B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6263/2011 U r t e i l v o m 1 6 . J a n u a r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familienzusammenführung (Asyl); Verfügung des BFM vom 20. Oktober 2011 / N […]. D-6263/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Verfügung vom 10. Oktober 2008 bewilligte das BFM die Einreise der Mutter des Beschwerdeführers (nachfolgend Mutter) und seiner Hal b- schwester in die Schweiz, da der Lebenspartner der Mutter und Stiefvater des Beschwerdeführers (N […]) mit Verfügung vom 4. Juni 2008 als Flüchtling anerkannt und ihm Asyl gewährt wurde. Am 14. Mai 2009 er- suchte die Mutter um die Gewährung von Asyl. Zur Begründung ihre s Asylgesuchs machte die Mutter im Wesentlichen geltend, sie habe von 1997 bis 2001 aktiven Militärdienst geleistet, und sei nach der Geburt des Beschwerdeführers am (…) als Mitarbeiterin am Gericht eingesetzt worden. Sie habe mehrmals erfolglos versucht, ihre Entlassung aus dem Dienst zu erwirken. Nach der Geburt ihrer Tochter am (…) respektive nach dem Mutterschaftsurlaub sei sie nicht mehr zur Arbeit erschienen, weshalb sie ab April 2007 keinen Sold mehr erhalten habe. Im August 2008 habe sie letztmals – wiederum vergeblich – um Entlassung aus dem Militärdienst ersucht. Im November 2008 sei sie s o- dann von Verwaltungsbeamten zum Aufenthaltsort ihres Lebenspartners befragt worden. Aus all diesen Gründen habe sie am 17. Januar 2009 Eritrea illegal verlassen. Da sie nur ein Kind habe tragen können, ha be sie den Beschwerdeführer bei ihrer Schwester zurückgelassen. B. Mit Verfügung vom 5. Juni 2009 stellte das BFM fest, dass die Mutter des Beschwerdeführers und seine Halbschwester die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht erfüllten, ihnen jedoch als Flüchtlingen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG aufgrund ihrer Beziehung zum Lebenspartner r e- spektive Vater Asyl zu gewähren sei. Zur Begründung wurde im Wesentli- chen angeführt, dass die Vorbringen der Mutter nicht die erforderliche In- tensität erreichen würden, um asylrelevant zu sein, und es sich bei der i l- legalen Ausreise per se nur um subjektive Nachfluchtgründe handle. C. Mit Schreiben vom 25. August 2009 reichte die Mutter ein erstes Gesuch um Familienzusammenführung für den minderjährigen, sich nach wie vor in Eritrea befindenden, Beschwerdeführer ein. D. Mit Verfügung vom 11. September 2009 lehnte das BFM das Gesuch ab. D-6263/2011 Seite 3 Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, dass aus den Befr a- gungsprotokollen des Lebenspartners der Mutter hervorgehe, dass dieser vom August 2002 an bei einer nahen Familienangehörigen gelebt und diese krankheitsbedingt gepflegt habe; die Mutter des Beschwerdeführers habe er jeweils nur an den Wochenende getroffen. In den Anhörungspro- tokollen habe er zudem nur die gemeinsame Tochter erwähnt . Indessen sei vom Beschwerdeführer ni rgends die Rede gewesen. Somit bestünde zwischen dem Lebenspartner der Mutter und dem Beschwerdeführer kei- ne Vater-Sohn-Beziehung und auch sonst kein familienähnliches Verhält- nis, weshalb ein Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Lebenspar t- ners im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und Abs. 2 ausgeschlossen sei. Da die Mutter des Beschwerdefüh rers ihren Status bereits derivativ von ihrem Lebenspartner erworben habe und gemäss Rechtsprechung keine Dom i- no-artige Weitergabe der Flüchtlingseigenschaft im formellen Sinn mö g- lich sei, sei das Gesuch um Familienzusammenführung abzulehnen. E. Mit Eingabe vom 2. Oktober 2009 reic hte die Mutter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragte die Aufhebung der ang e- fochtenen Verfügung. Mit Urteil vom 24. November 2009 trat das Bu n- desverwaltungsgericht auf die Beschwerde nicht ein, da der geforderte Kostenvorschuss nicht geleistet wurde. F. Am 17. Juni 2010 stellte die Mutter des Beschwerdeführers ein weiteres Gesuch um Einreisebewilligung zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens respektive ein weiteres Gesuch um Familienzusammen- führung. G. Mit Verfügung vom 9. August 2010 bewilligte das BFM die Einreise des Beschwerdeführers zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfa h- rens, worauf der Beschwerdeführer am 17. August 2011 in die Schweiz einreiste. Am 19. Oktober 2011 wurde er in Anwesenheit seiner Mutter vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung seines Asylg e- suchs machte er im Wesentlichen geltend, dass er nach der Ausreise sei- ner Mutter aus Eritrea zunächst bei seiner Tante gewohnt habe. Nachdem diese in den Militärdienst einberufen worden sei, sei er zu seiner Ur- grossmutter gezogen. Aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes und der allgemein schwierigen Lage in Eritrea sei diese nicht mehr in der Lage gewesen, für ihn zu sorgen. D-6263/2011 Seite 4 Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er seinen eritreische n Reisepass zu den Akten. H. Mit Verfügung vom 20. Oktober 2011 lehnte die Vorinstanz das Asylg e- such des Beschwerdeführers ab, wies i hn aus der Schweiz weg und schob den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufna h- me wegen Unzumutbarkeit auf. Z ur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Gründe beträfen die allgemein schwierigen Lebensumstände in Eritrea und seien nicht asylrelevant. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingse i- genschaft nicht. In Anbetracht der Umstände erweise sich der Vollzug der Wegweisung jedoch als unzumutbar, weshalb der Beschwerdeführer vor- läufig aufzunehmen sei. I. Mit Eingabe vom 17. November 2011 liess der Beschwerdeführer durch seine Mutter Beschwerde beim Bundesver waltungsgericht erheben und beantragen, die vorinstanzliche Verfügung vom 20. Oktober 2011 sei auf- zuheben, der Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtling anzuerkennen oder als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Mutter des B e- schwerdeführers sei in der Anhörung vom 19. Oktober 2011 darauf hi n- gewiesen worden, dass ihr Sohn nicht in ihre Flüchtlingseigenschaft mit einbezogen werde n könne, da sie lediglich die derivative Flüchtlingse i- genschaft besitze. Ihre eigenen Asylgründe – nämlich ihre illegale Ausrei- se und die Desertion – seien bei der Prüfung ihres Asylgesuchs fälschl i- cherweise unberücksichtigt geblieben. Sie sei sich zum damaligen Zei t- punkt nicht bewusst gewesen, dass d ieser abgeleitete Status allfällige negative Konsequenzen auf den Asylentscheid ihres Sohnes – des Be- schwerdeführers – haben könnte. Sie habe der Urgrossmutter die Vor- mundschaft über den Beschwerdeführer übertragen müssen, da es ihr aufgrund ihrer illegalen Ausreise nicht möglich gewesen sei, Reisepapiere für ihn zu beschaffen. Schliesslich sei auch zu berücksichtigten, dass d er Beschwerdeführer nach ihrer Ausreise bei der betagten Urgrossmutter gelebt habe, diese jedoch nicht mehr in der Lage sei, für ihn zu sorgen. D-6263/2011 Seite 5 Zur Stützung der Vorbringen wurden – jeweils in Kopie – die Verfügungen des BFM vom 5 . Juni 2009, betreffend das Asylgesuch der Mutter, und vom 20. Oktober 2011, betreffend das Asylgesuch des Beschwerdefü h- rers, zu den Akten gereicht. J. Mit Verfügung vom 25. November 2011 hiess die zuständige Instruktions- richterin das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und räumte der Vorinstanz Gelegenheit ein, bis zum 12. Dezember 2011 eine Vernehmlassung einzureichen. K. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2011 beantragte die Vori n- stanz die Abweisung der Beschwerde. L. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 7. Dezember 2011 zur Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die besch werdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-6263/2011 Seite 6 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de ren Aufhebung beziehungsweise Änderung ; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. In der Eingabe des Beschwerdeführers vom 17. Juni 2010, die explizit als "Asylgesuch/ Gesuch um Familienvereinigung" bezeichnet und unmitte l- bar darunter mit den Artikeln 20, 51 Abs. 1 und 4 AsylG sowie Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) referen- ziert wurde, wurde sowohl um eine Einreisebewilligung zwecks Durchfü h- rung eines ordentlichen Asylverfahrens und um Feststellung der Flüch t- lingseigenschaft als auch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft des Stiefvaters respektive der Mutter ersucht. Ungeachtet der verwirrenden vorinstanzlichen Verfügung – ebendiese Eingabe vom 17. Juni 2010 wur- de von der Vorinstanz lediglich gestützt auf Art. 3 AsylG sowie auf allfälli- ge Wegweisungsvollzugshindernisse hin überprüft, ohne ein Wort über den Antrag auf Familienasyl zu verlieren – ist die Frage nach dem Einbe- zug des Beschwerdeführers in das Familien asyl im Sinne von Art. 51 Abs 1 AsylG ebenfalls Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 4. 4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und de- ren minderjährige Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, s o- fern keine beson deren Umstände dagegen sprechen. Beson dere U m- stände sind beispielsweise anzunehmen, wenn das Familienmitglied Bür- ger eines anderen Staates als der Flüchtling und die Familie in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Status derivativ e r- worben hat, oder wenn das Familienleben während längerer Zeit nicht ge- lebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben. In jedem Fall bedingt die Zuerken- nung der Flüchtlingseigen schaft, dass die anspruchsberechtigte Person D-6263/2011 Seite 7 ihren Heimat- oder Herkunftsstaat verlas sen hat; im Hinblick hierauf h a- ben Personen, welche nach Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flücht linge anzuer- kennen sind, aus Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Ertei lung einer Einreisebewilligung, sofern sie sich im Ausland aufhal ten und durch die Flucht vom aner kannten Flüchtling getrennt wurden (vgl. dazu Entsche i- dungen und Mitteilungen der Schweizeri schen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 7 E. 5.4. und 6.1.). Massgeblicher Z eitpunkt für die Beurteilung ist derje nige des Asyl - beziehungsweise Beschwerdeen t- scheides. 4.2 Der Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft von Personen, welche i h- rerseits in die Flüchtlingseigenschaft von nahen Angehörigen einbezogen wurden, ist nicht per s e ausgeschlossen, aber auch nicht quasi autom a- tisch zu gewähren (EMARK 1997 Nr. 1 E. 5d). Erfüllt die Person, von wel- cher die Flüchtlingseigenschaft abgeleitet wird (nachfolgend Ableiterin) ih- rerseits ausschliesslich die Flüchtlingseigenschaft im formellen Sinne – ist selber also in keiner Weise Flüchtling im materiellen Sinne – so ist dies als besonderer Umstand im Sinne von Art. 51 AsylG zu betrachten, der gegen den Einbezug ins Familienasyl spricht (EMARK 1998 Nr. 9 E. 5a). 4.3 Der Prüfung eines derivativen Anspruchs auf Anerkennung als Flücht- ling im Sinne von Art. 51 AsylG geht die Prüfung der originären Flüch t- lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG vor (Art. 37 AsylV 1). Ein Gesuch um Einbezug eines sich bereits in der Schweiz befindlichen nahen Angehör i- gen in das Familienasyl eines in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG ist mithin nach Treu und Glauben auch als Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG zu verstehen ( BVGE 2007/19 E. 3.3). 5. 5.1 Zur Begründung seines Asylgesuchs – im Sinne eigener Asylgründe – machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, seine Urgros s- mutter sei nicht mehr in der Lage gewesen, für ihn zu sorgen; auch sei die Lage in Eritrea allgemein sehr schwierig. Da es sich bei diesen Vo r- bringen klarerweise nicht um asylrelevante Vorbringen im Sinne von Art. 3 AsylG handelt, kann bezüglich der Feststellung, dass der Beschwerd e- führer die originäre Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, vollumfänglich auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. D-6263/2011 Seite 8 5.2 Nach der Prüfung der originären Flüchtlingseigenschaft, folgt die von der Vorinstanz gänzlich unterlassene Prüfung der derivativen Flüchtling s- eigenschaft. 5.2.1 5.2.1.1 Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass hinsichtlich der Mut- ter des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 5 . Juni 2009 festgestellt wurde, diese erfülle die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht, sie und ihre Tochter seien jedoch gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge anzuer kennen. Da die Rechtskraft der Verfügung vom 5. Juni 2009 lediglich zwischen den Parteien Bindungswirkung entfaltet, kann diese dem Beschwerdeführer nicht zum Nachteil gereich en. Ob die originäre Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint wurde, ist zu überpr ü- fen, wenn – wie im vorliegenden Fall – die Frage der Übertragung der Flüchtlingseigenschaft ansteht (vgl. zum Ganzen EMARK 1997 Nr. 1 E. 6). Aufgrund der vorliegenden Akten ergeben sich erhebliche Zweifel an der Richtigkeit dieser mittlerweile in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 5. Juni 2009. Das BFM hat den von der Mutter des Beschwerdeführers vorgebrachten Sachverhalt als glaubhaft anerkannt und erachtete auch die illegale Ausreise der Mutter aus Eritrea als gegeben, weshalb es für das Gericht nicht nachvollziehbar ist, wie die Vorinstanz zum Schluss kommen konnte, die Mutter des Beschwerdeführers erfülle die originäre Flüchtlingseigenschaft nicht. Vielmehr ergibt sich diese bereits aufgrund der illegalen Ausreise aus Eritrea. Die illegale Ausreise wurde von der Mutter während ihres Verfah rens mehrmals geltend gemacht (vgl. act. B1/11 S. 7) und fand auch Eingang in die Verfügung der Vorinstanz ("Die von ihnen geschilderte illegale Ausreise von ihnen und ihrem Kind aus i h- rem Heimatland ist nicht asylrelevant, da es sich dabei um subjektive Nachfluchtgründe handelt" vgl. act. B 12/5 S. 2). Darüber hinausgehend vermögen die Vorbringen der Mutter hinsichtlich der Desertion ebenfalls einer summarischen Prüfung standzuhalten, weshalb ihr gemäss ständ i- ger Rechtsprechung der Asylausschlussgrund von Art. 54 AsylG nicht hät- te entgegengehalten werden dürfen (vgl. EMARK 2006 Nr. 3 ). 5.2.1.2 Andererseits wurde am 25. August 2009 ein erstes Gesuch um Familienzusammenführung eingereicht, welches vom BFM mit Verfügung vom 11. September 2009 mit der Begründung abge wiesen wurde, auf- grund der ihrerseits derivativ erworbenen Flüchtlingseigenschaft könne der Beschwerdeführer diese von seiner Mutter nicht ableiten. Sodann ha-D-6263/2011 Seite 9 be zwischen dem Lebenspartner und dem Beschwerdeführer in Eritrea kein familienähnliches Verhältnis bestanden, da sie nicht zusammen g e- wohnt und dieser in seinem eigenen Asylgesuch lediglich die gemeins a- me Tochter, den Sohn der Lebenspartnerin jedoch nirgends erwähnt h a- be. Auf die geg en ebendiese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht erhobene Beschwerde wurde am 24. November 2009, nachdem der g e- forderte Kostenvorschuss nicht geleistet wurde, nicht eingetreten. Demnach bezieht sich die ebenso in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 11. September 2009 – im Unterschied zu der oben genannten Verfü- gung vom 5. Juni 2009 (E. 5.2.1) – unter anderem auch auf die Frage der Ableitung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers von der Mutter, weshalb ein Zurückkommen auf diese n Punkt im vo rliegenden Verfahren nicht mehr möglich ist. 5.2.2 5.2.2.1 Hinsichtlich der Frage des Einbezugs in die Flüchtlings - eigenschaft des Lebenspartners der Mutter und Stiefvaters des Be - schwerdeführers hat die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 11. September 2009 ausgeführt, der Stiefvater und der Beschwerdeführer hätten in Eritrea nie in einer Hausgemeinschaft gelebt, weshalb nicht von einem familienähnlichen Verhältnis ausgegangen werden könne, was einem Einbezug im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG entgegenste he. 5.2.2.2 Dabei handelt es sich indessen um ein Kriterium für die Erteilung der Einreisebewilligung im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG – für die in der Schweiz befindlichen Angehörigen ist die Trennung durch die Flucht kein Erfordernis für den Einbezug in die F lüchtlings - eigenschaft. Mit Verfügung vom 9. August 2010 bewilligte das BFM die Einreise des Beschwerdeführers zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens, worauf hin der Beschwerdeführer am 17. August 2011 in die Schweiz einreiste. Demnach handel t es sich um eine neue rechtliche Ausgangslage, weshalb die Rechtskraft der Verfügung vom 11. September 2009 der Überprüfung des Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft des Stiefvaters nicht entgegenstehen kann. 5.2.2.3 Vorliegend gilt auf grund der Akten als erst ellt und wird vom BFM auch nicht bestritten, dass es sich beim Beschwerdeführer um den leiblichen Sohn von B._______, der Mutter des Beschwerdeführers, und um den Halbbruder der zwei gemeinsamen D-6263/2011 Seite 10 Kinder der Mutter und seines Stiefvaters handelt, welchen das BFM mit den Verfügungen vom 5. Juni 2009 und 7. Juli 2011 die Flüchtlingseigenschaf t zuer kannte und Asyl gewährte. Seit seiner Einreise in die Schweiz am 17. August 2011 lebt der nach wie vor minderjährige Beschwerdeführer zusammen mit seiner Mutter, dem Stiefvater und seinen Halbgeschwister in einer Hausgemein schaft. Unter dem Begriff der minderjährigen Kinder im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – gemäss Rechtsprechung der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK), welche vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird – nicht nur die gemeinsamen Kinder der Partner, sondern auch die Stief - und Adoptivkinder, Pflegekinder und Andere subsum iert, da die Norm nach ihrer ratio legis die Herstellung eines einheitlichen Rechtsstatus innerhalb der Kernfamilie bezweckt (vgl. EMARK 1997 Nr. 1 E. 5b S. 6 f. und EMARK 2000 Nr. 22). Der min derjährige Beschwerdeführer ist zweifelsohne Teil der Kernfami lie des Stiefvaters . Die Voraussetzungen für die Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 1 AsylG sind vorliegend erfüllt und der Beschwerdeführer ist in die Flüchtlings - eigenschaft seines Stiefvaters einzubeziehen, sofern keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass keine besonderen Umstände im Sinne der Rechtsprechung vorliegen, welche der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl für den Beschwerdeführer entgegenst ehen könnten. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gu t- zuheissen und das BFM anzuweisen dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG unter Zuerkennung der derivativen Flüchtlingsei - genschaft Asyl zu gewähren. 7. 7.1 Mit Verfügung vom 25. November 2011 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG g e- währt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet, weshalb keine Kosten aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 A bs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). D-6263/2011 Seite 11 7.2 Die Beschwerdeinstanz kann der teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe K osten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V. m. Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer ist vorliegend durch seine Mutter vertreten, weshalb ihm keine Kosten en t- standen sind. Ihm ist demnach keine Parteientschädigung zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-6263/2011 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer unter Zuerkennung der derivativen Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Eva Hostettler Versand: