B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1197/2013 U r t e i l v o m 1 3 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiberin Sandra Min. Parteien A._______, geboren (…), alias B._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Hans Peter Roth, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. Januar 2013 / N (…). D-1197/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamil i- scher Ethnie – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 1. April 2009 und gelangte am 6. April 2009 in die Sc hweiz, wo er gle i- chentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum C._______ ein Asylge- such einreichte. Am 14. April 2009 fand die Befragung zur Person (BzP) und am 20. April 2009 die Anhörung zu den Asylgründen statt. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte de r Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei im März 2007 von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zwangsrekrutiert worden. Während dreier Monate habe er ein Training in einem LTTE -Camp bei Kilinochchi absolvieren müssen. Danach sei er nach Nagarkovil an die Front verlegt worden, wo er bis im Januar 2008 geblieben sei. Am 14. Januar 2008 habe er fliehen können. Er sei nach Hause (D._______, Distrikt Kilinochchi) zurückge- kehrt, habe aber jeweils im Wald übernachtet. Am 25. November 2008 habe er Kilinochchi verlassen und sich nach Vavuniya begeben, wo er bei einem Bekannten namens E._______ gewohnt habe. Am 9. Dezember 2008 sei er von der sri -lankischen Armee bei einer Strassenkontrolle w e- gen seiner Herkunft aus Kilinochchi festgenommen und für mehrere Tage in einem Armeecamp festgehalten worden. Am ersten Tag sei er während des Verhörs geschlagen worden, anschliessend habe er sich täglich B e- fragungen zu all fälligen Verbindungen bezüglich der LTTE unterziehen müssen, ohne aber geschlagen worden zu sein. Am 19. Dezember 2008 sei er unter Aushändigung seiner Identitätskarte aus dem Armeecamp freigelassen worden, nachdem er in einem Register unterschrieben habe. Im Januar 2009 habe sich die Armee einmal bei E._______ nach ihm er- kundigt, dana ch nicht mehr. Bei einer Rückkehr befürchte er Verfo l- gungsmassnahmen durch die sri-lankischen Behörden und die LTTE. A.c Der Beschwerdeführer reichte im vorinstanzlichen Verfahren eine n a- tionale Identitätskarte (ausgestellt am […]), eine Geburtsurkun de, ein Schreiben der Sri Lanka Red Cross Society vom (...), ein Schreiben der Human Rights Commission of Sri Lanka vom (...), zwei Wohnsitzbeschei- nigungen seiner Eltern und Brüder vom (...), eine Beschei nigung des Dorfvorstehers von F._______ (Distrikt Jaffna) vom (...) und ein Affidavit seines Vaters vom (...) ein. D-1197/2013 Seite 3 B. B.a Mit Verfügung vom 31. Januar 2013 – eröffnet am 5. Februar 2013 – stellte das BFM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseige n- schaft nicht erfülle und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug. B.b Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, der Beschwer- deführer hätte nicht überzeugend darzulegen vermocht, dass er von der sri-lankischen Armee vorübergehend festgenommen worden sei. Seine diesbezüglichen Ausführungen seien oberflächlich und wenig konkret g e- wesen. So habe seine Beschreibung des Gefängnisalltags inhaltsleer ge- wirkt (Akten BFM A 7/21 S. 16). Dann habe er davon gesprochen, auch von Leuten befragt worden zu sein, di e auf Motorrädern ins Armee-Camp gelangt seien. Er habe aber keine genauen Angaben zu diesen Leuten auf Motorrädern machen können. Er habe nicht angeben können, um welche Einheit es sich konkret gehandelt habe und weshalb er von di e- sen Leuten befragt word en sei. Des Weiteren sei nicht nachvollziehbar, wie er zu dieser Beschreibung von "Leuten auf Motorrädern" gekommen sei, zumal er angegeben habe, sich während des gesamten Gefängni s- aufenthalts stets im gleichen Zimmer aufgehalten zu haben ( a.a.O. S. 16- 17). Ebenfalls sei nicht nachvollziehbar, dass er sich einerseits bei se i- nem Freund E._______ versteckt habe und andererseits von Soldaten der sri-lankischen Armee einen Monat nach Haftentlassung an der Adres- se von E._______ gesucht worden sei. Diese beiden A ussagen seien in- haltlich in sich widersprüchlich. So hätte er gegenüber der sri -lankischen Armee seine temporäre Adresse bei seinem Freund angeben müssen, womit sei ne Aussage, sich dort versteckt zu haben, unzutreffend wäre. Hätte er sich tatsächlich be i seinem Freund E._______ versteckt, könne nicht geglaubt werden, dass ihn die sri -lankischen Behörden gezielt an der entsprechenden Adresse gesucht hätte n, zumal er im öffentlichen Raum verhaftet worden sei, womit keine Rückschlüsse auf das Versteck möglich gewesen wären ( a.a.O. S. 17). Die Glaubhaftigkeit dieser Vor- bringen sei mangels Substanziierung zu bezweifeln. Darüber hinaus wür- den die vom Beschwerdeführer nach der Anhörung einge reichten B e- weismittel eine ganz andere Geschichte wiedergeben. Im Aff idavit vom (...) sei keine Rede davon, dass er jemals durch die sri -lankischen S i- cherheitskräfte verhaftet worden sei. Stattdessen werde darin proklamiert, dass der Beschwerdeführer und sein Vater Mitte 2008 zu Hause in F._______ von unbekannten Personen auf Motorrädern mit Schusswaffen bedroht worden seien, wobei der Hund der Familie getötet worden sei. Auch die Bescheinigung des Dorfvorstehers von F._______ vom (...) D-1197/2013 Seite 4 spreche von unidentifi zierten Tätern. Angesichts dieser Ungereimtheiten und der wenig substanziierten Ausführungen seien diese Sachverhalt s- vorbringen als un glaubhaft zu beurteilen. Der Vollständigkeit halber sei anzufügen, dass der Beschwerdeführer ohnehin nicht aus der Haft en t- lassen worden wäre, wenn es sich bei ihm um eine von den sr i-lanki- schen Behörden gesuchte oder verdächtige Person gehandelt hätte. Fer- ner sei er bei seiner Ausreise auf dem Weg von Vavuniya nach Colombo zweimal an Armeekontrollposten unter Vorweisung seiner Identitätskarte kontrolliert worden, ohne dabei in Schw ierigkeiten geraten zu sein. Dass er dabei durch einen "Muslimen" begleitet worden sei, könne nicht dahi n- gehend gewertet werden, dass die sri-lankische Armee ihn – hätte es sich bei ihm um eine gesuchte oder verdächtige Person gehandelt – von einer Festnahme verschont h abe ( a.a.O. S. 4). An dieser Einschätzung ve r- möchten auch die eingereichten Beweisunterlagen nichts z u ändern, da diese inhaltlich in Widerspruch zu seinen Aussagen stünden und diese somit nicht stützen könnten. So könne den Beweisunterlagen entnommen werden, dass der Beschwerdeführer mit seiner Familie in F._______ wohnhaft gewesen sei und nicht im Vanni -Gebiet, wie er es dargestellt habe. Ferner könnten den eingereichten Beweisunterlagen keine Hinwe i- se dafür entnommen werden, dass er jem als an der Front für die LTTE gekämpft habe oder von der sri -lankischen Armee in einem Armee-Camp festgehalten worden sei. Im Übrigen könne von der Behauptung, die sri - lankische Armee habe regelmässig ihr Haus in F._______ besucht, noch keine konkrete Verf olgungs- beziehungsweise Gefährdungssituation für den Beschwerdeführer abgeleitet werden, zumal derartige Massnahmen im Zusammenhang mit dem damaligen Ausnahmezustand als Folge des Bürgerkrieges zu sehen seien und darauf abgezielt hätten, die Infiltri e- rung von LTTE-Kämpfern in die Zivil gesellschaft zu unterbinden, was in asylrechtlicher Hinsicht keine relevante Verfolgungssituation darstelle. Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten nach dem Gesagten den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art . 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. Den Wegweisungsvollzug erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich, wobei es zu dessen Zumutbarkeit insbesondere ausführte, dass der Beschwerdeführer zwar aus dem Vanni -Gebiet stamme, jedoch über eine zumutbare innerstaatliche Wohnsitzalternative verfüge. So könne den eingereichten Beweisunterlagen entnommen werden, dass er nicht in Kilinochchi, sondern bis zu seiner Ausreise aus Sri Lanka mit seinen E l- tern und Geschwistern i n F._______ (Distrikt Jaffna) wohnhaft und g e- mäss der Bescheinigung des Dorfvorstehers von F._______ vom (...) D-1197/2013 Seite 5 auch nach seiner Ausreise an dieser Adresse registriert gewesen sei. Damit könne er auf ein familiäre s Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation ausserhalb des Vanni-Gebiets zurückgreifen. Für die weitere Begründung des BFM wird auf die angefochtene Verf ü- gung verwiesen. C. C.a Gegen die Verfügung des BFM liess der Beschwerdeführer mit Ei n- gabe vom 5. März 2013 (Datum Poststempel: 6. März 2013) beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde erheben und dabei in materieller Hi n- sicht beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumu t- barkeit der Wegweisung (recte: des Wegw eisungsvollzugs) festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu gewähren. C.b Zur Begründung der Beschwerdebegehren wird – mit Hinweis auf di- verse neuere Berichte zur politischen und menschenrechtlichen Lage in Sri Lanka – sinngemäss vorgebracht, dass der Kreis der in Sri Lanka als gefährdet geltenden Personen erweitert werden müsse. Betreffend den Beschwerdeführer wird sodann im Wesentlichen ausgeführt, es sei davon auszugehen, dass er anlässlich seiner Festnahme durch die sri-lankische Armee in das Register der ehemaligen LTTE-Kämpfer aufgenommen wor- den sei. In der Zwischenzeit habe sich gezeigt, dass diese Personen i m- mer wieder Übergriffen seitens der Armee und der Milizen ausgesetzt seien. Zudem seien die registrierten Personen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bereits am Flughafen einer grossen Gefahr ausgesetzt, Opfer von Verhören und Folterungen zu werden. Die Ausreise des Beschwerde- führers im April 2009 mit anschliessendem Asylgesuch in der Schweiz könne von den sri -lankischen Sicherheitsbehörden als Bestätigung dafür gewertet werden, dass ein berechtigter Verdacht der LTTE -Mitgliedschaft bestehe. Beim Beschwerdeführer komme erschwerend hinzu, dass er nicht über eine spezielle militärische Identitätskarte verfüge, welche be s- tätigen würde, dass seine Identität sicherheitsdienstlich durchleuchtet worden sei. Er ha be daher ein stark erhöhtes Verhaftungsrisiko, insb e- sondere auch deshalb, weil seine offizielle sri-lankische Identitätskarte ihn als aus dem Van ni-Gebiet stammend abstemple. Personen aus dem Vanni-Gebiet würden von den sri -lankischen Behörden grundsätzlich ver- dächtigt, mit den LTTE in irgendeiner Form zusammengearbeitet zu h a- ben. Ferner sei die Gefahr, wel che dem Beschwerdeführer durch Milizen drohe, als mindestens ebenso gefährlich wie die polizeiliche oder militär i-D-1197/2013 Seite 6 sche Verfolgung zu bewerten. Da die staat lichen Behörden den von Mil i- zen verfolgten Personen keinen Schutz gew ährten, müsse diese Tats a- che bei der Prüfung der Flüchtlingseigens chaften berücksichtigt werden. Er gehöre als reicher tamilischer Geschäftsmann zu den Hauptbetroff e- nen der kriminellen Aktivitäten der Milizen. Betroffen seien aber auch g e- wöhnliche tamilische Bürger, welche der Sympathien mit den LTTE ver- dächtigt würden. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden sodann typische Realitätskriterien aufweisen, die eine wahre Geschichte au s- zeichnen würden. Bezüglich der eingereichten Dokumente sei festzuhal- ten, dass der Beschwerdeführer seinen Eltern mitgeteilt habe, er brauche dringend Beweismittel für sein Asylverfahren, weshalb sich diese um en t- sprechende Referenzen an ihrem provisorischen Wohnort bemüht hätten. Sie hätten ihm in der Folge mehrere Dokument e zugesandt, die er sofort dem BFM eingereicht habe, ohne sie zuvor genau zu kontrollieren. Wahr- scheinlich habe dabei eine grosse Rolle gespielt, dass er die englisc h- sprachigen Dokumente nicht verstanden habe. Die Dokumente würden gravierende Fehler enthal ten. Beispielsweise habe der Dorfvorsteher in seinem Schreiben vom (...) bestätigt, dass der Beschwerdeführer ein permanenter Bewohner seines Bezirks sei, was überhaupt nicht stimme, da er zu keinem Zeitpunkt in F._______ gelebt habe. Der Dorfvorsteher habe diese Bestätigung auf Wunsch des Vaters ausgestellt und den ric h- tigen Sachverhalt wahrscheinlich falsch verstanden. Das BFM habe auf das Affidavit vom (...) verwiesen, in welchem die Verhaftung des B e- schwerdeführers unerwähnt geblieben sei. Das sei zwar korrekt, jedoch habe er seinen Eltern nichts von seiner Festnahme erzählt, so dass diese auch keinen Eingang in das Affidavit gefunden habe. Unrichtig sei die Be- hauptung des BFM, wonach im Affidavit von einer Bedrohung die Rede sei, welche in F._______ Mitte 2008 stattgefunden habe. Das vom Vater geschilderte Ereignis habe tatsächlich stattgefunden, aber nicht in F._______, sondern in D._______, als sich der Beschwerdeführer wegen seiner Fahnenflucht vor den Nachstellungen der LTTE -Leute habe ve r- bergen müssen. Schliesslich sei festzuhalten, dass die Flüchtlingseige n- schaft auch bei Furcht vor künftiger Verfolgung erfüllt sein könne. Um das Vorliegen eines solchen realen Risikos abzuschätzen, habe sich die en t- scheidende Behörde mit der speziellen Situation im Herkunftsstaat, be- ziehungsweise den dort üblichen Verfolgungsmustern in Verbindung mit den persönlichen Erlebnissen des Asylsuchenden und den Personen aus dessen Umfeld auseinanderzusetzen. Diese Leitlinie habe das BFM vo r- liegend nicht eingehalten. Das BFM habe es unterlassen, sich eingehend mit der aktuellen Repression gegen die tamilische Minderheit und gegen andere oppositionelle Kräfte auseinanderzusetzen. Die Furcht vor zukünf-D-1197/2013 Seite 7 tiger Verfolgung erscheine vorliegend begrün det, denn der Beschwerd e- führer habe eine Kopie des Haftbefehls vom (…) von seinen Eltern erhal- ten. Im Haftbefehl würden die Sicherheitskräfte angehalten, den B e- schwerdeführer zu verhaften, weil er sich einer gerichtlichen Unters u- chung betreffend Unterstützung der LTTE entzogen habe. Zum Wegweisungsvollzug wird sodann vorgebracht, dass die eingereic h- te Geburtsurkunde und die Identitätskarte die Herkunft des Beschwerd e- führers aus D._______ bestätigen würden. Für das BFM wäre es einfach, von der Schweizer Vertretung in Colombo Informationen zur tatsächlichen Herkunft des Beschwerdeführers einzuholen. Auch eine innerstaatliche Fluchtalternative existiere nicht, da er als ehemaliger LTTE -Kämpfer aus dem Vanni-Gebiet, welcher noch nie einer sicherheits dienstlichen Über- prüfung unterzogen worden sei, mit grösster Wahr scheinlichkeit auf einer Fahndungsliste aufgeführt sei, weshalb er bereits bei seiner Ankunft am Flughafen mit einer Verhaftung rechnen müsse. Zahlreiche Berichte – beispielsweise der neuste Bericht von Human Rights Watch ("We Wi ll Teach You a Lesson" Sexual Violence against Tamils by Sri Lankan Secu- rity Forces, Februar 2013) – würden nahelegen, dass heimkehrende T a- milen verhaftet und gefoltert würden, weshalb die Wegweisungsrichtlinien betreffend Sri Lanka dringend geändert werden müssten. C.c Der Beschwerde lagen unter anderem eine Kopie des Haftbefehls vom (…) (mit englischer Übersetzung), eine Schulbestätigung vom 9. Februar 2013 (Kopie) und eine Erklärung des Dorfvorstehers von D._______ vom 6. Februar 2013 (Kopie) bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 12. März 2013 – eröffnet am 14. März 2013 – hielt der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Au s- gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig forderte er ihn auf, innert siebentägiger Frist eine Beschwerdever besserung (Unte r- schrift) einzureichen und bis zum 27. März 2013 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zu leisten. E. E.a Mit Eingabe vom 15. März 2013 wurde die Beschwerdeverbesserung eingereicht. E.b Der Kostenvorschuss ging am 20. März 2013 bei der Gerichtskasse ein. D-1197/2013 Seite 8 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nac h dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einz u- treten. 2. Mit B eschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Re- gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in D-1197/2013 Seite 9 solchen Fällen auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gru ppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentlichen mit der fehlenden Glaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen des B e- schwerdeführers (Art. 7 AsylG). 5.2 Da das Bundesverwaltungsgericht an die rechtli che Begründung der vorinstanzlichen Verfügung nicht gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG), kann es eine angefochtene Verfügung im Ergebnis gleich belassen, di e- ser aber eine andere Begründung zu Grunde legen (Motivsubstitution). Diese Möglichkeit der Moti vsubstitution ist im Grundsatz der Rechtsa n- wendung von Amtes wegen begründet (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwa l- tungsgericht, Basel 2008, S. 181 Rz. 3.197). Im vorliegenden Fall nimmt das Bundesverwaltungsgericht eine Motivsubstitution im erwähnten Sinne vor und würdigt nachstehend die Verfolgungsvorbringen des Beschwe r- deführers nicht unter dem Gesichtspunkt der Glaubhaftigkeit, sondern un- ter demjenigen der Asylrelevanz. D-1197/2013 Seite 10 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil BVGE 2011/24 vom 27. Oktober 2011 eine umfassende Lageanalyse der gegenwärtigen Situation in Sri Lanka vorgenommen. Dabei hat es – im Sinne von Ris i- kogruppen – Personenkreise definiert, die auch nach der Beendigung des militärischen Konflikts immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr aus- gesetzt sind. Zu diesen Risikogruppen gehören unter anderem Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, abgewiesene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE -Kader oder Pers o- nen, die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen (siehe die ausführl i- che Darstellung der Personengruppen im erwähnten Urteil in E. 8). Diese Lageanalyse ist – auch im Hinblick auf neue re Berichte zur politischen und menschenrechtlichen Lage in Sri Lanka – weiterhin massgebend (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -980/2012 vom 11. März 2013 E. 7.1 und 7.3.3). Es ist somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer einer Risikogruppe im Sinne von BVGE 2011/24 angehört. 6.2 6.2.1 Der Beschwerdeführer war selbst (zwangsrekrutiertes) Mitglied der LTTE. Er absolvierte ein dreimonatiges Training und wurde danach für mehrere Monate als Beobachtungsposten an der Front eingesetzt, betei- ligte sich aber – soweit aus den Akten ersichtlich – nicht direkt an Kampf- handlungen (vgl. A 7/21 S. 11). Er war mithin ein unbedeutendes LTTE - Mitglied mit untergeordneter Funktion , was für sich allein genommen noch kein Risikoprofil zu begründen vermag. 6.2.2 Auch die Tatsache, d ass der Beschwerdeführer nach zehntägiger Haft wieder aus dem Armeecamp freigelassen wurde, spricht gegen ein (heute noch bestehendes) Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behör- den an seiner Person. Wie bereits das BFM zu Recht ausführte, wäre der Beschwerdeführer nicht aus der Haft entlassen worden, wenn es sich bei ihm um eine von den sri -lankischen Behörden gesuchte oder verdächtige Person gehandelt hätte. Man hätte ihn im Gegenteil mit Sicherheit weite r- hin inhaftiert und gegen ihn ein Verfahren eröf fnet. Die Tatsache, dass dies nicht geschehen ist, lässt eine Gefährdung als unwahrscheinlich e r- scheinen. Zudem gilt der Umstand, dass sich die sri -lankische Armee mehrmals nach dem Beschwerdeführer erkundigt haben soll (einmal im Januar 2009 bei seinem Bekannten E._______ – was aufgrund fehlender D-1197/2013 Seite 11 Beweise eine Behauptung bleibt – und Ende 2009 mehrmals bei seinem Vater), nicht als konkretes Indiz für eine künftige Verfolgung. Aus den ein- gereichten Schreiben der Sri Lanka Red Cross Society und der Human Rights Commission of Sri Lanka vom (...) wird denn auch nicht ersichtlich, in welcher Angelegenheit (es ist lediglich von einem Verdacht die Rede), wie oft und wann genau sich die Armee beim Vater nach seiner Person erkundigt haben soll, was allerdings in A nbetracht der Relevanz dieser Tatsache zu erwarten gewesen wäre. 6.2.3 Des Weiteren vermögen auch die Vorbringen auf Beschwerdeebene keine konkrete Furcht vor künftiger Verfolgung zu begründen. Weder ist erwiesen noch erscheint es aufgrund der vorgängigen Ausfü hrungen plausibel, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Festnahme in ein Register von ehemaligen LTTE-Kämpfern aufgenommen worden und aus diesem Grund gefährdet sein soll. Auch die auf Be schwerdeebene einge- reichte Kopie des Haftbefehls vom (...) lässt eine Gefährdung nicht wahr- scheinlich erscheinen, zu mal aufgrund des Erscheinungsbildes (insbe- sondere der Unleserlichkeit), aber auch der Formulierung des Grundes für den Haftbefehl ("open warrant for not attend to the case of LTTE suspect", wobei we der aus den Akten ersichtlich ist noch in der B e- schwerde erläutert wird, wann sich der Beschwer deführer einer gericht - lichen Untersuchung betreffend Unterstützung der LTTE entzogen ha ben soll), erhebliche Zweifel an dessen Authentizität bestehen. Soweit der Be- schwerdeführer auf Beschwerdeebene sodann geltend macht, er weise ein Risikoprofil auf, da er aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren würde, ist zu bemerken, dass der Umstand, dass er im April 2009 ausg e- reist ist und in der Schweiz ein Asylgesu ch eingereicht hat, nicht zur An- nahme einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu führen vermag, da keine Hinweise dafür bestehen, dass er sich im nahen Umfeld der LTTE bewegt (hat). 6.2.4 Nach dem Gesagten bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass de r Beschwerdeführer zur Risikogruppe der Personen gehört, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Ve r- bindung zu stehen oder gestanden zu haben. 6.3 Es bestehen sodann keine konkreten Hinweise dafür, dass der B e- schwerdeführer einer anderen Risikogruppe im Sinne von BVGE 2011/24 angehört. Zwar wird in der Beschwerde behauptet, er sei als reicher tami- lischer Ge schäftsmann durch kriminelle Akt ivitäten von Milizen bedroht. Dies wird aber nicht näher ausgeführt und ist im Übrigen aus den Akten D-1197/2013 Seite 12 nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer aus dieser Behauptung nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag. 6.4 Des Weiteren begründet auch die im Affidavit geschilderte Verfolgung durch Unbekannte – sofern überhaupt glaubhaft – keine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG. Aufgrund obiger Ausführungen ist unwahrschei n- lich, dass die sri-lankische Armee oder die mit ihr zusammenarbeitenden Gruppierungen ein Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer gehabt haben und hinter diesen Vorfällen steckten. Es ist vielmehr davon ausz u- gehen, dass der Beschwerdeführer damals von unbekannten Dritten ve r- folgt wurde. Diesbezügli ch ist festzuhalten, dass in Berücksichtigung der Vorbringen und der nunmehr herrschenden Verhältnisse in Sri Lanka seit Ende des Bürgerkrieges nichts darauf hindeutet, der Beschwerdeführer habe im heutigen Zeitpunkt seitens dieser unbekannten Dritter, die von der damaligen Bürgerkriegssituation profitierten, etwas zu befürchten. 6.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass soweit der Beschwerdeführer Re- pressalien durch die LTTE geltend gemacht hat, eine Verfolgung von di e- ser Seite aus heutiger Sicht ausgeschlossen werden kann, da diese O r- ganisation im gesamten Staatsgebiet von Sri Lanka als zerschlagen gilt (vgl. BVGE 2011/24 E. 9.1.1). 6.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer kein asylrelevantes Risikoprofil aufweist , weshalb die Vorinstanz sein Asylg e- such im Ergebnis zu Recht abgelehnt hat. Nach dem Gesagten erübrigt es sich, weiter auf die Beschwerdevorbringen und die eingereichten B e- weismittel einzugehen, da sie an obiger Erkenn tnis nichts zu ändern ve r- mögen. 7. 7.1 Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). D-1197/2013 Seite 13 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Ab s. 1 de s Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegend en Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh-D-1197/2013 Seite 14 rers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK widrige Behan d- lung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kin g- dom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. J uli 2008 P .K. v. Den- mark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011 T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011 E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be- fragung ein Interesse. Nachdem der Beschwerdeführer nicht geltend zu machen vermag, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufm erksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Au s- mass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen. Auch die allgemei ne Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. An dieser Einschätzung vermögen auch neuste n Quellen zur Rückkehrgefährdung von tamilischen Asylsuchenden in ihr Heimatland – wie beispielsweise der in der Beschwerde erwähnte Bericht "We Will Teach You a Lesson" von Human Rights Watch – nichts zu ä n- dern (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-42/2012 vom 27. März 2013 E. 9.2.3). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung s o-D-1197/2013 Seite 15 wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu- lässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürge rkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in BVGE 2011/24 eine (aktual i- sierte) Analyse der Situation in Sri Lanka vorgenommen. Dabei hat es den Wegweisungsvollzug nur bezüglich des sogenannten Vanni-Gebietes als unzumutbar eingestuft. Bei Personen, die aus diesem Gebiet sta m- men, ist zu prüfen, ob ei ne zumutbare Aufenthaltsalternative existiert. Im Sri Lanka -Kontext erfordert die Annahme einer zumutbaren innerstaatl i- chen Aufenthaltsalternative das Vorliegen besonders begünstigender Faktoren, insbesondere die Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie die Aussichten auf eine gesicherte Ein- kommens- und Wohnsituation (BVGE a.a.O. E. 13.2.2.3). Der Wegwe i- sungsvollzug in die Nordprovinz – mit Ausnahme des Vanni-Gebietes – ist sodann nicht mehr generell unzumutbar. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückha l- tende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio-ökonomische und medizinische As- pekte) ist dabei auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses G e- biet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen h a- ben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsät z- lich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens - und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt d er Ausreise ge- herrscht hat und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordpr o- vinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkret e Umstände aus den Verfahrensakten he r- vor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verä n- dert haben können, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnver- hältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutbarkeit des Wegwe i-D-1197/2013 Seite 16 sungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer i n- nerstaatlichen Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. BVGE a.a.O. E. 13.2.1). 8.3.3 Der Beschwerdeführer lebte eigenen Angaben zuf olge in D._______ (Distrikt Kilinochchi) und somit im Vanni -Gebiet, was er alle r- dings nicht hinreichend belegen konnte. Die Geburtsurkunde, die im Jahr 2001 ausgestellte nationale Identitätskarte und die Schulbestätigung vom 9. Februar 2013 beweisen nicht, dass er in den Jahren vor seiner Ausre i- se tatsächlich in D._______ lebte. Dagegen legt die Bescheinigung des Dorfvorstehers von F._______ (Distrikt Jaffna) vom (...) nahe, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise (schon längere Zeit) in F._______ lebte. Auf Beschwerdeebene wird zwar behauptet, dass diese Bestätigung auf Wunsch des Vaters des Beschwerdeführers ausgestellt worden sei und der Dorfvorsteher den richtigen Sachverhalt "wahrschei n- lich" falsch verstanden habe. Dieser Erklärungsversu ch überzeugt alle r- dings nicht, zumal unklar ist, welchen Sachverhalt der dort ansässige Dorfvorsteher (in Bezug auf den Beschwerdeführer) korrekterweise hätte bestätigen sollen. Der Beschwerdeführer kann sich zudem nicht darauf berufen, dieses Dokument we gen seinen geringen Englischkenntnissen ohne vorherige Kontrolle dem BFM eingereicht zu haben, sondern muss sich die von seinen Aussagen abweichenden Angaben entgegenhalten lassen. Es besteht somit ein – auch nicht durch die erst im Beschwerd e- verfahren eingereichte Erklärung des Dorfvorstehers von D._______ vom 6. Februar 2013, deren Authentizität im Übrigen aufgrund der gesamten Darstellung erheblich in Zweifel gezogen wird, – Widerspruch zwischen den Angaben des Beschwerdeführers und der Bescheinigung de s Dorf- vorstehers von F._______. Des Weiteren bestehen Unklarheiten bezü g- lich des familiären Umfelds des Beschwerdeführers in Sri Lanka. So e r- wähnte er anlässlich der BzP – ausser seinen Eltern und Geschwistern – keine Verwandte (in Sri Lanka) . Aus dem Affi davit vom (...) geht jedoch hervor, dass er für gewisse Zeit bei einem Onkel in G._______ (Distrikt Jaffna) lebte. Bei dieser Sachlage können die genauen Verhältnisse vor Ort nicht geklärt werden und sind vom Bundesverwaltungsgericht (wie auch vom BFM) praxisgemäss auch nicht weiter abzuklären, da die U n- tersuchungspflicht nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwi r- kungspflicht der beschwerdeführenden Person findet (Art. 8 AsylG), die D-1197/2013 Seite 17 auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Die Fragen, ob der Be- schwerdeführer tatsächlich aus dem Vanni-Gebiet stammt und über keine geeignete Aufenthaltsalternative verfügt, können folglich offengelassen werden. Im Übrigen ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zehn Jahre die Schule besuchte und über Erfah rungen in der Land wirtschaft verfügt, womit eine wirtschaftliche Wiedereingliederung in Sri Lanka mög- lich sein wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegwe i- sung auch als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Sie sind auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 20. März 2013 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-1197/2013 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss ve r- rechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Sandra Min Versand: