B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-4472/2012 U r t e i l v o m 9 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richter Pascal Mollard, Gerichtsschreiberin Iris Widmer. Parteien X._______ AG, vertreten durch …, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Eigerstrasse 65, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Stempelabgabe auf Versicherungsprämien. A-4472/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die X._______ AG), ist ein der Aufsicht des Bundes unterstellter Vers i- cherer im Sinne von Art. 21 des Bundesgesetzes vom 27. Juni 1973 über die Stempelabgaben (StG, SR 641.10). B. Im November 2010 kontrollierte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) bei der Abgabepflichtigen die Deklarationen der Jahre 2006 bis 2009. Die ESTV stellte "im Bereich der aufgeschobenen Leibrenten mit Rückgewähr Differenzen" fest : Der "Einbau der angesammelten Übe r- schüsse in eine zusätzliche lebenslängliche Rente" sei "nicht in die Abga- beberechnung einbezogen" worden (vgl. act. 9, Revisionsbericht vom 7. Dezember 2010 , Ziffer 1 ). Die ESTV war der Auffassung, dass die Verwendung des Überschusses für die zusätzliche Rente eine "Einmal- prämie" darstelle, die der Stempelabgabe unterliege. Die Abgabepflichtige trage in all diesen Fällen das Langleberisiko und folglich werde das versi- cherte Risiko erhöht. Sie forderte deshalb bei der A bgabepflichtigen die entsprechenden Stempelabgaben nach. Die Abgabepflichtige äusserte sich in ihrem Schreiben vom 22. Dezember 2010 an die ESTV dahingehend, sie könne die Ausführungen nicht nac h- vollziehen, und sie bat um eine rechtliche Begründung der "zusätzlichen Abgabepflicht". Mit Schreiben vom 30. Dezember 2010 erläuterte die ESTV die Gründe für die Nachfor derung näher. Am 21. Januar 2011 er- klärte die Abgabepflichtige, sie teile die Auffassung der ESTV nicht. Bei den Überschuss- oder Gewinnzuweisungen an den Versicherungsnehmer handle es sich um Rückvergütungen aufgrund der vorsichtig berechneten Prämie. Diese Vergütungen stellten keine stempelabgaberechtlichen Ver- sicherungsprämien dar. Folge die ESTV ihre Auffassung nicht, sei eine beschwerdefähige Verfügung zu erlassen. C. Am 4. Juli 2011 entschied die ESTV, die Abgabepflichtige schulde der ESTV für die Jahre 2006 bis 2009 Stempelabgaben in der Höhe von Fr. …. Nach Eingang der geschuldeten Abgabe werde der Abgabepflichti- gen ausserdem der gesetzlich geschuldete Verzugszins in Rechnung g e- stellt. Gegen diesen Entscheid erhob die Abgabepflichtige am 2. September 2011 Einsprache bei der ESTV , welche am 12. Juli 2012 abgewiesen A-4472/2012 Seite 3 wurde. Die ESTV stellte fest, die Abgabepflichtige habe der ESTV die Stempelabgabe 2006 von Fr. … mit einem Verzugszins von 5% seit dem 30. Juni 2006 bis zur Abgabeentrichtung; die Stempelabgabe 2007 von Fr. … mit einem Verzugszins von 5% seit dem 30. Juni 2007 bis zur A b- gabeentrichtung; die Stempelabgabe 2008 von Fr. … mit einem Verzugs- zins von 5% seit dem 30. Juni 2008 bis zur Abgabeentrichtung; die Stem- pelabgabe 2009 von Fr. … mit einem Verzugszins von 5% seit dem 30. Juni 2009 bis zur Abgabeentrichtung zu bezahlen. D. Mit Beschwerde vom 12 . September 2012 gelangte die Abgabepflichtige (Beschwerdeführerin) ans Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt die kostenpflichtige Aufhebung des vorinstanzlichen Einspra cheentscheides; von der Erhebung einer zusätzlichen Stempelabgabe sei abzusehen. Am 20. Dezember 2012 schlie sst die ESTV (Vorinstanz) in ihrer Ve r- nehmlassung auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Auf die weiteren Begründungen in den Eingaben an das Bundesverwa l- tungsgericht wird – soweit erforderlich – im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bu n- desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerden gegen Verfügun gen nach Art. 5 des Bunde s- gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor. Die ESTV ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Somit ist das Bundesverwal tungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einz u- treten. 2. 2.1 Die Stempelabgabe ist eine so genannte Rechtsverkehrssteuer. Sie wird auf bestimmten, im Gesetz definierten Vorgängen erhoben (statt vi e- A-4472/2012 Seite 4 ler: THOMAS JAUSSI/ROLAND SCHWEIGHAUSER/MARKUS PFIRTER, Die eidg. Stempelabgaben, Muri/Bern 2007, S. 16). Die Zahlung von Versiche - rungsprämien gegen Quittung ist ein solcher Vorgang, für den das Gesetz die Besteuerung vorsieht (Art. 1 Abs. 1 Bst. c StG; so genannter Ver - sicherungsstempel). Für die Festsetzung der Abgaben ist der wirkliche Inhalt der Urkunden oder Rechtsvorgänge massgebend, weshalb die von den Beteiligten ge brauchten unrichtigen Bezeichnungen und Ausdruck s- weisen nicht in Betracht fallen (Art. 27 Abs. 1 StG). Dem Versicherung s- stempel unterliegen unter anderem bestimmte Personenversicherungen sowie Sach- und Vermögensversicherungen (vgl. THOMAS JAUSSI/PIERRE- OLIVIER GEHRIGER, in: Martin Zweifel/Peter Athanas/Maja Bauer -Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bd. II/3: Bundes- gesetz über die Stem pelabgaben, Basel/Genf/München 2006 [nachfo l- gend: Kom StG], Vor Art. 21-26 N 9). Eine Lebensversicherung, wie sie hier strittig ist, wird zu den sog. Personenversicherungen gezählt ( JAUS- SI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 22 N 12). 2.2 Der Versicherungsvertrag wird im StG nicht definiert. Der (privatrecht- liche) Versicherungsvertrag ist ein Vertrag, bei dem die eine Partei, der Versicherer, der anderen Partei, dem Versicherungsnehmer, gegen B e- zahlung eines Entgelts, der Prämie, eine Vermögensleistung für den Fall verspricht, dass ein Gegenstand durch ein Gefahrenereignis betroffen wird ( JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 21 N 10; JAUSSI/SCHWEIG- HAUSER/PFIRTER, a.a.O., S. 62; GERHARD STOESSEL, in: Heinrich Ho n- sell/Nedim Peter Vogt/Anton K. Schnyder [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bundesgesetz über den Versicherungsve r- trag [VGG], Basel 2001, Allgemeine Einleitung N 14 ff., 19; PETER LANG, Die private Rentenversicherung der Säule 3b im Einkommens - und Ver- mögenssteuerrecht, Basel 2010, S. 26; zum Begriff der Versicherung vgl. auch BGE 114 Ib 244 E. 4a [bestätigt in BGE 131 I 22 3 E. 4.7], 107 Ib 56 E. 1b; Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission [SRK] 1995-16 vom 29. April 1996 E. 2a mit Hinweisen; JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 21 N 9). 2.3 2.3.1 Gegenstand der Abgabe ist aber nicht der jeweilige Versicherung s- vertrag als solcher, sondern die Prämienzahlung für die Versicherung, die zum inländischen Bestand eines der Aufsicht des Bundes unterstellten oder eines inländischen öffentlich -rechtlichen Versi cherers gehört (vgl. Art. 21 Bst. a StG). Die Beantwortung der Frage, ob eine Prämienzahlung für eine Versicherung vorliegt, ist in aller Regel unproblematisch. Es b e- A-4472/2012 Seite 5 darf eines Versicherungsvertrags (vgl. E. 2.2) zwischen einem Versich e- rungsnehmer und einem Versicherer, auf dessen Grundlage sich die Pflicht ergibt, eine Prämie zu zahlen. Hierfür verspricht der Versicherer die vertraglich vereinbarte Leistung (vgl. HEINI RÜDISÜHLI, in: Xavier Ober- son/Pascal Hinny, [Hrsg.], StG, Kommentar Stempelabgaben, Zürich/Ba - sel/Genf 2006, Art. 21 N 3). Die Prämie entspricht dabei dem "Preis ", den der Versicherungsnehmer dafür entrichtet, dass der Versicherer im Sch a- denfall die vereinbarte Leistung erbringt (vgl. JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 21 N 17, 28; vgl. DANIEL JUNGO/WOLFGANG MAUTE, Lebensversiche- rungen und Steuern, Bern 2003, S. 25). Sollte sich dagegen ein vertragli- ches Verhältnis z.B. als reines Sparprodukt zeigen, das überhaupt keine Risikodeckung enthält, kann nicht mehr von einer Versicherung, resp. von einer Versicherungsprämie als Preis gesprochen werden (vgl. JAUS- SI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 21 N 28). 2.3.2 Als Prämienarten kommen bei Lebensversicherungen sowohl die sog. Einmalprämie als auch die periodische Prämienzahlung zum Tragen (JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 22 N 18). Was als nicht periodische Prämienzahlung – und somit als Ei nmalprämie – im Sinne des Versich e- rungsstempels gilt, definiert Art. 26b Abs. 2 der Verordnung vom 3. D e- zember 1973 über die Stempelabgabe n (StV, SR 641.101; vgl. dazu ei n- gehend JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 22 N 25 ff.). Periodische Pr ä- mien liegen vor, wenn der Prämienschuldner während der ganzen Ve r- tragslaufzeit jährlich eine im Wesentlichen gleich hohe Prämie bezahlt (vgl. Art. 26b Abs. 1 StV). Bei einer Einmalprämie leistet grundsätzlich der Prämienschuldner ungeachtet der versicherten Risiken und de r Ver- tragsdauer die für den Vertrag benötigte Prämie mit einer einmaligen Zah- lung (JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 22 N 18). 2.3.3 Die Abgabeforderung entsteht im Zeitpunkt der Zahlung der Prämie. Massgebend ist das konkrete Verfügungsgeschäft, d.h. das wirklich Er- brachte, in Verbindung mit dem diesem zu Grunde liegenden Verpflic h- tungsgeschäft, d.h. dem entsprechenden Versicherungsvertrag (vgl. E. 2.2). Wird die geschuldete Leistung erbracht (Verfügungsgeschäft) und handelt es sich um eine Prämie für eine abgabep flichtige Versicherung (Verpflichtungsgeschäft), so ist dadurch die steuerbare Leistung erbracht worden und die Abgabeforderung entstanden ( JAUSSI/GEHRIGER, a.a.O., Art. 23 N 6). Da die Abgabeforderung mit der Zahlung der Prämie entsteht, sind der Zeitpunkt der Rechnungsstellung oder die Fälligkeit der geschuldeten A-4472/2012 Seite 6 Prämie unerheblich. Ebenso unerheblich ist, wie die Prämie bezahlt wird, ob diese in bar ausbezahlt, per Giro überwies en, bloss gutgeschrieben, verrechnet oder auf sonstige Art erbracht wird. Massgeblich ist also nicht die Art der Entrichtung, sondern, dass die Prämie entrichtet wird, mithin ein Verfügungsgeschäft vorliegt (JAUSSI/GEHRIGER, a.a.O., Art. 23 N 7). 2.4 2.4.1 Kapital bildende Lebensversicherungsverträge zeichnen sich in der Regel durch eine äusserst lange Vertragsdauer aus, die nicht selten 25 Jahre oder mehr beträgt. Gleichzeitig wird die Höhe der Prämie zu B e- ginn für die gesamte Laufzeit des Vertrages festgesetzt sow ie garantiert und kann während der Vertragsdauer weder einseitig angepasst noch abgeändert werden. Ausserdem unterliegen die Grundlagen der Pr ä- mienkalkulation erheblichen Risiken, die sich namentlich aus den hohen Aktienanteilen (die Versicherer legen ihr Vermögen u.a. in Aktien an) auf dem Kapitalmarkt ergeben können. Der Versicherer ist daher bereits aus kaufmännischen Gründen gezwungen, die Prämie äusserst vorsichtig zu berechnen (vgl. ANDREA PFLEIDERER, Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung, Basel 2006, S. 1, 17; vgl. JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 27 f., 29 f.; vgl. Botschaft vom 7. September 2011 zur Totalrevision des Versicherungsvertragsgesetzes [VVG], BBl 2011 7705 ff., 7798 f.). 2.4.2 Die Versicherungsgesellschaften berechnen deshalb in ihren Pr ä- mien "Sicherheitszuschläge" ein. Da die verlangten Prämien vorsorglich also bereits höher ausfallen als der mutmassliche Risiko - und Kostenbe- darf, haben die Gesellschaften die "Überschussbeteiligung" eingeführt. Dieses Institut erlaubt den Lebensversicheru ngsgesellschaften einerseits eine vorsichtige Prämienkalkulation, die ihre Solvenz sichert, andererseits lassen sich dadurch aber auch Nachteile für die Versicherungsnehmer vermeiden (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 2, 19). Gemäss der Aufsichtsb e- hörde der Vers icherungen, der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA; vgl. Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Dezember 2004 betreffend die Aufsicht über Versicherungsunternehmen [Versicherung s- aufsichtsgesetz, VAG, SR 961.01]), dient die Überschussbeteiligung d em Zweck, die Versicherungsnehmer an den erwirtschafteten Überschüssen teilhaben zu lassen (vgl. Rundschreiben der FINMA 2008/40 vom 20. N o- vember 2008, Rz. 130). Die Überschussbeteiligung ist folglich als eine Besonderheit der Prämienkalkulation in der Kap itallebensversicherung zu betrachten (PFLEIDERER, a.a.O., S. 85; zu den historischen Hintergründen der auf dem Genossenschaftsgedanke n basierenden Überschussbeteili- gung, dieselbe, S. 7 ff.). PFLEIDERER bezeichnet die Überschussbeteil i- A-4472/2012 Seite 7 gung als "Rückvergütun g von aus Sicherheitsgründen überhöhten Pr ä- mienbeiträgen" ( PFLEIDERER, a.a.O., S. 13). MAUTE, STEINER, RUFENER und LANG betonen, dass die Überschussbeteiligung "keine Versich e- rungsleistung" sei. Vielmehr handle es sich um eine "nachträgliche Tei l- rückerstattung der Prämie wegen günstigem Schadens - und Kostenver- lauf. Die Überschussbeteiligung wird entweder jährlich mit der zu leiste n- den Prämie verrechnet oder auf einem Überschusskonto angesammelt" (WOLFGANG MAUTE/MARTIN STEINER/ADRIAN RUFENER/PETER LANG, Steu- ern und Versicherungen 3. Aufl., Muri 2011, S. 289, vgl. auch S. 363). In den Gesetzen lässt sich allerdings keine direkte Anspruchsgrundlage für die Überschussbeteiligung finden (vgl. zu Rechtsgrundlagen die Übe r- schussbeteiligung betreffend E. 2.4.5). Ein Überschussanspruch hängt von einer entsprechenden Zusage einer Versicherungsgesellschaft ab (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 55). Wurde eine Überschussbeteiligung j e- doch vereinbart, bildet sie eine einklagbare, vertragliche Nebenleistung s- pflicht (PFLEIDERER, a.a.O., S. 85). 2.4.3 Die "Quellen" der Überschussbeteiligung werden in der Regel fo l- gendermassen eingeteilt: (1) Zinsüberschuss, (2) Risikoüberschuss und (3) Kostenüberschuss. Der Zinsüberschuss entspricht der Differenz zwischen dem rechnung s- mässig verwendeten Zinssatz (technischer Zins; vgl. E. 2.4.5) und dem von der Versicherungsgesellschaft tatsächlich erwirtschafteten Ertrag (vgl. JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 30; Berufsbildungsverband der Versich e- rungswirtschaft VBV [Hrsg.], Lebensversicherung – aktuell, 2. Aufl., Z ü- rich 2001 [nachfolgend: Lebensversicherung], S. 108). Der jährliche E r- trag der Kapitalanlagen einer Versicherungsunternehmung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen (Zinsertrag aus Obligationen, Div i- denden, Mietzinseinnahmen etc.). Die Wertverä nderungen der Kapitalan- lagen für die Überschussbeteiligung zu bewerten, ist schwierig, weil info l- ge von Kurs - und Preisschwankungen auch Verluste entstehen können. Allgemeingültige Regeln, wie diesen Schwan kungen Rechnung getragen werden soll, gibt es kei ne. Ziel der Lebensversicherer ist es aber, ko n- stante Geschäftsergebnisse auszuweisen, weshalb sie Bewertungsm e- thoden anwenden, die Ertragsschwankungen weitgehend "glätten" (vgl. Lebensversicherung, a.a.O., S. 108). Der Risikoüberschuss resultiert aus der Differenz zwischen der gesamten entstandenen Schadenssumme im Berichtsjahr und der Summe der Risikoprämien aus dem ganzen Bestand im selben Jahr. Er entsteht durch die vorsichtige Kalkulation der Ster b- A-4472/2012 Seite 8 lichkeit. Beim Risiko "Langlebigkeit" (welches zu den t ypischen Versiche- rungsrisiken zählt, vgl. statt vieler: MARKUS KRÄHENBÜHL, Schweizer L e- bensversicherung – Von der Risiko -Transformation zur Risiko - Intermediation; Beiträge zur Erfassung, Bewertung und Verbriefung des Renten-Langleberisikos in einer Lebensv ersicherung, Zürich 2009, in s- bes. zur Definition des Langleberisikos, S. 82) werden trotz entsprechend angepasster Renten -Sterbetafeln kaum Überschüsse erzielt (vgl. L e- bensversicherung, a.a.O., S. 109; vgl. auch JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 30, die bei den Leib renten von einer "eher angespannten Situation" spr e- chen, vgl. auch S. 138). Ein Kostenüberschuss entsteht, falls die eing e- rechneten Kosten höher sind als die effektiv verursachten. Der Koste n- überschuss wird in Abschluss -, Inkasso - und Verwaltungskostenübe r- schuss unterteilt. Die eingerechneten Kosten sind in der Regel aber zu niedrig angesetzt, und somit entstehen im Kostenbereich üblicherweise Verluste (vgl. Lebensversicherung, a.a.O., S. 109; vgl. JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 30; vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 25). Zusammenfassend lässt sich festhalten: "Die Überschüsse sind umso grösser, je erfolgreicher die Kapitalanlagepolitik des jeweiligen Versich e- rungsunternehmens ist, je weniger Versicherungsfälle bei den Versiche r- ten eintreten und je sparsamer in der jeweil igen Unternehmung gewir t- schaftet wird" (MAUTE/STEINER/RUFENER/LANG, a.a.O., S. 362). 2.4.4 Anzumerken ist vor diesem Hintergrund, dass Entstehung und Höhe des Überschussanspruchs vom Eintritt eines zukünftigen ungewissen E r- eignisses abhängt, nämlich davon, ob üb erhaupt ein Überschuss erzielt wird. Es handelt sich deshalb um eine bedingte Forderung (vgl. PFLEIDE- RER, a.a.O., S. 107, mit weiteren Hinweisen auf die Lehre). Der Eintritt der Bedingung hängt dabei nicht vom blossen Willen der Vertragsparteien ab. Es han delt sich somit nicht um eine sog. potestative Bedingung (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 108). Auch der Überschussplan bzw. die darin festgehaltene Höhe der Überschussbeteiligung hängt wiederum nicht nur von den Leistungen der Versicherungsgesellschaften ab, sondern es spielen vornehmlich zufällige Kriterien, wie z.B. die Sterblichkeit oder die Marktentwicklung (vgl. E. 2.4.3), eine entscheidende Rolle. Da der Übe r- schuss sowohl von Zufallsbedingungen, als auch vom Verdienst der Ve r- sicherungsgesellschaft abhängt, liegt eine sog. gemischte Bedingung vor, die ausserdem suspensiv bedingt ist, da der Überschuss vom am Ende des Jahres festgestellten Erfolg abhängt (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 109 f., mit weiteren Hinweisen). A-4472/2012 Seite 9 2.4.5 Verschiedene Erlasse befassen sich mit der Überschussbeteiligung (vgl. hierzu auch die vorgesehenen Änderungen gemäss Botschaft zur Totalrevision des VVG, a.a.O., BBl 2011 7798). Für den vorliegenden Fall sei auf folgende Regelungen des VAG sowie der Verordnung vom 9. N o- vember 2005 über die Beaufs ichtigung von privaten Versicherungsunte r- nehmen (Aufsichtsverordnung, AVO, SR 961.011) hingewiesen: Für Versicherungsunternehmen, welche die direkte Einzel- oder Kollektiv- lebensversicherung betreiben und Lebensversicherungsverträge mit Zinsgarantie erfüllen müssen, erlässt der Bundesrat Vorschriften zur B e- stimmung des maximalen technischen Zinssatzes (Art. 36 Abs. 1 VAG). Die Versicherungsunternehmen haben den Versicherten jährlich eine nachvollziehbare Abrechnung über die Überschussbeteiligung – so sie denn vertraglich vereinbart wurde (vgl. E. 2.4.2) – abzugeben. Aus dieser muss insbesondere hervorgehen, auf welchen Grundlagen die Übe r- schüsse berechnet und nach welchen Grundsätzen sie verteilt wurden (Art. 36 Abs. 2 VAG). Der Bundesrat kann für diese Vers icherungsunter- nehmen Vorschriften erlassen über: die Art und Weise, wie die Informat i- onen, die aus der Abrechnung hervorgehen müssen, auszuweisen sind; die Grundlagen der Berechnung der Überschüsse; die Grundlagen und das Ausmass der Verteilung der Übersch üsse (Art. 36 Abs. 3 Bst. a -c VAG). Art. 120 AVO verpflichtet Versicherungsunternehmen, welche die Lebens- versicherung betreiben, für die Tarifierung von Verträgen risikogerechte biometrische und kapitalmarktbedingte Grundlagen und Berechnungsm e- thoden zu ve rwenden und die Tarifgrundlagen jährlich zu überprüfen. Gemäss Art. 136 Abs. 1 AVO bilden die Versicherungsunternehmen für den Teil ausserhalb der beruflichen Vorsorge einen Überschussfonds. Der Überschussfonds ist eine versicherungstechnische Bilanzposition zur Be- reitstellung der den Versicherungsnehmenden zustehenden Überschus s- anteile. Im Überschussfonds wird der dem Versichertenkollektiv zugewi e- sene Teil des erwirtschafteten Jahresüberschusses thesauriert (Art. 136 Abs. 2 AVO). Jährlich sind dem Überschussfonds mindestens 20 Prozent der darin angesammelten Überschüsse zu entnehmen und den Versich e- rungsnehmenden zuzuteilen (Art. 136 Abs. 3 AVO). Die Überschusszutei- lung ist nach anerkannten versicherungsmathematischen Methoden und unter Vermeidung missbräuchlicher Ungleichbehandlungen vorzunehmen (Art. 137 Abs. 1 AVO). Sobald die Überschussanteile den einzelnen Ve r- sicherungsnehmenden zugeteilt sind, gelten sie als geschuldet. Sie sind den Anspruchsberechtigten entsprechend den vertraglichen Regelung en A-4472/2012 Seite 10 auszuschütten oder, falls die verzinsliche Ansammlung der Überschus s- anteile vereinbart wurde, in einer eigens dafür geschaffenen versich e- rungstechnischen Bilanzposition auszuweisen (Art. 137 Abs. 2 AVO). 3. 3.1 Im vorliegenden Fall steht eine "Rentenversicherung mit Rückgewähr" zur Diskussion ; ein Versicherungsprodukt, das – sofern hier relevant – wie folgt ausgestaltet ist: Gemäss den "Allgemeinen Bedingungen f ür aufgeschobene Leibrente " (Ausgabe …, act. 14b ; nachfolgend: AV B …) gibt die Versicherung A n- spruch auf Rentenzahlungen (nachfolgend: Leibrente oder Rente) ab dem in der Police vereinba rten Zeitpunkt (vgl. Ziffer … AVB …). Die Ren- tenversicherung ist grundsätzlich, soweit sie aus der Vermöge nsanlage her rührt, nach einem mit dem Bundesamt für Privatvers icherungen (heu- te: Eidgenössische Finanzmarktaufsicht [ FINMA]) vereinbarten Plan an den Überschüssen der Beschwerdeführerin beteiligt (Ziffer … AVB … [der Vollständigkeit sei darauf hingewiesen, dass die Überschusspläne seit In- krafttreten der Revision des VAG per 2006 nicht mehr genehmigung s- pflichtig sind, vgl. dazu etwa PFLEIDERER, a.a.O., S. 156] ). Die Übe r- schüsse werden während der Zeit bis zum Beginn der Leibrentenzahlung einem Sparkonto zugewiesen. Da s Guthaben wird verzinst und im Zei t- punkt des Rentenbeginns zur Erhöhung der Leibrente verwendet (Zi f- fer … AVB …). Nach Angaben der Beschwerde führerin wird die Rente n- erhöhung lebenslänglich ausgerichtet. Während der Laufzeit der Leibren- te werden die Überschussanteile zusammen mit den Rentenraten in Form einer Überschussrente ausbezahlt (Ziffer … AVB …). Ziffer … AVB … hält fest, dass bei Rückkauf oder Kapitalbezug in den ersten zehn Vertrag s- jahren der Überschuss wegfällt. 