B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-675/2023 U r t e i l v o m 1 2 . A p r i l 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Chiara Piras; Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. Parteien A._______, geboren am (…), Burundi, vertreten durch Antonia Schönenberger, Rechtsschutz für Asylsuchende - Bundesasylzentrum Region Bern, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 25. Januar 2023 / N (…). E-675/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer suchte am 5. November 2022 in der Schweiz um Asyl nach (vgl. Akten der Vorinstanz 1210695-[nachfolgend: SEM-act.] 1/2). Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (…) Oktober 2022 illegal in Kroatien einge- reist und gleichentags ebendort registriert worden war (vgl. SEM-act. 6/1). A.b Am 23. November 2022 ersuchte die Vorinstanz die kroatischen Be- hörden gemäss Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu- ropäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin -III-VO) um Übernahme des Beschwerdeführers (vgl. SEM-act. 9/7). A.c Am 19. Dezember 2022 fand das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 Dublin-III-VO (Dublin-Gespräch; vgl. SEM-act. 13/3) statt. Der Beschwerdeführer führte anlässlich des Dublin -Gesprächs, bei wel- chem ihm das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Kroatiens, zur mutmass- lichen Rückk ehr dorthin sowie zu seinem Gesundheitszustand gewährt wurde, im Wesentlichen aus, er habe Burundi am (…) August 2022 verlas- sen und sei über Äthiopien und die Türkei nach Serbien geflogen, von wo aus er nach Bosnien gereist sei. Bei der Grenzüberquerung habe er seinen Pass verloren. Anschliessend habe er zwei Mal versucht, nach Kroatien zu gelangen. Beim ersten Mal habe man ihn verhaftet, misshandelt und zu- rückgeschickt, beim zweiten Mal sei ihm die Einreise gelungen. In Kroatien habe man ihm die Fingerabdr ücke abgenommen und ihn dabei misshan- delt. Es sei ihm de r Weg zum Zug nach Zagreb gezeigt und ein Papier abgegeben worden, gemäss welchem er zur Ausreise innerhalb von sieben Tagen aufgefordert worden sei. Er habe etwas auf Englisch unterschreiben müssen, obwohl er gesagt habe, dass er es nicht verstehe. Die Fingerab- drücke habe man ihm unter Zwang abgenommen und ihm dabei auch eine Waffe gezeigt respektive ihn unter Druck gesetzt. Als er am Bahnhof in Zagreb habe Wasser kaufen wollen, habe man ihm keines verkauft und er sei rassistisch behandelt worden. Nach einem Aufenthalt von einem Tag in Kroatien sei er nach Slowenien, danach über Italien in die Schweiz gereist. Er könne sich eine Rückkehr nach Kroatien nur als Leiche oder in Hand- schellen vorstellen. In medizinischer Hinsicht gehe es ihm nicht gut, er E-675/2023 Seite 3 denke oft an die Erlebnisse und die Schläge der Polizei und bekomme Herzrasen. Er sei beim Arzt gewesen, dieser habe gesagt, er benötige eine Brille. Wenn er alleine sei, würden ihm die Erinnerungen an die Erlebnisse hochkommen. Zudem leide er an (…) und habe auch Schmerzen an (…). Anlässlich des Dublin-Gesprächs wurden keine medizinischen Unterlagen eingereicht. A.d Die kroatischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen der Vorinstanz am 23. Januar 2023 gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin -III-VO zu (vgl. SEM-act. 16/1). B. Mit Verfügung vom 25. Januar 2023 (eröffnet am Folgetag) trat di e Vor- instanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete des- sen Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Der Kanton B._______ wurde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Im Weiteren händigte sie dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, dass eine allfällige Be- schwerde gegen die Verfügung keine aufschiebende Wirkung habe (vgl. SEM-act. 17/14). C. Gegen den Nichteintretensentscheid gelangte der Beschwerdeführer mit Beschwerde vom 2. Februar 2023 an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Vorinstanz anzu- weisen, individuelle Zusicherungen von den kroatischen Beh örden einzu- holen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbringung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren und die Vorinstanz sowie die Vollzugsbehörden im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen anzuweisen, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen. Ferner sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbesondere sei auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Der Beschwerde legte der Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung vom 2 5. Januar 2023, eine Vollmacht vom 1 6. November 2022 und ein E-675/2023 Seite 4 Schreiben der Medic-help vom 30. Januar 2023 mit medizinischen Beila- gen bei. D. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 6. Februar 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG [SR 142.31]). Am selben Tag setzte die Instruktionsrichterin mit superprovisori- scher Massnahme den Vollzug der Überstellung einstweilen aus. E. Mit Eingabe vom 27. Februar 2023 reichte der Beschwerdeführer einen Notfallbericht der C._______ vom 17. Februar 2023 ein, aus welchem die Diagnose (…) ersichtlich ist. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise E-675/2023 Seite 5 einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend im Entscheidzeitpunkt um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 3. 3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser heblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz d er Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 4. 4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BGE 138 I 232 E. 5). 4.2 Der Beschwerdeführer führt aus, die Vorinstanz habe den Sachverhalt nur unzureichend abgeklärt, da er in Kroatien kein Asylgesuch habe stellen können und seine Situation daher anders gelagert sei als die gefestigte und strikte Rechtsprechung zu Kroatien bei Wiederaufnahmeverfahren. Es sei ernsthaft zu befürchten, im Falle einer Überstellung nach Kroatien werde er ohne Durch führung eines Asylverfahrens nach Bosnien -Herzegowina beziehungsweise Serbien abgeschoben. Auch ein Zeitungsartikel vom 22. Dezember 2022 stelle die Situation anders dar, als die «von einem Praktikanten durchgeführte Botschaftsabklärung» zu vermitteln vers uche. Damit sei auch der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. 4.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 106 Abs. 1 AsylG gerügt werden. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten - widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid E-675/2023 Seite 6 wesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsv erfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein- zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be- gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 14 3 III 65 E. 5.2). 4.4 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat sich die Vor - instanz mit allfälligen systemischen Mängeln rechtsgenüglich auseinander- gesetzt. Dabei hat sie sich auf umfangreiche Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien abgestützt, gemäss denen bis heute keine Hinweise auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asyl - und Auf- nahmesystem festgestellt werden konnten. Auf die in der Beschwerde durch die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers geäusserte Polemik hinsichtlich d er Botschaftsabklärung wird vorliegend nicht eingegangen. Die Vorinstanz ist somit auch ihrer Begründungspflicht nachgekommen. 4.5 Aufgrund des Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbe- gründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur Sachverhaltsfest- stellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das dies- bezügliche Hauptbegehren ist abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dublin -III-VO). Im Fall eines sogenannten E-675/2023 Seite 7 Aufnahmeverfahrens (engl.: Take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8 –15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin- III-VO) anzuwenden. Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mit- gliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Nachdem die kroatischen Behörden innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin -III- VO festgelegten Frist dem Aufnahmegesuch der Vorinstanz zugestimmt haben, ist die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben. Das Vorbrin- gen des Beschwerdeführers, er habe in Kroatien kein Asylgesuch einge- reicht, ist für die Bestimmung der Zuständigkeit unerheblich. Die Dublin-III- VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfen- den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 5.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme- bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemi sche Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art . 4 der EU -Grundrechte- charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied- staat die Prüfung der in Kapitel III vorgeseh enen Kriterien fort, um festzu- stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit- gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 5.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin -III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge- nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti- siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu- manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III- VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche E-675/2023 Seite 8 Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 6. 6.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkomme ns vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich- tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per- sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er- geben. 6.2 Im kürzlich ergangenen und als Referenzurteil zu publizierenden Urteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 hat sich das Bundesverwaltungsgericht einlässlich mit der Situation von D ublin-Rückkehrern in Kroatien befasst. Dabei hat es festgehalten, dass im heutigen Zeitpunkt keine Hinweise für die Annahme vorliegen, dass Asylverfahren und die Aufnahmebedingun- gen von Antragstellenden in Kroatien systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin -III-VO aufweisen, die eine Überstellung generell als unzulässig erscheinen lassen. Dies gilt sowohl für das Aufnahmeverfahren (Take charge) als auch für das Wieder- aufnahmeverfahren (Take back, vgl. a.a.O. E. 9.5 ). Selbst unter Berück- sichtigung der auf Beschwerdeebene zitierten Berichte sowie der vom Be- schwerdeführer geschilderten Erlebnisse mit den kroatischen Behörden ist nicht davon auszugehen, Kroatien verstosse zum heutigen Zeitpunkt sys- tematisch gegen seine vertraglichen Verpflichtungen als zuständiger Dub- lin-Mitgliedstaat im Falle einer Rücküberstellung von Asylsuchenden. 6.3 Nach dem Gesagten ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. E-675/2023 Seite 9 7. 7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Selbsteint rittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 auszuüben ist. 7.2 Der Beschwerdeführer macht – hinsichtlich des Kassationsantrags so- wie anlässlich des Dublin-Gesprächs – sinngemäss geltend, dass er in Kro- atien schlecht behandelt worden sei und dort menschenunwürdige Aufnah- mebedingungen herrschten. 7.3 Der Beschwerdeführer konnte vorliegend nicht darlegen, dass die ihn bei einer Rückführung im Rahmen des Dublin -Verfahrens nach Kroatien erwartenden Bedingungen derart schlecht sind, dass diese zu einer Verlet- zung von Art. 3 EMRK führen könnten. Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass er sich nach der Dublin -Rücküberstellung in einer anderen Situation als bei seiner e rsten Einreise nach Kroatien befinden wird (vgl. zit. Urteil des BVGer E -1488/2020 E. 9.4. sowie u.v. Urteil des BVGer D-668/2023 vom 9. Februar 2023 E. 7.2 m.w.H.). Daran vermögen auch die auf Beschwerdeebene zitierten Berichte von NGO’s nichts zu än- dern. Kroatien ist ein Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsys- tem. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zu- stehenden Aufnahmebedingungen könnte sich der Beschwerdeführer an die kroatischen Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. 7.4 7.4.1 Gemäss Schreiben der Medic-help vom 30. Januar 2023 sei der Be- schwerdeführer aufgrund psychischer Beschwerden beim medizinischen Dienst vorstellig geworden. Diesbezüglich habe er über (…), vor allem (…), berichtet und den Wunsch einer psychiatrischen Behandlung geäussert. Zudem liegt ein Notfallbericht der C._______ vom 17. Februar 2023 vor, aus welchem die Diagnose (…) ersichtlich ist. 7.4.2 Diesbezüglich ist festzuhalten, dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellt. Dies ist insbesondere dann der Fall, E-675/2023 Seite 10 wenn Schwerkranke, die durch die Rückführung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfron- tiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlech- terung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensi- vem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung füh- ren würde (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 7.4.3 Eine solche Situation ist vorliegend offenkundig nicht gegeben. Die geltend gemachten physischen und psychischen Beschwerden des Be- schwerdeführers (vgl. E. 7.4.1 supra) erweisen sich als nicht derart gravie- rend, dass er im Falle einer Überstellung nach Kroatien mit dem Risiko einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes konfrontiert wäre (vgl. dazu unter vielen Urteil des BVGer E-5872/2022 vom 6. März 2023 E. 7.2.2). 7.4.4 Die Vorinstanz hielt sodann zutreffend fest, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellenden die erforderliche medizinische Versor- gung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Be- handlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antragstellen- den mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche m edizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologi- schen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Sodann bestehen in Kroatien nebst den staatlichen Einrichtungen auch Angebote von Nichtregierungsorganisationen für die psychische Betreuung, womit von einem genügenden psychologischen Behandlungsangebot auszuge- hen ist (vgl. Urteile des BVGer F -4368/2020 vom 14. Januar 2021 E. 7.3; E-794/2022 vom 5. Mai 2022, E. 7.2). 7.4.5 Die Schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte- nen Verfügung beauftragt sind, haben sodann generell den medizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstel- lung von Asylgesuchstellenden Rechnung zu tragen und die Behörden des zuständigen Mitgliedstaates vorgängig in geeigneter Weise über die spezi- fischen medizinischen Umstände zu informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III- VO). Zum Zeitpunkt der Überstellung wäre allfälligen medizinischen Aspek- ten somit durch die Information an die Behörden des zuständigen Mitglied- staates Kroatien Rechnung zu tragen. Der aktuelle Gesundheitszustand E-675/2023 Seite 11 des Beschwerdeführers führt somit für den Fall einer Überstellung nach Kroatien nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK. 7.5 Aufgrund des derzeitigen Kenntnisstandes ist es sodann nicht ange- zeigt, die Vorinstanz dazu zu verpflichten, bei den kroatischen Behörden Garantien dafür einzuholen, dass diese sich an die von ihnen eingegange- nen völkerrechtlichen Verpflichtungen, inklusive die adäquate und nahtlose medizinische Versorgung sowie eine nahtlose Unterbringung in den Struk- turen halten. Das entsprechende Eventualbegehren ist abzuweisen. 8. Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 9. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver- halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen. Die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht erweisen sich somit als gegenstandslos. Der mit superprovisor ischer Massnahme vom 6. Februar 2023 angeord- nete Vollzugsstopp fällt dahin. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um un- entgeltliche Prozessführung ist gutzuheissen, da von der Prozessbedürf- tigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist und die Rechtsbegehren sich zum Gesuchszeitpunkt nicht als aussichtlos darstellten. Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 65 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-675/2023 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Stefan Trottmann Versand: