B. Gerichtsentscheide 3519 87 ausgeführt, ist für die Beurteilung des Vorliegens einer Hand - werksarbeit die Gesamtleistung massgebend. Wer güns tiges Material verarbeitet und wenn dabei der Materialwert den Wer t der Arbeit trotzdem wesentlich übersteigt, leistet gesamthaft betrachtet kein e "Handwerksarbeit" im Sinne von Art. 128 Ziff. 3 OR. Die Montage tritt gegenüber der Lieferung wertmässig in den Hintergru nd und ist als blosse Nebenleistung zu qualifizieren. Der vorliege nde Fall ist vergleichbar denjenigen der Lieferung und Montage v on Normfenstern (BGE 116 II 430) oder Bodenbelägen (SJZ 64 [1968], S. 308). D iese Leistungen wurden nicht als Handwerksarbeit beurtei lt. Vorliegend ist gleich zu entscheiden. Mithin findet Art. 128 Ziff. 3 OR keine An - wendung, und die Verjährungseinrede kann nicht gehö rt werden. Selbst wenn man eine Handwerksarbeit nicht klar ver neinen und einen Grenzfall annehmen würde, müsste nach der Rec htsprechung des Bundesgerichts (Pra 1997 Nr. 8, S. 40) die norm ale und damit die zehnjährige Verjährungsfrist zur Anwendung gelangen . KGP, 06.03.2008 3519 Gebrauchsleihe oder Miete . Wurde eine Ersatzmaschine mit Kennt - nis des Berechtigten schon gebraucht, so ist im Zwe ifel von Gebrauchsleihe gemäss Art. 305 ff. OR auszugehen. Sachverhalt: Eine dem Beklagten gehörende Softeismaschine wurde bei einem Sturz beschädigt. Diese Maschine hatte der Beklagte beim Kläger gekauft. Nach dem besagten Sturz brachte der Beklag te die defekte Maschine zum Kläger zur Erstellung eines schriftlic hen Kosten - voranschlages für eine allfällige Reparatur. Für di e Weiterführung seiner Geschäfte erhielt der Beklagte eine Ersatzso fteismaschine. Aus den Erwägungen: Der Kläger stellte dem Beklagten bei Einlieferung d er reparatur - bedürftigen Softeismaschine eine Ersatzmaschine zur Weiterführung der Geschäfte zur Verfügung. Der Kläger stellte die Kosten für diese Maschine zusammen mit der Entschädigung für die Era rbeitung des 87B. Gerichtsentscheide 3519 88 Kostenvoranschlags in Rechnung. Der Beklagte bringt vor, die Ersatzmaschine sei ihm kostenlos zur Verfügung gest ellt worden. Zu prüfen ist im Folgenden, ob das Zurverfügungstelle n der Ersatzmaschine als Gebrauchsleihe gemäss Art. 305 ff. OR oder als Miete im Sinne von Art. 253 ff. OR zu qualifizieren ist. Gemäss Art. 305 OR verpflichtet sich durch den Gebrauchsleihe - vertrag der Verleiher, dem Entlehner eine Sache zum unentgeltlichen Gebrauch zu überlassen und der Entlehner, dieselbe Sache nach gemachtem Gebrauch dem Verleiher zurückzugeben. Dur ch den Mietvertrag verpflichtet sich der Vermieter, dem Mi eter eine Sache zum Gebrauch zu überlassen und der Mieter, dem Verm ieter dafür einen Mietzins zu leisten ( Art. 253 OR). Ist eine Gebrauchsüber - lassung unentgeltlich, liegt Gebrauchsleihe vor ( Roger Weber , Basler Kommentar, OR I, N 4 der Vorbemerkungen zu Art. 253–274g OR; Heinz Schärer/Benedikt Maurenbrecher, Basler Kommentar, OR I, N 3 zu Art. 305 OR). Sind sich die Parteien bezüglich der Entge ltlichkeit nicht einig, so kommt überhaupt kein Vertrag zustan de (Weber, a.a.O.). Wurde die Sache mit Kenntnis des Berechtig ten schon gebraucht, so ist im Zweifel von Gebrauchsleihe aus zugehen (Weber, a.a.O.; sowie auch Theo Guhl , Das Schweizerische Obligationen - recht, 9. A., Zürich 2000, § 45 N 3). Auch hier hat der Kläger keinen Beweis für die ausd rückliche Vereinbarung einer Vergütung angeboten. Der die Ers atzmaschine betreffende Lieferschein beinhaltet die Beschreibun g der Maschine “Softeismaschine Super Tre BP ” sowie die Hinweise “Wasserge- kühlt/Occasion/leihweise ” und “Leihweise bis auf weiteres ”. Der Kläger hat das Wort "Leihe" verwendet und nicht von "Miete" gesprochen. Weil auch umgangssprachlich, d.h. ausse rhalb juris - tischer Terminologie, Leihe mit unentgeltlich, Miet e dagegen mit einem Zins in Verbindung gebracht wird, muss der Ve rmerk auf dem Lieferschein als Indiz für Unentgeltlichkeit beurte ilt werden. Ein schlüssiger Beweis ist dies aber noch nicht. Andere Indizien sind nicht ersichtlich. Es liegt somit ein Zweifelsfall vor, w eshalb nach der eingangs erwähnten Lehre und Rechtsprechung von Geb rauchsleihe auszugehen ist. Daraus folgt, dass der Beklagte dem Kläger für die Benützung der Ersatzmaschine keine Entschädigung sc huldet. KGP, 18.01.2008 88