A bteilung III C -1419/2007 {T 0/2} U rteil vom 29. M ai 2007 M itw irkung: Franziska Schneider, vorsitzende R ichterin; Francesco Parrino, R ichter; Stefan M esm er, R ichter; Susanne G enner, G erichtsschreiberin. A._______, Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw alt P._______, gegen Eidgenössische Invalidenversicherung (IV), IV-Stelle für Versicherte im A usland, Postfach 3100, 1211 G enf 2, Vorinstanz, betreffend R echtsverzögerungsbeschw erde B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er 1971 geborene Beschw erdeführer m azedonischer N ationalität w ar zw ischen 1989 und 2004 m it kurzen U nterbrüchen der Schw eiz w ohnhaft und arbeitstätig. Am 22. August 2002 erlitt er einen Arbeitsunfall und m el- dete sich am 9. D ezem ber 2003 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. G allen zur U m schulung auf eine neue Tätigkeit sow ie zum Be- zug m edizinischer W iedereingliederungsm assnahm en an (act. 9). B. Am 28. Februar 2005 (act. 39) überw ies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. G allen die Akten an die IV-Stelle für Versicherte im Aus- land (nachfolgend: Vorinstanz), da der Beschw erdeführer infolge N ichtver- längerung der Aufenthaltsbew illigung die Schw eiz 2004 hatte verlassen m üssen (act. 25). C . M it Verfügung vom 23. M ai 2006 w ies die Vorinstanz das Leistungsgesuch ab (act. 61). D . D er Beschw erdeführer, vertreten durch R echtsanw alt P._______, liess die- sen Entscheid m it Einsprache vom 28. Juni 2006 anfechten (act. 64). E. M it Schreiben vom 23. O ktober 2006 erkundigte sich der R echtsvertreter des Beschw erdeführers nach dem Stand des Verfahrens (act. 66). F. Am 8. Januar 2007 teilte er der Vorinstanz m it, er habe auf seine Anfrage vom 23. O ktober 2006 keine Antw ort erhalten, und ersuchte die Vorin- stanz, ihm bis Ende Januar 2007 den Einspracheentscheid zuzustellen, andernfalls er gezw ungen w äre, R echtsverw eigerungsbeschw erde zu er- heben (act. 67). G . M it Brief vom 19. Februar 2007 bestätigte die Vorinstanz den Eingang des Schreibens und erklärte die entstandene Verzögerung m it einem personel- len Engpass in ihrem R echtsdienst (act. 69). Sie habe die Behandlung der Einsprache zw ischenzeitlich an die H and genom m en und die Akten zur nochm aligen Stellungnahm e an den ärztlichen D ienst überw iesen. H . M it Eingabe vom 19. Februar 2007 reichte der R echtsvertreter des Be- schw erdeführers beim Versicherungsgericht des Kantons St. G allen eine Beschw erde betreffend R echtsverw eigerung ein. D as Versicherungsge- richt überw ies die Beschw erde am 22. Februar 2007 zuständigkeitshalber an das Bundesverw altungsgericht. I. D ie Vorinstanz schloss in ihrer Vernehm lassung vom 23. M ärz 2007 auf Abw eisung der Beschw erde. J. M it R eplik vom 10. April 2007 hielt der Vertreter des Beschw erdeführers an der Beschw erde fest. K. D ie Frist zur Einreichung eines Ausstandsbegehrens ist am 25. April 2007 unbenutzt abgelaufen. Auf die w eiteren Vorbringen der Parteien w ird, sow eit erforderlich, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen.3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverw altungsgericht vom 17. Juni 2005 (Verw altungsgerichtsgesetz, VG G , SR 172.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Ar- tikel 5 des Bundesgesetzes über das Verw altungsverfahren vom 20. D e- zem ber 1968 (Verw altungsverfahrensgesetz, Vw VG , SR 172.021). Zuläs- sig sind Beschw erden gegen Verfügungen von Vorinstanzen gem äss Art. 33 VVG . D ie IV-Stelle für Versicherte im Ausland ist eine Vorinstanz im Sinn von Art. 33 Bst. d VG G . 1.2 G em äss Art. 56 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgem einen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. O ktober 2000 (ATSG , SR 830.1) kann auch Beschw erde erhoben w erden, w enn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Partei keine Verfügung oder kei- nen Einspracheentscheid erlässt. D ies ist vorliegend der Fall. Aufgrund der system atischen Stellung von Art. 56 Abs. 2 ATSG ergibt sich, dass die Be- schw erdeinstanz zuständig ist für die Behandlung von R echtsverw eige- rungs- und R echtsverzögerungsbeschw erden. 1.3 D ie R echtsverw eigerungs- und R echtsverzögerungsbeschw erde ist akzes- sorisch zum H auptverfahren, w eshalb sich die Beschw erdebefugnis nach der Legitim ation im H auptverfahren richtet. D em nach ist zur Beschw erde berechtigt, w er vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenom m en hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. a Vw VG ), durch die angefochtene Verfügung besonders be- rührt ist (Art. 48 Abs. 1 Bst. b Vw VG ) und ein schutzw ürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c Vw VG ). Vorlie- gend ist der Beschw erdeführer zur Einsprache und som it auch zur Be- schw erde gegen das unrechtm ässige Verzögern des Einspracheent- scheids legitim iert. D ie Anforderungen an die Form der Beschw erde sind erfüllt, so dass darauf einzutreten ist. 2. 2.1 D as Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht richtet sich im W esentli- chen nach den Vorschriften des Vw VG , des VG G sow ie des Bundesgeset- zes über den Allgem einen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. O k- tober 2000 (ATSG , SR 830.1). 2.2 N ach den allgem einen intertem poralrechtlichen R egeln ist im Fall von R echtsänderungen w ährend der D auer eines Verfahrens dasjenige m ateri- elle R echt anw endbar, w elches im Zeitpunkt des zu R echtsfolgen führen- den Sachverhalts G eltung hatte (BG E 130 V 329 E. 2.3). Im Fall der R echtsverzögerungsbeschw erde fällt dieser Zeitpunkt m it dem D atum der Beschw erdeeinreichung zusam m en, w eil die Verzögerung eines Ent- scheids erst dann als eingetreten betrachtet w erden kann, w enn sie gel- tend gem acht w ird. Vorliegend trägt die Beschw erde das D atum des 19. Februar 2007, so dass die in diesem Zeitpunkt geltenden R echtsnorm en 4 m assgeblich sind. 2.3 In verfahrensrechtlicher H insicht sind diejenigen R echtssätze m assge- bend, w elche im Zeitpunkt der Beschw erdebeurteilung G eltung haben (BG E 130 V 1 E. 3.2), sofern keine anderslautenden spezialgesetzlichen Ü bergangsbestim m ungen erlassen w erden. 3. 3.1 Aufgrund der Beschw erdebegehren streitig und dam it zu prüfen ist im Fol- genden, ob die Zeitdauer zw ischen dem D atum der Einsprache (28. Juni 2006, der Post übergeben am 30. Juni 2006) und dem D atum der Be- schw erdeerhebung (19. Februar 2007, der Post übergeben am 21. Februar 2007) als zu lang und dam it als R echtsverzögerung qualifiziert w erden m uss. 3.2 D as Verbot der R echtsverw eigerung bzw . R echtsverzögerung w ird ver- letzt, w enn eine G erichts- oder Verw altungsbehörde untätig bleibt oder das gebotene H andeln über G ebühr hinauszögert, obw ohl sie zum Tätigw erden verpflichtet w äre (U LR IC H H ÄFELIN /G EO R G M Ü LLE R /FELIX U H LM AN N , Allgem eines Verw altungsrecht, 5. Auflage, Zürich Basel G enf 2006, S. 356, R z. 1657). Von R echtsverw eigerung oder R echtsverzögerung kann nicht schon dann die R ede sein, w enn eine Behörde eine Eingabe nicht sofort behandelt. R echtsverzögerung ist nur gegeben, w enn sich die zuständige Behörde zw ar bereit zeigt, den Entscheid zu fällen, ihn aber nicht binnen der Frist trifft, w elche nach der N atur der Sache und nach der G esam theit der übri- gen U m stände noch als angem essen erscheint (a.a.O ., R z 1658). 3.3 M assgeblich für die Beurteilung der Frage, ob im Einzelfall eine R echtsver- zögerung vorliegt, sind nam entlich die Art des Verfahrens, die Schw ierig- keit der M aterie und das Verhalten der Beteiligten (Entscheid der Eidge- nössischen Steuerrekurskom m ission vom 4. M ai 2004, in: VPB 68.123). Im Bereich der Invalidenversicherung handelt es sich auf erstinstanzlicher Stufe um M assenverfahren, w elche in voraussehbarer W eise zu einer grossen G eschäftslast der verfügenden Behörde führen. N ach der R echt- sprechung schliessen U m stände w ie ungenügende Stellenzahl oder Ü ber- lastung eine R echtsverzögerung nicht zum Vornherein aus, zum al für die Verletzung des R echtsverzögerungsverbots kein Verschulden vorausge- setzt ist (Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskom m ission vom 4. M ai 2004, in: VPB 68.123). D er von der Vorinstanz vorgebrachte Einw and des personellen Engpasses verm ag daher den Vorw urf der R echtsverzö- gerung nicht zu entkräften. Es fragt sich jedoch, ob im Bereich der Invali- denversicherung bei einer Verfahrensdauer von 7 M onaten und 3 W ochen von einer R echtsverzögerung gesprochen w erden kann. D er Entscheid des Schw eizerischen Bundesgerichts, das im Fall einer zw eijährigen Verfah- rensdauer für den Entscheid über eine IV-R ente die R echtsverzögerung bejaht hat (BG E 129 V 411 E. 1.1), lässt jedenfalls diesen Schluss nicht zu. D ie Behandlung von G esuchen und Einsprachen in der Invalidenversi- cherung stellt, insbesondere für die IV-Stelle für Versicherte im Ausland, eine sow ohl in juristischer als auch in tatsächlicher H insicht kom plexe M a- terie dar, w elche in hohem M ass durch externe Faktoren w ie den Bezug 5 zum Ausland oder das Einholen von ärztlichen G utachten bestim m t ist. D er Begriff "angem essene Frist" gem äss Art. 52 Abs. 2 ATSG ist in Berück- sichtigung dieser U m stände auszulegen. Zusätzlich zu diesen G egeben- heiten, w elche der Verfahrensstraffung strukturelle G renzen setzen, kön- nen im Einzelfall w eitere U m stände das Verfahren kom plizieren und dam it verlängern. Im konkreten Fall ist die Akte des Beschw erdeführers infolge eines am (...) 2001 ergangenen U rteils des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts in einem unfallversicherungsrechtlichen Verfahren, eines Bundesgerichtsurteils aus dem Jahr 2003 in einem frem denpolizeilichen Verfahren sow ie insbesondere infolge eines am 22. August 2002 erlittenen U nfalls, dessen Folgen für die Ü berprüfung des Leistungsgesuchs relevant sind, aussergew öhnlich um fangreich. In W ürdigung dieser G esichtspunkte ist die bisherige Verfahrensdauer nicht zu beanstanden. 3.4 Zusam m enfassend kann festgestellt w erden, dass die angem essene Frist zum Erlass von Einspracheentscheiden gem äss Art. 52 Abs. 2 ATSG nicht überschritten w urde. D ie Beschw erde erw eist sich som it als unbegründet und ist daher abzuw eisen. 4. 4.1 D as Verfahren ist entsprechend der Akzessorietät der R echtsverzöge- rungsbeschw erde zum H auptverfahren kostenlos (vgl. Art. 52 Abs. 3 ATSG ). 4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädigung zuzu- sprechen (Art. 64 Abs. 1 Vw VG e contrario).6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie R echtsverzögerungsbeschw erde w ird abgew iesen. 2. Es w erden keine Verfahrenskosten auferlegt, und es w ird keine Parteient- schädigung zugesprochen. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Vertreter des Beschw erdeführers (G erichtsurkunde) - der Vorinstanz (G erichtsurkunde) - dem Bundesam t für Sozialversicherungen (G erichtsurkunde) D ie Instruktionsrichterin: D ie G erichtsschreiberin: Franziska Schneider Susanne G enner R echtsm ittelbelehrung G egen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, Schw eizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschw erde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt w erden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). D ie R echtsschrift hat die Begehren, deren Begründung m it Angabe der Bew eism ittel und die U nterschrift zu enthalten. D er angefochtene Entscheid und die Bew eism ittel sind, sow eit sie der Beschw erdeführer in H änden hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BG G ). Versand am :