B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-704/2019 U r t e i l v o m 9 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Richterin Marianne Ryter (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richterin Sonja Bossart Meier, Gerichtsschreiberin Tanja Petrik-Haltiner. Parteien 1. A._______ (…), vertreten durch (…) 2. B._______ AG, (…) handelnd durch (…), Beschwerdeführerinnen, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Dienst für Informationsaustausch in Steuersachen SEI, Eigerstrasse 65, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Amtshilfe (DBA CH-NL). A-704/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der zuständige Dienst der niederländischen Steuerbehörde (Belasting- dienst/Central Liaison Office Almelo; nachfolgend: BD) ersuchte die Eidge- nössische Steuerverwaltung (ESTV) mit Schreiben vom 29. August 2018 bezüglich die Gesellschaft A._______ für den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2017 um diverse Informationen. Der BD führte im Ersuchen aus, dass die niederländische Finanzverwal- tung die Finanzierungsstruktur innerhalb der vorgenannten Gesellschaft prüfe. Die betroffene Gesellschaft bezwecke den Bau von Schiffen (gröss- tenteils Binnenschiffe, auch Küstenfahrzeuge und seltener Fahrgast- schiffe). Zwei deutsche Gesellschaften (…) seien jeweils zur Hälfte Inha- berinnen der fraglichen Gesellschaft. Deren Leitung erfolge durch die deut- schen Geschäftsführer bzw. Großanteilseigner dieser deutschen Gesell- schaften. Die betroffene Gesellschaft selbst sei Holdinggesellschaft der (…), die ebenfalls Schiffe baue. Die Schiffswerft erleide erhebliche Verluste und habe kaum Besitztümer , bestehe jedoch trotzdem weiter, wobei sie von mehreren Parteien finanziert werde, zum einen von einem Stahlliefe- rungsunternehmen und zum anderen von den schweizerischen Gesell- schaften C._______ AG und B._______ AG, wobei Letztere Darlehen in der Höhe von (…) Mio. Euro (2014) und (…) Mio. Euro (2015) gewährt habe, obschon kaum Sicherheiten vorlägen; es bestehe ein Hypotheken- recht an den Schiffen, welches das eingegangene Risiko jedoch nicht de- cke. Die Darlehen würden sich sodann nicht verringern: Sobald eine Schuld getilgt werde, würde der Bau der nächsten Schiffe finanziert wer- den. In den vergangenen Jahren hätten die Abschlussprüfer keine Bestäti- gungsvermerke zu den Jahresabschlüssen erteilt, da die steuerliche Zu- verlässigkeit von verschiedenen Finanzgeschäften mit den verbundenen Parteien nicht bestätigt wurde. Die involvierten schweizerischen Gesell- schaften scheinen wegen des negativen Vermögens in der Höhe von ins- gesamt (…) Mio. Euro im Jahr 2014 und (…) Mio. Euro im Jahr 2015 er- hebliche Risiken zu tragen. Aufgrund dieser Umstände, insbesondere we- gen der Höhe der Darlehen, der geringen Sicherheiten und der kontinuier- lichen Verlustträchtigkeit hege der BD Zweifel an der geschäftlichen Natur der von der schweizerischen der niederländischen Gesellschaft gewährten Darlehen. Die entsprechenden schriftlichen Verträge wurden dem Ersu- chen beigelegt. i A-704/2019 Seite 3 Zur Ermittlung der Besteuerungsg rundlagen und der Durchführung der Körperschaftsbesteuerung der Gesellschaft A._______ mit Sitz in den Nie- derlanden sei es wichtig, sich einen Überblick über die möglichen Bezie- hungen zwischen den involvierten niederländischen, deutschen und schweizerischen Gesellschaften sowie den geschäftsführenden Aktionä- ren zu verschaffen. Es werde daher insbesondere um folgende Informatio- nen ersucht: «(…) 8. Auf welche Weise haben die B._______ AG (…) die Gelddarlehen an die Gesellschaft A._______ finanziert? a. Von wem stammt das Geld, das der Gesellschaft A._______ zur Verfügung gestellt wird? b. Wann haben die B._______ AG (…) die Verfügung über die Gelder bekommen? c. Unter welchen Bedingungen haben die B._______ AG (…) die Gelder bekommen? d. Welche Sicherheiten wurden geleistet? Gerne Übermittlung der entsprechenden Belege. (…) 11. Gibt es finanzielle Beziehungen zwischen der B._______ AG (…) und einer der nachfolgenden Gesellschaften: (…) Gerne Übermittlung der spezifizierten Aufstellung und der entsprechenden Belege.» B. In der Folge ersuchte die ESTV die B._______ AG sowie die Steuerver- waltung des Kantons (…) mit Verfügungen vom 13. September 2018, ihr die vom BD verlangten Informationen zu übermitteln und Erstere zusätz- lich, die im Ausland ansässige betroffenen Person, A._______, über das Amtshilfeverfahren zu informieren und sie aufzufordern, eine zur Zustel- lung bevollmächtigte Person in der Schweiz zu bezeichnen. A-704/2019 Seite 4 Die Steuerverwaltung des Kantons (…) kam der Aufforderung der ESTV fristgerecht nach. Die B._______ AG reichte der ESTV die gewünschten Informationen zu- nächst teilweise und schliesslich vollständig ein und informierte die A._______ am 20. September 2018 über das sie betreffende Amtshilfever- fahren. C. Die ESTV informierte die A._______ und die B._______ AG mit separaten Schreiben vom 19. November 2018 über das Amtshilfeersuchen des BD und über die beabsichtigte Informationsübermittlung . Mit Eingabe vom 26. November 2018 nahm die A._______ Stellung und wurde mit E-Mail vom 10. Dezember 2018 von der ESTV über den weiteren Verfahrensab- lauf informiert. D. Mit Schlussverfügung vom 8. Januar 2019 leistete die ESTV Amtshilfe be- treffend die Gesellschaft A._______ und erklärte, dem BD die gewünsch- ten, von der B._______ AG und der Steuerverwaltung des Kantons (…) edierten Informationen (vgl. dazu vorne Sachverhalt Bst. A), in welchen auch die B._______ AG selbst betreffende Daten enthalten sind, zu über- mitteln. Dabei wurden nicht amtshilfefähige Informationen, welche nicht ausgesondert werden konnten, geschwärzt. Weiter machte die ESTV den BD darauf aufmerksam, dass die übermittelten Informationen gemäss Art. 26 Abs. 2 des einschlägigen Abkommens vom 26. Februar 2010 zwi- schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Königreich der Niederlande zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen (DBA CH -NL, SR 0.672.963.61) nur einge- schränkt und gemäss den entsprechenden Geheimhaltungsbestimmungen verwendet werden dürften. E. Gegen diese Verfügung erheben die A._______ und die B._______ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerinnen oder Beschwerdeführerin 1 und 2 ) mit Eingabe vom 8. Februar 2019 Beschwerde ans Bundesverwaltungsge- richt und beantragen, die Ziffern 8 und 11 in der zweiten Dispositiv -Ziffer der Schlussverfügung der ESTV (nachfolgend: Vorinstanz) seien aufzuhe- ben bzw. anzupassen. A-704/2019 Seite 5 In formeller Hinsicht beantragen sie, der Beschwerde sei die aufschie- bende Wirkung zu erteilen, auch derjenigen im Verfahren gegen die C._______ AG mit Sitz in (…). F. Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerdeführerinnen mit Zwi- schenverfügung vom 13. Februar 2019 darauf hin, dass ihrer Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wir kung zukommt (Dispositiv -Zif- fer 1), ohne sich zum von den Beschwerdeführerinnen erwähnte Verfahren betreffend die vorliegend nicht verfahrensbeteiligte C._______ AG zu äus- sern. G. Mit Vernehmlassung vom 12. März 2019 beantragt die Vorinstanz die kos- tenpflichtige Abweisung der Beschwerde. H. Auf die Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten befindlichen Dokumente wird – sofern entscheidrelevant – im Rahmen der nachfolgen- den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des BD ge- stützt auf Art. 26 Abs. 1 DBA CH -NL zugrunde. Die Durchführung der mit diesem Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach dem Steueramtshilfegesetz vom 28. September 2012 (StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 Abs. 1 Bst. a StAhiG und Art. 24 StAhiG e contrario). 1.2 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Zu den beim Bundesverwal- tungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören auch die Schlussverfü- gungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe (Art. 32 VGG e contrario und Art. 19 Abs. 1 und Abs. 5 StAhiG), womit seine Zuständigkeit zur Beurteilung des angefochtenen Entscheids zu bejahen ist. A-704/2019 Seite 6 1.3 Die Beschwerdeführerinnen sind als vom Amtshilfeersuchen be- troffene bzw. beschwerdeberechtigte Personen und Verfügungsadressatin- nen im Sinne von Art. 48 VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StAhiG durch den an- gefochtenen Entscheid besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dess en Änderung, so dass sie zur Beschwerde berechtigt sind. 1.4 Somit ist auf die form - und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein- zutreten (vgl. Art. 50 Abs. 1 VwVG und Art. 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 5 StAhiG; vgl. jedoch hinten E. 4.5.1). 2. Mit dem Beschwerdeantrag wird der Streitgegenstand im bundesverwal- tungsgerichtlichen Verfahren bestimmt. Die Beschwerdeführerinnen legen mit ihrem Begehren fest, in welche Richtung und inwiefern sie das strittige Rechtsverhältnis überprüfen lassen wollen. Insoweit die vorinstanzliche Verfügung nicht angefochten wird, erwächst sie in Rechtskraft (MOSER ET AL., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.213). 3. 3.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuer- sachen gegenüber den Niederlanden ist Art. 26 DBA CH -NL, welcher im Wortlaut weitgehend Art. 26 des Musterabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Vermeidung von Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen entspricht (vgl. Botschaft vom 25. August 2010 zur Genehmigung eines Doppelbesteue- rungsabkommens zwischen der Schweiz und den Niederlanden, BBl 2010 5787, 5800 zu Art. 26). Gemäss dessen Abs. 1 tauschen die zuständigen Behörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, die zur Durchführung des Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts betreffend für Rechnung der Vertragsstaaten, ihrer politischen Unterabteilungen oder lokalen Körper- schaften erhobenen Steuern jeder Art und Bezeichnung voraussichtlich er- heblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht. Der Informationsaustausch ist dabei weder durch den persönlichen Geltungsbereich nach Art. 1 noch durch die unter das Abkommen fallenden Steuern nach Art. 2 eingeschränkt. In diesem Zusammenhang hält das Protokoll zum DBA CH-NL in Ziff. XVI Bst. c Folgendes fest: Der Zweck der Verweisung auf Informationen, die A-704/2019 Seite 7 voraussichtlich erheblich sind, besteht darin, einen möglichst weit gehen- den Informationsaustausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben, "fishing expeditions" zu betreiben oder Infor- mationen anzufordern, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist. 3.2 3.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be- steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re- gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er- suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög- licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen statt vieler BGE 144 II 29 E. 4.2.2, BGE 142 II 161 E. 2.1.1 je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begrün- dung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur verweigern, wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich er- scheint (vgl. statt vieler BGE 143 II 185 E. 3.3.2, BGE 141 II 436 E. 4.4.3 mit weiteren Hinweisen und Urteil des BVGer A -1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Kriterium der voraussich tli- chen Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 des Musterabkommens der Organi- sation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Vermei- dung der Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen). In letzte- rem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Informati- onen, welche voraussichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt werden dürfen (statt vieler Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Art. 4 Abs. 3 StAhiG). Keine Rolle spielt dagegen, wenn sich nach der Beschaffung der Informationen herausstellt, dass diese nicht relevant sind (BGE 143 II 185 E. 3.3.2 mit Hinweisen, zit. in Urteil des BGer 2C_615/2018 vom 26. März 2019 E. 3.2). 3.2.2 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich A-704/2019 Seite 8 erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un- terlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfegesuch er- geben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und Urteil des BVGer A-140/2019 vom 13. Mai 2019 E. 3.1.2, je mit Hinweisen). Soweit die Behörden des ersu- chenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt darzu- legen, kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits lücken- los und völl ig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck der Amtshilfe nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und Un- terlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln geblie- bene Punkte erst noch geklärt werden. Daher ist gemäss Rechtsprechung von der ersuchenden Behörde nicht der strikte Beweis des Sachverhalts zu verlangen, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für dessen Vorliegen dartun (statt vieler Urteil des BVGer A -140/2019 vom 13. Mai 2019 E. 3.1.2 mit Hinweisen). 3.3 Im Rahmen der internationalen Behördenzusammenarbeit besteht so- dann grundsätzlich kein Anlass, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklä- rungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprin- zip; vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.4 mit weiteren Hinweisen). 4. 4.1 Die formellen Anforderungen im Einzelnen, welche an ein Amtshilfe- gesuch gestellt werden und die im angehängten Protokoll zum DBA CH - NL in Ziff. XVI Bst. b und in der am 31. Oktober 2011 abgeschlossenen und gleichentags in Kraft getretenen Verständigungsvereinbarung über die Auslegung dieser Ziffer aufgeführt sind (AS 2012 4079, vgl. insbesondere den 3. Absatz und zum Zusammenspiel des DBA CH-NL inkl. Protokoll und der Verständigungsvereinbarung im Rahmen der Auslegung vgl. BGE 143 II 136 E. 5.3.1 f.), sind vorliegend erfüllt und werden von den Beschwerde- führerinnen auch nicht in Frage gestellt. Ebenso wenig wird die Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen, welche unter abkommensrechtlichen Gesichtspunkten gen ügend detailliert verfasst ist (vgl. dazu vorne Sachverhalt Bst. A), bemängelt. Vielmehr richtet sich ihre Beschwerde einzig gegen die Übermittlung der Informationen gemäss Dis- positiv-Ziffer 2 Ziff. 8 und 11 (vgl. vorne Sachverhalt Bst. A), womit sich der Streitgegenstand darauf beschränkt (vgl. auch vorne E. 2). A-704/2019 Seite 9 4.2 4.2.1 In der Antwort zur vorerwähnten Ziff. 8 wird ausgeführt, dass der Be- schwerdeführerin 2 nach eigenen Angaben die Mittel für das gewährte Dar- lehen an die Beschwerdeführerin 1 von folgenden Firmen zur Verfügung gestellt wurden: D._______, E._______ GmbH und C._______ AG. Weiter wird festgehalten, dass der Geldfluss ab 2010 erfolgt sei, wobei keine se- paraten Bedingungen ausgehandelt und auch keinerlei Sicherheiten ver- langt wurden. Im Übrigen wird auf diverse von der Steuerverwaltung des Kantons (…) eingereichten und zur Übermittlung vorgesehenen Jahresab- schlüsse der Beschwerdeführerin 2 verwiesen. Zur fraglichen Ziff. 11 gedenkt die Vorinstanz die Angaben der Beschwer- deführerin 2 weiterzuleiten, wonach diese zu den aufgeführten Gesell- schaften (vgl. vorne Sachverhalt Bst. A) – mit Ausnahme der deutschen D._______ – keinerlei finanzielle Beziehungen habe. Diese deutsche Ge- sellschaft habe der Beschwerdeführerin 2 Mittel für die Finanzierung des Darlehens an die Beschwerdeführerin 1 zur Verfügung gestellt, wobei der Saldo per 31. Dezember 2017 CHF (…) betrage. 4.2.2 Die Beschwerdeführerinnen erachten diese Ausk ünfte als über di e konkrete Frage hinausgehend: Im Ersuchen werde nur danach gefragt, ob Geschäftsbeziehungen existierten und nicht, welcher Art diese seien und ebenso wenig werde um die Bezifferung von Geldflüssen ersucht. Zudem habe die Höhe des Darlehens der D._______ keinerlei Relevanz für das die Beschwerdeführerin 1 betreffende Amtshilfeverfahren. Demzufolge sei sie den niederländischen Behörden auch nicht mitzuteilen. Die Geschäfts- beziehung zur D._______ mit Sitz in Deutschland könne im Grundsatz of- fengelegt werden. Die vorgenannte Gesellschaft unterhalte zwar Ge- schäftsbeziehungen in die Niederlanden, werde jedoch in Deutschland be- steuert. Die beiden anderen Darlehensgeberinnen sollten sodann nicht na- mentlich erwähnt werden, da das Interesse an der Vertraulichkeit der Ge- schäftsbeziehung bzw. die Geheimhaltung von betriebsinternen Informati- onen und Steuergeheimnissen als vorrangig vor demjenigen an der Offen- legung der Verhältnisse gegenüber der niederländischen Steuerverwaltung zu betrachten sei. Sie beantragen, die Antwort solle stattdessen wie folgt formuliert werden: «Die Finanzierung der Darlehen erfolgte durch Gesellschaften, welche ih- ren Sitz nicht in den Niederlanden haben. Der Steuerverwaltung des Kan- tons (…) sowie der ESTV sind die Namen der Darlehensgeber und d ie Höhe der Darlehen bekannt.» A-704/2019 Seite 10 4.3 Der BD fragt nicht nur nach den finanziellen Beziehungen zwischen der Beschwerdeführerin 2 und diversen Gesellschaften, sondern ersucht explizit auch um die Übermittlung spezifizierter Aufstellungen und entspre- chender Belege (vgl. Sachverhalt Bst. A). Demnach kann nicht davon aus- gegangen werden, dass die Vorinstanz mehr oder zusätzliche Informatio- nen übermitteln möchte, als erbeten wurden. 4.4 Art. 26 Abs. 1 und 2 DBA CH-NL sind zwar keinesfalls so auszulegen, als verpflichteten sie einen Vertragsstaat, Informationen zu erteilen, die ein Handels-, Geschäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäftsverfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre public widerspräche (Art. 26 Abs. 3 Bst. c DBA CH-NL). Der abkommens- rechtliche Geheimnisbegriff ist jedoch nicht zu weitgehend auszulegen, an- sonsten wäre der vorgesehene Informationstausch unwirksam. Finanzin- formationen, inkl. Bücher und Aufzeichnungen, stellen ihrer Natur nach re- gelmässig keine solchen Gehei mnisse dar, zumindest solange z.B. keine urheberrechtlich geschützten Formeln für die Herstellung von Produkten preisgegeben oder andere geistige Eigentumsrechte tangiert werden (Mo- del Tax Convention on Income and on Capital [Condensed Version], OECD 2017, Commentary on Art. 26, II, Paragraph 3, Ziff. 19 und 19.2), was vor- liegend nicht der Fall ist (vgl. statt vieler auch Urteil des BVGer A-5741/2017, A-5741/2017 vom 29. Juni 2018 E. 6.4.3 mit Hinweisen, be- stätigt mit Urteil des BGer 2C_616/2018 vom 9. Juli 2019 gesamte E. 7). 4.5 4.5.1 Insofern die Beschwerdeführerinnen aus anderen Gründen beantra- gen sollten, die Identität weiterer, in den zur Übermittlung vorgesehenen Akten erscheinenden Drittfirmen sei nicht preiszugeben , wären sie dazu nicht legitimiert und wäre demnach in diesem Umfang nicht auf die Be- schwerde einzutreten (vgl. Urteil des BVGer A-6854/2019 vom 3. März 2020 E. 1.3.2). Im Rahmen der von Amtes wegen vorzunehmenden Prü- fung der materiellen Voraussetzungen der Gewährung der Amtshilfe – ins- besondere mit Blick auf die die Beschwerdeführerin 2 als beschwerdebe- rechtigte Drittperson betreffende Übermittlung von Informationen – ist den- noch auf die in diesem Zusammenhang relevanten datenschutzrechtlichen Aspekte einzugehen. Diese sind in Art. 4 Abs. 3 StAHiG wie folgt geregelt: Die Übermittlung von Informationen zu nicht betroffenen Personen ist un- zulässig, wenn diese Informationen für die Beurteilung der Steuersituation der betroffenen Person nicht voraussichtlich relevant sind oder wenn be-A-704/2019 Seite 11 rechtigte Interessen von nicht betroffenen Personen das Interesse der er- suchenden Seite an der Übermittlung der Informationen überwiegen (zur voraussichtlichen Erheblichkeit von Informationen vgl. vorne E. 3.2). 4.5.2 Durch Art. 4 Abs. 3 StAhiG sollen Personen geschützt w erden, die nichts mit dem im Amtshilfeersuchen geschilderten Sachverhalt zu tun ha- ben, deren Namen also rein zufällig in den weiterzuleitenden Dokumenten auftauchen ("fruit d'un pur hasard"; zur Auslegung von Art. 4 Abs. 3 StAhiG vgl. auch Urteil des BGer 2C_616/2018 vom 9. Juli 2019 E. 3.1; Botschaft des Bundesrates vom 5. Juni 2015 zur Genehmigung des Übereinkom- mens des Europarats und der OECD über die gegenseitige Amtshilfe in Steuersachen und zu seiner Umsetzung [Änderung des Steueramtshilfe- gesetzes] BB l 2015 5585 ff., 5623 und statt vieler Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen). 4.5.3 Zusammenfassend ist die Übermittlung von Informationen zu nicht betroffenen Personen nicht zulässig, ausser die Informationen sind mit Blick auf den vom ersuchenden Staat verfolgten Steuerzweck voraussicht- lich erheblich und ihre Aushändigung verhältnismässig im Sinne, dass eine Schwärzung dieser Informationen das Amtshilfeersuchen wertlos machen würde. Der Name eines Dritten kann somit in den zu übermittelnden Un- terlagen belassen werden, wenn dies geeignet ist, die steuerliche Situation der vom Amtshilfeersuchen betroffenen Person zu erhellen (vgl. statt vieler BGE 144 II 29 E. 4.2.3 sowie Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.2.4, je mit Hinweisen). 4.5.4 Wird die Anonymisierung von Daten einzelner Personen verlangt, die in der Amtshilfeverpflichtung an sich unterliegenden Unterlagen enthal- ten sind, genügt es grundsätzlich nicht, pauschal vorzubringen, bei den in diesen Unterlagen erwähnten Personen handle es sich um unbeteiligte Dritte. Vielmehr ist nach der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtspre- chung in solchen Konstellationen in Bezug auf jedes einzelne Aktenstück, das von der Übermittlung ausgeschlossen werden soll, anzugeben und im Einzelnen darzulegen, weshalb es im ausländischen Verfahren nicht er- heblich sein kann (vgl. statt vieler Urteil des BVGer A -1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.2.5 mit weiteren Hinweisen). 4.5.5 Der BD ersucht mit Schreiben vom 29. August 2018 wie erwähnt ex- plizit um die Übermittlung sämtlicher Belege im Zusammenhang mit der Finanzierung der fraglichen Darlehen an die Beschwerdeführerin 1 als be-A-704/2019 Seite 12 troffene Person und in Bezug auf die finanziellen Beziehungen der Be- schwerdeführerin 2 als Dar lehensgeberin zu diversen weiteren Gesell- schaften (vgl. vorne E. 4.3 und Sachverhalt Bst. A). Der BD legt nachvollziehbar dar, dass es ist für die steuerliche Würdigung der finanziellen Situation der betroffenen Person relevant ist, sich einen Überblick über die möglichen Beziehungen zwischen den involvierten nie- derländischen, deutschen und schweizerischen Gesellschaften sowie den geschäftsführenden Aktionären zu verschaffen. Die ersuchten Informatio- nen sind voraussichtlich erheblich, um die Verbindungen zwischen den Darlehensgeberinnen untereinander und mit der Darlehensnehmerin sowie allgemein das gesamte Gesellschaftskonstrukt in den Niederlanden und damit die geschäftsmässige Begründetheit der strittigen Geldflüsse nach- vollziehen zu können. Damit sind diese Informationen – auch die Höhe der transferierten Geldsummen sowie die Finanzierung der Darlehen – letztlich voraussichtlich relevant, um die betroffene Person in de n Niederlanden korrekt besteuern zu können. 4.5.6 Es ist sodann weder erkennbar noch wird geltend gemacht, dass die fraglichen Gesellschaften in den im Rahmen des strittigen Amtshilfeersu- chens zur Übermittlung vorgesehenen Dokumenten bloss zufällig auftau- chen. Vielmehr bilden sie Teil des Sachverhalts, der Gegenstand der Un- tersuchung gegen die betroffene Person, die Beschwerdeführerin 1, ist. Die Identität der Darlehensgeberinnen sowie Belege von finanziellen Transak- tionen wie Bilanzen, Buchungskonten, Motivatio nen betreffend die Darle- hensgewährung und damit auch die Höhe gewährter Darlehen, um deren Ermittlung der BD explizit ersucht (vgl. vorne Sachverhalt Bst. A und E. 4.3), erweisen sich wie erwähnt als voraussichtlich erheblich zur Unter- suchung der steuerrechtlichen Situation der betroffenen Person, insbeson- dere zur Überprüfung der geschäftlichen Natur der gewährten Darlehen. In diesem Zusammenhang nicht von Belang ist, dass gewisse Gesellschaf- ten, so auch die Beschwerdeführerin 2, nicht in den Niederlanden d omizi- liert und folglich nicht dort steuerpflichtig sind. Die sie betreffenden Infor- mationen dienen dennoch der Überprüfung der steuerrechtlichen Situation der in den Niederlanden steuerpflichtigen Beschwerdeführerin 1 und deren Übermittlung ist damit im ab kommensrechtlichen Sinn notwendig (vgl. vorne E. 4.5.2 f. und statt vieler auch Urteil des BVGer A -1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.2.9). Art. 4 Abs. 3 StAhiG steht somit der vorgesehenen Übermittlung von In- formationen bezüglich Drittgesellschaften nicht entgegen, weil diese Daten A-704/2019 Seite 13 für den geltend gemachten Steuerzweck voraussichtlich erheblich sind und ihre Bekanntgabe demnach erforderlich ist; d.h. ihre Ausson derung, Schwärzung oder anderweitige Unkenntlichmachung würde den Zweck des Amtshilfeersuchens vereiteln (vgl. vorne E. 4.2.3 und auch Urteil des BGer 2C_616/2018 vom 9. Juli 2019 E. 3.1 mit Hinweisen). Eine Weiterlei- tung der fraglichen Informationen ersch eint im Übrigen mit Art. 4 Abs. 3 StAhiG vereinbar, selbst wenn berechtigte Geheimhaltungsinteressen von im Sinne dieser Vorschrift nicht betroffenen Personen angenommen wür- den. Da nach dem völkerrechtlichen Vertrauensprinzip (vgl. dazu vorne E. 3.3) davon ausgegangen werden kann, dass sich die niederländischen Be- hörden an das Spezialitätsprinzip halten (vgl. dazu statt vieler ausführlich Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.5.1 und zur konkre- ten Formulierung in der vorinstanzlichen Verfügung, wonach die übermit- telten Informationen nach Art. 26 Abs. 2 DBA CH-NL nur eingeschränkt und gemäss den entsprechenden Geheimhaltungsbestimmungen verwendet werden dürften, vorne Sachverhalt Bst. D), würden allfällige Geheimhal- tungsinteressen das Interesse d es ersuchenden Staats an der Übermitt- lung der strittigen Unterlagen nicht überwiegen. Folglich ist die vorinstanzliche Vorgehensweise nicht zu beanstanden, der Antrag der Beschwerdeführerinnen unbegründet und ihre Beschwerde ab- zuweisen. 5. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 5'000.– festzusetzen und den Beschwer- deführerinnen ausgangsgemäss unter solidarischer Haftung je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1, 2, 4 und 6a des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kosten- vorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Partei- entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE). 6. Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer - sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG A-704/2019 Seite 14 handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, ent- scheidet das Bundesgericht. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 5‘000.– werden den Beschwerdeführerinnen unter solidarischer Haftung je zur Hälfte auferlegt. Der einbezahlte Kosten- vorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerinnen (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Ryter Tanja Petrik-Haltiner A-704/2019 Seite 15 Rechtsmittelbelehrung: Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuersachen kann innert 10 Tagen nach Eröffnung nur dann beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli- cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt (Art. 82, Art. 83 Bst. h, Art. 84a, Art. 90 ff. und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schwei- zerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsulari- schen Vertretung übergeben worde n ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). In der Rechtsschrift ist auszuführen, warum die jeweilige Voraussetzung erfüllt ist. Im Übrigen ist die Rechtsschrift in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismit- tel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizule- gen (Art. 42 BGG). Versand: