<h2>SubmittedText<h2><p>Der am 30. November 2000 bekannt gegebene Rechenfehler bei der Berechnung der Teuerung im Bundesamt für Statistik (BFS) wirft Fragen auf. Als Mitglied der Subkommission Departement des Innern der Finanzkommission bin ich für die Prüfung von Fragen im Zusammenhang mit dem BFS zuständig. Aufgrund der Bedeutung des Rechenfehlers ist es wichtig, diese Fragen nicht nur direkt zu stellen, sondern sie auch öffentlich beantworten zu lassen.</p><p>Das BFS gehört zum Eidgenössischen Departement des Innern. Die inhaltlichen Folgerungen betreffen jedoch besonders auch das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement und das Eidgenössische Finanzdepartement.</p><p>1. Wer trägt im BFS die Verantwortung für den Fehler bei der Berechnung der Teuerung?</p><p>2. Wie beurteilt der Bundesrat den möglichen Vertrauensverlust, der dadurch entstanden ist?</p><p>3. Was gedenkt er zu tun, dass durch den Landesindex der Konsumentenpreise nach wie vor eine volkswirtschaftliche Statistik zur Verfügung steht, die eine allgemein akzeptierte, tragfähige Basis für die Berechnung von Teuerungsraten für Verträge, Gerichtsurteile usw. ist?</p><p>4. Welche internen oder externen Kontrollen sind vorgesehen, damit Rechenfehler nicht mehr vorkommen können?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat nimmt zu den einzelnen Fragen folgendermassen Stellung:</p><p>1. Verantwortlich für die Berechnung des Landesindexes der Konsumentenpreise (LIK) ist im Bundesamt für Statistik (BFS) die Sektion Preise und Verbrauch, welche die Revision des LIK per Mai 2000 durchgeführt hatte. Die Ergebnisverantwortung liegt bei der Direktion.</p><p>Ohne den bedauerlichen Fehler beschönigen zu wollen, das eingesetzte Projektteam stand unter starkem Termindruck: Die Ergebnisse der Einkommens- und Verbrauchserhebung 1998 lagen erst im Herbst 1999 vor. Neben dem Warenkorb mussten in den ersten Monaten des Jahres 2000 auch die neuen Preiserhebungen aufgebaut und eingeführt werden.</p><p>Im BFS wurden - auch bei der Zusammenstellung des Indexwarenkorbes - Qualitätssicherungen und -kontrollen durchgeführt. Der eigentliche Grund für das zu hohe Gewicht von Heizöl im Warenkorb wurde jedoch nicht rechtzeitig, d. h. vor der Umstellung auf die neue Basis, entdeckt. Auch in der Gruppe unabhängiger Experten, welche die Indexrevision begleitete und den Warenkorb begutachtet hat, wurde dieser Fehler nicht gefunden. Die genaue Ursache des zu hohen Gewichtes wurde erst gegen Ende November 2000 vom BFS aufgespürt.</p><p>2. Die Indexberechnung hat bisher während vielen Jahren reibungslos funktioniert. Durch diese Panne in der Berechnung des LIK ist zweifellos ein Vertrauensverlust entstanden, dessen Ausmass jedoch schwierig einzuschätzen ist. Durch zweckmässige Massnahmen (siehe Ziff. 4 unten) sollen Fehler bei den Grundlagen und bei der monatlichen Produktion jedoch vermieden werden und der Vertrauensverlust beseitigt werden. Ein Restrisiko für menschliche Fehler bleibt indessen bestehen.</p><p>Das BFS hat alles daran gesetzt, um den eingetretenen Schaden zu begrenzen. Es hat nach der Entdeckung des Fehlers die überhöhten Indizes von Juni bis Oktober 2000 innerhalb einer Woche neu berechnet und die Öffentlichkeit umfassend über den Fehler informiert. Es ist zu hoffen, dass diese rasche Reaktion und die transparente Berichterstattung des BFS mithelfen, die Verunsicherung und den allfälligen Vertrauensverlust so rasch als möglich zu beseitigen.</p><p>3. Das methodische Gebäude des Landesindexes, welches periodisch überprüft wird, wurde jüngst überarbeitet und entspricht den international üblichen Standards. Wesentliche Verbesserungen wurden namentlich durch eine Professionalisierung der monatlichen Preiserhebungen, durch eine modifizierte Berechnungsmethode und durch die geplante jährliche Neugewichtung des Warenkorbes (erstmals per Januar 2002 vorgesehen) eingeleitet. Aus der Sicht des Bundesrates besteht deshalb kein Anlass für eine erneute methodische Überprüfung der Indexgrundlagen. In diesem Sinne ist und bleibt der LIK eine tragfähige Basis für die Berechnung von Teuerungsraten für Verträge, Gerichtsurteile usw. Zudem konnte die allgemeine Akzeptanz schon bisher gewährleistet werden, indem in einem Expertengremium, das die periodischen methodischen Revisionen begutachtet, die relevanten politischen Kräfte sowie wissenschaftliches Experten-Know-how vertreten sind.</p><p>4. Das BFS wird dafür besorgt sein, seine Arbeitsorganisation zu verstärken und intern die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um die bei der letzten Indexrevision aufgetretenen Ressourcenengpässe in Zukunft zu vermeiden. Zudem ist das Qualitätsmanagementsystem bei der monatlichen Indexproduktion und bei der ab 2002 geplanten jährlichen Neugewichtung des Warenkorbes zu verbessern. Schliesslich ist auch die laufende ökonomische Evaluation der Indexergebnisse im Lichte der Wirtschaftsentwicklung zu intensivieren, sowohl durch den Beizug von BFS internen als auch externen Experten, die auch international tätig sind.</p>  Antwort des Bundesrates.