A bteilung III C -730/2006 {T 0/2} U rteil vom 17. Juli 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Trom m er und R ichter Vuille; G erichtsschreiber Birgelen. B._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Einreisebew illigung für S._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er 1986 geborene serbische Staatsangehörige S._______ (nachfolgend: G esuchsteller) beantragte am 19. Septem ber 2006 bei der Schw ei- zerischen Vertretung in Belgrad ein Visum für einen einm onatigen Besuch bei seinem im Kanton Thurgau w ohnhaften C ousin B._______ (nachfol- gend: G astgeber bzw . Beschw erdeführer). D ie Schw eizerische Vertretung w eigerte sich, ein Visum in eigener Kom petenz zu erteilen und leitete das G esuch an das Bundesam t für M igration (BFM ; nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form ellen Entscheid w eiter. B. N achdem das M igrationsam t des Kantons Thurgau beim G astgeber w eite- re Abklärungen getroffen hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch um Bew il- ligung der Einreise m it Verfügung vom 24. O ktober 2006 ab. Zur Begrün- dung w urde ausgeführt, der G esuchsteller stam m e aus einer R egion, aus w elcher der Zuw anderungsdruck als Folge der dort herrschenden w irt- schaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse bekannterw eise nach w ie vor stark anhalte. Viele seiner Landsleute w ürden versuchen, ihren Aufent- halt in der Schw eiz durch Ausschöpfung säm tlicher rechtlicher M ittel zu verlängern, um sich so in U m gehung der bundesrätlichen Begrenzungs- m assnahm en eine verm eintlich bessere Zukunft aufzubauen. Persönlich w ürden ihm in seinem U rsprungsland w eder zw ingende berufliche oder ge- sellschaftliche Verpflichtungen noch fam iliäre Verantw ortlichkeiten oblie- gen, w elche gegebenenfalls G ew ähr für eine fristgerechte R ückkehr bieten könnten. C . In einer an die Vorinstanz gerichteten Beschw erde vom 3. N ovem ber 2006, w elche zuständigkeitshalber an das Eidgenössische Justiz- und Po- lizeidepartem ent (EJPD ) w eitergeleitet w urde, ersuchte der G astgeber sinngem äss um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Ertei- lung des beantragten Visum s. Zur Begründung führt er im W esentlichen aus, dass er aus G ründen der Fairness und M enschlichkeit nichts unver- sucht lassen w olle, seinem C ousin einen einm onatigen Ferienaufenthalt bei ihm in der Schw eiz zu erm öglichen. Er sei m it dem G esuchsteller auf- gew achsen und garantiere persönlich, dass dieser nach seinem Besuchs- aufenthalt die Schw eiz w ieder verlassen w erde. Er selber habe sich noch nie etw as zu Schulden kom m en lassen und arbeite seit m ehreren Jahren beim gleichen Arbeitgeber, w elcher m it ihm sehr zufrieden sei; dies sollte Bew eis genug sein, dass kein M issbrauch zu befürchten sei und sein C ou- sin nach Ablauf der Visum sdauer anstandslos und fristgerecht in sein H ei- m atland zurückkehren w erde. D er Beschw erde w ar ein Zw ischenzeugnis des Arbeitgebers des Be- schw erdeführers beigelegt. D . In ihrer Vernehm lassung vom 20. N ovem ber 2006 spricht sich die Vorin- stanz für eine Abw eisung der Beschw erde aus. D er G esuchsteller kom m e aus einer R egion m it starkem Zuw anderungsdruck und auch seine fam iliä- ren, beruflichen oder gesellschaftlichen Verpflichtungen w ürden keine hin- reichende G ew ähr für eine anstandslose und fristgerechte R ückkehr bie-3 ten: D er G esuchsteller sei jung, ledig, kinderlos und ohne feste Anstellung. D as angebliche Studium in Pristina könne er nicht belegen. Es bestehe zw ar keinerlei Anlass, an der Integrität des G astgebers zu zw eifeln. D ies reiche jedoch nicht aus, um G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise des G astes zu bieten. E. D er Beschw erdeführer verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer R eplik. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes- verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31, Art. 32 sow ie Art. 33 Bst. d des Verw altungsge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der anlässlich des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw er- dediensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge- richtsgesetz nichts anderes vorsieht. D as Bundesverw altungsgericht ent- scheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bun- desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG und Art. 48 Vw VG zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Be- schw erde ist einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211], PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 4 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Vi- sum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D er G esuchsteller bedarf aufgrund seiner N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass eines Visum s. D ie Vorinstanz verw eigerte die Er- teilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 D ie politische und w irtschaftliche Situation in Serbien ist auch Jahre nach Beendigung der bew affneten Auseinandersetzungen und Aufhebung von Boykottm assnahm en schw ierig. O bschon m it der U m setzung von W irt- schaftsreform en das W achstum gesteigert w erden konnte, bleibt die Ar- beitslosigkeit m it einer Q uote von fast 22% (2005) sehr hoch. Von dieser Situation besonders betroffen ist die junge Bevölkerungsschicht im Alter von 15 bis 24 Jahren, die fast zur H älfte arbeitslos ist (vgl. International O rganization of M igration, Serbia Labour M arket Assessm ent, Septem ber 2006, S. 2). D em entsprechend hoch ist der Anteil derer, die sich zur Em ig- ration entschliessen. D er G esuchsteller stam m t aus der G egend von Presevo, einer m ehrheit- lich von Albanern bew ohnten R egion an der G renze zum Kosovo, w elche von der R egierung Serbiens bisher w irtschaftlich vernachlässigt w urde und seit längerer Zeit nach territorialer, w irtschaftlicher und kultureller Autono- m ie strebt. Angesichts dieser schw ierigen Situation könnten Besucher aus dieser R egion nach erfolgter Einreise in die Schw eiz um so m ehr versucht sein, ausländerrechtliche Bestim m ungen zu um gehen. 4. 4.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre 5 Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine an- standslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstel- lern, die in ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entspre- chender Erfahrungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschrifts- gem ässen Verhaltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufent- halt) hoch eingeschätzt w erden. 4.2 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 20-jährigen, ledigen M ann ohne eigene Kinder, w elcher m it dem Beschw erdeführer entfernt verw andt ist (C ousin). Ü ber seine persönlichen und fam iliären Verhältnisse im H ei- m atland ist w eiter nichts bekannt. Es fehlt dem nach an erkennbaren per- sönlichen oder fam iliären Verpflichtungen, die hinreichend G ew ähr für eine R ückkehr abgeben könnten. 4.3 D ie Angaben zu den beruflichen Verhältnissen des G esuchstellers sind ebenfalls nicht transparent. D er G esuchsteller gab auf dem Visum antrags- form ular als berufliche Tätigkeit "H odza" (geistlicher Lehrer) an, ohne je- doch unter der entsprechenden R ubrik einen Arbeitgeber zu bezeichnen. D er Beschw erdeführer w iederum führte gegenüber dem M igrationsam t des Kantons Thurgau aus, der G esuchsteller sei m om entan Student in Pristina. Irgendw elche w eiteren Aufschlüsse oder gar Belege w urden auch dazu nicht geliefert. Selbst w enn es zutreffen sollte, dass der G esuchsteller in Pristina einem Studium nachgeht, so könnte daraus nicht schon auf Ver- hältnisse geschlossen w erden, die verlässlich von einer Em igration abhal- ten könnten. D enn vor dem H intergrund des herrschenden sozialen und w irtschaftlichen U m felds verm ag selbst eine höhere schulische Ausbildung noch nicht ohne w eiteres reelle berufliche Perspektiven zu schaffen. 4.4 Vor dem aufgezeigten H intergrund durfte die Vorinstanz daher zu R echt davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 lit. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie be- reits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - abzulehnen. D er G e- suchsteller hat zw ar eine schriftliche R ückreiseverpflichtung unterzeichnet. D abei handelt es sich jedoch lediglich um eine blosse Absichtserklärung, w elche w eder rechtlich verbindlich noch faktisch durchsetzbar ist. 5. D er Beschw erdeführer w ill in seiner Person G ew ähr für eine anstandslose und fristgerechte W iederausreise des G esuchstellers aus der Schw eiz bie- ten. D ie Integrität des Beschw erdeführers in seiner Eigenschaft als G ast- geber w ird auch von der Vorinstanz in keiner W eise in Zw eifel gezogen. In- dessen geht es bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise nicht so sehr um das Verhalten des G astgebers, sondern vorab um dasjenige des G astes. N ur dieser ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finanzielle R isiken G arantie leisten, nicht aber - m angels rechtlicher D urchsetzbarkeit - für ein bestim m tes Ver- halten des G astes.6 6. Aus vorstehenden Erw ägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist da- her abzuw eisen. 7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv S. 7)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 2. M ai 2007 in gleicher H öhe ge- leisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 252 930 zurück) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: A. Im oberdorf L. Birgelen Versand am :