<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2021.00088</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=221311&amp;W10_KEY=13013474&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2021.00088</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 26.05.2021</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Widerruf der Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Umstritten ist, ob aufgrund der geltend gemachten erlittenen ehelichen Gewalt ein nachehelicher Härtefall vorliegt und der Beschwerdeführerin ein Aufenthaltsanspruch zukommt.] Es ist rechtsgenügend glaubhaft gemacht, dass die Beschwerdeführerin Opfer ehelicher Gewalt geworden ist und es sich dabei nicht nur um einen einmaligen Vorfall handelte (E. 2-4). Wollte, mit der Vorinstanz, ein nachehelicher Härtefall aufgrund häuslicher Gewalt verneint werden, bedürfte die Frage des Vorliegens eines Widerrufsgrunds im Sinn von Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG weiterer Abklärungen. Diese erübrigen sich aber aufgrund der Gutheissung (E. 5). Gutheissung der Beschwerde. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: EHELICHE GEWALT">EHELICHE GEWALT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NACHEHELICHER HÃRTEFALL">NACHEHELICHER HÃRTEFALL</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=52642" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2021.00088</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">26. Mai 2021</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin <br/> Elisabeth Trachsel, Verwaltungsrichterin Viviane Sobotich, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin <br/> Linda Rindlisbacher.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A,<b> </b>vertreten durch RA B,</span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich,</span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Widerruf der Aufenthaltsbewilligung,</b></p> <b><span><br/> </span></b> <p class="MsoNormal"><b> </b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Die tÃ¼rkische StaatsangehÃ¶rige A, geboren im Jahr 1975, heiratete am 28. April 2013 den hier niedergelassenen tÃ¼rkischen StaatsangehÃ¶rigen C und reiste mit zwei mittlerweile erwachsenen SÃ¶hnen aus einer frÃ¼heren Beziehung in die Schweiz ein. Die erteilte Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann wurde regelmÃ¤ssig verlÃ¤ngert, letztmals bis am 5. Juli 2019. Im Jahr 2014 wurde die gemeinsame Tochter D geboren. Sie wurde in die Niederlassungsbewilligung des Vaters einbezogen. Kurz nach der Geburt wurde D der Obhut ihrer in der TÃ¼rkei lebenden Tante und Grossmutter mÃ¼tterlicherseits Ã¼bergeben.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Mit VerfÃ¼gung des Bezirksgerichts Dietikon vom 16. MÃ¤rz 2018 wurde eine Busse von Fr. 350.-, die A am 12. Dezember 2016 von der EidgenÃ¶ssischen Zollverwaltung (EZV) auferlegt worden war, unter Ansetzung einer zweijÃ¤hrigen Probezeit in eine elftÃ¤gige Ersatzfreiheitsstrafe umgewandelt.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Ab dem 1. MÃ¤rz 2018 wurde das Ehepaar von der Sozialhilfe unterstÃ¼tzt. Der Betreibungsregisterauszug des Betreibungsamts E vom 17. Mai 2018 bescheinigte A sieben Schuldscheine in HÃ¶he von insgesamt Fr. 95'171.95. Unter Hinweis auf die Schuldensituation wies das Migrationsamt am 20. Juni 2018 ein Gesuch von A um Erteilung der Niederlassungsbewilligung ab und wies darauf hin, dass der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung geprÃ¼ft werde, falls sie ihren Ã¶ffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen oder ihr Verhalten zu anderen Klagen Anlass geben sollte. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b>C wurde am 20. Juli 2018 im Rahmen von Gewaltschutzmassnahmen aus der ehelichen Wohnung weggewiesen. Seit dem 1. August 2018 lebt A mit ihren SÃ¶hnen in einer eigenen Wohnung. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>E. </b>Mit VerfÃ¼gung vom 11. April 2019 widerrief das Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung von A und wies sie aus der Schweiz unter Ansetzung einer Frist bis zum 10. Juli 2019 weg. Zudem stellte es das ErlÃ¶schen der Niederlassungsbewilligung der Tochter D fest. Am 17. Mai 2019 wurde die VerfÃ¼gung im Amtsblatt des Kantons ZÃ¼rich publiziert.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>Am 13. Juni 2019 gelangte A mit Rekurs an die Sicherheitsdirektion und beantragte die Aufhebung der VerfÃ¼gung des Migrationsamts vom 11. April 2019. Es sei vom Widerruf der Aufenthaltsbewilligung abzusehen und diese sei zu verlÃ¤ngern, alles unter entsprechender Kosten- und EntschÃ¤digungsfolge. Zudem sei ihr die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung zu bewilligen und eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Am 5. August 2019 reichte A unter anderem eine gleichentags ergangene BestÃ¤tigung des Sozialzentrums F ins Recht, wonach sie seit dem 1. August 2019 keine Sozialhilfe mehr beziehe. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b>Die Ehe wurde am 27. August 2020 geschieden. Das Urteil wurde am 22. September 2020 rechtskrÃ¤ftig.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b>Am 16. September 2020 wurde beim Bezirksgericht Dietikon gegen C Anklage wegen einfacher KÃ¶rperverletzung zulasten der Ehefrau, begangen am 28. Oktober 2014, und Drohung, begangen am 17./18. Juli 2018, erhoben. </p> <p class="Sachverhalt2"><b>E. </b>Am 16. Dezember 2020 wurde der Rekurs abgewiesen, soweit er nicht gegenstandslos geworden war. Die Gegenstandslosigkeit betraf den Rekursantrag gegen den Widerruf der bis am 5. Juli 2019 gÃ¼ltig gewesenen Aufenthaltsbewilligung, die mittlerweile durch Zeitablauf erloschen war. A wurde neu Frist zum Verlassen der Schweiz bis zum 31. MÃ¤rz 2021 angesetzt. Ihr Gesuch um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin wurde gutgeheissen.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">A gelangte mit Beschwerde vom 1. Februar 2021 an das Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des Rekursentscheids vom 16. Dezember 2020 und es sei von einem Widerruf der Aufenthaltsbewilligung der BeschwerdefÃ¼hrerin abzusehen bzw. ihre Aufenthaltsbewilligung sei zu verlÃ¤ngern, alles unter entsprechender Kosten- und EntschÃ¤digungsfolge. Weiter sei ihr die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung zu bewilligen und eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen. Die Vorinstanz verzichtete am 9. Februar 2021 auf eine Vernehmlassung. Am 8. MÃ¤rz 2021 reichte A eine Quittung des Betreibungsamts vom 3. MÃ¤rz 2021 ins Recht, wonach sie Fr. 1'000.- Schulden getilgt habe. Am 10. MÃ¤rz 2021 reichte das Migrationsamt eine Kopie des mit einem Rechtskraftstempel versehenen Urteils des Bezirksgerichts Dietikon vom 20. Januar 2021 ins Recht, wonach C einer strafbaren Handlung nicht schuldig sei. Eine Beschwerdeant­wort wurde nicht erstattet und es folgten keine weiteren Eingaben.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼berschreitung oder Ermessensunterschreitung und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden (§ 20 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Beantragt wird zwar, es sei "(â¦) von einem Widerruf der Aufenthaltsbewilligung der BeschwerdefÃ¼hrerin abzusehen (â¦)" bzw. ihre Aufenthaltsbewilligung sei zu verlÃ¤ngern. In der Beschwerdeschrift wird aber mit keinem Wort auf den zufolge Zeitablaufs schon im Rekursverfahren gegenstandslos gewordenen Antrag betreffend den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung eingegangen (Sachverhalt II/E). Es ist daher davon auszugehen, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin den Rekursentscheid nur anficht, soweit die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an sie infrage steht, nicht aber die von der Vorinstanz festgehaltene Gegenstandslosigkeit hinsichtlich des obsolet gewordenen Widerrufs.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>GemÃ¤ss Art. 43 Abs. 1 lit. a des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG) haben auslÃ¤ndische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung grundsÃ¤tzlich Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Nach AuflÃ¶sung der Ehegemeinschaft besteht der Aufenthaltsanspruch gemÃ¤ss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG fort, wenn die in der Schweiz gelebte Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und kumulativ die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfÃ¼llt sind. GemÃ¤ss letzterer Bestimmung sind bei der Beurteilung der Integration die Beachtung der Ã¶ffentlichen Sicherheit und Ordnung, die Respektierung der Werte der Bundesverfassung, die Sprachkompetenzen und die Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung zu berÃ¼cksichtigen. RechtsprechungsgemÃ¤ss ist eine erfolgreiche Integration unter anderem zu verneinen, wenn eine Person kein Erwerbseinkommen erwirtschaften kann, das ihren Konsum zu decken vermag, und wÃ¤hrend einer substanziellen Zeitdauer von Sozialleistungen abhÃ¤ngig ist, ohne dass sich die Situation wesentlich verbessert (BGr, 25. Juli 2019, 2C_221/2019, E. 2.2). Entscheidend ist, dass die auslÃ¤ndische Person fÃ¼r sich sorgen kann, keine (nennenswerten) Sozialhilfeleistungen bezieht und sich nicht (in nennenswerter Weise) verschuldet.</p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>2.3.1 </b>Davon unabhÃ¤ngig kann ein Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung nach AuflÃ¶sung der Ehe auch aufgrund wichtiger persÃ¶nlicher GrÃ¼nde gemÃ¤ss Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG gegeben sein. Ein so genannter nachehelicher HÃ¤rtefall im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b liegt gemÃ¤ss Abs. 2 derselben Bestimmung namentlich vor, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde. Erfasst ist nach der Rechtsprechung grundsÃ¤tzlich jede Form ehelicher bzw. hÃ¤uslicher Gewalt, sei sie physischer oder psychischer Natur (BGE 138 II 229 E. 3.3.3; BGr, 19. September 2018, 2C_165/2018, E. 2.1). HÃ¤usliche Gewalt bedeutet Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuÃ¼ben. Nicht jede unglÃ¼ckliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung rechtfertigt es, von einem nachehelichen HÃ¤rtefall im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG auszugehen (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.2). HÃ¤usliche Gewalt physischer oder psychischer Natur muss somit von einer gewissen Konstanz bzw. <i>IntensitÃ¤t</i> sein (vgl. BGr, 26. Mai 2016, 2C_777/015, E. 3.2 [diese ErwÃ¤gung nicht publ. in BGE 142 I 152, jedoch in Pra 106, 2017, Nr. 63]). Dabei ist eine GesamtwÃ¼rdigung vorzunehmen (BGE 138 II 229 E. 3.2.2). Die GewÃ¤hrung eines Aufenthaltsrechts fÃ¼r Opfer ehelicher Gewalt nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG soll verhindern, dass eine von ehelicher Gewalt betroffene Person nur deshalb in einer fÃ¼r sie objektiv unzumutbaren ehelichen Gemeinschaft verbleibt, weil die Trennung fÃ¼r sie nachteilige auslÃ¤nderrechtliche Folgen zeitigen wÃ¼rde (BGr, 20. Dezember 2019, 2C_842/2019, E. 4.4, auch zum Folgenden). Ausgehend vom dargelegten Normzweck ist fÃ¼r die Annahme eines nachehelichen HÃ¤rtefalls bei hÃ¤uslicher Gewalt vorauszusetzen, dass ein hinreichend enger Zusammenhang zwischen der ehelichen Gewalt und der Trennung besteht. Fehlt es an einem solchen Zusammenhang, ist nicht davon auszugehen, dass sich das Opfer von hÃ¤uslicher Gewalt in der fÃ¼r die Annahme des nachehelichen HÃ¤rtefalls vorausgesetzten Dilemmasituation befand, zwischen dem unzumutbaren Verbleib in der Ehe und der Beendigung des Aufenthalts in der Schweiz entscheiden zu mÃ¼ssen. </p> <p class="Erwgung3"><b>2.3.2 </b>Die auslÃ¤ndische Person trifft bei den Feststellungen des entsprechenden Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (Art. 90 AIG). Sie muss die eheliche Gewalt in geeigneter Weise glaubhaft machen (Arztberichte oder psychiatrische Gutachten, Polizeirapporte, Berichte/EinschÃ¤tzungen von Fachstellen [FrauenhÃ¤user, Opferhilfe usw.], glaubwÃ¼rdige Zeugenaussagen von weiteren AngehÃ¶rigen oder Nachbarn etc.). Allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen genÃ¼gen nicht (BGE 142 I 152 E. 6.2 = Pra 106 [2017] Nr. 63 E. 6.2). Wird hÃ¤usliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, mÃ¼ssen die <i>Systematik</i> der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert und beweismÃ¤ssig unterlegt werden. Nur in diesem Fall und beim Bestehen entsprechender BeweisantrÃ¤ge, die nicht in antizipierter BeweiswÃ¼rdigung abgewiesen werden kÃ¶nnen, wobei aber allfÃ¤lligen sachinhÃ¤renten besonderen Beweisschwierigkeiten Rechnung zu tragen ist, rechtfertigt es sich, ein auslÃ¤nderrechtliches Beweisverfahren durchzufÃ¼hren (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.3).</p> <p class="Erwgung3"><b>2.3.3 </b>GemÃ¤ss dem vom Bundesgericht erwÃ¤hnten, im Auftrag des EidgenÃ¶ssischen BÃ¼ros fÃ¼r die Gleichstellung von Frau und Mann erstellten Bericht vom Juni 2012 mit dem Titel "Beurteilung des Schweregrades hÃ¤uslicher Gewalt â Sozialwissenschaftlicher Grundlagenbericht" (nachfolgend: "Bericht") ist es nicht einfach, Formen von im intimen Rahmen erlittener hÃ¤uslicher Gewalt und Ãberwachung in bestimmte Kategorien zu fassen. Deshalb mÃ¼ssten die Nachforschungen begangene Taten, die vom Opfer empfundene Gewalt und deren GefÃ¤hrlichkeit sowie die Auswirkung auf die Person (hinsichtlich Gesundheit, EinschrÃ¤nkungen im tÃ¤glichen Leben) berÃ¼cksichtigen. Das Bundesgericht hielt fest, daraus habe die Rechtsprechung geschlossen, dass der Begriff der ehelichen Gewalt eine gewisse <i>IntensitÃ¤t</i> ausweisen mÃ¼sse (siehe E. 2.3.1) und seien bei psychischen ZwÃ¤ngen die <i>systematische</i> Misshandlung bzw. ihre Dauer und der dadurch entstandene Druck glaubhaft zu machen (siehe E. 2.3.2; zum Ganzen vgl. BGr, 2C_777/2015, E. 3.2 und E. 3.3 = Pra 106 [2017] Nr. 63, mit Hinweisen, unter anderem auf Bericht, S. 22). </p> <p class="Urteilstext">Der genannte Bericht weist darauf hin, dass hÃ¤usliche Gewalt in erster Linie mit physischer Gewalt gleichgesetzt werde, was das Problem jedoch nur mangelhaft erfasse. Gezieltes EinschÃ¼chtern und Abwertungen der Person, das Angstmachen und Ãussern von (Todes-)Drohungen, das Verbieten und systematische Unterbinden sozialer Kontakte und das Nachstellen und stÃ¤ndige Kontrollieren, Zurechtweisen und Bestrafen der Person gehÃ¶rten ebenso vorrangig zur hÃ¤uslichen Gewalt (vgl. Bericht S. 8). </p> <p class="Urteilstext">Genannt werden zwei Gewaltformen, nÃ¤mlich das "systematische Gewalt- und Kontrollverhalten" und das "situativ Ã¼bergriffige Konfliktverhalten". Kennzeichnend fÃ¼r das erste Gewaltmuster sei ein umfassendes, bestÃ¤ndiges Muster kontrollierender, einschrÃ¤nkender und machtmissbrauchender Verhaltensweisen, worunter unter anderem emotionaler Missbrauch und psychische Gewalt (drangsalieren, blossstellen, demÃ¼tigen, schlechtmachen, als dumm hinstellen, erniedrigen, beschimpfen, eifersÃ¼chtiges Verhalten, beschuldigen), Isolation, sexuelle Gewalt (Geschlechtsverkehr oder nicht konsensuale Praktiken erzwingen), Ã¶konomische Gewalt (Geld entziehen), Drohung, EinschÃ¼chterung und Angst machen gehÃ¶rten. In diesem Gewaltmuster kÃ¶nnten auch physische Ãbergriffe vorkommen (Bericht S. 8â10). Beim "situativ Ã¼bergriffigen Konfliktverhalten" stehe dagegen eine konkrete konfliktive Situation im Vordergrund, das heisst ein einzelnes, abgrenzbares Ereignis. Die Beteiligten wÃ¼rden sich grundsÃ¤tzlich als ebenbÃ¼rtig und eigenstÃ¤ndig/selbstÃ¤ndig wahrnehmen. Zu beachten sei, dass situativ Ã¼bergriffiges Konfliktverhalten in systematisches Gewalt- und Kontrollverhalten Ã¼bergehen kÃ¶nne (vgl. Bericht S. 11 f.). </p> <p class="Erwgung3"><b>2.3.4 </b>Da sich die BeschwerdefÃ¼hrerin auf einen nachehelichen HÃ¤rtefall beruft, ist als Erstes zu prÃ¼fen, ob ein solcher zu bejahen ist.