Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern Direction de la justice, des affaires communales et des affaires ecclésiastiques du canton de Berne Münstergasse 2 3011 Bern Telefon 031 633 76 76 Telefax 031 633 76 25 Unser Zeichen: 26.11 - 14.86 FRL/kna Bern, 12. Mai 2017 Ihr Zeichen: DIE JUSTIZ-, GEMEINDE- UND KIRCHENDIREKTION DES KANTONS BERN hat in der Administrativsache gegen Notar A., ………………… vertreten durch Rechtsanwalt und Notar B. , …………………………………… betreffend allfällige Berufspflichtverletzungen (Anzeige der Revisionskommission des Verbands bernischer Notare vom 22. Oktober 2014) erwogen: 1. 1.1 Mit Eingabe vom 22. Oktober 2014 reichte der Hauptrevisor namens und im Auftrag der Revisionskommission des Verbands bernischer Notare (kurz: Revko VbN) der Justiz -, Ge- meinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (kurz: JGK) eine Anzeige gegen Notar A. we- gen eines möglichen Verstosses gegen Notariatsvorschriften ein . Die Revko VbN führte aus, dass der Notar Gesellschafter der M. GmbH mit einer Beteiligung von 1% sei un d er überdies Einzelunterschrift führe. Die übrigen 99% der GmbH würden seiner Ehefrau gehören. Der Zweck der Gesellschaft sei an sich unbedenklich. Die M. GmbH sei aber - 2 - Lizenzpartner der I. AG , deren Hauptzweck die Liegenschaftsvermittlung beinhalte. Auf der Homepage der I. AG bestehe ein Link zu Notar A.. Die Verkaufsdokumentationen würden mi n- destens teilweise Notar A. als beurkundenden Notar nennen. Ausserdem werde Notar A. auf der Homepage d er H. AG – ebenfalls einer Liegenschaftsvermittlerin – als Partner bezeichnet und verlinkt. Nach Auffassung der Revko VbN verstosse Notar A. damit gegen die Unvereinbarkeitsregeln des Art. 4 Abs. 3 des Notariatsgesetzes vom 22. November 2005 (NG; BSG 169. 11). Die Rev- ko VbN ersuchte die JGK um Eröffnung eines entsprechenden Verfahrens und gegebenenfalls um Verfügung entsprechender Massnahmen. 1.2 Gemäss Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt vom 30. Oktober 2014 schied der Notar als Gesellschafter mit Einzelunterschrift per 27. Oktober 2014 aus der M. GmbH aus. 1.3 In seiner Stellungnahme vom 25. November 2014 hielt der Notar unter anderem fest, dass er seine berufliche Tätigkeit – ob haupt- oder nebenberuflich – in absoluter Unabhängi g- keit ausüb e. Er sei von niemandem wirtschaftlich abhängig oder mit jemandem finanziell ve r- bunden, was Einfluss auf seine Berufsausübung hätte. Er sei in jedem Fall bestrebt, die Int e- ressen aller Parteien zu wahren und sie objektiv und korrekt zu beraten. Er sei in keiner Weise von irgendeinem Makler, namentlich von der I. AG, abhängig. Er sei weder an der I. AG noch an einer anderen Immobilienfirma beteiligt. Weiter führte der Notar a us, dass das Revisionsprotokoll über die am 2. September 2014 durchgeführte Revision nichts moniere, das eine Kritik oder Beanstandung seiner Berufsau s- übung darstellen würde. Die Beziehungen vom Notar zur I. AG seien den Revisoren minde s- tens dem Grundsatze nach bekannt gewesen. Das Fehlen einer Bemerkung im Revisionspr o- tokoll lasse vermuten, dass die Revisoren diesbezüglic h keine Bedenken gehabt hätten. Die M. GmbH sei von seiner Ehefrau und vom Notar gegründet worden, um den statutarischen Zweck – das Erbringen von Dienstleistungen vorwiegend im Bereich des Marketings, die Ber a- tung, Ausbildung und das Training von Unternehmen und Führungskräften sowie den Handel mit Produkten aller Art – zu verfolgen. Daran ändere auch der Umstand nicht s, dass seine Ehe- frau die Gesellschaft nutze, um als Lizenzpartner der I. AG zu fungieren. Als Lizenzpartner trete die GmbH nicht eigenständig als Immobilienmaklerin auf. Die mit den Kunden vereinba r- ten Provisionen würden nicht an die M. GmbH bezahlt, sondern an die I. AG. Die Beteiligung des Notars an der M. GmbH betrage lediglich 1%. Der Notar könne daraus ke i- nen Tatbestand sehen, der gegen Art. 4 Abs. 3 NG verstosse. Seine Ehefrau sei eigenständig und handle nicht in seinem Auftrag. Ebenso wenig handle der Inhaber der I. AG, Herr K., der auch Inhaber der H. AG sei, im Auftrag des Notars . Der Notar versichert, dass zwischen ihm und der I. AG respektive der H. AG keine Vereinbarungen bestehen würden, mit denen er die beiden Immobilienfirmen dazu verpflichtet hätte, Links zu se iner Website auf ihren Websites aufzunehmen oder ihn in Verkaufsdokumentationen als Notar aufzuführen. - 3 - 1.4 Mit Schreiben vom 26. Januar 2015 nahm das Amt für Betriebswirtschaft und Au fsicht (kurz: ABA) Stellung zur Eingabe des Notars vom 25. November 2014. Dabei teilte es hinsich t- lich des Kreisschreibens der JGK vom 20. Dezember 2012 über den Liegenschaftshandel, die Liegenschaftsvermittlung und die Liegenschaftsverwaltung (kurz: Kreisschreiben) mit, dass dieses als unvereinbare Tätigkeit die gewerbsmä ssige Liegenschaftsvermittlung erwähne, auch wenn sie durch Dritte wie Ehegatten oder Gesellsch aften ausgeübt werde (vgl. Ziffer 3 Bst. g des Kreisschreibens). Die I. AG und die H. AG seien zweifelsfrei gewerbsmässige Liege n- schaftshändler- und vermittler. Aus Sicht des Kreisschreibens sei es problematisch, dass die Ehefrau des Notars Frau S. als Lizenzpartnerin der I. AG bezeichnet werde. Zudem gebe die I. AG eine Kontaktadresse an, die genau mit dem Domizil der GmbH der Ehefrau des Notars übereinstimme. Au s dieser Konstellation könnte der Eindruck entstehen, dass die Ehefrau des Notars gewerbsmässige Liegenschaftsvermittlerin sei, was gegen das Kreis schreiben versto s- sen würde. Ebenfalls heikel erscheint die Homepage der H. AG, wo die Ehefrau des Notars als Lizenzpartnerin bezeichnet werde. Hinsichtlich der Werbeauftritte des Notars teilte das ABA mit, dass die Bezeichnung "Partner" auf der Homepage der I. AG heikel sei. Ebenso sei es problematisch, wenn in einer Verkauf s- dokumentation der Eindruck erweckt wer de, wonach eine potentielle Käuferschaft zwingend beim Notar verurkunden müsse. Das ABA ersuchte den Notar Einfluss zu nehmen, dass auf der Hompage der I. AG und in den Verkaufsdokumentationen der Notar jeweils nur als "em p- fohlener Notar" und nicht als Par tner bezeichnet werde. 1.5 Mit Eingabe vom 31. März 2015 führte der Notar aus, er sei der Auffassung, dass das Kreisschreiben nicht dahingehend ausgelegt werden dürfe, dass eine eigenständige Berufst ä- tigkeit des Ehepartners eines Notars in der Immobilienv ermarktung verunmöglicht werde. Seine Ehefrau sei nur gelegentlich und alles andere als gewerbsmässig als Immobilienmaklerin tätig. Wie aus der Jahresrechnung der M. GmbH festgestellt werden könne, betrage der Jahresu m- satz lediglich CHF 16'666.65, resultie rend aus einer einzigen Vermittlung. Im laufenden Jahr habe seine Ehefrau noch keine einzige Immobilie vermittelt. Auf der Homepage der I. AG wer- de seine Ehefrau nun nicht mehr als Lizenzpartnerin bezeichnet, sondern als Freelancerin, die gelegentlich für die I. AG tätig sei. Damit sei für jedermann ersichtlich, dass es sich bei Frau S. nicht um eine professionell tätige Immobilienmaklerin handle. Hinsichtlich der Homepage der I. AG teilte der Notar mit, dass eine Änderung im Auftritt geplant sei, so dass daraus e r- sichtlich sei, dass die als Partner bezeichneten Personen Geschäftspartner der I. AG seien, mit denen die Firma zusammenarbeite, ohne dass sie daran beteiligt seien. Auf de r Verkaufsd o- kumentation und auf der Website der H. AG trete der Notar nicht mehr in Erscheinung. Auch sei die Ehefrau des Notars nicht mehr auf der Website der H. AG aufgeführt. Der Notar bekrä f- tigte zum Schluss, dass er in keinem Zeitpunkt gegen Art. 4 Ab s. 3 NG verstossen habe. 1.6 Mit Schreiben vom 24. April 2015 nahm das ABA erneut zur Eingabe des Notars vom 31. März 2015 Stellung. Hinsichtlich der Werbeauftritte nahm das ABA positiv zur Kenntnis, dass der Notar auf der Website der H. AG nicht mehr ersc heine. Bei der I. AG erscheine der - 4 - Notar nur noch ohne Bild und als empfohlener Geschäftspartner. Das ABA ersuchte den Notar dafür besorg t zu sein, dass zukünftige Verkaufsdokumentationen den Notar ausdrücklich als "empfohlener Notar" aufführe n würden. Weiter hielt das ABA fest, dass die Einhaltung der we r- berechtlichen Vorschriften primär durch die Schlichtungs - und Disziplinarkommission des Ve r- bands bernischer Notare beurteilt werde. Aus diesem Grund werde bei der Schlichtungs - und Disziplinarkommission in diesem Zusammenhang ein Mitbericht eingefordert. Betreffend das Kreisschreiben wurde ausgeführt, dass aus der zugestellten Erfolgsrechnung der M. GmbH hervorgehe, dass nur eine Vermittlungsprovision über die GmbH abgewickelt worden sei. Di e- ses bescheidene Volumen könnte als bloss gelegentliche Liegenschaftsvermittlung qualifiziert werden. Der Notar wurde gebeten zu bestätigen, dass seine Ehefrau keine weiteren Vermit t- lungen über andere Rechnungskreise abgewickelt habe. Problematisch sei jedoch angesichts von Ziffer 3 Bst. b des Kreisschreibens, dass die Ehefrau des Notars planmässig und systematisch Liegenschaftsvermittlungen anbiete und als Vermit t- lerin nach aussen in Erscheinung trete . Störend sei auch weiterhin, dass die I. AG weiterhin eine Kontaktadre sse an der "Riedstrasse 12" in Thun hat, was gleichzeitig das Domizil der M. GmbH sei. 1.7 Mit Stellungnahme vom 26. Mai 2015 teilte der Notar unter anderem mit, dass seine Ehefrau nur gelegentl ich eine Liegenschaft vermittle . Sämtliche Provisionen würden über die M. GmbH abgewickelt. Es gebe keine andere n Rechnungskreise. Auf der Website der I. AG werde seine Ehefrau unter dem Team nur noch mit ihrem Namen, dem Wohnort und der Mobi l- telefonnummer aufgeführt. Es sei somit nur für Personen, die seine Ehefrau und ihn gut ke n- nen, erkennbar, dass zwischen Frau S. und ihm als Notar eine Beziehung bestehe. Offensich t- lich sei dies auf jeden Fall nicht. Zudem sei dem Notar versichert worden, dass die Adresse " I. AG, ……………." mit der Mobi ltelefonnummer von Frau S. auf der Website gelöscht werde. Diese Änderung müsse aber durch den Webmaster ausgeführt werden, weshalb der Vollzug noch einige Tage dauern könne. Mit dieser Entflechtung der Adressen und der Reduktion der Angaben über Frau S. auf der Webseite der I. AG sei nach Ansicht des Notars alles getan, damit ein Normalbürger nicht eine offensichtliche Verbindung zwischen Frau S. und dem Notar erkennen könne. Die Vorschriften im Kreisschreiben seien somit nicht verletzt. 1.8 Mit Schreiben vom 25. Juni 2015 äusserte sich das ABA zur Stellungnahme des N o- tars vom 26. Mai 2015. Hinsichtlich der Werbeauftritte bedankte sich das ABA für die Berein i- gung der Werbeauftritte. D as ABA verzichtete in diesem Zusammenhang nunmehr auf au f- sichtsrechtliche Schritte nachdem der Notar die Bezeichnung "Partner" durch "empfohlener Geschäftspartner" auf der Homepage der I. AG ändern liess. Die Schlichtungs - und Diszipl i- narkommission hatte in dieser Angelegenheit ebenfalls einen positiven Mitbericht verfasst. Be- treffend das Kreisschreiben wurde ausgeführt, dass zurzeit eine Beschwerde vor Bundesg e- richt hängig sei, in der die Rechtsgültigkeit des Kreisschreibens generell bestritten werde. Aus diesem Grund sistierte das ABA das Verfahren Nr. 26.11 -14.86 bis zum Vorl iegen des entspr e- chenden bundesgerichtlichen Entscheides. - 5 - 1.9 Mit Schreiben vom 4. Juli 2016 gelangte das ABA an den Notar und hob die Sistierung des Verfahrens 26.11 -14.86 auf, da die Beschwerde vor Bundesgericht, welche die Rechtmä s- sigkeit des Kreisschreibens grundsätzlich in Frage stellte, zurückgezogen worden war und d a- mit das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. November 2014 , welches das Kreisschreiben als rechtmässig bezeichnete, in Rechtskraft erwuchs (publiziert in BVR 2 016 S. 147 ff.). Weiter teilte das ABA dem Notar mit, dass die Frage, ob der Auftritt der Ehefrau des Notars als gewerbsmässige Liegenschaftsvermittlerin gegen das Kreisschrei ben verstosse, offen bleibe . Dem Notar wurde die Möglichkeit zur Einreichung von Schlussbemerkungen g e- geben. 1.10 Mit Eingabe vom 5. August 2016 reichte der Notar, welcher neu durch Rechtsanwalt und Notar B. vertreten wird, seine Schlussbemerkungen ein. Darin wurde unter anderem aus- geführt, es sei unbestritten, dass die Ehefrau des No tars, Frau S., derzeit der Beschäftigung als Liegenschaftsvermittlerin nachgehe. Dagegen werde die Erwägung des ABA, wonach die Tätigkeit von Frau S. grundsätzlich gegen Ziffer 3 Bst. g des Kreisschreibens verstosse, als unkorrekt erachtet. Die Unvereinbar keitsgründe von Art. 4 NG würden nur für die im Notariat s- register eingetragenen Notare gelten. Auch aus dem Gesetzeswortlaut sei evident, dass Verstösse gegen Art. 4 Abs. 3 NG nur im Falle von Verfehlungen durch den Notar selbst bejaht werden können. Die b losse Tatsache, dass die Ehefrau eines bernischen Notars einer mit dem Notariatsberuf unvereinbaren Tätigkeit nachgehe, begründe daher für sich alleine keine Verle t- zung von notariellen Berufspflichten. Das Kreisschreiben bejahe eine Verletzung von Art. 4 Abs. 3 NG denn auch nicht generell bei jeder Ausübung unvereinbarer Tätigkeit durch Ehega t- ten, sondern nur in Einzelfällen, namentlich wenn diese Ausübung dem Notar zuzurechnen sei (Ziffer 3 Bst. g des Kreisschreibens). Ob Ziffer 3 Bst. g des Kreisschreibe ns überhaupt im Einklang mit der Generalklausel von Art. 4 Abs. 3 NG stehe, könne vorliegend offen bleiben, da Frau S. ihre Tätigkeit als Liegenschaft s- vermittlerin in absoluter Unabhängigkeit vom Notar als Lizenznehmerin der I. AG mit Sitz in D. ausübe. Frau S. sei – wenn überhaupt – nur gegen über ihrer Lizenzgeberin weisungsgebun- den. Sodann habe der Notar alle nötigen und zumutbaren Schritte unternommen, um die klare Trennung seiner notariellen Tätigkeit mit der Berufsausübung seiner Ehefrau nicht nur recht- lich, sondern auch faktisch und im Rechtsverkehr mit Dritten sicherzustellen. So seien die B ü- roräumlichkeiten des Notars wie auch sein Internetauftritt frei von jeglichen Hinweisen auf die I. AG und deren Lizenzpartner. 1.11 Mit E-Mail vom 5. März 201 7 liess der Notar dem ABA schliesslich noch die Erfolgs- rechnungen der M. GmbH aus den Jahren 2015 und 2016 zukommen sowie je einen Auszug aus dem Konto Erlös aus Arbeiten, aus denen ersichtlich sei, dass die Ehefrau des Notars in den beiden Jahren nur zwei Abschlüsse getätigt habe. - 6 - 2. Werden konkrete Liegenschaftsvermittlungen angezeigt , überprüft die JGK im Rahmen eines Disziplinarverfahrens, ob die angezeigten Sachverhalte gegen das Kreisschreiben verstossen. Im vorliegenden Verfahren muss jedoch nicht ein konkreter Einzelfall, sondern der generelle, organisationsrechtlic he Auftritt des Notars und seiner Ehefrau beurteilt werden. In einem so l- chen Fall will die JGK vorerst in einem Administrativverfah ren klären , ob eine unvereinbare Tätigkeit gemäss Art. 4 Abs. 3 des Notariatsgesetzes vom 22. November 2005 (NG; BSG 169.11) vorliegt oder ob der Notar durch seine Ehefrau eine unvereinbare Tätigkeit ausüben lässt. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat mit Urteil 100.2013.232U vom 5. Nove m- ber 2014 (vgl. Bernische Verwaltungsrechtspflege [zit.: BVR] 2016 S. 147 ff.) für solche Fälle ein Feststellungsinteresse bejaht. Sollte im vorliegenden Administrativverfahren eine unverei n- bare Tätigkeit gemäss Art. 4 Abs. 3 NG festgestellt werden, kann die JGK gestützt auf Art. 38 Abs. 3 NG Weisun gen ert eilen und vorsorgliche Massnahmen anordnen. Sollten rechtskräftig angeordnete Weisungen durch einen Notar missachtet werden, können in einem anschlie s- senden Disziplinarverfahren die gesetzlich vorgesehenen Strafen a ngeordnet werden. 3. 3.1 Der von der Revko VbN gemeldete Sachverhalt betrifft zum einen die Werbeauftritte des Notars sowie zum anderen dessen Verhältnis zur M. GmbH, welche unter der Federfü h- rung der Ehefrau des Notars eine Liegenschaftsvermittlung als Lizenznehmerin betreibt. Die Vorwürfe betreffend die Werbeauftritte im Internet und in den Verkaufsdokumentationen kon n- ten im Rahmen des Instruktionsverfahrens dank der Mithilfe des Notars allesamt bereinigt we r- den. An dieser Stelle bleibt deshalb im Rahme n eines Administrativentscheides nur noch zu prüfen, ob das Verhältnis des Notars zur M. GmbH eine Verletzung des Kreisschreibens da r- stellt und damit eine unvereinbare Tätigkeit gemäss Art. 4 Abs. 3 NG zu bejahen ist. 3.2 Art. 4 NG legt fest, welche Tätig keiten mit der Ausübung des Notariatsberufs nicht vereinbar sind. Die in Art. 4 NG aufgezählten Unvereinbarkeitsgründe bezwecken die Sicher- stellung der Unabhängigkeit des Notariats, die Erhaltung der wesentlichen Arbeitskraft des Notars für die Ausübung de r Notariatstätigkeit sowie die Wahrung des Ansehens des Notariats (vgl. KNB-WOLF/PFAMMATTER, N. 1 ff. zu Art. 4 NG). Gemäss der in Art. 4 Abs. 3 NG enthalt e- nen Generalklausel darf der Notar keine dauernde oder gelegentliche Tätigkeit ausüben, die mit einer unabhängigen und einwandfreien Berufsausübung oder mit dem Ansehen des Notar i- ats nicht vereinbar ist. Unvereinbar sind namentlich Spekulationsgeschäfte jeglicher Art sowie die Übernahme von Bürgschaften oder Garantien im Zusammenhang mit der Berufsausübun g. Der Notar darf eine solche Tätigkeit a uch nicht durch Dritte ausüben lassen. Das vom Verwaltungsgericht des Kantons Bern im bereits erwähnten Entscheid vom 5. N o- vember 2014 (vgl. BVR 2016 S. 147 ff. ) als rechtmässig beurteilte Kreiss chreiben hält in Zif fer 3 Bst. g fest, dass das Ausübenlassen unvereinbarer Tätigkeiten durch Dritte, wie Ehegatten, - 7 - mit der Ausübung des Notariatsberufes nicht vereinbar ist. Nicht zuzurechnen sind dem Notar die Tätigkeiten eines Dritten, die dieser in völliger und sichtbare r Unabhängigkeit vom Notar ausübt; Anhaltspunkte für die unabhängige Ausübung sind die bisherigen Tätigkeiten des Dri t- ten, seine Berufsausbildung und sein Fachwissen. Als unvereinbare Tätigkeit gilt gemäss Ziffer 3 Bst. b des Kreisschreibens insbesondere die gewerbsmässige Liegenschaftsvermittlung. Darunter fällt die regelmässige oder planmässige und systematische Vermittlung von Grundstücken. Planmässig und systematisch geht insb e- sondere vor, wer sich als Liegenschaftsvermittler anbietet ode r nach aussen hin als solcher in Erscheinung tritt. 3.3 Fraglich ist vorliegend, ob der Notar gegen Ziffer 3 Bst. g des Kreisschreibens verstösst, in dem er eine unvereinbare Tätigkeit – nämlich die Liegenschaftsvermittlung – durch einen Dritten, in casu durch seine Ehefrau, ausüben lässt. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Ehefrau des Notars, Frau S., als Gesellschafterin und Geschäftsführerin der M. GmbH Liegenschaften vermittelt. Sie tut dies vor allem als L i- zenznehmerin der I. AG. Da die Ehefrau des Notars nach aussen hin als Liegenschaftsvermit t- lerin auftritt, liegt eine planmässige und systematische Vermittlung vor, welche gemäss Krei s- schreiben eine gewerbsmässige Liegenschaftsvermittlung begründet. Die geringe Anzahl der Liegenschaftsvermittlungen, welche sich pro Jahr gemäss Aktenlage auf ein bis zwei Geschä f- te belaufen, ändert daran nicht s. Es fragt sich nun , ob ein Ausübenlassen i.S.v. Ziffer 3 Bst. g des Kreisschreibens vorliegt oder ob die Ehefrau unabhängig vom Notar Liegenschaft en vermittelt. Vorerst ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall nach aussen keine sichtbare Zusammenarbeit zwischen dem Notar und seiner Ehefrau besteht. So kann etwa dem Internetauftritt des Notars nirgends ein Verweis auf die M. GmbH oder seine Ehefra u entnommen werden. Schliesslich ist festzuhalten, dass die Ehefrau des Notars unter ihrem Ledignamen S. gegen aussen hin in Erscheinung tritt. Daher ist nur für eingeweihte Personen ersichtlich, dass Frau S. die Ehefrau des Notars ist. Weite r kann gestützt auf die Akten davon ausgegangen werden, dass die Ehefrau fachlich unabhängig ist. Bei gesamthafter Würdigung der Umstände (keine nach aussen sichtbare Zusammenarbeit, fachliche Unabhängigkeit der Ehefrau und die sehr geringe Anzahl der effektiv vorgenomm e- nen Liegenschaftsvermittlungen) stellt die JGK fest, dass der Notar durch seine Ehefrau keine mit der Ausübung des Notariatsberufs unvereinbare Tätigkeit ausüben lässt. Ziffer 3 Bst. g des Kreisschreibens ist nur dann verletzt, wenn eine nahestehende Pers on durch ein Notariat b e- herrscht wird. Dies ist in casu nicht der Fall. 4. Bei diese m Ausgang des Verfahrens wird gestützt auf Art. 107 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) auf die Erhebung von Verfahrenskosten ve r- zichtet. Gemäss Art. 107 Abs. 3 VRPG besteht im vorliegenden Verfahren kein Anspruch auf - 8 - Parteikostenersatz. In diesem Sinne wird erkannt: 1. Es wird festgestellt, dass der Notar keine mit dem Notariatsberuf unvereinbare Tätigkeit durch eine nahestehend e Person (Ehefrau) ausüben lässt. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteikostenentschädigung zug e- sprochen. 3. Diese Verfügung ist wie folgt zu eröffnen: - Rechtsanwalt und Notar B., Thunstrasse 84, Postfach 31, 3074 Muri b. Bern (mit ein- geschriebenem Brief) - der Revisionskommission des Verbands bernischer Notare, Fellenbergstrasse 5, 3053 Münchenbuchsee (mit A -Post) Der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus Regierungsrat Rechtsmittelbelehrung Dieser Entscheid kann mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde innert 30 Tagen seit Eröffnung schriftlich beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Verwaltungsrechtliche Abteilung, Speichergasse 12, 3011 Bern, angefochten werden. Die Beschwerde ist mindestens im Doppel einzureichen und muss einen Antrag, die Angabe von Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine Unterschrift enthalten; greifbare Beweismittel sind beizulegen.