Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 8. Oktober 2013 (460 13 161) ____________________________________________________________________ Strafrecht bandenmässiger Diebstahl Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Peter Tobler (Ref.), Richter Edgar Schürmann; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Hauptabteilung Arlesheim, Kirchgasse 5, 4144 Arlesheim, Anklagebehörde gegen A.____ , vertreten durch Advokat Simon Berger, Büchelistras- se/Lindenstrasse 2, Postfach 552, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand bandenmässiger Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 20. März 2013 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 20. März 2013 erklärte das Strafgericht Basel-Landschaft A.____ des mehrfachen, teilweise bandenmässigen und teilweise ver suchten Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, des Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand, der mehrfachen, teilweise versuchten Entwendung von Motorfahrzeu- gen zum Gebrauch, des mehrfachen Fahrens eines Motorfahr zeugs ohne erforderlichen Füh- rerausweis, ohne Kontrollschilder sowie ohne gültigen Fahrzeugausweis, des Fahrens eines Motorfahrzeugs ohne Versicherungsschutz, der mehrfachen Entwendung von Kontrollschildern, der mehrfachen missbräuchlichen Verwendung von Kontroll schildern sowie der Widerhandlung gegen die Verkehrsversicherungsverordnung schuldig und ver urteilte ihn unter Anrechnung der vom 27. bis zum 28. Juli 2010, vom 7. bis zum 22. Oktobe r 2010 und vom 6. bis zum 8. Januar 2011 in Polizeigewahrsam und in Untersuchungshaft ver brachten Zeit von insgesamt 19 Tagen zu einer Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren sowie zu einer Busse von CHF 800.-- (beziehungsweise zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen) als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil der Jugendan- waltschaft Basel-Landschaft vom 5. Juli 2010 (Ziffer 1). Ferner sprach das Strafgericht den Be- schuldigten in Ziffer 1 Fall 13 der Anklage von den Vo rwürfen des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne Führerausweis und ohne Kontrollschild er, in Ziffer 1 Fall 14 der Anklage vom Vorwurf des Diebstahls sowie in Ziffer 3 der Ankla ge vom Vorwurf der Widerhandlung ge- gen das Sprengstoffgesetz frei (Ziffer 2) und erklärte die gegen den Beschuldigten am 5. Juli 2010 mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Basel-Land schaft teilbedingt ausgesprochene Busse von CHF 1'800.--, davon CHF 500.-- unbedingt un d CHF 1'300.-- bedingt, bei einer Pro- bezeit von 12 Monaten, vollziehbar (Ziffer 3). Im Weiteren wies das Strafgericht den Beschuldig- ten in eine Einrichtung für junge Erwachsene ein und schob den Vollzug der ausgesprochenen Strafe auf (Ziffer 4). Überdies legte die erste Instan z fest, dass die beschlagnahmten Gegens- tände zur Vernichtung eingezogen werden (Ziffer 5). H insichtlich der Zivilforderungen wird auf die Ziffern 6 bis 8 des angefochtenen Urteils verwiesen. Ausserdem hielten die Vorderrichter fest, dass der amtlichen Verteidigung ein Honorar von CH F 8'898.75 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entrichtet wird (Zi ffer 9) und die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 41'030.50 zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates gehen (Ziffer 10). Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Urteils eingegangen. B. Gegen obgenanntes Urteil meldete A.____, vertreten durch Advokat Simon Berger, mit Eingabe vom 2. April 2013 Berufung an. In seiner Beru fungserklärung vom 16. Juli 2013 bean- tragte er, er sei in Abänderung von Ziffer 1 des ang efochtenen Urteils lediglich zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von zwei Jahren zu verurteilen (Ziffer 1), es sei in Abänderung von Ziffer 3 des angefochtenen Urteils vom Widerruf der Vo rstrafe (Ziffer 2) und in Abänderung von Ziffer 4 des angefochtenen Urteils von der Anordnung e iner Massnahme gemäss Art. 61 StGB abzusehen (Ziffer 3). Überdies sei ihm die amtliche Ve rteidigung für das vorliegende Verfahren zu bewilligen (Ziffer 4), unter o/e Kostenfolge (Ziffer 5). Im Weiteren stellte der Beschuldigte die Beweisanträge, es sei ein ergänzendes Gutachten bei B._ ___ bezüglich der Frage einzuholen, ob er die Rückfallgefahr zum heutigen Zeitpunkt anders beurteile, eventualiter sei B.____ als Sachverständiger zur Hauptverhandlung vorzuladen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Stellungnahme vom 19. Juli 2013 verzichtete die S taatsanwaltschaft Basel- Landschaft, Hauptabteilung Arlesheim, auf die Erhebun g einer Anschlussberufung sowie den Antrag auf Nichteintreten und begehrte, es sei in Ab weisung der Berufung des Beschuldigten das Urteil der Vorinstanz vollumfänglich zu bestätigen (Z iffer 1), der Beweisantrag, es sei ein ergänzendes Gutachten bei B.____ bezüglich der Frage einzuholen, ob er die Rückfallgefahr zum heutigen Zeitpunkt anders beurteile, abzuweisen (Zi ffer 2) sowie der Beweisantrag, es sei B.____ als Sachverständiger zur Hauptverhandlung vorzuladen, gutzuheissen (Ziffer 3). D. Mit Verfügung vom 22. Juli 2013 wies der Präsident d es Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, den Antrag des Besch uldigten, es sei ein ergänzendes Gut- achten bei B.____ bezüglich der Frage einzuholen, ob er die Rückfallgefahr zum heutigen Zeit- punkt anders beurteile, ab. Hingegen verfügte der Präsi dent, dass B.____ in Gutheissung des Eventualantrags des Beschuldigten als Sachverständiger z ur kantonsgerichtlichen Hauptver- handlung geladen wird und durch das Kantonsgericht Base l-Landschaft, Abteilung Strafrecht, insbesondere zur aktuellen Prognose und Einschätzung der Rückfallgefahr befragt wird. Über- dies bewilligte der Präsident dem Beschuldigten die amt liche Verteidigung mit Advokat Simon Berger für das zweitinstanzliche Verfahren. E. An der heutigen Hauptverhandlung vor dem Kantonsgeri cht erscheinen der Beschul- digte A.____ mit seinem Verteidiger Advokat Dr. Andr eas Leukart, die Staatsanwältin C.____ sowie der Sachverständige B.____. Die Parteien wiederh olen ihre Anträge gemäss ihren Rechtsschriften. Auf die weiteren Ausführungen der Par teien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerisc hen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rech tsverletzungen, die unvollstän- dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefoch tenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsger icht innert 20 Tagen seit der Zustel- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufung serklärung einzureichen. Das Beru- fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO ist jede Parte i, die ein rechtlich geschütztes Inte- resse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, zur Berufung legitimiert. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Basel-Land schaft vom 20. März 2013 an- gefochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt darste llt. Mit Eingaben vom 2. April 2013 Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Berufungsanmeldung) und 16. Juli 2013 (Berufungserkl ärung) hat der Beschuldigte die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist seiner Erklärungspflicht nachgekommen. Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteil ung Strafrecht, als Berufungsge- richt zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergib t sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizer ischen Strafprozessordnung (EG StPO, SGS 250). Auf die Berufung ist somit einzutreten. II. Materielles 1. Gegenstand des Berufungsverfahrens Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rechtsschriften sowie der anlässlich der heuti- gen Hauptverhandlung gehaltenen Parteivorträgen zeig t sich, dass einzig die Strafzumessung, der Widerruf der Vorstrafe sowie die Anordnung einer Massnahme Gegenstand des vorliegen- den Berufungsverfahrens bilden. Demgegenüber bleiben die Ausführungen des Strafgerichts betreffend die Verurteilungen wegen des mehrfachen, teilweise bandenmässigen und teilweise versuchten Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, de s mehrfachen Hausfriedens- bruchs, des Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand, der mehrfachen, teil- weise versuchten Entwendung von Motorfahrzeugen zum Gebra uch, des mehrfachen Fahrens eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis, ohne Kontrollschilder sowie ohne gültigen Fahrzeugausweis, des Fahrens eines Motorfahrzeug s ohne Versicherungsschutz, der mehrfachen Entwendung von Kontrollschildern, der mehrf achen missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern sowie der Widerhandlung gegen di e Verkehrsversicherungsverordnung ebenso unbestritten wie die Erörterungen der Vorinst anz betreffend die Freisprüche in Ziffer 1 Fall 13 der Anklage von den Vorwürfen des mehrfachen Fü hrens eines Motorfahrzeugs ohne Führerausweis und ohne Kontrollschilder, in Ziffer 1 Fall 14 der Anklage vom Vorwurf des Dieb- stahls sowie in Ziffer 3 der Anklage vom Vorwurf der Wi derhandlung gegen das Sprengstoffge- setz. Ebenfalls unangetastet bleiben die Erwägungen des Strafgerichts in Bezug auf die Be- schlagnahme, die Zivilforderungen, die Entschädigung de r amtlichen Verteidigung sowie die Kostenverlegung, weshalb diese nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden. 2. Strafzumessung 2.1 Mit Urteil vom 20. März 2013 führt das Strafgericht B asel-Landschaft aus, der Be- schuldigte habe sich in der Zeit vom 22. Februar 2010 bi s zum 24. September 2010 mit D.____ und teilweise mit E.____ vereint und in Form einer Bande insgesamt acht vollendete Ein- bruchsdiebstähle und 16 versuchte Einbruchsdiebstähle be gangen. Des Weiteren hätten der Beschuldigte und D.____ bei ihren Einbrüchen acht Fa hrzeuge zum Gebrauch entwendet. Teil- weise seien sie wissentlich ohne Kontrollschilder mit den entwendeten Fahrzeugen herumge- fahren, wobei der Beschuldigte lediglich über einen Le rnfahrausweis verfügt habe. Ausserdem habe der Beschuldigte in der Zeit vom 25. Juli 2010 bis zum 6. Januar 2011 drei vollendete Ein- bruchsdiebstähle und einen versuchten Einbruchsdiebstahl begangen. Überdies habe er sich des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht und ein Kontro llschild sowie zwei Fahrzeuge zum Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gebrauch entwendet. Der Gesamtdeliktsbetrag bei den D iebstählen liege über CHF 80'000.-- und der bei den Einbrüchen sowie an den Fahrzeugen ent standene Gesamtsachschaden betrage rund CHF 35'000.--. 2.2 Mit Berufungserklärung vom 16. Juli 2013 macht der Beschuldigte geltend, es sei kor- rekt, dass sein Verschulden erheblich sei. Allerdings gehe die Vorinstanz zu Unrecht von feh- lender Reue und mangelndem Schuldbewusstsein aus, zumal er immer wieder beteuert habe, sich von seiner Vergangenheit distanziert zu haben. Ihm s ei sehr wohl bewusst, dass er mit seinen Taten diverse Personen geschädigt habe; dies tue ihm auch leid. Sodann habe die Vor- instanz den Umstand, dass er seit Januar 2011, mithin seit 2,5 Jahren, keine Delikte mehr be- gangen habe, zu wenig gewürdigt. Dabei sei namentlich zu beachten, dass D.____ bis August 2011 weiter delinquiert habe, was beim Verschulden h ätte berücksichtigt werden müssen. Dementsprechend sei seine Strafe auf zwei Jahre zu redu zieren. Im Weiteren habe sich die Vorinstanz in Bezug auf den bedingten beziehungsweise te ilbedingten Vollzug der Strafe zu Unrecht einseitig auf das Gutachten von B.____ abgestützt, zumal das Gutachten über ein Jahr alt sei und er sich seit über 2,5 Jahren straflos verhalten habe. Entgegen den Ausführungen des Strafgerichts könne nicht mehr von einer ungünstigen Pro gnose ausgegangen werden und es sei der bedingte, eventualiter der teilbedingte Strafvollzug zu gewähren. Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor den Schra nken des Kantonsgerichts bringt der Beschuldigte ergänzend vor, das Strafgericht habe bei der Strafzumessung nicht beachtet, dass ihm sehr wichtig gewesen sei, keine Personen zu verletzen. Diesbezüglich sei auf ein Gerichts- urteil aus St. Gallen hinzuweisen, wonach der Chef ei ner Jugendbande ebenfalls zu einer un- bedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren verurteilt wo rden sei. Die Bandenmitglieder hätten al- lerdings gegenüber ihren Opfern Gewalt angewendet. D ie im angefochtenen Urteil ausgespro- chene Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren stehe daher in keine m Verhältnis zu jener gemäss dem Entscheid aus St. Gallen, namentlich da der Beschuldig te keine Gewalt angewendet habe. Da- her sei er bloss zu einer bedingten, eventualiter tei lbedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren zu verurteilen. 2.3 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in der heu tigen Berufungsverhandlung aus, der Beschuldigte verfüge über keine besondere Strafempfindlichkeit und die hängigen Ver- fahren hätten ihm keinerlei Eindruck gemacht. Hinsichtlich der Legalprognose könne festgestellt werden, dass sich die Lebensumstände des Beschuldigten gru ndsätzlich nicht geändert hätten. Insbesondere habe der Sachverständige B.____ heute ausge führt, dass weiterhin eine hohe Rückfallgefahr bestehe und sich das Gesamtbild ungünstig darstelle. Dementsprechend sei die Prognose als ungünstig anzusehen und am unbedingten V ollzug der Freiheitsstrafe festzuhal- ten. 2.4 Gemäss Art. 47 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB , SR 311.0) misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder G efährdung des betroffenen Rechts- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht guts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den innere n und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (A bs. 2). Demgegenüber ist das Verschul- den für die Wahl der Sanktionsart nicht von Relevanz. Massgebliche Kriterien bilden die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventi- ve Effizienz (BGE 134 IV 97, E. 4.2; BGE 134 IV 82, E . 4.1; KGer 470 12 36 vom 6. Juni 2011, E. 5.3). 2.5 Zunächst ist das Vorbringen des Beschuldigten zu prüfen , er bereue seine Taten, was zu seinen Gunsten zu beachten sei. Damit von einer zu Gu nsten des Beschuldigten zu berück- sichtigenden Reue ausgegangen werden kann, bedarf es en tsprechend der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung eines Verhaltens des Täters nach der Tat, das deutlich aufzeigt, dass der Beschuldigte bereits die nötigen Lehren gezogen und durch einen anderen Lebenswandel re- spektive durch den Vollzug einer klaren Kehrtwende weit eren strafbaren Handlungen vorge- beugt hat (BGE 118 IV 337, E. 2c; BGE 121 IV 202, E. 2d/dd; H ANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 175). In casu machte der Beschuldig- te anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht geltend, die Delikte seien ein Blödsinn gewesen; er wisse, dass es falsch gewesen sei. Allgemein sei es nun anders. Er brauche den Adrenalinkick nicht mehr. Der Fall mit dem Hobbyshop sei d as letzte Mal gewesen. So etwas werde er nicht mehr machen, und alleine ein Job würde alles verhindern (act. 3435 ff.). Vor dem Berufungsgericht gibt der Beschuldigte heute zu Protokoll, es sei Scheisse und falsch gewesen, was er gemacht habe. Er hätte es nicht machen sollen. Damals sei es ihm egal gewesen; heute bereue er es (S. 10 des Protokolls der kantonsgerichtlich en Hauptverhandlung). Es zeigt sich somit, dass der Beschuldigte sowohl vor Strafgericht als auch vor Kantonsgericht ausgeführt hat, dass er die von ihm begangenen Delikte bedaure. A bgesehen von diesen mündlich vor der ersten sowie der zweiten Instanz zu Protokoll gegebenen R euebekundungen ergeben sich je- doch keine weiteren Äusserungen von Reue und Schuldbewusst sein. Die blosse Äusserung von Bedauern vor den Schranken des Gerichts erscheint allerdings wenig beachtlich, zumal der Beschuldigte im Wesentlichen lediglich ausgeführt hat, dass er die Delikte begangen habe, sei „Scheisse“ gewesen. Ein aktives Aufzeigen von Reue ist je doch aus den Verfahrensakten nicht ersichtlich. Mithin ist keine Eigeninitiative des Beschuldigten, welche die Einsicht in das Unrecht seiner Handlungen dartun würde, ersichtlich. Namentlich wäre es etwa kein unzumutbarer Auf- wand gewesen, sich bei den geschädigten Personen mitte ls Schreiben für die Taten zu ent- schuldigen. Jedoch hat der Beschuldigte in keiner Weise B emühungen gezeigt, um seine Straf- taten sowie den verursachten Sachschaden wiedergutzumachen. Damit Bedauern und Reue zu Gunsten des Beschuldigten berücksichtigt werden könnten, braucht es mehr als eine einfache verbale Bekundung vor Gericht, die Begehung der Delikte sei falsch gewesen. Vielmehr bedarf es rechtsprechungsgemäss eines Verhaltens nach der Tat, wel ches auf eine deutliche Einsicht und Reue schliessen lässt. Offenkundig hat der Beschuldi gte kein solches Verhalten erkennen lassen. 2.6 Im Weiteren kann dem Beschuldigten insofern nicht ge folgt werden, als er ausführt, dass er seine Straftaten bereue, sei dem Umstand zu en tnehmen, dass er seit Januar 2011 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht straflos geblieben sei. Namentlich von einer beschuldi gten Person kann erwartet werden, dass sie sich zumindest während des hängigen Strafverfahrens woh lverhält und sich nichts Zusätzli- ches zu Schulden kommen lässt. Ein korrektes Verhalten vor Abschluss des Strafverfahrens darf daher grundsätzlich vorausgesetzt werden, zumal sich d er Zeitraum von 2,5 Jahren nicht als sonderlich lang erweist, weshalb das andauernde Wohlve rhalten nicht als besondere Ein- sicht oder Reue zu interpretieren ist. Insbesondere ist aus dem bisherigen Verhalten des Be- schuldigten kein anderer Lebenswandel beziehungsweise kein e klare Kehrtwende ersichtlich, welche weitere strafbare Handlungen vorbeugen würde. I m Gegenteil hat sich am Tagesablauf des Beschuldigten gemäss seinen heute vor Kantonsgericht dargelegten Ausführungen, mit der Ausnahme, dass er zu Beginn seiner Delinquenz noch über eine Arbeitsstelle verfügt hat, nichts geändert. Dementsprechend stehe er am Morgen zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr auf. Früher habe er sogleich im Internet nach Arbeitsstellen gesu cht. Zurzeit sei sein Computer allerdings defekt. Ansonsten stehe er in regelmässigem Kontakt mit dem Sozialamt, damit er die ihm zu- stehende Gelder erhalte. Seinen Freundeskreis sehe er nu r selten. Meistens würden sie sich am Bahnhof in F.____ treffen, wobei er – wenn er üb erhaupt hin gehe – nur etwa eine halbe Stunde pro Tag mit den Freunden verbringe. Die beid en Mittäter D.____ und E.____ würden nach wie vor zu seinem Freundeskreis gehören, jedoch würd e er sich nicht gezielt mit diesen verabreden, sondern treffe sie zufällig am Bahnhof in F.____ an (S. 7 f. des Protokolls der kan- tonsgerichtlichen Hauptverhandlung). Den Ausführunge n des Beschuldigten kann somit ent- nommen werden, dass er weiterhin über keinen strukturierten Tagesablauf verfügt und nach wie vor im selben Freundeskreis verkehrt wie bereits im Tatze itraum, wobei er angeblich mit den Mittätern nicht mehr einen gleich intensiven Kontakt pflegt wie damals. Dennoch erhellt, dass sich der Beschuldigte von den damaligen Lebensumständen, welche ihn in die Delinquenz ge- führt haben, nicht oder jedenfalls nicht deutlich dista nziert hat. Auch scheint der Beschuldigte nicht willens zu sein, seine aktuelle Situation tatsächl ich zu verändern. So führt er vor dem Be- rufungsgericht zwar aus, seine momentane Lebenslage sei ein Notzustand. Dieser könne sich aus seiner Sicht nur ändern, wenn er eine Arbeitsstell e finde (S. 6 des Protokolls der kantons- gerichtlichen Hauptverhandlung). Indes legt der Beschu ldigte dar, er schreibe monatlich bloss ungefähr fünf bis sechs Bewerbungen. Weiter führt er a n, er erhalte viele Absagen, da er nicht dem Anforderungsprofil entspreche, zumal er über keinen Lehrabschluss verfüge (S. 6 des Pro- tokolls der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung). Dess en ungeachtet bringt er heute vor, zurzeit wolle er keine Lehre machen; es fehle ihm dazu d ie Motivation (S. 7 des Protokolls der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung). Es zeigt sich dah er, dass der Beschuldigte seine Le- bensumstände in keiner Weise mit der notwendigen Konseq uenz verändert hat, um weiteren Straftaten vorzubeugen. Vielmehr verdeutlichen die heu tigen Aussagen des Beschuldigten, dass er auch weiterhin nicht willens ist, den notwendige n Einsatz zu erbringen, um an dieser Situation etwas zu ändern. Der Beschuldigte beschränkt si ch auf ein Minimum an Anstrengun- gen hinsichtlich seiner Bewerbungen, obwohl ihm bewuss t ist, dass er einzig aufgrund einer Arbeitstätigkeit an seinem momentanen Zustand etwas verä ndern kann. Zudem will der Be- schuldigte zurzeit keine Berufslehre machen, obwohl er sel bst ausführt, dass der fehlende Lehrabschluss einer der Hauptgründe sei, weshalb er kei ne Anstellung finde. Der Beschuldigte führt daher seinen bisherigen Lebensstil weiter, ohne aus seiner Vergangenheit gelernt zu ha- ben. Das vom Beschuldigten sowohl vor Strafgericht als au ch vor Kantonsgericht geäusserte Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bedauern erscheint daher wenig glaubwürdig und es ist – der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung folgend – nicht von einer massgeblichen Reue und Einsicht auszugehen, welche in der Strafzumessung zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen wäre. 2.7 Hinzu kommt, dass der Beschuldigte vor Strafgericht noch a nführte, alleine ein Job würde seine Rückfälligkeit verhindern (act. 3437). Ind es zeigt der Beschuldigte nunmehr nur ungenügende Bemühungen, um tatsächlich eine Arbeits- respektive eine Lehrstelle zu erhalten. Auf die vor Kantonsgericht gestellte Frage, was sich, im Vergleich zu damals, als er rückfällig geworden sei, geändert habe, gibt der Beschuldigte zu Protokoll, er habe dazu gelernt und wol- le nicht mehr delinquieren. Das Gericht sei keine schö ne Erfahrung für ihn. Das Ganze werde ihm mit der Zeit zu viel (S. 14 des Protokolls der kanto nsgerichtlichen Hauptverhandlung). Wie bereits aufgrund der vorstehenden Ausführungen ersicht lich, ist es wenig glaubhaft, dass der Beschuldigte tatsächlich etwas dazu gelernt hat, zumal sich dieser geltend gemachte Umstand im tatsächlichen Verhalten des Beschuldigten sowie in desse n Lebensführung in keiner Weise äussert. Das Strafgericht berücksichtigte folglich zu Rech t zu Lasten des Beschuldigten, dass bei ihm weder Reue noch Schuldbewusstsein erkennbar sind. 2.8 Im Weiteren macht der Beschuldigte geltend, die Vorin stanz habe zu wenig gewürdigt, dass er nur bis Januar 2011 delinquiert habe, währendd em sein Mittäter D.____ bis August 2011 Straftaten begangen habe. Das Verschulden von D._ ___ sei daher grösser als seines, weshalb sich eine Freiheitsstrafe von bloss zwei Jahren recht fertige. Dem ist jedoch zu entgeg- nen, dass dem Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 24. August 2012 betreffend D.____ (act. 3197 ff.) zu entnehmen ist, dass dieser zwar bis zum 22. August 2011 straffällig wurde; allerdings handelt es sich bei den Delikten vom 2 6. Juli 2011 sowie vom 21. und 22. August 2011 um bloss vereinzelte Nachtaten. Abgesehen von diesen Nachtaten endete der Tatzeitraum von D.____ bereits Ende September 2010. E s zeigt sich daher, dass sich die massgebenden Deliktsphasen des D.____ von jenen des Besc huldigten nicht wesentlich unter- scheiden, sondern vielmehr vergleichbar sind, zumal der Besc huldigte bis Januar 2011 delin- quierte. Auch die Deliktszahl ist annähernd identisch: S o führte D.____ insgesamt rund 40 Straftaten aus (act. 3239), der Beschuldigte begin g etwa 35 Delikte. Andererseits beläuft sich die Deliktssumme des Beschuldigten auf über CHF 80'0 00.--, und er verursachte einen Sachschaden von rund CHF 35'000.--. Dem stehen auf Seit en von D.____ der wesentlich ge- ringere Gesamtdeliktsbetrag von CHF 20'000.-- sowie der Gesamtsachschaden von CHF 50'000.-- gegenüber (act. 3233, 3239). Aufgrund dieser objektiven Strafzumessungskrite- rien ergeben sich daher keine augenscheinlichen Unterschiede betreffend das Verschulden des D.____ im Vergleich mit jenem des Beschuldigten. Hinzu k ommt, dass sich ein Vergleich der Strafzumessungskriterien der beiden Mittäter als äusserst schwierig erweist, zumal nicht durch- wegs derselbe Sachverhalt zu beurteilen ist und ausserdem bei der Strafzumessung persönli- che Elemente der jeweils beschuldigten Person (Vorlebe n, Leumund, Vorstrafen) massgebend sind, welche einem direkten Vergleich zwischen den Mittäte rn nicht zugänglich sind. Daraus folgt, dass sich eine Milderung der Strafe aufgrund ei nes Vergleichs mit dem Urteil betreffend D.____ nicht rechtfertigt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.9 Anlässlich der heutigen kantonsgerichtlichen Hauptverhan dlung verweist der Beschul- digte ferner auf ein Gerichtsurteil aus dem Kanton St . Gallen, demgemäss der Chef einer Ju- gendbande zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren verurteilt worden sei. Die gegen den Beschuldigten ausgesprochene Sanktion in derselben Höhe erweise sich im Vergleich dazu als zu hoch, zumal die Bandenmitglieder gegenüber ihren Opfern Gewalt angewendet hätten, der Beschuldigte hingegen nicht. Diesbezüglich ist allerd ings festzustellen, dass dem Kantons- gericht weder der angebliche Zeitungsartikel, auf welchen sich der Beschuldigte stützt, noch die genauen Umstände des vom Beschuldigten angerufenen Urte ils bekannt sind. Insbesondere fehlen die entsprechenden Verfahrensakten, welche not wendig wären, um etwaige Vergleiche zwischen den Urteilen anzustellen. Dementsprechend verfügt das Kantonsgericht über keinerlei Angaben betreffend die exakten Umstände des angeführte n Falles sowie über weitergehende Angaben über den verurteilten Chef der Jugendbande. M angels Kenntnis der konkreten Ver- hältnisse ist ein Vergleich des vorliegenden Falles mit jenem aus St. Gallen daher ausgeschlos- sen. 2.10 In ihrem Urteil vom 20. März 2013 führen die Vorderri chter ferner an, es sei dem Be- schuldigten zu Gute zu halten, dass er nie in Privathäuser beziehungsweise -wohnungen ein- gedrungen und bei der Tatbegehung nie gegen Personen vorgegangen sei. Diesbezüglich kann der ersten Instanz indes nicht gefolgt werden, zumal dem Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt vorgeworfen wurde, er sei in Privathäuser eingedrungen beziehungsweise gegen Personen vorgegangen. Es kann mithin dem Beschuldigten nicht posit iv angerechnet werden, dass er nicht ein noch verwerflicheres Verhalten an den Tag gelegt hat, zumal jede Person die Möglich- keit hat, sich gegen ein Wohlverhalten zu entscheiden. Wü rde man der Argumentation des Strafgerichts folgen, so müsste jedem Täter zu Gute gehal ten werden, dass er nicht noch schlimmere Straftaten begangen hat. Dies ist offensichtl ich nicht zielführend und würde regel- mässig zu einer ungerechtfertigten Milderung der Strafe führen. 2.11 Im Übrigen erweisen sich die Ausführungen des Strafge richts betreffend das Ver- schulden des Beschuldigten als zutreffend, zumal alle massgebenden Strafzumessungskriterien berücksichtigt wurden, weshalb auf diese verwiesen werde n kann. Demzufolge liegen keine Gründe vor, um von der vorinstanzlich festgelegten Straf e abzuweichen, weshalb diese zu bes- tätigen ist. 2.12 Ferner ist zu prüfen, ob der bedingte beziehungswei se teilbedingte Strafvollzug anzu- ordnen ist. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstra fe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und h öchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig ersch eint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Ausserdem kann das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnützi ger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren nur tei lweise aufschieben, wenn dies not- wendig ist, um dem Verschulden des Täters Rechnung zu tr agen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Dabei darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Gemäss Art. 43 Abs. 3 StGB muss bei der teilbedin gten Freiheitsstrafe sowohl der auf- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht geschobene wie auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate betragen. Bei der Prü- fung, ob der Verurteilte für ein dauerndes Wohlverha lten Gewähr bietet, ist eine Gesamtwürdi- gung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die B eurteilung miteinzubeziehen sind ne- ben den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumu nd sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und di e Aussichten seiner Bewährung zulas- sen. Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein Gesamt bild der Täterpersönlichkeit uner- lässlich. Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorb elastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen usw. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheides miteinzubeziehen. Die Gewährung des Strafaufschubes setzt nicht die positive Erwartung voraus, der Täter werde sich bewähren, sondern es genügt die Abwesenheit der B efürchtung, dass er es nicht tun wer- de. Der Strafaufschub ist deshalb die Regel, von der g rundsätzlich nur bei ungünstiger Progno- se abgewichen werden darf (BGE 134 IV 1, E. 4.2.1 f.; ROLAND M. SCHNEIDER /R OY GARRÉ , Bas- ler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 42 N 38 ff. ; G ÜNTER STRATENWERTH /W OLFGANG WOHLERS , Handkommentar StGB, 2. Aufl. 2009, Art. 42 N 7 ff.). 2.13 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen (Ziffer 2.11) erhellt, dass der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren zu verurteilen ist. Demnach ist die Anordnung eines be- dingten Strafvollzugs zufolge der Beschränkung auf Freiheitsstrafen von höchstens zwei Jahren von Vornherein ausgeschlossen. Betreffend den teilbedin gten Strafvollzug respektive die Le- galprognose führt der Sachverständige B.____ mit for ensisch-psychiatrischem Gutachten vom 28. Juni 2012 aus, das Risiko, dass es erneut zu Taten nach A rt und Umfang wie bisher kom- me, sei aufgrund der Persönlichkeitsmerkmale sowie der gesamten Lebensumstände des Be- schuldigten hoch (act. 195, 199). Anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor den Schranken des Kantonsgerichts legt der Sachverständige sodann weiter dar, zwar habe es seit der Erstel- lung des Gutachtens gewisse Veränderungen im Leben des Be schuldigten gegeben, allerdings würde das Gesamtbild heute eher ungünstiger ausfallen als zum Zeitpunkt des Gutachtens, zumal der Beschuldigte damals eine neue Stelle angetre ten habe. Heute fehle es ihm mangels Arbeitstätigkeit an einer Tagesstruktur. Auch habe er keine Freundin mehr und würde weiterhin Zeit am Bahnhof in F.____ verbringen. Ein Fortschritt sei insofern ersichtlich, als der Beschul- digte sich als unterstützungsbedürftig sehe. Ebenso zu sein en Gunsten könne sich auswirken, dass er sich seit dem Gutachten nicht straffällig verhalte n habe. Indes sei nicht klar, weshalb er nicht delinquiert habe, zumal sich die Einflüsse eher versch lechtert hätten. Allenfalls hätten die Drohung der Anordnung einer Massnahme sowie das laufend e Strafverfahren positiv auf ihn gewirkt. Insgesamt sei das Rückfallrisiko jedoch unverändert hoch, zumal sich einige Faktoren ungünstig verschoben hätten (S. 19 ff. des Protokolls der kantonsgerichtlichen Hauptverhand- lung). 2.14 Zu prüfen ist nachfolgend, ob auf das forensisch-psychia trische Gutachten vom 28. Juni 2012 sowie die Ausführungen des Sachverständig en anlässlich der heutigen Haupt- verhandlung abzustellen ist. Das Gericht würdigt das Gut achten grundsätzlich frei. Es darf in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von der Expertis e abweichen und muss Abweichungen begründen. Das Abstellen auf nicht schlüssige Gutachten kann gegen Art. 9 der Bundesverfas- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) verst ossen, wenn gewichtige, zu- verlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugu ngskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern (BGE 129 I 49, E. 4). In casu erweisen sich da s Gutachten sowie die Ausführungen von B.____ an der heutigen Hauptverhandlung durchwegs a ls sorgfältig begründet und nach- vollziehbar. Dementsprechend führt der Sachverständige sowohl positive als auch nachteilige Elemente der Entwicklung des Beschuldigten an. Die Darlegungen sind in sich schlüssig und es sind keine Gründe ersichtlich, welche eine Abweichung vom Gutachten sowie den Ausführun- gen des Sachverständigen rechtfertigen würden. Dement sprechend vermag der Beschuldigte keine solchen Anhaltspunkte aufzuzeigen. Vielmehr führt er in seiner Berufungserklärung vom 16. Juli 2013 sowie an der Berufungsverhandlung einzig aus, das Gutachten sei schon über ein Jahr alt und berücksichtige daher nicht, dass er seit nunme hr 2,5 Jahren nicht mehr delinquiert habe. Indes legt der Sachverständige vor dem Kantonsge richt heute ausführlich und überzeu- gend dar, inwiefern das Wohlverhalten des Beschuldigten Einfluss auf die Legalprognose hat und weshalb trotz der 2,5-jährigen Straflosigkeit von e iner hohen Rückfallgefahr, mithin einer ungünstigen Prognose, auszugehen ist. Auch stützen die vom Beschuldigten heute zu Protokoll gegebenen Aussagen klarerweise die Prognose des Sachverständigen, zumal der Beschuldigte weder über eine Tagesstruktur noch Zukunftspläne verfügt. Vielmehr weigert er sich, eine Lehr- stelle zu suchen, obwohl er selbst ausführt, dass er ohne einen Lehrabschluss nur geringe Möglichkeiten hat, eine Arbeitsstelle zu finden, wobei e ine solche gemäss seinen eigenen Aus- sagen massgebend wäre, um seinen derzeitigen Zustand, welcher ihn in die Delinquenz geführt hat, zu überwinden. Demnach erhellt, dass von einer ungü nstigen Prognose auszugehen ist, weshalb – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – der t eilbedingte Strafvollzug nicht zu ge- währen ist. 2.15 Es zeigt sich somit, dass die Erwägungen des Strafgerichts b etreffend die Strafzu- messung durchwegs zutreffend sind, weshalb auf diese ver wiesen werden kann. Dementspre- chend erweist sich die Berufung des Beschuldigten in dies em Punkt als unbegründet und ist daher in Bestätigung des Urteils des Strafgerichts vom 20. März 2013 abzuweisen. 3. Widerruf der Vorstrafe 3.1 Das Strafgericht Basel-Landschaft führt in seinem Urtei l vom 20. März 2013 aus, der Beschuldigte habe die vorliegend zu beurteilenden Str aftaten während der Probezeit der ein- schlägigen Vorstrafe der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft vom 5. Juli 2010 begangen. Ausserdem sei von einer ungünstigen Prognose auszugehen, weshalb die Vorstrafe für voll- streckbar zu erklären sei. 3.2 Demgegenüber bringt der Beschuldigte mit Berufungserkl ärung vom 16. Juli 2013 vor, zufolge Fehlens einer negativen Prognose könne auf den Widerruf der Vorstrafe verzichtet wer- den. 3.3 Die urteilende Behörde schiebt den Vollzug einer Buss e, einer persönlichen Leistung oder eines Freiheitsentzuges von höchstens 30 Monaten ga nz oder teilweise auf, soweit eine Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Jug endlichen von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 35 Abs. 1 de s Bundesgesetzes über das Jugend- strafrecht, JStG, SR 311.1), wobei die Art. 29 bis 3 1 JStG für aufgeschobene Strafen sinnge- mäss zur Anwendung kommen (Art. 35 Abs. 2 JStG). Gemäss Ar t. 31 Abs. 1 JStG verfügt die über die neue Tat urteilende Behörde oder, bei Verstoss gegen die Weisungen, die Vollzugsbe- hörde den Vollzug eines Teils oder der ganzen Reststrafe (Rückversetzung), wenn der bedingt entlassene Jugendliche während der Probezeit ein Verbr echen oder Vergehen begeht oder trotz förmlicher Mahnung den ihm erteilten Weisungen zuwider handelt und deswegen zu er- warten ist, dass er weitere Straftaten verüben wird. 3.4 Im vorliegenden Fall wurde der Beschuldigte mit Stra fbefehl der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft vom 5. Juli 2010 wegen eventualvorsätzl ich begangener Sachbeschädigung schuldig erklärt und zu einer Busse von CHF 1'800.--, dav on CHF 500.-- unbedingt und CHF 1'300.-- bedingt vollziehbar, verurteilt, wobei in Bezug auf den bedingt vollziehbaren Teil der Busse eine Probezeit von 12 Monaten festgesetzt wurd e (act. 19 ff.). Unbestrittenermassen hat der Beschuldigte die vorliegend zu beurteilenden Delikte teilweise innerhalb der Probezeit begangen. Strittig und daher zu prüfen ist allerdings, ob zu erwarten ist, dass der Beschuldigte weitere Straftaten verüben wird, mithin ob eine ungü nstige Legalprognose vorliegt. Diesbezüg- lich kann ohne Weiteres auf die vorstehenden Ausführungen betreffend die Legalprognose hin- sichtlich des bedingten Strafvollzugs (Ziffer 2.13) verwiese n werden, wonach B.____ in seinem forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 28. Juni 2012 sowie m it seinen heutigen Ausführun- gen vor Kantonsgericht dargelegt hat, dass von einer ung ünstigen Prognose auszugehen ist. Wie vorstehend (Ziffer 2.14) erörtert wurde, kann au f diese Ausführungen zweifelsohne abge- stellt werden. Es zeigt sich daher, dass zu erwarten ist, dass der Beschuldigte weitere Strafta- ten verüben wird, weshalb sämtliche Voraussetzungen des Widerrufs der Vorstrafe erfüllt sind und das Strafgericht die mit Strafbefehl der Jugendan waltschaft vom 5. Juli 2010 teilbedingt ausgesprochene Busse zu Recht vollziehbar erklärte. Die Berufung ist in diesem Punkt daher abzuweisen. 4. Massnahme 4.1 Mit Urteil vom 20. März 2013 legt das Strafgericht dar , die dem Beschuldigten vorge- worfenen und der Adoleszenz-Delinquenz zuzuordnenden T aten stünden gemäss dem foren- sisch-psychiatrischen Gutachten vom 28. Juni 2012 mit der beim Beschuldigten diagnostizierten Störung der Persönlichkeitsentwicklung im Zusammenhang. Eine geeignete und das Rückfallri- siko in erneute Delinquenz reduzierende Therapiemöglichkeit bestünde in einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 Abs. 1 StGB, wo für die Voraussetzungen erfüllt seien. Der Beschuldigte lehne eine Platzierung in einer Massna hmeeinrichtung zwar ab, wobei er je- doch weder konkrete noch fundierte Argumente dagegen vo rbringe. Die Massnahme sei sinn- voll und dringend indiziert, zumal sie die einzige und w ohl letzte Chance für den Beschuldigten sei, seinem Leben eine Wende zum Positiven zu geben. Auch sei er inhaltlich nicht grundsätz- lich gegen die Massnahme. Hinzu komme, dass er selbst offe nsichtlich nicht in der Lage sei, sich zu helfen oder Hilfe zu organisieren. Der Beschuldigt e werde daher in eine Einrichtung für Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht junge Erwachsene eingewiesen und der Vollzug der ausge sprochenen Strafe entsprechend aufgeschoben. 4.2 Der Beschuldigte hingegen bringt mit Berufungserklär ung vom 16. Juli 2013 vor, er lehne eine solche Massnahmeeinrichtung weiterhin ab, we shalb es keinen Sinn mache, eine Massnahme anzuordnen. Die Hoffnung, dass er sich schlussendl ich doch aufraffen werde, sei mehr als vage. Dementsprechend sei von einer Massnahme abzusehen. 4.3 Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung vor dem Ka ntonsgericht führt die Staatsanwaltschaft an, der Beschuldigte habe vor Kanto nsgericht die Bereitschaft gezeigt, eine Massnahmeeinrichtung zumindest anzuschauen und sich ein ei genes Bild davon zu machen, weshalb die Anordnung einer Massnahme sinnvoll sei. 4.4 Gemäss Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordne n, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten de s Täters zu begegnen (lit. a), ein Behand- lungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche S icherheit dies erfordert (lit. b) und die Voraussetzungen der Art. 59–61, 63 oder 64 StGB erfüll t sind (lit. c). War der Täter zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jahre alt und ist er in seiner Persönl ichkeitsentwicklung erheblich gestört, so kann ihn das Gericht gemäss Art. 61 Abs. 1 StGB in eine Einrichtung für junge Erwachsene einweisen, wenn der Täter ein Verbrechen oder Verge hen begangen hat, das mit der Störung seiner Persönlichkeitsentwicklung im Zusammenhang steht ( lit. a) und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit der Störung seiner P ersönlichkeitsentwicklung im Zusam- menhang stehender Taten begegnen (lit. b). Das Erfor dernis der Eignung der Massnahme im Sinne von Art. 61 Abs. 1 lit. b StGB setzt voraus, dass d ie Störung der Persönlichkeitsentwick- lung zum einen generell überhaupt therapierbar ist ( generelle Therapierbarkeit), zum anderen muss eine Kooperationsbereitschaft des Täters vorliegen (i ndividuelle Therapierbarkeit). Sind die Voraussetzungen sowohl für eine Strafe wie für ei ne Massnahme erfüllt, so ordnet das Ge- richt beide Sanktionen an (Art. 57 Abs. 1 StGB). Gemä ss Art. 57 Abs. 2 StGB geht der Vollzug einer Massnahme nach den Art. 59–61 StGB einer zuglei ch ausgesprochenen sowie einer durch Widerruf oder Rückversetzung vollziehbaren Freiheitsstrafe voraus. 4.5 Vorliegend strittig ist einzig die individuelle Thera pierbarkeit, mithin ob die Massnahme gegen den Willen des Beschuldigten angeordnet werden kann. Da die übrigen Voraussetzun- gen nicht bestritten werden, kann hiezu auf die Erwägun gen des Strafgerichts (IV. des ange- fochtenen Urteils) verwiesen werden. 4.6 Die individuelle Therapierbarkeit des Täters setzt vora us, dass der Betroffene einer Behandlung überhaupt zugänglich ist. Mithin wird ein Mindestmass an Motivation gefordert (BGE 123 IV 113, E. 4c/dd; M ARIANNE HEER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 59 N 63). Indes ist ein ursprüngliches Fehlen von Kooperati onsbereitschaft bei den fraglichen Straftätern in vielen Fällen nicht untypisch, und die Herstellung der Motivation stellt ein wichti- ges Vollzugsziel dar. Namentlich bei den Massnahmen für junge Erwachsene nach Art. 61 StGB geht es nicht nur um die Vermittlung von berufsty pischen Kenntnissen und Fertigkeiten. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vielmehr soll auch eine konstruktive Arbeitshaltung h ergestellt werden, die solchen Straftätern im Alltag gerade gefehlt hat (M ARIANNE HEER , a.a.O., Art. 61 N 42). Dementsprechend sind an die Therapiewilligkeit nicht allzu strenge Anforderun gen zu stellen. Stattdessen stellt die Errei- chung der Therapiemotivation nicht selten den ersten Sch ritt im Rahmen der Behandlung dar (MARIANNE HEER , a.a.O., Art. 59 N 78). Erfahrungen aus der Praxis zei gen, dass bei etwa der Hälfte der Täter eine ursprünglich fehlende Therapiew illigkeit im Verlauf der Behandlung erar- beitet werden kann. Es erscheint daher sinnvoll, zu Begi nn einer Therapie die allenfalls fehlen- de Motivation nicht überzubewerten. Insofern ist anstatt einer Motivation lediglich eine gewisse Motivierbarkeit zu verlangen (BGer 6P.73/2006 vom 29. Jun i 2006, E. 7.3; M ARIANNE HEER , a.a.O., Art. 59 N 79 f.; S TEFAN TRECHSEL /B ARBARA PAUEN BORER , Praxiskommentar StGB, 2. Aufl. 2013, Art. 61 N 10). 4.7 Aufgrund der vom Beschuldigten heute zu Protokoll ge gebenen Aussagen zeigt sich, dass sich sein Alltag seit der erstinstanzlichen Hauptverhan dlung nicht verändert hat. Nach wie vor stehe er am Morgen zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr auf. Seit sein Computer einen Defekt habe, könne er nicht mehr wie früher im Internet na ch einer Arbeitsstelle suchen. Im Übrigen habe er regelmässigen Kontakt mit dem Sozialamt, damit er die Unterstützungsbeiträge erhalte. Manchmal verbringe er noch Zeit mit seinem Freundeskreis, jedoch nur selten. Sie würden dann jeweils am Bahnhof in F.____ Zeit verbringen (S. 7 f. des Protokolls der kantonsgerichtli- chen Hauptverhandlung). Befragt nach seinen Zukunftsplä nen macht der Beschuldigte sodann geltend, er möchte eine Arbeitsstelle erhalten, wobei er eine solche im Bereich Verkehr bevor- zuge. Ausserdem würde er gerne die Wohnung wechseln. A nsonsten habe er keine Zukunfts- pläne und lasse alles auf sich zukommen (S. 10 des Protoko lls der kantonsgerichtlichen Haupt- verhandlung). Es zeigt sich somit, dass der Beschuldigte n ach wie vor ein Leben ohne jegliche Struktur, Inhalt und Zukunftspläne führt. Dabei scheint er sich bewusst zu sein, dass die derzei- tige Situation nicht von Dauer sein kann, zumal er heu te zu Protokoll gibt, die Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängende Abhängigkeit von der So zialhilfe sei ein Notzustand, wel- chen er nur dadurch verändern könne, indem er eine Arb eitsstelle finde. Er entspreche aller- dings häufig nicht dem Anforderungsprofil, da er weder über einen Führerschein noch über ei- nen Lehrabschluss verfüge (S. 6 des Protokolls der kanton sgerichtlichen Hauptverhandlung). Gleichwohl will der Beschuldigte keine Lehrstelle suchen (S. 7 des Protokolls der kantonsge- richtlichen Hauptverhandlung). Demzufolge erkennt der B eschuldigte zwar, dass seine heutige Situation keine Zukunft hat, dessen ungeachtet weigert er sich, ernsthaft etwas daran zu än- dern. Es ist folglich davon auszugehen, dass der Beschuldig te seine aktuelle Situation ohne fremde Hilfe nicht überwinden kann, zumal er selbst g eltend macht, dass er Unterstützung brauche (S. 14 des Protokolls der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung). Hinzu kommt, dass der Beschuldigte anlässlich der heutigen Hauptverhandlu ng ausführt, er habe die damaligen Delikte zum Teil aus Freude und zum Teil aus Geldnot begangen (S. 10 des Protokolls der kan- tonsgerichtlichen Hauptverhandlung). Würde der Beschuldigte sein derzeitiges Leben ohne jeg- liche Tagesstruktur fortsetzen, so wäre davon auszugehen, dass er innert absehbarer Zeit rück- fällig werden würde, sei es aus blosser Freude respektive Langeweile oder sei es aus Geldnot. Dabei ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass der Sachve rständige die Rückfallgefahr als hoch einschätzt. Es ist folglich anzunehmen, dass der Be schuldigte auf sich alleine gestellt Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht fähig ist, dieser hohen Rückfallgefahr zu begegne n. Dass er in den letzten 2,5 Jahren kei- ne neuen Straftaten begangen hat, ist wohl einzig auf den durch das Strafverfahren ausgeübten Druck zurückzuführen. Die vom Sachverständigen empfohlene Massnahme erweist sich daher als einmalige Chance für den Beschuldigten, sein Leben doch noch in eine positive Richtung zu wenden und seinem Alltag Struktur zu verleihen. Es ist di e wohl einzige und letzte Möglichkeit des Beschuldigten, sein Leben in den Griff zu bekommen und nicht in der von ihm als Notzu- stand empfundenen Situation dauerhaft zu verharren. 4.8 Sowohl anlässlich der Begutachtung durch B.____ als auch vor dem Strafgericht hat der Beschuldigte ausgeführt, eine Massnahme für junge E rwachsene wolle er keinesfalls ma- chen. Lieber wolle er eine Freiheitsstrafe verbüssen a ls sich in eine solche Einrichtung zu be- geben (act. 171, 3435 ff.). Anlässlich der heutigen Hau ptverhandlung vor den Schranken des Kantonsgerichts wiederholt der Beschuldigte seine Abne igung gegenüber einer Einrichtung für junge Erwachsene und gibt zu Protokoll, er sei schon oft in Heimen gewesen und wolle dies nicht mehr. Er wolle nicht, dass jemand auf ihn aufpasse (S. 13 ff. des Protokolls der kantons- gerichtlichen Hauptverhandlung). Gleichwohl führt der Beschuldigte aus, er wolle sich eine ent- sprechende Einrichtung für junge Erwachsene, namentlich das Konzept der Einrichtung, anse- hen. Damit gebe er jedoch keine Zustimmung für die A nordnung der Massnahme (S. 17 des Protokolls der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung). A usserdem legt der Beschuldigte vor Kantonsgericht dar, ganz alleine sei es schwierig, nicht rückfällig zu werden. Er brauche fremde Hilfe (S. 14 des Protokolls der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung). Somit erhellt, dass sich die Ablehnung des Beschuldigten vornehmlich nicht gegen die Massnahme an sich richtet, son- dern primär gegen die Einrichtung für junge Erwachsene . Mithin weigert sich der Beschuldigte, sich in eine Institution zu begeben, in welcher er auto ritär überwacht wird. Dass er jedoch Un- terstützung benötigt, scheint ihm vollends bewusst zu sein . Somit besteht von Seiten des Be- schuldigten grundsätzlich keine Verweigerungshaltung in Bezug auf die Massnahme als solche, sondern einzig betreffend die Massnahmeeinrichtung. Ferner kommt hinsichtlich der Einrichtung für junge Erwachsene hinzu, dass sich der Beschuldigte anlä sslich der heutigen Hauptverhand- lung vor dem Kantonsgericht bereit erklärt, eine solch e Massnahmeinstitution sowie deren Kon- zept anzusehen und sich damit auseinanderzusetzen. Somit hält er an seiner früheren absolu- ten diesbezüglichen Abneigung nicht mehr fest. 4.9 Beim Beschuldigten besteht folgerichtig noch keine Ther apiewilligkeit im engeren Sin- ne, wobei die Weigerungshaltung einzig die Massnahmeein richtung betrifft. Gleichwohl erhellt aufgrund der vorstehenden rechtlichen Ausführungen, dass eine Therapiewilligkeit praxisge- mäss zu Beginn der Massnahme gar nicht vorausgesetzt wird. V ielmehr muss eine gewisse Motivierbarkeit des Beschuldigten ausreichen, währenddem der Aufbau einer Motivation in Be- zug auf die Massnahme Teil der Therapie ist. In casu ist die geforderte Motivierbarkeit sodann zu bejahen, zumal der Beschuldigte selbst einsieht, dass er der fremden Hilfe bedarf, und sich seine Weigerungshaltung nicht gegen die Massnahme an sich richtet, sondern einzig gegen die Einrichtung für junge Erwachsene. Überdies hat der Beschuldigte anlässlich der kantonsgericht- lichen Hauptverhandlung aufgezeigt, dass er in seinem sta rren Denken nicht gefangen ist. Vielmehr hat er sich bereit erklärt, sich mit seiner vor eingenommenen Meinung insofern ausei- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht nanderzusetzen, als er eine in Frage kommende Einrichtun g für junge Erwachsene (Massnah- mezentrum für junge Erwachsene G.____ in H.____) sowie deren Konzept besichtigen will. Folglich hat der Beschuldigte dargelegt, dass er seine Haltung und Ansichten hinterfragen kann, mithin nicht mit konsequenter Beharrlichkeit an einer v orgefassten Ansicht festhält, sondern fähig ist, Kritik und andere Haltungen aufzunehmen, sic h damit auseinanderzusetzen und ein- sichtig zu zeigen. Daher ist eine gewisse Motivierbarkeit des Beschuldigten zu bejahen. 4.10 Es zeigt sich somit, dass die Voraussetzungen zur Anordnun g einer Massnahme für junge Erwachsene, insbesondere auch die Therapiewillig keit respektive die Motivierbarkeit des Beschuldigten, erfüllt sind. Zudem erscheint eine solche Massnahme für den Beschuldigten die wohl einzige Möglichkeit zu sein, der negativen Legalpr ognose wirksam zu begegnen und eine nachhaltige Wende in seinem Leben zu vollziehen, hin z u einer positiven Entwicklung. Demzu- folge ist der Beschuldigte in Übereinstimmung mit dem Strafgericht sowie in Anwendung von Art. 61 StGB in eine Einrichtung für junge Erwachsene einzuweisen. Der Vollzug der ausge- sprochenen Strafe ist gemäss Art. 57 Abs. 2 StGB aufzusch ieben. Die Berufung des Beschul- digten ist auch in diesem Punkt abzuweisen. III. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. En tsprechend dem Ausgang des vor- liegenden Verfahrens werden die Verfahrenskosten des Ka ntonsgerichts in der Höhe von CHF 6'150.--, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von C HF 6’000.-- (§ 12 Abs. 1 der Verord- nung über die Gebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.3 1) und Auslagen von CHF 150.--, so- wie die Auslagen für den Beizug des Sachverständigen vo n CHF 1'505.-- dem Beschuldigten auferlegt. 2. Mit Verfügung des Präsidenten der Abteilung Strafrech t des Kantonsgerichts Basel- Landschaft vom 22. Juli 2013 wurde dem Beschuldigten für das Rechtsmittelverfahren die amt- liche Verteidigung bewilligt. Anlässlich der Hauptverhan dlung reicht der Rechtsvertreter des Beschuldigten seine Honorarnote vom 7. Oktober 2013 ei n, welche einen Aufwand von 17 Stunden à CHF 180.-- (§ 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte, TO, SGS 178.112) ausweist. Dabei wurde für die Vorbereitu ng der kantonsgerichtlichen Hauptver- handlung ein Aufwand von 9 Stunden geltend gemacht. D ieser Aufwand erscheint indessen zu hoch und steht nicht in einem angemessenen Verhältnis zum tatsächlich notwendigen Aufwand für das vorliegende Verfahren. Ob der besonders grosse Aufwand daraus resultiert, dass sich der amtliche Verteidiger Simon Berger von seinem Kolle gen Dr. Andreas Leukart substitutions- weise vertreten liess, kann vorliegend offen gelassen we rden, zumal der Mehraufwand zufolge Substitution nicht im Rahmen der amtlichen Verteidig ung zu entschädigen ist. Dementspre- chend ist der geltend gemachte Aufwand um 4 Stunden zu reduzieren. Für die kantonsgerichtli- che Hauptverhandlung sind ausserdem 4,5 Stunden einzusetzen, weshalb dem Rechtsvertreter des Beschuldigten für seine Bemühungen im Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 3'179.75 (inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertste uer von CHF 254.40, insgesamt somit CHF 3'434.15, aus der Gerichtskasse zu entrichten ist. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung de r amtlichen Verteidigung an den Kanton sowie zur Erstattung der Differenz zwischen der a mtlichen Entschädigung und dem vol- len Honorar an die Verteidigung verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er- lauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Demnach wird erkannt: ://: I. In Abweisung der Berufung des Beschuldigten wi rd das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 20. März 2013 vollumfän glich bestätigt. II. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 6'150. --, beinhaltend eine Gebühr von CHF 6'000.-- sowie Auslagen von CHF 150 .--, sowie die Auslagen für den Beizug des Sachverständigen v on CHF 1'505.-- gehen zu Lasten des Beschuldigten. III. Zufolge Gutheissung der amtlichen Verteidigung für das Rechtsmit- telverfahren wird dem Rechtsvertreter des Beschuldigten , Advokat Simon Berger, ein Honorar von CHF 3'179.75 (inklusive A uslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer von CHF 254.40, insgesamt somit CHF 3'434.15, aus der Gerichtskasse entrichtet. Der Beschuldigte, der zu den Verfahrenskosten verurteilt wurde, wird verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung zurückzuz ahlen und der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlich en Entschä- digung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Dominik Haffter