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.1 </b>Zusammengefasst liess die BeschwerdefÃ¼hrerin vor Vorinstanz vorbringen, der Ehemann habe sie schon kurze Zeit nach der Eheschliessung immer Ã¶fters drangsaliert, kontrolliert und bedroht, insbesondere, wenn er betrunken gewesen sei. Er habe ein Ã¤usserst aggressives und bestimmendes Verhalten an den Tag gelegt, auch gegenÃ¼ber ihren SÃ¶hnen. Stets sei er es gewesen, der das Geld der Familie fÃ¼r seine eigenen Angelegenheiten verbraucht habe. Ihr und den SÃ¶hnen sei kaum genÃ¼gend Geld zum Essen geblieben. Er habe sie sogar dazu aufgefordert, bei der GeschÃ¤ftsfÃ¼hrerin seines (damaligen) Bistrobetriebs, mit der er offenkundig ein VerhÃ¤ltnis gehabt habe, um Geld fÃ¼r das Essen zu bitten. Weiter habe er ihr, der BeschwerdefÃ¼hrerin, bei jedem Streit gedroht, sie umzubringen und in den Fluss zu werfen. Mindestens dreimal habe er sie auch tatsÃ¤chlich mit seinem Messer, das er stets bei sich trage, bedroht. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.2 </b>Ein einschneidender Vorfall habe sich am 28. Oktober 2014 ereignet. Die hochschwangere BeschwerdefÃ¼hrerin habe sich ins Bistro begeben und den Ehemann um etwas Bargeld fÃ¼r das Essen gebeten. Dabei sei es zum Streit gekommen, weil sie, die BeschwerdefÃ¼hrerin, die genannte GeschÃ¤ftsfÃ¼hrerin nicht begrÃ¼sst habe. Der stark alkoholisierte Ehemann habe die BeschwerdefÃ¼hrerin massiv beschimpft, zu seinem Messer und einer Dreieck-Grillzange gegriffen und sie bedroht bzw. sie auch am Bein verletzt. Sie sei Ã¼berzeugt, dass er sie hÃ¤tte umbringen wollen, wÃ¤re die andere Frau nicht anwesend gewesen. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe die Flucht ergreifen kÃ¶nnen und habe sich mit den Ã¶ffentlichen Verkehrsmitteln in das Spital G begeben. Im Stress habe sie nÃ¤mlich Wehen bekommen und es sei ihr (Frucht?-)Wasser die Beine runtergelaufen. Im Spital habe sie eine tÃ¼rkischsprechende Hebamme bekommen. Jedenfalls habe das Spital mit Meldung vom 28. Oktober 2014 die zustÃ¤ndige KESB eingeschaltet. Am 3. November 2014 habe die Hebamme erneut der KESB angerufen und mitgeteilt, dass man sich Sorgen um die Mutter und die kleine Tochter D mache. Am 4. November 2014 habe auch die OberÃ¤rztin Ã¤usserste Bedenken geÃ¤ussert. SpÃ¤ter habe die BeschwerdefÃ¼hrerin aus Angst die Tochter zu ihrer Familie in die TÃ¼rkei gebracht. Die KESB habe daher das eingeleitete Kindesschutzverfahren abgeschrieben. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.3 </b>Auch der Vorfall vom Juli 2018, in welchem Zusammenhang Gewaltschutzmassnahmen ergriffen worden seien (Sachverhalt I/D), sei rechtsgenÃ¼gend nachgewiesen. Die GefÃ¤hrlichkeitseinschÃ¤tzung anhand des Ontario Domestic Assault Risk Assessment (ODARA), die im Anschluss an den Vorfall durchgefÃ¼hrt worden sei, habe beim Ehemann ein RÃ¼ckfallrisiko von 74 % ergeben, mithin die hÃ¶chst mÃ¶gliche Risikokategorie fÃ¼r Intimpartnergewalt innerhalb eines Beobachtungszeitraums von fÃ¼nf Jahren. Ein weiterer Vorfall habe sich drei Monate zuvor ereignet, was der Sohn mitbekommen habe. Er habe gesehen, wie der Ehemann seine Mutter mit dem Messer in der Hand bedroht habe.</p> <p class="Erwgung2">GemÃ¤ss der von der Staatsanwaltschaft I am 16. September 2020 erhobenen Anklage war dem Vorfall vom Juli 2018 folgender Sachverhalt zugrunde gelegen: Ca. am 17./18. Juli 2018, 15.00 Uhr, habe der Ehemann die BeschwerdefÃ¼hrerin an den Haaren gezogen und ihr die ausgezogene Klinge eines Taschenmessers an den Hals gehalten. Dabei habe er sich dahingehend geÃ¤ussert, sie umzubringen und in den Fluss zu werfen. Dadurch habe er sie in Angst und Schrecken versetzt, was er durch sein Tun denn auch gewollt bzw. in Kauf genommen habe. Zudem wurde auch der Vorfall vom 28. Oktober 2014 zur Anklage erhoben. Am 20. Januar 2021 wurde der Ehemann vom Bezirksgericht Dietikon, wie erwÃ¤hnt, freigesprochen.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.1.4 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin liess gegenÃ¼ber der Vorinstanz auch auf sexuelle NÃ¶tigungen bzw. Vergewaltigungen durch den Ehemann hinweisen. Wegen grosser SchamgefÃ¼hle sei es ihr lange schwergefallen, darÃ¼ber zu sprechen. AnlÃ¤sslich der Einvernahme vom 23. Mai 2019, der nur weibliche Personen beigewohnt hÃ¤tten, habe sie sich erstmals diesbezÃ¼glich geÃ¤ussert. Es kÃ¶nne ihr zumindest hinsichtlich der sexuellen MissbrÃ¤uche nicht zum Vorwurf gemacht werden, sich dazu nicht schon frÃ¼her detailliert geÃ¤ussert zu haben. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.1 </b>Die Sicherheitsdirektion hielt fest, die von der BeschwerdefÃ¼hrerin gegenÃ¼ber den BehÃ¶rden getÃ¤tigten Berichte betreffend die VorfÃ¤lle vom 28. Oktober 2014 und Juli 2018 kÃ¶nnten ein Indiz fÃ¼r die Richtigkeit ihrer Darstellung bilden. Sodann habe die Staatsanwaltschaft N am 20. Juli 2018 aufgrund ihrer Schilderung der Auseinandersetzung ein Rayon- und Kontaktverbot gegen den Ehemann verfÃ¼gt und es sei Anklage erhoben worden. Immerhin liege aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein erhÃ¤rteter Tatverdacht vor. Nichtsdestotrotz wÃ¼rden hinsichtlich der erhobenen VorwÃ¼rfe diverse Ungereimtheiten auffallen: So sei in den Berichten des Spitals G vom 28. Oktober 2014 bzw. 2. November 2014 nicht erwÃ¤hnt, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin wÃ¤hrend bzw. aufgrund der Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann am 28. Oktober 2014 Wehen bekommen und Fruchtwasser verloren habe. Vielmehr habe das Spital am 28. Oktober 2018 festgehalten, dass sie sich zwecks Terminkontrolle am errechneten Geburtstermin vorgestellt habe und sie drei Tage spÃ¤ter mit regelmÃ¤ssigen Wehen in die Frauenklinik eingetreten sei. Keiner der Berichte erwÃ¤hne zudem eine Stichverletzung am Bein. Es erscheine als unwahrscheinlich, dass die Ãrzte die Verletzung in Anbetracht, dass die Wunde geblutet habe, nicht gesehen hÃ¤tten. WidersprÃ¼chlich sei auch die Aussage der BeschwerdefÃ¼hrerin in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. Mai 2019, wonach die Ãrztin (lediglich) mitgehÃ¶rt habe, dass sie, die BeschwerdefÃ¼hrerin, ihrer Freundin vom Erlebnis mit dem Messer erzÃ¤hlt habe, die Ãrztin dagegen ausgefÃ¼hrt habe, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin der Hebamme wÃ¤hrend der Kontrolle von einer sehr schwierigen sozialen Situation berichtet habe. Insgesamt sei nicht evident, dass die damals diagnostizierten Panikattacken zwingend aufgrund ehelicher Gewalt (am 28. Oktober 2014) hervorgerufen worden seien. Ãberdies habe die BeschwerdefÃ¼hrerin eingerÃ¤umt, Medikamente, unter anderem das Beruhigungsmittel Temesta, einzunehmen, weil sie manchmal hÃ¶re, wie ihre Tochter weine. Auffallend sei sodann, dass sie am 19. Juli 2018 gegenÃ¼ber der Polizei lediglich eine zwei Monate vor der Befragung stattgefundene Messerattacke sowie eine wÃ¤hrend der Schwangerschaft im Jahr 2013 (die sowieso nicht im Jahr 2013 zu verorten sei) erfolgte Bedrohung mit dem Messer erwÃ¤hnt, die Beinverletzung vom 28. Oktober 2014 indessen verschwiegen habe. Erst vor der Staatsanwaltschaft habe sie den diesbezÃ¼glichen Tathergang geschildert. Gleiches gelte hinsichtlich des Einsetzens der Dreieckzange. Ungeachtet dieser Unstimmigkeiten habe sich der Messervorfall vom 28. Oktober 2014 in einem mehrmonatigen Zeitraum ereignet, indem die Eheleute getrennt gelebt hÃ¤tten. Somit habe der Vorfall vom 28. Oktober 2014 nicht zur Trennung des Ehepaars gefÃ¼hrt und hÃ¤tten sich die Eheleute danach wieder angenÃ¤hert, sodass jenes Ereignis keinen nachehelichen HÃ¤rtefall zu begrÃ¼nden vermÃ¶ge. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.2.2 </b>Hinsichtlich des Vorfalls vom 19. Juli 2018 sei festzuhalten, dass der Ehemann die Auseinandersetzung nicht bestritten, die vorgeworfene Drohung bzw. TÃ¤tlichkeiten aber in Abrede gestellt habe. Die Aussage der BeschwerdefÃ¼hrerin sei insofern inkonsistent, als sie am 19. Juli 2018 einerseits ausgesagt habe, der Ehemann habe ihr ein Messer an den Hals gehalten, andererseits ein Jahr spÃ¤ter gegenÃ¼ber dem Arzt aber angegeben habe, es seien ihr mit einem Messer KÃ¶rperverletzungen zugefÃ¼gt worden. GegenÃ¼ber der Staatsanwaltschaft habe sie am 23. Mai 2019 zu Protokoll gegeben, ihre SÃ¶hne seien wÃ¤hrend des Vorfalls vom 19. Juli 2018 am See spazieren gewesen, wÃ¤hrend ein Sohn am 19. Juli 2018 bei der Polizei ausgesagt habe, Ã¼ber die VorfÃ¤lle der letzten zwei Tage nichts Genaueres sagen zu kÃ¶nnen, da er wegen der Arbeit nicht zuhause gewesen sei. Weiter habe sie gegenÃ¼ber der Polizei am 19. Juli 2018 noch angegeben, geschlagen worden zu sein, was sie vor der Staatsanwaltschaft nicht mehr erwÃ¤hnt habe. Ihre Aussage, dass der Ehemann auch ihre Kinder geschlagen habe, habe der Sohn H am 19. Juli 2018 in Abrede gestellt, jedoch angegeben, dass jener ihn und seinen Bruder an den Armen gepackt, sie angeschrien und in ihre Zimmer oder nach draussen gezerrt habe. Insgesamt hielt die Vor­instanz die Aussagen des Sohnes fÃ¼r geeignet, um beim Ehemann ein gewisses Aggressionsverhalten zu belegen, womit sich aber nicht erhÃ¤rten lasse, dass der Ehemann die BeschwerdefÃ¼hrerin regelmÃ¤ssig und Ã¼ber einen lÃ¤ngeren Zeitraum hinweg gewalttÃ¤tig angegangen habe und sie bedroht habe. Der ODARA-Standardinterpretation stehe der Umstand entgegen, dass der Ehemann wÃ¤hrend seiner mehr als dreissigjÃ¤hrigen Anwesenheit in der Schweiz nie wegen hÃ¤uslicher Gewalt oder anderer Gewaltdelikte aufgefallen sei. Selbst wenn sich der Vorfall vom 19. Juli 2018 abgespielt hÃ¤tte, wÃ¼rde er fÃ¼r sich allein noch keinen Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG begrÃ¼nden. Es seien denn auch keine weiteren Gewalt- bzw. Bedrohungsvorkommnisse substanziiert dargelegt worden und auch in der Anklageschrift werde dem Ehemann keine kontinuierliche physische oder psychische Gewaltanwendung vorgeworfen. Zwar habe der Sohn H bestÃ¤tigt, dass der Ehemann vor ca. drei Monaten zur Mutter gesagt habe, sie solle das machen, was er gesagt habe, sonst wÃ¼rde er sie schneiden. Eine KÃ¶rperverletzung finde in den Akten jedoch keine StÃ¼tze, auch nicht in Arztberichten. Ausserdem habe die BeschwerdefÃ¼hrerin nie ein Frauenhaus aufgesucht und sei nie zur Polizei gegangen. Sodann hÃ¤tten die SÃ¶hne ab Erlangen der VolljÃ¤hrigkeit in den Jahren 2013 bzw. 2016 ein von ihr unabhÃ¤ngiges Aufenthaltsrecht, sodass ihre Aussage, beim Ehemann geblieben zu sein, um den SÃ¶hnen das Anwesenheitsrecht zu sichern, nicht nachvollziehbar sei. Aber auch das Vorbringen, die BeschwerdefÃ¼hrerin habe sich betreffend die sexuellen NÃ¶tigungen bzw. Vergewaltigungen erst anlÃ¤sslich der staatsanwaltlichen Einvernahme geÃ¤ussert, da nur Frauen anwesend gewesen seien, sei nicht schlÃ¼ssig. So habe sie das Geschlecht ihres (damaligen) Anwalts nicht daran gehindert, ihm von den angeblichen mehrfachen Vergewaltigungen zu erzÃ¤hlen. Insgesamt ergebe sich, dass die Voraussetzungen fÃ¼r die Anwendung der HÃ¤rtefallregelung nach Art 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 AIG nicht gegeben seien.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>In der Beschwerdeschrift wird festgehalten, die Schlussfolgerung der Vorinstanz widerspreche offensichtlich der Beweislage und grÃ¼nde auf einer missbrÃ¤uchlichen ErmessensausÃ¼bung, indem unter anderem unzweckmÃ¤ssige Argumente ins Feld gefÃ¼hrt worden seien. Betreffend den Vorfall vom 28. Oktober 2014 habe die BeschwerdefÃ¼hrerin nie angegeben, dass ihr eine tiefe Beinwunde zugefÃ¼gt worden sei. Sie habe auch ausgesagt, dass die Ãrzte die Beinverletzung nicht gesehen hÃ¤tten. Eine leichte Beinverletzung mÃ¼sse auch nicht notwendigerweise in einem Bericht Eingang finden, ebenso wenig, dass die Fruchtblase bereits geplatzt sei, was auch nicht ungewÃ¶hnlich sei. Auch habe die Vorinstanz verkannt, dass die erste Panikattacke der BeschwerdefÃ¼hrerin am 28. Oktober 2014 festgestellt und in Zusammenhang mit hÃ¤uslicher Gewalt gebracht worden sei. GegenÃ¼ber der Polizei und Staatsanwaltschaft habe sie Ã¼ber die erlebte Gewalt sehr detaillierte und lebensnahe Aussagen gemacht, woran nichts Ã¤ndere, dass sie sich bei ihren Einvernahmen in Bezug auf ein paar wenige Punkte nicht mehr genau erinnert bzw. durch die Ãbersetzung Ungenauigkeiten und Abweichungen resultiert hÃ¤tten. UnterstÃ¼tzt wÃ¼rden ihre Aussagen zudem durch Berichte und Aussagen von Drittpersonen. Dass sie nach der Geburt der Tochter im November 2014 weiterhin mit dem Ehemann zusammengelebt habe, lasse nicht die Schlussfolgerung zu, die Gewalt sei ertrÃ¤glich gewesen. Vielmehr habe die BeschwerdefÃ¼hrerin grosse Angst vor der Reaktion und den Drohungen des Ehemannes gehabt und auch vor den rechtlichen und faktischen Konsequenzen im Falle einer Trennung. </p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Wie ausgefÃ¼hrt, ist bei der PrÃ¼fung ehelicher Gewalt eine <i>GesamtwÃ¼rdigung</i> der Aussagen der Beteiligten und der diversen Berichte vorzunehmen (E. 2.3.1). Daran Ã¤ndert vorliegend nichts, dass der Vorfall vom Oktober 2014 und jene Berichte Jahre zurÃ¼ckliegen. Ebenso fÃ¼hrt die Tatsache, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin damals beim Ehemann blieb, nicht von vornherein zur Verneinung hÃ¤uslicher Gewalt im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 AIG, kann doch die Aufrechterhaltung der Ehe in gewaltbelasteten Beziehungen gerade Folge systematischer Gewaltanwendung sein (vgl. Bericht, S. 15). Jedenfalls sind die von der BeschwerdefÃ¼hrerin geschilderten Geschehnisse vom Oktober/November 2014 nicht nur aufgrund des Umstands, dass sie Jahre zurÃ¼ckliegen, auszublenden oder isoliert zu wÃ¼rdigen. Ebenso ist unerheblich, dass die Eheleute vor der Geburt der gemeinsamen Tochter wÃ¤hrend vier Monaten getrennt voneinander lebten, stand doch der Fortbestand der Ehe als solche nicht infrage (vgl. auch Art. 76 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 Ã¼ber Zulassung, Aufenthalt und ErwerbstÃ¤tigkeit [VZAE]). Der Ehemann hatte denn auch die gemeinsame Wohnadresse beibehalten und verschaffte sich nach Belieben Zutritt in die eheliche Wohnung. Die Eheleute lebten nach der Geburt der Tochter wieder im selben Haushalt.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.1 </b>Wie sich zeigen wird, vermag die BeschwerdefÃ¼hrerin in geeigneter Weise glaubhaft zu machen (vgl. E. 2.3.2), am 28. Oktober 2014 Opfer ehelicher Gewalt geworden zu sein. So ist gemÃ¤ss Ã¤rztlichem Bericht gleichen Datums an die KESB erstellt, dass sie an jenem Tag zur Terminkontrolle das Spital G aufsuchte und der Hebamme von der sehr schwierigen sozialen Situation erzÃ¤hlte. Die BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¤usserte, Angst vor dem aggressiven und gewalttÃ¤tigen Ehemann zu haben. Er leiste keine Unterhaltszahlungen, habe aber weiterhin Zugang zu ehelichen Wohnung und habe vor ein paar Tagen Geld von dort mitgenommen, das ihm nicht gehÃ¶re. Der Mann sei schon fÃ¼nfmal verheiratet gewesen und die letzte Frau habe sich in der jetzigen Wohnung erhÃ¤ngt. Die zustÃ¤ndige Ãrztin erachtete die Angelegenheit in ihrem Bericht als "dringend". Aus der Aktennotiz der KESB des Bezirks Dietikon vom 4. November 2014 ergibt sich weiter, dass die Hebamme am 3. November 2014 anrief und mitteilte, dass sie sich um die BeschwerdefÃ¼hrerin und die kleine Tochter Sorgen mache. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe Angst und wolle nach Hause. Sie habe auch Angst, ihren Mann um Geld zu fragen, da sie schon seit vier Monaten getrennt seien. Die KESB und die Hebamme besprachen sich dahingehend, dass, sollte der Ehemann zu Hause wiederauftauchen und die BeschwerdefÃ¼hrerin bedrohen, sie die Angaben der Polizei sowie des Frauenhauses habe. Am 4. November 2014 teilte die behandelnde Ãrztin der KESB mit, der Ehemann sei gestern um 21 Uhr erschienen, vom Spital aber abgewiesen worden, weil keine Besuchszeit gewesen sei. Ebenfalls am 4. November 2014 Ã¤usserte die OberÃ¤rztin ihre grÃ¶ssten Bedenken bezÃ¼glich des Kindeswohls. Eine Drittperson habe mitgeteilt, dass sich die Wohnung in einem desolaten Zustand befinde. Offenbar fand am 6. November 2014 ein Hausbesuch der KESB bei der Familie statt. In den Akten findet sich eine weitere Aktennotiz der KESB vom 10. November 2014, wonach I, Organisation J, den Eindruck der KESB teile, dass von der Familie einiges verheimlicht werde. Die Aussagen hÃ¤tten abgesprochen gewirkt. Die BeschwerdefÃ¼hrerin sei offenbar eingeschÃ¼chtert und abhÃ¤ngig von ihrem Ehemann. Eine AbklÃ¤rung werde kaum neue Erkenntnisse hervorbringen. Das Kind sei kaum akut gefÃ¤hrdet, handle es sich doch bei der BeschwerdefÃ¼hrerin um eine erfahrene Mutter. Sie selber sei aber mÃ¶glicherweise gefÃ¤hrdet. Weitere AnhÃ¶rungen des Elternpaars sollen am 20. Januar 2015 und 3. Februar 2015 stattgefunden haben. Am 20. Februar 2015 habe der Ehemann mitgeteilt, dass sich die BeschwerdefÃ¼hrerin in der TÃ¼rkei aufhalte. Aus einer weiteren Aktennotiz der KESB vom 3. MÃ¤rz 2015 ergibt sich, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin auf dem tÃ¼rkischen Konsulat gewesen sei. Sie habe Angst, dass der Ehemann ihr etwas antun kÃ¶nnte und sie habe das Baby in die TÃ¼rkei gebracht. Die BeschwerdefÃ¼hrerin habe sich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht getraut, (frÃ¼her) gegenÃ¼ber der KESB die Wahrheit zu Ã¤ussern. Weiter ist eine RÃ¼ckmeldung des tÃ¼rkischen Konsulats an die KESB notiert, wonach sich die BeschwerdefÃ¼hrerin entsprechende Schritte gegen ihren Mann erst noch Ã¼berlegen wolle. Es sehe so aus, als habe sie weiterhin grosse Angst vor ihrem Ehemann. Am 9. MÃ¤rz 2015 fand bei der KESB eine AnhÃ¶rung statt. Die BeschwerdefÃ¼hrerin sagte aus, beim Hausbesuch der KESB habe sie damals nicht die Wahrheit sagen kÃ¶nnen, da sie vor den Sanktionen ihres Mannes Angst gehabt habe. Sie habe Angst, wieder in die TÃ¼rkei geschickt zu werden. Sie sei die sechste Frau ihres Mannes, was sie vor der Hochzeit nicht gewusst habe. Die letzte Frau habe sich in der Wohnung umgebracht. Der Tochter gehe es gut, sie sei in der TÃ¼rkei. Der Ehemann habe kein Interesse am Kind, es sei ihm egal. Am 23. April 2015 schrieb die KESB das Verfahren betreffend kindesschutzrechtliche Massnahmen ab, da sich die Tochter D nicht mehr in der Schweiz befinde.</p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.2 </b>Allein die erwÃ¤hnten Dokumente weisen, bezogen auf den Zeitraum ab Herbst 2014 bis FrÃ¼hjahr 2015, auf eine Gewaltsituation im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 AIG hin. Sowohl FachkrÃ¤fte des Spitals G als auch der KESB hielten eine GefÃ¤hrdung der BeschwerdefÃ¼hrerin (und der Tochter) seitens des Ehemannes fÃ¼r mÃ¶glich, was die KESB denn auch dazu bewog, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten. Schon die finanzielle Lage, welche die BeschwerdefÃ¼hrerin damals schilderte, bildete ein gewichtiges Indiz fÃ¼r eine "Ã¶konomische" bzw. "finanzielle" Gewalt (vgl. Bericht S. 10, S. 21). Die diversen Dokumente sind naturgemÃ¤ss nur die sogenannte Spitze des Eisbergs, geben sie doch nur die Wahrnehmungen Aussenstehender wieder.</p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.3 </b>Am 19. Juli 2018, als die BeschwerdefÃ¼hrerin in Zusammenhang mit dem aktuellen Gewaltvorfall polizeilich befragt wurde, Ã¤usserte sie, der Ehemann sei schon unzÃ¤hlige Male gegen sie gewalttÃ¤tig geworden, so vor zwei Monaten. Ihre Kinder (die SÃ¶hne) hÃ¤tten viel darunter gelitten und seien mehrmals geschlagen worden. Die physischen Ãbergriffe bestÃ¼nden, seit er damals in â¦ das GeschÃ¤ft (ein Bistro) Ã¼bernommen habe. Auf die Frage, warum sie in den letzten fÃ¼nf Jahren nie zur Polizei gegangen sei, antwortete sie, weil sie grosse Angst gehabt habe. Weil er ihr immer wieder gesagt habe, falls sie gegen ihn eine Anzeige machen wÃ¼rde, wÃ¼rde sie mit den Kindern ausgeschafft werden. Zudem bejahte sie auf entsprechende Frage, dass der Ehemann gegen sie wÃ¤hrend der Schwangerschaft gewalttÃ¤tig geworden sei und seine Mitarbeiterinnen sie von ihm befreit hÃ¤tten. Bei der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 23. Mai 2019 fÃ¼hrte die BeschwerdefÃ¼hrerin unter anderem aus, ein allererster Vorfall mit einem Messer habe sich drei Tage vor der Geburt der Tochter ereignet. Sie habe im Bistro jene Frau nicht gegrÃ¼sst, was er beanstandet habe. Er habe gesagt, sie mÃ¼sse jene Frau begrÃ¼ssen, sie leite das GeschÃ¤ft. Wenn die Frau ihr Geld gebe, werde sie satt und wenn sie ihr kein Geld gebe, werde sie hungern. Sie, die BeschwerdefÃ¼hrerin, sei aber auch nicht ruhig gewesen und habe geschrien. Sie habe ihn angefleht und es hÃ¤tten die Wehen angefangen. Er sollte ihr zumindest Fr. 50.- oder 100.- geben, damit sie etwas essen kÃ¶nne . Er habe sie umbringen wollen. Wenn jene Frau nicht gewesen wÃ¤re, hÃ¤tte er sie, die BeschwerdefÃ¼hrerin, wirklich umgebracht. Jene Frau sei mit ihm zusammen gewesen. Aber in diesem Moment habe sie sich dank ihr retten kÃ¶nnen. Er habe beim Grill eine Dreieckzange gehabt und mit dem Messer habe er in ihr Bein gestochen. Er habe sie nicht voll gestochen. Nur der vordere Teil des Messers sei in ihr Bein gegangen. Das Fruchtwasser sei bereits gelaufen. In diesem Zusammenhang sagte sie: "Wie soll ich das sagen. Also wenn ich dem Mann in die Augen schaue, mache ich fast in die Hosen. Sie sei danach ins Spital G gegangen. Es sei auch die Polizei gekommen. Vom Spital aus habe man die KESB informiert.</p> <p class="Erwgung3"><b>4.2.4 </b>Die Jahre spÃ¤ter gemachten Aussagen der BeschwerdefÃ¼hrerin betreffend den Vorfall vom 28. Oktober 2014 erweisen sich insgesamt als schlÃ¼ssig und glaubhaft. Dass sie irrtÃ¼mlicherweise das Jahr 2013 anstatt 2014 nannte, mindert die Aussagekraft nicht. Sie sagte ja klar aus, dass sich der Vorfall ereignete, als sie hochschwanger war, sodass sich von selbst versteht, dass sie sich auf das Jahr 2014 bezog. Ihre Aussagen unterstreichen die Feststellungen in den frÃ¼heren Berichten und Notizen der diversen FachkrÃ¤fte. Ob die BeschwerdefÃ¼hrerin anlÃ¤sslich des Zusammenstosses vom 28. Oktober 2014 tatsÃ¤chlich erste Wehen bekam und Fruchtwasser verlor oder ob sie sich vor Angst "in die Hosen machte", braucht nicht nÃ¤her eruiert zu werden. Ebenso ist hier unerheblich, dass sie sich nach der Auseinandersetzung "nur" zur (regulÃ¤ren) Terminkontrolle in das Spital begab und in den Arztberichten keine Stichverletzung am Bein erwÃ¤hnt wurde bzw. sie gegenÃ¼ber dem Personal lediglich Ã¼ber ihre sehr schwierige soziale Situation (und nicht Ã¼ber den Messervorfall) berichtet habe. Jedenfalls lÃ¤sst sich daraus kein widersprÃ¼chliches Aussageverhalten der BeschwerdefÃ¼hrerin herleiten, das eine Verneinung der Gewaltsituation bzw. Relativierung der im Spital festgestellten Panikattacken rechtfertigen kÃ¶nnte. Wie dargelegt, erscheint allein schon der Umstand, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin hochschwanger im Bistro um Geld betteln musste, als glaubhaft und ist Ausdruck systematischer ehelicher Gewalt, woran insbesondere auch nichts Ã¤ndert, dass der Ehemann vom Bezirksgericht Dietikon freigesprochen wurde (<span>Marc Spescha in: derselbe et al., Kommentar Migrationsrecht, 5. A., ZÃ¼rich 2019, Art. 50 N. 27)</span>. An dieser Stelle ist zu erwÃ¤hnen, dass das Aussageverhalten des Ehemanns anlÃ¤sslich der polizeilichen Befragung vom 20. Juli 2018, also kurz nach dem Vorfall vom 17./18. Juli 2018 (siehe E. 3.1.3), befremdet. So antwortete er auf die Frage, ob er oft Streit mit seiner Frau habe: "Nein, wir haben nicht viel Streit. Ich will aber auch nicht mit Ihnen darÃ¼ber reden". Immerhin bestÃ¤tigte er, dass es bei den Streitigkeiten immer um Geld ging. FÃ¼r die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Ehefrau hinsichtlich der Gewaltsituation spricht auch die ODARA-Standardinterpretation, worauf zurÃ¼ckzukommen ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.1 </b>Nichts anderes ergibt sich bezÃ¼glich des Vorfalls vom 17./18. Juli 2018, wonach der Ehemann der BeschwerdefÃ¼hrerin unter Todesdrohungen eine Klinge an den Hals gehalten habe (E. 3.1.3). Es trifft zwar zu, dass die Aussagen der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht vollumfÃ¤nglich kohÃ¤rent waren, was sie selber zugab. So gab sie anlÃ¤sslich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 23. Mai 2019 bekannt, gegenÃ¼ber der Polizei gesagt zu haben, der Vorfall habe sich am Tag der Anzeige zugetragen. In Wahrheit sei das aber ein Tag vorher gewesen. Sie begrÃ¼ndete dies damit, ein Tag vorher sei der Polizeiposten zu gewesen. Sie sagte: "Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin schuldig". Ebenso trifft es zu, dass sie gegenÃ¼ber der Staatsanwaltschaft â anders als gegenÃ¼ber der Polizei â nicht mehr erwÃ¤hnte, die SÃ¶hne seien vom Ehemann geschlagen worden. Unklar ist sodann, wo genau sich die SÃ¶hne anlÃ¤sslich des letzten Gewaltvorfalls befanden. Insgesamt schilderte die BeschwerdefÃ¼hrerin die Gewaltanwendung durch den Ehemann jedoch detailliert und widerspruchsfrei. Er habe sie an den Haaren gepackt und gesagt, er werde sie umbringen und in den Fluss werfen. Gedroht habe er, nachdem er ihr das Messer an den Hals gehalten habe. Sie habe grosse Angst gehabt, sodass sie sich fast in die Hosen gemacht habe. Er habe sie zu sich gezogen und geflucht. Er habe gesagt, er wolle sie umbringen. Es sei ein Schweizer Taschenmesser gewesen. Sie habe gar nicht gesehen, wie er das Messer herausgenommen und wie er es geÃ¶ffnet habe. Er habe es ihr an den Hals gehalten. Sie habe die Klinge nicht gesehen. Sie habe gemerkt, wie er ihr das Messer an den Hals gehalten habe und dass der andere Teil rot war. Den Spitz habe sie nicht gesehen. Auf die Frage, ob sie verletzt worden sei, antwortete sie, sie sage nicht, dass der vordere Teil des Messers an ihrem Hals gewesen sei. Sie habe es nicht gesehen. Sie habe es am Fleisch gemerkt. Er habe ihren Kopf zu sich hingezogen. Das Messer sei am Fleisch gewesen. Sie habe den Anfang vom Messer gesehen. Sie sei am Hals nicht verletzt worden. Er habe nur sehr fest an ihren Haaren gezogen und sie habe sehr fest Angst gehabt. Weiter fÃ¼hrte sie aus, sie nehme schwere Medikamente, deshalb vergesse sie sehr vieles. Sie mÃ¶chte auch Dinge vergessen. </p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.2 </b>Der Sohn H bestÃ¤tigte am 19. Juli 2018 gegenÃ¼ber der Polizei, nicht zu Hause gewesen zu sein, als das passiert sei. Er kÃ¶nne aber sagen, dass der Ehemann ein sehr aggressiver Mann sei. Ihn und seinen Bruder habe er zwar nie geschlagen, aber angeschrien und in ihr Zimmer oder nach draussen gezerrt. Seine Mutter habe erzÃ¤hlt, dass er sie schon Ã¶fter mit dem Messer bedroht habe. Er selber habe gehÃ¶rt, wie der Ehemann seine Mutter mit dem Tode bedroht habe. Das letzte Mal sei vor ca. zwei, drei Monaten gewesen. Er selber habe nie Verletzungen bei seiner Mutter feststellen kÃ¶nnen. Einmal, vor ca. drei Monaten, sei der Ehemann mit einem Messer in der Hand ins Wohnzimmer gekommen, wo seine Mutter auf einer Couch gesessen sei, und habe gesagt, sie solle das machen, was er ihr aufgetragen habe, ansonsten er sie schneiden werde. Als seine Schwester zur Welt gekommen sei, sei der Ehemann ins Spital gegangen, mit ihm und seinem Bruder, und habe die Schwester genommen und so getan, als ob er sie aus dem Fenster werfen wolle.</p> <p class="Erwgung3"><b>4.3.3 </b>Es ist somit rechtsgenÃ¼gend glaubhaft gemacht, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin am 17./18. Juli 2018 erneut Opfer ehelicher Gewalt geworden ist und es sich dabei nicht nur um einen einmaligen Vorfall handelte. So bestÃ¤tigte der Sohn eine Gewaltsituation traumatisierenden Ausmasses, der seine Mutter sowie er und sein Bruder wÃ¤hrend Jahren ausgesetzt waren. Auffallend ist, dass â wie schon anlÃ¤sslich der Geburt der Tochter â erneut behÃ¶rdlich eingeschritten wurde. Es wurde ein Rayonverbot gegen den Ehemann erlassen und er wurde angeklagt. SpÃ¤ter wurde er freigesprochen. Der Freispruch bzw. die strafrechtliche WÃ¼rdigung, aber auch, dass er in den letzten dreissig Jahren nie wegen hÃ¤uslicher Gewalt oder anderer Gewaltdelikte aufgefallen sei, vermÃ¶gen jedoch die hier erforderliche Glaubhaftigkeit der Geschehnisse nicht infrage zu stellen. Die ODARA-Standardinterpretation attestierte jedenfalls eine hohe GefÃ¤hrlichkeitseinschÃ¤tzung. Auch wird der von der Vorinstanz erwÃ¤hnte Umstand, dass der Ehemann in den letzten dreissig Jahren wegen hÃ¤uslicher Gewalt oder anderer Gewaltdelikte nicht aufgefallen sei, durch die Notizen des Personals des Spitals G sowie der KESB relativiert (E. 4.2.1).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Dass vorliegend eine langandauernde hÃ¤usliche Gewaltsituation zugrunde lag und sich nicht "nur" zwei, drei isolierte Konfliktsituationen abgespielt haben, ergibt sich nicht nur aus den soeben erwÃ¤hnten Aussagen des Sohnes, sondern auch aus den glaubhaften Schilderungen der BeschwerdefÃ¼hrerin, so auch hinsichtlich nicht konsensualer Sexualpraktiken. Es ist notorisch, dass es Betroffenen schwerfÃ¤llt, darÃ¼ber nÃ¤her zu berichten. Insoweit ist es nachvollziehbar, dass sie gegenÃ¼ber der Polizei am 19. Juli 2018 dazu nichts sagte, wohl aber ihrem (mÃ¤nnlichen) Rechtsanwalt, der ja schon von Berufs wegen eine Vertrauensstellung einnahm. Jedenfalls taugt das Argument, das Geschlecht ihres Anwalts habe sie nicht daran gehindert, ihm von den angeblichen mehrfachen Vergewaltigungen zu erzÃ¤hlen, nicht, um die infrage stehende hÃ¤usliche Gewalt als unglaubhaft zu widerlegen. </p> <p class="Erwgung2">An dieser Stelle ist anzumerken, dass gemÃ¤ss dem Bericht betreffend die Beurteilung des Schweregrades hÃ¤uslicher Gewalt das Verhalten von hÃ¤uslicher Gewalt Betroffener als "inkonsequent" oder "nicht nachvollziehbar" beurteilt werden kann, unter anderem die RÃ¼ckkehr zum Partner, der RÃ¼ckzug der Strafanzeige, eine "verspÃ¤tete" Anzeige oder die zÃ¶gerliche Inanspruchnahme von Hilfe. Die RÃ¼ckkehr zum Partner kÃ¶nne aber Folge multipler AbhÃ¤ngigkeiten sein, in denen sich Ehefrauen befÃ¤nden. Die hÃ¤ufig als "Kreislauf der Gewalt" bezeichnete Dynamik zeichne sich nicht zuletzt dadurch aus, dass auf Gewaltanwendungen und Kontrollverhalten wiederholt Entschuldigungen und VersÃ¶hnungsangebote folgten, auf die wiederum erneute Dominanztaktiken und Ãbergriffe folgten. Auch wÃ¼rden Betroffene Ã¤usserst selten bereits nach dem ersten Vorfall Anzeige erstatten. Vielmehr versuchten sie â aus Scham, Verunsicherung, SchuldgefÃ¼hlen, die vom Partner hÃ¤ufig suggeriert wÃ¼rden, Nichtwahrhabenwollen des Vorfalls etc. â die Situation nicht Ã¶ffentlich zu machen. Solches ZÃ¶gern kÃ¶nne fÃ¤lschlicherweise als Hinweis auf Zweifel an der GlaubwÃ¼rdigkeit der Geschehnisse verstanden werden. Ebenso kÃ¶nnten die Barrieren fÃ¼r die Inanspruchnahme von Hilfe und UnterstÃ¼tzung vielfÃ¤ltig sein: Scham- und SchuldgefÃ¼hle, Banalisieren, Verleugnen, VerdrÃ¤ngen, ambivalente GefÃ¼hle, Angst vor gewalttÃ¤tigen Reaktionen des Partners bzw. Angst vor der nochmaligen Zunahme der Gewaltformen kÃ¶nnten Betroffene lange daran hindern, vom Partner wegzugehen (vgl. Bericht S. 14 ff.). </p> <p class="Urteilstext">Das Verhaltensmuster der BeschwerdefÃ¼hrerin entspricht den genannten Kriterien. Schon frÃ¼h hielt die KESB fest, den Eindruck zu haben, dass die Familie etwas verheimliche (E. 4.2.1). Auf eine Angstsituation deutet auch die Tatsache, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin aus SicherheitsgrÃ¼nden die neugeborene Tochter in die TÃ¼rkei brachte. Jedenfalls bestÃ¤tigte der Sohn, dass der Ehemann so getan habe, als ob er das Kind aus dem Fenster werfen wolle. Auch die KESB sah sich zum Einschreiten veranlasst. Damit ist aber auch plausibel, dass die im Spital festgestellten Panikattacken der BeschwerdefÃ¼hrerin in Zusammenhang mit der glaubhaft gemachten Gewaltsituation standen. Die Schilderungen der BeschwerdefÃ¼hrerin kÃ¶nnen daher nicht einfach auf die Einnahme von Medikamenten zurÃ¼ckgefÃ¼hrt werden. Vielmehr war die Einnahme von Beruhigungsmitteln eher die Folge der ehelichen Situation. Jedenfalls ist eine Ã¼ber Jahre andauernde hÃ¤usliche Gewaltsituation glaubhaft dargetan, selbst wenn gewisse Schilderungen der BeschwerdefÃ¼hrerin als Ã¼berzeichnet gewertet werden wollten.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.5 </b>Die Beschwerde ist damit gutzuheissen und es sind der Entscheid des Beschwerdegegners vom 11. April 2019 und der Rekursentscheid vom 16. Dezember 2020 teilweise aufzuheben. Der Beschwerdegegner ist anzuweisen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. </p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Wollte, mit der Vorinstanz, ein nachehelicher HÃ¤rtefall aufgrund hÃ¤uslicher Gewalt verneint werden, kÃ¶nnte sich die Frage des Vorliegens eines Widerrufsgrunds im Sinn von Art. 62 Abs. 1 lit. c AIG stellen, worauf der VollstÃ¤ndigkeit halber einzugehen ist. Nach dieser Bestimmung kann ein Widerrufsgrund bzw. ein Grund fÃ¼r die NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung setzen, wer erheblich oder wiederholt gegen die Ã¶ffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefÃ¤hrdet oder die innere oder Ã¤ussere Sicherheit gefÃ¤hrdet. GemÃ¤ss Art. 77a Abs. 1 lit. b VZAE ist dies namentlich bei mutwilliger NichterfÃ¼llung Ã¶ffentlich- oder privatrechtlicher Verpflichtungen anzunehmen. Die Schuldenwirtschaft allein genÃ¼gt fÃ¼r den Widerruf bzw. die Nichterneuerung eines Aufenthaltsrechts nicht. Die Verschuldung muss vielmehr selbst verursacht und dem Betroffenen qualifiziert vorwerfbar sein. Erforderlich ist zumindest ein erheblicher Ordnungsverstoss; ein solcher kann bereits in einer qualifizierten Leichtfertigkeit liegen. Die Mutwilligkeit ist nicht leichthin anzunehmen. Der Beweis dafÃ¼r obliegt der MigrationsbehÃ¶rde (vgl. BGr, 24. Juni 2019 2C_724/2018 E. 3.1, unter anderem mit Hinweis auf BGr, 7. MÃ¤rz 2018, 2C_789/2017, E. 3.3). Wurde bereits eine auslÃ¤nderrechtliche Verwarnung ausgesprochen, ist entscheidend, ob die auslÃ¤ndische Person danach weiterhin mutwillig Schulden angehÃ¤uft hat oder nicht. Dabei ist zu berÃ¼cksichtigen, dass â wer einem betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahren (insbesondere der LohnpfÃ¤ndung) unterliegt â zum Vornherein keine MÃ¶glichkeit hat, ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden zu tilgen. Das kann in solchen FÃ¤llen dazu fÃ¼hren, dass im Vergleich zu frÃ¼her weitere Betreibungen hinzukommen oder der betriebene Betrag anwÃ¤chst, ohne dass allein deswegen eine Mutwilligkeit angenommen werden darf. Von entscheidender Bedeutung ist, welche Anstrengungen der Betroffene zur Sanierung seiner Situation vorkehrt: Positiv ist zu wÃ¼rdigen, wenn vorbestandene Schulden abgebaut wurden; negativ fÃ¤llt ins Gewicht, wenn der Betroffene trotz Verwarnung sich weiterhin in vorwerfbarer Weise verschuldet (BGr, 2C_724/2018 E. 3.2, mit Hinweisen).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Die Vorinstanz hielt fest, im Zeitpunkt der AuflÃ¶sung der ehelichen Gemeinschaft habe die BeschwerdefÃ¼hrerin Verlustscheine von insgesamt Fr. 95'171.95 und offene Betreibungen von Fr. 71'568.90 gehabt. Trotz Mahnung der MigrationsbehÃ¶rde habe die BeschwerdefÃ¼hrerin weiter Schulden generiert, insbesondere auch an ihrem aktuellen Wohnort, wo sie seit 1. April 2019 lebe. So habe sie offene Betreibungen von Fr. 2'391.- und Verlustscheine von Fr. 504.85 erwirkt. Es kÃ¶nne ihr keine hinreichende Teilnahme am hiesigen Wirtschaftsleben attestiert werden, sei sie doch bei Beendigung der Ehegemeinschaft von der Sozialhilfe abhÃ¤ngig gewesen und habe sich erst per 1. August 2019 davon lÃ¶sen kÃ¶nnen, wobei dieser Schritt erst unter Druck des Wegweisungsverfahrens erfolgt sei. Namentlich weise sie Betreibungen der Krankenkasse auf. Sodann sei sie sprachlich ungenÃ¼gend integriert. Es sei von der Mutwilligkeit der Verschuldung auszugehen, kÃ¶nne sie doch nur fÃ¼r die Zeitspanne von Januar 2014 bis MÃ¤rz 2015 eine ErwerbstÃ¤tigkeit oder ArbeitsbemÃ¼hungen belegen und sei ihre Verschuldung teilweise auch auf mangelhaftes Legalverhalten zurÃ¼ckzufÃ¼hren. Was die verwaltungsstrafrechtliche Verurteilung vom 12. Dezember 2016 wegen Widerhandlungen gegen das Zoll- und Tabaksteuergesetz angehe, so sei diese zwar nicht zu bagatellisieren, es komme ihr aber auch nicht genÃ¼gend Gewicht zu, um eine erfolgreiche Integration infrage zu stellen.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼hrt dazu aus, wÃ¤hrend der Ehe habe sie fÃ¼r Schulden aus dem GeschÃ¤ftsbetrieb des Ehemannes mithaften mÃ¼ssen. Er habe sie gezwungen, die VertrÃ¤ge als solidarisch Mithaftende zu unterzeichnen. Am 14. MÃ¤rz 2016 sei sie bezÃ¼glich Fr. 71'489.10 betrieben worden. SpÃ¤ter seien gegen sie betreffend die gleiche, mittlerweile abgetretene Forderung, Verlustscheine im Betrag von Fr. 75'910.65 erwirkt worden. Diese ins Gewicht fallenden BetrÃ¤ge kÃ¶nnten ihr daher nicht angelastet werden. Aber auch fÃ¼r weitere in Betreibung gesetzte Forderungen, namentlich fÃ¼r Mietzinse und Steuern, habe sie ebenfalls solidarisch mitgehaftet. Diese BetrÃ¤ge kÃ¶nnten ihr hÃ¶chstens hÃ¤lftig angerechnet werden, sofern sie nicht ohnehin bereits abbezahlt worden seien. Sie habe nÃ¤mlich, trotz ihres tiefen Einkommens, viele Schulden durch Zahlungen ans Betreibungsamt getilgt und habe heute nicht mehr viele Altschulden offen. Die neueren Schulden an der aktuellen Wohnadresse gingen auf nicht bezahlte AHV-Forderungen fÃ¼r NichtberufstÃ¤tige zurÃ¼ck. Sie habe es leider versÃ¤umt, der SVA anzuzeigen, dass sie seit 2018 wieder erwerbstÃ¤tig sei. Sie werde der SVA Belege fÃ¼r ihre unselbstÃ¤ndige ErwerbstÃ¤tigkeit zustellen. Jedenfalls kÃ¶nne ihr keine Mutwilligkeit vorgeworfen werden. Sodann sei sie nach einem Sturz im Bus im Juni 2015 lÃ¤nger, Ã¤rztlich belegt, 100 % arbeitsunfÃ¤hig gewesen und habe ihre Stelle unverschuldet verloren. Nach ihrer Erholung habe sie zunÃ¤chst keine neue Stelle gefunden, was auch in Zusammenhang mit ihrer schlechten psychischen Verfassung gestanden sei. Seit Sommer 2019 gehe sie einer kÃ¶rperlich anspruchsvollen TÃ¤tigkeit im Reinigungsbereich nach. Daneben einen Deutschkurs zu besuchen, habe jedoch ihre KapazitÃ¤ten und geistigen und seelischen Ressourcen Ã¼berstiegen. Im Januar 2021 habe sie sich einer Unterleibsoperation unterziehen mÃ¼ssen und sei in diesem Zusammenhang von Oktober 2020 bis Dezember 2020 erneut vorÃ¼bergehend arbeitsunfÃ¤hig gewesen. Seit Dezember 2020 arbeite sie aber trotz Schmerzen wieder.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.4 </b>Fraglich ist, ob die Verschuldung der BeschwerdefÃ¼hrerin "qualifiziert vorwerfbar" wÃ¤re bzw. ihr eine Mutwilligkeit im Sinn der Rechtsprechung angelastet werden kÃ¶nnte (E. 5.1). Derzeit fehlte es am rechtsgenÃ¼genden Beweis und wÃ¤re die Sache, wÃ¤re die Beschwerde nicht sowieso gutzuheissen, zur weiteren PrÃ¼fung an die Vorinstanz zurÃ¼ckzuweisen. So ist kaum nachvollziehbar, inwieweit der BeschwerdefÃ¼hrerin bezÃ¼glich der im Betreibungsregisterauszug erscheinenden Positionen "K AG" Ã¼ber Fr. 71'489.10 bzw. des Verlustscheins der "Firma L" Ã¼ber Fr. 75'910.65 eine Mutwilligkeit attestiert werden kÃ¶nnte. Die Tragweite des Vertrags mit der K AG vom 5. Mai 2014 bzw. des Darlehensvertrags vom 10. Juli 2014 dÃ¼rfte sie kaum nachvollzogen haben. Dass sie diese VertrÃ¤ge Ã¼berhaupt unterschrieben hat, kÃ¶nnte ebenfalls auf ein Dominanzverhalten seitens des Ehemannes schliessen lassen. Jedenfalls unterzeichnete er selber die VertrÃ¤ge nicht in eigenem Namen, sondern als Gesellschafter und GeschÃ¤ftsfÃ¼hrer der "M GmbH". Der Ehemann antwortet denn auch der Polizei am 20. Juli 2018 auf die Frage, ob er VermÃ¶gen oder Schulden habe: "CHF 200'000.- bis 300'000.- aus einem frÃ¼heren GeschÃ¤ft (Restaurant)". Demnach dÃ¼rfte die Verschuldung zu einem erheblichen Teil darauf zurÃ¼ckzufÃ¼hren sein. Nicht rechtsgenÃ¼gend erstellt wÃ¤re zudem, inwieweit der BeschwerdefÃ¼hrerin eine ungenÃ¼gende Teilnahme am Wirtschaftsleben wÃ¤hrend der Ehe vorgeworfen werden kÃ¶nnte. So ist unter anderem eine lÃ¤ngere ArbeitsunfÃ¤higkeit zufolge eines Sturzes im Bus belegt. Ebenso ist erwiesen, dass der BeschwerdefÃ¼hrerin Antidepressiva verschrieben wurden, sodass die Frage der Teilnahme am Wirtschaftsleben sowie weiterer IntegrationsbemÃ¼hungen auch unter diesem Gesichtspunkt zu beleuchten wÃ¤ren. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgefÃ¼hrt hat, kommt indessen der verwaltungsstrafrechtlichen Verurteilung vom 12. Dezember 2016 wegen Widerhandlungen gegen das Zoll- und Tabaksteuergesetz nicht genÃ¼gend Gewicht zu, um eine erfolgreiche Integration infrage zu stellen. Insbesondere hat sich die BeschwerdefÃ¼hrerin mittlerweile von der Sozialhilfe lÃ¶sen kÃ¶nnen und Anstrengungen zum Schuldenabbau vorgenommen, was entsprechend zu gewichten wÃ¤re. Wie ausgefÃ¼hrt, erÃ¼brigen sich aber weitere diesbezÃ¼gliche AbklÃ¤rungen. Die BeschwerdefÃ¼hrerin scheint sich denn auch darÃ¼ber im Klaren zu sein, dass die FortfÃ¼hrung ihrer IntegrationsbemÃ¼hungen, namentlich in wirtschaftlicher Hinsicht, unabdingbar ist.</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>AusgangsgemÃ¤ss sind die Gerichtskosten dem Beschwerdegegner aufzuerlegen und steht der BeschwerdefÃ¼hrerin eine ParteientschÃ¤digung zu (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 65a Abs. 2 sowie § 17 Abs. 2 VRG). Diese wird fÃ¼r das vorliegende Verfahren auf Fr. 1'500.- festgesetzt.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>Die Verfahrenskosten des vorinstanzlichen Rekursverfahrens sind ebenfalls dem Beschwerdegegner aufzuerlegen. Dieser hat der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das vorinstanzliche Verfahren zudem eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- zu bezahlen, wobei diese ParteientschÃ¤digung an die bereits ausbezahlte EntschÃ¤digung an die als unentgeltliche RechtsbeistÃ¤ndin bestellte RechtsanwÃ¤ltin B anzurechnen ist. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrerin im Sinn von § 16 Abs. 4 VRG reduziert sich in diesem Umfang.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin beantragt auch fÃ¼r das vorliegende Verfahren die GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und des unentgeltlichen Rechtsbeistands. Nach § 16 Abs. 1 VRG ist Privaten, welchen die nÃ¶tigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, auf entsprechendes Ersuchen die Bezahlung von Verfahrenskosten und KostenvorschÃ¼ssen zu erlassen. Sie haben nach Abs. 2 derselben Bestimmung Anspruch auf die Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung, wenn sie nicht in der Lage sind, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren. Offensichtlich aussichtslos sind Begehren, bei denen die Aussichten zu obsiegen wesentlich geringer sind als die Aussichten zu unterliegen, und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden kÃ¶nnen (statt vieler VGr, 18. August 2016, VB.2016.0019, E. 5.). </p> <p class="Erwgung2"><b>6.4 </b>Da bei diesem Verfahrensausgang die Gerichtskosten dem Beschwerdegegner aufzuerlegen sind, ist das Gesuch um GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung als gegenstandslos geworden abzuschreiben, womit nur Ã¼ber das Gesuch um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin zu befinden ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.5 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist erwiesenermassen nicht in der Lage, fÃ¼r die Prozess- bzw. Vertretungskosten aufzukommen. Sie ist daher als mittellos zu betrachten. Die vorliegende Beschwerde erweist sich angesichts des Verfahrensausgangs nicht als offensichtlich aussichtslos und die BeschwerdefÃ¼hrerin ist offensichtlich auch nicht in der Lage, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren. Dem Gesuch um unentgeltliche RechtsverbeistÃ¤ndung ist deshalb zu entsprechen und der BeschwerdefÃ¼hrerin ist RechtsanwÃ¤ltin B als unentgeltliche RechtsbeistÃ¤ndin zu bestellen. Die im vorliegenden Verfahren eingereichte Honorarnote vom 4. Mai 2021 ist nicht zu beanstanden, weshalb RechtsanwÃ¤ltin B unter Anrechnung der zugesprochenen ParteientschÃ¤digung ein Honorar von Fr. 1'758.05 (Fr. 3'258.05 inkl. Barauslagen von Fr. 232.95 und Mehrwertsteuer] ./. Fr. 1'500.-) auszurichten ist. </p> <p class="Erwgung3">Die BeschwerdefÃ¼hrerin wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 16 Abs. 4 VRG). </p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Erwgung2">Das vorliegende Urteil kann mit Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) angefochten werden, soweit ein Rechtsanspruch auf eine fremdenpolizeiliche Bewilligung geltend gemacht wird. Andernfalls kann lediglich die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG wegen der Verletzung verfassungsmÃ¤ssiger Rechte ergriffen werden. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. <span>Das </span>Gesuch<span> um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung fÃ¼r das Beschwerdeverfahren wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.</span></span></p> <p class="Einzug2"><span>2. <span>Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung fÃ¼r das Beschwerdeverfahren wird gutgeheissen und der BeschwerdefÃ¼hrerin wird </span>in der Person von RechtsanwÃ¤ltin B eine unentgeltliche RechtsbeistÃ¤ndin bestellt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid der Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion vom 16. Dezember 2020 und die VerfÃ¼gung des Beschwerdegegners vom 11. April 2019 werden im Sinn der ErwÃ¤gungen teilweise aufgehoben. Der Beschwerdegegner wird angewiesen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Kosten des Rekursverfahrens werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Das Gesuch der BeschwerdefÃ¼hrerin um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung fÃ¼r das Rekursverfahren wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Rekurs-verfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- (inklusive Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Die an RechtsanwÃ¤ltin B bereits ausbezahlte EntschÃ¤digung in HÃ¶he von Fr. 5'361.75 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) ist daran anzurechnen. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrerin nach § 16 Abs. 4 VRG reduziert sich im Umfang von Fr. 1'500.- auf Fr. 3'861.75.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'570.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>9. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, der BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'500.- (Mehrwertsteuer inbegriffen) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>10. RechtsanwÃ¤ltin B wird fÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Verfahren im Mehrbetrag mit Fr. 1'758.05 (Mehrwertsteuer inklusive) aus der Gerichtskasse entschÃ¤digt. Die Nachzahlungspflicht der BeschwerdefÃ¼hrerin nach § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>11. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde im Sinn der ErwÃ¤gungen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>12. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>