Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 8. Februar 2023 (810 22 86) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Baugesuch für Mehrfamilienhaus mit Autoeinstellhalle / Kognition der Rechtsmittel- instanzen / Eingliederungsgebot Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Nikla us Ruckstuhl, Markus Clausen , Jgnaz Jermann, Daniel Noll, Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführerin 1 und Beschwerdeführer 2 C.____ und D.____ , Beschwerdeführerin 3 und Beschwerdeführer 4 E.____ und F.____ , Beschwerdeführerin 5 und Beschwerdeführer 6 G.____ , Beschwerdeführer 7, alle vertreten durch Dr. Thomas P. Müller, Rechtsanwalt gegen Baurekurskommission des Kantons Basel -Landschaft , Vorinstanz H.____ , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Stefan Wirz, Advokat Einwohnergemeinde I.____ , Beigeladene Betreff Baugesuch für Mehrfamilienhaus mit Autoeinstel lhalle (Entscheid der Baurekurskommission vom 27. April 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Am 26. Juli 2019 reichte die H.____ (Baugesuchstell erin) beim Bauinspektorat Basel- Landschaft (BIT) ein Baugesuch für ein Mehrfamilienha us mit Autoeinstellhalle (Baugesuch Nr. 1178/2019) auf der Parzelle Nr. 702 in I.____ ein. B. Gegen das Baugesuch erhoben die Einwohnergemeinde I .____ sowie mehrere Eigen- tümerinnen und Eigentümer von umliegenden Grundstücken, darunter A.____, B.____, C.____, D.____, E.____, F.____ und G.____ (nachfolgend: Besc hwerdeführer 1 bis 7), alle vertreten durch Dr. Thomas P. Müller, Advokat in Basel, beim BIT Einsprachen. Während des Einspra- cheverfahrens reichte die Baugesuchstellerin am 7. Nove mber 2019 und 23. Dezember 2019 bereinigte Pläne ein. Daraufhin zogen die Einwohnergemeinde I.____ sowie einige der privaten Einsprecher ihre Einsprachen zurück. Die Beschwerdeführer 1 bis 7 hielten an ihren Einspra- chen fest. C. Mit Entscheid Nr. 084/20 vom 21. Juli 2020 wies das BIT die Einsprachen im Sinne der Erwägungen ab, soweit es darauf eintrat. Weiter erkl ärte das BIT die in den Erwägungen des Einspracheentscheids aufgeführten Auflagen als verbindlich e Bestandteile der Baubewilligung und verwies die privatrechtlichen Einsprachen an den zuständigen Zivilrichter. D. Eine von den Beschwerdeführern 1 bis 7, alle weiterh in vertreten durch Advokat Dr. Thomas P. Müller, dagegen erhobene Beschwerde wie s die Baurekurskommission mit Ent- scheid Nr. 20-045 vom 27. April 2021 ab. Die Baurekursko mmission auferlegte den Beschwer- deführern Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 450.-- und sprach der Baugesuchstellerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'528.80 zu La sten der Beschwerdeführer zu. Den Beschwerdeführern sprach die Baurekurskommission zufolge einer Verletzung des rechtlichen Gehörs eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'854.60 zu Lasten des Staa- tes zu. E. Dagegen erheben die Beschwerdeführer 1 bis 7, wied erum vertreten durch Advokat Dr. Thomas P. Müller, am 19. April 2022 Beschwerde be im Kantonsgericht, Abteilung Ver- fassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Anträgen, der Entscheid der Baure- kurskommission Nr. 20-045 vom 27. April 2021 sei aufzuhebe n, das Baugesuch abzuweisen und die Baubewilligung zu verweigern. Eventualiter sei das Verfahren an die Baubewilligungs- behörde zurückzuweisen, unter o/e-Kostenfolge. F. Die Baugesuchstellerin schliesst mit Vernehmlassung vom 24. August 2022 auf Abwei- sung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. G. Mit Vernehmlassung vom 9. September 2022 beantragt das BIT unter Verweis auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Stellu ngnahmen der kantonalen Fachstellen die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Ergänzend formulierte das BIT neue Auflagen zur Baubewilligung. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Mit Replik vom 21. September 2022 beantragen die B eschwerdeführer zusätzlich sub- eventualiter, die Baubewilligung sei unter Auflagen zu gewähren. Sub-subeventualiter sei das Verfahren zur Festlegung ergänzender Auflagen an die Baubewilligungsbehörde zurückzuwei- sen. I. Mit Duplik vom 1. Oktober 2022 macht die Baugesuchste llerin geltend, die neu gestell- ten Anträge seien allesamt abzuweisen, soweit auf sie überhaupt einzutreten sei. J. Das Kantonsgericht hat heute einen Augenschein mit anschliessender Parteiverhand- lung durchgeführt, an welcher die Parteien vollumfäng lich an ihren in den Rechtsschriften ge- stellten Rechtsbegehren festhielten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 134 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugeset zes (RBG) vom 8. Januar 1998 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über di e Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entschei de der Baurekurskommission durch die Betroffenen und die Gemeinden beim Kantonsg ericht angefochten werden. Die Zu- ständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der Beschwerde ist somit gegeben. 1.2.1 Die Beschwerdegegnerin bestreitet die Beschwerde legitimation der Beschwerdeführer 5 bis 7 in Bezug auf die erhobenen Rügen der Gefährdung der Verkehrssicherheit und der Bau- rechtswidrigkeit der Garageneinfahrt, weil die Legitim ation diesbezüglich einzig durch den an- geblichen Sichtkontakt begründet werde. 1.2.2 Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. a des Bundesgesetzes übe r die Raumplanung (RPG) vom 22. Juni 1979 hat das kantonale Recht die Legitimation zur Erhebung eines Rechtsmittels ge- gen Verfügungen und Nutzungspläne, die sich auf das R PG und seine kantonalen und eidge- nössischen Ausführungsbestimmungen stützen, mindestens im g leichen Umfang wie für die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten a n das Bundesgericht zu gewährleisten. Wer zur Beschwerde an das Bundesgericht berechtigt ist, m uss sich am Verfahren vor allen kantonalen Vorinstanzen als Partei beteiligen können ( Art. 111 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG] vom 17. Juni 2005). Die unmittelbare Vorinstanz des Bundesge- richts muss zudem grundsätzlich mindestens die Rügen nach de n Art. 95-98 BGG prüfen kön- nen (Art. 111 Abs. 3 BGG). Daraus folgt, dass die kanton alen Behörden die Rechtsmittelbefug- nis nicht enger fassen dürfen, als dies für die Beschwerde an das Bundesgericht vorgesehen ist. Zur Beurteilung, ob das Kantonsgericht die Beschwer deführer von der Beschwerde aus- schliessen darf, ist demgemäss die Beschwerdeberechtigung nach den Grundsätzen von Art. 89 Abs. 1 BGG zu prüfen (vgl. zum Ganzen: Urtei l des Bundesgerichts 1C_133/2008 vom 6. Juni 2008 E. 2.1). 1.2.3 Zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angeleg enheiten ist nach Art. 89 Abs. 1 BGG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilg enommen hat oder keine Möglichkeit zur Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Teilnahme erhalten hat (lit. a); durch den angefochte nen Entscheid oder Erlass besonders be- rührt ist (lit. b); und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (lit. c). Nach kantonalem Recht sind gemäss § 47 Abs. 1 VPO zur Beschwerde befugt, wer durch die angefochtene Verfügung oder den angefochten en Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung hat (lit. a); jede andere Person, Or- ganisation oder Behörde, die durch besondere Vorschrift zur Beschwerde ermächtigt ist (lit. b) und die vollziehende Behörde der Gemeinde bei Verfügu ngen und Entscheiden letztinstanzli- cher Verwaltungsbehörden des Kantons (lit. c). 1.2.4 Die Behauptung allein, jemand sei von den Folge n eines Bauvorhabens betroffen, ge- nügt nicht, um die Beschwerdebefugnis zu begründen. Viel mehr muss aufgrund des konkreten Sachverhalts das besondere Berührtsein und das schutzwürdi ge Interesse glaubhaft erschei- nen, ansonsten stünde jedermann die Beschwerdeberechtig ung zu, der eine unzutreffende Be- hauptung aufstellt. Dies liefe im Ergebnis auf eine un zulässige Popularbeschwerde hinaus. Ein Kriterium für die Beurteilung der Beschwerdebefugnis eines Nachbarn ist die räumliche Nähe seines Grundstücks zum umstrittenen Bauvorhaben, wobei es nicht auf abstrakt bestimmte Dis- tanzwerte ankommt. Das Beschwerderecht wird aber in der Regel anerkannt, wenn die Liegen- schaft des Nachbarn unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen Verkehrsträger davon getrennt wird (vgl. Urteil des Bun desgerichts 1C_236/2010 vom 16. Juli 2010 E. 1.4, mit Hinweisen). Das Bundesgericht anerken nt die Legitimation von Nachbarn bis zu einem Abstand von 100 Metern in der Regel ohne wei tere Abklärungen; bei grösseren Ab- ständen muss eine Beeinträchtigung aufgrund der konkreten Gegebenheiten glaubhaft gemacht werden (BGE 140 II 214 E. 2.3, mit Hinweisen). 1.2.5 Liegt diese besondere Beziehungsnähe in räumlicher Hinsicht vor, braucht nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung das Anfechtungsintere sse nicht mit dem Interesse über- einzustimmen, das durch die von den beschwerdeführenden Personen als verletzt bezeichne- ten Normen geschützt wird. Die Nachbarn können mithin die Überprüfung eines Vorhabens im Lichte all jener Rechtssätze verlangen, die sich rechtlich oder tatsächlich in dem Sinne auf ihre Stellung auswirken, dass ihnen im Falle des Obsiegens ei n praktischer Nutzen entsteht (BGE 141 II 50 E. 2.1; vgl. ebenso zum früheren Recht: Urt eil des Verwaltungsgerichts Basel-Land- schaft vom 14. Juni 1978, in: Schweizerisches Zentralblat t für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBL] 80/1979 S. 496 ff.; Urteil des Verwaltungsgerich ts Basel-Landschaft vom 13. Februar 1980, E. 1, in Basellandschaftliche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVGE] 1980 S. 158). Nicht zulässig ist demgegenüber das Vorbringen von Beschwerdegrü nden, mit denen einzig ein all- gemeines öffentliches Interesse an der richtigen Anwendu ng des Rechts verfolgt wird, ohne dass den Beschwerdeführern im Falle des Obsiegens ein V orteil entsteht (BGE 133 II 249 E. 1.3.2). Das Element des praktischen tatsächlichen Nut zens bildet somit ein wichtiges Eintre- tenskriterium, mit welchem ein "Ausufern" der Beschwerde möglichkeiten verhindert werden kann. Unzulässig ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine rügebezogene Beurtei- lung der Legitimation, indem einzelne Vorbringen de r Beschwerdeführer materiell geprüft wür- den, in Bezug auf andere erhobene Rügen die Legitim ation der Beschwerdeführer jedoch ver- neint würde. Mit einer derartigen rügespezifischen Beu rteilung würden Beschwerdelegitimation und -gründe vermengt (vgl. BGE 137 II 30 E. 2.3 mit Hinweisen). Sind die Voraussetzungen der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdelegitimation nach § 47 VPO bzw. nach Art. 89 BGG gegeben, sind die Beschwer- deführer mit sämtlichen der in § 45 VPO bzw. Art. 95 f f. BGG aufgeführten Rügen zum Verfah- ren zuzulassen, wenn ihnen durch die Gutheissung der Beschwerde ein praktischer Nutzen ent- stehen würde (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilun g Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 28. Januar 2015 [810 13 396/398], E. 1 .3.6; BGE 141 II 50 E. 2.1; BGE 137 II 30 E. 2.2.3 f.). 1.2.6 Die Beschwerdeführer 1 und 2 sind Eigentümer de r Parzelle Nr. 1393, GB I.____, wel- che unmittelbar an die Bauparzelle Nr. 702 grenzt. Di e Beschwerdeführer 3 und 4 sind Eigen- tümer der ebenfalls an das Baugrundstück Nr. 702 angren zenden Parzelle Nr. 701, GB I.____. Die Beschwerdeführer 5 und 6 sind Eigentümer der Parz elle Nr. 712, GB I.____, die nur durch die J.____strasse von der Bauparzelle getrennt wird. Di e Parzelle Nr. 699, GB I.____, die sich im Eigentum des Beschwerdeführers 7 befindet, grenzt ni cht direkt an das Baugrundstück an, sie befindet sich allerdings in einer Distanz von bloss ru nd 20 Metern und in Sichtweite davon. Folglich ist die Beschwerdelegitimation aller Beschwerdeführer gegeben. 1.3.1 Die Beschwerdegegnerin bestreitet weiter die Z ulässigkeit der Ergänzung der Rechts- begehren (Subeventual- und Sub-Subeventualanträge) durch die Beschwerdeführer, weil diese Anträge erst im Rahmen der Replik – und damit verspäte t – gestellt worden seien. 1.3.2 Im Verfahren der nachträglichen Verwaltungsrech tspflege gilt als Streitgegenstand das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet, in dem Umfang, in dem es im Streit liegt. Beschwerdebegehren, die neue, in der angefochtenen Verfügung nicht gere- gelte Fragen aufwerfen, überschreiten den Streitgege nstand und sind deshalb unzulässig. Rechtsverhältnisse, über welche die Vorinstanzen nicht entschieden haben und über welche sie nicht entscheiden mussten, dürfen durch die Rechtsmittel instanz nicht beurteilt werden, da sie sonst in die funktionelle Zuständigkeit der Vorinstanzen eingreifen würde (BGE 136 II 457, E. 4.2; A LFRED KÖLZ /I SABELLE HÄNER /M ARTIN BERTSCHI , Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, 2013, N 687 ff.). § 6 Abs. 1 VPO sieht dementspre- chend vor, dass die Parteien die Anträge, die sie im vor instanzlichen Verfahren zur Sache ge- stellt haben, zwar einschränken, nicht aber ausdehnen ode r inhaltlich verändern können. Hin- gegen sind die Parteien befugt, ihre rechtliche Begrü ndung zu ändern, soweit der Zusammen- hang zum Streitgegenstand gewahrt bleibt. Nach § 6 Ab s. 2 VPO können die Parteien neue tatsächliche Behauptungen und Beweismittel bis zur geri chtlichen Beurteilung vorbringen, so- fern ihnen dies unverschuldet nicht früher möglich war. Verspätete Vorbringen werden aus dem Recht gewiesen. 1.3.3 Indessen sind sowohl das nichtstreitige Verwaltungsver fahren wie auch die kantonalen Beschwerdeverfahren von der Untersuchungsmaxime beherrscht. Diese besagt, dass die Be- hörden und Rechtsmittelinstanzen von sich aus für die rich tige und vollständige Abklärung des entscheidwesentlichen Sachverhalts besorgt sein müssen. Sie können und sollen aus eigener Initiative fehlende Sachverhaltselemente ergänzen und die Beweislage vervollständigen (vgl. MICHAEL PFEIFER , Der Untersuchungsgrundsatz und die Offizialmaxime im V erwaltungsverfah- ren, 1980, S. 105). Im basellandschaftlichen Recht wird der Untersuchungsgrundsatz für das Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht verwaltungsinterne Verfahren sowie das Verfahren vor de r Baurekurskommission in § 9 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 statuiert. Für das kantons- gerichtliche Beschwerdeverfahren wird in § 12 Abs. 1 V PO festgelegt, dass das Kantonsgericht die für den Entscheid wesentlichen Tatsachen von Amtes w egen festzustellen hat und in der Beweiswürdigung frei ist. Die präsidierende Person un d das Gericht können von sich aus oder auf Antrag und unter Mitteilung an die Parteien die Akten ergänzen, Erhebungen und Augen- scheine vornehmen sowie Sachverständige und Zeugen bzw. Zeuginnen anhören (§ 12 Abs. 2 VPO). § 16 Abs. 1 VPO statuiert sodann, dass das Gericht, bevor es entscheidet, alle erhebli- chen Vorbringen der Parteien würdigt. Nach § 16 Abs. 2 VPO wendet das Gericht das Recht von Amtes wegen an. 1.3.4 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführer erstmal s im Rahmen der Replik im kan- tonsgerichtlichen Beschwerdeverfahren subeventualiter beantragen, die Baubewilligung sei un- ter Auflagen – diese entsprechen inhaltlich weitestge hend den vom BIT in der Vernehmlassung vom 9. September 2022 formulierten Auflagen – zu gewä hren. Sub-subeventualiter beantragen die Beschwerdeführer ebenfalls im Rahmen der Replik, das Verfahren sei zur Festlegung er- gänzender Auflagen an die Baubewilligungsbehörde zurück zuweisen. Diese ergänzenden An- träge stellen weder eine Ausdehnung noch eine inhaltliche Veränderung der Rechtsbegehren in Sinne von § 6 Abs. 1 VPO dar. Vielmehr sind diese Sube ventualanträge auf Gewährung der Bewilligung unter Auflagen bzw. auf Rückweisung an das BIT im ursprünglich gestellten Haupt- antrag auf vollumfängliche Verweigerung der Baubewilligung mitenthalten. Weiter ist diesbezüg- lich zu berücksichtigen, dass die in der Replik gestellten An träge der Beschwerdeführer auf dem vom BIT neu eingeholten Bericht der Fachstelle Na tur- und Landschaftsschutz (Fachstel- le NL) vom 26. Juli 2022 beruhen. Dieser Fachbericht wu rde erstmals im kantonsgerichtlichen Beschwerdeverfahren vom BIT zusammen mit der Vernehmlas sung vom 9. September 2022 ins Verfahren eingebracht. Im Rahmen dieses Berichts nah m die Fachstelle NL erstmals zum Bauprojekt Stellung und verlangte entsprechende Auflagen für die Baubewilligung. Diese Aufla- gen formulierte das BIT im Rahmen seiner Vernehmlassun g und beantragte, das Baugesuch mit den zusätzlichen Auflagen als bewilligungsfähig fre izugeben. Da sich die Beschwerdeführer somit nicht früher auf den Bericht der Fachstelle NL u nd die daraus resultierenden Auflagen berufen konnten und die Auflagen vom BIT und nicht von den Beschwerdeführern in das Ver- fahren eingebracht wurden, liegt auch kein verspätetes Vorbringen im Sinne von § 6 Abs. 2 VPO vor. Die entsprechenden Anträge sind daher nicht aus dem Recht zu weisen. 1.4 Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen er füllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten und die von den Beschwerdeführern gegen da s Baugesuch erhobenen Einwände sind nachfolgend zu prüfen. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Kantonsge- richts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschrän kt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüf en bzw. zu prüfen, ob die Vorinstanz ein allfälliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob diese den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgeste llt hat. Die Überprüfung der Angemes- senheit des angefochtenen Entscheids der Baurekurskommissi on ist dem Kantonsgericht da- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). D emgegenüber ist es grundsätzlich Aufga- be der Gerichte, unbestimmte Rechtsbegriffe im Einzelf all auszulegen und zu konkretisieren. Die Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe hat im Rahme n der Rechtsanwendung von Amtes wegen mit umfassender Kognition zu erfolgen. Erst wenn die Gesetzesauslegung ergibt, dass der Gesetzgeber mit einer offenen Normierung der Ve rwaltung oder der Gemeinde eine ge- richtlich zu respektierende Entscheidungsbefugnis und gew isse Beurteilungsspielräume ein- räumen will, hat sich das Gericht bei seiner Überprüfung zurückzuhalten. Die Zurückhaltung bei der Überprüfung von Ermessensentscheiden zur Wahrung der Gemeindeautonomie darf jedoch nicht so weit gehen, dass sich Rechtsmittelbehörden auf ei ne Willkürprüfung beschränken, weil eine solche Beschränkung mit der Rechtsweggarantie gemäs s Art. 29a der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 und bei Anwendung von Vor- schriften des Raumplanungsgesetzes mit Art. 33 Abs. 3 l it. b RPG nicht vereinbar wäre (vgl. ausführlich zur Überprüfung von kommunalen Einordnungsentscheiden: BGE 145 I 52 E. 3). 3.1 Die Beschwerdeführer machen eine formelle Rechtsve rweigerung aufgrund einer unzu- lässigen Kognitionsbeschränkung geltend, weil das BIT die sich aus den kommunalen Ästhetik- vorschriften ergebenden Voraussetzungen für die Erteilung der Baubewilligung nicht selbst ge- prüft habe. Das BIT habe im Rahmen des vorinstanzliche n Verfahrens bestätigt, dass es zum Eingliederungsgebot keine eigene Beurteilung vorgenom men habe und nur bei einer offen- kundig rechtsfehlerhaften oder willkürlichen Rechtsanwendung der Gemeinde eingreifen würde, was vorliegend verneint worden sei. Die Vorinstanz ha be dazu ausgeführt, dass diese Praxis des BIT in neueren Entscheiden grundsätzlich akzeptiert wo rden sei; auch das Kantonsgericht habe "diesbezüglich in mehreren Fällen nicht explizit eine Rechtsverletzung erkannt". Konkrete Belege für diese angebliche Praxis führe die Vorinstanz indessen nicht an und die von der Vor- instanz als Begründung angeführte Gemeindeautonomie ge he fehl. Das BIT sei als Baubewilli- gungsbehörde für die Beurteilung von Baugesuchen zust ändig und habe keine Kompetenz, seine Entscheidung inhaltlich an die Gemeinde bzw. den Gemeinderat zu delegieren. Unabhän- gig von der gerügten Rechtsverweigerung müsse der ang efochtene Entscheid indessen aufge- hoben werden, weil sich der Gemeinderat nicht mit der erforderlichen Prüfungsdichte mit den Voraussetzungen des Eingliederungsgebots auseinandergesetzt habe. Vorliegend sei eine Hei- lung der formellen Rechtsverweigerung dieses gravierende n Verfahrensmangels ausgeschlos- sen, weil die Vorinstanz, welche den Mangel im Verfah ren vor dem BIT hätte heilen müssen, jeglichen Verfahrensmangel verneint habe. Dazu komme, dass die Vorinstanz die gerügte Pra- xis der Kognitionsbeschränkung auch für ihr eigenes Verfahren übernommen habe. 3.2.1 Nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien im verwal tungs- sowie im verwaltungsgerichtlichen Verfahren Anspruch auf rechtliches Gehör. Dazu gehört, dass die Behörde alle erheblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Parteien würdigt und die ihr angebotenen Beweise abnimmt, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. E ine formelle Rechtsverweigerung im Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV liegt vor, wenn eine B ehörde auf eine ihr frist- und formgerecht unterbreitete Sache nicht eintritt bzw. diese nicht b ehandelt, obschon sie darüber befinden müsste (BGE 135 I 6 E. 2.1). Sodann begeht eine Behör de unter anderem dann eine formelle Rechtsverweigerung (im Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV), w enn sie die ihr zustehende Kognition Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht ausschöpft oder sich mit den ihr vorgebrachten Rügen nicht auseinandersetzt, wobei sich diesfalls eine Überschneidung mit dem Anspruch auf rec htliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV ergeben kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_760/2021 vom 24. Januar 2023 E. 4.2). 3.2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur und führt daher in der Regel ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fä lle, in denen die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht besonders schwer wiegt und dadur ch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Re chtsmittelinstanz äussern kann, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei übe rprüft (KGE VV vom 13. Dezember 2017 [810 17 75] E. 3.2.2); zudem dürfen dem Betrof fenen daraus keine Nachteile erwachsen (BGE 135 I 279 E. 2.6; BGE 138 III 225 E. 3.3). Unt er dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei ei ner schwerwiegenden Verletzung des An- spruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörun g gleichgestellten) Interesse der betrof- fenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit Hinweisen; BGE 132 V 387 E. 5.1; BGE 133 I 201 E. 2.2). 3.2.3 Während Bauten ausserhalb der Bauzonen weitgehe nd der Bund regelt (vgl. Art. 16 ff. und Art. 24 ff. RPG), liegen die Regelungsbefugnisse für Bauten innerhalb der Bauzonen grund- sätzlich bei den Kantonen bzw. bei den Gemeinden (vgl. A rt. 22 Abs. 3 und Art. 23 RPG). Ihre Aufgabe ist es unter anderem, mit Massnahmen der Raumpl anung die Siedlungsentwicklung nach innen zu lenken, unter Berücksichtigung einer ange messenen Wohnqualität (vgl. Art. 1 Abs. 2 lit. a bis RPG), kompakte Siedlungen zu schaffen (vgl. Art. 1 Abs. 2 lit. b RPG) und die Siedlungen nach den Bedürfnissen der Bevölkerung zu gestalten (vgl. Art. 3 Abs. 3 RPG). Kan- tonale oder kommunale Normen über städtebauliche Aspekt e von Bauprojekten sind daher re- gelmässig Ausfluss der originären kantonalen bzw. kommunalen Rechtsetzungskompetenz (vgl. BGE 117 Ib 147 E. 2d/cc; Urteil des Bundesgerichts 1C_670/2021 vom 5. April 2022 E. 4.2). 3.2.4 Bei der Anwendung kommunalen Rechts durch die kan tonalen Behörden kann die Ge- meindeautonomie in Frage stehen. Art. 50 Abs. 1 BV g ewährleistet die Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen Rechts. Nach der Praxis des Bun desgerichts sind Gemeinden in einem Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte Autonomiebereich kann sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener kommunaler Vorsch riften beziehen oder einen ent- sprechenden Spielraum bei der Anwendung kantonalen ode r eidgenössischen Rechts betref- fen. Der Schutz der Gemeindeautonomie setzt eine solche nicht in einem ganzen Aufgabenge- biet, sondern lediglich im streitigen Bereich voraus. I m Einzelnen ergibt sich der Umfang der kommunalen Autonomie aus dem für den entsprechenden Ber eich anwendbaren kantonalen Verfassungs- und Gesetzesrecht (BGE 145 I 52 E. 3.1; BGE 141 I 36 E. 5.3 mit Hinweisen). Die Gemeindeautonomie beinhaltet auch Schutz gegen unri chtige Anwendung von kommunalem Recht durch kantonale Behörden. Dieser Schutz ist je nach den der übergeordneten Behörde Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht zustehenden Befugnissen unterschiedlich (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Basel-Landschaft vom 7. Januar 1981 E. 3.a., in: BLVGE 1981 S. 58 f.). 3.2.5 In den meisten Kantonen sind die Gemeinden für die erstinstanzliche Erteilung der Baubewilligung und damit auch für die Anwendung des kommunalen Rechts zuständig (vgl. BEAT STALDER /N ICOLE TSCHIRKY in: Griffel/Liniger/Rausch/Thurnherr [Hrsg.], Fachhandbuch Öf- fentliches Baurecht, 2016, Rz. 2.27; P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Um- weltschutzrecht, 7. Auflage, 2022, S. 373). Demgegenüb er ist im Kanton Basel-Landschaft ge- mäss § 118 RBG grundsätzlich eine kantonale Behörde – d as BIT – erstinstanzlich für die Prü- fung eines Baugesuchs zuständig. Die vom Bundesgericht en twickelten Grundsätze zur Ge- währleistung der Gemeindeautonomie können deshalb nich t ohne weiteres für das baselland- schaftliche Baurecht Geltung haben, da die Gemeinden im Rahmen des Baubewilligungsver- fahrens – mit Ausnahme des sog. kleinen Baubewilligung sverfahrens gemäss § 92 ff. der Ver- ordnung zum Raumplanungs- und Baugesetz (RBV) vom 27. O ktober 1998, das in ihren Zu- ständigkeitsbereich fällt – ihr eigenes Recht nicht se lbst anwenden. Sie sind gemäss § 118 Abs. 3 RBG nur dann zur Erteilung der Baubewilligung zuständig, wenn ihnen diese Kompetenz auf entsprechendes Gesuch hin übertragen wurde. Von dieser Möglichkeit hat jedoch bisher nur die Gemeinde Reinach Gebrauch gemacht. Baugesuche aus allen anderen 85 Gemeinden wer- den vom BIT behandelt und entschieden, welches das Bau gesuch daraufhin zu überprüfen hat, ob es sowohl den Vorschriften des kantonalen wie auch de s kommunalen Rechts entspricht. Aus diesem System ergibt sich, dass das BIT im Normalfall an keinen Entscheid der Gemeinde- behörden gebunden ist, sondern eine Stellungnahme de r Gemeinde zum Baugesuch zu würdi- gen hat. Das BIT hat daher das Recht mit Einschluss der Ermessensausübung grundsätzlich frei anzuwenden (vgl. dazu auch Urteil des Verwaltungsgerichts Basel-Landschaft vom 7. Janu- ar 1981 E. 3.a., in: BLVGE 1981 S. 59). Trotzdem kann einer Gemeinde, die eigene selbständi- ge (Ästhetik-)Normen bzw. Vorschriften erlassen hat, aufgr und der Gemeindeautonomie auch bei der Auslegung und Anwendung dieser Normen ein ge wisser Beurteilungsspielraum zuste- hen. Ein derartiger Beurteilungsspielraum kann der Ge meinde selbst dann zustehen, wenn sie nicht selber Bewilligungsbehörde ist, sondern sich als Verfahrensbeteiligte auf die entsprechen- de Auslegung beruft (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_ 484/2016 vom 28. Juni 2017 E. 2.1.2). Die auszulegenden kommunalen Vorschriften müssen aber, um selbständige Bedeutung zu ha- ben, die allgemeinen Anforderungen des kantonalen Re chts konkreter fassen und dürfen sie nicht nur allgemein anders umschreiben (vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichts Bern VGE.100.2008.23254 vom 26. Februar 2009 E. 5.2, in: Bernische Verwaltungsrechtsprechung [BVR] 2009 S. 333). Zudem muss die Gemeinde darlegen, welche Erwägungen für ihre Ein- schätzung massgeblich waren und dass mit Blick auf die Gru ndsätze der Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit eine kommunale Praxis existiert. Bei u ngenügender Begründung durch die Gemeinde muss nicht auf die kommunale Auslegung Rücksicht genommen werden. Im Rah- men des Einspracheentscheids hat das BIT begründet darzul egen, ob der Gemeinde im kon- kreten Fall ein Beurteilungsspielraum zusteht und ob das Projekt bewilligungsfähig erscheint. 3.3.1 Nicht gefolgt werden kann dem BIT somit, wenn es ausführt, die Gemeinde sei die für die Beurteilung des Eingliederungsgebots nach Ziff. 21 .1 des Zonenreglements Siedlung der Einwohnergemeinde I.____ (ZRS) vom 10. April 2003 zu ständige Behörde. Vielmehr hätte das Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht BIT auch zur Frage der genügenden Einpassung der geplanten Baute in die Umgebung eine ei- gene Beurteilung vornehmen müssen, gegebenenfalls unter Berücksichtigung der entsprechen- den Stellungnahme der Gemeinde. Indem sie dies nicht e xplizit getan hat, erweist sich der Ein- spracheentscheid insoweit als mangelhaft. Indes ergibt si ch aus dem Einspracheentscheid des BIT – wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat – zu mindest konkludent, dass das BIT mit der Übernahme der positiven Stellungnahme der Gemein de zur Frage der Eingliederung deren Einschätzung für richtig hielt und teilte. Unter diesen Voraussetzungen erscheint der Mangel des Einspracheentscheids nicht derart schwerwiegend, dass eine Heilung ausser Betracht fiele. 3.3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer ergi bt sich aus dem vorinstanzlichen Entscheid nicht, dass sie die monierte Kognitionsbeschrä nkung auch für das eigene Beschwer- deverfahren übernommen hätte. Vielmehr hat die Vori nstanz, welche ihrerseits einen Augen- schein durchgeführt und in der Folge als Beschwerdeinsta nz mit voller Kognition über die Be- schwerde entschieden hat, einlässlich begründet, weshalb d as Eingliederungsgebot aus ihrer Sicht vorliegend nicht verletzt sei. Damit ist der Mang el des Einspracheentscheids im vorin- stanzlichen Verfahren geheilt worden. 4.1 Die Beschwerdeführer vertreten die Auffassung, das Bauprojekt verletze das Verun- staltungsverbot und das Eingliederungsgebot gemäss § 104 RBG, § 7 des kantonalen Geset- zes über den Denkmal- und Heimatschutz (DHG) vom 9. Apri l 1992 und Ziff. 21.1 ZRS. Das Bauprojekt sei vom Bemühen gekennzeichnet, die formelle n Grenzen der Zonenvorschriften auszuschöpfen, um ein wirtschaftlich möglichst optimiertes Projekt zu realisieren. Jedes Bau- vorhaben unterliege der ästhetischen Beurteilung und di e Ästhetikvorschriften seien nicht von vornherein eingehalten, wenn die Bauvorschriften respekt iert würden. Das Baugrundstück be- finde sich innerhalb eines organisch gewachsenen Quart iers, das durch zahlreiche homogene Häuser geprägt sei, die aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammten. Demgegenüber sei das Bauprojekt einerseits geprägt durch ein Flachdach mit Attikageschoss und andererseits durch die wuchtige Fassade mit einer Gesamthöhe von rund 12 Metern. Dies sei quartierfremd und widerspreche dem Eingliederungsgebot. Das Baupro jekt, welches optisch als fünfgeschos- siger Flachdachbau in Erscheinung trete, zerstöre den Cha rakter des historisch gewachsenen Quartiers und verletze dadurch das Eingliederungsgebot. 4.2 Die Vorinstanz wies auf die Besonderheit hin, das s die östliche Seite der J.____strasse in einer Wohn- und Geschäftszone 2 (WG2-Zone) liege, wogegen die westliche Strassenseite, auf welcher das Bauprojekt liege, zur WG3-Zone zähle. Auch wenn am Augenschein durchaus eine gewisse Homogenität der Häuser, insbesondere hin sichtlich der weit verbreiteten Mansar- dendächer, habe wahrgenommen werden können, hätten si ch auch in unmittelbarer Nähe teil- weise deutliche Grössenunterschiede gezeigt. Auf der Ostseite seien vorwiegend ein- und zwei- geschossige Häuser mit Kuben ähnlicher Grösse und Satte ldächern anzutreffen. Demgegen- über bestünden auf der Westseite unterschiedliche Bauvol umen, wobei insbesondere die Par- zelle Nr. 705 sowie das Gebäude auf der Parzelle Nr. 4 314 mit einem Flachdach zu nennen seien. Bei der Betrachtung des Bauprojekts sei zunächst a uf die starke Gliederung des Gebäu- des hinzuweisen, weshalb nie das gesamte Volumen wahrge nommen werde. Dadurch wirke das Gebäude vermittelnd zwischen den kleineren und grös seren Gebäuden in der Nachbar- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaft. Dies trage dazu bei, dass sich der Neubau in die Umgebung integriere, worauf die Ge- meinde zutreffend hingewiesen habe. Im Übrigen sei hinsichtlich der Gestaltung festzuhalten, dass das Bauprojekt auch mit der Farbwahl und der Gestal tung der Fenster auf die umliegen- den Häuser Bezug nehme. Sodann erfolge die Platzieru ng des Gebäudes in der Mitte der Par- zelle und somit nicht, wie sonst auch üblich, mit mini malen Grenzabständen. Auf diese Weise könne der Rand der Parzelle und somit der Baumbestand g eschont werden. Die Projektverfas- ser hätten der Umgebungsgestaltung offensichtlich einen grossen Stellenwert eingeräumt, was im Hinblick auf die das Strassenbild der J.____strasse prägenden Gärten und Vorgärten eben- falls positiv zu werten sei. Zusammenfassend handle es sich um ein im Hinblick auf die vorherr- schenden Bauvolumen heterogenes Quartier, dies aufgrun d der Tatsache, dass die beiden Strassenseiten unterschiedlichen Zonen zugehörten, wes halb das Eingliederungsgebot in casu weniger stark wirke. Zudem gehe der in Ziff. 21.1 ZR S verwendete Begriff "befriedigende Ge- samtwirkung" weniger weit als Ästhetikvorschriften in an deren Gemeinden, in denen eine gute Eingliederung verlangt werde. Unter diesen Voraussetzungen und mit Blick auf die massgeben- den Pläne sei die Eingliederung des strittigen Baupro jekts als befriedigend anzusehen. Weiter kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die Bemühungen der Baugesuchstellerin erkennbar sei- en, das Projekt an die bestehenden Gebäude so gut wie m öglich anzupassen. Das BIT habe sodann unter Verweis auf die Stellungnahme der kantona len Denkmalpflege zu Recht festge- stellt, dass kein wertvolles Orts- oder Landschaftsbild v orliege. Der Beschwerdepunkt betref- fend fehlende Eingliederung sei folglich abzuweisen. 4.3.1 Die Ästhetikvorschriften bezwecken den Schutz des Landsch afts-, Orts-, Quartier- und Strassenbildes, der historischen Stätten sowie der Natu r- und Kunstdenkmäler. Sie sind zu- meist in Form einer Generalklausel umschrieben. Bauten und Anlagen dürfen gemäss der in al- len kantonalen Baugesetzen zu findenden Generalklausel n diese Schutzobjekte weder verun- stalten noch erheblich beeinträchtigen; sie sollen sich so in die Umgebung eingliedern, dass eine gute Gesamtwirkung entsteht (vgl. H ÄNNI , a.a.O., S. 353 f.). Neben den Generalklauseln können aber auch spezifische Vorschriften bezüglich einzeln er Gestaltungselemente der Bau- ten wie Bauart, Material und Farbe bestehen (vgl. H ÄNNI , a.a.O., S. 355). Die Verunstaltungs- und Beeinträchtigungsverbote sowie die Eingliederungs gebote kommen entsprechend ihrer Natur als Generalklauseln nur subsidiär zu den detaillier ten Regelungen zum Zuge. Umgekehrt können sie aber auch dann angerufen werden, wenn alle anderen Bauvorschriften eingehalten sind. In diesem Fall darf ihre Anwendung jedoch nicht dazu führen, dass generell die Zonenord- nung aus den Angeln gehoben wird (H ÄNNI , a.a.O., S. 353 f.; A LEXANDER REY , in: Grif- fel/Liniger/Rausch/Thurnherr [Hrsg.], Fachhandbuch Öffen tliches Baurecht, 2016, Rz. 3.468). Die Ausnutzung der maximalen Baumasse entspricht grundsätzli ch einem öffentlichen Interes- se, da die schweizerische Raumordnungspolitik das wichtig e Ziel verfolgt, die Siedlungsent- wicklung zur haushälterischen Nutzung des Bodens nach innen zu lenken und kompakte Sied- lungen zu schaffen. Wird aus ästhetischen Gründen eine R eduktion der grundsätzlich zuge- lassenen Baumasse verlangt, muss diese Reduktion deshalb d urch überwiegende öffentliche Interessen, wie zum Beispiel den Schutz von denkmalgeschüt zten Bauten oder Gebäudekom- plexen, gerechtfertigt werden. Lässt die Zonenordnung eine bestimmte Geschosszahl zu, darf zur Erreichung einer guten Gesamtwirkung nicht generel l – etwa für ein ganzes Quartier – nur ein Geschoss weniger bewilligt werden, weil sonst die Z onenordnung ausser Kraft gesetzt wür- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht de (vgl. BGE 145 I 52 E. 4.4 mit Hinweisen). Das Bau vorhaben ist einerseits für sich allein und andererseits in seinem Zusammenhang mit der baulichen und landschaftlichen Umgebung zu beurteilen (vgl. BEAT ZUMSTEIN , Die Anwendung der ästhetischen Generalklauseln des kantona- len Baurechts, 2001, S. 144). Zu berücksichtigen sind cha rakteristische Gestaltungsmerkmale, die in der Umgebung vorkommen, wie etwa die Material ien und Farben oder die Formgebung und die Proportionen. Je heterogener sich die Umgebung in Bezug auf die charakteristischen Merkmale präsentiert, umso weniger kann von typischen C harakteristiken gesprochen werden und umso weniger muss ein Bauvorhaben ihnen Rechnung tragen. Das Einordnungsgebot wirkt demgegenüber umso stärker, je einheitlicher die Umgebun g ist; ausschlaggebend ist der Ge- samteindruck (vgl. Z UMSTEIN , a.a.O., S. 144 f.). Die Beurteilung, ob ein Bauvo rhaben den Äs- thetikvorschriften entspricht, hat sodann nicht nach subje ktivem Empfinden, sondern nach ob- jektiven Massstäben und mit nachvollziehbarer Begründung zu erfolgen. Dabei ist eine umfas- sende Würdigung aller massgebenden Gesichtspunkte vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesge- richts 1P.280/2002 vom 28. Oktober 2002 E. 3.5.2). 4.3.2 § 104 RBG statuiert, dass alle bewilligungspflich tigen Bauten und Anlagen unter Be- rücksichtigung der Ziele des Natur-, Landschafts-, Denkmal - und Heimatschutzes derart zu ge- stalten und in die Umgebung einzugliedern sind, dass au f wertvolle Objekte, insbesondere auf wertvolle Orts- und Landschaftsbilder (lit. a), für das Wohnumfeld wertvolle Innenhöfe (lit. b) so- wie für das Siedlungsbild wichtige Baumbestände (lit. c) Rücksicht genommen wird. Gemäss § 7 DHG ist es untersagt, das Orts- und Landschaftsbild zu verunstalten. Eine Verunstaltung ist anzunehmen, wenn eine ungünstige Wirkung auf das Orts - und Landschaftsbild zu befürchten ist (§ 7 Abs. 1 DHG). Bauten und Anlagen sind in das Orts- und Landschaftsbild einzupassen. Wo die Erhaltung des Orts- und Landschaftsbildes es erfo rdert, kann die zuständige Fachstelle ausserdem geeignete Bepflanzungen zur Auflage machen ( § 7 Abs. 2 DHG). Nach Ziff. 21.1 ZRS sind alle Bauten derart in ihre bauliche und land schaftliche Umgebung einzugliedern, dass eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird. Dies gilt besonders für die Baumassenvertei- lung, Bauhöhe, Dachgestaltung, Material- und Farbwahl sowie für die Umgebungsgestaltung. Gemäss Ziff. 21.1 Abs. 2 ZRS sind Flachdächer zu begrünen (z.B. Extensivbegrünung). 4.4 Das betreffende Quartier zeichnet sich – wie im Ra hmen des Augenscheins festgestellt werden konnte – durch zahlreiche (ältere) Einfamilien häuser mit Satteldach sowie einen hohen Anteil an Grünflächen aus. Allerdings befinden sich weder im Quartier noch in dessen Nähe ge- schützte oder schützenswerte Bauten oder Anlagen. In der näheren Umgebung der geplanten Baute befinden sich sodann bereits heute grössere und ä ltere Gewerbeliegenschaften, die – wie die Gemeinde zutreffend ausführt – den Charakter der WG3-Zone widerspiegeln. Daran vermag nichts zu ändern, dass das grössere Gebäude mit Flac hdach auf der an die Bauparzel- le angrenzenden Parzelle Nr. 4314 im Zeitpunkt der Erstellung noch in einer Zone für öffentliche Werke und Anlagen lag. Weiter ist der Vorinstanz zuzusti mmen, dass das Bauprojekt hinsicht- lich der Gestaltung (z.B. Fensterform oder Sockelgeschoss) auf die umliegenden Häuser Bezug nimmt und dass die Baugesuchstellerin der Umgebungsgesta ltung mit Grünflächen einen gros- sen Stellenwert eingeräumt hat. Soweit die Beschwerde führer grundsätzlich die Zulässigkeit von Flachdächern in der WG3-Zone in Frage stellen, wei l sich ausser dem Gebäude auf der Parzelle Nr. 4314 im gesamten Quartier keine Flachdäche r befänden, kann ihnen nicht gefolgt Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht werden. Eine derartige Einschränkung (Verbot von Flach dächern in einer gewöhnlichen WG- Zone) kann nicht einzig gestützt auf die subsidiären Ge neralklauseln verlangt werden und das kommunale Zonenreglement ZRS sieht für die WG3-Zone u nbestrittenermassen keine Vorga- ben hinsichtlich der Dachformen vor. Daher kann auch a us der Tatsache, dass im Quartier (noch) kaum Flachdächer existieren, nicht abgeleitet we rden, dass der Bau von Mehrfamilien- häusern mit Flachdach in dieser Zone unzulässig sei. Ent gegen der Auffassung der Beschwer- deführer kann sodann nicht von einem massiven oder überdi mensionierten Gebäude gespro- chen werden. Die Gemeinde I.____ führt diesbezüglich a us, dass im betroffenen Quartier eine Verdichtung der Bauweise ausdrücklich erwünscht sei. Dami t wird sich der gegenwärtige Cha- rakter des Quartiers zwangsläufig verändern, was nicht zu beanstanden ist. Diesbezüglich bleibt daran zu erinnern, dass die verdichtete Bauweise ein öffentliches Interesse darstellt und dass Bauten, die in jeder Hinsicht den geltenden Zone nvorschriften entsprechen, nicht schon deshalb als unvereinbar mit dem Eingliederungsgebot bezeichnet werden können, weil sie grös- sere Ausmasse und eine grössere Nutzungsdichte aufweisen als die umstehenden Gebäude. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass eine Ästhetikklausel nich t so angewendet werden darf, dass die geltende Zonenordnung praktisch ihrer Substanz beraubt würde. Soll eine Zonenord- nung grundlegend und generell verändert werden, wäre dies durch eine Änderung der Zonen- ordnung selbst zu erreichen und nicht durch die vollzi ehenden Behörden. Mit der Vorinstanz ist somit festzuhalten, dass das geplante Bauprojekt die Umge bung nicht in unzulässiger Art und Weise beeinträchtigt. Das Bauprojekt verletzt somit we der das Verunstaltungs- bzw. Beein- trächtigungsverbot noch das Eingliederungs- bzw. Einordnungsgebot. 5.1 Weiter rügen die Beschwerdeführer eine fehlende Rücksichtnahme auf wichtige Baum- bestände. Sie befürchten namentlich, dass ein rund 10 Meter hoher zweistämmiger Nadelbaum, der unmittelbar an der Grenze zur Bauparzelle auf de m Grundstück der Beschwerdeführerin 1 und des Beschwerdeführers 2 steht, dem Bauprojekt zum O pfer fallen würde, weil die Einfahrt in die Autoeinstellhalle und die Halle selbst an die Grenze gesetzt würden. Der Baum sei für das lokale Siedlungsbild prägend und § 104 Abs. 1 lit. c RBG schreibe vor, dass auf für das Siedlungsbild wichtige Baumbestände Rücksicht genommen werde. Das Bauprojekt verletze diese Bestimmung und müsse zur Sicherung der Weiterexistenz des Baums angepasst werden. Zudem seien die für die Realisierung des Bauprojekts e rforderlichen Aushubarbeiten unzuläs- sig, da gemäss § 82 Abs. 2 RBV das Nachbargrundstück durch die Aushubarbeiten nicht beein- trächtigt werden dürfe. Dieselbe Rüge erhoben die Beschwerdeführer bereits im Einsprachever- fahren und im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren. 5.2.1 Das BIT hat die Einsprache in diesem Punkt mit de r Begründung abgewiesen, dass der Baum kommunal nicht geschützt sei und ein allfälliger Schaden auf dem Nachbargrundstück durch die Aushubarbeiten auf zivilrechtlicher Basis nach M assgabe des anwendbaren Zivil- rechts abzugelten sei. Die Vorinstanz schloss sich der Beg ründung des BIT an und führte er- gänzend aus, eine Berufung auf § 104 Abs. 1 lit. c RB G sei nur mit Zurückhaltung zuzulassen, da wichtige Naturschutzobjekte oder ortsbildprägende Ob jekte kommunal geschützt werden könnten. Daher hätte, wenn der fragliche Baumbestand e ine derart grosse Bedeutung für die Umgebung und das Ortsbild hätte, dies Niederschlag in den Zonenvorschriften finden müssen, was nicht der Fall sei. Zudem stehe der Baum zwischen ve rschiedenen Gebäuden abseits der Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Strasse, sodass ihm nicht ortsbildprägender Charakter im Sinne von § 104 Abs. 1 lit. c RBG zugesprochen werden könne. Vor diesem Hintergrund sei das Interesse des Baugesuchstellers an der Errichtung einer zonenkonformen Baute höher zu gewichten als das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Baumbestands. 5.2.2 Während des kantonsgerichtlichen Beschwerdeverfa hrens holte das BIT von der Fach- stelle NL eine materielle Stellungnahme zu den Rügen der Beschwerdeführer hinsichtlich der fehlenden Rücksichtnahme auf wichtige Baumbestände ein. Die Fachstelle NL führt diesbezüg- lich nunmehr aus, dass auf den betroffenen Parzellen e ine reichhaltige Vielfalt an Naturwerten bestehe, die gemäss § 6 des Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz (NLG) vom 20. November 1991 als bedeutsam anzusehen sei. Insbesond ere seien zu nennen: Feuchtbio- top, ältere Obstbäume mit teilweise Moos/Flechten, ext ensive Wiese, Gebüschgruppen/He- ckenstrukturen und grössere Einzelbäume. Diese Naturwert e seien als Ensemble gemäss § 4 NLG auch als schützenswert einzustufen und stellten einen wertvollen Lebensraum für ge- schützte und/oder bedrohte Tierarten dar. Zudem dienten sie der ökologischen Vernetzung und dem ökologischen Ausgleich innerhalb des Siedlungsgebiets. Es sei anzunehmen, dass die be- stehenden schützenswerten Naturwerte durch das Bauprojekt komplett zerstört und auch Natur- objekte auf den Nachbarparzellen in teilweise starke Mitleidenschaft gezogen würden. Dies stel- le einen massiven Eingriff dar, welcher mit einer angepassten Planung reduziert werden könne. In Anbetracht dieser Einschätzungen könne die Baubewil ligung mit folgenden Auflagen als be- willigungsfähig freigegeben werden: - "Sämtliche Naturobjekte auf den umliegenden Nachbarp arzellen, insbesondere ho- he/markante Bäume und Heckenstrukturen sind fachgerecht vor sämtlichen Beeinträch- tigungen durch die Errichtung des geplanten Bauprojekt s zu schützen. Insbesondere untersagt sind Abgrabungen im Wurzelraum, Beschädigun gen des Stammes bei Bäu- men, sowie unsachgemässe Rückschnitte der Krone. Auf bestehende Naturwerte auf den Parz. 2885 und 702 ist, wo möglich, Rücksicht zu nehmen. (Wo möglich erhalten) - Die Umgebung ist ökologisch sinnvoll mit vorwiegend einheimischen, standortgerechten Arten zu gestalten. Auf eine hohe Artenvielfalt ist dabei zu achten. - Flachdächer sind zu begrünen. (Ziff. 21.1 ZRS) - Die Details der Umgebungsplanung sind verbindlich auf einem Umgebungsplan festzu- halten." 5.3 Die Bewilligungspflicht für Bauten und Anlagen b edingt ein behördliches Bewilligungs- verfahren. Im Baubewilligungsverfahren ist festzustellen, ob das Bauvorhaben mit den bau- und planungsrechtlichen Vorschriften übereinstimmt. Werden Einsprachen gegen das Baugesuch erhoben, ist das BIT als zuständige Behörde nicht nur verpflichtet, das Baugesuch – von Amtes wegen – auf die Übereinstimmung mit den Bauvorschriften zu prüfen, sondern auch zu den Ein- sprachen Stellung zu beziehen. Sind mehrere Instanzen b zw. Fachstellen am Verfahren betei- ligt (z.B. Natur- und Heimatschutz, Gewässerschutz, Forst polizei, Zivilschutz, Gewerbepolizei etc.) hat nach Art. 25a RPG die formell zuständige Be hörde die Stellungnahmen zu koordinie- ren. Der Entscheid über das Baugesuch erfolgt in Form e iner (sog. mehrschichtigen) Verwal- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungsverfügung, die der Baugesuchstellerin und den Einspr echern zu eröffnen ist und insbe- sondere im Falle der Ablehnung oder bei Auflagen und Bedingungen zu begründen ist. Erfolgt der Entscheid über das Baugesuch und die Einsprachen – wie im Kanton Basel-Landschaft mit dem Einspracheentscheid – zweckmässigerweise in einem Akt, i st auch der Entscheid über die Einsprache zu begründen (vgl. H ÄNNI , a.a.O., S. 376 f.). Gemäss § 129 Abs. 2 RBG knüpft di e Baubewilligungsbehörde an die Baubewilligung die erf orderlichen Nebenbestimmungen wie Auflagen, Bedingungen und Befristungen. Während Bedi ngungen die Rechtswirkung der Bau- bewilligung von künftigen ungewissen Ereignissen abhängig machen, stellen Auflagen erzwing- bare Nebenbestimmungen zur Baubewilligung dar (vgl. HÄNNI , a.a.O., S. 377). Wenn inhaltliche oder formale Mängel des Bauvorhabens ohne besondere Sch wierigkeiten behoben werden können, kann die Baubewilligung mit den gebotenen Ne benbestimmungen (Auflagen, Bedin- gungen, Befristungen) verknüpft werden. Mit Nebenbesti mmungen können allerdings lediglich untergeordnete Mängel eines Baugesuchs behoben werden. Diese Möglichkeit entfällt, wenn die Mängel eine wesentliche Projektänderung bzw. eine konzeptionelle Überarbeitung des Pro- jekts erfordern. Die Anordnung von Nebenbestimmungen ko mmt mit anderen Worten nicht in Betracht, wenn ohne grösseren planerischen Aufwand nich t beurteilbar ist, wie die Mängel zu beheben sind und welche baurechtlichen, konzeptionellen u nd gestalterischen Auswirkungen dies nach sich zieht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_2 5/2019 vom 5. März 2020 E. 8.2 mit Hinweisen). 5.4 Aus den Akten ergibt sich, dass im Einspracheverfahren noch keine Stellungnahme der Fachstelle NL vorlag. Es gab zwar eine Anfrage an die Fa chstelle NL, eine Antwort ist jedoch beim BIT nicht eingegangen. Dieser Mangel der ausstehen den Stellungnahme der Fachstel- le NL entging dem BIT damals offenbar und führte dazu , dass sowohl der Einspracheentscheid als auch der vorinstanzliche Beschwerdeentscheid ohne Stel lungnahme der Fachstelle NL er- gingen. Das BIT führt im Rahmen der Vernehmlassung aus, dass die Fachstelle NL das Bauge- such nicht abschlägig beurteilt habe, sondern mit den for mulierten Auflagen als bewilligungs- fähig freigegeben habe. Folglich könnten die Auflagen in die zu erteilende Baubewilligung auf- genommen werden. Die von den zusätzlichen Auflagen bet roffene Baugesuchstellerin bezwei- felt unter Verweis auf die Eigentumsgarantie die Rechtmässigkeit der neuen Auflagen allerdings und macht einen Anspruch auf Erteilung einer uneingesch ränkten Baubewilligung geltend. Es seien weder auf der zu bebauenden Parzelle noch auf den Nachbarparzellen planungsrechtli- che, inventarisierte oder ganz grundsätzlich Schutzgüter vorhanden. Die zu bebauende Parzelle befinde sich inmitten überbauten Gebietes und sei bere its heute bebaut. Die gestützt auf eine E-Mail mit allgemein gehaltener Einschätzung der Fach stelle NL verfasste Stellungnahme des BIT sei unbeachtlich. Das BIT verweise sodann auf eine I nteressenabwägung welche sich in besagter E-Mail nicht finde. 5.5 Tatsache ist, dass die Fachstelle NL erstmals im kanto nsgerichtlichen Beschwerdever- fahren bestehende schützenswerte Naturwerte anführt, di e durch das Bauprojekt komplett zer- stört werden könnten, und darauf hinweist, dass der Ein griff in diese schützenswerten Natur- werte mit einer angepassten Planung reduziert werden k önnte. Dennoch hält das BIT das Bau- vorhaben weiterhin als bewilligungsfähig, verbunden m it den zusätzlichen Auflagen. Entgegen der Auffassung des BIT können die von der Fachstelle formu lierten zusätzlichen Auflagen aller- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht dings nicht ohne weiteres im Beschwerdeverfahren in die Baubewilligung aufgenommen wer- den. Würde das Kantonsgericht nämlich erstmalig über d ie Auflagen befinden, kann die Bau- herrschaft diese Auflagen nur noch beim Bundesgericht mi t eingeschränkter Kognition anfech- ten, was eine Verkürzung des Instanzenzuges bedeuten würd e. Dazu kommt, dass die vor- geschlagenen Auflagen auch nicht präzis genug formulier t und damit nicht justiziabel sind. Ins- besondere bleibt unklar, ob das Bauprojekt mit den zu sätzlichen Auflagen überhaupt realisiert werden kann oder ob die Auflagen nicht zwangsläufig zu erheblichen Planänderungen führen würden. Diese Unklarheiten führen zum Ergebnis, dass d as BIT neu über das Baugesuch und die erforderlichen Auflagen entscheiden muss und dass gege n diesen Entscheid den Parteien ein vollkommenes Rechtsmittel zur Verfügung stehen muss. 6. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, der angefocht ene Entscheid aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen an das BIT zur neu en Beurteilung zurückzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde es sich grundsätzlich erü brigen, auf die weiteren er- hobenen Rügen (Gefährdung der Verkehrssicherheit, über mässige Lärmimmissionen und Ver- letzung der Grenzabstandsbestimmungen) einzugehen. D er Vollständigkeit halber sei dazu al- lerdings noch angemerkt, dass diesbezüglich den ausführlichen und schlüssigen Begründungen im vorinstanzlichen Entscheid vollumfänglich zugestimmt wer den kann und insoweit keine Rechtsverletzungen ersichtlich sind. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- sind der ü berwiegend unterliegenden Vorinstanz aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'000.-- wird den Beschwer- deführern zurückerstattet. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Im vorliegenden Fall ist den überwiegend obsiegenden Beschwerdeführern eine Parteientschädigung zulasten der Vorinstanz zuzusprechen, da der Mangel, welcher zur Gutheissung der Beschwerde geführt ha t, durch die Baubewilligungs- behörden verursacht wurde. Der Rechtsvertreter der Besc hwerdeführer macht in seiner Hono- rarnote vom 13. Oktober 2022 einen Aufwand von 22.8 Stunden à Fr. 350.-- zuzüglich Auslagen und MWST geltend. Der geltend gemachte Aufwand von 2 2.8 Stunden ist umfangmässig nicht zu beanstanden. Dazu kommen 5 Stunden für die Vorbere itung und die Teilnahme am Augen- schein und der Parteiverhandlung. Gemäss § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte (Tarifordnung) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar Fr. 200.-- bis Fr. 350.-- pro Stunde, je nach Schwierigkeit und Bedeutung der S ache, der damit verbundenen Verant- wortung und der persönlichen und finanziellen Verhältn isse der zahlungspflichtigen oder der auftraggebenden Person. Vorliegend erscheint ein Stun denansatz in der Höhe von Fr. 250.-- angemessen. Dies ergibt einen Aufwand von total Fr. 7 '436.50 (inkl. Auslagen und MWST). Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführern damit eine Partei entschädigung in der Höhe von Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 7'436.50 (inkl. Auslagen und MWST) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. 7.3 Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ver fahrens ist die Angelegenheit an die Baurekurskommission zurückzuweisen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid der Baure- kurskommission vom 27. April 2021 aufgehoben und die Ange legenheit zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das Bau inspektorat sowie zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verf ahrens an die Baurekurskommission zurückgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- w erden der Baure- kurskommission auferlegt. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'000.-- wird den Beschwerdeführern zurückerstattet. 3. Die Baurekurskommission hat den Beschwerdeführern ein e Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 7'436.50 (inkl. Auslagen und MWST) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber