<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">450</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>91 Ortsbildschutz.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Rechtsmittelinstanz hat den kommunalen Entscheid über die Orts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bildverträglichkeit eines Bauvorhabens zu respektieren, wenn sich dieser</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht auf sachfremde Erwägungen stützt und als vertretbar erscheint.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 25. August 2010 i.S. B. und A.</span><br/> <span class="ft3">G. gegen den Entscheid des Stadtrats X. (RRB Nr. 2010-0001184)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">451</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.3</span><br/> <span class="ft1">Bei der Handhabung von Ästhetikvorschriften steht den kom-</span><br/> <span class="ft1">munalen Baubewilligungsbehörden ein erheblicher Ermessenspiel-</span><br/> <span class="ft1">raum zu; die Gemeinde darf in diesem Bereich den verfassungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Schutz, der ihr gestützt auf die Gemeindeautonomie zu-</span><br/> <span class="ft1">steht, beanspruchen (§ 106 Abs. 1 KV). Mit Rücksicht auf diese</span><br/> <span class="ft1">Autonomie der Gemeinden übt der Regierungsrat, gleich wie die</span><br/> <span class="ft1">richterlichen Rechtsmittelinstanzen, bei der Prüfung von kommuna-</span><br/> <span class="ft1">len Entscheiden bezüglich der guten Eingliederung bzw. der Orts-</span><br/> <span class="ft1">bildverträglichkeit grundsätzlich Zurückhaltung. Eine Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft1">instanz soll und darf dann nicht korrigierend einschreiten, wenn sich</span><br/> <span class="ft1">die ästhetische Wertung der Vorinstanzen auf vernünftige Gründe</span><br/> <span class="ft1">stützen lässt, selbst wenn andere, ebenfalls vertretbare Lösungen</span><br/> <span class="ft1">denkbar wären. Die Rechtsmittelinstanz darf in Fällen der vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Art das Ermessen der kommunalen Baubewilligungsbehörde</span><br/> <span class="ft1">nicht durch ihr Ermessen ersetzen. Die Zurückhaltung findet nur dort</span><br/> <span class="ft1">ihre Grenze, wo die Auslegung des Gemeinderats sich nicht mit den</span><br/> <span class="ft1">einschlägigen Rechtsgrundlagen vereinbaren lässt, überwiegende öf-</span><br/> <span class="ft1">fentliche und private Interesse entgegenstehen oder höherrangiges</span><br/> <span class="ft1">Recht tangiert wird (AGVE 2006 S. 187 f., Erw. 2.2.).</span><br/> <span class="ft1">Im Lichte dieser Rechtssprechung lässt sich der Entscheid des</span><br/> <span class="ft1">Stadtrats im Ergebnis aber nicht beanstanden. Der Stadtrat hat dar-</span><br/> <span class="ft1">gelegt, dass er ein über die ganze Parzellenlänge sich hinziehendes,</span><br/> <span class="ft1">Wohnzwecken dienendes Sockelgeschoss, welches optisch mit dem</span><br/> <span class="ft1">Nachbargebäude zusammengebaut wirke, als quartierfremd erachte;</span><br/> <span class="ft1">an der Y.-Strasse gebe es im unmittelbaren Strassenbereich sonst nur</span><br/> <span class="ft1">Garagengeschosse, und die Grünbereiche zwischen den Bauten wür-</span><br/> <span class="ft1">den - allenfalls befestigt mit Stützmauern - bis an die Strasse reichen</span><br/> <span class="ft1">und so das Quartierbild prägen. Aufgrund der Feststellungen an der</span><br/> <span class="ft1">Augenscheinsverhandlung lassen sich diese Überlegungen des Stadt-</span><br/> <span class="ft1">rats aber durchaus nachvollziehen, auch wenn den Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">renden zuzugestehen ist, dass die vorhandenen künstlichen Verände-</span><br/> <span class="ft1">rungen des Geländes auf den Nachbarparzellen - sei dies durch</span><br/> <span class="ft1">Stützmauern, sei dies durch als Garagen dienende Sockelgeschosse -</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">452</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">massiv sind und auch das Quartier mit prägen. Es hat sich an dieser</span><br/> <span class="ft1">Verhandlung jedoch auch gezeigt, dass sich heute an der Y.-Strasse</span><br/> <span class="ft1">auf dem Strassenniveau tatsächlich nur unbewohnte Garagen befin-</span><br/> <span class="ft1">den. Hinzu kommt - als entscheidendes Merkmal -, dass die eigent-</span><br/> <span class="ft1">lichen Wohnbauten an der Y.-Strasse (d.h. hangseitig die Haus-</span><br/> <span class="ft1">Nummern 8, 10, 12 und14 sowie talseitig die Haus-Nummern 5, 7, 9,</span><br/> <span class="ft1">11, 15, 17) die kleinen Grenzabstände grundsätzlich einhalten; eine</span><br/> <span class="ft1">Unterschreitung der kleinen Grenzabstände gleich auf zwei Seiten ist</span><br/> <span class="ft1">nirgends, nicht einmal bei den Garagen, anzutreffen, und zwischen</span><br/> <span class="ft1">den Wohnhäusern befinden sich auch von der Strasse aus erkennbar</span><br/> <span class="ft1">tatsächlich Grünbereiche. Dieser heute vorhandenen Bebauungsty-</span><br/> <span class="ft1">pologie entspricht das Bauvorhaben der Beschwerdeführenden aber</span><br/> <span class="ft1">tatsächlich nicht. Angesichts der vollständigen Aufhebung jeglichen</span><br/> <span class="ft1">Grenzabstands gegenüber den Parzellen 3528 und 3794 entstünde</span><br/> <span class="ft1">von der Y.-Strasse her in der Tat der Eindruck einer geschlossenen</span><br/> <span class="ft1">Bauweise. Es lässt sich rechtlich nicht beanstanden, dass der Stadtrat</span><br/> <span class="ft1">aus siedlungsgestalterischer Sicht eine solche Bauweise am</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Ort jedenfalls nicht als geboten zur Erreichung einer</span><br/> <span class="ft1">besseren Lösung beurteilt; dass die Parzelle 3535 überhaupt nicht</span><br/> <span class="ft1">überbaubar wäre, wenn die kleinen Grenzabstände eingehalten</span><br/> <span class="ft1">werden müssten, lässt sich auch nicht behaupten, nachdem die Par-</span><br/> <span class="ft1">zelle derzeit ja überbaut ist.</span><br/> <span class="ft1">Anlässlich der Augenscheinsverhandlung hielt der Ortsbild-</span><br/> <span class="ft1">experte des Departements Bau, Verkehr und Umwelt zwar fest, dass</span><br/> <span class="ft1">er nicht im gleichen Sinne wie der Stadtrat entschieden hätte; aller-</span><br/> <span class="ft1">dings bezeichnete auch er die stadträtliche Beurteilung als "nicht</span><br/> <span class="ft1">völlig verfehlt" und insofern als vertretbar, weshalb - wie dargelegt -</span><br/> <span class="ft1">ein Einschreiten der Rechtsmittelinstanz nicht als opportun erscheint.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.4</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend lassen sich somit - entgegen der Auffassung</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführenden - weder die sachverhaltlichen Feststel-</span><br/> <span class="ft1">lungen im angefochtenen Entscheid noch deren rechtliche Würdi-</span><br/> <span class="ft1">gung beanstanden. Die vom Stadtrat angeführten Gründe für die</span><br/> <span class="ft1">Nichterteilung einer Bewilligung zur Unterschreitung der kleinen</span><br/> <span class="ft1">Grenzabstände gegenüber den Parzelle 3528 und 3794 erweisen sich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">453</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">jedenfalls nicht als sachfremd, und der Stadtrat hat durch die Verwei-</span><br/> <span class="ft1">gerung der Baubewilligung für das geplante Doppeleinfamilienhaus</span><br/> <span class="ft1">das ihm aufgrund der Gemeindeautonomie zustehende Ermessen</span><br/> <span class="ft1">nicht überschritten bzw. die kommunalen Rechtsgrundlagen nicht</span><br/> <span class="ft1">missachtet. Die gegen den stadträtlichen Entscheid erhobene Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde ist daher abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>