Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 27. Mai 2014 (400 14 68) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Unterhaltsbeitrag für die Dauer des Scheidungsverfahrens; hypothetisches Einkommen Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien A. ____ , vertreten durch Advokat Urs Grob, Advokatur und Notariat Stadthof, Hauptstrasse 47, 4153 Reinach 1, Kläger und Berufungsbeklagter gegen B. ____ , vertreten durch Rechtsanwalt Cornel Wehrli, Kaistenbergstrasse 4, 5070 Frick, Beklagte und Berufungsklägerin Gegenstand Vorsorgliche Massnahmen Berufung gegen den Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Arles- heim vom 12. März 2014 A. Mit Entscheid vom 14. Februar 2012 im Eheschutzverfahren zwischen B.____ und A.____ hat das Gerichtspräsidium Rheinfelden unter anderem den Ehemann verpflichtet, der Ehefrau ab Dezember 2011 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 5‘673.00 sowie 60% von den ihm ab Juni 2011 ausgerichteten netto Bonus- und So nderzahlungen zu bezahlen. Im Ehe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheidungsverfahren vor dem Bezirksgericht Arlesheim beantr agte die Ehefrau, in Abänderung des Urteils des Gerichtspräsidiums Rheinfelden sei der Ehe mann für die Dauer des Schei- dungsverfahrens zu verpflichten, der Ehefrau ab 1. Septe mber 2013 einen persönlichen Unter- haltsbeitrag von CHF 11‘700.00 zu bezahlen und es sei die anteilsmässige Überweisung des Bonus und der Sonderzahlungen auf die für den Zeitrau m bis 31. August 2013 ausgerichteten Zahlungen zu begrenzen. Der Ehemann beantragte die A bweisung dieses Begehrens. Mit Ent- scheid vom 12. März 2014 hat der Bezirksgerichtspräsident Arl esheim das Gesuch der Ehefrau um Abänderung des Urteils des Gerichtspräsidiums Rheinfeld en vom 14. Februar 2012 abge- wiesen. Das Bezirksgericht Arlesheim führte aus, dem Eheman n sei bei der C.____AG per 31. August 2013 gekündigt worden. Sein monatliches Nett oeinkommen habe CHF 16‘630.00 zuzüglich eines schwankenden jährlichen Bonus betragen. Per 1. Oktober 2013 habe der Ehe- mann eine neue Stelle bei der D.____AG angetreten, wo er kein fixes Monatsgehalt erhalte, sondern sein Honorar beruhe auf Beratungsmandaten. Ein Bonus werde ihm nicht mehr ausge- richtet. Der Ehemann mache ein jährliches Nettoeinkommen von rund CHF 101‘500.00 geltend. Es würde somit eine erhebliche Veränderung der Verhäl tnisse vorliegen und eine Abänderung des Unterhaltsbeitrags komme nur im Rahmen einer Senk ung in Betracht. Es könne offen blei- ben, ob aufgrund des Antrags der Ehefrau auf Umwandlu ng ihres Anspruchs auf 60% der vari- ablen Bonuszahlungen in einen fixen Unterhaltsbeitrag im Ergebnis tatsächlich eine Erhöhung des Unterhaltsbeitrags resultieren würde oder lediglich eine Anpassung der Formulierung zufol- ge Wegfalls der Bonuszahlung die Folge wäre. Entscheide nd sei, ob dem Ehemann ein hypo- thetisches Einkommen in der Höhe des bei der C.____AG er zielten Entgelts anzureichen sei oder nicht. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass dem Ehemann kein hypothetisches Ein- kommen anzurechnen sei, da er glaubhaft gemacht habe, dass es ihm trotz gutem Willen nicht gelungen sei, eine neue Anstellung mit gleich hoher En tlohnung wie bei der C.____AG zu fin- den. Er habe glaubhaft widerlegt, dass ihm eine Einko mmenssteigerung real möglich wäre. Auf die ausführliche Begründung der Vorinstanz wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen ein- gegangen. B. Gegen den Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Arleshe im vom 12. März 2014 hat die Ehefrau mit Eingabe vom 24. März 2014 an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, die Berufung erklärt. Sie beantragte die A ufhebung des Entscheids des Bezirksge- richts Arlesheim vom 12. März 2014 und die Abänderung d es Urteils des Gerichtspräsidiums Rheinfelden vom 14. Februar 2012 dahingehend, dass de r Ehemann zu verpflichten sei, der Ehefrau ab 1. September 2013 einen persönlichen Unte rhaltsbeitrag von CHF 11‘700.00 zu bezahlen und dass die anteilsmässige Überweisung des Bon us und der Sonderzahlungen auf die für den Zeitraum bis 31. August 2013 ausgerichtete n Zahlungen zu begrenzen sei. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen bezüglich des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens zu- lasten des Ehemanns. Die Ehefrau stellt sich auf den S tandpunkt, der Ehemann habe nicht in genügender Weise nachgewiesen, dass er sich ausreichend um eine neue Stelle bemüht habe und es ihm mit gutem Willen nicht möglich wäre, sein b isher bei der C.____AG erzieltes Ein- kommen auch künftig zu verdienen. Dementsprechend rechtf ertige sich keine Unterhaltsreduk- tion in Form des Wegfalls der bisherigen Bonuszahlungen . Da der Ehemann nun keine Bonus- zahlungen mehr erhalte, sei bei der Unterhaltsberechn ung der frühere durchschnittliche Bonus Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht zum seinerzeitigen Einkommen hinzuzurechnen. Auf die w eitere Berufungsbegründung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. C. Mit Berufungsantwort vom 16. April 2014 hat der Ehe mann die Abweisung der Berufung unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Berufungsklägerin beantragt. Er führte aus, die Ehefrau habe nie einen unbedingten Anspruch auf den Unterha ltsanteil, welcher sich aus einer allfälli- gen Auszahlung eines Bonus ergab, gehabt. Nun verlange sie die Ausrichtung eines fixen, deutlich höheren Unterhaltsbeitrags. Weshalb sie eine solche Verbesserung ihrer Lage erfahren sollte, habe sie nicht begründet. Der Ehemann sei nicht verpflichtet, den ausfallenden Bonus zu kompensieren. Der Ehemann stellt sich weiter auf den Sta ndpunkt, es sei ihm kein hypotheti- sches Einkommen anzurechnen. Er habe sich angemessen und korrekt um eine neue Stelle bemüht und es sei nicht realistisch, dass er eine Stelle f inde, mit welcher er ein monatliches Einkommen von CHF 23‘130.00 verdiene. Auf die weitere Begründung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Verfügung vom 22. April 2014 hat die Präsidentin des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Zivilrecht, den Schriftenwechsel geschlossen und die Parteien zur Haupt- verhandlung vorgeladen. E. Mit Eingabe vom 7. Mai 2014 reichte der Ehemann als No vum den Artikel „C.____ ent- lässt Hunderte Direktoren im Backoffice“ von Inside Paradeplatz ein. F. Am 27. Mai 2014 fand die Hauptverhandlung vor dem P räsidium des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht, statt. Die Part eien erschienen je mit ihren Rechtsvertre- tern. Die Ehefrau reichte als Novum Internetauszüge von der „Job Directory“ betreffend freie Stellen sowie von der „Bilanz“ betreffend Personalsuche und offenen Stellen in der Schweizer Finanzbranche ein. Sodann erfolgte eine informelle P arteibefragung ohne Protokollierung hin- sichtlich eines Vergleichs. Nachdem kein Vergleich zustande kam, hielten die Rechtsvertreter die Plädoyers, in welchen sie an den bereits in den Rechtsschriften erfolgten Anträgen und Aus- führungen festhielten. Auf die Ausführungen in den P lädoyers wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO sind erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen - wie hier vorliegend - mit Berufung anfecht bar, wobei in vermögensrechtlichen Angelegenheiten die Berufung nur zulässig ist, wenn de r Streitwert der zuletzt aufrecht erhalte- nen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Ar t. 308 Abs. 2 ZPO). Dieser Streit- wert ist vorliegend erreicht. Für vorsorgliche Massnahmen ist das summarische Verfahren an- wendbar (Art. 248 lit. d ZPO). Die Berufung ist gemä ss Art. 311 Abs. 1 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZPO innert 10 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheids beziehungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftlich und begründet einzureichen. Der begründete vorinstanzliche Entscheid vom 12. März 2014 w urde der Ehefrau bzw. deren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsvertreter am 14. März 2014 zugestellt. Die Berufu ngsfrist von zehn Tagen endete somit am 24. März 2014 und ist eingehalten. Zuständig für di e Beurteilung der Berufung ist gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts. 2. Der Ehemann führte aus, die Ehefrau setze sich nicht mit dem Entscheid der Vorinstanz auseinander und lege nicht dar, inwiefern dieser fa lsch sei. Die Ehefrau beschränke sich in der Berufung weitgehend darauf, ihre bereits bei der Vor instanz vorgebrachten Argumente zu wie- derholen und begnüge sich teilweise mit dem Verweis auf ihre vorinstanzliche Rechtsschrift. Die Berufungsschrift sei deshalb nicht genügend. Das Kanto nsgericht erachtet die Berufungsschrift als genügend. Die Ehefrau monierte in der Berufung v om 24. März 2014, die Vorinstanz habe die Frage, ob mit ihrem Antrag überhaupt eine Erhöhung des Unterhaltsbeitrags resultiere, nicht beantwortet. Sie bezog sich damit auf die Erwägung 4 .4 der vorinstanzlichen Entscheidbegrün- dung, wo die Vorinstanz ausführt, dass diese Frage offe n bleiben könne. Die Ehefrau kritisierte weiter, auch die Frage, ob die Beweislast für die Ber ücksichtigung des hypothetischen Ein- kommens beim Ehemann liege, habe die Vorinstanz nicht beantwortet und bezieht sich damit auf die vorinstanzliche Erwägung Ziff. 5.4. Die Ehefrau monierte zudem, die Vorinstanz habe dem Ehemann zu Unrecht kein hypothetisches Einkommen ang erechnet und deren Ansicht, es habe als notorisch zu gelten, dass es zurzeit für einen g ekündigten Banker mit einem Einkom- men und Bonus in der Höhe, wie es der Ehemann erhalte n habe, sehr schwer sei, eine Stelle bei einer Bank mit den gleichen Lohnbedingungen zu f inden, sei falsch. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe der Ehemann durch die eingereichte n Belege auch nicht ausreichend nachgewiesen, dass er sich in genügender Weise um eine en tsprechende Stelle bemüht habe. In diesen Kritikpunkten bezieht sich die Ehefrau auf die Erwägungen 5.5, 5.7 und 5.8 der Vo- rinstanz. Die Ehefrau hat sich somit an verschiedenen Ste llen in der Berufungsschrift auf die vorinstanzliche Entscheidbegründung bezogen und ausgefüh rt, was darin falsch sein soll. Die Berufung ist somit hinreichend begründet. Da auch die übrigen Formalien erfüllt sind, ist auf die Berufung einzutreten. 3. Entsprechend Art. 317 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsache n und Beweismittel nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). 3.1 Der Ehemann hat mit seiner Berufungsantwort folgende neuen Beilagen vorgelegt: die Lohnabrechnung Februar 2014, vier Bewerbungsschreiben ( vom 17.07.2013, 29.07.2013, 04.05.2013 und 25.06.2013) sowie einen Internetausdr uck Staffing Industry Analysts mit einem Artikel vom 07.03.2012. Bei den Bewerbungsschreiben sowi e beim Artikel aus dem Internet handelt es sich um Beilagen, welche alle weit vor der S tellungnahme des Ehemannes an die Vorinstanz vom 18. Februar 2014 datieren. Es wäre dem E hemann daher ohne weiteres mög- lich gewesen, diese Beilagen bereits bei der Vorinstanz einzureichen. Die Ehefrau hat schon in ihrer Eingabe vom 16. Dezember 2013 an die Vorinstanz g eltend gemacht, der Ehemann habe nicht nachgewiesen, dass er sich ausreichend um Stellen bem üht habe und trotz entsprechen- den Stellenbemühungen kein höheres Einkommen erzielen könne. Es wäre daher am Ehemann gelegen, die entsprechenden Bemühungen und weitere Be lege zu diesem Thema bereits bei der Vorinstanz einzureichen. Die erst mit der Berufungsa ntwort eingereichten Bewerbungen sowie der genannte Internetausdruck erfolgen zu spät un d sind in Anwendung von Art. 317 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abs. 1 ZPO nicht zu berücksichtigen. Bei der Lohnabrechnung Februar 2014 sowie bei dem mit Eingabe vom 7. Mai 2014 eingereichten Internetauszug des Artikels vom 17. April 2014 handelt es sich hingegen um neue Unterlagen, welche bei der Vorinstanz noch nicht eingereicht werden konnten, da sie im Zeitpunkt der dortigen Eingaben noch nicht existierten. Diese beiden Beila- gen sind daher zu berücksichtigen. 3.2 Die Ehefrau reichte an der Hauptverhandlung vom 27. M ai 2014 Internetauszüge betref- fend offenen Stellen und der Personalsuche im Finanz bereich ein. Sie hätte entsprechende, damals aktuelle Auszüge ebenfalls bereits bei der Vorinst anz einreichen können und legt nicht dar, inwiefern dies nicht möglich gewesen sein sollte . Der Internetauszug aus „Bilanz“ mit dem Titel „Abkühlung im vierten Quartal 2013“ trägt das Da tum 13.01.2014/10:45 und hätte dement- sprechend ebenfalls bereits bei der Vorinstanz vor deren Entscheid eingereicht werden können, spätestens jedoch mit der Berufungsschrift. Die an der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung eingereichten Unterlagen sind daher gestützt auf Art. 317 Abs. 1 ZPO ebenfalls nicht zu be- rücksichtigen. 3.3 An der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung wurde ein e informelle Parteibefragung ohne Protokollierung hinsichtlich eines Vergleichsvorschla gs durchgeführt. Die Parteibefragung fand nur im Rahmen von Vergleichsgesprächen statt und wurde aufgrund der strengen Noven- regelung von Art. 317 ZPO nicht als formelle Befragung durchgeführt, zumal Art. 229 Abs. 3 ZPO im vorliegenden Berufungsverfahren nicht anwendbar ist (BGE 138 III 625) und nur auf die Ausführungen der Parteien, welche bereits bei der Vor instanz erfolgten, abgestellt werden kann. Nachdem die Parteien zu Beginn der kantonsgerichtl ichen Hauptverhandlung nach No- ven gefragt wurden, sind erst im Rahmen der informelle n Parteibefragung gemachten Erklärun- gen, welche bei der Vorinstanz nicht erfolgten, ohne hin nicht zu berücksichtigen, darf doch von den Parteien erwartet werden, dass sie in analoger An wendung von Art. 229 Abs. 2 ZPO allfäl- lige Noven zu Beginn der Hauptverhandlung vor der Re chtsmittelinstanz vorbringen. Soweit sich die Parteivertreter in der Verhandlung vor Kantons gericht in ihren Plädoyers auf Ausfüh- rungen der Parteien anlässlich dieser informellen Befr agung abstützten, welche bei der Vo- rinstanz noch nicht erfolgten, sind sie daher nicht zu hören. 4. Die Ehefrau moniert, die Vorinstanz habe die Frage ni cht beantwortet, ob durch die Um- wandlung des Anspruchs der Ehefrau auf 60% der Bonuszahl ungen an den Ehemann in einen fixen Unterhaltsbeitrag eine Erhöhung des Unterhaltsb eitrages resultiere. In diesem Zusam- menhang führte sie aus, nachdem dem Ehemann von seiner e hemaligen Arbeitgeberin gekün- digt worden sei und er keinen Bonus mehr erhalte, sei e r nur noch gewillt, CHF 5‘673.00 als persönlichen Unterhaltsbeitrag an die Ehefrau zu bezahl en. Er sei nicht bereit, den wegfallen- den Bonus durch eine Erhöhung des fixen Unterhaltsbeitr ags zu kompensieren. Der Ehemann habe in den letzten Jahren eine durchschnittliche Bonusz ahlung von netto CHF 78‘000.00 er- halten. Die Ehefrau sei daran zu 60% anteilsberechtig t gewesen, was einem Geldbetrag von monatlich CHF 3‘900.00 entspreche. Der Ehemann entge gnete, er erhalte keinen Bonus mehr. Ein Anspruch auf eine Bonuszahlung bestehe nicht. Ob eine Auszahlung erfolge und in welcher Höhe, sei ungewiss. Die Ehefrau habe daher nur insofer n Anspruch auf eine Beteiligung am Bonus, als auch tatsächlich ein solcher ausgerichtet werde . Der Anspruch der Ehefrau sei von der Auszahlung und der Höhe des Bonus abhängig. Ein fi xer, bedingungsloser Anspruch auf Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht diesen Unterhaltsteil bestehe nicht. Es treffe daher nicht zu, dass der Ehemann den Unterhalts- beitrag reduziere, vielmehr habe die Ehefrau aufgrund der veränderten Verhältnisse keinen Bo- nusanteil mehr. Die C.____AG habe inzwischen auch ihr Bonussystem geändert und es sei schwieriger, einen Bonus zu erhalten. Selbst wenn der E hemann noch bei der C.____AG wäre, könnte nicht unbesehen auf die in der Vergangenheit ausbezahlten Boni abgestellt werden. Der Bonus ist variabel. Ob dem Ehemann bei der C.____A G weiterhin ein Bonus ausbezahlt worden wäre und in welcher Höhe, kann nicht eruiert w erden. Insofern kann auch die Frage nicht beantwortet werden, ob die von der Ehefrau beantragte Umwandlung in einen fixen Unter- haltsbeitrag von CHF 11‘700.00 eine Erhöhung darstellt. Diese Frage ist auch nicht von Bedeu- tung, da ein Antrag auf Abänderung des Unterhaltsbeit rags vorliegt. Die Ehefrau will nunmehr einen fixen durchschnittlichen Bonus zum Einkommen des E hemannes anrechnen, wogegen das Gerichtspräsidium Rheinfelden den Bonus nicht beziffe rte und nicht als fixen Betrag in das Einkommen eingerechnet hat. Vielmehr hat es den Unter haltsbeitrag gestützt auf den festen Monatslohn des Ehemannes festgesetzt und verfügt, dass der Ehemann zusätzlich vom variab- len Nettobonus 60% an die Ehefrau überweisen muss. Weil die Höhe des zukünftigen Nettobo- nus ungewiss ist, hat das Gerichtspräsidium Rheinfelden die sen eben gerade nicht als fixen Bestandteil zum Einkommen gerechnet (Erwägung 5.4 des Entscheids vom 14.02.2012 des Gerichtspräsidiums Rheinfelden). Beantragt die Ehefrau nunmehr die Hinzurechnung eines fi- xen Bonusbetrags an das Einkommen des Ehemanns, ändert sie die Berechnungsmethode, was eine Abänderung bedeutet. Überdies hat die Ehefra u auch bei ihrer Bedarfsberechnung Änderungen vorgenommen, indem sie nunmehr den volljähr igen Sohn nicht mehr einrechnet und den Hypothekarzins anpasste. Auch beim Grundbedarf de s Ehemanns nahm sie Anpas- sungen vor, indem sie die vom Gerichtspräsidium Rheinfe lden eingerechneten Beträge für auswärtige Verpflegung, Autokosten und Autoleasing bei m Ehemann streicht und diesem ein Existenzminimum von CHF 3‘050.00 einrechnet, wogegen das Gerichtspräsidium Rheinfelden für die Zeit ab 1. Dezember 2011 ein Existenzminimum d es Ehemanns von CHF 4‘633.00 ein- setzte. Den Überschuss hat die Ehefrau sodann den Parteien je hälftig angerechnet und ausge- führt, der nunmehr volljährige Sohn sei bei der Bere chnung nicht mehr zu berücksichtigen. Es liegt daher ein Antrag auf Abänderung des Unterhaltsb eitrags vor. Die Ehefrau schrieb denn auch in ihrer Eingabe vom 16. Dezember 2013, S. 8, an die Vorinstanz, „unter Berücksichtigung der seit dem Urteil vom 14.02.2102 eingetretenen Änd erungen ergibt sich ein persönlicher Un- terhaltsbeitrag der Klägerin von CHF 11‘700.00. Das Urteil des Gerichtspräsidiums Rheinfelden vom 14.02.2012 ist für den Zeitraum ab 11.09.2013 ent sprechend anzupassen“ . Der Unter- haltsbeitrag ist daher in Berücksichtigung der eingetre tenen Änderungen zu beurteilen. Eine solche Änderung stellt auch die neue berufliche Situat ion des Ehemanns dar. Dem Ehemann wurde von der C.____AG gekündigt und er hat eine neue Stelle angenommen mit einem tiefe- ren Lohn. Es liegen somit erhebliche und dauernde Ver änderungen der tatsächlichen Verhält- nisse vor, welche eine Neubeurteilung rechtfertigen. Der Antrag der Ehefrau auf Festsetzung eines Unterhaltsbeitrags von CHF 11‘700.00 ist folgli ch unter Berücksichtigung der geänderten Verhältnisse zu prüfen. Es kann daher offen bleiben, ob der beantragte Unterhaltsbeitrag von CHF 11‘700.00 höher ist als jener, welcher das Gerichtspräsidium Rheinfelden festlegte. Soweit die Ehefrau geltend machte, der volljährige Sohn sei bei der Berechnung nicht mehr zu berück- sichtigen, hat ihr Anwalt an der Verhandlung vor Kantonsgericht in seinem Plädoyer ausgeführt, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Unterhaltsbeitrag für den volljährigen Sohn geh e dem Unterhaltsbeitrag für die Ehefrau nach und es sei im ersten Schritt der Trennungsunterh alt festzulegen und erst dann der Unter- haltsbeitrag für den Sohn. 5. Unter den Parteien ist umstritten, wer die Beweislast trägt. Die Ehefrau führte aus, der Ehemann müsse dartun, dass es ihm trotz ernsthafter und a usreichender Bemühungen nicht gelungen sei, eine neue Anstellung mit ähnlicher Entl öhnung zu finden. Dieser Beweislast sei der Ehemann nicht nachgekommen, weshalb er weiterhi n den ursprünglich festgelegten Unter- haltsbeitrag schulde. Der Ehemann führte dagegen aus, die Ehefrau verkenne, dass sie eine Abänderung der Unterhaltsregelung wünsche und es an ihr gelegen sei, zu belegen, dass sich die Situation derart geändert habe, dass ihr nun ein höherer Unterhaltsbeitrag zustehe. Der Ehemann müsse nichts beweisen, denn er habe keine Änder ung des Unterhaltsbeitrags vorge- nommen oder beantragt. Wo das Gesetz nichts anderes bestimmt, hat derjenige da s Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (Art . 8 ZGB). Will die Ehefrau auf das Ein- kommen des Ehemanns inkl. Bonus abstellen, wie es sich im Ze itpunkt des Entscheids des Gerichtspräsidiums Rheinfelden darstellte, hat sie zumindest glaubhaft zu machen, dass dieses Einkommen gleich geblieben ist. Dies gelingt ihr nicht, da dem Ehemann unbestrittenermassen gekündigt wurde und er nun eine neue Stelle mit ein em tieferen Einkommen hat. Indem auf- grund der veränderten Verhältnisse der Unterhaltsbeitra g neu zu berechnen ist, das aktuelle Einkommen des Ehemannes jedoch erheblich tiefer ist als sein Einkommen an der vorherigen Arbeitsstelle, hat der Ehemann glaubhaft darzulegen, dass es ihm nicht möglich ist, ein ähnli- ches Einkommen weiterhin zu erzielen. 6. Es stellt sich sodann die Frage, ob dem Ehemann ein hypo thetisches Einkommen anzu- rechnen ist, wie dies die Ehefrau beantragt. Wie die Vorinstanz korrekt ausführte, darf bei der Festsetzung von Unterhaltsbeiträgen vom tatsächlichen Leis tungsvermögen des Pflichtigen abgewichen und stattdessen von einem hypothetischen Einkommen ausgegangen werden, falls der Pflichtige bei gutem Willen bzw. bei ihm zuzumutend er Anstrengung mehr verdienen könn- te, als er effektiv verdient. Eine entsprechende Einkom menssteigerung muss dem Pflichtigen allerdings möglich und zumutbar sein. Wo die reale Mö glichkeit einer Einkommenssteigerung fehlt, muss eine solche ausser Betracht bleiben (BGE 128 III 4, E. 4a). 6.1 Die Ehefrau führte in der Berufung vom 24. März 2014 aus, der Ehemann habe keine Stellenbemühungen in ausreichendem Ausmass vorgelegt. V ielmehr habe er die günstige Ge- legenheit ergriffen, um sich selbst zu verwirklichen und si ch quasi selbständig zu machen. Bei entsprechenden Stellenbemühungen über mehrere Monat e wäre es dem Ehemann mit gutem Willen ohne weiteres möglich gewesen, eine Stelle mit einem Verdienst in der Grössenordnung seines bisherigen Einkommens bei der C.____AG zu finden . Das Jahreseinkommen habe sich auf mindestens CHF 260‘000.00 belaufen. Dass es dem Ehemann nicht mehr möglich sein soll, mehr als die behaupteten CHF 130‘000.00 zu erwirtschaf ten, scheine völlig unglaubwürdig und sei weder bewiesen noch glaubhaft gemacht. Der Eheman n sei ein ausgewiesener Fachmann mit entsprechenden Weiterbildungen, welcher sich im b esten Berufsalter befinde. Als Direktor bei der C.____AG habe er bis zu 200 Mitarbeiter welt weit geführt. Er verfüge über eine gute Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausbildung, grosse berufliche Erfahrung, beste Qualif ikationen und Referenzen und es sei auf- grund seiner ehemaligen Position als Direktor auch von e inem grossen Beziehungsnetz auszu- gehen. Auch eine Stellensuche im Ausland dürfe nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Der Ansicht der Vorinstanz, es habe als notorisch zu gelten, dass es derzeit für einen gekündig- ten Banker mit einem Einkommen und einem Bonus in der Höhe wie diese der Ehemann erhal- ten habe, sehr schwer sei, eine neue Stelle bei einer Bank mit den gleichen Lohnbedingungen zu finden, könne nicht ohne weiteres gefolgt werden. W eiter habe der Ehemann entgegen der Ansicht der Vorinstanz durch die eingereichten Belege ni cht ausreichend nachgewiesen, dass er sich in genügender Weise um eine entsprechende Stell e bemüht habe. Zunächst habe er unterlassen, trotz Angebot der C.____AG auf interne W eiterbeschäftigungsmöglichkeiten ein- zugehen. Dass der Ehemann aus Gründen der Unzumutbarkeit und der persönlichen Freiheit darauf verzichtet habe, könne nicht einfach hingenommen werden. Um seinen familienrechtli- chen Pflichten nachzukommen, sei er eben gerade nicht f rei, seine Betätigung uneingeschränkt zu wählen. Eine ernsthafte Bemühung und eine Zielstreb igkeit seien nicht erkennbar. Anfangs habe er sich nur sehr spärlich beworben. Die ins Recht ge legten Stellenabsagen könnten kei- neswegs einen guten Willen des Ehemanns glaubhaft mache n. Es sei auch nicht eruierbar, auf welche Jobprofile er sich beworben habe, da keine Stel leninserate, keine Bewerbungen und keine offiziellen Absagen vorgelegt worden seien. Es wür den sich daher keine Anhaltspunkte ergeben, ob sich der Ehemann entsprechend seinen Anf orderungen und ordentlich beworben habe. Mailanfragen könnten auch nicht als ausreichende Bewerbungsschreiben qualifiziert wer- den. Der Ehemann habe eine Abgangsentschädigung von b rutto CHF 210‘000.00 erhalten, welche unter anderem der Kompensation von einem mit d em Stellenverlust zusammenhängen- den Erwerbsausfall diene. Aufgrund der angeordneten Gütertrennung sei die Ehefrau an dieser Auszahlung nicht anteilsberechtigt. Daher scheine es ge rechtfertigt, wenn der Ehemann ein vorübergehendes Mindereinkommen, sofern ihm ein solches zu gestanden werden soll, durch Einsetzung seines Vermögens und insbesondere der Abgangsen tschädigung zu kompensieren habe, so dass ihm ein monatliches Einkommen von CHF 23‘1 30.00 anzurechnen sei. Soweit der Ehemann einwende, die Abgangsentschädigung diene für entsprechende Umschulungs- und Weiterbildungskosten, sei er nicht zu hören. Der Eh emann sei per 31. August 2013 bei der C.____AG entlassen worden und habe praktisch nahtlos per 1. Oktober 2013 eine neue Stelle angetreten. Der Einsatz der Abgangsentschädigung zum Z wecke der Abfederung der nachteili- gen Folgen des Stellenverlusts gehe fehl. Weiterbildu ngskosten könnten bei dieser Konstellati- on höchstens in der Höhe eines Bruchteils anfallen. Der Ehemann reiche eine Aufstellung über CHF 54‘257.60 für Umschulungs- und Berufsunkosten ein, w obei nur ein Betrag von CHF 25‘000.00 mit Quittungen belegt sei. Einen Nachwe is, dass die ganze Abgangsentschädi- gung oder mindestens ein Grossteil davon für ein „wie der fit machen“ eingesetzt worden sei, habe der Ehemann nicht erbracht. 6.2 Der Ehemann bestreitet die Ausführungen der Ehefrau. Er führte in der Berufungsant- wort vom 16. April 2014 aus, er habe weder aus bösem W illen noch aus Nachlässigkeit noch freiwillig auf Einkommen verzichtet. Die C.____AG habe ihm gekündigt und er sei gezwungen gewesen, eine neue Erwerbstätigkeit zu finden, was er g etan habe. Es sei ihm sogar gelungen, unmittelbar eine neue Stelle anzutreten. Er habe Abkl ärungen betreffend einem internen Stel- lenwechsel geführt. Die C.____AG habe in den letzten drei Jahren 12‘000 Stellen abgebaut, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht insbesondere auf der Direktionsstufe. Eine interne Stel le mit annährend gleichem Lohn zu fin- den, sei unmöglich gewesen. Auch wäre eine Weiterbeschäft igung bei der C.____AG unzumut- bar gewesen, nachdem dem Ehemann nach mehr als 20-jäh riger Anstellung von der Arbeitge- berin gekündigt worden sei. Es gehe nicht um eine Selb stverwirklichung auf Kosten der Ehe- frau, vielmehr habe der Ehemann möglichst rasch eine n eue Stelle finden müssen. Aufgrund der Qualifikation des Ehemannes komme nicht jede Stell e für ihn in Frage; qualifizierte Stellen seien aber nicht so häufig auf dem Markt. Er sei jetzt 4 9 Jahre alt, was auf dem Stellenmarkt nicht mehr als „bestes Alter“ gelte. Es erstaune auch nicht , dass der Ehemann keine Stelle ge- funden habe, welche annähernd gleich gut bezahlt sei wie jene bei der C.____AG, seien doch Stellen im Bankensektor bekanntlich überdurchschnittlic h gut bezahlt, was nicht zuletzt in Be- zug auf Boni in den letzten Jahren zu heftiger Kriti k geführt habe. Eine Stelle im Bankensektor zu finden sei nicht einfach, da bei Banken im grossen St il Stellen abgebaut würden. Zudem würden junge Leute bevorzugt. Die Ehefrau könne nicht erwarten, dass er im Ausland arbeite, da er einen Sohn in der Schweiz habe, zu diesem guten Kontakt pflege und auch sonst in der Schweiz verwurzelt sei. Zudem sei es notorisch, dass das Einko mmen in der Schweiz um eini- ges höher sei als im Ausland. Die Ehefrau könne froh se in, dass der Ehemann rasch eine An- schlusslösung gefunden habe. Während der Stellensuche hätte er auch kein Einkommen erzie- len können, welches ihm die Ehefrau anrechnen wolle. Zudem hätte sich eine längere Lücke im Lebenslauf negativ ausgewirkt. Ein Verbleib bei der C. ____AG könne die Ehefrau vom Ehe- mann nicht verlangen. Dies umso weniger, als der Eheman n in absehbarer Zeit ein nach wie vor überdurchschnittlich hohes Einkommen erzielen könne, welches den Ehegatten weiterhin einen gehobenen Lebensstandard ermögliche. Die Ehefrau müsse sich nicht einschränken, jedenfalls habe die Ehefrau nicht ausgeführt, dass sie i hren Lebensstandard senken müsse. Eine Stelle mit einem monatlichen Nettoeinkommen von C HF 23‘130.00 zu finden, sei unrealis- tisch. Die Tätigkeit bei der C.____AG sei sehr belasten d gewesen. Es sei nicht zumutbar, nach einer Kündigung, welche auch eine Chance für einen Neu anfang darstelle, in der gleichen Branche weiterzuarbeiten. Die Ehefrau hätte auch genu g Zeit gehabt, eine Stelle zu finden. Sie habe im Verlauf des Eheschutzverfahrens zugestanden, im Betrieb ihrer Eltern tätig zu sein. Dort erstelle sie Preislisten und erledige Korrespondenze n und Telefonate. Dafür habe sie An- spruch auf eine Entschädigung, so dass ihr ein Einkommen vo n mindestens CHF 2‘000.00 an- zurechnen sei. Sie könne auch einen Job im kaufmännischen Bereich finden. Es sei ihr möglich und zumutbar, mindestens Teilzeit wieder in das Erwer bsleben einzusteigen. Schliesslich woh- ne der Sohn, welcher eine Lehre absolviere, noch bei der Ehefrau. Der Ehefrau sei ein ange- messener Beitrag von 2/3 des Lehrlingslohns für Unterkun ft und Essen anzurechnen, ausma- chend CHF 607.00 ab September 2013 und CHF 789.00 ab September 2014. Aus den vorge- legten Stellenbewerbungen werde ersichtlich, dass sich der Ehemann um Stellen bemüht habe, jedoch keine mit einem derart hohen Einkommen wie be i der C.____AG habe finden können. Es würden keine Hinweise vorliegen, dass die Bewerbungen unqualifiziert, nachlässig oder auf unpassende Stellen erfolgt seien. Vielmehr sei der Ehe mann mehrfach zu Vorstellungsgesprä- chen eingeladen worden und habe schliesslich rasch eine n eue Stelle gefunden, was zeige, dass seine Bemühungen angemessen und korrekt erfolgt seien . Der Ehemann sei weder ar- beitslos, noch bezahle er einen reduzierten oder gar keinen Unterhalt mehr. Die Ehefrau erhalte lediglich keinen Anteil am Bonus mehr, auf welchen sie nie einen festen Anspruch gehabt habe. Aus den eingereichten Absagen ergebe sich, bei welchen F irmen und für welche Funktion die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bewerbungen stattgefunden hätten und dass sich der Ehem ann auf seinen Fähigkeiten ange- messene Stelle beworben habe, bei welchen er auch mit e iner entsprechenden Entschädigung habe rechnen dürfen. Dass er nicht sämtliche Stelleninse rate, Bewerbungen und Absagen auf- bewahrt habe, nachdem er eine Stelle gefunden habe, sei nachvollziehbar. Er habe schnell eine neue Stelle gefunden, was zeige, dass seine Bewerbung a ttraktiv sei. Das ergebe sich auch daraus, dass er einige Male zu einem Vorstellungsgespräc h eingeladen worden sei. Es sei durch nichts belegt, dass der Ehemann mehr verdienen würd e, wenn er eine andere Stelle er- halten hätte. Die Abgangsentschädigung diene zur Komp ensation von einem mit dem Stellen- verlust zusammenhängenden Erwerbsausfall sowie zur Bezahl ung von Umschulungen, Weiter- bildungskosten etc., welche durch den Stellenwechsel notwendig würden. Der Ehemann müsse für seine neue Stelle gewisse Fähigkeiten und Kenntnisse verbessern bzw. auffrischen. Das geschehe einerseits „on the job“, was sich daran zeige, d ass der Ehemann derzeit ein tiefes Einkommen erziele, welches unter den Schätzungen der ne uen Arbeitgeberin liege. Anderer- seits habe er Weiterbildungen besucht, welche nicht gün stig seien. Zu den Weiterbildungskos- ten würden auch die Kosten für die Reise und bei meh rtägigen Kursen für die Übernachtung gehören. Die Abgangsentschädigung habe brutto CHF 210 ‘000.00 betragen und netto einiges weniger. Von dieser seien inzwischen CHF 54‘000.00 verbr aucht. Mit dem beantragten Unter- haltsbeitrag von CHF 11‘700.00 könne die Ehefrau bei einem Bedarf von CHF 4‘444.00 massi- ve Ersparnisse bilden, was nicht Sinn und Zweck des Ehegattenunterhalts sei. 6.3 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Ehemann als Direktor bei der C.____AG bis zu 200 Mitarbeiter geführt hat und er e in ausgewiesener Fachmann mit entspre- chenden Weiterbildungen ist. Weiter ist unbestritten, d ass dem Ehemann nach mehr als 20- jähriger Anstellung von der Arbeitgeberin mit Schrei ben vom 19. Februar 2013 per 31. August 2013 gekündigt wurde. Auch aus dem Einkommen des Eheman nes ist zu schliessen, dass er eine Kaderstelle bei der C.____AG inne hatte, betrug sein monatliches Bruttoeinkommen doch CHF 17‘500.00 zuzüglich eines variablen Bonus, welcher fü r die Jahre 2009 bis 2012 jährlich zwischen CHF 67‘716.00 bis CHF 96‘429.00 lag und für da s Jahr 2008 sogar CHF 227‘480.00 betrug. Der Ehemann hat per 1. Oktober 2013 eine neu e Stelle bei der D.____AG angetreten als Senior Consultant und geschäftsführender Partner. Wie bereits die Vorinstanz ist auch das Kantonsgericht der Auffassung, dass es notorisch ist, dass es zur Zeit für einen gekündigten Banker mit einem Einkommen und Bonus, wie es der Ehemann bei der C.____AG erhalten hat, sehr schwer ist, eine neue Stelle bei einer Bank mit u ngefähr gleichen Lohnbedingungen zu finden. So ist allgemein bekannt, dass viele Banken derzeit Umstrukturierungen vornehmen und Stellen abbauen. Dadurch sind mehr Banker auf Stellen suche und die Konkurrenz unter den Stellensuchenden wird grösser. Die C.____AG schrieb denn auch in ihrem Kündigungsschrei- ben vom 19. Februar 2013 als Kündigungsgrund eine Rest rukturierung mit Stellenabbau. Noto- risch ist ebenfalls, dass die Boni, nicht zuletzt wegen hef tiger öffentlicher Kritik, bei den Banken gesenkt werden. Ist es selbst im Banksektor sehr schwierig , ein gleich hohes Einkommen wie- der zu erzielen, gilt dies erst recht für andere Sektor en, welche in der Regel tiefere Löhne und Boni bezahlen als die Banken. Als notorisch gilt ebenfa lls, dass auf dem Stellenmarkt nicht so viele Stellen ausgeschrieben sind für Berufsleute mit Qu alifikationen, wie sie der Ehemann vor- weist. Solche Stellen sind im Bankensektor rar und in and eren Branchen kann nicht mit einem gleich hohen Einkommen gerechnet werden. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht es dem Ehemann kaum möglich ist, eine neue Stelle mit ähnlich hohem Einkommen zu finden. Indiz hierfür ist auch die von der C.____AG geleistete Abgangsentschädigung von brutto CHF 210‘000.00, welche gemäss Ausführungen des Ehemanns zur Kompensation von einem mit dem Stellenverlust zusammenhängenden Erwerbsausfall sowie zur Bezahlung von Um- schulungen und Weiterbildungskosten dient. Würde die C. ____AG als renommierte Kennerin des Bankensektors davon ausgehen, dass der Ehemann ohne weiteres eine neue Stelle mit ähnlichem Einkommen finden könnte, würde sie kaum eine Abgangsentschädigung in dieser Höhe anbieten. Notorisch ist ebenfalls, dass sich eine meh rmonatige Lücke im Lebenslauf ne- gativ bei der Stellensuche auswirkt und die Attraktivitä t des Arbeitssuchenden vermindert. Inso- fern ist es nachvollziehbar, wenn der Ehemann bevorzugte, praktisch nahtlos eine neue Stelle anzutreten, als allenfalls negative Auswirkungen bei einer längeren Arbeitslosigkeit zu riskieren. An der neuen Stelle bei D.____AG hat der Ehemann kei nen festen Monatslohn, sondern Lohn- zahlungen aufgrund des persönlich erzielten Umsatzes, wie aus dem Schreiben der neuen Ar- beitgeberin vom 21. Oktober 2013 sowie den vom Ehemann eingereichten Lohnabrechnungen hervorgeht. Die neue Arbeitgeberin schätzt gemäss ihrem S chreiben vom 9. September 2013 das Einkommen des Ehemanns im Rahmen des Aufbaus seiner Kundenfranchisen für die Jah- re 2014 und 2015 auf ein durchschnittliches Jahreseinkom men von je CHF 130‘000.00, was monatlich rund CHF 10‘833.00 brutto entspricht. Indem die Arbeitgeberin für diese beiden Jahre vom Aufbau der Kundenfranchisen spricht, kann davon ausgegangen werden, dass nach dieser Aufbauphase ab dem Jahr 2016 das Einkommen gesteigert werden kann. Der Ehemann hat an der vorinstanzlichen Verhandlung vom 30. Oktober 2013 se lber auch ausgesagt, die Möglich- keiten, später mehr zu verdienen, seien gut durch die Beteiligung am Gesamtumsatz der neuen Arbeitgeberin. Momentan verdiene er jedoch nur, was er selber erarbeite. Hätte der Ehemann mehrere Monate nach einer neuen Stelle mit ähnlichem Einkommen wie bei der C.____AG ge- sucht, hätte er in dieser Zeit Arbeitslosentaggelder er halten, welche 80% des maximal versi- cherten Verdienstes von CHF 126‘000.00 pro Jahr bzw. mon atlich brutto CHF 8‘400.00 betra- gen hätten. Die Arbeitslosenentschädigung wäre somit tiefer gewesen als das derzeit geschätz- te jährliche Durchschnittseinkommen von CHF 130‘000.00, wobei der Ehemann aufgrund der hohen Abgangsentschädigung kaum von Beginn der Arbeit slosigkeit weg die vollen Taggelder erhalten hätte. Indem der Ehemann sofort eine neue Stelle antrat, zwar mit derzeit erheblich weniger Einkommen als bei der C.____AG, jedoch mit Au ssicht auf eine Einkommenssteige- rung, verdient er in den Jahren 2014 und 2015 mutmasslich nicht weniger, als wenn er mehrere Monate eine neue Stelle gesucht und Arbeitslosentaggel der, unter Berücksichtigung eines all- fälligen Leistungsaufschubs aufgrund der erhaltenen Abg angsentschädigung, bezogen hätte, und dabei das Risiko eingegangen wäre, keine Stelle mit einem ähnlichen Einkommen wie bei der C.____AG zu finden oder gar an Attraktivität auf dem Stellenmarkt einzubüssen. Dem Ehemann kann daher kein Vorwurf gemacht werden, wenn er die jetzige Stelle angenommen hat, welche reelle Chancen auf eine Einkommenssteigerung bietet, zumal sehr fraglich ist, ob er überhaupt eine Stelle mit gleich hohem Einkommen un d Bonus wie bei der C.____AG finden kann. Allerdings ist nach Auffassung des Kantonsgerichts dem Ehemann die ausbezahlte Ab- gangsentschädigung als Einkommen anzurechnen, solange er noch in der Aufbauphase ist. Danach muss der Ehemann sein Einkommen steigern können ode r, falls das nicht möglich ist, sich um eine neue Stelle bemühen, ist doch davon auszuge hen, dass er mit seinen Qualifikati- onen ein höheres Einkommen als jährlich CHF 130‘000.00 erzielen kann, wenn auch nicht mehr Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht den bei der C.____AG verdienten Lohn. Auf die Anrech nung der Abgangsentschädigung ist noch zurück zu kommen. 6.4 Da entsprechend den vorangegangenen Ausführungen ni cht davon auszugehen ist, dass der Ehemann eine neue Stelle mit ähnlich hohem Ei nkommen wie bei der C.____AG fin- den kann, ist ihm auch kein entsprechendes hypothetisches Einkommen in der von der Ehefrau beantragten Höhe von monatlich CHF 23‘130.00 anzurechn en. Vielmehr kann davon ausge- gangen werden, dass das vom Ehemann geschätzte Durchschnittseinkommen von derzeit jähr- lich CHF 130‘000.00 brutto seinen Möglichkeiten beim Ei nstieg in eine neue Stelle entspricht und er auch bei längerer Suche keine Stelle mit eine m erheblich höheren Einstiegssalär gefun- den hätte. Auf die Frage, ob der Ehemann sich in ausreichendem Mass beworben hat, ist daher nicht näher einzugehen. Es kann jedoch festgehalten werd en, dass sich der Ehemann gemäss den bei der Vorinstanz eingereichten Unterlagen minde stens elf Mal beworben hat. Aus den Absageschreiben, welche oftmals per Mail erfolgten, ge ht hervor, dass es sich bei sieben Be- werbungen um leitende Positionen bzw. Managementfunkti on handelte und zwei Bewerbungen an Stellenvermittler gingen. Gerade die Tatsache, da ss der Ehemann bereits per 1. Oktober 2013 eine neue Stelle gefunden hat, zeigt, dass er sich ernsthaft und erfolgreich um eine neue Stelle bemüht hat. 6.5 Die Ehefrau vertritt die Meinung, eine Stellensuche im Ausland dürfe beim Ehemann nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Dieser Auffassung kann sich das Kantonsgericht nicht anschliessen. Die Ehegatten haben in der Schweiz g ewohnt und der Ehemann hat immer in der Schweiz gearbeitet. Etwas anderes haben die Par teien zumindest nicht ausgeführt. Die Ehefrau macht auch nicht geltend, dass während des ehelichen Zusammenlebens eine Arbeits- stelle des Ehemannes im Ausland Thema war. Sie kann dahe r vom Ehemann nunmehr nicht verlangen, dass er jetzt im Ausland arbeiten und seine He imat verlassen muss. Eine Stellensu- che im Ausland ist dem Ehemann nicht zumutbar. Dies gil t umso mehr, als selbst der von der Ehefrau berechnete Grundbedarf, welchen sie mit CHF 4‘401.00 zuzüglich CHF 1‘133.00 Steu- ern einsetzt (Eingabe der Ehefrau an die Vorinstanz vom 16. Dezember 2013, Ziff. 10), auch mit dem vom Ehemann nach wie vor angebotenen Unterhaltsbeitrag von CHF 5‘673.00 gedeckt ist. 6.6 Die Ehefrau wirft dem Ehemann vor, interne Weiterbe schäftigungsmöglichkeiten bei der C.____AG nicht geprüft zu haben. Im Kündigungsschreiben der C.____AG vom 19. Februar 2013 findet sich folgender Absatz: „Damit Sie die Chance haben, innerhalb des C.____- Konzerns eine neue Stelle zu finden, haben Sie bis zu m genannten Datum die Möglichkeit, die durch die Bank angebotene Beratung in Anspruch zu neh men“. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um einen Standardsatz handelt, welcher in jeder Kündigung erfolgt, die aus Gründen der Restrukturierung ausgesprochen wird . Eine Weiterbeschäftigung wurde dem Ehemann nicht angeboten, sondern lediglich, dass er eine Beratung in Anspruch nehmen könne. Der Ehemann hat bei der Vorinstanz mit Beilage 1 zur Klagebegründung vom 11. Feb- ruar 2014 Unterlagen zu Stellenbemühungen ins Recht gelegt und in seiner Stellungnahme an die Vorinstanz vom 18. Februar 2014 auf diese Beilage n verwiesen. Dort befindet sich ein Mail einer Angestellten der C.____AG, Human Resources, HR R ecruiting, aus welcher hervorgeht, dass sich der Ehemann im Frühjahr 2013 um die Stelle i m C.____ Cardcenter beworben und eine Absage erhalten hat. Es ist demnach nicht so, dass si ch der Ehemann nicht um eine inter- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne Stelle bei der C.____AG bemühte, hat er sich doch um diese Stelle beworben. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass zwischen dem Kündigungssch reiben vom 19. Februar 2013 bis zu der Stellenbewerbung bei der D.____AG im Septe mber 2013 weitere Stellen bei der C.____AG offen waren, welche den Qualifikationen des Ehemanns entsprachen, erfolgte die Kündigung doch eben gerade im Rahmen von Restrukturier ungen und damit zusammenhän- gendem Stellenabbau. 6.7 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass davon auszugehen ist, dass es dem Ehemann kaum möglich ist, eine neue Stelle mit ähnlich hohem Einkommen inkl. Bonus wie bei der C.____AG zu finden. Es kann auch nicht davon ausgeg angen werden, dass der Ehemann gleich im Anschluss an die ehemalige Stelle eine neue S telle mit erheblich höherem Einkom- men als an der jetzigen Arbeitsstelle gefunden hätte. D ass der Ehemann die jetzige Stelle mit einem Einkommen von geschätzten CHF 130‘000.00 pro Jahr angenommen hat, kann ihm nicht vorgeworfen werden, zumal an dieser Stelle mit einer Einkommenssteigerung gerechnet wer- den kann und der Ehemann auch bei längerer Stellensu che mit Bezug von Arbeitslosentaggel- dern nicht mehr Einkommen erzielen würde als er jetzt ver dient. Entsprechend diesen Ausfüh- rungen ist dem Ehemann kein hypothetisches Einkommen anzu rechnen, sondern gemäss den Angaben der neuen Arbeitgeberin von einem geschätzte n Einkommen von jährlich CHF 130‘000.00 brutto derzeit auszugehen. Der Ehemann hat diesen Betrag auf einen Netto- lohn von monatlich CHF 8‘460.00 umgerechnet. Diese Um rechnung scheint angesichts der in den Lohnabrechnungen enthaltenen Sozialabzüge angebracht und wurde von der Ehefrau auch nicht moniert, so dass beim Ehemann derzeit ein Einkomme n von monatlich netto CHF 8‘460.00 einzurechnen ist. 7. Unter den Parteien ist weiter umstritten, ob der Ehem ann das Mindereinkommen durch Einsetzung der Abgangsentschädigung kompensieren muss. Di e Abgangsentschädigung dient entsprechend den Ausführungen des Ehemanns zur Kompensation von einem mit dem Stellen- verlust zusammenhängenden Erwerbsausfall sowie zur Bezahl ung von Umschulungen, Weiter- bildungskosten etc., welche durch den Stellenwechsel not wendig wurden. Bezweckt die Ab- gangsentschädigung die Kompensation eines mit dem Stel lenverlust zusammenhängenden Erwerbsausfalls, ist sie bei Vorliegen eines Mindereinko mmen eben gerade entsprechend die- sem Zweck als Einkommen anzurechnen. Dabei kann allerdin gs nur auf die Nettoentschädi- gung, welche dem Ehemann effektiv zur Verfügung steht, abgestellt werden. Hierfür sind die Sozialabzüge, welche auf die Abgangsentschädigung erhob en wurden, abzuziehen, wie auch die Steuern, welche auf diese Entschädigung fallen bzw . die Steuerdifferenz bei Berechnung des Steuerbetrags mit Abgangsentschädigung und ohne die se. Weiter ist von der Abgangsent- schädigung ein angemessener Betrag für Umschulungen und Weiterbildungen des Ehemannes einzusetzen, ist doch davon auszugehen, dass der Ehemann n ach mehr als 20-jähriger Anstel- lung bei der C.____AG für den Stellenwechsel gewisse U mschulungen oder Weiterbildungen absolvieren musste, wofür die Abgangsentschädigung auch einzusetzen ist. Er hat denn auch Schulungskosten belegt, wobei unter den Parteien umstr itten ist, welcher Betrag hierfür einzu- setzen ist. Die Abgangsentschädigung, welche netto nach Abzug der Sozialabgaben, des auf die Entschädigung fallenden Steuerbetrags sowie von ang emessenen Weiterbildungs-/ Um- schulungskosten verbleibt, ist von der Vorinstanz noch fest zulegen. Der verbleibende Betrag Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht dieser Abgangsentschädigung ist dem Ehemann sodann für e ine Dauer von zwei Jahren seit Beendigung der Stelle bei der C.____AG, d.h. von Se ptember 2013 bis August 2015 monatlich pro rata zum Einkommen von CHF 8‘460.00 hinzuzurechnen. Dies, weil dem Ehemann eine Aufbauphase von zwei Jahren zuzugestehen ist, um sein Einkommen auszubauen oder, falls er das Einkommen nicht steigern kann, eine andere Stelle mit einem höheren Einkommen zu su- chen. 8. Der Ehemann stellte sich auf den Standpunkt, der Ehefra u sei ein Einkommen von min- destens CHF 2‘000.00 monatlich anzurechnen. Die Ehefrau arbeite im Betrieb ihrer Eltern mit und würde auch heute noch problemlos einen Job im kaufm ännischen Bereich finden. Dieser Auffassung kann das Kantongericht nicht folgen. Die Ehef rau ist jetzt knapp 58 Jahre alt und war seit vielen Jahren in keinem Anstellungsverhältnis mehr. Es kann daher nicht davon ausge- gangen werden, dass sie nunmehr noch eine Anstellung f indet. Ein hypothetisches Einkommen ist ihr daher nicht anzurechnen. Im Übrigen hat dies ber eits das Gerichtspräsidium Rheinfelden mit Entscheid vom 14. Februar 2012, E. 5.5, nach ausfü hrlichen Erwägungen festgestellt und auch das Obergericht des Kantons Aargau hat der Ehefra u kein Einkommen eingerechnet und festgehalten, es sei nicht glaubhaft gemacht, dass die Ehefrau für ihre Eltern Arbeiten verrichte, die über das Ausmass einer moralischen Verpflichtung von Kindern gegenüber Eltern hinaus- gehen und die Ehefrau daher nicht verpflichtet werde n könne, von ihren Eltern für die Erfüllung dieser moralischen Pflicht eine Entschädigung zu verlang en (Entscheid vom 30. April 2012, E. 4). Es kann auf die entsprechenden Erwägungen dieser Entscheide verwiesen werden. Dass sich in der Zwischenzeit der Einsatz der Ehefrau im Betr ieb ihrer Eltern verändert haben soll, hat der Ehemann nicht vorgebracht, so dass davon auszugeh en ist, dass sich die Arbeiten der Ehefrau im Betrieb ihrer Eltern noch immer im Ausmass einer moralischen Verpflichtung befin- den und sie hierfür keine Entschädigung verlangen kann. 9. Der Ehemann hat sich bereit erklärt, den Unterhaltsbeitrag von CHF 5‘673.00 weiterhin zu bezahlen. Die Ehefrau beantragt dagegen einen Unter haltsbeitrag von CHF 11‘700.00. Wie bereits unter Erwägung 4 hiervor ausgeführt wurde, lie gt ein Antrag auf Abänderung des Unter- haltsbeitrags vor und die Parteien haben veränderte Verhältnisse geltend gemacht. Die Ehefrau hat in ihrer Eingabe vom 16. Dezember 2013 an die V orinstanz insbesondere vorgebracht, der Sohn sei jetzt volljährig und in der Unterhaltsberechnu ng nicht mehr zu berücksichtigen. Weiter machte die Ehefrau für ihre Bedarfsberechnung gestiege ne Hypothekarzinse und Krankenkas- senprämien geltend. Beim Bedarf des Ehemannes hat sie d ie Positionen auswärtige Verpfle- gung, Autokosten und Autoleasing gestrichen sowie den Betrag für dessen Wohnkosten geän- dert. Den Überschuss hat sie sodann je hälftig unter de n Parteien aufgeteilt, da der Sohn in der Unterhaltsberechnung nicht mehr zu berücksichtigen sei. Der Ehemann führte bei der Vo- rinstanz in seiner Eingabe vom 18. Februar 2014 insbes ondere aus, der Sohn wohne bei der Ehefrau und absolviere eine Lehre. Der Ehefrau seien 2 /3 des Nettolehrlingslohns als Einkom- men anzurechnen, da der Sohn einen angemessenen Beitra g für Unterkunft und Verpflegung zu leisten habe. Der Ehefrau seien hierfür ab Septemb er 2013 CHF 607.00 und ab September 2014 CHF 789.00 anzurechnen. Der Ehemann hat sodann die von der Ehefrau geltend ge- machten Krankheitskosten bestritten und ihr keinen Betra g für das Auto eingerechnet. Bei sei- nem eigenen Bedarf setzte der Ehemann veränderte Betr äge für Wohnkosten, Krankenkassen- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht prämien, Arztkosten und Fahrkosten ein. Der Ehemann hat alsdann auch bei beiden Ehegatten die Steuerbeträge geändert. Ob und inwiefern die von beiden Parteien geltend gemachten ver- änderten Verhältnisse zu berücksichtigen sind und wie sich der Bedarf beider Ehegatten sowie der Unterhaltsbeitrag alsdann berechnet, bzw. ob der U nterhaltsbeitrag sodann höher als CHF 5‘673.00 ausfällt, hat die Vorinstanz nicht geprüf t. Die Vorinstanz führte in Erwägung 4.4 der Entscheidbegründung aus, die Einkommensverhältnisse d es Ehemannes hätten sich ver- schlechtert, so dass eine Abänderung des Unterhaltsbeitra gs grundsätzlich nur im Rahmen ei- ner Senkung in Betracht komme. Dieser Aussage kann sich d as Kantonsgericht nicht an- schliessen. Hat sich nämlich auch der Bedarf der Parteien aufgrund der veränderten Verhältnis- se geändert, muss ein tieferes Einkommen nicht zwingend z u einem tieferen Unterhaltsbeitrag führen. Der Bedarf der Parteien ist daher festzulegen und der Unterhaltsbeitrag konkret auszu- rechnen, um beurteilen zu können, ob dieser höher al s CHF 5‘673.00 ausfällt. Für das Einkom- men des Ehemannes kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden, wo festgehal- ten wird, dass beim Ehemann derzeit auf ein Nettoein kommen von CHF 8‘460.00 abzustellen ist und die Nettoabgangsentschädigung (nach Abzug der So zialabgaben, Steuern sowie ange- messenen Weiterbildungs-/Umschulungskosten) noch zu berechnen und pro rata für zwei Jahre hinzuzurechnen ist. Beim Einkommen der Ehefrau ist der Antrag des Ehemannes noch zu beur- teilen, wonach der Ehefrau ab September 2013 CHF 607 .00 und ab September 2014 CHF 789.00 als Einkommen anzurechnen seien, da der S ohn einen angemessenen Beitrag für Unterkunft und Verpflegung zu leisten habe. Es sind so mit sowohl hinsichtlich des Bedarfs der Ehegatten wie auch betreffend Einkommen noch verschiede ne, wesentliche Punkte zu beurtei- len. Um den Anspruch auf „double instance“ nicht zu verl etzen, entscheidet das Kantonsgericht darüber nicht originär. Vielmehr ist der Fall an die Vorinstanz zurück zu weisen, damit diese die Unterhaltsberechnung noch vornehmen und den Fall ern eut beurteilen kann. Ergänzend bleibt auszuführen, dass für vorsorgliche Massnahmen betreffend vermögensrechtlicher Belange der Ehegatten die Dispositionsmaxime gilt (Botschaft ZPO, S. 7360; T HOMAS SUTTER - SOMM /J OHANNES VONTOBEL , in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Ko mmentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. Aufl., Zürich /Basel/Genf 2013, Art. 276 N 42). Der festzulegende Unterhaltsbeitrag kann daher nicht tiefer als CHF 5‘673.00 ausfallen, da sich der Ehemann bereit erklärte, diesen Betrag zu bezahlen (A rt. 58 Abs. 1 ZPO). Dem vorinstanzli- chen Verhandlungsprotokoll vom 30. Oktober 2013 ist zu entnehmen, dass die Ehefrau damals den Antrag auf Abänderung des Unterhaltsbeitrags für die Dauer des Verfahrens stellte. Glei- chentags setzte ihr der vorinstanzliche Gerichtspräsident Fri st, um diesbezüglich schriftlich be- gründete Anträge zu stellen. Da die Ehefrau den Abä nderungsantrag am 30. Oktober 2013 stellte, ist die Neuberechnung ab 1. November 2013 vorzunehmen. 10. Abschliessend ist noch über die Verteilung der Prozesskoste n zu befinden. Grundsätzlich werden die Kosten gemäss Art. 106 ZPO der unterliegend en Partei auferlegt; hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt. Dieser Grundsatz gilt sinngemäss auch für die Rechtsmittelin stanz (BOTSCHAFT ZPO, S. 7296). Die vorstehenden Erwägungen haben gezeigt, dass der Fal l an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, um eine Neuberechnung des Unterhaltsbeitrags unte r Berücksichtigung der veränderten Verhältnisse vorzunehmen. Entsprechend diesem Ausgang des Berufungsverfahrens ist es angemessen, die Gerichtskosten den Parteien je hälftig aufzuerlegen und die Parteikosten Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht wettzuschlagen, da keine Partei obsiegt oder unterlieg t. Diese Kostenverteilung zwischen den Ehegatten ist auch in Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO angemessen. Die Gerichtsge- bühr ist in Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Gebühren der Gerichte (Gebührentarif, GebT, SGS 170.31) auf CHF 1‘400.00 festzulegen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Der Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Arlesh eim vom 12. März 2014 wird aufgehoben. Die Sache wird zur Neubeurteilu ng im Sinne der Erwägungen an das Bezirksgericht Arlesheim bzw. neu Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West zurückgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr des zweitinstanzlichen Verfahrens von CHF 1'400.00 wird den Parteien je hälftig auferlegt. Jede Partei hat ihre eigenen Parteikosten zu tragen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin Karin Arber