Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Dezember 2016 (715 16 112 / 338) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Dem Beschwerdeführer war ein Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle aus gesundheit- lichen Gründen nicht zumutbar. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung fällt da- her ausser Betracht. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1959 geborene A.____ war zuletzt seit dem 1. Mai 2013 beim Bundesamt B.____ als Jurist angestellt. Das Arbeitsverhältnis wurde in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Am 11. Februar 2015 meldete sich A.____ beim Regionale n Arbeitsvermittlungszentrum X.____ (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und erhob bei der Ö ffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeitslosenkasse) ab dem 1. Februar 2015 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Mit Ver- fügung vom 30. April 2015 stellte die Arbeitslosenk asse A.____ wegen selbstverschuldeter Ar- beitslosigkeit ab dem 1. Februar 2015 für 31 Tage i n der Anspruchsberechtigung ein. Daran Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht hielt die Einspracheinstanz des Kantonalen Amtes für I ndustrie, Gewerbe und Arbeit Basel- Landschaft (KIGA), Abteilung Öffentliche Arbeitslosen kasse Basel-Landschaft, mit Entscheid vom 2. März 2016 fest. B. Hiergegen erhob A.____ am 13. April 2016 Beschwer de beim Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei er d ie Aufhebung des Einspracheent- scheids vom 2. März 2016 beantragte. Eventualiter seien die Einstelltage zu reduzieren. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass ein Ver bleib an der Arbeitsstelle nicht zu- mutbar gewesen sei. Ein Verschulden an der Arbeitslosigkeit sei ihm nicht anzulasten. C. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Juni 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 2 6. Juli 2016 / Duplik vom 28. September 2016) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obliga torische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol- venzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungser lasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorlie- gend erfüllt der Beschwerdeführer seine Kontrollpflic ht im Kanton Basel-Landschaft. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verfassung s- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträg er gemäss Art. 56 ATSG. Auf die beim sachlich und örtlich zuständigen Gericht form- und fristgerecht eingereichte Beschwer- de ist einzutreten. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwe rdeführer zu Recht infolge selbst- verschuldeter Arbeitslosigkeit für die Dauer von 31 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein- stellte. 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Kommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellung in d er Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwal- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits - und Verschuldensprinzip beherrscht (T HOMAS NUSSBAUMER , in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Schweizeri - sches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Arbeitslo senversicherung, 3. Aufl., Basel 2016, Rz. 828). 3.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden a rbeitslos geworden ist. Eine selbst- verschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und so weit der Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in ei nem nach den persönlichen Umstän- den und den persönlichen Verhältnissen vermeidbaren V erhalten der versicherten Person liegt (ARV 1982 Nr. 4 S. 39). Dies ist unter anderem dann d er Fall, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigt, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Die Auflösung des Arbeitsverhältni sses "im gegenseitigen Einvernehmen" gilt aus der Sicht des Arbeitslosenversicherungsrechts grund sätzlich als Auflösung des Arbeits- verhältnisses durch den Arbeitnehmer (vgl. ARV 1979 Nr. 23). 3.3 Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe nach A rt. 44 Abs. 1 lit. b AVIV findet die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) ihre Gr enze grundsätzlich im Zumutbarkeits- gedanken. So gilt nach Art. 16 Abs. 1 AVIG eine Arbeit noch als zumutbar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbe itsvertraglichen Bedingungen ent- spricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wese ntlich erschwert. Das Bundesgericht hat in konstanter Praxis entschieden, dass bei der Frage der Zu mutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz ein strenger Massstab anzule gen ist (BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hinweisen; N USSBAUMER , a.a.O., Rz. 838). Wenn nicht besondere Um- stände vorliegen, darf einer versicherten Person zugemute t werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle g efunden hat (ARV 1976 Nr. 18; G ERHARD GERHARDS , Kommentar zum AVIG, [Art. 1-58], 1988, Bd. I, N. 27 zu Art. 16; J ACQUELINE CHOPARD , Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Z ürich 1998, S. 116). Die Zu- mutbarkeit zum Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstel le wird dabei strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Stelle (BGE 124 V 234 E. 4b/bb mit Hinweisen). 3.4 Der Begriff der Unzumutbarkeit ist im Lichte von A rt. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation vom 2 1. Juni 1988 über Beschäftigungsförde- rung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit (IAO-Übereinko mmen; für die Schweiz in Kraft seit dem 17. Oktober 1991) auszulegen. Staatsvertraglich wird nur das freiwillige („volontairement“) Aufgeben einer Stelle ohne triftigen Grund („sans mo tif légitime“) sanktioniert. Damit dürfen bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten Anfor- derungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeit splatz gestellt werden; insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggr ünde der versicherten Person zu berücksichtigen. Vermag die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen, kann nicht von einer freiwilligen Preisgabe de r Beschäftigung im Sinne des Überein- kommens gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 30 . April 2009, 8C_958/2008, E. 2.2 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.5 Als legitimer Grund im vorgenannten Sinne gilt di e Kündigung einer Arbeitsstelle, die die Gesundheit der versicherten Person gefährdet. Belegt die versicherte Person durch ein ein- deutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu mutbar ist, ist grundsätzlich von einer Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen auszugehen ( vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 17. Juni 2013, 8C_201/2013, E. 2, vom 13. März 2013, 8C_943/2012, E. 2, und vom 4. Mai 2010, 8C_12/2010, E. 3.1; BGE 124 V 238 E. 4b/bb; G ERHARDS , a.a.O., N. 14 zu Art. 30 AVIG; CHOPARD , a.a.O., S. 123;). 3.6 Dagegen vermögen ein schlechtes Arbeitsklima und Mein ungsverschiedenheiten mit Vorgesetzten oder Arbeitskollegen grundsätzlich keine Unzu mutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zu begründen (SVR 1997 ALV Nr. 10 5 S. 323, C 128/96). Bei Schwierig- keiten wie Auseinandersetzungen, Stresssituationen und d ergleichen ist es der versicherten Person grundsätzlich zuzumuten, ihre Stelle nicht ohne Zusicherung einer neuen Anschlussstel- le aufzugeben. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass b elastende Verhältnisse am Arbeits- platz eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses nich t rechtfertigen. Sie können aber allenfalls beim Verschulden berücksichtigt werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungs- gerichts [EVG, seit 2007 Schweizerisches Bundesgericht] vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 3.2 mit Hinweisen). Auch ein den Vorstellungen der versicherten Person nicht entsprechen- des Betriebsklima genügt hierzu keineswegs (ARV 1986 Nr. 24 S. 95). 4.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist schliesslich auf fol gende Verfahrensgrundsätze hinzuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe- schwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungs- träger und Gerichte von Amtes wegen für die richtige un d vollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeu- tet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzunehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder ander er sich aus den Akten ergebender An- haltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1 mit weiteren Hinweisen). Dieser Gr undsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspfli chten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 4.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüge nde Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als bew iesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarst ellung zu folgen, die es von allen mögli- chen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195; Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 121 V 47 E. 2a; 208 E. 6b mit Hinweis). Sodann ist da rauf hinzuweisen, dass bei sich wider- sprechenden Angaben der versicherten Person die Beweismaxim e gilt, wonach die sogenann- ten spontanen „Aussagen der ersten Stunde“ in der Rege l unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst vo n nachträglichen Überlegungen ver- sicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 115 V 133 E. 8c). 5. Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einsp racheentscheid davon aus, dass dem Beschwerdeführer das Verbleiben an seiner bisherigen Arbeitsstelle beim Bundesamt B.____ zuzumuten gewesen wäre. Das von ihm in seiner „Aussage der ersten Stunde“ sowie im Rahmen des rechtlichen Gehörs geltend gemachte „Mobbing“ sei weder hinreichend substanti- iert noch sei die dafür erforderliche längere Zeitdauer erfüllt. Zudem sei seine Aussage, wonach er aufgrund einer Erschöpfungsdepression krankgeschrieben worden sei, ärztlich nicht bestä- tigt. Ausserdem stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, dass das eingereichte Zeugnis der behandelnden Ärztin Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1. Juni 2015 nicht genügend aussagekräftig sei, um das Vo rliegen eines entschuldbaren Grun- des bejahen zu können. Demgegenüber stellt sich der Besc hwerdeführer – unter Hinweis auf ein weiteres Zeugnis von Dr. C.____ vom 31. März 2016 – auf den Standpunkt, dass es an der Beschwerdegegnerin gewesen wäre, die entscheidrelevanten Informationen einzuholen. Das Verhalten seines damaligen Vorgesetzten habe dazu gefüh rt, dass er Ende August 2013 völlig ausgebrannt gewesen sei. In der Folge sei ihm ärztlich erseits ab 31. August 2013 eine 100%- ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Eine Rückkeh r an die bisherige Stelle sei nicht mehr möglich gewesen. Er habe nur noch die Wahl gehabt, en tweder als nunmehr noch „gewöhnli- cher Verwaltungsjurist“ unter dem damaligen Vorgesetzt en zu arbeiten, was nicht zumutbar gewesen sei, oder aber die Aufhebungsvereinbarung zu unterzeichnen. 6. Aufgrund der Akten steht fest, dass der Beschwerdefü hrer das seit dem 13. Mai 2013 beim Bundesamt B.____ bestehende Arbeitsverhältnis mit auflöste, ohne dass ihm zum dama- ligen Zeitpunkt von anderer Seite verbindlich eine neu e Arbeitsstelle zugesichert gewesen wä- re. Die Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtig ung beurteilt sich demgemäss danach, ob ihm ein Verbleiben an der bisherigen Arbeitsstelle bis zum Auffinden einer neuen zumutbar gewesen wäre (vgl. Erwägung 3.3 hiervor). 7. Aufgrund der vorliegenden Akten stellt sich der rechts erhebliche Sachverhalt wie folgt dar: Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 5. Feb ruar 2015 gab der Beschwerdeführer an, Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses sei „Mobbing“ gewesen. In der Arbeitge- berbescheinigung vom 25. Februar 2015 wurde bei der Fr age nach dem Grund der Kündigung darauf hingewiesen, dass das Arbeitsverhältnis im gegens eitigen Einvernehmen aufgelöst wor- den sei. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs führte der Be schwerdeführer am 25. März 2015 aus, er sei aufgrund von „Mobbing“ seines neuen Vorgese tzten krank geworden und während eines Jahres arbeitsunfähig gewesen. Laut der behandelnden Psychiaterin wäre eine Rückkehr an den Arbeitsplatz medizinisch unzumutbar gewesen. Eine Bestätigung der Ärztin werde nachgereicht, falls dies notwendig sei. Diese Aussage be stätigte der Beschwerdeführer in sei- ner Einsprache vom 26. Mai 2015 und betonte erneut, d ass eine Rückkehr an die damalige Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle aus Sicht der behandelnden Ärztin aus medizinischen Gründen nicht zumutbar gewesen sei. 8. Der Beschwerdeführer schilderte anlässlich der Gewähru ng des rechtlichen Gehörs glaubhaft, dass ein belastendes Verhältnis mit dem neuen Vorgesetzten bestand. Er gab an, gemobbt worden zu sein und aufgrund der belastenden S ituation am Arbeitsplatz gesundheitli- che Probleme entwickelt zu haben. In Folge sei er währe nd eines Jahres krankgeschrieben gewesen. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer während der Dauer des Arbeitsverhältnis- ses vom 31. August 2013 bis 14. Juli 2014 krankgeschrieben war und sich in diesem Zeitraum vom 7. Oktober 2013 bis 15. November 2013 einer stationären Behandlung in der Klinik D.____ unterziehen musste, ist zu Recht unbestritten. Beim Hinwei s des Beschwerdeführers auf ge- sundheitliche Beschwerden handelt es sich demnach – entgeg en der Ansicht der Vorinstanz – nicht nur um eine später im Verfahren eingebrachte Da rstellung, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher Art beeinflusst worden ist (vgl. dazu E. 4.2 hiervor). Es ist nicht in Zweifel zu ziehen, dass für den Beschwerdeführer die gesundheit- lichen Beschwerden der Hauptgrund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses waren. 9.1 Es stellt sich somit die Frage, ob die vom Beschwerdef ührer vorgebrachte Unzumut- barkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz aus gesundheit lichen Gründen durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis oder durch andere geeignete Beweismittel belegt ist. 9.2 Die Psychiaterin Dr. C.____ legte im Zeugnis vom 1. Juni 2015 dar, dass sich der Be- schwerdeführer seit Mitte März 2012 bei ihr in ambulant -psychiatrischer Behandlung befinde. Sie habe ihm geraten, das Arbeitsverhältnis mit dem Bu ndesamt B.____ aus gesundheitlichen Gründen zu beenden. 9.3 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens reic hte der Beschwerdeführer ein weiteres Zeugnis von Dr. C.____ vom 31. März 2016 ein. D emnach diagnostizierte sie in den Jahren 2013 und 2014 eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und Probleme am Arbeitsplatz. Der Versicherte sei erstmal im März 2012 i m Rahmen einer Ehekrise bei ihr vor- stellig geworden. Später seien Probleme am Arbeitspla tz dazugekommen und der Versicherte habe ein depressives Zustandsbild entwickelt. Aus diesem Grund sei der Versicherte vom 31. August 2013 bis 14. Juli 2014 krankgeschrieben gewesen . In der Zeit vom 7. Oktober 2013 bis 15. November 2013 sei eine stationäre Behandlung in der Klinik D.____ erfolgt. Aufgrund der zunehmenden Schwierigkeiten am Arbeitsplatz bei gest örtem Vertrauensverhältnis (der Versicherte habe sich vom Vorgesetzten gemobbt und nicht e rwünscht gefühlt und es sei keine konstruktive Kommunikation möglich gewesen) und des weiterh in bestehenden depressiven Zustandsbilds, welches durch die Probleme am Arbeitspl atz verstärkt worden seien, habe sie dem Versicherten empfohlen, die Stelle zu kündigen. Bei einem Verbleib an der bisherigen Stel- le hätte mit einer Chronifizierung und/oder Verschlech terung des psychischen Zustandes mit Entwicklung von zunehmenden depressiven Symptomen und eve ntuell mit Suizidgedanken gerechnet werden müssen. Die Krankschreibung sei mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses sistiert worden, da damit die arbeitsstellenbezogenen Ur sachen der Arbeitsunfähigkeit nicht Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr vorhanden gewesen seien. Zudem habe sich der Gesun dheitszustand des Versicherten derart verbessert, dass er für eine andere Stelle wieder zu 100% vermittelbar sei. 10.1 Eine Würdigung der vorstehend erwähnten Verfahre nsakten ergibt, dass dem Be- schwerdeführer ein weiterer Verbleib an seiner bisherig en Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zugemutet werden konnte. So führ te Dr. C.____ am 1. Juni 2015 und ins- besondere im präzisierten Bericht 31. März 2016 – der m it dem zu beurteilenden Streitgegen- stand in einem engen Sachzusammenhang steht und deshalb im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen ist – aus, dass psychiatrische Gründe vorgelege n hätten, die zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses führten. Sie bestätigte, dass dem B eschwerdeführer aufgrund der zuneh- menden Schwierigkeiten am Arbeitsplatz bei gestörtem V ertrauensverhältnis und des weiterhin bestehenden depressiven Zustandsbilds, welche durch die Pr obleme am Arbeitsplatz verstärkt worden seien, empfohlen zu haben, das Arbeitsverhältni s zu beenden. Bei einem Verbleib an der bisherigen Stelle hätte mit einer Chronifizierung und/oder Verschlechterung des psychi- schen Zustandes mit Entwicklung von zunehmenden depressiven Symptomen und eventuell mit Suizidgedanken gerechnet werden müssen (vgl. E. 9.3 hier vor). Wie oben (vgl. E. 3.5 hiervor) aufgezeigt, ist die Unzumutbarkeit des Verbleibens an e iner Arbeitsstelle dann zu bejahen, wenn die versicherte Person die Umstände für die Kündig ung durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis zu belegen vermag. Die Berichte von Dr. C.____ vom 1. Juni 2015 und insbesondere vom 31. März 2016 enthalten die vom Bundesgericht als no twendig erachteten Angaben, kann ihnen doch entnommen werden, dass der Beschwerdeführer zunächst ab Mai 2012 wegen ei- ner Ehekrise und hernach wegen Problemen am Arbeitspl atz und einem depressiven Zu- standsbild in psychiatrischer Behandlung und vom 31. Augu st 2013 bis 17. April 2014 arbeits- unfähig war. Im Weiteren geht aus den eingereichten Zeugnissen klar und unmissverständlich hervor, dass die vom 31. August 2013 bis 17. April 2014 attestierte Arbeitsunfähigkeit ihre Ur- sache im Arbeitsverhältnis hatte und die Beendigung des Arbeitsverhältnisses aus Sicht der Ärztin aus medizinischen und psychiatrischen Gründen angeze igt war. Ernsthafte Gründe für Zweifel an der Richtigkeit der vorliegenden Berichte sind nicht ersichtlich und werden von der Beschwerdegegnerin auch nicht geltend gemacht. Es beste ht deshalb kein Anlass, von den medizinischen Einschätzungen der psychiatrischen Fachspeziali stin abzuweichen. Damit ist aber hinreichend belegt, dass es dem Beschwerdeführer au s gesundheitlichen Gründen nicht mehr zuzumuten war, unter dem damaligen Vorgesetzten das bisherige oder ein neues Arbeits- verhältnis fortzuführen. 10.2 Daran ändert die Argumentation der Beschwerdege gnerin nichts. Sie macht geltend, dass gemäss der „Aussage der ersten Stunde“ davon auszugehe n sei, dass das Arbeitsverhält- nis wegen „Mobbing“ aufgelöst worden sei. Die Vorausse tzungen dafür seien aber nicht erfüllt. Zudem hätten die gesundheitlichen Probleme des Beschwe rdeführers ihren Ursprung nicht bloss in der Arbeitssituation, sondern auch im Privatlebe n gehabt. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden, weil die Beschwerdegegnerin dabe i verkennt, dass dem Versicherten aus ärztlicher Sicht ein weiterer Verbleib beim Bundesamt B .____ aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar war. Soweit sie weiter vermutet, da ss es dem Beschwerdeführer möglich gewesen wäre, eine andere interne Lösung innerhalb des Bundesamtes zu finden, ist ihr entge- genzuhalten, dass sich aus den Akten keine Hinweise auf ei n konkretes Stellenangebot erge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ben. Wenn sie schliesslich darauf hinweist, dass kein echtzeit liches Arztzeugnis vorliegt, muss sie sich entgegenhalten lassen, dass sie – nachdem der Be schwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs Stellung genommen hatte – aufgrund ihrer Abklärungspflicht weitere Unter- lagen hätte beschaffen oder Abklärungen medizinischer Art hätte tätigen können. Dies hat sie indessen unterlassen. 10.3 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten davon auszuge hen, dass dem Beschwer- deführer ein weiterer Verbleib an der bisherigen Arb eitsstelle aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar war. In Anbetracht dieser Sachlage gab der Beschwerdeführer seine bis- herige Arbeitsstelle nicht freiwillig auf, er konnte sich für die Auflösung des Arbeitsvertrages vielmehr auf triftige Gründe stützen. Der Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle erweist sich nach dem Gesagten als unzumutbar im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG. Somit ist kein Ver- schulden des Versicherten ersichtlich, was zur Folge hat, da ss der Tatbestand des Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG nicht erfüllt ist und eine Einstell ung in der Anspruchsberechtigung nicht in Be- tracht fällt. Der angefochtene Einspracheentscheid der Arbeitslosenkasse vom 2. März 2016 ist demnach aufzuheben und die vorliegende Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen. 11. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdefüh- rer wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angef ochtene Einsprache- entscheid vom 2. März 2016 wird aufgehoben. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht