Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Januar 2021 (720 19 357 / 01) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Polydisziplinäre Begutachtung erforderlich Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Ana Dettwiler, Advoka- tin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1961 geborene A.____ ist seit dem 15. Novembe r 2004 in Teilzeit bei der B.____AG in X.____ als Mitarbeiterin Hauswirtschaft tätig. Am 7. März 2018 meldete sie sich unter Hin- weis auf einen Morbus Bechterew, einen Kleinhirninfarkt , eine Rhizarthrose und eine depressi- ve Störung bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistung sbezug an. Die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die erwerblichen, hauswirtschaftlichen und gesundheit- lichen Verhältnisse ab, wobei sie den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) konsultierte. Gestützt auf dessen Stellungnahme ermittelte sie bei der Versich erten – in Anwendung der gemischten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Methode der Invaliditätsbemessung – ab 14. Juli 2018 (Ablauf des Wartejahrs) einen IV-Grad von 49 % und ab 17. Februar 2019 einen solchen von 36 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach sie A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahr ens und unter Berücksichtigung, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs M onaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs entsteht, mit Verfügung vom 2. Okt ober 2019 für den Zeitraum vom 1. September 2018 bis 31. Mai 2019 eine befristete Viertelsrente zu (Verfügung vom 2. Oktober 2019). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Ana Dettwiler, am 1. November 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 2. Oktober 2019 aufzu- heben und es sei ihr mit Wirkung ab 1. September 201 8 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Eventualiter sei eine polydisziplinäre Begutachtung in A uftrag zu geben und sodann über ihren Rentenanspruch neu zu befinden; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im Wesent- lichen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureich enden medizinischen Unterlagen beruhe und die Bemessung der Invalidität nicht zutreffend sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 21. November 2019 verwi es die IV-Stelle auf die Stellung- nahme des RAD-Arztes Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 19. November 2019, wonach weite re Abklärungen bei den behan- delnden Ärzten angezeigt seien, sowie auf die (Aufheb ungs-)Verfügung lite pendente vom 21. November 2019 und beantragte, (1) es sei die Besch werdeführerin anzufragen, ob sie mit einer Abschreibung des Beschwerdeverfahrens einverstande n sei, (2) das Verfahren sei als erledigt von der Kontrolle abzuschreiben. D. Am 20. Dezember 2019 erklärte sich die Beschwerdefüh rerin mit einer Abschreibung des Beschwerdeverfahrens als gegenstandslos einverstanden , sofern die IV-Stelle eine poly- disziplinäre Begutachtung in den Disziplinen Neurologie , Kardiologie, Rheumatologie, Onkolo- gie und Psychiatrie anordne. E. Mit Verfügung vom 20. Februar 2020 wurde das vorlie gende Verfahren bis zum Ent- scheid der IV-Stelle, ob und gegebenenfalls in welchen Disziplinen eine polydisziplinäre Begut- achtung notwendig sei, sistiert. F. Am 6. Mai 2020 teilte die IV-Stelle unter Hinwei s auf neu eingegangene Unterlagen der behandelnden Ärzte (Bericht von Dr. med. D.____, FMH Dermatologie und Venerologie, vom 31. Januar 2020; undatierter [bei der IV-Stelle am 20. Februar 2020 eingegangener] Bericht von Dr. med. E.____, FMH Kardiologie und Allgemeine Inn ere Medizin, Klinik für Kardiologie des Universitätsspitals Y.____; Bericht von Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, G.____, vom 20. M ärz 2020) und die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. C.____ vom 6. Mai 2020 mit, es gäbe keine Veranlassung, die Beschwer- deführerin dermatologisch, onkologisch, kardiologisch und neurologisch begutachten zu lassen. Sie beantragte, die Sistierung des Verfahrens aufzuhebe n und die Sache zur rheumatologisch- psychiatrischen Abklärung an sie zurückzuweisen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Mit Verfügung vom 7. Mai 2020 wurde die Sistierung des Verfahrens aufgehoben und der Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Stellungahme eingeräumt. H. Am 8. Juni 2020 beharrte die Beschwerdeführerin a uf einer polydisziplinären Begutach- tung in den Disziplinen Rheumatologie, Psychiatrie, Neurologie und Kardiologie. I. Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 wurde der Fall dem zuständigen Dreiergericht zur Be- urteilung überwiesen. J. Anlässlich seiner Urteilsberatung vom 10. September 2020 kam das Kantonsgericht zum Schluss, dass der medizinische Sachverhalt unvollständig abg eklärt und der Beschwerdeführe- rin vor einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung zwecks weiterer Abklärungen durch die Verwaltung Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde zu ge ben sei. In der Folge ersuchte es die Beschwerdeführerin um Mitteilung, ob sie die Beschwe rde vom 1. November 2019 zurück- ziehe oder ob sie an dieser festhalte. Gleichzeitig wies es darauf hin, dass ein allfälliges Urteil gemäss § 1 Abs. 4 des kantonalen Gesetzes über die Ver fassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 im Zirkularverfahren ergehen würde. K. Am 16. Oktober 2020 teilte die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht mit, dass sie an ihrer Beschwerde vom 1. November 2019 festhalte. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b VPO beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige ger ichtliche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 1. November 2019 ist demnach einzutreten. 1.2 In ihrer Vernehmlassung vom 21. November 2019 bean tragte die IV-Stelle unter Hinweis auf die gleichentags erlassene Verfügung lite pendente , es sei das Beschwerdeverfahren als erledigt von der Kontrolle abzuschreiben. Diesem Begehr en kann jedoch nicht entsprochen werden. Nach Art. 53 Abs. 3 ATSG kann zwar der Versicher ungsträger eine Verfügung oder einen Einspracheentscheid gegen die Beschwerde erhoben w urde, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt . Erfüllt diese lite pendente erlassene neue Verfügung die Begehren der Beschwerde führenden Person vollumfänglich, hat sie kein Rechtsschutzinteresse am hängigen Verfahren mehr, so dass dieses gegenstandslos wird und abgeschrieben werden kann. Entspricht aber die Wieder erwägung nicht dem im Beschwerde- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht verfahren gestellten Antrag, kommt sie bloss einem Antra g an das Gericht gleich (vgl. U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 53, Rz. 90). Vorliegend entspricht die von der IV-Stelle lite pendente erlasse ne Verfügung vom 21. November 2019 resp. ihr Vorhaben, eine bidisziplinäre Begutachtung anzuordnen, dem Begehren der Versicher- ten, wonach eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordn en sei, nicht vollumfänglich, sodass über die Beschwerde im Rahmen eines Sachurteils zu befinden ist. 2.1 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versich erungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt di e erforderlichen Auskünfte ein. So- weit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Be urteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). 2.2 Die medizinische Abklärung der objektiven Gesundheitssc häden ist eine unabdingbare gesetzlich verankerte Voraussetzung für die Zusprache ei ner Leistung der Invalidenversiche- rung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Seitens der IV-Stelle obliegt es grundsätz- lich dem RAD, eine umfassende Einordnung vorzunehmen, we lche Fachdisziplinen an einer erforderlichen Begutachtung zu beteiligen sind (vgl. U rteil des Bundesgerichts vom 14. Februar 2019, 9C_296/2018, E. 6. 1). Was zu beweisen ist, erg ibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Versicherer den Sachverhalt soweit zu ermit- teln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 360 E. 5b) ent scheiden kann. Dabei kommt Sachver- ständigengutachten eine massgebende Rolle zu (Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). 