B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-5543/2022 U r t e i l v o m 7 . D e z e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Einzelrichter Andreas Trommer, mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger; Gerichtsschreiberin Corina Fuhrer. Parteien 1. A._______, geboren am (…), 2. B._______, geboren am (…), 3. C._______, geboren am (…), 4. D._______, geboren am (…), Türkiye, Beschwerdeführende, alle vertreten durch Daniela Candinas, Rechtsschutz für Asylsuchende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 21. November 2022 / N (…). F-5543/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 ersuchten am 20. September 2022 in der Schweiz für sich und ihre beiden Kinder um Asyl. Ein Abgleich ihrer Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass sie am 1. September 2022 in Kroatie n in das Hoheitsgebiet der Dublin-Mitgliedstaaten eingereist waren und um Asyl ersucht hatten (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1 ff., 16, 18). B. Am 1. November 2022 gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden 1 und 2 für sich und ihre Kinder das rechtliche Gehör, unter anderem zur Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs- verfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat sowie zu ihrem Gesundheitszustand (SEM- act. 24, 26). C. Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen der Vorinstanz vom 3. November 2022 um Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 20 Abs. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla- ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied- staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol- gend: Dublin-III-VO) am 17. November 2022 gut (SEM-act. 28 f., 34 f.). D. Am 18. November 2022 reichten die Beschwerdeführenden bei der Vorinstanz Arztberichte vom 27 . Oktober 2022 und 31. Oktober 2022 be- treffend die Beschwerdeführerin 3 sowie einen Konsultationsbericht vom 28. Oktober 2022 betreffend die Beschwerdeführerin 2 ein (SEM- act. 43 f.). E. Mit Verfügung vom 21. November 2022 – eröffnet am 24. November 2022 – trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte die Beschwerdeführenden auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver- lassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Be- schwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und F-5543/2022 Seite 3 beauftragte den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung (SEM- act. 46 f.). F. Mit Rechtsmitteleingabe vom 1. Dezember 2022 (Datum Postaufgabe) ge- langten die Beschwerdeführenden 1 und 2 für sich und ihre Kinder an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf die Asylgesuche einzutreten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neube- urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vor- instanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbrin- gung von den kroatischen Behörden einzuholen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren und die Vorinstanz und die Vollzugs- behörden seien im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über die vorliegende Beschwerde von jeg- lichen Vollzugshandlungen abzusehen. Des Weiteren beantragten sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1). G. Am 2. Dezember 2022 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus (BVGer-act. 2). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs- gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu- ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden 1 und 2 sind für sich und ihre Kinder zur Beschwerdeanhebung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) . Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). F-5543/2022 Seite 4 2. 2.1. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess- lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtig e und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge- rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2. Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1. Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der/die Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) a ls zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi- gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -III-VO mehr statt. Die Zuständigkeit beziehungsweise die Verpflichtung des Mitglied- staates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C -583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). 3.3. Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts- titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, F-5543/2022 Seite 5 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen ( Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch – wie vorliegend – im Falle der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 2014, K. 19 zu Art. 20). 3.4. Vorliegend ergab ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerde- führenden 1 und 2, dass sie am 1. September 2022 in Kroatien aufgegriffen und daktyloskopisch erfasst worden waren. Gleichentags hatten sie ge- mäss Auszug aus der « Eurodac»-Datenbank Asylgesuche gestellt (vgl. Sachverhalt A). Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnah- meersuchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO frist- gerecht zu und wiesen darauf hin, dass das Zuständigkeitsverfahren von ihnen fortgeführt werde. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 hätten am 1. September 2022 ihren Willen zum Ausdruck gebracht, um internationa- len Schutz zu ersuchen, seien aber vor der Durchführung ihrer Befragung verschwunden. Damit sind sowohl die Antragsstellung in Kroatien als auch der Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für die Asylgesuche der Beschwerdeführenden zuständigen Mitgliedstaats ge- mäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen wur de und nach einer Rücküberstellung der Beschwerdeführenden fortgesetzt wird, als erstellt zu betrachten (vgl. Urteil des BVGer F -5023/2022 vom 23. No- vember 2022 E. 4.4 f. m.H.). Die Zuständigkeit Kroatiens ist somit grund- sätzlich gegeben, was von den Besch werdeführenden auf Beschwerde- ebene nicht mehr bestritten wird. 4. 4.1. Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU -Grund- rechtecharta mit sich bringen würden. 4.2. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wie- deraufnahmeverfahren liegen zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin- gungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstel- len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufwei- sen (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-3957/2022 vom 11. Oktober 2022 E. 5; F-5543/2022 Seite 6 F-4002/2022 vom 26. September 2022 E. 7.2; F-3903/2022 vom 16. Sep- tember 2022 E. 4; F-3448/2022 vom 22. August 2022 E. 6.2). Für eine Än- derung der Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der von den Be- schwerdeführenden gemachten Äusserungen zu ihrer Behandlung in Kro- atien keine Veranlassung. Folglich ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 5. 5.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Krite rien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti- siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu- manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III- VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vg l. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 5.2. Die Beschwerdeführenden vermögen nicht darzutun, dass die sie bei einer Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könn- ten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihnen zu- stehenden Aufnahmebedingungen könnten sie sich im Übrigen nötigenfalls an die kroatischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz be antragen [Auf- nahmerichtlinie]). Im Übrigen steht den Beschwerdeführenden die Möglich- keit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. Im Zusammenhang mit dem Kindeswohl ist festzuhalten, dass Kroatien Sig- natarstaat des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) ist, weshalb eine Überstellung nach Kroatien weder eine Verletzung von Art. 3 KRK noch Art. 3 EMRK bedeutet. 5.3. Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs- weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Eine vom EGMR definie rte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-F-5543/2022 Seite 7 schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel- staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichem Verschlechterung ihres Gesundheits zustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa- poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 5.4. Den Akten zufolge konsultierte die Beschwerdeführerin 2 am 27. Ok- tober 2022 aufgrund von Ängsten eine Ärztin der X._______ AG in Z._______, welche den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungs- störung, Angst und Depression festhielt. Sie überwies die Beschwerdefüh- rerin 2 an einen Psychiater und verschrieb ihr das Medikament Laitea (Konsultationsbericht vom 28. Oktober 2022 [SEM-act. 40]). Weiter geht aus den Akten eine notfallmässige Selbstvorstellung im Kantonsspital Y ._______ am 25. Oktober 2022 hervor wegen Veränderungen der Haut mit Juckreiz bei beiden Kinder n. Beim einjährigen Beschwerdeführer 4 wurde der Verdacht auf Stichreaktionen am Gesicht , Armen und Beinen sowie ein viraler Infekt, bei der zweieinhalbjährigen Beschwerdeführerin 3 der Verdacht auf ein impetiginisiertes Exanthem am rechten Unterarm, Sta- tus nach Varizellen (Windpocken), sowie der Verdacht auf atopische Der- matitis diagnostiziert. Beide wurden medikamentös behandelt (Arztberichte des Kantonsspitals Y ._______ vom 25., 27. und 31. Oktober 2022 [SEM- act. 41, 42]). Am 6. November 2022 war zudem bei beiden Kindern ein Atemwegsinfekt (beim Sohn zusätzlich anamnestisch Obstipation) festge- stellt und die entsprechende Medikation verordnet worden (Arztberichte des Kantonsspitals Y ._______ vom 7. November 2022 [SEM-act. 41, 42]). 5.5. Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Beschwerden stellen keine gravierenden Erkrankungen dar, welche in Kroatien nicht (weiter) behandelt werden könnten. Kroatien verfügt grundsätzlich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur (vgl. dazu Urteil des BVGer D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3). So kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführenden Zugang zur nötigen Unterstüt- zung erhalten können, zumal Kroatien aufgrund der Aufnahmerichtlinie ins- besondere auch zur Behandlung schwerer psychischer Störungen und ge- gebenenfalls zur psychologischen Betreuung verpflichtet ist. Im Übrigen wäre auch eine mögliche Schwangerschaft der Beschwerdeführerin 2, wie auf Beschwerdeebene angedeutet, kein Überstellungshindernis (vgl. etwa Urteil des BVGer D -1304/2021 vom 25. Mai 2021 E. 7.3.2.2). Vor diesem Hintergrund war die Vorinstanz auch nicht verpflichtet, individuelle Zusiche- rungen bezüglich des Zugangs zu adäquater medizinischer Versorgung F-5543/2022 Seite 8 einzuholen. Die Vorbringen der Beschwerdeführenden, wonach das spezi- elle Auffangzentrum für vulnerable Personen in Kroatien aktuell renoviert werde, vermag daran auch nichts zu ändern, zumal es sich dabei um ein zeitlich begrenztes Vollzugshindernis zu handeln scheint. Ausserdem wer- den die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte- nen Verfügung beauftragt sind, dem aktuellen Gesundheitszustand der Be- schwerdeführenden bei der Organisation der Überstellung nach Kroatien Rechnung tragen, indem sie die dortigen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin -III-VO vorgängig über den aktuellen Gesundheitszu- stand und die allenfalls notwendige medizinische Behandlung der Be- schwerdeführenden informieren werden. 5.6. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz bei der Anwendung von Art. 29 a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens- spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung durch die Vorinstanz zu entnehmen und es kann insbesondere nicht – wie in der Be- schwerde vorgebracht – von einer Ermessensunterschreitung ausgegan- gen werden. Für die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht kein Anlass; das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusam- menhang weiterer Äusserungen. 5.7. In Beachtung vorstehender Erwägungen liegt kein Grund für die An- wendung der Ermessensklausel von Art. 17 Dublin -III-VO beziehungs- weise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz verpflichtet, auf die Asylgesuche einzutreten, noch sind Rechtsfehler bei der Ermessens- betätigung ersichtlich. Die Vorinstanz ist daher zu Recht auf die Asylgesu- che der Beschwerdeführenden nicht eingetreten und hat die Überstellung nach Kroatien angeordnet. 6. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. Mit dem vorliegen- den Urteil fällt der am 2. Dezember 2022 angeordnete Vollzugsstopp da- hin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegen- standslos geworden. 7. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei- sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – von Anfang an als aussichtslos zu bezeichnen waren. Die Verfahrens- kosten sind den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 F-5543/2022 Seite 9 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 ff. des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-5543/2022 Seite 10 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän- dige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Andreas Trommer Corina Fuhrer Versand: