B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4452/2018 U r t e i l v o m 9 . J a n u a r 2 0 1 9 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richter David R. Wenger, Richter Jürg Marcel Tiefenthal, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. Juni 2018 / N (…). D-4452/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 10. Novem- ber 2015 in die Schweiz, wo er am 15. November 2015 um Asyl ersuchte. B. Er wurde am 25. November 2015 zu seiner Person, dem Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur P erson [BzP]). Am 21. April 2017 wurde er eingehend zu seinen Asylgründen an- gehört. Er machte im Wesentlichen geltend, dass er aufgrund der Unterstützung seines Bruders für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) durch die sri-lankischen Behörden verfolgt werde. C. Am 15. Januar 2018 forderte das SEM den Beschwerdeführer auf, ergän- zende Informationen zu den politischen Aktivitäten seines Bruders einzu- reichen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1. Februar 2018 nach. D. Am 24. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführer ergänzend zu seinen Asyl- gründen angehört. E. Mit Verfügung vom 29. Juni 2018 (Eröffnung am 3. Juli 2018 ) stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er- fülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. F. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts- vertreters vom 2. August 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er be- antragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückwei- sung der Sache an die Vorinstanz. Eventualiter sei die Flüchtlingseigen- schaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Subeventualiter seien die Dis- positivziffern drei und vier aufzuheben, verbunden mit der Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. D-4452/2018 Seite 3 Ferner sei Einsicht in sämtliche nicht öffentlich zugänglichen Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 zu gewähren, und es sei eine angemessene Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen. Zudem sei ihm der Spruchkörper bekanntzugeben und mitzuteilen, ob dieser zufällig aus- gewählt worden sei. Andernfalls seien die objektiven Kriterien anzugeben, nach welchen die Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Auf die zahlreichen Beschwerdebeilagen und die im Rahmen der Be- schwerdebegründung gestellten Beweisanträge wird – soweit für den Ent- scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. G. Mit Eingabe vom 27. September 2018 reichte der Beschwerdeführer Fotos betreffend sein exilpolitisches Engagement zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül- tig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – mit nachfolgender Ausnahme – einzutreten. Auf den Antrag um Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3 [zur Publikation vorgesehen]). D-4452/2018 Seite 4 2. Der Antrag auf Mitteilung des Spruchgremiums wird mit Erlass des vorlie- genden Urteils gegenstandslos. 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zuläs sigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. Der Beschwerdeführer ersucht um Einsicht in sämtliche Akten, substanzi- iert dieses Begehren jedoch nur betreffend die Einsicht in die nicht öffentli- chen Quellen des Lagebildes vom 16. August 2016. Der diesbezüglich An- trag ist abzuweisen (vgl. etwa Urteile des BVGer E -626/2018 vom 9. Juli 2018 E. 5 und D-109/2018 vom 16. Mai 2018 E. 6.2). 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälsc hte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er eth- nischer Tamile sei und im Distrikt B._______ (Nordprovinz, Sri Lanka) ge- meinsam mit seiner Familie gelebt habe. Im Jahre 2005 habe sein Bruder begonnen, für (…) namens (…) zu arbeiten. Nach der Ermordung des Chefs (…) im Jahre (…) sei sein Bruder als einer der Augenzeugen vor den D-4452/2018 Seite 5 sri-lankischen Behörden nach C._______ geflohen. Im (…) 2008 sei sein Vater von den Behörden mitgenommen und zu diesem Bruder unter Folter befragt worden. Er leide bis heute an den Folgen der Misshandlung. Sein Bruder habe sich nach seiner Ausreise stark exilpolitisch engagiert und den Unabhängigkeitskampf der LTTE mit finanziellen sowie journalistischen Tä- tigkeiten unterstützt. Aus diesem Grund seien die Behörden im Jahre 2011 erneut zu ihm (Be- schwerdeführer) nach Hause gekommen und hätten von der Familie ver- langt, dafür zu sorgen, dass der Bruder sein exilpolitisches Engagement einstelle. Da der Bruder nicht von se inen politischen Tätigkeiten abgese- hen habe, hätten Beamte im (…) 2012 ihn (Beschwerdeführer) zu einem Militärlager mitgenommen. Dort sei er verhört worden und es sei zu mas- siven Drohungen und gewaltsamen Übergriffen gekommen. Aufgrund der über mehrere Stu nden andauernden Misshandlungen habe er sich an- schliessend zwecks medizinischer Behandlung in ein Spital begeben müs- sen. Rund ein Jahr später habe er sich – wohl aufgrund der Folter – einer Operation unterziehen müssen. Nach der Entlassung aus dem Militärlager habe er sich zuerst für längere Zeit bei seiner Grossmutter aufgehalten und die Schule abgeschlossen, obschon er aufgrund des Erlebten wiederholt an panischer Angst gelitten habe. Anschliessend habe er eine Stelle bei einer regierungsfreundlichen (…) angetreten, in der Hoffnung, von den Be- hörden in Ruhe gelassen zu werden. Aus demselben Grund habe er in den Räumlichkeiten seines Arbeitgebers gewohnt. Er habe sich nur noch gele- gentlich zu Hause b ei seinen Eltern aufgehalten und sei erst nach der Schliessung der (…) im (…) 2015 wieder nach Hause gezogen. Im (…) 2015 seien in seiner Abwesenheit erneut Beamte zu ihm nach Hause gekommen und hätten dem Vater mitgeteilt, dass er (Beschwerde- führer) sich am (…) 2015 zwecks Befragung auf dem Polizeiposten einzu- finden habe. Als er von der Vorladung erfahren habe, sei er aus Furcht, erneut gefoltert zu werden, umgehend nach D._______ geflohen, wo er sich bis zu seiner Ausreise am (…) 2015 versteckt habe. Am (…) 2015 sei er von Beamten mehrfach zu Hause gesucht worden. Seit er in der Schweiz sei, habe er mehrmals an exilpolitischen Kundge- bungen teilgenommen. Seit 2016 nehme er jeweils mit seinem Bruder an (…) teil. In diesem Zusammenhang habe er kleinere Arbeiten bei der Vor- bereitung der Räumlichkeiten übernommen, wie etwa Bestuhlung oder De- koration. Ebenso habe er bei der Vorbereitung von durch die LTTE organi- sierten Sportanlässen mitgewirkt. 2016 und 2017 sei er als gewöhnlicher D-4452/2018 Seite 6 Teilnehmer an drei politischen Kundgebungen in E._______ gewesen. Er pflege Kontakte zu LTTE-Anhängern in der Schweiz. Als Beweismittel reichte er eine Identitätskarte, eine Kopie einer Geburts- urkunde, diverse Ausbildungsunterlagen, eine Arbeitsbestätigung, ein Schreiben eines Gemeindevorstehers, ein Schreiben eines Priesters, ei- nen Arztbericht, vier Fotos, eine Bestätigung der Anstellung seines Bruders bei (…) und eine Bestätigung für die exilpolitischen Tätigkeiten des Bruders bei der (…) und bei (…) ein. 6.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass die Vorfluchtgründe nicht glaubhaft seien. Zu den Ereignissen im Jahre 2012 befragt, habe der Beschwerdeführer in der BzP angegeben, er sei von Beamten des Criminal Investigation Department (CID) und von Soldaten in einem Militärfahrzeug an einen unbekannten Ort verbracht worden, wo er währ end eines Tages festgehalten und zu seinem Bruder befragt worden sei. Man habe ihm vor- geworfen, ebenfalls für (…) der LTTE zu arbeiten. In der ersten Anhörung habe er ausgeführt, dieser Vorfall habe im (…) 2012 stattgefunden und er sei dabei massiv bedroht und misshandelt worden. Man habe ihm vorge- worfen, für die LTTE Plakate aufgehängt zu haben. Er sei im Genitalbereich gefoltert und mit einem Gewehrkolben bewusstlos geschlagen worden. Als er wieder zu sich gekommen sei, sei er medizinisch versorgt worden und man habe ihn mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dies sei die letzte Warnung. Bei der Entlassung seien er und seine Mutter von Beamten mehrfach vor weiteren Konsequenzen gewar nt und massiv bedroht wor- den. Unmittelbar nach seiner Entlassung habe er sich zuerst ins Spital und gleichentags am Abend zu seiner Grossmutter begeben. Abweichend von den Angaben in der BzP habe er den Ort des Verhörs, das nahegelegene Armeelager, benennen können. In der zweiten Anhörung habe er hinsicht- lich des Verhörs im Widerspruch zur BzP und der ersten Anhörung ausge- führt, er sei ausschliesslich zu den Aktivitäten des Bruders befragt worden, während ihm persönlich nichts vorgeworfen worden sei. Am Ende des Ver- hörs habe er diesmal nicht mehr den Schlag mit dem Gewehrkolben, den Sturz und den Bewusstseinsverlust erwähnt, sondern ausgesagt, als letz- tes erinnere er sich daran, wie einer der Soldaten wütend auf ihn zugelau- fen sei. Entgegen den Angaben in der ersten Anhörung habe er in der zwei- ten Anhörung berichtet, erst nach der Freilassung respektive im Spital das Bewusstsein erlangt zu haben, während sich seine Mutter bereits bei ihm befunden habe. Gemäss zweiter Anhörung habe der Aufenthalt im Spital zwei weitere Tage gedauert. Selbst unter Berücksichtigung des Umstan- des, dass di ese Ereignisse bereits mehrere Jahre zurückliegen würden, D-4452/2018 Seite 7 erstaune es, dass er nicht in der Lage sei, sich an diese zentralen Punkte seiner Fluchtgeschichte zu erinnern. Mit diesen Widersprüchen konfrontiert habe er lediglich darauf beharrt, in allen drei Befragungen jeweils dieselben Angaben gemacht zu haben und auf eine womöglich mangelhafte Über- setzung hingewiesen. Dies sei als Schutzbehauptung zu werten. Diese Un- gereimtheiten würden starke Zweifel an der Glaubhaftigkeit begründen. Bestärkt werde dies du rch den Umstand, dass es den Schilderungen an Substanz fehle. Zwar seien die Schilderungen der allgemeinen Lebensum- stände recht ausführlich ausgefallen. Die Erklärungen betreffend die Ereig- nisse von 2012 seien hingegen überraschend allgemein und oberflächlich gehalten. Bereits in der ersten Anhörung seien die Ausführungen zum Ab- lauf der Befragung, der Reaktion der Eltern und den eigenen Überlegungen nach dem Vorfall auffallend knapp. Dies erstaune, da in Anbetracht der Tragweite des Ereignisses eine anschaulichere und gehaltvollere Schilde- rung zu erwarten wäre, zumal er durchaus in der Lage sei, andere Aspekte seines Lebens anschaulicher darzulegen. Auch in der zweiten Anhörung seien seine Angaben grösstenteils sehr vage , trotz der ständigen und nachdrücklichen Aufforderung, ausführlich und detailliert zu berichten . So habe er nur rudimentär über die Festnahme berichtet. Selbst auf Nachfrage seien seine Antworten überraschend gehaltlos. Gleiches lasse sich in Be- zug auf den Bericht zur Überführung ins Armeelager und die Erlebnisse der darauf folgenden mehrstündigen Befragung festhalten. In Anbetracht der Vielzahl von Vertiefungsfragen erstaune dies. Auf die Dürftigkeit seiner An- gaben angesprochen habe er in der zweiten Anhörung erwidert, ihm sei zu Beginn gesagt worden, er müsse über die schmerzhaften Erinnerungen nicht berichten. Ferner seien ihm ohnehin nur die wichtigen Dinge in Erin- nerung geblieben. Dies müsse als Schutzbehauptung gewertet werden, da es zwar durchaus zutreffe, dass ihm gesagt worden sei, er müsse keine Details betreffend die Folterung erwähnen, er jedoch bei fast allen darauf- folgenden Fragen ausdrücklich aufgefordert worden sei, die ande ren As- pekte detailliert und ausführlich zu erzählen. Zudem sei er mehrmals expli- zit dazu angehalten worden, alles zu berichten, woran er sich erinnere. Schliesslich sei ihm am Ende der Anhörung zwei weitere Male die Möglich- keit geboten worden, allfällige Ergänzungen und Präzisierungen einzubrin- gen, wovon er keinen Gebrauch gemacht, sondern lediglich bereits Gesag- tes wiederholt und auf Nachfrage bestätigt habe, alles gesagt zu haben. In Anbetracht dieser Substanzlosigkeit müsse davon ausgegangen werden, dass er die Festnahme und die Inhaftierung nicht persönlich erlebt habe. D-4452/2018 Seite 8 Angesichts der dargelegten Unglaubhaftigkeit könne auf eine eingehende Würdigung der eingereichten Dokumente verzichtet werden. Es sei jedoch festzuhalten, dass dem Schreiben des Dorfvorstehers und demjenigen des Priesters aufgrund der leichten Fälschbarkeit respektive eines möglichen Gefälligkeitscharakters kein Beweiswert zukomme . Auch der Arztbericht vermöge die Zweifel an der Glaubhaftigkeit nicht zu entkräften, zumal darin zwar eine (…)operation im Jahre 2013 belegt, jedoch nicht ersichtlich sei, inwiefern diese einen Bezug zur geltend gemachten Misshandlung im Jahre 2012 aufweise. Es sei ebenfalls nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Tätigkeiten seines Bruders gefährdet sei. Selbst wenn sich der Bruder tat- sächlich für die LTTE einsetze, sei die Furcht vor einer Reflexverfolgung stark anzuzweifeln. So erscheine es wenig plausibel, dass der Beschwer- deführer während mehr als neun Jahren seit der Ausreise seines Bruders von den Behörden – abgesehen von der nicht glaubhaften Mitnahme im Jahre 2012 – nur ein einziges Mal im Jahre 2015 zu einer Befragung vor- geladen und nach seinem Nichterscheinen gesucht worden sei. Vielmehr wäre davon auszugehen, dass drastischere Massnahmen ergriffen worden wären, hätten die Behörden tatsächlich erwartet, bei ihm relevante Infor- mationen zu finden. Ein solches Vorgehen sei umso weniger nachvollzieh- bar, als dass zu erwarten wäre, dass die Behörden bei einem tatsächlichen Verfolgungsinteresse gerade auch die Eltern – insbesondere wegen der geltend gemachten Verhaftung des Vaters im Jahre 2008 – erneut ins Vi- sier genommen hätten. So sei bei objektiver Betrachtung davon auszuge- hen, dass die Eltern wesentlich mehr über die Aktivitäten des Bruders wis- sen müssten, da sie – im Gegensatz zum Beschwerdeführer – im Zeitraum der geltend gemachten Ereignisse von 2005 bis 2012 b ereits erwachsen gewesen seien. Dass eine Behelligung der Eltern vollständig ausgeblieben sei, selbst nachdem der Beschwerdeführer das Land verlassen habe, lege die Vermutung nahe, dass das Interesse der Behörden am Bruder doch nicht so gross sein könne wie geltend gemacht. Diese Einschätzung werde dadurch bestätigt, dass – obschon im Laufe des Asylverfahrens mehrfach dazu aufgefordert – sämtliche Aussagen und Be- weismittel zu den Aktivitäten des Bruders auffallend allgemein gehalten seien. In der ersten Anhörung habe der Beschwerdeführer ausgeführt, sein Bruder habe die LTTE in finanzieller Hinsicht wie auch mit (…) und propa- gandistischen Aktivitäten unterstützt. Im Schreiben vom (…) 2017 der (…) werde allgemein ausgeführt, der Bruder habe an verschiedenen Aktivitäten und Manifestationen teilgenommen und sei auf entsprechenden Fotos zu D-4452/2018 Seite 9 erkennen. Daraus werde aber nicht ersichtlich, welche Aktivitäten und wel- che Funktion der Bruder innerhalb der exilpolitischen Organisationen wahr- nehme. Der Beschwerdeführer sei daher aufgefordert worden, dem SEM weitere Informationen zukommen zu lassen, woraufhin er eine Arbeitsbe- stätigung (…) eingereicht und dazu ausgeführt habe, der Bruder sei als (…) tätig. Genauere Angaben könne er nicht machen, um die Überzeugung ei- nes freien Tamil Eelam und das Leben der in diese Aktivitäten involvierten Personen nicht zu gefährden. Mit Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht der schweizerischen Behörden sei dies als Schutzbehauptung zu qualifi- zieren. Den Akten seien keine Hinweise zu entnehmen, welche bei Preis- gabe der Aktivitäten des Bruders auf eine Gefährdung von Drittpe rsonen schliessen lassen würden . Die Gründe für eine entsprechende Verfol- gungsfurcht seien somit nur unzureichend begründet und daher unglaub- haft. Die eingereichten Schreiben hätten aufgrund der leichten Fälschbar- keit und des möglichen Gefälligkeitscharakters nur geringen Beweiswert . Ohnehin werde nicht grundsätzlich bezweifelt, dass der Bruder zeitweise bei (…) tätig und in irgendeiner Form auch exilpolitisch aktiv gewesen sei. Ebenfalls nicht glaubhaft sei, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines eigenen exilpolitischen Engagements bei einer Rückkehr gefährdet wäre . So sei nicht davon auszugehen, dass die sri -lankischen Behörden blosse „Mitläufer“ von exilpolitischen Massenveranstaltungen identifizieren könn- ten und diese daher in Sri Lanka nicht als Gefahr wahrgenommen würden. Der Beschwerdeführer habe nach eigenen Angaben an wenigen Veranstal- tungen teilgenommen und nebst kleineren Unterstützungsarbeiten keine besonderen Aufgaben übernommen. Er sei somit nicht exponierend in Er- scheinung getreten. Es ergäben sich a us den Akten auch keine Anhalts- punkte, dass in Sri Lanka Massnahmen gegen ihn eingeleitet worden wä- ren. Namentlich seien seine Eltern nach der Ausreise nic ht behelligt wor- den. Das Risikoprofil werde durch seinen Bruder auch nicht merklich ver- schärft, zumal ein Verfolgungsinteresse aufgrund dieser familiären Verbin- dung nicht glaubhaft sei. Ferner würden Rückkehrer, welche illegal ausge- reist seien, über keine gültigen Identitätsdokumente verfügen würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, am Flughafen zwar zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befragung allein und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Aus- reise würden keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme darstellen. Re- gelmässig würden Rückkehrer auch am Herkunftsort zwecks Registrie- rung, Erfassung der Identität bis hin zur Überwachung der Aktivitäten be- fragt. Auch diese Kontrollmassnahmen würd en grundsätzlich kein asylre-D-4452/2018 Seite 10 levantes Ausmass annehmen. Die Vorverfolgung sei nicht glaubhaft. Viel- mehr habe der Beschwerdeführer bis (…) 2015 unbehelligt in Sri Lanka gelebt und allfällige im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten kein Ver folgungsinteresse auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Aktenlage auch nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nun- mehr in den Fokus der Behörden geraten könnte. 6.3 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Beschwerdeschrift, dass die vorinstanzliche Verfügung wegen formeller Fehler aufzuheben sei. Das SEM habe den Beschwerdeführer äusserst intensiv, in beinahe sadistisch anmutender Weise zu seinen Foltererlebnissen befragt, es aber nicht für nötig befunden, seinen Gesundheitszustand abzuklären, obwohl klare An- zeichen für eine Traumatisierung vorliegen würden, was auch von der Hilfs- werkvertretung geltend gemacht worden sei. Das SEM habe seine Frage- technik nicht der emotionalen Situation angepasst und die Traumatisierung nicht in die Würdigung der Aussagen miteinbezogen. Vielmehr stütze sich die Glaubhaftigkeitsprüfung hauptsächlich auf Vorbringen zu den Verhö- ren, anlässlich welcher die Misshandlungen stattgefunden hätten. Durch dieses Vorgehen sei das Willkürverbot verletzt worden. Das Absehen von einer Abklärung des Gesundheitszustandes sowie der körperlichen Folgen der Misshandlung, die bereits erwähnte fehlerhafte Glaubhaftigkeitsprüfung und die Nichtberücksichtigung der Narben als Ri- sikofaktor würden eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellen. Zwi- schen der BzP und der Anhörung seien zudem mehr als eineinhalb Jahre vergangen. Auch dies stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar und die BzP dürfe nicht zur Begründung der Unglaubhaftigkeit beigezogen werden. Es sei davon auszugehen, dass die Übersetzung der Befragungen mangelhaft gewesen sei, zumal er darauf hingewiesen habe, dass zahlrei- che Aussagen nicht zutreffend protokolliert worden seien. Das SEM habe die Begründungspflicht verletzt, indem es die Narbe, die familiäre Verbindung zu den LTTE und seine Kontakte zu Ablegern der „LTTE Schweiz“ nicht gewürdigt habe. Ferner habe es Vorbringen unrichtig geprüft, indem die Erklärbarkeit der Widersprüchlichkeiten und der gerin- gen Substanz in den Aussagen sowie zahlreiche Realkennzeichen igno- riert worden seien. Es entstehe der Eindruck, die ergänzende Anhörung habe einzig dem Zweck gedient, Widersprüchlichkeiten zu generieren, weshalb am Willen des SEM zu zweifeln sei, die Vorbringen ern sthaft zu prüfen. Es habe die Beweismittel nicht gewürdigt und missachte dadurch D-4452/2018 Seite 11 den Grundsatz des Vorrangs des Beweises vor der Glaubhaftigkeitsprü- fung. Inhaltlich sei die Begründung des SEM als haltlos zu bezeichnen. Die Vorinstanz habe den Sachverhalt unzureichend festgestellt, indem es seinen Gesundheitszustand nicht abgeklärt habe. Weiter sei en die famili- äre LTTE-Verbindung, die Narben und das exilpolitische Engagement nicht korrekt abgeklärt worden. Zudem habe das SEM die aktuelle Situation in Sri Lanka mangelhaft erhoben, indem es von einer Verbesserung der Lage ausgehe. Es werde deshalb ein eigener Lagebericht eingereicht, aus wel- chem die tatsächliche Situation in Sri Lanka hervorgehe. Aus diesem Be- richt ergebe sich, dass er gefährdet sei, da er (1) tamilischer Ethnie und hinduistischen Glaubens sei und aus dem Norden stamme, (2) sein Bruder die LTTE unterstützt habe, (3) er wegen Verdachts der LTTE-Unterstützung behelligt worden sei und (4) aufgrund dieser Verfolgung registriert sei, (5) er Zeuge von Menschenrechtsverletzungen geworden sei, (6) auffällige Folternarben tragen, (7) sich längere Zeit in einer tamilischen Diaspora auf- gehalten habe, (8) sich exilpolitisch engagiert habe, (9) über keine gültigen Reisepapiere verfüge und (10) zwangsweise zurückgeschafft würde. Die Lage in Sri Lanka habe sich verschlechtert und es werde regelmässig gefoltert. Eines der Opfer sei anscheinend ein abgewiesener Asylsuchen- der aus der Schweiz gewesen. Es würden nicht nur Personen mit einem hohen LTTE-Profil verfolgt. Auch bereits rehabilitierte Personen seien ge- fährdet, was sich aus einem Urteil des High Court Vavuniya (und einem Verfahren vor dem High Court Colombo) ergebe. Das Bundesverwaltungs- gericht habe die Relevanz dieses Urteils im Verfahren E -5637/2017 ver- kannt. Ferner spiele es keine Rolle, wie weit die Unterstützung shandlung für die LTTE zeitlich zurückliege. Aus dem Umstand, dass jemand längere Zeit unbehelligt in Sri Lanka gelebt habe, könne somit nicht pauschal auf ein mangelndes Verfolgungsinteresse geschlossen werden. Eine weitere Gefährdung ergebe sich aus der zu erwartenden Papierbe- schaffung auf dem sri -lankischen Konsulat, zumal dabei systematisch Gründe für eine politische Verfolgung abgeklärt würden und die Aufnahme in eine Black- oder Stoplist erfolgen könne, was bei einer Rückkehr auto- matisch zu einer Verf olgung führe. In der Vernehmlassung im Verfahren D-4794/2017 habe das SEM eingestanden, dass jeder zurückgeschaffte Tamile am Flughafen einer mehrstufigen intensiven Überprüfung und Be- fragung unterzogen werde. Dieses Sachverhaltselement werde hier ver- kannt. D-4452/2018 Seite 12 In der Schweiz bestünden handfeste politische Interessen, die Risikoana- lyse betreffend Sri Lanka nicht objektiv anhand der aktuellen Informationen vorzunehmen, sondern beschönigt darzustellen. Der Ausschaffungsstopp im Jahre 2013 und die Verurteilung der Schweiz durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte würden auf ein kollektives Versagen der Behörden zurückgehen. Aufgrund der formellen Fehler der angefochtenen Verfügung sei diese auf- zuheben und an das SEM zurückzuweisen. Andernfalls sei seitens des Ge- richts sein Gesundheitszustand abzuklären und die Narben mit Hilfe einer medizinischen Fachperson zu dokumentieren. Beim SEM sei eine Auskunft bezüglich der Qualifikation der Übersetzungsperson einzuholen und offen- zulegen. Er sei unter Berücksichtigung seines Gesundheitszustandes und unter Beizug einer qualifizierten Übersetzungsperson von einem Sachbe- arbeiter, welcher über vollständige Länderhintergrundinformationen ver- füge, erneut anzuhören. Ihm sei eine Frist zur Beibringun g weiterer Be- weise betreffend seine familiären Verbindungen, seine exilpolitischen Akti- vitäten sowie seine Körpernarben anzusetzen. Das SEM gehe zu Unrecht von der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen aus. Er habe objektive Beweismittel betreffend die Verfolgung (körperliche Spu- ren der Misshandlung, politisches Profil des Bruders) eingereicht, welche vom SEM ignoriert würden. Stattdessen nehme es eine Glaubhaftigkeits- prüfung der Aussagen vor, obwohl diese aufgrund der Beweismittel obsolet sei. Die Glaubhaftigkeitsprüfung sei zudem mangelhaft, da sein junges Al- ter, die zwischen BzP und Anhörung verstrichene Zeit, die Übersetzungs- probleme, und der Gesundheitszustand sowie zahlreiche Realkennzeichen (etwa emotionale Ausbrüche, Nennung von Einzelheiten und Nebensäch- lichkeiten) nicht berücksichtigt worden seien. Ferner berücksichtige das SEM nicht, dass das Verhalten der sri -lankischen Behörden regelmässig willkürlich sei. Nicht beachtet worden sei ferner, dass der Bruder in Frank- reich als Flüchtling anerkannt und dessen Verfolgung somit erwiesen sei. Er erfülle mehrere Risikofaktoren des Referenzurteils des Bundesverwal- tungsgerichts E-1866/2015, welche kumulativ zu würdigen seien. Sein Bru- der habe sich in Sri Lanka für die LTTE eingesetzt und sei im Exil weiterhin für die LTTE aktiv. Er (Beschwerdeführer) sei deswegen im Jahre 2012 festgenommen und misshandelt worden. Er sei somit direkter Zeuge von Menschenrechtsverletzungen. Einer Vorladung im Jahre 2015 sei er nicht nachgekommen. Er sei somit anzunehmen, dass er a uf einer Stop - oder Watchlist verzeichnet sei. Durch die Flucht ins Ausland habe er sich weiter D-4452/2018 Seite 13 verdächtig gemacht . Ferner betätige er sich exilpolitisch zugunsten der LTTE und er würde mit temporären Reisedokumenten zurückkehren. Bei einer Rückkehr würden die zahlreichen weiteren Risikofaktoren wie etwa die Narbe zutage getragen, was unweigerlich zu einer Verhaftung führen würde. Schliesslich weise er aufgrund seiner Traumatisierung eine erhöhte Verfolgungsempfindlichkeit auf. 7. 7.1 Der Beschwerdeführer rügt in ihrer Rechtsmitteleingabe zunächst ver- schiedene Verletzungen des formellen Rechts durch die Vorinstanz. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeig- net sein können, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewir- ken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 7.2 Das rechtliche Gehör, welches in Art. 29 Abs. 2 BV verankert und in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert wird, dient einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt es ein per- sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG hört die Behörde die Parteien an, bevor sie verfügt (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1). 7.3 Der Einwand hinsichtlich der fehlerhaften Übersetzung der Befragun- gen ist unbegründet, zumal den Protokollen keine diesbezüglichen Hin- weise entnommen werden können. Der Antrag auf Offenlegung des Aus- wahlverfahrens, welchem die übersetzende Person unterzogen worden sei, und der sprachlichen Kompetenzen respektive der Schulung ist daher abzuweisen. Auch betreffend Befragungstechnik erweisen sich die Befra- gungen als sachgemäss. Der Zeitraum von rund eineinhalb Jahren zwischen BzP und erster Anhö- rung stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, zumal es sich bei der vom Beschwerdeführer angerufenen Empfehlung, die Anhörung mög- lichst zeitnah zur BzP durchzuführen, um keine justiziable Verfahrenspflicht handelt (vgl. mutatis mutandis Urtei l des BVGer D -6560/2016 vom 29. März 2018 E. 5.2). 7.4 Aus der Begründungspflicht als Te ilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermögli- chen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die D-4452/2018 Seite 14 Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Die Begründungs- dichte richtet sich dabei nach dem Verfügu ngsgegenstand, den Verfah- rensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwie- genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es bei Verfahren betreffend Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2). In der angefochtenen Verfügung hat das SEM nachvollziehbar und hinrei- chend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten liess. Es hat sich auch mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen de s Be- schwerdeführers auseinandergesetzt. Der blosse Umstand, dass dieser die Auffassung des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungs- pflicht, sondern eine Frage der materiellen Beurteilung. 7.5 Die Rüge, das SEM habe den Gesundheitszustand des Beschwerde- führers nicht abgeklärt und dadurch den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt sowie den Sachverhalt mangelhaft ermittelt, ist unbegründet. Der Beschwerdeführer wurde in der BzP und der Anhörung explizit nach aktu- ellen gesundheitlichen Problemen gefragt. In der ersten Anhörung gab er an, er habe teilweise noch Schmerzen (vgl. act. A15 F99 bis F104), wäh- rend er in der BzP (vgl. act. 5 S. 8) sowie der ergänzenden Anhörung zu Protokoll gab, gesund zu sein (vgl. act. A21 F4). In der ergänzenden Anhö- rung erwähnte der Beschwerdeführer, er habe einem Arzt von seinen Schmerzen erzählt und dieser habe erwidert, dass dies normal sei (vgl. act. A21 F94). Ferner legte die Hilfswerk vertretung dem Beschwerdeführer in der ergänzenden Anhörung nahe, einen Arzt aufzusuchen, was der Be- schwerdeführer bejahte (vgl. act. A21 F98). Vor diesem Hintergrund war das SEM nicht gehalten, von Amtes wegen weitere gesundheitliche Abklä- rungen zu veranlassen. Hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen der Miss- handlungen stellte der Beschwerdeführer einen sri -lankischen Arztbericht in Aussicht (act. A15 F103 ff.), woraufhin ihn das SEM explizit zur Einrei- chung aufforderte (vgl. ebd. F123). Ein entsprechender Arztbericht wurde vom Beschwerdeführer schliesslich auch eingereicht. Vor diesem Hinter- grund stellt die Unterlassung des SEM, weitere Abklärungen einzuleiten, weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch des Untersuchungs- grundsatzes dar. Der Antrag auf fachärztliche Abklärung des Gesundheitszustandes des Be- schwerdeführers durch das Gericht ist abzuweisen, zumal unter Hinweis D-4452/2018 Seite 15 auf die Mitwirkungspflicht festzuhalten ist, dass zur Beibringung eines Arzt- berichts genügend Möglichkeit bestanden hat. Darüber hinaus hat der Be- schwerdeführer einen solchen Arztbericht in der Beschwerdeschrift in Aus- sicht gestellt, ohne dass in der Folge ein solcher eingereicht worden wäre. Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass, einen solchen von Amtes we- gen einzuholen. 7.6 Auch der Umstand, dass das SEM die Narbe nicht explizit erwähnte, sondern lediglich allgemein festhielt, dass aufgrund der Aktenlage nicht er- sichtlich sei, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Fo- kus der Behörden geraten könnte, stellt keine mangelhafte Sachverhalts- ermittlung respektive Begründung dar. 7.7 Schliesslich ist der Sachverhalt auch in den übrigen Punkten als hinrei- chend erstellt zu erachten, weshalb der Antrag auf erneute Anhörung ab- zuweisen ist. Ebenfalls abzuweisen ist der Antrag auf Fristansetzung zur Beibringung weiterer Beweise hinsichtlich der familiären Verbindungen, der exilpolitischen Aktivitäten sowie der Narben , zumal hierzu bereits genü- gend Gelegenheit bestanden hat und der Sachverhalt auch diesbezüglich liquid ist. 7.8 Ob die Beweiswürdigung, die Glaubhaftigkeitsprüfung sowie die Lage- einschätzung des SEM zutreffend sind, beschlägt nicht das rechtliche Ge- hör oder die Erstellung des Sachverhalts, sondern ist eine materielle Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft. 7.9 Der Vorwurf, das SEM habe durch die formellen Fehler das Willkürver- bot (Art. 9 BV) verletzt, ist unbegründet. 8. 8.1 Das SEM hat zu Recht die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Be- schwerdeführers festgestellt. Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Be- weismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesent-D-4452/2018 Seite 16 lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei- chende Präz ision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen d en Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2). 8.2 Die Aussagen des Beschwerdeführers weisen diverse Unstimmigkei- ten auf, wie etwa hinsichtlich des Ortes, an welchem er verhört worden sei (unbekannter Ort [vgl. act. A5 S. 7] / nahegelegenes Militärlager [vgl. act. A15 F14] und act. A21 F12]). Widersprüchlich sind auch seine Angaben zum Inhalt des Verhörs. Gemäss seinen Darlegungen in der BzP sei ihm vorgeworfen worden, ebenfalls für (…) gearbeitet zu haben (vgl. act. A5 S. 7), während der Vorwurf gemäss erster Anhörung dahingehend gelautet habe, er habe Plakate aufgeklebt (vgl. act. A15 F61) , und ihm gemäss zweiter Anhörung schliesslich überhaupt kein persönliches Fehlverhalten vorgeworfen worden sei, sondern sich die Beamten lediglich nach dem Bruder erkundigt hätten (v gl. act. A21 F52). Ferner ist auf den massiven Widerspruch hinzuweisen, wonach er gemäss erster Anhörung noch am Ort des Verhörs das Bewusstsein wiedererlangt habe und von den dortigen Beamten medizinisch versorgt worden sei, er und seine Mutter vor der Ent- lassung eingeschüchtert worden seien (vgl. act. A15 F14), und er sich un- mittelbar nach der Entlassung ins Spital und noch am selben Abend zur Grossmutter begeben habe (vgl. ebd. F67). Gemäss zweiter Anhörung habe seine Mutter ihn ins Spital gebracht und er sei erst dort wieder zu sich gekommen (vgl. act. A21 F12). Zudem sei er zwei Tage im Spital geblieben (vgl. ebd. F39). Die Erklärungen des Beschwerdeführers betreffend diese Widersprüchlichkeiten (vgl. act. A21 F72 ff.) vermögen diese nicht zu ent- kräften. Hinsichtlich der Substanz der Aussagen ergibt sich ein differenziertes Bild. So weist das SEM zu Recht darauf hin, dass die Aussagen über weite Teile D-4452/2018 Seite 17 trotz mehrmaliger Nachfrage zur Präzisierung sehr oberflächlich ausgefal- len sind (vgl. etwa zur Verhaftung [act. A21 F11 bis F18] oder zur Befragung [act. A15 F61 f. und A21 F20 bis F37]). Allerdings weisen seine Aussagen auch gewisse Details auf, wie etwa, dass ihm einer der Befrager, eine mol- lige Person, eine Pistole an den Kopf gehalten und ihn mit dem T ode ge- droht habe (vgl. act. A21 F36). Den eingereichten Beweismitteln kann nur sehr beschränkter Beweiswert beigemessen werden. In Ergänzung zu den Argumenten des SEM ist zu erwähnen, dass im Schreiben des (…) ausgeführt wird, der Beschwerde- führer sei mehrfach verhaftet worden („un known armed people came to his residents and arrest him many times for inquiries“) , was sich nicht mit den Angaben des Beschwerdeführers deckt. In Würdigung sämtlicher dieser Elemente sind die Vorbringen zu den Vor- fluchtgründen für unglaubhaft zu befinden. Die Argumente in der Be- schwerdeschrift betreffend die Unstimmigkeiten der Aussagen respektive der Fehlerhaftigkeit der Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorinstanz sind nicht stichhaltig. So vermag der Zeitraum zwischen BzP und d en Anhörungen die teils massiven Widersprüchlichkeiten nicht plausibel zu erklären. Die Befragungsprotokolle lassen ferner nicht darauf schliessen, dass zum Zeit- punkt der Anhörung medizinische Probleme bestanden hätten, welche das Aussageverhalten massgebl ich negativ beeinflusst haben könnten. Den Akten sind auch keine Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Übersetzung der Aussagen zu entnehmen. Schliesslich vermag auch das Alter des Be- schwerdeführers die Widersprüchlichkeiten nicht entscheidend zu relativie- ren. Das Argument, aufgrund der eingereichten Dokumente sei eine Wür- digung der Aussagen obsolet, ist unz utreffend, zumal eine Gesamtwürdi- gung vorzunehmen ist, in welche sämtliche Beweismittel, worunter insbe- sondere sowohl die Aussagen in den Befragungen als a uch eingereichte Dokumente fallen, einzubeziehen sind. 8.3 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorverfol- gung bei einer Rückkehr in ihr Heimatland ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. 8.4 Der blosse Umstand, dass der B eschwerdeführer aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren würde, vermag kein erhebliches Verfolgungs- risiko zu begründen, da nicht alle der aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrenden tamilischen Asylsuchenden per se einer Gefahr ausge- setzt sind, be i ihrer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 D-4452/2018 Seite 18 AsylG zu erleiden (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016). Nichts Gegenteiliges ergibt sich im Übrigen aus der vom Beschwer- deführer angerufenen Vernehmlassung des SEM vom 8. No vember 2017 im Verfahren D-4794/2017. 8.5 Vielmehr hat d as Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamili- schen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernst- zunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Zur Be- urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko- faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stoplist“ und die Teilnahme an e xilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh- len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach ri- sikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weit- reichenden Risikofaktoren erfüllte n, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri -lankischen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen in der am Flughaf en in Colombo abrufbaren "Stopl ist" ver- merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs- weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be- tätigt hätten. 8.6 Dass dem Beschwerdeführer aufgrund seiner familiären Beziehungen eine ernstzunehmende Verbindung zu den LTTE nachgesagt wird, ist zu verneinen. Wie bereits ausgeführt, ist nicht glaubhaft, dass er in der Heimat aufgrund solcher Verbindungen selbst Ziel von Verfolgungsmassnahmen gewesen ist. Hinsichtlich des Bruders ist in Übereinstimmung mit dem SEM zu bemerken, dass sich aus den Ausführungen des Beschwerdeführers und den eingereichten Bestätigungsschreiben nicht ergibt, dass der Bruder D-4452/2018 Seite 19 eine besonders exponierte Stellung innerhalb der exilpolitischen Opposi- tion bekleidet. Eine wesentliche Akzentuierung des Profils des Beschwer- deführers ergibt sich auch nicht aus den durch Fotos dokumentierten De- monstrationsteilnahmen, zumal aus den Fotos wie auch den untergeord- neten Hilfstätigkeiten, welcher der Beschwerdeführer anlässlich exilpoliti- scher Aktionen wahrnehme, kein sonderlich exponiertes Wirken hervor- geht. Genauso vermag auch die Narbe zu keiner sonderlichen Zuspitzung des Profils zu führen, weshalb zusa mmenfassend festzuhalten ist, dass nicht anzunehmen ist, dass der Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung zu jener kleinen Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tami- lischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Gegen die Annahme einer Ge- fährdung bei einer Rückkehr spricht ferner der Umstand, dass der Be- schwerdeführer in der BzP erwähnte, seine Eltern hätten ihm mitgeteilt, dass ihm die sri-lankische Regierung eine Stelle als (…) zugesichert habe (vgl. act. A5 S. 4 Ziff. 1.17.04). 8.7 Abschliessend ist noch zu bemerken, dass eine wesentliche Akzentu- ierung des Profils weder aufgrund einer bevorstehenden Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat noch aufgrund der im Zusammenhang mit der Ersatzreisepapierbeschaffung an die heimatlichen Behörden über- mittelten Daten zu erwarten ist. Dabei ist auf das Grundsatzurteil des Bun- desverwaltungsgerichts BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3 zu verweisen, wonach es sich bei der Ersatzreisepapierbeschaffung um ein standardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren handelt. Nur aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Behörden an die sri -lankischen Behörden und der Nennung des (unglaubhaften) Ausreisegrundes anläss- lich einer Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat ist bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rech- nen. 8.8 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). D-4452/2018 Seite 20 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine a usländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumu tbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Ausländer- und Integrationsgesetzes [AIG; SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren D-4452/2018 Seite 21 keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg- weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim- mungen zulässig. 10.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 10.5 Das SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit, dass der Beschwerdeführer aus der Nordprovinz stamme. Der Weg- weisungsvollzug sei somit beim Vorliegen begünstigender Faktoren zumut- bar. Der Beschwerdeführer sei ein junger gesunder Mann. Er habe die Schule erfolgreich mit dem (…) abgeschlossen, womit er über eine gute Ausbildung verfüge. Er sei mehrere Jahre einer Erwerbsarbeit nachgegan- gen und ihm sein ein Studienplatz in Aussicht gestellt worden. Gemäss ei- genen Aussagen sei seine Familie wohlhabend. In Sri Lanka würden seine Eltern und seine Grossmutter leben, weshalb er über ein soziales Netz ver- füge. Zudem lebe sein Bruder in C._______, auf dessen Hilfe er im Be- darfsfall ebenfalls zurückgreifen könne. Darüber hinaus verfüge er in Sri Lanka über einen Freundeskreis, mit welchem er auch nach der Ausreise weiterhin in Kontakt gestanden habe. D-4452/2018 Seite 22 10.6 Die Einwände auf Beschwerdeebene beschränken sich im Wesentli- chen auf eine Wiederholung von Argumenten, welche bereits im Rahmen der Flüchtlingseigenschaft vorgetragen worden sind. 10.7 Die Ausführungen des SEM sind zu bestätigen, weshalb sich der Voll- zug der Wegweisung als zumutbar erweist. Die ebenfalls geltend gemach- ten, jedoch nicht weiter substanziierten medizinischen Probleme stehen ei- nem Wegweisungsvollzug ebenfalls nicht entgegen. 10.8 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 10.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten ist. 12. 12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be - schwerdeführer aufzuerlegen (A rt. 63 Abs. 1 VwVG) und zufolge seiner sehr umfangreichen Eingaben auf Beschwerdeebene mit teilweise unnöti- gen Begehren und Anliegen, deren Ergebnis dem Rechtsvertreter teilweise schon hätten bekannt sein müssen, auf insgesamt Fr. 1‘500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 12.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist darauf hinzuweisen, dass bei erneuter Stellung von im Wesentlichen gleichbeg ründeten allge- meinen Rechtsbegehren, über welche bereits mehrfach befunden worden ist (insbesondere Offenlegung der Quellen des Lageberichts des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka, Bestätigung der Zufälligkeit beziehungs- weise der Offenlegung der objektiv en Kriterien des Spruchkörpers und D-4452/2018 Seite 23 standardisierte Verfahren der Datenweitergabe im Rahmen der Ersatzrei- sepapierbeschaffung), diese unnötig verursachten Kosten dem Rechtsver- treter persönlich auferlegt werden können (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG). (Dispositiv nächste Seite) D-4452/2018 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1‘500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Linus Sonderegger Versand: