B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3847/2013 U r t e i l v o m 1 4 . M a i 2 0 1 4 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Markus König, Gerichtsschreiber Alain Degoumois. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Livia Kunz, MLaw, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. Mai 2013 / N (…). E-3847/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer den Iran am 21. März 2010 (01.01.1389) und gelangte via die Türkei und unbekannte Länder am 6. April 2010 in die Schweiz, wo er tags darauf um Asyl nac h- suchte. Am 13. April 2010 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel zur Person befragt (BzP). Gestützt auf einen Treffer in der Zentra l- einheit Eurodac und mangels Antwort der griechischen Behörden auf das Ersuchen um Übernahme vom 21. April 2010 trat die Vorinstanz mit Ver- fügung vom 4. August 2010 nicht auf das Asylgesuch ein und wies den Beschwerdeführer nach Griechenland weg. Nach der dagegen erhob e- nen Beschwerde vom 12. August 2010 und zweimaligem Schriftenwec h- sel hob die Vorinstanz mit Verfügung vom 7. März 2011 ihre Verfügung vom 4. August 2010 auf und nahm das nationale Asylverfahren wieder auf. Mit Entscheid E-5725/2010 vom 9. März 2011 schrieb daraufhin das Bundesverwaltungsgericht das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos ab. Nach Wiederaufnahme des Asylverfahrens hörte die Vorinstanz den Be- schwerdeführer am 26. März 2013 zu den Asylgründen an. Im Wesentl i- chen machte dieser geltend, er sei Kurde und seit dem Jahre 1386 (2007) Mitglied der Komala-Partei. Bereits mit 14-15 Jahren, als er in der ersten Klasse des Gymnasiums gewesen sei, habe er das erste Mal das Kom a- la-Hauptquartier in B._______ im Nordirak besucht. Er habe um Aufna h- me gebeten, welche ihm mangels Volljährigkeit verweigert worden sei . Dennoch habe er an einer politischen Ausbildung teilnehmen können. Der iranische Nachrichtendienst habe davon erfahren und seine Mutter g e- schickt, um ihn nach Hause zu holen. Nach der Rückkehr in den Iran h a- be der Nachrichtendienst ihn zehn Tage in einer Zelle festgehalten und ihm die "Kurdistan" -Tätowierung auf dem Unterarm, welche e r bei der Komala-Partei habe stechen lassen, mit einem heissen Metallgegenstand versengt. Das Gericht habe ihn zu einer bedingten einjährigen Gefän g- nisstrafe verurteilt mit der Auflage, sich sechs Monate lang jeden Tag um 9 Uhr beim Nachrichtendienst zu melden. Mit 16 Jahren habe er schliess- lich für einen entfernten Verwandten Flyers und Fotos des Führers der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans), Öcalan, transportiert. Am (…) habe er in C._______ an der Demonstration gegen die Festnahme ebendieses de- monstriert. Dabei sei er verhaftet und vom Revolutionsgericht wegen Ge- fährdung der nationalen Sicherheit verurteilt worden . Er habe drei Jahre (1999 bis 2002) in Haft verbracht. Im Jahre 1386 (2007) – ein Jahr nach E-3847/2013 Seite 3 der Trennung von seiner Frau – sei er zu der Komala -Partei in B._______, Irak, zurückgekehrt und habe der Partei als Peschmerga (ira- kisch-kurdischer Kämpfer) dienen wollen , sei aber von dieser – statt als Kämpfer – für verdeckte Propagandaarbeit im Iran rekrutiert worden. Das Propagandamaterial und weitere Waren für seinen Cousin habe er dar- aufhin zweimal jährlich an der irakischen Grenze in Empfang genommen und mittels mehreren Helfern über Umwege zu sich nach Hause in C._______ transportiert. Dort habe er dieses Material verteilt, es hätten aber auch andere Leute die Ware bei ihm abgeholt, welche für die Vertei- lung in anderen Städten zuständig gewesen seien. Den Schmuggel habe er viermal durchgeführt und beim fünften Mal sei er aufgeflogen. Als er sich am (…) bei seinem Onkel väterlicherseits befunden habe , habe er einen Telefonanruf seiner Schwester erhalten, welche ihm über eine Raz- zia des iranischen Nachrichtendienstes bei ihnen zu Hause berichtet h a- be. Es seien Fotos des Gründers der Komala -Partei und weitere Fotos von Märtyrern beschlagnahmt worden. Au ch sei ein Buch über die G e- schichte Kurdistans in kurdischer Sprache konfisziert worden. Er sei bis am 21.12.1388 (12. März 2010) bei seinem Onkel geblieben und danach für zehn Tage nach D._______ gereist. Als sein Bruder ihm geraten habe, das Land zu verl assen, sei er geflohen. Als Beweismittel reichte der B e- schwerdeführer eine iranische Shenasnameh -Karte und eine Kopie der Shenasnameh-Karte seines Sohnes ein, w eiter einen Ausweis im Kredi t- kartenformat seines iranischen Anwalts, eine iranische Arbeitsbestätigung sowie eine Kopie eines iranischen Durchsuchungs- und Haftbefehls. B. Mit Verfügung vom 31. Mai 2013 stellte die Vorinstanz fest, dass der B e- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Sie lehnte das Asylgesuch ab, wies den Beschwerdefü hrer aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Mit Eingabe vom 5. Juli 2013 reichte der Beschwerdeführer mittels seiner Rechtsvertreterin und unter Beilage von Beweismitteln (1 bis 4) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die ang e- fochtene Verfügung vom 31. Mai 2013 sei aufzuheben, er sei als Flüch t- ling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen. Subeventualite r sei die Unzulässigkeit respektive die Unzumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs festzustellen und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihn vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht beantragte er den Verzicht auf E-3847/2013 Seite 4 Erhebung eines Kostenvorschusses und die Gew ährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege. D. Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2013 verzichtete die damals zustä n- dige Instruktionsrichterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistä n- dung ab. Über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozes s- führung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. Weiter gab sie der Vorinstanz Gelegenheit, innert Frist eine Vernehmlassung zur Beschwe r- deschrift einzureichen. E. Mit Eingabe vom 11. Juli 2013 reic hte die Rechtsvertreterin des B e- schwerdeführers ein weiteres Beweismittel zu den Akten. Weiter machte sie darauf aufmerksam, dass der Vorinstanz in der Verfügung vom 31. Mai 2013 ein Fehler bezüglich des Alters des Beschwerdeführers im Jahre 2007 unterlaufen sei. F. Mit Eingabe vom 25. Juli 2013 teilte die Vorinstanz mit, dass keine neuen und erheblichen Beweismittel vorlägen, die eine Änderung ihres Stan d- punktes rechtfertigen könnten. Bezüglich der medizinischen Vorbringen sei festzuhalten, dass der Iran über ein gutes Gesundheitssystem verfüge und auch der Zugang zur Behandlung psychischer Probleme gewährlei s- tet sei. Im Übrigen verweise sie auf ihre Erwägungen, an denen sie vol l- umfänglich festhalte. G. Mit Eingabe vom 10. Dezember 2013 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers weitere Beweismittel zu den Akten. H. Mit Verfügung vom 23. Januar 2014 lud die damals zuständige Instrukt i- onsrichterin die Vorinstanz zur Einreichung einer ergänzenden Verneh m- lassung innert Frist ein. I. Nach gewährter Fristerstreckung teilte di e Vorinstanz mit Eingabe vom 6. Februar 2014 mit, dass keine neuen und erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorlägen, die eine Änderung ihres Standpunktes rechtfert i- gen könnten. Bezüglich der im Beschwerdeverfahren eingereichten Fotos E-3847/2013 Seite 5 sei f estzuhalten, dass diese keinen Hinweis auf die geltend gemachte Verfolgung enthielten. Weiter stellte die Vorinstanz den vom Beschwerde- führer geltend gemachten Fehler in den Erwägungen der Verfügung vom 31. Mai 2013 richtig und führte aus, das s dieses Versehen nichts an den Erwägungen ändere, an denen sie vollumfänglich festhalte. J. Mit Verfügung vom 12. Februar 2014 gab die damals zuständige Instru k- tionsrichterin dem Beschwerdeführer Gelegenheit, innert Frist eine Replik einzureichen. K. Mit Replik vom 27. Februar 2014 verwies die Rechtsvertreterin des B e- schwerdeführers vollumfänglich auf ihre Beschwerde vom 5. Juli 2013. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführ ung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvollständige Feststel- lung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer E-3847/2013 Seite 6 politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgese tzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Gemäss Art. 7 AsylG muss di e Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht (Abs. 1). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglau bhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3). 3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glau b- haftmachen der Vorbringen in einem jüngeren Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 4. 4.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochte nen Verfügung im Wesentl i- chen zum Schluss, aufgrund der unlogischen, vagen und realitätsfremden Angaben gelinge es dem Beschwerdeführer nicht, eine asylrelevante Ver- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG). So habe er angegeben, seinen letzten Transport mit politischem Material En- de 2008/Anfang 2009 durchgeführt zu haben. Die letzte politische Aktiv i- tät des Gesuchstellers und die vorgebrachte Hausdurchsuchung lägen somit zeitlich mehr als ein Jahr auseinander. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die iranischen Behörden so spät noch die Aktivitäten des G e- suchstellers aufgedeckt hätten. Zudem habe er nach seiner Rückkehr aus Griechenland im J ahre 2009 eine Stelle als Archivar beim (…) von C._______ erhalten, was er mit seiner Arbeitsbestätigung belege. Daraus erschliesse sich, dass der iranische Staat nichts von seinen politischen Aktivitäten gewusst habe. Weiter stelle sich die Frage, weshalb er über die iranische Grenzstadt D._______ in die Türkei geflohen und von dort in die Schwei z gereist sei, anstatt in den Nordirak zur Basis der Komala - Partei zu fliehen. Schliesslich mache er geltend, er sei im Auftrag der Par- tei politisch aktiv gewesen. Zudem habe er auch ausgeführt, dass er die Komala-Basis besucht und die Schleichwege über di e Grenze zum Nord-E-3847/2013 Seite 7 irak gekannt habe. Es wäre somit zu erwarten gewesen, dass er in den Nordirak fliehe und Schutz bei seiner Partei ersuche. Weiter habe er die Hausdurchsuchung nur sehr oberflächlich beschrieben. Seine Schwester habe ihm mitgeteilt, drei bis vier Personen in Zivil hätten das Haus durc h- sucht. Dabei habe er ausgeführt, die Beamten hätten alles, was sich in seinem Zimmer befunden habe, mitgenommen. Auf Nachfrage hin habe er Bücher, Fotos, die kurdische Flagge und andere Sachen erwähnt, h a- be aber keine weiteren Details nennen können. Wie er selber angebracht habe, sei die Hausdurchsuchung der Auslöser der Flucht gewesen. In diesem Zusammenhang wäre zu erwarten gewesen, dass er sich erku n- dige, was genau vorgefallen sei, und detaillierte Angaben zur Hausdurch- suchung machen könne. Es widerspreche angesichts der geltend g e- machten politischen Aktivitäten jeglicher Logik, dass er nie damit gerec h- net habe. An dieser Feststellung vermöge auch der ins Recht gelegte Durchsuchungs- und Haftbefehl vom (…) nichts zu ändern. Iranische Durchsuchungs- und Haftbefehle seien leicht käuflich erwerbbar und hä t- ten somit keine grosse Beweiskraft. Bezüglich der Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG führte die Vorinstanz weiter aus, bei den geltend gemachten Inhaftierungen handle es sich um Ereignisse, welche schon mehrere Jahre zurücklägen und somit in ke i- nem direkten Zusammenhang mit seiner Ausreise stünden. Dabei sei z u- sätzlich festzuhalten, dass er nach der Entlassung aus seiner zweiten Haft im Jahre 2002 bis zu seiner Ausreise im Jahre 2010 unbehelligt im Iran gelebt und gearbeitet habe. Ab ca. 2005/2006 habe er in C._______ eine (…) betrieben und im Jahre 2009 sei er im (…) in C._______ als Ar- chivar angestellt gewesen. Demzufolge seien ihm bis zur geltend g e- machten Hau sdurchsuchung im Jahre 2010 keine asylrechtlichen Nachteile erwachsen. Diesen Vorbringen komme somit keine Asylrel e- vanz zu. Der Gesuchsteller habe anlässlich der Anhörung und mit Eingaben mittels seiner Rechtsvertretung zusätzlich exilpolitische Aktivitäte n geltend g e- macht. Er sei Mitglied der Komala -Partei Schweiz und habe am (…) zum 65-jährigen Jubiläum der Partei an einer Festveranstaltung in (…) eine Rede gehalten, die auf (…) ausgestrahlt worden sei. Selbst wenn die ir a- nischen Behörden über die politis chen Aktivitäten ihrer Staatsangehör i- gen im Ausland informiert seien, könnten sie angesichts der hohen Zahl der im Ausland lebenden iranischen Staatsangehörigen nicht jede einze l- ne Person überwachen und identifizieren. Zudem dürfte auch den iran i- schen Behörden bekannt sein, dass viele iranische Emigranten aus vo r-E-3847/2013 Seite 8 wiegend wirtschaftlichen Gründen versuchten, sich in Europa und speziell in der Schweiz zum Abschluss ihres Asylverfahrens ein dauerhaftes Au f- enthaltsrecht zu erwirken, indem sie regimekritischen Ak tivitäten jeglicher Art nachgingen. Die iranischen Behörden hätten indessen nur dann Int e- resse an der Identifizierung von Personen, wenn die Aktivitäten als ko n- krete Bedrohung für das politische System wahrgenommen würden. Die Aktivitäten des Gesuchstellers vermöchten keine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr in den Iran zu begründen. Sein Verhalten in der Schweiz sei insgesamt betrachtet nicht geeignet, ein ernsthaftes Vorg e- hen der iranischen Behörden zu erwirken, zumal keine Anhaltspunkte für die Annahme bestünden, im Iran seien aufgrund der geltend gemachten Aktivitäten behördliche Massnahmen eingeleitet worden. Er verfüge somit nicht über ein politisches Profil, das ihn bei einer Rückkehr in den Iran e i- ner konkreten Gefährdung gemäss Art. 3 AsylG aussetzen würde. 4.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen im Wesentlichen vor, es stim- me nicht, dass die letzte politische Aktivität und die vorgebrachte Hau s- durchsuchung zeitlich mehr als ein Jahr auseinanderlägen. Als er den An- ruf seiner Schwester betreffend die Hausdurchsuchung erhalten habe, habe er sich bei seinem Onkel in Erwartung eines weiteren Auftrags für Materialtransport befunden. Er sei zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung somit immer noch politisch aktiv gewesen, nur habe seit längerer Zeit kein Transport mehr stattgefunden. Die Feststellung der Vorinstanz, w o- nach nicht nachvollziehbar sei, dass "so spät" noch seine Aktivitäten au f- gedeckt würden, sei demnach unrichtig. Zudem könne ein Durchgreifen der Polizei ein Jahr nach der letzten effektiven Akti vität gemäss allgemei- nen Erfahrungen in der Ermittlungstätigkeit nicht als sehr spät angesehen werden. Es sei plausibel, dass eine Person nicht sofort nach einer Aktiv i- tät ins Visier der Behörden gerate . Bezüglich der Tätigkeit beim (…) von C._______ sei festzuhalten, dass dieses wohl einen Auftrag des Staat es erfülle, jedoch ziemlich selbstständig agiere, was die Einstellung von Mit- arbeitern betreffe. Da es sich um eine Vertretung und somit eine auf drei Monate befristete Stelle gehandelt habe, sei der ira nische Nachrichten- dienst nicht über die Anstellung informiert gewesen. Aus Angst, im Nord- irak nicht sicher zu sein, da der iranische Nachrichtendienst dort sehr a k- tiv operiere, habe er sich zu einer Flucht nach Europa entschlossen. Die Wahl des Fluchtorts dürfe von der Vorinstanz nicht als unstimmig abg e- stempelt werden, nur weil ihr eine Flucht in den Nordirak als wahrschei n- licher erscheine. Die Hausdurchsuchung habe er so geschildert, wie er sie von seiner Schwester erfahren habe. Der Befrager habe ihm kei ne weiteren Fragen gestellt. Dem Vorwurf, es entbehre jeglicher Logik, dass E-3847/2013 Seite 9 er nie mit einer Hausdurchsuchung gerechnet habe, werde entgege n- gehalten, dass er bei den Transporten des Propagandamaterials immer sehr vorsichtig gewesen sei. Er sei überzeugt da von gewesen, nicht ins Fadenkreuz der iranischen Behörden zu geraten. Dass der eingereichte Durchsuchungs- und Haftbefehl vom (…) leicht käuflich erwerbbar sei und ihm daher keine grosse Beweiskraft zukomme, sei eine pauschale Behauptung der Vorinstanz. Sein Anwalt sei mit der Herausgabe des D o- kuments beauftragt worden und er habe zur Untermauerung dieses Vo r- bringens die Visitenkarte im Kreditkartenformat seines Anwalts eing e- reicht. Diese sei im Entscheid nicht gewürdigt worden. Originale der Haf t- befehle se ien schwer, wenn nicht unmöglich herauszubekommen. Die Vorinstanz hätte mit den Kontaktdaten des Anwalts die Angaben des B e- schwerdeführers leicht überprüfen können. Auch seien die eingereichten Arztberichte Zeugnisse der erlittenen Verfolgung respektive In haftierung und Folter und sprächen deutlich für die Glaubhaftigkeit des Beschwerde- führers. Insgesamt seien seine Aussagen nachvollziehbar, stimmig, l o- gisch und deshalb glaubhaft. Mit Ausführungen zur aktuellen Situation von Oppositionellen bzw. Ku r- den im I ran, bekräftigt durch den Hinweis auf eine Stellungnahme von Amnesty International vom 29. Mai 2007 über die Situation im Iran bringt der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin zusammengefasst vor, er habe als 16 -Jähriger sowie in den Jahren 1999 bis 2002 und im März 2010 asylrelevante Verfolgung erlebt, weil er immer wieder politisch aktiv gegen das iranische Regime gewesen sei. Bei der dreijährigen G e- fängnisstrafe habe es sich nicht um eine legitime Strafverfolgung, so n- dern um eine asylrelevante Verfolgung wegen seine r politischen Aktivitä- ten im Sinne von Art. 3 AsylG gehandelt. Die Transporte des politischen Materials stellten Aktivitäten dar, welche vom iranischen Regime mit ja h- relanger Haft und Folter bestraft würden. E r sei dem iranischen Regime schon seit seinem 16. Altersjahr als Regimegegner und politischer Aktivist bekannt. Es sei ein politisch motivierter Haftbefehl gegen ihn erlassen worden. Bei einer Rückkehr in den Iran würde er ohne Zweifel sofort fest- genommen und inhaftiert. Er weise objektiv begründete Furcht vor asylre- levanter Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG auf. Eine innerstaatliche Fluch t- alternative bestehe nicht. Unter Hinweis auf verschiedene Berichte über die iranischen Überw a- chungsaktivitäten im Ausland bringt der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin bezüglich subjektiver Nachfluchtgründe vor, er sei Mi t- glied der Komala -Partei. Im (…) habe er zum 65 -jährigen Jubiläum der E-3847/2013 Seite 10 Partei eine Rede an der Festveranstaltung in (…) gehalten. Diese sei auf dem kurdischen Satellitenfernsehen (…) ausgestrahlt worden. Auch sei auf der Internetseite "(…)" darüber berichtet worden, wobei er namentlich erwähnt worden sei. In Bern habe er zudem an einer Kundgebung teilg e- nommen. Sein Engagement in der Schweiz werde durch die Beweismittel gestützt. Seine vom Fernsehen übertragene Rede hebe ihn von den massentypischen und niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolit i- scher Aktivität ab. Die Verknüpfung der Rede mit der Internetseite exp o- niere ihn zusätzlich. Es müsse angenommen werden, dass er von den iranischen Behörden als Regimegegner wahrgenommen werde und bei einer Rückkehr in den Iran unweigerlich gefährdet wäre, sofort inhaftiert und strafrechtlich belangt zu werden. 5. 5.1 Die von der Vorinstanz vorgenommene Beweisw ürdigung vermag nicht zu überzeugen. So ist die aufgezeigte Ungereimtheit wegen der Dauer zwischen der letzten politischen Aktivität und der vorgebrachten Hausdurchsuchung nicht geeignet, die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers aufzuzeigen. Dieser brachte vor , er habe den Schmuggel vier Mal durchgeführt und sei beim fünften Mal aufgeflogen (BFM-Akten, A35/20 F59). Den Anruf seiner Schwester erhielt er wä h- rend des Aufenthalts bei seinem Onkel in E._______ in Erwartung eines weiteren Auftrags, wie er überzeugend darzulegen vermochte. Dies ergibt sich auch aus seinen Aussagen zum Ablauf des Schmuggels, wonach er jeweils mit einem Maultier seines Cousins väterlicherseits aus dem Dorf E._______ zur Grenze ging (BFM-Akten, A1/9 S. 4). Bezüglich der befris- teten Anstellung als Archivar beim (…) von C._______ konnte der B e- schwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin ebenfalls überzeugend dar- legen, dass er lediglich den Bruder des Stellenleiters während dessen Weiterbildung vertrat, weshalb diesbezüg lich keine Informationen zum Geheimdienst gelangt sind, obwohl das Amt Aufgaben des Staates erfüllt. Das Schreiben des Amtes (Beilage 5) bestätigt im Übrigen die dreimon a- tige Anstellung, wobei keine Veranlassung besteht, an der Echtheit des Dokuments zu zw eifeln. Die Vorinstanz findet es weiter nicht nachvol l- ziehbar, dass der Beschwerdeführer nicht in den Nordirak zu der Basi s der Komala-Partei geflohen sei, um dort Schutz zu ersuchen, sondern e i- nen anderen Weg für seine Flucht in die Schweiz gewählt habe. Die dies- bezüglichen Argumente des Beschwerdeführers , er habe Angst gehabt, dort nicht sicher zu sein, da der iranische Geheimdienst im Irak sehr aktiv sei, können jedoch nachvollzogen wer den. Immerhin erfuhr der iran i- schen Geheimdienst bereits vom ersten Aufenthalt des Beschwerdefü h-E-3847/2013 Seite 11 rers im Nordirak bei der Komala-Partei und es gelang ihm sogar, mit Hilfe dessen Mutter diesen in den Iran zurückzuholen (BFM -Akten, A35/20 F84). Das weitere Argument der Vorinstanz für die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Bes chwerdeführers ist dessen oberflächliche Beschre i- bung der Hausdurchsuchung. Die Vorinstanz übersieht dabei, dass der Beschwerdeführer glaubhaft versichern konnte, er habe sich zu dieser Zeit bei seinem Onkel befunden und nur telefonisch von seiner Schwester über die Hausdurchsuchung erfahren (BFM -Akten, A35/20 F97 ff.). Wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführt, konnte er den Ablauf der Hau s- durchsuchung nur indirekt mittels den von seiner Schwester erhaltenen Informationen wiedergeben. Eine mangelnde detai llierte Schilderung kann somit nicht zum Nachteil des Beschwerdeführers ausgelegt werden. Bezüglich des zu den Akten gereichten Durchsuchungs - und Haftbefehls (Beilage 7) ist mit dem Beschwerdeführer einig zu gehen, dass die Vori n- stanz pauschal behauptete, es handle sich um eine Fälschung, bezi e- hungsweise solche Dokumente wären leicht käuflich erwerbbar. Der Be- schwerdeführer konnte auf plausible Weise erläutern, dass er das Dok u- ment mit Hilfe seines Anwalts und nur gegen Bezahlung einer hohen Summe habe erh ältlich machen können (BFM -Akten, A35/20 F99). Zur Untermauerung dieses Vorbringens konnte er auch die Visitenkarte se i- nes Anwalts im Kreditkartenformat zu den Akten reichen (Beilage 4). Die Würdigung seiner während der umfangreichen Anhörung gemachten Aussagen und derjenigen anlässlich der Befragung kann auch zu keinem anderen Schluss führen, als dass diese als glaubhaft zu betrachten sind. So zeichnen sich die Aussagen des Beschwerdeführers durch eine gro s- se Konsistenz, einen hohen Detailgrad und ausführl iche Antworten auf die gestellten Fragen aus. Schliesslich ist auffällig, dass er die Wissen s- fragen zur Komala -Partei sehr genau beantworten konnte ( vgl. BFM- Akten, A35/20 F79 f.). Gleiches gilt für die Beschreibung des Reisewegs, die genau, nachvollziehbar und mit persönlichen Eindrücken erfolgte ( vgl. BFM-Akten, A35/20 F122). 5.2 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Aussagen des Beschwerdeführers den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG genügen und die Vorinstanz in Verletzung von Bundesrecht die Aussagen als unglaubhaft qualifiziert hat. E-3847/2013 Seite 12 6. 6.1 Bezüglich der Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG bringt die Vorinstanz vor, die Inhaftierung als Minderjähriger und die Haft von 1999 bis 2002 wegen der Teilnahme an einer kurdischen Demonstration stellten Erei g- nisse dar, welche mehrere Jahre zurücklägen und in keinem direkten Z u- sammenhang mit der Ausreise des Beschwerdeführers stünden. Den Vorbringen komme keine Asylrelevanz zu. Zwar ist der Vorinstanz zuz u- stimmen, dass die vergangene n Ereignisse in zeitlicher und sachlicher Hinsicht keinen genügend engen Kausalzusammenhang zwischen Ve r- folgung und Flucht darzustellen vermögen. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Anruf seiner Schwester be- hördliche Re pression erlitt und nach der Hausdurchsuchung nicht nur wegen de s gefundenen politischen Material s, sondern auch wegen se i- nes Profils mit umso schwereren Verfolgungsmassnahmen rechnen musste. In Anbetracht dieser Ausführungen und der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers, ist von einer begründeten Verfo l- gungsfurcht auszugehen, die nach wie vor aktuell ist. 6.2 Eine Fluchtalternative innerhalb des Irans lässt sich vorliegend nicht annehmen. Eine solche kann einem Asylsuchenden entgegengehalten werden, wenn er am Zufluchtsort voraussichtlich wirksamen Schutz vor unmittelbarer und mittelbarer staatlicher Verfolgung findet. In einer Einzel- fallprüfung und unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes ist zu beurteilen, ob einer betroffenen Pers on angesichts der sich konkret abzeichnenden Lebenssituation am Zufluchtsort zugemutet werden kann, sich dort niederzulassen und eine neue Existenz aufzubauen (vgl. BVGE 2011/51 E. 8.5.1. S. 18 und E. 8.6. S. 20). Eine wirksame Schutzgewä h- rung erscheint in sbesondere dann nicht gegeben, wenn die betroffene Person in ihrer Heimatregion – wie vorliegend – von Organen der Zen t- ralgewalt und damit unmittelbar staatlich verfolgt worden ist, da diesfalls ein Wegzug in einen anderen Landesteil solche Nachstellungen regel- mässig nicht effektiv zu unterbinden vermag (vgl. zum Ganzen auch En t- scheidungen und Mitteilungen der Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 1), zumal der Beschwerdeführer in den Verzeichnissen der Gehei m- dienste vermerkt sein wird. Hinzu kommt, dass sich die Gefahr von Ve r- folgung bereits bei einer allfälligen Einreise ins Heimatland zeigen dürfte. Da dem Beschwerdeführer keine sichere Fluchtalternative zur Verfügung steht, erfüllt er die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG. E-3847/2013 Seite 13 7. Aus den Akte n ergeben sich ferner keine Hinweise auf einen Asylau s- schlussgrund gemäss Art. 53 oder 54 AsylG. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG erfüllt sind. Die Beschwerde ist gutzuheissen und die angefoc h- tene Verfügung zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewä h- rung von Asyl an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen des B e- schwerdeführers einzugehen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgel t- lichen Rechtsverbeiständung wurde mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2013 abgewiesen. Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist in Anwe n- dung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 8 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht. Auf entsprechende Nachforderung kann verzichtet werden, da der notwendige Vertretung s- aufwand aufgrund der Akten zuverlässig abgeschätzt werden kann. Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (Art. 8, 9 und 11 VGKE) ist die Parteientschädigung auf Fr. 2400.– (inkl. Auslagen) fest- zusetzen. Die Vorinstanz ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 2 VwVG a n- zuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite) E-3847/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 31. Mai 2013 wird aufgehoben und die Vo r- instanz angewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2 400.– (inkl. Auslagen) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Willisegger Alain Degoumois Versand: