Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Dezember 2018 (720 18 249 / 332) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Auf die v ersicherungsinterne RAD- Beurteilung kann vorliegend abgestellt werden. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Roman Baumgartner, Advokat, Simonius Pfrommer & Partner, Aeschenvorstadt 67, Post- fach, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1974 geborene und zuletzt als Reinigungskraf t in verschiedenen Privathaushalten tätig gewesene A.____ erlitt im Jahr 2013 einen Unf all, als sie bei Ausübung ihrer Arbeit ohn- mächtig wurde und dabei eine Treppe hinunterstürzte . Seit diesem Ereignis klagt A.____ über Schmerzen im Handgelenk. Für die Folgen dieses Unfa lls erbrachte die Schweizerische Unfall- versicherungsanstalt (Suva) bis zum 1. November 2013 die gesetzlichen Leistungen. Gegen die mit Verfügung vom 2. Juni 2014 bzw. Einspracheentsc heid vom 16. Januar 2015 erfolgte Ein- stellung der gesetzlichen Leistungen erhob A.____ B eschwerde beim Kantonsgericht Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge richt), welches die Beschwerde mit Urteil vom 25. September 2015 (Verfahren-Nr. 725 15 66) abwies. Mit Gesuch vom 13. Januar 2016 meldete sich A.____ unt er Hinweis auf den besagten Unfall bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Ab- klärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhält nisse ermittelte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) bei der Versicherten einen Inval iditätsgrad von 5%. Gestützt darauf und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens lehnte sie d as Leistungsbegehren mit Verfü- gung vom 4. Juli 2018 ab. B. Gegen diese Verfügung reichte die Versicherte, vertr eten durch Advokat Roman Baumgartner, mit Eingabe vom 10. August 2018 Beschwerd e beim Kantonsgericht ein. Darin beantragte sie, in Aufhebung der angefochtenen Verfüg ung vom 4. Juli 2018 sei die Beschwer- debeklagte zur Erbringung der gesetzlichen Leistungen zu verpflichten. Eventualiter sei die Sa- che zur Einholung von weiteren medizinischen Abklärungen und zur anschliessenden Neube- rechnung an die Beschwerdebeklagte zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht beantragte sie die unentgeltliche P rozessführung mit Advokat Baumgartner als unentgeltlichem Rechtsbeistand. Zur Begründung mach te sie im Wesentlichen geltend, mit Blick auf die vorhandene medizinische Aktenlage sei eine vo llständige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht nachvollziehbar. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlas- sen eine umfassende Abklärung vorzunehmen. Überdies sei be i der Bemessung des Invalidi- tätsgrades zu Unrecht auf den Sektor Total der LSE 2014 abgestellt worden. C. In ihrer Vernehmlassung von 24. September 2018 schlo ss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 15. August 2018 bewilligte die instruierende Präsidentin des Kan- tonsgerichts der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Baumgartner als unentgeltlichem Rechtsvertreter. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist der Anspr uch auf eine Invalidenrente. Massge- bend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 12. Ja- nuar 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet recht sprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; allgemeine Methode des Einkommensvergleichs). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen hingegen kommt nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachper sonen oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen v orzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.1 Für die Beurteilung der vorliegenden Streitsache sind die folgenden medizinischen Unterlagen von Relevanz: 5.2 Nachdem im September 2015, rund zweieinhalb Jahre im Anschluss an das Unfaller- eignis, unklare brennende Beschwerden im Bereich der St recksehnen II der rechten Hand di- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht agnostiziert worden waren, erfolgte am 29. September 2015 eine MRI-Untersuchung zuhanden der Schmerzklinik B.____. Diese zeigte ein Ödem der bin degewebigen Strukturen im Karpal- tunnel, eine minimale Kapsulitis des Kapsuloligament ären Apparates über der Handwurzel und eine Läsion des radialen Seitenbandes im MCPII. Ferner konnte eine diskrete Peritendinitis der Flexorensehnen II-V auf Höhe der metakarpophalangealen Gelenke ausgemacht werden. 5.3 Anlässlich einer ärztlichen Untersuchung vom 3. März 2 016 diagnostizierte Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trau matologie des Bewegungsapparates und Handchirurgie, ein chronisches therapieresistentes Ü berlastungssyndrom der Extensor carpi ulnaris (ECU) Sehne (Beugesehne)/OS pisiforme (E rbsenbein) mit einer Tendinopathie der ECU Sehne am Handgelenk rechts. Die MRI-Untersuchu ng habe degenerative Verände- rungen im Bereich der ECU Sehne mit Peritendinitis b ei sonst fehlenden Zeichen einer aktiven Entzündung ergeben. Die Beschwerden seien eindeutig überlastungsbedingt. Im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit als rechtsdominante Haushälterin verrichte die Patientin vermutlich mit chronisch repetitiven Flexionsulnarduktionsmanövern des rech ten Handgelenks ihre Arbeiten. Dies führe zu einer Überlastung der ulnarseitigen Flexor en und Extensoren sowie zu einem Schmerzsyndrom im Bereich des OS pisiforme. Aus handchirur gischer Sicht könne das Prob- lem nicht mittels einer operativen Massnahme behoben wer den, weshalb eine solche als nicht sinnvoll zu erachten sei. Die Handgelenkflexoren und - extensoren sollten bestmöglich entlastet werden. Gegebenenfalls mit Steroidinfiltrationen resp . ergotherapeutischen Massnahmen im weiteren Verlauf. Eine berufliche Umorientierung sei stark zu empfehlen. Die Patientin werde sich weiterhin in die Behandlung ihres Rheumatologen, Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, begeben um entsprechende Therapien zu veranlassen. 5.4 Am 17. März 2016 empfahl Dr. D.____ die Ruhigstel lung des rechten Handgelenks mittels einer Schiene. Dabei attestierte er eine Arbei tsunfähigkeit von 50% seit Januar 2015 für die ausgeübte Tätigkeit als Reinigungsfachfrau. 5.5 Im Rahmen einer Verlaufskontrolle berichtete Dr. D .____ am 23. März 2016, dass die Patientin weiterhin Schmerzen im Handgelenk angebe, wobei eine beklagte Schwellung medi- zinisch nicht objektivierbar sei. Im letzten MRT habe sich n och ein leichtes Restödem um die Sehne des Musculus extensor carpi ulnaris gezeigt, welche von radiologischer Seite als dege- nerativ beurteilt worden sei. Insgesamt habe sich das klinische Bild nicht weiter in Richtung ei- ner undifferenzierten Arthritis ausgebildet. 5.6 Anlässlich einer am 15. Juni 2016 durchgeführten MRI-Untersuchung infolge Schmer- zen im Bereich der Achillessehne wurde eine geringe Bu rsitis subachillea und eine reizlose Achillessehne ausgemacht. Ferner wurde etwas vermehrt Flüssigkeit im oberen und unteren Sprunggelenk bei im Übrigen intakten Rückfussehnen festgestellt. 5.7 Bei einer weiteren Verlaufsuntersuchung in der Sch merzklinik B.____ konnte Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin (D), am 24. April 2017 eine schmerzfrei rotierbare Halswirbelsäule feststellen . Die linke Schulter sei gut mobilisierbar, es werde ein Endphasenschmerz bei Abduktion und Elevation der rechten Schulter angegeben. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Die Ellbogen-, Hand- und Fingergelenke seien schmerz frei mobilisierbar, es finde sich aber ein zirkumskripter Druckschmerz am ulnaren Anteil des Radioulnar gelenks. Zusammenfassend handle es sich um eine chronische Überlastungsreaktion im Radikarpalgelenk rechts, so wie dies auch von Dr. C.____ am 3. März 2016 festgestellt worden sei. Mittelfristig werde wahr- scheinlich eine Umschulungsmassnahme erforderlich. Denkbar wäre ein Lehrbereich in der Pflege, wo das Heben und Tragen von schweren Lasten nicht mehr erforderlich sei. 5.8 Mit Verlaufsbericht vom 11. September 2017 empfa hl Dr. E.____ die Fortführung der physiotherapeutischen Behandlung. Ferner verneinte er die Frage, ob die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit durch medizinische Massnahmen ver bessert werden könnte sowie die Frage, ob ergänzende medizinische Abklärungen erforder lich seien. Die Ausübung einer lei- densadaptierten Tätigkeit ohne repetitive Handgelenksbewegungen erachtete er als zumutbar. 5.9 Am 30. Oktober 2017 erfolgte eine Gesamtbetrachtun g der medizinischen Aktenlage durch Dr. med. F.____, Fachärztin für Physikalische und Reh abilitative Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD). Seitens der seit Ja nuar 2015 beklagten und inzwischen chronifizierten Handgelenksbeschwerden rechts (chronische Üb erlastungsreaktion aufgrund manueller/monoton repetitiver Belastung in ihrer ang estammten Tätigkeit als Haushälterin in diversen privaten Haushalten) sei die Arbeitsfähigkeit d auerhaft bleibend eingeschränkt, dies bei einer chronischen Tendinopathie radiocarpal. In e iner leidensadaptierten Tätigkeit sei die Versicherte als ganztags arbeitsfähig einzustufen. 5.10 Nachdem die Versicherte gegen den Vorbescheid vom 7 . Februar 2018 Einwand erho- ben hatte, legte die IV-Stelle die medizinische Aktenla ge erneut Dr. F.____, RAD, zur Stellung- nahme vor. Diese führte am 18. April 2018 aus, dass sich die von den involvierten Ärzten attes- tierte Arbeitsunfähigkeit von 100% stets auf die angest ammte Tätigkeit bezogen habe, was auch aus ihrer Sicht korrekt und plausibel erscheine. Ve rsicherungsmedizinisch lasse sich für eine leichte Tätigkeit, ohne monotone und repetitive B elastung der Handgelenke und ohne re- petitive Überkopfarbeiten, keine Einschränkung der pro zentualen Arbeitsfähigkeit begründen. Den Ausführungen von Dr. E.____ zufolge könne die Ve rsicherte die Schultergelenke frei be- wegen. Erst in den Endphasen der Abduktion und Elevat ion gebe sie einen Schmerz an, womit ihr unbelastete Arm-/Schulterbewegungen, welche nich t über Kopfniveau ausgeführt würden, zumutbar seien. Des Weiteren waren auch die Hand- und Fingergelenke schmerzfrei beweg- lich. Es konnte lediglich ein lokaler Druckschmerz über der Elle palmar im Bereich des rechten Handgelenks ausgelöst werden, der auf eine Überlastung der Beugesehne über der Elle zu- rückgeführt worden sei. Diese Druckschmerzhaftigkeit sei bereits von Dr. C.____ im März 2016 festgestellt und auf die berufsbedingte Überlastung als Haushälterin zurückgeführt worden. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochte nen Verfügung vom 4. Juli 2018 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf d ie vorhandene medizinische Aktenla- ge, namentlich die versicherungsmedizinischen Beurteilunge n der RAD-Ärztin Dr. F.____ vom 30. Oktober 2017 bzw. vom 18. April 2018. Demzufolge ging sie davon aus, dass der Versicher- ten in einer leidensadaptierten Tätigkeit keine Einschr änkung der Arbeitsfähigkeit angerechnet werden könne. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Wie in Erwägung 4.4 dargelegt, kommt den Berichten versicherungsinterner Ärzt innen und Ärzte rechtsprechungs- gemäss zwar nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Ver fahren nach Art. 44 ATSG einge- holten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Solche Berich- te sind aber soweit zu berücksichtigen, als keine – auch nu r geringe – Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen. Vorliegend ist kein G rund ersichtlich, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. F.____ zu zweifeln. Es ist vielme hr festzuhalten, dass sich Dr. F.____ ausführlich mit den bei den Akten liegenden medizinische n Unterlagen auseinandersetzt und nachvollziehbar aufzeigt, dass die von der Versicherten beklagten Beschwerden im Bereich des rechten Handgelenks auf eine Überlastung der Beugesehn e zurückzuführen seien. Dabei legt sie schlüssig dar, dass deren Ursache in der monotonen repe titiven Belastung in der ausgeüb- ten Tätigkeit als Haushälterin/Reinigungskraft zu finden sei, weshalb sie dieselbe der Versicher- ten als nicht mehr zumutbar erachtet. Mit Blick auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen, insbesondere den Bericht von Dr. C.____ vom 3. März 2016, ist denn auch ihre Beurteilung, wonach die erhobenen Befunde aber keine massgebliche Li mitierung der Leistungsfähigkeit in einer körperlich angepassten Tätigkeit ohne repetitive Handgelenksbewegungen und ohne Überkopftätigkeiten zu bewirken vermögen, nachvollziehbar. 6.3 Die Beschwerdeführerin stellt die Zumutbarkeit ein er vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit in Abrede. In diesem Zusa mmenhang macht sie insbesondere gel- tend, es sei keine eingehende Auseinandersetzung mit den Befunden der behandelnden Ärzte erfolgt, weshalb die Annahme einer vollen Arbeitsfähi gkeit gänzlich unbegründet bleibe. Dies- bezüglich ist unter Hinweis auf das eben Dargelegte fes tzuhalten, dass sich die von der Versi- cherten geklagten Beschwerden der übereinstimmenden medizinischen Aktenlage zufolge inso- fern äussern, als infolge einer berufsbedingten Überla stung des rechten Handgelenks als Haushälterin/Reinigungskraft eine Druckschmerzhaftigkeit der Beugesehne besteht. Dabei ist unbestritten, dass ihr die besagte Tätigkeit angesichts ei ner drohenden Chronifizierung der ent- sprechenden Beschwerden nicht mehr zumutbar ist. Den beste henden funktionellen Einbussen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wird aber durch ein eingeschränktes Zumutbarkeitsprofil – ohne entsprechende monotone Handgelenksbewegungen u nd ohne Überkopftätigkeiten – vollumfänglich Rechnung getragen, sodass die erhobenen Befunde in einer angepassten Tätig- keit keine weitergehende Einschränkung zu begründen vermö gen. Gestützt auf die medizinisch massgebenden Unterlagen lassen sich sodann weder andersl autende Zumutbarkeitsbeurtei- lungen noch Hinweise für eine weitergehende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausmachen und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht vorgeb racht. So enthalten denn auch die anlässlich des Beschwerdeverfahrens ins Recht gelegten Be richte vom 18. Juli bzw. vom 21. Oktober 2018 neben den bereits bekannten Diagnosen keine Anhaltspunkte, die eine ande- re Betrachtungsweise zu rechtfertigen vermöchten. Vor di esem Hintergrund durfte die Vo- rinstanz in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 137 V 64 E. 5.2; 136 I 229 E. 5.3) – ohne gegen den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) zu versto ssen – auf weitere medizinische Abklärungen verzichten. 7.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), i st der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad best immen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). In zeitlicher Hinsicht ist grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222, 128 V 174). 7.2 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vo m 4. Juli 2018 den zur Ermittlung des Invaliditätsgrades erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei ermittelte sie sowohl das massgebende Validen- wie auch das zumutbare Inv alideneinkommen in Anwen- dung der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruktur erhebung (LSE). Grundlage hierfür bildete jeweils die Tabelle TA1, Privater Sektor, Kompetenzniveau 1, Frauen, der LSE 2014 und damit ein monatliches Einkommen von Fr. 4‘300.--. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden und nach Anpassung des Be trags an die branchenübliche Nomi- nallohnentwicklung errechnete sie dabei ein Validenein kommen in der Höhe von Fr. 54‘062.-- und – nach Vornahme eines Abzugs vom Tabellenlohn in der Höhe von 5% – ein entsprechen- des Invalideneinkommen von Fr. 51‘359.--. Anhand der Gegenüberstellung der Vergleichsein- kommen ermittelt sie einen Invaliditätsgrad von 5%. 7.3 Die Beschwerdeführerin macht im Zusammenhang mit d er konkreten Berechnung gel- tend, das Valideneinkommen sei mit Blick auf ihre ursp rüngliche Ausbildung zur Pflegerin ge- stützt auf die entsprechende Kategorie zu ermitteln. Angesichts der Tatsache, dass sie ihre bis- herige Tätigkeit als Haushälterin nicht mehr ausüben kön ne, käme hinsichtlich der Festsetzung des Invalideneinkommens ferner nur noch die Kategorie „Sonstige wirtschaftliche Dienstleistun- gen“ in Betracht. Dem Einwand der Beschwerdeführerin wäre wohl dahingehend beizupflichten, dass das Invalideneinkommen gestützt auf die genannte K ategorie zu bestimmen wäre. Was das Vorbringen in Bezug auf das Valideneinkommen anbelangt, so gälte es zu berücksichtigen, dass bei der Ermittlung desselben in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdie nst angeknüpft wird, da es empiri- scher Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1). Die Tatsache, dass die Versicherte bis zum Eintritt der Invalidität nicht als Pflegerin, sondern vielmehr seit me hreren Jahren als Haushälte- rin/Reinigungskraft tätig war, stünde der Festsetzung d es Valideneinkommens gestützt auf die von der Beschwerdeführerin beantragte Kategorie entgeg en. Wie es sich damit im Detail ver- hält, braucht letztlich aber nicht abschliessend beantwo rtet zu werden. Selbst wenn man den Vorbringen der Beschwerdeführerin vollumfänglich stat tgeben würde, resultierte bei einer Ge- genüberstellung eines Valideneinkommens von Fr. 56‘755. -- und eines Invalideneinkommens von Fr. 47‘432.-- sowie unter Berücksichtigung eines leide nsbedingten Abzuges von 5% ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von lediglich 20%. 8. Nach dem Gesagten ist die Verfügung der Beschwerdege gnerin vom 4. Juli 2018 nicht zu beanstanden. Bei diesem Ergebnis ist die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihr ist allerdings mit verfahrenslei- tender Verfügung vom 15. August 2018 die unentgeltli che Prozessführung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 9.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da der Beschwerdeführerin mit prozessleitender Verfügung vom 15. August 2018 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertrete r bewilligt worden ist, hat dessen Ent- schädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Ver- beiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 22. November 2018 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 7 Stunden und 5 Mi- nuten sowie Spesen und Auslagen von insgesamt Fr. 81.-- geltend gemacht, was umfangmäs- sig nicht zu beanstanden ist. Ihm ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘613.-- (7 Stun- den und 5 Minuten à Fr. 200-- zuzüglich Spesen und Au slagen von Fr. 81.-- sowie 7.7% Mehr- wertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeistä ndung wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 1‘613.-- (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet.