<h2>SubmittedText<h2><p>In mehreren Ländern ist der Zugang zu physiotherapeutischen Behandlungen ohne ärztliche Überweisung schon heute Realität (z. B. Schweden, Norwegen, Niederlanden, Grossbritannien, Kanada, Australien). Diese Physiotherapieleistungen können die Patienten über die öffentliche Gesundheitsversorgung abrechnen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Zunahme der chronischen Erkrankungen erwarten diese Länder vom Direktzugang zur Physiotherapie sehr positive Auswirkungen. Das Vermeiden von Doppelspurigkeiten im Behandlungsprozess, der Ausbau einer integrierten, patientenorientierten Versorgung sowie eine Stärkung des Selbstmanagements der Patienten sind konkrete positive Effekte des Direktzugangs. Hinsichtlich der Effizienz und der Patientenzufriedenheit konnte in mehreren Studien bereits ein erheblicher Nutzen nachgewiesen werden. Auch die Faktoren Wartezeit oder Verfügbarkeit einer medizinischen Dienstleistung werden dadurch positiv beeinflusst. Im Hinblick auf den allgemeinen Ärztemangel und die Sicherung der Grundversorgung scheint der Direktzugang zur Physiotherapie abfedernd zu wirken. Gerade in Land- oder Randregionen könnte der Direktzugang das mögliche Versorgungsangebot optimieren oder sogar erst ermöglichen</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er die Erfahrungen im Ausland?</p><p>2. Inwieweit sind diese Erfahrungen auf die Schweiz übertragbar?</p><p>3. Wurde die Umsetzung des Direktzugangs für die Schweiz bereits in Erwägung gezogen?</p><p>4. Wie könnte ein Direktzugang in der Schweiz aussehen?</p><p>5. Parallel zur Zunahme von älteren und chronisch erkrankten Personen zeichnet sich in ländlichen oder Randregionen bei der Grundversorgung und insbesondere bei den Hausärzten ein Mangel ab. Kann diese Problematik durch einen Direktzugang abgefedert und dadurch die Grundversorgung optimiert oder gesichert werden?</p><p>6. Gibt es zum Thema Direktzugang eine Einschätzung der Kantone zur Versorgungswirkung?</p><p>7. Könnten bestehende Effizienzreserven durch einen Direktzugang ausgeschöpft werden? Falls ja, welche und wie?</p><p>8. Welche Chance sieht er, dass der Direktzugang einen Beitrag zur Erreichung der Ziele gemäss Strategie "Gesundheit2020" leisten kann?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1.-3./7. Der Bundesrat hatte bereits Gelegenheit, sich zum Zugang zu Physiotherapieleistungen zu äussern. In seiner Antwort vom 12. Februar 2014 auf die Interpellation Fournier 13.4110, "Physiotherapietarif. Das Ende für selbstständige Physiotherapeutinnen und -therapeuten?" hat er festgehalten, dass er eine qualitativ gute und für die Versicherten erschwingliche Gesundheitsversorgung namentlich in der Physiotherapie befürwortet, indessen bezüglich des Zugangs zu den Leistungen der Physiotherapie kein Mangel festzustellen sei. Zum Postulat Carobbio Guscetti 12.3574, "Direkter Zugang zur Physiotherapie" hat er am 29. August 2012 festgehalten, dass die im Vorstoss genannten Gesundheitssysteme in anderen Ländern (mit Ausnahme der Niederlande) staatliche Gesundheitssysteme oder Systeme mit starker zentraler Steuerung bzw. Globalbudgets sind, und dass das schweizerische System auf dem Diagnose- und Anordnungsmodell der Ärzte und Ärztinnen basiert und Ausnahmen nur in speziellen Bereichen bestehen. Eine generelle Erleichterung des Zugangs zur Physiotherapie im System der Sozialversicherungen ist nach Ansicht des Bundesrates nicht geeignet, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen im Interesse der Optimierung der Behandlung zu verbessern. Es kann aber zu erheblichen Mehrkosten ohne gesundheitlichen Mehrwert führen. Entsprechend ist dies auch nicht für die Ausschöpfung von Effizienzreserven geeignet. In diesem Sinne nimmt der Bundesrat die Erfahrungen im Ausland zur Kenntnis, erachtet diese aber nicht als direkt übertragbar auf die Schweiz.</p><p>4./5./8. Der Bundesrat erachtet es als verfehlte Entwicklung, zusätzlichen Berufsgruppen den Zugang zur direkten Abrechnung über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) zu ermöglichen, ohne Lösungen in Bezug auf eine bessere Koordination und eine langfristige Steuerung entwickelt zu haben. Dies hat er in seiner Stellungnahme vom 23. März 2016 zum Bericht der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates vom 22. Januar 2016 zur parlamentarischen Initiative Joder 11.418, "Gesetzliche Anerkennung der Verantwortung der Pflege" festgehalten, welche eine direkte Abrechnungsmöglichkeit für Pflegefachpersonen fordert.</p><p>Vielmehr sollen - gestützt auf die bundesrätliche Strategie Gesundheit 2020 (<a href="http://www.bag.admin.ch/">www.bag.admin.ch</a> &gt; Themen &gt; Gesundheit2020) - mittels verschiedener Massnahmen Fehlanreize behoben, die Versorgungsqualität erhöht und neue Versorgungsmodelle gefördert werden, welche die Qualität der Behandlung der Patientinnen und Patienten entlang der ganzen Behandlungskette optimieren. Das Ziel dabei ist, das Schweizer Gesundheitssystem optimal auf die kommenden Herausforderungen auszurichten und gleichzeitig bezahlbar zu halten. Im Zusammenhang mit der Strategie Gesundheit 2020 hat der Bundesrat am 4. März 2016 beschlossen, mit dem Förderprogramm "Interprofessionalität im Gesundheitswesen 2017-2021" die Erarbeitung empirischer Grundlagen zur praxisnahen Weiterentwicklung der Interprofessionalität im Gesundheitswesen zu unterstützen. Ebenfalls ist in diesem Zusammenhang auf das Forum medizinische Grundversorgung hinzuweisen, welches im Herbst 2015 eingerichtet wurde. </p><p>6. Den Kantonen obliegt die Kompetenz zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung. Dem Bundesrat ist bezüglich einer Einschätzung der Kantone zur Versorgungswirkung eines Direktzugangs zur Physiotherapie nichts bekannt. In der Vernehmlassung zur obenerwähnten parlamentarischen Initiative Joder 11.418 äusserten allerdings einige Kantone Bedenken hinsichtlich einer unerwünschten präjudiziellen Wirkung unter anderem im Bereich der Physiotherapie.</p>  Antwort des Bundesrates.