Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 3. März 2016 (720 15 351 / 54) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Abzug vom Tabellenlohn Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1969 geborene, seit 1. Juni 2000 als Rettung ssanitäter erwerbstätig gewesene A.____ meldete sich am 17. Juni 2013 unter Hinweis auf eine im Januar 2013 diagnostizierte Hirntumor-Erkrankung bei der Eidgenössischen Invali denversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwerblichen Verhältnisse ermit- telte die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versicher ten ab 14. Januar 2014 (Ablauf des Warte- jahres) einen Invaliditätsgrad von 50 %, ab 1. Juni 2014 einen solchen von 45 % und ab 1. De- zember 2014 einen Invaliditätsgrad von 56 %. Gestüt zt auf diese Ergebnisse sprach die IV- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahren s mit Verfügung vom 15. Oktober 2015 für den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. August 2014 eine befristete halbe Rente, für den Zeitraum vom 1. September 2014 bis 31. Januar 201 5 eine befristete Viertelsrente und mit Wirkung ab 1. Februar 2015 eine unbefristete halbe Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nicolai Fullin, am 16. November 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die ange fochtene Verfügung abzuändern und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm für die Zeit a b 1. Februar 2015 eine Dreiviertelsrente zu leisten; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 1. Dezember 2015 beant ragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 16. November 2015 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 3.1 Gestützt auf ihre medizinischen und erwerblichen Abkl ärungen ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft beim Versicherten ab 14. Januar 2014 ( Ablauf des Wartejahres) einen Invali- ditätsgrad von 50 %, ab 1. Juni 2014 einen solchen vo n 45 % und ab 1. Dezember 2014 einen Invaliditätsgrad von 56 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach sie dem Versicherten in der angefochtenen Verfügung vom 15. Oktober 2015 für den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis 31. August 2014 eine befristete halbe Rente, für den Zeitraum vom 1. September 2014 bis 31. Januar 2015 eine befristete Viertelsrente und mit Wirkung ab 1. Februar 2015 eine unbefris- tete halbe Rente zu. Der Versicherte stellt nicht in F rage, dass ihm vom 1. Januar 2014 bis 31. August 2014 eine befristete halbe Rente und vom 1. September 2014 bis 31. Januar 2015 eine befristete Viertelsrente zusteht. Er beantragt in seiner Beschwerde einzig, dass ihm in Ab- änderung der angefochtenen Verfügung mit Wirkung ab 1. Februar 2015 anstelle der gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 56 % zugesprochenen unbefristeten halben Rente eine auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % basierende unbefrist ete Dreiviertelsrente auszurichten sei. 3.2 Wie das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht (E VG; heute: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) im Grundsatzentscheid 125 V 413 ff in Präzisierung seiner Rechtsprechung klargestellt hat, wird mit der rückwirken den Zusprechung einer befristeten In- validenrente ein Rechtsverhältnis im anfechtungs- und streitgegenständliche n Sinne geregelt. Werden nur die Befristung der Leistungen oder einzelne Bezugszeiten angefochten, wird damit die richterliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sin ne eingeschränkt, dass unbestritten ge- bliebene Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Streitgegenstand des vor- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegenden Verfahrens bildet demnach grundsätzlich der Rentenanspruch des Beschwerdefüh- rers ab 1. Januar 2014 als Ganzes, über den die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 15. Oktober 2014 befunden hat, und nicht nur der besch werdeweise gerügte Anspruch ab 1. Februar 2015. In diesem Zusammenhang gilt es nun allerdings zu beachten, dass sich weder aus den Parteivorbringen noch aus den Akten irgendwelch e Anhaltspunkte ergeben, wonach sich die für die Zeiträume vom 1. Januar 2014 bis 31. A ugust 2014 bzw. vom 1. September 2014 bis 31. Januar 2015 erfolgten Rentenzusprachen als unzutreffend erweisen könnten. Un- ter diesen Umständen kann im Rahmen des vorliegenden Be schwerdeverfahrens davon abge- sehen werden, weiter auf den Rentenanspruch des Versicherten in den genannten beiden Peri- oden einzugehen. 3.3 Zu prüfen ist im Folgenden somit einzig, ob beim Beschwerdeführer, wie von ihm gel- tend gemacht, ab 1. Dezember 2014 ein Invaliditätsgrad von mindestens 60 % vorgelegen hat und ihm deswegen ab 1. Februar 2015 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen ist. 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Die IV-Stelle gab zur Klärung des aktuellen Gesu ndheitszustandes und der Arbeitsfä- higkeit des Versicherten bei den Dres. med. B.____, Neur ologie FMH, und C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein neurologisches/psychiatrische s Gutachten in Auftrag, welches am 29. Juni 2015 erstattet wurde. Darin hielten die b eiden Fachärzte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) Aus neurol ogischer Sicht ein Zustand nach retro- mastoidaler Kraniotomie und Tumorexstirpation eines Vest ibularis-Schwan-noms rechts Grad IV nach KOOS am 12.02.2013 mit residuell ausgepr ägter Fatigue, Anakusis rechts, peri- pherer Vestibulopathie rechts mit Gangataxie, Hemihypä sthesie rechts sowie inkompletter Fa- cialisparese rechts, und (2) aus psychiatrischer Sicht eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt Dr. B.____ fest, aus neurologischer Sicht sei für den früheren Beruf des Versicherten als Rettungssanität er von einer vollständigen Arbeitsunfä- higkeit auszugehen. Zudem bestehe für jegliche andere T ätigkeit wegen der glaubhaft geltend gemachten Fatigue eine Beeinträchtigung, die mit ei ner Einschränkung von 25 %, bezogen auf eine 100 %-Tätigkeit, zu gewichten sei. Dr. C.____ w iederum gelangte zur Auffassung, dass beim Exploranden aus psychiatrischer Sicht von einer 10 %-igen Beeinträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit auszugehen sei. In ihrer abschliesse nden Konsensbesprechung kamen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die beiden Gutachter sodann zum Schluss, dass die aus fachä rztlicher Sicht jeweils definierten Beeinträchtigungen als teiladditiv zu gewichten seien. Insgesamt sei von einer 30 %-igen Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. 4.3 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung des G esundheitszustandes und der Ar- beitsfähigkeit des Versicherten für den vorliegend strittigen Zeitraum ab Dezember 2014 vollum- fänglich auf die Ergebnisse, zu denen die Dres. B.____ u nd C.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 29. Juni 2015 gelangt sind. Sie ging de mzufolge davon aus, dass dem Versi- cherten ab Dezember 2014 die Ausübung einer leidensada ptierten Tätigkeit zu 70 % zumutbar sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu be anstanden. Das Gutachten der Dres. B.____ und C.____ weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bun- desgericht verlangt wird (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten ab gegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beu rteilung der medizinischen Situati- on ein, es setzt sich mit den vorhandenen ärztlichen Einsch ätzungen auseinander und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Insbesondere nehm en die beiden Gutachter auch eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versichert en vor. Zu ergänzen bleibt, dass die- ser medizinische Sachverhalt und die vorinstanzliche Würdi gung desselben vom Versicherten in seiner Beschwerde denn auch - zu Recht - nicht in Fr age gestellt werden. Somit kann von zusätzlichen Ausführungen hierzu abgesehen werden. 5. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist gem äss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. 5.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ging die I V-Stelle zutreffend davon aus, dass der Beschwerdeführer ohne Gesundheitsbeeinträchtig ungen weiterhin seiner jahrelang ausgeübten Tätigkeit als Rettungssanitäter nachgehen wü rde. Gestützt auf die bei den Akten liegenden Lohnangaben des damaligen Arbeitgebers erre chnete die IV-Stelle für das hier inte- ressierende Jahr 2014 ein Jahresgehalt des Versicherten in der Höhe von Fr. 105‘544.--. Die- sen Betrag legte sie in der Folge zu Recht dem Einkommen svergleich als massgebendes Vali- deneinkommen zu Grunde. 5.2 Da der Versicherte seit Eintritt der Gesundheitsschä digung die ihm gutachterlich attes- tierte verbleibende Arbeitsfähigkeit nicht in zumutb arer Weise voll ausschöpft, erhob die IV- Stelle dessen Invalideneinkommen richtigerweise unter Beizug der Tabellenlöhne der Schwei- zerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für S tatistik (vgl. dazu BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Dab ei ermittelte sie für den vorliegend mass- gebenden Zeitraum ab 1. Dezember 2014 - auf der Basis einer 70 %-igen Restarbeitsfähigkeit - ein zumutbares Invalideneinkommen des Versicherten von Fr. 45‘989.--. Anhand einer Gegen- überstellung dieses Betrages und des oben erwähnten Val ideneinkommens von Fr. 105‘544.-- errechnete sie sodann einen Invaliditätsgrad des Versicherten von 56 %. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Der Beschwerdeführer beanstandet im Zusammenhang m it der konkreten Berechnung des Invaliditätsgrades einzig, dass ihm die IV-Stelle bei der Bemessung des Invalideneinkom- mens keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt habe. 6.1 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von st atistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert all enfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versi cherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsscha- dens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt ein satzfähig sind, in der Regel das ent- sprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbei ter nicht erreichen. Der ursprüng- lich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwicke lte sich in der Folge zu einem allge- meinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechts prechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Auf enthaltskategorie sowie Beschäftigungs- grad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automa- tisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall An haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Mer kmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsma rkt nur mit unterdurchschnittlichem Ein- kommen verwerten kann. (BGE 134 V 327 f. E. 5.2) Bei d er Bestimmung der Höhe des Abzu- ges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkma le auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu sch ätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 80 E. 5b/bb und cc). 6.2 Die IV-Stelle hat dem Versicherten bei der Bemessun g des Invalideneinkommens kei- nen Abzug vom Tabellenlohn gewährt. Sie begründet di es damit, dass dem Versicherten noch eine Vielzahl an Tätigkeiten, vor allem auch im administrativen Bereich, offen stehen würde. Die aufgrund der festgestellten Einschränkungen zu erwartend en Lohneinbussen seien durch die Anerkennung einer um 30 % reduzierten Arbeits- bzw. Le istungsfähigkeit sowie durch den Um- stand, dass man bei der Festsetzung des massgebenden LSE-Ta bellenlohns vom tiefsten An- forderungsniveau ausgegangen sei, bereits ausreichend berücksichtigt worden. Mit der Gewäh- rung eines (zusätzlichen) Abzugs vom Tabellenlohn würde deshalb den gesundheitlichen Ein- schränkungen in unzulässiger Weise doppelt Rechnung getrage n. Demgegenüber ist der Be- schwerdeführer der Ansicht, dass er aus zweierlei Gründen Anspruch auf Vornahme eines an- gemessenen Tabellenlohabzugs habe. So sei ihm wegen d es Umstands, dass ihn seine ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen auch in der Ausübung einer zumutbaren Verweistätigkeit erheblich einschränken würden, ein Leidensabzug zu gewä hren. Zudem weist er darauf hin, dass er gesundheitsbedingt lediglich noch eine Teilze ittätigkeit verrichten könne. Leider lasse sich dem Gutachten der Dres. B.____ und C.____ keine exp lizite Bezifferung des noch zumut- baren Arbeitspensums entnehmen. Diesbezüglich sei die medizinische Beurteilung unklar. Aus den gutachterlichen Ausführungen sei aber immerhin zu schliessen, dass er die ihm verbliebe- ne Arbeitsfähigkeit nicht mehr vollschichtig, sondern l ediglich noch im Rahmen einer Teilzeittä- tigkeit verwerten könne. In diesem Zusammenhang sei von Bedeutung, dass statistisch gese- hen Männer, die eine Teilzeittätigkeit ausüben würden, im Vergleich zu den in einem Vollpen- sum tätigen Männern überproportional tiefer entlöhnt würden. Somit sei aufgrund der Lohnein- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht busse, die er wegen der Ausübung einer Teilzeittätig keit erleide, ein zusätzlicher Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen. 6.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, es sei ihm ein Leidensabzug zu gewäh- ren, weil ihn seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch in der Ausübung einer zumutba- ren Verweistätigkeit erheblich einschränken würden, kann ihm nicht gefolgt werden. Die IV- Stelle hält diesem Einwand in ihrer Vernehmlassung z u Recht entgegen, dass dem Versicher- ten auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu B GE 110 V 276 E. 4b) - was entschei- dend ist - auch unter Berücksichtigung seiner gesundheitl ichen Beeinträchtigungen ein hinrei- chend grosses Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkei ten, wie unter anderem administ- rative Tätigkeiten, offen stehe. Indem man dem Versiche rten in einer solchen Verweistätigkeit eine 30 %-ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit zug ebilligt habe und man bei der Einkom- mensermittlung vom niedrigsten Anforderungsniveau ausgegangen sei, habe man den aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwartende n Lohneinbussen ausreichend Rech- nung getragen. Eine zusätzliche Berücksichtigung der vor handenen Einschränkungen beim leidensbedingten Abzug sei daher nicht angezeigt. Dieser Auffassung der IV-Stelle ist beizu- pflichten. Die Gewährung eines leidensbedingten Abzugs käme ansonsten, wie die IV-Stelle zutreffend geltend macht, einer unzulässigen doppelten Berücksichtigung derselben Einschrän- kungen gleich. 6.4 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer - wie von ihm verlangt - unter dem Titel "Be- schäftigungsgrad" ein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren ist. 6.4.1 Der Beschwerdeführer verweist zu Recht auf die b undesgerichtliche Rechtsprechung, wonach bei Männern, welche gesundheitlich bedingt ledi glich noch teilzeitlich erwerbstätig sein können, ein Abzug unter dem Titel “Beschäftigungsgrad“ anerkannt wird. Damit soll dem Um- stand Rechnung getragen werden, dass bei Männern statisti sch gesehen Teilzeitarbeit ver- gleichsweise weniger gut entlöhnt wird als eine Vollzeit tätigkeit (Urteil J. des Bundesgerichts vom 19. November 2009, 9C_708/2009, E. 2.1.1 mit zahlr eichen Hinweisen). Erfasst werden soll mit diesem Abzug für einen invaliditätsbedingt red uzierten Beschäftigungsgrad allerdings nur die eigentliche Teilzeitarbeit, nicht aber eine vollzeitliche Tätigkeit mit eingeschränkter Leis- tungsfähigkeit. So hat das Bundesgericht wiederholt fest gehalten, dass sich eine über die Be- rücksichtigung der eingeschränkten Leistungsfähigkeit und d amit des Rendements hinaus ge- hende Reduktion bei grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfä higen versicherten Personen, welche krankheitsbedingt lediglich reduziert leistungsfähig sind , nicht rechtfertigt (Urteile D. des Bun- desgerichts vom 3. September 2012, 8C_176/2012, E. 8, und M. vom 4. April 2012, 8C_20/2012, E. 3.2 mit Hinweisen). 6.4.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt sich dem Gutachten der Dres. B.____ und C.____ nicht entnehmen, dass ihm gesundhe itsbedingt lediglich noch die Aus- übung einer Teilzeittätigkeit zumutbar ist. So hält der Gutachter Dr. B.____ fest, dass beim Ver- sicherten aus neurologischer Sicht wegen der glaubhaft geltend gemachten Fatigue eine Beein- trächtigung bestehe, „welche mit einer Einschränkung vo n 25 %, bezogen auf eine 100 %- Tä- tigkeit zu gewichten ist.“ Diese Einschätzung darf durchaus dahingehend verstanden werden, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer vollzeitliche n Tätigkeit zumutbar ist, und dass in einer solchen von einer 25 %-igen Einschränkung der Leistungsfähigkeit auszugehen ist. Der psychiatrische Gutachter Dr. C.____ wiederum führt aus, d ass aus seiner fachärztlichen Sicht „von einer 10 %-igen Beeinträchtigung der Arbeits- un d Leistungsfähigkeit“ ausgegangen wer- den müsse. Der Explorand brauche etwas mehr Pausen und di e Erholungszeit sei im Vergleich mit einer gesunden Person etwas verlängert. Diese Beurt eilung darf ebenfalls so verstanden werden, dass es dem Versicherten möglich ist, das zumutbare Pensum vollschichtig - mit etwas mehr Pausen - auszuüben. Dr. C.____ hält dies zwar, dari n ist dem Beschwerdeführer beizu- pflichten, nicht explizit so fest, wie die IV-Stelle zut reffend geltend macht, sind aber keine Grün- de ersichtlich, die gegen diese Interpretation der guta chterlichen Einschätzung sprechen wür- den. Ist dem Beschwerdeführer aber aus medizinischer Sicht die Ausübung einer leidensange- passten Arbeit - mit einer 30%igen Leistungseinschränkung - ganztags zumutbar, so ist nach dem vorstehend Gesagten unter dem Titel "Beschäftigung sgrad" kein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt. 6.4.3 Die aufgeworfene Frage, ob der Beschwerdeführe r lediglich noch eine eigentliche Teil- zeitarbeit oder aber eine vollzeitliche Tätigkeit (mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit) ausüben kann, braucht letztlich nicht beantwortet zu werden. Gemäss der aktuellsten LSE-Tabelle T2 “Monatlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsgrad, beruf licher Stellung und Geschlecht 2012“ erleiden Männer ohne Kaderfunktion , die mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 % und 74 % erwerbstätig sind, im Vergleich mit Männern, die eine Vollzeittätigkeit ausüben, statistisch gesehen lediglich noch eine äusserst minimale Lohneinb usse: Während sich der monatliche Bruttolohn bei einer Vollzeittätigkeit auf Fr. 6‘08 5.-- pro Monat beläuft, beträgt dieser bei Män- nern mit einem Pensum zwischen 50 % und 74 % Fr. 6‘080 .--, woraus sich ein Minderverdienst von Fr. 5.-- pro Monat ergibt. Wenn man der Auffassung des Beschwerdeführers folgen würde, wonach er gesundheitsbedingt lediglich noch eine Teilze ittätigkeit mit einem Pensum von 70% verrichten könne, hätte er somit laut dieser neuesten Lohnstatistik im Vergleich zu einem voll- zeitlich tätigen Versicherten keine relevante Lohneinbus se zu gewärtigen. Damit liesse sich aber auch unter der Annahme, dass dem Versicherten led iglich noch eine Teilzeittätigkeit von 70 % zumutbar ist, unter dem Titel "Beschäftigungsgrad" kein Abzug vom Tabellenlohn rechtfer- tigen. 6.5 Aus dem Gesagten folgt als Ergebnis, dass die IV-St elle dem Versicherten bei der Be- messung des (hypothetischen) Invalideneinkommens zu Recht keinen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn gewährt hat. Somit ist aber der IV-G rad von 56 %, den die IV-Stelle auf der Basis dieses (ungekürzten) Invalideneinkommens für den vorliegend zur Beurteilung stehenden Zeitraum ab 1. Dezember 2014 ermittelt hat, nicht zu b eanstanden. Bei einem IV-Grad von 56 % hat der Versicherte, wie die IV-Stelle zutreffen d entschieden hat, ab 1. Februar 2015 An- spruch auf eine halbe Rente. Die angefochtene Verfügun g vom 15. Oktober 2015 erweist sich demnach als rechtens, weshalb die hiergegen erhobene Beschwerde abgewiesen werden muss. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht