B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II B-4999/2020 U r t e i l v o m 1 6 . S e p t e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richter Daniel Willisegger, Richter Jean-Luc Baechler, Gerichtsschreiber Pascal Sennhauser. Parteien A._______, vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. iur. Thomas Eichenberger und/oder Patrick Mettler, (…), Beschwerdeführer, gegen FMH, Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, Einsprachekommission Weiterbildungstitel (EK WBT), Nussbaumstrasse 29, Postfach 300, 3000 Bern 16, Vorinstanz. Gegenstand Facharzttitel für Angiologie, Anerkennung einer im Ausland absolvierten Prüfung. B-4999/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 15. Mai 2019 ersuchte der Beschwerdeführer das Schweizerische Insti- tut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) der Verbindung der Schwei- zer Ärztinnen und Ärzte FMH um die Erteilung des Weiterbildungstitels (Facharzttitels) in Angiologie. In seinem Gesuch beantragte er insbeson- dere die Anrechnung seiner in Deutschland absolvierten Weiterbildung samt Prüfung. B. Mit Verfügung vom 19. November 2019 wies die Titelkommission (TK) des SIWF das Gesuch ab. Zwar seien hinsichtlich Dauer seiner Tätigkeit und Gliederung seiner Weiterbildung die Voraussetzungen für die Erteilung des Facharzttitels erfüllt, jedoch fehle unter anderem der Nachweis einer be- standenen Facharztprüfung für Angiologie in der Schweiz. C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 12. Dezember 2019 Einsprache bei der Einsprachek ommission Weiterbildungstitel (EK WBT; Vorinstanz). Diese wies seine Einsprache mit Entscheid vom 21. Au- gust 2020 ab. Sie gelangte im Wesentlichen zum Schluss, es sei nicht zu beanstanden, dass die Titelkommission die in Deutschland absolvierte Prü- fung nicht anerkannt habe und für die Erteilung des Facharzttitels verlange, dass der Beschwerdeführer die Facharztprüfung in der Schweiz ablege. D. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2020 hat der Beschwerdeführer gegen vorge- nannten Einspracheentscheid Beschwerde beim Bunde sverwaltungsge- richt erhoben. Er beantragt dessen Aufhebung und die Erteilung des eid- genössischen Facharzttitels Angiologie, eventualiter die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, die Vo rinstanz habe die Weiterbildungsordnung falsch angewendet und im Ergebnis willkürlich entschieden, indem sie die Gleichwertigkeit der zu vergleichenden Prüfungen verneint habe. Ausser- dem verletze der Entscheid das Diskriminierungsverbot gemäss Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, im Folgenden: BV) und Art. 2 i.V.m. Art. 9 bzw. 15 von Anhang I des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge- meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit B-4999/2020 Seite 3 (SR 0.142.112.681, im Folgenden: FZA). Schliesslich habe sie seine Aus- führungen zu Art. 25 der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parla- ments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (ABl. L 255/22 vom 30.9.2005; im Folgenden: Richt- linie 2005/36/EG) zu Unrecht ungeprüft gelassen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Dezember 2020 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der Beschwe rde. Zur Erteilung eines Facharzttitels seien grundsätzlich die Voraussetzungen gemäss der Weiterbildungsordnung des SIWF zu erfüllen. Die Ausnahmebestimmung in Art. 33 Abs. 4 setz e die Erfüllung von Gleichwertigke itskriterien voraus, namentlich bezüglich Umfang, Inhalt und Struktur der zu vergleichenden Prüfungen. Da diese Kriterien im Falle des Beschwerdeführers nicht erfüllt seien, habe sie über kein Ermessen bei der Anwendung der Ausnahmebestimmung verfügt, wo- mit ein Fehler in der Ermessensausübung auss cheide. Der Beschwerde- führer werde durch den Entscheid nicht diskriminiert. Die Richtlinie 2005/36/EG sei nicht anwendbar. F. In seiner Replik vom 28. Januar 2021 hält der Beschwerdeführer an seinen Rechtsbegehren fest. G. Duplicando hält auch die Vorinstanz m it Eingabe vom 13. April 2021 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. H. Mit Verfügung vom 20. April 2021 hat das Bundesverwaltungsgericht die Duplik der Vorinstanz dem Beschwerdeführer zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal- tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 132.32) als Be- schwerdeinstanz Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Der Entscheid der Vorinstanz vom 21. August 2020 stellt eine Ver fügung im Sinne von Art. 5 VwVG dar. Es liegt keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vor. B-4999/2020 Seite 4 Die Beschwerde ist unter anderem zulässig gegen Verfügungen von In- stanzen oder Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung, die in Er- füllung ihnen übertragener öffentlich-rechtlicher Aufgaben des Bundes ver- fügen (Art. 33 Bst. h VGG). Im Rahmen der ihr gestützt auf Art. 55 des Me- dizinalberufegesetzes vom 23. Juni 2006 (MedBG, SR 811.11) verliehenen Verfügungskompetenz gilt die FMH in Bezug auf die Erteilung eines Wei- terbildungstitels als eine Instanz oder Organisation im Sinne von Art. 33 Bst. h VGG (vgl. Urteile des BVGer B-5778/2019 vom 19. Mai 2020 E. 1.2 und B-3577/2016 vom 6. Oktober 2017 E. 2.2). Da vorliegend die Erteilung eines Weiterbildungstitels umstritten ist, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. 1.2 Der Beschwerdeführer hat am Vorverfahren teilgenommen und ist als Adressat der angefochtenen Verfügung zur Beschwerde legitimiert, zumal er auch ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung beziehungsweise Änderung der Verfügung geltend zu m achen vermag (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.3 Eingabefrist sowie Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwer- deschrift sind gewahrt (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kos- tenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf die Be- schwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit der angefochtenen Ver- fügung gerügt werden (Art. 49 VwVG). Dies gilt grundsätzlich auch für Be- schwerden gegen Entscheide der mit einer öffentlichen Aufgabe betrauten Kommissionen der FMH (vgl. Urteil des BVGer B -512/2016 vom 18. Juni 2018 E. 4.3). In Rechtsprechung und Doktrin ist indes anerkannt, dass eine Rechtsmittelbehörde, die mit freier Prüfung zu entscheiden hat, ihre Kog- nition einschränken darf, wenn die Rechtsanwendung etwa Fachfragen be- trifft, zu deren Beantwortung und Gewichtung die verfügende Behörde auf- grund ihres Spezialwissens besser geeignet ist, oder wenn sich Ausle- gungsfragen stellen, welche die Verwaltungsbehörde aufgrund ihrer örtl i- chen, sachlichen oder persönlichen Nähe sachgerechter zu beurteilen ver- mag als die Beschwerdeinstanz ( vgl. BGE 131 II 680 E. 2.3.2, BVGE 2008/23 E. 3.3 m.H.). Vorliegend verfügt die Vorinstanz bei der Beurteilung der Gleichwertigkeit ausländischer Qualifikationen wie Facharztprüfungen B-4999/2020 Seite 5 über besonderes Fachwissen. Sie vermag diese daher sachgerechter zu beurteilen als das Bundesverwaltungsgericht. Insofern ist der Vorinstanz ein Ermessens- und Beurteilungsspielraum zu belassen, soweit sie die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat . Das Bundesver- waltungsgericht weicht nicht ohne Not von deren Auffassung ab; es muss zwar eine falsche Entscheidung korrigieren, darf aber die Wahl unter meh- reren sachgerechten Lösungen der Vorinstanz überlassen (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt, das Schreiben der Vorinstanz vom 14. Juli 2020, mit welchem ihm die Möglichkeit zur Einreichung von Schlussbemer- kungen gewährt worden sei (Beschwerdebeilage 20), sowie die angefoch- tene Verfügung seien ausschliesslich ihm direkt anstelle seiner anwaltli- chen Vertretung zugestellt worden (Beschwerde, Rz. 26). Vor allem aber sei ihm das Replikrecht zu den Schlussbemerkungen der Titelkommission verwehrt worden, da ihm die Vorinstanz diese zusammen mit der Verfü- gung betreffend Aktenschluss (Beschwerdebeilage 17) zugestellt habe (Beschwerde, Rz. 27). Dadurch sei s ein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Er verzichte zwar auf eine formelle Geltendmachung , da dies zu einem prozessualen Leerlauf führen würde, die Gehörsverletzung sei aber im Kostenpunkt zu berücksichtigen (Beschwerde, Rz. 28; Replik, Rz. 18). 3.2 Die Vorinstanz räumt zwar die geltend gemachten Zustellungsfehle r ein, wendet aber ein, der Beschwerdeführer habe – auch durch seine Rechtsvertreter – in ausreichender Weise die Möglichkeit gehabt, sich zur Sache zu äussern. Mit E-Mail vom 18. August 2020 habe er zudem explizit erklärt, auf die Einreichung abschliessen der Bemerkungen zu verzichten (Vernehmlassung, Rz. A.II.1; Vernehmlassungsbeilage 6). Die abschlies- senden Bemerkungen der Titelkommission enthielten im Übrigen ohnehin keine neuen Vorbringen (Duplik, Rz. 1). 3.3 Aus mangelhafter Eröffnung von Verfügungen darf den Parteien kein Nachteil erwachsen (Art. 38 VwVG). Wurde ein Entscheid statt der Rechts- vertretung direkt der betroffenen Person eröffnet, ist diese nach ständiger Praxis gehalten, spätestens am letzten Tag der in der Verfügung genannten Beschwerdefrist an ihre Vertretung zu gelangen; eine anschliessende Be- schwerde gilt als rechtzeitig erhoben, wenn sie innerhalb einer 30-tägigen Rechtsmittelfrist erhoben wird, welche ab diesem Datum läuft (vgl. LORENZ B-4999/2020 Seite 6 KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Christoph Auer/Markus Müller/Benja- min Schindler [Hrsg.], VwVG – Bundesgesetz über das Verwaltungsverfah- ren, Kommentar, 2. Aufl. 2018, Art. 38 VwVG N 10 m.H.). Die vorliegende Beschwerde wurde – trotz der direkten Zustellung der an- gefochtenen Verfügung an den Beschwerdeführer – rechtzeitig erhoben (E. 1.3; vgl. auch Beschwerde, Rz. 6 ff.). Im Nachgang zum Schreiben der Vorinstanz vom 14. Juli 2020, welches ebenfalls direkt an den Beschwer- deführer zugestellt worden war, bot die Vorinstanz den Rec htsvertretern mit E -Mail vom 7. August 2020 an, eine neue Frist zur Einreichung ab- schliessender Bemerkungen einzuräumen . Mit E -Mail vom 18. August 2020 erklärten diese allerdings , auf solche zu verzichten (Vernehmlas- sungsbeilage 6). Insofern ist nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerde- führer durch die Zustellungsfehler der Vorinstanz ein Nachteil erwachsen sein könnte. Ein solcher wird denn auch nicht geltend gemacht. 3.4 Der Beschwerdeführer rügt sodann eine Verletzung seines Replik- rechts. Das Recht auf ein faires Verfahren (Art. 29 Abs. 1 u nd 2 BV) um- fasst das Recht der Parteien, sich gegenüber Eingaben der übrigen Ver- fahrensparteien, unteren Instanzen und weiteren Stellen zu äussern (Rep- likrecht; vgl. BGE 138 I 154 E. 2.3.3 m.H.). Eine Behörde kann hierzu Frist für eine allfällige Stellungnahme ansetzen oder Eingaben auch lediglich zur Kenntnis zustellen, wenn von den Parteien erwartet werden kann, dass sie umgehend unaufgefordert Stellung nehmen oder eine Stellungnahme be- antragen, wovon bei einer anwaltlich vertretenen Partei auszugehen ist (vgl. BGE 138 I 484 E. 2.4 f.; BERNHARD WALDMANN, in: Bernhard Wald- mann/Eva Maria Belser/Astrid Epiney [Hrsg.], Basler Kommentar Bundes- verfassung, 2015, Art. 29 BV N 48 je m.H.). Das Bundesgericht hält es pra- xisgemäss für zulässig, anzunehmen, eine anwaltlich vertretene Partei ver- zichte auf ihr Replikrecht, wenn diese innert elf Tagen ab Zugang einer Eingabe einer unteren Behörde nicht zumindest um Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme ersucht (vgl. BGE 138 I 484 E. 2.5). Die Verfügung der Vorinstanz, wonach der Schriftenwechsel geschlossen wird und welcher die abschliessenden Bemerkungen der Titelkommission vom 3. August 2020 beilagen, datiert vom 19. August 2020 (Vernehmlas- sungsbeilage 4; Beschwerdebeilage 17 [ mit Posteingangsstempel vom 20. August 2020]). Der Beschwerdeführer ist nach Erhalt dieser Verfügung nicht erneut an die Vorinstanz gelangt. Der daraufhin ergangene vor- instanzliche Entscheid wurde zwar bereits am 21. August 2020 – und damit bereits zwei Tage nach Erlass der Verfügung betreffend Aktenschluss vom B-4999/2020 Seite 7 19. August 2020 – gefällt, jedoch erst am 4. September 2020 eröffnet (Ver- nehmlassungsbeilage 1). Der Beschwerdeführer bringt nun einzig vor, sein Replikrecht sei verletzt worden, die Aufhebung des vorinstanzli chen Ent- scheids würde aber zu einem prozessualen Leerlauf führen, weshalb er auf einen entsprechenden Antrag verzichte. Konkrete Nachteile, die ihm dadurch entstanden seien, bringt er nicht vor. Unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung durfte die Vorinstanz vorliegend zwar im Entscheidzeitpunkt noch nicht davon ausgehen, dass der Beschwerde- führer auf sein Replikrecht verzichtet habe. Es wäre ihr aber möglich ge- wesen, bis zum Zeitpunkt der Eröffnung der Verfügung eine allfällige Ein- gabe des Beschwerdeführers zu b erücksichtigen und gegebenenfalls auf ihren Entscheid zurückzukommen. Damit erweist sich die Rüge der Verlet- zung des Replikrechts im vorliegenden Fall als unbegründet. 3.5 Bei diesem Ergebnis fällt eine Berücksichtigung von Verfahrensmän- geln bei der Verteilung der Verfahrenskosten, wie dies der Beschwerdefüh- rer beantragt, ausser Betracht. 4. 4.1 4.1.1 Der Beschwerdeführer ersuchte die Titelkommission des SIWF am 15. Mai 2019 um die Erteilung des Facharzttitels in Angiologie. Dabei er- suchte er gestützt auf Art. 33 Abs. 4 der Weiterbildungsordnung vom 21. Juni 2000 (WBO) um Anrechnung seiner seit 18. April 2016 andauern- den Tätigkeit als Leitender Arzt in der Abteilung Angiologie der Medizini- schen Universitätsklinik (…), bei welcher Institution es sich um eine aner- kannte Weiterbildungsstätte handle, sowie um Anerkennung seiner auslän- dischen Facharztprüfung, welche gleichwertig mit jener in der Schweiz sei (Gesuch S. 5, Vernehmlassungsbeilage 23). Die Titelkommission kam in ihrer Verfügung vom 19. November 2019 im Wesentlichen zum Schluss, hinsichtlich Dauer und Gliederung seien die Bedingungen zur Erteilung des Facharzttitels erfüllt, es fehle jedoch insbe- sondere an einer in der Schweiz abgelegten und bestandenen Facharzt- prüfung Angiologie. Die Vorinstanz wies die dagegen geri chtete Einspra- che des Beschwerdeführers mit Entscheid vom 21. August 2020 ab. 4.1.2 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz lege Art. 33 Abs. 4 WBO falsch aus. Diese Bestimmung bezwecke eine Erleichterung für im Ausland rekrutierte Topkaderärzte (Beschwerde, Rz. 36, 42 f.). Die Auslegung von Art. 33 Abs. 4 WBO durch die Vorinstanz schliesse indes pauschal alle B-4999/2020 Seite 8 deutschen Angiologen aus dem Anwendungsbereich aus. Seiner Ansicht nach sei es sachgerecht, als Kriterium für die Beurteilung der Gleichwer- tigkeit seiner deutschen Schwerpunktprüfung mit der schweizerischen Facharztprüfung auf die Legitimation zur selbständigen Berufsausübung, welche aus beiden Prüfungen erwachse, abzustellen (Beschwerde, Rz. 36 f., 44; Replik, Rz. 10, 22). Weiter habe die Vorinstanz ihr Ermessen falsch ausgeübt. Der Entscheid erweise sich als ermessensmissbräuch- lich, da er dem Sinn und Zweck der Norm widerspreche, welche eine Er- leichterung für im Ausland rekrutierte Topkaderärzte zum Ziel habe (Be- schwerde, 42 f.). Indem sie formalistisch auf die Kriterien Struktur und Um- fang der Prüfungen abstelle, verkenne sie die Umstände des Einzelfalls. Angesichts dessen, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen Topka- derarzt und führenden Spezialisten im Bereich der Angiologie handle, wel- cher nebst seiner Tätigkeit, teilweise sogar mit Chefarztfunktion, bereits in der Ausbildung sowie als Gutachter und Fachreferent auf dem Gebiet der Angiologie tätig gewesen sei, erweise sich der Entscheid auch als unange- messen (Beschwerde, Rz. 51 f.). Ein allfälliges Qualitätskriterium jedenfalls könne in Fällen von Topkadern aus Nachbarländern kaum mehr diskutabel sein (Replik, Rz. 24). Das von der Vorinstanz stattdessen angewandte Kri- terium der Ausbildungs- und vor allem Prüfungsdauer erweise sich als un- angemessen, da eine zeitlich längere Prüfung die Kandidaten nicht besser zu qualifizieren vermöge, zumal der Prüfungsinhalt identisch sei: In beiden Fällen könne das gesamte angiologische Spektrum abgefragt werden (Be- schwerde, Rz. 45; Replik, Rz. 23). So seien auch die Anwaltsprüfungen der Schweizer Kantone in Aufbau und Dauer nicht identisch, ohne dass sich daraus Unterschiede in deren Qualifikation ableiten liessen (Replik, Rz. 26). Betreffend den Prüfungsteil der Duplex -Ultraschalluntersuchung sei zu berücksichtigen , dass er den entsprechenden Fähigkeitsausweis Sonographie erlangen werde (Beschwerde, Rz. 46; Beschwerdebeilage 8). Beim Abschlusskurs sei er sogar als Tutor tätig gewesen; nach Abschluss der Schlussevaluation, welche pandemiebedingt mehrmals habe ausge- setzt werden müssen, werde er den Fähigkeitsausweis erlangen (Replik, Rz. 27). Indem ihn der angefochtene Entscheid auf dem Bereich der Angi- ologie als Assistenzarzt ohne abschliessende fachliche Verantwortung qualifiziere, was zu seinen Qualifikationen, seiner Erfahrung, seinen Tätig- keiten und Fähigkeiten im klaren Widerspruch stehe, erweise er sich als im Ergebnis willkürlich (Beschwerde, Rz. 55 f.). 4.1.3 Die Vorinstanz führt aus, Art. 33 Abs. 4 WBO als Ausnahmebestim- mung erlaube vor allem, Tätigkeiten in leitender Stellung als Ausbildungs- perioden anzuerkennen. Grundsätzlich sei die Facharztprüfung in der B-4999/2020 Seite 9 Schweiz erneut abzulegen, davon könne auch bei hochqualifizierten Kan- didaten nur unter engen Voraussetzungen – wie insbesondere der Gleich- wertigkeit der Prüfungen – verzichtet werden, um nicht die Ausnahme zur Regel zu machen. Die Facharztprüfung bezwecke, die Befähigung und den Kenntnisstand der Kandidatinnen und Kandidaten zu kontrollieren, um eine Qualitätskontrolle sicherzustellen. Würde allein auf die Legitimation zur selbständigen Berufsausübung abgestellt – welche Funktion letztlich jede Facharztprüfung habe – liesse man der Norm keinen Anwendungsbereich mehr (Vernehmlassung, Rz. A.II.4). Auch ein zusätzliches Heranziehen des möglichen Prüfungsstoffs verleihe dem Gleichwertigkeitskriterium keine praktische Bedeutung: Es käme nur noch auf die Gleichwertigkeit der be- treffenden Titel bzw. Qualifikationen an, nicht jedoch auf die Gleichwertig- keit der Prüfungen selbst (Duplik, Rz. 2). Weiter sei entgegen de m Be- schwerdeführer davon auszugehen, dass eine länger dauernde Prüfung sehr wohl eine genauere Kontrolle des Wissensstandes eines Kandidaten erlaube (Vernehmlassung, Rz. A.II.5). Es sei nachvollziehbar, bei der Über- prüfung der Gleichwertigkeit der jeweiligen Facharztprüfungen auf inhaltli- che Kriterien wie Struktur und Dauer abzustellen, wie dies die Titelkommis- sion getan habe (Vernehmlassung, Rz. A.II.8). Aus dem angefochtenen Entscheid gehe hervor, dass die vom Beschwerdeführer in Deutschland absolvierte Schwerpunktprüfung gegenüber der Facharztprüfung in Angio- logie gemäss in der Schweiz geltendem Weiterbildungsprogramm erhebli- che Unterschiede bezüglich Struktur und Umfang aufweise: Die in Deutschland absolvierte Prüfung schliesse eine zweijährige Weiterbildung im Schwerpunkt Angiologie ab, wobei ein Jahr der Weiterbildung im Schwerpunkt Angiologie zusätzlich zur Weiterbildung auf dem Gebiet der Inneren Medizin abgeleistet werden müsse. Dabei handle es sich um eine mündliche Prüfung von 30 Minuten Dauer. Die schweizerische Facharzt- prüfung in Angiologie hingegen schliesse einen Weiterbildungsgang von sechs Jahren Dauer ab, wobei drei Jahre auf fachspezifische Weiterbil- dung in Angiologie entfielen. Der erste Teil bestehe aus einer schriftlichen Prüfung von 120 Minuten Dauer (80 Multiple -Choice-Fragen). Der zweite Teil gliedere sich in eine mündlich/praktische Prüfung von 20 -30 Minuten über klinische Entscheidungsfindung anhand mindestens dreier Patienten- dokumentationen sowie einer praktischen Durchführung einer Duplex-Ult- raschalluntersuchung in verschiedenen Gefässkategorien während weite- rer 20-30 Minuten. Angesichts dieser erheblichen Unterschiede sei nach- vollziehbar, dass die Titelkommission die beiden Prüfungen nicht als gleichwertig beurteilt habe (angefochtener Entscheid, Rz. 2.B.6 f.). Da da- mit die Voraussetzungen von Art. 33 Abs. 4 WBO nicht erfüllt seien, habe die Titelkommission ihr Ermessen in der Frage, ob sie die entsprechende B-4999/2020 Seite 10 Rechtsfolge (die Anerkennung) setzen solle, gar nicht ausüben können. Damit könne kein Ermessensfehler vorliegen (Vernehmlassung, Rz. A.II.10). 4.2 4.2.1 Das Bundesgesetz vom 23. Juni 2006 über die universitären Medizi- nalberufe (Medizinalberufegesetz, MedBG, SR 811.11) fördert im Interesse der öffentlichen Gesundheit unter anderem die Qualität der beruflichen Weiter- und Fortbildung im Bereich der Humanmedizin (Art. 1 Abs. 1 MedBG). Zu diesem Zweck umschreibt es insbesondere die Anforderun- gen, welche die universitäre Aus- und die berufliche Weiterbildung erfüllen müssen (Art. 1 Abs. 3 Bst. a MedBG) sowie die Voraussetzungen für das Erlangen eines eidgenössischen Diploms und eines eidgenössischen Wei- terbildungstitels in den universitären Medizinalberufen (Art. 1 Abs. 3 Bst. b MedBG). Als universitäre Medizinalberufe gelten unter anderem Ärztinnen und Ärzte (Art. 2 Abs. 1 Bst. a MedBG). Für Weiterbildungsgänge, die zu einem eidgenössischen Weiterbildungstitel führen, besteht eine Akkreditie- rungspflicht (Art. 23 Abs. 2 MedBG). Die für akkreditierte Weiterbildungs- gänge verantwortlichen Organisationen – wie hier die FMH – erlassen Ver- fügungen über die Erteilung von Weiterbildungstiteln (Art. 55 Abs. 1 Bst. d MedBG). Aus Art. 2 Abs. 1 Bst. b in Verbindung mit Ziff. 3 von Anhang 1 der Verord- nung vom 27. Juni 2007 über Diplome, Ausbildung, Weiterbildung und Be- rufsausübung in den universitären Medizinalberufen (Medizinalberufever- ordnung, MedBV, SR 811.112.0) ergibt sich, dass der Facharzttitel im Be- reich Angiologie als eidgenössischer Weiterbildungstitel erfasst ist. Aus der geltenden, von der FMH erlassenen Weiterbildungsordnung ergeben sich die Voraussetzungen für den Erwerb von Weiterbildungstiteln ( vgl. Art. 1 WBO). In Art. 33 WBO ist die Anerkennung ausländischer Weiterbildung zwecks Anrechnung an die geforderte Weiterbildung gemäss dem jeweiligen fach- gebietsspezifischen Weiterbildungsprogramm geregelt. Art. 33 WBO lautet wie folgt: 1 Die Tätigkeit an gleichwertigen Weiterbildungsstätten im Ausland kann als Anteil der reglementarischen Weiterbildung anerkannt werden, wenn eine Bestätigung der zuständigen Behörde des betreffenden Landes vor- liegt, wonach die absolvierte Weiterbildung dort für den entsprechenden Facharzttitel angerechnet wird. Es empfiehlt sich, die Zustimmung der TK vorgängig einzuholen, welche insbesondere die Gleichwertigkeit der Wei- terbildungsstätte beurteilt. Die Beweislast obliegt der Kandidatin oder dem B-4999/2020 Seite 11 Kandidaten. Die TK kann bei unklaren Fällen die Stellungnahme der WBSK einholen. 2 Mindestens zwei Jahre der fachspezifischen Weiterbildung (Ausnahme: Tropen- und Reisemedizin) müssen an anerkannten Weiterbildungsstät- ten in der Schweiz gemäss den Anforderungen des entsprechenden Wei- terbildungsprogramms absolviert werden. In Fachgebieten, welche weni- ger als vier Jahre fachspezifische Weiterbildung fordern, kann das Weiter- bildungsprogramm vorsehen, dass die Hälfte der fachspezifischen Weiter- bildung in der Schweiz nachgewiesen werden muss. Für Facharzttitel, zu deren Erwerb k eine fachspezifische Weiterbildung vorgeschrieben ist, wird der zulässige Anteil der Weiterbildung im Ausland im Weiterbildungs- programm geregelt. 3 In Abweichung von Absatz 2 darf die Weiterbildung zu einem Schwer- punkt vollständig im Ausland absolviert wer den, soweit das Weiterbil- dungsprogramm keine andere Regelung enthält. Die TK kann den Schwerpunkt auch bei Vorliegen eines gleichwertigen ausländischen Dip- loms erteilen. 4 Inhaberinnen und Inhaber einer gleichwertigen ausländischen Qualifika- tion können sich ihre leitende Tätigkeit als Chefärztin, Chefarzt oder Lei- tende Ärztin, Leitender Arzt an einer anerkannten Weiterbildungsstätte in der Schweiz an die geforderte Weiterbildung anrechnen lassen. Die Titel- kommission kann in diesen Fällen auch eine gleichwer tige ausländische Facharztprüfung anerkennen, auf eine allfällig geforderte Kategorie der Weiterbildungsstätte und auf allfällig fehlende nicht -fachspezifische Wei- terbildungsjahre verzichten. 4.2.2 Art. 33 Abs. 1 WBO hält demnach im Sinne eines Grundsatzes fest, dass Tätigkeiten an gleichwertigen Weiterbildungsstätten im Ausland unter bestimmten Voraussetzungen an die Weiterbildung angerechnet werden können. Mindestens zwei Jahre der fachspezifischen Weiterbildung müs- sen aber (grundsätzlich) an anerkannten Weiter bildungsstätten in der Schweiz absolviert werden (vgl. Abs. 2). Eine Ausnahme davon sieht Abs. 4 für Chefärztinnen und Leitende Ärzte vor: Diese können sich (u.a.) ihre leitende Tätigkeit in der Schweiz anrechnen und eine gleichwertige ausländische Facharztprüfung anerkennen lassen. Die Anwendung von Art. 33 Abs. 4 WBO setzt demnach – in der vorliegen- den Konstellation – drei Kriterien voraus, was als solches auch vom Be- schwerdeführer anerkannt wird (vgl. Beschwerde Rz. 29 f. und Replik Rz. 7). Zunächst wird eine Tätigkeit als Chefarzt oder Leitender Arzt vo- rausgesetzt, was im Falle des Beschwerdeführers unbestritten ist. Im Wei- teren wird eine gleichwertige ausländische Qualifikation vorausgesetzt, was die Vorinstanz vorliegend offengelassen hat. Als dritte Voraussetzung B-4999/2020 Seite 12 müssen schliesslich die ausländische und die schweizerische Prüfu ng gleichwertig sein. Die Vorinstanz hat dies verneint. Bei der Beurteilung des Kriteriums der Gleichwertigkeit ausländischer Facharztprüfungen verfügt die Vorinstanz, wie gesehen (E. 2), über erheb- liches Fachwissen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht nicht ohne Not von ihrer Beurteilung abweicht und ihr die Wahl unter mehreren angemes- senen Lösungen lässt. 4.2.3 Zur Auslegung des Gleichwertigkeitskriteriums bringt der Beschwer- deführer vor, entscheidend sei, ob die bestandene und zu vergleichende Weiterbildungsprüfung zur selbständigen Berufsausübung legitimiere. Die Bestimmung von Art. 33 Abs. 4 WBO bezwecke eine ausnahmsweise Er- leichterung für im Ausland rekrutierte Kaderärzte mit aus gewiesenen Fä- higkeiten in ihrem Fachgebiet, welche sich für eine leitende Position in der Schweiz qualifizieren respektive bereits in einer solchen tätig seien. Diese sollten nicht durch eine nach langjähriger Praxis im Fachgebiet im Prinzip überflüssige V erpflichtung, die schweizerische Facharztprüfung noch nachholen zu müssen, in der Ausübung ihrer leitenden Funktion behindert werden. Folglich dürften dem Sinn und Zweck von Art. 33 Abs. 4 WBO fol- gend grundsätzlich auch keine hohen Ansprüche an die Gleichw ertigkeit der zu vergleichenden Prüfung mehr gestellt werden. Das Kriterium der "gleichwertigen ausländischen Qualifikation" habe entsprechend in den Hintergrund zu treten. Dem Beschwerdeführer ist insofern zuzustimmen, als Art. 33 Abs. 4 WBO eine Ausnahmebestimmung im Sinne einer Erleichterung darstellt. Zur Er- langung eines Weiterbildungstitels sind die Vorgaben der WBO und des jeweiligen Weiterbildungsprogramms einzuhalten. Dazu gehören insbe- sondere die Absolvierung von Weiterbildungsperioden an anerkann ten Weiterbildungsstätten sowie das Bestehen der Facharztprüfung (vgl. Art. 15 WBO sowie das Weiterbildungsprogramm für den Facharzt für An- giologie vom 1. Januar 2012). Die WBO sieht nun in Art. 33 weiter vor, dass – sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind – auch im Ausland absol- vierte Weiterbildungsperioden anerkannt werden (vgl. Abs. 1). Grundsätz- lich müssen dabei aber mindestens zwei Jahre (an anerkannten Weiterbil- dungsstätten) in der Schweiz absolviert werden (vgl. Abs. 2). Auch ändert dies nichts daran, dass die Facharztprüfung in der Schweiz abgelegt wer- den muss. Einzig für Chefärztinnen oder Leitende Ärzte ist in Abs. 4 inso- fern eine Erleichterung vorgesehen, als diese sich ihre gleichwertige aus- ländische Qualifikation an die geforderte Weiterbi ldung anrechnen lassen B-4999/2020 Seite 13 können. In diesen Fällen kann auch eine gleichwertige ausländische Fach- arztprüfung anerkannt, auf eine allfällig geforderte Kategorie der Weiterbil- dungsstätte und auf allfällig fehlende nicht-fachspezifische Weiterbildungs- jahre verzichtet werden. Dem Wortlaut dieser Bestimmung ist klar zu ent- nehmen, dass auch im Falle dieser Kaderärztinnen und -ärzte eben gerade nicht auf das Kriterium der Gleichwertigkeit verzichtet wird. Sinn und Zweck der Norm ist es, klar definierten Fachpersonen mit ausgewiesener Erfah- rung die Anerkennung sowohl von im Ausland erworbener Weiterbildung als auch von im Ausland abgelegten Prüfungen zu er möglichen. Im Inte- resse der öffentlichen Gesundheit und des entsprechenden Qualitätsni- veaus von Medizinalberufen in der Schweiz ist aber auch dabei auf eine Gleichwertigkeit der anzuerkennenden Perioden bzw. Prüfungen zu ach- ten. Denn mit der Prüfung soll festgestellt werden, ob ein Kandidat über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt. Das Kriterium der Gleichwertigkeit stellt somit – auch bei Personen, die eine höhere Qualifi- kation nachweisen können – sicher, dass die geforderte Qualität erfüllt ist und im Ausland absolvierte Leistungskontrollen dieser nachkommen. Die- ser Standard dient letztlich, wie die Vorinstanz zutreffend darlegt, der Ein- heitlichkeit und damit auch der Gleichbehandlung von Kandidatinnen und Kandidaten. Einzig darauf abzustellen, dass die Weiterbildung zur selb- ständigen Berufsausübung befähige, wie dies der Beschwerdeführer vor- bringt, führte dazu, die Gleichwertigkeit letztlich fallen zu lassen, zumal – wie es die Vorinstanz ausführt – jegliche Facharztprüfung dazu dient, zur selbständigen Berufsausübung zu ermächtigen. Die Vorinstanz hat dem- nach zu Recht eine Überprüfung der Gleichwertigkeit der in Deutschland absolvierten Prüfung vorgenommen. Von einem Ermessensmissbrauch , geschweige denn Willkür, kann keine Rede sein. 4.2.4 Was die vom Beschwerdeführer in Deutschland absolvierte Schwer- punktprüfung anbelangt, hat die Vorinstanz hinsichtlich Struktur und Um- fang erhebliche Untersc hiede zur Facharztprüfung Angiologie in der Schweiz festgestellt (vgl. ausführlich vorstehend E. 4.1.3). Entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers kann – mit der Vorinstanz – sehr wohl davon ausgegangen werden, dass eine länger dauernde Prüfung (schriftli- che Prüfung von 120 Minuten, mündlich/praktische Prüfung von 20 bis 30 Minuten sowie eine praktische Durchführung einer Duplex -Ultraschallun- tersuchung von 20 bis 30 Minuten in der Schweiz) , die zudem in mehrere Teile gegliedert ist, grundsätzlich eine genauere Kontrolle des Kenntnis- standes eines Kandidaten oder einer Kandidatin erlaubt als eine kürzere Prüfung (mündliche Prüfung von 30 Minuten im Falle des Beschwerdefüh- rers). Dies stellt im Übrigen aber auch nicht das einzige Kriterium dar, auf B-4999/2020 Seite 14 welches die Vorinstanz abgestellt hat. Vielmehr hat sie auch den Inhalt der Prüfung, die schriftliche Prüfung bestehend aus 80 MC -Fragen, die struk- turierte mündlich/praktische Prüfung über klinische Entscheidungsfindung anhand von mindestens drei Patientendokumentationen und die Duplex - Ultraschalluntersuchung in verschiedenen Gefässkategorien für die schweizerische Facharztprüfung, hervorgehoben. Ausserdem schliesse die in Deutschland absolvierte Schwerpunktprüfung ( lediglich) eine zwei- jährige Weiterbildung im Schwerpunkt Angiologie ab, wobei ein Jahr zu- sätzlich zur Weiterbildung auf dem Gebiet der Inneren Medizin abgeleistet werden müsse. Demgegenüber schliesst die schweizerische Facharztprü- fung in Angiologie einen W eiterbildungsgang ab, der sechs Jahre dauert und drei Jahre fachspezifische Weiterbildung in Angiologie umfasst. Mit Blick auf die Zurückhaltung, die sich das Bundesverwaltungsgericht gegen- über der Vorinstanz als Fachbehörde auferlegt (vgl. E. 2), ist dere n Ein- schätzung nicht zu beanstanden. Hinsichtlich der anlässlich der Prüfung vorzunehmenden Ultraschallunter- suchung hat die Vorinstanz in ihrer Duplik Folgendes ausgeführt: Nach Rücksprache mit der Titelkommission könne dem Beschwerdeführer die praktische Prüfung (Duplex-Ultraschalluntersuchungen) erlassen werden, wenn er über den Fähigkeitsausweis der Schweizerischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (SGUM) verfüge. Für den Erwerb desselben seien neben den absolvierten Duplex Sonografie Kursen bestandene prak- tische Prüfungen in allen vier Gefässsubmodulen notwendig. Alternativ stehe es ihm aber auch frei, den SGUM-Fähigkeitsausweis via bestandene praktische Facharztprüfung Angiologie zu erwerben, wenn die Kursbetäti- gungen gemäss Ziff. 2.2.3 des We iterbildungsprogramms ausgewiesen seien. Damit würde sich eine SGUM -Prüfung erübrigen. Die Vorinstanz kommt dem Beschwerdeführer insoweit entgegen. Dies hat jedoch keinen Einfluss darauf, dass die Gleichwertigkeit der beiden Prüfungen im vorlie- genden Beschwerdeverfahren anders zu beurteilen wäre. Es kann damit nicht gesagt werden, dass sich die Vorinstanz zur Beurtei- lung der Gleichwertigkeit auf unzweckmässige Kriterien abgestellt hätte. Die Beurteilung ist vielmehr im Rahmen des ihr zustehenden Ermessens erfolgt. 4.2.5 Nach dem Gesagten ist es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz zum Schluss gelangt ist, die vom Beschwerdeführer in Deutschland abge- legte Schwerpunktprüfung stelle keine gleichwertige ausländische Fa ch- arztprüfung im Sinne von Art. 33 Abs. 4 WBO dar. Sie konnte entsprechend B-4999/2020 Seite 15 auch darauf verzichten, abschliessend über das Vorliegen des dritten Kri- teriums, ob von einer gleichwertigen ausländischen Qualifikation auszuge- hen ist, zu befinden. 4.2.6 Zusammengefasst hat die Vorinstanz im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 33 Abs. 4 WBO zu Recht eine Prüfung der Gleichwertigkeit der zu vergleichenden ausländischen Prüfung vorgenom- men, wie dies der Wortlaut der Norm vorsieht. Zudem ist es nachvollzieh- bar, dass sie gestützt auf ihre Prüfung die Gleichwertigkeit verneint hat. Der Entscheid der Vorinstanz , die Anwendung der Ausnahmenorm von Art. 33 Abs. 4 WBO zu versagen, erweist sich als frei von Ermessensfeh- lern beziehungsweise als angemessen, was Willkür ausschliesst. Eine Ver- letzung des Diskriminierungsverbots ist nicht auszumachen. Die Nichter- teilung des ersuchten Facharzttitels führt sodann nicht zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführer, welcher nach eigenen Angaben bereits als Arzt in leitender Funktion tätig ist, als Assistenzarzt ohne abschliessende fachli- che Verantwortung qualifiziert würde. Nur am Rande darauf hinzuweisen ist deshalb auf die Tatsache, dass der Entscheid keine Beurteilung seiner Qualifikationen im Allgemeinen zum Gegenstand hat und ihm eine selb- ständige Berufsausübung gestützt auf seine übrigen Facharzttitel ohne weiteres möglich ist. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Vorinstanz habe seine Ausfüh- rungen zur Anwendbarkeit der Richtlinie 2005/36/EG zu Unrecht ausser Acht gelassen. Eine direkte Anerkennung der Weiterbildung gestützt auf die Richtlinie 2005/36/EG sei mangels Nennung der Angiologie im Anhang V der Richtlinie nicht möglich. Dies bedeute entgegen den Ausführungen der Vorinstanz aber nicht, dass der Richtlinie deswegen die Anwendung zu verweigern sei. Vielmehr finde diese auf das vorliegende Verfahren (zu- mindest analog) Anwendung. Sofern die Grundsätze der Diplomanerk en- nung uneingeschränkt auch auf Fragen des Zugangs zu einem nicht reg- lementierten Beruf Anwendung fänden, müsse dies umso mehr gelten, wenn es sich wie vorliegend um einen im Ursprungsland reglementierten Beruf handle. Dass die deutsche angiologische Schwerpunktweiterbildung die Vorgaben von Art. 25 der Richtlinie 2005/36/EG erfülle, hätte die Vor- instanz folglich zumindest im Rahmen der Beurteilung der Gleichwertigkeit der zu vergleichenden Prüfungen berücksichtigen müssen. 5.2 Die Vorinstanz führt dagegen aus, der Beschwerdeführer könne im Ver- fahren vor der Titelkommission bzw. der EK WBT und dementsprechend B-4999/2020 Seite 16 auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren keinen Anspruch auf Anerken- nung seines in Deutschland erworbenen Weiterbildungstitels oder auf Zu- lassung zu einer bestimmten beruflichen Tätigkeit gestützt auf Art. 21 MedBG, das Freizügigkeitsabkommen oder die Richtlinie 2005/36/EG (di- rekt oder analog) geltend machen. Gegenstand des vorliegenden Verfah- rens sei nicht die Anerkennung eines ausländischen Facharzttitels. Hierfür wäre die Medizinalberufekommission MEBEKO zuständig. Der angefoch- tene Entscheid betreffe vielmehr die Erteilung eines eidgenössischen Facharzttitels. Wollte er gestützt auf die Bestimmungen der Anerkennung von Diplomen im MedBG oder in der Richtl inie 2005/36/EG die Anerken- nung seines in Deutschland erworbenen Titels im Fachgebiet Angiologie erwirken, müsste er ein entsprechendes Gesuch an die MEBEKO richten, insbesondere auch in Bezug auf eine allfällige Anerkennung des Titels ge- stützt auf die allgemeinen Anerkennungsbestimmungen gemäss Art. 10 ff. der Richtlinie. 5.3 Dem Beschwerdeführer ist insofern Recht zu geben, als eine automa- tische Anerkennung seiner Weiterbildung gestützt auf die Richtlinie 2005/36/EG nicht in Frage kommt. So ist die Bezeichnung "Angiologie" in Nummer 5.1.3 von Anhang V der Richtlinie nicht aufgeführt (vgl. auch Ab- schnitt A Ziff. 1 Bst. g Anhang III zum FZA). Dies ist aber nicht gleichbe- deutend damit, dass die Richtlinie in seinem Fall gar nicht zur Anwendung käme, wie dies die Vorinstanz in ihren Stellungnahmen vertritt . Vielmehr ergibt sich aus dem Wortlaut und der Systematik der Richtlinie, dass der Anhang V ausschliesslich im Kontext von Art. 21 Abs. 1 der Richtlinie (der den Grundsatz der automatischen Anerkennung regel t) zu r Anwendung kommt (vgl. Urteil des BVGer B-413/2020 vom 28. März 2022 E. 4.3.1). Die Rechtsprechung geht daher davon aus, dass, wenn eine automatische An- erkennung mangels eines Eintrags einer entsprechenden Facharztbe- zeichnung im Anhang V nicht möglich ist, subsidiär nach den Allgemeinen Regelungen zu prüfen ist, ob der ausländische Weiterbildungstitel zu aner- kennen ist (vgl. Urteile des BVGer B-413/2020 vom 28. März 2022 E. 4.3.2, B-638/2021 vom 11. März 2022 E. 6 und B -4857/2012 vom 5. Dezember 2013 E. 4.2). Die Anwendbarkeit der Richtlinie als solches ergibt sich im Übrigen bereits daraus, dass sie gemäss deren Art. 2 Abs. 1 für alle Staats- angehörigen eines Mitgliedstaats gilt, die als Selbständige oder abhängig Beschäftigte einen reglementierten Beruf in einem anderen Mitgliedstaat als dem, in dem sie ihre Berufsqualifikationen erworben haben, ausüben wollen. Der Facharzttitel Angiologie ist in der Schweiz, wie gesehen (E. 4.2.1), reglementiert. B-4999/2020 Seite 17 Allerdings ist, wie die Vorinstanz darauf hinweist, zu berücksichtigen, dass es im vorliegenden Verfahren nicht um die Anerkennung einer ausländi- schen Qualifikation als solches geht, sondern der Beschwerdeführer das SIWF um Erteilung eines schweizerischen Facharzttitels ersucht hat. Im Rahmen dieses Verfahrens stellte sich die Frage, ob er sich gestützt auf Art. 33 Abs. 4 WBO – ausnahmsweise – seine in Deutschland abgelegte Prüfung an die Weiterbildung anrechnen lassen kann. Ginge es dem Be- schwerdeführer darum, den in Deutschland erworbenen Titel in der Schweiz anerkennen zu lassen, wäre er gehalten, sich mit einem entspre- chenden Gesuch an die MEBEKO zu wenden (vgl. Art. 21 MedBG). Wei- tere Ausführungen zur Richtlinie 2005/36/EG sowie zu einer allfällig analo- gen Anwendung von deren Art. 25 erübrigen sich damit an dieser Stelle. 6. Im Ergebnis ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Einsprache des Beschwerdeführers abgewiesen und ihm die Erteilung des Weiterbil- dungstitels (Facharzttitels) in Angiologie verweigert hat. Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 7. Entsprechend dem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer die Ver- fahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Diese werden mit Blick auf den Verfahrensaufwand und die Schwierigkeit der Streitsache auf Fr. 2'000.– festgesetzt (Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 VGKE) und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Ausgangs- gemäss ist dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zuzuspre- chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). (Dispositiv auf nächster Seite) B-4999/2020 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der eingezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezah- lung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz, die Titelkom- mission und das Eidgenössisches Departement des Innern EDI. Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Mia Fuchs Pascal Sennhauser B-4999/2020 Seite 19 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver- tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange- fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde- führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 21. September 2022 B-4999/2020 Seite 20 Zustellung erfolgt an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde) – die Titelkommission, (…), (Einschreiben) – das Eidgenössische Departement des Innern EDI , (…), (Gerichtsur- kunde)