Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. Februar 2018 (730 17 306 / 56) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Übernahme der Kosten von Spitex-Leistungen. Die str eitige Frage, ob die Beschwerde- gegnerin berechtigt war, die Leistungen auf die Höh e der Pflegeheimtaxen zu kürzen, kann aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht rechtsgenüglich beantwortet werden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch B.____ , Beistand, gegen Easy Sana Krankenversicherung AG , Rechtsdienst , Rue des Cèdres 5, Postfach, 1919 Martigny, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1922 geborene A.____ ist bei der Easy Sana K rankenversicherung AG (Easy Sana) obligatorisch krankenpflegeversichert. Seit März 2013 erbringt die Easy Sana Leistungen für die Pflege zu Hause (Spitex). Am 27. Januar 2016 kündigte sie an, dass sie ab 1. April 2016 für die Hauspflege lediglich noch Kosten in der Höhe von Fr . 81.-- pro Tag, entsprechend den Kosten eines Pflegeheimaufenthalts (gemäss RAI Stufe PE1), übernehmen werde. Daran hielt sie mit Verfügung vom 20. Juni 2017 und Einspracheentscheid vom 29. August 2017 fest. Zur Begrün- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung brachte sie im Wesentlichen vor, dass zwischen den Koste n für die Pflege zu Hause und denjenigen bei einem Aufenthalt in einem Pflegeheim ein grobes Missverhältnis bestünde. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch ihren Beist and B.____, am 18. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der B eschwerde sei der Einspracheentscheid vom 29. August 2017 aufzuheben und die Beschwerdegegne rin unter o/e-Kostenfolge zu ver- pflichten, über den 1. April 2016 hinaus sämtliche Sp itex-Kosten zum bisherigen Tarif zu über- nehmen. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen gelt end, dass die Pflege zu Hause wirk- samer und zweckmässiger sei als in einem Pflegeheim. C. Mit Vernehmlassung vom 11. Dezember 2017 schloss die Easy Sana auf Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 17. Januar 2018 / Duplik vom 6. Februar 2018) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 KVG auf die Kr ankenversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Krankenversicherer beim zu ständigen kantonalen Versiche- rungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versiche- rungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhe- bung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend hat die Beschwerdef ührerin ihren Wohnsitz in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel -Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ge- richtliche Instanz des Kantons Beschwerden aus dem Bereich d er Krankenversicherung. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Besc hwerden zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 18. September 2017 ist einzutre- ten. 2.1 Die Beschwerdeführerin bringt zunächst in formelle r Hinsicht vor, dass sich die Be- schwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid mi t ihren einspracheweise erhobe- nen Einwänden nicht auseinandergesetzt habe. Die Besch werdeführerin rügt damit eine Verlet- zung der Begründungspflicht und somit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Sollte sich die- se Rüge als begründet erweisen, kann dies zur Aufhebung d es angefochtenen Entscheides führen, ohne dass die Angelegenheit materiell geprüft würde. Die betreffenden Einwände sind deshalb vorab zu prüfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift (BGE 132 V 370 E. 3.1 mit zahlreichen Hinw eisen). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt das rechtliche Gehör, dass die Behörde die Vorbringen der vom Ent- scheid betroffenen Person auch tatsächlich hört, ernsth aft prüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt (BGE 136 I 188 E. 2.2.1 mit Hi nweis). In Konkretisierung dieses verfassungsrechtlichen Gehörsanspruchs statuiert Art. 52 Abs. 2 ATSG die Pflicht der Versiche- rungsträger, ihre Einspracheentscheide zu begründen. Zu r Frage, welche Begründungsdichte der Entscheid aufweisen muss, äussert sich die genannte Bestimmung nicht. Diesbezüglich ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, w onach die Begründung so abge- fasst sein muss, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfech- ten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroff ene Person als auch die Rechtsmittel- instanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild m achen können. Zu diesem Zweck müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die s bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinan- dersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Ent scheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124 V 181 E. 1 mit Hinweisen; vgl. auch 136 I 188 E. 2.2.1). 2.3 Es trifft zu, dass die Vorinstanz den angefochtenen Einspracheentscheid eher knapp begründete und sich mit einzelnen Vorbringen der Beschw erdeführerin nicht explizit auseinan- dersetzte. Auch wenn die Begründungsdichte des Entscheids am unteren Rand des (noch) Ver- tretbaren und Zulässigen liegt, war die Beschwerdeführe rin aber aufgrund der Ausführungen der Beschwerdegegnerin dennoch in der Lage, die gelt end gemachte Kürzung der bisher aus- gerichteten Spitex-Leistungen auf die Höhe der Pflegeh eimtaxen, sachgerecht anzufechten. Ihrem Einwand, wonach die Vorinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid ihre Begrün- dungspflicht verletzt habe, kann daher im Ergebnis nicht beigepflichtet werden. Ob der Argu- mentation der Beschwerdegegnerin und den daraus gezoge nen Schlüssen auch inhaltlich ge- folgt werden kann, ist eine Frage, auf die nachfolgen d im Rahmen der materiellen Beurteilung der Beschwerde einzugehen sein wird. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist die Verpflichtu ng der Beschwerdegegnerin zur Kos- tenvergütung der nach ärztlicher Anordnung erfolgten Spitex-Leistungen und damit zusammen- hängend die Frage, ob die Beschwerdegegnerin berechti gt war, die Leistungen mit Wirkung ab 1. April 2016 auf die Höhe der Pflegeheimtaxen zu kürzen. 4.1 Nach Art. 24 KVG übernimmt die obligatorische Kran kenpflegeversicherung die Kosten für die Leistungen gemäss den Art. 25-31 nach Massgabe de r in den Art. 32-34 KVG festgeleg- ten Voraussetzungen. Die Leistungen umfassen unter andere m Untersuchungen, Behandlun- gen und Pflegemassnahmen, die ambulant, bei Hausbesu chen, stationär, teilstationär oder in einem Pflegeheim durch Personen durchgeführt werden, d ie auf Anordnung oder im Auftrag eines Arztes oder einer Ärztin Leistungen erbringen (Ar t. 25 Abs. 2 lit. a Ziff. 3 KVG in der bis Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 31. Dezember 2010 geltenden und vorliegend aufgrund der kantonalen Übergangsfrist an- wendbaren Fassung, vgl. Art. 25 Abs. 2 lit. a und Art. 25a Abs. 1 KVG in der seit 1. Januar 2011 geltenden Fassung). 4.2 Bei Aufenthalt in einem Pflegeheim (Art. 39 Abs . 3 KVG) vergütet der Versicherer ge- mäss Art. 50 KVG die gleichen Leistungen wie bei ambul anter Krankenpflege nach Art. 25a KVG. In Art. 7 KLV wird der Leistungsbereich bei Kra nkenpflege zu Hause, ambulant oder im Pflegeheim näher bestimmt. Die Revision der Pflegefina nzierung hat die Art der versicherten Leistungen nicht geändert, sondern bloss den Kostentragu ngsmodus (Urteil des Bundesge- richts vom 21. September 2012, 9C_940/2011, E. 2.1). G emäss Art. 7 Abs. 1 KLV gelten als Pflegeleistungen die Untersuchungen, Behandlungen un d Pflegemassnahmen, die aufgrund der Bedarfsabklärung auf ärztliche Anordnung hin oder im ärztlichen Auftrag unter anderem von Pflegefachfrauen und Pflegefachmännern oder Organisa tionen der Krankenpflege und Hilfe zu Hause erbracht werden. Gemäss Art. 7 Abs. 2 KLV umfassen die Leistungen im Sinne von Art. 7 Abs. 1 KLV Massnahmen der Abklärung, Beratung un d Koordination (lit. a), der Untersu- chung und Behandlung (lit. b) sowie der Grundpflege (lit. c). 4.3 Als allgemeine Voraussetzung für die Leistungspflich t aus der obligatorischen Kranken- pflegeversicherung verlangt Art. 32 Abs. 1 KVG, dass die Leistungen nach Art. 25-31 KVG wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind. Zweckmässigkeit und Wirksamkeit der Leistung setzen voraus, dass die angeordnete Massnahme geeignet ist, das angestrebte Ziel, in casu die Pflege der Beschwerdeführerin, zu erreichen (Kranken- und Unfallversicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a). Diese Frage beurteilt sich primär nach medizinischen Gesichtspunkten; persönliche Umstände (z.B. Familie, Erwerbstätigkeit, gesellschaftliche, soziale und politisch e Aktivitäten) sind indessen mit zu be- rücksichtigen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgeric hts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 2. Dezember 2003, K 33/02, E. 2.1; RKUV 2001 Nr. KV 144 S. 26 E. 3b). Das Gebot der Wirtschaftlichkeit besagt, dass die Krankenversicherer die Leistun- gen auf das Mass zu beschränken haben, das im Interesse des V ersicherten liegt und für den Behandlungszweck erforderlich ist (Art. 56 Abs. 1 KVG). Demnach haben sie dort, wo gleichzei- tig mehrere Massnahmen als wirksam und zweckmässig zu qualifizieren sind, grundsätzlich nur für die kostengünstigere dieser Massnahmen aufzukommen (vg l. RKUV 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a). 4.4 Nach der in BGE 126 V 334 ff. ausführlich dargele gten Rechtsprechung bedeutet das Gebot der Wirtschaftlichkeit der Behandlung nicht, dass die Krankenversicherer befugt sind, die Vergütung der Spitex-Dienste stets auf jene Leistungen zu beschränken, die sie bei Aufenthalt in einem Pflegeheim zu gewähren hätten. Die Beurteil ung der Wirtschaftlichkeit darf nicht an- hand einer strikten Gegenüberstellung der dem Krankenversicherer entstehenden Kosten eines Spitex-Einsatzes einerseits und eines Pflegeheimaufentha lts andererseits erfolgen. Wenn aber – bei gleicher Zweckmässigkeit der Massnahmen – zwischen den Kosten eines Spitex- Einsatzes und denjenigen des Aufenthalts in einem Pflege heim ein grobes Missverhältnis be- steht, kann der Spitex-Einsatz auch unter Berücksichtigung der berechtigten Interessen der versicherten Person nicht mehr als wirtschaftlich angesehe n werden. Dies hat auch dann zu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelten, wenn der Spitex-Einsatz im konkreten Fall als zwe ckmässiger und wirksamer zu be- trachten ist als ein an sich ebenfalls zweckmässiger und wirksam er Heimaufenthalt (BGE 126 V 338 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2012, 9C_940/2011, E. 2.3). 5.1 Gemäss dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Unte rsuchungsgrundsatz (vgl. Art. 43 ATSG) hat die verfügende Behörde bzw. das Ger icht die Abklärung des Sachverhalts von Amtes wegen vorzunehmen. Danach haben sowohl der Sozialversicherungsträger als auch das Sozialversicherungsgericht von sich aus, ohne Bindung an die Parteibegehren, für die rich- tige und vollständige Feststellung des Sachverhaltes zu so rgen. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungspflicht begriffsnotwendig aus. Im Sozial- versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Reg el eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten j ener Partei ausfällt, die aus dem un- bewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Nach der Praxis des EVG liegt die Be- weislast bei anspruchsbegründenden Tatfragen demzufolge bei der Partei, welche den An- spruch geltend macht. Bei anspruchsaufhebenden Tatfragen liegt sie bei der Partei, welche sich auf das Dahinfallen des Anspruches beruft (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Februar 2014, 8C_653/2013, E. 4.1 mit Hinweis auf RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). Diese Beweis- regeln kommen allerdings erst dann zur Anwendung, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Be weiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinl ichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (vgl. BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 5.2 Dem Kantonsgericht kommt in Sozialversicherungssachen ei ne vollständige Überprü- fungsbefugnis zu. Es ist in der Beweiswürdigung frei (vg l. § 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung al s verfügende Instanz und – im Beschwer- defall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur d ann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 135 f.). Im Sozialversicherungsr echt hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmeh r jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 6. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls sind im W esentlichen die folgenden Unterla- gen zu berücksichtigen: 6.1 Die behandelnde Ärztin, Dr. med. C.____, FMH All gemeine Innere Medizin, verordnete am 12. Oktober 2015 für die Zeit ab 19. September 2015 für die Behandlungspflege (Art. 7 Abs. 2b KLV) und für die Grundpflege (Art. 7 Abs. 2c KLV) je 182 Stunden pro Quartal. Auf Anfrage der Krankenversicherung hielt sie am 16. November 2015 fest, dass die Versicherte ein COPD mit massiven Hustenattacken, eine Herzinsuffizienz, eine H ypertonie, eine schwere Osteoporo- se, einen Zustand nach Frakturen an der Brust- und H alswirbelsäule (BSW, HWS) und eine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Makuladegeneration beidseits aufweise. Die Dauer des P flegeaufwandes sei unbeschränkt. Eine Verlegung in ein Pflegeheim sei nicht vorgesehen. Die Frage nach der sozialen Situation der Versicherten blieb unbeantwortet. Eine weitere är ztliche Verordnung von insgesamt 367 Stunden KVG-Pflichtleistungen pro Quartal erfolgte am 15. Dezember 2015. 6.2 Am 16. Dezember 2015 hielt die Spitex Organisati on C.____ fest, dass die Versicherte sehr stark auf Hilfe angewiesen sei. Sie gerate bereit s bei kleinsten Anstrengungen in Atemnot. Sie benötige in erster Linie Unterstützung beim Aufste hen und bei der Morgentoilette. Nachmit- tags könne sie sich zwar langsam aber alleine in der Woh nung bewegen. Wegen ihrer Sehbe- hinderung müsse sie sich durch die Wohnung tasten. Der Versicherten müssten dreimal täglich die Medikamente abgegeben und zudem täglich die Füsse eingerieben werden. Die Versicherte brauche sehr viel Aufmerksamkeit und wegen der Atembesch werden gehe alles sehr langsam. Der beigelegten standardisierten undatierten „Hilfe- und Pflegeplanung“ zufolge benötigt die Versicherte pro Woche 7,08 Stunden Behandlungs- und 13,58 Stunden Grundpflege. 7.1 Aufgrund der eingereichten Pflegeunterlagen und der aktenkundigen Spitex- Leistungsabrechnungen für die Monate April 2016 bis November 2016 ist zwar davon auszuge- hen, dass die betagte Beschwerdeführerin aufgrund ihre r körperlichen Beschwerden beinahe in sämtlichen Lebensbereichen einen erheblichen Pflege- u nd Betreuungsaufwand erfordert. Der in den Pflegebedarfsabklärungen vom 19. September 2015 und 19. Dezember 2015 verordnete Bedarf von 367 Stunden KVG-Pflichtleistungen pro Quart al ist aber weder medizinisch näher umschrieben noch kann er aufgrund der „Hilfe- und Pfleg eplanung“ noch aufgrund der akten- kundigen Leistungsabrechnungen nachvollzogen werden. D azu kommt, dass die ärztlich ver- ordneten – für die Bemessung der Wirtschaftlichkeit mas sgebenden – KVG-Pflichtleistungen offenbar im Widerspruch stehen zur (von der Beschwerdege gnerin mehrfach erwähnten, indes nicht aktenkundigen) Beurteilung des Vertrauensarztes Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Inne- re Medizin, wonach die Versicherte praktisch eine 24-Stunden-Betreuung benötige, was weitere Zweifel am Umfang der in den Pflegebedarfsabklärunge n vom 19. September 2015 und 19. Dezember 2016 verordneten Leistungen aufkommen lä sst. Im Übrigen bringt auch die Be- schwerdeführerin selbst vor, dass sie rund um die Uhr betreut werden müsse und eine äusserst intensive Pflege benötige. Vor diesem Hintergrund vermi tteln die genannten Pflegebedarfsab- klärungen kein hinreichendes und nachvollziehbares Bild über den aus ärztlicher Sicht benötig- ten Pflegebedarf, weshalb sie keine geeigneten Entschei dgrundlagen sind. Damit fehlt es an verlässlichen ärztlichen Angaben für den Vergleich der Pfl egekosten für die Pflegegruppe zu Hause und die Pflegekosten gemäss Einteilung in eine Pflegegruppe im Heim. 7.2 Zudem lassen vorliegende Unterlagen keine abschlie ssende Prüfung der Zweckmässig- keit und Wirksamkeit der Massnahme (vgl. E. 4.3 hiervor) zu . Die von der Beschwerdegegnerin aufgestellte Behauptung, wonach die Beschwerdeführerin alleinstehend sei und ihren Angaben zufolge mehrheitlich nur noch durch den Kontakt mit ih rer Spitex-Betreuerin am sozialen Leben teilnehme, findet in den Akten keine verlässliche Stütze. Zudem genügt es für die Beurteilung der Teilnahme der Versicherten am sozialen und familiären Leben nicht, einzig auf die Angaben der Beschwerdeführerin abzustellen. Da sich die Frage n ach der Wirksamkeit und Zweckmäs- sigkeit der Massnahme primär nach medizinischen Gesichtspun kten beurteilt, hätte die Be- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdegegnerin vielmehr weitere ärztliche Abklärungen vornehmen und dabei prüfen müs- sen, ob medizinische Gründe gegen einen Pflegeheimaufe nthalt sprächen und dabei insbeson- dere auch, ob – wie die Beschwerdeführerin geltend ma cht – bei einem Pflegeheimeintritt eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes droht, d enn eine solche gilt gemäss Rechtsprechung als Grund, der die Spitex-Pflege als (le icht) wirksamer und zweckmässiger erscheinen lässt (Urteil des EVG vom 2. Dezember 2003, K 3 3/02, E. 2.1, RKUV 2001 Nr. KV 162 S. 182 f. E. 3, Urteil des EVG vom 13. September 2001, K 201/00, E. 3b). 8. Nach dem Gesagten kann aufgrund der bisherigen Abkl ärungen und vorliegenden Un- terlagen die streitige Frage, ob die Beschwerdegegnerin berechtigt war, die Leistungen mit Wir- kung ab 1. April 2016 auf die Höhe der Pflegeheimtaxe n zu kürzen, nicht rechtsgenüglich be- antwortet werden. Die Vorinstanz hätte bei dieser Sa chlage zwingend weitere Abklärungen so- wohl bezüglich des konkreten Spitex-Pflegebedarfs der Beschw erdeführerin als auch in Bezug auf die Zweckmässigkeit und Wirksamkeit der Massnahme vorne hmen müssen. Indem sie dies unterliess, verletzte sie den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 ATSG). Die Beschwerdegegnerin wird deshalb angehalten, die für die Beurteilung de r vorliegenden Streitsache erforderlichen Abklärungen vorzunehmen. Gestützt auf die Ergebnisse der Aktenergänzung wird die Vor- instanz anschliessend über den Leistungsanspruch der Versiche rten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren v or dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 9.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu versteh en, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwalts entstanden sind (vgl. § 4 des Anwaltsg esetzes Basel-Landschaft vom 25. Oktober 2001). Vorliegend hat die Beschwerdeführe rin zwar obsiegt. Da sie sich jedoch nicht anwaltlich hat vertreten lassen, entfällt ein An spruch auf Ersatz der Parteikosten im Sinne der genannten Bestimmung. Die ausserordentlichen Koste n des Verfahrens sind demnach wettzuschlagen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zustä ndigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffe ntlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit ode r Kosten für ein weitläufiges Beweisver- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). N ach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an de n Versicherungsträger zur Ak- tenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 29. August 2017 aufgehoben u nd die Angelegenheit zur Vornahme der erforderlichen Abkläru ngen im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht