B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-24/2017 U r t e i l v o m 1 7 . F e b r u a r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Esther Marti (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter David R. Wenger, Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 16. November 2016 / N (…). E-24/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und Zaza-Sprachzugehörigkeit aus B._______ – verliess eigenen Angaben zufolge die T ürkei im (…) oder im (…) und reiste legal in den C._______, von wo aus er am 11. Juni 2016 über ihm unbekannte Länder in die Schweiz einreiste. Am 13. Juni 2016 suchte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen um Asyl nach, wo er am 5. Juli 2016 zu seiner Person befragt wurde (BzP; Protokoll in den SEM -Akten: A8). Am 18. Juli 2016 fand die Anhörung zu seinen Asylgründen statt (Protokoll in den SEM-Akten: A10). A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er habe seit etwa sechs oder sieben Monaten Probleme mit Anhängern des sogenannten Islamischen Staates im Irak und Syrien (IS) gehabt. Solche hätten sich in B._______ immer mehr unter die kurdi- schen Jugendlichen gemischt und eines Abends seien er und weitere Per- sonen von diesen IS-Anhängern in ihrem Quartier verbal angegriffen wor- den; sie hätten ihnen gesagt , früher oder später w ürden auch sie am IS teilhaben, ob sie das wollten oder nicht. Zunächst habe er, der Beschwer- deführer, dies nicht ernst genommen, eines Abends sei er aber von einem Mann mit Bart – was auf seine Zugehörigkeit zum IS schliessen lasse – auf der Strasse angehalten worden. Dieser habe ihm gedroht, wenn er dem IS nicht beitrete, sei er ein toter Mann und er wisse auch, wo seine Eltern und Grosseltern leben würden. Zu einem späteren Zeitpunkt seien der Be- schwerdeführer und seine Kameraden sodann mit einem Beil und weiteren Gegenständen, wie Messer und S tangen, angegriffen worden; sie hätten sich jedoch in Sicherheit bringen können und den Erwachsenen sei es ge- lungen, die Auseinandersetzung zu schlichten. In der Folge seien mehrere Männer aus der Stadt entführt w orden. Da sich die Polizei regelmässig raushalte und die Polizisten selbst um ihr Leben fürchte ten, habe es von vornherein keinen Zweck gehabt, zur Polizei zu gehen . Dies habe sich auch beim Angriff mit dem Beil gezeigt. Er habe die Vorfälle schliesslich seinen Eltern offenbart, die ihm geraten hätten, das Land zu verlassen beziehungsweise in die Schweiz zu gehen, wo bereits seine Schwester lebe. Zwar hätte er auch zu seinen Grosseltern in die Kreisstadt D._______, in den Aussenbezirken von B._______ zie- hen können, wo auch seine Eltern vor allfälligen Übergriffen der IS -Anhä- nger geschützt gewesen seien; dort habe er indes keine Zukunft und keine E-24/2017 Seite 3 Jobperspektiven gehabt. Im Übrigen sei er auch wegen des bevorstehen- den Militärdienstes ausgereist, den er auf Ende 2017 habe verschieben können. Schliesslich stelle auch die Arbeiterpartei Kurdistans (Partiya Karkerên Kurdistan; PKK) eine Gefahr dar und in der Türkei habe man nur drei Möglichkeiten, nämlich entweder Soldat werden und gegen die PKK kämpfen oder bei der PKK mitmachen und gegen die Soldaten kämpfen oder beim IS mitmachen. Mit den Behörden habe er nie Probleme gehabt, wobei er auch nie politisch tätig gewesen sei. Vor seiner Ausreise sei er allerdings in Istanbul fünf bis sechs Mal von der Polizei abgeführt worden, als diese bei Personenkon- trollen festgestellt habe, dass er Kurde sei. Was seine Identitätspapiere angehe, habe er im (…) einen neuen Reisepass ausstellen lassen, wäh- rend der Reise in die Schweiz habe er diesen aber – auf Rat des Schlep- pers hin – weggeworfen. Zu seinen per sönlichen Lebensverhältnissen gab der Beschwerdeführer an, er habe bis zum (…) Gymnasiumsjahr die Schule besucht , sei dann jedoch aufgrund seiner vielen Absenzen von der Schule verwiesen worden. In der Folge habe er das Gymnasium im Rahmen eines Fernstudiums ab- schliessen wollen, was er aufgrund der Ausr eise bis heute nicht getan habe. Beruflich sei er angelernter (…) und habe bis vor sechs Monaten vor der Ausreise im Zentrum von B._______ in einer (…) gearbeitet. B. Mit Verfügung vom 16. November 2016 – eröffnet am 30. November 2016 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch vom 13. Juni 2016 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung des Entscheids führte das SEM im Wesentlichen aus, die Ausführungen des Beschwerdeführers seien entweder nicht as ylrelevant oder nicht glaubhaft. Der Vollzug erweise sich als zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Beschwerde vom 30. Dezember 2016 gelangte der Beschwerdeführer ans Bundesverwaltungsgericht und liess beantragen, die vorinstanzliche Verfügung vom 16. November 2016 sei aufzuheben und es sei festzustel- len, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfülle und ihm E-24/2017 Seite 4 sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm als Folge davon, die v orläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessrechtlicher Hin- sicht beantragte er, es sei auf die Erhebung eine s Verfahrenskostenvor- schuss zu verzichten. Der Rechtsmitteleingabe legte der Beschwerdeführer zwei Berichte zur Si- tuation in der Türkei bei. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid relevant, in den Erwägungen eingegangen. D. Am 3. Januar 2017 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. E. Mit Eingabe vom 11. Januar 2017 belegte der Beschwerdeführer seine Be- dürftigkeit. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bund esverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet be treffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nich t vor. Das Bundesver waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. E-24/2017 Seite 5 2. Mit Beschwerde vor Bundesverwaltu ngsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermes- sens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG); die Kogni- tion im Bereich des Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG, wes- halb die Rüge der Unangemessenheit in diesem Bereich zugelassen ist (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Das Ersuchen des Beschwerdeführers, es sei auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses zu verzichten, wird mit vorliegendem Entscheid obsolet. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder in einem Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament- lich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei sen oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flücht lings- eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM aus, bei den Vorbringen des Beschwerdeführers handle es sich zusammenfassend um eine Verfolgung durch Dritte, für deren Verhinderung die türkischen Be-E-24/2017 Seite 6 hörden zuständig seien . Da sich der Beschwerdefüh rer nie an diese ge- wendet habe, lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie aus irgendei- nem Grund nicht willens oder fähig gewesen wären, ihn zu schützen. Aus- serdem mache er Nachteile geltend , die sich aus lokal oder regional be- schränkten Belästigungen b eziehungsweise Drohungen ableiten würden und er sei, da er sich diesen durch einen Wegzug in einen anderen Teil seines Heimatlandes hätte entziehen können, nicht auf den Schutz d urch die Schweiz angewiesen. Den Angriffen durch Angehörige des IS hätte er sich insbesondere durch eine Wohnsitzverlegung in eine andere westliche Grossstadt der Türkei entziehen können. So sei beispielsweise an E._______ zu denken, wo eine Tante väterlicherseits wohne. Was den Militärdienst betreffe, habe er diesen verschieben können, und da diese Verschiebung regelkonform zu sein scheine, wäre beziehungsweise sei der Beschwerdeführer diesbezüglich keinen ernsthaften Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG ausgesetzt beziehungsweise ausgesetzt gewesen. Die Aussage, wonach der Bes chwerdeführer in Istanbul aufgrund seines Aussehens und seiner Herkunft aus dem Osten, mehrere Male in Hand- schellen abgeführt und jeweils an einen abgelegenen Ort gebracht worden sei, sei sodann nicht glaubhaft ausgefallen. So habe er bei der Erstbefra- gung entgegen dieser Aussage auch angegeben, nie Probleme mit der Ar- mee, der Polizei oder den Behörden gehabt zu haben. Auch auf Beschwer- deebene habe er, davon abgesehen, keine Probleme mit der Polizei oder anderen Behörden erwähnt. Die allgemeine Situation, in der sich die kurdi- sche Bevölkerung befinde, führe schliesslich für sich alleine nicht zur An- erkennung der Flüchtlingseigenschaft. 6.2 Den Ausführungen des SEM hielt der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen entgegen, es sei bekannt, dass die AKP-Regierung Terrororganisationen wie den IS unterstütze, so dass die Behauptung der Vorinstanz, die türkischen Sicherheitskräfte seien willens, den Beschwerdeführe r zu schützen, unbegründet sei. A ufgrund seiner Pflicht zum Militärdienst drohe ihm, wie auch vielen anderen Kurden, so- dann auf „mysteriöse Weise“ um s Leben zu kommen. I n fast allen kurdi- schen Städten herrsche eine bürgerkriegsähnliche Situation, so dass eine begründete Furcht bestehe, bei der Rückkehr weiterer nichtstaatlicher Ver- folgung ausgesetzt zu sein beziehungsweise sei der Vollzug der Wegwei- sung aufgrund der Gefahr, bei einer Rückkehr von IS -Anhängern umge- bracht zu werden, zumindest unzumutbar. E-24/2017 Seite 7 7. 7.1 Nach Prüfung der Akten teilt das Bundesverwaltungsgericht die Ein- schätzung des SEM, wonach es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, eine asylrelevante Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 7.2 Zunächst stellt das Gericht fest, dass die Aussagen des Beschwerde- führers in Bezug auf die vorgebrachte Bedrohung Ungereimtheiten enthal- ten. So erwähnte er den Übergriff, bei dem er und weitere Jugendliche von mehreren Anhängern des IS mit einem Beil und weiteren Gegenständen angegriffen worden seien, bei der BzP nicht, obwohl dies aufgrund der Be- deutung des Ereignisses zu erwarten gewesen wäre. Vielmehr gab er auf die Frage, ob es nebst der geschilderten Drohung gegenüber seiner Fami- lie noch weitere Probleme mit dem IS gegeben habe, an, dies sei nicht der Fall gewesen, da sie sich ansonsten immer in Gruppen aufgehalten hätten (A8 S. 11). Auch ergaben sich hinsichtlich der Anzahl der Übergriffe Un- klarheiten, gab er in der Anhörung doch zunächst zu Protokoll, sie seien „ein paar Mal“ mit dem Beil gejagt worden (A10 F51), wohingegen er in der Folge nur noch von einem solchen Angriff sprach (z.B. A10 F56, F63). Den diesbezüglichen Schilderungen fehlt es zudem – trotz mehreren Nachfra- gen des Sachbearbeiters – insgesamt an Substantiiertheit und Realkenn- zeichen (vgl. insb. A10 F50 ff., F63, F107 ff.), so dass das Bundesverwal- tungsgericht nicht den Eindruck gewinnt, dass es sich bei der dargestellten Bedrohung um ein vom Beschwerdeführer tatsächlich selbst erlebtes Er- eignis handelt. Dem Bundesverwaltungsgericht erhellt sodann nicht, wie die Flucht des Beschwerdeführers der angeblichen Bedrohung gegenüber seinen Familienmitgliedern – sofern er nicht dem IS beitrete, würde diesen etwas zustossen (A10 F79) – hätte entgegenwirken sollen. Insgesamt ist jedenfalls nicht zu schliessen, die geltend gemachten Bedrohungen seien gezielt auf den Beschwerdeführer gerichtet gewesen. 7.3 Auch unabhängig von der Glaubhaftigkeit der Sachverhaltsdarstellung ging das SEM jedoch zu Recht von der fehlenden Asylrelevanz aus. So hat die Vorinstanz insbesondere zutreffend ausgeführt, dass die geltend gemachten Nachteile auf ein lokales beziehungsweise regionales Gebiet beschränkt gewesen seien, und der Beschwerdeführer ihnen durch einen Wegzug in einen anderen Teil seines Heimatlandes hätte entgehen kön- nen. Diesbezüglich gab der Beschwerdeführer nämlich selbst an, dass es für ihn möglich gewesen wäre, bei seinen Grosseltern in einem Aussenge- biet von B._______ in der Kreisstadt D._______ – wo auch seine Eltern geschützt gewesen seien – zu wohnen; gegen diese Möglichkeit hätten E-24/2017 Seite 8 einzig seine dortigen Zukunfts- und Arbeitsperspektiven gesprochen (A10 F 99, S. 14). Dem Beschwerdeführer standen aber auch in anderen Gross- städten, so insbesondere bei seinem Onkel in der Stadt F._______ – wo neben Türken, auch Kurden und Zaza leben – oder bei seiner Tante in der westtürkischen S tadt E._______ , eine innerstaatliche Schutzalternative zur Verfügung. Was die Zumutbarkeit der Schutzsuche an diesen Orten betrifft, so ist fol- gendes festzuhalten: Zwar lässt sich die Ausführung des SEM in der Ver- fügung, die Situation in der Türkei habe sich für Kurden seit 2001 „merklich verbessert“, – auch wenn sich diese vorwiegend auf kulturelle Aspekte bezieht – angesichts der aktuellen Ereignisse nicht ohne Weiteres aufrecht erhalten. Allerdings kann, insbesondere in de n Städten der Westtürkei, nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt gesprochen werden. Aufgrund der familiären Anknüpfungen, seiner langjährigen Schulbildung und Berufs- erfahrung als (…) ist im Fall des Beschwerdeführers sodann davon auszu- gehen, dass er an einem dieser Orte sowohl beruflich als auch sozial wie- der hätte Fuss fassen können beziehungsweise dies nach einer Rückkehr kann. Damit ist im Falle des Beschwerdeführers, so er denn auf eine solche angewiesen wäre, trotz der hohen Anforderungen ( vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2) von einer zumutbaren Schutzalternative insbesondere in einer der Grossstädte der Westtürkei auszugehen. Ob die türkischen Behörden im Fall des Beschwerdeführers schutzfähig und -willig gewesen sind beziehungsweise wären, kann nach dem Gesag- ten offen bleiben. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass er kein politisches Profil aufweist und ausführte, mit den Behörden nie Probleme gehabt zu haben (A8 S. 12), weshalb das SEM zum einen zu Recht darauf hingewie- sen hat, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er nicht einmal ver sucht habe, sich an die Polizei zu wenden. Zum anderen ging es auch zutreffend davon aus, dass die beschriebenen allgemeinen Schikanen aufgrund sei- ner kurdischen Ethnie für sich alleine noch keine asylrelevante Verfolgung begründen. Schliesslich ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer kurz vor seiner Ausreise, im (…), einen Reisepass ausstellen liess und legal ausreiste (A8 S. 6 f.), was auf ein funktionierendes Rechtsverhältnis zu den Behörden hinweist, zumal die vom SEM angeführten Widersprüche in Bezug auf die Festnahmen in Is- tanbul zutreffen. E-24/2017 Seite 9 Auch was den Militärdienst betrifft, der dem Beschwerdeführer bevorstehe, liegen keine Hinweise vor, dass ihm in diesem Zusammenhang flüchtlings- rechtlich relevante Nachteile drohen würden, wobei auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann. Schliesslich vermag der Beschwerdeführer auch aus dem pauschalen Ver- weis auf die Bedrohung seitens der PKK nichts zu seinen Gunsten abzu- leiten. 7.4 Unter d en genannten Umständen gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, weshalb das Staatssekretariat das Asylgesuch zu Recht abge- lehnt hat. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vermögen an die- ser Einschätzung nichts zu ändern, zumal diese überwiegend auf die all- gemeine Situation in der Türkei hinweisen. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). E-24/2017 Seite 10 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied- rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr - dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführer s in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus - schaffung in den Heimat- beziehungsweise Herkunftsstaat dort mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote- nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Ge- fahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kam- mer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm vorliegend nicht, zu- mal sich die vorgebrachte Bedrohung durch IS -Anhänger auf ein regional begrenztes Gebi et beschränkt (vgl. E. 7.3). Auch die allgemeine Men- schenrechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heu- tigen Zeitpunkt schliesslich nicht landesweit als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. E-24/2017 Seite 11 9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Trotz der aktuell kritischen Sicherheitslage, vor allem im Südosten der Tür- kei, geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass die allgemeine Lage in der Türkei nicht landesweit durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der Vollzug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als un- zumutbar zu qualifizieren. Der Beschwerdeführer macht insbesondere auf Beschwerdeebene keine Wegweisungsvollzugshindernisse geltend, solche sind denn auch aus den Akten nicht ersichtlich. Der (…)-jährige, türkisch und Zaza sprechende Be- schwerdeführer wohnte seit seiner Geburt zusammen mit seinen Eltern in der Region B._______, wo auch mehrere Verwandte sowie seine Grossel- tern leben, er eine weitgehende Schulbildung genoss, sich zum (…) aus- bilden liess und zuletzt in einer (…) gearbeitet hat. Zudem verfügt er über weitere Verwandte in F._______ und in E._______ . Er ist ein junger und soweit aktenkundig gesunder Mann ohne familiäre Verpflichtungen und es ist nicht davon auszugehen ist, dass er bei seiner Rückkehr aus individu- ellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation gerät. Folglich lässt weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerde- führers noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen, weshalb der Vollzug der Wegweisung zumut- bar ist. 9.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). E-24/2017 Seite 12 10. Die angefochtene Verfügung verletzt damit Bundesrecht nicht und stellt den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig fest (Art. 106 Abs. 1 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-24/2017 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Marti Sibylle Dischler Versand: