B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6690/2013 law/rep U r t e i l v o m 31 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Michael Guidon, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisung); Verfügung des BFM vom 28. Oktober 2013 / N (…). D-6690/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und Pasc h- tune aus B._______ in der Provinz C._______ –, verliess seine Heimat am 27. April 2010 und gelangte am 27. Juli 2010 nach einem etwa zwe i- monatigen Aufenthalt in Russland via Weissrussland und weitere ihm nicht näher bekannte Länder illegal in die Schweiz, wo er am folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 5. August 2010 erhob das BFM im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ seine Personalien und befragte ihn summarisch zu seinem Reiseweg sowie zu seinen Ausreise- gründen. Am 17. August 2010 hörte ihn das BFM einlässlich zu seinen Asylgründen an. Mit Zwischenverfügung vom 19. August 2010 wies ihn das BFM für die Dauer des Verfahrens dem Kanton E._______ zu. Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen da- mit, er habe etwa drei Jahre lang bis am 20. April 2010 für die Hilfsorga- nisation F._______ gearbeitet, die von den Amerikanern finanzierte Wi e- deraufbauprojekte ausführe. Er sei in seinem Dorf zum Vorgesetzten für die Realisierung dieser Aufbauprojekte gewählt worden . Seine Aufgabe habe darin bestanden, die Sicherheit der Bauarbeiten zu gewährleisten. Zu diesem Zwecke habe er für die einzelnen Projekte jeweils ungefähr 50 bewaffnete Leute aus seinem Stamm rekrutiert , deren Dienste von der vorerwähnten Hilfsorganisation finanziert worden seien . Auch seine be i- den ältesten Söhne hätten sich im bewaffneten Schutztrupp zur Sich e- rung der Bauarbeiten befunden. Auf diese Weise seien in seinem Hei- matdorf B._______ Elektrizitätsnetze erstellt, Brunnen gebohrt und Stras- sen gebaut worden. Seit Januar des Jahres 2010 sei er als Vorgesetzter seines Dorfes für die Sicherheit der Arbeiten beim Ausbau einer Strasse verantwortlich gewesen. Die Taliban, welche gegen die Wiederaufbaupro- jekte eingestellt gewesen seien, hätten ihn etwa eine Woche vor Beend i- gung des letzten Projekts mittels eines Bombenanschlags töten wollen, wobei er bei jenem A ttentat aber unversehrt geblieben sei. Am selben Abend habe er i n seinem Haus ein Drohschreiben vorgefunden, in dem ihm prophezeit worden sei, der nächste Anschlag auf sein Leben werde tödlich für ihn enden. Am 20. April 2010 seien die Strassenbauarbeiten abgeschlossen gewesen, worauf er sich am selben Tag zu seiner in C._______ wohnhaften Schwester begeben habe. A m 20. beziehungsweise am 21. April 2010 – hätten ihn ungefähr 50 Leute der Taliban zu Hause festnehmen wollen, wobei er damals bereits in C._______ gewesen sei. Daraufhin habe ihn seine Familie telefonisch D-6690/2013 Seite 3 darüber informiert, dass die Taliban zu Hause nach ihm gesucht hätten. Diese Nachricht habe ihn dazu veranlasst, unverzüglich die Ausreise se i- ner Ehefrau sowie seiner fünf Kinder nach Pakistan in Begleitung eines Bruders seiner Ehefrau in die Wege zu leiten. Er selbst sei wenig später nach Kabul geflüchtet und via Russland in die Schweiz gelangt. B. Mit Begleitschreiben vom 5. November 2010 sandte der Beschwerdefüh- rer dem BFM eine vom Bürgermeister der Region G._______ (Provinz C._______) am 6. September 2010 unterzeichnete und als der Wahrheit entsprechend beglaubigte Erklärung zu den Akten, wonach er längere Zeit für die Organisation F._______ gearbeitet und als Folge davon Pro b- leme mit den Taliban bekommen habe, welche ihn zu töten und zu entfüh- ren versucht hätten (vgl. Beweismittelkuvert A11/1). Im Weiteren reichte er das Original seiner Tazkara ein. C. Mit Verfügung vom 18. Mai 2011 stellte das BFM fest, de r Beschwerde- führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte de ssen Asylgesuch ab und verfügte se ine Wegweisung aus der Schweiz . Zur Begründung führte das BFM namentlich aus, die vom Beschwerdeführer geltend g e- machten Nachteile seien lokal begrenzt, weshalb ihm eine die Flüch t- lingseigenschaft ausschliessende innerstaatliche Fluchtalternative, be i- spielsweise in der Provinz C._______, offenstehe. Im Weiteren hielt das BFM in seiner Verfügung fest, es dürfe an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass bezüglich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des B e- schwerdeführers gewisse Zweifel bestünden. Gleichzeitig ordnete das Bundesamt die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an. D. Mit Eingabe vom 17. Juni 2011 (Poststempel) beantragte der Beschwer- deführer sinngemäss, die Verfügung des BFM vom 18. Mai 2011 sei in den Punkten 1 bis 3 des Dispositivs aufzuheben und es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. E. Mit Zwischenverfügung vom 27. Juni 2011 stellte das Bundesverwa l- tungsgericht fest, dass die vorinstanzliche Verfügung, soweit die Anor d- nung der vorläufigen Aufnahme betreffend, rechtskräftig geworden sei, und lud die Vorinstanz zu einer Vernehmlassung ein. Das BFM beantra g-D-6690/2013 Seite 4 te in seiner ersten Vernehmlassung vom 29. Juni 2011 die Abweisung der Beschwerde und hielt im Übrigen vollumfänglich an seinen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest. F. Mit Instruktionsverfügung vom 12. November 2012 wies das Bundesve r- waltungsgericht die Vorinstanz auf die neue Rechtsprechung gemäss Grundsatzurteil BVGE 2011/51 hin, wonach bei der Prüfung der Flüch t- lingseigenschaft auch die Zumutbarkeit der betreffenden innerstaatlichen Fluchtalternative – respektive der innerstaatlichen Schutzalternative – zu prüfen sei, und lud das BFM zu einem weiteren Schriftenwechsel ein. G. Das BFM führte am 13. November 2012 im Rahmen einer zweiten Ver- nehmlassung aus, aufgrund der derzeitigen Aktenlage vorliegend nicht in der Lage zu sein, sich im Zusammenhang mit der neuen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts abschliessend zu äussern. Es werde deswegen beantragt, dass die angef ochtene Verfügung gerichtlich aufge- hoben und das Verfahren zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz z u- rückgewiesen werde. H. Mit Urteil D -3427/2011 vom 22. November 2012 hob das Bundesverwa l- tungsgericht die Verfügung des BFM vom 18. Mai 2011 auf, soweit sie nicht in Rechtskraft erwachsen war, und wies die Sache zur Neubeurte i- lung der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung an die Vorinstanz zurück. I. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2013 – eröffnet am folgenden Tag – stell- te das BFM abermals fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtling s- eigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab , verfügte die Wegwe i- sung aus der Schweiz, und ordnete erneut die vorläufige Aufnahme w e- gen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an. Zur Begründung führ- te das BFM name ntlich aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hiel- ten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen nicht stand, weshalb de- ren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. J. Mit Eingabe vom 28. November 2013 liess der Beschwerdeführer mittels seines Rechtsvertreters beim Bundesverwaltungsgericht gegen diese D-6690/2013 Seite 5 Verfügung Beschwerde erheben und beantragen, der angefochtene Ent- scheid sei aufzuheben , soweit er die Verweigerung der Flüchtlingsane r- kennung und die Asylgewährung betreffe, er sei als Flüchtling anzuerken- nen und es sei ihm Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde gleichzeitig darum ersucht, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege im Rahmen von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und es sei von der Erhebung eines Kostenvorschus ses abzusehen. Als Beweismittel wurden eine vom Übersetzungsbüro H._______ in E._______ angefertig- te Übersetzung des vom Beschwerdeführer bereits am 5. November 2010 eingereichten Originals des Bestätigungsschreibens des Bürgermeisters der Region G._______ vom 6. September 2010 (vgl. Sachverhalt Bst. B) sowie ein als "Skizze Bombenanschlag" bezeichnetes Dokument eing e- reicht, und es wird darauf hingewiesen, es gelte die Erläuterungen in der Beschwerde vom 17. Juni 2011 sowie im Schreiben vom 6. September 2010 im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens mitzuberüc k- sichtigen. K. Am 12. Dezember 2013 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. L. Mit Zwischenverfügung vom 19. Dezember 2013 hielt der Instruktionsrich- ter des Bundesverwaltungsgerichts fest, aufgrund der eingereichten Fü r- sorgebestätigung rechtfertige es sich, auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses zu verzichten . Ferner v erfügte er, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde. Im Weiteren lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehm- lassung bis zum 13. Januar 2014 ein. M. Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 30. Dezember 2013 fest, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Im Übrigen wer de auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen, an denen vollumfänglich festgehalten werde. N. Das Bundesverwaltungsgericht stellte de m Beschwerdeführer die Ve r- nehmlassung des BFM am 14. Januar 2014 zur Kenntnisnahme zu. D-6690/2013 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 d es Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). D er Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und ha t ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (A rt. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). D-6690/2013 Seite 7 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie g e- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen si ch nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig ersche inen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder b e- wusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des G e- suchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142, BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen damit, er habe im Verlaufe des Aprils 2010 Probleme mit den Taliban b e- kommen, weil er im damaligen Zeitpunkt als Vorgesetzter für die Siche r- heit eines Strassenprojektes in seinem Heimatdorf B._______ verantwort- lich gewesen sei, das die Amerikaner via ihre Hilfsorganisation F._______ lanciert hätten. So hätten die Taliban ihn im fraglichen Zeitraum mit einer Bombe zu töten versucht, ihm ein Drohschreiben geschickt und ihn etwa eine Woche später zu Hause gesucht. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht , die R ückweisung der S a- che zur Prüfung einer die Flüchtlingseigenschaft ausschliessenden inne r- staatlichen Schutzalternative im Rahmen des ersten Beschwerdeverfa h- rens lasse den Schluss zu, dass das Bundesverwaltungsgericht im vorangegangenen Beschwerdeverfahren das Vorliegen einer – zumindest regionalen – Verfolgungssituation als überwiegend wahrscheinlich erac h-D-6690/2013 Seite 8 tet habe. Es sei nicht erkennbar, inwiefern die Erwägungen in der nu n- mehr angefochtenen Verfügung daran etwas ändern sollten (vgl. Be- schwerde S. 3 Ziff. 2 Abs. 1). Mit dieser Argumentation wird indessen ver- kannt, dass einerseits das BFM bereits in der Verfügung vom 18. Mai 2011 festhielt, es bestünden bezüglich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers gewisse Zweifel, und sich andererseits das Bun- desverwaltungsgericht im Urteil D-3427/2011 vom 22. November 2012 zur Frage der Glaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen gar nicht äusser- te. Dass das BFM nach Rückweisung der Sache im Rahmen der Neub e- urteilung die Vorbringen des Beschwerdeführers nunmehr eingehend auf deren Glaubhaftigkeit prüfte, ist folglich nicht zu beanstanden. 4.3 Es trifft zu , dass afghanische Mitarbeit er in internationalen Hilfsorg a- nisationen in erhöhtem Masse der Gefahr unterstehen, Opfer von Verge l- tungshandlungen seitens der Taliban zu werden (vgl. CORINNE TROXLER GULZAR, Afghanistan: Update, Die aktuelle Sicherheitslage, Bern, 30. September 2013, S. 17). Fraglich ist allerdings, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers als solche genügend schlüssig sind, um auf Glau b- haftigkeit seiner behaupteten Verfolgungssituation schliessen zu lassen. 4.4 4.4.1 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bezüglich des Zeitpunkts des Versuchs der Taliban, ihn zu Hause festzunehmen, dive r- gierende Angaben gemacht hat. So erklärte er bei seiner Erstbefragung, die Taliban hätten ihn am 20. April 2010 zu Hause gesucht (vgl. act. A1/10 S. 6) und präzisierte seine diesbezüglichen Ausführungen dahingehend, die Vorsprache der Taliban in seinem Hause habe sich am selben Abend zugetragen, an dem er zu seiner in C._______ wohnhaften Schwester gegangen sei (vgl. act. A1/10 S. 5). Bei der bloss zwölf Tage später e r- folgten Bundesanhörung sagte er demgegenüber aus, die Taliban seien in der Nacht vom 21. auf den 22. April 2010 bei ihm zu Hause erschienen, während er bereits einen Tag früher – am 20. April 2010 – zu seiner Schwester nach C._______ gegangen sei (vgl. act. A6/13 S. 8 F und A 50). Der erst auf Vorhalt eines bestehenden Widerspruchs hin erfolgte Erklärungsversuch des Beschwerdeführers, die Taliban seien effektiv be- reits "in der Nacht auf den 21 . April", also faktisch noch am Tag seine r Flucht zu seiner Schwester am 20. April 2010, erschienen (vgl. B e- schwerde S. 4 u.H.a. act. A6/13 S. 8, F und A 51), vermag schon deswe- gen nicht zu überzeugen, weil der Beschwerdeführer anlässlich der Bu n- desanhörung zunächst unmissverständlich ausgesagt hatte, die Taliban seien "in der Nacht vom Einundzwanzigsten auf den Zweiundzwanzigs-D-6690/2013 Seite 9 ten" bei ihm zu Hause erschienen (vgl. act. A6/13 S. 8 F und A 50) . Der Einwand, die soeben zitierte Protokollstelle sei falsch ( vgl. Beschwerde a.a.O.), überzeugt ebenfalls nicht, bekräftigte der Beschwerdeführer doch nach Rückübersetzung des Protokolls vom 17. August 2010 unterschrif t- lich dessen Richtigkeit und Vollständigkeit. Darauf muss er sich behaften lassen. Bereits diese wi dersprüchlichen und ein zentrales , zumal unmi t- telbar ausreisebestimmendes Geschehnis betreffenden Aussagen des Beschwerdeführers lassen e rhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit se i- ner Vorbringen aufkommen. 4.4.2 Wenig plausibel erscheint aber auch die Verhalten sweise des B e- schwerdeführers, sich selbst zwecks persönlichen Schutzes zu seiner Schwester nach C._______ zu begeben, seine eigene Familie aber zu Hause zurückzulassen, wiewohl er aufgrund des früher dort deponierten Drohschreibens der Taliban wusste, dass diese seine Wohnadresse kannten, und zwei seiner Söhne gleichfalls Dienste im Solde der Hilfso r- ganisation F._______ verrichtet haben sollen. Dies deshalb, weil im Falle der zu gewärtigenden und nach Aussagen des Beschwerdeführers d enn auch tatsächlich erfolgten Vorsprache durch die Taliban in seinem Hause die naheliegende Möglichkeit bestanden hätte, dass die Taliban jene zwei Söhne festgenommen hätten, um diese für ihr unbotmässiges Verhalten abzustrafen oder ihn, den Beschwerdeführer, zu veranlassen, sic h den Taliban an ihrer statt zu ergeben. Der Einwand in der Beschwerde, für die zu Hause verbliebene Familie sei die Gefahr damals noch vergleichswe i- se geringfügig gewesen, weil die Taliban damals immer noch gehofft hä t- ten, den Beschwerdeführer eliminieren zu können, und die beiden mi n- derjährigen Söhne bloss Hilfsarbeiten verrichtet hätten (vgl. Beschwerde S. 5 Abs. 2), vermag nicht zu überzeugen, zumal der Beschwerdeführer hinsichtlich der angeblichen Funktion seiner beiden ältesten Söhne inner- halb der Hil fsorganisation zunächst erklärt hatte , diese seien ebenfalls unter den von ihm rekrutierten 50 bewaffneten Leuten gewesen und hät- ten für die Überwachung einen Lohn erhalten (vgl. act. A6/13 S. 7, F und A 42), was aus Sicht der Taliban schwerlich als unterg eordnete Hilfsfunk- tion angesehen worden wäre. 4.4.3 Der Beschwerdeführer fasste die Ereignisse rund um das angebl i- che Erscheinen der Taliban in seinem Hause am 20. beziehungsweise 21. April 2010 dahingehend zusammen, diese hätten an die Haustüre g e- klopft, welche man ihnen geöffnet habe . Anschliessend hätten sie alle Räume des Hauses durchsucht, ohne ihn anzutreffen. Daraufhin seien die Taliban wieder gegangen, ohne irgendetwas zu sagen (vgl. act. A6/13 D-6690/2013 Seite 10 S. 8/9, F und A 56 bis 58). Das BFM bewertete diese Aussagen des Be- schwerdeführers in seiner Verfügung vom 28. Oktober 2013 als stereotyp und oberflächlich, was ein weiteres Indiz für die Unglaubhaftigkeit seiner Gesamtvorbringen darstelle. Überdies sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Taliban mit 50 Mann hätten anrücken sollen, um eine einzelne Person festzunehmen. In der Beschwerde wird in diesem Zusammenhang ei n- gewendet, der Beschwerdeführer könne hinsichtlich der Modalitäten der Suche der Taliban nach seiner Person keine detaillierteren Angaben ma- chen, da er se lbst nicht anwesend gewesen sei. Die Präsenz der Taliban mit 50 Mann erkläre sich dadurch, dass diese damals nicht gewusst hä t- ten, dass er nicht mehr wie früher von einem Schutztrupp von zehn Mann bewacht worden sei (vgl. diesbezüglich Beschwerde vom 17. Juni 2011 S. 2, Abs. 6). Auch diese Entgegnungen halten einer näheren Betrachtung nicht stand , erklären sie doch nicht ansatzweise, weshalb die Taliban nach der erfolg- losen Suche nach dem Beschwerdeführer einfach wortlos und unverric h- teter Dinge wieder hätten abziehen sollen. Der Beschwerdeführer machte diesbezüglich geltend, die Schweigsamkeit der Taliban sei letztlich d a- durch begründet gewesen, dass diese gehofft hätten, er selber würde so keinen Verdacht schöpfen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder na ch Hause zurückkehren (vgl. act. A6/13 S. 9, F und A 57 f.). Dieser Erkl ä- rungsversuch ist jedoch nicht plausibel, versteht es sich doch von selbst, dass die Familie des Beschwerdeführers nach der Hausdurchsuchung durch 50 Taliban beinahe zwangsläufig den Schluss ziehen musste, diese hätten nach ihm gesucht , was den Taliban wohl auch von Anfang an b e- wusst gewesen wäre . Der Beschwerdeführer stützt letztere Überlegung indirekt durch seine Aussage, seine Familienangehörigen hätten ihn nach der erfolglosen Hausd urchsuchung telefonisch über das Vorgefallene verständigt (vgl. act. A6/13 S. 9, F und A 59). Vor diesem Hintergrund mu- tet die Behauptung des Beschwerdeführers, die Taliban hätten sich nach der erfolglosen Suche nach seiner Person einfach kommentarlos wied er entfernt, realitätsfremd an, was die Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Verfolgungssituation vermehrt. 4.4.4 Nicht plausibel ist schliesslich die Behauptung des Beschwerdefüh- rers, er habe trotz des Bombenattentats und des noch am selben Abend zu Hause vorgefundenen Bekennerschreibe ns seine Tätigkeiten im Dienste der Hilfsorganisation weitergeführt, musste er doch aufgrund des Drohbriefs jederzeit mit einem weiteren Attentatsversuch rechnen . An dieser Einschätzung ändert au ch der Einwand nichts, er habe sich seit D-6690/2013 Seite 11 jenem Vorkommnis nur noch in Begleitung eines bewaffneten Schut z- trupps bewegt (vgl. act. A6/13 S. 7, F und A 46) , ist den Akten doch zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Bombenattentat unter starkem Personenschutz (in der Beschwerde vom 17. Juni 2011 ist auf Seite 2 unten von einer zehnköpfigen Leibwache die Rede) gestan- den haben soll, ohne dadurch in der Lage gewesen zu sein, den angebl i- chen Anschlag auf sein Leben abzuwenden. 4.4.5 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich , dass die Verfo l- gungsvorbringen des Beschwerdeführers angesichts gravierender Wider- sprüche sowie zahlreicher Unstimmigkeiten nicht glaubhaft sind. An die- ser Einschätzung vermag auch das vom Beschwerdeführer am 5. November 2010 eingereichte Bestätigungsschreiben des Bürgermei s- ters der Region G._______ vom 6. September 2010 nichts zu ändern, be- ruht dieses doch im Kern auf einem vom Beschwerdeführer nachträglich an den besagten Bürgermeister adressierten Brief, worin der Bes chwer- deführer nochmals die von ihm dargelegten Verfolgungsgründe auflistet und den Bürgermeister um eine Bestätigung derselben bittet. Angesichts der vorstehenden Erwägungen kann diesem Bestätigungsschreiben i n- dessen kein Beweiswert beigemessen werden. Es erübrigt sich an dieser Stelle, auf weitere Vorbringen in der Beschwerde einzugehen, da diese zu keinem andern Ergebnis führen können. Nach dem Gesagten hat das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers somit zu Recht und mit z u- treffender Begründung abgelehnt. 5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sich die Beschwerde indessen als nicht aussichtslos erwiesen hat, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen und dem Beschwerdeführer sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-6690/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewähru ng der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand: