Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Juli 2020 (725 19 331 / 181) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Fallabschluss und namhafte Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse. Der medi- zinische Endzustand ist bei Schleudertraumen im Einzelfall und nicht bloss anhand sta- tistischer Durchschnittswerte zu beurteilen. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber i.V. Stefan A. Buchwalder Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Christian Möcklin, Advo- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen AXA Versicherungen AG , General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. A.____, geboren 1978, war als Front Office Manager beim Hotel B.____ tätig und in dieser Eigenschaft bei der AXA Versicherungen AG (AXA) o bligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 29. Dezember 2017 stürzte er in der Eiskunsthalle C.____ beim Schlittschuhlaufen, fiel auf die rechte Hand respektive Daumen sowie den rechten Ellenbogen und schlug sich den Hinterkopf. Am Folgetag suchte er die Notfallpraxis des D.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf, wo Kontusionen des Hinterkopfes, der Halswirbel- (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS) und des Beckens sowie ein Distorsionstrauma des Daumens rechts di agnostiziert wurden. Die AXA erbrachte für die Folgen dieses Unfallereignisses die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Tag- gelder und Heilbehandlungskosten). Mit Verfügung vom 27. November 2018 teilte sie A.____ un- ter Verweis auf einen fehlenden natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit, dass sie ihre Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung per 30. November 2018 einstellen würde. Dagegen erhob A.____ mit Schreiben vom 26. Dezember 2018 Einsprache bei der AXA. Er begründete diese damit, dass die noch bestehenden Leiden als Folge des Unfalls anzusehen seien, weshalb ihm die gesetzlichen Leistungen auch weiterhin auszurichten seien. Mit Entscheid vom 22. August 2019 wies die AXA die Einsprache unter Verweis auf den fehlenden adäquaten Kausalzusammenhang ab. B. Am 7. Februar 2019 teilte die IV-Stelle des Kant ons Basel-Landschaft (IV-Stelle) A.____ mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes derzeit keine Eingliederungsmassnahmen als möglich erachtet würden. C. Gegen den Einspracheentscheid der AXA erhob A.____ , vertreten durch Christian Möck- lin-Doss, Advokat, am 27. September 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und b eantragte die Aufhebung des Ein- spracheentscheids sowie der angefochtenen Verfügung sowie die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen aus der Unfallversicherung. Zudem seien wei tere medizinische Abklärungen durch- zuführen. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Verbeiständung zu gewähren. Mit Eingabe vom 14. Oktober 2019 ergänzte der Beschwerdeführer seine Beschwerdeschrift. D. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2019 wurde dem Besch werdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Christian Möcklin-Doss als Rechtsver- treter bewilligt. E. Am 28. Oktober 2019 reichte der Beschwerdeführer med izinische Berichte der Rehakli- nik E.____ vom 27. September 2019 sowie des Spitals F.__ __ vom 14. Mai 2019 nach. Zudem liess er dem Kantonsgericht einen Artikel aus der Basler Zeitung vom 23. Oktober 2019 über die falsche Behandlung von Gehirnerschütterungen zukommen. F. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Januar 2020 beantra gte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. G. Im zweiten Schriftenwechsel mit Replik vom 1. April 2020 und Duplik vom 29. April 2020 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungs- träger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich z ur Behandlung der vorliegenden Be- schwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde ist dem- nach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob der B eschwerdeführer über den 30. Novem- ber 2018 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. Das Sozi- alversicherungsgericht stellt dabei auf den bis zum Zei tpunkt des Erlasses des streitigen Ein- spracheentscheids eingetretenen Sachverhalt ab; vorliegend also auf den 22. August 2019. Tat- sachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 116 V 251 E. I.1 a, 143 V 411 E. 2.1, 134 V 397 E. 6, 121 V 366 E. 1b). Sie sind nur insoweit zu berücksichtig en, als sie mit dem Streitgegenstand in einem engen Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen (vgl. Urteile des Bund esgerichts vom 12. Juni 2007, 9C_101/2007, E. 3.1 und vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.1). 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs. 1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustand es der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleis- tungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Ar- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) e in natürlicher und ein adäquater Kausalzu- sammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um- stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforder- lich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche o- der geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die einget retene gesundheitliche Störung ent- fiele (BGE 142 V 358 E. 1, 129 V 181 E. 3.1, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natür licher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdig ung nach dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit zu befinden hat (siehe dazu BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen Hinweisen). Hierfü r reicht es jedoch nicht aus, wenn – im Sinne der Formel “post hoc ergo propter hoc“ – die Schädigung schon dann als durch einen Unfall verursacht angesehen würde, weil sie nach diesem aufgetreten ist (vgl. Urteil des damaligen Eid- genössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vom 11. Juni 2007, U 290/06, E. 4.2.3, in: SVR 2008 UV Nr. 11 S. 36, mit Verweis auf BGE 119 V 341 E. 2b/bb). 3.3 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfo lgen spielt die Adäquanz als recht- liche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 112 E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb). Als objektivierbar gelten Untersu- chungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Anga- ben des Patienten unabhängig sind. Würde lediglich auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht, welches eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erscheinen liesse. Nach bundesgerichtlicher Rechtspre- chung kann deshalb von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wer- den (BGE 138 V 251 E. 5.1 mit Hinweisen). Diese Untersuchungsmethoden müssen zudem wis- senschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 232 E. 5.1 ff. mit Hinweisen). 3.4 Liegen keine organisch (hinreichend) nachweisbare Unfallfolgeschäden vor, hat eine be- sondere Adäquanzprüfung zu erfolgen. Dabei ist rechtspr echungsgemäss (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen) wie folgt zu differenzieren: Hat die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, einen äquivalenten Verletzungsmechanismus oder ein Schädel-Hirn- trauma, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertrau mas vergleichen lassen (BGE 117 V 382 E. 4b), erlitten und liegt in der Fo lge das für diese Verletzung typische bunte Beschwerdebild vor (BGE 119 V 338 E. 1), so ist die Adäquanz nach Massgabe der in BGE 117 V 359 ff. entwickelten und mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten Grundsätze zu prüfen. Liegt kein Unfall mit einem Schleudertrauma oder einer adäquanzrechtlich äquivalenten Verletzung vor oder fehlt es nach einer solchen Verletzung an dem hierfür typischen bunten Beschwerdebild, so hat die Adäquanzbeurteilung psychischer Folgeschäden des Unfalls nach den in BGE Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien zu erfolgen. Der Unterschied besteht darin, dass bei Unfällen mit einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (BGE 134 V 117 E. 6.2.1, 117 V 367 E. 6a in fine), während bei den übrigen U nfällen für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis a ls solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folg en massgebend sind (BGE 115 V 140 E. 6c/aa). 3.5 Der Unfallversicherer hat den Fall nach Art. 19 Ab s. 1 UVG unter Einstellung von Heil- behandlung und Taggeld sowie Prüfung des Anspruchs auf Invalidenrente und Integritätsent- schädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der är ztlichen Behandlung keine nam- hafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliede- rungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (BGE 143 V 151 E. 3.1.1 mit Hinweis). Die Prüfung des Fallabschlusses ist bei Anwendung der sogenannten „Psycho“-Praxis in jenem Zeitpunkt vorzunehmen, in dem von der Fortse tzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (BGE 134 V 116 E. 6.1); weiterb estehende psychische Leiden stellen in diesen Fällen keinen Grund für einen Aufschub des Falla bschlusses dar (vgl. Urteile des Bun- desgerichts vom 12. September 2018, 8C_493/2018, E. 3. 2 und vom 29. April 2016, 8C_892/2015, E. 4.1 mit Hinweisen). Demgegenüber wird die Adäquanz nach der sogenannten „Schleudertrauma“-Praxis in jenem Zeitpunkt geprüft, in dem von der Fortsetzung der auf das komplexe und vielschichtige Schleudertrauma-Beschwerdebild – dessen psychische und physi- sche Komponenten nicht leicht zu differenzieren sind – gerichteten ärztlichen Behandlung insge- samt, also sowohl bezüglich der somatischen wie der psychischen Leiden, keine entsprechende Besserung mehr zu erwarten ist (BGE 134 V 116 E. 6.2; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 3. Dezember 2019, 8C_674/2019, E. 4.1, vom 22. August 2018, 8C_114/2018, E. 4 und vom 5. September 2017, 8C_303/2017, E. 6.1). 3.6 Der Begriff der namhaften Besserung des Gesundhei tszustandes des Versicherten be- stimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstel- lung der unfallbedingt beeinträchtigten Arbeitsfähi gkeit. Die durch die weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG zu erwartende Besserung muss dabei ins Ge- wicht fallen (BGE 134 V 115 E. 4.3). Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Re- sultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen zu er- wartender lediglich geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen einen Anspruch auf deren Durchführung. Unbedeutende Verbesserungen genügen also nicht. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognost isch und nicht aufgrund retro- spektiver Feststellungen beurteilt werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2020, 8C_614/2019, E. 5.2, in: SVR 2020 UV Nr. 24 S. 96 f . und vom 17. Juli 2018, 8C_210/2018, in: SVR 2019 UV Nr. 4 S. 16, je mit zahlreichen Hinweisen). Nicht notwendig für den Fallabschluss ist hingegen, dass keine ärztliche Behandlung mehr erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. Mai 2014, 8C_888/2013, E. 4.2.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Un- tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Ver- waltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes we gen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Bleiben erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmass- nahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sin d (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007 E. 3.3 und vom 19. November 2007, 8C_364/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 4.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie insbe sondere der Feststellung der na- türlichen und adäquaten Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwen- dende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, d ie ihr vorab von ärztlichen sowie ge- gebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 122 V 158 f. E. 1b mit Hinweisen). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wich- tige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Allerdings kommt sol- chen Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachper sonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt en Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürd igung sind deshalb strenge Anforde- rungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einh olung eines externen Gutachtens ent- schieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig- keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen – mit- hin eine Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATS G – vorzunehmen (BGE 142 V 64 E. 5.1, 135 V 470 E. 4.4, je mit Hinweisen). 5. Zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts liegen zahlreiche ärztliche und weitere Unterlagen vor, welche vom Gericht gesamthaft gewürdig t wurden. Nachfolgend werden die für den vorliegenden Fall entscheidrelevanten Berichte aufgeführt. 5.1 Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, stellte in ihrem Bericht vom 30. De- zember 2017 fest, dass der Patient anlässlich seiner Vorstellung in der hausärztlichen Notfallpra- xis des Spitals D.____ starke okzipitale Kopfschmerzen sowie Schmerzen im Bereich der HWS, Erbrechen, Photo- und Phonophobie beklage. In der cranialen computertomographischen Unter- suchung (CT) des Schädels hätten sich keine intrakraniell en Blutungen nachweisen lassen und die Schädelkalotte sei intakt. Bezüglich der HWS seien ein intaktes Alignement und keine Frak- turen festgestellt worden. Es habe sich einzig eine nicht frische mehrfragmentäre, gering dislo- zierte Nasenbeinfraktur mit Fraktur des knöchernen Septum s gezeigt. Sie diagnostizierte in der Folge eine Commotio bei Hinterkopfkontusion. 5.2 Med. pract. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizi n, beschreibt in seinem Bericht vom 15. Januar 2018, dass der Patient unter Schmerzen im Nacken mit Schwindel und gelegentlichen Sehstörungen sowie beidseitigen Verspannungen des Trape zmuskels und des Schulterblatthe- bers leide. Verletzungen seien keine sichtbar und auch d as Scanning der HWS sei in Ordnung gewesen. Er diagnostizierte folglich eine Kontusion des Kopfs, der HWS, der LWS sowie des Beckens und verordnete Analgetika und Physiotherapie. 5.3 Anlässlich der Folgeuntersuchungen vom 19. Januar 2 018 und vom 8. Februar 2018 verzeichnete med. pract. H.____, dass der Patient weiter hin unter persistierenden Kopfschmer- zen und Verspannungen der Nackenmuskulatur ohne deutlic he Besserung leide. Er verordnete deshalb weiterhin Physiotherapie für den Kopf- und Na ckenbereich. Am 9. März 2018 stellte er fest, dass sich die Verspannung der Nackenmuskulatur langsam bessern, Schmerz und Schwin- del jedoch bei Belastung sofort wieder auftreten würden. Er hielt in der Folge eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf Anfang April 2018 für wahrscheinlich. 5.4 Dr. med. I.____, FMH Chirurgie, diagnostizierte am 21. Februar 2018 ein Schädel-Hirn- trauma ersten Grads und legte dar, dass der Patient unter den konservativen Massnahmen bisher nur bedingt beschwerdefrei geworden sei. Mit Bericht vom 27. Februar 2018 führte er zudem aus, dass auch weiterhin eine recht diffuse Beschwerdesymptomat ik bestehen würde. Am 7. April Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2018 stellte er fest, dass der Patient seitens der HWS über eine persistierende Beschwerdesymp- tomatik mit Cervicobrachialgien klage, weswegen eine ber eits eingeleitete Physiotherapie er- folge. Anlässlich seiner letzten Untersuchung erklärte Dr . I.____ im Bericht vom 16. Mai 2018, dass der Patient auch weiterhin über Cervicobrachialgien sowie Lumbalgien klage. Es könne zu- dem eine posttraumatische Belastungsstörung und eine ausgeprägte Angst vor Schmerzen vor- liegen. Gegenüber der IV-Stelle stellte er in seinem Bericht vom 5. Juli 2018 erneut ein Schädel- Hirntrauma ersten Grads fest und äusserte zudem die Diag nose einer Zerrung der HWS sowie des Verdachts auf eine Schmerzverarbeitungsstörung. 5.5 Im Care Management Bericht der AXA vom 3. Mai 201 8 wurde vonseiten der Beschwer- degegnerin verzeichnet, dass der Beschwerdeführer über da uernde Rückenschmerzen in der Kreuzgegend mit Ausstrahlung im ganzen Rücken, über Verspannungen im Nackenbereich beid- seits, über eine eingeschränkte Beweglichkeit der HWS, über tägliche Kopfschmerzen sowie über Konzentrationsschwierigkeiten und Schwindel klage, weshalb er sich zweimal wöchentlich in Phy- siotherapie begebe und entsprechende Schmerzmedikation erhalte. 5.6 Anlässlich seiner spinalchirurgischen Untersuchungen v om 5. Juni 2018 stellte Dr. med. J.____, Oberarzt Spinale Chirurgie des Spitals D.____, chronische Schmerzen lumbal und im Bereich des cervicothorakalen Überganges sowie eine Druck dolenz über der Dornfortsatzreihe der oberen Brustwirbelsäule (BWS) fest. Trotz initiiert er physiotherapeutischer Behandlung und angepasster Analgesie käme es zu einer bleibenden Schmerzsituation, welche mittlerweile chro- nifiziert sei. Die radiologische Untersuchung der HWS u nd LWS im Stehen vom gleichen Tag zeitige einen altersentsprechenden regelrechten Normbefund und keinen Hinweis auf eine knö- cherne Verletzung. Auch indirekt würden sich im Bereich der Bandscheibenräume keine Listhe- sen oder Höhenminderungen zeigen. Es beständen zudem k eine höhergradigen degenerativen Veränderungen der LWS. Das Alignement der Wirbelhin terkanten sei sowohl cervical als auch lumbal sehr gut. Er verordnete deshalb weiterhin physio therapeutische Behandlungen im Sinne einer sanften Traktionsbehandlung zur Analgesie, zur Propriozeption und zur Verbesserung der Muskelfunktion. 5.7 Im Protokoll des Triage-Gesprächs der IV-Stelle vo m 28. Juni 2018 wurde verzeichnet, dass der Beschwerdeführer über Nacken-, Rücken- und Kopf schmerzen klage. Diese würden weiterhin physiotherapeutisch und medikamentös behandelt. Allerdings teile er mit, dass er, so- bald es seine gesundheitliche Situation wieder zulasse , wieder in einer Leitungsposition in der Hotellerie arbeiten wolle. 5.8 Mit Bericht vom 14. August 2018, unter Hinweis auf die magnetresonanztomographi- schen Untersuchungen (MRT) der HWS und LWS vom 16. Juli 2018, diagnostizierte Dr. J.____ eine chronische Cervicothorakalgie sowie Lumbalgie. Klinisch präsentiere sich der Patient unver- ändert zur Voruntersuchung vom 5. Juni 2018. Es beständ en sowohl an der HWS wie auch an der LWS ein intaktes Alignement und keine Frakturen und es fehle auch an suspekten ossären Läsionen. Eine Spinalkanaleinengung sowie Nerven- resp ektive Wurzelkompressionen seien auszuschliessen und auch hinsichtlich der Bandstrukturen würd en sich keine Verletzungen zei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen. Traumafolgen seien nicht ersichtlich. Es lägen lediglich geringe mehrsegmentale, altersent- sprechende degenerative Veränderungen der HWS und der unteren LWS vor. Die Ursache für die chronische Schmerzsituation bleibe deshalb weiterhin unklar. Ergänzend zur pharmakologi- schen Schmerzbehandlung sei deshalb eine Kortison-Stosstherapie initiiert. 5.9 Am 29. August 2018 berichtete Dr. J.____, dass im Zeitraum der durchgeführten Korti- son-Stosstherapie eine subjektiv deutliche Linderung der Beschwerden aufgetreten sei, nach Ab- setzen der Therapie und unter Alltagsbelastung die Be schwerdesymptomatik jedoch wiederein- gesetzt habe. Er empfehle deshalb eine Abklärung eine r möglichen rheumatoiden Erkrankung sowie die Wiederaufnahme einer symptomorientierten physi otherapeutischen Behandlung und einer begleitenden antipholgistischen Therapie. 5.10 In ihrer rheumatologischen Untersuchung vom 15. Okt ober 2018 stellte Dr. med. Dr. phil. nat. K.____, damals Assistenzärztin Rheumatologie des Spitals D.____, fest, dass der Beschwer- deführer starke, morgendlich betonte Schmerzen hauptsächlich im Bereich der HWS sowie we- niger stark ausgeprägt im Bereich der BWS und LWS versp üre. Häufig wären zudem Kopf- schmerzen zu verzeichnen. Er sei zudem subjektiv stark kogni tiv verlangsamt, verspüre Angst vor Schmerzen und habe Schlaf- sowie Konzentrationsschwierigkeiten. Augenentzündungen, Vi- susstörungen sowie eine Photosensibilität würden jedoch nicht mehr vorliegen. Sie stelle bei ihm einen Muskelhartspann beidseits des Nackens mit dortiger Druckdolenz fest; ebenso bestehe eine Druckdolenz paravertebral in der mittleren BWS sowie im lumbosakralen Übergang rechts- betont, aber keine Klopfdolenz der Dornfortsätze. Die morgendliche Akzentuierung und das teil- weise Ansprechen auf Kortikosteroide mute zwar entzündl ich an, sie schliesse jedoch eine ent- zündliche rheumatische Genese der chronischen Cervicothorakalgie und Lumbalgie aufgrund der klaren zeitlichen Korrelation mit dem Unfall bei vorh eriger vollständiger Beschwerdefreiheit, kli- nisch tastbaren Myogelosen im Bereich des Nackens sowie komplett fehlenden Entzündungszei- chen aus. Bei vorhandener Chronifizierung der Beschwerd en sehe sie zur Durchbrechung der- selben mittels konsequenter Analgesie und hochfrequenter Physiotherapie sowie neuropsycho- logischer Abklärung der angegebenen kognitiven Verlangsamung, im Hinblick auf die berufliche Wiedereingliederung, eine stationäre Rehabilitation als indiziert an. 5.11 In seinem Bericht vom 29. Oktober 2018 schloss Dr. J. ____ unter Verweis auf die MRT vom 5. September 2018 eine spinalchirurgische Ursache der belastungsinduzierten chronischen Cervicothorakalgie sowie Lumbalgie aus. Klinisch präsentiere sich der Patient wiederum unver- ändert zur Voruntersuchung; er gäbe zudem eine Konzen trationsstörung an. Strukturell würden sich in der erhobenen Bilddiagnostik keinerlei pathologische Befunde zeigen. Bezüglich der BWS werde ein altersentsprechender Normbefund ohne Kompr ession neuronaler Strukturen oder struktureller Läsionen aufgrund des Traumaereignisses ausgewiesen. Die Ursache der persistie- renden Schmerzsituation bleibe somit weiterhin unklar. Eine Indikation für Invasivität (Operation oder Infiltration) sehe er nicht als gegeben und empf ehle eine rein symptomorientierte Behand- lung. Auch sei eine stationäre multimodale Schmerzbehandlung zu erwägen. 5.12 Mit Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 16 . November 2018 beurteilte Dr. med. L.____, FMH Neurologie, dass der Unfall deutlich protrahiert verlaufe. Es würden viele Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten, ohne genügende Koordination untereinander, an diesem Fall mitarbeiten. Er legte, unter Verweis auf die Ri chtlinien der Deutschen Gesellschaft für Neu- rologie, dar, dass bei einem Distorsionstrauma und einer Commotio cerebri im vorliegenden Schweregrad eine vollständige Heilung normalerweise innert 6 Monaten gesehen werden dürfe. Bei allfälliger Persistenz der Beschwerden sei bis zum Be weis des Gegenteils von einer unfall- fremden Ursache – oftmals aufgrund degenerativer Verän derungen der HWS – auszugehen. Diese wären im vorliegenden Fall zweifelsohne gegeben. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, wie die Schmerzen auch nach über zehneinhalb Monaten nach dem HWS-Distorsionstrauma und der Commotio cerebri auf das Unfallereignis zurückgeführt werden können. Er halte dies für ein un- kritisches Vorgehen, was der Chronifizierung keinen Abbruch tue, sondern diese dadurch eher noch fördere. Es würden zudem ziemlich unkritisch neurop sychologische Defizite angegeben, welche nie verifiziert worden seien und welche mit üb erwiegender Wahrscheinlichkeit einer Schmerzinterferenz entsprechen dürften. Die aktuellen Beschwerden würden nur möglicherweise mit dem Ereignis vom 29. Dezember 2017 in natürlichem Kausalzusammenhang stehen und es seien keine nachweisbaren, organischen Unfallfolgen respektive strukturellen Veränderungen zu beobachten. Bezüglich der Frage, ob alle geklagten Beschwerdebilder genügend abgeklärt seien, führte er aus, dass die behaupteten neuropsychologischen Minderleistungen nie objektiviert wor- den seien. Der geplante stationäre Rehabilitationsauf enthalt sei aus unfallbedingter Sicht nicht indiziert und ausgewiesen; vielmehr dürfte dieser einer weiteren Pathologisierung Vorschub leis- ten. Eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands sei nicht zu erwarten. 5.13 Mit Bericht vom 14. Mai 2019 stellten die Ärzteschaf t der Klinik für Psychiatrie und Psy- chosomatik des Spitals F.____ die Verdachtsdiagnose ein er chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41). Bei der klin ischen Exploration sei der Patient wach, bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orientiert wahrgenommen worden. Die bereits im Erstkontakt beobachtbaren kognitiven Beeinträchtigungen seien jedoch auffallend. Das Sprechen des Patienten erscheine leicht verlangsamt. Immer wiede r komme es zudem zu Wortfindungs- störungen. Eine Abklärung der psychosozialen und medizinische n Situation sei notwendig und auch eine schmerzpsychologisch orientierte Behandlung sei deshalb indiziert. 5.14 In seinem Austrittsbericht vom 26. September 2019 stellte Dr. med. M.____, FMH Re- habilitation und Physikalische Medizin, Leitender Arzt de r Rehaklinik E.____, insbesondere die Diagnosen eines chronischen Cervikalsyndroms sowie einer Tho rakolumbalgie sowie des Ver- dachts auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41). Auch sei ein mögliches protrahiertes Post-Conc ussion-Syndrom nicht völlig auszu- schliessen, wobei hierfür die Initialbefunde beim Unfall wegweisend wären. Der Patient habe über druckartige Kopfschmerzen okzipital beidseits, einen zervikal en Schmerz rechtsbetont sowie Schmerzen am thorakalen Übergang rechtsbetont geklagt. Des Weiteren habe er Defizite bei der Konzentration, Probleme bei der Wortfindung sowie Schw ierigkeiten im Wortfluss angegeben. Seine psychosoziale Situation sei sehr belastet. Die Schmerzsymptomatik habe durch die Physi- otherapie jeweils nur kurzfristig und für einige Stund en verbessert werden können; eine anhal- tende Schmerzlinderung sei nicht eingetreten. Dr. M.____ empfehle deshalb eine weiterführende aktivierende ambulante Physiotherapie, eine Wassertherap ie und eine Medizinische Trainings- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht therapie zur therapeutischen Unterstützung der Alltagsstruktur. Begleitend sei auch eine verhal- tenstherapeutische Therapie sinnvoll. Er empfehle zudem eine interdisziplinäre Betreuung ärzt- lich-evaluativ sowie begleitend psychologisch/psychiatrisch. 5.15 Mit neuropsychologischem Bericht vom 27. September 2019 stellten Dr. M.____, Dr. phil. N.____, Fachpsychologe FSP für Neuropsychologie und für Psychotherapie, und M.Sc. O.____, Psychologe, fest, dass der Patient klinisch eine stark erhöhte Müdigkeit sowie eine psychomotorische Verlangsamung aufweise. Sein Verhalten l iesse auf Schmerzen schliessen, welche von diesem auch als Rücken- und Kopfschmerzen besch rieben würden. Die Aufmerk- samkeit des Patienten sei niedrig und nehme im Verlauf der Untersuchung zunehmend ab; auch sein Instruktionsverständnis sei teilweise erschwert. Insgesamt sei eine nominell mittelgradige bis schwere neuropsychologische Störung beim Patienten vorhanden, seine Merkspanne hinge- gen sei leicht bis mittelgradig reduziert. 6.1 Die AXA stützte sich im angefochtenen Einspracheen tscheid vom 22. August 2019 bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts vollumfänglich auf die Ausführungen ihres bera- tenden Arztes Dr. L.____ vom 16. November 2018. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Zeitpunkt für den Fallabschluss eingetreten sei und das s die vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem adäquaten Kausalzusam- menhang zum Unfallereignis vom 29. Dezember 2017 stände n. Wie eingangs erwähnt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall wie im vor- liegenden Fall ohne die Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärzt- lichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Erwägung 4.4 hiervor). 6.2 Die Vorinstanz verweist im angefochtenen Einspracheent scheid vom 22. August 2019 insbesondere darauf, dass sich die Beschwerdesymptomatik trotz erfolgter Ergo- und Physiothe- rapien sowie Analgesie nur zögernd verbessert habe und sich im Verlaufe eine Symptomauswei- tung entwickelt habe. Es sei nicht ersichtlich, warum üb er den 30. November 2018 hinaus von weiteren Behandlungen noch eine namhafte Verbesserung erwarten werden solle, wenn diese bisher ausgeblieben sei. Dr. L.____ führt diesbezüglich aus, dass erfahrungsgemäss bei einem Distorsionstrauma und einer Commotio cerebri im vorliegenden Kraftgrad eine vollstände Abhei- lung nach normalerweise sechs Monaten zu erwarten sei. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, wie die Beschwerden auch nach über zehneinhalb Monaten noch auf das Unfallereignis zurück- zuführen seien. Zudem seien die geschilderten neuropsycho logischen Defizite unverifiziert. Un- fallkausal sei seines Erachtens keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten und der stationäre Rehabilitationsaufenthalt würde vielmehr einer Pathologisierung der Beschwerden Vorschub leisten. Die Beschwerdegegnerin weist zudem in ihrer Vernehmlassung darauf hin, dass auch die nachträgliche Würdigung der Berichte der Rehaklinik E.____ aufzeigen würde, dass der Endzustand schon länger erreicht worden sei. Es gehe aus diesen ebenfalls keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes ode r eine Prognose für eine selbige hervor. Vielmehr würde einzig die Klärung der psychosozi alen und medizinischen Situation er- wähnt, woraus noch keine auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete Behand- lung abgeleitet werden könne. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Der Beschwerdeführer führt aus, auf die Ausführun gen von Dr. L.____ sei nicht abzu- stellen, da dieser lediglich auf Richtlinien der Deutsche n Gesellschaft für Neurologie verweise. Aus diesen könne aber kein Rückschluss auf den hier konkret zu beurteilenden Fall gezogen werden, da der Einzelfall und nicht der „Normalfall“ betrachtet werden müsse. Auch habe Dr. L.____ nicht alle zur Verfügung stehenden Arztberi chte – nämlich insbesondere nicht jene des Aufenthaltes in der Rehaklinik E.____ vom 14. August 2019 bis zum 14. September 2019 – zur Redaktion seiner Stellungnahme beigezogen. Da abe r die Krankenversicherung für jenen Aufenthalt Kostengutsprache erteilt habe, sie dies aber ohne überwiegende Wahrscheinlichkeit einer namhaften Verbesserung des Gesundheitszustandes durch selbigen nicht getan hätte, wäre seine Stellungnahme auch diesbezüglich fehlerbeh aftet. Auch setze sich Dr. L.____ nicht seriös mit der Aktenlage auseinander, wenn er einersei ts eine „unkritische“ Angabe neuropsy- chologischer Defizite bemängle, aber seinerseits ebenso lediglich angebe, dass diese Defizite „einer Schmerzinterferenz entsprechen dürften“. Schliessl ich habe Dr. L.____ auch konkludent anerkannt, dass der Fallabschluss zu früh erfolge, indem e r erklärt habe, dass die behaupteten neuropsychologischen Minderleistungen nie hinreichend abgeklärt worden seien. 6.4 Zu Recht weist die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass die Prüfung erst nach Ab- schluss des normalen, unfallbedingt erforderlichen Heilungsprozesses zu erfolgen hat (BGE 130 V 384 E. 2.3.1). Der Zeitpunkt der Adäquanzprüfung u nd damit der zu erwartenden Besserung des Gesundheitszustandes ist aber – im Sinne der Forderung des Beschwerdeführers – aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles vorzunehmen (vgl. Urteile des EVG vom 16. März 2006, U 228/05, E. 2.2.1 und vom 11. Februar 2004, U 246/ 03, E. 2.4, in: HAVE 2004 S. 119 f.). Die Frage nach dem Abschluss des Heilungsprozesses kann deshalb nicht für alle Versicherten, die eine bestimmte Verletzung erlitten haben, gleich beantwortet werden (vgl. Urteile des EVG vom 17. Februar 2006, U 341/05, E. 4.1 und vom 20. Juli 2005, U 198/05, E. 3.1, mit Hinweis). Dies bedeutet, dass der Verweis auf einen statistischen Durchschn ittswert als medizinische Erfah- rungstatsache, welcher zu einer für alle Schleudertrau men gleich zu bemessenden Heilungs- dauer führen würde, zwar für den Regelverlauf heranzuziehen, für den Einzelfall jedoch unbehel- flich ist. Wenn Dr. L.____ deshalb auf “Richtlinien d er Deutschen Gesellschaft für Neurologie“ (gemeint sind wohl die in Überarbeitung befindlichen “Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäul e“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 30. September 2012 [Leitlinien]) verweist, entbindet ihn dies nicht von einer Be- trachtung des Einzelfalles. Dies insbesondere, da die von ihm angeführten Leitlinien selber aus- führen, dass immerhin „12 % der Patienten […] nach 6 Mo naten noch nicht bei ihrem Status quo ante angelangt [sind]“ (Leitlinien, S. 5). Ähnlich fo rmulierte die Konsensusgruppe Olten dies be- reits 2005, als sie darauf hinwies, dass „mehr als 10 % d er in der Schweiz pro Jahr gemeldeten kraniozervikalen Beschleunigungstraumen […] einen protrah ierten oder chronischen Verlauf [zei- gen würden]“ (H ANS RUDOLF STÖCKLI ET AL ., Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen in der chronischen Phase nach kraniozervikalem Beschleunigungstrauma [cKZBT, sog. Schleuder- trauma] [ohne Commotio cerebri/mild traumatic brain injuriy], Pragmatische Empfehlungen der multidisziplinären Konsensusgruppe Olten vom 13. Januar 2005, in: Schweizerisches Medizini- sches Forum 2005/5, S. 1182). Ein über mehrere Monate dauernder Heilungsprozess bei Schleu- dertraumen der HWS oder äquivalenten Verletzungen ist deshalb keineswegs unüblich (vgl. Urteil Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht vom 14. Februar 2013, 725 12 271/29, E. 6.3.2). Auch das Bundesgericht hat erkannt, dass in solchen Fällen selbst eine Behandlungs- bedürftigkeit während zwei bis drei Jahren durchaus im Ra hmen liegen kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 12. Oktober 2012, 8C_269/2012, E. 6. 4.8 und vom 23. April 2008, 8C_402/2007, E. 5.2.3, je mit Hinweisen). Im Lichte dieser Praxis der einzelfallweisen Betrach- tung sind deshalb auch jene Urteile zu sehen, in denen ein Fallabschluss – nach erlittenem Schleudertrauma – nach sieben (vgl. Urteile des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 27. Januar 2014, UV.2012.00164, E. 4.5, vom 30. Juni 2011, UV.2010.00037, E. 4 und vom 13. Januar 2010, UV.2008.00284, E. 4.3), vierzehn (vgl. Urteil des EVG vom 11. Februar 2004, U 246/03, E. 2.5, in: HAVE 2004 S. 119 f.) respekti ve achtzehn Monaten (vgl. Urteil des Sozial- versicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 31. August 2009 , UV.2007.00544, E. 3.3.2) als verfrüht angesehen wurde. 6.5.1 Ob im vorliegenden Fall noch eine namhafte Ver besserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zu erwarten sei, ist deshalb für den konkreten Einzelfall und prognostisch zu klären. Eine retrospektive Betrachtung ist für diese Beurteilung grundsätzlich unzulässig (vgl. Erwägung 3.6 hiervor). Die Beschwerdeinstanz hat sich au f jene Akten zu stützen, welche zum Zeitpunkt des umstrittenen Verfügungserlasses in Form des Einspracheentscheids vom 22. Au- gust 2019 der verfügenden Instanz und ihren beratenden Ärzten vorlagen. Soweit also Berichte der Rehaklinik E.____ vom 26. und 27. September 2019 von den Parteien bemüht werden, ist auf diese deshalb vorliegend nicht einzugehen. 6.5.2 Der Bericht von Dr. L.____, auf welchen sich die Beschwerdegegnerin stützt, wurde am 16. November 2018 erfasst. Für die Frage, ob Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der darin festgehaltenen prognostischen Ausführungen b ezüglich einer Verbesserung des Ge- sundheitszustandes bestehen, sind deshalb vor allem die aktuellsten ihm vorliegenden Berichte zu betrachten. Aufschlussreich sind hierbei insbesondere d ie Berichte von Dr. K.____ vom 15. Oktober 2018 und von Dr. J.____ vom 29. Oktober 2018. Dr. K.____ empfahl zur Durchbre- chung der Chronifizierung der Beschwerden eine konsequ ente Analgesie und hochfrequente Physiotherapie sowie eine neuropsychologische Abklärung der kognitiven Verlangsamung in Form einer stationären Rehabilitation. Auch Dr. J.____ wies darauf hin, dass eine stationäre mul- timodale Schmerzbehandlung bei fehlender Indikation für Invasivität diskutiert werden müsse. In gleichem Sinne empfehlen die durch die Beschwerdegegnerin genannten Leitlinien „bei komple- xerer und langanhaltender Symptomatik [eine] multimoda le und interdisziplinäre Therapie nach stringentem Konzept […], z.B. [durch] Kombination von An tidepressiva, kognitiver Verhaltensthe- rapie und Physiotherapie oder Koordinationsübungen […]“ (Leitlinien, S. 6). Mit diesen Therapie- empfehlungen von Dr. K.____ und Dr. J.____ setzt sich Dr. L.____ nicht substantiiert auseinan- der. Anstelle einer konkreten Bewertung der gestellten Diagnosen und empfohlenen Therapien in Bezug auf den vorliegenden Einzelfall verweist Dr. L.____ lediglich auf eine unkoordinierte Zu- sammenarbeit der behandelnden Ärzte, eine unkritische Widergabe neuropsychologischer Defi- zite und – wie aufgezeigt – unzulässigerweise auf die Un vereinbarkeit mit statistischen Durch- schnittswerten. Eine Abwägung des Für und Wider der versc hiedenen Meinungen und eine schlüssige Begründung, weshalb von den empfohlenen Thera pien keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten sei, fehlen gänzlich. Auch eine Gegenüberstellung Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Therapieempfehlungen der behandelnden Ärzte mit jener der von ihm zitierten Richtlinien fehlt. Er vermutet lediglich, dass die empfohlene statio näre Rehabilitation den Effekt haben könnte, einer Pathologisierung Vorschub zu leisten; auch hierzu fehlt eine klare Begründung. Es sind deshalb Zweifel an der unvollständigen und äusserst knappen Beurteilung durch Dr. L.____ nicht von der Hand zu weisen. Sein Bericht erweist sich in dieser Hinsicht deshalb nicht als ge- nügend verlässlich, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ausbleiben einer namhaf- ten Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zu schliessen. Indem sich die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Beweiswürdigung einzig auf diesen Bericht – sowie die darin erwähnte medizinische Erfahrungstatsache – beschränkt und gleichzeitig die medizinischen Besonderheiten des vorliegenden (Einzel-)Falles ausser Acht gelassen hat, hat sie deshalb – wie der Beschwerdeführer zu Recht beanstandet – eine unvollständige und im Ergebnis (rechts-)feh- lerhafte Würdigung des massgebenden medizinischen Sachverhaltes vorgenommen. 6.5.3 Aus den Akten lassen sich keine anderen Berichte ent nehmen, aus welchen zum Zeit- punkt des Verfügungserlasses hervorgehen würde, dass sich der medizinische Endzustand be- reits eingestellt hätte und der Fallabschluss somit ger echtfertigt gewesen wäre. Die Aktenlage lässt deshalb einen Entscheid darüber, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht per 31. August 2018 eingestellt hat, nicht zu. Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung betreffend Zeitpunkt des Fallabschlusses an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie anschlies- send über den Leistungsanspruch erneut entscheidet. 7.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die Sozialversicherungsgerichte zwar nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsac he an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst die nötigen Abklärungen vorzunehmen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist (BGE 137 V 263 E. 4.4.1). Da di e Beschwerdegegnerin vorliegend nicht alle notwendigen Abklärungen betreffend den Fallabschluss vorgenommen hat und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte Abklärungen nachzu- holen, steht einer Rückweisung an die Beschwerdegegner in auch unter Berücksichtigung der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts nichts entgegen. 7.2 Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung de s angefochtenen Einspracheent- scheids vom 22. August 2019 an die Beschwerdegegnerin zurü ckzuweisen. Diese hat abzuklä- ren, ob in Bezug auf die zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses vorhandenen medizinischen Un- terlagen – unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des Falles – prognostisch mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden konnte, dass keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten sei. Gestützt auf diese Abklärungen hat die Beschwer- degegnerin neu über den Leistungsanspruch des Versicherten zu verfügen. 8.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde führ ende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt un d ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts ist unter Obsiegen im Streit um eine Leistung in der Sozial- versicherung nicht nur das materielle Obsiegen in dem Sinne zu verstehen, dass die Beschwerde führende Person die beantragte Leistung erhält. Vielmehr genügt für den bundesrechtlichen An- spruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem Sinne, dass der Be- schwerde führenden Person durch die Aufhebung der ange fochtenen Verfügung und der Rück- weisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt blei ben (BGE 132 V 235 E. 6.2). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, hat diese dem Beschwerdeführer eine Partei- entschädigung auszurichten. Der in der Honorarnote gel tend gemachte Zeitaufwand von insge- samt 15.9 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in der Hono rarnote angegebenen Stundensatz von Fr. 200.-- zu entschädigen. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'597.30 (15.9 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 160.10 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesg ericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewir ken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort e inen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren er- sparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid , sondern um einen Zwischenent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid der AXA Versicherungen AG vom 22. August 2019 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an di e Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die AXA Versicherungen AG hat dem Beschwerdeführer eine Parteient- schädigung in Höhe von Fr. 3'597.30 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht