<h2>SubmittedText<h2><p>In der mehrsprachigen Schweiz gibt es zweisprachige Orte mit zwei Ortsnamen, insbesondere an der Sprachgrenze zwischen Deutschschweiz und welscher Schweiz. Es gibt jedoch auch nichtzweisprachige Orte, bei welchen auf Karten Exonyme verwendet werden. Dabei scheint nicht immer so klar zu sein, nach welchen Kriterien diese auf den Karten verzeichnet werden. Betrachtet man insbesondere die Spezialkarten, ergeben sich über die Jahre auch in kurzen Abständen Veränderungen. So wird beispielsweise Kerzers 1981 auf der Landeskarte 1:25 000 nur mit Kerzers bezeichnet, auf derselben Karte 2001 wird Kerzers mit dem Exonym Chiètres ergänzt, das dann aber 2012 plötzlich wieder nicht mehr erscheint. Vor diesem Hintergrund wird der Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:</p><p>1. Hat er Kenntnis davon, dass sich die Bezeichnungen über die Jahre verändern, und hat er Verständnis dafür, dass die Entwicklung teilweise Irritationen auslösen kann und die Frage nach Willkür aufwirft?</p><p>2. Wie erklärt er sich die Tatsache, dass die Landestopographie die Ortsbezeichnungen innerhalb so kurzer Zeiträume offenbar jeweils neu beurteilt?</p><p>3. Nach welchen Kriterien werden Exonyme an der französisch-deutschen Sprachgrenze verwendet? Wer entscheidet über die Verwendung der Exonyme in nichtzweisprachigen Gemeinden?</p><p>4. Kann sich der Bundesrat vorstellen, dass die Benennung oder Ergänzung der Namen durch Exonyme eine politische Komponente hat?</p><p>5. Geht er davon aus, dass im Falle einer Neuordnung der Gemeinden im Berner Jura die Ortsnamen entsprechend angepasst werden und eine Sprache zugunsten der anderen allenfalls ins Hintertreffen gerät? Wenn ja, wer entscheidet darüber?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>In den Landeskarten gibt es drei Arten zweisprachiger Siedlungsnamen:</p><p>1. vom Bund und von dem betroffenen Kanton amtlich anerkannte zweisprachige Namenpaare von Gemeinden wie Bergün/Bravuogn oder Biel/Bienne und von Ortschaften wie Lenzerheide/Lai;</p><p>2. durch Gemeindefusionen entstandene zweisprachige Namenpaare wie beispielsweise Casti-Wergenstein, welche mit einem Bindestrich gekoppelt sind;</p><p>3. Exonyme längs der Sprachgrenzen wie beispielsweise Ligerz/Gléresse oder Fribourg/Freiburg. Diese Exonyme werden in der Landeskarte in anderer Schriftart aufgeführt als die amtlichen Namen.</p><p>Der Bundesrat beantwortet die konkreten Fragen wie folgt:</p><p>1. Grundsätzlich verändern sich Ortsbezeichnungen nicht. Die bestehenden Exonyme in der Landeskarte bilden einen Bestandteil der geografischen Namen der Schweiz und zeugen von der kulturellen Vielfalt unseres Landes.</p><p>Im speziellen Fall von Kerzers sind die Veränderungen durch eine politisch motivierte Intervention des Kantons Freiburg begründet. Der Kanton Freiburg verlangte bei der Ortsbezeichnung Kerzers die Streichung des angefügten Exonyms Chiètres.</p><p>2. Eine Neubeurteilung der bestehenden Exonyme ist nicht vorgesehen, Exonyme der Landeskarte werden grundsätzlich nicht verändert.</p><p>3. Ein Exonym ist per Definition ein fremdsprachiger geografischer Name für ein Objekt, das ausserhalb des Gebiets liegt, in dem diese Sprache offiziellen Status hat (gemäss Grundlagen der Vereinten Nationen und des Ständigen Ausschusses für geografische Namen der Schweiz, StAGN). Beispiele dazu sind Douanne als französisches Exonym für Twann oder Neuenstadt als deutsches Exonym für La Neuveville. Längs der Sprachgrenze werden für ein Sprachkontaktgebiet in einem Korridor von rund 10 Kilometer Breite in der Landeskarte nebst den offiziellen Ortsbezeichnungen (Endonyme) auch die üblichen Exonyme aufgeführt. Die Sprachgrenze selbst wird nicht durch politische oder administrative Einteilungen bestimmt, sondern durch die Flurnamen, welche in den Namenbüchern festgelegt sind und relativ stabil bleiben. Bereits im Jahr 1850 wurden in der Dufourkarte 338 Exonyme aufgeführt. Zuständig für die Vergabe geografischer Namen ist das Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo) gemäss der Verordnung über die geografischen Namen (SR 510.625).</p><p>4. Geografische Namen, insbesondere auch Exonyme, dürfen nicht für politische Zwecke missbraucht werden. In Zweifelsfällen wird den Anliegen des betroffenen Kantons jeweils entsprochen, so beispielsweise bei Kerzers/Chiètres.</p><p>5. Es ist nicht davon auszugehen, dass nach einem möglichen Kantonswechsel einer Gemeinde die bestehenden Exonyme der Landeskarte verändert werden. Die Kantonszugehörigkeit ist kein Kriterium für die Aufnahme eines Exonyms.</p>  Antwort des Bundesrates.