Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Oktober 2020 (725 19 188/242) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Revision der Rente erfolgte zu Recht Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Stephan Bläsi, Advokat, Birsigstrasse 34, 4054 Basel gegen Basler Versicherung AG , Aeschengraben 21, Postfach , 4002 Basel , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Matthias Steiner, Rechtsan- walt, Steinentorstrasse 13, Postfach 223, 4010 Basel Betreff Leistungen A.1 Die 1981 geborene A.____ arbeitete bis 31. Oktobe r 2009 als Kleinkinderzieherin in ei- nem Kindertagesheim in X.___ und vom 1. November 2009 bis 7. Dezember 2009 in einem sol- chen in Y.____. Am 16. September 2008 erlitt sie eine n Unfall, als sie mit dem Velo mit einem Roller zusammenstiess. Dabei erlitt sie eine Verletzung am linken Knie. Die Basler Versicherun- gen AG (Basler) als obligatorische Unfallversicherung kam für die entstandenen Kosten (Tag- geld/Heilbehandlung) auf. Gestützt auf die Ergebnisse im bidisziplinären Gutachten von PD Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, un d Dr. med. C.____, FMH Rheumato- logie und Innere Medizin, vom 21. Dezember 2011, welches von der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) in Auftrag gegeben worden war, sprach die Basler der Versicherten mit Verfügung vom 19. März 2014 mit Wirkung ab 1. Januar 2012 eine Invali denrente von 40 % und für die verblei- benden Beeinträchtigungen aus dem Unfall vom 16. Sep tember 2008 eine Integritätsentschädi- gung aufgrund einer Einbusse in der Integrität von 10 % zu. Diese Verfügung erwuchs in Rechts- kraft. A.2.1 Bereits am 4. Juli 2010 hatte sich A.____ unter Hinweis auf den beim Unfall erlittenen Körperschaden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug ange- meldet. Die IV-Stelle klärte in der Folge die gesundh eitlichen und die erwerblichen Verhältnisse ab. Sie sprach der Versicherten gestützt auf die Ausführungen im bidisziplinären Gutachten von PD Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 21. Dezember 2011 mit Verfügung vom 14. September 2012 – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren – mit Wirkun g ab 1. Januar 2011 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 40 % eine Viertelsrente zu . Die dagegen durch die Versicherte, ver- treten durch Advokat Peter Bürkli, am 15. Oktober 2012 beim Kantonsgericht, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht), erhobene Beschwerde wu rde mit Urteil vom 4. Juli 2013 rechtskräftig abgewiesen. A.2.2 Die IV-Stelle leitete am 1. Dezember 2015 von Amtes wegen eine Revision des Renten- anspruchs ein. Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts liess sie A.____ erneut durch die Dres. B.____ und C.____ begutachten. Gestützt auf die Ergebnisse des bidisziplinären Gut- achtens vom 8./9. Dezember 2016 hielt die IV-Stelle – nach durchgeführtem Vorbescheidverfah- ren – in ihrer Verfügung vom 21. November 2017 bei e inem Invaliditätsgrad von 42 % am An- spruch auf eine Viertelsrente fest. Die dagegen durch di e Versicherte, vertreten durch Advokat Peter Bürkli, erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgeri cht mit Urteil vom 17. Mai 2018 gut und wies die Angelegenheit an die IV-Stelle zurück, damit diese bei PD Dr. B.____ eine Beurtei- lung zur Frage einhole, inwiefern sich die Phasen der sc hweren depressiven Episoden konkret auf die Arbeitsfähigkeit und deren Verwertbarkeit auswirken würden. Gestützt auf die in der Folge getätigten Abklärungen (vgl. Bericht PD Dr. B.____ vom 17. Oktober 2019) sprach die IV-Stelle der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1. März 2020 rückwirkend ab 1. März 2017 eine ganze Rente zu. A.3 Nach der Zusprache der Invalidenrente von 40 % am 19. März 2014 verfügte die Basler am 23. April 2018 deren Aufhebung per Ende Dezember 2017. Unter Hinweis auf die seit dem Erlass der Rentenverfügung ergangenen medizinischen Berichte hielt sie fest, dass sich der Ge- sundheitszustand der Versicherten verbessert habe. Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. D.____, Facharzt Rheumatologie und Physikalische Medizin/Rehabilitation sowie Allgemeine In- nere Medizin, vom 26. Dezember 2017 und dessen Stellungnahme vom 18. April 2018 stehe fest, dass von einer Verbesserung der objektivierbaren Befunde auszugehen sei. Daran hielt sie auch auf Einsprache der Versicherten hin mit Entscheid vom 16. April 2019 fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A._____, weiterhin vertreten dur ch Advokat Peter Bürkli, am 28. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte un ter o/e-Kostenfolge, der Einsprache- entscheid vom 16. April 2019 sei aufzuheben und es sei die Basler zu verpflichten, ihr ab dem 1. Januar 2018 die gesetzlichen Leistungen weiterhin auszurichten. Zudem sei die Beschwerdegeg- nerin zu verpflichten, die Kosten für die Erhaltungsth erapie zu tragen. Eventualiter sei der Ein- spracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 16. April 20 19 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, wobei der Sachverhalt vollständig festzustel- len sei. Eventualiter sei die Begutachtung zu wiederholen, wobei sie hinsichtlich der somatischen Beschwerden durch einen Orthopäden (z.B. PD Dr. med. E.____, Spital F.____) oder einen Traumatologen zu untersuchen sei. Allenfa lls könne die Begutachtung durch einen Schmerzspezialisten (z.B. Prof. Dr. med. Dr. h. c. G.____ oder Dr. med. H._____ oder durch das Klinikum I.____) durchgeführt werden. Eventualiter se i eine psychiatrische Begutachtung hin- sichtlich der Folgen des "Complex Regional Pain Syndrome" (komplexes regionales Schmerzsyn- drom, CRPS) auf ihre psychische Gesundheit durchzuführen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Versicherte um die Bewilligung der unentge ltlichen Prozessführung und der unent- geltlichen Verbeiständung mit Advokat Peter Bürkli als R echtsvertreter. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, die Vorinstanz habe die V erschlechterung des Gesundheitszu- stands ungenügend gewürdigt und stelle ihren Entscheid auf unzureichende medizinische Unter- lagen ab. C. Am 25. Juni 2019 bewilligte das Kantonsgericht der Beschwerdeführerin für das vorlie- gende Verfahren die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Peter Bürkli als Rechtsvertreter. D. In ihrer Beschwerdeantwort vom 19. August 2019 bean tragte die Basler die Abweisung der Beschwerde. E. Mit Schreiben vom 23. September 2019 teilte Advoka t Stephan Bläsi mit, dass er die In- teressen der Beschwerdeführerin vertrete, nachdem der bisherige Rechtsvertreter sein Mandat niedergelegt habe (vgl. Schreiben von Advokat Peter Bürkli vom 23. Juli 2019). In seiner Replik vom 5. Dezember 2019 hielt er an den bereits durch Advokat Peter Bürkli in der Beschwerde vom 28. Mai 2019 gestellten Anträgen fest. Auch Advokat Stephan Bläsi ersuchte in verfahrensrecht- licher Hinsicht um die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung. Diese wurde ihm mit Ver- fügung vom 6. Dezember 2019 gewährt. F. Mit Duplik vom 4. Februar 2020 nahm die Beschwerdege gnerin zur Replik der Beschwer- deführerin vom 5. Dezember 2019 Stellung und hielt a m bereits gestellten Abweisungsantrag fest. Dazu reichte Advokat Stephan Bläsi am 8. April 2020 eine weitere Stellungnahme ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die Unfallversicherung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtlich e Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art . 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 28. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 2. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Laut Abs. 1 d er Übergangsbestimmungen zur Ände- rung des UVG vom 25. September 2015 werden jedoch Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmung en zugetragen haben, und für Berufs- krankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 3.1 Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversi cherung (UVG) vom 20. März 1981 werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung a llfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt als Erstes voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähig- keit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlich er Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürl ichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre- chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natü rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmi ttelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper- liche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Stö- rung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Ka usalzusammenhang besteht, ist eine Tat- frage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Ver waltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach d em im Sozialversicherungsrecht übli- chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines L eistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus, die aus dem unbewiesen gebl iebenen natürlichen Kausalzusam- menhang als anspruchsbegründender Tatsache Rechte ablei ten wollte (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b). 3.3 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Wei teren voraus, dass zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schad en ein adäquater Kausalzusammen- hang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis d ann als adäquate Ursache eines Er- folges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf de r Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis all gemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem ver- sicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitliche n Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammenhang best eht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. August 2007, U 56/06, E. 6.2.2 am Ende; BGE 112 V 33 E. 1b). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfähig- keit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterla- gen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stel- len haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen d er versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange um- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksich- tigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizini- schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizin ischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Laut diesen Richtli nien ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund einge- hender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ei nsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdi- gung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht d ie Rente der Beschwerdeführerin per Ende Dezember 2017 revisionsweise aufhob. Massgebend ist d er Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids vom 16. April 2019 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbe- fugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 6.1 Die Revision einer Invalidenrente der Unfallversiche rung richtet sich nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (vgl. Art 1 Abs. 1 UVG). Gemäss dieser Norm wird die Rente dann von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, h erabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich ändert. Anlass zur revisionsweisen Anpassung der Rente gibt jede tatsächl iche Änderung, die sich auf den In- validitätsgrad und damit auf den Umfang des Anspruchs auswirkt (vgl. BGE 134 V 131 E. 3). Ein Revisionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der ver- sicherten Person, wozu namentlich der Gesundheitszustand gehört. Dabei kommt es weniger auf die Diagnose, sondern darauf an, welche Auswirkungen e ine Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit hat. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditäts- grad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden. Umgekehrt ist – bei an sich gleich ge- bliebenem Gesundheitszustand – eine Angewöhnung oder A npassung an die Behinderung, wel- che zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führt, revisionsrechtlich von Bedeutung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017 , E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen). Darüber hinaus ist die Rente auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich verändert haben (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtl ichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bl oss abweichenden Bewertungen ab- zugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Die Feststellung über ei ne seit der früheren Beurteilung eingetre- tene tatsächliche Änderung ist genügend untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankhe itsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurt eilung und Einschätzung des Schwere- grads der Störungen geführt haben (Urteil des Bundesg erichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.2 mit Hinweis). 6.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen de s Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2. 3). Zu prüfen ist somit, ob sich gegenüber der ursprünglichen Rentenzusprache vom 19. März 2014 im Zeitpunkt des streitigen Einsprache- entscheids vom 16. April 2019 eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands der Be- schwerdeführerin ergeben und sich dadurch der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheb- lichen Weise verändert hat. 7.1 Bei der Rentenzusprache vom 19. März 2014 stützte sich die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeit sfähigkeit der Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf das von der Invalidenversicherung in Auftrag gegebene bidisziplinäre Gutach- ten der Dres. B.____ und C.____ vom 21. Dezember 2011. In ihrer Konsensbesprechung kamen die beiden Fachärzte zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit ein CRPS des linken Beins zu diagnostizieren sei, klinisch den Oberschenkel, das Knie und den Unterschenkel betreffend, mit/bei Status nach Kniearthroskopie und arthroskopisch medialer Meniskektomie am 15. Dezember 2009 infolge e iner offenen Knieverletzung am 16. September 2008. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkei t wurden mögliche akzentuierte Persön- lichkeitszüge genannt. Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführerin die ange- stammte Tätigkeit als Kleinkinderzieherin nicht mehr zu mutbar. In Bezug auf die Zusatzausbil- dung als Fitness- und Bewegungsinstruktorin sei – obwohl kein genaues Belastungsbild von die- ser Tätigkeit vorliege – davon auszugehen, dass auch i n dieser Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Das Belastungsprofil einer Verweistätigkei t umfasse eine Arbeit, bei welcher die Beschwerdeführerin nicht über 7,5 kg heben, stossen oder ziehen und nicht dauernd nur sitzen, nur am Ort stehen oder gehen müsse. Die Gehstrecke sei a uf eine halbe Stunde am Stück be- schränkt und es wäre günstig, wenn sie eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ausüben könnte. Wei- ter sei zu beachten, dass sie nicht auf Leitern und Ge rüste und nicht nur Treppen steigen dürfe sowie nicht kauernd, kniend oder in der Hocke arbeiten könne. Für eine Tätigkeit mit diesem Belastungsprofil sei aus rheumatologischer Sicht eine 70%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ganztagespensum zu attestieren. Die Einschränkung von 30 % begründe sich aufgrund des or- ganischen Kniebefunds durch den vermehrten Pausenbedarf , der zu einer Einschränkung im Rahmen dieses Rendements führe. 7.2.1 Im Zusammenhang mit der Revision der Rentenverfü gung vom 19. März 2014 und dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 16. April 2019 sind im Wesentlichen nachfolgende Be- richte zu berücksichtigen: 7.2.2 Dr. med. J.____, FMH Neurologie, liess am 25. Mä rz 2015 verlauten, dass im Zeitpunkt seiner Untersuchung das Gangbild auf ebenem Boden flüssig und nur ein minimes Schonhinken mit dem linken Bein sichtbar gewesen sei. Es hätten ke ine Hautauffälligkeiten wie z.B. eine Schwellung, eine Rötung, eine Erwärmung (insbesondere in der Nähe des linken Knies), trophi- schen Zeichen oder eine Behaarung und keine Atrophie i n der Beinmuskulatur bestanden. Er bestätigte das Vorliegen einer taktilen Dysästhesie im ganzen linken Bein mit deutlicher Betonung im Versorgungsgebiet des Nervus femoralis (innerer Ober- und Unterschenkel). Dabei zeige sich eine Art Remote-Effekt, bei welchem nach der Berühru ng weiterhin während einigen Sekunden Schmerzen vorhanden seien. Die übrigen Befunde seien unauffällig. Insbesondere bestünden eine allseits erhaltene Kraft und regelrechte Koordin ationsprüfungen. In seiner Beurteilung hielt Dr. J.____ fest, dass bei seiner Untersuchung keine einde utigen Zeichen für die Erfüllung der Kriterien eines CRPS vorhanden seien. Die beschriebenen Beschwerden mit ausgeprägter Allo- dynie mit Remote-Effekt bei Fortsetzen der Schmerzen nach Berührung seien als typisches Re- siduum nach einem CRPS zu interpretieren. Zudem seien momentan keine weiteren trophischen Veränderungen zu beobachten. Zum sicheren Ausschluss einer relevanten peripheren Nerven- läsion habe er eine Neurografie von drei verschiedenen Nerven im linken Bein durchgeführt, wel- che aber einen unauffälligen Befund ergeben habe. 7.2.3 Weiter ist auf das von der IV-Stelle eingeholte bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und B.____ vom 8./9. Dezember 2016 hinzuweisen. Dr. C .____ diagnostizierte in seinem rheu- matologischen Teilgutachten vom 8. Dezember 2016 ein CR PS des linken Beins, welches kli- nisch den Oberschenkel, das Knie und den Unterschenkel betreffe, mit/bei Status nach Kniearth- roskopie und arthroskopisch medialer Meniskektomie am 15. D ezember 2009 infolge offener Knieverletzung am 16. September 2008. Die Beschwerdeführerin sei deshalb in der angestamm- ten Tätigkeit als Kleinkinderzieherin und als Fitnessin struktorin nicht mehr arbeitsfähig. In einer adaptierten Verweistätigkeit, bei welcher sie nicht über 7,5 kg heben, stossen oder ziehen, nicht dauernd nur sitzen, stehen oder gehen müsse, bestehe ei ne Arbeitsfähigkeit von 70 %. In der Untersuchung habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sich der Zustand des linken Beins in den letzten 5 Jahren nicht verändert habe. Die Schmerzen im rechten Knie hätten im Jahr 2010 ihren Anfang genommen. Im Jahr 2015 sei eine MRT-Untersuchung durchgeführt worden, welche einen Knorpeldefekt gezeigt habe. Im Rücken habe sie keine Schmerzen, aber Blockaden. Auf- grund seiner Untersuchung kam Dr. C.____ zum Schluss, d ass die Versicherte weiterhin an ei- nem CRPS leide. Der Gesundheitszustand habe sich im Ver gleich zur Untersuchung im Jahr 2011 aus somatischer Sicht insgesamt nicht wesentlich verä ndert. Neu hinzugekommen sei je- doch eine Retropatellararthrose rechts, welche degenerativer Natur sei. PD Dr. B.____ diagnos- tizierte in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 9. De zember 2016 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine r ezidivierende depressive _Störung, leichte (ICD-10 F33.0) bis mitunter Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht mittelgradige (ICD-10 F33.1) depressive Episode, anamnestisch bis weilen schwere depres- sive Episode (ICD-10 F32.2). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden mögliche akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1). In ihrer Konsensbesprechung kamen die Dres. C.____ und B.____ zum Schluss, dass die aus den ei nzelnen Fachgebieten fliessenden Arbeitsunfähigkeiten nicht zu addieren seien. Zusammengefasst gehe die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit im Fachgebiet Psychiatrie nicht über jene im Bereich Rheumatologie hinaus. Es werde daher eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit attestiert. 7.2.4 Zum Gutachten der Dres. C.____ und B.____ vom 8. /9. Dezember 2016 liess sich Dr. med. K.____, FMH Allgemein- und Unfallchirurgie, am 26. Juli 2017 im Rahmen eines Akten- gutachtens zuhanden der Beschwerdegegnerin verlauten. Er hielt unter anderem fest, dass das rheumatologische Gutachten von Dr. C.____ nicht in all en Teilen schlüssig sei. So fände sich keine Stellungnahme betreffend die offensichtliche Opiatabhängigkeit und die attestierte Arbeits- fähigkeit in einer knieadaptierten Tätigkeit sei nicht nachvollziehbar begründet. Vor allem fehle eine klare Beurteilung in Bezug auf den versicherungsre levanten Befund einer allfälligen unfall- kausalen CRPS-Symptomatik. 7.2.5 Die Beschwerdeführerin wurde sodann im Auftrag der Beschwerdegegnerin am 15. De- zember 2017 durch Dr. D.____ untersucht. In seinem Gutachten vom 26. Dezember 2017 diag- nostizierte er ein c hronisches Schmerzsyndrom der linken unteren Extrem ität, vorwiegend Schmerzen des linken Knies und Brennen des linken F usses bei Status nach Velounfall am 16. September 2008, nach MRT-Untersuchungen des lin ken Knies am 22. Dezember 2008 und 10. September 2009, nach Arthroskopie und media ler Meniskusnaht sowie Resektion einer kleineren Plica infrapatellaris am linken Knie am 15. Dezember 2009, nach aktenkundig klinisch postoperativem CRPS l der linken unteren E xtremität ohne Hinweise in den bildge- benden Verfahren, nach MRT-Untersuchung des linken Knies am 28. April 2010, nach Be- gutachtung durch Dr. med. L.____, FMH Chirurgie, am 31. Mai 2011 ohne Diagnose eines CRPS I, nach MRT-Untersuchung des linken Knies am 2 4. November 2011, nach bidiszipli- närem Gutachten der Dres. C.___ und B.____ vom 21. Dezember 2011 mit Diagnose eines CRPS I , nach MRT-Untersuchungen des linken Knies am 24. Februar 2015 und am 17. No - vember 2015, nach bidisziplinärem Gutachten der Ders. C.____ und B.____ vom 12. Dezem- ber 2016 (recte: 8./9. Dezember 2016), nach Aktengu tachten von Dr. K.____ vom 26. Juli 2017, nach MRT-Untersuchung des linken Knies am 27. Oktober 2017, bei Schmerzangabe gemäss Visueller Analogskala (VAS) 9 von 10 trotz D urogesic-Pflaster (100 µg/h) und Neu- rontin 3600 mg täglich sowie bei klinisch unauffäll igen Befunden. Weiter nannte Dr. D.____ eine kontinuierliche psychiatrische Behandlung seit ca. Anfang 2008. In seiner Beurteilung hielt er fest, dass in Bezug auf die Körperfunktionen und -strukturen klinisch-rheumatologisch keine Hinweise auf pathologische Befunde oder Einsc hränkungen hinsichtlich des Bewe- gungsapparats erhoben werden könnten. Die Versicher te sei aus rheumatologischer Sicht für die üblichen Aktivitäten nicht eingeschränkt. Z usammengefasst handle es sich um einen stagnierenden Verlauf eines Schmerzsyndroms an der linken unteren Extremität, dessen Ur- sache nie eindeutig habe geklärt werden können. Das eigenartige und schwierig zu erklä- rende Schmerzsyndrom am linken Bein sei sodann vom behandelnden Schmerztherapeu- ten, Dr. med. M.____, FMH Anästhesiologie, als CRPS I gedeutet worden (vgl. Bericht vom Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. September 2010), was sicher berechtigt gewesen s ei. Auch die heutige Schmerzschilde- rung weise auf eine Allodynie hin. Dr. C.____ habe die "Budapest-Kriterien" für die Beurtei- lung des Vorliegens eines CRPS I erwähnt und habe d iese in seinem Gutachten vom De- zember 2011 als erfüllt angesehen. Im Gutachten vom 8. Dezember 2016 habe er aber auf- grund seiner eigenen Aufstellung nur noch das Vorli egen eines von zwei notwendigen ob- jektiven Kriterien bestätigen können. Dr. D.____ hielt weiter fest, dass ein ausgeprägtes und über Jahre bestehendes CRPS I in jedem Fall zu eine r Veränderung der lokalen Knochen- struktur führe, was jedoch mit spezialisierten Unte rsuchungen (Röntgenbilder, repetitive MRT-Untersuchungen) nie habe gezeigt werden können. Die Angabe von Schmerz, auch wenn sie Ähnlichkeit mit einer Allodynie habe, reiche allein nicht aus für die Diagnose eines CRPS I. Angebliche anamnestische Blauverfärbungen und verstärktes Schwitzen könnten ein Zeichen eines CRPS I sein, doch müsse auch die Hautstruktur bei der Untersuchung verändert und sei- tendifferent sein, was aber weder in früheren gutachterlichen Untersuchungen noch aktuell fest- stellbar sei. Hinzu komme, dass im ganzen Verlauf keine M uskelatrophie erwähnt worden sei, welche bei einem jahrelangen Verlauf eines CRPS I jed enfalls zu erwarten wäre. Zum Verlauf der ärztlichen Einschätzungen hielt Dr. D.____ fest, dass das Klinikum N.____ am 18. Dezember 2014 bzw. 11. Februar 2015 festgehalten habe, dass bei der Beschwerdeführerin ein Zustand nach CRPS I vorliege. Diese Aussage habe Dr. J.____ in seiner Beurteilung vom 25. März 2015 bestätigt (vgl. oben E. 7.2.2). Zudem erwähne Dr. M. ____ in seinem Schreiben vom 14. Januar 2016, dass sich die klinischen Symptome – insbesondere das CRPS – geändert hätten und nicht mehr so ausgeprägt seien, wie von Dr. C.____ beschriebe n. Schliesslich halte Prof. Dr. med. O.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, am 26. Ja- nuar 2016 fest, dass sich bei der Untersuchung orthopädisch klinisch reizlose Kniegelenke ge- zeigt hätten. In diesem Sinn könne insbesondere gestützt auf den Verlauf, die repetitiven unauf- fälligen bildgebenden Verfahren und das Fehlen einer objektiven Haut- oder Muskelbeteiligung zusammengefasst die Diagnose eines CRPS I nicht gestützt we rden. Dr. D.____ führte weiter aus, dass keine anderen rheumatologischen, strukturellen Befunde für dieses eigenartige Symp- tomenbild hinsichtlich des linken Beins aktenkundig seien. Therapeutisch hätten sich in den letz- ten sechs Jahren nach Angabe der Versicherten keine Ansätze gezeigt, welche irgendeine Ver- änderung bewirkt hätten, sodass er davon ausgehe, dass die wöchentliche psychiatrische Be- treuung entscheidend sei, nicht aber rheumatologische Beh andlungsansätze. Dr. D.____ kam gesamthaft zum Schluss, dass aus rheumatologischer Sicht keine klinischen oder bildgebenden Befunde erhoben werden könnten, welche eine Tätigkei t der Beschwerdeführerin einschränken würden. 7.2.6 Zur Kritik an seinem Gutachten vom 26. Dezember 2017 durch Advokat Peter Bürkli führte Dr. D.____ am 18. April 2018 aus, dass das CRPS I in der Schweiz – falls nicht interdisziplinär – beim konservativen Bewegungsapparatsspezialisten (Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation) angesiedelt sei. Auch Dr. C.____, welcher im vorliegenden Fall die Diagnose be- gründet habe, sei Rheumatologe. Gegen die Vergabe de s Gutachtens an ihn (FMH Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitat ion sowie Allgemeine Innere Medi- zin) seien denn auch keine Einwände erhoben worden. We iter hielt Dr. D.____ fest, dass die Traumatologie in der Schweiz eine vorwiegend operative Disziplin sei, weshalb die Annahme, das CRPS I sei eine traumatologische Erkrankung, gut begr ündet werden müsse. Zudem habe Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht er im Gutachten die Aktenlage eingehend beschrieben und die Details in der Beurteilung einge- hend diskutiert und begründet. 8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 16. April 2019 bei der Beurteilung des aktuellen medi zinischen Sachverhalts und beim – damit einhergehenden – Entscheid über die Frage, ob seit der ursprünglichen Rentenzusprache eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin eingetreten ist, auf das Gutachten von Dr. D.____ vom 26. Dezember 2017 und seine Stellungnahme vom 18. April 2018. Dabei gelangte sie zum Ergebnis, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten im Vergleich zur Situation im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache vom 19. März 2014 insofern wesentlich verbessert habe, als das CRPS I von Dr . D.____ nicht bestätigt werde und nunmehr von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugeh en sei. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfa hrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Das Gutachten von Dr. D.____ vom 26. Dezember 2017 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und setzt sich mit den vorhandenen abwei- chenden ärztlichen Einschätzungen auseinander. Es wird deutlich, dass im Rahmen der aktuellen Untersuchung keine unfallkausale somatische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr gestellt werden konnte. Damit ist eine massgeblich e Verbesserung des Gesundheitszu- stands der Beschwerdeführerin mit erheblicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – und damit das Vorliegen eines Revisionsgrunds nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – im entscheidwesentlichen Zeit- raum zwischen der ursprünglichen Rentenverfügung vom 19. März 2014 und dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 16. April 2019 grundsätzlich zu bejahen. Es ist unter diesen Umstän- den nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Ausführungen von Dr. D.____ die gesetzlichen Leistungen per Ende Dezember 2017 einstellte. 8.2.1 Daran vermögen die Vorbringen der Beschwerdefü hrerin nichts zu ändern. Entgegen ihrer Auffassung ist das Gutachten von Dr. D.____ vom 26. Dezember 2017 – wie bereits vorstehend in Erwägung 8.1 dargelegt – vollständig nachvollziehba r und auch seine Schlussfolgerungen leuchten ein. So verfügte er über sämtliche Akten und damit auch über den Operationsbericht der Klinik P.____ vom 15. Dezember 2009, den er mehrfach e rwähnte. Dass er nicht sämtliche Be- richte systematisch aufgeführt hat, erklärte er bereits am Anfang seines Gutachtens (vgl. Ziffer 1, Seite 2/28). Daraus kann aber nicht abgeleitet werden , dass sein Gutachten unvollständig oder mangelhaft sei. Soweit Dr. D.____ darauf hinweist, dass es sich bei den geklagten Beschwerden um den stagnierenden Verlauf eines Schmerzsyndroms handle, dessen Ursache nicht eindeutig geklärt worden sei, ist aber festzustellen, dass Dr. M.____ und Dr. C.____ am 2. September 2010 bzw. am 21. Dezember 2011 ein unfallkausales CRPS nannte n und die Beschwerdegegnerin Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht selbst gestützt auf diese Beurteilungen der Beschwerdefü hrerin ab 1. Januar 2012 eine Invali- denrente von 40 % zusprach. Es besteht im Rahmen des vorl iegenden Verfahrens kein Anlass, die ursprüngliche Diagnose des unfallkausalen CRPS in Frage zu stellen. 8.2.2 Die Beschwerdeführerin moniert weiter, dass entg egen der Auffassung von Dr. D.____ ein CRPS nicht zwingend zu einer Veränderung der lokalen Knochenstruktur führen müsse. Dazu ist festzustellen, dass Dr. D.____ das Vorliegen des CRPS nicht nur davon abhängig machte, dass ein ossärer Befund vorlag. Er wies aber wohl zu Rec ht darauf hin, dass ein CRPS auch Einfluss auf die knöcherne Struktur haben könne. Diese A uffassung vertrat auch Dr. Q.____ 2011. Er hielt dazu fest, dass er keine veränderte Knoch entextur erkannt habe, weshalb nach seiner Auffassung kein CRPS vorgelegen habe. Zu beachte n ist ferner, dass Dr. Weber das CRPS im Zeitpunkt seiner Untersuchung nicht nur mangels der fehlenden veränderten Knochen- struktur ausschloss, sondern auch weil er keine Hautverände rungen oder -verfärbungen oder vermehrtes Schwitzen als Zeichen eines CRPS I feststellen k onnte. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin lag zudem keine ausgeprägte Muske latrophie an den Beinen vor, son- dern nur eine solche von sehr geringem Ausmass von 0.5 cm bis 1 cm. Diese Feststellungen von Dr. D.____ stimmen mit den Angaben von Dr. C.____ übe rein, der auch keine grösseren Um- fangunterschiede an den Beinen der Beschwerdeführerin e rheben konnte (vgl. Gutachten Dr. C.____ vom 8. Dezember 2016, Seite 45 unten). Zudem erfüllt die Beschwerdeführerin auch die sogenannten Budapest-Kriterien für die Bestätigung eines CRPS entgegen ihrer Auffassung nicht mehr. Gestützt auf die von Dr. C.____ im Gutachten vom 8. Dezember 2016 in tabellarischer Form aufgeführten Kriterien wird deutlich, dass sie keine Veränderung der Haut aufweist und eine reduzierte Beweglichkeit, eine Dystonie, ein Tremor, Paresen im Sinne von Schwäche, Verände- rungen von Haar- und Nagelwachstum ausgeschlossen werden m ussten. Damit erfüllt sie nicht mehr alle erforderlichen objektiven Merkmale der Budapest-Kriterien, weshalb auch unter diesem Aspekt die Diagnose eines CRPS zu Recht nicht mehr gestellt werden konnte. Dass Dr. C.____ dennoch weiterhin ein CRPS diagnostizierte, ist nicht plausibel. Dr. K.____ führte dazu in seinem Bericht vom 26. Juli 2017 aus, dass die Beurteilung von Dr. C.____ nicht ganz schlüssig sei, was wohl nicht von der Hand zu weisen ist. An dieser Stelle ist aber festzustellen, dass sich weiterge- hende Ausführungen zur Kritik der Beschwerdeführerin a m Bericht von Dr. K.____ vom 26. Juli 2017 erübrigen, nachdem die Beschwerdegegnerin selbst d en angefochtenen Einspracheent- scheid im Wesentlichen nicht auf dessen Beurteilung, sondern auf die überzeugenden Feststel- lungen von Dr. D.____ stützte. 8.2.3 Die Beschwerdeführerin stellt sich weiter auf den Standpunkt, die Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt unvollständig erhoben und stütze sich auf diverse falsche und/oder unvoll- ständige Sachverhaltselemente. So habe es die Beschwerdegegnerin unter anderem unterlassen zu erwähnen, dass in den Berichten des Klinikums N.___, vo m 15. Februar 2015, und von Dr. J.____ vom 25. März 2015 eine Allodynie als zusätzliches Zeichen für das Vorliegen eines CRPS erwähnt worden sei. Zwar hat das Klinikum N.____ die Allodynie als Diagnose aufgeführt. In der Beurteilung wurde aber festgehalten, dass bei der Beschwerdeführerin ein Zustand nach einem CRPS vorliege. Dr. J.____ interpretierte in seinem B ericht vom 25. März 2015 die Allodynie als typisches Residuum nach einem CRPS. Er machte deutlich, dass bei seiner Untersuchung keine eindeutigen Zeichen zur Erfüllung der Kriterien eines CRPS vorhanden gewesen seien und auch weitere Nervenschädigungen im linken Bein hätten ausg eschlossen werden können (vgl. oben Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 7.2.2). Aus dieser Argumentation kann die Beschwerdeführerin daher nichts zu ihren Gunsten ableiten. 8.2.4 Der Beschwerdeführerin kann ausserdem nicht gef olgt werden, wenn sie sich auf den Standpunkt stellt, dass das CRPS keine rheumatologische, sondern eine traumatologische Er- krankungsform sei. Es fällt dabei zunächst auf, dass die Beschwerdeführerin ihre Argumentation betreffend das Vorliegen eines CRPS in erster Linie au f die Gutachten des Rheumatologen Dr. C.____ stützte und dabei dessen rheumatologische Fa charztausbildung nicht als unzu- reichend für die Erhebung dieser Diagnose erachtete. Auch die von ihr zur Untermauerung ihres Standpunkts eingereichte Informationsbroschüre der Rhe umaliga Schweiz zum Schwerpunkt- thema CRPS (vgl. Beilage 4 zur Beschwerde), in welcher sich wiederum vorwiegend Ärzte der Fachrichtung Rheumatologie äussern, ändert daran nichts. Es besteht jedenfalls unter diesem Aspekt kein Anlass, den einleuchtenden Ausführungen des Rheumatologen Dr. D.____ keine Folge zu leisten. 8.2.5 Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwer deführerin sodann, wenn sie moniert, dass Dr. D.____ in Frage kommende Differentialdiagnos en nicht explizit diskutiert oder ausge- schlossen habe. In diesem Zusammenhang ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass in keinem der vorliegenden Gutachten eine Differen zialdiagnose genannt wurde. Offenbar haben alle anderen involvierten Ärzte auch keine Diff erentialdiagnosen erheben können. Unter diesen Umständen ist nicht ersichtlich, welche Erkenntnisse aus einer Auseinandersetzung mit einer Differentialdiagnose gezogen werden können. 8.2.6 Soweit sich die Beschwerdeführerin auf die Beurt eilungen der behandelnden Ärzte (vgl. Berichte von Dr. med. R.____, FMH Psychiatrie und Psychoth erapie, vom 23. Mai 2019 und Dr. M.____ vom 3. Juni 2019) beruft, ist in Erinnerun g zu rufen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätig en Fachperson einerseits und Begutach- tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) ohnehin nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapie- kräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Weiter ist zu beachten, dass eine Explora- tion von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutachtern praktisch immer einen Spielraum für verschiedene medizini sche Interpretationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern die Gutachter – wie hie r – lege artis vorgegangen sind. Vorbehal- ten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beu rteilung aufdrängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringe nde – Aspekte benennen, die bei der Begut- achtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2018, 8C_874/2017, E. 5.2.2). Die Beschwerdeführerin legt nicht substantiiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus den vorliegenden Berichten d er behandelnden Ärzte Gesichtspunkte hervorgingen, die nicht auch im Rahmen des Gutachtens v on Dr. D.____ vom 26. Dezember 2017 berücksichtigt worden wären oder die auf eine zwischenzeitliche Verschlechterung des Ge- sundheitszustands schliessen lassen würden. Vor diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Zumutba rkeit im Gutachten von Dr. D.____ basiere auf einem unzutreffenden Sachverhalt. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten ein e zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Beschwerde vom 28. Mai 2019 gestellten Antrag der Beschwerdeführerin zu entsprechen, wonach ein ortho- pädisches oder traumatologisches bzw. schmerzspezifisches Gutachten anzuordnen sei. Der An- spruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweis anträge zu stellen, und - als Kor- relat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungs- mässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzun ehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachver- halts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweis- mittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). 9.1 Nachdem aufgrund der vorstehenden Ausführungen fe ststeht, dass die Beschwerdefüh- rerin spätestens ab Ende Dezember 2017 kein CRPS mehr aufwies, ist der natürliche Kausalzu- sammenhang zwischen dem Unfall vom 16. September 2008 u nd den weiterhin geklagten Be- schwerden am linken Knie zu verneinen. Unter diesen Umständen erübrigt sich eine Prüfung des für die Bejahung der Leistungspflicht ebenfalls erforderlichen adäquaten Kausalzusammenhangs (vgl. E. 3.3). 9.2.1 Selbst wenn eine solche Prüfung durchgeführt wü rde, könnte die Beschwerdeführerin da- raus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Dabei ist zu b eachten, dass im vorliegenden Fall die Be- urteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend ) nachweisbaren Unfallfolgeschäden – in Übereinstimmung mit den Ausführungen der Beschwerd egegnerin im angefochtenen Ein- spracheentscheid – nach den in BGE 115 V 133 ff. entwick elten Kriterien zu erfolgen hätte (sog. Psycho-Praxis; vgl. zu den Anforderungen an die Obj ektivierbarkeit von organischen Lei- den: nicht publizierte E. 2 des Urteils BGE 135 V 465, in: SVR 2010 UV Nr. 6 S. 25 [8C_216/2009]). Demnach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen im Einz elfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale bezie- hungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle a nderseits und schliesslich der dazwi- schenliegende mittlere Bereich (vgl. BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2). 9.2.2 Bei banalen Unfällen kann der adäquate Kausal zusammenhang zwischen Unfall und psy- chischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse da- von ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Ge- sundheitsschaden zu verursachen (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6a). Bei schweren Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Un fall und psychisch bedingter Er- werbsunfähigkeit hingegen in der Regel zu bejahen. De nn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6b; RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 E. 3b). 9.2.3 Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehu ngsweise indirekte Folgen davon er- scheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen: - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verle tzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen au szulösen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - körperliche Dauerschmerzen; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er heblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikatio nen; - Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkei t (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/aa). 9.2.4 Für die Bejahung der Adäquanz ist der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung nicht in jedem Fall erforderlich (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der – wie vor liegend – dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz be jaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adä- quanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt h aben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/bb, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/aa; RKUV 2001 Nr . U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2). 9.2.5 Die Prüfung der Adäquanz ist bei Anwendung der Psycho-Praxis in jenem Zeitpunkt vor- zunehmen, in dem von der Fortsetzung der auf die soma tischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszusta nds mehr erwartet werden kann (vgl. BGE 134 V 106 E. 6.1). Da der Fallabschluss zu Recht auf den 31. Dezember 2017 erfolgt, ist die Adäquanzprüfung auf diesen Zeitpunkt vorzunehmen. 9.3 Den Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung bildet das (objektiv erfassbare) Unfaller- eignis. Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit den sich dabei entwickelnden Kräften (vgl. Urteil d es Bundesgerichts vom 3. Mai 2012, 8C_498/2011, E. 6.2.1). Die Beschwerdeführerin erlit t am 16. September 2008 als Velofahrerin eine Kollision mit einem Rollerfahrer und zog sich bei m Sturz Schürfungen am linken Knie zu. Eine angemessene ärztliche Behandlung erforderte diese Verletzung nicht und fand erst mehr als ein Jahr später, im September 2009, statt. Zudem ging die Beschwerdeführerin weiterhin ihrer Tätigkeit als Kleinkinderzieherin nach. Es ist daher frag lich, ob es sich vorliegend nicht um ein banales Unfallereignis handelt, bei welchem der adäq uate Kausalzusammenhang ohnehin zu verneinen ist. Diese Frage kann offenbleiben, denn auch wenn man mit der Beschwerdegegnerin das Unfallereignis als mittelschwer an der Grenze zu den leichten Fällen qualifiziert, kann die Adäquanz – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – mangels Erfüllung der erforder- lichen Kriterien nicht bejaht werden (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 14. Juni 2017, 8C_833/2016, E. 6.1 mit Hinweis; RUMO -JUNGO ALEXANDRA , HOLZER ANDRÉ PIERRE , Rechtspre- chung des Bundesgerichts zum UVG, 4. Aufl., Zürich 2012, S . 64). So ist das Kriterium der be- sonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls bereits auf- grund der Ereignishergangs zu verneinen (vgl. R UMO -JUNGO /H OLZER , a.a.O., S. 69). Auch das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erl ittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, ist vorliegend nicht er- füllt. Die Beschwerdeführerin zog sich beim Unfall nur S chürfungen am linken Knie zu, welche sie selbst verarzten konnte und welche nicht geeignet waren, eine psychische Störung hervorzu- rufen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2009, 8C_116/2009, E. 4.3). Die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlu ng und der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert haben, sind entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführerin ebenso wenig erfüllt wie jenes des sc hwierigen Heilungsverlaufs und erhebli- cher Komplikationen. Beim zuletzt genannte Kriterium i st insbesondere zu beachten, dass nur Gründe berücksichtigt werden können, welche die Heilung als solche beeinträchtigen. Dazu zäh- len aber weder die Einnahme vieler Medikamente noch d ie Durchführung verschiedener Thera- pien. Gleiches gilt für den Umstand, dass – wie vorlieg end – trotz regelmässiger Therapie keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2009, 8C_116/2009, E. 4.5). Bezüglich des Kriteriums der körp erlichen Dauerschmerzen ist massge- bend, ob über den gesamten Zeitraum andauernden Beschwerden vorlagen (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 14. Juni 2018, 8C_803/2017, E. 3.5.1 mit Hinweisen). Ob dieses Kriterium vor- liegend erfüllt ist, kann letztlich ebenso offenbleiben wie jenes des Grads und der Dauer der phy- sisch bedingten Arbeitsunfähigkeit, weil vorliegend ohne hin keine vier der von der Rechtspre- chung für die Bejahung der Adäquanz verlangten Kriterien erfüllt sind. 10. Zusammenfassend steht fest, dass vorliegend sowohl der natürliche als auch der adä- quate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 16. September 2008 und den über Ende Dezember 2017 hinaus geklagten Beschwerden zu verneinen ist. Der angefochtene Einsprache- entscheid vom 16. April 2019 ist daher nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist deshalb als unbegründet abzuweisen. 11.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdev erfahrens zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11.2 Ein Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht bei diesem Prozessausgang nicht. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 25. Juni 2019 die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Peter Bürkli und mit Verfügung vom 6. Dez ember 2019 die unentgeltliche Verbei- ständung mit Advokat Stephan Bläsi bewilligt worden ist, sind diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarif ordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Advokat Peter Bürkli, der die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 29. Ap- ril 2019 bis 12. September 2019 vertreten hat, hat i n seiner Honorarnote vom 12. September 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 14 Stunden geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfr agen nicht zu beanstanden ist. Nicht zu bemängeln sind die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 248.80. Advokat Peter Bürkli ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'283.60 (14 Stunden à Fr. 200.-- zuzüg- lich Auslagen von Fr. 234.80 plus 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entrichten. Advokat Stephan Bläsi, welcher die Beschwerdeführerin ab 23. September 2019 vertreten hat, macht in seiner Honorarnote vom 20. April 2020 einen Aufwand von insgesamt 19.6 Stunden geltend. Dieser Aufwand ist im Vergleich zu gleichgelagerten Fällen zu hoch. Dabei ist zu beach- ten, dass es sich vorliegend entgegen der Auffassung von Advokat Stephan Bläsi nicht um einen schwierigen, sondern um einen durchschnittlichen Fall ha ndelt. Zwar musste er sich im vorlie- genden Verfahren neu einarbeiten. In diesem Zusamme nhang ist aber daran zu erinnern, dass ein durch einen Anwaltswechsel entstandener Mehraufwan d nicht zu entschädigen ist. Zudem lag bereits eine umfassende Beschwerdebegründung durch Advokat Peter Bürkli vor und in der Replik musste nur noch zu den in der Vernehmlassung genan nten neuen Fragen Stellung ge- nommen werden. Somit erscheint im Quervergleich zu anderen durchschnittlichen Beschwerde- verfahren eine Reduktion des geltend gemachten Stundenaufwands von insgesamt 19.6 Stunden auf 10 Stunden als begründet. Dies rechtfertigt sich au ch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Advokat Stephan Bläsi in seiner Honorarnote auch A ufwendungen aufführt, welche offen- sichtlich nicht mit dem vorliegenden Verfahren im Zusammenhang stehen (vgl. zum Beispiel Auf- wendungen vom 10. Februar 2020 betr. Rückzahlung IV etc. und vom 13. Februar 2020 betr. Schreiben Allianz etc.). Dieser Aufwand von 10 Stunden ist mit einem Stundenansatz von Fr. 200.-- zu vergüten. Nicht zu beanstanden sind die geltend gemachten Auslagen in Höhe von Fr. 319.--. Advokat Stephan Bläsi ist deshalb ein reduziertes Honorar von Fr. 2'497.55 (10 Stun- den à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 319.-- zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse auszurichten. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird Advokat Peter Bürkli ein Honorar in der Höhe von Fr. 3'283.6 0 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird Advokat Stephan Bläsi ein reduziertes Honorar in der Höhe von Fr. 2'497.55 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Gegen diesen Entscheid wurdevon der Beschwerdeführerin am 22.2.2021 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: 8C_173/2021 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht