BRKE II Nrn. 184 und 185/2000 vom 18. Juli 2000 in BEZ 2000 Nr. 48 13.a) Die Immissionsgrenzwerte gelten überall dort, w o sich Menschen norm a- lerweise aufhalten können (Art. 13 Abs. 1 der bundesrätlichen Verordnung vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung [NISV]). Deren Anwendung ist aber auf jene Strahlung beschränkt, welche gleichmässig auf de n ganzen menschlichen Körper einwirkt (Art. 13 Abs. 2 NISV). Massgebend ist dabei die gesamte Strahlung, welche an einem bestimmten Ort von allen vorhandenen Strahlungsquellen insgesamt verursacht wird. Damit wird der Besti mmung von Art. 8 USG Nachachtung verschafft, wonach Einwirkungen sowohl einzeln als auch g e- samthaft und nach ihrem Zusammenwirken beurteilt werden müssen. Somit ist im vorliegenden Baubewilligung s verfahren, welches eine Swisscom -Basisstation b e- trifft, die bestehende Antenne der d iAx mobile auf dem benachbarten Gebäude Ge- neral W ille-Strasse 115 in die Immiss ionsberechnungen einzubeziehen. Diesbezü g- lich nicht relevant ist aufgrund der Entfe rnung von 400 m die Antennenanlage der Orange Communications SA auf der Liege nschaft General W ille-Strasse 201, wel- che Ge genstand eines früheren Rekursverfahrens war. Die Immissionsgrenzwerte der NISV sind zwingend einzuhalten. Steht fest oder ist zu erwarten, dass sie übe r- schritten werden, sind gemäss Art. 5 NISV bei den betreffe nden Anlagen verschärfte Emissionsbegrenzungen anzuordnen (Erläuternder Bericht zur NISV vom 23. D e- zember 1999, S. 1 und 11, Bemerkungen zu Art. 5). Die geplante Basisstation der Swisscom AG erzeugt elek tromagnetische Felder in den Hochfrequenzb ereichen von rund 900 MHz (= 0,9 GHz) und 1800 MHz (= 1,8 GHz); die niedrigsten Fr equen- zen liegen bei 935 MHz und 1835 MHz. … c) Im Gegensatz zu Anlagen, welche auf einer einzigen Frequenz senden, we r- den bei mehrfrequenten zellulären Mobilfunkanlagen der vorliegenden Art die I m- missionsgrenzwerte nicht als Effektivwert der elektrischen Feldstärke, der magnet i- schen Feldstärke und der magnetischen Flussdichte bestimmt, sondern als Verhäl t- niszahl. Dabei werden die Immissionen für jede Frequenz einzeln ermittelt und dann nach den Vo rschriften von Zi ffer 22 Anhang 2 NISV mit einem frequenzabhängigen Faktor gewichtet und summiert. Der Immissionsgrenzwert für die drei nach Ziffer 22 berechneten phys ik alischen Einheiten beträgt jeweils 1 (Ziffer 21 Anhang 2 NISV). Für die vorliegenden Frequenzen von 935 MHz und 1835 MHz kommen die Su m- mierungsvorschriften von Ziffer 222 Anhang 2 NISV zur Anwendung, welche lauten: elektrische Feldstärke (E) = S ( E f/E Gf ) 2 , wobei E f = Effektivwert der elektr ischen Feldstärke in V/m (Volt pro Meter) bei der Frequenz f und EGf = Immissionsgrenzwert für den Effektivwert der elektrischen Feldstärke in V/m bei der Frequenz f gemäss Ziffer 11 Abs. 1 Anhang 2 NISV; magnet ische Feldstärke (H) = S ( H f /H Gf ) 2 , wobei Hf = Effektivwert der magnetischen Feldstä rke in A/m bei der Frequenz f und HGf = - 2 - Immissionsgrenzwert für den Effektivwert der magnetischen Feldstärke in A/m (A m- père pro Meter) bei der Frequenz f gemäss Ziffer 11 Abs. 1 Anhang 2 NISV; magn e- tische Flussdichte (B) = S ( B f/B Gf ) 2 , wobei B f = E ffektivwert der magnetischen Flussdichte in µT (Mikrotesla) bei der Frequenz f und B Gf = Immissionsgrenzwert für den Effektivwert der magnetischen Flussdichte in µT bei der Frequenz f gemäss Zif- fer 11 Abs. 1 Anhang 2 NISV. Dabei legt Ziffer 11 Abs. 1 Anhang 2 NISV d ie Immis- sionsgrenzwerte wie folgt fest: elektrische Feldstärke (E Gf) = 1,375 · f V/m, magne- tische Feldstärke (H Gf) = 0,0037 · f A/m sowie magnetische Flus sdichte (B Gf) = 0,0046 · f µT. Diese W erte berücksichtigen entgegen rekurrentischer Auffassung auch die Tatsache, dass Mobilfunkanlagen gepulste d.h. modulierte Stra hlen emittie- ren. d) Bei der Ermittlung der von einer Antennenanlage emittierten elektromagnet i- schen Felder ist vorab die jeweilige äquivalente Leistungsdichte (S) zu bestimmen. Dabei ist zu berück sichtigen, dass sich diese mit Zunahme der elektrischen Send e- leistung (P) und des Antennengewinnfaktors (G) vergrössert, dagegen zum A bstand (d) zwischen A ntenne und Immissionsort quadratisch abnimmt, was – ohne Berück- sichtigung allfälliger Leistungsabschw ächungen durch Abweichung von der Haup t- strahlrichtung bzw. durch die Gebäudedämpfung – zu folgender Zwischenfo rmel führt: S = (P · G) : (4 · p · d 2 ). Eine Grenzwertüberschreitung liegt dann vor, wenn der 6-Minuten-Mittelwert über dem Grenzwert liegt (Ziffe r 11 Anhang 2 NISV; Schrif- tenreihe Umweltschutz Nr. 164; a.a. O., S. 8). Der Antennengewinnfaktor des vorli e- gend zu beurteilenden Anlagetyps beträgt 14,7 dBi. Die nach der genannten Formel für die Berechnung der Le istungsdichte massgebende elekt rische Sendeleistung (P) bezeichnet dabei nicht die (höchstmögl iche) äquivalente Strahlungsleistung in Hauptrichtung, bezogen auf den Halbwellendipol (englische Bezeichnung: ERP, d.h. effective radiated power), sondern die äquivalente isotrope (d.h. kugelförmige) Strahlungsleistung in Hauptstrahlrichtung, bezogen auf e inen idealen isotropen Strahler (englische Bezeichnung: EIRP, d.h. effective isotropic r adiated power), bei welcher der Antennengewinn (G) bereits mitberücksichtigt ist (vgl. Art. 3 Abs. 9 NISV). Dies bedingt bei der Bestimmung der Formelgrösse P einen entspr echenden Korrekturfaktor (nämlich: P = [1.64 · WERP] : G), ansonsten von einer zu hohen elek t- rischen Sendeleistung ausgegangen würde. Die vorliegend strittigen Antennentypen (100 WERP) we isen damit ei ne elektrische Sendeleistung von je 11,16 W a uf (P = [1.64 · 100 W] : 14,7). Die Antennenanlagen für den Mobilfunk senden ihre Strahlen fokussiert in e i- nen bestimmten horizontal und vertikal beschränkten Bereich aus. Ausserhalb di e- ses Strahlungskegels (von den Rekurrenten als Hauptsendekeule bezeichnet) ist die Intensität erheblich kleiner, was zu einer Leistungsabschwächung (g) führt. Eine Re- duktion der Strahlungsintensität ergibt sich ferner durch bauliche Abschirmungen (Mauern etc.). Diese Gebäudedämpfun g (d) gilt es bei der Immissionsberechnung ebenfalls einzubeziehen. Dies ergibt folgende Formel: S = (P · G) : (g · d · 4 · p · d 2 ). Die horizontale oder vertikale Abweichung eines Messpunktes von der Haup t- strahlrichtung einer Antenne (in Grad) und die dam it verbundene Leistungsa b- schwächung (in dB) kann dem Situationsplan in Verbindung mit den A n- tennendiagrammen entnommen werden, welche jeweils Bestandteile des Stan d- ortdatenblattes sind. Aus physikalischen Gründen ist in der Praxis von einer Leistungsabschwächung von m aximal 15 dB auszugehen (BUW AL, Beurteilung der NIS-Immissionen neuer Basisstationen von Mobilfunknetzen, Detailliertes Verfa hren, Bern 1998, S. 6, FN 1).- 3 - Zum 110 m von der Basisstation der Swisscom AG entfernten Messpunkt im Aussenbereich der rekurrentischen Liegenschaft Heerenstrasse 24 betragen die Abweichungen zum Hauptstrahl der mit Azimuten 100° und 350° abstrahlenden A n- tennen horizontal 35° (= 3 dB) und 75°(= 13 dB). Eine vertikale Abweichung liegt nicht vor. Damit sind für die beiden An tennen – getrennt für die beiden Frequenzen 935 bzw. 1835 MHz – Leistungsabschwächungen von 3 dB (Antennen Azimut 100°) sowie 13 dB (Antennen Azimut 350°) zu berücksichtigen, was Abschwächungsfakt o- ren (g = 10 <dB/10> ) von 2,0 (Antennen Azimut 100°) bzw. 20, 0 (Antennen Azimut 350°) entspricht (BUW AL, 1998, Beurteilung der NIS -Immissionen neuer Basisstationen von Mobilfunknetzen, a.a.0., S. 7). Eine Gebäudedämpfung ist hier (Aussenbereich) nicht zu beachten. Nach der Formel S = (P · G) : (g · d · 4 · p · d 2 ) ergeben sich für die strittigen A n- tennen der Swisscom AG äquivalente Leistungsdichten von 0,00054 W/m 2 (Anten- nen 935 und 1835 MHz mit Azimut 100°; im vorliegenden Verfahren als Ante nnen 1 und 3 bezeic hnet) und 0,000054 W/m 2 (Antennen 935 und 1835 MHz mit Az imut 350°; im vorli egenden Verfahren als Antennen 2 und 4 bezeichnet). Die rechner i- sche Ermittlung der elektrischen Feldstärken (E = 377 ×S ) ergibt 0,451 V/m (Anten- nen 935 und 1835 MHz mit Azimut 100°) und 0,143 V/m (Antennen mit Azimut 350°). Die vom Streitobje kt ausgestrahlten magnetischen Feldstärken (H = S/377 ) sind mit 0,0012 A/m (Antennen mit Azimut 100°) und 0,00038 A/m (Ante nnen 935 und 1835 MHz mit Azimut 350°) zu beziffern. Die magnetischen Flussdic hten (B = S/242) betragen hier schliess lich 0,00149 µT (Antennen 935 und 1835 MHz mit Azimut 100°) und 0,00047 µT (Antennen 935 und 1835 MHz mit Azimut 350°). e) Zur Ermittlung der Gesamtimmissionen gemäss Art. 8 USG ist zudem – wie schon dargelegt – die bereits in Betrieb stehende Mobilfunk-Basisstation der diAx mobile auf dem benachbarten Gebäude General W ille-Strasse 115 einzubezi ehen. Diese besteht aus zwei Antennen des Typs Kathrein 739634 mit einer Leistung von je 300 WERP (Antennengewinn 17 dBi), welche im Frequenzb ereich 935 MHz mit den Azimuten 0° und 130° senden (im vorliegenden Verfahren als Antennen 5 und 6 b e- zeichnet). Die Distanz zum Messpunkt im Aussenbereich der Liegenschaft He e- renstrasse 24 beträgt im Minimum rund 60 m. Die Abweichungen vom Antenne n- hauptstrahl misst bei der Ante nne 5 (Azimut 0°) 60° (= 4 dB ® g = 2,5) und bei der Antenne 6 (Azimut 130°) 70° (= 5 dB ® g = 3,2). Für die bestehenden Antennen der diAx mobile ergeben sich nach den massgebenden und bereits im D etail erläuterten Berechnungsformeln beim genannten Messpun kt äquivalente Leistung sdichten von 0,0043 W/m 2 (Antenne Azimut 0°) und 0,0034 W/m 2 (Antenne Azimut 130°), elektri- sche Feldstä rken von 1,27 V/m und 1,13 V/m, magnetische Feldstärken von 0,0034 A/m und 0,0030 A/m sowie magnetische Flussdichten von 0,0042 µ T und 0,0037 µT. f) Die für die Antennen der Swisscom AG und der diAx mobile ermittelten Ei n- zelimmissionen sind für die Berechnung der massgebenden Gesamtimmisionen (I) jeweils für die elektrischen und magnetischen Feldstärken sowie für die magnet i- schen Fl ussdichten nach der in Ziffer 13c der Erwägungen ausgeführten Berech- nungsformel I = 2jIS quadratisch zu summieren. Für den vorliegenden Mes spunkt ergibt dies für die elektrische Feldstärke nach der massgebenden Formel S ( E 1 /E G1 ) 2 + (E 2/E G2 ) 2 + ( E 3 /E G3 ) 2 + ( E 4 /E G4 ) 2 + ( E 5 /E G5 ) 2 + ( E 6 /E G6 ) 2 einen W ert von - 4 - 0,043 % des als Verhältniszahl dargestellten Immissionsgrenzwerts von 1. Dabei ist E1 = elektrische Feldstärke der Antenne 1 der Swisscom AG (935 MHz) von 0,451 V/m, E2 = elektrische Feldstärke der Antenne 2 der Swisscom AG (935 MHz) von 0,143 V/m, E3 = elektrische Feldstärke der Antenne 3 der Swisscom AG (1835 MHz) von 0,451 V/m, E 4 = elektrische Feldstärke der Antenne 4 der Swisscom AG (1835 MHz) von 0,143 V/m, E 5 = elektrische Feldstärke der Antenne 5 der diAx mobile (935 MHz) von 1,27 V/m und E 6 = elektrische Feldstärke der Antenne 6 der diAx mobile (935 MHz) von 1,13 V/m sowie EG1, EG2, EG5, EG6 = Immissionsgrenzwert der elektrischen Feldstärke von 42,04 V/m bei einer Frequenz von 935 MHz und EG3, EG4 = Immissionsgrenzwert der elektrisc hen Feldstärke von 58,90 V/m bei einer Fr e- quenz von 1835 MHz. Die analogen Berechnungen für die magneti sche Feldstärke und die magnetische Flussdichte ergeben je 0,042. Damit hält die streitbetroffene Basisstation der Swisscom AG auch zusammen mit der bere its bestehenden Antennenanlage der diAx mobile die Immissionsgren z- werte beim (nächstliegenden) rekurrentischen Messpunkt Heerenstrasse 24 klar ein. Folglich entspricht das Bauvorhaben der Swisscom AG diesbezüglich den Besti m- mungen des Umweltschutzgesetzes und ist insoweit bewilligungsfähig. … 14.b) Die NISV hat alle Sendeanlagen von zellularen Mobilfunknetzen mit einer äquivalenten Gesamtstrahlungsleistung von mindestens 6 WERP dem Vorsorgeprinzip unterstellt und dafür Anlagegrenzwerte festgelegt. Der Anlag egrenzwert ist die Emis- sionsbegrenzung für die von der betreffenden Anlage allein erzeugte S trahlung (Art. 3 Ziffer 6 NISV). Damit ist hier keine Gesamtbetrachtung unter Berücksichtigung weiterer elektromagnetischer Emittenten vorzunehmen. Neue und alte An lagen müs- sen im massgebenden Betriebszustand an Orten mit empfindlicher Nutzung den , je- weiligen Anlagegrenzwert einhalten (Ziffer 65 Anhang 2 NISV), welcher für Mobi l- funkbasisstationen als Effektivwert der elektrischen Feldstärke definiert wird. Als O r- te mit empfindlicher Nutzung gelten Räume in Gebäuden, in denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit aufhalten, öffentliche oder private, raumpl a- nungsrechtlich festgesetzte Kinderspielplätze und diejenigen Flächen von unübe r- bauten Grundstücken, auf denen Nutzungen nach den Buchstaben a und b zugelas- sen sind (Art. 3 Ziffer 3 NISV). Bei den hier strittigen kombinierten Frequenzbere i- chen um 900/1800 MHz darf die elektrische Feldstärke bei den genannten Orten mit empfindlicher Nutzung den A nlagegrenzwert von 5,0 V/m nicht überschreiten (Ziffer 64 lit. c Anhang 1 NISV). Die Grenzwertberechnung hat gemäss Ziffer 13d der Erwägungen für die g e- plante Antennenanlage beim Messpunkt im Aussenbereich der rekurrentischen Li e- genschaft Heerenstrasse 24 elektrische Fe ldstärken von je zweimal 0,451 V/m und 0,143 V/m ergeben. Gemäss der Berechnungsformel I = 2jIS sind diese W erte quadratisch zu summieren, woraus eine elektrische Feldstärke von insgesamt 0,67 V/m resultiert. Damit liegt die elektrische Feldstärke bereits beim genannten Aussenbereich erheblich unter dem Anlagegrenzwert von 5,0 V/m, weshalb sich eine Berechnung für die rekurrentischen W ohnräume erübrigt. Dort wäre ohnehin noch zusätzlich die Gebäudedämpfung zu berücksichtigen.