B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3306/2016 U r t e i l v o m 1 9 . J a n u a r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Contessina Theis (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiberin Sara Steiner. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 25. April 2016 / N (…). D-3306/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer stellte am 3. April 2011 ein erstes Asylgesuch in der Schweiz. Zur Begründung machte er dabei im Wesentlichen geltend, er habe am 14. Februar 2011 im Iran an einer illegalen Demonstration teilge- nommen. Es sei zu Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften ge- kommen, wobei er geschlagen worden sei, aber habe entfliehen können. Noch am selben Abend hätten die Sicherheitskräfte nach ihm gesucht. B. Mit Verfügung vom 15. April 2011 wies die Vorinstanz sein Asylgesuch we- gen Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen ab und ordnete die Wegweisung sowie deren Vollzug an. Eine gegen diese Verfügung erhobene Be- schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-2350/2011 vom 13. Mai 2011 ab, in dem es festhielt, die Demonstrationsteilnahme sei zwar glaubhaft, nicht aber die daraus angeblich hervorgegangene Verfolgung. Am 19. Mai 2011 wurde die Ausschaffungshaft verfügt, aus welcher der Beschwerdeführer am 18. August 2011 wieder entlassen wurde. Seit dem 11. März 2012 war er unbekannten Aufenthalts. C. Am 18. Juli 2012 ersuchten die britischen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers im Rahmen der Dublinverordnung. Gemäss den britischen Behörden habe er in einem Interview am 1 1. Juli 2012 erklärt, dass er zwei Wochen zuvor die Schweiz in Richtung Frankreich verlassen habe. Dort habe er sich zwei Wochen in einem Park aufgehalten und sei am 10. Juli 2012 mit einem LKW nach Grossbritannien eingereist. Er habe nicht geltend gemacht, den Raum der Mitgliedstaaten verlassen zu haben. D. Am 3. September 2012 wurde der Beschwerdeführer von Grossbritannien an die Schweiz rücküberstellt. E. Mit schriftlicher Eingabe seiner ehemaligen Rechtsvertreterin vom 10. Sep- tember 2012 ersuchte der Beschw erdeführer um Aufnahme des ordentli- chen Asylverfahrens aufgrund neuer Sachverhalte und Tatsachen. Er sei im März 2012 illegal in den Iran zurückgekehrt. Zirka am 4. April 2012 sei er verhaftet und am 10. Juni 2012 auf Kaution wieder freigelassen worden. In Haft sei er mehrmals verhört, gefoltert und misshandelt worden. Mit Hilfe eines Schleppers sei er Anfang Juli 2012 nach Grossbritannien gelangt. D-3306/2016 Seite 3 Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer zwei Bus- fahrkarten vom 28. März 2012 und 15. Juni 2012 (im Original), ein Be- suchsblatt vom 8. April 2012, mit dem ihn sein Vater im Gefängnis besucht habe, und eine Quittung vom 24. April 2012 in Bezug auf die erhaltenen Kleider im Gefängnis (beide in Kopie) ein. F. Am 20. September 2012 stellte der Beschw erdeführer im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._______ ein zweites Asylgesuch. Am 5. Oktober 2012 wurde er summarisch befragt. Der den Beschwerdeführer behan- delnde Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH Dr. med. C._______ reichte im Anschluss drei au f den 9. Dezember 2012, 22. Oktober 2013 und 21. Januar 2014 datierte ärztliche Berichte zu den Akten und diagnos- tizierte eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach Folter. Am 30. Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer einlässlich angehört. Zur Begründung seines zweiten Asylgesuches machte er im Wesentlichen geltend, er sei Ende März 2012 illegal in den Iran zurückgekehrt. Wegen der Demonstrationsteilnahme vor seiner ersten Ausreise sei er (…) Tage nach seiner Rückkehr festgenommen worden. Um Mitternacht beziehungs- weise frühmorgens seien vier zivil gekleidete Beamte bei ihnen aufge- taucht, hätten ihn mitgenommen und in Untersuchungshaft des iranischen Geheimdienstes in D._______ gebracht. Dort sei er fotografiert, daktylo- skopiert und misshandelt worden. Am nächsten Morgen sei er zum E._______-Gefängnis in die Abteilung (…) gebracht worden. Nach (…) Ta- gen habe ihn sein Vater besuchen dürfen. Während seiner Haftzeit sei er fünf Mal verhört und dabei immer wieder gefoltert worden. Beim dritten Ver- hör sei er mit einer Flasche vergewaltigt worden. Vor den Verhören sei ihm jeweils gesagt worden, er werde zu seiner Hinrichtung gebracht. Er sei (…) Monate und (…) Tage in Einzelhaft geblieben. Gegen Hinterlegung der Be- sitzurkunde des Geschäftes seines Vaters als Kaution sei er am (…) 2012 wegen einer Nierenentzündung provisorisch aus der Haft entlassen wor- den. Danach sei er (…) Tage im Spital gewesen und habe dann den Iran verlassen. Nach seiner Ausreise sei sein Vater mehrmals wegen ihm inhaf- tiert worden, weil er für ihn schon zum zweiten Mal eine Kaution hinterlegt habe. Das Geschäft sei beschlagnahmt worden. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine Ge- burtsurkunde im Original, das Besuchsblatt des E._______-Gefängnisses vom 8. April 2012 und die Quittung vom 24. April 2012 (beide im Original), die Besitzurkunde des Geschäftes seines Vaters, welche die Arrestierung D-3306/2016 Seite 4 seines Geschäftes belege, und eine Bestätigung vom 28. Mai 2014, dass sein Vater seinem Wohn - und Arbeitsort eine Zeit lang fern geblieben sei (beides in Kopie), zu den Akten. G. Mit Verfügung vom 5. Juni 2014 wies die Vorinstanz das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung sowie den Vollzug an. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D -3839/2014 vom 14. Juli 2015 gut und wies die Sache zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte es dabei aus, die Glaub- haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers könne aufgrund der Ak- tenlage nicht abschliessend beurteilt werden. Insbesondere sei es ange- sichts der Vorbringen des Beschwerdeführers und der weiteren Indizien, die für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sprächen, angezeigt, die voll- ständigen Akten der britischen Behörden anzufordern, um zu überprüfen, was der Beschwerdeführer dort genau gesagt habe. Überdies wurde die Vorinstanz aufgefordert, weitere geeignete Abklärungen (beispielsweise Dokumentenanalyse und Botschaftsabklärung im Zusammenhang mit den eingereichten Beweismitteln aus dem Iran) vorzunehmen. H. Am 5. August 2015 ersuchte das SEM die Schweizerische Botschaft in Te- heran, die Echtheit des eingereichten Besuchsblatts des E._______-Ge- fängnisses vom (…) 2012 und der Quittung vom (…) 2012 abzuklären. In Bezug auf die Besitzurkunde des Geschäftes des Vaters des Beschwerde- führers fragte es an, ob der Eintrag auf S. 20 authentisch sei, ob die Refe- renznummer (…) auf eine existierende gerichtliche Anordnung des auf S. 20 erwähnten Gerichtes verweise und was deren Inhalt sei. In seinem Bericht vom 5. September 2015 führte der Vertrauensanwalt der Botschaft aus, der Eintrag auf S. 20 der Besitzurkunde sei nicht authen- tisch, da er verschie dene formale Mängel aufweise. Beim Grundstück handle es sich zudem nicht um einen Laden sondern um eine Wohnung. Zudem werde bei einer Hinterlegung eines Sicherungsgegenstandes ledig- lich dieser eingezogen und veräussert, ohne dass der Eigentümer behelligt werde. Das Grundstück sei zwar tatsächlich mit Beschlag belegt, dies aber seit dem Jahre 2006, ohne dass dies seither aufgehoben oder mit einem neuen Beschlag belegt worden sei. Dem Bericht wurde diesbezüglich ein Schreiben des Grundbuchamtes beigelegt, in dem der Beschlag des frag- lichen Grundstücks gegenüber einem Gericht bestätigt werde. Schliesslich D-3306/2016 Seite 5 wird im Bericht festgehalten, dass die in der Urkunde genannte Gerichts- behörde zwar örtlich tatsächlich zuständig wäre. Sachlich sei diese jedoch nur für Rou tine- und ordentliche Strafsachen und nicht für Fälle, die die Staatssicherheit beträfen, zuständig. Dafür wären Revolutionsgerichte mit ausserordentlichen Befugnissen zuständig. An der Echtheit der Doku- mente aus dem E._______-Gefängnis bestünden ernsthafte Zweifel. Eine zuverlässige Überprüfung sei aber nicht möglich gewesen. Auch wenn die Zettel den E._______-Gefängnisformularen entsprächen, könn ten diese nicht leicht aus dem Gefängnis gebracht oder kopiert werden. I. Am 4. September 2015 ersuchte das SEM die britischen Behörden um das Protokoll des Interviews vom 11. Juli 2012 und fragte an, ob es anlässlich dieses Interviews Verständigungsprobleme mit dem Dolmetscher gegeben habe und ob dieser Afghane gewesen sei. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2015 teilten die britischen Behörden dem SEM mit, der Dolmetscher habe Farsi gesprochen, es sei nicht vermerkt, dass es ein Afghane gewesen sei, und es habe keine Verständigungsprob- leme gegeben. Mit Schreiben vom 24. Dezember 2015 übermittelten die britischen Behörden dem SEM die Verfahrensakten. Danach hat am 11. Juli 2012 ein erstes Interview um 12:50 stattgefunden. Dabei gab der Beschwerdeführer an, er habe im Iran an Demonstrationen teilgenommen und sei deshalb am (…) Februar 2011 verhaftet und geschlagen worden. Man habe ihn zu (…) Jahren Haft verurteilt, aber auf Kaution freigelassen. Am 16. Juni 2012 habe er den Iran verlassen und sei über die Türkei und andere ihm unbekannte Länder nach Gr ossbritannien gereist. In einem weiteren Interview spezifisch zum Reiseweg um 18.00 wurde er darauf auf- merksam gemacht, dass er am 4. April 2011 in (Schweiz) daktyloskopiert worden sei. Darauf sagte er, er sei dort drei Monate in Haft gewesen und dann aufgefordert worden, das Land zu verlassen. Deshalb habe er die Schweiz vor zwei Wochen in Richtung Frankreich verlassen. Dort habe er sich zwei Wochen in einem Park aufgehalten und habe das Land am 10. Juli 2012 mit einem LKW in Richtung Grossbritannien verlassen. Er sei seit der Fingerabdruckabnahme in der Schweiz nicht in sein Heimatland zurückgekehrt. J. Mit Verfügungen vom 8. Januar 2016 gewährte das SEM dem Beschwer- deführer das rechtliche Gehör zu den britischen Verfahrensakten und zu den Abklärungsergebnissen der Schweizerischen Botschaft. D-3306/2016 Seite 6 K. Mit Stellungnahme vom 21. Januar 2016 wies der Beschwerdeführer zu- nächst darauf hin, dass der Bericht der Schweizerischen Botschaft unver- ständlich formuliert sei. Soweit er verstanden habe sei die Besitzurkunde als Fälschung erkannt worden, weil die eingetragene Bemerkung auf S. 20 unvollständig sei und es nicht klar sei, ob es sich beim Gegenstand der Urkunde um eine Wohnung oder einen Laden handle. Dazu sei zu bemer- ken, dass das Grundstück in früheren Jahren als Wohnung benutzt, das Gebiet aber in den 1990er Jahren zum Handelsquartier umgenutzt worden sei. Sein Vater habe es von Anfang an als Fabrik genutzt. Das beigelegte Schreiben des damaligen Anwalts seines Vaters vom 17. Januar 2001 be- lege diese Umnutzung des Grundstück s (…). Gemäss Auskunft seiner Mutter, sei die Bemerkung auf S. 20 der Urkunde von der Vollzugsbehörde der Staatsanwaltschaft des Bezirks (…) und nicht von der registrierenden Behörde verfasst worden, wie das bei der Hinterlegung einer Urkunde als Kaution üblich sei. Seine Mutter habe aber Angst, ein Schreiben über den jetzigen Stand des Grundstücks einzuholen. Das dem Botschaftsbericht beigelegte Schreiben betreffend den Beschlag des Grundstücks habe er noch nie gesehen und er verstehe nicht, ob das seinen Fall betreffen solle. In Bezug auf die Dokumente aus dem E._______-Gefängnis gelte es fest- zuhalten, dass der V ertrauensanwalt, wenn er deren Echtheit nicht über- prüfen könne, auch nicht darüber spekulieren sollte. Wenn auch solche Dokumente das Gefängnis nicht verlassen dürften, könne es ausnahms- weise trotzdem vorkommen. In Bezug auf die Anhörungsprotokolle der bri- tischen Behörden sei festzuhalten, dass er dort seine wahre Geschichte aus Angst vor einer Auslieferung an die Schweiz verschwiegen habe. So gingen seine Angaben denn zeitlich auch nicht auf. W enn er seit Anfang März 2012 in der Schweiz als untergetaucht g elte und im Juli 2012 in Grossbritannien ein Asylgesuch gestellt habe, lägen da vier Monate und nicht, wie anlässlich des britischen Interviews angegeben, zwei Wochen dazwischen. L. Mit Schreiben vom 22. Februar 2016 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter seine Mandatierung an. Mit Verfügungen vom 26. Februar 2016 gewährte das SEM diesem das rechtliche Gehör zu den britischen Verfahrensakten und zu den Abklärungsergebnissen der Schweizerischen Botschaft. M. Mit Stellungnahme vom 17. März 2016 wies der Beschw erdeführer zu- nächst darauf hin, dass die britischen Verfahrensakten unvollständig seien. D-3306/2016 Seite 7 Den Fragebogen habe er nicht selbstständig ausgefüllt und er habe unter höchstem psychischem Druck gestanden, weil ihm die britischen Behörden mit der sofortig en Überstellung an die Schweiz g edroht hätten. In Bezug auf die Abklärungen der Schweizerischen Botschaft in Teheran werde zu- nächst allgemein an der Zuverlässigkeit solcher von iranischen Vertrauens- anwälten erstatteten Berichten gezweifelt. Der ihm offengelegte Bericht sei zudem unverständlich formuliert und enthalte zahlreiche Lücken, sodass eine vollständige Prüfung nicht möglich sei. In Bezug auf die D okumente aus dem E._______-Gefängnis sei festzuhalten, dass im Bericht der Bot- schaft dargelegt werde, dass die Papierstreifen Formularen des E._______-Gefängnisses entsprächen. Da es sich beim einen um eine Quittung handle, welche sein Vater für die überbrachten Kleider erhalten habe, sei der Hinweis, wonach solche Papierstreifen im Gefängnis blieben, obsolet. Einen wichtigen Beweis für seinen Aufenthalt im Iran bilde zudem auch das Busticket für die Fahrt vom (…) von Urumieh nach Teheran. N. Mit Schreiben vom 16. März 2016 bestätigte der behandelnde Psychiater, dass sich der Beschwerdeführer weiterhin bei ihm in Therapie befinde, und reichte einen ärztlichen Verlaufsbericht ein. O. Mit Verfügung vom 25. April 2016 – eröffnet am 2. Mai 2016 – wies das SEM das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführer s ab und ordnete die Wegweisung sowie den Vollzug an. P. Mit Eingabe vom 26. Mai 2016 erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bundesver- waltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asyl- gewährung sowie eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit bezie- hungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In formeller Hin- sicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG, (SR 142.31) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Q. Mit Zwischenverfügung vom 1. Juni 2016 stellte die Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der D-3306/2016 Seite 8 unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständu ng gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand ein. Der Antrag um Einsicht in den vollständigen Botschaftsbericht wurde abgewiesen. R. In seiner Vernehmlassung vom 15. Juni 2016 hielt das SEM vollumfänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be- schwerde. S. Mit Replik vom 4. Juli 2016 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas- sung des SEM Stellung. T. Mit Eingabe vom 22. August 2016 reichte der Beschwerdefü hrer weitere Beweismittel zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. D-3306/2016 Seite 9 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgeset zt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Zur Begründung seiner Verfügung fasste das SEM zunächst den Inhalt des Botschaftsberichtes, der britischen Asylakten und die diesbezüglich eingereichten Stellungnahmen des Beschwerdeführers zusammen. Im An- schluss hielt es fest, die Stellungnahmen des Beschwerdeführers bezüg- lich der Eigentumsurkunde seines Vaters widerlegten den Botschaftsbe- richt nicht. Es möge zutreffen, dass das fragliche Grundstück in den 1990er Jahren oder 2001 vom Wohn- zum Gewerberaum umgenutzt worden sei. Die in Kopie eingereichte Eigentumsurkunde sei am im Jahre 1986 und somit vo r der Umnutzung ausgestellt worden. Die Beschreibung des Grundstücks auf S. 3 der Urkunde weise keine nachträglichen Änderungen oder Ergänzungen auf. Dies könne erklären, wieso in der Eigentumsur- kunde lediglich von einer Wohnung und nicht von einem Handelsraum die Rede sei. Der Darstellung, wonach die Bemerkung auf S. 20 der Urkunde von der Vollzugsbehörde der Staatsanwaltschaft des Bezirks (…) und nicht von der registrierenden Behörde verfasst worden sei, könne hingegen nicht D-3306/2016 Seite 10 gefolgt werden. Zunächst sei nicht nachvollziehbar, wieso die Vollzugsbe- hörde der Staatsanwaltschaft einen Eintrag in der Grundeigentumsurkunde vornehmen sollte. Weiter werde auf den letzten Eintrag auf S. 19 der Ur- kunde verwiesen, welcher vom Registrierbeamten vorgenommen worden sei und dem Beschlag aus dem Jahre 2006 entspreche, auf den der Ver- trauensanwalt in seinem Bericht Bezug nehme. Da die früheren Einträge in der Urkunde also durch das Grundbuchamt vorgenommen worden seien, sei nicht ersichtlich, wieso das Vollzugsbüro der Staatsanwaltschaft den neuen Beschlag in der Urkunde hätte registrieren sollen. Zum Befund des Vertrauensanwaltes, wonach es sich bei dem Beschlag aus dem Jahr 2006 um den einzigen Beschlag des Grundstücks handle, nehme der Be- schwerdeführer keine Stellung. Er sage lediglich, dass er ein Dokument wie dasjenige, das dem Botschaftsbericht beiliege (das Schreiben des Grundbuchamtes) nie gesehen habe. Die pauschale Kritik, die Berichte des Vertrauensanwaltes enthielten keine verlässlichen Informationen und folgten d en Interessen der iranischen oder Schweizer Behörden, könne das SEM nicht gelten lassen. Gerad e in Bezug auf die Urkunde und den Eintrag auf S. 20 liefere d er Bericht zahlreiche Argumente. Auch der Ein- wand, der Bericht weise zahlreiche Lücken auf und lasse deshalb keine Prüfung zu, sei nicht richtig. Zwar seien einzelne Stellen abgedeckt, all die Argumente, auf die sich der vorliegende Entscheid stütze, aber zur Kennt- nis gebracht worden. Eine materielle Auseinandersetzung sei möglich ge- wesen. Auf die formalen Mängel des Eintrags in der Urkunde, auf die Aus- sage, dass der Vater hätte unbehelligt bleiben müssen, und auf Frage der Zuständigkeit des Gerichts werde in der Stellungnahme nicht eingegan- gen. Deshalb werde insgesamt davon ausgegangen, dass der Eintrag ge- fälscht sei. Entgegen dem Botschaftsbericht halte es das SEM weiter zwar für möglich, dass die eingereichten Dokumente aus dem E._______-Gefängnis aus diesem hätten herausgelangen können. Der Aussage in der Stellung- nahme, wonach der Botschaftsbericht darlege, die Papierstreifen entsprä- chen Formularen des E._______-Gefängnisses, werde aber widerspro- chen, da der Bericht diesbezüglich im Konjunktiv formuliert sei. Insgesamt sei keine abschliessende Aussage zur Echtheit der Dokumente möglich. Es werde aber darauf hingewiesen, dass diese über keinerlei Sicherheits- merkmale verfügten und mit einem beliebigen Textverarbeitungsprogramm erstellt werden könnten. Auch die Stempel könnten hergestellt oder gekauft werden. Die Busfahrtkarten seien keiner Prüfung durch die Schweizerische Botschaft unterzogen worden D-3306/2016 Seite 11 Auch die Einwände in den Stellungnahmen zu den britischen Verfahrens- akten könnten nicht gehört werden. Dass der Beschwerdeführer aus Angst vor eine Rückschaffung die richtigen Personalien, seinen Asylantrag in der Schweiz und seine Rückkehr in den Iran anlässlich des ersten Interviews verheimlicht habe, sei zwar nachvollziehbar. Es sei jedoch unverständlich, wieso er seine Heimreise in den Iran auch beim zweiten Interview , nach- dem er mit den Fingerabdrücken konfrontiert worden sei, hätte verschwei- gen sollen. Dies könne auch nicht dadurch erklärt werden, dass er unter Druck gestanden habe, weil er eine Rückschaffung befürchtet habe. Dem Hinweis auf seinen unbekannten Aufenthalt seit März 2012 sei zu entgeg- nen, dass ein Aufenthalt in der Schweiz auch danach noch möglich gewe- sen sei, sodass dies nicht im Widerspruch zu seiner Aussage stehe, er sei zwei Wochen vor dem Asylantrag in Grossbritannien dort eingereist. Der Hinweis, wonach die britischen Verfahrensakten nic ht vollständig seien, stimme zwar. Dies entkräfte aber nicht die Aussagen auf den vorhandenen Seiten. Der Umstand dass er die Fragebögen nicht selber ausgefüllt habe, sei unbeachtlich, seien doch die Interviews von ihm an mehreren Stellen signiert worden. In der Schweiz würden die Anhörungsprotokolle ebenfalls von Dritten erstellt. Nach dem Gesagten sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zwischen dem Abschluss seines ersten Asylverfahrens in der Schweiz und seinem Asylantrag in Grossbritannien nicht in den Iran zurückgekehrt sei. Die Diagnose des ärztlichen Verlaufsberichts vom 16. März 2016, wonach der Beschwerdeführer an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide, werde nicht in Frage gestellt. Allein das Vorliegen der entsprechen- den Symptome sei aber kein Nachweis für die geltend gemachten Ereig- nisse. 4.2 In seiner Beschwerde wies der Beschwerdeführer zunächst darauf hin, dass in der angefochtenen Verfügung einige Vorbringen und Beweismittel, welche bereits Gegenstand der vom Bundesverwaltungsgericht kassierten Verfügung gewesen seien, nicht mehr erwähnt würden, namentlich die Arztberichte aus dem Jahre 2014 und die Fotos der Narben. Im Kassati- onsurteil sei den Arztberichten bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit gros- ses Gewicht beigemessen word en und sie müssten auch vorliegend be- rücksichtigt werden . Weiter habe das Gericht seine Demonstrationsteil- nahme a ls glaubhaft erachtet. Daraus lasse sich zumindest ein Verfol- gungsinteresse der iranischen Behörden ziehen, auch wenn er sich nicht mehr genau erinnere, ob er im Anschluss festgenommen oder nur gesucht D-3306/2016 Seite 12 worden sei. Schliesslich habe das Gericht auch seine emotionale Erzähl- weise stark zu Gunsten der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen gewertet. In Bezug auf den Bericht der Botschaft sei festzuhalten, dass dieser nicht alle von ihm eingereichten Beweismittel, namentlich nicht die Busfahrkarten, umfasst habe. Weiter werde an der Kritik solcher Botschaftsabklärungen und dem Einsatz sogenannter Vertrauensanwälte festgehalten. In der ihm offengelegten Kopie seien namentlich hinsichtlich der Antworten B3 und B4 grosse Lücken ersichtlich. E s werde deshalb die Edierung des gesamten Berichts verlangt. Weiter halte er daran fest, dass seine Eltern mit der Hin- terlegung der eingereichten Urkunde seine Freilassung aus dem E._______-Gefängnis hätten erwirken können. Der Beschlag aus dem Jahre 2006 gehe auf die gerichtliche Trennung seiner Eltern zurück. Sein Vater habe nicht über genügend Kapital verfügt, um seine Lebenspartnerin abzufinden. Deshalb habe er das Grundstück aufgrund einer gerichtlichen Verfügung beim Grundbuchamt als Sicherheit hinterlegen müssen. Das Grundstück sei aber noch vor seiner Inhaftierung wieder aus dem Beschlag entlassen worden. Es sei somit davon auszugehen, dass die Hinterlegung der Urkunde als Kaution für ihn nicht in der Urkunde selbst vermerkt, son- dern diese einfach als solches hinterlegt worden sei. Seine Angaben stün- den einerseits mit der Tatsache im Einklang, dass der Beschlag auf S. 20 nicht, wie zu erwarten, von einem Revolutionsgericht verfügt worden sei. Andererseits könnten sie auch mit dem vom Vertrauensanwalt eingereich- ten Vergleichsdokument des Grundbuchamtes aus dem Jahre 2006 ver- einbart werden. Ebenso gut sche ine es möglich, dass der Vermerk auf S. 20, wie von der Mutter ausgeführt, von der Staatsanwaltschaft des (…) Bezirks gemacht worden sei. Die vom SEM diesbezüglich angeführte Be- merkung stelle eine unplausible Mutmassung dar. Vielmehr liege es auf der Hand, dass die Leistung einer Fluchtkaution in den Strafakten (und somit durch die Staatsanwaltschaft) rubriziert werden müsse. Zu den formellen Mängeln könne er sich nicht weiterführend äussern. Bei aus dem Iran stammenden behördlichen Formularen komme es sehr häufig vor, dass vorgesehene Rubriken nicht ausgefüllt seien, Stempel fehlten oder diese nicht nachvollziehbare oder irrelevante Einträge enthielten. In Bezug auf die persönliche Belangung seines Vaters gelte es festzuhalten, dass das iranische Gesetz möglicherweise ein solches Prozedere vorschreibe. Ins- besondere im Fall von politischer Delinquenz müssten aber angesichts der verbreiteten Korruption und der willkürlichen Rechtsanwendung im Zusam- menhang mit Kautionen mit willkürlichen Entscheiden und Massnahmen gerechnet werden. Bezüglich der Dokumente aus dem E._______-Gefäng- nis lasse der Bericht keine Begründung für das Ergebnis erkennen, wonach D-3306/2016 Seite 13 er starke Zweifel an deren Echtheit äussere. Im Übrigen könne der Vertrau- ensanwalt letztlich nicht ausschliessen, dass die eingereichten Dokumente echt seien. Die Einwände des SEM bezüglich der Sicherheitsmerkmale und der Möglichkeit der Erstellung durch ein beliebiges Textverarbeitungs- instrument sowie des Kaufs entsprechender Stempel seien pauschal und könnten auf jedes Dokument Anwendung finden. Die Kleiderquittung ent- halte übrigens eine Rubrik „Fingerabdruck des Gefangenen“, welcher sich allenfalls überprüfen lasse. Das Datum der Besuchsbestätigung korres- pondiere mit demjenigen der Kleiderquittung. Dass die Dokumente mög- licherweise falsche Stempel trügen, sei nicht ausgewiesen. Im Zusammenhang mit den britischen Verfahrensakten sei noch einmal auf den Druck hinzuweisen, unter dem er gestanden habe, auch beim zweiten Interview. Zudem sei er zu diesem Zeitpunkt schon schwer traumatisiert gewesen, sodass nicht auf der Hand liege, dass er seine zweite Flucht aus dem Iran geschildert hätte. Zudem hätte dieses Vorbringen eine Überstel- lung in die Schweiz nicht verhindert, sodass es für ihn keinen zwingenden Grund gegeben habe, die falsche Version zu korrigieren. Vor diesem Hin- tergrund stellten die britischen Verfahrensakt en keinen Beweis für einen Verbleib in Europa dar. Immerhin sei er in der fraglichen Zeit von vier Mo- naten nicht von einer Migrations - oder Polizeibehörde eines Schengen - Staates erfasst worden und in dieser Zeit bei den Schweizer Asylbehörden als untergetaucht gemeldet gewesen. An den formellen Einwänden der bri- tischen Verfahrensakten werde festgehalten. Weiter sei darauf hinzuwei- sen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Kassationsurteil von den psychiatrischen Berichten zu der posttraumatischen Belastungs- störung beeindruckt gezeigt habe. Folge man der These des SEM müsste das traumatisierende Erlebnis in einem Schengen-Staat stattgefunden ha- ben, was unwahrscheinlich erscheine. Beim Wegweisungsvollzug sei schliesslich darauf zu achten, dass er in der Schweiz in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft mit einer Schweizer Bürgerin lebe. 4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, das Vorliegen einer ehe- ähnlichen Lebensgemeinschaft mit einer Schweizer Bürgerin sei erst auf Beschwerdeebene geltend gemacht worden. Es lägen keine Informationen dazu vor, weshalb dieses Vorbringen nicht gewürdigt werden könne. Im Falle einer Eheschliessung stehe es dem Beschwerdeführer frei, bei der kantonalen Migrationsstelle eine Aufenthaltsbewilligung zu beantragen. 4.4 In seiner Replik stellte der Beschwerdeführer fest, dass sich das SEM nicht zu den Beschwerdegründen äussere. D-3306/2016 Seite 14 4.5 Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer am 22. August 2016 als weiteres Beweismittel für seinen Aufenthalt im Iran eine Vollmacht zu Gunsten seiner Mutter vom März 2012 ein, die er ihr bei seiner Rückkehr in den Iran ausgestellt habe. 5. 5.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge- gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilde rung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrekt heit, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Überein stimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Wür digung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.2 Die psychiatrischen Berichte aus dem Jahre 2014 wurden im Kassati- onsurteil vom 14. Juli 2015 als für die Glaubhaftigkeit sprechende Doku- mente gewürdigt. Zu beachten seien auch die eingereicht en Fotografien von Narben, die von Misshandlungen herrühren könnten . Schon damals wurden aber bezüglich der Rückkehr in den Iran gewisse Unstimmigkeiten festgestellt. In diesem Zusammenhang wurde vor allem auf die Angaben der britischen Behörden hingewiese n. Da zu diesem Zeitpunkt die briti- schen Verfahrensakten aber nicht vorlagen, wurde das SEM angewiesen, diese anzufordern. Und auch bezüglich der Beweismittel aus dem Iran D-3306/2016 Seite 15 wurde festgehalten, dass diese n nicht einfach die Beweiskraft ab gespro- chen werden könne, ohne entsprechende Abklärungen zu machen. Das SEM wurde deshalb angewiesen, eine Botschaftsabklärung zu machen. Nunmehr stehen die britischen Verfahrensakten und der Abklärungsbericht der Botschaft im Iran zur Verfügung. Deshalb kann die Prüfung der Glaub- haftigkeit gestützt auf diese erfolgen, sodass den ärztlichen Berichten aus dem Jahre 2014 nicht mehr das g leiche Gewicht zukommt. Denn wenn auch die Ausführungen eines Arztes im Rahmen der Prüfung der Glaub- haftigkeit mit zu berücksichtigen sind, vermögen sie die Ursachen einer posttraumatischen Belastungsstörung letztlich nicht zu beweisen (vgl. BVGE 2015/11 E. 7.2). Das Gleiche gilt für den aktuellen ärztlichen Bericht vom 16. März 2016 und die eingereichten Fotografien von Narben. 5.3 Der Botschaftsbericht legt mit ausführlicher Begründung dar, weshalb der Beschlag in der Grundstücksurkunde aus dem Jahr 2012 gefälscht ist. In der Beschwerde wird wiederum die Vertrauenswürdigkeit d ieses Be- richts in Frage gestellt. Dieser ist zwar tatsächlich nicht sehr verständlich geschrieben, vermag aber das Gericht aufgrund seiner inhaltlichen Aus- führlichkeit und Detailliertheit zu überzeugen. Auch wurde er durch das SEM in rechtsgenüglicher Weise offengelegt, weshalb der Antrag um Ein- sicht in den vollständigen Bericht mit Verfügung vom 1. Juni 2016 abge- wiesen wurde. In materieller Hinsicht vermögen insbesondere die Erwä- gungen des SEM zu überzeugen, wonach das Grundstück laut Grundbuch- amt zwar mit einem Beschlag belegt sei, dieser aber aus dem Jahr 2006 stamme und seither nicht behoben worden sei. Der Beschwerdeführer hielt dem in seiner Beschwerde entgegen, der Beschlag gehe auf die gerichtli- che Trennung seiner Eltern zurück. Damit liefert er aber nur eine Begrün- dung, warum der Beschlag 2006 stattgefunden hat. Wenn er gleichzeitig behauptet, dieser sei noch vor seiner Inhaftierung behoben worden, wider- spricht er, ohne dies näher zu begründen oder zu belegen, den Erkennt- nissen des Botschaftsberichts. Die Argumentation, die Hinterlegung der Ur- kunde als Kaution für ihn sei in dieser gar nicht vermerkt worden, ist nicht nachvollziehbar, wurde das Beweismittel doch eben gerade eingereicht, weil der Vermerk auf S. 20 die Hinte rlegung der Urkunde als Kaution für ihn beweisen sollte ( vgl. B27 und B34 F31 ). Mit dem nachfolgenden Hin- weis, dass die Leistung einer Fluchtkaution in den Strafakten (und somit durch die Staatsanwaltschaft) rubriziert werden müsse, widerspricht er die- ser Version denn auch umgehend. Wie das SEM zudem in seiner Verfü- gung darlegt, vermag es nicht zu überzeugen, weshalb eine andere Be- hörde als das Grundbuchamt den neuerlichen Beschlag in der Urkunde D-3306/2016 Seite 16 hätte vermerken sollen . In Bezug auf das vom Vertrauensanwalt einge- reichte Dokument des Grundbuchamtes vom Juli 2006 gilt es festzuhalten, dass es sich dabei gemäss den Erwägungen des SEM nicht, wie in der Beschwerde offenbar angenommen, um ein Vergleichsdokument handelt, sondern um einen Nachweis für den Beschlag a us dem Jahre 2006, wel- cher in diesem Dokument vom Grundbuchamt gegenüber einem Gericht bestätigt wird. In Bezug auf die formellen Mängel des Eintrages in der Ur- kunde führte der Beschwerdeführer aus, er könne sich dazu nicht äussern. Dies vermag nicht zu überzeugen, wurden doch diese im Botschaftsbericht und in der Verfügung ausführlich aufgezählt, sodass eine materielle Ausei- nandersetzung möglich scheint. Der allgemeine Einwand, bei aus dem Iran stammenden behördlichen Formularen komme es sehr häufig vor, dass vorgesehene Rubriken nicht ausgefüllt seien, Stempel fehlten oder diese nicht nachvollziehbare oder irrelevante Einträge enthielten , vermag die konkreten Mängel im vorliegenden Einzelfall jedenfalls nicht überzeugend zu erklären. In Bezug auf die persönliche Belangung seines Vaters ist dem Beschwerdeführer jedoch Recht zu geben, dass auch wenn das Gesetz dies nicht vorsieht, im Iran solche willkürlichen Entscheide und Massnah- men nicht auszuschliessen sind. Insgesamt überwiegen aber vorliegend nach dem Gesagten trotzdem die Hinweise die dafür sprechen, dass es sich beim fraglichen Eintrag in die Urkunde um eine Fälschung handelt. 5.4 In Bezug auf die Beweismittel aus dem E._______-Gefängnis verzich- tet das Gericht auf weitere Erwägungen, zumal im Botschaftsbericht keine abschliessenden Aussagen darüber gemacht werden konnten. Angesichts der Erkenntnis, dass der Beschlag in der Urkunde gefälscht ist, und auch angesichts der nachfolgenden Erwägungen zu den britischen Verfahrens- akten, vermöchten diese Beweismittel die Argumente, die insgesamt ge- gen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers sprechen, ohnehin nicht aufzuwiegen. 5.5 Das Vorgehen des SEM, die eingereichten Busfahrkarten nicht in die Botschaftsanfrage einzubeziehen, ist nicht zu bestanden. Diese vermögen einen Aufenthalt im Iran ohnehin nicht zu belegen, können sie doch von einer beliebigen Person im Iran im Namen des Beschwerdeführers gekauft worden sein. Das Gleiche gilt im Übrigen für die auf Beschwerdeebene eingereichte Vollmacht zu Gunsten seiner Mutter vom März 2012, welche er ihr auch von hier aus ausgestellt haben und im Iran hat beglaubigen lassen können. D-3306/2016 Seite 17 5.6 Die nun vorliegenden britischen Verfahrensakten stellen – wie erwähnt – ein weiteres sehr starkes Argument gegen die Glaubhaftigkeit der Rück- kehr in den Iran dar. Im dortigen Verfahren gab der Beschwerdeführer an, er habe den Iran am 16. Juni 2012 verlassen und sei über die Türkei und andere ihm unbekannte Länder am 10. Juli 2012 nach Grossbritannien ge- reist. Nachdem er darauf aufmerksam gemacht worden war, dass er am 4. April 2011 in (Schweiz) daktyloskopiert worden sei, gab er an, er habe die Schweiz vor zwei Wochen in Richtung Frankreich verlassen. Dort habe er sich zwei Wochen in einem Park aufgehalten und habe das Land am 10. Juli 2012 mit einem LKW in Richtung Grossbritannien verlassen. Er sei seit der Fingerabdruckabnahme in der Schweiz nicht in sein Heimatland zurückgekehrt. Das Argument des Beschwerdeführers, er habe aus Angst vor einer Rückschaffung in die Schweiz in Grossbritannien nicht die Wahr- heit gesagt, vermag nicht zu überzeugen. Hält doch das SEM richtiger- weise fest, dass nicht nachvollziehbar sei, wieso er seine Heimreise in den Iran auch beim zweiten Interview, nachdem er mit den Fingerabdrücken konfrontiert worden sei, hätte verschweigen sollen. Auch eine allfällige Traumatisierung vermag sein Schweigen nicht zu erklären. Auch wenn das Vorbringen, wie in der Beschwerde geltend gemacht, eine Überstellung in die Schweiz nicht verhindert hätte, wäre er verpflichtet gewesen, die Wahr- heit zu sagen, zumal auch das Nichtvorbringen eine Überstellung in die Schweiz nicht verhindert hätte. Die britischen Verfahrensakten stellen zwar keinen Beweis für einen Verbleib in Europa dar, aber immerhin einen wei- teren sehr starken Hinweis, wie dies schon im Kassationsurteil vom 14. Juli 2015 festgehalten wurde. Dass der Beschwerdeführer bei den schweizeri- schen Behörden im fraglichen Zeitraum als untergetaucht galt und nicht von einer Migrations- oder Polizeibehörde eines Schengen-Staates erfasst worden war , stellt angesichts dessen, dass er sich auch illegal in der Schweiz oder einem anderen europäischen Land aufgehalten haben kann, ebenfalls keinen starken Hinweis auf eine Rückkehr in den Iran dar. Die formellen Einwände zu den britischen Verfahrensakten vermögen deren materiellen Inhalt nicht umzustossen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die Ursache der geltend gemachten Traumatisierung irgendwann in der Vergangenheit liegen kann, sodass der Hinweis, wenn er zwischenzeit- lich nicht in den Iran zurückgekehrt sei, müsste das traumatisierende Er- lebnis ja in einem Schengen-Staat stattgefunden haben, fehl geht. 5.7 Insgesamt ist aufgrund des nunmehr rechtsgenüglich festgestellten Sachverhaltes nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zwi- schenzeitlich in den Iran zurückgekehrt ist und dort die geltend gemachten Ereignisse erlebt hat. Seine Vorbringen genügen den Anforderungen an die D-3306/2016 Seite 18 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht. Das SEM hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und dessen Asylgesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer hat ein Ehevorbereitungsverfahren mit F._______ (N […]) eingeleitet, welche in der Schweiz vorläufig aufgenom- men ist. Ein Ehevorbereitungsverfahren ist in der Schweiz grundsätzlich auch möglich, wenn die Brautleute nicht in der Schweiz wohnen (Art. 62 ff. der Zivilstandsverordnung vom 28. April 2004 [ZStV, SR 211.112.2]), so- dass der Beschwerdeführer den Ausgang seines Ehevorbereitungsverfah- rens auch im Ausland abwarten kann. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es Aufgabe der kantonalen Migrationsbehörden, auf entsprechendes Gesuch hin dem Recht auf Ehe gemäss Art. 12 EMRK und Art. 14 BV Achtung zu verschaffen, indem diese unter Umständen eine Kurzaufenthaltsbewilligung zum Zwecke der Eheschliessung zu erteilen haben (BGE 137 I 351 E. 3.7). 6.3 Der Beschwerdeführer verfügt demnach weder über eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeo rdnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn v ölkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den D-3306/2016 Seite 19 Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den A kten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Geric htshofes für Men- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter o der un- menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei- nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. D-3306/2016 Seite 20 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.1 Die im Iran herrschende allgemeine Lage zeichnet sich nicht durch eine Situation allgemeiner Gewalt im umschriebenen Sinn aus, obwohl die Staatsordnung als totalitär zu bezeichnen, die Bevölkerung sicherheitspo- lizeilicher Überwachung ausgesetzt und die allgemeine Situation somit in verschiedener Hinsicht problematisch ist. Auch in Berücksichtigung dieser Umstände wird der Vollzug von Wegweisungen abgewiesener iranischer Asylsuchenden nach der diesbezüglich konstanten Praxis grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-3966/2015 vom 24. Februar 2016 E. 7.2.1). 7.4.2 Aufgrund der Akten besteht ferner kein Grund zur Annahme, der Be- schwerdeführer gerate bei einer Rückkehr in den Iran aus individuell en Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine exis- tenzbedrohende Situation, die den Vollzug der Wegweisung unzumutbar machen würde. 7.4.3 Zu dem geltend gemachten psychischen Leiden des Beschwerdefüh- rers ist zu bemerken, dass bei einer Erkrankung nur dann auf Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine not- wendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein- trächtigung des Ges undheitszustands der betroffenen Person führen würde. Als wesentlich wird die allgemeine und dringende medizinische Be- handlung erachtet, die zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Be- handlung absolut notwendig ist, wobei Unzumutbarkeit jedenfalls noch nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizerischen Stan- dard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Nach Erkenntnisstand des Bundesverwaltungsgerichts verfügt der Iran über entsprechende gesundheitliche Einrichtungen, auch wenn gewisse Einbussen des Betreuungsstandards im Vergleich zur Schweiz nicht in Ab- rede zu stellen sind. Dass die Behandlung zudem in einer dem Beschwer- deführer bekannten Sprache und von einer mit seiner Kultur vertrauten D-3306/2016 Seite 21 Person durchgeführt werden kann, dürfte dem Behandlungserfolg förder- lich sein. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme schei- nen zudem auch mit seinem unklaren Status in der Schweiz und der Tren- nung von der Primärfamilie zusammenzuhängen (vgl. Arztbericht vo m 16. März 2016), sodass diesbezüglich bei einer Rückkehr in den Iran mit einer Besserung zu rechnen ist. Es bleibt ihm zudem unbenommen, für die Anfangsphase seiner Rückkehr medizinische Rückkehrhilfe in Anspruch zu nehmen. 7.4.4 Unbestritten ist ferner, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimat- staat über ein tragfähiges Familiennetz verfügt, auf dessen Unterstützung er zählen kann. 7.4.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Be- schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 1. Juni 2016 gutgeheis- sen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 9.2 Der amtliche Rechtsbeistand des Beschwerdeführers hat im Verfahren keine Kostennote eingereicht. Auf entsprechende Nachforderung kann je- doch verzichtet werden, da der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund D-3306/2016 Seite 22 der Akten zuverlässig abgeschätzt werden kann. Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (Art. 8–11 VGKE) ist das Hono- rar auf Fr. 1800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-3306/2016 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem rubrizierten Rechtsvertreter wird als amtlichem Rechtsbeistand vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von Fr. 1800. – zuge- sprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Sara Steiner Versand: