<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">165</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>30</b></span> <span class="ft2"><b>Erleichterte Ausnahmebewilligung im Unterabstand von Strassen (§ 67a</b></span><br/> <span class="ft2"><b>BauG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Begriff der untergeordneten Baute; Anwendungsfall einer Beton- bzw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Blocksteinmauer.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 19. August 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">X. und Y. (WBE.2009.407).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die</span><br/> <span class="ft1">von den Beschwerdeführern auf der Parzelle Nr. (...) in Abweichung</span><br/> <span class="ft1">von der ursprünglichen Baubewilligung vom 2. Juli 2007 erstellte</span><br/> <span class="ft1">Beton- und Blocksteinmauer entlang des A.-wegs. Die streitbetrof-</span><br/> <span class="ft1">fenen Bauten werden im vorinstanzlichen Entscheid wie folgt be-</span><br/> <span class="ft1">schrieben:</span><br/> <br/> <span class="ft3">"Die Betonmauer verläuft parallel entlang des A.-wegs zwischen der</span><br/> <span class="ft3">Nordwest- und Südwestecke des Gebäudes auf einer Länge von 10.5</span><br/> <span class="ft3">m, weist eine Höhe bis zu 1.95 m und eine Breite von 20 cm auf. Der</span><br/> <span class="ft3">Zwischenraum zwischen der Betonmauer und der Garagenmauer weist</span><br/> <span class="ft3">im Bereich der Betonmauerkrone einen "Pflanztrog" mit einer Thuja-</span><br/> <span class="ft3">hecke auf. Die Betonmauer steht unmittelbar neben dem Fahrbahnrand</span><br/> <span class="ft3">des A.-wegs. An die Betonmauer schliesst eine Blocksteinmauer aus</span><br/> <span class="ft3">Granitblöcken an, die in zwei Reihen bündig aufeinander geschichtet</span><br/> <span class="ft3">sind und bis an die östliche Parzellengrenze verläuft".</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">166</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <br/> <span class="ft1">Die Betonmauer weist gegenüber dem Fahrbahnrand des</span><br/> <span class="ft1">A.-wegs keinen Abstand auf, die Blocksteinmauer einen Abstand von</span><br/> <span class="ft1">bis zu 20 cm.</span><br/> <span class="ft1">2. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 67a Abs. 1 BauG kann für untergeordnete Bauten und</span><br/> <span class="ft1">Anlagen wie namentlich Klein- und Anbauten eine erleichterte Aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmebewilligung betreffend Abstände gegenüber Strassen erteilt</span><br/> <span class="ft1">werden, sofern kein überwiegendes, aktuelles öffentliches Interesse</span><br/> <span class="ft1">entgegensteht. Die Bauten und Anlagen, die gestützt auf diese Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung bewilligt worden sind, müssen vom Eigentümer auf erst-</span><br/> <span class="ft1">malige Aufforderung hin sowie auf eigene Kosten und entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gungslos entfernt oder versetzt werden, wenn die überwiegenden In-</span><br/> <span class="ft1">teressen eines öffentlichen Werkes es erfordern (§ 67a Abs. 2 BauG).</span><br/> <span class="ft1">Wie den Materialien zu dieser Bestimmung zu entnehmen ist, kommt</span><br/> <span class="ft1">eine Ausnahmebewilligung nach § 67a BauG nur bei Bagatellbauten</span><br/> <span class="ft1">in Betracht, die sich im Falle eines Strassenausbaus mit wenig</span><br/> <span class="ft1">Aufwand entfernen lassen, wie z.B. Reklametafeln, Schaukästen,</span><br/> <span class="ft1">Gerätehäuschen oder Autounterstände (Botschaft des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft1">vom 5. Dezember 2007 zur Teilrevision des BauG [Ges.-Nr. 07.314],</span><br/> <span class="ft1">S. 89). Ob sich eine Baute oder Anlage noch als "untergeordnet" im</span><br/> <span class="ft1">Sinn von § 67a Abs. 1 BauG bezeichnen lässt, richtet sich somit nach</span><br/> <span class="ft1">dem Aufwand, der bei einer späteren Beseitigung nach Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">anfiele. Die Erfahrung lehrt, dass Beseitigungsaufforderungen, selbst</span><br/> <span class="ft1">wenn sie aufgrund eines Reverses erfolgen, meistens nicht wider-</span><br/> <span class="ft1">standslos befolgt werden. Das gilt insbesondere dann, wenn erheb-</span><br/> <span class="ft1">liche wirtschaftliche Interessen im Spiel sind (AGVE 2006, S. 164).</span><br/> <span class="ft1">Je aufwändiger die spätere Beseitigung ist, desto eher ist mit Wider-</span><br/> <span class="ft1">stand des Eigentümers zu rechnen, weshalb es sachgerecht erscheint,</span><br/> <span class="ft1">eine erleichterte Ausnahmebewilligung nach § 67a BauG nur dann zu</span><br/> <span class="ft1">erteilen, wenn sich die Baute oder Anlage mit wenig Aufwand besei-</span><br/> <span class="ft1">tigen lässt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">167</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall ist eine Beseitigung der umstrittenen</span><br/> <span class="ft1">Mauern schon konstruktionsbedingt (Beton- bzw. Blocksteinmauer)</span><br/> <span class="ft1">mit beträchtlichem Aufwand verbunden, was sich namentlich in den</span><br/> <span class="ft1">Beseitigungskosten von Fr. 16'700.-- niederschlägt. Hinzu kommen</span><br/> <span class="ft1">die nutzlos gewordenen Kosten für die Erstellung der ursprünglichen</span><br/> <span class="ft1">Mauer sowie die Auslagen für die Erstellung einer neuen Mauer bzw.</span><br/> <span class="ft1">einer Böschung. Die beiden Mauern können daher nicht mehr unter</span><br/> <span class="ft1">den Begriff der untergeordneten Klein- oder Anbauten im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">§ 67a BauG subsumiert werden. Eine erleichterte Ausnahmebewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung nach § 67a BauG fällt deshalb ausser Betracht.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>