3.2 Die versicherte Person muss gemäss Vertrag das Guthaben, welches sich auf ihrem Überschuss-Sparkonto allenfalls angesammelt hat, dazu verwenden, eine lebenslängliche Rentenerhöhung zu finanzieren. Dies ist dem Grunde nach unbestritten. Strittig ist aber, ob die Verwendung des Überschusses für eine lebenslängliche Rentenerhöhung (auch "Verren- tung" genannt) eine Prämienzahlung darstellt, die die Stempelsteuer aus- löst. 3.2.1 Die Vorinstanz hält dafür, dass auf dem Überschussanteil die Stem- pelsteuer zu erheben sei, weil die Beschwerdeführerin damit eine zusät z- liche Versicherungsleistung erbringe. Die Rente werde lebenslänglich A-4472/2012 Seite 11 ausgerichtet. Das Total der ausgerichteten Leistungen könne folglich weit über dem Wert des angesparten Überschussguthabens liegen. Die B e- schwerdeführerin übernehme somit also nicht nur f ür die Leibrente, son- dern auch für die zusätzliche, erhöhte Rentenleistung das Langleberisiko und zahle mit der Rentenerhöhung "nicht einfach" das angesparte Übe r- schussguthaben in Raten aus. Eine solche zusätzliche Risikoleistung werde aber nur gegen eine Prämienzahlung ausgerichtet, weshalb die Verwendung des Überschussguthabens zur Erhöhung der lebenslangen Rente als Prämie nzahlung im Sinne des StG zu qualifizieren sei. Das Überschussguthaben stelle demnach das Entgelt seitens des Versich e- rungsnehmers für die (zusätzliche) Risikoübernahme durch den Versiche- rer dar. 3.2.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet die Ausführungen der Vorinstanz. Die Besteuerung führe zu einer doppelten Stempelerhebung auf dem gleichen Substrat. Da der Überschuss von Beginn weg Vertragsb estand- teil sei, dürfe er nicht als später hinzukommende, erneute Einmal -Prä- mienzahlung interpretiert und besteuert werden. Diese Betrachtungswei- se verletze in krasser Weise sowohl den vertragsrechtlichen als auch den aufsichtsrechtlichen Sinn und Zweck de s Überschussfonds. Als Prämie könne nur die vom Versicherungsnehmer gestützt auf einem Versich e- rungsvertrag geschuldete Prämie verstanden werden. Die Überschüsse würden nicht in eine zusätzliche lebenslängliche Rente überführt. Sie würden, so sie denn erzi elt würden, von Anfang an einen Bestandteil der versicherungsvertraglich geschuldeten Rente bilden. Der Überschuss würde zwingend zur Erhöhung der Rente verwendet, somit gebe es ke i- nen zusätzlichen, zweiten Versicherungsvertrag. Die Leistung an den Versicherungsnehmer müsse als Einheit begriffen werden. Es sei von Beginn weg eine Rente geschuldet, die durch allenfalls erzielte Übe r- schüsse lebenslänglich erhöht würde. Die Anwartschaft auf den Übe r- schuss sei von Anfang an Vertragsbestandteil und bei der Umwan dlung des gesamten Deckungskapitals (samt Überschuss) sei ein einheitlicher Tarif anwendbar. Die Beschwerdeführerin übernehme keinen zusätzlichen Versicherungsschutz und auch kein zusätzliches Risiko, vielmehr bleibe dieses von Anfang an gleich, nur partiz ipiere der Versicherungsnehmer am besseren Verlauf der Risikogemeinschaft. 3.3 Abgabeobjekt der Stempelsteuer ist die Prämienzahlung für eine Ve r- sicherung. Ob die Vorinstanz die Stempelabgabe zu Recht erhoben hat, hängt also davon ab, ob ein Vertragsverhältnis (vgl. E. 2.2) vorliegt, das den Schutz vor einem Risiko zum Inhalt hat. Ein hierfür allenfalls entspr e- A-4472/2012 Seite 12 chend geleistetes Entgelt würde dann den "Preis" bzw. die Prämie für die Risikoübernahme darstellen (vgl. E. 2.3.1). 3.3.1 Der diskutierte Versicherungsvertrag räumt der versicherten Person zunächst einmal das Recht auf eine lebenslängliche Leibrente ein (vgl. E. 3.1). Rentenversicherungen der vorliegenden Art dienen dazu, sich gegen die Folgen des Alters zu schützen. Das versicherte Risiko ist somit das Alter bzw. die Langlebigkeit (vgl. statt vieler: JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 25 f.). Wie gesehen (vgl. E. 3.1), räumt der Vertrag der versicherten Person vertraglich einen Anspruch am Rechnungsüberschuss der B e- schwerdeführerin ein. Der angesammelte Überschuss wird bei Beginn der Leibrente vereinbarungsgemäss quasi "automatisch" für die Erhöhung der Rente verwendet. Anzumerken ist, dass es sich beim Überschussa n- spruch aber um eine sog. gemischt bedingte Forderung handelt (vgl. E. 2.4.4) und seine Entstehung und Höhe von Zufälligkeiten abhängt. Folglich ist bei Vertragsschluss ungewiss, ob überhaupt die Rente erhöht werden kann und wie hoch diese Rentenerhöhung allenfalls ausfällt. Ein Überschuss und e ine Rentenerhöhung wird vorliegend denn auch nicht von Anfang an betragsmässig beziffert und garantiert, sondern erst a n- hand des erzielten Überschusses und gemäss Angaben der Beschwerde- führerin auf der Basis des Tarifs der (Grund-)Rente berechnet. 3.3.2 Der vorliegende Versicherungsvertrag verpf lichtet die Beschwerd e- führerin für den Fall, dass sich die Bedingung erfüllt hat, d.h. ein Übe r- schuss entstanden ist (vgl. E. 3.3.1), die Rente zu erhöhen und diese er- höhte Leistung – wie die Leib rente – lebenslänglich auszurichten (vgl. E. 3.1). Dies hat für die Beschwerdeführerin die folgende Konsequenz: Wird die versicherte Person älter, als im Durchschnitt veranschlagt, wird die von der Beschwerdeführerin zu leistende überschussfinanzierte Re n- tenerhöhung ihrer Summe nach insgesamt über den Wert der aufgelaufe- nen Überschüsse hinaus gehen. Die Beschwerdeführerin verpflichtet sich somit nicht "lediglich" zur Auszahlung des Überschusses in der angespar- ten Höhe mittels periodischer Rentenl eistung. Vielmehr geht die B e- schwerdeführerin mit der lebenslänglich au szurichtenden Rentenerhö- hung eine weitergehende Verpflichtung ein: Sie nimmt ein zusätzliches Risiko auf sich, nämlich das sog. "Langleberisiko", d.h. das Risiko, dass die erzielten und für die zusätzlichen, lebenslangen Renten verwendeten Überschussbeteiligungen infolge Langlebigkeit der versicherten Person kleiner sind als die tatsächlich auszurichtenden erhöhten Rentenleistu n- gen. Mit anderen Worten geht die Verrentung der Überschüsse bei Re n- tenbeginn über eine "Rückvergütung von aus Sicherheitsgründen über- A-4472/2012 Seite 13 höhten Prämienbeiträgen" hinaus (E. 2.4.2). Insofern ist die Formulierung, mit der Rentenerhöhung werde das Überschussguthaben in Rentenform ausbezahlt bzw. der "Überschuss bilde einen Bestandteil der Rente" , un- genau, weil – wie ausgeführt – die zu leistenden Renten im Total über das angesparte Überschussguthaben hinaus gehen können. Mit der überschussfinanzierten Rentenerhöhung erhält die versicherte Person folglich eine zusätzliche Versicherungsdeckung. Die Lehre ist ebenfalls der Auffassung, dass der Kunde bei der Verrentung des Übe r- schussanteils eine "zusätzliche Deckung" erhalte, und die "Leistung e r- höht" werde (vgl. JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 31; Lebensversicherung, a.a.O., S. 114). 3.3.3 Eine solche zusätzliche Versicherung wird aber nicht ohne Gegen- leistung der versicherten Person ausgerichtet. Um die lebensläng lich ga- rantierte Rentenerhöhung zu finanzieren, wird der angesparte Übe r- schuss verwendet. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts sieht die Vorinstanz die Prämienzahlung – in Form der Einmalp rämie – deshalb zu Recht in der Hingabe des angesparten Überschusses, we l- cher in diesem Zeitpunkt zum Entgelt für die Versicherungsleistung wird . Die Zahlung erfolgte dabei – wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat – durch Verrechnung des Überschussguth abens mit der Prämienschuld, was eine mögliche Form der Zahlung der Prämie darstellt (vgl. E. 2.3.3): Wenn zwei Personen einander Geldsummen schulden, so kann jede ihre Schuld, insofern beide Forderungen fällig sind, mit ihrer Forderung ve r- rechnen (Art. 120 Abs. 1 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]). Die Beschwerdeführerin hat den Überschuss, bei dem es sich um eine einklagbare Nebenleistungspflicht handelt (vgl. E. 2.4.2), vertrag- lich zugesichert. Sobald die Überschussanteile den einzelnen Versich e- rungsnehmern und Versicherungsnehmerinnen zugeteilt sind, gelten sie gemäss AVO als geschuldet (vgl. E. 2.4.5). Bei der verzinslichen A n- sammlung (vgl. E. 2.4.5) gelten sie sinngemäss am Ende der Auf schubs- zeit als geschuldet. Eine Geldschuld wird getilgt durch Erlass, Ausza h- lung, Ersatzleistung oder Verrechnung. Die Beschwerdeführerin kann sich einer Verrechnung somit nicht mit dem Argument widersetzen, die vers i- cherte Person habe keinen Anspruch auf Auszahlung des Überschusses und könne darüber nicht selbständig verfügen . Die Beschwerdeführerin schuldet der versicherten Person den vertraglich zugesicherten Übe r- schuss, wobei sich die versicherte Person bereits mit Vertragsschluss verpflichtet hat, ebendiesen auf ihrem Sparkonto allenfalls angesparten Überschuss für eine Rentenerhöhung zu verwenden. Die versicherte Per- A-4472/2012 Seite 14 son wiederum schuldet der Beschwerdeführerin die Prämie für die Ren- tenerhöhung (in Form des angesparten Überschusses). Spätestens i m Zeitpunkt der ersten Rentenzahlung waren die gegenseitig geschuldeten Forderungen fällig (Ziffer … i.V.m. Ziffer … AVB …) und wurden verrech- net. 4. Es bleibt, auf die übrigen Einwände der Beschwerdeführerin einzugehen, sofern diese nicht bereits explizit oder implizit widerlegt sind. 4.1 4.1.1 Die Be schwerdeführerin bringt vor, die Vorinstanz erachte die B e- rechnung der Rente aus den Überschüssen als eine separate, neue L e- bensversicherung, welche mit einer zusätzlichen Prämie finanziert werde. Dies sei falsch, gebe es doch keinen zweiten Vertrag (vgl. auch E. 3.2.2). 4.1.2 Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin ist die Vori n- stanz weder von einem neuen, separaten Vertrag die Rentenerhöhung betreffend ausgegangen noch von einem "zweiten Konsens", einer Ve r- tragsänderung oder -verlängerung. Derartiges war gar nicht notwendig, da sich die versicherte Person bereits bei der Unterzeichnung des L e- bensversicherungsvertrages verpflichtet hat, einen allenfalls entstehe n- den Überschuss für die Rentenerhöhung zu verwenden. 4.2 4.2.1 Die Beschwerdeführerin trägt im Wesentlichen vor, der Überschuss sei von Beginn weg Vertragsbestandteil und könne nicht vom Lebensve r- sicherungsvertrag separiert werden . Vielmehr bilde er mit der (Grund -) Rente eine untrennbare Einheit . Gegebenenfalls würde der Überschuss zwingend für die Erhöhun g der Rente verwendet. Der Versicherung s- nehmer erhalte eine "einheitliche Leistung, d.h. eine Rentenzahlung, wel- che die Erhöhung der 'Grundrente' durch die Überschüsse " miterfasse. Es dürfe keine Aufteilung in Rente einerseits und Anteil geäufneter Übe r- schuss bis zum Verzehr andererseits erfolgen. Der Überschuss könne weder während der Aufschubszeit noch währen d der Rentenlaufzeit vom Versicherungsvertrag abgespalten werden. Die Vorinstanz verkenne völlig die "Einheit der Versicherungsleistung, die nicht in einzelne Elemente aufgespalten" werden könne. Das Vorgehen der Vorinstanz verstosse ge- gen die konstante Rechtsprechung gemäss BGE 130 I 205 sowie Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juli 1941, veröffentlicht in : Archiv für Schweizerisches Abgaberecht (ASA) 10 S. 212 (vgl. auch E. 3.2.2). A-4472/2012 Seite 15 4.2.2 Zunächst ist zu untersuchen, was in Bezug auf den Versicherung s- vertrag mit "Einheit" gemeint ist: 4.2.2.1 Die Frage der "Einheit" stellt sich im Zusammenhang mit der rechtsdogmatischen Qualifikation der vertraglich vereinbarten Über- schussbeteiligung. Dabei geht es um die Frage, ob die Kapitallebensve r- sicherung in sich in verschiedene Verträge aufzuteilen sei. Zahlreiche Au- toren befürworten eine solche Aufteilung (sog. "Theorie der Doppeln a- tur"). Demnach bilden der Lebensversicherungsvertrag einen selbständ i- gen Renten - oder Sparvertrag, der neben dem eigentlichen Versich e- rungsvertrag abgeschlossen wird und für den der Versicherungsnehmer gesondert eine Prämie zu entrichten hat (zum Ganzen ausführlich PFLEI- DERER, a.a.O., S. 60 f.). Die Annahme verschiedener eigenständiger Ve r- träge böte – so PFLEIDERER – den Vorteil, dass sich die Sicherheitsz u- schläge separat behandeln liessen und dadurch eine Trennung der dem Unternehmen zustehenden Ergebnisse und der den Versicherten zuste- henden Anteile möglich würde, wobei den Versicherungsgesellschaften allein die Überschüsse aus der Geschäftsbesorgungstätigkeit als solcher zustünden. PFLEIDERER kritisiert an dieser Betrachtungsweise allerdings, dass eine umfangmässige Zuordnung der verschiedenen Prämienb e- standteile – Dienstleistung, Risiko und Sparbeitrag – während der gesam- ten Vertragsdauer nicht eindeutig vorgenommen werden könne. Die Prä- mienzahlungspflicht stehe der Leistung des Versicherers vielmehr ge- samthaft gegenüber und sei daher einheitlich zu betrachten, so dass kein selbständiger Betrag für die Überschussbeteiligung abgespalten werden könne (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 62 f.). Der überwiegende Teil der Leh- re geht deshalb davon aus, dass die Kapitallebensversicherung mit Betei- ligung am Überschuss wirtschaftlich und rechtlich ein "einheitliches und umfassendes Vertragsverhältnis" darstellt. Die Überschussbeteiligung "erweitert die das Vertragsverhältnis charakterisierende Hauptleistung s- pflicht in der Kapitallebensversicherung um einen Anspruch auf Übe r- schuss" und kann als "Ausfluss des Versicherungsvertrages selbst b e- trachtet" werden (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 65). Zusammengefasst befasst sich die Frage nach der Einheit des Vertrages mit dem Verhältnis von "Überschussbeteiligung" (eine Nebenleistung des Versicherers) und "Prämie" (eine Leistung der versicherten Person) . Zum selben Ergebnis kommt das Bundesgericht im von der Beschwerdeführe- rin zitierten Urteil vom 17. Juli 1941 (veröffentlicht in: ASA 10 S. 212; das Urteil bet rifft die Wehrsteuer, welche 1983/84 in "D irekte Bundessteuer" umbenannt wurde [vgl. Botschaft vom 8. Dezember 1980 über die Weiter- A-4472/2012 Seite 16 führung der Finanzordnung und die Verbesserung des Bu ndeshaushal- tes, BBl 1980 I 20 , vgl. auch den entsprechenden Bundesbeschluss vom 19. Juni 1981, BBl 1981 II 561]): Im Sinne der Mehrheit der Lehre gelang- te das Bundesgericht zum Ergebnis, dass "(d)ie Gewinnbeteiligung [ge- meint ist die Überschussbeteiligung] nach Massgabe der Versicheru ngs- bedingungen (…) eine Modalität des Versicherungsver trages [ist] . Die Zustimmung zu den Versicherungsbedingungen umfasst diese insgesamt als Ganzes. Man darf sie nicht spalten in ein Einverständnis mit einer Gewinnbeteiligung überhaupt und in eine gleich zeitige Verfügung über das künftige Guthaben dahingehend, dass dieses statt sofortiger Auszah- lung bis zum Ablauf der Versicherung bei der Gesellschaft gegen Zins verbleiben soll". In diesem Sinne ist der Beschwerdeführerin nicht zu widersprechen, wenn sie vorbringt, der Überschuss sei von Beginn weg Vertragsbestand- teil. Inwiefern der dort beurteilte Sachverhalt, bei dem es um die Besteue- rung von Zinsen auf dem Überschussguthaben (dort als Gewinnbeteil i- gung bezeichnet) ging, weitergehend mit dem vorliegende n vergleichbar und massgebend wäre, ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb darauf nicht mehr weiter einzugehen ist. Die Frage, welche rechtlichen Folgen es nach sich zieht, wenn ein Über- schuss tatsächlich entstanden ist und dieser verwendet wird, um eine Rentenerhöhung zu finanzieren , lässt die Theorie von der "Einheit des Vertrages" aber unberührt. Das Bundesverwaltungsgericht sieht in dieser Verwendung – wie dargelegt (E. 3.3.3) – die Prämienzahlung. Präzisie- rend ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass der gutgeschriebe- ne Überschuss nicht die Prämie ist, wie die Beschwerde führerin meint. Wird der Überschuss aber genommen und für eine Rentenerhöhung ve r- wendet, bildet er ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Überschuss, sondern Entgelt für die Versicherungsleistung. Die Höhe des angesparten Übe r- schussguthabens dient dabei als Bemessungsgrundlage für die Stempel- steuer. 4.2.2.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet ein en Verstoss gegen die konstante Rechtsprechung, wie sie auch in BGE 130 I 205 verankert sei. In diesem Urteil entschied das Bundesgericht, dass es "grundsätzlich u n- zulässig" sei, eine als Ganzes rückkaufsfähige Versicherungspolice in i h- re rückkaufs fähigen und nicht rückkaufsfähigen Einzelteile zu zerlegen, um sie dann entsprechend zu besteuern (E. 7.6.5). Leistungen aus G e- A-4472/2012 Seite 17 winnbeteiligungen (Überschussbeteiligungen, Bonus) teilten das steuerl i- che Schicksal der zu Grunde liegenden Versicherungsleistung ( E. 7.6.6). Das Bundesgericht äussert sich hier also stichwortartig zusammengefasst zur steuerlichen Behandlung von "Versicherungsleistung und Übe r- schussbeteiligung" (beides Leistungen des Versicherers) im Falle ihrer Auszahlung an die versicherte Person und damit zu einer anderen Frage- stellung als unter E. 4.2.2.1 erläutert (dort ging es um das Verhältnis "Überschussbeteiligung und Prämie"). Das Bundesgericht spricht denn im angerufenen Urteil auch nie von der "Einheit des Vertrages". Indem sich die Beschwerdeführerin auf diese Rechtspr echung beruft, übersieht sie zum einen, dass die Vorinstanz gar keine Zerlegung in rück- kaufsfähige und nicht rückkaufsfähige Einzelteile vornimmt, so dass der vorliegende Fall mit der vom Bundesgericht beurteilten Konstellation von Vornherein nicht vergleichbar ist. Zum anderen verkennt die Beschwerde- führerin, dass das genannte Urteil die Behandlung von Versicherungsleis- tungen im Bereich der Einkommenssteuer zum Inhalt hat. Die Stempe l- abgabe ist demgegenüber eine Kapitalverkehrssteuer (vgl. E. 2.1), we l- che sich als indirekte Steuer in ihrer rechtlichen Ausgestaltung wesentlich von der Einkommenssteuer unterscheidet. Sie erfasst nicht – wie bei der Einkommensbesteuerung – Einkünfte aus Versicherungen bzw. Versiche- rungsleistungen, sondern Vorgänge des Kapital verkehrs, hier die Beza h- lung von Versicherungsprämien. Der vom Bundesgericht aufgestellte Grundsatz, wonach Überschussbeteiligungen das steuerliche Schicksal der zu Grunde liegenden Versicherungsleistung teilen, ist im Lichte des Einkommenssteuerrechts zu beurteilen und kann nicht unbesehen auf das Rechtsgebiet der Stempelsteuern übertragen werden. Wie wiederholt erwähnt, wurde der angesparte Überschuss, der selber im Übrigen keine Versicherungsleistung ist (vgl. E. 2.4.2), dazu verwendet, um eine Re n- tenerhöhung zu finanzieren. Der Überschuss ist zu diesem Zeitpunkt (in einer logischen Sekunde) tatsächlich und rechtlich nicht mehr Übe r- schuss, sondern bildet Entgelt für die vereinbarte Versicherungsleistung (in Form der erhöhten Rente). Die Anwendung des Grundsatzes, wonach Überschussbeteiligung und Versicherungsleistung dasselbe steuerliche Schicksal teilen sollen, ergibt bei dieser Sachlage gar keinen Sinn. Folg- lich hilft auch diese Rechtsprechung der Beschwerdeführerin nicht weiter. 4.3 4.3.1 Schliesslich argumentiert die Beschwerdeführerin, Versicherungen mit Überschussbeteiligung seien teurer als Versiche rungen ohne Ü ber- schussbeteiligung. Die versicherungsnehmende Person habe sich in die A-4472/2012 Seite 18 Anwartschaft auf die Überschussbeteiligung "einzukaufen". Die Erhebung der Stempelsteuer auf dem Überschussguthaben führe deshalb zu einer doppelten Besteuerung desselben Substrats. 4.3.2 Beim Argument, dass Versicherungen mit Überschussbeteiligungen teurer sein sollen als Versicherungen ohne Überschussbeteiligunge n, handelt es sich um eine unbelegt gebliebene Behauptung der Beschwe r- deführerin. Sie verkennt dabei zudem den S inn und Zweck der Ü ber- schussbeteiligung. Die Erzielung von Überschüssen ist aus Gründen der Erhaltung der Solvenz im ureigenen Interesse des Versicherungsunter- nehmens begründet (vgl. E. 2.4.1, 2.4.2), und zwar ungeachtet davon, ob das Unternehmen die Versicherungsnehmer an den Überschüssen betei- ligt oder nicht. Bereits aus diesem Grund ist das vorgebrachte Argument in Zweifel zu ziehen. Dass die B eschwerdeführerin bestrebt sein dürfte, die Risiken einer gegebenenfalls zu leistenden Rentenerhöhung bei ihren Rentenberechnungen von Anfang an zu berücksichtigen bzw. zu minimie- ren, liegt gleichsam im "Wesen" des Versicherungsgeschäfts bzw. gehört zur sorgfältigen Planung und Erhaltung der Solvenz des Versicherung s- unternehmens. Die Beschwerdeführerin suggeriert mit ihrer Aussage , wonach sich die versicherten Personen "einkaufen" müssten, dass es sich bei der Überschussbeteiligung um ei ne Versicherungsleistung han- delt. Der Ü berschuss ist aber gerade keine Versicherungsleistung. Die Entstehung und die Höhe von Überschüssen ist trotz aller Vorsicht und Umsicht mit Unsicherheiten belastet und kann nicht mit absoluter G e- wissheit vorausgesehen we rden (E. 2.4.2, 2.4.3). Die Beteiligten wissen bei Vertragsabschluss nicht mit letzter Sicherheit, ob überhaupt und ge- gebenenfalls in welcher Höhe ein Überschuss entsteht, hängt doch ein solcher nicht allein vom Willen des Versicherungsunternehmens ab (vgl . E. 2.4.4, gemischt bedingte Forderung). Die Beschwerdeführerin gara n- tiert der versicherten Person denn auch weder, dass eine Rentenerh ö- hung erfolgen wird, noch beziffert sie deren Höhe (vgl. E. 3.1.1). Erst bei Beginn der Rentenzahlung wird eine allfälli ge Rentenerhöhung auf der Basis der tatsächlich erzielten Überschüsse anhand des zum Zeitpunkt der Erhöhung gültigen Tarifs (vgl. E. 3.1) berechnet. Ausserdem wird kein selbständiger Betrag von der Prämie für die Überschussbeteiligung a b- gespalten (vgl. E. 4.2.2.1; "Einheit des Vertrages"). Es ist vor diesem Hin- tergrund deshalb nicht einzusehen, dass mit der Prämienzahlung bei Ver- tragsschluss die Überschussbeteiligung "eingekauft" worden sein soll, wie die Beschwerdeführerin behauptet. A-4472/2012 Seite 19 5. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Die Verfahrenskos- ten vor dem Bundesverwaltungsgericht, welche auf CHF 5'000.-- festge- setzt werden, sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Eine Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). (Dispositiv nächste Seite) A-4472/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von CHF ….-- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt und mit dem von ihr in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Beusch Iris Widmer Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rech tsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthal ten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: