<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 24 S.77</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">77</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>24</b></span> <span class="ft2"><b>§ 41 lit. c StPO; Vorbefassung des Richters im Fall der Beurteilung eines</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mittäters in einem früheren Zeitpunkt?</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Hat ein Richter einen Mittäter in einem früheren Zeitpunkt beurteilt, so</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ist er im nachfolgenden Verfahren gegen den anderen Mittäter nicht vor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>befasst im Sinn von § 41 lit. c StPO.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Inspektionskommission vom 28. November 2003</span><br/> <span class="ft3">i.S. K. B. c. Bezirksgericht X.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">4. a) Vorerst ist die Frage zu beantworten, ob die Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">eines allfälligen Mittäters in einem früheren Zeitpunkt in Bezug auf</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">78</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">den nunmehr zu beurteilenden Angeklagten eine Vorbefassung und</span><br/> <span class="ft1">damit einen zwingend zu beachtenden Ausschliessungsgrund im Sinn</span><br/> <span class="ft1">von § 41 lit. c StPO darstellt. Vorbefassung im Sinne des Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">bedeutet, dass der Richter eine ähnliche oder qualitativ gleiche Frage</span><br/> <span class="ft1">in einer anderen amtlichen Stellung in einem früheren Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">bereits geprüft hat. Zudem stellt die Beteiligung als Zeuge,</span><br/> <span class="ft1">Sachverständiger oder Anwalt am Verfahren ebenfalls eine unzuläs-</span><br/> <span class="ft1">sige Vorbefassung dar. Entscheidend ist aber, dass es in diesen Fällen</span><br/> <span class="ft1">immer um ein und dieselbe Person geht. Davon unterscheidet sich</span><br/> <span class="ft1">der vorliegend zur Diskussion stehende Fall grundlegend, denn hier</span><br/> <span class="ft1">hatten die Richter im Jahr 2001 noch nicht mit dem Gesuchsteller,</span><br/> <span class="ft1">sondern mit H. zu tun. Dies ist aber keine Vorbefassung, denn im</span><br/> <span class="ft1">damaligen Verfahren mussten die Bezirksrichter den H. betreffenden</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt bzw. ihr Verhalten beurteilen. Ein zwingend zu beach-</span><br/> <span class="ft1">tender Ausschliessungsgrund liegt nicht vor.</span><br/> <span class="ft1">b) (...)</span><br/> <span class="ft1">c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Ausschlies-</span><br/> <span class="ft1">sungsgrund aufgrund einer unzulässigen Vorbefassung der abgelehn-</span><br/> <span class="ft1">ten Richter gegeben ist. Aber auch Gründe, welche objektiv Zweifel</span><br/> <span class="ft1">an der Unbefangenheit der Richter aufkommen lassen, sind nicht</span><br/> <span class="ft1">ersichtlich. Erachtet das Bundesgericht die Beteiligung des Sach-</span><br/> <span class="ft1">richters an der Beurteilung eines Revisionsbegehrens bzw. die er-</span><br/> <span class="ft1">neute Beteiligung eines unterinstanzlichen Richters am Verfahren</span><br/> <span class="ft1">nach Aufhebung des ersten Entscheides im Rechtsmittelverfahren als</span><br/> <span class="ft1">unproblematisch, so muss dies grundsätzlich auch für Fälle gelten, in</span><br/> <span class="ft1">welchen mehrere Angeklagte bezüglich gemeinsam begangener Ta-</span><br/> <span class="ft1">ten zu verschiedenen Zeitpunkten zur Beurteilung kommen. Dies</span><br/> <span class="ft1">zumindest, solange sich nicht aufgrund der konkreten Umstände ein</span><br/> <span class="ft1">Anschein von Befangenheit ergibt. Das ist aber vorliegend, wie oben</span><br/> <span class="ft1">dargelegt, nicht der Fall, weshalb das Ablehnungsbegehren abzuwei-</span><br/> <span class="ft1">sen ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>