<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 15" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 15</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">121</span> </div> <div class="page" id="S121"> <div role="main"> <br/> <span class="text"><b>15 </b> <b>Behindertengerechtes bzw. hindernisfreies Bauen </b></span><br/> <span class="text"><b>Die in der Norm SIA 500 Hindernisfreie Bauten , Ausgabe 2009,</b></span><br/> <span class="text">festgehaltenen (Mindest-)Anforderungen bei einem Mehrfamilien-</span><br/> <span class="text">haus-Neubau mit 28 Wohnungen müssen von Anfang an erfüllt sein.</span><br/> <span class="text">Eine Variabilität bzw. Flexibilität ist erst dann zulässig, wenn</span><br/> <span class="text">bzw. solange die Mindestanforderungen gemäss Norm SIA 500 er-</span><br/> <span class="text">füllt sind (zweistufiges Konzept). </span><br/> <span class="text"><b>Unzulässigkeit verschiebbarer Wände </b></span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 30. August</span><br/> <span class="text">2019, in Sachen A. AG gegen Gemeinderat B. und Departement Bau, Verkehr</span><br/> <span class="text">und Umwelt (WBE.2019.40).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen: </i></span><br/> <br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">In materieller Hinsicht umstritten ist zunächst, ob bezüglich der</span><br/> <span class="text">Nasszellen die in Ziff. 10.2.1 der Norm SIA 500, Ausgabe 2009, des</span><br/> <span class="text">Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (nachfolgend:</span><br/> <span class="text">SIA-Norm 500) geforderte minimale Raumabmessung von 1.70 m</span><br/> <span class="text">zwingend einzuhalten ist, oder ob die von der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="text">geplante variable Lösung mit einer verschiebbaren Wand (mit</span><br/> <span class="text">welcher die Raumtiefe je nach Bedarf von 1.40 m auf die in der SIA-</span><br/> <span class="text">Norm 500 geforderten 1.70 m angepasst/vergrössert werden könne)</span><br/> <span class="text">zulässig ist.</span><br/> <span class="text">2.1. (...)</span><br/> <span class="text">2.2.</span><br/> <span class="text">2.2.1.</span><br/> <span class="text">Vorab festzuhalten ist, dass der projektierte Neubau</span><br/> <span class="text">28 Wohnungen umfasst, womit das Gebäude als Mehrfamilienhaus</span><br/> <span class="text">gilt (vgl. § 23b ABauV i.V.m. § 64 Abs. 1 BauV; vgl. auch § 18</span><br/> <span class="text">Abs. 1 BauV). Gemäss § 53 Abs. 1 BauG sind Mehrfamilienhäuser,</span><br/> <span class="text">die neu erstellt oder erneuert werden, für Menschen mit Behinde-</span><br/> <span class="text">rungen zugänglich und benutzbar zu gestalten; diese Pflicht entfällt,</span><br/> <span class="text">wenn der für Behinderte zu erwartende Nutzen in einem Missver-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">122</span> </div> <div class="page" id="S122"> <div role="main"> <span class="text">hältnis steht, insbesondere zum wirtschaftlichen Aufwand, zu Inte-</span><br/> <span class="text">ressen des Umweltschutzes, des Natur- und Heimatschutzes oder zu</span><br/> <span class="text">Anliegen der Verkehrs- und Betriebssicherheit. Gestützt auf § 53</span><br/> <span class="text">Abs. 2 BauG hat der Regierungsrats in den §§ 37 f. BauV sodann</span><br/> <span class="text">Vorschriften zum hindernisfreien Bauen erlassen. § 37 BauV regelt</span><br/> <span class="text">die Anforderungen an hindernisfreies Bauen: Abs. 1 bestimmt,</span><br/> <span class="text">dass u.a. Mehrfamilienhäuser nach Massgabe der SIA-Norm 500</span><br/> <span class="text">Hindernisfreie Bauten , Ausgabe 2009, hindernisfrei zu erstellen</span><br/> <span class="text">sind. Abs. 2 ist im konkreten Fall sodann nicht von Bedeutung, weil</span><br/> <span class="text">nicht ein Mehrfamilienhaus mit weniger als neun Wohneinheiten zur</span><br/> <span class="text">Beurteilung steht. Und § 38 BauV regelt schliesslich den verhält-</span><br/> <span class="text">nismässigen Aufwand für die hindernisfreie Bauweise.</span><br/> <span class="text">Beizupflichten ist der Vorinstanz zunächst, dass die Mindestan-</span><br/> <span class="text">forderungen der SIA-Norm 500 bei einem Neubau bereits von An-</span><br/> <span class="text">fang an erfüllt sein und im Rahmen der Projektierung mitberücksich-</span><br/> <span class="text">tigt werden müssen. Dies ergibt sich schon aus dem Wortlaut von</span><br/> <span class="text">§ 37 Abs. 1 BauV, gemäss welchem u.a. Mehrfamilienhäuser nach</span><br/> <span class="text">Massgabe der SIA-Norm 500 hindernisfrei zu erstellen sind. Eben-</span><br/> <span class="text">falls zutreffend ist, dass es sich bei der SIA Norm 500 gemäss § 37</span><br/> <span class="text">Abs. 1 BauV nicht eine Richtlinie handelt, sondern um eine verbind-</span><br/> <span class="text">lich einzuhaltende Norm. Dem Merkblatt Nr. 201 Die Bedeutung</span><br/> <span class="text">des anpassbaren Wohnungsbaus (12/10) der Procap lässt sich so-</span><br/> <span class="text">dann entnehmen, dass das Konzept der Anpassbarkeit auf einer zwei-</span><br/> <span class="text">stufigen Strategie basiert: Alle Wohnungen seien so zu erstellen, dass</span><br/> <span class="text">sie auch für Menschen im Rollstuhl etc. weitgehend besuchsgeeignet</span><br/> <span class="text">seien. Gleichzeitig sei bereits bei der Erstellung sicherzustellen, dass</span><br/> <span class="text">nachträgliche Anpassungen an die individuellen Bedürfnisse behin-</span><br/> <span class="text">derter Personen mit wenig Aufwand möglich seien. Bauliche Anpas-</span><br/> <span class="text">sungen würden jedoch erst dann vorgenommen, wenn sie erforder-</span><br/> <span class="text">lich und auch im Detail bekannt seien; genannt werden z.B. Apparate</span><br/> <span class="text">oder Haltegriffe, welche allenfalls im Badezimmer zu montieren</span><br/> <span class="text">seien. Das Merkblatt hält weiter fest, dass u.a. Raumgrössen bereits</span><br/> <span class="text">bei der Erstellung genügend gross zu dimensionieren seien und so</span><br/> <span class="text">nicht mehr verändert werden müssten. Das Konzept für Wohnbauten,</span><br/> <span class="text">bei denen es sich um individuell genutzte Räume handle, verlange</span><br/> <span class="text">damit nicht von Anfang an eine umfassende Behindertengerechtig-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">123</span> </div> <div class="page" id="S123"> <div role="main"> <span class="text">keit. Deshalb müsse auch nicht eine grosse Zahl von Anforderungen</span><br/> <span class="text">eingehalten werden - in der SIA-Norm genügten dafür vier Seiten</span><br/> <span class="text">(Merkblatt Nr. 201 Die Bedeutung des anpassbaren Wohnungsbaus</span><br/> <span class="text">[10/12] der Procap). Umgekehrt formuliert müssen jedoch die in der</span><br/> <span class="text">SIA-Norm festgehaltenen (wenigen) Anforderungen von Anfang an</span><br/> <span class="text">eingehalten werden. Mit andern Worten ergibt sich auch aus dem</span><br/> <span class="text">Merkblatt und dem zweistufigen Konzept, das der SIA-Norm 500</span><br/> <span class="text">zugrunde liegt, dass die in der SIA-Norm 500 festgehaltenen (Min-</span><br/> <span class="text">dest-)Anforderungen bei einem Mehrfamilienhaus-Neubau von An-</span><br/> <span class="text">fang an erfüllt sein müssen.</span><br/> <span class="text">Abweichungen von den Bestimmungen der SIA-Norm 500 sind</span><br/> <span class="text">dann zulässig, wenn auf andere Art nachweislich erreicht wird, was</span><br/> <span class="text">die einzelnen Bestimmungen vorgeben (SIA-Norm 500, Ziff. 0.2.1).</span><br/> <span class="text">Falls in einem Bauvorhaben einzelne Bestimmungen der SIA-Norm</span><br/> <span class="text">500 nicht eingehalten werden können, sind die Abweichungen im</span><br/> <span class="text">Rahmen der Verhältnismässigkeit durch die zuständigen Instanzen</span><br/> <span class="text">festzulegen (SIA-Norm 500, Ziff. 0.2.2).</span><br/> <span class="text">2.2.2.</span><br/> <span class="text">Mit dem Baugesuch wird um die Bewilligung eines konkreten</span><br/> <span class="text">Bauvorhabens ersucht. Das Baubewilligungsverfahren bezweckt die</span><br/> <span class="text">Feststellung, ob das zugrundeliegende Bauvorhaben mit den ein-</span><br/> <span class="text">schlägigen Vorschriften des öffentlichen Rechts übereinstimmt (vgl.</span><br/> <span class="text">AGVE 2000, S. 247; ANDREAS BAUMANN, in: Kommentar zum</span><br/> <span class="text">Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, § 59 N 29; ERICH</span><br/> <span class="text">ZIMMERLIN, Baugesetz des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971,</span><br/> <span class="text">Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985, § 152 N 5). Überprüft wird da-</span><br/> <span class="text">bei die gemäss eingereichtem Baugesuch geplante Baute oder Anla-</span><br/> <span class="text">ge, nicht jedoch allfällige Möglichkeiten und Variationen aufgrund</span><br/> <span class="text">unbekannter Wünsche und Bedürfnisse eventueller späterer Mieter</span><br/> <span class="text">oder Eigentümer. Mit der Baubewilligung soll sichergestellt werden,</span><br/> <span class="text">das zum Zeitpunkt der Erteilung der Baubewilligung, der Erstellung</span><br/> <span class="text">und der Abnahme der Baute oder Anlage der gesetzeskonforme Zu-</span><br/> <span class="text">stand besteht. Allfällige spätere Änderungen müssen ebenfalls die</span><br/> <span class="text">gesetzlichen Vorgaben einhalten, allenfalls ist dafür ein neues Bau-</span><br/> <span class="text">bewilligungsverfahren erforderlich. Eine Variabilität bzw. Flexibi-</span><br/> <span class="text">lität ist erst dann zulässig, wenn bzw. solange die Mindestanforde-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">124</span> </div> <div class="page" id="S124"> <div role="main"> <span class="text">rungen gemäss SIA-Norm 500 erfüllt sind. Dies entspricht dem</span><br/> <span class="text">zweistufigen Konzept.</span><br/> <span class="text">Die SIA-Norm 500 schreibt in Ziff. 10.2.1 Anpassbarer Bad-</span><br/> <span class="text">/Duschraum vor, dass pro Wohnung mindestens ein Bad- oder</span><br/> <span class="text">Duschraum mit Klosett u.a. folgende Masse einhalten muss: Nutz-</span><br/> <span class="text">fläche mindestens 3.80 m2, wobei keine Raumabmessung weniger</span><br/> <span class="text">als 1.70 m betragen darf. Die erforderlichen Fertigmasse dürfen nicht</span><br/> <span class="text">durch Vormauerungen reduziert werden . Entgegen der Ansicht der</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin ist dabei unerheblich, ob der Raum geschickt</span><br/> <span class="text">angeordnet ist oder die Länge des Raums 2.89 m misst. Solange</span><br/> <span class="text">(u.a.) nicht jede Raumabmessung mindestens 1.70 m beträgt, ent-</span><br/> <span class="text">spricht das Vorhaben nicht den rechtlichen Mindestanforderungen.</span><br/> <span class="text">Der Gemeinderat weist im Übrigen völlig richtig darauf hin,</span><br/> <span class="text">dass die Argumentation der Beschwerdeführerin, die Grundstruktur</span><br/> <span class="text">des Gebäudes müsste im Moment nicht behindertengerecht erstellt</span><br/> <span class="text">werden, vergleichbar mit der Argumentation ist, zu einem Mehrfami-</span><br/> <span class="text">lienhaus müssten keine Spielflächen erstellt werden, weil keine Kin-</span><br/> <span class="text">der im Gebäude wohnten; der Spielplatz werde beim Zuzug von</span><br/> <span class="text">Kindern dann erstellt. Eine solche Argumentation wäre mit den ge-</span><br/> <span class="text">setzlichen Vorgaben nicht vereinbar (§ 54 Abs. 1 BauG). Analog ver-</span><br/> <span class="text">hält es sich beim behindertengerechten Bauen. Geht es um den Bau</span><br/> <span class="text">eines Mehrfamilienhauses, so muss dieser Neubau behinderten-</span><br/> <span class="text">gerecht bzw. hindernisfrei gemäss SIA-Norm 500 erstellt werden</span><br/> <span class="text">(§ 53 BauG i.V.m. § 37 BauV). Dabei müssen die Minimalanforde-</span><br/> <span class="text">rungen gemäss SIA-Norm 500 von Anfang an erfüllt sein (zweistufi-</span><br/> <span class="text">ges Konzept). Dies gilt auch für die Beschwerdeführerin, und zwar</span><br/> <span class="text">unabhängig davon, ob im derzeitigen Zeitpunkt der Bedarf dafür be-</span><br/> <span class="text">reits besteht oder nicht.</span><br/> <span class="text">Demgemäss ist auch im vorliegenden Fall eine Badezimmer-</span><br/> <span class="text">breite von (mindestens) 1.70 m in sämtlichen Wohnungen einzuhal-</span><br/> <span class="text">ten. Die von der Beschwerdeführerin projektierte Lösung mit einer</span><br/> <span class="text">(angeblich) leicht demontier- bzw. verschiebbaren Wand sieht im</span><br/> <span class="text">Grundsatz eine Badezimmerbreite von 1.40 m vor, womit die Min-</span><br/> <span class="text">destanforderungen nicht erfüllt sind und sich die Lösung als nicht</span><br/> <span class="text">rechtmässig erweist. Dass die von der Beschwerdeführerin geplante</span><br/> <span class="text">Lösung nicht zulässig ist, entspricht im Übrigen auch der Ansicht der</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">125</span> </div> <div class="page" id="S125"> <div role="main"> <span class="text">Fachstelle Hindernisfreies Bauen der Kantone Aargau und Solothurn</span><br/> <span class="text">(Procap). Ein Ausnahmegrund, weshalb von den Bestimmungen der</span><br/> <span class="text">SIA-Norm 500 abgewichen werden dürfte, ist schliesslich ebenfalls</span><br/> <span class="text">nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">Weiter ist umstritten, ob bezüglich der Korridore im Dachge-</span><br/> <span class="text">schoss die in Ziff. 9.3.1 der SIA-Norm 500 geforderte nutzbare Brei-</span><br/> <span class="text">te von 1.20 m zwingend einzuhalten ist, oder ob die von der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführerin geplante Lösung mit den flexiblen selbststehen-</span><br/> <span class="text">den Schränken (welche verschoben werden könnten, damit die Brei-</span><br/> <span class="text">te bei Bedarf den gemäss SIA-Norm 500 geforderten 1.20 m ent-</span><br/> <span class="text">spricht) zulässig ist.</span><br/> <span class="text">3.1. (...)</span><br/> <span class="text">3.2.</span><br/> <span class="text">Unbestritten ist vorab, dass die Beschwerdeführerin die in den</span><br/> <span class="text">Plänen Grundriss DG (...) sowie 01 Appartement Layout, DG</span><br/> <span class="text">Apartment 1:50 (...) eingetragene und hier umstrittene Schrank-</span><br/> <span class="text">wand tatsächlich auch einbauen will. Entsprechend ist es mit den</span><br/> <span class="text">Vorinstanzen auch richtig, die Schrankwand bei der Beurteilung, ob</span><br/> <span class="text">die Baute behindertengerecht bzw. hindernisfrei ist, miteinzubezie-</span><br/> <span class="text">hen. Zu den rechtlichen Vorgaben bzw. zur SIA-Norm 500, deren</span><br/> <span class="text">Mindestanforderungen verbindlich einzuhalten sind, kann zunächst</span><br/> <span class="text">auf die bereits gemachten Darlegungen in Erw. 2.2.1 und 2.2.2</span><br/> <span class="text">(erster Absatz) verwiesen werden. Die dortigen Ausführungen gelten</span><br/> <span class="text">auch für die umstrittenen Korridore bzw. das (angeblich) flexible</span><br/> <span class="text">Schranksystem im Dachgeschoss. Eine Flexibilität ist auch hier erst</span><br/> <span class="text">dann zulässig, wenn bzw. solange die Mindestanforderungen gemäss</span><br/> <span class="text">SIA-Norm 500 erfüllt sind.</span><br/> <span class="text">Gemäss SIA-Norm 500, Ziff. 9.3.1 hat die nutzbare Breite von</span><br/> <span class="text">Wegen und Korridoren mindestens 1.20 m zu betragen. Nach</span><br/> <span class="text">Ziff. 9.3.2 sind geringere Breiten zwischen 1.00 und 1.20 m bedingt</span><br/> <span class="text">zulässig: Bei geraden Wegen und Korridoren ohne seitlichen Ab-</span><br/> <span class="text">gänge; bei Korridoren, bei denen seitlich angeordnete Türen und</span><br/> <span class="text">Durchgänge eine erhöhte Mindestbreite gemäss der Formel Nutz-</span><br/> <span class="text">bare Tür- oder Durchgangsbreite + Korridorbreite &gt;= 2 m aufweisen.</span><br/> <span class="text">Gemäss nachvollziehbarer Beurteilung der Procap handelt es sich bei</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">126</span> </div> <div class="page" id="S126"> <div role="main"> <span class="text">den Korridoren zu den Zimmern im DG (in den Plänen werden diese</span><br/> <span class="text">Zimmer als Büro bezeichnet) um Korridore mit seitlichem Abgang</span><br/> <span class="text">gemäss Ziff. 9.3.1 der SIA-Norm 500, womit sie eine Mindestbreite</span><br/> <span class="text">von 1.20 m erfordern. Diese verbindliche Mindestbreite kann mit der</span><br/> <span class="text">projektierten Schrankwand indes nicht eingehalten werden, weshalb</span><br/> <span class="text">die geplante Lösung nicht zulässig ist. Dies hielt bereits die Procap in</span><br/> <span class="text">ihren Berichten vom 21. März 2017 und vom 24. Oktober 2017 fest.</span><br/> <span class="text">Abgesehen davon ist auch nicht ersichtlich, wie die Schrankwand re-</span><br/> <span class="text">alistischerweise sinnvoll verschoben werden soll, wenn die vorge-</span><br/> <span class="text">schriebene Mindestbreite von 1.20 m eingehalten werden wollte, da</span><br/> <span class="text">die Schrankwand dann teilweise vor den bodenhohen Sitzplatzfens-</span><br/> <span class="text">tern stehen würde. Ein Ausnahmegrund, wonach von den Bestim-</span><br/> <span class="text">mungen der SIA-Norm 500 abgewichen werden dürfte, ist im Übri-</span><br/> <span class="text">gen auch hier nicht ersichtlich.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>