B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5618/2010 U r t e i l v o m 5 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter François Badoud, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, aus Syrien, vertreten durch lic. iur. LLM Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Juni 2010 / N (…). E-5618/2010 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am 2. November 2009 in die Schweiz einreiste und am 4. November 2009 schriftlich durch seinen damaligen Rechtsvertreter sowie am 5. November 2009 mündlich im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nachsuchte, dass er anlässlich seiner schriftlichen Eingabe vom 4. November 2009, der Kurzbefragung vom 18. November 2009 im EVZ und der Anhörung vom 9. Dezember 2009 zu den Asylgründen im Wesentlichen Folgendes geltend machte, dass er ethnischer Kurde sei und aus B._______ (Provinz Al-Hassake) stamme, wo er in der Landwirtschaft und hauptsächlich als (…) gearbeitet habe, dass er aufgrund seiner Eigenschaft als Kurde und Aj anib (in Syrien re- gistrierter staatenloser Kurde) , wegen seiner Sympathie und Aktivitäten zugunsten der Yekiti-Partei und wegen eines verbal und tätlich ausgetr a- genen Streits vom Juni 2009 mit einem privaten Auftraggeber, der – wie sich herausstellen sollte – gleichzeitig einflussreicher Angehöriger des po- litischen Sicherheitsdienstes sei, behördlich verfolgt werde, dass er im Zusammenhang mit den Ereignissen vom März 2004 in K a- mishli festgenommen, gefoltert und m ehrere Monate inhaftiert sowie au f- grund einer gegen den Erlass kurdenfeindlicher Gesetzesartikel gericht e- ten Demonstrationsteilnahme vom 2. November 2008 in Damaskus be- hördlich gesucht worden sei, dass er sich aufgrund der Ereignisse vom November 2008 und vom Juni 2009 bei Verwandten versteckt gehalten und das Land schliesslich am 1. August 2009 illegal in Richtung Türkei verlassen habe , um auf dem Landweg über eine ihm unbekannte Route versteckt in die Schweiz zu gelangen, (…), dass er als Beweismittel im Verlaufe des Verfahrens seinen Führerau s- weis sowie seinen Ajanib-Ausweis (Auszug aus dem syrischen Auslä n- derregister) vorlegte, dass das BFM die Schweizer Botschaft in Damaskus am 24. Dezember 2009 um Abklärungen betreffend die Staatsbürgerschaft de s Beschwer-E-5618/2010 Seite 3 deführers, den Besitz eines Passes, die Legalität und Umstände sein er Ausreise und eine allfällige behördliche Suche nach ihm ersuchte, dass die Botschaft i n ihrem Antwortschreiben vom (…) 2010 dem BFM das Abklärungsergebnis mitteilte, wonach der Beschwerdeführer nicht sy- rischer Staatsbürger sei, keine Bewegungseinträge in den syrischen Migrationsregistern über ihn bestünden und er durch die syrischen B e- hörden nicht gesucht werde, dass der Beschwerdeführer mit fristgerecht eingereichter Stellungnahme vom 1. März 2010 die mangelhafte Methodik und Qualität der Botschaft s- anfrage beziehungsweise -antwort beanstandete, deren Nachbesserung verlangte, seine Verfolgungssituation bekräftigt e und darüber hinaus die Generierung eines objektiven Nachfluchtgrundes dur ch die Botschaftsan- frage geltend machte, dass das BFM mit Verfügung vom 29. Juni 2010 das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneinte, dessen Asylg e- such vom 5. (recte: 4.) November 2009 ablehnte sowie dessen Wegwe i- sung aus der Schweiz und den Vollzug anordnete, dass das Bundesamt seine Verfügung damit begründete, die Schilderu n- gen de s Beschwerdeführers würden den Anforderungen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) an die Glaubhaf t- machung eines Asyl beg ründenden Sachverhalts und jenen von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen, die We g- weisung sei die Regelfolge des ablehnenden Asylentscheides und der Vollzug der Wegweisung erweise sich als zulässig, zumutbar und mö g- lich, dass die Verfolgungsvorbringen deshalb in ihrem Wahrheitsgehalt zwe i- felhaft erschienen, weil der Beschwerdeführer die Festnahme und Folter vom Jahre 2004 im EVZ im Gegensatz z ur schriftlichen Eingabe vom 4. November 2009 und zur Anhörung nicht erwähnt habe und weil zudem gemäss öffentlich zugänglichen Quellen im Zusammenhang mit den d a- maligen Ereignissen nur Rädelsführer längere Zeit in Haft geblieben und die meisten anderen Festgenommen nach wenigen Tagen freigelassen worden seien, dass er ferner sein eigenes Verhalten und das Verhalten der Behörden ihm gegenüber in den Jahren nach den Ereignissen vom März 2004 so- wie den ausreiseauslösenden Vorfall (Ereignis vom November 2008 b e-E-5618/2010 Seite 4 ziehungsweise Streit vom Juni 2009) widersprüchlich und ungereimt dar- gelegt habe und er auch nicht nachvollziehbar habe erklären können, wieso er den Namen des (…) Grundbesitzers nicht kenne, dass ebenso das Ergebnis der Botschaftsabklärung gegen eine behördl i- che Suche des Beschwerdeführers spreche und die in der Stellungnahme geäusserte Kritik an der Abklärungsmethode und -qualität sowie die B e- hauptung entstandener objektiver Nachfluchtgründe haltlos seien, dass schliesslich die schwierige Lage der kurdischen Bevölkerungsmi n- derheit und die Nachteile, mit denen Ajanib in Syrien konfron tiert seien (insb. Verweigerung der Staatsbürgerschaft, weitere eingeschränkte staatsbürgerliche und gewerbliche Rechte, Schikanen, wirtschaftliche Benachteiligung) nicht von asylerheblicher Intensität seien, dass die Wegweisung die Regelfolge des ablehnenden Asylentscheides darstelle und keine hinreichenden Anhaltspunkte gegen die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges auszumachen seien, zumal eine illegale Ausreise von den syrischen Behörden lediglich als gemeinrechtli ches und mit Busse geahndetes Vergehen betrachtet werde und in Syrien derzeit keine Kriegslage oder eine Situation allg e- meiner Gewalt herrsche, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. August 2010 (und Ergän- zung vom 5. Oktober 2010) gegen diese Verfügu ng beim Bundesverwal- tungsgericht Beschwerde erhob und darin deren Aufhebung, die Rüc k- weisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen Sachverhaltsfes t- stellung und zur Neubeurteilung, eventualiter die Gewährung von Asyl un- ter Feststellung der Flüchtlin gseigenschaft, subeventualiter die Festste l- lung der Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges sowie seiner Staatenlosigkeit und schliesslich in prozessualer Hinsicht die Einräumung der Gelegenheit zur Einreichung einer detaillierten Koste n- note vor Gutheissung der Beschwerde beantragt, dass er in der Begründung vorab die vorinstanzlich erkannten Widersprü- che und Ungereimtheiten als das rechtliche Gehör und die Begründung s- pflicht verletzend bezeichnet, weil ihm vor Erlass der Verfügung keine Ge- legenheit zur Ausräumung der ihm nun vorgehaltenen Unglaubhafti g- keitselemente gewährt worden sei und die in seiner Stellungnahme vom 1. März 2010 zur Methodik und zu den Hintergründen de r Botschaftsab- klärung aufgeworfenen kritischen Fragen unbeantwortet geblieben seien, E-5618/2010 Seite 5 was eine diesbezüglich sachgerechte Beschwerde - und Beweisführung verunmögliche, dass das BFM weiter bei der Sachverhaltsfeststellung und -würdigung dem Umstand k eine Rechnung getragen habe, dass er Analphabet sei, nur eine geringe Schulbildung genossen habe und ihm als posttraum a- tisch belastungsgestörtem Folteropfer strukturierte Gedankenwiederg a- ben schwer fielen, dass das BFM zudem eine allfällige, auf den in der Sc hweiz lebenden Bruder bezogene Reflexverfolgung nicht abgeklärt habe, dass für den Fall, dass die Sache nicht an die Vorinstanz zurückgewiesen werden sollte, die erwähnten formellen Mängel vom Bundesverwaltung s- gericht zu beheben seien, dies mittels Durchführung einer weiteren Anhö- rung, Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens, weitergehende Offe n- legung der Botschaftsabklärung und Einräumung der Möglichkeit zur G e- genbeweisführung sowie mittels Abklärung einer allfälligen Reflexverfo l- gung, dass die vorinst anzlich erkannten Widersprüche und Ungereimtheiten im Übrigen durch das Foltertrauma, den Analphabetismus und die unstruktu- rierten Denkmuster erklärbar seien, die Botschaftsantwort zudem einen Nachfluchtgrund geschaffen habe und das Abklärungsergebnis ( Staaten- losigkeit, fehlender Beweis über legale Ausreise) ein starkes Glaubhafti g- keitsindiz darstelle, dass gleichsam die F eststellung einer nicht asylreleva nten Benachteil i- gung als Ajanib angesichts der genügend intensiven Schikanen, Diskrimi- nierungen und Men schenrechtsverletzungen gegenüber Angehörigen dieser sozialen Gruppe unzutreffend sei, dass sich der Beschwerdeführer in der weiteren Beschwerdebegründung gegen die vorinstanzlich festgestellte Durchführbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges wendet und dabei insbesondere die vielschichtig kritische Situation der staatenlosen Kurden in Syrien hervorhebt, dass er als Beweismittel einen vom 8. September 2010 datierenden B e- richt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) betreffend die Frage der Zuverlässigkeit von B otschaftsabklärungen in Syrien zu den Akten g ab, welcher seine diesbezüglich gemachten Beanstandungen stütze, E-5618/2010 Seite 6 dass mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. August 2010 das Spruchgremium im vorliegenden Beschwerdeverfah- ren kommuniziert, der legitime Aufenthalt des Beschwerdeführers wä h- rend des Beschwerdeverfahrens festgestellt und weitere Instruktion s- massnahmen auf einen späteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt wurden, dass der Beschwerdeführer am (…) 2011 eine Schweizer Bürgerin gehei- ratet hat und am (…) 2011 in den Besitz einer ausländerrechtlichen Auf- enthaltsbewilligung B gelangt ist, dass der Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung des Bundesverwa l- tungsgerichts vom 5. April 2011 Gelegenheit erhielt, seine Beschwerde zurückzuziehen, wobei er darauf aufmerksam gemacht wurde (Zitat:), "dass die Beschwerde somit betreffend die Wegweisung und deren Vol l- zug als gegenstandslos geworden abzuschreiben sein wird, dass sich das Bundesverwaltungsgericht gegenständlich einzig noch mit der Frage der Zue rkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewä h- rung des Asyls zu befassen haben wird, dass diesbezüglich nach einer summarischen Aktenprüfung von geringen Erfolgsaussichten der Beschwerde auszugehen ist, welche Einschätzung im Übrigen auch aus dem Umstan d ersichtlich wird, dass sich das Bu n- desverwaltungsgericht bislang nicht zur Einholung einer Vernehmlassung bei der Vorinstanz veranlasst gesehen hat, dass daher die betreffenden vorinstanzlichen Erkenntnisse gemäss Ve r- fügung vom 29. Juni 2010 (dort E. I) aller Voraussicht nach zu bestätigen sein werden und die Gegenargumente gemäss Beschwerdeschrift nicht stichhaltig erscheinen", dass der Beschwerdeführer mit fristgerecht eingegangenem Schreiben vom 19. April 2011 erklärte, an der Beschwerde betreffend Flüchtlingsei- genschaft und Asyl festhalten zu wollen, wogegen er bestätigte, dass die Beschwerde im Übrigen gegenstandslos geworden sei, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seines neu mandatierten Rechtsvertreters vom 13. Juli 2011 auf die eskalierende und von Gewalt geprägte Situation in Syrien aufmerksam macht e und aufgrund dessen das Bundesverwaltungsgericht um Einholung einer Vernehmlassung beim BFM ersuchte, E-5618/2010 Seite 7 dass das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz mit Zwischenverf ü- gung vom 17. Oktober 2013 unte r Hinweis auf die zwischenzeitlichen Veränderungen der Situation in Syrien und auf den in materieller Hinsicht auf die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl reduzierten Verfahrensg e- genstand zur Vernehmlassung bis zum 6. November 2013 einlud, dass das BFM mit Vernehmlassung vom 31. Oktober 2013 unter Verwe i- sung auf seine bisherigen Standpunkte und Erwägungen die Abweisung der Beschwerde beantragt, wobei es unter Hinweis auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Besonderen an der Recht mässigkeit der durchgeführten Botschaftsabklärung und ebenso an der Vollständigkeit und Richtigkeit des festgestellten Sachverhalts festhält, ferner die auf e i- ne Verletzung des rechtlichen Gehörs abzielenden Beanstandungen zu- rückweist, im Weiteren die gegen die Unglaubhaftigk eitserkenntnisse ge- machten Einwände als untauglich bezeichnet und insbesondere die ge l- tend gemachte posttraumatische Belastungsstörung als reine, auf B e- schwerdestufe bezeichnenderweise erstmals vorgebrachte und bislang in keiner Form erstellte Parteibehauptung betrachtet, dass für den weiteren Inhalt der protokollierten Schilderungen, der eing e- reichten Rechtsschriften und Beweismittel und der vom BFM bezi e- hungsweise vom Bundesverwaltungsgericht in der vorliegenden Sache getroffenen (Zwischen-)Entscheidungen auf die Akten zu verweisen ist, und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah- rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, E-5618/2010 Seite 8 dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG rich- tet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsw eise Änd e- rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass die Beschwerde, wie bereits mit Zwischenverfügung vom 5. April 2011 angekündigt, betreffend die Wegweisung und deren Vollzug infolge Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung B als gegen - standslos geworden abzuschreiben ist und die Beschwerdeanträge Zi f- fern 4 und 5 somit keiner Beurteilung mehr bedürfen, dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG, in Anbetracht des materiellen Ausgangs des vorliegenden Verfahrens (Kassation) und aus prozessöko- nomischen Gründen auf die Fortsetzung des Schriftenwechsels mittels Zustellung der Vernehmlassung zur Replik zu verzichten ist und diese dem Beschwerdeführer als Beilage zum vorliegenden Urteil zur Kenntnis zu bringen ist, dass die Schweiz F lüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1 AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem He imatstaat oder im Land, in dem s ie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nati o- nalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe o der wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), E-5618/2010 Seite 9 dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrs cheinlichkeit für gegeben hält, und Vorbringen insbesondere dann unglaubhaft sind, wenn sie in wesentlichen Punkten zu w enig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass das BFM in seinen Erwägungen mit überzeugender Begründung – sowohl in der angefochtenen Verfügung als auch in der Vernehmlassung – zur Erkenntnis gelangt ist, die Schilderun gen des Beschwerdeführers betreffend seine Vorfluchtgründe und die illegale Ausreise würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubha ftmachung eines Asyl be- gründenden Sachverhalts und jenen von Art. 3 AsylG an die flüchtling s- rechtliche Beachtlichkeit nicht genügen, dass auf diese Erwägungen verwiesen werden kann, darin nach Prüfung der Akten kein materielles oder formelles Beanstandungspotenzial zu er- blicken ist und die auf Beschwerdestufe vorgelegte Gegenargumentation, wie im Ansatz bereits in der Zwischenverfügung vom 5. April 2011 e r- kannt, unbehelflich ist, dass sich eingehendere Erörterungen hierzu im vorliegenden Verfahren angesichts der nachfolgenden Erwägungen erübrigen, dass rechtserhebliche Sachverhaltsveränderungen, die sich erst nach E r- gehen des angefochtenen Entscheides zugetragen haben, im Beschwe r- deverfahren zu berücksichtigen sind, dass sich im Verlaufe des Jahres 2011 in Syrien ein nahezu flächende- ckender Bürgerkrieg mit verschiedenen Beteiligten (staatliche Streitkräfte, staatsnahe Milizen, oppositionelle Kräfte und kriegführende Gruppen ) mit unterschiedlichsten politischen, ethnischen, religiösen und wirtschaftl i- chen Interessenaus richtungen und sich teilweise verändernden Verbü n- dungen entwickelt hat, der bis zum heutigen Zeitpunkt andauert, gemäss Schätzungen bislang weit über 100'000 Todesopfer gefordert hat und dessen Fort- und Ausgang weiterhin nicht vorhersehbar ist, dass die Bürgerkriegsereignisse nach anfänglicher Verschonung der nordöstlichen, hauptsächlich von Kurden bewohnten Gebiete, auch di e- sen Landesteil erfasst ha ben, wobei die Kurden politisch gespalten sind, unterschiedliche Partikularinteressen verfolgen und dementsprechend E-5618/2010 Seite 10 verschiedene und wechselnde Allianzen auch in militärischer Hinsicht eingehen, dass sich angesichts dessen eine seit Ergehen der angefochtenen Verf ü- gung eingetre tene Veränderung der Sachlage ereignet hat, die im Hi n- blick auf das Bestehen objektiver Nachfluchtgründe betreffend den keine syrische Staatsbürgerschaft besitzenden kurdischen Beschwerdeführer durchaus rechtserhebliches Potenzial bezüglich der Beurteilung seiner Flüchtlingseigenschaft aufweist, dass sich die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2013 trotz ausdrücklichem Hinweis in der Beschwerdeergänzung vom 13. Juli 2011 und speziell in der Zwischenverfügung vom 17. Oktober 2013 (dort S. 2 o ben) nicht zu den zwischenzeitlichen Veränderungen in Syrien mit Bezug auf den Beschwerdeführer geäussert hat, dass im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – der Un- tersuchungsgrundsatz gilt, das heisst, die Asylbehörde hat den rechtse r- heblichen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG), dass der S achverhalt gemäss vorinstanzlicher Verfügung und Verneh m- lassung vom 31. Oktober 2013 als rechtserheblich, jedoch aufgrund der vorstehend erwähnten Veränderungen der Lage in Syrien, als ungenü- gend erhoben zu betrachten ist, dass dieser Mangel nicht im Beschwerdeverfahren zu heilen, sondern die Sache zur vollständigen Sachverhaltserhebung und zur Wa hrung des In- stanzenzugs an das für die Feststellung des Sachverhalts primär zustä n- dige BFM zurückzuweisen ist, dass die Beschwerde dementsprechend gutzuheissen und die Dispositiv- ziffern 1 und 2 der angefochtenen Verfügung (Feststellung der Nichterfü l- lung der Flüchtlingseigenschaft und Ablehnung des Asylgesuchs) a n- tragsgemäss aufzuheben sind, dass dem BFM die vorliegenden Beschwerdeakten im Rahmen des wi e- der aufzunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens bei Bedarf jederzeit zur Verfügung stehen, E-5618/2010 Seite 11 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten aufz u- erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 - 3 VwVG), dass obsiegende Parteien grundsätzlich Anspruch auf eine Parteien t- schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismä s- sig hohen Kosten haben (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), dass in Anbetracht des Erwogenen notwendige Kosten nur im Zusa m- menhang mit der Beschwerdeerhebung als solcher und der sinngemä s- sen Geltendmachung objektiver Nachfluchtgründe infolge der bürge r- kriegsbedingten Lageveränderung in Syrien ( Beschwerdeergänzung vom 13. Juli 2011) zu erkennen sind, wogegen der weitere argumenta tive Be- schwerdeinhalt als unbegründet (betreffend formelle Rügen und Vo r- fluchtgründe) beziehungsweise als durch äussere Umstände hinfällig (Aufenthaltsbewilligung nach Heirat) erkannt worden ist, dass die durch die Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung daher ohne Einholung einer detaillierten Kostennote auf angemessene Fr. 600.– festzusetzen ist. (Dispositiv nächste Seite) E-5618/2010 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben, s o- weit sie die mit Verfügung des BFM vom 29. Juni 2010 angeordnete Wegweisung und deren Vollzug (Dispositiv Ziff. 3 – 5) betrifft. 2. Die Dispositivziffern 1 und 2 der angefochtenen Verfügung (Feststellung der Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft und Ablehnung des Asylge- suchs) werden aufgehoben und die Sache wird zur vollständigen Fes t- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM zurück gewiesen. D ie Beschwerde wird insoweit gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung von Fr. 600.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: