B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1730/2018 U r t e i l v o m 14 . J u l i 2 0 2 0 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Pakistan, vertreten durch Suzanne Stotz, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 15. Februar 2018 / N (…). D-1730/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge (…) und gelangte über verschiedene Länder am 10. Dezember 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs - und Asylzentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. B. B.a Der Beschwerdeführer wurde am 6. Januar 2016 summarisch zu sei- ner Person, seinem Reiseweg sowie zu seinen Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 22. Januar 2018 wurde er eingehend zu seinen Asylgründen angehört. B.b Anlässlich dieser Befragungen gab er zu seinem persönlichen Hinter- grund an, er sei ein pakistanischer Staatsangehöriger, paschtunischer Eth- nie und stamme aus dem Dorf C._______ (Provinz D._______), wo er zu- sammen mit seinen Eltern und seinen Geschwistern gelebt habe. (…) habe er im familiären (…) mitgearbeitet. Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er im Wesentlichen aus, die Taliban hätten ihn aufgefordert, in den Jihad zu ziehen, und ihn schikaniert. Als der Krieg ausgebrochen sei, sei er mit seiner Familie zunächst in ein Flüchtlingslager in E._______ und anschliessend weiter nach F._______ geflüchtet. (…) habe er Pakistan illegal verlassen und sei via den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Öster- reich und Deutschland in die Schweiz gelangt. C. Im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdeführer weder Unterlagen zum Nachweis seiner Identität noch zur Stützung seiner Vorbringen zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 1 5. Februar 2018 – eröffnet am 23. Februar 2018 – verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh- rers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. E. E.a Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch die mandatierte Rechtsvertreterin – mit Eingabe vom 21. März 2018 D-1730/2018 Seite 3 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zu- mindest die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und die vorläu- fige Aufnahme als Ausländer anzuordnen. In pro zessualer Hinsicht er- suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor- schusses. E.b Als Beweismittel lagen der Beschwerde eine Vollmacht vom 19. März 2018, eine Kopie des a ngefochtenen Entscheids der Vorinstanz vom 15. Februar 2018 sowie ein Kurzbericht von G._______ vom (…) der (…) vom 16. März 2018 bei. F. Mit Schreiben vom 28. März 2018 wurde der Eingang der Beschwerde vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt. G. G.a Mit Zwischenverfügung vom 5. April 2018 hielt der damals zuständige Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver- fahrens in der Schweiz abwarten. Weiter wurde er aufgefordert innert an- gesetzter Frist eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder einen Kos- tenvorschuss zu überweisen. G.b Mit Eingabe vom 6. April 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Für- sorgebestätigung der (…) vom 5. April 2018 ein. G.c Mit Zwischenverfügung vom 12. April 2018 wurde das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Sodann wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. G.d In der Vernehmlassung vom 8. Mai 2018 hielt das SEM an seiner Ver- fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. G.e Mit Instruktionsverfügung vom 15. Mai 2018 wurde dem Beschwerde- führer die Vernehmlassung der Vorinstanz zugestellt und Gelegenheit zur Einreichung einer Replik geboten. G.f Der Beschwerdeführer nahm dazu in seiner Replik vom 30. Mai 2018 Stellung. D-1730/2018 Seite 4 H. Mit Eingabe vom 22. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer ein auf Farsi verfasstes Antragsformular, ein Dokument mit dem Titel «Certificate» sowie eine Kopie eines Briefumschlags ein. I. Mit Eingabe vom 20. Februar 2019 wurde ein Austrittsbericht der (…) vom 5. Februar 2019 als Beweismittel zu den Akten gereicht. J. Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Beschwerdever- fahren im Dezember 2019 zur Behandlung auf Richter Hans Schürch über- tragen. K. K.a Mit Zwischenverfügung vom 24. März 2020 wurde dem Beschwerde- führer die Gelegenheit eingeräumt, allfällige weitere Ergänzungen und Be- weismittel einzureichen. K.b Mit Eingabe vom 22. April 2020 reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht der (…) vom 20. April 2020 ein. K.c Mit Verfügung vom 28. April 2020 liess der Instruktionsrichter dem SEM das nachgereichte Beweismittel mitsamt Akten zukommen und lud es zur Einreichung einer ergänzenden Vernehmlassung ein. K.d Das SEM hielt in seiner zweiten Vernehmlassung vom 19. Mai 2020 weiterhin an seinen Erwägungen fest und v erzichtete auf weitere Ausfüh- rungen. K.e Diese wurde dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 25. Mai 2020 weitergeleitet und ihm Gelegenheit geboten , eine weitere Stellungnahme einzureichen. K.f Innert erstreckter Frist liess der Beschwerdeführer mit Eingab e vom 8. Juni 2020 eine weitere Stellungnahme mit einem ergänzenden Kurzbe- richt von G._______ vom (…) vom 4. Juni 2020 als Beilage einreichen. Zu- dem ersuchte er das Bundesverwaltungsgericht darum, mit der Urteilsfin- dung abzuwarten, bis er die von ihm in Au ssicht gestellten zusätzlichen Beweismittel für die Anwesenheit seiner Familie in H._______, Afghanis- tan, nachgereicht habe. D-1730/2018 Seite 5 K.g Mit Instruktionsverfügung vom 10. Juni 2020 wurde sein Gesuch , mit der Urteilsfindung abzuwarten, – mit Verweis auf Art. 32 VwVG – abgewie- sen. Sodann wurde seine Eingabe der Vorinstanz zur Kenntnisnahme zu- gestellt. L. Mit Eingabe vom 9. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer 16 Fotogra- fien, angeblich von seinen Familienangehörigen an verschiedenen Orten in H._______, Afghanistan, sowie die Kopie einer DHL-Bestätigung einer Sendung aus I._______, Afghanistan, zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG; SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgül- tig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezem- ber 2005 (AuG; SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG; SR 142.20) umbenannt. Die vorliegend anzu- wendenden Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) sind unverändert vom AuG D-1730/2018 Seite 6 ins AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeichnung verwendet. 1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher als Verfügungsadressat zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlin gen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Entschei- den dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Feb- ruar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert], m.w.H.).D-1730/2018 Seite 7 4. 4.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Asylentscheids qualifizierte die Vorinstanz die Asylvorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht entsprechend, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Im Einzelnen hielt sie fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden sich in zahlreichen zentralen Pun kten widersprechen. So habe bis zum Schluss nicht geklärt werden können, ob er in die Schule gegangen sei oder nicht. In der BzP habe er hierzu ausgesagt, die Schule in C._______ bis zur achten Klasse besucht zu haben. Dort soll er sich auch aufgehalten haben, als er von den Taliban angesprochen und aufgefordert worden sei, die Schule zu verlassen und stattdessen in den Jihad zu ziehen. In der Anhörung habe er indes zunächst angegeben, über keine Schulbildung zu verfügen. Dagegen habe er später behauptet, (…) seiner Familie gearbei- tet zu haben, nachdem er mit der Schule aufgehört habe. An anderer Stelle habe er vorgebracht, (…), (…) oder (…) die Schule abgebrochen zu haben. Weiter erwog die Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe in der Erstbefra- gung als Grund für die Flucht aus seiner Heimatregion die Schikanen der Taliban angeführt. Weil er eine DVD bei sich gehabt habe, sei es zu einer Auseinandersetzung mit den Taliban gekommen, wobei er von diesen ver- prügelt worden sei. Demgegenüber habe er seine Asylgründe in der Anhö- rung komplett anders geschildert und geltend gemacht, es sei zu zwei ge- waltsamen Zusammentreffen mit den Taliban gekommen. Beim ersten Vor- fall sei es wegen einer Bagatelle zu einem Streit gekommen, wobei er mit einer Kalaschnikow auf die Talib an geschossen habe. Beim zweiten Mal habe er sich (…) auf dem Nachhauseweg befunden, als er wegen einer DVD, welche er bei sich gehabt habe, von den Taliban geohrfeigt worden sei. Anschliessend sei er inhaftiert und gefoltert worden. Erst nach unge- fähr einer Woche sei er gegen Bezahlung eines Lösegeldes aus dem Ge- fängnis wieder entlassen worden. Sodann hielt die Vorinstanz fest, dass die Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Anhörung hinsichtlich der zeitlichen Dauer seines Aufenthalts in F._______ vor seiner Ausreise aus Pakistan nicht kohärent ausgefallen seien. Schliesslich habe er die Frage, ob er auch in F._______ mit den Taliban Probleme gehabt habe, trotz mehrfachem Nachfragen nicht nachvollziehbar beantworten können. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das SEM als zulässig, da nicht da- von auszugehen sei, dass dem Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine Behandlung oder D-1730/2018 Seite 8 Strafe drohen würde, die mit Art. 3 EMRK nicht vereinbar sei. Weiter wür- den weder die in Pakistan herrschende politische Situation noch individu- elle Gründe den Wegweisungsvollzug unzumutbar erscheinen lassen. Überdies sei der Vollzug technisch möglich und praktisch durchführbar. 4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Beschwerdeschrift, den Pro- tokollen der BzP und der Anhörung sei zu entnehmen, dass er grosse Mühe bekundet habe, die ihm gestellten Fragen zu erfassen und richtig einzuordnen. Er sei offensichtlich überfordert gewesen, weshalb seine An- gaben teilweise unvereinbar ausgefallen seien. Dabei habe er nicht beab- sichtigt, die Vorinstanz über seine Fluchtgründe zu täuschen, sondern sei intellektuell schlicht nicht in der Lage gewesen, diese widerspruchsfrei und nachvollziehbar zu schildern. Dem eingereichten Kurzbericht der (…) vom 16. März 2018 sei zu entnehmen, dass es ihm aufgrund seiner kognitiv ein- geschränkten Leistungsfähigkeit nicht möglich sei, komplexere Sachver- halte zu erfassen und schlüssig wiederzugeben. Deshalb müssten seine diesbezüglichen Einschränkungen mittels einer psychiatrischen und neu- ropsychologischen Abklärung festgestellt werden, bevor seine anlässlich der Befragungen gemachten Aussagen adäquat eingeordnet werden könn- ten. Allenfalls sei er – unter Berücksichtigung seiner kognitiven Defizite – erneut anzuhören. Weiter rügte der Beschwerdeführer, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt, indem weder der geltend gemach- ten Gefangennahme durch die Taliban noch der aktuellen Situation seiner Familie vertiefter nachgegangen worden sei. Der Wegweisungsvollzug sei unter Berücksichtigung seiner persönlichen Situation unzumutbar, weshalb er vorläufig in der Schweiz aufzunehmen sei. Er stamme aus der Region J._______, welche in jüngerer Vergangen- heit durch gewaltsame Konflikte erschüttert worden sei und als Hochburg der Taliban gelte. Eine Rückkehr sei keine Option. Zwar würden sich seine Familienmitglieder als intern vertriebene Flüchtlinge zurzeit in F._______ aufhalten, wo sie unter sehr schwierigen Bedingungen leben würden. Da sie von den Behörden jedoch aufgefordert worden seien, die Stadt zu ver- lassen, beabsichtige seine Familie nach H._______ auszuwandern. 4.3 Das SEM vertrat in der Vernehmlassung die Ansicht, dass eine weitere Anhörung nicht notwendig sei, da auch eine psychisch belastete respektive traumatisierte oder kognitiv eingeschränkte Person korrekte Angaben über Geschehnisse machen könne. Eine – wie vom Beschwerdeführer geltend D-1730/2018 Seite 9 gemachte – Beeinträchtigung durch Stress, Träume oder eingeschränkte Leistungsfähigkeit hätte sich im Übrigen in seinem gesamten Aussage- und Erzählverhalten und nicht nur punktuell gezeigt. Hierfür verwies die Vorinstanz auf entsprechende Textpassagen im Anhörungsprotokoll. Den Vorwurf, der Sachverhalt sei nicht vollständig abgeklärt worden, wies das SEM zurück. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Entführung durch die Taliban sei im Rahmen der BzP mit keinem Wort erwähnt worden, weshalb diese als nachgeschoben gelte und dementsprechend nicht im Detail zu prüfen sei. Betreffend die Wegweisung führte die Vorinstanz aus, die Sicherheitslage in der Region J._______, welche zu den Stammesgebieten unter Bundes- verwaltung (Federally Administred Tribal Areas, FATA) gehöre, habe sich in den letzten Jahren zwar stabilisiert, sei aber immer noch kritisch, wes- halb eine Rückkehr nach K._______ auch nicht in Erwägung gezogen wor- den sei. Demgegenüber erscheine eine Rückkehr nach F._______ auf- grund verschiedener begünstigender Faktoren als zumutbar. Der Be- schwerdeführer habe vor seiner Ausreise zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern (…) Jahre dort gelebt, ausserdem liege es ausserhalb der FATA in der Provinz L._______, welche gemäss Rechtsprechung des Bun- desverwaltungsgerichts als relativ sicherer Zufluchtsort für intern vertrie- bene Personen gelte. Da davon ausgegangen werde, dass der Beschwer- deführer in seiner Heimatregion während acht Jahren die Schule besucht und zusammen mit seiner Familie einen (…) betrieben habe, sei nicht er- sichtlich, weshalb er in F._______ nicht einer ähnlichen Arbeit nachgehen könne. Bezüglich seines Beziehungsnetzes in Pakistan hielt die Vorinstanz fest, die Familie des Beschwerdeführers habe im Zeitpunkt der Anhörung am 22. Januar 2018 seit rund (…) Jahren in F._______ gewohnt. Dass sie aus- gerechnet nach dem Wegweisungsentscheid beschlossen haben soll, Pa- kistan zu verlassen, sei bezeichnend und werde angezweifelt. 4.4 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Replik, aus den von der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung aufgeführten Textauszügen des Anhö- rungsprotokolls seien – entgegen deren Ansicht – die Defizite in seinem Aussage- und Erzählverhalten deutlich erkennbar. Daher halte er weiterhin daran fest, dass es notwendig sei, den Sachverhalt erneut abzuklären und ihn entsprechend seiner eingeschränkten kognitiven Leistungsfähigkeit an- zuhören. D-1730/2018 Seite 10 Soweit die Vorinstanz eine Rückkehr nach F._______ in Erwägung ziehe, verkenne sie die schwierige Lage, in welcher sich die intern vertriebenen Flüchtlinge aus den FATA-Gebieten dort befinden würden. Seine Familie sei von den Behörden schikaniert und unter Druck gesetzt worden, die Stadt zu verlassen, weil sie als M._______ aus J._______ unter den Ge- neralverdacht gestellt würden, Terroristen zu sein und mit den Taliban zu- sammenzuarbeiten. In der Zwischenzeit seien seine Eltern sowie seine Ge- schwister deshalb nach H._______ ausgewandert. Der Beschwerdeführer qualifizierte eine Rückkehr als unzumutbar, da er über kein Beziehungs- netz mehr in Pakistan verfüge, welches ihm bei einer Rückkehr Unterstüt- zung leisten könnte, und er sich angesichts seiner verminderten Leistungs- fähigkeit nicht selbständig eine Lebensgrundlage aufbauen könne. 4.5 In ihrer ergänzenden Vernehmlassung führte die Vorinstanz bezüglich des vom Beschwerdeführer am 22. Juni 2018 eingereichten und auf Farsi verfassten Dokuments aus, dass es sich dabei um ein vorgedrucktes An- tragsformular des Migrationsamtes der Provinz H._______ handle, wel- ches von den Einwohnern Afghanistans als Blanko käuflich erworben wer- den könne. Gestützt auf die durchgeführte Dokumentenanalyse komme dem Formular keine Beweiskraft zu. Darüber hinaus werfe das Dokument inhaltliche Fragen auf, weshalb seine Echtheit angezweifelt werde. Weiter sei auch dem vorgelegten «Certificate» nur geringe Beweiskraft zuzuspre- chen. Der Inhalt des Dokuments werde lediglich durch die vorhanden en Stempel und Unterschriften bestätigt. Die Echtheit könne zwar nicht über- prüft werden, jedoch sei es in Afghanistan relativ einfach, sich mittels Schmiergeld formell authentische Dokumente mit dem gewünschten Inhalt bei den hierfür zuständigen Behörden zu beschaffen. Da die geltend gemachte Verfolgung in Pakistan nicht geglaubt werden könne, sei dementsprechend davon auszugehen, dass die gemäss Arztbe- richt der (…) vom 20. April 2020 bestehenden psychischen Probleme des Beschwerdeführers hauptsächlich mit seiner Situation in der Schweiz im Zusammenhang stünden. Damit stelle seine Depression kein Wegwei- sungshindernis dar. Im Gegenteil sei anzunehmen, dass sich sein Gesund- heitszustand bei seiner Familie und in einem familiären kulturellen und sprachlichen Umfeld stabilisieren dürfte. 4.6 In seiner Eingabe vom 8. Juni 2020 entgegnete der Beschwerdeführer, er zweifle nicht an der Echtheit der eingereichten Dokumente und sei da- von überzeugt, dass seine Familie die Beweismittel nicht durch Schmier- gelder erhalten habe. Sie seien viel zu arm und könnten nicht genügend D-1730/2018 Seite 11 Geld aufbringen, um solche Dokumente käuflich zu erwerben. Weiter seien die Angaben gemäss «Certificate» stimmig. Seine Familie sei im (…) in die Provinz H._______ eingereist. Die Gründe, weshalb seine Fami lie F._______ verlassen habe, seien bereits nachvollziehbar dargelegt worden und es bestünde kein Anlass, daran zu zweifeln, dass seine Familie sich nicht mehr in Pakistan befinde. Ferner werde im ergänzenden Kurzbericht vom (…) vom 4. Juni 2020 bestätigt, dass die Situation seiner Familie in Afghanistan in den Beratungsgesprächen immer wieder thematisiert wor- den sei. Der Ansicht der Vorinstanz, wonach die Depression des Beschwerdefüh- rers kein Wegweisungsvollzugshindernis darstelle, sei zu wiedersprechen. So werde im psychiatrischen Arztbericht vom 20. April 2020 ausdrücklich festgehalten, dass davon auszugehen, er sei den Herausforderungen einer Ausweisung psychisch nicht gewachsen. Gemäss dem behandelnden Arzt würde allerdings eine sichere Perspektive in der Schweiz die medizinisch- psychiatrische Prognose deutlich verbessern. Unter Berücksichtigung sei- nes schlechten Gesundheitszustandes sowie des Nichtvorhandenseins ei- nes sozialen Netzes in Pakistan sei eine Rückkehr für ihn nicht zumutbar. Abschliessend hielt der Beschwerdeführer wiederum daran fest, dass der Sachverhalt von der Vorinstanz nochmals abgeklärt werden müsse. Durch die ärztlich diagnostizierte leichtgradige kognitive Leistungsminderung werde bestätigt, dass er in der Anhörung nicht in der Lage gewesen sei, die ihm gestellten Fragen zu verstehen. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz eine mehrfache Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts vor. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie ge- gebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes; 3. Auflage, Zürich 2013, Rz. 1043 ff., m.w.H.). 5.2 5.2.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher in den Art. 29 ff. VwVG konkretisiert wird, dient einerseits der Auf- klärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezoge- nes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör D-1730/2018 Seite 12 verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tat- sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung be- rücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder- schlagen muss (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3). 5.2.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs- grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen- digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu- klären und o rdnungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl. hierzu auch Art. 30–33 VwVG). Der Amtsgrundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind. Unvollständig ist die Sachverhaltsdarstellung, wenn nicht alle für die Entscheidung rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Die Behörde ist allerdings nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 456 f. und 1043; CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: AUER/MÜL- LER/SCHINDLER [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal- tungsverfahren [VwVG], 2. Auflage, Zürich 2018, Rz. 7 zu Art. 12; BENJA- MIN SCHINDLER, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER [Hrsg.], a.a.O., Rz. 29 f. zu Art. 49). 5.3 Einleitend ist festzustellen, dass die in diesem Zusammenhang ge- machten Ausführungen des Beschwerdeführers teilweise auch die rechtli- che Würdigung beschlagen, welche nachfolgend näher zu erörtern ist (vgl. hierzu E. 6). 5.4 5.4.1 Der Beschwerdeführer brachte sinngemäss vor, sein widersprüchli- ches Aussageverhalten sei darauf zurückzuführen, dass seine Einvernah- mefähigkeit aufgrund der Beeinträchtigung seiner kognitiven Fähigkeiten D-1730/2018 Seite 13 eingeschränkt gewesen sei. Der Sachverhalt sei unter Berücksichtigun g dieser Einschränkungen noch einmal abzuklären und er sei entsprechend seiner konstitutionellen Leistungsminderung erneut anzuhören. 5.4.2 Dem Anhörungsprotokoll lässt sich in der Tat entnehmen, dass einige Fragen wiederholt werden mussten, weil die Antworten d es Beschwerde- führers diesen nicht entsprachen (vgl. beispielsweise SEM-Akte A/18, F 15 oder F 27). Auch musste an mehreren Stellen – teilweise wiederholt – nachgefragt werden, weil er sich selbst widersprach oder keine plausiblen Antworten gab (vgl. zum Beispiel SEM-Akte A/18, F 35 und F 47 [betref- fend den Schulbesuch], F 44 [betreffend die umliegenden Ortschaften von C._______], F 68 ff. [betreffend seinen Aufenthaltsort zwischen dem Vorfall mit der DVD und seiner Ausreise aus Pakistan] sowie F 85 f. und F 100 f. [betreffend die Probleme mit den Taliban in F._______]). Trotz diesen Aus- sageauffälligkeiten lässt das Protokoll dennoch nicht den Eindruck entste- hen, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Anhörung aus psychi- schen Gründen oder aufgrund andere r Einflüsse allgemein (zeitweise) nicht in der Lage gewesen wäre, der Befragung zu folgen. Sodann ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass sich eine eingeschränkte kog- nitive Leistungsfähigkeit nicht nur punktuell, sondern im gesamten Erzähl- verhalten gezeigt hätte. Im Übrigen ist es zwar durchaus möglich, dass psychische Probleme das Antwortverhalten beeinträchtigen können, dies ist jedoch keineswegs die einzige Erklärung für ein solches Aussagever- halten. Dem Anhörungsprotokoll sind darüber hinaus ke ine Hinweise zu entnehmen, wonach er während der Befragung in einem Ausmass psy- chisch belastet gewesen wäre, welches es ihm verunmöglicht hätte, seine Asylgründe vollständig und schlüssig darzulegen und die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Der Beschwe rdeführer machte selber zu keinem Zeitpunkt geltend, an der Befragung aus medizinischen Gründen nicht teil- nehmen zu können, und gab auch nicht zu verstehen, er benötige weitere Pausen oder die Anhörung solle abgebrochen werden. Zwar erwähnte er am Schluss, Medikamente einzunehmen, weil es seinem Kopf nicht gut gehe und er keinen Schlaf finde (vgl. SEM-Akte A/18, Seite 19), gleichwohl war er in der Lage, sachbezogen über seine Asylgründe Auskunft zu geben und deren Kerngehalt vorzutragen. Bezeichnenderweise verzichtete die an der Anhörung anwesende Hilfswerksvertretung (HWV) auf Bemerkungen und notierte auf dem «Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung (HWV) gemäss Art. 30 Abs. 4 AsylG» weder Anzeichen für gesundheitliche oder intellektuelle Probleme noch sonstige Beobachtungen, Anregungen oder Einwände (vgl. SEM-Akte A/18, Seite 20). Weiter brachte der Beschwer-D-1730/2018 Seite 14 deführer bei der Rückübersetzung keine Korrekturen an, visierte jede ein- zelne Seite und bestätigte mit seiner Unterschrift deren Richtigkeit und Voll- ständigkeit (vgl. SEM-Akte A/18, Seite 19). Vor diesem Hintergrund musste sich die Vorinstanz nicht veranlasst sehen, von Amtes wegen wei- tere Abklärungen zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerde- führers vorzunehmen. Im Übrigen ist auf die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG zu verweisen, in deren Rahmen es dem Beschwerdeführer oblegen hätte, seine intellektuellen Defizite und kognitiven Einschränkun- gen der Vorinstanz mitzuteilen und relevante Beweismittel, namentlich ent- sprechende Arztdokumente, einzureichen. Dem ist er – obwohl er sich ge- mäss Kurzbericht des (…) vom 16. März 2018 seit (…) und damit bereits knapp ein Jahr vor der Anhörung in psychologischer Behandlung befand – erst auf Beschwerdeebene nachgekommen, weshalb der Vorinstanz kein Vorwurf einer unvollständigen Sachverhaltsabklärung zu machen ist. Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Verfahrensführung der Vorinstanz unter diesem Punkt nicht zu beanstanden ist und sie das Anhörungsprotokoll ihrem Entscheid zugrunde legen durfte. Es besteht da- mit kein Zweifel an der Verwertbarkeit des Inhalts des Befragungsproto- kolls. Der Beschwerdeführer muss sich folglich auf seine Aussagen an der Anhörung behaften lassen. Eine Rückweisung der Sache zwecks Durch- führung einer erneuten Anhörung an die Vorinstanz ist zurückzuweisen. 5.5 5.5.1 Im Weiteren erblickt der Beschwerdeführer darin eine Verletzung der Abklärungspflicht, dass sich das SEM weder nach der geltend gemachten Verhaftung durch die Taliban noch der aktuellen Situation seiner Familie genauer erkundigt habe. 5.5.2 Dieser Vorwurf ist ebenfalls unbegründet. Dem Beschwerdeführer wurden anlässlich der Anhörung im Zusammenhang mit der dort erstmals vorgebrachten Gefangennahme durch die Taliban mehrere ergänzende Fragen gestellt und ihm Gelegenheit zu weiteren Ausführungen gegeben (vgl. SEM-Akte A/18, F 50 ff., F 64 ff. und F 107 ff.). Davon hat er – wenn auch nur vage und wenig detailliert – Gebrauch gemacht. Das SEM musste demnach nicht davon ausgehen, der Beschwerdeführer, der aufgrund sei- ner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG gehalten gewesen wäre, sämt- liche relevanten Ereignisse dem SEM zu schilde rn, habe noch weitere Sachverhaltselemente vorzubringen. Darüber hinaus erkundigte sich die Befragerin zu Beginn der Anhörung danach, wo und mit wem sich seine Eltern momentan aufhalten würden und wie es ihnen gehe (vgl. SEM-D-1730/2018 Seite 15 Akte A718, F 19 ff.). Da diese Fragen von ihm beantwortet wurden, erüb- rigten sich weitere Nachfragen. Vor diesem Hintergrund kann keine Verlet- zung der Abklärungspflicht und damit einhergehend eine unrichtige und un- vollständige Ermittlung des Sachverhalts durch die Vorinstanz erkannt wer- den. 5.6 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neube- urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Rechts- begehren ist folglich abzuweisen. 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – zum Schluss, dass es dem Be- schwerdeführer nicht gelingt, eine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft und substantiiert darzulegen. Für Einzelheiten wird auf die entsprechenden Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung (vgl. Verfügung des SEM vom 15. Februar 2018, Seite 2 ff., Ziffer II/1 so- wie die Zusammenfassung der entsprechenden Ausführungen in E. 4.1 des vorliegenden Urteils) verwiesen, welchen sich das Gericht vollumfäng- lich anschliesst. Die Vorbringen des Beschwerdeführers auf Beschwerde- ebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. In Ergänzung und Präzisierung ist Folgendes festzuhalten: Die von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche zwischen den Aussa- gen anlässlich der BzP und der Anhörung wurden auf Beschwerdeebene weder aufgelöst noch bestritten. Der Beschwerdeführer stellte sich auf den Standpunkt, angesichts seiner verminderten Kognitionsleistung sei er in der Anhörung nicht in der Lage gewesen, die einzelnen Fragen adäquat einzuordnen und widerspruchsfrei zu beantworten. Zur Untermauerung dieser Vorbringen reichte er als Beweismittel mehrere psychologische und psychiatrische Arztberichte zu den Akten. Im eingereichten Kurzbericht des (…) vom 16. März 2018 wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer am (…) zum Angebot «Ambulante Sozialthe- rapeutische Begleitung» angemeldet worden sei und seither – jeweils in Anwesenheit eines Dolmetschers – acht Gespräche stattgefunden hätten. Dabei sei festgestellt worden, dass er an einer depressiven Verstimmung leide, deren Ursachen auf seine derzeitige Lebenssituation zurückzuführen seien. Weiter würden sich deutliche Anzeichen einer kognitiven Einschrän-D-1730/2018 Seite 16 kung zeigen. Er sei kaum in der Lage, komplexere Sachverhalte zu erfas- sen oder auch nachvollziehbar und widerspruchsfrei zu schildern. Gemäss Austrittsbericht vom 5. Februar 2019 der (…) wurde der Beschwerdeführer im Zeitraum vom (…) bis am (…) ambulant behandelt. Dabei wurde bei ihm eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) diagnostiziert. Weiter hätten sich Hinweise für die Symptomatik einer post- traumatischen Belastungsstörung gezeigt. Im Arztbericht der (…) 20. Ap- ril 2020 wurde die mittel- bis schwergradig depressive Symptomatik bestä- tigt. Demgegenüber wurde das Bestehen einer posttraumatischen Belas- tungsstörung im typischen psychiatrischen Sinne verneint. Hinsichtlich der Frage einer kognitiven Leistungsminderung wurde festgehalten, dass seine kontextuelle und sprachliche Auffassung im Gesprächskontakt via Dolmetscher allenfalls leicht eingeschränkt und die Verarbeitung und Re- aktionen zwar verlangsamt, gesamthaft aber doch adäquat seien. Seine Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne seien reduziert und die Ord- nung der Erinnerungen rund um den Fluchtentscheid und die Flucht seien nur schemenhaft erfolgt. Eine ursächliche Zuordnung der eher leichtgradig kognitiven Defizite zu einer Minderintelligenz beziehungsweise einer kon- stitutionellen Leistungsminderung sei klinisch über die Sprachbarriere hin- weg nicht möglich, wobei diese Defizite am ehesten aus einer Kombination aus dem geringen Bildungs - und Sprachniveau sowie der schweren De- pression, welche typischerweise mit geminderten Kognitionsleistungen einhergehe, erklärbar seien. Trotz der diagnostizierten Depression, wird dem Beschwerdeführer ledig- lich ein leichtgradiges Defizit der kognitiven Leistungsfähigkeit attestiert. Wenngleich dadurch völlig nachvollziehbar ist, dass gewisse Details ver- gessen gehen oder nur ungenau widergegeben werden und es somit zu Widersprüchen in den Aussagen kommen kann, werden die gänzlich ent- gegengesetzten und massiv widersprüchlichen Aussagen des Beschwer- deführers in keiner Weise erklärt. Zudem sind der vorliegende Sachverhalt und die geltend gemachten Asylgründe – selbst unter Berücksichtigung seines angeblich tiefen Bildungsniveaus, seiner intellektuellen Fähigkeiten sowie seine r psychischen Probleme – weder sehr komplex noch viel- schichtig. Es handelt sich denn auch nicht um kleinere Unstimmigkeiten oder unterschiedliche Versionen einer Geschichte. Vielmehr machte der Beschwerdeführer beispielsweise nicht vereinbare Aussagen zu seiner schulischen Laufbahn (vgl. SEM-Akten A/5, Ziffer 1.17.04 und A/18, F 31- 39, F 46-48, F 105 f. und F 108) oder seinen Aufenthaltsorten vor seiner Ausreise aus Pakistan (vgl. SEM-Akten A/5, Ziffer 2.01 sowie 5.01 und D-1730/2018 Seite 17 A/18, F 71-79). Zudem brachte er hinsichtlich seiner Fluchtgründe ver- schiedene Sachverhalte vor, welche nicht einmal ansatzweise überein- stimmten (vgl. SEM-Akten A/5, Ziffern 7.01 sowie 7.02 und A/18, F 49 ff), ohne diesbezüglich eine plausible Erk lärung abzugeben. Hierbei muten insbesondere seine Schilderungen bezüglich der angeblichen Schiesserei mit den Taliban, welche er erstmals in der Anhörung vorbrachte, unrealis- tisch sowie realitätsfern und damit unglaubhaft an (vgl. SEM-Akte A/18, F 49 und F 104-117). Darüber hinaus vermochte er in den Befragungen weder die vorgebrachten fluchtauslösenden Ereignisse mit den Taliban noch seinen Auf enthalt in F._______ zeitlich übereinstimmend einzuord- nen. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung unter Verweis auf die jeweiligen Textstellen in den Protokollen mehrere zu erheblichen Zweifeln Anlass gebende Aussagen des Beschwerdeführers angeführt. Zur Vermei- dung von Wiederholungen kann auf die betreffenden Ausführungen im an- gefochtenen Entscheid (vgl. dort Seite 3 f., Ziffer II/1 und E. 4.1 hiervor) verwiesen werden. 6.2 Da vorliegend die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen gemäss Art. 7 AsylG verneint wird, erübrigt es sich, die Asylrelevanz und damit die Schutzfähigkeit des pakistanischen Staates sowie das Bestehen inner- staatlicher Fluchtalternativen zu prüfen. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen konnte, im Zeitpunkt der Ausreise in Pakistan ernsthaf- ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen zu sein, oder in begründeter Weise befürchten musste, solche Nachteile im Fall seiner Rückkehr dorthin in absehbarer Zukunft mit erheblicher Wahrscheinlichkeit erleiden zu müssen. Die Vorinstanz hat somit die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-1730/2018 Seite 18 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis na ch den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG. Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK; SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied- rigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demna ch unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. D-1730/2018 Seite 19 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweise n oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127, m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Wie den nachfolgenden Ausführungen (in E. 8.3.3) entnommen werden kann, können auch die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers nicht zur Unzul ässigkeit des Vollzugs der Wegweisung führen (vgl. hierzu BVGE 2009/2 E. 9.1.3, m.w.H.) 8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz teilweise angespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, die zur Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei mit erheblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungsvoll- zug ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu etwa das Referenzurteil des BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie die Urteile des BVGer D-4418/2018 vom 13. November 2019 E. 7.3.1 und E-5352/2017 vom 12. Februar 2019 E. 9.3.1, m.w.H.). Soweit der Beschwerdeführer dem SEM vorwirft, es h ätte abklären müs- sen, ob eine Rückkehr nach F._______ respektive eine andere inländische Wohnsitzalternative für ihn zumutbar sei, ist vorab festzuhalten, dass er im vorinstanzlichen Verfahren hinsichtlich seiner Aufenthaltsorte vor seiner D-1730/2018 Seite 20 Ausreise aus Pakistan widersprüchliche und unklare Angaben machte. In der BzP gab er zunächst an, von seiner Geburt bis zu seiner Ausreise in C._______ gelebt zu haben (vgl. SEM-Akte A/5, Ziffer 2.01). Als er nach seinem Reiseweg gefragt wurde, brachte er vor, er habe C._______ ver- lassen, nachdem der Krieg ausgebrochen sei, und sei nach E._______ ge- flüchtet, wo er sich zus ammen mit seiner Familie (…) Monate in einem Flüchtlingslager aufgehalten habe. Anschliessend seien sie weiter nach F._______ gereist. Nach (…) Monaten sei er schliesslich alleine über N._______ illegal nach O._______ gelangt (vgl. SEM-Akte A/5, Zif- fer 5.01). Gemäss seinen Angaben anlässlich der Anhörung verliess er C._______ bereits im Jahre (…) zusammen mit seiner Familie und lebte die nächsten (…) Jahre in F._______, wobei er immer wieder versteckt nach K._______ zurückgekehrt sei (vgl. SEM-Akte A/18, F 71, F 73, F 74 ff.). Weiter vermochte der Beschwerdeführer nicht eindeutig aufzuklä- ren, ob er nur in C._______ oder auch in F._______ von den Taliban be- lästigt wurde (vgl. SEM-Akte A/18, F 84-101). Vor diesem Hinte rgrund kann der Vorinstanz nicht vorgeworfen werden, ihre Abklärungen zur Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs würden zu kurz greifen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine genauen Aufent- haltsorte vor seiner Ausreise zu verschleiern oder verheimlichen versucht hat. Auch wenn die geltend gemachte konkrete Verfolgungsgefahr durch die Taliban nicht geglaubt wird, ist festzustellen, dass sich deren Macht - und Einflussbereich ohnehin nicht auf ganz Pakistan erstreckt, weshalb dem Beschwerdeführer grundsätzlich die Möglichkeit bleibt, sich allfälligen Be- lästigungen von deren Seite durch Wegzug in einen anderen Landesteil seines Heimatlandes – beispielsweise nach F._______, wo er sich unbe- strittenermassen vor seiner Ausreise aufhielt – zu entziehen. 8.3.3 Zu prüfen bleibt, ob individuelle Gründe vorliegen, welche eine Rück- kehr nach Pakistan als unzumutbar erscheinen lassen. Zusätzliche Gefähr- dungsindizien sind beim Beschwerdeführer jedoch nicht ersichtlich. So konnte er nicht glaubhaft machen, dass er einer konkreten Bedrohungssi- tuation im Zusammenhang mit den Taliban ausgesetzt gewesen war. Auch andere Anhaltspunkte für eine individuelle Gefährdung lassen sich den Ak- ten nicht entnehmen. Er war weder politisch aktiv, noch hatte er zu irgend- einem Zeitpunkt Probleme mit Behörden (vgl. SEM-Akte A/5, Ziffer 7.02). Auf Beschwerdeebene machte der Beschwerdeführer geltend, seine Kern- familie lebe seit (…) in der Provinz H._______ in Afghanistan. Aufgrund D-1730/2018 Seite 21 seines insgesamt inkonsistenten Aussageverhaltens ist entgegen diesen Vorbringen jedoch anzunehmen, dass die Eltern sowie die Geschwister des Beschwerdeführers nach wie vor in F._______ leben. Die gegenteili- gen Behauptungen vermochte er – wie von der Vorinstanz zu Recht fest- gestellt wurde – weder mit dem eingereichten Antragsformular des Migra- tionsamtes der Provinz H._______ in Afghanistan noch dem «Certificate», welchen beiden keine oder nur geringe Beweiskraft zukommt, glaubhaft zu machen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die betreffenden vorinstanzlichen Erwägungen in der ergänzenden Vernehmlassung vom 19. Mai 2020 verwiesen werden (vgl. dort Ziffer 1 und 2 sowie E. 4.5 hier- vor). An dieser Einschätzung ändern auch die nachträglich zu den Akten gelegten und teilweise mit Beschriftungen versehenen Fotoaufnahmen, welche angeblich seine drei Brüder und seinen Vater in H._______ zeigen sollen, nichts, zumal durch diese (Moment-) Aufnahmen ohnehin kein län- gerer Aufenthalt belegt wird. Da der Beschwerdeführer – wie er selber ein- gesteht – darüber hinaus au ch nicht nachweisen kann, dass es sich bei den abgebildeten Personen um seine Familienangehörigen handelt, sind die Aufnahmen ohnehin nicht beweistauglich. Selbst wenn der Beschwer- deführer – wie behauptet – in Pakistan nicht mehr über seine Kernfamilie verfügen sollte, leben gemäss seinen eigenen Aussagen weitere Familien- angehörige – namentlich seine Tanten und Onkel mütterlicher - sowie vä- terlicherseits – nach wie vor im Heimatland, womit er dort durchaus über ein verwandtschaftliches Netz verfügt (vgl. SEM-Akte A/5, Ziffer 3.01). Es kann somit – auch unabhängig des gesundheitlichen Zustandes der El- tern – davon ausgegangen werden, dass er bei einer Rückkehr einerseits auf eine gesicherte Wohnsituation und andererseits auf ein bestehendes familiäres sowie soziales Beziehungsnetzt zurückgreifen kann, welches ihn bei einer Widereingliederung unterstützt. Bis zu seiner Ausreise hat der Beschwerdeführer immer in Pak istan ge- wohnt und ist daher mit den dortigen Lebensumständen bestens vertraut. Je nach Aussage hat er bis zur achten Klasse die Schule besucht (vgl. SEM-Akte A/5, Ziffer 1.17.04). Selbst wenn er über keinen Schulab- schluss verfügen sollte, hat er im familieneigenen (…) einige berufliche Er- fahrung gesammelt. Als junger, alleinstehender und damit familiär unge- bundener Mann hat er demgemäss durchaus Chancen, sich im Heimatstat eine Existenzgrundlage zu schaffen. Allfällige anfängliche wirtschaftliche Reintegrationsschwierigkeiten stehen dem Vollzug ebenfalls nicht entge- gen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung betroffen ist (beispielsweise Mangel an Arbeitsplät- zen), keine existenzbedrohende Situation zu begr ünden vermögen D-1730/2018 Seite 22 (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Im Übrigen kann ihm auch die Rückkehrhilfe der Schweiz den Wiedereinstieg in Pakistan erleichtern (vgl. Art. 62 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2; SR 142.312]). Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer an Depressionen leidet und deswegen in der Schweiz medikamentös behandelt wird (vgl. SEM-Akte A/18, F 131 f. sowie Austrittsbericht der (…) vom 5. Feb- ruar 2019, Seite 4 und Arztbericht der (…) vom 20. April 2020, Seite 1). In Bezug auf die geltend gemachten psychischen Beschwerden ist festzuhal- ten, dass nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ge- schlossen werden könnte, wenn eine notwendige medizinische Behand- lung im Heimatland nicht zur Verfügung stün de und eine Rückkehr einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszu- standes führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und drin- gende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung ei- ner menschenwürdigen Exis tenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Be- handlung möglich ist (vgl. hierzu BVGE 2009/2 E. 9.3.2, m.w.H.; BVGer E- 3954/2018 vom 24. Juli 2018 E. 9.4.2 sowie E -3207/2019 vom 12. Au- gust 2019 E. 7.1). Die Gesundheitsversorgung von Personen mit psychi- schen Erkrankungen in Pakistan zeigt sich gestützt auf mehrere Quellen wie folgt: Adäquate psychiatrische Behandlungen im öffe ntlichen Bereich seien nur sehr beschränkt verfügbar (vgl. hierzu Landinfo, Respons Pakis- tan: Syreangrep – strafferammer og helsetilbud, 30.10.2018, <https://land- info.no/wp-content/uploads/2018/10/Pakistan-respons-Syreangrep-straf- feramme-og-helsetilbud-30102018.pdf>; ALI, T. ET GUL, SANA, Community Mental Health Services in Pakistan: Review Study From Muslim World, 2000-2015, i n: Psychology, Community & Health, 2018, Vol. 7(1), <https://pch.psychopen.eu/article/download/224/pdf>, zuletzt abgerufen am 13.07.2020). Das nationale Budget für die psychische Gesundheitsver- sorgung in Pakistan sei extrem tief (vgl. dazu Express Tribune, Mental health issues: ignored and denied, 25.01.2019, <https://tri- bune.com.pk/story/1896032/6-mental-health-issues-ignored-denied/>, zu- letzt aufgerufen am 13.07.2020). Dementsprechend gebe es auch nur sehr wenige Psychiater und Psychologen (circa 1 Psychiater pro 0.5–1 Million Einwohner), wovon die meisten in den Stadtzentren, nicht aber in den länd- lichen Gegenden tätig seien (vgl. The News, Call for allocating budget for mental health, 03.02.2019, < https://www.thenews.com.pk/print/426903- call-for-allocating-budget-for-mental-health>; Human Rights Commission D-1730/2018 Seite 23 of Pakistan (HRCP), State of Human Rights in 2018, 04.2019, <http://hrcp- web.org/publication/wp-content/uploads/2019/04/State-of-Human-Rights- in-2018-English.pdf>, zuletzt abgerufen am 13.07.2020). Auch wenn die Versorgung im öffentlichen Gesundheitswesen in Pakistan grundsätzlich kostenfrei wäre, seien die Einrichtungen völlig überlastet und Patienten müssten, neben den Kosten für den Transport zu den Spitälern und den Aufenthalt, einen Grossteil der Behandlungen und Medikamente selber be- zahlen (vgl. hierzu World Health Organization [WHO], Primary Care Sys- tems Profiles & Performance [PRIMASYS], 2017, <https://www.who.int/al- liance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf>; Department of For- eign Affairs and Trade [DFAT], DFAT country Information Report Pakistan, 20.02.2019, <https://www.dfat.gov.au/sites/default/files/country -informa- tion-report-pakistan.pdf>; zuletzt abgerufen am 13.07.2020). Auch wenn der Zugang zu einer adäquaten Gesundheitsversorgung für psychisch er- krankte Personen in Pakistan erheblich erschwert ist, ist davon auszuge- hen, dass ein solcher – soweit er nach mehr als vier Jahren in der Schweiz weiterhin darauf angewiesen sein sollte – für den Beschwerdeführer den- noch besteht, da er in seiner Heimat über ein tragfähiges familiäres Umfeld verfügt, welches ihm aus finanzieller Sicht den Zugang zu einer angemes- senen psychiatrischen Versorgung ermöglichen könnte (der Beschwerde- führer machte namentlich geltend, seine Familie habe seine Ausreise nach Europa finanziert [vgl. SEM-Akte A/5, Ziffer 5.02]). Sollte der Beschwerde- führer auf eine unerlässliche Behandlung angewiesen sein, stünde es ihm im Rahmen der Rückkehr offen, vor der Ausreise bei der Vorinstanz einen Antrag auf individuelle medizinische Rückkehrhilfe zu stellen, welche unter anderem auch in Form der Mitgabe von Medikamenten bestehen kann (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG; Art. 75 AsylV 2). Damit wäre namentlich in einer Anfangsphase seine medizinische Betreuung sicherstellt. Gemäss psychiatrischem Bericht von (…), (…), vom 20. April 2020, ist davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführer den Herausforderungen einer Aus- weisung psychisch nicht gewachsen sei und dies auch bei optimaler Nut- zung verfügbarer Therapien nicht sein werde. Die Behandlungsprognose stufte er als sehr beschränkt ein, denn trotz adäquater Pharmakotherapie und verlässlicher Wahrung der angebotenen Behandlungskontakte sei eine Chronifizierung der psychiatrischen Erkrankung bei dem vorliegenden Schweregrad nicht zu verhindern gewesen und werde dies auch prognos- tisch kaum sein. Einen wesentlichen Anteil daran habe der Stand des Asyl- beziehungsweise Beschwerdeverfahrens: Mit einer realen Integrationsper- spektive, einer Tagesstruktur und inhaltlicher Füllung des Alltags sei auch die medizinisch-psychiatrische Prognose erfahrungsgemäss deutlich bes- ser. Während die diagnostischen Feststellungen der behandelnden Ärzte D-1730/2018 Seite 24 nicht in Zweifel gezogen werden, kommt das Gericht bezüglich der zu er- wartenden gesundheitlichen Entwicklungen im Falle einer Heimkehr zu ei- nem anderen Schluss: Ausgehend von weiterhin intakten Familienverhält- nissen und der zu erwartenden Übernahme von Verantwortung und Sorge durch die Eltern, Geschwister und weiteren Verwa ndten ist anzunehmen, dass dem Beschwerdeführer im Kreise seiner Familie in seiner Heimat am besten geholfen werden kann. Darüber hinaus bleibt anzumerken, dass die Depression überwiegend auf einer generellen Angst vor seiner Ausschaf- fung und der Perspekti vlosigkeit im Zusammenhang mit seinem unsiche- ren Aufenthaltsstatus beruhen dürfte. Gemäss psychiatrischem Arztbericht vom 20. April 2020 versteht der Beschwerdeführer seine schwere depres- sive Entwicklung denn primär auch als unausweichliche Reaktion auf seine aktuelle Lebenssituation. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, wel- ches eine Vielzahl von Asylsuchenden betrifft, welche ebenso mit der Situ- ation einer möglichen Rückführung in ihr Heimatland konfrontiert sind, wes- halb ihnen unter dem Gesichtspunkt ei nes Wegweisungsvollzugshinder- nisses grundsätzlich keine eigenständige Bedeutung zukommt. Es ist so- mit nicht davon auszugehen, dass eine Rückkehr nach Pakistan zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheits- zustandes führen würde. Das Vorliegen einer medizinischen Notlage des Beschwerdeführers ist bei einer Rückkehr in den Heimatstaat im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG auch bei einer allenfalls benötigten Weiterbehandlung zu verneinen. Seine psychische Erkrankung stellt demzufolge ke in Weg- weisungsvollzugshindernis dar. 8.3.4 Insgesamt erweist sich der Vollzug der Wegweisung – namentlich eine Wohnsitzalternative innerhalb Pakistans – in Anbetracht aller Um- stände – insbesondere auch, was den gesundheitlichen Zustand des Be- schwerdeführers anbelangt – als zumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang mit der weltweiten Aus- breitung der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) sind aufgrund ihrer vorüber- gehenden Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerungen in Frage zu stellen. Würden diese im vorliegenden Fall den Vollzug der Wegweisung D-1730/2018 Seite 25 vorübergehend verzögern, so würde dieser zwangsläufig zu einem späte- ren, angemessenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. hierzu die Urteile des BVGer E-1312/2020 vom 5. Mai 2020 E. 11.6, D-4796/2019 vom 27. Ap- ril 2020 E. 8.9, D-1557/2020 und D -1554/2020 beide vom 23. April 2020 E. 7.4, E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.6, D-1707/2020 vom 15. Ap- ril 2020, E -6856/2017 vom 6. April 2020 E. 9, D -5461/2019 vom 26. März 2020 E. 7 und D -1282/2020 vom 25. März 2020 E. 5.5; EMARK 1995 Nr. 14 E. 8d und e). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver- fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich- tig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 1 – 3 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Nachdem mit ver- fahrensleitender Verfügung vom 3. Oktober 2019 das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut- geheissen worden ist und sich die finanziellen Verhältnisse gestützt auf die Aktenlage bisher nicht verändert haben, weshalb weiterhin von der Bedürf- tigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, sind ihm keine Verfahrens- kosten aufzuerlegen. D-1730/2018 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Kathrin Rohrer Versand: