Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Januar 2018 (731 13 323 / 19) ____________________________________________________________________ Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung Krankentaggeldversicherung / Anwendbare Allgemeine Vertragsbedingungen (AVB) / Beweisrechtliche Würdigung des medizinischen Sachverhalt / Anspruch auf Taggelder bejaht Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Kläger, vertreten durch Christl Sc haefer, Advokatin, Basel- strasse 11, Postfach 722, 4125 Riehen 1 gegen CONCORDIA Versicherungen AG , Rechtsdienst , Bundesplatz 15 , 6002 Luzern, Beklagte Betreff Taggeld A. Der 1960 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. N ovember 2006 bei der B.____ als System Control Engineer. Im Rahmen der Fusion der A rbeitgeberin mit der C.____ wurde die- ses Arbeitsverhältnis am 12. März 2012 per 30. Sept ember 2012 aufgelöst. Ab dem 1. April 2012 war A.____ gemäss einem Arztzeugnis seines Hau sarztes Dr. med. D.____, FMH Allge- meinmedizin/Sportmedizin, wegen einer Erschöpfungsd epression zu 100% arbeitsunfähig. Seit April 2012 befand er sich zudem in psychiatrischer/ psychologischer Behandlung bei Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und bei M. Sc. F.____, Psychologe FSP/PPB. In Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Zeit vom 4. bis 16. April 2012 hielt sich A.____ st ationär in der Klinik G.____ auf und vom 21. Mai 2012 bis 15. Juni 2012 nahm er an einer ambul anten Therapie bei den Klinken H.____ teil. Die zuständige Krankenversicherung, die I.____, richtete nach Ablauf der 90-tägigen War- tezeit ab 1. Juli 2012 Taggelder aus. Nachdem die Con cordia Versicherungen AG (Concordia) den Krankheitsfall von A._____ als Freizügigkeitsfall i m Sinne des Freizügigkeitsabkommens unter den Krankentaggeld-Versicherern 2006 (Freizügigke itsabkommen) von der I._____ über- nommen hatte, richtete diese mit Wirkung ab 1. Januar 2013 die geschuldeten Taggelder aus. Bereits am 26. Juni 2012 meldete sich A.____ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. B. Mit Schreiben vom 19. Juli 2013 informierte die Co ncordia den Versicherten, dass er gestützt auf die Ergebnisse des versicherungsmedizinischen G utachtens von Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. Juli 2013 mit Wirkung ab 22. Juli 2013 keinen Anspruch auf Taggelder mehr habe. C. Am 7. November 2013 erhob A.____, vertreten durch Advokatin Stefanie Stoll, Klage beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und forderte, die Concordia sei zur Zahlung von Fr. 54‘419.20 nebst Zins zu 5% ab 25. November 2013 zu verur- teilen. Eventualiter sei ein polydisziplinäres Obergutach ten - vorzugsweise unter der Leitung von Prof. Dr. med. K.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie - einzuholen. Subeventuell sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger eine nach rich terlichem Ermessen festzusetzende Übergangsfrist zu gewähren und das Taggeld bis zu diese m Zeitpunkt nebst Zins zu 5% ab mittlerem Verfall zu leisten; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beklagten. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass sich die Bekla gte auf unzureichende medizini- sche Unterlagen stütze. Das Gutachten von Dr. J.____ sei i n sich widersprüchlich und nicht haltbar. Gestützt auf die Angaben und Einschätzungen d er behandelnden Psychiaterin Dr. E.____ und des Hausarztes Dr. D.____ sei vielmehr d avon auszugehen, dass er auch über den 21. Juli 2013 hinaus Anspruch auf Taggelder habe . Er sei bis zum 18. August 2013 zu 100% und ab 19. August 2013 bis zur Ausschöpfung des Lei stungsanspruchs am 1. April 2014 noch zu 80% in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Er habe deshalb noch während 254 Tagen Anspruch auf Taggelder der Beklagten. D. In ihrer Klageantwort vom 27. Januar 2014 beantra gte die Concordia die Abweisung der Klage; unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Klägers. Sie bestritt im Wesentlichen dessen Aus- führungen und hielt gestützt auf die medizinische Beurte ilung von Dr. J.____ fest, dass das Be- schwerdebild weitestgehend abgeklungen und der Kläger w iederum zu 100% arbeitsfähig sei. Zudem habe er ab 19. August 2013 ein volles Taggeld de r Arbeitslosenkasse bezogen, wes- halb bereits unter diesem Aspekt keine Krankentaggelder mehr geschuldet seien. E. Das Kantonsgericht holte zur Abklärung des Sachverhalt es die Akten bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) ein und forderte die Pa rteien auf, sich dazu vernehmen zu lassen. Die Beklagte verzichtete in ihrer Eingabe vom 28. Februar 2014 auf konkrete Bemerkungen. Sie führte jedoch aus, dass sie dem Kläger für zwei Kinder s owie unter Berücksichtigung eines freiwilligen Arbeitgeberbeitrages von je Fr. 50.-- pr o Kind Kinderzulagen in Höhe von Fr. 600.-- pro Monat ausbezahlt habe. Ab. 1. April 2013 habe de r Kläger jedoch nur noch Anspruch auf Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Kinderzulage für seine Tochter gehabt. Zudem sei mit dem Ausscheiden aus dem Arbeits- verhältnis mit der C.___ AG der freiwillige Arbeitgeb erbeitrag in Höhe von je Fr. 50.-- entfallen. Sie habe dem Kläger daher in der Zeit vom 1. April 2013 bis 21. Juli 2013 zu viel Kinderzulagen in Höhe von Fr. 1‘291.50 ausgerichtet. Diesen Betrag mache sie verrechnungsweise geltend für den Fall, dass das Gericht die Klage gutheisse. Der Kläg er beantragte am 4. April 2014 mit Blick auf die IV-Akten die Sistierung des vorliegenden K lageverfahrens, bis das von der IV- Stelle bei der L.____ in die Wege geleitete Obergutachten erstattet sei. F. Mit Eingabe vom 22. April 2014 erachtete die Concor dia die Sistierung des Verfahrens als unnötig. G. Das Kantonsgericht sistierte dennoch mit Verfügung vo m 30. April 2014 das Verfahren bis zum Vorliegen des von der IV-Stelle bei der L.____ in Auftrag gegebenen Gutachtens. Zur Begründung wurde festgehalten, dass sich eine Sistierung des vorliegenden Verfahrens als zweckmässig erweise, weil die IV-Stelle prüfen lasse, ob da s Gutachten von Dr. J.____ vom 13. Juli 2013 eine geeignete Entscheidungsgrundlage darstelle. H. Nachdem der Kläger, weiterhin vertreten durch Advoka tin Stefanie Stoll, am 14. November 2014 das Gutachten der L.____ vom 3. Nov ember 2014 eingereicht hatte, hob das Kantonsgericht die Sistierung des Verfahrens mit Ver fügung vom 18. November 2014 auf. Im Gutachten wurden beim Kläger mit Auswirkung auf di e Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend schizoiden Anteilen (ICD-10 F60.1) und ein ADHS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90) diagnostiziert, weshalb dieser nicht mehr arbeitsfähig sei. Dazu führte die Rechtsvertreterin des Klägers am 19. Januar 20 15 aus, dass diese Beurteilung die Ausführungen der behandelnden Ärzteschaft und die Position des Klägers bestätige. Die Beklagte liess sich am 29. Januar 2015 zum Gutachten d er L.____ vernehmen und reichte eine Stellungnahme ihres beratenden Psychiaters Dr. me d. M.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 15. Januar 2015 ein. Gestützt auf de ssen Ausführungen hielt sie fest, dass auf das Gutachten nicht abgestellt werden könne, da es gr avierende Mängel aufweise. So sei die Diagnosestellung mangelhaft und ungenügend begrün det. Zudem entspreche es nicht den Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) vom Februar 2012. Weiter wür den keine Differentialdiagnosen gestellt und es fände im Gutachten nicht einmal ansatzw eise eine Diskussion darüber statt, ob die allgemeinen ICD-10 Kriterien für eine Persönlich keitsstörung vorlägen. Es könne deshalb nicht auf die im Gutachten genannte Einschätzung der I ntensität der Persönlichkeitsstörung abgestellt werden. Betreffend das diagnostizierte ADHS im Erwachsenenalter hielt die Beklagte gestützt auf die Angaben von Dr. M.____ fest, dass die d urchgeführten Untersuchungen gegen eine solche Diagnose sprechen würden. Zusammenfassend hi elt die Beklagte fest, dass das Gutachten der L.____ die Schlussfolgerungen von Dr. J. ____ nicht widerlege. Die von diesem attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit sei daher nicht zu beanstanden. I. Im Rahmen der Parteiverhandlung vom 15. Juni 2015 , an welcher A.____, nunmehr ver- treten durch Advokatin Christl Schaefer, und eine Vert reterin der Beklagten teilnahmen, hielten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht diese an ihren Anträgen und Stellungnahmen fest. Das K antonsgericht unterbreitete sodann folgenden Vergleichsvorschlag: "1. Die Beklagte verpflichtet sich per Saldo aller Ansp rüche, dem Kläger für die Zeit vom 22. Juli 2013 bis 20. Dezember 2013 während 5 Monaten insgesamt 152 Taggelder (730 Taggelder ÷ 24 Monate x 5 Monate) im Gesamtbetrag von Fr. 33‘152. 20 28 Tage à Fr. 260.65 [Fr. 7‘298.20] bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit bis 18. August 2013 plus 124 Tage à Fr. 208.50 [Fr. 25‘854.--] bei einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit bis 20. Dezember 2013) zu bezahlen. 2. Die Beklagte verpflichtet sich, dem Kläger eine Par teientschädigung in Höhe von Fr. 3‘800.-- zu bezahlen. Die übrigen Parteikosten werden wettgeschlag en. 3. Gestützt auf diesen Vergleich beantragen die Parte ien dem Gericht die Abschreibung des Klageverfahrens. 4. Dieser Vergleich wird rechtskräftig, sofern keine der Parteien dem Gericht innert Frist bis 19. Juni 2015 schriftlich dessen Widerruf erklärt." J. Nachdem der Kläger mit Schreiben vom 18. Juni 2015 den Vergleich durch seine Rechtsvertreterin widerrufen liess, sistierte das Kantonsg ericht das Verfahren mit Verfügung vom 1. Juli 2015 bis zum Vorliegen der Ergebnisse einer von der IV-Stelle angeordneten bidis- ziplinären Begutachtung. Dieses Vorgehen wurde dahing ehend begründet, dass nach Auffas- sung des Instruktionsrichters der medizinische Sachverhalt auch nach Durchführung der Partei- verhandlung ungenügend abgeklärt sei und keine zuverlä ssige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatte, weshalb sich weitere medizinische Untersuchungen des Klägers aufdrängen würden. In Anbetracht der Tatsache, dass die IV-Stelle eine bidisziplinäre (psychiat- risch/neuropsychologisch) Begutachtung des Klägers in die W ege geleitet habe, verzichte das Kantonsgericht selbst auf die Einholung eines entsprechend en Gutachtens. Dabei sei jedoch sicherzustellen, dass im Rahmen der IV-Begutachtung auch die das vorliegende Verfahren be- treffenden Fragen beantwortet würden. Nachdem die IV-Stelle am 29. Juli 2015 mitgeteilt hatte, dass nichts gegen eine Beteiligung des Kantonsgerichts an i hrer Begutachtung spreche, wurde den Parteien mit Verfügung vom 1. September 2015 Gel egenheit gegeben, Ergänzungsfragen zu stellen. Der Kläger liess durch Advokatin Schaefer am 3. September 2015 verschiedene Er- gänzungsfragen stellen. Am 1. Oktober 2015 liess das Kant onsgericht der IV-Stelle seine Er- gänzungsfrage und jene des Klägers zukommen. Diese lauteten wie folgt: War der Kläger in der Zeit von Juli 2013 bis März 2014 in der Arbeitsfähigkei t eingeschränkt? Wenn ja: In welchem Umfang war er in der angestammten bzw. in einer seinen Beschwerden adaptierten Tätigkeit arbeitsunfähig (Ergänzungsfrage Kantonsgericht)? Wurd e die Arbeitsfähigkeit in der Periode von Juli 2013 bis März 2014 durch zusätzliche Faktoren reduzi ert (z.B. das Burnout Ende 2012)? Wenn ja, wie stark haben diese die Arbeitsunfä higkeit erhöht (Ergänzungsfrage Klä- ger)? K. Am 7. Dezember 2016 gingen die Gutachten von Dr. me d. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. Mai 2016 und von lic. phil. I O. ____, Fachpsychologe für Neuropsy- chologie FSP, vom 3. Dezember 2016 ein. Zu den Ergebni ssen der Gutachter liess sich die Beklagte am 4. Januar 2017 vernehmen und stellte sich au f den Standpunkt, dass darauf nicht abgestellt werden könne. Lic. phil. O.____ habe keine verwertbare neuropsychologische Ein- schätzung der Arbeitsfähigkeit für den in Frage kommende n Zeitraum abgegeben. Auch Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. N.____ lege für die Zeit ab 22. Juli 2013 bis 1. April 2014 die von ihm attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar und einleucht end dar. Es sei daher weiterhin auf die schlüssigen Einschätzungen von Dr. J.____ und Dr. M.____ a bzustellen und ab 22. Juli 2013 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. L. Der Kläger nahm zum bidisziplinären Gutachten von Dr. N.____ und lic. phil. O.____ am 9. Januar 2017 Stellung und hielt fest, dass gestützt da rauf in der strittigen Zeit von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in einer Verweistätigkeit auszugehen sei. Die Ergebnisse stünden daher in klarem Widerspruch zu den Angaben von Dr. J.____ und Dr. M.____. M. Am 17. Februar 2017 liess der Kläger mitteilen, da ss zwischenzeitlich der Vorbescheid der IV-Stelle ergangen sei. Dieser sehe vor, dass er ab 1. April 2013 Anspruch auf eine ganze IV-Rente habe. In ihrer Verfügung vom 19. April 201 7 bestätigte die IV-Stelle, dass der Kläger mit Wirkung ab 1. April 2013 gestützt auf einen IV-Grad von 100% und ab 1. Juli 2013 aufgrund eines IV-Grads von 72% Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. N. Am 15. Juni 2017 fand eine Urteilsberatung vor de m Kantonsgericht statt, in deren Folge das Verfahren erneut verfügungsweise ausgestellt und di e Akten der IV-Stelle ab 28. Juli 2015 und des Kantonalen Amtes für Industrie und Gewerbe (K IGA) eingeholt wurden. Dieses Vorge- hen drängte sich auf, nachdem das Kantonsgericht im Ra hmen einer telefonischen Auskunft in Erfahrung gebracht hatte, dass die IV-Stelle, nachdem die Rentenverfügung vom 24. März 2017 in Rechtskraft erwachsen war, bereits am 24. Mai 2017 ei ne Leistungsverfügung erlassen und verschiedene Drittauszahlungen vorgenommen hatte, die auc h den im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Anspruch betrafen. O. Nach Eingang der entsprechenden Unterlagen der IV- Stelle und des KIGA erhielten die Parteien mit Verfügung vom 16. August 2017 Gelegenhei t, sich dazu zu äussern. Am 1. September 2017 teilte die Beklagte mit, dass sie gr undsätzlich an den bereits gestellten An- trägen festhalte. Darüber hinaus sei festzustellen, dass d er Kläger ab 1. April 2013 Anspruch auf eine ganze IV-Rente in Höhe von Fr. 1'947.-- pro Monat habe. Vom vertraglichen Taggeld- anspruch von Fr. 260.65 wäre gestützt auf Art. 50 der A llgemeinen Vertragsbedingungen (AVB) in jedem Fall die IV-Rente in Höhe von Fr. 64.-- pro Tag abzuziehen. Der verbleibende maxima- le Taggeldanspruch betrage somit Fr. 187.45 bei ein er 100%igen und Fr. 144.50 bei einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit. Sollte das Gericht zum Erg ebnis gelangen, dass der Kläger über den 21. Juli 2013 hinaus Anspruch auf Krankentaggelder habe, so könnten ihm unter Berück- sichtigung der klägerischen Anträge und der ihm zuerkannte n IV-Leistungen Krankentaggelder von maximal Fr. 37'573.65 zugesprochen werden. P. Der Kläger liess sich am 6. September 2017 vernehmen. Eingangs teilte er durch seine Rechtsvertreterin mit, dass nun auch die Pensionskasse eine provisorische temporäre Rente ab dem 1. Januar 2014 von Fr. 3'866.-- und Fr. 238.-- ( versicherte Boni) gesprochen habe. Die Pensionskasse habe aber von ihrer Berechtigung, die Ren te aufzuschieben, Gebrauch ge- macht, weshalb ihre Leistungen den vorliegenden Fall n icht beträfen. Weiter wurde vorge- bracht, dass dem Kläger durch die Beklagte bis Ende Dezemb er 2013 ein volles Taggeld zu leisten gewesen wäre. Gestützt auf die von ihm vorgenomme ne Berechnung betreffend Über- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht entschädigung bestehe gegenüber der Beklagten weiterhi n ein Anspruch von mindestens Fr. 32'064.25. Gegenüber dem ursprünglich eingeklagte n Betrag von Fr. 54'419.20 betrage die von der Beklagten noch zu bezahlende Summe 59% des ursprü nglichen Betrages. Dies dürfe aber keinen Einfluss auf die Prozesskosten habe, weshalb d em Kläger eine volle Parteient- schädigung zuzusprechen sei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung un terstehen gemäss Art. 12 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (K VG) vom 18. März 1994 dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) vom 2. Apr il 1908. Streitigkeiten im Be- reich dieser Zusatzversicherungen sind privatrechtlicher Natu r, weshalb strittige Ansprüche darüber in einem zivilprozessualen Verfahren geltend zu machen sind. Das Verfahren im Zivil- prozess regelt die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008. 1.2 Die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts, Abte ilung Sozialversicherungsrecht, ergibt sich aus Art. 7 ZPO i.V.m. § 54 Abs. 1 lit. d d es Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993. Wie das Kantonsgericht mit Grundsatzentscheid vom 1. Dezember 2011 festhielt, ist bei Klagen betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung ke ine vorgängige Schlichtung durchzuführen, womit sie direkt am Kantonsgericht, Abt eilung Sozialversicherungsrecht, einzu- reichen sind (Beschluss des Kantonsgerichts vom 1. Dezember 2011, 731 11 262). 1.3 Die örtliche Zuständigkeit richtet sich grundsätzlich nach Art. 9 ff. ZPO. Der dem vorlie- genden Fall zu Grunde liegende Versicherungsvertrag ist als Konsumentenvertrag im Sinne von Art. 32 ZPO zu qualifizieren, weshalb die Klage am Wo hnsitz des Versicherten eingereicht wer- den kann (Art. 32 Abs. 1 lit. a ZPO; vgl. U RS FELLER / JÜRG BLOCH , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, 3. Auf lage, Zürich Basel Genf 2016, Art. 32 Rz 54 ff.). Nichts anderes ergibt sich vorliegend aus den AVB sowohl der I.____ (vgl. Art. 93) wie auch der Concordia (Art. 56), wonach ei n Wahlgerichtsstand am Wohnsitz der ver- sicherten Person besteht. Da der Kläger im Zeitpunkt d er Einreichung der Klage Wohnsitz in P.____ hatte, ist das angerufene Kantonsgericht auch ör tlich zuständig. Auf die formgerecht erhobene Klage ist damit einzutreten. 2.1 Der Kläger beantragte in seiner Klage vom 7. No vember 2013, die Beklagte sei zur Zahlung von Fr. 54'419.20 nebst Zins seit 25. November 2013 zu verpflichten. Bei der Berech- nung der Forderungssumme ging er damals von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit in der Zeit ab 22. Juli 2013 und von einer 80%igen ab 19. August 2013 bis 1. April 2014 aus. Bei einem Restanspruch von 254 Taggeldern von je Fr. 260.65 in de r Zeit vom 22. Juli 2013 bis 18. Au- gust 2013 bzw. Fr. 208.50 ab 19. August 2013 bis 1. Ap ril 2014 ergab sich der eingeklagte For- derungsbetrag. Mit Eingabe vom 9. Januar 2017 fordert e der Kläger ein 100%iges Taggeld bis zum 31. Dezember 2013 und ab 1. Januar 2014 ein solche s von 80%, woraus eine Taggeldfor- derung von Fr. 61'459.45 resultierte. Damit hat der Kläger eine Klageänderung im Sinne von Art. 227 Abs. 1 ZPO vorgenommen. Diese ist zulässig, wen n der geänderte oder neue An- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht spruch nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen ist u nd mit dem bisherigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang steht (lit. a) oder die Gegenpartei zustimmt (lit. b). Gemäss Lehre stellt eine Erweiterung des Rechtsbegehrens auf zwi schenzeitlich fällig gewordene Teil- leistungen eine zulässige Klageerweiterung dar (vgl. D ANIEL WILLISEGGER , in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basel 2017, zu Art. 227 ZPO Rz. 32). 2.2 Vorliegend beruht die Klageänderung auf dem Umst and, dass der Kläger geltend macht, die Beklagte hätte ihm für die Einarbeitung in eine spätere Verweistätigkeit eine Umstel- lungszeit gewähren müssen, welche auf 5 Monate bis Ende Dezember 2013 zu bemessen sei. Danach sei bis zum 1. April 2014 von einem Taggeldansp ruch auf der Basis einer 80%igen Ar- beitsunfähigkeit auszugehen. Daraus ergibt sich, dass die Klageerweiterung mit dem bisherigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang steht; sie ist deshalb statthaft. Zudem hat die Beklagte keine Einwände dagegen erhoben. In seiner Eingabe vom 6. September 2017 forderte der Kläger unter Berücksichtigung der bereits geleistet en bzw. noch zu leistenden Drittauszah- lungen durch die Invalidenversicherung und die Arbeitslo senkasse noch einen Betrag von min- destens Fr. 32'064.25 bzw. von Fr. 41'343.25. Dabei han delt es sich aber nicht um eine Klage- änderung im vorstehenden Sinne. Die Anpassung des Leist ungsbegehrens erfolgte lediglich aufgrund der Nachzahlungen der gesetzlichen Sozialversicherungen. 3.1 Nach Art. 247 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ist der vorliegende Prozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die Untersuchungsmaxi me gebietet es dem Gericht zwar, den Sachverhalt mit eigenen Mitteln abzuklären un d mit vertretbarem Aufwand zu einem hinreichend sicheren Beweisergebnis zu gelangen; es ist dabei aber nicht an Beweisanträge gebunden und kann auch von sich aus Beweis erheben. Die Parteien werden dadurch jedoch nicht von der Mitwirkung an der Erhebung der Beweise un d der Erstellung des Sachverhaltes entbunden. Sie sind es, die primär die Verantwortung für die Ermittlung des Sachverhaltes tra- gen. Das Bundesgericht hat die in den Vorgängernormen zu Abs. 2 enthaltene Untersu- chungsmaxime daher bisweilen auch als gemilderte Verhand lungsmaxime bezeichnet. Nur wenn an der Vollständigkeit der Behauptungen oder Be weise ernsthafte Zweifel bestehen, muss das Gericht nachforschen. Diese Nachforschung besteht aber allein darin, die Parteien auf ihre Mitwirkungspflicht sowie auf die Pflicht zum Be ibringen von Beweisen hinzuweisen. Die Untersuchungsmaxime zwingt das Gericht nicht dazu, das Bew eisverfahren beliebig auszudeh- nen oder alle möglichen Beweise abzunehmen. Ebenso wen ig verleiht die Untersuchungsma- xime den Parteien Anspruch auf ein bestimmtes Beweismit tel. Das Gericht muss die betroffene Partei nur einmal auf etwaige Unzulänglichkeiten in i hren Tatsachenbehauptungen und Be- weismitteln hinweisen. Bei anwaltlicher Vertretung ist das Mass der gerichtlichen Mitwirkung auf "krasse Fälle" beschränkt. Indessen verpflichtet die Unter suchungsmaxime das Gericht, ord- nungsgemäss eingebrachte und taugliche Beweismittel zu b erücksichtigen, wenn es von der Nichterweislichkeit einer bestimmten Tatsache ausgehen wi ll. Die Untersuchungsmaxime än- dert nichts an der formellen Beweislast. Kann etwa das Bestehen einer entscheidungserhebli- chen Tatsache durch das Gericht weder bejaht noch verneint werden, so entscheidet das Ge- richt trotz Untersuchungsmaxime gemäss Art. 8 des Schweizer ischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 nach Beweislastgesichtspunkten (vgl. B ERND HAUCK , in: Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger, a.a.O., Art. 247 Abs. 2 ZPO Rz 33 ff.). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat gemäss Art. 8 ZGB derjenige das Vor- handensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, de r aus ihr Rechte ableitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungsrecht die anspruchsbegrün- denden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der übe rwiegenden Wahrscheinlichkeit erwie- sen sein (BGE 130 III 327 E. 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tat- sachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 Z GB beim Versicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Schwei zerischen Bundesgerichts vom 22. Novem- ber 1990]). 3.3 Gelangt das Gericht in Würdigung von Beweisen zur Ü berzeugung, eine Tatsachenbe- hauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweisla stverteilung gegenstandslos (BGE 109 II 251 E. 3.5). Diesfalls liegt freie Beweiswürdigung vor , die bundesrechtlich nicht geregelt ist, auch nicht durch Art. 8 ZGB. Diese Bestimmung schreibt dem Gericht nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären und wie das Ergebn is davon zu würdigen ist (BGE 112 II 179); sie schliesst selbst vorweggenommene Beweiswürdigung und Indizienbeweise nicht aus (BGE 109 II 31 E. 3b und 344/45). Eine beschränkte Be weisabnahme verletzt Art. 8 ZGB daher nicht, wenn das Gericht schon nach deren Ergebnis von der S achdarstellung einer Partei über- zeugt ist, gegenteilige Behauptungen also für unbewies en hält (BGE 114 II 290 E. 2). Ebenso schliesst der im Verfahren zur Beurteilung von Streitigke iten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung herrschende Untersuchungsgrunds atz die antizipierte Beweis- würdigung nicht aus (Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2006, 5C.206/2006, E. 2.1). 3.4 Dem Versicherer steht ein - aus Art. 8 ZGB abgeleit etes - Recht auf Gegenbeweis zu. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erford erlich, dass der Hauptbeweis er- schüttert wird (BGE 120 II 393 E. 4b) und damit die S achbehauptungen nicht mehr als überwie- gend wahrscheinlich erscheinen. Gelingt der Gegenbeweis, an der Sachdarstellung des An- spruchsberechtigten erhebliche Zweifel zu wecken, so ist der Hauptbeweis des Anspruchsbe- rechtigten gescheitert. 4.1 Materiell strittig und zu beurteilen ist, ob der K läger über den 21. Juli 2013 hinaus bis zum 1. April 2014 ganz oder teilweise arbeitsunfähig wa r und deshalb weiterhin Anspruch auf Ausrichtung von Krankentaggeldleistungen der Beklagten hat. 4.2.1 In diesem Zusammenhang ist zunächst auf Folgendes hinzuweisen: Da das VVG ausser in Art. 87 keine spezifischen Bestimmungen zum Krankenta ggeld enthält, sind die vertraglichen Vereinbarungen der Parteien, das heisst in erster Linie die AVB, massgebend. Dabei ist im vor- liegenden Verfahren zu berücksichtigen, dass die I.____ ursprünglich Taggelder ausrichtete. Ab 1. Januar 2013 wurde der Krankheitsfall von der Beklag ten als Freizügigkeitsfall im Sinne des Freizügigkeitsabkommens übernommen. Nach Art. 3 Abs. 1 des Freizügigkeitsabkommens ver- pflichten sich die beigetretenen Versicherer, sämtlichen bisher versicherten Personen den beim neuen Versicherer vorgesehenen Versicherungsschutz zu gewähr en. Art. 4 des Abkommens enthält unter der Überschrift "Übertrittsbedingungen bei laufenden Schadenfällen" Spezialbe- stimmungen. Nach Art. 4 Abs. 2 des Freizügigkeitsabkommen s gehen laufende Schadenfälle ab Datum des Versichererwechsels im Umfange der beim bisherigen Versicherer vorgesehenen Höhe des Taggeldes, der Wartefrist und der Leistungsdauer zu Lasten des neuen Versicherers, sofern der Arbeitnehmer beim neuen beziehungsweise bish erigen Arbeitgeber im gleichen Um- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fang angestellt ist (Satz 1). Bei einer Anstellung im Rahmen der Restarbeitsfähigkeit übernimmt der bisherige Versicherer den laufenden Schadenfall (Satz 2). 4.2.2 Im vorliegenden Fall war der Kläger nach Übern ahme des Falles durch die Beklagte nicht mehr im gleichen Umfang bei der C.____ AG bzw. b ei einem neuen Arbeitgeber ange- stellt. Aus diesem Grund sind Art. 4 Abs. 2 Satz 2 des F reizügigkeitsabkommens und damit grundsätzlich die AVB der I.____ anwendbar. Letztlich spielt es für die Beurteilung der strittigen Frage aber keine entscheidende Rolle, welche AVB anwe ndbar sind. So lauten sowohl in den AVB der I.____ wie auch in denjenigen der Beklagten d ie Definitionen der Arbeitsunfähigkeit annähernd gleich. Art. 15 AVB der I.____ hält fest, dass die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi schen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit ist, im bisherigen Beruf zumutbar e Arbeit zu leisten. Gemäss Art. 10 AVB der Concordia liegt eine Arbeitsunfähigkeit vor, wenn die versicherte Person infolge einer versi- cherten Krankheit oder eines versicherten Unfalls ganz ode r teilweise ausserstande ist, ihren derzeitigen Beruf oder eine andere zumutbare Erwerbstä tigkeit auszuüben. Zudem leistet die I.____ Taggeldleistungen für die Dauer der nachgewies enen Arbeitsunfähigkeit (Art. 21 AVB) und die Concordia, wenn die versicherte Person nach är ztlicher Feststellung ganz oder teilwei- se arbeitsunfähig ist. Auch in Bezug auf die Leistungen Dritter unterscheiden sich die AVB kaum. Die I.____ erbringt lediglich ergänzende Leistung en, sofern eine (obligatorische) Sozial- versicherung Leistungen ausrichtet (Art. 23 AVB). Die Con cordia bestimmt, dass Leistungen von Sozialversicherern angerechnet würden (vgl. Art. 8 A VB). In beiden Fällen handelt es sich demnach um koordinationsrechtliche Bestimmungen für den Fall, dass die Sozialversicherer Leistungen erbringen. 4.3 Es ist zu prüfen, in welchem Umfang der Kläger ab 22. Juli 2013 arbeitsunfähig war. Zur Beurteilung seines Gesundheitszustandes und seiner Arbei tsfähigkeit liegen zahlreiche medizi- nische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt gewürd igt wurden. Im Folgenden sollen indes- sen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wieder gegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. 4.4.1 Am 13. Juli 2013 erging das durch die Beklagte bei Dr. J.____ in Auftrag gegebene Gut- achten. Dieser diagnostizierte einen Status nach reaktiver Depression, zwischenzeitlich remit- tiert, und akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstisch en und asthenischen Anteilen. Anamnestisch habe der Versicherte angegeben, während seiner beruflichen Karriere 16 Mal die Stelle gewechselt zu haben, wobei die Gründe dafür vie lfältig gewesen seien. Psychopatholo- gisch zeige er eine ausgeglichene Stimmungslage mit gute r affektiver Auslenkbarkeit. Er sei im Affekt weiterhin erheblich gekränkt durch die Kündigung und wegen der ungewissen Zukunft. Im Rahmen der klinischen Prüfung während der Evaluation se ien die kognitiven Fähigkeiten wie Konzentration, Auffassung, Merkfähigkeit, Erinnerung und Umstellfähigkeit im Gespräch intakt gewesen. Der Versicherte sei im formalen Denken teilweise etwas weitschweifig, jedoch durch- wegs geordnet und kohärent. Zusammenfassend hielt Dr. J. ____ fest, dass dieser Befund mit einer reaktiven Depression vereinbar sei, die inzwischen bereits weitgehend abgeklungen sei. Zudem läge für eine Persönlichkeitsstörung kein überzeu gender Beleg vor. Aus diesen Grün- den bestehe keine Arbeitsunfähigkeit mehr. Am 24. Aug ust 2013 hielt Dr. J.____ an seiner Be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht urteilung fest. Weiter wies er darauf hin, dass jedoch auf die Ergebnisse der im IV-Verfahren eingeleiteten Untersuchungen abgewartet werden solle. 4.4.2 In den Akten befindet sich das Gutachten der L.__ __ vom 3. November 2014, welches von der IV-Stelle in Auftrag gegeben wurde. Diesem sin d als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörun g mit vorwiegend schizoiden Anteilen und ein ADHS im Erwachsenenalter zu entnehmen. Zur Arbeitsfähigkeit wird festgehalten, dass der Kläger ohne eine langfristige Psychotherapie auf D auer kaum in ein Team eingegliedert werden könne. Zusätzlich sei eine schrittweise Wiederein gliederung in einem geschützten Rahmen dringend indiziert. Der Kläger sei aktuell 100% arbeitsunfähig. 4.4.3 Die Beklagte holte nach Eingang des Gutachtens d er L.____ eine fachärztliche Stel- lungnahme bei Dr. M.____ ein. Dieser kam am 15. Janua r 2015 zum Schluss, dass die im Gut- achten gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar begrü ndet und seit der Untersuchung durch Dr. J.____ im Juli 2013 keine neuen Befunde erhoben w orden seien. Aus diesem Grund sei dessen Einschätzung auch weiterhin aktuell, weshalb bei m Kläger von einer 100%igen Arbeits- fähigkeit auszugehen sei. 4.5.1 Das Kantonsgericht kam im Rahmen der Parteiverhand lung vom 28. Mai 2015 zum Schluss, dass sich die vorstehenden, aber auch die übrigen in den Akten befindenden Berichte - welche alle samt als Parteibehauptungen zu qualifizier en sind (vgl. BGE 141 III 433 E. 2.6) -, als unklar und widersprüchlich erweisen würden. Sie würd en weder betreffend die gestellten Diagnosen noch in Bezug auf die Einschätzung der Arbeit sfähigkeit überzeugen, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Das Kantonsgericht stellte den Fall deshalb aus und beabsich- tigte, selbst ein Gutachten einzuholen. Nachdem es in Er fahrung gebracht hatte, dass die IV-Stelle ebenfalls ein psychiatrisches/neuropsychologisches Gutachten bei Dr. N.____ und lic. phil. O.____ in die Wege geleitet hatte, schloss sich das Kantonsgericht dieser Begutach- tung an. Das bidisziplinäre Gutachten von Dr. N.____ un d lic. phil. O.____ erging am 26. Mai 2016/3. Dezember 2016 und ging am 6./7. Dezember 2016 beim Kantonsgericht ein. 4.5.2.1 In seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 26. Mai 2017 diagnostizierte Dr. N.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung bei einem Status nach mittelgradiger depressiver Episode, gegenwärtig weitgehend remittiert, mit Status nach zwei Burnouts in den Jahren 2005 und 2012, mit narzisst ischen, zwanghaften und schizoiden Persönlichkeitszügen, ein ADHS, eine kombinierte Persönl ichkeitsstörung mit narzisstischen, zwanghaften und schizoiden Anteilen mit Tendenz zu Impu lsreaktionen, eine somatoforme, autonome Funktionsstörung mit chronischer Müdigkeit und we chselhafter, neuropsychologi- scher Störung vor allem in der Konzentration mit psychomot orischer Verlangsamung und Fehlerneigung. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden Probleme mit der Ehepart- nerin, ein Status nach Problemen mit der früheren Eh epartnerin mit teilweisem Kontaktabbruch zu den beiden Kindern. Dr. N.____ wies darauf hin, da ss die objektiven Befunde beim Kläger leicht bis mittelgradig seien. In vielen Funktionsberei chen weise er wechselhafte bis maximal mittelgradige Beeinträchtigungen auf. Wegen der Ges undheitsschädigung zeige er mittelgradi- ge bis schwere Beeinträchtigungen in der Planung und de r Strukturierung von Aufgaben, in der Flexibilität und der Umstell- sowie in der Gruppenfäh igkeit. In einigen Bereichen lägen mittel- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gradige Beeinträchtigungen vor, so zum Beispiel in der Planung und Strukturierung von Aufga- ben, der Flexibilität und der Umstell-, der Durchhalte - und Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie in familiären Beziehungen. Invaliditätsfremde Faktoren w ürden aber nicht vorliegen und eine Ag- gravation könne ausgeschlossen werden. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. N.____ sodann allgemein aus, dass der Kläger als Elektrozeichne r und Elektroingenieur seit Mai 2012 vollschichtig arbeitsunfähig sei. In einer angepassten Täti gkeit würde ab Sommer 2013 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehen. In konkreter Beantwo rtung der Ergänzungsfrage des Kan- tonsgerichts äusserte sich Dr. N.____ dahingehend, dass d er Kläger von Juli 2013 bis März 2014 als Elektroplaner voll arbeitsunfähig gewesen sei und eine Verweistätigkeit zu 50% zu- mutbar gewesen wäre. Die Ergänzungsfrage des Klägers, ob die Arbeitsfähigkeit in der Periode von Juli 2013 bis April 2014 durch zusätzliche Faktoren wie zum Beispiel das Burnout Ende 2012 reduziert gewesen sei, beantwortete Dr. N.____ d ahingehend, dass das Burnout sicher geeignet gewesen sei, die Arbeitsfähigkeit als Elektr oplaner nicht mehr aufrecht erhalten zu können. 4.5.2.2 Lic. phil. O.____ führte in seinem Teilgutach ten vom 3. Dezember 2016 aus, dass der Kläger eine leichte bis mittelgradige neuropsychologisc he Störung multifaktorieller Aetiologie bei einer rezidivierenden depressiven Episode, gegenwär tig remittiert, bei Status nach zwei Burnouts in den Jahren 2005 und 2012, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzissti- schen, zwanghaften und schizoiden Anteilen, ein ADHS im Erwachsenenalter, eine somatofor- me autonome Funktionsstörung mit chronischer Müdigkeit, ein leichtes Schlafapnoesyndrom und ein chronisches cervicospondylogenes Syndrom aufweise. Er leide unter einem komplexen psychiatrischen Beschwerdebild mit rezidivierenden depressiven Episoden, mit akzentuierten Persönlichkeitszügen mit zwanghaften, narzisstischen und asthenischen Anteilen, mit einer Be- lastung in Verbindung mit der beruflichen Situation so wie einem ADHS im Erwachsenenalter. Diese Symptome hätten Einfluss auf den beruflichen Wer degang mit zahlreichen Stellenwech- seln und seien möglicherweise die Grundlage der aktuell eingeschränkten Arbeitsfähigkeit. Im Rahmen der neuropsychologischen Befundbeurteilung liess lic. phil. O.____ verlauten, dass der Kläger psychomotorisch deutlich antriebsarm und bezüglic h des mentalen Arbeitstempos deut- lich verlangsamt wirke. Bei der neurokognitiven Testung stünden die Beeinträchtigung der Lern- und Gedächtnisleistungen im Vordergrund. Des Weiteren lägen Minderleistungen vor in den Bereichen der Aufmerksamkeit/Konzentration, der Exekuti vfunktionen, der visuellen Wahrneh- mung, der Analyse (Gnosis) und der Orientierung. Im ver bal-episodischen Gedächtnis sei die Lernkurve verzögert und flach. In den Aufgaben zur Aufmerksamkeit/Konzentration würden sich deutliche aufgabenspezifische Schwankungen zeigen. Auch in den Exekutivfunktionen sei das verbale Arbeitsgedächtnis leicht reduziert, visuell dag egen in der durchschnittlichen Norm. Zur Validität der neuropsychologischen Befunde hielt lic. p hil. O.____ fest, dass das Antwortverhal- ten ebenso wie die Leistungsbereitschaft unauffällig und die Befunde grundsätzlich mit der anamnestisch erhobenen eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ve reinbar seien. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit im vorliegend strittigen Zeitraum f ührte lic. phil. O.____ in Beantwortung der Ergänzungsfrage des Kantonsgerichts aus, dass eine neurop sychologisch begründete Arbeits- unfähigkeit in der Zeit von Juli 2013 bis Ende 2014 zwa r möglich sei, aber nicht belegt werden könne. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6.1 Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gerichtsg utachten der freien richterlichen Be- weiswürdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden d ie Vollständigkeit, die Nachvollziehbar- keit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverh alt stützt und den Befund ausreichend begründet. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch "nich t ohne zwingende Gründe" von einer gerichtlichen Expertise ab (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2009, 4A_327/2009, E. 2.2; BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa). Ein Grund zum A bweichen kann vorliegen, wenn die Ge- richtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Ge richt eingeholtes Obergutachten in nicht überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen ge langt. Eine abweichende Beurtei- lung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzl iche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, d ie Schlüssigkeit des Gerichtsgutach- tens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberexperten für ange- zeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abwei- chende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 290 E. 1b, 112 V 32 f. mit Hinweisen). 4.6.2 Zunächst steht fest, dass auf das neuropsychologische Teilgutachten von lic. phil. O.____ nicht abgestellt werden kann, weil dieses keine verwertbaren Angaben zur Arbeitsfähig- keit in der Zeit von Juli 2013 bis April 2014 enthält. Das Gericht sieht aber keine zwingenden Gründe, von den Schlussfolgerungen von Dr. N.____ ab zuweichen. Sein Teilgutachten vom 26. Mai 2016 ist für die streitigen Belange umfassend , es beruht auf allseitigen Untersuchun- gen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurtei- lung der medizinischen Situation ein. Seine Ausführun gen bilden eine zuverlässige und rechts- genügliche Grundlage, um die Arbeitsfähigkeit des Kläg ers ab 22. Juli 2013 beurteilen zu kön- nen. Es ist demnach davon auszugehen, dass der Kläger aus psychiatrischer Sicht in der Zeit vom 22. Juli 2013 bis 1. April 2014 in der angestammte n Tätigkeit als Elektroplaner zu 100% arbeitsunfähig war. In einer Verweistätigkeit bestand ein Jahr nach dem Burnout im Jahr 2012 ab Juli 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 50%. 4.6.3 Daran ändern die Einwände der Beklagten nichts. Sie macht zunächst geltend, Dr. N.____ erachte einzig die etwas histrionischen Per sönlichkeitszüge und die Tatsache, dass beim Kläger keine depressive Symptomatik mehr vorliege, al s gesichert. Daraus könne nicht geschlossen werden, ob die Persönlichkeit des Klägers nur auffällig oder aber gestört im Sinne einer Krankheit sei. Die Auffassung der Beklagten entsp richt nicht den Angaben im Gutachten von Dr. N.____. Auf Seite 54 führt dieser aus, dass bei m Kläger eine kombinierte Persönlich- keitsstörung mit narzisstischen, zwanghaften und schizoiden Anteilen mit Tendenz zu Impulsre- aktionen vorliege. Diese diagnostische Einschätzung bestätigt er auch auf Seite 57 seines Gut- achtens. Nicht gefolgt werden kann auch den weiteren Be denken der Beklagten, dass Dr. N.____ den Kläger wegen der nunmehr diagnostizier ten Persönlichkeitsstörung als arbeits- unfähig erachte, was nicht einleuchte, weil dieser währ end Jahrzehnten gearbeitet habe. Zu- dem äussere sich Dr. N.____ diesbezüglich nicht zur schlüssigen Argumentation von Dr. J.____ und Dr. M.____. Dazu ist festzustellen, dass sich Dr. N.___ _ ausführlich mit der beruflichen Entwicklung des Klägers auseinander gesetzt hat. Er stellt e fest, dass er aufgrund der Persön- lichkeitsstörung und dem ADHS sowie der chronisch erlebten Müdigkeit in Überforderungssitua- tionen gerate, welche wiederum zu depressiven Symptome n führten. Aufgrund dieser Beurtei- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung erachte er den Kläger in der angestammten Tätig keit als nicht mehr einsetzbar. Dr. J.____ hat aber auch die Erhebungen von Dr. J.____ und Dr. M.____ in seiner Beurteilung berücksich- tigt. Da Dr. J.____ beim Kläger aber lediglich akzent uierte Persönlichkeitszüge und keine Per- sönlichkeitsstörung festgestellt hatte, verzichtete Dr. N. ____ auf eine weitergehende Auseinan- dersetzung mit dessen Beurteilung. In Bezug auf die An gaben von Dr. M.____ ist festzustellen, dass dieser den Kläger im Gegensatz zu Dr. N.____ nicht p ersönlich untersucht hat, weshalb seine Feststellungen keine Zweifel an den Schlussfolger ungen des Gutachters zu begründen vermögen. Auch die weiteren Vorbringen der Beklagten vermögen an der Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. N.____ nichts zu ändern. Insbesondere kann sie aus den Angaben, wonach beim Kläger während den drei Untersuchungen kein Nachl assen der Konzentration und der Aufmerksamkeit habe beobachtet werden können, nichts zu ihren Gunsten ableiten, erfolgte diese Aussage doch im Zusammenhang der Gesamtwürdigung d er klinischen Befunde. Darin wies Dr. J.____ in erster Linie darauf hin, dass er be im Kläger narzisstische, schizoide und zwanghafte Verhaltensweisen habe beobachten können. 4.7 Gemäss den vorstehenden Ausführungen steht als Zwisch energebnis fest, dass dem Gutachten von Dr. J.____ vom 26. Mai 2017 volle Beweiskraf t zukommt. Das Kantonsgericht sieht daher keinen Anlass, von dessen überzeugenden und ei nleuchtenden Untersuchungser- gebnissen abzuweichen. Aus diesem Grund ist davon auszu gehen, dass der Kläger aufgrund der gestellten psychiatrischen Diagnosen (rezidivierende de pressive Störung bei einem Status nach mittelgradiger depressiver Episode, gegenwärtig w eitgehend remittiert mit Status nach zwei Burnouts in den Jahren 2005 und 2012, narzisstische, zwanghafte und schizoide Persön- lichkeitszügen, ein ADHS, eine kombinierte Persönlichkei tsstörung mit narzisstischen, zwang- haften und schizoiden Anteilen mit Tendenz zu Impulsrea ktionen, eine somatoforme, autonome Funktionsstörung mit chronischer Müdigkeit und wechselha fter, neuropsychologischer Störung vor allem der Konzentration mit psychomotorischer Verlan gsamung und Fehlerneigung) in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig ist. In einer adaptierten Verweistätigkeit besteht dagegen seit Juli 2013 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. 5.1 Der Kläger ist gestützt auf das bidisziplinäre Guta chten vom 26. Mai 2016/ 3. Dezember 2016 der Ansicht, es seien ihm für die Zeit vom 22. Juli bis 31. Dezember 2013 Taggelder im Umfang von 100% und danach vom 1. Januar 2014 bis 1. April 2014 von 50% auszurichten. Dabei macht er insbesondere geltend, dass er Anspruch auf eine angemessene Anpassungszeit habe, welche bis Ende Dezember 2013 zu bemessen sei. 5.2 Nach Art. 61 Abs. 1 Satz 1 VVG ist die anspruchsbere chtigte Person verpflichtet, nach Eintritt des befürchteten Ereignisses für die Minderung des Schadens zu sorgen (BGE 128 III 34 E. 3b S. 36; vgl. auch BGE 133 III 527 E. 3.2.1 S . 531). Zur Erfüllung der Schadenminde- rungspflicht kann ein Berufswechsel notwendig sein (Urt eil des Bundesgerichts vom 5. Januar 2017, 4A_495/2016, E. 2.3). Steht ein Berufswechsel im Raum, gesteht die Rechtsprechung der versicherten Person zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse und zur Stellensuche eine Übergangsfrist zu, während welcher das bisherige Krankentaggeld geschuldet bleibt. In der Regel wird eine Frist von drei bis fünf Monaten al s angemessen betrachtet. Die Anpas- sungszeit beginnt mit der Aufforderung des Taggeldversicherers zum Berufswechsel (vgl. Urtei- le des Bundesgerichts vom 27. August 2012, 4A_79/2012 , E. 5.1 und vom 29. März 2007, K 224/05, E. 3.3). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, dass die Beklagte den Kläger zu einem Berufswechsel anhielt. Dies wird von ihr auch nicht beh auptet. Der Kläger wusste somit nicht, ob die Beklagte einen Berufswechsel von ihm verlangte. I m Zeitpunkt der Einstellung des Tag- geldanspruchs war zudem unklar, ob und in welchem Umfang der Kläger arbeits- bzw. erwerbs- fähig war. Unter diesen Umständen kann ihm keine Verl etzung der Schadenminderungspflicht vorgeworfen werden. Es kann deshalb nicht auf eine aus drückliche Abmahnung verzichtet wer- den. Dies gilt auch, wenn die versicherte Person damit r echnen sollte, irgendwann in der Zu- kunft zu einem Berufswechsel aufgefordert zu werden (C HRISTOPH HÄBERLI /D AVID HUSMANN , Krankentaggeld, versicherungs- und arbeitsrechtliche Aspekte, Bern 2015, S. 172). Es ist dem- zufolge festzustellen, dass keine Aufforderung zum Beruf swechsel erfolgte und damit eine Ver- letzung der Schadenminderungspflicht zu verneinen ist. Demgemäss hat der Kläger über den 21. Juli 2013 hinaus Anspruch auf Taggelder entsprech end der durch Dr. J.____ attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätig keit. Dieser Anspruch besteht infolge Ausschöpfung des Taggeldanspruchs bis zum 1. April 2014. 6.1 Die Taggeldhöhe von Fr. 260.65 wird nicht bestri tten, ebenso wenig der geltend ge- machte Zeitraum vom 22. Juli 2013 bis 1. April 2014. Gemäss Police der I.____ vom 1. Oktober 2012 beträgt die maximale Leistungsdauer 730 Tage abzüg lich der Wartefrist von 90 Tagen (vgl. Art. 21 AVB). Es ist unbestritten, dass bis zur Ausschö pfung des gesamten Taggeldan- spruchs noch 254 Tage offen sind, für welche die Beklagte leistungspflichtig ist. Bei einer mas- sgebenden Arbeitsunfähigkeit von 100% beläuft sich die Fo rderung des Klägers somit auf Fr. 66'205.10 (254 Tage x Fr. 260.65 x 100%). 6.2 Von diesem Betrag sind nachfolgende Leistungen in A bzug bringen, welche die Be- klagte im Rahmen der vertraglichen Bestimmungen als vorleistungspflichtige Versicherung bzw. die Arbeitslosenkasse und die Invalidenversicherung berei ts erbracht haben (vgl. Art. 26 AVB I.____/Art. 50.2 AVB Beklagte). 6.2.1 Die IV-Stelle Basel-Landschaft sprach dem Kläger mit Verfügung vom 24. März 2017 mit Wirkung ab 1. April 2013 eine ganze Rente zu. D er IV-Grad betrug in der Zeit von April bis Juni 2013 100% und ab Juli 2013 72%. Der monatliche R entenanspruch belief sich gemäss Verfügung vom 24. Mai 2017 in der vorliegend strittig en Zeit von Juli 2013 bis April 2014 auf Fr. 1'947.--. Daraus ergibt sich für die Zeit vom 22. Juli 2013 bis 1. April 2014 eine Rückforde- rung in Höhe von Fr. 16'268.95. Diese berechnet sich wie folgt: 22.07.2013 - 31.07.2013 = 10 Tage à Fr. 62.80 (Fr. 1'947.00 : 31 x 10) = Fr. 628.05 01.08.2013 - 31.03.2014 = 8 Monate à Fr. 1'947.00 = Fr. 15'576.00 01.04.2014 = 1 Tag à Fr. 64.90 (Fr. 1'947.00 : 30) = Fr. 64.90 Total Fr. 16'268.95 6.2.2 Weiter ist auch die zugesprochene IV-Kinderrente für die Tochter bei der Berechnung des Anspruchs des Klägers zu berücksichtigen. Der Kläger best reitet eine solche Anrechnung mit der Begründung, dass die Kinderrente für seine Toc hter direkt an die geschiedene Ehefrau fliessen würde, welche auch das Sorgerecht habe. Dabei verkennt er jedoch, dass der An- spruch auf die Kinderrente unabhängig von zivilrechtliche n Vereinbarungen - wie die vorliegen- de Zahlungsmodalität - grundsätzlich dem Bezüger der IV- Rente und damit ihm zusteht (Art. 35 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenver sicherung [IVG] vom 19. Juni 1959; Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht vgl. BGE 143 V 305). Aus dieser Argumentation kann er daher nichts zu seinen Gunsten ablei- ten. Die Höhe der zu verrechnenden IV-Kinderrente bet rägt für die Zeit vom 22. Juli 2013 bis 1. April 2014 Fr. 6'509.25 und berechnet sich wie folgt: 22.07.2013 - 31.07.2013 = 10 Tage à Fr. 25.12 (Fr. 779.00 : 31 x 10) = Fr. 251.30 01.08.2013 - 31.03.2014 = 8 Monate à Fr. 779 = F r. 6'232.00 01.04.2014 = 1 Tag à Fr. 25.95 (Fr. 779.00 : 30) = Fr. 25.95 Total Fr. 6'509.00 6.2.3 Auch die vom Kläger ab 19. August 2013 bis 1. Ap ril 2014 bezogenen Taggelder der Arbeitslosenversicherung sind bei der Berechnung seines An spruchs gegenüber der Beklagten zu berücksichtigen. Während dieser Zeit bestanden insgesam t 143.1 entschädigungspflichtige Tage bei einem Taggeld von Fr. 326.75, d.h. insgesam t Fr. 46'757.95 (vgl. Verfügung der Ar- beitslosenkasse vom 24. April 2017 inkl. Anhang). In die sem Zusammenhang ist in Überein- stimmung mit den Ausführungen des Klägers vom 6. Septem ber 2017 und den Angaben in der vorstehenden Verfügung der Arbeitslosenkasse nur noch die im Rahmen des IV-Verfahrens festgestellte, ab Juli 2013 bestehende Rest-Erwerbsfäh igkeit von 28% zu berücksichtigen. Der zu verrechnende Betrag beträgt daher noch Fr. 13'092.20 (Fr. 46'757.95 x 0.28). Dieses Vorge- hen rechtfertigt sich auch unter Berücksichtigung der Tat sache, dass diese Taggelder dem Klä- ger noch nicht zurückbezahlt wurden, erbringt die Kasse doch gemäss Art. 29 AVIG ihre Tag- gelder lediglich vorläufig. Dies entspricht auch den Ang aben in den AVB, wonach nur Leistun- gen angerechnet werden, welche dem Kläger effektiv und definitiv zustehen. 6.2.4 Die Beklagte macht in ihrer Stellungnahme vom 28 . Februar 2014 geltend, dass sie dem Kläger vom 1. April 2013 bis zum 21. Juli 2013 zu vi el Kinderzulagen in Höhe von Fr. 1‘291.50 ausgerichtet habe. Dieser Betrag ist de shalb mit dem Anspruch des Klägers zu verrechnen, was von diesem auch nicht bestritten wird. 6.2.5 Schliesslich ist auch unbestrittenermassen das Einkomm en des Klägers in der Zeit vom 1. Januar 2014 bis 1. April 2014 in Höhe von Fr. 4 '080.-- mit den von der Beklagten ge- schuldeten Leistungen zu verrechnen. 6.3 Zusammenfassend ging die Beklagte zu Unrecht davon aus, dass der Kläger infolge einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ab 22. Juli 2013 keine n Anspruch mehr auf Taggeldleistungen habe. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen, won ach der Kläger bis 1. April 2014 in sei- ner Arbeitsfähigkeit ganz eingeschränkt war, ergibt sich folgende Taggeldberechnung: Anspruch: Fr. 66'205.10 abzüglich: Fr. 16'268.95 (IV-Rente) Fr. 6'509.00 (IV-Kinderrente) Fr. 13'092.20 (Arbeitslosentaggelder) Fr. 1'291.50 (Zuviel ausbezahlte Kinderzulagen) Fr. 4'080.00 (Eigener Verdienst vom 1.1.14 - 1.4.1 4) Total: Fr. 24'963.65. Diesen Betrag hat die Beklagte dem Kläger unter Vorbe halt allfälliger Rentenleistungen der Pensionskasse zu leisten. Demgemäss ist die Klage teilweise gutzuheissen. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Zu prüfen ist weiter, ab welchem Zeitpunkt der For derungsbetrag von Fr. 24'963.65 zu verzinsen ist. Der Kläger beantragte in seiner Klage vom 7. November 2013 eine Verzinsung des geforderten Betrages ab 25. November 2013 (mittlerer Verfall). In der Eingabe vom 6. Sep- tember 2017 forderte er sodann ab 7. November 2014 (r ecte wohl 2013) eine Verzinsung sei- nes Taggeldanspruchs. 7.2 Gemäss Art. 100 Abs. 1 VVG finden auf den Versicher ungsvertrag die Bestimmungen des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizer ischen Zivilgesetzbuches (OR) vom 30. März 1911 Anwendung. Nach Art. 104 Abs. 1 OR ha t der Schuldner, der mit der Zah- lung einer Geldschuld im Verzug ist, einen Verzugszins in der Höhe von 5% zu bezahlen. Der Eintritt des Verzugs setzt Fälligkeit der Forderung sowi e eine Mahnung voraus (Art. 102 Abs. 1 OR). Den vorliegenden Akten ist keine rechtsgenügli che Mahnung zu entnehmen. Demnach ist der Verzugszins ab Klageeinreichung vom 7. November 20 13 geschuldet, was von der Be- klagten im Übrigen unbestritten blieb (F RANZ HASENBÖHLER , in: Kommentar zum schweizeri- schen Privatrecht, VVG, Heinrich Honsell/Nedim Peter V ogt/Anton K. Schnyder [Hrsg.], Ba- sel/Genf/München 2001, Art. 20 VVG, N 81). 8.1 Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. D ie Prozesskosten werden grund- sätzlich der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Hat keine Partei voll- ständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem Ausg ang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Diese Regelung räumt dem Geri cht bei der Kostenverteilung ein weites Ermessen ein (Urteile des Bundesgerichts vom 5. März 2014, 4A_364/2013, E. 18 und vom 30. Juli 2013, 4A_80/2013, E. 6.4.) Unter Prozesskosten fallen gemäss Art. 95 Abs. 1 ZPO un- ter anderem Gerichtskosten inkl. Honorare von Gutachten ( Abs. 2 lit. c) und Kosten für die Übersetzung (Abs. 2 lit. d). Angesichts der im vorliegenden Verfahren ursprünglich eingeklagten Forderung von Fr. 54'419.20 obsiegt der Kläger betrag smässig im Umfang von Fr. 24'963.65 bzw. von 45%. Dabei ist jedoch zu betonen, dass im heuti gen Urteilszeitpunkt die vorleistungs- pflichtigen Sozialversicherungen wie die Invaliden- und die Arbeitslosenversicherung ihre For- derungen gegenüber dem Kläger bereits ausgerichtet und verrechnet haben und sein Anspruch gegenüber der Beklagten nur aus diesem Grund tiefer a usgefallen ist. Ohne diese Verrechnun- gen würde dem Kläger ein volles Taggeld in der Zeit vo m 22. Juli 2013 bis 1. April 2014 zu- stehen, weshalb von einer vollumfänglichen Gutheissung der Klage auszugehen ist (vgl. VIKTOR RÜEGG , Schweizerische Zivilprozessordnung, Basler Kommentar, Spü hler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basel 2013, zu Art. 106 Rz. 3). 8.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat die Beklagte gru ndsätzlich die Prozesskosten zu tragen. Da das Verfahren vor dem Versicherungsgericht gemäss Art. 114 lit. e ZPO kosten- los ist, sind keine gerichtlichen Verfahrenskosten zu erheb en. Die im Zusammenhang mit dem bidisziplinären Gutachten von Dr. N.____ und lic. phil O.____ angefallenen Kosten fallen ausser Betracht, da diese durch die IV-Stelle nicht in Rechnung gestellt wurden. 8.3 Dem obsiegenden Kläger ist gemäss Art. 106 Abs. 1 Z PO eine Parteientschädigung zu Lasten der Beklagten zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin des Klägers machte in ihrer Hono - rarnote vom 13. November 2017 einen Zeitaufwand von insgesamt 85.67 Stunden geltend, was ausserordentlich hoch ist. Es ist zu beachten, dass es sich vo rliegend nicht um einen leichten, aber auch nicht um einen besonders schwierigen, sondern um einen durchschnittlichen Fall handelt, der höchsten in Bezug auf die Regressfragen anspruchsvoll war. Konkret fallen Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 22 Stunden und 20 Minuten auf die Ausarbeitung der Klage (11 Stunden und 50 Minuten) und das Plädoyer (10 Stunden und 30 Minuten). In Bezug au f den Kontakt mit der Arbeitslosenkas- se wird ein Aufwand von 8 Stunden und 45 Minuten gelt end gemacht. Sodann werden für das Studium des bidisziplinären Gutachtens von Dr. N.____ und lic. phil. O.____ und die Ausarbei- tung der diesbezüglichen Stellungnahme insgesamt 10 St unden und 50 Minuten in Rechnung gestellt. Gesamthaft beträgt der Aufwand für diese Posi tionen 50 Stunden, was sich auch in Anbetracht der sich stellenden Rechts- und Sachverhaltsfragen als zu hoch erweist, weshalb er angemessen zu kürzen ist. Im Quervergleich zu anderen durc hschnittlichen Klageverfahren erscheint eine Reduktion des Stundenaufwandes in den vor genannten Positionen von insge- samt 50 Stunden auf 25 Stunden als gerechtfertigt. Nach Abzug von 25 Stunden beläuft sich der Aufwand somit auf 60 Stunden und 40 Minuten. Die ser erscheint in Anbetracht der Dauer des vorliegenden Verfahrens von über 4 Jahren und de n damit im Zusammenhang stehenden häufigeren Kontakten mit dem Kläger noch als angemesse n. Im Ergebnis resultiert damit ein entschädigungspflichtiger Aufwand von 60 Stunden und 40 Minuten. Nicht zu beanstanden sind die Auslagen in Höhe von insgesamt Fr. 942.75. Dem Kl äger ist demgemäss eine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 17'399.10 (60 Stunden u nd 40 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 942.75 zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Concordia zuzusprechen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die Concordia Versicherun- gen AG verpflichtet, dem Kläger Fr. 24'963.65 zuzügli ch 5 % ab 7. November 2013 zu bezahlen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Concordia Versicherungen AG hat dem Kläger ein e Parteientschä- digung in Höhe von Fr. 17'399.10 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwert- steuer) zu entrichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht