<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 102 S.418</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft4"><b>102</b></span> <span class="ft4"><b>Eröffnung. Rechtsmittelfrist.</b></span><br/> <span class="ft5">-</span> <span class="ft4"><b>Lauf der Rechtsmittelfrist, wenn durch einen Eröffnungsfehler die</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Rechtsmittelbelehrung fehlt.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Entscheid des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2002 (2P.176/2002) in Sa-</span><br/> <span class="ft1">chen E.E. gegen Entscheid des Verwaltungsgerichts.</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft3">3. Die Beschwerdeführer behaupten, ihnen sei die definitive</span><br/> <span class="ft3">Veranlagungsverfügung 1999/2000 nie zugestellt worden; sie hätten</span><br/> <span class="ft3">nur das "Beiblatt zur Veranlagungsverfügung" und die definitive</span><br/> <span class="ft3">Steuerrechnung 2000 erhalten. Sie beanstanden in diesem Zusam-</span><br/> <span class="ft3">menhang, dass die ihnen zur Kenntnis gebrachten Schriftstücke keine</span><br/> <span class="ft3">Rechtsmittelbelehrung enthalten hätten, und rügen eine Verletzung</span><br/> <span class="ft3">des Willkürverbots (Art. 9 BV) sowie des Anspruchs auf rechtliches</span><br/> <span class="ft3">Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV). Das Verwaltungsgericht hat hierzu im</span><br/> <span class="ft3">angefochtenen Entscheid ausgeführt, die Beschwerdeführer hätten</span><br/> <span class="ft3">den Verfügungscharakter der Sendung erkennen können, selbst wenn</span><br/> <span class="ft3">ihnen diese nur unvollständig eröffnet worden sein sollte. Sie wären</span><br/> <span class="ft3">deshalb gehalten gewesen, sich bei allfälligen Unklarheiten nach den</span><br/> <span class="ft3">Anfechtungsmöglichkeiten zu erkundigen, weshalb es ihnen nach</span><br/> <span class="ft3">Treu und Glauben verwehrt sei, sich nachträglich auf eine allfällige</span><br/> <span class="ft3">mangelhafte Eröffnung zu berufen.</span><br/> <span class="ft3">Diese Argumentation erscheint nicht verfassungswidrig: Die</span><br/> <span class="ft3">Höhe des steuerbaren Einkommens der Beschwerdeführer ergibt sich</span><br/> <span class="ft3">aus dem fraglichen "Beiblatt", das auch eine detaillierte Zusammen-</span><br/> <span class="ft3">stellung der Einkünfte und Abzüge enthält, welche der Veranlagung</span><br/> <span class="ft3">zu Grunde liegen, und genau dokumentiert, inwiefern die Einschät-</span><br/> <span class="ft3">zung von der Selbstdeklaration der Beschwerdeführer abweicht; der</span><br/> <span class="ft3">geschuldete Steuerbetrag ergibt sich sodann ohne weiteres aus der</span><br/> <span class="ft3">Steuerrechnung. Die Beschwerdeführer, welche nicht vorbringen, sie</span><br/> <span class="ft3">hätten sich über den verbindlichen Charakter der Sendung getäuscht,</span><br/> <span class="ft3">verfügten mithin über die für eine Anfechtung der Veranlagung not-</span><br/> <span class="ft3">wendigen Daten. Unter den gegebenen Umständen hätten sie, wie</span><br/> <span class="ft3">das Verwaltungsgericht zulässigerweise annehmen durfte, Anlass</span><br/> <span class="ft3">gehabt, sich bei der Behörde über den Verbleib der eigentlichen Ver-</span><br/> <span class="ft3">anlagungsverfügung und nach Rechtsmittelmöglichkeiten zu erkun-</span><br/> <span class="ft3">digen, soweit darüber in einem Steuerveranlagungsverfahren, das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">regelmässig (mindestens alle zwei Jahre) nach den gleichen Grund-</span><br/> <span class="ft3">sätzen abläuft, Zweifel bestehen sollten. Es gehört im Übrigen zum</span><br/> <span class="ft3">Allgemeinwissen, dass behördliche Entscheide angefochten werden</span><br/> <span class="ft3">können und dass diese Möglichkeiten durch gesetzliche Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft3">telfristen zeitlich beschränkt sind. Enthält ein behördlicher Entscheid</span><br/> <span class="ft3">keinerlei Rechtsmittelbelehrung, so ist dem Adressaten, der den Ent-</span><br/> <span class="ft3">scheid anfechten möchte, zuzumuten, innert einer üblichen Frist ein</span><br/> <span class="ft3">Rechtsmittel einzureichen oder sich zumindest innert nützlicher Frist</span><br/> <span class="ft3">nach den in Frage kommenden Rechtsmitteln zu erkundigen. Wie</span><br/> <span class="ft3">lange eine solche Frist sein kann, hängt von den konkreten Umstän-</span><br/> <span class="ft3">den ab. Es liegt jedoch nahe, auch dafür im Regelfall die gewöhnli-</span><br/> <span class="ft3">che Dauer einer Rechtsmittelfrist anzunehmen (BGE 199 IV 330</span><br/> <span class="ft3">E. 1c S. 334; René Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische Ver-</span><br/> <span class="ft3">waltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, S. 293). Je-</span><br/> <span class="ft3">denfalls bleiben mangelhaft eröffnete Verfügungen nicht unbe-</span><br/> <span class="ft3">schränkt lange anfechtbar, weshalb es nicht gegen das Willkürverbot</span><br/> <span class="ft3">verstösst, wenn das Verwaltungsgericht zum Schluss kam, auf eine</span><br/> <span class="ft3">gut vier Monate nach Erhalt der Sendung erhobene Einsprache</span><br/> <span class="ft3">müsse nicht eingetreten werden. Dabei ist unerheblich, ob die Be-</span><br/> <span class="ft3">schwerdeführer die eigentliche Veranlagungsverfügung tatsächlich</span><br/> <span class="ft3">nicht erhalten haben: Es erscheint nicht verfassungswidrig, wenn das</span><br/> <span class="ft3">Verwaltungsgericht die Praxis zu Verfügungen ohne Rechtsmittelbe-</span><br/> <span class="ft3">lehrung auch auf solche Verfügungen anwendet, denen es infolge</span><br/> <span class="ft3">einer unvollständigen Eröffnung an einer Rechtsmittelbelehrung</span><br/> <span class="ft3">fehlt. Dies zumindest dann, wenn - wie vorliegend - der gesamte</span><br/> <span class="ft3">Inhalt der streitigen Anordnung für die Adressaten erkennbar war.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>