<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 42" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 42</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">259</span> </div> <div class="page" id="S259"> <div role="main"> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>42 </b> <b>§ 68 Abs. 1 lit. b StG</b></span><br/> <span class="text">Geschäftsmässige Begründetheit von Honorarzahlungen / geldwerte Leis-</span><br/> <span class="text">tung: Die geleisteten Honorare sind mangels nachgewiesener Gegenleis-</span><br/> <span class="text">tung nicht geschäftsmässig begründet, weshalb eine Aufrechnung zum</span><br/> <span class="text">steuerbaren Gewinn zu erfolgen hat. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Spezialverwaltungsgerichts, Abteilung Steuern,</span><br/> <span class="text">vom 24. Oktober 2019, in Sachen A. (3-RV.2018.53)</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">Zu prüfen ist, ob die im Jahr 2013 im Zusammenhang mit</span><br/> <span class="text">dem Bauprojekt X. geleistete Zahlung an die Gesellschaft B. vom</span><br/> <span class="text">3. Juli 2013 im Betrag von CHF 175'000.00 (Konto 3000 Auf-</span><br/> <span class="text">wand div. Objekte) als geschäftsmässig begründet gilt oder aber -</span><br/> <span class="text">wie es die Vorinstanz getan hat - als geldwerte Leistung zum</span><br/> <span class="text">steuerbaren Gewinn hinzuzurechnen ist.</span><br/> <span class="text">4.</span><br/> <span class="text">4.1. - 4.11. (...)</span><br/> <span class="text">5.</span><br/> <span class="text">5.1. - 5.3. (...)</span><br/> <span class="text">5.4.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">260</span> </div> <div class="page" id="S260"> <div role="main"> <span class="text">Will die Steuerbehörde einem verbuchten Aufwand die ge-</span><br/> <span class="text">schäftsmässige Begründetheit absprechen, muss sie dementspre-</span><br/> <span class="text">chend darlegen, dass ein realer Aufwand, der durch die entspre-</span><br/> <span class="text">chende Aufwandbuchung abgebildet wird, auch nach Studium der</span><br/> <span class="text">Belege, auf welche die Buchhaltung aufbaut, nicht erkennbar ist</span><br/> <span class="text">(Beweislast auf Seiten der Steuerbehörde; vgl. Peter Locher,</span><br/> <span class="text">Kommentar zum DBG, Bundesgesetz über die direkte Bundes-</span><br/> <span class="text">steuer, II. Teil, Therwil/Basel, Art. 58 DBG N 170). Dabei genügt</span><br/> <span class="text">es nicht, wenn die Steuerbehörde Umstände darlegt, die aus be-</span><br/> <span class="text">triebswirtschaftlicher Perspektive allenfalls einen etwas geringe-</span><br/> <span class="text">ren Aufwand zu rechtfertigen vermöchten. Die Steuerbehörde</span><br/> <span class="text">kann sich nicht an die Stelle des Unternehmens setzen und die</span><br/> <span class="text">Opportunität unternehmerischer Entscheidungen in Zweifel zie-</span><br/> <span class="text">hen (VGE vom 20. Juni 2019 (WBE.2019.21), Erw. 2.3.).</span><br/> <span class="text">Gelingt der Steuerbehörde indessen der Nachweis von Tatsa-</span><br/> <span class="text">chen, welche überhaupt oder masslich den entsprechenden Auf-</span><br/> <span class="text">wand als nicht nachvollziehbar bzw. inexistent erscheinen lassen,</span><br/> <span class="text">tritt ein Beweislastwechsel ein. Dann obliegt es der Gesellschaft,</span><br/> <span class="text">die natürliche Vermutung für den fehlenden Aufwandcharakter zu</span><br/> <span class="text">entkräften, indem sie Umstände benennt und nachweist, welche</span><br/> <span class="text">die entsprechende Aufwandbuchung zu rechtfertigen vermögen.</span><br/> <span class="text">5.5.</span><br/> <span class="text">Das Bundesgericht hat im Urteil vom 1. Februar 2018</span><br/> <span class="text">(2C_942/2017 = ASA 86 S. 18) zum Beweis geschäftsmässiger</span><br/> <span class="text">Aufwendungen das Folgende ausgeführt:</span><br/> <span class="text">3.2 Geschäftsmässig begründet und damit steuerlich absetz-</span><br/> <span class="text">bar sind Kosten, wenn sie aus unternehmungswirtschaftlicher</span><br/> <span class="text">Sicht vertretbar erscheinen. Praxisgemäss sind Aufwendungen</span><br/> <span class="text">dann geschäftsmässig begründet, wenn sie mit dem erzielten Er-</span><br/> <span class="text">werb unternehmungswirtschaftlich in einem unmittelbaren und di-</span><br/> <span class="text">rekten (organischen) Zusammenhang stehen (Urteil 2C_51/2016</span><br/> <span class="text">und 2C_52/2016 vom 10. August 2016 E. 2.1 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">Somit muss alles, was nach kaufmännischer Auffassung in guten</span><br/> <span class="text">Treuen zum Kreis der Unkosten gerechnet werden kann, steuer-</span><br/> <span class="text">lich als geschäftsmässig begründet anerkannt werden. Dabei spielt</span><br/> <span class="text">es keine Rolle, ob ein Betrieb auch ohne den infrage stehenden</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">261</span> </div> <div class="page" id="S261"> <div role="main"> <span class="text">Aufwand ausgekommen wäre und ob dieser Aufwand im Sinne</span><br/> <span class="text">einer rationellen und gewinnorientierten Betriebsführung zweck-</span><br/> <span class="text">mässig war (Urteil 2C_795/2015 und 2C_796/2015 vom 3. Mai</span><br/> <span class="text">2016 E. 2.2 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">3.3 In Bezug auf die Beweislast hat das Bundesgericht fest-</span><br/> <span class="text">gehalten, dass bei einem von der steuerpflichtigen Gesellschaft er-</span><br/> <span class="text">folgswirksam verbuchten Aufwandposten es grundsätzlich an die-</span><br/> <span class="text">ser liegt, den Nachweis zu erbringen, dass diese Erfolgsminderung</span><br/> <span class="text">geschäftsmässig begründet ist (Urteil 2C_795/2015 und</span><br/> <span class="text">2C_796/2015 vom 3. Mai 2016 E. 2.3 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="text">6.</span><br/> <span class="text">6.1.</span><br/> <span class="text">Die Rekurrentin hat jeweils mit anderen Parteien als der Ge-</span><br/> <span class="text">sellschaft B. regelmässig schriftliche Verträge abgeschlossen. (...)</span><br/> <span class="text">Diese Aufzählung zeigt, dass der Abschluss von schriftlichen</span><br/> <span class="text">Verträgen nach der Geschäftspraktik der Rekurrentin Standard ist</span><br/> <span class="text">und auch zweifellos der allgemeinen Übung im Wirtschaftsver-</span><br/> <span class="text">kehr entspricht. Dass gerade mit der Gesellschaft B. keine solchen</span><br/> <span class="text">Verträge abgeschlossen worden sein sollen, erscheint un-</span><br/> <span class="text">glaubwürdig. Allein deshalb war das KStA JP gehalten, weitere</span><br/> <span class="text">Abklärungen vorzunehmen. Die Rekurrentin war umgekehrt ver-</span><br/> <span class="text">pflichtet, den Nachweis der geschäftsmässigen Begründetheit im</span><br/> <span class="text">Detail mit Angaben und Unterlagen zu erbringen.</span><br/> <span class="text">6.2.</span><br/> <span class="text">Wie ausgeführt hat die Rekurrentin zu den einzelnen Projek-</span><br/> <span class="text">ten nur pauschale Projektentwicklungsstudien eingereicht, wel-</span><br/> <span class="text">che überschlagsmässige Berechnungen mit Pauschalansätzen ent-</span><br/> <span class="text">halten. Detailangaben oder Begründungen für die gewählten An-</span><br/> <span class="text">sätze fehlen. Zudem wird als Projektstand der März 2012 an-</span><br/> <span class="text">gegeben, ein Zeitpunkt, in dem weder die Gesellschaft B. ge-</span><br/> <span class="text">gründet war (...), noch der Auftrag - gemäss Rekurs, Ziff 2.4., am</span><br/> <span class="text">10. Januar 2013 - erteilt worden war. Sodann wird auf der letzten</span><br/> <span class="text">Seite der Projektentwicklungsstudie in der Fusszeile die Gesell-</span><br/> <span class="text">schaft H. erwähnt, was den Schluss zulässt, die Berechnungen</span><br/> <span class="text">seien von dieser erstellt worden. Dass die behaupteten und bezahl-</span><br/> <span class="text">ten Leistungen tatsächlich erbracht wurden, ist nicht nachgewie-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Spezialverwaltungsgericht</span> <span class="page_no">262</span> </div> <div class="page" id="S262"> <div role="main"> <span class="text">sen. Die wenigen eingereichten Unterlagen vermögen die ge-</span><br/> <span class="text">schäftsmässige Begründetheit der Zahlung nicht zu belegen.</span><br/> <span class="text">Wenn die Vorinstanz in einem geringen Umfang Aufwen-</span><br/> <span class="text">dungen akzeptierte, war das zwar nicht zwingend geboten. Das</span><br/> <span class="text">Vorgehen ist aber auch nicht zu beanstanden, da ihr ein gewisses</span><br/> <span class="text">Ermessen zuzugestehen ist. Auf eine Reformatio in peius ist je-</span><br/> <span class="text">denfalls zu verzichten.</span><br/> <span class="text">6.3.</span><br/> <span class="text">Der Nachweis der geschäftsmässigen Begründetheit lässt</span><br/> <span class="text">sich auch nicht kalkulatorisch führen, wenn der Nachweis für die</span><br/> <span class="text">Leistungserbringung selbst fehlt. Insofern ist der Vergleich des in</span><br/> <span class="text">Rechnung gestellten Honorars mit dem gemäss SIA Ordnung 102</span><br/> <span class="text">möglichen Rechnungsbetrag nicht hilfreich.</span><br/> <span class="text">6.4.</span><br/> <span class="text">Ob die Rekurrentin sodann anstelle eines Honorars eine Pro-</span><br/> <span class="text">vision an die Gesellschaft B. bzw. E. bezahlt hat, ist für die Frage</span><br/> <span class="text">der geschäftsmässigen Begründetheit nicht von Relevanz. Eine</span><br/> <span class="text">Umqualifizierung des Aufwandes kommt ohnehin nicht in Frage,</span><br/> <span class="text">da die Rekurrentin an ihre Buchungen gebunden ist.</span><br/> <span class="text">6.5.</span><br/> <span class="text">Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Zahlung von</span><br/> <span class="text">CHF 180'000.00 im Umfang von CHF 175'000.00 zu Recht nicht</span><br/> <span class="text">als geschäftsmässig begründet anerkannt wurde.</span><br/> <span class="text">7.</span><br/> <span class="text">7.1.</span><br/> <span class="text">Das KStA JP hat die Zahlung an die Gesellschaft B. im Um-</span><br/> <span class="text">fang von CHF 175'000.00 als geldwerte Leistung qualifiziert.</span><br/> <span class="text">7.2.</span><br/> <span class="text">Ein geldwerter Vorteil (verdeckte Gewinnausschüttung) liegt</span><br/> <span class="text">dann vor, wenn eine Gesellschaft, ohne dies ordnungsgemäss als</span><br/> <span class="text">Gewinnverwendung zu verbuchen, einem Anteilsinhaber oder ei-</span><br/> <span class="text">ner ihr nahestehenden Person direkt oder indirekt einen Vorteil</span><br/> <span class="text">zukommen lässt, der einem unabhängigen Dritten so nicht er-</span><br/> <span class="text">bracht würde. Das ist dann der Fall, wenn die Gesellschaft für ihre</span><br/> <span class="text">Leistung klarerweise keinen genügenden Gegenwert erhält, wenn</span><br/> <span class="text">also das Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung so un-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">263</span> </div> <div class="page" id="S263"> <div role="main"> <span class="text">gewöhnlich ist, dass es sich mit einem sachgemässen Geschäfts-</span><br/> <span class="text">gebaren nicht vereinbaren lässt. Der Sachverhalt muss eindeutig</span><br/> <span class="text">so sein, dass sowohl auf Seite des Empfängers als auch auf Seiten</span><br/> <span class="text">der Gesellschaft das Vorliegen einer geldwerten Leistung erkenn-</span><br/> <span class="text">bar ist (BGE 119 Ib 116; BGE 113 Ib 25; Bundesgerichtsurteile</span><br/> <span class="text">vom 13. Juni 2012 (2C_862/2011 und 2C_863/2011; Ertragsver-</span><br/> <span class="text">zicht), vom 23. Juli 2003 (2A.602/2002) und vom 22. Mai 2003</span><br/> <span class="text">(2A.590/2002), je mit Hinweis auf die Judikatur; ASA 63 S. 671;</span><br/> <span class="text">AGVE 2004 S. 133; VGE vom 17. März 2010 (WBE.2009.218)).</span><br/> <span class="text">Die steuerliche Behandlung als verdeckte Gewinnausschüt-</span><br/> <span class="text">tung setzt somit kumulativ voraus, dass</span><br/> <span class="text">die Gesellschaft keine oder keine gleichwertige Ge-</span><br/> <span class="text">genleistung erhält,</span><br/> <span class="text">der Aktionär oder eine der Gesellschaft nahe stehende</span><br/> <span class="text">Person oder Unternehmung direkt oder indirekt einen</span><br/> <span class="text">Vorteil erhält, der einem Dritten unter gleichen</span><br/> <span class="text">Bedingungen nicht zugebilligt worden wäre, die Leis-</span><br/> <span class="text">tung also insofern ungewöhnlich ist, und</span><br/> <span class="text">der Charakter dieser Leistung für die Gesellschafts-</span><br/> <span class="text">organe erkennbar war.</span><br/> <span class="text">7.3.</span><br/> <span class="text">Nachdem die Aufrechnung der CHF 175'000.00 ohnehin bereits</span><br/> <span class="text">mangels nachgewiesener Gegenleistung als nicht geschäftsmässig</span><br/> <span class="text">begründet zu erfolgen hat, braucht die Frage, ob eine geldwerte Leis-</span><br/> <span class="text">tung vorliegt, nicht abschliessend beantwortet zu werden. Dennoch</span><br/> <span class="text">ist festzuhalten, dass das Fehlen einer adäquaten Gegenleistung bei</span><br/> <span class="text">objektiver Betrachtungsweise ohne weiteres erkennbar war und den</span><br/> <span class="text">Beteiligten zweifellos bekannt sein musste. Zudem sind E. bzw. die</span><br/> <span class="text">Gesellschaft B. als der Rekurrentin nahestehende Personen zu be-</span><br/> <span class="text">trachten, da die im Jahr 2013 generierten Honorarerlöse von insge-</span><br/> <span class="text">samt CHF 291'275.00 mit CHF 290'000.00 nahezu vollständig aus</span><br/> <span class="text">Verträgen mit der Gesellschaft F., für die E. in den genannten Ge-</span><br/> <span class="text">schäftsbeziehungen handelte, stammten.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>