A bteilung V E -5733/2006 {T 0/2} U rteil vom 20. Septem ber 2007 M itw irkung: R ichter Beat W eber (Vorsitz) R ichter M artin Zoller, R ichterin Therese Kojic G erichtsschreiberin C ontessina Theis A ._______, geboren (...), N epal, vertreten durch Frau U rsula M osim ann, R echtsberatungsstelle für Asylsuchende, Tellstrasse 4, Postfach 1727, 9001 St. G allen, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom (...) i. S. W egw eisung und Vollzug / N _______, B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer, ein nepalesischer Staatsangehöriger aus B._______, D istrikt C ._______, gelangte am (...) in die Schw eiz, w o er am (...) um Asyl nachsuchte. Zur Begründung seines G esuches führte er anlässlich der Erstbefragung sow ie der direkten Bundesanhörung in den G rundzügen aus, dass er seit dem Jahr (...) für die M aoisten gearbeitet habe. Er sei aufgrund dieser Tätigkeit im Jahr (...) von der Polizei verhaftet, m isshandelt und m it der Auflage einer M eldepflicht w ieder freigelassen w orden (A1, S. 5 f.; A16, S. 6 ff.). Am (...) w urde dem Beschw erdeführer das rechtliche G ehör zu den Abklärungsergebnissen des BFM hinsichtlich eines früheren Aufenthaltes in D eutschland gew ährt (A14). Anlässlich der G ew ährung des rechtlichen G ehörs am (...) gab der Beschw erdeführer an, N epal nur w egen Arm ut und Arbeitslosigkeit verlassen zu haben; w enn er zurückkehre, w ürde ihn aber irgendjem and um bringen (A29, S. 1 f.). B. G em äss einer Aktennotiz des Personalbetreuers des Em pfangszentrum s w urde der Beschw erdeführer am (...) von einem Suizidversuch abgehalten (A32, S. 1). C . Am (...) w urde der Beschw erdeführer m ittels eines Fürsorgerischen Freiheitsentzugs in die Psychiatrische Klinik D ._______ eingew iesen. M it ärztlichem Bericht vom (...) w urde bei ihm eine paranoide Schizophrenie (F.20.0) diagnostiziert. D . M it Verfügung vom (...) lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschw erdeführers ab und ordnete gleichzeitig die W egw eisung sow ie den W egw eisungsvollzug an. Auf die Begründung w ird sow eit entscheidw esentlich in den Erw ägungen eingegangen. E. M it Eingabe vom (...) (Poststem pel) focht der Beschw erdeführer durch seine R echtsvertreterin bei der ehem aligen schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) die Verfügung des BFM im W egw eisungspunkt an und beantragte die vorläufige Aufnahm e in der Schw eiz. Auf die Begründung der Beschw erde sow ie auf die eingereichten Bew eism ittel w ird, sow eit entscheidw esentlich, in den Erw ägungen eingegangen. F. M it Zw ischenverfügung vom (...) stellte die AR K fest, dass die angefochtene Verfügung des BFM vom (...) im Asylpunkt sow ie bezüglich der Flüchtlingseigenschaft des Beschw erdeführers in R echtskraft erw achsen sei, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und überw ies die Be- schw erde der Vorinstanz zur Vernehm lassung. G . In ihrer Vernehm lassung vom (...) hielt die Vorinstanz an ihren Ausführungen fest und beantragte die Abw eisung der Beschw erde. H . M it Eingabe vom (...) nahm der Beschw erdeführer durch seine R echtsvertreterin Stellung zur Vernehm lassung der Vorinstanz. I. M it Schreiben vom (...) teilte die Kantonspolizei E._______ m it, dass betreffend den Beschw erdeführer am (...) w egen D rittgefährdung ein Fürsorgerischer Freiheitsentzug verfügt w orden sei.3 J. M it Schreiben vom (...) bat das Ausländeram t E._______ das Bundes- verw altungsgericht um prioritäre Behandlung im Falle des Beschw erdeführers, da sein Verhalten zu Klagen Anlass gegeben habe und sein w eiterer Aufenthalt frem - denpolizeilich nicht m ehr erw ünscht sei. W ie aus den Beilagen ersichtlich ist, w ur- de der Beschw erdeführer am (...) von der Kantonspolizei E._______ zum Vorhalt "D rohung m it M esser und Sachbeschädigung" einvernom m en. Aus dem Befragungsprotokoll geht hervor, dass noch gleichentags ein Fürsorgerischer Frei- heitsentzug angeordnet w urde. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungs- verfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vor- liegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31); das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset- zes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei der AR K hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfah- rensrecht ist anw endbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. In der Beschw erde w ird ausschliesslich der Vollzug der W egw eisung angefochten. W ie bereits in der Zw ischenverfügung vom (...) festgehalten w urde, ist die Verfügung des Bundesam tes vom (...) m it Ablauf der Beschw erdefrist, sow eit sie die Frage des Asyls und der Flüchtlingseigenschaft betrifft, in R echtskraft erw achsen. G egenstand des vorliegenden Beschw erdeverfahrens bildet som it lediglich die Frage, ob die W egw eisung zu vollziehen oder ob an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahm e anzuordnen ist. 3.1 G em äss Art. 44 Abs. 2 AsylG regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Auslän- derinnen und Ausländern, w enn der Vollzug nicht m öglich, nicht zulässig oder 4 nicht zum utbar ist. D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer oder die Aus- länderin w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat ausreisen oder dorthin gebracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völker- rechtliche Verpflichtungen oder landesrechtliche Bestim m ungen der Schw eiz einer W eiterreise des Ausländers in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. N icht zum utbar kann der Vollzug der W egw eisung insbesondere sein, w enn er für den Ausländer oder die Ausländerin eine konkrete G efährdung darstellt, w obei letztere Bestim m ung, w elche als "Kann-Vorschrift" form uliert ist, die Schw eiz nicht in völkerrechtlicher Verpflichtung, sondern aus hum anitärer Sicht handeln lässt (vgl. Art. 14a Abs. 2 - 4 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20]. 3.2 Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w er- den, in dem sie an Leib, Leben oder Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem die G efahr besteht, dass sie zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). G em äss Art. 25 Abs. 3 Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossen- schaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D e- zem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.15) und der Praxis zu Art. 3 der Kon- vention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe ausgesetzt w erden. 4. D ie Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt von Am tes w egen festzu- stellen (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 12 Vw VG ). D er G rundsatz des rechtlichen G ehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 Vw VG , Art. 32 Abs. 1 Vw VG ) verlangt w eiter, dass die verfügende Behörde dabei die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorg- fältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, w as sich ent- sprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen m uss (EM AR K 2004 N r. 38 E. 6.3 S. 264). D ie Begründungsdichte richtet sich dabei nach den Verfahrens- um ständen, dem Verfügungsgegenstand und den Interessen der Betroffenen, w o- bei die bundesgerichtliche R echtsprechung bei schw erw iegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen - w as bei der Frage der G ew äh- rung des Asyls im m er der Fall ist - eine sorgfältige Begründung verlangt (EM AR K 2006 N r. 24 E. 5.1 S. 256f.). 4.1.1 D ie Vorinstanz führt in ihrer abw eisenden Begründung vom (...) an, dass der Beschw erdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, da er angegeben habe, N epal w egen Arm ut und Arbeitslosigkeit verlassen zu haben, w as nicht asylrelevant sei. Aus diesem G rund könne auch der G rundsatz der N ichtrückschie- bung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angew andt w erden. W eiter ergäben sich aus den Akten des Beschw erdeführers auch keine H inw eise, dass dem Beschw erde- führer im Falle einer R ückkehr in den H eim atstaat m it beachtlicher W ahrscheinlich- keit eine durch Art. 3 EM R K verbotene Strafe oder Behandlung drohe. D as ärztli- che Zeugnis vom 9. Juni 2006 w ürde dem Beschw erdeführer eine paranoide Schi- zophrenie diagnostizieren. Eine Suizidalität bestehe nicht. D ie im ärztlichen Bericht 5 indizierten psychiatrischen Kontrollen und die m edikam entöse Therapie seien in N epal gew ährleistet, w obei letztere auch im R ahm en der R ückkehrhilfe unterstützt w erden könne. D as C entre for Victim s of Torture C VIC T in Kathm andu beispiels- w eise w ürde unter anderem adäquate m edizinische, psychiatrische und auch rechtliche H ilfe bei gesundheitlichen Problem en der vorgebrachten Art anbieten. D aneben bestünden in N epal auch noch zw ei w eitere regionale Zentren. Zudem verfüge der Beschw erdeführer in seiner H eim at über ein tragfähiges verw andt- schaftliches Beziehungsnetz, w elches er bei einer R ückkehr nach N epal nützen könne. Som it w ürden dem Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers in sei- ne H eim at auch keine gesundheitlichen H indernisse entgegenstehen. Eine Situati- on der allgem einen G ew alt bestehe nicht in N epal, der Vollzug sei technisch m ög- lich und praktisch durchführbar. 4.1.2 D em gegenüber führt die R echtsvertreterin in der Eingabe vom (...) aus, der Beschw erdeführer sei psychisch krank und leide an Schizophrenie, w as laut klinischem W örterbuch ein Spaltungsirresein bedeute und von einem N e- beneinander von gesunden und veränderten Em pfindungen und Verhaltensw eisen gekennzeichnet sei. D ie Befragungsprotokolle w ürden Einblick in diese Krankheit geben; der Beschw erdeführer habe gespaltene Angaben zu Protokoll gegeben. D ie Vorinstanz habe die Aussagen des Beschw erdeführers einseitig gew ürdigt, da sie lediglich die Sequenz seiner Aussagen aus den Protokollen gew ürdigt habe, in w elcher er ausgesagt habe, er habe seine H eim at aus w irtschaftlichen G ründen verlassen, w ährenddessen sie die zu Protokoll gegebenen politischen Fluchtgrün- de - M itarbeit bei den M aoisten und G efangennahm e und M isshandlung durch die Polizei - in keiner Art und W eise gew ürdigt und aus diesem G rund den negativen Asylentscheid gefällt habe. Es liege im Bereich des M öglichen, dass der Ausbruch der Krankheit des Beschw erdeführers in lebensgeschichtlichen Bedingungen be- gründet sei und gerade die Krankheit für den W ahrheitsgehalt der Vorbringen des Beschw erdeführers spreche. D ie Fam ilie des Beschw erdeführers habe ihn dahin- gehend inform iert, dass er bei einer R ückkehr an Leib und Leben gefährdet w äre; dieses Argum ent in Zusam m enhang m it den Aussagen des Beschw erdeführers über die M itarbeit bei den M aoisten und die Festnahm en durch die Polizei verlan- ge nach einer genaueren Prüfung. Bezüglich der Ausw irkungen und Entw icklungen des m aoistischen Aufstandes in N epal verw eist der Beschw erdeführer auf Berichte der Schw eizerischen Flüchtlingshilfe (SFH ) vom D ezem ber 2005. D er Beschw er- deführer sei von den M aoisten in den Konflikt in N epal eingeführt w orden und heu- te an Leib, Leben und Freiheit gefährdet. D er Beschw erdeführer bestreitet w eiter, dass in N epal keine Situation der allgem einen G ew alt herrsche und führt dazu Länderberichte der Agence France-Presse vom 27. April 2006 und der BBC vom 28. April 2006 resp. 16. Juni 2006 an. Es sei nicht zum utbar, den Beschw erdefüh- rer in seine H eim at w egzuw eisen, da der Verdacht bestehe, dass er von der nepa- lesischen Arm ee gesucht w erde. Zudem bestünden Indizien, dass er auch von den M aoisten gesucht w erde, vor deren Verfolgung ihn der Staat nicht schützen könne und voraussichtlich auch gar nicht beschützen w olle. Eine W egw eisung sei unzu- m utbar, da nicht garantiert sei, dass der Beschw erdeführer in seiner H eim at die er- forderliche H ilfe für seine Krankheit erhalte, da er nebst regelm ässiger Einnahm e von M edikam enten eine dauerhafte ärztliche Begleitung und notfalls stationäre Be- handlung in einem für diese Krankheit spezialisierten Krankenhaus benötige. Zu-6 dem sei der Beschw erdeführer aufgrund seiner Krankheit absolut nicht in der Lage, sich selbst zu schützen. In den Befragungsprotokollen w erde ersichtlich, w ie seine Persönlichkeit im m er w ieder frem dgesteuert w erde. In der herrschenden po- litischen Lage N epals w äre es für die M aoisten w ie auch für die Sicherheitskräfte ein Leichtes, den Beschw erdeführer festzuhalten, und er w äre m it an Sicherheit grenzender W ahrscheinlichkeit Art. 3 EM R K zuw iderlaufenden Behandlungen aus- gesetzt. Zur Bestätigung der Identität des Beschw erdeführers w urden m it der Be- schw erdeeingabe 6 Faxkopien von Zeugnissen verschiedener Ausbildungen ins R echt gelegt. Zudem reichte die R echtsvertreterin einen ärztlichen Bericht vom (...) über die Behandlung des Beschw erdeführers in der psychiatrischen Klinik D ._______ vom (...) bis zum (...) ein. 4.1.3 D ie Vorinstanz führt in ihrer Vernehm lassung vom (...) aus, dass der Beschw erdeführer gem äss dem m it der Beschw erdeschrift eingereichten ärztlichen Bericht bei seinem Austritt bew usstseinsklar, ohne W ahngedanken und im W e- sentlichen unauffällig und kohärent gew esen sei. D as dem Beschw erdeführer bei seinem Austritt verschriebene M edikam ent sei in N epal erhältlich und könne allen- falls im R ahm en einer R ückkehrhilfe verm ittelt w erden. D ie gem äss Arztbericht er- folgte psychotherapeutische und pharm akologische Behandlung sei grundsätzlich auch in N epal gew ährleistet. Beispielsw eise biete das C entre for Victim s of Torture C VIC T in Kathm andu unter anderem adäquate m edizinische, psychologische und auch rechtliche H ilfe bei gesundheitlichen Problem en der vorgebrachten Art. D a- neben bestünden in N epal auch zw ei w eitere regionale Zentren dieser Art. D ie all- gem eine Lage in N epal habe sich entgegen den Ausführungen in der Beschw erde seit dem Entscheid w eiter verbessert. 4.1.4 In der Stellungnahm e vom (...) zur Vernehm lassung der Vorinstanz bringt die R echtsvertreterin des Beschw erdeführers vor, dass sie daran festhalte, dass der Beschw erdeführer in seiner H eim at keine adäquate H ilfe für seine Krankheit bekom m en könne. D er Beschw erdeführer sei aufgrund seiner Krankheit absolut nicht in der Lage, sich selbst zu schützen. W ürde er bei einer Festnahm e einen neuen Schub seiner Krankheit bekom m en, w ürde er m it an Sicherheit grenzender W ahrscheinlichkeit nicht behandelt w erden. Aufgrund seiner Krankheit w ürde er sich in W idersprüche verw ickeln und es w ürde ein Leichtes sein, ihn für lange Zeit festzuhalten, w enn nicht noch Schlim m eres geschehen w ürde. Auch bei einer Festnahm e durch M aoisten w ürde er keine adäquaten H andlungen zu seiner Verteidigung vollziehen können. Infolge seiner Krankheit, die jederzeit w ieder in eine Akutphase treten könne, sei er sow ohl von Seiten des Staates, w ie von Sei- ten der M aoisten an Leib, Leben und Freiheit gefährdet. D er Beschw erdeführer er- kläre, dass er auch gesucht w erde, w eil die Tötung seines O nkels F._______ in B._______ ihm angelastet w orden sei, obw ohl er diese nicht ausgeführt habe. Auch in diesem Zusam m enhang m üsse sich der Beschw erdeführer bei einem Vollzug der W egw eisung verteidigen können. D er Beschw erdeführer befürchte auch, der Lynchjustiz ausgeliefert zu sein, w as durch die heutigen U m stände in N epal im Bereich des M öglichen liege. Auch w enn sich die Lage in N epal, im Vergleich zu den letzten Jahren, etw as verbessert habe, sei die R ückschiebung gefährdeter Personen w ie vorliegend unzum utbar. D ie R echtsvertreterin führt zur U nterm auerung der Lageeinschätzung diverse BBC -N ew s-Berichte vom Septem ber 2006 zur Lage in N epal an. D ie M eldungen w ürden absolut nicht von 7 einer Stabilisierung der Lage in N epal zeugen. Angesichts dieser Lage sei es unzum utbar,den psychisch kranken Beschw erdeführer in dieses Land auszuw eisen. 4.2 N ach jüngstem ärztlichen Bericht vom (...) (A36/7), w elcher nach der Behandlung vom (...) bis zum (...) erstellt w urde, ist der Beschw erdeführer an paranoider Schizophrenie (IC D C ode: F 20.0) erkrankt. Eine langfristige m edikam entöse Therapie ist unum gänglich, die Krankheit bedarf ständiger Kontrolle. Eine akute Suizidalität und Frem dgefährdung w ird im ärztlichen Bericht verneint, hingegen w ird eine Selbstgefährdung nicht ausgeschlossen. Für das Bun- desverw altungsgericht bestehen keinerlei G ründe, an der ärztlichen D iagnose zu zw eifeln. Schizophrenie äussert sich laut D efinition des IC D -C odes w ie folgt: "D ie schizophrenen Störungen sind im Allgem einen durch grundlegende und charakte- ristische Störungen von D enken und W ahrnehm ung sow ie inadäquate oder ver- flachte Affekte gekennzeichnet. D ie Bew usstseinsklarheit und intellektuellen Fähig- keiten sind in der R egel nicht beeinträchtigt, obw ohl sich im Laufe der Zeit gew isse kognitive D efizite entw ickeln können. D ie w ichtigsten psychopathologischen Phä- nom ene sind G edankenlautw erden, G edankeneingebung oder G edankenentzug, G edankenausbreitung, W ahnw ahrnehm ung, Kontrollw ahn, Beeinflussungsw ahn oder das G efühl des G em achten, Stim m en, die in der dritten Person den Patienten kom m entieren oder über ihn sprechen, D enkstörungen und N egativsym ptom e. D er Verlauf der schizophrenen Störungen kann entw eder kontinuierlich episodisch m it zunehm enden oder stabilen D efiziten sein, oder es können eine oder m ehrere Epi- soden m it vollständiger oder unvollständiger R em ission auftreten. D ie paranoide Schizophrenie ist durch beständige, häufig paranoide W ahnvorstellungen gekenn- zeichnet, m eist begleitet von akustischen H alluzinationen und W ahrnehm ungsstö- rungen. Störungen der Stim m ung, des Antriebs und der Sprache, katatone Sym p- tom e fehlen entw eder oder sind w enig auffallend" (http://w w w .icd- code.de/icd/code/F20.0.htm l , zuletzt besucht am 23. August 2007). Aufgrund die- ser D iagnose stellt sich für das Bundesverw altungsgericht die Frage, ob der Be- schw erdeführer zum Zeitpunkt seiner Befragungen urteilsfähig w ar. D ieser Frage ist die Vorinstanz nicht nachgegangen. O bw ohl sich anlässlich der Befragung nicht ohne W eiteres H inw eise auf eine psychische Erkrankung ergeben haben dürften, w äre es für die Vorinstanz spätestens im Zeitpunkt der Entscheidfindung Pflicht gew esen, dieser Frage nachzugehen, lag doch zu dieser Zeit bereits die ärztliche D iagnose vor. D ie Frage der U rteilsfähigkeit des Beschw erdeführers beschlägt die Feststellung des Sachverhaltes in um fassender W eise; denn ohne die G ew issheit darüber, ob der Beschw erdeführer urteilsfähig w ar oder nicht, kann keine rechts- genügliche Sachverhaltsfeststellung ergehen, da seine Aussagen nicht ohne dies- bezügliche Berücksichtigung zur Feststellung des Sachverhaltes herangezogen w erden können. D ie Vorinstanz äussert sich nicht nur zur Frage der U rteilsfähig- keit in keiner W eise, sondern sie w ürdigt auch die Vorbringen des Beschw erdefüh- rers ohne jeglichen Bezug zu seiner Krankheit und einen allfällig dadurch beding- ten Einfluss auf sein Aussageverhalten. Lediglich die Aussage des Beschw erde- führers vom (...) (A29, S. 1), m it w elcher er angab, N epal nur w egen Arm ut und Arbeitslosigkeit verlassen zu haben, w ird zur abw eisenden Begründung des negativen Asylentscheides angeführt, ohne dass diese - unter Beachtung der offensichtlich eingeschränkten U rteilsfähigkeit - den früheren, w ie auch späteren 8 Aussagen, w onach er bei einer R ückkehr nach N epal verfolgt sei, gegenübergestellt w orden w äre. G leiches ergibt sich für die Frage der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges. D iesbezüglich führt die Vorinstanz an, der Beschw erdeführer verfüge über ein tragfähiges verw andtschaftliches Beziehungsnetz, w elches er nutzen könne, und stützt sich dabei w ohl auf die eine Aussage des Beschw erdeführers an der Em p- fangsstellenbefragung (A1, S. 2). D er Beschw erdeführer benötigt laut ärztlichen Berichten eine langfristige m edikam entöse Behandlung und regelm ässige psychiatrische Kontrollen. Er ist laut ärztlichem Bericht nicht arbeitsfähig und w äre deshalb kaum in der Lage, sich seinen Lebensunterhalt im H eim atstaat zu verdie- nen und sich die m edizinische und therapeutische H ilfe selbst zu finanzieren. Eine R ückkehr in den H eim atstaat setzt dem nach voraus, dass der Beschw erdeführer über ein fam iliäres U m feld verfügt, w elches ihm den Zugang zur m edizinischen und psychiatrischen Behandlung finanziell w ie auch praktisch erm öglichen kann. Zudem m uss auch der geografische Zugang zur Behandlung gegeben sein. D ie Vorinstanz geht davon aus, dass der Beschw erdeführer ein tragfähiges Bezie- hungsnetz hat, w elches er bei seiner R ückkehr nutzen kann, und dass die indizier- ten psychiatrischen Kontrollen sow ie die m edikam entöse Betreuung auch in N epal gew ährleistet sind. Zudem verw eist die Vorinstanz auf die m ögliche U nterstützung m ittels R ückkehrhilfe. H insichtlich seiner fam iliären Beziehungen sagte der Be- schw erdeführer zw ar aus, dass er aus B._______, D istrikt C ._______, stam m e, seine M utter noch dort lebe und dass zw ei Brüder in G ._______ seien (A1, S. 1 und 3), doch im Lichte seiner Krankheit und der nicht abgeklärten Frage der U rteilsfähigkeit ist diese Aussage für sich alleine nicht ausreichend. O hne eine einlässlichere Abklärung hinsichtlich seines Beziehungsnetzes in der H eim at kann nicht ohne W eiteres von einem tragfähigen Beziehungsnetz ausgegangen w erden. M ittels einer geeigneten Abklärung (Ergänzende Anhörung, N achinstruktion oder Botschaftsanfrage; letzteres drängt sich aufgrund der Sachlage am Ehesten auf) könnte allenfalls in Erfahrung gebracht w erden, ob seine Brüder tatsächlich in G ._______ leben. O b es für den Beschw erdeführer - auch m it einem allfällig vor- handenen fam iliären Beziehungsnetz - überhaupt m öglich w äre, eine regelm ässige psychiatrische Betreuung zw ischen B._______ und G ._______ aufrecht zu erhalten, ist ebenfalls fraglich, befindet sich der D istrikt C .______ doch in der W est-R egion und G ._______ in der Zentral-R egion. D arüber, w o sich die anderen beiden erw ähnten Zentren befinden sollen, w ie sich der Zugang zu diesen Zentren für den Beschw erdeführer gestaltet und ob die genannten Zentren über genügend Kapazitäten verfügen, äussert sich die Vorinstanz nicht. W eiter w iderspricht die pauschale Verneinung einer Suizidalität des Beschw erdeführers dem ärztlichen Bericht, in w elchem ausgeführt w ird, dass nicht von einer akuten Suizidalität auszugehen sei, eine Selbstgefährdung jedoch nicht ausgeschlossen w erden könne (A36, S. 2), und den erw iesenerm assen bereits vorhandenen Suizidabsichten des Beschw erdeführers (A32). D er Situation des Beschw erdeführers w ird auch dahingehend zu w enig R echnung getragen, als dass er bereits zw eim al m ittels einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung in psychiatrische Behandlung überführt w erden m usste (Frage der Selbst- und D rittgefährdung). Eine m ögliche Suizidalität m uss ebenfalls unter dem Aspekt der 9 Zum utbarkeit einer W egw eisung in Betracht gezogen w erden. D ie effektiven Behandlungsm öglichkeiten durch die von der Vorinstanz erw ähnten drei Kliniken (w obei nur die Eine nam entlich und örtlich erw ähnt w ird) sind ebenfalls nicht genügend abgeklärt. D ie Aktenlage lässt vorliegend w eder eine abschliessende Beurteilung darüber zu, ob der Beschw erdeführer über ein tragfähiges soziales N etz verfügt, m it w elchem ihm der effektive Zugang zur psychiatrischen und m edikam entösen Behandlung gew ährleistet ist, noch ob ihm die nötige Behandlung überhaupt zuteil w erden kann. D am it ist der Sachverhalt nicht genügend erstellt und die Begründungspflicht verletzt. O bw ohl bereits aufgrund obiger Ausführungen feststeht, dass die Vorins- tanz ihre Pflicht zur Feststellung des Sachverhalts w ie auch ihre Begründungs- pflicht verletzte, sei vorliegend anzum erken, dass sich dem Bundesverw altungsge- richt auch im H inblick auf die Frage der Zulässigkeit eines W egw eisungsvollzugs einige Fragen stellen, denn es ist nicht ohne w eiteres auszuschliessen, dass der Beschw erdeführer bei einer R ückkehr im Sinne von Art. 3 EM R K gefährdet w äre: Anlässlich den Befragungen vor der Vorinstanz führte der Beschw erdeführer an, dass er aufgrund seiner Tätigkeit für die M aoisten von der Polizei verhaftet und m isshandelt w orden sei (A1, S. 5 f.; A16, S. 6 ff.). Anlässlich seines Asylverfah- rens in D eutschland gab er ebenfalls eine ähnliche Begründung an (A27, S. 7). Zu- dem führte er anlässlich seines Asylverfahrens in D eutschland (A27, S. 7) sow ie in der R eplik zur Vernehm lassung der Vorinstanz (act. 7, S. 2) aus, dass er aufgrund der Tötung von einem einflussreichen Einw ohner in B._______ nam ens F._______ Problem e bekom m en w ürde und dass er Lynchjustiz befürchte. Auch die Frage ei- nes "real risk" bei einer W egw eisung nach N epal aufgrund seiner psychischen Er- krankung w äre eingehender abzuklären (EM AR K 2005 N r. 23 E. 5.1, S. 157 ff.). 5. 5.1 Aufgrund des Ausgeführten ergibt sich, dass die Vorinstanz m it ihrem selektiven Vorgehen den rechtserheblichen Sachverhalt nicht genügend erstellt und ihrer Ab- klärungs- und Begründungspflicht nicht genügend nachgekom m en ist. Es stellt sich die Frage, ob die festgestellte Verletzung des Anspruchs auf rechtliches G e- hör geheilt w erden kann oder zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen m uss. D as Bundesverw altungsgericht geht - w ie dies schon ständige Praxis ihrer Vorgängerin in Asylfragen, der AR K, w ar - davon aus, dass G ehörsverletzungen dank der um fassenden Kognition der Beschw erdeinstanz in bestim m ten Schran- ken geheilt w erden können; dies insbesondere unter den Voraussetzungen, dass die unterbliebene H andlung nachgeholt w ird und der Beschw erdeführer sich dazu hat äussern können. Eine sachgerechte Lösung im Sinne einer H eilung oder Kas- sation w ird sich entscheidend an der Schw ere der Verletzung einer Verfahrensvor- schrift, aber auch daran zu orientieren haben, ob die Verletzung auf einem Verse- hen beruht oder das R esultat einer gehäuften unsorgfältigen Verfahrensführung ist (EM AR K 2004 N r. 38 E. 7.1. S. 265; 1998 N r. 34 E. 10d S. 292 ff., je m it w eiteren H inw eisen). 5.2 Vorliegend geht es insbesondere um die Verletzung der Abklärungspflicht der Vor- instanz hinsichtlich der U rteilsfähigkeit des Beschw erdeführers, w elche schw er 10 w iegt, Ausw irkungen auf die Beurteilung der Zulässigkeit und der Zum utbarkeit des W egw eisungvollzugs hat und daher nicht heilbar ist. Ebenso w enig ist die H erkunft des Beschw erdeführers und sein fam iliäres U m feld sow ie die M öglichkeit der psychiatrischen und m edizinischen Betreuung rechtsgenüglich abgeklärt, w as ebenfalls schw er w iegt. Zudem ist die Vorinstanz zur Vornahm e der diesbezüglichen Abklärungen - beispielsw eise m ittels einer Botschaftsanfrage - besser in der Lage als das Bundesverw altungsgericht, w eshalb eine H eilung durch die R ekursinstanz nicht gerechtfertigt ist. 5.3 Zusam m enfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz dadurch, dass sie keine w eiteren Abklärungen im Sinne der Erw ägungen tätigte und dam it der Sachverhalt unklar geblieben ist, den Anspruch des Beschw erdeführers auf eine rechtsgenügli- che Sachverhaltsabklärung von Am tes w egen und auf Begründung und dam it sei- nen Anspruch auf rechtliches G ehör verletzt hat. Eine H eilung der G ehörsverlet- zung ist nicht m öglich, w eshalb der Entscheid aufzuheben und zur N eubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuw eisen ist. 6. N ach dem G esagten ist die Beschw erde gutzuheissen, die vorinstanzliche Verfü- gung vom (...) in den Punkten 4 und 5 des D ispositivs aufzuheben und das BFM anzuw eisen, im Sinne der Erw ägungen in der Sache neu zu entscheiden. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). 7.2 D em Beschw erdeführer ist angesichts des O bsiegens im Beschw erdeverfahren in Anw endung von Art. 64 Abs. 1 Vw VG eine Parteientschädigung für ihm erw achse- ne notw endige Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw al- tungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). D ie R echtsvertreterin w eist in ihrer Kosten- note einen Betrag von Fr. 1550.-- aus, w elcher sich aus einem zeitlichen Aufw and von insgesam t zehn Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 150.-- zuzüglich Barauslagen von Fr. 15.-- und D olm etscherkosten von Fr. 35.-- zusam m ensetzt. D ies erscheint dem G ericht als angem essen (Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 VG KE). D ie Parteientschädigung w ird deshalb auf Fr. 1550.-- festgesetzt.11 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird im Sinne der Erw ägungen gutgeheissen. 2. D ie Verfügung des BFM vom (...) w ird in den Punkten 4 und 5 des D ispositivs aufgehoben und das BFM angew iesen, in der Sache neu zu entscheiden. 3. Es w erden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. D ie Vorinstanz w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 1550.-- (inkl. Auslagen) auszurichten. 5. D ieses U rteil geht an: - die R echtsvertreterin des Beschw erdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) - die Vorinstanz, m it den Akten (R ef.-N r. N _______) - das Ausländeram t des Kantons E._______ (...) D er R ichter: D ie G erichtsschreiberin: Beat W eber C ontessina Theis Versand am :