Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 3. November 2015 (460 15 143) ____________________________________________________________________ Strafrecht Banden- und gewerbsmässiger, teilweise mehrfach versuchter Diebstahl etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Peter Tobler (Ref.) , Richter Edgar Schürmann; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde gegen A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Matthias Aeberli, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand banden- und gewerbsmässiger, teilweise mehrfach ver suchter Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 29. Januar 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil vom 29. Januar 2015 erklärte die Dreier kammer des Strafgerichts Basel- Landschaft A.____ des bandenmässigen Diebstahls, de r einfachen Körperverletzung, des An- griffs, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfa chen Hausfriedensbruchs sowie der mehrfachen Entwendung zum Gebrauch schuldig und ver urteilte ihn zu einer teilbedingt voll- ziehbaren Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren, davon 6 M onate unbedingt, unter Anrechnung der vom 1. September 2010 bis zum 25. Oktober 2010 ausg estandenen Untersuchungshaft von 55 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren für den bed ingten Teil der Strafe (Urteilsdispositiv- Ziffer II.1.). Die Verfahren wegen geringfügiger He hlerei im Anklagepunkt 1.5 (Fälle 15 und 16), wegen geringfügiger Sachbeschädigung im Anklagepunk t 1.13 (Fall 30) und wegen geringfügi- ger Sachbeschädigung im Anklagepunkt 1.18 (Fälle 46 und 47), wegen Diebstahls, Sachbe- schädigung und Hausfriedensbruchs im Anklagepunkt 1 .22 (Fall 2) sowie wegen Sachbeschä- digung im Anklagepunkt 1.23 (Fall 3) wurden demgege nüber aufgrund des Eintritts der Verjäh- rung und das Verfahren wegen mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls im Anklagepunkt 1.17 (Fall 5) infolge Verletzung des Anklageprinzip s gemäss Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StPO eingestellt (Urteilsdispositiv-Ziffer II.2.a). A.__ __ wurde überdies von der Anklage des Dieb- stahls im Anklagepunkt 1.17.2 (Fall 22), von der An klage des Diebstahls sowie des Hausfrie- densbruchs im Anklagepunkt 1.17.4 (Fälle 33 und 39) , von der Anklage des Diebstahls im An- klagepunkt 1.17.5 (Fall 37), von der Anklage des Di ebstahls im Anklagepunkt 1.17.6 (Fall 38), von der Anklage des mehrfachen Fahrens in fahrunfäh igem Zustand im Anklagepunkt 2.3.2 (Fälle 33 und 39), von der Anklage der versuchten schweren Körperverletzung im Anklagepunkt 5.4 (Fall 48), von der Anklage des gewerbsmässigen Diebstahls im Anklagepunkt 1.19.2 sowie von der Anklage der qualifizierten Sachbeschädigung im Anklagepunkt 1.20 freigesprochen (Urteilsdispositiv-Ziffer II.2.b). Hinsichtlich der Entscheide bezüglich der Beschlagnahmungen bzw. Einziehungen sowie der gegenüber A.____ erhobe nen Zivilforderungen kann auf die Zif- fern II.3.a und b sowie VI. des vorinstanzlichen Ur teildispositivs verwiesen werden. Schliesslich gingen die den Beschuldigten betreffenden Verfahren skosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 12‘554.75 und der Gerichtsgeb ühr von CHF 5'000. ‒, zu Lasten des Beschuldigten (Ziffer II.4 des Urteil-Dispositivs), und die Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt CHF 12‘522.20 (inkl. Auslagen un d Mehrwertsteuer) wurden unter Vorbe- halt der Rückzahlungsverpflichtung des Beurteilten nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Ge- richtskasse entrichtet (Urteilsdispositiv-Ziffer II.5). Zudem wurden mit gleichem Urteil des Strafgerichts vom 29. Januar 2015 Schuldsprüche und Strafen gegenüber vier weiteren Beschuldigten ausge sprochen, nämlich B.____, C.____, D.____ und E.____. Betreffend der im Einzelnen gege nüber diesen Mitbeschuldigten ausge- sprochenen Strafen wird auf das Urteil der Vorinsta nz (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 137 ff., Ur- teilsdispositiv-Ziffern I., III., IV., und V.) sowi e auf Ziffer II.2.7 der vorliegenden Urteils verwie - sen. Da hinsichtlich dieser Personen von keiner Sei te Berufung erhoben wurde, ist das strafge- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht richtliche Urteil gegenüber den genannten Beurteilt en per Urteilstag in Rechtskraft erwachsen (Art. 437 Abs. 1 lit. a und Art. 437 Abs. 2 StPO). Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Urteils eingegangen. B. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte mit S chreiben vom 3. Februar 2015 die Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 2. Ju ni 2015, die bereits eine Begründung ent- hält, liess der Beschuldigte Folgendes beantragen: "1. Es sei das Urteil des Strafgerichts vom 29. Januar 2015 insoweit abzuändern, als dass der Berufungskläger zu einer bedingt vollziehb aren Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu verurteilen sei. 2. Es sei dem Berufungskläger auch für das Beruf ungsverfahren vor zweiter Instanz weiterhin die amtliche Verteidigung mit dem unterze ichneten Advokaten zu bewilli- gen. 3. Unter o/e-Kostenfolge. 4. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird beantr agt, die Verfahrensakten des Strafge- richts beizuziehen. " C. Demgegenüber beantragte die Staatsanwaltschaft Bas el-Landschaft in ihrer Stellung- nahme vom 31. August 2015 die vollumfängliche Abweisung der Berufung. D. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügung en des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurde mit Verfügung vom 20. Juli 2015 festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft, die Privatklägerschaft sowie die Beschuldigten B.____, C.____, D.____ und E.____ weder Berufung noch Anschlussberu fung erhoben haben. Entsprechend wurde vermerkt, dass das vorstehende Verfahren einzig mit dem Beschuldigten und Berufungs- kläger A.____ fortgeführt wird. Mit gleicher Verfügung wurde dem Beschuldigen und Berufungs- kläger A.____ die amtliche Verteidigung mit Dr. Mat thias Aeberli für das zweitinstanzliche Ver- fahren bewilligt. E. Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Kanton sgericht, Abteilung Strafrecht, er- scheinen der Beschuldigte mit seinem amtlichen Vert eidiger Dr. Matthias Aeberli sowie Staats- anwalt S.____. Beide Parteien halten an ihren bereits schriftlich gestellten Anträgen vollumfäng- lich fest. Auf die Aussagen des zur Person und zur Sache eingehend befragten Beschuldigten Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie auf die Parteivorträge wird, soweit erforderl ich, nachfolgend in den Erwägungen einge- gangen. Erwägungen I. Formelles Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanz licher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (Art. 398 Abs. 1 StPO). Das Urteil des Strafge- richts Basel-Landschaft vom 29. Januar 2015 ist dem gemäss mit Berufung anfechtbar. Die Zu- ständigkeit der Dreierkammer der Abteilung Strafrec ht des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes vom 12. M ärz 2009 zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung (EG StPO; SGS 250). Die Legitimation de s Beschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmittels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert. Gemäss Art. 398 Abs. 3 lit. a StPO können zunächst Rechtsverletzungen, einschliesslich Übersc hreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, gerügt we rden. Lit. b sieht die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts und l it. c schliesslich die Unangemessenheit als Berufungsgrund vor. Zunächst ist die Berufung dem e rstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlic h anzumelden und danach dem Berufungsge- richt innert 20 Tagen seit der Zustellung des begrü ndeten Urteils eine schriftliche Berufungser- klärung einzureichen (Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO). Vorliegend hat der Beschuldigte am 3. Februar 2015 fristgerecht die Berufung angemeldet. Das vorinstanzliche Urteil wurde ihm in der Folge am 13 . Mai 2015 schriftlich begründet zugestellt, woraufhin er mittels Eingabe vom 2. Juni 2015 die B erufungserklärung beim Kantonsgericht einreichte. Die Berufung ist somit rechtzeitig und formgerecht erhoben worden (vgl. Art. 399 Abs. 3 StPO). Das angefochtene Urteil stellt ein ta ugliches Anfechtungsobjekt dar, die vom Be- schuldigten erhobenen Rügen sind zulässig und er is t seiner Erklärungspflicht nachgekommen, weshalb auf die Berufung einzutreten ist. II. Materielles 1. Gegenstand des Berufungsverfahrens Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungs gericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. In casu liegt einzig ein e Berufung des Beschuldigten vor; die Staatsanwaltschaft hat weder Berufung noch Anschlus sberufung erhoben. Aufgrund der Beru- fungserklärung des Beschuldigten vom 2. Juni 2015 b ildet einzig die Frage der auszufällenden Strafe, mithin die Strafzumessung, Gegenstand des v orliegenden Berufungsverfahrens, wobei eine Erhöhung der Strafe in Nachachtung des Verschl echterungsverbotes ausgeschlossen ist (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO). Dementsprechend ist vo rab davon Vormerk zu nehmen, dass alle Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht übrigen Erkenntnisse des strafgerichtlichen Urteils vom 29. Januar 2015 in Rechtskraft erwach- sen sind. 2. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 2.1 Die Berufung des Beschuldigten beschränkt sich wie dargelegt explizit auf die Bemes- sung der Strafe, wobei die Aussprechung einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten bean- tragt wird. Zur Begründung wird im Wesentlichen vor gebracht, im Vergleich zu den Mitbeschul- digten C.____, E.____, B.____ und D.____ sei die St rafe deutlich zu hoch ausgefallen. Des Weiteren habe die Vorinstanz eine Verletzung des Be schleunigungsgebotes zu Unrecht ver- neint. 2.2 Die Berufungsinstanz fällt ein neues Urteil (vgl. A rt. 408 StPO) und hat die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen. Unter dem Vorb ehalt des Verbots der "reformatio in peius" muss sie sich nicht daran orientieren, wie d ie erste Instanz die einzelnen Strafzumes- sungsfaktoren gewichtet (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014, E. 6.2). Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es be- rücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verh ältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Ver werflichkeit des Handelns, den Beweg- gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt , wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährd ung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 2). In Anwendung von Art. 42 Abs. 1 StGB schi ebt das Gericht den Vollzug einer Geld- strafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine u nbedingte Strafe nicht notwendig er- scheint, um den Täter von der Begehung weiterer Ver brechen oder Vergehen abzuhalten. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Vo raussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu d er Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der obje ktiven Tatschwere das Verschulden zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung fe stzuhalten hat – im Urteil darzutun, wel- che verschuldensmindernde und welche verschuldenser höhende Gründe im konkreten Fall ge- geben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des T atverschuldens zu gelangen (BGE 136 IV 55, E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerich ts, in welchem Umfang es die verschiede- nen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich einge- hen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wä re – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet ( BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007, E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, i n Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichti gt (BGE 136 IV 55, E. 5.6). Allerdings hat das Gericht das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatver- schuldens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Ver- fügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Bei der Überprüfung der Strafzumessung gilt es zu b eachten, dass die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts ihr Ermessen zwar an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzen und die Regeln über die Strafzumessung selbständig anwenden kann. Jedoch steht der Vorinstanz bei der Gewichtung der einzelnen Strafzumessungsfaktoren innerhalb des jeweiligen Strafrahmens ein erheblicher Ermessensspielraum zu. In diesen gr eift die strafrechtliche Abteilung des Kan- tonsgerichts praxisgemäss nur mit Zurückhaltung ein. 2.3 a) Wie sich aus den obigen Erwägungen ergibt, hat sich der Beschuldigte des banden- mässigen Diebstahls, der einfachen Körperverletzung , des Angriffs, der mehrfachen Sachbe- schädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und d er mehrfachen Entwendung zum Ge- brauch schuldig gemacht. b) Die Vorinstanz ging zutreffend vom bandenmässige n Diebstahl als schwerste Straftat aus (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 121), welcher mit F reiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geld- strafe nicht unter 180 Tagessätzen geahndet wird (Art. 139 Ziffer 3 StGB). c) Bei den Strafschärfungsgründen ist derjenige der Deliktsmehrheit gemäss Art. 49 StGB zu berücksichtigen. Gemäss aktueller Bundesgerichtspraxis führen Strafschärfungs- oder Strafmil- derungsgründe indessen nicht zu einer automatischen Erweiterung des Strafrahmens. Der or- dentliche Strafrahmen ist nur zu verlassen, wenn au ssergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im ko nkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, E. 5.8). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Für die auszufällende Strafe ist des- halb vom Strafrahmen des bandenmässigen Diebstahls auszugehen, welcher eine Freiheits- strafe von höchstens zehn Jahren vorsieht. d) Hinsichtlich der objektiven Tatschwere gilt es b ei der Einsatzstrafe des bandenmässigen Diebstahls das Doppelverwertungsverbot zu beachten. Umstände, die schon Merkmale des gesetzlichen Tatbestandes sind, dürfen nicht für di e konkrete Strafzumessungsentscheidung innerhalb des anzuwendenden gesetzlichen Strafrahme ns berücksichtigt werden – weder zu Lasten noch zu Gunsten des Täters. Denn die Tatbest andserfüllung als solche hat sich bereits im Eröffnen des gesetzlichen Strafrahmens niederges chlagen und ist in ihrer Bedeutung für die Strafmassfindung insoweit verbraucht, sonst würde d em Täter der gleiche Umstand zwei Mal zur Last gelegt oder zu Gute gehalten. Der Richter ist aber nicht gehindert zu berücksichtigen, in welchem Ausmass ein qualifizierender oder privil egierender Tatumstand gegeben ist (vgl. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht HANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 1 02 samt Verweisen). Dies berücksichtigend gilt es hins ichtlich der Tatkomponente bei der Einsatz- strafe festzuhalten, dass der Beschuldigte mit 14 D iebstählen eine relativ grosse Deliktsserie bandenmässig begangen hat. Allerdings erscheint die dem Beschuldigten zuzurechnende Ge- samtdeliktssumme von mindestens CHF 9‘300. ‒ nicht als überdurchschnittlich hoch. Des Weite- ren gilt es zu beachten, dass A.