Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 23. September 2015 (810 15 30) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Niklaus Ruckstuhl, Markus Clausen, Christian Haidlauf, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber i.V. Roger Plattner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Ana Dettwiler , Advokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Ne ubeurteilung (RRB Nr. 0129 vom 27. Januar 2015) A. Der 1970 in der Türkei geborene A.____ reiste im Jahre 1981 im Rahmen des Famili- ennachzuges in die Schweiz ein und erhielt eine Nie derlassungsbewilligung zum Verbleib bei seiner Mutter und seinem Stiefvater. Im Jahre 1994 kam der gemeinsame Sohn von A.____ und der Schweizerin B.____, C.____, zur Welt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Ab seinem 16. Lebensjahr trat A.____ regelmässig str afrechtlich in Erscheinung. Im Zeitraum zwischen 1987 und 2004 erfolgte eine Vielzahl von Verstössen gegen das Strassen- verkehrsgesetz, welche vor allem mit Bussen und Ausweisent zügen sanktioniert wurden. Am 16. Dezember 1992 wurde er vom Amtsgericht Olten-Gö sgen zu sieben Monaten Gefängnis bedingt wegen Körperverletzung, Angriff und Diebstahl verurteilt. Am 30. Juni 1998 erging ein Übertretungsstrafbefehl wegen mehrfachen Tätlichkeiten mit zehn Tagen Haft bedingt und einer Busse in der Höhe von Fr. 300.--. Am 8. Juni 2001 wu rde er vom Strafbefehlsrichter des Kan- tons Basel-Stadt zu 24 Tagen Gefängnis und einer Busse in der Höhe von Fr. 1'200.-- verurteilt. Am 16. August 2001 verurteilte ihn das Strafgericht des Kantons Basel-Landschaft zu 12 Mona- ten Gefängnis wegen einfacher Körperverletzung, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, Beschimp- fung, mehrfacher Nötigung, Hinderung einer Amtshandlung, Fahren in angetrunkenem Zustand, Fahren ohne Führerausweis, grobe Verletzung von Verke hrsregeln und Übertretung der Ver- ordnung über die Strassenverkehrsregeln. Am 30. Juli 2 003 erging gegen A.____ ein Strafbe- fehl des Bezirksstatthalteramtes Liestal wegen Raufhandels, worin er zu 30 Tagen Gefängnis mit einer Probezeit von vier Jahren verurteilt wurde. Am 21. September 2007 wurde A.____ vom Strafgericht des Kantons Basel-Landschaft wegen Gehilf enschaft zu Raub und Fahren in angetrunkenem Zustand zu einer bedingt vollziehbaren F reiheitsstrafe von zehn Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren und einer Busse in der Höhe von Fr. 600.-- verurteilt. Am 14. Juni 2012 wurde A.____ aufgrund eines im Jahr 2009 begangenen Deliktes wegen versuch- ter schwerer Körperverletzung, einfacher Körperverletzu ng, einfacher Körperverletzung in einem leichten Fall und fahrlässiger einfacher Körperver letzung vom Strafgericht des Kantons Basel-Landschaft zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt. C. Mit der Verurteilung vom 16. August 2001 wurde b ei A.____ erstmals eine Freiheits- strafe zugunsten einer ambulanten psychotherapeutischen Ma ssnahme aufgeschoben. Dies geschah, da er gemäss forensisch-psychiatrischem Gutachten von Dr. D.____ und Prof. Dr. E.____ vom 15. Mai 2000 an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung impulsiven Typs (ICD-10:F60.30) und einem Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10:F10.21) litt, welche mitver- antwortlich für seine strafrechtlichen Verfehlungen wa ren. Diese Diagnose wurde seither in mehreren Gutachten bestätigt. Die ambulante Massnahme wurde bis 2007 weitergeführt, wobei sie gemäss Gutachten von Dr. F.____ vom 20. April 2012 die Alkoholproblematik des Be- schwerdeführers nicht berücksichtigte und deshalb nicht e rfolgreich verlief. Die unbedingt aus- gesprochene Freiheitsstrafe vom 14. Juni 2012 wurde e benfalls zu Gunsten einer ambulanten alkoholspezifischen und psychotherapeutischen Massnahme aufgeschoben, welche A.____ bis zum heutigen Zeitpunkt besucht. D. Der Betreibungsregisterauszug von A.____ wies im Zeit raum vom 1. Januar 1992 bis 19. Juni 2015 168 Betreibungen in der Höhe von Fr. 19 2'705.90 (letzte Betreibung am 7. April 2015) und 125 offene Verlustscheine in der Höhe von Fr . 179'100.15 auf (letzter Verlustschein am 18. Juni 2015). E. Das Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) verwar nte A.____ mit Schreiben vom 29. Oktober 2001 ein erstes Mal ausländerrechtlich. Mit Verfügung vom 6. Juli 2006 wurde er vom AfM erneut verwarnt und es wurde ihm die Ausweisung aus der Schweiz angedroht. Diese Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zweite Verwarnung wurde mit der Auflage verbunden, ni cht mehr zu delinquieren und die be- stehenden Schulden zu sanieren. Eine gegen diese Verfügu ng erhobene Beschwerde wurde vom Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) mit Beschluss Nr. 1771 vom 11. Dezember 2007 abgewiesen. F. Mit Verfügung vom 28. Januar 2013 wiederrief das AfM nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs die Niederlassungsbewilligung vo n A.____ und ordnete seine Wegwei- sung aus der Schweiz bis spätestens am 30. April 2013 an. G. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Eingabe vom 8. Februar 2013 Beschwerde beim Regierungsrat, welche mit Beschluss Nr. 1100 vom 25. Juni 2013 abgewiesen wurde. H. Mit Schreiben vom 5. Juli 2013 erhob A.____ gegen den Entscheid des Regierungsra- tes Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abte ilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, der Beschlu ss des Regierungsrates vom 25. Juni 2013 und die Verfügung des AfM vom 28. Januar 2013 sei en aufzuheben und es sei ihm die Niederlassungsbewilligung zu belassen. Eventualiter sei ihm eine Härtefallbewilligung zu ertei- len. I. Mit Urteil vom 2. April 2014 (810 13 234) hiess das Kantonsgericht die Beschwerde im Sinne der Erwägungen teilweise gut und wies die Ange legenheit an den Regierungsrat zurück. Das Kantonsgericht hielt dabei fest, dass A.____ aufgrun d seiner wiederholten und erheblichen Straffälligkeit sowie der mutwilligen Nichterfüllun g seiner öffentlich-rechtlichen und privatrechtli- chen Pflichten einen Grund für den Widerruf der Nied erlassungsbewilligung gesetzt habe. Jedoch habe der Regierungsrat den Sachverhalt insofern n icht korrekt ermittelt, als dass eine Viertelrente der Invalidenversicherung nicht in die Türke i ausbezahlt werden könne. Diese Tat- sache und die psychische Erkrankung von A.____ sowie allfällige daraus folgende Abhängigkei- ten seien nicht genügend abgeklärt und berücksichtigt w orden. Aus diesem Grund müsse die Überprüfung der Verhältnismässigkeit unter Ergänzung de s Sachverhalts von der Vorinstanz erneut vorgenommen werden. J. Am 5. Januar 2015 konnte A.____, vertreten durch Ana Dettwiler, Rechtsanwältin in Liestal, gegenüber dem Regierungsrat Stellung nehmen zur Neubeurteilung des Widerrufs sei- ner Niederlassungsbewilligung. Mit Entscheid Nr. 0129 v om 27. Januar 2015 wies der Regie- rungsrat die Beschwerde auch nach erneuter Beurteilung ab. Er führte aus, dass in einer Ge- samtwürdigung das öffentliche Interesse an einer Wegwei sung das private Interesse von A.____ nach wie vor überwiege. A.____ habe wiederhol t und massiv gegen die Rechtsordnung verstossen und die Chance, seine Schulden zu vermindern, welche ihm das Kantonsgericht mit der Rückweisung der Beschwerde eingeräumt habe, nicht genutzt. Die Schulden seien im Gegenteil sogar weiter angestiegen. K. Gegen den Entscheid des Regierungsrats hat A.____, na ch wie vor vertreten durch Ana Dettwiler, Rechtsanwältin in Liestal, am 6. Februa r 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben. Er beantragt, die Entscheide des Regierungsra ts vom 27. Januar 2015 und vom 25. Juni 2013 sowie die Verfügung des AfM vom 28. Januar 2013 seien aufzuheben und es sei Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihm die Niederlassungsbewilligung zu belassen. Eventualit er sei ihm eine Härtefallbewilligung zu erteilen. Dies habe unter o/e-Kostenfolge zu geschehe n, wobei ihm die unentgeltliche Pro- zessführung und Verbeiständung zu gewähren sei. Auf d ie Begründung wird - sofern notwen- dig - in den Erwägungen eingegangen. L. Mit Verfügung vom 25. März 2015 gewährte das Kanto nsgericht dem Beschwerdefüh- rer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung. M. Mit Vernehmlassung vom 22. Juni 2015 beantragt der Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele- genheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und lit. b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen - untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit einhergehend e Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgten. 4.1 Das Kantonsgericht hat sich bereits einmal mit dem W iderruf der Niederlassungsbewil- ligung des Beschwerdeführers befasst. Mit Urteil vom 2. A pril 2014 (810 13 234) hiess es die Beschwerde im Sinne der Erwägungen teilweise gut. Da s Gericht kam zum Schluss, dass der Widerrufsgrund im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 durch das Ver halten des Beschwerdeführers gesetzt worden sei. Zudem könne er auch keinen Bewill igungsanspruch aus der Garantie des Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 ablei ten. Das Kantonsgericht hielt jedoch fest, dass der Regierungsrat den Sachverhalt insbesondere hinsichtlich der Tatsache, dass eine Viertelrente der Invalidenversicherung nicht in die Tür kei ausgezahlt werden könne, nicht kor- rekt festgestellt habe und auch aus diesem Grund die ge genüberstehenden öffentlichen und Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht privaten Interessen unzureichend gewürdigt habe. Daher wies es die Angelegenheit zur Ergän- zung des Sachverhalts und zur darauf basierenden Überpr üfung der Verhältnismässigkeit an die Vorinstanz zurück. 4.2 Fraglich ist, ob das Kantonsgericht die im Urteil vo m 2. April 2014 (810 13 234) bereits beurteilten Aspekte erneut überprüfen muss. 4.3 Generell gilt der Grundsatz, dass nur das Dispositiv e ines Entscheids in Rechtskraft erwächst, nicht aber dessen Erwägungen. Davon ist aller dings eine Ausnahme zu machen für Rückweisungsentscheide, mit denen das Gericht eine Sache z ur neuen Beurteilung im Sinne ihrer Erwägungen an eine Vorinstanz zurückweist: Bei d erartigen Entscheiden sind die Erwä- gungen des Entscheids für die Vorinstanzen verbindlich und können auch vom Gericht selbst in einem späteren Rechtsmittelverfahren nicht mehr zur Di skussion gestellt werden (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_176/2007 vom 24. Januar 2008 E. 3.2 mit Hinweisen). 4.4 Der Beschwerdeführer anerkennt, dass sowohl der Reg ierungsrat als auch das Kan- tonsgericht selber an den Entscheid vom 2. April 2014 gebunden sind und darin entschiedene Teilaspekte grundsätzlich nicht erneut zur Debatte stehen . Davon sei jedoch abzuweichen, wenn sich aus dem Rückweisungsverfahren neue Tatsachen oder Beweismittel ergeben, wel- che die Grundlagen des Rückweisungsurteils erschüttern würd en. Genau dies sei vorliegend der Fall. Es liege etwa gar kein Widerrufsgrund vor, d a nur diejenigen Strafurteile beachtet wer- den dürften, welche nach der letzten ausländerrechtlic hen Verwarnung ergangen seien. Die begangenen Delikte würden dabei keine schwerwiegenden V erstösse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen. Zudem lasse der Regi erungsrat die psychische Erkrankung und die erfolgreiche Therapie des Beschwerdeführers ausser Acht. Ebenso liege keine mutwilli- ge Verschuldung des Beschwerdeführers vor. Es sei ihm als B ezüger einer Teilinvalidenrente nicht möglich, Schulden abzubauen. Er leide zudem an e iner Spielsucht, wegen der er sich freiwillig ein Hausverbot im Casino habe auferlegen l assen. Des Weiteren sei die Verschuldung seit dem ersten Urteil nur um einen einzigen Verlustsche in in der Höhe von Fr. 414.-- angestie- gen. Auch sei entgegen den Ausführungen des Regierungsr ats der Schutzbereich von Art. 8 EMRK tangiert. Die Wegweisung des Beschwerdeführers wür de sich fatal auf seinen Sohn und seine betagte, von ihm unterstützte Mutter auswirken. Zudem pflege er in der Schweiz intensive Beziehungen privater und gesellschaftlicher Natur. 4.5 Der Beschwerdegegner stellt sich auf den Standpunkt, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelinge darzulegen, inwiefern sich die Situation seit dem letzten Urteil des Kantonsgerichts in diesen Punkten massiv geändert hätte und deswegen ei ne erneute Beurteilung in diesen Teilaspekten notwendig sei. 4.6.1 Nach dem oben Gesagten (vgl. E. 4.3) ist sowohl di e Vorinstanz als auch das Kan- tonsgericht selber an die im Urteil vom 2. April 2014 (810 13 234) angestellten Überlegungen gebunden. Es ist indes dennoch zu prüfen, ob die vom Beschw erdeführer vorgebrachten Punk- te neue Tatsachen darstellen, welche ein Abrücken von de n Erwägungen des vorgenannten Entscheides rechtfertigen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6.2 Der Beschwerdeführer moniert, dass nur die nach de r zweiten ausländerrechtlichen Verwarnung vom 6. Juli 2006 begangenen Delikte hätten berücksichtigt werden dürfen, um festzustellen, ob ein Verstoss gegen die öffentliche Ord nung und Sicherheit im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG vorliegt. Dabei handelt es si ch nicht um eine neue Tatsache, sondern um Kritik am ergangenen Urteil des Kantonsgerichts. Des Weiteren stellt zwar das Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 14. Juni 20 12 den Anlass für die Prüfung des Widerrufs dar. Jedoch kann nur beurteilt werden, ob si ch der Beschwerdeführer in der Schweiz integriert hat und gewillt ist, sich an die hiesige Re chtsordnung zu halten, wenn seine ganze Vergangenheit und nicht bloss der Zeitraum ab der letz ten ausländerrechtlichen Verwarnung betrachtet wird. Auch die Tatsache, dass der Beschwerdefüh rer an einer psychischen Erkran- kung leidet und deswegen eine ambulante Psychotherapie a bsolviert, ist bereits zum Zeitpunkt des ersten Urteils bekannt gewesen und somit in die dam als angestellten Überlegungen einge- flossen. Die Vorbringen, dass diese Therapie gemäss Aussag en des Therapeuten erfolgreich verlaufe und der Beschwerdeführer seit mittlerweile sec hs Jahren straffrei lebe, ändern nichts daran, dass der Beschwerdeführer ursprünglich einen Wid errufsgrund im Sinne des AuG gesetzt hat. Diese Tatsachen sind jedoch im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung zu be- rücksichtigen. 4.6.3 Das Kantonsgericht hat im Urteil vom 2. April 201 4 (810 13 234) festgestellt, dass sich der Beschwerdeführer mutwillig verschuldet habe. Dieser bringt im laufenden Verfahren nichts vor, was zur Entkräftung des Schlusses führen könnte, dass die Verschuldung ursprünglich mutwillig erfolgte. Dass seit dem letzten Urteil ledig lich eine geringe Neuverschuldung hinzuge- kommen ist, kann diese Feststellung ebenso wenig umstossen wie das selbst auferlegte Haus- verbot im Casino. 4.6.4 Gemäss dem Urteil vom 2. April 2014 (810 13 23 4) kann der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Bewilligung gestützt auf Art. 8 EMR K geltend machen. Das Kantonsgericht erwog damals, dass er zwar insbesondere zu seinem volljähri gen Sohn und zu seiner Mutter, welche er unterstütze, über eine starke familiäre Bezieh ung verfüge. Dies allein stelle jedoch kein Abhängigkeitsverhältnis dar, welches einen Bewilligu ngsanspruch gemäss Art. 8 EMRK begründen könnte. Ebenfalls habe der Beschwerdeführer zw ar viele weitere, während seines Aufenthalts geknüpfte Beziehungen, was für eine überdur chschnittliche Integration sprechen könnte. Darauf könne sich ein Ausländer jedoch nur berufen, wenn er sich in der Schweiz tadel- los verhalten habe. Dies sei beim Beschwerdeführer nicht d er Fall (vgl. E. 6. des Urteils vom 2. April 2014 [810 13 234]). Seit dem Urteil des Kan tonsgerichts haben sich auch diesbezüglich keine neuen Tatsachen ergeben, welche den damals getrof fenen Schluss umstossen könnten. Die familiäre Bindung ist dadurch, dass der volljährige Sohn des Beschwerdeführers nicht mehr bei diesem lebt, sogar eher schwächer geworden. 4.6.5 Es ist somit festzustellen, dass das Kantonsgericht nic ht erneut über die bereits mit Urteil vom 2. April 2014 (810 13 234) entschiedenen Punkte befinden muss, da sich diesbezüg- lich keine wesentlichen neuen Tatsachen ergeben haben. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Somit ist vorliegend einzig zu prüfen, ob die Wegw eisung des Beschwerdeführers auch verhältnismässig ist. 5.2 Eine Wegweisung rechtfertigt sich nach Art. 96 Abs. 1 AuG nur dann, wenn diese Mas- snahme im Einzelfall gestützt auf eine umfassende Güterabwägung verhältnismässig erscheint. Nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit muss eine Verwaltungsmassnahme zur Verwirk- lichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels ge eignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhält nis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemei- nes Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, N. 581 ff .). Dabei sind alle Umstände des Einzel- falls zu berücksichtigen und die öffentlichen und privaten Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen (vgl. M ARTINA CARONI , in: Martina Caroni/Thomas Gächter/Daniela Thurnher r [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländ er, Bern 2010, Art. 51 N. 3; ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thoma s Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel 2009, N. 8.48). Verlangt ist insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Ertei lung der Bewilligung und der öffentli- chen Interessen an deren Verweigerung, wobei Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 13 5 I 143 E. 2.1 mit Hinweisen). Zur Be- urteilung der Frage, ob dies der Fall ist, sind nament lich die Schwere des Delikts und des Ver- schuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Ze itraum, das Verhalten des Auslän- ders während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3). Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländer s, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll zwar nur mit besonderer Zurückhaltung wid errufen werden, doch ist dies bei wie- derholter bzw. schwerer Straffälligkeit selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht h at (vgl. Urteil des BGer 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.3). Bei schweren Straftaten , Rückfall und wiederholter Delin- quenz, insbesondere bei Gewalt- und Betäubungsmitteldel ikten, besteht ein wesentliches öffentliches Interesse, zur Aufrechterhaltung der Ordn ung bzw. Verhütung von (weiteren) Straf- taten die Anwesenheit des Ausländers zu beenden (BGE 13 9 I 31 E. 2.3.1; Urteil des BGer 2C_903/2010 vom 6. Juni 2011 E. 3.1 [nicht publizier t in BGE 137 II 233]). Was das Fernhalt- einteresse betrifft, so muss gemäss der bundesgerichtliche n Rechtsprechung bei schweren Straftaten - wozu auch gravierende Delikte gegen Leib und Leben gehören - selbst ein geringes Restrisiko weiterer Delinquenz nicht in Kauf genommen we rden (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; BGE 130 II 176 E. 4.2-4.4 mit Hinweisen). 6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die vom Besc hwerdegegner vorgenomme- ne Prüfung unvollständig und unausgewogen sei und seine n Anspruch auf rechtliches Gehör verletze. Dadurch sei die Prüfung einseitig zu seinen La sten ausgefallen und wesentliche Um- stände zu seinen Gunsten seien nur unzureichend berücksichti gt worden. Seit dem letzten De- likt, welches mit Urteil vom 14. Juni 2012 sanktioniert worden sei, seien mittlerweile sechs Jahre vergangen, in denen er sich nichts mehr habe zu Schulden kommen lassen. Bei den betrachte- ten Delikten sei die vom Beschwerdegegner beschriebene Aggravation nicht vorhanden. Zudem sei belegt, dass die Schuldfähigkeit des Beschwerdeführe rs aufgrund seiner psychischen Er- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht krankung stets vermindert gewesen sei. Diese Erkrankung ha be er dank der ambulanten The- rapie gemäss dem Bericht der Psychiatrie Basel-Landschaft vom 30. Dezember 2014 mittler- weile im Griff, so dass keine impulsiven Handlungen meh r vorhanden seien. Ebenfalls wird auf die geringe Neuverschuldung verwiesen, welche aus einem einzigen neuen Verlustschein seit dem letzten Urteil des Kantonsgerichts bestehe. Zudem br ingt er vor, dass es aufgrund der krankheitsbedingten Teilinvalidität schwer sei, eine Arb eitsstelle zu finden. Unter diesen Vo- raussetzungen seien die Anstrengungen zu würdigen, die er tätige, um sich wieder im Arbeits- markt zu integrieren. Zu diesem Zweck habe er verschieden e Kurse und Praktika absolviert. Diese Anstrengungen würden mittlerweile insofern Erfol g zeigen, als er bei der Firma G.____ ein Praktikum mit Aussicht auf Festanstellung absolvieren könne. Er lebe zudem mittlerweile seit 34 Jahren in der Schweiz und habe auch die präge nden Jugendjahre hier verbracht, spre- che perfekt Schweizerdeutsch und habe viele enge persönl iche Beziehungen in der Schweiz. Insbesondere für die von ihm unterstützte Mutter und sei nen Sohn hätte eine Wegweisung katastrophale Folgen. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre e ine Wegweisung in die Türkei für ihn verheerend. Die Teilrente und die Ergänzungsleistunge n würden ihm nicht in die Türkei ausge- zahlt und die wirtschaftliche Lage dort sei ebenfalls schlecht. Auch von den Verwandten, die für ihn Fremde seien, könne er keine Unterstützung erwarten. 6.2 Der Beschwerdegegner führt aus, der Beschwerdeführ er habe mit seinem Verhalten hinlänglich gezeigt, dass er nicht gewillt oder fähig se i, die hiesige Rechtsordnung zu respektie- ren. Zudem habe der Beschwerdeführer trotz seiner Bemüh ungen während über einem Jahr seit dem ersten Urteil des Kantonsgerichts keine Arbeit gefunden. Auch aufgrund der erwähn- ten Spielsucht müsse deswegen mit einem Anstieg der Schu lden gerechnet werden. Der lange Zeitraum ohne Straffälligkeit sei ebenfalls gewürdigt worden, wobei einbezogen worden sei, dass gemäss dem Gutachten von Dr. F.____ vom 20. April 2 012 immer noch eine Rückfallge- fahr bestehe. Der angefochtene Entscheid würde zudem sow ohl die bei einer Wegweisung in die Türkei drohenden gewichtigen Nachteile, als auch d ie engen sozialen Bindungen in der Schweiz genügend berücksichtigen, komme jedoch dennoch zum Schluss, dass das öffentliche Interesse an einer Wegweisung grösser sei als die privaten Interessen des Beschwerdeführers. 7.1 Das öffentliche Interesse am Entzug der Niederlassun gsbewilligung und der Wegwei- sung aus der Schweiz gründet darin, dass der Beschwerdeführ er durch die von ihm begangenen Straftaten und die langjährige mutwillig e Anhäufung von Schulden gegen die öffentliche Ordnung der Schweiz verstossen hat und somit auch einen Widerrufsgrund im Sinne des AuG gesetzt hat. Um dieses öffentliche Interesse zu wahren, ist die Wegweisung des Be- schwerdeführers sicher geeignet. Aufgrund der Tatsache, dass auch nach zwei ausländerrecht- lichen Verwarnungen weitere Delikte hinzukamen und die Schulden vorerst anstiegen, kann davon ausgegangen werden, dass kein milderes Mittel zur Verfügung steht und die Massnahme entsprechend als erforderlich erachtet werden kann. 7.2 Somit bleibt nachfolgend anhand der dargelegten Rechtslage zu prüfen, ob unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden F alles die öffentlichen Interessen am Widerruf der Niederlassungsbewilligung die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.3.1 Wie ausgeführt wurde, besteht ein öffentliches Interesse an der Fernhaltung des Beschwerdeführers. Dieser hat zwar durch seine Delikte wie derholt gegen die öffentliche Ord- nung und Sicherheit verstossen, jedoch nie so schwer, d ass eine einzelne Verurteilung für sich genommen die Voraussetzungen des Widerrufs erfüllt hätt e. Zudem wurde das Verschulden von den jeweiligen Gerichten nie als besonders schwer ein gestuft. Im Weiteren gilt festzustel- len, dass die psychische Erkrankung, welche für die Delinque nz des Beschwerdeführers mit- verantwortlich war, gemäss dem Bericht der Psychiatrie Ba sel-Landschaft vom 30. Dezember 2014 weitgehend geheilt ist, so dass keine impulsiven Handlungen mehr vorhanden seien. Dies zeigt sich nicht zuletzt dadurch, dass das letzte Delikt im Jah r 2009 begangen wurde und der Beschwerdeführer seither strafrechtlich nicht mehr in E rscheinung getreten ist. Dadurch kann von einer deutlichen Verminderung der Rückfallgefahr a usgegangen werden. Der Beschwerde- führer hat sodann mittlerweile Schulden in der Höhe von Fr. 192'705.90 angehäuft. Da diese Verschuldung gemäss dem Urteil vom 2. April 2014 (810 13 234) auch mutwillig erfolgte, be- steht hier ebenfalls ein öffentliches Interesse an seine r Wegweisung. Zu beachten gilt, dass die Neuverschuldung seit damals mit einem einzigen Verlustsche in in der Höhe von Fr. 414.-- eher gering ausfällt. 7.3.2 Dem öffentlichen Interesse sind die privaten Inter essen des Beschwerdeführers entge- genzustellen. Dabei fällt in erster Linie ins Gewicht, d ass dieser bereits seit 34 Jahren und seit seinem zehnten Lebensjahr in der Schweiz lebt. Auch wenn es sich bei ihm nicht um einen Aus- länder der zweiten Generation handelt, so führen die lange Aufenthaltsdauer und die Tatsache, dass er die prägenden Jugendjahre hier verbracht hat, zu einem gewichtigen privaten Interesse an einem Verbleib in der Schweiz. Ebenfalls spricht fü r den Beschwerdeführer, dass seine engsten Angehörigen in der Schweiz leben und teils auch auf seine Unterstützung angewiesen sind, während er in der Türkei kaum tragfähige Beziehungen hat. Zudem würde er in der Türkei die gesamte wirtschaftliche Basis verlieren, da ihm die Teilrente der IV nicht ausgezahlt würde. Im Weiteren ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer zwar beruflich immer noch nicht voll- ständig integriert ist, aber durch sein zurzeit absolvie rtes Arbeitstraining bei der Firma G.____ mit Aussicht auf eine Festanstellung seine Perspektiven in diesem Punkt mittlerweile etwas besser zu bewerten sind. 8. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung soll eine Nied erlassungsbewilligung bei einer derart langen Aufenthaltsdauer nur mit Zurückhaltung widerrufen werden, es müssten also massive öffentliche Interessen an einer Wegweisung bestehen. Dies ist nach dem oben Ausge- führten hier nicht der Fall. Auf der anderen Seite sprechen gewichtige Gründe für einen Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz. Dazu hat namentlich auch der Beschwerdeführer mit seinen Bemühungen auf dem Arbeitsmarkt und der Auseinandersetzung mit seiner psychischen Erkrankung beigetragen. Insgesamt überwiegen im vorlie genden Fall die privaten Interessen des Beschwerdeführers das öffentliche Interesse an einer W egweisung, womit sich der Wider- ruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung a ls nicht verhältnismässig erweisen. Aus diesem Grund ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschluss Nr. 0129 des Regie- rungsrates vom 27. Januar 2015 aufzuheben. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahre ns zu entscheiden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahre n vor dem Kantonsgericht kosten- pflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebüh ren sowie die Beweiskosten und werden gemäss § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterl iegenden Partei auferlegt, wobei den Vorinstanzen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmen - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Demzufolge werden im vorliegenden Verfahren keine Kosten erhoben. 9.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei f ür den Beizug eines Anwaltes bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigun g zulasten der Gegenpartei zuge- sprochen werden. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführe rs hat in ihrer Honorarnote vom 3. August 2015 für das Verfahren vor dem Kantonsgericht für ihre Bemühungen ein Honorar in der Höhe von Fr. 7'335.85 geltend gemacht. Es ist al lerdings zu beachten, dass der Beschwer- deführer in seiner Beschwerdebegründung über weite St recken Ausführungen macht zu Punk- ten, welche bereits im ersten Rechtsgang beurteilt wurden. Der geltend gemachte Aufwand von rund 26 Stunden erscheint vor diesem Hintergrund als überhöht. Insgesamt erscheint im vorlie- genden Verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'500.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) als angemessen. 9.3 Bezüglich der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens i st die Angelegenheit praxisge- mäss zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid Nr. 0129 des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft vom 27. Jan uar 2015 aufgehoben. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzlichen Verfahrens an den Regierungsrat des Kanto ns Basel- Landschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerdeführer für das Verfahren vor Kantonsgericht ei ne reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'500.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) auszurichten. Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli Gerichtsschreiber i.V. Roger Plattner