<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">358</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>65</b></span> <span class="ft2"><b>Ausrichtung der Förderbeiträge nach EnergieG; pflichtgemässe Aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>übung des Ermessens durch rechtsanwendende Behörden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gemäss § 12 Abs. 1 des EnergieG fördert der Kanton die Projekte im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zusammenhang mit erneuerbaren oder aus einheimischen Quellen stam-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>menden Energieträgern, u. a. mit finanziellen Beiträgen (§ 12 Abs. 2 lit. b</b></span><br/> <span class="ft2"><b>EnergieG). Nach § 12 Abs. 3 des EnergieG besteht allerdings kein Rechts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>anspruch auf derartige Leistungen. Bei der Festlegung der Vorausset-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zungen für die Zusprechung der Beiträge kommt den Behörden ein gros-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ses Ermessen zu, das pflichtgemäss, d.h. verfassungs- und gesetzeskon-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>form auszuüben ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 21. Dezember 2011 i.S. S. S.</span><br/> <span class="ft3">gegen den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt</span><br/> <span class="ft3">(RRB-Nr. 2011-001918)</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1</span><br/> <span class="ft1">Die Fachstelle Energie BVU hat das Fördergesuch des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers mit der Begründung abgewiesen, dieses sei erst</span><br/> <span class="ft1">nach der Installation der Stückholzfeuerung und damit verspätet ein-</span><br/> <span class="ft1">gereicht worden. Der Beschwerdeführer macht nun rechtsmittelweise</span><br/> <span class="ft1">geltend, dass er die Praxis der Fachstelle Energie BVU für</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">359</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">willkürlich und rechtsungleich erachte; die im angefochtenen Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid genannten Gründe für die Abweisung des Förderbeitrags seien</span><br/> <span class="ft1">nämlich nirgends im Gesetz oder in einer Verordnung ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Zudem führt er an, dass trotz allfällig verspätetem Einreichen des</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsformulars das Ziel bzw. der Zweck des Förderprogramms</span><br/> <span class="ft1">nicht verfehlt werde. Seines Erachtens habe die formelle Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zung, das Gesuch vor Baubeginn einzureichen, nichts mit dem ei-</span><br/> <span class="ft1">gentlichen Zweck der Förderung zu tun. Darüber hinaus bringt der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer vor, die Fachstelle Energie BVU habe eine den</span><br/> <span class="ft1">Inhalt bzw. Sinn verändernde Begriffsabwandlung auf dem Gesuchs-</span><br/> <span class="ft1">formular ohne entsprechende Ermächtigung vorgenommen, was</span><br/> <span class="ft1">wiederum auf eine auf Willkür basierende Behandlungsweise hin-</span><br/> <span class="ft1">deute; es könne nicht angehen, dass eine Amtsstelle eigenmächtig die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für die Ausrichtung von Beiträgen festsetze bzw.</span><br/> <span class="ft1">ändere.</span><br/> <span class="ft1">2.2</span><br/> <span class="ft1">Die Rechtsgrundlage für das Förderprogramm findet sich in</span><br/> <span class="ft1">§ 12 des EnergieG: Gemäss dieser Bestimmung fördert der Kanton</span><br/> <span class="ft1">namentlich Projekte im Zusammenhang mit erneuerbaren oder aus</span><br/> <span class="ft1">einheimischen Quellen stammenden Energieträgern (Abs. 1), und</span><br/> <span class="ft1">zwar u. a. mit finanziellen Beiträgen (Abs. 2 lit. b); allerdings besteht</span><br/> <span class="ft1">kein Rechtsanspruch auf derartige Leistungen (Abs. 3). Die Zustän-</span><br/> <span class="ft1">digkeit für die einzelnen Massnahmen richtet sich nach den Vor-</span><br/> <span class="ft1">schriften über den kantonalen Finanzhaushalt, und die Leistungen</span><br/> <span class="ft1">erfolgen nach einem vom Regierungsrat genehmigten Konzept, in</span><br/> <span class="ft1">dem Prioritäten und Kriterien für die Forschungsförderung und An-</span><br/> <span class="ft1">wendung der Förderungsinstrumente festgelegt sind (Abs. 5).</span><br/> <span class="ft1">Angesichts dieser Rechtsgrundlage für die Förderbeiträge er-</span><br/> <span class="ft1">scheint die Argumentation des Beschwerdeführers offenkundig als</span><br/> <span class="ft1">nicht stichhaltig. Der Gesetzgeber wollte die Voraussetzungen für die</span><br/> <span class="ft1">Zusprechung der Beiträge nicht bis ins letzte Detail regeln, sondern</span><br/> <span class="ft1">er räumte den rechtsanwendenden Behörden einen grossen Er-</span><br/> <span class="ft1">messensspielraum ein. Zwar ist dem Beschwerdeführer beizupflich-</span><br/> <span class="ft1">ten, dass aus dem Umstand, dass kein Rechtsanspruch auf Förder-</span><br/> <span class="ft1">beiträge besteht, nicht abgeleitet werden kann, dass Förderbeiträge</span><br/> <span class="ft1">"nach Belieben" zugesprochen werden können; vielmehr hat die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">360</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Ausübung des Ermessens - wie jedes staatliche Handeln - pflicht-</span><br/> <span class="ft1">gemäss, d. h. im Rahmen von Verfassung und Gesetz nach sachli-</span><br/> <span class="ft1">chen Grundsätzen zu erfolgen, namentlich unter Beachtung von Sinn</span><br/> <span class="ft1">und Zweck der gesetzlichen Ordnung und der dort angelegten</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interessen sowie des Gebots der rechtsgleichen Behand-</span><br/> <span class="ft1">lung, der Verhältnismässigkeit und des Willkürverbots (Tschannen/</span><br/> <span class="ft1">Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl. 2009, § 26</span><br/> <span class="ft1">N. 11; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,</span><br/> <span class="ft1">6. Aufl. 2010, N. 441). Diesen Grundsätzen hat die Fachstelle</span><br/> <span class="ft1">Energie BVU aber mit dem angefochtenen Entscheid durchaus Rech-</span><br/> <span class="ft1">nung getragen. Zu berücksichtigen ist nämlich, dass das Ziel der</span><br/> <span class="ft1">Förderprogramme insbesondere darin besteht, Anreize für den Ein-</span><br/> <span class="ft1">satz von erneuerbaren Energien zu schaffen. Solche Anreize sind</span><br/> <span class="ft1">jedoch dann nicht mehr vonnöten, wenn mit einem Vorhaben bereits</span><br/> <span class="ft1">begonnen wurde bzw. es bereits umgesetzt ist. Zum gleichen Schluss</span><br/> <span class="ft1">kam übrigens auch der vom Bundesamt für Energie sowie der Konfe-</span><br/> <span class="ft1">renz kantonaler Energiefachstellen herausgegebene Schlussbericht</span><br/> <span class="ft1">zum Harmonisierten Fördermodell der Kantone (vgl. dazu speziell</span><br/> <span class="ft1">S.</span> <span class="ft1">21, publiziert unter http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/</span><br/> <span class="ft1">message/attachments/16847.pdf); dieses Harmonisierte Fördermodell</span><br/> <span class="ft1">bildet denn auch die Grundlage für das vom Regierungsrat ge-</span><br/> <span class="ft1">nehmigte und von der Fachstelle Energie BVU zur Anwendung</span><br/> <span class="ft1">gebrachte aargauische Förderprogramm 2011. Es ist daher ohne Wie-</span><br/> <span class="ft1">teres sachgerecht und auch mit dem Rechtsgleichheitsgebot zu</span><br/> <span class="ft1">vereinbaren, wenn Fördergesuche, die erst nach der Realisierung des</span><br/> <span class="ft1">Vorhabens eingereicht werden, anders behandelt - nämlich abgewie-</span><br/> <span class="ft1">sen - werden als solche, die vorgängig eingereicht wurden.</span><br/> <span class="ft1">Nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer aus dem Umstand, dass im früher von der Fachstelle Energie</span><br/> <span class="ft1">BVU abgegebenen Formular davon die Rede war, Fördergesuche</span><br/> <span class="ft1">müssten "vor Baubeginn" eingereicht werden, während im neuer-</span><br/> <span class="ft1">dings verwendeten Formular die Einreichung "vor der Installation"</span><br/> <span class="ft1">verlangt werde. Die Fachstelle für Energie weist zutreffend darauf</span><br/> <span class="ft1">hin, dass es sich lediglich um eine sprachliche Präzisierung handelt,</span><br/> <span class="ft1">weil haustechnische Anlagen selber keine Baubewilligung benötigen</span><br/> <span class="ft1">und deshalb nicht mit ihrem "Bau", sondern lediglich mit ihrer "In-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">361</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">stallation" begonnen werden kann; damit lassen sich insbesondere</span><br/> <span class="ft1">bei haustechnischen Anlagen in Neubauten Missverständnisse ver-</span><br/> <span class="ft1">meiden.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>