</span><br/> <span class="ft1">vom 29. Februar 2000 lautet folgendermassen:</span><br/> <br/> <span class="ft5">"In Gutheissung der Beschwerde werden die Verfügungen vom</span><br/> <span class="ft5">21. und 22. Dezember 1999 betreffend den Zuschlag an die A. AG aufgeho-</span><br/> <span class="ft5">ben."</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">270</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Begründet wird die Aufhebung des Zuschlags damit, dass "die</span><br/> <span class="ft1">im Anschluss an die Unternehmergespräche vorgenommenen massi-</span><br/> <span class="ft1">ven Korrekturen der Angebotspreise den Rahmen und das zulässige</span><br/> <span class="ft1">Ausmass einer Offertbereinigung im Sinne von § 17 SubmD (...) klar</span><br/> <span class="ft1">übersteigen und demzufolge unzulässig sind. Hinzu kommt, dass sie</span><br/> <span class="ft1">über weite Teile nicht nachvollziehbar sind. Dies gilt auch für die</span><br/> <span class="ft1">korrigierte Offerte der A. AG, weshalb der diesem Angebot erteilte</span><br/> <span class="ft1">Zuschlag aufzuheben ist" (Urteil vom 29. Februar 2000, S. 21).</span><br/> <span class="ft1">c) Gemäss § 27 Abs. 1 SubmD kann das Verwaltungsgericht die</span><br/> <span class="ft1">Aufhebung der Verfügung beschliessen und das Verfahren an die</span><br/> <span class="ft1">Vergabestelle mit oder ohne verbindliche Anordnungen zurückwei-</span><br/> <span class="ft1">sen. Für den Anwendungsbereich des GATT-Übereinkommens sieht</span><br/> <span class="ft1">§ 37 Abs. 4 SubmD vor, dass die Beschwerdeinstanz die Aufhebung</span><br/> <span class="ft1">der Verfügung beschliessen und in der Sache selbst entscheiden oder</span><br/> <span class="ft1">das Verfahren an die Vergabestelle mit oder ohne verbindliche An-</span><br/> <span class="ft1">ordnungen zurückweisen kann. Das heisst, das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">erlässt einen reformatorischen oder einen kassatorischen Entscheid.</span><br/> <span class="ft1">Dies gilt jedenfalls dann uneingeschränkt, wenn zwischen der Ver-</span><br/> <span class="ft1">gabestelle und dem Zuschlagsempfänger noch kein (privatrechtli-</span><br/> <span class="ft1">cher) Vertrag abgeschlossen worden ist. Ist der Vertrag jedoch bereits</span><br/> <span class="ft1">rechtsgültig abgeschlossen, bleibt der Beschwerdeinstanz bei</span><br/> <span class="ft1">Gutheissung der Beschwerde gemäss Art. 9 Abs. 3 BGBM und</span><br/> <span class="ft1">Art. 18 Abs. 1 und 2 IVöB nur noch die Möglichkeit, die Rechtswid-</span><br/> <span class="ft1">rigkeit der angefochtenen Verfügung festzustellen (AGVE 2001,</span><br/> <span class="ft1">S. 320 f.; vgl. auch Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich,</span><br/> <span class="ft1">2. Auflage, Zürich 1999, § 55 N 10 mit Hinweisen). Gemäss § 21</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 SubmD darf der Vertrag mit den Anbietenden nach dem Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlag geschlossen werden, wenn die Beschwerdefrist unbenutzt ab-</span><br/> <span class="ft1">gelaufen ist (lit. a) oder die Beschwerdeinstanz einer Beschwerde die</span><br/> <span class="ft1">aufschiebende Wirkung entzogen hat (lit.</span> <span class="ft1">b; vgl. §</span> <span class="ft1">26 Abs.</span> <span class="ft1">2</span><br/> <span class="ft1">SubmD).</span><br/> <span class="ft1">In seiner Praxis beschränkt sich das Verwaltungsgericht regel-</span><br/> <span class="ft1">mässig auf die Kassation der angefochtenen Zuschlagsverfügung und</span><br/> <span class="ft1">sieht davon ab, der Vergabebehörde für das weitere Vorgehen binden-</span><br/> <span class="ft1">de Weisungen zu erteilen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">271</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Aufhebung (Kassation) einer Zuschlagsverfügung im</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahren setzt voraus, dass der Zuschlag rechtsfehler-</span><br/> <span class="ft1">haft erfolgt ist. Bei dem von der Vergabebehörde begangenen Fehler</span><br/> <span class="ft1">muss es sich dabei um einen schwerwiegenden Verfahrensfehler</span><br/> <span class="ft1">(z.B. Wahl eine falschen Vergabeverfahrens, Durchführen von ver-</span><br/> <span class="ft1">botenen Abgebotsrunden) oder um andere Fehler handeln, die dazu</span><br/> <span class="ft1">geführt haben, dass der Zuschlag nicht dem wirtschaftlich günstig-</span><br/> <span class="ft1">sten, gültigen Angebot erteilt worden ist. Es führt somit nicht jede</span><br/> <span class="ft1">Rechtsverletzung, welche die Vergabebehörde begangen hat, bereits</span><br/> <span class="ft1">zur Kassation des Zuschlags.</span><br/> <span class="ft1">Die Aufhebung der Zuschlagsverfügung impliziert aber - entge-</span><br/> <span class="ft1">gen der Ansicht der Beklagten - deren Widerrechtlichkeit. Aufgeho-</span><br/> <span class="ft1">ben werden kann nur ein Zuschlag, der sich als rechtswidrig erwie-</span><br/> <span class="ft1">sen hat. Es bedarf dazu keiner gesonderten Feststellung im Disposi-</span><br/> <span class="ft1">tiv. Eine solche, d.h. ein Feststellungsurteil, erfolgt ausschliesslich in</span><br/> <span class="ft1">jenen Fällen, in denen der rechtswidrig ergangene Zuschlag nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr aufgehoben werden kann.</span><br/> <span class="ft1">d) Es stellt sich des Weiteren aber die Frage, ob § 38 SubmD,</span><br/> <span class="ft1">insbesondere der Abs. 3, einen Schadenersatzanspruch von vorn-</span><br/> <span class="ft1">herein ausschliessen will, wenn die Beschwerdeinstanz nicht (wegen</span><br/> <span class="ft1">eines bereits gültig zustande gekommenen Vertragsschlusses) ledig-</span><br/> <span class="ft1">lich auf die Feststellung der Rechtswidrigkeit der angefochtenen</span><br/> <span class="ft1">Verfügung beschränkt ist, sondern diese aufhebt und es so dem ge-</span><br/> <span class="ft1">schädigten Anbieter grundsätzlich ermöglicht, seine Chancen auf den</span><br/> <span class="ft1">Zuschlag in einem neuen rechtskonformen Beschaffungsverfahren zu</span><br/> <span class="ft1">wahren.</span><br/> <span class="ft1">aa) Festzuhalten ist zunächst, dass der Weg des Schadenersatzes</span><br/> <span class="ft1">im Verhältnis zum Beschwerdeweg <i>subsidiär</i> ist (Peter Galli/André</span><br/> <span class="ft1">Moser/Elisabeth Lang, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 2003, Rz. 714). Entsprechend fällt eine Staatshaftung von</span><br/> <span class="ft1">vornherein ausser Betracht, wenn eine rechtskräftige, nicht mit Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde angefochtene Verfügung vorliegt. Weiter gilt, dass ein Be-</span><br/> <span class="ft1">troffener sein Recht auf Schadenersatz verliert, wenn er zuvor nicht</span><br/> <span class="ft1">von allen ihm zustehenden Rechtsmitteln Gebrauch gemacht hat. Ein</span><br/> <span class="ft1">Anbieter kann also nicht wahlweise entweder den Zuschlag anfech-</span><br/> <span class="ft1">ten oder ein Schadenersatzbegehren stellen, sondern er muss auf alle</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">272</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Fälle zunächst den Beschwerdeweg beschreiten. Daraus folgt insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere, dass ein nicht berücksichtigter Anbieter, der Ersatz verlan-</span><br/> <span class="ft1">gen will für den Schaden, den ihm eine Zuschlagsverfügung verur-</span><br/> <span class="ft1">sacht hat, sich nicht damit begnügen kann, zuzuwarten, bis einer</span><br/> <span class="ft1">seiner ebenfalls erfolglosen Mitbewerber die Rechtswidrigkeit bei</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeinstanz hat feststellen lassen. Hat es der nicht berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigte Anbieter unterlassen, selber gegen die Zuschlagsverfügung</span><br/> <span class="ft1">offen stehende Rechtsmittel zu erheben, so steht ihm auch kein</span><br/> <span class="ft1">Klagerecht auf Schadenersatz zu (BGE 2P.218/2001 vom 31. Januar</span><br/> <span class="ft1">2002, Erw. 3.4 mit Hinweisen; Galli/Moser/Lang, a.a.O., Rz. 714).</span><br/> <span class="ft1">bb) Für das Bundesvergaberecht bestimmt Art. 34 Abs. 1 BoeB,</span><br/> <span class="ft1">dass der Bund oder die Auftraggeberinnen ausserhalb der ordentli-</span><br/> <span class="ft1">chen Bundesverwaltung für einen Schaden haften, den sie durch eine</span><br/> <span class="ft1">Verfügung verursacht haben, deren Rechtswidrigkeit im Verfahren</span><br/> <span class="ft1">nach Art. 32 Abs. 2 BoeB (oder nach Art. 33 BoeB [Revision])</span><br/> <span class="ft1">festgestellt worden ist. Art. 32 Abs. 2 BoeB besagt, dass die Rekurs-</span><br/> <span class="ft1">kommission (im Gegensatz zu Art. 32 Abs. 1 BoeB) lediglich</span><br/> <span class="ft1">feststellen kann, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht</span><br/> <span class="ft1">verletzt, wenn sich die Beschwerde als begründet erweist und der</span><br/> <span class="ft1">Vertrag mit dem Anbieter bereits abgeschlossen ist. Im Bundesbe-</span><br/> <span class="ft1">schaffungsrecht kommt die Schadenersatzregelung also nur dann</span><br/> <span class="ft1">zum Tragen, wenn die angefochtene, Bundesrecht verletzende Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung, namentlich ein rechtswidriger Zuschlag, nicht mehr aufgeho-</span><br/> <span class="ft1">ben werden kann und die Rekurskommission lediglich einen Feststel-</span><br/> <span class="ft1">lungsentscheid treffen kann (Vicent Carron/Jacques Fournier, La</span><br/> <span class="ft1">protection juridique dans la passation des marchés publics, Freiburg</span><br/> <span class="ft1">2002, S. 137; Peter Galli/Daniel Lehmann/Peter Rechsteiner, Das</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz, Zürich 1996,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 558). Die Schadenersatzregelung dient folglich als Korrelat da-</span><br/> <span class="ft1">für, dass es dem Beschwerdeführer trotz seines Obsiegens durch den</span><br/> <span class="ft1">erfolgten Vertragsabschluss verwehrt ist, seine Chancen auf den Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlag erneut wahrnehmen zu können (BR 2002, S. 74). Wird ihm</span><br/> <span class="ft1">hingegen diese Chance durch einen kassatorischen oder reformatori-</span><br/> <span class="ft1">schen Entscheid der Beschwerdeinstanz wieder gegeben, ist die</span><br/> <span class="ft1">Rechtsverletzung korrigiert und es bleibt kein Raum mehr für ein</span><br/> <span class="ft1">Schadenersatzbegehren (Carron/Fournier, a.a.O., S. 137).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">273</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">cc) Diese Überlegungen müssen auch für das kantonale Verga-</span><br/> <span class="ft1">berecht Geltung haben. Die Aufhebung der rechtswidrigen Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlagsverfügung im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">hat zur Folge, dass die Vergabebehörde den Zuschlag neu verfügen</span><br/> <span class="ft1">muss. Je nach Fehler, den oder die sie begangen hat, setzt dies die</span><br/> <span class="ft1">Wiederholung des gesamten Submissionsverfahrens oder auch nur</span><br/> <span class="ft1">eine Bewertungskorrektur voraus. Die Chancen des beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">renden Anbieters auf den Zuschlag bleiben damit intakt und seine im</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit der Ausarbeitung der Offertunterlagen getätigten</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen (und auch die Aufwendungen für das Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren) sind - anders als in Fällen, in denen der Vertrag bereits</span><br/> <span class="ft1">abgeschlossen worden ist, oder das Vergabeverfahren definitiv abge-</span><br/> <span class="ft1">brochen wird (vgl. dazu VPB 65/2001 Nr.</span> <span class="ft1">94 S.</span> <span class="ft1">1045 ff.;</span><br/> <span class="ft1">Galli/Moser/Lang, a.a.O., Rz. 695, 704) - nicht nutzlos geworden.</span><br/> <span class="ft1">Letzteres gilt selbst dann, wenn es zu einer Wiederholung des Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens kommt und der vormalige Beschwerdeführer ein neues</span><br/> <span class="ft1">Angebot einreichen muss. Er wird auch hier auf seine Vorarbeiten</span><br/> <span class="ft1">zurückgreifen können.</span><br/> <span class="ft1">Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Anbie-</span><br/> <span class="ft1">tenden für das Ausarbeiten der Offerten in der Regel nicht entschä-</span><br/> <span class="ft1">digt werden (§ 14 Abs. 2 SubmD). Das heisst, ein Anbieter muss</span><br/> <span class="ft1">stets damit rechnen, dass er keinen Auftrag erhalten wird und den mit</span><br/> <span class="ft1">der Offerterstellung verbundenen Aufwand letztlich vergeblich leis-</span><br/> <span class="ft1">ten wird. Dies kann seine Ursache vor allem darin haben, dass er</span><br/> <span class="ft1">nicht das wirtschaftlich günstigste Angebot eingereicht hat. Denkbar</span><br/> <span class="ft1">ist aber auch, dass die Vergabebehörde aus irgendwelchen Gründen</span><br/> <span class="ft1">gar keinen Zuschlag erteilt (vgl. § 22 SubmD). Ein Anbieter hat</span><br/> <span class="ft1">lediglich Anspruch auf ein regelkonformes Submissionsverfahren,</span><br/> <span class="ft1">nicht aber auf den Zuschlag bzw. den Auftrag (§ 22 Abs. 1 SubmD).</span><br/> <span class="ft1">Entscheidend ist, dass mit dem Entscheid der Beschwerdeinstanz ein</span><br/> <span class="ft1">dekretswidriger Zuschlag aufgehoben wurde und es damit an der Wi-</span><br/> <span class="ft1">derrechtlichkeit fehlt. Durch den Entscheid der Beschwerdeinstanz</span><br/> <span class="ft1">werden auch die <i>Chancen auf den Zuschlag</i> wieder hergestellt. Wird</span><br/> <span class="ft1">der Zuschlag in der Folge wiederum nicht dem obsiegenden Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer erteilt, so kann er erneut den Beschwerdeweg be-</span><br/> <span class="ft1">schreiten. Dies gilt auch, falls die Vergabebehörde das Submissions-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">274</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">verfahren ohne Auftragsvergabe definitiv abbricht. Auch die defini-</span><br/> <span class="ft1">tive Abbruchverfügung ist mit Beschwerde anfechtbar (§ 24 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">SubmD).</span><br/> <span class="ft1">dd) Sowohl der Wortlaut von § 38 Abs. 3 SubmD als auch der</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck der Schadenersatzregelung legen damit den Schluss</span><br/> <span class="ft1">nahe, dass ein Schadenersatzanspruch einzig in jenen Fällen geltend</span><br/> <span class="ft1">gemacht werden kann, in denen ein Feststellungsurteil der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deinstanz betreffend der Widerrechtlichkeit der angefochtenen Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung ergangen ist, weil die Korrektur der begangenen Rechtswidrig-</span><br/> <span class="ft1">keit durch Aufhebung der Verfügung rechtlich nicht mehr möglich</span><br/> <span class="ft1">war. Nur in diesen Fällen kann es überhaupt zu einem submissions-</span><br/> <span class="ft1">rechtlich relevanten Schaden des betreffenden Anbieters kommen.</span><br/> <span class="ft1">Da der Beschwerde im Normalfall aufschiebende Wirkung zukom-</span><br/> <span class="ft1">men und das Verwaltungsgericht einen widerrechtlich erfolgten Zu-</span><br/> <span class="ft1">schlag somit aufheben wird, ist der Anwendungsbereich von § 38</span><br/> <span class="ft1">SubmD in der Praxis sehr eingeschränkt. Diese Konsequenz stimmt</span><br/> <span class="ft1">indessen durchaus mit dem Willen des Dekretgebers überein, der</span><br/> <span class="ft1">seinerseits die Geltung von § 38 SubmD bewusst auf Vergaben im</span><br/> <span class="ft1">GATT-Bereich beschränkt hat (vgl. Protokoll der 3. Sitzung vom</span><br/> <span class="ft1">4. September 1996 der nichtständigen Kommission Nr. 19, S. 28</span><br/> <span class="ft1">[Votum Pfisterer]). Das heisst, für rechtswidrige Vergaben, die nicht</span><br/> <span class="ft1">dem GATT-Abkommen unterstehen, gelangt die spezialgesetzliche</span><br/> <span class="ft1">Schadenersatzregelung von § 38 SubmD ohnehin nicht zur Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung. Diesbezüglich wären allfällige Haftungssprüche gegebenen-</span><br/> <span class="ft1">falls gestützt auf das Verantwortlichkeitsgesetz beim Zivilgericht</span><br/> <span class="ft1">geltend zu machen.</span><br/> <span class="ft1">e) Im vorliegenden Fall liegt nun mit dem Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">29. Februar 2000 klarerweise kein Feststellungsurteil, sondern ein</span><br/> <span class="ft1">formell rechtskräftiges Gestaltungsurteil des Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">vor. Letzteres hat sich nicht darauf beschränkt, lediglich die Wider-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichkeit des an die A. AG erteilten Zuschlags festzustellen, son-</span><br/> <span class="ft1">dern es hat die entsprechenden Zuschlagsverfügungen aufgehoben.</span><br/> <span class="ft1">Daran ändert nichts, dass das Verwaltungsgericht auf verbindliche</span><br/> <span class="ft1">Anweisungen im Hinblick auf die neuerliche Zuschlagserteilung</span><br/> <span class="ft1">verzichtete, sondern es der Vergabebehörde überliess, darüber in</span><br/> <span class="ft1">einem korrekten Verfahren neu zu befinden. Mit der gerichtlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">275</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Aufhebung der Zuschlagsverfügung waren die Chancen der Kläge-</span><br/> <span class="ft1">rin, den Zuschlag in einem rechtskonformen Verfahren zu erhalten,</span><br/> <span class="ft1">wieder hergestellt. Damit fehlt es am für ein Schadenersatzbegehren</span><br/> <span class="ft1">erforderlichen Feststellungsentscheid. Bei dieser Sachlage erübrigt es</span><br/> <span class="ft1">sich, die weiteren Voraussetzungen für einen Schadenersatzanspruch</span><br/> <span class="ft1">zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">3. Vor diesem Hintergrund erweisen sich insbesondere auch die</span><br/> <span class="ft1">Gründe, warum die Klägerin auf die Wahrnehmung ihrer durch das</span><br/> <span class="ft1">verwaltungsgerichtliche Gestaltungsurteil wieder hergestellten Chan-</span><br/> <span class="ft1">cen in der Folge verzichtet hat, als nicht relevant. Die Vergabebe-</span><br/> <span class="ft1">hörde hatte die Anbietenden, darunter auch die Klägerin, im An-</span><br/> <span class="ft1">schluss an den verwaltungsgerichtlichen Entscheid aufgefordert, ein</span><br/> <span class="ft1">neues Angebot einzureichen. Mit Schreiben vom 14. April 2000 teilte</span><br/> <span class="ft1">die Klägerin der Vergabebehörde mit, dass sie das von ihr vorgesehe-</span><br/> <span class="ft1">ne Vorgehen zur Neuerteilung des Zuschlags als nicht rechtmässig</span><br/> <span class="ft1">erachte, weshalb sie darauf verzichte, erneut eine Offerte einzurei-</span><br/> <span class="ft1">chen und sich ein Schadenersatzbegehren vorbehalte. Die Klägerin</span><br/> <span class="ft1">macht geltend, das von der Vergabebehörde gewählte "Fortsetzungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren" sei wiederum widerrechtlich gewesen. Sie habe unter den</span><br/> <span class="ft1">gegebenen Voraussetzungen keine Chancen gehabt, den Zuschlag zu</span><br/> <span class="ft1">erhalten. Sie habe auch deshalb auf die Einreichung einer lediglich</span><br/> <span class="ft1">mit zusätzlichen Kosten verbundenen Offerte verzichtet. Unter die-</span><br/> <span class="ft1">sen Umständen hätten sich auch die bereits entstandenen</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen für die Ausarbeitung der ersten Offerte als nutzlos</span><br/> <span class="ft1">erwiesen.</span><br/> <span class="ft1">Die Klägerin verkennt, dass ihr nach erfolgter Aufhebung der</span><br/> <span class="ft1">Zuschlagsverfügung kein Wahlrecht zukam, entweder weiterhin ihre</span><br/> <span class="ft1">Chancen auf den Zuschlag zu verfolgen oder aber ein Schadener-</span><br/> <span class="ft1">satzbegehren zu stellen. Auch wenn sie (subjektiv) der Ansicht ge-</span><br/> <span class="ft1">wesen ist, das von der Vergabebehörde befolgte weitere Vorgehen sei</span><br/> <span class="ft1">wiederum rechtswidrig, hätte sie am Verfahren beteiligt bleiben und</span><br/> <span class="ft1">dann gegebenenfalls erneut den Zuschlag anfechten müssen. Durch</span><br/> <span class="ft1">den Verzicht auf die weitere Verfahrensbeteiligung hat sie freiwillig</span><br/> <span class="ft1">auf die ihr durch das verwaltungsgerichtliche Urteil wieder einge-</span><br/> <span class="ft1">räumten Chancen verzichtet. Daran vermag die Beurteilung der</span><br/> <span class="ft1">Klägerin, es sei für sie aussichtslos gewesen, den Zuschlag zu er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">276</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">halten, nichts zu ändern. Durch den Verzicht auf eine weitere Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrensbeteiligung hat sie auch darauf verzichtet, die Rechtmässig-</span><br/> <span class="ft1">keit der Fortsetzung des Submissionsverfahrens und den daraus re-</span><br/> <span class="ft1">sultierenden Zuschlag durch die Rechtsmittelinstanz überprüfen zu</span><br/> <span class="ft1">lassen.</span><br/> <span class="ft1">4. Indem die Klägerin gegen das weitere Submissionsverfahren</span><br/> <span class="ft1">und den neuerlichen Zuschlag keine Beschwerde erhoben hat, fehlt</span><br/> <span class="ft1">ihrem Klagebegehren die Widerrechtlichkeit im Sinne von § 38</span><br/> <span class="ft1">SubmD als Sachurteilsvoraussetzung. Auf Grund der vorstehenden</span><br/> <span class="ft1">Ausführungen steht fest, dass für die Bejahung eines, durch eine</span><br/> <span class="ft1">rechtswidrige Verfügung der Vergabebehörde entstandenen und von</span><br/> <span class="ft1">dieser gestützt auf § 38 SubmD zu ersetzenden, Schadens der Kläge-</span><br/> <span class="ft1">rin bereits ein entsprechendes Feststellungsurteil der Beschwerdein-</span><br/> <span class="ft1">stanz fehlt. Damit ist die Klage abzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">III. 2. a) Nach § 37 VRPG kommen im Klageverfahren vor Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht die Bestimmungen der ZPO über die Prozesskosten</span><br/> <span class="ft1">zur Anwendung. Die Bemessung der Parteikosten wird durch</span><br/> <span class="ft1">grossrätliches Dekret näher geregelt (§ 100 Abs. 2 lit. b ZPO). Die</span><br/> <span class="ft1">ZPO verweist einerseits auf § 31 VKD und anderseits auf den An-</span><br/> <span class="ft1">waltstarif. Für Verwaltungssachen einschliesslich versicherungsge-</span><br/> <span class="ft1">richtlicher Streitigkeiten sieht § 5 Abs. 1 AnwT die sinngemässe</span><br/> <span class="ft1">Anwendung der §§ 3 und 4 AnwT vor.</span><br/> <span class="ft1">Der Rechtsvertreter der Beklagten bestreitet nicht (mehr), dass</span><br/> <span class="ft1">es sich beim verwaltungsgerichtlichen Klageverfahren um eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungssache nach § 5 AnwT handelt. Dies ergibt sich auch schon</span><br/> <span class="ft1">daraus, dass vorliegend die Rechtsgrundlage von Haftung und Scha-</span><br/> <span class="ft1">denersatz in § 38 SubmD und somit im öffentlichen Recht begründet</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) In Abweichung von der Regelnorm in § 5 Abs. 1 AnwT</span><br/> <span class="ft1">kann gemäss § 5 Abs. 2 AnwT bei hohen Streitwerten das Grundho-</span><br/> <span class="ft1">norar inkl. Zuschlägen um bis zu einen Drittel gekürzt werden, so-</span><br/> <span class="ft1">fern der Charakter des Verfahrens dies als gerechtfertigt erscheinen</span><br/> <span class="ft1">lässt. § 5 Abs. 2 AnwT hat Ausnahmecharakter, die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">spielt sich auf zwei Ebenen ab (vgl. dazu AGVE 1991, S. 358 f.;</span><br/> <span class="ft1">VGE III/24 vom 27. Februar 2001 [BE.1997.00372] in Sachen Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsgemeinschaft A., S. 3 ff.): Zunächst hat über die Schwelle des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">277</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">"hohen Streitwerts" - ab ca. Fr. 80'000.-- - gewissermassen der Ein-</span><br/> <span class="ft1">stieg in die Sondernorm zu erfolgen. Auf der zweiten Ebene ist dann</span><br/> <span class="ft1">zu prüfen, ob der "Charakter des Verfahrens" eine Honorarkürzung</span><br/> <span class="ft1">tatsächlich zulässt, wobei damit nicht bloss die durch die Untersu-</span><br/> <span class="ft1">chungsmaxime bedingte Eigenart des Verfahrens in Verwaltungssa-</span><br/> <span class="ft1">chen gemeint ist, da es andernfalls des einschränkenden Nebensatzes</span><br/> <span class="ft1">gar nicht bedurft hätte. Umgekehrt schliesst die im Klageverfahren</span><br/> <span class="ft1">herrschende Verfahrensmaxime (§ 67 VRPG i.V.m. § 75 ZPO) die</span><br/> <span class="ft1">Anwendung der Abzugsmöglichkeit nicht aus. Aus den Materialien</span><br/> <span class="ft1">ergibt sich, dass die Abzugsmöglichkeit in erster Linie für die in der</span><br/> <span class="ft1">Praxis überwiegenden Beschwerdeverfahren diskutiert wurde,</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Botschaft des Regierungsrates vom 7. September 1987, Art.</span><br/> <span class="ft1">Nr. 4575 zu § 5 AnwT). Eine Beschränkung des Anwendungsbe-</span><br/> <span class="ft1">reichs auf die Verfahren in denen der Untersuchungsgrundsatz gilt,</span><br/> <span class="ft1">ist aber mit dem Wortlaut der Bestimmung nicht vereinbar.</span><br/> <span class="ft1">Selbst bei hohen Streitwerten im Sinne von § 5 Abs. 2 AnwT</span><br/> <span class="ft1">bedarf eine solche Kürzung einer besonderen, einzelfallgerechten</span><br/> <span class="ft1">Rechtfertigung. Die Ausgestaltung als "Kann-Vorschrift" eröffnet der</span><br/> <span class="ft1">rechtsanwendenden Behörde einen Spielraum des Ermessens, das</span><br/> <span class="ft1">pflichtgemäss zu handhaben ist. Sinn der Ausnahmebestimmung von</span><br/> <span class="ft1">§ 5 Abs. 2 AnwT ist, das streitwertabhängige (hohe) Anwaltshonorar</span><br/> <span class="ft1">in jenen Einzelfällen zu kürzen, wo es als "nicht verdient" und ge-</span><br/> <span class="ft1">messen an der Streitsache als übersetzt erscheint. Ein Abzug ist dort</span><br/> <span class="ft1">angebracht, wo eine Kürzung vom Aufwand, vom Schwierigkeits-</span><br/> <span class="ft1">grad und von der Tragweite her als angemessen erscheint. Die Ei-</span><br/> <span class="ft1">genart des individuellen Verfahrens kann namentlich durch den Grad</span><br/> <span class="ft1">der Schwierigkeit der sich stellenden Rechtsfragen, durch den objek-</span><br/> <span class="ft1">tiv - d.h. unabhängig von Spezialkenntnissen oder der Bearbeitungs-</span><br/> <span class="ft1">sorgfalt des Anwalts oder der Betreuungsbedürftigkeit seiner Man-</span><br/> <span class="ft1">danten - angemessenen Aufwand, durch die Tragweite der Streitsa-</span><br/> <span class="ft1">che für die Beteiligten, durch die Verantwortung des Anwalts usw.</span><br/> <span class="ft1">bestimmt sein (AGVE 1991, S. 360; VGE IV/54 vom 23. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2002 [BE.2000.00270] in Sachen R. und Mitb., S. 15 f.). Dabei ist zu</span><br/> <span class="ft1">beachten, dass sich die Höhe des Abzuges nicht etwa nach der Höhe</span><br/> <span class="ft1">des Streitwertes bemisst, sodass der maximale Abzug von einem</span><br/> <span class="ft1">Drittel erst ab einem bestimmten, Fr. 80'000.-- übersteigenden Streit-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">278</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wert zulässig wäre, sondern ebenfalls nach dem Charakter des</span><br/> <span class="ft1">Verfahrens.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Schadenersatzklagen nach dem Submissionsdekret sind</span><br/> <span class="ft1">in der Regel rechtlich einfache Verfahren. Einerseits wird die Rechts-</span><br/> <span class="ft1">widrigkeit schon im vorangegangenen Beschwerdeverfahren festge-</span><br/> <span class="ft1">stellt (siehe vorne, Erw. II/2) und anderseits ist der Schaden von</span><br/> <span class="ft1">Gesetzes wegen auf die Aufwendungen für das Vergabe- und das</span><br/> <span class="ft1">Rechtsmittelverfahren beschränkt (§ 38 Abs. 2 SubmD). Im Unter-</span><br/> <span class="ft1">schied zu zivilrechtlichen Haftpflichtprozessen sind im submissions-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Schadenersatzverfahren keine umfangreichen Abklärun-</span><br/> <span class="ft1">gen und Aufwendungen für die Schadenssubtantiierung und die Kau-</span><br/> <span class="ft1">salität nötig. Ausserdem muss der Vergabebehörde weder ein Ver-</span><br/> <span class="ft1">schulden noch eine Verletzung von wesentlichen Amtspflichten</span><br/> <span class="ft1">nachgewiesen werden (siehe vorne, Erw. II/1). Somit lässt der Cha-</span><br/> <span class="ft1">rakter des submissionsrechtlichen Schadenersatzverfahrens einen</span><br/> <span class="ft1">maximalen Abzug nach § 5 Abs. 2 AnwT ohne weiteres zu.</span><br/> <span class="ft1">Vorliegend ist auf Grund der Bedeutung der Streitsache, der</span><br/> <span class="ft1">Schwierigkeit sowie der anwaltlichen Verantwortung ein Abzug von</span><br/> <span class="ft1">25% gerechtfertigt. Dabei ist, nebst dem angemessenen Aufwand,</span><br/> <span class="ft1">auch berücksichtigt, dass für den Schadenersatzanspruch nach § 38</span><br/> <span class="ft1">SubmD keine Präjudizien verfügbar sind.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>