Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Juni 2016 (710 14 214) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Die beitragsrechtliche Qualifikation eines Akkordanten als unselbstständiger Erwerbstä- tiger bejaht Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Gerichtss chreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Dr. Georg Gre m- melspacher, Advokat, Gremmelspacher Bürkli Biaggi Wiprächtiger Advokatur, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ Betreff Beiträge Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) f ührte am 8. April 2014 bei der A.____ eine Arbeitgeberkontrolle durch. Dabei stellte sie fest, dass die A.____ das an B.____ ausgerichtete Entgelt für die Jahre 2011 und 2012 ni cht als Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit deklariert hatte . Gestützt auf die durch die SUVA durchgeführte Arbeit geber- kontrolle verpflichtete die Ausgleichskasse Basel-Landschaft die A.____ mit Verfügung vom 14. April 2014 zur Nachzahlung von Fr. 6'776.70, wob ei sich diese Forderung aus AHV/IV/EO/ALV-Beiträgen und Verwaltungskosten für den Zeitraum vom 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2012 in der Höhe von Fr. 6'366.40 sowie Verzugszinsen in der Höhe von Fr. 410.30 zusammensetzte. Die gegen diese Verfügung e rhobene Einsprache wies die Aus- gleichskasse mit Entscheid vom 17. Juni 2014 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob Advokat Dr. Georg Grem melspacher am 21. Juli 2014 namens und im Auftrag der A.____ Beschwerde ans Kanto nsgericht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es sei die Verfügung vom 14. April 2014 aufzuhe- ben und es sei auf die Nachforderung von Fr. 6'776.70 zu verzichten; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 2. September 2014 bea ntragte die Ausgleichskasse die Abweisung der Beschwerde. D. Mit prozessleitender Verfügung vom 22. September 20 14 lud die Instruktionsrichterin B.____ zum Beschwerdeverfahren bei und gab ihm Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese Ver- fügung konnte dem Beigeladenen infolge unbekannten Aufenthalts nicht zugestellt werden. E. An der Parteiverhandlung vom 24. August 2015 erschi enen, C.____, Geschäftsführer der A.____, der Rechtsvertreter der Beschwerdeführeri n sowie die Auskunftspersonen D.____ und E.____. Nach Befragung der Auskunftspersonen und d em Plädoyer des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin stellte der Vizepräsident des Ka ntonsgerichts den Fall mit Beschluss vom 24. August 2015 aus. Er stellte fest, dass die Aussage n des Beigeladenen für die Beurtei- lung des Falles entscheidrelevant sein könnten, weshalb es si ch rechtfertige, weitere Nachfor- schungen über dessen Wohn- bzw. Aufenthaltsort zu tätigen. F. Eine telefonische Erkundigung bei den Einwohnerdien sten X.____ ergab, dass der Bei- geladene wieder an der Wohnadresse seiner inzwischen geschiedenen Ehefrau am Y.____weg angemeldet sei. Mit Verfügung vom 24. September 2015 wurde der Fall erneut dem Präsidium zur Beurteilung überwiesen und die Durchführung einer Parteiverhandlung angeordnet. Obwohl dem Beigeladenen die Vorladung zur Parteiverhandlung vom 15. April 2016 zugestellt werden konnte, erschien er am betreffenden Tag nicht. In der Folge wurde als neuer Termin für eine Parteiverhandlung der 17. Juni 2016 festgesetzt. G. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen C.____, der Rechtsvertreter der Beschwer- deführerin, die Rechtsvertreterin der Ausgleichskasse und der Beigeladene, B.____, teil. Nach- dem der Beigeladene befragt wurde, hielten die Part eien an ihren Anträgen und Ausführungen fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversiche- rungsrecht (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Bestimmun gen laut Art. 2 ATSG in Verbin- dung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alt ers- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 auf die Alters- und Hin terlassenenversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheentscheide der Ausgleichskassen beim zuständigen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Örtlich zuständig ist, soweit es sich nicht um einen Einspracheentscheid einer kantonalen Ausgleich skasse handelt, nach Art. 58 ATSG grundsätzlich das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. In Fr agen der Beitragspflicht sind jedoch Arbeitnehmende und Arbeitgeber gleichermassen zur Beschwerde legitimiert. Bei beitragsrecht- lichen Streitigkeiten im Bereich der paritätischen AHV -Beiträge fällt deshalb rechtsprechungs- gemäss bei der Beurteilung der örtlichen Zuständigkei t nicht nur der Wohnsitzgerichtsstand, sondern auch der Sitz der Arbeitgeberin in Betracht (v gl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 58 Rz. 13). Vorliegend befand sich der Sitz der Beschwerdefüh- rerin zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung in Z.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Im Kanton Basel-Landschaft beurteilt gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozi alversicherungsrecht, als einzige gerichtliche Instanz Beschwerden gegen Verfügungen einer Ausgleichskasse. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis z u einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Vorliegend beläuft sich die an gefochtene Beitragsverfügung auf Fr. 6'366.40 zuzüglich Zinsen von Fr. 410.30, weshalb d ie Angelegenheit durch das Präsidium der Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts zu beurteilen ist. 3. Erlässt eine Ausgleichskasse auf dem Gebiet der paritä tischen Beiträge eine Verfü- gung, so stellt sie eine Beitragsschuld sowohl des Arbeit sgebers als auch des Arbeitnehmers fest (Art. 4 und 5 sowie Art. 12 und 13 AHVG). Arbeit geber und Arbeitnehmer sind in gleicher Weise betroffen, weshalb die Verfügung im Hinblick auf die Wahrung des rechtlichen Gehörs grundsätzlich beiden zu eröffnen ist. Nach der Rechtsprec hung des Bundesgerichts gilt dieser Grundsatz nicht nur, wenn das Beitragsstatut oder die Na tur einzelner Zahlungen streitig ist, sondern auch bei nachträglichen Lohnerfassungen, wenn umst ritten ist, ob bestimmte Vergü- tungen zum massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG gehören (BGE 113 V 4 E. 3a; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG ; heute: Bundesgericht] vom 4. Juni 2002, H 50/02, E. 2a). Hat die Ausgleichskasse die Beitragsverfügung nur dem Arbeit- geber eröffnet und hat dieser Beschwerde erhoben, so hat das kantonale Versicherungsgericht entweder den Arbeitnehmer beizuladen oder die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit diese durch Zustellung der Beitragsverfügung an d en oder die betroffenen Arbeitnehmer Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht deren Verfahrensrechte wahrt (BGE 113 V 5 E. 4a). An hand der dem Gericht vorliegenden Ak- ten ist davon auszugehen, dass die Ausgleichskasse die Beitr agsverfügung vom 14. April 2014 einzig der heutigen Beschwerdeführerin als Arbeitgeberi n zustellte und von einer zusätzlichen Eröffnung an den mitbetroffenen B.____ absah. In der Folge lud das Kantonsgericht B.____ mit Verfügung vom 22. September 2014 zum Verfahren bei. An der heutigen Parteiverhandlung nahm der Beigeladene von seinem Recht Gebrauch, sich zur vorliegenden Sache zu äussern. 4.1 Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwer bstätiger richtet sich unter ande- rem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkommen als solches aus selbstständiger oder unselbstständiger Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist (Art. 5 und 9 AHVG sowie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV] vom 31. Oktober 1947). Gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte oder unbesti mmte Zeit geleistete Arbeit. Als Einkom- men aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbstständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. 4.2 Ob im Einzelfall selbstständige oder unselbstständige Erwerbstätigkeit vorliegt, beur- teilt sich nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien, son- dern nach den wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilr echtlichen Verhältnisse vermögen da- bei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtli che Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbstständig erwerbstätig i st im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirtschaftlicher b zw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt ( BGE 110 V 72 E. 4; bestätigt in: BGE 119 V 161 E. 2). Die arbeitsorganisatorische Abhän gigkeit äussert sich in der Weisungs- gebundenheit des Erwerbstätigen, im Vorhandensein eine s Unterordnungsverhältnisses, der Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung, eines Konku rrenzverbots und einer Präsenzpflicht (Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung [BSV] ü ber den massgebenden Lohn [WML], gültig ab 1. Januar 2008, Rz. 1015). Ein spezi fisches Unternehmerrisiko zeigt sich im Tätigen von erheblichen Investitionen, im Tragen des V erlustes, der Unkosten, Inkasso- und Delkredererisikos, im Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, im Beschaffen von Aufträgen, der Beschäftigung von Personal und im Ver fügen über eigene Geschäftsräum- lichkeiten (WML Rz. 1014). 4.3 Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen n och keine einheitlichen, schema- tisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellu ng einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zutage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, wel- che dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 12 3 V 162 E. 1, 122 V 171 E. 3a und 283 E. 2a, 119 V 161 E. 2 mit Hinweisen). 5.1 Die Ausgleichskasse ging davon aus, dass der Beigelade ne vom 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2012 als Arbeitnehmer bei der Beschwerdef ührerin tätig war. Sie stützte sich dabei auf den Entscheid der SUVA vom 25. November 20 15, in welchem der Beigeladene als Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Unselbstständiger qualifiziert wurde. Der Entscheid des Unfallversicherers ist für die Aus- gleichskasse grundsätzlich verbindlich, wie im Einsprachee ntscheid vom 17. Juni 2014 richtig festgehalten wurde (vgl. Urteil des EVG vom 30. Juni 20 06, H 191/05, E. 2.2; ZAK 1989 S. 25 E. 3b mit Hinweisen). Diese Bindungswirkung besteht zwar für das Gericht nicht, doch soll es in den Entscheid der SUVA nur eingreifen, wenn dieser im Ergebnis fragwürdig ist (BGE 101 V 87 E. 3 S. 90). 5.2 Es ist somit zu prüfen, ob die SUVA bzw. die Ausglei chskasse zu Recht den Beigela- denen als Unselbstständigerwerbenden einstufte. Unbest ritten ist, dass der Beigeladene vom 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2012 als Akkordant Flachar beiten für die A.____ ausführte und über die Zusammenarbeit keine schriftliche Vereinbarung vorliegt. Nach der Rechtsprechung zu Art. 5 Abs. 2 AHVG üben Akkordanten in der Regel ein e unselbstständige Erwerbstätigkeit aus. Sie können bloss dann als Selbstständigerwerbende betrachtet werden, wenn die Merkmale für freie Unternehmertätigkeit klar überwiegen und wenn n ach den Umständen anzunehmen ist, dass sie dem Akkordvergeber als gleichgeordnete Geschäftsp artner gegenüberstehen (BGE 114 V 69 E. 2b, 97 V 219 E. 3; Urteil des Bundesgerich ts vom 31. Mai 2016, 9C_675/2015 E. 3.2; ZAK 1989 S. 24 E. 3a, 1970 S. 394 E. 2). Eine selbstständige Erwerbstätigkeit ist anzu- nehmen, wenn mindestens eines der Hauptmerkmale, nämlich das Bestehen einer Betriebsor- ganisation und die regelmässige Direktübernahme von Drit taufträgen (von Werkeigentümern, Bauherrschaften, Architekten und dergleichen) nachgewie sen sind. Das Bestehen einer Be- triebsorganisation wird praxisgemäss bei Vorliegen folge nder Umstände bejaht: Vorhandensein einer Arbeitsstätte mit branchenüblichen Arbeitseinricht ungen und Maschinen, Einsatz von be- deutenden eigenen oder gemieteten Betriebsmitteln, B eschaffung von Material auf eigene Rechnung oder Einsatz mehrerer eigener Akkordgruppen au f verschiedenen Arbeitsplätzen (HANSPETER KÄSER , Unterstellung und Beitragswesen in der obligatorischen AHV, 2. Auflage, Bern 1996, S. 128 f. mit Hinweisen; WML Rz 4047 f.). Als Hinweise können die Auftragswer- bung durch Zeitungsinserate, ein Werkvertrag, die Offer t- und Rechnungsstellung, eine Garan- tieleistung und die vertragliche Übernahme von Risiko- u nd Zufallshaftung gelten (WML Rz. 4050). 5.3.1 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen gelt end, dass der Beigeladene im Handelsregister als Einzelunternehmung (bis zur Löschung am 22. Juli 2015) auf den Namen F.____ eingetragen gewesen sei. Er habe Briefpapier seiner Einzelunternehmung mit eigenem Logo benutzt und seine Rechnungen hätten eine Mehrwer tsteuer-Registernummer getragen. Weiter besitze die Einzelunternehmung einen eigenen E intrag im Telefonbuch. Als Nachweis der selbstständigen Erwerbstätigkeit habe der Beigeladene ihr den Handelsregister-Auszug und die AHV-Abrechnung vorgelegt. Zudem sei über das Vorli egen von Unfall- und Taggeldversi- cherungen des Beigeladenen gesprochen geworden. Damit habe die Beschwerdeführerin in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass er für den Be igeladenen keine Sozialversiche- rungsbeiträge abrechnen müsse. Für das Vorliegen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit des Beigeladenen spreche auch, dass dieser ein erhebliches U nternehmerrisiko getragen habe. Dies zeige sich schon allein darin, dass er für die Löhne d er beigezogenen Hilfskräfte verant- wortlich gewesen sei. Dazu habe er gemäss den Aussagen der Auskunftspersonen weitere Auf- träge für Dritte ausgeführt. Ausserdem habe er eigene Geschäftsräumlichkeiten gehabt. In sei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner Betriebsorganisation sei er frei gewesen. Denn de r Beigeladene habe keine vorgegebenen Präsenzzeiten einhalten müssen, es seien keine Arbeitsrappo rte oder Arbeitspläne erstellt wor- den und er habe seine Arbeit frei einteilen können. Damit sei erstellt, dass auch in arbeitsorga- nisatorischer Hinsicht keine Abhängigkeit zur Beschwerdeführerin bestanden habe. 5.3.2 Es trifft zu, dass die Einträge im Handelsregister, im Telefonbuch sowie im Mehrwert- steuer-Register, die Verwendung von Geschäftspapieren m it eigenem Logo und der Abschluss von Versicherungen Hinweise für eine selbstständige Erw erbstätigkeit sind. Da es sich dabei jedoch lediglich um Hilfsmerkmale handelt, erlangen si e erst Bedeutung, wenn die Hauptmerk- male (Bestehen einer Betriebsorganisation und regelm ässige Direktübernahme von Drittaufträ- gen) nicht eindeutig vorliegen (vgl. Urteil des Versiche rungsgerichts Zürich vom 31. Oktober 2005, AB.2004.00082, E. 3.2; WML Rz. 4050). Desgleich en ist eine Abrechnung als Selbst- ständigerwerbender mit der Ausgleichskasse für die Frag e des Beitragsstatus AHV-rechtlich bedeutungslos (AHI 1995 S. 136 E. 5a am Ende; BGE 119 V 164 f. E. 3c). Was das Haupt- merkmal der Betriebsorganisation anbelangt, ist festzustellen, dass der Beigeladene über keine Geschäftsräumlichkeiten im eigentlichen Sinne verfügte. Bei der auf den Rechnungen angege- benen Firmenadresse (Y.____weg in X.____) handelt sich um seine Wohnadresse, wo er heute noch lebt. Dass er eine eigene Arbeitsstätte oder ein Lager hatte, geht aus den Akten nicht her- vor und wird auch von keiner der Parteien behauptet. Der Beigeladene besass zwar eigenes Werkzeug und ein Firmenauto. Es ist jedoch nicht ersichtlich, dass er bedeutende Betriebsmittel oder Material wie z.B. Isolationen auf eigene Rechnun g beschaffte. Gemäss den Aussagen der Auskunftspersonen führte der Beigeladene auch keine Arbe iten für Dritte aus. Zwar sei er von der G.____ einmal für einen Auftrag eingesetzt worden. Die Arbeit sei aber nicht im Namen und auf Rechnung der F.____ ausgeführt worden, sondern se i über die Beschwerdeführerin abge- wickelt worden. Gleichermassen bestätigte der Beigelade ne heute, dass er während der Zeit vom 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2012 nur für die A. ____ tätig gewesen sei. Seine Angaben sind glaubhaft, ergibt sich doch aus der abgerechneten Z ahl der Arbeitsstunden, dass er wäh- rend der hier massgebenden Zeitperiode in einem Vollze itpensum für die Beschwerdeführerin arbeitete (vgl. Stundenabrechnungen der F.____). Es kan n deshalb der Auffassung der Be- schwerdeführerin, wonach der Beigeladene im hier massge benden Zeitraum an verschiedenen Arbeitsplätzen im Einsatz gewesen sei, nicht gefolgt w erden. Das zweite Hauptmerkmal der regelmässigen Direktübernahme von Drittaufträgen ist ebenfalls nicht erfüllt. Aufgrund der Ak- ten ist davon auszugehen, dass der Beigeladene keine dire kten Aufträge von einer Bauherr- schaft, von Werkeigentümern oder Architekten erhielt. D ie aktenkundigen einmaligen mündli- chen Nachfragen um Aufträge bei den Firmen der Auskunft spersonen genügen nicht für die Annahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, unterscheiden sich solche Anfragen nicht we- sentlich von Stellenbewerbungen eines Arbeitnehmers. Da mit ist keines der Hauptmerkmale erfüllt, welche für das Vorliegen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit eines Akkordanten spre- chen würden. 5.4 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin trug d er Beigeladene gemäss den Ak- ten kein eigenes wirtschaftliches Unternehmerrisiko. Für d ie Auftragsausführung waren keine erheblichen Investitionen notwendig. So musste er für die Erfüllung der von der Beschwerdefüh- rerin erteilten Aufträge kein Material und Werkzeug e insetzen. Auch die Gerüste wurden ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mäss den Aussagen der Beschwerdeführerin entweder von ihr oder vom Architekten gestellt. Der Beigeladene trug auch kein Inkasso- oder Delkrederer isiko. Er trat nicht auf eigene Rech- nung gegenüber Dritten auf, er erstellte keine Offerten, übernahm keine Garantieleistungen und keine Risiko- und Zufallshaftung. Gerade in der Baubranche ist aber die Haftung gegenüber der Bauherrschaft für schlecht ausgeführte Arbeiten ein gewi chtiges Indiz für eine selbstständige Erwerbstätigkeit (Urteil des EVG vom 30. Juni 2006, H 191/05 und U499/05, E. 4.1). Dazu kommt, dass der Beigeladene nicht für den Arbeitserfolg , für welchen er auch das Risiko eines beruflichen Misserfolgs zu tragen hätte, bezahlt wurde, sondern aufgrund der Präsenzzeit ent- schädigt wurde, was wiederum ein Indiz für unselbstständi ge Erwerbstätigkeit ist (vgl. R APHAEL LANZ , Die Abgrenzung der selbstständigen von der unselbstst ändigen Erwerbstätigkeit im Sozi- alversicherungs-, Steuer- und Zivilrecht, in AJP 1997, S. 1463 ff., Kapitel I C, Ziffer 4c/ee). Ein- zig die Tatsache, dass der Beigeladene für die Entlöhnung der von ihm beigezogenen Hilfskräf- te zu sorgen hatte, spricht für eine selbstständige Erwerb stätigkeit. Dies stellt jedoch nach bun- desgerichtlicher Rechtsprechung keinen für die Statusfr age entscheidenden Umstand dar (Ur- teil des EVG vom 30. Juni 2006, H191/05 und U499/05, E. 3.). Hinsichtlich des geltend ge- machten fehlenden Unterordnungsverhältnisses ist davon au szugehen, dass der Beigeladene mit konkreten Aufträgen ohne besondere Mitwirkungsoblieg enheiten der Beschwerdeführerin betraut wurde und er die Arbeiten in weitgehend fre ier Arbeits- und Zeiteinteilung ausführte. So bestand weder eine Präsenzzeit, noch ein Arbeitsplan noch eine Pflicht zur Erstellung von Ar- beitsrapporten. Diese Indizien lassen jedoch nicht zwing end auf arbeitsorganisatorische Unab- hängigkeit schliessen, sind diese bei Akkordanten doch d ie Regel. Ihre Unabhängigkeit müsste über das für die betreffende Tätigkeit übliche Mass hin ausgehen, um für eine selbstständige Erwerbstätigkeit zu sprechen. Die Ausführungen in Er wägung 5.3.2 zeigen jedoch deutlich auf dass sich die Beigeladene und die Beschwerdeführerin nic ht als gleichgeordnete Geschäfts- partner gegenüberstanden, weshalb die vom Beigeladen en für die Beschwerdeführerin ausge- führten Arbeiten im Jahr 2011 und 2012 als eine unselbstständige Erwerbstätigkeit zu qualifizie- ren sind. 5.5 Dem Gericht ist bewusst, dass sowohl der Beigeladene als auch die Beschwerdefüh- rerin überzeugt waren, dass der Beigeladene selbstständ ig erwerbend war. Im Sozialversiche- rungsrecht haben jedoch die zuständigen Behörden bzw. d as Gericht den Beitragsstatus einer Person nach Massgabe des festgestellten Sachverhaltes von Am tes wegen zu bestimmen, oh- ne an die Rechtsauffassungen der Parteien gebunden zu sei n. Die Eigenqualifikation des Bei- geladenen und der Beschwerdeführerin kann aufgrund de s Ergebnisses deshalb nicht über- nommen werden (vgl. dazu LANZ , a.a.O., Kapital IV Ziffer 1). 5.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Ausgleichskasse bzw. die SUVA den Beige- ladenen zu Recht als Unselbstständigerwerbenden einstuf te. Die angefochtene Beitragsverfü- gung der Ausgleichskasse, die in masslicher Hinsicht nicht bestritten sind, ist nicht zu bean- standen. Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.