B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1500/2014 U r t e i l v o m 1 4 . D e z e m b e r 2 0 1 5 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, geboren am (…), Albanien, vertreten durch lic. iur. Susanne Gnekow, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Februar 2014 / N (…). E-1500/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Albanien am 29. Juni 2012 zusammen mit seinem Cousin mütterlicherseits, B._______ (N […], E-1494/2014). Am 3. Juli 2012 reiste er in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Die Vorinstanz befragte ihn am 19. Juli 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel zur Person (BzP). Dabei machte er geltend, er sei minderjährig und habe das Heimatland wegen einer drohenden Blutrache verlassen. Konkrete Vorfälle in der Sache habe er bislang nicht erlebt. Er wisse auch nicht, wer der Feind der Familie sei. B. Am 8. November 2012 hörte die Vorinstanz den Beschwerdeführer im Bei- sein seiner damaligen Rechtsvertreterin zu den Asylgründen an . Im We- sentlichen machte er geltend, seine Familie stehe wegen Landstreitigkei- ten in C._______ in einer Blutrache. Er wisse diesbezüglich nic hts Ge- naues; aber e ine Chance auf Versöhnung bestehe nicht. Im Jahre 1997 habe sein Cousin dritten oder vierten Grades väterlicherseits, D._______, anlässlich von Unruhen zwei oder mehr Menschen getötet. Für diese Tat sei D._______ verurteilt worden und habe bis 2012 seine Strafe abgeses- sen. In Zusammenhang mit der Tat von D._______ sei im Jahre 2008 ein Cousin seines Vaters, E._______, getötet worden. D._______ sei der Sohn eines Bruders von E._______. Weiter führte der Beschwerdeführer aus, auch er selbst sei in diese Blutrache verwickelt. Er sei mehrmals auf der Strasse zusammengeschlagen worden , wobei er einmal auch am Kiefer verletzt worden sei und zwei Zähne verloren habe. Er wisse nicht, wer die Täter seien, vermute aber die Familie F._______. Aus Angst ebenfalls ge- tötet zu werden, habe er zusammen B._______ Albanien verlassen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer die auf Aktenstück A17/1 aufgeführten Dokumente 1 bis 16 ein. C. Am 29. Mai 2013 ersuchte die Vorinstanz die schweizerische Botschaft in Pristina um Abklärung offener Fragen. Mit Schreiben vom 6. November 2013 unterbreitete die Vorinstanz dem Beschwerdeführer die Botschafts- anfrage sowie -antwort vom 3. August 2013, unter Abdeckung geheim zu haltender Passagen, zur Stellungnahme. Der Beschwerdeführer antwor- tete mit Schreiben vom 21. November 2013. E-1500/2014 Seite 3 D. Mit Verfügung vom 24. Februar 2014 stellte die Vorinstanz fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schw eiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. E. Mit Eingabe vom 20. März 2014 an das Bundesverwaltungsgericht bean- tragte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin, die Verfügung sei aufzuheben. Die Sache sei zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualtier sei er als Flüchtling anzuer- kennen, und es sei ihm Asyl zu erteilen. Subeventualiter sei ein Wegwei- sungshindernis festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewäh- ren. In prozessualer Hinsicht beantragte er, sein Verfahren sei mit demje- nigen seines Cousins B._______ zu koordinieren. Sodann sei ihm die un- entgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Auf die Auferlegung von Verfah- renskosten inklusive Kostenvorschuss sei zu verzichten und d ie Unter- zeichnete sei ihm als unentgeltliche Rechtsanwältin beizuordnen. F. Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2014 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie un- entgeltlichen Verbeiständung gut und setzte Rechtsanwältin Susanne Gne- kow als amtliche Beiständin ein. Sodann verzichtete die Instruktionsrichte- rin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und stellte fest, das Verfah- ren des Beschwerdeführers werde mit demjenigen seines Cousins koordi- niert. G. Am 1. Juli 2014 reichte der Beschwerdeführer zwei Bescheinigungen zu den Akten. H. Am 21. April 2015 heiratete der Beschwerdeführer eine portugiesische Staatsangehörige, welche in der Schweiz über eine Niederlassungsbewil- ligung C verfügt. In der Folge wurde dem Beschwerdeführer eine Aufent- haltsbewilligung B erteilt. E-1500/2014 Seite 4 I. Mit Schreiben vom 27. August 2015 fragte die Instruktionsrichterin den Be- schwerdeführer an, ob er an der Beschwerde, soweit sie durch die Ertei- lung der Aufenthaltsbewilligung nicht gegenstandslo s geworden sei, fest- halte oder diese zurückziehen wolle. Er liess sich diesbezüglich nicht ver- nehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen n ach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le- gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Be- schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen im Sinne von Art. 3 AsylG grundsätzlich Asyl. 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei- genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub- haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan- densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (Abs. 3). 3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in einem Entscheid dargelegt und folgt dabei E-1500/2014 Seite 5 ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch ab, da die Vorbringen des Beschwer- deführers weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG standhielten. Es sei davon auszugehen, dass ein gewisser Konflikt zwischen den Familien G._______ und F._______ bestehe. Indes sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine weitergehende und darüber hinaus reichende Verfolgungssituation glaubhaft zu machen. Es würden konkrete Hinweise fehlen, welche die Furcht vor einer real drohenden Ver- folgung als nachvollziehbar erscheinen liessen. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, die Abklärungen der Schweize- rischen Botschaft hätten ergeben, dass zwischen den Familien G._______ und F._______ möglicherweise ein Eigentumskonflikt bestehe, welcher in- des nicht als Blutrache bezeichnet werden könne. Die scheinbar stattge- fundenen Versöhnungsversuche seien unklar und die angeführten Drohun- gen zu vage, als dass sie der Realität entsprechen würden. Insbesondere sei niemand in der Lage gewesen, einen einzigen Namen der Familie an- zugeben, von der Gefahr ausgehe. Ferner würden weitere männliche Fa- milienmitglieder in H._______ leben. Bei der Bestätigung von Gjin Marku vom 19. Juli 2012, der Polizeibestätigung vom 24. März 2012 und der Be- stätigung der Gemeinde I._______ vom 18. Juli 2012 handle es sich um Gefälligkeitsschreiben. Weiter habe sich der Beschwerdeführer zu seiner Gefährdungssituation wi- dersprüchlich und zu wenig substant iiert geäussert. Anlässlich der BzP habe er im Gegensatz zur Anhörung einzig seine Angst vor einer Blutrache und weder konkrete Vorfälle noch einen Versöhnungsversuch angeführt. Hinzu komme, dass er die dargelegten Übergriffe zeitlich nicht habe ein- ordnen können, was umso mehr erstaune, als er in di esem Zusammen- hang eine Polizeibestätigung und ein Arztzeugnis als Beweismittel einge- reicht habe. Sodann habe er sich unvereinbar in Bezug auf die Vorsprache bei der Polizei geäussert und seine Aussagen würden teilweise nicht mit der eingereichten Polizeibe stätigung übereinstimmen. Deshalb seien der Polizeibestätigung vom 24. März 201 2 sowie dem Arztzeugnis vom 23. März 2012 jede Beweiskraft abzusprechen; dies umso mehr, als in Al- banien solche Dokumente leicht käuflich erworben werden könnten. Im Üb- rigen sei auffällig, dass der Beschwerdeführer den Inhalt der eingereichten E-1500/2014 Seite 6 Dokumente nicht kenne und bei einigen Fragen ausweich en und auf die Dokumente verweisen würde. Ein solches Verhalten bestätige die Vermu- tung, dass es sich bei den Dokumenten um Gefälligkeit sschreiben ohne Beweiswert handle. Ähnliches gelte hinsichtlich der Bestätigung der Ge- meinde I._______ vom 18. Juli 2012. Daran vermöge auch die Bestätigung von Gjin Marku, Präsident des Nationalen Versöhnungskomitees Albaniens (CNR), nichts zu ändern. Es sei offiziell bekannt, dass Gjin Marku in Miss- achtung seiner Funktion gegen Entgelt gefälschte Bestätigungen ausge- stellt habe. Auch wenn nicht alle vom Versöhnungskomitee ausgestellten Bestätigungen gefälscht seien, müsse beim vorliegenden Dokument von einer Fälschung respektive einem Gefälligkeitsschreiben ausgegangen werden. Folglich könne der Beschwerdeführer auch aus dem E -Mail von Gjin Marku nichts zu seinen Gunsten ableiten. Im Übrigen arbeite das Ver- söhnungskomitee nicht mit dem albanischen Staat zusammen, wie dies im Empfehlungsschreiben des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Geli ch- stellung vom 29. September 2009 festgehalten werde; mithin komme auch diesem Dokument kein Beweiswert zu. Sodann sei aus den Akten nicht ersichtlich, inwiefern das Schicksal des Geschäftsmannes E._______ mit dem des Beschwerdeführers verknüpft sei. Weder den in diesem Zusam- menhang eingereichten Berichten noch anderen öffentlich zugänglichen Quellen sei zu entnehmen, dass Blutrache das Motiv für das Attentat ge- wesen sei. Ähnliches gelte für das Schicksal von D._______. Diesbezüg- lich habe sich der Beschwerdeführer zudem unvereinbar bezüglich der An- zahl der von D._______ erschossenen Personen geäussert. Schliesslich sei festzustellen, dass mehrere männliche Familienangehö rige in H._______ leben würden. Bei dieser Sachlage könne die Frage der Schutzwilligkeit und -fähigkeit der albanischen Behörden offen bleiben. Einzig sei festzuhalten, dass der Bun- desrat Albanien als verfolgungssicheren Staat anerkannt habe. Schliess- lich seien keine Anhaltspunkte für die Annahme ersichtlich, dass die (be- fürchteten) Vergeltungsmassnahmen aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe erfolge, mithin seien die Befürchtungen des Beschwer- deführer objektiv nicht begründet. Schliesslich seien keine Anhaltspunkte für die Annahme ersichtlich, dass die (befürchteten) Vergeltungsmassnahmen aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe erfolgen würden, mithin seien die Befürchtungen des Beschwerdeführers objektiv nicht begründet. E-1500/2014 Seite 7 5. 5.1 Der Beschwerdeführer beantragt im Hauptbegehren, die Sache sei zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we- gen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlich en Beweismittel (Un- tersuchungsgrundsatz). Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be- rücksichtigt werden (BVGE 2008/43 E. 7.5.6, KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Ver- waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Ob die eingereichten Dokumente im Rahmen einer offizi- ellen Abklärung hätten überprüft werden müssen, stellt nicht eine Frage einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung dar, sondern eine solche der Beweiswürdigung (dazu nachstehend). Sodann hat die Vorinstanz, ent- gegen der in der Eingabe vertretenen Ansicht, keine grundsätzliche Pflicht, eingereichte Beweismittel offiziell überprüfen zu lassen. Im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung kann sie darauf verzichten, wenn eine sol- che aufgrund klarer Unstimmigkeiten in den Aussagen offensichtlich nicht geeignet ist, zu einem anderen Entscheid zu führen. Weitergehend macht der Beschwerdeführer nicht geltend, inwiefern der Sachverhalt unvollstän- dig festgestellt worden sein soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. Der An- trag auf Rückweisung an die Vorinstanz zur Feststellung des vollständigen Sachverhalts ist daher abzuweisen. 5.2 5.2.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe zu Unrecht ge- schlossen, es würden konkrete Indizien fehlen, welche die Furcht vor einer real drohenden Verfolgung nachvollziehbar erscheinen liessen. 5.2.2 Zunächst wird in der Rechtsmitteleingabe ausgeführt, der Botschafts- abklärung sei nicht zu entnehmen, dass die Befragten über den Zweck der Befragung und den Hintergrund der Befrage r informiert worden seien. Ebenfalls bleibe sie den Nachweis schuldig, dass die Befragten ihre Ant- worten verstanden hätten und letztere auch tatsächlich ihren Äusserungen entsprechen würden. Es gehe daher nicht an, diese Aussagen denjenigen des Beschwerdeführers gegenüberzustellen und daraus auf Unglaubhaf- tigkeitselemente zu schliessen. Aufgrund der Akten ist nicht ersichtlich, was die Befrager konkret kommunizierten, wird doch bei solchen Abklärungen E-1500/2014 Seite 8 regelmässig kein Protokoll erstellt. Solches ist auch gesetzlich nicht vorge- sehen. Insoweit kann im Vorgehen der schweizerischen Botschaft keine Verletzung von Bundesrecht erblickt werden. Weiter besteht für das Gericht grundsätzlich keine Veranlassung, die Vorgehensweise der Botschaft und die Korrektheit ihrer Abklärungen in Frage zu ziehen. Allein aus dem Um- stand, dass die Befragten nach der Befragung beunruhigt waren, vermag der Beschwerdeführer sodann nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 5.2.3 Zur Klärung seiner widersprüchlichen und vagen Aussagen verweist der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe zunächst auf seine Min- derjährigkeit anlässlich der Erstbefragung. Damals war er 17 Jahre und acht Monate alt, mithin knapp volljährig. Insoweit vermag er aus diesem Hinweis offensichtlich nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Wäre er so- dann anlässlich der Erstbefragung tatsächlich verwirrt und verängstigt ge- wesen, wäre dies vom Befrager entsprechend vermerkt worden. Solch es ist dem Protokoll indes nicht zu entnehmen. Auch lassen sich dem Dialog zwischen dem Befrager und dem Beschwerdeführer keine Hinweise dafür entnehmen, dass Letzterer in irgendeiner Weise durcheinander oder ver- ängstigt gewesen wäre. Dass er von seiner Familie sodann nie richtig über die Fehde informiert worden sei, ist ihm selbst anzulasten. Von einem Asyl- suchenden, der wegen einer derart schwerwiegenden Streitigkeit seine Fa- milie und die Heimat verlässt, darf ohne Weiteres erwartet werden, dass er gewisse Kenntnisse über die Hintergründe des angeführten Konfliktes und der sich für ihn daraus ergebenden Gefährdungslage hat. Inwiefern dies vor den länderspezifischen Gegebenheiten realitätsfremd sein soll, ist sei- tens des Gerichts nicht nachvollziehbar und wird in der Eingabe auch nicht näher ausgeführt. Gleiches gilt hinsichtlich des Einwandes, die verwirren- den Aussagen des Beschwerdeführers seien Hinweis auf eine typisch län- derspezifische Verfolgung und kein Indiz gegen die Glaubhaftigkeit. Zu- sammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die von der Vorinstanz aufgezeigten Unstimmigkeiten auszuräumen. 5.2.4 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz habe die ein- gereichten Beweismittel zu Unrecht in antizipierter Würdigung als irrelevant bewertet. Im Rahmen einer offiziellen Abklärung hätte festgestellt werden müssen, ob die eingereichten Dokumente die asylrelevante Gefährdung belegen oder Gefälligkeitsschreiben seien. Es trifft nicht zu, dass die Vor- instanz die Beweismittel antizipiert ( vorweggenommen) gewürdigt hat. Vielmehr hat sie sich in der angefochtenen Verfügung im Rahmen der Be- weiswürdigung zu den einzelnen eingereichten Dokumenten hinreichend E-1500/2014 Seite 9 geäussert. Namentlich hat sie festgehalten, gemäss der Botschaftsabklä- rung handle es sich bei der Bestätigung von Gjin Marku vom 19. Juli 2012, der Polizeibestätigung vom 24. März 2012 und der Bestätigung der Ge- meinde I._______ vom 18. Juli 2012 um Gefälligkeitsschreiben. Bezüglich der Polizeibestätigung vom 24. März 2012 hat sie fest gestellt, der Be- schwerdeführer habe sich im Verlaufe des Verfahrens unvereinbar darüber geäussert, ob er oder sein Vater bei der Polizei vorgesprochen habe. Auf die Unvereinbarkeit der Aussagen hingewiesen, habe er daran festgehal- ten, nie bei der Polizei vorgesprochen zu haben, zumal er damals verletzt im Bett gelegen habe. Diese Aussagen wiederum widersprechen offen- sichtlich der polizeilichen Bestätigung, wonach der Beschwerdeführer per- sönlich dort erschienen sei. Darüber hinaus weist die Polizeibestätigung gemäss Abklärungen der Botschaft einen unzulässigen Aufdruck auf. In Anbetracht dieser Unstimmigkeitsmerkmale bestehen ernsthafte Zweifel an der Echtheit der Polizeibestätigung. In engem Zusammenhang mit der Polizeibestätigung steht das Arztzeugnis vom 23. März 2012 . Darin wird beim Beschwerdeführer eine Fractura mandibulae (Unterkieferfraktur) di- agnostiziert und ausgeführt, der Patient werde nicht stationär im Kranken- haus behandelt und die nächste Kontrolle sei in sechs Monaten. Die Schwere der Verletzung ist offensichtlich nicht vereinbar mit der angezeig- ten medizinischen Behandlung. Insoweit bestehen auch erhebliche Zweifel an der Echtheit des Arztzeugnisses. Als weiteres Beweismittel hat der Beschwerdeführer eine Bestätigung der Gemeinde I._______ vom 8. Juli 2012 eingereicht. Gemäss Abklärungen der Botschaft ist der Unterzeichnende dieser Bestätigung kein Angestellter der Gemeinde. Damit bestehen auch an der Authentizität dieses Doku- ments ernsthafte Zweifel. Betreffend die Bestätigung von Gjin Marku vom 19. Juli 2012 hat die Vor - instanz festgestellt, dass gegen diesen ein Prozess eingeleitet worden sei, da er in Missachtung seiner Funktion als Präsident des Nationalen Versöh- nungskomitees und gegen Entgelt gefälschte Bestätigungen ausgestellt habe. Weiter führte sie aus, auch wenn nicht davon ausgegangen werden könne, dass alle Bestätigungen des Nationalen Versöhnungskomitees ge- fälscht seien, sei vorliegend von einer Fälschung beziehungsweise einem Gefälligkeitsschreiben auszugehen. Dieser vorinstanzliche Schluss ist in Würdigung der unglaubhaften Vorbringen des Beschwerdeführers sowie der gefälschten Beweismittel ohne Weiteres zulässig, zumal der Beschwer- deführer mit der Rechtsmitteleingabe nichts Stichhaltiges vorbringt, was diesen in Frage ziehen könnte. Was das als weiteren Beleg dienende, von E-1500/2014 Seite 10 Gjin Marku an die Rechtsvertreterin gesendete E-Mail vom 22. November 2013 betrifft, so ist allgemein bekannt, dass ein E -Mail beim Beantworten und Weiterleiten jedesmal beliebig veränderbar ist. Insoweit ist der Beweis- wert eines E-Mails als gering einzustufen. Vorliegend hat denn auch der Beschwerdeführer nur das Antwortmail von Gjin Marku an seine Rechtsan- wältin und nicht auch die Anfrage derselben als Beweismittel eingereicht. Darüber hinaus ist das Antwor tmail allgemein formuliert und widerspricht unter anderem den persönlichen Angaben des Vaters des Beschwerdefüh- rers (vgl. Botschaftsantwort). Vor diesem Hintergrund vermag der Be- schwerdeführer aus dem E-Mail von Gjin Marku vom 22. November 2013 nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Insgesamt bestand bei dieser Sach- lage keine Veranlassung zur weiteren Überprüfung der vorgenannten Be- weismittel. 5.2.5 Weitergehend nimmt der Beschwerdeführer zu den vorinstanzlichen Erwägungen in der angefochtenen Verfügung nicht Stellung, wiederholt den aktenkundigen Sachverhalt und hält an dessen Richtigkeit fest. Damit legt er indes nicht dar, inwiefern die Vorinstanz Bundesrecht verletzt haben soll. Um diesbezüglich Wiederholungen zu vermeiden, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung ver- wiesen werden. 5.3 Der Beschwerdeführer hat somit nichts vorgebracht, das geeignet wäre, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. An diesem Schluss vermögen auch die beiden auf Beschwerdeebene ein- gereichten Bestätigungen nichts zu ändern. Zudem besteht b ei dieser Sachlage auch keine Veranlassung, J._______ als Auskunftsperson zu be- fragen. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. Die Vorinstanz hat dem- nach das Asylgesuch zu Recht abgelehnt 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung verfügte der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilli- gung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegwei- sung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; BVGE 2013/37 E-1500/2014 Seite 11 E 4.4; 2009/50 E. 9). Zwischenzeitlich hat der Beschwerdeführer eine über eine Niederlassungsbewilligung C verfügende Ausländerin geheiratet und ist seit dem 6. August 2015 im Besitze einer Aufenthaltsbewilligung B. Da- mit ist die Beschwerde soweit die verfügte Wegweisung sowie den Vollzug der Wegweisung betreffend gegenstandslos geworden. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist. 8. 8.1 Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2014 hat die Instruktionsrich- terin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut- geheissen. Dem Beschwerdeführer sind daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 8.2 Mit gleicher Verfügung hat die Instruktionsrichterin auch das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gutgeheisse n und Rechtsanwältin Susanne Gnekow als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Die amtliche Rechtsbeiständin hat mit der Rechtsmitteleingabe eine provi- sorische Kostennote (20. März 2014) in der Höhe von Fr. 1'310. – einge- reicht. Sie weist darin einen zeitlichen Aufwand von sieben Stunden sowie Pauschalspesen in der Höhe von Fr. 50.– aus. Für die Eingabe vom 1. Juli 2014 und 2. November 2014 können weitere zwei Stunden veranschlagt werden. Total ergibt sich damit ein zeitlicher Aufwand von neun Stunden. Indes ist die vorliegende Beschwerdeschrift über weite Teile hinweg iden- tisch mit der Rechtsmitteleingabe betreffend den Cousin B._______. Ebenso ist das Schreiben vom 1. Juli 2014 gleichlautend. Es rechtfertigt sich daher, den gesamten zeitlichen Aufwand von neun Stunden um zwei- einhalb auf sechseinhalb Stunden zu kürzen. Ausgehend von einem Stun- denansatz von Fr. 180. – und der Ausgabenpauschale von Fr. 50.– ergibt dies ein amtliches Honorar von total Fr. 1'210.–. Dieser Betrag ist der amt- lich eingesetzten Rechtsbeiständin, Rechtsanwältin Susanne Gnekow, vom Bundesverwaltungsgericht auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1500/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandlos gewor- den ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin, Rechtsanwältin Susanne Gnekow, wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 1'210.– aus- gerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Barbara Balmelli