Obergericht des Kantons Bern 1. Strafkammer Cour suprême du canton de Berne 1re Chambre pénale Urteil SK 20 303 + 304 Hochschulstrasse 17 Postfach 3001 Bern Telefon +41 31 635 48 08 Fax +41 31 634 50 54 obergericht-straf.bern@justice.be.ch www.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. Mai 2021 Besetzung Obergerichtssuppleant Knecht (Präsident i.V.), Oberrichter Vicari, Oberrichter Guéra Gerichtsschreiberin Bettler Verfahrensbeteiligte A.________ amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________ Beschuldigter/Berufungsführer gegen Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, Postfach, 3001 Bern Anschlussberufungsführerin Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, fahrlässige Körperverletzung, Widerhandlungen gegen das Betäubungsmit- telgesetz sowie Rückversetzung Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht) vom 14. Mai 2020 (PEN 2020 60/61) 2 Inhaltsverzeichnis I. Formelles..........................................................................................................................3 1. Erstinstanzliches Urteil ..............................................................................................3 2. Berufung....................................................................................................................3 3. Beweisergänzungen / Anordnung von Ersatzmassnahmen......................................3 4. Anträge der Parteien .................................................................................................5 5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer ..................................................6 II. Sachverhalt, Beweiswürdigung und rechtliche Würdigung ..............................................7 III. Strafzumessung ...............................................................................................................7 6. Konkretes Vorgehen und Strafrahmen......................................................................7 7. Fahrlässige Körperverletzung ...................................................................................8 7.1 Objektive Tatkomponenten ..............................................................................8 7.2 Subjektive Tatkomponenten.............................................................................9 7.3 Fazit Tatkomponenten / Einsatzstrafe............................................................10 8. Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz...........................................11 8.1 Fahren in nicht fahrfähigem Zustand (mehrfach begangen)..........................11 8.2 Führen eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung (mehrfach begangen)......12 8.3 Missbrauch von Kontrollschildern (mehrfach begangen)...............................13 8.4 Fahren ohne Haftpflichtversicherung .............................................................13 9. Strafart.....................................................................................................................14 10. Gesamtstrafe aufgrund der Tatkomponenten .........................................................15 11. Täterkomponenten ..................................................................................................16 11.1 Vorleben, Vorstrafen und persönliche Verhältnisse.......................................16 11.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren...............................................19 11.3 Strafempfindlichkeit........................................................................................20 11.4 Fazit Täterkomponenten ................................................................................20 12. Strafmass sowie Anrechnung Haft und Ersatzmassnahmen ..................................21 13. Geldstrafe gemäss Art. 96 Abs. 2 SVG...................................................................22 14. Strafvollzug..............................................................................................................23 IV.Rückversetzung..............................................................................................................25 V. Kosten und Entschädigung ............................................................................................27 15. Verfahrenskosten ....................................................................................................27 16. Entschädigung.........................................................................................................27 VI.Verfügungen...................................................................................................................28 VII. Dispositiv ...................................................................................................................293 I. Formelles 1.Erstinstanzliches Urteil Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht, nachfolgend: Vorinstanz) sprach A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) mit Urteil vom 14. Mai 2020 (pag. 624 ff.) der mehrfachen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsge- setz, der fahrlässigen Körperverletzung und der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig und ordnete bezüglich der beim Beschuldigten aus dem Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 25. Januar 2018 aufge- schobenen Reststrafe von 1 Jahr, 10 Monaten und 8 Tagen die Rückversetzung in den Strafvollzug an (pag. 625 f., Ziff. I. und II. erstinstanzliches Urteil). Die Vorin- stanz verurteilte den Beschuldigten unter Einbezug der aufgeschobenen und nun- mehr zu vollziehenden Reststrafe im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 89 Abs. 6 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) zu einer Frei- heitsstrafe von 30 Monaten, unter Anrechnung der Untersuchungs- und Sicher- heitshaft von 168 Tagen, zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 150.00, zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00 sowie zu den Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf CHF 15’720.00 (pag. 626, Ziff. III. erstinstanzliches Urteil). Mit Beschluss vom 14. Mai 2020 entliess die Vorinstanz den Beschuldigten unter Anordnung von Ersatzmassnahmen aus der Sicherheitshaft (pag. 629 ff.). 2.Berufung Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, mit Schreiben vom 15. Mai 2020 form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 746). Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung vom 13. Juli 2020 (pag. 781 f.) erklärte der Beschuldigte mit Eingabe vom 4. Au- gust 2020 form- und fristgerecht die Berufung, beschränkt auf die Anordnung der Rückversetzung und die Bemessung der Strafe (pag. 786 ff.). Mit Eingabe vom 19. August 2020 schloss sich die Generalstaatsanwaltschaft der Berufung des Be- schuldigten an und beschränkte ihre Anschlussberufung auf das Strafmass (pag. 823 f.). Mit Schreiben vom 9. September 2020 beantragte der Beschuldigte kein Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft (pag. 836). Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 20. Mai 2021 statt (pag. 891 ff.). 3.Beweisergänzungen / Anordnung von Ersatzmassnahmen Mit Verfügung vom 6. August 2020 holte die Verfahrensleitung bei der Be- währungshilfe und bei der Suchtberatungsstelle contact Suchtbehandlung Bern ak- tuelle Kurzberichte ein und forderte den Beschuldigten auf, Nachweise über seine Erwerbstätigkeit einzureichen (pag. 791 f.; pag. 797; pag. 799 ff.). Mit Eingabe vom 17. August 2020 reichte Rechtsanwalt B.________ die Arbeitsverträge der letzten Monate, die Lohnabrechnungen Juni und Juli 2020 sowie eine Bestätigung der C.________ GmbH ein (pag. 804 ff.). Sodann reichte Rechtsanwalt B.________ 4 mit Schreiben vom 25. August 2020 die verlangte Arbeitsbestätigung der C.________ GmbH nach (pag. 830 ff.). Mit Verfügung vom 25. August 2020 stellte die Verfahrensleitung eine Präzisierung/Anpassung der bisherigen Ersatzmass- nahmen in Aussicht (pag. 828 f.). Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft (pag. 835) als auch der Beschuldigte (pag. 836) erklärten sich mit den beabsichtigen Ersatz- massnahmen einverstanden. Mit Verfügung vom 15. September 2020 ordnete die Verfahrensleitung folgende Ersatzmassnahmen an (pag. 838 ff.): a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, die Therapie bei der Suchtberatungsstelle (contact Suchtbehandlung Bern) gemäss (vereinbarten) Behandlungsplan und -zielen zu absolvieren und aktiv mitzuarbeiten. b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, mit der Bewährungshilfe zusammenzuarbei- ten. c) Der Beschuldigte wird verpflichtet, einer regelmässigen Erwerbstätigkeit nach- zugehen bzw. nicht grundlos eine Stelle zu künden oder nicht anzutreten. Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden die Akten PEN 17 444 des Regionalgerichts Bern-Mittelland (betreffend das Rückversetzungsverfahren) sowie die Akten des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes des Kantons Bern 22.255.022 ediert. Ferner wurden von Amtes wegen aktuelle Berichte der contact Suchtbehandlung Bern (pag. 874 f.) und der Bewährungshilfe (pag. 877 ff.), ein ak- tueller Leumundsbericht (inkl. Erhebungsformular wirtschaftliche Verhältnisse; pag. 881 ff.) sowie ein aktueller Strafregisterauszug (pag. 887 ff.) eingeholt (vgl. pag. 853). Mit Schreiben vom 1. April 2021 reichte Rechtsanwalt B.________ ein Kündi- gungsschreiben vom 20. Januar 2021 und einen Bericht der contact Suchtbehand- lung Bern vom 26. März 2021 ein (pag. 865 ff.). Diese Unterlagen wurden mit Verfügung vom 7. April 2021 antragsgemäss zu den Akten erkannt (pag. 870 f.). Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung reichte Rechtsanwalt B.________ einen Untermietvertrag der D.________ Bern, eine Bestätigung des Sozialdienstes Stadt Bern vom 21. April 2021, einen Arbeitsvertrag der E.________ AG vom 15. April 2021, einen Arbeitsvertrag der F.________ GmbH vom 30. Oktober 2020, Lohnabrechnungen der F.________ GmbH vom November 2020 und Januar 2021, Lohnabrechnungen der C.________ GmbH vom August und September 2020 so- wie ein Arbeitszeugnis der C.________ GmbH vom 20. Oktober 2020 zu den Akten (pag. 892; pag. 913 ff.). Der Beschuldigte wurde an der oberinstanzlichen Verhandlung ergänzend einver- nommen (pag. 894 ff.; pag. 905). Aufgrund seiner Aussagen wurde ein neuer Strafregisterauszug eingeholt und bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland abge- klärt, ob gegen den Beschuldigten 2020 und 2021 Strafbefehle ergangen sind. Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland liess der Kammer daraufhin einen Strafbefehl vom 22. April 2021 wegen Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz zukommen. Schliesslich holte der Beschuldigte während der Verhandlungspause zu Hause zwei Strafbefehle vom 15. April 2021 und einen Strafbefehl vom 22. April 5 2021, alle wegen Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz, und übergab diese der Kammer (pag. 904; pag. 928 ff.). 4.Anträge der Parteien Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete an der oberinstanzlichen Ver- handlung namens des Beschuldigten folgende Anträge (pag. 939): I. Es sei festzustellen, dass die Ziff. I. und IV. des erstinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind. II. A.________ sei zu verurteilen 1. zu einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von 3 Jahren, sowie unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und Si- cherheitshaft von 168 Tagen. 2. zu einer Geldstrafe von 5 Tagen zu CHF 30.00, total ausmachend CHF 150.00. 3. zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00. III. Es sei auf die Rückversetzung von A.________ zu verzichten. Hingegen sei die Probezeit für die be- dingte Entlassung angemessen zu verlängern. IV. 1. Das Honorar des amtlichen Verteidigers für das Berufungsverfahren sei gemäss eingereichter Kostennote gerichtlich zu bestimmen. 2. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. Staatsanwältin G.________ stellte und begründete namens der Generalstaatsan- waltschaft folgende Anträge (pag. 943 f.): I. Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial- gericht in Dreierbesetzung) vom 14. Mai 2020 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 1. der Schuldsprüche, wonach A.________ schuldig erklärt wurde 1.1. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen 1.1.1. durch mehrfaches Fahren in nicht fahrfähigem Zustand, 1.1.1.1. am 08.07.2019 auf der Strecke Ins-Konolfingen-Tägertschi 1.1.1.2. am 19.08.2019 auf der Strecke Ins-Konolfingen-Bätterkinden 1.1.1.3. am 20.08.2019 auf der Strecke Ins-Konolfingen-Muri b. Bern-Ins 1.1.1.4. am 20.11.2019 auf der Strecke Bern-Worb-Stettlen 1.1.2. des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Berechtigung, begangen in der Zeit vom 09.05.2019 bis am 28.11.2019 1.1.3. Missbrauch von Kontrollschildern, mehrfach begangen 1.1.3.1. in der Zeit vom 24.07.2019 bis 07.08.2019 in Worb 1.1.3.2. am 20.08.2019 auf der Strecke Ins-Konolfingen-Muri b. Bern-Ins 1.1.4. Fahren ohne Haftpflichtversicherung und ohne Fahrzeugausweis, begangen am 20.08.2019 auf der Strecke Ins-Konolfingen-Muri b. Bern-Ins 1.1.5. Führen eines nicht vorschriftsgemäss ausgerüsteten Fahrzeuges, begangen am 20.08.2019 auf der Strecke Ins-Konolfingen-Muri b. Bern-Ins 1.1.6. Nichtmelden von meldepflichtigen Änderungen an Motorfahrzeug, begangen in der Zeit vom 09.08.2019 bis 20.08.2019 in Ins 1.1.7. einfache Verkehrsregelverletzung, begangen am 19.08.2019 in Bätterkinden, 1.2. fahrlässiger Körperverletzung, begangen am 08.07.2019 in Tägertschi, Tägertschistrasse, z.N. von H.________; 1.3. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen in der Zeit von Ende 2018 bis 28.11.2019 in Ins und andernorts; 6 2. der Verurteilung zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00 unbedingt, bei schuldhaf- tem Nichtbezahlen ersatzweise 5 Tage Freiheitsstrafe; 3. der Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00; bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise 20 Tage Freiheitsstrafe; 4. der weiteren Verfügungen, wonach der beschlagnahmte PW Mitsubishi Colt zur Vernichtung ein- gezogen wurde. II. Bezüglich der bei A.________ aus dem Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 25.01.2018 aufgeschobenen Reststrafe von 1 Jahr, 10 Monaten und 8 Tagen sei die Rückversetzung in den Strafvollzug anzuordnen. III. A.________ sei unter Einbezug der unter Ziff. Il. hiervor zu widerrufenden Sanktion in Anwendung von Art. 34, 40, 47, 49 Abs. 1, 51, 89, 106, 125 Abs. 1 StGB, Art. 10 Abs. 2, 29, 31 Abs. 1 und 2, 34 Abs. 1, 63 Abs. 1, 90 Abs. 1, 91 Abs. 2 lit. b, 93 Abs. 2 lit. a, 95 Abs. 1 lit. b, 96 Abs. 1 lit. a und Abs. 2, 97 Abs. 1 lit. a und g SVG, Art. 2 Abs. 1, 3 Abs. 1, 57 Abs. 1 VRV; Art. 3a Abs. 1 und 2 VVV; Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 426, 428 Abs. 1 und 3 StPO zu verurteilen: 1. im Sinne einer Gesamtstrafe zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, unter Anrechnung der aus- gestandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 168 Tagen; 2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Gebühr gemäss Art. 21 VKD). Im Weiteren sei zu verfügen: 1. Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 2. Es sei die vorzeitige Zustimmung zu erteilen zur Löschung der erhobenen biometrischen erken- nungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist (Art. 17 Abs. 1 Bst. e i. V. m. Art. 19 Abs. 1 der Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 5.Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer Zufolge der beschränkten Berufung des Beschuldigten und der beschränkten An- schlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft sind die Schuldsprüche (Ziff. I. erstinstanzliches Urteil) und die Einziehung des beschlagnahmten PW Mitsubishi Colt zur Vernichtung (Ziff. V. 2. erstinstanzliches Urteil) in Rechtskraft erwachsen. Mangels Abänderungsantrags der Verteidigung ist auch die Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00 und die Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung in Rechtskraft erwachsen (Ziff. III. 3. erstinstanzli- ches Urteil). Von der Kammer zu überprüfen ist die Anordnung der Rückversetzung in den Strafvollzug (Ziff. II. erstinstanzliches Urteil), die Strafzumessung mit Ausnahme der ausgefällten Übertretungsbusse (Ziff. III. 1. und 2. erstinstanzliches Urteil) so- wie die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. III. 4. und Ziff. IV. erstinstanzliches Urteil). Praxisgemäss ist zudem über die erhobenen biometrischen erkennungs- dienstlichen Daten neu zu befinden (Ziff. V. 4. erstinstanzliches Urteil). Die Kammer verfügt als Berufungsgericht über umfassende Kognition in tatsächli- cher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 der Schweizerischen Strafpro- zessordnung [StPO; SR 312.0]) und ist aufgrund der Anschlussberufung der Gene- ralstaatsanwaltschaft nicht an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern.7 II. Sachverhalt, Beweiswürdigung und rechtliche Würdigung Der Schuldsprüche wegen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Strassenver- kehrsgesetz, fahrlässiger Körperverletzung und Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sind, wie erwähnt, zufolge der beschränkten Berufung des Beschuldigten und der beschränkten Anschlussberufung der Generalstaatsanwalt- schaft in Rechtskraft erwachsen (vgl. Ziff. I. 5. vorne). Dementsprechend kann für den Sachverhalt, die Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung auf die erstin- stanzliche Urteilsbegründung verwiesen werden (pag. 757 ff., S. 3 ff. der erstin- stanzlichen Urteilsbegründung). Soweit mit Blick auf die Strafzumessung und/oder die Frage der Rückversetzung Ergänzungen und Präzisierungen notwendig er- scheinen, erfolgen diese unmittelbar an den entsprechenden Stellen der nachfol- genden Erwägungen der Kammer. III. Strafzumessung 6.Konkretes Vorgehen und Strafrahmen Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind zutreffend. Darauf kann verwiesen werden (pag. 771, S. 17 der erstinstanzlichen Urteilsbe- gründung). Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen Widerhandlungen gegen das Strassen- verkehrsgesetz, der fahrlässigen Körperverletzung und der Widerhandlungen ge- gen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gemacht. Die Strafdrohungen für die ein- zelnen Delikte betragen: a) Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz - Fahren in nicht fahrfähigem Zustand (mehrfach begangen; Art. 31 Abs. 2, 91 Abs. 2 Bst. b des Strassenverkehrsgesetzes [SVG; SR 741.01], Art. 2 Abs. 1 der Verkehrsregelverordnung [VRV; SR 741.11]): Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; - Führen eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung (mehrfach begangen, Art. 10 Abs. 2, 95 Abs. 1 Bst. b SVG): Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstra- fe; - Missbrauch von Kontrollschildern (mehrfach begangen; Art. 97 Abs. 1 Bst. a und g SVG): Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; - Fahren ohne Haftpflichtversicherung (Art. 63 Abs. 1, 96 Abs. 2 SVG, Art. 3a Abs. 1 und 2 der Verkehrsversicherungsverordnung [VVV; SR 741.31]): Frei- heitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; - Fahren ohne Fahrzeugausweis (Art. 10 Abs. 2, 96 Abs. 1 Bst. a SVG): Busse; - Führen eines nicht vorschriftsgemäss ausgerüsteten Fahrzeugs (Art. 29, 93 Abs. 2 Bst. a SVG, Art. 57 Abs. 1 VRV, Art. 56, 75, 81, 90 Abs. 2, 219 der Ver- ordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge [VTS; SR 741.41]): Busse; - Nichtmelden meldepflichtiger Änderungen am Motorfahrzeug (Art. 34 Abs. 2, 219 Abs. 1 und 2 Bst. f VTS): Busse;8 - Einfache Verkehrsregelverletzung durch Vornehmen von Verrichtungen, wel- che die Bedienung des Fahrzeugs erschweren (Art. 31 Abs. 1, 90 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV): Busse; b) Fahrlässige Körperverletzung (Art. 125 Abs. 1 StGB): Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; c) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19a Ziff. 1 des Betäubungsmittelgesetzes [BetmG; SR 812.121]): Busse. Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist zunächst der Strafrah- men für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen (Urteil des Bundesge- richts 6B_1079/2016 vom 21. März 2017 E. 1.3 mit Hinweisen). Vorliegend sehen mehrere der obgenannten Tatbestände, die der Beschuldigte erfüllt hat, einen ab- strakten Strafrahmen bis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren vor. Die Kammer erachtet – wie die Vorinstanz und die Parteien – die fahrlässige Körperverletzung als das schwerste Delikt, da Personen nicht nur abstrakt gefährdet wurden, son- dern eine Drittperson unmittelbar zu Schaden gekommen ist (vgl. pag. 771, S. 17 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 906; pag. 909). In einem weiteren Schritt sind sämtliche Einzelstrafen für die übrigen Vergehen festzusetzen um danach zu beurteilen, ob und welche Einzelstrafen gleichartig sind (BGE 144 IV 217 E. 4.1 S. 239; Urteile des Bundesgerichts 6B_496/2020 vom 11. Januar 2021 E. 3.4.3; 6B_968/2019 vom 14. September 2020 E. 7.4; je mit Hinweisen). Resultiert für alle Delikte eine gleichartige Strafe, ist die Einsatzstrafe unter Einbezug der übrigen Strafen in Anwendung des Asperationsprinzips ange- messen zu erhöhen (vgl. BGE 144 IV 313 E. 1.1.1 S. 316; 144 IV 217 E. 2.2 S. 219 f.; je mit Hinweisen). Trotz Asperation sind vorliegend keine aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich, die es gebieten würden, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63 mit Hinweisen; Urteil des Bundesge- richts 6B_853/2014 vom 9. Februar 2015 E. 4.2). Der Strafrahmen reicht somit von einem Tagessatz Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe (Art. 125 Abs. 1 StGB). Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die Übertre- tungsbusse von CHF 700.00 für die Schuldsprüche wegen Fahrens ohne Fahr- zeugausweis, Führens eines nicht vorschriftsgemäss ausgerüsteten Fahrzeugs, Nichtmeldens meldepflichtiger Änderungen am Motorfahrzeug, einfacher Verkehrs- regelverletzung und Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. Ziff. I. 5. vorne). 7.Fahrlässige Körperverletzung 7.1Objektive Tatkomponenten 7.1.1 Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts Der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung schützt die körperliche Integrität sowie die körperliche und geistige Gesundheit des Menschen.9 Vorliegend erlitt H.________ (Jahrgang 1941) als Fahrer des korrekt entgegen- kommenden Fahrzeugs aufgrund des frontalen Zusammenstosses mit dem Fahr- zeug des Beschuldigten Prellungen an Nase, Rippen und Schlüsselbein sowie klei- ne Wunden an Augenbraue und Handgelenk (vgl. pag. 234 ff.). Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, darf angenommen werden, dass diese Verletzungen ohne Folgen verheilt sind. Jedenfalls ist nichts Gegenteiliges aktenkundig. H.________ befand sich zwei Tage in Spitalpflege und bei einer Person im Arbeitsleben hätte die Arbeitsunfähigkeit gemäss Arztbericht je nach Beruf zwischen zwei bis fünf Wochen betragen (vgl. pag. 235). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz kann somit festgehalten werden, dass die verursachten körperlichen Beeinträchtigungen zwar nicht gravierend waren, mit Blick auf die von ärztlicher Seite mutmasslich auf zwei bis fünf Wochen geschätzte Arbeitsunfähigkeit aber auch nicht als unerheblich bezeichnet werden können (pag. 772, S. 18 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün- dung). Insgesamt ist die Schwere der Verletzung des geschützten Rechtsguts im Vergleich zu anderen denkbaren Verletzungen noch als leicht zu bezeichnen. 7.1.2 Art und Weise der Herbeiführung der Rechtsgutverletzung resp. Verwerflichkeit des Handelns Zur fahrlässigen Körperverletzung kam es, weil der Beschuldigte in fahruntüchti- gem Zustand (Übermüdung mit Sekundenschlaf und unter Einfluss von Amphet- amin und Methamphetamin) mit einem Lieferwagen auf die Gegenfahrbahn geriet und frontal mit einem korrekt entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte, an dessen Steuer H.________ sass. Dass es zu keinen schwereren Verletzungen kam, dürfte dem Zufall und dem vergleichsweise robusten Fahrzeugtyp des von H.________ gelenkten Fahrzeugs zu verdanken sein. Der Beschuldigte setzte sich trotz seiner schlechten körperlichen Verfassung ans Steuer und setzte seine Fahrt trotz vorgängigen Drogenkonsums und mehrfachen Sekundenschlafs unbeirrt bis zur Kollision fort. Die Art und Weise der Herbeiführung der Rechtsgutverletzung ist klar verschuldenserhöhend zu bewerten. Der Schuldspruch wegen Fahrens in nicht fahrfähigem Zustand (begangen am 8. Juli 2019) erfolgte erstinstanzlich – abwei- chend zur Anklageschrift (vgl. pag. 450) – lediglich für die Strecke von Ins nach Konolfingen (pag. 625, Ziff. I. 1.1.1 erstinstanzliches Urteil). Soweit darüberhinaus- gehend wurde das Fahren in nicht fahrfähigem Zustand als durch den Schuld- spruch wegen fahrlässiger Körperverletzung konsumiert erachtet (vgl. pag. 769 f., S. 15 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Eine Erhöhung des objektiven Tatverschuldens aufgrund der Art und Weise der Herbeiführung des Erfolgs (Fah- ren in nicht fahrfähigem Zustand) stellt damit keine unzulässige Doppelverwertung dar. 7.2Subjektive Tatkomponenten 7.2.1 Willensrichtung und Beweggründe Das Verhalten des Beschuldigten muss als äusserst grobfahrlässig bezeichnet werden (an der Grenze zur Inkaufnahme / zum Eventualvorsatz). Wie die Vor- instanz zutreffend ausführte, war dem Beschuldigten aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen bestens bekannt, welche Auswirkungen sein Drogenkonsum auf sein 10 Befinden, seine Reaktionsfähigkeit und sein allgemeines Fahrverhalten haben wür- de. Es war ihm mithin bewusst, dass er in diesem Zustand nicht fahrfähig ist (pag. 772, S. 18 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Gemäss eigenen Aus- sagen war der Beschuldigte zudem stark übermüdet und fiel bereits vor der Kollisi- on mehrfach in einen Sekundenschlaf (pag. 185). Trotzdem fuhr er unbeirrt weiter. Die Kammer verkennt nicht, dass sich der Beschuldigte im Deliktszeitraum in einer schwierigen Situation befand, weil sein Geschäftspartner ausgefallen ist und er sich neu organisieren musste. Der Beschuldigte schilderte, er habe damals einen «Tun- nelblick» gehabt und habe nur sein Geschäft retten wollen. Er habe Drogen kon- sumiert, weil er mit der ganzen Büroarbeit überfordert gewesen sei. Offerten und Rechnungen schreiben und dann auch noch produzieren, das habe ihn alles über- fordert. Er habe zwar schon daran gedacht, jemanden einzustellen, der einen Füh- rerausweis habe. Aber das gehe ja nicht von heute auf morgen. Die Aufträge seien schon da gewesen und er habe nicht gewusst, was er machen solle (pag. 901 Z. 14 ff.). Er habe sich überrumpelt und hilflos gefühlt (pag. 903 Z. 10). Als Grund für seine Fahrt von Konolfingen nach Bätterkinden gab der Beschuldigte indes an, dass er in Bätterkinden bei einer Kollegin habe essen wollen (vgl. pag. 64 Z. 211 ff. und Z. 241). Bei diesem Vorfall entlastet ihn daher keine berufsbedingte Notlage. Während sich der hohe Grad der Fahrlässigkeit deutlich verschuldenserhöhend auswirkt, ist der Beweggrund leicht verschuldenserhöhend (da berufsbedingt nicht notwendig) zu berücksichtigen. 7.2.2 Vermeidbarkeit Der Unfall vom 8. Juli 2019 wäre ohne Weiteres vermeidbar gewesen. Wie bereits erwähnt, fiel der Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen bereits vor der Kollision mehrfach in einen Sekundenschlaf (pag. 185; vgl. Ziff. III. 7.2.1 vorne). Bei diesen offensichtlichen Warnhinweisen hätte er auf keinen Fall weiterfahren dürfen. Aus dem Umstand, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt unter Drogeneinfluss stand (innerer Umstand) und berufsbedingt auf ein Fahrzeug angewiesen war (äusserer Umstand), kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten. Der Beschuldigte verfügte aufgrund seiner fehlenden Fahreignung bereits seit Jahren über keinen Führer- ausweis und musste sich deshalb bereits seit längerer Zeit damit arrangieren, kein Fahrzeug führen zu dürfen. Hinzu kommt, dass sich der Unfall während der Mit- tagspause ereignete, als sich der Beschuldigte ohne zwingenden Anlass (Mittages- sen bei einer Kollegin) nach Bätterkinden begab. Eine Verschuldensminderung un- ter dem Titel der Vermeidbarkeit ist mithin nicht angezeigt 7.3Fazit Tatkomponenten / Einsatzstrafe Das Tatverschulden ist im Verhältnis zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren Frei- heitsstrafe insgesamt als leicht zu bezeichnen. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände erachtet die Kammer für den Schuldspruch wegen fahrlässiger Körper- verletzung eine Einsatzstrafe von 90 Strafeinheiten als dem Tatverschulden des Beschuldigten angemessen. 11 8.Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz 8.1Fahren in nicht fahrfähigem Zustand (mehrfach begangen) Die Richtlinien für die Strafzumessung des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (mit Änderungen vom 8. November 2019 per 1. Januar 2020; nachfolgend: VBRS-Richtlinien) sehen beim Tatbestand des Fahrens in fahrunfähigem Zustand / Fahren unter Einfluss von Drogen (FuD) im Sinne von Art. 91 Abs. 2 Bst. b SVG für folgende Referenzsachverhalte eine Re- ferenzstrafe von 25 bzw. 50 Strafeinheiten als Ausgangspunkt für das objektive Tatverschulden vor (VBRS-Richtlinien, S. 17): 25 Strafeinheiten: «wenn der Sachverhalt verschuldensmässig im Wesentlichen dem „Norm-Sachverhalt“ bei FiaZ entspricht» d.h. «Gutbeleumdeter Beschuldigter besucht mit dem Auto eine Wirtschaft und fährt nach Wirtschaftsschluss über eine Strecke von 4 - 8 km nach Hause. Vorstrafen: 2-3 Verkehrsübertretungen (ohne FiaZ)»; 50 Strafeinheiten: «bei erhöhtem Gefährdungspotenzial (insbesondere bei Fahrfeh- lern, Unfall, längerer Fahrt, dichtem Verkehr, etc.)». Vorliegend fuhr der Beschuldigte unter Einfluss von Amphetamin und Methamphet- amin sowie am 8. Juli und 20. November 2019 zusätzlich in übermüdetem Zustand (Sekundenschlaf) folgende Strecken mit einem Lieferwagen (8. Juli 2019) bzw. mit einem Personenwagen (19., 20. August und 20. November 2019): - am 8. Juli 2019: Ins - Konolfingen (ca. 52 km) - am 19. August 2019: Ins - Konolfingen - Bätterkinden (ca. 95 km) - am 20. August 2019: Ins - Konolfingen - Muri b. Bern - Ins (ca. 108 km) - am 20. November 2019: Bern - Worb - Stettlen (ca. 18 km) Die zurückgelegten Strecken waren allesamt – teilweise deutlich – länger als der «25er-Referenzsachverhalt» und endeten alle mit einem Unfall, wobei es am 8. Juli 2019 neben Sachschaden auch Personenschaden gab (was verschuldensmässig bereits beim Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung berücksichtigt ist). Betreffend das Verkehrsaufkommen, die Witterung und die Strassenverhältnisse finden sich jeweils nur Angaben bezüglich des Unfallzeitpunkts in den Akten, nicht jedoch betreffend die zurückgelegte Strecke insgesamt (vgl. pag. 109, pag. 141, pag. 181, pag. 247). Damit ist beim objektiven Tatverschulden als Ausgangslage der «50er-Referenzsachverhalt» heranzuziehen. Da die zurückgelegten Distanzen jedoch nicht deckungsgleich sind (vgl. die ungefähre Kilometerangabe in der Auf- zählung oben), ist beim objektiven Tatverschulden von folgenden Strafeinheiten auszugehen: - 50 Strafeinheiten für die Fahrt vom 8. Juli 2019 - 55 Strafeinheiten für die Fahrt vom 19. August 2019 - 60 Strafeinheiten für die Fahrt vom 20. August 2019 - 40 Strafeinheiten für die Fahrt vom 20. November 2019 Subjektiv handelte der Beschuldigte jeweils mit direktem Vorsatz, was neutral zu gewichten ist. Beim Beweggrund und der Vermeidbarkeit ist differenzierend zu 12 berücksichtigen, dass bei der Fahrt vom 19. August 2019 die Teilstrecke zwischen Konolfingen und Bätterkinden arbeitsbedingt nicht notwendig war. Der Beschuldigte legte die Strecke nur zurück, weil er bei einer Kollegin in Bätterkinden essen wollte (vgl. pag. 64 Z. 241). Die übrigen Fahrten waren – soweit aus den Akten ersichtlich – jeweils arbeitsbedingt (vgl. pag. 63 Z. 171 f., Z. 187 ff.; pag. 64 Z. 211). Da sein Geschäftspartner, der eigentlich für die Fahrten zuständig gewesen wäre, unerwar- tet ausgefallen ist und der Beschuldigte Aufträge zu erledigen hatte, dürfte es ihm schwerer gefallen sein, sich rechtskonform zu verhalten, als dem Durchschnitts- bürger. Während der Beweggrund, seine Arbeit erledigen zu wollen (Erzielung ei- nes Erwerbseinkommens), und damit die erschwerte Vermeidbarkeit bei den Fahr- ten vom 8. Juli 2019, 20. August 2019 und 20. November 2019 sowie bei der Fahrt vom 19. August 2019 auf der Teilstrecke Ins - Konolfingen leicht verschuldensmin- dernd zu werten ist (- 5 Strafeinheiten), ist der Beweggrund, das Mittagessen bei einer Kollegin einnehmen zu wollen, bei der Fahrt vom 19. August 2019 auf der Teilstrecke Konolfingen - Bätterkinden leicht verschuldenserhöhend zu gewichten (+ 5 Strafeinheiten). Bei dieser Teilstrecke war auch die Vermeidbarkeit gegeben, da keine Notwendigkeit bestand, nach Bätterkinden zu fahren. Der Beweggrund und die Vermeidbarkeit sind deshalb bei der Fahrt vom 19. August 2019 insgesamt neutral zu gewichten. Somit erscheinen für den Schuldspruch wegen mehrfachen Fahrens in nicht fahr- fähigem Zustand je für sich alleine beurteilt folgende Strafen als angemessen (be- treffend Asperation vgl. Ziff. III. 10. hinten): - 45 Strafeinheiten für die Fahrt vom 8. Juli 2019 - 55 Strafeinheiten für die Fahrt vom 19. August 2019 - 55 Strafeinheiten für die Fahrt vom 20. August 2019 - 35 Strafeinheiten für die Fahrt vom 20. November 2019 8.2Führen eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung (mehrfach begangen) Betreffend das Führen eines Motorfahrzeugs trotz entzogenen Führerausweises bzw. trotz untersagter Fahrberechtigung sehen die VBRS-Richtlinien bei Motorfahr- zeugen eine Referenzstrafe ab 18 Strafeinheiten vor (VBRS-Richtlinien, S. 10). Vorliegend führte der Beschuldigte in der Zeit vom 9. Mai 2019 bis 28. November 2019 (Entzug des Führerausweises am 18. September 2009) mehrfach ein Motor- fahrzeug ohne Berechtigung, wobei dies von der Polizei namentlich am 8. Juli 2019 in Tägertschi (Unfall), am 19. August 2019 in Bätterkinden (Unfall), am 20. August 2019 in Muri b. Bern (Unfall) und am 20. November 2019 in Stettlen (Unfall) festge- stellt wurde (pag. 625, Ziff. I. 1.2 erstinstanzliches Urteil). Die Verteidigung bringt vor, betreffend das Führen eines Motorfahrzeugs ohne Be- rechtigung seien vier Vorfälle nachgewiesen. Der Beschuldigte habe zwar ausge- sagt, dass er auch sonst gefahren sei. Relevant sei aber der Schuldspruch. Bei der Strafzumessung sei deshalb auf die festgestellten vier Mal abzustellen (pag. 907). Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Der Beschuldigte gab an der poli- zeilichen Einvernahme vom 8. Juli 2017 zu Protokoll, er fahre seit seiner Firmen- gründung im März 2019 täglich Auto (pag. 242). In Ziff. I. 1.2. der Anklageschrift 13 vom 20. Januar 2020 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, dass er im betreffen- den Zeitraum «täglich» zur Ausübung seiner Berufstätigkeit und damit wiederholt ein Motorfahrzeug geführt habe, obwohl ihm der Führerausweis am 18. September 2009 entzogen worden sei (pag. 451). Diesen Sachverhalt erachtetet die Vor- instanz in ihrem Urteil als erstellt (pag. 757, S. 3 der erstinstanzlichen Urteilsbe- gründung). Es ist somit von einer Vielzahl von Fahrten in einem Zeitraum von rund 6½ Monaten auszugehen. Da die VBRS-Richtlinien auf einzelne Vorfälle ausgerich- tet sind, können sie vorliegend nicht direkt angewendet werden. Bei schätzungs- weise 140 Arbeitstagen (6½ Monate zu je 21,7 Tagen) à je 18 Strafeinheiten würde eine dem Gesamttatverschulden nicht mehr angemessen hohe Anzahl an Strafein- heiten resultieren. Unter Berücksichtigung des Beweggrunds des Beschuldigten (Ausübung seiner Berufstätigkeit) und der dadurch erschwerten Vermeidbarkeit erscheint für den Schuldspruch wegen mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne Berechti- gung für sich alleine beurteilt eine Strafe von 180 Strafeinheiten als angemessen (betreffend Asperation vgl. Ziff. III. 10. hinten). 8.3Missbrauch von Kontrollschildern (mehrfach begangen) Die VBRS-Richtlinien sehen für den Missbrauch von Kontrollschildern, die nicht für das Fahrzeug bestimmt sind, eine Referenzstrafe von 6 Strafeinheiten und bei wi- derrechtlicher Aneignung von Kontrollschildern eine Referenzstrafe von 12 Stra- feinheiten vor (vgl. VBRS-Richtlinien, S. 8 f.). Vorliegend eignete sich der Beschuldigte das vordere Kontrollschild BE .________ des Geschäftsfahrzeugs der I.________ AG widerrechtlich an und brachte dieses zusammen mit dem hinteren Kontrollschild BE .________ des am 19. August 2019 beim Unfall in Bätterkinden beschädigten Citroën Berlingo am Mitsubishi Colt 1.3 an und fuhr mit diesem Fahrzeug am 20. August 2019 auf der Strecke Ins - Konol- fingen - Muri b. Bern - Ins. Dass der Beschuldigte nicht nur ein entwendetes Kontrollschild missbrauchte, son- dern auch das hintere Kontrollschild eines nur einen Tag zuvor bei einem Unfall beschädigten Fahrzeugs abnahm, um mit einem anderen Fahrzeug erneut zu fah- ren, ist beim objektiven Tatverschulden (Art und Weise der Herbeiführung der Rechtsgutverletzung) verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. Für den Schuldspruch wegen mehrfachen Missbrauchs von Kontrollschildern er- scheint für sich alleine beurteilt eine Strafe von 23 Strafeinheiten als angemessen (betreffend Asperation vgl. Ziff. III. 10. hinten). 8.4Fahren ohne Haftpflichtversicherung Betreffend das Fahren ohne Haftpflichtversicherung sehen die VBRS-Richtlinien eine Referenzstrafe ab 12 Strafeinheiten vor (VBRS-Richtlinien, S. 8). Vorliegend fuhr der Beschuldigte am 20. August 2019 auf der Strecke Ins - Konol- fingen - Muri b. Bern - Ins mit seinem Mitsubishi Colt 1.3 obwohl er wusste, dass keine Haftpflichtversicherung besteht. Gründe, die ein Abweichen von der Refe- renzstrafe von 12 Strafeinheiten aufdrängten, sind nicht ersichtlich (betreffend As- peration vgl. Ziff. III. 10. hinten). 14 9.Strafart Nach neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt bei der Festlegung der Strafart Folgendes (Urteil des Bundesgerichts 6B_496/2020 vom 11. Januar 2021 E. 3.4.2): Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Geldstrafe und Freiheitsstrafe sind keine gleicharti- gen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Ungleichartige Strafen sind kumula- tiv zu verhängen. Das Gericht kann auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (sog. konkrete Methode). Dass die anzuwendenden Strafbestim- mungen abstrakt gleichartige Strafen vorsehen, genügt nicht ( BGE 144 IV 313 E. 1.1.1 S. 316; 144 IV 217 E. 2.2 S. 219 f.; 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122). Die frühere Rechtsprechung liess Ausnahmen zur erwähnten konkreten Methode zu, dies beispielsweise bei zeitlich und sachlich eng miteinander verknüpften Straf- taten, welche sich nicht sinnvoll auftrennen und für sich allein beurteilen lassen (Ur- teile des Bundesgerichts 6B_523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2; 6B_210/2017 vom 25. September 2017 E. 2.2.1; 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4), oder wenn nicht eine deutlich schwerere Tat zusammen mit einer oder wenigen weiteren, leichter wiegenden Nebentat(en) zu sanktionieren war und bei einer Gesamtbetrachtung nur eine 360 Einheiten übersteigende Sanktion als verschuldensangemessen erschien (Urteile des Bundesgerichts 6B_499/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 1.8; 6B_157/2014 vom 26. Januar 2015 E. 3.1; 6B_65/2009 vom 13. Juli 2009 E. 1.4.2). Gemäss BGE 144 IV 313 sind solche Ausnahmen nicht mehr zulässig (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2 S. 318 mit Hinweis auf BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235; vgl. auch Ur- teile des Bundesgerichts 6B_59/2020 vom 30. November 2020 E. 4.4; 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.4). Weiterhin gilt jedoch, dass das Gericht anstelle einer Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen kann, wenn eine Gelds- trafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 Bst. b StGB; aArt. 41 Abs. 1 StGB). Eine kurze Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe von höchstens 180 Tagessätzen ist gemäss Art. 41 Abs. 1 Bst. a StGB (in Kraft seit 1. Januar 2018) zudem zulässig, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Vor dem 1. Januar 2018 sah das Gesetz auch für Strafen von mehr als sechs Monaten bis zu einem Jahr alternativ Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor (vgl. aArt. 34 Abs. 1 StGB). Bei der Wahl der Sanktionsart für Strafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr war als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizi- enz zu berücksichtigen. Bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen war entsprechend dem Prinzip der Verhältnismässigkeit die Geldstrafe als weniger ein- griffsintensive Sanktion zu bevorzugen ( BGE 134 IV 82 E. 4.1 S. 84 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2). 15 Auch nach der neusten Rechtsprechung darf eine Gesamtfreiheitsstrafe ausge- sprochen werden, wenn eine grosse Zahl von Einzeltaten zeitlich sowie sachlich eng miteinander verknüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der in einem engen Zusammenhang stehenden Delikte geeignet ist, in genügendem Masse prä- ventiv auf den Täter einzuwirken (Urteile des Bundesgerichts 6B_112/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 3.2; 6B_1186/2019 vom 9. April 2020 E. 2.2 und 2.4). Wie bereits ausgeführt, sehen die Vergehen, für welche der Beschuldigte erstin- stanzlich rechtskräftig verurteilt wurde, jeweils eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jah- ren oder Geldstrafe vor (vgl. Ziff. III. 6. vorne). Es ist deshalb die jeweils angemes- sene Strafart zu bestimmen. Unter Berücksichtigung der Kriterien der Zweckmäs- sigkeit einer Sanktion, deren Auswirkungen auf den Beschuldigten und sein sozia- les Umfeld sowie deren präventiven Effizienz ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass vorliegend bei sämtlichen Vergehen je einzig eine Freiheitsstrafe die angemessene Sanktion ist, so dass in Anwendung des Asperationsprinzips eine Gesamtfreiheits- strafe auszufällen ist. Dies aus folgenden Überlegungen: Der Beschuldigte weist gemäss Strafregisterauszug vom 20. Mai 2021 drei (teilwei- se einschlägige) Vorstrafen auf (pag. 928 ff.). Mit Urteil vom 25. Januar 2018 wurde er letztmals wegen (qualifizierten) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittel- gesetz, Geldwäscherei und Vergehen gegen das Waffengesetz zu einer Freiheits- strafe von 41 Monaten verurteilt. Per 29. Juni 2018 wurde er unter Anordnung von Bewährungshilfe bedingt aus dem Strafvollzug entlassen mit einer Probezeit bis zum 7. Mai 2020 (pag. 930). Trotz seiner teilweise einschlägigen Vorstrafen und der verbüssten längeren Freiheitsstrafe wurde der Beschuldigte noch während lau- fender Probezeit wiederholt straffällig und offenbarte dabei ein beachtliches Mass an krimineller Energie und Gleichgültigkeit gegenüber der geltenden Rechtsord- nung und einer allfällig drohenden Rückversetzung. Ein diesbezügliches Unrechts- bewusstsein fehlte dem Beschuldigten im Deliktszeitraum offenbar gänzlich. Einer Geldstrafe kann vor diesem Hintergrund nur eine ungenügende präventive Wirkung zugesprochen werden, umso mehr, als sich der Beschuldigte in schwierigen finan- ziellen Verhältnissen befindet und eine Geldstrafe vermutungsweise nicht bezahlen könnte. Angesichts der Intensität sowie der Art und Weise, mit welcher der Be- schuldigte während der Probezeit erneut delinquierte, erscheint je einzeln betrach- tet bei sämtlichen Vergehen eine Geldstrafe als nicht mehr schuldadäquat. Nach dem Gesagten ist für die im vorliegenden Verfahren zu sanktionierenden Vergehen je für sich allein eine Freiheitsstrafe die einzig angemessene Sanktion, so dass in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtfreiheitsstrafe auszu- fällen ist. Selbst die Verteidigung beantragte sowohl erst- als auch oberinstanzlich eine Freiheitsstrafe (pag. 619; pag. 939). 10.Gesamtstrafe aufgrund der Tatkomponenten Neben der Freiheitsstrafe von 90 Tagen für den Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung (Einsatzstrafe) sind die Strafen für die übrigen Vergehen wie folgt zur Einsatzstrafe zu asperieren:16 Delikt Einzelstrafe asperiert Fahrlässige Körperverletzung (Einsatzstrafe) 90 SE 90 FS Fahren in nicht fahrfähigem Zustand (mehrfach begangen) - am 8. Juli 2019: Ins - Konolfingen - am 19 August 2019: Ins - Konolfingen - Bätterkinden - am 20. August 2019: Ins - Konolfingen - Muri b. Bern - Ins - am 20. November 2019: Bern - Worb - Stettlen 45 SE 55 SE 55 SE 35 SE 30 FS 35 FS 35 FS 20 FS Führen eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung (mehrfach began- gen) 180 SE 120 FS Missbrauch von Kontrollschildern (mehrfach begangen) 23 SE 15 FS Fahren ohne Haftpflichtversicherung - auf die Freiheitsstrafe entfallend - auf die Geldstrafe entfallend (vgl. Ziff. III. 13. hinten) (12 SE) 7 SE 5 SE 5 FS Total 350 FS Die Einsatzstrafe von 90 Strafeinheiten für den Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung ist somit aufgrund der weiteren Schuldsprüche wegen mehrfa- cher Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz um insgesamt 260 Stra- feinheiten auf 350 Strafeinheiten zu erhöhen. 11.Täterkomponenten 11.1Vorleben, Vorstrafen und persönliche Verhältnisse Betreffend das Vorleben lässt sich dem erstinstanzlichen Urteil entnehmen, dass der Beschuldigte in Bern geboren und nach der Scheidung der Eltern mit seinen Geschwistern bei seiner Mutter aufgewachsen ist. Nach der obligatorischen Schul- zeit fing der Beschuldigte eine Lehre als Carosserie-Sattler an, die abgebrochen wurde. Während des Strafvollzugs absolvierte er eine Attestlehre als Schreiner und schloss diese erfolgreich ab. Im Zeitpunkt der Verhaftung war er als selbständiger Schreiner tätig. Der Beschuldigte kam bereits im Alter von 14 Jahren in Kontakt mit Drogen (pag. 774, S. 20 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Gemäss der Vorinstanz sei die Kindheit des Beschuldigten zwar belastet gewesen, jedoch gebe das allgemeine Vorleben des Beschuldigten keinen Anlass für eine Strafminderung (pag. 774, S. 20 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Dieser Ansicht kann sich die Kammer nicht vorbehaltlos anschliessen. Auch wenn der Be- schuldigte aussagte, «eigentlich eine gute Jugend» gehabt zu haben, ist zu berücksichtigen, dass sein Vater und sein Bruder drogenabhängig gewesen sein sollen und der Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen bereits mit 14 Jahren zum ersten Mal in Kontakt mit harten Drogen gekommen ist (vgl. pag. 602 Z. 38; pag. 603 Z. 1 f., Z. 12; pag. 604 Z. 39 ff.). Der Beschuldigte führte weiter aus, dass im Alter von 15 Jahren vom Jugendgericht eine stationäre Suchtbehandlung ange- ordnet worden und er lange in einem geschlossenen Heim gewesen sei. Im Alter zwischen 14 und 22 Jahren sei er vom Jugendgericht betreut gewesen (vgl. pag. 608 Z. 1 ff.). Die Kindheit des Beschuldigten kann somit nicht als dem Durchschnitt entsprechend bezeichnet werden und dürfte einige Tiefen aufgewie- sen haben. Dass der Beschuldigte bereits sehr früh durch seine Familie in die Dro- gen kam, rechtfertigt eine leichte Strafminderung im Umfang von 30 Strafeinheiten. 17 Der Beschuldigte ist mehrfach und teilweise einschlägig vorbestraft. Dem Strafre- gisterauszug vom 20. Mai 2021 lassen sich folgende Verurteilungen entnehmen (pag. 928 ff.): - Mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 24. Mai 2011 wegen (qua- lifizierten) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Frei- heitsstrafe von 35 Monaten und einer Busse von CHF 500.00; - Mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 5. November 2012 wegen (qualifizierten) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Geldwä- scherei, Vergehen gegen das Waffengesetz, Verletzung der Verkehrsregeln, Fahren eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand, Führen eines nicht betriebssicheren Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug oder Aberken- nung des Ausweises, Fahren ohne Führerausweis oder trotz Entzug sowie Übertretung der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassen- fahrzeuge zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten als Teilzusatzstrafe zum Ur- teil vom 24. Mai 2011 und einer Busse CHF 600.00; - Mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 25. Januar 2018 wegen (qualifizierten) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Geldwä- scherei und Vergehen gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von 41 Monaten. Der Beschuldigte zeigte sich in der Vergangenheit von den bisher ausgesproche- nen und verbüssten Freiheitsstrafen unbeeindruckt und offenbarte eine beachtliche Renitenz und Gleichgültigkeit gegenüber der geltenden Rechtsordnung und einer allfällig drohenden Rückversetzung. Weder die verbüssten Freiheitsstrafen noch die drohende Rückversetzung in den Strafvollzug hielten den Beschuldigten von erneuter Delinquenz ab, weshalb sich die mehrfachen und teilweise einschlägigen Vorstrafen im Umfang von 80 Strafeinheiten deutlich straferhöhend auswirken. Betreffend seine aktuellen persönlichen Verhältnisse und seine Zukunftsaussichten führte der Beschuldigte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung aus, dass er den Kontakt zu seinen Brüdern abbrechen und regelmässig arbeiten wolle (pag. 603 Z. 18 ff.). Er habe bereits eine Arbeitsofferte und könne bei seiner Freun- din in der Küche arbeiten (pag. 603 Z. 37 f.; pag. 604 Z. 21 ff.; pag. 612). Zudem wolle er mit der Bewährungshilfe Kontakt aufnehmen und regelmässig Urinproben abgeben (pag. 603 Z. 35 f.). Er stehe in gutem Kontakt zu seinem in der Schweiz wohnhaften Sohn (pag. 603 Z. 26 f.). Der Beschuldigte wurde anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung mit Be- schluss vom 14. Mai 2020 unter Anordnung von Ersatzmassnahmen aus der Si- cherheitshaft entlassen (pag. 629 ff.). Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Beschuldigte wenige Tage nach der Haftentlassung vom 14. Mai 2020 am 19. Mai 2020 einen Arbeitsvertrag als Pizzaiolo-Telefonist bei J.________ unterzeichnete und am 20. Mai 2020 die Arbeit aufnahm (pag. 804; pag. 808 ff.). Am 5. Juni 2020 schloss der Beschuldigte einen unbefristeten Einsatzvertrag beim Stellenvermitt- lungsbüro K.________ ab, wo er per 8. Juni 2020 an die L.________ AG als Logis- tiker vermittelt wurde (pag. 805; pag. 811 ff.). Dort arbeitete er bis zum 17. Juni 2020 (pag. 805; pag. 816). Am 19. Juni 2020 unterzeichnete der Beschuldigte ei-18 nen unbefristeten Arbeitsvertrag als Hilfsschreiner bei der C.________ GmbH (pag. 805; pag. 817 f.). Die Anstellung bei der C.________ GmbH dauerte vom 22. Juni 2020 bis 30. September 2020 (pag. 875; pag. 927). Gemäss dem Bericht der contact Suchtbehandlung Bern vom 13. April 2021 habe der Beschuldigte die Stelle bei C.________ GmbH wegen schlechter Arbeitsbedingungen gekündigt (pag. 875). Gestützt auf das Arbeitszeugnis vom 20. Oktober 2020 und die Aussa- gen des Beschuldigten ist allerdings davon auszugehen, dass die C.________ GmbH dem Beschuldigten wegen Stellenabbaus gekündigt hat (pag. 896 Z. 25 ff.; pag. 927). Vom 2. November 2020 bis 27. Januar 2021 war der Beschuldigte so- dann bei der F.________ GmbH angestellt (pag. 868; pag. 875; pag. 921 ff.). Mit Schreiben vom 20. Januar 2021 kündigte die F.________ GmbH dem Beschuldig- ten noch in der Probezeit per 27. Januar 2021 aus wirtschaftlichen Gründen (vgl. pag. 868). Seither ist der Beschuldigte beim Sozialdienst gemeldet und erhält eine ALV-Entschädigung von monatlich CHF 741.00 (pag. 875; pag. 882; pag. 885). Dem Bericht der Bewährungshilfe vom 22. April 2021 (pag. 877 ff.) lässt sich ent- nehmen, dass sich der Beschuldigte bewusst sei, dass eine regelmässige Tages- struktur im Rahmen einer geregelten Arbeitssituation zu seiner psychischen und fi- nanziellen Stabilität beitrage. Der Beschuldigte sei nach wie vor auf engmaschige Unterstützung angewiesen, was durch die Bewährungshilfe punktuell angeboten werden könne. Die administrativen Abläufe sowie die damit zusammenhängenden Konsequenzen seien für den Beschuldigten nach wie vor nur schwer nachvollzieh- bar. Seit der letzten Berichterstattung vom 17. August 2021 seien weiterhin monat- liche Gespräche angeboten worden. Es seien neun Gespräche geplant gewesen. Für einen Temin habe sich der Beschuldigte entschuldigt, zu drei Terminen sei er nicht erschienen. Seit Beginn der Suchttherapie mache der Beschuldigte psychisch einen stabileren Eindruck und habe spontan über keine suchtspezifischen Rückfäl- le berichtet (pag. 878). Die Kündigung bei der F.________ GmbH sei aufgrund von Differenzen bei den Lohnverhandlungen erfolgt. Die allfällig daraus resultierenden Nachteile wie Gerichtsauflagen, Tagesstruktur, stabile finanzielle Situation (Schul- denabzahlungen) seien thematisiert worden. Es sei jedoch der Eindruck erweckt worden, dass der Beschuldigte die Vor- und Nachteile seiner Entscheidung nur teilweise einbezogen habe. Während der Arbeitstätigkeit seit August 2020 habe der Beschuldigte einer betreibungsrechtlichen Lohnpfändung unterlegen. Seinem Wunsch nach einer regulären Schuldensanierung habe wegen fehlenden länger- fristigen und regelmässigen Lohneinkommens bisher nicht entsprochen werden können. So drohe dem Beschuldigten bei einem weiteren Arbeitsantritt wieder eine Lohnpfändung. Zu seinem Sohn pflege der Beschuldigte indirekten Kontakt über Facetime. Ende Jahr habe der Beschuldigte mitgeteilt, dass er sich eine neue Wohnung suchen möchte, weil er und seine Partnerin sich getrennt hätten (pag. 879). Gemäss dem Bericht der contact Suchtbehandlung Bern vom 13. April 2021 (pag. 874 f.) sei der Beschuldigte seit dem 25. Mai 2020 in psychotherapeutischer Behandlung, die regelmässig jede zweite Woche stattfinde und vom Beschuldigten zuverlässig wahrgenommen werde. Zusätzlich fänden bei Bedarf Termine bei einer Sozialarbeiterin statt. Der Beschuldigte zeige sich in der Psychotherapie sehr moti- viert und engagiert. Zu jeder Sitzung bringe er ein Thema mit, welches er bespre-19 chen möchte. Er sei offen und setze sich auch mit schambeladenen Themen aus- einander, bei denen er Einsicht auf sein eigenes Verhalten zeige. Er setze das Be- sprochene anschliessend um, sei zielgerichtet, habe eine gute Selbstreflexion und könne schnell verschiedene Perspektiven und Zusammenhänge verstehen. Der Beschuldigte zeige sich entschlossen, sein Leben wieder in Ordnung zu bringen und seinen Lebensweg in eine gute Richtung zu führen. Im bisherigen Verlauf hät- ten grosse Fortschritte festgestellt werden können. Seit der Beschuldigte die Be- handlung im Mai 2020 angefangen habe, gebe es keine Anhaltspunkte für Drogen- konsum (pag 874). Der Beschuldigte führte an der oberinstanzlichen Verhandlung aus, dass er nicht mehr mit seiner Exfreundin zusammen sei, aber wieder in einer Beziehung lebe (pag. 894 f. Z. 38, Z. 42 ff.). Seinen Sohn, der in der Schweiz lebe, habe er seit ei- nem halben Jahr nicht mehr gesehen. Sein anderes Kind habe er schon lange nicht mehr gesehen (pag. 895 Z. 6 ff.). Er habe zurzeit keine Arbeit und lebe seit einein- halb Monaten vom Sozialdienst (pag. 895 Z. 16 ff.). Er habe sich als Schreiner be- worben, habe aber seit Januar nur Absagen erhalten (pag. 895 Z. 22 ff.). Die psy- chotherapeutische Behandlung helfe ihm sehr. Er traue sich nun mehr zu (pag. 898 Z. 17 ff.). Der Beschuldigte bestätigte, dass er seit der Entlassung aus der Sicher- heitshaft keine Drogen mehr konsumiert habe. Er habe jetzt eine Beziehung und habe keinen Kontakt mehr zu seinem alten Freundeskreis und zu seinen Brüdern (pag. 898 Z. 33 ff.; pag. 903 Z. 6). Auf Frage, wie sein soziales Umfeld sei und ob er einen neuen Freundeskreis habe, erklärte der Beschuldigte, er sei eigentlich immer alleine oder mit seiner Freundin und ihrem Kind zusammen. Bei der Arbeit habe er zwar Leute kennengelernt, das seien aber keine Freunde (pag. 903 Z. 23 ff.). Mit Blick auf die in die Brüche gegangene Beziehung zu seiner langjährigen Freun- din, die häufigen Arbeitgeberwechsel und die anhaltenden administrativen und fi- nanziellen Schwierigkeiten des Beschuldigten kann nicht von stabilen und gefestig- ten familiären und beruflichen Verhältnissen gesprochen werden. Seit Februar 2021 ist der Beschuldigte nicht mehr erwerbstätig und wird vom Sozialdienst unter- stützt. Ein tragfähiges soziales Umfeld scheint nicht vorhanden zu sein. Die Thera- pie- und Arbeitsbemühungen des Beschuldigten im vergangenen Jahr sind positiv zu werten, auch wenn diese sicher auch auf den Druck des laufenden Strafverfah- rens zurückzuführen sein dürften, droht dem Beschuldigten doch eine erneute un- bedingte Freiheitsstrafe sowie eine Rückversetzung in den Strafvollzug. Ferner ist zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen, dass es trotz privater und beruf- licher Schwierigkeiten keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass sich der Beschuldigte seit der Entlassung aus der Sicherheitshaft wieder ans Steuer eines Motorfahr- zeugs gesetzt oder Drogen konsumiert hätte. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände wirken sich die persönlichen Verhält- nisse des Beschuldigten im Umfang von 30 Strafeinheiten leicht strafmindernd aus. 11.2Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, weist das Verhalten des Beschuldigten nach der Tat und im Strafverfahren zwei Gesichter auf. Zum einen zeigte er sich 20 während des Verfahrens überaus kooperativ und geständnisbereit – selbst betref- fend Deliktszeiträume bzw. Delikte, die ihm ansonsten vermutungsweise nicht hät- ten nachgewiesen werden können. Zum anderen delinquierte er während des Strafverfahrens laufend weiter und offenbarte dabei eine bedenkliche Einstellung. Nach jedem Verkehrsunfall musste sich der Beschuldigte dem üblichen Prozedere unterziehen. Es wurde polizeilich ermittelt, er wurde einvernommen und ärztlich un- tersucht. Nichts davon hielt den Beschuldigten davon ab, im selben Rahmen weiter zu delinquieren und durch sein uneinsichtiges Verhalten wiederholt Menschenleben ernsthaft zu gefährden. Besonders anschaulich zeigt sich dies am Verkehrsunfall vom 20. August 2019, der nicht einmal 24 Stunden nach dem letzten Verkehrsun- fall erfolgte (vgl. pag. 775, S. 21 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Für die im Strafregisterauszug vom 20. Mai 2021 ersichtliche Strafuntersuchung wegen Nichtabgabe von Ausweisen und / oder Kontrollschildern gilt die Unschulds- vermutung (pag. 928). Der Beschuldigte erklärte an der oberinstanzlichen Verhand- lung, dass es sich dabei um einen Fehler des Strassenverkehrsamts handle. Er habe die Kontrollschilder schon lange zurückgebracht und verfüge aktuell über kein Auto mehr (pag. 905 Z. 6 ff.). Im Januar, Februar und März 2021 war der Beschuldigte drei Mal ohne gültigen Fahrausweis mit dem ÖV unterwegs. Hierfür wurde er mit Strafbefehlen vom 15. und 22. April 2021 wegen Widerhandlung gegen das Personenbeförderungs- gesetz zu Bussen von CHF 200.00 und CHF 100.00 verurteilt (pag. 933 ff.). Da es sich bei diesen Vorfällen um Bagatellverstösse handelt, sind sie bei der Strafzu- messung nicht masseblich zu berücksichtigen. Das fortgesetzte Delinquieren trotz laufenden Strafverfahrens, welches nicht zuletzt auch von fehlender Einsicht und echter Reue zeugt, hat sich im Umfang von 60 Strafeinheiten klar straferhöhend auszuwirken. Dass sich der Beschuldigte im Strafverfahren vollumfänglich geständig zeigte und dabei auch Delikte zugab, die ihm allenfalls nicht hätten nachgewiesen werden können (u.a. die täglichen Fahrten über einen Zeitraum von rund 6½ Monaten), ist dagegen im Umfang von 70 Stra- feinheiten deutlich strafmindernd zu berücksichtigen. 11.3Strafempfindlichkeit Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine erhöhte Strafempfind- lichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen (Urteile des Bundesge- richts 6B_216/2017 vom 11. Juli 2017 E. 2.3; 6B_748/2015 vom 29. Oktober 2015 E. 1.3; 6B_1159/2014 vom 1. Juni 2015 E. 4.4; je mit Hinweisen). Solche Umstän- de sind vorliegend nicht ersichtlich. Die Strafempfindlichkeit des Beschuldigten ist deshalb als neutral zu beurteilen. 11.4Fazit Täterkomponenten Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt leicht straferhöhend aus, weshalb die Strafe um 10 Strafeinheiten auf 360 Strafeinheiten zu erhöhen ist (-30 Strafein- heiten für das Vorleben, +80 Strafeinheiten für die Vorstrafen, -30 Strafeinheiten für die persönlichen Verhältnisse, +60 Strafeinheiten für das fortgesetzte Delinquieren und -70 Strafeinheiten für die Geständnisbereitschaft).21 12.Strafmass sowie Anrechnung Haft und Ersatzmassnahmen Zusammenfassend erachtet die Kammer für die Schuldsprüche wegen fahrlässiger Körperverletzung und mehrfacher Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrs- gesetz eine Strafe von 360 Strafeinheiten als angemessen. Entsprechend den Aus- führungen zur Strafart (vgl. Ziff. III. 9. vorne) ist der Beschuldigte zu einer Freiheits- strafe von 12 Monaten zu verurteilen. Das Gericht rechnet die Untersuchungshaft, die der Täter während dieses oder ei- nes anderen Verfahrens ausgestanden hat, auf die Strafe an (Art. 51 StGB). Die Vorinstanz rechnete Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 168 Tagen an die Freiheitsstrafe an (pag. 626, Ziff. III. 1. erstinstanzliches Urteil). Der Beschuldigte befand sich indes vom 28. November 2019 bis zum 14. Mai 2020 und damit während 169 Tagen in Untersuchungs- und Sicherheitshaft (vgl. pag. 662). Diese Haft ist vollständig an die Freiheitsstrafe anzurechnen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Ersatzmassnahmen analog der Untersuchungshaft gemäss Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Bei der Bemessung der anrechenbaren Dauer hat das Gericht den Grad der Be- schränkung der persönlichen Freiheit im Vergleich zum Freiheitsentzug bei Unter- suchungshaft zu berücksichtigen. Dabei kommt dem Gericht ein erheblicher Er- messensspielraum zu ( BGE 140 IV 74 E. 2.4 S. 79; Urteile des Bundesgerichts 6B_1225/2019 vom 8. April 2020 E.3.2; 6B_1416/2017 vom 29. November 2018 E. 2.3; 6B_115/2018 vom 30. April 2018 E. 6.3; je mit Hinweisen). Bei ambulanter Behandlung ist zu prüfen, ob und inwiefern der Verurteilte durch die ambulante Massnahme in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt wurde. In dem Masse, wie eine tatsächliche Beschränkung der persönlichen Freiheit vorliegt, ist die Be- handlung auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Von Bedeutung ist hierfür im We- sentlichen, mit welchem Zeit- und Kostenaufwand die Massnahme für den Betrof- fenen verbunden war ( BGE 122 IV 51 E. 3a S. 54; Urteil des Bundesgerichts 6B_1416/2017 vom 29. November 2018 E. 2.3; je mit Hinweisen). Entscheidend ist, dass die grundrechtsbeschränkenden Auswirkungen der Massnahmen im Einzelfall ermittelt und angerechnet werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1416/2017 vom 29. November 2018 E. 2.3 mit Hinweis). Der Beschuldigte wurde von der Vorinstanz am 14. Mai 2020 unter Anordnung der nachfolgenden Ersatzmassnahmen aus der Sicherheitshaft entlassen (pag. 629 f.): - Es wird eine Bewährungshilfe angeordnet; - Der Beschuldigte wird verpflichtet, innerhalb von 7 Tagen seit der Haftentlas- sung mit einer Suchtberatungsstelle Kontakt aufzunehmen (z.B. Contact Bern, Berner Gesundheit) und dem Gericht umgehend Nachweis über den vorgese- henen Behandlungsplan einzureichen; - Der Beschuldigte verpflichtet sich, die ihm gemäss Schreiben der J.________ vom 17.04.2020 angebotene Stelle anzutreten und den Antritt gegenüber dem Gericht zu belegen.22 Mit Verfügung vom 15. September 2020 wurden die Ersatzmassnahmen von der oberinstanzlichen Verfahrensleitung wie folgt präzisiert bzw. angepasst (pag. 838 f.): - Der Beschuldigte wird verpflichtet, die Therapie bei der Suchtberatungsstelle (contact Suchtbehandlung Bern) gemäss (vereinbarten) Behandlungsplan und -zielen zu absolvieren und aktiv mitzuarbeiten. - Der Beschuldigte wird verpflichtet, mit der Bewährungshilfe zusammenzuarbei- ten. - Der Beschuldigte wird verpflichtet, einer regelmässigen Erwerbstätigkeit nach- zugehen bzw. nicht grundlos eine Stelle zu künden oder nicht anzutreten. Gemäss dem Bericht der contact Suchtbehandlung Bern vom 13. April 2021 erhielt der Beschuldigte am 19. Mai 2020 einen ersten Termin und befindet sich seit dem 25. Mai 2020 in psychotherapeutischer Behandlung. Die Psychotherapie-Sitzungen finden jede zweite Woche statt und werden vom Beschuldigten zuverlässig wahr- genommen, auch wenn er vereinzelt Termine verpasst hat. Zusätzlich finden bei Bedarf Termine bei einer Sozialarbeiterin statt (pag. 874). Damit ist von rund 27 Terminen bei der Suchtberatungsstelle auszugehen. Gemäss den Berichten der Bewährungshilfe vom 17. August 2020 (pag. 799 ff.) und 22. April 2021 (pag. 877 ff.) fanden seit der Entlassung des Beschuldigten aus der Sicherheitshaft bis am 22. April 2021 insgesamt 8 der 12 angebotenen monatlichen Gespräche statt (pag. 800; pag. 878). Der Beschuldigte hatte somit im vergangenen Jahr bei der Suchtberatungsstelle und bei der Bewährungshilfe rund 35 Termine wahrzuneh- men, welche mit je 4 Stunden an die Freiheitsstrafe angerechnet werden können, ausmachend aufgerundet 6 Tage. Die Verpflichtung, einer regelmässigen Erwerbstätigkeit nachzugehen bzw. nicht grundlos eine Stelle zu künden oder nicht anzutreten, ist nicht an die Freiheitsstrafe anzurechnen, da diese Verpflichtung keine besondere Beschränkung der persönli- chen Freiheit darstellt, die über das Sozialübliche hinausgeht. Durch diese Ersatz- massnahme war der Beschuldigte lediglich insofern in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt, als er sich bei der Arbeitssuche weniger wählerisch zeigen konnte und eine ihm allenfalls nicht genehme Stelle nicht ohne Weiteres künden durfte. Die mit Beschluss vom 14. Mai 2020 und Verfügung vom 15. September 2020 an- geordneten Ersatzmassnahmen sind somit im Umfang von 6 Tagen an die Frei- heitsstrafe anzurechnen. 13.Geldstrafe gemäss Art. 96 Abs. 2 SVG Für den Schuldspruch wegen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung ist gemäss Art. 96 Abs. 2 SVG mit der Freiheitsstrafe eine Geldstrafe zu verbinden. Diese wird der Vorinstanz folgend auf 5 Tagessätze festgesetzt (pag. 777, S. 23 der erstin- stanzlichen Urteilsbegründung). Damit die für den Schuldspruch wegen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung ausgesprochene Freiheits- und Geldstrafe zusammen der schuldangemessenen Strafe von 12 Strafeinheiten (vgl. Ziff. III. 8.4 vorne) ent- sprechen, wurde bei der Freiheitsstrafe von einer Einzelstrafe von 7 Strafeinheiten ausgegangen (vgl. Ziff. III. 10. vorne). 23 Ein Tagessatz beträgt in der Regel mindestens 30 und höchstens 3000 Franken. Ausnahmsweise, wenn die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters dies gebieten, kann der Tagessatz bis auf 10 Franken gesenkt werden. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaft- lichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkom- men und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungs- pflichten sowie nach dem Existenzminimum. (Art. 34 Abs. 2 StGB). Da der Beschuldigte arbeitslos ist und von Sozialhilfe lebt, ist die Höhe des Tages- satzes auf CHF 30.00 festzusetzen. 14.Strafvollzug Gemäss Art. 42 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht not- wendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver- gehen abzuhalten (Abs. 1). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, so ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Um- stände vorliegen (Abs. 2). Unter «besonders günstigen Umständen» sind solche Umstände zu verstehen, die ausschliessen, dass die Vortat die Prognose verschlechtert (Botschaft des Bundes- rates zur Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. September 1998, BBl 1999 S. 2050 Ziff. 213.142). Die Gewährung des bedingten Strafvollzu- ges kommt daher nur in Betracht, wenn eine Gesamtwürdigung aller massgeben- den Faktoren den Schluss zulässt, dass trotz der Vortat eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Dabei ist zu prüfen, ob die indizielle Befürchtung durch die besonders günstigen Umstände zumindest kompensiert wird. Das trifft etwa zu, wenn die neuerliche Straftat mit der früheren Verurteilung in keinerlei Zusammen- hang steht oder bei einer besonders positiven Veränderung in den Lebensumstän- den des Täters ( BGE 134 IV 1 E. 4.2.3 S. 6 f.; Urteile des Bundesgerichts 6B_64/2017 vom 24. November 2017 E. 2.2; 6B_319/2016 vom 5. August 2016 E. 1.3.1; je mit Hinweisen). Da der Beschuldigte mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 25. Janu- ar 2018 zu einer Freiheitsstrafe von 41 Monaten verurteilt wurde (pag. 930), kann der bedingte Vollzug nach Art. 42 Abs. 2 StGB nur bei Vorliegen besonders günsti- ger Umstände gewährt werden. Betreffend die Vorstrafen des Beschuldigten kann vorab auf die Ausführungen zu den Täterkomponenten verwiesen werden (Ziff. III. 11.1 vorne). Auch wenn die Vorstrafen nur teilweise einschlägig sind, ist zu berücksichtigen, dass der Beschul- digte bereits mehrfach zu jeweils hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurde, letztmals mit Urteil vom 25. Januar 2018 wegen (qualifizierten) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Geldwäscherei und Vergehen gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von 41 Monaten. Per 29. Juni 2018 wurde der Beschuldigte unter Anordnung von Bewährungshilfe bedingt aus dem Strafvollzug entlassen mit einer Probezeit bis zum 7. Mai 2020 (pag. 930). Trotz der teilweise einschlägigen Vorstrafen, der verbüssten längeren Freiheitsstrafen und der drohenden Rückver-24 setzung wurde der Beschuldigte noch während laufender Probezeit wiederholt straffällig und offenbarte dabei ein beachtliches Mass an krimineller Energie und Gleichgültigkeit gegenüber der geltenden Rechtsordnung und einer allfällig dro- henden Rückversetzung. Ein diesbezügliches Unrechtsbewusstsein fehlte dem Be- schuldigten im Deliktszeitraum offenbar gänzlich. Anschaulich zeigt sich dies bei- spielweise an der Fahrt vom 8. Juli 2019, die der Beschuldigte trotz vorgängigen Drogenkonsums und mehrfachen Sekundenschlafs unbeirrt bis zur Kollision fortsetzte oder am Unfall vom 20. August 2019, der sich innert 24 Stunden nach dem Unfall vom 19. August 2019 ereignete. Wie bereits erwähnt, verkennt die Kammer nicht, dass sich der Beschuldigte im De- liktszeitraum in einer schwierigen Situation befand. Sein Geschäftspartner ist aus- gefallen und er musste sich neu organisieren. Gestützt auf seine Aussagen ist da- von auszugehen, dass der Beschuldigte damals einen «Tunnelblick» hatte und überfordert war. Er wollte sein Geschäft retten (vgl. Ziff. III. 7.2 vorne). Das ändert aber nichts daran, dass sich der Beschuldigte über einen längeren Zeitraum täglich ans Steuer eines Motorfahrzeugs setzte, übermüdet und unter Drogeneinfluss fuhr und dadurch sich selber und die übrigen Verkehrsteilnehmer einer erheblichen Ge- fahr für Leib und Leben aussetzte. Selbst als es innert kurzer Zeit wiederholt zu Un- fällen kam, hörte der Beschuldigte weder mit dem Autofahren noch mit dem Dro- genkonsum auf, noch gewährte er seinem Körper genügend Ruhezeit, um für die Fahrten ausgeruht zu sein. Der Generalstaatsanwaltschaft ist beizupflichten, dass der Beschuldigte durch sein Verhalten eine enorme Rücksichtslosigkeit und Ge- ringschätzung für das Leben der übrigen Verkehrsteilnehmer und sein eigenes Le- ben an den Tag legte (pag. 909). Die Fahrten unternahm der Beschuldigte zudem nicht nur zur Ausübung der Berufstätigkeit bzw. zur Aufrechterhaltung seines Ge- schäfts, sondern auch aus privaten Gründen (z.B. Mittagessen bei einer Kollegin). Für die im Strafregisterauszug vom 20. Mai 2021 ersichtliche Strafuntersuchung wegen Nichtabgabe von Ausweisen und / oder Kontrollschildern gilt die Unschulds- vermutung (pag. 928). Die Widerhandlungen gegen das Personenbeförderungsge- setz (Reisen ohne gültigen Fahrausweis oder andere Berechtigung) vom Januar, Februar und März 2021 sind Bagatellverstösse, die bei der Beurteilung der Ge- währung des bedingten Strafvollzugs nicht massgeblich zu berücksichtigen sind (pag. 933 ff.). Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschuldigte seit seiner Entlas- sung aus der Sicherheitshaft im Mai 2020 wieder ans Steuer eines Motorfahrzeugs gesetzt oder harte Drogen konsumiert hätte, fehlen. Der Beschuldigte distanzierte sich glaubhaft vom Drogenumfeld (vgl. pag. 898 Z. 33 ff.; pag. 902 f. Z. 44 ff.). Wie bei den persönlichen Verhältnissen ausgeführt, bemühte er sich seit der Entlas- sung aus der Sicherheitshaft aktiv um Arbeit und war während längeren Phasen erwerbstätig. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten scheinen sich tatsächlich etwas gebessert zu haben, wobei mit Blick auf die in die Brüche gegan- gene Beziehung zu seiner langjährigen Freundin und die häufigen Arbeitgeber- wechsel nicht von stabilen und gefestigten familiären und beruflichen Verhältnissen gesprochen werden kann. Seit Februar 2021 ist der Beschuldigte zudem nicht mehr erwerbstätig und wird vom Sozialdienst unterstützt. Ein tragfähiges soziales Umfeld scheint nicht vorhanden zu sein. Die Therapie- und Arbeitsbemühungen des Beschuldigten im vergangenen Jahr, die zwar durchaus als erfreulich zu be-25 zeichnen sind, dürften zudem auch auf den Druck des laufenden Strafverfahrens (inkl. Anordnung von Ersatzmassnahmen) zurückzuführen sein, droht dem Be- schuldigten doch eine erneute unbedingte Freiheitsstrafe sowie eine Rückverset- zung in den Strafvollzug. Auch die finanzielle Situation des Beschuldigten ist nach wie vor nicht günstig und dürfte sich auch in naher Zukunft nicht so rasch verbes- sern (CHF 40'000.00 Verlustscheine und CHF 100'000.00 Betreibungen; pag. 885). Beim Beschuldigten ist daher keine besonders positive Veränderung seiner Le- bensumstände auszumachen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine besonders günstigen Umstände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB vorliegen, um dem Beschuldigten den bedingten Vollzug zu gewähren. Dass die neuen Straftaten mit den vom Regionalgericht Bern-Mittelland im Urteil vom 25. Januar 2018 zu beurteilenden Delikten in keinem Zusammenhang stehen, ändert daran nichts. Die Freiheitsstrafe von 12 Monaten ist unbedingt auszusprechen. Damit einhergehend ist auch die Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 150.00, für den Schuldspruch wegen Fahrens ohne Haft- pflichtversicherung gemäss Art. 96 Abs. 2 SVG unbedingt auszusprechen. IV. Rückversetzung Begeht der bedingt Entlassene während der Probezeit ein Verbrechen oder Verge- hen, so ordnet das für die Beurteilung der neuen Tat zuständige Gericht gemäss Art. 89 Abs. 1 StGB die Rückversetzung an. Ist trotz des während der Probezeit begangenen Verbrechens oder Vergehens nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht auf eine Rückverset- zung. Es kann den Verurteilten verwarnen und die Probezeit um höchstens die Hälfte der von der zuständigen Behörde ursprünglich festgesetzten Dauer verlän- gern. Erfolgt die Verlängerung erst nach Ablauf der Probezeit, so beginnt sie am Tag der Anordnung. Die Bestimmungen über die Bewährungshilfe und die Weisun- gen sind anwendbar (Art. 89 Abs. 2 StGB). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts führt ein während der Probezeit be- gangenes Verbrechen oder Vergehen nicht zwingend zum Widerruf der bedingten Entlassung. Im Rahmen von Art. 89 Abs. 2 Satz 1 StGB muss genügen, dass ver- nünftigerweise erwartet werden kann, der Verurteilte werde keine weiteren Strafta- ten begehen. Angesichts der bloss relativen Sicherheit von Legalprognosen dürfen an diese Erwartung keine übermässig hohen Anforderungen gestellt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_118/2017 vom 14. Juli 2017 E. 5.2.2 mit Hinweisen). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. Bei der Beurteilung der Bewährungs- aussichten im Rahmen von Art. 89 Abs. 1 und 2 StGB ist zudem – wie beim Wider- ruf des bedingten Strafvollzugs bzw. beim Verzicht darauf nach Art. 46 Abs. 1 und 2 StGB (vgl. BGE 134 IV 140 E. 4.5) – zu berücksichtigen, ob die neue Strafe be- dingt oder unbedingt ausgesprochen wird. Das Gericht kann zum Schluss kommen, vom Widerruf der bedingten Entlassung und der Rückversetzung in den Strafvoll- zug sei abzusehen, weil die neue Strafe vollzogen wird. Der Widerruf einer beding-26 ten Entlassung nach Art. 89 Abs. 1 StGB hat weitreichende Konsequenzen, da er zu einer Rückversetzung in den Strafvollzug führt und der Betroffene daher mit ei- nem erneuten Freiheitsentzug konfrontiert ist. Die Rückversetzung muss daher auch mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip vereinbar sein (Urteil des Bundesge- richts 6B_118/2017 vom 14. Juli 2017 E. 5.2.3 mit Hinweisen). Der Beschuldigte wurde mit Verfügung der Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD) vom 27. Juni 2018 am 29. Juni 2018 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen und es wurde ihm eine Probezeit bis zum 7. Mai 2020 auferlegt. Der Strafrest be- trägt 1 Jahr, 10 Monate und 8 Tage Freiheitsstrafe (pag. 390 ff.). Da der Beschuldigte die vorliegend zu beurteilenden Vergehen während der Pro- bezeit der bedingten Entlassung begangen hat, ist nachfolgend die Rückverset- zung in den Strafvollzug zu prüfen. Betreffend die Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände kann zunächst auf die Ausführungen zum Strafvollzug verwiesen werden (Ziff. III. 14. vorne). Wie be- reits mehrfach erwähnt, offenbarte der Beschuldigte durch sein Verhalten ein be- achtliches Mass an krimineller Energie und Gleichgültigkeit gegenüber der gelten- den Rechtsordnung und einer allfällig drohenden Rückversetzung. Der Vollzug der bisher ausgesprochenen Freiheitsstrafen von 35 Monaten, 27 Monaten und 41 Mo- naten und die laufende Probezeit für eine Reststrafe von 1 Jahr, 10 Monaten und 8 Tagen hatten offenkundig keine ausreichende Warnwirkung, um den Beschuldig- ten nachhaltig von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten. Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass die neuen Straftaten mit den vom Re- gionalgericht Bern-Mittelland im Urteil vom 25. Januar 2018 zu beurteilenden Delik- ten in keinem Zusammenhang stehen. Bei der Verurteilung vom 25. Januar 2018 standen Drogenhandel und Geldwäscherei im Vordergrund. Die vorliegend zu be- urteilenden Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz beging der Be- schuldigte, weil er sich einer schwierigen beruflichen Situation befand und sein Ge- schäft retten wollte. Vom Drogenumfeld distanzierte sich der Beschuldigte glaub- haft. Seit der Entlassung aus der Sicherheitshaft im Mai 2020 scheint beim Be- schuldigten überdies eine positive Persönlichkeitsentwicklung stattgefunden zu ha- ben. Gemäss dem Bericht der contact Suchtbehandlung Bern vom 13. April 2021 zeige sich der Beschuldigte entschlossen, sein Leben wieder in Ordnung zu brin- gen und seinen Lebensweg in eine gute Richtung zu führen. Im bisherigen Verlauf hätten grosse Fortschritte festgestellt werden können (pag 874). Trotz privater und beruflicher Schwierigkeiten gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Be- schuldigte im vergangenen Jahr wieder ans Steuer eines Motorfahrzeugs gesetzt oder Drogen konsumiert hätte. Bei der Beurteilung der Bewährungsaussichten ist ferner zu berücksichtigen, dass die Freiheitsstrafe von 12 Monaten für die vorlie- gend zu beurteilenden Straftaten mangels besonders günstiger Umstände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB unbedingt ausgesprochen wird (Ziff. III. 14. vorne). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten noch nicht von stabi- len und gefestigten familiären und beruflichen Verhältnissen gesprochen werden kann. Nichtsdestotrotz scheint beim Beschuldigten ein innerer Wandel und eine positive Persönlichkeitsentwicklung stattgefunden zu haben. Unter Berücksichti-27 gung der neu zu vollziehenden Freiheitsstrafe von 12 Monaten ist nicht zu erwar- ten, dass der Beschuldigte weitere Straftaten begehen wird. Eine eigentliche Schlechtprognose für künftiges Wohlverhalten kann dem Beschuldigten nicht ge- stellt werden. Auf die Rückversetzung der beim Beschuldigten aus dem Urteil des Regionalge- richts Bern-Mittelland vom 25. Januar 2018 aufgeschobenen Reststrafe von 1 Jahr, 10 Monaten und 8 Tagen wird daher verzichtet und die Probezeit um 11 Monate verlängert (vgl. Art. 89 Abs. 2 StGB). Ferner wird dem Beschuldigten die Weisung erteilt, die Therapie bei der Suchtberatungsstelle (contact Suchtbehandlung Bern) fortzusetzen (Art. 89 Abs. 2, Art. 94 StGB) und Bewährungshilfe angeordnet (Art. 89 Abs. 2, Art. 93 StGB). V. Kosten und Entschädigung 15.Verfahrenskosten Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Angesichts des Ausgangs des oberinstanzlichen Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenliquidation zu bestätigen. Dem Beschuldigten sind die erstinstanzlichen Ver- fahrenskosten, insgesamt ausmachend CHF 15'720.00, aufzuerlegen. Oberinstanzlich obsiegt der Beschuldigte bezüglich des Verzichts auf die Rückver- setzung, unterliegt aber hinsichtlich der Gewährung des bedingten Strafvollzugs. Die Generalstaatsanwaltschaft obsiegt betreffend den Vollzug der Freiheitsstrafe, unterliegt aber in Bezug auf die Rückversetzung. Aufgrund des Ausmasses an Ob- siegen und Unterliegen rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten 2/5 der oberinstanz- lichen Verfahrenskosten von insgesamt CHF 3'500.00 (Art. 24 Bst. b des Verfah- renskostendekrets [VKD; BSG 161.12]; Richtlinien für die Bemessung der Verfah- renskosten in Strafsachen am Obergericht des Kantons Bern gemäss Beschluss der Strafabteilungskonferenz vom 23. April 2018), ausmachend CHF 1'400.00, auf- zuerlegen. 3/5 der oberinstanzlichen Verfahrenskosten, ausmachend CHF 2'100.00, werden ausgeschieden und vom Kanton Bern getragen. 16.Entschädigung Gemäss Art. 135 Abs. 1 StPO wird die amtliche Verteidigung nach dem Anwaltsta- rif desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde. Art. 135 Abs. 4 StPO bestimmt, dass die beschuldigte Person bei einer Verurtei- lung zu den Verfahrenskosten dazu verpflichtet ist, (Bst. a) dem Kanton die Ent- schädigung zurückzuzahlen und (Bst. b) der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.28 Die vorinstanzlich zugesprochene Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten vor erster Instanz durch Rechtsanwalt B.________ ist zu bestätigen (pag. 627, Ziff. IV. erstinstanzliches Urteil). Der Beschuldigte hat dem Kanton Bern die für das erstinstanzliche Verfahren ausgerichtete Entschädigung von insgesamt CHF 7'799.40 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ die Differenz zwi- schen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, ausmachend CHF 1'874.95, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten vor oberer In- stanz durch Rechtsanwalt B.________ wird gemäss der eingereichten und für an- gemessen erachteten Kostennote vom 19. Mai 2021 (pag. 940 ff.) bestimmt. Die oberinstanzliche Parteiverhandlung dauerte indes lediglich drei Stunden (vgl. pag. 892; pag. 911). Der angemessene Aufwand wird deshalb um knapp zwei Stunden auf 24.5 Stunden gekürzt und die Entschädigung auf CHF 5'445.95 fest- gesetzt. Diese Entschädigung, die höher ist als 50% der erstinstanzlich zugespro- chenen Entschädigung (vgl. pag. 627, Ziff. IV. erstinstanzliches Urteil; Art. 42 Abs. 1 des kantonalen Anwaltsgesetzes [KAG; BSG 168.11] i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Bst. f der Parteikostenverordnung [PKV; BSG 168.811]), beinhaltet auch die Entschädi- gung für das Beschwerdeverfahren BK 20 207 (vgl. pag. 740 ff.). Der Beschuldigte hat dem Kanton Bern 2/5 der für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichteten Entschädigung von insgesamt CHF 5'445.95, ausmachend CHF 2'178.40, zurück- zuzahlen und Rechtsanwalt B.________ 2/5 der Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar von insgesamt CHF 1'319.35, ausma- chend CHF 527.75, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er- lauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Für die auf das Obsiegen entfallende Entschädi- gung (3/5) besteht weder für den Kanton Bern noch für Rechtsanwalt B.________ ein Rückforderungs- bzw. Nachforderungsrecht (vgl. BGE 139 IV 261 E. 2.2.1 ff. S. 263 f.). VI. Verfügungen Die mit Verfügung vom 15. September 2020 angeordneten Ersatzmassnahmen werden aufgehoben. An ihre Stelle treten die angeordnete Weisung und Be- währungshilfe gemäss Ziff. IV. vorne. Es wird festgestellt, dass im vorliegenden Strafverfahren kein DNA-Profil des Be- schuldigten erstellt wurde (vgl. pag. 273). Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die vorzeitige Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN .________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstli- cher Daten).29 VII. Dispositiv Die 1. Strafkammer erkennt: I. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht) vom 14. Mai 2020 insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als A. A.________ schuldig erklärt wurde: 1. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen 1.1. durch mehrfaches Fahren in nicht fahrfähigem Zustand 1.1.1 am 08.07.2019 auf der Strecke Ins - Konolfingen 1.1.2 am 19.08.2019 auf der Strecke Ins - Konolfingen - Bätterkinden 1.1.3 am 20.08.2019 auf der Strecke Ins - Konolfingen - Muri b. Bern - Ins 1.1.4 am 20.11.2019 auf der Strecke Bern - Worb - Stettlen 1.2. durch mehrfaches Führen eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung in der Zeit vom 09.05.2019 bis zum 28.11.2019 (Entzug des Führerausweises am 18.09.2009), namentlich festgestellt 1.2.1 am 08.07.2019 in Tägertschi 1.2.2 am 19.08.2019 in Bätterkinden 1.2.3 am 20.08.2019 in Muri b. Bern 1.2.4 am 20.11.2019 in Stettlen 1.3. durch mehrfachen Missbrauch von Kontrollschildern 1.3.1 in der Zeit vom 24.07.2019 bis 07.08.2019 in Worb; 1.3.2 am 20.08.2019 auf der Strecke Ins - Konolfingen - Muri b. Bern – Ins; 1.4. durch Fahren ohne Haftpflichtversicherung und ohne Fahrzeugausweis am 20.08.2019 auf der Strecke Ins - Konolfingen - Muri b. Bern - Ins; 1.5. durch Führen eines nicht vorschriftsgemäss ausgerüsteten Fahrzeugs am 20.08.2019 auf der Strecke Ins - Konolfingen - Muri b. Bern - Ins; 1.6. durch Nichtmelden meldepflichtiger Änderungen am Motorfahrzeug in der Zeit vom 09.08.2019 bis 20.08.2019 in Ins; 1.7. durch einfache Verkehrsregelverletzung am 19.08.2019 in Bätterkinden durch Vornehmen von Verrichtungen, welche die Bedienung des Fahrzeugs er- schweren; 2. der fahrlässigen Körperverletzung, begangen am 08.07.2019 in Tägertschi z.N. von H.________;30 3. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit von Ende 2018 bis 28.11.2019 in Ins und andernorts durch Erwerb und Konsum einer unbestimmte Menge Amphetamin und Methamphetamin. B. A.________ in Anwendung der Art. 47, 49 Abs. 1, 106 StGB; Art. 29, 31 Abs. 1, 90 Abs. 1, 93 Abs. 2 Bst. a, 96 Abs. 1 Bst. a SVG; Art. 3 Abs. 1, 57 Abs. 1 VRV; Art. 34 Abs. 2, 56, 75, 81, 90 Abs. 2, 219 VTS; Art. 19a Ziff. 1 BetmG verurteilt wurde: zu einer Übertretungsbusse von CHF 700.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung wird auf 7 Tage festgesetzt. C. weiter beschlossen wurde: Der beschlagnahmte PW Mitsubishi Colt wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB). Es wird festgestellt, dass die Vernichtung bereits erfolgt ist (pag. 270). II. Auf die Rückversetzung der bei A.________ aus dem Urteil des Regionalgerichts Bern- Mittelland vom 25.01.2018 aufgeschobenen Reststrafe von 1 Jahr, 10 Monaten und 8 Ta- gen wird verzichtet und die Probezeit um 11 Monate verlängert, verbunden mit der Weisung, die Therapie bei der Suchtberatungsstelle (contact Suchtbe- handlung Bern) fortzusetzen, sowie unter Anordnung von Bewährungshilfe. III. A.________ wird aufgrund der rechtskräftigen Schuldsprüche gemäss Ziff. I. A. und in Anwendung der Art. 34, 40, 41, 47, 49 Abs. 1, 51, 125 Abs. 1 StGB; Art. 10 Abs. 2, 31 Abs. 2, 63 Abs. 1, 91 Abs. 2 Bst. b, 95 Abs. 1 Bst. b, 96 Abs. 2, 97 Abs. 1 Bst. a und g SVG; Art. 2 Abs. 1 VRV; 31 Art. 3a Abs. 1 und 2 VVV; Art. 426 Abs. 1, Art. 428 Abs. 1 und 3 StPO verurteilt: 1. Zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Die Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 169 Tagen (28.11.2019 bis 14.05.2020) wird im Umfang von 169 Tagen an die Freiheitsstrafe angerechnet. Die mit Beschluss vom 14.05.2020 und Verfügung vom 15.09.2020 angeordneten Ersatzmassnahmen werden im Umfang von 6 Tagen an die Freiheitsstrafe angerech- net. 2. Zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 150.00. 3. Zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten, insgesamt ausmachend CHF 15‘720.00. 4. Zur Bezahlung der anteilsmässigen oberinstanzlichen Verfahrenskosten (2/5) von total CHF 3'500.00, ausmachend CHF 1'400.00. IV. Weiter wird verfügt: 1. Für das Verfahren vor oberer Instanz werden 3/5 der Verfahrenskosten von insgesamt CHF 3'500.00, ausmachend CHF 2'100.00, ausgeschieden und vom Kanton Bern ge- tragen. 2. Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers von A.________, Rechtsanwalt B.________, wurde/wird für das erst- bzw. oberinstanzliche Verfahren wie folgt be- stimmt:32 Erste Instanz Stunden Satz amtliche Entschädigung 34.83 200.00CHF 6’966.60 CHF 275.20 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF7’241.80CHF 557.60 CHF 0.00 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 7’799.40 volles Honorar CHF 8’707.50 CHF 275.20 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF8’982.70CHF 691.65 CHF 0.00 Total CHF 9’674.35 nachforderbarer Betrag CHF 1’874.95 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen ohne MWSt Auslagen MWST-pflichtig Auslagen ohne MWST A.________ hat dem Kanton Bern die für das erstinstanzliche Verfahren ausgerichtete Entschädigung von insgesamt CHF 7'799.40 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Ho- norar, ausmachend CHF 1'874.95, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Ver- hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Obere Instanz Stunden Satz amtliche Entschädigung 24.50 200.00CHF 4’900.00 CHF 156.60 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF5’056.60CHF 389.35 CHF 0.00 Total, vom Kanton Bern auszurichtenCHF 5’445.95 volles Honorar CHF 6’125.00 CHF 156.60 Mehrwertsteuer7.7% auf CHF6’281.60CHF 483.70 CHF 0.00 Total CHF 6’765.30 nachforderbarer Betrag CHF 1’319.35 Auslagen MWSt-pflichtig Auslagen ohne MWSt Auslagen MWST-pflichtig Auslagen ohne MWST A.________ hat dem Kanton Bern 2/5 der für das oberinstanzliche Verfahren ausge- richteten Entschädigung von insgesamt CHF 5'445.95, ausmachend CHF 2'178.40, zurückzuzahlen und Rechtsanwalt B.________ 2/5 der Differenz zwischen der amtli- chen Entschädigung und dem vollen Honorar von insgesamt CHF 1'319.35, ausma- chend CHF 527.75, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau- ben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Für die auf das Obsiegen entfallende Entschädigung (3/5) besteht weder für den Kanton Bern noch für Rechtsanwalt B.________ ein Rückforde- rungs- bzw. Nachforderungsrecht.33 3.Die mit Verfügung vom 15. September 2020 angeordneten Ersatzmassnahmen werden aufgehoben. An ihre Stelle treten die angeordnete Weisung und Be- währungshilfe gemäss Ziff. II. hiervor. 4. Es wird festgestellt, dass im vorliegenden Strafverfahren kein DNA-Profil von A.________ erstellt wurde. 5. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die vorzeitige Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN .________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Da- ten). 6. Zu eröffnen: - dem Beschuldigten/Berufungsführer, a.v.d. Rechtsanwalt B.________ - der Generalstaatsanwaltschaft/Anschlussberufungsführerin, v.d. Staatsanwältin G.________ Mitzuteilen: - der Vorinstanz - der Koordinationsstelle Strafregister (nur Dispositiv; nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde) - dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern (nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde) - den Bewährungs- und Vollzugsdiensten des Kantons Bern (BVD, Dispositiv vorab zur Information, Motiv nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde) Bern, 20. Mai 2021 (Ausfertigung: 28. Juli 2021) Im Namen der 1. Strafkammer Der Präsident i.V.: Obergerichtssuppleant Knecht Die Gerichtsschreiberin: Bettler Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge- richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde- rungen von Art. 42 BGG entsprechen.