Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. September 2020 (810 19 179) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Stef an Schulthess, Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschreiber i.V. Kevin Herren Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Alain Joset, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung (RRB Nr. 893 vom 25. Juni 2019) A. Der 1972 in der Schweiz geborene italienische Staatsa ngehörige A.____ ist im Besitz einer Niederlassungsbewilligung EU/EFTA. A.____ wuchs z usammen mit zwei Brüdern und einer Schwester bei den Eltern in B.____ (Schweiz) auf . Er begann nach seiner absolvierten Schulzeit eine Lehre als Tiefbauzeichner, welche er jedoch abgebrochen hat. Daraufhin arbeite- te A.____ bei verschiedenen Unternehmen, darunter C._ ___, D.____, E.____ und F.____. An- schliessend war er bis 2013 als selbständiger Diplommasse ur tätig. A.____ hat einen Sohn Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht (geb. 1990) sowie eine Tochter (geb. 2000). Sein Sohn lebt bei den Grosseltern in G.____ (BL). Zu seiner Tochter hat er keinen Kontakt; diese lebt mit ihrer Mutter in Spanien. B. A.____ trat im Zeitraum von 2001 bis 2018 mehrmals strafrechtlich in Erscheinung, unter anderem wegen Vernachlässigung von Unterhaltspfl ichten, Betruges, mehrfacher Verun- treuung und Urkundenfälschung sowie wegen einfacher und grober Verletzung der Verkehrsre- geln. C. Mit Schreiben vom 22. August 2011 wurde A.____ durc h das Amt für Migration Basel- Landschaft (AfM; ab 1. Januar 2019: Amt für Migration und Bürgerrecht [AfMB]) aufgrund seiner Straffälligkeit und der bestehenden Schulden von Fr. 380'775.98 (Stand: 22. August 2011) aus- länderrechtlich verwarnt. D. Mit Urteil vom 31. Januar 2018 wurde A.____ durch d as Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 27 Monaten sowie zu einer Busse von Fr. 400.-- wegen gewerbsmässigen Betrugs, Tätlichkeiten, mehrfacher geringfügiger Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung sowie mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung des Ausweises veru rteilt (Widerruf der mit Strafurteil vom 25. Mai 2011 bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 9 Monaten). E. Mit Schreiben vom 15. August 2018 gewährte das AfM A.____ das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung (Art. 63 Abs. 1 lit. a des Bundesge- setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über di e Integration [AIG] vom 16. Dezem- ber 2005; [bis 31. Dezember 2018 und soweit im Folgen den die altrechtliche Fassung massge- bend ist: AuG]) und der damit einhergehenden Wegweis ung aus der Schweiz. Nebst den straf- rechtlichen Verurteilungen war A.____ zum damaligen Z eitpunkt beim Betreibungsamt mit 54 Betreibungen in der Höhe von Fr. 238'258.11 sowie Ve rlustscheinen in der Höhe von Fr. 606'617.93 registriert (Stand: 15. August 2018). A.____ nahm mit Schreiben vom 29. August 2018 das rechtliche Gehör wahr. F. Mit Verfügung vom 22. November 2018 widerrief da s AfM die Niederlassungsbewilli- gung von A.____ und wies ihn aus der Schweiz weg, wobei die Ausreise auf den Zeitpunkt der (bedingten) Entlassung aus dem Strafvollzug gelegt wurd e. Zur Begründung wurde im Wesent- lichen auf den Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit . a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG ver- wiesen. Weiter wurde angeführt, dass in Anbetracht des S trafmasses der letzten Verurteilung sowie der über die Jahre hinweg begangenen Delikte, w elche das Bild eines Gewohnheitsde- linquenten ergäben, von einer hinreichend schweren und gegenwärtigen Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit und Ordnung auszugehen sei. Insofern s ei ein Wegweisungsgrund im Sinne des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europä- ischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererse its über die Freizügigkeit (Freizügig- keitsabkommen, FZA) vom 21. Juni 1999 gegeben. G. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Alain Joset, Advokat in Liestal, substitutions- weise vertreten durch Advokat Markus Husmann, mit Eingabe vom 3. Dezember 2018 Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Er stellte die Begehren, es sei die Verfügung des AfM vom 22. November 2018 aufzuheben und ihm die Nie- derlassungsbewilligung zu belassen (Ziff. 1), eventuali ter sei die Verfügung des AfM vom 22. November 2018 aufzuheben und das AfM sei anzuweise n, ihm zumindest eine Aufenthalts- bewilligung zu erteilen (Ziff. 2), unter o/e-Kostenf olge, wobei ihm im Fall eines Unterliegens die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu bew illigen sei (Ziff. 3). Mit seiner Be- schwerdebegründung vom 8. Februar 2019 beantragte A.__ __ ergänzend, ihm sei ein Replik- recht zu gewähren bzw. Gelegenheit zu geben, auf eine Vernehmlassung oder eine Stellung- nahme der Beschwerdegegner bzw. der Vorinstanz zu repli zieren. Im Wesentlichen machte er geltend, dass keine ernsthafte Gefährdung der öffentli chen Sicherheit und Ordnung vorliege und eine Wegweisung nach Italien unzumutbar sei. H. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 893 vom 25. Juni 2019 wies der Regierungsrat die Beschwerde von A.____ vom 3. Dezember 2018 ab (Zif f. 1) und verfügte, dass dieser die Schweiz bis zum Zeitpunkt der (bedingten) Entlassung aus dem Strafvollzug oder spätestens 30 Tage nach Eintritt der Rechtskraft des RRB zu verlass en habe (Ziff. 2). Weiter verfügte er, dass keine Verfahrenskosten erhoben würden (Ziff. 3) un d dem Rechtsvertreter des Beschwer- deführers ein Honorar aus der Staatskasse entrichtet werde (Ziff. 4). Er begründete seinen Ent- scheid im Wesentlichen damit, dass vom Beschwerdeführer eine gegenwärtige und hinreichend schwere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordn ung ausgehe, welche den Widerruf der Niederlassungsbewilligung unter dem Freizügigkeitsa bkommen als gerechtfertigt erschei- nen lasse. Weiter würden sich aufgrund der schwerwiegende n öffentlichen Interessen der ver- fügte Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die daraus folgende Wegweisung aus der Schweiz im Lichte der regierungsrätlichen Praxis als verhält nismässig erweisen. Schliesslich komme weder ein ermessensweiser Verzicht auf den Widerruf der Niederlassungsbewilligung in Frage, noch sei ein persönlicher Härtefall gegeben, wesh alb die angefochtene Verfügung zu schützen sei. I. Gegen den RRB vom 25. Juni 2019 erhob A.____, wie derrum vertreten durch Alain Joset, substitutionsweise vertreten durch Markus Husmann, m it Eingabe vom 8. Juli 2019 und nachträglicher Beschwerdebegründung vom 9. September 2019 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwe rde. Der Beschwerdeführer be- antragt, es sei der Entscheid des Regierungsrates vom 25. Juni 2019 aufzuheben und das AfMB sei gerichtlich anzuweisen, dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung zu be- lassen resp. diesem eine Niederlassungsbewilligung zu er teilen (Ziff. 1). Eventualiter sei der Entscheid des Regierungsrates vom 25. Juni 2019 aufzuhe ben und die vorliegende Streitsache sei zur Neubeurteilung an das AfMB zurückzuweisen (Ziff . 2). Dies alles unter o/e-Kostenfolge, wobei im Falle des Unterliegens dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen sei (Ziff. 3). Der Beschwerdeführer begrün det seine Eingabe im Wesentlichen damit, dass die angefochtene Verfügung bei korrekter Würdigung der tatsächlichen Umstände und mit Blick auf die massgebenden Rechtsgrundlagen weder bundesrechts- noch völkerrechtskonform sei und den vorliegend auf dem Spiel stehenden Interessen nicht angemessen Rechnung trage, womit auch das Verhältnismässigkeitsprinzip verletzt sei. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Mit Eingabe vom 6. August 2019 reichte der Rechtsve rtreter des Beschwerdeführers das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein. Dieses G esuch wurde mit Präsidialverfügung vom 7. August 2019 bewilligt. K. Mit Vernehmlassung vom 7. November 2019 schliesst der Re gierungsrat auf kostenfäl- lige Abweisung der Beschwerde. L. Mit Präsidialverfügung vom 13. November 2019 wurde der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen un d der Rechtsvertreter des Beschwerde- führers darum ersucht, eine detaillierte Honorarnote einzureichen. M. Mit Eingabe vom 13. Dezember 2019 reichte der Recht svertreter des Beschwerdefüh- rers seine Honorarnote ein. N. Mit Präsidialverfügung vom 20. Januar 2020 wurde di e Urteilsberatung abgeboten und eine Parteiverhandlung angesetzt. Weiter wurde verfügt, dass der Beschwerdeführer zur Par- teiverhandlung persönlich zu erscheinen habe. Als Auskunfts person wurde die Ehefrau des Beschwerdeführers geladen. O. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung halten di e Parteien vollumfänglich an den in der Sache bereits gestellten Begehren fest. Auf die A usführungen der Parteien und der Aus- kunftsperson wird soweit erforderlich in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegenheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist durch den angefochte nen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit einhergehend e Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgt sind. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AuG; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustän dige kantonale Behörde entscheidet in den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rah men der gesetzlichen Vorschriften und Ver- träge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Z ulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Niederlassungsbewil- ligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völker- rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (vgl. BGE 135 II 1 E. 1.1; P ETER UEBERSAX , in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N 7.84 ff.). 4.2.1 Gemäss AuG verleiht die Niederlassungsbewilligung ihrem Inhaber grundsätzlich einen zeitlich unbefristeten und unbedingten Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz (Art. 34 Abs. 1 AuG). Es ist somit von einem grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Aufenthalt in der Schweiz auszugehen. Darüber hina us verfügt er als hier geborener und aufgewachsener Ausländer der sog. zweiten Generation grundsätzlich über einen Anspruch auf Aufenthalt gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMR K) vom 4. November 1950 so- wie den inhaltlich gleichwertigen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (sog. kombini erter Schutzbereich; vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 2C_784/2014 vom 24. April 2015 E. 4). Indes gelten weder der gesetzliche Anspruch auf Aufenthalt nach Art. 34 Abs. 1 AuG noch der grundrechtliche Anspruch auf Privat- und Familienleben nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK noch Art. 13 Abs. 1 BV absolut. So kann die Nie- derlassungsbewilligung entzogen werden, wenn die Vorau ssetzungen nach Art. 63 AuG gege- ben sind und die Massnahme verhältnismässig ist. 4.2.2 Auf Staatsangehörige von Mitgliedstaaten der E uropäischen Union ist das AuG jedoch nur insofern anwendbar, als das FZA keine abweichenden Bestimmungen enthält oder dieses Gesetz günstigere Bestimmungen vorsieht (Art. 2 Abs. 2 A uG). Das FZA regelt den Entzug der Niederlassungsbewilligung nicht, weshalb die Art. 62 f. AuG Anwendung finden. Da der Widerruf der Niederlassungsbewilligung einer Beschränk ung der aus dem FZA fliessenden Rechte gleichkommt, hat der Bewilligungsentzug den Anforderungen des FZA zu genügen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_741/2013 vom 8. April 2014 E. 2.1). 4.3.1 Der Beschwerdeführer lebt seit seiner Geburt in d er Schweiz und folglich seit mehr als 15 Jahren hier. Gemäss Art. 63 Abs. 2 AuG kann die Nie derlassungsbewilligung auch in sol- chen Fällen entzogen werden, wenn die betreffende Person entweder in schwerwiegender Wei- se gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in de r Schweiz oder im Ausland verstossen hat, diese gefährdet oder die innere oder äussere Sich erheit gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Massgeblich ist, ob der Ausländer besonders hochwer tige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat. Auch weniger gravierende Pflichtve rletzungen können als "schwerwie- gend" im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG bezeichne t werden, wenn eine Gesamtbetrachtung zeigt, dass sich die betreffende Person von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lässt, und künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die Rechtsordnung zu halten (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.1; 139 II 121 E. 5.5.1). 4.3.2 Widerrufen werden kann die Niederlassungsbewill igung ferner, wenn die betreffende Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurte ilt oder gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinne von der Art. 59-61 oder 64 StGB an geordnet worden ist (Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 lit. b AuG). Keine Rolle spielt, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen worden ist (BGE 139 I 31 E. 2.1). Als längerfristig gilt eine Freiheits- strafe, wenn sie mehr als ein Jahr beträgt, wobei mehr ere unterjährige Strafen nicht kumuliert werden dürfen (vgl. BGE 139 I 131 E. 2.1). 5.1 Der Regierungsrat erwägt, mit der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten liege ein Widerrufsgrund zweifelsohne vor. Über beina he zwei Jahrzehnte hinweg sei der Be- schwerdeführer regelmässig strafrechtlich in Erscheinung g etreten. Er habe immer wieder im einschlägigen Bereich gegen die Rechtsordnung verstossen und sei auch wegen mehrfacher Tatbegehung verurteilt worden. Diese Straftaten würd en unter dem Aspekt der öffentlichen Si- cherheit und Ordnung gesamtheitlich betrachtet, entgegen der Auffassung des Beschwerdefüh- rers, durchaus ins Gewicht fallen. Es könne den Ausführungen des Beschwerdeführers, er habe seine Einstellung zur Delinquenz unter dem Eindruck des st rafrechtlichen Verfahrens, der Ge- richtsverhandlungen und vor allem im Vollzugsregime grundsätzlich geändert, nicht ohne weite- res gefolgt werden. Eine aus der Sicht des Massnahmenvollzugs positiven Entwicklung oder ein klagloses Verhalten im Strafvollzug könne eine Rückfall gefahr und eine Wegweisung aus der Schweiz nicht ausschliessen. Strafrecht und Ausländerrecht würden unterschiedliche Ziele ver- folgen und seien unabhängig voneinander anzuwenden; Während der Straf- und Massnahmen- vollzug nebst der Sicherheitsfunktion eine resozialisiere nde bzw. therapeutische Zielsetzung habe, stehe demgegenüber für die Fremdenpolizei das I nteresse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund, woraus sich im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden ein strengerer Beurteilungsmassstab ergebe. Auch könnten die deliktfreien Jahre des Be- schwerdeführers die Rückfallgefahr nicht relativieren, d a während dieser Zeit das mehrjährige Strafverfahren hängig gewesen sei und der Beschwerdef ührer im Anschluss daran den Straf- vollzug angetreten habe. Der Regierungsrat erachtet es als hinreichend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines persönlichen Verhaltens in den vergangenen 18 Jahren und seiner Straffälligkeit in denselben Deliktsbereichen weitere Delikte begehen werde. Es ge- he deshalb eine gegenwärtige und hinreichend schwere G efährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vom Beschwerdeführer aus. 5.2 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, die Vorinstanz wende im konkre- ten Fall einen über das Interesse der öffentlichen Or dnung und Sicherheit hinausgehenden strengeren Massstab an, was aber nicht angehe. Die Vorin stanz zitiere zwar die einschlägige Rechtsprechung zur Rückfallgefahr, lasse jedoch im vorlie genden Fall eine konkrete Prüfung dieser Voraussetzungen weitestgehend vermissen, sodass ihr Entscheid nicht nur falsch, son- dern auch als nicht nachvollziehbar bzw. unbegründet er scheine. Aufgrund seiner eingehenden Darlegungen im vorinstanzlichen Verfahren, weshalb die dem Beschwerdeführer entgegenge- haltene Delinquenz einer relativierenden Betrachtung bedürfe, ohne jedoch zu bagatellisieren, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehe es nicht an, dass ihm die Vorinstanz vorwerfe, er b agatellisiere sein Verhalten. Hinsicht- lich der Schwere der Rechtsgüterverletzungen bringt der Beschwerdeführer vor, ein erheblicher Anteil seiner Verurteilungen würde in die Zeit als j unger Erwachsener sowie in eine schwierige Lebenszeit fallen, was von der Vorinstanz ausser Acht ge lassen worden sei. Die Vorinstanz würde die Verurteilung aus dem Jahr 2004 im Rahmen de r Schwere der Rechtsgüterverletzung einbringen, ohne überhaupt ansatzweise begründet dar zulegen, inwiefern diese frühere Verur- teilung auf eine gegenwärtige Gefährdung der öffent lichen Ordnung schliessen liesse. In den letzten 10 Jahren sei lediglich eine Verurteilung weg en Veruntreuung und Urkundenfälschung im Jahr 2011 erfolgt, wenn man von der Verurteilung aus dem Jahr 2018 absehe. 6.1 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer mit sein er Verurteilung zu einer Freiheits- strafe von 27 Monaten den gesetzlichen Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG gesetzt hat. Zu beurteilen ist jedoch weiter, ob der Widerruf der Nieder- lassungsbewilligung und die Wegweisung des Beschwerdeführers auch mit Art. 5 Anhang I FZA vereinbar sind. 6.2.1 Der Beschwerdeführer ist italienischer Staatsangehö riger und in der Schweiz arbeitstä- tig, womit er sich auf das FZA berufen kann (Art. 4 FZA in Verbindung mit Art. 6 ff. Anhang I FZA). Das aus dem FZA fliessende Recht des Beschwerdeführers auf Aufenthalt und Ausübung einer Berufstätigkeit in der Schweiz kann nur aus Gründe n der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit eingeschränkt werden (Art. 5 Anhang I FZA). Nach Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 64/221/EWG – auf welche Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA ve rweist – darf bei Massnahmen der öf- fentlichen Ordnung oder Sicherheit ausschliesslich das persö nliche Verhalten der betreffenden Person ausschlaggebend sein. Dabei setzt die Rechtsprechu ng für die Beschränkung des Auf- enthalts eine hinreichend schwere und gegenwärtige Ge fährdung der öffentlichen Ordnung durch die betreffende Person voraus (Urteil des Bundesg erichts 2C_360/2020 vom 26. August 2020 E. 4.3.2). Art. 5 Anhang I FZA steht somit Massnah men entgegen, die (allein) aus gene- ralpräventiven Gründen verfügt werden (vgl. Urteil d es Bundesgerichts 2C_784/2014 vom 24. April 2015 E. 3.1). Eine strafrechtliche Verurt eilung erfüllt dieses Kriterium, wenn die betref- fende Person mit der begangenen Tat ein persönliches V erhalten zeigt, welches eine künftige Gefährdung der öffentlichen Ordnung als wahrscheinlic h erscheinen lässt (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 2C_981/2015 vom 13. April 2016 E. 2.1). 6.2.2 Ob die betreffende Person mit hinreichender Wa hrscheinlichkeit künftige Rechtsverlet- zungen begehen wird und damit eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit vorliegt, ist im Einzelfall anhand einer Gesamtbetrachtung sämtlicher Aspekte zu beurteilen (vgl. Urteil des Bunde sgerichts 2C_741/2013 vom 8. April 2014 E. 2.3). Massgeblich für die Beurteilung der Rückf allgefahr ist grundsätzlich der Zeitpunkt der Verfügung der aufenthaltsbeendenden Massnahme, es sei denn, dass zwischen ihrem Er- lass und der Überprüfung ihrer Rechtmässigkeit in einem G erichtsverfahren ein längerer Zeit- raum liegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_784/20 14 vom 24. April 2015 E. 3.2). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dürfen an die Wahrschein lichkeit im Hinblick auf den Grundsatz der Freizügigkeit keine zu geringen Anforderungen gestellt werden. Eine Rückfallge- fahr besteht daher nicht nur, wenn ein Straftäter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit wieder delinquieren wird; umgekehrt ist nicht erf orderlich, dass überhaupt kein entspre- chendes Restrisiko mehr besteht (vgl. Urteile des Bundesge richts 2C_270/2015 vom 6. August 2015 E. 4.1 und 4.2; 2C_406/2014 vom 2. Juli 2015 E. 4.2). Die Anforderungen hängen viel- mehr von der Schwere der möglichen Rechtsgüterverletz ungen ab; je schwerer die möglichen Rechtsgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind di e Anforderungen, welche an die hinzu- nehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (vgl. Urteil de s Bundesgerichts 2C_903/2010 vom 6. Juni 2011 E. 4.3, nicht publ. in: BGE 137 II 233; BGE 136 II 5 E. 4.2, je mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_485/2014 vom 22. Janu ar 2015 E. 2.2). Als schwerwiegen- de Rechtsgutverletzungen gelten Beeinträchtigungen d er physischen, psychischen und sexuel- len Integrität, organisierte Kriminalität und nament lich Terrorismus, Menschenhandel und Dro- genhandel (Urteil des Bundesgerichts 2C_634/2018 vo m 5. Februar 2019 E. 4.1.2). Dies be- deutet allerdings nicht, dass Entfernungsmassnahmen im Ra hmen des FZA gegenüber einem Ausländer, der "bloss" wegen Vermögensdelikten verurteilt worden ist, unzulässig wären (Urteil des Bundesgerichts 2C.839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 3.1). 6.2.3 Der Regierungsrat hat das Rückfallrisiko des Beschwe rdeführers aufgrund seiner in den letzten 20 Jahren fortdauernden Delinquenz als erheblich eingestuft. Zwar möge ein gewis- ser Teil der Straftaten in Anbetracht des verhängten S trafmasses von eher untergeordneter Bedeutung sein. Nebst diesen Delikten habe der Beschwerd eführer aber auch schwerwiegen- dere Straftaten zu verantworten, welche in ihrer Gesamtheit zu Freiheitsstrafen von 42 Monaten geführt hätten. Der Regierungsrat argumentiert in sei nen Ausführungen allerdings inkonsistent. So stellt er hinsichtlich der Vermögensdelikte selbst fest, dass durch die Verurteilungen wegen Betrugs resp. Veruntreuung keine hochwertigen Rechtsgü ter tangiert seien. Weiter führt er hin- sichtlich der begangenen Verstösse gegen Leib und Leben a us, dass diese für sich allein ge- nommen freizügigkeitsrechtliche Massnahmen nicht zu rechtfe rtigen vermögen würden. Schliesslich stellt der Regierungsrat hinsichtlich der beg angen Verkehrsdelikte fest, dass es sich mehrheitlich nicht um schwerwiegende Rechtsgüterver letzungen handle. Auch wenn es sich vorliegend nicht um Bagatelldelikte handelt, welche eine Einschränkung der Personenfrei- zügigkeit per se nicht rechtfertigen würden, sind die beg angenen Rechtsgutverletzungen auch nicht als so schwer zu qualifizieren, dass die Anforderungen an die Rückfallwahrscheinlichkeit speziell niedrig anzusetzen wären. Unabhängig davon, o b vorliegend von schwerwiegenden Rechtsgutverletzungen ausgegangen wird, sind für die Beu rteilung der Rückfallgefahr alle Um- stände zu berücksichtigen. Namentlich sind das Alter im Zeit punkt der Tatbegehung, Zeitablauf und Wohlverhalten seit der Tat sowie Integrationsgrad in sozialer und beruflicher Hinsicht zu berücksichtigen (VALERIO PRIULI , in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommen - tar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, Rz. 5 zu Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA). 6.2.4 In zeitlicher Hinsicht ist festzustellen, dass der Besch werdeführer in den letzten 20 Jah- ren immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist . In diesem Punkt ist dem Regie- rungsrat Recht zu geben. Demgegenüber ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer das letz- te Mal im Jahr 2014, also vor rund 6 Jahren, straffällig geworden ist. Weiter ist dem Vollzugsbe- richt der Justizvollzugsanstalt (JVA) H.____ vom 3. Septem ber 2019 zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer während seines Strafvollzuges stets vo rbildlich verhalten hat. Während des Strafvollzuges begab sich der Beschwerdeführer von si ch aus in psychotherapeutische Be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlung. Gemäss Therapiebericht von lic. phil. I.____, Forensische Psychotherapie & Prog- nostik, vom 2. September 2019 bestehe ein moderates R isiko im unteren Durchschnittsbereich. Das geschätzte Rückfallrisiko definiert als erneute Haftst rafe innerhalb von zwei Jahren nach Haftentlassung betrage 20-30% (vgl. S. 4 Therapiebericht). 6.2.5 Seit diesem Therapiebericht ist der Beschwerdefüh rer auch tatsächlich über einem Jahr nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Im Gegenteil hat es der Beschwerdefüh- rer augenscheinlich geschafft, seine Lebensverhältnisse zu stabilisieren. Dies zeigt der anläss- lich der Parteiverhandlung eingereichte Vollzugsbericht betreffend Electronic Monitoring (EM) vom 28. Januar 2020, wonach es während des EM-Vollzuges zu keinen Verstössen gekommen sei und der Beschwerdeführer sich stets an Vereinbarungen gehalten habe (S. 3 f. Vollzugsbe- richt). Er zeige die nötige Einsicht um sein Leben von G rund auf zu ändern (S. 5 Vollzugsbe- richt). 6.2.6 Seit seinem Übertritt in das EM (15. Oktober 201 9) war der Beschwerdeführer zudem stets arbeitstätig. Zunächst arbeitete er bis Ende Augus t 2020 als Lagervormitarbeiter bei der J.____ und nun seit Anfang September 2020 als Telefondienstmitarbeiter bei der K.____ GmbH mit einem Arbeitspensum von 100%. Neben der Arbeit ma che der Beschwerdeführer eine Aus- bildung an der Wirtschafts- und Informatikschule HSO, wie er anlässlich der heutigen Parteiver- handlung zu Protokoll gibt. Auch in seinem Privatlebe n ist der Beschwerdeführer engagiert. Er ist seit Juli 2020 als Assistenztrainer der U15-Mannschaft des FC L.____ tätig. Weiter hat sich an der heutigen Parteiverhandlung gezeigt, dass sich d er Beschwerdeführer auch in einem stabilen Umfeld befindet. Er lebt zusammen mit seiner Ehefrau M.____ und deren beiden Kin- dern in einer stabilen Patchworkfamilie. Der Beschwer deführer gibt zu Protokoll, dass er viel Zeit mit seiner neuen Familie verbringe, was M.____ a nlässlich der Parteibefragung bestätigt. Auch mit seiner übrigen Familie (Geschwistern, Sohn un d Eltern) pflege der Beschwerdeführer regelmässigen Kontakt. 6.2.7 Ebenfalls spricht zugunsten Beschwerdeführers, dass er mit Verfügung vom 25. Februar 2020 per 29. Februar 2020 frühzeitig bed ingt entlassen wurde. So gehen auch die Vollzugsbehörden von einer günstigen Legalprognose bzw. von einem geringen Rückfallrisiko aus. Es wurde zudem die Weiterführung der ambulanten Behandlung bei lic. phil. I.____ für die Dauer der Probezeit, oder solange es die Fachperson a ls notwendig erachtet, verfügt. Anläss- lich der Parteiverhandlung gibt der Beschwerdeführer diesbezüglich zu Protokoll, dass er sich immer noch in Therapie befinde. Mit seinem Bewährung shelfer habe er zudem regelmässig, und zwar einmal im Monat, Kontakt, wobei seine aktuel le Lebenssituation sowie seine Vergan- genheit besprochen würden. So habe er mit seinem frü heren Leben abgeschlossen und auch den Kontakt zu seinen Freunden aus dieser Zeit abgebrochen. 6.2.8 Insgesamt ist festzustellen, dass der Lebensweg des Beschwerdeführers sich in eine positive Richtung entwickelt hat, was sich auch an der heu tigen Parteiverhandlung nochmals deutlich gezeigt hat. Die durch die Fachperson erstellte positive Prognose aus dem Therapiebe- richt vom 2. September 2019 scheint sich, zumindest aus heu tiger Sicht, zu bestätigen. Anzu- merken bleibt, dass die Vorinstanz in ihrem Entscheid un ter dem Gesichtspunkt der damals Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorhandenen Akten zu Recht von einem erhöhten Rückfallri siko ausgegangen ist, weshalb ihr nicht vorgeworfen werden kann, damals die Beschwerde geg en den Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung zu Unrecht abgewiesen zu haben. Heute ist unter Berücksichtigung der aktu- ellen Lebenssituation des Beschwerdeführers allerdings n icht mehr von einer hinreichend schweren Rückfallgefahr auszugehen, weshalb der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers einen Verstoss gegen Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA darstellt. 6.3 Des Weiteren wäre zum heutigen Zeitpunkt ein Wide rruf der Niederlassungsbewilli- gung auch unverhältnismässig. Da der Beschwerdeführer als Secondo seit seiner Geburt in der Schweiz wohnhaft ist, er erwerbstätig und verheiratet ist und in stabilen familiären Verhältnissen lebt, es sich bei den begangenen Delikten nicht um sehr schwerwiegende Rechtsgutverletzun- gen handelt und lediglich ein moderates Rückfallrisiko besteht, sind die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz höher zu g ewichten als die öffentlichen Interes- sen an einer Wegweisung. 6.4 Aufgrund der obigen Ausführungen sind der Widerr uf der Niederlassungsbewilligung sowie die Wegweisung des Beschwerdeführers als unrechtmässi g zu qualifizieren, weshalb die Beschwerde diesbezüglich gutzuheissen ist und Ziff. 1 und 2 des Dispositivs des angefochte- nen RRB aufzuheben sind. 6.5 Da, wie das Kantonsgericht in E. 6.2 ausgeführt ha t, der Widerruf der Niederlassungs- bewilligung und die Wegweisung im Zeitpunkt der Beschlu ssfassung durch den Regierungsrat rechtmässig waren, sind Ziff. 3 und 4 des Dispositivs des an gefochtenen RRB nicht aufzuhe- ben, womit die Beschwerde in diesen Punkten abzuweisen ist. 7.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfah rens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und B eweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausma ss auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Ge- stützt darauf sind die Verfahrenskosten in der Höhe von F r. 1'800.-- vorliegend dem unterlie- genden Regierungsrat aufzuerlegen. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwaltes eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werde n. Gestützt darauf hat der Regie- rungsrat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Kantonsgericht eine Parteientschä- digung auszurichten. In seiner Honorarnote vom 13. Dezem ber 20219 macht der Rechtsvertre- ter des Beschwerdeführers für den Zeitraum vom 2. Juli 2 019 bis 13. Dezember 2019 einen Aufwand von 16.75 Stunden à Fr. 200.--, 0.8333 Stunden à Fr. 135.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 112.80.-- geltend. Des Weiteren macht der Rech tsvertreter mit seiner Honorarnote vom 22. September für den Zeitraum vom 14. Dezember 2019 bis 22. September 2020 einen Auf- wand von 0.1667 Stunden à Fr. 250.--, 10.5 Stunden à Fr. 200.--, 0.9167 Stunden à Fr. 135.-- und Auslagen von Fr. 13.80 geltend. Beide Honorarnote n sind nicht zu beanstanden. Daraus resultiert ein Betrag von Fr. 6’303.-- (inkl. 7.7 % MWST). Für die heutige Parteiverhandlung sind dem Rechtsvertreter weitere 3 Stunden und 15 Minuten a nzurechnen, welche ihm zum Stun- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht denansatz von Fr. 200.-- zu entschädigen sind. Insgesamt hat die Vorinstanz dem Beschwerde- führer somit eine Parteientschädigung von Fr. 7'000.-- (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) auszu- richten. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden die Ziffern 1 und 2 des Regierungsratsbeschlusses Nr. 893 vom 25. Juni 2019 auf gehoben und dem Beschwerdeführer wird die Niederlassungsbewilligung belassen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'800.-- werden dem Be- schwerdegegner auferlegt. 3. Der Beschwerdegegner hat dem Beschwerdeführer ein e Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 7'000.-- (inkl. Auslagen un d 7.7% MWST) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.