B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2972/2020 U r t e i l v o m 3 0 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Ljuba Kurcubic, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familienzusammenführung (Asyl); zugunsten von B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), Eritrea, Verfügung des SEM vom 7. Mai 2020. E-2972/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 28. Januar 2020 anerkannte das SEM den Beschwer- deführer als Flüchtling und gewährte ihm Asyl. B. Mit Eingabe vom 8. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM um Familienzusammenführung mit sei ner Ehefrau und deren gemeinsa- men Kinder. C. Mit Verfügung vom 7. Mai 2020 lehnte das SEM die Erteilung einer Einrei- sebewilligung in die Schweiz für seine Ehefrau und die gemeinsamen Kin- der und das Gesuch um Familienasyl ab. D. Mit Eingabe datiert vom 5. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zwec ks voll- ständiger Abklärung des S achverhalts und Wahrung des rechtlichen Ge- hörs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei seiner Ehefrau und seinen Kindern die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und seinem Gesuch um Familienasyl stattzugeben. Es sei auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses zu verzichten und ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sowie in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen. E. Mit Schreiben des Bundesverwaltungsgeric hts vom 9. Juni 2020 wurde dem Beschwerdeführer der Eingang der Beschwerde bestätigt. F. Mit Eingabe vom 17. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Bestä- tigung der zuständigen Gemeindebehörde vom 9. Juni 2020 nach, wonach er vollumfänglich von der Sozia lhilfe unterstützt werde. Zudem wurden zwei Fotografien zu den Akten gegeben, auf denen die Ehefrau des Be- schwerdeführers gemeinsam mit ihren drei Kindern zu sehen sind. Im Wei- teren stellte der Beschwerdeführer in Aussicht, er werde sich nach Mög- lichkeit darum bemühen, namentlich eine Bestätigung der Anmeldung sei- ner Familie im Flüchtlingscamp im Sudan zu beschaffen. E-2972/2020 Seite 3 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Ehegatten von asylberechtigten Flüchtlingen und deren minderjährige Kinder werden gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ihrerseits als Flüchtlinge aner- kannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegenspre- chen. Anspruchsberechtigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben gemäss Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreise- bewilligung, sofern sie sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten und durch die Flucht des in der Schweiz asylberechtig ten Flüchtlings ge- trennt wurden . Die Erteilung einer Einreisebewilligung setzt eine vorbe- standene Familiengemeinschaft sowie die fest beabsichtigte Familienv er- einigung in der Schweiz voraus (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5, 2017 VI/4 E. 3.1 und E. 4.4.2, 2012/32 E. 5). 4.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG be - zweckt die Wiederherstellung von vorbestandenen Familiengemeinschaf - ten, die «allein aufgrund der Fluchtumstände» und somit «unfreiwillig» ge- trennt worden ist (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.). Die Trennung der Familiengemeinschaft muss demnach kausal mit jenen Umständen zu -E-2972/2020 Seite 4 sammenhängen, welche zur Flucht aus dem Heimatlan d Anlass gegeben haben. Ausnahmsweise kann auch dann von einer im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG relevanten Trennung ausgegangen werden, wenn nicht die Flucht eines Familienmitglieds ins Ausland als solche, sondern andere zwingende Gründe zur Trennung der Familiengemeinschaft geführt haben (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.2). 4.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa- miliengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbest andene Familien- gemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die fest beab- sichtigte Familienvereinigung aller Anspruchsberechtigter nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Bewilligung des Familiennach- zugs dient insbesondere nicht der Wiederaufnahme von zuvor beendeten Beziehungen. 4.4 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Be- schwerdeführer habe sein Gesuch um Familienasyl damit begründet, er habe im Jahre 2012 in Eritrea geheiratet und nach seiner Flucht aus Eritrea seien ihm seine Ehefrau und ein Kind zirka fünf Monate später in den Su- dan gefolgt. Ein Sohn sei bei den Eltern des Beschwerdeführers in Eritrea geblieben. Er habe zirka ein Jahr mit seiner nachgefolgten Familie illegal im Sudan zusammengelebt, bevor er alleine nach Europa aufgebrochen sei. Er habe seine Frau im Sudan zurückgelassen, weil sie damals schwan- ger und gesundheitlich angeschlagen gewesen sei. Er sei somit von seiner Familie einerseits durch die Ausreise aus Eritrea und andererseits auf der Flucht im Sudan unfreiwillig getrennt worden. Die Trennung von seiner Ehefrau und den beiden Kindern stelle somit eine Trennung auf der Flucht als eine mögliche Konstellation der Trennung durch Flucht im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG dar. Dabei habe er auf ein Einzelurteil des Bundesver- waltungsgerichts (BVGer D-2566/2017 vom 1. Mai 2018 E. 6.1) verwiesen. Nach seiner Flucht sei er per Telefon und Messenger mit seiner Frau in Kontakt geblieben. Er habe sein Gesuch mit Passfotos seiner Frau und seiner drei Kinder gestützt und habe auf die bereits im Asylverfahren ein- gereichten zivilrechtlichen Dokumente seiner Angehörigen verwiesen (Taufscheine der Kinder, Heiratsurkunde). 4.5 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung stellte das SEM fest, aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers und der eingereichten Do- kumente im Asylverfahren dürfte die Zugehörigkeit der nachzuziehenden Angehörigen zur Familiengemeinschaft erfüllt sein und es sei auch vom E-2972/2020 Seite 5 Kriterium der vorbestandenen Familiengemeinschaft in Eritrea auszuge- hen. Indessen würden sich Vorbehalte bezüglich der Trennung durch Flucht er- geben. Der Beschwerdeführer sei (mit Verweisen auf die entsprechenden Aktenstellen in seinem Asylverfahren) am 30. Dezember 2014 definitiv aus Eritrea geflüchtet und habe sich dann bis Juli 2016 im Sudan aufgehalten. Seine Frau und die Tochter M. seien ihm im Juli 2015 in den Sudan nach- gereist. Sein Sohn M. sei bei seinen Eltern in Eritrea zurückgeblieben. An- schliessend habe der Beschwerdeführer mit seiner Frau und seiner Tochter M. im Sudan zusammengelebt. Insgesamt habe er über ein Jahr mit seiner Frau und seiner Tochter M. im Drittstaat Sudan gewohnt. Im Jahre 2016 habe seine Frau im Sudan eine weitere Tochter geboren. Aufgrund der Ak- tenlage und der Aussagen des Beschwerdeführers seien weder er noch seine Frau im Sudan in asylrechtlich relevanter Weise gefährdet gewesen, zumal er sich längere Zeit im Sudan aufgehalten habe und dort erneut Va- ter geworden sei. Auch seien keine anderen glaubhaften Anzeichen akten- kundig, welche eine unfreiwillige Trennung erforderlich gemacht hätten. Daraus ergebe sich, dass die (zeitlich letzte) Trennung ausschliesslich durch asylfremde Motive motiviert gewesen sei und der Beschwerdeführer seine Frau und die beiden Töchter im Sudan nicht im Rahmen einer verfol- gungsindizierten Flucht, sondern freiwillig verlassen habe. Seine Flucht sei mit der Ausreise von Eritrea in den Drittstaat Sudan, der Wiedervereinigung der Familie im Sudan sowie dem längeren Aufenthalt im Sudan abge- schlossen worden. Durch seine anschliessende freiwillige Abreise aus dem Sudan habe eine freiwillige Trennung von seiner Familie stattgefunden, weshalb die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG nicht erfüllt seien. An dieser Schlussfolgerung und der freiwilligen Trennung vermöge seine Rechtfertigung, wonach seine Frau damals schwanger und gesundheitlich angeschlagen gewesen sei, nichts zu ändern. Es sei zwar nachvollziehbar, dass er seine Ehefrau nicht den Risiken einer Weite rreise quer durch die Sahara nach Europa habe aussetzen wollen, aber dennoch könne nicht von einer unfreiwilligen Trennung gesprochen werden. Zudem hätte der Beschwerdeführer die Möglichkeit gehabt, bei seiner Ehefrau im Sudan zu verbleiben. Stattdessen habe er sich aber bewusst für die alleinige freiwil- lige Weiterreise nach Europa entschieden. Daran ändere auch der Verweis auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nichts, zumal es sich dabei um einen Einzelfall handle, der nicht der konstanten Rechtspre chung des Bundesverwaltungsgerichts zu vorliegender Konstellation entspreche. E-2972/2020 Seite 6 Vielmehr zeige die konstante Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts dazu unzweifelhaft auf, dass bei freiwilliger Trennung von Familien in Drittstaaten die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG nicht erfüllt und derartige Gesuche um Familienasyl abzulehnen seien. Hierzu führte das SEM als Beispiele sechs Urteile des Bundesverwaltungsgerichts auf. Zusätzlich äusserte sich das SEM bezüglich des in Eritrea verbliebenen Sohnes des Beschwerdeführers. Im Wesentlichen führte es dazu an, ge- mäss den vorliegend gegebenen Umständen sei weder der Wille noch die Absicht des Beschwerdeführers glaubhaft erkennbar, mit diesem Sohn eine Familiengemeinschaft zu bilden und zu leben. Für den Zeitrahmen des eineinhalbjährigen Aufenthaltes des Beschwerdeführers in Khartum (Sudan) seien keine aktenkundigen Hinweise vorhanden, wonach er ver- sucht habe, seinen Sohn in den Sudan zu holen. Auch seien keine regel- mässigen aktenkundigen Kontakte zu seinem in Eritrea verbliebenen Sohn seit der definitiven Ausreise aus Eritrea im Dezember 2014 bis heute glaub- haft nachgewiesen. Das Verhalten des Beschwerdeführers lasse vielmehr auf eine seit seiner definitiven Ausreise aus Eritrea im Dezember 2014 ab- gebrochene Beziehung zu diesem So hn schliessen, weshalb zusätzlich von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG auszuge- hen sei, zumal das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG praxisge- mäss nicht der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen Bezi ehungen diene. Dabei verwies das SEM auf BVGE 2012/32 E. 5.4.2. 4.6 Mit der Beschwerde wird der Begründung der Verfügung des SEM im Wesentlichen entgegengehalten, gemäss Rechtsprechung des Bundes- verwaltungsgerichts bilde die Trennung auf der Flucht eine der möglichen Konstellationen der Trennung durch die Flucht im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG. Das Ziel des Beschwerdeführers sei gemäss seinen Angaben Eu- ropa und nicht der Sudan gewesen. Er habe sich damit im Sudan noch immer auf der Flucht befunden. Zudem habe er aufgrund seiner illegalen Einreise in den Sudan befürchten müssen, in Haft genommen und nach Eritrea zurückgeschafft zu werden. Er habe auch während eines Jahres mehrere Male versucht, aus dem Sudan auszureisen. Von seiner Familie habe er sich aus nac hvollziehbaren Gründen aufgrund der Schwanger- schaft seiner Frau beziehungsweise der Niederkunft unfreiwillig trennen müssen. Die Weiterreise nach Europa sei für die Frau und die Kinder zu gefährlich gewesen. E-2972/2020 Seite 7 Entgegen der Behauptung des SEM habe der Beschwe rdeführer gegen- über seinem in Eritrea verbliebenen Sohn seine Fürsorgepflicht nicht ver- letzt. Er habe ohne seine Frau und seine Kinder alleine aus Eritrea flüchten müssen. Seine Frau habe Eritrea ebenfalls verlassen und dabei den Sohn vorübergehend zurücklassen müssen. Es sei nicht er gewesen, der den Sohn zurückgelassen habe, weil er die Beziehung zu ihm abgebrochen hätte. Seit März 2020 befinde sich der Sohn bei seiner Mutter und seinen Geschwistern im Sudan, zu denen der Beschwerdeführer täglich Kontakt habe. Sein Wille, die Familiengemeinschaft räumlich wiederaufzunehmen, sei klar erkennbar. Zusammenfassend ergebe sich, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Flucht eine Familiengemeinschaft mit seiner Ehefrau und seinen Kin- dern gebildet und die Beziehung nie abgebrochen habe. Auch habe er sich von der Familie auf der Flucht unfreiwillig getrennt. Demnach seien die Vo- raussetzungen für die Gewährung des Familienasyls erfüllt. 5. 5.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzliche Schlussfolge- rung, wonach die Voraussetzungen für die asylrechtliche Familienzusam- menführung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG vorliegend nicht erfü llt sind, zu bestätigen ist. Die zusätzlichen Vorbringen auf Beschwerdeebene vermögen nicht durchzudringen und die rechtlichen Entgegnungen lassen aufgrund der geltenden Rechtsprechung keine andere Betrachtungsweise zu. 5.2 Das Hauptbegehren der Beschwerde, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zwecks vollständiger Abklärung d es Sachverhalts und Wahrung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen, wird nicht begründet. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern der rechtserhebli- che Sachverhalt nicht hinreichend erstellt oder der Anspruch auf rechtli- ches Gehör verletzt worden sein sollte. Auf das Rechtsbegehren ist dem- nach nicht weiter einzugehen. 5.3 Das SEM zeigte in der angefochtenen Verfügung die geltende Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts korrekt auf und stellte insofern zu Recht fest, dass es sich beim auch in der Beschwerdeschrift herange- zogenen Entscheid des BVGer D-2566/2017 vom 1. Mai 2018 um ein Urteil handelte, das als Einzelfall nicht durchwegs von der konstanten Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts zu vorliegender Konstellation ge-E-2972/2020 Seite 8 stützt werden dürfte. Zudem unterscheidet sich die Ausgangslage für die- sen Entscheid mit einer bedeutend kürzeren Aufenthaltsdauer im Drittstaat nicht unwesentlich (vgl. auch Urteil des BVGer D -3294/2019 vom 4. Mai 2020 E. 7.2). Massgeblich ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer am 30. Dezem- ber 2014 Eritrea verlassen und seit Juli 2015 über ein Jahr mit seiner Frau und seiner Tochter M. im Sudan zusammengelebt hat, bis er sich ent- schloss, im Sinne der Rechtsprechung "freiwillig" alleine nach Europa wei- terzureisen. Es gibt keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass er wäh- rend seines Aufenthalts im Sudan asylrechtlich relevanten Nachteilen aus- gesetzt gewesen wäre und er sich mit seiner Weiterr eise unfreiwillig von seiner Familie getrennt hätte. Die Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe, der Beschwerdeführer habe befürchten müssen, im Sudan in Haft genom- men und nach Eritrea zurückgeschafft zu werden, weshalb er aus dem Su- dan habe ausreisen müssen, was er während des einjährigen Aufenthaltes im Sudan mehrere Male ve rsucht habe, finden in den Akten keine Stütze und sind als nachgeschoben und somit als untauglicher Versuch zu werten, die sachverhaltlichen Voraussetzungen nachträglich anzupassen. Es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer seine Familie im Sudan som it nicht im Rahmen einer verfolgungsindizierten Flucht, sondern freiwillig ver- lassen hat. Die Flucht endete mithin im Sudan. Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend erkannte, vermag der Umstand, dass seine Frau damals schwanger und gesundheitlich an- geschlagen gewesen sei, nichts an einer freiwilligen Trennung und einer bewussten freiwilligen alleinigen Weiterreise nach Europa zu ändern. Diese Gründe könnten zwar im Rahmen einer verfolgungsindizierten Flucht bezüglich der Unfreiwilligkeit der Trennung allenfalls eine Rolle spie- len. Für sich allein vermögen sie aber die Unfreiwilligkeit der Trennung der Familiengemeinschaft nicht zu begründen. Abgesehen davon muss der Ar- gumentation des Beschwerdeführers, er habe sich aus nachvollziehbaren Gründen, nämlich aufgrund der Schwangerschaft seiner Frau beziehungs- weise der Niederkunft und damit einhergehenden gesundheitlichen Be- schwerden unfreiwillig von ihr trennen müssen, zumindest zurückhaltend begegnet werden. Vielmehr dürfte erwartet werden, dass der Beschwerde- führer sich gerade in der Zeit der mit gesundheitlichen Beschwerden ver- bundenen Schwangerschaft und Niederkunft um seine Ehefrau gekümmert und ihr zur Seite gestanden hätte, anstatt sich ohne unmittelbar drohendem verfolgungsindizierten Anlass auf schwer absehbare Zeit von ihr und der Familie zu trennen. Das bewusste Zurücklassen einer mit gesundheitlichen E-2972/2020 Seite 9 Beschwerden belasteten Ehefrau mit einem ungeborenen oder neugebo- renen Kind und einer zweijährigen Tochter ohne zwingenden Grund und auf kaum absehbare Zeit prägt das Bild eines für das Gericht schwer nach- vollziehbaren Verständnisses einer gelebten Familiengemeinschaft und Verantwortungsbewusstseins. Daraus darüber hinaus eine unfreiwillige Trennung ableiten zu wollen, da gerade zu diesem Zeitpunkt die gemein- same Weiterreise für Frau und Kind zu gefährlich gewesen wäre, erweist sich als nicht adäquater Rechtfertigungsgrund. Entgegen der mit der Beschwerde vertretenen Sichtweise ist nach dem Gesagten die Voraussetzung der Trennung auf der Flucht als Konstellation der Trennung durch die Flucht nicht erfüllt. Da damit das Erfordernis der Trennung durch Flucht nicht erfüllt ist, ist irrelevant, dass der Wille des Be- schwerdeführers und seiner Ehefrau zur Aufrechterhaltung der Familien- gemeinschaft stets gegeben gewesen wäre respektive keine (dauerhafte) Trennungsabsicht bestanden hätte (vgl. zur ganzen hier massgeblichen Frage Urteil des BVGer E-1142/2018 vom 6. September 2019 E. 6.3). Im Weiteren ist die – für den vorliegenden Entscheid massgebliche – Fest- stellung des SEM in der angefochtenen Verfügung bezüglich des in Eritrea verbliebenen Sohnes des Beschwerdeführers nicht zu beanstanden, dass gemäss den vorliegend gegebenen Umständen weder der Wille noch die Absicht des Beschwerdeführers glaubhaft erkennbar sei, mit seinem Sohn eine Familiengemeinschaft zu bilden und zu leben. Das SEM führte zu Recht weiter aus, das Verhalten des Beschwerdeführers lasse vielmehr auf eine seit seiner definitiven Ausreise aus Eritrea im Dezember 2014 abge- brochene Beziehung zu diesem Sohn schliessen, weshalb zusätzlich von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG auszugehen sei, zumal das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG praxisgemäss nicht der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen Beziehungen diene. Der Einwand in der Beschwerde, nicht der Beschwerdeführer habe seinen Sohn in Eritrea zurückgelassen, so ndern seine Ehefrau anlässlich ihrer Ausreise aus Eritrea in den Sudan, vermag das Gericht nicht zu überzeu- gen. Es ist aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, dass sich der Be- schwerdeführer im Verlaufe von über einem Jahr auch nur darum bemüht hätte, seinen Sohn in seine im Sudan wohnhafte Familie einzugliedern. Bei dieser Sachlage kann verzichtet werden, auf weitere diesbezügliche Aus- führungen in der angefochtenen Verfügung und die entsprechenden Ent- gegnungen in der Beschwerde einzugehen. E-2972/2020 Seite 10 Dass sich der Sohn – wie in der Beschwerde nachgeführt – nunmehr seit März 2020 bei seiner Mutter und seinen Geschwistern im Sudan befindet, nimmt das Gericht als vorliegend irrelevanten Umstand zur Kenntnis. 5.4 Die Voraussetzungen für die Bewilligung der Einreise in die S chweiz für die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers und für die Gewäh- rung des Familienasyls (Art. 51 Abs. 4 AsylG) sind damit nicht erfüllt. Die Vorinstanz hat das Gesuch um eine Einreisebewilligung in die Schweiz und Erteilung des Familienasyls zu Recht abgelehnt. Die weiteren Beschwerdevorbringen und die eingereichten Beweismittel sind nicht geeignet, eine Änderung am Entscheid zu bewirken. Im Übrigen ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass der Familiennachzug nach den Vorschriften des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR 142.20) vorbehalten bleibt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. Die in Aussicht gestellte Bestätigung der Anmeldung der Familie im Flüchtlingscamp im Sudan braucht nach dem Gesagten nicht abgewar- tet zu werden. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist unbesehen der Pro- zessbedürftigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen, da sich die Begeh- ren der Beschwerde als aussichtlos erwiesen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dem- nach ist auch das Gesuch um Bestellung einer amtlichen Rechtsbeiständin abzuweisen (Art. 102m Abs. 1 AsylG). Das Gesuch um Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandlos. (Dispositiv nächste Seite) E-2972/2020 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Be- stellung einer amtlichen Rechtsbeiständin werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Christoph Berger Versand: