B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6428/2013 U r t e i l v o m 1 9 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren (…), China (Volksrepublik), vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2013 / N (…). D-6428/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer – ein chinesischer Staatsangehöriger tibet i- scher Ethnie aus B._______ in der Autonomen Region Tibet – reiste am 23. Juni 2005 illegal in die Schweiz ein und suchte hier noch am selben Tag um Asyl nach. A.b Mit Verfügung vom 8. Juli 200 5 stellte die Vorinstanz fest, der B e- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asy l- gesuch mangels Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig ordnete sie wegen Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs seine vorläufige Aufnahme an. A.c Am 27. Juli 2007 ging der Beschwerdeführerin mit seiner Landsfrau C._______ die Ehe ein. Das Ehepaar hat zwei Kinder, D._______, gebo- ren am (…), und E._______, geboren am (…). A.d Mit Urteil D-4701/2008 vom 3. August 2009 hiess das Bundesverwal- tungsgericht die am 5. August 2005 bei der damals zuständigen Schwe i- zerischen Asylrekurskommission (ARK) gegen die Verfügung des BFM vom 8. Juli 2005 erhobene Beschwerde teilweise gut, stellte die Flüch t- lingseigenschaft des Beschwerdeführers fest und wies das BFM an, ihn wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. A.e Am 10. August 2010 erteilte die zuständige kantonale Behörde dem Beschwerdeführer aufgrund einer Härtefallregelung die Aufenthaltsbewil- ligung B. B. B.a Mit Schreiben vom 23. August 2013 teilte das BFM dem Beschwerde- führer mit, gemäss einer Mitteilung der Flughafenpolizei Zürich sei er am 30. Juli 2013 nach einem Aufenthalt in der Volksrepublik China in Fran k- furt gelandet und in die Schweiz zurückgekehrt. Unter diesen Umständen beabsichtige es, ihm zufolge Unterschutzstellung unter den ursprüngl i- chen Verfolgerstaat die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen. Zur Einre i- chung einer Stellungnahme setzte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer eine Frist zur Stellungnahme bis zum 5. September 2013. B.b Mit Eingabe vom 5. September 2013 ersuchte der Beschwerdeführer das Bundesamt, ihm die Frist zur Einreichung einer Stellungnahme um 30 Tage zu erstrecken. Zur Begründung führte er aus, es sei ihm innert der D-6428/2013 Seite 3 angesetzten Frist nicht möglich gewesen, die erforderlichen Beweismittel zu beschaffen, nicht einmal als Vorauskopie. Es treffe zu, dass er für e i- nen kurzfristigen Besuch seines Vaters in den Tibet gereist sei. Dieser liege mit Krebs im Spital, wobei sein Gesundheitszustand auch generell sehr schlecht sei. Sein Vater habe ihn eindringlich gebeten, ihn in seiner letzten Lebensphase noch einmal zu besuchen. Er selbst sei in echter Sorge um seinen Vater gewesen, den er seit neun Jahren nicht mehr g e- sehen habe. Bei dieser Gelegenheit habe er auch seine Mutter besuchen können, die ebenfalls hospitalisiert gewesen sei. Aus administrativen Gründen (Auflagen/Schikanen der Behörden) habe sich die Besuchs dau- er in China verlängert. C. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2013 – eröffnet am 19. Oktober 2013 – hob das BFM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf. D. Mit an das Bundesverwaltungsgericht adressierter Eingabe vom 15. No- vember 2013 beantragte der Beschwerdeführer mittels seines Rechtsver- treters, de r Entscheid des BFM vom 15. Oktober 2013 sei aufzuheben. Es sei von der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft ab zusehen. Im Weiteren liess er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltli- che Prozessführung zu gewähren. Als Beweismittel reichte er zwei fremdsprachige Beweismittel in Kop ie ein. Dabei handle es sich um Spi- talzeugnisse, aus welchen hervorgehe, dass sein Vater unter Leberzi r- rhose leide und sich somit im Endstadium einer chronischen Lebere r- krankung befinde. E. Am 22. November 2013 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der vorliegenden Beschwerde. F. Mit Zwischenverfügung vom 5. Dezember 2013 hielt der zuständige I n- struktionsrichter fest, der Beschwerdeführer habe hinsichtlich seiner f i- nanziellen Situation geltend gemacht, er sei nicht vermögend, und er müsse zusammen mit seiner Ehefrau für die Lebenskosten der Familie (mit zwei Kindern) aufkommen, weshalb die Bezahlung eines Kostenvo r-D-6428/2013 Seite 4 schusses eine grosse finanzielle Belastung für ihn bedeuten würde. Zwar würden die in der Beschwerde formulierten Begehren nicht als aus sichts- los erscheinen. Da seine Bedürftigkeit indessen nicht belegt sei, werde er aufgefordert, bis zum 20. Dezember 2013 das von ihm und seiner Eh e- frau ausgefüllte gerichtliche Formular betreffend Gewährung der unen t- geltlichen Rechtspflege an das Bundesver waltungsgericht zu retourni e- ren, um eine Überprüfung seiner finanziellen Situation zu ermöglichen. Zusätzlich forderte der zuständige Instruktionsrichter den Beschwerdefüh- rer auf, die auf Beschwerdeebene eingereichten fremdsprachigen Dok u- mente bis zum 23. Dezember 2013 in eine Amtssprache der Schweiz übersetzt einzureichen. G. Mit Begleitschreiben vom 16. Dezember 2013 reichte der Beschwerd e- führer von seiner Ehefrau ausgefertigte deutschsprachige Übersetzungen der beiden Spitalzeugnisse vom 15. Mai 2013 sowie Lohnabrechnungen bezüglich seiner Ehefrau und seiner selbst aus dem Jahr 2013 zu den Ak- ten. H. Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2014 stellte das Bundesverwa l- tungsgericht fest, den eingereichten Lohnabrechnungen sei zu entne h- men, dass die Eheleute im Jah r 2013 zusammen ein Nettoeinkommen von monatlich mindestens Fr. 7'500.– erzielt hätten, weshalb nicht von der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen sei. Deswegen forderte das Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführer auf, bis zum 27. Januar 2014 einen Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600.– einzuzahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. I. Am 17. Januar 2014 zahlte der Beschwerdeführer den eingeforderten Kostenvorschuss ein. J. Am 30. Januar 2014 lud das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 13. Februar 2014 ein. D-6428/2013 Seite 5 K. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 3. Februar 2014 die Abweisung der Beschwerde. L. Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2014 sandte der Instruktionsrich- ter dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung des BFM vom 3. Februar 2014 zur allfälligen Einreichung einer Replik bis zum 24. Februar 2014 zu. M. Am 18. Februar 2014 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Replik ein. Er fügte dieser eine ebenfalls vom 18. Februar 2014 da- tierende Kostennote bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser, was vorliegend nicht z u- trifft, bei Vorliegen eines Ausliefer ungsersuchens des Staates, vor we l- chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt , hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än- derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 D-6428/2013 Seite 6 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung aus den in Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgesehenen Gründen. 3. Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG aberkennt das Bundesamt die Flücht- lingseigenschaft oder widerruft das Asyl, wenn Gründe nach Art. 1 C Ziff. 1 - 6 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorliegen. Art. 1 C FK beinhaltet die Bee n- digungsklauseln betreffend den Flüchtlingsstatus. Namentlich fällt eine Person unter anderem nicht mehr unter d ie FK und endet ihr Flüchtling s- status, wenn sie sich freiwillig wieder unter den Schutz des Landes g e- stellt hat, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt (Art. 1 C Ziff. 1 FK). 4. 4.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung vom 15. Oktober 2013 aus, der Beschwerdeführer habe sich an die chinesischen Behö r- den gewandt, um ein Reisedokument der Volksrepublik China zu erha l- ten. Mit der anschliessenden Einreise in die Volksrepublik China habe er sich freiwillig und mit voller A bsicht unter den Schutz seines Heimatsta a- tes gestellt, der diesen auch gewährt habe. Er habe zwar vorgebracht, er habe seine kranken Eltern in China noch einmal besuchen wollen. Die von ihm in Aussicht gestellten diesbezüglichen Beweismittel seien inde s- sen bis zum Entscheiddatum nicht beim BFM eingetroffen. Auch auf die vorgebrachten Auflagen und Schikanen durch die Behörden sei er nicht näher eingegangen. Ausserdem sei er nicht nur in die Volksrepublik Ch i- na eingereist, sondern habe von dieser am 29. Mai 2013 auch ein en t- sprechendes Reisedokument erhalten. Damit habe er sich auch unter Be- rücksichtigung der Erkrankung seiner Eltern mit Absicht und freiwillig u n- ter den Schutz seines Heimatlandes gestellt und habe diesen auch ta t- sächlich erhalten. Damit seien die drei Voraussetzungen für die Anwe n- dung von Art. 1 C Ziff. 1 FK (vgl. auch E. 5.1 bis 5.4 nachstehend) erfüllt, weshalb ihm gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG die Flüchtlingseigen- schaft aberkannt werden müsse. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe vertritt der Beschwerdeführer den Stand- punkt, gemäss gefestigter Rechtsprechung sei eine aus moralischen Ve r-D-6428/2013 Seite 7 pflichtungen gegenüber nahen Angehörigen erfolgte Reise in den He i- matstaat für sich alleine betrachtet noch kein genügender Grund, um die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen, da sich daraus keine Absicht der Unterschutzstellung ableiten lasse. Weil seine Reise in die Heimat au f- grund eines moralischen Drucks erfolgt sei, sei zudem praxisgemäss auch das Erfordernis der Freiwilligkeit nicht erfüllt. So sei er – wie bereits seiner Stellungnahme vom 5. September 2013 entnommen werden kö n- ne – nur deshalb in den Tibet gereist, um seinen kranken Vater ein letztes Mal zu sehen. Als Beleg für den schlechten Gesundheitszustand seines Vaters habe er nunmehr eine Kopie eines Spitalzeugnisses eingereicht, aus welchem hervorgehe, dass sein Vater unter Leberzirrhose leide und sich somit im Endstadium einer chronischen Leberkrankheit befinde. Am Gesundheitszustand seines Vaters dürften aufgrund dieses Beweismittels somit keine Zw eifel mehr bestehen. Das BFM habe sich in seiner Verf ü- gung vom 15. Oktober 2013 nicht mit seinen diesbezüglichen Vorbringen in seiner Stellungnahme vom 5. September 2013 auseinandergesetzt, weil er zu diesem Zeitpunkt die in Aussicht gestellten Spitalbestä tigungen noch nicht eingereicht habe. Das BFM sei somit im Zeitpunkt seines En t- scheides davon ausgegangen, dass seine Angaben betreffend den G e- sundheitszustand seines Vaters unzutreffend seien. Aufgrund des Gesag- ten habe die Vorinstanz ihm zu Unrecht die F lüchtlingseigenschaft aber- kannt. Alleine mit dem Argument, er sei in den Tibet zurückgekehrt, lasse sich die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht rechtfertigen. 4.3 Die Vorinstanz hielt im Rahmen ihrer Vernehmlassung fest, die B e- schwerdeschrift enthalt e keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen kön n- ten. Ergänzend führte sie aus, die auf Beschwerdeebene eingereichten Spitalunterlagen des Vaters des Beschwerdeführers lägen lediglich als Kopie vor, weshalb ihr Beweiswert als äusserst gering einzustufen sei. Insbesondere sei auch noch einmal darauf hinzuweisen, dass der B e- schwerdeführer nicht nur in sein Heimatland gereist sei, sondern sich von diesem am 29. Mai 2013 auch einen Reisepass habe a usstellen lassen. Deshalb sei davon auszugehen, dass er sich auch unter Berücksicht i- gung der Erkrankung seines Vaters durchaus freiwillig unter den Schutz seines Heimatstaates gestellt und diesen auch erhalten habe. 4.4 In der Replik macht der Rechtsvertreter geltend, die Reise seines Mandanten in den Tibet sei unter grossem moralischem und seelischem Druck erfolgt, da er angegeben habe, in sein Heimatland zurückgereist zu sein, um seinen schwer erkrankten Vater ein letztes Mal zu sehen . Ge-D-6428/2013 Seite 8 mäss der Rechtsprechu ng sei eine aus moralischen Verpflichtungen g e- genüber nahen Angehörigen erfolgte Reise in den Heimatstaat für sich al- leine betrachtet kein genügender Grund, um die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen, da sich daraus keine Absicht auf Unterschutzstellung a b- leiten lasse (vgl. D -670/2008 mit Verweis auf Entscheidungen und Mitte i- lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 12, EMARK 1996 Nr. 11 und EMARK 1996 Nr. 7) . Die Praxis unte r- scheide somit bei der Beurteilung der Aberkennung der Flüch tlingseigen- schaft aufgrund der Rückkehr ins Heimatland, ob die Reise den letzten Abschied von einer nahestehenden Person bezweckt oder nur einen normalen Verwandtenbesuch oder bloss eine Ferienreise darstellt. Das BFM habe überdies das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt, indem es in seiner Entscheidfindung den Umstand nicht berüc k- sichtigt habe, dass der Beschwerdeführer am 3. Dezember 2013 die Spi- talzeugnisse im Original nachgereicht habe. Eine Neubeurteilung durch die Vorinstanz dränge sich de nnoch nicht auf, da das BFM trotz seiner Einschätzung, der Beweiswert der (lediglich als Kopie vorliegenden) Sp i- talzeugnisse sei äusserst gering, sowohl in der angefochtenen Verfügung als auch in seiner Vernehmlassung davon ausgehe, dass der Vater des Beschwerdeführers krank sei. So betrachtet ergebe die vorinstanzliche Einschätzung des Beweiswertes der eingereichten Arztzeugniskopien als gering letztlich keinen Sinn. 5. 5.1 5.1.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob sich der Beschwerdeführer mit seinem zwischen dem 26. Juni 2013 und dem 28. Juli 2013 währenden Aufenthalt im Tibet freiwillig unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehöri g- keit er besitzt, gestellt hat (Art. 1 C Ziff. 1 FK), wofür kumulativ drei Vo r- aussetzungen erfüllt sein müsse n: Der Beschwerdeführer muss erstens freiwillig in Kontakt mit seinem Heimatland getreten sein, er muss zwe i- tens beabsichtigt haben, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch zu nehmen, und drittens muss ihm dieser Schutz auch tatsächlich gewährt worden sein (BVGE 2010/17 E. 5.1.1, S. 202 f.). 5.1.2 Heimatreisen von Flüchtlingen müssen restriktiv beurteilt werden. Grundsätzlich stellt der Umstand, dass sich jemand zurück in den Verfo l- gerstaat begibt, ein starkes Indiz dafür dar, dass die frühere Verfolgung s- situation oder die Furcht vor Verfol gung nicht mehr bestehen. Trotzdem dürfen eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und ein Widerruf des D-6428/2013 Seite 9 Asyls erst dann ausgesprochen werden, wenn die in der vorstehenden Erwägung 5.1.1 erwähnten drei Voraussetzungen in ihrer Gesamtheit e r- füllt sind. En tfällt eine dieser drei Voraussetzungen, ist von der Aberke n- nung der Flüchtlingseigenschaft und vom Widerruf des Asyls abzusehen (BVGE 2010/17 E. 5.1.2, S. 203). 5.2 5.2.1 Der Beschwerdeführer begründete seine einmonatige Reise in den Tibet im Wesentlichen damit , er habe dort seinen schwer kranken Vater ein letztes Mal besuchen wollen. 5.2.2 Der Vater des Beschwerdeführers leidet laut den Angaben in den beiden bei den Akten befindlichen Spitalbestätigungen vom 15. Mai 2013 an einer Leberzirrhose und an einer chronischen H epatitis B und befand sich deswegen im damaligen Zeitpunkt in stationärer Behandlung . Es handelt sich hierbei indessen um zwei Krankheiten, welche bei adäquater medizinischer Behandlung sowie einer disziplinierten Lebensführung (A l- koholabstinenz, Diät) nicht unmittelbar lebensbedrohender Natur sind und noch ein jahrelanges beschwerdefreies Leben ohne g rössere Einschrän- kungen erlauben. Angesichts dessen erweist sich die Erkrankung des Va- ters des Beschwerdeführers – gerade auch angesichts der in Ziff. 5.3 und 5.4 nachfolgenden Erwägungen – als nicht schwerwiegend genug, um auf einen derart hohen seelischen und moralischen Druck beim B e- schwerdeführer schliessen zu können, dass hierdurch das Kriterium der Freiwilligkeit in Abrede gestellt werden müsste. Diese Ei nschätzung e r- scheint auch vor dem Hintergrund gerechtfertigt, als bis heute beim Bu n- desverwaltungsgericht keine Todesmeldung hinsichtlich des Vaters des Beschwerdeführers eingegangen ist, welche auf eine grosse Todesnähe des Vaters im Zeitpunkt des Besuchs seines Sohnes im Juni/Juli 2013 schliessen liesse. 5.2.3 Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, er habe durch den Besuch seines Vaters im Tibet gehofft, dadurch das schlechte Gewissen, welches sich in all den Jahren seiner Abwesenheit angestaut habe, etwas zu beruhigen. Es sei ihm nunmehr a ber gelungen, Abschied von seinem Vater zu nehmen, auch wenn ihn der Gedanke daran quäle, dass dies s i- cher der letzte Besuch im Tibet gewesen sei (vgl. Beschwerde S. 3). Es soll an dieser Stelle nicht verkannt werden, dass es gewiss eine schwierige Situation darstellt, als Flüchtling über viele Jahre getrennt von nahen Familienangehörigen in der Heimat zu leben, ohne vom rechtl i-D-6428/2013 Seite 10 chen Status als Flüchtling her die Möglichkei t zu haben, diese in der Heimat zu besuchen. Nichtsdestotrotz verpflichtet der Status als Flüch t- ling die Betroffenen (vorbehältlich der in E. 5.1.1 vorstehend erwähnten Voraussetzungen), von Besuchen ihrer Angehörigen in ihrem Heimatland Abstand zu nehmen, da sie andernfalls zum Ausdruck bringen würden, aktuell keiner asylrelevanten Gefährdung seitens ihres Heimat staates mehr ausgesetzt zu sein und damit ihres Flüchtlingsstatus`verlustig zu gehen. Immerhin sei an dieser Stelle auf die Möglichkeit hingewiese n, dass sich Familienangehörige unter solchen Umständen grundsätzlich auch in einem Drittland treffen könnten. 5.2.4 Der Rechtsvertreter macht im Weiteren geltend, das BFM habe das rechtliche Gehör seines Mandanten verletzt, weil es nicht berücksichtigt habe, dass dieser auf Beschwerdeebene die Originale der beiden Spita l- bestätigungen eingereicht habe (vgl. Replik S. 2 Abs. 1 und 2). Entgegen der Einschätzung der Rechtsvertretung ist vorliegend das rechtliche Gehör durch die Vorinstanz nicht verletzt worden. Eine Durch- sicht der im Beschwerdedossier abgelegten und dem BFM mit dem R e- kursdossier zur Vernehmlassung zugesandten Beweismittel zeigt nämlich auf, dass es sich bei den am 13. Dezember 2013 – nunmehr aber in Ori- ginalgrösse und ohne Kopie rspuren auf einem A4 -Blatt – eingereichten Dokumenten durchaus auch um Farbkopien handeln könnte. Diese Frage kann jedoch angesichts der nachfolgenden Erwägungen offenbleiben. 5.3 5.3.1 Hinsichtlich des Kriteriums der Unterschutzstellung im Heimatstaat ist festzuhalten, dass die Inkaufnahme von Schutzgewährung durch den Heimatstaat grundsätzlich zur Erfüllung dieser Voraussetzung als ausre i- chend erachtet wird. Unternimmt der Flüchtling indessen heimlich eine Reise in das Heimatland unter Umgehung der Grenzkontrollen und hält sich während des Aufenthalts weitgehend versteckt, zeigt er durch dieses Verhalten unter Umständen an, dass ein Kontakt mit Organen des Sta a- tes vermieden werden soll, was zur Annahme führen kann, dass eine U n- terschutzstellung durch den Flüchtling gerade nicht in Kauf genommen wird. 5.3.2 Im vorliegenden Fall ist aufgrund der Akten erstellt, dass der B e- schwerdeführer sich am 29. Mai 2013 vom chinesischen Generalkonsul in der Schweiz einen heimatlichen Reisepass ausstellen liess. Dieser Um- stand ist deswegen von grossem Gewicht, als er die chinesischen Behör-D-6428/2013 Seite 11 den in die Lage versetzte, die Person des Beschwerdeführers einer nähe- ren Überprüfung zu unterziehen, was mutmasslich bei seiner Einreise in die Volksrepublik China am 26. Juni 2013 zu seiner unverzüglichen Fes t- nahme geführt hätte, falls die chinesischen Behörden tatsächlich an se i- ner Person interessiert gewesen wären. Ausserdem ist aufgrund der en t- sprechenden Stempelungsvermerke in seinem chinesischen Reisepass erwiesen, dass er am 26. Juni 2013 kontrolliert per Flugzeug in die Volks- republik China einreiste und diese am 28. Juli 2013 auf dem Luftweg wie- der kontrolliert verliess (vgl. hierzu act. C1/13). Diese Fakten lassen im Ergebnis nur darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer sich vorsät z- lich unter den Schutz seines Heimatlandes gestellt hat. 5.4 5.4.1 Das Kriterium der effektiven Schutzgewährung ist sodann erfüllt, wenn objektive Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die betreffende Pe r- son tatsächlich im Heimatland nicht mehr gefährdet ist. Diese Anhalts- punkte können vorwiegend in entsprechenden Handlungen des Heima t- staates beziehungsweise dessen Organen gesehen werden. 5.4.2 Aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer problemlos in die Volksrepublik China einreisen, sich dort für ungefähr vier Wochen (mutmasslich in Lhasa) aufhalten und in der Folge wieder ungehindert aus dem Land ausreisen konnte, bestehen objektive Anhaltspunkte dafür, dass er in der Volksrepublik China damals nicht (mehr) gefährdet bezi e- hungsweise effektiv geschützt war. An dieser Einschätzung ändert auch die nicht näher spezifizierte Behauptung des Beschwerdeführers in seiner Stellungnahme vom 5. September 2013 im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs vorgängig des Erlasses der angefochtenen Verfügung des BFM nichts, seine Besuchsdauer im Tibet habe sich aus administrati- ven Gründen (Auflagen/Schikanen der Behörden) verlängert, hinderten ihn die chinesischen Behörden doch offensichtlich nicht an der Ausreise aus ihrem Land. 5.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die in Art. 1 C Ziff. 1 FK statuierten Voraussetzungen erfüllt sind, weshalb die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zu Recht gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG die Flüchtlingseigenschaft aberkannt hat. Anzumerken bleibt, dass der Au f- enthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz durch die Aber kennung der Flüchtlingseigenschaft nicht beeinträchtigt ist, verfügt er doch seit dem 10. August 2010 über eine kantonale Aufenthaltsbewilligung B (vgl. D-6428/2013 Seite 12 Sachverhalt Bst. A.e) und bleiben seine Ehefrau inklusive die beiden g e- meinsamen Kinder in der Schweiz weiterhin als Flüchtlinge anerkannt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä- digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Besch werdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der vom Beschwerdeführer am 17. Januar 2014 geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600.– ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwe n- den. (Dispositiv nächste Seite) D-6428/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfa h- renskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand: