B. Gerichtsentscheide 3517 82 2. Obergericht und übrige Gerichte 2.1 Zivilrecht 3517 Notwegrecht. Passivlegitimation (Art. 694 Abs. 2 ZGB). Klage - abweisung zurzeit. Bestehen mehrere Möglichkeiten d er Notweg - verbindung, so richtet sich der Anspruch gemäss Art. 694 Abs. 2 ZGB in erster Linie gegen den Nachbarn, dem die Gewähru ng des Notweges der früheren Eigentums - und Wegverhältnisse wegen am ehesten zugemutet werden darf und im Weiteren gegen denjenigen, für den der Notweg am wenigsten schädlich ist. Sachverhalt: Der Kläger 1 ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 210 , Gemeinde X. Die Klägerin 2 ist Nachbarin des Klägers 1 und E igentümerin des Grundstücks Nr. 208. Zugunsten der Grundstücke der Kläger besteht ein beschränktes Fahrwegrecht über das Grundstück N r. 207. Da die Kläger die derzeitige Erschliessung ihrer Grundstüc ke für ungenügend halten, liessen sie ein Vorprojekt für eine bequeme re Zufahrt aus - arbeiten. Die Zufahrt soll über das Grundstück Nr. 212 der Beklagten führen, womit diese nicht einverstanden sind. Die K läger bean - spruchen deshalb nun ein Notwegrecht. Aus den Erwägungen: Der Notweganspruch kann sich grundsätzlich gegen je den be - nachbarten Grundeigentümer richten, wobei als “benachbart” nicht nur der unmittelbare Anstösser, sondern jeder Eigentüme r eines Grund - stückes, durch welches der Ansprecher von der öffen tlichen Strasse 82B. Gerichtsentscheide 3517 83 getrennt wird, gilt ( Heinz Rey, Basler Kommentar, ZGB II, Basel 2007, N 14 zu Art. 694 ZGB). Bestehen mehrere Möglichkeiten der Notwegverbindung, so richtet sich der Anspruch gemä ss Art. 694 Abs. 2 ZGB in erster Linie gegen den Nachbarn, dem die G ewährung des Notweges der früheren Eigentums - und Wegverhältnisse wegen am ehesten zugemutet werden darf und im Weiteren ge gen denjenigen, für den der Notweg am wenigsten schädli ch ist. Das heute geltende Fuss - und Fahrwegrecht führt über das Grundstück Nr. 207. Demnach hätte sich der Anspruch auf eine d en bundesgerichtlichen Anforderungen genügende Wegverb indung primär gegen die Eigentümer des Grundstückes Nr. 20 7 zu richten. Denn die bestehenden Wegverhältnisse sind auch dort von Bedeutung, wo infolge gesetzlicher Wegrechte mit ze itlichen oder inhaltlichen Beschränkungen schon eine, allerdings nicht alle Bedürfnisse befriedigende, Wegverbindung besteht ( Haab/Simonius/ Scherrer/Zobl, Zürcher Kommentar, Zürich 1977, N 11 zu Art. 694, 695, 696 ZGB; BGE 85 II 392 ff.). Das Grundstück Nr. 207 ist schon belastet. Indessen würde das Grundstück Nr. 212 der Beklagten neu mit einem Fahrwegrecht belegt, weshalb dieser Eingr iff schwerer wiegen würde. Wenn eine den oben erwähnten Anforder ungen genügende Zufahrt auf dem bestehenden Weg über die Parzelle Nr. 207 technisch möglich wäre, wäre dieser Notweg offensichtlich weniger schädlich als der Bau der projektierten Str asse. Hinsichtlich der Feststellung der Kläger, dass eine andere Linienführung als jene des Vorprojekts der Y -Ingenieure AG über das Grundstück Nr. 212 der Beklagten nicht bewilligungs fähig wäre, ist festzuhalten, dass dem Gericht kein Entscheid des P lanungsamtes des Kantons Appenzell Ausserrhoden vorliegt, weshal b dieses Vorbringen einzig auf Behauptungen basiert. In Berü cksichtigung der gesamten Umstände ist daher festzustellen, dass die Kläger ihren Anspruch vorerst gegen die Eigentümerin des Grundst ückes Nr. 207 geltend machen müssen. In jenem Verfahren müsste so dann die Erweiterung oder Erneuerung des heute bestehenden F ahrrechts geprüft werden. Mithin muss die Klage zurzeit abgew iesen werden. Vor Gericht stellten die Kläger den Beweisantrag, e s sei bezüglich der Linienführung bzw. Bewilligungsfähigkeit einer genügenden Wegverbindung über das bereits heute belastete Grun dstück eine Amtsauskunft beim Planungsamt einzuholen. Hierzu is t festzuhalten, dass dieses Urteil gegen die nicht ins Recht gefass te Eigentümerin 83B. Gerichtsentscheide 3518 84 des heute belasteten Grundstückes keine Wirkung ent faltet ( Arthur Meyer-Hayoz, Berner Kommentar, Bern 1975, N 29 zu Art. 694 ZGB). Es ist demnach nicht Sache des Gerichts in diesem V erfahren abzuklären, ob ein der Rechtsprechung des Bundesger ichts ge - nügendes Notwegrecht über die bestehende Linienführ ung gewährt würde. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Kläger ein ungeeignetes Grundstück in Anspruch genommen haben. Deshalb muss die Klage abgewiesen werden. Mit Blick darauf, dass das Planungsamt eventuell einen über die geltende Linie nführung laufenden, der kantonalen Praxis genügenden Fahrweg nicht bewilligt und auch nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, d ass den Klägern ein solches Notwegrecht über die Linienführung des bestehenden Weges eingeräumt wird, muss den Klägern die Möglich keit ge - schaffen werden, ihre Klage, nach einem allfälligen Scheitern der Ver - handlungen mit der Eigentümerin des Grundstücks Nr. 207 bzw. Abweisung eines Anspruches auf ein Notwegrecht über das Grund - stück Nr. 207, wieder zu erneuern. Die Klage ist de shalb zurzeit abzuweisen ( Max Ehrenzeller , Zivilprozessordnung des Kantons Appenzell A.Rh., Urnäsch 1989, N 5 lit. c zu Art. 203 ZPO). KGer, 2. Abt., 28.05.2008 3518 Verjährungsfristen ( Art. 127 und 128 Ziff. 3 OR). Abhängigkeit der Verjährungsfrist von der Natur des Vergütungsanspru ches. Ob Handwerksarbeit im Sinne von Art. 128 Ziff. 3 OR vorliegt, ist nach dem Charakter der vom jeweiligen Unternehmer geschu ldeten Gesamtleistung zu beurteilen. Im Zweifel ist für di e Anwendung der normalen, zehnjährigen Frist ( Art. 127 OR) zu entscheiden. Aus den Erwägungen: Die Beklagte erhebt die Verjährungseinrede. Für die im Juni 2000 ausgeführten Arbeiten sei die Verjährungsfrist gemä ss Art. 128 Ziff. 3 OR im Juni 2005 abgelaufen. Verjährungsunterbrechen de Hand - lungen seien nicht erfolgt. Erst im Dezember 2006 s ei ein Zahlungsbefehl ausgestellt worden. Die Klägerin bes treitet das Vor - 84