<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 112 S.473</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">473</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>112 Formelle Enteignung nachbarrechtlicher Abwehransprüche.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Dem Entschädigungsbegehren aus behaupteter Enteignung nachbar-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechtlicher Abwehransprüche kommt gegenüber den übrigen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>formellen Enteignungen selbständige Bedeutung zu; bei der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verteilung der Verfahrenskosten ist diesem Umstand Rechnung zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tragen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft3">7. November 2000 in Sachen R. M. gegen Kanton Aargau.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">....6. Wird in einem Verfahren keine Entschädigung zuerkannt,</span><br/> <span class="ft1">so kommt die normale Kostenregelung von § 149 Abs. 1 BauG</span><br/> <span class="ft1">i.V.m. § 33 Abs. 2 VRPG zum Zug, wonach der Antragsteller die</span><br/> <span class="ft1">Kosten des Verfahrens zu tragen hat. Wird in Enteignungsverfahren</span><br/> <span class="ft1">jedoch eine Entschädigung zugesprochen, so sind die Verfah-</span><br/> <span class="ft1">renskosten gemäss § 149 Abs. 2 BauG in der Regel vom entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gungspflichtigen Gemeinwesen zu tragen.</span><br/> <span class="ft1">Obwohl die Enteignung nachbarlicher Abwehrrechte eine for-</span><br/> <span class="ft1">melle Enteignung darstellt (...), kommen hier analoge Bezüge zur</span><br/> <span class="ft1">materiellen Enteignung ins Spiel. Bei "gewöhnlichen" Fällen for-</span><br/> <span class="ft1">meller Enteignung (z. B. Übereignung eines Parzellenstreifens an</span><br/> <span class="ft1">den Kanton zur Strassenverbreiterung) stellt sich die Frage nicht, ob</span><br/> <span class="ft1">eine Entschädigung zugesprochen wird, da das Vorliegen eines ent-</span><br/> <span class="ft1">schädigungspflichtigen Enteignungsfalles auf der Hand liegt. Steht</span><br/> <span class="ft1">jedoch der Entzug der nachbarlichen Abwehrrechte zur Diskussion,</span><br/> <span class="ft1">so stellt sich wie bei der materiellen Enteignung vorerst die Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">überhaupt ein Enteignungsfall gegeben ist oder nicht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">474</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die in § 149 BauG dargelegte Kostenregelung gilt seit jeher</span><br/> <span class="ft1">auch für materielle Enteignungen (vgl. den Grundsatzentscheid des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichts in AGVE 1985, S. 375 ff., auf der Basis des</span><br/> <span class="ft1">alten Baugesetzes; vgl. nun auch die Systematik: Einreihung von</span><br/> <span class="ft1">§ 149 BauG unter "I. Allgemeines", vor der separaten Regelung "II.</span><br/> <span class="ft1">Verfahren der formellen Enteignung" und "III. Verfahren der materi-</span><br/> <span class="ft1">ellen Enteignung") und wurde von der Schätzungskommission schon</span><br/> <span class="ft1">mehrfach bei anderen Fällen, wo zunächst die Entschädigungspflicht</span><br/> <span class="ft1">an sich in Frage stand, angewandt, wie z. B. nutzlos gewordene Pla-</span><br/> <span class="ft1">nungskosten (SKE EV.94.50019 vom 23. Oktober 1995 i. S. K. AG</span><br/> <span class="ft1">vs. Einwohnergemeinde H.) oder nachträgliche Entschädigungsbe-</span><br/> <span class="ft1">gehren für die Beanspruchung privater Grundstücke durch Gewäs-</span><br/> <span class="ft1">serschutzmassnahmen (vgl. § 126 BauG; SKE DS.94.50001 vom</span><br/> <span class="ft1">5. Dezember 1995 i. S. E. M. und R. M. vs. Kanton Aargau) oder</span><br/> <span class="ft1">Behinderung in der landwirtschaftlichen Nutzung durch eine Signali-</span><br/> <span class="ft1">sationstafel (§ 86 aBauG; SKE 93/38 vom 7. März 1994 i. S. S. S.</span><br/> <span class="ft1">vs. Einwohnergemeinde A.). Allerdings erhielten jene Antragsteller -</span><br/> <span class="ft1">im Gegensatz zur Gesuchstellerin des nun zu beurteilenden Falles</span><br/> <span class="ft1">(Anpassung des bestehenden Vorplatzes an die neuen Strassenver-</span><br/> <span class="ft1">hältnisse mit einem Schwarzbelag; Lärmschutzfenster) - unter kei-</span><br/> <span class="ft1">nem Titel eine Entschädigung, so dass eine Anknüpfungsbasis in</span><br/> <span class="ft1">jenen Fällen nicht weiter zu diskutieren war. Im vorliegenden Fall</span><br/> <span class="ft1">stellt sich daher zum ersten Mal die Frage, ob Leistungen, wie sie der</span><br/> <span class="ft1">Antragsstellerin erbracht wurden, die Basis zur Anwendung von</span><br/> <span class="ft1">§ 149 Abs. 2 BauG bilden oder nicht. Die vorerwähnten Leistungen</span><br/> <span class="ft1">beeinflussen den Entscheid über die Frage, ob eine nachbarrechtliche</span><br/> <span class="ft1">Enteignung gegeben ist, nicht. Die Frage der Enteignung nachbarli-</span><br/> <span class="ft1">cher Abwehransprüche ist daher als selbständige Angelegenheit zu</span><br/> <span class="ft1">betrachten, auch deshalb, weil es sich um eine nachträgliche Forde-</span><br/> <span class="ft1">rung handelt (...). Sie ist weder in Verbindung mit den Sachleistun-</span><br/> <span class="ft1">gen in Form der Anpassung des bestehenden Vorplatzes an die neuen</span><br/> <span class="ft1">Strassenverhältnisse noch im Zusammenhang mit den Lärmschutz-</span><br/> <span class="ft1">massnahmen (Schallschutzfenster) zu sehen. Die Verneinung des</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">475</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Vorliegens einer entschädigungspflichtigen Enteignung nachbarlicher</span><br/> <span class="ft1">Abwehransprüche führt daher unmittelbar zur Kostentragungspflicht</span><br/> <span class="ft1">der Antragstellerin nach § 149 Abs. 1 BauG i.V.m. § 33 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">VRPG. Damit wird der Eigenständigkeit von Entschädigungsbegeh-</span><br/> <span class="ft1">ren wegen Beeinträchtigungen durch Bauarbeiten Rechnung getra-</span><br/> <span class="ft1">gen.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>