Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 3. Februar 2016 (810 15 261) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Christian Haidlauf, Niklaus Ruckstuhl , Jgnaz Jermann , Gerichtsschreiber Stefan Suter Beteiligte A.____ , Beschwerde führerin , vertreten durch Marco Albrecht , Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz C.____ , Beschwerdegegner, vertreten durch Corinne Gadola und Dr. J. Schneider-Marfels, Advokaten Betreff Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts, Än derung der Besuchsre- gelung (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 28. August 2015) A. A.____ und C.____ sind die Eltern von D.____ (ge b. 1999) und E.____ (geb. 2006). Ihre Beziehung ist seit Jahren konfliktbeladen und für beide Kinder bestehen seit 2001 resp. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2008 Erziehungsbeistandschaften. Mit Entscheid des Bezirksg erichts F.____ vom 13. März 2013 wurde die Ehe der Eltern geschieden und die elterliche Sorge über die Kinder gemeinsam bei den Eltern belassen. Gemäss der vom Gericht genehmig ten Vereinbarung über die Schei- dungsfolgen verblieb D.____ in der Obhut des Vaters u nd E.____ in der Obhut der Mutter, wo- bei dem anderen Elternteil jeweils ein Besuchsrecht eingeräumt wurde. B. Am 22. April 2015 regelte die Kindes- und Erwachse nenschutzbehörde B.____ das Besuchsrecht zwischen Tochter und Vater für die folgenden vier Monate - im Sinne einer Pro- bezeit - neu dahingehend, dass E.____ jedes zweite Woch enende sowie jeweils Montag-, Mitt- woch- und Freitagnachmittag (inkl. Mittagessen und Übernachtung) bei ihrem Vater verbringt. In der Folge informierte die Beiständin die Behörde am 14. Juli 2015 und nochmals am 14. August 2015 darüber, dass sich die Kindsmutter der Umsetzung der Besuchsregelung verweigere und dass sich aufgrund ihres auffälligen Verhaltens die Frage einer Kindeswohlgefährdung stelle. Am 27. August 2015 teilte sie schliesslich mit, dass es tag s zuvor zu einer weiteren Eskalation gekommen sei, als die Tochter kurz in der Wohnung der Mutter vorbeigegangen sei, um Bücher zu holen. Dabei sei es zwischen den beiden zu einem Stre it gekommen, in deren Verlauf das Kind nach draussen in das Auto des auf sie wartenden Va ters geflüchtet sei. Die Kindsmutter sei ihr gefolgt, sei neben dem abfahrenden Auto zu Fal l gekommen und habe sich verletzt. E.____ habe ausgesagt, dass sie sich vor ihrer Mutter fü rchte und zur Zeit lieber bei ihrem Va- ter leben möchte. C. Mit Verweis auf diese Vorkommnisse entzog die Kinde s- und Erwachsenenschutz- behörde B.____ (KESB) mit Verfügung vom 28. August 2 015 A.____ das Recht, über den Auf- enthaltsort ihrer Tochter E.____ zu bestimmen. Sie ste llte fest, dass die faktische Obhut bei deren Vater C.____ liege. Gleichzeitig hob sie die Fe stlegung der Besuchsregelung vom 22. April 2015 auf und sistierte das Besuchsrecht der Mut ter bis zum 14. September 2015. Ei- ner allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung. D. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Marco Albrecht , Advokat, mit Eingabe vom 14. September 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abt eilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragt, der angef ochtene Entscheid sei aufzuheben. Dies habe unter o/e-Kostenfolge zu geschehen, wobei ihr die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bewilligen sei. Weiter sei der Besch werde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, eventuell sei der Beschwerdeführerin umgehe nd ein Besuchsrecht zuzusprechen. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, der Vorfal l vom 26. August 2015 habe sich anders als von der Beiständin geschildert abgespielt. Nicht sie h abe sich in Anwesenheit des Kindes rücksichtslos verhalten, sondern der Vater. Sie habe das K indeswohl nicht gefährdet, weshalb der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts durch die Vorinstanz rechtswidrig erfolgt sei. E. Die KESB stellt in ihrer Vernehmlassung vom 14. Okto ber 2015 den Antrag, die Be- schwerde sei unter o/e-Kostenfolge abzuweisen. Eventualit er sei der Beschwerdeführerin ein Besuchsrecht gemäss der von der Beiständin erarbeiteten provisorischen Regelung zu gewäh- ren. Sie weist insbesondere darauf hin, dass für ihre Beurteilung der akuten Kindeswohlgefähr- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung nicht der ungeklärte genaue Geschehensablauf der Ereignisse vom 26. August 2015 zent- ral gewesen sei, sondern die Aussage des Kindes, wonach es vor seiner Mutter Angst habe. F. Der Kindsvater C.____, vertreten durch Corinne Gad ola und Dr. Jascha Schneider- Marfels, Advokaten, stellt mit Vernehmlassung vom 30. O ktober 2015 das Begehren, die Be- schwerde sei unter o/e-Kostenfolge vollumfänglich abzu weisen. Eventualiter sei der Beschwer- deführerin ein Besuchsrecht gemäss einer noch einzuholend en Empfehlung der KESB einzu- räumen. Es sei ihm weiter die unentgeltliche Rechtspfle ge zu gewähren. Der Beschwerdegeg- ner führt zusammenfassend aus, seine Tochter äussere akt enkundig seit geraumer Zeit den Wunsch, bei ihrem Vater leben zu dürfen. Dieses Anlieg en sei angesichts der langen Vorge- schichte nicht abwegig. Die schwierige seelische Verfassun g der Beschwerdeführerin gefährde das Kindeswohl und habe die Obhutsumteilung erforderlich gemacht. G. Die KESB regelte mit unangefochten gebliebener V erfügung vom 28. Oktober 2015 das Besuchsrecht der Beschwerdeführerin und räumte ihr mit ihrem Einvernehmen ein begleite- tes Besuchsrecht für ihre Tochter ein. H. Mit Verfügung vom 6. Januar 2016 wurde der Fall zu r Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung an die Kammer überwiesen. Zudem wurden die Gesuche der Beschwerdeführe- rin und des Beschwerdegegners um Gewährung der unentgel tlichen Prozessführung und Ver- beiständung bewilligt. I. Am 8. Januar 2016 nahm das Kantonsgericht ein von der Vorinstanz in Auftrag ge- gebenes Gutachten der Kinder- und Jugendpsychiatrie G. ____ vom 5. Januar 2016 zu den Ak- ten. J. Die Beiständin reichte dem Kantonsgericht am 14. Ja nuar 2016 aufforderungsge- mäss einen vom 11. Januar 2016 datierten Bericht zur aktuellen Situation von E.____ ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgeset zbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB kann ge gen Entscheide einer Kindesschutzbe- hörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werd en. § 66 Abs. 1 des kantonalen Ge- setzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden nach Art. 450 Abs. 1 ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht, für zuständig. Das Verfah ren richtet sich nach den Art. 450 ZGB bis Art. 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmunge n des kantonalen Verwaltungspro- zessrechts anwendbar (§ 66 Abs. 2 EG ZGB). Demnach ist d ie Fünferkammer der Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Be- schwerde zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungsprozess- ordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 A bs. 2 ZGB sind Personen zur Be- schwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff . 1), die der betroffenen Person nahe ste- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht hen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Intere sse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerde führerin ist als direkt Verfahrensbe- teiligte zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch d ie übrigen formellen Voraussetzungen gegeben sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwe rde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Kindesschutzmassnahmen bezwecken im Allgemeinen die Abw endung einer Ge- fährdung des Kindeswohls (C YRIL HEGNAUER , Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, Rz. 27.09). Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Kin desschutzbehörde die geeigneten Mass- nahmen zum Schutz des Kindes, wenn das Wohl des Kindes ge fährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder sie dazu ausserstande si nd. Von einer Gefährdung des Kindeswohls wird nach herrschender Auffassung dann ausgegangen, wenn nach den konkreten Umständen die ernstliche Möglichkeit einer gegenwärtig en oder zumindest unmittelbar bevor- stehenden Gefahr für die Kindesentwicklung abzusehen ist, die bei ihrer Fortdauer eine erhebli- che Beeinträchtigung des physischen oder psychischen Wohls de s Kindes voraussehen lässt (PETER BREITSCHMID , in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser [ Hrsg.], Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch, 5. Aufl., Basel 2014, Art. 307 Rz. 18; A LBERT GULER , in: Jo- lanta Kren Kostkiewicz et al. [Hrsg.], Orell Füssli Komme ntar zum Zivilgesetzbuch, 2. Aufl., Zü- rich 2011, Art. 307 Rz. 5; P ATRICK FASSBIND , Systematik der elterlichen Personensorge in der Schweiz, Basel 2006, S. 357). Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Kindesschutzbehörde, wenn einer Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werde n kann, dieses den Eltern wegzu- nehmen und in angemessener Weise unterzubringen. Die Gefährdung muss darin liegen, dass das Kind in der elterlichen Obhut nicht so geschützt und gefördert wird, wie es für seine körper- liche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre. U nerheblich ist, auf welche Ursachen die Ge- fährdung zurückzuführen ist: Sie können in den Anlagen od er in einem Fehlverhalten des Kin- des, der Eltern oder der weiteren Umgebung liegen. D esgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Verschulden an der Gefährdung trifft. Massgebend sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Anordnung. Alle Kindesschutzmassnahmen müssen erforderlich sein (Subsidiarität), und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Massnahme a nzuordnen (Proportionalität); diese sollen elterliche Bemühungen nicht ersetzen, sondern ergä nzen (Komplementarität, vgl. Art. 389 ZGB i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZGB, siehe zum Ga nzen HEGNAUER , a.a.O., Rz. 27.10 ff.). Die Entziehung der elterlichen Obhut ist daher nur zulä ssig, wenn andere Massnahmen ohne Erfolg geblieben sind oder von Vornherein als ungenüge nd erscheinen (vgl. Urteil des BGer 5A_701/2011 vom 12. März 2012 E. 4.2.1, in: FamPra.ch 2012, S. 821 mit weiteren Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung). 4.1 Aus den vorinstanzlichen Akten geht hervor, dass verschie dene Personen das Ver- halten der Beschwerdeführerin im August 2015 als auffäl lig erlebten. So berichtete die Beistän- din bereits am 14. Juli 2015 von einem gleichentags dur chgeführten Gespräch, in dessen Ver- lauf die Beschwerdeführerin affektiv massiv von einem Extr em ins andere gekippt sei. Die Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführerin sei abwechselnd abwesend und verschroben (wahnhaft) und dann wieder zugänglich, dialogfähig und orientiert aufgetreten. S ie habe auch seltsame Aussagen gemacht, etwa als sie von einer Operation nach der Geburt ihrer Tochter berichtet habe, als sie "mit Lö- chern im Bauch dagelegen sei und alle sie nur ausgelacht" hätten (vgl. E-Mail der Beiständin an die KESB vom 14. Juli 2015). Aus dem E-Mail der Beistä ndin an die KESB vom 14. August 2015 geht hervor, dass die Beschwerdeführerin wiederho lt an die KESB gelangt war und dem Kindsvater sexuelle Übergriffe und versuchten Mord vorgewo rfen hatte. Der Kindsvater melde, dass die Mutter ihr Kind jeweils übel beschimpfe, wenn er es abholen komme. Auch der Priester der Kirchgemeinde H.____, der die Beschwerdeführerin se it zwei Jahren kennt und begleitet, gab an, die Beschwerdeführerin sei im August 2015 wäh rend zwei oder drei Wochen total im Ungleichgewicht gewesen. Sie habe absurde Dinge behau ptet, wie zum Beispiel, dass ihr Ex- Mann und die Sekretärin der H.____ ein Paar seien. S ie habe sich darüber hinaus verfolgt ge- fühlt. Ihr behandelnder Orthopäde habe von psychotisc hen Symptomen gesprochen (vgl. Gut- achten der Kinder- und Jugendpsychiatrie G.____ vom 5. Januar 2016, S. 6). Am 26. August 2015 kam es schliesslich zum verfahrensauslösenden Vorfall, als die Tochter vor ihrer Mutter in das Auto des auf sie wartenden Vaters flüchtete. Die Gu tachterin schliesst aus der Fremd- anamnese, dass die Beschwerdeführerin im August 2015 an einer psychotischen Episode gelit- ten habe und dass dies aufgrund der Angaben der Beteil igten bereits zuvor wiederholt vorge- kommen sein müsse. Die Wahrnehmungsstörungen hätten einen negativen Einfluss auf E.____s Entwicklung. Sie könnten zu unverständlichen Reakti onen und Wutausbrüchen mit körperlicher Gewalt führen und E.____ verängstigen. Im Gespräch mit der Gutachterin brachte E.____ denn auch zum Ausdruck, dass sie sich davor fürchte, mit ihrer Mutter alleine zu sein. Diese sei krank und habe sie schon oft an den Haaren ger issen oder sie auf den Fussboden gezogen. Die Gutachterin erachtet die geäusserten Äng ste für real und berechtigt und bejaht gestützt auf die Akten und ihre eigenen Sachverhaltser hebungen eine Kindeswohlgefährdung. E.____s Entwicklung im emotionalen, schulischen und körperl ichen Bereich sei bei einem Ver- bleib bei der Kindsmutter gefährdet. 4.2 Das Gutachten der Kinder- und Jugendpsychiatrie G.__ __ vom 5. Januar 2016 ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allse itigen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben. Die gutachterliche Beurteilung der Situation leuchtet ein und die Schlussfolgerungen der Gutachterin erscheinen ohne Weiteres nachvollziehbar. Somit ist davon auszugehen, dass E.____s Kindeswohl unter der Obhu t der Mutter zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung gefährdet war. Die Beschwerde führerin hat sich entgegen ihren wie- derholten Beteuerungen im Laufe des Verfahrens bis heu te nicht psychiatrisch untersuchen lassen, obwohl eine psychiatrische Abklärung und Betreuun g dringend angezeigt wäre. Sie brachte im Gespräch mit der Gutachterin zum Ausdruck, sie kö nne sich zwar an ihren schlech- ten Gesundheitszustand im August 2015 erinnern, wolle d as Geschehene aber lieber verdrän- gen. Sie braucht gemäss der Gutachterin indes zwingend eine psychiatrische Behandlung mit Psychotherapie und wahrscheinlich Medikation. Die Gutach terin führt weiter aus, die Be- schwerdeführerin habe bei ihr einen verunsicherten und bedürftigen Eindruck hinterlassen. Ihre eigenen Bedürfnisse und ihre Einsamkeit seien im Vordergrund gestanden. Es sei nicht zu spü- ren gewesen, dass sie sich in die Ängste ihrer Tochter ein fühlen könne. Dass die Problematik von Wahnvorstellungen weiterhin im Raum steht, wird zusä tzlich von dritter Seite bestätigt: Wie Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beiständin in ihrem Kurzbericht vom 11. Januar 2016 ausführt, habe die Beschwerdeführe- rin gemäss den Angaben des Kindsvaters ihrem Sohn über die Weihnachtsfeiertage erzählt, er habe einen Zwillingsbruder, von dem er nichts wisse; der Tochter habe sie gesagt, dass ihr Bruder im Mutterleib versucht habe, diesen Zwillingsbru der mit dem Ellbogen zu töten. Die massgeblich auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführer in zurückzuführende Gefähr- dung des Kindeswohls dauert augenscheinlich auch heute noch an. 4.3 Die Beschwerdeführerin argumentiert in der Beschw erdebegründung im Wesentli- chen, die Vorinstanz gehe von einem falschen Sachverhalt hinsichtlich der Auseinandersetzung vom 26. August 2015 aus. Es treffe nicht zu, dass die Besch werdeführerin während dieses Streits dem wegfahrenden Auto nachgerannt sei, dabei h ingefallen sei und sich verletzt habe. Vielmehr rührten ihre Verletzungen daher, dass der Ki ndsvater losgefahren sei, als sie sich noch am Auto festgehalten habe. Der Kindsvater habe si ch in dieser Situation rücksichtslos verhalten und eine Traumatisierung seiner Tochter in Kauf genommen. Er und nicht sie habe das Kindeswohl massiv gefährdet. Was die Beschwerdeführerin gegen den Entscheid der Vor instanz vorbringt, verfängt nicht. Wenn sie vorliegend davon ausgeht, dass der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts einzig wegen eines isolierten Vorfalls am 26. August 2015 erfolgt sei, so blendet sie zunächst den Ge- samtkontext mit der vorgehend aufgezeigten Vorgeschichte und den Begleitumständen aus. Die Beschwerdeführerin bestreitet die von mehreren beteil igten Personen unabhängig voneinander geschilderten weiteren Vorfälle und Auffälligkeiten n icht. Ebenso wenig äussert sie sich zu den vorinstanzlichen Ausführungen, wonach bei der Beschwerdef ührerin der Verdacht gravierender psychischer Schwierigkeiten nahe liege, welche eine Gefäh rdung des Kindeswohls mit sich bringe. Sie übersieht weiter, dass die Vorinstanz die Kindeswohlgefährdung im Zusammenhang mit dem Vorkommnis vom 26. August 2015 (zu Recht) darin erblickt hat, dass sich die Tochter vor der Beschwerdeführerin gefürchtet hatte und vor ihr in das Auto des Vaters geflüchtet war. Wie der Beschwerdegegner zutreffend ausführt, ist es u nerheblich, was genau zwischen den Kindseltern vorgefallen ist und wer die Schuld an der Auseinandersetzung trägt. Der Hinweis der Beschwerdeführerin auf den Beschwerdegegner als Veru rsacher ihrer Verletzungen geht deshalb so oder anders fehl. 5. Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz im vorliegenden F all zu Recht von einer Kin- deswohlgefährdung durch die Beschwerdeführerin ausgegan gen. Eine andere, weniger ein- schneidende Massnahme als der verfügte Entzug des Aufentha ltsbestimmungsrechts hätte das Kindeswohl von Vornherein nur unzureichend geschützt. Ins besondere ist die Beschwerdefüh- rerin zurzeit offenkundig nicht in der Lage, die von ihr ausgehende Gefährdung aus eigener Kraft resp. unter Zuhilfenahme professioneller Unterstü tzung abzuwenden, da sie bei der Diag- nose und der dringend angezeigten Behandlung ihrer g esundheitlichen Probleme nicht mit den Fachpersonen kooperiert. Die Voraussetzungen für die A ufhebung der elterlichen Obhut ge- mäss Art. 310 Abs. 1 ZGB sind deshalb erfüllt. Wie im Gu tachten ausgeführt wird, unterstützt der Kindsvater E.____ in den schulischen Angelegenheiten , er bietet ihr eine klare Tagesstruk- tur, gesundes Essen und Motivation für Bewegung, weshalb sie bei ihm gut aufgehoben ist. Die Beiständin attestiert E.____ im Kurzbericht vom 11. Jan uar 2016 eine positive Entwicklung seit Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Obhutsumteilung zum Vater. Des Weiteren entspricht die von der Vorinstanz getroffene Lösung dem Kindeswillen, hat doch E.____ aktenkundig vo r und nach dem Vorfall vom August 2015 mehrfach den Wunsch geäussert, bei ihrem Vater wo hnen zu dürfen. Die von der Vor- instanz im vorliegenden Fall getroffenen Kindesschutzmassn ahmen erweisen sich als recht- mässig und sachgerecht. Die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen. 6. Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache w ird der Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin auf Wiederherstellung der aufschiebe nden Wirkung der Beschwerde ge- genstandslos. Durch die zwischenzeitlich erfolgte einvernehmliche Neugestaltung des Besuchs- rechts ist auch der Eventualantrag auf Einräumung eines Besuchsrechts gegenstandslos. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- sind vorlie gend der Beschwerdeführerin aufzuer- legen und gehen zufolge Bewilligung der unentgeltlich en Prozessführung zu Lasten der Ge- richtskasse. 7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Gemäss dem Ausgang des Verfahrens ist dem anwaltlich vertretenen Beschwerdegegner antragsgemäss eine Parteien tschädigung zu Lasten der Be- schwerdeführerin zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin des B eschwerdegegners macht in ihrer Honorarnote vom 15. Dezember 2015 ein Honorar für 8 .5 Stunden und Auslagen von Fr. 38.-- geltend, was nicht zu beanstanden ist. Der R echtsvertreter führt in seiner Honorarnote vom 18. Januar 2016 einen Zeitaufwand von über 8 Stund en auf, wobei darin auch künftige Leistungen im Hinblick auf eine Parteiverhandlung aufge führt sind. Da im vorliegenden Fall kei- ne Parteiverhandlung stattgefunden hat, ist sind diese Positionen nicht zu berücksichtigen. Da- rüber hinaus fällt auf, dass der überwiegende Teil sei ner verrechneten Leistungen aus Akten- studium zur Einarbeitung in das Mandat bestand, was a uf seine bürointerne Mandatsübernah- me am 15. Dezember 2015 zurückzuführen ist. Dieser Aufwand kann nicht im Rahmen der Par- teientschädigung vom Prozessgegner eingefordert werden . Die Mandatsübernahme erfolgte zudem zu einem Zeitpunkt, als keine weiteren Eingaben a n das Gericht mehr anstanden. Die Bemühungen des Rechtsvertreters können bei der Bemessung der Parteientschädigung somit nur zu einem kleinen Teil berücksichtigt werden. Insgesamt erscheint vorliegend ein Honorar für beide Rechtsvertreter von pauschal Fr. 2'000.-- gerechtfertigt. Demzufolge hat die Beschwerde- führerin dem Beschwerdegegner eine reduzierte Parteie ntschädigung in der Höhe von insge- samt Fr. 2'000.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) auszuri chten. Die übrigen Parteikosten sind wettzuschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng ist dem Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. In seiner Honorarnote vom Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 18. Januar 2016 macht der Rechtsvertreter einen Zeitaufw and von 9 Stunden und Auslagen von Fr. 38.90 geltend, was der Sache angemessen erschein t. Beim nach § 3 Abs. 2 der Tarif- ordnung für die Anwältinnen und Anwälte [TO] vom 17 . November 2003 zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz für unentgeltliche Verbeiständung von Fr. 200.-- resultiert daraus ein aus der Gerichtskasse auszurichtendes Gesamthonorar in der Höhe von Fr. 1'986.-- (inkl. Aus- lagen und 8 % MWST). 7.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in d er Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner ein e reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'000.-- (inkl . Auslagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Die übrigen Parteikosten werden wettge- schlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'986.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) aus der Ger ichtskasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiber