B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5697/2011 U r t e i l v o m 1 9 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. September 2011 / N (…). D-5697/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer am 29. März 2009 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Dazu wurde er am 1. April 2009 im EVZ B._______ befragt (Kurzbefragung) und am 17. April 2009 am selben Ort angehört (Anhörung). B. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs geltend, er sei tamilischer Ethnie und stamme aus C._______ (Zentralprovinz). Ab August 2005 beziehungsweise Januar 2006 sei er mehrmals von Unbekannten telefonisch bedroht und aufg e- fordert worden, eine grosse Geldsumme zu bezahlen, da sein Vater einen eigenen Laden gehabt habe . Da er dieser Aufforderung nicht Folge g e- leistet habe, sei er a m 24. März 2006, als er sich in der Nähe von D._______ in einem Lebensmittelladen aufgehalten habe, von maskierten Männern, die mit einem weissen Van beim Laden vorgefahren seien, an- geschossen worden. Bei die sem Üb erfall auf den Laden hätten diese Männer zudem den Ladenbesitzer erschossen. Nach diesem Ereignis habe er beschlossen, das Land zu verlassen. In der Folge habe er we i- terhin telefonische Drohungen erhalten, l etztmals im Oktober 2008. We- gen dieser Drohanrufe habe er an verschiedenen Orten in der Nähe von D._______ versteckt gelebt, bis er schliesslich am 25. Februar 2009 Sri Lanka verlassen habe . Bezüglich der weiteren Aussagen des Beschwe r- deführers wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. Im Verfahren vor der Vorinstanz reichte der Beschwerdeführer unter an- derem eine Polizeianzeige vom 30. Oktober 2007 (in Kopie), eine Bestä- tigung des Spitals E._______ (Nordprovinz) vom 1. April 2006 , ein "Di a- gnosis Ticket", einen Zeitungsartikel vom 26. März 2006 (in Kopie, inkl u- sive englischsprachige Übersetzung), einen Polizeibericht vom 1. August 2007 (in Kop ie, inklusive englischsprachige Übersetzung), eine sri - lankische Identitätskarte (in Kop ie, inklusive englischsprachige Überset- zung) sowie eine Geburtsurkunde (in Kopie, inklusive englischsprachige Übersetzung) ein. C. Mit Verfügung vom 15. September 2011 – eröffnet am folgenden Tag – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n-D-5697/2011 Seite 3 schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug. Als Begründung führte die Vorinstanz hauptsächlich aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers widersprächen der allgemeinen Lebenserfa h- rung. So könne nicht nachvollzogen werden, warum er trotz des bereits im März 2006 gefassten Entschlusses zur Ausreise mit dieser bis im Feb- ruar 2009 zugewartet habe. Dies sei umso unverständlicher, als er bis im Oktober 2008 regelmässig bedroht worden sei n und diese Drohungen im Zusammenhang mit dem Überfall im März 2006 gestanden haben sollen . Zudem sei schleierhaft, dass er in Anbetracht der Drohungen, die auch seiner Frau und Tochter gegolten hätten, allein aus Sri Lanka ausgereist sei. Er habe sich in diesem Zusammenhang auch widersprochen, indem er bei der Kurzbefragung gesagt habe, er sei ab August 2005 bedroht worden, während er anlässlich der Anhörung erklärt habe, dies sei im J a- nuar 2006 zum ersten Mal der Fall gewesen. Zudem habe er bei der Kurzbefragung zuerst angegeben , er sei bedroht worden, seit er ang e- schossen worden sei, später aber festgehalten, dies sei bereits im August 2005 geschehen. Ferner habe er bei der Kurzbefragung zu Protokoll g e- geben, er sei im Laden beim Einkaufen gewesen, als er angeschossen worden sei, während dem er a nlässlich der Anhörung geltend gemacht habe, er habe dort gearbeitet. Erstaunlich s ei in diesem Zusammenhang auch, dass er von seinem angeblichen Arbeitgeber nur den Vornamen kenne. Auf eine abschliessende Beurteilung der Glaubhaftigkeit bezüglich der Täter, die ihm im März 2006 eine Schussverletzung zugefügt hätten, könne verzichtet wer den, weil dieses Vorbringen asylrechtlich unbeach t- lich sei. Die Anzeige bei der Polizei vom 30. Oktober 2007, die sich auf die angeblichen Drohungen beziehe, liege nur als Fotokopie vor und kö n- ne somit nicht abschliessend auf deren Echtheit beurteilt werde n. Zudem sei notorisch, dass Beweismittel dieser Art leicht zu beschaffen seien. Sie hätten folglich nur geringen Beweiswert. Die Vorbringen des Beschwerde- führers hielten daher den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge mäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Die im März 2006 erlittene und mit Dokumenten belegte Schussverle t- zung liege zu weit zurück, um noch als A nlass für die Flucht gewertet werden zu können. Seine diesbezüglichen Vorbringen seien somit asy l- rechtlich unbeachtlich. Die Vorbringen des Beschwerdeführers müssten auch vor dem Hintergrund der allgemein angespannten Situation betrach- tet werden, welche während des Bürgerkrieges geherrscht habe. Die Si-D-5697/2011 Seite 4 tuation in Sri Lanka stelle sich heute jedoch anders dar: D er Krieg zw i- schen der sri-lankischen Regierung und den separatistischen LTTE (Libe- ration Tigers of Tamil Eelam) sei im Mai 2009 mit deren Niederlage zu Ende gegangen. Seither befinde sich das gesamte Land wieder unter Regierungskontrolle und es sei zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE mehr gekommen; auch die Anzahl von Gewaltereignissen sei e r- heblich zurückgegangen. Die LTTE sei en am Ende des Krieges vernic h- tend geschlagen worden und verfüg ten über keine handlungsfähige Struktur mehr. Die LTTE stell ten damit auch für den Beschwerdeführer keine unmittelbare Bedrohung mehr dar. Auch der Einfluss der bewaffn e- ten Gruppen habe seit dem Ende des Bürgerkrieges stark abgenommen. Auf eine Zusammenarbeit der Regierung mit bewaffneten Organisationen oder Gruppierungen bestünden keinerlei Hinweise. Zudem würden Übe r- griffe auf die Zivilbevölkerung von Seiten krimineller Einzeltäter oder b e- waffneter Gruppen mittlerweile von den zuständigen Behörden g eahndet. Es treffe zwar zu, dass die sri-lankischen Behörden auch nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen alles daran setzten, ein Wieder- erstarken der LTTE zu ver hindern und deshalb nach wie vor gegen eh e- malige Kämpfer und Führungspe rsönlichkeiten der LTTE vorgingen . Der Beschwerdeführer habe allerdings nie geltend gemacht, ein aktives oder sogar führendes Mitglied der LTTE gewesen zu sein. In seinen Schilde- rungen fänden sich zudem keine Hinweise dafür, dass die sri -lankischen Behörden heute – rund zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges – ein ernsthaftes Interesse daran hätten, gerade ihn zu verfolgen. Ang e- sichtes seines inexistenten politischen Profils sei nich t davon auszug e- hen, dass er zum jetzigen Zeitpunkt mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht sei. Die ins Recht gelegten Beweismittel enthielten keine Hinweise auf ein e asylrelevante Verfolgung des Beschwerdeführers durc h die sri -lankischen Behörden. Die Vorbri n- gen hielten daher den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft g e- mäss Art. 3 AsylG nicht stand. Überdies sei der Vollzug der Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere B e- gründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. D. Mit Beschwerde vom 14. Oktober 2011 (Poststempel) an das Bundesve r- waltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter in materieller Hinsicht beantragen, der Entscheid des BFM vom 15 . Sep- tember 2011 sei aufzuheben und das Verfahren an die Vorinstanz zur Vervollständigung des Sachverhalts und zum neuen Entscheid zurückz u- weisen. Eventualiter sei ihm Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei fes t-D-5697/2011 Seite 5 zustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig sei, und das BFM sei anzuweisen, ihm die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewä h- ren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Mit der Rechtsmittelschrift wurde eine Bestätig ung der Polizeistation D._______ vom 12. Oktober 2011 (in Kopie, inklusive engli schsprachige Übersetzung) eingereicht. E. Mit Zwischenverfügung des Instrukti onsrichters vom 19. Oktober 2011 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Ve r- fahrens in der Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig forderte der Instru k- tionsrichter den Beschwerdeführer auf, bis zum 3. November 2011 einen Kostenvorschuss von Fr. 600. - zu bezahlen. Der Kostenvorschuss ging am 24. Oktober 2011 bei der Gerichtskasse ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverw al- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Ar t. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahmekonstellation liegt nicht vor. 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimm t (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der B e-D-5697/2011 Seite 6 schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde is t so- mit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 Asyl G verzichtete das Bundesverwaltung s- gericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, so l- chen Nacht eilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2. Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchen de Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beach t- licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so- fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu werden drohen. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrschein- lichkeit in absehbarer Zukunf t verwirklichen. Es müssen demnach hinrei- chende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die D-5697/2011 Seite 7 bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfo l- gung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Her- kunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Zudem muss feststehen, dass die von einer Verfolg ung bedrohte Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7.1. ff. S. 193 f. und dort z i- tierte Urteile). 5. 5.1. In der Rechtsmittel schrift führt der Beschwerdeführer in Ergänzung der vorinstanzlichen Asylgründe im Wesentli chen aus, Sicherheitskräfte oder mit diesen kollaborierende paramilitärische Truppen hätten im März 2006 versucht, ihn umzubringen, da sie herausgefunden hätten, dass sein Chef, der Ladeninhaber, enge geschäftliche Kontakte zu den LTTE gehabt habe und er (Beschwerdeführer) Waren an die LTTE ausgeliefert und Informationen an sie übermittelt habe. Deswegen hätten die staatl i- chen Sicherheitskräfte oder mit diesen zusammenarbeitende paramilitär i- sche Organisationen auch ihn bedroht und von ihm Geld zu erpressen versucht. Es sei erstellt, dass die Fahndung nach ihm weiterlaufe. Am 19. September 2009 sowie am 4. Februar 2011 sei seine Ehefrau von Personen mit einem weissen Lieferwagen nach ihm befragt und unter massiven Druck gesetzt worden. Aufgrund seiner Herkunft, seiner Täti g- keit für die LTTE sowie seines mehrjährigen Aufenthalts in der Schwe iz werde er in Sri Lanka verfolgt. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG beziehung s- weise an die Asylrelevanz standzuhalten vermögen. 5.2. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft g emacht, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tats a- chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insb e- sondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen au s- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwi r-D-5697/2011 Seite 8 kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vor bringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Rich- tigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. D a- bei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 5.3. Vorab ist festzuhalten , dass der Beschwerdeführer den Wortlaut sämtlicher Protokolle mit seiner Unterschrift bestätigt hat und sich de s- halb seine Aussagen entgegenhalten lassen muss, zumal er die überset- zenden Personen bei beiden Befragungen gut verstanden haben will (Ak- ten BFM A 1/17 S. 14, A 9/11 S. 2). Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsuchenden Person in der Empfangsstelle beziehungsweise im Empfangszentrum zu den Asylgründen angesichts des summarischen Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein beschränkter Beweiswert zukommt (vgl. EMARK 2005 Nr. 7 E. 6.2.1. S. 66 und dort zitierte, weiterhin gültige Praxis). W i- dersprüche dürfen nur dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfang szentrum in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung beim Kanton oder beim BFM diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtu n- gen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bere its in der Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. 5.4. Nach Prüfung der Akten durch das Ge richt ist festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten wide r- sprüchlich sind. So sagte er anlässlich der Kurzbefragung zuerst aus, er sei bedroht worden, seit er angeschossen worden sei (A 1/17 S. 9) , wäh- rend er kurz darauf vorbrachte, er habe im August 2005 zum ersten Mal Drohungen erhalten (A 1/17 S. 10). Demgegenüber gab er bei der Anhö- rung zu Protokoll , er sei ab Januar 2006 bedr oht worden (A 9/11 S. 7). Zudem machte der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung ge l- tend, er sei im Januar 2006 mehrmals bedroht worden (A 1/17 S. 10: "Alle anderen Drohungen erhielt ich im Januar 2006."), wogegen er bei der An- hörung (sinngemäss) vorbrachte, er sei im Januar 2006 nur einmal b e- droht worden (A 9/11 F64 f.). Überdies führte er anlässlich der Kurzbefra- gung aus, er habe sich am 24. März 2006 zum Einkaufen im Lebensmi t- telladen aufgehalten (A 1/17 S. 9), während er in der Anhörung aussagte, er sei dort am Arbeiten gewesen (A 9/11 S. 5 f.). Die diesbezüglichen D-5697/2011 Seite 9 Vorbringen in der Rechtsmittelschrift sind nicht geeignet, die soeben auf- gezeigten Widersprüche aufzulösen. Auch hinsichtlich der Urheberschaft der Drohungen beziehungsweise des Überfalls auf den Lebensmittell a- den am 24. März 2006 hat sich der Beschwerdeführer widersprochen. So sagte er anlässlich der Kurzbefragung aus, er wisse nicht, von wem er bedroht worden sei respektive wer ihn angeschossen habe (A 1/17 S . 10), während er in der Beschwerde ausführte, Sicherheitskräfte oder mit diesen kollaborierende paramilitärische Truppen hätten ihn bedroht b e- ziehungsweise umzubringen versucht (Beschwerdeschrift S. 4 f.). Wider- sprüchlich äusserte sich der Beschwerdeführe r zudem bezüglich des Grundes, weshalb er im Lebensmittelladen angeschossen worden sei. So machte er anlässlich der Befragungen geltend, dies sei g eschehen, weil er das Geld, das man von ihm gefordert habe, da sein Vater einen eig e- nen Laden gehabt habe, nicht bezahlt habe (A 1/17 S. 10, A 9/11 F55 ff.). Demgegenüber brachte er in der Rechtsmittel schrift v or, er sei ang e- schossen worden, weil die Sicherheitskräfte oder mit denen zusamme n- arbeitende paramilitärische Organisationen Verdacht geschöpft hätten, dass er und der Ladenbesitzer LTTE -Aktivitäten ausgeübt hätten (B e- schwerdeschrift S. 4 f.). Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer auch in Bezug auf seine politischen Tätigkeiten in Sri Lanka erheblich wi dersprochen hat. So führt e er anlässlich der Kurzb e- fragung auf die Frage, wie er sich in seiner Heimat politisch betätigt habe, lediglich aus, er habe an bestimmten Tagen die Strassen für die Gruppie- rung geschmückt (A 1/17 S. 11). Im Gegensatz dazu brachte er in der Be- schwerde vor, er habe Waren an die LTTE ausgeliefert und ihnen Info r- mationen übermittelt (Beschwerdeschrift S. 5). Nicht nachvollziehbar ist zudem, dass der Beschwerdeführer erst im Feb- ruar 2009 ausgereist sein will, obwohl er bereits ab August 2005 respekti- ve Januar 2006 bedroht worden sei und sich bereits im März 2006 zu r Ausreise entschlossen habe. Die dafür vom Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung respektive in der Rechtsmittelschrift angegebenen Gründe sind unglaubhaft, da sie nicht deckungsgleich ausgefallen sind. So mach- te er anlässlich der Anhörung geltend, er habe mit der Ausreise so lange zugewartet, weil er keinen Reisepass gehabt habe und es nicht einfach sei, illegal ins Ausland zu reisen (A 9/11 S. 4). Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer in der Beschwerde vor, er stamme aus ärmlichen Ve r- hältnissen, weshalb er die Flucht habe aufschieben müssen, bis er ge nü- gend Mittel gehabt habe, um die Flucht bezahlen zu können (Beschwe r- deschrift S. 4). D-5697/2011 Seite 10 Als nachgeschoben und somit unglaubhaft erscheint zudem di e Behaup- tung des Beschwerdeführers in der Beschwerde, wonach sein Vater am 10. Septemb er 2008 umgebracht worden sei, da er dies anlässlich der Befragungen m it keinem Wort erwähnte und in der Kurzbefragung vie l- mehr vorbrachte, seine Eltern würden sich in F._______ aufhalten (A 1/17 S. 6). Gestützt auf das vorstehend Ausgeführte ist zu schliessen, dass es sich bei der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungssituation lediglich um ein Konstrukt handelt. Es ist nicht glaubhaft, dass er in Sri Lanka ab August 2005 respektive Januar 2006 von Unbekannten bezi e- hungsweise von den Sicherheitskräften und oder mit diesen kollabori e- renden paramilitärischen Truppen wegen seines reichen Vaters respekt i- ve seiner Tätigkeiten für die LTTE bedroht beziehungsweise um Geld er- presst wurde. Unglaubhaft sind auch die Vorbringen des Beschwerdefü h- rers, wonach er am 24. März 2006 in einem Lebensmittel laden ange- schossen worden sei, da er das geforderte Geld nicht bezahlt habe r e- spektive für die LTTE tätig gewesen sei. Nach dem Gesagten kann auch die in der Beschwerde geltend gemachte Behauptung, wo nach er au f- grund seiner Herkunft, seiner früheren Tätigkeit für die LTTE sowie seines mehrjährigen Aufenthalts in der Schweiz in Sri Lanka verfolgt wer de und am 19. September 2009 sowie am 4. Februar 2011 bewaffne te Gruppen bei seiner Ehefrau erschienen seien, sich nach ihm erkundigt und sie be- droht hätten, nicht geglaubt werden. An dieser Einschätzung ändern auch die diesbezüglich vom Beschwerde- führer als Beweismittel eingerei chten Dokumente nicht s, da deren B e- weiswert in Berücksichtigung der Gesamtumstände als gering einzust u- fen ist. Überdies ist gerichtsnotorisch, dass zahlreiche Asylbewerber unter Inanspruchnahme unlauterer Machenschaften behördliche und andere Dokumente zur Stützung ihrer Asylvorträge beibringen. 5.5. Aufgrund der zu den Akten gegebenen Bestätigung des Spitals E._______ vom 1. April 2006 und des eingereichten "Diagnosis Ticket" ist vorliegend davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im März 2006 Schussverletzungen erlitten hat und sich deswegen in Spitalpflege beg e- ben musste. Die Umst ände, die zu diesen Schussverletzungen geführt haben, sind allerdings unklar, da er – wie oben dargelegt – diesbezüglich unglaubhafte Angaben gemacht hat. Abgesehen davon liegt die Schus s- verletzung zu weit zurück, als dass sie Anlass zur Ausreise im Februar 2009 war. Schliesslich ist festzustellen, dass sich in den Akten auch keine D-5697/2011 Seite 11 anderen glaubhaften Hinweise darauf finden, der Beschwerdeführer habe bei einer Rückkehr in sein Heimatland von den Behörden oder Dritten asylrelevante Nachteile zu befürchten , da ihm nicht geglaubt werden kann, dass er sich in Sri Lanka in nennenswertem Ausmass für die LTTE engagiert hat (vgl. vorne E. 5.4) und sich die allgemeine Lage in Sr i Lan- ka zudem seit Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri - lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbessert hat. 5.6. Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass es dem Be - schwerdeführer nicht gelungen ist, nachzuweisen oder glaubhaft zu ma- chen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG e r- litten hat oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka befürchten müsste. Da vorliegend der Sachverhalt genügend erstellt ist und die Vorinstanz zu Recht darauf ver- zichtete, die unglaubhaften Asylvorbringen des Beschwerdeführers auf ihre Asylrelevanz zu überprüfen, ist der Antrag , wonach der Entscheid des BFM vom 15. September 2011 aufzuheben und das Verfahren an die Vorinstanz zur Vervollständigung des Sachverhalts und zum neuen En t- scheid zurückzuweisen sei, abzuweisen. Der Beschwerdeführer erfüllt somit die Voraussetzungen zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb die Vorinstanz das Asylbegehren zu Recht abgelehnt h at. Es erübrigt sich deshalb, auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmi t- teleingabe und auf weitere Unglaubhaftigkeitselemente in den Aussagen des Beschwerdeführers einzugehen, da sie an obiger Erkenntnis nichts zu ändern vermögen. 6. 6.1. Lehnt das Bundesamt da s Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder ü ber eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s-D-5697/2011 Seite 12 ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesges etzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und der vormali- gen Schweizerischen Asylrekurskommissio n (ARK) der gleiche Bewei s- standard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu b e- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen ( WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. 7.2.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Au s- reise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No- vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder e r- niedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2. Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-5697/2011 Seite 13 Sodann ergeben sich weder aus d en Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wä re. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folte r oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nach den vorstehenden Erwägungen nicht gelungen. Auch di e allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3. 7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet s ind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.3.2. Seit Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 hat sich die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich wei t- gehend stabilisiert und normalisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu erac h- ten ist (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesverwa l- tungsgerichts BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.1). Die Lage in der Nordp rovinz ist indes gebi etsweise sehr unterschiedlich. So ist in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrol- le stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den süd lichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar, weitestgehend der Alltag eingekehrt. Die Lage in Jaffna hat sich namentlich nach der Öffnung der Verbi n- dungsstrasse A9 (Hauptverkehrsachse zwischen Kandy in der Zentra l- provinz nach Jaffna) im November 2009 d eutlich gebessert und die Ve r-D-5697/2011 Seite 14 sorgungslage ist entspannt. Die Militärpräsenz in Jaffna hat zwar abg e- nommen, ist aber nach wie vor praktisch auf jeder Strasse sichtbar. Gleichzeitig haben die Polizei- und Zivilbehörden ihre Funktionen und Tä- tigkeiten aufgenommen beziehungsweise von den Militärbehörden übe r- nommen. Gemäss UNOCHA (UN Office for the Coordination of Humanita- rian Affairs) hat die UNO guten Zugang zu den Rückkehrgebieten im No r- den ("return areas"). Der Fortschritt in diesen Gebieten soll beeindr u- ckend sein. Einige Schulen sind wieder eröffnet und Spitäler wieder ei n- gerichtet worden, wobei noch Lücken innerhalb des Basisdienstleistung s- angebots feststellbar sind und die wirtschaftlichen Aktivitäten limitiert blei- ben. Das UNHCR betont, dass der Zugang z u Land und Wohnraum für die Rückkehrer ein massgebliches Problem darstellt; das UNHCR und andere Organisationen in Mannar, Jaffna, Vavuniya, Batticaloa und Tri n- comalee stellen unentgeltlichen Rechtsbeistand zur Verfügung, um die Rückkehrer in rechtlichen A ngelegenheiten zu unterstützen, wobei nicht alle Regionen abgedeckt sind. In den genannten Gebieten (Distrikt Jaffna und die südlichen Teile der Distrikte Vavuniya und Mannar, mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Ausschluss des sogenannten "Vanni - Gebietes") herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt und die dortige politische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeit s- kriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio - ökonomische und medizinische Aspekte, Kindeswohl etc.), ist dabei auch dem zeitlichen Element gebüh rend Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stam men und dieses Gebiet erst nach Beend i- gung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegwe i- sungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu b e- urteilen, wenn davon ausgegan gen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zu- rückgreifen kann, die im Zeit punkt der Ausreise geherrscht hat u nd dem Wegweisungsvollzug dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Au f- enthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten herv or, dass sich die L e- bensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Le bens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbar keit des Wegweisungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusammen hang erscheinen namentlich die Exi s-D-5697/2011 Seite 15 tenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichke i- ten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigende Faktoren in der Nordprovinz nicht vorli egen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatliche n Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 13.2.1). 7.3.3. Gemäss den Akten lebte der aus C._______ (Zentralprovinz) stammende Beschwerdeführer die letzten zehn Jahre vor seiner Ausreise aus Sri Lanka in der Gegend von D._______ (A 1/17 S. 1 ff.) . Dort leben nach wie vor seine Eltern, seine Ehefrau, seine Tochter sowie eine seiner Schwestern (A 1/17 S. 6). Die Behauptung des Bes chwerdeführers in der Rechtsmittelschrift, wonach sein Vater am 10. September 2008 umg e- bracht worden sei, ist unglaubhaft (vgl. vorstehend E. 5.4). Es liegen kei- ne aktuelleren Erkenntnisse vo r, die zur Annahme führen könnten , dass die Familienangehörigen des Beschwerdeführers sich heute nicht mehr in der Nä he von D._______ aufhalten würden. In Erwägung zu ziehen ist ausserdem, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen in Sri Lanka mehrere Jahre als (…) arbeitete und in der Schweiz weitere beru f- liche Erfahrung in der (…) erwerben konnte. Den vorliegenden Akten sind auch keine Hinweise auf gesundheitliche Schwierigkeiten des Beschwe r- deführers zu entnehmen. Es erweist sich somit, dass der Beschwerdeführer die vom Bundesve r- waltungsgericht in der Lagebeurteilung vom 27. Oktob er 2011 bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka formulierten Kriterien erfüllt. Er wird nach der Rückkehr in sein Heimatland sowohl auf die Unterstützung seiner in der Umgebung von D._______ lebenden Fa- milie zählen können und bei seinen Angehörigen eine Unterkunftsmö g- lichkeit vorfinden, als auch in Zukunft in der Lage sein, sich dank seiner Ausbildung und beruflichen Kenntnisse wieder wirtschaftlich zu integri e- ren. Insbesondere genügen bloss soziale und wirtschaftliche Schwieri g- keiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). In casu liegen keine Anhalts- punkte vor, die darauf schliessen liessen, der Beschwerdeführer sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt, weshalb der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu bezeichnen ist. D-5697/2011 Seite 16 7.4. Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung man- gels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG ist. 7.5. Der Vollzug der Wegweisung steht somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und ist zu bestätigen. Nach dem Gesa g- ten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde - führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 -3 des Regle ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 24. Oktober 2011 in gleicher Höhe g e- leisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-5697/2011 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag wird mit dem in derselben Höhe geleisteten Koste n- vorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand: