11. März 1985 419 Postulat Carobbio drängt sich nicht auf. Der Bundesrat möchte insbesondere am Erfordernis einer abgeschlossenen Berufslehre festhal- ten, gilt doch die Verbindung einer gründlichen praktischen Ausbildung mit dem intellektuell anspruchsvollen Studium allgemein als Stärke unserer HTL-Ingenieure. Die Rechts- grundlagen, um die spezifische Vorbereitung auf die höhe- ren Fachschulen während der Lehre oder zwischen dieser und dem Studienbeginn noch zu vertiefen, sind im Berufs- bildungsgesetz vorhanden. Dem Anliegen der Postulantin kann somit ohne Änderung des Bundesrechts entsprochen werden. Wir empfehlen des- halb, das Postulat nicht anzunehmen. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen. Frau Mauch: Die Schweiz als rohstoffarmes Land ist zwin- gend auf allen Stufen auf hochqualifizierte Berufsleute angewiesen. Voraussetzung ist eine zeitgerechte Ausbil- dung im technischen Bereich, ganz besonders die zeitge- mässe Ingenieurausbildung. Diese muss nicht nur auf die Gegenwart, sondern auf die Zukunft ausgerichtet sein. Die Ingenieurschulen der Schweiz aber - mit Ausnahme viel- leicht der welschen Schulen, die zwei Drittel der Schweizer Ingenieure ausbilden - arbeiten mit den Voraussetzungen von gestern, in Strukturen von vorgestern. Ich habe zwischen 1954 und 1957 eine HTL besucht und stelle fest, dass sich vieles nicht geändert hat. Vor allem wird immer noch als Zulassung eine lange praktische Lehrzeit verlangt mit wenig Theorie. Der Unterschied zu Japan - und Japan ist uns ja in der technischen Entwicklung immer ein Vorbild - und auch zu den USA, zu England und vielen anderen Ländern besteht nicht darin, dass die Schweiz weniger Ingenieure ausbildet, sondern darin, dass die Japa- ner ihre künftigen anwendungsorientiert ausgebildeten Ingenieure nicht vor, sondern nach dem Studium mit der aktuellen Technik in der Industrie bekannt machen. Dies verursacht für die schweizerischen Ingenieure einen Innova- tionsrückstand von mehr als vier Jahren. Das entscheidende Element, das die heutige und schon die gestrige Technik in die Ausbildung anwendungsorientierter Ingenieure gebracht hat, ist die Tatsache, dass die hand- werkliche Vorbildung an Bedeutung verloren, die Theorie- kenntnisse aber kräftig an Bedeutung gewonnen haben. Das Erfordernis einer abgeschlossenen Berufslehre besteht doch schon heute nicht mehr. Einige sehr qualifizierte höhere technische Lehranstalten im Welschland - ich nenne Genf und Le Locle - kennen diese Berufslehre gar nicht, sondern bieten in eigenen Werkstätten eine ein- bis zweijäh- rige praktische Ausbildung an. Ausserdem werden Maturan- den in der ganzen Schweiz bei Nachweis einer einjährigen Praxis zum HTL-Studium zugelassen. Die Kurse, von denen die Postulatsantwort behauptet, dass sie die für ein modernes HTL-Studium benötigte schulische Vorbildung vermitteln, können oder wollen dies gar nicht. Die Berufsschulen vermitteln berufskundliche Kenntnisse für alle Lehrlinge und nicht nur für die 4 bis 5 Prozent derjenigen, die die HTL besuchen werden. Die Berufsmittel- schule ist keine spezifische Vorbereitung für das HTL-Stu- dium, und die Vorbereitungskurse zielen auf die HTL-Auf- nahmeprüfung ab, in der der Sekundarschulstoff geprüft wird. Das Unbehagen an den HTL ist so gross, dass die Konferenz der HTL-Direktoren eine Arbeitsgruppe eingesetzt hat, um auf Bundesebene Reformvorschläge auszuarbeiten. Offen- sichtlich sieht man die Probleme an der Front ganz anders als im Volkswirtschaftsdepartement, was ich sehr bedaure. Weil dem aber so ist und weil ich dem Departement keines- falls Anlass geben will, die Arbeit der Reformkommission ins Abseits zu manövrieren, ziehe ich mein Postulat vorsorglich zurück. Das Problem ist aber absolut unerledigt und der bundesrätliche Entscheid ein Schlag gegen all jene, die sich seit Jahren ohne Unterstützung des Bundes um bitter nötige Reformen an den HTL bemühen. Dass der Bundesrat den Problemkreis aufgrund des Postulates nicht einmal prüfen will, finde ich ausserordentlich enttäuschend. Präsident: Frau Mauch zieht das Postulat zurück. Zurückgezogen - Retiré #ST# 83.493 Postulat Carobbio Arbeitslosenentschädigung Indennità di disoccupazione Indemnités de chômage Wortlaut des Postulates vom 22. Juni 1983 Um Arbeitslosenentschädigung beanspruchen zu können, muss der Versicherte nach Artikel 12 der Verordnung über die Arbeitslosenversicherung in den 365 Tagen, die der Arbeitslosigkeit vorangegangen sind, für 150 Arbeitstage Beiträge bezahlt haben. Es gibt Arbeitnehmer, die aus Gründen, die nicht in ihrer Macht liegen, diese Vorschrift nicht erfüllen können. Diesen Sonderfällen sollte Rechnung getragen werden. Wir ersuchen darum den Bundesrat zu prüfen, a. ob dafür das Gesetz zu ändern ist, oder b. ob es genügt, die Verordnung entsprechend zu ändern. Texte du postulat du 22 juin 1983 Afin de tenir compte des cas particuliers de travailleurs qui, indépendamment de leur volonté, ne réussissent pas à observer la disposition de l'ordonnance sur l'assurance- chômage (art. 12 ord.) prévoyant l'obligation de verser les cotisations pendant 150 jours sur une période de 365 jours avant d'avoir droit aux indemnités de chômage, les sous- signés demandent a. qu'on examine la possibilité de prendre en considération des cas semblables en modifiant la loi; b. ou, si cela ne suffit pas, qu'on examine la possibilité de proposer les modifications nécessaires dans l'ordonnance. Testo del postulato del 22 giugno 1983 Allo scopo di tener conto dei casi particolari dei lavoratori che, indipendentemente dalla loro volontà, non riescono a soddisfare la disposizione prevista dall'ordinanza sulla legge sull'assicurazione disoccupazione (art. 12 ordinanza AD) della soggezione all'obbligo di pagare i premi per 150 giorni su un periodo di 365 giorni in un anno prima di aver diritto alle indennità di disoccupazione, i sottoscritti chie- dono a. di esaminare la possibilità di tener conto di tali casi particolari attraverso la modificazione della legge, b. oppure, se ciò fosse sufficiente, di esaminare la possibi- lità di proporre le necessario modifiche a livello di ordi- nanza. Mitunterzeichner-Cosignataires-Cofirmatari: Borei, Bré- laz, Christinat, [Crevoisier, Forel], Gloor, Herczog, Jaggi, [Loetscher], Longet, Magnin, Meizoz, Pitteloud, Renschler, Riesen-Friburgo, Robbiani, [Roy], Ruffy, Vannay (19) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Motivazione scritta La legge federale sull'assicurazione contro la disoccupa- zione (LAD) e la relativa ordinanza (art. 12OAD) prescrivono che l'assicurato ha diritto alle indennità di disoccupazione se nei 365 giorni di un anno ha lavorato almeno 150 giorni. Tale disposizione non tiene conto dei casi particolari diMotion Gloor 420 11 mars 1985 attività professionali che conoscono, durante un anno, inter- ruzioni più o meno lunghe, come ad esempio gli artisti professionali dello spettacolo. I sottoscritti chiedono che tale situazione sia esaminata al fine di evitare che lavoratori che, indipendentemente dalla loro volontà, non riescono a totalizzare i 150 giorni di soggezione all'imposizione previsti non finiscano per non poter beneficiare delle indennità di disoccupazione. Così ad esempio gli artisti professionali dello spettacolo, la cui occupazione dipende dai contratti che riescono a sotto- scrivere con i gestori dei dancing e delle sale, vengono a trovarsi spesso in tale situazione. D'altronde l'ordinanza attualmente in vigore non contempla il loro caso, ma solo quello dei lavoratori a tempo parziale o gli invalidi. Si tratta di esaminare se basta, per contemplare tali casi particolari, rivedere semplicemente le ordinanze di applica- zione, ciò che sarebbe possibile in previsione dell'entrata in vigore della nuova legge sull'assicurazione contro la disoc- cupazione. Oppure, nel caso che ciò non fosse possibile, di esaminare l'eventualità di formulare le necessarie proposte di modifica del testo di legge. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 31. August 1983 Rapport écrit du Conseil fédéral du 31 août 1983 Risposta scritta del Consiglio federale del 31 agosto 1983 Secondo il diritto vigente la summenzionata prova dev'es- sere prodotta soltanto se l'assicurato fa valere per la prima volta il suo diritto all'indennità di disoccupazione di un anno civile. L'anno è ormai molto avanzato. Non è quindi da escludere l'ipotesi che gli assicurati che notificano ora per la prima volta il loro diritto all'indennità, abbiano sinora lavo- rato - e ne possono conseguentemente addurre senz'altro la prova - oppure sussista uno dei motivi che esentano dall'obbligo di giustificare un'attività sottoposta a contribu- zione. Per il diritto vigente non occorre quindi modificare né la legge né l'ordinanza relativa. II 1° gennaio 1984 entrerà in vigore un riordinamento dell'as- sicurazione contro la disoccupazione. A norma della nuova legge, l'indennità di disoccupazione può già essere perce- pita quando l'assicurato ha svolto una attività soggetta a contributo durante sei mesi nel corso dei due anni prece- denti la domanda d'indennità. Il Parlamento ha esteso di proposito il lasso di tempo per l'adduzione della prova. Anche per la nuova regolamentazione non è opportuna nessuna modifica né della legge né dell'ordinanza. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Dichiarazione scritta del Consiglio federale II Consiglio federale propone di rigettare il postulato. Zurückgezogen - Retiré #ST# 84.521 Motion Gloor Arbeitslosenversicherung und Behinderte Assurance-chômage et handicapés Wortlaut der Motion vom 26. September 1984 Der Bundesrat wird eingeladen, das Arbeitslosenversiche- rungsgesetz zu ändern, damit Behinderte, die von den Lei- stungen der Arbeitslosenversicherung ausgeschlossen sind, weil sie in geschützten Werkstätten arbeiten - wo zwar die Arbeitsplätze wegen der Rezession ebenfalls gefährdet sind -, wieder versichert werden können und auch den Nutzen von ihren Versicherungsbeiträgen haben. Texte de la motion du 26 septembre 1984 Le Conseil fédéral est invité à transformer la loi sur l'assu- rance-chômage afin de permettre la réintégration des handi- capés qui - travaillant dans les ateliers protégés et pouvant perdre leurs emplois à cause de la récession - en sont exclus, pour qu'ils puissent bénéficier de leur prestation de chômage. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-Saint-Gall, Bäumlin, Berger, Bircher, Borei, Braunschweig, Brélaz, Bundi, Carobbio, Christinat, Clivaz, Darbellay, Deneys, Eggenberg-Thoune, Etique, Euler, Fankhauser, Fehr, Friedli, Gehler, Gurtner, Herczog, Hubacher, Jaggi, Lanz, Leuenber- ger-Soleure, Leuenberger Moritz, Longet, Magnin, Meizoz, Neukomm, Pini, Pitteloud, Reimann, Riesen-Fribourg, Rob- biani, Rubi, Ruffy, Stamm Walter, Stappung, Uchtenhagen, Vannay, Wagner, Zehnder (44) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Lorsqu'il s'agit des limites de revenu excluant une rente, les salaires payés par les ateliers protégés sont assimilés à ceux obtenus sur le marché libre. Aussi est-il choquant qu'un handicapé qui, n'ayant pas trouvé d'emploi dans l'économie libre, travaille dans un atelier protégé et de ce fait ne soit pas considéré comme apte au placement par l'assurance-chômage et se trouve exclu de cette assurance. S'il perd son emploi - ce qui peut arriver, car les ateliers protégés ne sont pas à l'abri de la récession - il n'aura droit à aucune prestation de chômage. Cette anomalie - pour ne pas en dire plus - devrait absolu- ment être corrigée, sans délai. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 12. November 1984 Rapport écrit du Conseil fédéral du 12 novembre 1984 L'aptitude au placement constitue l'une des conditions essentielles dont dépend le droit à l'indemnité de chômage (art. 8 1er al. let. f, LACI). En effet, il n'incombe pas à l'assurance-chômage de verser des prestations aux per- sonnes qui cotisent à l'assurance, mais qui, pour des raisons personnelles, ne sont pas en mesure d'accepter un emploi sur le marché libre du travail. C'est pourquoi, l'aptitude au placement revêt une importance toute particulière. Il con- vient toutefois de relever que la loi sur l'assurance-chômage a sensiblement réduit l'exigence de l'aptitude au placement pour les handicapés. Le handicapé physique ou mental est donc réputé apte à être placé lorsqu'un travail convenable pourrait lui être procuré sur le marché de l'emploi, compte tenu de son infirmité et dans l'hypothèse d'une situation équilibrée sur ce marché (art. 15 1er al., LACI). Un handicapé qui, pour des raisons d'ordre économique, a perdu son emploi sur le marché libre du travail et qui se voit donc contraint d'exercer une activité au sein d'un atelier protégé, à cause de la situation défavorable du marché de l'emploi, est réputé apte au placement s'il vient à perdre son occupation en atelier pour des motifs de nature économi- que; le handicapé en question pourra par conséquent pré- tendre à l'indemnité de chômage. Il n'en va pas de même des invalides qui, indépendamment de la situation générale du marché du travail, ne peuvent être occupés qu'au sein d'ateliers protégés en raison de leur infirmité. Ces personnes, qui bénéficient presque toujours d'une rente complète d'invalidité, ne peuvent évidemment pas remplir la condition de l'aptitude au placement bien qu'elles aient peut-être payé de modestes cotisations pour leur activité rémunérée dans ces ateliers. Il faut, cependant, considérer un tel problème dans le cadre global du système des assurances sociales. En effet, ces handicapés reçoivent des prestations très importantes de l'assurance-invalidité, si bien qu'on ne saurait décemment prendre en compte les très modestes cotisations d'assurance-chômage qu'ils paient, sans avoir droit pour autant à des prestations. Lors de l'élaboration de la nouvelle loi sur l'assurance- chômage, la situation des handicapés en matière d'assu- rance-chômage a suscité un grand nombre d'interventionsSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Carobbio Arbeitslosenentschädigung Postulat Carobbio Indennità di disoccupazione Indemnités de chômage In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1985 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 83.493 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 11.03.1985 - 14:30 Date Data Seite 419-420 Page Pagina Ref. No 20 013 198 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.