Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. November 2019 (710 19 242 / 300) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Berechnung der AHV-Rente: Der Einkommensteilung und gegenseitigen Anrechnung unterliegen nur Einkommen aus Zeiten, in denen beide Ehegatten in der schweizerischen AHV versichert gewesen sind / Versichert nach dem AHVG sind u.a. die natürlichen Per- sonen mit Wohnsitz in der Schweiz / Der Wohnsitz bestimmt sich nach den Artikeln 23 bis 26 ZGB Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff AHV-Rente A. Die 1950 geborene A.____ meldete sich im Januar 201 9 bei der Ausgleichskasse Ba- sel-Landschaft (Ausgleichskasse) zum Bezug einer Altersrente der Eidgenössischen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) an. Den Angaben im An meldeformular und den eingereich- ten Dokumenten kann unter anderem entnommen werden, dass sich A.____ am xx. September Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1970 mit B.____ verheiratet hatte. Aus dieser Ehe stammt eine im April 1973 geborene Tochter. Die Ehe wurde am yy. April 1984 geschieden. Mit Verfügung vom 6. März 2019 sprach die Ausgleichskasse A.____ rückwirkend ab 1. November 2014 eine AHV-Altersrente zu. Diese belief sich monatlich auf Fr. 2'140.-- (ab 1. November 2014), auf Fr. 2'150.-- (ab 1. Januar 201 5) und auf Fr. 2'168.-- (ab 1. Januar 2019). Bei der Rentenberechnung wurden die von der Versicherten und ihrem damaligen Ehe- gatten B.____ in den Jahren 1981, 1982 und 1983 erzi elten Einkommen gesplittet. Ebenso wurde A.____ in den genannten drei Jahren jeweils ei ne halbe Erziehungsgutschrift angerech- net. Gegen diese Rentenverfügung vom 6. März 2019 erho b die Versicherte Einsprache, mit der sie die vorgenommene Einkommensteilung und die A nrechnung einer lediglich halben Er- ziehungsgutschrift beanstandete. Zur Begründung wies si e darauf hin, dass ihr damaliger Ehe- mann im Februar/März 1981 nach C.____ ausgereist sei. Mit Einspracheentscheid vom 17. Juni 2019 hiess die Ausgleichskasse die Einsprache insoweit teil weise gut, als sie zum einen die Einkommensteilung für das Jahr 1982 rückgängig machte un d zum andern der Versicherten für das genannte Jahr eine ganze Erziehungsgutschrift anrech nete. Zur Begründung machte sie geltend, dass der Ex-Ehemann der Versicherten im Jahr 19 82 - im Gegensatz zu den Jahren 1981 und 1983 - nicht in der Schweiz angemeldet gewese n sei. Gleichzeitig mit dem Ein- spracheentscheid erliess die Ausgleichskasse eine neue, di e genannten Korrekturen berück- sichtigende Rentenverfügung mit entsprechend angepassten monatlichen Rentenbeträgen von Fr. 2'159.-- (ab 1. November 2014), von Fr. 2'168.-- (ab 1. Januar 2015) und von Fr. 2'186.-- (ab 1. Januar 2019). B. Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Juni 2019 erho b A.____ am 10. Juli 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversich erungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie sinngemäss, es sei der angefochtene Einsp racheentscheid aufzuheben und es sei ihre Altersrente neu zu berechnen. Dabei sei auch f ür das Jahr 1983 auf eine Einkom- mensteilung zu verzichten und es seien ihr für die Jahre 1981 und 1983 ebenfalls ganze Erzie- hungsgutschriften anzurechnen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 22. August 2019 beantra gte die Ausgleichskasse die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 9. September 2019 äusserte sich die B eschwerdeführerin zu einzel- nen Punkten der Vernehmlassung der Ausgleichskasse. Diese wiederum teilte am 27. Septem- ber 2019 mit, dass sie auf weitere Bemerkungen verzichte. Stattdessen reichte sie ein Antwort- schreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) v om 22. August 2019 auf eine Anfrage der Ausgleichskasse ein. Die Beschwerdeführerin machte mit Eingabe vom 21. Okto- ber 2019 von der Gelegenheit Gebrauch, hierzu Stellung zu nehmen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 84 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 entscheidet über Beschwerde n gegen Einspracheentscheide kantonaler Ausgleichskassen das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse. Anfech- tungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Ein spracheentscheid der Ausgleichskasse Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Ka ntonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes übe r die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Es i st somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 10. Juli 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine ordentliche Altersrente haben ge mäss Art. 29 Abs. 1 AHVG renten- berechtigte Personen, denen für mindestens ein volles Jahr Einkommen, Erziehungs- oder Be- treuungsgutschriften angerechnet werden können. Laut Ab s. 2 dieser Bestimmung werden or- dentliche Renten ausgerichtet als Vollrenten für versiche rte Personen mit vollständiger Bei- tragsdauer und als Teilrenten für versicherte Personen mit unvollständiger Beitragsdauer. Voll- ständig ist die Beitragsdauer, wenn die versicherte Perso n gleich viele Beitragsjahre aufweist wie ihr Jahrgang (Art. 29 ter Abs. 1 AHVG). Bei unvollständiger Beitragsdauer besteh t ein An- spruch auf eine Teilrente gemäss dem Verhältnis zwischen d en vollen Beitragsjahren der versi- cherten Person zu denjenigen ihres Jahrgangs (Art. 38 Ab s. 1 und 2 AHVG, Art. 52 der Verord- nung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AH VV] vom 31. Oktober 1947). Als Bei- tragsjahre gelten nach Art. 29 ter Abs. 2 AHVG Zeiten, in welchen eine Person Beiträge geleistet hat (lit. a), in welchen der Ehegatte gemäss Art. 3 Abs. 3 mindestens den doppelten Mindestbei- trag entrichtet hat (lit. b) und für die Erziehungs- o der Betreuungsgutschriften angerechnet wer- den können (lit. c). 2.2 Gemäss Art. 29 quinquies Abs. 3 AHVG werden Einkommen, welche Ehegatten währen d der Kalenderjahre der gemeinsamen Ehe erzielt haben, geteilt und je zur Hälfte den beiden Ehegatten angerechnet. Die Einkommensteilung wird vor genommen, wenn beide Ehegatten rentenberechtigt sind (lit. a), wenn eine verwitwete Person Anspruch auf eine Altersrente hat (lit. b) und bei Auflösung der Ehe durch Scheidung (lit. c). Der Teilung und gegenseitigen An- rechnung unterliegen jedoch gemäss Abs. 4 lit. b dieser Bestimmung nur Einkommen aus Zei- ten, in denen beide Ehegatten in der schweizerischen AH V versichert gewesen sind. Gemäss Art. 1a AHVG trifft Letzteres zu auf die natürlichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz (lit. a) und die natürlichen Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (lit. b). 2.3 Nach Art. 29 sexies Abs. 1 AHVG wird Versicherten für diejenigen Jahre ei ne Erzie- hungsgutschrift angerechnet, in welchen ihnen die elte rliche Sorge für eines oder mehrere Kin- der zusteht, die das 16. Altersjahr noch nicht erreicht h aben. Dabei werden Eltern, die gemein- sam Inhaber der elterlichen Sorge sind, jedoch nicht zwe i Gutschriften kumulativ gewährt. Bei Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht verheirateten Personen wird die Erziehungsgutschrift wä hrend der Kalenderjahre der Ehe hälf- tig aufgeteilt (Art. 29 sexies Abs. 3 AHVG). Gemäss Art. 52f Abs. 1 AHVV werden Erzieh ungsgut- schriften immer für ganze Kalenderjahre angerechnet. Für Jahre, in denen sein Ehegatte nicht in der schweizerischen AHV versichert war, wird dem versiche rten Elternteil die ganze Erzie- hungsgutschrift angerechnet (Art. 52f Abs. 4 AHVV). 3. Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahre ns bilden (noch) die Fragen, ob die Ausgleichskasse bei der Berechnung der Altersrente zu Recht für das Jahr 1983 eine Teilung und gegenseitige Anrechnung der Einkommen der Versicherten und ihres damaligen Ehegatten vornahm und ob sie der Versicherten für die Jahre 1981 und 1983 korrekterweise lediglich hälftige Erziehungsgutschriften anrechnete. Ni cht mehr zu beurteilen ist dagegen die ursprünglich ebenfalls beanstandete Teilung und gegense itige Anrechnung der Einkommen für das Jahr 1981. Diesbezüglich wird die Rentenberechnung von der Versicherten in ihrer Be- schwerde nicht mehr in Frage gestellt. 4.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.2 hiervor), unter liegen gemäss Art. 29 quinquies Abs. 4 AHVG der Teilung und gegenseitigen Anrechnung nur Ein kommen aus Zeiten, in denen beide Ehegatten in der schweizerischen AHV versichert gewesen sind . Dies ist nach Art. 1a Abs. 1 lit. a AHVG unter anderem der Fall, wenn beide Eheg atten im fraglichen Zeitraum Wohnsitz in der Schweiz gehabt haben. Zwischen den Partien strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob der damalige Ehegatte der Versicherten im Jahr 1983 diese Voraussetzung erfüllt hat. 4.2 Die Ausgleichskasse macht diesbezüglich geltend, de r damalige Ehemann der Versi- cherten habe die Schweiz zwar im Laufe des Jahres 1981 verlassen, am 27. Mai 1983 sei er jedoch wieder in die Schweiz eingereist. Obwohl er die se bereits am 30. Mai 1983 wieder ver- lassen habe, müsse auch für das Jahr 1983 ein Wohnsitz in der Schweiz angenommen werden und die Einkommen seien daher zu teilen. Dafür würden folgende Gründe sprechen: Einerseits habe der Ex-Ehemann der Versicherten zu dieser Zeit ei nen Ausländerausweis C (Niederlas- sungsbewilligung) gehabt, was laut den Weisungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) bei ausländischen Staatsangehörigen den Wohnsitz in der Schweiz vermuten lasse. Zum andern habe er sich am 30. Mai 1983 ohne Angabe eines neuen Wohnortes abgemeldet, was darauf schliessen lasse, dass er den vorherigen Wohnort i m Ausland offenbar aufgegeben, aber keinen neuen begründet habe. Dies führe gemäss Ar t. 24 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 zur Annahme, dass der Aufenthaltsort in der Schweiz als Wohnort gelte. Die Beschwerdeführerin wiede rum bestreitet die Rechtmässigkeit der Teilung und gegenseitigen Anrechnung der Einkommen für das Jahr 1983 mit dem Ein- wand, dass ihr Ex-Ehemann im Jahr 1983 keinen Wohnsitz in der Schweiz gehabt habe. Er sei gemäss der Wohnsitzbescheinigung für das Jahr 1983 ledigl ich während vier Tagen - vom 27. Mai bis 30. Mai - im Einwohnerregister der Stadt D.____ eingetragen gewesen. Einzig dadurch habe er damals aber keinen Wohnsitz in der Schweiz begründet. 5. Art. 13 Abs. 1 ATSG hält fest, dass sich der Wohnsitz e iner Person nach den Artikeln 23 – 26 ZGB bestimmt. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.1 Gemäss Art. 23 Abs. 1 ZGB befindet sich der massgeben de zivilrechtliche Wohnsitz einer Person am Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernde n Verbleibens aufhält. Für die Be- gründung des Wohnsitzes müssen demnach zwei Merkmale (kumulativ) erfüllt sein: Ein objekti- ves äusseres, der Aufenthalt, sowie ein subjektives innere s, die Absicht dauernden Verblei- bens. Nach der Rechtsprechung kommt es nicht auf den inneren Willen, sondern darauf an, auf welche Absicht die erkennbaren Umstände objektiv schliessen lassen (BGE 133 V 309 E. 3.1, 125 V 76 E. 2a, je mit Hinweisen). Massgebend ist somit der Ort, wo sich der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen befindet. Es handelt sich dabei im No rmalfall um den Wohnort, d.h. wo die betreffende Person schläft, die Freizeit verbringt, ihre persönlichen Effekten aufbewahrt und sie üblicherweise über einen Telefonanschluss sowie eine Post adresse verfügt. Die nach aussen erkennbare Absicht muss auf einen dauernden - im Sinne eines "bis auf Weiteres-Aufenthalts" - ausgerichtet sein. Allerdings schliesst die Absicht, eine n Ort später wieder zu verlassen, eine Wohnsitznahme nicht aus (Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 2018, 9C_600/2017, E. 2.2). Ob die Absicht des dauernden Verbleibs und d amit ein Wohnsitz in der Schweiz gege- ben ist, muss anhand einer Gesamtwürdigung sämtlicher na ch aussen erkennbarer Indizien bestimmt werden (BSK-ATSG, IRENE HOFER , Art. 13 N 5). Im Weiteren hält Art. 24 Abs. 1 ZGB fest, dass der einmal begründete Wohnsitz einer Person an diesem Ort bestehen bleibt bis zum Erwerbe eines neuen Wohnsitzes. 5.2 Gemäss der Wegleitung des BSV über die Versicherungs pflicht in der AHV/IV (WVP; gültig ab 1. Januar 2009) wird bei ausländischen Staa tsangehörigen, welche einen Ausweis B (Aufenthaltsbewilligung) oder C (Niederlassungsbewilli gung) besitzen, der Wohnsitz in der Schweiz vermutet (WVP Rz. 1022). 5.3 Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass B._ ___, der damalige Ehemann der Versicherten, im Jahr 1981 die Schweiz verlassen hatt e und ins Ausland weggezogen war (vgl. die Adressauskunft der Stadt D.____ vom 12. Febru ar 2019 [Beschwerdebeilage 5] und die Korrespondenz der Bezirksanwaltschaft D.____ mit Re chtsanwalt Dr. E.____, dem damali- gen Rechtsvertreter der Versicherten, vom 6. Dezember 19 83 und 1. März 1984 [Beschwerde- beilagen 6 und 7]). Die Parteien sind sich sodann einig, dass der Ex-Ehemann seinen Wohnsitz während des gesamten Jahres 1982 nicht in der Schweiz hatte. Dies bestätigt auch die erwähn- te Adressauskunft der Stadt D.____ vom 12. Februar 20 19 [Beschwerdebeilage 5]). Aufgrund dieser Umstände hat es als erstellt zu gelten, dass der damalige Ehemann der Versicherten nach seinem Wegzug aus der Schweiz im Laufe des Jahres 1981 Wohnsitz im Ausland be- gründet hat. 5.4 Aktenkundig ist sodann, dass sich B.____ ab dem 27. Mai 1983 erneut im Einwohner- register der Stadt D.____ eintragen liess und dass er a ber bereits am 30. Mai 1983 wieder - nach "unbekannt" - wegzog (vgl. die Adressauskunft der S tadt D.____ vom 12. Februar 2019 [Beschwerdebeilage 5]). Wie nun allerdings dem Schreib en der Bezirksanwaltschaft D.____ vom 1. März 1984 (Beschwerdebeilage 7) zu entnehmen ist , habe B.____ den Wohnort eines Herrn E.____ als Briefkastenadresse bei der Einwohnerko ntrolle D.____ gemeldet. Laut der Aussage von E.____ habe B.____ aber "niemals" bei ih m gewohnt. Auch wenn die tatsächli- chen Beweggründe der Anmeldung in D.____ für eine Da uer von vier Tagen im Dunkeln blei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben , ist aufgrund dieses - praktisch echtzeitlichen - Dokumen ts der Bezirksanwaltschaft D.____ davon auszugehen, dass der damalige Ehemann der Versich erten im Mai 1983 nicht wirklich die Absicht hatte, erneut dauerhaft in der Schweiz zu ver bleiben Da er zudem gemäss der Aus- sage von E.____ auch " niemals" an der in D.____ gemeldeten Adresse gewohnt hatte, ist nicht einmal sein tatsächlicher Aufenthalt in der Schweiz während der angegebenen Dauer mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Somit ist aber - entgegen der Auffassung der Ausgleichskasse - im Ergeb nis davon auszugehen, dass der damalige Ehemann der Versicherten auch während des gan zen Jahres 1983 keinen Wohnsitz in der Schweiz hatte. 5.5 Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Ausgleich skasse vorliegend mit dem Hin- weis auf die Rz. 1022 der WVP. Danach sei bei ausländischen Staatsangehörigen, die - wie damals der Ex-Ehemann der Versicherten - einen Ausweis C (Niederlassungsbewilligung) be- sitzen, der Wohnsitz in der Schweiz zu vermute n. Diese Verwaltungsweisung erlaubt es der Ausgleichskasse als Durchführungsstelle - im Sinne einer Beweiserleichterung - bei der Be- stimmung des Wohnsitzes (Feststellen der Absicht des dauer nden Verbleibens) auf für Dritte erkennbare Tatsachen wie den Besitz des Ausweises C (Nied erlassungsbewilligung) abzustel- len. Eine solche Vermutung kann indessen durch den Bewe is des Gegenteils umgestossen werden. So können Verfahrensbeteiligte Umstände geltend machen, aus denen für den konkre- ten Fall zu schliessen ist, dass die betroffene Person - tr otz des Besitzes des Ausweises C - im fraglichen Zeitraum keinen Wohnsitz in der Schweiz hat te. Eine solche Konstellation liegt hier vor. Die Vermutung der WVP Rz. 1022 wird im Falle des damaligen Ehegatten der Versicherten durch die obgenannten Fakten und deren beweisrechtliche Würdigung (vgl. E. 5.3 und 5.4 hier- vor) nicht bloss in Frage gestellt, sondern klarerweise widerlegt. 5.6 Zu keiner anderen Beurteilung führt schliesslich auch das von der Ausgleichskasse zusammen mit ihrer Duplik eingereichte Antwortschreiben des BSV vom 22. August 2019. Die darin enthaltene Beurteilung beruht offensichtlich auf der Annahme, dass der damalige Ehe- mann der Versicherten am 27. Mai 1983 - wenn auch nur für kurze Zeit - effektiv Wohnsitz in der Schweiz begründet hatte. Wie oben aufgezeigt, ist aus den oben geschilderten besonderen Umständen rund um den kurzfristigen Eintrag im Einwoh nerregister der Stadt D.____, die dem BSV - soweit ersichtlich - nicht bekannt waren, aber z u schliessen, dass dies hier gerade nicht der Fall war. 5.7 Nach dem Gesagten ist erstellt, dass der damalige E hemann der Beschwerdeführerin während des ganzen Jahres 1983 keinen Wohnsitz in der Schw eiz hatte. Somit war er aber im genannten Jahr nicht in der schweizerischen AHV versichert (Art. 1a Abs. 1 lit . a AHVG e contrario) mit der Folge, dass die Einkommen, welche die Versicherte und ihr damaliger Ehemann im Kalenderjahr 1983 erzielt hatten, bei der Berechnung der Altersrente der Be- schwerdeführerin nicht der Teilung und gegenseitigen Anrechnung unterliegen (Art. 29 quinquies Abs. 4 AHVG e contrario). 6. Zu prüfen bleibt die strittige Anrechnung der Er ziehungsgutschriften für die Jahre 1981 und 1983. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Wie bereits oben erwähnt (vgl. E. 2.3 hiervor), w erden Erziehungsgutschriften immer für ganze Kalenderjahre angerechnet (Art. 52f Abs. 1 AHVV). Für Jahre, in denen sein Ehegatte nicht in der schweizerischen AHV versichert war, wird dem v ersicherten Elternteil die ganze Erziehungsgutschrift angerechnet (Art. 52f Abs. 4 AHVV) . Wie vorstehend aufgezeigt wurde, war der damalige Ehemann der Beschwerdeführerin im Jahr 1983 nicht in der schweizerischen AHV versichert. Daraus folgt, dass der Beschwerdeführerin - wie von ihr geltend gemach t - ge- stützt auf die genannten beiden Verordnungsbestimmungen für das Jahr 1983 die ganze Erzie- hungsgutschrift anzurechnen ist. 6.2 Anders verhält es sich in Bezug auf die Erziehungsg utschrift für das Jahr 1981. Laut den Angaben der Versicherten in der Einsprache vom 8. M ärz 2019 reiste ihr damaliger Ehe- mann "im Februar/März" aus der Schweiz aus (vgl. Beschwer debeilage 4), gemäss Adressaus- kunft der Stadt D.____ vom 12. Februar 2019 (Beschwerd ebeilage 5) erfolgte der Wegzug per 31. Juli 1981. Welches dieser Daten zutreffend ist, ka nn hier offen bleiben, entscheidend ist, dass der damalige Ehemann der Versicherten zumindest w ährend eines Teils des Jahres 1981 Wohnsitz in der Schweiz hatte und demzufolge im genann ten Jahr in der schweizerischen AHV versichert war (Art. 1 Abs. 1 lit. a AHVG). Da gemäss Art. 52f Abs. 1 AHVV Erziehungsgutschrif- ten immer für ganze Kalenderjahre angerechnet werden und bei verheirateten Personen die Erziehungsgutschrift während der Kalenderjahre der Ehe hälftig aufgeteilt wird (Art. 29 sexies Abs. 3 AHVG), ist der Beschwerdeführerin, wie die Ausgleichskasse zutreffend entschieden hat, für das Jahr 1981 lediglich die hälftige Erziehungsgutschrift anzurechnen. Was die Beschwerde- führerin dagegen vorbringt, führt zu keiner anderen Beurteilung. Sie macht geltend, dass ihr damaliger Ehemann "ab 1981" seinen Unterhaltspflichten nicht me hr nachgekommen und die elterliche Obhut über die gemeinsame Tochter ihr zugeteilt worden sei. Vor diesem Hintergrund sei die Halbierung der Erziehungsgutschrift stossend und sie entspreche wohl kaum dem Willen des Gesetzgebers. Mit diesen Einwänden kann die Besch werdeführerin vorliegend jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten. Gesetz- und Verordnung sgeber haben sich entschieden, bei der Frage der Anrechnung der Erziehungsgutschriften Regeln für die "Kategorien" der verheira- teten, der geschiedenen und der nicht miteinander verh eirateten Eltern zu erlassen (vgl. Art. 29 sexies AHVG sowie Art. 52e, 52f und 52f bis AHVV). Von Sonderregelungen für getrenntle- bende, verheiratete Eltern wurde hingegen abgesehen. Somit gelten für diese Eltern nach wie vor, d.h. trotz erfolgter Trennung, die für die verhei rateten Eltern massgebenden Bestimmun- gen. Wie den Akten entnommen werden kann, wurde die Ehe der Beschwerdeführerin im April 1984 geschieden. Demnach hat die Anrechnung der Erziehun gsgutschriften in ihrem Fall bis und mit Ende 1983 nach den für verheiratete Eltern geltenden Normen zu erfolgen. 7. Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten: B ei der Berechnung der Altersren- te der Beschwerdeführerin unterliegen die Einkommen, w elche die Versicherte und ihr damali- ger Ehemann im Kalenderjahr 1983 erzielt hatten, nich t der Teilung und gegenseitigen Anrech- nung. Im Weiteren ergibt sich aus dem oben Gesagten, da ss der Beschwerdeführerin für das Jahr 1983 die ganze Erziehungsgutschrift anzurechnen ist. In Bezug au f diese beiden Punkte erweist sich die vorliegende Beschwerde als begründet. N icht gefolgt werden kann der Be- schwerdeführerin hingegen, soweit sie darüber hinaus au ch die Anrechnung der ganzen Erzie- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hungsgutschrift für das Jahr 1981 verlangt. In dieser H insicht ist der angefochtene Einsprache- entscheid, mit welchem der Versicherten für das genannte Jahr eine hälftige Erziehungsgut- schrift angerechnet wurde, nicht zu beanstanden. Darau s folgt als Ergebnis, dass die Be- schwerde teilweise gutzuheissen ist. Der angefochtene Eins pracheentscheid der Ausgleichs- kasse ist aufzuheben und die Sache ist an die Ausgleichskasse zurückzuweisen. Diese wird die Höhe der Altersrente der Beschwerdeführerin im Sinne d er Erwägungen neu zu berechnen und anschliessend eine neue Rentenverfügung zu erlassen haben. 8.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter sind die Kosten zu verst ehen, die einer Beschwerde führen- den versicherten Person im gerichtlichen Verfahren für d en Beizug einer Rechtsanwältin bzw. eines Rechtsanwalts entstanden sind. Vorliegend hat di e Beschwerdeführerin zwar teilweise obsiegt, da sie sich jedoch nicht anwaltlich hat vertret en lassen, entfällt ein Anspruch auf (teil- weisen) Ersatz der Parteikosten im Sinne der genannten Bestimmung. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. De r angefochtene Ein- spracheentscheid der Ausgleichskasse Basel-Landschaft vom 17 . Juni 2019 wird aufgehoben. Die Sache wird an die Ausgleich skasse Basel- Landschaft zurückgewiesen, damit sie die Höhe der Altersre nte der Beschwerdeführerin im Sinne der Erwägungen neu berec hne und anschliessend eine neue Rentenverfügung erlasse. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht