Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 19. Januar 2022 (810 21 233) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Nach- und Strafsteuer zur Staats- und Gemeindesteuer 2007-2011 Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Claude Jeanneret, Jgnaz Jermann, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin B.____ , Beigeladene Betreff Nach- und Strafsteuer zur Staats- und Gemeinde steuer 2007-2011 (Entscheid des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht, vom 19. März 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 19. Mai 2016 eröffnete die Steuerverwaltung de s Kantons Basel-Landschaft (Steuerverwaltung) aufgrund des Verdachtes einer Unte rbesteuerung infolge Nichtdeklaration von Vermögen ein Nach- und Strafsteuerverfahren für di e Staats- und Gemeindesteuern 2007- 2011 gegenüber den Ehegatten C.____ und A.____. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2017 erhob die Steuerverwaltung eine Nachsteuer für die S taats- und Gemeindesteuern 2007-2011 in der Höhe von Fr. 30'419.25 (zuzüglich Verzugszins) und setzte die Steuerbusse für die Steuerpflichtige, A.____, auf 100 % der Nachsteuer fest. B. Mit Einsprache vom 6. Februar 2018 beantragten C.__ __ und A.____ sinngemäss, es sei auf die Erhebung einer Nach- und Strafsteuer zu verzichten. C. Am 26. Februar 2018 trat die Steuerverwaltung weg en Fristversäumnis auf die Ein- sprache nicht ein. Den dagegen erhobenen Rekurs hiess da s Steuer- und Enteignungsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht), mit Urteil vom 19. Oktober 2018 gut und wies die Angelegenheit zur materiellen Beurteilung an die Steuerverwaltung zurück. D. Mit Einspracheentscheid vom 20. August 2020 wies die S teuerverwaltung die Ein- sprache ab und bestätigte die Nach- und Strafsteuerverfügung. E. Den von A.____ dagegen erhobenen Rekurs wies das Ste uergericht mit Urteil vom 19. März 2021 ab. F. Mit Beschwerde vom 1. August 2021 beantragt A.____ b eim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), sinngemäss, es sei die Beschwerde gutzuheissen und das Verfahren betreffend Nach- und Strafsteuer einzustellen. Des Weiteren seien sämtliche Kosten, auch die Kosten des Steuergerichts, der Steuerverwal- tung aufzuerlegen und die Steuerverwaltung sei zu verpflichten, ihr eine Genugtuung in der Hö- he von Fr. 19'000.-- für die erlittenen psychischen Schäden zu bezahlen. G. Die Steuerverwaltung und das Steuergericht schliesse n in ihren Vernehmlassungen vom 12. August 2021 bzw. vom 25. August 2021 auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 165 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- un d Gemeindesteuern (StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide des Steuergerichts betreffend Nachsteuer- und Bussenver- fügungen mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde (§ § 43 ff. des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. De zember 1993) beim Kantonsge- richt angefochten werden. Das Kantonsgericht ist damit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig und überprüft den angefochtenen Entscheid auf alle Mängel (§ 45 Abs. 2 VPO). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Zu prüfen ist, ob auf alle Begehren der Beschwerd eführerin eingetreten werden kann. In der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege – dazu ge hört das Beschwerdeverfahren vor dem Kantonsgericht – ist Streitgegenstand das Rechtsverh ältnis, das Gegenstand der ange- fochtenen Verfügung bildet, soweit es im Streit liegt (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER / CHRISTINA KISS /DANIELA THURNHERR /DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auf- lage, 2014, Rz. 987 und 1051). Streitgegenstand kann nur sein, was bereits Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder allenfalls hätte sein sollen und was gemäss der Disposi- tionsmaxime zwischen den Parteien noch strittig ist, was si ch wiederum aus den Parteibegeh- ren bzw. den Beschwerdeanträgen ergibt (BGE 136 II 462 E. 4.2). Fragen, über die die erstin- stanzlich verfügende Behörde nicht entschieden hat und über die sie nicht entscheiden musste, darf die obere Instanz – abgesehen von hier nicht vorli egenden Ausnahmefällen – nicht beurtei- len, da sie sonst in die funktionelle Zuständigkeit der Vorinstanz oder anderer Behörden eingrei- fen würde. Ein Antrag, der über das hinausgeht, was von den Vorinstanzen entschieden wurde, oder der mit dem Gegenstand der angefochtenen Verfügu ng nichts zu tun hat, ist unzulässig (vgl. R HINOW /K OLLER /KISS /T HURNHERR /B RÜHL -MOSER , a.a.O., Rz 988; Urteil des Kantonsge- richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 18. März 2015 [810 14 186] E. 1.3). Die Steuerverwaltung führte in der erstinstanzlichen Verfügung vom 17. Dezember 2017 zusammengefasst aus, die Beschwerdeführ erin habe Vermögenswerte (ihre Stammanteile an der Firma D.____, Prag [D.___ _], sowie ihre Beteiligung an der E.____ Stiftung, Vaduz [E.____ Stiftung]) in den Steuerperioden 2007 bis 2011 nicht deklariert, weshalb die Voraussetzungen für die Erhebung einer Nachsteuer s owie einer Steuerbusse gegeben seien. Verfahrensgegenstand kann demgemäss im vorliegend en Verfahren nur die Frage der Erhebung einer Nach- und Strafsteuer sein. Soweit die Beschwerdeführerin erstmals vor dem Kantonsgericht beantragt, die Steuerverwaltung sei zu ve rpflichten, ihr eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 19'000.-- für die erlittenen psychischen Schäden zu bezahlen, geht der Antrag über den Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens hinaus, weshalb darauf nicht eingetreten werden kann. 1.3 Die übrigen formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde grundsätzlich (vorbehältlich E. 1.2) einzutreten ist. 2.1 Nach Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmo nisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. De zember 1990 und § 41 StG unterliegt das gesamte Reinvermögen der Vermögenssteuer. Zu den st euerbaren Aktiven zählen grund- sätzlich alle geldwerten Rechte an Sachen sowie an For derungen und Beteiligungen, unabhän- gig davon, ob es sich um privates oder geschäftliches, bewegl iches oder unbewegliches Ver- mögen handelt (vgl. D ANIEL DZAMKO -LOCHER /H ANNES TEUSCHER , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, 3. Auflage, 2017, Art. 13 StHG N 5; THOMAS RAMSEIER , in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, 2004, § 41 StG N 12). 2.2 Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitte ln, die der Steuerbehörde nicht bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veran- lagung unvollständig ist, oder ist eine unterbliebene oder unvollständige Veranlagung auf ein Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verbrechen oder Vergehen gegen die Steuerbehörde zurü ckzuführen, wird die nicht erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert. Wegen unge nügender Bewertung allein kann keine Nachsteuer erhoben werden (§ 146 Abs. 1 StG; Art. 53 StHG). 2.3 Die steuerpflichtige Person muss im Veranlagungsverfah ren alles tun, um eine voll- ständige und richtige Veranlagung zu ermöglichen (§ 101 ff. StG). Insbesondere muss sie das Formular für die Steuererklärung wahrheitsgemäss und vo llständig ausfüllen (Art. 42 StHG). Steuerpflichtige tragen dabei die Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Steuererklärung (vgl. L AURENZ SCHNEIDER /RENÉ MERZ , in: Nefzger/Simonek/Wenk [Hrsg.], Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, 2004, § 146 StG N 4; Urteil des Bundesgerichts 2C_304/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_494/2011 vom 6. Juli 2012 E. 2.1.1, in: Der Steuerentscheid [StE] 2012 B 72.25 Nr. 2). Eine Pflicht zur Vornahme ergänzender Abklärungen besteht fü r die Veranlagungsbehörde dann, wenn die Steuererklärung Fehler enthält, die klar ersichtlich bzw. offensichtlich sind. Nur solche augenfälligen Mängel begründen eine Verletzung der b ehördlichen Untersuchungspflicht und bewirken, dass keine "neuen Tatsachen" im Sinne von § 146 StG vorliegen, die ein Nachsteuer- verfahren rechtfertigen würden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_1225/2012 vom 7. Juni 2013 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_494/2011 vom 6. Jul i 2012 E. 2.1.3, in: StE 2012 B 72.25 Nr. 2). 2.4 Für die Festsetzung der Nachsteuer kommen die Grundsä tze, die für das Veranla- gungsverfahren gelten, zur Anwendung (vgl. M ARTIN E. LOOSER , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, 3. Auflage, 2017, Art. 53 StHG N 30). So mit gelten auch im Nachsteuerverfahren die allgemeinen Grundsätze zur Beweislast und Mitwirkun gspflicht im System der gemischten Veranlagung (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_130/201 7 vom 14. Juli 2017 E. 2.2 und 2C_304/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 3.4; BGE 121 II 273 E. 3c/aa). Nach der im Steuerrecht herrschenden Normentheorie trägt die Steuerbehörde di e Beweislast für die steuerbegründen- den und -erhöhenden Tatsachen. Dagegen ist der Steue rpflichtige für die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet (vgl. BGE 140 II 248 E. 3.5; BGE 138 II 57 E. 7.1; BGE 133 II 153 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_9 5/2013 vom 21. August 2013 E. 2.2, mit Hinweisen). Die Steuerbehörde hat nachzuweisen, was die Eröffnung des Nachsteuerverfah- rens und den Erlass einer zulasten des Steuerpflichtigen veränderten Veranlagung rechtfertigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_494/2011 vom 6. Jul i 2012 E. 2.3.1, in: StE 2012 B 72.25 Nr. 2). 3.1 Die Erhebung einer Nachsteuer setzt voraus, dass die Steuerpflichtige nicht oder zu tief besteuert worden ist und die Unterbesteuerung auf die fehlende Kenntnis der Steuerbe- hörden von Tatsachen oder Beweismitteln oder auf ein V erbrechen oder Vergehen gegen sie zurückzuführen ist (§ 146 StG). Entscheidend für die Einl eitung eines Nachsteuerverfahrens ist zunächst, dass die Beweismittel und Tatsachen neu, d.h. erst nach Eintritt der Rechtskraft der Veranlagung entdeckt worden sind (SCHNEIDER /M ERZ , a.a.O., § 146 StG N 4). Lediglich rechts- kräftige Veranlagungsverfügungen und Entscheide sind de m Nachsteuerverfahren zugänglich (LOOSER , a.a.O., Art. 53 StHG N 3). Ein Verschulden der Ste uerpflichtigen bildet nicht Voraus-Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht setzung des Nachsteuerverfahrens (L OOSER , a.a.O., Art. 53 StHG N 5; Urteil des Bundes- gerichts 2C_458/2014 vom 26. März 2015 E. 2.1 und 6, i n: StE 2015 B 97.41 Nr. 29). Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass die Nichtdeklaration der Stammanteile der D.____ sowie der "Beteiligung an der E.____ Stiftung" erst im Rahmen der Steuerprüfung durch den Geschäfts- bereich Revisorat mit dem Revisionsbericht vom 7. Dezember 2015 festgestellt worden sei. In diesem Zeitpunkt seien die Veranlagungen der Steuerja hre 2007 bis 2011 bereits rechtskräftig gewesen. Somit habe es sich um eine "neue Tatsache" gehan delt, weshalb die Voraussetzun- gen für die Einleitung eines Nach- und Strafsteuerverfahrens gegeben gewesen seien. 3.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet zu Recht nicht, dass die Veranlagungsverfügungen der Jahre 2007 bis 2011 bereits rechtskräftig waren, als die Steuerbehörden im Rahmen der Steuerprüfung die Nichtdeklaration der Stammanteile d er D.____ und der E.____ Stiftung ent- deckt haben. Die Voraussetzung für die Einleitung des Na ch- und Strafsteuerverfahrens gegen die Beschwerdeführerin war damit gegeben. 4.1 Umstritten ist, ob eine Unterbesteuerung vorliegt. Die Vorinstanz erwog, dass das ge- samte Reinvermögen der Vermögenssteuer unterliege. Die ses bestehe aus sämtlichen steuer- baren Aktiven und Passiven, die einer Person zuzurechnen seien. Steuerbar seien grundsätz- lich alle geldwerten Rechte an beweglichen und unbeweg lichen, materiellen und immateriellen Gütern sowie Forderungen, soweit das Steuergesetz nicht ausdrücklich Ausnahmen vorsehe. Beteiligungen bzw. Stammanteile und Aktien unterlägen der Vermögenssteuer und müssten daher im Wertschriftenverzeichnis offengelegt werden. D ie Beschwerdeführerin habe im Jahr 2004 die im Jahr 1991 gegründete D.____ erworben und diese Beteiligung im Wertschriftenver- zeichnis ab der Steuerperiode 2006 nicht mehr deklariert . Die Stammanteile an der D.____ hätte die Beschwerdeführerin im Wertschriftenverzeichnis a ngeben müssen, unabhängig davon, dass sich die Firma im Ausland befinde oder in T schechien selber als Steuersubjekt besteuert werde. Weil die Beschwerdeführerin diese Bete iligung ab der Steuerperiode 2006 nicht mehr im Wertschriftenverzeichnis deklariert habe, s ei sie für die Jahr 2007 bis 2011 nachzubesteuern. Die Beteiligung stelle bewegliches Ve rmögen dar, welches gemäss Art. 22 des Abkommens zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und d er Regierung der Tschechi- schen Republik zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Ein- kommen und vom Vermögen vom 4. Dezember 1995 (DBA CH-CZ) vom Wohnsitzstaat besteu- ert werden könne. Im Juni 2007 habe die Beschwerdeführ erin eine Kapitalerhöhung von 49,2 Mio. CZK in Form einer Sacheinlage vorgenommen, inde m sie diverse in ihrem Eigentum befindliche, in Tschechien liegende Liegenschaften in di e Gesellschaft eingebracht habe. Hin- tergrund für diese Sacheinlage sei – nach Angaben de r Beschwerdeführerin – gewesen, dass die F.____, mit Sitz in G.____, British Virgin Island, beabsichtigt habe, diese Liegenschaften zu kaufen. Da ausländischen Personen nach der damaligen tsche chischen Gesetzgebung der direkte Erwerb von Immobilien nicht erlaubt gewesen sei , habe sie stattdessen die Liegenschaften als Kapitalerhöhung auf die D.____ übe rtragen. In der Folge sei im Februar 2008 ein Anteil von 90 % der Beteiligung an der D.____ an die F.____ verkauft worden. Für den Kaufpreis sei nur ein Wechsel (Schuldbrief) ausgestell t worden, dessen Schuldbetrag jedoch später durch die F.____ nicht beglichen worden sei. In der Folge habe die Beschwerdeführerin erreichen können, dass die F.____ die 90 %-Anteile an die E.____-Stiftung der Familie E.____ Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht verkaufe. Die Übertragung sei jedoch eine rein formel le Sache gewesen, da die Beschwerde- führerin bis heute im Besitz des Schuldbriefs sei. Die Beschwerdeführerin habe sodann die Errichtung der E.____ Stiftung in Vaduz nie erwähnt. Obwohl die D.____ von 2008 bis 2013 nur noch mit einem Anteil von 10 % der Beschwerdeführeri n gehört habe, sei die Beteiligung zu 100 % von ihr zu versteuern. Der Steuerwert der Liege nschaften sei nach der Formel "(Sub- stanzwert + Kapitalisierung Bruttoertrag mit 3 %) : 2" berechnet worden. Da für die Liegenschaf- ten im Zeitpunkt der Sacheinlage eine detaillierte I mmobilienbewertung vorgenommen worden sei, sei davon ausgegangen worden, dass auf ihnen keine st illen Reserven vorhanden seien. Liechtensteinische Stiftungen würden in der Schweiz nur unter ganz bestimmten Voraussetzun- gen anerkannt. So müsse in der Stiftungsurkunde regleme ntarisch verhindert werden, dass die Stifterin die Möglichkeit erhalte, sich selbst zu begünst igen. Die E.____ Stiftung könne steuer- lich nicht anerkannt werden, weil die Stiftungsurkun de einen Widerruf bzw. eine Auflösung der Stiftung sowie die Abänderung der Stiftungsurkunde u nd sämtlicher Bei- oder Zusatzstatuten durch den Stifter oder – nach seinem Tod – durch den St iftungsrat oder die Destinatäre nicht ausdrücklich ausschliesse. Die Stiftung scheine zudem einzig zum Zweck der Steuerumgehung errichtet worden zu sein. Durch die Übertragung der Bet eiligung an der D.____ an die E.____ Stiftung habe die Beschwerdeführerin nicht unerhebliche Vermögenssteuern einsparen können. Die steuerliche Nichtanerkennung der E.____ Stiftung in Vaduz habe zur Folge, dass die Erträ- ge und Vermögenswerte der Stiftung der Beschwerdeführerin als Stifterin zuzurechnen seien. 4.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet sinngemäss eine Un terbesteuerung in Bezug auf die ihr zugerechneten Vermögenswerte der D.____ und der E .____ Stiftung. Die Liegenschaften in Tschechien seien nach dem DBA CH-CZ in der Schweiz nicht z u besteuern. Sie habe sodann keine Steuerumgehung beabsichtigt. Die entsprechende re chtliche Würdigung der Vorinstanz sei falsch. Die Beschwerdeführerin macht insbesondere geltend, die Vorinstanz sei fälschlicher- weise davon ausgegangen, dass sie die D.____ im Jahr 200 4 gekauft habe. Vielmehr habe sie die D.____ im Jahr 1991 als Aktiengesellschaft gegründ et und im Jahr 2004 lediglich die Rechtsform geändert. Sie habe sodann nicht gewusst, dass sie die D.____ in der Schweiz deklarieren müsse. Die eigenständige E.____ Stiftung m it Sitz in Vaduz, die nach der Gesetz- gebung des Fürstentums Liechtenstein gegründet worden se i, müsse nach dem internationalen Recht als solche steuerlich anerkannt werden, weshalb die entsprechenden Vermögenswerte ihr nicht zuzurechnen seien. 4.3 Zu prüfen bleibt, ob die Vorinstanz eine unzulässi ge rechtliche Würdigung vorgenom- men hat, indem sie die E.____ Stiftung steuerrechtlich nicht anerkannt und die über die D.____ in die E.____ Stiftung eingebrachten Vermögenswerte direkt der Beschwerdeführerin zugerech- net hat. 4.4.1 Wie bei der Stiftung nach Schweizer Recht bedar f es zur Errichtung einer Stiftung nach liechtensteinischem Recht der Widmung eines Vermögens fü r einen bestimmt bezeichneten Zweck; die Stiftung ist eine juristische Person. Als Stift ungszwecke kommen gemeinnützige oder privatnützige Zwecke in Betracht. Die reine liecht ensteinische Familienstiftung ist eine pri- vatnützige Stiftung, deren Vermögen der Bestreitung de r Kosten der Erziehung oder Bildung, der Ausstattung oder Unterstützung von Angehörigen eine r oder mehrerer Familien oder ähnli-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Familieninteressen dient, gemischte Familienstiftung en dienen ergänzend auch gemein- nützigen oder anderen privatnützigen Zwecken (vgl. P HILIPP BETSCHART , Die Besteuerung von im Ausland errichteten Familienstiftungen, in: SteuerRevue [StR] 76/2021, S. 666 f.). Anders als nach schweizerischem Zivilrecht (vgl. Art. 335 Abs. 1 des Sc hweizerischen Zivilgesetzbuchs [ZGB] vom 10. Dezember 1907) sind Familienunterhalts stiftungen oder Genussstiftungen und Familienfideikommisse nach liechtensteinischem Recht erl aubt; insbesondere können diese Stiftungen somit den Familienangehörigen den Genuss an Stiftungsvermögen und -ertrag auch ohne besondere Bedarfssituation verschaffen. Die Errichtung der Stiftung erfolgt durch eine Stif- tungserklärung unter Lebenden oder von Todes wegen dur ch letztwillige Verfügung oder durch Erbvertrag. In der Stiftungsurkunde kann vorgesehen wer den, dass der Stifter die Stiftung wi- derrufen oder die Stiftungsurkunde abändern kann. Ande rs als die Stiftung nach Schweizer Recht ist eine solche liechtensteinische Stiftung somit kein starres Gebilde (vgl. B ETSCHART , a.a.O., S. 667). Die sogenannt kontrollierte Familien stiftung wird in der Literatur als klassische Form der liechtensteinischen Familienstiftung bezeichnet. Die Stifterin erteilt einem Treuhänder den Auftrag, eine Stiftung gemäss ihren Weisungen zu e rrichten. Durch einen Mandatsvertrag bindet sie den Stiftungsrat an ihre Instruktionen und behält damit indirekt die Kontrolle über das Stiftungsvermögen. Die kontrollierte Familienstiftung w ird in Liechtenstein sowohl zivilrechtlich als auch steuerlich transparent behandelt, d.h. das Sti ftungsvermögen wird weiterhin der Stif- terin zugerechnet (N ATALIE PETER , Die liechtensteinische Stiftung und der Trust im Schwe izer Steuerrecht, in: Forum für Steuerrecht [FStR] 2003, S. 164). Im Gegensatz zur sogenannt kon- trollierten Familienstiftung behält sich die Stifteri n bei der nicht kontrollierten Familienstiftung keine Kontrolle über das Stiftungsvermögen vor. Die En tscheidungsbefugnis und die Verwal- tung liegt ausschliesslich beim Stiftungsrat. Die Stifterin hat sich somit tatsächlich von ihren Ver- mögenswerten getrennt. Steuerrechtlich wird die nicht kontrollierte Familienstiftung als juristi- sche Person mit eigener Rechtspersönlichkeit und damit a ls selbständiges Steuersubjekt aner- kannt (vgl. PETER , a.a.O., S. 164 f.). 4.4.2 Je nachdem, ob eine ausländische Stiftung auch nac h schweizerischem Recht als ein Gebilde mit eigener Rechtspersönlichkeit anerkannt wir d, welches selbst Rechte und Pflichten als Steuersubjekt wahrnehmen kann, können die Steuerfolgen für die Stifterin, die Begünstigten und unter Umständen auch für die Stiftung selbst untersch iedlich ausfallen (P ETER MÄUSLI - ALLENSPACH , Steuerliche Überlegungen bei der Widmung von Vermög enswerten an ausländi- sche Stiftungen, in: StR 51/1996, S. 115 f.). Wird ei ne liechtensteinische Familienstiftung im schweizerischen Steuerrecht als eigenes Steuersubjekt aner kannt, werden Stiftungsvermögen und -ertrag auch bei ihr besteuert (sog. Trennungspr inzip). Verweigern die schweizerischen Steuerbehörden der liechtensteinischen Stiftung dagegen die steuerrechtliche Anerkennung, so werden ihr Vermögen und ihre Einkünfte der in der S chweiz wohnhaften Stifterin zugerechnet und unterliegen somit weiterhin der schweizerischen Ste uerhoheit. Über die steuerrechtliche Anerkennung einer liechtensteinischen Familienstiftung in der Schweiz entscheidet alleine das schweizerische Recht (A NDREA OPEL , Steuerliche Behandlung von Familienstiftungen, Sti ftern, und Begünstigten – in nationalen und internationale n Verhältnissen, 2009, S. 292 f.). 4.4.3 Die steuerrechtliche Anerkennung einer Familienst iftung setzt voraus, dass eine tat- sächliche und effektive Ausscheidung eines Vermögens oder Vermögensteils von der Stifterin Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Stiftung stattgefunden hat und sowohl die Sti fterin wie auch die Destinatäre über das Stiftungsvermögen nicht mehr frei, sondern nur noch im Rahmen der in der Stiftungsurkunde festgesetzten Vermögenswidmung verfügen bzw. daran part izipieren können (H ANS WIPFLI , Besteuerung der Vereine, Stiftungen und übrigen juri stischen Personen, 2000, S. 196). Im schweizerischen Steuerrecht findet für die Beurteilung der Steuerrechtsfähigkeit einer ausländi- schen juristischen Person grundsätzlich die Inkorporationsthe orie Anwendung. Danach wird eine ausländische juristische Person in der Schweiz ebenfa lls als Gebilde anerkannt, wenn diese auch im Errichtungsstaat als steuerrechtsfähig und da mit als eigenes Steuersubjekt be- handelt wird (MÄUSLI -ALLENSPACH , a.a.O., S. 117; BETSCHART , a.a.O., S. 668 f.). Allerdings wird aufgrund der konkreten Umstände überprüft, ob von der zi vilrechtlichen Gestaltung abzuwei- chen und Stiftungsvermögen und -erträge nicht der Stif tung, sondern der Stifterin oder den Be- günstigten zuzurechnen sind. Juristische Personen, die nur der Steuerumgehung oder Steuer- verschiebung dienen, werden steuerrechtlich nicht anerkannt, was der bundesgerichtlichen Pra- xis zur wirtschaftlichen Betrachtungsweise bei Vorliegen e iner Steuerumgehung entspricht (MÄUSLI -ALLENSPACH , a.a.O., S. 118). Eine Steuerumgehung wird nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung angenommen, wenn (1.) eine von den Bet eiligten gewählte Rechtsgestaltung als ungewöhnlich (insolite), sachwidrig oder absonderlich, jedenfalls den wirtschaftlichen Gege- benheiten völlig unangemessen erscheint, (2.) anzunehm en ist, dass die gewählte Rechts- gestaltung missbräuchlich lediglich deshalb getroffen wurd e, um Steuern einzusparen, die bei sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet wären, un d (3.) das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen Steuerersparnis führen würde, sofern es von den Steuerbehör- den hingenommen würde. Ob diese Voraussetzungen erfüll t sind, ist aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls zu prüfen. Wird eine Steuerumgehung bejaht, ist der Besteuerung die Rechtsgestaltung zugrunde zu legen, die sachgemäss gewes en wäre, um den erstrebten wirt- schaftlichen Zweck zu erreichen (BGE 131 II 627 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 2A.470/2002 vom 22. Oktober 2003, E. 4.1 und 5.1, in: StR 59/2004 S. 127; je mit Hinweisen). 4.4.4 Eine Zurechnung des Vermögens an die Stifteri n kann sich aber auch aus der Ausle- gung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen ergeben. Na ch der Rechtsprechung des Ver- waltungsgerichts Zürich ist bei der Verwendung von zivilre chtlichen Begriffen in Steuerrechts- normen zwar grundsätzlich auch deren zivilrechtliche Bedeut ung für das Steuerrecht massge- bend. Auch dem Zivilrecht entnommene Begriffe sind abe r aus dem steuerrechtlichen Bedeu- tungszusammenhang heraus zu verstehen. Im Zusammenhang mit ausländischen Rechtsinsti- tuten, namentlich bei ausländischen Stiftungen, ist fü r die Auslegung der steuerrechtlichen Be- stimmungen von entscheidender Bedeutung, wer aufgrund d er Umstände des Einzelfalls tatsächlich über das Vermögen verfügen kann (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich SR.2006.00004 vom 23. August 2006 E. 2.4). Verschieden e steuerrechtliche Bestimmungen knüpfen nicht strikt an das Zivilrecht an. So setzen beispi elsweise die Bestimmungen über das steuerbare Vermögen (Art. 13 StHG) und entsprechende k antonale Bestimmungen das zivil- rechtliche Eigentum an den Vermögenswerten nicht zwinge nd voraus. Es handelt sich um Nor- men mit wirtschaftlichen Anknüpfungspunkten, bei deren Au slegung der zu beurteilende Sach- verhalt nicht strikt nach der zivilrechtlichen Ausgestaltun g, sondern nach seinem wirtschaftli- chen Gehalt zu würdigen ist. Eine Auslegung der anzuwen denden Bestimmungen nach ihrem wirtschaftlichen Gehalt drängt sich im Bereich der ausl ändischen Stiftungen namentlich dann Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf, wenn die Stifterin über das Stiftungsvermögen w ie über ihr eigenes Vermögen verfügen oder die Vermögenswerte mittels Widerruf der Stiftung jederzeit zurückerlangen kann, aber die Voraussetzungen zur Annahme einer Steuerumgehung nicht e rfüllt sind. Letzteres kann insbesondere dann der Fall sein, wenn für die Stiftung serrichtung nichtsteuerliche Motive ent- scheidend waren. Als solche können die Nachfolgeplanung o der der Schutz der Vermögens- werte in Frage kommen (B ETSCHART , a.a.O., S. 670). Ob Stiftungsvermögen und -erträge der Stiftung, der Stifterin oder den Begünstigten zuzuor dnen sind, beurteilt sich damit aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalls. Zu berücksichtigen si nd dabei etwa die Stiftungsurkunde, die Beistatuten und die Mandatsverträge zwischen (wirtschaftlicher) Stifterin und Stiftungsräten. Eine Zuordnung der Vermögenswerte der Stiftung an di e Stifterin drängt sich namentlich auf, wenn sich die Stifterin ihres Vermögens nicht definitiv entäussert, was insbesondere der Fall ist, wenn sie die Stiftung widerrufen oder ihre Liquidation zu ihren Gunsten fordern kann oder wenn die Stifterin aufgrund der konkreten Umstände faktisch oder rechtlich die Kontrolle über das Stif- tungsvermögen hat (kontrollierte Stiftungen). 4.5 Unbestrittenermassen enthält die Stiftungsurkunde d er E.____ Stiftung keine Bestim- mung, welche die Möglichkeit des Widerrufs oder der L iquidation der Stiftung zu Gunsten der Beschwerdeführerin ausschliessen würden. Damit ist die Voraussetzung des reglementarischen Ausschlusses der Selbstbegünstigung nicht gegeben, weshal b bereits aus diesem Grund eine steuerrechtliche Anerkennung der Stiftung ausser Betrach t fällt. Demgemäss sind die entspre- chenden – von der Beschwerdeführerin ab der Steuerper iode 2006 nicht mehr deklarierten – Vermögenswerte weiterhin der Beschwerdeführerin zuzurec hnen, zumal diese auch weiterhin faktisch die Kontrolle über das Stiftungsvermögen innehatte. 4.6 Soweit die Beschwerdeführerin die Besteuerung der Stammanteile an der D.____ gestützt auf Art. 22 DBA CH-CZ beanstandet, ist ihr en tgegenzuhalten, dass die Gesellschafts- anteile als bewegliches Vermögen gelten, die am Wohnsit z zu besteuern sind (vgl. Art. 22 Abs. 4 DBA CH-CZ). 4.7 Die Bemessung der zugerechneten Vermögenswerte wi rd – wie bereits im vorinstanz- lichen Verfahren – nicht bestritten und ist im Übrigen auch nicht zu beanstanden. Damit sind sämtliche Voraussetzungen für die Erhebung der Nachsteuer erfüllt, was zur Abweisung der Beschwerde hinsichtlich der Nachsteuer führt. 5.1 Zu prüfen bleibt, ob die Voraussetzungen für die E rhebung einer Strafsteuer in der Höhe von 100 % der Nachsteuer gegeben sind. 5.2.1 Wer als Steuerpflichtiger vorsätzlich oder fahrl ässig bewirkt, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterbleibt oder dass eine rechtskräftige Veran lagung unvollständig ist, (…), wird mit Busse entsprechend seinem Verschulden bestraft, die 1/3 bis das Dreifache, in der Regel das Einfache der hinterzogenen Steuer beträgt; bei Selbst anzeige kann die Busse bis auf 1/5 der hinterzogenen Steuer ermässigt werden (§ 151 StG "volle ndete Steuerhinterziehung"; Art. 56 Abs. 1 und 1 ter StHG). Der objektive Tatbestand der vollendeten Steuerhinterziehung setzt somit voraus, dass eine Veranlagung ungenügend ausgefallen o der zu Unrecht unterblieben ist und Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Gemeinwesen dadurch einen Steuerausfall erleidet. Ist – wie zuvor dargelegt – eine Nach- steuerpflicht zu bejahen, weil eine rechtskräftige Vera nlagung unvollständig blieb, ist zugleich der objektive Tatbestand einer Steuerhinterziehung erfü llt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_26/2007 vom 10. Oktober 2007 E. 5.1; Urteil des B undesgerichts 2A.502/2005 vom 2. Februar 2006 E. 3.3, in: StR 61/2006 S. 442). 5.2.2 Den subjektiven Tatbestand der Steuerhinterziehun g erfüllt, wem Vorsatz oder Fahr- lässigkeit vorzuwerfen ist. Die Begriffe des Vorsatzes und der Fahrlässigkeit entsprechen jenen des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) vom 21. Deze mber 1937 in Art. 12 Abs. 2 und Abs. 3 StGB, die in Verbindung mit Art. 104 und Art. 333 Abs. 1 StGB auch für Übertretungen des Nebenstrafrechts Anwendung finden (Urteil des Bun desgerichts 2C_851/2011 vom 15. Au- gust 2012 E. 2.3, in: StR 67/2012 S. 759). Nach Art. 12 Abs. 2 StGB handelt vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt, wobei es genügt, wenn er die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (sog. Eventualvorsatz; BG E 138 V 74 E. 8.2, mit Hinweisen). Der Nachweis des Vorsatzes gilt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung als erbracht, wenn mit hinreichender Sicherheit feststeht, dass sich der Besch uldigte der Unrichtigkeit oder Unvoll- ständigkeit der gemachten Angaben bewusst war. Ist dies es Wissen erwiesen, so muss ange- nommen werden, dass er auch mit Willen handelte, d.h. eine Täuschung der Steuerbehörden beabsichtigt und eine zu niedrige Veranlagung bezweckt ( direkter Vorsatz) oder zumindest in Kauf genommen hat (Eventualvorsatz). Diese Vermutung l ässt sich nicht leicht entkräften, weil in der Regel ein anderer Beweggrund für die Unrichti gkeit oder Unvollständigkeit der gemach- ten Angaben nur schwer vorstellbar ist (Urteil des Bundesg erichts 2C_1157/2016 vom 2. No- vember 2017 E. 6.2 mit Hinweisen). 5.3 Die Vorinstanz erwog, dass die Beschwerdeführerin i hre Beteiligung an der D.____ und der E.____ Stiftung während mehrerer Jahre nicht deklariert habe. Der Beschwerdeführerin habe aufgrund ihrer Fachkenntnisse als Treuhänderin un d studierte Betriebswirtin zumindest in den Grundzügen bewusst gewesen sein müssen, dass die liech tensteinische Stiftung in der Schweiz unter den gegebenen Umständen nicht anerkannt w erden könne und dass Stamman- teile von ausländischen Firmen in der Schweiz zu versteue rn seien. Damit sei der Tatbestand der vollendeten Steuerhinterziehung zumindest eventua lvorsätzlich erfüllt. Das von der Be- schwerdeführerin in den relevanten Jahren gezeigte Ver halten deute in seiner Gesamtheit gar auf ein systematisches Vorgehen hin, welches ohne Einschreit ung des Revisorates bewirkt hätte, dass wesentliche Steuerfaktoren über Jahre hinweg der Besteuerung entzogen gewesen wären. Die von der Steuerverwaltung aufgrund eines mi ttelschweren Verschuldens auf 100 % der Nachsteuer festgesetzte Busse erscheine angemessen und sei nicht zu beanstanden. 5.4 Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, das Nac hsteuer- und das Steuerstraf- verfahren seien zwei getrennte Verfahren mit unterschied lichen Rechtsgrundsätzen. Im Steuer- strafverfahren gelte der Grundsatz der Unschuldsvermutung mit der daraus abgeleiteten Be- weiswürdigungsregel "in dubio pro reo". Sie habe soda nn zu keinem Zeitpunkt die Vorausset- zung der absichtlichen oder fahrlässigen Handlungen erfüllt. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.5.1 Anders als beim Veranlagungs- und Nachsteuerverfa hren handelt es sich beim Hinter- ziehungsverfahren um eine strafrechtliche Anklage im Sinn e von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EM RK) vom 4. November 1950. Der Steuerpflichtige ist in einem Steuerverfahren oder Nachsteuerverfahren verpflichtet, der Steuer- behörde die notwendigen Informationen und Unterlage n mitzuteilen (Art. 42 StHG). Demge- genüber ist das Steuerstrafverfahren (mit Einschluss des St euerhinterziehungsverfahrens) als strafrechtlich im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK zu qua lifizieren; es gilt daher für dieses Verfah- ren der vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EG MR) aus dieser Bestimmung abgeleitete Grundsatz des "nemo tenetur se ipsum accusar e" (sog. nemo-tenetur-Grundsatz), wonach niemand gezwungen werden soll, sich selbst zu bel asten (vgl. F RANK MEYER , in: Karpenstein/Mayer, EMRK-Kommentar, 3. Auflage, 2022, Art. 6 EMRK N 146). Ein Verstoss gegen Art. 6 Ziff. 1 EMRK liegt vor, wenn die Steue rbehörden in einem Nachsteuerverfahren Druck auf die Pflichtige ausüben, an der Sachverhaltse rmittlung mitzuwirken, und damit tat- sächlich Beweismittel erwirken, welche in einem nachfolge nden Steuerstrafverfahren gegen sie verwendet werden. Unter solchen Umständen hat die Steu erpflichtige im Ergebnis auch im Steuerstrafverfahren zu ihrer eigenen Belastung beigetragen, was dem Verbot des Selbstbelas- tungszwangs widerspricht (Urteil des Bundesgerichts 2C_288 /2018 vom 1. Februar 2019 E. 2.2.1 mit Verweis auf die Rechtsprechung des EGMR). Beweismittel aus einem (Nach-)Steu- erverfahren dürfen deshalb in einem Strafverfahren nu r dann verwendet werden, wenn sie weder unter Androhung einer Veranlagung nach pflichtg emässem Ermessen mit Umkehr der Beweislast noch unter Androhung einer Busse wegen Verlet zung von Verfahrenspflichten be- schafft wurden (Art. 57a Abs. 2 StHG). Hingegen ergebe n sich aus dem nemo-tenetur-Grund- satz keine Vorgaben für die Gestaltung des Nachsteuerverf ahrens, und zwar unabhängig da- von, ob dieses vor, parallel oder nach dem Steuerstrafverfahren durchgeführt wird. Die hypothe- tische Möglichkeit, dass die Behörden im Strafverfahren die gültigen Gesetzesbestimmungen bzw. die anwendbaren Verfahrensgarantien missachten, ist für das Veranlagungsverfahren nicht schädlich und begründet insofern keine "Vorwirkung " des nemo-tenetur-Grundsatzes (vgl. BGE 144 II 427 E. 2.3.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_288/2018 vom 1. Februar 2019 E. 2.4). 5.5.2 Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass die m assgebenden Daten – ohne Mitwir- kung der Beschwerdeführerin – im Rahmen der Steuerrev ision ermittelt bzw. beschafft werden konnten, da das Handelsregister von Tschechien eine Onlin eabfrage von Urkunden ermöglicht. Damit ist keine Verletzung des nemo-tenetur-Grundsatzes ersichtlich. 5.6.1 Für das Steuerhinterziehungsverfahren als Strafverf ahren gilt sodann die Unschulds- vermutung (Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweiz erischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999; Art. 6 Ziff. 2 EMRK; Urteil des B undesgerichts 2C_1157/2016 vom 2. No- vember 2017 E. 4.2 mit Hinweisen). 5.6.2 Als Beweislastregel bedeutet die Unschuldsvermutun g, dass es Sache der Anklage- behörde ist, die Schuld der Angeklagten zu beweisen, und nicht diese ihre Unschuld nachwei- sen muss. Im Zweifelsfall ist zu Gunsten der Angeklagten zu entscheiden. Aus der Unschulds- vermutung und dem darin enthaltenen Grundsatz "in du bio pro reo" ergibt sich im Sinne einer Beweiswürdigungsregel, dass den Steuerstrafen keine Sachve rhaltselemente zugrunde gelegt Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden dürfen, über deren Verwirklichung bei objektiver Würdigung der gesamten Beweislage Zweifel bestehen oder die nur als wahrscheinlich gelte n. Der Grundsatz ist verletzt, wenn das Gericht an der Schuld hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht ver- langt werden kann (vgl. BGE 127 I 38 E. 2a). Folglich muss im Steuerstrafverfahren die Schuld der angeklagten Person mit an Sicherheit grenzender Wah rscheinlichkeit feststehen (Urteile des Bundesgerichts 2C_298/2020 vom 9. Oktober 2020 E. 3.2.2 und 2C_682/2018 vom 14. Mai 2019 E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Ist eine Nichtdeklar ation von steuerbaren Einkommens- und Vermögensbestandteilen nachgewiesen, so dass keine berech tigten Zweifel mehr daran beste- hen, ist es – trotz fehlender Mitwirkungspflicht – der s teuerpflichtigen Person überlassen, für von ihr behauptete gegenteilige Tatsachen den Gegenbe weis zu erbringen (Urteil des Bundes- gerichts vom 8. Februar 1991 E. 2b, in: Archiv für Schw eizerisches Abgaberecht [ASA] 60 [1991/1992] S. 408). 5.6.3 Aufgrund der durch die Steuerverwaltung beschafft en Unterlagen zur D.____ und der E.____ Stiftung ist – wie zuvor dargelegt (E. 2-4) un d mangels Gegenbeweis durch die Be- schwerdeführerin – erwiesen, dass die Beschwerdeführeri n die ihr zuzurechnenden Vermö- genswerte in den Steuerperioden 2007-2011 nicht dekla riert und mit ihrem Verhalten insofern bewirkt hat, dass die entsprechenden rechtskräftigen St euerveranlagungen unvollständig geblieben sind. Damit ist der Grundsatz "in dubio pro reo" nicht verletzt. 5.7.1 Die Steuerverwaltung und die Vorinstanz gehen v on einem eventualvorsätzlichen Ver- halten der Beschwerdeführerin aus und halten eine Bu sse in der Höhe von 100 % der Nach- steuer (Regelbusse nach Art. 56 Abs. 1 StHG und § 151 StG) als sachgerecht. 5.7.2 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz und der St euerverwaltung muss davon aus- gegangen werden, dass es der Beschwerdeführerin, als Tre uhänderin und Geschäftsführerin der inzwischen erloschenen Firma D.____ Treuhand GmbH m it Sitz in B.____, deren Zweck unter anderem in Rechtsberatung, Buchführung, Firme ngründungen in der Schweiz und im Ausland und Firmen- und Vermögensverwaltung bestand, d urchaus bewusst gewesen sein muss, dass Stammanteile an ausländischen Gesellschaften in d er Schweiz zu deklarieren und versteuern sind. Ebenso hätte der Beschwerdeführerin bew usst sein müssen, dass die von ihr gewählte Form der liechtensteinischen Familienstiftung – im Falle der Entdeckung durch die schweizerischen Steuerbehörden – steuerlich in der Schwei z nicht anerkannt werden kann. Die Vorinstanz ist deshalb zu Recht von Eventualvorsatz ausgegangen. 5.7.3 Weiter bringt die Beschwerdeführerin keine Tat sachen vor, die eine Strafmilderung unter das Regelstrafmass begründen könnten. Solche sind denn auch nicht ersichtlich. Demge- mäss ist der Entscheid der Vorinstanz, der von einem zumindest eventualvorsätzlichen Handeln und einem mittelschweren Verschulden ausgegangen war, was zu einer Steuerbusse im Regel- strafmass führte, nicht zu beanstanden. 6. Dies führt zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerd e, soweit darauf eingetreten werden kann. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterlieg enden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die V erfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- der unterlegenen Beschwerdeführerin aufzu erlegen und mit dem geleisteten Kos- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'500.-- zu verrechnen. A usgangsgemäss sind die Parteikos- ten wettzuschlagen (§ 21 VPO). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'500.-- werden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvo rschuss in der Höhe von Fr. 2'500.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 24. Juni 2022 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfah- rensnummer 2C_527/2022) erhoben.