<h2>SubmittedText<h2><p>Die Forschungsanstalt Agroscope hat beim Bafu ein Gesuch eingereicht für einen Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffeln der Universität Wageningen (NL), die gegen Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora) resistent sind. </p><p>1. Wie beurteilt das Bafu die Risikofaktoren von cisgenen Organismen für Mensch und Umwelt? </p><p>2. Die Schweizer Landwirtschaft setzt auf Qualität und verzichtet gemäss der Qualitätscharta auf GVO. Ein Grossteil der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten lehnt Gentechnik in Nahrungsmitteln ab und steht Freisetzungsversuchen kritisch gegenüber. Warum setzt Agroscope dennoch auf GVO? Wie wird der kritischen Haltung der Bevölkerung Rechnung getragen? </p><p>3. Sind vom Bafu nebst dem aktuellen noch andere GVO-Freilandversuche bewilligt? Sind weitere solche oder ähnliche Gesuche hängig oder in Vorbereitung (Standort, Kultur, Dauer, Fläche)? </p><p>4. Die Versuche werden in einer Protected Site durchgeführt, um zu verhindern, dass gentechnisch veränderte Pflanzenteile in die Umwelt gelangen, und um diese vor GVO-kritischen Personen zu schützen. Welche Massnahmen sind für diese unterschiedlichen Schutzziele der Protected Site nötig, und wie werden diese finanziert? Im Schweizer Fernsehen wurde Prof. Beat Keller von der Universität Zürich am 19. März 2014 wie folgt zitiert: "Ohne die Protected Site des Bundes wäre diese Forschung nicht möglich, die Kosten wären zu hoch." Welche Kosten übernimmt der Bund?</p><p>5. Die SAG schreibt in ihrer Mitteilung vom 19. März 2014: "Agroscope selber betreibt keine Forschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Sie stellt den Forschern von verschiedenen Institutionen Versuchsanlagen zur Verfügung und betreut die Freisetzungsversuche agronomisch." Ist diese Aussage richtig? Welchen Institutionen stellt Agroscope ihre Versuchsanlagen zur Verfügung, und wie beteiligen sich diese an den Kosten?</p><p>6. Die Anzahl Freisetzungsversuche in der EU ist abnehmend. 2014 waren es nur zehn neue Gesuche gegenüber mehr als hundert im Jahr 2009. Warum bietet sich die Schweiz als Standort für Freisetzungsversuche an, wenn europaweit kaum noch Freisetzungsversuche durchgeführt werden?</p><p>7. Die Phytophthora-Resistenz von cisgenen Kartoffelsorten wird von der Natur vermutlich bald durchbrochen. Wie gross ist das Engagement für standortgerechte Züchtungen, die mit dem Ökosystem im Einklang stehen, und wie steht dieses im Verhältnis mit dem Engagement mit cisgenen Kartoffeln?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Im Jahr 2008 hat der Bundesrat in der Freisetzungsverordnung (FrSV; SR 814.911) präzise festgelegt, welche Anforderungen beim Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Umwelt erfüllt sein müssen. Die Kriterien und Methoden, die die Grundlage für die Risikoermittlung und -bewertung im Hinblick auf Freisetzungsversuche mit GVO bilden, sowie das massgebende Verfahren sind in der FrSV im Detail definiert. Diese Bestimmungen bilden die Grundlage für die Beurteilung des Bewilligungsgesuchs für einen Freisetzungsversuch mit der von der Universität Wageningen entwickelten cisgenen Kartoffelsorte, welche eine verbesserte Resistenz gegen Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora) aufweist.</p><p>2. Der Auftrag für Agroscope zur Forschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) wird im Leistungsauftrag Agroscope 2014-2017 konkret beschrieben: "Um in Feldversuchen zu untersuchen, wie sich gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP) in der Umwelt verhalten, und um den Nutzen und die Risiken von GVP zu untersuchen, etabliert und betreibt Agroscope ein geschütztes Versuchsfeld (Protected Site)." Der Bundesrat hat im Rahmen der BFI-Botschaft 2013-2016 auf Basis der Erfahrungen aus dem NFP 59 über Nutzen und Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen den Betrieb einer Protected Site am Standort Reckenholz als Forschungsinfrastruktur vorgesehen. Agroscope stellt Erkenntnisse aus dem Betrieb der Protected Site der Gesellschaft zur Versachlichung der kontroversen Diskussion über die Gentechnologie zur Verfügung. Die Kommunikation der Erkenntnisse hat einen hohen Stellenwert. Die Information der Öffentlichkeit ist aber nicht nur ein Anliegen von Agroscope, sondern wird im Gentechnikgesetz (GTG; SR 814.91) und in der Freisetzungsverordnung explizit verlangt.</p><p>3. Gegenwärtig findet auf der Protected Site am Agroscope-Standort Reckenholz ein Freisetzungsversuch mit genetisch verändertem Weizen statt, der eine verbesserte Mehltauresistenz besitzt. Dieser vom Institut für Pflanzenbiologie der Universität Zürich durchgeführte Versuch wurde 2014 für eine Dauer von vier Jahren bewilligt. Sämtliche Unterlagen zu diesem Gesuch sind unter <a href="http://www.protectedsite.ch">www.protectedsite.ch</a> öffentlich zugänglich.</p><p>Bis heute wurden, abgesehen von den Versuchen mit Weizen und Kartoffeln, bei der zuständigen Behörde keine weiteren Freisetzungsversuche beantragt.</p><p>4. Die Leistungen von Agroscope für den Betrieb der Protected Site beinhalten neben den Massnahmen zum Schutz vor Vandalismus die Umsetzung von Biosicherheitsmassnahmen, die agronomische Betreuung der Versuche und des restlichen Geländes, die technische und wissenschaftliche Koordination und die Kommunikation. Für diese Leistungen wurde das Globalbudget von Agroscope, wie in der BFI-Botschaft 2013-2016 dargelegt, im Rahmen des Leistungsauftrags 2014-2017 an Agroscope pro Jahr um 750 000 Franken aufgestockt. Die Höhe dieses Betrags basiert auf den Erfahrungen aus den Freilandversuchen des NFP 59 zwischen 2008 und 2010. Dabei wurde erkannt, dass solche Freilandversuche nicht durch einzelne Forschungsprojekte finanziert werden können, sondern dass eine separat finanzierte Forschungsinfrastruktur notwendig ist.</p><p>5. Am Standort Reckenholz betreibt Agroscope seit 1994 Risikoforschung mit GVP. In dieser Versuchstätigkeit wird die Wirkung von GVP auf Nichtzielorganismen untersucht. Damit soll abgeklärt werden, ob GVP für die Biodiversität und ihre Funktionen ein Risiko darstellen könnten.</p><p>In Bezug auf die Protected Site hat Agroscope zwei Funktionen. Einerseits ist Agroscope Betreiber dieser Infrastruktur als Dienstleistung für Forschende in der Schweiz. Andererseits nutzt Agroscope die Protected Site für die Erforschung von Nutzen und Risiken von GVP im Sinne des Aufzeigens zukünftiger neuer Optionen für die Schweizer Landwirtschaft.</p><p>6. Das Schweizer Recht schreibt vor, dass ein Teil der Forschung der biologischen Sicherheit gewidmet sein muss. Dies ist in der EU nicht der Fall. Die Mehrheit der in Europa durchgeführten Versuche hatte zum Ziel, GVO-Sorten auf den Markt zu bringen. Der Rückgang der Anzahl Versuche lässt sich dadurch erklären, dass das Interesse an der landwirtschaftlichen Nutzung von GVO-Sorten in Europa gering ist und dass die meisten Versuche Sabotageakten zum Opfer gefallen sind.</p><p>7. Es gibt Resistenzgene, welche eine dauerhafte Resistenz verleihen, sie sind jedoch nicht zahlreich. Normalerweise bewirkt die genetische Variabilität einer Schadpopulation, dass sich innerhalb der Population Organismen mit Resistenzeigenschaften durchsetzen und verbreiten. Je intensiver der Druck auf den Schadorganismus ist, desto schneller werden Resistenzen durchbrochen und verbreiten sich. Zwei oder mehr verschiedene, stark wirkende Resistenzgene in der gleichen Pflanze zu kombinieren verzögert den Resistenzdurchbruch beträchtlich. In den geplanten Versuchen mit gentechnisch veränderten Kartoffeln werden deshalb auch Linien geprüft, welche zwei beziehungsweise drei Resistenzgene aus verschiedenen Wildkartoffelarten enthalten.</p><p>In der Schweiz gibt es keine kommerzielle Kartoffelzüchtung. Die Bekämpfung von Phytophthora verursacht in der konventionellen wie auch in der biologischen Produktion beträchtliche Kosten weltweit. Deshalb beschäftigen sich Universitäten wie auch Züchtungsfirmen mit der Phytophthoraresistenz.</p>  Antwort des Bundesrates.