B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7261/2013 U r t e i l v o m 6 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter William Waeber, Gerichtsschreiber Alain Degoumois. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…), Russland (Tschetschenien), alle vertreten durch lic. iur. Semsettin Bastimar, Rechtsberatung & -Vertretung, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. November 2013 / N (…). E-7261/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden verliessen eigenen Angaben zufolge gemei n- sam die Russische Föderation am (…), reisten in einem Minibus via die Ukraine oder Weissrussland und weitere ihnen unbekannte Länder am 7. April 2013 illegal in die Schweiz ein, wo sie gleichent ags um Asyl nac h- suchten. Am 11. April 2013 fanden die Befragungen zur Person (BzP) im Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen statt. Die Vorinstanz hö r- te die Beschwerdeführenden am 27. Mai 2013 getrennt voneinander zu den Asylgründen an. Der Beschwerde führer machte im Wesentlichen geltend, er sei Tsch e- tschene und stamme aus F._______ in der Nähe von Grosny. Als in der Republik Tschetschenien weitherum bekannter (...) habe er gutes Geld verdient. Sein Bruder habe während dem ersten tschetschenischen Krieg im Widerstand gekämpft und sei zweima l verletzt worden. Alle hätten ihn als Kämpfer gekannt, auch die russischen Behörden. Während dem zwei- ten tschetschenischen Krieg seien Widerstandskämpfer wie sein Bruder verschwunden oder ermordet worden. Als dieser am Anfang des zweiten tschetschenischen Krieges verschleppt worden sei, hätten sie ihn für sehr viel Geld freikaufen und somit retten können. Mit der Hilfe von Unbekann- ten sei sein Bruder schliesslich ungefähr im Herbst (…) nach G._______ geflüchtet. Mittlerweile besitze dieser die (...) Staatsbürgerschaft. Im Jah- re 2012 habe sein Bruder übers Internet eine junge Frau aus Tschetsche- nien kennengelernt. Anfangs (…) 2012 sei dieser deshalb wieder in Tschetschenien eingereist, habe die Frau geheiratet und verliess Ende (…) 2012 Tschetschenien. Zirka Mitte (…) 2012 habe er (der Beschwe r- deführer) für den nächsten Tag eine Vorladung der Polizei bekommen. Aufgrund zeitlicher Engpässe habe er der Vorladung keine Folge gelei s- tet, worauf am nächsten Abend ihn drei Polizisten bei sich zu Hause a b- geholt und zum Polizeirevier gebracht hätten. Dort sei er über seinen Bruder befragt worden. Die Polizisten hätten wissen wollen, wie dieser es geschafft habe, auszureisen und wer ihm dabei geholfen habe. Er sei g e- quält und mit gefüllten Wasserflaschen aus Plastik geschlagen worden, so dass sein gesamter Körper mit blauen Flecken überzogen gewesen sei. Nach 24 Stunden hätten sie ihn zur ück nach Hause gebracht und ihn aufgefordert, innerhalb von drei Tagen 10'000 US-Dollar an sie zu bezah- len. Das Geld habe er auftreiben können und es am vierten Tag den Pol i- zisten übergeben. Nach diesem Vorfall sei zunächst nichts Weiteres g e- schehen, bis am (…) 2013 seine Frau, welche als (…) gearbeitet habe, E-7261/2013 Seite 3 dazu gedrängt worden sei, zu kündigen . Sie sei von der (…) hergerufen worden und diese habe ihr mitgeteilt, dass sie hier nicht weiter arbeiten könne. Einige Leute würden nicht wollen, dass sie w eiter dort arbeite, Namen könnten ihr keine genannt werden. Nach diesem Ereignis habe er verstanden, dass er ausreisen müsse. Während der Planung der Ausre i- se, habe er dann eine weitere Vorladung der Polizei erhalten. In der gle i- chen Nacht sei er zu Verwandten v on Freunden in H._______ geflohen. Diese hätten auch seine Ausreise geplant. Nach mehr als einer Woch e, am (…) 2013, sei er von den Schleppern im Minibus zurück nach Tsche- tschenien gefahren worden, wo seine Familie zur Abholung bereit g e- standen sei. Gemeinsam seien sie dann auf dem Landweg in die Schweiz gefahren worden. Die Beschwerdeführerin machte im Wesentlichen denselben Sachverhalt wie ihr Ehemann geltend. B. Mit Verfügung vom 26. November 2013 stellte die Vorinstanz fest, die Be- schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beau f- tragte den zuständigen Kanton mit deren Vollzug. C. Mit Eingabe vom 24. Dezember 2013 reichten die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht, unter Beilage der auf Seite 16 der Ei n- gabe aufgeführten Beweismittel (1 bis 15), Beschwerde ein und beantrag- ten, es sei die angefochtene Verfügung des BFM aufzuheben und in der Folge ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihnen Asyl zu g e- währen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und sie seien in der Folge vorläufig aufzune h- men. In prozessualer Hinsicht beantragten sie den Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und die unentgeltliche Verbeiständung durch ihren Rechtsvertreter. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom E-7261/2013 Seite 4 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asy l- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Die Beschwerdefü h- renden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Bes chwerde (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, de s Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Gemäss Art. 7 AsylG muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glau bhaft machen, wer um Asyl nachsucht (Abs. 1). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3). E-7261/2013 Seite 5 3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glau b- haftmachen der Vorbringen in einem jüngeren Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. statt vieler BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 4.1.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung im Wesentli- chen zum Schluss, es sei sehr fraglich, ob der Bruder des Beschwerd e- führers als angeblicher tschetschenischer Kämpfer, welcher (…) habe flüchten müssen, 2012 nach Tschetschenien zurück gekehrt sei, um eine Tschetschenin zu heiraten. Jener Bruder wäre dreimal mit den russischen Behörden in Kontakt getreten (Visaerteilung, zivile Heirat, Ausreise), wenn die Vorbringen stimmen würden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass eine Person mit der behaupteten Vorgeschichte ein solches Wagnis ein- gegangen sei. Der Einwand, dieser habe als (…) nichts zu befürchten, greife zu kurz. Im Übrigen wäre es der Internetbekanntschaft möglich g e- wesen, ein Reisevisum für G._______ zu beantragen. Somit habe wah r- scheinlich gar keine Heirat stattgefunden. Übe rdies habe er (der B e- schwerdeführer) bis 2012 keine Probleme mit den Behörden gehabt, was ein weiterer Hinweis dafür sei, dass die Vorbringen um seinen Bruder nicht stimmen könnten, da diese zeitlich vorher anzusiedeln seien. 4.1.2 Ferner habe er zu Protokoll ge geben, dass seine Familie und sein Chef ihn zur Ausreise bewogen hätten. Grundsätzlich sei aber davon auszugehen, dass tatsächlich Verfolgte ihren Ausreiseentscheid persö n- lich träfen und sich nicht ausschliesslich durch Dritte beeinflussen liessen. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb er zunächst unverrichteter Dinge Tschetschenien verlassen habe und sich in H._______ zurückgezogen habe, nur um sich dann völlig unnötig wieder dorthin zu begeben. Die Ausreise sei schliesslich gemäss den Vorbringen organis iert gewesen und das Abholen seiner Familie hätten auch die Schlepper durchgeführt. Tatsächlich Verfolgte, die sich bereits ausserhalb Tschetscheniens befän- den, kehrten nicht so leichtfertig nach Hause zurück. Der diesbezügliche Einwand, er habe genau das gemacht, was die Schlepper von ihm ve r- langt hätten, greife zu kurz. Diese unlogischen Vorbringen könnten mi t- nichten überzeugen. E-7261/2013 Seite 6 4.1.3 Hinzu komme, dass seine Beschreibung zu den angeblichen Folt e- rungen sehr oberflächlich ausgefallen sei. Er sei sich nicht sicher gewe- sen, mit welchen Gegenständen er gefoltert worden sei, obwohl er diese ja habe sehen können. Selbst wenn man seinen Kopf vor Schlägen ve r- suche zu schützen, könne aufgrund der Dauer und der Einwirkung der Schläge sowie aufgrund des Tastgefühls ein Gege nstand verlässlich "er- spürt" werden. Seine Aussage beruhe zudem offensichtlich vom Höre n- sagen, wenn er ausführe: "Alle wissen, dass sie diese Praxis haben". Dies stelle eine weitere Unsicherheit seiner Vorbringen dar. Obwohl er gemäss seinen Angaben bei de r Polizei in einem kleinen Raum geschl a- gen worden sei, sei er nicht imstande gewesen, zu präzisieren, ob es sich um zwei oder drei Schläger gehandelt habe. Mangels Detailierungsgrad seien seine Vorbringen nicht glaubhaft. 4.1.4 Ferner seien seine Aussa gen bezügl ich des Verhörs widersprüch- lich und somit unglaubhaft , weil er einerseits angegeben habe, er habe versucht, sein Gesicht mit den Händen zu verdecken und habe deswegen nichts sehen können, andererseits habe er ausgeführt, seine Hände se i- en die ganze Zeit au f dem Rücken verbunden gewesen. Dies seien zwei unvereinbare Aussagen. Weiter habe er vorgebracht, im Verhör sei es um die Ausreise seines Bruders aus Tschetschenien gegangen, weil die Poli- zisten ansonsten bereits alles über jenen gewusst hätten. Später in der Befragung habe er dann schliesslich behauptet, auch über die Rolle des Bruders während dem Krieg befragt worden zu sein. Schliesslich seien auch die Angaben zum Preis für die Ausreise – 10'000 Dollar bzw. 16'000 Euro – widersprüchlich. Die eingereichten Polizeivorladungen hätten bloss geringen Beweiswert, da allgemein bekannt sei, dass solche Dokumente in Russland leicht he r- stellbar und erhältlich seien. Zudem enthielten sie eine Adresse, die o f- fenbar zum Zeitpunkt der Vorladung nicht mehr aktuell gewe sen sei. Im Lichte der aufgezeigten Unglaubhaftigkeitselemente seien diese Dok u- mente nicht geeignet, die geltend gemachte Verfolgung zu beweisen. Gesamthaft hielten die Vorbringen des Beschwerdeführers vor den Anfor- derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss A rt. 7 AsylG nicht stand, we s- halb deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 4.1.5 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei zur Kündigung g e- zwungen worden, seien asylrechtlich nicht beachtlich und hielten somit den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand. E-7261/2013 Seite 7 4.2 4.2.1 Die Beschwerd eführenden bringen dagegen im Wesentlichen vor, Lösegeld-Entführungen durch tschetschenische Sicherheitskräfte kämen sehr oft vor, wie aus der Fragebeantwortung von ACCORD (Austrian Centre for Country of Origin and Asylum R esearch und Dokumentation) vom 14. März 2014 (Beilage 5) sowie aus den Reisehinweisen für Rus s- land des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ersichtlich sei (Beilage 6). Somit treffe es nicht zu, wenn die Vori n- stanz ausführt, di e Vorbringen der Beschwerdeführenden seien unwah r- scheinlich bzw. nicht plausibel. Es sei eine allgemein bekannte Tatsache, dass die tschetschenischen Behörden auch im Jahre 2012 wegen sehr vielen Menschenrechtsverletzungen beschuldigt worden seien (Amnesty International Report, Beilage 7). Aufgrund der Berichte sei es absolut plausibel, dass der Beschwerdeführer von Kadyrov -Leuten auf den Pol i- zeiposten gebracht und dort misshandelt worden sei, um anschliessend Lösegeld von ihm zu erpressen. 4.2.2 Die Zweifel am Vorbringen, dass der Bruder des Beschwerdeführers mit einem solchen politischen Profil in die Heimat zurück gekehrt sei, sei- en zwar nicht ganz von der Hand zu weisen; die Kopien des (...) und rus- sischen Reisepasses (Beilage 8/1 und 8/2) sowie eine Videoaufnahme des Besuches (Beilage 9) würden jedoch das Gegenteil belegen. Im rus- sischen Pass sei anhand der Stempel ersichtlich, wann er in Russland ein- und wieder ausgereist sei. Seine letzte Ein - und Ausreise habe im (…) 2013 stattgefunden, anlässlich welcher er seine Frau mitgenommen habe, wie in der Kopie von ihrem Pass ersichtlich sei (Beilage 10). Ein Auszug aus dem zentralen Volksregister G._______ führe H._______ zu- dem als Ehefrau des Bruders des Beschwerdeführer s auf (Beilage 11). Somit bestünden klare Indizien, dass dieser trotz seiner Teilnahme an den beiden tschetschenischen Kriegen nicht von den zentralen Behörden in Russland gesucht werde. Er habe sich als (...) Staatsangehöriger und aufgrund der Tatsache, dass die erwähnten Kriege mehr als 10 Jahre zu- rücklägen, sicher gefühlt. Die Annahme der Vorinstanz, dass der Bruder nicht zurückgekehrt sei, erweise sich als falsch. 4.2.3 Sodann sei es aufgrund der tschetschenischen Kultur üblich, dass ein solch schwerwiegender Entscheid wie eine Flucht vorher mit der F a- milie bzw. mit den Eltern abgesprochen werde. Seinen Chef habe der Be- schwerdeführer nur als Freund um Rat gefragt und sich nicht von ihm b e- einflussen lassen. Die Vorinstanz blende die konkreten Umstände des E-7261/2013 Seite 8 vorliegenden Falles aus, wenn sie ausführ e, tatsächlich Verfolgte, wie es der Beschwerdeführer geltend mache, würden nicht so leichtfertig nach Tschetschenien zurückkehren, wenn sie sich in Russland in Sicherheit gebracht hätten. Denn der Beschwerdeführer sei n icht aus politischen Gründen entführt oder verfolgt worden, weshalb kein Suchbefehl oder ähnliches vorgelegen habe, was eine Gefahr bei der Wiedereinreise hätte bedeuten können. Es sei ihm zudem sehr wichtig gewesen, seine Frau und die Kinder bei der Ausre ise zu begleiten, da dies gemäss tsch e- tschenischer Tradition eine Ehrensache sei. 4.2.4 Es könne weiter nicht vom Beschwerdeführer erwartet werden und sei unrealistisch, dass dieser sich in einer Foltersituation alles genau merke und bei der Befragung wiedergebe n könne. Dass die diesbezügl i- chen Aussagen oberflächlich und unglaubhaft seien, wie die Vorinstanz ausführe, widerspreche den gegebenen Umständen. Die von der Vori n- stanz festgestellten Widersprüche bei den Aussagen des Beschwerdefüh- rers zu der erlebten Fol terung, seien auf eine unrichtige Übersetzung oder falscher Wahrnehmung der protokollführenden Person zurückzufü h- ren. Dies habe der Beschwerdeführer bei der Rückübersetzung auch nicht korrigieren können, da er die Fehler aufgrund der durch die Befr a- gung entstandenen Aufregung gar nicht bemerkt habe. Die Widersprüche in den Aussagen zu den Kosten der Ausreise könne er sich auch nicht er- klären. Er habe für die gesamte Ausreise 10'000 US -Dollar ausgegeben. Da er diesen Betrag aber mit Euro und Dollar bezahlt h abe, sei er in der BzP einfach davon ausgegangen, dass alles umgerechnet 16'000 Euro gekostet habe. Trotz der erwähnten Widersprüche seien die Aussagen gesamthaft als glaubhaft zu qualifizieren, da es sich um ein reduziertes Beweismass handle, welches durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden Person lasse. 4.2.5 Der Beschwerdeführer habe wegen seiner Verwandtschaft und der erfolgten Verhaftung begründete Furcht, ernsthaften Nachteilein wie n a- mentlich Verhaftung und Folter durch die tschetschenischen Behörden ausgesetzt zu werden, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfülle. 5. 5.1 Wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird, vermögen die Vorbri n- gen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen. E-7261/2013 Seite 9 5.2 5.2.1 Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die in der Ver- fügung des BFM aufgezeigten Unstimmigkeiten in zentralen Punkten der Asylvorbringen verwiesen werden. So ist der Vorinstanz beizupflichten, wenn sie ausführt, eine Person m it einem politischen Profil, wie es der Bruder des Beschwerdeführers angeblich haben soll, würde nicht mehr nach Tschetschenien zurückkehren. Die Beschwerdeführenden verke n- nen in ihrer Argumentation, dass nicht ausschlaggebend sein kann , ob der Bruder des Beschwerdeführers nach Tschetschenien zurückgekehrt ist, sondern ob er tatsächlich als Widerstandskämpfer in den beiden Kri e- gen von den russischen (bzw. tschetschenischen) Behörden gesucht bzw. verfolgt wird. Denn darauf basieren die Aussa gen der Beschwerdefüh- renden. Aufgrund der von diesen eingereichten Beweismittel muss effe k- tiv davon ausgegangen werden, dass der Bruder des Beschwerdeführers mehrmals in Russland ein - und wieder ausgereist ist. Hingegen wird mit diesem Umstand weder bewiesen noch glaubhaft gemacht, dass eine po- litische Verfolgung des Bruders des Beschwerdeführers stattgefunden hat, aufgrund welcher nun der Beschwerdeführer von den Kadyrov - Leuten belästigt werden soll . Gerade wegen der mehrmaligen Einreise und der Heirat des Bruders des Beschwerdeführers in Tschetschenien ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass die Vorbringen des Beschwerd e- führers unglaubhaft sind. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer vor- bringt, sein Bruder habe sich angesichts der (...) Staatsangehörigkeit bei einer erneuten Einreise in die Russische Föderation bzw. Tschetschenien sicher gefühlt, die Ein- und Ausreisestempel der russischen Behörden j e- doch im russischen Reisepass aufzufinden sind (Beilage 8/2). Mithin konnten die russischen Behörden die (...) Staatsangehörigkeit des B e- schwerdeführers nicht erahnen, weshalb er mit dem vorgebrachten A r- gument nicht durchdringt. Gegen die Vorbringen spricht auch – wie die Vorinstanz zutreffend ausführt – dass der Beschwerdeführer bis zum Jah- re 2012 keine Probleme m it den Behörden geltend gemacht hat. Die vo r- gelegten Polizeivorladungen vermögen die Zweifel an der Glaubhaftigkeit nicht zu entkräften. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass solche in der Russischen Föderation leicht erhältlich und herstellbar si nd. Ange- sichts der Ungereimtheiten der Aussagen der Beschwerdeführenden vermögen sie keine Beweiskraft zu entfalten. Auch der Umstand, dass der Bruder des Beschwerdeführers offenbar über einen (...) Pass verfügt, ist dazu nicht geeignet, konnte er doch auf irgendeine Weise nach G._______ gelangen und dort die Staatsangehörigkeit beantragen. Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass er in den beiden tschetschen i-E-7261/2013 Seite 10 schen Kriegen ein bekannter Widerstandskämpfer gewesen sein sollte, so hätten die russischen Behör den aufgrund dessen unbehelligter, mehrmaliger Ein- und Ausreise offensichtlich das Interesse an einer Ve r- folgung verloren. Somit wäre auch unter diesen Umständen unglaubhaft, dass der Beschwerdeführer bezüglich Informationen über seinen Bruder verhört worden sein soll, denn dies würde ein entsprechendes Interesse bzw. Motiv der Behörden voraussetzen. 5.2.2 Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer trotz angeblicher Flucht nach H._______ wegen der zweiten polizeilichen Vorladung nochmals nach F._______ zurückkehrte, um zusammen mit den Schleppern seine Familie abzuholen (BFM-Akten A16/19 F99 ff.). Ein solches Verhalten ist in der Tat unlogisch und nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers zu stützen. Daran vermögen auch die von den Beschwerdeführenden eingereichten Berichte über die Lösegeld -Entfüh- rungen in Tschetschenien nichts zu ändern, da diese über die generelle Lage berichten, jedoch nicht geeignet sind, eine geltend gemachte En t- führung im Einzelfall zu belegen oder glaubhaft zu m achen. Aus dem Hinweis, es sei nach tschetschenischer Tradition Ehrensache, die Familie zu begleiten, können die Beschwerdeführenden nichts zu ihren Gunsten ableiten. 5.2.3 Die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers wird weiter dadurch gestützt, dass die Angaben über die erlittene Folter wider- sprüchlich sind, wie das die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat. Ob die Hände auf dem Rücken gefesselt sind oder ob diese schützend vor das Gesicht gehalten werden können, ist keine Nebensächlichkeit, we l- che in einer Foltersituation leicht in Vergessenheit geraten kann. Die W i- dersprüche können nicht dadurch entkräftet werden, indem vorgebracht wird, diese seien auf eine falsche Rückübersetzung bzw. eine falsche Wahrnehmung der protokollführenden Person zurück zuführen. Der B e- schwerdeführer hat die Protokolle unterzeichnet, weshalb er sich die pr o- tokollierten Aussagen anrechnen lassen muss. Des Weiteren gibt es ke i- ne Anzeichen auf Unregelmässigkeiten im Protokoll. Der von der Vori n- stanz aufgeführte Widerspruch b ezüglich des Preises für die Ausreise ist ebenso wenig zu beanstanden. Dass der Beschwerdeführer aufgrund der in unterschiedlichen Währungen bezahlten Teilbeträgen durcheinande r- gekommen ist, muss als Schutzbehauptung gewertet werden, handelt es sich doch b ei 10'000 US -Dollar und 16'000 Euro um einen wesentlichen Unterschied. E-7261/2013 Seite 11 5.2.4 Aus der Ü bereinstimmung der geschilderten Erlebnisse der B e- schwerdeführenden folgt nicht automatisch die Glaubhaftigkeit der Vo r- bringen. Die Beschwerdeführenden hatten während der lange dauernden Ausreise im Minibus genügend Zeit, ihre Geschichte aufeinander abz u- stimmen. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer Entla s- sung sind überdies nicht asylbeachtlich, wie die Vorinstanz zu Recht au s- führte. Das wird in der Beschwerde denn auch nicht in Abrede gestellt. 5.3 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorg e- bracht, was geeignet wäre, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 6. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenth altsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Da den Beschwerdeführenden die Flücht- lingseigenschaft nicht zukommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschi e- bungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vo llzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]); Art. 3 des Übereinkommens vom E-7261/2013 Seite 12 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]. Weder den Aussagen der Beschwerdefü hrenden noch den Akten lassen sich konkrete Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in die Russische Föderation (Tschetschenien) dort mit b e- achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Stra fe oder Behandlung ausgesetzt wären. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig. 7.3 7.3.1 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AuG unz u- mutbar sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allg e- meiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine solche festgestellt, ist unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2 Die Vorinstanz bejaht die Zumutbarkeit des Wegweisu ngsvollzugs. Die Beschwerdeführenden seien jung, gesund und verfügten in der He i- mat über ein Beziehungsnetz, bestehend aus Geschwister, Onkel und Tanten. Diese könnten bei der Wiedereingliederung behilflich sein. Des Weiteren sei ein beruflicher Neustart i m angestammten Beruf des B e- schwerdeführers als günstig zu werten, sei dieser doch sehr erfolgreich gewesen. Wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten allein begründeten keine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Die Beschwerdeführenden bringen dagegen vor, es bestünde kein tragfä- higes familiäres Beziehungsnetz in ihrer Heimat. Die Eltern des B e- schwerdeführers seien bereits recht betagt und sein Bruder behindert. Die anderen Verwandten lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen, weshalb dies e keinen Halt bieten könnten. Die Beschwerdeführenden hätten wegen den Repressalien der Behörden ihre berufliche Grundlage verloren und seien hoch verschuldet. Dazu komme, dass der Beschwe r- deführer an Hepatitis C leide, was sich in letzter Zeit durch verme hrte Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schmerzen bemerkbar mache (Beilage 14). Des Weiteren hätten sie noch drei minderjährige, schulpflichtige Ki n- der. Ob die Reintegration der Kinder in ihrem Heimatstaat möglich sein E-7261/2013 Seite 13 könne, sei angesichts der menschenrecht lichen Lage in Tschetschenien und den Repressalien der Behörden höchst fraglich. Wegen der Ve r- schuldung seien sie auch nicht in der Lage, ihren Kindern eine angeme s- sene Ausbildung zu finanzieren. Eine Rückkehr wäre nicht im Sinne des Kindeswohls. Unter der Gesamtwürdigung aller Umstände sei die We g- weisung für die Beschwerdeführenden somit unzumutbar. 7.3.3 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts herrscht in Tschetschenien keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb der We g- weisungsvollzug abgewiesener tschetschenischer Asylbewerber in der Regel zumutbar ist (vgl. BVGE 2009/52). Da die Beschwerdeführenden weder glaubhaft machen konnten, selber einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen zu sein oder objektiv begründete Furcht haben, ein er solchen ausgesetzt zu wer- den, noch dass der Bruder des Beschwerdeführers ein einschlägiges poli- tisches Profil aufweise, sind sie demzufolge auch nicht einer Kategorie von Personen zuzuordnen, welche weiterhin konkret gefährdet sein kö n- nen (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.2.3). 7.3.4 Die Vorinstanz ist zu Recht von einem Beziehungsnetz im Heima t- staat der Beschwerdeführenden ausgegangen, welches bei der Wiede r- eingliederung behilflich sein kann. Entgegen den Vorbringen der B e- schwerdeführenden geht es nicht vorwiegend um finanzielle Unterstü t- zung, sondern um soziale Eingliederung. Der Beschwerdeführer war ein äusserst erfolgreicher (...) und verdiente gemäss eigenen Angaben gut. Die Beschwerdeführerin ist ausgebildete (...), weshalb ihr ein beruflicher Wiedereinstieg ebenso gelingen dürfte. 7.3.5 Unter dem medizinischen Aspekt ist festzuhalten, dass die geltend gemachte Hepatitis C -Infektion des Beschwerdeführers keine akute G e- fahr für seine Gesundheit darstellt, wie aus dem Arztzeugnis des (…) Kantonsspitals vom 9. Dezember 2013 hervorgeht (Beilage 14). Im Übr i- gen steht es dem Beschwerdeführer offen, beim BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe in Form von Mitgabe von Medikamenten zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 19 99 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]), um die Erstversorgung in Tschetschenien sicherstellen zu können, bis ein äquivalentes Medikament dort erhältlich gemacht werden kann (vgl. betr. medizinische Notlage: BVGE 2009/2 E. 9.3.2). E-7261/2013 Seite 14 7.3.6 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl ein G e- sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Li cht von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die Rec h- te des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. Dabei können namentlich fo l- gende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von B e- deutung sein: Alter des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensi- tät, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspe r- sonen (insbesondere Unter stützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten I n- tegration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne gu- ten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychol ogischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3 .2; BVGE 2009/51 E. 5.6 S. 749, je mit Verweis). Unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist in erster Linie auf das Kindeswohl des Sohnes C._______ (12 Jahre alt) und der Tochter D._______ (9 Jahre alt) einzugehen. Das Kleinkind E._______ (6 Jahre alt) orientiert sich aufgrund seines Alters noch stark an den Eltern als wichtigste Bezugspersonen . Es hat sich offensichtlich noch nicht in einer Weise in die schweizerischen Verhältnisse integriert, dass es bei einer Rückkehr nach Tschetschenien entwurzelt werden könnte. Die Einreise in die Schweiz fand am 7. April 2013 statt. Aufgrund der ku r- zen Aufenthaltsdauer in der Schweiz ist davon auszugehen, dass die Wegweisung in ihren Heimatstaat keine derartige Entwurzelung zur Folge hätte, dass eine R ückkehr dorthin dem Kindeswohl abträglich wäre. E-7261/2013 Seite 15 Selbst wenn eine Wiedereingliederung in Russland (Tschetschenien) mit gewissen Reintegrationsschwierigkeiten verbunden sein dürfte, ist davon auszugehen, dass ihnen nach kurzer Zeit eine Eingliederung ins dor tige Schulsystem und das gesamte Umfeld gelingen dürfte. 7.3.7 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl aufgrund der allgemeinen Situation in der Russi- schen Föderation (Tschetschenien) als auch in Anbetracht der persönl i- chen Umstände der Beschwerdeführenden als zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 7.4 Der Wegweisungsvollzug ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AuG als möglich zu bezeichnen, weil es den Beschwerdeführenden obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). Zudem verfügen sie über einen russischen Inlan d- reisepass. 8. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bu n- desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) den B e- schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), diese werden jedoch in Gutheissung des Gesuches um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG vorliegend erlassen, nachdem die Rechtsbegehren zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung nicht aussicht s- los im Sinne des Gesetzes waren und sich die prozessuale Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden aus den Akten (Bestätigung Sozialhilfebezug vom 3. Dezember 2013) ergibt. 9.2 Die Beschwerdeführend en beantragen, es sei ihnen ein unentgeltl i- cher Rechtsbeistand beizugeben. Wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, bestellt die Beschwerdeinstanz der Partei einen Anwalt (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Verbeistä n- dung für das Beschwerdeverfahren notwendig wäre, da der vorliegende Fall keiner spezifischen juristischen Kenntnisse bedarf . Weiter handelt es E-7261/2013 Seite 16 sich beim Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden nicht um einen p a- tentierten Rechtsanwalt im Sinne von Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (BGFA, SR 935.61) , wie es Art. 65 Abs. 2 VwVG voraussetzt (vgl. KAY- SER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 36 zu Art. 65 mit weiteren Hinweisen). Der Antrag auf unentgeltliche Verbeiständung ist somit abzuweisen. (Dispositiv nächste Seite) E-7261/2013 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung wird abgewiesen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Willisegger Alain Degoumois Versand: