Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. Mai 2018 (720 17 326 / 113) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Einkommensvergleich / Ermittlung des Valideneinkommens bei vorausgegangener selb- ständiger Erwerbstätigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Jürg Tschopp, Advokat, Pelikanweg 2, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1969 geborene A.____ war seit 1990 im Rahmen einer selbständigen Erwerbstä- tigkeit als Plattenleger und seit 2002 als Geschäft sführer und Plattenleger bei der B.____ GmbH tätig. Seit 2005 litt er an Hautekzemen, worauf er zur Prüfung der Frage, ob eine Berufs- krankheit vorliege, an seinen Unfallversicherer, di e Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), gelangte. Gestützt auf ihre Abklärungen ane rkannte die Suva die ärztlicherseits diag- nostizierte, vorwiegend durch den Kontakt mit dem L istenstoff “Zement“ verursachte akute toxi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sche Dermatitis als Berufskrankheit. In der Folge erliess d ie Suva am 11. Februar 2013 eine Verfügung, mit welcher sie den Versicherten rückwirkend a uf den 1. November 2012 als nicht geeignet für die Tätigkeit als Plattenleger erklärte. Bereits vorgängig - am 10. Juni 2012 - hatte sich A.___ _ unter Hinweis auf diese Berufskrank- heit auch bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (I V) zum Bezug von Leistungen an- gemeldet. In der Folge sprach ihm die IV-Stelle Basel-Landschaft als berufliche Massnahme der IV eine vom 11. August 2014 bis 31. Januar 2017 dauernde Umschulung zum diplomieren Bau- leiter HFP zu. Nach Abschluss der beruflichen Massnahme ga b die Abteilung Berufsberatung der IV-Stelle das Dossier an die Sachbearbeitung Rente weiter. Diese ermittelte beim Versi- cherten einen Invaliditätsgrad von 26 %, worauf die IV -Stelle - nach durchgeführtem Vorbe- scheidverfahren - mit Verfügung vom 31. August 2017 eine n Anspruch von A.____ auf eine IV- Rente ablehnte. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe v om 30. September 2017 Be- schwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsr echt (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei ihm „eine Viertelsrente oder ein e halbe Rente auszusprechen.“ Gleichzei- tig wies er darauf hin, dass sein Rechtsvertreter, Advo kat Jürg Tschopp, die Beschwerde er- gänzen werde. Am 5. Oktober 2017, dem letzten Tag der Rechtsmittelfrist, reichte Advokat Jürg Tschopp seinerseits namens und im Auftrag von A.____ ein e (ergänzende) Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 31. August 2017 ein . Darin beantragte er, es sei die angefoch- tene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und es sei di e IV-Stelle zu verurteilen, die gesetzli- chen Leistungen zu erbringen. Dem Beschwerdeführer sei ab Dezember 2012 mindestens eine Viertelsrente zuzusprechen. Sodann sei „die Geltendmach ung von beruflichen Massnahmen vorzubehalten“; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 20. Oktober 2017 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten d er Beschwerdeführer mit Replik vom 9. Februar 2018 und die IV-Stelle mit Duplik vom 14. März 2018 an ihren Anträgen fest. E. Im Hinblick auf die Beurteilung der vorliegenden Be schwerde zog das Kantonsgericht bei der Suva das die Berufskrankheit des Versicherten betreffende Dossier bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 30. Septemb er/5. Oktober 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.1 Die IV-Stelle zog im Rahmen der Abklärung des me dizinischen Sachverhalts das die Berufskrankheit des Versicherten betreffenden Suva-Dossier bei. Diesem kann entnommen werden, dass beim Versicherten im August 2006 eine unkl are rezidivierende Dermatitis an Handrücken und Armen diagnostiziert wurde (vgl. den Beri cht des Spitals C.____, Abteilung Dermatologie, vom 4. September 2006). Gestützt auf ih re Abklärungen und eine Empfehlung von Dr. med. D.____, Fachärztin für Arbeitsmedizin und A llgemeinmedizin, Abteilung Arbeits- medizin der Suva, vom 2. November 2006 anerkannte die Suva das Leiden, welches von der genannten Ärztin als „akute toxische Dermatitis“ bezeichnet wurde, als vorwiegend durch den Kontakt mit dem Listenstoff “Zement“ verursachte Beruf skrankheit. Mit Schadenmeldung vom 5. Januar 2012 gelangte der Versicherte wegen wieder aufgetretener Hautekzeme erneut an die Suva. Im Spital C.____, Abteilung Dermatologie, wurde in der Folge als Diagnose ein Ver- dacht auf eine allergische Kontaktdermititis mit nachg ewiesener Typ IV-Sensibilisierung auf Benzoylperoxid, Metamizol-Natrium/Natruimdisulfit und Verdacht auf eine irritative Komponente auf Portland-Zement erhoben (Bericht vom 13. November 2012). Daraufhin erliess die Suva am 11. Februar 2013 eine Verfügung, mit welcher sie den Versicherten rückwirkend auf den 1. No- vember 2012 als nicht geeignet für die Tätigkeit als Plattenleger erklärte. 4.2 Gestützt auf die von ihr eingeholten Suva-Akten gel angte die IV-Stelle bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten zur Auffassung, dass dieser seine angestammte Tä- tigkeit als Plattenleger und sämtliche Tätigkeiten mit Kontakt zum Listenstoff “Zement“ nicht mehr ausüben könne. Gleichzeitig sei der Versicherte aber in allen andern Arbeiten, bei welcher es zu keiner Exposition zum erwähnten Listenstoff komme, uneingeschränkt arbeitsfähig. Diese vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sachverhalts ist nicht zu beanstanden. Sie wird denn auch vom Versicherten in seiner Beschwerde - zu Rech t - nicht in Frage gestellt. Unter Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesen Umständen kann somit von zusätzlichen Ausführungen zum medizinischen Sachverhalt abgesehen werden. 5. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 6.1 Im Rahmen der allgemeinen Methode des Einkommensver gleichs ist für die Festset- zung des Invalideneinkommens nach der Rechtsprechung pr imär von der beruflich- erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versich erte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit a us, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, da ss sie die ihr verbleibende Arbeitsfä- higkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zu dem das Einkommen aus der Ar- beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gil t grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich er zieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt d es Gesundheitsschadens keine oder je- denfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den vom Bun desamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangez ogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2). 6.2 Der Beschwerdeführer hat vom 11. August 2014 bis 31. Januar 2017 als berufliche Massnahme der IV eine Umschulung zum diplomieren Bauleit er HFP absolviert. Bereits vor- gängig - im September 2012 - hatte er mit seiner Ehe frau eine Kollektivgesellschaft, die E.____ & Co., gegründet, welche die Planung, Leitun g und Ausführung von Neu- und Umbau- ten sowie die Durchführung von allgemeinen Bauarbei ten bezweckt, und für die er nunmehr tätig ist. Was das Einkommen betrifft, das er im Rahmen dieser Tätigkeit erzielt, liegen (noch) keine verlässlichen und aussagekräftigen Zahlen vor. Somit kann bei der Bemessung des Inva- lideneinkommens nicht auf einen tatsächlich erzielten V erdienst des Versicherten abgestellt werden, für die Ermittlung des Invalideneinkommens sind vielmehr die LSE-Tabellenlöhne her- anzuziehen. 6.3 Die IV-Stelle hat bei ihrer Berechnung auf die statistischen Lohndaten der Tabelle TA1 (“Privater Sektor“) der LSE 2014 und innerhalb dieser Tabelle auf das “Total“ der Männerlöhne abgestellt. Dies erweist sich als korrekt, ist der Versichert e doch in allen Tätigkeiten, bei denen es zu keiner Exposition zum Listenstoff “Zement“ kommt, uneingeschränkt arbeitsfähig. Im Wei- teren ist die IV-Stelle bei ihrer Berechnung vom nie drigsten Kompetenzniveau 1 ausgegangen, welches einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwer klicher Art umfasst. Berücksichtigt man Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die bisherige berufliche Laufbahn des Versicherten, seine zwischenzeitlich absolvierte Umschu- lung und die Tätigkeiten, zu deren Ausübung er aktuell in der Lage ist, so ist das Abstellen auf dieses Niveau für ihn durchaus als vorteilhaft zu bezeichnen , denn in Anbetracht des geschil- derten beruflichen Hintergrundes hätte es sich wohl au ch rechtfertigen lassen, bei der Berech- nung vom nächsthöheren Kompetenzniveau 2 auszugehen. 6.4 Gestützt auf die genannten “Eckdaten“ (LSE 2014, Ta belle TA1, Männerlöhne “Total“, Kompetenzniveau 1) hat die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung ein massgebendes Inva- lideneinkommen des Versicherten in der Höhe von Fr. 66 ‘652.-- ermittelt. Während der Versi- cherte in seiner Beschwerde dieses von der IV-Stelle err echnete zumutbare Invalideneinkom- men noch „anerkannt“ und zudem festgehalten hat, dass ei n „Leidensabzug wohl nicht gerecht- fertigt“ sei, macht er nunmehr in seiner Replik geltend , dass ihm bei der Bemessung des Invali- deneinkommens ein 15 %-iger Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren sei. 6.5 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von st atistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert all enfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versic herte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsscha- dens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt ein satzfähig sind, in der Regel das ent- sprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbei ter nicht erreichen. Der ursprüng- lich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwicke lte sich in der Folge zu einem allge- meinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechts prechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Auf enthaltskategorie sowie Beschäftigungs- grad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automa- tisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall An haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Mer kmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsma rkt nur mit unterdurchschnittlichem Ein- kommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen u nter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchst ens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 322 E. 5.2; vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). 6.6 Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, dass ihm weg en der eingeschränkten Aus- wahl an zumutbaren Tätigkeiten, wegen seines Alters un d aufgrund des Umstandes, dass er während einer langen Dauer dieselbe Tätigkeit (Plattenleger) ausgeübt habe, ein 15 %-iger Ab- zug vom Tabellenlohn zu gewähren sei. Dieser Betrachtun gsweise kann nicht gefolgt werden. Die IV-Stelle weist diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass dem Versicherten lediglich Arbeiten, bei denen es zu einer Exposition zum Listenstoff “Zement “ kommt, nicht mehr zumutbar sind. Somit steht ihm aber noch eine Vielzahl an Tätigkeiten offen, die er allesamt uneingeschränkt ausüben kann. Aufgrund seiner vollen Einsatzfähigkeit hat der Versicherte in all diesen Tätigkei- ten keine gesundheitsbedingten Lohneinbussen zu erwart en. Zudem ist auch nicht davon aus- zugehen, dass der im Verfügungszeitpunkt 48 Jahre alte Ver sicherte wegen seines Alters oder des Umstandes, dass er während einer langen Dauer dieselbe Tätigkeit (Plattenleger) ausgeübt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat, seine Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbei tsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Somit hat die IV-Stelle dem Versicherten aber bei der Bemessung des (hypothetischen) Invalideneinkommens zu Recht keinen l eidensbedingten Abzug vom Ta- bellenlohn gewährt. 6.7 Das von der IV-Stelle ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 66‘652.-- ist demnach - jedenfalls aus Sicht des Beschwerdeführers - nicht zu beansta nden Nach dem weiter oben Ge- sagten (vgl. E. 6.3 hiervor) ist vielmehr festzuhalten, d ass die betreffende, auf den Löhnen des niedrigsten Kompetenzniveaus 1 basierende Berechnung der IV-Stelle für den Versicherten eher vorteilhaft ausgefallen ist. 7.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Per- son im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit als gesunde Person tatsächlich verdienen würde. Die Ermittlung des im Gesundheitsfall von der versicherten Person erzielbaren E inkommens hat so konkret wie mög- lich zu geschehen (U LRICH MEYER / MARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalide nversicherung, 3. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2014, Art. 28a N. 48 ff.). In der Re gel wird am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste n Verdienst angeknüpft, da er- fahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitssch aden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1). Vorliegend ist davon auszugehen , dass der Beschwerdeführer, wenn sich die Berufskrankheit nicht manifestiert hätte, weiter hin als Geschäftsführer und Plattenleger in seiner eigenen GmbH erwerbstätig wäre. Strittig un d im Folgenden zu prüfen ist, welches Einkommen er im Rahmen dieser Tätigkeit im Gesundheitsfall erzielen würde. 7.2.1 Nach ständiger Rechtsprechung kann das hypothetische Valideneinkommen Selbstän- digerwerbender grundsätzlich anhand der IK-Einträge ( und einer allfälligen Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung) bestimmt werden (Urteil A . des Bundesgerichts vom 12. Januar 2016, 9C_852/2015, E. 3.1 mit Hinweisen). Sowohl der versicherten Person als auch der IV- Stelle steht jedoch der Gegenbeweis offen, dass das tatsä chlich erzielte (beitragspflichtige) Einkommen höher respektive tiefer ist als die verabgabte n IK-Einkünfte (Urteil A. des Bundes- gerichts vom 9. Mai 2016, 9C_658/2015, E. 5.1.1 mit Hi nweisen). Laut seinem IK-Auszug hat der Versicherte in den letzten Jahren bei der B.____ Gm bH folgende Einkommen erzielt: 2008: Fr. 73‘281.--, 2009: Fr. 60‘000.--, 2010: Fr. 39‘721.--, 2011: Fr. 40‘554.-- und 2012: Fr. 15‘000.-. Im Februar 2013 ist sodann über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet worden. 7.2.2 Vorliegend fällt ein Abstellen auf die IK-Eint ragungen des Versicherten ausser Be- tracht. Zum einen weisen die IK-Einkünfte ganz beträcht liche Schwankungen auf, was schon erheblich gegen ihre Verwertbarkeit im vorliegenden Zusammenhang spricht. Zum andern ist zu berücksichtigen, dass der Versicherte bereits seit 2005 von den Auswirkungen seiner Berufs- krankheit betroffen war, was sich in den nachfolgenden Ja hren - je nach Intensität der Erkran- kung in unterschiedlichem Ausmass - nachteilig auf das konkret erzielte Einkommen ausgewirkt haben dürfte. Entgegen der vom Versicherten in seiner B eschwerde - allerdings ohne jegliche Begründung - eventualiter vorgeschlagenen Vorgehensweise ist es vorliegend auch nicht ziel- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht führend, den Invaliditätsgrad im ausserordentlichen Bem essungsverfahren (erwerblich gewich- teter Betätigungsvergleich) zu ermitteln, denn der Be schwerdeführer übt heute eine andere Tä- tigkeit aus als in der B.____ GmbH und zudem ist über di e genannte Gesellschaft im Februar 2013 der Konkurs eröffnet worden, was zum Dahinfallen der Voraussetzungen für die Ermitt- lung des erwerbsbezogenen Invaliditätsgrades im ausseror dentlichen Verfahren geführt hat (vgl. Urteil G. des Bundesgerichts vom 7. November 2012, 9C_424/2012, E. 5.3 mit Hinweisen). Unter den geschilderten Umständen ist daher der Invalidi tätsgrad des Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu ermitteln und das Valideneinkommen ist auf der Grundlage der LSE-Tabellenlöhne zu berechnen , wobei die für die Entlöhnung im Ein- zelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und ber uflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (Urteil A. des Bundesgerichts vom 22. August 2016, 9C_361/2016, E. 5.2.2 mit Hinweisen). Die IV-Stelle ist in der angefochtenen Verfügung in dieser Weise vorgegangen, was sich nach dem Gesagten als rechtens erweist. 7.3 Die IV-Stelle ist in ihrer Berechnung gestützt a uf die Lohndaten der LSE 2014 zu einem Valideneinkommen des Versicherten von Fr. 89'958.-- ge langt. Dabei ist sie in Anwendung der Tabelle TA1 (“Privater Sektor“) vom Durchschnittslohn der Männer im Sektor “Baugewerbe“ (Ziff. 41 - 43) im Kompetenzniveau 3 und somit von ei nem Betrag von Fr. 7‘243.-- ausgegan- gen. In Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung und nach Umrechnung auf die betriebs- übliche wöchentliche Arbeitszeit im betreffenden Sektor hat sie das vorstehend erwähnte Vali- deneinkommen von Fr. 89‘958.-- pro Jahr ermittelt. D ie konkrete Berechnung, die vom Versi- cherten in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden ist, erweist sich als korrekt. Unter diesen Umständen kann an dieser Stelle von weite ren Erörterungen hierzu abgesehen und stattdessen auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stelle in der angefochtenen Ver- fügung verwiesen werden. 7.4 Der Beschwerdeführer erachtet das von der IV-Stelle ermittelte Valideneinkommen von Fr. 89‘958.-- allerdings als deutlich zu tief. In seiner Beschwerde errechnet er - seinen Angaben zufolge gestützt auf die LSE 2014 und anhand des Durch schnittslohns der Männer im Sektor “Baugewerbe“ im „Kompetenzniveau 1 + 2“ - ein Invalid eneinkommen von Fr. 103‘483.-- und anhand einer Mischrechnung (Durchschnitt aus dem „Kompete nzniveaus 1 + 2“ und dem Kom- petenzniveau 3) ein solches von Fr. 97‘046.--. Leider lassen sich diese Berechnungen anhand der Tabellenlöhne der LSE 2014 nicht exakt nachvollzieh en. Zum einen ist nicht klar, von wel- chem Kompetenzniveau der Beschwerdeführer effektiv ausgegangen ist, denn bei dem von ihm erwähnten Kompetenzniveau 1 handelt es sich um das nied rigste Niveau („einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art“), das im vorliegend en Zusammenhang klarerweise nicht in Frage kommt. Zum andern würde eine Mischrechnung (Du rchschnitt der beiden anspruchs- vollsten Kompetenzniveaus 4 + 3) nicht zu einem Betrag v on Fr. 103‘483.--, sondern zu einem solchen von Fr. 101‘049.-- ([Fr. 9‘029.-- + Fr. 7‘243. -- : 2] : 40 x 41,4) führen. In seiner Replik legt der Beschwerdeführer sodann noch dar, dass gemäss d en Einkommenszahlen im “Lohn- rechner.ch“ 50 % der Plattenleger mit Aufsichtsfunktione n im Jahr 2015 ein Jahresgehalt von Fr. 96‘590.-- erzielen würden. Wie es sich mit diesen verschiedenen Einkommen verhält, die für den Beschwerdeführer als mögliche Valideneinkommen in Frage kommen, braucht nun aber nicht weiter geprüft zu werden. Selbst wenn man nämli ch vom höchsten der vom Versicherten Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht genannten Beträge, also von einem Valideneinkommen vo n Fr. 103‘483.--, ausgehen und die- sen Betrag dem massgebenden Invalideneinkommen von Fr. 6 6‘652.-- (vgl. E. 6.7 hiervor) ge- genüberstellen würde, so ergäbe dies im Einkommensvergleich einen Invaliditätsgrad von ledig- lich 35,6 % bzw. gerundet von 36 %. Somit würde aber a uch die für den Beschwerdeführer vor- teilhafteste Berechnungsvariante nicht zu einem für ein en Rentenanspruch mindestens erfor- derlichen Invaliditätsgrad von 40 % führen. 7.5 Lediglich zur Ergänzung sei noch Folgendes erwähnt : Wie oben ausgeführt (vgl. 7.2.2 hiervor), fällt vorliegend bei der Bemessung des Valide neinkommens des Versicherten ein Ab- stellen auf dessen IK-Eintragungen ausser Betracht. Zur Vornahme eines “Kontrollvergleichs“ dürfen die betreffenden Lohnzahlen aber ohne Weiter es herangezogen werden. Ein solcher zeigt, dass die im IK ausgewiesenen Einkommen, die der V ersicherte vorerst als selbständiger Plattenleger und später als Geschäftsführer und Platt enleger in der B.____ GmbH erzielt hat, auch nach entsprechender Anpassung an die zwischenzeitliche Lohnentwicklung allesamt tiefer sind als das von der IV-Stelle ermittelte Valideneinkomm en von Fr. 89‘958.--. Dabei ist zu beto- nen, dass diese Feststellung für sämtliche im IK erfassten Löhne gilt, also auch für diejenigen, die aus den Jahren vor dem erstmaligen Auftreten der Berufskrankheit stammen. Somit sind die IK-Eintragungen aber, auch wenn nicht massgeblich auf sie abgestellt werden kann, immerhin ein erhebliches Indiz dafür, dass auch die Bemessung des Validenlohns, den die IV-Stelle dem Einkommensvergleich zu Grunde gelegt hat, nicht zu Ungu nsten des Beschwerdeführers aus- gefallen ist. 8. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die I V-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 31. August 2017 einen Rentenanspruc h des Versicherten zu Recht abge- lehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlic h auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel de r unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdefüh rer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht