<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">372</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>81</b></span> <span class="ft2"><b>Ausschaffungshaft; Verhältnismässigkeit; Dublin-Verfahren</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Ausschaffung eines Betroffenen setzt voraus, dass dieser nicht selb-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ständig ausreist. Will ein Betroffener mit einem selbst bezahlten Flug-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ticket vor der geplanten Ausschaffung (i.c. in einen Dublinstaat) in sein</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Heimatland ausreisen, ist eine Ausschaffung gestützt auf Art. 69 Abs. 2</b></span><br/> <span class="ft2"><b>AuG nicht mehr zulässig (E. II./5.2.2.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ist die Ausschaffung unverhältnismässig, gilt dies umso mehr auch für die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anordnung einer Ausschaffungshaft, da diese einzig bezweckt, die Aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schaffung sicherzustellen (E. II./5.3.).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bei Ausschaffungen in einen Dublin-Staat ist die Anordnung einer Aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schaffungshaft auf jeden Fall nur bis zum Zeitpunkt des möglichen Rück-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fluges in den Heimatstaat eines Betroffenen zulässig, wenn dieser ein ent-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprechendes Flugticket vorlegt (E. II./6.2.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">24. Juni 2009 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen I.S. betref-</span><br/> <span class="ft3">fend Haftüberprüfung (1-HA.2009.77).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Gesuchsgegner war bereits am 19. Juni 2009 am Wohnort</span><br/> <span class="ft1">seiner Eltern angehalten und dem Migrationsamt zugeführt worden.</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen der Befragung durch das Migrationsamt wurde dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchsgegner der Nichteintretens- bzw. Wegweisungsentscheid des</span><br/> <span class="ft1">BFM vom 9. Juni 2009 eröffnet und das rechtliche Gehör betreffend</span><br/> <span class="ft1">die Anordnung einer Ausschaffungshaft gewährt. Der Gesuchsgegner</span><br/> <span class="ft1">weigerte sich, nach Ungarn auszureisen, erklärte sich jedoch bereit,</span><br/> <span class="ft1">in sein Heimatland zu fliegen. Hierauf ordnete das Migrationsamt</span><br/> <span class="ft1">eine Ausschaffungshaft für die Dauer von 20 Tagen an. Anlässlich</span><br/> <span class="ft1">der am selben Tag durchgeführten Haftüberprüfungsverhandlung</span><br/> <span class="ft1">wurde entschieden, dass dem Gesuchsgegner nicht verweigert wer-</span><br/> <span class="ft1">den dürfe, auf eigene Kosten in sein Heimatland auszureisen. Lege er</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">373</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ein auf seinen Namen lautendes Flugticket vor, sei davon auszuge-</span><br/> <span class="ft1">hen, dass er selbständig ausreisen werde. Eine Ausschaffung sei un-</span><br/> <span class="ft1">ter diesen Umständen nicht mehr notwendig und die Aufrechterhal-</span><br/> <span class="ft1">tung der Ausschaffungshaft unverhältnismässig. Nachdem der Bru-</span><br/> <span class="ft1">der des Gesuchsgegners am Nachmittag des 19. Juni 2009 ein auf</span><br/> <span class="ft1">den Gesuchsgegner lautendes Flugticket für den 25. Juni 2009 vorge-</span><br/> <span class="ft1">legt hatte, annullierte das Migrationsamt den Rückflug nach Ungarn,</span><br/> <span class="ft1">entliess den Gesuchsgegner aus der Ausschaffungshaft</span><br/> <span class="ft1">(1-HA.2009.75) und beantragte beim BFM die Zustellung des Pas-</span><br/> <span class="ft1">ses, der sich bei den Akten des BFM befand. Darauf teilte ein</span><br/> <span class="ft1">Sachbearbeiter Dublin im Auftrag des Leiters Dublin Office Schweiz</span><br/> <span class="ft1">dem Migrationsamt mit Fax vom 22. Juni 2009 zum Thema "Zustel-</span><br/> <span class="ft1">lung der Heimatlichen Urkunde" mit, die Geschäftsleitung des BFM</span><br/> <span class="ft1">habe aus strategischen Gründen entschieden, dass Dublin-Zustim-</span><br/> <span class="ft1">mungen einzuhalten seien. Dies insbesondere, um die Beziehungen</span><br/> <span class="ft1">zu den Partnerstaaten nicht zu belasten und Ressourcen nicht unnötig</span><br/> <span class="ft1">einzusetzen. Die Ausschaffung nach Ungarn sei demzufolge zu</span><br/> <span class="ft1">vollziehen. Im Einzelfall könne der Dublin Prozess unterbrochen</span><br/> <span class="ft1">werden. Diese Möglichkeit bestehe jedoch nur bevor die Zustim-</span><br/> <span class="ft1">mung des angefragten Mitgliedstaates eintreffe und mit vorgängiger</span><br/> <span class="ft1">Anfrage beim Dublin Office. Der Vollzug nach Ungarn sei demzu-</span><br/> <span class="ft1">folge sicherzustellen. Als der Gesuchsgegner gemäss Aufforderung</span><br/> <span class="ft1">am 24. Juni 2009 beim Migrationsamt vorsprach, wurde ihm erneut</span><br/> <span class="ft1">das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung einer Ausschaffungs-</span><br/> <span class="ft1">haft gewährt. Dabei erklärte er sich wiederum nicht bereit, nach Un-</span><br/> <span class="ft1">garn auszureisen, da er am 25. Juni 2009 in sein Heimatland fliegen</span><br/> <span class="ft1">werde.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 5.2.2. Die Ausschaffung eines Betroffenen unter vorgängiger</span><br/> <span class="ft1">Anordnung einer Ausschaffungshaft stellt das letzte Mittel einer</span><br/> <span class="ft1">Reihe von Zwangsmassnahmen dar, um eine Wegweisung aus der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz durchzusetzen. Stellt sich heraus, dass ein Betroffener selb-</span><br/> <span class="ft1">ständig ausreist, ist die Anordnung einer Ausschaffungshaft nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">374</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">notwendig und damit unverhältnismässig. Zu prüfen ist, wie es sich</span><br/> <span class="ft1">verhält, wenn ein Betroffener in einen Dublin-Staat weggewiesen</span><br/> <span class="ft1">wird, jedoch einzig bereit ist, in seinen Heimatstaat auszureisen.</span><br/> <span class="ft1">Wird ein Betroffener aus der Schweiz weggewiesen, ist es</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich seine Sache zu bestimmen, wie und wohin er ausreist</span><br/> <span class="ft1">(Priorität der freiwilligen Ausreise). Die Ausschaffung, also der</span><br/> <span class="ft1">zwangsweise Vollzug kommt erst subsidiär in Betracht, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Ausländer die ihm angesetzte Ausreisefrist im Sinne von Art. 66</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 und Art. 68 Abs. 2 AuG ungenutzt hat verstreichen lassen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 69 Abs. 1 lit. a AuG) (Andreas Zünd/Ladina Arquint Hill, § 8</span><br/> <span class="ft1">Beendigung der Anwesenheit, Entfernung und Fernhaltung, in:</span><br/> <span class="ft1">Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl.,</span><br/> <span class="ft1">2009, Rz. 8.95). Zwar sieht das Gesetz zwei Ausnahmen vom Grund-</span><br/> <span class="ft1">satz der Subsidiarität vor. Art. 69 Abs. 1 lit. b und c AuG verpflichtet</span><br/> <span class="ft1">die zuständige kantonale Behörde, Ausländerinnen und Ausländer</span><br/> <span class="ft1">auszuschaffen, wenn deren Wegweisung sofort vollzogen werden</span><br/> <span class="ft1">kann, oder wenn sich diese in Haft nach Art. 76 und 77 AuG befin-</span><br/> <span class="ft1">den und ein rechtskräftiger Wegweisungsentscheid vorliegt. Auch in</span><br/> <span class="ft1">diesen Fällen darf ein zwangsweiser Vollzug der Wegweisung aber</span><br/> <span class="ft1">nur erfolgen, wenn er verhältnismässig ist. Erklärt sich ein Betroffe-</span><br/> <span class="ft1">ner glaubhaft bereit, vor der beabsichtigten Ausschaffung selbständig</span><br/> <span class="ft1">und legal auszureisen, erweist sich die Ausschaffung als unnötig und</span><br/> <span class="ft1">damit unverhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">Das Migrationsamt geht davon aus, die Ausschaffung nach Un-</span><br/> <span class="ft1">garn lasse sich auf Art. 69 Abs. 2 AuG stützen und es obliege dem</span><br/> <span class="ft1">Migrationsamt, den Zielstaat der Ausschaffung zu bestimmen.</span><br/> <span class="ft1">Art. 69 Abs. 2 AuG lautet wie folgt: "Haben Ausländerinnen oder</span><br/> <span class="ft1">Ausländer die Möglichkeit, rechtmässig in mehrere Staaten auszurei-</span><br/> <span class="ft1">sen, so kann die zuständige Behörde sie in das Land ihrer Wahl aus-</span><br/> <span class="ft1">schaffen." Das Migrationsamt übersieht, dass Art. 69 Abs. 2 AuG nur</span><br/> <span class="ft1">dann zur Anwendung gelangt, wenn der Betroffene effektiv ausge-</span><br/> <span class="ft1">schafft werden muss. Reist dieser jedoch selbständig aus, stellt sich</span><br/> <span class="ft1">die Frage gar nicht, in welchen Zielstaat er ausgeschafft werden soll.</span><br/> <span class="ft1">Zudem ist Folgendes festzuhalten: Selbst wenn das Migrationsamt</span><br/> <span class="ft1">eine Ausschaffung vornehmen muss, räumt Art. 69 Abs. 2 AuG der</span><br/> <span class="ft1">zuständigen Behörde kein Recht ein, den Zielstaat frei zu bestimmen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Zwar besagt die angerufene Norm, dass das Migrationsamt - im Ge-</span><br/> <span class="ft1">gensatz zur früheren Regelung (vgl. Art. 14 des Bundesgesetzes über</span><br/> <span class="ft1">Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) vom 26. März</span><br/> <span class="ft1">1931) - nicht mehr absolut verpflichtet ist, einen Ausländer in das</span><br/> <span class="ft1">Land seiner Wahl auszuschaffen, wenn dieser rechtmässig in mehrere</span><br/> <span class="ft1">Staaten ausreisen kann. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Migra-</span><br/> <span class="ft1">tionsamt den Zielstaat unabhängig vom Willen des Betroffenen fest-</span><br/> <span class="ft1">legen darf. Vielmehr soll der Betroffene diesen nach wie vor selber</span><br/> <span class="ft1">wählen können. Mit der "Kann-Bestimmung" sollte lediglich zum</span><br/> <span class="ft1">Ausdruck gebracht werden, dass der Betroffene nicht mehr einen ab-</span><br/> <span class="ft1">soluten Anspruch auf Bestimmung des Zielstaates hat (Andreas</span><br/> <span class="ft1">Zünd/Ladina Arquint Hill, § 8 Beendigung der Anwesenheit, Entfer-</span><br/> <span class="ft1">nung und Fernhaltung, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.],</span><br/> <span class="ft1">Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 8.97, Botschaft zum AuG, BBl</span><br/> <span class="ft1">2002 3709 ff., 3814). Nicht zu beanstanden wäre wohl die Verweige-</span><br/> <span class="ft1">rung einer Ausschaffung in einen gewünschten Zielstaat, wenn die</span><br/> <span class="ft1">Ausschaffung erhebliche Mehrkosten verursachen oder sich die Or-</span><br/> <span class="ft1">ganisation der Rückführung als besonders aufwändig erweisen</span><br/> <span class="ft1">würde. Kann ein Betroffener jedoch rechtmässig in sein Heimatland</span><br/> <span class="ft1">zurückkehren, verlangt er eine Ausschaffung in sein Heimatland und</span><br/> <span class="ft1">kann diese vor einer geplanten Ausschaffung in einen Drittstaat er-</span><br/> <span class="ft1">folgen, lässt sich eine Ausschaffung in einen Drittstaat wohl kaum</span><br/> <span class="ft1">rechtfertigen. Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass Art. 69</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 AuG keine Rechtsgrundlage für eine zwangsweise Ausschaf-</span><br/> <span class="ft1">fung nach Ungarn darstellt, wenn der Gesuchsgegner glaubhaft bereit</span><br/> <span class="ft1">ist, selbständig und vor der geplanten Ausschaffung nach Ungarn in</span><br/> <span class="ft1">den Kosovo zurückzukehren.</span><br/> <span class="ft1">Daran ändert auch nichts, dass gemäss Entscheid des BFM die</span><br/> <span class="ft1">Wegweisung nach Ungarn erfolgt. Die konkrete Nennung eines Ziel-</span><br/> <span class="ft1">staates im Wegweisungsentscheid hat nur insofern Bedeutung, als</span><br/> <span class="ft1">eine Ausschaffung effektiv vollzogen werden muss. In diesem Falle</span><br/> <span class="ft1">darf das Migrationsamt den Betroffenen nur in den genannten Ziel-</span><br/> <span class="ft1">staat ausschaffen, es sei denn, der Betroffene sei mit der Ausschaf-</span><br/> <span class="ft1">fung in einen anderen Staat einverstanden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">5.2.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Ausschaf-</span><br/> <span class="ft1">fung nur dann verhältnismässig ist, wenn ein Betroffener nicht selb-</span><br/> <span class="ft1">ständig ausreist.</span><br/> <span class="ft1">5.3. Ist die Ausschaffung unverhältnismässig, gilt dies umso</span><br/> <span class="ft1">mehr auch für die Anordnung einer Ausschaffungshaft, da diese ein-</span><br/> <span class="ft1">zig bezweckt, die Ausschaffung sicherzustellen.</span><br/> <span class="ft1">Zu prüfen ist deshalb, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">davon ausgegangen werden kann, dass der Gesuchsgegner selbstän-</span><br/> <span class="ft1">dig in den Kosovo zurückkehrt. Er brachte diesbezüglich mehrfach</span><br/> <span class="ft1">vor, er sei jederzeit bereit, auf dem Luftweg in den Kosovo auszurei-</span><br/> <span class="ft1">sen, werde sogar das Flugticket selbst bezahlen und habe auch nichts</span><br/> <span class="ft1">dagegen, wenn man ihn zum Flughafen bringen wolle. Zur Beglei-</span><br/> <span class="ft1">chung der Reisekosten führte er am 19. Juni 2009 aus (Protokoll der</span><br/> <span class="ft1">Verhandlung vom 19. Juni 2009 S. 6): "Ja, ich werde meine Reise-</span><br/> <span class="ft1">kosten selber übernehmen. Meine ganze Familie lebt hier in der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz. Sie können mir finanziell unter die Arme greifen. Ich habe</span><br/> <span class="ft1">hier nichts verbrochen, ich bin nicht straffällig geworden. Ich finde</span><br/> <span class="ft1">es schlecht, dass ich keine schriftliche Einladung vom Migrationsamt</span><br/> <span class="ft1">bekommen habe. Ich bin heute morgen einfach so festgenommen</span><br/> <span class="ft1">worden. Man hätte mir auch sagen können, dass ich vorbeikommen</span><br/> <span class="ft1">muss." Weiter ist den Akten zu entnehmen, dass der Gesuchsgegner</span><br/> <span class="ft1">seine Voraufenthalte in Ungarn und Österreich nicht verschwiegen</span><br/> <span class="ft1">hat. Nachdem der Gesuchsgegner problemlos bei seinen Eltern ange-</span><br/> <span class="ft1">troffen werden konnte und dem Migrationsamt offenbar auch be-</span><br/> <span class="ft1">kannt war, dass er sich dort aufhielt, kann ihm auch nicht vorgewor-</span><br/> <span class="ft1">fen werden, er sei untergetaucht. Dies umso weniger, als das Migra-</span><br/> <span class="ft1">tionsamt nicht einmal versucht hat, ihn über die ihm zugewiesene</span><br/> <span class="ft1">Unterkunft vorzuladen. Aufgrund der glaubhaften Aussage des Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchsgegners und nachdem keinerlei sonstige Anzeichen vorhanden</span><br/> <span class="ft1">sind, dass der Gesuchsgegner nicht selbständig ausreisen wird, wurde</span><br/> <span class="ft1">ihm mit Urteil vom 19. Juni 2009 Gelegenheit gegeben, seinen Aus-</span><br/> <span class="ft1">reisewillen durch Vorlegen eines auf ihn lautenden Flugtickets, mit</span><br/> <span class="ft1">welchem er bis spätestens 27. Juni 2009 in den Kosovo zurückkehren</span><br/> <span class="ft1">kann weiter zu untermauern. Festgehalten wurde, dass wenn er ein</span><br/> <span class="ft1">entsprechendes Flugticket vorlege, von einer selbständigen Ausreise</span><br/> <span class="ft1">in den Kosovo vor der geplanten Ausschaffung nach Ungarn auszu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2009</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gehen sei. Eine Fortsetzung der Haft wäre unter diesen Umständen</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr gerechtfertigt und somit unverhältnismässig, weshalb er</span><br/> <span class="ft1">nach Vorliegen des Flugtickets aus der Haft zu entlassen sei.</span><br/> <span class="ft1">Daran hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert. Es liegen</span><br/> <span class="ft1">keine neuen Umstände vor, die eine erneute Inhaftierung rechtferti-</span><br/> <span class="ft1">gen könnten. Im Gegenteil, hat doch der Bruder des Gesuchsgegners</span><br/> <span class="ft1">inzwischen dem Migrationsamt ein entsprechendes Flugticket vorge-</span><br/> <span class="ft1">legt. Hinzu kommt, dass der Gesuchsgegner problemlos telefonisch</span><br/> <span class="ft1">kontaktiert werden konnte und pünktlich der telefonischen Vorladung</span><br/> <span class="ft1">Folge geleistet hat. Es ist unter diesen Umständen - mehr noch als</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der Verhandlung vom 19. Juni 2009 - davon auszugehen,</span><br/> <span class="ft1">dass der Gesuchsgegner am 25. Juni 2009 ausreisen wird, sofern er</span><br/> <span class="ft1">dies mit seiner Identitätskarte kann. Der Vertreter des Migrations-</span><br/> <span class="ft1">amts gab diesbezüglich anlässlich der heutigen Verhandlung zu Pro-</span><br/> <span class="ft1">tokoll, der Pass des Gesuchsgegners sei bislang vom BFM nicht zu-</span><br/> <span class="ft1">gestellt worden. Dass der Gesuchsgegner mit seiner Identitätskarte</span><br/> <span class="ft1">ausreisen könne, sei anzunehmen, jedoch nicht sicher. Sollte der Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchsgegner wegen des fehlenden Passes nicht ausreisen können,</span><br/> <span class="ft1">kann ihm dies jedenfalls nicht angelastet werden.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">6.2. Anzumerken bleibt, dass bei Rückführungen in einen Dub-</span><br/> <span class="ft1">lin-Staat die Anordnung einer Ausschaffungshaft selbst bei vorbe-</span><br/> <span class="ft1">haltlos bewilligter Haft nur bis zum Zeitpunkt des möglichen Rück-</span><br/> <span class="ft1">fluges in den Heimatstaat eines Betroffenen zulässig wäre, wenn die-</span><br/> <span class="ft1">ser ein entsprechendes Flugticket vorlegen würde. Einem Betroffe-</span><br/> <span class="ft1">nen darf in diesem Fall die rechtmässige Ausreise in sein Heimatland</span><br/> <span class="ft1">nicht verweigert werden.</span><br/></div> </div> </body> </html>