<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2004.00119</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=204501&amp;W10_KEY=4467140&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2004.00119</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 29.09.2004</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">1. Abteilung/1. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Verzicht auf Unterschutzstellung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Entlassung des Gebäudekomplexes "Rosengarten" [Ecke Kalkbreite-/Badenerstrasse] in Zürich-Aussersihl aus dem Inventar. Situationswert; Zeugeneigenschaft; baulicher Zustand; Verhältnismässigkeitsprinzip.<br/><br/>Ausgangslage (E. 2.1).<br/>Anwendung von § 203 Abs. 1 lit. c PBG durch die verfügende Behörde (E. 2.2).<br/>Zeugeneigenschaft im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG: Auslegung durch die rechtsanwendende Behörde und deren Überprüfung durch das Verwaltungsgericht (E. 2.3).<br/>Das streitbetroffene Wohnhaus von 1841 zeugt mit seiner Lage an der alten Badener Landstrasse von der Vorstadtentwicklung im 19. Jh. Über diese Zeugenschaft hinaus verfügt dieses Gebäude weder für sich alleine noch zusammen mit den später erstellten Annexbauten über besondere Qualitäten, sodass der Eigenwert der Liegenschaft nicht genügt, sie als Zeugen im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG aufzufassen. Hingegen ist der Situationswert des Hauptgebäudes zwischen Badener- und Kalkbreitestrasse mindestens als hoch einzustufen. Die Vorinstanz hat dieses Gebäude im Gegensatz zu den später errichteten Annexbauten zu Recht als Schutzobjekt qualifiziert (E. 3.2).<br/>Die Renovationskosten und die eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten einerseits sowie die Interessen an einer Verbesserung der Verkehrsbeziehungen im Kreuzungsbereich und der Erschliessung des Kalkbreite-Areals anderseits stehen der Unterschutzstellung nicht entgegen (E. 3.3 und 3.4).<br/>Teilweise Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Natur- und Heimatschutz ST: DENKMALPFLEGE">DENKMALPFLEGE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHUTZOBJEKT">SCHUTZOBJEKT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SITUATIONSWERT">SITUATIONSWERT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: UNTERSCHUTZSTELLUNG">UNTERSCHUTZSTELLUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZEUGENEIGENSCHAFT">ZEUGENEIGENSCHAFT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">§ 203 Abs. I lit. c PBG</span><br/><span class="ungerade">§ 204 PBG</span><br/><span class="gerade">§ 205 lit. c PBG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b><span>I. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit Beschluss vom 30. Mai 2003 verzichtete der Stadtrat von ZÃ¼rich auf die definitive Unterschutzstellung der sich im Eigentum der Stadt ZÃ¼rich befindlichen GebÃ¤udegruppe "Zum Rosengarten" (Vers.-Nr. 26401820) an der Kalkbreitestrasse 2/Badenerstrasse 163 in ZÃ¼rich 4-Aussersihl und entliess die Bauten aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>II. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Den hiergegen erhobenen Rekurs der ZÃ¼rcherischen Vereinigung fÃ¼r Heimatschutz (ZVH) hiess die Baurekurskommission I nach einem Augenschein am 6. Februar 2004 gut; der Stadtrat wurde eingeladen, den GebÃ¤udekomplex "Zum Rosengarten" im Sinne der ErwÃ¤gungen unter Schutz zu stellen.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>III. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit Beschwerde vom 15. MÃ¤rz 2004 beantragte der Stadtrat ZÃ¼rich dem Verwaltungsgericht, den Rekursentscheid aufzuheben und den Beschluss des Stadtrats zu bestÃ¤tigen; im Sinne eines Eventualantrags verlangte er die Aufhebung des Rekursentscheids insofern, als auch die Unterschutzstellung des 1877 erbauten zweiten Wohnhauses und des 1924 erstellten Verbindungsbaus angeordnet worden war. Die Kosten seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen und diese zu einer ParteientschÃ¤digung zu verpflichten; sodann sei ein Augenschein durchzufÃ¼hren.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Vorinstanz am 2. und die ZÃ¼rcherischen Vereinigung fÃ¼r Heimatschutz am 10. April 2004 beantragten Abweisung der Beschwerde.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 13. Mai 2004 zog das Verwaltungsgericht den Inventareintrag betreffend die Liegenschaft "Rosengarten" bei und am 18. August 2004 fÃ¼hrte es einen Augenschein durch. AnlÃ¤sslich der anschliessenden Schlussverhandlung hatten die Parteien Gelegenheit, zum Ergebnis des Augenscheins sowie zur AktenergÃ¤nzung Stellung zu nehmen.</span></p> <p class="Zwischentitel"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>1. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist gemÃ¤ss § 338a Abs. 2 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG) zur Beschwerde legitimiert, und auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen sind erfÃ¼llt.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b><span>Die Frage nach der SchutzwÃ¼rdigkeit des GebÃ¤udeensembles bzw. der Entlassung aus dem Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung betrifft eine GebÃ¤udegruppe, die im Eigentum der Stadt ZÃ¼rich steht. In erster Linie ist deshalb zu prÃ¼fen, ob die streitbetroffenen GebÃ¤ude Schutzobjekte im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG darstellen. Falls dies zutrifft, wird zusÃ¤tzlich zu prÃ¼fen sein, ob sich der Abbruch des Schutzobjekts mit § 204 PBG Ã¼ber die Bindung des Gemeinwesens vereinbaren lÃ¤sst (vgl. JÃ¼rg Hess, Der Denkmalschutz im zÃ¼rcherischen Planungs- und Baugesetz, ZÃ¼rich 1986, S. 143 ff.; Robert Imholz, Die Denkmalschutz-Bestimmungen des zÃ¼rcherischen Planungs- und Baugesetzes, in: Dokumente und Informationen zur Schweizerischen Orts-, Regional- und Landesplanung [DISP] Nr. 67, Juli 1982, S. 37; RB 1985 Nr. 94, 1985 Nr. 95 E. 2 = BEZ 1986 Nr. 5). GemÃ¤ss dieser Bestimmung haben Staat und Gemeinden in ihrer TÃ¤tigkeit dafÃ¼r zu sorgen, dass Schutzobjekte geschont und, wo das Ã¶ffentliche Interesse an diesen Ã¼berwiegt, ungeschmÃ¤lert erhalten bleiben. Wie beim Entscheid Ã¼ber eine formelle Unterschutzstellung nach § 205 lit. c PBG verlangt die Anwendung von § 204 PBG eine InteressenabwÃ¤gung, welche die entscheidenden BehÃ¶rden nach pflichtgemÃ¤ssem Ermessen vorzunehmen haben. Gegen die Erhaltung des Schutzobjekts kann eine dem betreffenden Gemeinwesen obliegende Ã¶ffentliche Aufgabe oder das Gebot des haushÃ¤lterischen Umgangs mit Ã¶ffentlichen Mitteln sprechen (VGr, 27. September 1996, BEZ 1996 Nr. 23). Dabei ist es Sache des Gemeinwesens als EigentÃ¼mer des Schutzobjekts, konkret darzulegen, inwiefern andere Ã¶ffentliche Interessen der Erhaltung im Weg stehen (RB 1985 Nr. 94).</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.2 </span></b><span>GemÃ¤ss § 203 Abs. 1 lit. c PBG sind Schutzobjekte unter anderem Ortskerne, GebÃ¤udegruppen, GebÃ¤ude und Teile sowie ZugehÃ¶r von solchen, die als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukÃ¼nstlerischen Epoche erhaltenswÃ¼rdig sind oder die Landschaften oder Siedlungen wesentlich mitprÃ¤gen, samt der fÃ¼r ihre Wirkung wesentlichen Umgebung. Bei der Anwendung dieser Bestimmung hat die verfÃ¼gende BehÃ¶rde zunÃ¤chst die darin enthaltenen unbestimmten Rechtsbegriffe auszulegen und obliegt ihr als Teil der Sachverhaltsermittlung die KlÃ¤rung der denkmalpflegerischen Bedeutung des in Frage stehenden Objekts, wozu nÃ¶tigenfalls Expertisen oder Stellungnahmen von Fachgremien einzuholen sind. Anschliessend hat die BehÃ¶rde zu prÃ¼fen, ob die denkmalpflegerische Bedeutung das Objekt zum "wichtigen Zeugen" oder zu einem wesentlich prÃ¤genden Teil einer Siedlung oder Landschaft im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG macht; das Ergebnis der Sachverhaltsfeststellung â und mithin auch die Stellungnahmen von Fachleuten und -gremien â wÃ¼rdigen die rechtsanwendenden BehÃ¶rden frei (§ 7 Abs. 4 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.3 </span></b><span>Eine Unterschutzstellung setzt voraus, dass die rechtsanwendende BehÃ¶rde aufgrund der denkmalpflegerischen Bedeutung des betreffenden Objekts zur Ãberzeugung gelangt, bei diesem handle es sich um einen "wichtigen Zeugen". Dazu bedarf es der Auslegung dieses unbestimmten Rechtsbegriffs. Dabei geht es zwar um die Beurteilung einer Rechtsfrage (vgl. Ulrich HÃ¤felin/Georg MÃ¼ller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A., ZÃ¼rich/ Basel/Genf 2002, Rz. 448), die gemÃ¤ss § 50 Abs. 1 VRG der ÃberprÃ¼fung durch das Verwaltungsgericht zugÃ¤nglich ist. Jedoch ist zu beachten, dass der fÃ¼r die Unterschutzstellung zustÃ¤ndigen VerwaltungsbehÃ¶rde bei der Beurteilung der Frage, ob die wichtige Zeugeneigenschaft im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG gegeben sei, eine besondere Entscheidungsfreiheit im Grenzbereich zwischen Rechtsanwendung und ErmessensbetÃ¤tigung zukommt (vgl. BGE 115 Ib 131 E. 3), deren Handhabung die Rechtsmittelinstanzen nicht frei Ã¼berprÃ¼fen kÃ¶nnen (RB 1982 Nr. 37). Das Verwaltungsgericht hat mit seiner gemÃ¤ss § 50 VRG von vornherein eingeschrÃ¤nkten ÃberprÃ¼fungsbefugnis deshalb namentlich zu prÃ¼fen, ob die fÃ¼r die Unterschutzstellung zustÃ¤ndige VerwaltungsbehÃ¶rde alle wesentlichen Gesichtspunkte vollstÃ¤ndig und gewissenhaft untersucht und gewÃ¼rdigt hat (vgl. BGE 115 Ib 131 E. 3).</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>3. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Laut Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte der Stadt ZÃ¼rich (Baukultur in ZÃ¼rich, Band 3, ZÃ¼rich 2004, S. 60) handelt es sich bei der 1841 erbauten Liegenschaft Kalkbreitestrasse 2, die ursprÃ¼nglich im Gemeindegebiet von Wiedikon lag, um eines der ersten GebÃ¤ude, die nach Aufhebung der alten Flurordnung ausserhalb des Dorfkerns an der Badener Landstrasse erbaut wurden. Die Baute verfÃ¼gt gemÃ¤ss Inventareintrag Ã¼ber den Kubus eines Bauernhauses, jedoch nicht Ã¼ber einen Ãkonomieteil, und ist mit ihrer an die klassizistisch-biedermeierliche Architektur anklingenden Einzelbefensterung ein typisches Beispiel fÃ¼r die AblÃ¶sung der traditionellen Bauformen in den stadtnahen DÃ¶rfern seit dem frÃ¼hen 19. Jahrhundert. 1877 wurde rÃ¼ckwÃ¤rtig ein zweites Wohnhaus mit WerkstÃ¤tte angebaut und seit spÃ¤testens 1885 wurde die Liegenschaft als Wirtschaft "Zum Rosengarten" genutzt. 1924 wurde der eingeschossige Verbindungsbau erstellt.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.1 </span></b><span>Die Zeugeneigenschaft der streitbetroffenen Liegenschaft besteht unbestrittenermassen darin, dass sie die Entwicklung der ehemals lÃ¤ndlichen Gemeinde Wiedikon zum heutigen Stadtteil und als spÃ¤tere Landstrassenwirtschaft die Siedlungsentwicklung entlang der alten Badener Landstrasse dokumentiert. Zeugnis fÃ¼r diese Vorstadtentwicklung im 19. Jahrhundert legen entlang der Badenerstrasse auch das ehemalige Schul- und Gemeindehaus Aussersihl sowie das Doktor- und Wirtshaus "Krone" in Altstetten ab, wobei, wie die Vorinstanz unwidersprochen festgestellt hat, sich die "Krone" in betrÃ¤chtlicher Entfernung befindet und das nÃ¤her gelegene Schul- und Gemeindehaus nicht als Zeuge fÃ¼r die Wohnsituation des bÃ¼rgerlichen Mittelstands jener Epoche gelten kann. Die Baurekurskommission hat der Liegenschaft aufgrund ihrer exponierten Lage zwischen Kalkbreite- und Badenerstrasse zudem einen hohen Situationswert zugemessen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bestreitet in erster Linie den hohen Situationswert der Liegenschaft sowie die fÃ¼r eine Unterschutzstellung erforderliche qualifizierte Zeugeneigenschaft. Das Objekt in banaler Alltagsarchitektur weise etliche Defizite auf. So sei die Fassadensymmetrie an beiden dem Strassenraum zugewandten Fassaden durch eine TÃ¼rÃ¶ffnung zerstÃ¶rt und der bauliche Zustand derart schlecht, dass wesentliche Teile nicht mehr erneuert werden kÃ¶nnten. Durch den Verlust des Garten- und Zugangsbereichs seien die Proportionen zwischen GebÃ¤ude, Umgebung und Strassenraum vÃ¶llig aus dem Gleichgewicht geraten und sei der vormalige Siedlungskontext nicht mehr erkennbar. Die beiden anderen Zeitzeugen an der Badenerstrasse hÃ¤tten demgegenÃ¼ber eine markante architektonische Ausstrahlung und seien in ihrer Bausubstanz intakt. FÃ¼r die vorstÃ¤dtische Typenbildung zwischen Bauernhaus und BÃ¼rgervilla im 19. Jahrhundert kÃ¶nnten auf Stadtgebiet noch drei weitere Objekte angefÃ¼hrt werden. Sodann habe die Vorinstanz die Ã¶ffentlichen Interessen zu wenig gewichtet, die gegen eine Unterschutzstellung sprÃ¤chen, nÃ¤mlich solche der Verkehrssicherheit, der stÃ¤dtebaulich angemessenen Platzgestaltung und des sparsamen Umgangs mit Ã¶ffentlichen Geldern.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Beschwerdegegnerin verweist demgegenÃ¼ber auf den von der Vorinstanz anerkannten Zeugenwert der Liegenschaft und macht insbesondere geltend, die erforderliche Renovation sei nicht derart aufwÃ¤ndig wie von der BeschwerdefÃ¼hrerin behauptet. Der BeschwerdefÃ¼hrerin gehe es im Wesentlichen um die optimale AusnÃ¼tzung des neu zu Ã¼berbauenden Kalkbreite-Areals, das heisst um Interessen, welche denjenigen eines privaten GrundeigentÃ¼mers gleich kÃ¤men. Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin angestrebte Verbesserung der engen VerhÃ¤ltnisse im dortigen Kreuzungsbereich werde lediglich den Verkehrsfluss beschleunigen und damit nicht zu einer hÃ¶heren Verkehrssicherheit beitragen.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.2 </span></b><span>Wie sich bereits aufgrund der Akten ergibt, dokumentieren die streitbetroffene Liegenschaft und insbesondere das 1841 errichtete GebÃ¤ude in nachvollziehbarer Weise die Vorstadtentwicklung entlang der alten Badener Landstrasse im 19. Jahrhundert. Ãber diese Zeugeneigenschaft hinaus verfÃ¼gt dieses GebÃ¤ude aber weder fÃ¼r sich allein noch im Zusammenhang mit der ganzen GebÃ¤udegruppe Ã¼ber besondere QualitÃ¤ten, weder in baukÃ¼nstlerischer noch in historischer Hinsicht, sodass jedenfalls der Eigenwert der Liegenschaft nicht genÃ¼gt, um sie als wichtigen Zeugen im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG erscheinen zu lassen. DafÃ¼r, dass es sich Ã¼ber die erwÃ¤hnte Zeugeneigenschaft hinaus um eine "interessante Baute" handeln soll, lÃ¤sst sich dem Inventareintrag nichts entnehmen. Weder der Hinweis im Inventareintrag, dass "mÃ¶glicherweise" intakte ursprÃ¼ngliche Konstruktionen und Ausbauten sowie Ausstattung erhalten seien, noch die Personen der frÃ¼heren Besitzer lassen die Liegenschaft als besonders interessant erscheinen. Auch das 1841 errichtete GebÃ¤ude ist nur von durchschnittlicher architektonischer QualitÃ¤t, die durch spÃ¤tere Ãnderungen noch beeintrÃ¤chtigt wird. Solche Ãnderungen sind jedoch reversibel und vermÃ¶gen deshalb den Eigenwert nicht entscheidend zu beeintrÃ¤chtigen. Dasselbe gilt fÃ¼r Eingriffe in die Bausubstanz, welche wegen des schlechten Zustands des GebÃ¤udes oder zur ErmÃ¶glichung einer Umnutzung notwendig werden.</span></p> <p class="Erwgung2"><span>Den Situationswert der streitbetroffenen Liegenschaft hat die Baurekurskommission als sehr hoch eingestuft. Auch das Verwaltungsgericht ist aufgrund seines Augenscheins zum Schluss gekommen, dass der Situationswert mindestens als hoch einzustufen ist. Allerdings trifft dies nur fÃ¼r das 1841 erstellte GebÃ¤ude Kalkbreitestrasse 2 und nicht auch fÃ¼r das um 1877 erbaute zweite Wohnhaus und den 1924 erstellten Verbindungsbau zu; diese beiden Bauten haben auch im Verbund mit der ehemaligen Wirtschaft "Zum Rosengarten" keinen Situationswert. Dieses GebÃ¤ude hingegen hebt sich aufgrund seiner Lage zwischen Badener- und Kalkbreitestrasse deutlich von der baulichen Umgebung ab und vermag sich trotz seines geringeren Volumens zwischen den Bauten der Umgebung optisch zu behaupten; es lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters durch seine Bescheidenheit auf sich. Entgegen der Auffassung der BeschwerdefÃ¼hrerin fehlt dem GebÃ¤ude nicht "jeglicher ortsbauliche Bezug", sondern es macht die Siedlungsentwicklung entlang der Badenererstrasse nachvollziehbar und schafft einen interessanten volumetrischen Kontrast zu den spÃ¤teren Bauten entlang der Badener- und der Kalkbreitestrasse (vgl. Protokoll, insbesondere Bilder 3, 5 und 7). Durch den Verlust des Vorgartens infolge frÃ¼herer Strassenverbreiterungen wird der Situationswert zwar beeintrÃ¤chtigt, ist aber insgesamt immer noch als hoch zu wÃ¼rdigen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Es liegt auf der Hand, dass sich die Siedlungsentwicklung entlang eines derart langen Strassenzuges wie der Badenerstrasse nicht durch die Erhaltung eines einzigen Objekts aus der jeweiligen Epoche aufzeigen lÃ¤sst. Schon aus dieser Sicht wird der Zeugniswert des streitbetroffenen Objekts durch das Vorhandensein zweier weiterer Objekte aus dieser Zeit an der Badenerstrasse nicht entscheidend relativiert. Zudem hat die Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass sich die "Krone" in AltstÃ¤tten in betrÃ¤chtlicher Entfernung befindet und dass das nÃ¤her gelegene ehemalige Schul- und Gemeindehaus eine vÃ¶llig andere Funktion hatte und deshalb nicht als Zeuge fÃ¼r die Wohnsituation des bÃ¼rgerlichen Mittelstands jener Epoche gelten kann. Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin namhaft gemachten weiteren drei Objekte dokumentieren zwar ebenfalls die Vorstadtentwicklung im 19. Jahrhundert, liegen aber weit entfernt und zudem in einem vÃ¶llig anderen stÃ¤dtischen Umfeld.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Zusammenfassend ergibt sich, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin den Situationswert des 1841 erstellten GebÃ¤udes Kalkbreitestrasse 2 verkannt hat; die Vorinstanz hat deshalb dieses GebÃ¤ude zu Recht als Schutzobjekt im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG qualifiziert, wÃ¤hrend den beiden spÃ¤ter errichteten Bauten diese Eigenschaft nicht zukommt.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.3 </span></b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht geltend, fÃ¼r die Inventarentlassung und damit gegen die Erhaltung des Schutzobjekts sprÃ¤chen der hohe Renovationsaufwand und die wegen des ungÃ¼nstigen Grundrisses beschrÃ¤nkten NutzungsmÃ¶glichkeiten. Die Renovationskosten wÃ¼rden pro Quadratmeter HauptnutzflÃ¤che doppelt bis vierfach so hoch sein wie die Kosten eines Neubaus.</span></p> <p class="Erwgung2"><span>Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts vermÃ¶gen finanzielle Interessen der EigentÃ¼mer an einer mÃ¶glichst Gewinn bringenden AusnÃ¼tzung ihrer Liegenschaften das Ã¶ffentliche Interesse an einer Denkmalschutzmassnahme grundsÃ¤tzlich nicht zu Ã¼berwiegen (BGE 118 Ia 384 E. 5e, S. 393; 109 Ia 257 E. 5d, S. 263). So hat es das Bundesgericht in einem (unverÃ¶ffentlichten) Entscheid vom 12. April 1995 (Nr. 1P.6/1995) als nicht ausschlaggebend gewÃ¼rdigt, ob die Baukosten pro Kubikmeter bei einer Sanierung im Vergleich zu einem Neubau mehr als das Doppelte, nÃ¤mlich Fr. 1'100.- bis Fr. 1'200.- anstatt rund Fr. 500.-, betragen. Wenn solche Mehrkosten einem privaten EigentÃ¼mer zugemutet werden, dann muss sie auch das gemÃ¤ss § 204 PBG der Selbstbindung unterworfene Gemeinwesen tragen. Hinzu kommt, dass der schlechte Zustand des GebÃ¤udes zu einem erheblichen Teil auf die VernachlÃ¤ssigung des GebÃ¤udeunterhalts durch die BeschwerdefÃ¼hrerin zurÃ¼ckzufÃ¼hren ist, womit sie gegen § 204 Abs. 1 PBG verstossen hat. Der durch diese Unterlassung entstandene Sanierungsaufwand muss bei der PrÃ¼fung der (finanziellen) VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit der Unterschutzstellung ausser Betracht fallen (VGr, 27. September 1996, BEZ 1996 Nr. 23). Sodann rÃ¤umt auch die BeschwerdefÃ¼hrerin ein, dass sich das HauptgebÃ¤ude in einem besseren Zustand befindet als die beiden nicht zu erhaltenden neueren Bauten, was ebenfalls zu tieferen Renovationskosten fÃ¼hrt.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Wie die Baurekurskommission festgestellt hat, verfÃ¼gt die Liegenschaft Ã¼ber einen Grundriss, der eine Nutzung durch BÃ¼ros, TherapierÃ¤ume oder dergleichen ermÃ¶glicht. Diese Feststellung wird durch die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht substanziiert bestritten. Einzelne Eingriffe in die GebÃ¤udesubstanz zur Verbesserung der NutzungsmÃ¶glichkeiten oder zur Einhaltung von feuerpolizeilichen Bestimmungen stellen die denkmalpflegerische Bedeutung des Objekts, die nicht auf seiner baukÃ¼nstlerischen QualitÃ¤t, sondern auf seiner siedlungsgeschichtlichen Zeugenschaft und seinem Situationswert beruht, nicht in Frage.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>3.4 </span></b><span>Als weitere GrÃ¼nde fÃ¼r die Entlassung aus dem Inventar macht die BeschwerdefÃ¼hrerin die Ã¶ffentlichen Interessen an einer Verbesserung der Verkehrsbeziehungen im dortigen Kreuzungs- sowie Bus- und Tramhaltestellenbereich und an einer NeuÃ¼berbauung des Kalkbreite-Areals geltend, dessen Erschliessung die GebÃ¤udegruppe im Weg stehe. Sie rÃ¤umt allerdings ein, dass sich diese Problematik entschÃ¤rfe, wenn wenigstens die beiden spÃ¤ter errichteten GebÃ¤ude abgebrochen werden kÃ¶nnten.</span></p> <p class="Erwgung2"><span>Wird, was allein noch zur Diskussion steht, nur das HauptgebÃ¤ude erhalten, so bleibt zwar der verkehrsplanerische Spielraum im Kreuzungsbereich eng, doch entstehen neue MÃ¶glichkeiten fÃ¼r Fusswegverbindungen, die Gestaltung der Haltestellen des Ã¶ffentlichen Verkehrs und der entsprechenden Umsteigebeziehungen sowie fÃ¼r die Erschliessung des Kalkbreite-Areals. Damit kann trotz Erhaltung des HauptgebÃ¤udes den Ã¶ffentlichen Interessen an der Verkehrssicherheit sowie an einer stÃ¤dtebaulich angemessen Platzgestaltung hinreichend Rechnung getragen werden. Die Ãberbauung des verbleibenden Areals wird zwar eingeschrÃ¤nkt, doch gehen diese BeschrÃ¤nkungen nicht Ã¼ber das hinaus, was ohne weiteres auch einem privaten EigentÃ¼mer zugemutet wÃ¼rde. Das Areal, soweit es nicht mehr von den Verkehrsbetrieben benÃ¶tigt wird, lÃ¤sst trotz der Unterschutzstellung genÃ¼gend Spielraum fÃ¼r eine stÃ¤dtebaulich Ã¼berzeugende Ãberbauung und eine mindestens teilweise Kompensation der durch die Erhaltung des HauptgebÃ¤udes "Zum Rosengarten" nicht ausgeschÃ¶pften NutzungsmÃ¶glichkeiten.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>4. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Damit erweist sich die Beschwerde insoweit als begrÃ¼ndet, als die Vorinstanz die BeschwerdefÃ¼hrerin zur Unterschutzstellung des gesamten GebÃ¤udekomplexes und nicht bloss des 1841 errichteten HauptgebÃ¤udes eingeladen hat. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist deshalb die Unterschutzstellung auf das HauptgebÃ¤ude zu beschrÃ¤nken.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens den Parteien je zur HÃ¤lfte aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 VRG). ParteientschÃ¤digungen sind bei diesem Ausgang, der keine Partei Ã¼berwiegend obsiegen lÃ¤sst, nicht zuzusprechen (§ 17 Abs. 2 VRG).</span></p> <p class="Zwischentitel"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2">1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid der Baurekurskommission I aufgehoben, soweit er die BeschwerdefÃ¼hrerin verpflichtet, die 1877 und 1924 errichteten Annexbauten auf der Liegenschaft Kalkbreitestrasse 2 unter Schutz zu stellen.</p> <p class="Einzug2">Im Ãbrigen wird die Beschwerde abgewiesen und der Entscheid der Baurekurskommission I bestÃ¤tigt. DemgemÃ¤ss hat die BeschwerdefÃ¼hrerin das 1841 erstellte HauptgebÃ¤ude des Restaurants "Zum Rosengarten" unter Schutz zu stellen.</p> <p class="Einzug2">2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 4'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 4'060.-- Total der Kosten.</p> <p class="Einzug2">3. Die Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens werden den Parteien je zur HÃ¤lfte auferlegt.</p> <p class="Einzug2">4. ParteientschÃ¤digungen werden nicht zugesprochen.</p> <p class="Einzug2">5. Mitteilung an: â¦..</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>