2.3 Es existieren keine festen Kriterien zur allgemein gültigen Abgrenzung der Anwendungs- felder der verschiedenen Kategorien von Expertisen. Die grosse Vielfalt von Begutachtungssi- tuationen erfordert Flexibilität. Nach der Rechtsprechu ng (BGE 139 V 352 E. 3.2) lassen sich jedoch die jeweiligen Einsatzbereiche wie folgt umr eissen: Die umfassende administrative Erst- begutachtung wird regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sein; eine direkte Auftragserteilung soll die Ausnahme bleiben. Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar blos s als auf eine oder zwei medizini- sche Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert ist. In begründeten Fällen kann von einer polydisziplinären Begutach- tung abgesehen und lediglich eine mono- oder bidiszip linäre Exploration durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete be- schlägt und ausserdem weder weitere interdisziplinäre Be züge notwendig sind noch ein beson- derer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener K lärungsbedarf besteht (zur Interdis- ziplinarität der Begutachtung vgl. BGE 137 V 210 E. 1 .2.4). Diese Voraussetzungen sind nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung vor allem bei Verlau fsgutachten erfüllt (BGE 139 V 352 E. 3.2). 3.1 Die Parteien sind sich darin einig, dass die angefo chtene Verfügung vom 2. Oktober 2019 auf unzureichenden medizinischen Abklärungen beruht und deshalb aufzuheben ist. Ei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht nigkeit besteht zwischen den Parteien sodann auch darüber , dass die Sache zur Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurü ckzuweisen ist und eine Begutachtung in den Disziplinen Rheumatologie und Psychiatrie zu erfol gen hat. Weiterhin streitig ist das Er- fordernis der von der Beschwerdeführerin zusätzlich verlan gten neurologischen und kardiologi- schen Abklärungen. 3.2 Aus den Akten sind keine Gründe ersichtlich, weshalb d er mittlerweile übereinstimmen- den Auffassung der Parteien, wonach die angefochtene Verfügung vom 2. Oktober 2019 aufzu- heben und die IV-Stelle eine Begutachtung anzuordnen habe, nicht stattgegeben werden sollte. Ebenso besteht keine Veranlassung, von den übereinstimm enden Standpunkten abzuweichen, wonach diese Begutachtung jedenfalls in den Disziplinen Rheumatologie und Psychiatrie zu erfolgen hat. Somit kann von weiteren Ausführungen zu diesen nicht mehr strittigen Beschwer- devorbringen abgesehen werden. Uneinig sind sich die Pa rteien einzig noch hinsichtlich der Frage, ob das anzuordnende Gutachten auch eine kardiol ogische und eine neurologische Ab- klärung umfassen muss. Zur Beantwortung dieser Frage sind nachfolgende ärztliche Berichte von Bedeutung: 4.1 Die Versicherte wurde bei Status nach ischämischem In farkt im Bereich der Vermis ce- rebelli am 11. August 2017 in der Klinik H.____ neuro psychologisch untersucht. Im Bericht vom 19. Oktober 2017 wurde festgehalten, dass die Untersuchu ngsergebnisse für eine leichte bis mittelschwere Funktionsstörung sprechen würden, wobei insb esondere die Exekutivfunktionen betroffen seien. Im Bereich des Gedächtnisses würden sä mtliche Enkodier- und Abrufleistun- gen im Normbereich liegen. Die subjektiv berichtete Ve rgesslichkeit dürfte mit der verminderten Merkspanne und der mittelschwer reduzierten Arbeitsgedäch tnisleistung im Zusammenhang stehen. Insofern sei insbesondere unter Zeitdruck oder in Stresssituationen von einer unmittel- bar erhöhten Vergesslichkeit auszugehen. Auf Ebene der Aufmerksamkeit würden die Reakti- onszeiten den Erwartungen entsprechen. Auch in komple xen Multitasking-Situationen vermöge die Versicherte quantitativ und qualitativ adäquat zu reagieren. Aufgrund einer noch reduzierten Belastbarkeit sei bei länger anhaltender kognitiver Belastung jedoch von einer erhöhten Ermüd- barkeit und einer Zunahme der Fehleranfälligkeit auszu gehen. Bei der Überprüfung der Exeku- tivfunktionen würden eine reduzierte kognitive Flexibili tät und eine verminderte Umstellfähigkeit imponieren. Es sei zu erwarten, dass der Versicherten ein spontanes Anpassen an wechselnde Bedingungen schwer falle. Das abstrakt-logische Denken sei reduziert und erschwere ein schnelles Erfassen von abstrakten Zusammenhängen. Die Fah reignung sei aus rein neuropsy- chologischer Sicht gegeben. Aufgrund der allfälligen D iskrepanz zwischen dem linken und dem rechten Blickwinkel sei jedoch für die Beurteilung der Fahreignung eine ophthalmologische Ab- klärung des Gesichtsfelds nötig. Erst bei positivem Besche id des Ophthalmologen sei die Fahr- eignung (wieder) gegeben. Es sei ein schrittweiser und langsam aufbauender Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit zu empfehlen. Aufgrund der bereits vorbestehenden Belastungssituation sei ein sorgsamer Umgang mit den eigenen Ressourcen und ein gutes Pausenmanagement von enormer Bedeutung. 4.2 Im Bericht der Klinik für Kardiologie des Universitä tsspitals Y.____ vom 29. Februar 2018 wurden ein persistierender Foramen ovale und ein e valvuläre Herzkrankheit mit begin- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nend mittelschwerer Aorteninsuffizienz diagnostiziert. D ie Untersuchungen würden einen nor- mal dimensionierten linken Ventrikel mit normaler systol ischer Funktion, eine normale diastoli- sche Funktion, einen normal grossen linken Vorhof, eine beginnend mittelschwere Aortenklap- peninsuffizienz ohne aortale Flussumkehr, ohne hämodynamisch relevanten Herzklappenfehler, einen normal dimensionierten rechten Ventrikel mit nor maler Pumpfunktion, einen normalen systolischen pulmonal-artheriellen Druck, einen normal grossen rechten Vorhof und einen regel- rechten Verschluss-Device in situ ohne Anhalt für einen Rest -Shunt zeigen. In einem Jahr sei eine echokardiologische Kontrolle durchzuführen, um ein e etwaige Progredienz der Aortenin- suffizienz zu erfassen. 4.3 Am 26. November 2018 diagnostizierte die behande lnde Ärztin Dr. med. I.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf eine axiale Spondyloarthritis, eine Rhizarthrose rechts Stadium 4 nach Eaton, ein Impingement- syndrom der Schulter, rezidivierend depressive Episoden, ein e mediale Meniskushinterhornde- generation bei Gonarthrose rechts und einen Status nach Kleinhirninfarkt am 11. Juli 2017 (rec- te: 11. August 2017) mit residuell leichten bis mittelsch weren Funktionsbeeinträchtigungen. Oh- ne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine chronische Refluxkrankheit, ein persis- tierendes Foramen ovale und eine valvuläre Herzkrankheit mit beginnend mittelschwerer Aor- teninsuffizienz. 4.4 Am 22. März 2019 führte Dr. C.____ aus, hinsichtli ch des Kleinhirninfarkts vom 11. Juli 2017 (rechte 11. August 2017) würden zwar leichte bis m itteschwere Funktionsbeeinträchtigun- gen, welche vor allem die Exekutivfunktionen betreffen, bestätigt. Die Fahrfähigkeit sei aus neu- ropsychologischer Sicht aber ausdrücklich gegeben. Da die Versicherte in der Lage sei, ihre Tätigkeit im Umfang von 50 % (von 80 %) zu bewältig en, erscheine bezüglich der Infarktfolgen in einer angepassten Tätigkeit ein höheres Pensum zumu tbar, zumal keine gegenteiligen Be- funde vorliegen würden. Aufgrund der per se nachvollziehbaren Funktionseinschränkungen und des erhöhten Pausenbedarfs sei in einer optimal angep assten Tätigkeit eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von 30 % zu veranschlagen. 4.5 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens hielt Dr. C.___ _ am 1. Juli 2019 fest, kardiologi- sche Diagnosen, die eine über die in seinem Bericht vom 22. März 2019 veranschlagte Zumut- barkeit hinausgehende Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründen könnten, seien nicht über- wiegend wahrscheinlich anzunehmen. Im Bericht der beha ndelnden Ärztin Dr. I.____ vom 26. November 2018 würden sie denn auch ausdrücklich unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt. Hinsichtlich der psychiatrischen/neurologischen Problematik falle ins Gewicht, dass die Versicherte in der angestammt en Tätigkeit ein Pensum von 40 % zu leisten vermöge, zudem keine relevanten kognitiven Einbu ssen punkto Fahrtauglichkeit und keine psychiatrische, leitliniengerecht ausgeschöpfte Ther apie dokumentiert seien. Die Versi- cherte scheine unter antidepressiver Medikation soweit sta bil zu sein. Eine externe Begutach- tung dränge sich nicht auf. 4.6 Im undatierten Bericht (Eingang bei der IV-Stell e am 20. Februar 2020) diagnostizierte Dr. E.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein e leicht bis mitteschwere Aortenklap- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht peninsuffizienz, eine normale systolische LV-Funktion bei n ormal dimensioniertem linken Ventrikel, einen Status nach Verschluss des persistierenden Foramen ovale (PFO) am 21. Au- gust 2017 und muskulostelettale Thoraxschmerzen. Ohne Au swirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Status nach Kleinhirninfarkt am 11. Augu st 2017 und ein seit Jahren bekannter Morbus Bechterew. Aktuell bestünde eine ordentliche Lei stungsfähigkeit. Klinisch sei keine Funktionseinschränkung festzustellen. Die Fragen bestref fend die Zumutbarkeit der bisherigen resp. einer angepassten Tätigkeit beantwortete Dr. E.____ nicht. 4.7 Am 6. Mai 2020 führte Dr. E.____ aus, im aktuelle n kardiologischen Bericht würde aus- drücklich eine ordentliche Leistungsfähigkeit genannt un d klinisch keine Einschränkungen fest- gestellt, was mit der Tatsache, dass die Versicherte zwe imal wöchentlich das Fitnesscenter aufsuche, stimmig sei. Bezüglich der fraglichen neuroko gnitiven Einschränkungen bei Status nach Kleinhirninfarkt am 11. Juli 2017 (recte: 11. Aug ust 2017) sei die Versicherte gemäss Be- richt der Klinik H.____vom 19. Oktober 2017 neuropsycholo gisch umfassend und differenziert abgeklärt worden. Dabei hätten sich zwar leichte bis mit telschwere neuropsychologische Funk- tionsbeeinträchtigungen gezeigt, welche vor allem die Exekutivfunktionen betroffen haben. Die Fahreignung sei aber aus neuropsychologischer Sicht ausdrü cklich gegeben. Wegweisende Befunde, die seither eine massgebliche Verschlechterung und damit eine erneute neuropsycho- logische Abklärung nahelegen würden oder plausibel bel egen könnten, seien nicht vorhanden. Eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung sei ausreichend. 5.1 Wie unter Erwägung 2.3 hiervor ausgeführt, ist a uch dann eine polydisziplinäre Exper- tise einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss a ls auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert ist. Entgegen der von der IV-Stelle vertretenen Auffassung ist dies vorliegend der Fall. Zunächst sind die Auswirkungen der vom RAD-Arzt Dr. C.____ an sich nicht in Frage gestellten leichten bis mittelschweren Funktionsstörungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht hinrei- chend geklärt. Immerhin stellten die Experten der Klin ik H.____in der Untersuchung vom 19. Oktober 2017 eine verminderte Merkspanne, eine mitt elschwer reduzierte Arbeitsgedächt- nisleistung und bei länger anhaltenden kognitiven Bela stung eine erhöhte Ermüdbarkeit, eine reduzierte kognitive Flexibilität, eine verminderte Um stellfähigkeit und ein eingeschränktes abs- trakt-logisches Denken fest. Sie befürworteten einen schr ittweisen und langsam aufbauenden Widereinstieg in die berufliche Tätigkeit. Die Befunde hatten demnach durchaus Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit. Aus den vorliegenden Unterlagen erschliesst sich aber weder der seithe- rige Verlauf noch der aktuelle neurologische Gesundhe itszustand und die daraus resultierende Leistungsfähigkeit der Versicherten, weshalb sich hierzu w eitere Abklärungen aufdrängen. Ent- gegen der Auffassung von Dr. C.____ kann aufgrund der früheren Untersuchung der Fahrfähig- keit und mangels aktueller Berichte nicht auf weitere Abklärungen hinsichtlich der Auswirkungen des erlittenen Kleinhirninfarkts verzichtet werden. Auch die kardiologischen Verhältnisse sind aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht hinreichen d klar und können deshalb – entgegen der Auffassung von Dr. C.____ – bei der Beurteilung d er Leistungsfähigkeit nicht ausgeklam- mert werden. Zwar attestierte der untersuchende Facha rzt Dr. E.____ in seinem Bericht vom 28. Februar 2018 eine ordentliche Leistungsfähigkeit d er Versicherten und stellte keine Ein- schränkungen fest. Dennoch führte er die leichte bis mitt elschwere Aortenklappeninsuffizienz Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf, was widersprüchlich erscheint und der Klärung bedarf. Dies gilt umso mehr, als Dr. E.____ keine konkreten Angaben zur Zu- mutbarkeit in der bisherigen beruflichen Tätigkeit bzw . in einer zumutbaren Verweistätigkeit machte. Von einer klaren Aktenlage im kardiologischen Be reich kann daher keine Rede sein. Daran vermag die Tatsache, dass die Versicherte zweimal wöchentlich das Fitnesscenter auf- sucht, nichts zu ändern. Vor dem Hintergrund der unbest ritten bestehenden kognitiven Funkti- onsstörungen und der unklaren kardiologischen Verhältni sse kann jedenfalls nicht von einer vollends gesicherten Beschaffenheit der Gesundheitsproble matik, die offenkundig ausschliess- lich die Fachgebiete der Rheumatologie und Psychiatrie b eschlägt, gesprochen werden. Dr. C.____ verfügt denn auch nicht über einen Fachar zttitel für Neurologie, Psychiatrie oder Kardiologie. Daher ist, wie dies rechtsprechungsgemäss insbesondere bei einer Erstbeurteilung vorzunehmen ist (vgl. E. 2.3 hiervor), eine umfassende Beg utachtung der Versicherten anzu- ordnen. 5.2 Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass in Gut heissung der Beschwerde die angefochtene Verfügung vom 2. Oktober 2019 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzu- weisen ist, über die Vergabeplattform SuisseMed@P eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten anzuordnen. Diese hat die Disziplinen Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie und Kardiologie zu umfassen. Falls der psychiatrische Fachar zt der Begutachtungsstelle aufgrund seiner Untersuchungen zusätzlich neuropsychologische Abkläru ngen für angezeigt hält, wird die IV-Stelle auf die betreffende Mitteilung der Be gutachtungsstelle hin eine entsprechende Ausweitung des Begutachtungsauftrags anzuordnen haben. 6.1 Nach Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitw ert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfah- rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer- legt. Hebt das Kantonsgericht eine bei ihm angefochtene Verfügung auf und weist es die Ange- legenheit zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägu ngen und zum Erlass einer neuen Ver- fügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unte rliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). D ie ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- wer- den somit ihr auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Ger icht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsach e und nach der Schwierigkeit des Prozes- ses bemessen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genüg t für den bundesrechtlichen Anspruch auf eine Parteientschädigung auch ein formell es Obsiegen in dem Sinne, dass der Beschwerde führenden Person durch die Aufhebung der a ngefochtenen Verfügung und der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abkl ärung und neuen Beurteilung alle Rechte im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahr t bleiben (BGE 132 V 215 E. 6.2). Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur ern euten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat dies e der Beschwerdeführerin eine Par- teientschädigung auszurichten. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat in ihrer Hono- rarnote vom 19. Juni 2020 einen Zeitaufwand von 16 Stunden und 20 Minuten geltend gemacht. Dieser Aufwand ist in Anbetracht des Aktenumfangs und de r sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen im Quervergleich mit ähnlich gelagerten Fä llen gerade noch angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxi sgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen (vgl. § 3 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 17. November 2003). Hinzu kommen die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 210.70. Somit ist der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeve rfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'624.65 (16,33 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslagen von Fr. 210.70 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 2. Oktobe r 2019 aufge- hoben und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung i m Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an di e Vorinstanz Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 4'624.65 (inkl. Ausl agen und 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht