Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. September 2019 (720 19 143 / 235) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente: Beurteilung der Statusfrage / Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Elisabeth Maier, Advo- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1961 geborene A.____ war seit Dezember 1983 i m Rahmen einer Teilzeittätigkeit als Betriebsarbeiterin bei der B.____ AG tätig gewese n. Am 6. Juli 1999 hatte sie sich unter Hinweis auf die Folgen eines im November 1997 erlitte nen Arbeitsunfalls bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an gemeldet. Nach Abklärung der gesundheitlichen, der erwerblichen und der hauswirtschaftlichen Verhältnisse hatte die IV-Stelle Basel-Landschaft A.____ mit Verfügung vom 14. November 2005 gestützt auf einen Invalidi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tätsgrad von 78 % für den Zeitraum vom 1. November 1 998 bis 31. Juli 2004 eine befristete ganze IV-Rente zugesprochen. Am 18. Januar 2008 meldete sich A.____ wiederum bei de r IV zum Leistungsbezug an. Nach erneuter Abklärung der gesundheitlichen, der erwerbli chen und der hauswirtschaftlichen Ver- hältnisse ermittelte die IV-Stelle in Anwendung der g emischten Bemessungsmethode mit den Anteilen von 75 % an Erwerbs- und von 25 % an Haushalt tätigkeit nunmehr einen Invaliditäts- grad von 28 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte sie - n ach durchgeführtem Vorbescheidver- fahren - mit Verfügung vom 17. März 2011 einen Anspr uch von A.____ auf eine Rente ab. Eine von der Versicherten hiergegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht) mit Urteil vom 13 . Oktober 2011 ab (Verfahren-Nr. 720 11 168/274). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 15. Dezember 2015 meldete sich A.____ - nunmehr un ter Hinweis auf "psychische Proble- me" - ein weiteres Mal bei der IV zum Leistungsbezug an. Mit Vorbescheid vom 13. Dezember 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie beabsichtige, auf das Leistungsbegehren nicht einzutreten. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, es sei mit der Neuanmel- dung keine anspruchserhebliche Änderung der gesundhei tlichen Verhältnisse glaubhaft ge- macht worden. Im Rahmen des anschliessenden Einwandverfah rens entschied sich die IV- Stelle jedoch, weitere medizinische Abklärungen vorzunehm en. Insbesondere gab sie bei Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein e psychiatrische Begutachtung der Versicherten in Auftrag. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer Abklärungen ermittelte die IV-Stelle in der Folge bei der Versicherten - in erneuter Anwendun g der gemischten Bemessungsmethode mit den Anteilen von 75 % an Erwerbs- und von 25 % an Haushalttätigkeit - für den Zeitraum vom 1. Juni 2016 bis 31. Dezember 2017 einen Invaliditä tsgrad von 18 %. Gleichzeitig nahm die IV-Stelle aufgrund der vom Bundesrat am 1. Dezembe r 2017 beschlossenen und per 1. Ja- nuar 2018 in Kraft gesetzten Änderung der Verordnun g über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuberechnung des Rentenanspruchs der Versicherten ab 1. Januar 2018 vor. Dabei errechnete sie in Anwendung der gemisc hten Bemessungsmethode mit Antei- len von 75 % an Erwerbs- und von 25 % an Haushalttätig keit neu einen Invaliditätsgrad von 33 %. Unter Hinweis auf die von ihr ermittelten Invaliditätsgrade von 18 % (bis Ende 2017) bzw. von 33 % (ab 1. Januar 2018) lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. März 2019 einen Ren- tenanspruch der Versicherten ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Elisabeth Maier, am 9. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beant ragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die B eschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 24. Juni 2019 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 9. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.2 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufg abenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werde n kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abge stellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Ab s. 2 IVG). Dies ist die spezifische Me- thode der Invaliditätsbemessung (Betätigungsvergleich; BGE 141 V 20 E. 3.2). 3.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sin d oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatte n oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Inval iditätsgrad in beiden Bereichen zu be- messen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Met hode der Invaliditätsbemessung (BGE 141 V 20 f. E. 3.2 mit Hinweisen). Ist bei diesen Versi cherten anzunehmen, dass sie im Zeit- punkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschad en ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach d en Grundsätzen für Erwerbstäti- ge zu bemessen (Art. 27 bis Abs. 1 IVV). 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde (BGE 141 V 20 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 3.1). Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sond ern in welchem Pensum sie hypo- thetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit H inweisen). Bei im Haushalt tätigen Ver- sicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiäre n, sozialen und erwerblichen Verhält- nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Bega- bungen zu berücksichtigen (BGE 125 V 150 E. 2c). Die Sta tusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Ver fügung (hier: 29. März 2019) entwi- ckelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche B eweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 20 E. 3.1 mit Hinweisen). 4.2 Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgra d der Beschwerdeführerin nach der ge- mischten Methode bemessen. Dabei ist sie davon ausgegange n, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen in einem Pensum von 75 % eines Vollpensums einer Er- werbstätigkeit nachgehen und im Umfang von 25 % den Haushalt besorgen würde. Demgegen- über macht die Versicherte in ihrer Beschwerde geltend , dass sie ohne gesundheitliche Beein- trächtigungen zu 100 % erwerbstätig wäre. 4.3 Vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigu ngen war die Beschwerdeführerin im Rahmen eines 75 %-Pensums berufstätig gewesen. Anlässli ch einer ersten Haushaltabklärung hatte die Versicherte am 1. März 2005 erklärt, dass sie au s finanziellen Gründen und aus Freu- de an der Arbeit im gleichen Umfang wie bisher ihre r Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Diese Angaben wiederholte sie anlässlich der im Mai 2010 erf olgten zweiten Haushaltabklärung. Sie gab wiederum an, als Gesunde weiterhin im Rahmen ein es Pensums von 75 % berufstätig zu sein. Die Abklärungsperson protokollierte die entsprechen den Aussagen der Versicherten im "Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit" und die Versicherte bestätigte anschliessend unterschriftlich ihre Aussagen. Im Rahmen des damaligen Vorbescheidverfahrens machte die Beschwerdeführerin dann erstmals geltend, dass sie im Ge sundheitsfall einer vollzeitigen Er- werbstätigkeit nachgehen würde. In der Folge stützte das Kantonsgericht jedoch in seinem Ur- teil vom 13. Oktober 2011 sowohl hinsichtlich der Beurteilung der Statusfrage als auch bezüg- lich der Festlegung der Anteile der Erwerbstätigkeit (75 %) und der Haushalttätigkeit (25 %) die damalige Einschätzung der IV-Stelle, wobei es zur Begr ündung im Wesentlichen auf die unter- schriftlich bestätigten Aussagen der Versicherten und die fehlenden Gründe für eine Pensums- erhöhung verwies (vgl. E. 4.3 des Urteils vom 13. Oktober 2011). 4.4 Im aktuellen Verfahren begründete die Versicherte ihren Standpunkt, wonach sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen in einem Vollzeitp ensum erwerbstätig wäre, mit dem Hin- weis, dass sie ursprünglich wegen den Kindern das Pensum von 100 % auf 75 % reduziert ha- be. Mittlerweilen seien die Kinder längst erwachsen und auch die behinderte Tochter, die zu Hause lebe, sei tagsüber betreut. Zudem habe sie im Z eitraum der letzten Abklärung vom Mai 2010 zusammen mit ihrem Ehemann, zwei Töchtern, dem So hn und der Schwiegertochter im selben Haushalt zusammengelebt. Letztere seien im Jahr 2010 und die eine Tochter im Jahr 2013 ausgezogen. Die finanziellen Verhältnisse hätten si ch dadurch verändert, seien doch die Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beträge, mit denen sich der Sohn und die Tochter an d en Haushaltskosten beteiligt hätten, weggefallen. Mit diesen Argumenten kann die Beschwerde führerin vorliegend nichts zu ihren Gunsten ableiten. Was allfällige Betreuungspflichten betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass das jüngste Kind der Versicherten im Zeitpunkt der ersten Abklärung im Jahr 2005 bereits 18 Jahre und bei der zweiten Abklärung im Jahr 2010 23 Jahre al t war. Mit einem auf das Alter der Kin- der zurückzuführenden Wegfall von Betreuungsaufgaben lässt sich deshalb heute zweifellos keine Änderung der Bemessungsmethode begründen. Dazu komm t, dass gegenüber der be- hinderten, zu Hause lebenden erwachsenen Tochter auch aktuell noch eine gewisse Betreuung erforderlich ist. Gegenüber dem Gutachter Dr. C.____ gab die Versicherte an, dass die Tochter um ca. 15.30 Uhr vom geschützten Arbeitsplatz nach Haus e komme (S. 10 des Gutachtens vom 26. Mai 2017). Sie sei von der Entwicklung her "wi e eine Fünf- bis Neunjährige" (S. 6 des Gutachtens vom 26. Mai 2017) und sie sei "völlig abhängi g von den Eltern" (S. 9 des Gutach- tens). Was den Auszug der Kinder aus dem gemeinsamen Hau shalt angeht, trifft es zwar zu, dass damit einhergehend auch deren finanzielle Beteilig ung an den Haushaltskosten weggefal- len ist. Gleichzeitig führte der Auszug der erwachsenen Kinder aber auch zu einer Reduktion dieser Kosten, fallen doch beispielsweise keine Ausgaben mehr für die tägliche Verpflegung dieser Kinder an. Im Weiteren ist nach wie vor auch in finanzieller Hinsicht nicht von einer Not- wendigkeit einer Ausdehnung des Erwerbspensums auszugehen. Der Ehemann bezieht Sozial- versicherungsleistungen, die sich betragsmässig in vergleich barer Höhe wie anlässlich der früheren Abklärungen von 2005 bzw. 2010 bewegen dürften. Die Versicherte selber erhält noch immer eine Suva-Rente. Die zu Hause lebende behindert e Tochter dürfte ebenfalls an die Haushaltskosten beitragen, etwas Anderes wird jedenfa lls seitens der Versicherten nicht gel- tend gemacht. Auf der Ausgabenseite wiederum kam es zwischenzeitlich aufgrund des Umzugs in eine etwas kleinere Wohnung zu einer Reduktion des Mietszinses. Es ist deshalb davon aus- zugehen, dass sich die finanzielle Situation insgesamt im Vergleich zu den früheren Abklärun- gen nicht wesentlich verändert hat und die Versicherte d emnach auch weiterhin mit einer in einem 75 %-Pensum ausgeübten ausserhäuslichen Tätigkeit in ausreichendem Masse zum Haushaltbudget beitragen könnte. 4.5 Aufgrund des Gesagten ist mit dem erforderlichen B eweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte auch ak tuell im Gesundheitsfall in einem Pen- sum von 75 % einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nach gehen würde. Im Sinne eines Zwi- schenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass die angefocht ene Verfügung der IV-Stelle sowohl bezüglich der Beurteilung der Statusfrage und der damit zusammenhängenden Metho- denwahl als auch bezüglich der Festlegung der Anteile der Erwerbstätigkeit (75 %) und der Haushalttätigkeit (25 %) nicht zu beanstanden ist. 5. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s im Erwerbsbereich bildet die Fra- ge, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihre r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen arbeitsunfähig ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Besch werdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch ander e Fachleute zur Verfügung zu stellen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Ges undheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicher- te Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ä rztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistunge n der versicherten Person noch zugemu- tet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Wie eingangs ausgeführt, holte die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen medizini- schen Sachverhalts bei Dr. C.____ ein psychiatrisches Gutac hten ein, das dieser am 26. Mai 2017 erstattete. Der Experte diagnostizierte darin als L eiden mit Auswirkungen auf die Arbeits- fähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode, mit Soma- tisierungsneigung (ICD-10 F33.0). In seiner Beurteilung hielt er fest, dass sich anamnestisch die Symptome einer leicht bedrückten, dysphorischen Stimmung und gelegentlicher Freudlosigkeit ausmachen liessen. Diese depressive Symptomatik habe 2013 nach dem Tode eines ihrer Brü- der ihren Anfang genommen. In der aktuellen Untersuch ung sei die Stimmung leicht bedrückt und der Affekt leichtgradig deprimiert, lustlos und fr eudlos gewesen. Die affektive Modulations- fähigkeit sei jedoch nicht eingeschränkt gewesen. Die Versi cherte habe immer wieder lächeln und ihre Genussfähigkeit zeigen können, dies insbesonde re bei der Erwähnung ihrer drei En- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht kelkinder. Die Symptome in der aktuellen Untersuchung un d die anamnestischen Befunde wür- den die zur Diagnosestellung einer depressiven Episode no twendigen Kriterien erfüllen. Auf- grund der Ausprägung dieser Symptome und wegen der Ch ronifizierung und der Schwankun- gen in der Ausprägung müsse aktuell von einer rezidiviere nden depressiven Störung, gegen- wärtig leichtgradige Episode, ausgegangen werden. Was d ie Arbeitsfähigkeit aus psychiatri- scher Sicht betreffe, lasse sich aufgrund der gestellten D iagnose eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 20 % für jegliche Tätigkeiten b egründen. Die Leistungsfähigkeit sei damit mitberücksichtigt. Zu den Ressourcen der Versicherten führte Dr. C.____ aus, die Explorandin habe eine gute und intakte psychosoziale Funktionsfähigkeit, sie könne die All tagsarbeiten gut bewältigen und brauche keine Unterstützung. Dem Tagesablauf sei zu ent nehmen, dass sie sogar in der Lage sei, für ihre behinderte Tochter zu sorgen. Es scheine, da sie in der Zukunft nicht mehr arbeiten wolle, dass sie sich voll mit der Mutterrolle in Bezug a uf ihre behinderte Tochter identifiziert ha- be. Das Teamwork mit ihrem invaliden Ehemann, der inzw ischen pensioniert sei, sei problem- los. Das Ehepaar verstehe sich gut, der Tagesablauf sei ger egelt und geordnet. Der Sozial- anamnese sei auch zu entnehmen, dass sie ihre familiä ren Kontakte durchaus geniessen kön- ne. Sie habe regelmässigen Kontakt zu ihren drei Enkeln und sie könne dadurch viel Lebens- qualität generieren. Auch die Kontakte zu ihren Kindern sei einwandfrei. Finanziell sei die Versi- cherte gut abgestützt durch die Rentenleistungen, die i hr Ehemann erhalte, und durch ihre ei- gene Suva-Rente. Das Fähigkeitsniveau gemäss Rating-Bogen Mini-ICF-APP könne insgesamt als leichtgradig eingeschränkt betrachtet werden. Die Ve rsicherte habe die volle Fähigkeit zur Anpassung an Regeln, sich selbst zu behaupten, Kontakt zu Dritten zu pflegen, zur Teilnahme in einer Gruppe, zu familiären und intimen Beziehung en, zu Spontanaktivitäten, zur Selbstpfle- ge und zur Teilnahme am Verkehr. Lediglich die Fähigk eiten zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, zur Flexibilität und Umstellung, zur Anwe ndung fachlicher Kompetenzen sowie die Fähigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Urteile zu fällen und durchzuhalten, seien auf dem Boden der Grunderkrankung leichtgradig eingeschränkt. Im Rahmen der Konsistenzprüfung schliesslich seien viele Inkonsistenzen, aber auch Aggravation stendenzen auszumachen. Die Angaben der Versicherten seien oft widersprüchlich, gele gentlich beinahe beliebig. Oft würden sie jedoch im Zusammenhang mit ihrem Bemühen erscheinen , ihre Symptomatik möglichst dramatisch darzustellen. 6.2 In seiner Stellungnahme vom 30. Mai 2017 zum psychi atrischen Gutachten von Dr. C.____ hielt Dr. med. D.____, Facharzt für Allgem einmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, fest, das Gutachten erfülle nach ve rsicherungsmedizinischer Beurteilung die Anforderungen der höchstrichterlichen Rechtsprechung , sodass grundsätzlich darauf abge- stellt werden könne. Einzig hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vertrete er eine et- was abweichende Auffassung. Da der Gesundheitszustand im Ve rgleich zum letzten Verfahren unverändert sei, empfehle er, wie in der damaligen Verfügung von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % und nicht von der von Dr. C.____ nunmehr postuli erten Arbeitsfähigkeit von 80 % auszu- gehen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 29. März 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähi gkeit der Versicherten auf die Ergeb- nisse, zu denen Dr. C.____ in seinem psychiatrischen Gutacht en vom 26. Mai 2017 und der RAD-Arzt Dr. D.____ in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 30. Mai 2017 gelangt sind. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Versicherten die Au sübung einer leichteren, wechselbe- lastenden Tätigkeit im Umfang von 60 % zumutbar sei. D iese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Sp ezialärztinnen und -ärzte, die auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sow ie nach Einsicht in die Akten Be- richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizie n liegen hier keine vor. Das psychiat- rische Gutachten von Dr. C.____ vom 26. Mai 2017 weist weder formale noch inhaltliche Män- gel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt w ird (vgl. E. 5.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchu ngen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichenden är ztlichen Einschätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Einzig hinsichtlich der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit rechtfertigt es sich, auf die für die Ver sicherte etwas günstigere Einschätzung des RAD-Arztes Dr. D.____ abzustellen. 7. Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht gee ignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des psychiatrischen Gutachtens von Dr. C.____ vom 26. Mai 2017 - samt ergänzen- der Einschätzung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 30. Mai 2017 - in Frage zu stellen. 7.1 Die Versicherte beruft sich auf die Berichte des be handelnden Arztes Dr. med. E.____, Innere Medizin FMH, vom 11. Januar 2016 und 6. Februar 2017 und auf ein Schreiben der Psy- chologin M.Sc. F.____ vom 1. November 2018. Im Gegensa tz zum Gutachter Dr. C.____ diag- nostiziert Dr. E.____ im ersten Bericht bei der Versicher ten als psychische Leiden eine gegen- wärtig mittelgradige Episode einer rezidivierenden dep ressiven Störung und zusätzlich eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakt oren. Im zweitgenannten Bericht beschreibt er einen deutlich schlechteren Gesundh eitszustand der Versicherten als Dr. C.____ und er attestiert ihr deswegen lediglich no ch eine Arbeitsfähigkeit von zwei bis drei Stunden pro Tag. Die Psychologin M.Sc. F.____ wiederum hält in ihrem Schreiben fest, dass das Fähigkeitsniveau gemäss dem Ratingbogen Mini-ICF-Ap p zum aktuellen Zeitpunkt insge- samt als mittelmässig eingeschränkt betrachtet werden könne. Mit diesen Berichten kann die Beschwerdeführerin vorliegend nichts zu ihren Gunsten ableiten. Bei der beweisrechtlichen Würdigung der Ausführungen von Dr. E.____ ist zu beachten, dass er der behandelnde Arzt der Versicherten ist und dass es sich bei ihm im Gegensatz zum Gu tachter Dr. C.____ nicht um einen Facharzt für Psychiatrie handelt. Sodann gibt e r insbesondere im Schreiben vom 6. Feb- ruar 2017 in erster Linie die Schilderungen seiner P atientin wieder ohne diese zu objektivieren oder zu hinterfragen und er begründet einzelne Einschä tzungen wie etwa die Annahme, dass die Versicherte in zeitlicher Hinsicht lediglich noch wä hrend zwei bis drei Stunden pro Tag ar- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht beiten könne, nur unzureichend. Zudem lagen ihm auch nicht die vollständigen Akten vor. Was die Feststellungen der Psychologin M.Sc. F.____ betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass diese auf einer psychologischen Prüfung des Fähigkeitsniveaus ohne klinische Befunderhebung beruhen. Zudem basieren auch sie in erheblichem Masse auf den Schilderungen der Versicherten und es fehlt eine Auseinandersetzung mit den übrigen medizinischen Akten. 7.2 Zutreffend ist der Einwand der Beschwerdeführerin , dass Dr. C.____ das Schreiben von Dr. E.____ vom 6. Februar 2017 in seinem Gutachte n nicht erwähnt. Dies ändert aber nichts an der Schlüssigkeit der gutachterlichen Beurteil ung. Wie bereits vorstehend erwähnt, basiert der genannte Bericht von Dr. E.____ in erhebli chem Masse auf den Schilderungen der Versicherten und nicht auf objektiven Erhebungen, wodur ch der Beweiswert des Berichts er- heblich geschmälert wird. Demgegenüber hatte Dr. C.__ __ Kenntnis vom Bericht von Dr. E.____ vom 11. Januar 2016 und er nahm dazu in sei nem Gutachten Stellung (vgl. S. 18 des Gutachtens). Unter diesen Umständen konnte - entgege n der Auffassung der Beschwerde- führerin - eine Rückfrage des Gutachters beim behandel nden Arzt oder der Psychologin M.Sc. F.____ unterbleiben. 7.3 Im Weiteren beanstandet die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Ausführungen des Gutachters zu den von ihm festgestellten Inkonsistenzen un d Aggravationstendenzen, dass diese nicht in der erforderlichen Präzision erhoben word en seien. Diesbezüglich ist festzuhal- ten, dass die Inkonsistenzen vom Gutachter - entgegen de r Darstellung der Versicherten - hin- reichend beschrieben werden. Sodann geht der Gutachter nicht von einer Aggravation aus und es steht vorliegend klarerweise auch nicht eine Rentenab lehnung aufgrund einer Aggravation zur Diskussion. Der Gutachter erwähnt einzig Aggravations tendenzen , wobei er diese als Be- griff für übertriebene Darstellungen verwendet. Wesen tlich ist aber, dass die diesbezüglichen Feststellungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkei t nicht relevant waren. In diesem Zusam- menhang wies der Gutachter einzig auf die Inkonsistenz der behaupteten Arbeitsunfähigkeit und der sozialen Aktivitäten der Versicherten hin. 7.4 Im Weiteren rügt die Beschwerdeführerin eine mang elnde Auseinandersetzung von Dr. C.____ mit den Feststellungen des Vorgutachters D r. med. G.____, Psychiatrie und Psy- chotherapie FMH, in dessen Gutachten vom 2. Mai 2009. Dies gelte vor allem in Bezug auf die anhaltende somatoforme Schmerzstörung, die Dr. G.____ d amals als Diagnose mit Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit erhoben habe. Mit diesem Einwand kann die Versicherte vorliegend ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten. Dr. C.____ diskutiert im aktuellen Gutachten durch- aus das Vorliegen dieser Diagnose, er lässt letztlich ab er offen, ob diese gestellt werden kann, weil in Bezug auf die Schmerzen inkonsistente Angaben gemacht worden seien. Letztlich ist allerdings ohnehin nicht die Diagnosestellung, sondern das Funktionsniveau massgebend und dieses hat Dr. C.____ geprüft und beurteilt. 7.5 Schliesslich weist die Beschwerdeführerin darauf hin , dass der behandelnde Arzt Dr. E.____ in seinem Bericht vom 11. Januar 2016 auch verschiedene organische Beschwer- den und Diagnosen festgehalten habe. Dies trifft zwar zu, Dr. E.____ nennt nun aber keine neuen somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, die nicht bereits anlässlich der rheumato- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht logischen Begutachtung im Jahr 2009 bekannt gewesen wä ren . Dazu kommt, dass er die Be- schwerden hauptsächlich der von ihm diagnostizierten Schm erzstörung zuschreibt. Diese ist von Dr. C.____, wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 7.4 hiervor), in seinem Gutachten diskutiert worden. Liegen nun aber insgesamt keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sich der somatische Gesundheitszustand seit der letzten Begutachtung im Jah r 2009 verschlechtert haben könnte, ist es vertretbar, dass die IV-Stelle von neuen rheumatol ogischen Abklärungen abgesehen und sich stattdessen auf die Einholung eines aktuellen psychia trischen Gutachtens beschränkt hat. Darin kann entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keine Verletzung der der IV-Stele obliegenden Abklärungspflicht erblickt werden. Entsprechend erweist sich auch ihre Rüge, dass vorliegend mindestens ein bidisziplinäres Gutachten mi t den Fachbereichen Psychiatrie und Rheumatologie hätte eingeholt werden müssen, als unbegründet. 8.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.1 hiervor), ist der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Vorliegend steht ein all- fälliger Rentenanspruch der Versicherten ab 1. Juni 20 16 zur Diskussion. In diesem Zusam- menhang gilt es zu berücksichtigen, dass der Bundesrat als Folge des Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) vom 2. Februar 2016 in Sachen Di Trizio gegen die Schweiz (7186/09) am 1. Dezember 2017 eine Änderung der IVV beschloss, die er per 1. Januar 2018 in Kraft setzte. Diese Änderung sieht b ei der gemischten Methode ein neues Berechnungsmodell vor. Gemäss der neuen Verordnungsbesti mmung von Art. 27 bis Abs. 2 IVV werden bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Au fgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, für die Bestimmung des Invaliditätsgrads der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Er- werbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich sum- miert. Laut Abs. 3 der neuen Verordnungsbestimmung r ichtet sich die Berechnung des Invalidi- tätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit nach Art. 16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgere chnet wird (lit. a) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (lit. b). 8.2 Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung in zutreffender Weise zwei verschie- dene Berechnungen des Invaliditätsgrads im Erwerbsberei ch vorgenommen: Für den Zeitraum vom 1. Juni 2016 (frühestmöglicher Rentenbeginn) bis End e Dezember 2017 anhand der da- mals geltenden Verordnungsbestimmung und der dazu erga ngenen höchstrichterlichen Recht- sprechung und für den Zeitraum ab 1. Januar 2018 in An wendung des auf diesen Zeitpunkt in Kraft getretenen neuen Berechnungsmodells. Dabei hat sie für den erstgenannten Zeitraum einen Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 20 % und für die Zeit ab 1. Januar 2018 einen solchen von 40 % ermittelt. 8.3 Die Beschwerdeführerin beanstandet im Zusammenhang mit den genannten Berech- nungen einzig, dass ihr die IV-Stelle bei der Bemessung des Invalideneinkommens einen unzu- reichenden Abzug vom Tabellenlohn gewährt habe. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3.1 Wird das Invalideneinkommen wie im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich ber ücksichtigt, dass versicherte Per- sonen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Sch werarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur mehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht errei- chen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugela ssene Abzug entwickelte sich in der Fol- ge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, w obei die Rechtsprechung dem Um- stand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes h aben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, we nn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür be- stehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehr erer dieser Merkmale ihre gesund- heitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem al lgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmun g der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insg esamt auf höchstens 25 % des Tabel- lenlohnes zu begrenzen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2; vgl. z um Ganzen auch BGE 126 V 80 E. 5b/bb und cc). 8.3.2 Während die IV-Stelle in der angefochtenen Ver fügung keinen Abzug vom Tabellen- lohn vorgenommen hat, ist die Beschwerdeführerin der Auffassung, dass ihr ein solcher in Höhe von 15 % zu gewähren sei. Ein solcher sei angezeigt, da selbst der Gutachter einschneidende Anforderungen an die Verweistätigkeit formuliere. Zu dem weist sie darauf hin, dass ihr auch in der früheren Rentenverfügung vom 17. März 2011 ein l eidensbedingter Abzug von 15 % ge- währt worden sei. Wie die IV-Stelle zutreffend geltend macht, kann die Beschwerdeführerin aus letzterem Umstand nichts zu ihren Gunsten ableiten, wei l bei jeder Rentenbeurteilung über ei- nen allfälligen Abzug neu zu befinden ist (Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 2017, 8C_403/2017, E. 4.4.2 mit Hinweisen). Im Weiteren i st den bestehenden Einschränkungen in erheblichem Masse bei der Festlegung der Arbeitsunfähigke it Rechnung getragen worden, so- dass diesbezüglich die Gewährung des von der Beschwerdef ührerin als angemessen erachte- ten leidensbedingten Abzugs zu einer unzulässigen doppe lten Berücksichtigung dieser Beein- trächtigungen führen würde. Wie es sich damit verhält, kann letztlich aber ohnehin offen blei- ben. Denn selbst bei Vornahme eines 10 %-igen Abzugs vom Tabellenlohn - und ein höherer Abzug liesse sich hier nicht rechtfertigen -, würde sich vorliegend nämlich kein rentenbegrün- dender Invaliditätsgrad ergeben. Somit kann von Weiterungen zu dieser Frage abgesehen wer- den. 8.4 Die vorinstanzliche Bemessung der massgebenden Valide n- und zumutbaren Invali- deneinkommen erweist sich in den übrigen Punkten als korrekt. Die von der IV-Stelle ermittelten Zahlen sind denn auch - abgesehen vom vorstehend erörte rten Einwand - in der vorliegenden Beschwerde nicht weiter beanstandet worden. Unter diesen Umständen kann hier von weiteren Ausführungen zu den beiden Einkommensvergleichen abgesehe n und stattdessen vollumfäng- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich auf die entsprechenden Ausführungen der IV-Stel le in der Verfügung vom 29. März 2019 verwiesen werden. 9. Zu prüfen bleibt, in welchem Masse die Beschwerdefüh rerin aufgrund ihrer gesundheit- lichen Beeinträchtigungen im Haushalt eingeschränkt ist. H ierzu bedarf es im Regelfall einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Vorliegend hat die IV-Stelle keine neue solche Ab- klärung in Auftrag gegeben, sondern stattdessen auf die Ergebnisse des “Abklärungsberichts Haushalt“ vom 25. Mai 2010 zurückgegriffen, in welchem e ine Einschränkung von 13,5 % erho- ben worden war. Die Beschwerdeführerin beanstandet die ses Vorgehen mit der Begründung, dass infolge veränderter Verhältnisse auf den damaligen Bericht nicht mehr abgestellt werden könne. Dieser Betrachtungsweise der Versicherten kann a ber nicht beigepflichtet werden. Ent- gegen ihrer Auffassung ist eine neue Haushaltabklärung nicht bereits deshalb nötig, weil seit der letzten Abklärung zwei ihrer Kinder und die Schwieg ertochter aus der gemeinsamen Woh- nung ausgezogen sind. Es trifft zwar zu, dass dadurch die bei der früheren Abklärung berück- sichtigte Mithilfe der beiden Kinder und der Schwieger tochter weggefallen ist, gleichzeitig hat sich aufgrund des Auszugs von drei Personen aus dem gemein samen Haushalt aber auch der tägliche Aufwand in der Haushaltführung reduziert. Zudem hat die Versicherte in der Zwischen- zeit eine etwas kleinere Wohnung bezogen. Sodann ist de m pensionierten Ehemann der Versi- cherten zuzumuten, die bei der damaligen Abklärung ber ücksichtigte - geringe - Mithilfe der Kinder zu übernehmen, was er offensichtlich auch tut. Au s all diesen Gründen ist es nicht über- wiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin - be i im Wesentlichen gleich gebliebe- nem Gesundheitszustand - trotz dem seit der letzten Abkl ärung erfolgten Auszug von zwei Kin- dern und der Schwiegertochter aus der gemeinsamen Wo hnung stärker in der Haushaltführung eingeschränkt ist als anlässlich der Abklärung von 2010. Unter diesen Umständen durfte die IV- Stelle aber von der Einholung eines neuen “Abklärungsberichts Haushalt“ absehen. 10. In Anwendung der gemischten Methode der Invalidit ätsbemessung ergeben sich auf Grund des Gesagten in Berücksichtigung der zeitlichen Beans pruchung von 75 % im Erwerbs- und von 25 % im Haushaltbereich bei einer Einschränkung im Haushaltbereich von 3,38 % (0,25 x 13,5 %) und einer solchen im Erwerbsbereich von 15 % bis Ende 2017 (0,75 x 20 %) bzw. von 30 % ab 1. Januar 2018 (75 x 40 %) insgesamt ge rundete Invaliditätsgrade (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) von 18 % (bis Ende 2017) bzw. von 33 % (ab 1. Januar 2018). Da diese Invaliditätsgrade unter dem für eine n Rentenanspruch mindestens erforderli- chen Invaliditätsgrad von 40 % liegen, hat die IV-Stel le einen Rentenanspruch der Versicherten zu Recht abgelehnt. Die gegen die betreffende Verfüg ung vom 29. März 2019 erhobene Be- schwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 11.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festg elegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist di e Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 11.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beschwerde führerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht