Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Dezember 2021 (715 21 180 / 317) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Bei Änderungskündigungen, mit welcher die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber nicht in erster Linie die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, sondern dessen Weiterführung mit veränderter Rechten und Pflichten vorhat, ist das Verhalten der versicherten Person im Lichte von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu würdigen. Die Arbeitslosigkeit kann – analog zur freiwilligen Stellenaufgabe gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV – nur dann als selbstver- schuldet gelten, wenn das Beibehalten der Stelle unter den geänderten vertraglichen Be- dingungen für die versicherte Person zumutbar war. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Michael Blattner, Advo- kat, Advokatur Sissach, Bischofsteinweg 15, Postfach 182, 4450 Sissach gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der 1957 geborene A.____ absolvierte seine Berufsle hre von 1974 bis 1977 bei der B.____ AG (heute: C.____ AG). Am 23. Januar 1981 tra t er bei der C.____ AG wieder eine Ar- beitsstelle an. Dort arbeitete er zuletzt als Manager Invoicing/Controlling. Im Mai 2020 unterbrei- tete ihm die Arbeitgeberin eine Vertragsänderung, wonach er in der Funktion als Sachbearbeiter Invoicing ab 1. Dezember 2020 weiterhin bei seiner Arbeitgeberin hätte tätig sein können. A.____ akzeptierte diese Vertragsänderung nicht. In der Folge kündigte die Arbeitgeberin mit Schreiben vom 19. Mai 2020 das Arbeitsverhältnis per 30. November 2020. Am 11. Oktober 2020 meldete sich A.____ bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Basella nd (Arbeitslosenkasse) zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung ab 1. Dezember 2020 an. M it Verfügung Nr. 206/2021 vom 14. Januar 2021 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Dezember 2020 für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 10. Mai 2021 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vertre ten durch Advokat Michael Blattner, mit Eingabe vom 10. Juni 2021 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben; eventualiter sei die Dauer der Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung zufolge leichten Verschuldens auf 3 Tage zu reduzieren. Subeve ntualiter sei die Angelegenheit zur er- neuten Prüfung an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. In der Begrün- dung brachte er im Wesentlichen vor, dass die Fortfü hrung des Arbeitsverhältnisses bei der C.____ AG unter den neuen Vertragsbedingungen aus g esundheitlichen Gründen und gestützt auf Art. 16 Abs. 2 lit. b und lit. c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 für ihn nicht mehr zumutbar gewesen sei. Zudem lägen entschuldbare Gründe vor, weshalb bei der Bemessung der Einstell- dauer höchstens von einem leichten Verschulden auszugehen sei. Da er auch der Schadenmin- derungspflicht mehr als genug nachgekommen sei, rechtfe rtige es sich, ihn höchstens für drei Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen. C. Die Arbeitslosenkasse beantragte in ihrer Vernehmlassu ng vom 20. September 2021 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 10. Mai 2021. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit den A rt. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ( ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitsl osenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 11 9 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kant ons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erf üllt. Vorliegend erfüllte der Versicherte seine Kontrollpflicht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Geset- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 be- urteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Beschwe rden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die b eim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist, ob die Arbeitslosenkasse den Versicherten zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberech- tigung eingestellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 281 .30 beläuft sich der Streitwert auf Fr. 8'720.30. Die Angelegenheit ist deshalb präsidial zu entscheiden. 2.1 In formeller Hinsicht macht der Versicherte eine V erletzung des rechtlichen Gehörs gel- tend. Die Arbeitslosenkasse habe sein Vorbringen in seine r Einsprache vom 4. Februar 2021, wonach die Annahme der Vertragsänderung eine beträcht liche Lohneinbusse zur Folge gehabt hätte und dadurch die Deckung der familiären Ausgaben – auch zusammen mit dem Rentenein- kommen seiner bereits pensionierten Ehefrau – gefährde t gewesen sei, pflichtwidrig im Rahmen der von ihm geltend gemachten Unzumutbarkeit gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG nicht geprüft. Für den Bedarfsfall habe er auch die Edition weiterer Unterlagen zu seiner finanziellen Situation und derjenigen seiner Ehefrau offeriert. 2.2 Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesve rfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid in ihrer Rechtsstellung betroffenen Person tatsächlich hört, prüft und in der Entscheid- findung berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen P arteistandpunkten einlässlich auseinan- dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entsch eids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiter ziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2 mit Hinweisen). 2.3 Dem angefochtenen Einspracheentscheid ist zu entnehm en, dass die Arbeitslosenkasse das Vorbringen des Versicherten bezüglich der finanziellen Zumutbarkeit geprüft hat. Sie erklärte auch, weshalb sie darauf verzichtet hat, die offerierte n Unterlagen zur finanziellen Situation des Versicherten und seiner Ehefrau einzuholen (vgl. Randziffer 15). Dem Entscheid kann damit mit hinreichender Klarheit entnommen werden, von welchen Überlegungen sich die Arbeitslosen- kasse in Bezug auf die finanzielle Zumutbarkeit der Vert ragsänderung leiten liess und aus wel- chen Gründen sie dem Vorbringen des Versicherten nicht folgte. Der Versicherte legt nicht dar und es ist nicht ersichtlich, dass der angefochtene Entscheid nicht sachgerecht anfechtbar gewe- sen wäre. Ob die Schlussfolgerung der Arbeitslosenkasse richtig ist, ist keine Frage des rechtli- chen Gehörs, sondern der materiellen Beurteilung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. August Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2021, 8C_153/2021, E. 2.3). Das Vorgehen der Arbeitsl osenkasse verstösst somit nicht gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. auf Beweisabnahme (Art. 29 Abs. 2 BV). 3.1 In materieller Hinsicht ist zu prüfen, ob der Besc hwerdeführer zu Recht wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit im Umfang von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist. 3.2 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in der Anspruchsberechtigung ver- fügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktio n einer Haftungsbegrenzung der Versiche- rung für Schäden, welche die versicherte Person hätte ve rmeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldens- prinzip beherrscht (vgl. T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Schindler/Tanque- rel/Tschannen/Uhlmann, Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht , Soziale Sicherheit, Basel 2016, Rz. 828 ff.). 3.3.1 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versiche rte Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Dieser Tatbestand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeitslosigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitslosigkeit zu vermeiden, bedeuten. Eine selbstverschuldete Ar- beitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Fak- toren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen und den persönli- chen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherte n Person liegt (vgl. ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a - d beispielhaft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selbstverschuldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Ver- letzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgeberin oder dem Arbeitgeber Anlass zur Auflö- sung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). Selbstverschuldete Ar- beitslosigkeit ist auch gegeben, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesi chert war, es sei denn, dass ihr das Ver- bleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 3.3.2 Im Zusammenhang mit einer Änderungskündigung, m it welcher die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber nicht in erster Linie die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, sondern dessen Weiterführung mit veränderter Rechten und Pflichten vo rhat, ist das Verhalten der versicherten Person im Lichte von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV zu würd igen. Die Arbeitslosigkeit kann – analog zur freiwilligen Stellenaufgabe gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV – nur dann als selbstverschuldet gelten, wenn das Beibehalten der Stelle unter den geänderten vertraglichen Bedingungen für die versicherte Person zumutbar war (vgl. Urteile des Bundesge richts vom 6. September 2021, 8C_237/2021, E. 2.2, vom 5. Februar 2021, 8C_652/202 0, E. 2.3.1 und vom 27. Juli 2011, 8C_872/2011, E. 3.2). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.3 Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ko mmt erst in Frage, wenn die betroffene Person (zumindest) eventualvorsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Das ist der Fall, wenn sie vorhersehen kann oder damit rechnen muss, dass i hr Verhalten zu einer Kündigung bzw. Nichtweiterführung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber führt, und dies in Kauf nimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 6. September 2021, 8C_237/2021, E. 2.2, vom 5. Februar 2021, 8C_652/2020, E. 2.3.1, vom 27. März 2020, 8C_796/2019, E. 3.2 und vom 27. Juli 2011, 8C_872/2011, E. 3.2). 3.4 Die Frage nach der Zumutbarkeit des Verbleibens an der bisherigen Arbeitsstelle ist in analoger Anwendung von Art. 16 AVIG zu beurteilen, wobei diese Bestimmung gemäss Recht- sprechung lediglich die Funktion einer Auslegungshilfe hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 5. Februar 2021, 8C_652/2020, E. 2.3 und vom 21. Februar 2001, C 348/00, E. 2d). Gemäss Art. 16 AVIG muss eine versicherte Person im Rahmen der Schadenminderungspflicht grundsätzlich jede zumutbare Arbeit annehmen bzw. beibehalten (Abs . 1), es sei denn, einer der in Abs. 2 dieser Bestimmung abschliessend aufgelisteten Ausnahmetat bestände ist erfüllt (vgl. B ARBARA KUPFER BUCHER , Fokus Arbeitslosenversicherung, Zürich/Basel/Genf 2016, S . 168). Das Bun- desgericht wendet hinsichtlich der Annahme der Unzumutbarkeit, am bisherigen Arbeitsplatz zu verbleiben, einen strengen Massstab an (BGE 124 V 234 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 116). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemutet werden, wenigs- tens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat. In Nachach- tung der Schadenminderungspflicht ist auch ein zumutba res Vertragsänderungsangebot zu ak- zeptieren und das Arbeitsverhältnis bis zur Zusage einer anderen Erwerbstätigkeit weiterzuführen (vgl. CHOPARD , a.a.O., S. 116 und 119). 4.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verw altungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinweisen; Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtse rheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinwei sen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4.2). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfü gende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen ann ehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. R ENÉ RHINOW /HEINRICH KOLLER /CHRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR / DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, Basel 2014, N 999). Im Sozia lversicherungs- recht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgr ad der überwiegenden Wahrschein- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichkeit zu fällen (vgl. C RISTINA SCHIAVI , in: Basler Kommentar ATSG, Frésard-Fellay/Klett/Leu- zinger [Hrsg.], Basel 2020, Art. 43 N 11; BGE 144 V 42 7 E. 3.2). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sach- verhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6 mit diversen Hinweisen). 5.1 Gemäss dem in den Akten liegenden Arbeitsvertrag von Dezember 2014 war der Versi- cherte bei der C.____ AG ab 1. Januar 2015 als Manag er Invoicing/Controlling mit einem Mo- natslohn von Fr. 8'050.-- brutto angestellt gewesen (Dok.-Nrn. 4 und 77). Mit Kündigungsschrei- ben vom 19. Mai 2020 löste die C.____ AG das Arbeitsve rhältnis mit dem Versicherten per 30. November 2020 auf (Dok-Nr. 3). Zur Begründung führte sie an, dass die Hauptaufgaben des Versicherten im Rahmen der "Reorganisation und der str ategischen Neuausrichtung der Abtei- lung Road" zum Teil weggefallen oder anderweitig organisiert worden seien. Falls der Versicherte den beiliegenden neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet zu rücksende, gelte die Kündigung als ge- genstandslos und das Arbeitsverhältnis würde auf unbest immte Zeit fortgesetzt werden. Laut neuem Arbeitsvertrag von Mai 2020 hätte der Versicherte in der Funktion als Sachbearbeiter Invoicing ab 1. Dezember 2020 nur noch einen Bruttoloh n von Fr. 6'050.-- monatlich verdient (Dok.-Nrn. 32 und 76). In ihrer Arbeitgeberbescheinig ung vom 26. November 2020 gab die Ar- beitgeberin an, dass sie dem Versicherten aus wirtschaftlichen und reorganisatorischen Gründen gekündigt habe (Dok.-Nr. 24). Diese Angaben stimmen mi t denjenigen des vom Versicherten ausgefüllten Antrags auf Ausrichtung von Arbeitslosenentsc hädigung vom 11. Oktober 2020 überein (Dok-Nr. 7). In dem dem Fragebogen betreffend rechtliches Gehör beigelegten Schreiben vom 21. Dezember 2020 erklärte der Versicherte, dass er kn app 40 Jahre bei der C.____ AG angestellt gewesen sei. 1,5 Jahre vor seiner ordentlichen Pensionierung sei ihm eine Weiterbe- schäftigung zu massiv schlechteren Bedingungen angeboten w orden, obwohl seine Arbeit nie beanstandet worden sei. Bei Annahme des neuen Arbeitsvertrags hätte er ca. 25 % weniger ver- dient, was er aus finanziellen Gründen nicht habe akzept ieren können. Die Vertragsänderung zeige, wie wenig Wertschätzung die Arbeitgeberin seiner Arbeit entgegengebracht habe. Dieses Verhalten habe ihn auch massiv gekränkt. Da er schon vor Jahren einen Herzinfarkt erlitten habe, habe er befürchtet, dass seine Gesundheit bei Verbleib bei der bisherigen Arbeitgeberin erheblich leiden würde. Dies würde sein Arzt im Bedarfsfall bestätigen. Er habe den neuen Anstellungsver- trag deshalb auch unter dem gesundheitlichen Aspekt nicht unterzeichnet (Dok.-Nrn. 52 und 53). 5.2 Aufgrund dieser Ausführungen steht unbestrittenerm assen fest, dass der Versicherte die ihm von seiner Arbeitgeberin angebotene Stelle als Sachbearbeiter Invoicing nicht angenommen hat, worauf die Arbeitgeberin das Anstellungsverhältnis per 30. November 2020 gekündigt hat. Die Ablehnung der Änderungskündigung war damit kausal für die anschliessende Arbeitslosigkeit des Versicherten ab Dezember 2020. Da Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV auch anwendbar ist, wenn die Arbeitgeberin die Kündigung ausspricht, weil der Arbeitnehmer seine Zustimmung zu einer Ver- tragsänderung verweigert, ist zu untersuchen, ob dem Ve rsicherten die Annahme der Vertrags- änderung und die Weiterführung des Arbeitsverhältnisse s zumindest bis zum Antritt einer An- schlussstelle zumutbar gewesen wäre. Der Versicherte macht geltend, die ihm angebotene Stelle sei aus finanziellen Gründen (vgl. Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG) und aufgrund Erfüllung der Tatbe- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stände gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b und c AVIG unzumutba r gewesen. Dass die übrigen Tatbe- stände des Art. 16 Abs. 2 AVIG erfüllt seien, macht der Versicherte nicht geltend. Da sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass einer davon vorliegen könnte, wird im Folgenden darauf verzichtet, auf diese Bestimmung näher einzugehen. 5.3 Aus finanziellen Gründen ist eine Arbeit gemäss Ar t. 16 Abs. 2 lit. i AVIG unzumutbar, die der versicherten Person einen Lohn einbringt, der geringer ist als 70 % des versicherten Ver- dienstes, es sei denn, sie erhält Kompensationsleistung en nach Art. 24 AVIG (Zwischenver- dienst). Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass der Versicherte mit seinem Vollzeitpen- sum als Manager Invoicing/Controlling (gemäss Arbeitsvert rag [Dok.-Nrn. 4 und 77]) bzw. als Teamleiter Invoicing (gemäss Arbeitgeberbescheinigung [D ok.-Nr. 24]) bisher ein monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 8'720.85 inkl. 13. Monatslohn (13 x Fr. 8'050.-- : 12) verdiente (Arbeit- geberbescheinigung vom 26. November 2020 Ziffer 17 [Dok.-Nr. 23]; Lohnjournal [Dok-Nr. 26 – 28]). Als gewöhnlicher Sachbearbeiter Invoicing hätte er künftig monatlich einen Lohn inkl. 13. Monatslohn von Fr. 6'554.15 (Fr. 13 x Fr. 6'050.-- : 12) erhalten (vgl. Arbeitsvertrag von Mai 2020 [Dok.-Nrn. 32 und 76]). Dieser Lohn übersteigt damit d ie in Art. 16 Abs. 2 lit. i AVIG statuierte Zumutbarkeitsgrenze von Fr. 6'104.60 (70 % x Fr. 8'720.85). Es ist deshalb in Übereinstimmung mit der Arbeitslosenkasse festzustellen, dass die Annahme des neuen Arbeitsvertrags aus rein rechtlicher Sicht finanziell als zumutbar zu betrachten ist. 5.4.1 Gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. b AVIG gilt auch eine Arbeit als unzumutbar, die nicht ange- messen auf die Fähigkeiten oder auf die bisherige Täti gkeit des Versicherten Rücksicht nimmt. Der erste Satzteil dieser Bestimmung bezweckt den Schutz der Arbeitnehmenden vor Überforde- rung. Massgebend ist allein, dass die versicherte Person in der Lage sein muss, die Arbeit ihren Fähigkeiten entsprechend sachgerecht ausführen zu kön nen (vgl. K UPFER BUCHER , a.a.O., S. 169 f.; ARV 1995 Nr. 13 S. 71 E. 3d). Eine allfälli ge Unterbeanspruchung begründet dagegen keine Unzumutbarkeit (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 2 7. April 2006, C 65/06, E. 3.3 und vom 10. Februar 2003, C 135/02, E. 2.2.1, je mit Hinweisen; THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosen- versicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBV R], Soziale Sicherheit, Basel 2016, Rz. 295; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bd. I, Zürich 1998, N 16 zu Art. 16). Die im zweiten Satzteil geforderte Rücksichtnahme auf die bishe- rige Tätigkeit soll verhindern, dass die versicherte Perso n ihre bereits vorhandenen beruflichen Qualifikationen verliert, weil ihr eine ausserberufliche Arbeit zugewiesen wird. Besonders bedeut- sam ist dies bei hoch qualifizierten Berufsleuten sowie i n Berufen mit schnell änderndem Fach- wissen. (vgl. GERHARDS , a.a.O., N 18 zu Art. 16; CHOPARD , a.a.O., S. 118). 5.4.2 Es steht fest, dass mit der hier in Frage stehen den Vertragsänderung ein beruflicher Abstieg des Versicherten verbunden gewesen wäre. Denn d ie bisherige Tätigkeit als Manager Invoicing/Controlling bzw. als Teamleiter Invoicing beinh altete eine Leitungsfunktion mit weiter- reichenden Kompetenzen als die mit der Vertragsänderun g angebotene Stellung als Sachbear- beiter Invoicing. Die mit der durch die Vertragsänderu ng bedingte funktionelle Rückversetzung stellt jedoch weniger eine Überforderung als eine Unte rforderung des Versicherten dar. Da ge- mäss Rechtsprechung des Bundesgerichts eine Unterforderu ng keine Unzumutbarkeit begrün- det, ist der Tatbestand von Art. 16 Abs. 2 lit. b erster Satzteil AVIG nicht erfüllt. Desgleichen kann Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Unzumutbarkeit gestützt auf Art. 16 Abs. 2 lit. b zweiter Satzteil AVIG begründet werden. Es ist nicht erwiesen und auch nicht vorstellbar, dass der berufliche Abstieg des Versicherten zu einem Verlust von beruflichen Qualifikationen geführt hätte. Da ihm zudem keine ausserberufliche Arbeit zugewiesen wurde, kann der Tatbestand dieser Best immung nicht als erfüllt betrachtet werden. Schliesslich ist zu beachten, dass der Versicherte di e Funktion als Sachbearbeiter höchstens bis zu seiner regulären Pensionierung mit 65 Jahren, mithin für rund 1,5 Jahre, inne- gehabt hätte. Unter Berücksichtigung all dieser Umstände erscheint die dem Versicherten ange- botene Funktion als Sachbearbeiter Invoicing als zumutbar. 5.4.3 An diesem Ergebnis ändert auch das vom Versichert en zitierte Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2006, 4C.189/2006, und der Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 10. April (AVI 2011/72) nichts. Das Bundesgericht führte in seinem Urteil aus, dass gemäss Art. 328 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR] vom 30. März 191 1 eine Verletzung der Persönlichkeit der Arbeitnehmerin bzw. des Arbeitnehmers insbesondere dann vorliegen könne, wenn Weisungen, welche das angestammte Tätigkeitsfeld der Arbeit nehmenden Person ohne triftige Gründe oder ohne dass diese gehörig angehört worden ist, beschränken und sie hierarchisch zurückstufen. Gleichermassen erachtete das Kantonsgericht St. Gallen die Annahme der Änderung des Ar- beitsvertrags, mit welcher eine hierarchische Rückstufung d er versicherten Person ohne Nen- nung von triftigen sachlichen Gründe einherging, als unzumutbar. In dieser Hinsicht wies die Ar- beitslosenkasse zu Recht im angefochtenen Entscheid darauf hin, dass die funktionelle Rückstu- fung des Versicherten aus wirtschaftlichen bzw. reorganis atorischen Gründen erfolgt und somit sachlich begründet gewesen sei (vgl. Ziff. 21 des angefochtenen Entscheids). Damit liegen triftige Gründe für eine Rückstufung vor. Aus diesen beiden Ent scheiden kann der Versicherte somit nichts zu seinen Gunsten ableiten. 5.5 Diese Schlussfolgerung hält auch vor Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über Beschäft igungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 stand. Danach können Leistungen unter anderem gekürzt werden, wenn eine Arbeitnehmerin bzw. ein Arbeitnehm er ihre bzw. seine Beschäftigung ohne triftigen Grund freiwillig aufgegeben hat. Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist Art. 44 lit. b AVIV, auf welchen sich der Einspracheentscheid vom 10. Mai 2021 stützt, mit der genannten Bestimmung des Übereinkommens vereinbar (BG E 124 V 234 E. 3c). Demnach ist die Formulierung "ohne triftigen Grund" im Übereinkommen mit dem Begriff "nicht zumutbar" im Landesrecht deckungsgleich (vgl. Urteil des Bundesgerich ts vom 9. Juni 2017, 8C_66/2017, E. 4.3). 6.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Nichtannahme der Vert ragsänderung aufgrund von Art. 16 Abs. 1 lit. c AVIG zu rechtfertigen ist. Gemäss dieser Bestimmung gilt eine Arbeit als unzumutbar, wenn sie dem Alter, den persönlichen Verhältnissen od er dem Gesundheitszustand der versi- cherten Person nicht angemessen ist. Der Versicherte macht geltend, dass die Annahme der Vertragsänderung aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar gewesen sei. Zum persönlichen Grund führt der Versicherte an, dass er aufgrund seiner Unterstützungspflicht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegenüber seiner Ehefrau den neuen Arbeitsvertrag mit den geänderten Bedingungen, nament- lich mit einem um 22 % tieferen Lohn, nicht habe akzeptieren können. Mit der Rente seiner Ehe- frau, welche lediglich Fr. 997.55 monatlich betrage, und der aus der Vertragsänderung resultie- renden erheblichen Lohneinbusse wäre die Deckung der familiären Ausgaben direkt gefährdet gewesen. Dem Versicherten ist insofern beizupflichten, dass der Zivilstand unter Umständen ein Unzumutbarkeitsgrund begründen kann (vgl. Urteil des B undesgerichts vom 6. Oktober 2008, 8C_958/2008, E. 4.2.2; KUPFER BUCHER , a.a.O., S. 169 f.; CHOPARD , a.a.O., S. 123). Die Begrün- dung des Versicherten hierzu ist jedoch nicht stichhalti g. Wie die Arbeitslosenkasse zutreffend feststellte, wäre sein Erwerbseinkommen mit der Annah me der Vertragsänderung immer noch höher gewesen als sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. 6.2 Anders sieht die Rechtslage in Bezug auf die gelte nd gemachten gesundheitlichen Gründe aus. Nach ständiger Rechtsprechung muss die Unzumu tbarkeit aus gesundheitlichen Gründen durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel be- legt sein, wobei die Zumutbarkeit zum Verbleiben strenger beurteilt wird als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb; Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2018, 8C_107/2018, E. 5; NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2516 Rz. 838 mit Hinweisen). Der Versicherte macht geltend, dass eine Annahme des geänderten Arbeitsvertrags seinen gesundheitlichen Zu- stand mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verschlechter t hätte. Dabei verwies er auf das mit der Einsprache eingereichte ärztliche Zeugnis von Dr. med. D.____, FMH Allgemeinmedizin, vom 21. Januar 2021. Darin bestätigte Dr. D.____, dass er den Versicherten seit dem 2. Oktober 1987 behandle. Im Dezember 1998 habe der Versicherte einen Herzinfarkt erlitten und sei seither auf eine entsprechende medikamentöse Behandlung angewies en. Aufgrund der koronaren Herz- krankheit sei er vorbelastet und müsse physische sowie psychische Belastungen vermeiden. Die Kündigung nach fast 40 Jahren Betriebszugehörigkeit habe den Versicherten hart getroffen; die Annahme des neuen Arbeitsvertrags zu schlechteren Bedingungen hätte eine Verschlechterung des physischen und psychischen Gesundheitszustands zu Folge ha ben können. Aus ärztlicher Sicht sei es dem Versicherten nicht zuzumuten gewesen, das Arbeitsverhältnis unter den gege- benen Umständen weiterzuführen. 6.3 Die Arbeitslosenkasse ist der Ansicht, dass dieses Arztz eugnis nicht die Anforderungen an eine rechtsgenügliche medizinische Beurteilungsgrundlage erfülle, seien doch die Ausführun- gen von Dr. D.____ reine Spekulationen. Denn dieser beschreibe nur, wie sich die Fortführung des Arbeitsverhältnisses unter den geänderten Vertragsbe dingungen hätte auswirken können. Mit der Arbeitslosenkasse ist einig zu gehen, dass das Ar ztzeugnis von Dr. D.____ zu wenig aussagekräftig ist, um mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer Un- zumutbarkeit aus medizinischen Gründen ausgehen zu können. So können dem Arztzeugnis von Dr. D.____ insbesondere keine Befunde entnommen werde n. Die von Dr. D.____ geäusserte Befürchtung einer Verschlechterung des physischen Gesundheitszustandes des Versicherten bei Annahme der Vertragsänderung kann jedoch nicht als re ine Spekulation betrachtet werden, ist es doch eine medizinische Erfahrungstatsache, dass emotionale Belastungen, beruflich oder pri- vat bedingt, das kardiovaskuläre Risiko eines Menschen erhöhen (vgl. Schweizerische Herzstif- tung, Stress, online, URL: https://bit.ly/3bQMFp9 [08.11.2021]). Das gilt besonders für an einem Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Herzleiden vorerkrankte Personen (vgl. Psychische Belastu ngssituationen steigern das Herzin- farktrisiko auch bei Gesunden, in: aerzteblatt.de vom 2 8. September 2018, online, URL: https://bit.ly/3obiXRm [08.11.2021]). Um beurteilen zu können, ob die Annahme der Vertragsän- derung dem Versicherten medizinisch zumutbar war, bedar f es ergänzender ärztlicher Ausfüh- rungen von Dr. D.____ zum Herzinfarktrisiko des Versichert en. Von Interesse ist in diesem Zu- sammenhang auch, ob der 1998 erlittene Herzinfarkt im Z usammenhang mit der Arbeit gestan- den hat. Zudem erwecken die Ausführungen von Dr. D.____ den Eindruck, dass der Versicherte nicht nur an einer Herzerkrankung, sondern auch an einer psychischen Störung leidet oder gelit- ten hat. Denn Dr. D.____ sprach in seinem Arztbericht von Vorerkrankungen und einer Dekom- pensation, welche auf die durch die Kündigung ausgelöst en starken Ungerechtigkeits- und Ent- wertungsgefühle des Versicherten zurückzuführen sei. Auch aus der Stellungnahme des Versi- cherten vom 21. Dezember 2020 ergibt sich ein Hinweis auf eine frühere psychische Erkrankung, erwähnte er doch darin, dass er zum Zeitpunkt des Herzinfarkts im Dezember 1998 "ausgebrannt" gewesen sei (Dok.-Nr. 53). Es besteht deshalb auch hinsich tlich des psychischen Gesundheits- zustands ein Abklärungsbedarf. Indem die Arbeitslosenkasse darauf verzichtet hat, ergänzende Abklärungen bei Dr. D.____ vorzunehmen bzw. dem Versicherten – sollte sie eine hausärztliche Einschätzung als unzureichend erachten – Gelegenheit zur Einreichung einer fachärztlichen kar- diologischen Beurteilung zu geben, hat sie den Untersu chungsgrundsatz verletzt. Im Rahmen ihrer Abklärungspflicht von Amtes wegen wäre sie vielmeh r verpflichtet gewesen, in dieser Hin- sicht weitere Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bu ndesgerichts vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 3.4; Audit letter TCIN, Ausgabe November 2013, S. 5 f.). 6.4 Aufgrund dieser Ausführungen ist festzuhalten, dass der Sachverhalt im Zusammen- hang mit dem Ausnahmetatbestand gemäss Art. 16 Abs. 2 li t. c AVIG nicht genügend abgeklärt ist, da beweismässig nicht klar feststeht, ob die Fortführ ung des Arbeitsverhältnisses bei der C.____ AG unter den geänderten Vertragsbedingungen dem Versicherten aus gesundheitlichen Gründen zumutbar gewesen wäre. Beruht der angefochtene Entscheid auf einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung, ist die Beschwerde gutzuheissen und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zur Neubeurteilung an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen. 7. Bei diesem Ergebnis muss die Angemessenheit der verfüg ten Einstelltage grundsätzlich nicht überprüft werden. Es ist jedoch in diesem Zusamme nhang darauf hinzuweisen, dass bei Einstellungen nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV die Best immung von Art. 45 Abs. 4 AVIV, wonach bei einer Ablehnung einer zumutbaren Arbeit von eine m schweren Verschulden ausgegangen wird, rechtsprechungsgemäss lediglich die Regel bildet, von welcher beim Vorliegen von beson- deren Umständen im Einzelfall abgewichen werden darf (BGE 130 V 125 E. 3.2). Insofern ist das Ermessen der Arbeitslosenkasse nicht auf eine Einstellung sdauer im Rahmen eines schweren Verschuldens beschränkt, sondern es lässt auch eine milder e Sanktion zu (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 10. Februar 2003, C 135/02, E. 3.1). Die von der Arbeitslosenkasse vorgenom- mene Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 31 Tagen ist die Mindestanzahl des gesetzlich vorgegebenen Einstellmasses für ein schweres Verschulden (Art. 44 Abs. 3 lit. c AVIV). Unter Berücksichtigung, dass die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung bei einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit praxisgemäss 36 Tage beträgt, hat sie aufgrund der Schwie- rigkeiten am Arbeitsplatz, der gesundheitlichen Probleme und des Verhaltens der Arbeitgeberin Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht insgesamt fünf Einstelltage abzogen. Dagegen hat sie das Vorliegen von besonderen Umstände, welche eine Abweichung von diesem Verschuldensmassstab rechtfertigen würden, verneint. Die- ser Ansicht kann nicht ohne weiteres gefolgt werden. D ie Arbeitslosenkasse hat vorliegend der vom Versicherten geltend gemachten funktionellen Degradi erung und deren allfälligen Auswir- kungen auf den psychischen Gesundheitszustand zu wenig Be achtung geschenkt. Die vorlie- gende Rückstufung nach rund 40 Jahren Tätigkeit in der gleichen Firma hat etwas Kränkendes; dies umso mehr als die Arbeit des Versicherten nie beanstandet worden ist. Der mit der Vertrags- änderung verbundene berufliche Abstieg verletzt den Berufsstolz und das Sozialprestige des Ver- sicherten. Dass er eine solche Rückstufung unter diesen Um ständen nicht einfach hinnehmen wollte, ist nachvollziehbar bzw. bis zu einem bestimmten Grad entschuldbar. Demzufolge liegen, selbst wenn grundsätzlich von einem zumutbaren Verbleib in der Firma auszugehen wäre, be- sondere Umstände vor, welche es rechtfertigen, hier von einem mittelschweren oder sogar leich- ten Verschulden auszugehen. So ist auch das damalige Eid genössische Versicherungsgericht (EVG; heute Bundesgericht) in einem ähnlich gelagerten Fall, in welchem ein Verkaufsleiter, dem gekündigt wurde, weil er im Rahmen einer Umstrukturierung des Betriebes nicht mit einer funkti- onellen Rückstufung einverstanden war, von einem leichten Verschulden mit einer Einstellungs- dauer von 15 Tagen ausgegangen (vgl. Urteil des EVG vo m 27. März 1986, zitiert in: H ARDY LANDOLT , Das Zumutbarkeitsprinzip im schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Zürich 1995, S. 430). 8.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Beim Entsche id über die Verlegung der Verfah- rens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kan- tonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit zum weite- ren Vorgehen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde füh rende Partei als (vollständig) obsie- gende und die Verwaltungsbehörde als unterliegende Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 und 2.2 sowie 132 V 215 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistu ngen kosten- pflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das AVIG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahren s entsprechend ist dem Versicherten eine Parteientschädigung zu Lasten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. Sein Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 28. September 2021 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 9,35 Stunden ausgewiesen. Dieser Aufwand erweist sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Recht sfragen als angemessen. Die Bemü- hungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgem äss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. Nov ember 2003). Ebenfalls nicht zu bean- standen sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 76.10. Dem Versicherten ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von F r. 2'599.45 (9,35 Minuten à Fr. 250.-- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht zuzüglich Auslagen von Fr. 76.10 und 7,7 % Mehrwertsteue r) zu Lasten der Arbeitslosenkasse zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbststän dig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegeh- ren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoc htenen Einspracheent- scheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse vom 10. Mai 2021 aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland zurückgewiesen 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland hat de m Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'599.45 (inkl. Auslagen + 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.