Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: LB180032-O/U Mitwirkend: Oberrichterin Dr. L. Hunziker Schnider, Vorsitzende, Oberrichter lic. iur. M. Spahn und Oberrichter Dr. M. Kriech sowie Gerichtsschreiberin lic. iur. M. Reuss Valentini Urteil vom 12. April 2019 in Sachen A._____, Klägerin und Berufungsklägerin vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ gegen B._____ AG, Beklagte und Berufungsbeklagte vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ betreffend Forderung Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 11. Mai 2018 (CG130079-L) Rechtsbegehren (Urk. 2 S. 2): "1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger im Sinne eines Teil- klageanspruchs und unter Vorbehalt einer Nachklage CHF 49'423.35 zuzüglich Zins von 5 % seit dem 21. Dezember 2012 zu bezahlen. - 2 - 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich MwSt zu Lasten der Beklagten." Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 11. Mai 2018 (Urk. 91 = Urk. 98): 1. Die Klage wird abgewiesen. 2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 5'500.– festgesetzt. 3. Die Gerichtskosten werden der Klägerin auferlegt und mit dem von ihr geleis- teten Vorschuss verrechnet. 4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von Fr. 10'500.– (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, je gegen Empfangsschein. 6. Eine Berufung gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen von der Zustel- lung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Obergericht des Kantons Zürich, Zivilkammer, Postfach, 8021 Zürich, erklärt werden. In der Berufungsschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Ur- kunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Berufungsanträge: der Klägerin und Berufungsklägerin (Urk. 97 S. 2): "Die Klage sei gutzuheissen. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten." der Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 106 S. 2): "Die Berufung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (letztere zuzüglich Mehrwertsteuer) zu Lasten der Klägerin und Berufungsklägerin abzuweisen." - 3 - Erwägungen: I. 1. C._____ wurde im Februar 2009 von D._____ am Bezirksgericht Meilen auf Zahlung von total Fr. 205'000. – verklagt. C._____ beauftragte Rechtsanwalt Professor Dr. Z._____ mit seiner Vertretung. Für die Erstattung der Klageant wort ersuchte Rechtsanwalt Z._____ um mehrere Fristerstreckungen, die bewilligt wurden. Mit Eingabe vom 11. Mai 2009 stellte er ein Gesuch um Gewährung einer zweitägigen Notfrist, das er mit ei nem gesundheitlichen Notfall begründete. Diese Notfrist liess er ungenutzt verstreichen. Mit Verfügung vom 26. Mai 2009 setzte das Bezirksgeri cht Meilen eine letzte Frist unter Androhung von Säumnisfolgen gemäss § 130 Abs. 1 ZPO/ZH an, worauf die beklagte Partei erneut säumig blieb. Mit (unbegründetem) Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 3. August 2009 wurde die Klage vollumfänglich gutgeheissen und C._____ verpflichtet, D._____ Fr. 205'000.– (davon Fr. 115'000.– in WIR-Geld) zuzüglich Zins zu bezahlen ( Urk. 98 S. 2 f., Urk. 5/16, Urk. 5/17). 2. Am tt . September 2009 verstarb Rechtsanwalt Z._____ (Urk. 5/18). Mit Beschluss vom 15. März 2010 wies das Bezirksgericht Meilen ein von C._____ erhobenes Gesuch um Wiederherstellung der Frist zur Erstattung der sc hriftlichen Klageantwort ab (Urk. 5/16). Den Erwägungen dieses Entscheids lässt sich en t- nehmen, dass Rechtsanwalt Z._____ am 12. Mai, vom 18. bis 28. Mai, vom 3. bis 11. Juni und vom 9. bis 10. Juli 2009 krankheitshalber hospitalisiert war, wobei ihm sowohl die Verfügung vom 26. Mai 2009 als auch das Urteil vom 3. August 2009 am 3. Juni bzw. 13. August 2009 zugestellt werden konnten (Urk. 5/16 S. 6 f., Urk. 98 S. 21 f.). Rechtsmittel gegen den Beschluss vom 15. März 2010 an das Obergericht des Kantons Züric h, das Bundesgericht und den Europäischen G e- richtshof für Menschenrechte blieben erfolglos ( Urk. 5/21, Urk. 5/23, Urk. 5/28, Urk. 98 S. 2 f.). 3. Die Erbschaft von Rechtsanwalt Z._____ wurde wegen Überschul dung ausgeschlagen und über seinen Nachlass der Konkurs eröffnet. Der Versiche-- 4 - rungsanspruch der Masse aus der Berufshaftpflichtversicherung gegenüber der Beklagten wurde gemäss Art. 260 SchKG an C._____ zur Geltendmachung abge- treten (Urk. 5/3). 4. Das Schlichtungsgesuch wurde in der Folge innert erstr eckter Frist einge- reicht (Urk. 1, Urk. 5/4). Die Klageschrift von C._____ mit obgenanntem Recht s- begehren ging samt Klagebewilligung am 4. September 2013 bei der Vor -instanz ein (Urk. 1, Urk. 2). Der mit der Teilklage geltend gemachte "Befreiungsanspruch" von Rechtsanwalt Z._____ bzw. der Konkursmasse gegenüber der Beklagten als Berufshaftpflichtversicherung setzt sich aus Anwalts - und Gerichtskosten im Zu- sammenhang mit den Verfahren betreffend Fristwiederherstellung, der Abtretung der Massarechte und der vorprozessualen Vorbereitung der Klage zusammen (Urk. 2 S. 12, S. 14 f.): Fristwiederherstellung Bezirksgericht Meilen Fr. 6'950.80 Fristwiederherstellung Obergericht Fr. 1'000.00 Fristwiederherstellung Bundesgericht Fr. 7'732.80 Verfahren vor dem EGMR Fr. 19'484.60 Abtretung der Massarechte durch Konkursamt Hottingen Fr. 1'745.80 Verschiedenes (Akontozahlung Prof. Z._____) Fr. 1'500.00 Vorprozessuale Kosten betr. Krankheit Prof. Z._____/Entbindung der Ärzte vom Arztgeheimnis Fr. 6'011.05 Vorprozessuale Kosten betr. Schadensdeckung B._____ Versicherungs-Gesellschaft Fr. 4'998.30 Eingeklagter Betrag Fr. 49'423.35 5. Nachdem mit Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 2. Oktober 2013 über C._____ der Konkurs eröffnet worden war, wurde das vorliegende Verfahren si s- tiert (Urk. 15). Der eingeklagte Anspruch wurde in der Folge nach Art. 260 SchKG an A._____ (Gläubigerin und Ehefrau von C._____) zur Fortsetzung des Prozes- ses abgetreten (Urk. 20), worauf A._____ mit Beschluss vom 6. Oktober 2015 als Klägerin ins Rubrum aufgenommen und der Prozess fortgesetzt wurde (Urk. 21). Für den weiteren Verlauf des Verfahrens kann auf das angefochtene Urteil ver- wiesen werden (Urk. 98 S. 4 f.). Mit Urteil vom 11. Mai 2018 wies die Vorinstanz die Klage ab (Urk. 98 S. 28). - 5 - 6. Gegen das ihr am 22. Juni 2018 zugestellte Urteil führt die Klägerin mit Eingabe vom 16. August 2018 (gleichentags zur Post gegeben und hierorts ei n- gegangen am 17. August 2018) Berufung mit den obgenannten Anträgen (Urk. 92, Urk. 97). Den ihr auferlegten Kostenvorschuss von Fr. 5'500. – leistete die Klägerin rechtzeitig (Urk. 103, Urk. 104). Die Beklagte erstattete die Berufungs - antwort mit Eingabe vom 15. Oktober 2018 (Urk. 106). Eine weitere Eing abe der Klägerin datiert vom 29. Oktober 2018 (Urk. 108). II. 1. Die Vorinstanz erwog, der Anspruch des versicherten Anwalts bestehe darin, dass der Versicherer ihn von berechtigten Schadenersatzforderungen be- freie, indem er diese begleiche (sog. Befreiungsanspruch). Der in Art. 33 des Ver- sicherungsvertragsgesetzes (VVG) statuierte Grundsatz, wonach die gesamte versicherte Gefahr in umfassender Weise versichert sei, erfahre in folgenden zwei Fällen eine Einschränkung: Einerseits könne nach Art. 33 VVG di e Versich e- rungsdeckung durch eine klare, mithin unzweideutige vertragliche Vereinbarung (wie beispielsweise durch einen Deckungsausschluss ) eingeschränkt werden . Andererseits könne der Versicherer die geschuldete Leistung bei schwerem Ver- schulden des Versi cherungsnehmers ganz oder teilweise verweigern. Der Vers i- cherer hafte nicht, wenn der Versicherungsnehmer das befürchtete Ereignis ab- sichtlich herbeigeführt habe (Art. 14 Abs. 1 VVG). Bei grobfahrlässiger Herbeifüh- rung des Ereignisses sei der Versicherer berechtigt, seine Leistung zu kürzen (Art. 14 Abs. 2 VVG). Vorliegend sei unbestritten, dass das VVG zur Anwendung komme und neben der Versicherungspolice die Allgemeinen Vertragsbedingun- gen (AVB) Vertragsbestandteil geworden seien, wobei sich die Beklagte auf den folgenden, in Ziff. 2 Abs. 10 AVB enthaltenen Deckungsausschluss berufe (Urk. 98 S. 11 ff.): "Von der Versicherung ausgeschlossen sind: … 10 die Haftpflicht für Schäden, deren Eintritt vom Versicherungsnehmer, von seinem Vertreter oder von Personen, die mit der Leitung oder Beaufsichti- gung der versicherten Tätigkeit betraut sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit - 6 - erwartet werden musste. Dasselbe gilt für Schäden, die im Hinblick auf die Wahl einer bestimmten Arbeitsweise zwecks Senkung der Kosten oder Beschleunigung der Arbeit in Kauf genommen wurden;" 2. Die Vorinstanz hielt dafür, dass Deckungsausschlüsse auch bei der (in Art. 12 lit. f BGFA vorgesehenen) Berufshaftpflicht für Anwältinnen und Anwälte grundsätzlich üblich und zulässig seien. Abgesehen von der Mindestdeckung von einer Million Franken konkretisiere das BGFA das Versicherungsobligatorium nicht näher. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass ein Deckungsausschluss für Schäden, deren Eintritt mit hoher Wahrscheinlichkei t habe erwartet werden müs- sen, den Anforderungen an eine bestimmte und unzweideutige Formulierung des ausgeschlossenen Ereignisses gemäss Art. 33 VVG genüge und auch im Bereich der Berufshaftpflichtversicherung für Anwältinnen und Anwälte möglich und zuläs- sig sei. Entsprechend sei es entgegen der klägerischen Ansicht grundsätz lich auch zulässig, die Versicherungsdeckung für Schäden, die auf das Verpassen von Fristen zurückzuführen seien, auszuschliessen (Urk. 98 S. 15 ff.). 3. Vorab untersuchte die Vorinstanz, ob Rechtsanwalt Z._____ im massge- blichen Zeitpunkt urteilsfähig war und entsprechend für seine Handlungen ver- antwortlich gemacht werden kann. Sie begründete dies damit, dass die Lei s- tungspflicht der Beklagten neben einer Versicherungsdeckung auch eine Haf t- pflicht des Versicherungsnehmers und damit dessen Verschulden voraussetze. Entgegen der Darstellung der Klägerin gelangte die Vorinstanz zum Ergebnis, dass Rechtsanwalt Z._____ im massgeblichen Zeitpunkt, in welchem er die Kl a- geantwort hätte einreichen sollen, als urteils - und handlungsfähig betrachtet wer- den müsse. Demzufolge sei noch zu prüfen, ob sich die Beklagte zu Recht auf Ziff. 2 Abs. 10 AVB berufe, d.h. ob durch das Verhalten von Rechtsanwalt Z._____ punkto Fristversäumnis im damaligen Prozess am Bezirksgericht Meilen der Eintritt eines (allfälligen) Schadens mit hoher Wahrscheinlichkeit habe erwar- tet werden müssen (Urk. 98 S. 18 ff.). 4. In diesem Zusammenhang warf die Vorinstanz R echtsanwalt Z._____ ein grobes Verschulden vor. Er habe es im Wissen um seinen gesundheitlichen Zu- stand und trotz seiner diversen Spitalaufenthalte versäumt, seinen Kanzleibetrieb so zu organisieren, dass im Falle einer Verhinderung, insbesondere einer krank-- 7 - heitsbedingten Abwesenheit, die von ihm zu beachtenden Fristen gewahrt bli e- ben. Auch habe er es offenbar unterlassen, den vormaligen Kläger über seinen Gesundheitszustand bzw. die Spitalaufenthalte zu informieren, um ihm zu ermög- lichen, gegebenenfalls einen anderen Rechtsvertreter beizuziehen. Damit habe Rechtsanwalt Z._____ die von ihm als Rechtsanwalt zu beachtende Sorgfalt in erheblicher und grober Weise missachtet. Indem er trotz gesundheitlicher Prob- leme und Spitalaufenthalte keine organisatorischen Massnahmen getroffen habe, um im Falle einer Abwesenheit die laufenden Fristen zu wahren, habe er eine un- sorgfältige Mandatsführung, insbesondere Fristversäumnisse, in Kauf genommen. Damit habe ein durch sein Verhalten verursachter Schadenseintritt mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet werden müssen. Die Beklagte berufe sich damit zu Recht auf den Deckungsausschluss gemäss Ziff. 2 Abs. 10 AVB mit der Folge, dass der Versicherungsschutz für allfällige durch unzureichende Organisation des Kanzleibetriebs entstandene Schäden entfalle (Urk. 98 S. 25 f.). 5. Schliesslich verwarf die Vorinstanz das von der Klägerin in der Replik vorgetragene Argument, die Annahme des Mandates durch Rechtsanwalt Z._____ im März 2009 sei wegen seines schon damals angeschlagenen Gesund- heitszustandes und seiner Ges chäftslast als von der Haftpflichtpolice gedecktes Übernahmeverschulden zu werten, weil Rechtsanwalt Z._____ das Mandat im Wissen um sei ne schwere Krankheit gar nicht erst hätte annehmen oder es im "Fortverlauf" hätte ablegen müssen. Die Klägerin, welche das Übernahmever- schulden mit dem angeschlagenen Gesundheitszustand begründe, gehe zu U n- recht davon aus, dass Rechtsanwalt Z._____ nicht mehr urteilsfähig gewesen sei, als ihm am 3. Juni 2009 eine Notfrist angesetzt worden sei. Demzufolge seien die Handlungen von Rechtsanwalt Z._____ im Zeitpunkt der Ansetzung der Notfrist massgeblich und nicht jene im Zeitpunkt der Mandatsübernahme. Zur Geschäft s- last mache die Klägerin keine weiteren Ausführungen. Ein versicherungs - bzw. haftpflichtrechtlich relevantes Übernahmeverschulden liege diesbezüglich nicht vor (Urk. 98 S. 26 f.). - 8 - III. 1.1 Die Berufung wurde form - und fristgerecht erhoben. Sie richtet sich ge- gen einen erstinstanzlichen Endentscheid. Da die Streitwertgrenze erreicht wird, ist auf die Berufung – unter Vorbehalt hinreichender Begründung – einzutreten (Art. 308 und Art. 311 ZPO). 1.2 Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine un- richtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufung ist zu begründen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Es ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punk- ten als fehlerhaft zu betrachten ist. Dies setzt voraus, dass der Berufungskläger im Einzelnen die vorinstanzlichen Erw ägungen bezeichnet, die er anficht, und die Aktenstücke nennt, auf denen seine Kritik beruht . Es genügt nicht , lediglich auf die vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen zu verweisen, auf frühere Pr o- zesshandlungen hinzuweisen oder den angefochtenen Ents cheid in allgemeiner Weise zu kritisieren (BGE 138 III 374 E. 4.3.1 S. 375). Auf Rügen, die eine sac h- bezogene Auseinandersetzung mit den Erwägungen des angefochtenen Urteils vermissen lassen, ist nicht einzutreten. Die Parteien sind grundsätzlich gehalten, erstinstanzlich gestellte Beweisanträge, denen nicht entsprochen wurde, vor der zweiten Instanz zu wiederholen (BGE 144 III 394 E. 4.2 S. 398). Diese Begrün- dungsanforderungen gelten sinngemäss auch für den Inhalt der Berufungsantwort (BGer 5A_660/2014 vom 17. Juni 2015, E. 4.2 m.w.Hinw.; 4A_258/2015 vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.2). 1.3 Abgesehen von offensichtlichen Mängeln hat sich das Berufungsgericht grundsätzlich auf die Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort ge- gen das erstinstanzliche Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die Rügen der Parteien geben mithin das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz vor; der angefochtene Entscheid ist grundsätzlich nur auf die gerügten Punkte hin zu überprüfen. In rechtlicher Hinsicht ist das B erufungsgericht, in Anwendung des Grundsatzes iura novit curia, bei dieser Prüfung jedoch weder an die Erwägungen der ersten Instanz noch an die mit den Rügen vorgetragenen Argumente der Par-- 9 - teien gebunden. In tatsächlicher Hinsicht ist es nicht an die Fest stellungen des erstinstanzlichen Gerichts gebunden, auch wenn mangels entsprechender Sac h- verhaltsrügen der Parteien im Berufungsverfahren der erstinstanzliche Entscheid nach dem Gesagten in der Regel als Grundlage des Rechtsmittelverfahrens dient (BGE 144 III 394 E. 4.1.4 S. 397 f. mit Hinweis auf BGE 142 III 413 E. 2.2.4 und weitere Entscheide). Das Berufungsgericht kann die Rügen der Parteien folglich auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen oder abweisen (sog. Motivsu b- stitution; BGer 2C_124/2013 vom 25. November 2013, E. 2.2.2; Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Komm., Art. 318 N 21; Seiler, Die Berufung nach ZPO, Zürich 2013, N 1507; für das Verfahren vor Bundesgericht: BGE 138 III 537 E. 2.2 S. 540; 137 III 385 E. 3 S. 386; BS K BGG -Meyer/Dor- mann, Art. 106 N 11 f.). 2.1. Die Klägerin wirft der Vorinstanz zunächst vor, sie habe Sinn und Zweck des BGFA völlig ausser Acht gelassen. Ihre Auffassung, dass es grundsätzlich zulässig sei, die Versicherungsdeckung für Schäden, die auf das Verpassen von Fristen zurückzuführen seien, auszuschliessen, verletze Art. 12 lit. f BGFA. Diese Bestimmung bezwecke einen umfassenden Schutz des rechtssuchenden Publ i- kums, der nicht im Nachhinein durch eine angeblich fehlende Deckung kleinger e- det werden dürfe. Dafür spreche bereits die Regelung, dass neben der Haf t- pflichtversicherung auch anderweitige Sicherheiten geleistet werden könnten, die dem Berechtigten in der Regel einen direkten Zugriff erlaubten, was einem wei t- gehenden Einredeausschluss gleic hkomme. Ein betroffener Klient müsse sich nicht auf die Auslegung bzw. Interpretation eines Versicherungsvertrags zwischen Anwalt und Versicherer einlassen. Der "beschriebene Mechanismus" solle sicher- stellen, dass jeder Anwalt im Haftungsfall erfolgreich i n Anspruch genommen werden könne (Urk. 97 S. 2 f.). Die Klägerin macht in diesem Zusammenhang geltend, die Vorinstanz habe zwei Entscheide der zürcherischen Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte vom 6. Juli 2006 und 5. Juli 2007 übergangen. Sie leitet aus diesen beiden Entscheiden ab, dass im Verhältnis zwischen dem verstorbenen Anwalt und seinem damaligen Klienten eine volle Haftung bestehe und es der Versiche-- 10 - rung verwehrt sei, ihre Deckung einzuschränken. Die Berufshaftpflichtversiche- rungen seien eng in das Regelwerk gemäss Anwaltsgesetz eingebunden, indem sie einerseits eine Bestätigung über den Bestand des Versicherungsverhältnisses zuhanden der Aufsichtsbehörde auszustellen hätten und andererseits Mitteilung machen müssten, wenn eine V ersicherung nicht mehr bestehe. Beide Massnah- men dienten dem Schutz der Klientschaft, was Sinn und Zweck von Art. 12 lit. f BGFA entspreche. Der Werbung der B eklagten (Urk. 101/1) sei denn auch zu entnehmen, dass die vorgeschriebenen gesetzlichen Versicher ungspflichten be- rücksichtigt würden und Fristversäumnis se als versicherte Pflichtverletzung gäl- ten. Vor diesem Hintergrund gewinne das von der Klägerin vorgetragene Argu- ment, dass die Beklagte eine Unklarheit zu vertreten habe, weiter an Bedeutung. Mit der Auffassung der Beklagten und der Vorinstanz werde das Problem der Fristversäumnis nicht nur "wegmarginalisiert"; vielmehr geschehe dies auch noch gegen die entsprechenden Bewerbungen der Beklagten (Urk. 97 S. 3 f.). 2.2 Gemäss Art. 12 lit. f BGFA haben Anwältinnen und Anwälte nach Mas s- gabe der Art und des Umfangs der Risiken, die mit ihrer Tätigkeit verbunden sind, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschliessen, wobei die Versicherungssum- me mindestens eine Million Fra nken pro Jahr betragen muss; anstelle der Haf t- pflichtversicherung können andere, gleichwertige Sicherheiten erbracht werden. Die Vorinstanz hat im Einzelnen dargelegt, − dass das BGFA nebst Mindestdeckung das Versicherungsobligatorium nicht näher konkretisiere; − dass es sich bei Art. 12 lit. f BGFA um eine blosse Berufspflicht und nicht um eine Voraussetzung für den Registereintrag handle, weshalb bei Nichtbeach- tung der Vorschrift bloss eine Disziplinierung und nicht ein Ausschluss von der anwaltlichen Tätigkeit drohe; − dass im Strassenverkehr das SVG im Gegensatz zum BGFA die Möglichkeit vertraglich vereinbarter Deckungsausschlüsse ausdrücklich beschränke; - 11 - − dass Deckungsausschlüsse gemäss Lehre und Rechtsprechung auch im Be- reich der Berufshaftpflicht für Anwältinnen und Anwälte grundsätzlich üblich und zulässig seien; − dass ein Ausschluss für Schäden, deren Eintritt mit hoher Wahrscheinlichkeit habe erwartet werden müssen, nach Lehre und Rechtsprechung als mögli- cher und zulässiger Deckungsausschluss gelte und auch im Bereich der Be- rufshaftpflichtversicherung für Anwältinnen und Anwälte als möglich und zu- lässig erachtet werde. 2.3 Mit diesen Erwägungen (Urk. 98 S. 14 ff. E. 2.3.3 bis 2.3.6), auf die ver- wiesen werden kann, setzt sich die Klägerin nicht hinrei chend auseinander, wenn sie sich einfach auf den Standpunkt stellt, Art. 12 lit. f BGFA diene dem Schutz des rechtssuchenden Publikums und stelle sicher, dass jeder Anwalt im Haftungs- fall erfolgreich in Anspruch genommen werden könne bzw. vollumfänglicher Ver- sicherungsschutz bestehe, solange ein Registereintrag bestehe (Urk. 97 S. 5) . Im Übrigen sieht bereits das Gesetz bei absichtlicher und grobfahrlässiger Herbeifüh- rung des befürchteten Ereignisses eine Haftungsbefreiung bzw. - reduktion zu- gunsten des Versicherers vor (Art. 14 Abs. 1 und 2 VVG ; vgl. Bohnet/Martenet, Droit de la profession d'avocat, Berne 2009, N 1628). Ein umfassender versiche- rungsrechtlicher Schutz des rechtssuchenden Publikums ist bereits deshalb nicht in allen Fällen gewä hrleistet. Die Zulässigkeit des hier in Frage stehenden D e- ckungsausschlusses wird sodann auch von weiteren, von der Vorinstanz nicht z i- tierten Autoren bejaht ( Nigg, Haftpflichtversicherung des Rechtsanwalts am Bei- spiel der AVB einer Versicherung, in: Fests chrift SAV, Bern 1998, S. 511; Schn y- der, Überblick über den Deckungsbereich der Berufshaftpflichtversicherung für Rechtsanwälte, Anwaltsrevue 2007, S. 154). Die Aussage der Vorinstanz, wonach es grundsätzlich zulässig sei, die Versicherungsdeckung für Fris tversäumnisse auszuschliessen (Urk. 98 S. 17), muss im Zusammenhang mit Ziff. 2 Abs. 10 AVB gesehen werden. Vorliegend ist nicht ein genereller Deckungsausschluss für Fristversäumnisse zu beurteilen. Zu entscheiden ist vielmehr, ob die Haftpflicht für (aus Fristversäumnissen resultierenden) Schäden ausgeschlossen werden kann, deren Eintritt mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet werden musste. Dies hat auch die Vorinstanz klar gesehen, führt sie doch das in der Lehre mehrfach angeführte - 12 - Beispiel eines Anwalt s an, der seinen Bürobetrieb während der Ferien schliesst, ohne Massnahmen zu treffen, damit in seiner Abwesenheit die Post besorgt wird und Fristen gewahrt werden (Urk. 98 S. 16; vgl. Nigg, a.a.O., S. 511; Luterbacher, Die Berufshaftpflichtversicherung des Rechtsanwaltes, in: Haftpflicht des Recht s- anwaltes, Zürich/St. Gallen 2006, S. 235; Fellmann, Anwaltsrecht, 2. Aufl., Bern 2017, N 1647). 2.4 Aus den beiden von ihr genannten Entscheiden der Aufsichtskommissi- on über die Anwältinnen und Anwälte vermag die Klägerin nicht s zu ihren Guns- ten abzuleiten. Wie die Klägerin selbst ausführt, kann dem Entscheid vom 6. Juli 2006 (gemeint wohl: ZR 105 [2006] Nr. 72) lediglich entnommen werden, dass die Pflicht zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung auch für Anwältinnen und Anwälte gilt, die den Anwaltsberuf ausüben, aber dem BGFA nicht unterst e- hen. Im Entscheid vom 5. Juli 2007 (gemeint wohl: ZR 106 [2007] Nr. 83) war eine im Mandatsvertrag zwischen Rechtsanwalt und Klientschaft enthaltene Haftungs- beschränkung aus anwaltsrechtlicher Sicht zu beurteilen. Die Aufsichtskommiss i- on erwog, die Bestimmungen über die Berufshaftpflicht würden einen klaren Hi n- weis vermitteln, in welchem Umfang ein vertraglicher Ausschluss der anwaltlichen Haftung nicht zulässig sein sollte, nämlich für einen möglichen Schaden unterhalb des gesetzlichen Mindestversicherungsobligatoriums. Es wäre – so die Aufsichts- kommission weiter – mit dem gesetzgeberischen Willen nicht zu vereinbaren, dass Anwältinnen und Anwälte zwar eine gesetzlic he Mindestversicherungspflicht zu erfüllen hätten, diese jedoch jederzeit durch eine vertragliche Haftungsbe- schränkung unterlaufen könnten. Demgegenüber könnten quantitative Beschrän- kungen der anwaltlichen Haftung – im zivilrechtlich möglichen Ausmass, d.h. für leichte Fahrlässigkeit (vgl. Art. 100 OR) – im Bereich oberhalb der Mindestvers i- cherungssumme von CHF 1 Mio. nicht als von vornherein unzulässig betrachtet werden. In diesem Bereich komme es auf die Umstände des Einzelfalles an (ZR 106 [2007] Nr. 83 S. 311 f.). Mit anderem Worten äusserte sich die Aufsicht s- kommission zum quantitativen Rahmen eines anwaltlichen Haftungsausschlusses aus disziplinarrechtlicher Sicht. Explizit nicht behandelt wurde "im Rahmen dieses Disziplinarverfahrens" die Frage, inwie weit die Haftung eines Anwalts (vor dem Hintergrund von Art. 100 Abs. 2 OR) gültig ausgeschlossen oder beschränkt wer-- 13 - den kann. Überhaupt nicht beleuchtet wird im Entscheid das Verhältnis zwischen Anwalt und Versicherung und die Frage der Zulässigkeit von D eckungsaus- schlüssen. Art. 100 Abs. 3 OR behält im Übrigen die besonderen Vorschriften über den Versicherungsvertrag ausdrücklich vor (vgl. BK-Weber, Art. 100 OR N 54 ff.). Dass der Anwalt und die Anwältin die Möglichkeit hat, gleichwertige Sicher- heiten zu erbringen (Art. 12 lit. f BGFA), hilft der Klägerin nicht. Wie Barkautionen auf Sperrkonti, Bankgarantien, Bürgschaftskassen, Risikoausgleichskassen etc. dem Klienten einen direkten Zugriff verschaffen könnten, ist nicht ersichtlich. Sol- che Sicherheiten begründen zudem keinen (weitgehenden) Einredeausschluss des in Anspruch genommenen Anwalts . Auch insoweit vermag die Klägerin eine Verletzung von Art. 12 lit. f BGFA nicht aufzuzeigen. 2.5 Die Klägerin macht geltend, der Deckungsausschluss für Fristversäum- nisse stehe auch im Widerspruch zum Werbeauftritt der Beklagten, der Fristver- säumnisse ausdrücklich unter den gedeckten Sorgfaltspflichten aufführe (Urk. 101/1). Das von ihr im bisherigen Verfahren vorgetragene Argument, dass die Beklagte eine Unklarheit zu vertreten habe, gewinne dadurch weiter an Bedeu- tung. Die Klägerin tut nicht dar, dass es ihr nicht möglich war, sich bereits vor Vor- instanz "auf die Werbung der Beklagten im Internet" zu berufen (Urk. 97 S. 4) . Im Berufungsverfahren kann auf das verspätete Vorbringen daher nicht mehr einge- treten werden (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Davon abgesehen stellt die Beklagte nicht generell die Deckung für Schäden, die aus Fristversäumnissen resultieren, in Ab- rede. Aufgrund von Ziff. 10 Abs. 2 AVB wird die Haftpflicht für Schäden abgelehnt, "deren Eintritt vom Versicherungsnehmer […] mit hoher Wahrscheinlichkeit erwar- tet werden musste". Was genau an dieser Bestimmung unklar sein soll, legt die Klägerin in ihrer Berufungsschrift nicht dar. Ihr pauschaler Verweis auf das "bishe- rige Verfahren" (Urk. 97 S. 4) ist ungenügend. 2.6 Art. 33 VV G verlangt, dass gefahrsbeschränkende Abreden bestimmt und unzweideutig abzufassen sind. Zweifel über die Bestimmtheit oder Eindeuti g-- 14 - keit sollen zu Lasten des Versicherers gehen (sog. Unklarheitsregel; BSK VVG - Fuhrer, Art. 33 N 3). Die Vorinstanz hat unter Hinweis auf Lehre und Rechtspr e- chung dafürgehalten, Ziff. 2 Abs. 10 AVB erfülle die Anforderungen an eine be- stimmte und unzweideutige Formulierung (Urk. 98 S. 17), was von der Klägerin nicht in rechtsgenügender Weise beanstandet wird. Die Vorinstanz hat in der Fol- ge das Verhältnis zwischen Art. 33 VVG (Umfang der Haftung) und Art. 14 Abs. 2 VVG (Kürzung des Versicherungsanspruchs bei grobfahrlässiger Herbeiführung des befürchteten Ereignisses) beleuchtet und erwogen, beim Deckungsaus- schluss gemäss Ziff. 2 Abs. 10 AVB müsse gerade nicht zwischen leichtem und grobem Verschulden unterschieden, sondern nur geprüft werden, ob der vertrag- lich umschriebene Deckungsausschluss gegeben sei (Urk. 98 S. 17). Als Anwe n- dungsfall von Ziff. 2 Abs. 10 AVB erwähnte sie das in der Lehre angeführte Bei- spiel eines Anwalts, der seinen Bürobetrieb während der Ferien schliesst, ohne Massnahmen zu treffen, damit in seiner Abwesenheit die Post besorgt und Fristen gewahrt werden (Urk. 98 S. 16 f.). Die Beklagte führte in der Berufungsantwort unter Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen aus, bei Vorhandensein eines Ausschlussgrundes wie demjenigen von Ziff. 2 Abs. 10 AVB reiche bereits Even- tualvorsatz oder blosse Grobfahrlässigkeit als Grundlage zur Leistungsverweige- rung aus (Urk. 106 S. 4 Ziff. 15). Vor Vorinstanz hatte sich die Beklagte stets auf eine grobfahrlässige Herbeiführung des versicherten Ereignisses durch Recht s- anwalt Z._____ berufen (Urk. 37 S. 37 Ziff. 265; Urk. 74 S. 11 Ziff. 62 und Ziff. 69, S. 15 f. Ziff. 100 f. und Ziff. 106). Darüber hinaus hat die Beklagte aber auch vor- gebracht, Rechtsanwalt Z._____ habe "grob unsorgfältig, ja fast vorsätzlich ge- handelt und die elementarste Vorsicht und Sorgfalt vermissen lassen" (Urk. 37 S. 23 Ziff. 160) und den Schadenseintritt mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarten müssen (Urk. 74 S. 14 Ziff. 90, S. 16 Ziff. 102 f.) . Die grob fahrlässige Herbeifüh- rung des versicherten Ereignisses wird allerdings in Art. 14 Abs. 2 VVG geregelt , der lediglich eine Kürzungsmöglichkeit vorsieht . Dies gibt Anlass, Ursprung und Zweck des vertraglich vereinbarten Deckungsausschlusses näher zu beleuchten. 2.7 Zur Entstehungsgeschi chte und zum Verständnis der Wahrscheinlic h- keitsklausel äussert sich insbesondere Scha er (Modernes Versicherungsrecht, Bern 2007, S. 533 f.) . Er weist darauf hin, dass nach dem Erscheinen des Kom-- 15 - mentars von Roelli/Keller ( Kommentar zum schweizerischen Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, Bern 1968) von den Haftpflichtversicherern die Klausel "mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartende Schäden" im Bedingungswerk auf- genommen wurde, und zwar deshalb, weil die schweizerische Lehre die Auffas- sung zu vertreten scheine, dass der Eventualvorsatz der Grobfahrlässigkeit (Art. 14 Abs. 2 VVG) und nicht der Absicht (Art. 14 Abs. 1 VVG) zuzuordnen sei. Auch andere Autoren erwähnen den Konnex zwischen der Zuweisung des Even- tualvorsatzes zur Grobfahrläss igkeit durch die herrschende Lehre einerseits und der Aufnahme des Haftungsausschlusses der "hohen Wahrscheinlichkeit" in die AVB andererseits ( E._____, Die schuldhafte Herbeiführung des Versicherungs- falls, Zürich 1999, S. 46). Die "hohe Wahrscheinlichkeit" (frz. degré élevé de pr o- babilité) ist für Schaer "alles andere als klar". Er legt aber überzeugend dar, dass die "hohe Wahrscheinlichkeit" bzw. "das in Kauf nehmen" nicht im Sinne einer ob- jektiven Wertung, sondern im Sinne des subjektiv verstandenen dolus ev entualis konkretisiert werden muss , und kommt zum Ergebnis, dass der Ausschluss "mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartende Schäden" sich mit der eventualvorsätzl i- chen Herbeiführung des Versicherungsfal les deckt . Eine Auslegung der Aus- schlussklausel im Lichte von Art. 14 VVG und ein subjektives Verschuldensel e- ment habe – so Schaer w eiter – auch das Bundesgericht in seinem Urteil vom 11. Dezember 2001 (BGer 4C.314/1992) gefordert, weshalb Unfälle auf einer we- gen eines besonderen Belags glitschigen Strass e nicht mit hoher Wahrscheinlich- keit erwartet oder in Kauf genommen sei en. Im gleichen Sinn äussert sich Fel l- mann, der im Zusammenhang mit einer eventualvorsätzlichen Herbeiführung des Versicherungsfalls auf den in den AVB stets enthaltenen Deckungsausschluss der "hohen Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts" verweist (a.a.O., N 1719 und N 1646 f.). 2.8 Dieses Auslegungsergebnis hilft der Klägerin allerdings nicht weiter. Auf subjektiver Seite macht die Klägerin berufungsweise nämlich einzig geltend, Rechtsanwalt Z._____ sei zufolge beeinträchtigter Urteils fähigkeit anfangs Juni 2009 nicht mehr (voll) handlungsfähig gewesen (Urk. 97 S. 5 f.; zu diesem Ein- wand unten E. 4). Das vor instanzliche Verdikt, dass Rechtsanwalt Z._____ (bei gegebener Urteilsfähigkeit) eine unsorgfältige Mandatsführung, insbesondere - 16 - Fristversäumnisse, geradezu in Kauf nahm und ein durch sein Verhalten verur- sachter Schadenseintritt mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet werden musste (Urk. 98 S. 26), beanstandet die Klägerin demgegenüber nicht. 3.1 Die Klägerin argumentiert, im Zusammenhang mit der Unklarheitsregel sei auch nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz ohne Kenntnis der eigentl i- chen Police, die nicht im Recht liege, dazu gelangt sei, überhaupt ein Urteil zu fäl- len. Korrekterweise hätte sie in Wahrnehmung der Fragepflicht die Beklagte auf- fordern müssen, die Police nachzureichen. Dabei wäre die Tatsache zu würdigen, dass die Police selbst den Deckungsausschluss ni cht enthalte. Jedenfalls sei die Beklagte aber ihrer Substantiierungspflicht nicht nachgekommen, weil sie es – wohl in der Absicht, von nicht geklärten Verhältnissen zu profitieren – unterlassen habe, das Versicherungsverhältnis korrekt zu dokumentieren (Urk. 97 S. 4 f.). 3.2 Zu Recht wendet die Beklagte ein, die Klägerin habe mit der Klageschrift die Allgemeinen Vertragsbedingungen zur Police Nr. 9.414.922 (Urk. 5/2) einge- reicht und diese Beweisurkunde als Versicherungspolice ("Police « B._____» Nr. 9.414.922") bezeichnet (Urk. 2 S. 2). Richtig ist auch der Hinweis , "der streit- gegenständliche Wortlaut des Deckungsausschlusses" sei zwischen den Parteien unbestritten geblieben (Urk. 106 S. 5). Die Klägeri n erwähnte in der Klageschrift ausdrücklich den "Deckungsausschluss in Ziff. 2- 10 der vorliegenden Police" und meinte damit den in den AVB i n Ziff. 2 Abs. 10 enthaltenen Deckungsausschluss (Urk. 2 S. 19 Ziff. 57). Die Klägerin zeigt nicht auf, dass sie sich vor Vorinstanz erstens auf das Fehlen der eigentlichen Versicherungspolice berief (und einen entsprechenden Editionsantrag stellte) und zweitens geltend machte, die Police enthalte den Deckungsausschluss nicht . Vielmehr ging sie von der Geltung der AVB und deren Ziff. 2 Abs. 10 aus. Die Klägerin tut auch ni cht dar, weshalb der Deckungsausschluss zwingend in der Police selbst enthalten sein muss. Die Poli- ce hat zwar die Rechte und Pflichten der Parteien festzustellen (Art. 11 VVG). Es ist aber nicht notwendig, dass in der Police auch die AVB wiedergegeben werden; es genügt der Hinweis in der Police, dass dem Versicherungsnehmer die AVB übergeben worden sind (BSK VVG -Hasenböhler, Art. 11 N 24). Wie gesagt, ging die Klägerin selbst von der Geltung der von ihr eingereichten AVB (Urk. 5/2) aus. - 17 - Eine Verletzung der gerichtlichen Fragepflicht oder der Substantiierungspflicht ist nicht ersichtlich. 4.1 Die Klägerin wirft der Vorinstanz eine Verweigerung des rechtlichen G e- hörs vor, weil diese ohne Abnahme der von ihr offerierten Beweise von einer vol- len Urteilsfähigkeit Re chtsanwalt Z._____s ausging. Die Klägerin habe in der Replik ausgeführt, dass es nach Übernahme des Mandates zu einer fortschrei- tenden Verschlechterung des Gesundhe itszustandes gekommen und Rechtsan- walt Z._____ als Folge dieser Verschlechterung "bezüglich Nichteinhalten der Notfrist am 3. Juni 2009" nicht mehr handlungsfähig gewesen sei (mit Verweis auf Urk. 59 S. 6). Es erscheine absurd, wenn die Vorinstanz aus dem Umstand, dass Rechtsanwalt Z._____ noch in der Lage gewesen sei, Fristerstreckungsgesuche zu stellen oder die Post abzuholen, mit Bezug auf die anwaltliche Tätigkeit wie das Abfassen einer Rechtsschrift auf volle Urteilsfähigkeit schliesse . Deshalb machten die Beweisanträge auf Einvernahme von Dr. E._____ und Dr. F._____ Sinn. Der Bericht von Dr. E._____ (Urk. 5/67) belege eine "eindrückliche Leidens- geschichte" mit einem letztlich letalen Verlauf, auch wenn eine Diagnose darin nicht gestellt werde. Die Annahme einer vollen Urteils- und Handlungsfähigkeit bei Entgegennahme der Verfügung vom 26. Mai 2009 und die Nichtabnahme anerbo- tener Beweismittel durch das Gericht könnten nicht nachvollzogen werden. In der Replik sei zu Recht eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes behauptet und neben den genannten Zeugen die Einholung e ines ärztlichen Gut- achtens beantragt wor den. Gerade mit Blick auf die gesundheitliche Verfassung zu Beginn des Monates Juni 2009 erscheine die Einvernahme von Dr. E._____ als geboten. Faktisch liege eine unzulässige antizipierte Beweiswürdigung vor, i n- dem die Vorinstanz sich vom Gedanken leiten lasse, die angerufenen Zeugen könnten nichts zur Klärung des Sachverhaltes beitragen. Dr. F._____ habe den Patienten während eines Spitalaufenthaltes täglich betreut und sei damit in der Lage, auch die mentale Verfas sung des Patienten, namentlich dessen Denkver- mögen zu beurteilen. Dr. E._____ habe die massgebenden medizinischen Akten einsehen können und sei aufgrund seiner klinischen Erfahrung in der Lage, er- gänzende Fragen zum Verlauf (wie in der Replik vorgetragen) zu beantworten (Urk. 97 S. 5 f.). - 18 - 4.2 In der Klageschrift stellte sich die Klägerin auf den Standpunkt, für die Zeit nach seiner letzten Spitalentlassung (28. Mai 2009) könne Rechtsanwalt Z._____ vor dem Hintergrund seines damaligen gesundheitlichen Zustands kein Verschulden zugerechnet werden (Urk. 2 S. 18 Ziff. 54, S. 19 Ziff. 56). In der Rep- lik präzisierte die Klägerin, Rechtsanwalt Z._____ sei "bezüglich Nichteinhalten der Notfrist am 3. Juni 2009 nicht mehr handlungsfähig gewesen", doch müsse das Verhalten Rechtsanwalt Z._____s als Übernahmeverschulden im Sinne einer gewöhnlichen Fahrlässigkeit gewertet werden (Urk. 59 S. 5 Ziff. 11, S. 6 Ziff. 14, S. 18 Ziff. 26). Die Vorinstanz befand, die Leistungspflicht der Beklagten setze voraus, dass der Versicherungsnehmer haftbar sei, was sein Verschulden in ob- jektiver und subjek tiver Hinsicht voraussetze. Die subjektive Seite bestehe in der "Vorwerfbarkeit des schuldnerischen Verhaltens, konkretisiert unter dem G e- sichtspunkt der Zurechnungs- bzw. Urteilsfähigkeit" (Urk. 98 S. 18 mit Verweis auf BK-Weber, Art. 99 OR N 31 ff. ). In der Folge kam sie zum Schluss, dass die U r- teilsfähigkeit Rechtsanwalt Z._____s im Zeitpunkt, in dem er die Klageantwort hätte einreichen müssen, zu bejahen sei (Urk. 98 S. 18 bis S. 25). Ein relevantes Übernahmeverschulden verneinte sie mit dem Argument, der Zeitpunkt der Man- datsübernahme sei nicht relevant (Urk. 98 S. 27). 4.3 Vor diesem Hintergrund ist unklar, worauf die Klägerin hinaus will, wenn sie beanstandet, Rechtsanwalt Z._____ müsse im Zeitpunkt, als i hm die Fristen zur Erstattung der Klageantwort angesetzt wurden, (allenfalls) als urteilsunfähig betrachtet werden. Die vorinstanzliche Erwägung, dass bei fehlender Urteilsfähi g- keit keine Haftung des Anwalts und damit keine Haftung der Beklagten bestünde, stellt sie nicht in Frage. Die Klägerin zeigt mit anderen Worten nicht auf, zu wel- chem für sie positiven Ergebnis die Abnahme weiterer Beweismittel und die Ver- neinung der Urteils- bzw. Schuldfähigkeit von Rechtsanwalt Z._____ führen wür- de. Die Rüge n der Verweiger ung des rechtlichen Gehörs und der unzulässigen antizipierten Beweiswürdigung gehen deshalb fehl. 4.4 Erlaubt eine Ausnahmesituation dem Anwalt die Wahrung der objektiv gebotenen Sorgfalt nicht – so z.B. wenn ein Unfall oder eine Krankheit den Anwalt vorübergehend ausser Gefecht setzt – , stellte sich unweigerlich die Frage, inwie-- 19 - weit der Anwalt solchen Umständen durch geeignete organisatorische Vorkehren, bspw. durch eine vorsorgliche Bestellung einer Vertretung oder konkreter Hand- lungsanweisungen an das Personal Rechnung tragen muss. Wird eine solche Pflicht bejaht, z ieht das Unterlassen solcher Vorsichtsmassnahmen den Ver- schuldensvorwurf nach sic h (Walter/Schmid, Unsorgfältige Führung eines A n- waltsmandats – Anwaltshaftung, in: Weber/Münch [Hrsg.], Haftung und Versiche- rung, 2. Aufl., Basel 2015, § 20 Rz 20.65). Die Vorinstanz stellte in dieser Hinsicht fest, indem Rechtsanwalt Z._____ im Wissen um seine gesundheitliche Beei n- trächtigung und die damit verbundenen Spitalaufenthalte keinerlei organisator i- sche Massnahmen getroffen habe, damit auch in einer allfälligen Abwesenheit die laufenden Fristen gewahrt würden, habe er eine unsorgfältige Mandatsführung, insbesondere allfällige Fristversäumnisse geradezu in Kauf genommen, weshalb ein durch sein Verhalten verursachter Schadenseintritt mit hoher Wahrscheinlic h- keit erwartet werden musste (Urk. 98 S. 26). Gegen diese Würdigung wendet sich die Klägerin nicht, weshalb es auch aus diesem Grund beim Deckungsausschluss bleibt. 5. Weitere Beanstandungen trägt die Klägerin nicht vor. Die Berufung ist ab- zuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätigen. IV. Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kosten- und En t- schädigungsregelung zu bestätigen. Die Gerichtskosten sind auch für das zwei t- instanzliche Verfahren der Klägerin aufzuerlegen. Ausserdem hat sie die Beklagte für das zweitinstanzliche Verfahren mit Fr. 2'500. – (inkl. Mehrwertsteuer) zu ent- schädigen (Art. 106 Abs. 1, Art. 111 Abs. 1 und 2 ZPO; § 4 in Verbindung mit § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV). - 20 - Es wird erkannt: 1. Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abt., vom 11. Mai 2018 wird bestätigt. 2. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf Fr. 5'500.– festgesetzt. 3. Die Gerichtskosten für das zweitinstanzliche Verfahren werden der Klägerin auferlegt und mit ihrem Kostenvorschuss verrechnet. 4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten für das zweitinstanzliche Ver- fahren eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.– zu bezahlen. 5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Vorinstanz, je gegen Empfangsschein. Nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist gehen die erstinstanzlichen Akten an die Vorinstanz zurück. 6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine vermögensrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert beträgt Fr. 49'423.35. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG. - 21 - Zürich, 12. April 2019 Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Die Vorsitzende: Dr. L. Hunziker Schnider Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. M. Reuss Valentini versandt am: am