B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2644/2014 U r t e i l v o m 3 0 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), Iran, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. April 2014 / N (…). D-2644/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ist iranischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und gelangte gemäss eigenen Angaben am 24. April 2012 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Er wurde am 9. Mai 2012 zu seiner Person sowie summarisch zum Re i- seweg und den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Eine eingehende Anhörung zu den Gründen der Flucht fand am 8. April 2014 statt. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er für die US-Amerikaner iranische Ausbildungsstätten für Terroristen fotografiert habe und daher behördlich gesucht werde. Als Beweismittel reichte er Unterlagen über seine Entlassung (…) sowie einen Auszug aus dem Internet ein. C. Mit Verfügung vom 10. April 2014 (Eröffnung am 15. April 2014) lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. D. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Recht s- vertreters vom 15. Mai 2014 beim B undesverwaltungsgericht an und b e- antragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückwe i- sung der Sache an die Vorinstanz. Eventualiter sei dem Beschwerdefü h- rer in der Schweiz Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei er aufgrund Un- zulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um Akteneinsicht verbunden mit einer Frist zur Beschwerdeergänzung sowie um Bekanntgabe des Spruchkö r- pers ersucht. E. Mit Zwischenverfügung vom 21. M ai 2014 wurde dem Beschwerdeführer der Spruchkörper mitgeteilt, das Gesuch um Akteneinsicht gutgeheissen und Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung geboten. D-2644/2014 Seite 3 F. Am 5. Juni 2014 wurde die Beschwerdeergänzung eingereicht. Als B e- weismittel lagen der Eingabe Fotos eines GPS-Gerätes sowie die deu t- sche Übersetzung des i m vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Inter- netauszugs bei. G. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2014 wurde dem Beschwerdeführer Frist zur Einreichung der wiederhergestellten Daten sowie des Smartph o- nes gesetzt. H. Am 26. Juni 2014 wurden die auf dem Mobiltelefon noc h vorhandenen Daten eingereicht. D as Gericht wurde darum ersucht, in Würdigung der bereits vorliegenden Beweismittel zu entscheiden, ob eine weitergehende Datenrekonstruktion angezeigt sei, oder das Gericht die Vorbringen b e- reits aufgrund gegenwärtiger Aktenlage für bewiesen erachte. I. Am 18. August 2014 wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingel a- den, welche am 26. September 2014 eingereicht wurde. J. Am 29. September 2014 reichte der Beschw erdeführer das GPS -Gerät ein und ersuchte erneut um eine Entscheidung darüber, ob die Daten durch einen Spez ialisten auszulesen seien, oder das Gericht von der Glaubhaftigkeit der Vorbringen ausgehe. K. Am 8. Oktober 2014 äusserte sich der Beschwerdeführer z ur Vernehm- lassung und wies erneut auf sein Ersuchen betreffend die Frage hin, ob die Datenträger auszulesen seien. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im D-2644/2014 Seite 4 Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vo r welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Ver fahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Be - schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten soziale n Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die D-2644/2014 Seite 5 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich au f gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er iranischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie sei und mit seiner Ehefrau und den gemeinsamen Kindern vor seiner F lucht in B._______ (Iran) ge- lebt habe. Sein Vater sei hingerichtet worden, als er (der Beschwerdefüh- rer) vierjährig gewesen sei. (…) Als Folge dieses Verhaltens sei er entlas- sen worden und habe (…) monatlich bei den Behörden Unterschrift lei s- ten müssen. (Er) habe (…) angefangen, im Nordirak (…) zu arbeiten. Da- bei habe ihn (…) an die US -Amerikaner vermittelt. Diese hätten ihn mit kleineren Aufträgen (z.B. Pläne der Grenze abgeben) und später mit dem Ausspionieren von Stützpunkten, Militärgebieten, Kasernen u nd Ausbi l- dungsstätten für Terroristen im Iran beauftragt. Zusammen mit einem b e- freundeten Angestellten (…) habe er sich (…) zu diesen Lokalitäten Zu- gang verschafft. Dort habe er auf einem GPS -Gerät die jeweilige Position markiert und ein Foto der entsprechenden Anlage angefertigt. Diese In- formationen habe er an die US -Amerikaner übergeben. Nach einiger Zeit sei er jedoch verraten worden und (…) 2012 sei in seiner Ab wesenheit bei ihm Zuhause nach ihm gesucht worden. Er habe den Iran daher am darauffolgenden Tag verlassen. Auch noch nach seiner Flucht werde r e- gelmässig bei ihm Zuhause nach ihm gesucht. 4.2 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass seine Entlassung aufgrund des nonkonformistischen Verhaltens von zu geringer Intensität sei, um asylbeachtlich zu sein . Die geltend gemachte Spionagetätigkeit sei nicht glaubhaft. So könne nicht nachvollzogen werden, wie er sich so einfach Zugang zu diesen Orten habe verscha ffen und diese unbemerkt habe fotografieren können. Die Einheit, welcher die US -Beamten, die ihn angeworben hätten, angehört hätten, habe er nicht anzugeben vermocht, obwohl dies zu erwarten wäre. Hinsichtlich der Suche nach seiner Person habe er keine Details wie etwa die Anzahl der Beamten angeben können, obwohl er erwähnt habe, mit seinen Familienangehörigen über den Vorfall gesprochen zu haben. In der BzP habe er schliesslich ausgesagt, für se i- ne Dienste dreimal je USD 6'000. – erhalten zu haben, wogegen er in der Anhörung von dreimal USD 600. – gesprochen habe. Die Aussagen zur Person, welche ihn verraten habe, seien uneinheitlich. Gemäss BzP sei D-2644/2014 Seite 6 es eine Person gewesen, mit welcher er zusammengearbeitet habe, wäh- rend er in der Anhörung angegeben habe, dass zwei Personen dafür ver- antwortlich gewesen seien. 4.3 Der Beschwerdeführer hielt diesen Erwägungen in der Beschwerd e- schrift und der Beschwerdeergänzung entgegen, dass das BFM seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, indem ihm bei der eing e- henden Anhörung nur unzureichend Möglichkeit zum freien Erzählen g e- währt worden sei. So gehe aus dem Protokoll hervor, dass er oft unte r- brochen worden sei, was sich teilweise verunsichernd auf ihn ausgewirkt habe. Die Dolmetscherin habe überdies zum Teil Mühe bekundet, die Antworten in verständlichem Deutsch wi ederzugeben. Es habe auch d a- durch Probleme gegeben, dass die Aussagen teilweise nicht vollständig übersetzt worden seien und die Dolmetscherin mehrmals aufgefordert worden sei, wirklich alles zu übersetzen. Der Beschwerdeführer habe während der Anhörung realisiert, dass die Übersetzerin Mühe bekundet habe und ihm regelmässig nicht zuhöre. Die Anhörung hätte daher durch deren Leiter abgebrochen und mit einer kompetenteren Übersetzerin vo r- genommen werden müssen. Das Problem der mangelhaften Übersetzung liege auch darin, dass dieselbe Art von Fehlern möglicherweise im Ra h- men der Rückübersetzung Eingang ins Protokoll gefunden hätten und dies nicht überprüft werden könne. Es gehe nun nicht an, dass die Fehler in der Übersetzung zur Begründung der Unglaubhaftigkeit herangezogen würden. Im Übrigen habe der Übersetzer der BzP Farsi gesprochen, was nicht die Muttersprache des Beschwerdeführers sei. Das vom Übersetzer gesprochene afghanische Farsi unterscheide sich vom Farsi, welches in der Heimatregion des Beschwerdeführers gesprochen werde, insbeso n- dere hinsichtlich der Schreibweise und Darstellung von Zahlen. Des Wei- teren habe das BFM seine Begründungspflicht im Sinne einer tatsächl i- chen, sorgfältigen und ernsthaften Prüfung verletzt. Es sei offensichtlich, dass der Fachreferent des BFM die Tätigkeit des Beschwerdeführers aber auch den Zusammenhang seiner Entlassung zur eigentlichen Ve r- folgungsgeschichte nicht ansatzweise verstanden habe. So habe der B e- schwerdeführer aufgrund seines Verhaltens (…) einer Meldepflicht unter- legen, woraus ersichtlich werde, dass er unter ständiger staatlicher Be o- bachtung gestanden habe. Die Argumentation, es bestände keine Kausa- lität zwischen der Entlassung (…) und der aktuellen Verfolgung und Ers- tere sei ohnehin nicht genügend intensiv, sei daher unzutreffend. Es s ei offenkundig, dass dem Beschwerdeführer aufgrund seines früheren no n- konformistischen Verhaltens ein zusätzlicher Malus drohe. Aufgrund der Übersetzungsprobleme sei der Sachverha lt nur unzulänglich abgeklärt D-2644/2014 Seite 7 worden, was dem BFM bei sorgfältiger Verfahrensführung hätte auffallen müssen. Aus den Anhörungsprotokollen werde ersichtlich, dass das BFM sich nicht grosse Mühe gemacht habe, die Vorbringen des Beschwerd e- führers in Gänze zu erfassen. So seien etwa hinsichtlich der Verwendung des GPS -Geräts keine präzisierenden Fragen gestellt worden. Aus di e- sen Gründen müsse die vorinstanzliche Verfügung aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen werden. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die Methode und das System der Glaubhaftigkeitsprüfung, wie sie vom BFM und dem Bundesverwaltung s- gericht angewendet würden, mangelhaft seien. Aufgrund der mangelha f- ten Übersetzung fehle es vorliegend bereits an einer Grundla ge für eine gewissenhafte Glaubhaftigkeitsprüfung. Hätte der Sachbearbeiter den Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung nicht unterbrochen, so wäre klar geworden, wie es dem Beschwerdeführer zusammen mit einem off i- ziellen Angestellten (…) möglich gewesen sei, in einer de facto amtlichen Mission an die entsprechenden Örtlichkeiten zu gelangen. Der Vorwurf der fehlenden Logik des Handelns ergebe sich ausschliesslich aus der fehlenden Logik der Anhörungsmethode, nicht aber aus den Schilderu n- gen des Beschwerdeführers. Es sei auch die Frage aufzuwerfen, welche Erfahrungen das BFM im heimlichen Fotografieren von terroristischen Ausbildungsstätten habe. Es könne als bekannt vorausgesetzt werden, dass sich Angehörige der Central Intelligence Agency (CIA) beim Kontakt mit Angeworbenen weder mit ihrem richtigen Namen noch mit ihrem Dienstgrad und ihrer Einheit vorstellen würden. Das Nichtwissen dieser Informationen könne dem Beschwerdeführer daher nicht vorgeworfen werden. Da der Beschwerdeführer bei der Suche nach se iner Person nicht persönlich anwesend gewesen sei, sondern lediglich vom Vermieter und seinen Familienangehörigen davon erfahren habe, sei es absurd, von ihm konkrete diesbezügliche Informationen zu verlangen. Die Ungereimt- heit hinsichtlich der Angabe der Entlöhnung liesse sich – wie bereits e r- wähnt – durch sprachliche Unterschiede erklären. Der Beschwerdeführer habe stets von USD 600 gesprochen. Eine Zahlung von insgesamt USD 18'000.– wäre ohnehin völlig unrealistisch. Er habe auch nie erklärt, von zwei Personen verraten worden zu sein. Vielmehr habe e s mit der Über- setzerin immer wieder grosse Diskussionen gegeben hinsichtlich des Dolmetschers in den Gesprächen mit den US -Amerikanern, denen er die Informationen weitergegeben habe, und seinem früheren Mitarbeiter, (…), der ihn verraten habe. Die Übersetzerin anlässlich der Anhörung habe diese Vorbringen dahingehend vermischt, dass ihn sowohl der (Mitarbei-D-2644/2014 Seite 8 ter) als auch der Dolmetscher der US -Amerikaner verraten hätten. Diese Unzulänglichkeit der Übersetzerin könne ihm nicht angelastet werden. Der Rechtsvertreter habe sich intensiv mit dem Beschwerdeführer über die Fluchtgründe unter Beizug eines kompetenten kurd ischen Dolme t- schers unterhalten. Anlässlich dieses Gesprächs habe der Beschwerd e- führer detailliert ü ber seine Tätigkeit Auskunft geben können. Daraus e r- gebe sich, dass die Unglaubhaftigkeitsmomente lediglich durch die ma n- gelhafte Anhörung bedingt seien. Eine Spionagetätigkeit für die US -Amerikaner werde im Iran als schwe r- wiegendes Verbrechen angesehen. Da die Tat des Beschwerdeführers politisch motiviert sei, drohe ihm eine asylrelevante Verfolgung. Aus dem eingereichten Zeitungsbericht gehe hervor, dass die iranischen Behörden Spione der US-Amerikaner in asylrelevanter Weise verfolgen würden. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer einen USB -Stick mit den noch vorhandenen Daten des Smartphones, Fotos eines GPS -Geräts sowie das GPS-Gerät selbst, einen Internetartikel mit deutscher Überse t- zung und Dokumente über seine Entlassung (eines im Original so wie sechs in Kopie) ein. In der Eingabe vom 8. Oktober 2014 wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass das BFM in seiner Vernehmlassung in keiner Weise zu den Aus- führungen in der Beschwerdeschrift Stellung bezogen habe, was ein we i- terer Ausdruck dessen unsorgfältigen Verfahrensführung sei. 5. 5.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) . Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstä n- de abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschränken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene U m- stände, welche die Betroffenen belasten, sondern haben auch die sie ent- lastenden Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach - und en t- scheidwesentlichen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann , wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und fol g-D-2644/2014 Seite 9 lich nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunk te des Sachverhalts geprüft werden, oder weil Beweise falsch gewürdigt wu rden. Unvollstän- dig ist die Sachverhaltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wur den. Dies ist häufig dann der Fall , wenn die Vorinstanz gleichzeitig den A n- spruch der Parteien auf rechtliches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1; PATRICK L. KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER, in: Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Waldmann/Weissberger (Hrsg.) 2009, Art. 12 VwVG N 19 ff. und N 42, ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zü rich 2013, Rz. 1043 ff.). Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende P erson demgegenüber die Pflicht (und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizer i- schen Eidgenossenschaft vom 18. April 19 99 [BV, SR 101] auch das Recht) an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken . Sofern die gesetzlichen Mitwirkungspflichten durch die asylsuchende Person nicht verletzt worden sind, muss die Behörde insbesondere dann weitere A b- klärungen ins Auge fassen, wenn aufgrund der Vorbringen der asyls u- chenden Person und der von ihr eingereichte n oder angebotenen B e- weismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können ( vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2; BVGE 2008/24 E. 7.2; BVGE 2007/21 E. 11.1). 5.2 Gemäss Art. 29 A bs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens A n- spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlic hkeitsbe- zogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betro f- fenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entschei d- findung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegrün- dung niederschlagen muss (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2; Entscheidungen und Mittei lungen der Schweizerischen Asyl rekurskommission [ EMARK] 2006 Nr. 24 E. 5.1). 5.3 Das BFM erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers als u n- glaubhaft und stützte sich dabei hauptsächlich auf dessen Aussagen a n-D-2644/2014 Seite 10 lässlich der BzP sowie der Anhörung. Während das Protokoll der BzP keinen Anlass zur Beanstandung gibt, weist dasjenige der Anhörung d i- verse Unzulänglichkeiten auf. So wies die Hilfswerkvert retung darauf hin, dass die Dolmetscherin erhebliche Probleme bekundet habe, die Antwor- ten des Beschwerdeführers in verständliches Deutsch zu übersetzen und oft lange überlegt habe, bevor si e die Übersetzung ausformuliert habe . Überdies sei sie mehrmals aufgefordert worden, auch wirklich alles zu übersetzen, wodurch zweifelhaft erscheine, dass die Vorbringen auch in Gänze Eingang ins Protokoll gefunden hätten. Zudem sei der Beschwe r- deführer in seinen (freien) Erzählungen oft un terbrochen worden. Dem Protokoll ist überdies zu entnehmen, dass zwar sämtliche relevanten Vor- kommnisse angesprochen, aber oft nicht oder nur in geringem Umfang durch gezieltes Nachfragen vertieft wurden. (…). In der Folge wurde es jedoch unterlassen, durc h Nachfragen abzuklären, wie sich die Besuche oder das Passieren der Zugänge genau abgespielt h ätten. An anderer Stelle wird angetönt, dass der Beschwerdeführer zuerst kleinere, dann aber grössere Aufträge angenommen und ausgeführt habe (vgl. act. A13 F52), ohne diese zwei Auftragsbereiche jedoch durch Nachfragen fundier- ter abzuklären und abzugrenzen , wodurch dem Protokoll diesbezüglich nur vage Aussagen entnommen werden können. (…). Somit liefert das Anhörungsprotokoll nur ein vages Bild der konkreten Asyl gründe. Diese Vagheit ist jedoch in wesentlichen Teilen nicht durch das Aussageverhal- ten des Beschwerdeführers begründet. Vielmehr liefern die Bemerkungen der Hilfswerksvertretung sowie die Struktur des Protokolls Anhaltspunkte dafür, dass die Anhörung nur ungenügende Möglichkeiten bot, die Asy l- vorbringen umfassend darzulegen. Ohnehin beschränkt sich die Glaubhaftigkeitsprüfung nicht auf eine Wü r- digung der Aussagen der beschwerdeführenden Person, sondern hat in einer gesamtheitlichen Betrachtung sämtliche greifbaren Beweismittel mi- teinzubeziehen (vgl. statt vieler BVGE 2012/5 E. 2.2 ). Der Beschwerd e- führer nahm in seinen Ausführungen expliziten Bezug auf ein Mobiltelefon sowie ein GPS -Gerät. Er wurde jedoch von Seiten des BFM nicht dazu aufgefordert, diese Beweismittel beizubringen. In Anbetracht dieser greif- baren Beweismittel einen Entscheid über die Glaubhaftigkeit der Asylvo r- bringen lediglich auf die Aussagen des Beschwerdeführers zu stützen, ist vorliegend zu kurz gegriffen, zumal das "Kernstück" dieser A ussagen, nämlich die Anhörung, nicht unerhebliche Schwächen aufweist und daher kaum als taugliche Grundlage einer gewissenhaften Glaubhaftigkeitspr ü- fung angesehen werden kann. D-2644/2014 Seite 11 So erweist sich die Abhandlung des BFM zu den Glaubhaftigkeitskriterien denn auch als wenig überzeugend. Der Vorwurf der mangelnden Nac h- vollziehbarkeit, wie sich der Beschwerdeführer Zugang zu den Örtlichke i- ten verschafft habe, scheitert bereits daran, dass dem Beschwerdeführer keine genügende Möglichkeit geboten wurde, zu beschreibe n, wie er da- bei jeweils konkret vorgegangen sei. Das Argument, der Beschwerdefü h- rer habe die Einheit der US -Amerikaner nicht benennen können, ist nicht zwingend, zumal er in der Lage war, deren (Deck-)Namen zu nennen und sich die Ansicht des BFM, US -amerikanische Behördenvertreter würden ihren Informanten stets ihre militärische Zugehörigkeit nennen, auf eine blosse Mutmassung stützt, die vor dem Hintergrund, dass es sich um An- gehörige des Nachrichtendienstes gehandelt habe, auch äusserst fraglich erscheint. Auch dem Vorhalt des BFM, er hätte besser über die Hau s- durchsuchung, beispielsweise über die Anzahl der anwesenden Beamten, Bescheid wissen müssen, kann nur untergeordnetes Gewicht beigeme s- sen werden, da insbesondere zu berücksichtigen ist, dass es sich dabei um Informationen vom Hörensagen handelt. Schliesslich ist zu erwähnen, dass der Widerspruch hinsichtlich der Entlöhnung ebenfalls nicht von ent- scheidender Natur ist, wobei zu bemerken ist, dass die d afür gegebene Erklärung in der Beschwerdeschrift nicht zu überzeugen vermag, zumal der Beschwerdeführer in der BzP , in welcher der angeblich unzutreffende Betrag genannt worden ist, angab, die dolmetschende Person gut ve r- standen zu haben und dem Protokoll keine Anhaltspunkte für ein Mis s- verständnis entnommen werden können. Vor diesem Hintergrund sind die Unglaubhaftigkeitsmomente zu wenig gewichtig, um allein gestützt darauf die Unglaubhaftigkeit zu begründen. Dies rührt, wie die obigen Ausführungen zeigen , hauptsächlich daher, dass sich die Glaubhaftigkeitsprüfung auf eine unzureichende Faktenlage stützt. Das B FM hat durch sein Vorgehen daher sowohl seine Abkl ä- rungspflicht als auch den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtl i- ches Gehör verletzt. 5.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge- richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindli - chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. 5.5 Eine Kassation und Rückwei sung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weite re Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die B e-D-2644/2014 Seite 12 schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Vorliegend erweist sich eine Kassation als angezeigt. Die angefochtene Verfügun g ist deshalb aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinst anz ist anzuweisen, ergänzende Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen und erneut zu entscheiden. 6. Bei dieser Sachlage erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den weite- ren Vorbringen in der Beschwerde. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 8. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann von der Beschwerdei n- stanz von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zugespr o- chen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforde rung einer solchen kann indes verzichtet werden, da im vorliegenden Verfah ren der Aufwand für den Beschwerdeführer zuverlässig abgeschätzt werden kann (vgl. Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und En t- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die von der Vorins tanz zu entrichtende Parteient - schädigung ist von Amtes wegen und in Berücksichtigung der massgebli- chen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 3'000.– (inkl. all- fällige Spesen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-2644/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 10. April 2014 wird aufgehoben und das Verfahren zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vori n- stanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Kosten erhoben. 4. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 3'000. – zugesprochen, die ihm durch das BFM zu entrichten ist. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: