Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Dezember 2018 (715 18 293 / 345) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Zusammentreffen verschiedener sachlich kongruenter Leistungsansprüche; zwecks Vermeidung einer Überentschädigung sind Krankentaggelder, die Erwerbsersatz darstel- len, gemäss Art. 28 Abs. 2 AVIG von der Arbeitslosenentschädigung abzuziehen und ge- gebenenfalls zurückzufordern. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Rückforderung A. A.____ war seit Dezember 2010 bei der B.____ AG angestellt. Nachdem sie krankheits- bedingt ab dem 21. Juni 2017 zunächst vollständig und seit dem 12. Juli 2017 nur noch im Um- fang von 50% arbeitsfähig war, löste die Arbeitgebe rin das Arbeitsverhältnis am 15. Januar 2018 unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfr ist per Ende März 2018 auf. Am 11. März 2018 meldete sich A.____ mit Wirkung ab 2. April 20 18 zum Bezug von Arbeitslosenentschädi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung und tags darauf zur Arbeitsvermittlung an. Dabei gab sie an, im Umfang von 50% arbeits- fähig zu sein und ein Taggeld der Krankenversicherung zu beziehen. B. Am 23. April 2018 reichte die Versicherte das Formul ar betreffend die Angaben der versi- cherten Person für den Monat April 2018 ein. Sie gab an, im April 2018 im Umfang von 50% arbeitsfähig gewesen zu sein. Am 26. April 2018 richte te ihr die öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland gestützt auf ein versichertes Taggeld von Fr. 164.25 nach Abzug von zehn allgemei- nen Wartetagen eine Arbeitslosenentschädigung von netto Fr. 1‘663.05 aus. Am 24. Mai 2018 reichte die Versicherte der Kasse auf Aufforderung hin die Taggeldabrechnungen der C.____ vom 18. April 2018 ein. Daraus ging hervor, dass ihr gestützt auf eine 50%-ige Arbeitsunfähig- keit für April 2018 ein Krankentaggeld von netto Fr. 2‘149.50 ausgerichtet worden war. C. Mit Verfügung vom 13. Juni 2018 forderte die Kasse von der Versicherten die ihr für April 2018 ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung im Umfang von Fr. 1‘663.05 wieder zurück. Zur Begründung machte sie geltend, dass das von der Kranken taggeldversicherung ausgerichtete Taggeld bei der am 26. April 2018 erstellten Berechnu ng betreffend die Arbeitslosenentschädi- gung noch nicht habe berücksichtigt werden können. Das a usgerichtete Krankentaggeld sei nachträglich anzurechnen, und die für April 2018 ausger ichtete Arbeitslosenentschädigung im Umfang von Fr. 1‘663.05 sei zurückzufordern. Eine hierg egen erhobene Einsprache der Versi- cherten wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 31. Juli 2018 ab. D. Hiergegen erhob die Versicherte am 13. September 2 018 Beschwerde beim Kantonsge- richt des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche rungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die angefochtene Rückforderung dah ingehend zu reduzieren, als ihr für April 2018 noch eine Arbeitslosenentschädigung von netto Fr. 9 51.20 zustehe. Es sei nicht nachvoll- ziehbar, dass ihr trotz einer lediglich hälftigen Arbeit sunfähigkeit im Monat April 2018 keinerlei Arbeitslosenentschädigung zustehe. Da die Krankentaggeldv ersicherung für 50% des versi- cherten Lohnes aufkomme, müsse die Kasse für die verbleib enden 50% des versicherten Lohns aufkommen. Nach Abzug von zehn allgemeinen Wartet agen resultiere auf der Basis ei- nes hälftigen Taggelds von brutto Fr. 93.85 sowie elf entschädigungsberechtigten Tagen eine Arbeitslosenentschädigung im Umfang von netto Fr. 951.20. E. Die Kasse schloss mit Vernehmlassung vom 26. Oktober 201 8 auf Abweisung der Be- schwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass die der Versicherten für April 2018 nach Anrechnung der Versicherungsleistung der Kranke ntaggelder resultierenden Tag- gelder der Arbeitslosenversicherung in Form von Wartet agen zu berücksichtigen seien und deshalb nicht ausbezahlt werden könnten. Auf die übrigen Ausführungen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwä- gungen einzugehen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Jun i 1982 kann der Bundesrat die örtliche Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in Abweichung von Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche rungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 regeln. Gemäss Art. 128 der Verordnu ng über die obligatorische Arbeitslosen- versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 richtet sich die Be- urteilung der Zuständigkeit des kantonalen Versicherungs gerichts nach Art. 119 AVIV. Örtlich zuständig ist gemäss Art. 128 in Verbindung mit Art. 119 Abs. 1 lit. a AVIV das Gericht desjeni- gen Kantons, in dem die Versicherte ihre Kontrollpfl icht erfüllt. Da die Versicherte der Kontroll- pflicht im Kanton Basel-Landschaft nachgeht, ist die ört liche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über di e Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Ka ntonsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG, weshalb auch dessen sachliche Zustän digkeit zu bejahen ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 13. September 2018 ist somit ein- zutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs- recht des Kantonsgerichts bei Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10‘000.—. Im vorlie- genden Fall beträgt der Streitwert der geltend gemachten Rückforderung Fr. 1‘663.05. Damit ist eine präsidiale Zuständigkeit begründet. 2.1 Nach Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 2 5 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (A TSG) vom 6. Oktober 2000 sind unrechtmässig bezogene Leistungen nur zurückzuerstatten, w enn in verfahrensrechtlicher Hin- sicht entweder die für die (prozessuale) Revision oder di e für die Wiedererwägung erforderli- chen Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Voraussetzungen sind in Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG umschrieben, wobei es sich im Wesentlichen um eine Kodif izierung der bisherigen höchstrich- terlichen Rechtsprechung zu den Anforderungen an ein Z urückkommen auf eine rechtsbestän- dig gewordene Verfügung handelt. Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide in Revision gezoge n werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräft ige Verfügungen oder Einsprache- entscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig si nd und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Wird eine solche rückwirkende Korrektur einer Verfügung vorge- nommen, entfällt die rechtliche Grundlage für die zugesprochenen Leistungen. Diese werden im Nachhinein zu unrechtmässigen Leistungen (BGE 122 V 138 ). Diese für die Wiedererwägung formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Vorau ssetzungen gelten auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geldleistung en der Arbeitslosenversicherung, unabhängig davon, ob die zur Rückforderung Anlass geben den Leistungen förmlich oder form- los verfügt worden sind (BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinw eisen; oben, Erwägung 2.1 am Ende). Die für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verfügunge n vorausgesetzte zweifellose Unrichtig- keit liegt praxisgemäss dann vor, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung unrichtig war (Urteil des ehemaligen Eidgen össischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2008: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 23. April 2004, C 214/03, E. 3.1.3; vgl. auch T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2014, S. 573, N 18). 2.2 Den formell rechtskräftigen Verfügungen gleichgestel lt sind auch die im formlosen Ver- fahren ergangenen Entscheide, soweit sie eine mit dem Ablauf der Beschwerdefrist bei formel- len Verfügungen vergleichbare Rechtsbeständigkeit erreich t haben (U ELI KIESER , ATSG- Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 53 Rz 19 und 46). Die für die Wiedererwägung for- mell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Voraussetzun gen gelten deshalb auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geld leistungen der Arbeitslosenversiche- rung, unabhängig davon, ob die zur Rückforderung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder formlos verfügt worden sind (BGE 129 V 110 E. 1.1 mit Hinweisen; oben, Erwägung 2.1 am Ende). 2.3 Die Festlegung einer allfälligen Rückerstattung von Leistungen erfolgt in einem mehrstu- figen Verfahren: In einem ersten Entscheid ist über die Frage der Unrechtmässigkeit des Be- zugs der Leistung zu befinden; hier ist auf Art. 53 ATS G abzustellen. Daran schliesst sich ge- gebenenfalls der Entscheid über die Rückerstattung an, mit dem insbesondere zu beantworten ist, ob – bei der festgestellten Unrechtmässigkeit des Lei stungsbezugs – eine rückwirkende Korrektur erfolgt oder nicht; rechtliche Grundlage daf ür bildet – neben den einzelgesetzlichen Regelungen – Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG. 3. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsb eschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi cherungsträger und Sozialversi- cherungsgericht die Beweise frei, das heisst ohne Bindun g an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (Art. 61 lit. c ATSG; R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 2. Auflage, Basel 2010, N 1001). Für das Beschwerdeve rfahren hat dies zur Folge, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel – unabhängig von wem sie stammen – objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Die Verw altung als verfügende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur da nn als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherun gsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes v orsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sach- verhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Geri cht hat vielmehr jener Sachverhalts- darstellung zu folgen, die es von allen möglichen Gescheh ensabläufen als die wahrscheinlichs- te würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 121 V 47 E. 2a, 115 V 142 E. 8b, je mit Hinweisen). 4.1. Gemäss Art. 22 Abs. 1 AVIG beträgt ein volles Tagg eld grundsätzlich 80% des versi- cherten Verdienstes. Gemäss Absatz 2 derselben Bestimmung erhalten jedoch jene Versicherte ein Taggeld von lediglich 70% des versicherten Verdienstes, die keine Unterhaltspflicht gegen- über Kindern unter 25 Jahren haben, ein volles Tagge ld erreichen, das mehr als Fr. 140.— be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht trägt und keine Invalidenrente beziehen, die einem IV- Grad von mindestens 40% entspricht. Der Tagesverdienst wird ermittelt, indem der Monatsver dienst durch 21,7 geteilt wird (Art. 40a AVIV). Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung beginn t nach einer generellen Wartezeit von fünf Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit. Für Personen ohne Unterhaltspflichten gegenüber Kindern unter 25 Jahren beträgt die Wartezeit bei ein em versicherten Verdienst zwischen Fr. 60‘001.— und Fr. 90‘000.— jedoch zehn Tage (Art. 18 Abs. 1 lit. a AVIG). Unter den Partei- en ist in diesem Zusammenhang zu Recht unbestritten gebl ieben, dass der versicherte Ver- dienst der Beschwerdeführerin gemäss Art. 23 Abs. 1 AVI G zu ermitteln ist und sich bei einem gesuchten Beschäftigungsgrad von 100% (Antrag auf Arbei tslosenentschädigung, Dok 26) auf monatlich Fr. 5‘092.— beläuft (Übersicht Berechnung ver sicherter Verdienst, Dok 97). Die durchschnittliche Monatsentschädigung entspricht bei einem Vermittlungsgrad von 100% somit einem Brutto-Betrag von Fr. 3‘564.25 (Dok 110), und das Taggeld belief sich im April 2018 so- mit richtigerweise auf Fr. 164.25 (Fr. 5‘092.— / 21.7 x 70%). Zu Recht unbestritten geblieben sind im Einklang mit den zitierten Gesetzesbestimmungen schliesslich auch die von der Versi- cherten zu Beginn ihrer Arbeitslosigkeit ab April 2018 zu bestehenden, zehn allgemeinen War- tetage. Hintergrund bildet der Umstand, dass ihr versich erter Jahres-Verdienst im Umfang von Fr. 61‘104.— (12 x Fr. 5‘092.—) über dem in Art. 18 Ab s. 1 lit. a AVIG festgesetzten Grenzbe- trag von Fr. 60‘000.— liegt (Beschwerdebegründung, S. 2). Während die für die Taggeldab- rechnung der Kasse vom 26. April 2018 (Dok 113) massgeben den Berechnungsparameter so- mit zu Recht alle unbestritten geblieben sind, besteht zwischen den Parteien Uneinigkeit in Be- zug auf die Höhe der von der Kasse in der angefochtenen Verfügung vom 13. Juni 2018 in Ab- zug gebrachten Krankentaggelder. Deren Umfang beläuft sich gemäss Abrechnung der C.____ für die Zeit vom 1. bis 30. April 2018 auf Fr. 2‘149.50 (Dok 123). 4.2 Gemäss Art. 28 Abs. 1 AVIG haben Versicherte, die un ter anderem wegen Krankheit vorübergehend nicht oder nur vermindert arbeits- und ve rmittlungsfähig sind, Anspruch auf das volle Taggeld, sofern sie die übrigen Anspruchsvoraussetzun gen erfüllen. Dieser Anspruch dauert längstens bis zum 30. Tag nach Beginn der ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit und ist innerhalb der Rahmenfrist auf 44 Taggelder be schränkt. Ist die versicherte Person be- reits bei Eintritt der Arbeitslosigkeit vorübergehend n icht oder nur vermindert arbeits- und ver- mittlungsfähig, so beginnt die 30-tägige Frist ab dem Zeitpunkt zu laufen, ab welchem die versi- cherte Person die Anspruchsvoraussetzungen vorbehältlich ihrer Vermittlungsfähigkeit erfüllt. Während des Bestehens von generellen Wartetagen wird b ei vorübergehender Arbeitsunfähig- keit die 30-tägige Frist daher weder aufgeschoben noch unterbrochen (AVIG-Praxis ALE, Direk- tion für Arbeit seco, Fassung Juli 2018, Rz. C166 ff.). Art. 28 Abs. 1 AVIG weicht somit vom Grundprinzip der Arbeitslosenversicherung ab, wonach Leistungen nur bei Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person in Betracht kommen (BGE 117 V 246 f. E. 3c), und erfasst – im Unter- schied zu Art. 15 Abs. 2 Satz 1 AVIG – die Fälle bloss v orübergehend fehlender oder vermin- derter Arbeitsfähigkeit (BGE 126 V 127 E. 3b; G ERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversi- cherungsgesetz, Bd. I, N 5 zu Art. 28). Sinn und Zweck der Ausnahmeregelung besteht darin, trotz Vermittlungsunfähigkeit und damit an sich fehlend er Anspruchsberechtigung Härtefälle zu vermeiden und Lücken im Bereich der "Nahtstellen" zwische n der Arbeitslosenversicherung sowie insbesondere der Kranken- und Unfallversicherung zu schliessen und somit namentlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter anderem bei Krankheit einen vorübergehend zei tlich limitierten Taggeldanspruch beste- hen zu lassen (BGE 128 V 155 E. 3b; ARV 2001 Nr. 21 S. 166 Erw. 6a/b). 4.3 Um beim Zusammentreffen verschiedener sachlich kongru enter Leistungsansprüche eine Überentschädigung zu verhindern, sieht Art. 28 Abs. 2 AVIG allerdings vor, dass Kranken- taggelder, die Erwerbsersatz darstellen, von der Arbeitslosenentschädigung abgezogen werden müssen. Diese Vorschrift steht im Einklang mit Art. 95 Ab s. 1 bis AVIG, wonach eine versicherte Person, die Arbeitslosenentschädigung bezogen hat und sp äter für denselben Zeitraum Tag- gelder der Krankenversicherung erhält, zur Rückerstattung der in diesem Zeitraum bezogenen Arbeitslosentaggelder verpflichtet ist. In Abweichung von Art. 25 Abs. 1 ATSG beschränkt sich die Rückforderungssumme diesfalls auf die Höhe der für denselben Zeitraum ausgerichteten Leistungen. Ein Abzug erfolgt demnach nur insoweit, al s dass die von einer Kranken- Taggeldversicherung ausgerichteten Leistungen den gleich en Zeitraum abdecken. Als anre- chenbare Taggelder von Krankenversicherungen gelten säm tliche Erwerbsersatzleistungen der sozialen und privaten Krankenversicherungen nach KVG und VVG (AVIG-Praxis ALE, a.a.O., Rz. C174; Urteil des EVG vom 14. April 2003, C 303/02 , E. 4.1). Legt Art. 28 Abs. 2 AVIG fest, dass Krankentaggeldleistungen eines Versicherers nach dem VVG von der Arbeitslosenent- schädigung abzuziehen sind, um beim Zusammentreffen versc hiedener sachlich kongruenter Leistungsansprüche eine Überentschädigung zu verhindern, kann eine solche zu Unrecht erhal- tene Leistung der Arbeitslosenversicherung aufgrund der für denselben Zeitraum entrichteten Krankentaggeldleistung aber auch bereits gestützt auf Art. 95 Abs. 1 AVIG zurückgefordert werden (BGE 142 V 448 E. 5.3; oben, Erwägungen 2.1 ff.). 5.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass ihr f ür die Kontrollperiode April 2018 eine zu hohe Arbeitslosenentschädigung ausgerichtet worden ist . Sie ist jedoch der Auffassung, dass die Rückforderung der Kasse zu hoch ausgefallen ist, und sie in dieser Kontrollperiode Anrecht auf eine Arbeitslosenentschädigung von brutto F r. 1‘032.35 besitze. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Sie geht bei ihrer in der Beschwerde vorgebrachten Aufstellung fälschlicherweise davon aus, dass die Kasse lediglich 50% ihres versicherten Pensums mit den Krankentaggeldern zu verrechnen hat. Hintergrund des Irrtums der Beschwerdeführerin bildet mit anderen Worten die Tatsache, dass die Kasse die ihr zustehende Arbeitslosenentschädi- gung ursprünglich zu Recht auf der Basis eines versichert en Pensums von 100% und nicht nur eines hälftigen Pensums vorgenommen hat. Diese Vorgehensw eise steht im Einklang mit Art. 28 Abs. 1 AVIG, wonach die Versicherte während den ersten 30 Tagen ihrer 50%-igen Ar- beitsunfähigkeit – mithin während des ganzen Monats Ap ril 2018 – Anspruch auf das volle Tag- geld hat. Basis der ursprünglichen Taggeldausrichtung f ür April 2018 bildete somit nicht etwa ein nur hälftiges Arbeitspensum, sondern ein versichert er Verdienst von Fr. 5‘092.— und damit ein Vollzeitpensum, aufgrund dessen ein Taggeld in der Höhe von Fr. 164.25 resultiert (oben, Erwägung 5.1). Bei einem versicherten Jahresverdienst üb er Fr. 60‘000.— waren von den im April 2018 total 21 entschädigungsberechtigten Tagen s odann zehn allgemeine Wartetage ab- zuziehen, wonach sich für April 2018 eine Arbeitslosenent schädigung im Umfang von brutto Fr. 1‘806.75 bzw. nach Abzug der Beiträge an die Sozi alversicherungen (Art. 22a AVIG) netto Fr. 1‘663.05 ergeben hat (11 x Fr. 164.25). Die der Versicherten von der C.____ für April 2018 ausgerichtete Krankentaggelder beruhen demgegenüber a uf einer Arbeitsunfähigkeit von 50% Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und damit auf einem lediglich hälftigen Restpensum. Die Tatsache, dass die auf einem 100%- Pensum beruhende Arbeitslosentschädigung in masslicher Hi nsicht geringer (netto Fr. 1‘663.05) als die für denselben Zeitraum der Versi cherten ausgerichteten Krankentaggelder (Fr. 2‘149.50) ausfällt, vermag an diesem Zwischenerg ebnis nicht zu ändern. Sie ist vielmehr darauf zurückführen, dass einerseits der versicherte Jahre s-Verdienst, wie er gemäss Art. 23 Abs. 1 AVIG im Umfang von 12 x Fr. 5‘092.— der Bemessun g der Arbeitslosenentschädigung zu Recht zu Grunde gelegt worden ist, tiefer als der von der Krankentaggeldversicherung versi- cherte Jahreslohn im Umfang von Fr. 65‘390.— ausfällt (Dok 123). Ausserdem ist in Erinnerung zu rufen, dass bei einer vorübergehender Arbeitsunfähig keit die 30-tägige Frist gemäss Art. 28 Abs. 1 AVIG während des Bestehens von generellen Wartet agen weder aufgeschoben noch unterbrochen wird (oben, Erwägung 5.2). Wesentlicher Faktor für die trotz Basis eines Vollzeit- pensums in masslicher Hinsicht tiefere Arbeitslosenentschädi gung stellt deshalb auch die Be- stimmung von Art. 18 Abs. 1 lit. a AVIG dar, wonach der Anspruch auf Arbeitslosenentschädi- gung erst nach Bestehen der hier massgebenden Wartezeit von zehn Tagen beginnt. 5.2 Die Grundlage der von der C.____ ausgerichteten Leistungen stellt eine durch Versi- cherungsvertrag abgedeckte Lohnfortzahlungspflicht des eh emaligen Arbeitgebers der Versi- cherten und damit einen Erwerbsersatz dar. Als solches fal len sie zweifelsohne unter die Be- stimmung von Art. 28 Abs. 2 AVIG. Nachdem der Versicher ten gemäss Abrechnung vom 18. April 2018 die entsprechenden Krankentaggelder f ür die Kontrollperiode April 2018 ausbe- zahlt worden waren (Dok 123), resultierte mit Blick auf die ursprüngliche Taggeldabrechnung der Kasse vom 26. April 2018 eine Überentschädigung, w elche die Kasse wegen zweifelloser Unrichtigkeit ohne Weiteres zu korrigieren (Art. 53 A bs. 2 ATSG) und infolge betraglicher Er- heblichkeit entsprechend auch zurückzufordern (Art. 95 AVI G in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG) berechtigt war. Die von ihr in der Folge wiede rerwägungsweise vorgenommene Rück- forderung erweist sich dabei nicht nur hinsichtlich ihr es Bestands, sondern auch in Bezug auf deren Umfang als rechtmässig. Die ausgerichteten Krank entaggelder in der Höhe von Fr. 2‘149.50 (Dok 123) entsprechen auf der Basis eines 100%-Pensums (oben, Erwägung 5.1) 13,9 Taggeldern à Fr. 164.25 (Fr. 2‘149.50 : Fr. 16 4.25). Bei in der fraglichen Kontrollperiode insgesamt 21 entschädigungsberechtigten Taggeldern ver blieben somit noch 7,9 Taggelder, welche in Form von allgemeinen Wartetagen zu berücksichti gen waren und daher nicht ausbe- zahlt werden durften, da der Anspruch auf Arbeitslose nentschädigung erst nach dem Bestehen der massgebenden Wartezeit entstehen kann (Art. 18 Abs. 1 lit. a AVIG). Die von der Kasse unter Berücksichtigung der ausbezahlten Krankentaggeld er wiedererwägungsweise für April 2018 vorgenommene Abrechnung vom 14. Juni 2018 (Dok 133) erweist sich deshalb als zutref- fend. Hintergrund bildet – wie bereits erwähnt (oben , Erwägung 5.1) – der Umstand, dass die der Versicherten ursprünglich ausgerichtete Arbeitslosenen tschädigung in der Höhe von Fr. 1‘663.05 zu Recht auf der Basis eines versicherten P ensums von 100% und nicht nur eines hälftigen Pensums beruht. Nicht die Arbeitslosenentschäd igung wird mit dem Erwerbsersatz desselben Monats, sondern das versicherte Arbeitslosentagg eld-Taggeld (versicherter Ver- dienst : 21,7 x 80 %) mit dem erzielten Tageslohn aus E rwerbsersatz verglichen. Insofern ver- hält es sich nicht anders als in den Fällen, in welchen d as versicherte Brutto-Taggeld mit dem aus einem Zwischenverdienst erzielten Brutto-Tageslohn zu vergleichen ist (Urteil des Bundes- gerichts vom 26. April 2007, C 236/06, E. 3). Soweit d ie Beschwerdeführerin in ihrer Beschwer- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht de demgegenüber von einem Taggeld von lediglich Fr. 93 .85 ausgeht, würde ihre Berechnung dazu führen, dass sie nur die Hälfte der gesetzlich vorgesch riebenen zehn Wartetage zu beste- hen hätte. Dies aber widerspräche nicht nur Art. 18 Abs. 1 lit. a AVIG, sondern würde im Ver- gleich zu jenen Versicherten, welche für die Dauer ein er krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit keinen Erwerbsersatz gemäss Art. 28 Abs. 2 AVIG erhalten haben, letztlich zu einer Überent- schädigung und somit zu rechtsungleichen Ergebnissen führen. 5.3 Zusammenfassend steht fest, dass die Versicherte im Apr il 2018 zeitgleich mit dem Bezug von Krankentaggeldern aufgrund des auf einem Besc häftigungsgrad von 100% berech- neten, versicherten Verdienstes zu Unrecht auch Leistunge n der Arbeitslosenversicherung be- zogen hat. Die Rückkommensvoraussetzung der Wiedererwägun g (Art. 53 Abs. 2 ATSG) auf- grund der noch vor Erlass der Taggeldabrechnung vom 26. April 2018 zugesprochenen Kran- kentaggelder durch die C.____ ist gegeben, und die Ka sse hat die für die Kontrollperiode April 2018 ursprünglich ausbezahlte Arbeitslosenentschädigung deshalb zu Recht im vollen Umfang wieder zurückgefordert. Ergänzend bleibt festzuhalten , dass die Kasse die entsprechende Rückforderung im Umfang von Fr. 1‘663.05 bereits im R ahmen der Abrechnung für die Kon- trollperiode Juli 2018 verrechnungsweise getilgt hat ( Dok 171). Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 6. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.