B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-143/2011 U r t e i l v o m 7 . F e b r u a r 2 0 1 3 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2010 / N (…). D-143/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge am 12. März 2003 versteckt in einem TIR und gelangte am 17. März 2003 via unbekannte Länder illegal in die Schweiz, wo sie am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 2 1. März 2003 erhob das BF F in der damaligen Empfangsstelle (heute: Empfangs- und Verfahrenszentrum [EVZ]) Basel ihre Personalien und befragte sie summarisch zu ihrem Reiseweg sowie zu ihren Ausreisegründen. Mit Zwischenverfügung vo m 24. März 2003 wies sie das BFF für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton B._______ zu. Am 30. September 2003 befragte sie die zuständige ka n- tonale Behörde einlässlich zu ihren Asylgründen. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin – eine türkische Staatsangehörige kurdischer Ethnie aus C._______ – im Wesentlichen geltend, sie habe von 1992 bis 1994 Angehörige der PKK ("Partiya Karkerên Kurdistan"; "Arbeiterpartei Kurdistans") an ihrem eh e- maligen Wohnort in D._______ (E._______) mit Essen versorgt, weshalb die Özeltim, eine Spezialeinheit der türkischen Polizei, ihr Haus durc h- sucht und ihre Tiere getötet habe. In diesem Zusammenhang sei sie im Jahr 1994 festgenommen und ein Strafverfahren sei gegen sie eingeleitet worden. Währen d der fünfmonatigen Untersuchungshaft sei sie sehr schlecht behandelt und einmal vergewaltigt worden. Ihre Schultern und die Sehnen an ihren Handgelenken seien vom Aufhängen schwer b e- schädigt worden. Im Verlaufe des Jahres 1995 sei sie vom Staatssicher- heitsgericht (Devlet Güvenlik Mahkemeleri; DGM) F._______ freigespro- chen worden. Nach ihrer Entlassung aus der Haft sei sie von der Spezia l- einheit der türkischen Polizei aus D._______ vertrieben worden, worauf sie nach C._______ umgezogen sei. Dort sei sie Mit glied der HADEP ("Halkin Demokrasi Partisi"; "Partei der Demokratie des Volkes") gewo r- den, habe zunächst als Sekretärin und dann – ab 2002/2003 – im Vor- stand ("Exekutive") der Partei des Distrikts von G._______ (C._______) gearbeitet, wobei sie Treffen und Arbeitsgruppen organisiert respektive Pressekonferenzen vorbereitet habe. Seither sei sie immer wieder in G e- wahrsam genommen worden. Im Weiteren sei sie im Jahr 1997 bei der H._______, eine r der HADEP nahestehenden Zeitung, tätig gewesen, welche später von den türkischen Behörden geschlossen worden sei. An- fang des Jahres 2003, nachdem sie an einer Pressekonferenz in G._______ beziehungsweise in I._______ teilgenommen habe, sei sie von Personen, welche sich als Polizisten ausgewiesen hätten, in einem D-143/2011 Seite 3 Auto abgeführt, einvernommen, bedroht und belästigt worden. Diese Vor- fälle hätten bei ihr die Erinnerungen an die im Jahre 1994 erlittene Ve r- gewaltigung wachgerufen und ihre Angst vor weiteren Verhaftungen mas- siv verstärkt. Aus diesem Grund habe sie in der Türke i einen Arzt konsul- tiert, welcher bei ihr eine schwere Depression und ein Trauma diagnost i- ziert habe. Sie sei im Weiteren auch Mitglied des türkischen Mensche n- rechtsvereis IHD ("Insan Haklari Dernegi") gewesen. Die Beschwerdeführerin reichte im Vorfeld ihr er Erstanhörung verschi e- dene Beweismittel (unter anderem ein Arztrezept vom 6. Februar 2003, je eine beglaubigte Kopie der Anklageschrift des DGM F._______ vom 13. Juni 1994 , eines Befragungsprotokolls des Friedensstrafgerichts E._______ vom 16. Mai 1994 und eines Urteils des DGM F._______ vom 6. Juni 1995 sowie eine Kopie der Kandidatenliste für die Wahl in die Dist- riktsverwaltung der HADEP) ein, welche sämtlich in türkischer Sprache verfasst sind (vgl. Beweismittelumschlag A1 Ziffn. 1 bis 8). B. Mit Verfügung vom 18. Februar 2004 stellte das BFF fest, die Beschwer- deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte deren Asylg e- such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, die fünfmonatige Inhaftierung der Beschwerdeführerin im Jahr 1994 und die dabei erlittenen Misshandlungen seien zwar glau b- haft, hätten jedoch im Zeitpunkt ihrer mehr als acht Jahre später erfolgten Ausreise zeitlich zu weit zurück gelegen, um als ausreisebestimmend b e- ziehungsweise asylbeachtlich gelten zu können. Im Weiteren könne zwar nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin im Jahre 2003 zweimal wegen der von ihr geltend gemachten Aktivitäten bei der HADEP behördlich kurz angehalten worden sei. Indessen genügten diese Tätigkeiten und ihre Position in der ehemaligen HADEP – aus ihren A n- gaben gehe hervor, dass sie in der ehemaligen HADEP keine Position bekleidet habe, welche sie einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt hätte –, nicht, dass die Behörden sich grund sätzlich an ihr interessierten bezie- hungsweise die Beschwerdeführerin eine begründete Furcht haben mü s- se, allenfalls künftig ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu sein. Aus di e- sem Gru nde seien ihre Vorbringen nicht asylrelevant, weshalb deren Glaubhaftigkeit nicht geprüft werden müsse. C. Mit Eingabe vom 20. März 2004 erhob die Beschwerdeführerin mittels i h-D-143/2011 Seite 4 rer damaligen Rechtsvertreterin bei der vormalig zuständigen Schweizeri- schen Asylr ekurskommission (ARK) Beschwerde gegen die Verfügung des BFF vom 18. Februar 2004. Dabei beantragte sie die vollumfängliche Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft beziehungsweise die Gewährung von Asyl. Sie reichte dabei im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens zahlreiche sie betreffende medizinische Unterlagen ein. D. Mit Eingabe vom 27. Oktober 2005 teilte die vormalige Rechtsvertreterin der ARK mit, dass ihre Mandantin ihr soeben das Mandat mit sofortiger Wirkung entzogen habe. E. Mit an die ARK adressierter Eingabe vom 3. November 2005 notifizierte der jetzige Rechtsvertreter unter Beifügung einer entsprechenden A n- waltsvollmacht die Mandatsübernahme in vorstehender Angelegenheit. F. Mit Urteil vom 11. September 2009 (…) hiess das nunmehr zuständige Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde vom 20. März 2004 gut, hob die Verfügung des BFF vom 18. Februar 2004 auf und wies die Sache zur Durchführung der notwendigen Sachverhaltsabklärungen sowie zwecks neuer Entscheidfindung an die Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte das Gericht namentlich aus, die Vorinstanz habe einerseits die Vorbri n- gen der Beschwerdeführerin (Ereignis 1994/95 und Mitnahmen im Jahr 2003) zeitlich strikte getrennt und andererseits dem Umstand, dass die se auch für die Zeitspanne zwischen 1994/95 und 2003 behördliche Behell i- gungen geltend gemacht habe, in ihrem Entscheid nicht mitberücksichtigt, was unsorgfältig beziehungsweise nicht sachgerecht sei. Überdies habe die Beschwerdeführerin zunächst einige Ja hre als Sekr e- tärin in der Verwaltung der HADEP gearbeitet und sei zuletzt in den Pa r- teivorstand der Sektion C._______/G._______ gewählt worden, was sie mit der Abgabe einer Kopie der Liste mit den Kandidatinnen und Kandida- ten, auf welcher auch ihr Name auf geführt sei, habe untermauern kö n- nen. Weiter habe sie angegeben, zusammen mit anderen Frauen die Frauenarbeit der Partei organisiert respektive frauenspezifische Arbeiten betreut zu haben. Nach dem Gesagten könne nicht davon die Rede sein, dass die Beschwe rdeführerin "nur" ein einfaches Mitglied der HADEP gewesen sei, weshalb die Schlussfolgerung der Vorinstanz, die von ihr D-143/2011 Seite 5 bekleidete Position könne nicht als leitende Funktion erachtet werden, welche sie einem Verfolgungsrisiko im Sinne des Asylgesetzes aus ge- setzt habe, zu kurz greife. Zwar lass e die obige Darstellung der Aktivit ä- ten der Beschwerdeführerin für die HADEP noch nicht per se auf ein akt i- ves Mittun bei wichtigen politischen Geschäften innerhalb der Partei schliessen. Festzustellen sei indessen, d ass die Beschwerdeführerin a n- lässlich der Befragungen in diesem Zusammenhang von der Vorinstanz zu wenig spezifisch und konkret befragt worden sei. Das Bundesamt habe in seinem Entscheid in diesem Zusammenhang weiter ausgeführt, das türkische Verfassungsge richt in Ankara habe am 13. März 2003 das Verbot der HADEP verfügt und über 46 Führungsmi t- glieder der Partei ein fünfjähriges politisches Betätigungsverbot verhängt. Einfache Mitglieder seien nicht Opfer von Verfolgungshandlungen seitens der türkischen Beh örden geworden. Die Beschwerdeführerin könne i n- dessen, wie vorstehend dargelegt, aufgrund des bisher festgestellten Sachverhalts kaum als "einfaches Mitglied der HADEP" bezeichnet we r- den. Diesbezüglich mitentscheidend könne sodann der Umstand sein, dass die Beschwerdeführerin ihren Angaben zufolge am 12. März 2003 – mithin einen Tag vor dem gerichtlichen Parteiverbot der HADEP – aus der Türkei ausgereist sei und in der letzten Phase vor dem Parteiverbot, wäh- rend welcher von einer erhöhten Überwachungsintens ität seitens der tü r- kischen Behörden auszugehen sei, zumindest eine lokale Führungspos i- tion eingenommen haben dürfte. Nach Kenntnissen des Gerichts seien nämlich nicht nur nationale Kaderpersonen der HADEP ins Visier der B e- hörden gelangt, sondern in Einzel fällen auch solche , welche auf Krei s- ebene tätig gewesen seien. Hinsichtlich der Frage, ob die Beschwerdeführerin begründete Furcht vor künftigen asylrelevanten Behelligungen haben müsse, sei weiter zu b e- rücksichtigen, dass sie Mitte der 1990er Jahre in Unt ersuchungshaft – mutmasslich wegen des Verdachts der Unterstützung der PKK – gewe- sen und im Jahre 1995 freigesprochen worden sei . Sie habe in diesem Zusammenhang Kopien der Anklageschrift vom 13. Juni 1994, eines B e- fragungsprotokolls vom 16. Mai 1994 und d es Urteils des DGM F._______ vom 6. Juni 1995 zu den Akten gereicht. Die Vorinstanz habe weder diese Gerichtsdokumente übersetzt noch die Beschwerdeführerin näher zu den ihr von den türkischen Behörden vorgeworfenen Taten b e- fragt, weshalb dem BFM auch in diesem Punkt eine unsorgfältige respek- tive mangelnde Sachverhaltsabklärung vorzuwerfen sei. D-143/2011 Seite 6 Die sich nunmehr stellende , entscheidende Frage in Bezug auf den rel e- vanten Sachverhalt sei letztlich, ob die türkischen Behörden über die B e- schwerdeführerin möglicherweise bereits Mitte der 1990er Jahre und/oder später, als sie in den Distriktsvorstand der HADEP gewählt worden sei, ein politisches Datenblatt erstellt hätten. Nach Erkenntnissen des Bu n- desverwaltungsgerichts sei es bei einer solchen Sachlage durchaus denkbar, wenn nicht sogar naheliegend, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich fichiert worden sei. Kriterien für die Fichierung könnten unter anderen eine erfolgte Verhaftung aus politischen Gründen sein, dies auch, wenn das Verfahren nicht mit einer Verur teilung abgeschlossen worden sei. Eine Abklärung hinsichtlich der Frage der Existenz solcher Datenblätter sei praxisgemäss einzig im Rahmen einer Botschaftsabkl ä- rung möglich, was das Bundesamt jedoch unterlassen habe. Lediglich der Vollständigkeit halber s ei anzufügen, dass die Vorinstanz – wie in der Beschwerde ebenfalls zutreffend eingewandt worden sei – zu erörtern haben werde, ob die Beschwerdeführerin angesichts ihrer Vo r- bringen und namentlich des mittels Arztzeugnissen belegten schlechten psychischen Zustands im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus der Türkei alle n- falls einem unerträglichen psychischen Druck unterlegen habe. G. Mit Schreiben vom 22. September 2009 teilte das BFM dem Rechtsve r- treter der Beschwerdeführerin mit, dass es in Nachachtung des Urteils vom 11. September 2009 die Instruktion des vorliegenden Asylverfahrens wieder aufnehme und die Gesuchstellerin den Ausgang ihres Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. H. Mit Schreiben vom 1. Dezember 2009 führte das BFM bei der Schweizer Botschaft in Ankara hinsichtlich der Beschwerdeführerin weitergehende Abklärungen durch. Dabei ersuchte d as BFM die Schweizer Botschaft insbesondere um Abklärungen dahingehend, ob die türkischen Behörden ein Datenblatt bezüglich der Beschwerdeführerin erstellt hätten, ob sie in der Türkei formell gesucht werde und ob sie einem Passverbot unterst e- he. I. Mit Eingabe vom 14. Dezember 2009 wies der Rechtsvertreter – unter Beifügung eines entsprechenden Attests von Dr. med. J._______ (Ärztin in K._______) vom 9. Dezember 2009 – darauf hin, dass seine Manda n-D-143/2011 Seite 7 tin nach wie vor eine stützende psychiatrische Behandlung benötige, um ihre psychischen Probleme zu kontrollieren. Gleichzeitig ersuchte er die Vorinstanz, das seit nunmehr bald sieben Jahren hängige Verfahren zum Abschluss zu bringen. J. Mit Schreiben vom 16. Dezember 2009 sandte die Schweizer Botschaft in Ankara dem BFM die Abklärungsergebnisse zur Botschaftsanfrage vom 1. Dezember 2009 zu. Den Abklärungsergebnissen zufolge besteht über die Beschwerdeführerin kein Datenblatt. Sie wird weder von der Polizei noch der Gendarmerie gesucht. Sie unterliegt auch keinem Passverbot. Im Weiteren fügte die Schweizer Botschaft in ihrem Bericht vom 16. Dezember 2009 an, unter UV -Licht betrachtet weise der Nüfus der Beschwerdeführerin im Fotobereich ungewöhnliche Leim - beziehungs- weise Chemikalienspuren auf. K. Mit Begleitschreiben vom 19. Januar 2010 sandte das BFM dem Recht s- vertreter der Beschwerdeführerin die Abklärungsergebnisse der Schwe i- zer Botschaft vom 16. Dezember 2009 unter Abdeckung d er geheimzu- haltenden Stellen zu und räumte ihm Gelegenheit zur Einreichung einer Stellungnahme bis zum 29. Januar 2010 ein. L. Am 29. Januar 2010 reichte der Rechtsvertreter eine entsprechende Stel- lungnahme ein, dem er ein Referenzschreiben von L._______, einer frü- heren Gesinnungsgenossin der Beschwerdeführerin, vom 22. Januar 2010 beifügte. M. Mit Begleitschreiben vom 12. Februar 2010 reichte der Rechtsvertreter ein weiteres Referenzschreiben von Frau M._______ vom 10. Februar 2010 inklusive einer Ausweiskop ie) sowie einen Auszug aus dem Ei n- wohnermelderegister des Heimatdorfs seiner Mandantin vom 28. Januar 2010 und entsprechende französische Übersetzungen (vgl. Beweismittel- kuvert A1 Ziffn. 9 und 10) zu den Akten. N. Am 15. April 2010 sandte der Rechtsvertreter dem BFM erneut ein – un- datiertes – türkisches Referenzschreiben für seine Mandantin inklusive deutsche Übersetzung zu (vgl. Beweismittelkuvert A1 Ziff. 11) , wobei es D-143/2011 Seite 8 sich beim Schreibenden ( N._______) um den früheren Vorsitzenden der Sektion der HADEP von G._______/C._______ handle. O. Mit Verfügung vom 10. Dezember 2010 – eröffnet am 13. Dezember 2010 – stellte das BF M fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingse i- genschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. P. Mit Eingabe vom 10. Januar 201 1 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht mittels ihres Rechtsvertreters Beschwerde g e- gen die Verfügung des BFM vom 10. Dezember 2010. Darin beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Sie sei als Flüchtling anzuerkennen und e s sei ihr Asyl zu gewähren. Eventu ell sei festzustel- len, dass d ie Wegweisung (recte: der Wegweisungsvollzug) unzulässig und unzumutbar sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte die B e- schwerdeführerin, es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli- gen und es sei ihr in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu ernennen. Im Weiteren beantragte sie den Bei zug der Asylverfahrensakten von O._______ (N […]) und von P ._______ (N […]), welche zwischenzeitlich in der Schweiz beziehungsweise von europä i- schen Staaten als Flüchtlinge anerkannt worden seien und über ein äh n- liches politisches Profil und über eine ähnliche Verfolgungsgeschichte wie die Beschwerdeführerin verfügten. Der Rechtsvertreter legte der B e- schwerde die Kopie des von der ORS Service AG in B._______ für seine Mandantin ausgestellten Monatsbudgets Januar 201 1 bei und stellte die Nachreichung aktueller ärztlicher Berichte betreffend seiner Mandantin in Aussicht. Q. Am 1 4. Januar 2011 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ei n- gang der Beschwerde. R. Mit Verfügung vom 1 8. Januar 2011 hielt der Instruktionsrichter des Bu n- desverwaltungsgerichts fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Ausgang ihres Verfahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren hiess er das G e- such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) unter Vorbehalt einer allfälligen künftigen Ver-D-143/2011 Seite 9 änderung der finanziellen Lage der Beschwerdeführerin gut und verzic h- tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Demgegenüber wies er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung mangels Erforderlichkeit ab. Schliesslich forderte er die Beschwerdefü h- rerin auf, bis zum 2. Februar 2011 ein umfassendes ärztliches Zeugnis einzureichen, welches sich zu ihren gesundheitlichen Problemen, zur g e- stellten Diagnose, zum Krankheitsverlauf, zu de n erforderlichen Ther a- pien (inklusive Angaben zu den notwendigen Medik amenten), allfälligen Prognosen über den zukünftigen Krankheitsverlauf und zukünftig no t- wendigen Behandlungen äussere sowie zur Frage der Reisefähigkeit b e- ziehungsweise Behandlungsmöglichkeit im Heimatland. S. Mit Begleitschreiben vom 17. März 2011 reichte der Rechtsvertreter innert zweimalig erstreckter Frist einen vom 15. März 2011 datierenden ärztl i- chen Bericht von Dr. med. J._______ für die Beschwerdeführerin ein. Im Weiteren reichte er die Kopie eines auf die Person seiner Mandantin la u- tenden Teilzeitarbeitsvertrages der Firma Q._______ in B._______ vom 4. März 2011 zu den Akten. T. Mit Verfügung vom 21. März 2011 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur Einrei chung einer Vernehmlassung bis zum 5. April 2011 ein. U. Das BFM schloss in seiner Vernehmlassung vom 2 4. März 2011 auf Ab- weisung der Beschwerde. V. Das Bundesverwaltungsgericht stellte dem Rechtsvertreter der B e- schwerdeführerin die Vernehmlassung des BFM vom 24. März 2011 am 30. März 2011 zur Kenntnisnahme und allfälligen Replik zu. W. Mit Eingabe vom 13. April 2011 stellte der Rechtsvertreter dem Bunde s- verwaltungsgericht seine Stellungnahme zu. X. Mit Begleitschreiben vom 24. September 2011 reichte der Rechtsvertreter einen vom 15. September 2011 datierenden Therapiebericht des Ambula- toriums für Folter - und Kriegsopfer des Schweizerischen Roten Kreuzes D-143/2011 Seite 10 (SRK) ein. Ergänzend fügte er an, d er Therapiebericht mache insbeson- dere die bis heute and auernden psychischen Probleme seiner Mandantin und deren Auswirkungen auf ihr Aussageverhalten beziehungsweise auf die Möglichkeiten, dieses willentlich zu steuern, deutlich. Y. Mit Schreiben vom 13. Februar 2012 teilte der Rechtsvertreter mit, seine Mandantin habe sich in sprachlicher Hinsicht weitergebildet und besuche nunmehr durch Vermittlung des SRK R._______ einen berufsbegleite n- den Pflegerinnenkurs in einem Altersheim in S._______. Diese Ausbi l- dung werde sechs Monate bis Ende Juni 2012 dauern und mit e iner Dip- lomierung enden. Entsprechende Belege würden nachgereicht. Z. Mit Begleitschreiben vom 14. Februar 2012 reichte der Rechtsvertreter Kopien eines Arbeitszeugnisses der Firma Q._______ vom 26. Januar 2012, zweier Ausweise über den Besuch von Sprachkursen und des Aus- bildungsplans bezüglich des eben begonnenen Pflegekurses ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerd en gegen Verfügungen nach Art. 5 des VwVG. Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det im Bereich des Asylrechts endgültig, ausser, was vorliegend nicht z u- trifft, bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführen de Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders ber ührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än - derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG ). Auf die frist - und D-143/2011 Seite 11 formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (vgl. Art. 3 AsylG). 3.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseige n- schaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wah r- scheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbrin- gen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wide r- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Die Flüchtlingseigens chaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu - chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachtei- le von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürc h- ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure z u- gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiari tät des flüchtling s- rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland ke i- nen adäquaten Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurte i-D-143/2011 Seite 12 lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prü fung der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesen t- lich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 S. 507 f., BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., B a- sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 3.4 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010/44 E. 3.4 S. 620 f., Entscheidungen und Mitteilu n- gen der ehemaligen Schweizerischen Asylr ekurskommission [ EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). Begründete Furcht vor Verfolgung enthält eine subjektive und eine objektive Komp o- nente (vgl. WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 137 ff.; ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl., Bern/Stuttgart 1991, S. 108). Die sub- jektive Furcht vor Verfolgung muss auch objektiv begründet sein, d.h. sie muss angesichts der tatsächlichen Situation gerechtfertigt erschein en. Massgebend für die Bestimmung der begründeten Furcht ist allerdings nicht allein, was ein normal empfindender Mensch angesichts der g e- schehenen oder drohenden Verfolgungsmassnahmen zu Recht empfu n- den hätte. Diese rein objektive Betrachtungsweise ist zu sätzlich durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Dabei hat derjenige, der bereits früher Verfolgung ausgesetzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägte- re subjektive Furcht als jemand, der erstmals ernsthafte Nachteile erlebt (vgl. BVGE 2010/57 E 2.5 S. 827, BVGE 2010/44 E. 3.3 S. 620; EMARK 2000 Nr. 9 E. 5a S. 78; EMARK 1993 Nr. 11 E. 4c S. 71 f.; ACHER- MANN/HAUSAMMANN, a.a.O., S. 108). D-143/2011 Seite 13 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen damit, sie habe zufolge ihrer jahrelangen Tätigkeiten für die HADEP – seit Anfang des Jahres 2003 als dessen Vorstandsmitglied in G._______ – und gestützt auf die Tatsache, deswegen in den Mo naten Januar und Februar 2003 insgesamt dreimal behördlich angehalten worden zu sein, begründete Furcht, künftigen staatlichen Verfolgungsmassnahmen asy l- beachtlichen Ausmasses ausgesetzt zu sein. 4.2 Selbst wenn der Beschwerdeführerin zufolge der im Jahre 1994 mut- masslich erlittenen Vergewaltigung und weiteren Misshandlungen eine ausgeprägtere subjektive Furcht vor künftig drohenden ernsthaften Nachteilen zugebilligt wird, was im Ergebnis die Anforderungen an die ob- jektive Begründetheit der Verfolgungsfurcht he rabsetzt, bestehen vorlie- gend nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass die drei behördlichen Festnahmen der B e- schwerdeführerin zu Beginn des Jahres 2003 ein Ausmass erreicht h a- ben, welches die Furcht vor künf tiger Verfolgung objektiv als begründet erscheinen lässt. 4.2.1 In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die drei behördlichen Festnahmen nach Aussagen der Beschwerdeführe- rin jeweils nur eine bis wenige Stunden gedauert haben, was mit Gewiss- heit nicht der Fall gewesen wäre, wenn die heimatlichen Behörden in ihr ein exponiertes Mitglied der HADEP erkannt hätten. Im Weiteren hat die Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhörungen durch die Schweizer Asylbehörden nie geltend gemacht, dass ihr die Polizisten damals ihre Ernennung in den Vorstand der HADEP in G._______ vorgeworfen hät- ten, weshalb entgegen der Annahme in der Beschwerde (a.a.O. S. 8/9) nicht davon auszugehen ist , dass die drei Festnahmen in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrer parteiin ternen Beförderung gestanden haben. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass die damaligen kurzzeitigen Festnahmen der Beschwerdeführerin im Vorfeld des gerichtlichen Verbots der HADEP am 13. März 2003 vornehmlich bezweckt haben, diese – wie viele andere Pa rteigänger der HADEP auch – einzuschüchtern und de r- gestalt von weiterem politischen Agieren zugunsten dieser Partei abzu- halten. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass die drei kurzzeitigen Festna h- men der Beschwerdeführerin anfangs des Jahres 2003 auch zu weni g in- tensiv sind, um per se als in asylrechtlicher Hinsicht relevant gelten zu können. D-143/2011 Seite 14 4.2.2 Gegen eine objektiv begründete , sowohl aktuell wie auch im Zei t- punkt der Ausreise bestehende Verfolgungsfurcht sprechen aber auch die vom BFM nachträglich eingeholten Bot schaftsauskünfte. So haben die Abklärungen der Schweizer Botschaft in Ankara vom 16. Dezember 2009 ergeben, dass über die Beschwerdeführerin in der Türkei kein Datenblatt besteht, diese weder von der Polizei noch von der Gendarmerie gesucht wird und auch keinem Passverbot unterliegt. Damit ist einerseits gesagt, dass weder das im Jahr 1994 gegen die Be schwerdeführerin initiierte Verfahren vor dem DGM F._______ wegen Unterstützung der PKK noch deren anschliessende Aktivitäten im Schosse der HADEP zur Erstellung eines Datenblattes geführt haben, was darauf hinweist , dass die türk i- schen Strafverfolgungsbehörden ihr politisches Wirken als nicht pronon- ciert genug erachteten, um es als politisch verwerflich zu brandmarken. Andererseits spricht die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin weder polizeilich noch seitens der Gendarmerie gesucht wird, dafür, dass ihr früheres politisches Wirken auch nicht zur Initiierung eines Strafverfa h- rens geführt hat. So besehen, deutet – sowohl auf den aktuellen Zei t- punkt als auch jenen der Ausreise der Beschwerdeführerin aus der Türkei bezogen – nichts darauf hin, dass die heimatlichen Behörden ein tatsäch- liches Verfolgungsinteresse an ihr hatten. 4.2.3 Der Rechtsvertre ter wendet hiergegen zwar ein, es sei entgegen den Feststellungen der Botschaft davon auszugehen, dass die B e- schwerdeführerin wegen der gegen sie im Jahr 1994 eingeleite ten Straf- untersuchung als unbequeme Person fichiert worden sei. Darüber hinaus habe seine Mandantin nie geltend gemacht , es sei gegen sie im Zusa m- menhang mit ihren Aktivitäten für die HADEP ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren beziehungsweise ein e förmliche Strafuntersuchung eröffnet worden, was letztlich auch erkläre, dass sie weder polizeilich noch durch die Gendarmerie gesucht werde. Es treffe zwar zu, dass se i- ne Mandantin und ihre frühere Rechtsvertreterin bezüglich der Behell i- gungen im Jahr 2003 stets angegeben hätten, diese seien von der Polizei ausgegangen. Aus den protokollierten Schilderungen der Beschwerdefüh- rerin werde aber ersichtlich, dass sie nie von uniformierten, sondern durchwegs von zivilen Beamten angehalten und unter Druck geset zt wor- den sei. Es könne von seiner Mandantin wohl kaum erwartet werden, dass sie in der Lage sein müsste, die genaue Funktion dieser Beamten und deren Behördenzuständigkeit zutreffend festzustellen. Diese U m- stände liessen sich demnach ohne Weiteres mit der These vereinbaren, dass die von seiner Mandantin in Zukunft zu erwartenden Behelligungen von Seiten geheimdienstlicher Organisationen wie der MIT oder der J I-D-143/2011 Seite 15 TEM ausgehen könnten . Im Übrigen seien die Vertrauensanwälte der Schweizer Botschaft nicht in der Lage, in geheimdienstliche Registraturen Einblick zu nehmen, weshalb eine politische Fichierung der Beschwerd e- führerin auf dieser Ebene keinesfalls ausgeschlossen werden könne (vgl. Beschwerde S. 12 f. i.V.m. Stellungnahme vom 29. Januar 2010 S. 1 ff.). 4.2.4 Diese Einwendungen erscheinen nach Ansicht des Bundesverwa l- tungsgerichts indessen nicht geeignet, die Erkenntnisse der Botschaft als nicht stichhaltig erscheinen zu lassen. 4.2.4.1 Vorab ist mit Nachdruck zu betonen, dass die Botschaftsabkl ä- rungen zweifelsfrei ergeb en haben, dass in der Türkei über die B e- schwerdeführerin kein (politisches respektive gemeinrechtliches ) Daten- blatt angelegt worden ist. Demzufolge besteht für die von der Rechtsve r- tretung ohne plausible Begründung aufgestellte Gegenbehauptung, diese sei entgegen den von der Schweizer Botschaft gewonnenen Erkenntni s- sen trotzdem als unbequeme Person (politisch) fichiert, kein Raum. 4.2.4.2 Im Grundsatz als zutreffend erweist sich zwar die Feststellung der Rechtsvertretung, wonach mangels Anhebung eines aktuellen Str afver- fahrens auch nicht ersichtlich sei, weshalb seine Mandantin in der Türkei seitens der Polizei beziehungsweise der Gendarmerie gesucht sein sollte. Nichtsdestotrotz deutet gerade die Tatsache, dass gegen die Beschwe r- deführerin im Nachgang zu ihren poli tischen Aktivitäten zugunsten der HADEP kein Strafverfahren eröffnet worden ist, deutlich darauf hin, dass die heimatlichen Behörden ihr politisches Wirken nicht als exponiert g e- nug erachteten, um sie deswegen zur Verantwortung zu ziehen. Diese Tatsache aber lässt füglich den Schluss zu, dass die türkischen Behörden weder im Zeitpunkt der Ausreise noch aktuell ein relevantes Verfolgung s- interesse an der Person der Beschwerdeführerin hatten/haben, was kl a- rerweise gegen die von ihr behauptete begründete Verfol gungsfurcht spricht. 4.2.5 Hinsichtlich der Argumentation des Rechtsvertreters, seine Mandan- tin habe stets angegeben, jeweils von zivilen, also nicht uniformierten B e- amten angehalten und unter Druck gesetzt worden zu sein, was Raum für die Annahme lasse, die von ihr zu gewärtigenden zukünftigen Behelligun- gen könnten von Seiten geheimdienstlicher Organisationen ausgehen, ist Folgendes festzuhalten: Die Ausführungen der Beschwerdeführerin a n- lässlich ihrer Anhörungen lassen zwar darauf schliessen, dass sie im J a- nuar und Februar 2003 von zivilen, also nicht uniformierten Beamten a n-D-143/2011 Seite 16 gehalten worden ist. Nichtsdestotrotz hat die Beschwerdeführerin anläs s- lich ihrer Erstanhörung unmissverständlich ausgesagt, die in Zivil gekle i- deten Personen hätten sich ihr gegenüber im Januar und Februar 2003 jeweils als Polizisten ausgewiesen (vgl. act. A2 S. 4 und 5), was im E r- gebnis darauf schliessen lässt, es habe sich tatsächlich um Polizisten g e- handelt. Vor diesem Hintergrund zielt auch die sinngemässe Argument a- tion des Rechtsvertreters ins Leere, es wäre der Beschwerdeführerin a n- gesichts der von diesen Personen ausgehenden Drohungen auch gar nicht zumutbar gewesen, sich nach deren Behördenzugehörigkeit zu e r- kundigen (vgl. Beschwerde S. 12/13). So besehen entbehrt die ande u- tungsweise Behauptung des Rechtsvertreters, die Beschwerdeführerin sei im Januar und Februar 2003 nicht von Polizisten, sondern von Ang e- hörigen geheimdienstlicher Organisationen behelligt worden, weswegen sie auch in Zukunft entsprechende Behelligungen zu gewärt igen hätte (vgl. Beschwerde S. 13 oben), jeglicher Grundlage. 4.3 Der Rechtsvertreter macht im Weiteren geltend, seine Mandantin sei – im Kontext der im Jahr 1994 erlittenen Vorverfolgung – durch die drei behördlichen Anhaltungen im Jahre 2003 retraumatisiert worden, weshalb sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise unter einem unerträglichen psychischen Druck gelitten habe und deshalb ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen sei (vgl. Beschwerde S. 9/10 i.V.m. S. 11 oben). Er verwies in diesem Zusammenhang auf den im Rahmen des ersten Bes chwerdeverfahrens eingereichten, im Auftrag der türk i- schen Menschenrechtsstiftung TOHAV am 23. März 2004 verfassten B e- richt von Dr. T._______, wonach die psychischen und körperlichen B e- schwerden der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise zweifellos schwerwiegend gewesen seien und auf den traumatisierenden Erlebni s- sen des Jahres 1994, aber auch den andauernden und sich verschli m- mernden Behelligungen der Sicherheitskräfte in den ersten Monaten des Jahres 2003 beruht hätten (vgl. Beschwerde S. 11 oben). Wie dem Bericht von Dr. T._______ vom 23. März 2004 unter anderem zu entnehmen ist, wurde bei der Beschwerdeführerin bereits anlässlich einer ersten psychiatrischen Begutachtung am 8. Januar 2003 das Bestehen einer chronifizierten posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer schweren Depression festgestellt. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass die – zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt eingetretene – Chronifi- zierung der PTBS bereits vor den drei kurz en polizeilichen Anhaltungen der Beschwerdeführerin zwischen Mitte Januar 2003 und Februar 2003 bestanden hat , äusserte die Beschwerdeführerin sich anlässlich ihrer D-143/2011 Seite 17 Erstanhörung am 21. März 2003 doch unmissverständlich dahingehend, die drei kurzfristigen F estnahmen hätten sich zwischen dem 15. Januar und dem 18. Februar 2003 ereignet (vgl. act. A2 S. 4 f.) . Wohl lässt die möglicherweise schon seit Jahren bestehende Chronifizierung der ps y- chischen Erkrankung der Beschwerdeführerin aus subjektiver Sicht eine erhöhte Schreckhaftigkeit ihrer Person als durchaus verständlich ersche i- nen. Nichtsdestotrotz ist festzustellen, dass die drei kurzzeitigen Festhal- tungen zwischen Januar und Februar 2003, welche mit keine n Misshand- lungen verbunden waren, aus objektiver Sic ht keinen rechtsgenüglichen Anlass bilden, hieraus in einer Gesamtschau eine Situation eines une r- träglichen psychischen Drucks im asylrechtlichen Sinn e abzuleiten. Aus dem Gesagten folgt, dass sich die Beschwerdeführerin auch unter dem Aspekt eines unerträglichen psychischen Drucks im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG nicht auf ernsthafte Nachteile beziehungsweise eine begründete Furcht, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, berufen kann. 4.4 Der Rechtsvertreter vertritt sodann den Standpunkt, die Vorinstanz habe die von der Offizialmaxime gebotene Pflicht zur Sachverhaltsabkl ä- rung nicht ausreichend erfüllt, weil sie es unterlassen habe, eine aktuelle Abklärung des familiären Hintergrunds der Beschwerdeführerin vorz u- nehmen. So habe die Beschwerdeführerin schon be i der ersten Befr a- gung vom 21. März 2003 und bei der kantonalen Befragung darauf hi n- gewiesen, dass ein Bruder in Holland, eine Schwester in Grossbritannien und ein Neffe in der Schweiz leben würden. Zudem sei im März 2009 eine weitere Nichte, P ._______, in die Schweiz eingereist und später aufgrund der Dublin-Regeln nach Holland weggewiesen worden. Alle diese Pers o- nen seien von europäischen Staaten beziehungsweise von der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt worden. Mit Blick auf die Möglichkeit des B e- stehens eines Verfolgungsrisikos einer Anschluss - beziehungsweise Re- flexverfolgung werde deshalb darum ersucht, im vorliegenden Verfahren die Akten von O._______ (N […]) und P ._______ (N […]) zur Entscheid- findung beizuziehen. Diesem Ersuchen ist das Bundesverwaltungsgericht in der Folge nachgekommen, wobei sich aus den beigezogenen Akten das Nachstehende ergibt: 4.4.1 In der Tat kann es in der Türkei auch heute noch zu staatlichen R e- pressalien gegen Familienangehörige von politischen Aktivisten kommen, die als sogenannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im Si n- ne von Art. 3 AsylG sein können. Die Wahrscheinlichkeit einer asylrel e- vanten Reflexverfolgung hängt allerdings stark von den konkreten U m- ständen des Einzelfalles ab. Bedroht sind vor allem Personen, die sich of-D-143/2011 Seite 18 fen für politisch aktive Verwandte einsetzen (vgl. Urteile E - 8572/2010 vom 15. Mai 2012 E. 5.3.2, E -255/2009 vom 20. Januar 2012 E. 5.1, EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3 S.199 f.). 4.4.2 Die Beschwerdeführerin hat inde ssen anlässlich ihrer Anhörungen durch die Schweizer Asylbehörden nie geltend gemacht, dass sie vor i h- rer Ausreise aus der Türkei wegen der vorerwähnten Verwandten je einer Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen ist, weshalb auch die Wahrschei n- lichkeit, dass sie ihrer Verwandten wegen im Falle einer Rückkehr in die Türkei einer solchen ausgesetzt sein könnte, als minim einzuschätzen ist. Darüber hinaus ist den Asylverfahrensakten des in der Schweiz lebenden Neffen O._______ der Beschwerdeführerin zu entnehmen, dass dieser nicht über die originäre Flüchtlingseigenschaft verfügt, sondern in die Flüchtlingseigenschaft seiner zwischenzeitlich wieder von ihm geschi e- denen Ehefrau einbezogen worden ist; in der Folge hat er gar den Ve r- zicht auf seine ihm gewährte Flüchtlingseigenschaft erklärt, um zu seinem schwer erkrankten Vater in die Türkei zu reisen. Darüber hinaus geht aus dem Asyldossier der Nichte P ._______ der Beschwerdeführerin hervor, dass diese im Rahmen des Dublin -Verfahrens nach U._______ wegge- wiesen worden ist, ohne dass ihre Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz materiell geprüft wurde. 4.4.3 Nach dem Gesagten bestehen somit keine konkreten Hinweise, die darauf schliessen liessen, dass d ie Beschwerdeführerin wegen ihres fa- miliären Umfeldes mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft von Reflexverfolgungsmassnahmen ernsthaften Ausmasses b e- troffen sein könnte. Zusammenfassend ergibt sich, dass es de r Beschwerdeführerin nicht ge- lungen ist, nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, dass sie im Zei t- punkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus- gesetzt war oder begründete Furcht hat, solche Nachteile im Falle der Rückkehr in absehbarer Zukunft mit erheblicher Wahrscheinlichkeit e r- leiden zu müssen. Damit entfällt automatisch auch eine Prüfung der Asyl- vorbringen der Beschwerdeführerin unter dem Aspekt von sogenannten "triftigen Gründen" beziehungsweise "raisons impérieuse s" (vgl. B e- schwerde S. 16 Ziff. 12.2), da diese im Sinne einer Vorbedingung voraus- setzen, dass die Beschwerde führerin die Voraussetzungen für die Zue r- kennung der Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt ihrer Ausreise erfüllen müsste (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.7 S. 747). Das BFM hat ihr Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt. Es erübrigt sich deshalb, auf weitere Vorbri n-D-143/2011 Seite 19 gen in der Beschwerde einzugehen, da diese am Ergebnis nichts zu ä n- dern vermögen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeor dnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufn ahme von Aus- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandart wie bei der Flücht- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 S. 502, WALTER STÖCKLI, a.a.O., Rz 11.148). 6.2 6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n-D-143/2011 Seite 20 kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter u nd andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmens chlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulements nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigens chaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführe- rin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh- rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie im Falle einer Ausschaffung in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§. 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist der B e- schwerdeführerin unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen zur fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz ihrer Vorbringen nicht gelu n- gen. Auch die allgem eine Menschenrechtslage in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig e r- scheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist daher sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7. 7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die D-143/2011 Seite 21 vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.2 7.2.1 Gemäss Praxis führen medizinische Aspekte nur dann zur Unz u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, wenn eine notwendige medizin i- sche Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und sich da r- aus eine konkrete Gefährdung für die betroffene Person ergibt. Dabei muss eine allgemeine und dringliche mediz inische Behandlung, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist, verfügbar sein (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367, BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21). Demgegenüber liegt noch keine Unzumutbarkei t vor, wenn im Heimatstaat eine dem schweizer i- schen Standard nicht entsprechende medizinische Behandlung zur Ve r- fügung steht. 7.2.2 Wie dem auf einer mehrfachen ärztlichen Untersuchung der B e- schwerdeführerin in den Monaten Januar und Februar 2003 beruhenden, indessen erst am 23. März 2004 im Auftrag der türkischen Mensche n- rechtsstiftung endgültig verfassten Bericht von Dr. T._______ zu entneh- men ist, litt die Beschwerdeführerin bereits kurz vor ihrer Ausreise aus der Türkei an einer, zufolge zahlreicher Symptome verifizierten, chroni schen posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer schweren Depression, die medikamentös behandelt wurden. Im Weiteren ist dem ärztlichen B e- richt zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin an einer eingeschränk- ten Beweglichkeit der linken Schulter sowie an Schmerzen im rechten Fuss und am rechten Handgelenk leidet, wobei sie allem Anschein in der Vergangenheit auch am rechten Handgelenk operiert worden ist. Diese ärztlichen Feststellungen sind im Ergebnis mit der auch seitens der Vo r- instanz unbestritten geblieben Aussage der Beschwerdeführerin verein- bar, wonach sie im Jahre 1994 im Rahmen einer wegen des Vorwurfs der Unterstützung der PKK angeordneten Untersuchungshaft wiederholt an den Handgelenken aufgehängt und einmal vergewaltigt worden sei. 7.2.3 Weiters ergibt sich aus de n ärztlichen Bericht en von Dr. med. V._______/FMH Psychiatrie und Psychotherapie vom 7. April 2004 , von Dr. med. W._______/Kantonales Psychiatrisches Spital B._______, vom 9. Juni 2006 und vom 20. März 2006, von Dr. med. X._______/FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie vom 5. Juli 2007, von Dr. med. J._______ vom 15. März 2011 sowie von Dr. med. Y ._______/ Ambulatorium für Fol-D-143/2011 Seite 22 ter- und Kriegsopfer SRK, vom 15. September 2011 in einer Gesam t- schau, dass die Beschwerdeführerin sich seit dem Jahr 2003 in der Schweiz in psychiatrischer Behandlung befindet und – nach einem Selbstmordversuch im März 2005 und anschliessender einmonatiger Hospitalisierung im Kantonalen Psychiatrischen Spital in B._______ – ak- tuell sowohl einer medikamentösen als auch einer ambulanten psych o- therapeutischen Behandlung bedarf. Die Diagnose lautet auch im akt u- ellsten Bericht des Ambulatoriums für Folter - und Kriegsopfer SRK vom 15. September 2001 auf das Bestehen einer komplexen posttraumati- schen Belastungsstörung, die aufgrund des Umstandes, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach durch Erlebnisse während der Untersuchung s- haft im Jahr 1994 ausgelöst worden ist, als chronifiziert zu erachten ist. Es trifft zwar zu, dass zumindest eine medikamentöse Weiterbehandlung der psychischen Leiden der Beschwerdeführerin in der Türkei als möglich erscheint. Ihre Krankengeschichte lässt aber darauf schliessen, dass sie in absehbarer Zukunft auch dringend einer psycho therapeutischen B e- handlung bedarf, die in der Türkei zumindest ohne versicherungsrechtl i- che Abdeckung nicht ohne Weiteres erhältlich ist. Hinzu kommt, dass die unverheiratete und kinderlose Beschwerdeführerin zwischenzeitlich be i- nahe zehn Jahre in der Schw eiz lebt, weshalb – nicht zuletzt angesichts ihres Selbstmordversuchs im Jahr 2005 und ihrer durch die ärztlichen Be- richte wiederholt thematisierten pathologischen Schreckhaftigkeit bezie- hungsweise Ängstlichkeit als Folge länger zurückliegender Foltererle b- nisse sowie einer Vergewaltigung – nicht absehbar ist, ob eine Rückkehr in ihre Heimat bei ihr nicht zu einer starken Dekompensation bis hin zu einer akuten – aktuell in der Schweiz zu verneinenden (vgl. ärztlicher Be- richt des Z._______ vom 15. September 2011 S. 2) – Selbstmordgefahr führen könnte. 7.3 Vor dem Hintergrund des Gesagten gelangt das Bundesverwaltung s- gericht mit Blick auf die individuelle gesundheitliche Situation der B e- schwerdeführerin zum Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung ge- genüber der Beschwerdeführerin zum heutigen Zeitpunkt als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu erachten ist . Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Ausschlussgründen im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Voraussetzungen für die Anord- nung der vorläufigen Aufnahme erfüllt. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist, soweit sie die Frage des Wegweisungsvollzugs betrifft. Im Übrigen ist die D-143/2011 Seite 23 Beschwerde abzuweisen. Die Ziffern 4 und 5 der angefochtenen Verf ü- gung vom 10. Dezember 2010 sind demnach aufzuheben und das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt der Beschwerdeführenden nach den g e- setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 9. 9.1 Bei diesem Ausga ng des Verfahrens ist der Beschwerdeführerin grundsätzlich ein reduzierter Anteil der Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Die Beschwerdeführerin hat im Rahmen i h- rer Beschwerde ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Recht s- pflege gestellt, das vom Instruktionsrichter mit Verfügung vom 18. Januar 2011 - unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin – gutgeheissen worden ist. Die Be- schwerdeführerin hat zwar bis Ende Februar 2012 als Reinigungsange- stellte in der Firma Q._______ gearbeitet und hat nach Angaben ihres Rechtsvertreters vom 13. und 14. Februar 2012 einen Pflegerinnenkurs in einem Altersheim in S._______ besucht. Da derzeit keine aktiven E r- werbstätigkeiten der Beschwerd eführerin verzeichnet sind, ist sie inde s- sen als nach wie vor prozessual bedürftig zu betrachten, weshalb die ihr gewährte unentgeltliche Rechtspflege nicht zu widerrufen ist. Folgerichtig sind ihr keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 9.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann die Beschwerdeinstanz der obsie- genden Partei eine Parteientschädigung für die notwendigen und verhäl t- nismässig hohen Kosten zusprechen. Angesichts des teilweisen Obsi e- gens ist de r vertretenen Beschwerdeführer in eine reduzierte Parteien t- schädigung zuzusprechen (Art. 7 Abs. 2 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem der Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht hat, ist die Parteientschädigung auf Grund der Ak- ten festzulegen (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist die um die Hälfte zu kürzende Parteientschädigung auf Fr. 1000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen . Das BFM ist anzuweisen, de r Be- schwerdeführerin diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. D-143/2011 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Feststellung der Unz u- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragt wird. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 10. De- zember 2010 werden aufgehoben. 3. Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführerin vorläufig aufzune h- men. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientsch ä- digung von Fr. 1000.– auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand: