B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1782/2018 U r t e i l v o m 1 8 . S e p t e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Michelle Nathalie Nef. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Roman Schuler, Rechtsanwalt (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 21. Februar 2018 / N (…). E-1782/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste am 2. Mai 2016 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 10. Mai 2016 fand die Personalienauf- nahme (PA) statt. Die Anhörungen zu den Asylgründen führte die Vor - instanz am 30. Mai 2016 sowie 23. Januar 2018 durch. Der Beschwerde- führer machte im Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer Staatsange- höriger, tamilischer Ethnie und stamme aus B._______, C._______, Vanni- Gebiet. Seine Eltern und seine Schwester würden dort leben. Zudem habe er mehrere Onkel und Tanten in Sri Lanka. Er habe im Jahr (…) die zehnte Klasse abgeschlossen. Ab dem Jahr 2013 habe er für eine (…) in D._______ gearbeitet. Sein Vater besitze einen (…), vier Hektar (…) sowie ein Feld, auf dem Landwirtschaft betrieben werde. Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, sein Bruder sei seit (…) bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen und habe unter dem Decknamen «E._______» eine hohe Position innegehabt. Seit (…) sei er verschwunden. Er selbst sei im (…) von den LTTE zwangs- rekrutiert sowie einem Waffentraining unterzogen worden und bis (…) für sie tätig gewesen. Er habe (…) und in einem Geschäft (…) verteilt. Wäh- rend des Krieges sei er durch eine Bombe am (…) verletzt worden. Bei Kriegsende sei er von der sri -lankischen Armee ins Flüchtlingslager F._______ gebracht worden. Nach einem Jahr habe er in sein Heimatdorf zurückkehren dürfen. Im Jahr 2013 habe er Prob leme mit dem Criminal Investigation Department bekommen (CID). Eine Person namens G._______, der in der gleichen Abteilung der LTTE wie er gewesen sei , habe nach seiner Haftentlassung ihm nicht bekannte ehemalige LTTE-An- gehörige, die keine Rehabilitation d urchlaufen hätten, dem CID verraten. Wegen einer privaten Auseinandersetzung habe G._______ auch ihn dem CID gemeldet. Das CID habe ihn im (…), im (…) sowie im (…) vorgeladen und jeweils zwischen (…) bis (…) Stunden befragt. Sie hätten ihm Fragen zum Aufenthaltsort des Bruders, der ihm sehr ähnle, zur nicht erfolgten Re- habilitation sowie zu den Orten, an denen (…) vergraben wurden, gestellt. Nach der dritten Befragung habe er die Ausreise organisiert und sei am (…) 2015 mit seinem eigenen Reisepass ausgerei st. Nachdem er Sri Lanka verlassen habe, hätten sich Beamte des CID im Jahr 2016 zweimal nach ihm erkundigt. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer im Rahmen des erstin- stanzlichen Verfahrens eine temporäre Identitätskarte im Original , den E-1782/2018 Seite 3 Führerausweis im Original, die Geburtsurkunde in Kopie, einen Abschluss- bericht vom 6. November 2017 sowie einen ärztlichen Bericht vom 6. Feb- ruar 2018 der H._______, verschiedene Fotos und einen Arztbericht des I._______ aus dem Jahr 2006 betreffend die Schwester in Kopie ein. B. Mit Verfügung vom 21. Februar 2018 stellte die Vorinstanz fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Mit Eingabe vom 23. März 2018 reichte der Beschwerdeführer gegen die- sen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er bean- tragt, die Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben. Es sei die Flüchtli ngseigenschaft festzustellen. Es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Es sei die unentgelt- liche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses zu verzichten. Es sei ihm in der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Als Beweismittel lagen der Beschwerde folgende Dokumente bei: ein Arzt- bericht der H._______ vom 6. Februar 2018, Fotos von Narben des Be- schwerdeführers sowie eine Kopie des F-Ausweises und ein Bestätigungs- schreiben auf Tamilisch von J._______. D. Mit Eingabe vom 4. April 2018 liess der Beschwerdeführer dem Gericht eine Übersetzung des Schreibens von J._______ zukommen. E. Mit Zwischenverfügung vom 6. April 2018 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ver- zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, hiess das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und setzte den rubrizierten Rechtsver- treter als amtlichen Rechtsbeistand des Beschwerdeführers ein. Gleichzei- tig lud sie die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. F. Die Vorinstanz schloss in der Vernehmlassung vom 13. April 2018 auf Ab- weisung der Beschwerde. Das Gericht liess dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung am 18. April 2018 zur Kenntnisnahme zukommen. E-1782/2018 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah- ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich- nung verwenden wird. 2. 2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 2.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi timiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. E-1782/2018 Seite 5 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft - machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2). 5. 5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch jenen an die Flücht- lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. 5.1.1 Betreffend die Glaubhaftigkeit führt die Vori nstanz aus, der Be- schwerdeführer habe sich unterschiedlich zur Anzahl Befragungen durch das CID sowie zur Zeitspanne zwischen dem letzten Verhör und der Aus- reise geäussert. Zudem habe er verschiedene Angaben dazu gemacht, wann er nach Erhalt der Vorladung beim CID erschienen sei. Weiter habe E-1782/2018 Seite 6 er anlässlich der ersten Anhörung ausgeführt, (…) habe ihn zur letzten Be- fragung beim CID begleitet, wohingegen er bei der ergänzenden Anhörung gesagt habe, (…) sei bei der zweiten Befragung dabei gewesen. Im Weite- ren habe er nicht plausibel darlegen können, weshalb es für ihn ein Prob- lem gewesen sei, seinem Bruder geähnelt zu haben. Auf mehrfache Nach- frage hin habe er auch nicht erklären können, woher er vom Verrat von G._______ gewusst habe beziehungsweise was dieser über ihn gesagt habe. Die Vorbringen im Zusammenhang mit dem Verrat durch G._______ seien nicht nachvollziehbar. Unplausibel sei ferner, dass er bis 2013 von den Behörden unbehelligt geblieben sei, obwohl seine LTTE-Vergangen- heit und diejenige seines Bruders bekannt gewesen seien. Nicht erklärlich sei auch, weshalb die Behörden ihn eineinhalb Jahre nach dem ersten Ver- hör wieder vorgeladen hätten. Es sei unrealistisch, dass die Behörden den Beschwerdeführer dreimal auf die gleiche Art befragt hätten, ohne z u ei- nem Ergebnis gekommen zu sein , und nie zu Massnahmen gegriffen oder ihr Verhalten geändert hätten. Schliesslich seien die Vorbringen des Beschwerdeführers unsubstantiiert ausgefallen. Er habe keine konkreten Angaben betreffend G._______ machen können. Es sei zu erwarten, dass jemand, der von einem LTTE-Kollegen verraten worden sei, mehr über die Umstände berichten könne. Er habe nicht genau darlegen können, ob die Behörden von seinen Tätigkeiten für die LTTE und jenen des Bruders ge- wusst hätten beziehungsweise sich diesbezüglich in Ungereimtheiten ver- wickelt. Die Schilderungen zu den Verhören seien stereotyp ausgefallen und er habe die Beteiligten nicht differenziert beschreiben können. 5.1.2 Zu Art. 3 AsylG hält die Vorinstanz fest, es sei zu prüfen, ob der Be- schwerdeführer trotz der unglaubhaften Vorbringen begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG habe. Diese Prüfung sei gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung an- hand von Risikofaktoren vorzunehmen. Die tam ilische Ethnie sowie die Herkunft aus dem Vanni-Gebiet führten für sich allein nicht zu asylrelevan- ter Verfolgung. Das Gleiche gelte für die Tätigkeit des Beschwerdeführers sowie jene des Bruders für die LTTE. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft machen können, wegen dieser Vorbringen Probleme mit den Be- hörden gehabt zu haben. Aus den eingereichten Fotos gehe lediglich her- vor, dass er bei den LTTE gewesen sei. Das Foto des Bruders zeige diesen in ziviler Kleidung. Das Vorbringen, ursprünglich habe es sich um ein Foto des Bruders mit K._______ gehandelt, dieser sei aus Sicherheitsgründen aber weggeschnitten worden, erwecke Zweifel daran, dass dieser im Um- feld von K._______ gewesen sei. Aus dem Arztbericht der Schwester gin- gen keine Hinweise auf Verfolgung hervor. E-1782/2018 Seite 7 Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdo- kumente verfügten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befragung und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine asylrelevanten Verfolgungsmass- nahmen dar. Regelmässig würden Rückkehrer auch am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfassu ng der Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivitäten der Person befragt. Auch diese Kontrollmassnahmen näh- men grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass an. Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor der Ausreise asylrelevanten Verfol- gungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein oder solche befürchten zu müssen. Vielmehr sei er bis im (…) 2015 in Sri Lanka wohnhaft gewe- sen, mithin seit Kriegsende noch sechs Jahre. Allfällige, im Ze itpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich k ein Verfolgungsinte- resse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Aufgrund der Akten sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Es bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, der Beschwerdeführer sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen aus- gesetzt. 5.2 Der Beschwerdeführer macht in der Rechtsmitteleingabe geltend, die Vorinstanz habe zu Unrecht seine Vorbringen als unglaubhaft beurteilt und das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft verneint, mithin Art. 7 AsylG so- wie Art. 3 AsylG verletzt . Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sei insbesondere sein schlechter Gesundheitszustand, nament- lich die (…), die (…) sowie die (…), zu berücksichtigen. Entgegen der vo- rinstanzlichen Ansicht habe er sich weder in relevanter Weise widersprüch- lich geäussert noch seien seine Ausführungen unlogisch sowie stereotyp gewesen. Zudem erfülle er aufgrund der LTTE-Vergangenheit von ihm und seinem Bruder, den Narben sowie der Rückkehr aus dem Ausland mehrere der im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 aufgeführten Risikofaktoren. Die sri -lankischen Behörden würden ihm mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Interesse am Wie- deraufflammen des tamilischen Separatismus zuschreiben. Aufgrund des ausgerufenen Notstandes sei davon auszugehen, dass die Regierung jeg- lichem Verdacht einer t erroristischen Mitgliedschaft rigide nachgehen werde. E-1782/2018 Seite 8 5.3 In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, das vorgebrachte psy- chische Trauma wirke sich nicht dahingehend aus, als die Aussagen der asylsuchenden Person widersprüchlich, unsubstantiiert und nicht nachvoll- ziehbar würden. Zudem würden die Schilderungen des Beschwerdeführers zu den Erlebnissen bei den LTTE sowie weiteren für die Flüchtlingseigen- schaft nicht relevanten Punkten zeigen, dass er selbst Erlebtes durchaus glaubhaft darlegen könne. Die Unge reimtheiten bezüglich der Verfolgung seien nicht auf psychische Probleme zurückzuführen. Es gelinge ihm nicht, die Widersprüche aufzulösen und die unlogischen sowie unsubstantiierten Aussagen plausibel zu erklären. Was das eingereichte Bestätigungsschrei- ben betreffend den Bruder angehe, so werde nicht grundsätzlich bestritten, dass sich dieser im Umfeld von K._______ bewegt habe. Diese Tatsache alleine begründe die Flüchtlingseigenschaft aber nicht. Der Beschwerde- führer habe nicht glaubhaft machen können, wegen seines Bruders Verfol- gung ausgesetzt gewesen zu sein. Auch die Narben änderten nichts an dieser Einschätzung. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist bei der Beurteilung der Asylgründe nicht an die Begründung der Vorinstanz gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus anderen Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsubstitution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, N. 16 zu Ar t. 62 VwVG; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 398, Rz. 1136). 6.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu- chende Person dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba- rer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und auf- grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab- sehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – aus heutiger Sicht – mit eben- solcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müs- sen somit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vor- handen sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor E-1782/2018 Seite 9 Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden (BVGE 2010/57 E. 2.5). 6.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei während des Krieges für d ie LTTE tätig gewesen. Nach dem Krieg sei er in einem Flüchtlingslager ge- wesen und habe im Jahr 2010 ohne Rehabilitation nach Hause gehen dür- fen. G._______, ein ehemaliges Mitglied der LTTE, welcher mit ihm zusam- men in der (…)abteilung gewesen sei, habe angefangen, Personen mit LTTE-Vergangenheit und ohne Rehabilitation beim CID anzuzeigen, so auch ihn. Im (…), im (…) sowie im (…) sei er für jeweils ein paar Stunden vom CID befragt worden (vgl. SEM -Akte A20/32 F99, F102f., F200, F207 und A32/22 F82, F120, F149, F165). Dabei seien ihm Fragen zur nicht er- folgten Rehabilitation, zu vergrabenen (…) und zum Aufenthaltsort seines verschollenen Bruders gestellt worden (vgl. SEM-Akte A20/32 F101 und A32/22 F13). Vor (…) habe er keine Probleme gehabt (vgl. SEM -Akte A32/22 F74). Den Behörden sei aber bereits vor 2013 bekannt gewesen, dass er und sein Bruder für die LTTE tätig gewesen seien (vgl. a.a.O. F80). Es ist nicht auszuschliessen, dass diese Vorbringen des Beschwerdefüh- rers den tatsächlichen Erlebnissen entsp rechen. In Anbetracht der nach- stehenden Ausführungen erübrigt es sich aber, diesbezüglich eine ab- schliessende Glaubhaftigkeitsprüfung vorzunehmen, weshalb auf die ent- sprechenden Darlegungen in der Beschwerde nicht weiter einzugehen ist. 6.4 Dem Beschwerdeführer sind im Zusammenhang mit den drei Befra- gungen durch das CID keine konkreten ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG widerfahren. Wie er selbst angegeben hat, wurde er jeweils nach spätestens vier Stunden ohne Auflagen wieder en tlassen. Die drei Verhöre fanden zudem in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren statt, mithin ist nicht von intensiven Verfolgungshandlungen seitens der Behör- den auszugehen. Die sri-lankischen Behörden hätten hinreichend Gele- genheit gehabt, ihn wegen seiner LTTE-Vergangenheit festzunehmen und einer Rehabilitation zuzuführen. Vor diesem Hintergrund ist vielmehr anzu- nehmen, dass der Beschwerdeführer von den sri -lankischen Behörden nicht als verdächtig beziehungsweise noch in Verbindung zu den LTTE ste- hende Person eingestuft wurde , zumal die LTTE -Vergangenheit des Be- schwerdeführers bekannt war. Es bestehen keine hinreichenden Anhalts- punkte für eine konkrete Bedrohung . Die drei Befragungen weisen dem- nach kein asylrelevantes Ausmass auf. 6.5 E-1782/2018 Seite 10 6.5.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer unter anderem wegen seiner ehemaligen Zugehörigkeit zu den LTTE sowie jener seines Bruders bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile drohen würden. Das Bundesverwaltungsgericht hält im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die „Stop-List“, Ver- bindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risiko- begründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün- deten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentli- cher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die Interna- tionale Organisation für Migration begleitete Rückführung sowie gu t sicht- bare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies be- deute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ih- rer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Um- stände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu er- wägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich re- levante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O. E. 8.5.5). 6.5.2 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer bei der Rückkehr nach Sri Lanka bei der Wiedereinreise einer Befragung und Überprüfung durch die Grenzbehörden unterzogen wird. Ein solches Vorgehen kann aber nicht als asylrelevante Verfolgung gewertet werden, und für ein darüberhinausgehendes Verfolgungsinteresse der sri -lanki- schen Behörden sind keine massgeblichen Hinweise ersichtlich. Der Be- schwerdeführer erfüllt aufgrund seiner vergangenen Verbindungen zu den LTTE sowie jenen des Bruders zwar einen stark risikobegründenden Faktor im Sinne des vorgenannten Referenzurteils. Diese Tatsache für sich lässt aber noch nicht den Schluss zu, dass er zu jener Gruppe zu zählen ist, die bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wie vorstehend dargelegt, hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, im Zeitpunkt der Ausreise flüchtlingsrechtlich relevant gefähr det gewesen zu sein. Der Beschwerdeführer lebte nach dem Kriegsende im Jahr 2009 so- wie nach der Entlassung aus dem Flüchtlingslager im Jahr 2010 bis zur Ausreise am (…) 2015 noch sechs beziehungsweise fünf Jahre in Sri Lanka, mithin hätten die sri-lankischen Behörden bei einem allfälligen Ver- folgungsinteresse ausreichend Zeit gehabt, um seiner habhaft zu werden. E-1782/2018 Seite 11 Aus seinen Ausführungen geht auch nicht hervor, dass er selbst in nam- hafter Weise für die LTTE tätig war. Würden die sri -lankischen Behörden dem Be schwerdeführer tatsächlich ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus unterstellen, hätten sie ihn nicht jeweils ohne Auflagen nach den drei Befragungen gehen lassen. Dieser Umstand zeigt vielmehr auf, dass die Behörden den Beschwerdefü hrer nicht ernst- haft verdächtigten, in massgeblicher Weise für die LTTE aktiv gewesen zu sein oder Kontakt zu Kaderleuten der Organisation gehabt zu haben. Dar- über hinaus war den sri-lankischen Behörden die LTTE-Vergangenheit von ihm und seinem Bruder bere its seit Langem bekannt. So gab der Be- schwerdeführer an, die Behörden hätten bereits vor der ersten Befragung im Jahr (…) davon gewusst (vgl. SEM -Akte A32/22 F80). Der Beschwer- deführer hat auch nicht geltend gemacht, wegen seines verschollenen Bru- ders konkrete Probleme mit den sri -lankischen Behörden bekommen zu haben. Der Umstand, dass er in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren dreimal zum Aufenthaltsort des ihm ähnelnden Bruders befragt wurde, be- gründet – wie bereits vorstehend festgestellt – keine flüchtlingsrechtlich re- levante Gefährdung. Das Schreiben von K._______ ändert nichts an dieser Einschätzung. Dieser bestätigt lediglich die LTTE-Vergangenheit des Bru- ders des Beschwerdeführers. Es besteht vor diesem Hintergrund kein Grund zur Annahme, dass der B eschwerdeführer auf der „Watch“- oder der „Stop“-Liste eingetragen ist. Er ist auch nicht exilpolitisch aktiv (vgl. SEM-Akte A32/22 F192). Was die in der Beschwerde erwähnten Nar- ben an (…), an der (…), am (…) sowie am (…) betrifft, handelt es sich dabei lediglich um einen schwachen Risikofaktor . Damit teilt das Gericht im Er- gebnis die Auffassung der Vorinstanz, dass auch unter Berücksichtigung der aufgeführten Risikofaktoren kein Grund zur Annahme einer begründe- ten Furcht des Beschwerdeführers vor Verfolgung besteht. Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen, dass dem Be- schwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernst- hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Erfüllung von Risikofaktoren nicht per se ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zur Folge haben (vgl. a.a.O. E. 8.5.1 Satz 1). 6.5.3 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wo bei namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa am 16. No- vember 2019 zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind (vgl. Neue E-1782/2018 Seite 12 Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; The Guardian, Gotabaya Rajapaksa elected president of Sri Lanka, 17.11.2019, https://www.theguardian.com/world/2019/nov/1 7/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 10.06.2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Akti- visten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschen- rechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er be- streitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Re- port 2020 – Sri Lanka, 14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regie- rungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institu- tionen (vgl. ANI, Sri Lanka: 35 including President 's brother Chamal Rajapksa sworn in as ministers of state, 27.11.2019, https://www.ani- news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha- mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen am 10.06.2020). Beobachter und ethnische/religiöse Minderheiten be- fürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Jo urnalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa- ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 03.03.2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human Rights Watch, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Es gibt aber zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ga nze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei- ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im E-1782/2018 Seite 13 Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso- nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vor dem Hintergrund vorstehender Erwägungen nicht ersichtlich. Im Zusammenhang mit der Entführung der Botschaftsmitarbeiterin sind gemäss Auskunft der Schweizerischen Bot- schaft keine Informationen an die sri-lankischen Behörden gelangt, so dass keine Anhaltspunkte auf eine erhöhte Gefährdungssituation hinweisen. 6.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor- instanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche V erpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund E-1782/2018 Seite 14 nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Prax is zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be - schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akt en Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei ner Aus- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un- zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten «Background Check» (Befragung und Überprü- fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er per sönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig. E-1782/2018 Seite 15 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländer innen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge- mäss Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 ist der Vollzug der Wegweisung ins «Vanni -Gebiet» grundsätzlich zumutbar (vgl. a.a.O. E. 9.5). An der generellen Einschät- zung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vermögen die gewalttä- tigen Angriffe auf Kirchen und Hotels vom Ostersonntag 2019 und der da- raufhin verhängte Ausnahmezustand nichts zu ändern. Auch die verschärf- ten ethnischen und religiösen Spannungen während des jüngsten Wahl- kampfes und der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die aktu- elle Situation in Sri Lanka ändern nichts an dieser Beurteilung. 8.4.2 In individueller Hinsicht macht der Beschwerdeführer psychische Probleme geltend, die der Zumutbarkeit des Vollzugs entgegenstehen wür- den. Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü- gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und leb ensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizini- sche Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschen- würdigen Existenz absolut notwend ig ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je mit weiteren Hinweisen). 8.4.3 Der Beschwerdeführer reichte einen ärztlichen Bericht der H._______ vom 6. Februar 2018 ein. Seither hat der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer im Rahmen der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 Asyl) keine weiteren Arztberichte mehr eingereicht. Die Anforderung wei- terer respektive aktuellerer Berichte ist aber nicht erforderlich. Aus dem eingereichten Dokument geht hervor, dass beim Beschwerdeführer eine (…) sowie eine (…), diagnostiziert wurden, die vor allem auf die Erlebnisse während des Bürgerkrieges zurückzuführen seien. Zudem wurde festge- halten, dass keine Suizidalität bestehe. E-1782/2018 Seite 16 Es wird nicht bestritten, dass der Beschwerdeführer an psychischen Be- schwerden leidet, welche ihre Ursache – wie sich aus dem aufgeführten Bericht ergibt – insbesondere in den Geschehnissen während des Krieges haben. Aus dem Arztbericht geht aber nicht hervor, dass die psychischen Probleme des Beschwerdeführers ein derartiges Ausmass annehmen, dass von einer medizinischen Notlage im Sinne der vorstehend dargeleg- ten Rechtsprechung auszugehen ist, zumal es ihm nach Kriegsende offen- bar möglich war, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sodann ist darauf hinzuweisen, dass Sri Lanka in der medizinischen Versorgung grosse Fort- schritte gemacht hat und das Land neben 23 Spitälern mit psychiatrischen Abteilungen zur stationären Betreuung auch zahlreiche Einrichtungen für die ambulante Behandlung von psychisch kranken Patienten aufweist (vgl. Urteil BVGer E-7137/2018 vom 23. Januar 2019, E. 12.3 m.w.H.). Dem Be- schwerdeführer steht es zudem offen, sich mit den allfälligen ihn betreuen- den medizinischen Fachkräften gezielt auf die Rückkehr nach Sri Lanka vorzubereiten. 8.4.4 Auch sonst liegen keine Gründe vor, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Der Beschwerdeführer stammt aus L._______, C._______, Vanni-Gebiet, wohin der Vollzug der Wegweisung grundsätzlich zumutbar ist. Mit seinen Eltern und seiner Schwester verfügt er über ein familiäres Beziehungsnetz in Sri Lanka (vgl. SEM -Akte A12/7 Ziff. 3.01). Vor der Ausreise arbeitete er rund zweieinhalb Jahre für eine (…) in D._______ (vgl. SEM-Akte A20/32 F81 ff.). Zudem ist anzunehmen, dass seine Familie in wirtschaftlich stabilen Verhältnissen lebt. So gab er an, sein Vater führe einen (…)laden, besitze vier Hektar (…) und betreibe auf einem Feld Landwirtschaft (vgl. a.a.O. F53). Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland in eine existentielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zumutbar. 8.5 Ferner obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Ver- tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku- mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVG E 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.6 Schliesslich steht auch die Coronavirus-Pandemie dem Wegweisungs- vollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmo- dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem E-1782/2018 Seite 17 etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerisch en Asylrekurs- kommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e, Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.). 8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm indes mit Zwischenverfügung vo m 6. April 2018 die unentgeltliche Prozessfüh- rung gewährt wurde und keine massgebende Veränderung der finanziellen Verhältnisse ersichtlich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 10.2 Mit derselben Verfügung hat die Instruktionsrichterin Rechtsanwalt Roman Schuler als amtlichen Rechtsbeistand eingesetzt. Mit der Be- schwerde hat der Rechtsvertreter eine Honorarnote eingere icht. In dieser weist er einen zeitlichen Aufwand von 10.75 Stunden, was angemessen erscheint, sowie Auslagen im Betrag von Fr. 6.30 aus. Ausgehend von ei- nem Stundenansatz von Fr. 200.– (vgl. Zwischenverfügung vom 6. April 2018) ist dem amtlich eingesetzte n Rechtsvertreter vom Bundesverwal- tungsgericht eine Entschädigung von Fr. 2'322.35 auszurichten (inkl. Aus- lagen und Mehrwertsteuerzuschlag). (Dispositiv nächste Seite) E-1782/2018 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem amtlichen Rechtsvertreter wird durch das Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von Fr. 2'322.35 ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Barbara Balmelli Michelle Nathalie Nef Versand: