Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 2015/33 BVGE / ATAF / DTAF 469 4 Schule – Wissenschaft – Kultur Ecole – Science – Culture Scuola – Scienza – Cultura 33 Auszug aus dem Urteil der Abteilung II i.S. Verband X. gegen Bundesamt für Sozialversicherungen B‒1950/2014 vom 16. Oktober 2015 Finanzhilfen für Modellvorhaben. Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG. 1. Der Bund unterstützt ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nur ergänzend (E. 3.4). 2. Ein Modellvorhaben im Sinne von Art. 8 KJFG kann nur dann subventioniert werden, wenn es einmalig ist und innovativen Ge - halt hat (E. 6.1.3.1). 3. Die Wiederholung eines bereits früher unterstützten Projekts ist von der Finanzhilfe des Bundes ausgeschlossen (E. 6.1.3.3). Aides pour des projets pouvant servir de modèle. Art. 8 al. 1 let. a LEEJ. 1. La Confédération ne soutient les activités extrascolaires avec des enfants et des jeunes qu'à titre complémentaire (consid. 3.4). 2. Un projet pouvant servir de modèle au sens de l'art. 8 LEEJ ne pourra être subventionné que s'il est unique et qu'il a un contenu novateur (consid. 6.1.3.1). 3. L'aide financière de la Confédération est exclue pour la répétition d'un projet qui a déjà été soutenu (consid. 6.1.3.3). Aiuti finanziari per progetti modello. Art. 8 cpv. 1 lett. a LPAG. 1. La Confederazione sostiene delle attività extrascolastiche per fan - ciulli e giovani soltanto a titolo complementare (consid. 3.4). 2015/33 Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 470 BVGE / ATAF / DTAF 2. Un progetto che funge da modello ai sensi dell'art. 8 LPAG potrà beneficiare di aiuti finanziari a condizione che sia unico ed abbia un contenuto innovativo (consid. 6.1.3.1). 3. La concessione di aiuti fin anziari federali per la ripetizione di un progetto già promosso in precedenza è esclusa (consid. 6.1.3.3). Am 21. November 2013 ersuchte der Verband X. das Bundesamt für So - zialversicherungen (BSV , nachfolgend auch V orinstanz) um Finanzhilfen für Modellvorhaben gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. a des Kinder- und Jugend- förderungsgesetzes vom 30. September 2011 (KJFG, SR 446.1) für das Projekt « Zukunftskonferenz 2014 ». Da X. bereits im Jahre 2012 eine Zukunftskonferenz durchgeführt hatte, lehnte die V orinstanz das Gesuch mit Verfügung vom 12. März 2014 ab. Das Bundesverwaltungsgericht weist die dagegen am 9. April 2014 erho- bene Beschwerde ab. Aus den Erwägungen: 3. 3.1 Nach Art. 67 Abs. 2 BV kann der Bund in Ergänzung zu kanto - nalen Massnahmen die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Ju - gendlichen unterstützen. Dabei ist nach dem Willen des Gesetzgebers das Subsidiaritätsprinzip zu beachten: Der Bund wird nur ergänzend tätig (Botschaft vom 20. November 1996 über eine neue Bundesverfassung, BBl 1997 I 1, 284, nachfolgend: Botschaft zur BV). Demnach gibt Art. 67 Abs. 2 BV dem Bund nur eine parallele und subsidiäre Kompetenz, Aktivitäten zur Förderung von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen (Botschaft vom 17. September 2010 zum KJFG, BBl 2010 68 03, 6817, nachfolgend: Botschaft zum KJFG). Deren Förderung ist primär Sache der Kantone und Gemeinden. Das Subsidiaritätsprinzip ist in Art. 5a BV verankert und gilt für die Zu - weisung und Erfüllung staatlicher Aufgaben. Ihm liegt die Idee zugrunde, dass der Bund im Bundesstaat nicht Aufgaben an sich ziehen soll, welche die Gliedstaaten ebensogut erfüllen können, für die es also keinen zwin - genden Grund zur bundesweiten Vereinheitlichung gibt. Die in der BV vorgenommene Aufgabenteilung ist Ausdruck dieses Gedankens (Bot - schaft zur BV , BBl 1997 I 1, 209). Das Prinzip bezieht sich nur auf die Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 2015/33 BVGE / ATAF / DTAF 471 verschiedenen Staatsebenen und ist ein bundesstaatliches beziehungswei - se föderalistisches. Es soll keine unmittelbare Geltung im Verhältnis Staat- Private entfalten ( SCHWEIZER/MÜLLER, in: St. Galler Kommentar, Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, Art. 5a Rz. 7), wirkt sich aber mittelbar auch auf die Privaten aus. Der Grundsatz ist nicht unmittelbar justiziabel (einklagbar; SCHWEIZER/MÜLLER, a.a.O., Art. 5a Rz. 16). 3.2 Solange die Kantone und Gemeinden objektiv in der Lage sind, aus eigener Kraft die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugend - lichen zu fördern, ist diese Förderung folglich keine Bundesaufgabe. So erfüllt beispielsweise auch eine in Not g eratene Person die V orausset- zungen von Art. 12 BV (Recht auf Hilfe in Notlagen) nicht und ist nicht anspruchsberechtigt, solange sie objektiv fähig ist, sich selbst die not - wendigen Mittel zu verschaffen (vgl. HÄFELIN/HALLER/KELLER, Schwei- zerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl. 2012, Rz. 916). Auch kommt ‒ als weiteres Beispiel ‒ eine Bundesintervention (Art. 52 Abs. 2 BV) nur in Betracht, wenn sich der betroffene Kanton nicht selbst oder mit Hilfe anderer Kantone schützen kann ( HÄFELIN/HALLER/KELLER, a.a.O ., Rz. 1040). 3.3 Dass die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gemäss Art. 67 Abs. 2 BV nur subsidiär durch den Bund unterstützt wird, entspricht dem Sozialziel betreffend Kinder und Jugendliche, welches in Art. 41 Abs. 1 Bst. g BV formuliert ist. Danach erfolgt deren Unterstüt - zung durch Bund und Kantone nur in Ergänzung zu persönlicher Verant - wortung und privater Initiative und nicht an deren Stelle. Zudem können Bund und Kantone bloss im Rahmen ihrer verfassungsmässigen Zustän - digkeiten und ihrer verfügbaren Mittel Unterstützung gewähren (Art. 41 Abs. 3 BV). Dabei ist im Verhältnis zwischen Bund und Kantonen zu berücksichtigen, dass der Bund nur die Aufgaben übernimmt, welche die Kraft der Kantone übersteigen oder einer einheitlichen Regelung durch den Bund bedürfen (Art. 43a Abs. 1 BV). Dieser V orrang der Kantone gegenüber dem Bund gründet ebenfalls im Subsidiaritätsprinzip (vgl. E. 3.1; HÄFELIN/HALLER/KELLER, a.a.O., Rz. 1051; SCHWEIZER/MÜLLER, a.a.O., Art. 5a Rz. 7). 3.4 Die Unterstützung auss erschulischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist damit in erster Linie Aufgabe der Privaten, erst in zweiter Linie, wenn die Privaten kräftemässig überfordert sind, Aufgabe der Kan- tone (und ihrer Gemeinden) und erst in dritter Linie, wenn nämlich auc h deren Kräfte versagen, Aufgabe des Bundes (Botschaft zur BV , BBl 1997 2015/33 Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 472 BVGE / ATAF / DTAF I 1, 204; Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6804). Aus dem Sozialziel von Art. 41 Abs. 1 Bst. g BV können folgerichtig keine unmittelbaren Ansprüche auf staatliche Leistungen abgeleit et werden (Art. 41 Abs. 4 BV). Die Gestaltung staatlicher Kinder - und Jugendförderung verbleibt daher primär im Zuständigkeits - und Aufgabenbereich der Kantone und Gemeinden (Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6817). Unterstützun - gen des Bundes können in Ü bereinstimmung mit Art. 67 und Art. 5a BV folglich insbesondere unter dem KJFG nur ergänzend erfolgen (vgl. Bot - schaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6825). 3.5 In diesem einschränkenden Rahmen kommt dem Bund anderer - seits die Aufgabe zu, im gesamtschweizerischen Kontext Aktivitäten der ausserschulischen Arbeit zu fördern, die gegenseitige Abstimmung der Kin- der- und Jugendpolitik zwischen den drei staatlichen Ebenen ‒ Gemeinden, Kantone und Bund ‒ und Nichtregierungso rganisationen zu unterstützen, Impulse für die Weiterentwicklung der Kinder - und Jugendpolitik zu ge - ben sowie die horizontale Koordination auf Bundesebene sicherzustellen (Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6824). Zeitlich befristete Subven - tionen des Bun des zugunsten von Kantonen, Gemeinden oder Privaten sind im Sinne einer impulsgebenden Anschubfinanzierung zu verstehen (vgl. Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6852). Der Gesetzgeber hat hiermit seinen politischen Willen zur Selektion zum Ausdruck gebracht. 4. 4.1 Die Ausrichtung von Finanzhilfen an private Trägerschaften zur Förderung ihrer ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist in den Art. 6‒10 KJFG geregelt. Der Bundesrat hat diese Bestimmun - gen in der Kinder - und Jugendförderungsverordnung vom 17. Oktober 2012 (KJFV , SR 446.11) konkretisiert. In Art. 6 KJFG (Allgemeine V or- aussetzungen) wird ausdrücklich festgehalten, dass der Bund privaten Trägerschaften Finanzhilfen nach diesem Gesetz gewähren kann (aber nicht muss). Zudem ergibt sich aus Art. 12 Abs. 1 KJFG, dass Finanzhilfen nach diesem Gesetz im Rahmen der bewilligten Kredite gewährt werden. Damit hat der Gesetzgeber zum Ausdruck gebracht, dass grundsätzlich ‒ das heisst bei Wahrung der verfassungsrechtlichen Schranken ‒ kein Rechtsanspruch auf Finanzhilfen besteht (so auch die Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6846). Daher sind Finanzhilfen nach dem KJFG an private Trägerschaften nicht als Anspruchs-, sondern als Ermessenssub- ventionen einzustufen. Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 2015/33 BVGE / ATAF / DTAF 473 4.2 Das Wesensmerkmal einer Ermessenssub vention ist, dass es im Entschliessungsermessen der verfügenden Behörde liegt, ob sie im Ein - zelfall eine Subvention zusprechen will oder nicht (vgl. WIEDERKEHR/ RICHLI, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Bd. I, 2012, Rz. 1476; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 440; FABIAN MÖLLER, Rechtsschutz bei Subventionen, Diss. Basel 2006, S. 44 f.; BARBARA SCHAERER, Subventionen des Bundes zwischen Legalitätsprinzip und Finanzrecht, Berner Diss. 1992, S. 178). Können wegen beschränkter finanzieller Mittel nicht alle Projekte berück- sichtigt werden, welche grundsätzlich die Anforderungen für die Zuspre - chung einer Ermessenssubvention erfüllen würden, sind die zuständigen Behörden verpflichtet, Prioritätenordnu ngen aufzustellen (Art. 13 Abs. 1 und 2 des Subventionsgesetzes vom 5. Oktober 1990, SuG, SR 616.1). Die Behörde hat nach pflichtgemässem Ermessen relative Kriterien festzule - gen, die es erlauben, die Anzahl der an sich subventionierbaren Gesuche nach dem Grad ihrer Subventionswürdigkeit sachgerecht zu priorisieren. Derartige einheitliche Beurteilungskriterien dienen dazu, eine möglichst rechtsgleiche und willkürfreie Behandlung der Beitragsgesuche zu ge - währleisten (vgl. Urteile des BVGer B‒3939/2013 vom 1 0. Dezember 2014 E. 2.2 und B‒6272/2008 vom 20. Oktober 2010 E. 4.3). 4.3 Typischerweise ist das Ermessen der Behörde im Bereich der Finanzhilfen, auf die kein Rechtsanspruch besteht, besonders gross, soweit es um die Bestimmung und Anwendung der Prioritätskri terien geht (vgl. Urteile des BVGer B‒3939/2013 E. 2.2 und B‒6272/2008 E. 4.3). Räumt das Gesetz der Behörde ein grosses Ermessen bei seiner Anwendung ein, übt das Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss Zurückhaltung bei der Beurteilung. Geht es hingegen um die richtige Rechtsanwendung, nament- lich die Auslegung des Gesetzes, handelt es sich dabei nicht um einen Er- messensentscheid der Behörde, weshalb die Verletzung von Bundesrecht vom Bundesverwaltungsgericht frei geprüft wird. 5. 5.1 Das KJFG und die dazugehöre nde KJFV sind seit dem 1. Januar 2013 in Kraft. Sie lösten das bis dahin geltende Jugendförderungsgesetz vom 6. Oktober 1989 (JFG, AS 1990 2007 ff.) und die Jugendförderungs- verordnung vom 10. Dezember 1990 (JFV , AS 1990 2012 ff.) ab. Mit dem KJFG will der Gesetzgeber die Finanzhilfen mehr inhaltlich (thematisch und strategisch) steuern, um die Mittelvergabe wirksamer und effizienter zu gestalten (vgl. Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6805 und 6822). Der Gesetzgeber will selektiv sein (vgl. auch E. 3.5). Das KJFG stellt die 2015/33 Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 474 BVGE / ATAF / DTAF Finanzhilfen im entsprechenden Bereich denn auch auf eine neue Grund - lage. So sind nun insbesondere die Prüfung und Gewährung von Finanz - hilfen sowie die Kompetenzen des BSV grundlegend anders geregelt als im JFG (eingehend dazu Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803 ff.). 5.2 Nach Art. 1 Bst. a KJFG regelt das Gesetz die Unterstützung privater Trägerschaften, die sich der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen widmen. Gemäss der Zweckbestimmung des Art. 2 KJFG will der Bund mit de m Gesetz die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fördern. Er will dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in ihrem körperlichen und geistigen Wohlbefinden gefördert werden, sich zu Personen zu entwickeln, die Verantwortung für sich selber und für die Gemeinschaft übernehmen und sich sozial, kulturell und poli - tisch integrieren können (Art. 2 KJFG). Der Begriff der ausserschulischen Arbeit wird in Art. 5 Bst. a KJFG umschrieben: Es handelt sich dabei um verbandliche und offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen samt niederschwelligen Angeboten. Gemäss Art. 6 KJFG kann der Bund priva- ten Trägerschaften Finanzhilfen gewähren, sofern sie (kumulativ) schwer- punktmässig in der ausserschulischen Arbeit tätig sind oder regelmässig Programme im Bereich ausserschulischer Arbeit anbieten, nicht nach Ge - winn streben und dem Anspruch von Kindern und Jugendlichen auf beson- deren Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung im Sinne von Art. 11 Abs. 1 BV Rechnung tragen. 5.3 Art. 8 KJFG (Finanzhilfen für Modellvorhaben und Partizipa - tionsprojekte von gesamtschweizerischer Bedeutung) lautet wie folgt: 1 Der Bund kann privaten Trägerschaften Finanzhilfen für zeitlich be- grenzte V orhaben von gesamtschweizerischer Bedeutung gewähren, die: a. Modellcharakter für die Weiterentwicklung der ausserschuli - schen Arbeit haben; oder b. in besonderer Weise die Beteiligung von Kindern und Jugend - lichen an der Entwicklung und Umsetzung des Projekts fördern. 2 Der Bundesrat kann für die Gewährung von Fina nzhilfen für Mo - dellvorhaben und Partizipationsprojekte thematische Schwerpunkte und Zielvorgaben festlegen. Finanzhilfen an private Trägerschaften gemäss Art. 8 Abs. 1 KJFG werden nur auf Gesuch hin ausgerichtet (Art. 11 Abs. 1 SuG). Der Gesuchsteller muss der zuständigen Behörde alle erforderlichen Auskünfte erteilen (Art. 11 Abs. 2 SuG). Im Subventionsverfahren steht die Mitwirkung des Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 2015/33 BVGE / ATAF / DTAF 475 Antragsstellenden im Zentrum des Entscheidungsprozesses der Behörde (Urteil des BVGer B‒5547/2014 vom 17. Juni 2015 E. 3.2). 5.4 Die KJFV enthält die Legaldefinition, was als « V orhaben mit Modellcharakter » beziehungsweise « Modellvorhaben » nach Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG zu betrachten ist. Demnach handelt es sich bei diesen V orhaben um einmalige, höchstens drei Jahre dauernde Projekte, welche innovative Aspekte enthalten, welche auf andere Kontexte übertragbar sind, für die ein Bedürfnis nachgewiesen ist und für die der Wissenstrans- fer sichergestellt ist (Art. 8 Abs. 1 KJFV). Art. 10 KJFV formuliert sodann die näheren Anforderungen an ein Gesuch von privaten Trägerschaften um Finanzhilfen für ein Modellvorhaben nach Art. 8 KJFG. Das Gesuch ist jeweils bis Ende Februar, Ende Juni oder Ende November beim BSV einzureichen (Abs. 1) und muss mindestens Angaben enthalten über die Art, den Umfang, das Ziel, den Nutzen und den Modellcharakter des geplanten Projekts, die am Projekt beteiligten Personen und Organisationen sowie die Finanzierung und das Budget des geplanten Projekts (Abs. 2). Das BSV kann für die Einreichung der Ge - suche unter anderem Formulare anbieten und Richtlinien über die Einzel - heiten erlassen (Art. 5 KJFV). Das BSV entscheidet nach einer Prüfung der eingereichten Gesuche spätestens vier Monate nach Ablauf der Ein - reichungsfrist (Art. 11 Abs. 1 und 4 KJFV). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt, die angefochtene Verfügung verletze Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG, da er die dortigen V oraussetzungen erfüllt habe, und macht im Rahmen dessen eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung durch die V orinstanz geltend. Umstritten und zu prüfen ist demnach, ob der Beschwerdeführer die gesetzlichen V oraussetzungen für eine Finanz- hilfe nach Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG erfüllt. 6.1.1 Die erste V oraussetzung ist jene der privaten Trägerschaft. Ge- mäss der Legaldefinition in Art. 5 B st. b KJFG sind unter dem Begriff « private Trägerschaft » private Verbände, Organisationen und Gruppie - rungen zu verstehen, welche ausserschulische Arbeit leisten. Als solche gilt verbandliche und offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen samt niederschwelligen Angeboten (Art. 5 Bst. a KJFG). Der Gesetzgeber führt als eine der privaten Trägerschaften beispielhaft den Beschwerdeführer an (Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6810). Somit ist die erste V oraus- setzung von Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG ohne Weiteres gegeben. 2015/33 Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 476 BVGE / ATAF / DTAF 6.1.2 Umstritten und näher zu prüfen ist hingegen, ob die V orausset- zung eines zeitlich begrenzten V orhabens erfüllt ist. (…) 6.1.3 6.1.3.1 Das KJFG schweigt zur zeitlichen Begrenzung eines Modellvor - habens. Aus Art. 8 Abs. 1 KJFV geht aber hervor, dass Modellvorhaben nach Art. 8 KJFG nur einmalig stattfinden und höchstens bis zu drei Jahre dauern dürfen. Die V orhaben müssen zudem ausdrücklich innovative As- pekte enthalten (Art. 8 Abs. 1 KJFV). Aus Sicht des Gesetzgebers handelt es sich um ein zeitlich begrenztes V orhaben, wenn dieses nur einmal jähr- lich stattfindet (vgl. Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6843). Der Gesetzgeber versteht demnach die zeitliche Begrenzung eines V orhabens nicht nur punktuell, sondern er lässt auch dessen Aufteilung in mehrer e Teile zu, sofern es im Übrigen eine zeitliche Eingrenzung aufweist. Somit ist im Sinne des Gesetzgebers ein V orhaben dann als zeitlich begrenzt zu erachten, wenn es sich insgesamt nicht über einen unbefristeten Zeitraum, einen nicht näher bestimmten Zeitraum von mehreren Jahren oder auf an- dere Weise über einen längeren Zeitraum erstreckt. Dabei ist nicht auszu - schliessen, dass ein V orhaben über einen begrenzten Zeitraum ‒ wie zum Beispiel einige wenige bestimmte Jahre ‒ verteilt beispielsweise einmal pro Jahr durchgeführt wird. Dieses darf jedoch insbesondere nicht Teil einer regelmässigen, unbefristeten Tätigkeit sein. Denn wenn ein V orha- ben zu einer solchen gehört, ist es nicht mehr zeitlich begrenzt. Zu berücksichtigen ist überdies, dass ein V orhaben nur dann als einmalig zu betrachten ist, wenn es innovativen Gehalt hat. Nach der Botschaft zum KJFG ist die Unterstützung von Projekten der ausserschulischen Arbeit insbesondere mit Blick auf die mit der Totalrevision des Gesetzes ange - strebte verstärkte Förderung innovativer Formen der Kinder- und Jugend- arbeit von Bedeutung. Es war dem Gesetzgeber ein Anliegen, dass nach Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG Finanzhilfen für Projekte mit Modellcharakter ausgerichtet werden können, die ein entsprechendes Potenzial zu r Leis - tung eines wesentlichen Beitrags zur Innovation von Formen und Arbeits- methoden der ausserschulischen Arbeit aufweisen ( vgl. Botschaft zum KJFG, BBl 2010 6803, 6844). Demzufolge können nicht jedem einmali - gen Projekt Fördergelder des Bundes zugesprochen werden. 6.1.3.2 Wie in E. 6.1.3.1 vorstehend ausgeführt, ist die V orschrift von Art. 8 Abs. 1 KJFV so zu verstehen, dass ein V orhaben auch einmalig sein kann, wenn es innerhalb des maximalen Zeitraums von drei Jahren auf jährlich stattfindende Teilvorhaben aufgeteilt ist. Diese müssen als solche erkennbar sein, das heisst insbesondere klarerweise zusammengehören, Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 2015/33 BVGE / ATAF / DTAF 477 und gemeinsam ein einziges V orhaben bilden, das einmalig ist. Die Teilvorhaben können neben- oder nacheinander stattfinden, letzterenfalls auch mit einem zeitlichen Unterbruch. Für die Annahme der Unterteilung eines Projekts genügt es aber nicht, wenn über drei Jahre verteilt jährlich ähnliche V orhaben stattfinden oder diese Teil eines anderen Projekts sind. Während im zweiten Fall das andere Projekt l änger als drei Jahre dauern könnte, fehlt es im ersten Fall unter Umständen an der Einmaligkeit eines V orhabens. Denn ein solches ist unter anderem nicht bereits dann einmalig, wenn in ihm im Vergleich zu einem anderen lediglich die Rahmenbedin - gungen wie das Thema, der Ort und die Teilnehmer ändern. Vielmehr muss das Projekt als solches innovativ sein (vgl. Urteil des BVGer C‒7833/2010 vom 4. März 2013 E. 5.3). Es muss, wie Art. 8 Abs. 1 KJFV ausdrücklich erwähnt, innovative Aspekte aufweisen. 6.1.3.3 In den vorinstanzlichen Richtlinien vom 1. Januar 2014 über die Gesuchseinreichung betreffend Finanzhilfen nach dem KJFG, die für das Jahr 2014 galten, ist ein Projekt als ein einmaliges zielgerichtetes V orha- ben definiert, das aus einer Menge von Tätigkeiten mit Anfa ngs- und Endtermin besteht und durchgeführt wird, um unter Berücksichtigung von Zwängen bezüglich Zeit, Ressourcen und Qualität ein Ziel zu erreichen (Art. 3 Bst. f dieser Richtlinien). Diese Definition knüpft an das Verständ- nis dessen an, was schon nach den im Jahre 2013 gültigen Richtlinien unter einem erst- beziehungsweise einmaligen Projekt zu verstehen ist. In jenen gilt als eines der generellen Kriterien für die Förderung eines V orhabens gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG, dass das Projekt erst - oder e inmalig durchgeführt wird (Ziff. 2 Bst. d des Anhangs 3 der entsprechenden Richt- linien vom 1. Februar 2013). Eine Wiederholung eines bereits einmal durchgeführten Projekts ist damit von Finanzhilfe ausgeschlossen. Diese vorinstanzliche Regelung, welche di e Einheitlichkeit der Verwaltungs - praxis zu Art. 8 Abs. 1 KJFV im Jahre 2014 bezweckte, entspricht dem Willen des Verordnungsgebers (s. E. 6.1.3.2). Die ab dem 1. Januar 2015 geltenden Richtlinien der V orinstanz gelangen vorliegend nicht zur Anwendung (…). 6.1.3.4 Im « Gesuchsformular Modellprojekte 2013 » war vom Gesuch- steller unter dem Titel « Grundvoraussetzungen Kinder- und Jugendförde- rungsgesetz » insbesondere mittels Anbringens eines Kreuzchens zu bestä- tigen, dass es sich um ein Projekt handelt, welches zu m ersten Mal und/ oder einmalig durchgeführt wird, und dass das Projekt maximal eine Dauer von drei Jahren hat. Der Beschwerdeführer hat dies mittels entsprechender Angaben bestätigt (…). 2015/33 Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 478 BVGE / ATAF / DTAF 6.1.3.5 V orliegend sah das Projekt « Zukunftskonferenz 2014 » des Be- schwerdeführers inhaltlich ein Programm mit im Wesentlichen zwei wie - derkehrenden Arbeitsformen, nämlich den Formen « Plenum » und « ge- leitete Arbeitsgruppen », vor. Im Plenum fanden die Begrüssung und der Abschluss, Informationen, Präsentationen, Referate sowie Abstimmungen statt. In den geleiteten Arbeitsgruppen wurden unter der Leitung jeweils einer Person Gruppenarbeiten zur Reflexion, zum gegenseitigen Aus - tausch, zur gemeinsamen Entscheidfindung und zur Erarbeitung von Prä - sentationen durchgeführt. Die Mitt agspause mit einem Stehlunch diente ebenfalls dem wechselseitigen Austausch (…). Auch das Projekt « Zu- kunftskonferenz 2012 » arbeitete im Wesentlichen mit den Formen « Ple- num » und « geleitete Arbeitsgruppen » und den vorstehend beschriebenen Formelementen. Thematisch ging es in beiden Zukunftskonferenzen um die eigene Zukunft des Beschwerdeführers, darum wurde das V orhaben beide Male « Zukunftskonferenz » genannt. Unterschiedlich waren abge - sehen von den verschiedenen Grund - beziehungsweise Ausgangslagen und dem Veranstaltungsjahr lediglich die Anordnung der Elemente im Konferenzverlauf und deren konkrete Inhalte. Die Methodik der Zukunfts- konferenz 2014 war angesichts dieser Übereinstimmungen im Grundsatz gleich wie jene der Konferenz im Jahre 2012 (« Zukunftskonferenz » bzw. « Grossgruppenkonferenz », vgl. < https://de.wikipedia.org/wiki/Zu- kunftskonferenz >, abgerufen am 03.09.2015). In diesen Merkmalen können keine innovativen Aspekte im Sinne von Art. 8 Abs. 1 KJFV erkannt werden. Vielmehr liegt sowohl der Zukunfts- konferenz 2012 wie auch jener des Jahres 2014 dasselbe Modell zugrunde, wie der Beschwerdeführer selbst dargelegt hat (E. 6.1.3.5). Dass die Teil- nehmenden der Zukunftskonferenz 2014 einen Prozess zu einem Ver - bandsdenken hin durchlaufen hätten (E. 6.1.2.1), ist als inneres subjektives Geschehen nicht nachprüfbar und kann nicht als Nachweis der erforder - lichen Innovation genügen. Dass es sich bei den Zukunftskonferenzen 2012 und 2014 um ein in sich geschlossenes, zweiteiliges Einzelproj ekt handle und erst die Gesamtheit beider Projekte die erforderliche Innovation schaffe, wird vom Beschwer- deführer nicht geltend gemacht. Vielmehr spricht er von einer allfälligen weiteren Zukunftskonferenz (E. 6.1.3.5), was auf eine regelmässig ge - plante Aktivität hindeutet. 6.1.3.6 Die V orinstanz hat damit zu Recht die Erst- beziehungsweise Ein- maligkeit der Zukunftskonferenz 2014 verneint. Finanzhilfen. Kinder- und Jugendförderung 2015/33 BVGE / ATAF / DTAF 479 6.1.4 Da bereits die V oraussetzung der Erst- beziehungsweise Ein - maligkeit des V orhabens nicht erfüllt ist, sind die weiteren V orausset- zungen für die Zusprechung von Fördergeldern des Bundes gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. a KJFG nicht mehr zu prüfen. 7. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist daher abzuweisen.