B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6117/2012 U r t e i l v o m 1 5 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Jean-Pierre Monnet, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. November 2012 / N (…). D-6117/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein ethnischer Tamile mit sri -lankischer Staats- angehörigkeit – gelangte am 10. März 2009 in die Schweiz, wo er am selben Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte. B. Der Beschwerdeführer wurde am 23. März 2009 zu seiner Person und summarisch zu seinem Reiseweg sowie seinen Fluchtgründen befragt. Eine eingehende Anhörung zu den Asylgründen fand am 31. März 2009 und am 26. Juli 2010 statt. C. Mit Entscheid vom 27. April 2012 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, unter Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz sowie des Vollzugs. Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2839/2012 vom 1. Juni 2012 abgewiesen. D. Der neu mandatierte Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 16. Oktober 2012 ein e als zweites Asylgesuch sowie ergänzendes Wi e- dererwägungsgesuch bezeichnete Eingabe ein. Darin wurde geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer als tamilischer abgewiesener Asylbewerber in Sri Lanka einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt sei. Überdies leide er an einer posttraumatischen Belastung s- störung (PTBS), so dass der Beschwerdeführer zumindest wiedererwä- gungsweise vorläufig aufzunehmen sei. Als Beweismittel wurden diverse Berichte und Zeitungsartikel eingereicht, auf welche – soweit für diesen Entscheid wesentlich – in den Erwägu n- gen eingegangen wird. Als Beleg für die psychischen Beschwerden wu r- de ein Arztbericht eingereicht. E. Das BFM nahm die Eingabe als zweites Asylgesuch entgegen. Mit Verfü- gung vom 9. November 2012 (Eröffnung am 20. November 2012) trat das D-6117/2012 Seite 3 Bundesamt auf dieses Gesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. F. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Recht s- vertreters vom 27. November 2012 beim Bundesverwal tungsgericht an. Dabei beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und das BFM anzuweisen, auf das Asylgesuch vom 16. Oktober 2012 einzutreten. Subeventualiter seien die Dispositiv- ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Unz u- lässigkeit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzuste l- len. Für den Fall des Obsiegens sei dem Rechtsvertreter eine angeme s- sene Frist zur E inreichung einer Kostennote zu gewähren . Schliesslich sei dem Beschwerdeführer die Besetzung des Spruchkörpers mitzuteilen. Als Beweismittel wurde ein Arztbericht sowie drei Internetartikel eing e- reicht, auf welche – soweit wesentlich – in den Erwägungen eingegangen wird. G. Die vorinstanzlichen Akten trafen am 30. November 2012 beim Bunde s- verwaltungsgericht ein (Art. 109 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). H. Mit Eingabe vom 3. Dezember 2012 beantragte der Beschwerdeführer, die vorliegende Beschwerde in 5er -, eventuell 3er -Besetzung zu beurte i- len. I. Am 12. Dezember 2012 machte der Beschwerdeführer kürzlich ergang e- ne Drohungen geltend und beantragte eine Fristansetzung zur Beibri n- gung diesbezüglicher Beweise. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden D-6117/2012 Seite 4 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht i st daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det in diesem Bereich in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsges etzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif- tenwechsel verzichtet. 2.2 Das Ersuchen um Mitteilung, welcher Bundesverwaltungsrichter oder welche Bundesverw altungsrichterin und welcher Gerichtsschreiber oder welche Gerichtsschreiberin mit der Instruktion im vorliegenden Verfahren betraut ist, wird mit Zustellung dieses Entscheides hinfällig. 2.3 Auf den Antrag, über die vorliegende Beschwerde in 5er - respektive 3er-Besetzung zu entscheiden, wird mangels Antragsberechtigung nicht eingetreten. 2.4 Unter Hinweis auf die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG und in Anbetracht des seit Geltendmachung der angeblichen Drohungen ve r- gangenen Zeitraums kann auf die Ansetzung einer Frist zur Einreichung diesbezüglicher Beweismittel verzichtet werden. D-6117/2012 Seite 5 3. 3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprü fen (Art. 32 – 35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer - deinstanz im Asylpunkt grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5 S. 116). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer hat in der Schweiz unbestrittenermassen b e- reits ein Asylverfah ren durchlaufen und ist nach d essen Abschluss nicht ins Heimatland zurückgekehrt, so dass die formellen Voraussetzungen von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG grundsätzlich erfüllt sind. 4.2 Als Nächstes ist in Anwendung dieser Gesetzesbestim mung summa- risch zu prüfen, ob Hinweise auf zwi schenzeitlich eingetretene Ereignisse vorliegen, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung des vorü bergehenden Schutzes relevant sind. 4.3 Bei der Prüfung, ob Hinweise auf Ereignisse vorliegen, welche geei g- net sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, ist vom engen Verfo l- gungsbegriff im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen. Gleichzeitig gelangt ein gegenüber der Glaubhaftmachung reduzierter Beweismassstab zur Anwendung: Es reicht aus, wenn sich Hinweise auf eine relevan te Verfol- gung ergeben, welche nicht von vornherein haltlos sind (vgl. BVGE 2009/53 E. 4.2 S. 769, mit weiteren Hinweisen). 4.4 Der Beschwerdeführer machte in seinem Gesuch geltend, dass er als junger abgewiesener Asylbewerber tamilischer Ethnie, dem eine Rüc k- schaffung aus einem europäischen Zentrum der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) drohe, in seiner Heimat gefährdet sei. Im Februar und März 2012 habe Grossbritannien abgewiesene Asylbewerber nach Sri Lanka zurückgeschafft. Viele davon seien verhaftet, v erhört und gefoltert wo r- den. Einige davon seien in Polizeigewahrsam verschwunden. Am 31. Mai 2012 habe das oberste Gericht Grossbritanniens in letzter Minute einen Rückführungsstopp von 40 abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden D-6117/2012 Seite 6 verfügt. Im September 2012 h ätten erneut Rückschaffungen stattgefu n- den. Das Schicksal dieser Tamilen sei jedoch noch nicht bekannt , es be- stünden aber Befürchtungen, diese hätten dasselbe erlitten . Es sei damit zu rechnen, dass de r Beschwerdeführer bei einer Rückschaffung durch die sri-lankischen Behörden verfolgt würde. Im vorliegenden Fall dränge es sich daher auf, die Fallakten der britischen Behörden beizuziehen. 4.5 Das BFM führte in seiner Verfügung aus, dass im Entscheid des Bun- desverwaltungsgerichts D-2839/2012 vom 1. Juni 2012 festgehalten wor- den sei, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka keiner asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt sei. Hinsichtlich der veränderten Sachlage beziehe sich der Beschwerdeführer zum Teil auf Berichte, die sich auf Vorkom m- nisse beziehen würden, die v or dem 1. Juni 2012 eingetreten und daher zu jenem Zeitpunkt bereits bekannt gewesen seien. Daher hätten diese im vorliegenden Verfahren keine Relevanz. Lediglich ein Bericht würde sich auf Folterfälle beziehen, die im August 2012 gemeldet worden seien. Jedoch sei im Asylgesuch nicht dargelegt worden, inwiefern sich dieser Vorfall von den bereits bekannten Vorfällen unterscheide. Auch der Ve r- weis auf die durch Grossbritannien vorgenommenen Rückschaffungen im September 2012 vermöge die geltend gemachte Neuheit nicht zu stützen, da bereits vorgängig im Februar und März 2012 Rückschaffungen stattge- funden hätten. Auch der Vollzugsstopp der britischen Behörden vermöge nicht zu belegen, dass tamilische Rückkehrer generell verfolgt würden. Vielmehr sei in den entsp rechenden Berichten festgehalten, dass es sich bei den Verfolgten um Personen handle, die der Kollaboration mit den LTTE verdächtigt würden. Die Einschätzung des Misshandlungsrisikos habe einzelfallspezifisch zu erfolgen. Seit dem Urteil vom 1. Juni 2012 seien diesbezüglich keine Ereignisse eingetreten, welche zur Annahme eines Gefährdungsprofils führen würden. So sei in den dokumentierten Fällen den Rückkehrern jeweils vorgeworfen worden, die LTTE unterstützt zu haben. Mit Bezug auf den Beschwerdeführer sei jedoch im Urteil vom 1. Juni 2012 festgestellt worden, dass diesem nicht geglaubt werden könne, er habe mit den LTTE zusammengearbeitet. Soweit der G e- suchsteller darauf beharre, mit den LTTE in Kontakt gestanden zu haben, habe er dies revisionsweise vorz ubringen. Der Beschwerdeführer mache auch keine konkret ihn betreffenden Erei gnisse geltend, die nach dem 1. Juni 2012 eingetreten seien und geeignet wären, die Flüchtlingseige n- schaft zu begründen. 4.6 In der Beschwerde wurde auf die bereits beim BFM geltend gemach- ten Gründe verwiesen. Präzisierend wurde vorgebracht, dass in den d o-D-6117/2012 Seite 7 kumentierten Fällen die Verfolgung von Rückkehrern durch die sri - lankischen Behörden allein wegen des längeren Auslandaufenthalts er- folgt sei und den Rückkehrern gestützt darauf – unabhängig von tatsäch- lichen Sympathien oder Handlungen – Verbindungen zu den LTTE unter- stellt worden seien. Die Auffassung des BFM, der Vollzugsstopp der brit i- schen Behörden und die dokumentierten Folterfälle seien nicht geeignet, eine asylrelevante Verfolgung sämtlicher jungen tamilischen Rückkehrer zu begründen, da es sich bei den misshandelten Personen ausschliess- lich um solche gehandelt habe, welchen eine Verbi ndung zu den LTTE vorgeworfen werde, gehe fehl: Die Asylgesuche der betreffenden Pers o- nen seien von den britischen Behörden abgewiesen worden, da jene – gemäss Ansicht der britischen Behörden – gerade keine Verbindung zu den LTTE aufgewiesen hätten. Ansonsten wäre ihnen Asyl gewährt wo r- den und es hätte keine Rückschaffung gegeben. Zur richtigen und vollständigen Erstellung des Sachverhalts seien weitere Abklärungen, insbesondere der Beizug der britischen Akten, angezeigt. Ferner würde sich die aktuelle Praxis des Bundesverwaltungsgerichts be- ziehungsweise diejenige des EGMR auf veraltete Qu ellen stützen. Seit Ende Mai 2012 würden laufend Fälle von gefolterten Rückkehrern dok u- mentiert. Insoweit lägen "neue Ereignisse" vor, die im Urteil vom 1. Juni 2012 noch nicht berücksichtigt worden seien. Somit würden sich eine neue und umfassende Lagebeu rteilung beziehungsweise weitere Sach- verhaltsabklärungen sowie ein neues Grundsatzurteil auf drängen. Bis zum Vorliegen eines solchen Urteils sei mit dem Entscheid im vorliege n- den Fall zuzuwarten. 4.7 Das BFM stellte in der Verfügung zu Recht fest, dass sich die als zweites Asylgesuch bezeichnete Eingabe zum Teil auf Vorkommnisse und Beweismittel bezieht, welche sich vor dem 1. Juni 2012 ereignet haben und somit für das vorliegende Verfahren unbeachtlich sind. 4.8 Mit Bezug auf die seit dem 1. Juni 2012 eingetrete nen Ereignisse verneinte die Vorinstanz das Vorliegen einer Gefährdungslage des B e- schwerdeführers in ausführlichen und korr ekten Erwägungen. Zu Recht wies es darauf hin, dass die Risikoevaluierung in einer einzelfallspezif i- schen Prüfung zu erfolgen hat, we shalb vorab auf vorinstanzlichen Erwä- gungen verwiesen werden kann. D-6117/2012 Seite 8 Der Beschwerdeführer stellt e zwar zu Recht fest, dass sich der letzte Grundsatzentscheid des Bundesverwaltungsgerichts und die erwähnte Praxis des EGMR auf Quellenmaterial vor dem Jahr 2012 abstützen. Un- geachtet dessen erfolgt die Prüfung der Zugehörigkeit zu den vom Bu n- desverwaltungsgericht definierten Risikogruppen aber naheliegenderwe i- se sowohl in Anwendung der im Grundsatzentscheid definierten Kriterien als auch mittels Evaluation des vo rhandenen neuen Quellenmateri als. Vor diesem Hintergrund haben die im Grundsatzentscheid definierten Ri- sikogruppen nach wie vor Bestand , und eine allfällige Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zu einer solchen ist in der erforderlichen Einzelfallab- klärung zu klären. Wie bereits vom BFM festgehalten , ist es dem Beschwerdeführer im ers- ten Asylverfahren nicht gelun gen, seine Zugehörigkeit zu einer solchen Risikogruppe glaubhaft darzulegen. Die Gründe des zweiten Asylgesuchs beschränken sich im Wesentlichen – unter Hinweis auf zahlreiche Beweis mittel – darauf, eine generelle G e- fahr bei der Wiedereinreise in Colombo festzuhalten. Es werden aber kei- ne fundierten Argumente genannt, welche auf eine dem Beschwerdefüh- rer drohende, individuell-konkrete Gefährdung aufgrund von Ereignissen, die sich nach abgeschlossenem Asylverfahren in der Schweiz zugetragen haben, schliessen lassen. Vor diesem Hintergrund erübrigen sich weitere Abklärungen, namentlich auch der Beizug britischer Akten. Auch die briti- schen Behörden gehen nicht von einer generellen Unzulässigkeit des Vollzugs aus, sondern nehmen – in Übereinstimmung mit der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sowie des EGMR – jeweils eine einzelfallbe- zogene individuelle Prüfung vor (vg l. Entscheid des High Court of Justice vom 19. September 2012, abrufbar unter: www.tamilnet.com/img/publish/ 2012/09/TaGvSSHD09192012.pdf). Somit erscheinen diese Akten für die Evaluation des persönlichen Gefährdungspotentials des Beschwerdefü h- rers nicht tauglich (vgl. Art. 33 Abs. 1 VwVG), so dass eine Rückweisung der Sache an das BFM wegen mangelnder Sachverhaltsabklärung nicht angezeigt ist. Schliesslich vermögen auch die auf Beschwerdeebene gel- tend gemachten politischen Drohungen nichts zu ändern, zumal es sich dabei lediglich um ein in pauschaler und nicht weiter substantiierter Weise geäussertes Vorbringen handelt, so dass nicht ersichtlich ist, inwiefern sich daraus eine Gefährdung für den Beschwerdeführer ableiten lässt. 4.9 Somit ist zusammenfassend fes tzuhalten, dass keine massgeblichen Ereignisse im Sinne von Art. 3 2 Abs. 2 Bst. e AsylG vorliegen und das D-6117/2012 Seite 9 BFM zu Recht auf das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltend machung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vorgängerorg a- nisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseige n- schaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Auslände r- recht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz eine r Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). D-6117/2012 Seite 10 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vo r- liegenden Verfahren keine Anwendung finden. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den A kten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Hier kann auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 7. 7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.2 Der Beschwerdeführer brachte hinsichtlich der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vor, dass er bereits im ordentlichen Verfahren auf seine psychischen Probleme hingewiesen habe. Nachdem er vom Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2839/2012 vom 1. Juni 2012 erfahren habe, habe sich sein Zustand verschlechtert, so dass er von der zustä n- digen Sozialarbeiterin in die Notfallaufnahme des Spitals X._______ ver- wiesen worden sei. Von dort habe man ihn ins (Spital) und anschliessend in die (…) Psychiatrischen Dienste (…) überführt, wo er nach einer ersten Notfallaufnahme wieder entlassen worden sei. Der Hausarzt habe den Beschwerdeführer schliesslich an die Psychiatrischen Dienste (…) über- wiesen. Die behandelnde Ärztin di agnostizierte eine PTBS, eine Anpa s- sungsstörung mit depressiven Symptomen und eine depressive Störung. D-6117/2012 Seite 11 Im Falle einer Rückschaffung sei mit einem Suizidversuch zu rechnen. Zurzeit sei der Beschwerdeführer zwingend auf eine medikamentöse B e- handlung und eine Gesprächstherapie angewiesen. 7.3 Das BFM hielt einleitend – in zutreffender Weise – fest, dass die nachträgliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des B e- schwerdeführers grundsätzlich im Rahmen eines Wiedererwägungsg e- suchs zu würdigen ist. Da jedoch die Durchführbarkeit des Vollzugs auch Gegenstand des vorliegenden Asylverfahrens ist, kann auf die Eröffnung eines separaten Verfahrens verzichtet werden. 7.4 Das BFM verneinte die Unzumutbarkeit des Vollzugs , da die gege n- wärtige Behandlungsbedürftigkeit des B eschwerdeführers nicht als zwi n- gende Notwendigkeit erscheine. Die behandelnde Ärztin stelle die ps y- chische Reaktion des Beschwerdeführers in direkten Zusammenhang mit dem abschlägigen Asylentscheid. Einer solchen Belastung könne jedoch mit einer entspreche nden Rückkehrvorbereitung Rechnung getragen werden. Sri Lanka verfüge zudem über zahlreiche psychiatrische Einric h- tungen. Zusammenfassend könnten die gesundheitlichen Beschwerden mithin nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegwe i- sung führen. An dieser Einschätzung vermöge auch die – nicht belegte – Befürchtung eines Suizids nichts zu ändern. 7.5 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegengeha l- ten, dass es sich beim vorinstanzlich eingereichten Arztbericht um eine erste Einschätzung gehandelt habe. Ein Antrag auf Beibringung weiterer Abklärungsberichte sei vom BFM ohne Begründung abgewiesen worden, was eine Verletzung der Begründungspflicht darstelle, so dass die ang e- fochtene Verfügung aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Der aktuelle Verlaufsbericht halte fest, dass der Beschwerdeführer an e i- ner PTBS mit Ängsten und Flashbacks mit den entsprechenden Sympt o- men sowie an ausgeprägten dissoziativen Symptomen leide. Die behan- delnde Ärztin habe auch keine Zweifel am Wahrhe itsgehalt der Vorbri n- gen ihres Patienten. Der Beschwerdeführer werde auch weiterhin med i- kamentös sowie mit einer Gesprächstherapie (in zweiwöchentlichem Ab- stand) behandelt. Eine Rückkehr in das Umfeld, wo die traumatisierenden Ereignisse stattgefunden hätten, würde zu einer massiven Retraumatisie- rung und Reaktivierung der Krankheitssymptome führen, wodurch sich der Gesundheitszustand verschlechtern würde. D-6117/2012 Seite 12 Für die abschliessende Beurteilung der gesundheitlichen Situation seien weitere Gutachten notwendig, so dass eine Frist zur Beibringung weiterer Berichte anzusetzen sei. 7.6 Im vorliegenden Fall kann der Sachverhalt hinsichtlich des gesun d- heitlichen Zustandes des Beschwerdeführers aufgrund der vorliegenden Arztberichte als erstellt erachtet werden, so dass wed er eine Kassation zu erfolgen hat, noch weitere Beweismittel abzuwarten sind. Das Gericht kommt zum Schluss, dass die medizinischen Probleme einer Wegweisung nicht entgegenstehen . Die traumatisierenden Ereignisse – die angeblich in Sri Lanka erlittenen Folterungen – wurden vom B e- schwerdeführer nicht glaubhaft geschildert, wobei hier auf die Ausführu n- gen im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -2839/2012 vom 1. Juni 2012 verwiesen wer den kann. Somit kann angenommen werden, dass die psychischen Probleme des Beschwerdeführers zu einem Grossteil mit dem negativen Asylentscheid und der bevorstehenden Rückschaffung zusammenhängen, worauf im Übrigen auch der Arztbericht vom 3. Okt o- ber 2012 schliessen lässt. Solchen Komplikation kann mit einer geeign e- ten psychiatrischen Betreuung im Zeitraum der Rückschaffung begegnet werden. Zudem ist in Sri Lanka , insbesondere auch in Jaffna, woher der Beschwerdeführer ursprünglich stammt, vom Vorhandensein psychiatri- scher Behandlungsmöglichkeiten auszugehen (Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts D-4282/2011 vom 13. November 2012 E. 9.9.4). Sollten nach der Rückkehr etwaige psychische Probleme anhalten, so besteht – gegebenenfalls mit finanzieller Unterstützun g im Rahmen einer medizin i- schen Rückkehrhilfe i.S.v. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG – die Möglichkeit, entsprechende medizinische Angebote in Anspruch zu nehmen. Somit sprechen keine medizinischen Gründe gegen die Zumutbarkeit des We g- weisungsvollzugs. 7.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). D-6117/2012 Seite 13 8. 8.1 In der Beschwerde wurde beiläufig ausgeführt, dass der nun vorli e- gende Arztbericht die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Folte- rungen glaubhaft belege. Dies stelle wohl einen revisionsrechtlichen A s- pekt dar, der aber zwecks Fristenwahrung bereits mit der Beschwerde vorgebracht werde. 8.2 Dieses Vorbringen ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren gegen den Nichteintretensentscheid des BFM unbeachtlich. Beabsichtigt der Beschwerdeführer etwaige Revisionsgründe gemäss Art. 121 ff. BGG gel- tend machen zu wollen, so bleibt es ihm unbenommen, ein diesbezügl i- ches Revisionsbegehren bei der zuständigen Behörde zu stellen. 9. Aus diesen Erwägun gen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2 008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-6117/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: