Abteilung IV D-676/2010/dcl {T 0/2} U r t e i l v o m 8 . J u n i 2 0 1 0 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Maurice Brodard, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann. A._______, geboren (...), Pakistan, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2009 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-676/2010 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin – eine pa- kistanische Staatsangehörige, römisch-katholischen Glaubens aus B._______ – ihre Heimat am 27. September 2009 auf dem Luftweg via C._______ nach D._______. Danach habe sie sich 20 Tage in E._______ aufgehalten, sei anschliessend in einem Auto bis nach F._______ gereist, ehe sie dann am 19. Oktober 2009 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) G._______ ein Asylgesuch einreichte. B. Zur Begründung ihres Gesuches brachte die Beschwerdeführerin an- lässlich der Befragung vom 26. Oktober 2009 und der Anhörung vom 30. November 2009 – jeweils durch die Vorinstanz – im Wesentlichen vor, sie habe als (Beruf) in einem Spital in B._______ und ehrenamtlich im Gesundheitswesen gearbeitet. Am 20. Juli 2009 sei sie nach H._______ gegangen, um die Leute in verschiedenen Orten über die Familienplanung zu informieren. Am 23. Juli 2009 habe sie anlässlich einer solchen Veranstaltung im Dorf I._______ in der Nähe von H._______ gesprochen. An dieser Veranstaltung seien sowohl Christinnen als auch muslimische Frauen anwesend gewesen. Die Beschwerdeführerin habe den Teilnehmerinnen verschiedene Verhütungsmethoden erklärt. Eine christliche Teilnehmerin habe bemerkt, dies sei eine Sünde. In der Folge habe sich ein verbaler religiöser Disput zwischen der Beschwerdeführerin, dieser christlichen Frau und muslimischen Frauen entwickelt. Die Beschwerdeführerin sei dabei auch geschlagen worden. Man habe sie beschuldigt, den Propheten zu beleidigen. Mit Hilfe eines Kirchendieners sei es ihr gelungen, die Veranstaltung zu verlassen. Danach sei sie nach Hause zurückgekehrt. Am 17. August 2009 habe die Beschwerdeführerin erfahren, dass sich zwei unbekannte Männer bei der Arbeit nach ihr erkundigt hätten. Tags darauf und am 22. August 2009 hätten diese Personen erneut auf der Arbeitsstelle nach ihr gefragt. Am 22. August 2009 seien die beiden Männer in Begleitung einer Frau gewesen, welche eine der Teilnehmerinnen der Veranstaltung vom 23. Juli 2009 gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe diese Personen jedoch nicht empfangen, sondern sie sei aus Angst am 22. August 2009 sofort nach Hause gegangen. Danach habe sie zuerst Urlaub beantragt, später habe sie sich krank gemeldet und sich zum Teil in J._______ versteckt. Bis zum 10. September 2009 seien jeden zweiten Tag Leute Seite 2D-676/2010 im Krankenhaus erschienen und hätten nach der Beschwerdeführerin gefragt. Deshalb habe sie ihre Stelle am 15. September 2009 gekündigt. Sie sei nicht zu den Behörden gegangen, weil die Polizei einen Christen, der ein muslimisches Mädchen geliebt habe, unter der Beschuldigung der Blasphemie gefoltert und erschossen habe. Am 27. September 2009 sei sie schliesslich geflohen. Bei einer Rückkehr in ihre Heimat würden sowohl sie als auch ihre Familie in Gefahr geraten. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin ein Bestätigungsschreiben der (Kirche) in H._______ vom 3. September 2009 zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 29. Dezember 2009 – eröffnet am 6. Januar 2010 – lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ord- nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Be- gründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, die Beschwerde- führerin habe Probleme mit Drittpersonen im Anschluss an die bereits erwähnte Veranstaltung vom 23. Juli 2009 geltend gemacht. Sie habe jedoch unterschiedliche Angaben zu den Personen gemacht, welche sie hätten verfolgt haben sollen. Anlässlich der Befragung zur Person habe sie zu Protokoll gegeben, an bereits genannter Veranstaltung seien auch drei bis vier muslimische Frauen anwesend gewesen. Die- se Teilnehmerinnen hätten danach überall im K._______ gegen sie ge- hetzt. Sie seien sogar an ihrem Arbeitsplatz in B._______ erschienen, um sie zu töten (vgl. A1, S. 4 f.). Im Verlauf der Anhörung hingegen habe die Beschwerdeführerin behauptet, im Spital in B._______ seien drei Mal die jeweils gleichen zwei Männer erschienen. Am 22. August 2009 seien diese in Begleitung einer Frau gekommen. Nur diese drei Personen – sonst niemand – hätten sie gesucht. Auf den Widerspruch hingewiesen habe die Beschwerdeführerin behauptet, in der Befragung keine derartigen Aussagen gemacht zu haben. Dies sei als Schutzbehauptung anzusehen, sei ihr doch das entsprechende Protokoll rückübersetzt worden. Zudem habe sie anschliessend unterschriftlich bestätigt, dass das Protokoll ihren Aussagen und der Wahrheit entspreche (vgl. A1, S. 6 sowie A8, S. 11 f. und 14). Weiter habe die Beschwerdeführerin während der Anhörung unglaubhafte Angaben zu ihrem Verhalten gemacht, nachdem sie vom Erscheinen dieser Personen im Krankenhaus erfahren habe. Sie habe am 17. August 2009 gemeint, es seien Patienten. Deshalb habe sie diese beiden Männer ignoriert. Als sie im Anschluss daran gefragt worden Seite 3D-676/2010 sei, weshalb sie diese ignoriert habe, wenn sie davon ausgegangen sei, es handle sich um Patienten, habe sie plötzlich behauptet, sie habe gedacht, es seien Verwandte von Patienten (vgl. A8, S. 11). Zudem habe die Beschwerdeführerin in der Anhörung vorerst zu Protokoll gegeben, der Pfarrer habe ihr mitgeteilt, dass man ununterbrochen nach ihr gesucht habe. Er habe ihr deshalb geraten, in eine andere Stadt zu gehen. Kurz darauf sei die Beschwerdeführerin gefragt worden, woher der Pfarrer wisse, dass nach ihr gesucht worden sei. Sie habe geantwortet, der Pfarrer habe ihr so etwas nicht gesagt. Vielmehr habe sie den Pfarrer über die Ereignisse vom 17., 18. und 22. August 2009 informiert (vgl. A8, S. 15). Schliesslich seien auch die Angaben zu ihrem Verhalten nach dem 22. August 2009 unglaubhaft ausgefallen. Zu Beginn der Befragung habe sie die Aussage gemacht, bis am 15. September 2009 im Krankenhaus gearbeitet, aber bis am 27. September 2009 – also bis zum Tag ihrer Ausreise – in B._______ gelebt zu haben. Im weiteren Verlauf habe sie jedoch angegeben, der Pfarrer habe ihr geraten, nach J._______ zu fliehen und sich dort zu verstecken. Dies habe sie getan. Zu Beginn der Anhörung habe die Beschwerdeführerin die Aussage gemacht, sie sei vor der Ausreise in einer anderen Stadt gewesen. Später habe sie sich diesbezüglich jedoch präzisiert, indem sie behauptet habe, sie sei nach dem 23. August 2009 noch ab und zu zur Arbeit gegangen. Sie sei auch nach J._______ gegangen, und zwar jeden zweiten oder dritten Tag. Abgesehen von diesen widersprüchlichen Aussagen sei es nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin nach dem 22. August 2009 noch gearbeitet habe und sich teilweise auch noch in B._______ aufgehalten habe. Sie habe doch angesichts der bisherigen Ereignisse damit rechnen müssen, dass man sie am ehesten bei der Arbeit oder zu Hause erwischen würde (vgl. A1, S. 1 f. und S. 5 sowie A8, S. 2, 5 und 15). Aufgrund dieser Erwägungen seien die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Probleme nicht glaubhaft. Es erübrige sich daher, auf weitere Ungereimtheiten in ihren Aussagen einzugehen. Die ein- gereichte Bestätigung vom 3. September 2009 (vgl. A1) habe keine Be weiskraft, da es sich um ein Gefälligkeitsschreiben handle. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Seite 4D-676/2010 D. Mit Beschwerde vom 4. Februar 2010 an das Bundesverwaltungs- gericht beantragte die Beschwerdeführerin, die Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2009 sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und es sei ihr in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, das Asylver- fahren wieder aufzunehmen und den rechtserheblichen Sachverhalt unter Wahrung der Verfahrensrechte pflichtgemäss zu ermitteln und festzustellen. Subeventualiter sei festzustellen, dass der Beschwerde- führerin eine Rückkehr in ihr Heimatland nicht zumutbar respektive diese nicht zulässig sei, und es sei ihr die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. In prozessualer Hinsicht sei ihr unter anderem eine angemessene Nachfrist für die Beschaffung von Beweismitteln aus dem Ausland zu gewähren und die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Auf die Begründung der Beschwerde und die eingereichten Be weismittel wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. E. Mit Verfügung vom 9. Februar 2010 teilte der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts der Beschwerdeführerin mit, sie könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Zudem erhielt sie Gelegenheit, bis zum 24. Februar 2010 den Nachweis der Be- dürftigkeit zu erbringen oder im Unterlassungsfall – unter Hinweis auf die Säumnisfolgen – einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zu leisten. Die Beschwerdeführerin reichte mit Schreiben vom 8. Februar 2010 – beim Bundesverwaltungsgericht am 9. Februar 2010 eingegangen – eine Fürsorgebestätigung datiert auf den 4. Februar 2010 ein. F. Mit Schreiben vom 16. Februar 2010 reichte die Beschwerdeführerin noch einmal eine Fürsorgebestätigung (diesmal datiert auf den 15. Februar 2010) zu den Akten. Zudem informierte sie das Bundes- verwaltungsgericht dahingehend, dass sie sich einer (Operation) habe unterziehen müssen und nach ihrem Kenntnisstand weitere ärztliche Un tersuchungen nötig sein würden, und reichte diesbezüglich ein Bestätigungsschreiben des L._______ vom 15. Februar 2010 betreffend einen Sprechstundentermin zu den Akten. Seite 5D-676/2010 G. Am 9. März 2010 liess die Beschwerdeführerin mit Schreiben verfasst und eingereicht durch die Beratungsstelle M._______ dem Bundesverwaltungsgericht folgende Informationen zu kommen: Die Beschwerdeführerin habe sich am 8. März 2010 einer (Operation) unterziehen müssen. Sie befinde sich zurzeit auf der Intensivstation und sei noch nicht ansprechbar. Zudem sei es der Beschwerdeführerin nicht möglich, die Nummer ihres Passes beizubringen, da von diesem weder von ihr noch von ihrer Familie im Heimatland eine Kopie angefertigt worden sei. Überdies gab sie auch noch die Adresse der Familie in J._______ bekannt, bei der sich ihre Familienmitglieder zur Zeit aufhalten würden. Zudem wurde die Zustellung von weiteren verfahrensrelevanten Unterlagen betreffend den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in Aussicht gestellt und zusätzliche Informationen bezüglich der Situation von Christen in Pakistan zu den Akten gereicht. H. In ihrer Stellungnahme vom 29. März 2010 hielt die Vorinstanz unter anderem vollumfänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I. In ihrer Replik vom 14. April 2010 (Datum des Poststempels) brachte die Beschwerdeführerin vor, die Ungereimtheiten betreffend ihre Aus- sagen seien einerseits auf Verständigungsschwierigkeiten und andererseits auf ihre gesundheitlichen Probleme zurückzuführen. Aus diesem Grund sei ihren Vorbringen trotzdem Glauben zu schenken. Zudem reichte sie diverse ärztliche Berichte, einen weiteren Bericht über die allgemeine Lage von Christen in Pakistan und einen Zeitungsartikel über die aktuelle Sicherheitssituation in B._______ ein. J. Mit Schreiben vom 26. April 2010 reichte die Beschwerdeführerin einen Kurzaustrittsbericht des L._______ vom 25. März 2010 sowie weitere Berichte betreffend die Situation der Christen in Pakistan zu den Akten. Zudem gab sie die Postleitzahl des aktuellen Aufenthaltsortes ihrer Familienmitglieder in J._______ bekannt. Seite 6D-676/2010 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungs- gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundes- gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in die- sem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht; die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än- derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an- erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu- letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Seite 7D-676/2010 Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach- weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft ge- macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht wi- dersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Die asylsuchende Person muss persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf ge- fälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, wenn sie wichtige Tat- sachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver- fahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung impliziert ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Ge- suchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtig- keit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Eingabe vom 4. Februar 2010 vor, sie könne die ihr von der Vorinstanz vorgeworfenen Wider- Seite 8D-676/2010 sprüche betreffend die erlittene Verfolgung in ihrer Heimat klären. Zu- dem seien ihre Vorbringen glaubhaft und nachvollziehbar. Es seien ihr zwar sowohl während der Erstbefragung als auch anlässlich der An- hörung immer wieder kleinere Versprecher widerfahren, dies sei aber aufgrund der genannten Vorfälle durchaus nachvollziehbar. Sie sei je- doch wegen des Erlebten in Pakistan nervös, aufgewühlt und es falle ihr schwer, sich zu konzentrieren. In der Replik vom 14. April 2010 hielt die Beschwerdeführerin diesbezüglich fest, beim Verfassen der Be- schwerdeschrift sei es zwischen ihr und der ihr dabei behilflichen Ver- trauensperson zu Verständigungsschwierigkeiten und wegen ihrer un- genügenden Englischkenntnisse zu Missverständnissen gekommen. Diese Missverständnisse hätten in einem weiteren Gespräch nun ge- klärt werden können. Zudem sei sie im Zeitpunkt, in welchem die Be- schwerdeschrift verfasst worden sei und auch das entsprechende Ge- spräch stattgefunden habe (4. Februar 2010), bereits krank gewesen und habe sich fiebrig gefühlt. Ihre Konzentrationsfähigkeit sei somit nachweislich eingeschränkt gewesen. Kurz darauf, am 9. Februar 2010, habe man bei ihr die (Operation) durchführen müssen und sie sei drei Tage hospitalisiert gewesen. Dem ärztlichem Bericht des L._______ vom 17. Februar 2010 sei zu entnehmen, dass sie schon ungefähr eine Woche vor dem Eingriff unter höherem Fieber und nächtlichem Schüttelfrost gelitten habe. Darum sei es für sie sehr schwierig gewesen, ihre Verfolgungssituation auf Englisch genau zu erklären und die Fragen ihrer Vertrauensperson genau zu verstehen. Zudem reichte die Beschwerdeführerin sowohl mit der Beschwerdeein- gabe vom 4. Februar 2010 als auch in ihrer Replik vom 14. April 2010 diverse Berichte betreffend die schwierige Situation von Christen in Pakistan, verschiedene Bestätigungsschreiben unter anderem von christlichen Würdenträgern und dem Spital in B._______ sowie ver- schiedene Arztberichte betreffend ihre Krankheitsgeschichte zu den Akten. In einem weiteren Schreiben vom 26. April 2010 reichte sie schliesslich einen Kurzaustrittsbericht des L._______ ein und gab die Postleitzahl des angeblich aktuellen Aufenthaltsortes ihrer Fa- milienmitglieder in J._______ bekannt. 4.2 Für das Bundesverwaltungsgericht besteht nach Überprüfung der Akten keine Veranlassung, die Erwägungen des BFM zu beanstanden. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann daher vorab auf die zu- treffenden vorinstanzlichen Ausführungen in der angefochtenen Ver- fügung vom 29. Dezember 2009 und der Vernehmlassung vom Seite 9D-676/2010 29. März 2010 verwiesen werden. Die Vorbringen in der Rechtsmittel- eingabe vom 4. Februar 2010 und der Replik vom 14. April 2010 sind nicht geeignet, eine Änderung der angefochtenen Verfügung zu be- wirken. Der Argumen tation werden keine stichhaltigen Gründe ent- gegengesetzt. Eine Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Er- wägungen erfolgt zwar, die Vorbringen verlaufen jedoch in allgemeinen Ausführungen, zusätzlichen Versionen und Mutmassungen, die durch keinerlei stichhaltigen Argumente gestützt werden. Die Beschwerde- führerin verstrickt sich in wesentlichen Vorbringen zusätzlich in Wider- sprüche, und ihre angebliche Verfolgungsgeschichte liegt nunmehr in mehreren un terschiedlichen Versionen vor. Zudem ist ihre Argumentation betreffend die Verständigungsschwierigkeiten und die darauf folgenden Missverständnisse mit ihrer Vertrauensperson an- lässlich der Abfassung ihrer Beschwerdeeingabe unbehelflich und als reine Schutzbehauptung zu werten. Im Übrigen ist selbst bei Annahme einer gesundheitlichen Beeinträchtigung darauf hinzuweisen, dass sich - wie von der Vorinstanz ausgeführt - bereits die Versionen ihrer Verfolgungsgeschichte anlässlich der Anhörung und der Befragung diametral unterscheiden. Gemäss der vorliegenden Protokolle hat die Be schwerdeführerin weder während der Anhörung noch der Befragung irgendwelche Verständigungsprobleme mit dem Dolmetscher oder gesundheitliche Probleme beziehungsweise Konzentrationsschwierig- keiten angemerkt (vgl. A2 und A8). Es ist überdies unverständlich und spricht ebenfalls gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen, weshalb die angeblichen Verfolger nicht mit aller Vehemenz versucht haben, sie zu stellen. Die muslimischen Männer hätten einerseits die Möglichkeit gehabt, ihr nach Arbeitsschluss im Spital abzupassen, oder sie dann zu Hause aufzusuchen. Gemäss eigenen Angaben habe sie sich an- lässlich der Veranstaltung in I._______ (H._______) vorgestellt und unter anderem den Anwesenden ihren Wohnort mitgeteilt. Diese Information hätte die muslimische Frau den angeblichen Verfolgern sicherlich weitergegeben. 4.3 Zusammenfassend bestätigt das Bundesverwaltungsgericht die Erkenntnis des BFM, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrelevante Gefährdung glaubhaft darzutun. An dieser Ein- schätzung vermag auch die Bekanntgabe des angeblich aktuellen Wohnsitzes ihrer Familienmitglieder nichts zu ändern. Es erübrigt sich, auf weitere Vorbringen in der Beschwerde oder der Replik sowie die eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, weil sie an die- ser Würdigung nichts zu ändern vermögen. Die Beschwerdeführerin Seite 10D-676/2010 erfüllt die Flüchtlingseigenschaft nicht, und das BFM hat ihr Asyl- gesuch zu Recht abgelehnt. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein- heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. W ALTER STÖCKLI , Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver- pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat ent- gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge- fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom Seite 11D-676/2010 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über- einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau- same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei- heiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmensch- licher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen wer- den. 6.3 Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrecht- lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung fin- den. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Pakistan ist dem- nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde- führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti- Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen ). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrecht- lichen Bestimmungen zulässig. 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts- staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Seite 12D-676/2010 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 6.4.1In Pakistan herrscht zur Zeit weder Krieg, Bürgerkrieg noch liegt eine Situation allgemeiner Gewalt vor. Zu prüfen ist indessen, ob die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin allenfalls individu- elle Gründe darstellen, welche gegen die Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs sprechen. 6.4.2Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung der ARK führen medizinische Gründe grundsätzlich nur dann zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, wenn für die betroffene Person bei einer Rück- kehr in ihren Heimatstaat eine wesentliche medizinische Behandlung nicht erhältlich wäre. Bei der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 83 Abs. 4 AuG sind humanitäre Überlegungen im Einzelfall gegen andere öffentliche Interessen abzuwägen, die allenfalls für den Vollzug der Wegweisung sprechen würden, was den Asylbehörden einen Er- messensspielraum lässt. Entsprechend bilden etwa gesundheitliche Probleme, welche für sich allein betrachtet den Wegweisungsvollzug nicht bereits als unzumutbar erscheinen lassen, eine Beurteilungs- element, welches in die vorzunehmende Interessenabwägung ein- bezogen werden muss und zusammen mit weiteren humanitären Aspekten zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zugs führen kann (vgl. zum Ganzen EMARK 2001 Nr. 16 E. 6b S. 123, 2003 Nr. 24 E. 5a am Ende und 5b S. 157 f.). 6.4.3Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass die Be- schwerdeführerin gemäss der Operationsberichte vom 23. Februar 2010 (Operationsdatum 9. Februar 2010) und vom 12. März 2010 (Operationsdatum 8. März 2010) jeweils des L._______ im Februar 2010 mit (Schmerzen) notfallmässig vom Hausarzt zugewiesen ins Spital eingetreten sei. (Schilderung Diagnosen und Behandlungen). Gemäss dem Kurzaustrittsbericht des L._______ vom 25. März 2010 werde die Beschwerde führerin bei Austritt mit (Aufzählung Medikamente) medikamentiert. Ausserdem werde eine Weiterführung der (Therapie) in einem Monat empfohlen. Des Weiteren habe der behandelnde Arzt eine (...) Sprechstunde am 26. April 2010 für die Beschwerdeführerin vereinbart. Da in der Zwischenzeit dem Bundesverwaltungsgericht keine weiteren ärztlichen Berichte ein- gereicht worden sind, ist davon auszugehen, dass die empfohlene Seite 13D-676/2010 Therapie in der Zwischenzeit fortgesetzt wurde, die Be- schwerdeführerin die vereinbarte Sprechstunde wahrgenommen hat und sich ihr gesundheitlicher Zustand stabilisiert beziehungsweise zumindest nicht verschlechtert hat. 6.4.4Gemäss Einschätzungen des U.S. State Departement und des U.K. Home Office präsentiert sich die qualitative Situation des pakista- nischen Gesundheitswesens in einem schlechten Zustand. In Pakistan existiert kein staatliches und garantiertes soziales Sicherheitsnetz mit Leistungsanspruch auf der Grundlage individueller Beitragszahlungen. Qualitativ und quantitativ hochwertige Leistungen im Gesundheits- wesen werden in erster Linie von privaten Hospitälern angeboten, die sich fast ausschliesslich in urbanen Gegenden befinden. In ländlichen Gebieten ist die medizinische Versorgung deshalb schlechter zu quali- fizieren als in städtischen. Trotz des Umstandes, dass die allgemeinen Zustände im pakistanischen Gesundheitswesens nicht an westliche Standards heranreichen, ist davon auszugehen, dass Pakistan eine weitgehend funktionierende Infrastruktur auch im Gesundheitswesen aufweist. Dies ist insbesondere in Grossstädten wie Islamabad, Kara- chi und Lahore der Fall. Da in Pakistan keine allgemeine Krankenver- sicherung existiert, muss ein Patient in den meisten Fällen selbst für die Kosten der Behandlung aufkommen. Dies gilt insbesondere für Medikamente, welche der Patient benötigt. Arztkonsultationen können - vor allem bei staatlich geführten Institutionen - unentgeltlich oder zu einem reduzierten Preis in Anspruch genommen werden. Staatliche Unterstützung kann einem Patienten in gewissen Fällen gewährt wer- den, ist aber unüblich und wird stets von Fall zu Fall von den Behörden vor Ort geprüft (vgl. FLORIAN LÜTHI /MICHAEL K IRSCHNER , Pakistan: Be- handlung von Personen mit kardiovaskulären Insuffizienzen in Lahore, Auskunft der SFH-Länderanalyse, Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], 27. April 2005, mit entsprechenden Quellenangaben). Da die Be schwerdeführerin in B._______ wohnhaft ist, dort jahrelang im medizinischen Bereich arbeitete und sich so ein diesbezügliches Be- ziehungsnetz knüpfen konnte, ist davon auszugehen, dass sie die ent- sprechende und notwendige medizinische Versorgung in ihrer Heimat erhält. Mit Unterstützung ihrer zahlreichen Verwandten in B._______ sollte auch die Finanzierung der gesundheitlichen Behandlung gewährleistet sein. 6.4.5Zudem ist es der Beschwerdeführerin unbenommen, beim BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen. Betreffend die Seite 14D-676/2010 weitere Finanzierung der medizinischen Behandlung ist festzuhalten, dass der Wegweisungsvollzug auch zumutbar ist, wenn die medizinische Behandlung nicht lebenslang sichergestellt ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e). Der Umstand, dass die Behandlungs- möglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz entsprechen, macht den Vollzug der Wegweisung für die Be schwerdeführerin noch nicht unzumutbar; dies wäre einzig dann der Fall, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheits- zustandes nach sich ziehen würde (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f., EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d S. 50 ff.), was vorliegend aufgrund der Akten sowie der in der Heimat bestehenden Behandlungsmöglich- keiten und des vorhandenen Beziehungsnetzes der Beschwerde- führerin im gesundheitlichen Bereich offensichtlich nicht zutrifft. 6.4.6Es ist damit zusammenfassend festzustellen, dass die gesund- heitlichen Probleme der Beschwerdeführerin kein Wegweisungsvoll- zugshindernis darstellen. 6.4.7Auch sind keine sonstigen individuellen Gründe ersichtlich, wel- che gegen die Zumutbarkeit einer Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihre Heimat sprechen würden. Sie verbrachte ihr ganzes Leben in Pa- kistan und ist also mit den Lebensumständen ihres Heimatlandes bes- tens vertraut. Sie ist (...), verfügt über jahrelange Erfahrung als (Beruf) und über ein dichtes familiäres Beziehungsnetz in B._______ (vgl. A2, S. 2 und A8, S. 3). Nach einer gesundheitlichen Genesungsphase sollte die berufliche Wiedereingliederung dementsprechend möglich sein. 6.4.8Zusammenfassend kann somit gesagt werden, dass der Be- schwerdeführerin sowohl die soziale und wirtschaftliche Reintegration gelingen sollte und ihre gesundheitlichen Beschwerden in Pakistan be- handelbar sind. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zu- mutbar. 6.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zu- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not- wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes- halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). Seite 15D-676/2010 7. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Weg- weisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zu- lässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1- 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Nachdem sich die Beschwerde jedoch zum Zeitpunkt ihrer Anhängig- machung nicht als aussichtslos erwiesen hat, die Beschwerdeführerin ihre Fürsorgeabhängigkeit ausgewiesen hat und wegen ihrer gesund- heitlichen Probleme keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann, ist das Gesuch um Gewäh rung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind demnach keine Verfahrens- kosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) Seite 16D-676/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführerin (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - (...) (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann Versand: Seite 17