<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><b>78</b></span> <span class="ft4"><b>Grundstückschätzung; Definition der "landwirtschaftlichen Nutzung"</b></span><br/> <span class="ft4"><b>eines Grundstückes (§ 51 Abs. 2 StG, § 8 VBG)</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Fehlt die landwirtschaftliche Nutzung bei einem Nebenerwerbsbetrieb, ist</b></span><br/> <span class="ft4"><b>die Wohnhausparzelle zum Mittel aus Verkehrswert und Ertragswert zu</b></span><br/> <span class="ft4"><b>schätzen.</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="ft6">vom 23. Oktober 2014 in Sachen R.H. (3-RV.2014.62).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Rekurrent verkaufte am 20. Dezember 2007 drei landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche Grundstücke (...) im Halte von 4 ha 70 m</span><span class="ft10"><sup>2</sup></span><span class="ft1">. Damit ver-</span><br/> <span class="ft1">blieben noch die Parzellen Nrn. 988 und 990 mit einer Gesamtfläche</span><br/> <span class="ft1">von 2 ha 78 a 50 m</span><span class="ft10"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">in seinem Eigentum. In der Folge nahm das</span><br/> <span class="ft1">Kantonale Steueramt, Sektion Grundstückschätzung (KStA GS), mit</span><br/> <span class="ft1">Verfügung vom 16. Februar 2010 eine Neuschätzung mit dem Schät-</span><br/> <span class="ft1">zungsgrund "Flächenveränderung / Zu- / Abgänge (Bestandesände-</span><br/> <span class="ft1">rung)" vor. Der Vermögenssteuerwert ab Steuerperiode 2007 wurde</span><br/> <span class="ft1">auf CHF 82'900.00 reduziert, der Eigenmietwert für die Wohnliegen-</span><br/> <span class="ft1">schaft auf der Parzelle Nr. 988 blieb mit CHF 4'246.00 unverändert.</span><br/> <span class="ft1">Die Grundstücke wurden dabei nach landwirtschaftlichen Kriterien</span><br/> <span class="ft1">geschätzt. Diese Schätzung ist unangefochten in Rechtskraft erwach-</span><br/> <span class="ft1">sen.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Es ist unbestritten geblieben, dass der Rekurrent im Jahr 2008</span><br/> <span class="ft1">das Milchkontingent - mit der Auflösung der Milchgenossenschaft T.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">- veräusserte (...) und fortan nur noch zwei Stück Rindvieh hielt</span><br/> <span class="ft1">(Einspracheentscheid, S. 3). Gestützt darauf ging das KStA GS von</span><br/> <span class="ft1">einer Nutzungsänderung - Wechsel von einer landwirtschaftlichen zu</span><br/> <span class="ft1">einer nicht landwirtschaftlichen Nutzung - aus. Das noch im Eigen-</span><br/> <span class="ft1">tum des Rekurrenten stehende Grundstück Parzelle Nr. 988 (...)</span><br/> <span class="ft1">wurde mit Verfügung vom 10. Januar 2012 neu nach nicht landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Kriterien geschätzt. Die Schätzung der Parzelle Nr. 990</span><br/> <span class="ft1">mit einer Fläche von 54 a 90 m</span><span class="ft10"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">(...) wurde gemäss "Mitteilung des</span><br/> <span class="ft1">Steuerwertes aufgrund: Änderung der admin. Grunddaten ohne Ein-</span><br/> <span class="ft1">fluss auf die Wert-Berechnung" unverändert nach landwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Kriterien vorgenommen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Als Einzelschätzungsgrund wird eine "Nutzungsänderung"</span><br/> <span class="ft1">angegeben. Anstatt wie zuvor nach landwirtschaftlichen Kriterien</span><br/> <span class="ft1">wurde die Parzelle Nr. 988 neu nach nicht landwirtschaftlichen Krite-</span><br/> <span class="ft1">rien geschätzt. In dem mit dem Rekurs von einer weiteren landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftlichen Bewirtschaftung der Parzellen Nr. 988 (und Nr. 990)</span><br/> <span class="ft1">ausgegangen wird, wird das Vorliegen eines Einzelschätzungsgrun-</span><br/> <span class="ft1">des bestritten.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">4.1.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach § 51 Abs. 2 StG (dieser entspricht dem § 39 Abs. 2 des</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetzes vom 13. Dezember 1983 [aStG]) werden landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche Grundstücke, die ausserhalb der Bauzone liegen oder die</span><br/> <span class="ft1">zum landwirtschaftlichen Geschäftsvermögen des Eigentümers oder</span><br/> <span class="ft1">der Eigentümerin bzw. des anderen Eheteils gehören, zum Ertrags-</span><br/> <span class="ft1">wert besteuert. Als landwirtschaftlich genutzt gilt ein Grundstück,</span><br/> <span class="ft1">wenn es der landwirtschaftlichen, bodenabhängigen Produktion so-</span><br/> <span class="ft1">wie Betrieben des produzierenden Gartenbaus dient (§ 8 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">VBG). Als landwirtschaftlich genutzt gelten insbesondere Grund-</span><br/> <span class="ft1">stücke des Gemüsebaus, Obst- und Beerenproduktionsbetriebe, Reb-</span><br/> <span class="ft1">betriebe, Sömmerungsbetriebe, Topfpflanzenbetriebe, Schnittblu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">menbetriebe und Baumschulen, nicht jedoch solche von Hobbybe-</span><br/> <span class="ft1">trieben, Geflügelfarmen, Mastbetriebe und Reitpferdestallungen oh-</span><br/> <span class="ft1">ne ausreichende eigene Futtermittelproduktion sowie Grundstücke,</span><br/> <span class="ft1">welche der reinen Selbstversorgung dienen (§ 8 Abs. 2 VBG).</span><br/> <span class="ft1">Wohnräume von Gebäuden gelten insoweit als landwirtschaftlich ge-</span><br/> <span class="ft1">nutzt, als sie unmittelbar dem landwirtschaftlichen Voll- und Zuer-</span><br/> <span class="ft1">werbsbetrieb dienen (§ 8 Abs. 3 VBG). Bei Wohngebäuden von Ne-</span><br/> <span class="ft1">benerwerbsbetrieben mit weniger als drei Hektaren Fläche liegt keine</span><br/> <span class="ft1">landwirtschaftliche Nutzung im Sinne von § 39 Abs. 2 aStG vor (§ 8</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 VBG). Die Qualifikation über die landwirtschaftliche Nut-</span><br/> <span class="ft1">zung eines Grundstückes besagt nichts über dessen Zugehörigkeit</span><br/> <span class="ft1">zum Geschäftsvermögen oder zum Privatvermögen des Eigentümers</span><br/> <span class="ft1">(§ 8 Abs. 5 VBG).</span><br/> <span class="ft1">4.1.2.</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht hat sich in seinem Entscheid vom</span><br/> <span class="ft1">22. Februar 2012 in Sachen W.S. (WBE.2010.351) zum Begriff der</span><br/> <span class="ft1">landwirtschaftlichen Nutzung wie folgt geäussert:</span><br/> <span class="ft6">"2.3.</span><br/> <span class="ft6">2.3.1.</span><br/> <span class="ft6">Das Steuergesetz verwendet zwar in § 51 (und in § 23) StG den Be-</span><br/> <span class="ft6">griff des landwirtschaftlich genutzten Grundstücks, definiert diesen aber</span><br/> <span class="ft6">nicht. § 8 VBG definiert in Abs. 1 und 2, welche Grundstücke als landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlich genutzt gelten. Danach gilt ein Grundstück als landwirtschaftlich</span><br/> <span class="ft6">genutzt, wenn es der landwirtschaftlichen, bodenabhängigen Produktion so-</span><br/> <span class="ft6">wie Betrieben des produzierenden Gartenbaus dient (vgl. Beispiele in § 8</span><br/> <span class="ft6">Abs. 2 VBG). Grundstücke, welche der reinen Selbstversorgung dienen,</span><br/> <span class="ft6">gelten nicht als landwirtschaftlich genutzt (§ 8 Abs. 2 VBG in fine).</span><br/> <span class="ft6">2.3.2.</span><br/> <span class="ft6">Wenn die Besteuerung zum Ertragswert nach dem Wortlaut von § 23</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 lit. a StG auf 'landwirtschaftlich genutzte Grundstücke' beschränkt</span><br/> <span class="ft6">bleiben soll, stimmt dies mit der Zwecksetzung von § 51 Abs. 2 StG über-</span><br/> <span class="ft6">ein: Tatsächlich landwirtschaftlich genutztes Land soll mittels eines niedri-</span><br/> <span class="ft6">gen Steuerwerts im Hinblick auf die landwirtschaftliche Nutzung</span><br/> <span class="ft6">wirtschaftlich 'billig' gehalten werden; und zwar nicht nur für den Selbstbe-</span><br/> <span class="ft6">wirtschafter, sondern auch für den Fall einer Verpachtung: Der niedrige</span><br/> <span class="ft6">Steuerwert ermöglicht die Ansetzung eines niedrigen Pachtzinses, was</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Grundstück auch weiter-</span><br/> <span class="ft6">hin für die Urproduktion verwendet wird.</span><br/> <span class="ft6">Diese Zielsetzung tritt dann in den Hintergrund, wenn nach einer Be-</span><br/> <span class="ft6">triebsaufgabe die landwirtschaftliche Nutzung aufhört und das bisherige Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäftsvermögen als Bauland oder (ausserhalb des Baugebietes) in ähnli-</span><br/> <span class="ft6">cher, nicht mehr landwirtschaftlich gebundener Weise verwendet wird. Des-</span><br/> <span class="ft6">halb ist die Besteuerung zum Ertragswert stets, auch im Falle eines</span><br/> <span class="ft6">Steueraufschubs im Sinne von § 23 Abs. 1 StG, von der weiteren tatsächli-</span><br/> <span class="ft6">chen (aktuellen) landwirtschaftlichen Nutzung abhängig (VGE II/173 vom</span><br/> <span class="ft6">21. Dezember 1994 [BE.1993.00107], S. 9).</span><br/> <span class="ft6">2.3.3.</span><br/> <span class="ft6">Aus der dargelegten Rechtsprechung ergibt sich, dass dann, wenn ein</span><br/> <span class="ft6">Eigentümer seine selbstständige Erwerbstätigkeit als Landwirt aufgibt und</span><br/> <span class="ft6">er Land verpachtet, das auf diesem Weg weiterhin tatsächlich landwirt-</span><br/> <span class="ft6">schaftlich genutzt wird, dieses Land auch weiter zum Ertragswert zu besteu-</span><br/> <span class="ft6">ern ist. Für jenes Land, das er nicht verpachtet, greift hingegen - und zwar</span><br/> <span class="ft6">unabhängig davon, ob es aus dem Geschäftsvermögen ausscheidet oder auf-</span><br/> <span class="ft6">grund einer entsprechenden Erklärung des Eigentümers in seinem Ge-</span><br/> <span class="ft6">schäftsvermögen verbleibt (§ 23 Abs. 1 StG) - nicht mehr länger die Be-</span><br/> <span class="ft6">steuerung zum Ertragswert, da das Land, selbst wenn der Eigentümer es</span><br/> <span class="ft6">weiterhin als Selbstversorger oder hobbymässig 'landwirtschaftlich' nutzt,</span><br/> <span class="ft6">keinem haupt- oder nebenberuflich geführten landwirtschaftlichen Betrieb</span><br/> <span class="ft6">mehr dient (vgl. auch BARBARA SRAMEK, in: Kommentar StG, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">§ 51 N 20). Die Ertragswertbesteuerung eigenen, nicht verpachteten Landes</span><br/> <span class="ft6">setzt das Fortdauern einer, wenn auch gegebenenfalls stark eingeschränkten,</span><br/> <span class="ft6">selbstständigen Erwerbstätigkeit als Landwirt auf diesem Land voraus."</span><br/> <span class="ft1">Zur Frage der Besteuerung von Wohngebäuden hat das Verwal-</span><br/> <span class="ft1">tungsgericht im VGE vom 24. Februar 2010 in Sachen U.E.</span><br/> <span class="ft1">(WBE.2009.110; vgl. auch VGE vom 21. Dezember 1994 in Sachen</span><br/> <span class="ft1">KStA/A.H. [BE.93.00107]) präzisiert, dass ein Wohngebäude die</span><br/> <span class="ft1">dem Landwirtschaftsbetrieb dienende Funktion als Wohnstätte des</span><br/> <span class="ft1">Betriebsleiters (mit Familie) verliere, wenn der Bewirtschafter selbst</span><br/> <span class="ft1">seine Betriebstätigkeit einstellt, und zwar auch dann, wenn ein Fall</span><br/> <span class="ft1">des Steueraufschubes gemäss § 23 Abs. 1 StG vorliege.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">5.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">5.1.</span><br/> <span class="ft1">Soweit sich der Rekurrent auf die bundesgerichtliche Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung zur Auslegung des Begriffs des "landwirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft1">Grundstückes" (Bundesgerichtsurteil vom 2. Dezember 2011</span><br/> <span class="ft1">[2C_11/2011] = BGE 138 II 32) und zusätzlich des "landwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">chen Betriebes" (Bundesgerichtsurteil vom 15. Dezember 2010</span><br/> <span class="ft1">[2C_539/2010], Erw. 3.2) beruft, lässt sich für den vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt, wo es einzig um die steuerliche Bewertung dieser</span><br/> <span class="ft1">Grundstücke geht, nichts ableiten.</span><br/> <span class="ft1">Im Bundesgerichtsurteil vom 2. Dezember 2011 wurde der mit</span><br/> <span class="ft1">Art. 8 Abs. 1 StHG und Art. 18 Abs. 4 DBG übereinstimmende § 27</span><br/> <span class="ft1">Abs. 4 StG ausgelegt. Dafür wurde im Sinne einer einheitlichen</span><br/> <span class="ft1">Auslegung auf die Bedeutung des Begriffs "landwirtschaftliches</span><br/> <span class="ft1">Grundstück" in weiteren, etwa zeitgleich erlassenen Gesetzen (StHG,</span><br/> <span class="ft1">BGBB und Landwirtschaftsgesetz) abgestellt.</span><br/> <span class="ft1">Gleichzeitig wurde im genannten Urteil des Bundesgerichtes</span><br/> <span class="ft1">auf das Bundegerichtsurteil vom 15. Dezember 2010 (2C_539/2010)</span><br/> <span class="ft1">Bezug genommen. Es wurde ausgeführt:</span><br/> <span class="ft6">"Eine solche Begriffsbestimmung ["landwirtschaftliches Grundstück"]</span><br/> <span class="ft6">kann sich nicht darauf beschränken, nur den steuerrechtlichen Belangen</span><br/> <span class="ft6">Rechnung zu tragen. Vielmehr hat sie namentlich auch folgende Gesetze</span><br/> <span class="ft6">(insbesondere deren Zielsetzungen sowie Interessenabwägungen) zu be-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigen: Das Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht vom</span><br/> <span class="ft6">4. Oktober 1991 (BGBB, SR 211.412.11), das Bundesgesetz über die</span><br/> <span class="ft6">Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG, SR 700) und das Bundesgesetz</span><br/> <span class="ft6">über die Landwirtschaft vom 29. April 1998 (LWG, SR 910.1)."</span><br/> <span class="ft1">Zur Bewertung von "landwirtschaftlichen Grundstücken" wurde</span><br/> <span class="ft1">in Erw. 3 ausgeführt, dass landwirtschaftlich genutzte Grundstücke</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 51 Abs. 2 StG zum Ertragswert besteuert werden, wenn sie</span><br/> <span class="ft1">ausserhalb der Bauzone liegen oder zum landwirtschaftlichen Ge-</span><br/> <span class="ft1">schäftsvermögen der Steuerpflichtigen gehören. Daraus folge umge-</span><br/> <span class="ft1">kehrt, dass landwirtschaftlich genutzte Grundstücke in einer Bauzo-</span><br/> <span class="ft1">ne, die nicht zu einem landwirtschaftlichen Betrieb gehören, ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrswertorientiert besteuert werden.</span><br/> <span class="ft1">5.2.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Abteilung Steuern</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Das StHG schreibt den Kantonen in Art. 14 Abs. 1 die Bewer-</span><br/> <span class="ft1">tung des Vermögens zum Verkehrswert vor. Dabei kann der Ertrags-</span><br/> <span class="ft1">wert angemessen berücksichtigt werden. Land- und forstwirtschaft-</span><br/> <span class="ft1">lich genutzte Grundstücke sind nach Art. 14 Abs. 2 StHG dagegen im</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz zum Ertragswert zu bewerten. Dabei kann das kantonale</span><br/> <span class="ft1">Recht bestimmen, dass bei der Bewertung der Verkehrswert mitbe-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigt wird.</span><br/> <span class="ft1">5.3.</span><br/> <span class="ft1">Aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und aus dem</span><br/> <span class="ft1">StHG folgt, dass nicht sämtliche "landwirtschaftlichen Grundstücke"</span><br/> <span class="ft1">- solche stellen die Parzellen Nrn. 988 und 990 zweifellos dar - aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmslos zum Ertragswert besteuert werden müssen. Insbesondere</span><br/> <span class="ft1">die Ausnahmeregelung von § 8 Abs. 4 VBG, wonach Wohngebäude</span><br/> <span class="ft1">von Nebenerwerbsbetrieben mit weniger als 3 ha Fläche nicht zum</span><br/> <span class="ft1">Ertragswert, sondern zum Mittel von Verkehrswert und Ertragswert</span><br/> <span class="ft1">zu besteuern sind, liegt im Rahmen der von Art. 14 Abs. 2 StHG sta-</span><br/> <span class="ft1">tuierten Möglichkeit, unter bestimmten Umständen eine verkehrs-</span><br/> <span class="ft1">wertorientierte Bewertung landwirtschaftlicher Grundstücke vorzu-</span><br/> <span class="ft1">nehmen. Mit der Beschränkung auf Betriebe mit weniger als 3 ha</span><br/> <span class="ft1">Fläche wird zulässigerweise subsumiert, es liege keine (genügende)</span><br/> <span class="ft1">landwirtschaftliche Nutzung mehr vor, welche eine reine Ertrags-</span><br/> <span class="ft1">wertbewertung rechtfertigen könne.</span><br/> <span class="ft1">Diese vordergründig rein steuerrechtliche Optik wird durch die</span><br/> <span class="ft1">vom KStA GS angeführte raumplanungsrechtliche (Interne Vollzugs-</span><br/> <span class="ft1">hilfe des Departements Bau, Verkehr und Umwelt zum Bauen aus-</span><br/> <span class="ft1">serhalb der Bauzone [Stand: April 2008]) und landwirtschaftliche</span><br/> <span class="ft1">(Direktzahlungen) Betrachtungsweise bestätigt - auch wenn keine</span><br/> <span class="ft1">Bindung des Spezialverwaltungsgerichtes an die entsprechenden</span><br/> <span class="ft1">internen Verwaltungsverordnungen besteht. Im Sinne der bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richtlichen Rechtsprechung ist festzustellen, dass die "landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftliche Nutzung" jeweils in Anwendung steuerlicher, raumpla-</span><br/> <span class="ft1">nungsrechtlicher oder landwirtschaftsrechtlicher Erlasse einer mini-</span><br/> <span class="ft1">malen Betriebsgrösse - sei es gemessen an Fläche oder Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitskräften - bedarf. Wird diese Minimalgrösse nicht erreicht, darf</span><br/> <span class="ft1">demnach vorliegend bei einem Betrieb mit einer Gesamtfläche von</span><br/> <span class="ft1">nur noch 2 ha 78 a 50 m</span><span class="ft10"><sup>2</sup></span> <span class="ft1">die "landwirtschaftliche Nutzung" - wie sie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">390</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">mit § 8 Abs. 4 VBG flächenabhängig definiert wird - verneint wer-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/> <span class="ft1">5.4.</span><br/> <span class="ft1">Aus den vom Rekurrenten eingereichten Unterlagen (Auszug)</span><br/> <span class="ft1">aus der Tierdatenbank für den Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis zum</span><br/> <span class="ft1">31. Dezember 2012; Abrechnungen über Kauf und Verkauf) ist er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich, dass ab dem 21. September 2007 bis zum 14. Oktober 2013</span><br/> <span class="ft1">in der Regel zwei Tiere (Zuchttiere/Mastremonten) gehalten wurden.</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund des geringen Umfangs dieser Tierhaltung auf der nach dem</span><br/> <span class="ft1">Verkauf der wesentlichen landwirtschaftlichen Grundstücke nahezu</span><br/> <span class="ft1">auf die Hofparzelle mit Mehrumschwung beschränkten Fläche kann</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr von einer landwirtschaftlichen Nutzung im Sinne des</span><br/> <span class="ft1">Steuergesetzes gesprochen werden. Es fehlt die Wesentlichkeit, was</span><br/> <span class="ft1">sich auch aus dem noch ausgewiesenen, geringen Einkommen aus</span><br/> <span class="ft1">Landwirtschaft zeigt.</span><br/> <span class="ft1">5.5.</span><br/> <span class="ft1">Vor diesem Hintergrund ist das Vorliegen eines Einzelschät-</span><br/> <span class="ft1">zungsgrundes (Nutzungsänderung) zu bejahen. Dementsprechend ist</span><br/> <span class="ft1">die Parzelle Nr. 988 nach § 51 Abs. 4 StG zu schätzen, soweit es sich</span><br/> <span class="ft1">nicht um Wald handelt. Waldflächen unterliegen uneingeschränkt der</span><br/> <span class="ft1">Ertragswertbesteuerung (§ 51 Abs. 2, 1. Satz StG).</span><br/></div> </div> </body> </html>