B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-6602/2013 U r t e i l v o m 1 4 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Jean-Daniel Dubey, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, vertreten durch MLaw Colette Adam-Zaugg, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-6602/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der kosovarische Staatsangehörige Z._______ (geb. 1988, nachfolgend: Gesuchsteller) beantragte am 17. Juli 2013 bei der Schweizerischen Bot- schaft in Pristina ein Schengen-Visum für einen einmonatigen Besuch s- aufenthalt (vom 1. bis 30. August 2013 ) bei seiner in Neuenhof (A G) le- benden Schwägerin (nachfolgend: Beschwerdeführerin bzw. Gastgeb e- rin). B. Mit Formularentscheid vom 17. Juli 2013 (eröffnet am 24. Juli 2013) lehn- te es die Botschaft ab, d as gewünschte Visum auszustellen. Sie begrün- dete ihre Haltung damit, es könne keine Absicht des Gesuchstellers fest- gestellt werden, vor Ablauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Schengen-Mitgliedstaaten auszureisen. C. Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin am 25. Juli 2013 bei der Vorinstanz Einsprache. D. Die Vorinstanz veranlasste durch das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau weitere Abklärungen zu m Sachverhalt. In der Folge stellte die kantonale Behö rde dem BFM mit Schreiben vom 3 0. Septem- ber 2013 den Antrag auf Verweigerung der Einreisebewilligung für de n Gesuchsteller. E. Mit Verfügung vom 22. Oktober 2013 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, der Gesuchsteller stamme aus einer Region, aus welcher – als Folge der insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse – der Zuwanderungs- druck nach wie vor stark anhalte. Beim Gesuchsteller handle es sich um einen 25-jährigen, ledigen und kinderlosen Mann, der mit seinen Eltern in Y ._______ (Kosovo) lebe. Es sei davon auszugehen, dass ihm keine be- sonderen persönlichen oder familiäre n Verpflichtungen oblägen. Insge- samt könne auch nicht von gefestigten beruflichen und damit von wir t- schaftlichen Verhältnissen ausgegangen werden, die nachhaltig von einer Emigration abzuhalten vermöchten. Zudem seien berei ts wichtige B e- zugspersonen (Bruder und Schwägerin) in der Schweiz wohnhaft, woraus auf konkrete Migrationstendenzen im nächsten Umfeld des Gesuchste l-C-6602/2013 Seite 3 lers geschlossen werden könne. Es sei somit nicht von einer anstandsl o- sen und fristgerechten Wiederausreise auszugehen. F. Mit Rechtsmitteleingabe vom 25. November 2013 liess die mittlerweile anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin beantragen, die vorinstanzliche Verfügung vom 22. Oktober 2013 sei aufzuheben und dem Gesuchsteller sei die Einreise in die Schweiz und der damit verbundene Besuchsau f- enthalt von 30 Tagen zu bewilligen. G. Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 4. Februar 2014 die Abweisung der Beschwerde. H. Mit Replik vom 11. März 2014 hält die Beschwerdeführerin an ihren A n- trägen fest. I. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufg e- führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügun gen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchs - zwecken verweigert wird. I n dieser Materie entscheidet das Bundesver - waltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). C-6602/2013 Seite 4 1.3 Die B eschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht einge reichte B e- schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt we rden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend g emachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2013/33 E. 2 m.H.). 3. Der angefochtenen Verfügung lieg t das Gesuch eines kosovarischen Staatsangehörigen um Erteilung eines V isums für einen 30 -tägigen Auf- enthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich d er Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen k ann und die bea b- sichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorli e- gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsb e- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das AuG ( SR 142.20) und seine Ausf üh- rungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen- Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. BGE 135 II 1 E. 1.1 C-6602/2013 Seite 5 m.H.). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatliche n Befugnisse insoweit ein, als es einheitli che Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaa ten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus setzungen nicht erfüllt sind. Einen A n- spruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (a.M. EGLI/MEYER, in: Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Bürger von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schen - gen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen je Zeitraum von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedokumente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Dritt länder, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, de ren Staatsange- hörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti gen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV [SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 A bs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Inform a- tionssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherh eit, die öffent- liche Gesundheit oder die internationalen Bezie hungen eines Mitglie d-C-6602/2013 Seite 6 staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswi d- rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Reg elung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk - ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Die ses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellen den Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter den selben Voraus- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 4.6 Aufgrund seiner kosovarischen Staatsangehörigkeit unterlieg t der Gesuchsteller der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einrei- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r- ten Wiederausreise im Vordergrund. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse des Gesuchstellers als nich t genügend gesichert. Zur Ei n- schätzung entsprechender Risiken sind sämtliche Umstände des konkr e- ten Einzelfalles zu würdigen. C-6602/2013 Seite 7 4.7 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreis e- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. 5. 5.1 Dass im Heimatland des Gesuchstellers grosse Teile der Bevölkerung von wirtschaftlich ungünstigen Verhältnissen betroffen sind, kann nicht in Abrede gestellt werden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner im Kosovo lag 2012 nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei 2.760 Euro, das BIP insgesamt bei etwa 5 Mrd. Euro. Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan. Allerdings sind zuverläs- sige Angaben über die Höhe der Transferleistungen der Diaspora (die Angaben gehen bis zu etwa 500 Mio. Euro/Jahr) und Informationen über das Ausmaß der Schattenwirtschaft letztlich nur schwer zu erhalten. Die Arbeitslosenrate stellt eine der grössten Herausforderungen für die sozio - ökonomische Entwicklung des Landes dar. Im ersten Halbjahr 2012 b e- trug die Arbeitslosenquote nach offiziellen Angaben 35,1%. Laut der g e- meinsam von Weltbank und der kosovarischen Statistikagentur e rstellten Studie „Labour Force Survey 2012 “ soll sie bei den 15 -25jährigen sogar bei 60% liegen. Insgesamt ergibt sich ein leicht verbesserter Trend g e- genüber den Vorjahren (Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt, www.auswaertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinform a- tionen > Kosovo > Wirtschaftspolitik, Stand: Februar 2014, besucht im April 2014). Vor diesem Hintergrund besteht vielfach der Wille zur Au s- wanderung, welcher sich besonders stark bei jüngere n und ungebund e- nen Personen manifestiert. Ein im Ausland bereits bestehendes, minim a- les soziales Beziehungsnetz aus Verwandten oder Freunden ist zudem ein wichtiges Element, das den Entscheid auszuwandern noch akzentuie- ren kann. Dementsprechend hoch ist de r Zuwanderungsdruck auf die Schweiz und andere Teile Europas. 5.2 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allg e- meinen Umstände, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkr e- ten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchste llenden Per- son im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesel l-C-6602/2013 Seite 8 schaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umg e- kehrt muss bei Personen, die in ihrer Hei mat keine besonderen Verpflich- tungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen kinderlosen und unver- heirateten Mann. Er lebt zusammen mit zwei Schwestern und seinen E l- tern in Y ._______. Ein Bruder – der Ehemann der Beschwerdeführerin – sowie eine Schwester leben im Ausland. Beschwerdeweise wird weiter geltend gemacht, er engagiere sich politisch , wie im Übrigen bereits sein Bruder, der Ehemann der Beschwerdeführerin, der in seiner Heimat im Präsidium der "Demokratischen Partei des Kosovo" ( PDK) engagiert ge- wesen sei. Der Gesuchsteller habe im Herbst 2013 als Kandidat der "Na- tional Front of Kosovo " (Balli Komb ëtar e Kosov ës) an den Gemein de- wahlen in Y ._______ teilgenommen. Zudem habe er als Präsident des Forums für die Jungen eine wichtige Charge seiner Partei inne. Damit bekleide er eine verantwortungsvolle Position in der genannten Partei. Vorliegend besteht kein Anlass, an dieser Darstellung zu zweifeln, wurden doch zahlreiche Dokumente eingereicht, welche die diesbezüglichen Akti- vitäten des Gesuchstellers belegen (vgl. Mitgliederbestätigung der " Nati- onal Front of Kosovo" vom 29. Oktober 2013, amtliche Liste der Kandida- ten de r "National Front" für die Versammlung der Gemeinde Y ._______ und Formular für die Anerkennung der parteipolitischen Änderun- gen/Repräsentanten der politischen Partei jeweils mit deutscher Überset- zung sowie Wahlplakat 2013 des G esuchstellers). Mit diesen Ausführu n- gen kann davon ausgegangen werden, dass der Gesuchsteller durch sein politisches Engagement zweifellos über eine gewisse gesellschaftliche Verpflichtung in seinem Heimatland verfügt. Dieser Umstand allein rech t- fertigt je doch die Annahme nicht, es bestünde eine besondere Gewähr dafür, er würde nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz fristgerecht in den Kosovo zurückreisen. 6.2 In seinem Visumgesuch vom 17. Juli 2013 gab der Gesuchsteller an, er sei Arbeiter (vgl. Pkt. 19 "derzeitige berufliche Tätigkeit"). Weiter gab er unter "Anschrift und Telefonnummer des Arbeitsgebers" (vgl. Pkt. 20) die Adresse der "A._______" an. Diese Angabe bestätigte die Beschwerd e- führerin im an die kantonale Migrationsbehörde gerichteten Auskunftsb o-C-6602/2013 Seite 9 gen vom 20. September 2013. Dort führte sie aus, ihr Gast sei Arbeiter in der Betonplatten -Produktion. Seinen Monatslohn erhalte er jeweils bar ausbezahlt. Des Weiteren machte sie geltend, ihr Gast habe den Bach e- lor in Kriminalistik abgeschlossen und möchte nun in Pristina den Master absolvieren. Beschwerdeweise wurde ergänzend festgehalten, der G e- suchsteller habe, wenn es Gymnasium und Studium zugelassen hätt en, stets gearbeitet, so auch im Sommer zwischen dem Bachelor-Abschluss und der Aufnahme des Masterstudienganges. Seit dem 18. Oktober 2013 habe er eine Zulassung zum Masterstudium (Lehrgang Sicherheitswissenschaften) an der Privatuniversität B._______. Das Stu- dium habe er inzwischen aufgenommen. Sein Lebensunterhalt sei nicht allzu teuer, da er im grossen elterlichen Haus wohnen könne. Die B e- schwerdeführerin und ihr Mann hätten ihrem Gast zudem die Studieng e- bühren für das erste Jahr des Masterstudiums finanziert. 6.3 Die Vorinstanz führte diesbezüglich aus, es bestünden beträchtli che Zweifel an der geltend gemachten Erwerbstätigkeit des Gesuchstellers. Diesbezüglich verwies sie unter anderem auf die besonders kurze Fa s- sung des zu den Akten gereichten Arbeitsvertrags und dessen fehlende Übereinstimmung mit dem kosovarischen Arbeitsgesetz. Vorliegend erüb- rigt es sich hingegen, auf die Vorbringen der Vorinstanz näher einzug e- hen, soll es sich beim Arbeitsverhältnis des Gesuchstellers ohnehin nur um einen Studentenjob handeln, welchen er lediglich in seinen Semester- ferien ausübt bzw. ausgeübt hat (vgl. auch Replik vom 11. März 2014). Einem der Beschwerde beigelegten Lebenslauf des Gesuchstellers ist denn auch zu entnehmen, dass er bei der " A._______" lediglich im Zeit- raum vom 1. Juni 2012 bis zum 27. September 2013 tätig gewesen sein soll. Insofern ist auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin zu relativie- ren, ihr Gast habe immer über eine Arbeit verfügt (vgl. Replik vom 11. März 2014). Zudem ist auch der in dieser Zeit bar ausbezahlte monat- liche Lohn des Gesuchstellers von 200 Euro ( vgl. Bestätigung der "A._______" vom 8. Juli 2013 ) deutlich niedriger als das kosovarische Durchschnittsgehalt, beläuft sich dieses doch auf 350 bis 400 Euro pro Monat (Quelle: Deutsches Auswärtiges Amt, www.auswaertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Kosovo > Wir t- schaftspolitik, Stand: Februar 2014, besucht im April 2014). In diesem Sinn ist auch der beschwerdeweise eingereichte Bankbeleg der Bank TEB vom 6. November 2013 nicht aufschlussreich. Dieser hält lediglich fest, dass sich der Kontostand des Bankkontos des Gesuchstellers per 6. November 2013 auf 1'945.50 Euro belief. Hingegen fehlt ein detaillier- ter Auszug aller Ein - und Auszahlungen über einen gewissen Zeitraum . C-6602/2013 Seite 10 Ohne einen solchen ist nicht festzustellen, ob es sich allenfalls um exter- ne Unterstützungsbeiträge oder selbst erwirtschaftetes Geld handelt. Es versteht sich von selbst, dass gemäss diesen Ausführungen nicht d a- von ausgegangen werden kann, der Gesuchsteller sei beruflich im Kos o- vo verankert. Dies wird auch von der Beschwerdeführerin nicht behau p- tet, macht sie doch beschwerdeweise geltend, ihr Gast müsse nicht von seinem Semesterferienjob leben. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, dass der nun 26-jährige Gesuchsteller – abgesehen von dem obgenannten St u- dentenjob – weitere berufliche Tätigkeiten ausgeübt hat (vgl. Lebenslauf). 6.4 Umso mehr sind vorliegend die wirtschaftlichen Verhältnisse der F a- milie des Gesuchstellers im Kosovo zu untersuchen, bei der dieser noch lebt. Die Beschwerdeführerin führt diesbezüglich aus, die Familie lebe in komfortablen Verhältnisse n. Das grosse Haus sei bezahlt, der grosse Garten mit zwei Trinkwasserbrunnen leiste einen wesentlichen Beitrag zum reich gedeckten Tisch der Familie. Hinzu würden Einnahmen aus der Vermietung des früheren Wohnhauses der Familie und des grossen Parkplatzes kommen. Die Schwester des Gesuchstellers verfüge durch ihre Stelle als Coiffeuse über ein geregeltes Einkommen und der G e- suchsteller selbst verfüge ebenfalls über ein Nebeneinkommen zum St u- dium. Das Familieneinkommen sei stabil und biete der Familie eine gute und gesicherte Lebensgrundlage. Hinzu kämen unregelmässige Nebe n- einkünfte des Vaters aus Garten - und Unterhaltsarbeiten, welche er für Familien in der Umgebung verrichte. 6.5 Die soliden wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen sich die Familie des Beschwerdeführers befinden soll, sind somit gemäss Vorbringen der Beschwerdeführerin primär auf d eren Wohneigentum zurückzufüh ren. Zusätzlich generiere die Familie weitere Einnahmen in Form von Mietein- künften, dem Lohn der Schwester und des Gesuchstellers sowie den un- regelmässigen Nebeneinkünfte des Vaters. Diesbezüglich ist jedoch dar- auf hinzuweisen, dass den Akten keine rlei Angaben über die kon krete Höhe der Einkünfte der Schwester als Coiffeuse und des Vaters für seine Gelegenheitsarbeiten zu entnehmen sind. Auch fehlen Dokumente b e- züglich der Vermietung des Hauses und des Parkplatzes (Mietverträge, Bankauszüge usw.). Insbesondere ist unbekannt, wie hoch die Einna h- men der genannten Einkünfte sind. Zudem wurde es versäumt, einen Auszug aus dem Katasteramt (Grundbuchauszug) – welcher nebst den eingereichten Fotos das Wohneig entum der Familie belegen könnte – einzureichen. Dass diesbezügliche Belege fehlen, erstaunt umso mehr, C-6602/2013 Seite 11 als die Beschwerdeführerin ansonsten ihre weiteren Vorbringen minutiös mittels Eingabe entsprechender Beweismittel belegt hat. Abschliessen d ist darauf hinzuweisen, dass sich auch aus den der Beschwer de beige- legten Lebensläufe der Eltern des Gesuchstellers keine Hinweise darauf ergeben, die Eltern seien finanziell gut situiert, ist doch die Mutter seit dem Jahr 2008 nicht mehr berufstätig; der Vater befindet sich seit dem Jahr 2010 nicht mehr in einer Festanstellung. Vor diesem Hintergrund kann anhand der Akten nicht als erstellt gel ten, das Familienumfeld des Gesuchstellers sei stabil und relati v wohlhabend, wie es beschwerdew ei- se geltend gemacht wurde. 6.6 Unterstützt werden diese Ausfü hrungen durch den Umstand, dass die Beschwerdeführerin und ihr Mann dem Gesuchsteller die Studieng e- bühren für das Masterstudium bezahlt haben. Die diesbezüglichen Vo r- bringen der Beschwerdeführerin, es handle sich dabei um eine grossz ü- gige und willkommene Geste der Anerkenn ung und nicht um eine wirt- schaftlicher Notwendigkeit, müssen in diesem Kontext als blosse Schutz- behauptung gedeutet werden. 6.7 Im Übrigen ist auch die Aussage der Beschwerdeführerin zu relativie- ren, ihr Gast verfüge im Kosovo mit dem Universitätsabschluss in Krimi- nalistik und dem baldigen Abschluss als Master in Sicherheitswisse n- schaften über glänzende Zukunftsaussichten. Immerhin befindet er sich seit dem Abschluss der Matur im Jahr 2007 in Ausbildung. Eine prakt i- sche Tätigkeit in dem von ihm angestrebten Bereich hat er hingegen noch nie ab solviert. Auch kann das über sechs Jahre dauernde Bachelor - Studium der Kriminalistik kaum damit erklärt werden, er habe nebst se i- nem Studium stets gearbeitet, wurde doch in seinem Lebenslauf unter "beruflicher Tätigkeit" lediglich seine Arbeit bei der "A._______" vom 1. Juni 2012 bis 27. September 2013 erwähnt. Es bestehen somit gewis- se Zweifel, ob sich die Berufsaussichten mit dem angestrebten Abschluss tatsächlich so rosig präsentieren wie von ihm geltend gemacht. 6.8 Vorliegend kann insgesamt nicht davon ausgegangen werden, dass der Gesuchsteller in beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht in seiner Heimat fest verankert ist. Seine Verhältnisse lassen zwar durch sein poli- tisches Engagement ein e gewisse Einbettung in seiner angestammten Umgebung erken nen, diese scheint aber nicht derart fest, dass ausg e- schlossen werden könnte, der Gesuchsteller könnte eine Emig ration in die Schweiz nicht als geeignete Alternative ins Auge fassen. C-6602/2013 Seite 12 7. An dieser Einschätzung vermögen auch die gegenteiligen Zusicherungen der Beschwerdeführerin nichts zu ändern. Diesbezüglich wird betont, dass nicht etwa die Integrität der Beschwerdeführerin in Zweifel gezogen wird, verfügt sie doch gemäss den eingereichten Unterlagen ohne Zweifel über einen ausgezeichneten Leumund. Nicht in Abrede gestellt wird fe r- ner ihre intensive Beziehung zu ihrem Gast und dessen Eltern sowie zum Heimatland ihres Schwager s. All dies ändert jedoch nichts an der Tats a- che, dass sie zwar mit rechtlich verbindlicher Wirkung für gewisse fina n- zielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt (vgl. Unter- haltsgarantie der Gastgeberin vom 12. September 2013) , nicht aber für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen ihres Gastes einstehen muss und kann (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Aus dem glei- chen Grund ist auch nicht entscheidend, dass schon die Schwiegereltern der Beschwerdeführerin im November 2012 bei ihr zu Besuch waren und die Schweiz fristge recht wieder verlassen haben (vgl. Beschwerde vom 25. November 2013), lässt doch auch dieser Umstand keine Rückschlüs- se auf ein zukünftiges Verhalten des Gesuchstellers zu. Schliesslich wur- den auch keine Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich be- schränkter Gültigkeit (vgl. dazu Ziffer 4.5 hiervor) vorgebrac ht und liegen auch nicht vor. 8. Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vorinstanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise des Gesuchstellers nach einem Besuchsaufenthalt besteht. Mit der fehlenden Gewähr für eine a n- standslose Wiederausreise ist eine zwingende Voraussetzung zur Erte i- lung eines Schengen-Visums nicht erfüllt. 9. In prozessualer Hinsicht wird zudem beschwerdeweise geltend gemacht, das BFM habe den verfassungsmässigen Anspruch der Beschwerdefüh- rerin auf rechtliches Gehör verletzt, da sie sich zur Stellungnahme des Amts für Migration des Kantons Aargau nicht habe äussern können. Vor- liegend kann hingegen offen bleiben, ob die Vorinstanz überhaupt ve r- pflichtet gewesen wäre, ihr vorgängig zum negativen Antrag des Amts für Migration und Integration des Kantons Aargau vom 30. Sep tember 2013 das rechtliche Gehör zu gewähren, ist doch ein entsprechender Mangel als nachträglich geheilt zu betrachten, zumal ein solcher a ls geringfügig einzustufen wäre und d ie Beschwerdeführerin vor dem Bundesverwa l-C-6602/2013 Seite 13 tungsgericht, welches sowohl Sachverhalt wie auch Rechtslage frei übe r- prüfen kann, die Gelegenheit hatte, sich dazu zu äussern (vgl. MO- SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER , Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs - gericht, 2. Aufl. 2013 , Rz. 3.112 m.H.; siehe auch Urteil des BVGer C-1704/2007 vom 24. November 2008 E. 9.2). 10. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verf ü- gung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden is t. Die B e- schwerde ist daher abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird d ie unterliegende Be - schwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b VGKE [SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-6602/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900.- werden der Beschwerdeführer in auf- erlegt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]) – das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: