Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. November 2017 (720 17 147 / 288) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Überprüfung einer Zwischenverfügung betreffend Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung durch die IV-Stelle im Lichte der Frage, ob die Einholung einer unzulässi- gen „second opinion“ vorliegt Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Christian Haag , Rechtsanwalt, Häfliger Haag Häfliger AG, Schwanenplatz 7, Post- fach, 6002 Luzern 2 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A.1 A.____, geboren 1964, erlitt am 21. September 1 999 einen Reitunfall. Mit Gesuch vom 12. Mai 2000 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Fussverletzung sowie eine Verletzung der Halswirbelsäule (Schleudertrauma) zum Bezug von Lei stungen bei der Schweizerischen Invali- denversicherung (IV) an. Mit Verfügung vom 26. März 2009 sprach ihr die IV-Stelle des Kantons Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Z.____ bei einem IV-Grad von 100 % vom 1. September 2000 bis 31. Dezember 2002 eine ganze Rente, vom 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2003 eine halbe Rente (IV-Grad 58 %) und schliesslich ab dem 1. Januar 2004 bei einem IV-Grad von 61 % eine Dreiviertelsrente zu. An- lässlich einer Revision in den Jahren 2009/2010 wurde festgestellt, dass weiterhin Anspruch auf die bisherige Dreiviertelsrente basierend auf einem IV -Grad von 61 % bestehe. Im Juni 2016 kündigte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (I V-Stelle) die Durchführung einer Revisi- on an. Im Revisions-Fragebogen gab A.____ an, dass die S chmerzen stärker geworden und neue Probleme hinzugekommen seien, vor allem ein Taubhe itsgefühl in den Beinen und im Nacken. Dr. med. B.____, Médecine générale und Hausarzt der Versicherten, gab im Arztbe- richt vom 29. Juni 2015 an, es sei schwierig zu beurteil en, ob sich die Einschränkungen durch medizinische Massnahmen vermindern lassen würden. Eine Exp ertise könne diese Frage be- antworten. Die Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausg eübte Tätigkeit betrage 100 %. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht g erechnet werden. Dr. med. C.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, RAD, stellte am 16. Oktob er 2015 fest, dass die medizinische Situation und die Möglichkeit der Verbesserung der Ge sundheit aufgrund der spärlichen medi- zinischen Unterlagen nicht beurteilt werden könne und empfahl die Aufbietung der Versicherten durch den RAD. Am 17. November 2015 wurde A.____ von Dr. C.____ persönlich befragt. Die- ser kam zum Schluss, dass die Versicherte insbesondere unter ge neralisierten Schmerzen lei- de, die sich pathophysiologisch kaum erklären lassen würden . Zudem seien die demonstrierten Defizite inkonsistent und die Versicherte berichte von ko gnitiven Einbussen. Angesichts dieser Polymorbidität und auch einer geltend gemachten Versch lechterung des Gesundheitszustands empfahl er die Durchführung einer multidisziplinären A bklärung. Die Gutachter sollten bei einer allfälligen Veränderung des Gesundheitsschadens und der Arbeitsfähigkeit den Verlauf darle- gen (Bericht vom 20. Januar 2016). A.2 In der Folge kündigte die IV-Stelle A.____ am 3 . Februar 2016 die Durchführung einer umfassenden medizinischen Untersuchung (allgemeine innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Neuropsychologie und Rheumatologie) an, wobei die Wahl der Gutachterstelle nach dem Zu- fallsprinzip erfolgen werde. Die IV-Stelle legte dem Schreiben den allgemeinen Fragekatalog bei und kündigte an, dass sie den Gutachtern eine Zusatz frage stellen werde. Sie räumte der Versicherten zudem das Recht ein, Ergänzungsfragen einzu reichen. Mit Schreiben vom 26. Februar 2016 führte die Versicherte, nun vertreten durch Rechtsanwalt Christian Haag, aus, dass sie ihr Revisionsgesuch zurückziehe. Es sei nicht glaubha ft gemacht worden, dass eine Verschlechterung eingetreten sei. Da kein Revisionsgrund vorliege, erweise sich die Anordnung einer Begutachtung als unzulässige second opinion und fi shing expedition, weshalb die Begut- achtung abgelehnt werde. Für den Fall, dass eine Begut achtung zulässig wäre, müsse diese bei der bisherigen Gutachterstelle in Auftrag gegeben werden, da gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rahmen von Rentenrevisionen in aller Regel die bisherige Gutachterstelle zum Zuge kommen sollte. Eine Vergabe über den Zufallsge nerator SuisseMED@P werde ab- gelehnt. Ausserdem sei die Fachdisziplin Neurootologie n otwendig, weshalb der Gutach- tensauftrag um diese Disziplin erweitert werden sollte . Im Ablehnungsfall sei eine Verfügung zu erlassen. Ausserdem liess die Versicherte Ergänzungsfragen zukommen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.3 Mit Schreiben vom 2. März 2016 hielt die IV-Stell e fest, dass es sich vorliegend um eine Revision von Amtes wegen handle, weshalb das Gesuch n icht zurückgezogen werden könne. Die Voraussetzungen für eine revisionsweise Überpr üfung des Gesundheitszustands würden vorliegen, weshalb an der Durchführung einer po lydisziplinären Begutachtung sowie an der Wahl der Durchführungsstelle über den Zufallsgenerator festgehalten werde (IV act. 26). A.4 Gegen dieses Schreiben erhob A.____, weiterhin ver treten durch Rechtsanwalt Chris- tian Haag, am 9. März 2016 Beschwerde beim Kantonsgeri cht Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte unter o/e-Kostenfolge, es sei die Ver- fügung vom 2. März 2016 aufzuheben und es sei festzustellen, dass sich die Beschwerdeführe- rin keiner polydisziplinären Begutachtung zu unterziehen habe. Eventualiter sei die Beschwer- degegnerin anzuweisen, ein Verlaufsgutachten bei der MEDAS Zentralschweiz in Auftrag zu geben, soweit möglich unter Ernennung der ursprünglic hen Gutachterpersonen. Es sei zudem eine Rechtsverzögerung und eine Rechtsverweigerung durc h die Beschwerdegegnerin festzu- stellen. Mit Urteil vom 10. November 2016 trat das K antonsgericht mangels eines tauglichen Anfechtungsobjekts nicht auf die Beschwerde ein. A.5 Mit Schreiben vom 28. Februar 2017 wurde der Versi cherten von der IV-Stelle mitge- teilt, dass die polydisziplinäre Begutachtung durch die e stimed AG, MEDAS Zug, durchgeführt werde. Gleichzeitig wurde sie über die vorgesehenen Disziplinen und die involvierten Gutachter informiert. Mit Einwand vom 14. März 2017 teilte die Versicherte mit, dass sie mit der Durchfüh- rung einer polydisziplinären Begutachtung weiterhin ni cht einverstanden sei. Der Gesundheits- zustand habe sich nicht verschlechtert und somit bestehe kein Revisionsgrund. Weiter wurde geltend gemacht, dass selbst wenn die Begutachtung zulä ssig sei, diese bei der MEDAS Zent- ralschweiz zu erfolgen habe. In der Folge erliess die IV- Stelle am 5. April 2017 eine Zwischen- verfügung und hielt an der Durchführung der polydiszipli nären Begutachtung bei der estimed AG als durchführende Begutachtungsstelle fest. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Christian Haa g, mit Eingabe vom 19. Mai 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte unter o/e-Kostenfolge die Aufhebung der an- gefochtenen Verfügung und die Feststellung, dass sie sich keiner polydisziplinären Begutach- tung zu unterziehen habe. Eventualiter wurde beantragt , es sei die Beschwerdegegnerin anzu- weisen, ein Verlaufsgutachten bei der MEDAS Zentralschweiz in Auftrag zu geben, soweit mög- lich unter Ernennung der ursprünglichen Gutachterperso nen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Versicherte um Durchführung einer öffentlichen Gerichtsverhandlung. C. Mit Vernehmlassung vom 30. Juni 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung der instruierenden Präsidentin der A bteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts vom 14. Juli 2017 wurde der Fall dem Gericht zur Beurteilung überwiesen. Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Durchführung e iner Parteiverhandlung wurde abgewie- sen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen form- und fristgerecht erhobene – Beschwerde vom 19. Mai 2017 ist einzutreten . 2. Zu prüfen ist, ob sich die Beschwerdeführerin einer polydisziplinären Begutachtung durch die estimed AG unterziehen muss. 3.1 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünf- te ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen f ür die Beurteilung notwendig und zu- mutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). 3.2 Die medizinische Abklärung der objektiven Gesundheitssch äden ist eine unabdingbare gesetzlich verankerte Voraussetzung für die Zusprache ei ner Leistung der Invalidenversiche- rung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat er einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkei t, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla- ge. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Ver sicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 360 E. 5b) e ntscheiden kann. Dabei kommt Sachverständigengutachten eine massgebende Rolle zu (U rteil des Bundesgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). Di e für die Beurteilung des Leistungsan- spruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärungen im Si nne von Art. 43 ATSG beinhal- ten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Ver sicherungsträgers, eine „second opinion“ zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm die- ser nicht passt (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_957/2010, E. 6.1). 3.3 Um die Frage abschliessend beantworten zu können, ob eine polydisziplinäre Exper- tise einzuholen ist, müsste die vorliegende medizinische Akt enlage auf ihre Vollständigkeit und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass die Endverfügung im Hinb lick auf die Beurteilung der medizini- schen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Weil die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin lieg t und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vo rliegenden Verfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilun g der Aktenlage im Sinne einer Plausibili- täts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entsch eidend ist, ob die Gründe, die die Beschwerdegegnerin für die Notwendigkeit weiterer med izinischer Abklärungen anführt, plausi- bel erscheinen. Demnach greift das Gericht bei der Fr age der Notwendigkeit einer weiteren Be- gutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betraut en Verwaltung nur dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzungen vorliegen, eine Begu tachtung von vornherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die Beschwerdegegnerin bei ihrem Ent- scheid von sachfremden Motiven leiten liess (vgl. die Urtei le des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV], vom 10. Mai 2012, 72 0 11 393, E. 3, und 720 11 441, E. 3). 3.4 Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an denen drei oder mehr Fachdiszipli- nen beteiligt sind, haben nach dem Wortlaut von Art. 72 bis Abs. 1 der Verordnung über die Inva- lidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Verei nbarung getroffen hat. Gemeint sind die MEDAS im Sinne von Art. 59 Abs. 3 IVG. Die Vergab e der Aufträge erfolgt nach dem Zu- fallsprinzip (Art. 72 bis Abs. 2 IVV). Zu dessen Umsetzung hat das BSV die webba sierte Verga- beplattform SuisseMED@P eingerichtet, über welche der g esamte Verlauf der Gutachtensein- holung gesteuert und kontrolliert wird. 4.1 Die Beschwerdeführerin stellt die Berechtigung der Beschwerdegegnerin in Frage, die strittige Rentenrevision überhaupt einzuleiten. Sie ist der Meinung, dass nicht nur sie als Leis- tungsansprecherin, sondern im Umkehrschluss auch die Verwalt ung eine relevante Verände- rung glaubhaft zu machen hat, um eine umfassende Rentenüberprüfung vornehmen zu können. Weil diese Voraussetzung ihrer Auffassung nach nicht ge geben ist, erachtet sie die von der Beschwerdegegnerin bei der estimed AG angeordnete pol ydisziplinäre Begutachtung als unzu- lässig. 4.2 Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden. Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG kann die IV-Stelle eine Rente nicht nur auf Gesuch hin überprüfen, sondern ist darüber hinaus auch berechtigt, jederzeit und unabhängig davon, wie viel Zeit seit dem Erlass der zu revidie- renden Verfügung vergangen ist, von Amtes wegen ein R evisionsverfahren durchzuführen (vgl. ULRICH MEYER /M ARCO REICHMUTH , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014, N. 112 zu Art. 30-31 IVG). Soweit die Beschwerde führerin vorbringt, nur bei relevanter Veränderung könne ein Revisionsverfahren eingeleitet w erden, ist ihr entgegenzuhalten, dass Art. 87 Abs. 2 IVV das Eintreten auf eine Neuanmeldu ng der versicherten Person regelt, nach- dem die revisionsweise Erhöhung der Invalidenrente abgel ehnt bzw. eine Invalidenrente (we- gen eines zu geringen Invaliditätsgrades) ganz verweigert wurde. Vorliegend geht es aber nicht um eine Neuanmeldung (Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV), sond ern um eine materielle Neubeurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen, was jederzeit mögl ich ist (vgl. auch Urteil des Bun- desgericht vom 5. November 2015, 9C_213/2015, E. 4.2.2). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Die ursprüngliche Rentenzusprache im Jahr 2004 bzw. 2009 stützte sich im Wesentli- chen auf das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS Zentra lschweiz vom 17. Juni 2003. Im Rahmen dieser Begutachtung wurden auch Konsiliarberich te von Fachärzten der Psychiatrie und der Neuropsychologie eingeholt. Dabei wurden die folgenden Diagnosen gestellt: Ausge- prägtes zervicovertebrales und zervicozephales Schmerzsyndrom b ei anlagebedingter leicht- gradiger Asymmetrie C0/1 und C1/2, minimen degenerati ven Veränderungen (geringe Dis- kusprotrusion C6/7 dorso-rechts-lateral und leichte Foraminalstenose C6/7 rechts), ausgeprägte vegetative Symptomatik, chronifizierte Anpassungsstörung, mi ttelschwere Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit sowie diskrete Beschwerden b ei Status nach rezidivierenden Dis- torsionen des rechten OSG. In der zuletzt ausgeübten Täti gkeit erachteten die Gutachter die Beschwerdeführerin als noch zu maximal 20 % arbeitsfähi g, wobei vor allem die somatischen und etwas weniger auch die psychopathologischen Befunde limitierend seien. Als Hausfrau schätzte man die Arbeitsfähigkeit auf 50 % der Norm. In einer körperlich leichten, wechselbelas- tenden Tätigkeit attestierten die Gutachter der Beschwer deführerin eine 50 %-ige Arbeitsfähig- keit. Bis zur Einleitung des Revisionsverfahrens durch die B eschwerdegegnerin im Juni 2015 fanden keine weiteren gutachterlichen Abklärungen mehr statt. Im Rahmen des Revisionsver- fahrens wurde der Bericht von Dr. B.____ eingeholt, in welchem dieser der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit attestierte. Im Revisions fragebogen gab die Beschwerdeführerin eine vor ca. zwei bis drei Jahren eingetretene Verschlecht erung des Gesundheitszustands an. In der Folge wurde die Beschwerdeführerin am 17. Novem ber 2015 durch Dr. C.___ persönlich untersucht. Grundlage dieser Untersuchung bildete nebe n den archivierten medizinischen Un- terlagen die Erkenntnisse der erhobenen Anamnese. Dr. C.____ führte in seinem Bericht vom 20. Januar 2016 aus, dass die Versicherte insbesondere unter generalisierten Schmerzen leide, die sich pathophysiologisch kaum erklären liessen. Zudem leid e sie an kognitiven Einbussen. Weiter hielt er fest, dass die demonstrierten Defizite teilweise inkonsistent wirken würden. An- gesichts der Polymorbidität sowie aufgrund der geltend gemachten Verschlechterung des Ge- sundheitsschadens empfahl Dr. C.____ die Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung. 5.2 Angesichts dieser Aktenlage – das letzte Gutachten li egt über 14 Jahre zurück – er- scheint eine umfassende Abklärung im Sinne einer polydiszi plinären Begutachtung notwendig, um den aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführeri n sowie allfällige medizinische Veränderungen gegenüber dem Zeitpunkt der Rentenzusp rache rechtsgenüglich abzuklären. Von der Einholung einer „second opinion“ kann nicht gesp rochen werden. In Anbetracht der langen Zeitdauer, die seit der letzten umfassenden med izinischen Abklärung vergangen ist, erscheint die Vergabe eines Verlaufsgutachtens bei der ME DAS Zentralschweiz nicht als zwin- gend. Auch wenn die damaligen Gutachter noch immer dort tätig wären und für das Gutachten zur Verfügung stehen würden, ist aufgrund des Zeitablau fs kaum ein Vorteil daraus abzuleiten (vgl. zur Aussagekraft einer Verlaufsbegutachtung von mi t dem Fall schon vertrauten medizini- schen Vorgutachtern: Urteil des Bundesgerichts vom 15. September 2008, 8C_615/2008, E. 4.2). Die Beschwerdeführerin hat im Revisionsfrageboge n vom 8. Juni 2015 angegeben, dass sich ihr Gesundheitszustand seit zwei bis drei Jahren versch limmert habe, indem die Schmer- zen zugenommen hätten und neue Befunde wie ein Taubh eitsgefühl in den Beinen und dem Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nacken hinzugekommen seien. Auch zur Abklärung dieser neu en Beschwerden und deren all- fälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ist eine umfassende Begutachtung angezeigt. 5.3 Dem Argument der Beschwerdeführerin, die Beurteil ung durch Dr. B.____ mit der At- testierung einer 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit sei ausreichend und für die Beschwerdegegnerin bindend, kann nicht gefolgt werden. Es ist festzuhalten , dass die Beschwerdeführerin nach ei- genen Angaben ihren Hausarzt lediglich zweimal pro Ja hr aufsucht. Dies zeugt nicht von einer intensiven und umfassenden Betreuung, die der Einschätzun g von Dr. B.____ in beweisrechtli- cher Hinsicht zusätzlich Gewicht verleihen würde. Es erschein t somit als angebracht, die Dis- krepanz zwischen seiner Einschätzung einer 100 %-igen Arbe itsunfähigkeit und derjenigen der Beschwerdegegnerin von 50 % gutachterlich abklären zu lassen. 6. Zusammenfassend folgt aus dem Gesagten, dass beim lan gjährigen Rentenbezug der Beschwerdeführerin eine periodische Überprüfung des Re ntenanspruchs grundsätzlich not- wendig ist. Dieses Vorgehen drängt sich umso mehr auf, als im Rahmen der vorangehenden Revision keine eingehendere medizinische Abklärung vorgeno mmen wurde. Wenn die Be- schwerdegegnerin bei dieser Ausgangslage rund sieben Jahre später eine interdisziplinäre Be- gutachtung für angezeigt hält, handelt sie – mit Blick a uf die in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierte Abklärungspflicht – innerhalb des ihr zustehenden Ermesse nsspielraums, in den das Gericht nicht einzugreifen hat. Im Übrigen ist zu bemerken, dass zw angsläufig erst nach Vorliegen des Ergebnisses der Begutachtung beurteilt werden kann, ob die Untersuchung in dem Sinne not- wendig war, als sie zu einer Neubeurteilung des Renten anspruchs führen könnte, oder ob die Verhältnisse seit der letzten Begutachtung unverändert geblieben sind. Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführerin eine Begutachtung beschwerdebedi ngt nicht zumutbar wäre, liegen keine vor. Personenbezogene Ausstandsgründe hat die Besc hwerdeführerin nicht geltend ge- macht. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwer degegnerin bei der estimed AG eine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet hat. Die angefochtene Zwischenverfügung der Beschwerdegegnerin vom 18. Mai 2017 ist demnach zu best ätigen und die Beschwerde ist ab- zuweisen. 7. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeit en um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetzes über die Verf assungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfah renskosten in der Regel der unter- liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorl iegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tragen hat. Diese werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- ve rrechnet. Dem Ausgang des Verfah- rens entsprechend sind die ausserordentlichen Kosten wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn e ine Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur un ter den in Art. 93 Abs. 1 BGG ge- nannten Voraussetzungen zulässig. Wie das Bundesgericht n unmehr im Grundsatzurteil 138 V 271 festgestellt hat, sind kantonale Entscheide ü ber Beschwerden gegen Verfügungen der Verwaltung betreffend die Einholung von medizini schen Gutachten nicht an das Bundesge- richt weiterziehbar, sofern nicht Ausstandsgründe beurteilt worden sind. Der Entscheid darüber, ob die Voraussetzungen für eine Beschwerde im vorliegende n Fall erfüllt sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung e rfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht