<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 28 S.126</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">126</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>28</b></span> <span class="ft2"><b>Gemeinsame Veranlagung der Ehegatten (§ 21 Abs. 1, § 172 StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ermessensveranlagung (§ 191 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine getrennte Ehe im Sinne von § 21 Abs. 1 StG/Art. 3 Abs. 3 StHG</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mit separater Veranlagung der Ehegatten setzt voraus, dass die ehe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>liche Gemeinschaft aufgehoben ist (Erw. I/5).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Ermessensveranlagung, pflichtgemässe Ausübung des Ermessens</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/2.2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit muss im Ein-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprache-, nicht erst im Rekursverfahren angetreten werden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/2.3).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 20. Januar 2006 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen G.C. gegen Steuerrekursgericht.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I./5. Rechtsanwalt Z. wurde nur von G.C.-D. zur Vertretung be-</span><br/> <span class="ft1">vollmächtigt und konnte somit nur in dessen Namen, nicht aber für</span><br/> <span class="ft1">die Ehefrau M.C.-D. Verwaltungsgerichtsbeschwerde erheben. Ver-</span><br/> <span class="ft1">heiratete, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben,</span><br/> <span class="ft1">üben die Verfahrensrechte und -pflichten der Steuerpflichtigen ge-</span><br/> <span class="ft1">meinsam aus (§ 172 Abs. 1 StG). Rechtsmittel und andere Eingaben</span><br/> <span class="ft1">gelten als rechtzeitig eingereicht, wenn ein Eheteil innert Frist han-</span><br/> <span class="ft1">delt (§ 172 Abs. 3 StG). Die Ehegatten bilden im Rechtsmittelverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren eine Art notwendige Streitgenossenschaft, was beide zu Verfah-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">127</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rensbeteiligten macht, selbst wenn - wie hier - das Rechtsmittel nur</span><br/> <span class="ft1">von einem Partner eingereicht wird. Dies ist bei der Parteibezeich-</span><br/> <span class="ft1">nung zu beachten und hat Konsequenzen bei den Verfahrenskosten,</span><br/> <span class="ft1">für welche die Ehegatten solidarisch haften (AGVE 1998, S. 206 f.,</span><br/> <span class="ft1">zum bisherigen Recht; Conrad Walther, in: Kommentar zum Aar-</span><br/> <span class="ft1">gauer Steuergesetz, 2. Auflage, Muri/Bern 2004, § 172 N 2 f.).</span><br/> <span class="ft1">§ 172 Abs. 1 StG steht im Zusammenhang mit § 21 Abs. 1 StG,</span><br/> <span class="ft1">wonach das Einkommen und Vermögen von Verheirateten, die in</span><br/> <span class="ft1">rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, ohne Rücksicht auf</span><br/> <span class="ft1">den Güterstand zusammengerechnet werden (ebenso Art. 3 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">Satz 1 StHG sowie Art. 9 Abs. 1 DBG). Von einer tatsächlich ge-</span><br/> <span class="ft1">trennten Ehe ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts dann</span><br/> <span class="ft1">auszugehen, wenn (kumulativ) beide Ehegatten über eine eigene</span><br/> <span class="ft1">Wohnstätte verfügen, die eheliche Gemeinschaft aufgehoben ist und</span><br/> <span class="ft1">keine Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung und Lebensun-</span><br/> <span class="ft1">terhalt besteht, wobei diese Rechtsprechung im Sinne der vertikalen</span><br/> <span class="ft1">Steuerharmonisierung auch auf das StHG bzw. die Kantons- und</span><br/> <span class="ft1">Gemeindesteuern anzuwenden ist (StE 2002, B 13.1 Nr. 13). Dem</span><br/> <span class="ft1">Steuerrekursgericht ist beizupflichten, dass demzufolge § 2 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">StGV insoweit der Ergänzung bedarf, als dort die Aufhebung der</span><br/> <span class="ft1">ehelichen Gemeinschaft nicht als eigene Voraussetzung für die An-</span><br/> <span class="ft1">nahme einer tatsächlich getrennten Ehe aufgeführt ist.</span><br/> <span class="ft1">Wie im angefochtenen Entscheid dargestellt, weisen G. und</span><br/> <span class="ft1">M.C.-D. zwar seit Dezember 2001, als der Ehemann nach Italien</span><br/> <span class="ft1">zog, keinen gemeinsamen Wohnsitz mehr auf, aber sie haben die</span><br/> <span class="ft1">eheliche Gemeinschaft nicht aufgehoben. Dies wird von keinem der</span><br/> <span class="ft1">Verfahrensbeteiligten mehr in Frage gestellt. Demgemäss ist § 172</span><br/> <span class="ft1">StG anwendbar und G. und M.C.-D. werden im Folgenden beide als</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer bezeichnet.</span><br/> <span class="ft1">II./2./2.1. Die Beschwerdeführer deklarierten an Liegenschaften</span><br/> <span class="ft1">lediglich eine vermietete Eigentumswohnung in N. (Kanton Solo-</span><br/> <span class="ft1">thurn). Das Steueramt B. verlangte mit Schreiben vom 8. April 2002</span><br/> <span class="ft1">(neben einer Bescheinigung der Pensionskasse) Angaben über den</span><br/> <span class="ft1">Verkehrswert der Liegenschaften/Grundstücke in Italien; die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer reichten die Bescheinigung ein, zu den Grundstücken</span><br/> <span class="ft1">machten sie keinerlei Angaben. In der Veranlagung wurden ermes-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">128</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">sensweise der Vermögenswert der Liegenschaft(en) in Italien mit</span><br/> <span class="ft1">Fr. 100'000.-- und der Nettoertrag daraus mit Fr. 3'000.-- angenom-</span><br/> <span class="ft1">men.</span><br/> <span class="ft1">In ihrer Einsprache bestritten die Beschwerdeführer sinnge-</span><br/> <span class="ft1">mäss, aber unzweideutig, Liegenschaftsbesitz in Italien zu haben,</span><br/> <span class="ft1">und warfen dem Vorsteher des Gemeindesteueramtes vor, willkürlich</span><br/> <span class="ft1">und auf Grund blosser Vermutungen vorzugehen. Sie wurden mit</span><br/> <span class="ft1">Schreiben vom 13. August 2003 und Mahnung vom 26. September</span><br/> <span class="ft1">2003 erfolglos aufgefordert, ihre Vermögens- und Einkommenswerte</span><br/> <span class="ft1">in Italien anzugeben und zu belegen.</span><br/> <span class="ft1">Im Einspracheentscheid vom 3. Dezember 2003 hielt die Steu-</span><br/> <span class="ft1">erkommission B. fest, ihr sei bekannt, dass die Beschwerdeführer seit</span><br/> <span class="ft1">einigen Jahren Liegenschaften in C./Italien besässen. Mangels Anga-</span><br/> <span class="ft1">ben seitens der Beschwerdeführer hätten Steuerwert und Mietwert</span><br/> <span class="ft1">nach Ermessen festgesetzt werden müssen.</span><br/> <span class="ft1">Im Rekurs vom 22. Januar 2004 liess der nunmehr anwaltlich</span><br/> <span class="ft1">vertretene Beschwerdeführer ausführen, "weder er noch seine Ehe-</span><br/> <span class="ft1">frau (seien) Eigentümer einer Liegenschaft in C. noch sonstwo in</span><br/> <span class="ft1">Italien". Die Steuerkommission B. brachte daraufhin im Nachtrag</span><br/> <span class="ft1">vom 16. April 2004 zu ihrer Vernehmlassung die schriftliche Bestäti-</span><br/> <span class="ft1">gung eines Zeugen bei, dass der Beschwerdeführer in Italien in einer</span><br/> <span class="ft1">eigenen Liegenschaft wohne. Nun bequemte sich der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer in der Replik vom 27. August 2004 endlich zuzugeben, dass er</span><br/> <span class="ft1">1990 zusammen mit seinem Bruder eine Liegenschaft (Haus und</span><br/> <span class="ft1">Land) erworben habe, an der den Eltern ein Wohnrecht eingeräumt</span><br/> <span class="ft1">worden sei; aus den Beilagen ergab sich allerdings noch weiteres</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentum...</span><br/> <span class="ft1">2.2. Eine Veranlagung nach Ermessen kann sich auf die Veran-</span><br/> <span class="ft1">lagung als Ganzes oder auf einzelne Bestandteile beziehen (Martin</span><br/> <span class="ft1">Plüss, in: Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 2. Auflage, Muri/</span><br/> <span class="ft1">Bern 2004, § 191 N 11). Die Beschwerdeführer anerkennen nun zu</span><br/> <span class="ft1">Recht, dass die italienischen Liegenschaftswerte ermessensweise</span><br/> <span class="ft1">festgesetzt werden mussten. Sie machen aber geltend, das Ermessen</span><br/> <span class="ft1">sei nicht pflichtgemäss ausgeübt worden.</span><br/> <span class="ft1">Auch bei einer Ermessensveranlagung muss die Steuerbehörde</span><br/> <span class="ft1">die ihr bekannten Tatsachen würdigen (Plüss, a.a.O., § 191 N 25 ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">129</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Je geringere konkrete Kenntnisse über den massgeblichen Sachver-</span><br/> <span class="ft1">halt sie nach den möglichen und zumutbaren Abklärungen hat, desto</span><br/> <span class="ft1">grösser ist ihr Ermessensspielraum. Der Steuerkommission Buchs</span><br/> <span class="ft1">waren Äusserungen des Beschwerdeführers bekannt, dass er und</span><br/> <span class="ft1">seine Frau in Italien ein Haus und Olivenhaine besässen. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer machten im Bestreben, ihr Eigentum vor den Steuer-</span><br/> <span class="ft1">behörden zu verheimlichen, trotz Aufforderungen im Veranlagungs-</span><br/> <span class="ft1">und Einspracheverfahren dazu aber keinerlei nähere Angaben. Ein</span><br/> <span class="ft1">angenommener Vermögenssteuerwert von Fr. 100'000.-- und ein Lie-</span><br/> <span class="ft1">genschaftsertrag von Fr. 3'000.-- liegen bei weitem nicht ausserhalb</span><br/> <span class="ft1">des Möglichen und belegen nicht, dass die Vorinstanzen fälschlich</span><br/> <span class="ft1">von schweizerischen Werten ausgegangen wären (wird näher ausge-</span><br/> <span class="ft1">führt). Von einer pflichtwidrigen Ermessensausübung kann keine</span><br/> <span class="ft1">Rede sein.</span><br/> <span class="ft1">2.3. Nach pflichtgemässem Ermessen veranlagte Steuerpflich-</span><br/> <span class="ft1">tige haben im Einspracheverfahren die offensichtliche Unrichtigkeit</span><br/> <span class="ft1">der Veranlagung nachzuweisen. Die Einsprache ist zu begründen</span><br/> <span class="ft1">(§ 193 Abs. 2 StG) und nach Art. 48 Abs. 2 StHG sind allfällige Be-</span><br/> <span class="ft1">weismittel zu nennen (vgl. dazu AGVE 2005, S. 124 ff. = StE 2005,</span><br/> <span class="ft1">B 96.12 Nr. 15). Damit verträgt es sich nicht, zunächst (im</span><br/> <span class="ft1">Einsprache- und sogar anfänglich im Rekursverfahren) wahrheits-</span><br/> <span class="ft1">widrig jegliches Grundeigentum in Italien abzustreiten und erst</span><br/> <span class="ft1">nachträglich im Sinne eines Eventualstandpunkts die Schätzung als</span><br/> <span class="ft1">offensichtlich unrichtig zu bezeichnen.</span><br/> <span class="ft1">Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführer im Einspracheverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren mit Mahnung vom 26. September 2003 aufgefordert wurden, die</span><br/> <span class="ft1">Einkommens- und Vermögenswerte (mobile und immobile) in Italien</span><br/> <span class="ft1">nachzuweisen, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass</span><br/> <span class="ft1">vorenthaltene Unterlagen gemäss § 194 Abs. 2 StG im Rekurs- und</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahren nicht mehr berücksichtigt werden dürften (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Plüss, a.a.O., § 194 N 5 ff.). Die mit der Beschwerde eingereichten</span><br/> <span class="ft1">Beilagen, mit denen die Beschwerdeführer den geringeren Wert ihrer</span><br/> <span class="ft1">italienischen Grundstücke beweisen wollen, sind als Beweismittel</span><br/> <span class="ft1">nicht zulässig.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>