B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-2551/2013 U r t e i l v o m 1 8 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Richter Michael Peterli (Vorsitz), Richter Vito Valenti, Richter David Weiss, Gerichtsschreiberin Sandra Tibis. Parteien X._______, Deutschland, Beschwerdeführer, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz. Gegenstand IV (berufliche Massnahmen). C-2551/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der am (…) 1969 geborene, verheiratete, deutsche Staatsangehörige X._______ lebt in Deutschland (IV -act. 2). Er war seit dem 13. Februar 2012 in der Schweiz als Schreiner mit Grenzgängerstatus in einer unb e- fristeten Anstellung und entrichtete dabei Beiträge an die S chweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV). B. Am 26. März 2012 erlitt X._______ einen Unfall und war in der Folge auf- grund einer Knieprellung zu 100% arbeitsunfähig . Nach mehrfacher B e- handlung/Operation des Knies attestierte Dr. med. A._______, Facharzt für Chirurgie und Kreisarzt der Suva, in seinem Bericht vom 4. Februar 2011 zu Handen der Suva (IV-act. 12) einen Zustand nach Bursitis präpa- tellaris am rechten Knie mit sekundärer Infektion sowie einem Status nach Reoperation mit Narbenausscheidung und Fistelöffnung und Entfe r- nung der Restbursa im September 2012. Der Gutachter führte aus, X._______ sei aufgrund dieser Knieprobleme nicht mehr in der Lage, auf dem rechten Knie zu knien. Da seine Arbeit zu ungefähr 30% in kniende r Position ausgeführt werde, sei eine Umschulung ins Auge zu fassen. C. Im Januar 2013 meldete sich X._______ bei der IV-Stelle Aargau (nach- folgend: IV-Stelle AG) zur beruflichen Integration an (IV-act. 2 und 9). D. Mit undatierter Verfügung lehnte die IV -Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) das Leistungsgesuch von X._______ gestützt auf die Feststellungen der IV -Stelle AG vom 11. April 2013 ab (IV -act. 15). Zur Begründung führte sie aus, aufgrund der g e- sundheitlichen Beeinträchtigungen erachte sie X._______ in seiner bisher ausgeübten Tätigkeit als Bauschreiner zwar als erheblich eingeschränkt; angepasste, wechselbelastende leichte bis mittelschwere Tätigkeiten o h- ne Knien und Hocken seien ihm ab 1. Juni 2013 indes wieder vollschich- tig zumutbar. Der allgemeine Arbeitsmarkt biete genügend Beschäft i- gungsmöglichkeiten in berufsverwandten Bereichen, so dass auf die Durchführung von beruflichen Massnahmen verzichtet werden könne. Die Stellensuche habe er ja bekanntlich bereits an die Hand genommen. Im Übrigen – so die Vorinstanz – verwirke ein allfälliger Anspruch gegenüber der Schweizerischen Invalidenversicherung, wenn Leistungen einer au s- ländischen Arbeitslosenversicherung bezogen würden. C-2551/2013 Seite 3 E. Gegen diese Verfügung erhob X._______ (nachfolgend: Beschwerdefüh- rer), vertreten durch Rechtsanwalt Jan Herrmann, mit Eingabe vom 3. Mai 2013 (BVGer-act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Rückweisung der Sache an die Vorins tanz zur weiteren Abklärung und Erlass einer neuen Verfügung ; alles unter Kosten - und Entschädigungs- folge zu Lasten der Vorinstanz. Zur Begründung führte er aus, es bestehe ein Anspruch auf Umschulung, wenn der Versicherte wegen der Art und Schwere des eingetretenen Gesundheitsschadens in der bisher ausgeüb- ten und in den fü r ihn ohne zusätzliche Ausbildung offenstehenden noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit anda u- ernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleide. Der Beschwerdeführer bemängelte, dass die Vorinstanz keinerlei Überlegungen, Berechnungen oder Abklärungen zum Invaliditätsgrad vorgenommen, sondern sich mit der Feststellung begnügt habe, dass eine angepasste Tätigkeit noch z u- mutbar sei und somit kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe. Ferner bestritt er, dass er in Deutschland Leistungen der Arbeitslosenver- sicherung beziehe. Mit diesem Vorgehen habe die Vorinstanz einerseits den Untersuchungsgrundsatz und andererseits mangels ausreichender Begründung des Entscheids habe sie auch den Anspruch des Beschwer- deführers auf rechtliches Gehör verletzt. F. F.a Mit Eingabe vom 14. Mai 2013 (BVGer-act. 3) brachte der Beschwer- deführer dem Instruktionsrichter ein Schreiben an die Vorinstanz zur Kenntnis, in welchem er mitteilte, ihm sei vor ein paar Tagen eine Verf ü- gung eröffnet worden, welche vom 26. April 2013 datiert sei, aber im Üb- rigen mit der ursprünglichen , bereits angefochtenen Verfügung überein- stimme. Er bitte um Mitteilung, ob er diese Verfügung ebenfalls anfechten müsse. F.b Mit Schreiben vom 24. Mai 2013 (BVGer-act. 6) wandte sich die Vo r- instanz an den Beschwerdeführer und teilte diesem mit, die Eröffnung der undatierten Verfügung durch die IV-Stelle AG sei versehentlich erfolgt und die korrekt eröffnete Verfügung vom 26. April 2013 sei als massgebend zu betrachten. Das Bundesverwaltungsgericht werde gebeten, die bereits hängige Beschwerde als gegen die nun korrekt eröffnete Verfügung en t- gegen zu nehmen. C-2551/2013 Seite 4 G. Mit Vernehmlassung vom 24. Juni 2013 (BVGer-act. 7) verwies die IVSTA unter Verzicht auf eigene Ausführungen auf die Stellungnahme der IV - Stelle AG, mit welcher L etztere ohne weitere Begründung die Abweisung der Beschwerde beantragte. H. Am 19. Juli 2013 (vgl. BVGer-act. 10) ist der mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2013 (BVGer -act. 8) einverlangte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.- beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen. I. Mit Eingabe vom 9. August 2013 (BVGer -act. 11) reichte die IVSTA den Bericht der kreisärztlichen Untersuchung der Suva vom 17. Juli 2013 ein. J. Mit Kurz brief vom 19. August 2013 (BVGer -act. 13) reichte die IV -Stelle AG die Verfügung der Suva vom 13. August 2013 ein, mit welcher diese dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. August 2013 eine Rente, basie- rend auf einem Grad der Erwerbsunfähigkeit von 16%, zugesprochen hat- te. K. K.a Am 20. August 2013 (BVGer -act. 14) reichte die Vorinstanz ein Schreiben der Suva vom 5. August 2013 ein, mit welchem diese dem B e- schwerdeführer mitteilte, dass sie den Fall nun abschliesse, da keine e i- gentliche Behandlung der Unfallfolge n mehr notwendig sei; die Ausric h- tung von weiteren Versicherungsleistungen werde indes noch geprüft. K.b Am 10. September 2013 (BVGer -act. 18) reichte die Vorinstanz die Verfügung der Suva vom 13. August 2013 ein. L. Mit Replik vom 4. September 2013 (BVGer-act. 16) hielt der Beschwerde- führer an seinem Antrag fest und wies zur Begründung darauf hin, dass – auch wenn die Vorinstanz nicht an die Berechnung des Erwerbsunfähi g- keits-Grades der Suva gebunden sei – diese doch einen Hinweis dafür liefere, dass der Anspruc h des Beschwerdeführers auf berufliche Mas s- nahmen seine Berechtigung habe und die Vorinstanz mit ihrem Verhalten ihrer Untersuchungs- und Begründungspflicht nicht nachgekommen sei. C-2551/2013 Seite 5 M. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2013 (BVGer-act. 20) verzichtete die IVSTA unter Hinweis auf die Stellungnahme der IV-Stelle AG vom 27. September 2013 auf eine Duplik. N. Mit undatierter Eingabe (Poststempel 13. Dezember 2013, BVGer - act. 22) teilte der Beschwerdeführer dem Instruktionsrichter mit, er habe Rechtsanwalt Jan Herrmann das Mandat entzogen und bitte, künftige Korrespondenz direkt an ihn zu richten. O. Mit Eingabe vom 23. Dezember 2013 (BVGer-act. 24) teilte Rechtsanwalt Jan Herrmann unter Hinweis auf die eingereichte Anwaltsvollmacht dem Instruktionsrichter mit, er bitte eine allfällige Parteientschädigung direkt auf sein Konto zu überweisen, da ihm sein Klient sämtliche Honorarforde- rungen abgetreten habe. P. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten B e- weismittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nach- folgenden Erwägungen einzugehen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Vorliegend richtete sich die Beschwerde gegen die von der IV-Stelle AG im Namen der IVSTA erlassene, undatierte Verfügung. Die IVSTA eröffne- te dem Beschwerdeführer wenige Tage später dieselbe Verfü gung noch einmal, da – wie sie ausführte – die IV-Stelle AG zum Erlass nicht z u- ständig gewesen sei. Die vorliegend zu behandelnde Beschwerde ist s o- mit auf übereinstimmenden Antrag der Parteien als gegen die von der IVSTA erlassene Verfügung entgegen zu nehmen, zumal die Verfügungen in ihrem Wortlaut ohnehin übereinstimmend sind. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesver wal- tungsgericht vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 lit. d VGG und Art. 69 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG, SR 831.20) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Aus land g e-C-2551/2013 Seite 6 gen Verfügungen der IV -Stelle für Versicherte im Aus land. Eine Ausna h- me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Aufgrund von Art. 3 lit. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) findet das VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das B un- desgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die In validenversicherung (Art. 1a bis 26bis IVG und 28 bis 70 IVG) anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. 1.3 Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung be rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änd e- rung, so dass er im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist. 1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist - und formgerecht (Art. 60 Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. 2.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger, so dass vo r- liegend das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize - rischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein - schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II betreffend Koordinie- rung der Systeme der sozialen Sicherheit, anzuwenden ist (Art. 80a IVG). Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicher heit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die i n- nerhalb der Gemeinschaft zu - und abwandern (Verordnung Nr. 1408/71, SR 0.831.109.268.1) haben die in den persönlichen An wendungsbereich der Verordnung fallenden, in einem Mitglie dstaat wohnenden Per sonen aufgrund der Rechts vorschriften eines Mitglied staats grundsätz lich die gleichen Rechte und Pflichten wie die Staatsangehörigen dieses Staates. 2.2 Soweit das FZA beziehungsweise die auf dieser Grundlage an - wendbaren gemeinschaf tsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden Bestimmungen vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens – unter Vorbehalt der beiden Grundsätze der Gleichwertigkeit sowie der Ef- fektivität – sowie die Prüfung der Anspruchsvoraus setzungen einer C-2551/2013 Seite 7 schweizerischen Invalidenrente grundsätzlich nach der in nerstaatlichen Rechtsordnung (BGE 130 V 257 E. 2.4). Entsprechend bestimmt sich vor- liegend der Anspruch des Be schwerdeführers auf Leistungen der Inval i- denversicherung aus schliesslich nach dem in nerstaatlichen schweizer i- schen Recht, ins besondere nach dem IVG sowie der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201). Gemäss Art. 40 Abs. 4 der Verordnung Nr. 1408/71 ist die vom Träger e i- nes Mitgliedstaates getroffene Entscheidung über die Invalidität eines An- tragstellers für den Träger eines anderen betroffenen Staates nur dann verbindlich, wenn die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgele g- ten Tatbestandsmerkmale der Invalidität in An hang V dieser Ver ordnung als übereinstimmend anerkannt sind, was für das Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz (ebenso wie das Ver hältnis zwischen den übrigen EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz) nicht der Fall ist. Ge mäss Art. 40 der Verordnung Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 über die Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (Verordnung Nr. 574/72, SR 0.831.109.268.11) hat der Träger eines Mitgliedstaates aber bei der Bemes sung des Invaliditätsgrades die von den Trägern der an deren Staaten er haltenen ärzt lichen Unterlagen und Berichte sowie Auskünfte der Verwaltung zu berück sichtigen, soweit sie rechts genüglich ins Ver fahren ein gebracht wer den (vgl. Art. 32 VwVG). Jeder Träger behält jedoch die Mög lichkeit, die an tragstellende Person durch einen Arzt oder eine Ärztin seiner Wahl untersuchen zu las- sen. Eine Pflicht zur Durchführung einer sol chen Un tersuchung besteht allerdings nicht. 3. 3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerde - verfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Miss - brauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unric htige oder un- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie U n- angemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG). 3.2 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Entscheides eingetretenen Sach verhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). Tatsachen, die jenen Sachverhalt sei t-C-2551/2013 Seite 8 her verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Ve r- waltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). 3.3 Weiter sind in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tat - bestandes Geltung hatten (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1). Ein allfälliger Leistungsanspr uch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen No r- men zu prüfen (pro rata temporis; BGE 130 V 445). Bei den materiellen Bestimmungen ist daher vorliegend auf die seit 1. Januar 2012 geltende Fassung des IVG, der IVV des ATSG und der Verordnung vom 11. Sep- tember 2002 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11) abzustellen. 4. Vorab ist zu prüfen, ob die IVSTA angesichts der bei der IV-Stelle AG ein- gereichten Anmeldung zum Leistungsbezug und die durch jene durchg e- führten Abklärungen die zuständige Verfügungsbehörde war. 4.1 Zuständig ist in der Regel die IV -Stelle in deren Kantonsgebiet der Versicherte im Zeitpunkt der Anmeldung seinen Wohnsitz hat. Der Bu n- desrat ordnet die Z uständigkeit in Sonderfällen (Art. 55 Abs. 1 IVG und Art. 40 Abs. 1 lit. a IVV). Zuständig zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldungen von Grenzgängern ist die IV -Stelle, in deren Tätigkeitsg e- biet der Grenzgänger eine Erwerbstätigkeit ausübt. Dies gilt a uch für ehemalige Grenzgänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbarten Grenzzone haben und der Gesun d- heitsschaden auf die Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen werden von der IV -Stelle für Versicherte im Ausland erla s- sen (Art. 40 Abs. 2 IVV). 4.2 Der Beschwerdeführer war Grenzgänger und hatte seine letzte A r- beitsstelle im Kanton Aargau; er wohnt zudem noch im benachbarten Grenzgebiet. Er hat sich somit zu Recht bei der IV -Stelle AG zum Lei s- tungsbezug angemeldet. Der Erlass der Verfügung durch die IVSTA ist gemäss obenstehenden Ausführungen nicht zu beanstanden. 5. Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege sind die Rechtsverhältnisse, welche – im Rahmen des durch die Ve rfü- gung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf Grund der B e-C-2551/2013 Seite 9 schwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bilden. Anfechtungsgegenstand und Streitgegenstand sind identisch, wenn – wie vorliegend – die Verfügung insgesamt angefochten wird (BGE 130 V 501 E. 1.1, 125 V 413 E. 1b). Streitig und im vorliegenden Verfahren zu prüfen ist demnach, ob die Vorinstanz den vom Beschwerdeführer geltend g e- machten Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen zu Recht verneint hat. 5.1 5.1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit da u- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG); sie gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begrün- dung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und ge eignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Art. 8 Abs. 1 IVG). Die Ein gliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige b e- rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; Art. 8 Abs. 3 lit. abis IVG). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen en t- steht frü hestens mit der Unterstellung unter die obligatorische oder die freiwillige Versicherung und endet spätestens mit dem Ende der Versiche- rung (Art. 9 Abs. 1bis IVG). Der Anspruch entsteht, wenn der massgebende Gesundheitsschaden e i- ne Art und Schwere erreicht hat, welche die bisherige Erwerbstätigkeit unzumutbar machen beziehungsweise längerdauernd einen Minderve r- dienst von zirka 20% verursachen oder dieses Ereignis droht. Der Pr o- zentsatz wird nach den gleichen Grundsätzen bemessen wie der Invalid i- tätsgrad bei m Rentenanspruch (ZAK 1984 S. 91 und AHI 2000 S. 61). Beim Einkommensvergleich ist der qualitative Ausbildungsstand und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Mö g- lichkeiten zu berücksichtigen. So ist es beispielsweise eine Erfahru ngs- tatsache, dass in zahlreichen Berufsgattungen der Anfangslohn nach Lehrabschluss nicht oder nicht wesentlich höher liegt als gewisse Hilfsa r-C-2551/2013 Seite 10 beitersaläre, dafür aber in der Folgezeit um so stärker anwächst. Das b e- rufliche Fortkommen und damit die Erwerbs aussichten sind bei einer Hilfsarbeit mittel- bis längerfristig betrachtet nicht im gleichen Masse g e- währleistet wie in einem gelernten Beruf. Ist eine v ersicherte Person be- reits in zureichender und zumutbarer Weise eingegliedert oder besteht die Möglich keit, ihr ohne zusätzli che Ausbildung einen geeigneten und zumutbaren Arbeitsplatz zu vermitteln, so liegt keine invaliditätsbedingte Notwendigkeit für eine Umschulung vor. Anspruch auf Umschulung b e- steht solange, als die gesamte noch zu erwartende Arbeits dauer wesent- lich ist und die v ersicherte Person noch nicht vom Rentenvorbezug Gebrauch gemacht hat oder noch nicht das Rentenalter erreicht hat (vgl. zum Ganzen: Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Eingliederungsmassnahmen beru flicher Art [KSBE], in der ab 1. Januar 2014 geltenden Fassung, Rz. 4011 ff.). 5.1.2 Nach Ziff 9. lit. o) Ziff. 1. Abschnitt A Anhang II FZA gilt ein Arbei t- nehmer oder Selbstständiger, der den schweizerischen Rechtsvorschri f- ten über die Invalidenversicherung nic ht mehr unterliegt, weil er seine existenzsichernde Erwerbstätigkeit in der Schweiz infolge Unfalls oder Krankheit aufgeben musste, als in dieser Versicherung versichert für den Erwerb des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen und während der Durchführung dieser Massnahmen, sofern er keine anderweitige E r- werbstätigkeit ausserhalb der Schweiz aufnimmt. Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist der Bezug von Arbeitsl o- sengeldern im Wohnland der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ausserhalb der Schweiz gleic hgestellt (BGE 132 V 53 E. 5 f.). Die im Anhang II FZA hinsichtlich Eingliederungsmassnahmen vorgesehene Verlängerung der Versicherung endet insbesondere spätestens in dem Zeitpunkt, in we l- chem der Fall durch Zusprechung einer Rente definitiv abgeschlossen wird, die Eingliederung erfolgreich durchgeführt wurde, eine Erwerbst ä- tigkeit ausserhalb der Schweiz aufgenommen wird oder Arbeitslosenge l- der im Wohnland bezogen werden (BGE 132 V 244 E. 6.4.1). 5.2 Der Beschwerdeführer machte beschwerdeweise geltend, die Vorin- stanz habe den Sachverhalt ungenügend abgeklärt, da sie zur Festste l- lung des Invaliditätsgrades keinerlei Überlegungen, Berechnungen oder Abklärungen vorgenommen habe, obwohl ihr bekannt gewesen sei, dass er seine bisherige Tätigkeit, die zu ungefähr 30% in kniender Position ver- richtet werde, in dieser Form nicht mehr werde ausüben können. Die Vor- instanz habe sich lediglich mit dem Hinweis begnügt, dass er andere, a n-C-2551/2013 Seite 11 gepasste Tätigkeiten noch ausüben könne, weshalb kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe. 5.3 Die Vorinstanz verzichtete im Beschwerdeverfahren auf eine Ve r- nehmlassung und verwies auf die Ausführungen in der Verfügung. Dieser ist – wie der Beschwerdeführer zutreffend festgehalten hat – zu entneh- men, dass die Vorinstanz davon ausging, das s der Beschwerdeführer in seiner zuletzt ausgeübten Bauschreinertätigkeit zwar erheblich eing e- schränkt sei, dass ihm aber auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in beruf s- verwandten Bereichen ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten offen - stünden, in welchen er "einen Verdienst in etwa bis anhin erzielen" könne. Ein Einkommensvergleich wurde nicht durchgeführt. 5.4 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer gelernter Schreiner (mit Gesellenbrief) ist und er schon einige Jahre auf seinem Beruf gearbeitet hat. Der Beschwerdeführer hat Jahrgang 1969 und war somit im Zeitpunkt der Verfügung 44 Jahre alt. Er erzielte gemäss den Feststellungen der Suva vor dem Unfall ein Valideneinkommen von Fr. 75'400.-. Die Suva ging ferner davon aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Unfalls eine Erwerbseinbusse von 16% erleide. Praxisg e- mäss kommt eine berufliche Massnahme der Invalidenversicherung in Betracht, wenn der Versicherte – wie vorstehend erwähnt – eine E r- werbseinbusse von ungefähr 20% erleidet und mit einer berufl ichen Massnahme eine wesentliche Verbesserung erreicht werden könnte. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in se i- nem angestammten und gelernten Beruf die besseren Verdienstmöglic h- keiten hat, als in einer angepassten Hilfsarbeitertätigkeit. Ohne detaillierte Abklärung der möglichen Verweistätigkeiten und den entsprechenden Verdienstmöglichkeiten kann jedoch nicht ohne Weiteres gesagt werden, der Beschwerdeführer könne auch in anderen Tätigkeiten etwa dasselbe Einkommen erzielen, wie in seiner früheren Tätigkeit. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass der Minderverdienst in einer Verweistätigkeit m in- destens 20% betragen könnte. Zudem wäre es denkbar, dass dem B e- schwerdeführer durch eine Weiterbildung die weitere Tätigkeit in seinem bisherigen Berufsfeld aber in einer anderen Funktion und mit ähnlichem Lohn wie bisher ermöglicht werden könnte, in welcher er die für ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumut baren Belastungen (Knien und Hocken) vermeiden könnte. Überdies hat der Beschwerdeführer mit seinen 44 Jahren keineswegs nahezu das Rentenalter erreicht, so dass ihm eine entsprechende Umschulung durchaus noch einige Jahre von Nutzen sein dürfte. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vori n-C-2551/2013 Seite 12 stanz den Sachverhalt insbesondere in Bezug auf die obenstehenden Kri- terien nur ungenügend abgeklärt hat, weshalb gestützt auf die vorhand e- nen Akten nicht über den Anspruch auf berufliche Massnahmen entschie- den werden kann. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der B e- schwerdeführer bestritt, dass er in Deutschland Leistungen der Arbeitsl o- senversicherung beziehe. Auch dies hat die Vorinstanz nicht näher abg e- klärt, weshalb auch nicht bereits gestützt darauf ein allfä lliger Anspruch verneint werden kann. Ob die Vorinstanz auch ihre Begründungspflicht verletzt hat und die Ve r- fügung – wie der Beschwerdeführer geltend machte – bereits aus diesem Grund hätte aufgehoben werden müssen, kann mit Blick auf dieses E r- gebnis offengelassen werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt hat. Die Beschwerde ist somit in diesem Sinne antragsgemäss gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 26. April 2012 ist aufzuheben und die Sache ist zur Abklärung im Sinne der Erw ä- gungen an die IVSTA zurückzuweisen. 6. Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par- teientschädigung. 6.1 Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Eine Rückweisung gilt praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei (BGE 132 V 215 E. 6). Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer somit keine Kosten aufzuerlegen. Der von ihm geleistete Kostenvorschuss in der H ö- he von Fr. 400.- ist ihm nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden U r- teils auf ein von ihm bekannt zu gebendes Konto zurückzuerstatten. Einer unterliegenden Vorinstanz sind gemäss Art. 63 Abs. 2 VwVG eben- so wenig Verfahrenskosten aufzuerlegen. 6.2 Die B eschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Regleme nts vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschäd i- gung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendi-C-2551/2013 Seite 13 ge Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE). Der Beschwerdeführer war im vor- liegenden Verfahren berufsmässig vertreten, weshalb ihm zu Lasten der unterliegenden Vorinstanz eine Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 459/05 vom 24. Juli 2006 E. 4). Der entstandene Aufwand belief sich gemäss Hono- rarnote des Rechtsanwalts vom 4. September 2013 auf neun Stunden à Fr. 250.- zuzüglich Auslagen von Fr. 89.-, also insgesamt auf Fr. 2'339.-, was in Anbetracht des aktenkundigen und gebotenen Aufwands nicht zu beanstanden ist. Der unterliegenden Vorinstanz ist keine Parteientschädigung zuzuspr e- chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). C-2551/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinn gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 26. April 2012 aufgehoben und die Sache an die Vori n- stanz zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägung 5.3 den Sachverhalt neu abklärt und über den A nspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen erneut verfügt. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvo r- schuss in der Höhe von Fr. 400.- wird dem Beschwerdeführer nach Ei n- tritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Dem Beschwerdeführer wird zu Lasten der IVSTA eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 2'339.- zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben mit Rückschein; Beilage: Formular Zahladresse und Doppel der Eingabe von Rechtsanwalt Jan Herrmann vom 23. Dezember 2013) – Rechtsanwalt Jan Herrmann (Urteil nur im Dispositiv; Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Beilage: Einzahlungsschein von Recht s- anwalt Jan Herrmann) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Peterli Sandra Tibis C-2551/2013 Seite 15 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern , Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die U n- terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: