Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. Juni 2016 (810 15 228) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Baugesuch für 2 Mehrfamilienhäuser mit Einstellhalle Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf , Edgar Schürmann, Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.A.____ und B.A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Sven Oppliger, Advokat gegen Baurekurskommission des Kantons Basel -Landschaft , Beschwe r- degegnerin B.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Dr. Caspar Zellweger, Advokat Einwohnergemeinde C.____ , Beigeladene Betreff Baugesuch für 2 Mehrfamilienhäuser mit Eins tellhalle (Entscheid der Baurekurskommission des Kantons Basel-Landschaft vom 14. April 2015) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 6. August 2013 reichte B.____ beim Bauinspektora t des Kantons Basel- Landschaft (BIT) das Baugesuch Nr. 1509/2013 für zwei Mehrfamilienhäuser mit Einstellhalle an der X.____strasse 20 auf der Parzelle Nr. 1313, Gru ndbuch C.____, ein. Das Bauvorhaben beinhaltet eine Ausnahmeüberbauung nach einheitliche m Plan in der Zone W2a. Gegen das Baugesuch erhoben unter anderen A.A.____ und B.A.___ _ Einsprache. Zur Begründung führ- ten sie im Wesentlichen aus, die geplante Ein- und Au sfahrt der Garage verstosse gegen Ab- standsvorschriften und das Bauprojekt gegen die Gestaltung sgrundsätze des Zonenreglements Siedlung der Gemeinde C.____ (ZRS) vom 30. November 2 004. Insbesondere beanstandeten sie die damit einhergehende Rodung des Baumbestandes, da die alten Baumbestände das Quartier und Strassenbild prägen würden. Generell passe das Bauvorhaben nicht ins Quartier, in welchem vornehmlich Einfamilienhäuser vorhanden seie n. Sie monierten schliesslich, dass die Kombination des Sockelgeschosses und der Westfassade d es westlichen Objektes die zu- lässigen Maximalwerte überschreiten würde. B. Mit Eingabe vom 25. Oktober 2013 reichte der Bauge suchsteller bereinigte Pläne ein. Dennoch erneuerten mehrere Parteien ihre Einspra chen, woraufhin der Baugesuchsteller am 17. Dezember 2013 wiederum Planbereinigungen einr eichte. Mit Eingabe vom 9. Januar 2014 hielten (neben weiteren Einsprechern) A.A.____ und B.A.____ an ihrer Einsprache sowie den bisherigen Vorbringen fest mit der Begründung, ke iner ihrer angeführten Einsprachepunkte sei bereinigt worden. C. Mit Entscheid vom 8. Mai 2014 wies das BIT die Einspr achen ab, soweit es darauf eintrat. Die nicht aufrechterhaltenen Einsprachen wurden abgeschrieben. Weiter erklärte es die in den Erwägungen aufgeführten Auflagen zum verbindli chen Bestandteil der Baubewilligung und verwies die Einsprecher bezüglich der privatrechtl ichen Einsprachen an das zuständige Zivilgericht. Gegen diesen Entscheid ergingen keine Be schwerden bei der Baurekurskommis- sion des Kantons Basel-Landschaft (Baurekurskommission) und das BIT erteilte am 11. Juni 2014 die Baubewilligung. D. A.A.____ und B.A.____, nachfolgend vertreten durch Dr. Sven Oppliger, Advokat in Basel, teilten dem BIT mit Eingabe vom 23. Oktober 20 14 mit, dass ihnen der Entscheid des BIT vom 8. Mai 2014 nicht eröffnet worden sei. Das BI T holte daraufhin die Zustellung des Ent- scheids an A.A.____ und B.A.____ (sowie an weitere Adr essaten) am 27. Oktober 2014 nach und widerrief mit Entscheid vom 28. Oktober 2014 die erteilte Baubewilligung mit sofortiger Wir- kung. Unter Strafandrohung von Art. 292 des Schweizeri schen Strafgesetzbuches (StGB) vom 21. Dezember 1937 verfügte das BIT, bis zur Aufhebung des Widerrufs der Baubewilligung dür- fe mit den Bauarbeiten nicht begonnen werden bzw. seien solche einzustellen. E. A.A.____ und B.A.____ erhoben Beschwerde bei der B aurekurskommission mit den Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid des BIT vom 8 . Mai 2014 sei aufzuheben und es sei demzufolge das Baugesuch Nr. 1509/2013 des Baugesuchst ellers abzuweisen (1), unter o/e-Kostenfolge zulasten des Baugesuchstellers bzw. Beschwe rdegegners (2). Am 22. Januar 2015 liess sich die Gemeinde C.____ resp. am 3. Februar 2015 der Baugesuchsteller verneh- men und beide schlossen sinngemäss auf Abweisung der Besch werde. Mit Eingabe vom Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Februar 2015 nahm das BIT Stellung und beantragte die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Es verwies zunächst auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid und reichte gleichzeitig ein Schreiben der A bteilung Verkehrstechnik der Polizei Ba- sel-Landschaft ein, aus welchem insbesondere hervorgeht, dass das Einfahren in die Parkie- rungsanlage nachweislich ohne Einbezug des gegenüberli egenden Trottoirs erfolgen könne. Das BIT machte weiter geltend, die Beschwerdeführer hä tten erstmals vor der Baurekurskom- mission vorgebracht, dass die maximal zulässige Bebauungsziffer nicht eingehalten worden sei, und versäumt, diese Rüge rechtsgenüglich zu substantiieren . Aus diesem Grund sei nicht da- rauf einzutreten bzw. eventualiter diese Rüge abzuweisen. Im Übrigen halte die Ausnahme- überbauung die gesetzlichen Vorgaben ein, weshalb die Beschwerde abzuweisen sei. F. Mit Entscheid vom 14. April 2015 wies die Baurekursko mmission die Beschwerde ab. Sie führte aus, bei der Rüge hinsichtlich der Bebau ungsziffer hätten die Beschwerdeführer übersehen, dass der Gemeinderat die Bebauungsziffer von den üblichen 20 % auf 23 % ange- hoben habe und daher die zulässige Bebauungsziffer vorl iegend eingehalten worden sei. Die Garage verfüge weiter über eine hinreichende Zufahr t, welche nicht zu einer unzulässigen Be- hinderung oder Gefährdung anderer Teilnehmer führe. Hinsichtlich der Rüge betreffend den Schutz des Baum- und Heckenbestandes auf der Bauparzelle sei darauf hinzuweisen, dass das ZRS keine Bestimmung zur Erhaltung von Bäumen enthalt e und die vom Bauprojekt betroffe- nen Bäume somit keinem Schutz unterliegen würden. Schliesslich gehe auch die Rüge, wonach mit dem Bauprojekt die Gestaltungsvorschriften verletzt würden, ins Leere. G. Gegen diesen Entscheid erhoben A.A.____ und B.A.___ _ mit Eingabe vom 14. August 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren: es sei der angefochtene Entscheid der Baure- kurskommission aufzuheben (1) und demzufolge sei das Baugesu ch Nr. 1509/ 2013 des Bau- gesuchstellers für zwei Mehrfamilienhäuser mit Einstell halle abzuweisen (2); alles – für beide Rechtsmittelinstanzen – unter o/e-Kostenfolge zulasten d es Baugesuchstellers und/oder zulas- ten des Staates (3). H. Die Gemeinde C.____ liess sich am 12. November 2015 v ernehmen und schloss auf Abweisung der Beschwerde. B.____, vertreten durch Dr. Caspar Zellweger, Advokat in Ba- sel, reichte am 19. November 2015 seine Stellungnahme ein und beantragte, es sei die Be- schwerde, soweit darauf eingetreten werden könne, abzuw eisen und der angefochtene Ent- scheid der Baurekurskommission zu bestätigen. Ebenfalls am 19. November 2015 liess sich das BIT vernehmen, welches an seinem Abweisungsantrag sowie den bisherigen Ausführungen festhielt. I. Mit Präsidialverfügung vom 5. Januar 2016 wurde der Fall der Kammer zur Beurtei- lung im Rahmen einer Parteiverhandlung mit vorangehe ndem Augenschein überwiesen. Der Beweisantrag des privaten Beschwerdegegners auf Befrag ung von D.____, c/o E.____ GmbH, wurde abgewiesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung hat das Ka ntonsgericht unter anderem im Beisein der Beschwerdeführer und ihres Rechtsvertreters, d em Baugesuchsteller und seinem Rechtsvertreter, der Leiterin der Rechtsabteilung des BI T sowie einem Vertreter der Gemeinde vorgängig einen Augenschein an der X.____strasse 9/20 in C.____ durchgeführt. An der an- schliessenden Parteiverhandlung haben die Parteien an i hren Anträgen und Begründungen festgehalten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 134 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugesetz es (RBG) vom 8. Januar 1998 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entschei de der Baurekurskommission durch die Betroffenen und die Gemeinden beim Kantonsg ericht angefochten werden. Die Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vor liegenden Beschwerde ist somit gege- ben. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a VPO ist zur Beschwerde be fugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat. Diese Voraussetzungen gelten nach der Rechtsprechung in der Regel als erfüllt, wenn die Liegenschaft des Beschw erde führenden Nachbarn unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch ei nen Verkehrsträger davon getrennt wird (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfass ungs- und Verwaltungsrecht, [KGE VV] vom 22. April 2015 [810 14 227] E. 1.2.2; BGE 121 II 171 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 1C_500/2009 vom 1. Februar 2010 E. 2.3). Die Beschwe rdeführer als direkte Nachbarn sind somit im Sinne von § 47 Abs. 1 lit. a VPO zur Beschwerde erhebung legitimiert. Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann a uf die vorliegende Beschwerde einge- treten werden. 2. Die Kognition des Kantonsgerichts beschränkt sich gemä ss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allf älliger Rechtsverletzungen zu über- prüfen bzw. zu prüfen, ob die Vorinstanz ein allfällige s Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob diese den Sac hverhalt unrichtig oder unvollständig fest- gestellt hat. Die Unangemessenheit eines angefochtenen Entscheids kann jedoch nur in den vom Gesetz abschliessend aufgezählten Fällen, die vorlieg end nicht einschlägig sind, sowie gestützt auf spezialgesetzliche Vorschriften überprüft werden (§ 45 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob das geplante Bauprojekt die Voraussetzungen für eine Ausnahmeüberbauung nach einhei tlichem Plan erfüllt und mit den relevanten Gestaltungsgrundsätzen vereinbar ist. 4.1 Bauten und Anlagen bedürfen einer behördlichen B ewilligung (Art. 22 des Bundes- gesetzes über die Raumplanung [Raumplanungsgesetz, RPG] vom 22. Juni 1979; § 120 RBG). Sind die gesetzlichen Voraussetzungen, wie unter anderem die im Nutzungsplan ausgedrück- ten räumlichen Ordnungsvorstellungen, alle übrigen plan erischen sowie die baupolizeilichen Vorschriften erfüllt, besteht ein Anspruch auf (nachtr ägliche) Erteilung der Baubewilligung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (PETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Au flage, Bern 2016, S. 306 ff.). 4.2 § 104 RBG statuiert, dass alle bewilligungspflich tigen Bauten und Anlagen unter Berücksichtigung der Ziele des Natur-, Landschafts-, Denkma l- und Heimatschutzes derart zu gestalten und in die Umgebung einzugliedern sind, dass auf wertvolle Objekte, insbesondere auf wertvolle Landschaftsbilder (lit. a), für das Woh numfeld wertvolle Innenhöfe (lit. b) und für das Siedlungsbild wichtige Baumbestände (lit. c) Rücksicht g enommen wird. Nach § 7 des Ge- setzes über den Denkmal- und Heimatschutz (DHG) vom 9. Apri l 1992 ist es untersagt, das Orts- und Landschaftsbild zu verunstalten. Eine Verunstal tung ist anzunehmen, wenn eine un- günstige Wirkung auf das Orts- und Landschaftsbild zu be fürchten ist (Abs. 1). Bauten und An- lagen sind in das Orts- und Landschaftsbild einzupassen ( Abs. 2). Gemäss C/4.1. Abs. 1 ZRS sind alle Bauten und Anlagen derart in ihre bauliche und landschaftliche Umgebung (Land- schafts-, Orts-, Quartier- und Strassenbild) einzuglieder n, dass eine ausgewogene Gesamtwir- kung entsteht. Dies gilt für alle nach aussen in Erschei nung tretenden Massnahmen wie: Stel- lung, Form, Staffelung und Gliederung der Baumassen; Dachform, Dachneigung und Dachge- staltung; Farbgebung und Materialwahl; Terrain- und Umgebungsgestaltung. 4.3 D/1.1. ZRS lässt in der Zone W2a zwei Vollgeschosse zu, die Bebauungsziffer ist grundsätzlich auf 20 % beschränkt, die Fassade darf maximal 6.5 m, das Gebäude maximal 9.5 m hoch sowie 30 m lang sein. Die maximale Wohnung szahl pro Baukörper sowie die zuläs- sigen Dachformen sind frei, wobei Dachaufbauten und Dac heinschnitte zulässig sind. Gemäss § 50 Abs. 1 RBG können die Zonenvorschriften vorsehen, d ass der Gemeinderat bei Überbau- ungen nach einheitlichem Plan im Baubewilligungsverfah ren Ausnahmen, unter anderem von den Nutzungsmassen nach § 18 RBG, der Gebäudelänge und der Gebäudehöhe im Sinne der verdichteten Bauweise gestatten kann, sofern eine hohe Wohnqualität und gute Einfügung in die landschaftliche und bauliche Umgebung gewährleistet sind. Gemäss dessen Abs. 2 regeln die Zonenvorschriften die Mindestfläche für eine solche Überbauung und legen die maximal zulässigen Abweichungen von den für dieses Gebiet gelten den Zonenvorschriften fest. Die Einwohnergemeinde C.____ hat von der in § 50 RBG vor gesehenen Zulässigkeit von Ausnah- meüberbauungen nach einheitlichem Plan durch den Erlass von C.15/2. ZRS Gebrauch ge- macht. Nach dessen Abs. 1 kann der Gemeinderat in den Zonen W2a und W2b Ausnahmen von der baulichen Nutzung gestatten, wenn Grundstücksflä chen von zusammen mindestens 1‘500 m 2 nach einem einheitlichen Plan überbaut werden. Der Plan legt die Situierung, kubische Erscheinung, Dachform, Material- und Farbwahl der Über bauung sowie die Umgebungsgestal- tung, Parkierung und interne Erschliessung fest. Es ist au f einen rationellen Energiehaushalt zu achten. Der Gestaltungsplan ist vom Gemeinderat zu beschli essen und verbindlich zu erklären. Gemäss Abs. 2 darf in der Zone W2a in Abweichung der Zonenvorschriften die Bebauungsziffer von 20 % auf maximal 23 % festgelegt werden. Nach C/15 .2. Abs. 3 dürfen Ausnahmen nur für siedlungsgestalterisch und wohnhygienisch gute Projekte gewährt werden. Die Prüfkriterien für Ausnahmeüberbauungen nach einheitlichem Plan sind im Anhang 8 ZRS geregelt: Mitunter sind die architektonischen Qualitäten, so die städtebaul iche Einheit, eigenständige, moderne, architektonische Ausformulierung; der architektonische Auftritt in der näheren Umgebung (Orts- und Landschaftsbild); das Einpassen ins bestehende Gelän de (…); der Umgang mit dem ver- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dichteten Bauen (erhöhte Bebauungsziffer) sowie die Umg ebungsgestaltung zu berücksichti- gen. 4.4 Bei den vorstehend zitierten gesetzlichen Grundlagen , wonach sich ein Bauprojekt in die landschaftliche und bauliche Umgebung einzuglied ern resp. einzufügen hat, handelt es sich um sogenannte Ästhetikvorschriften. Die Ästhetikvorschrif ten bezwecken allgemein den Schutz des Landschafts-, Orts- und Strassenbildes, der histor ischen Stätten sowie der Natur- und Kunstdenkmäler (vgl. C/4.1 ZRS, C/15.2 Abs. 3 ZRS, Anhang 8 ZRS, § 7 DHG sowie § 104 RBG; HÄNNI , a.a.O., S. 326). Sie sind zumeist in Form einer Gen eralklausel umschrieben, kön- nen jedoch auch detaillierte Vorschriften bezüglich ei nzelner Gestaltungselemente der Bauten wie beispielsweise Baumaterialien, Farbgebung oder Mat erialauswahl beinhalten (H ÄNNI , a.a.O., S. 327 f.; M ARCEL STEINER , Die Ästhetikgeneralklauseln, Baurecht [BR] 1994, S . 117; zum Ganzen auch BEAT ZUMSTEIN , Die Anwendung der ästhetischen Generalklauseln des kan - tonalen Baurechts, St. Gallen 2001, S. 27 ff.). Die Ästhetikvorschriften bilden Teil des materiel- len Baupolizeirechts, weshalb jedes Bauvorhaben der äst hetischen Beurteilung unterliegt. Die Rechtsanwendung muss sich dabei auf objektive und grundsä tzliche Gesichtspunkte stützen und auf einem Werturteil beruhen, das Auffassungen en tspricht, die eine gewisse Verbreitung und Allgemeingültigkeit beanspruchen dürfen (Z UMSTEIN , a.a.O., S. 119; R ENÉ WIEDERKEHR , Grundprobleme des basellandschaftlichen Bau- und Planun gsrechts, Basler Juristische Mittei- lungen [BJM] 2006, S. 248 ff.; BGE 114 Ia 343 E. 4b; 82 I 102 E. 4). Von den rein ästhetischen Interessen im Sinne eines Verunstaltungs- und Beeinträchtigungsverbots zu unterscheiden sind kulturhistorische Interessen, die im Denkmalschutz gewahrt werden. Die entsprechenden Gene- ralklauseln bezwecken einen eigenständigen zusätzlichen Schu tz und gehen mit ihrem Norm- gehalt weiter als die blosse äussere Erscheinung (vgl. W ALTER ENGELER , Das Baudenkmal im schweizerischen Recht, Zürich 2008, S. 58; Z UMSTEIN , a.a.O., S. 10; KGE VV vom 22. Januar 2014 [810 13 264] E. 6.2.4). 4.5 Die Ästhetikgeneralklauseln können einerseits "negati v" in Form eines so genannten Verunstaltungs- oder Beeinträchtigungsverbots, andererseits "positiv" in Form eines so genann- ten Eingliederungs- oder Einordnungsgebots umschrieben se in (W ALTER HALLER /P ETER KARLEN , Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, 3. Auflage, Zü rich 1999, N 653 ff.). Während das Verunstaltungsverbot verbietet, bestehende Bauten o der Ortsbilder durch das betreffende Bauvorhaben zu verunstalten, geht das Einordnungsgebot in seiner Wirkung erheblich weiter, indem es eine positive architektonische Gestaltung verla ngt, welche sich befriedigend in die Umgebung einordnet (H ALLER /K ARLEN , a.a.O., N 653). Bei § 7 DHG handelt es sich um eine aus negativen (Abs. 1: Verunstaltungsverbot) und positiven (Abs. 2: Einpassungs- oder Einglie- derungsgebot) Elementen zusammengesetzte Bestimmung. Zum einen wird untersagt, das Orts- und Landschaftsbild zu verunstalten, zum andern sind Bauten und Anlagen in das Orts- und Landschaftsbild einzupassen. § 104 RBG und C/4.1. Z RS regeln ein Eingliederungs- oder Einordnungsgebot, wobei § 104 RBG dieses lediglich in Bezug auf wertvolle Objekte aufstellt, die kommunale Bestimmung hingegen eine derartige Ei nschränkung nicht vorsieht, so dass sie weiter als § 104 RBG geht (vgl. KGE VV vom 21. Februar 2007 [810 06 178] E. 5.2). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung des Ei ngliederungsgebots. Sie führen aus, die vorliegende Baubewilligung sei zu Unrecht erte ilt worden, weil die beiden sehr moder- nen Glasbauten in keiner Weise in die bestehende Baust ruktur passen würden und damit seien § 104 RBG, C/4.1. i.V.m. C/15.2. Abs. 1 sowie Anhang 8 ZRS verletzt worden. Darüber hinaus sei die projektierte Baute aufgrund der damit einherg ehenden Fällung des Baum- und Hecken- bestandes nicht mit den Gestaltungsvorschriften vereinbar. Das Gesamtbild der betroffenen Strasse würde durch die Realisierung des Bauprojekts massgeblich zerstört und damit habe die Beigeladene ihr Ermessen überschritten. An der heutig en Parteiverhandlung stellen die Be- schwerdeführer sodann die demokratische Legitimation von C/15.2. ZRS in Abrede. Mit dieser Bestimmung würde (anstelle der Gemeindeversammlung) zu Unrecht der Gemeinderat zur Baubewilligungsbehörde gemacht. 5.2 Zunächst ist festzuhalten, dass dem Vorbringen der B eschwerdeführer hinsichtlich der mangelnden demokratischen Legitimation des Gemeinde rats nicht gefolgt werden kann. Der Gemeinderat hat sein Vorgehen auf die Bestimmung von C/15.2. ZRS gestützt, welche ihm erlaubt, unter gewissen Voraussetzungen Ausnahmen in Bezu g auf die bauliche Nutzung zu gestatten. Diese Bestimmung findet ihre gesetzliche Grun dlage in § 50 RBG und entspricht dessen Vorgaben. Demzufolge ist nicht ersichtlich und es w ird von den Beschwerdeführern auch nicht substantiiert geltend gemacht, inwiefern e s in diesem Zusammenhang an einer de- mokratischen Legitimation fehlen soll. Vermerkt sei, dass auch im vorliegenden Fall – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer – nicht der Gemei nderat, sondern das BIT zuständige Baubewilligungsbehörde ist. Wie ausgeführt, kann der Ge meinderat gestützt auf C/15.2. ZRS lediglich Ausnahmen von der baulichen Nutzung gestatten. 6.1 Das vorliegend zu beurteilende Baugesuch betrifft ein Grundstück mit einer Fläche von 2‘234 m 2, welches sich in der Wohnzone W2a befindet und nach e inheitlichem Plan über- baut werden soll. Die gemäss C/15.2. Abs. 1 ZRS erforde rliche Grundstücksfläche von mindes- tens 1‘500 m 2 sowie ein einheitlicher Plan für eine Ausnahmeüberbauung sind gegeben und die gemäss Abs. 2 vorgesehene Bebauungsziffer von 23 % ist ebe nfalls eingehalten, was von den Beschwerdeführern nicht (mehr) bestritten wird. Demzufo lge ist nachfolgend (einzig) die Rüge der Beschwerdeführer, wonach die geplante Baute die G estaltungsvorschriften verletze, zu be- urteilen. Entspricht eine geplante Baute – wie dies vor liegend der Fall ist – den Bau- und Zo- nenvorschriften, so kann die Anwendung von Ästhetikvorschri ften im Einzelfall zu einer Reduk- tion der nach der Zonenordnung grundsätzlich zulässigen baulichen Nutzungs- und Gestal- tungsmöglichkeiten führen, sie darf jedoch nicht zur Fol ge haben, dass die geltende Zonenord- nung faktisch ausser Kraft gesetzt wird (vgl. KGE VV vom 1 1. November 2015 [810 14 383] E. 6.5.4; KGE VV vom 13. Februar 2008 [810 07 200] E . 4.4). Eine Baute ist so zu gestalten, dass eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_39/2012 vom 2. Mai 2012 E. 2.2). 6.2.1 Das betreffende Quartier zeichnet sich – wie auch d ie Beschwerdeführer treffend ausgeführt haben – durch zahlreiche Einfamilienhäuser sowie einen hohen Anteil an Grünflä- chen aus. Allein aus dieser Tatsache kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass folglich der Bau von Mehrfamilienhäusern in dieser Zone unzulässig sei. Mit der Beigeladenen ist festzuhalten, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Zonenvorschriften keine Regelung enthalten, we lche eine Begrenzung der Anzahl Wohneinheiten pro Baukörper vorsieht (so auch Vernehmla ssung des BIT vom 19. November 2015, S. 2). Wie ausgeführt, beträgt in der Zone W2 a die zulässige Gebäudelänge 30 m. Das geplante Bauprojekt sieht jedoch anstelle eines einzelne n Baukörpers deren zwei vor mit einer Länge von je 22 m, womit nicht von massiven bzw. überdimensionierten Gebäuden gesprochen werden kann. Die Zielsetzung einer befriedigenden Eingliederung in die nähere Umgebung wird zusätzlich durch die Grundform der beiden Baukuben sowie ihrer leicht abgeschrägten Positio- nierung zueinander unterstützt. Darüber hinaus lässt sich d en Bauplänen entnehmen, dass die schmalste Gebäudeseite zur Strasse hin zu stehen kommt. M it dieser baulichen Massnahme wird wiederum eine gute Einpassung des Bauprojekts in die Umgebung gefördert. Aus den Ver- fahrensakten ergibt sich ferner, dass das Bauprojekt ein en hohen Anteil an Glasflächen an den Fassaden aufweist, wodurch die Baute eine gewisse Leicht igkeit erreicht. Mit dem BIT ist fest- zuhalten, dass das Bauprojekt aufgrund der architektonische n Gestaltung eine nicht zu bean- standende Homogenität und dadurch eine ausgewogene Ge samtwirkung erzielt. Zudem sind bei der Beurteilung, ob sich die projektierte Baute in die nähere Umgebung eingliedere, weitere Faktoren zu berücksichtigen. Anhang 8 ZRS listet bei den Prüfkriterien für Ausnahmeüberbau- ungen nach einheitlichem Plan mitunter den “Umgang mi t dem verdichteten Bauen (erhöhte Bebauungsziffer)“ auf. Die verdichtete Bauweise stellt ein öffentliches Interesse dar. So statuiert § 15 Abs. 2 RBG, dass die Gemeinden die Siedlungsentwi cklung nach innen und die verdichte- te Bauweise, soweit dem nicht Interessen des Ortsbild- u nd Landschaftsschutzes entgegenste- hen, fördern. Gemäss § 15 Abs. 3 RBG ist die verdichtete Bauweise insbesondere durch Quar- tierpläne und Ausnahmeüberbauungen nach einheitlichem Plan sicherzustellen. Insofern kann der Argumentation der Beschwerdeführer auch unter die sem Aspekt nicht gefolgt werden. Die- se ist im Übrigen nicht frei von Widersprüchen, befin det sich doch – wie das Gericht auch an- lässlich des durchgeführten Augenscheins feststellen konnte – auf der Parzelle östlich neben der geplanten Baute bereits ein Mehrfamilienhaus, wel ches mit seinem (einzelnen) rechtecki- gen Baukörper deutlich wuchtiger in Erscheinung tritt. Vielmehr stellt sich das geplante Baupro- jekt in dieser Hinsicht als gut mit den Gestaltungsgrundsätzen vereinbar dar. 6.2.2 Die Beschwerdeführer bringen vor, die Baute sei a ufgrund der damit verbundenen Fällung eines alten Baum- und Heckenbestandes nicht mit den Gestaltungsgrundsätzen verein- bar. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das Orts- und Landschaftsbild der X.____strasse in keinem Inventar verzeichnet ist und somit keinem besonderen Schutz untersteht. Soweit die Gemeinde gewisse Bäume schützen wollte, hat sie dies im Teilzonenreglement Ortskern der Gemeinde C.____ getan. Dieses bestimmt in Ziffer 24.1 , dass die im Teilzonenplan Ortskern bezeichneten Bäume sachgemäss zu pflegen sind und ohne zwi ngenden Grund nicht entfernt werden dürfen. Geschützte Bäume dürfen nur mit Bewill igung des Gemeindesrats gefällt wer- den. Dieser hat über die standortgerechte Ersatzbepfla nzung zu befinden. Wie dem Teilzonen- plan Ortskern der Gemeinde C.____ zu entnehmen ist, un terliegen die auf dem betroffenen Grundstück stehenden Bäume diesem Schutz nicht. Anlässlich d es heutigen Augenscheins führt der private Beschwerdegegner aus, dass die grosse Ei che nordöstlich am Rande des Grundstücks, welche das Strassenbild mitpräge, stehen bleib e und die übrige Fläche begrünt würde. Auf der Hinterseite der Parzelle würden vier al lenfalls fünf Bäume gefällt, wobei einer nicht heimisch sei (vgl. Protokoll zum Augenschein vom 1. Juni 2016). Wie sich aus den Verfah- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rensakten ergibt, hat das Amt für Raumplanung, Abteil ung Natur und Landschaft, zwar festge- halten, dass sich die projektierte Bepflanzung zwar beschei dener als die ursprüngliche gestal- ten wird, aber keine wesentlichen Terrainveränderungen vorgenommen werden. Zudem seien Neubepflanzungen mit einheimischen Arten vorgesehen, wo mit ein Beitrag zur Einpassung in die landschaftliche Umgebung geleistet werde (vgl. E-Ma il von F.____, Bau- und Umwelt- schutzdirektion [BUD] an G.____, BUD, vom 30. März 2015). Das Vorbringen der Beschwerde- führer, die Fällung des Baum- und Heckenbestandes verl etze Gestaltungsgrundsätze, geht so- mit ins Leere. 6.2.3 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist festzu halten, dass die Vorinstanzen und die Gemeinde den ihnen zustehenden Beurteilungsspie lraum in Bezug auf die Ästhetikvor- schriften korrekt angewendet haben. Eine Ermessensüberschre itung, wie sie von den Be- schwerdeführern geltend gemacht wurde, ist nicht erkennb ar. Die von den Beschwerdeführern vertretene Auffassung, wonach der Gemeinderat sein Erme ssen überschritten haben soll, lässt die gebotene Substantiierung vermissen. Die Beschwerdefü hrer legen vielmehr ihre eigene ästhetische Beurteilung der projektierten Baute dar. E s fehlen jegliche Konkretisierungen zur entscheidenden Frage, worin eine Ermessensüberschreitung in Bezug auf die Anwendbarkeit und Interpretation der massgeblichen Gestaltungs- und Ä sthetikvorschriften liegen soll. Somit geht die von den Beschwerdeführern geltend gemachte E rmessensüberschreitung an der Sa- che vorbei. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang, dass das vorliegende Bauprojekt von einem Bauauschuss beurteilt wurde und dieses Fachgremium die Ve reinbarkeit des Projekts mit An- hang 8 ZRS festgestellt hatte (vgl. Vernehmlassung Beig eladene vom 12. November 2015, S. 2). Diese Beurteilung erweist sich als schlüssig und nach vollziehbar. Zusammenfassend er- hellt aus den vorstehenden Ausführungen, dass sich die pr ojektierten Bauten in die Umgebung eingliedern und in siedlungsgestalterischer Hinsicht nicht zu beanstanden sind. Das geplante Bauvorhaben ist demzufolge mit den relevanten Gestaltung sgrundsätzen vereinbar, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 7.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 A bs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrensko sten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unter liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind di e Verfahrenskosten für die heutige Parteiverhandlung mit Augenschein in der Höhe von Fr. 2‘200.-- den unterlegenen Beschwerde- führern aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvor schuss in der Höhe von Fr. 2‘200.-- zu verrechnen. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann gem äss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessen e Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss § 21 Abs. 2 VPO wird dem Kanton keine Par- teientschädigung zugesprochen, während Gemeinden und andere Träger öffentlicher Aufgaben Anspruch auf eine Parteientschädigung haben, sofern de r Beizug eines Anwalts bzw. einer An- wältin gerechtfertigt war. Die Gemeinde ist nicht anwa ltlich vertreten. Entsprechend dem Aus- gang des vorliegenden Verfahrens ist dem privaten Beschwer degegner eine Parteientschädi- gung zulasten der Beschwerdeführer zuzusprechen. Der i n der Honorarnote des Rechtsvertre- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ters des privaten Beschwerdegegners vom 4. Februar 2016 ge ltend gemachte Aufwand von 22.1 Stunden à Fr. 250.-- erscheint überhöht. Aus der detaillierten Auflistung ergibt sich, dass Leistungen, welche nicht in direktem Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren erbracht wurden, geltend gemacht werden (Telefonate mit H.__ __, E-Mails von und an H.____ etc.). Unter diesen Umständen kann das Zustandekommen des entsta ndenen Aufwands nicht ab- schliessend nachvollzogen werden. Dementsprechend ist di e Parteientschädigung ermessens- weise auf 17 Stunden zu kürzen. Hinzuzurechnen ist ein Aufwand von 6 Stunden für die heutige Parteiverhandlung sowie deren Vorbereitung, womit e in Gesamtaufwand von 23 Stunden à Fr. 250.-- (inkl. der nicht zu beanstandenden Auslagen in der Höhe von Fr. 28.-- sowie 8 % MWSt) auszurichten ist. Damit haben die Beschwerdeführer dem privaten Beschwerdegegner eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von in sgesamt Fr. 6‘240.25 zu bezahlen. Im Übrigen sind die Parteikosten wettzuschlagen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2‘200.-- w erden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss verrechnet. 3. Die Beschwerdeführer haben dem privaten Beschwerdeg egner eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 6‘2 40.25 zu bezah- len. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin