Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 27. Juni 2017 (400 17 105) ____________________________________________________________________ Obligationenrecht Arbeitsvertrag / Berichtigung des Arbeitszeugnisses Besetzung Präsident Roland Hofmann, Richterin Barbara Jermann Richterich (Referentin), Richter Dieter Freiburghaus; Gerichtsschreiber Andreas Linder Parteien A. ____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Müller, Friedensgasse 2, Post- fach 316, 4143 Dornach 1, Klägerin und Berufungsklägerin gegen B. ____, Beklagte Gegenstand Arbeitsrecht / Arbeitszeugnis Berufung gegen den Entscheid der Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost (Kammer I) vom 2. Februar 2017 A. A.____ war ab 1. September 2009 bei der B.____ (da mals noch firmierend als C.____) als Leiterin der Finanz- und Kundenberatung angeste llt. Am 1. Juni 2012 übernahm A.____ die Funktion der Stellvertreterin des Bankleiters, womi t umfangreiche Tätigkeiten im Bereich der Kreditberatung zu erbringen waren. Das entsprechend e Arbeitsverhältnis wurde alsdann ge- kündigt und per 1. September 2013 trat sie bei der D.____ eine neue Arbeitsstelle als Bankleite- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rin-Stellvertreterin an. In der Folge entstand zwischen den Parteien Streit darüber, wie das Ar- beitszeugnis der Klägerin zu lauten habe. Nachdem es im Schlichtungsverfahren zu keiner Ei- nigung zwischen den Parteien gekommen war, gelangte A._ ___, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Müller, mit Klage an das Zivilkreisgericht B asel-Landschaft Ost. Sie beantragte, dass die B.____ als Beklagte zu verpflichten sei, ein geän dertes Arbeitszeugnis auszustellen. Trotz der Leistungen der Klägerin habe sie von der Bekla gten ein Zeugnis erhalten, das insbe- sondere in zwei Punkten deutlich unangemessen sei. So sei ausgeführt worden, dass die An- forderungen in qualitativer Hinsicht erfüllt worden sei en, obschon auch in quantitativer Hinsicht, insbesondere auch in Bezug auf neue Kundengelder die An forderungen übertroffen worden seien. Noch stossender sei die Beurteilung der Leistun gen für die von der Klägerin geleitete Abteilung Finanzberatung: Hier sei die Rede von „zu u nserer Zufriedenheit“, eine Beurteilung, die nach den internen Kriterien der B.____ als lediglich „genügend“ oder „4“ auf einer Notenska- la bis 6 eingestuft werde. Das stehe im Widerspruch zu den Tatsachen und der Mitarbeiterbeur- teilung. B. Mit Entscheid vom 2. Februar 2017 wies die Präsidentin des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost die Klage von A.____ ab. Das Gericht erwo g im Wesentlichen, der damalige Vorgesetzte der Klägerin habe anlässlich der Verhandlung nicht bestätigt, dass die Leistungen der Klägerin in quantitativer Hinsicht sowie in der Finanzberatung besser gewesen seien, als im Arbeitszeugnis tatsächlich attestiert. Auch sonst liesse sich d en Akten nichts entnehmen, was darauf hindeute, dass die Leistungen der Klägerin besser gewesen seien, als im Arbeitszeugnis beschrieben. Das vorliegende Zeugnis stelle bei vollstän diger Betrachtung ein sehr gutes Zeugnis dar. Die Beklagte sei ihrer Pflicht nachgekommen und habe der Klägerin ein wohlwol- lendes Zeugnis verfasst, das ihr wirtschaftliches Fortkomme n nicht erschwere. Ohnehin könne kein Arbeitgeber gegen seinen Willen verpflichtet werden, eine wie auch immer geartete Zufrie- denheit zum Ausdruck zu bringen, da es sich bei einer Zufr iedenheit stets um ein rein subjekti- ves Empfinden handle, welches niemandem gerichtlich aufg ezwungen werden könne, sondern bei dem jeder für sich alleine zu entscheiden habe, ob es vorliege oder nicht. C. Mit Berufung vom 27. März 2017 an das Kantonsgericht B asel-Landschaft, Abteilung Zivil- recht, liess die Klägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Müller, beantragen, dass das Urteil der Gerichtspräsidentin des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 2. Februar 2017 aufzuheben sei. Die Beklagte sei zu verpflichten, ein g eändertes, auf den 2. September 2013 datiertes, Arbeitszeugnis auszustellen, welches a) Im letzten Satz des dritten Absatzes lautet: „... A.____ erfüllte unsere hohen Anforderungen und Erwartungen in qualitativer und quantitati- ver Hinsicht stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ u nd b) Im zweiten Satz des vierten Absatzes lautet: „Die ihr anvertraute Abteilung Finanz- und Kundenberatung entwickelte sich in Bezug auf Wachstum und Profitabilität zu unserer vollen Zufried enheit“, unter o/e Kostenfolge für die Be- klagte. In der Begründung wurde zusammengefasst ausgefüh rt, die Klägerin habe durch Vorla- ge der entsprechend guten Mitarbeiterbeurteilungen, insbesondere auch jener vom 23. April 2013, bewiesen, dass sie stets deutlich besser bewertet wor den sei, als im angefochtenen Zeugnis. Diese Mitarbeiterbeurteilungen bewiesen, dass die Klägerin sowohl die Anforderungen in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht über troffen habe. Im Schlusszeugnis sei dann jedoch ausgeführt worden, dass die Anforderungen nur in qualitativer Hinsicht erfüllt worden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht seien, obschon auch in quantitativer Hinsicht, insbeso ndere auch in Bezug auf neue Kunden- gelder die Anforderungen übertroffen worden seien. Die Aussage des nach wie vor bei der Ar- beitgeberin angestellten vormaligen Vorgesetzten der K lägerin vermöge diese Mitarbeiterbeur- teilungen nicht zu entkräften. Die Klägerin habe der Vorinstanz die Textbausteine zur Erstellung eines Zeugnisses bei der B.____ eingereicht. Zudem habe sie der Vorinstanz dargelegt, dass die Beurteilung der Leistungen der Klägerin für die von ihr geleitete Abteilung Finanzberatung noch stossender sei als der Rest des Zeugnisses, da dort die Rede von „zu unserer Zufrieden- heit“ sei. Dies stelle eine Beurteilung dar, welche na ch den internen Kriterien der B.____ als lediglich „genügend“ oder „4“ auf einer Notenskala bi s 6 eingestuft werde. Das stehe im offen- sichtlichen Widerspruch zu den Tatsachen und der Mitarbe iterbeurteilung. Diese Formulierung stelle eine unzulässige Codierung dar, welche gemäss der in Rechtsbegehren Ziff. 2 verwende- ten Wörter zu korrigieren sei. Die Vorinstanz verstosse m it ihrem Entscheid auch diesbezüglich gegen Art. 330a OR. Vorliegend habe die Arbeitgeber in ihr Ermessen überschritten. Die Vor- instanz mache eine solche Ermessensüberschreitung fälschlich erweise jedoch nicht aus. Sie versteige sich sogar zur Aussage, dass „das vorliegende Zeug nis bei vollständiger Betrachtung ein sehr gutes Zeugnis darstellt“, was nicht nur rechtlic h falsch, sondern überhaupt nicht mehr nachvollziehbar sei. Aufgrund der unbestrittenen Leistu ngen der Klägerin habe diese Anspruch auf ein Zeugnis, das keine unberechtigten Einschränkungen bzw. bloss genügende Benotungen enthalte. Aus diesen Gründen sei das Zeugnis gemäss den gestellten Rechtsbegehren zu kor- rigieren bzw. neu auszustellen. Die weitergehende Begründung der Berufungsklägerin ist in den Erwägungen wiederzugeben, soweit dies notwendig wird. D. Die Beklagte liess sich innert der mit Verfügung vom 2 8. März 2017 angesetzten Frist von 30 Tagen nicht zur Berufung vernehmen. Erwägungen 1. Die Berufung ist in vermögensrechtlichen Streitigkeiten , zu denen Streitigkeiten um die Formulierung eines Arbeitszeugnisses gehören, grundsätzlich zulässig, wenn der Streitwert der der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindesten s CHF 10‘000.00 beträgt (Art. 308 ZPO). Zur Festsetzung des massgeblichen Streitwerts ist in Bezug auf Arbeitszeugnisse auf die übereinstimmenden Angaben der Parteien abzustellen. Weder die Klägerin noch die Beklagte äussern sich vorliegend explizit zum Streitwert, so dass das Gericht den Streitwert festzusetzen hat (Art. 91 Abs. 2 ZPO). Nach ständiger Praxis des Kanto nsgerichts Basel-Landschaft, Abtei- lung Zivilrecht, ist der Streitwert für die gerichtlich e Durchsetzung des Zeugnisanspruchs mit einem Brutto-Monatslohn zu veranschlagen, weshalb in A nbetracht des damaligen Lohnes der Berufungsklägerin von monatlich über CHF 10‘000.00 brut to die Streitigkeiten der Berufung unterliegt. Die Berufung ist innert 30 Tagen seit Zu stellung des begründeten Entscheides bzw. seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründu ng schriftlich und begründet bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). D ie schriftliche Begründung des Ent- scheids der Zivilkreisgerichtspräsidentin Basel-Landschaft O st vom 2. Februar 2017 wurde der Berufungsklägerin nachträglich am 24. Februar 2017 zuge stellt. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Postaufgabe der Berufung am Montag, 27. März 2017 , (Art. 142 Abs. 3 ZPO) somit einge- halten. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. c EG ZPO ist die Dreierka mmer der Abteilung Zivilrecht des Kan- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tonsgerichts für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreis- gerichte sachlich zuständig. Der Entscheid kann ohne Verhandlung aufgrund der Akten ergehen (Art. 316 Abs. 1 ZPO). 2. Mit der Berufung kann gemäss Art. 310 lit. a ZPO die unrichtige Rechtsanwendung gel- tend gemacht werden. Unter unrichtiger Anwendung des Rechts ist grundsätzlich dasselbe zu verstehen wie unter dem Begriff „Rechtsverletzung“. Rechts fragen betreffen die rechtliche Wür- digung eines Sachverhalts, also die Subsumtion unter ei nen Tatbestand sowie die Bestimmung der Rechtsfolge. Die Unrichtigkeit kann sich darin äusser n, dass ein Rechtssatz nicht berück- sichtigt oder in seinem Sinn verkannt wird, der Fehler a lso auf einer mangelhaften Auslegung beruht. Der Begriff der unrichtigen Rechtsanwendung ist umfassend zu verstehen. So können die Mängel insbesondere sowohl Verfahrens- wie auch materielles Recht betreffen. Da im Beru- fungsverfahren allgemein nicht bloss eine offensichtliche, sondern auch eine einfache unrichtige Beurteilung einer Rechtsfrage geltend gemacht werden kann, ist nicht notwendig, dass eine Rechtsfrage qualifiziert unrichtig, also schlechterdin gs unhaltbar ist bzw. gegen klares Recht verstösst und daher als willkürlich bezeichnet werden kann. Vielmehr genügt es, wenn ein Ent- scheid zwar nicht als stossend, die getroffene Lösung aber dennoch als unrichtig anzusehen ist. Bei der rechtlichen Würdigung des festgestellten Sachv erhalts hat das Gericht die in Betracht kommenden Rechtssätze gemäss Art. 57 ZPO von Amtes wegen anz uwenden (iura novit curia), wobei Prozessrecht und materielles Recht gleichermassen darunter fallen. Daraus ergibt sich, dass die Eventualmaxime nicht für die rechtliche Beg ründung der Parteistandpunkte gilt. Das kantonale Obergericht ist vielmehr stets von Amtes wegen dazu verpflichtet, die Rechtsfra- gen zu prüfen und die richtigen Normen anzuwenden. Au sführungen zur rechtlichen Situation können daher nicht als Noven im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO bezeichnet werden. Das Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, we ndet mithin das Recht von Amtes wegen an. Es ist somit weder an die in der Berufung geltend gemachten Argumente noch an die Erwä- gungen der Vorinstanz gebunden; so kann es ein Rechtsmitt el aus einem anderen als dem an- gerufenen Grund gutheissen und es kann eine Berufung mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung abweisen. 3.1 Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost wies die Begehre n der Klägerin um Berichti- gung des Arbeitszeugnisses ab. Es hielt insbesondere fest, der vormalige Vorgesetzte der Klä- gerin habe nicht bestätigt und auch aus den Akten lasse sich nicht entnehmen, dass die Leis- tungen der Klägerin besser gewesen seien, als im Arbeit szeugnis beschrieben. Das Zeugnis stelle vielmehr bereits ein sehr gutes Zeugnis dar und di e Beklagte sei ihrer Pflicht nachge- kommen, ein wohlwollendes Zeugnis zu verfassen, welche s das wirtschaftliche Fortkommen der Klägerin nicht erschwere. Ohnehin könne ein Arbei tgeber gegen seinen Willen nicht ver- pflichtet werden, eine wie auch immer geartete Zufri edenheit zum Ausdruck zu bringen, da es sich bei einer Zufriedenheit stets um ein rein subjektiv es Empfinden handle, welches nieman- dem gerichtlich aufgezwungen werden könne. Die Kläger in moniert, sie sei in den Mitarbeiter- beurteilungen stets deutlich besser bewertet worden, a ls im angefochtenen Zeugnis. Eine Ver- schlechterung im Schlusszeugnis gegenüber den guten Mit arbeiterbeurteilungen sei nicht ein- getreten und werde nicht geltend gemacht, weshalb die Beklagte die Richtigkeit des Schluss- zeugnisses nicht zu beweisen vermöge. Nach den internen Textbausteinen zur Erstellung eines Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeugnisses bei der B.____ sei die Beurteilung als ledig lich „genügend“ oder „4“ auf einer No- tenskala bis 6 einzustufen, was im offensichtlichen Wider spruch zu den Tatsachen und der Mit- arbeiterbeurteilung stehe. Aufgrund der unbestritte nen Leistungen habe die Klägerin Anspruch auf ein Zeugnis, das keine unberechtigten Einschränkungen bzw. bloss genügende Benotungen enthalte. 3.2 Der Arbeitnehmer kann jederzeit vom Arbeitgeber ein Z eugnis verlangen, das sich nicht nur über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses, son dern auch über seine Leistungen und sein Verhalten ausspricht (Art. 330a Abs. 1 OR). Ein so lches sog. qualifiziertes Zeugnis bzw. Vollzeugnis soll einerseits das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers fördern und deshalb wohlwollend formuliert werden. Andererseits soll es kün ftigen Arbeitgebern ein möglichst ge- treues Abbild von Tätigkeit, Leistung und Verhalten de s Arbeitnehmers geben, weshalb es grundsätzlich wahr und vollständig zu sein hat (BGE 136 I II 510 E. 4.1 mit weiteren Nachwei- sen). Ein qualifiziertes Zeugnis darf und muss daher bezü glich der Leistungen des Arbeitneh- mers auch negative Tatsachen erwähnen, soweit diese für seine Gesamtbeurteilung erheblich sind. Bei unrichtigem, unvollständigem oder zweideutigem Inhalt oder anderen Verstössen ge- gen Zeugnisgrundsätze steht dem Arbeitnehmer ein Beri chtigungsanspruch zu, den er notfalls auf dem Klageweg durchsetzen kann, wobei der Arbeitne hmer einen neuen Text oder konkrete Abänderungsvorschläge in sein Rechtsbegehren aufnehmen muss. In Berichtigungsprozessen kommen bereits vorhandenen Zwischenzeugnissen und Mitarbe iterbeurteilungen grosses Ge- wicht zu. Verschlechterungen im Schlusszeugnis gegenüber ein em kurz zuvor ausgestellten Zwischenzeugnis setzen voraus, dass seit dem Zwischenzeugnis erh ebliche Änderungen ein- getreten sind, die eine unterschiedliche Beurteilung r echtfertigen. Obwohl der Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Anspruch auf eine bestimmte Formul ierung hat und sich die Gerichte in Zurückhaltung bei subjektiven Ausdrücken in Zeugnissen üb en, bleiben doch auch Werturteile grundsätzlich gerichtlich überprüfbar. Kleinliche Korrekt urwünsche an einem an sich zutreffen- den Zeugnis werden vom Gericht in der Regel aber zurückg ewiesen (S TREIFF /VON KAENEL /R UDOLF , Arbeitsvertrag, 7. Aufl. 2012, N 5a zu Art. 330a OR). 3.3 Das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilre cht, hält die Rügen der Berufungs- klägerin vorliegend für begründet. Die Klägerin verla ngte mit der Klage vom 1. Juli 2016 drei Berichtigungen des Arbeitszeugnisses vom 2. September 201 3. So beanspruchte sie, dass im letzten Satz des dritten Absatzes ergänzt werde, sie habe die hohen Anforderungen und Erwar- tungen nicht nur in qualitativer, sondern auch in qua ntitativer Hinsicht stets zur vollen Zufrie- denheit erfüllt. Im Weiteren sei sie gemäss dem Funktionsbeschrieb am Anfang des Zeugnisses für die Finanz- und Kundenberatung zuständig gewesen, weshalb sich auch die Beurteilung auf beide Funktionen zu beziehen habe und schliesslich sei die Beurteilung ohne die Verwendung von „vollen Zufriedenheit“ als nur genügend anzusehen. Das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost setzte sich im angefochtenen Entscheid mit den drei an geführten Korrekturansprüchen nicht im Einzelnen auseinander, sondern begnügte sich im Wesentlichen mit der Feststellung, das Zeugnis stelle bei vollständiger Betrachtung ein seh r gutes Zeugnis dar. Das Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, vertritt d agegen die Auffassung, dass die drei Be- richtigungsansprüche der Klägerin gesondert zu beurteil en sind und eine sinngemässe Ver- rechnung mit teilweise vorteilhafteren Formulierungen an anderer Stelle des Arbeitszeugnisses nicht statthaft ist. Vorab ausser Frage steht daher, dass das Zeugnis insoweit augenscheinlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht unvollständig ist, als die Kundenberatung überhaupt ni cht in der Beurteilung der Leistung er- scheint. Nachdem die Kundenberatung im Bereich der Um schreibung der Aufgaben der Kläge- rin ausdrücklich und mehrfach genannt wird, ist sie klarer weise auch bei der Beurteilung der Leistung aufzuführen. Gleiches gilt für die verlangte Er gänzung des letzten Satzes des dritten Absatzes um eine Aussage zur Quantität. Auch hier erwei st sich das Arbeitszeugnis vom 2. September 2013 in erster Linie als unvollständig, zu mal die Berufungsklägerin einen An- spruch hat, nicht bloss in qualitativer sondern auch in q uantitativer Hinsicht beurteilt zu werden. Die fehlende Angabe zum Quantum lässt sich nach dem Dafü rhalten des Kantonsgerichts Ba- sel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, sodann nicht allein an der angeblich geringen Anzahl an Anwerbungen von Neukunden festmachen. Vor dem Hinter grund der zahlreichen Aufgaben der Klägerin verbietet sich ein genereller Verzicht zur Quant ität im fraglichen Satzgefüge. Vielmehr hätte die Beklagte diese Einschränkung ausdrücklich konkret verbalisieren müssen, so sie diesbezüglich ein Ungenügen hätte ausdrücken wollen. S odann geht das obere Gericht mit der Berufungsklägerin einig, dass eine Beurteilung ohne die Verwendung von „vollen Zufriedenheit“ im zweiten Satz des vierten Absatzes tatsächlich als bloss ge nügend anzusehen ist, was den Leistungen der Klägerin gemäss den vorgelegten Mitarbei terbeurteilungen klar nicht entspricht. Wie hievor ausgeführt, kommen vorbestehenden Zwischenze ugnissen und Mitarbeiterbeurtei- lungen ein grosses Gewicht zu. Verschlechterungen im Sch lusszeugnis gegenüber einem kurz zuvor ausgestellten Zwischenzeugnis bzw. einer Mitarbeiterb eurteilung setzen voraus, dass seither nicht unerhebliche Änderungen eingetreten sind, die eine unterschiedliche Beurteilung rechtfertigen. Solche negativen Abweichungen von der l etzten aktenkundigen Mitarbeiterbeur- teilung vom 23. April 2013, in welcher der Klägerin d urchwegs bescheinigt wurde, sie habe die Erwartungen erfüllt oder übertroffen, sind durch die Beklagte weder behauptet noch irgendwie unter Beweis gestellt worden. Vordergründig mag die gewählte Formulierung eine gute Bewer- tung der Leistungen widerspiegeln, der sachkundige Leser erkennt darin aber eine wesentlich negativere Bedeutung. Laut den vorgelegten Textbauste inen und Zeugnismuster, welche als Instrument resp. Hilfsmittel für die Zeugniserstellung der Beklagten einschlägig sind, wird damit lediglich eine genügende Leistung bescheinigt, was vorl iegend mit den Grundsätzen der Wahr- heit und des Wohlwollens nicht vereinbar ist. Im Ergebni s erweist sich der angefochtene Ent- scheid der Zivilkreisgerichtspräsidentin Basel-Landschaft Ost vom 2. Februar 2017 deshalb als falsch. In Gutheissung der Berufung der Klägerin ist der Entscheid folglich aufzuheben und die Klage vom 1. Juli 2016 gutzuheissen. Die Beklagte wird ve rpflichtet, ein geändertes, auf den 2. September 2013 datiertes Arbeitszeugnis auszustellen, welches im letzten Satz des dritten Absatzes lautet: „... A.____ erfüllte unsere hohen An forderungen und Erwartungen in qualitati- ver und quantitativer (Hervorhebung der Ergänzung, im Original nicht zu unterstreichen) Hin- sicht stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ und im zweit en Satz des vierten Absatzes lautet: „Die ihr anvertraute Abteilung Finanz- und Kundenber atung entwickelte sich in Bezug auf Wachstum und Profitabilität zu unserer vollen Zufriedenheit“. 4. Abschliessend ist noch über die Verteilung der Prozesskos ten zu befinden. Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so hat sie gem äss Art. 318 Abs. 3 ZPO auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens zu entschei den. Aufgrund des Streitwerts von weniger als CHF 30‘000.00 werden in Anwendung von Art. 114 lit. c ZPO für das erst- und das zweitinstanzliche Verfahren keine Gerichtskosten erhoben . Die Berufungsbeklagte hat als Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht unterliegende Partei der Berufungsklägerin allerdings eine Parteientschädigung für beide Ver- fahren zu entrichten. Für das Verfahren vor dem Zivilkr eisgericht Basel-Landschaft Ost be- stimmt sich die Höhe der Parteientschädigung nach der H onorarnote vom 1. Februar 2017, welche sich als konform mit der Tarifordnung für die An wältinnen und Anwälte (TO, SGS 178.112) erweist. Die Beklagte hat der Klägerin daher für das erstistanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von CHF 2‘890.00 zuzüglich Auslagen von CHF 90.00 und 8 % MWST von CHF 231.20 zu bezahlen. Für das Rechtsmittelverfahren vor dem Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, wurde keine Honorarrechnung eingereicht, weshalb die Partei- entschädigung gemäss § 18 Abs. 1 TO von Amtes wegen nach Ermessen festzusetzen ist. Das Grundhonorar für die Vertretung vor zweiter Instanz ist nach den für die erste Instanz geltenden Grundsätzen zu berechnen und in Anbetracht des unveränderten Streitwertes auf CHF 2‘250.00 zu bestimmen (§ 10 i.V. mit § 7 Abs. 1 TO). Zuschläge zu m Grundhonorar sind nicht ange- bracht. Zusätzlich sind geschätzte Auslagen von CHF 50.00 und die Mehrwertsteuer zu vergü- ten. Die Berufungsbeklagte hat der Berufungsklägerin som it für das Rechtsmittelverfahren vor dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrech t, eine Parteientschädigung von CHF 2‘250.00 zuzüglich Auslagen von CHF 50.00 und 8 % MWST von CHF 184.00 zu bezah- len. Demnach wird erkannt: ://: I. In Gutheissung der Berufung wird der Entscheid der Zivilkreisgerichts- präsidentin Basel-Landschaft Ost vom 2. Februar 2017 aufgehoben und durch folgenden Entscheid ersetzt: „1. Die Klage wird gutgeheissen. Die Beklagte wird verpflichtet, ein geändertes, auf den 2. September 2013 datiertes Arbeitszeugnis auszustellen, welches a) Im letzten Satz des 3. Absatzes lautet: „... A.___ _ erfüllte unsere hohen Anforderungen und Erwartungen in qualitativer und quantita- tiver (Hervorhebung der Ergänzung, im Original nicht z u unterstrei- chen) Hinsicht stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“ b) Im 2. Satz des 4. Absatzes lautet: „Die ihr anvertr aute Abteilung Finanz- und Kundenberatung entwickelte sich in Bezug a uf Wachs- tum und Profitabilität zu unserer vollen Zufriedenheit." 2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. Die Beklagte hat der Klägerin eine Parteientschädigung von CHF 2‘890.00 zuzüglich Auslagen von CHF 90.00 und 8 % MWST von CHF 231.20 zu bezahlen.“ Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht II. Für das Berufungsverfahren wird keine Entscheidge bühr erhoben. Die Berufungsbeklagte hat der Berufungsklägerin für das Rechtsmittel- verfahren vor dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei lung Zivil- recht, eine Parteientschädigung von CHF 2‘250.00 zuzüglich Auslagen von CHF 50.00 und 8 % MWST von CHF 184.00 zu bezahlen. Präsident Roland Hofmann Gerichtsschreiber Andreas Linder