<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp334832"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>135 V 333<br/><br/><br/><div class="paraatf">42. Auszug aus dem Urteil der I. sozialrechtlichen Abteilung i.S. Helsana Versicherungen AG gegen Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) und K. (Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)</div> <div class="paraatf">8C_215/2009 vom 5. August 2009</div> <a name="idp336464"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf"><span class="artref">Art. 77 Abs. 3 lit. b UVG</span> in Verbindung mit <span class="artref"><artref id="CH/832.202/100/2" type="start"></artref><artref id="CH/832.202/100/1" type="start"></artref>Art. 100 Abs. 1 und 2 UVV</span><artref id="CH/832.202/100/2" type="end"></artref><artref id="CH/832.202/2" type="end"></artref>; leistungspflichtiger Unfallversicherer bei Rückfall und erneutem Unfall. <div class="paratf">Bestimmung des leistungspflichtigen von mehreren Unfallversicherern bei Rückfall und darauf folgendem erneutem Unfall. Analoge Anwendung von <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> (E. 4). </div> <div class="paratf"><span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> stellt entgegen <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2009&amp;to_year=2009&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-65%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page65">BGE 120 V 65</a> E. 3c S. 73 keine lex specialis zu <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> dar (Änderung der Rechtsprechung; E. 4.4). </div> </div> </div> <a name="idp351696"></a> <a name="idp367248"></a> <br/><div> <a name="idp382608"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 333</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page333"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 333 S. 333</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp384272"></a><span class="bold">A. </span>Der 1954 geborene K. verletzte sich am 2. Dezember 1998 bei einem Unfall an der rechten Schulter. Die Helsana Versicherungen AG (nachfolgend: Helsana), bei der er über seinen Arbeitgeber <a name="page334"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 333 S. 334</div>obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert war, erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung; Taggeld). Am 1. April 2002 trat K. eine andere Arbeitsstelle an. Über den neuen Arbeitgeber war er bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert. Ab 12. August 2002 war K. wegen Schmerzen an der rechten Schulter wiederum vollständig arbeitsunfähig. Die Helsana, welcher dies am 2. September 2002 als Rückfall zum Unfall vom 2. Dezember 1998 gemeldet wurde, gewährte erneut Heilbehandlung und richtete Taggeld aus. Während des Bezugs dieser Leistungen erlitt K. am 22. Oktober 2002 einen weiteren Unfall. Er zog sich dabei schwere Verletzungen zu, welche u.a. zu einer Paraplegie führten und eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit bewirkten. Die SUVA, welcher dies am 5. November 2002 gemeldet wurde, verneinte ihre Leistungspflicht mit Schreiben an die Helsana vom 23. Dezember 2002. Zuständig sei gemäss <span class="artref">Art. 77 UVG</span> (SR 832.20) in Verbindung mit <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> (SR 832.202) die Helsana. Mit Schreiben an die SUVA vom 24. März 2003 bejahte die Helsana in Bezug auf die Schmerzen an der rechten Schulter einen Rückfall zum Unfall vom 2. Dezember 1998. Sie erklärte sich für den Rückfall und für den Unfall vom 22. Oktober 2002 als leistungspflichtig, da im Zeitpunkt des zweiten Unfalles noch eine volle Arbeitsunfähigkeit wegen des Rückfalls bestanden habe. Darauf kam die Helsana mit Schreiben vom 25. Juli 2006 zurück. Sie vertrat nunmehr die Auffassung, die SUVA habe aufgrund von <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> die Leistungen für den Rückfall und für den Unfall vom 22. Oktober 2002 zu erbringen. Dementsprechend habe ihr die SUVA die für den Unfall vom 22. Oktober 2002 erbrachten Leistungen zurückzuvergüten. Nachdem sich die SUVA damit nicht einverstanden erklärt hatte, gelangte die Helsana an das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Dieses stellte mit Verfügung vom 10. August 2007 fest, die SUVA sei in Analogie zu <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> für den Rückfall (mit Arbeitsunfähigkeit seit 12. August 2002) und für den Unfall vom 22. Oktober 2002 gegenüber K. leistungspflichtig, könne jedoch ihre Aufwendungen für den Rückfall von der Helsana zurückfordern.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp397056"></a><span class="bold">B. </span>Die SUVA erhob hiegegen Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht hiess diese gut, hob die Verfügung des BAG vom 10. August 2007 auf und stellte fest, die Helsana sei für den Rückfall (mit Arbeitsunfähigkeit seit 12. August 2002) und den Unfall vom 22. Oktober 2002 leistungspflichtig und könne dafür keinen Rückgriff auf die SUVA nehmen (Entscheid vom 27. Januar 2009). <a name="page335"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 333 S. 335</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp399632"></a><span class="bold">C. </span>Die Helsana beantragt mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten, der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts sei aufzuheben und die streitige Leistungspflicht sei gemäss Verfügung des BAG vom 10. August 2007 zu regeln.</div> <div class="paraatf">Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde. K. und das BAG verzichten auf eine Vernehmlassung.</div> <div class="paraatf">Die Beschwerde wird gutgeheissen.</div> <br/><div> <a name="idp406032"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp406992"></a><span class="bold" id="consideration_4.">4. </span>Die Vorinstanz ist zum Ergebnis gelangt, gemäss <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> sei die Helsana leistungspflichtig. Diese macht geltend, es sei in analoger Anwendung von <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> die SUVA als leistungspflichtig zu erklären.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp411568"></a><span class="bold" id="consideration_4.1">4.1 </span>Gemäss <span class="artref">Art. 77 UVG</span> erbringt derjenige Versicherer die Leistungen, bei dem die Versicherung zur Zeit des Unfalls bestanden hat (Abs. 1 erster Satz; der zweite Satz betrifft die hier nicht interessierende Leistungspflicht bei Berufskrankheiten). Bei Nichtberufsunfällen erbringt derjenige Versicherer die Leistungen, bei dem der Verunfallte zuletzt auch gegen Berufsunfälle versichert war (Abs. 2). Der Bundesrat ordnet die Leistungspflicht und das Zusammenwirken der Versicherer u.a. bei einem erneuten Unfall (Abs. 3 Ingress und lit. b am Anfang). Dazu hat er <span class="artref">Art. 100 UVV</span> erlassen, dessen vorliegend bedeutsame Abs. 1 und 2 wie folgt lauten:</div> <div class="paraatf citation"> <sup>1</sup> Wenn der Versicherte erneut verunfallt, während er wegen eines versicherten Unfalles noch behandlungsbedürftig, arbeitsunfähig und versichert ist, so muss der bisher leistungspflichtige Versicherer auch die Leistungen für den neuen Unfall erbringen.</div> <div class="paraatf citation"> <sup>2</sup> Verunfallt der Versicherte während der Heilungsdauer eines oder mehrerer Unfälle, aber nach der Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit, erneut und löst der neue Unfall Anspruch auf Taggeld aus, so erbringt der für den neuen Unfall leistungspflichtige Versicherer auch die Leistungen für die früheren Unfälle. Die anderen beteiligten Versicherer vergüten ihm diese Leistungen, ohne Teuerungszulagen, nach Massgabe der Verursachung; damit ist ihre Leistungspflicht abgegolten. Die beteiligten Versicherer können untereinander von dieser Regelung abweichende Vereinbarungen treffen, namentlich wenn der neue Unfall wesentlich geringere Folgen hat als der frühere.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp421056"></a><span class="bold" id="consideration_4.2">4.2 </span>Die Vorinstanz ging davon aus, der vorliegende Sachverhalt könne aufgrund des Verordnungswortlauts sowohl unter <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> ("... erneut verunfallt, während er wegen eines<a name="page336"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 333 S. 336</div> versicherten Unfalles noch behandlungsbedürftig, arbeitsunfähig und versichert ist, ...") wie auch unter <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> ("... verunfallt ... während der Heilungsdauer eines oder mehrerer Unfälle, aber nach der Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit ...") subsumiert werden. Entscheidend in der vorinstanzlichen Argumentation ist die Qualifikation des Rückfalls. Ein Rückfall sei nicht anders zu behandeln als der Unfall, auf den er zurückzuführen sei. Entsprechend sei <span class="artref">Art. 100 UVV</span> mittels <span class="artref">Art. 11 UVV</span> auch auf Rückfälle anwendbar. <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> ziele daher zwar primär auf die Situation, in der ein Versicherter, nachdem er einen Unfall mit Arbeitsunfähigkeitsfolge erlitten habe, erneut verunfalle, bevor er eine neue Stelle bei einem andern Arbeitgeber angetreten habe. Darüber hinaus sei <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> aber auch in jener Situation anwendbar, in der der Versicherungsschutz beim neuen Versicherer durch den Antritt der neuen Arbeitstätigkeit bereits einmal wirksam geworden sei, der frühere Arbeitgeber aber wegen des Rückfalls wieder "involviert wurde". Der Rückfall mit Arbeitsunfähigkeit sei dann das relevante Unfallereignis, welches das ursprüngliche Unfallereignis verdränge. Vorliegend sei der Versicherte aufgrund des Rückfalls vollständig arbeitsunfähig gewesen und habe im Zeitpunkt des zweiten Unfalls nicht wieder eine versicherte Tätigkeit aufgenommen. <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> sei daher bereits aufgrund des Wortlauts nicht erfüllt. Die Helsana als für den Rückfall leistungspflichtiger Versicherer müsse gemäss <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> auch für den zweiten Unfall einstehen.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp438816"></a><span class="bold" id="consideration_4.3">4.3 </span>Dieser Argumentation ist nicht zu folgen. Die <span class="artref">Art. 75 ff. UVG</span> und 97 ff. UVV regeln Sachverhalte, die sich aus der mehrfachen Trägerschaft der Unfallversicherung <i>als Folge unterschiedlicher Arbeitsverhältnisse</i> ergeben. Diese können zeitlich parallel (etwa bei mehreren Teilzeitarbeitsverhältnissen) oder zeitlich hintereinander liegen. Bei <span class="artref">Art. 77 UVG</span> geht es einzig um die in solchen Fällen erforderliche <i>zeitliche</i> Abgrenzung der Arbeitsverhältnisse in Bezug auf die Zuständigkeit der Unfallversicherer. Das ergibt sich unmissverständlich aus der Grundnorm des Abs. 1 erster Satz dieser Bestimmung. Danach erbringt bei Berufsunfällen derjenige Versicherer die Leistungen, bei dem die Versicherung <i>zur Zeit</i> des Unfalles bestanden hat. An diese Regelung knüpft <span class="artref">Art. 77 Abs. 2 UVG</span> für die Nichtberufsunfälle an. <span class="artref">Art. 77 Abs. 3 UVG</span> enthält die Delegationsnorm für verschiedene Spezialfälle des zeitlichen Neben- oder Hintereinanders von Arbeitsverhältnissen. Im Hinblick darauf ist <span class="artref">Art. 100 UVV</span> auszulegen. <a name="page337"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 333 S. 337</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp451808"></a><span class="bold" id="consideration_4.4">4.4 </span><span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> normiert in diesem Sinn die Nachwirkungen des bisherigen Arbeitsverhältnisses <i>vor der Aufnahme einer</i> <i>neuen versicherten Tätigkeit.</i> Das ergibt sich zunächst unmissverständlich aus den Worten " <i>während</i> er wegen eines versicherten Unfalles <i>noch</i> behandlungsbedürftig, arbeitsunfähig und versichert ist, ... der <i>bisher</i> leistungspflichtige Versicherer ..." (" <i>pendant</i> qu'il est en traitement pour un accident couvert par l'assurance et qu'il est incapable de travailler, mais <i>encore</i> assuré, ... l'assureur tenu de lui verser les prestations <i>jusqu'alors</i> ", " <i>durante</i> la cura per un infortunio coperto dall'assicurazione, è incapace di lavorare e <i>ancora</i> assicurato, ... l'assicuratore tenuto <i>sino allora</i> alle prestazioni" in der französischen resp. italienischen Textfassung der Bestimmung). Dem Wortlaut nach bezieht sich der Passus "wegen eines versicherten Unfalls" also nicht nur auf "noch behandlungsbedürftig und arbeitsunfähig", sondern auf alle drei Adjektive "noch behandlungsbedürftig, arbeitsunfähig <i>und versichert</i> ". Besonders deutlich folgt dies aus der französischen und italienischen Fassung, wo das Wort "noch" ("encore", "ancora") unmittelbar vor dem Adjektiv "versichert" ("assuré", "assicurato") steht. Entscheidend für die Abgrenzung zu <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> ist sodann dessen Formulierung "aber nach der Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit", insbesondere die Worte " <i>aber nach</i> " (" <i>mais après</i> ", " <i>ma dopo</i> ").</div> <div class="paraatf">Entsprechend regeln Abs. 1 und 2 zwei zeitlich unterschiedliche Anwendungsbereiche und steht daher entgegen dem in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2009&amp;to_year=2009&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-65%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page65">BGE 120 V 65</a> E. 5c S. 73 Dargelegten der Abs. 2 nicht im Verhältnis einer lex specialis zum Abs. 1. Jener Entscheid betraf im Übrigen nicht wie der vorliegende die zeitliche Abgrenzung zwischen einer vorangehenden und einer nachfolgenden vollversicherten Tätigkeit. Vielmehr hatte der dortige Beschwerdeführer vor Eintritt des streitgegenständlichen Nichtberufsunfalls lediglich eine Teilzeitarbeit in geringem Umfang aufgenommen, welche jedenfalls hinsichtlich der Nichtberufsunfälle keinen Versicherungsschutz begründen konnte (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2009&amp;to_year=2009&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-65%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page65">BGE 120 V 65</a> E. 3b S. 69 f.). Damit gehörte er zur Kategorie der Teilversicherten (ALFRED MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 117; MAURER/SCARTAZZINI/HÜRZELER, Bundessozialversicherungsrecht, 3. Aufl. 2009, § 10 Rz. 30). Bezüglich des eingetretenen Risikos Nichtberufsunfall beinhaltete die neu aufgenommene Teilzeitbeschäftigung somit keine "Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit" im Sinn des <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span>, welche es von einer früheren versicherten Tätigkeit abzugrenzen galt. <a name="page338"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 333 S. 338</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp473392"></a><span class="bold" id="consideration_4.5">4.5 </span>Im Rahmen der dargelegten zeitlichen Abgrenzung regeln <span class="artref"><artref id="CH/832.202/100/2" type="start"></artref><artref id="CH/832.202/100/1" type="start"></artref>Art. 100 Abs. 1 und 2 UVV</span><artref id="CH/832.202/100/2" type="end"></artref><artref id="CH/832.202/2" type="end"></artref> die Leistungspflicht bei einem "erneuten Unfall". Vorausgesetzt ist somit ein Unfall<i>ereignis</i>. Der Rückfall ist kein erneuter Unfall. Er schliesst zwar Leistungspflichten an ein früheres Unfallereignis an, ist aber nicht selber ein solches (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=9&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2009&amp;to_year=2009&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-V-293%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page293">BGE 118 V 293</a> E. 2c S. 296). Soweit <span class="artref">Art. 77 Abs. 3 lit. b UVG</span> von einem erneuten Unfall spricht, kann daher nicht ein Rückfall gemeint sein (vgl. auch SVR 2003 UV Nr. 14 S. 42, U 86/02 E. 3). Nicht zu folgen ist daher insbesondere der Argumentation der Vorinstanz, bei der vorliegenden Konstellation gelte der Rückfall mit Arbeitsunfähigkeit als zeitlich erstes (hier relevantes) Unfallereignis; darüber hinaus bleibe das ursprüngliche Unfallereignis vom 2. Dezember 1998 ohne Bedeutung. Weil die Vorinstanz den Rückfall als erstes Unfallereignis qualifiziert, kommt sie dann auch zum (falschen) Schluss, nach dem Rückfall und bis zum zweiten Unfall vom 22. Oktober 2002 habe der Versicherte nicht im Sinn von <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> eine versicherte Tätigkeit wieder aufgenommen, sodass die Anwendung dieser Bestimmung ausscheide.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp485888"></a><span class="bold" id="consideration_4.6">4.6 </span>Mit der Delegationsnorm von <span class="artref">Art. 77 Abs. 3 UVG</span> wollte der Gesetzgeber, die "Leistungspflicht und das Zusammenwirken der Versicherungsträger bei ... Tatbeständen, die zu einer Kumulation oder zum Verlust von Leistungsansprüchen führen könnten" regeln (Botschaft vom 18. August 1976 zum UVG, BBl 1976 III 213). Auch die hier gegebene Konstellation würde zu einer solchen Kumulation führen, denn theoretisch hätte sowohl der erste Unfall (Rückfall) als auch der zweite Unfall je für sich zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit geführt und damit Taggeldansprüche ausgelöst. Es ist daher anzunehmen, dass der Verordnungsgeber auch für die vorliegende Konstellation eine Koordinationsregel getroffen hätte, hätte er sie bedacht. Mit dem BAG ist davon auszugehen, dass einzig eine analoge Anwendung von <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> zu einer Lösung führt, welche den Absichten des Gesetzgebers entspricht. Die SUVA ist demnach für die Folgen des zweiten wie auch des ersten Unfalls (Rückfall) leistungspflichtig. Dies, obwohl der zweite Unfall im konkreten Fall keinen Anspruch auf Taggeld auslöste, da der Versicherte bereits aufgrund des Rückfalls arbeitsunfähig war und Taggeld bezog. <span class="artref">Art. 100 Abs. 2 UVV</span> ist daher nur analog anwendbar, weil - hätte der Taggeldanspruch nicht bereits wegen des Rückfalls bestanden - der zweite Unfall auf jeden Fall im Sinn der Norm einen Anspruch auf Taggeld ausgelöst hätte. Die SUVA hat <a name="page339"></a><div class="center pagebreak">BGE 135 V 333 S. 339</div>aber gegenüber der Helsana einen Anspruch auf Rückvergütung nach Massgabe der durch den ersten Unfall beziehungsweise Rückfall verursachten Leistungen (Art. 100 Abs. 2 zweiter Satz UVV). Damit ist der Grundregel des Art. 77 Abs. 1 erster Satz UVG entsprochen, soweit es die Koordination zulässt. Würde demgegenüber entsprechend der Vorinstanz <span class="artref">Art. 100 Abs. 1 UVV</span> analog angewendet, müsste die Helsana auch die Leistungen für den Zweitunfall vollumfänglich tragen, ohne Rückvergütungsanspruch gegenüber der SUVA. Das steht in klarem Gegensatz zur Grundregel des <span class="artref">Art. 77 Abs. 1 UVG</span>.</div> </div></body></html>