Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. Juli 2021 (810 20 267) ____________________________________________________________________ Sozialhilfe Wiedererwägung/Rechtsverweigerung/Wohnkosten Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Jgnaz Jermann, Niklaus Ruckstuhl , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch B.____ , c/o C.___ _ GmbH gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Sozialhilfebehörde D.____, Beschwerdegegnerin Betreff Wiedererwägung, Wohnungskosten, Motorfahrzeug (RRB Nr. 1501 vom 3. November 2020) A. A.____ wurde ab dem 1. Januar 2014 von der Sozialh ilfebehörde D.____ (SHB) unter- stützt. Angesichts der bevorstehenden Herabsetzungen des Gr undbedarfs um 30 % ab Januar 2019 aufgrund von Pflichtverletzungen und von immer wie der auftauchenden Zweifeln und Fra- gen zum Umgang von A.____ mit ihren Finanzen veranlasste die SHB am 20. Dezember 2018 die Einreichung einer Gefährdungsmeldung bei der Kin des- und Erwachsenenschutzbehörde Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht E.____ (KESB). Zudem beantragte die SHB, es sei die E rrichtung einer Finanzbeistandschaft für die am XX.XX.2011 geborene Tochter, F.____, zu p rüfen. Die KESB lehnte den Antrag am 8. Januar 2019 ab. B. Anlässlich eines Gesprächs mit A.____ am 20. Mai 20 19 erfuhr die SHB, dass der Toch- ter seit dem 1. Januar 2019 keine Ergänzungsleistungen m ehr ausgerichtet wurden. Im Jahr 2018 betrugen diese monatlich Fr. 880.--. Mit Schreib en vom 13. Juni 2019 und vom 28. September 2019 gelangte die SHB an A.____ mit v erschiedenen Fragen zwecks Abklärung der Wiederaufnahme von F.____ in die Sozialhilfe bzw. Prüfung der Einstellung der Unterstüt- zung infolge unklarer Bedürftigkeit. C. Nachdem die Autokosten schon mehrmals Gegenstand von Anfragen und Anweisungen an A.____ gewesen waren, beschloss die SHB mit Verfügun g vom 18. Juni 2019 unter ande- rem, dass A.____ ab 1. Juli 2019 pro gefahrenen Kilome ter Fr. 0.70 vom Grundbedarf abgezo- gen werde. D. Mit Verfügung vom 21. Oktober 2019 wurde die Unter stützung von A.____ per 31. Okto- ber 2019 aufgrund unklarer Bedürftigkeit eingestellt. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Hilfe ihres Psychotherapeuten am 7. November 2019 Einspr ache bei der SHB. Mit Einsprache- entscheid vom 12. November 2019 hiess die SHB die Einsprache teilweise gut (Ziff. 1). Gemäss Ziff. 2 und 3 des Dispositivs wurde A.____ die Möglichkei t eingeräumt, die geforderten Unterla- gen bis spätestens am 5. Dezember 2019 beim Sozialdien st der Gemeinde D.____ einzu- reichen, wobei ausgeführt wurde, dass an der Einstellung der Sozialhilfe festgehalten werde, bis die angeforderten Unterlagen eingetroffen seien und geprüft werden könnten. Dieser Ein- spracheentscheid blieb unangefochten. Am 5. Dezember 201 9 reichte A.____ diverse Unterla- gen ein und beantwortete die Fragen gemäss den Schrei ben vom 13. Juni 2019 und vom 28. September 2019. E. Die KESB errichtete mit Verfügung vom 18. Februar 2020 für A.____ eine Vertretungs- beistandschaft im Sinne von Art. 394 i.V.m. Art. 395 des Schweizeri schen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 und ernannte B.____, c/o C.____ GmbH, zum Beistand. F. Nachdem der Beistand erstmals mit E-Mail vom 21. Febr uar 2020 die SHB um Wieder- erwägung bzw. Ausrichtung von Sozialhilfe an A.____ und um Zustellung der Akten ersucht hatte, stellte er am 19. März 2020 und am 26. März 20 20 einen rückwirkenden Antrag auf Sozi- alhilfe für A.____ ab August 2019 und für die Tochte r ab Januar 2019 im Sinne einer Wiederer- wägung. Zeitgleich reichte er diverse von der SHB angeforderte Unterlagen ein. G. Am 30. April 2020 verfügte die SHB Folgendes: "1. Frau A.____ wird - unter Nichteintreten auf ihre n Antrag auf Wiedererwägung - rückwirkend ab dem 1. April 2020 und für die Dauer von vorerst 6 Monat en in die Unterstützung aufgenommen. Die mo- natliche Unterstützung beträgt CHF 1'681.45 (= Unterstützungsbedarf) abzüglich Einnahmen. 2. (…). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. (...). 4. Aufgrund der laufenden Renten- und Ergänzungslei stungen wird die Tochter infolge genügender Eigenfinanzierung nicht in die Unterstützung aufgenommen. 5. Frau A.____ wird angewiesen, innert sechs Monate n nach Rechtskraft dieser Verfügung eine Woh- nung zu angemessenen Kosten zu finden. Widrigenfalls wird die Herabsetzung der Unterstützung geprüft. 6. Frau A.____ wird verpflichtet, jeweils bis späte stens am 15. des laufenden Monats die mit dem ihr zur Verfügung gestellten Motorfahrzeug gefahrenen Kilometer mittels Foto des Kilometerzählers an- zugeben. Sollte dies nicht geschehen, wird die Behörde einen angemessenen Beitrag festlegen, der sich an den Kilometerleistungen der letzten 28 Monate orientiert. 7. ( ... )." H. Am 10. Mai 2020 erhob A.____, nachfolgend immer vertreten durch ihren Beistand B.____, gegen diese Verfügung Einsprache. Zur Begründung wurde ausgeführt, der SHB seien sowohl die Anmeldung bei der Invalidenversicherung (IV) vom 27. November 2017 als auch die psychischen Einschränkungen von A.____ bekannt gewesen, wesh alb am 12. Dezember 2018 und 22. Juli 2019 entsprechende Gefährdungsmeldungen a n die KESB ergangen seien. Eben- falls sei die SHB darüber in Kenntnis gewesen, dass die IV am 9. April 2018 eine Abklärung über die Beeinträchtigungen im Haushalt durchgeführt habe und dass Dr. med. G.____, Fach- arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, seit Jahren ihr behandelnder Psychiater sei. Trotz dieser Informationen sei es der SHB nicht gelungen, ei nen angemessenen Umgang zu finden. Auch die Zusammenarbeit mit dem bestehenden Helferne tz sei nicht angemessen geführt wor- den. Dies habe schliesslich im Sommer 2019 zu einer Kaskad e von Verfügungen geführt, was schliesslich in der Einstellung der Unterstützung geendet habe. Die einzelnen Schritte zwischen der Androhung einer Kürzung des Grundbedarfs bis hin zur Einstellung der Unterstützung seien nicht schrittweise erfolgt, sondern alle beinahe zeitgl eich. Ohnehin sei die Einstellung der Un- terstützung per 31. Oktober 2019 nicht rechtskräftig, da ihr die SHB mit Einspracheentscheid vom 12. November 2019 eine letzte Frist zur Einreichung der Unterlagen gewährt habe. Sie habe alle geforderten Unterlagen am 5. Dezember 2019 eingereicht. Diese seien allerdings erst mit der Verfügung vom 30. April 2020 gewürdigt worden. Aufgrund der zu vermutenden Rechts- verweigerung habe sie in ihrer Notlage Hilfe bei Drit ten gesucht bzw. einen Kredit aufgenom- men. Ausserdem sei die Tochter ebenfalls in die Unterstü tzungseinheit aufzunehmen, da sie seit dem 1. Januar 2019 keine Ergänzungsleistungen mehr v om Vater erhalte. Zu den Mietkos- ten wurde erläutert, dass es ihr aufgrund der gesundhei tlichen Belastung nicht zumutbar sei, eine günstigere Wohnung zu suchen. Zum einen bestünden b ereits Betreibungen aufgrund der fehlenden Sozialhilfe, zum anderen gebe es wenig Wohnr aum für einen Betrag von Fr. 1'000.-- inkl. Nebenkosten für zwei Personen. Auch sei ihre Tochter in der Schule integriert. Folglich sei auf eine Mietzinskürzung oder eine Fristansetzung zur S uche einer günstigeren Wohnung zu verzichten. Zudem äusserte sie sich zur Nutzung des Motorfahrzeugs und machte geltend, dass ihr für die Zeit vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezemb er 2019 keine Leistungen Dritter ange- rechnet werden dürften. Des Weiteren sei unter Berücksi chtigung der seit dem 1. Januar 2020 gefahrenen Kilometer ein monatlicher Abzug von Fr. 135.- verhältnismässig. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Entscheid vom 4. Juni 2020 trat die SHB auf de n erneuten Antrag auf Wiedererwä- gung nicht ein und hiess die Einsprache teilweise gut, soweit sie darauf eintrat (Ziff. 1). Die An- rechnung der effektiven Mietkosten in der Höhe von Fr. 1'209.-- wurde abgelehnt. Es würden wie bisher die maximalen Mietkosten im Grenzwert von Fr. 1'000.-- für einen 2-Personen Haus- halt, hälftig also Fr. 500.--, angerechnet werden (Zi ff. 2). Die Verpflichtung, eine günstigere Wohnung zu suchen, wurde vorerst zurückgestellt (Ziff. 3) . An der Berechnung der Kilometer- kosten (Fr. 0.70/km) hielt die SHB weiterhin fest. Der Antrag von A.____, die Kosten mit Fr. 0.30/km zu berechnen, wurde abgewiesen (Ziff. 4). Zur Wiedererwägung führte die SHB aus, es seien keine Wiedererwägungsgründe ersichtlich, d ie ein Eintreten auf das Wiedererwä- gungsgesuch rechtfertigen könnten. Selbst wenn sie auf den Antrag eingegangen wäre, sei nicht ersichtlich, inwiefern es A.____ nicht möglich gewe sen sein sollte, ihre Mitwirkungspflicht wahrzunehmen. Dass A.____ aufgrund eines psychischen Schwä chezustandes nicht in der Lage gewesen sei, sich auf Begleit- und Beratungsproze sse einzulassen, erscheine als reine Schutzbehauptung. Denn die Erfahrung der SHB sei eine andere. So sei am Anfang der Unter- stützung im Jahr 2014 ein Begleit- und Beratungsprozess durchaus möglich gewesen (Anmel- dung der Tochter für den Bezug von Ergänzungsleistungen , Abklärungen zur beruflichen In- tegration, Vermittlung einer psychiatrischen Behandlung ). Die Zusammenarbeit sei erst ab Ja- nuar 2018 schwieriger geworden, nachdem ihr die SHB m itgeteilt habe, dass sie das Fahrzeug nicht mehr wie bis anhin benutzen dürfe und die Numme rnschilder abzugeben seien. Seither habe A.____ eine offene und ehrliche Auseinandersetzun g im Rahmen der persönlichen Hilfe zusehends verweigert. In der Folge seien ab Mai 2019 konkrete Fragen nur noch in schriftlicher Form an A.____ gerichtet worden. Bezüglich der Wohnkost en führte die SHB aus, dass A.____ erstmals mit Verfügung vom 28. Juli 2014 zur Suche ein er Wohnung, die dem geltenden Miet- zinsindex der Gemeinde entspreche, verpflichtet worden se i. Mit Verfügung vom 12. November 2015 sei sie abermals an diese Pflicht erinnert worden . Demzufolge sei A.____ der Mietzins- grenzwert seit Beginn der Unterstützung bekannt gewesen. Auch sei es ihr in den letzten Jah- ren zumutbar gewesen, eine Wohnung zu angemessenen Mietk osten zu finden. Da zurzeit an- gesichts der aktuellen gesundheitlichen und sozialen Sit uation eine Sanktionierung bei einer Pflichtverletzung im Zusammenhang mit der Wohnung allerdings unverhältnismässig erscheine, verzichtete die SHB im Rahmen des Einspracheentscheids vore rst auf die Verpflichtung zur Suche einer Wohnung zu angemessenen Kosten. Zur Nutzung des Fahrzeugs führte die SHB aus, A.____ bestreite die Nutzung des ihr ab dem 1. J anuar 2020 zur Verfügung überlassenen Fahrzeugs nicht, weshalb nur über die Höhe der anzurechnenden Kosten für gefahrene Kilome- ter zu befinden sei. Für die beantragte Abweichung vo n den gesetzlichen Bestimmungen und den Vorgaben des Kantonalen Sozialamtes liege keine hinreichende Begründung vor. J. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 12. Juni 20 20 vorsorglich Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsra t). In der Beschwerdebegründung vom 24. Juli 2020 wurde beantragt, es seien ihr rückwirke nd Unterstützungsleistungen für die Monate August 2019 bis März 2020 auszurichten (Ziff. 1) . Es seien rückwirkend Unterstüt- zungsleistungen für ihre Tochter für die Monate Januar 2019 bis Dezember 2019 auszurichten. In diesem Zeitraum seien sie und ihre Tochter als Unt erstützungseinheit zu behandeln und die Unterstützungsleistungen seien entsprechend anzupassen (Zi ff. 2). Bis zur Stabilisierung ihrer gesundheitlichen Situation seien weiterhin die vollstä ndigen Wohnungskosten zu übernehmen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Ziff. 3). Es sei darauf zu verzichten, die Besitz-, Unt erhalts- und Betriebskosten des Motorfahr- zeugs von der materiellen Unterstützung in Abzug zu brin gen (Ziff. 4). Schliesslich seien keine Verfahrenskosten zu erheben (Ziff. 5). K. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 2020-1501 vom 3 . November 2020 wies der Regierungsrat die Beschwerde betreffend die Benutzung des Motorfahrzeugs im Sinne der Er- wägungen zur Neubeurteilung an die Sozialhilfebehörde D.____ zurück. Im Weiteren wurde die Beschwerde abgewiesen und es wurden keine Verfahrensko sten erhoben. Der Regierungsrat hielt fest, dass die SHB zu Recht nicht auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten sei. L. Mit Schreiben vom 6. November 2020 erhob A.____ ge gen den RRB beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kant onsgericht), Beschwerde. Innert Frist reichte sie die verbesserte Eingabe vom 20. November 20 20 ein. Sie stellte darin vier Rechts- begehren. Die ersten drei lauteten identisch mit denjenigen, welche beim Regierungsrat gestellt worden waren (Ziff. 1 - 3). Ein Antrag bezüglich der Kosten des Motorfahrzeugs wurde nicht mehr gestellt. Im vierten Rechtsbegehren wurde beantra gt, es sei die unentgeltliche Prozess- führung zu bewilligen. Die Rechtsbegehren 1 - 3 der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 18. Dezember 2020 waren identisch mit den Rechtsbegehr en 1- 3 der Eingabe vom 20. November 2020. Das Rechtsbegehren Ziff. 4 lautete neu, dass keine Verfahrenskosten zu erheben seien. M. Aufgrund der im angefochtenen RRB vom 3. November 2020 erfolgten Rückweisung der Angelegenheit an die SHB zur Neubeurteilung der Benutzung des Motorfahrzeugs im Sinne der Erwägungen verfügte die SHB am 8. Dezember 2020, das s A.____ ab dem Zeitpunkt der Ein- reichung der Arztzeugnisse, also ab dem 6. Juli 2020, die gefahrenen Kilometer nicht mehr als Leistungen Dritter angerechnet würden (Ziff. 1). Des Weiteren verfügte die SHB, dass dieser Entscheid befristet bis zum 31. Mai 2021 ergehe und di e Beschwerdeführerin aufgefordert wer- de, bis zum 1. Mai 2021 die Notwendigkeit, ein Auto zu benutzen, wieder neu zu belegen habe, ansonsten ab 1. Juni 2021 die Zurverfügungstellung des Autos wieder als Leistungen Dritter in Abzug gebracht werde (Ziff. 2). Die gefahrenen Kilometer würden nicht entschädigt (Ziff. 3). N. In ihrer Vernehmlassung vom 12. Januar 2021 verwie s die SHB auf ihre bisherigen Ein- gaben und den angefochtenen RRB und schloss auf Abweisung der Beschwerde. Des Weiteren verwies sie auf ihre in der Zwischenzeit aufgrund des RRB ergangene Verfügung vom 8. De- zember 2020 betreffend Anrechnung der Autokosten. O. Der Regierungsrat, vertreten durch das Kantonale So zialamt, verwies in seiner Ver- nehmlassung vom 19. Januar 2021 auf den angefochtenen R RB und schloss auf Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Ergänzend hielt er fest, dass auch das neu eingereichte Arztzeugnis von Dr. med. G.____ vom 20. November 2020 für die Annahme eines Wiedererwä- gungsgrundes nicht ausreiche. Dass die Beschwerdeführeri n an gesundheitlichen Beeinträchti- gungen leide und aktuell aus psychischen Gründen nicht in der Lage sei, administrative Anfor- derungen zu erfüllen, werde nicht bestritten, sei de shalb doch auch mit Ernennungsurkunde vom 18. Februar 2020 eine Vertretungsbeistandschaft für die Beschwerdeführerin errichtet wor- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Daraus könne allerdings nicht geschlossen werden, dass sie bereits in der vorliegend strit- tigen Zeitperiode ab August 2019 (vor der Errichtung d er Beistandschaft) nicht in der Lage ge- wesen sei, die administrativen Belange zu organisieren . Vielmehr sei davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin möglich gewesen wäre, ihrer Mitwirkungspflicht nachzukommen und die für die Feststellung der Bedürftigkeit notwendige n Unterlagen einzureichen, zumal sie in dieser Zeit offenbar in der Lage gewesen sei, gegen di e Einstellung der Unterstützung Einspra- che zu erheben sowie ein Darlehen aufzunehmen. Die B eschwerdeführerin bringe weder eine veränderte Sachlage noch Argumente vor, die nicht berei ts im vorangegangenen Verfahren hätten vorgebracht werden können bzw. vorgebracht worden seien. P. Mit verfahrensleitender Verfügung überwies das Kant onsgericht den Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung. Zude m wurde der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzli cher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegenheit gegeben. Die Beschwerdeführerin ist vom angefochtenen En tscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanto nsgericht – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 li t. c VPO e contrario). 3. Nach § 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Sozial- und die Jugendhilfe (Sozialhilfegesetz, SHG) vom 21. Juni 2001 hat die Sozialhilfe zur Aufgabe , persönlicher Hilfsbedürftigkeit vorzu- beugen, deren Folgen zu lindern oder zu beheben sowie die Selbstständigkeit und die Selbsthil- fe zu erhalten und zu fördern. § 5 Abs. 1 SHG statuiert, dass Unterstützungen nur dann gewährt werden, wenn die zumutbare Selbsthilfe oder die gese tzlichen, vertraglichen oder sonstigen Leistungen Dritter nicht ausreichen oder nicht rechtzeiti g erhältlich sind (Subsidiaritätsprinzip, vgl. FELIX WOLFFERS , Grundriss des Sozialhilferechts, Bern 1993, S. 71). Gem äss § 4 Abs. 1 SHG haben notleidende Personen Anspruch auf unentgeltl iche Beratung und auf materielle Unterstützung, wobei die unterstützte Person verpflichtet ist, alle Massnahmen, die zur Errei- chung und Erhaltung ihrer Selbstständigkeit dienen, ak tiv zu nutzen und zu unterstützen (§ 11 Abs. 1 SHG). Die Festlegung der Hilfe soll zusammen m it der hilfesuchenden Person erfolgen, welche insbesondere verpflichtet ist, bei der Abklärung d es Anspruchs auf Unterstützungsleis- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungen mitzuwirken, mit den Behörden und Organen zusam menzuarbeiten sowie deren Aufla- gen und Weisungen zu befolgen. Die Hilfe kann mit Geg enleistungen verknüpft werden (§ 4 Abs. 3 SHG i.V.m. § 11 Abs. 2 SHG). Nach § 4b SHG wer den bei unklarer Bedürftigkeit materi- elle Unterstützungen verweigert oder eingestellt. 4.1. Als erstes ist zu prüfen, ob zu Recht die SHB nicht auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist und der Regierungsrat diesen Entscheid geschützt hat. 4.2.1. In Rechtsprechung und Lehre ist allgemein anerk annt, dass eine Verfügung, die unan- gefochten geblieben ist, formelle Rechtskraft erlangt, u nd zwar ohne Rücksicht darauf, ob sie materiell richtig ist. Auf eine Verfügung kann deshalb nur ausnahmsweise zurückgekommen werden, nämlich dann, wenn die Voraussetzungen der Wi edererwägung bzw. der Revision er- füllt sind (Urteile des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 26. November 2008 [810 08 156] E. 4.2; vom 22. Au gust 2018 [810 18 51] E. 3.1; F RITZ GYGI , Verwaltungsrecht, Bern 1986, S. 308 ff.). 4.2.2. Das Bundesgericht anerkennt in gefestigter Praxi s unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Wiedererwägung bzw. Behandlung ein es neuen Gesuchs, welcher sich unmittelbar auf Art. 29 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 abstützt. Die Verwaltungsbehörde ist von Verfassungs wegen nur verpflich- tet, auf ein neues Gesuch einzutreten, wenn die Umstä nde sich seit dem ersten Entscheid we- sentlich geändert haben oder der Gesuchsteller erhebli che Tatsachen und Beweismittel nam- haft macht, die ihm im früheren Verfahren nicht bekan nt waren oder die schon damals geltend zu machen für ihn rechtlich oder tatsächlich unmöglich w ar oder keine Veranlassung bestand (BGE 136 II 177 E. 2.1; BGE 120 Ib 42 E. 2b; R ENÉ WIEDERKEHR /P AUL RICHLI , Praxis des all- gemeinen Verwaltungsrechts, Bd. 1, Bern 2012, Rz 2649 ff.). Der erste der beiden Tatbestände (wesentliche Änderung der Umstände seit dem ersten Entsc heid) betrifft die nachträgliche Feh- lerhaftigkeit einer Verfügung. Beim zweiten (Namhaft machung erheblicher Tatsachen und Be- weismittel) geht es um einen ursprünglichen Fehler der Verfügung (U LRICH HÄFELIN /GEORG MÜLLER /FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich/St. G allen 2020, Rz 1273 f.). Die Fehlerhaftigkeit der Verfügung muss v on einer gewissen Bedeutung, wesent- lich oder erheblich sein. Der Anspruch auf Neubefassun g und damit das Zurückkommen auf eine Verfügung kommt demnach nur aus wichtigen Gründe n in Frage. Erheblich oder wesent- lich ist die ursprüngliche oder nachträgliche Fehlerhaft igkeit im Allgemeinen dann, wenn ange- nommen werden kann, dass unter Berücksichtigung der rich tigen Rechts- oder Sachlage ein anderer, für die betroffene Person günstigerer Entschei d zu erwarten ist oder ernstlich in Be- tracht fällt. Die geltend gemachten Veränderungen mü ssen geeignet sein, zu einem anderen Resultat zu führen. Massgebend ist hierbei eine Gesamtb etrachtung. Die Veränderung eines einzelnen Elements, das bei der Abwägung im früheren E ntscheid mitberücksichtigt wurde, führt noch nicht zwingend zu einer materiellen Prüfung des Gesuchs um Wiedererwägung, so- lange ein anderes Ergebnis realistischerweise nicht in Betracht fällt (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.2.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_274/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 2.2; KGE VV vom 22. August 2018 [810 18 51] E. 4.3; vom 19. August 20 15 [810 15 128] E. 4.1; Urteil des Ver- waltungsgerichts des Kantons Zürich vom 22. Juni 2005 [VB.2005.00070] E.2.1.1; WIEDERKEHR /Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht RICHLI ; a.a.O., Rz 2660 ff.). Das Vorliegen einer wesentlich ve ränderten Sachlage darf im Inte- resse der Rechtsgleichheit und der Rechtssicherheit nicht leichthin angenommen werden. 4.3.1. Auf kantonaler Ebene regeln die §§ 39 und 40 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Basel-Landschaft (VwVG) vom 13. Juni 1988 die Wiedera ufnahme von Verfahren. Gemäss § 1 VwVG ordnet das VwVG das Verfahren für den Erlass, di e Änderung oder die Aufhebung von Verfügungen durch Verwaltungsbehörden. Nach § 39 VwVG wird mit der Wiederaufnahme ei- nes abgeschlossenen Verfahrens geprüft, ob eine rechtskräftige Verfügung zu ändern oder auf- zuheben ist (Abs. 1). Tritt die Behörde auf ein Wieder erwägungs- oder Revisionsbegehren ein und erachtet sie es als begründet, so hebt sie die Verfü gung ganz oder teilweise auf und ent- scheidet neu (Abs. 3). 4.3.2. Gemäss § 40 Abs. 1 VwVG tritt die erstinstanzlich zuständige Behörde auf ein Wieder- erwägungsbegehren ein, wenn die der Verfügung zugrund eliegende Sach- oder Rechtslage sich nachträglich zugunsten einer Partei wesentlich geändert hat (lit. a) oder ein Revisionsgrund gemäss Abs. 2 vorliegt (lit. b). Ein Revisionsgrund lieg t gemäss § 40 Abs. 2 VwVG vor, wenn ein Verbrechen oder Vergehen den Erlass der Verfügung beeinflusst hat (lit. a), bei Erlass der Verfügung wesentliche Verfahrensvorschriften verletzt oder aktenkundige erhebliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden sind und eine Rüge dieser Mängel in früheren Verfahren nicht mög- lich gewesen ist (lit. b), erhebliche Tatsachen oder Beweismittel aufgetaucht sind, an deren Gel- tendmachung die Partei im früheren Verfahren ohne V erschulden verhindert gewesen ist (lit. c) oder die Verfügung mit einem schweren und offensichtli chen Rechtsmangel behaftet ist (lit. d). Wer einen Wiederaufnahmegrund entdeckt, muss innerhalb von 90 Tagen seit Entdeckung des Wiederaufnahmegrundes bei der erstinstanzlich zuständigen Behörde ein Wiedererwägungs- begehren stellen (§ 39 Abs. 2 VwVG i.V.m. § 40 Abs. 3 VwVG). Die Wiedererwägung von Ver- waltungsentscheiden, die in Rechtskraft erwachsen sind, i st nicht beliebig zulässig. Sie darf namentlich nicht bloss dazu dienen, rechtskräftige Verwaltungsentscheide immer wieder infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rech tsmitteln zu umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 2D_7/201 5 vom 14. Juli 2015 E. 2.1; KGE VV vom 14. September 2016 [810 16 149] E.3.3; vom 19. August 2015 [810 15 128] E. 3.1). 4.4. Im Wesentlichen macht der Beistand der Beschwerdefüh rerin vor dem Regierungsrat geltend, dass Ursache für die fehlende Mitwirkung der B eschwerdeführerin und für das Sich- nicht-einlassen-können auf den Begleit- und Beratungsprozess und damit für die Unmöglichkeit, die geforderten Unterlagen einzureichen, ihre psychischen Probleme gewesen seien. Der SHB seien sowohl die IV-Anmeldung vom 27. November 2017 al s auch die psychischen Einschrän- kungen der Beschwerdeführerin bekannt gewesen, weshalb a m 12. Dezember 2018 und 22. Juni 2019 entsprechende Gefährdungsmeldungen an di e KESB ergangen seien. Ebenfalls sei der SHB bekannt gewesen, dass die IV-Stelle am 9. Ap ril 2018 eine Abklärung über die Be- einträchtigung im Haushalt durchgeführt habe und G. ____ seit Jahren ihr behandelnder Psy- chiater sei. Dieser habe bereits in der Einsprache vom 7. November 2019 die umfassenden Probleme der Beschwerdeführerin umschrieben und bestä tigt, dass sie überfordert gewesen sei, die geforderten Unterlagen einzureichen. Trotz di eser Informationen sei es der SHB nicht gelungen, einen angemessenen Umgang, unter Berücksichtig ung der psychischen Befindlich- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht keiten der Beschwerdeführerin, zu finden. Auch die Zusammenarbeit mit dem bestehenden Hel- fernetz sei nicht angemessen geführt worden. Die SHB hab e diese Umstände beim Erlass der Verfügung nicht (genügend) beachtet. Mit der Beschwerd e an das Kantonsgericht reichte der Beistand ein Arztzeugnis von Dr. med. G.____ und H.____, eidgenössisch anerkannter Psycho- therapeut, vom 20. November 2020 ein, in welchem Let ztgenannte die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin umschreiben und deren Wirkung a uf den Umgang u.a. mit Behörden erklären. Zudem bestätigen sie eine Verschlechterung des G esundheitszustandes seit anfangs 2019, welche die Fähigkeit, Administratives zu erledigen , zeitnah zu reagieren und Fristen ein- zuhalten, zusätzlich vermindert habe. 4.5.1. Damit macht der Beistand der Beschwerdeführeri n primär geltend, dass unter Berück- sichtigung der psychischen Probleme der Beschwerdeführerin und ihrer damit einhergehenden Überforderung ein anderer Entscheid hätte gefällt werden müssen. 4.5.2. Folglich ist zu prüfen, ob sich die Umstände seit dem ersten Entscheid wesentlich ge- ändert haben oder die Beschwerdeführerin erhebliche T atsachen und Beweismittel namhaft macht, die ihr im früheren Verfahren nicht bekannt wa ren oder die schon damals geltend zu machen für sie rechtlich oder tatsächlich unmöglich war od er keine Veranlassung bestand. Kann eine dieser Fragen bejaht werden, ist zu prüfen , ob unter Berücksichtigung der richtigen Rechts- oder Sachlage ein anderer Entscheid zu erwarten gewesen wäre oder ernstlich in Be- tracht fallen würde (siehe E. 4.2.2 hiervor). 4.5.3. Da die Beschwerdeführerin erklärt, dass sie mind estens seit anfangs 2019 und somit bereits einige Zeit vor dem ersten Entscheid und damit vor dem 21. Oktober 2019 bzw. 12. November 2019 aufgrund ihrer psychischen Probleme n icht fähig gewesen sei, die Unterla- gen einzureichen, bzw. der Umgang mit ihr nicht ange messen gewesen sei, wird nicht geltend gemacht, dass sich die Umstände seit dem ersten Entscheid wesentlich geändert hätten. Damit ist die Voraussetzung nach § 40 Abs. 1 lit. a VwVG nich t erfüllt. Folglich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin einen Wiedererwägungsgrund nach § 40 Abs. 1 lit. b VwVG i.V.m. § 40 Abs. 2 VwVG und damit einen Revisionsgrund geltend macht (siehe E. 4.3.2 hiervor). In Frage kommen vorliegend gemäss § 40 Abs. 2 VwVG, dass bei Erlass der Verfügung aktenkundige erhebliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden sind und eine Rüge dieser Mängel in früheren Verfahren nicht möglich gewesen ist (lit. b), erheblich e Tatsachen oder Beweismittel aufge- taucht sind, an deren Geltendmachung die Partei im f rüheren Verfahren ohne Verschulden ver- hindert gewesen ist (lit. c) oder die Verfügung mit e inem schweren und offensichtlichen Rechtsmangel behaftet ist (lit. d). 4.5.4. Der SHB war bekannt, dass die Beschwerdeführeri n gesundheitliche und psychische Probleme hatte. In der von Dr. med. G.____ und lic. phil. H.____ verfassten Einsprache vom 7. November 2019 werden die Problematik und die Über forderung der Beschwerdeführerin um- schrieben. Damit hatte die SHB spätestens im Zeitpunkt d es Einspracheentscheids vom 12. November 2019 Kenntnis über die erheblichen Tatsa chen. Der Beschwerdeführerin ist es somit möglich gewesen, spätestens mit der Einsprache dies e Tatsachen einzubringen und die Beachtung ihrer psychischen Problematik zu beantragen. Die SHB hat sich in ihrem Ein- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht spracheentscheid vom 12. November 2019 mit den gesundhe itlichen Problemen und dem Ein- wand der Beschwerdeführerin, es sei ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen, die Unterlagen einzureichen, befasst und diese bei ihr em Entscheid berücksichtigt. Somit sind auch keine erheblichen Tatsachen oder Beweismittel auf getaucht, an deren Geltendmachung die Beschwerdeführerin im früheren Verfahren ohne Ve rschulden verhindert gewesen wäre. Dass die Problematik nun mit den jüngeren Arztzeugnissen noch deutlicher aufgezeigt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass die SHB spätestens zum Zeitpunkt des Einspracheent- scheids von den Problemen der Beschwerdeführerin Kenntnis hatte und sich mit diesen bei ihrem Entscheid befasst hat. Somit bleibt noch zu prüfen, ob die Verfügung mit einem schweren und offensichtlichen Rechtsmangel behaftet ist. Unbestri ttenermassen war die Beschwerdefüh- rerin in ihren Fähigkeiten, Administratives zu erledig en, eingeschränkt. Die SHB erachtet in ih- rem Einspracheentscheid die von der Beschwerdeführerin genannten Einwände als nachvoll- ziehbar. Sie erklärt jedoch, dass die Probleme der Besch werdeführerin diese nicht davon ent- binden würden, die eingeforderten Unterlagen einzure ichen. Implizit wird erklärt, dass die Be- schwerdeführerin wegen ihrer Problematik für die Einr eichung der geforderten Unterlagen seit der erstmaligen Aufforderung sehr viel Zeit, nämlich vi er Monate, erhalten habe. Des Weiteren habe es die Beschwerdeführerin trotz ihrer Problemati k offenbar geschafft, ihre finanzielle Si- tuation "privaten Kanälen" gegenüber zu dokumentieren und sich Hilfe zu holen. Wie die Vor- instanzen anführen, war es der Beschwerdeführerin mögli ch, sich Hilfe für die Erhebung der Einsprache zu holen und ein Darlehen bei Privaten zu org anisieren. Der Schluss der Vorinstan- zen, dass es der Beschwerdeführerin unter Beachtung diese r von ihr ergriffenen Hilfemass- nahmen auch möglich gewesen wäre, die verlangten Unte rlagen einzureichen bzw. auch dies- bezüglich Hilfe einzuholen, kann nicht als schwerer und offensichtlicher Rechtsmangel bewertet werden. Die SHB ist folglich zu Recht nicht auf das Wie dererwägungsgesuch betreffend bean- tragte Leistungen an die Beschwerdeführerin eingetret en und der Regierungsrat hat die Be- schwerde gegen das Nichteintreten auf das Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen. 4.6.1. Als nächstes ist zu prüfen, ob die SHB zu Recht nicht auf das Wiedererwägungsge- such betreffend Leistungen an die Tochter der Beschwerdef ührerin eingetreten ist und der Re- gierungsrat die dagegen erhobene Beschwerde zu Recht abgewiesen hat. 4.6.2. Der Vertreter der Beschwerdeführerin hat vor R egierungsrat geltend gemacht, dass F.____ aufgrund der fehlenden Ergänzungsleistungen vo n Januar 2019 bis Dezember 2019 ebenfalls bedürftig im Sinne von § 4 Abs. 1 SHG gewese n sei. Es seien ihr deshalb für diesen Zeitraum Unterstützungsleistungen auszurichten. Anstatt d ie Beschwerdeführerin bei der Gel- tendmachung der Ergänzungsleistungen für ihre Tochter z u unterstützen, seien ihr zusätzliche Verpflichtungen durch die SHB auferlegt worden, inde m sie aufgefordert worden sei, zu bele- gen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreite. Der Regi erungsrat erklärt in seinem Beschluss, aus der Beschwerde werde nicht ersichtlich, gegen welchen Einspracheentscheid bzw. welche Verfügung sich das Wiedererwägungsgesuch betreffend di e Tochter F.____ richte. Die rechts- kräftige Einstellungsverfügung vom 21. Oktober 2019 hab e lediglich die Mutter von F.____ be- troffen. Der Beschwerde liege auch kein abgelehnter A ntrag auf Wiederaufnahme vor, der in Wiedererwägung gezogen werden könnte. Demnach wäre d as Rechtsbegehren auf rückwir- kende Aufnahme in die Unterstützung ab dem 1. Januar 20 19 als Neuantrag zu qualifizieren Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewesen. Da Sozialhilfeleistungen nur für die Gegenwart (und für die Zukunft, soweit die Notla- ge andauert) ausgerichtet würden, erstrecke sich die Sozialhilfe grundsätzlich nicht über bereits überwundene Notlagen, weshalb ein Hilfeempfänger nicht verlangen könne, dass ihm Sozialhil- feleistungen rückwirkend ausgerichtet würden, auch wenn di e Voraussetzungen hierfür bestan- den hätten. Somit wäre auch ein rückwirkender Antrag ab zuweisen gewesen. Sollte sich das Wiedererwägungsgesuch von F.____ auf ein Rekapitulatio ns- oder Auszahlungsblatt beziehen, sei das Wiedererwägungsbegehren für die Tochter gemäss § 40 Abs. 3 VwVG zu spät erfolgt, habe die Beschwerdeführerin doch spätestens nach dem Ge spräch mit dem Sozialdienst am 20. Mai 2019 vom Wegfall der Ergänzungsleistungen für ihre Tochter gewusst. Das erste Wie- dererwägungsgesuch sei erst am 21. Februar 2020 respekti ve 19. März 2020 und somit nicht innerhalb des Zeitrahmens von 90 Tagen seit Entdeckung des Wiederaufnahmegrundes gestellt worden. Stichhaltige Gründe, weshalb ihr eine rechtze itige Geltendmachung nicht möglich ge- wesen sein solle, lägen unter Verweis auf die Ausführun gen betreffend die psychische Verfas- sung der Beschwerdeführerin nicht vor. Die Vorinstanz sei dementsprechend zu Recht auch auf das Wiedererwägungsgesuch betreffend die Tochter F.___ _ nicht eingetreten und die Be- schwerde sei auch in diesem Punkt abzuweisen. 4.6.3. Der Beistand der Beschwerdeführerin macht in de r Beschwerde an das Kantonsgericht geltend, die SHB habe im Mai 2019 erfahren, dass die Tochter der Beschwerdeführerin keine Ergänzungsleistungen mehr erhalte. Die SHB hätte berei ts in diesem Zeitpunkt F.____ vor- übergehend finanziell unterstützen und der Beschwerdefü hrerin helfen müssen, damit F.____ erneut die Ergänzungsleistungen erhalte. Der Beschwerdef ührerin sei es aufgrund ihrer ge- sundheitlichen Einschränkung nicht gelungen, dafür zu s orgen, dass ihrer Tochter wieder Er- gänzungsleistungen ausbezahlt würden. Ebenso sei es ihr ni cht möglich gewesen, die nötige persönliche und materielle Unterstützung bei der Sozia lhilfe einzufordern. Der Beschwerdefüh- rerin sei auch nicht klar gewesen, dass sie für ihre Toch ter einen separaten Antrag auf Ausrich- tung von Unterstützungsleistungen hätte stellen müssen, da sie selbst bereits von der Sozialhil- fe unterstützt worden sei. Offensichtlich sei sie von der S HB auch nicht darauf aufmerksam ge- macht oder gar dabei unterstützt worden. Die SHB habe somit ihre Pflicht zur persönlichen und materiellen Hilfestellung verletzt. Der Beistand stellt den Antrag, die SHB sei zu verpflichten, F.____ Unterstützungsleistungen für die Monate Januar bi s Dezember 2019 auszurichten. In diesem Zeitraum seien die Beschwerdeführerin und ihre T ochter als Unterstützungseinheit zu behandeln und die Unterstützungsleistungen seien dementsprechend anzupassen. 4.6.4. Aus den Akten geht hervor, dass die SHB aufgrund eines Audits durch das kantonale Sozialamt dazu aufgefordert worden war, die finanziell e Situation der Tochter der Beschwerde- führerin näher zu überprüfen. Diese Überprüfung wurde gemäss Aktennotiz vom 24. Januar 2019 im Januar 2019 vorgenommen. Gemäss Aktennotiz vom 20. Mai 2019 war die Einstellung der Ergänzungsleistungen am Treffen vom gleichen Tag ein Thema. Aus dieser Aktennotiz geht hervor, dass die SHB daraufhin telefonische Rücksprache mit den Sozialversicherungsanstalten Zug und Aargau, mit dem Kantonalen Sozialamt und mit dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft I.____ genommen hat. Aus den Aktennotizen bzw. E-Mails vom 28. Mai 2019, 3. Juni 2019, 13. Juni 2019 und 17. Juni 2019 ist ersichtlich, dass sich die SHB mit dem Vater von F.____ in Ver- bindung gesetzt hat, um das Problem der Einstellungen d er Ergänzungsleistungen, welches Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch die Wohnsitzsituation des Vaters verursacht worden wa r, zu lösen. Nach diesen Abklä- rungen hat die SHB der Beschwerdeführerin mit Schreib en vom 13. Juni 2019 mitgeteilt, dass bezüglich Einstellung der Ergänzungsleistungen nicht damit zu rechnen sei, dass sich die Situa- tion schnell ändere. Aufgrund der Berechnung der SHB bestehe nach Wegfall der Ergänzungs- leistungen ein Fehlbetrag von monatlich Fr. 547.--. Die SHB könne nicht nachvollziehen, wie die Beschwerdeführerin mit einem derart reduzierten Budge t während 5 Monaten habe leben kön- nen, und müsse unter anderem davon ausgehen, dass ihr n eben der regulären Sozialhilfe und den laufenden IV-Renten an die Tochter noch andere E inkünfte zur Verfügung stünden. Des- halb wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, eine ganze Reihe von Fragen zu beantworten und die Antworten, soweit möglich, zu belegen. Aus den obigen Ausführungen erhellt, dass die SHB, un mittelbar nachdem sie vom Wegfall der Ergänzungsleistungen am 20. Mai 2019 erfahren hatte, a ktiv wurde, um die erneute Ausrich- tung der Ergänzungsleistungen in die Wege zu leiten. Als es klar wurde, dass dies innert nützli- cher Frist nicht möglich war, hat sich die SHB mit Schre iben vom 13. Juni 2019 an die Be- schwerdeführerin gewandt, um die finanzielle Situation und die Unterdeckung zu klären und damit den Anspruch der Beschwerdeführerin und ihrer To chter beurteilen zu können. So nennt das Schreiben der SHB vom 13. Juni 2019 als Betreff au ch "Prüfung der Wiederaufnahme F.____s in die Sozialhilfe-Unterstützung/Zweifel an de r Bedürftigkeit". Die Beschwerdeführerin wurde diesbezüglich aufgefordert, Unterlagen einzure ichen und Fragen zu beantworten. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorgehensweise der SHB zu beanstanden ist. Soweit weiter gel- tend gemacht wird, es sei der Beschwerdeführerin aufgr und ihrer gesundheitlichen Probleme nach dem 13. Juni 2019 nicht möglich gewesen, die ve rlangten Unterlagen einzureichen, kann auf die obigen Ausführungen in den Erwägungen 4.1 b is 4.5.4 verwiesen werden, weshalb die SHB auch auf das Wiedererwägungsgesuch in Bezug auf die Tochter der Beschwerdeführerin zu Recht nicht eingetreten ist und der Regierungsrat die diesbezügliche Beschwerde zu Recht abgewiesen hat. Die Frage, ob auch aus den vom Regieru ngsrat genannten Gründen nicht auf das Wiedererwägungsgesuch betreffend Sozialhilfeleistungen an F.____ hätte eingetreten wer- den können, kann folglich offengelassen werden. 4.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die SHB zu Recht nicht auf das Wiedererwä- gungsgesuch betreffend Antrag auf rückwirkende Leistungen an die Beschwerdeführerin und an ihre Tochter eingetreten ist. Demzufolge ist auch nicht zu beanstanden, dass der Regierungsrat die Beschwerde in Bezug auf das Wiedererwägungsgesuch abgewiesen hat. 5.1. Nachfolgend ist jedoch weiter zu prüfen, ob die SHB nach Ablauf der der Beschwerde- führerin mit Einspracheentscheid vom 12. November 2019 gewährten Frist bis zum 5. Dezem- ber 2019 eine Verfügung hätte erlassen müssen und die Beschwerde demzufolge wegen Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung ganz oder teilweise gutzuheissen ist. 5.2. Gemäss § 42 VwVG, welcher den Titel "Beschwerde we gen Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung" trägt, kann, wenn der Erlass einer V erfügung zu Unrecht verweigert oder verzögert wird, dagegen Beschwerde geführt werden (Abs . 1). Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die Untätigkeit der Behörde berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse am Erlass Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Verfügung hat (Abs. 2). Die Beschwerde wegen Rech tsverweigerung und Rechtsverzöge- rung ist an keine Frist gebunden; im Übrigen sind die V orschriften über das Beschwerdeverfah- ren sinngemäss anwendbar (Abs. 3). 5.3.1. In der angefochtenen Verfügung vom 30. April 2020 wird festgehalten, die Mitarbeiterin des Beistands der Beschwerdeführerin habe der SHB am 12. März 2020 mitgeteilt, dass eine definitive Abschlussverfügung nach dem Einspracheentscheid vom 12. November 2019 fehle. Damit wurde de facto eine Rechtsverweigerung oder Rech tsverzögerung geltend gemacht. Da- raufhin erhob der Beistand Beschwerde und beantragte, es seien im Sinne einer Wiedererwä- gung rückwirkend ab August 2019 der Beschwerdeführerin un d rückwirkend ab Januar 2019 F.____ Sozialhilfeleistungen zu gewähren. Parallel dazu trafen im Zeitraum vom 16. bis 26. März 2020 bei der SHB weitere Unterlagen ein, we lche gemäss SHB "vor Einstellung der Unterstützung mehrfach schriftlich von der Klientin ein gefordert worden waren". Mit Brief vom 26. März 2020 beantragte der Beistand in der Folge er neut dringlich die Aufnahme der Be- schwerdeführerin und ihrer Tochter in die Unterstützung und den Erlass einer entsprechenden Verfügung. 5.3.2. Gemäss Verfügung vom 12. November 2019 hiess die SHB die Einsprache teilweise gut. Des Weiteren wurde in Ziffer 2 des Dipositivs aus geführt, dass die Beschwerdeführerin die Möglichkeit erhalte, die geforderten Unterlagen bis sp ätestens am Donnerstag, 5. Dezember 2019, beim Sozialdienst in schriftlicher Form einzureich en. In Ziffer 3 des Dispositivs wird erör- tert, dass die Einstellung der Sozialhilfe bestehen bleibe, "bis die angeforderten Unterlagen ein- getroffen sind und geprüft werden konnten." Mit Schre iben vom 5. Dezember 2019 beantworte- te die Beschwerdeführerin alle ihr von der SHB im Sch reiben vom 13. Juni 2019 gestellten Fra- gen. Die Beschwerdeführerin reichte zur Frage 2 Kontoa uszüge ein, bezüglich der Frage 5 er- klärte sie, die Beilagen nachzureichen, zur Frage 6 re ichte sie den massgeblichen Beleg nicht ein. Eine Verfügung wurde nach Einreichung der Unterl agen von der SHB nicht erlassen. Erst nach mehrmaliger Aufforderung des Beistandes wurde die Verfügung vom 30. April 2020 ver- fasst, wobei darin die Beschwerdeführerin - unter Nichte intreten auf ihren Antrag auf Wiederer- wägung - rückwirkend ab 1. April 2020 und vorerst für d ie Dauer von 6 Monaten in die Unter- stützung aufgenommen wurde. 5.3.3. Nach Eingang des Schreibens vom 5. Dezember 2019, mit welchem die Beschwerde- führerin die ihr gestellten Fragen innert der ihr le tztmals gewährten Frist beantwortet hat, und der dem Schreiben beiliegenden Unterlagen hätte die SHB aufgrund ihrer Verfügung vom 12. November 2019 den Anspruch der Beschwerdeführeri n nochmals prüfen und mittels Verfü- gung einen Entscheid treffen müssen. Durch diese Unterl assung hat die SHB eine Rechtsver- weigerung begangen. Aus diesem Grund ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als dass die SHB gestützt auf die am 5. Dezember 2019 eingerei chten Unterlagen den Anspruch der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter zu prüfen hat, wie wenn sie eine Beurteilung des Falles unmittelbar nach Eingang der Eingabe vom 5. Dezember 2 019 vorgenommen hätte. Demnach ist die Angelegenheit an die SHB zurückzuweisen, damit sie die Angelegenheit prüft, wie sie dies nach Einreichung des Schreibens vom 5. Dezember 201 9 und der dem Schreiben beilie- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht genden Unterlagen hätte tun müssen, und eine entsprechende Verfügung, welche den Zeitraum bis zum 1. April 2019 zu erfassen hat, erlässt. 6.1. In der zu beurteilenden Beschwerde ficht die Beschw erdeführerin des Weiteren die Behandlung der Wohnkosten an und zwar nicht nur im Rahmen des Wiedererwägungsgesuchs, sondern als Anfechtung der Dispositiv-Ziffer 2 des Entschei ds der SHB vom 4. Juni 2020, in welcher die Anrechnung der effektiven Mietkosten in der Höhe von Fr. 1'209.-- wie bis anhin abgelehnt wurde und festgehalten wurde, dass wie bis her die maximalen Mietkosten im Grenz- wert von Fr. 1'000.-- für einen 2-Personen Haushalt, hälftig also Fr. 500.--, angerechnet würden. In Dispositiv-Ziffer 3 des genannten Entscheids wurde jed och neu festgehalten, dass die Ver- pflichtung, eine günstigere Wohnung zu suchen, vorerst zurückgestellt werde. 6.2.1. Die Beschwerdeführerin beantragt die Anrechnu ng der effektiven Mietkosten. Dem Einwand der SHB, dass es ihr seit Unterstützungsbeginn im Januar 2014 während einiger Jahre möglich gewesen wäre, eine günstigere Wohnung zu suche n, entgegnet die Beschwerdeführe- rin, sie habe auf Anweisung der KESB in eine grössere Wohnung umziehen müssen, damit ihre Tochter ein eigenes Zimmer habe. Das Wohnungsangebot in D.____ sei beschränkt. Dem Arzt- zeugnis vom 20. November 2020 sei zu entnehmen, dass sie seit 2017 in psychiatrischer Be- handlung sei und es ihr damit schon in den vergangene n Jahren nicht zumutbar gewesen sei, eine neue Wohnung zu suchen. Des Weiteren sei F.____ n eun Jahre alt und aufgrund der ge- sundheitlichen Situation der Mutter bereits belastet. Ein Umzug und die damit verbundenen Un- sicherheiten seien daher dringend zu vermeiden. Zudem bedeute ein Wohnortswechsel für Kin- der im Alter von 8 bis 12 Jahren einen deutlich grösse ren Einschnitt in das Alltagsleben als für eine erwachsene Person. 6.2.2. Die SHB geht in ihrem Entscheid vom 4. Juni 202 0 angesichts der aktuellen gesund- heitlichen und sozialen Situation der Beschwerdeführerin davon aus, dass eine Sanktionierung bei Nichterfüllung dieser Pflicht unverhältnismässig wä re. In diesem Sinne bestehe die SHB gegenwärtig nicht weiter auf die Verpflichtung der B eschwerdeführerin, sich um eine neue Wohnmöglichkeit zu angemessenen Mietkosten zu bemühen. 6.2.3. Der Regierungsrat erläutert in seinem Beschluss, vorliegend sei insbesondere die Tat- sache zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin bereits se it dem 1. Januar 2014 von der SHB unterstützt werde. Die Beschwerdeführerin sei erstmals mit Verfügung vom 28. Juli 2014 verpflichtet worden, eine Wohnung zu suchen, die dem geltenden Mietindex der Gemein- de D.____ entspreche. Mit Verfügung vom 12. November 20 15 sei die Beschwerdeführerin er- neut auf diese Pflicht hingewiesen worden. In der Fo lge sei der Beschwerdeführerin nur noch der Mietzins bis zum Mietzinsgrenzwert ausbezahlt worden. Die mit Verfügung vom 30. April 2020 erneut verfügte Pflicht zur Wohnungssuche sei mit Einspracheentscheid vom 4. Juni 2020 zwar aufgrund der momentanen gesundheitlichen Verfassun g der Beschwerdeführerin vorerst sistiert worden, die Übernahme der den Grenzwert übersteigenden Kosten sei jedoch abgelehnt worden. Der Beschwerde liege bezüglich der Unzumutbarkeit der Wohnungssuche lediglich das Arztzeugnis von J.____, Oberarzt, und K.____, Assistenzpsych ologin, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrie Baselland vom 30. Juni 2020 vor. Ältere Arztzeugnisse, die Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Pflicht zur Wohnungssuche bereits früher als unzu mutbar qualifiziert hätten, seien im Rah- men der Beschwerde nicht eingereicht worden. Insofern sei davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin seit Unterstützungsbeginn im Januar 2014 zumindest während einiger Jah- re nicht um eine dem Mietgrenzwert entsprechende Wohn ung bemüht habe, obwohl es ihr in dieser Zeit zumutbar gewesen wäre. Die Beschwerdeführeri n habe es somit hingenommen, dass die überhöhten Wohnungskosten nicht mehr von der S ozialhilfe übernommen würden und letztlich aus dem Grundbedarf zu decken seien. Ihren Leb ensunterhalt habe sie offenbar jahre- lang auch ohne Übernahme der effektiven Wohnkosten best reiten können. Inwiefern dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr möglich sein solle, führe sie nicht weiter aus. Vor diesem Hinter- grund erscheine es stossend, wenn die SHB nun doch wiede r die effektiven Mietkosten über- nehmen müsste, zumal dadurch die Beschwerdeführerin zur Verwirklichung einer Situation ge- lange, die sie bewusst herbeigeführt und letztlich auch während einiger Jahre, als sie offensicht- lich noch in der Lage gewesen sei umzuziehen, auch hingenommen habe. Dieses Verhalten sei treuwidrig. Letztlich werde die Beschwerdeführerin aktue ll gegenüber anderen sozialhilfebezie- henden Personen auch differenziert behandelt, zumal sie , obwohl sie offensichtlich ihre Sozial- hilfeunterstützung nicht bestimmungsgemäss verwende, auf grund ihrer aktuellen gesundheitli- chen Situation nicht sanktioniert werde. Dies sei im Normalfall bei überhöhten Wohnungskosten indes vorgesehen (vgl. § 17a lit. j der Sozialhilfeveror dnung [SHV] vom 25. September 2001). Entsprechend sei die Beschwerde in diesem Punkt unbegründet und abzuweisen. 6.3.1. Nach § 4 Abs. 1 SHG haben notleidende Personen Anspruch auf unentgeltliche Bera- tung und materielle Unterstützung. Letztere wird gemäss § 6 Abs. 1 SHG an die laufenden Auf- wendungen für den Grundbedarf, eine angemessene Wohnung, obligatorische Versicherungen, medizinische Behandlung und Pflege, Tagesbetreuung, fa milienstützende Massnahmen sowie an weitere notwendige Aufwendungen gewährt. Nach § 6 Abs. 3 SHG regelt der Regierungsrat das Mass der Unterstützungen und stuft sie nach der Grösse des Haushalts und Alterskategorie ab. Er kann sich dabei an den Richtlinien der Schweizeri schen Konferenz für Sozialhilfe orien- tieren. Gemäss § 11 Abs. 1 SHV richtet sich die Angemessenheit de r Wohnungskosten nach der Haushaltsgrösse und nach den örtlichen Wohnungsmarktverhältnissen. Die Sozialhilfebehörden teilen dem Amt die angemessenen Wohnungskosten in ihrer Gemeinde mit und aktualisieren die Angaben bei veränderten Verhältnissen (Abs. 2). Wohnen unterstützte Personen zusammen mit anderen Personen im selben Haushalt, wird die Unt erstützung an ihre Wohnungskosten entsprechend ihrem Anteil an den angemessenen Wohnung skosten gemäss § 11 Abs. 1 SHV reduziert (Kopfquote, Abs. 3). Übersteigen die effekti ven Wohnungskosten die angemessenen Wohnungskosten gemäss § 11 Abs. 1 SHV, so werden in der Regel die effektiven Kosten wäh- rend sechs Monaten übernommen (Abs. 5). 6.3.2. Gemäss Kapitel 5.4.3 des Handbuchs Sozialhilfer echt des Kantonalen Sozialamtes des Kantons Basel-Landschaft (Handbuch) vom 1. Januar 2021 hat die Sozialhilfebehörde der unterstützten Person eine angemessene Frist einzuräumen, während der sie eine günstigere Wohnung suchen muss, wenn die Wohnungskosten über dem Grenzwert der Gemeinde liegen. Nach Ablauf dieser Frist richtet die Sozialhilfebehörde nur noch die angemessenen Wohnungs- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht kosten (Grenzwert der Wohnungskosten) aus. Verbleibt die unterstützte Person weiterhin in der zu teuren Wohnung und kommt für die Differenz der Wo hnungskosten aus dem Grundbedarf auf, verwendet sie Unterstützungsleistungen nicht best immungsgemäss. Die unterstützte Per- son ist somit weiterhin zu verpflichten, eine günstige re Wohnung zu suchen (unter Sanktions- androhung). Das Handbuch nennt Fälle, die eine Verlän gerung des Wohnkostenvorbehalts rechtfertigen können, und hält fest, dass auch gesundhe itliche Gründe eine Verlängerung des Wohnkostenvorbehalts rechtfertigen können. 6.3.3. Der Umzug in eine günstigere Wohnung tangiert die persönliche Freiheit und die Nie- derlassungsfreiheit. Die entsprechenden Verfügungen müssen verhältnismässig sein. In der Praxis kommt deshalb nicht selten das Individualisierungspr inzip zum Tragen, sei es aus ge- sundheitlichen, familiären, sozialen oder anderen trif tigen Gründen (z.B. lediglich kurzfristiger Sozialhilfebezug). Bevor der Umzug in eine günstigere W ohnung verlangt wird, ist somit die Situation der unterstützten Person im Einzelfall sorgfä ltig zu prüfen und eine Gesamtabwägung vorzunehmen. Wesentliche Kriterien, die es zu berücksicht igen gilt, sind die Grösse und Zu- sammensetzung der Familie, eine allfällige Verwurzelu ng an einem bestimmten Ort, Alter und Gesundheit der betroffenen Personen (z.B. Gefahr einer psychischen Dekompensation bei ei- nem Wohnungswechsel) sowie der Grad ihrer sozialen Int egration. Ein Umzug ist dann als un- zumutbar zu qualifizieren, wenn eine vom Durchschnitt abw eichende besondere Betroffenheit (z.B. Gebrechlichkeit, aktuelle schwere Erkrankung oder Be hinderung, nur kurze Überbrü- ckungshilfe) vorliegt. Das bedeutet, dass in diesen Fällen aufgrund einer konkreten Güterabwä- gung (z.B. soziale Verwurzelung, Höhe des Differenzbetra gs, Unterstützungsdauer) auch für eine längere Zeit ausnahmsweise ein höherer Grenzwert anzuwenden oder der effektive Miet- zins zu bezahlen ist (G UIDO WIZENT , Sozialhilferecht, Zürich/St. Gallen 2020, Rz 503 f; v gl. Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) vom 1. Januar 2021, Kapitel C.4.1). 6.4. Die Beschwerdeführerin ist gemäss den vorliegenden Arztzeugnissen psychisch und physisch in einer schlechten Verfassung (siehe Arztzeugnisse vo m 7. November 2019, vom 30. Juni 2020 und vom 20. November 2020). Dies ist bei der Güterabwägung zu berücksichti- gen. Gemäss Arztzeugnis vom 7. November 2019 "schafft" sie "e s gerade noch so, zur Tochter zu schauen". Aus dem Arztzeugnis vom 20. November 2020 g eht zudem hervor, dass auch bei der Tochter gewisse Schwierigkeiten vorliegen, ist doch i m Bericht von Abklärungen und Be- handlungsaufnahme bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland die Rede. Die zehnjähri- ge Tochter ist durch die gesundheitlichen Probleme der Mutter belastet. Zusätzlich kommen ihre eigenen Probleme. Der Umzug würde für die Tochte r eine grosse zusätzliche Unsicherheit und Veränderungen bedeuten. Das Herausreissen aus dem g ewohnten Umfeld ist für ein Kind von 10 Jahren, welches durch die psychischen und physischen Sch wierigkeiten der Mutter be- reits keinen einfachen Stand hat, eine grosse zusätzlich e psychische Belastung (vgl. zu den Folgen eines Wohnungswechsels bei einem Kind: Urteil de s Verwaltungsgerichts Zürich [VB.2013.00044] vom 25. Februar 2013). Zudem ist die Miethöhe mit Fr. 1'209.-- trotz allem bescheiden. Der Mietbetrag, welcher auf die Beschwerdef ührerin entfällt, und folglich in der Berechnung der Sozialhilfeleistungen zu berücksichtigen i st, umfasst nur die Hälfte von Fr. 1'209.--. Damit beträgt der strittige Mehrbetrag auch "lediglich" Fr. 104.50 (Fr. 604.50 statt Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 500.--). Des Weiteren kann vorliegend die Tatsache , dass die Beschwerdeführerin schon früher aufgefordert wurde, eine günstigere Wohnung zu suchen, und dass sie es über lange Zeit hingenommen hat, dass der den Mietzinsgrenzwert übe rschiessende Teil nicht von der Sozialhilfe übernommen wurde, nicht bedeuten, dass die jetzige unbestrittene Unverhältnis- mässigkeit, eine neue Wohnung zu suchen, "lediglich" dazu führt, dass die Beschwerdeführerin nicht sanktioniert wird. Die Unverhältnismässigkeit eine neue Wohnung zu suchen, muss vorlie- gend dazu führen, dass die effektiven Kosten der Wohnu ng angerechnet werden, unabhängig davon, dass sie bereits früher dazu verpflichtet wurde . Aus diesen Gründen kommt das Gericht zum Schluss, dass in diesem Fall bei der Berechnung des Anspruchs die Wohnkosten von Fr. 1'209.-- bzw. die Hälfte davon zu berücksichtigen sind und damit Fr. 604.50 anzurechnen sind. In diesem Punkt ist die Beschwerde gutzuheissen. 7.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. 7.2. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kanto nsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Be weiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmas s auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Da die Beschwerdeführerin vorliegend teilweise obsiegt, rechtfertigt es sich die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- je zu einem Drittel und da mit im Umfang von je Fr. 500.-- der Be- schwerdeführerin, dem Beschwerdegegner und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen d ie auf die Beschwerdeführerin anfal- lenden Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- zu L asten der Gerichtskasse. Die Partei- kosten werden wettgeschlagen. 7.3. Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hi ngewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Regierungsratsbe- schluss Nr. 2020-1501 vom 3. November 2020, soweit die Be schwerde darin abgewiesen wird, aufgehoben und die Angelegenh eit zur Neubeur- teilung im Sinne der Erwägungen an die Sozialhilfebe hörde D.____ zu- rückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- werden je zu einem Drittel und damit im Umfang von je Fr. 500.-- der Be schwerdeführerin, dem Beschwerdegegner und der Beschwerdegegnerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die auf die Beschwerdeführerin anfallenden Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin