Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. September 2021 (715 21 89 / 260) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Zumutbarkeit zum Verbleib am Arbeitsplatz kann wegen mangelhaft abgeklärten Sachverhalts nicht eruiert werden; Rückweisung an Vorinstanz zur weiteren Sachverhaltsabklärung Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber in i. V. Reyhan Zet- ler Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1996 geborene A.____ war seit dem 1. Oktober 2019 für die B.____ Genossenschaft tätig. Mit Schreiben vom 22. März 2020 kündigte er da s Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist per 30. April 2020. Am 22. April 2020 stellte er bei der Öffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Mai 2020. Mit Verfügung vom 3. Juli 2020 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 1. Mai 2020 fü r 31 Tage in der Anspruchsberechti- gung ein. Zur Begründung brachte sie vor, dass der Ver sicherte seine Arbeitsstelle gekündigt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe, ohne dass ihm eine neue Stelle vertraglich zugesichert gewesen sei. Mit Entscheid vom 3. Februar 2021 hiess die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit Basel-Landschaft (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland, die gegen die Verfügung vom 3. Juli 2020 erhobene Einsprache tei lweise gut und reduzierte die Einstell- dauer von 31 auf 28 Tage. Dies begründete sie im Wesen tlichen damit, dass aufgrund der ge- sundheitlichen Probleme des Versicherten ein Abzug von vie r Einstelltagen statt einem, wie es die Arbeitslosenkasse verfügt hatte, zu gewähren sei. B. Dagegen erhob A.____ am 3. März 2021 Beschwerde be im Kantonsgericht Basel-Land- schaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht) . Er beantragte sinngemäss, es sei der Einspracheentscheid vom 3. Februar 2021 aufzuheben und von Einstelltagen abzusehen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, dass die Fortführung des Arbeitsverhältnisses bei sei- ner ehemaligen Arbeitgeberin aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar gewesen sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Mai 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei- sung der Beschwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslo- senversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zu- ständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicher ungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend kommt der Versicherte seinen Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist . Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ger ichtliche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträg er gemäss Art. 56 ATSG, wes- halb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 3. März 2021 ist daher einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Im vorliegenden Fall ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Umfang von 28 Tagen bei einem Taggeld von Fr. 174 .65 und damit ein Streitwert von Fr. 4'890.20 zu beurteilen. Über die Beschwerde ist demnach präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Streitig ist, ob der Versicherte zu Recht infolge s elbstverschuldeter Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV für die Dauer von 28 Tagen ab 1. Mai 2020 in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. 2.2 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person a lles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungs- sanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- u nd Verschuldensprinzip be- herrscht (THOMAS NUSSBAUMER , in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sic her- heit, Arbeitslosenversicherung, Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann [Hrsg.], Basel 2016, S. 2511 Rz. 828). 2.3 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Ein Selbstverschulden im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt dann vor, wenn und soweit der Eintritt oder das Andau- ern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen und Verhältnissen vermeidbaren Ve rhalten der versicherten Person liegt, für das die Versicherung die Haftung nicht übe rnimmt (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Februar 2009, 8C_842/2008, E. 3.2). Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeit sstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). 2.4 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Scha- denminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gren ze grundsätzlich im Zumutbarkeitsgedan- ken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüb- lichen, insbesondere den gesamt- und normalarbeitsvertr aglichen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wie- derbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass die Zumutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle stren- ger beurteilt wird als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). Wenn nicht besondere Umstände vorliege n, darf einer versicherten Person zu- gemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat (ARV 1976 Nr. 18; GERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 116). Die Zumutbarkeit der Fortführung eines Arbeitsverhältn isses beurteilt sich nach den konkreten Umständen (BGE 124 V 234 E. 4b/bb). 2.5 Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenhei ten mit Vorgesetzten oder Ar- beitskollegen vermögen grundsätzlich keine Unzumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhält- nisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 323, C 12 8/96). Belegt die versicherte Person Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht allerdings durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (o der allenfalls durch andere geeignete Be- weismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist, ist grundsätzlich von einer Unzumutbarkeit aus gesundheitlich en Gründen auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 234 E. 4b/bb; Urteile des da- maligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht] vom 6. Dezember 2006, C 161/06, E. 3.2 und vom 9. Februar 2006, C 2 99/05, E. 2.2; je mit Hinweis; G ERHARDS , a.a.O., N. 14 zu Art. 30 AVIG; CHOPARD , a.a.O., S. 123; auch Kreisschreiben des seco über die Arbeitslosenentschädigung [KS ALE] Ziff. D26). Aus Gründen der Rechtssicherheit darf sich die Arbeitslosenkasse nicht mit blossen Behauptungen begnügen, sondern benötigt vielmehr zweck- dienliche Beweismittel, welche primär die versicherte Person im Rahmen der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverhalts be izubringen hat (BGE 124 V 234 E. 4b/bb; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4.1). 2.6 Mobbing ist nach einer auch vom Bundesgericht verwen deten Definition ein systemati- sches, feindliches, über einen längeren Zeitraum anhaltendes Verhalten, mit dem eine Person an ihrem Arbeitsplatz isoliert, ausgegrenzt oder gar von ihrem Arbeitsplatz entfernt werden soll (Ur- teile des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_826/2009, E. 4.2, vom 17. Mai 2010, 4A_32/2010, E. 3.2 und vom 6. April 2010, 4A_245/2009, E. 4.2, je mit Hinweisen). Das Opfer befindet sich oft in einer Situation, wo jede Einzelhandlung unter Umständen als zulässig zu beurteilen ist, jedoch die Gesamtheit der Handlungen das Opfer derart destab ilisieren kann, bis es die Arbeitsstelle verlässt. Mobbing liegt aber nicht schon dann vor, wenn ei n Arbeitskonflikt oder eine schlechte Arbeitsatmosphäre besteht, oder wenn eine angestellte Person aufgefordert wird – selbst wenn es auf eindringliche Weise oder mit der Androhung von Disziplinarmassnahmen oder einer Ent- lassung geschieht – ihren Arbeitspflichten nachzukommen (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Au- gust 2018, 8C_107/2018, E. 5). 2.7 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von A rt. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 21. Juni 1988 über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinkommen; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige ("volontairement") Aufgeben einer Stelle ohne triftigen Grund ("sans motif légiti me") sanktioniert. Damit dürfen bei einer völ- kerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AV IV keine überhöhten Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der ver sicherten Person zu berücksichti- gen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe der Beschäf tigung im Sinne des Übereinkommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hin- weisen). 3. Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 138 V 218 E. 6 mit weiteren Hinweisen; Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtse rheblichen Sachverhalt Abklärungen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspr uchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E . 2; Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsge- richts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismate- rials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverha lt Rechte ableiten wollte (BGE 138 V 218 E. 6). Diese Beweisregel greift erst dann Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rah- men des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu er- mitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu ent- sprechen (Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 8C_662/2015, E. 3.2.). Bestehen erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfest- stellung, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue we- sentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bunde sgerichts vom 1. Juli 2010, 8C_382/2010, E. 3.2.1). 4.1 In seinem Antrag zum Bezug von Arbeitslosenentschädigu ng vom 22. April 2020 gab der Versicherte an, dass er am 23. März 2020 seine Kündigung eingereicht habe, weil die unfaire Umgangsweise seiner Vorgesetzten und deren mangelndes Vertrauen in ihn sowie seine Arbeit ihn derart belastet hätten, dass er sich in psychologische Betreuung habe begeben müssen. Er sei deswegen vom 27. März 2020 bis 30. April 2020 aufgrund einer depressiven Phase krankge- schrieben gewesen. Die gleiche Begründung gab er im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 18. Juni 2020 an. Weiter führte er aus, es sei durch den zwei Stufen höheren Chef bereits nach zwei Wochen nach seinem Arbeitsantritt bemängelt worden, dass er «erst» um 8:30 Uhr zur Arbeit erschienen sei, obwohl beim Vorstellungsgespräch Gleitzei t abgemacht worden sei und er dies mit seinem direkten Vorgesetzten besprochen habe. Er sei von jenem zweithöheren Vorgesetzten beobachtet worden, wenn dieser an seinem Arbeitsplatz vorbeigegangen sei und geschaut habe, ob der Versicherte dort anwesend sei. Wenn der Versicherte dabei in einem Gespräch gewesen sei, habe er sich erkundigen wollen, ob dies arbeitsrele vant sei. Wenn es sich um ein Privatge- spräche gehandelt habe, sei die folgende Bemerkung gemacht worden: «Hast du nichts zu tun?». Auch aus anderen unangenehmen Situationen heraus sei seine Stimmung immer schlechter ge- worden. Er habe am Morgen Probleme mit dem Aufstehe n gehabt und während der Fahrt ins Büro sei er im ÖV fast eingeschlafen. Er habe auch Ang st vor der Arbeit gehabt, habe nicht schlafen können und habe keine Kraft mehr gehabt, sich au f seine Arbeit zu konzentrieren. In seiner Beschwerde vom 3. März 2021 schilderte der Versicherte, dass er aufgrund der belasten- den Arbeitsplatzsituation am 25. Februar 2020 seine Ha usärztin Dr. med. C.____, FMH Allge- meine Innere Medizin, konsultiert habe. Sie habe ihm eine Gesprächstherapie bei einem Psycho- logen empfohlen, was er umgehend in die Wege geleitet habe. Da die Situation am Arbeitsplatz im März 2020 eskaliert sei und er keinen Ausweg mehr gesehen habe, sei er in der Verzweiflung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem Arbeitsplatz ferngeblieben, habe sich krankgemelde t und seine Kündigung am 22. März 2020 kurzerhand eingereicht. Dr. C.____ habe ihn ab dem 27. März 2020 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. In der Folge habe er weiterhin die Gespr ächstherapie bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, besucht. Bei seinem Termi n am 22. April 2020 bei Dr. D.____ habe dieser ihn bis zum 17. Mai 2020 als arbeitsunfähi g erklärt. Dr. D.____ habe keinen Grund gesehen, den Versicherten noch länger als arbeitsunfähi g zu attestieren, da seine krankma- chende Arbeitsplatzsituation bereits per Ende April 2020 beendet gewesen und somit die Ursache seines schlechten Gesundheitszustandes behoben worden sei. A nfang Juni 2020 habe er die Therapie beenden können und habe seither keine Gesundh eitsbeschwerden mehr, sodass er wieder seit dem 13. Juli 2020 eine neue Stelle habe antreten können. 4.2 In medizinischer Hinsicht liegen Arbeitsunfähigkeitsze ugnisse von Dr. C.____ vom 27. März 2020 und von Dr. D.____ vom 22. April 2020 vor, welche eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 27. März 2020 bis 30. April 2020 bzw. vom 22. April bis 17. Mai 2020 attestieren. In ihrem Bericht vom 1. April 2021 schreibt Dr. C.___ _, dass der Versicherte ihre Sprechstunde am 25. Februar 2020 aufgesucht und über ausgeprägte Schlafstörung, Müdigkeit und fehlenden Antrieb geklagt habe. Es habe sich aufgrund der klinischen Befunde und der genauen Anamnese herausgestellt, dass der Versicherte sehr am Arbeitsplatz g elitten habe, gleichzeitig aber auch ängstlich geworden sei, die Arbeit nicht korrekt zu er füllen. Er sei sehr unter Druck gestanden. Sie beurteile dies als psychosoziale Belastungssituation b ei belastenden und krankmachenden Arbeitsplatzbedingungen. Zur genauen Diagnostik habe si e ihn an eine psychologische/psychi- atrische Gesprächstherapie verwiesen. Diese habe er auc h wahrgenommen. Er habe sich so- dann wieder am 27. März 2020 bei ihr völlig verzweife lt gemeldet, da sich die Situation nicht verändert habe. Er sei so stark gekränkt worden, dass er nicht mehr zur Arbeit habe gehen kön- nen, weshalb er in der Folge gekündigt habe. Aus di esem Grund habe sie ihn ab dem 27. März 2020 zu 100 % als arbeitsunfähig attestiert. Die Arbei tsunfähigkeit sei aufgrund der Schilderun- gen des Versicherten arbeitsplatzbedingt gewesen. In di eser Situation sei er auch nicht in der Lage gewesen, eine neue Stelle zu suchen. Erst im Verlauf habe er Distanz gewinnen und wieder auf Arbeitssuche gehen können. Auch aus dem kürzeren A rztzeugnis von Dr. C.____ vom 12. Juni 2020 ist zu entnehmen, dass der Versicherte aufgrund der krankmachenden Arbeitsplatzbe- dingungen die Anstellung gekündigt habe. Aus den Akten ist ein weiteres Arztzeugnis von Dr. C.____ vom 25. August 2020 ersichtlich, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Einsprache gegen die Verfügung am 31. August 2020 bei der Arbeitslosenkasse eingereicht hat. Daraus ist zu e ntnehmen, dass der Versicherte ge- sundheitliche Probleme geschildert habe, die aufgrund der Tätigkeit bei der Arbeitgeberin ent- standen seien. Dabei handle es sich um eine Reaktivdepressi on, Antriebslosigkeit und sozialen Rückzug. Unter der dritten Frage, ob Dr. C.____ aufgrund der eigenen Untersuchungen und me- dizinischen Einschätzung zum Schluss komme, dass es dem Patient en aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar sei, am bisherigen Arbeitsplatz zu bleiben, schildert sie, dass sie dies zu Beginn besprochen hätten, worauf sie ihn in die Gespr ächstherapie geschickt habe. Im Verlauf der Therapie habe er letztlich selber gekündigt, was vom behandelnden Psychologen unterstützt worden sei. Unter Ziffer 6 des Arztzeugnisses hält Dr. C.____ sodann fest, dass der Versicherte wegen krankmachender Arbeitsplatzsituation gekündigt habe. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Es steht unbestrittenermassen fest, dass der Versichert e das Arbeitsverhältnis bei der B.____ am 22. März 2020 unter Einhaltung der ordentl ichen Kündigungsfrist per 30. April 2020 auflöste, ohne dass ihm zum damaligen Zeitpunkt von a nderer Seite verbindlich eine neue Ar- beitsstelle zugesichert gewesen war. Die Frage der Einst ellung in der Anspruchsberechtigung beurteilt sich demgemäss danach, ob dem Versicherten ein Verbleiben an der bisherigen Arbeits- stelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (siehe Erwägung 2.4 hiervor). Die Arbeitslosenkasse stellt sich auf den Standpunkt, dass der Versicherte die Unzumutbarkeit der Aufrechterhaltung des hier massgeblichen Arbeitsverhältnisses nicht habe beweisen können. Es liege kein aussagekräftiger Arztbericht vor, welcher bestätige, dass der Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle ihm gesundheitlich nicht mehr zumutbar gewesen sei. Weder Dr. C.____ noch Dr. D.____ würden in den vorliegenden Zeugnissen genaue Diagnosen stellen oder darlegen, inwie- fern die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses bis zum A uffinden einer neuen Stelle nicht zu- mutbar gewesen sein soll. Hinzukäme, dass keiner der bei den dem Beschwerdeführer eine Selbstkündigung tatsächlich empfohlen hätten. Der Beschwerdeführer sei sodann bei Dr. D.____ gemäss den Akten erst seit dem 22. April 2020 in Behand lung, weshalb dieser ihm die Selbst- kündigung, die am 22. März 2020 erfolgte, zeitlich betrachtet nicht habe empfehlen können. Dass er diesen Entscheid rückblickend unterstütze, werde von ihm nicht angegeben. So oder so könne dies jedoch die ausdrückliche Empfehlung nicht ersetzen. 5.2 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann für d ie Glaubhaftmachung der Unzumutbarkeit zum weiteren Verbleib am bisherigen Ar beitsplatz auch ein nach Kündigungs- zeitpunkt erstelltes Arztzeugnis ausreichen, das bestätigt, dass eine Kündigung aus medizini- schen Gründen angezeigt gewesen sei (Urteil des Bundesger ichts vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 3.1, 3.3). Vorliegend äusserte Dr. C.____ in ihrem Arztzeugnis vom 25. August 2020, dass Dr. D.____ die Kündigung unterstützt habe. D ie Beschwerdegegnerin stellt dazu zu Recht fest, dass Dr. D.____ eine solche Unterstützung einer Selbstkündigung selber nicht ange- geben habe. In den Akten liegt denn auch von Dr. D._ ___ ausschliesslich ein Zeugnis vom 22. April 2020, das dem Beschwerdeführer vom 22. April 2 020 bis zum 17. Mai 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Aus den Arztberichten von Dr. C.____ ist auch nicht zu entnehmen, dass die Kündigung medizinisch angezeigt gewesen sei. Es fe hlen somit Informationen zur Art und Ursache der gesundheitlichen Beschwerden sowie Ausführungen zur Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt der Kündigung. Daraus kann jedoch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass die Kündigung m edizinisch nicht indiziert war. Auch können deshalb dem Beschwerdeführer die Folgen der Beweislosigkeit nicht zur Last gelegt werden, weil er den von ihm geltend gemachten Sachverhalt, aus dem er Rechte für sich ableitet, nicht beweisen kann. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechu ng beschränkt sich seine Mit- wirkungspflicht im Rahmen der Sachverhaltsabklärung auf die Beibringung derjenigen Beweis- mittel, die er in den Händen hat oder die er sich al lenfalls bei Dritten besorgen kann. Muss ein Beweismittel wie etwa ein Arztzeugnis erst noch erstellt werden oder kann dieses von der versi- cherten Person nicht erhältlich gemacht werden, hat di e Verwaltung die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen zu vervollständigen (Urteil des Bundesger ichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 5.1). Nichts Anderes kann bei einem nicht rechtsgenüglichen Arztzeugnis gel- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten. Vorliegend hätte die Arbeitslosenkasse aufgrund der vorliegenden unklaren und nicht rechts- genüglichen Arztzeugnisse der Dres. C.____ und D.____ weitere Abklärungen vornehmen müs- sen, um ihrer Untersuchungspflicht ausreichend nachzukommen. Da Dr. C.____ den Beschwer- deführer zur genaueren Diagnostik an Dr. D.____ verwies en hat und von ihm lediglich ein Ar- beitsunfähigkeitszeugnis vom 22. April 2020 vorliegt, hätte die Arbeitslosenkasse in Nachachtung der Untersuchungsmaxime bei Dr. D.____ als behandelndem Psychiater nachfragen müssen, aus welchen Gründen der Beschwerdeführer in seiner Behandlung stand und welche Diagnosen dabei gestellt wurden (vgl. dazu auch Audit Letter, TC IN, Ausgabe 2013/1, November 2013, S. 7). Weiter hätte sie Dr. D.____ fragen müssen, ob er aus fachärztlicher Sicht die vom Versicherten ausgesprochene Kündigung retrospektiv als indiziert erachtet. Indem vorliegend die Arbeitslosen- kasse darauf verzichtet hat, ergänzende Abklärungen bei Dr. D.____ vorzunehmen, hat sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt (siehe oben, E. 3). 5.3 Aufgrund dieser Ausführungen ist festzuhalten, da ss wegen des mangelhaft abgeklärten Sachverhalts nicht abschliessend beurteilt werden kann, ob der Verbleib des Versicherten bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin B.____ aus gesundheitlichen Gründen zumutbar gewesen wäre. Beruht der angefochtene Entscheid auf einer unvollstän digen Sachverhaltsfeststellung, ist die Beschwerde gutzuheissen und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und zur Neubeurteilung an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen. 6. Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kosten- pflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kos- tenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichts- kosten auferlegen. Da weder das AVIG noch das kantonale Recht (vgl. dazu § 20 VPO) eine Kostenpflicht vorsehen und sich die Parteien weder mutwillig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtl ichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtli chen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschlies- senden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sonder n um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für eine n Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) be- antwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraus- setzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefocht enen Einspracheent- scheid der Öffentlichen Arbeitslosenkasse vom 3. Februar 20 21 aufge- hoben und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Ab klärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfü gung an die Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.