B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2709/2023 U r t e i l v o m 1 . J u n i 2 0 2 3 Besetzung Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiber Jonas Perrin. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch MLaw Gianluca Schlaginhaufen, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 11. April 2023 / N (…). D-2709/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein syrischer Staatsangehöriger und ethnischer Kurde – verliess gemäss eigenen Angaben seinen Heimatstaat im Dezem- ber 2019 und gelangte über Griechenland in die Schweiz, wo er am 2. No- vember 2021 um Asyl nachsuchte. B. Anlässlich der Anhörungen vom 17. Dezember 2021 und vom 7. Februar 2022 erklärte er, er sei in B._______ im Gouvernement al-Hasaka geboren und aufgewachsen, er habe die Schule bis zum Jahr 2017 besucht und sich in seiner Freizeit der Kunstmalerei gewidmet. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er habe sich seit Vollendung seines achtzehnten Lebensjahres vor einer Rekrutierung durch die syrischen Streitkräfte beziehungsweise durch die PKK gefürchtet. M ittels eines gefälschten Pe rsonenstandsregisters, auf welchem sein Geburtstag auf den (…) 2003 anstatt auf den (…) 1999 da- tiere, habe er sich zunächst einer Rekrutierung entzogen. Als eines Tages das Herzleiden seines Vaters schlimmer geworden sei, hätten die Ärzte in B._______ geraten, diesen zur Behandlung nach Damaskus zu bringen. Auf dem Weg dorthin seien sie an einem Kontrollposten in Al-Hasaka an- gehalten worden. Da er – der Beschwerdeführer – seinen gefälschten Per- sonenstandsregisterauszug nicht mit sich geführt habe, sei er noch am Kontrollposten in das Militär eingezogen worden; sein Vater sei alleine im Taxi weitergefahren. Nach drei Tagen in Al-Hasaka sei er gemeinsam mit anderen zwangsrekrutierten jungen Männern in das Militärcamp (…) in Al- eppo gebracht worden. Dort sei er nach einer Woche in das (…). Luftver- teidigungsregiment eingeteilt worden und habe anschliessend eine zwei- monatige militärische Grundausbildung in C._______ (Gouvernement Rif Dimashq) absolviert. Danach sei er nach D._______ versetzt worden, wo intensive Kampfhandlungen stattgefunden hätten. Dort sei er vorwiegend als Wache eingesetzt worden. Während einer Nachtwache im Dezember 2019 sei ihm die Flucht aus dem Militärcamp gelungen. Da er unter seiner Uniform Zivilkleidung getragen habe, habe er die Militärun iform ausgezo- gen und weggeworfen. Anschliessend habe er ein Taxi angehalten, mit wel- chem er bis E._______ und von dort mit einem weiteren Taxi nach F._______ zum Haus seiner Tante gefahren sei. Dort habe er sich vier Tage lang versteckt und sei anschliesse nd zu seinem Haus in B._______ ge- gangen. Dort habe er erfahren, dass seine Eltern inzwischen nach D-2709/2023 Seite 3 G._______ (Autonome Region Kurdistan) geflüchtet seien; er – der Be- schwerdeführer – sei ihnen im Dezember 2019 nachgereist und habe an- schliessend den Irak Richtung Europa verlassen. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Kopie eines syrischen Reisepasses, eine Kopie eines syrischen Familienauswei- ses, einen Auszug aus dem Personenstandsregister, auf welchem sein Ge- burtstag auf den (…) 2003 lautet, und eine Foto grafie, auf welcher er mit Tarnkleidung und einem Gewehr abgebildet ist, zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 11. Februar 2022 wies das SEM den Beschwerdeführer dem erweiterten Verfahren zu. D. Mit Verfügung vom 11. April 2023 lehnte das SEM das Asylgesuch des Be- schwerdeführers ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete jedoch aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sy- rien praxisgemäss eine vorläufige Aufnahme an. E. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. Mai 2023 reichte der Be- schwerdeführer gegen die Verfügung des SEM vom 11. April 2023 Be- schwerde bei Bundesverwaltungsgericht ein. Darin beantragte er, die an- gefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung e in- schliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kostenvorschusses und der amtlichen Rechtsverbeiständung. F. Mit Schreiben vom 12. Mai 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Gleichentags lagen ihm die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den D-2709/2023 Seite 4 Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsch ei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe ode r wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-2709/2023 Seite 5 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 In seiner Verfügung vom 11. April 2023 begründete das SEM seinen ablehnenden Entscheid mit der fehlenden G laubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers. Es sei nicht nachvollziehbar, dass er sich – ange- sichts seiner Befürchtung, von den syrischen Streitkräften rekrutiert zu wer- den –, ohne den gefälschten Personenstandsregisterauszug nach Damas- kus begeben hätte. Auch auf Nachfrage hin habe er dafür keine überzeu- gende Erklärung abgegeben. Zudem habe er angegeben, während seines Militärdienstes nur den Militärausweis, nicht aber weiter e Dokumente er- halten zu haben. Erst als er explizit auf das Militärbüchlei n angesprochen worden sei, habe er dessen Erhalt bestätigt. Ausserdem habe der Be- schwerdeführer lediglich spärliche und unvollständige Angaben zum Inhalt und Aussehen des Militärausweises machen können. Ferner seien seine Aussagen zum angeblich geleisteten Dienst widersprüchlich ausgefallen. So habe er einerseits behauptet, sechs Monate lang in D._______ statio- niert gewesen zu sein, andererseits habe er jedoch angegeben, im August 2019 nach D._______ versetzt worden und im Dezember desselben Jah- res desertiert zu sein, was einer Zeitspanne von bloss vier Monaten ent- spreche. Des Weiteren würden auch die Umstände seiner Flucht aus dem Militärlager nicht überzeugen. Insbesondere sei es nicht nachvollziehbar, dass er anlässlich einer ereignisreichen Situation während einer Nachtwa- che spontan geflüchtet sei, aber bereits seine zivile Kleidung unter der Mi- litäruniform getragen habe, um sich anschliessend der Uniform entledigen zu können. Im Übrigen habe er dargelegt, sich vor seiner Flucht über die geografischen Gegebenheiten der Region informiert zu haben; auf Nach- frage hin habe er jedoch keinen Ort in der Nähe nennen können. Schliess- lich sei es auch unwahrscheinlich, dass er nach seiner Desertion das Ri- siko eingegangen wäre, nach B._______ zurückzukehren, zumal er dort von der syrischen Armee leicht zu finden gewesen wäre. An der fehlenden Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen vermöchten auch die eingereichten Be- weismittel nichts zu ändern, zumal Dokumenten aus Syrien aufgrund ihrer käuflichen Erwerbbarkeit nur eine geringe Beweiskraft zukomme. Dem ein- gereichten Foto, auf welche m er in Tarnkleidung abgebildet sei, sei D-2709/2023 Seite 6 angesichts seiner Möglichkeit, einen gefälschten Personenstandsregister- auszug zu beschaffen, keine Beweiskraft beizumessen. Daher vermöchten seine Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standzuhalten, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei. 5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Aussagen des Beschwer- deführers seien durchaus glaubhaft ausgefallen, zumal es das SEM ver- säumt habe, die für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sprechenden Elemente im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu berücksichtigen . Zu- nächst sei es durchaus plausibel, dass er – angesichts der medizinischen Notsituation seines Vaters – den gefälschten Personenstandsregisteraus- zug für die Reise nach Damaskus mitzunehmen vergessen habe. Ferner habe er ausführlich und substanziiert über seine Zwangsrekrutierung, die absolvierte militärische Ausbildung, seinen Dienst in D._______ und seine Desertion berichtet. Insbesondere habe er mittels Beweismittel – dem ge- fälschten Personenstandsregisterauszug – belegen können, wie er sich bis zum Jahr 2019 einer Rekrutierung habe entziehen können. Zudem habe er die Orte der Militärlager sowie seine Einheit benennen und seine Flucht aus D._______ nachvollziehbar schildern können. Auch entsprächen seine Angaben zu den Kampfhandlungen anerkannten Herkunftsländerinforma- tionen. Des Weiteren habe er seine Rekrutierung in Übereinstimmung mit der üblichen Vorgehensweise, den Alltag während seines Dienstes und sei- nen Transfer von C._______ nach D._______ detailreich geschildert. Schliesslich habe er auch plausibel dargelegt, weshalb er sich bereits mit siebzehn Jahren ein gefälschtes Dokument beschafft habe, um sich einer Rekrutierung zu entziehen. Im Übrigen sei es ihm durchaus gelungen, Er- scheinungsbild und Inhalt des Militärausweises substanziiert darzulegen; auch sei nachvollziehbar, dass er das Militärbüchlein nicht erwähnt habe, zumal dieses in der syrischen Armee kaum zum Einsatz komme. Auch seien keine Widersprüche betreffend die Dauer seines Dienstes zu erken- nen, zumal er diese habe zu begründen beziehungsweise aufzulösen ver- mocht. Ferner stehe seine spontane Flucht aus dem Militärcamp nicht zum Umstand in Widerspruch, dass er zivile Kleidung unter der Uniform getra- gen habe; da die Militäruniform sehr unbequem gewesen sei, habe er stets andere Kleidung unter der Uniform getragen. Ausserdem sei es ihm gelun- gen, zwei Orte – E._______ und F._______ – zu benennen, durch welche er anlässlich seiner Flucht gelangt sei. Ein weitergehendes Wissen über die örtlichen geografischen Begebenheiten sei angesichts des Umstands, dass er das Militärlager nicht habe verlassen dürfen und in der Nacht ge- flohen sowie anschliessend mit einem Taxi nach E._______ gelangt sei, nicht zu erwarten . Schliesslich habe er sich bei seiner Rückkehr nach D-2709/2023 Seite 7 B._______ nur wenige Stunden in seinem Zuhause aufgehalten. Ange- sichts der kurzen Aufenthaltsdauer und des Umstands, dass der Ort nicht unter der permanenten Kontrolle der syrischen Regierung gestanden habe, habe sich das Risiko, entd eckt zu werden, in Grenzen gehalten. Seine plausiblen und substanziierten Vorbringen seien gemeinsam mit den ein- gereichten Beweismitteln zu würdigen; sowohl das Foto mit Militäruniform wie auch der gefälschte Personenstandsregisterauszug würden seine Aus- sagen untermauern, weswegen deren Beweiswert zu berücksichtigen sei. Da insgesamt die positiven Elemente überwiegen würden, seien seine Vor- bringen als grundsätzlich glaubhaft zu bezeichnen. Seine Desertion aus dem syrischen Militärdienst sei geeignet, eine begrün- dete Furcht zu belegen, bei einer Rückkehr nach Syrien ernsthaften Nach- teilen ausgesetzt zu werden . Desertion werde in Syrien mit fünf bis zehn Jahren Haft; in Kriegszeiten mit fünfzehn Jahren und während aktiver Kampfhandlungen mit lebenslanger Haft bestraft. Die Umsetzung der Strafe sei dabei willkürlich und reiche von Verschwindenlassen, Verfahren vor Militärgerichten, lebenslanger Haft, Todesstrafe oder extralegaler Exe- kution. Insofern sei der Sachverhalt im Lichte von Art. 3 EMRK relevant und als unverhältnismässig schwere Strafe zu bezeichnen. Ein solcher absolu- ter Malus sei asylrelevant, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft festzustel- len und ihm Asyl zu gewähren sei. 6. 6.1 Zu prüfen ist zunächst, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers als glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG zu erachten sind. 6.1.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in mehreren Grundsatzurtei- len zu den Anforderungen an die Glaubhaftmachung geäussert. In diesem Zusammenhang stellt das Gericht fest, dass Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG ‒ im Gegensatz zum strikten Beweis ‒ ein redu- ziertes Beweismass bedeutet und durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Personen lässt. Ent- scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sa chverhaltsdar- stellung der gesuchstellenden Person sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkomm- nisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Ver- folgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende D-2709/2023 Seite 8 Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, ge- steigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilun g aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanti- iertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sach- verhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 6.1.2 Nach Durchsicht der Verfahrensakten gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt als nicht glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG ausgefallen sind . Mit Blick auf seine angebliche Rekrutierung erscheint dem Gericht nicht plausibel, dass er am Kontrollpunkt deswegen rekrutiert worden sei, weil er seinen gefälschten Personenstandsregisterauszug nicht mit sich geführt habe , zumal es ihm auch auf Nachfrage hin nicht gelungen ist, die damit verbunden Widersprü- che aufzulösen. So vermögen insbesondere das fehlende Wissen über das Rekrutierungsalter (vgl. A-27/8 D26 ff.) und die Erklärungsversuche betref- fend den Ausstellungszeitpunkt sowie sein Alter auf dem Personenstands- register (vgl. A-27/8 D27; 31) nicht zu überzeugen. Zudem stellt das Ge- richt fest, dass angesichts des geltend gemachten geleisteten Militärdiens- tes – wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt – ein höheres Mass an Substanziiertheit seiner diesbezüglichen Vorbringen zu erwarten gewesen wäre. Seine Ausführungen beschränkten sich jedoch weitgehend auf allge- meine und oberflächliche Schilderungen eines angeblichen militärischen Alltags (vgl. A-22/12 D55 ff.). Auch wäre zu erwarten gewesen, dass sein Wissen betreffend Ausstellungsverfahren, Erscheinungsbild und Inhalt des syrischen Militärausweises detaillierter ausgefallen wäre (vgl. A -22/12 D38 ff.). Des Weiteren stellt das Gericht fest, dass auch die Umstände sei- ner vorgebrachten Flucht aus dem Militärcamp unsubstantiiert und wider- sprüchlich ausgefallen sind. Insbesondere überzeugt seine oberflächlich gebliebene Darstellung der Überwindung der Mauer und der anschliessen- den Flucht in zivilen Kleidern, die er unter seiner Militäruniform getragen haben will, nicht (vgl. A -12/22 D49 ff.). Auch der diesbezügliche Erklä- rungsversuch in der Beschwerde, er habe stets zivile Kleidung unter der D-2709/2023 Seite 9 Uniform getragen, vermag die Unstimmigkeiten betreffend seine vorge- brachte Flucht nicht aufzulösen (Beschwerdeschrift, S. 7). Im Übrigen sind auch die eigereichten Beweismittel nicht geeignet, die Vor- bringen des Beschwerdeführers insgesamt als glaubhaft erscheinen zu lassen. Mit Blick auf das eingereichte Foto, auf welchem der Beschwerde- führer in Tarnkleidern und mit Gewehr vor einer weissen Wand abgebildet ist, ist festzustellen, dass aus dieser Aufnahme kein militärischer Kontext ersichtlich ist. Weder sind darauf andere Soldaten abgebildet noch gehen Hinweise darauf hervor, dass die Fotografie in einer militärischen Anlage aufgenommen worden wäre. Auch der Auszug des gefälschten Personen- standsregisters vermag weder eine Zwangsrekrutierung noch einen geleis- teten Militärdienst oder eine Flucht aus dem Militärcamp zu belegen. Die weiteren in der Beschwerde vorgebrachten Ausführungen vermögen den geltend gemachten Sachverhalt ebenfalls nicht als glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG erscheinen zu lassen, zumal in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände geg en die vorge- brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entgegen der Darstellung in der Beschwerde ist der Vorinstanz keine einseitige Würdigung der Glaub- haftigkeit der einzelnen Sachverhaltselemente vorzuhalten. Nach dem Gesagten stellt das Gericht fest, d ass die Vorinstanz zu Recht die Glaubhaftigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers verneint hat. In der Folge kann demnach eine materiell -rechtliche Würdi- gung seiner Vorbringen unterbleiben. 6.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass – infolge der fehlenden Glaubhaf- tigkeit der Vorbringen – keine asylrelevanten Verfolgungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Be- schwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-2709/2023 Seite 10 8. 8.1 Nachdem der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und wegen der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in Syrien vom SEM infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vor- läufig in der Schweiz aufgenommen wurde, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegw eisung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – heute nicht, da diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 8.2 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 9. 9.1 Nachdem sich die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwä- gungen ergibt – als aussichtlos herausgestellt haben, sind die Vorausset- zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt, weshalb die mit der Be- schwerde gestellten Anträge auf Gewährung der unentgeltlichen Prozess- führung und der amtlichen Rechtsverbeiständung abzuweisen sind. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2709/2023 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um amtliche Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Susanne Bolz-Reimann Jonas Perrin Versand: