<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Schulrecht Gemeinderecht</span> <span class="page_no">457</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Schulrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>81</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 8 Abs. 2 und 4 BV; Art. 8 Abs. 2 BehiG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Niemand darf wegen einer Behinderung diskriminiert werden. Legasthe-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nie und Dyslexie stellen Behinderungen dar. Menschen mit Behinderun-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen haben nach dem BehiG den Gemeinwesen gegenüber Anspruch da-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rauf, dass die Prüfungsmodalitäten ihren behinderungsbedingten Bedürf-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nissen angepasst werden. Die Massnahmen des Nachteilsausgleichs für</b></span><br/> <span class="ft3"><b>die Aufnahmeprüfung und jene für die Schulzeit BMS II dürfen unter-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>schiedlich ausgestaltet sein. Für eine Aufnahme- oder Abschlussprüfung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>werden einer Kandidatin oder einem Kandidaten grosszügigere Massnah-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>men als Nachteilsausgleich gewährt als im schulischen Alltag.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 6. Mai 2015, i.S. O.F. gegen</span><br/> <span class="ft4">die Verfügung des Departements Bildung, Kultur und Sport (Abteilung Be-</span><br/> <span class="ft4">rufsbildung und Mittelschule) vom 26. Juli 2014 (RRB Nr. 2015-000445).</span><br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt (gekürzt)</i></span><br/> <span class="ft8">O.F. hat eine Rechtschreibstörung/Legasthenie. Auf sein Ge-</span><br/> <span class="ft8">such hin, gewährte die Abteilung Berufsbildung und Mittelschule des</span><br/> <span class="ft8">BKS ihm folgende Anpassungen als Nachteilsausgleich für die Auf-</span><br/> <span class="ft8">nahmeprüfung der Berufsmaturität: In den Fächern Deutsch, Franzö-</span><br/> <span class="ft8">sisch und Englisch erhielt er einen Zeitzuschlag von einem Drittel, er</span><br/> <span class="ft8">durfte den Computer und ein elektronisches Wörterbuch benutzen</span><br/> <span class="ft8">und typische Dyslexiefehler wurden nicht bewertet. Im Fach Mathe-</span><br/> <span class="ft8">matik erhielt er einen Zeitzuschlag von einem Viertel und die Recht-</span><br/> <span class="ft8">schreibung wurde nicht bewertet.</span><br/> <span class="ft8">Nachdem O.F. die Aufnahmeprüfung für die Berufsmaturität</span><br/> <span class="ft8">BMS II bestanden hatte, ersuchte er um einen Nachteilsausgleich für</span><br/> <span class="ft8">die Schulzeit BMS II mit gegenüber der Aufnahmeprüfung noch wei-</span><br/> <span class="ft8">ter reichenden Anpassungen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">458</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Die Abteilung Berufsbildung und Mittelschule verfügte fol-</span><br/> <span class="ft8">gende Massnahmen zum Nachteilsausgleich für die Schulzeit BMS</span><br/> <span class="ft8">II: In den Fächern Deutsch, Französisch und Englisch bekam O.F. ei-</span><br/> <span class="ft8">nen Zeitzuschlag von 10% und die Benutzung eines Computers ohne</span><br/> <span class="ft8">Internetzugang zugesprochen; auch wurde die Bewertung schwer-</span><br/> <span class="ft8">punktmässig auf den Inhalt und nicht auf die Rechtschreibung gelegt.</span><br/> <span class="ft8">In den Fächern Mathematik, Physik und Chemie erhielt er das Recht,</span><br/> <span class="ft8">bei textbasierten Aufgaben Fragen an die Lehrperson zu stellen; des</span><br/> <span class="ft8">Weitern wurde die Nichtbewertung der Rechtschreibung angeordnet.</span><br/> <span class="ft8">Für die übrigen Fächer wurde die Bewertung des Inhalts und nicht</span><br/> <span class="ft8">der Rechtschreibung verfügt. Der Konrektor der Berufsschule ver-</span><br/> <span class="ft8">fasste ein Schriftstück, das die Verfügung präzisieren sollte. Darin</span><br/> <span class="ft8">hielt er unter anderem fest, dass ein Zeitzuschlag von 10% in den Fä-</span><br/> <span class="ft8">chern Deutsch, Französisch und Englisch generell gelte. Die Bewer-</span><br/> <span class="ft8">tung erfolge schwerpunktmässig auf den Inhalt und nicht auf die</span><br/> <span class="ft8">Rechtschreibung. Sofern jedoch der Inhalt benotet werde, würden</span><br/> <span class="ft8">10% Zuschlag für den Inhalt erteilt. Bei Grammatikübungen gäbe es</span><br/> <span class="ft8">keine Erleichterungen und bei Grammatik-, Rechtschreibe- und</span><br/> <span class="ft8">Wortschatzprüfungen gäbe es keine mildernden Bewertungen, da</span><br/> <span class="ft8">eine inhaltliche Bewertung entfalle. In den Fächern Mathematik,</span><br/> <span class="ft8">Physik und Chemie dürfe O.F. bei textbasierten Aufgaben Fragen an</span><br/> <span class="ft8">die Lehrperson stellen und er dürfe die Lehrperson bitten, ihm die</span><br/> <span class="ft8">Fragen vorzulesen. In diesen wie auch in den übrigen Fächern ent-</span><br/> <span class="ft8">falle die Bewertung der Rechtschreibung. Im Weiteren fügte er an,</span><br/> <span class="ft8">dass im Zeugnis der "Nachteilsausgleich Legasthenie" vermerkt wer-</span><br/> <span class="ft8">de.</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">1.2.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss Art. 8 Abs. 2 BV darf niemand diskriminiert werden</span><br/> <span class="ft8">wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung.</span><br/> <span class="ft8">Nach Art. 8 Abs. 4 BV sieht das Gesetz Massnahmen zur Beseiti-</span><br/> <span class="ft8">gung von Nachteilen der Behinderten vor. Gestützt darauf wurde das</span><br/> <span class="ft8">am 1. Januar 2004 in Kraft getretene Bundesgesetz über die Beseiti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Schulrecht Gemeinderecht</span> <span class="page_no">459</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen</span><br/> <span class="ft8">(Behindertengleichstellungsgesetz, BehiG) vom 13. Dezember 2002</span><br/> <span class="ft8">erlassen. Eine Benachteiligung liegt vor, wenn Behinderte rechtlich</span><br/> <span class="ft8">oder tatsächlich anders als nicht Behinderte behandelt und dabei</span><br/> <span class="ft8">ohne sachliche Rechtfertigung schlechter gestellt werden als diese,</span><br/> <span class="ft8">oder wenn eine unterschiedliche Behandlung fehlt, die zur tatsächli-</span><br/> <span class="ft8">chen Gleichstellung Behinderter und nicht Behinderter notwendig ist</span><br/> <span class="ft8">(Art. 2 Abs. 2 BehiG). Angemessene Massnahmen zum Ausgleich</span><br/> <span class="ft8">von Benachteiligungen der Behinderten stellen keine Ungleichbe-</span><br/> <span class="ft8">handlung nach Art. 8 Abs. 1 BV dar (Art. 5 Abs. 2 BehiG).</span><br/> <span class="ft8">Das BehiG gilt namentlich für die Aus- und Weiterbildung</span><br/> <span class="ft8">(Art. 3 lit. f BehiG), d.h. für alle Bildungsangebote im Zuständig-</span><br/> <span class="ft8">keitsbereich des Bundes (vgl. BGE 2C_930/2011 vom 1. Mai 2012,</span><br/> <span class="ft8">Erw. 3.1; 2 D_7/2011 vom 19. Mai 2011, Erw. 2.4; Urteil des Bun-</span><br/> <span class="ft8">desverwaltungsgerichts B-5474/2013 vom 27. Mai 2014, Erw. 4.1.1.;</span><br/> <span class="ft8">Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-832/2014 vom 20. August</span><br/> <span class="ft8">2014, Erw. 6.1). Die Berufsmaturität wird im Bundesgesetz über die</span><br/> <span class="ft8">Berufsbildung (Berufsbildungsgesetz, BBG) vom 13. Dezember</span><br/> <span class="ft8">2002 geregelt (Art. 2 Abs. 1 lit. a). Der Bundesrat regelt die Berufs-</span><br/> <span class="ft8">maturität (Art. 25 Abs. 5 BBG und Art. 22 der Verordnung über die</span><br/> <span class="ft8">Berufsbildung, Berufsbildungsverordung, BBV, vom 19. November</span><br/> <span class="ft8">2003). Das eidgenössische Berufsmaturitätszeugnis erhält, wer die</span><br/> <span class="ft8">vom Bund anerkannte Berufsmaturitätsprüfung bestanden hat. Die</span><br/> <span class="ft8">Kantone sorgen für die Durchführung der Berufsmaturitätsprüfungen</span><br/> <span class="ft8">und stellen die Zeugnisse aus (vgl. Art. 39 Abs. 1 und 3 BBG). Somit</span><br/> <span class="ft8">kommt das Behindertengleichstellungsgesetz vorliegend zur Anwen-</span><br/> <span class="ft8">dung. Das BBG fördert und entwickelt den Ausgleich der Bildungs-</span><br/> <span class="ft8">chancen in sozialer und regionaler Hinsicht. Es zielt unter anderem</span><br/> <span class="ft8">darauf ab, die Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen</span><br/> <span class="ft8">zu beseitigen (Art. 3 lit. c BBG).</span><br/> <span class="ft8">Die Legasthenie und Dyslexie stellen Behinderungen dar. Be-</span><br/> <span class="ft8">hinderungen sind besondere persönliche Eigenschaften, welche die</span><br/> <span class="ft8">betroffenen Kandidatinnen und Kandidaten gegenüber nichtbehin-</span><br/> <span class="ft8">derten Lernenden bei einer Prüfung benachteiligen. Die erforderli-</span><br/> <span class="ft8">chen Massnahmen für einen Nachteilsausgleich sind individuell</span><br/> <span class="ft8">auszugestalten, weil Art und Grad von Behinderung vielfältig sein</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">460</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">können. Mit positiven Ausgleichsmassnahmen wird den persönlichen</span><br/> <span class="ft8">Nachteilen einer behinderten Person bei einer Prüfung Rechnung ge-</span><br/> <span class="ft8">tragen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-7914/2007 vom</span><br/> <span class="ft8">15. Juli 2008, S. 9). Der Beschwerdeführer muss jedoch fähig sein,</span><br/> <span class="ft8">wie seine Mitschüler und Mitschülerinnen den fachlichen Abschluss</span><br/> <span class="ft8">zu erreichen. Nicht um einen Nachteilsausgleich handelt es sich,</span><br/> <span class="ft8">wenn die fachlichen Anforderungen herabgesetzt werden (vgl. Iris</span><br/> <span class="ft8">Glockengiesser in: Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, Jg.</span><br/> <span class="ft8">20, 5/2014, S. 20 ff.; Bundesgerichtsurteil 2D_7/2011 vom 19. Mai</span><br/> <span class="ft8">2011, S. 4). Der Staat ist nicht verpflichtet, sämtliche faktischen Un-</span><br/> <span class="ft8">gleichheiten zu beheben. Dies schlägt sich auch in der Möglichkeit</span><br/> <span class="ft8">nieder, bestimmte Berufe zu ergreifen. Es gibt bestimmte Berufe und</span><br/> <span class="ft8">Ausbildungen, die besondere Eigenschaften und Fähigkeiten erfor-</span><br/> <span class="ft8">dern, die nicht alle Menschen im gleichen Masse besitzen. Der blosse</span><br/> <span class="ft8">Umstand, dass einzelne Personen ohne ihr Verschulden diese Fähig-</span><br/> <span class="ft8">keiten nicht haben, kann nicht dazu führen, dass die Anforderungen</span><br/> <span class="ft8">gesenkt werden müssen (vgl. BGE 122 I 130; Bundesverwaltungsge-</span><br/> <span class="ft8">richtsurteil B-7914/2007 vom 15. Juli 2008, S. 16).</span><br/> <span class="ft8">Eine Benachteiligung bei der Inanspruchnahme von Aus- und</span><br/> <span class="ft8">Weiterbildung liegt nach Art. 2 Abs. 5 BehiG vor, wenn die Verwen-</span><br/> <span class="ft8">dung behindertenspezifischer Hilfsmittel oder der Beizug notwendi-</span><br/> <span class="ft8">ger persönlicher Assistenz erschwert werden (lit. a) oder die Dauer</span><br/> <span class="ft8">und Ausgestaltung des Bildungsangebots sowie Prüfungen den</span><br/> <span class="ft8">spezifischen Bedürfnissen behinderter Personen nicht angepasst sind</span><br/> <span class="ft8">(lit. b). Wer durch ein Gemeinwesen in diesem Sinn benachteiligt</span><br/> <span class="ft8">wird, kann beim Gericht oder bei der Verwaltungsbehörde verlangen,</span><br/> <span class="ft8">dass das Gemeinwesen die Benachteiligung beseitigt oder unterlässt</span><br/> <span class="ft8">(Art. 8 Abs. 2 BehiG). Unter dem Vorbehalt des Verhältnismäs-</span><br/> <span class="ft8">sigkeitsprinzips muss auf die spezifischen Bedürfnisse von behin-</span><br/> <span class="ft8">derten Personen Rücksicht genommen werden, sofern dies im kon-</span><br/> <span class="ft8">kreten Fall möglich ist. Menschen mit Behinderungen haben somit</span><br/> <span class="ft8">nach dem BehiG gegenüber Gemeinwesen den Anspruch darauf,</span><br/> <span class="ft8">dass die Prüfungsmodalitäten ihren behinderungsbedingten Bedürf-</span><br/> <span class="ft8">nissen angepasst werden (vgl. BVGE 2008/26 Erw. 4.5; Urteil des</span><br/> <span class="ft8">Bundesverwaltungsgerichts B-5474/2013 vom 27. Mai 2014,</span><br/> <span class="ft8">Erw. 4.1.3; A-832/2014 Urteil vom 20. August 2014, Erw.6.2). Es</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Schulrecht Gemeinderecht</span> <span class="page_no">461</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">soll der Nachteilsausgleich wenn immer möglich positiv ausgegli-</span><br/> <span class="ft8">chen werden. Beim Nachteilsausgleich ist aber auch stets zu beach-</span><br/> <span class="ft8">ten, dass eine behinderte Person durch die besondere Prüfungs-</span><br/> <span class="ft8">ausgestaltung gegenüber den übrigen Kandidatinnen und Kandidaten</span><br/> <span class="ft8">nicht bevorzugt werden darf. Ziel der Massnahmen in der Prü-</span><br/> <span class="ft8">fungsausgestaltung ist allein der Ausgleich der aus der Behinderung</span><br/> <span class="ft8">(vorliegend Legasthenie/Dyslexie) resultierenden Schlechterstellung,</span><br/> <span class="ft8">nicht aber eine Besserstellung gegenüber den übrigen Kandidatinnen</span><br/> <span class="ft8">und Kandidaten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2D_7/2011 vom</span><br/> <span class="ft8">19. Mai 2011, S. 4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom</span><br/> <span class="ft8">20. August 2014 A832/2014, S. 10; Wegleitung Nachteilsausgleich in</span><br/> <span class="ft8">Schule und Berufsbildung der Interkantonalen Hochschule für</span><br/> <span class="ft8">Heilpädagogik, S. 6). Die in den Qualifikationsverfahren verwende-</span><br/> <span class="ft8">ten Beurteilungskriterien müssen sachgerecht und transparent sein</span><br/> <span class="ft8">sowie die Chancengleichheit wahren (vgl. Art. 34 Abs. 1 BBG). Für</span><br/> <span class="ft8">Personen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen werden</span><br/> <span class="ft8">besondere Hilfsmittel oder mehr Zeit in einem angemessenen Mass</span><br/> <span class="ft8">gewährt (vgl. Art. 35 Abs. 3 BBV). Wie das Bundesgericht zu-</span><br/> <span class="ft8">treffend erkannte, könne die Anpassung des Prüfungsablaufs auf</span><br/> <span class="ft8">verschiedene Arten geschehen, wobei jeweils Art und Grad der Be-</span><br/> <span class="ft8">hinderung im Einzelfall zu betrachten sei. Meistens erfolgen Prü-</span><br/> <span class="ft8">fungserleichterungen durch Prüfungszeitverlängerungen in einem</span><br/> <span class="ft8">angemessenen Umfang, andere Prüfungsformen oder die Benutzung</span><br/> <span class="ft8">eines Computers.</span><br/> <span class="ft8">1.3</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/> <span class="ft8">2.2</span><br/> <span class="ft8">(...) Für eine Aufnahme- oder Abschlussprüfung werden einer</span><br/> <span class="ft8">Kandidatin oder einem Kandidaten grosszügigere Massnahmen als</span><br/> <span class="ft8">Nachteilsausgleich gewährt als im schulischen Alltag. Zum einen</span><br/> <span class="ft8">bringt eine einmalige grosse Prüfung wie die Aufnahme- oder Ab-</span><br/> <span class="ft8">schlussprüfung viel mehr Stress mit sich, weshalb grössere Zeitzu-</span><br/> <span class="ft8">schläge und mehr Hilfsmittel gewährt werden können. Zum anderen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">462</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">können die grösseren Zeitzuschläge bei einer einmaligen Prüfung</span><br/> <span class="ft8">besser umgesetzt werden, da die Prüfung für den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft8">"individuell" ausgestaltet werden kann. Auch die bei der Aufnahme-</span><br/> <span class="ft8">prüfung eingesetzten Hilfsmittel können grosszügiger gewährt wer-</span><br/> <span class="ft8">den, weil eine Person den Kandidaten kontrollieren kann, ob er bei-</span><br/> <span class="ft8">spielsweise den Internetzugang tatsächlich nur für die Rechtschreibe-</span><br/> <span class="ft8">prüfung benutzt.</span><br/> <span class="ft8">Wie das Bundesverwaltungsgericht zutreffend ausführte, ist zu</span><br/> <span class="ft8">prüfen, ob einer Kandidatin oder einem Kandidaten eine Prüfungs-</span><br/> <span class="ft8">zeitverlängerung auch wirklich nützt. Gemäss Stundenplan der BMS</span><br/> <span class="ft8">II betragen fast alle Lektionen 90 Minuten. Eine Zeitverlängerung ist</span><br/> <span class="ft8">in der Tat während des Schulalltags in dem vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft8">beantragten Mass kaum umsetzbar. In Fach Mathematik sei der Zeit-</span><br/> <span class="ft8">druck Teil der Aufgabenstellung hält der Konrektor der Berufsschule</span><br/> <span class="ft8">Aarau fest. Zu Recht führte er an, dass andere Maturandinnen und</span><br/> <span class="ft8">Maturanden ohne Nachteilsausgleich eine Rechtsungleichheit bean-</span><br/> <span class="ft8">standen könnten, würde dem Beschwerdeführer ein Zeitzuschlag ge-</span><br/> <span class="ft8">währt. Da dem Beschwerdeführer gewährt wird, dass die Lehrperso-</span><br/> <span class="ft8">nen ihm die Fragen vorlesen, wird der Nachteil betreffend die Dys-</span><br/> <span class="ft8">lexie ausgegliedert. Da die Rechtschreibung nicht bewertet wird, er-</span><br/> <span class="ft8">fährt der Beschwerdeführer auch betreffend seiner Legasthenie keine</span><br/> <span class="ft8">Benachteiligung.</span><br/> <span class="ft8">Des Weiteren lässt sich die Auffassung der Vorinstanz rechtlich</span><br/> <span class="ft8">nicht beanstanden, dass der Beschwerdeführer mit seiner Wahl der</span><br/> <span class="ft8">technischen Berufsmaturitätsrichtung und Mathematik als Schwer-</span><br/> <span class="ft8">punktfach keine zusätzlichen Erleichterungen erhalten dürfe. Der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer absolviert die Berufsmaturität der technischen Rich-</span><br/> <span class="ft8">tung. Diese Richtung ist mathematisch-naturwissenschaftlich orien-</span><br/> <span class="ft8">tiert und setzt ihren Schwerpunkt im Bereich des mathematischen</span><br/> <span class="ft8">Denkens und dessen Anwendung im naturwissenschaftlichen Bereich</span><br/> <span class="ft8">(vgl. Homepage der Berufsschule Aarau, Informationen). In diesen</span><br/> <span class="ft8">mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern bekam er zu Recht</span><br/> <span class="ft8">nicht noch einen Zeitzuschlag. Der Besuch dieser Schule mit dieser</span><br/> <span class="ft8">Fachrichtung stellt höhere Anforderungen als der Besuch der</span><br/> <span class="ft8">vorangegangenen Schule. Der Beschwerdeführer muss wie die an-</span><br/> <span class="ft8">deren Lernenden in der Lage sein, unter den ordentlichen Bedingun-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Schulrecht Gemeinderecht</span> <span class="page_no">463</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">gen die Prüfungen des regulären Unterrichts in den naturwissen-</span><br/> <span class="ft8">schaftlichen Fächern ablegen zu können, ohne die Gewährung eines</span><br/> <span class="ft8">Zeitzuschlags. Im Gegensatz zur Aufnahmeprüfung kann er sich für</span><br/> <span class="ft8">die Prüfungen genauestens vorbereiten, wird doch geprüft, ob er den</span><br/> <span class="ft8">behandelten Lernstoff begriffen hat. Daher stellt es keine Diskrimini-</span><br/> <span class="ft8">erung dar, wenn er in den Fächern Mathematik, Chemie und Physik</span><br/> <span class="ft8">keine Zeitzuschläge erhält, die Fragen ihm jedoch vorgelesen werden</span><br/> <span class="ft8">und die Rechtschreibung nicht bewertet wird. Damit hat er die glei-</span><br/> <span class="ft8">chen Chancen, die Prüfung zu bestehen, wie die anderen Lernenden.</span><br/> <span class="ft8">Die fachlichen Anforderungen sind trotz der Behinderung nicht</span><br/> <span class="ft8">herabzusetzen. Bereits bei der Nichtbewertung der Rechtschreibung</span><br/> <span class="ft8">im Fach Deutsch handelt es sich um einen Grenzfall, ob es sich nur</span><br/> <span class="ft8">um eine formale Anpassung handelt oder dies bereits eine inhaltliche</span><br/> <span class="ft8">Anpassung darstellt; diese wurde ihm jedoch gewährt. In den weite-</span><br/> <span class="ft8">ren Sprachfächern wäre eine Nichtbewertung von Rechtschreibe-</span><br/> <span class="ft8">fehlern eine zu weit gehende Massnahme, würde doch so das Lern-</span><br/> <span class="ft8">ziel herabgesetzt, was nicht mehr als Nachteilsausgleich anzusehen</span><br/> <span class="ft8">wäre, anders als im Fach Geschichte, wo es um das Begreifen von</span><br/> <span class="ft8">historischen Zusammenhängen geht (vgl. auch Glockengiesser</span><br/> <span class="ft8">a.a.O., S.21). Zudem werden in den Sprachfächern Englisch und</span><br/> <span class="ft8">Französisch nicht nur schriftliche Prüfungen, sondern auch mündli-</span><br/> <span class="ft8">che Prüfungen abgelegt, so dass sich die Zeugnisnote nicht nur aus</span><br/> <span class="ft8">den schriftlichen Arbeiten zusammensetzt. Und auch hier gilt, dass es</span><br/> <span class="ft8">bei den Prüfungen im Schulalltag um eine Lernkontrolle geht, ob der</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführer den vermittelten Unterrichtsstoff umsetzen kann;</span><br/> <span class="ft8">deshalb ist ihm nicht mehr Zeit zu gewähren, als die Vorinstanz ihm</span><br/> <span class="ft8">eingeräumt hat. Wie auch bereits vorstehend erwähnt worden ist, ist</span><br/> <span class="ft8">im Schulalltag die Zeitverlängerung kaum praktikabel. Weiter ist</span><br/> <span class="ft8">anzufügen, dass der Beschwerdeführer gemäss Angaben des Konrek-</span><br/> <span class="ft8">tors der Berufsschule Aarau die zur Verfügung stehende Prüfungszeit</span><br/> <span class="ft8">in mindestens zwei Fällen nicht ausgenutzt habe (vgl. ...). Ebenfalls</span><br/> <span class="ft8">kann ihm kein Internetzugang gegeben werden; der Kontrollaufwand</span><br/> <span class="ft8">für eine Lehrperson, wäre unangemessen hoch. Der Zugang zu Win-</span><br/> <span class="ft8">dows Word ist ausreichend für die Rechtschreibkontrolle.</span><br/> <span class="ft8">2.3</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">464</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Die Schulleitung verfügt bei der Ausgestaltung des Nachteils-</span><br/> <span class="ft8">ausgleichs über einen grossen Ermessensspielraum. (...).</span><br/> <span class="ft8">Mit den gewährten Massnahmen werden die behinderungsbe-</span><br/> <span class="ft8">dingten Nachteile des Beschwerdeführers angemessen ausgeglichen</span><br/> <span class="ft8">und es liegt keine Diskriminierung vor. Die Vorinstanz hat ihr Er-</span><br/> <span class="ft8">messen korrekt ausgeübt.</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1</span><br/> <span class="ft8">Der Beschwerdeführer moniert, dass der Nachteilsausgleich im</span><br/> <span class="ft8">Schulzeugnis vermerkt werde. Diese Stigmatisierung widerspreche</span><br/> <span class="ft8">dem Behindertengleichstellungsrecht. (...)</span><br/> <span class="ft8">3.2.</span><br/> <span class="ft8">Wie der Konrektor in seiner Stellungnahme festhielt, werde der</span><br/> <span class="ft8">Nachteilsausgleich nur in den Schulzeugnissen, nicht aber im Matu-</span><br/> <span class="ft8">ritätszeugnis erwähnt. In Art. 28 BMV fehlt der Hinweis auf einen</span><br/> <span class="ft8">allfälligen Vermerk über einen Nachteilsausgleich. Das Bundesver-</span><br/> <span class="ft8">waltungsgericht hielt im Urteil vom 15. Juli 2008 fest, dass auf dem</span><br/> <span class="ft8">Notenblatt kein Vermerk betreffend Prüfungserleichterung einzutra-</span><br/> <span class="ft8">gen sei (vgl. B-7914/2007, S. 18). Gemäss der Empfehlung Nummer</span><br/> <span class="ft8">7 der SBBK, verabschiedet am 17. September 2014, soll im eidge-</span><br/> <span class="ft8">nössischen Berufsmaturitätszeugnis kein Vermerk zum Nachteils-</span><br/> <span class="ft8">ausgleich angebracht werden. Insbesondere wenn die Schülerin oder</span><br/> <span class="ft8">der Schüler nur formelle Massnahmen in Form eines Nachteils-</span><br/> <span class="ft8">ausgleichs erhält und keine Lernzielanpassungen erfolgen, soll auf</span><br/> <span class="ft8">einen Vermerk verzichtet werden (vgl. nebst SBBK auch Glocken-</span><br/> <span class="ft8">giesser a.a.O., S. 21). Auch im Merkblatt über den Nachteilsaus-</span><br/> <span class="ft8">gleich für Berufslernende mit Behinderungen oder Lern- und Leis-</span><br/> <span class="ft8">tungsschwierigkeiten des BKS wird ausgeführt, dass im Notenaus-</span><br/> <span class="ft8">weis kein Vermerk betreffend Prüfungserleichterungen eingetragen</span><br/> <span class="ft8">werde. Aufgrund des Gesagten wird im Berufsmaturitätszeugnis kein</span><br/> <span class="ft8">Vermerk betreffend Nachteilsausgleich vorgenommen. Hingegen</span><br/> <span class="ft8">sind die Schulleitungen der Berufsschulen befugt, in den Schul-</span><br/> <span class="ft8">zeugnissen am Ende des Semesters einen Vermerk zum Nachteilsaus-</span><br/> <span class="ft8">gleich anzubringen.</span><br/> <span class="ft8">4.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2015</span> <span class="title">Schulrecht Gemeinderecht</span> <span class="page_no">465</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Nach den obigen Erwägungen hält der angefochtene Entscheid</span><br/> <span class="ft8">einer rechtlichen Überprüfung stand. Auch hat die Vorinstanz ihr Er-</span><br/> <span class="ft8">messen korrekt ausgeübt. Die Beschwerde ist vollumfänglich abzu-</span><br/> <span class="ft8">weisen.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss Art. 10 BehiG sind die Verfahren nach Art. 7 und Art. 8</span><br/> <span class="ft8">BehiG, d.h. die Verfahren, welche sich auf die Beseitigung oder Un-</span><br/> <span class="ft8">terlassung einer echten oder vermeintlichen Benachteiligung bei der</span><br/> <span class="ft8">Inanspruchnahme von Aus- und Weiterbildung durch ein Gemeinwe-</span><br/> <span class="ft8">sen richten, unentgeltlich. Daher sind vorliegend keine Verfahrens-</span><br/> <span class="ft8">kosten zu erheben.</span><br/></div> </div> </body> </html>