Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 8. Juni 2020 (715 20 74 / 123) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen Nichtbefolgens einer Weisung (Nicht- antritt einer angeordneten arbeitsmarktlichen Massnahme) Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin i.V. Felicia Käslin Parteien A. ____ , Beschwerdeführerin gegen KIGA Baselland , Ergänzende Massnahmen ALV, Güterstrasse 107, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A.1 Die 1981 geborene A.____ meldete sich am 17. Janu ar 2019 beim Regionalen Arbeits- vermittlungszentrum (RAV) im Rahmen eines 60 % Pensums zur Arbeitsvermittlung an und erhob ab dem 14. März 2019 Anspruch auf Taggeldleistungen de r Arbeitslosenversicherung (ALV). Laut Eintrag im Dokument Beratungsverlauf wurde anlässlich des Gesprächs mit der zuständigen RAV-Personalberaterin vom 20. August 2019 beschlossen, die Teilnahme an einem Programm zur vorübergehenden Beschäftigung (PvB) umzusetzen. Mit Zu weisungsentscheid vom selben Tag wies die RAV-Personalberaterin die Versicherte an, sich im Rahmen einer arbeitsmarktlichen Massnahme bei der B.____ telefonisch oder persönlich für eine Teilnahme an einem PvB zu Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht melden. Gemäss Zuweisungsrückmeldung der B.____ vom 2. September 2019 kam A.____ die- ser Aufforderung nach. Jedoch sei eine Aufnahme der Tät igkeit per 4. September 2019 nicht möglich gewesen, da sie die Kinderbetreuung zwischen dem 3. September 2019 und dem 15. September 2019 nicht habe gewährleisten können. A.2 Mit E-Mail vom 3. September 2019 teilte A.____ i hrer RAV-Personalberaterin mit, dass sie sich in der Gegenwart des zuständigen Mitarbeiters de r B.____ überhaupt nicht wohlgefühlt habe. Er habe ihr anlässlich des Aufnahmegesprächs vom 2 8. August 2019 unangenehme Fra- gen zu einem möglichen Drogenkonsum gestellt. In der Fo lge wies die RAV-Personalberaterin die Versicherte mit Zuweisungsentscheid vom 3. Septembe r 2019 an, an einem PvB bei einer anderen Institution teilzunehmen, was sie befolgte. A.____ ist dort seit dem 24. September 2019 beschäftigt. B. Mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 stellte das RAV, A bteilung Ergänzende Massnah- men ALV, A.____ wegen Nichtbefolgens einer Weisung für 22 Tage in der Anspruchsberechti- gung ein. Begründet wurde die Einstellung damit, dass kein entschuldbarer Grund für den Nicht- antritt der angeordneten Massnahme vorliege, namentli ch den Einsatz im Verkauf im Rahmen des PvB. Die dagegen erhobene Einsprache wies das kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) mit Entscheid vom 28. Januar 2020 ab. C. Mit Eingabe vom 20. Februar 2020 erhob die Beschwe rdeführerin beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 28. Januar 2020 und beantragte dessen Aufhebung. Sie machte sinn- gemäss geltend, das vorgesehene PvB bei der B.____ sei für sie aus persönlichen Gründen nicht zumutbar gewesen. D. Die Beschwerdegegnerin schloss mit Vernehmlassung vom 3. März 2020 auf Abwei- sung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obl igatorische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslo- senversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Örtlich zu- ständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädi- gung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die ver- sicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrol lpflicht erfüllt. Vorliegend kam die Beschwerdeführerin ihrer Kontrollpflichten im Kanton Basel-Landschaft nach, weshalb die örtli- che Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Nach § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Auf die im Üb- rigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde der Versicherten vom 20. Februar 2020 ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierend e Person der Abteilung Sozial- versicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.-- durch Präsidialentscheid. Bei einem Taggeld von Fr. 113.60 und 22 Einstelltagen beläuft sich der Streitwert vorliegend auf Fr. 2'499.20 (22 x Fr. 113.60). Über die Beschwerde ist demnach präsi- dial zu entscheiden. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerd eführerin infolge Nichtantritts ei- ner arbeitsmarktlichen Massnahme zu Recht für die Dauer v on 22 Tagen in der Anspruchsbe- rechtigung einstellte. 2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person mit Unterstützung des zuständi- gen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht; BGE 124 V 225 E. 2) . Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bish erigen Berufes, und sie muss ihre Be- mühungen nachweisen können. Im Weiteren muss die versich erte Person eine vermittelte zu- mutbare Arbeit annehmen und sie hat auf Weisung der zuständigen Amtsstelle an arbeitsmarkt- lichen Massnahmen teilzunehmen, die ihre Vermittlungsfä higkeit fördern (Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG). 2.2 Zur Durchsetzung der verschiedenen in Art. 17 AVIG statuierten Pflichten der versicher- ten Person, insbesondere der Schadenminderungspflicht, sieht das Gesetz bei Verhaltenswei- sen, die sich negativ auf Eintritt oder Dauer der Leist ungspflicht der Arbeitslosenversicherung auswirken, Sanktionen vor. Insbesondere kann die zuständige kantonale Amtsstelle die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung verfügen (Art. 30 Abs. 1 AVIG). Dabei hat die Einstellung die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltung ssanktion ist sie vom Gesetzmässig- keits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherr scht (T HOMAS NUSSBAUMER , Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit , Arbeitslosenversicherung, in: Schindler/Tanquerel/Tschannen/Uhlmann, Basel 2016, Rz. 828). Die versicherte Person kann mithin in der Anspruchsberechtigung eingestellt werden , wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne entsch uldbaren Grund nicht antritt, ab- bricht oder deren Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder verunmöglicht (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG). Hierzu ist anzumerken, d ass eine Einstellung in der Anspruchsbe- rechtigung nicht (zwingend) den Nachweis eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Verhal- ten der versicherten Person und der Verlängerung der A rbeitslosigkeit, mithin dem (auch) der Arbeitslosenversicherung entstandenen Schaden voraussetzt. Vielmehr werden bestimmte Handlungen und Unterlassungen bereits dann sanktioniert, wenn sie ein Schadensrisiko in sich bergen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Dezember 2014, 8C_491/2014, E. 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist auf folgende V erfahrensgrundsätze hinzuweisen: Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und d er Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben der Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständi ge Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a). Dies bedeutet, dass in Bezug auf den rechtserheblichen Sachverhalt Abklärungen vorzun ehmen sind, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten er gebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2009, 8C_106/2009, E. 1). Dieser Grund- satz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2; Urteil des Bundesgeri chts vom 17. Juni 2009, 8C_412/2009, E. 1). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen die vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO i.V.m. Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, Bern 1984, S. 136). I m Sozialversicherungs- recht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz n icht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderu ngen nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 126 V 360 E. 5b; 125 V 195 E. 2; 121 V 47 E. 2a). 4.1 Unbestritten ist, dass die angeordnete arbeitsmarktli che Massnahme, namentlich die Teilnahme an einem PvB nach Art. 64a AVIG, in Übereinstimmung mit der Wiedereingliederungs- strategie des RAV steht sowie den Vorgaben von Art. 15 Abs. 1 AVIG und Art. 17 Abs. 3 AVIG entspricht. Zu prüfen ist jedoch, ob die zugewiesene ar beitsmarktliche Massnahme unzumutbar im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG ist. Dabei ist zu beachten, dass für die Teilnahme an einer arbeitsmarktlichen Massnahme zur vorübergehenden Beschäftigung nach 64a Abs. 1 lit. a AVIG die Bestimmungen des Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG ledigli ch sinngemäss anwendbar sind (vgl. Art. 64a Abs. 2 AVIG). Für die Zuweisung einer vorübergehen den Beschäftigung gelten mithin her- abgesetzte Anforderungen an die Zumutbarkeit (BGE 12 5 V 362 E. 4b). Unzumutbar und somit von der Teilnahmepflicht ausgenommen ist eine vorüberge hende Beschäftigung, wenn sie dem Alter, den persönlichen Verhältnissen oder dem Gesundh eitszustand der versicherten Person nicht angemessen ist (Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie fol gt dar: 4.2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie anl ässlich des Beratungsgesprächs vom 20. August 2019 informiert worden sei, dass sie an einer arbeitsmarktlichen Massnahme teilzunehmen habe. Am 28. August 2019 fand diesbezüglich ein Aufnahmegespräch bei der B.____ statt. Dabei sei der zuständige Mitarbeiter de r B.____ nicht auf ihre Kritik an den vorge- schlagenen Arbeitszeiten (Schichten) eingegangen und ha be den Arbeitsbeginn auf 5.30 Uhr festgelegt. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine Möglichkeit bestanden, die Arbeitszeiten an die von ihr angegebenen Kinderbetreuungszeiten anzupassen. Andere Tätigkeiten im Betrieb seien zu- dem bereits besetzt gewesen. Im Wesentlichen habe die Ernährungsumstellung ihres Kindes so- wie der kurzfristige Ausfall der Kinderbetreuung dazu geführt, dass sie die zugewiesene arbeits- marktliche Massnahme bei der B.____ nicht habe antreten können, zumal sie innert drei Tagen keine neue Kinderbetreuung habe gewährleisten können. Auch sei der Antritt der zugewiesenen Arbeitsstelle aufgrund der Arbeitszeiten für sie unzumutbar gewesen. 4.2.2 Demgegenüber stellt sich die Beschwerdegegnerin a uf den Standpunkt, dass die Ar- beitsschichten nicht ausserhalb der von der Beschwerdeführ erin angegeben Kinderbetreuungs- zeiten festgelegt worden seien. Sie macht geltend, dass die Beschwerdeführerin verpflichtet ge- wesen sei, die angeordnete arbeitsmarktliche Massnahme ohne Verzögerung anzutreten und die Kinderbetreuung so zu organisieren, dass diese während des geltend gemachten Beschäfti- gungsgrades gesichert sei. Dies gelte mitunter auch dann, wenn die Kinderbetreuung ausfalle oder in den Ferien weile, zumal es der Beschwerdeführe rin zumutbar gewesen wäre, eine adä- quate Ersatzlösung für die Kinderbetreuung zu organisieren. Hinzu komme, dass die Beschwer- deführerin bereits zuvor in der Anspruchsberechtigung e ingestellt worden sei. Die Einsprach- einstanz führt aus, die angeordnete Massnahme sei weder aus gesundheitlichen Gründen noch aufgrund der selbstverschuldeten Betreuungslücke unzumutbar gewesen. Des Weiteren hält sie fest, dass die Einwendungen der Beschwerdeführerin gegen die Verfügung nicht als Entschuldi- gungsgründe, sondern als reine Schutzbehauptungen aufzufassen seien. In Bezug auf die Ange- messenheit der Sanktion sei einerseits berücksichtigt worden, dass die Beschwerdeführerin per 24. September 2019 an einer arbeitsmarktlichen Massnahme teilgenommen habe. Andererseits sei zu beachten, dass es sich um die zweite Sanktionierung der Beschwerdeführerin handle. Die verfügte Einstellungsdauer von 22 Tagen erweise sich vor diesem Hintergrund und unter Berück- sichtigung des Sanktionsrahmens von 21 bis 25 Tagen gemäss Einstellraster des Staatssekreta- riats für Wirtschaft SECO als angemessen. 4.3 Aufgrund der vorstehenden Ausführungen steht fest, dass die Beschwerdeführerin die Teilnahme an der vorübergehenden Beschäftigung nicht a ufgrund des Alters oder aus gesund- heitlichen Gründen als unzumutbar erachtet. Vielmehr macht sie persönliche Gründe wie bei- spielsweise die nicht auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Arbeitszeiten dafür geltend. Zudem sei ihre Kinderbetreuerin am 28. August 2019 spontan für zwei Wochen in die Ferien verreist und weiter habe sie in dieser Zeit die Ernährung von ihrem Kind umgestellt, was sie durch einen Be- richt von Dr. med. C.____, FMH Kinder- und Jugendmedi zin, vom 16. September 2019 unter- mauerte. Damit ist aber davon auszugehen, dass die Betreuungslösung der Beschwerdeführerin per Massnahmebeginn am 4. September 2019 nicht gesichert war. Es wird deutlich, dass sie – Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht entgegen ihren Angaben auf dem Formular Kinderbetreuung (Obhutsnachweis) für die Arbeitslo- senversicherung vom 25. März 2019 – die Kinderbetreuung ihres knapp zehn Monate alten Soh- nes nicht hinreichend organisiert hatte. Dabei ist zu ber ücksichtigen, dass nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung – in Nachachtung des Art. 21 Ü bereinkommen Nr. 168 der Internati- onalen Arbeitsorganisation (IAO) über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeits- losigkeit vom 21. Juni 1988 (SR 0.822.726.8) – bei der Prüfung der Zumutbarkeit einer Arbeit oder eines Kursbesuches unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse insbesondere die gesundheitlichen und familiären Umstände der Versi cherten in Betracht fallen. Betreuungs- pflichten gegenüber minderjährigen Kindern stellen ab er grundsätzlich keinen persönlichen Grund dar, der eine arbeitsmarktliche Massnahme unzumutbar macht (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 2.2; BGE 120 V 375). Sodann gelten für versicherte Personen mit betreuungsbedürftigen Kindern nach der AVIG-Praxis des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO hinsichtlich der Vermittlungsfähigkeit, namentlich in Bezug auf die Verfügbarkeit, die gleichen Be- dingungen wie für alle anderen Personen. Die versicherte Person hat das Privat- und Familienle- ben so zu gestalten, dass sie nicht daran gehindert ist, i m Umfang des geltend gemachten Be- schäftigungsgrades bzw. Arbeitsausfalles einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen (AVIG-Praxis ALE, Abschnitt B, Rz. B225; vgl. zum Ganzen auch Urteil des Kantonsgerichts vom 23. März 2017, KGSV 715 16 335, E. 3.4; BGE 138 V 346 E. 6.2). Vorliegend bedeutet dies, dass die Abwesenheit der Kinderbetreuung keine Unzumutbar keit im Sinne der vorgenannten Erwä- gungen darstellt. Es wäre der Beschwerdeführerin zuzumut en gewesen, eine Ersatzlösung für die Kinderbetreuung bis zum Beginn der Massnahme zu organisieren. Entgegen ihrer Auffassung hätte sie dafür sieben Tage (28. August 2019 bis 3. Se ptember 2019) Zeit gehabt. Überdies ist bei arbeitslosen Stellensuchenden von einer kurzfristigen-zeitlichen Verfügbarkeit und somit von einer erhöhten Flexibilität auszugehen, zumal die Versi cherten gehalten sind, sich der öffentli- chen Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stellen, ange botene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach einer zumutbaren Stelle umzusehen (Urteil des Bundesgerichts vom 9. März 2007, C 125/06, E. 4). Vor diesem Hintergrund und gestützt auf die Bescheinigung Kin- derbetreuung (Obhutsnachweis) für die Arbeitslosenversicherung vom 25. März 2019, in welcher die Beschwerdeführerin bestätigte, dass die angegebene Kinderbetreuung ab sofort bzw. wenn sie einen Job habe, erfolgen könne, durfte das RAV sowie die B.____ davon ausgehen, die Be- schwerdeführerin könne sogleich eine Arbeit annehmen bzw. ein PvB antreten. 4.4 Auch aus ihrer Behauptung, der zuständige Mitarb eiter von der B.____ habe anlässlich des Aufnahmegesprächs vom 28. August 2019 die Arbeitssch ichten ausserhalb der Kinderbe- treuungszeiten, namentlich auf 5.30 Uhr, festgelegt, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zunächst steht fest, dass kein Protokoll über das am 28. August 2019 geführte Gespräch besteht. Mit E-Mail vom 23. Oktober 2019 gab d er zuständige Mitarbeiter jedoch an, Hauptthema des Aufnahmegesprächs vom 28. August 2019 se i – neben den üblichen Fragen zum Suchtverhalten und allfälligen Allergien – die Kinderbetreuung gewesen. Auf dem Personal- blatt habe die Beschwerdeführerin angegeben, die Kinderbetreuung sei geregelt, weshalb er sie für den 4. September 2019 habe aufbieten wollen. Darauf habe sie erwidert, dies sei nicht mög- lich und sie habe nicht damit gerechnet, so schnell aufgeboten zu werden. Ihre Eltern seien vom 3. September 2019 bis am 15. September 2019 im Urlaub, weshalb sie die Arbeit bei der B.____ Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht erst danach aufnehmen könne. In Bezug auf die Arbeitszeiten habe die Beschwerdeführerin an- gegeben, dass sie jeweils am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 8 Uhr bis 17 Uhr respektive bis maximal 18 Uhr arbeiten könne. Darauf wäre ihr Arbeitsplan abgestimmt worden (vgl. E-Mail vom 23. Oktober 2019). Es sind keine Gründe ersichtlich, die an den Angaben des zuständigen Mitarbeiters zweifeln lassen. Im Übrigen kann dieser Punkt offengelassen werden, zumal die Kin- derbetreuung ohnehin nicht gesichert war. 4.5 Daran ändern auch die Vorbringen der Beschwerdef ührerin nichts. Es ist durchaus ver- ständlich, dass die Ernährungsumstellung eines Kindes mit Aufwand und allfälligen Schwierigkei- ten verbunden sein kann. Dies stellt dennoch keinen Grun d dar, der zur Unzumutbarkeit einer arbeitsmarktlichen Massnahme führt. Es wäre der Beschwerdeführerin durchaus zuzumuten ge- wesen, die Ernährungsumstellung mit ihrer RAV-Personalberaterin sowie ihrem Vorgesetzten bei der B.____ zu thematisieren und gemeinsam eine Lösung zu finden. Abgesehen davon ist eine dem Kindesalter entsprechende Ernährungsumstellung zu er warten und somit planbar. Insge- samt stellt die Ernährungsumstellung des Kindes keinen p ersönlichen Grund für die Annahme einer unzumutbaren arbeitsmarktlichen Massnahme im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG dar. 4.6 Zusammenfassend war die Teilnahme an der arbeitsmar ktlichen Massnahme für die Be- schwerdeführerin weder aus gesundheitlichen noch aus persö nlichen Gründen unzumutbar im Sinne von Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass sie die Vorinstanz gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG vorübergehend in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juni 2004, C 43/04, E. 2.2; ARV 1999 Nr. 9 S. 42). 5.1 Zu prüfen bleibt schliesslich, ob die Einstelldauer von 22 Tagen angemessen ist. Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschul- dens und beträgt je Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl. Art. 30 Abs. 3 AVIG). Nach Art. 45 Abs. 2 AVIV wird die Einstellung in der Anspruchsbe rechtigung abgestuft; sie dauert 1-15 Tage bei leichtem (lit. a), 16-30 Tage bei mittelschw erem (lit. b) und 31-60 Tage bei schwerem (lit. c) Verschulden. Innerhalb dieses Rahmens fällt da s RAV seinen Entscheid nach pflichtge- mässem Ermessen. Nach § 57 lit. c VPO hat die Präsidentin der sozialversicherungsrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts den angefochtenen Einspracheentscheid auch auf dessen Ange- messenheit zu überprüfen. Sie greift jedoch bei der Beurteilung der vom RAV angeordneten Ein- stellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. 5.2 Die Beschwerdegegnerin weist darauf hin, dass das Ei nstellraster des SECO den erst- maligen Nichtantritt eines PvB als mittelschweres Versch ulden erkenne (AVIG-Praxis ALE, Ab- schnitt D79, Rz. 3.C). Bei erstmaligem Nichtantritt eines PvB beträgt die Einstelldauer 21 bis 25 Tage. Massgebend für die Festsetzung der Einstellungsda uer ist das Gesamtverhalten der ver- sicherten Person, das unter Berücksichtigung aller wesentl ichen Umstände des Einzelfalls, d.h. der objektiven und subjektiven Gegebenheiten zu würdig en ist (BGE 141 V 365 E. 4.1 mit Hin- weisen). Unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, die bei einem schweren Ver- schulden und erstmaliger Sanktion als Ausgangspunkt vom Mi ttelwert des jeweiligen Verschul- densgrads ausgeht (vgl. BGE 123 V 151 E. 3c), legte die Vorinstanz die Sanktion bei 22 Tagen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht fest. Verschuldensmindernd wertete die Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin per 24. Sep- tember 2019 an einer arbeitsmarktlichen Massnahme beim D.____ teilgenommen hat. Hingegen wertete die Vorinstanz die Tatsache, dass es sich bereits um die zweite Sanktion der Beschwer- deführerin handelte, zu ihren Ungunsten. Die Beschwerdegegnerin übte ihr Ermessen in Würdi- gung aller Umstände pflichtgemäss aus. Gegebenheiten, die eine abweichende Ermessensaus- übung durch das Gericht als näherliegend erscheinen lassen würden, sind nicht ersichtlich. 6. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung erfolgt e somit zu Recht. Unter Berücksich- tigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände ist die von der Beschwerdegegnerin verfügte Festlegung der Einstellungsdauer auf 22 Tage und damit im mittleren Bereich eines mit- telschweren Verschuldens (16 bis 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden nach Art. 45 Abs. 3 lit. b AVIV) nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.