<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2020.00715</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=220814&amp;W10_KEY=13013479&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2020.00715</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 02.12.2020</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Familiennachzug</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Familiennachzug: Nachweis des elterlichen Sorgerechts. Als ungeschriebene Voraussetzung für den Familiennachzug muss dem nachziehenden Elternteil das Sorgerecht über das Kind zukommen (E. 2.1). Vorliegend wurden die von der Beschwerdeführerin eingereichten Zivilstandsdokumente einem Vertrauensanwalt der Schweizer Botschaft in Bangladesch unterbreitet. Dieser erklärte, das Affidavit, wonach sich der Kindsvater einverstanden erkläre, dass sein Sohn zu seiner Mutter in die Schweiz ziehe, sei als Sorgerechtsnachweis ungenügend. Die Mutter müsse einem Familiengericht die Zuteilung der elterlichen Sorge beantragen. Im Beschwerdeverfahren reichte die Beschwerdeführerin erneut ein Affidavit ein, welches dieselbe Erklärung des Vaters enthält und von einem Senior Judicial Magistrate genehmigt wurde (E. 2.2). In Bangladesch ist auf Fragen der elterlichen Sorge islamisches Recht anzuwenden, wenn die Beteiligten (wie hier) Muslime sind. Der Vater ist alleiniger gesetzlicher Vertreter des Kinds. Der Mutter steht die tatsächliche Personensorge zu, welche auch nach einer eventuellen Scheidung vom Vater fortbesteht. Soll von diesen Regeln abgewichen werden, muss die Mutter einen entsprechenden Antrag bei einem Familiengericht stellen. Dies ist vorliegend nicht geschehen, weshalb die Mutter weiterhin nicht über das elterliche Sorgerecht verfügt (E. 2.3). Abweisung. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BANGLADESCH">BANGLADESCH</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ELTERLICHE SORGE">ELTERLICHE SORGE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FAMILIENNACHZUG">FAMILIENNACHZUG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SORGERECHTSNACHWEIS">SORGERECHTSNACHWEIS</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 44 AIG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=50754" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2020.00715</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">2. Dezember 2020</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Elisabeth Trachsel, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Jsabelle Mayer. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B,</span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Familiennachzug,</span></b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">A, geboren 1986, ist StaatsangehÃ¶rige von Bangladesch. GestÃ¼tzt auf die Ehe mit dem im Kanton ZÃ¼rich niedergelassenen Landsmann C wurde ihr am 6. Juni 2016 eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. A hat aus einer frÃ¼heren Beziehung mit D den Sohn E, geboren 2007, StaatsangehÃ¶riger von Bangladesch. Am 1. MÃ¤rz 2018 stellte E bei der Schweizer Botschaft in F unter Beilage verschiedener Zivilstandsdokumente einen Visumsantrag zur Einreise in die Schweiz zum Verbleib bei seiner Mutter. Nach Eingang des Familiennachzugsgesuchs Ã¼bermittelte das Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich die Zivilstandsdokumente an die Schweizer Auslandvertretung in F, um sie einer EchtheitsprÃ¼fung zu unterziehen. Ferner verlangte es von A einen auf Echtheit beglaubigten gerichtlichen Sorgerechtsnachweis fÃ¼r E im Original. Die in der Folge eingereichte Scheidungsurkunde erachtete das Migrationsamt fÃ¼r ungenÃ¼gend, sodass es A erneut dazu aufforderte, einen Sorgerechtsnachweis zu erbringen. Darauf reichte die Kindsmutter weitere Unterlagen ein, welche zur ÃberprÃ¼fung der Echtheit und des Sorgerechts an die Schweizer Botschaft weitergeleitet wurden. Die Schweizer Botschaft unterbreitete die Unterlagen schliesslich einem Vertrauensanwalt. GestÃ¼tzt auf dessen Bericht vom 16. April 2019 informierte die Schweizer Botschaft das Migrationsamt mit Schreiben vom 26. Mai 2019 darÃ¼ber, dass die eingereichten Heirats- und Scheidungsdokumente teilweise gefÃ¤lscht worden seien und bezÃ¼glich der eidesstattlichen ErklÃ¤rungen des Kindsvaters erhebliche Zweifel an deren Echtheit bestÃ¼nden. Zudem habe der Kindsvater nach muslimischem Scharia-Recht das Sorgerecht und die Obhut Ã¼ber seine Kinder. Die eidesstattliche ErklÃ¤rung des Vaters reiche nicht aus, damit ein Kind in die Obhut der Mutter gelange. Die Mutter mÃ¼sse ihren Fall einem Familiengericht in Bangladesch unterbreiten, welches Ã¼ber die Sorge- und Obhutszuteilung entscheide. Nach GewÃ¤hrung des rechtlichen GehÃ¶rs wies das Migrationsamt das Einreisegesuch fÃ¼r E mit VerfÃ¼gung vom 31. Oktober 2019 ab. Dies in der ErwÃ¤gung, A sei nicht im Besitz des elterlichen Sorgerechts fÃ¼r E. Zudem wÃ¼rde das Ehepaar A/C nicht Ã¼ber ausreichende finanzielle Mittel verfÃ¼gen, um den Lebensunterhalt fÃ¼r sich und drei Kinder zu bestreiten.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Urteilstext">Einen hiergegen erhobenen Rekurs von A wies die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 16. September 2020 ab. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 14. Oktober 2020 beantragte A (nachfolgend: die BeschwerdefÃ¼hrerin) dem Verwaltungsgericht, der angefochtene Rekursentscheid sei aufzuheben und das Migrationsamt anzuweisen, ihrem Sohn E eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei ihr zu erteilen. Eventualiter sei die Sache zur ergÃ¤nzenden SachverhaltsabklÃ¤rung an die Vorinstanz zurÃ¼ckzuweisen. Subeventualiter sei das Verfahren zu sistieren; alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen.</p> <p class="Urteilstext">WÃ¤hrend die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion auf Vernehmlassung verzichtete, ging keine Beschwerdeantwort des Migrationsamts ein.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼berschreitung oder Ermessensunterschreitung und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden (§ 20 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Nach Art. 44 des AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 (AIG, in der bis 31. Dezember 2018 gÃ¼ltigen Fassung) kann ledigen Kindern unter 18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a), eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b) und sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c). Zudem muss der Nachzug fristgerecht geltend gemacht werden (vgl. Art. 73 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 Ã¼ber Zulassung, Aufenthalt und ErwerbstÃ¤tigkeit [VZAE]). DarÃ¼ber hinaus darf der Nachzug nicht rechtsmissbrÃ¤uchlich erscheinen und kein Widerrufsgrund nach Art. 62 AIG vorliegen (BGE 137 I 284 E. 2.7). Als ungeschriebene Voraussetzung fÃ¼r den Familiennachzug muss dem nachziehende Elternteil zudem das Sorgerecht Ã¼ber das Kind zukommen, wobei die zivilrechtlichen Regeln und Begebenheiten zu beachten sind (BGr, 25. MÃ¤rz 2020, 2C_917/2019, E. 4.2.2; BGE 137 I 284 E. 2.3.1 mit Hinweisen; VGr, 17. April 2014, VB.2014.00001, E. 6). Art. 44 AIG legt die Bewilligung des Familiennachzugs ins behÃ¶rdliche Ermessen. Ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung kann sich aber aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) garantierten Schutz des Familienlebens ergeben, wenn eine auslÃ¤ndische Person nahe Verwandte mit einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat und die familiÃ¤re Beziehung tatsÃ¤chlich gelebt wird (vgl. BGE 137 I 284 E. 2.6; BGr, 8. April 2019, 2C_835/2018, E. 4.1).</p> <p class="Urteilstext">Die BeschwerdefÃ¼hrerin hat gestÃ¼tzt auf ihre Ehe mit dem hier niedergelassenen Landsmann einen Anspruch auf VerlÃ¤ngerung ihrer Aufenthaltsbewilligung und verfÃ¼gt somit Ã¼ber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht. Da die familiÃ¤re Beziehung mit ihrem Sohn tatsÃ¤chlich gelebt wird, kann sie sich grundsÃ¤tzlich auf Art. 8 EMRK berufen. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Fraglich ist, ob der BeschwerdefÃ¼hrerin die elterliche Sorge Ã¼ber E zukommt:</p> <p class="Urteilstext">Mit Affidavit vom 22. November 2017 erklÃ¤rte sich der Kindsvater einverstanden, dass sein Sohn zu seiner Mutter in die Schweiz ziehe. Der Vertrauensanwalt der Schweizer Botschaft Ã¤usserte sich in seinem Bericht vom 16. April 2019 zur Frage, ob diese Zustimmung in einem Affidavit ausreichend sei, um das Kind ins Ausland zu bringen sowie zur Frage, ob vorliegend der Vater nach bengalischem Recht weiterhin alleiniger Obhutsinhaber sei, wie folgt:</p> <p class="Urteilstext"><span> </span><span>"In Law â the father is the natural and legal guardian of this child but this affidavit is not sufficient for the mother to take this child abroad. It needs to be examined by the Court that the father has; in fact; consented to this effect since the signatures in two affidavits are different<b>. The mother needs to file a family suit for guardianship and custody impleading the father. If the suit is successful â only then she can take this child abroad. </b>[Hervorhebung hinzugefÃ¼gt]</span></p> <p class="Urteilstext"><span>It is presumed that usually the father has the sole custody of male child on or above seven years of age but the recent High Court case laws suggest the opposite â denying exclusive custody of father. [...] In view of that â we would say that the father does not have the sole custody."</span></p> <p class="Urteilstext">Im Schreiben vom 26. Mai 2019 machte sich die Schweizer Botschaft diese AusfÃ¼hrungen zu eigen. Basierend darauf kam die Vorinstanz zum Schluss, die BeschwerdefÃ¼hrerin habe trotz mehrfacher Aufforderung bis heute kein gÃ¼ltiges gerichtliches Dokument betreffend Sorgerecht und Obhut Ã¼ber E einreichen kÃ¶nnen. Auch habe sie nicht dargelegt, dass sie ein entsprechendes Verfahren am zustÃ¤ndigen Familiengericht in Bangladesch angestrebt habe. Mangels zweifelsfrei gerichtlich festgestellten Sorgerechts fehle es an einer zwingenden Voraussetzung fÃ¼r den Familiennachzug. </p> <p class="Urteilstext">Im Beschwerdeverfahren reichte die BeschwerdefÃ¼hrerin erneut ein Affidavit, datierend vom 23. September 2020, ein, in welchem der Kindsvater D gegenÃ¼ber dem <i>Senior Judicial Magistrate </i>des Gerichts G in Bangladesch bekrÃ¤ftigt, er habe keinerlei EinwÃ¤nde dagegen, dass die Kindsmutter ihren gemeinsamen Sohn in die Schweiz bringe und sich um dessen Unterhalt kÃ¼mmere. Das Affidavit ist versehen mit den Passfotos des Kindsvaters und des Sohns der BeschwerdefÃ¼hrerin. Die BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼hrt dazu aus, diese gerichtlich dokumentierte eidesstattliche ErklÃ¤rung mÃ¼sse unter BerÃ¼cksichtigung der Aussagen des Vertrauensanwalts als hinreichender Sorgerechtsnachweis gewertet werden. Denn gestÃ¼tzt auf die Aussagen des Vertrauensanwalts kÃ¶nne davon ausgegangen werden, dass der Vater â angesichts eines neueren Gerichtsentscheids â nicht Ã¼ber das alleinige Sorgerecht verfÃ¼ge und sie, die BeschwerdefÃ¼hrerin, somit Ã¼ber das (geteilte) Sorgerecht bzw. Obhut verfÃ¼ge. Sie stelle daher den Antrag, das Affidavit der Schweizer Botschaft in F zur ÃberprÃ¼fung zu Ã¼bermitteln. </p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b>In Bangladesch ist auf Fragen der Vormundschaft und elterlichen Sorge islamisches Recht anzuwenden, wenn die Beteiligten (wie hier) Muslime sind. Sowohl bei Sunniten als auch bei Schiiten ist der Vater der alleinige gesetzliche Vertreter des Kinds. Der Mutter steht nach sunnitischem Recht die tatsÃ¤chliche Personensorge bei mÃ¤nnlichen Nachkommen bis zur Erlangung des siebten Lebensjahrs und bei MÃ¤dchen bis zum Erreichen der PubertÃ¤t zu. Bei den Schiiten endet das Personensorgerecht der Mutter bei Jungen bereits nach Vollendung des zweiten und bei MÃ¤dchen nach Vollendung des siebten Lebensjahrs. Das Personensorgerecht der Mutter besteht auch nach einer eventuellen Scheidung vom Vater fort, soweit er die Kontrolle als alleiniger gesetzlicher Vertreter ausÃ¼ben kann, sodass die Mutter nicht berechtigt ist, das Kind gegen seinen Willen an einen anderen Ort zu bringen.<span> </span>Soll von diesen Regeln abgewichen werden, muss die Mutter einen entsprechenden Antrag gemÃ¤Ã dem Guardians and Wards Act 1890 stellen. Dieser stellt das Wohlergehen des Kinds als massgebliches Kriterium ins Zentrum (Alexander Bergmann/Murad Ferid/Dieter Henrich, Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, LÃ¤nderbericht Bangladesch [Stand 1.1.2010], S. 50 f.). Nach Sec. 5 lit. e der Verordnung zur Errichtung von Familiengerichten vom 30. MÃ¤rz 1985 (deutsche Fassung abgedruckt in Bergmann/Ferid/Henrich, S. 70 ff.) ist das Familiengericht ausschliesslich zustÃ¤ndig fÃ¼r Klagen im Bereich Vormundschaft und Pflegschaft von Kindern. Das Familiengericht gilt als Bezirksgericht im Rahmen des Guardians and Wards Act 1890. </p> <p class="Urteilstext">GemÃ¤ss bengalischem Recht steht somit die elterliche Sorge grundsÃ¤tzlich dem Vater zu. Eine AbÃ¤nderung des Sorgerechts scheint jedoch mÃ¶glich, wenn eine entsprechende Klage der Mutter beim Familiengericht eingereicht wird. Die AusfÃ¼hrungen zur Rechtslage in Bangladesch decken sich auch mit den Aussagen des Vertrauensanwalts der Schweizer Botschaft, wonach die Mutter eine Klage hinsichtlich elterlicher Sorge ("guardianship") und Obhut ("custody") einreichen mÃ¼sse (siehe E. 2.2). Selbst wenn die Eltern vorliegend Ã¼ber eine geteilte Obhut verfÃ¼gen wÃ¼rden, wie die BeschwerdefÃ¼hrerin in der Beschwerde ausfÃ¼hrt, liegt eben gerade kein geteiltes oder alleiniges Sorgerecht der Mutter vor. Daran Ã¤ndert auch das neu eingereichte Affidavit vom 23. September 2020 nichts. Die Mutter kommt nicht umhin, bei einem Familiengericht die Ãbertragung des elterlichen Sorgerechts an sie zu beantragen. Eine Ãbermittlung des Affidavits zur EchtheitsprÃ¼fung kann somit unterbleiben. Ebenso besteht kein Raum fÃ¼r eine RÃ¼ckweisung an die Vorinstanz oder eine Sistierung des Verfahrens.</p> <p class="Urteilstext">Da es mangels elterlichen Sorgerechts an einer unabdingbaren Voraussetzung fÃ¼r den Familiennachzug fehlt, ist die Beschwerde abzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Urteilstext">Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 65a VRG) und steht dieser keine ParteientschÃ¤digung zu (§ 17 Abs. 2 VRG).</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Urteilstext">Zur Rechtsmittelbelehrung des nachstehenden Dispositivs ist Folgendes zu erlÃ¤utern: Soweit ein Anwesenheitsanspruch betreffend den Sohn der BeschwerdefÃ¼hrerin geltend gemacht wird, ist Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) zu erheben (vgl. Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG e contrario; BGE 139 I 330 E. 1.1). Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde gemÃ¤ss Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde im Sinn der ErwÃ¤gungen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>