____ und seine Mitt äter bei ihren Einbrüchen eher dilettantisch vorgegangen sind. Von professionellem Einbruchdiebstahl ist daher nicht auszugehen, genauso wenig von Kriminaltourismus. e) In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (subjektiven) Verschuldens vorzunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die o bjektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dabei spielen grundsätzlich nebst der Frage ei ner verminderten Schuldfähigkeit (Art. 19 StGB) das Motiv und weitere subjektive Verschuldenskomponenten (zum Beispiel Art. 48 StGB) eine Rolle. Bei den subjektiven Tatkomponenten ist die Willensrichtung der Taten straferhöhend zu bewerten, da der Beschuldigte direktvorsätzlich gehandelt hat. Zudem liegen keine Anhalts- punkte vor, welche nahe legen würden, dass dem Besc huldigten bei der Begehung dieser Tat nicht volle Entscheidungsfreiheit zugekommen wäre. Allerdings ist seine Delinquenz wohl zu grossen Anteilen auf eine "Kicksuche" und in unterg eordnetem Masse auch auf eine gewisse Gruppendynamik zurückzuführen. Insgesamt wird die o bjektive Tatschwere durch die subjekti- ven Komponenten nicht relativiert. Gestützt auf die se Erwägungen ist bezüglich des banden- mässigen Diebstahls von einem mittelschweren Versch ulden auszugehen, was mit einer Frei- heitsstrafe von 1 ½ Jahren zu sanktionieren wäre. 2.4 Diese Einsatzstrafe ist jedoch aufgrund des Schul dspruchs wegen einfacher Körperverlet- zung deutlich zu erhöhen. Der Beschuldigte hat in m assgeblicher Rolle bei einem völlig grund- losen, brutalen und daher in keiner Weise tolerierbaren Angriff im öffentlichen Raum mitgewirkt. Dabei hat er am Tatort im Tram, unmittelbar hinter der Führerkabine, als Erster auf das unbetei- ligte und durch puren Zufall ausgewählte Opfer eing eschlagen und zwar so lange, bis dieses aufgrund der Attacken zusammengebrochen ist. Der Be schuldigte hat hierbei seinen Aggressi- onen hemmungslos freien Lauf gelassen und mit seine m Handeln erhebliches Gefährdungspo- tential offenbart, da ihn weder der Ort der Aktion noch die Anwesenheit des Tramführers von seinem äusserst verwerflichen Tun abhalten konnten. Mithin ist die deutlich straferhöhende Be- rücksichtigung des Angriffs des Beschuldigten durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden. Zu- dem ist die Einsatzstrafe wegen mehrfacher Sachbesc hädigung, mehrfachen Hausfriedens- bruchs sowie mehrfacher Entwendung zum Gebrauch ebe nfalls – allerdings nur in geringerem Ausmass – zu erhöhen. All dies berücksichtigend ist das Gesamtverschulden des Beschuldig- ten als erheblich zu qualifizieren. 2.5 a) Hinsichtlich der Täterkomponente hat das Strafg ericht das Vorleben und die persönli- chen Verhältnisse des Beschuldigten im Strafurteil (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 121 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) bis zum Urteilszeitpunkt zutreffend da rgelegt und gewürdigt, worauf an dieser Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle grundsätzlich zu verweisen ist. Der Beschuldigte war bis zum strafgerichtlichen Entscheid nicht vorbestraft (vgl. act. 189 ff.), was die Vori nstanz zutreffend als neutral bewertet hat. Aller- dings hat sich A.____ nur drei Wochen seit dem erst instanzlichen Urteil wiederum strafbar ge- macht, so dass der vom Kantonsgericht angeforderte Strafregisterauszug vom 22. Oktober 2015 nunmehr eine Vorstrafe aufweist: Mit Strafbefe hl der Staatsanwaltschaft des Kantons Ba- sel-Stadt vom 8. April 2015 wurde der Beschuldigte der Störung des öffentlichen Verkehrs schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 30. ‒, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 400. ‒ verurteilt. Ebenso zutreffend wurde von den Vorderrichtern stra ferhöhend berücksichtigt, dass der Be- schuldigte während des laufenden Verfahrens und erst recht, nachdem er aus der beinahe zwei Monate dauernden Untersuchungshaft entlassen worden war, in gravierender Weise weiter de- linquiert hat, indem er den erwähnten Angriff auf I.____ begangen hat. b) Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhand lung ergänzte der Beschuldigte zu seinen persönlichen und finanziellen Verhältnissen, dass er gegenwärtig noch als Sanitär und Spengler angestellt sei, jedoch seine Freizeit hauptsächlich für die geplante selbständige Erwerbstätigkeit im selben Beruf verwende, wobei dieses Projekt bereits gut angelaufen sei (vgl. Prot. S. 6 ff.). 2.6 a) Zu den Täterkomponenten gehört auch das Nachtat verhalten eines Täters. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverf ahren (wie zum Beispiel Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit, vgl. S TEFAN TRECHSEL /H EIDI AFFOLTER -EIJSTEN , Schweizerisches Strafge- setzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 47 N 22 ff.). b) Zum Nachtatverhalten hat die Vorinstanz zu Recht erwogen, dass beim Beschuldigten mitt- lerweile sowohl von einer gewissen Reue und Einsicht als auch einer weitgehenden Geständig- keit im eigentlichen Sinne auszugehen sei, zumal er teils auch ihm nicht nachgewiesene Delikte eingestanden habe. Durch dieses Verhalten hat er da s vorliegende Strafverfahren effektiv ver- einfacht, was zu einer merklichen Strafminderung zu führen hat. c) Soweit der Beschuldigte sinngemäss zufolge seine r angestrebten Selbstständigkeit eine er- höhte Strafempfindlichkeit geltend macht, erweisen sich seine Argumente indes als nicht stich- haltig. Voraussichtlich wird dem Beschuldigten die Möglichkeit gewährt werden, eine ihm aufer- legte kurze unbedingte Freiheitsstrafe im Rahmen ei nes Electronic Monitorings zu vollziehen. Sofern dadurch schlussendlich effektiv eine leichte Verzögerung des Aufbaus seiner Selbstän- digkeit als Spengler und Sanitär entstehen sollte, so ist diese in einem absolut überschaubaren Zeitrahmen eintretende Beeinträchtigung ohne Weiteres als Konsequenz seiner Delikte von ihm hinzunehmen. 2.7 a) Die Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt , die gegen den Beschuldigten ausge- sprochene Strafe sei im Vergleich zu seinen Mitbesc huldigten zu hoch ausgefallen. Sie macht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht in diesem Zusammenhang geltend, alle Beschuldigten hätten sich in mehr oder weniger ähnli- chem Umfang des bandenmässigen oder des mehrfachen Diebstahls sowie der mehrfachen Sachbeschädigung und Hehlerei strafbar gemacht. Ohn e die Taten des Berufungsklägers ver- harmlosen zu wollen, sei es dennoch stossend, dass der Mitbeschuldigte C.____, welcher sich am 23. Juni 2010 mit seinem Personenwagen mit der P olizei eine Verfolgungsjagd geliefert habe und dabei mit 80 bis 100 km/h durch die Basler Innenstadt gefahren sei, am Schluss mit einer deutlich milderen Strafe als der Beschuldigte davongekommen sei. Ebenso seien die Mit- angeklagten B.____ und D.____ von der Vorinstanz be i der Strafzumessung mit deutlich mehr Wohlwollen bedacht worden als der Beschuldigte, obw ohl sie ihren Bekannten F.____ in einen Hinterhalt gelockt und spitalreif verprügelt hätten. b) Hat der Sachrichter im gleichen Verfahren zwei M ittäter zu beurteilen, ist bei der Verschul- densbewertung mitzuberücksichtigen, in welchem gegenseitigen Verhältnis die Tatbeiträge ste- hen. Der Grundsatz der Gleichbehandlung und Gleichm ässigkeit der Strafzumessung gebietet, dass sich jeder für den ihm zukommenden Anteil an d er Unrechtmässigkeit der Tat zu verant- worten hat. Ist der Tatbeitrag gleichwertig, führt dies zunächst zu einer gleichen (objektiven) Schuldeinschätzung. Erst wenn auch die subjektive V orwerfbarkeit identisch ist und sich über- dies namentlich die individuellen Täterkomponenten gleichmässig auswirken, drängt sich die gleiche Strafe für beide Mittäter auf. Häufig liege n jedoch ungleiche Strafzumessungsfaktoren vor, weil sich die subjektive Verschuldensbewertung oder die persönlichen Verhältnisse unter- scheiden. In diesen Fällen kann es zu unterschiedli chen Strafen kommen. Der Grundsatz der Gleichmässigkeit ist nur verletzt, wenn es der Rich ter bei der Festlegung der einzelnen Strafen unterlässt, im Sinne einer Gesamtbetrachtung beide Strafzumessungen in Einklang zu bringen (BGE 135 IV 191, E. 3.2). Es entspricht konstanter Rechtsprechung, dass Mittä ter für denselben Sachverhalt grundsätz- lich gleich zu behandeln sind und Abweichungen im S trafmass nach Art. 47 StGB besonders begründet werden müssen (Bundesgerichtsurteil vom 5 . Mai 1998, Nr. 6S.106/1997, noch zu Art. 63 aStGB). Es ist jedoch offenkundig, dass Vergleiche von Strafurteilen sehr schwierig sind. Wie das Bundesgericht in einem Entscheid in Bestäti gung seiner konstanten Rechtsprechung festgehalten hat (Urteil vom 22. August 2000, Nr. 6 S.94/2000), führen der Grundsatz der Indivi- dualisierung und der dem Sachrichter vom Gesetz bei der Strafzumessung eingeräumte weite Ermessensspielraum notwendigerweise zu einer gewiss en, vom Gesetzgeber in Kauf genom- menen Ungleichheit der Strafen. Unterschiedliche Ge wichtungen der massgebenden Faktoren sind auch Folge der Unabhängigkeit des Richters, de r weiten Strafrahmen, der freien Beweis- würdigung sowie des erheblichen Ermessens des Geric hts. In dieser Hinsicht ist zu beachten, dass sich selbst gleich oder ähnlich gelagerte Fälle in zumessungsrelevanten Punkten massge- blich unterscheiden (so eingehend BGE 123 150, E. 2 a mit Verweisen). Nur eine auffallend ho- he Strafe eines Mittäters kann somit korrigiert werden (vgl. u.a. BGE 121 IV 205 ff.). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) Bei genauer Betrachtung zeigt sich im vorliegend en Fall, dass sich die von den Mitbeschul- digten begangenen Delikte in wesentlichen Punkten – namentlich hinsichtlich des Sachverhal- tes – deutlich von denjenigen des Beschuldigten unt erscheiden, sodass die Urteile nur sehr bedingt miteinander vergleichbar sind. d) Betreffend G.____ ist festzustellen, dass dieser im Urteil des Straf gerichts Basel-Landschaft vom 29. Januar 2015 des mehrfachen Diebstahls, der Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der mehrfachen groben Verkeh rsregelverletzung schuldig gesprochen und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitstrafe v on 15 Monaten verurteilt wurde. Im Unter- schied zum Beschuldigten hat er somit keinen banden mässigen Diebstahl und überdies keine Gewaltdelikte begangen. Somit fällt bei ihm bereits die Einsatzstrafe wesentlich tiefer aus, weswegen das Aussprechen einer milderen Strafe als beim Beschuldigten als absolut nachvoll- ziehbar erscheint. e) Dasselbe gilt sinngemäss für E.____ , der zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstraf e von 12 Monaten verurteilt wurde, aber im Vergleich zum Beschuldigten ebenfalls weder einen ban- denmässigen Diebstahl noch Gewaltdelikte begangen hat. f) Die Höhe der bedingt vollziehbaren Freiheitsstra fen von 15 Monaten, die D.____ auferlegt wurde, lässt sich zunächst ebenso mit dem Schuldspr uch wegen einfachen Diebstahls, welcher eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, mithin ein e halb so hohe Strafandrohung wie der ban- denmässige Diebstahl gemäss Art. 139 Ziffer 3 StGB vorsieht, erklären. Massgebender Unter- schied zwischen den Anklagepunkten 5.1 und 5.4 ist bezüglich der Strafzumessung die Tatsa- che, dass im Anklagepunkt 5.1 die Mitangeklagten B. ____ und D.____ bei ihren Taten bloss eine Nebenrolle einnahmen und nicht aktiv gewalttät ig waren, während der Berufungskläger als aktiver Haupttäter im Anklagepunkt 5.4 in Erscheinu ng trat, indem er dem Opfer den ersten Schlag verabreichte und weitere folgen liess. Folge richtig wurden B.____ und D.____ nicht we- gen einfacher Körperverletzung und Angriffs, sonder n wegen Nötigung und Angriffs verurteilt. Ferner unterscheiden sich die beiden Fälle dadurch, dass dem Berufungskläger das Opfer nicht bekannt war und die Aktion in einem Tram stattfand, in dem sich weitere Personen aufhielten, weswegen ein ungleich höheres Gefährdungspotential für Dritte vorlag. g) Der Mitbeschuldigte B.____ wurde des bandenmässigen Diebstahls, des Angriffs, der mehr- fachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfrieden sbruchs, der Nötigung, der groben Verletzung von Verkehrsregeln, der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrun- fähigkeit, der Entwendung zum Gebrauch, des Missbra uchs von Ausweisen und Schildern so- wie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffenge setz schuldig gesprochen. Seine De- likte erscheinen sowohl in Bezug auf die Menge als auch auf die Schwere als in etwa mit denje- nigen des Beschuldigten vergleichbar. Allerdings wu rde zuvor bereits aufgezeigt, dass vorlie- gend von Bedeutung ist, dass B.____ im Rahmen des A ngriffs vom 20. März 2010 (Anklage- punkt 5.1) nicht selber aktiv zugeschlagen hat. Übe rdies ist gegenüber B.____ eine unbedingte Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Freiheitsstrafe von 2 Jahren ausgesprochen worden, was im Ergebnis eine ungleich härtere Strafe als die teilbedingte Sanktion des Berufungsk lägers darstellt. Ferner wurde bezüglich B.____ sogar eine stationäre Massnahme für junge Er wachsene angeordnet, was als ein- schneidender Eingriff erscheint. Insofern läuft das Argument des Berufungsklägers, wonach B.____ bei der Strafzumessung mit "deutlich mehr Wohlwollen bedacht" worden sei, ins Leere. h) Soweit der Beschuldigte überdies einwendet, er h abe als einziger der Beschuldigten eine Ausbildung abgeschlossen und eine Festanstellung ge funden, so dient diese Errungenschaft zunächst vorwiegend ihm selbst und ist deshalb in n ur sehr untergeordnetem Masse bei der Strafzumessung überhaupt zu berücksichtigen. Bezüglich der aktuellen Arbeitssituation der Be- schuldigten, die nicht Berufung erhoben haben, lieg en der strafrechtlichen Abteilung des Kan- tonsgerichts überdies keine Informationen vor. Selb st wenn der Einwand des Beschuldigten zutreffen sollte, würde sich dies aber nicht entsch eidend zu seinen Gunsten auswirken, sodass seine Argumentation nicht durchzudringen vermag. i) Als unzutreffend erweist sich der Einwand des Be schuldigten, während die anderen Ange- klagten bei ihren Ausführungen vor Strafgericht primär ihre eigene Situation in den Vordergrund gestellt hätten, sei er der Einzige, der gegenüber den Strafuntersuchungsbehörden und auch gegenüber dem Gericht aufrichtige Reue und Einsicht bekundet habe. Die letzten Worte aller Beschuldigten vor den Schranken des Strafgerichts l iegen inhaltlich sehr nahe beieinander, wobei sämtliche Mitbeschuldigten klar zum Ausdruck gebracht haben, dass sie aus ihren Feh- lern zu lernen gedenken. C.____ schloss sich ausdrü cklich den Worten des Beschuldigten an (vgl. act. 9199 f.). 2.8 a) Die Vorinstanz hat erwogen, es liege keine Verl etzung des Beschleunigungsgebotes vor, da es sich um ein umfangreiches und komplexes Verfahren mit mehreren Beschuldigten und einer grösseren Anzahl involvierter Personen ge handelt habe. Hiergegen wendet sich der Beschuldigte und bringt vor, es werde zwar nicht bestritten, dass es sich um ein komplexes Ver- fahren gehandelt habe. Dennoch lasse sich die Verfa hrensdauer von mehr als 4 Jahren nicht rechtfertigen. b) Das in Art. 5 StPO, Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziffer 1 EMRK festgeschriebene Beschleuni- gungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverf ahren voranzutreiben, um den Beschuldig- ten nicht unnötig über die gegen ihn erhobenen Vorw ürfe im Ungewissen zu lassen (BGE 133 IV 158, E. 8; BGE 130 IV 54, E. 3.3.1; BGE 124 I 139, E. 2a; je mit Hinweisen). Gegenstand der Prüfung, ob ein Verfahren zu lange gedauert hat, is t das Verfahren in seiner Gesamtheit. Die Beurteilung der Verfahrensdauer entzieht sich starr en Regeln. Es ist vielmehr in jedem Einzel- fall unter Würdigung aller konkreten Umstände zu pr üfen, ob sich diese als angemessen er- weist. Zu berücksichtigen sind insbesondere die Kom plexität des Falls, das Verhalten des An- geschuldigten und die Behandlung des Falls durch di e Behörden (BGE 130 IV 54, E. 3.3.3; BGE 124 IV 139, E. 2c; je mit Hinweisen). Von den Behörden und Gerichten kann nicht verlangt Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden, dass sie sich ständig einem einzigen Fall w idmen. Zeiten, in denen das Verfahren still- steht, sind unumgänglich. Wirkt keiner dieser Zeita bschnitte stossend, ist eine Gesamtbetrach- tung vorzunehmen. Dabei können Zeiten mit intensive r behördlicher oder gerichtlicher Tätigkeit andere Zeitspannen kompensieren, in denen aufgrund der Geschäftslast keine Verfahrens- handlungen erfolgten (BGE 130 IV 54, E. 3.3.3; BGE 124 I 139, E. 2c mit Hinweisen; Urteile 6B_670/2009 vom 17. November 2009, E. 2.2; 6B_105/2 007 vom 2. November 2007, E. 3.3). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erscheint im Stadium der Untersuchung eine Un- tätigkeit von 13 oder 14 Monaten als krasse Lücke ( vgl. BGE 124 I 139 ff.; BGE 117 IV 126; HANS WIPRÄCHTIGER /S TEFAN KELLER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 47 N 179). c) Der vorliegende Fallkomplex "H.____" mit insgesa mt 27 Beschuldigten und rund 200 zu un- tersuchenden Vorfällen erscheint zweifellos als äus serst umfangreich und komplex, was auch der Beschuldigte nicht bestreitet. Ferner lässt sic h in diesem Verfahren keine Untätigkeit einer verfahrensleitenden Behörde von mindestens 13 Monat en feststellen. Zusätzlich gilt es zu be- rücksichtigen, dass zahlreiche Beschuldigte, insbes ondere auch A.____, während des laufen- den Verfahrens ihre Delinquenz fortgesetzt haben, w omit sie zur Erhöhung der Verfahrensdau- er aktiv beigetragen haben. Eine Verletzung des Bes chleunigungsgebots liegt somit nicht vor. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, das s eine andere Kammer des Strafge- richts, die eine andere Tätergruppe in demselben Ve rfahrenskomplex zu beurteilen hatte, in jenem Fall eine Verletzung des Beschleunigungsgebot s bejaht hat: Zum einen ist dieses Urteil des Strafgerichts vom 2. Februar 2015 noch nicht in Rechtskraft erwachsen, wobei sich die von der Staatsanwaltschaft in diesem Verfahren erhobene Berufung unter anderem explizit gegen die durch die Fünferkammer bejahte Verletzung des Beschleunigungsgebots richtet. Zum ande- ren ist das Kantonsgericht aufgrund des der Strafzu messung immanenten lndividualisierungs- grundsatzes (vgl. dazu BGE 123 lV 150) ohnehin nich t an die Urteile anderer Gerichte, weder ausser- noch innerkantonal, gebunden. Mit der Vorin stanz ist demgegenüber der Umstand, dass das gegen den weitgehend geständigen und grösstenteils noch sehr jungen Beschuldigten geführte Strafverfahren mit mehr als vier Jahren bi s zum erstinstanzlichen Urteil nichtsdesto- trotz lange gedauert hat, im Rahmen der normalen St rafzumessung leicht strafmindernd zu be- rücksichtigen. 2.9 In Würdigung sämtlicher Tat- und Täterkomponenten sowie im Quervergleich zu den Strafen der Mittäter und unter leicht strafmindernd er Berücksichtigung der langen Verfahrens- dauer im Rahmen der ordentlichen Strafzumessung kom mt die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts zum Schluss, dass die von der Vorin stanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren zwar eher am unteren Rand innerhalb des Ermessens im Rahmen der Strafzumes- sung anzusiedeln, jedoch insgesamt noch als schulda ngemessen zu beurteilen ist. Da eine Er- höhung des Strafmasses aus strafprozessualen Gründe n wegen des Verschlechterungsgebots vorliegend, wie dargelegt wurde, ohnehin nicht zur Debatte steht, ist das vorinstanzliche Straf- mass folgerichtig zu bestätigen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.10 Nachdem vorliegend eine Freiheitsstrafe von über 2 Jahren auszufällen ist, kommt ein vollständig bedingter Vollzug im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB nicht mehr in Frage. Gegenüber dem Beschuldigten ist von der Vorinstanz mit einem Anteil von 6 Monaten die geringstmögliche unbedingte Strafe (vgl. Art. 43 Abs. 1 StGB) sowie mit 2 Jahren lediglich die Mindestprobezeit (vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB) ausgesprochen worden. In Beachtung des Verbots der "reformatio in peius" und in vollumfänglicher Abweisung der Berufu ng des Beschuldigten ist demnach die vo- rinstanzliche Strafe zu bestätigen. III. Kosten Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Wie dar gelegt wurde, ist die Berufung des Be- schuldigten vollumfänglich abzuweisen. Entsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfah- rens werden die Verfahrenskosten des Kantonsgericht s in der Höhe von CHF 6'150. ‒, beinhal- tend eine Urteilsgebühr von CHF 6'000. ‒ (§ 12 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte, GebT; SGS 170.31) sowie Auslagen von CHF 150. ‒, dem Beschuldigten auferlegt. Nachdem dem Berufungskläger die amtliche Verteidigu ng bewilligt worden ist, wird dem einge- setzten Advokaten, Dr. Matthias Aeberli, ein Honora r gemäss der als angemessen erscheinen- den Honorarnote vom 2. November 2015 zuzüglich des Aufwands für die kantonsgerichtliche Hauptverhandlung in der Höhe von CHF 3‘753. ‒ (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% MWSt (CHF 300.25), somit insgesamt CHF 4‘053.25, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Be- schuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung de r amtlichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 29. Januar 2015, aus- zugsweise lautend: "II. A.____ 1. a) A.____ wird des bandenmässigen Diebstahls, der ein fachen Kör- perverletzung, des Angriffs, der mehrfachen Sachbes chädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der mehrfache n Ent- wendung zum Gebrauch schuldig gesprochen und verurteilt, zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 1/2 Jahren, davon 6 Monaten unbedingt, unter Anrechnung der vom 1. Sep- tember 2010 bis zum 25. Oktober 2010 ausgestandenen Untersu- chungshaft von 55 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren für den bedingten Teil der Strafe, in Anwendung von Art. 139 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB, Art. 123 Ziff. 1 StGB, Art. 134 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 160 Ziff. 1 StGB, Art. 186 StGB, alt Art. 94 Ziff. 1 SVG, Art. 40 StG B, Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. 2. a) Die Verfahren wegen geringfügiger Hehlerei im Anklagepunkt 1.5 (Fälle 15 und 16), wegen geringfügiger Sachbeschädi gung im Anklagepunkt 1.13 (Fall 30) und wegen geringfügiger Sachbe- schädigung im Anklagepunkt 1.18 (Fälle 46 und 47), wegen Dieb- stahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs im Anklage- punkt 1.22 (Fall 2) sowie wegen Sachbeschädigung im Anklage- punkt 1.23 (Fall 3) werden aufgrund des Eintritts d er Verjährung und das Verfahren wegen mehrfachen, teilweise versuchten Dieb- stahls im Anklagepunkt 1.17 (Fall 5) infolge Verletzung des Ankla- geprinzips gemäss Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StPO eingestellt. b) A.____ wird von der Anklage des Diebstahls im Anklagepunkt 1.17.2 (Fall 22), von der Anklage des Diebstahls so wie des Haus- friedensbruchs im Anklagepunkt 1.17.4 (Fälle 33 und 39), von der Anklage des Diebstahls im Anklagepunkt 1.17.5 (Fall 37), von der Anklage des Diebstahls im Anklagepunkt 1.17.6 (Fall 38), von der Anklage des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zus tand im Anklagepunkt 2.3.2 (Fälle 33 und 39) und von der An klage der Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht versuchten schweren Körperverletzung im Anklagepunk t 5.4 (Fall 48) sowie von der Anklage des gewerbsmässigen Diebstahls im Anklagepunkt 1.19.2 und von der Anklage der qual ifizierten Sachbeschädigung im Anklagepunkt 1.20 freigesprochen. 3. a) […] b) Für den Entscheid über das sichergestellte Vo rhängeschloss mit Metallbolzen wird auf die vorstehende Ziff. I.4.c verwiesen. 4. A.____ trägt die ihn betreffenden Verfahrensk osten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF12‘554.75 u nd der Gerichtsgebühr von CHF5‘000.--, in Anwendung von Ar t. 426 Abs. 1 StPO. 5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung von A. ____ in Höhe von insgesamt CHF12‘522.20 (inkl. Auslagen und Mehrwert steuer) werden aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorb ehalt der Rückzahlungsverpflichtung von A.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO." wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten vollumfänglich bestä- tigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 6‘000. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 150. ‒, somit total CHF 6‘150. ‒, gehen zu Lasten des Beschuldigten. Dem amtlichen Verteidiger Advokat Dr. Matthias Aebe rli wird für das Beru- fungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 3‘75 3. ‒ (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 300.25), somit ins gesamt CHF 4‘053.25, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädig ung der amtlichen Ver- teidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es sei ne wirtschaftlichen Verhält- nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger