A bteilung III C -1000/2006 {T 0/2} U rteil vom 4. Juni 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf; R ichter Andreas Trom m er; R ichter Blaise Vuille; G erichtsschreiber D aniel Brand. B ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf A ._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Am 5. Septem ber 2006 ersuchte A._______ (geb. 1969, Serbien/Kosovo) beim Schw eizerischen Verbindungsbüro in Pristina um ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem im Kanton St. G allen w ohnhaf- ten Bruder B._______ (Beschw erdeführer). N ach form loser Verw eigerung überm ittelte die Schw eizerische Vertretung das G esuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz. B. N achdem das Ausländeram t des Kantons St. G allen beim G astgeber er- gänzende Auskünfte eingeholt hatte, w ies die Vorinstanz m it Verfügung vom 24. O ktober 2006 das Einreisegesuch m it der Begründung ab, die G e- suchstellerin stam m e aus einer R egion, aus w elcher der Zuw anderungs- druck als Folge der dort herrschenden w irtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse bekannterw eise nach w ie vor stark anhalte. Viele ihrer Lands- leute versuchten, ihren Aufenthalt in der Schw eiz durch Ausschöpfung säm tlicher rechtlicher M ittel zu verlängern, um sich so in U m gehung der bundesrätlichen Begrenzungsm assnahm en eine verm eintlich bessere Zu- kunft aufzubauen. Im W eitern oblägen der Eingeladenen in ihrem U r- sprungsland w eder zw ingende berufliche oder gesellschaftliche Verpflich- tungen noch fam iliäre Verantw ortlichkeiten, die gegebenenfalls G ew ähr für eine fristgerechte R ückkehr bieten könnten. Schliesslich lägen auch keine G ründe vor, w elche eine Einreise trotz dieser Bedenken als zw ingend not- w endig erscheinen liessen. C . M it Eingabe vom 3. N ovem ber 2006 beantragt der Beschw erdeführer sinn- gem äss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des gew ünschten Besuchervisum s. Zur Begründung m acht er im W esentli- chen geltend, vor ihrer H eirat im Kosovo m öchte er seiner Schw ester ei- nen dreim onatigen Besuchsaufenthalt in der Schw eiz erm öglichen. An- schliessend w erde sie w ieder ins H eim atland zurückkehren. D . In ihrer Vernehm lassung vom 20. N ovem ber 2006 spricht sich die Vorin- stanz für die Abw eisung der Beschw erde aus und hält ergänzend fest, ser- bische Staatsangehörige bildeten w eiterhin eine der H auptgruppen von neu einreisenden Asylbew erbern. D iesem U m stand gelte es bei der Beur- teilung des vorliegenden Einreisebegehrens R echnung zu tragen, ebenso der Tatsache, dass es sich bei der G esuchstellerin um eine junge, ledige und kinderlose Frau handle, w elche über keine feste Anstellung verfüge und überdies ein Asylverfahren in der Schw eiz durchlaufen habe. E. M it verfahrensleitender Anordnung vom 23. Januar 2007 w urde dem Be- schw erdeführer die M öglichkeit gew ährt, zur Vernehm lassung der Vorin- stanz Stellung zu nehm en. D ie hierfür gesetzte Frist blieb ungenutzt.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der beim Inkrafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erdediensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021). D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist als "M itbeteiligter" (Bruder und zugleich G astge- ber) gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG zur Beschw erdeführung legitim iert; auf die frist- und form gerechte Beschw erde ist daher einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 2. Ausländer/-innen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung besitzen oder w enn sie keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a AN AG ). D ie Behörde entscheidet, im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Aus- land, nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt oder N ie- derlassung (Art. 4 AN AG ). D aher räum t das schw eizerische R echt w eder einen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visum s ein (vgl. PETER U EBE R SAX , Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold (H rsg.), Ausländerrecht, Ausländerin- nen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und So- zialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143). D em behördli- chen Erm essen steht som it im Falle der Erteilung einer Einreisebew illigung ein w eiterer Spielraum offen als beispielsw eise bei der Verlängerung einer allm ählich den Vertrauensschutz verfestigenden Anw esenheitserlaubnis. D ies gilt auch für die Beurteilung von Einreiseersuchen zur Anw esenheit von bis zu drei M onaten, die bew illigungsfrei, m itunter aber visum spflichtig sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 AN AG i.V.m . den nachstehend erw ähnten Visum s- bestim m ungen). 3. Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz grundsätzlich ein Visum (vgl. Art. 1 und Art. 3 der Verordnung vom 14. Ja- nuar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Auslän-4 dern [VEA, SR 142.211]). D as Visum w ird verw eigert, w enn die Auslände- rin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Art. 1 VEA nicht erfüllt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So m üssen Personen, die in die Schw eiz reisen m öchten, unter anderem G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ie- der ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c. VEA). D azu lassen sich jedoch, da ein künftiges Verhalten zu beurteilen ist, in der R egel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Voraussagen m achen. D abei sind säm tli- che U m stände des konkreten Einzelfalles zu w ürdigen. 4. D ie G esuchstellerin kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen und unterliegt aufgrund ihrer N ationalität den Visum sbestim m ungen (vgl. Art. 1 - 5 VEA). 4.1 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten W iederausreise können sich aus der allgem einen Lage im H erkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw . R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise un- günstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche In- teressenlage in solchen Fällen nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einreisebew illigung in Einklang steht. 4.2 Trotz grosser internationaler U nterstützung ist es bisher nicht gelungen, im Kosovo eine W achstum sdynam ik einzuleiten; es herrscht w irtschaftliche Stagnation. D ie Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch, sind doch m ehr als die H älfte der Erw erbsfähigen ohne oder zum indest ohne regelm ässiges Einkom m en. D ie soziale Lage ist für w eite Teile der Bevölkerung unbefrie- digend. Entsprechend hoch ist der Anteil jener, die versuchen nach W est- europa und hier unter anderem auch in die Schw eiz zu gelangen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Existenz aufzubauen. D iese Tendenz zur Ausw anderung zeigt sich erfahrungsgem äss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, die bereits über ein m ini- m ales soziales Beziehungsnetz im Ausland (Verw andte oder Freunde) ver- fügen. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven frem den- polizeilichen Zulassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländer- rechtlicher Bestim m ungen. 4.3 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch, w ie unter Ziffer 3 ausgeführt, säm tliche G e- sichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller oder einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W ie- derausreise begünstigen. Andererseits m uss bei G esuchstellern, die in der H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m ög- lichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 4.4 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 38-jährige, ledige Frau, w elche als H ausfrau keiner geregelten Erw erbstätigkeit nachgeht und so-5 m it nicht in der Arbeitsw elt integriert ist (vgl. Ziff. 9 und 10 des persönli- chen Einreisegesuches). Vor diesem H intergrund darf bezw eifelt w erden, dass der Eingeladenen im H eim atland besondere berufliche oder fam iliäre Verpflichtungen obliegen, die sie ernsthaft von einer Em igration abzuhal- ten verm öchten, zum al bereits der Beschw erdeführer und G astgeber sow ie ein w eiterer Bruder (C ._______, LU [...]), und dam it enge Bezugsperso- nen, definitiv in die Schw eiz übersiedelt sind. Solchen U m ständen gilt es bei der Beurteilung des vorliegenden Einreisegesuches durchaus R ech- nung zu tragen, ist doch das R isiko, dass w eitere Angehörige aus dem en- geren Fam ilienkreis (w ie beispielsw eise die Eingeladene), die im H eim at- land m öglicherw eise m it den gleichen oder zum indest ähnlichen Proble- m en zu käm pfen haben, ebenfalls einen dauerhaften Aufenthalt in der Schw eiz anstreben könnten, nicht bloss als gering einzustufen. Berücksichtigt m an zudem die oben erw ähnte allgem eine w irtschaftliche Lage im H eim atland, dürften die m ittelfristigen Zukunftsaussichten der G e- suchstellerin zum indest als schw ierig einzustufen sein. D er (nicht w eiter belegte) Einw and auf Beschw erdeebene, die Eingeladene w erde sich der- einst im Kosovo verheiraten, m uss daher als nicht ausschlaggebend be- zeichnet w erden. U m so w eniger, als ebenfalls die Schw eizerische Vertre- tung in Pristina, w elche m it den sozialen, w irtschaftlichen und politischen Verhältnissen im H erkunftsstaat der Ausländerin gut vertraut ist und sich som it durchaus ein Bild der Einreisew illigen m achen kann, grosse Beden- ken bezüglich der anstandslosen W iederausreise äusserte und daher die Einreisebew illigung form los verw eigerte. 4.5 N ach dem G esagten durfte die Vorinstanz davon ausgehen, die W ieder- ausreise der Eingeladenen sei im Sinne der m assgeblichen Bestim m ungen nicht gesichert. Zw ar liess sich diese Prognose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie reichte aber aus, um die Erteilung eines Ein- reisevisum s – auf das, w ie erw ähnt, ohnehin kein R echtsanspruch besteht – abzulehnen. D aran ändert auch die Tatsache nichts, dass der R ekurrent für die R ückreise seiner Schw ester garantiert hätte, denn eine solche G a- rantie ist trotz bester und ehrlicher Absichten nicht m öglich bzw . rechtlich nicht durchsetzbar (vgl. Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 57.24). D ie Abw ägung der für und gegen eine W iederausreise sprechen- den G esichtspunkte obliegt allein der zuständigen Behörde; die G astgeber in der Schw eiz haben darauf keinen Einfluss. W ie bereits m ehrfach betont, ist bei der Beurteilung von Einreisebegehren in erster Linie auf das U m feld bzw . die (persönlichen) Verhältnisse der eingeladenen Personen – und nicht der G astgeber – abzustellen. 5. Aus diesen G ründen ist som it nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das öffentliche Interesse sow ie die Beachtung der geltenden Bestim m un- gen entsprechend hoch gew ichtete und der G esuchstellerin die Einreise verw eigerte. D ie angefochtene Verfügung verletzt daher Bundesrecht nicht. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig fest- gestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtge- m äss und zutreffend gehandhabt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw eisen.6 6. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 30. Januar 2007 geleisteten Kostenvorschuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. [...] retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf D aniel Brand Versand am :