Abteilung III C-6811/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 8 . J u l i 2 0 0 9 Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Elena Avenati- Carpani, Richter Bernard Vaudan, Gerichtsschreiberin Viviane Eggenberger. X._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Einreisebewilligung für Y._______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-6811/2008 Sachverhalt: A. Der 1990 geborene kosovarische Staatsangehörige Y._______ (nach- folgend: Gesuchsteller) hielt sich seit dem Jahre 1993 zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in der Schweiz auf. Seinem Vater wur- de im Jahre 1994 die Aufenthaltsbewilligung im Kanton Luzern nicht mehr verlängert und in der Folge eine Ausreisefrist angesetzt. Weitere darauffolgende Bemühungen, eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen, blieben ohne Erfolg. Schliesslich wurde eine Beschwerde gegen eine Verfügung des Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF; heute: Bundesamt für Migration [BFM]) vom 14. Oktober 2003 betreffend Abweisung ei- nes im selben Jahr eingereichten Asylgesuchs und Wegweisung sowie Anordnung von deren Vollzug mit Urteil der Schweizerischen Asylre- kurskommission (ARK) vom 5. April 2004 abgewiesen. Am 26. August 2004 wurde der Gesuchsteller zusammen mit seinen Eltern ins damali- ge Serbien und Montenegro ausgeschafft. B. Am 14. August 2008 beantragte der Gesuchsteller bei der Schweizer Botschaft in Pristina die Erteilung eines Einreisevisums für einen zweimonatigen Besuchsaufenthalt bei seiner Schwester X._______ (nachfolgend: Gastgeberin bzw. Beschwerdeführerin) sowie seinen drei weiteren, ebenfalls in der Schweiz wohnhaften Geschwistern. Nach formloser Verweigerung übermittelte die Vertretung das Gesuch der Vorinstanz zum Entscheid. C. Nachdem das Amt für Migration des Kantons Luzern bei der Gastge- berin weitere Abklärungen hinsichtlich des beabsichtigten Besuchsauf- enthalts vorgenommen hatte, wies die Vorinstanz das Gesuch um Be- willigung der Einreise mit Verfügung vom 26. September 2008 ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass eine Einreisebewilli- gung insbesondere dann zu verweigern sei, wenn die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der gesuchstellenden Person nicht als gesichert angesehen werden könne, sei es als Folge der in ihrem Ursprungsland herrschenden politischen oder sozioökonomischen Ver- hältnisse oder aufgrund ihrer persönlichen Situation. Aufgrund der wirtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse im Kosovo sei dies vorliegend der Fall. Dem Gesuchsteller würden in seinem Herkunfts- land zudem weder zwingende berufliche oder gesellschaftliche Ver- Seite 2C-6811/2008 pflichtungen noch familiäre Verantwortlichkeiten obliegen, welche für eine fristgerechte Wiederausreise Gewähr bieten könnten. D. Gegen diese Verfügung erhob die Gastgeberin am 26. Oktober 2008 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung der Verfügung und auf Bewilligung der Einreise. Als Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, der Gesuchsteller habe während 13 Jahren in der Schweiz gelebt, bevor er 2004 mit den Eltern in den Kosovo zurückgekehrt und dort sesshaft geworden sei. Er lebe mit den Eltern zusammen und nehme daher entsprechende fa- miliäre Verpflichtungen wahr. Ausserdem lasse er sich derzeit an der Technischen Fachschule in I._______ zum Automechaniker ausbilden, was seinen Traumberuf darstelle. Demzufolge habe der Gesuchsteller auch berufliche Verpflichtungen in seinem Herkunftsland. Ihm gehe es einzig darum, noch einmal die Schweiz sowie seine ehemaligen Schul- kollegen besuchen zu können. Auch mit einem 30-tägigen Besuchervi- sum würden sie sich daher bereits zufrieden geben. E. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Dezember 2008 spricht sich die Vor- instanz unter Erläuterung der bereits erwähnten Gründe für die Abwei- sung der Beschwerde aus. Viele insbesondere jüngere Personen ver- suchten, sich vorzugsweise im westlichen Ausland eine aussichtsrei- chere Zukunft aufzubauen. Beim Gesuchsteller handle es sich um ei- nen jungen und ledigen Mann. Angesichts seiner „Vorgeschichte“ ge- nügten die in der Beschwerdeschrift geltend gemachten beruflichen und familiären Verpflichtungen nicht, um das Risiko einer nicht fristge- rechten Wiederausreise massgeblich herabzusetzen, zumal er die Ausbildung als Automechaniker eben erst begonnen habe. F. Mit Replik vom 5. Februar 2009 führt die Beschwerdeführerin ergän- zend aus, der Kosovo sei zwischenzeitlich in die Liste der "Safe Coun- tries", also der verfolgungssicheren Länder, aufgenommen worden. Die dortige Lage habe sich somit erwiesenermassen verbessert, wes- halb zum heutigen Zeitpunkt keine mehr Rede davon sein könne, der Zuwanderungsdruck aus jener Region sei als hoch einzustufen. Zu- dem sei der Gesuchsteller in seinem Herkunftsland beruflich und fami- liär fest verankert. Schliesslich wird vorgebracht, als er im Alter von 14 Jahren zusammen mit seinen Eltern aus der Schweiz habe ausge- Seite 3C-6811/2008 schafft werden müssen, habe er diese anstandslos verlassen. Damit habe er den Tatbeweis dafür erbracht, dass er willens sei, die schwei- zerische Rechtsordnung zu beachten. In rechtlicher Hinsicht wird zu- dem in grundsätzlicher Weise bestritten, dass es zulässig sei, für die Bewilligung der Einreise in die Schweiz auf das Kriterium der gesi- cherten Wiederausreise abzustellen, da es sich dabei um eine in der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (nachfolgend: Schengener Grenzkodex [SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]) nicht vorge- sehene Einreisevoraussetzung handle. G. Am 16. Juni 2009 zog das Bundesverwaltungsgericht die kantonalen Akten sowie die Asylakten betreffend den Vater des Gesuchstellers bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge- gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM betreffend Verweigerung der Ein- reisebewilligung, welche vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG). Seite 4C-6811/2008 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be- schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge- mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge- bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur- teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003). 3. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa- ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän- dern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ver- pflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189). 4. Der Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Genehmigung und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU über die Assoziierung an Schengen und an Dublin (SR 362) wurde in der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 angenommen. Die entsprechenden Asso ziierungsabkommen (darunter das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eid- genossenschaft, der Europäischen Union und der Europäischen Ge - meinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 de- finitiv in Kraft getreten. Durch die Übernahme des Schengen-Besitz- standes wurden im Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über ddie Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) entsprechende An- passungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestim- mungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur Seite 5C-6811/2008 gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun- gen enthält). Im Weiteren ist die Verordnung vom 24. Oktober 2007 über das Einreise- und Visumverfahren (VEV, AS 2007 5537) total re- vidiert worden (vgl. Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einrei- se und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204]). Art. 57 VEV sieht vor, dass hängige Verfahren nach dem neuen, übergeordneten (Schen- gen-)Recht fortgeführt werden. 5. 5.1 Bezüglich der Einreisevoraussetzungen für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf den Schenge- ner Grenzkodex (SGK). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Einreisevor- aussetzungen für Drittstaatsangehörige. Diese benötigen zur Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie der Vi- sumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie müs- sen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts be- legen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesund- heit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstel- len (Bst. d und e). 5.2 Die Einreisevoraussetzungen gemäss Schengener Grenzkodex entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge- planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle eines nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederaus- reise Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im na- tionalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Widerspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüber- gehenden Aufenthaltszwecks stellt nämlich zugleich eine Absichtser- klärung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent- haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je- weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf- enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne äussert sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die diplomatischen Missionen und die konsularischen Vertretungen, die von Berufskonsularbeamten geleitet werden (GKI, ABl. C 326 vom Seite 6C-6811/2008 22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI verlangt hinsichtlich des Entscheids über den Visumsantrag die Ein- schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An- tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit Hilfe eines zu Touristik-, Studien-, Geschäfts- bzw. zu Familienbe- suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie- derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10). Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele- ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf- gelistet. 5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist somit festzuhalten, dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder- ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 6. Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi- sumspflicht von Drittstaatsangehörigen vor. Die Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I und II, welche jeweils eine Liste von Drittländern enthalten. In An- hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni- gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be- freit sind. Als kosovarischer Staatsangehöriger unterliegt der Gesuch- steller damit der Visumspflicht. 7. Das Bundesamt verweigerte dem Gesuchsteller die Visumserteilung insbesondere mit der Begründung, dass angesichts der im Vergleich zur Schweiz schlechteren Lebensbedingungen im Kosovo keine genü- gende Gewähr für seine gesicherte Wiederausreise bestehen würde. 7.1 Geht es um die Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wieder- ausreise, so können bezüglich eines solchen künftigen Verhaltens kei- ne gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen getroffen werden. Anhaltspunkte für die Beurteilung der gesicherten Wiederaus- reise können sich aus der allgemeinen Lage im Herkunftsland der Be- Seite 7C-6811/2008 sucherin oder des Besuchers ergeben. In diesem Rahmen ist bei Ein- reisegesuchen von Personen aus Staaten beziehungsweise Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhält- nissen zu berücksichtigen, dass deren persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich be- fristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 7.2 Der Gesuchsteller lebt im inzwischen unabhängigen und von der Schweiz als Staat anerkannten Kosovo. Die Sicherheitslage in dieser Region konnte zwar im Verlaufe der letzten Jahre weitgehend stabili- siert werden und der Wiederaufbau von Administration und Infrastruk- tur ist unter Beteiligung internationaler Organisationen und Staatenge- meinschaften in Gang gekommen. In wirtschaftlicher Hinsicht ist das Land jedoch eines der ärmsten in Europa. Das Wirtschaftswachstum hat sich nach einem zunächst starken Aufschwung ab dem Jahre 2000 (21.2 %) auf ein längerfristig haltbares Niveau abgeflacht (2007: 3.9 %; geschätzte 5.4 % für 2008). Die Arbeitslosigkeit ist weit verbreitet und die entsprechende Rate bleibt hartnäckig hoch: Gemäss den letzten offiziellen Zahlen betrug sie im Jahre 2007 immer noch 43.6 % (2006: 44.9 %). Besonders problematisch ist sie dabei insbesondere bei der jungen Bevölkerung. Zudem stellt die Armut ein weitverbreitetes Phä- nomen dar: Der Anteil der in Armut lebenden Bevölkerung lag im Jahr 2008 bei hohen circa 45%, wobei 15% der Staatsbürger gar von extre- mer Armut betroffen sind (Quelle: Weltbank, <http://www.worldbank.org>, Countries > Europe and Central Asia > Kosovo > Overview > Kosovo Brief, Stand: April 2009, besucht am 2. Juli 2009). Vor diesem Hintergrund besteht ein vielfacher Wunsch zur Auswanderung, der sich vor allem bei denjenigen manifestiert, die bereits über ein minimales soziales Beziehungsnetz im Ausland verfü- gen. Im Falle der Schweiz führt dies angesichts der restriktiven auslän- derrechtlichen Zulassungsregelung nicht selten zur Umgehung auslän- derrechtlicher Bestimmungen. Dabei geht es nicht etwa allein um die Einreichung von Asylgesuchen nach erfolgter Einreise, sondern es wird oftmals versucht, den Aufenthalt zu verlängern oder – beispiels- weise durch Ausbildung oder Heirat – auf eine andere migrationsrecht- liche Grundlage zu stellen. 8. Die geschilderten Umstände im Herkunftsland des Gesuchstellers deuten zwar auf ein latentes Risiko einer nicht fristgerechten Wieder- ausreise hin; sie entbinden die Vorinstanz bei der Analyse des Migrati- Seite 8C-6811/2008 onsrisikos jedoch nicht von einer einzelfallbezogenen Beurteilung. Na- mentlich können berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflich- tungen die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünsti- gen. Umgekehrt muss bei einer gesuchstellenden Person, die keine der erwähnten Verpflichtungen hat, welche sie von einer möglichen Emigration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das Risiko eines ausländerrechtlich nicht vorschriftsgemässen Verhal- tens nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt als hoch eingeschätzt werden. Der Gesuchsteller ist 19-jährig, ledig und kinderlos. Zwar geht aus ei- ner mit Beschwerde eingereichten Bestätigung hervor, dass er im Schuljahr 2008/2009 als Schüler in der Fachrichtung Automechaniker an der Technischen Fachschule in der Nähe seines Wohnortes einge- schrieben ist. Daraus kann jedoch nicht auf zwingende berufliche Ver- pflichtungen seinerseits in seinem Herkunftsland geschlossen werden, die ihn verlässlich von einer Emigration abzuhalten vermöchten. Zu- dem lebt er gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin zwar mit seinen Eltern zusammen. Auch wenn ihm in diesem Zusammenhang gewisse familiäre Verpflichtungen obliegen sollten – in der Beschwerde werden „entsprechende“ familiäre Verpflichtungen geltend gemacht –, so ist doch aus dem Umstand, dass er im Visumsantrag vom 14. Au- gust 2008 eine Einreisebewilligung für einen Besuchsaufenthalt von zwei Monaten beantragt hat, zu schliessen, dass die Eltern nicht aus- schliesslich auf Betreuung und Pflege durch ihn angewiesen sind. Ins- gesamt lassen die Akten daher weder auf besondere familiäre oder gesellschaftliche noch auf berufliche Verpflichtungen des Gesuchstel- lers im Herkunftsland schliessen, welche eine günstige Prognose in Bezug auf seine gesicherte Wiederausreise nach einem Besuchsauf- enthalt zulassen würden. Angesichts des Umstands, dass der Gesuchsteller zum Zeitpunkt sei- ner Ausschaffung im August 2004 erst 14-jährig und damit sein Verhal- ten weitestgehend von demjenigen seiner Eltern abhängig war, kann aus dem dieser vorangehenden Verhalten, welches den klaren Willen Letzterer erkennen liess, in der Schweiz zu bleiben, und auch aus dem Umstand, dass die Ausreise nicht freiwillig und folglich – entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin in der Replik – nicht "anstands- los" erfolgte, in Bezug auf seinen eigenen allfälligen Emigrationswillen nichts geschlossen werden. Seite 9C-6811/2008 Jedoch fällt in Betracht, dass die vier Geschwister des Gesuchstellers in der Schweiz leben und auch er den bis anhin überwiegenden Teil seines Lebens hier zugebracht hat. Entsprechend dürfte er hierzulan- de auch über zahlreiche während seiner Kindheit und Schulzeit ge- knüpfte persönliche Bindungen und damit über ein ausgedehntes Beziehungsnetz verfügen. Der Besuch von ehemaligen Schulkollegen ist denn gemäss Angaben der Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerde S. 2) mit ein Grund für den beabsichtigten Aufenthalt in der Schweiz. Es ist daher davon auszugehen, dass nach wie vor eine entsprechend starke Bindung des Gesuchstellers zur Schweiz besteht. In Anbetracht insbesondere dieses langen Voraufenthalts und des umfassenden Beziehungsnetzes des Gesuchstellers in der Schweiz sowie des Fehlens besonderer Verpflichtungen im Herkunftsland, wel- che die Wiederausreise als wahrscheinlich erscheinen lassen würden, kann dem Gesuchsteller hinsichtlich der gesicherten Wiederausreise keine günstige Prognose gestellt werden. 9. Unter den geschilderten Umständen durfte die Vorinstanz somit zu Recht davon ausgehen, es bestehe nicht genügend Gewähr für eine gesicherte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt. Daran än- dert auch nichts, dass die Beschwerdeführerin diese zugesichert hat, ist doch eine solche Garantie weder faktisch noch rechtlich durchsetz- bar. Gastgeber können für gewisse finanzielle Risiken im Zusammen- hang mit einem Besuchsaufenthalt garantieren, nicht jedoch für ein be- stimmtes Verhalten des Gastes (vgl. anstelle vieler: Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts C-6950/2007 vom 7. November 2008, E. 8). 10. Aus diesen Darlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG rechtmässig ist. Die Beschwerde ist daher ab- zuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die auf Fr. 600.– festzuset- zenden Verfahrenskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Seite 10C-6811/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Unterlagen im Original re- tour) - die Vorinstanz (Akten [...] retour) - das Amt für Migration des Kantons Luzern (Akten [...] retour) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Viviane Eggenberger Versand: Seite 11