<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 0/4] (B-Publikation ASA) </div> <div class="para">2A.388/1998/mks </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i> II. ÖFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG</i> </div> <div class="para"> ********************************** </div> <div class="para">3. Mai 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Wurzburger, Präsident der </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>II. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter Hartmann, Hungerbühler,</i> </div> <div class="para">Müller, Bundesrichterin Yersin und Gerichtsschreiber Häberli. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Steueramt des Kantons A a r g a u, Beschwerdeführer, </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">V.________,......................., Spanien, Beschwerdegegner, vertreten </div> <div class="para">durch Rechtsanwalt Dr. Marcel Buttliger, Igelweid 5, Postfach, Aarau, </div> <div class="para">Kantonales Steueramt Z ü r i c h, </div> <div class="para">Eidgenössische Steuerverwaltung, Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, </div> <div class="para">Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para"> <span class="artref">Art. 108 DBG</span> (Veranlagungsort einer </div> <div class="para"> Freizügigkeitsleistung aus beruflicher Vorsorge), </div> <div class="para">hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- V.________ (geb. 1946) war im Rahmen der beruflichen Vorsorge bei </div> <div class="para">der Versicherungskasse der Stadt Zürich versichert. Im Hinblick auf seine </div> <div class="para">geplante definitive Ausreise aus der Schweiz im Dezember 1996 verlangte er </div> <div class="para">die Auszahlung seines Alterskapitals in bar. Mit Formularschreiben vom 15. </div> <div class="para">November 1996 ersuchte ihn die Vorsorgeeinrichtung um zusätzliche Angaben und </div> <div class="para">Unterlagen; die Antwort des Versicherten traf (inkl. Zustimmungserklärung der </div> <div class="para">Ehefrau, vgl. Art. 5 Abs. 2 Bundesgesetzes vom 17. Dezember 1993 über die </div> <div class="para">Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und </div> <div class="para">Invalidenvorsorge [Freizügigkeitsgesetz, FZG; SR 831.42]) am 16. Dezember </div> <div class="para">1996 bei der Versicherungskasse ein. Per 1. Januar 1997 trat V.________ aus </div> <div class="para">der Versicherungskasse der Stadt Zürich aus, nachdem er sich auf den </div> <div class="para">20. Dezember 1996 bei der Einwohnerkontrolle seines Wohnorts (R.________/AG) </div> <div class="para">definitiv "nach Mexiko" abgemeldet hatte. Die Versicherungskasse berechnete </div> <div class="para">die Austrittsleistung von V.________ auf Fr. 169'610.30 (plus Zinsen von </div> <div class="para">Fr. 1'083.65; Schreiben vom 5. Februar 1997); diesen Betrag zahlte sie ihm am </div> <div class="para">17. Februar 1997 aus, abzüglich einer Quellensteuer von Fr. 11'817.05. </div> <div class="para"> B.- Mit Verfügung vom 16. Dezember 1996 (versandt am 28. Februar 1997) </div> <div class="para">erhob die Steuerkommission R.________ auf dem ausbezahlten Alterskapital </div> <div class="para">Staats- und Gemeindesteuern von Fr. 13'801.50 sowie direkte Bundessteuern von </div> <div class="para">Fr. 2'540.70 (Jahressteuer 1996). Nachdem V.________ hiergegen Einsprache </div> <div class="para">eingereicht hatte, holte die Gemeinde eine Stellungnahme des Steueramtes des </div> <div class="para">Kantons Aargau ein. Dieses äusserte sich am 4. Mai 1998 dahingehend, dass der </div> <div class="para">aargauische Steueranspruch jenem des Kantons Zürich vorgehe. </div> <div class="para"> In der Folge gelangte V.________ an die Eidgenössische Steuerverwaltung. </div> <div class="para">Diese entsprach seinem Antrag, in Anwendung von Art. 108 des Bundesgesetzes </div> <div class="para">vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) den </div> <div class="para">Veranlagungsort festzulegen. Sie bezeichnete den Kanton Zürich für die </div> <div class="para">Besteuerung der umstrittenen Kapitalleistung zuständig und hielt die </div> <div class="para">Steuerverwaltung des Kantons Aargau (bzw. der Gemeinde R.________) an, eine </div> <div class="para">Besteuerung zu unterlassen (Entscheid vom 30. Juni 1998). </div> <div class="para"> C.- Hiergegen hat das Steueramt des Kantons Aargau am 3. August 1998 </div> <div class="para">beim Bundesgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereicht mit dem Antrag, </div> <div class="para">den Entscheid der Eidgenössischen Steuerverwaltung aufzuheben. Gleichzeitig </div> <div class="para">verlangt sie, es sei die Steuerkommission R.________ zur Besteuerung der </div> <div class="para">Austrittsleistung zuständig zu erklären, welche die Versicherungskasse der </div> <div class="para">Stadt Zürich V.________ ausbezahlt habe. </div> <div class="para"> Das Bundesgericht heisst die Beschwerde teilweise gut, hebt den </div> <div class="para">angefochtenen Entscheid der Eidgenössischen Steuerverwaltung auf und weist </div> <div class="para">die Sache zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz </div> <div class="para">zurück, </div> <div class="para"> aus folgenden Erwägungen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- a) Ist der Ort der Veranlagung im Einzelfall ungewiss oder streitig, </div> <div class="para">wird er - wenn mehrere Kantone in Frage kommen - auf Antrag der </div> <div class="para">Veranlagungsbehörde, der kantonalen Verwaltung für die direkte Bundessteuer </div> <div class="para">oder des Steuerpflichtigen von der Eidgenössischen Steuerverwaltung bestimmt </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 108 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 DBG</span>); deren Entscheid unterliegt der </div> <div class="para">Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht (<span class="artref">Art. 108 Abs. 1 Satz 2 </span></div> <div class="para">DBG). Da das Steueramt des Kantons Aargau gestützt auf <span class="artref">Art. 108 Abs. 2 DBG</span> </div> <div class="para">befugt gewesen wäre, bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung das </div> <div class="para">Feststellungsverfahren einzuleiten, und - in seiner Funktion als Vertretung </div> <div class="para">des Kantons - durch den angefochtenen Entscheid in eigenen finanziellen </div> <div class="para">Interessen betroffen wird (vgl. <span class="artref">Art. 196 DBG</span>), ist es nach <span class="artref">Art. 103 lit. a </span></div> <div class="para">und lit. c OG beschwerdebefugt (vgl. auch das Urteil vom 20. November 1998, </div> <div class="para">in: StE 1999 B 92.13 5, E. 1e). Auf seine frist- und formgerecht eingereichte </div> <div class="para">Eingabe ist demnach einzutreten. </div> <div class="para"> 2.- a) Gemäss <span class="artref">Art. 3 Abs. 1 DBG</span> sind natürliche Personen, die ihren </div> <div class="para">steuerrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz haben, hier aufgrund persönlicher </div> <div class="para">Zugehörigkeit (unbeschränkt; vgl. <span class="artref">Art. 6 Abs. 1 DBG</span>) steuerpflichtig; </div> <div class="para">besteuert werden u.a. auch die Einkünfte aus beruflicher Vorsorge (vgl. <span class="artref">Art. </span></div> <div class="para">22 DBG). Ein steuerrechtlicher Wohnsitz in der Schweiz besteht insbesondere </div> <div class="para">dann, wenn sich die betroffene Person mit der Absicht dauernden Verbleibens </div> <div class="para">hier aufhält (<span class="artref">Art. 3 Abs. 2 DBG</span>). Die unbeschränkte Steuerpflicht endet, wenn </div> <div class="para">die (natürliche) Person verstirbt oder aus der Schweiz wegzieht (<span class="artref">Art. 8 Abs. </span></div> <div class="para">2 DBG). </div> <div class="para"> Veranlagt und bezogen wird die direkte Bundessteuer von den Kantonen </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 2 DBG</span>); bei natürlichen Personen sind grundsätzlich die Behörden jenes </div> <div class="para">Kantons örtlich zuständig, in dem der Steuerpflichtige zu Beginn der </div> <div class="para">Steuerperiode seinen steuerrechtlichen Wohnsitz hat (<span class="artref">Art. 105 Abs. 1 DBG</span>). </div> <div class="para"> b) Nach <span class="artref">Art. 91 ff. DBG</span> werden insbesondere verschiedene Gruppen von </div> <div class="para">natürlichen Personen, die im Ausland wohnhaft sind (d.h. in der Schweiz weder </div> <div class="para">steuerrechtlichen Wohnsitz noch Aufenthalt haben; vgl. <span class="artref">Art. 98 DBG</span>), einer </div> <div class="para">Quellensteuer unterworfen. Dies betrifft einmal Rentner, welche aufgrund </div> <div class="para">eines früheren öffentlichrechtlichen Arbeitsverhältnisses - von einer </div> <div class="para">Vorsorgekasse mit Sitz in der Schweiz - Pensionen, Ruhegehälter oder andere </div> <div class="para">Vergütungen erhalten (<span class="artref">Art. 95 DBG</span>); weiter unterliegen auch die Empfänger von </div> <div class="para">Leistungen aus schweizerischen privatrechtlichen Einrichtungen der </div> <div class="para">beruflichen Vorsorge oder aus anerkannten Formen der gebundenen </div> <div class="para">Selbstvorsorge einer Quellensteuer (<span class="artref">Art. 96 DBG</span>). Zu deren Erhebung ist nach </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 107 Abs. 2 Satz 1 DBG</span> der Kanton zuständig, in dem der Schuldner der </div> <div class="para">steuerbaren Leistung bei Fälligkeit seinen Sitz oder die Verwaltung (bzw. den </div> <div class="para">steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt) hat. </div> <div class="para"> 3.- Vorliegend ist streitig, ob die direkte Bundessteuer, welche der </div> <div class="para">Beschwerdegegner auf der bar bezogenen Freizügigkeitsleistung zu entrichten </div> <div class="para">hat, vom Kanton Aargau oder vom Kanton Zürich zu erheben ist. Entscheidend </div> <div class="para">für die Beantwortung dieser Frage ist, ob der Beschwerdegegner im Zeitpunkt, </div> <div class="para">in dem die Freizügigkeitsleistung steuerbar geworden ist, noch über einen </div> <div class="para">Wohnsitz in der Schweiz verfügt hat. Ist dies zu bejahen, so fällt die </div> <div class="para">Freizügigkeitsleistung unter die (noch bestehende) unbeschränkte </div> <div class="para">Steuerpflicht; gestützt auf <span class="artref">Art. 105 Abs. 1 DBG</span> ist dann der Kanton Aargau </div> <div class="para">als Wohnsitzkanton örtlich zuständig für die Steuererhebung. Hatte der </div> <div class="para">Beschwerdegegner im fraglichen Zeitpunkt nicht mehr Wohnsitz in der Schweiz, </div> <div class="para">so ist eine Quellensteuer nach <span class="artref">Art. 95 DBG</span> geschuldet, die der Kanton Zürich </div> <div class="para">- als Sitzkanton der Versicherungskasse der Stadt Zürich - zu erheben hat </div> <div class="para">(vgl. <span class="artref">Art. 107 Abs. 2 DBG</span>). </div> <div class="para"> a) Die Vorinstanz hat argumentiert, Einkommen in Geldform werde dann mit </div> <div class="para">der direkten Bundessteuer erfasst, wenn der Pflichtige die Verfügungsgewalt </div> <div class="para">darüber erlange. Dies sei bei der vorliegend interessierenden </div> <div class="para">Freizügigkeitsleistung mit deren Auszahlung am 5. (recte: 17.) Februar 1997 </div> <div class="para">der Fall gewesen. Zum damaligen Zeitpunkt habe der Beschwerdegegner bereits </div> <div class="para">in Spanien Wohnsitz gehabt, weshalb die Vorsorgeeinrichtung durch Art. 95 in </div> <div class="para">Verbindung mit <span class="artref">Art. 100 DBG</span> verpflichtet gewesen sei, von der </div> <div class="para">Austrittsleistung eine Quellensteuer zurückzubehalten; zuständig für deren </div> <div class="para">Erhebung sei der Kanton Zürich. Demgegenüber macht das Steueramt des Kantons </div> <div class="para">Aargau geltend, Freizügigkeitsleistungen seien im Zeitpunkt ihrer Fälligkeit </div> <div class="para">zu besteuern. Dies ergebe sich klar aus dem Wortlaut von Art. 84 des </div> <div class="para">Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- </div> <div class="para">und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40). Vorliegend sei die Fälligkeit am 16. </div> <div class="para">Dezember 1996 eingetreten, als das Barauszahlungsbegehren des </div> <div class="para">Beschwerdegegners bei der Vorsorgeeinrichtung eingegangen sei. Weil der </div> <div class="para">Beschwerdegegner damals noch im Kanton Aargau wohnhaft gewesen sei, stehe das </div> <div class="para">Besteuerungsrecht diesem zu. </div> <div class="para"> b) In welchem Zeitpunkt Leistungen aus beruflicher Vorsorge steuerbar </div> <div class="para">sind, wird auch in der Literatur kontrovers diskutiert. </div> <div class="para"> Ausgehend von der Tatsache, dass Ansprüche aus Vorsorgeeinrichtungen vor </div> <div class="para">ihrer Fälligkeit steuerbefreit sind (<span class="artref">Art. 84 BVG</span>), wird die Meinung </div> <div class="para">vertreten, sie seien zu besteuern, wenn sie fällig würden (Danielle Yersin, </div> <div class="para">L'échéance des prestations provenant du 2ème pilier et du 3ème pilier A et le </div> <div class="para">moment de leur imposition, in: StR 45/1990 S. 233 ff.; Felix Richner, </div> <div class="para">Zeitpunkt des Zufliessens von Leistungen der beruflichen Vorsorge und der </div> <div class="para">gebundenen Selbstvorsorge, in: ASA 62 S. 513 ff., namentlich S. 524). Dabei </div> <div class="para">trete die Fälligkeit von Freizügigkeitsleistungen grundsätzlich am letzten </div> <div class="para">Tag des Arbeitsverhältnisses ein. Werde ein Barauszahlungsbegehren erst </div> <div class="para">später gestellt, so werde die Austrittsleistung am Tag fällig, an dem das </div> <div class="para">Begehren bei der Vorsorgeeinrichtung eintreffe (Richner, a.a.O., S. 533 ff.; </div> <div class="para">vgl. auch: Jürg Brühwiler, Die betriebliche Personalvorsorge in der Schweiz, </div> <div class="para">Bern 1989, S. 524 f.; anderer Meinung Yersin, a.a.O., S. 235: Eintritt des </div> <div class="para">Barauszahlungsgrundes). </div> <div class="para"> Nach der Gegenmeinung ist für den steuerbaren Einkommenszufluss der </div> <div class="para">Zeitpunkt massgebend, in dem die Freizügigkeitsleistung ausbezahlt wird. Dies </div> <div class="para">wird zunächst damit begründet, dass Einkommen in der Form von Geld </div> <div class="para">regelmässig erst dann steuerlich zuzurechnen sei, wenn es durch Barzahlung </div> <div class="para">(oder Überweisung auf ein Konto) in das Vermögen des Steuerpflichtigen </div> <div class="para">übergehe (Gotthard Steinmann, Aktuelle Anwendungsfälle und Entwicklungen bei </div> <div class="para">der gebundenen und freien Vorsorge aus der Sicht der EStV, in: StR 51/1996 S. </div> <div class="para">16 f.). Im Besonderen wird jedoch auf Gründe der Praktikabilität verwiesen </div> <div class="para">(Wolfgang Maute/Martin Steiner/Adrian Rufener, Steuern und Versicherungen, </div> <div class="para">Überblick über die steuerliche Behandlung von Versicherungen, 2. Auflage, </div> <div class="para">Muri b. Bern 1999, S. 158 f.; Rainer Zigerlig/Adrian Rufener, in: </div> <div class="para">Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Band I/1: </div> <div class="para">Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und </div> <div class="para">Gemeinden, N. 26 zu <span class="artref">Art. 35 StHG</span>). </div> <div class="para"> c) Grundsätzlich ist für die Einkommensbesteuerung der Zeitpunkt </div> <div class="para">entscheidend, in welchem der Steuerpflichtige einen festen Rechtsanspruch auf </div> <div class="para">die Leistung erwirbt, über den er tatsächlich verfügen kann (Urteil vom 13. </div> <div class="para">Dezember 1996 in: ASA 66 S. 561 f.). Nicht massgebend ist der </div> <div class="para">Forderungserwerb, wenn die Befriedigung des Anspruchs unsicher ist; diesfalls </div> <div class="para">ist mit der Besteuerung bis zur tatsächlichen Erfüllung zuzuwarten (BGE 105 </div> <div class="para">Ib 238 E. 4a S. 242, mit Hinweisen). Bei Geldleistungen wird allerdings </div> <div class="para">regelmässig auf den Zeitpunkt der Auszahlung abgestellt (so insbesondere für </div> <div class="para">unselbständiges Erwerbseinkommen; vgl. Urteil vom 3. Juli 1974 in: ASA 44 S. </div> <div class="para">343, wo als frühest möglicher Zeitpunkt der Realisierung nicht die </div> <div class="para">Entstehung, sondern die Fälligkeit der Forderung bezeichnet wird). Nach den </div> <div class="para">dargestellten Grundsätzen sind auf die Frage, wann eine bar ausbezahlte </div> <div class="para">Freizügigkeitsleistung steuerbar wird, in der Tat verschiedene Antworten </div> <div class="para">denkbar. Für die vom Kanton Aargau befürwortete Besteuerung bei </div> <div class="para">Fälligkeitseintritt (der gegebenenfalls noch zeitlich festzulegen wäre) </div> <div class="para">spricht, dass dann regelmässig ein fester Rechtsanspruch entsteht. </div> <div class="para">Andererseits erscheint, weil es sich um Geldleistungen handelt, auch denkbar, </div> <div class="para">die Steuer (erst) bei Auszahlung zu erheben, wie es die Vorinstanz und der </div> <div class="para">Kanton Zürich für richtig halten. Diese Vorgehensweise wird im Übrigen durch </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 84 BVG</span> nicht ausgeschlossen: Die betreffende Bestimmung verbietet </div> <div class="para">lediglich, Steuern auf Vorsorgeansprüchen zu erheben, bevor diese fällig </div> <div class="para">sind; aus ihr lässt sich nicht ableiten, dass die Steuern tatsächlich im </div> <div class="para">Zeitpunkt der Fälligkeit geschuldet sind (anders insbesondere: Richner, </div> <div class="para">a.a.O., S. 524). </div> <div class="para"> 4.- a) Die Vorinstanz geht mit den Parteien davon aus, der </div> <div class="para">Beschwerdegegner habe nach dem 20. Dezember 1996 keinen Wohnsitz in der </div> <div class="para">Schweiz mehr gehabt. Trifft diese Sachverhaltsannahme zu, so ist </div> <div class="para">ausgeschlossen, dass vorliegend der Kanton Aargau für die Steuererhebung </div> <div class="para">zuständig ist: Die Freizügigkeitsleistung wurde nach dem 20. Dezember 1996 </div> <div class="para">fällig und kam erst am 17. Februar 1997 zur Auszahlung. Unabhängig davon, </div> <div class="para">welcher der beiden Vorgänge für die Besteuerung massgebend ist, hätte zum </div> <div class="para">Zeitpunkt, in welchem die Steuerbarkeit eintrat, kein Wohnsitz in der Schweiz </div> <div class="para">mehr bestanden. Demnach wäre so oder anders eine Quellensteuer zu erheben. </div> <div class="para"> b) Das Steueramt des Kantons Aargau, das einen anderen Standpunkt </div> <div class="para">vertritt, verkennt, dass die Austrittsleistung vorliegend unmöglich bereits </div> <div class="para">mit der Stellung des Barauszahlungsbegehrens fällig werden konnte: </div> <div class="para"> Am 16. Dezember 1996 - dem Zeitpunkt, in welchem das </div> <div class="para">Barauszahlungsbegehren des Beschwerdegegners bei der Versicherungskasse der </div> <div class="para">Stadt Zürich eintraf - dauerten das Arbeitsverhältnis und das damit </div> <div class="para">verbundene (obligatorische) Vorsorgeverhältnis noch an. Bis und mit dem 31. </div> <div class="para">Dezember 1996, dem Zeitpunkt in dem die Anstellung des Beschwerdegegners </div> <div class="para">(auch) formell beendet war, stand dieser im Genuss des Versicherungsschutzes </div> <div class="para">aus beruflicher Vorsorge. Wäre er beispielsweise noch verstorben, bevor er am </div> <div class="para">1. Januar 1997 aus der Versicherungskasse der Stadt Zürich ausschied, wäre </div> <div class="para">allenfalls eine Witwen- bzw. Waisenrente für Hinterbliebene geschuldet </div> <div class="para">gewesen (vgl. <span class="artref">Art. 18 ff. BVG</span>). Einen Anspruch auf die Freizügigkeitsleistung </div> <div class="para">hätte der Beschwerdegegner (bzw. seine Erben) nicht erworben. Ein </div> <div class="para">Freizügigkeitsfall liegt nur vor, wenn das Arbeitsverhältnis und das damit </div> <div class="para">verbundene (obligatorische) Versicherungsverhältnis vollständig beendet sind, </div> <div class="para">ohne dass ein Vorsorgefall (Alter, Tod oder Invalidität) eingetreten ist </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 2 Abs. 1 FZG</span>; für das alte Recht: <span class="artref">Art. 27 Abs. 2 BVG</span>, in Kraft bis zum </div> <div class="para">31. Dezember 1994; vgl. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=01.05.2000&amp;to_date=20.05.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-V-445%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page445">BGE 120 V 445</a> E. 5b/aa S. 452). Mithin konnte </div> <div class="para">ein Freizügigkeitsanspruch des Beschwerdegegners gar nicht entstehen </div> <div class="para">(geschweige denn fällig werden), bevor dieser aus der Vorsorgeeinrichtung </div> <div class="para">ausgeschieden war. </div> <div class="para"> Daran ändert nichts, dass der Beschwerdegegner die Barauszahlung schon </div> <div class="para">vor Beendigung des Versicherungsverhältnisses beantragt hat. Selbst wenn die </div> <div class="para">Austrittsleistung grundsätzlich im Moment fällig werden sollte, in dem ihre </div> <div class="para">Auszahlung verlangt wird, kann dies nur für jene Fälle gelten, in denen der </div> <div class="para">Steuerpflichtige das Begehren nach dem Austritt aus der Vorsorgeeinrichtung </div> <div class="para">stellt. Solange seine Mitgliedschaft noch besteht, kann keine </div> <div class="para">Freizügigkeitsleistung geschuldet sein. Das Barauszahlungsbegehren ist zwar - </div> <div class="para">wie das Steueramt zu Recht bemerkt - ein Gestaltungsrecht; vor dem Austritt </div> <div class="para">aus der Vorsorgeeinrichtung führt seine Ausübung jedoch nicht zur Entstehung </div> <div class="para">eines Anspruchs, weil - mit dem Austritt - noch eine (Suspensiv-) Bedingung </div> <div class="para">ihrer Erfüllung harrt. </div> <div class="para"> 5.- Die Frage, ob und wieweit Freizügigkeitsleistungen mit der </div> <div class="para">Fälligkeit oder mit der Auszahlung zu besteuern sind, braucht indessen </div> <div class="para">vorliegend nicht abschliessend beantwortet zu werden. Es ist nämlich nicht </div> <div class="para">rechtsgenüglich erstellt, wann der Beschwerdegegner seinen Wohnsitz in </div> <div class="para">R.________ (AG) aufgegeben hat. </div> <div class="para"> a) Für eine Wohnsitzverlegung genügt nicht, dass die Verbindungen zum </div> <div class="para">bisherigen Wohnsitz gelöst wurden; entscheidend ist vielmehr, dass nach den </div> <div class="para">gesamten Umständen ein neuer Wohnsitz begründet worden ist. Obschon das </div> <div class="para">Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer - anders als noch der </div> <div class="para">Bundesratsbeschluss (BdBSt; in Kraft bis Ende 1994) - zur Umschreibung des </div> <div class="para">steuerlichen Wohnsitzes nicht mehr (ausdrücklich) auf das Zivilgesetzbuch </div> <div class="para">(<span class="artref"><artref id="CH/210/23" type="start"></artref>Art. 23 - 26 ZGB</span><artref id="CH/210/26" type="end"></artref>) verweist, hat sich der rechtliche Gehalt dieses Begriffs </div> <div class="para">nicht verändert: Nach wie vor gilt, dass niemand an mehreren Orten zugleich </div> <div class="para">Wohnsitz haben kann. Gleichermassen bleibt - wie nach altem Recht - der </div> <div class="para">einmal begründete Wohnsitz grundsätzlich bis zum Erwerb eines neuen bestehen. </div> <div class="para">Nicht entscheidend ist deshalb, wann der Steuerpflichtige sich am bisherigen </div> <div class="para">Wohnort abgemeldet oder diesen verlassen hat (Peter Agner/Beat Jung/Gotthard </div> <div class="para">Steinmann, Kommentar zum Gesetz über die direkte Bundessteuer, Zürich 1995, </div> <div class="para">N. 2 zu <span class="artref">Art. 3 DBG</span>; Xavier Oberson, Droit fiscal suisse, Basel 1998, S. 54; </div> <div class="para">vgl. auch: Heinz Masshardt, Kommentar zur direkten Bundessteuer, 2. Auflage, </div> <div class="para">Zürich 1985, N. 3 zu <span class="artref">Art. 4 BdBSt</span>). Begibt er sich ins Ausland, so hat er die </div> <div class="para">direkte Bundessteuer zu entrichten, bis er nachweisbar im Ausland einen neuen </div> <div class="para">Wohnsitz begründet (vgl. Urteil vom 15. März 1991 in: ASA 60 S. 501). </div> <div class="para"> b) Wieweit diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt sind, kann aufgrund </div> <div class="para">der vorhandenen Akten nicht schlüssig beantwortet werden. Die Vorinstanz hat </div> <div class="para">es unterlassen, abzuklären, zu welchem Zeitpunkt der Schweizer Wohnsitz des </div> <div class="para">Steuerpflichtigen durch einen neuen ausländischen abgelöst worden ist; sie </div> <div class="para">hat lediglich festgehalten, dass sich der Beschwerdegegner "per 20. Dezember </div> <div class="para">resp. 31. Dezember 1996 (Beendigung des Arbeitsverhältnisses) ins Ausland </div> <div class="para">abgemeldet" habe. Ohne weitere Begründung schloss sie, am 5. Februar habe er </div> <div class="para">bereits über einen "Wohnsitz im Ausland (Spanien) " verfügt. Vom </div> <div class="para">Beschwerdegegner selbst liegen nur ungenaue und widersprüchliche Angaben vor: </div> <div class="para">Auf dem "Fragebogen für Wegzüger ins Ausland", den ihm die Gemeinde </div> <div class="para">R.________ zugestellt hatte, erklärte er am 11. Dezember 1996 die Absicht, </div> <div class="para">für ein Jahr nach Mexiko zu ziehen und erst später nach Spanien übersiedeln </div> <div class="para">zu wollen; für keinen der beiden Staaten gab er eine Adresse an. Bereits </div> <div class="para">Mitte Dezember 1996 teilte er jedoch der Versicherungskasse der Stadt Zürich </div> <div class="para">seine jetzige Anschrift in Spanien als neue Adresse mit. Aus den Akten ist </div> <div class="para">nicht ersichtlich, ob, für wie lange und zu welchem Zweck der </div> <div class="para">Beschwerdegegner allenfalls in Mexiko weilte. Unklar bleibt auch, wann er </div> <div class="para">effektiv nach Spanien umgezogen ist, wie seine dortigen Wohnverhältnisse sind </div> <div class="para">und wie er seinen Lebensunterhalt bestreitet. Ferner sind das Schicksal der </div> <div class="para">Liegenschaft, welche der Beschwerdegegner offenbar in R.________ besitzt </div> <div class="para">(oder besessen hat), und die Intensität allfällig fortbestehender Beziehungen </div> <div class="para">zur Schweiz unbekannt. </div> <div class="para"> c) Ohne zumindest die Antwort auf einige dieser Fragen zu kennen, kann </div> <div class="para">nicht entschieden werden, wann der Beschwerdegegner im Ausland einen neuen </div> <div class="para">steuerlichen Wohnsitz begründet hat. Nicht auszuschliessen ist, dass sein </div> <div class="para">Domizil in R.________ noch bis zur Fälligkeit oder sogar bis zur Auszahlung </div> <div class="para">der Freizügigkeitsleistung fortbestand. Es wäre deshalb selbst dann nicht </div> <div class="para">möglich, über die örtliche Zuständigkeit der kantonalen Steuerbehörden zu </div> <div class="para">entscheiden, wenn der Zeitpunkt, an dem die Freizügigkeitsleistung zu </div> <div class="para">besteuern ist, an sich feststünde (vgl. E. 3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 3. Mai 2000 </div> </div></body></html>