Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Februar 2019 (715 18 364 / 43) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Der Beschwerdeführer war aufgrund des Anwaltsexamens während 13.5 Monaten (sechs Monate Vorbereitungszeit für den ersten Versuch, drei Monate Vorbereitungszeit für den zweiten Versuch sowie viereinhalb Monate reine Prüfungszeit) an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung verhindert; diese Vorbereitungs- und Prüfungszeiten sind nicht unverhältnismässig lang, weshalb der Beschwerdeführer als beitragsbefreit gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG gilt Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Markus Mattle, Kan- tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. A.____ arbeitete vom 1. Mai 2015 bis 31. Dezembe r 2016 als Volontär und Jurist. Ab dem 1. Januar 2017 bereitete er sich für das Anwalt sexamen Herbst 2017 im Kanton Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stadt vor. Am 28. August 2017 begann der schriftliche Teil des Examens. Am 26. Oktober 2017 wurde ihm von der Prüfungsbehörde mitgeteilt, dass er n icht zur mündlichen Prüfung zugelas- sen sei. In der Folge meldete er sich für das Anwaltsexam en Frühjahr 2018 an, das im Januar 2018 mit der Hausarbeit startete. Mit Verfügung vom 1 2. April 2018 teilte ihm die Prüfungsbe- hörde mit, dass er das Anwaltsexamen definitiv nicht besta nden habe. Am 13. April 2018 mel- dete er sich zur Arbeitsvermittlung an und erhob Anspruc h auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 13. April 2018. Mit Verfügung vom 1. Juni 2018 ( Nr. 1216/2018) lehnte die Öffentliche Ar- beitslosenkasse Baselland (Kasse) seine Anspruchsberechtigun g aufgrund Nichterfüllens der Beitragszeit ab. In der Begründung führte sie aus, dass der Versicherte während der Rahmen- frist für die Beitragszeit vom 13. April 2016 bis 12. Ap ril 2018 nur 8.607 Monate einer beitrags- pflichtigen Beschäftigung nachweisen könne. Damit habe er die notwendigen zwölf Monate an Beitragszeit nicht erfüllt, weshalb der Anspruch abzule hnen sei. Die dagegen von A.____ erho- bene Einsprache wies die Kasse mit Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2018 im Wesentli- chen mit der Begründung ab, dass die vom Versicherten ver wendete Zeit zur Vorbereitung und Absolvierung der Anwaltsexamen unverhältnismässig lang gew esen sei, weshalb kein Befrei- ungsgrund für die Nichterfüllung der Beitragsdauer vorliege. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit E ingabe vom 5. November 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er beantragte unter o/e- Kostenfolge die Aufhebung des angefochtenen Einsprachee ntscheids sowie die Feststellung, dass er für die Dauer vom 1. Januar 2017 bis 12. April 2018 von der Beitragspflicht befreit ge- wesen sei; eventualiter, dass er für die Dauer von mindest ens einem Jahr von der Beitrags- pflicht befreit gewesen sei. Zudem sei festzustellen, dass er Anspruch auf Taggelder im gesetz- lichen Umfang habe. C. Mit Vernehmlassung vom 21. Dezember 2018 beantragt e die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die frist- und formgerecht beim zuständigen Ver sicherungsgericht erhobene Be- schwerde vom 5. November 2018 ist einzutreten. Zu beurt eilen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers wegen fehlender Beitragszeit zu Recht verneinte. 2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 hat Anspruch auf Arbeitslo- senentschädigung, wer die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (Art. 13 und 14 AVIG). Die Beitragszeit erfüllt gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG, wer innerhalb der Beitragsrahmenfrist mindestens zwölf Monate eine beitrag spflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 3 in V erbindung mit Abs. 2 AVIG). Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist gemäss Art. 14 Ab s. 1 AVIG unter anderem, wer innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit während insgesamt mehr als zwölf Monaten wegen einer Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung nicht i n einem Arbeitsverhältnis stand und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen konnte, sofern während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz bestand (Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG). Die Befr eiungstatbestände von Art. 14 Abs. 1 AVIG sind im Verhältnis zur Beitragszeit subsidiär. Sie g elangen daher nur zur Anwendung, wenn die in Art. 13 Abs. 1 AVIG verlangte Erfüllung d er Mindestbeitragszeit aus den in Art. 14 Abs. 1 AVIG genannten Gründen nicht möglich ist (BGE 1 41 V 674 E. 2.1 mit weiteren Hinwei- sen). 2.2 Eine Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gestützt auf Art. 14 Abs. 1 AVIG setzt einen Kausalzusammenhang zwischen der Nichterfüllung der Beitragszeit und dem geltend gemachten Befreiungsgrund voraus; um wirklich kausal für d ie fehlende Beitragszeit zu sein, muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten bestand en haben, da der versicherten Person bei kürzerer Verhinderung während der zweijährig en Rahmenfrist nach Art. 9 Abs. 3 AVIG genügend Zeit verbleibt, um eine ausreichende be itragspflichtige Beschäftigung auszu- üben (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG ] vom 4. Oktober 2004, C 139/04, E. 2 mit Hinweis; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum Arbeitslosenversicherungs- gesetzt, Bd. 1, N 10 und 18 zu Art. 14). Da eine Tei lzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfül- lung der Mindestbeitragszeit einer Vollzeitbeschäftigun g gleichgestellt ist, liegt der für die Be- freiung von der Erfüllung der Beitragszeit erforderli che Kausalzusammenhang zwischen Hinde- rungsgrund und ungenügender Beitragszeit nur vor, wen n es der versicherten Person auch nicht möglich und zumutbar war, zumindest ein Teilzeitverhältnis einzugehen (ARV 2000 Nr. 28 S. 147 E. 2c mit Hinweisen). 3.1 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer inner halb der zweijährigen Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 13. April 2016 bis 12. April 2018 keine ausreichende Beitragszeit von zwölf Monaten ausweisen kann, da lediglich 8.607 Monat e seiner Tätigkeit als Volontär und Jurist in diese Zeitperiode fallen. Zu prüfen ist desha lb, ob er sich auf den Tatbestand von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG berufen kann. 3.2 Nach der Rechtsprechung gilt als Ausbildung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG jede systematische, auf der Grundlage eines ordnungsgemässen, rechtlich oder zumindest fak- tisch anerkannten (üblichen) Lehrganges beruhende Vorbereitung auf eine künftige erwerbliche Tätigkeit (SVR 1995 ALV Nr. 46 S. 135 E. 2a; ARV 20 00 Nr. 28 S. 146). Als Abschluss der Ausbildung gilt jener Zeitpunkt, in welchem die versiche rte Person davon Kenntnis erhält, dass sie die Schlussprüfung mit Erfolg bestanden hat. Die Ausbildung, welche die versicherte Person als Grund für die Befreiung von der Erfüllung der Be itragspflicht geltend macht, muss überdies genügend überprüfbar sein (BGE 108 V 103 = Pr 72 Nr. 73 E. 2a; ARV 1990 S. 23, 2000 Nr. 28 S. 147). 3.3 Wiederholungen von Prüfungen zählen zur Ausbildung und rechtfertigen die Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit, wenn die entspreche nden Prüfungsvorbereitungen zeitlich intensiv sowie genügend überprüfbar sind und die versicherte Person davon abgehalten haben, ihre Beitragspflicht zu erfüllen (ARV 2000 N 28 S. 147 E. 2b). Im Urteil vom 24. November 2017, 8C_706/2017, hielt das Bundesgericht in Erwägung 2 fest, dass die Vorbereitung auf das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anwaltsexamen Anlass zur Befreiung von der Erfüllung de r Beitragszeit bieten könne. Hinsicht- lich der erforderlichen Überprüfbarkeit bestünden zwar g elegentlich Schwierigkeiten, doch kön- ne ein strikter Nachweis nicht verlangt werden. Deshalb müsse es genügen, wenn die Vorberei- tung glaubhaft und nachvollziehbar dargelegt werde, auch wenn sie nicht notwendigerweise mit dem regelmässigen Besuch von Vorlesungen, Kursen, Seminaren und Übungen verbunden sei. Dies gelte auch für die mit Prüfungswiederholungen au fgewendete und die bis zum Bekannt- werden des positiven Prüfungsergebnisses verstrichene Zei t. Da bei den Prüfungsanforderun- gen je nach Kanton erhebliche Unterschiede bestünden, k önne diese Dauer nicht generell fest- gelegt werden, sondern müsse in jedem Einzelfall speziell geklärt werden. Der benötigte Zeit- aufwand müsse sich nach objektiv zu beurteilenden Kriter ien tatsächlich rechtfertigen lassen. Aufgrund des Kausalitätserfordernisses zwischen fehlender Be itragszeit und Verhinderung an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung a ls Arbeitnehmer sei im Einzelfall zu prü- fen, ob und in welchem Umfang die geltend gemachte V erhinderung objektiv begründet sei (Ur- teil des Bundesgerichts vom 24. November 2017, 8C_706/2 017, E. 2 mit weiteren Hinweisen). Eine mit einem Jahr und acht Monaten für das Anwaltsexa men eingesetzte Zeit ist, trotz Wie- derholung des Examens, ein unverhältnismässiger Aufwand ( BARBARA KUPFER BUCHER , Bun- desgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherun g und Insolvenzentschädigung, 4. Aufl., Zürich 2013, S. 61 mit Hinweis auf ARV 2005 N 10 S. 133 f. E. 2.2). 4.1 Es stellt sich vorliegend die Frage, ob und gegebene nfalls wie lange der Beschwerde- führer wegen des angestrebten Erwerbs des Anwaltspatents an der Ausübung einer beitrags- pflichtigen Beschäftigung verhindert war. Diese Frage ist nach objektiven Kriterien zu beantwor- ten. 4.2 Der Beschwerdeführer führt aus, dass er infolge der Teilnahme an den Anwaltsexamen an der Ausübung einer Erwerbstätigkeit zwischen dem Be ginn des Herbstexamens am 21. Au- gust 2017 und der Mitteilung des Nichtbestehens der Wi ederholungsprüfung am 12. April 2018 an der Ausübung einer Tätigkeit verhindert gewesen s ei. Dieser Zeitraum könne nicht als zwei separate Prüfungsperioden angesehen werden. Es mache keinen Unterschied, ob er zur münd- lichen Prüfung zugelassen werde, diese nicht bestehe u nd anschliessend zur Wiederholungs- prüfung antreten müsse, oder ob er nach dem Nichtbestehen der schriftlichen Prüfung direkt zur schriftlichen Wiederholungsprüfung antrete. Es bestehe l ediglich ein grösserer zeitlicher Ab- stand zur nächsten Prüfung. Beabsichtige ein Kandidat, d ie Prüfung zu wiederholen, so werde er sich in jedem Fall auf die Vorbereitung der kommend en Prüfungen konzentrieren und könne keiner Arbeit nachgehen. Ansonsten dürfte im Umkehrschluss e inem Kandidaten, der beim Herbstexamen die Hausarbeit im August sowie die schriftl ichen Klausuren im September be- stehe und an der mündlichen Prüfung im Dezember durchfa lle, die Prüfungszeit der Wiederho- lungsprüfung auch nicht vollumfänglich angerechnet werden. Die Wiederholung der mündlichen Prüfung fände erst im Juni statt. Dennoch würde nach d er Praxis der Beschwerdegegnerin der gesamte Zeitraum ab Januar als Prüfungszeit und nicht a ls Vorbereitungszeit angerechnet. Um diesen Widerspruch zu vermeiden, müsse auf die Mitteilun g des Nichtbestehens der Wiederho- lungsprüfung vom 12. April 2018 als Ende der Prüfun gszeit abgestellt werden. Ihm seien daher acht Monate als Folge der Teilnahme am Anwaltsexamen so wie der Wiederholungsprüfung anzurechnen. In Bezug auf die Vorbereitungszeit auf das Anwaltsexamen sei es so, dass diese Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einen Hinderungsgrund für die Erfüllung der Beitragspflicht darstelle. Er habe sich während sie- ben Monaten auf die Prüfungen vorbereitet, da er keinerlei Volontariate bei einer Anwaltskanzlei oder einem Gericht absolviert habe. Daher sei der Bed arf an Vorbereitungszeit etwas länger gewesen. Davon seien ihm mindestens sechs Monate als von d er Beitragspflicht befreite Vor- bereitungszeit anzurechnen. Folge man seiner Argument ation, so ergebe sich, dass er inner- halb der zweijährigen Frist für die Dauer von 14 Monat en von der Beitragspflicht befreit gewe- sen sei. Die Beschwerdegegnerin anerkenne eine Prüfung s- und Vorbereitungszeit von insge- samt 13.5 Monaten. Sie lehne aber eine Beitragsbefrei ung pauschal mit dem Argument ab, dass der Zeitbedarf zur Vorbereitung im Verhältnis zur P rüfungszeit übermässig hoch und die gesamte Dauer letztlich unverhältnismässig gewesen sei. D ie Begründung dafür fehle aber. Er erreiche mit dem durchschnittlich anerkannten Zeitbeda rf zur Vorbereitung des Anwaltsexa- mens sowie der Prüfungszeit die notwendige Dauer der Be itragsbefreiung. Es handle sich bei der Vorbereitungszeit als auch bei der Prüfungszeit um rechtlich anerkannte Gründe, um von der Beitragspflicht befreit zu sein. Der Umstand, dass die tatsächliche Dauer der Vorbereitung höher liege, ändere nichts daran, dass ihm eine Befrei ung im anerkannten Rahmen zuzugeste- hen sei. Auch wenn er die schriftliche Prüfung nicht best anden habe, so sei diese Zeit doch zur Vorbereitung aufgewendet worden. Es bestehe keine Verpflichtung, die Vorbereitungszeit durch ein Bestehen der Prüfung nachzuweisen. Der Nachweis übe r die Teilnahme müsse genügen und der Vorbereitungsbedarf messe sich am Prüfungsumfang. 4.3 Die Beschwerdegegnerin stellt sich in der Vernehmla ssung auf den Standpunkt, dass es sich um zwei verschiedene Prüfungssession gehandelt habe, d ie nicht als eine Einheit be- trachtet werden könnten. Beim Anwaltsexamen Frühjahr 2018 handle es sich nicht um eine Wiederholungsprüfung, sondern um die ordentliche Prüfung. Deshalb sei der Beschwerdeführer vom 21. August 2017 bis 26. Oktober 2017 und vom 29. J anuar 2018 bis 12. April 2018 auf- grund der laufenden Prüfungen während insgesamt rund viereinhalb Monaten von der Erfüllung der Beitragszeit befreit gewesen. Das Kantonsgericht habe festgestellt, dass die Vorbereitungs- zeit für die Anwaltsexamen erfahrungsgemäss durchschnittli ch sechs Monate betrage und eine entsprechende erwerbslose Vorbereitungszeit anzuerkennen sei, wobei je nach Lebenssituation eine Überschreitung von zwei bis drei Wochen durchaus noch i m zumutbaren Rahmen liege. Damit stehe als Zwischenergebnis fest, dass ein Erwerbsunt erbruch von wenig mehr als einem Jahr zur Vorbereitung und Absolvierung der Anwaltsexamen verhältnismässig sei. Mit Ent- scheid vom 24. November 2017 (8C_706/2017) habe das Bun desgericht festgestellt, dass bei einer Wiederholung des Anwaltsexamens maximal drei Mo nate als Befreiung an die Beitrags- zeit angerechnet werden könnten. Der Beschwerdeführer habe sich für die Vorbereitung knapp acht Monate Zeit genommen. Die Rechtsprechung halte eine Vorbereitungszeit für sechs Mona- te als angemessen. Bei länger dauernden Vorbereitunge n bestehe kein Kausalzusammenhang mehr zwischen Vorbereitung und Examen, weil eine kleine Teilzeitbeschäftigung neben der Vorbereitung zumutbar sei. Somit fehle es am Kausalzus ammenhang zwischen der Prüfungs- vorbereitung und der Verhinderung, einer beitragspfli chtigen Beschäftigung nachzugehen. Es wäre dem Beschwerdeführer zumutbar gewesen, einer klein en Beschäftigung nachzugehen, wie z.B. ein Arbeitsverhältnis mit einem Tag Arbeit pr o Monat, weshalb er nicht von der Bei- tragszeit befreit gewesen sei. Die Befreiungstatbeständ e seien ausserdem restriktiv anzuwen- den. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Im Urteil vom 22. August 2007 (715 07 24/214) hie lt das Kantonsgericht fest, dass das Selbststudium im Zusammenhang mit der Absolvierung des Anwaltsexamens, das heisst die Vorbereitungs- und die Prüfungszeit, als ein überprüfba rer Lehrgang zu betrachten sei (Erwä- gung 3.3). Dies wird auch von der Beschwerdegegnerin nicht in Frage gestellt. 5.2 Gemäss § 2 des Reglements über das Anwaltsexamen vom 2 7. Februar 2003 des Kantons Basel-Stadt wird das Anwaltsexamen zweimal jäh rlich durchgeführt, und zwar in der Zeit von Januar bis Juni und von Juli bis Dezember. Der Be schwerdeführer absolvierte die Prü- fungen des Anwaltsexamens im Zeitraum vom 21. August 2017 bis 27. Oktober 2017 und vom 29. Januar 2018 bis 12. April 2018. Für diese Zeitspan ne von rund viereinhalb Monaten reiner Prüfungszeit bestreitet auch die Beschwerdegegnerin nich t, dass es dem Beschwerdeführer nicht zumutbar war, eine Teilerwerbstätigkeit aufzuneh men. Damit war der Beschwerdeführer während viereinhalb Monate aufgrund der Prüfungen an der Erfüllung der Beitragspflicht ver- hindert, weshalb ihm diese Zeit als beitragsbefreit anzurechnen ist. 5.3 Weiter gesteht die Beschwerdegegnerin dem Beschwe rdeführer eine dreimonatige vollzeitliche Vorbereitungszeit zwischen dem 28. Oktober 2 017 und 29. Januar 2018 für den zweiten Versuch des Anwaltsexamens zu. Diese Zeitdauer fü r die Vorbereitung der Wiederho- lung des Examens ist unter objektiven Gesichtspunkten als a ngemessen zu betrachten (vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts vom 24. November 2 017, 8C_706/2017, E. 6). Auch hier ist daher zu Recht zwischen den Parteien unbestritten, dass diese erwerbslose Vorbereitungs- zeit von drei Monaten als beitragsbefreit gilt. 5.4 Die Beschwerdegegnerin anerkennt zudem eine Vorber eitungszeit von sechs Monaten für den ersten Examensversuch. Sie stützt sich dabei auf d as bereits erwähnte Urteil des Kan- tonsgerichts vom 22. August 2007 (715 07 24/214). Darin hielt das Kantonsgericht in Erwägung 3.2 fest, dass eine Vorbereitungszeit von im Durchschnitt sechs Monaten für das Anwaltsexa- men im Kanton Basel-Landschaft als verhältnismässig erschei ne. Diese Zahl dürfe aber nicht als absolut gelten, denn je nach Lebenssituation werde etwas mehr oder weniger als sechs Monate Vorbereitungszeit benötigt. Eine genaue Grenzzie hung bei sechs vollzeitlichen Mona- ten sei kaum möglich, weshalb eine geringfügige Überschreitung der Richtzahl von zwei bis drei Wochen durchaus noch im zumutbaren Rahmen liege. Ein Er werbsunterbruch von wenig mehr als einem Jahr zur Vorbereitung und Absolvierung des Anw altsexamens sei daher verhältnis- mässig. Diese zeitliche Einschätzung, die sich auf die Anw altsexamen im Kanton Basel- Landschaft bezieht, kann ohne weiteres auf den Kanton B asel-Stadt übertragen werden, da sich die beiden Anwaltsexamen in Bezug auf den Ablauf und den Prüfungsstoff decken. Somit rechnete die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu Recht einen Zeitraum von sechs Monaten an, in welchem er sich vollzeitlich auf den ersten Versuch des Anwaltsexamens vorbe- reiten durfte und dadurch an der Ausübung einer beitr agspflichtigen Beschäftigung verhindert war. 6.1 Damit ist gestützt auf die vorstehenden Erwägungen zum Schluss zu kommen, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Anwaltsexamens währen d 13.5 Monaten (sechs Monate Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorbereitungszeit für den ersten Versuch, drei Monate V orbereitungszeit für den zweiten Ver- such sowie viereinhalb Monate reine Prüfungszeit) an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung verhindert war. Die Vorbereitungs- und Prüfungszeiten sind nicht unverhältnis- mässig lang, weshalb auch die Zumutbarkeit zu verneinen ist, während dieser Zeit zumindest einer Teilerwerbstätigkeit nachzugehen. Dies bedeutet , dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich war, innerhalb der Beitragsrahmenfrist eine zwö lfmonatige beitragspflichtige Beschäfti- gung auszuüben. Der Tatbestand von Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG ist erfüllt. Sofern die Beschwer- degegnerin diesbezüglich pauschal den Kausalzusammenhang zwischen Ausbildung und feh- lender Beitragszeit verneint, da ihrer Auffassung nach der Zeitbedarf für die Vorbereitung im Verhältnis zur Prüfungszeit unverhältnismässig hoch gewesen s ei, kann ihr nicht gefolgt wer- den. Selbst wenn der Beschwerdeführer während zwei weit eren Monaten einer Beschäftigung nachgegangen wäre, würde dies nichts daran ändern, dass er 13.5 Monate lang berechtigter- weise an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäf tigung verhindert war. Die Frage, wie es sich mit den zwei Monaten verhält, in denen sich der B eschwerdeführer auf die Prüfung vor- bereitete, kann deshalb offengelassen werden. 6.2 Der Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2018 ist aufzuh eben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 13. April 2016 bis 12. April 2018 von der Erfüllung der Beitragszeit befreit war. Die Beschwerdegegnerin wird folglich nach Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzun gen gemäss Art. 8ff. AVIG über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosentaggelder neu zu befinden haben. Die Be- schwerde ist in dem Sinne gutzuheissen. 7. Gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist das Verfahr en vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos. Folglich werden keine Verfahrenskosten erhoben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochte- ne Einspracheentscheid vom 3. Oktober 2018 aufgehoben und festge- stellt wird, dass der Beschwerdeführer von der Erfüllung der Beitrags- zeit befreit ist. Die Angelegenheit wird zur Prüfung d er übrigen An- spruchsvoraussetzungen ab dem 13. April 2018 und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht