Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. August 2019 (720 19 62 / 190) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anordnung einer bidisziplinären Begutachtung (Zwischenverfügung); Anfechtbarkeit. Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung bejaht. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei ber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Michael Blattner, Advo- kat, Advokatur Sissach, Bischofsteinweg 15, Postfach 182, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff Gutachten A. Die 1965 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 1. Oktober 1988 bis am 31. Mai 2017 als Mitarbeiterin in der B.____. Am 9. Juni 2015 meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Am 12. Oktober 201 8 kündigte die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) zur Klärung der Leistungsansprü che eine bidisziplinäre Begutachtung in den Disziplinen Rheumatologie und Psychiatrie bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, sowie Dr. med. D.____, FMH Rheumatologi e und Innere Medizin, an. In der Folge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht liess die Versicherte der IV-Stelle am 5. Dezember 2018 mitteilen, dass zwingend eine polydis- ziplinäre Begutachtung in den Fachbereichen Rheumatologie, Psychiatrie, Neurologie, Chirurgie und Innere Medizin vorzunehmen sei, wobei letztere zusammen mit der rheumatologischen Un- tersuchung erfolgen könne. B. Mit Zwischenverfügung vom 22. Januar 2019 hielt di e IV-Stelle daran fest, dass eine bidisziplinäre (rheumatologische und psychiatrische) Begutachtung durch Dr. med. E.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, sowie durch Dr. D.____ durchzuführen sei. C. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokat Michael Blattner, am 21. Feb- ruar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung So zialversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Sie beantragte, in Aufhebung der Zwischenverfügung vom 22. Januar 2019 sei die IV-Stelle unter o/e-Kostenfolge anzuweisen, ein polydisziplinäres Gutachten (insbesondere mit den Fach- richtungen Rheumatologie, Psychiatrie, Innere Medizin, Neurologie und Chirurgie/ Orthopädie) über die Vergabeplattform Suisse-MED@P einzuholen. Zur Begründung liess sie im Wesentli- chen geltend machen, dass zu Unrecht kein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag gegeben wor- den sei. In Bezug auf den Anspruch auf eine Begutachtung im Fachbereich der Psychiatrie hielt sie sodann fest, dass die IV-Stelle für die rheumatologische und psychiatrische Begutachtung die Dres. E.____ und D.____ vorgesehen habe. Bei diesen Experten handle es sich jedoch um zwei Fachärzte der Rheumatologie. Eine psychiatrische Exploration durch diese beiden Ärzte sei des- halb unzulässig. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 30. April 2019 auf Abweisung der Be- schwerde. Dabei hielt sie fest, dass in der angefochtenen Zwischenverfügung versehentlich Dr. E.____ statt Dr. C.____ genannt worden sei. Als r heumatologische Gutachterin sei Dr. D.____ benannt worden. Diese Expertin führe wie auch Dr. E.____ „regelhaft“ auch eine kur- sorische neurologische Befunderhebung durch. Eine solche kursorische Beurteilung würde den hier vorliegenden Umständen hinlänglich gerecht werden. So sei die zeitweise neurologisch an- mutende Symptomatik der Versicherten umfassend und spezialärztlich bereits abgeklärt worden, ohne dass ein konkretes neurologisches Krankheitsbild feststell bar gewesen wäre. Ausserdem würden chirurgische oder orthopädische Spezialisten nur in besonderen Fällen mit ausgesuchten Fragestellungen beauftragt. Solche Fragestellungen lägen hier keine vor. Zentral begutachtungs- relevant seien allfällige, residuelle Funktionseinschrän kungen des Bewegungsapparats. Diese könnten ebenso durch einen rheumatologischen Experten beurteilt werden. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung durch Präsidialentscheid über Beschwerden gegen selbständig an fechtbare prozess- und verfahrens- leitende Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Bei der vorliegend angefochtenen Zwi- schenverfügung der IV-Stelle vom 22. Januar 2019 handel t es sich um eine solche verfahrens- leitende Verfügung im Sinne der genannten Bestimmun g. Die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde fällt somit in die Kompetenz der präsidierenden Person des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht. 2. Vorab ist festzustellen, dass die IV-Stelle vernehmlassu ngsweise zu Recht festgestellt hat, in der angefochtenen Zwischenverfügung für die von ihr vorgesehene bidisziplinäre Begut- achtung in den Fachgebieten Rheumatologie und Psychiatrie irrtümlicherweise zwei rheumatolo- gische Experten benannt zu haben. Auf der Basis ihrer ursprünglichen Ankündigung vom 12. Ok- tober 2018 (IV-Dok 79) hat sie damit dem Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin insoweit ent- sprochen, als die vorgesehene Begutachtung durch einen Exp erten der Psychiatrie und durch eine Expertin der Rheumatologie durchzuführen ist. So weit die Beschwerdeführerin in ihrer Be- schwerdebegründung den Anspruch auf eine Begutachtung im Fachbereich der Psychiatrie be- anstandet hat, ist der Streit zwischen den Parteien in diesem Punkt deshalb geklärt (vgl. bereits die verfahrensleitende Verfügung der Präsidentin des Kantonsgerichts vom 8. Mai 2019). Zu prü- fen bleibt indes, ob die IV-Stelle zu Recht ledigli ch eine bidisziplinäre Begutachtung angeordnet hat. 3.1 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versich erungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurtei lung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). 3.2 Die medizinische Abklärung der objektiven Gesundheitssc häden ist eine unabdingbare gesetzlich verankerte Voraussetzung für die Zusprache einer Leistung der Invalidenversicherung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat er einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von me- dizinischen Erhebungen. Was zu beweisen ist, ergibt sich au s der Sach- und Rechtslage. Ge- stützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Versicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 360 E. 5b) entscheiden kann. Dabei kommt Sachverständi- gengutachten eine massgebende Rolle zu (Urteil des Bu ndesgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). 3.3 Um zu prüfen, ob eine polydisziplinäre oder bloss bid isziplinäre Expertise einzuholen ist, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage auf ihre Vo llständigkeit und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass der Endentscheid im Hinblick auf die Beurteilung der medizinischen Sachlage weit- gehend präjudiziert würde. Unter Berücksichtigung, dass die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrenslei- tung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendi gkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden Verfahren die richterliche Prü- fung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plausibilitäts- resp. Miss- brauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die IV-Stelle für die Notwendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen anführt, plausibel erscheinen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Notwendigkeit einer B egutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzungen vorlie- gen, eine Begutachtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess (vgl. Urteile des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV] vom 10. Mai 2012, 720 11 393 E. 3 und 720 11 441 E.3). 3.4 Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an den en drei oder mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, haben nach dem Wortlaut von Art. 72 bis Abs. 1 der Verordnung über die Invaliden- versicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bei einer Gutach terstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbar ung getroffen hat. Gemeint sind die MEDAS im Sinne von Art. 59 Abs. 3 IVG. Die Vergabe der Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprin- zip (Art. 72 bis Abs. 2 IVV). Zu dessen Umsetzung hat das BSV die webbasierte Vergabeplattform SuisseMed@P eingerichtet, über welche der gesamte Verlauf der Gutachtenseinholung gesteu- ert und kontrolliert wird (vgl. SuisseMed@P: Handbuch für Gutachter- und IV-Stellen = Anhang V des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenver sicherung [KSVI], Stand 1. Januar 2017; http://www.suissemedap.ch). Bei mono- und bidiszip linären Gutachten dagegen werden die Aufträge nicht nach diesem System vergeben. Damit i st der Kreis der in Frage kommenden Sachverständigen hier weitaus grösser (z.B. Universitätsklini ken, frei praktizierende Ärzte und Gutachter; BGE 137 V 210 E. 3.1.1). 3.5 Es existieren keine festen Kriterien zur allgemein gültigen Abgrenzung der Anwendungs- felder der verschiedenen Kategorien von Expertisen. Die grosse Vielfalt von Begutachtungssitu- ationen erfordert Flexibilität. Nach neuerer Rechtsprech ung (BGE 139 V 352 E.3.2) lassen sich jedoch die jeweiligen Einsatzbereiche wie folgt umr eissen: Die umfassende administrative Erst- begutachtung wird regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sein; eine di- rekte Auftragserteilung soll die Ausnahme bleiben. Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei medizinische Dis- ziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht voll- ends gesichert ist. In begründeten Fällen kann von ein er polydisziplinären Begutachtung abge- sehen und lediglich eine mono- oder bidisziplinäre Explo ration durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlägt und aus- serdem weder weitere interdisziplinäre Bezüge (z.B. internistischer Art) notwendig sind noch ein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf besteht (zur In- terdisziplinarität der Begutachtung vgl. BGE 137 V 21 0 E. 1.2.4). Diese Voraussetzungen sind nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung vor allem bei Ver laufsgutachten erfüllt (BGE 139 V 352 E. 3.2). 4.1 Die IV-Stelle stützt sich beim Erlass der angefochte nen Zwischenverfügung im Wesentli- chen auf die Beurteilungen ihres RAD vom 11. Oktober 2 018 (IV-Dok 78) und vom 15. Januar 2019 (IV-Dok 91). Daraus geht hervor, dass sich eine Begutachtung nicht mehr vermeiden lasse, nachdem hierfür von Seiten der behandelnden Ärzte eine ausdrückliche Empfehlung nahegelegt worden sei. Versicherungsmedizinisch erscheine ein rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten jedoch völlig ausreichend. Die neurologisch anmutenden Ausfallerscheinungen seien wiederholt spezialärztlich abgeklärt worden, ohne dass konkrete neurolo gische Funktionsausfälle festge- stellt worden wären, die aus versicherungsmedizinischer Sicht eine massgebliche Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründen könnten. Wegweisende Befunde oder klassische Ausfallmuster wür- den sich neurologisch eigentlich nicht finden lassen. Di e subjektiven Beschwerden mit zervikal vordergründig imponierender Wurzelreizsymptomatik hätten sich in der neurologischen Untersu- chung nicht bestätigt. Die anamnestisch anmutende Wurzelaffektion habe letztlich nur mit unspe- zifischen und nicht konklusiven Veränderungen im EMG korreliert. Auffällig in der Gesamtschau seien auch die wechselhaften, neurologisch anmutenden Beschwerden in Form intermittierender Gefühlsstörungen am rechten Unterarm. Zentral begutachtungsrelevant seien allfällige residuelle Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, die aber durch einen rheumatologischen Spezia- listen beurteilt werden könnten. Aus dem aktuellen Ber icht des behandelnden Rheumatologen ergebe sich nach wie vor kein spezielles rheumatologisches Krankheitsbild, das eine gesonderte neurologische Begutachtung erfordern würde, denn das Einschlafen der Arme gehe ausdrücklich ohne Lähmungserscheinungen einher. Ein speziell neurologisches Defizit sei nicht ausgewiesen. Ein versicherungsmedizinisch erfahrener Gutachter des Bewegungsapparats sei ebenfalls in der Lage, vordergründig neurologisch anmutende Ausfälle gutachterlich einzuordnen (IV-Dok 91, S. 3 f.). 4.2 Wie unter Erwägung 3.5 hiervor ausgeführt, ist ei ne polydisziplinäre Expertise auch dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei medizinische Dis- ziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht voll- ends gesichert ist. Entgegen der von der IV-Stelle vertretenen Auffassung ist dies vorliegend der Fall. Namentlich sind die Genese und die Auswirkungen der neurologisch anmutenden Be- schwerden auf die Arbeitsfähigkeit nicht hinreichend geklärt. Auch die Beschwerdegegnerin geht vom Vorhandensein neurologisch geprägter Beschwerden a us. Gegen die Annahme einer voll- ends gesicherten Abklärung dieser neurologisch anmutenden Klagen spricht bereits die Formu- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lierung des RAD, wonach sich „eigentlich“ keine wegweise nden Befunde oder klassisches Aus- fallmuster finden liessen (oben, E. 4.1 hiervor). Wenn der RAD die geplante Exploration der Ver- sicherten aufgrund einer mithin nur kursorischen Aktenbeu rteilung auf die zentrale Problematik des Bewegungsapparates beschränken will, vermag dies allein schon deshalb nicht zu überzeu- gen. Eine summarische Prüfung der übrigen medizinischen Akten ergibt nämlich, dass eine radi- kuläre Komponente bei den unbestritten vorhandenen multisegmentalen Diskopathien der Versi- cherten differentialdiagnostisch gerade nicht ausgeschlossen werden konnte (IV-Dok 73, S. 2, ad Beurteilung). Daran haben auch die im Anschluss stattgefundenen Abklärungen nichts geändert. Entgegen der vom RAD vertretenen Auffassung, wonach die in der Folge durchgeführte neurolo- gische Abklärung keine wegweisenden Befunde hervorgebracht habe, sind im Bericht des Spitals F.____ vom 5. Februar 2014 nebst einem lumbospondylogenen Schmerzsyndrom weiterhin zu- mindest ein klinischer Verdacht auf eine zusätzliche Radikulopathie sowie wahrscheinlich radiku- läre Schmerzen insbesondere auch des linken Armes ausgewiesen (IV-Dok 19, S. 10, ad Diag- nosen). Hinzu tritt, dass aufgrund dieser neurologischen Folgeuntersuchung zudem am rechten Unterarm sowohl klinisch als auch neurographisch eine isol ierte Störung des Nervus cutaneus ante brachii lateralis sowie der Verdacht auf eine fokale Neuritis – also eine entzündliche Erkran- kung der peripheren Nerven – diagnostiziert worden ware n (IV-Dok 19, S. 8). Hinzu treten schliesslich die im Mai 2015 an der Wirbelsäule als „praktisch gesichert“ bezeichneten radikulären Wurzelbeschwerden (IV-Dok 37, S. 15, ad Beurteilung). Zumal eine Wurzelkompression in der Folge bildgebend gesichert wurde (IV-Dok 73, S. 35), kann unter diesen Umständen bei jedenfalls summarischer Betrachtung (oben, Erwägung 3.3) nicht davo n gesprochen werden, die neurolo- gischen Verhältnisse der Versicherten seien vollends geklärt oder hätten keinerlei funktionelle Auswirkungen. Bei diesem Zwischenergebnis erweist sich eine neurologische Befunderhebung kursorischer Natur durch eine rheumatologische Expertin als ungenügend. 4.3 Das Gleiche gilt in orthopädischer Hinsicht. Hinte rgrund bildet die nach zahlreichen Ab- klärungen ergangene Aussage des Chefarztes des Spitals F._ ___ vom 23. September 2015, dass seitens der Wirbelsäulenchirurgen die Indikation für eine Diskektomie sowie eine stabilisie- rende Operation zwingend sei (IV-Dok 73, S. 36). Dass au ch die orthopädischen Verhältnisse nicht einfach ausgeklammert werden können, zeigt ausserdem der Blick auf die Beurteilung des Spitals F.____ Ende des Jahres 2015: Demnach seien die Massnahmen aus rheumatologischer Sicht ausgereizt. Diese Aussage impliziert, dass sich eine um fassende Exploration der somati- schen Verhältnisse, wie sie rechtsprechungsgemäss insbesondere bei einer Erstbeurteilung vor- zunehmen ist, nicht auf den Bereich der Rheumatologie beschränken darf. Daran ändert auch nichts, dass das Spital G.____ in der Folge die Weiter führung einer konservativen Behandlung empfohlen hat (IV-Dok 73, S. 8 und 65). 4.4 Auch wenn mit Blick auf die neurologisch anmutenden Ausfallerscheinungen bisher keine konkreten neurologischen Funktionsausfälle festgestellt worden sind, erfordern die Beschwerden der Versicherten gesamthaft gesehen somit dennoch einen interdisziplinären neurologischen so- wie orthopädischen Ansatz, dem mit einer bidisziplinären Begutachtung in den Disziplinen Rheu- matologie und Psychiatrie nicht Genüge getan wird. Auch wenn die Einschränkungen des Bewe- gungsapparats und der psychische Gesundheitszustand der Versicherten mit dem angeordneten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bidisziplinären Gutachten grundsätzlich abgeklärt werden könnten, erscheint das gesamte Be- schwerdebild vorliegend als zu komplex, als dass von einer vollends gesicherten Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik, die offenkundig ausschliesslich die Fachgebiete der Rheumatologie und Psychiatrie beschlagen würde, die Rede sein könnte. 4.5 Im Zusammenhang mit der vorgesehen Begutachtung ha t die Versicherte der IV-Stelle am 5. Dezember 2018 mitgeteilt, dass die Begutachtung i m Bereich der Inneren Medizin auch zusammen mit der rheumatologischen Exploration erfolgen könne. In diesem Zusammenhang bleibt darauf hinzuweisen, dass der Anhang V des KSVI d avon ausgeht, dass bereits bei zwei spezialisierten Fachdisziplinen eine allgemeinmedizinische Fallführung hinzuzuziehen sei. Aus- serdem definiert die Mustervereinbarung zwischen dem BSV und den Gutachterstellen, dass po- lydisziplinäre Gutachten als aus (mindestens) zwei fachärztlichen Spezialistenbeurteilungen und einer allgemeinmedizinischen/internistischen Fallführung bestehen sollten. Ob diese internisti- schen Untersuchungen im vorliegenden Fall zugleich durch eine rheumatologische Expertenper- son zu erfolgen haben, kann letztlich der begutachtenden Institution überlassen werden. So oder anders aber hat die Beschwerdegegnerin bei der vorliegenden medizinischen Sachlage eine zu- fallsbasierte polydisziplinäre Expertise anzuordnen. Eine u mfassende Abklärung der medizini- schen Sachlage ist nicht zuletzt auch angesichts des mittlerw eile bereits seit Jahren dauernden Abklärungsverfahrens, des weiterhin strittigen medizinischen Sachverhalts und hinsichtlich einer beförderlichen Beurteilung des Leistungsanspruchs der Versicherten angezeigt. Die Beschwerde ist nach dem Ausgeführten in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtene Zwischenverfügung vom 22. Januar 2019 aufzuheben und die Vorinstanz zu verpflichten ist, die Beschwerdeführerin nebst den Fachbereichen der Rheumatologie und der Psychiatrie unter Einschluss auch der Neu- rologie sowie der Orthopädie polydisziplinär begutacht en zu lassen. Weil polydisziplinäre Gut- achten dem Gesagten zufolge über die Vergabeplattform SuisseMed@P zu erfolgen haben (oben, Erwägung 3.4), ist damit zugleich gesagt, dass ni cht an einer Begutachtung durch die Dres. E.____ und F.____ festgehalten werden kann. Die explorierenden Experten sind vielmehr erneut und zufallsorientiert festzulegen. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i n der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In der a b 1. Januar 2019 neu in Kraft getretenen Bestimmung gemäss § 20 Abs. 3 VPO sind die ordentlichen Kosten auch den unterliegenden Vorinstanzen zu auferlegen. Vorliegend ist sind die ord entlichen Kosten von Fr. 400.-- deshalb der unterlegenen IV-Stelle aufzuerlegen, und der ge leistete Kostenvorschuss ist der Beschwer- deführerin zurückzuerstatten. 5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwerdefüh- rerin deshalb eine angemessene Parteientschädigung zuzusp rechen. Ihr Rechtsvertreter hat in seiner Honorarnote vom 27. Mai 2019 einen Zeitaufwand von 11 Stunden und 21 Minuten sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 64.10 geltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen zwar als hoch, a ber noch als angemessen zu be- zeichnen ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicheru ngsprozessen für durchschnittli- che Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von F r. 250.-- zu entschädigen. Der Be- schwerdeführerin ist demnach für das vorliegenden Beschwerdeverfahren eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 3‘125.-- (11 Stunden und 2 1 Minuten à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 64.10 zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 6. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewi rken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwischenentscheid im Sinne des BG G. Demnach ist gegen ihn eine Be- schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bun- desgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbe- halt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Zwischen verfügung der IV- Stelle vom 22. Januar 2019 aufgehoben, und die Vorin stanz wird ver- pflichtet, die Beschwerdeführerin in den Bereichen Innere Medizin, Rheu- matologie, Psychiatrie, Neurologie sowie Orthopädie na ch dem Zufalls- prinzip über die Vergabeplattform SuisseMed@P polydiszipl inär begut- achten zu lassen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- w erden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.-- wird der Be- schwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘125.-- (inkl. Ausla gen und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.