Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Juni 2020 (720 19 373 / 140) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advo- katin, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1961 geborene A.____ war seit 1. Juni 2005 zue rst in einem Vollpensum und ab 1. Januar 2012 in einem Pensum von 80 % als Sachbearb eiterin bei B.____ angestellt. Dieses Arbeitsverhältnis wurde ihr durch die Arbeitgeberin p er Ende Dezember 2016 aufgrund "eines Stellenabbaus im Rahmen eines Optimierungsprojekts" gekü ndigt. Am 11. Juli 2017 meldete sich A.____ unter Hinweis auf ein Rückenleiden und ein e Depression bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Na ch ersten Abklärungen der ge- sundheitlichen und der erwerblichen Verhältnisse gewährt e die IV-Stelle Basel-Landschaft der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherten ab Januar 2018 berufliche Massnahmen der IV in Form von Arbeitstrainings. In deren Verlauf gelangte die Abteilung Berufsberatung der IV-Stelle jedoch zur Auffassung, dass sich aktuell keine Pensumssteigerung erzielen lasse, weshalb man den Eingliederungsauftrag beende. Dies teilte sie A.____ am 13. Juni 2018 mit, gleichzeitig orientierte sie die Versicherte darüber, dass man das Dossier zur Prüfung eines allfällig en Rentenanspruchs an die hierfür zuständige Abteilung weiterleite. Letztere gab in der Folge zusätzliche Abklärungen - insbeson- dere zum aktuellen Gesundheitszustand der Versicherten - in Auftrag. Nachdem deren Ergeb- nisse vorlagen, wies die IV-Stelle einen Rentenanspruch von A.____ - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 16. Oktober 20 19 ab. Zur Begründung machte sie geltend, die Abklärungen hätten ergeben, dass aus medi zinsicher Sicht für den Zeitraum vom 10. Juli 2017 bis Ende Oktober 2017 eine volle Arbeit sunfähigkeit attestiert werden könne. Seit 1. November 2017 sei der Versicherten die angestammte Bürotätigkeit jedoch wieder ohne Ein- schränkungen ganztags zumutbar. Somit seien die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch nicht erfüllt. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Raffaella Biaggi, am 9. November 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsgericht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angef ochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verurteilen, ihr die ge setzliche Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei der rechtserhebliche medizinische Sachv erhalt durch das Gericht im Rahmen eines psychiatrischen Gutachtens abzuklären, subeventualiter sei die Sache zur Abklärung des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts an die Beschwe rdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Januar 2020 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführun gen eine Beurteilung von Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 17. Januar 2020 und eine Aktennotiz des RAD-Arztes Dr. med. D.____, Facharzt für All- gemeinmedizin, vom 22. November 2019 bei. D. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Rep- lik vom 6. Februar 2020 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesent- lichen bisherigen Vorbringen fest. Die IV-Stelle wiede rum beantragte in ihrer Duplik vom 28. Februar 2020 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. L aut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 9. November 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, ob und gegebe- nenfalls in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrun d ihrer gesundheitlichen Beein- trächtigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). 4.1 Vorliegend gab die IV-Stelle nach dem erfolglos en Abschluss der vorerst gewährten beruflichen Massnahmen zur Abklärung des aktuellen Gesu ndheitszustands und der Arbeitsfä- higkeit der Versicherten bei den Dres. med. E.____, Rh eumatologie FMH und Innere Medizin FMH, und F.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ei n bidisziplinäres (rheumatologi- sches/psychiatrisches) Gutachten in Auftrag. 4.2.1 Im rheumatologischen Teilgutachten vom 21. Janu ar 2019 gelangte Dr. E.____ zum Ergebnis, dass keine rheumatologischen Diagnosen mit Auswir kung auf die Arbeitsfähigkeit bestehen würden. Als Gesundheitsbeeinträchtigungen ohn e Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er (1) ein chronisches Lumbovertebralsyn drom mit/bei (1.1) ausgeprägter Fehl- form (ausgeprägte Hyperkyphose der BWS, kompensatorische Hyperlordose der LWS), (1.2) altersentsprechenden degenerativen Befunden und Stat us nach M. Scheuermann sowie (1.3) tendomyotischen Befunden im Sinne von muskulären Verspannungen und Insertionstendinosen der Beckenkämme beidseits; (2) eine Adipositas per magna , (3) Genua valga beidseits, (4) Knick-Senk-Spreizfüsse beidseits und (5) ein Lymphödem. W as die Arbeitsfähigkeit der Explo- randin betreffe, würden sich aus den Akten keine Hinwe ise ergeben, wonach diese aus somati- scher Sicht jemals eingeschränkt gewesen sei. Auch aktuell bestehe aus seiner fachärztlichen Optik für die angestammte Bürotätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bezogen auf ein Ganz- tagespensum. Aufgrund dieser Einschätzung entfalle die Beantwortung der Frage nach der Ar- beitsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit. E s sei jedoch zu erwähnen, dass der Ver- sicherten aufgrund der Rückenproblematik keine dauernd mittelschweren oder schweren Arbei- ten möglich seien. 4.2.2 Im psychiatrischen Teilgutachten vom 25. Januar 20 19 gelangte Dr. F.____ zur Auffas- sung, dass sich aus psychiatrischer Sicht ebenfalls keine Diag nose mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit erheben liesse. Als Leiden ohne Auswirkung en auf die Arbeitsfähigkeit lägen ein Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Rea ktion (ICD-10 F43.21) und eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54) vor. In seiner Beurteilung führte Dr. F.____ aus, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten sei von ihrer Persönlichkeit her nicht beeinträchtigt. Die Explo- randin sei belastet durch die erfolglose Arbeitssuche. Tro tz intensivem Bemühen habe sie nur Absagen erhalten, was sie bedrücke. Zudem sei sie auch du rch die ungewisse berufliche und finanzielle Zukunft belastet. Die Versicherte lebe alleine, versorge den Haushalt selbständig, sie gehe einigen Interessen nach und pflege regelmässig sozi ale Kontakte. In der Untersuchungs- situation habe die Explorandin einzig leichte Einschrän kungen aufgrund der Rückenbeschwer- den geschildert, die sich vor allem bei längerem Stehe n bemerkbar machen würden. Sie besu- che deswegen regelmässig eine physiotherapeutische Behandlu ng. Dass sie im Alltag (auch) durch psychische Beschwerden beeinträchtigt sei, habe die Explorandin nicht berichtet. Im Rahmen der Untersuchung hätten keine psychopathologische n Befunde erhoben werden kön- nen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bei der Versicherten sei 2017 in der Klinik G.____ eine mittelgradige depressive Episode diag- nostiziert worden. Die depressive Symptomatik sei ganz e indeutig durch den Verlust des Ar- beitsplatzes und die erfolglose Arbeitssuche ausgelös t worden. Es handle sich also um eine Anpassungsstörung. Es liessen sich keine Hinweise für eine eigenständige, endogene Depres- sion finden. Die depressive Symptomatik habe sich vollständi g zurückgebildet. Bereits beim Austritt aus der Klinik G.____ seien lediglich noch mini male Symptome vorhanden gewesen. Somit könne rückwirkend aus psychiatrischer Sicht nur vorüb ergehend eine geringgradige Be- einträchtigung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Im Rahmen der durchgeführten beruflichen Massnahmen habe die Explorandin Schwierigkeiten gehabt , sich auf neue Situationen einzu- stellen. Sie habe zeitlebens bei einer Bank gearbeitet, sie habe nach wie vor Mühe zu akzeptie- ren, dass sie entlassen worden sei, und sie habe Schwier igkeiten, sich in neue Berufsfelder einzuarbeiten. Dies lasse sich aber nicht durch ein psychiat risches Leiden begründen. Die de- pressive Störung Episode sei remittiert, aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähig- keit mehr. 4.2.3 Im Rahmen ihrer interdisziplinären Konsensbeurt eilung vom 25. Januar 2019 hielten die Dres. E.____ und F.____ fest, dass bei der Versicher ten aus rheumatologischer und aus psychiatrischer Sicht in der angestammten Bürotätigkeit ein e Arbeitsfähigkeit von 100 % beste- he. Unter diesen Umständen stelle sich die Frage nach de r Arbeitsfähigkeit in einer angepass- ten Verweistätigkeit nicht. Immerhin sei diesbezüglich zu erwähnen, dass der Versicherten auf- grund der Rückenproblematik keine dauernd mittelschweren oder schweren Arbeiten möglich seien. 4.3 Nachdem die Versicherte nach Erstellung des erwähnten bidisziplinären Gutachtens zusätzliche aktuelle Arztberichte eingereicht hatte, legt e die Beschwerdegegnerin diese Doku- mente den Gutachtern Dres. E.____ und F.____ vor. In seinen ergänzenden Ausführungen vom 18. Juli 2019 hielt Dr. E.____ zusammenfassend fest, da ss die ihm zusätzlich zur Verfügung gestellten Akten keine neuen diagnostischen, bisher nic ht bekannten Aspekte umfassen wür- den. Sein Gutachten vom 21. Januar 2019 habe deshalb nach wie vor volle Gültigkeit. Sodann wies auch Dr. F.____ in der Stellungnahme vom 19. Aug ust 2019 zusammenfassend darauf hin, dass sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten in Anbetracht der in der Zwi- schenzeit eingegangenen Akten aus seiner fachärztlichen S icht nicht verändert habe. Es wür- den sich keine Hinweise finden, wonach die Explorandin jemals während längerer Zeit an einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode gelitt en habe. Somit könne aus psychiatri- scher Sicht keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. 5. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 16. Oktober 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeits fähigkeit der Versicherten auf die Er- gebnisse, zu denen die Gutachter Dres. E.____ und F._ ___ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 21./25. Januar 2019 gelangten. Sie ging davon aus, dass der Versicherten zwar vom 10. Juli 2017 bis Ende Oktober 2017, d.h. für die Zeit kurz vor, während und noch kurz nach dem stationären Aufenthalt in der Klinik G.____ eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Seit dem 1. November 2017 sei ihr jedoch gemäss den gutachterlichen Feststellungen die angestammte Bürotätigkeit wieder ohne Einschränku ngen ganztags zumutbar. Diese vor- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht instanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wi e oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hier- vor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens einge holten Gutachten externer Spezial- ärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobach tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. E.____ und F.____ vom 21./25. Januar 2019 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es i st - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) - für die streitigen Belang e umfassend, es beruht auf allseitigen Unter- suchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten ab- gegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medi zinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich ausreichendmit den vorhan- denen abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolge- rungen überzeugend. 6. Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht gee ignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Dres. E.____ und F.____ vom 21./25. Januar 2019 in Frage zu stellen. 6.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Versicherte - zu Rech t - keinerlei Einwände gegen das rheumatologische Teilgutachten von Dr. E.____ erhebt. Somit kann an dieser Stelle von weite- ren Erörterungen zur überzeugenden gutachterlichen Beu rteilung des somatischen Gesund- heitszustands abgesehen werden. 6.2 Die Rügen der Beschwerdeführerin richten sich allesa mt gegen die beweisrechtliche Verwertbarkeit des psychiatrischen Teilgutachtens von Dr. F.____ vom 25. Januar 2019. 6.2.1 Nach Auffassung der Versicherten ist Dr. F.____ i n seinem Gutachten nur unzu- reichend auf die abweichenden Einschätzungen der behandelnden Fachärzte eingegangen, die alle von einer rezidivierenden depressiven Störung ausg ehen würden. Hält man sich einzig das psychiatrische Teilgutachten vom 25. Januar 2019 vor Augen, so ist der Beschwerdeführerin zuzugestehen, dass die Auseinandersetzung mit den früher en Untersuchungen und Berichten eher knapp ausgefallen ist. Gleichzeitig ist aber festzuh alten, dass sich Dr. F.____ dafür in sei- ner Stellungnahme vom 19. August 2019 im gewünschten M asse mit den aktuellen Berichten der behandelnden Ärzte befasst. Dem eingangs erwähnten Einwand der Beschwerdeführerin kann letztlich deshalb nicht beigepflichtet werden. 6.2.2 Ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten kann d ie Beschwerdeführerin sodann aus den von ihr angerufenen Berichten der behandelnden Ärzte. Gemäss Austrittsbericht der Klinik G.____ vom 10. Oktober 2017 litt die Versicherte beim Klinikeintritt am 15. August 2017 an ei- ner mittelgradigen depressiven Episode. Diese besserte sich im Laufe des Aufenthaltes mit der Folge, dass der Zustand bei Austritt am 26. September 2017 noch als minimal depressiv be- schrieben wurde. Der Beschwerdeführerin wurde deshalb v on Seiten der Klinikärzte vom 15. August 2017 bis Ende September 2017 eine vollständ ige und anschliessend bis Mitte Okto- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2017 noch eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit attest iert. Aus diesem Bericht lässt sich somit keine mindestens ein Jahr ohne wesentlichen Unterbruch dau ernde, durchschnittlich mindes- tens 40 %-ige Arbeitsunfähigkeit, wie sie Art. 28 Abs.1 lit. b IVG für die Erfüllung des Wartejah- res voraussetzt, und erst recht keine darüber hinaus anhalt ende Arbeitsunfähigkeit ableiten. Zu den Berichten der früher behandelnden Dr. med. H.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 28. August 2017 und 2. Juli 2018 ist zu sagen, dass d iese eher kurz ausgefallen sind mit der Folge, dass ihnen im Hinblick auf die Beurteilung e ines allfälligen Rentenanspruchs wenig Substanzielles entnommen werden kann. Was die nach Erst ellung des Gutachtens verfassten Berichte betrifft, so ist darauf hinzuweisen, dass das Zeug nis von Dr. med. I.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 16. Juli 2019 einzig eine Arb eitsunfähigkeits-Bestätigung ent- hält, die aber in keiner Weise begründet wird und de shalb im vorliegenden Zusammenhang nicht verwertbar ist. Im Bericht von med. pract. J.____, Facharzt für Anästhesiologie, vom 12. April 2019 wird zwar festgehalten, dass sich bei der Versicherten "jetzt sicherlich eine aktive mittelschwere Depression" finde, als Grundlage für diese Diagnose wird aber einzig auf eine - im Bericht nicht weiter geschilderte - Befragung der P atientin verwiesen; ein psychopathologi- scher Befund ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Ausserd em ist zu beachten, dass es sich bei med. pract. J.____ nicht um einen Facharzt für Psychiatrie, sondern um einen solchen für Anäs- thesiologie handelt, was bei der beweisrechtlichen Würd igung seiner psychiatrischen Einschät- zungen ebenfalls zu berücksichtigen ist. Insgesamt sind seine Ausführungen jedenfalls nicht geeignet, den ausschlaggebenden Beweiswert des psychiatrisch en Teilgutachtens von Dr. F.____ vom 25. Januar 2019 in Frage zu stellen. Dasselbe gilt sodann für den Austrittsbe- richt des Reha-Zentrums K.____ vom 12. Juni 2019. Als er stes fällt auf, dass der Austrittbericht zwar eine umfangreiche und detaillierte Diagnoseliste enthält, diese ist aber praktisch wörtlich aus dem vorausgegangenen Bericht von med. pract. J.____ vom 12. April 2019 übernommen worden. In psychiatrischer Hinsicht werden als Diagnosen e in "chronisches Schmerzsyndrom Stad. II nach Gerbershagen mit biopsychosozialen Konsequ enzen" und eine rezidivierende de- pressive Störung, aktuell mittelgradige Episode, genannt. Leider kann aber auch diesem Bericht kein eigentlicher psychopathologischer Befund entnommen w erden. Bereits dadurch wird seine beweisrechtliche Verwertbarkeit für das vorliegende Ver fahren erheblich geschmälert. Dazu kommt, dass die Versicherte laut Bericht in den Therapiesi tzungen als Ängste und Belastungen einerseits ihre Arbeitslosigkeit und anderseits ihre S chwierigkeiten mit der Abgrenzung von der im gleichen Haushalt lebenden Mutter nannte. Wie de r Gutachter Dr. F.____ in seiner Stellung- nahme vom 19. August 2019 zutreffend festhält, spricht d ies deutlich dafür, dass die Versicher- te (auch) während des Klinikaufenthalts in erster Lin ie unter psychosozialen Belastungen litt. Hinweise für die diagnostizierte mittelgradige depressi ve Episode lassen sich den Ausführun- gen der Klinikärzte hingegen kaum entnehmen. 6.3 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Be- schwerde vom 9. November 2019 gestellten Eventualantra g der Beschwerdeführerin zu ent- sprechen, wonach der rechtserhebliche medizinische Sachverha lt durch das Gericht im Rah- men eines psychiatrischen Gutachtens abzuklären sei. Der Ansp ruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfass ungsmässigen Anspruchs indes- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die En tscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürd igung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevant en Sachverhalts ergeben und die- ser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein bea ntragtes Beweismittel verzichtet wer- den. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtli- cher Rechtsprechung zulässig (BGE 144 II 427 E. 3.1.3, 141 I 60 E. 3.3). 7. Nach dem Gesagten ist die IV-Stelle zu Recht davon a usgegangen, dass der Versi- cherten nach einer vorübergehenden, vom 10. Juli 2017 bis Ende Oktober 2017 dauernden vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab 1. November 2017 die Ausübung der angestammten Bü- rotätigkeit aus medizinischer Sicht wieder ohne Einschränku ngen zumutbar war. Somit ist aber nicht zu beanstanden, dass sie in der angefochtenen Verf ügung vom 16.Oktober 2019 ent- schieden hat, die in Art. 28 Abs. 1 IVG genannten Vor aussetzungen eines Rentenanspruchs seien nicht erfüllt. Die von der Versicherten hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 8.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerdef ührerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht