Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. März 2016 (715 15 319) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Selbstverschuldete Arbeitslosigkeit: Teilweise Gutheissung der Beschwerde; Reduktion der Einstelldauer von 28 auf 16 Tage. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiberi n i.V. Olivia Reber Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. A.____ war zuletzt seit 1. August 2006 beim Alte rs- und Pflegeheim B.____ in X.____ als Pflegeassistentin angestellt. Mit Schreiben vom 27. November 2014 kündigte die Arbeitge- berin das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2015. Am 15. Dezember 2014 meldete sich A.____ beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Y.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob am 16. Dezember 2014 bei der Öffentlichen Arbeitslo senkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. Februa r 2015. Mit Verfügung Nr. 515/2015 vom 18. März 2015 stellte die Arbeitslosenkasse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Februar 2015 für 28 Tage in der Anspruchsbere chtigung ein. Die hiergegen erhobene Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einsprache wies die Einspracheinstanz des KIGA Baselland , Abteilung Öffentliche Arbeitslo- senkasse, mit Entscheid vom 14. September 2015 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durc h Ariane Heller, Rechtsanwältin, AXA-ARAG Rechtsschutz AG in Zürich, am 12. Oktober 2015 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). C. Mit Schreiben vom 13. Oktober 2015 informierte das K antonsgericht Rechtsanwältin Heller darüber, dass sich in formeller Hinsicht die Frage stelle, ob sie befugt sei, ihre Mandantin im vorliegenden Beschwerdeverfahren vor dem Kantonsger icht zu vertreten. Deshalb räume das Kantonsgericht ihr die Gelegenheit ein, sich bis zum 1 2. November 2015 zu dieser Frage zu äussern. Sie müsse innert Frist den Nachweis erbringen, dass sie entweder im Anwaltsregis- ter eingetragen sei oder dass die Vertretung nicht ge gen Entgelt erfolge und deshalb als nicht berufsmässig im Sinne von § 3 des Anwaltsgesetzes Basel-La ndschaft (AnwG) vom 25. Okto- ber 2001 zu qualifizieren sei. Ansonsten würde die B eschwerde aus dem Recht gewiesen. Ihre Mandantin bekäme in der Folge die Gelegenheit, inne rt einer festzusetzenden Frist entweder die Beschwerde selbständig einzureichen oder aber sich dur ch eine Person, die zur Parteiver- tretung Dritter vor den Gerichten des Kantons Basel-Landschaft befugt ist, vertreten zu lassen. D. Am 21. Oktober 2015 teilte Rechtsanwältin Heller dem Kantonsgericht mit, dass A.____ die Beschwerde in den nächsten Tagen in eigenem Namen einreichen werde. E. Am 22. Oktober 2015 reichte A.____ die Beschwerde se lbständig ein und beantragte, es sei der Einspracheentscheid vom 14. September 2015 aufzuheben, es sei von einer Einstellung der Anspruchsberechtigung abzusehen und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen auszurich- ten. Alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brac hte sie im Wesentlichen vor, die Kündi- gung sei nicht aufgrund eines Fehlverhaltens ihrerseits zustande gekommen. F. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Januar 2016 schloss die Arbeitslosenkasse auf Ab- weisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die oblig atorische Arbeitslosenversiche- rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil d es Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenver- sicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zustän- dig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arb eitslosenversicherung und die Insolven- zentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherun gsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Ve rsicherungsgericht als einzige gerichtli- che Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentsche ide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde vom 22. Oktober 2015 ist einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 10'000.-- durch Präsidialentscheid. Streitig und zu prüfen ist vorl iegend, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht für die Dauer von 28 Tagen in der Anspruchsberechtigung einge- stellt hat. Bei einem Taggeld von Fr. 140.-- beläuft sich der Streitwert somit auf Fr. 3‘920.--, weshalb die Angelegenheit präsidial zu entscheiden ist. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person alles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funkt ion einer Haftungsbegrenzung der Versi- cherung für Schäden, die die versicherte Person hätte v ermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältni smässigkeits- und Verschul- densprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Kol- ler/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches Bundesverwalt ungsrecht, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, Rz. 822 ff.). 2.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versichert e Person in der Anspruchsberechti- gung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden ist. Dieser Tatbe- stand erfasst Verhaltensweisen der versicherten Person, die kausal für den Eintritt der Arbeits- losigkeit sind und eine Verletzung der Pflicht, Arbeitsl osigkeit zu vermeiden, bedeuten. Art. 44 Abs. 1 AVIV zählt in den lit. a-d beispielha ft Tatbestände auf, die unter den Begriff der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit fallen. So liegt selb stverschuldete Arbeitslosigkeit unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Ver- letzung arbeitsvertraglicher Pflichten, der Arbeitgebe rin Anlass zur Auflösung des Arbeitsver- hältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV). D ie Einstellung in der Anspruchsberechti- gung im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt kei ne fristlose Auflösung des Arbeitsverhält- nisses aus wichtigen Gründen nach Art. 337 bzw. Art. 346 Abs. 2 des Schweizerischen Obliga- tionenrechts (OR) vom 30. März 1911 voraus. Das unkorrekte Verhalten muss auch nicht unbe- dingt eine eigentliche Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten darstellen, sondern es genügt, dass die versicherte Person durch ihr sonstiges Verhalten inn erhalb und ausserhalb des Be- triebs berechtigten Anlass zur Kündigung gab (vgl. Urte il des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozia lrechtliche Abteilungen] vom 8. Oktober 2002, C 392/00, E. 3.1; ARV 1987 Nr. 7; 1982 Nr. 18). Dabei müssen nicht zwingend Beanstandungen in beruflicher Hinsicht vorgelegen haben. Es genügt beispielsweise, dass cha- rakterliche Eigenschaften im weiteren Sinne, die den Ar beitnehmer für den Betrieb als untrag- bar erscheinen lassen, zur Entlassung geführt haben (BG E 112 V 244, E. 1). Selbstverschulde- te Arbeitslosigkeit im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt also immer dann vor, wenn und soweit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objekti ven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht einem nach den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2009 , 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen, publ. in: ARV 2009 S. 264). 2.3 Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens der Intern ationalen Arbeitsorganisation über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslo sigkeit vom 21. Juni 1988 (Überein- kommen Nr. 168 der IAO), das für die Schweiz am 17. Okto ber 1991 in Kraft getreten ist, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Ver- dienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeitsei nstellung ohne Unterbrechung des Be- schäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, nur gekürzt werden, wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vo rsätzlich zu ihrer Entlassung beigetragen hat. Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IA O ist hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheids im Einzelfall dienen zu können, und ist daher direkt anwendbar (BGE 122 V 54 ff.; Urteil des EVG vom 17. Oktober 200 0, C 53/00). Aufgrund des grundsätzli- chen Primats des Völkerrechts geht Art. 20 lit. b des Üb ereinkommens Nr. 168 der IAO Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV vor. Demzufolge führt nicht jedes schuldhafte Verhalten der versicherten Per- son, das dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat, zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG. Das vorwerfbare Verhalten muss gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens Nr. 168 der IAO vielmehr vorsätzlich erfolgt sein, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Urte il des EVG vom 4. Juni 2002, C 371/01, E. 2b). 2.4 Eventualvorsatz ist im Zusammenhang mit Art. 44 lit . a AVIV anzunehmen, wenn die versicherte Person vorhersehen kann oder damit rechnen mu ss, dass ihr Verhalten zu einer Kündigung durch den Arbeitgeber führt (T HOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). Im Rahmen von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIG darf somit bei blosser Fahrlässigkeit keine Einstellung in der An- spruchsberechtigung erfolgen (JACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberech- tigung, Zürich 1998, S. 76 f.). Im Entscheid vom 6. Ju ni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f. hat das Bundesgericht – unter Hinweis auf den im Strafrecht gel tenden Massstab – festgestellt, dass Eventualvorsatz und bewusste Fahrlässigkeit auf der Wissensseite übereinstimmen, indem dem Täter die Möglichkeit, das Risiko der Tatbestandsverwirklichung bewusst ist. Die entscheidende Differenz liegt auf der Willensseite. Auch wer die Mö glichkeit der Tatbestandsverwirklichung erkennt, kann sich, selbst leichtfertig, über sie hinwegsetzen, d.h. darauf vertrauen bzw. mit der Einstellung handeln, dass schon nichts passieren werde (bewusste Fahrlässigkeit). Demgegen- über erfordert der Eventualvorsatz, dass der Täter sich fü r die Tatbestandsverwirklichung ent- scheidet, sie in Kauf nimmt. Weitestgehend ausser Frage stehen dürfte das Willenselement nur, wenn der Täter die Tatbestandsverwirklichung für so nahe liegend hält, dass die Bereitschaft, sie als Folge seines Verhaltens hinzunehmen, vernünftige rweise nicht mehr bezweifelt werden kann; oder wenn sie ihm, im eigentlichen Sinn des Worte s, erwünscht oder recht war, wie wohl auch noch im Falle schierer Gleichgültigkeit. Als Faustre gel formuliert: dass der Täter die Tat- bestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, liegt grun dsätzlich näher, je wahrscheinlicher es ihm erschien, dass sie eintreten könnte, und je wenig er er sie innerlich ablehnte, und umge- kehrt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 20 08, 8C_504/2007, E. 5.4 mit Hin- weis). Zu den Umständen, die allenfalls auf eventualvor sätzliches Verhalten schliessen lassen, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Ta tbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggrün de des Täters und die Art der Tathand- lung. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf dessen Wil len schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich auf drängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnah me des Erfolgs ausgelegt werden kann. Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, be trifft innere Tatsachen und ist somit Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der f estgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz berechtigt erscheint (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 4.2.1 f.). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwa ltungsgerichtsbeschwerde- verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus de n Akten ergebender Anhaltspunkte hin- reichender Anlass besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl . BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundes- gerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). Die Mi twirkungspflicht kommt als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auch im kantonalen Beschwerdeverfahre n zur Anwendung und bedeutet das aktive Mitwirken der Parteien bei der Feststellung d es Sachverhalts (vgl. T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 200 3, S. 446 f., 489 f.; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 284 f.). 3.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1978, S. 135). Im Sozi- alversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach d em Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesge- richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die ob ligatorische Arbeitslosenversi- cherung und Insolvenzentschädigung, Zürich 1998, S. 77). Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhaltes genügt diesen Beweisanforderungen nicht. Es ist vielmehr jener Sach- verhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 12 5 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). Eine Ausnahme hierzu bildet die A nwendung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. Oktober 2000, C 53/00 , E. 3a). Praxisgemäss muss das der versicherten Person im Rahmen dieser Bestimmung zur Last g elegte Verhalten in beweismäs- siger Hinsicht klar feststehen, ansonsten eine Einstellun g ausser Betracht fällt (vgl. Urteile des EVG vom 7. November 2002, C 365/01, E. 2 und vom 8. O ktober 2002, C 392/00, E. 3.1; siehe im Weiteren auch BGE 112 V 245 E. 1; SVR 1996 ALV Nr . 72 S. 220 E. 3b/bb; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 829). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin angewie sen. Diese sollte eine Sachverhalts- darstellung abgeben, ohne am Ausgang des Verfahrens in teressiert zu sein und ohne ein Inte- resse daran zu haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeit geberin zu zweifeln, ist auf diese ab- zustellen. Es darf hingegen insbesondere dann nicht einzig auf deren Aussagen zu den Um- ständen der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältni sses abgestellt werden, wenn diese be- stritten und durch keine weiteren Indizien gestützt we rden (vgl. BGE 112 V 245 E. 1; ARV 1999 Nr. 8 S. 39 E. 7b; Urteil des EVG vom 8. März 2001, C 102/00, E. 1a). Denn eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann, wie eben dargestellt, nur verfügt werden, wenn das der versi- cherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht und von dieser vorsätzlich ausgeübt wurde. Bei Differenzen zwischen der Arbeitgeberin und dem Arbeitnehmer darf somit nicht ohne weiteres auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitneh mers geschlossen werden, wenn die Ar- beitgeberin nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche sie keine Beweise anführen kann (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 20 01, C 380/00, E. 2b; BGE 112 V 245 mit Hinweisen; NUSSBAUMER , a.a.O., Rz. 831). 4. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zur Kündig ung Anlass gegeben und deshalb die Folgen der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit im S inne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV mithin die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu tragen hat. Insbesondere ist zu prüfen, ob der Beschwerde führerin zu Recht ein vorsätzliches Verhalten zur Last gelegt wurde. 5. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folg t dar: 5.1 Mit Schreiben vom 27. November 2014 kündigte die A rbeitgeberin das Arbeitsverhältnis unter Berücksichtigung einer Kündigungsfrist von zwei Mon aten fristgerecht auf den 31. Januar 2015. Der Heimleiter hielt darin fest, dass die Kündig ungsgründe an diesem Tag anlässlich ei- nes Gesprächs zwischen der Beschwerdeführerin, der Leite rin Pflege und ihm erörtert worden seien. Die Gründe lägen in der mangelnden Präsenz, die zu Fehlleistungen in der Arbeit mit den Bewohnerinnen, Bewohnern und im Team zu Mehrarbe it geführt habe. Das Vertrauensver- hältnis zwischen der Beschwerdeführerin und der Arbeitgeb erin sei zusätzlich durch fehlerhaf- tes Verhalten geschwächt worden, sei es dadurch, dass Sic herheitsaspekte nicht befolgt wor- den seien oder arbeitsrechtliche Verletzungen wie das Rauchen während der Arbeitszeit vorge- legen hätten. Zudem habe ihr Verhalten das Team oft über die Massen beeinträchtigt, so bei- spielsweise durch das Thematisieren von Kündigungsängsten. Die Versicherte hingegen gab in ihrem Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 16. Deze mber 2014 als Grund für die Kündi- gung eine „unterschiedliche Auffassung der Arbeit“ an. In der Arbeitgeberbescheinigung vom 26. Januar 2015 wurde lediglich auf die periodische M itarbeiterbeurteilung sowie Massnahmen- gespräche ab Sommer 2012 hingewiesen. 5.2 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hielt die Versicher te am 2. März 2015 fest, dass die Arbeitgeberin die beanstandeten Punkte nicht mit ihr besprochen habe. Sie sei aber schriftlich verwarnt worden. Des Weiteren führte sie aus, sie habe am 27. Februar 2014 (gemeint wohl Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht eher 27. November 2014) die Aufforderung zu einem Ge spräch um 16.00 Uhr bekommen. Auf ihre Frage, worum es sich handle, sei ihr keine Auskunf t gegeben worden. Beim Gespräch sei- en der Heimleiter und die Pflegedienstleiterin anwese nd gewesen. Diese seien gleich auf die Kündigung zu sprechen gekommen und hätten ihr diese vo rgelesen. Die Vorwürfe, die ihr zur Last gelegt worden seien, könne sie so nicht nachvollziehen, da sie sich nach dem Verweis korrekt verhalten habe. Ihre Vermutung liege nahe, dass ihr Spitalaufenthalt im September 2014 zur Kündigung geführt habe. Auf ihre Nachfrage betreffend die Gründe für die Kündigung bzw. ob neue Beanstandungen vorlägen, habe sie keine An twort bekommen. Sie habe sich nach dem Verweis vom Sommer 2014 immer korrekt verhalten. 5.3 Aufgrund der teilweisen Widersprüche zwischen der Arbeitgeberin und der Beschwerde- führerin nahm die Einspracheinstanz des KIGA Baselland, Abteilung Öffentliche Arbeitslosen- kasse, eine amtliche Erkundigung bei der Arbeitgeberin vo r. Im Rahmen dieser amtlichen Er- kundigung wurden der ehemaligen Arbeitgeberin mit Sch reiben vom 21. August 2015 verschie- dene Fragen bezüglich der Beendigung des Arbeitsverhält nisses gestellt. Diese führte in ihrem Antwortschreiben vom 28. August 2015 unter anderem aus, dass die Beschwerdeführerin oft ungenügend mit dem Kopf bei der Sache gewesen sei. S ie habe nicht präsent gewirkt. Fehler hätten sich aufgrund dieser mangelnden Präsenz wieder holen können. Das Verhalten der Ver- sicherten sei mitunter von Distanzlosigkeit geprägt gewesen. So auch im Umgang mit ihren Kol- leginnen, denen sie viel Privates während der Arbeitsze it anvertraut habe, was auf diese irritie- rend gewirkt habe. Ein Beispiel dafür sei ihre übertriebene Angst vor einer Kündigung gewesen, was sie bei ihren Kolleginnen regelmässig thematisiert h abe. Mit dem Antwortschreiben reichte die Arbeitgeberin die Dokumentationen der letzten bei den Mitarbeitergespräche (MAG), einen Verweis vom 17. Juni 2014, eine Gesprächsnotiz vom 8. Ma i 2013 sowie einen E-Mail-Entwurf des Heimleiters an Dr. C.____ ein. 5.4 In der Gesamtbeurteilung des MAG vom 9. August 201 2 wurde ausgeführt, dass die Versicherte eine hilfsbereite Mitarbeiterin sei. Sie zei ge viel Motivation für ihre Arbeit. Es sei spürbar, dass ihr viel am Arbeitsplatz liege. Sie reagier e mit Emotionen und habe Schwierigkei- ten, sich abzugrenzen. Es sei wichtig, dass sie daran arbe ite, um ihre Aufgaben als Pflegende professionell angehen zu können. Die Emotionalität sei st ark von ihrem Gesundheitszustand abhängig, habe je nachdem einen Einfluss auf das Gegen über. Die Beschwerdeführerin halte sich nicht an hausinterne Abmachungen, mache beispielswei se zusätzliche Rauchpausen. Sie möchte weiterhin Neues dazulernen. Den Kommunikationskurs habe sie als positiv empfunden, die Umsetzung sei noch schwierig. Sie fühle sich gut, sei f roh, dass sie die Problematik vom letzten Jahr überwunden habe. 5.5 Gemäss Gesprächsnotiz vom 8. Mai 2013 veranlassten Hi nweise eines Mitarbeiters den Heimleiter und die Leiterin Pflege dazu, anzunehmen , dass die Versicherte die Arbeit für zu- sätzliche Rauchpausen verlasse. Dies werde nicht tolerier t. Es störe sie, dass in solchen zu- sätzlichen Rauchpausen einerseits das Pflegepersonal den Be wohnern nicht zur Verfügung stehe. Andererseits entspreche es nicht einer guten Teama rbeit, wenn ein Teil der Mitarbeiter sich das Recht ausnehme, auf diese Weise die Arbeit zu unterbrechen. Die Beschwerdeführerin äussere immer wieder aus anderen Gründen ihre Angst, die Arbeitsstelle zu verlieren. Tatsache Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei, dass sie mit diesem Verhalten ihre Anstellung bewusst selber gefährde. Sie würden erwar- ten, dass die Versicherte ab sofort keine zusätzlichen Rauchpausen mehr einschalte. Zusätzlich würden sie von ihr eine Vorbildfunktion im Verhalten gegenüber jungen und neuen Mitarbeitern erwarten. Sie beweise diese, indem sie andere Mitarbei ter, die sich offenbar auch nicht korrekt verhalten würden, anspreche und sich nicht mit ihnen auf die gleiche Ebene begebe. 5.6 Im MAG vom 24. August 2013 wurde in der Gesamtbe urteilung festgehalten, dass die Versicherte in Bezug auf Rauchen, Essen, Lautstärke und R egeln einhalten kein gutes Vorbild sei. Zuweilen bestehe der Eindruck, dass man sich auf ihre Aussagen nicht in dem Masse, wie es bei anderen üblich sei, verlassen könne, dass Sachverhal te verschwiegen oder beschönigt würden. Darunter leide das Vertrauen. Die Leistungen seien in diesem Jahr weniger konstant gewesen als in der letzten MAG-Periode. Die Versicherte fühle sich oft nicht ernst genommen von einigen Kollegen. Sie würden sie belächeln, was seh r verletzend sei. Darum sei sie oft ab- wesend und höre nicht aktiv zu. Anlässlich des MAG wurden d ie folgenden Zielvereinbarungen mit der Versicherten getroffen: „Die Kommunikation m it Mitarbeiterinnen und Bewohnern ist angepasst“, „Die Versicherte ist jederzeit über die aktu elle Leistungsplanung „ihrer“ Bewohner informiert“, „Vorgaben des Hauses werden künftig voll umfänglich eingehalten“ und „unser Ver- trauensverhältnis ist intakt“. 5.7 Weiter liegt ein Zwischenzeugnis vom 21. Februar 201 4 vor. Darin wird die Versicherte als flexible und engagierte Mitarbeiterin, die ihre Z iele konsequent angehe, beschrieben. Sie habe sich schnell in ihren Aufgabenbereich eingelebt u nd führe alle ihr übertragenen Aufgaben selbständig und pflichtbewusst aus. Sie erkenne die Ressource n der Bewohnerinnen und Be- wohner und gestalte die Pflege individuell. Sie stehe Neuerungen offen gegenüber, bringe auch Vorschläge ein und nutze die von ihnen angebotenen We iterbildungsmöglichkeiten. Gegenüber ihren Vorgesetzten verhalte sich die Beschwerdeführerin immer korrekt und loyal. Die Mitarbei- tenden würden sie als hilfsbereite, humorvolle und offe ne Teamkollegin kennen. Mit den Be- wohnerinnen und Bewohnern pflege sie einen sehr liebevollen und freundlichen Umgang. 5.8 In einer Gesprächsnotiz vom 6. Juni 2014 dokumentie rte die Leiterin Pflege, dass eine Pflegesituation vom 10. Mai 2014 der Anlass dieses Gesprä chs sei. Die Versicherte habe sich nicht an die Vorgaben (Pflegeplanung) gehalten und d adurch die Sicherheit der betroffenen Bewohnerin gefährdet. Eine ähnliche Situation habe si ch bereits im Mai 2013 ereignet. Zudem habe die Abteilungsleiterin Pflege in diesem Gespräch andere kritische Situationen aufgezeigt, die mit der Beschwerdeführerin mündlich besprochen word en seien. Die Abteilungsleiterin be- schreibe das Arbeitsverhalten der Versicherten als spontan und fahrlässig im Umgang mit den Bewohnern. Auch im Mitarbeitergespräch (MAG) vom Aug ust 2013 seien das Gewährleisten der Sicherheit der Bewohner sowie das Einhalten von Vorgaben kritisch beurteilt worden. Auf Grund dieser Punkte, die schon mehrmals Gesprächsthema zwischen der Versicherten und den Abteilungsleiterinnen gewesen seien, stelle sie fest, dass keine gewünschte Entwicklung er- sichtlich sei. Der Vertrauensverlust in das korrekte Arbeit sverhalten der Beschwerdeführerin nehme entsprechend zu. Auf Grund dieser Ausgangslage be antrage die Leiterin Pflege beim Heimleiter einen schriftlichen Verweis. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.9 Im entsprechenden Verweis vom 17. Juni 2014 wurde festgehalten, dass die Versicherte sich an die vorgeschriebenen Arbeitsprozesse zu halten ha be und sich ausnahmslos nur an erteilten Arbeitsaufträgen beteiligen solle. Im Falle der Bewohnerin D.____ hätte sie gegen bei- de Vorschriften verstossen. Sie würde darauf aufmerksam gemacht, dass das Nichtbefolgen von Grundsätzen die Sicherheit und Gesundheit der Bewo hnerinnen, Bewohner oder Mitarbei- tenden gefährde, was im Wiederholungsfall zur Kündigu ng ihres Arbeitsverhältnisses führen könne. Unterschrieben wurde der Verweis vom Heimleiter, von der Leiterin Pflege und von der Versicherten selber. 6.1 Die Beschwerdegegnerin führte im Einspracheentscheid im Wesentlichen aus, dass die MAGs vom 9. August 2012 und 24. August 2013 festhielten, dass die Versicherte punkto Rau- chen, Essen, Lautstärke kein gutes Vorbild sei und sich a n die Regeln halten müsse. Dement- sprechende Ziele seien auch vereinbart worden. Zudem hätten auch mehrere Gespräche in den Jahren 2013 und 2014 stattgefunden. Im Verweis vom 17. Juni 2014 werde klar festgehalten, dass der Beschwerdeführerin gekündigt werde, wenn sie sic h nicht an die vorgeschriebenen Arbeitsprozesse halte und sich ausnahmslos nur an den erte ilten Arbeitsaufträgen beteilige. Alle Dokumente seien zudem auch von der Versicherten sig niert worden, so dass sie über de- ren Inhalt bestens Bescheid gewusst habe. Anhand der schriftlichen Verwarnungen stehe somit fest, dass sie genügend verwarnt worden sei und damit ha be rechnen müssen, dass ihr gekün- det würde, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern würde. Somit sei der Eventualvorsatz klar zu bejahen und die Beschwerdeführerin treffe ein Verschul den an der Arbeitslosigkeit. Es stehe fest, dass sie die Arbeitslosigkeit vorsätzlich selbst verschuldet habe, indem sie ihr Verhalten nicht geändert habe, obwohl diesbezüglich mehrere Gespräche stattgefunden hätten und ihr die Kündigung im Verweis vom 17. Juni 2014 explizit angedroht worden sei. 6.2 Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde geltend, der Um- stand, dass sie rund 8,5 Jahre für die Arbeitgeberin tät ig gewesen sei, spreche klar gegen eine schlechte Arbeitsleistung, da es sonst viel früher zu ein er Kündigung hätte kommen müssen. Auch das ausgestellte Zwischenzeugnis vom 21. Februar 2 014 beschreibe sie als flexible und engagierte Mitarbeiterin, die alle ihr übertragenen Aufgaben selbständig und pflichtbewusst ausgeführt habe. Bezüglich Verhalten habe ihr die A rbeitgeberin ein immer korrektes und loya- les Verhalten gegenüber Vorgesetzten attestiert und be schreibe sie als hilfsbereite, humorvolle und offene Teamkollegin. Auch der Umgang mit den Be wohnerinnen und Bewohnern sei sehr liebevoll und freundlich gewesen. Die Beschwerdeführer in reichte in diesem Zusammenhang einige Schreiben von Bewohnern ein, welche dies unterstreichen würden. Weiter führte sie aus, der Verweis vom 17. Juni 2014 beziehe sich auf einen ei nzelnen Vorfall, danach habe sie sich stets korrekt verhalten. Die Arbeitgeberin habe sich ansch einend an ihren krankheitsbedingten Absenzen gestört und das Arbeitsverhältnis deswegen beendet. Des Weiteren habe seit August 2013 kein MAG mehr stattgefunden. Hätte sie sich nicht bewährt, wäre zwischen August 2013 und dem Zeitpunkt der Kündigung ein weiteres Mitarbei tergespräch angefallen. Ihr sei ihre Ar- beitsstelle immer sehr wichtig gewesen und sie sei jede rzeit darauf bedacht gewesen, ihre Ar- beit zur vollen Zufriedenheit aller zu erbringen, was ihr auch stets gelungen sei. Von den gegen sie erhobenen Vorwürfen habe sie plötzlich, völlig unerw artet und erstmalig nach Beendigung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Vertragsverhältnisses Kenntnis erlangt. Zu keinem Zeit punkt habe sie ein derartiges Ver- halten beabsichtigt, geschweige denn tatsächlich an den Tag gelegt. 6.3 In ihrer Vernehmlassung vom 11. Januar 2016 bring t die Beschwerdegegnerin vor, allein die Tatsache, dass die Versicherte 8,5 Jahre bei der ehemaligen Arbeitgeberin gearbeitet habe, sage noch nichts über ihre Arbeitsleistung in dieser Zeit spanne aus. Den Akten könne entnom- men werden, dass die Arbeitgeberin in den letzten zweie inhalb Jahren mit den Leistungen und dem Verhalten der Beschwerdeführerin zunehmend nicht m ehr zufrieden gewesen sei. Bezüg- lich des Zwischenzeugnisses sei festzuhalten, dass dieses auf Wunsch der Versicherten aus- gestellt worden sei. Ausserdem sei allgemein bekannt, dass Arbeitszeugnisse grundsätzlich wohlwollend ausgestellt würden. Zudem sei das Zeugnis v or dem Vorfall, welcher zum schriftli- chen Verweis geführt habe, ausgestellt worden. Auch mit den eingereichten Schreiben der Be- wohner könne die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gu nsten ableiten. Die Versicherte habe den Vorfall vom 10. Mai 2014 sowohl in ihrer Einsprach e als auch in der Beschwerde einge- standen. Somit habe sie nachweislich arbeitsvertragliche P flichten verletzt. Die vorliegende An- gelegenheit müsse zudem im Gesamtzusammenhang, das heisse in Summierung der Ge- schehnisse in den letzten zweieinhalb Jahren des Arbeits verhältnisses, betrachtet werden. Die Vermutung der Versicherten, dass die Arbeitgeberin sich sch einbar mehrheitlich an den krank- heitsbedingten Abwesenheiten gestört und ihr deshalb gekündet habe, sei durch nichts belegt und stelle eine reine Parteibehauptung dar. 7.1 In pflichtgemässer Würdigung der vorstehend erwähnt en Verfahrensakten ist hinrei- chend erstellt, dass die Beschwerdeführerin durch ihr Ver halten der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gab. Aufgrund der glaub würdigen Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin ist davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh rerin wegen ihres Verhaltens am Arbeitsplatz aus sachlich gerechtfertigten Gründen mehrfach mündlich und einmal sogar schrift- lich verwarnt wurde und sie trotz Wissens um diese Missbilli gung ihr Verhalten nicht änderte, womit sie der Arbeitgeberin Anlass zur Kündigung gab. Neben mangelnder Präsenz und Dis- tanzlosigkeit wurde der Beschwerdeführerin auch fehler haftes Arbeitsverhalten vorgeworfen. Diese Tatsachen sowie insbesondere der Vorfall im Mai 20 14, als die Versicherte die vorge- schriebenen Arbeitsprozesse nicht einhielt und sich an nich t erteilten Arbeitsaufträgen beteilig- te, führten zur schriftlichen Verwarnung, welche mit ei ner Kündigungsandrohung als Ausdruck der Ernsthaftigkeit der Äusserung ergänzt wurde. Die schriftliche Verwarnung vom 17. Juni 2014 war klar formuliert und nach der Aktenlage sachlich begründet. Insgesamt besteht kein Grund, an den Aussagen der Arbeitgeberin zu zweifeln, weshalb darauf abgestellt werden kann. Die Beschwerdeführerin selber bestreitet immerhin wede r den Vorfall vom Mai 2014 noch die Tatsache, dass sie wegen ihres Verhaltens verwarnt worden war. Ebenfalls räumt sie ein, im Jahr 2013 einmal während der Arbeitszeit geraucht zu ha ben. Die Versicherte ist gemäss Ak- tenlage in den letzten zweieinhalb Jahren des Arbeitsve rhältnisses mehrfach anlässlich (Mitar- beiter-) Gesprächen und einmal sogar schriftlich (inkl. Kündigungsandrohung) gemahnt worden. Trotzdem hat sie ihr Verhalten anscheinend nicht geände rt. Unter diesen Umständen ist festzu- halten, dass sie mit der Kündigung rechnen musste und d iese in Kauf nahm. Daher ist ihr Ver- halten als (eventual)vorsätzlich zu bezeichnen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet insbesondere vehem ent, dass sie eine schlechte Ar- beitsleistung erbracht habe. Ausserdem macht sie geltend, dass alle Vorfälle, die herangezogen würden, zeitlich weit vor der Kündigung lägen, weshalb nicht von einem Selbstverschulden ausgegangen werden könne. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass sich der Vorfall, welcher zum schriftlichen Verweis führte, im Mai 2014 und somit ungefähr ein halbes Jahr vor der Kündigung ereignete. Der Vorfall betreffend das Rauchen geschah im Mai 2013 und somit eineinhalb Jahre vor der Kündigung. Den Akten kann sodann nicht entnom men werden, dass sich einer der bei- den Vorfälle wiederholt hätte. Es erscheint demnach una ngemessen, der Beschwerdeführerin diese beiden einmaligen Ereignisse, welche doch einige Zeit zurückliegen, im Zeitpunkt der Kündigung zum Vorwurf zu machen. Trotzdem ist aufgrun d der Aktenlage ersichtlich, dass die Arbeitgeberin in den letzten zweieinhalb Jahren des Arbeitsverhältnisses immer wieder gewisse Verhaltensweisen der Versicherten beanstandete. Einige Beispiele dafür sind ihre Schwierigkei- ten, sich emotional abzugrenzen, die Kommunikation mit Mitarbeitenden und Bewohnern, das Nichteinhalten hausinterner Abmachungen sowie das gestört e Vertrauensverhältnis. Der Ein- wand, sie habe von den gegen sie erhobenen Vorwürfen plötzlich, völlig unerwartet und erstma- lig nach Beendigung des Vertragsverhältnisses Kenntnis erlangt, überzeugt aufgrund der klaren Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin nicht. Dies gilt umso mehr, als kein Interesse der Ar- beitgeberin ersichtlich ist, die Versicherte in einem un günstigen Licht erscheinen zu lassen. Vielmehr ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die Ar beitgeberin die Versicherte scheinbar per- sönlich sehr schätzte. Dies zeigt beispielsweise der Umstand, dass der Heimleiter in seinem Schreiben vom 28. August 2015 festhält, dass ihm die Künd igung persönlich leid tue, wie er in einem streng vertraulichen E-Mail-Entwurf an Dr. C._ ___ geschrieben habe. Diesem bei den Akten liegenden E-Mail-Entwurf ist zu entnehmen, dass di e Versicherte all die Jahre während des Arbeitsverhältnisses immer wieder Krisen gehabt und di e Arbeitgeberin sie über diese Kri- sen hinweg begleitet habe. Die Verantwortung gegenüb er den Bewohnerinnen und Bewohnern sei nun aber klar als prioritär zu bewerten. Dies habe nach vielen Problemgesprächen mit der Versicherten und einem Verweis zur Kündigung geführt. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin durch ihr Verhalten am Arbeitsp latz ihre Entlassung durch die Arbeit- geberin zumindest eventualvorsätzlich in Kauf nahm. Dara n ändert schliesslich auch die Tatsa- che nichts, dass im Zwischenzeugnis vom 21. Februar 2014 das Verhalten der Versicherten als positiv bezeichnet wurde, sind doch bei der Würdigung v on Arbeitszeugnissen wegen der übli- chen Verklausulierung Vorbehalte anzubringen. Ebenso we nig kann aus den Schreiben der Bewohner etwas zu Gunsten der Versicherten abgeleitet werden. Dass sie als Pflegeassistentin auf persönlicher Ebene zu einigen Bewohnern des Heims ei nen guten und liebevollen Kontakt hatte und diese einfühlsam pflegte, schliesst nicht aus, dass sie gleichzeitig der Arbeitgeberin aus anderen Gründen Anlass zur Kündigung gab. 7.3 Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdefüh rerin mit ihrem Verhalten das Risiko, arbeitslos zu werden, zumindest eventualvorsätzlich in Kauf nahm. Ein pflichtwidriges Verhalten derselben ist in beweismässiger Hinsicht klar ausgewiesen und ein Verschulden an ihrer Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG und Art. 44 Abs. 1 AVIV demnach zu bejahen. Unter diesen Umständen hatte sie die Arbeit slosenkasse zu Recht wegen selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit vorübergehend in der Anspruchsberechtigung eingestellt. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Zu prüfen bleibt, ob die Anzahl der Einstelltage korrekt ermittelt worden ist. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl . Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsberec htigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschwerem (lit. b) und 31-60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens fällt die Arbeitslo senkasse ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die sozialversicherungsrechtliche Abtei- lung des Kantonsgerichts die angefochtene Verfügung auc h auf deren Angemessenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei der Beurteilung de r von der Arbeitslosenkasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. 8.2 Vorliegend hatte die Arbeitslosenkasse das Verhalten der Versicherten als mittelschwe- res Verschulden im oberen Bereich qualifiziert und setzte die Dauer der Einstellung auf 28 Tage fest. Dabei unterschritt sie die bei selbstverschuldeter Ar beitslosigkeit übliche Einstelldauer von 36 Tagen und berücksichtigte zu Gunsten der Beschwerdefüh rerin die Probleme am Arbeits- platz und das Verhalten der Arbeitgeberin. 8.3 Entsprechend den obigen Ausführungen (vgl. E. 7. 1 und 7.2 hiervor) muss der Versi- cherten insbesondere aufgrund ihres inadäquaten und d istanzlosen Verhaltens sowie ihrer mangelnden Präsenz ein Selbstverschulden hinsichtlich ihrer Arbeitslosigkeit angelastet wer- den. In Bezug auf die mangelnde Präsenz ist indes anz umerken, dass unklar bleibt, ob der Be- schwerdeführerin eine geistige oder eine physische Absenz vorgeworfen wird. Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Versicherte häufig krankheitsbedingt nicht zur Arbeit erschienen ist. Die- se Absenzen waren jedoch stets entschuldigt und können ihr daher nicht zur Last gelegt wer- den. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin können der Versicherten zudem weder die Verletzung von Rauchvorschriften noch die Verletzung von Sicherheitsvorschriften zum Vorwurf gemacht werden. Diese Verstösse waren zur Zeit der Kündigung nicht mehr aktuell. Die Verletzung der Rauchvorschriften lag anderthalb Jahre vor der Kündigung. Die Verwarnung im Juni 2014 betreffend die Sicherheitsvorschriften diente zum einen dazu, der Mitarbeiterin die Ernsthaftigkeit der Beanstandungen vor Augen zu führe n. Sie bot der Mitarbeiterin aber auch Gelegenheit, ihr Verhalten zu verbessern. Diese Gelegen heit hat die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften offenbar genutzt. Etwas anderes ist jeden- falls für die Zeit nach der Verwarnung nicht dargeta n. Insgesamt ist daher die auf 28 Tage fest- gelegte Einstellung in der Anspruchsberechtigung klar zu hoch. Unter Berücksichtigung aller Umstände des vorliegenden Einzelfalls wird daher der a ngefochtene Einspracheentscheid vom 14. September 2015 insofern abgeändert, als die Dauer der Einstellung von 28 Tagen auf 16 Tage reduziert und das Verschulden der Beschwerdeführer in somit als mittelschweres Ver- schulden im unteren Bereich qualifiziert wird. Die Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gut- zuheissen. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insofern teilweise gutgehei ssen, als in Abänderung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 14. September 2015 die Einstellungsdauer von 28 Tagen auf 16 Tage herabgesetzt wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht