B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-914/2015 U r t e i l v o m 5 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Martin Kayser, Richter Yannick Antoniazza-Hafner, Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann. Parteien A._______, Beschwerdeführer, vertreten durch Hans Peter Roth, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-914/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1946 geborene sri -lankische Staatsangehörige A._______ (nachfol- gend: Gesuchsteller beziehungsweise Beschwerdeführer) beantragte am 14. August 2014 mit einer schriftlichen Eingabe (Akten der Vorinstanz [nachfolgend SEM act.] 3/57 und 59) und am 10. Septemb er 2014 mit dem entsprechenden Antragsformular (SEM act. 3/91-94) bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo ein Schengen -Visum für einen zweimonatigen Besuchsaufenthalt bei seiner Tochter B._______ und sei- nem Schwiegersohn C._______ (nachfolgend: Gastgeberin bzw. Gastge- ber) im Kanton Zürich. B. In einem Einladungsschreiben – ebenfalls datiert vom 14. August 2014 – bestätigte die Gastgeberin gegenüber der Schweizer Vertretung, dass sie den Gesuchsteller für zwei Monate bei sich zu Besuch empfangen möchte. Ihr selbst sei es aufgrund ihres asylrechtlichen Status nicht erlaubt, nach Sri Lanka zu reisen. Ihren Vater habe sie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr gesehen. Da sie und ihr Ehemann im Oktober 2013 Eltern einer Toch- ter geworden seien, möchten sie dere n ersten Geburtstag zusammen mit dem Vater bzw. Grossvater feiern. Sie und ihr Ehemann übernähmen die volle Verantwortung für den Besuch und sie garantierten für die fristge- rechte Wiederausreise des Gesuchstellers nach dem geplanten Besuchs- aufenthalt (SEM act. 3/53 f.). C. Mit Formularentscheid vom 11. September 2014 lehnte es die schweizeri- sche Vertretung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Haltung mit einer ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die frist- gerechte Wiederausreise d es Gesuchstellers aus dem Schengen -Raum nach einem Besuchsaufenthalt (SEM act. 3/89 f.). D. Gegen diesen Entscheid erhoben in der Folge sowohl die Gastgeberin (mit Eingabe vom 5. Oktober 2014; SEM act. 1/1 f.) als auch der Gesuchsteller (mit Eingabe vom 14. Oktober 2014; SEM act. 1/6 f.) Einsprache beim Bun- desamt für Migration (BFM, seit 1. Januar 2015 in Staatssekretariat für Mig- ration SEM unbenannt). Zur Begründung wurde im Wesentlichen gerügt, dass die Zweifel an einer fristgerechten Wiederausreise des Ges uchstel- lers nicht gerechtfertigt seien. Dieser sei verwitwet und lebe alleine in sei- nem eigenen Haus in Jaffna. Trotz fortgeschrittene n Alters sei er immer C-914/2015 Seite 3 noch als Geschäftsmann im Import-Bereich tätig und unternehme als sol- cher immer wieder Auslandreisen. Daneben arbeite er ehrenamtlich als Präsident eines lokalen Tempelkomitees. Er sei bei guter Gesundheit, habe keine finanziellen Nöte und ziehe das Leben in seinem eigenen Haus ei- nem solchen in der Fremde vor. In der Einsprache des Gesuchstellers selbst wurde darauf hingewiesen, dass nebst der Tochter in der Schweiz ein Sohn in Sri Lan ka (Kilinochchi) lebe, und dass Tochter und Sohn ins- gesamt vier Kinder hätten. Die Gastgeberin ihrerseits gab in ihrer Eingabe zu den familiären Verhältnissen unter anderem an, ihr Bruder lebe in Eng- land. Ihr Vater habe in der Zeit nach 1980 bereits einmal in Frankreich ge- lebt und kenne die Sitten und das Klima in Europa. Gerade deshalb sei sie sicher, dass er wieder in seine Heimat zurückkehre, da er sich dort wohler fühle. E. Auf Ersuchen der Vorinstanz hin richtete die Migrationsbehörde des Kan- tons Zürich am 25. November 2014 einen Fragenkatalog an die Gastgeber, den diese am 5. Dezember 2014 schriftlich beantworteten. Gleichzeitig ver- pflichtete sich die Gesuchstellerin mittels des hierfür vorgesehenen Formu- lars zur Erklärung, für die Kosten des geplanten Besuchsaufenthalts auf- zukommen (SEM act. 5/107 f.). F. Mit Verfügung vom 12. Januar 2015 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizeri schen Auslandvertretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise des Gesuch- stellers nach einem Aufenthalt im Schengen-Raum nicht als gesichert be- trachtet werden könne. Dieser stamme aus einer Region, aus der als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhält- nisse ein starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. In seinen berufli- chen und persönlichen Verhältnissen seien keine Umstände in Form be- sonderer Verpflichtungen zu erkennen, die das grundsätzlich anzuneh- mende Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise entscheidend re- lativieren könnten. Der Gesuchsteller sei 68 Jahre alt, verwitwet und seine Nachkommen lebten nicht mehr in der Heimat. Er gehe einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach, wobei die Dauer der geplanten Landesabwesenheit in diesem Zusammenhang als "ungewöhnlich" erscheine. (SEM act. 6/110 ff.). C-914/2015 Seite 4 G. Dagegen gelangte der Gesuchsteller mit einer Beschwerde vom 12. Feb- ruar 2015 an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die vorinstanz- liche Verfügung sei aufzuheben und das gewünschte Visum sei ihm aus- zustellen. Zur Begründung macht er sinngemäss geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass seine Wiederausreise nach einem Be- suchsaufenthalt nicht gesichert wäre. Er gehöre weder zur Kategorie der unmittelbar bedrohten Personen in Sri Lanka, noch leide er Not, welche ihn zur Migration verleiten könnte. Er führe ein selbständiges Leben, sei immer noch im Geschäftsleben aktiv und habe weder gesundheitliche noch finan- zielle Probleme. Die Vorinstanz habe zudem den rechtserheblichen Sach- verhalt nur unvollständig erfasst: er lebe in Sri Lanka nicht alleine. Vielmehr sei dort noch ein Sohn wohnhaft, mit dem er regelmässigen Kontakt pflege. Schliesslich habe die Vorinstanz ihr Ermessen nicht pflichtgemäss wahr- genommen. Beim Entscheid über das Einreisegesuch wäre zu berücksich- tigen gewesen, dass die Gastgeberin (seine Tochter) ihn in Sri Lanka nicht besuchen könne, weil sie in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei. Ein Familientreffen in einem Drittland wäre kein Ersatz für den in der Schweiz geplanten Anlass und würde zudem eine grosse finanzielle Belas- tung für die Gastgeber mit sich bringen. H. Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 16. April 2015 die Abweisung der Beschwerde. I. Mit Replik vom 26. Mai 2015 hält der Beschwerdeführer seinerseits an sei- nen Anträgen und deren Begründung fest. J. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM bzw. SEM betreffend Schengen-Visa sind beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). C-914/2015 Seite 5 1.2 Der Beschwerdeführer ist als Gastgeber und Einsprecher zur Be- schwerde legitimiert (Art. 4 8 Abs. 1 VwVG ). Auf die im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes- sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und – sofern nicht ein e kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis- sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung lieg t das Gesuch eines sri -lankischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen zweimonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich d er Beschwerdeführer nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorlie- gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazu gehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun- gen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: C-914/2015 Seite 6 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraus- setzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten ver- pflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset- zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5; a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän- der, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen- Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de- ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei- nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan- gehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver- fügen (vg l. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über ei- nen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Perso- nen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105/1 vom 13.04.2006], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsich tigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der C-914/2015 Seite 7 Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol- gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichen de Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar- stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristgerecht wie- der zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr für eine gesicherte Wiederaus- reise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorge sehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einrei- seerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgeno m- men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün- den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö- rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht er- füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat- tet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). C-914/2015 Seite 8 5. 5.1 Aufgrund seiner Staatszugehörigkeit unterliegt der Beschwerdeführer der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001 ; zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers als nicht genügend gewährleistet. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreise- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit po- litisch oder wirtschaftlich ver gleichsweise ungünstigen Verhältnissen kön- nen ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. 5.3 Seit Ende des langjährigen Bürgerkriegs im Jahr 2009 hat sich die Si- cherheitslage in Sri Lanka zwar stabilisiert. Die Menschenrechtslage aber ist nach wie vor prekär und die politische Situation kann noch nicht als stabil eingestuft werden. In wirtschaftlicher Hinsicht gilt Sri Lanka gemäss Welt- bank-Klassifikation als «Lower Middle Income Country»; im als Wohl- standsindikator zu berücksichtigenden UN -Index der menschlichen Ent- wicklung (HDI) 2013 belegt Sri Lanka die Position 73 von 187 Ländern. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 201 4 71,6 Mrd. USD (3 '414 USD pro Kopf). Dies stellt gegenüber dem Vorjahr ein reales Wachstum von 7% dar, und die Prognose für 2015 liegt auf demselben Niveau. Die Arbeitslo- sigkeit liegt bei ca. 4,4%, ist also relativ tief, wobei freilich – wie bei den Einkommen – ein erhebliches Stadt/Land-Gefälle existiert. Etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung des Landes ist auf die Region um Colombo kon- zentriert. Namentlich bei der Landbevölkerung ist dagegen Armut weiterhin verbreitet. Für die vorwiegend tamilische Bevölkerung im Norden des Lan- des (inkl. Halbinsel Jaffna) kommt hinzu, dass die öffentliche Gesundheits- versorgung dürftig ist und viele Kliniken nur über rudimentäre Behand- lungsmöglichkeiten verfügen. All diese Umstände führen zu einer anhal- tend hohen Emigration ( Quellen: Webseite des deutschen Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de, Aussen- und Europapolitik > Länderin- formationen > Sri Lanka > Wirtschaft, Stand: September 2015, besucht im C-914/2015 Seite 9 November 2015 sowie Urteil des BVGer C -871/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). 5.4 In Anbetracht dieser Umstände und unter Berücksichtigung, dass die Bereitschaft, das Heimatland zu verlassen, er fahrungsgemäss dort be- günstigt wird, wo – wie im Fall des Beschwerdeführers – bereits Verwandte im Ausland leben, ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise allgemein als hoch einschätzt. Allerdings sind bei der Risikoanalyse neben allgemeinen Umständen und Erfahrungen sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalls zu be- rücksichtigen. In beweisrechtlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass ein Vi- sum nur erteilt werden darf, wenn keine begründeten Zweifel an der Absicht des Beschwerdeführers bestehen, den Schengen-Raum vor Ablauf des Vi- sums zu verlassen (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.3.1 je m.H.). 6. 6.1 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen mittlerweile 69-jähr- gen Mann; offenbar schon seit vielen Jahren verwitwet. Er wohnt alleine in einem eigenen Haus in Jaffna. Seine Tochter – die Gastgeberin – lebt seit Dezember 2008 in der Schweiz. Daneben hat der Beschwerdeführer offen- bar noch einen Sohn bzw. die Gastgeberin einen Bruder. 6.2 Gestützt auf entsprechende Angaben des Beschwerdeführers in des- sen Visumsantrag vom 14. August 2014 (SEM act. 3/59) ging die Schwei- zerische Auslandvertretung davon aus, dass es sich bei den erwähnten beiden um die einzigen Kinder des Beschwerdeführers handle und beide im Ausland lebten; die Tochter in der Schweiz und der Sohn in Grossbri- tannien (Aktennotiz vom 11. September 2014; SEM act. 4/87). In gleicher Weise hatte sich die Gastgeberin in ihrem Asylverfahren geäussert (Anhö- rung vom 2. Oktober 2009; Frage und Antwort Nr. 8). Im Gegensatz dazu lässt der Beschwerdeführer im Einspracheverfahren (SEM act. 1/7) und im Beschwerdeverfahren geltend machen, ein Sohn lebe in Sri Lanka (Kilinochchi). Die Gesuchstellerin ihrerseits hielt im Einspracheverfahren daran fest, dass ihr Bruder in England lebe. Ob diese Divergenz damit zu erklären ist, dass besagter Sohn bzw. Bruder in der Zwischenzeit von Grossbritannien nach Sri-Lanka zurückgekehrt ist, oder etwa damit, dass doch zwei Söhne bzw. Brüder existieren, lässt sich den Akten nicht schlüs- sig entnehmen. Wie es sich damit verhält, kann allerdings offengelassen werden. Denn es ist – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – schon aus C-914/2015 Seite 10 anderen Gründen kaum wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer sei- nen Besuchsaufenthalt in der Schweiz zum Anlass nehmen könnte, länger als geplant bei den Gastgebenden zu bleiben. 6.3 Gemäss den Darlegungen der Gastgeberin in ihrer schriftlichen E in- sprache vom 5. Oktober 2014, an denen zu zweifeln kein Anlass besteht, ist es bis anhin noch gar nicht zu Kontakten zwischen dem Beschwerde- führer und seinem Schwiegersohn (dem Gastgeber) gekommen. Der Schwiegersohn gehört offenbar nicht zur gleichen Kast e wie die Tochter, weshalb der Beschwerdeführer die Heirat missbilligt und den Kontakt zu seiner Tochter sogar vorübergehend abgebrochen habe. Erst nach einer Fehlgeburt, welche die Gastgeberin im Jahre 2012 erlitten habe, sei es wieder zu einer Annäherung zwischen Vater und Tochter gekommen. Die Gesuchstellerin verbindet den geplanten Besuchsaufenthalt denn auch mit der Hoffnung, dass ihr Vater ihren Ehemann endlich akzeptieren würde (SEM act. 1/2). Vor diesem Hintergrund ist eher unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer die Absicht haben könnte, zu seiner in der Schweiz lebenden Tochter und deren Ehemann zu übersiedeln. Tritt hinzu, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Engagements für eine Religionsge- meinschaft eng mit seiner Wohnregion verbunden zu sein scheint. Er selbst und die Gastgeberin haben übereinstimmend und von Beginn des Vorver- fahrens weg betont, dass er Präsident des lokalen Tempelkomitees sei und in dieser Eigenschaft die Verantwortung für den Finanzbereich und den Jahresabschluss hab e. Eine vom Sekretär der betreffenden Tempelge- meinschaft ausgestellte Bestätigung wurde bereits bei der Schweizer Ver- tretung als Beweismittel eingereicht (SEM act. 3/41). 6.4 Der Beschwerdeführer ist trotz seines fortgeschrittenen Alters nach wie vor erwerbstätig. Gemäss den Einträgen in seinem Reisepass reist er re- gelmässig nach Indien und wieder zurück. Obwohl nur gerade bekannt ist, dass er im Import -Bereich tätig ist, und über Art und Umfang seiner Ge- schäftstätigkeit sowie über das damit erzielte Einkommen kein schlüssiges Bild gewonnen werden kann, ist dennoch davon auszugehen, dass er in stabilen und soliden wirtschaftlichen Verhältnissen lebt. Dies schon des- halb, weil es ihm andernfalls kaum möglich wäre, seine häufigen geschäft- lichen Reisen nach Indien zu finanzieren. Kommt hinzu, dass er bereits bei der Schweizer Vertretung eine Bank bestätigung der Commercial Bank in Jaffna, datiert vom 2. September 2014, eingereicht hat, die ihm per 29. Au- gust 2014 ein Guthaben von Rs. 658'686.36 (umgerechnet rund CHF 4'692) bescheinigte (act. 3/40). Diese Ersparnis entspricht immerhin deut- lich mehr als dem für das Jahr 2013 angenommene n durchschnittlichen C-914/2015 Seite 11 jährlichen Bruttoeinkommen in der Höhe von USD 3'170 (vgl. Urteil des BVGer C-4845 vom 7. Mai 2015 E. 6.5 mit weiterem Hinweis). Vor diesem Hintergrund sind auch in wirtschaftlicher Hinsicht keine Umstände zu er- kennen, die darauf schliessen liessen, dass der Beschwerdeführer den ge- planten Besuch dazu missbrauchen könnte, sich in die Schweiz bezie- hungsweise in den Schengen-Raum abzusetzen. 6.5 Auch wenn das Risiko für eine Missachtung ausländerrechtlicher Nor- men nie gänzlich ausgeschlossen werden kann, erscheint es vorliegend doch als gering. Mit anderen Worten ist nicht davon auszugehen, es be- stünden Hinderungsgründe dieser Art gemäss Art. 5 SGK bzw. Art. 5 AuG für die Erteilung des beantragten Visums. 7. Indem die Vorinstanz den entscheid srelevanten Sachverhalt im Ergebnis anders gewichtete, hat sie Bundesrecht verletzt (Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde ist demnach gutzuh eissen, die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache zur neuerlichen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei bleibt von der Vorinstanz zu prüfen, ob die übrigen Einreisevoraussetzungen (vgl. E. 4) erfüllt sind. 8. 8.1 Entsprechend dem Ausg ang des Verfahrens sind weder dem Be- schwerdeführer noch der Vorinstanz Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG) und der geleistete Kostenvorschuss ist zurückzuerstatten. 8.2 Der obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Parteient- schädigung für die ihm erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Die Parteientschädigung geht zu Lasten der Vorinstanz (Art. 64 Abs. 2 VwVG). Es wurde keine Kosten- note eingereicht, so dass dem Beschwerdeführer aufgrund der Akten und insbesondere in Berücksichtigung von Art. 10 Abs. 2 VGKE eine Parteient- schädigung im Betrag von Fr. 700.- inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE zuzusprechen ist. (Dispositiv S. 12) C-914/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die angefochtene Verfügung wird auf- gehoben und die Sache zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt und der eingezahlte Kosten- vorschuss von Fr. 900.- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 3. Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bun- desverwaltungsgericht mit Fr. 700.- zu entschädigen. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Formular Zahladresse) – die Vorinstanz (Beilagen: Akten Ref-Nr. […] sowie N […]) – die Migrationsbehörde des Kantons Zürich ad ZH […] Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Denise Kaufmann Versand: