B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1848/2012/sps U r t e i l v o m 3 1 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Sara Steiner. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, vertreten durch B._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 15. März 2012 / N (…). D-1848/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit Schreiben vom 8. Oktober 2011 an das BFM ersuchten die Rechts- vertreterin und die Schwester des Beschwerdeführers (C._______, N […]) für den Beschwerdeführer und dessen Mutter D._______ (N […]; Verfahren D-1845/2012) um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl. Zur Begründung des Gesuches wurde im Wesentlichen geltend gemacht, er sei in Eritrea verfolgt worden, weil er zu einer bekennenden christl i- chen Familie geh öre. Drei seiner Brüder seien umgekommen. Ihm sei 2010 nach zwölf Jahren Militärdienst die Flucht nach Uganda gelungen. Seine Mutter sei vom 11. Februar bis zum 31. Mai 2011 ohne Kontak t- möglichkeit zur Familie im Gefängnis gewesen. Nachdem sie die Nac h- richt erhalten habe, dass auch ihr jüngster Sohn vor Wochen im Gefän g- nis gestorben sei, habe sie am 31. August 2011 das Land verlassen und sei zu ihm nach Uganda gekommen. Er habe keine Bewilligung für ein Leben in Uganda und lebe in ständiger Angst, auch da v erfolgt zu we r- den. B. Mit Schreiben vom 3. November 2011 forderte das BFM die Rechtsvertre- terin auf, eine Vollmacht einzureichen. C. Mit Schreiben vom 13. November 2011 teilte die Rechtsvertreterin dem BFM mit, sie habe die notwendigen Vo llmachten dem Beschwerdeführer per E-Mail gesendet, dieser habe sie unterschrieben und am 7. November 2011 zum Schweizer Konsulat in Kampala gebracht (vgl. BFM-Akten der Mutter des Beschwerdeführers N […] A4). D. Am 16. November 2011 ging die Vollmacht beim BFM ein. E. Mit Schreiben vom 22. Dezember 2011 teilte das BFM der Rechtsvertr e- terin mit, im vorliegenden Verfahren könne keine Befragung stattfinden, da es in Uganda keine schweizerische Vertretung gebe, durch welche Be- fragungen durchgeführt werden könnten. Das BFM unter breitete ihr des- halb eine Reihe von konkreten Fragen zur Abklärung des Sachverhaltes. D-1848/2012 Seite 3 F. Am 27. Dezember 2011 nahm die Rechtsvertreterin zu den Fragen des BFM Stellung. Dabei wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei von 1996 bis 2010 im Militär gewesen. 20 06 sei er ein Jahr lang im Militärgefängnis gewesen, weil man ihn beim Lesen einer Bibel angetroffen habe. Seither sei er zu- nehmend Schikanen und Gefahren ausgesetzt gewesen. Drei seiner Brü- der seien im Militärdienst gestorben. Im August 2010 sei er ohne P apiere aus dem Militär weggegangen und habe das Land zu Fuss verlassen, zu- nächst in den Sudan und von da mit einem Bus nach Uganda. Dort habe er sich beim UNHCR gemeldet und einen Ausweis bekommen. Dieser müsste erneuert werden, in den letzten Monaten würd en aber keine neu- en Ausweise oder Verlängerungen ausgestellt, es sei denn, man bezahle viel dafür. Er habe keine Möglichkeit , in Uganda legal zu wohnen und zu arbeiten. In diesem Jahr sei er auch schon dreimal kurz verhaftet worden. Er lebe in ständiger Angst vor weiteren Verhaftungen. G. Mit Verfügung vom 15. März 2012 – eröffnet am 16. März 2012 – verwei- gerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. H. Mit Eingabe vom 5. April 2012 erhob die Rechtsvertreterin gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In materieller Hinsicht wurde beantragt, die angefochtene Verfügung des BFM sei au f- zuheben, die Flüchtlingseigenschaft sowie die Bezie hungsnähe des Be- schwerdeführers zur Schweiz beziehungsweise zur Schwester anzuer- kennen und Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um G e- währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20 . Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses ersucht. Weiter seien die Kontaktaufnahme mit den Behörden von Eritrea oder Uganda und die Weitergabe von Daten an diese zu unterla s- sen. I. Mit Verfügung vom 13. April 2012 hiess der damals zuständige Instrukt i- onsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege D-1848/2012 Seite 4 im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. J. In seiner Vernehmlassung vom 17. April 2012, welche dem Beschwerde- führer am 24. April 2012 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt das BFM an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. K. Mit Eingabe vom 12. Juli 2012 wurde ergänzende Ausführungen zur B e- schwerde gemacht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes v om 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Zur Beschwerde legitimiert ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur T eilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schut z- würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Vorliegend stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer D-1848/2012 Seite 5 am vor instanzlichen Verfahren teilgenommen hat, gilt doch das Stellen eines Asylgesuchs als relativ höchstpersönliches Recht, das vertretung s- feindlich ist (vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil BVGE E-3162/2011 vom 6. Dezember 2011 E. 4.3.2). Das Schreiben vom 8. Oktober 2011, durch welches das erstinstanzliche Asylverfahren einge- leitet wurde, trägt zwar lediglich die Unterschrift der Rechtsvertreterin und der Schwester des Beschwerdeführers. Auf A ufforderung des BFM ging jedoch am 16. November 2011 bei diesem eine Originalvol lmacht ein, welche der Beschwerdeführer persönlich unterschrieben und am 7. November 2011 beim Schweizer Konsulat in Kampala abgegeben ha t- te. Somit ist von einem persönlichen Auftreten vor einer schweizerischen Behörde auszugehen und die Legitimation zu bejahen. Auf die ansonsten frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG) ist nach dem Gesagten einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unrichti ge oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die asylsuchende Person im Auslandverfahren in der Regel zu befragen. Davon kann nu r abgewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisatori- schen beziehungsweise kapazitätsmässigen Gründen nicht möglich ist. Falls die Befragung nicht durchge führt werden kann, muss die ein Ge - such stellende Person – soweit möglich und notwendig – mittels eines in- dividualisierten und konkretisierten Schreibens aufgefordert werden, ihre Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen. Dabei ist sie auf die allfällige Konsequenz eines negativen Entscheids infolge Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht aufmerksam zu machen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5). 3.2 Das BFM hat keine Befragung durchgeführt, den damit einhergehen - den Ver fahrensumständen jedoch im Rahmen der Zwischenverfü gung vom 22. Dezember 2011 Rechnung getragen. Dabei verwies es auf d ie Unmöglichkeit der Befragung und stellte einen individuellen Fragenkat a- log auf. Der Beschwerdeführer konnte mit Eingabe vom 27. Dezember 2011 entsprechend Stellung nehmen. Den verfahrensrechtlichen Vorau s- setzungen wurde damit genügend Rechnung getragen, das recht liche Gehör des Beschwerdeführers wurde praxisgemäss gewahrt. D-1848/2012 Seite 6 4. 4.1 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsort zu bleiben od er in einen anderen Staat auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib na- mentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutzbedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Ra s- se, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei - len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hin - weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 4.3 Für die Erteilun g einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus - setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zu - kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische und objektive Zumutbarkeit zur ander - weitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungsmö g- lichkeiten in der Schweiz in Betracht zu ziehen. Ausschlag gebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der b e- troffenen Personen, mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wurde und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Da uer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet werden kann (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/10). 5. 5.1 Zur Begründung ihres Entscheides führte die Vorinstanz aus, die A n- wesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz sei vorliegend nicht e r- forderlich, da der Sachverhalt vollständig festgestellt und eine unmittelba- re Gefährdung auszuschliessen sei. Die Schilderungen des Beschwerde- führers liessen zwar darauf schliessen, dass er ernstzunehmende D-1848/2012 Seite 7 Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt habe. Indessen liege ein Auss chlussgrund gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG vor. Denn der Beschwerdeführer befinde sich seit September 2010 in Uganda und sei dort vom UNHCR registriert worden . Auf Nachfrage des BFM, weshalb ein weiterer Verbleib in Uganda nicht möglich beziehungsweise nicht zu- mutbar sei, habe der Beschwerdeführer angegeben, eine Verlängerung des UNHCR-Ausweises sei nur gegen Bezahlung möglich. Er habe keine Möglichkeit, legal in Uganda zu leben und zu arbeiten. Er sei bereits drei Mal für kurze Zeit inhaftiert worden. Hierzu sei mitzuteilen, dass Uganda die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 sowie die Zusatzprotokolle am 27. September 1976 unterzeichnet habe. 2006 sei ein Asylgesetz vera b- schiedet worden, welches unter anderem die Bewegungsfreiheit für Flüchtlinge festlege. Nach einigen gewaltsamen Zwischenfällen zwischen dem Regierungslager und der Opposition nach der Wiederwahl von Pr ä- sident Museveni in Kampala im Februar 2011 habe sich die Situation in den letzten Monaten weitgehend wieder stabilisiert. Zurzeit seien rund 6200 eritreische Flüchtlinge und Asylsuchende beim UNHCR Uganda r e- gistriert. Davon lebten rund 5000 Personen in Kampala, wo sich zudem zahlreiche weitere eritreische Staatsangehörige aufhielten, die nicht beim UNHCR registriert seien. Die übrigen hielten sich in einer Flüchtling s- siedlung im Südwesten des Landes auf. Das UNHCR biete den Flüchtli n- gen dort Schutz und Betreuung. Im Gegensatz zu Flüchtlingslagern in anderen Ländern, könnten sich die Flüchtlinge im Land frei bewegen. Zahlreiche Nichtregierungsor ganisationen und Hilfswerke würden sich nebst dem UNHCR um die insgesamt 150'000 Flüchtlinge in Uganda kümmern. Die Situation für eritreische Flüchtlinge in Uganda sei zwar nicht einfach, dennoch sei ein weiterer Verbleib für den Beschwerdeführer nicht unzumutbar oder unmöglich. Dass er drei Mal festgenommen wo r- den sei, sei nicht belegt. Aus den Akten gehe auch nicht hervor, aus we l- chem Grund diese Festnahmen erfolgt sein sollten. Selbst wenn er drei Mal kurzzeitig festgehalten worden sein sollte, habe er d ie Möglichkeit, sich in der Flüchtlingssiedlung im Südwesten des Landes aufzuhalten, wo das UNHCR Flüchtlingen Schutz und Betre uung biete. Zwar verfüge der Beschwerdeführer darüber hinaus über eine n Anknüpfungspunkt zur Schweiz, da einer Schwester hier Asyl gewährt worden sei und ein Bruder um Asyl ersucht habe. Dieser Anknüpfungspunkt sei allerdings nicht de r- art gewichtig, als dass eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG dazu führen müsse, dass es gerade die Schweiz sei, die den erforderlichen Schutz gewähren solle. So lebe beispielsweise ein weiterer Bruder seit Jahren in den USA. Für den Weiterverbleib des Beschwerdeführers in Uganda spreche zweifelsohne, dass er seit mehre-D-1848/2012 Seite 8 ren Monaten ohne glaubhaft dargelegte Probleme dort lebe. Auch sei an- zunehmen, dass er in Uganda Beziehungen zu der dortigen eritreischen Diaspora unterhalte und über einen gewissen Bekanntenkreis verfüge. Vorliegend seien auch die Voraussetzungen für einen Familiennachzug gemäss Art. 51 AsylG nicht erfüllt. Nach Art. 51 Abs. 2 AsylG könnten an- dere nahe Angehörige (als die in Abs. 1 erwähnten Mitglieder der Ker n- familie) Familienasyl erhalten, wenn besondere Umstände für die Famil i- envereinigung sprächen. Zu denken sei dabei beispielsweise an eine b e- sondere Abhängigkeit einer Person aufgrund einer schweren Krankheit, welche die Fürsorge der anderen Person erfordere beziehungsweise wünschbar mache, oder an nachgewiesene regelmässige und intensive Kontakte. Gemäss diesen Ausführungen gehöre der Beschwerdeführer nicht zur Kernfamilie der Schwester. Aus den Akten seien auch keine b e- sonderen Umstände ersichtlich, die dazu führen würden, dass au s- nahmsweise von einer engen Beziehung zwischen ihm und der Schwes- ter auszugehen sei. 5.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, er sei nicht vom UNHCR registriert worden. Er habe sich von Anfang an darum bemüht, habe aber nur eine befristete Aufenthaltsbewilligung vom Staat erhalten. Gemäss Auskunft einer Menschenrechtsorganisation in Kampala stelle das UNHCR in Uganda seit zehn Jahren keine Flüchtlingsausweise mehr aus. Wie aus dem Ausweis ersichtlich sei, habe er sich gleich nach der Einre i- se in Uganda um Aufnahme bemüht, und den Ausweis am 17. November 2010 erneuert. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass er dies später nicht mehr hätte tun wollen, um so mehr, als es bei Personenkontrollen zu drei Verhaftungen gekommen sei, weil er keinen gültigen Ausweis g e- habt habe. Er sei jeweils zwischen zwei und vier Tagen verhaftet worden. Im April 2011 habe seine Schwester 400 Dollar und im Juni 2011 500 Dol- lar für seine Freilassung geschickt. Anfang Juli 2011 habe er zusammen mit seiner Mutter erneut vor der Polizei flüchten müssen, die in ihrem Haus eine Personenkontrolle gemacht habe. Seinen Ausweis habe er mehrmals zu verlängern versucht, dies sei aber verweigert wor den, zum letzten Mal im März 2012 . Weiter sei die Beziehungsnähe zum Bruder in den USA viel weniger gegeben als zu den Geschwistern in der Schweiz. Er telefoniere drei Mal wöchentlich mit seiner Schwester, welche ihn b ei der Betreuung der kranken Mutter unterstütze und ihr Leben finanziere. Nach Auskunft der US-Botschaft in Bern sei es aussichtslos, einen Antrag auf Familiennachzug oder ein Asylgesuch in den USA zu stel len. D er Grund dafür, dass es momentan keine neuen Probleme mit den ugand i-D-1848/2012 Seite 9 schen Behörden gebe, liege dar in, dass er nur noch für die nötigsten B e- sorgungen aus dem Haus gehe. Er sei nicht integriert in der eritreischen Diaspora, da er nicht wisse, wem er trauen könne. Betreffend die Beziehungsnähe zu seiner Schwester in der Schweiz sei festzuhalten, dass er und seine Geschwister aufgrund ihrer Religion Aus- senseiter gewesen seien. Nach dem Tod ihres Vaters habe die Schwester weitgehend die Rolle der Mutter, welche an einer Depression erkrankt sei, übernommen und diese Rolle auch nach der Genesung der Mutter beibe- halten. Die Bedrohungen durch Gefängnisaufenthalte, unlimitierten Mili- tärdienst und drei Todesfälle hätten die Familie noch näher zusammenrü- cken lassen. Nachdem er aus dem Militär habe fliehen können, habe sei- ne Schwester sofort wieder begonnen, für ihn zu sorgen . Mit derselben Selbstverständlichkeit habe er seine Rolle als Beschützer gegenüber der Mutter wieder aufgenommen. Auch dabei werde er von der Schwester un- terstützt. Er telefoniere drei bis vie r Mal pro Woche mit ihr, sie sei jede r- zeit erreichbar und schicke ihm Geld. Zur Stützung seiner Beschwerde reichte er unter anderem seinen Flücht- lingsausweis, den E-Mail-Verkehr mit einer Menschenrechtsorganisation in Kampala und mit der amerikanischen Botschaft in der Schweiz, ein Arztzeugnis betreffend seine Mutter vom 4. April 2012 und einen allg e- meinen Bericht zu posttraumatischen Belastungsstörungen ein. 6. 6.1 In Übereinstimmun g mit der Vorinstanz ist zunächst festzustellen, dass eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung des Beschwerdefüh - rers im Falle seiner Rückkehr nach Eritrea durchaus gegeben sein kön n- te. Er befindet sich jedoch aktuell in Uganda , wo ihm, wie nachfolgend dargelegt, der weitere Verbleib zugemutet werden kann (Art. 52 Abs. 2 AsylG). 6.2 Zur Lage für Flüchtlinge in Uganda kann Bezug genommen werden auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -5089/2011 vom 17. J a- nuar 2012 E. 5.3.8 ff. und die darin er wähnten Quellen. Es ist demnach hervorzuheben, dass das Land über ein seit dem Jahre 2009 in Kraft g e- tretenes fortschrittliches Flüchtlingsge setz "Refugee Act 2006" verfügt, gemäss welchem Flüchtlingen das Recht auf Arbeit und freie Mobilität gewährt wird, was in dieser Region einzigartig ist. Es steht Flüchtlingen in Uganda somit frei, sich in einem Flüchtlingscamp registrieren zu lassen oder sich anderswo niederzulassen. Lassen sie sich in einem Flüchtlings-D-1848/2012 Seite 10 lager registrieren, werden sie so gut wie möglich versorgt. Gemäss einem Bericht des UNHCR aus dem Jahr 2011 komme es in Flüchtlingslagern indessen zu Versorgungsschwierigkeiten, insbesondere sauberes Wasser sei nicht in ausreichendem Mass vorhanden. Diese prekäre Lage gefäh r- de auch die Sicherheit, und der Zugang zu einer minimalen Gesundheits- versorgung könne nicht für alle gewährleistet werden. Frauen würden oft Opfer von sexuellen Übergriffen. Was das Asylverfahren Ugandas betrifft ist festzuhalten, dass Uganda e i- ne grundsätzlich flüchtlingsfreundliche Praxis und hohe Anerkennungs - quote aufweist, die vom UNHCR begrüsst wird. Hingegen kritisiert es, dass eine Polizeieinheit (Crime Intelligence Office) bei der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft von Asylsuchenden mitwirke und Beschwer - den von Flüchtli ngen oft nicht behandelt würden, weil es an unabhängi - gen Rechtsmittelinstanzen fehle. In der Kritik des UNHCR steht auch die ugandische Asylpolitik gegenüber ruandischen Asylsuchenden und Flüchtlingen. Im Juli 2010 seien aus den Flüchtlingslagern Nakivale und Kyaka II 1700 nur vermeintlich abgewi e- sene Asylsuchende gezwungen worden, nach Ruanda zurückzukehren, obwohl Uganda Signatarstaat der FK ist. 6.3 Gemäss seinen Aussagen wurden weder der Beschwerdeführer noch seine Mutter vom UNHCR als Flüchtling registriert, da dieses seit zehn Jahren keine Flüchtlingsausweise mehr ausstelle. Vielmehr sei für das Asylverfahren eine staatliche Behörde zuständig, von der auch er seinen Flüchtlingsausweis erhalten hat. Zwar behauptet der Bes chwerdeführer, dieser werde nicht mehr erneuert. Dies ist jedoch – genau wie die geltend gemachten Verhaftungen – eine nicht belegte Parteibehauptung. Auf der eingereichten Kopie dieses Ausweises ist denn auch vielmehr vermerkt, dieser laufe nach drei Mona ten ab, sei aber erneuerbar, wenn das Asy l- verfahren bis dahin nicht abgeschlossen sei. Demnach und nach dem un- ter E. 6. 2 Ausgeführten kann entgegen den Aussagen des Beschwerd e- führers davon ausgegangen werden, dass solche Ausweise verlängert werden können, solange das Asylverfahren noch läuft. Gemäss der vo r- gezeichneten Situation scheint für den Beschwerdeführer auch keine Ge- fahr zu bestehen, nach Eritrea abgeschoben zu werden. Weiter macht er geltend, in Kampala unter sehr schwierigen Bedingungen zu leben. Dass seine Situation in Kampala sicher nicht einfach ist, kann nachvollzogen werden. Immerhin verfügt er aber über eine Wohngelegenheit und kann auch mit der finanziellen Unterstützung von Verwandten rechnen. Für den D-1848/2012 Seite 11 Weiterverbleib des Beschwerdeführers in Uganda spricht schliesslich z u- dem – wie vom BFM zu Recht ausgeführt – zweifelsohne auch, dass er sich seit mehreren Monaten ohne glaubhaft gemachte Probleme dort auf- hält. Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer objektiv zumut- bar, den in Uganda gegenüber der Verfolgungsgefahr im Heimatstaat be- stehenden Schutz weiterhin in Anspruch zu nehmen. 6.4 Weiter kam das BFM zum Schluss, die Abwägung der Gesamtum - stände und die Anknüpfung des Beschwerdeführers zur Schweiz, welche durch die Person der Schwester und eines Bruders geschaffen werde, führe nicht dazu, dass es gerade die Schweiz sein müsse, die ihm den Schutz zu gewähren habe. Dieser Einschät zung der Sachlage und der Feststellung, dass die durch die ver wandschaftliche Beziehung zu seinen Geschwistern bestehende Verbindung nicht eine genügend enge Bezie- hungsnähe zu Schweiz darstelle, ist zuzu stimmen. Auch in der B e- schwerde fehlen Argumente, welche eine andere Sichtweise rechtfertigen würden. Zwar besteht zu seiner Schwester offenbar ein vertrautes Ver- hältnis, dieses genügt jedoch nicht, um die Beziehung zur Schweiz als dermassen gewichtig zu qualifizieren . Die Anknüpfung des Beschwerde- führers zur Schweiz führt nach dem Gesagten nicht dazu, dass es gerade die Schweiz sein muss, die ihm den Schutz zu gewähren hat. 6.5 Eine Schutzgewährung durch die Schweiz erscheint somit gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG unter Berücksichtigung aller Umstände nicht als erforderlich. Auch die eingereichten Beweismittel führen zu keiner and e- ren Sichtweise. Das BFM hat zu Recht die Einreise des Beschwerdefüh- rers in die Schweiz gestützt auf Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG verweigert und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, sof ern keine besonderen Umstände dagegen sprechen (Art. 51 Abs. 1 AsylG). Andere nahe Ang e- hörige von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen können in das Famili en- asyl eingeschlossen werden, wenn besondere Gründe für die Fami - lienvereinigung sprechen (Ar. 51 Abs. 2 AsylG). 7.2 Vorliegend sind die entsprechenden Voraussetzungen nicht erfüllt. Ein Abhängigkeitsverhältnis des Beschwerdeführers von seinen Geschwi s- tern im Sinne besonderer Umstände besteht nicht. Der Beschwerdeführer unterhält zwar offenbar zu seiner Schwester in der Schweiz ein vertrautes D-1848/2012 Seite 12 Verhältnis und wird durch diese in der sicher anspruchsvollen Betreuung der Mutter unterstützt. Dieses Verhältnis ist aber nicht als enge Bezi e- hung im Sinne besonderer Umstände zu qualifizieren. Eine Schutzgewäh- rung durch die Schweiz kommt somit auch gestützt auf Art. 51 AsylG nicht in Betracht. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 13. April 2012 jedoch gutgeheissen wurde, sind keine Kosten aufzuerle- gen. 10. Der Antrag auf Unterlassung der Kontaktaufnahme mit und der Datenwei- tergabe an die Behörden von Eritrea oder Uganda ist angesichts des vo r- liegenden Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) D-1848/2012 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die Schweize- rische Vertretung in Kampala. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner Versand: