B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4518/2008 U r t e i l v o m 1 9 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. Parteien A._______, geboren am (…), Kosovo, vertreten durch lic. iur. Stefan Galligani, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Juni 2008 / N (…). E-4518/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer aus B._______ (Rahovec) stellte am 6. Juli 1992 erstmals von C._______ aus einreisend in der Schweiz ein Asylgesuch. Damals brachte er vor, von Kroatien aus Ende Mai 1992 nach C._______ ausgereist zu sein, nachdem ihm die Flucht vor serbischen Freischärlern gelungen sei und er aus dem Militärdienst desertiert sei . Er habe am 24. Mai 1992 ein Asylgesuch in C._______ gestellt, da er abe r nach D._______ hätte gehen sollen, sei er am 6. Juli 1992 in die Schweiz ei n- gereist und habe dort am selben Tag ein Asylgesuch gestellt. Am 22. Juli 1992 wurde der Beschwerdeführer vorsorglich nach C._______ wegge- wiesen. Nach Vollzug der vorsorglichen Wegweisung wurde das Asylge- such nach Wegfall des Rechtsschutzinteresses mit Schreiben vom 15. September 1992 als gegenstandslos geworden abgeschrieben. B. Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben gemäss am 21. Oktober 2004 über Albanien und Italien wieder aus dem Heimatland aus und am 24. Oktober 2004 erneut in die Schweiz ei n, wo er am nächsten Tag in (…) ein Asylgesuch einreichte. In der summarischen Befragung vom 2. November 2004 und in der eingehenden Anhörung vom 8. November 2004 brachte er vor, er habe sich von 1992 bis 2001 in C._______ auf- gehalten, danach sei er am 18. Januar 2001 freiwillig in sein Heimatdorf zurückgekehrt, habe geheiratet und sei dann erneut nach C._______ ein- gereist, wo er Ende September 2001 ein erneutes Asylgesuc h gestellt habe. Er habe sich in C._______ unter dem Aufenthaltstitel einer Duldung aufgehalten und sei am 5. Juni 2003 wieder freiwillig nach Hause zurüc k- gereist, da seine inzwischen erstgeborene Tochter schwer erkrankt sei. Zur Begründung seines Asylgesu ches führte er aus, vor fünfzig Jahren habe der serbische Staat seiner Familie Land weggenommen mit der Be- gründung, die Familie besässe zu viel Land. Dieses Land habe später ei- ne andere Familie aus dem Dorf dem Staat abgekauft. Nach dem Krieg habe die Familie des Beschwerdeführers ihre Ansprüche auf das Land geltend gemacht und die Käufer-Familie beschworen, das Land zurüc k- zugeben. Die Rechtslage hinsichtlich der Grundstücksverhältnisse sei unklar gewesen. Im Jahr 2000 habe sein e Familie erneut Ansprüche auf das Land erhoben. Daraufhin sei es zu Schlägerei en zwischen den ver- feindeten Familien gekommen. Der Beschwerdeführer sei im Jahr 2001, als er die Felder ihres ehemaligen Landbesitzes am Bestellen gewesen E-4518/2008 Seite 3 sei, von den neuen Be sitzern angegriffen und mit Schlagstöcken ge- schlagen worden. Daraufhin hät ten Mitglieder seiner Familie Angehörige der anderen Familie ge schlagen und es sei eine Familienfehde entstan- den. Da er diese Probleme nicht ausgehalten habe, sei er im Jahr 2001 nach C._______ zurückgekehrt. Seine Angehörigen hätten ihm übel g e- nommen, dass er die Familienfehde nicht dem Ehrenkodex gemäss habe ausstehen wollen und habe daraufhin zur Bestrafung die Ehefrau des Beschwerdeführers ausgegrenzt. Währenddessen seien seines Wissens nach Vermittlungsversuche in der Heimat zwischen den verfeindeten F a- milien gescheitert. Zwischen Mitte 2001 und dem Angriff auf seinen Br u- der im Jahr 2004 hätte es Drohungen gegeben, aber keine gewaltsamen Übergriffe zwis chen den verfeindeten Fami lien. Der Beschwerdeführer habe bei seiner Rückkehr im Jahr 2003 mit seiner Ehefrau und den ge- meinsamen Kinder zusammengelebt und als Busfahrer gearbeitet. Im Juli 2004 sei einer seiner Brüder (E._______) von Mitgliedern der anderen Familie angegriffen worden und habe diese schwer verletzt. Sein Bruder sei angezeigt und von der Polizei befragt worden. Der Beschwerdeführer und seine Familie hätten sich nicht an die Polizei gewandt. Er sei aus Angst vor weiteren Auseinandersetzungen ausgereist. C. Mit Schreiben vom 27. November 2006 reichte der ehemalige Rechtsve r- treter des Beschwerdeführers ein Arztzeugnis des Allgemeinmediziners F._______ vom 21. November 2006 ein. D. Mit Verfügung vom 24. Juni 2008 - eröffnet am 27. Juni 2008 - lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung der Ablehnung des Asylgesuchs führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand. E. Mit Eingabe vom 7. Juli 2008 focht der Be schwerdeführer durch seinen neuen, am 13. September 2007 mandatierten , Rechtsvertreter die Verfü- gung des BFM beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft, sinngemäss die Gewährung des Asyls und die E-4518/2008 Seite 4 Aufhebung der Wegweisung sowie sinn gemäss die Undurchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges unter Anordnung der vorläufigen Aufnahme. F. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2008 forderte die damalige Instrukt i- onsrichterin den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschu s- ses sowie zur Einrei chung eines aktuellen Arztzeugnisses innert gleicher Frist auf. Der geforderte Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 21. Juli 2008 eingezahlt. G. Mit Schreiben vom 28. Juli 2007 reichte der Beschwerdeführer ein ärztli- ches Zeugnis des Allgemeinmediziners F._______ vom 17. Juli 2008 so- wie zwei ärztliche Schreiben von G._______, (Funktion), Spital (Name), vom 20. Februar 2008 und 3. März 2008 sowie einen Bericht desselben Arztes vom 3. März 2008 und eine an den Beschwerdeführer gerichtete Einladung des Spitals (Name) vom 10. Juli 2008 mit einer Terminb e- kanntgabe für den 12. August 2008 zu einer fachärztlich rheumatolog i- schen Untersuchung respektive Ultraschall zu den Akten. H. In ihrer Vernehmlassung vom 27. August 2008 hielt das BFM fest, g e- mäss den ihm vorliegenden Erkenntnissen seien die Fussprobleme des Beschwerdeführers im Heimatland behandelbar. Den Inhalt der Schreiben sei nicht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer einer spezialisierten medizinischen Behandlung bedürf e beziehungsweise zwingend a uf eine medizinische Behandlung in der Schweiz angewiesen sei. Gemäss Art. 3 EMRK stelle ein im Vergleich mit der Schweiz schlechterer Standard auch kein völkerrechtliches Vollzugshindernis dar, weshalb der Wegweisung s- vollzug auch deshalb als zumutbar zu bewerten sei. I. In seiner Replik vom 3. Oktober 2008 zweifelte der Beschwerdeführer an der Richtigkeit der Einschätzung des BFM, wonach seine Behandlung auch im Heimatland möglich sei. Schliesslich bestehe laut ärztlichen B e- richten eine spezielle Problemat ik im Fersenbereich. Die komplexe Be- handlung könne aber nur in der Schweiz erfolgen, nicht im Kosovo. Zu- dem befinde sich der Beschwerdeführer in psychiatrischer, auch medik a- mentöser, Behandlung. Mit der Replik reichte der Beschwerdeführer K o- pien eines vom Allgemeinmediziner F._______ ausgestellten Medika- mentenrezeptes vom 16. Juli 2008 sowie ein es Briefes der (psychiatri-E-4518/2008 Seite 5 sche Einrichtung), vom 11. September 2008 an den Beschwerdeführer ein, in welchem ihm der Termin für eine Erstkonsul tation (6. Oktober 2008) mitgeteilt wurde. J. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2008 liess der Beschwerdeführer durch se i- nen Rechtsvertreter ein Arztzeugnis des (psychiatrische Einrichtung) vom 6. Oktober 2008 einreichen, wonach sich der Beschwerdeführer dort vom 9. August 2007 bis zum 19. Dezember 2007 in ambulanter Behandlung befunden habe und am 6. Oktober 2008 zur (psychiatrische Einrichtung) vorstellig gewesen sei. Zudem gab er ein Medikamentenrezept des (psy- chiatrische Einrichtung) vom 6. Oktober 2008 sowie einen Beleg für einen dortigen Arzttermin am 27. Oktober 2010 zu den Akten. K. Einem "Kurzbrief" der Sozialversicherung (SVA) H._______, Invalide n- versicherung (IV)-Stelle, (…) vom 16. Februar 2011 an das Migrationsamt des Kantons H._______ ist zu entnehmen, dass das Kantonale Versiche- rungsgericht mit Urteil vom 4. November 2010 eine IV -Rentenprüfung teilweise gutgeheissen und die IV-Stelle H._______ veranlasst habe, wei- tere Abklärungen zu tätigen. L. Die Instruktionsrichterin forderte den Beschwerdeführer am 9. Mai 2012 auf, innert Frist neue aktuelle ärztliche Zeugnisse und Entbindungserkl ä- rungen beizubringen, sofern der Beschwerdeführer sich weiterhin in ärz t- licher Behandlung befinde. M. Innert erstreckter Frist reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht der (psychiatrische Einrichtung), von I._______ und J._______, vom 25. Juni 2012 zu den Akten sowie eine vom Beschwerdeführer unterschriebene Entbindung der behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht gegenüber dem Bundesverwaltungsgericht vom 29. Mai 2012 ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. E-4518/2008 Seite 6 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgeric ht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet 1.2 Das Verfahren richtet sich na ch dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlin gen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ern sthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des E-4518/2008 Seite 7 Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM führte in s einem Entscheid aus, es werde nicht in Abrede gestellt, dass die damaligen heimatlichen Behörden zu einem früheren Zeitpunkt Land der Familie des Beschwerdeführers beschlagnahmt hät- ten. Möglich sei auch, dass es mit einer anderen Familie aus dem Dorf in- folge des Landkaufs Unstimmigkeiten gegeben habe. Diesen komme aber keine Asylrelevanz zu, da der vom Beschwerdeführer genannte Aus- reisegrund, er habe Angst vor erneuten Schlägen durch die Gegenseite gehabt und sich nicht si cher gefühlt , nicht als konk rete Be drohung im flüchtlingsrechtlichen Sinn zu bezeichnen sei . Vielmehr hand le es sich bloss um eine entfernte Möglichkeit zukünftiger Verfolgung, welcher es an konkreten Indizien für eine nachvollziehba r erscheinende Furcht vor dro- henden Racheakten mangle. Der Beschwerdeführer habe nur stereotyp und sehr allgemein über Rache gesprochen, nicht erklären können, wie sich dieser Streit weiter entwickelt habe und auch nicht den Übergriff aus dem Jahr 2004 auf seinen Bruder konkret schildern können. Zudem fehle es den Schilderungen an einer subjektiven Prägung. Insgesamt sei eine objektiv begründete Furcht vor Übergriffen der Gegenseite zu verneinen. 4.2 In der Beschwerde brachte der Beschwerdeführer vor, diese blutige Familienfehde dauere weiter an, selbst in einer Ruhepause lasse der Druck nicht nach, da immer mit Vergeltung gerechnet werden müsse. Staatliche Behörden könnten dabei keinen Schutz vor Übergriffen bieten. Ein anderer Wohnort im Kosovo sei dem Beschwerdeführer nicht zuz u- muten, da Kosovo ein kl eines Land sei und sein neuer Wohnort somit schnell ausgemacht würde. 4.3 Die Frage nach der Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschwe r- deführers kann offen bleiben, da selbst bei Unterstellung der Wahrheit der E-4518/2008 Seite 8 geschilderten Auseinandersetzungen und Bedrohungen die Flüchtlingsei- genschaft des Beschwerdeführers zu verneinen ist. Wie das BFM zu Recht ausführte, sind Befürch tungen, künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein, nur dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur Annahme besteht, dass sich die Verfolgung mit beachtlicher Wahrschein lichkeit und in absehbarer Zukunft verwirkl i- chen wird. Dabei genügt es nicht, dass diese Furcht lediglich mit Vo r- kommnissen oder Umständen, die sich früher oder später möglicherweise ereignen könnten, begründet wird. Ob in einem bestimmten Fall eine so l- che Wahrscheinlichkeit besteht, ist aufgrund einer objektivierten Be trach- tungsweise zu beur teilen. Es müssen somit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage zu Furcht vor Verfolgung und damit zum Entschluss zur Flucht führen würden. Gleichwohl ist für die Bestimmung der begrü n- deten Furcht nicht allein massgebend, was ein normal empfindender Mensch angesichts der geschehenen oder drohende n Verfolgungsmass- nahmen zu Recht an Furcht empfunden hätte. Diese rein objekti ve Be- trachtungsweise ist zusätzlich durch das vom Betroffenen be reits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits Verfolgungsmassnahm en ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht. Die subjektive Furcht ist diesfalls bereits dann begründet , wenn sie zwar diejenige eines sich in der gleichen Situation befindli chen "vernünftigen Dritten" übersteigt, aber trotzdem nachvollziehbar bleibt (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9 mit weiteren Hinwei sen). Im vorliegenden Fall mangelt es an A n- haltspunkten, um eine objektiv begründete Furcht vor weiteren Verfo l- gungsmassnahmen zu bejahen. Das BFM hat zu Recht ausgeführt, dass es an konkreten Indizien für eine drohende Rache der gegnerischen F a- milie fehlt. Die Angriffe auf den Beschwerdeführer erfolgten mehrere Ja h- re vor der Ausreise, nach seiner Rückkehr im Jahr 2003 hat er persönlich keine Angriffe erlebt (vgl. auch act. B7, S. 12) . Die Argumentation in der Beschwerde, auch in dieser "Ruhepause" habe ein un erträglicher psychi- scher Druck bestanden, überzeugt nicht. Die Schilderung der drohenden Rache der gegnerischen Familie nach der Schlägerei seine s Bruders im Jahr 2004 und mögliche Auswirkungen auf ihn bleiben sehr vage. Bei Vorliegen konkreter Rachehandlungen der verfeindeten Familie könnte er zudem in einem anderen Teil des Kosovo Zuflucht suchen, da er selber zugibt, dass es nach dem Ehrenkodex so sei, dass ihn diese Familie bei Verlassen des Dorfes in Ruhe lassen würde (vgl. act. B7, S. 14, 15). E-4518/2008 Seite 9 Auch wenn es nach Aussagen des Beschwerdeführers gegen die Bräu- che seines Landes verstossen würde, zur Familie der Ehefrau zu ziehen, könnte dies trotzdem eine Alternative darstellen (vgl. act. B7, S. 15). 4.4 Zudem handelt es sich bei der als fluchtauslösend bezeichneten Be- drohung durch die gegnerische Familie um nichtstaatliche Verfolgung s- massnahmen. Nach der Schutztheorie hängt die flüchtlingsrechtliche R e- levanz einer nichtstaatlichen Verfolgung vom Vorhandensein eines ad ä- quaten Schutzes durch den Heimatstaa t ab. Dieser Schutz ist als hinre i- chend zu qualifizieren, wenn die betroffene Person effektiven Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfrastruktur hat und ihr die Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems indiv i- duell zu mutbar ist. Es obliegt dabei der entscheidenden Behörde, die konkrete Effektivität des Schutzes im Heimatland abzuklären und zu b e- gründen (EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.2 f. S. 202 f.). 4.5 Am 17. Februar 2008 hat s ich der Kosovo als ein von Serbien una b- hängiger Staat erklärt. In der Folge haben zahlreiche Staaten der Europä- ischen Union (EU) den Kosovo als solchen anerkannt. Die Schweiz tat dies am 27. Februar 2008. Bereits Ende März 2008 hat sie diplomatische sowie konsularische Beziehungen mit dem neuen Staat aufgenommen, namentlich in Priština eine Schweizerische Vertretung eröffnet. Zudem wurde der Kosovo vom Bundesrat mit Beschluss vom 6. März 2009 - der am 1. April 2009 in Kraft getreten ist - als verfolgungssicherer Staat ("Safe Country") gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet. Im Rahmen der periodischen Überprüfung (vgl. Art. 6a Abs. 3 AsylG) ist die schweizer i- sche Regierung darauf bisher nicht zurückgekommen. Die Bezeichnung eines Landes als "Safe Count ry" beinhaltet die Regelvermutung, dass e i- ne asylrelevante staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Hierbei handelt es sich j e- doch um eine relative Verfolgungssicherheit, welche im Einzelfall auf Grund konkreter und substantiierter Hinweise umgestossen werden kann. 4.6 Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts gingen im Kosovo die bisher zuständigen Behörden - im Rahmen ihrer Möglichke i- ten - systematisch gegen Bedrohungen und Übergriff e Dritter vor. Inso- weit kann bis zum heutigen Zeitpunkt faktisch von einem präventiven und konkreten Schutzwillen und einer weitgehenden Schutzfähigkeit der im Kosovo tätigen nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden, n a- mentlich der Interimsverwaltung der Vereinten Nationen im Kosovo (Un i- ted Nations Interim Administration Mission in Kosovo; UNMIK), der "Euro-E-4518/2008 Seite 10 pean Union Rule of Law Mission in Kosovo" (EULEX), des "Kosovo Police Services" (KPS) sowie der multinationalen militärischen Formation "Koso- vo Force" (KFOR) ausgegangen werden (Urteil e des Bundesverwa l- tungsgerichts E-7445/2009 vom 27. März 2012 E. 6. und E-4139/2009 vom 6. März 2012 E. 6.1. und 6.2.; zur Frage der Schutzgewährung durch internationale Organisationen im Kosovo vgl. BVGE 2007/31 E. 5.3 S. 380, EMARK 2002 Nr. 8 und 21). 4.8. Für den Beschwerdeführer bedeutet dies, dass ihm die Möglichkeit offenstand bzw. weiterhin offensteht, von den örtlichen Sicherheitskräften Schutz vor Bedrohungen und Angriffen seitens der gegnerischen Familie zu erlangen , auch wenn es sich um einen Ehrenkodex-Fall handelt. Er hat es jedoch versäumt, den Übergriff auf ihn der Polizei zu melden (vgl. act. B7, S. 12 ). Im Ergebnis sind die Vorbringen des Beschwerdeführers daher nicht geeignet, die vermutete Verfolgungssicherheit im Kosovo zu entkräften. Das V orliegen einer asylrechtlich relevanten Gefährdung ist folglich zu verneinen. Das BFM hat somit das Asylgesuch des Beschwe r- deführers zurecht abgewiesen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 m.w.H.). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Fl üchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu E-4518/2008 Seite 11 beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E.10.2). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre F reiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrige nde Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschi ebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in de n Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMR K oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europä i- schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete G e-E-4518/2008 Seite 12 fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Gemäss der Praxis des EGMR kann der Vollzug der We g- weisung eines abgewiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Pro b- lemen im Einzelfall einen Vers toss gegen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1. S. 211 f., mit einer Zusammenfassung der Rechtsprechung des EGMR). Vorli egend können solche ganz ausserg e- wöhnlichen Umstände ("very exceptional circumstances"), wie sie der EGMR in seinem Urteil vom 2. Mai 1997 i.S. D. gegen Grossbritannien feststellte, hinlänglich ausgeschlossen werden (vgl. unter BVGE 2011/50 zur Publikation vorgesehenes Urteil D-6827/2010 E. 7.1 ff.; BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., BVGE 2009/2 E. 9.1.3). Auch die allgemeine Menschen- rechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heut i- gen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7. 7.1 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass weder die im Heimatstaat herrschende politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Rückführung in den Kosovo sprechen wü r- den. Auch gebe es im Kosovo keine Situation allgeme iner Gewalt mehr, da es dort seit dem Einmarsch der KFOR am 12. Juni 1999 zu keinen kriegerischen Auseinandersetzungen mehr gekommen sei. In ihrer B e- schwerdeschrift hielt der Beschwerdeführer den Ausführungen des BFM nichts entgegen. Diesen ist zuzustimmen ; eine konkrete allgemeine G e- fährdung des Beschwerdeführers im Kosovo ist nicht ersichtlich. 7.2 Fraglich ist hingegen das Vorliegen von individuellen Gründen, we l- che gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges in den Kosovo sprechen könnten. Zu prüfen ist , wie sich der Gesundheitszustand des E-4518/2008 Seite 13 Beschwerdeführers angesichts seines Fussknöchel-Bruchs im August 2006 mit nachfolgenden langwierigen Heilungs- und Schmerzproblemen und der seit August 2007 erfolgenden psychiatrischen Behandlung da r- stellt und ob die Wegweisung vor diesem Hintergrund zumutbar ist. 7.3 Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund einer medizin i- schen Notlage nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine notwendige medizinische Behan d- lung im Heim atland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitsz u- stands der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allg e- meine und dringende medizinische Behandlung erachtet, die zur Gewähr- leistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unz u- mutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). 7.4 Hinsichtlich der gesundheitlichen Beeinträchtigung durch den Arbeit s- unfall stellt sich die Situation wie folgt dar: Gemäss Arztbericht des All- gemeinmediziners F._______ vom 21. November 2006 wurde der B e- schwerdeführer infolge eines Arbeitsunfalles vom 7. August 2006, bei dem er sich seinen rechten Fussknöchel gebrochen habe, stationär be- handelt (7. August 2006 bis 14. August 2006). Zum Zeitpunkt des Arztbe- richtes vom 21. November 2006 sei der Beschwerdeführer zu 100 Pr o- zent arbeitsunfähig gewesen und habe eine Physiotherapie mit dem bis dahin noch nicht erreichten Ziel der vollständigen Mobilisierung gemacht . Nach dem Arztzeugnis des Allgemeinmediziners vom 17. Juli 2008 habe der Be schwerdeführer nach dem U nfall noch lange Heilungsprobleme und chronische Schmerzen gehabt, die bis dato eine Arbeitsaufnahme verunmöglicht hätten. Bei spezialärztlichen Abklärungen sei eine beson- dere Problematik im Fersenbeinbereich festgestellt worden, die einer wei- teren Behandlung bedürfe. Wegen der bis in den Rücken und Nackenb e- reich ausdehnenden Fussschmerzen habe der Beschwerdeführer ge- mäss Arztzeugnis vom 17. Juli 2008 bis dato keine Ar beit aufnehmen können. Nach dem Arztbericht vom 20. Februar 2008 von G._______, (Funktion), Spital (Name), ist der Beschwerdeführer, der am 19. Februar 2008 im (…) untersucht worden sei, wegen seiner anhaltenden Fuss - Schmerzen von der chirurgischen Klinik zur Abklärung an das (…) über- wiesen worden, um die medizinischen Ursachen der Beschwerden h e- rauszufinden und gegebenenfalls Therapievorschläge zu erhalten. Zur Beurteilung der genaueren Ursachen der Schmerzen im Fussbereich sei E-4518/2008 Seite 14 eine Ganganalyse notwendig. So könne auch simuliert werden, welche Massnahmen und Kräfteumverlagerungen ratsam seien, um die Ve r- gleichsspannungen zu reduzieren. Aus einer unvollständigen Kopi e des Berichtes über eine biomechanische Untersuchung im Labor für Bew e- gungsanalyse vom 25. Februar 2008, welche bezweckte, herauszufinden, ob eine mechanische Überbelastung im Rückfussb ereich vorliegt, geht hervor, dass der Beschwerdeführer gemäss dieser Ganganalyse ein "gro- teskes Gangbild" mit massiver Aussenrotation aufweist. Es scheine eine erheblich gestörte Mechanik vorzuliegen, nicht bloss ein Ausweichmuster. Im Arztbericht von G._______ vom 3. März 2008 nach Untersuchung des Beschwerdeführers am selben Tag wird auf die Untersuchungsergebnisse der Ganganalyse eingegangen und zusammengefasst, dass trotz starker Schmerzen im Fersenbereich die Hauptbelastung auf der Ferse liege und die Abrollung ausserordentlich ungünstig sei. Es werde noch anhand der durchgeführten Ganganalyse ausgewertet, ob der im Fuss skelettknochen vorhandene Defekt zu erhöhten Spannungen im Knochen führe . Sicher sei aber aufgrund der Ganganalyse, dass eine völlige Erneuerung der Schuhversorgung von Nöten sei. Wichtig sei eine Sohlenv ersteifung mit Mittelrolle und Pufferabsatz, zur Ruhigstellung des oberen Sprunggelenks auch schaftübergreifend hohe Schuhe. Diese Versorgung sei eingeleitet worden, ein Termin zur Nachkontrolle sei vereinbart. Die Fortsetzung der Physiotherapie mit Gangschulung mit dem Ziel der Entlastung der Ferse sei wichtig. Gemäss eines an den Beschwerdeführer gerichteten Schre i- bens des Spitals (Name) vom 10. Juli 2008 wurde der Beschwerdeführer am 12. August 2008 zu einer fachärztlich rheumatologischen Unters u- chung respektive zu einem Ultraschall einberufen. 7.5 Da der Beschwerdeführer, trotz der Aufforderung in der Instruktion s- verfügung vom 9. Mai 2012, sofern vorhanden, aktuelle Arztberichte ein- zureichen, hinsichtlich seines Fussknöchelbruchs aus dem Jahr 2006 keine Berichte mehr eingereicht, sondern sich auf das Einreichen psychi- atrischer Berichte beschränkt hat, ist davon auszugehen, dass es zu ke i- nen zusätzlichen, als den nach Aktenstand bekannten Behandlungen ge- kommen ist. Zusammenfassend war der Beschwerdeführer zumindest im März 2008 (siehe Arztzeugnis vom 3. März 2008) noch in einer Physi o- therapie mit Gangschulung und es wurde die Beschaffung von orthopädi- schem Schuhwerk eingeleitet. Für August 2008 (siehe Schreiben an den Beschwerdeführer vom 10. Juli 2008) wur de zudem eine rheumatolog i- sche Untersuchung angeordnet. Ziel war damit insgesamt die Reduktion von Schmerzen im Fussbereich des Beschwerdeführers durch physioth e- rapeutische und orthopädische Massnahmen. Aus den Arztberichten er-E-4518/2008 Seite 15 gibt sich nicht, dass der Bes chwerdeführer die benötige spezialisierte medizinische Behandlung nur in der Schweiz erhalten kann. 7.6 Gemäss vorhandener Abklärungsergebnisse der damaligen Stelle für Migrations- und Länderanalysen MILA des BFM sind p hysiotherapeuti- sche und orthopädische Mas snahmen, sollten diese sechs Jahre nach dem Fussknöchel-Bruch noch von Nöten sein, auch im Kosovo möglich. In der Universitätsklinik in Priština, das als bestes Krankenhaus im Koso- vo gilt und die tertiäre Gesundheitsversorgung bietet, gibt es eine Ortho- pädie-Abteilung, auch Physiotherapie wird dort angeboten (vgl. auch vgl. GRÉGOIRE SINGER, Schweizerische Flüchtlingshilfe, SFH, Kosovo: U p- date, "Zur Lage der medizinischen Versorgung, Bern, 1. September 2010, S. 16). Allerdings ist das Angebot dort nicht s ehr spezialisiert. Teilweise fehlt es auch an entsprechend ausgebildetem Personal. In privaten, aller- dings voll kostenpflichtigen Physiotherapie-Strukturen sind mehr Möglich- keiten vorhanden als in den staatlichen. Priva te Anbieter befinden sich in Kllokot/Viti/Vitina und ein Reha bilitationszentrum in Banje e Pjes/Istog/Istok. Zudem verfügt die seit August 2006 in Fushe Kos o- ves/Priština bestehende, kostenpflichtige Privatklinik EUROMED über e i- ne orthopädische Abteilung mit europäischen Standa rds. Dort soll e s zu- dem in zeitlichen Abständen fachliche und wissenschaftliche Unterstü t- zung von Orthopäden aus Westeuropa geben. Aus diesem Grund sind keine Hinweise ersichtlich, wonach der Beschwerdeführer seine allfälligen spezifischen Behandlungen in der Schweiz weiterführen muss. 7.7 Zum psychischen Gesundheitszustand ist Folgende s festzuhalten: Aus dem Arztzeugnis der (psychiatrische Einrichtung) vom 6. Oktober 2008 ergibt sich, dass der Beschwerdeführer vom 9. August 2007 bis zum 19. Dezember 2007 dort in ambulanter Behandlung gewesen ist. Er hat von seinem Hausarzt, Allgemeinmediziner F._______ anscheinend erst- mals am 16. Juli 2008 Remeron verschrieben bekommen. Remeron ge- hört zur Arzneimittelgruppe der Antidepressiva, mit denen sich einzelne und wiederkehrende Episoden einer unipolaren depressiven Erkrankung behandeln lassen. Der Hausarzt überwies ihn zur weiteren Abklärung an die (psychiatrische Einrichtung), wo er sich gemäss Arztzeugnis vom 6. Oktober 2008 am selbigen Tag zur Erstkonsultation einfand und ihm g e- mäss Rezept-Kopie das Medikament Dipiperon verschrieben wurde. Di- piperon gehört zur Präparate -Gruppe der sogenannten Neuroleptika und wird angewendet bei psychischen Krankheiten (sogenannte «chronische Psychosen»), die sich beispielsweise in Sym ptomen wie ungewöhnliches Misstrauen, Wahnvorstellungen, Rückzug in sich selbst oder Fehlen von E-4518/2008 Seite 16 Gefühlen darstellen können. Zudem hatte er bei den (psychiatrische Ein- richtung) einen weiteren Termin am 27. Oktober 2008 . Aus dem letzten, ausführlichen Arztbericht der (psychiatrische Einrichtung) (I._______ und J._______) vom 25. Juni 2012 geht hervor, dass sich der Beschwerdefüh- rer, erstmals im August 2007, und dann immer wieder mit Unterbrechu n- gen, bei den (psychiatrische Einrichtung) in ärztlich -psychiatrischer B e- handlung befunden habe. Die ersten Jahre sei er von einer albanisch sprechenden Ärztin behandelt worden, die auch einen IV -Bericht erstellt habe. Durchgängig sei die Diagnose Anpassungsstörung mit längerer de- pressiver Reaktion bei anhaltender Schmerzproblematik und multiplen Belastungsfaktoren ge stellt worden (ICD-10: F43.21). Hinweise für eine schwerwiegendere Erkrankung wie beispielsweise eine Depression habe es nicht gegeben und gebe es aktuell auch nicht. Die anfangs wenige Wochen durchgefü hrten pharmakologischen Interventionen seien vom Beschwerdeführer ohne Absprache mit den Ärzten abgesetzt worden. Dieser habe die ambulante psychotherapeutische Be handlung, unter a n- derem aus finanziellen Gründen , mehrfach abgelehnt. Behandlungsver- suche in der Einrichtung wie eine schmerzspezifische Gruppentherapie habe er ebenfalls abgelehnt. Dessen Bereitschaft sowohl für eine Pha r- makotherapie als auch für eine psychotherapeutische Behandlung sei ge- ring. Hauptsächlich habe sich die Einrichtung damit besch äftigt, seine so- zialen Angelegenheiten zu lösen. Hinsichtlich der sozialen Umstände sei die Situation aber unverändert, der Beschwerdeführer vermöge seine S i- tuation nicht selbstkritisch zu sehen und die bestehenden Optionen wie die Rückkehr zur Familie zu reflektieren. Aus psychiatrischer Sicht zeige sich ein deutlich gebessertes, fast beschwerdefreies Zustandsbild beim Patienten, vor allem im Vergleich zu früheren Zuweisungszeitpunkten. Ak- tuell nehme er das Antidepressivum Surmontil . Das Medikament wirkt stimmungsaufhellend, mildert Angstzustände, beseitigt Traurigkeit und in- nere Unruhe und wirkt bei Schlaflosigkeit psychischen Ursprungs. Eine weitere begleitende ärztliche Konsultation, die nicht zwingend fachärztlich sein müsse, sowie die Weitereinnnahme d es schlaffördernden Medika- mentes sei angezeigt. Angesichts der ablehnenden Haltung des B e- schwerdeführers seien aber weitere intensive Behandlung - und Ther a- piemassnahmen mit dem Ziel einer Veränderung abzulehnen. Hinsichtlich der psychischen Probleme des B eschwerdeführers ist festzu- stellen, dass im Kosovo den Abklärungen der damaligen Stelle MILA des BFM zufolge für einfachere psychische Probleme die staatlichen kosovo - albanischen Strukturen über ein vergleichsweise gutes psychotherapeut i- sches Angebot verfügen. Für die Durchführung einer speziellen Psych o-E-4518/2008 Seite 17 therapie fehlt es jedoch aufgrund des Personalmangels an Zeit, auch die Einrichtungen genügen nicht zur Behandlung schwerwiegenderer psychi- scher Erkrankungen ( vgl. auch International Organization for Migration, IOM: Länderinformationsblatt Kosovo, Juni 2011, S. 32). Es gibt ein Sys- tem von so genannten Community Mental Health Centers (CMHC), Be- standteil der primären Gesundheitsversorgung, die hauptsächlich B e- schäftigungs- und Gruppentherapie anbieten, aber auch Einzelgespräche (nicht aber Psychotherapie). In den meisten Fällen wird dieses Angebot für Personen mit Angstzuständen und depressive Patienten grundsätzlich als eine ausreichende Stütze erachtet. Teilweise können auch Hausbesu- che abgestattet werden. Die Regionalspitäler (als sogenannte sekundäre Gesundheitsversorgung des dreigliedrigen Gesundheitssystems) verfü- gen als weitere Behandlungsstufe über neuropsychiatrische Abteilungen, so beispielsweise das unweit entfernt vom Heimatort des Beschwerdefüh- rers liegende Regionalspital in der Stadt Gjakove /Dakovica (vgl. IOM: Länderinformationsblatt Kosovo, Juni 2011, S. 32). Auch die Universitäts- klinik Priština verfügt über eine neuro -psychiatrische Abteilung, welcher eine Einrichtung für kurz - und mittelfristige stationäre Aufenthalte ang e- schlossen ist. Das vom Beschwerdeführer laut Arztbericht vom 25. Juni 2012 aktuell genommene schlaffördernde Antidepressivum Surmontil kann gemäss den Abklärungen der damaligen Stelle MILA des BFM auch im Kosovo bezogen wer den, ist allerdings kostenpflichtig. Da der B e- schwerdeführer gemäss Arztbericht vom 25. Juni 2012 von sich aus eine Psychotherapie ablehnt und die behandelnden Ärzte zusätzlich zur schlaffördernden Medikation lediglich eine ärztliche Konsultation alle ein bis zwei Monate für angezeigt halten, die aber nicht zwingend fachärz t- lich/psychiatrisch zu sein brauche, dürften die im Heimatland vorhand e- nen Strukturen der psychiatri schen Versorgung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass er dort weiterhin seine aktuel le Medikation beziehen kann, im Falle des Beschwerdeführers als ausrei chend erachtet werden, zumal sein psychiatrischer Zustand von den behandelnden Ärzten im Arztzeugnis vom 25. Juni 2012 als deutlich gebessert, fast beschwerd e- frei beschrieben wurde. Auch muss er als Angehöriger der albanischen Mehrheit im Kosovo in Bezug auf den Zugang zum Gesundheitssystem nicht mit den Benachteiligungen rechnen, denen Angehörige von Minde r- heiten im Kosovo noch ausgesetzt sein können (vgl. zum Ganzen auch das unter BVGE 2011/50 zur Publikation vorgesehene Urteil D-6827/2010 E. 8.8.2). 7.8 Zusammenfassend ist sowohl eine physiotherapeuti sche und ortho- pädische Behandlung, als auch der Bezug psychiatrischer Medikation bei E-4518/2008 Seite 18 regelmässiger ärztlicher Kontrolle im Heimatland möglich. Grundsätzlich wird der Beschwerdeführer zwar zumindest einen Teil der Kosten für die physiotherapeutische Massnahmen, sollten diese noch von Nöten sein, und/oder den Bezug der psychiatrischen Medikamente sowie die beglei- tenden ärztlichen Konsultationen selber tragen müssen . In der Theorie sind zwar bestimmte Gesundheitsdienstleistungen (wie der Besuch eines Familiengesundheitszentrums nach Überweisung) kostenlos, in der Pr a- xis müssen aber oft Medikamente von den Patienten selbst und auf eige- ne Kosten in privaten Apotheken besorgt oder private Behandlungsmö g- lichkeiten aufgesucht werden (vgl . GRÉGOIRE SINGER, Schweizerische Flüchtlingshilfe, Kosovo: Update, "Zur Lage der medizinischen Verso r- gung, Bern, 1. September 2010, S. 6). Folglich ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer dank medizi- nischer Rückkehrhilfe im Sinne von Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG und durch finanzielle Unterstützung seiner Familienangehörigen die benötigten Me- dikamente sowie die notwendige ärztliche Hilfe auch im Heimatland in Anspruch nehmen kann. Somit sind in Anbetracht der persönlichen Situation des Beschwerdefüh- rers keine Gründe ersichtlich, die auf eine konkrete Gefährdung bezi e- hungsweise auf ein beachtliches Rückkehrrisik o hindeuten würden. Zwar wird der Beschwerdeführer bei der Rückkehr in seinen Heimatstaat wahr- scheinlich aufgrund der Familienfehde , sollte diese nicht inzwischen durch Vermittler beendet worden sein, mit gewissen Schwierigkeiten kon- frontiert werden. Auch hat er sich gemäss eigenen Angaben in den letzten 12 Jahren nur etwa eineinhalb bis zwei Jahre insgesamt im Kosovo au f- gehalten (vgl. act. B7 S. 15), weshalb er wohl gewisse Eingewöhnungs- schwierigkeiten im Heimatland haben wird. Allerdings hatte er nach seiner Rückkehr ins Heimatland im Juni 2003 sogleich Arbeit als Bus fahrer ge- funden (vgl. act. B1, S. 2), weshalb er über gewisse berufliche Kontakte verfügen dürfte. Auch ist zu berücksichtigen, dass er seine Ehefrau, Ki n- der, Eltern und Geschwister dort vorfi nden wird und somit in der Heimat über ein intaktes Beziehungsnetz verfügt (vgl. act. B1, S. 3). Hingegen ist im Arztbericht vom 25. Juni 2012 von sozialen Schwierigkeiten des B e- schwerdeführers in der Schweiz und soziale r Isolation die Rede. Da die Familie über eigenes Land verfügt (vgl. act. B7, S. 9), ist davon auszuge- hen, dass für seine Wohnsituation gesorgt ist . Auch dürfte er finanzielle Unterstützung von seinen Familienangehörigen bekommen. Sollte er au f- grund der Fussverletzung wegen anhaltender Schmerzen nicht in seinem alten Beruf (Busfahrer) oder in seinem anderen gelernten Beruf (Maurer) E-4518/2008 Seite 19 (vgl. act. B1, S. 2) arbeiten können, so wird es ihm aber gewiss gelingen, sich über seine Kontakte im Heimatland eine andere Verdienstmöglichkeit zu suchen. 7.9 Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr in die Heimat in eine existenzbedrohende Situation geraten wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegwe i- sung auch als zumutbar. 8. Schliesslich obliegt e s dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reis e- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt ei- ne Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind mit dem am 21. Juli 2008 geleiste- ten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-4518/2008 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt und mit dem am 21. Juli 2008 geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zus tändi- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Mareile Lettau Versand: