Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. September 2019 (720 19 133 / 226) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beurteilung des Rentenanspruchs; Würdigung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin i.V. Ebru Eren Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Nadine Grieder , Advoka- tin, Elisabethenstrasse 28, Postfach 425, 4010 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1964 geborene A.____ hat zuletzt bis zum 30. Sep tember 2016 bei der X.____ als Hauswart gearbeitet. Am 11. August 2016 hat er sich unter Hinweis auf Rücken- und Hüftschmer- zen sowie auf eine bevorstehende Implantation einer Hü ftprothese bei der Eidgenössischen In- validenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet. Nach Vornahme der üblichen Abklä- rungen, namentlich nach Durchführung beruflicher Massnahmen, die insofern erfolgreich verlie- fen, als der Versicherte einen Arbeitsvertrag für eine 50 % Beschäftigung mit der Firma B.____ Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht in Y.____ abschliessen konnte, verneinte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) nach durch- geführtem Vorbescheidverfahren einen Leistungsanspruch des Versicherten mit Verfügung vom 20. März 2019 mangels Erfüllung des Wartejahrs. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Nadine Grieder, am 3. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Ve rfügung aufzuheben und es sei die Be- schwerdegegnerin zu verpflichten, ihm mit Wirkung ab dem 1. April 2017 eine ganze und ab dem 1. Juni 2017 eine halbe Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie wei- tere Abklärungen des gesamtmedizinischen Zustandes des B eschwerdeführers vornehmen könne; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde i m Wesentlichen vorgebracht, dass sich die IV-Stelle auf eine Aktenbeurteilung von Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), abgestützt habe, welche von den übrigen ärztlichen Einschätzungen abweiche und daher ohne Beweiswert sei. In einer ersten Anfrage an den RAD habe die IV-Stelle selbst die medizinische Aktenlage noch als knapp beurteilt. Obwohl in der Folge lediglich noch ein Kurzbericht von Dr. med. D.____, Kader- arzt Spinale Chirurgie, stellvertretender Chefarzt, Sp ital E.____, dazugekommen sei, habe die IV-Stelle die Aktenlage plötzlich als ausreichend anges ehen, was nicht nachvollziehbar sei. Die behandelnden Ärzte Dr. med. F.____, FMH Allgemeine M edizin, Dr. G.____, Chiropraktiker SCG/ECU, und Dr. D.____ würden dem Beschwerdeführer übereinstimmend ab dem 4. April 2016 bis zum 31. Mai 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 1 00 % und ab dem 1. Juni 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bescheinigen. Abweichend d avon attestiere der RAD dem Be- schwerdeführer ohne nähere Begründung ab dem 5. Dezember 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von lediglich 33 %. Diese unbegründete Abweichung von all en weiteren übereinstimmenden ärztli- chen Einschätzungen vermöge zumindest geringe Zweifel an der Einschätzung des RAD-Arztes zu begründen, so dass auf dessen Beurteilung nicht abgestellt werden könne. Massgeblich seien deshalb die übereinstimmenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte. Sofern das Gericht diese Beurteilungen als ungenügend erachten würde, sei entw eder ein Gerichtsgutachten einzuholen oder die Sache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. C. Mit Vernehmlassung vom 3. Juli 2019 schloss die IV-S telle auf Abweisung der Be- schwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Stellungnahme von Dr. C.____ vom 13. Juni 2019 und ein Schreiben von med. pract. H.____, FMH Psychiatrie/Psychotherapie, vom 20. Juni 2019 bei. Sämtliche Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben si ch – soweit sie für den Entscheid von Bedeutung sind – aus den nachfolgenden Erwägungen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde des Versicherten vom 3. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist der Rente nanspruch des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer erachtet die regionalärztliche Beu rteilung, auf die sich die IV-Stelle ab- stützt, als nicht beweiskräftig. Massgeblich seien vielmehr die übereinstimmenden Einschätzun- gen der behandelnden Ärzte. 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu min- destens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispielsweis e Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver sicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, wozu auch Berichte des RAD gehören, so sind er gänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). Zudem muss die Arztperson über die notwendigen fachli- chen Qualifikationen verfügen. 5.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den Entscheid als zentral erweisen. 5.2 Dr. D.____ diagnostiziert im Bericht vom 5. Januar 2017 ein chronisches Lumboverteb- ralsyndrom mit teils pseudoradikulärer, teils radikulär i mponierender Ausstrahlung in das rechte Bein bei hypertropher Spondylarthrose L4/5 sowie intraforaminaler Diskusprotrusion L4/5 rechts- seitig ohne eigentliche Nervenwurzelkompression, ferner e in Status nach Hüft-Teilprothese rechts am 8. September 2016. Aus spinalchirurgischer Sic ht sei die Schmerzsituation nicht auf eine Diskushernie oder einfache Nervenwurzelkompression zu rückzuführen. Es zeige sich ein chronifiziertes komplexes Schmerzbild, das auch psychosozial getriggert werde. Der Patient sei für eine psychosomatische Evaluation aufzubieten. Aufgrund der Schmerzsituation sei er in sei- ner angestammten Tätigkeit als Maler zu 100 % arbeit sunfähig. In einer angepassten wechsel- belastenden Tätigkeit sei der Patient zu 50 % arbeitsfähig. In seinem Verlaufsbericht vom 27. Ap- ril 2017 führt Dr. D.____ aus, dass eine Indikation für ein operatives Vorgehen bei chronischer Schmerzsymptomatik und ohne funktionell-relevante neurol ogische Ausfälle sowie ohne Nach- weis einer eindeutigen Nervenwurzelkompression zur Zeit nicht gesehen werden könne. Der Pa- tient sei aufgrund der Schmerzsituation arbeitsunfähig. 5.3 Im Bericht des Spitals E.____ vom 4. Juli 2017 wird ausgeführt, dass in der neuen Mag- netresonanztomographie (MRI) der Lendenwirbelsäule (LW S) gemäss Bericht der Radiologie keine neuen Stenosen festgestellt worden seien. Laut B ericht bestehe eine unveränderliche Si- tuation zu den Vorbefunden. 5.4 In einem weiteren Bericht vom 6. September 2017 d iagnostiziert Dr. med. I.____, FMH Angiologie, unklare sensomotorische Ausfälle an Arm un d Bein rechts und führt aus, dass es keine Hinweise auf eine relevante Makrozirkulationsstörung als Ursache für die Beschwerden gebe. 5.5 Dr. med. J.____, FMH Neurologie, stellt mit Beric ht vom 19. September 2017 ein rezidi- vierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom seit ca. 2015 bei Diskusprotrusionen LWK 3/4 und LWK 4/5 rechts, mit aktuell möglicherweise doch vorliegendem radikulärem Ausfall-Syndrom S1 rechts, sowie ein leichtes Karpaltunnelsyndrom rechts fest. Für das Karpaltunnelsyndrom sei eine nächtliche Schienenbehandlung angezeigt. Es sei weiterhin an eine leichte residuelle Wurzellä- sion S1 zu denken, wobei hier keine relevanten motorischen Ausfälle vorliegen würden. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.6 Im Weiteren diagnostiziert Dr. med. K.____, FMH O rthopädische Chirurgie und Trauma- tologie des Bewegungsapparats, in seiner aktuellsten Beu rteilung vom 23. Februar 2018 einen Status nach minimaler-invasiver Hüft-Teilprothese rechts am 8. September 2016, eine sekundäre Coxarthrose rechts, ein femoro-acetabuläres Impingement an der rechten Hüfte, eine antero-su- periore Labrumläsion und eine Offsetstörung, ferner eine Lumboischialgie rechts, ein radikuläres Reizsyndrom L5 rechts und ein beginnendes asymptomatisches f emoro-acetabuläres Impinge- ment links. Von Seiten der rechten Hüfte zeige sich ein zeitgerechtes Resultat mit radiologisch vollständig integrierten Prothesen-Komponenten. Hinwe ise auf Lockerungen bestünden keine. Die Beschwerden im Hüftbereich seien daher vorwiegend als pseudoradikulär oder radikulärbe- dingt zu interpretieren. Bezüglich Rückenproblematik seien verschiedene Abklärungen neurolo- gischer Art und auch auf der Klinik für spinale Chirurgie vorgenommen worden. Dennoch würden Beschwerden persistieren, welche von lumbal über gluteal, sowie über die laterale Leiste ins Bein ausstrahlen würden, mit sensiblen Störungen am Unterschenkel und auch motorischen Behinde- rungen an der Grosszehe rechts. Dem Patient werde empfohlen, sich nochmals bei der spinalen Chirurgie zu melden. 5.7 Im Bericht vom 27. Juli 2018 berichtet die Hausärzti n Dr. F.____ von seit Jahren beste- henden rezidivierenden Lumbalgien und sensomotorischen Ausfällen am rechten Bein sowie von einer Depression. Es habe eine schmerzbedingte Arbeitsunfähigkeit von 100 % im Zeitraum vom 5. April 2016 bis zum 31. Mai 2017 bestanden. Ab dem 1. Juni 2017 betrage die Arbeitsunfähig- keit 50 %. 5.8 Schliesslich diagnostiziert Dr. G.____ mit Bericht vo m 17. September 2018 ein chroni- sches lumbovertebrales Syndrom mit pseudoradikulären und radikulären Ausstrahlungen in das rechte Bein bei hypertrophen Spondylarthrosen L4/5 und Rezessusstenose bei Diskusprotrusion. Es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer ang epassten Tätigkeit, der Patient benötige dringend Erholung am nächsten Tag. 5.9 Die IV-Stelle holte eine Beurteilung von Dr. C._ ___ ein. Dieser führt in seiner Stellung- nahme vom 22. November 2018 aus, dass eine dauerhafte e ingeschränkte Funktion nach dem erfolgten Hüftgelenkersatz nachvollziehbar sei. Eine ge wisse niederprozentige Einschränkung von ca. 33 % in der letzten Tätigkeit als Hauswart ergeb e sich aus dem Umstand, dass keine Möglichkeit zum Sitzen bestanden habe und daher keine komplett wechselbelastende Ergonomie ausgewiesen sei. Aufgrund der degenerativen Veränder ungen könne auch bezüglich des Ach- senorgans lumbal eine gewisse Minderbelastbarkeit für e inseitige Wirbelsäulenzwangshaltun- gen/-belastungen eingeräumt werden, wobei die inserie rte Schmerzsymptomatik nach Beurtei- lung der Wirbelsäulenspezialisten nicht darauf zurückzuführen, sondern psychosozial getriggert sei. In einer körperlich leichten Tätigkeit mit der Mögl ichkeit zur spontanen Wechselbelastung resultiere weder in Bezug auf die Hüfte noch die Rücken problematik eine massgebliche Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit. Die abweichende Beurte ilung der Wirbelsäulenspezialisten stütze sich offensichtlich auf die subjektive Beschwerdeangabe des Versicherten, die aber lumbal psychosozialer Genese sei und daher keine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit begrün- den könne. Auch der Chiropraktiker Dr. G.____ postulier e zwar eine um 50 % verminderte Ar- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit, begründe dies aber nicht mit objektiven Funk- tionseinschränkungen, sondern postuliere einen dringenden Erholungsbedarf, der sich aus den objektiven Eckdaten nicht ableiten lasse. Dr. F.____ erwähne zwar eine Depression und Psycho- therapie bei med. pract. H.____, eine eigenständige depressive Erkrankung mit massgeblichen Einschränkungen auch nach leitliniengerecht ausgeschöpft er psychiatrischer Therapie sei, bei einer Psychopharmakamedikation im untersten Dosierungsbereich und ohne ersichtliche wieder- holte stationäre Behandlungsindikationen, dem Dossier nicht zu entnehmen. In der angestamm- ten sowie in einer Verweistätigkeit habe vom 5. April 2016 bis zum 20. November 2016 eine Ar- beitsunfähigkeit von 100 % und vom 21. November bis zum 4. Dezember 2016 eine Arbeitsunfä- higkeit von 50 % bestanden. Seit dem 5. Dezember 2016 bestehe in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 33 % und in einer angepassten körperlich leichten Tätigkeit mit spon- taner Wechselbelastung mit Sitzen, Gehen und Stehen ei ne Arbeitsunfähigkeit von 0 %. Am 8. Februar 2019 nahm Dr. C.____ auf Ersuchen der IV- Stelle zum Einwand gegen den Vorbe- scheid vom 28. Dezember 2018 Stellung. Dabei hielt er ausdrücklich an seiner bisherigen Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit vom 22. November 2018 fest. 5.10 Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens holte die IV-Stelle einen psychiatrischen Bericht bei med. pract. H.____ ein. In diesem Bericht vom 20. Juni 2019 erhebt er folgende Di- agnosen beim Patienten: (1) eine rezidivierende depre ssive Störung, leichte Episode, (2) eine Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion, (3) Probl eme mit Bezug auf die Berufstätig- keit, (4) ein Nikotinabhängigkeitssyndrom, (5) einen Sta tus nach Koffeinabhängigkeitssyndrom, (6) einen Status nach schädlichem Gebrauch von Alkohol , (7) einen Status nach schädlichem Gebrauch von Cannabinoiden und (8) einen Status nach K okainabusus. Der Patient sei vom 28. Februar 2017 bis zum 24. Oktober 2017 in ambulant er psychiatrischer Behandlung gestan- den. Zu Beginn sei der Patient zweimal monatlich in der Therapie gewesen, später ein- bis zwei- mal monatlich. Eine Arbeitsunfähigkeit sei aber während der ganzen Therapiedauer nie attestiert worden. Nach dem letzten Termin habe der Patient meh rmals um Terminverschiebung gebeten und sich schliesslich nicht mehr gemeldet. 5.11 Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ersuchte di e IV-Stelle Dr. C.____ nochmals um Stellungnahme. Dr. C.____ kam am 13. Juni 2019 zum Schluss, dass an der bisherigen RAD- Beurteilungen auch unter Berücksichtigung der jeweiligen Beschwerdepunkte festgehalten wer- den könne, da sich die Beurteilung der Arbeitsfähigkei t auf die Angaben im IV-Verlaufsbericht von Dr. K.____ vom 28. November 2016 stütze. In Bezug a uf die Hüftproblematik nach Gelen- kersatz sei ab OP-Zeitpunkt vom 8. September 2016 eine volle, vom 21. November 2016 bis 4. Dezember 2016 eine 50%-ige und ab 5. Dezember 2016 keine Arbeitsunfähigkeit mehr attes- tiert worden. Die Rückenschmerzen seien psychosozial getriggert. Weiter sei nicht von neu ein- gereichten Berichten die Rede gewesen, sondern von nachgereichten Berichten. Der unbekannte Bericht von Dr. D.____ vom 22. Juni 2017, welcher nachg ereicht worden sei, stimmte mit den restlichen Arztberichten überein. Ferner sei eine ungen ügende Aktenlage seitens der IV- Sachbearbeiterin vermutet worden, diese sei jedoch in d er nachfolgenden RAD-Fallbeurteilung nicht bestätigt worden. Schliesslich erfolge die fortlauf ende Attestierung der Arbeitsunfähigkeit durch die behandelnden Ärzte aufgrund subjektiver Schmerzpräsentation des Versicherten. Die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht RAD-Beurteilung stütze sich auf die objektiven Befunde der bezeichneten «umfassenden Unter- suchungen». 6. Die IV-Stelle stütze sich in der angefochtenen Ver fügung vom 20. März 2019 bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vollum fänglich auf die Einschätzungen von Dr. C.____ vom 22. November 2018, 8. Februar 2019 und 13. Juni 2019. Sie ging demzufolge davon aus, dass dem Versicherten ab Zeitpunkt Ablauf War tejahr per 5. April 2017 die ange- stammte Tätigkeit als Technischer Hauswart wieder im Um fang von 67 % zumutbar sei. Eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit sei ab d iesem Zeitpunkt im Umfang von 100 % zumutbar. Diese vorinstanzliche Würdigung des medizinisch en Sachverhalts ist nicht zu bean- standen. Zwar kommt, wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.4 hiervor), den Berichten beratender Ärzte der Versicherungsträger – und um einen solchen handelt e s sich bei Dr. C.____ – rechtspre- chungsgemäss nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge- holten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Ein solcher Be- richt ist aber soweit zu berücksichtigen, als keine – auch n ur geringe – Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorliegend besteht kein An- lass, an der Richtigkeit der Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. C.____ zu zweifeln. Dessen Ein- schätzung berücksichtigt die geklagten Beschwerden, sie ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, sie leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein, sie setzt sich mit den vorhandenen ärztlichen Berichten ausei- nander und sie ist in den Schlussfolgerungen nachvollziehbar und schlüssig. Dr. K.____ attestiert dem Beschwerdeführer in Bezug auf die Hüftprothese ein zeitgerechtes Resultat mit vollständig integrierten Prothesen-Komponenten, womit eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nachvollziehbar ist. Die von den behandelnden Ärzten attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % bezieht sich hauptsächlich auf die lumbale Schmerzsitu ation. Diesbezüglich ist aber eine radikuläre Symptomatik bildgebend nicht sicher nachgewiesen und grundsätzlich unverändert, so dass der Schluss von Dr. C.____, wonach die Schmerzsituat ion primär psychosozial getriggert sei und die Zumutbarkeitsbeurteilung der behandelnden Ärzte hauptsächlich auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers basiere, nachvollziehbar is t. Aufgrund des Berichts von med. pract. H.____ erscheint auch eine psychiatrische Komorbidit ät für die geklagten Beschwerden ausgeschlossen, so dass keine Zweifel an der Zumutbarkeit sbeurteilung von Dr. C.____ beste- hen, wonach der Beschwerdeführer in einer angepassten T ätigkeit seit dem 5. Dezember 2016 zu 100% arbeitsfähig sei. 7. Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten ein e zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so besteht kein Anlass, dem in der Eingabe vom 3. Mai 2019 gestellten (Eventual-) Antrag des Beschwer deführers zu entsprechen, wonach ein Gerichtsgutachten einzuholen sei. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – die Pf licht der Behörde zur Beweisabnahme. Be- weise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs in dessen nur über jene Tatsa- chen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht klärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzicht et werden. Die damit verbundene antizi- pierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). 8. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Wür digung der medizinischen Aktenlage durch Dr. C.____ und seine Zumutbarkeitsbeur teilung nachvollziehbar und schlüssig sind und keine geringe Zweifel an dieser Beurteilung begründet sind. Infolgedessen wurde zu Recht der Anspruch auf eine Invalidenrente abgelehnt. Im Ergebnis resultiert somit die Abwei- sung der vorliegenden Beschwerde. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdefüh rer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Prozess ausgang entsprechend wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.