<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 4 S.33</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">33</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>C. Erbrecht</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>4</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 517 ZGB; Willensvollstrecker</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Dem Willenvollstrecker kann auch eine Erbbescheinigung als Legitima-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tionsurkunde dienen. Wird die Willensvollstreckerstellung bestritten, ist</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ein entsprechender Hinweis aufzunehmen. Die ausstellende Behörde hat</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keine Kognitionsbefugnis, ob die Ernennung des Willensvollstreckers</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechtsgültig ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 3. Zivilkammer, vom 9. Juli 2002 i.S.</span><br/> <span class="ft3">T.B.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">Im Erbvertrag zwischen M.A. (Erblasser) und seiner Ehefrau,</span><br/> <span class="ft5">E.A. vom 18. April 1985 wurde Notar L. als Willensvollstrecker und</span><br/> <span class="ft5">Erbschaftsliquidator bestimmt. Am 11. November 2001 schloss der</span><br/> <span class="ft5">Erblasser mit Frau R. ebenfalls einen Erbvertrag ab. In Ziffer III.1.</span><br/> <span class="ft5">des Vertrages hoben die Parteien sämtliche, allfällig errichteten</span><br/> <span class="ft5">Verfügungen von Todes wegen auf und setzten in Ziffer IV als Wil-</span><br/> <span class="ft5">lensvollstrecker je einzeln und letztwillig den Beschwerdeführer ein.</span><br/> <span class="ft5">Der Beschwerdeführer rügt die Einsetzung von L. in der Erbgangsur-</span><br/> <span class="ft5">kunde.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">3. a) Im Erbfall ist dem Willensvollstrecker seine Ernennung</span><br/> <span class="ft5">von Amtes wegen mitzuteilen. Dieser hat sich binnen 14 Tagen, von</span><br/> <span class="ft5">der Mitteilung an gerechnet, über die Annahme des Auftrages zu</span><br/> <span class="ft5">erklären, wobei sein Stillschweigen als Annahme gilt (Art. 517</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 ZGB). Die behördliche Mitteilung ist nicht konstitutiv, da die</span><br/> <span class="ft5">Ernennung bereits durch die Verfügung von Todes wegen erfolgt. Die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">34</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">behördliche Mitteilung setzt lediglich das ordentliche Annahmever-</span><br/> <span class="ft5">fahren in Gang (Karrer, Basler Kommentar, Basel 1996, N 14 zu</span><br/> <span class="ft5">Art. 517 ZGB). Die handelnde Behörde hat dabei keine Kog-</span><br/> <span class="ft5">nitionsbefugnis, ob die Einsetzung des Willensvollstreckers rechts-</span><br/> <span class="ft5">gültig ist oder nicht. Die Mitteilung hat daher auch dann zu erfolgen,</span><br/> <span class="ft5">wenn die Behörde die letztwillige Verfügung als ungültig oder an-</span><br/> <span class="ft5">fechtbar erachtet oder wenn mehrere Verfügungen vorliegen und in</span><br/> <span class="ft5">einer jüngeren die frühere Ernennung eines Willensvollstreckers wi-</span><br/> <span class="ft5">derrufen wird (Karrer, a.a.O., N 11 zu Art. 517 ZGB mit Hinweis auf</span><br/> <span class="ft5">BGE 74 I 423 ff. und 91 II 177 ff.). Die Behörde darf daher auch</span><br/> <span class="ft5">nicht prüfen, welche von mehreren Verfügungen rechtsgültig ist,</span><br/> <span class="ft5">wenn</span> <span class="ft5">der</span> <span class="ft5">Erblasser</span> <span class="ft5">nacheinander</span> <span class="ft5">oder</span> <span class="ft5">gleichzeitig</span> <span class="ft5">mehrere</span><br/> <span class="ft5">Willensvollstrecker eingesetzt hat; dies ist Sache des ordentlichen</span><br/> <span class="ft5">Richters. Sie hat vielmehr allen eingesetzten Willensvollstreckern</span><br/> <span class="ft5">von deren Ernennung Mitteilung zu machen. Die Vorinstanz hat da-</span><br/> <span class="ft5">her zu Recht sowohl L. als auch den Beschwerdeführer auf ihre</span><br/> <span class="ft5">Ernennung hingewiesen.</span><br/> <span class="ft5">b) Der eingesetzte Willensvollstrecker hat Anspruch auf ein</span><br/> <span class="ft5">Willensvollstreckerzeugnis, d.h. auf eine behördliche Legitimations-</span><br/> <span class="ft5">urkunde über seine Stellung. Das Willensvollstreckerzeugnis hat nur</span><br/> <span class="ft5">deklaratorischen Charakter und dient dem Willensvollstrecker zum</span><br/> <span class="ft5">Beweis für seine Ernennung und seine Annahme (Karrer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft5">N 18 zu Art. 517 ZGB). Wird die Willensvollstreckung bestritten, so</span><br/> <span class="ft5">ist die Bescheinigung nicht vorbehaltlos auszustellen. Es sind darin</span><br/> <span class="ft5">vielmehr die bestrittenen Punkte zu vermerken, damit der Ausweis</span><br/> <span class="ft5">Dritten nicht eine unumstrittene und rechtskräftige Willensvoll-</span><br/> <span class="ft5">streckerstellung vortäuscht (Karrer, a.a.O., N 19 zu Art. 517 ZGB mit</span><br/> <span class="ft5">Hinweis auf BGE 91 II 177 ff.; Piotet, Erbrecht, in: SPR IV/1, Basel</span><br/> <span class="ft5">1978, S. 158; Wetzel, Interessenskonflikte des Willensvollstreckers,</span><br/> <span class="ft5">Zürich 1985, N 120 f.). Dies hat zur Folge, dass sich die Aufgabe des</span><br/> <span class="ft5">(bestrittenen) Willensvollstreckers auf sichernde und sonstige zur or-</span><br/> <span class="ft5">dentlichen Verwaltung gehörende Massnahmen beschränkt (Wetzel,</span><br/> <span class="ft5">a.a.O., N 120 f.; Studer, Beginn, Abwicklung und Beendigung des</span><br/> <span class="ft5">Willensvollstreckermandats, in: Druey/Breitschmid [Hrsg.], Willens-</span><br/> <span class="ft5">vollstreckung, Bern/Stuttgart/Wien 2001, S. 73).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Zivilrecht</span> <span class="page_no">35</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Neben dem Willensvollstreckerausweis kann dem Willensvoll-</span><br/> <span class="ft5">strecker auch die Erbbescheinigung nach Art. 559 ZGB zur Legiti-</span><br/> <span class="ft5">mation dienen, da diese notwendigerweise die Willensvollstreckung</span><br/> <span class="ft5">und den Namen des Willensvollstreckers enthalten muss (Karrer,</span><br/> <span class="ft5">a.a.O., N 20 zu Art. 517 ZGB). Wie das Willensvollstreckerzeugnis</span><br/> <span class="ft5">hat auch die Erbbescheinigung bei bestrittener Stellung des Willens-</span><br/> <span class="ft5">vollstreckers einen entsprechenden Hinweis zu enthalten.</span><br/> <span class="ft5">c) In der - in der Erbgangsurkunde integrierten - Erbbescheini-</span><br/> <span class="ft5">gung vom 20. März 2002 hielt das Gerichtspräsidium B. fest, dass als</span><br/> <span class="ft5">Willensvollstrecker Notar L. designiert wurde und dieser sein Amt</span><br/> <span class="ft5">stillschweigend angenommen habe. Den Beschwerdeführer erwähnt</span><br/> <span class="ft5">die Erbbescheinigung trotz seiner Ernennung durch den Erblasser im</span><br/> <span class="ft5">Erbvertrag bzw. in der letztwilligen Verfügung vom 11. November</span><br/> <span class="ft5">2001 nicht. Nach dem vorstehend Ausgeführten ist dieser aber eben-</span><br/> <span class="ft5">falls als Willensvollstrecker aufzunehmen und zwar mit dem Hin-</span><br/> <span class="ft5">weis, dass die Person des Willensvollstreckers bestritten wird. Die</span><br/> <span class="ft5">Vorinstanz hat daher die Erbbescheinigung vom 20. März 2002 zu-</span><br/> <span class="ft5">rückzuziehen und durch eine neue, korrigierte bzw. ergänzte zu erset-</span><br/> <span class="ft5">zen (vgl. auch Karrer, a.a.O., N 47 zu Art. 559 ZGB).</span><br/></div> </div> </body> </html>