B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3325/2019 U r t e i l v o m 1 0 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch Rachel Brunnschweiler, MLaw, Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 31. Mai 2019 / N (…). D-3325/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, eine iranische Staatsangehörige persischer Ethnie mit letztem Wohnsitz B._______, verliess ihren Heimatstaat eige- nen Angaben zufolge am 4. April 2017 auf dem Luftweg und reiste glei- chentags legal mit einem von der schweizerischen Ve rtretung in B._______ ausgestellten Schengen-Tourismusvisum in die Schweiz ein. Sie unternahm diese Reise zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Kin- dern (C._______, geb. […] [vgl. D-3317/2019, N {…}]; D._______, geb. […] [vgl. D-3321/2019, N {…}]; E._______, geb. […] [vgl. D-3323/2019, N {…}] und F._______, geb. […] [vgl. D -3327/2019, N {…}]). Am 7. April 2017 suchte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) G._______ um Asyl nach und wurde dort am 5. Mai 2017 zu ihrer Identität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt. Ausserdem wurde ihr das rechtliche Gehör zu allfälligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gewährt. Das SEM hörte die Beschwerdeführerin sodann am 15. Februar 2019 ausführlich zu ihren Asylgründen an. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie und ihre Familie seien von den iranischen Si- cherheitskräften bedroht worden. Ihr Ehemann (C._______) habe in einer (…) als Buchhalter gearbeitet, bei welcher Daw oud Ahmadineschad (der Bruder des ehemaligen Präsi denten Ahmadineschad) Vorstandschef ge- wesen sei. Dawoud habe ihren Mann dann zusätzlich zu dessen normalen Arbeit als (…) angestellt. Eigentlich sei ihr Mann jedoch gegen das Regime gewesen, so wie sie selber auch. Sie wisse aber nichts über die politische Aktivitäten ihres Mannes, ausser, dass er mit Aktivisten gesprochen habe, insbesondere mit Mohammed N ourizad und Taghi Karoubi, und dass er sich für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh eingesetzt habe. Sie selber habe sich nicht politisch betätigt. Nachdem Dawoud ihrem Mann die Stelle als (…) gekündigt habe, sei ihr Mann am 1. Februar 2016 verhaftet und in der Folge ungefähr 25 Tage lang festgehalten und anschliessend wieder freigelassen worden. Im Sommer 2016 sei ihr Mann dann vorübergehend in die Schweiz gereist. Dies sei vermutlich der Grund für die darauffolgen- den Behelligungen durch die Sicherheitskräfte gewesen: Ihr Haus sei zwei- mal durchsucht und ihr Mann der Spionage beschuldigt worden. Das erste Mal seien die vier Sicherheitskräfte am 10. Oktober 2016 gekommen, das zweite Mal am 14. Januar 2017. Die Sicherheitskräfte hätten jeweils meh- rere Gegenstände (v.a. die Laptops) und beim ersten Mal auch ihren Mann mitgenommen. Da er am Abend nicht zurückgekommen sei, habe sie sich D-3325/2019 Seite 3 Sorgen gemacht und ihn gesucht. Sie habe sogar Dawoud Ahmadineschad angerufen. Ihr Mann sei schliesslich nach ungefähr zwei Wochen durch einen Strassenreiniger nach Hause gebracht worden. Sein Gesicht und die Beine seien von den erlittenen Sc hlägen geschwollen gewesen, und er habe ungefähr zwei Monate lang nicht laufen können. Bei der zweiten Hausdurchsuchung sei sie von den Sicherheitskräften ebenfalls geschla- gen worden; sie habe einen Riss im Ohr sowie bis heute andauernde Schmerzen davongetragen. Die Tochter leide seit ihrer Kindheit unter einer verformten Wirbelsäule (Skoliose) und sei deswegen bereits dreimal ope- riert worden. Sie sei – wie auch die anderen beiden Kinder – bei den Haus- durchsuchungen zum Glück nicht anwesend gewesen; denn falls sie auch geschlagen worden wäre, wäre das für ihren Rücken fatal gewesen. Da die Sicherheitskräfte beim zweiten Besuch ernsthafte Drohungen insbeson- dere auch gegen ihre Kinder ausgestossen hätten, hätten sie das Haus danach umgehend verlassen u nd seien zu ihrer Mutter gegangen. Am 4. April 2017 seien sie dann aus Iran ausgereist. Im Falle einer Rückkehr nach Iran befürchte sie, zwecks Druckausübung auf ihren Mann festge- nommen zu werden. Sie sei in der Schweiz nicht politisch tätig, ihr Mann stehe seinerseits vermutlich weiterhin in Kontakt zu Nourizad. A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver- fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: den Reisepass, ihre Shenas- nameh, die Melli-Karte, eine Reiseversicherung, einen Eheschein (beglau- bigte Kopie) sowie mehrere Fotos. B. Mit Verfügung vom 31. Mai 2019 – eröffnet am 4. Juni 2019 – erwog das SEM, die Asylvorbringen seien teils unglaubhaft, teils nicht asylrelevant . Daher verneinte es die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. C. Mit Beschwerde vom 28. Juni 2019 an das Bundesverwaltungsgericht liess die Beschwerdeführerin den vorinstanzlichen Asylentscheid anfechten. Dabei wurde beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Beschwerdeführerin als Flüchtling vorläufig aufzuneh- men, subeventuell sei sie in die Flüchtlingseigenschaft respektive den Asyl- status ihres Ehemannes einzubeziehen, subsubeventuell sei der Vollzug der Wegweisung infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit auszusetzen D-3325/2019 Seite 4 und die vorläufige Aufnahme zu verfügen. Gegebenenfalls sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorin stanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege sowie Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: die angefochtene Verfü- gung, eine Vollmacht vom 13. Juni 2019, zwei Fotos von Verletzungen, ein Taufbekenntnis vom 3. September 2017, eine Unterstützungsbestätigung vom 27. Juni 2019 sowie eine Kostennote vom 28. Juni 2019. Ausserdem wurde auf die im Beschwerdeverfahren des Ehemannes (vgl. D- 3317/2019) eingereichten weiteren Beweismittel verwiesen. D. Mit Verfügung vom 5. Juli 2019 hiess der Instruktionsrichter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG), unentgeltliche Verbeiständung (aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG) und Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut und ordnete der Be- schwerdeführerin antragsgemäss ihre Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei. Im Weiteren wurde das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist eingeladen. E. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 25. Juli 2019 vollumfänglich an seiner Verfügung fest. Die Beschwerdeführerin liess darauf mit Eingabe vom 13. August 2019 replizieren, wobei sinngemäss um Gutheissung der Beschwerde ersucht wurde. Der Replik lagen Kopien der Taufurkunden al- ler Familienmitglieder bei. F. Mit Eingabe vom 16. Januar 2020 reichte die Rechtsvertreterin Unterlagen zur exilpolitischen Tätigkeit der Familie der Beschwerdeführerin in der Schweiz nach (ein USB-Stick, ausgedruckte Fotos und Links zu Beiträgen auf sozialen Medien). D-3325/2019 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, die von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls u nd entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Akten der vorstehend unter A.a bezeichneten übrigen Familienmitglie- der wurden im vorliegenden Beschwerdeverfahren beigezogen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-D-3325/2019 Seite 6 tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder ihrer politi- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H., und 2009/29 E. 5.1). 4.4 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we- gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und die weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind. Vorbehalten bleibt die Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 (vgl. Art. 3 Abs. 4 AsylG). 5. 5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin habe die geltend gemachte Hausdurchsuchungen nur sehr allgemein geschildert, ohne Details und Nebensächlichkeiten zu erwähnen. Angesichts der subjektiven Bedeutung dieser Vorfälle wären indessen ausführlichere und detailreichere Aussagen zu erwarten gewesen. Als die Beschwerdeführerin nach weiteren Einzel- heiten zu den Verfolgern befragt worden sei, sei sie ausgewichen. Ferner D-3325/2019 Seite 7 habe sie die Umstände der geltend gemachten Verletzungen durch einen Stock und die Dauer der ersten Inhaftierung ihres Ehemannes wider- sprüchlich geschildert. Auch bezüglich der Frage, wie viele Personen ihren Mann nach Hause gebracht hätten, bestünden Ungereimtheiten. Im Weite- ren sei es ihr offensichtlich problemlos möglich gewesen, Iran legal zu ver- lassen, was darauf schliessen lasse, dass bezüglich ihrer Person keine tat- sächliche Gefährdungslage vorgelegen habe. Insgesamt sei zu bezweifeln, dass es zu zwei Hausdurchsuchungen gekommen sei, anlässlich derer sie verletzt worden sei. Die Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen würden erhärtet durch die Tatsache, dass die von ihrem Ehemann geltend gemachte Vorverfolgung in Iran nicht glaubhaft sei. Nach dem Gesagten seien die von der Beschwerdeführerin geschilderten Vorkommnisse (zwei Hausdurchsuchungen, zwei Entführungen des Ehemannes) nicht glaub- haft. Die Beschwerdeführerin habe im Übrigen erklärt, sie habe keine per- sönlichen Probleme gehabt, sondern ihr Leben sei aufgrund der Schwie- rigkeiten ihres Mannes in Gefahr gewesen. Ihre diesbezüglichen Vorbrin- gen sowie auch diejenigen ihres Mannes seien indessen als nicht glaubhaft erachtet worden. Es sei daher nicht von einer objektiv begründeten Furcht vor zukünftiger asylbeachtlicher Verfolgung respektive Reflexverfolgung im Heimatland auszugehen. Zu den eingereichten Beweismitteln sei Folgen- des festzustellen: Die Fotos sowie auch die übrigen Beweismittel würden zu keiner anderen Einschätzung der Glaubhaftigkeit respektive der Beur- teilung der Flüchtlingseigenschaft führen. Die Flüchtlingseigenschaft sei daher zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. 5.2 In der Beschwerde wird der Vorwurf des SEM, die Beschwerdeführerin habe sich zur Dauer der Haft ihres Mannes widersprüchlich geäussert, be- stritten; das SEM habe dabei übersehen, dass es sich um zwei unter- schiedliche Festnahmen gehandelt habe, wobei die eine knapp einen Mo- nat und die andere rund 16 Tage gedauert habe. Das SEM habe den ent- sprechenden Sachverhalt nicht korrekt erfasst und den Entscheid folglich falsch begründet. D er Ehemann der Beschwerdeführer in sei ab dem 1. Februar 2016 für rund 22 Tage beziehungsweise rund einen Monat in Untersuchungshaft gewesen. Sodann sei er im Oktober 2016 nach einer Hausdurchsuchung mitgenommen und ungefähr 16 Tage beziehungs- weise rund zwei Wochen festgehalten worden. Am 14. Januar 2017 habe dann die zweite Hausdurchsuchung stattgefunden. Die Angaben der Be- schwerdeführerin seien somit nicht widersprüchlich und würden sich über- dies decken mit den Aussagen ihres Ehemannes und der Kinder. Auch der Vorwurf des SEM, die Beschwerdeführerin habe eine Frage unbeantwortet gelassen, sei unhaltbar. Die Beschwerdeführerin habe in der Antwort zu D-3325/2019 Seite 8 F43 ausführlich dargelegt, dass die Agenten in Zivilkleidern erschienen seien, was sie beunruhigt habe. Die Beschwerdeführerin habe demnach durchaus eine Antwort auf die ihr gestellte Frage gegeben, von Auswei- chen könne keine Rede sein. Das SEM habe denn auch nicht weiter nach- gefragt. Die Aussagen der Beschwerdeführerin zu den von ihr erlittenen Verletzungen während der Hausdurchsuchung würden darauf hinweisen, dass sich dieser Vorfall tatsächlich in der von ihr geschilderten Art und Weise ereignet habe. Die übereinstimmenden Aussagen der Kinder und des Ehemannes sowie die Fotos der Verletzungen würden die Glaubhaf- tigkeit dieses Vorbringens untermauern. Bezüglich des angeblichen Wider- spruchs hinsichtlich der erlittenen Stockschläge sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin die bestehende Unklarheit bereits anlässlich der Rückübersetzung (A23 S. 14) beseitigt habe, indem sie erklärt habe, dass sie nicht gesehen habe, ob der erste Stockhieb von einem geworfe- nen Stock gekommen sei, oder ob die Person den Stock in der Hand ge- halten habe. Der angebliche weitere Widerspruch betreffend die Anzahl Personen, welche den Ehemann nach Hause gebracht hätten, werde vom SEM aus einer protokollierten Verwendung des Plurals («…nachdem sie ihn nach Hause gebracht haben…»; A23 F49) abgeleitet. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass die Übersetzung nicht von einer derart hohen Quali- tät sei, dass der angehörten Person jedes sprachliche Detail zugerechnet werden könne. Die bemängelte sprachliche Ungereimtheit habe daher kei- nen Einfluss auf die Frage der Glaubhaftigkeit. Im Übrigen sei der Plural insofern korrekt, als die beiden Söhne geholfen hätten, den Ehemann in die Wohnung zu bringen. Zudem hätten alle Familienmitglieder überein- stimmend ausgesagt, ein Strassenreiniger habe den Ehemann/Vater nach Hause gebracht, und auch die weiteren Umstände der Rückkehr des Ehe- mannes/Vaters, der Hausdurchsuchungen, des Aufenthalts bei den El- tern/Grosseltern und der Ausreise seien von allen widerspruchsfrei geschil- dert worden. Im Weiteren sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin und die Kinder nie verhaftet worden und daher auch nicht auf der Liste der von einem Ausreiseverbot betroffe nen Personen aufgeführt gewesen seien. Trotzdem seien sie vor der Ausreise nervös gewesen. Inzwischen habe sich die Gefährdungslage jedoch weiter verschärft, da der Ehemann der Beschwerdeführerin illegal aus Iran ausgereist sei und im Asylverfah- ren Aussagen über Iran gemacht habe, welche ihn in den Augen des irani- schen Regimes als Spion und Verräter erscheinen lassen würden. Insge- samt habe das SEM die Asylgründe der Beschwerdeführerin zu Unrecht als unglaubhaft erachtet. Sodann wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei bei den Protesten gegen die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 zu- vorderst mitmarschiert und habe eine führende Rolle eingenommen; auf D-3325/2019 Seite 9 der eingereichten Videoaufnahme sei sie klar erkennbar. Es werde auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sowie des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zur Frage der Gefährdung von Gegnern des iranischen Regimes verwiesen. Die Wohnung der Beschwer- deführerin sei zweimal durchsucht worden. Auch wenn die Proteste bereits einige Jahre z urücklägen, so sei der sachliche und zeitliche Zusammen- hang zwischen diesen Ereignissen dennoch zu bejahen. Ausserdem sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Einreise in die Schweiz zum Christentum konvertiert sei. Gemäss der Rechtsp rechung des Bundesverwaltungsgerichts und des EGMR führe die Konversion zum Christentum in Verbindung mit oppositioneller Tätigkeit zur Asylgewährung. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin dem iranischen Geheimdienst bekannt sei, zumal sie s ich oppositionell betätigt habe und ihre Wohnung zweimal durchsucht worden sei, wobei auch die Computer beschlagnahmt worden seien. Zumindest sei sie den iranischen Behörden infolge der politischen Aktivitäten ihres Ehemannes bekannt. Es bestehe daher das Risiko, dass sie bei einer Rückkehr nach Iran inhaftiert und in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde. Im Übrigen habe das SEM in seinem Entscheid die Konversion und die damit einhergehende Verfolgungsfurcht nicht berücksichtigt. Schliesslich wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei als Ehefrau ihres verfolgten Ehemannes Opfer einer Reflexverfolgung. Sie sei anlässlich der Hausdurchsuchungen ver- letzt worden, und man habe ihr gedroh t, die Kinder würden entführt, falls sie Dawoud Ahmadineschad informiere, was sie dann aber dennoch getan habe. Ihrem Ehemann sei gedroht worden, man werde der Beschwerde- führerin Nachteile zufügen. Ihr Ehemann habe aktuell Drohungen auf Twit- ter erhalten. Die Furcht vor einer Reflexverfolgung sei relevant im S inne von Art. 3 AsylG. Sofern das Gericht die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführerin verneine, sei sie in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehe- mannes – dessen Beschwerdeverfahren ebenfalls noch hängig sei – ein- zubeziehen respektive es sei ihr Familie nasyl zu gewähren. Gegebenen- falls sei der Entscheid aufzuheben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5.3 In seiner (alle fünf Familienmitglieder betreffenden) Vernehmlassung führt das SEM (in Bezug auf die Beschwerdeführerin) aus, die im Asylent- scheid genannten Unstimmigkeiten würden durch die Ausführungen in der Beschwerde sowie die eingereichten Beweismittel nicht beseitigt. Den Be- weismitteln seien insbesondere keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Teilnahme an einer De-D-3325/2019 Seite 10 monstration im Jahr 2009 in besonderem Masse exponiert oder eine öf- fentlich erkennbare, wichtige Funktion wahrgenommen habe. Da die Be- schwerdeführerin ausgesagt habe, sie sei in Iran nicht politisch aktiv gewe- sen, sei es unverständlich, dass sie in der Beschwerde nachträglich als Anführerin einer Demonstration bezeichnet werde. Es sei ausserdem fest- zustellen, dass die Fotos betreffend die Demonstration im Jahr 2009 zwar datiert, aber angeblich im Januar 2000 aufgenommen worden seien. Dies zeige, dass solche Fotos leicht manipulierbar seien, weshalb deren Be- weiswert gering sei. Im Weiteren werde auf Beschwerdeebene erstmals vorgebracht, die Beschwerdeführerin sei zum Christentum konvertiert. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb dieses Ereignis nicht bereits im erstin- stanzlichen Verfahren thematisiert worden sei. Unter Hinweis auf die dies- bezügliche Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (Verweis auf das Urteil D-3357/2006 vom 9. Juli 2009 [publiziert als BVGE 2009/28]) sei sodann festzustellen, dass den Vorbringen und Beweismitteln nicht ent- nommen werden könne, dass sich die Beschwerdeführerin bei der Aus- übung ihrer christlichen Gesinnung besonders engagiert oder gar exponiert habe. Es sei daher davon auszugehen, dass sie ein einfaches Mitglied ei- ner christlichen Vereinigung sei. Demnach sei nicht von einer konkreten Gefährdung infolge der Konversion auszugehen. In Bezug auf die geltend gemachte Reflexverfolgung sei sodann festzustellen, dass die vom Ehe- mann der Bes chwerdeführerin geltend gemachte Gefährdungslage nach wie vor nicht glaubhaft sei. Daher sei das Vorbringen, die Beschwerdefüh- rerin sei im Zusammenhang mit der Verfolgung ihres Ehemannes einer Re- flexverfolgung ausgesetzt, nicht relevant. Insoweit als in de r Beschwerde vorgebracht werde, die Aussagen der Beschwerdeführerin würden mit den- jenigen der Kinder übereinstimmen sei Folgendes festzustellen: Es treffe zu, dass alle denselben Sachverhalt schildern würden. Es falle aber auf, dass die Familienmitglieder bezüglich der beiden Hausdurchsuchungen dieselben Formulierungen und denselben Detaillierungsgrad verwenden und demselben Schema folgen würden, obwohl eigentlich vier verschie- dene, je persönliche Erzählperspektiven zu erwarten wären. Es entstehe dadurch den Eindruck, dass die Familienmitglieder die Vorbringen abge- sprochen hätten. Auch aus diesem Grund komme das SEM zum Schluss, dass die Verfolgung des Ehemannes der Beschwerdeführerin nicht glaub- haft sei und demnach auch keine Reflexverfolgung bestehe. 5.4 In der (ebenfalls alle fünf Familienmitglieder betreffenden) Replik wird in Bezug auf die Beschwerdeführerin entgegnet, die eingereichten Fotos aus den Jahren 2013 bis 2019 würden weitere politische Aktivitäten bele- gen. Damit sei glaubhaft gemacht, dass sich d ie Beschwerdeführerin in D-3325/2019 Seite 11 Iran und in der Schweiz gegen das iranische Regime engagiert habe. Diese Vorbringen seien zu berücksichtigen, zumal das SEM nicht bewiesen habe, dass es sich beim fraglichen Bildmaterial um Montagen handle. Sodann sei auf die Konve rsion der Beschwerdeführerin zu verweisen. Diese sei belegt, und es sei unerheblich, dass dies erst auf Beschwerdeebene gel- tend gemacht werde. Die Beschwerdeführerin sei nicht erst nach dem ne- gativen Asylentscheid (aus asyltaktischen Gründen) konvertiert, sondern bereits im Jahr 2017 und aus Überzeugung. Die Taufe sei auch von Dritt- personen gefilmt und fotografiert worden, es seien viele Personen anwe- send gewesen. Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass Auf- nahmen der Taufe in die Hände des iranisch en Geheimdienstes geraten oder gar Spitzel bei der Taufe anwesend gewesen seien. Die Konversion müsse kumulativ zu den übrigen Asylgründen berücksichtigt werden. Hin- sichtlich der eingereichten Fotos und Videos sei festzuhalten, dass diese die geltend gemac hten Asylgründe dokumentierten. Diese Unterlagen seien bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit zu berücksichtigen. Weiter wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin sowie die Kinder seien Zeugen der geltend gemachten Vorfälle gewesen. Ihre Aussagen würden mit den- jenigen des Ehemannes übereinstimmen; gleichzeitig enthielten die Aus- sagen der Familienmitglieder aber auch persönliche Details und Sichtwei- sen. Der Vorwurf des SEM, die Aussagen seien abgesprochen worden, sei daher unbegründet. Das SEM habe die Glaubh aftigkeit der Asylbegrün- dung willkürlich verneint. Die verschiedenen Asylgründe müssten gesamt- heitlich betrachtet werden. Die Beschwerdeführerin sei ein Opfer von Re- flexverfolgung. 6. Nachfolgend ist zunächst zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aufgrund von bestehenden Vorfluchtgründen die Flüchtlingseigenschaft erfüllt (vgl. Art. 3 und 7 AsylG). 6.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei in Iran im Zusammen- hang mit der Verfolgung ihres Ehemannes bedroht und geschlagen wor- den, als der Geheimdienst Ende Januar 2017 zum zweiten Mal ihr Haus durchsucht habe. Ansonsten habe sie keine persönlichen Probleme ge- habt. Im Beschwerdeverfahren des Ehemannes (vgl. D-3317/2019) wurde indessen mit datumsgleichem Urteil festgestellt, es sei als unglaubhaft zu erachten, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin im Oktober 2016 un- ter den von ihm genannten Umständen und aus den von ihm genannten Gründen inhaftiert und gefoltert und dass sowohl am 10. Oktober 2016 als D-3325/2019 Seite 12 auch am 14. Januar 2017 sein Haus durchsucht und Gegenstände be- schlagnahmt worden seien. Dabei wurde angefügt, der Umstand, dass die Familienmitglieder – gemäss den beigezogenen Akten – zu einem grossen Teil deckungsgleiche Angaben zur Hausdurchsuchung und Mitnahme des Ehemannes/Vaters am 10. Oktober 2016, seiner Rückkehr sowie der Hausdurchsuchung vom 14. Januar 2017 gemacht hätten, zwar grundsätz- lich ein Indiz für die Glaubhaftigkeit dieser Asylvorbringen sein könne, die- ser Umstand im vorliegenden Fall, aber nicht geeignet sei, die dargelegten Zweifel an der Glaubhaftigkeit nachhaltig zu zerstreuen, zumal die Schil- derungen der Angehörigen trotz einzelner aus der subjektiven Perspektive gemachten Aussagen insgesamt eine hohe Ähnlichkeit aufweisen würden, weshalb die bereits vom SEM geäusserte Vermutung, die Aussagen seien abgesprochen worden, nicht gänzlich von der Hand zu weisen sei. Ange- sichts der im Verfahren des Ehemannes festgestellten Unglaubhaftigkeit namentlich auch der Hausdurchsuchung vom Januar 2017 kann auch nicht geglaubt werden, dass die Beschwerdeführerin in diesem Kontext vom Ge- heimdienst bedroht und geschlagen worden ist. Die eingereichten Fotos, welche Verletzungen an einem Ohr und an der Lippe der Beschwerdefüh- rerin zeigen, sind nicht geeigne t, zu einer anderen Einschätzung der Glaubhaftigkeit zu führen, zumal diese Fotos bestenfalls belegen können, dass die Beschwerdeführerin früher einmal derartige Verletzungen erlitten hat, nicht jedoch die Umstände, welche dazu geführt haben. Insgesamt ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass sie vor ihrer Ausreise aus Iran als Ehefrau von C._______ ins Visier der irani- schen Behörden geraten und verfolgt worden ist. 6.2 Auf Beschwerdeebene wird sodann vorgebracht, die Beschwerdef üh- rerin wäre im Falle einer Rückkehr nach Iran gefährdet, weil sie im Jahr 2009 an einer Kundgebung gegen das Regime teilgenommen und dabei eine führende Rolle eingenommen habe. Dieses Vorbringen widerspricht indessen der Darstellung der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Ver- fahren; denn sie beteuerte auf entsprechende Fragen hin, sie sei zwar eine Gegnerin des Regimes gewesen, sei aber in Iran in keiner Weise politisch aktiv gewesen und habe sich gegen aussen n icht gegen das System ge- äussert (vgl. A23 F36 und F38 ). Die dazu auf Beschwerdeebene einge- reichten Beweismittel (Fotos und Video; vgl. den im Beschwerdedossier des Ehemannes, D -3317/2019, befindlichen USB -Stick) belegen zwar, dass die Beschwerdeführerin offenbar einmal – mutmasslich in Iran – an einer Kundgebung teilgenommen hat, wohl aber nicht wie geltend gemacht im Jahr 2009; denn d ie Aufnahmen tragen das Datum «05-Jan-00». Das D-3325/2019 Seite 13 Vorbringen, die Beschwerdeführerin habe bei der Kundgebung eine füh- rende Rolle innegehabt, ist mit Blick auf das eingereichte Bildmaterial ebenfalls nicht nachvollziehbar, da sich die Beschwerdeführerin offensicht- lich nicht von den übrigen Teilnehmenden abhebt. Es ist nach dem Gesag- ten nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihre r Aus- reise aus Iran in relevanten Weise politisch aktiv war. Sie hat denn auch nicht geltend gemacht, sie sei deswegen in der Vergangenheit Verfol- gungshandlungen ausgesetzt gewesen oder habe solche zu befürchten gehabt. Auch der Umstand, dass die Beschwerd eführerin eigenen Anga- ben zufolge legal und problemlos aus Iran ausgereist ist, spricht gegen ein bestehendes Verfolgungsinteresse der iranischen Behörden an ihrer Per- son. Demzufolge ist es als unwahrscheinlich zu erachten, dass die Be- schwerdeführerin im Z usammenhang mit einer allfälligen früheren Teil- nahme an einer Kundgebung eine asylbeachtliche Verfolgung im Falle ihrer Rückkehr nach Iran zu befürchten hätte. 6.3 Nach dem Gesagten ist sowohl das Bestehen einer asylbeachtlichen Verfolgung respektive Verfolgungsgefahr im Ausreisezeitpunkt als auch die geltend gemachte Gefahr einer asylbeachtlichen Verfolgung im Falle einer Rückkehr nach Iran zu verneinen. 7. Im Folgenden ist zu prüfen, ob subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG (vgl. dazu vorsteh end E. 4.3) bestehen. Seitens der Be- schwerdeführerin wird diesbezüglich vorgebracht, sie sei in der Schweiz zum Christentum konvertiert. Ausserdem macht sie geltend, sie müsse im Zusammenhang mit der zu befürchtenden Verfolgung ihres Ehemannes mit einer Reflexverfolgung rechnen. 7.1 Gemäss der Praxis der schweizerischen Asylbehörden führt der Über- tritt vom muslimischen Glauben zum Christentum per se grundsätzlich nicht zu einer (individuellen) Verfolgung durch die iranischen Behörden. Die christliche Glaubensa usübung vermag gegebenenfalls dann flücht- lingsrechtlich relevante Massnahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon aus- gegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar missionierende Züge annehmenden Glaubensaus- übung erfährt. Eine Verfolgung durch den iranischen Staat kommt somit erst dann zum Tragen, wenn der Glaubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten bekannt wird und zugle ich Aktivitäten der konvertierten Person vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat D-3325/2019 Seite 14 angesehen werden. Bei Konversionen im Ausland muss daher bei der Prü- fung im Einzelfall neben der Glaubhaftigkeit der Konversion auch das Aus- mass der öffentlichen Bekanntheit für die betroffene Person in Betracht ge- zogen werden (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f.; Urteile des BVGer D- 7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5, D-2496/2018 vom 22. Mai 2018 E. 5.5, D-2407/2019 vom 27. Juni 2019 E. 7.2). Den Akten zufolge wurde die Beschwerdeführerin am 3. September 2017 von einem Pastor der persisch -christlichen Gemeinde in der Schweiz ge- tauft. Es ist demnach von einer erfolgten Konversion zum Christentum aus- zugehen. Allerdings deutet nichts auf ein exponiertes christliches Engage- ment der Beschwerdeführerin in der Schweiz hin. Es ist daher grundsätz- lich nicht von einer aktiven und sichtbar nach aussen praktizierten Glau- bensausübung auszugehen, und es liegen im Übrigen auch keine konkre- ten Hinweise darauf vor, dass ihre Abkehr vom muslimischen Glauben in ihrem heimatlichen Umfeld öffentlich bekannt geworden ist. Die geltend ge- machte Konversion zum Christentum vermag daher keine ernsthafte Ver- folgungsfurcht zu begründen. 7.2 Eine Reflexverfolgung liegt dann vor, wenn Angehörige von verfolgten Personen Repressalien ausgesetzt sind, sei es um Informationen über die verfolgte Person zu erhalten, um die Familie als Ganzes für die Aktivitäten der primär verfolgten Person zu bestrafen, oder um die verfolgte Person zum Aufgeben ihrer Aktiv itäten zu zwingen (vgl. dazu BVGE 2010/57 E. 4.1.3). Eine Reflexverfolgung ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nach- teile mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft be- gründeterweise befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225, m.w.H.). Im bereits vorstehend erwähnten Beschwerdeurteil des Ehemannes der Beschwerdeführerin wurde festgestellt, dass dieser aufgrund von subjekti- ven Nachfluchtgründen (exilpolitische Tätigkeit) – in Verbindung mit einer glaubhaft gemachten früheren Verfolgung durch die iranischen Behörden, welche indessen als nicht asylrelevant erachtet wurde – die Flüchtlingsei- genschaft erfüllt. Es ist daher zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Falle ihrer Rückkehr nach Iran der Gefahr einer flüchtlingsrechtlich beacht- lichen Reflexverfolgung ausgesetzt wäre. Dies ist zu verneinen. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass keine Hinweise darauf bestehen, dass die ira-D-3325/2019 Seite 15 nischen Behörden aktuell nach ihrem Ehemann fahnden (vgl. das datums- gleiche Urteil D-3317/2019, E. 6.3). Aufgrund der vorstehenden Erwägun- gen ist ausserdem davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus Iran keiner Reflexverfolgung wegen ihres Ehemannes ausgesetzt war. Die von ihr geltend gemachte Verfolgung im Rahmen der Hausdurchsuchung im Januar 2017 wurde vorstehend unter E. 6.1 als un- glaubhaft erachtet, und a nderweitige, mit ihrem Ehemann in Zusammen- hang stehende konkrete Verfolgungsmassnahmen wurden von ihr nicht be- hauptet. Insbesondere machte sie nicht geltend, zuvor je vom Geheim- dienst kontaktiert und zu ihrem Ehemann befragt worden zu sein. Im Wei- teren ist auch das Vorbringen, die Beschwerdeführerin sei indirekt durch eine an ihren Ehemann gerichtete Twitter-Nachricht bedroht worden, nicht geeignet, eine konkrete Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Einerseits erhielt der Ehemann der Beschwerdeführerin offenbar lediglich einmal eine solche Drohung (vgl. dazu die Beschwerdebeilage 7a im Beschwerdedos- sier des Ehemannes, D-3317/2019), welche zudem ohne konkrete Folgen blieb, andererseits wird in keiner Art und Weise glaubhaft gemacht, dass es sich beim Urheber dieser Drohung um eine Person aus dem Umfeld des iranischen Geheimdienstes oder einer anderen staatlichen iranischen Be- hörde handelt. Bei dieser Sachlage besteht insgesamt kein konkreter Grund zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit ihrem Ehemann im Falle ihrer Rückkehr nach Iran mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hätte. 7.3 Nach dem Gesagten erfüllt die Beschwerdeführerin die Flüchtlingsei- genschaft auch unter dem Gesichtspunkt von Art. 54 AsylG nicht. 8. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl- gründe nicht geeignet sind, eine asyl - respektive flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entspre- chende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Die Beschwerdeführerin erfüllt somit die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingsei- genschaft nicht in eigener Person. Demnach hat die Vorinstanz zu Recht die (originäre) Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abge- wiesen. D-3325/2019 Seite 16 9. 9.1 Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder, die nicht selbständig die Flüchtlingseigenschaft erfüllen, werden als Flüchtlinge an- erkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegen- sprechen (vgl. Art. 51 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37 AsylV1, sog. Familien- asyl). Im zur Publikation vorgesehenen Urteil E - 5669/2016 vom 18. Ja- nuar 2019 wird unter E.4.1 präzisierend festgehalten, dass Art. 51 Abs. 1 AsylG auch dann zur Anwendung gelangt, wenn das in der Schweiz anwe- sende Familienmitglied nicht über den Asylstatus verfügt, sondern lediglich als Flüchtling vorläufig aufgenommen ist. In diesem Fall werden die an- spruchsberechtigten Personen in die Flüc htlingseigenschaft einbezogen (vgl. E. 4.1, 2. Absatz des letztgenannten U rteils; Präzisierung von BVGE 2017 VII/8 E. 5.3). 9.2 Mit datumsgleichem Urteil in der Beschwerdesache D -3317/2019 wurde infolge Vorliegens von subjektiven Nachfluchtgründen die Flücht- lingseigenschaft des Ehemannes der Beschwerdeführerin festgestellt, und das SEM wurde angewiesen, ihn als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Be- sondere Umstände, welche gegen einen Einbezug der Beschwerdeführe- rin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes sprechen könnten, be- stehen im vorliegenden Fall nicht. Folglich ist die Beschwerdeführerin ge- stützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft von C._______ einzubeziehen. 10. 10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 10.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord- net (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 11. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). D-3325/2019 Seite 17 11.1 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar- keit, Unmöglichkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2 -4 AIG) sind alternativer Natur: Ist eines von ihnen erfüllt, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu erachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Best- immungen über die vor läufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 11.2 Die (derivative) Anerkennung der Beschwerdeführerin als Flüchtling führt dazu, dass sie wegen Unzuläs sigkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen ist. 12. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit die Gewäh- rung von Asyl und die Feststellung der originären Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin beantragt wurde. Hingegen ist die Beschwerde in- soweit gutzuheissen, als der Einbezug der Beschwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes beantragt wurde (Ziff. II. 2, Seite 2 der Beschwerde). Die weiteren Eventualanträge sind damit gegenstands- los geworden, weshalb darauf respektive auf deren Begründung nicht mehr näher einzugehen ist. Die vorinstanzliche Verfügung vom 31. Mai 2019 ist demnach aufzuheben, soweit damit die Flüchtlingseigenschaft verneint und der Vollzug der Wegweisung angeordnet wurde (Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung), und das SEM ist anzuweisen, die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG in die Flüchtlings- eigenschaft ihres Ehemannes einzubeziehen und vorläufig aufzunehmen. 13. 13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens (teilweises Obsiegen) wären der Beschwerdeführerin grundsätzlich die reduzierten Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Ver- fügung vom 5. Juli 2019 gut geheissen worden ist, sind vorliegend keine Verfahrenskosten zu erheben. 13.2 Praxisgemäss ist von einem Obsiegen der Beschwerdeführerin zu zwei Dritteln auszugehen. Somit ist ihr in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7–13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine reduzierte Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In der Kostennote vom 28. Juni D-3325/2019 Seite 18 2019 weist die Rechtsvertreterin einen zeitlichen Aufwand von 10.5 Stun- den sowie Auslagen in der Höhe von total Fr. 43.– aus, was angemessen erscheint. Der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 200.– ist im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Demnach hat das SEM der Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘429.– (nicht mehrwertsteuerpflichtig) auszurichten. 13.3 Mit Verfügung vom 5. Juli 2019 wurde der Beschwerdeführerin die un- entgeltliche Verbeiständung (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) gewährt. Das Bun- desverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von ei- nem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertre- terinnen und Vertreter aus (vgl. dazu bereits die entsprechenden Ausfüh- rungen in der erwähnten Verfügung). Das amtliche Honorar für die als amt- liche Rechtsbeiständin eingesetzte Rechtsvertreterin ist demnach auf Fr. 554.– (inkl. Anteil Auslagen) festzusetzen und geht zulasten der Ge- richtskasse des Bundesverwaltungsgerichts. (Dispositiv nächste Seite) D-3325/2019 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit der Einbezug in die Flüchtlings- eigenschaft des Ehemannes der Beschwerdeführerin beantragt worden ist. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen, soweit sie damit nicht ge- genstandslos geworden ist. 2. Die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 31. Mai 2019 werden aufgehoben, und das SEM wird angewiesen, die Be- schwerdeführerin in die Flüchtlingseigenschaft ihres Ehemannes (C._______) einzubeziehen und als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin für das teilweise Obsiegen vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 1’429.– auszurichten. 5. Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichtskasse ein amt- liches Honorar in der Höhe von Fr. 554.– zugesprochen. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: