B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2735/2013/mel U r t e i l v o m 2 5 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren (…), und B._______, geboren (…), Türkei, beide vertreten durch lic. iur. Hasan Filimci, advocenter GmbH, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 16. April 2013 / N (…). D-2735/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden, kurdische Aleviten mit letztem Wohnsitz in C._______ (Provinz Erzurum, Bezirk Çat), verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im April 2005 und gelangten zunächst nach Griechenland, wo sie erfolglos Asylgesuche gestellt hätten und fünf Jahre geblieben seien. Am 24. September 2010 seien sie nach Italien gega n- gen, und am 14. Oktober 2010 seien sie von dort herkommend illegal in die Schweiz eingereist. Tags d arauf suchten sie im Empfangs - und Ver- fahrenszentrum D._______ um Asyl nach. Die Beschwerdeführerin wurde dort am 3. November 2010 summarisch befragt , und in der Folge wurden die Beschwerdeführenden für die Dauer des Verfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen. Am 27. Dezember 2010 reichten die beiden vol l- jährigen Töchter der Beschwerdeführerin ( F._______, N (…) , D - 2739/2013; G._______, N (…), D -2738/2013) ebenfalls Asylgesuche in der Schweiz ein. Das BFM hörte die Beschwerdeführerin am 16. August 2011 gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ausführlich zu ihren Asylgründen an und gewährte ihr im Anschluss an die Anhörung ausserdem das rechtliche Gehör zu Unge- reimtheiten zwischen ihren Aussagen und denjenigen ihr er beiden Töch- ter. Die Anhörung des minderjährigen Sohnes C. erfolgte am 6. Septe m- ber 2011. Ebenfalls am 6. September 2011 wurde die Beschwerdeführerin ein weiteres Mal befragt. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie sei von ihrem Ehemann , den sie im Jahr 1991 nach Brauch geheiratet habe, sowie dessen Familie gequält worden. Sie hätten bei den Angehörigen ihres Ehemannes im Dorf C._______ gelebt. Ihr Mann habe sie und auch die Kinder ständig geschlagen. Auch von ih- ren Schwiegereltern, den Schwägerinnen und einem Schwager sei sie geschlagen worden. Der Schwiegervater habe sie sogar erschiessen wol- len; nur dank dem Eingreifen von Nachbarn sei ihr nichts geschehen . Ihr Mann sei oft nach Istanbul gefahren und ha be dort Geld verspielt und sich mit anderen Frauen ver gnügt, während sie kein Geld für die Hau s- haltsführung erhalten habe. An ihrem Herkunftsort habe sie als Frau ke i- ne Rechte gehabt. Daher habe sie auch nicht die Möglichkeit gehabt, i h- ren Mann und dessen Familie bei den Behörden anzuzeigen. Als verhei- ratete Frau sei es ihr zudem verwehrt gewesen, wieder in ihr Heimat dorf zurückzukehren. Ihre Eltern und ein Bruder seien verstorben und weder ihr anderer Bruder noch ihre Schwestern hätten ihr helfen können od er D-2735/2013 Seite 3 wollen. Im Jahr 2004 sei ihr Mann nach Griechenland gegangen , weil er in der Türkei Probleme mit der Mafia bekommen habe . Diese Leute hät- ten in der Folge auch sie bedrängt, da ihr Mann Schulden gehabt habe. Der Dorfvorsteher und der Hodja des Dorfes seien ihr jedoch beigesta n- den. Im April 2005 sei sie ihrem Mann nach Griechenland gefolgt, da er sie telefonisch darum gebeten und sie gehofft habe, er habe sich ge än- dert. Ihr Mann habe für sie und C. die Ausreise mit Schleppern organisiert und bezahlt. Bereits kurz nach ihrer Ankunft habe er jedoch wiederum begonnen, sie zu schlagen. Er habe ihr auch gedroht, er würde sie u m- bringen oder ihr die Kinder wegnehmen, falls sie ihn anzeigen würde. Im September 2006 habe sie ihren Mann in Griechenland offiziell geheiratet, damit ihre Kinder den Namen ihres Vaters hätten annehmen können. Im Jahr 2009 seien ihre Töchter ebenfalls nach Griechenland nachgeko m- men. Irgendwann zwischen 2009 und 2010 sei ihr Mann ins Gefängnis gekommen; das habe sie von andere n Bewohnern des Asylheims erfa h- ren. Sie habe gewusst, dass er illegale Geschäfte gemacht habe. Sie ha- be ihren Mann letztmals im Juli 2009 oder Ende 2009/Anfang 2010 gese- hen. Er habe sie damals mit dem Tod bedroht. Von einem anderen Asyl- bewerber habe sie ebenfalls eine Nachricht von ihrem Mann diesen I n- halts erhalten. Deswegen sowie weil sie als abgewiesene Asylbewerberin in Griechenland keine Rechte gehabt habe und die Gesundheitsverso r- gung dort schlecht sei, habe sie sich im September 2010 entschieden, Griechenland zu verlassen. Ihre Freunde im Asylantenheim in Grieche n- land hätten ihre Reise in die Schweiz finanziert. Sie und ihr Sohn C. seien zuerst ausgereist, die beiden Töchter seien nachgekommen; aus fina n- ziellen Gründen hätten sie nicht alle zusammen a usreisen können. Ihre Töchter hätten in Griechenland bei einer kurdischen Frauengruppe der Partiya Karkerên Kurdistan (PKK) den Folkloreunterricht besucht. Sie ha- be unter diesen Frauen Freundinnen gefunden, habe dort Bücher gelesen und ab und zu an Kundgeb ungen, unter anderem gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, oder Konzerten teilgenommen. Sie sei überzeugt, dass sie deswegen bei einer Rückkehr in die Türkei Probleme bekommen und inhaftiert würde. Ausserdem fürchte sie sich nach wie vor vor ihrem Mann und habe Angst, er könnte sie sogar umbringen, da sie von zuhause weggelaufen sei. Der Beschwerdeführer C. führte seine r- seits aus, sein Vater habe seine Mutter in Griechenland mehrfach g e- schlagen und sie jeweils unter Drohungen davon abgehalten , zur Polizei zu gehen. Auch in der Türkei sei seine Mutter von seinem Vater geschl a- gen worden. Die Geschwister seines Vaters hätten seine Mutter ebenfalls geschlagen und sich immer in ihr Leben eingemischt. Er könne sich da r- an aber nicht mehr gut erinnern. D-2735/2013 Seite 4 A.c Die Beschwerdeführenden reichten im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens folgende Unterlagen zu den Akten: ihre türkischen Identität s- karten, ein Impfbüchlein aus Griechenland, ein USB-Stick mit Aufnahmen von Kundgebungen in Griechenland, zwei ärztliche Berichte von Dr. med. N. E. -W. vom 23. September 2011 und 24. Oktober 2012 sowie ein Schreiben des Dorfvorstehers und mehrerer Zeugen vom 4. November 2010. B. Das BFM stellte mit Verfügung vom 16. April 2013 – eröffnet am 18. April 2013 – fest, die Vorbringen der Beschwerdeführenden seien nicht asylre- levant und überdies teilweise auch nicht glaubhaft . Demzufolge verneinte es die Flüchtlingseigenschaft und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vo llzug an. C. Mit Beschwerde vom 14. Mai 2013 an das Bundesverwaltungsgericht liessen die Beschwerdeführenden beantragen, die angefochtene Verf ü- gung sei aufzuheben und es sei ihnen Asyl, eventuell die vorläufige Au f- nahme zu gewähren, subeventuell sei die Sach e zur vollständigen Abklä- rung des Sachverhalts und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der vollum- fänglichen unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. Ausserdem wurde beantragt, es sei der Beschwe r- de die aufschiebende Wirkung zu erteilen, es seien die einschlägigen v o- rinstanzlichen Akten beizuziehen und es sei ein Gutachten zum (psych i- schen) Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden erstellen zu la s- sen. Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, zwei Vollmachten sowie die Substitutionsbewilligung und ein ärztlicher Bericht von Dr. med. N. E.-W. vom 29. April 2013 (alles in Kopie) bei. D. Mit Eingabe vom 17. Mai 2013 liessen die Beschwerdeführenden weitere Unterlagen (teilweise auch betreffend die beiden Töchter/Schwestern) nachreichen: eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit vom 13. Mai 2013, mehrere Unterstützungs - und Referenzschreiben von Privatpers o-D-2735/2013 Seite 5 nen, eine Arbeitsbestätigung von H._______ vom 6. Mai 2013 sowie mehrere Unterschriftenbögen (alles in Kopie). E. Mit Zwischenverfügung vom 21. Mai 2013 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses. Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung (Art. 65 Abs. 2 VwVG) wurde dagegen abgewiesen. F. Das BFM hie lt in seiner Vernehmlassung vom 31. Mai 2013 vollumfäng- lich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der B e- schwerde. Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde den Beschwerde- führenden am 10. Juni 2013 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 des Ve r- waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vo r- instanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des BFM, welche in Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich endgültig, au s- ser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgericht sgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e-D-2735/2013 Seite 6 rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwä- gungen – einzutreten. 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Auf das in der Beschwerde gestellte Gesuch, es sei der Beschwe rde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ist mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten, da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebe n- de Wirkung zukommt (vgl. Art. 55 Abs. 1 VwVG; s. auch Art. 42 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die S chweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer polit i- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unertr äglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Wer sich darauf beruht, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst g e- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgrü nde begründen zwar die Flüch t- lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 D-2735/2013 Seite 7 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuc h- lich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Pe r- sonen, welche subjek tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, die von den Beschwerdeführenden geltend g e- machten und befürchteten Übergriffe durch den Ehemann respektive V a- ter seien nicht asylrelevant. Die türkische Regierung habe d en Willen be- kundet, gegen Ehrenmorde und häusliche Gewalt vorzugehen und arbei- te zu diesem Zweck auch mit nicht -staatlichen Organisationen sowie Re- ligionsbehörden zusammen. Mit ihren Sicherheitskräften verfügten die türkischen Behörden auch über die Mittel , derartige Delikte zu bekäm p- fen. Zwar stünden die Bemühungen zum Schutz der Frauen noch in den Anfängen, doch sei der türkische Staat grundsätzlich willens und in der Lage, den Beschwerdeführenden effektiven Schutz im Falle etwaiger B e- drohungen oder Gewal tanwendungen zu gewähren, würden sie diesen Schutz bei den staatlichen Institutionen einfordern. Der Beschwerdeführe- rin wäre es demnach möglich und zumutbar gewesen, sich betreffend den geltend gemachten Übergriffen an die zuständigen Behörden zu wenden. Da sie es unterlassen habe, die türkischen Behörden um Schutz zu ers u- chen, habe sie dem türkischen Staat gar nicht die Möglichkeit gegeben, ihr den erforderlichen Schutz zu gewähren. Ihr Einwand, sie habe keine Bewegungsfreiheit gehabt und das Haus nicht ve rlassen dürfen, sei nicht glaubhaft. Aus den Anhörungsprotokollen ihrer Töchter gehe nämlich her- vor, dass sie die eine Tochter im Bus zu einem Einkaufsausflug nach Çat begleitet habe und die andere Tochter mehrmals selbständig im Internat in Çat besucht habe. Im Übrigen sei aufgefallen, dass die Beschwerd e- führerin durchwegs ausweichend und undifferenziert geantwortet habe, als sie gefragt worden sei, ob und wen sie um Hilfe ersucht habe. Ohn e- hin bestünden Zweifel an der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Übergriffe, da sich die Beschwerdeführerin dazu widersprüchlich geäu s- sert habe, so beispielsweise in Bezug auf den Zeitpunkt, wann ihr Mann damit begonnen habe, sie zu schlagen. Ausserdem habe sie die angebli- chen Übergriffe mehrheitlich stereotyp geschildert; die Vorbringen wirkten teilweise überzeichnet. Die Frage, wann sie ihren Ehemann letztmals g e- sehen habe, habe sie nicht schlüssig beantworten können. Im Weiteren überzeuge ihre Darstellung nicht, wonach sie ihrem Mann trotz jahrela n- ger Misshandlungen nach Griechenland gefolgt sei, weil sie geglaubt h a-D-2735/2013 Seite 8 be, er sei in Europa zu einem besseren Menschen geworden. Auch in anderen Punkten seien ihre Ausführungen unlogisch ausgefallen. Be i- spielsweise sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie ihrem Mann den Z u- gang zum Asylzentrum in Griechenland trotz der geltend gemachten massiven Übergriffe erlaubt habe respektive sich dafür eingesetzt habe, dass er habe hineinkommen können. Der Beschwerdeführer C. habe die Übergriffe seines Vaters äusserst dürftig und pauschal ge schildert, dies trotz wiederholten Nachfragens. Bezüglich der Vorkommnisse in der Tü r- kei habe er zunächst dargelegt, seine Mutter sei von den Verwandten seines Vaters geschlagen worden, habe auf Nachfrage hin allerdings ein- geräumt, er könne sich eigentlich an gar nichts erinnern. Aufgrund des Gesagten vermöge die als Beweismittel eingereichte schriftliche Erkl ä- rung vom 4. November 2010, wonach das Leben der Beschwerdeführerin in der Türkei in Gefahr sei und sie nicht mehr dorthin zurückkehren kö n- ne, ihre Vorbringen nicht zu stützen. Im Übrigen widerspreche die Angabe in der Erklärung, wonach die Beschwerdeführerin die Türkei im Jahr 2000 verlassen habe, ihrer Aussage, sie sei im Mai 2009 ausgereist. Die Be- schwerdeführerin habe sodann die Befürchtung geäussert, in der Türkei infolge ihres Umgangs mit einer Frauengruppe der PKK in Griechenland und der Teilnahme an Kundgebungen inhaftiert zu werden. Diesbezüglich sei jedoch festzustellen, dass es unwahrscheinlich sei, dass sie in der Türkei mit ernsthaften Nachteilen zu rechnen hätte, da sie nicht über das entsprechende politische Profil verfüge. Sie sei in der Türkei nicht pol i- tisch aktiv gewesen , und es sei nicht davon auszugehen, dass sie au f- grund ihres Kontaktes zu PKK -Frauen und der Teilnahme an Demonstra- tionen in Griechenland ins Visier der türkischen Behörden geraten sei. Einfache Exilaktivitäten lösten nämlich grundsätzlich kein beachtliches Risiko politischer Verfolgung bei einer Rückkehr in die Türkei aus. Die Fo- tos auf dem eingereichten USB-Stick vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Insgesamt hielten die Vorbringen der Beschwerdefü h- renden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht stand, weshalb die Asylgesuche abzulehnen seien. Den Wegweisungsvollzug erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. Betreffend die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zugs wies das BFM vorab darauf hin, die Angaben der Beschwerdeführe- rin zu ihrem Wohnort und ihrem verwandtschaftlichen Beziehungsnetz in der Türkei seien wenig überzeu gend ausgefallen. Ausserdem habe sie bewusst falsche Angaben zu den Geburtsdaten ihrer Kinder gemacht. Entgegen den Angaben der Beschwerdeführenden sei davo n auszug e- hen, dass es sich beim Beschwerdeführer nicht um einen (…)-jährigen Jungen handle, sondern dass er – wie auch seinem Nüfus zu entnehmen D-2735/2013 Seite 9 sei – bereits (…) Jahre alt sei. Demnach sei er bei der Ausreise aus der Türkei schon acht Jahre alt gewesen. A us diesem Grund sei zu bezwe i- feln, dass er sich kaum mehr an die Vorkommnisse in der Türkei erinnern könne; vielmehr dränge sich der Verdacht auf, dass er zu der geltend gemachten Unkenntnis angehalten worden sei. Die persönlichen Verhält- nisse der Beschwer deführenden im Heimatland könnten unter diesen Voraussetzungen nicht als gesichert erachtet werden. Jedenfalls sei aber festzustellen, dass die Beschwerdeführenden zusammen mit den beiden erwachsenen Töchter respektive Schwestern in die Türkei zurückkehren könnten und somit dort nicht auf sich alleine gestellt wären. Die B e- schwerdeführerin habe zudem die Möglichkeit, sich in der Türkei an die zuständigen Stellen oder an eine Nichtregierungsorganisation zu wenden, bei denen sie Beratung und Unterstützung finden werde. Die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin seien im Übrigen auch in der Türkei adäquat behandelbar; die entsprechenden, notwendigen Einrichtungen seien dort landesweit vorhanden und allen zugänglich. Allenfalls könne die Beschwerdeführerin zudem medizinische Rückkehrhilfe in Anspruch nehmen. 5.2 In der Beschwerde wird unter dem Titel "Tatsächliches" zunächst aus- geführt, die Sicherheit der Beschwerdeführenden, welche aus einer trad i- tionell geprägten Gegend im Osten der Türkei stammten, sei an ihr em Herkunftsort nicht mehr gegeben gewesen. Die Beschwerdeführerin sei über längere Zeit von ihrem Ehemann und dessen Angehörigen misshan- delt worden, was zeige, dass der türkische Staat seiner Schutzpflicht nicht nachgekommen sei. Aufgrund der islamisch ge prägten Kultur und der archaischen Strukturen der Gesellschaft sei die ungebildete B e- schwerdeführerin von ihrem Ehemann und dessen Familie sozial abhä n- gig gewesen. Ausserdem sei allgemein bekannt, dass Kurden von den türkischen Behörden diskriminiert würde n und dass der Schutz der Fra u- en in der Türkei nicht gewährleistet sei. Daher habe von der Beschwerde- führerin nicht erwartet werden können, bei den Behörden Schutz zu s u- chen. Es sei nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführenden vieles ve r- drängt hätten, wes halb es im Interesse der Sachverhaltsfeststellung an- gezeigt wäre, ein umfa ssendes Gutachten erstellen zu lassen, welches sich zu den Erlebnissen der ganzen Familie äussere. Die Beschwerde- führenden seien zum Ehemann/Vater nach Griechenland gereist, da dies immer noch besser gewesen sei, als bei dessen Angehörigen in der Tü r- kei zu bleiben, zumal Frauen und Benachteiligte in der Türkei keinen Schutz erhielten. Wo der Ehemann/Vater heute sei, habe das BFM nicht abgeklärt. Dessen Drohungen müssten aber ernst gen ommen werden. D-2735/2013 Seite 10 Bei einer Rückkehr in die Türkei wären die Beschwerdeführenden an Leib und Leben gefährdet. Gewalt gegen Frauen sei in der Türkei an der T a- gesordnung, diesbezüglich sei auf zwei Internetberichte (vgl. die Links auf S. 7 der Beschwerde) verwiesen. Der türkische Staat gebe zwar vor, sich für den Schutz der Frauen einzusetzen, sei aber in den letzten Jahren ef- fektiv immer mehr nach rechts ab gedriftet und brüste sich mit seiner ottomanischen Tradition. Ohne staatlichen Schutz wären die Beschwe r- deführenden jedoch der Willkür des Ehemannes/Vaters ausgesetzt, we l- cher bereits mehrmals gedroht habe, die Beschwerdeführerin umzubri n- gen. In der Türkei seien im Februar 2013 innerhalb einer Woche sechs Frauen Opfer eines Mordes geworden (vgl. den Internetlin k auf S. 7 der Beschwerde), was die verharmlosende Sichtweise des BFM deutlich w i- derlege. Unter Berücksichtigung der frauenfeindlichen Strukturen in der Türkei könne nicht einfach angenommen werden, die eingereichte schrift- liche Erklärung vom 4. November 2 010 habe keinen Beweiswert. Anzufü- gen sei, dass sich die Beschwerdeführerin für das Christentum interessie- re und regelmässig den Gottesdienst besuche. Religionsfreiheit existiere in der Türkei nur auf dem Papier. Tatsächlich würden in der Türkei Me n- schen wegen ihrer christlichen Religionszugehörigkeit verfolgt (vgl. Inte r- netlinks auf S. 7 und 8 der Beschwerde). Im Weiteren habe sich die B e- schwerdeführerin in Griechenland für die Sache der Kurden engagiert und an diversen Kundgebungen teilgenommen. Es werde nicht behaup- tet, sie sei von der Türkei als regimefeindliche Person registriert worden. Das BFM habe indessen auch keine konkreten Angaben zum Gegenteil machen können. Die Reaktion der türkischen Behörden auf eine Rüc k- kehr der Beschwerdeführenden könne nic ht vorhergesagt werden. Eine Festnahme liege durchaus im Bereich des Möglichen. Das BFM habe nicht dargelegt, dass die Sicherheit der Beschwerdeführenden in der Tü r- kei tatsächlich gewährleistet wäre; diesbezüglich sei der Sachverhalt u n- genügend festgestellt worden. Die aktuellen innenpolitischen Entwicklu n- gen in der Türkei sowie der Krieg in Syrien würden jedenfalls nichts Gutes erahnen lassen (vgl. den Internetlink auf S. 9 der Beschwerde). Bezüglich des Beschwerdeführers C. sei noch darauf hinzuweisen, da ss dieser traumatisiert sei und sich daher nicht an jedes Detail erinnern könne. Da er auf der Seite der Beschwerdeführerin stehe, müsse auch er mit z u- künftigen gewalttätigen Übergriffen seines Vaters rechnen. Angesichts der Lage der Beschwerdeführenden hätten sich die Einwohner ihrer Schwei- zer Wohngemeinde mit Unterstützungsschreiben und Unterschriften für sie eingesetzt. Es sei auch zu berücksichtigen, dass C. hier die Schule besuche. Die Beschwerdeführerin ihrerseits besuche den Gottesdienst und wolle in der Schweiz für ihre Kinder sorgen. Unter dem Titel "Rechtli-D-2735/2013 Seite 11 ches" folgen sodann längere theoretische Ausführungen zum Flüchtlings- begriff. Anschliessend wird geltend gemacht, mit Blick auf die vorgega n- genen Ausführungen sei eine Rückkehr der Beschwerdeführenden an ih- ren Herkunftsort ausgeschlossen. Es könne ferner angesichts der in der Türkei herrschenden Sitten, Gebräuche und religiösen Einstellungen nicht davon ausgegangen werden, dass die Verwandten der Beschwerdeführe- rin die Beschwerdeführ enden aufnehmen und schützen würden. Um die eigene Ehre nicht zu beflecken respektive dem Druck der Gesellschaft folgend würden oft auch eigene Verwandte zu Gewalt neigen. Es dürfte den Beschwerdeführenden auch kaum möglich sein, in einem anderen Teil der Türkei Zuflucht zu suchen . Die Nachbarn würden die alleinerzi e- hende Beschwerdeführerin sicherlich denunzieren. Die Beschwerdefü h- renden könnten auch in der Westtürkei nur schwer staatlichen Schutz e r- halten, da sich die Türkei unter Ministerpräsident Erdogan dem traditio- nellen Islamismus verschrieben habe. Sodann befürchte die Beschwerde- führerin zu Recht eine politische Verfolgung in der Türkei, könne dies j e- doch nicht belegen. Die Gefahr einer solchen Verfolgung erhelle jedoch aus der Tatsache, dass Tausende von Kurden und zahlreiche Journalisten aus politischen Gründen inhaftiert seien. Nicht von der Hand gewiesen werden könne hingegen, dass der Ehemann/Vater der Beschwerdefü h- renden diese in der Türkei überall suchen und letztlich auch finden werde. Es dürfe nicht vergessen werden, dass dieser den Beschwerdeführenden mit dem Tod gedroht habe. Bei einer Rückkehr in die Türkei müssten die Beschwerdeführenden damit rechnen, erneut vom Ehemann respektive Vater sowie von dessen Verwandten behelligt zu werden. Speziell zu be- rücksichtigen seien im Weiteren die frauenspezifischen Fluchtgründe. Der Schutz von Frauen sei in der Türkei nur auf dem Papier vorhanden . Der Staat sei zwar theoretisch schutzfähig, komme aber seiner Schutzpflicht in der Praxis nicht nach. Gemäss Statistik würden in der Türkei jeden Tag fünf Frauen umgebracht . Die Beschwerdeführenden könnten beispiel s- weise in Istanbul auch nicht auf Datenschutz zählen, da dazu die Strukt u- ren fehlen würden. Angesichts der Menschen- und insbesondere Frauen- rechtsverletzungen in der Türkei sowie mit Blick auf die islamisch gepräg- te Gesellschaft, den fehlenden Schutz durch den Staat und das nicht vo r- handene soziale Netz seien die Beschwerdeführenden als Gewaltflüch t- linge anzuerkennen. Sie seien im Übrigen psychisch ang eschlagen und traumatisiert. Die Beschwerdeführerin sei sogar auf ärztliche Behandlung angewiesen. Eine Rückkehr in die Türkei könne ihr nicht zugemutet we r- den. Dort werde eine alleinstehende Frau respektive Mutter als Gegen - stand betrachtet und wäre der G efahr von (sexueller) Misshandlung au s- gesetzt. Die Beschwerdeführenden hätten in der Türkei kein soziales D-2735/2013 Seite 12 Netz, keine Aussicht auf eine finanzielle Existenz und seien dort nicht krankenversichert. Im Falle eines Wegweisungsvollzugs würden sie in ei- ne existenzbedrohende Situation geraten und verelenden. Die Beschwer- deführerin müsste zudem ihr Interesse für das Christentum verbergen und deswegen mit Gewissenskonflikten leben. Insgesamt würde die Situ- ation der Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr zu ein em uner- träglichen psychischen Druck führen, welcher sie zur (erneuten) Flucht zwingen würde. Die vom BFM erwähnten Ungereimtheiten seien vor a l- lem datentechnischer Natur. Bei traumatisierten Opfern von Gewalt und Verfolgung seien derartige Ungereimtheiten normal. Unter diesen U m- ständen wäre jedoch die Einholung eines umfassenden Gutachtens zum psychischen Zustand der Beschwerdeführenden sachdienlich. 6. Vorab ist festzustellen, dass der in der Beschwerde gestellte Subevent u- alantrag, wonach die vorinstanzlich e Verfügung aufzuheben und zur rechtsgenüglichen Abklärung des Sachverhalts und zur neuen Entsche i- dung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, unbegründet erscheint. In der Beschwerde wird zur Begründung dieses Antrags ausgeführt, die B e- schwerdeführenden seien traumatisiert und hätten vieles verdrängt, we s- halb im Interesse der Sachverhaltsfeststellung ein umfassendes Gutac h- ten erstellt werden müsse, welches sich zu den Erlebnissen und zum psychischen Zustand der Beschwerdeführenden äussere. Ausserdem wird gerügt, das BFM habe den Sachverhalt in Bezug auf die Frage, ob die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei politische Verfolgung zu gewärtigen habe, ungenügend festgestellt. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden ist der aktenkundige, rechtserheb- liche Sachverhalt indessen als genügend erstellt zu erachten und bildet – wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen – eine hinreichende Grun d- lage für die Beurteilung der Frage, ob den Beschwerdeführenden im Heimatland eine a sylrelevante Verfolgung droht und ob ein Wegwe i- sungsvollzug in die Türkei durchführbar ist oder nicht. Weitere Abkläru n- gen erscheinen daher nicht als erforderlich. Insbesondere besteht keine Veranlassung zur Einholung eines Gutachtens zum Gesundheitszustan d respektive zu den Erlebnissen der Beschwerdeführenden. Abgesehen davon wäre es den gemäss Art. 8 AsylG mitwirkungspflichtigen Be- schwerdeführenden ohne Weiteres auch zumutbar und möglich gewesen, selbständig ein derartiges Gutachten erstellen zu lassen un d dieses im Beschwerdeverfahren als Beweismittel einzureichen. Der erwähnte Ka s- sationsantrag ist nach dem Gesagten abzuweisen. D-2735/2013 Seite 13 7. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das BFM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG zu Recht verneint hat. 7.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1 A des Ab- kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), wenn sie mit beacht licher Wahrscheinlichkeit und in a b- sehbarer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmo- tive zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz erwarten kann. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheids, w o- bei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise best e- hende begründete Furcht vor Verfolgung auf eine andaue rnde Gefäh r- dung hinweisen kann. Veränderungen der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 141 f., m.w.H.). 7.2 Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie müssten im Falle i h- rer Rückkehr in die Türkei damit rechnen, erneut vom Ehemann respekt i- ve Vater und dessen Verwandten behelligt zu werden. Dazu ist zunächst zu bemerken, dass aufgrund der Aktenlage an den Schilderungen der Beschwerdeführenden betreffend die angeblich erlittenen Übergriffe se i- tens der genannten Personen gewisse Zweifel bestehen (vgl. die zutre f- fenden diesbezüglichen Ausführungen in der vorinstanzlichen Verfügung). Im Weiteren ist es als wenig wahrscheinlich zu erachten, dass die B e- schwerdeführenden zukünftig asylrelevante Übergriffe durch diese Pe r- sonen zu gewärtigen haben. Ihren Aussagen zufolge äusserte sich der Ehemann/Vater angeblich dahingehend, dass er die Beschwerdeführe n- den loswerden wolle (vgl. dazu A22 S. 2, A27 S. 2), was ihm mit der Aus- reise der Beschwerdeführenden aus Griechenland offensichtlich gelungen ist. Bei dieser Sachlage ist kaum damit zu rechnen, dass er oder seine Verwandten den Beschwerdeführenden im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei aktiv nachstellen und sie in asylrelevanter Weise verfolgen wür- den. Sollte dies dennoch der Fall sein, wäre es den Beschwerdeführe n- den schliesslich ohne Weiteres zumutbar und möglich, rechtliche Schritte gegen diese Personen in die Wege zu leiten und die zuständigen heima t- lichen Behörden um Schutz zu ersuchen. Entgegen den Befürchtungen der Beschwerdeführenden sind die türkischen Behörden durchaus auch D-2735/2013 Seite 14 in Fällen häuslicher Gewalt grundsätzlich schutzfähig und -willig. Ange- sichts dessen, dass sich die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus der Türkei mit einer vom BFM zu Recht als unplausibel qualifizierten B e- gründung (vgl. S. 5 der angefochtenen Verfügung) gar nie mit einer A n- zeige oder auch nur einer informellen Meldung an die Behörden gewandt hat, bestehen im vorliegenden Fall keine konkreten und glaubhaften Hin- weise dafür, dass die Beschwerdeführenden in der Türkei aufgrund ihrer kurdischen Ethnie oder – im Falle der Beschwerdeführerin – aufgrund ih- res Geschlechts keinen adäquaten Schutz vor Verfolgung erhalten wü r- den. Die türkischen Behörden haben in den letzten Jahren grosse A n- strengungen zur Verbesserung der rechtlichen und gesellschaftlichen S i- tuation der Frauen im Allgemeinen sowie zu deren Schutz vor Übergriffen mit soziokulturellem Hintergrund bis hin zum Ehrenmor d unternommen. Im Jahr 1998 trat das Familienschutzgesetz Nr. 4320 in Kraft, welches im Jahre 2007 ergänzt wurde und auf Gewaltprävention, Opferschutz sowie Bestrafung von Übergriffen abzielt. Über 150 Familiengerichte befassen sich mit der Durchsetzung di eses Gesetzes; der Zugang zu diesen G e- richten ist für die klagende Partei kostenlos, ebenso die Vollstreckung ei- nes allfälligen Urteils. Mit einer entsprechenden Revision des türkischen Strafgesetzbuches wurden im Jahre 2004 zudem die Strafrahmen von Straftaten gegen Frauen erhöht und gleichzeitig die früher bestehenden Strafmilderungsgründe in Fällen von Ehrenmord und Vergewaltigung au f- gehoben; gemäss Art. 82 des Strafgesetzbuches gilt Ehrenmord nunmehr als qualifiziertes Tötungsdelikt, welches mit lebensl änglicher Gefängni s- strafe zu ahnden ist. Seit der Einführung dieser neuen gesetzlichen B e- stimmungen ist es bereits verschiedentlich zu Verurteilungen von Mä n- nern, welche sich eines Ehrverbrechens schuldig gemacht hatten, g e- kommen. Das Gemeindegesetz Nr. 53 93 verpflichtet sodann jede G e- meinde mit über 50'000 Einwohnern zum Aufbau von Schutzeinrichtu n- gen für Frauen und Kinder. Ausserdem wurden etliche Frauenhäuser ein- gerichtet und im Oktober 2007 zusätzlich eine von der EU finanziell u n- terstützte Telefon-Hotline installiert, welche Anrufe von bedrohten Frauen entgegennimmt, die Opfer innerfamiliärer Gewalt an die zuständige Pol i- zeistelle verweist sowie Anwälte und psychologische Fachpersonen ve r- mittelt. Daneben sind auch verschiedene spezifische Nichtregierung sor- ganisationen um eine Verbesserung der Stellung der Frau sowie um U n- terstützung und Gewährung von Schutz an Opfer innerfamiliärer Ge walt bemüht (vgl. zum Ganzen das Urteil D-7450/2009 vom 29. Juni 2011 E. 4.4. mit weiteren Hinweisen sowie der Bericht "Frauenhäuser in der Türkei" von Nora Sevbihiv Sinemilli oglu in der Zeitschrift NDV [ Nachrich- tendienstes des deutschen Vereins für öffentli che und private Fürsorge D-2735/2013 Seite 15 e.V.] vom Mai 2011). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden in der Türkei bei Bedarf adäquaten Schutz vor allfälligen Übergriffen seitens des Ehemannes/Vaters respektive dessen Verwandten erhalten würden und daher nicht auf den subsidiären Schutz der Schweiz angewiesen sind . Das Vorliegen einer begründeten Furcht vor zu künftiger asylrelevanter Verfolgung ist daher in diesem Punkt zu verneinen. 7.3 Die Beschwerdeführerin bringt ferner vor, sie müsse bei einer Rüc k- kehr in die Türkei mit politischer Verfolgung rechnen, weil sie in Griechen- land einer Frauengruppe der PKK nahege standen und dort an mehreren antitürkischen Kundgebungen teilgenommen habe. Damit macht die B e- schwerdeführerin das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (vgl. dazu vorstehend E. 5.3) geltend. Diesbezüglich ist festzustellen, dass sich die Beschwerdeführerin den Akten zufolge vor ihrer Ausreise aus der Türkei weder aktiv für die Rechte der Kurden eingesetzt noch anderweitig pol i- tisch engagiert hat. Demzufolge ist auszuschliessen, dass sie im Zei t- punkt ihrer Ausreise aus dem Heimatland be i den türkischen Behörden als regimefeindliche Person registriert war. Sie hat sich sodann durch die von ihr beschriebenen exilpolitischen Tätigkeiten in Griechenland nicht speziell exponiert, zumal sie weder innerhalb der PKK -Frauengruppe noch anlässlich der Kundgebungen und kulturellen Anlässe, an welchen sie teilnahm, eine führende Position innehatte, sondern offensichtlich l e- diglich Mitläuferin war. Sie erfüllt damit klarerweise nicht das Profil einer engagierten Regimegegnerin, weshalb es selbst im unr ealistischen Fall, dass ihre Aktivitäten den türkischen Behörden bekannt geworden sind, nicht wahrscheinlich ist, dass die türkischen Behörden sie als ernsthafte Gefahr für das Regime wahrnehmen . Demzufolge erscheint es praktisch ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr in die Türkei aufgrund ihrer exilpolitischen Tätigkeit in Griechenland ernst- hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärti gen hätte. Auch in diesem Punkt ist daher eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu verneinen. 7.4 In der Beschwerde wird schliesslich erstmals vorgebracht, die B e- schwerdeführerin interessiere sich für das Christentum und besuche in der Schweiz regelmässig den Gottesdienst, weshalb sie bei einer Rüc k- kehr in die islamisch geprägte Tür kei eine Verfolgung zu gewärtigen hä t- te. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Zwar trifft es zu, dass es in der Vergangenheit mehrfach zu Übergriffen von türkisch -muslimischen Nationalisten gegen christliche Kirchen und Geistliche gekommen ist und D-2735/2013 Seite 16 christliche Institutionen in der Türkei insbesondere im Bereich Grunde i- gentum und Priesterausbildung nach wie vor benachteiligt werden. Hin- gegen ist in der Türkei die individuelle Glaubens - und Religionsfreiheit weitestgehend gewährleistet, und die christl iche Bevölkerung in der Tü r- kei ist keiner Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt. Es ist d a- her nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin, welche sich übrigens eigenen Angaben zufolge lediglich für das Christentum intere s- siert und bisher nicht konvertiert ist , bei einer Rückkehr in die Türkei mit asylrelevanter Verfolgung rechnen muss. 7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asylgründe sowie subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung beziehungswe i- se eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. An dieser Ei n- schätzung vermögen weder die weiteren Ausführungen auf Beschwerd e- ebene noch die eingereichten Beweismittel etwas zu ändern, weshalb darauf nicht mehr näher einzugehen ist. Unter Berücksichtigung der g e- samten Umstände folgt, dass die Beschwerdeführenden keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnten. Die Vorin- stanz hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an ; es berüc ksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 9. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht z ulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslä n- dern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 übe r die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). D-2735/2013 Seite 17 In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls w e- nigstens glaubhaft zu machen. 9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herku nfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder i n dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK ). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) , Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (E MRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behan d- lung unterworfen werden. 9.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdefü h- renden in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe n- den noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkret e Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschi e-D-2735/2013 Seite 18 bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Be- schwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Aufgrund der Akten sowie der vorstehenden Erwägungen betreffend die Frage der Flüchtlingseigenschaft ist indessen nicht davon auszugehen, dass ihnen im Falle einer Rückschiebung in die Türkei eine derartige Gefahr droht. Entgegen den diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde lässt die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei den Wegweisungsvol l- zug im heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdefüh- renden sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. 9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situatione n wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.3.1 In der Türkei herrscht keine land esweite Situation allgemeiner G e- walt (vgl. dazu BVGE 2013/2 E. 9.5 und 9.6), weshalb von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen ist. 9.3.2 Aufgrund der Aktenlage ist sodann auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden aus ind ividuellen Gründen wirtschaftl i- cher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Si- tuation geraten würden. Vorab ist festzustellen, dass sie zusammen mit den beiden erwachsenen Töchtern respektive Schwestern (F._______, N […], D-2739/2013; G._______, N […], D-2738/2013), deren Beschwerde- verfahren mit datumsgleichen Urteilen abgeschlossen werden, ins He i- matland zurückkehren können, womit sie bei ihrer Rückkehr nicht auf sich alleine gestellt wären. Eigenen Angaben zufolge verfü gt die Beschwerde- führerin in ihrem Herkunftsbezirk Çat ausserdem über einen Bruder, drei verheiratete Schwestern sowie einen Cousin (vgl. A1 S. 3). Betreffend den Bruder erklärte die Beschwerdeführerin, dieser habe ihr schon vor der Ausreise nicht helfen w ollen (vgl. A21 S. 7). Dagegen bestehen au f- grund der Aktenlage keine konkreten Hinweise dafür, dass die drei Schwestern der Beschwerdeführerin die Beschwerdeführenden bei deren Rückkehr in die Türkei nicht unterstützen würden. Bei der Aussage der Beschwerdeführerin, wonach ihre Schwestern ihr sowieso nicht helfen D-2735/2013 Seite 19 könnten (vgl. A21 S. 7), handelt es sich offensichtlich nur um eine pess i- mistische Vermutung ohne sachliche Grundlage. Es ist den Beschwerd e- führenden demnach ohne weiteres zuzumuten, Kontakt zu ihr en Ve r- wandten, namentlich zu ihren Schwestern, aufzunehmen und diese um Unterstützung bei der Wiedereingliederung in der Türkei zu bitten. Bei Bedarf könn ten sich die Beschwerdeführenden ausserdem an die z u- ständigen türkischen Sozialbehörden oder an eine N ichtregierungsorga- nisation wenden, wo sie Beratung und Unterstützung finden können. Der Beschwerdeführer, welcher gemäss der eingereichten Identitätskarte am (…) geboren wurde, war bei seiner Ausreise aus der Türkei knapp zehn Jahre alt. Es ist davon auszu gehen, dass er mit der türkischen Sprache sowie den dort herrschenden Sitten und Gebräuchen ausreichend ve r- traut ist, weshalb ihm eine Integration namentlich in den schulischen Al l- tag in der Türkei nicht schwerfallen wird. Da er lediglich drei Jahre in der Schweiz verbracht hat und mit seinen primären Bezugspersonen ( seiner Mutter und seinen Schwestern ) ins Heimatland zurückkehren kann, e r- scheint der Wegweisungsvollzug in die Türkei auch unter dem Aspekt des Kindeswohls als zumutbar. Bezüglich der geltend g emachten medizin i- schen Probleme der Beschwerdeführerin ist aufgrund der Aktenlage (vgl. dazu insbesondere den ärztlichen Bericht vom 29. April 2013) festzuste l- len, dass sie an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet und deswegen in der Schweiz amb ulant behandelt wird (Medikamente sowie psychotherapeutische Gespräche). Da jedoch in der Türkei landesweit sowohl psychiatrische Einrichtungen als auch ausgebildetes Fachpers o- nal und Psychopharmaka vorhanden sind, kann die Beschwerdeführerin ihre psychisc hen Probleme auch in der Türkei angemessen behandeln lassen. Insoweit als in der Beschwerde vorgebracht wird, die Beschwe r- deführenden seien nicht krankenversich ert, ist darauf hinzuweisen, dass nicht krankenversicherte Bedürftige in der Türkei eine so gena nnte "Grü- ne Karte" beantragen können, die zur kostenlosen Behandlung in staatl i- chen Krankenhäusern berechtigt. Im Weiteren ist zwar nicht ausz u- schliessen, dass sich eine Rückkehr der Beschwerdeführerin an ihren Herkunftsort zunächst negativ auf ihren psych ischen Zustand auswirken könnte. Eine Behandlung im Heimatland bringt jedoch durchaus auch p o- sitive Aspekte mit sich (vertraute Umgebung, Kommunikation in der Mu t- tersprache, allenfalls Beistand durch Angehörige), weshalb die Erfolg s- chancen einer Behandlung in der Türkei als durchaus intakt zu bezeic h- nen sind. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass einer möglichen Deko m- pensation und Suizidalität im Hinblick auf einen allenfalls zwangsweisen Vollzug der Wegweisung durch geeignete medikamentöse oder nötige n- falls psychotherapeutische Massnahmen entgegengewirkt werden kann. D-2735/2013 Seite 20 Sofern notwendig, wäre im Zuge flankierender Massnahmen in Zusa m- menarbeit mit der Schweizer Vertretung vor Ort und den zuständigen Stellen der Vorinstanz auch sicherzustellen, dass die Weiterführung einer allenfalls notwendigen Behandlung im Heima tstaat im Zeitpunkt des Vol l- zugs effektiv gewährleistet ist. Die Beschwerdeführerin hat ausserdem im Rahmen der individuellen Rückkehrhilfe die Möglichkeit, zusätzliche m e- dizinische Hilfeleistungen (Kauf von Medikamenten, Organisation einer medizinischen Behandlung nach der Rückkehr, ärztliche Begleitung wä h- rend der Heimreise) zu beantragen. Nach dem Gesagten ist der Wegwei- sungsvollzug demnach trotz der bestehenden psychischen Probleme der Beschwerdeführerin als zumutbar zu erachten. 9.3.3 Nach dem Gesagten ist insgesamt nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr in die Türkei in eine ex i- stenzielle Notlage geraten werden. Demnach ist die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu bejahen. 9.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den We g- weisungsvollzug zu Recht a ls zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes- recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sa chverhalt richtig und vol l- ständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten den B e- schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem j e- doch das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unen t- geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwische n- verfügung vom 23. Mai 2013 gutgeheissen worden ist, sind vorliegend keine Verfahrenskosten zu erheben. D-2735/2013 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: