<h2>SubmittedText<h2><p>Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat im Juli 1999 zwei Publikationen veröffentlicht, die endlich einige Informationen zur unbezahlten Arbeit liefern: "Unbezahlt - aber trotzdem Arbeit" (BFS, 1999) und "Monetäre Beurteilung der unbezahlten Arbeit" (BFS, 1999). Damit antwortet das BFS auf mehrere parlamentarische Vorstösse, welche die Berücksichtigung der unbezahlten Arbeit in der offiziellen Statistik forderten: Postulat Fankhauser vom 1. Juni 1994 ("Arbeitskräfteerhebung. Ehrenamtlich Tätige"), Motion Goll vom 17. Juni 1994 ("Statistik über gesamtgesellschaftlich geleistete Arbeit von Frauen und Männern"), Motion freisinnig-demokratische Fraktion vom 2. Februar 1995 ("Gleichstellung der Geschlechter. Schliessung von Forschungslücken"), Postulat Aeppli vom 13. Juni 1996 ("Bericht zur Verteilung und Umverteilung der unbezahlten und bezahlten Arbeit"), Erklärung einer Gruppe Parlamentarierinnen zum 14. Juni an den Bundesrat und das Parlament vom 14. Juni 1996, Interpellation Roth vom 3. Oktober 1996 ("Erfassung und Anerkennung der Familien- und Hausarbeit").</p><p>Obwohl die obenerwähnten ersten Arbeiten des BFS sehr geschätzt werden, sind sie doch in gewissen Punkten eingeschränkt. Effektiv wurden diese Daten zur unbezahlten Arbeit anhand einiger Fragen erhoben, die im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) von 1997 telefonisch gestellt wurden. Das international übliche Verfahren, um den Zeitaufwand für unbezahlte Arbeiten zu schätzen, ist hingegen eine Zeitverwendungsstudie (sogenannter "time use survey"), die auf einer Tagebuchmethode beruht. Die Resultate des BFS sind demnach nicht vergleichbar mit denjenigen anderer Länder.</p><p>Im statistischen Mehrjahresprogramm des Bundes 1995-1999 war ursprünglich die Durchführung einer Zeitverwendungserhebung geplant. Aus Budgetgründen wurde diese auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Nur eine solche Erhebung würde es jedoch erlauben, die Resultate zur unbezahlten Arbeit der Sake zu validieren, die künftig alle drei Jahre erhoben werden. Zudem könnte die Aufteilung der unbezahlten Arbeit unter den Mitgliedern desselben Haushaltes gründlich analysiert werden. Darüber hinaus würde eine Zeitbudgeterhebung international vergleichbare Informationen zur Lebensweise der Personen und ihrem Zeitaufwand für verschiedene Tätigkeiten liefern: Freizeit (z. B. kulturelle oder sportliche Aktivitäten), Ruhezeiten und persönliche Pflege, Erwerbsarbeit, Ausbildung inklusive der jeweils damit verbundenen Wegzeiten.</p><p>Auf diesem Hintergrund stelle ich folgende Fragen:</p><p>1. Wird die Zeitverwendungserhebung, die im letzten Mehrjahresprogramm auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde, ins neue statistische Mehrjahresprogramm des Bundes 1999-2003 aufgenommen?</p><p>2. In welchem Jahr wird sie realisiert?</p><p>3. Werden diese Daten mit den Resultaten anderer europäischer Zeitverwendungsstudien, insbesondere mit denjenigen, die für die Satellitenkonti zur unbezahlten Arbeit verwendet werden, vergleichbar sein?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Im Verlauf der neunziger Jahre verlangten mehrere parlamentarische Vorstösse statistische Informationen über die Hausarbeit oder die unbezahlte Arbeit im Allgemeinen (vgl. Wortlaut der Einfachen Anfrage). In seinen Antworten unterstrich der Bundesrat die Bedeutung der unbezahlten Arbeit, die Notwendigkeit, diese Tätigkeitsart in der amtlichen Statistik besser zu berücksichtigen und den Nutzen, welche deren monetäre Bewertung hätte.</p><p>In einer ersten Phase wurde eine Reihe von Fragen zur unbezahlten Arbeit in die Sake von 1997 aufgenommen. Die Sake wird vom BFS seit 1991 jährlich bei einer Stichprobe von rund 16 000 Personen durchgeführt. Die Informationen zur unbezahlten Arbeit wurden in der Publikation "Unbezahlt - aber trotzdem Arbeit" ausgewertet und analysiert. Zudem veröffentlichten externe Spezialisten im Rahmen eines entsprechenden Mandates eine weitere Publikation mit dem Titel "Monetäre Bewertung der unbezahlten Arbeit".</p><p>Die Fragenreihe zur unbezahlten Arbeit wird alle drei Jahre in die Sake integriert, was eine regelmässige, minimale Versorgung mit Informationen zu diesem Thema garantiert. Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit mit den externen Spezialisten zwecks Ausarbeitung eines Satellitenkontos über die unbezahlte Arbeit innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung fortgesetzt. Die Ergebnisse dieser verschiedenen Arbeiten werden veröffentlicht werden.</p><p>Es ist unbestritten, dass die Ergebnisse aus einer telefonischen Befragung nicht den Genauigkeitsgrad und die Validität von Resultaten einer Zeitbudgetstudie ("time use survey") auf der Basis einer Tagebuchmethode aufweisen. Erhebungen dieser Art stellen, wie die Verfasserin der Einfache Anfrage unterstreicht, das im Ausland üblicherweise zur Schätzung des Zeitaufwandes für die unbezahlte Arbeit verwendete Instrument dar. Aus Budgetgründen ist das BFS leider nicht in der Lage, die ursprünglich im statistischen Mehrjahresprogramm des Bundes 1999-2003 vorgesehene Zeitverwendungserhebung zu realisieren. Vielmehr wurde den angestammten Erhebungen des BFS der Vorzug gegeben, so der Sake, der Einkommens- und Verbrauchserhebung sowie der Gesundheitsbefragung und schliesslich den Kompetenzmessungen bei Schülerinnen und Schülern.</p><p>Der Bundesrat ist jedoch vom Nutzen einer Zeitbudgeterhebung und der Notwendigkeit, die Integration der unbezahlten Arbeit in die amtliche Statistik voranzutreiben, überzeugt. Deshalb wird das BFS die Möglichkeit prüfen, diese Erhebung in vereinfachter Form zu realisieren. Zur Diskussion stehen z. B. die Verwendung eines vorcodierten Tagebuchs oder das Hinzufügen eines schriftlichen Zeitverwendungsmoduls zu einer bereits bestehenden Erhebung. Im Laufe dieses Prozesses wird das BFS mit jenen ausländischen Statistikämtern in Kontakt stehen, die in diesem Bereich bereits Erfahrungen gesammelt haben; hinzu kommt der Austausch mit Eurostat, dem statistischen Amt der europäischen Gemeinschaften, das eine harmonisierte Zeitbudgeterhebung organisiert. Mit diesen Schritten wird versucht, den europäischen Normen in diesem Bereich möglichst gerecht zu werden.</p><p>Vor diesem Hintergrund antwortet der Bundesrat wie folgt auf die gestellten Fragen:</p><p>1. In ihrer ursprünglichen Form wurde die Erhebung aus dem statistischen Mehrjahresprogramm des Bundes 1999-2003 gestrichen. Das BFS ist jedoch bemüht, in dieser Periode eine vereinfachte Form dieser Erhebung zu realisieren, und wird die detaillierte Zeitbudgeterhebung aller Voraussicht nach in das Mehrjahresprogramm 2003-2007 aufnehmen.</p><p>2. Die Erhebung kann in der erwähnten vereinfachten Form nicht vor 2002 durchgeführt werden.</p><p>3. Das BFS ist bemüht, eine europataugliche Erhebung zu realisieren.</p>  Antwort des Bundesrates.