Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 20. Mai 2020 (810 20 79) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen / Errichtung einer Beistandschaft Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen, Claude Jeanneret , Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Yves Waldmann, Advokat gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Vorinstanz Betreff Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen / Errichtu ng einer Bei- standschaft (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 4. Februar 2020) A. Mit Schreiben vom 18. Juni 2017 reichte C.____ bei der Kindes- und Erwachsenen- schutzbehörde B.____ (KESB) eine Gefährdungsmeldung be treffend seine Nichte, A.____, ge- boren am 8. Oktober 1995, ein. Er begründete diese damit, dass seine Nichte von ihrem Gross- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vater ein Vermögen von über Fr. 400‘000.-- geerbt ha be und mit der Verwaltung dieser Erb- schaft überfordert sei. Mit Entscheid vom 22. Juni 2017 bzw. mit Rektifikat vom 23. Juni 2017 entzog die KESB A.____ superprovisorisch den Zugriff a uf alle Konten und Vermögenswerte bei der D.____ AG. Mit Entscheid der KESB vom 11. Juli 2017 wurde dieser superprovisorische Entscheid im Sinne einer (ordentlichen) vorsorglichen Massnahme vollumfänglich bestätigt. B. Am 19. September 2017 wurde A.____, vertreten du rch Dr. Jean-Louis von Planta, Advokat, von der KESB angehört. Im Anschluss an dieses G espräch wurde mit Entscheid vom 22. September 2017 der vorsorglich verfügte Entzug des Zu griffs auf alle Konten und Vermö- genswerte bei der D.____ AG aufgehoben. Für A.____ wurde vorsorglich eine Begleitbeiständin im Sinne von Art. 393 ZGB eingesetzt. Die Beiständin erhielt insbesondere die Aufgabe, A.____ bei der Erledigung der finanziellen Angelegenheiten zu begleiten und zu unterstützen. C. Die Beiständin stellte mit Schreiben vom 11. Janu ar 2018 bei der KESB einen Antrag auf Erweiterung der bestehenden Massnahme. Ihren Antrag begründete sie dahingehend, dass sie für A.____ Zahlungsbefehle und Pfändungsurkunden ha be entgegennehmen müssen und A.____ offensichtlich Schwierigkeiten habe, mit ihrem Geld umzugehen und ihre administrativen Angelegenheiten zu erledigen. D. Mit Entscheid vom 20. April 2018 hob die KESB die für A.____ vorsorglich angeordnete Beistandschaft im Sinne von Art. 393 ZGB auf (Ziffer 1 ) und errichtete eine Vertretungsbei- standschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung ge mäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB (Ziffer 2). Die Beiständin erhielt insbesondere die Aufgabe, A.____ beim Erledigen der administ- rativen Angelegenheiten soweit nötig zu vertreten (Ziffer 2a). Weiter habe die Beiständin sowohl das Einkommen als auch das Vermögen von A.____ sorgfäl tig zu verwalten (Ziffer 2b) und A.____ bei der Suche nach einer geeigneten Arbeits-/Le hrstelle sowie bei Gesprächen mit den Sozialversicherungen zu vertreten (Ziffer 2c). Die Beist ändin wurde ermächtigt, gestützt auf Art. 9 VBVV die umfassende Verwaltung aller Bankkonten und solche der E.____ ohne jegliche Mitwirkung von A.____ vorzunehmen (Ziffer 3). A.____ w urde der Zugriff auf alle Kontobezie- hungen und Vermögenswerte bei der D.____ AG gestützt a uf Art. 395 Abs. 3 ZGB entzogen (Ziffer 4). Die auf dem Konto X.____ lastenden Daue raufträge (Fr. 1‘650.-- für Miete, Übertrag von Fr. 1‘000.-- auf ein Konto von A.____ bei der E._ ___) seien trotz Kontosperre weiterzufüh- ren (Ziffer 5). Der Beiständin wurde gemäss Art. 391 A bs. 3 ZGB die Befugnis erteilt, die Post von A.____ zu öffnen (Ziffer 6). Weiter wurde einer a llfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen (Ziffer 9) und A.____ wurden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 670.- - auferlegt (Ziffer 10). E. Gegen den Entscheid der KESB vom 20. April 2018 er hob A.____, nachfolgend vertre- ten durch Dr. Yves Waldmann, Advokat, mit Eingabe vom 2 4. Mai 2018 Beschwerde beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- un d Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragt, es sei der Entscheid der KESB aufzuheben; unter o/e-Kostenfolge. F. Nachdem der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 29. Mai 2018 die Akteneinsicht gewährt worden war, reichte diese mit Eingabe vom 1 8. Juni 2018 eine ergänzende Beschwer- debegründung ein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Eingabe vom 11. Juli 2018 liess sich die KESB ver nehmen und schloss auf Abwei- sung der Beschwerde. Die KESB beantragte, dass der Antra g der Beiständin vom 2. Juli 2018 zu prüfen sei und vorsorgliche Massnahmen zu treffen seien, um das Vermögen von A.____ zu schützen und flüssige Mittel zur Bezahlung der laufenden Rechnungen sicherzustellen. In der Hauptsache wurde vollumfänglich auf den angefochtenen Entscheid verwiesen. H. Mit Entscheid vom 29. August 2018 wies das Kantonsgeri cht die Beschwerde von A.____ ab. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ wieder um Beschwerde an das Bundesge- richt. Mit Urteil vom 14. August 2019 wurde diese Beschwe rde teilweise gutgeheissen. Das Ur- teil des Kantonsgerichts vom 29. August 2018 wurde auf gehoben und die Angelegenheit an die KESB zurückgewiesen, um A.____ persönlich anzuhören und in der Sache neu zu entscheiden. I. Am 11. Oktober 2019 wurde A.____ im Beisein ihres Anwalts von der KESB persönlich angehört. J. Mit Entscheid vom 4. Februar 2020 errichtete die KESB für A.____ eine Vertretungs- beistandschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung ge mäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB (Ziffer 1). Die Beiständin erhielt insbesondere di e Aufgabe, A.____ beim Erledigen der administrativen Angelegenheiten soweit nötig zu vertrete n (Ziffer 1a). Weiter habe die Beistän- din sowohl das Einkommen als auch das Vermögen von A._ ___ sorgfältig zu verwalten (Ziffer 1b) und A.____ bei der Suche nach einer geeigneten Ar beits-/Lehrstelle sowie bei Gesprächen mit den Sozialversicherungen, insbesondere der Invalide nversicherung, zu vertreten (Ziffer 1c). Die Beiständin wurde ermächtigt, gestützt auf Art. 9 VBVV die umfassende Verwaltung aller Bankkonten und solche der E.____ ohne jegliche Mitwirkun g von A.____ vorzunehmen (Ziffer 2). A.____ wurde der Zugriff auf alle Kontobeziehung en und Vermögenswerte bei der D.____ AG gestützt auf Art. 395 Abs. 3 ZGB entzogen (Ziffer 3). Der Beiständin wurde gemäss Art. 391 Abs. 3 ZGB die Befugnis erteilt, die Post von A.____ u mzuleiten und zu öffnen (Ziffer 4). Als Beiständin wurde F.____ ernannt (Ziffer 5). Weiter wurde die Beiständin angewiesen, Behörden und Institutionen sowie Privatpersonen soweit nötig übe r die Beistandschaft zu orientieren (Zif- fer 6a), einen Rechenschaftsbericht einzureichen (Ziffe r 6b) und nötigenfalls Antrag auf Anpas- sung der behördlichen Massnahme an veränderte Verhältnisse zu stellen (Ziffer 6c). A.____ wurden die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'091.-- auferlegt (Ziffer 10). K. Gegen den Entscheid der KESB erhob A.____, nach wi e vor vertreten durch Dr. Yves Waldmann, Advokat, mit Eingabe vom 9. März 2020 erneut Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragt, es sei der Entscheid der KESB aufzuheben; unter o/e-Kostenfolge. L. Mit Eingabe vom 27. März 2020 liess sich die KESB ve rnehmen und schliesst auf Ab- weisung der Beschwerde; unter o/e-Kostenfolge. M. Mit Verfügung vom 14. April 2020 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung überwie- sen und festgehalten, dass das Urteil schriftlich eröffne t werde. Zudem wurden die Akten des Verfahrens 810 18 131 beigezogen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbu ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 kann gegen Entscheide einer Erwachse nenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Das Verfahre n richtet sich nach den Art. 450 bis 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kanton alen Verwaltungsprozessrechts an- wendbar (vgl. § 66 Abs. 2 des kantonalen Gesetzes über di e Einführung des Zivilgesetzbuchs [EG ZGB] vom 16. November 2006). Demnach ist die Fünfe rkammer der Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht des Kantonsgerichts zur Beurtei lung der vorliegenden Beschwer- de zuständig (§ 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), d ie der betroffenen Person nahestehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhe bung oder Änderung des angefochte- nen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin als Adressatin des angefochtenen Ent- scheids ist zur Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch di e übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die Un- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsg ericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3. Strittig ist, ob die Vorinstanz zu Recht für die Besch werdeführerin eine Vertretungsbei- standschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung nach Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB errichtet hat. 4. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die mate riellen Voraussetzungen für eine Vertretungsbeistandschaft und für den Entzug des Zugri ffs auf die Vermögenswerte nicht erfüllt seien, namentlich, weil bei der Beschwerdeführerin kein Schwächezustand vorliege. Der von der Vorinstanz behauptete Schwächezustand stütze sich zud em nicht auf genügende Abklä- rungen. Es bedürfe der Feststellung eines Schwächezustands, der einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Störung ähnlich sei, wofür es eine Einschätzung einer Fachperson be- nötige. Die KESB hätte diese erforderlichen Abklärungen tätigen und die nötigen Beweise erhe- ben müssen, um von einem Schwächezustand ausgehen zu können. 5.1 Mit behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes we rden das Wohl und der Schutz hilfsbedürftiger Personen sichergestellt. Eine Beistandschaft ist dann anzuordnen, wenn eine hilfsbedürftige Person infolge eines in ihrer P erson liegenden Schwächezustandes ihre Angelegenheiten nur teilweise oder gar nicht besorg en kann (Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Er- fasst sind auch ausgeprägte Fälle von Unerfahrenheit, Abhängigkeit, Verschwendung oder Misswirtschaft (Y VO BIDERBOST /HELMUT HENKEL , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom- mentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Auflage, Basel 2018, N 13 zu Art. 390 ZGB). Dies ermöglicht bei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständliche Hilfe auch in Fällen, in welchen der Schwäch ezustand nicht eindeutig unter die Be- griffe "geistige Behinderung" oder "psychische Störung" subsumierbar ist, die betroffene Person aber gleichwohl daran gehindert ist, ihre Angelegenh eiten hinreichend besorgen zu können (BIDERBOST /HENKEL , a.a.O., N 14 zu Art. 390 ZGB; P HILIPPE MEIER , in: Büch- ler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKommentar, Erw achsenenschutz, Bern 2013, N 17 zu Art. 390 ZGB). Der Schwächezustand alleine genügt ni cht, um eine Beistandschaft errichten zu können. Vorausgesetzt ist weiter, dass der Schwächezustand kausal dafür ist, dass die be- troffene Person ihre Angelegenheiten nur noch teilwei se oder gar nicht besorgen kann. Mit an- deren Worten muss ein Schwächezustand dazu führen, dass d er Betroffene der persönlichen Fürsorge bedarf und/oder seine vermögensrechtlichen Angelegenheiten nicht interessengerecht selbst erledigen und damit nicht hinreichend besorgen kann (vgl. CHRISTIANA FOUNTOULAKIS , in: Breitschmid/Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Pr ivatrecht, 3. Auflage, Zü- rich/Basel/Genf 2016, N 4 zu Art. 390 ZGB). 5.2 Es ist primär Sache der Behörde, über ungeklärte o der umstrittene Tatsachen Beweis zu führen (L UCA MARANTA /C HRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Auflage, Basel 2018, N 9 zu Art. 446 ZGB). Sie zieht die erforderlichen Erkundigungen ein und erhebt die n otwendigen Beweise. Sie kann eine ge- eignete Person oder Stelle mit Abklärungen beauftragen. Nötigenfalls ordnet sie das Gutachten einer sachverständigen Person an (Art. 446 Abs. 2 ZGB). Eine Begutachtung ist grundsätzlich anzuordnen, wenn die Aufhebung oder Einschränkung der Handlungsfähigkeit aufgrund einer psychischen Störung oder geistigen Behinderung in Betrac ht gezogen werden muss und der Spruchkörper nicht über die notwendigen medizinischen Ke nntnisse verfügt (BGE 140 III 97 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts 5A_617/2014 vom 1. De zember 2014 E. 4.3). Falls ein Mit- glied der Behörde, das beim Entscheid mitwirkt, über das erforderliche Fach- und Sachwissen verfügt, muss nicht zwingend ein externer Experte oder e ine externe Expertin beigezogen wer- den (HERMANN SCHMID , Erwachsenenschutz, Zürich/St.Gallen 2010, N 6 zu Art. 446 ZGB). Die Begriffe "geistige Behinderung" und "psychische Störung " sind Rechtsbegriffe, die von der Be- hörde grundsätzlich frei ausgelegt werden (M EIER , a.a.O., N 13 zu Art. 390 ZGB; Urteil des Bundesgerichts 5A_550/2008 vom 6. Oktober 2008 E. 3.1). 6.1 Im Urteil des Kantonsgerichts vom 29. August 2018 wird festgehalten, dass die Be- schwerdeführerin nicht nachvollziehbar habe erklären könn en, weshalb sich ihr Vermögen in- nerhalb von 10 Monaten um Fr. 170‘000.-- verringert h abe. Zudem habe die Beschwerdeführe- rin darauf verzichtet, aufzuzeigen, inwiefern ihr der m onatliche Betrag von Fr. 1‘000.-- für ihre laufenden Ausgaben (exkl. Miete) nicht ausreiche. Aus dem Auszug des Betreibungsregisters Basel-Landschaft vom 8. Januar 2018 sei hervorgegangen, dass die Beschwerdeführerin ihre Krankenkassenprämien grossmehrheitlich bereits vor der v erfügten Kontosperre nicht bezahlt habe. Gestützt auf die damaligen Akten hat das Kantonsge richt darauf geschlossen, dass die Beschwerdeführerin in der alltäglichen Verwaltung ihr es monatlichen Budgets überfordert und erst Recht nicht in der Lage sei, ihr grosses Bankvermöge n alleine zu verwalten. Ferner habe die Beschwerdeführerin kein Einkommen generiert und be i den Bemühungen, eine Lehre oder ein Praktikum zu finden bzw. zu absolvieren, erhebliche P robleme aufgewiesen. Es sei davon auszugehen, dass sie in absehbarer Zeit nicht von einem Einkommen leben könne und bis auf Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteres auf ihr Vermögen angewiesen sein werde. Im Fall der Beschwerdeführerin müsse von einer grossen Unerfahrenheit und aufgrund fehlender Unterstützung durch Dritte mit einer damit einhergehenden Hilfsbedürftigkeit ausgegangen werden . Eine mildere Massnahme in Form ei- ner Begleitbeistandschaft habe nicht ausgereicht, um den Schwächezustand der Beschwerde- führerin aufzufangen und den Schutz ihres Vermögens genü gend zu gewährleisten. Das Kan- tonsgericht ist gestützt auf die damaligen Akten zum Schluss gelangt, dass die Beschwerdefüh- rerin einen Schwächezustand und eine damit einhergeh ende Hilfsbedürftigkeit im Sinne von Art. 390 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB aufweise und ohne Errichtu ng einer Beistandschaft ihre Angelegen- heiten nicht bzw. nur teilweise besorgen könne. 6.2 Die KESB stellt in ihrem aktuell angefochtenen Ent scheid auf dieselben Begebenheiten ab, welche bereits im Urteil des Kantonsgerichts als Beu rteilungsgrundlagen für den Schwä- chezustand der Beschwerdeführerin herangezogen wurden, mit Ausnahme der persönlichen Anhörung. Die Vorinstanz führt aus, die Situation der Beschwerdeführerin habe sich seit dem letzten KESB-Entscheid vom 20. April 2018 nicht veränder t. Die Beschwerdeführerin gehe kei- ner Erwerbstätigkeit nach und lebe von ihrem Vermögen, welches stetig schrumpfe. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass sie besser mit Geld umgehen könne . Die Beschwerdeführerin sei nach wie vor nicht in der Lage, mit ihrem Vermögen u mzugehen und dieses zu verwalten. Sie könne keine Angaben machen, wieviel Geld ihr monatlich zur Verfügung stehe und wie hoch ihr Kontostand sei. Ihr fehle der Überblick sowie das nöti ge Fachwissen. Unterstützung von der Familie oder von Dritten erhalte die Beschwerdeführerin nicht. Aufgrund von Hinweisen für eine Minderintelligenz sei für die Beschwerdeführerin eine IV-Anmeldung gemacht worden. Aufgrund ihrer Unerfahrenheit sei die Beschwerdeführerin auf Hilfe und Vertretung im Bereich Administra- tion, Vermögensverwaltung und bei der Suche einer Arbe its- oder Lehrstelle sowie im Verkehr mit den Sozialversicherungen angewiesen. 7.1 Obschon die Feststellungen im angefochtenen Entschei d zutreffend sein mögen, sind den Akten keine aktuellen Belege oder Beweise zu entneh men, welche Rückschlüsse auf das Unvermögen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit d er Verwaltung ihrer Finanzen zulassen. Seit dem letzten Entscheid sind mittlerweile zw ei Jahre vergangen, in welchen sich trotz bestehender Beistandschaft Situationen zugetragen haben müssen, welche Hinweise auf einen Schwächezustand der Beschwerdeführerin geben könn en, wie beispielsweise Such- bemühungen für eine Praktikums- oder Lehrstelle, Anfragen an die Beiständin für ausserordent- liche Ausgaben, Verschuldungen der Beschwerdeführerin od er Betreibungsbegehren, ein Be- richt der Sozialhilfebehörde. Den Akten lassen sich jedo ch keine solche zeitnahen Belege ent- nehmen. Insbesondere liegt kein aktueller Bericht der z uständigen Beiständin vor, welcher Auf- schluss über die Zusammenarbeit zwischen ihr und der Beschwerdeführerin gibt. 7.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist be i der Annahme eines Schwäche- zustands aufgrund von Unerfahrenheit oder Misswirtschaft Zu rückhaltung geboten (Urteil des Bundesgerichts 5A_773/2013 vom 5. März 2014 E. 4.1, Bot schaft zur Änderung des Schweize- rischen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht un d Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, BBl 2006 7043). Vor diesem Hintergrund lässt es si ch nicht rechtfertigen, bei der Bestäti- gung dieses Schwächezustands auf länger zurückliegende Be lege oder Begebenheiten abzu- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht stellen. Die KESB hat den Schwächezustand der Beschwerde führerin durch aktuelle, objekti- vierbare Unterlagen, aus welchen ihr Unvermögen zur Verm ögensverwaltung hervorgeht, und eine ergänzende psychologische/psychiatrische Fachbeurteilu ng festzustellen. Dabei kann ins- besondere die laufende IV-Abklärung weitere Anhaltspu nkte bieten, zumal Minderintelligenz einen Schwächezustand begründen könnte (vgl. M EIER , a.a.O., N 8 zu Art. 390 ZGB). Im Rah- men einer Neubeurteilung ist ebenfalls abschliessend zu beurteilen und zu begründen, weshalb der Lebenspartner der Beschwerdeführerin nicht als ihr Vertretungsbeistand mit Einkommens- und Vermögensverwaltung in Frage kommt. Zu diesem Zwe ck ist die vorliegende Angelegen- heit an die KESB zurückzuweisen. 7.3 Der in Art. 446 ZGB verankerte Untersuchungsgrundsa tz der Behörde wird durch die Mitwirkungspflicht der am Verfahren beteiligten Person en relativiert (vgl. Art. 448 Abs. 1 ZGB). Die Mitwirkungspflicht besteht auch, wenn sie sich zum Nachteil des zur Mitwirkung Verpflichte- ten auswirkt (BGE 132 II 113 E. 3.2; M ARANTA /A UER /M ARTI , a.a.O., N 7 zu Art. 448 ZGB). Die Beschwerdeführerin kritisiert in ihrer Beschwerde, dass si e nicht begutachtet worden sei, obschon eine solche Begutachtung für die Annahme eine s Schwächezustands erforderlich sei. Damit zeigt sie ihren Willen, bei der Beurteilung ihr es Gesundheitszustandes zielführend mitzu- wirken und sich zur Verfügung zu halten. 8. Zusammenfassend ist erstellt, dass sich die KESB in ihre m Entscheid über die Errich- tung der Vertretungsbeistandschaft nicht auf aktuelle, dokumentierte Begebenheiten gestützt hat, obschon dies vorliegend notwendig gewesen wäre. Die KESB hat dies nachzuholen und anschliessend neu zu entscheiden. Demzufolge wird die A ngelegenheit in Gutheissung der Be- schwerde zur Neubeurteilung im Sinne der vorstehenden Erwägungen an die KESB zurückge- wiesen. 9.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umf assen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegend en Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in de r Höhe von Fr. 1'400.-- sind ausgangs- gemäss der Vorinstanz aufzuerlegen. Der von der Beschwer deführerin geleistete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist ihr zurückzuerstatten. 9.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Der Rechtsvertreter de r Beschwerdeführerin macht in sei- ner Honorarnote vom 5. Mai 2020 einen Aufwand für d as kantonsgerichtliche Verfahren von 8 Stunden geltend, wobei ein Stundenansatz von Fr. 250 .-- in Anschlag gebracht wird. Dazu kommen Auslagen in der Höhe von Fr. 118.90. Diese Hono rarforderung ist nicht zu beanstan- den. Dementsprechend ist der obsiegenden Beschwerdeführ erin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'282.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % MW ST) zu Lasten der Vorinstanz zuzu- sprechen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 4. Februar 2020 au fgehoben. Die Angelegenheit wird zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ auferlegt. Der gel eistete Kos- tenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird der Beschw erdeführerin zurückerstattet. 3. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ hat der Beschwer- deführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'282.10 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) auszurichten. Vizepräsident Gerichtsschreiberin