<h2>SubmittedText<h2><p>Bund und Kantone waren in den letzten zehn Jahren sehr einfallsreich bei der Realisierung niederschwelliger Angebote für Drogenabhängige. Die meisten Angebote waren - wenigstens theoretisch - mit einer Beratungsaktivität verbunden. Leider hat sich der Bund bis jetzt der Idee zur Einführung eines gesamtschweizerischen Beratungsdienstes, der über eine kostenlose dreistellige Telefonnummer angewählt werden soll, verschlossen. Dieses Angebot wäre sofort überall verfügbar und erfüllte damit die Forderung nach niederschwelliger Bereitschaft in hervorragender Weise.</p><p>1. Welche Schritte hat der Bundesrat seit der Überweisung des Postulates Schmied Walter (97.3515, Telefondienst für Drogenkonsumenten) vom 4. März 1999 unternommen?</p><p>2. Bestehen in anderen Ländern entsprechende Einrichtungen, und welche Erfahrungen wurden damit gemacht?</p><p>3. Wurde im Rahmen von Umfragen, die in den letzten Jahren verschiedentlich gemacht wurden, die entsprechende Bedürfnislage von Drogenabhängigen abgeklärt?</p><p>4. Ist nicht davon auszugehen, dass die Einführung dieses Beratungsangebotes über mehrere Jahre hinweg aufgebaut werden muss, weil ältere Generationen von Drogenabhängigen diese Möglichkeit kaum mehr oder nur mit sehr grossem zeitlichen Verzug beachten?</p><p>5. Ist nicht davon auszugehen, dass das Telefon für Abhängige von gewissen Drogen, wie Kokain, Amphetaminen oder Partydrogen, das bevorzugte Kommunikationsmittel ist, weil das Handy zum "Lifestyle" dieser Bevölkerungsgruppen gehört?</p><p>6. Könnte die jährliche Präventionskampagne des Bundesamtes für Gesundheit nicht als Plattform zur Propagierung dieser Telefonnummer gewählt werden, weil auch für die Zielgruppen der Prävention das anonyme Telefongespräch das geeignete Mittel zur Unterstützung in Situationen der Krise und Unsicherheit ist?</p><p>7. Wie viele lokale telefonische Beratungsstellen existieren, und welche Erfahrungen wurden damit gemacht?</p><p>8. Inwiefern sind die Erfahrungen der Telefonberatung von Alkoholabhängigen von Bedeutung?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der kostenlose und unkomplizierte Zugang zu Information in allen Fragen rund um Sucht und Drogen ist ohne Zweifel eine Grundleistung, die von den Verantwortlichen im Gesundheitsbereich zu erbringen ist. Im Rahmen der Viersäulenpolitik ist sicherzustellen, dass Jugendliche und Erwachsene wie auch Betroffene und deren Angehörige persönlich und kompetent Auskunft erhalten über die Gefährdung durch verschiedene Substanzen, über Beratungs- und Behandlungsangebote und über die verschiedensten rechtlichen und gesellschaftlichen Aspekte der Drogenproblematik.</p><p>Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Anzahl und die Qualität der bestehenden Auskunftsdienste in der Schweiz heute den Anforderungen genügen. </p><p>Zu den einzelnen Fragen des Interpellanten nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat in den Neunzigerjahren eine gezielte Schulung der Mitarbeiter der Dargebotenen Hand unterstützt. Allerdings zeigte die Evaluation, dass die Anzahl Anfragen zum Thema Drogen bescheiden war und der Dienst eine aufwendige Bewerbung braucht. So gingen bei der Nr. 143 vor der Bewerbung pro Monat rund 150 Anfragen zu Drogenproblemen ein, während der Bewerbung stieg diese Zahl auf 260 Fragen, um nachher wieder auf 160 Fragen zurückzufallen. Eine fortlaufende Bewerbung wäre also einerseits sinnvoll, andererseits ist sie äusserst kostspielig.</p><p>Im Rahmen der gegenwärtig laufenden Alkoholpräventionskampagne "Alles im Griff?" unterstützt das BAG erneut die Nr. 143 und die im Alkoholbereich spezialisierte Westschweizer "Alcoline" (Nr. 0848 800 808) in ihrem Bestreben, eine kompetente Telefonberatung zu betreiben. Über den Erfolg werden Ende Jahr die ersten Ergebnisse vorliegen.</p><p>Die Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche, Nr. 147, wurde 1999 eingerichtet und wird erfolgreich durch die Pro Juventute betrieben. Der Bund (BSV) unterstützt diesen Dienst mit 200 000 Franken und beteiligt sich teilweise an den Werbekosten für die Telefonnummer. Monatlich werden rund 1000 Beratungsgespräche in allen Sprachregionen durch qualifizierte Fachleute geführt.</p><p>2. Im europäischen Ausland sind vor allem die Rund-um-die-Uhr-Telefonberatungsdienste für Drogenprobleme in Frankreich und Holland bekannt. Die grössere Bevölkerungszahl und die eher zentralistische Staatsform vereinfachen und verbilligen den Betrieb eines nationalen Dienstes. Pro Monat beantwortet der französische "Drogues Info Service" rund 13 000 Anfragen, der holländische Dienst 3000 Anfragen. Die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung führt ebenfalls eine nationale Beratungsnummer für die Suchtvorbeugung, allerdings nur von 10 bis 22 Uhr. Diese Nummer wird allerdings mehrheitlich von Fachleuten und nicht vom breiten Publikum benutzt.</p><p>3. Für Drogenabhängige wurden in den letzten Jahren in den meisten Kantonen regionale und lokale Beratungs- und Betreuungsdienste eingerichtet und ausgebaut. In grösseren Städten gibt es zudem für Drogenabhängige niederschwellige Beratungsangebote, die auch abends in Betrieb sind.</p><p>Die heutige Versorgungslage für Drogenabhängige kann sowohl quantitativ wie qualitativ als gut beurteilt werden.</p><p>Die Erfahrungen der bestehenden Telefonberatungen und auch des Westschweizer Internetdienstes (CIAO) zeigen, dass das Thema Sucht und Drogen nicht zuoberst auf der Rangliste steht. Allgemeinere Lebensfragen, Sexualität, Gesundheit und Gewalt sind gefragtere Themen. Der Aufbau eines ähnlichen Internet-Beratungsdienstes in der Deutschschweiz ist in Vorbereitung. Zielgruppen sind alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Für bereits Drogenabhängige sind diese Dienste weniger bedeutsam, weil die meisten bereits in einer Beratung oder sogar Behandlung stehen.</p><p>4. Aufbau und Betrieb einer professionellen Telefonberatung in der Schweiz ist wegen den Sprachregionen sehr anspruchsvoll und benötigt tatsächlich eine längere Aufbauzeit und eine intensive Bewerbung. Es ist mit hohen jährlichen Kosten zu rechnen. Der Bundesrat teilt deshalb die Auffassung der Fachleute, dass eine Konzentration der Mittel auf Nr. 147 (Kinder- und Jugendtelefon) und Nr. 143 sinnvoller ist als ein Aufbau einer zusätzlichen telefonischen Beratung speziell für Drogenfragen.</p><p>5. Das Handy ist trotz höheren Verbindungskosten ein trendiges Kommunikationsmittel und wird in seiner Bedeutung noch zunehmen. Die bestehenden Telefonberatungen klären deshalb ab, ob sie auch über Handy zu einem "Sozialtarif" benutzt werden können.</p><p>6. Das BAG hat die nationalen Massenmedienkampagnen zum Drogenproblem eingestellt. Das BAG prüft aber die Möglichkeit, punktuell und im Rahmen laufender Präventionsprogramme für Telefondienste zu werben, wie dies heute im Rahmen der Alkoholkampagne "Alles im Griff?" geschieht.</p><p>7. Lokale telefonische Beratungsstellen im Drogenbereich mit 24-Stunden-Betrieb sind in der Schweiz nicht bekannt. Die Nachfrage nach einer solchen Dienstleistung ist zu gering, der Nutzen unklar, und die Kosten wären nicht vertretbar. Drogenprobleme sind in aller Regel kein isoliertes Phänomen, sondern eingebettet in umfassendere Problemlagen, die am Telefon kaum befriedigend angegangen werden können.</p><p>8. Für Alkoholabhängige gibt es die oben erwähnte "Alcoline", die von Westschweizer Fachstellen rund um die Uhr betrieben wird. Erste Auswertungen sind auf Ende Jahr zu erwarten. Andere Hilfsstellen wie das Blaue Kreuz oder die Anonymen Alkoholiker bieten ebenfalls telefonische Beratung an. Drogenabhängige wenden sich in aller Regel an die lokalen und regionalen Drogenberatungsstellen, wo sie eine umfassende Information sowie ärztliche und psychosoziale Betreuung - normalerweise in ihrer Muttersprache - erhalten.</p>  Antwort des Bundesrates.