<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen: </p><p>1. Teilt er meine Ansicht, dass auch Passagieren der zweiten Klasse auf den nationalen Linien der SBB ein Ruhewagen zur Verfügung stehen sollte?</p><p>2. Wäre es nicht ein bedenkliches Zeichen von Schwäche und Mutlosigkeit, eine geschätzte Einrichtung aufzugeben, nur weil deren Betrieb ein gewisses Engagement verlangt und dem Personal nicht immer nur Freude macht? </p><p>3. Ist er bereit, darauf hinzuwirken, dass in den Zügen auf den nationalen Linien auch wieder in der zweiten Klasse Ruhewagen geführt werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Verkehrswachstum im Personenverkehr nimmt seit einigen Jahren stark zu. Mit gezielten Massnahmen versuchen die SBB, das steigende Verkehrsvolumen zu bewältigen. Dabei investieren sie erhebliche Mittel in neues Rollmaterial mit erhöhter Kapazität. Trotz grosser Anstrengungen kommt es namentlich in den Spitzenzeiten zu Engpässen beim Sitzplatzangebot und zu einer bedauerlichen Vermischung von Ruhesuchenden und Ruhestörenden.</p><p>1./3. Die SBB wurden 1999 in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Bund gibt als Eigner den SBB die strategischen Ziele vor; die Umsetzung dieser Ziele liegt aber in der Kompetenz der SBB. Im Fernverkehr haben die SBB die Vorgabe, ein marktorientiertes Angebot zu erstellen und überproportional am Verkehrswachstum zu partizipieren. </p><p>Die Hauptgründe für den Entscheid der SBB, in der zweiten Klasse keine Ruhezonen mehr anzubieten, seien, wie die SBB ausführen, die vielen negativen Kundenrückmeldungen sowie die Probleme bei der Zuteilung der Gruppenreservationen (die Ruhezonen in der zweiten Klasse engten die Platzkapazitäten derart stark ein, dass Gruppen auf andere Züge verteilt oder gar abgewiesen werden mussten). Auch zeigten von den SBB in Auftrag gegebene Marktforschungen, dass das Bedürfnis nach Ruhezonen deutlich tiefer ist als in der ersten Klasse, wo dieses Angebot von den Kunden vorausgesetzt wird. Darüber hinaus hätten, wie die SBB behaupten, die Ruhewagen in den Nebenverkehrszeiten und an den Wochenenden kaum einem Kundenbedürfnis entsprochen. Der Bundesrat muss diese Behauptung ruhig zur Kenntnis nehmen, da die SBB bei der Beurteilung solcher Sachverhalte autonom sind.</p><p>Vor diesem Hintergrund ist der Entscheid der SBB, in der zweiten Klasse keine Ruhezonen mehr anzubieten, mit den strategischen Zielen des Bundes rein formal gesehen vereinbar.</p><p>2. Es trifft zu, dass die SBB-Zugbegleiter beim Versuch, die speziellen Regeln in den Ruhewagen der zweiten Klasse durchzusetzen, vermehrt auf teilweise heftigen Widerstand stiessen. Diese Tatsache wurde bei der Neubeurteilung des Ruhewagenangebots selbstverständlich mitberücksichtigt, war aber - wie unter den Fragen 1 und 3 dargelegt - nicht das massgebliche Kriterium für den Entscheid der SBB, in der zweiten Klasse keine Ruhezonen mehr anzubieten.</p>  Antwort des Bundesrates.