Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. November 2020 (715 20 215 / 274) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, die Notwendigkeit der Aufgabe der Ar- beitsstelle glaubhaft zu machen. Selbstverschuldete Arbeitslosigkeit bejaht. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Martina de Roche , Advo- katin, Moser de Roche & Partner AG, Rittergasse 35, Postfach 142, 4010 Basel gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1987 geborene A.____ war ab 16. April 2013 b ei der B.____AG als Sachbearbeiter angestellt. Nach erfolgreicher Weiterbildung zum Immobi lienbewirtschafter mit eidg. Fachaus- weis wurde er zum Teamleiter befördert. Mit Aufhebungsvertrag vom 28. November 2015 wurde das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2020 aufgelöst. A m 6. Januar 2020 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum X.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob gleichentags bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basella nd (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 6. Januar 2020. Am 17 . Januar 2020 wurde der Anspruchs- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht beginn auf den 1. Februar 2020 verlegt. Mit Verfügu ng Nr. 616/2020 vom 11. März 2020 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter A rbeitslosigkeit ab dem 1. Februar 2020 für 36 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. D aran hielt die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit B aselland (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, fest (Einspracheentscheid vom 29. April 2020). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin M artina de Roche, am 2. Juni 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteil ung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, es sei der Einspracheent scheid vom 29. April 2020 vollumfänglich aufzuheben. Eventualiter sei die Anzahl Einstelltage angemessen zu reduzieren. Subeventuali- ter sei die Angelegenheit zur neuerlichen Überprüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung hielt er im Wesentlichen fest, dass ihm das Verbleiben an der bisherigen Stelle nicht mehr zumutbar gewesen sei, weshalb kein Verschulden vorliege. C. Die Arbeitslosenkasse schloss mit Vernehmlassung vom 18. September 2020 auf Ab- weisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasse s die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend erfüllte der Beschwerdeführer seine Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassun gs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgeri cht als Versicherungsgericht Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträg er gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwer- de ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO, in der Fassung ab 1. Januar 2019, entscheidet die präsidie- rende Person der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Ka ntonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialent scheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosig- keit für die Dauer von 36 Tagen in der Anspruchsberecht igung eingestellt hat. Bei einem Tag- geld von Fr. 217.35 beläuft sich der Streitwert auf F r. 7'824.60. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherte Person hätte vermeiden o der vermindern können. Als Verwal- tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitsl osenversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicher te Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arb eitslos geworden ist. Selbstver- schuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem n ach den persönlichen Umständen und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalt en der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Die Auflösung des Arbeitsverhältn isses "im gegenseitigen Einvernehmen" gilt aus der Sicht des Arbeitslosenversicherungsrechts grund sätzlich als Auflösung des Arbeits- verhältnisses durch die Arbeitnehmerin bzw. den Arbeitne hmer (vgl. ARV 1979 Nr. 23). Nach ständiger Rechtsprechung ist aber zu prüfen, ob eine versi cherte Person unmissverständlich vor die Wahl gestellt worden ist, selber zu kündigen (b zw. das Arbeitsverhältnis im gegenseiti- gen Einvernehmen aufzulösen) oder aber die Kündigung der Arbeitgeberin entgegen zu neh- men (B ARBARA KUPFER BUCHER , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversiche - rung und Insolvenzentschädigung, Zürich 2013, S. 165 f.). 2.3 Vorliegend ist unbestritten, dass das Arbeitsverhältn is zwischen dem Beschwerdeführer und der B.____AG mit Aufhebungsvereinbarung vom 28. N ovember 2019 per 31. Januar 2020 ohne verbindliche Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgelöst wurde. Weiter ist erstellt, dass die Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf einem geme insam getroffenen Entscheid be- ruht. Anhaltspunkte dafür, dass der Versicherte gezwunge n worden wäre, sein Einverständnis zur Aufhebung des Arbeitsvertrages zu geben, um einer drohenden Kündigung der Arbeitgebe- rin zuvorzukommen, lassen sich den Akten nicht entnehmen u nd werden auch nicht geltend gemacht. Die in gegenseitigem Einvernehmen erfolgte Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist somit als Selbstkündigung zu werten. Damit ist der Tatb estand von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV objektiv erfüllt. 3.1 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzul egen ist. Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/ bb mit Hinweisen; T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Umstände vorlieg en, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zür ich 1998, S. 116). 3.2 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. Juni 1988 über Beschäftigungsförde- rung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinko mmen; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wir d nur das freiwillige Aufgeben einer Stelle ohne triftigen Grund sanktioniert. Damit dürf en bei einer völkerrechtskonformen Ausle- gung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden; insbesonde re sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der versicherten Person zu be rücksichtigen. Vermag die versi- cherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Grün de zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe der Beschäftigung im Sinne de s Übereinkommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). 3.3 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt d ie Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Gesundhei tsgefährdende Arbeitsstellen sind nicht mehr zumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Eine Un zumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherh eit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen der versicherten Person b egnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, welche primär die versicherte P erson im Rahmen der ihr oblie- genden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverh alts beizubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). Das Bundesgericht hat festge halten, dass belastende Verhältnisse am Arbeitsplatz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsve rhältnisses nicht rechtfertigen. Sie kön- nen aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werde n (Urteil des Eidgenössischen Versi- cherungsgerichts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundes gericht, sozialrechtliche Abteilun- gen] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinw eisen). Ferner gilt eine Arbeit, die nicht der Ausbildung der versicherten Person entspricht, als zumutbar, sofern sie die körperlichen Möglichkeiten nicht übersteigt und sachgerecht ausgeführt werden kann (C HOPARD , a.a.O., S. 122). Mit Rücksicht auf die Fähigkeiten soll die versich erte Person vor Überforderung, nicht aber vor Unterforderung geschützt werden (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.3 mit Hinweisen). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8 . Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen ni cht uneingeschränkt; er findet sein Kor- relat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 1 25 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Den Parteien obliegt eine Beweislast jedoch nur inso- fern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu U ngunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst dann Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahme n des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er mitteln, der zumindest die überwie- gende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesge- richts vom 30. November 2015, 8C_662/2015, E. 3.2.). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüg ende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen a nnehmen, wenn sie von ihrem Be- stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Be weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jen er Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die w ahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinweisen). 5. Zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer ein Verschulde n an seiner Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung m it Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV anzulasten ist. Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der rechtserh ebliche Sachverhalt wie folgt dar: Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 6. Januar 2020 gab der Versicherte – ohne inhalt- lich näher darauf einzugehen – an, es hätten diverse G ründe zur Auflösung des Arbeitsverhält- nisses geführt. Die Frage, ob er im Zeitpunkt der Künd igung oder während der Kündigungsfrist wegen Krankheit an der Arbeitsleistung verhindert gewe sen sei, verneinte er. In der Arbeitge- berbescheinigung vom 31. Januar 2020 wies die ehemalig e Arbeitgeberin bei der Frage nach dem Kündigungsgrund darauf hin, dass sich der Versichert e aufgrund der abgeschlossenen Weiterbildung habe weiterentwickeln wollen, sie ihm a ber keine passende Stelle hätte anbieten können. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs führte der Ver sicherte am 21. Februar 2020 an, das Arbeitsverhältnis aus gesundheitlichen Gründen au fgelöst zu haben, wobei er auf das Zeugnis seines Hausarztes Dr. med. C.____, FMH Allgemein e Innere Medizin, vom 7. Januar 2020 verwies. Darin bestätigte dieser eine länger besteh ende und zunehmende Belastungssi- tuation bei der Arbeit. Er habe dem Versicherten bere its im September 2019 geraten, das Ar- beitsverhältnis zu beenden, falls sich die Situation ni cht ändere. Im Arztzeugnis betreffend die Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus gesundheitlichen Grü nden vom 24. Februar 2020 gab Dr. C.____ sodann an, den Versicherten seit dem 19. S eptember 2019 zu behandeln. Er habe gesundheitliche Probleme geschildert, die aufgrund de r Tätigkeit beim Arbeitgeber entstanden seien und ihn bei der Arbeit beeinträchtigt hätten. Er habe sich durch seine Tätigkeit stark unter- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht fordert gefühlt und mit Aggression und Schlafstörungen reagiert. Er sei aufgrund seiner eigenen Untersuchungen und seiner Einschätzung zum Schluss gekomm en, dass es dem Versicherten nicht zumutbar sei, am bisherigen Arbeitsplatz zu verble iben. Der Versicherte sei aber voll ar- beitsfähig. 6.1 Wie unter Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt, gilt d as Verbleiben an einer Arbeitsstelle, welche die Gesundheit der versicherten Person gefährdet, als unzumutbar im Sinne von Art. 16 AVIG. Belegt die versicherte Person durch ein eindeuti ges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Wei terarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist, ist grundsätzlich von einer Unzu mutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen auszugehen. Bei der Prüfung der Unterlagen fä llt zunächst auf, dass kein echtzeitli- ches Arztzeugnis zu finden ist, dem die Unzumutbarkeit des Verbleibens an der bisherigen Stel- le zu entnehmen wäre. Sodann bescheinigen die Zeugnisse des behandelnden Hausarztes Dr. C.____ vom 7. Januar 2020 und 24. Februar 2020 w eder eine (vorübergehende) Arbeitsun- fähigkeit noch legen sie in rechtsgenüglicher Weise dar, weshalb es dem Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar war, am bi sherigen Arbeitsplatz zu verbleiben. Seine Atteste enthalten weder Angaben zur Diagnose noch nehmen sie hinreichend Bezug auf die vom Beschwerdeführer konkret ausgeübte Tätigkeit. D ie nicht weiter begründete Aussage, wonach der Beschwerdeführer infolge Unterforderung zu nehmend aggressiv geworden sei und Schlafstörungen gehabt habe, reichen jedenfalls nicht aus, um den Verbleib an der Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer anderen als gesundheitlich unzumutbar belegen zu können. Daher stel- len die Zeugnisse von Dr. C.____ keine tauglichen Bew eismittel dar. Gegen eine Gesundheits- schädigung, welche eine Kündigung notwendig gemacht hä tte, spricht sodann die Tatsache, dass sich in den Akten keinerlei Anhaltspunkte finden, w onach in der weiter zurückliegenden Vergangenheit bereits einmal aus gesundheitlichen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit bestanden hätte. Es liegen auch keine anderen geeigneten Bewei smittel bei den Akten, die auf eine Un- zumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses schliessen lassen würden. Damit fehlt es am rechtsgenüglichen Nachweis für die Annahme einer Unzu mutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b, AVIV. Die Folgen der Beweislosigkeit hat der Versi- cherte zu tragen, der aus dem unbewiesenen behaupteten Sachverhalt Rechte ableiten möchte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Juni 2014, 9C_70 1/2013, E. 4.1; BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 6.2 Daran vermögen die Ausführungen des Beschwerdeführ ers nichts zu ändern. Soweit er geltend macht, die Beschwerdegegnerin habe den rechtse rheblichen Sachverhalt unzutreffend gewürdigt, kann ihm nicht beigepflichtet werden. Vielmehr ist mit ihr festzustellen, dass sich aus den beigebrachten Zeugnissen des behandelnden Hausarztes Dr. C.____ nicht erschliesst, weshalb die bisherige Arbeit im Sinne von Art. 16 AVIG gesundheitsgefährdend war. Ein zwin- gender Grund zur Stellenaufgabe ist, wie vorstehend b ereits erwähnt, nicht ersichtlich. Bei die- ser Aktenlage wäre es dem Beschwerdeführer in arbeitslosen versicherungsrechtlicher Hinsicht deshalb zumutbar gewesen, seine Anstellung – gegebene nfalls unter einer vorübergehenden Krankschreibung oder einer allfälligen fachärztlichen Therapie – vorerst beizubehalten. Soweit er sich unter Hinweis auf das Urteil des Kantonsgerichts vo m 15. Dezember 2016, KGSV 715 16 112, auf den Standpunkt stellt, mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses habe die dro- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht hende weitere Verschlechterung oder Chronifizierung d es Gesundheitszustands verhindert werden sollen, verkennt er, dass die Sachlage in jenem F all nicht mit dem vorliegenden ver- gleichbar ist. Denn anders als dort wies der Beschwerdefü hrer vor der Kündigung weder ein depressives Zustandsbild noch eine stellenbezogene Beeint rächtigung der Arbeitsfähigkeit auf. Aufgrund der Angaben in den Zeugnissen des behandelnd en Hausarztes Dr. C.____ vom 7. Januar 2020 und 24. Februar 2020 ist vielmehr davo n auszugehen, dass es dem Versicher- ten aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht ohne W eiteres zugemutet werden konnte, bis zum Antritt einer neuen Stelle am bisherigen Arbeitsplatz zu verbleiben. 6.3 Nach dem Gesagten steht fest, dass es dem Beschwerdef ührer im Rahmen der Mitwir- kungspflicht der Parteien (vgl. E. 3.3 hiervor) nicht g elungen ist, die Notwendigkeit der Aufgabe der Arbeitsstelle glaubhaft zu machen. In Anbetracht de r Unterforderung des Beschwerdefüh- rers am früheren Arbeitsplatz kann der Wunsch nach einem Stellenwechsel zwar nachvollzogen werden, eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit d er Folge des Bezugs von Arbeitslo- senentschädigung zu Lasten der Versichertengemeinschaft r echtfertigt sich vorliegend aber nicht, weshalb der Tatbestand der selbstverschuldeten Arb eitslosigkeit gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG als erfüllt zu betrachten ist. Die Einstel lung in der Anspruchsberechtigung ist dem- nach im Grundsatz nicht zu beanstanden. 7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltage durch die Beschwerdegegnerin korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung bemisst sich einzig nach dem Grad des Ver- schuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG). Sie beträgt nach Art. 45 Abs. 3 AVIV 1 – 15 Tage bei leichtem Verschulden, 16 – 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden und 31 – 60 Tage bei schwerem Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet die A rbeitslosenkasse nach pflichtgemäs- sem Ermessen. 7.2 Gemäss Art. 45 Abs. 4 AVIV liegt ein schweres Verschul den vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeit sstelle ohne Zusicherung einer neu- en aufgegeben (lit. a) oder eine zumutbare Arbeit a bgelehnt hat (lit. b). Unter einem entschuld- baren Grund im Sinne dieser Bestimmung ist ein Grund zu verstehen, der das Verschulden mit- telschwer oder leicht erscheinen lassen kann. Ein solcher im konkreten Einzelfall liegender Grund kann die subjektive Situation der betroffenen P erson oder eine objektive Gegebenheit beschlagen (BGE 130 V 125 E. 3.5) und zu einer Untersch reitung des Sanktionsrahmens füh- ren. 7.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin das Verhal ten des Beschwerdeführers als schweres Verschulden qualifiziert, was eine Einstellungsd auer von 31 – 60 Tagen zur Folge hat. Zur Feststellung des individuellen Verschuldens und für die Bemessung der Einstellung bei schwerem Verschulden ist gemäss Bundesgericht vom Mittelwe rt der Spanne von 31 bis 60 Tagen – d.h. 45 Tagen – auszugehen (Art. 45 Abs. 3 Bst . c AVIV); erschwerende oder mildern- de Faktoren und das Prinzip der Verhältnismässigkeit sind z u berücksichtigen (BGE 123 V 150 E. 3c). Die Beschwerdegegnerin hat 36 Einstelltage ver fügt und damit den Mittelwert unter- schritten. Diese Beurteilung liegt in ihrem Ermessen u nd ist daher nicht zu beanstanden, vor allem da sich die Einstellung in der Anspruchsberechtigu ng im unteren Bereich des schweren Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verschuldens bewegt. Damit ist aber auch dem Umstand Rech nung getragen, dass – wie der Beschwerdeführer geltend macht – die Auflösung des Arb eitsverhältnisses auf Anraten seines Arztes erfolgt sei. Gründe, die eine weitere Reduktio n der Einstelltage oder gar eine Unter- schreitung des Sanktionsrahmens für schweres Verschulden re chtfertigen würden, sind nicht ersichtlich. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu se in hat. Es sind demnach für das vorlie- gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Parteien tschädigung wird bei diesem Verfah- rensausgang nicht zugesprochen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht