Seite 1 Entscheid vom 25. Oktober 2013 (530 13 21) __________________________________________________ ___________________ Splittingtarif / Kinderabzug Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter Dr. Philippe Spitz, Dr. Pascal Leumann, Gerichtsschreiberin I. Wissler Parteien A. B., vertreten durch C. Beschwerdeführer gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin betreffend direkte Bundessteuer 2011 Seite 2 S a c h v e r h a l t : 1. Mit Veranlagungsverfügung zur direkten Bundesste uer 2011 vom 25. Oktober 2012 wurde der im Konkubinat lebende Pflichtige unter Anwendung des Grundtarifs zu einem steuer- baren Einkommen von Fr. 81'100.-- veranlagt. 2. Mit undatiertem Schreiben, welches der Steuerver waltung am 26. November 2012 ein- gegangen ist, erhob der Pflichtige gegen diese Vera nlagung Einsprache und begehrte die Gut- heissung seiner Einsprache. Zur Begründung führte e r aus, er sei mit der Veranlagung als Ein- zelperson nicht einverstanden, da er mit seiner Toc hter D. und seinem Sohn E. im gemeinsa- men Haushalt lebe und vollumfänglich für deren Unterhalt aufkomme. 3. Mit Schreiben vom 15. Januar 2013 forderte die S teuerverwaltung den Pflichtigen u.a. auf, den von der Vormundschaftsbehörde genehmigten Unterhaltsvertrag betr. die Tochter D., sämtliche Nachweise über effektive Unterhaltszahlun gen für D., Angaben darüber, wie er und die Lebenspartnerin D‘s Unterhalt bestreiten und die Betreuung wahrnehmen würden und allfäl- lige Vereinbarungen darüber einzureichen. Betreffen d des volljährigen Sohnes E. forderte die Steuerverwaltung, den Nachweis betr. das Studium so wie den Nachweis über Unterhaltszah- lungen an diesen. Mit Schreiben vom 7. März 2013 führte der Pflichti ge aus, er und seine Lebenspartnerin würden seit mehr als 25 Jahren einen gemeinsamen Ha ushalt mit den Kindern führen. Für den Lebensunterhalt sei er vollumfänglich aufgekommen. Die Lebenspartnerin erziele erst seit Mitte 2010 ein eigenes Einkommen. Seither würden beide Ei nkommen für den Lebensunterhalt und Renovationen am Miteigentum verwendet. Eine schrift liche Vereinbarung darüber liege nicht vor. Betreffend die Tochter D. sei man einverstande n, dass die Lebenspartnerin den Kinderab- zug geltend machen dürfe und die Unterhaltszahlunge n bei ihr aufgerechnet würden. Im Ge- genzug sei bei ihm der Unterhaltsabzug von Fr. 7'20 0.-- pro Jahr anzuerkennen. Der Unter- haltsvertrag werde noch nachgeliefert. Betreffend d en volljährigen Sohn werde geltend ge- macht, dass er nach wie vor für seinen Lebensunterhalt aufkomme. Seite 3 Mit Schreiben vom 11. April 2013 reichte der Pflichtig e eine Kopie des Unterhaltsver- trags betreffend E. ein. Für D. sei damals ein identisch er Vertrag aufgesetzt worden, der aber leider nicht mehr auffindbar sei. 4. Mit Einsprache-Entscheid vom 23. April 2013 hiess di e Steuerverwaltung die Einsprache teilweise gut. Zur Begründung führte sie u.a. aus, fü r die steuerliche Beurteilung in Bezug auf den Steuertarif und die Kinderabzüge würde am releva nten Stichtag keine gemeinsame elterli- che Sorge vorliegen. Damit seien Kinderabzug und Vollsplitting zu Recht der Mutter zugeordnet worden. Betr. die Tochter D. sei die Steuerverwaltung bereit analog der Vereinbarung betr. den Sohn E. 12 x Fr. 600.-- = Fr. 7'200.-- zum Abzug zuzulassen. Betr. E. führte die Steuerverwaltung aus, gemäss Art . 213 Abs. 1 lit. b DBG könne für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person ein Abzug von Fr. 6'400.-- geltend gemacht werden, falls sie vom steuerpflichtigen in mindestens der Höhe des Abzugs unterstützt werde. Aufgrund der andauernden Ausbildung könne de r Sohn als unterstützungsbedürftig an- gesehen werden, weshalb ein pauschaler Abzug von Fr. 6'400.-- nachgetragen werden könne. 5. Mit Schreiben vom 22. Mai 2013 erhob die Lebenspar tnerin als Vertreterin des Pflichti- gen Beschwerde und begehrte, 1. Es sei für die direkte Bundessteuer 2011 von A. B. der Fami- lientarif anzuwenden. 2. Es sei der Kinderabzug für E. zu gewähren. 3. Die Kosten des Be- schwerdeverfahrens seien dem Beschwerdegegner aufzuerlegen . Zur Begründung führte sie aus, der Vollsplittingtarif und der Kinderabzug seien dem Pflichtigen bereits die Jahre zuvor gewährt worden. Die Kinder seien im Jahre 1991 und 19 99 geboren. Das Recht auf das ge- meinsame Sorgerecht für Eltern, die im Konkubinat leben würden, sei erst im Jahre 2000 einge- führt worden. Da sie faktisch als Ehepaar und somit fakti sch das gemeinsame Sorgerecht aus- üben würden, habe es für sie keinen Grund gegeben den von Gesetzes wegen abgeschlosse- nen Unterhaltsvertrag anzupassen. Ein Antrag auf das ge meinsame Sorgerecht sei nie gestellt worden. E. stehe seit 2009 ohnehin nicht mehr unter d er elterlichen Sorge. Dass der Pflichtige für D. die Unterhaltszahlungen anstatt einen Kinderab zug geltend machen könne werde akzep- tiert. Bei im gleichen Haushalt lebenden volljährigen geme insamen Kindern in Ausbildung habe derjenige Konkubinatspartner Anspruch auf das Vollsplitting, der finanziell zur Hauptsache Seite 4 für das Kind aufkomme. E. studiere seit dem 1. August 2011 an der Uni F. und erziele kein ei- genes Einkommen. Somit werde der Kinderabzug für E. beantragt, weshalb ebenfalls der An- spruch auf Vollsplitting gegeben sei. Es sei zudem stossend das Vollsplitting nur demjenigen Steuerpflichtigen zu gewähren der mit dem Kinderabzug sogar einen negativen Steuerbetrag erziele. 6. Mit Vernehmlassung vom 17. Juni 2013 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie u.a. aus, sei en Personen nicht verheiratet, so komme der Kinderabzug wie auch der dazugehörende Vollsp littingtarif immer nur einer Person zu. Der an unmündige Kinder Alimente zahlende Elternt eil könne nur die familienrechtlichen, periodisch zu zahlenden Kinderalimente abziehen. Vorauss etzung für die Gewährung des Kin- desabzuges sei die lnnehabung der elterlichen Sorge. I m Falle eines Konkubinatspaares habe nur derjenige Partner Anspruch auf den Kinderabzug und den Vollsplittingtarif, der die elterliche Sorge inne habe und für den Unterhalt des Kindes aufko mme. Entrichte der Lebenspartner Kin- deralimente, so könne er diese abziehen, während er kein en Anspruch auf den Kinderabzug und den Vollsplittingtarif habe. Verfüge ein Partner nicht über das gemeinsame Sorgerecht oder die Obhut über das Kind, so habe dieser schon aus dem Gr unde keinen Anspruch auf den Kin- derabzug und den Vollsplittingtarif. Die rein faktische Obhut genüge nicht. Welcher Elternteil den Unterhalt des Kindes zur Hauptsache bestreite, sei ausschliesslich dort von Bedeutung, wo ein gemeinsames Sorgerecht bestehe. Vorliegend lebe d er Beschwerdeführer mit seiner Le- benspartnerin im Konkubinat, wobei die elterliche Sor ge über die gemeinsamen Kinder der Le- benspartnerin zustehe. Aufgrund der vorgenannten Argum ente sei der Grundtarif anzuwenden und dem Beschwerdeführer der Kinderabzug zu verweigern. Das Steuergericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetz es über die direkte Bundes- steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän- dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs. Seite 5 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Ste uergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8’000.-- nicht übersteigt, vom Präsidenten und zwei Richterinnen und R ichtern des Steuergerichts beurteilt werden. Da die in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu ste llenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Der Beurteilung unterliegt vorliegend, ob dem Be schwerdeführer der Tarif für Verheirate- te resp. Elterntarif sowie der Kinderabzug zu gewähren sind. a) Gemäss Art. 214 Abs. 2 bis DBG gilt für Ehegatten, die in rechtlich und tatsächl ich ungetrennter Ehe leben, sowie für verwitwete, gerichtl ich oder tatsächlich getrennt lebende, geschiedene und ledige Steuerpflichtige, die mit Kin dern oder unterstützungsbedürftigen Per- sonen im gleichen Haushalt zusammenleben und deren Unt erhalt zur Hauptsache bestreiten, der Tarif für Verheiratete und Einelternfamilien ge mäss Abs. 2 (sog. Verheiratetentarif). Der so ermittelte Steuerbetrag ermässigt sich um 250 Franken für jedes Kind und jede unterstützungs- bedürftige Person. b) Gemäss Art. 296 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuche s (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in der für das Jahr 2011 geltenden Fassung stehen Kinder, solange sie un- mündig sind, unter elterlicher Sorge. Während der Ehe üben die Eltern die elterliche Sorge ge- meinsam aus (Art. 297 Abs. 1 ZGB). Sind die Eltern gemäss Art. 298 Abs. 1 ZGB nicht verheira- tet, so steht die elterliche Sorge der Mutter zu. Die Begründung für diese Regelung sah der Ge- setzgeber darin, dass das Kindsverhältnis zur Mutter schon mit der Geburt zustande kommt und das Kind meist auch bei ihr aufwächst (BSK ZGB I - Schwenzer, Art. 298 N 2). Haben die Eltern sich in einer genehmigungsfähigen Vereinbarung über ihre An- teile an der Betreuung des Kindes und die Verteilung der Unterhaltskosten verständigt, so über- trägt ihnen die Vormundschaftsbehörde auf gemeinsamen Antrag die elterliche Sorge, sofern dies mit dem Kindeswohl vereinbar ist (Art. 298a Abs. 1 ZGB). c) Mit dem Bundesgesetz über die steuerliche Entlastun g von Familien mit Kindern vom 25. September 2009, welches am 1. Januar 2011 in Kr aft trat, wurde die vom Bundesrat Seite 6 geforderte steuerliche Entlastung von Familien mit Kind ern eingeführt. Ziel der Reform war die Verbesserung der Steuergerechtigkeit zwischen Personen mit und solchen ohne Kinder (vgl. hierzu: Botschaft zum Bundesgesetz über die steuerliche Ent lastung von Familien mit Kindern vom 25. September 2009, BBl, 2009 4729). Zur Konkretisierung der einzelnen möglichen Familien -Fallkonstellationen veröf- fentlichte die Eidgenössische Steuerverwaltung das Kreisschr eiben Nr. 30 betreffend die Ehe- paar- und Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 21. Dezember 2010 (Nachfolgend Kreisschreiben Nr. 30). Der Verheiratetentarif gemäss Artikel 214 Absatz 2 DB G kommt für sich allein nur noch für die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe lebenden Steuerpflichtigen zur An- wendung, die nicht mit Kindern oder unterstützungsbedü rftigen Personen zusammenleben, de- ren Unterhalt sie zur Hauptsache bestreiten. Steuerpflichtige mit Kindern werden zum Elterntarif besteuert (Art. 214 Abs. 2bis DBG). Der Elterntarif ist der mildeste der drei Tari fe. Er besteht aus dem Verheiratetentarif (Ba- sis) und einem Abzug vom Steuerbetrag in der Höhe von ma ximal 250 Franken pro Kind oder unterstützungsbedürftige Person. Dieser Abzug im Eltern tarif ist eine direkte Tarifmassnahme und kein Sozialabzug. Die Kombination Grundtarif und A bzug vom Steuerbetrag ist nicht mög- lich. Für die Gewährung des Elterntarifs wird vorausgesetzt, dass die steuerpflichtige Person mit dem Kind oder der unterstützungsbedürftigen Person im gleichen Haushalt zusam- menlebt und deren Unterhalt zur Hauptsache bestreitet. Beide Voraussetzungen sind zwingend. Der Elterntarif kann nicht auf verschiedene steuerpflich tige Personen aufgeteilt werden. Leben die Eltern in rechtlich oder tatsächlich getrennter Ehe, wird der Elterntarif stets nur einer Person zugewiesen. Die Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge darf somit nicht dazu führen, dass der Elterntarif für die in ungetrennter Ehe lebe nden Ehegatten sowie für verwitwete, ge- trennt lebende, geschiedene oder ledige Steuerpflicht ige, die mit Kindern oder unterstützungs- bedürftigen Personen im gleichen Haushalt leben, mehr fach angewendet wird. Beim Zusam- menleben wird auf den Wohnsitz abgestellt. Gemäss Artike l 25 Absatz 1 ZGB gilt der Wohnsitz der Eltern als Wohnsitz des Kindes unter elterlicher Sorg e oder, wenn die Eltern keinen ge- meinsamen Wohnsitz haben, der Wohnsitz des Elternteils, un ter dessen Obhut das Kind steht. Sobald das Kind volljährig ist, kann es einen eigenen Wohnsitz begründen. Seite 7 Bei volljährigen Kindern in Ausbildung erhalten d ie Eltern den Elterntarif daher nur, wenn das Kind im gleichen Haushalt wohnt. Bei unverheirateten Eltern ist bei der Zuweisung de s Elterntarifs auf die Unter- haltszahlungen an das Kind gemäss Artikel 24 Buchstabe e DBG abzustellen. Leistet nur ein Elternteil Unterhaltzahlungen, kann dieser den Elterntarif geltend machen. Leisten beide Eltern- teile Unterhaltszahlungen, ist davon auszugehen, dass der Elternteil mit den höheren finanziel- len Leistungen, d.h. in der Regel derjenige mit dem höheren Einkommen, hauptsächlich für den Unterhalt des Kindes sorgt. Diesem wird der Elterntarif wie auch der Kinderabzug gewährt. Der andere Elternteil kann den Unterstützungsabzug gem äss Artikel 213 Absatz 1 Buchstabe b DBG geltend machen, sofern seine Leistun gen mindestens in der Höhe des Ab- zuges erfolgen. Erhält das Kind keine Unterhaltszahlungen gemäss Artikel 24 Buchstabe e DBG, wird der Elterntarif demjenigen Elternteil mit dem höheren Reineinkommen gewährt, da davon ausgegangen wird, dass er höhere finanzielle Beit räge an das Kind erbringt (vgl. Kreis- schreiben Nr. 30, S. 23ff.). d) Der Begriff der elterlichen Sorge ist ein zivilrech tlicher. Das Steuerrecht knüpft hier an die zivilrechtlichen Bestimmungen an und schafft so mit keine Disparitäten. Der Geset- zeswortlaut ist in dieser Beziehung klar und nicht inter pretationsbedürftig. Die Vorschrift nimmt auch keine Rücksicht auf das Haushaltsverhältnis, das heisst, es ist unerheblich, ob die Eltern im gemeinsamen Haushalt leben oder nicht (vgl. Entscheid des Bundesgerichts (BGE) 2A.37/2006 vom 1. September 2006, E. 3.2, www.bger.ch/ ). Sind Personen nicht verheiratet, so kommt der Kinderabzug immer nur einer Person zu, wie a uch der dazugehörende Verheirate- tentarif immer nur einer Person zusteht. Der an unmü ndige Kinder Alimente zahlende Elternteil kann nur die familienrechtlichen, d.h. die gemäss Gerich tsurteil oder gemäss dem von der Vor- mundschaftsbehörde genehmigten Unterhaltsvertrag gesch uldeten, periodisch zu zahlenden Kinderalimente abziehen. Voraussetzung für die Gewährun g des Kindesabzuges ist die Inne- habung der elterlichen Sorge. Hat ein Konkubinatspaar Kinder, hat derjenige Partner, der die elterliche Sorge besitzt und für den Unterhalt des Kin des aufkommt, Anspruch auf den Kin- derabzug und den Verheiratetentarif. Dies ist in der R egel die Frau, welcher die Kinderalimente zufliessen. Zusammen mit ihren eigenen Beiträgen kommt sie regelmässig zur Hauptsache für das Kind auf. Entrichtet der Lebenspartner Kinderalimente, so kann er diese abziehen, während er keinen Anspruch auf den Kinderabzug und den Verheiratetentarif hat. Verfügt der Mann nicht über das gemeinsame Sorgerecht oder ist ihm nicht die O bhut über das Kind formell durch ein Seite 8 Gericht oder durch die Vormundschaftsbehörde zugewiesen worden, so hat er schon aus die- sem Grunde keinen Anspruch auf den Kinderabzug und den Verheiratetentarif. Die rein fakti- sche Obhut genügt insbesondere aus Gründen der Rechtssiche rheit und der einheitlichen Aus- legung der im Gesetz verwendeten zivilrechtlichen Begrif fe nicht. Welcher Elternteil den Unter- halt des Kindes zur Hauptsache bestreitet, ist ausschliesslich dort von Bedeutung, wo ein ge- meinsames Sorgerecht besteht (vgl. zum Ganzen: Roman Blö chliger in Steuer Revue Nr. 3/2009 S. 154 ff.; BGE 133 II 305 vom 4. September 2007, www.bger.ch/ ). 3. a) Gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG werden die Unter haltsbeiträge an den geschie- denen, gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebenden Ehegatten sowie die Unterhaltsbeiträge an einen Elternteil für die unter dessen elterlichen S orge stehenden Kinder, nicht jedoch Leis- tungen in Erfüllung anderer familienrechtlicher Unterhalts- oder Unterstützungspflichten von den Einkünften abgezogen. Unterhaltsbeiträge kann nämlich diejenige steuerpfli chtige Person geltend ma- chen, die aufgrund einer getrennten oder geschiedenen Ehe oder, wie hier, aufgrund eines Kindsverhältnisses dazu verpflichtet ist (vgl. Richner/Fr ei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 25 N 24). Eine Kumulation des Abzugs für Unterhaltsbeiträg e für Kinder (Art. 33 Abs. 1 lit. c i. V. m. Art. 212 Abs. 3) und des Verheiratetentarifs für die gleichen Kinder bei einer einzigen steuer- pflichtigen Person ist ausgeschlossen. Denn leben unver heiratete Eltern zusammen mit einem gemeinsamen Kind im gleichen Haushalt, ist der Verheir atetentarif demjenigen Elternteil zu ge- währen, aus dessen Einkünften der Unterhalt des Kindes zu r Hauptsache bestritten wird (dem also der Kinderabzug zukommt) (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 214 N 39). Der Beschwerdeführer kommt mit dem Unterhaltsabzug berei ts in den Genuss einer steuerlichen Entlastung, was demzufolge eine weitere Privilegierung in Form der Gewährung des Verheirate- tentarifs ausschliesst. Das Kantonsgericht hielt in seinem Urteil vom 8. Dezem ber 2010 in einem ähn- lich gelagerten Fall fest, in Bezug auf die Definitio n des „Bestreitens des Unterhalts des Kindes zur Hauptsache“ kann somit festgehalten werden, dass ste uerrechtlich grundsätzlich derjenige den Unterhalt bestreitet, der das Kind betreut und Un terhaltsbeiträge für das Kind erhält (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Abteilung Verfassungs- und Ver waltungsrecht [KGE VV] vom 8. De- zember 2010, 810 10 244/393 E. 6.4). Seite 9 b) Auch das Bundesgericht führt in seinem Urteil vom 4 . September 2007 aus, wenn Konkubinatspaare ein Kind haben, für dessen Unte rhalt sie sorgen, hat einer der Partner Anspruch auf den Sozialabzug für Kinder und den Versicherungsabzug für das Kind. Er wird für die Alimente besteuert, die er grundsätzlich vom anderen Partner erhält, und hat vorausgesetzt, dass er mit dem Kind im gleichen Haushalt lebt und die Hauptlast seines Unterhalts trägt - An- spruch auf den Tarif für Ehepaare. Der andere Konkubi natspartner kann von seinem Einkom- men die Alimente abziehen, die er für das Kind leiste t, über das der Erstgenannte die elterliche Gewalt ausübt (vgl. Die Praxis des Bundesgerichts [Pra] 2008, Nr. 39, E. 6.7). 4. a) Beantragt wird sowohl der Verheiratetentarif a ls auch der Kinderabzug für den Sohn E., u.a. mit dem Argument, Verheiratetentarif und Kinderabzug seien dem Beschwerde- führer, bereits in den Vorjahren gewährt worden. In der Veranlagung für das Jahr 2010 wurde beiden Elternteilen sowohl der Verheiratetentarif als auch jeweils ein Kinderabzug gewährt. Das gemeinsame Sorgerecht für D., E. war bereits im Jahre 2009 volljährig, wurde bis zum Stichtag 31. Dezember 2011 weder beantragt noch erteilt. Die Mutter hat für die Tochter D. demzufolge das alleinige Sorgerecht. In der Veranlagungsverfügung direkte Bundessteuer bet reffend das umstrittene Jahr 2011 wurden sowohl der Elterntarif, welcher im Ja hre 2011 erstmals zur Anwendung ge- langte, als auch der Kinderabzug (für beide Kinder) d er Mutter zugestanden. Der bei ihr veran- lagte Steuerbetrag von Fr. 29.-- wird durch den Abzug im Elterntarif (als Tarifmassnahme) völlig absorbiert, was dazu führt, dass der überwiegende Teil dieses Abzugs nicht weiter verrechnet werden kann und damit ins Leere fällt. Dem Beschwerdeführer wurden im Jahr 2011 der Grund- tarif ohne Kinderabzug, jedoch der Abzug für Unterhal tszahlungen für die Tochter zugestanden (gemäss Einsprache-Entscheid analog dem bis zum 31. Dezember 2010 gültigen Unterhaltsver- trag betreffend den Sohn E. in Höhe von Fr. 7‘200.- -). Diejenigen Unterhaltsbeiträge an den volljährigen Sohn E. belaufen sich gemäss einer neuen Un terhaltsvereinbarung vom 3. Januar 2011 auf jährlich Fr. 14‘400.--. Für den Sohn wurde ein pauschaler Unterstützungsabzug in Hö- he von Fr. 2‘000.-- zugelassen. Während dem die Mutter den Kinderabzug nicht vollstä ndig ausnutzen kann und damit der überwiegende Teils des Kinderabzugs nicht steu erwirksam ist, wird dem Beschwer- deführer keine weitere Steuerreduktion zugestanden, was dieser als stossend empfindet. Seite 10 b) In Bezug auf die Tochter D. ist demzufolge festzu halten, dass die Mutter als In- haberin des alleinigen Sorgerechts die Hauptlast des Unterhalts für die Tochter trägt. Mit den empfangenen Unterhaltszahlungen bestreitet somit die Mutter die Kosten des täglichen Lebens der Tochter - und nicht etwa der unterhaltszahlende B eschwerdeführer. Unterhaltszahlungen bedeuten eine Verschiebung der Ressourcen: Der Steuerpf lichtige, der Alimente erhält, ver- wendet sie für den Unterhalt des Kindes an Stelle eige ner Ressourcen; die Alimente werden diesen gleichgestellt, und sie werden bei ihm besteuert . Steuerrechtlich gesehen sorgt somit dieser Steuerpflichtige ganz oder zur Hauptsache für d en Unterhalt des Kindes und hat An- spruch auf den Sozialabzug für Kinder (vgl. Pra 2008, Nr. 39, E. 6.5, a.a.O.). Dass die Mutter ein geringes Einkommen hat und dami t bereits schon eine ge- ringe steuerliche Belastung trägt, wobei hier auch die Unterhaltszahlungen nicht besonders ins Gewicht fallen, spielt keine Rolle. Die Anrechnung de s Unterhalts beim einen Elternteil, wie auch dessen Abzug beim anderen, wäre im Falle beide Elternteile einen gleich hohen Verdienst erzielen würden, nicht anders zu handhaben (Entscheid d es Steuergerichts [StGE] vom 2. De- zember 2011, 530 11 12, E 4a, www.bl.ch/steuergericht ). Anlässlich der Akteneinsicht reichte der Beschwerdeführ er eine Kopie des ge- nehmigten Unterhaltsvertrags betreffend die Tochter D . ein. Gemäss diesem Vertrag hat der Pflichtige bis zum Erreichen des 12. Altersjahrs der Tochte r (30.11.1999) monatlich Fr. 830.-- und danach Fr. 880.-- zu leisten. Der korrekte Unterhal tsbeitrag für das Jahr 2011 errechnet sich demnach wie folgt: 11 x Fr. 830.-- + 1 x Fr. 880.-- = Fr. 10‘010.-- x 116,3 (Index Nov. 2010) : 107,1 (Basisindex gemäss Unterhaltsvertrag) = Fr. 10‘870 .--. Der abzugsfähige Unterhaltsbei- trag des Beschwerdeführers an die Tochter ist demzufolge um Fr. 3‘670.-- von Fr. 7‘200.-- auf Fr. 10‘870.-- zu erhöhen. Die Beschwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen. c) In Bezug auf den volljährigen Sohn E. ist festzuhalt en, dass Alimente für Kinder zeitlich nur bis zum Erreichen der Volljährigkeit des Kindes vom Einkommen abgezogen werden können. Zahlungen nach dem 18. Geburtstag können steue rlich nicht mehr als Alimente be- rücksichtigt werden (vgl. E. 3a). Die Unterhaltsbeiträge an das volljährige Kind in Ausbildung sind vom Kind nicht zu versteuern. Der leistende Elternt eil kann die Unterhaltsbeiträge hinge- gen auch nicht von seinem Einkommen absetzen. Der Elt ernteil, der die Unterhaltszahlungen leistet, kann den Kinderabzug geltend machen. Leisten b eide Elternteile Unterhaltszahlungen, kann der Elternteil mit den höheren finanziellen Leistungen, d.h. in der Regel derjenige mit dem höheren Einkommen, den Kinderabzug geltend machen. De r andere Elternteil kann den Unter- Seite 11 stützungsabzug geltend machen, sofern seine Leistungen mindestens in der Höhe des Abzuges erfolgen (vgl. Kreisschreiben Nr. 30, S. 37). Für das Kind E. kann der Beschwerdeführer somit einen Unterstützungsabzug geltend machen, wobei eine weitere steuerliche Entlastung ausgeschlossen ist. Denn würde der Beschwerdeführer ausser dem bereits gewährten Unterhalt sabzug auch noch der Familientarif gewährt werden, käme es zu einer verbotenen Kumulation von Unterhaltsabzug (betr. D.) und Elterntarif (im Falle von E.). Aus den bisherigen Dar stellungen folgt zudem, dass sowohl der Elterntarif als auch der Kinderabzug zu Recht der Mutter zugestanden worden sind. d) Gemäss Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG werden vom Einkom men Fr. 6‘400.-- für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person, an deren Unterhalt die steuerpflichtige Person mindestens in der Höhe des Abzuges beiträgt, abge zogen. Gemäss der Immatrikulati- onsbestätigung der Universität F. ist E. seit dem 1. Au gust 2011 immatrikuliert und steht somit in Ausbildung. Gemäss der Unterhaltsvereinbarung zwischen dem Beschwerdeführer und dem Sohn E. erhält dieser monatlich Fr. 1‘200.--. Die Ste uerverwaltung hat dem Pflichtigen demzu- folge den Unterstützungsabzug zu Recht gewährt. 4. a) Aufgrund der bisherigen Ausführungen ist festzu stellen, dass der Pflichtige die geleisteten Unterhaltszahlungen gemäss dem im Verfahr en vor Steuergericht eingereichten Kopie des Unterhaltsvertrages betreffend die Tochter D. , in Höhe von Fr. 10‘870.-- von seinen Einkünften in Abzug bringen kann, was bereits eine steue rliche Entlastung für den Pflichtigen darstellt. Diese Unterhaltszahlungen werden bei der sorgeberechtigten Mutter als Einkommen besteuert, wobei sie im Gegenzug - da sie den Lebensunt erhalt des Kindes ganz oder haupt- sächlich aus diesen Einkünften bestreitet - den Elterntarif sowie in diesem Fall den Kinderabzug für beide Kinder für sich beanspruchen kann. Das Kantonsgericht fasste in seinem Urteil vom 8. Dez ember 2010 die bundes- gerichtliche Rechtsprechung insoweit zusammen, als dass da s Bundesgericht die Anknüpfung an die Innehabung der elterlichen Sorge geschützt und auch in mehreren Urteilen ausgeführt hat, dass nur bei demjenigen Konkubinatspartner der Ve rheiratetentarif anwendbar ist, der die elterliche Sorge innehat. Überdies hat das Bundesgerich t mehrmals erörtert, dass derjenige Elternteil, der Unterhaltsbeiträge erhält, steuerlich gesehen ganz oder zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes sorgt (vgl. [KGE VV] vom 8. Dezember 2010, 810 10 243/392 E. 7). Seite 12 In Bezug auf E. ist demzufolge festzustellen, dass d em Beschwerdeführer ledig- lich der pauschale Unterstützungsabzug gewährt werden kann. b) Eine Kumulierung des Abzugs für Unterhaltsbeiträg e für Kinder sowie des Ver- heiratetentarifs für die gleichen Kinder bei einer ei nzigen steuerpflichtigen Person ist, wie be- reits ausgeführt, nicht möglich. Die gesetzliche Ordnung ist für den Beschwerdeführer verbind- lich, und er kann nicht frei dasjenige Korrektiv wählen, das ihm in seiner besonderen Situation die grösste Steuerentlastung offeriert (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 2C_437/2010 vom 11. Oktober 2010, E. 2.2). c) Aus der Tatsache, dass dem Beschwerdeführer bislang sow ohl ein Kinderabzug und der Verheiratetentarif gewährt worden sind, kann sich dieser nichts ableiten. Die in einer früheren Steuerperiode getroffenen Taxationen entfalten zudem grundsätzlich keine Rechtskraft für spätere Veranlagungen. Vielmehr kann die Steuerbe hörde im Rahmen jeder Neuveranla- gung eines Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche al s auch die rechtliche Ausgangslage voll- umfänglich überprüfen und, soweit erforderlich, abweich end würdigen. In Rechtskraft erwächst jeweils nur die einzelne Veranlagung, die als befriste ter Verwaltungsakt ausschliesslich für die betreffende Steuerperiode Rechtswirkungen entfaltet. Die späteren Veranlagungen sind daher jederzeit einer erneuten umfassenden Überprüfung zug änglich (vgl. Der Steuerentscheid [StE] 2003 B 72.14.2 Nr. 31 E. 4.2; vgl. auch BStPra, Bd. XVI, S. 468; Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 20. November 2009, 530 09 33, E 6; [StGE] vom 01. März 2013, 530 12 55, www.bl.ch/steuergericht ). Der Antrag des Pflichtigen auf Gewährung des Verheira tetentarifs resp. Elterntarifs sowie des Kinderabzugs für den Sohn E. ist demzufolge abzuweisen. 5. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Besch werdeführer reduzierte Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 300.-- aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Seite 13 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen t eilweise gutgeheissen. 2. Das steuerbare Einkommen gemäss Einsprache-Entscheid vom 23. April 2013 ist von Fr. 69‘839.-- um Fr. 3‘670.-- auf Fr. 66‘169.-- zu reduzieren. 3. Dem Beschwerdeführer werden gemäss Art. 144 Abs. 1 D BG reduzierte Verfahrens- kosten in der Höhe von Fr. 300.-- (inkl. Auslagen von Fr. 100.--) auferlegt, welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. Der zu viel bezahlte Kos- tenvorschuss von Fr. 100.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Mitteilung an die Vertreterin, für sich und zhd. d es Beschwerdeführers (2), die Eidge- nössische Steuerverwaltung, Bern (1) und die Steuerverwa ltung des Kantons Basel- Landschaft (3). Steuergerichtspräsident: C. Baader Gerichtsschreiberin: I. Wissler