Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. August 2020 (745 20 123 / 206) ____________________________________________________________________ Ergänzungsleistungen Anrechnung eines hypothetischen Einkommens der Ehegattin als Verzichtseinkommen gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. a und g ELG; Nachweis der Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit der Ehegattin Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Bin- ningen, Beschwerdegegnerin Betreff Ergänzungsleistungen A. Der 1960 geborene B.____ bezieht seit 1. Juni 2008 eine ganze und seit 1. September 2008 eine halbe Invalidenrente der Eidgenössischen Inval idenversicherung (IV) sowie seit 1. März 2015 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades. Zusätzlich richtet die Ausgleichskasse Basel-Landschaft (Ausgleichskasse) B.____ seit Juni 2008 Ergänzungsleistungen (EL) aus. Seit Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Juni 2018 erhält er auch einen Assistenzbeitrag in Höhe von monatlich Fr. 338.55 (vgl. Verfü- gung vom 7. Juni 2018). Mit Verfügung vom 13. Januar 2020 wies die Ausgleichskasse B.____ darauf hin, dass seine Ehefrau, A.____, gestützt auf d ie gegenseitige Unterstützungspflicht von Ehegatten ab sofort mindestens 8 schriftliche Stellenbewerbungen pro Monat für jede zumutbare Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt einzureichen habe, ansonsten der EL ein Mindesteinkommen der Ehefrau als hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werde. Eine allfällige Herabsetzung der EL bei Nichterfüllen dieser Vorgaben würde 6 Monate nach Zustellung der Verfügung wirksam werden. B. Gegen diese Verfügung erhob die Ehefrau von B.____ , A.____, am 20. Januar 2020 Ein- sprache. Sie beantragte, es sei von einer Anrechnung eines hypothetischen Einkommens abzu- sehen. Sinngemäss machte sie geltend, dass es ihr nicht zum utbar sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie lebe mit ihrem Ehemann, der seit 10 Jahren IV-Rentner sei, sowie dem 1983 geborenen C.____ der aus erster Ehe des Ehemannes stamm e, und dem gemeinsamen Sohn D.____, geboren 1992, zusammen. C.____ sei aufgrund se iner Erkrankung vollständig arbeits- unfähig und habe sich deswegen bei der IV zum Leistung sbezug angemeldet. D.____ leide an der gleichen Krankheit wie C.____. Um ihrem Ehemann und D.____ die Ausübung einer Erwerbs- arbeit zu ermöglichen, müsse sie alle daheim anfallenden Arbeiten erledigen. C. Mit Entscheid vom 2. März 2020 wies die Ausgleichskasse di e Einsprache ab. Zur Be- gründung führte sie an, dass die Söhne der Beschwerdeführerin volljährig seien und deshalb für sie keine Betreuungspflicht mehr bestehe. Gemäss ihren Abklärungen komme ihr Ehemann im Alltag gut zurecht, weshalb keine Gründe vorlägen, auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu verzichten. Falls sie den Nachweis von regelmässigen Stellenbemühun- gen erbringe, könne auf die nach Ablauf einer Frist von 6 Monaten angedrohte Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens verzichtet werden. D. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 20 . März 2020 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanto nsgericht). Darin beantragte sie, die Ausgleichskasse habe zu konkretisieren, in welchem Umfang und ab welchem Zeitpunkt sie unter Berücksichtigung aller Umstände eine Erwerbsarbeit aufn ehmen müsse. In der Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass sich der Gesundheitszustand ihres Ehemannes aufgrund der neu hinzugetretenen Herzkrankheit verschlechtert habe. Er sei deswegen im Februar 2020 ope- riert worden; ein nächster Eingriff sei im Mai 2020 geplant. Da er dadurch mehr Hilfe in den All- tagsverrichtungen benötige, habe er Anfang 2020 ein G esuch um Erhöhung der Hilflosenent- schädigung gestellt. C.____ sei aufgrund seiner Krank heiten vollständig arbeitsunfähig und be- dürfe deshalb täglicher Betreuung. Sie pflege sowohl ihren Ehemann als auch C.____. Zudem erledige sie alle administrativen Angelegenheiten. E. In ihrer Vernehmlassung vom 29. April 2020 beantra gte die Ausgleichskasse die Abwei- sung der Beschwerde. Sie stellte erneut fest, dass sowohl C.____ als auch D.____ volljährig seien und auch nicht mehr im gleichen Haushalt der El tern wohnten. Abklärungen bei der IV- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle in Bezug auf das Gesuch um Erhöhung der Hilflosenentschädigung und des Assistenzbei- trages sowie die IV-Anmeldung von C.____ hätten ergeben, dass darüber noch nicht entschieden sei. F. Am 20. Juli 2020 reichte die Beschwerdeführerin de n Vorbescheid der IV-Stelle vom 7. Juli 2020 ein, mit welchem eine Erhöhung des Assiste nzbeitrages in Aussicht gestellt wurde. Dabei wies sie darauf hin, dass sie für die Betreuung und Pflege ihres Mannes über 60 Stunden im Monat aufbringe. G. Die Ausgleichskasse hielt in ihrer Stellungnahme vom 7. August 2020 am Antrag auf Ab- weisung der Beschwerde fest. Aus den Akten gehe hervor, dass eine auswärtige Person mit der Pflege des Ehemannes beauftragt worden sei und der Assistenzbeitrag zur Deckung dieser Kos- ten diene. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach mit dem Assistenzbeitrag die von ihr geleistete Hilfe und Pflege ihres Ehemannes entschädig t würde, sei deshalb nicht stichhaltig, zumal sie als Ehegattin ohnehin keinen Anspruch auf einen Assistenzbeitrag haben könne. H. In ihrer Eingabe vom 7. August 2020 machte die Besch werdeführerin darauf aufmerksam, dass sie monatlich 40,54 Stunden für die Pflege und B etreuung ihres Mannes aufwende. Bei einem Stundenansatz von Fr. 33.20 ergebe dies einen Lohn von Fr. 1'345.90 monatlich. Sinnge- mäss führte sie an, dass sie damit einen Lohn erziele, der jedoch von Gesetzes wegen nicht als Einkommen bei der EL angerechnet werden dürfe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) vom 6. Ok- tober 2006 sind die Bestimmungen des ATSG auf die EL anwendbar. So sehen Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 ATSG vor, dass gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger beim zustän- digen kantonalen Versicherungsgericht Beschwerde erhoben werden kann. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur- zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in X.____, wes- halb die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Base l-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide und Verfügungen der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG in Verbindung mit Art . 52 Abs. 1 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden ist einzutreten. 2.1 Strittig und zu prüfen ist, ob im Rahmen des EL-An spruchs von B.____ ein hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau anzurechnen ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Die jährliche Ergänzungsleistung (Art. 3 Abs. 1 li t. a ELG) entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). Als Einnahmen angerechnet werden zwei Drittel der Erwerb seinkünfte in Geld oder Naturalien, so- weit sie bei alleinstehenden Personen jährlich Fr. 1'00 0.- und bei Ehepaaren und Personen mit rentenberechtigten Waisen oder mit Kindern, die ein en Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV begründen, Fr. 1'500.- übersteigen (Art. 11 Abs. 1 lit. a Teilsatz 1 ELG). Einbezogen werden ferner Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG). 2.3 Nach der Rechtsprechung ist unter dem Titel des Verzi chtseinkommens (Art. 11 Abs. 1 lit. a und g ELG) auch ein hypothetisches Einkommen der Eheg attin bzw. des Ehegatten einer EL- beziehenden Person anzurechnen, sofern dieser bzw. dieser auf eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder auf deren zumutbare Ausdehnung verzichtet (BGE 1 17 V 287 E. 3c). Eine solche Anrech- nung ist damit zu rechtfertigen, dass gemäss Art. 163 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbu- ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 jede Ehegattin bzw. jeder Ehegatte nach ihren bwz. seinen Kräften für den gebührenden Unterhalt der Familie zu sorgen hat (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2012, 5A_21/2012, E. 3.3). Verzichtet die Eheg attin bzw. der Ehegatte auf die mögliche und zumutbare Erzielung eines Erwerbseinkommens, so ist di e Geltendmachung eines EL- Anspruchs zur Deckung jenes Teils der anerkannten Ausgaben, der durch das Erwerbseinkom- men der Ehegattin bzw. des Ehegatten gedeckt werden könnte, missbräuchlich (vgl. RALPH JÖHL , Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR Soziale Sicherheit, Ulrich Meyer [Hrsg.], Basel 2016, S. 1809 f. Rz. 129). 2.4 Die hypothetische Frage, ob die Ehegattin bzw. der Ehegatte einer EL-beziehenden Per- son bei Aufbringung des forderbaren guten Willens ein e Stelle finden und in welcher Höhe sie bzw. er Erwerbseinkünfte erzielen könnte, lässt in der Re gel ohne vorgängige Abklärungen im Einzelfall weder ein schematisches Abstellen auf statistische Durchschnittswerte noch mehr oder weniger gesicherte Erfahrungsannahmen zu, die zwar mehrheitlich zutreffen mögen, aber nichts über das beruflich-erwerbliche Leistungsvermögen im konkre ten Fall aussagen. Es ist deshalb stets im konkreten Einzelfall zu prüfen, ob und allenfalls in welchem Umfang der Ehegattin bzw. dem Ehegatten eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar 2004, P 64/03, E. 3.3.2). 2.5 Zur Bestimmung des hypothetischen zumutbaren Erwer bseinkommens sind familien- rechtliche Grundsätze (vgl. Art. 163 ZGB) zu berücksichtigen (BGE 117 V 287 E. 3c). Abzustellen ist auf das Alter, den Gesundheitszustand, die Sprachkenn tnisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die konkrete lokale Arbeitsmarktlage, Famili enpflichten sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben (BGE 134 V 53 E . 4.1, 117 V 287 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts vom 16. August 2018, 9C_293/2018, E. 3.2.1 mit Hinweisen). Bei der Beurteilung der konkreten Arbeitsmarktlage ist einerseits das Angebot an offenen und geeigneten Stellen, welche den persönlichen und beruflichen Voraussetzungen der betreffenden Person gerecht wer- den und anderseits die Zahl der Arbeit suchenden Pers onen zu beachten (Urteile des Bundes- gerichts vom 7. Juni 2005, P 16/04, E. 4.2.3, vom 4. April 2005, P 6/04, E. 3.2.2 und vom 27. Feb- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ruar 2004, P 64/03, E. 3.3.2). Bemüht sich die Ehega ttin bzw. der Ehegatte trotz (teilweiser) zu- mutbarerweise verwertbarer Arbeitsfähigkeit nicht um eine Stelle, verletzt sie bzw. er dadurch die Schadenminderungspflicht (Urteile des Bundesgerichts vom 26. Januar 2011, 9C_717/2010, E. 3.1 und vom 9. Februar 2009, 9C_539/2009, E. 4.1). 3.1 Vorliegend hat die Ausgleichskasse die Beschwerdefü hrerin mit Verfügung vom 13. Ja- nuar 2020 erstmals aufgefordert, Stellenbemühungen ei nzureichen, ansonsten 6 Monate nach Zustellung der EL-Verfügung ein hypothetisches Mindesteinkommen bei der Berechnung der EL ihres Ehemannes berücksichtigt werde. Das Vorgehen der Ausgleichskasse ist insofern nachvoll- ziehbar, als den Akten – insbesondere aus dem Abklärung sbericht Hilflosigkeit IV vom 18. April 2018 – entnommen werden kann, dass die Beschwerdeführe rin den Versicherten nicht rund um die Uhr betreuen und pflegen muss. Der Gesundheitszustand ihres Ehemannes schliesst zumin- dest eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin nicht aus. Dazu kommt, dass die Beschwerdeführerin die Pflegeleistungen nicht allein e, sondern zusammen mit einer für die Pflege ihres Ehemannes angestellten Person erfüllt (vgl. Aussagen des Ehemannes im Gutach- ten von Dr. med. E.____, FMH Neurologie, vom 29. April 2018, in der Lohnmeldung 2019 und in seinem Schreiben vom 25. Mai 2020). Die im Januar 2020 aufgetretene Herzkrankheit des Ehe- mannes, welche im Februar 2020 einen operativen Eingriff erforderte, führte gemäss den Akten nicht zu einer dauerhaften Erhöhung des Betreuungs- und Pflegeaufwandes. Wie aus dem Aus- trittsbericht des Spitals F.____ vom 12. März 2020 hervor geht, konnte der Ehemann in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden. Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass sich der Betreuungs- und Pflegeaufwand der Beschwerdeführerin wesentlich vergrössert hat. Ob nach der im Mai 2020 geplanten Operation die Hilfs- und Pflegebedürftigkeit des Ehemannes sich erhöhen wird, steht offen und ist im vorliegenden Verf ahren auch nicht von Relevanz. Denn die richterliche Überprüfungsbefugnis ist auf die Entwicklun g des Sachverhaltes bis zum Zeitpunkt des angefochtenen Entscheides vom 2. März 2020 beschränkt (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinwei- sen). 3.2 Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach der g esundheitlich stark beeinträchtigte C.____ ihrer Betreuung und der ebenfalls erkrankte D._ ___ ihrer Hilfe bedürfe, um arbeiten zu können, ist nicht geeignet, um von einer unzumutbaren Verwertbarkeit ihrer Arbeitsfähigkeit aus- zugehen. Gemäss den Akten sind C.____ und D.____ erwach sen und wohnen nicht mehr zu- hause (vgl. Angaben des Ehemannes im Formular "Revision d es Assistenzbetrages" vom 26. März 2020 sowie im Gutachten von Dr. E.____ vom 29. April 2018, S. 8 und von Dr. med. G.____, FMH Rheumatologie und FMH Innere Medizin, vom 16. Mai 2018, S. 44). Die Beschwer- deführerin ist daher rechtlich nicht mehr verpflichtet , C.____ und D.____ zu betreuen. So geht das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung davon aus, dass dem die Kinder betreuenden Ehe- gatten die Aufnahme einer (vollen) Erwerbstätigkeit gr undsätzlich zuzumuten ist, wenn das jüngste Kind das 16. Altersjahr zurückgelegt hat (vgl. URS GLOOR /A NNETTE SPYCHER , Zivilgesetz- buch I, Thomas Geiser/Christina Fountoulakis [Hrsg.], Ba sler Kommentar, Basel 2018, zu Art. 125 Rz. 10 mit weiteren Hinweisen). Zwar wird bei gesundheitlich beeinträchtigten Kindern, wel- che besonderer Betreuung bedürfen, nicht schematisch auf diese Altersgrenze abgestellt (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juli 2005, 5C.139/2005, E. 2.2). Ob vorliegend von einem Fall ge- sprochen werden muss, in welchem Betreuungspflichten übe r das 16. Altersjahr anzuerkennen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind, ist in Anbetracht der Tatsache, dass C.____ und D.____ die Ausbildung zum Gipser abge- schlossen und im Berufsleben Fuss gefasst haben, zu bezweife ln. Selbst wenn bei der Beurtei- lung der Zumutbarkeit der Verwertung der Leistungsfäh igkeit ein allfälliger Hilfeleistungs- und Betreuungsaufwand der Beschwerdeführerin für C.____ u nd D.____ zu berücksichtigen wäre, schliesst dies allein noch nicht aus, dass die Beschwerdeführerin einer Teilzeitarbeit nachgehen könnte (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kant ons Zürich vom 2. März 2020, ZL.2018.00054, E. 4.3.3). 3.3 Nicht gefolgt werden kann dagegen den Ausführung en der Ausgleichskasse in der Verfü- gung vom 13. Januar 2020 und im Entscheid vom 2. März 2020, wonach ein hypothetisches Einkommen der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 14b der Verordnung über die Ergänzungs- leistungen (ELV) vom 15. Januar 1971 (Anrechnung des Erwerbseinkommens bei nichtinvaliden Witwen) anrechenbar sei. Gemäss bundesgerichtlicher Recht sprechung ist diese Bestimmung auf die Anrechnung von hypothetischen Einkommen eines nich tinvaliden Ehepartners einer EL- Bezügerin bzw. eines EL-Bezügers weder direkt noch analog anwendbar (Urteil des Bundesge- richts vom 8.April 2015, 9C_103/2015, E. 2.2; vgl. auch URS MÜLLER , Rechtsprechung des Bun- desgerichts zum ELG, Zürich 2015, zu Art. 11 Rz. 516; ERWIN CARIGIET /U WE KOCH , Ergänzungs- leistungen zur AHV/IV, Zürich/Basel/Genf 2009, S. 159). Es gilt vielmehr, dass die Verwaltung bzw. das Gericht in jedem Einzelfall zu prüfen hat, ob der Ehegattin bzw. dem Ehegatten eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann (vgl. dazu Erwäg ung 2.4). Auch wenn die Vermutung der grundsätzlichen Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit der Ehegattin bzw. des Ehegatten einer EL-Bezügerin bzw. eines EL-Bezügers besteht und diese grundsätzlich aufgrund erfolgloser Stel- lenbemühungen umgestossen werden kann (BGE 142 V 12 E. 4, 134 V 53 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2013, 9C_12/2013, E. 3 .1), hätte sich die Ausgleichskasse im vorliegenden Fall nicht darauf beschränken dürfen, die Anrechenbarkeit eines hypothetischen Einkommens einzig vom Nachweis von quantitativ und quali tativ genügenden Stellenbemühun- gen der Beschwerdeführerin abhängig zu machen. Denn es liegen hier Anhaltspunkte auf eine Häufung der für die Verwertung einer verbleibenden A rbeitsfähigkeit ungünstigen Faktoren, wie z.B. fehlende Schul- und Ausbildung, fortgeschrittenes Alter, gesundheitliche Probleme, längere Abwesenheit vom Berufsleben, vor, welche eine Erwerbstätigkeit von vornherein als unzumutbar erscheinen lassen können. In einem solchen Fall ist auf den von der betroffenen Person zu er- bringenden Nachweis erfolgloser Stellenbemühungen zu ve rzichten (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Februar 2009, 9C_539/2009, E. 5.2.2). 3.4 Aufgrund der Akten steht fest, dass die Beschwerdeführ erin seit Jahren keiner Erwerbs- tätigkeit mehr nachgegangen ist. So hatte sie sich seit der Heirat im Jahr 1991 ausschliesslich um den Haushalt und die Erziehung des Sohnes ihres Ehem annes und ihrer beiden gemeinsa- men Kinder H.____ (geboren 1991) und D.____ gekümmert. Nachdem die erwachsenen Kinder ausgezogen waren, erledigte sie weiterhin den Hausha lt und sämtliche administrativen Angele- genheiten, ohne eine (teilzeitliche) Erwerbarbeit au fzunehmen. Nach Erkrankung ihres Mannes übernahm sie zudem dessen Pflege. Daran hat sich bis heu te nichts geändert (vgl. Abklärungs- bericht Hilflosigkeit IV vom 18. April 2018). Weiter ist zu berücksichtigten, dass die Beschwerde- führerin, geboren am XX.XX.1961, im Zeitpunkt der Aufforderung zur Einreichung von Stellenbe- werbungen im Januar 2020 bzw. im Zeitpunkt des angefochtenen Einspracheentscheides vom 2. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht März 2020 bereits über 58 Jahre alt war. Es verblieben ihr somit rund 5 ½ Jahre bis zur ordentli- chen AHV-Pensionierung. Auch wenn damit eine Anrechnung eines hypothetischen Erwerbsein- kommens rechtsprechungsgemäss grundsätzlich noch nicht ausser Betracht fällt, kann das fort- geschrittene Alter der Beschwerdeführerin zusammen mit der langen Abwesenheit vom Arbeits- markt und anderen ungünstigen Faktoren dazu führen, die Aufnahme einer Erwerbsarbeit als unzumutbar zu bezeichnen. Ob solche Faktoren bei der Be schwerdeführerin vorliegen, hat die Ausgleichskasse nicht abgeklärt. Denn aus den Akten ist namentlich nicht ersichtlich, über welche Schulbildung die Beschwerdeführerin verfügt, welchen Beruf sie erlernt hat und ob gesundheitli- che (nicht invaliditätsbedingte) Beeinträchtigungen be stehen. Zumindest hätte die Ausgleichs- kasse sie explizit auffordern müssen, Auskunft über Schulbildung, Beruf und Gesundheit zu ge- ben. Indem sie der Beschwerdeführerin ohne weitere Abklärungen in Aussicht gestellt hat, dass ein hypothetisches Erwerbseinkommen der EL ihres Ehemannes gestützt auf Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG angerechnet werde, falls sie nicht innert einer 6- monatigen Frist ernsthafte und quantitativ genügende Stellenbewerbungen einreiche, hat sie ihre Sachverhaltsabklärungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG verletzt. Die Ausgleichskasse hat folglich das Versäumte nachzuho- len. Der angefochtene Entscheid vom 2. März 2020 ist deshalb aufzuheben und die Angelegen- heit ist zur weiteren Abklärung an die Ausgleichskasse zurückzuweisen. Dabei hat sie insbeson- dere die Ausführungen in den Erwägungen 3.3. und 3. 4 zu beachten. Die vorliegende Be- schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 4. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverf ahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Parteientschädigung wird bei der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdefüh- rerin nicht ausgerichtet. 5.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlichrechtlichen Angelegenhe iten an das Bundesgericht zulässig ge- gen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständi gkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und an- schliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, son dern um einen Zwischen-ent- scheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch f ür einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvorausset- zungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 5.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefo chtene Einspracheent- scheid der Ausgleichskasse Basel-Landschaft vom 2. März 2020 aufge- hoben und die Angelegenheit wird zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Ausgleichskasse Basel-Landschaft zurückgewie - sen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.