<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwalts- und Notariatsrecht</span> <span class="page_no">237</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>X. Anwalts- und Notariatsrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>42</b></span> <span class="ft3"><b>Aargauische Anwaltsprüfung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Ein Lizentiat der philosophischen Fakultät mit Doktortitel der Rechtswis-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>senschaft erfüllt die Zulassungsvoraussetzung des abgeschlossenen Stu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>diums der Rechtswissenschaft nicht.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 18. Januar</span><br/> <span class="ft4">2017, i.S. A. gegen Anwaltskommission (WBE.2016.385)</span><br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <span class="ft6">1.</span><br/> <span class="ft6">Am 18. August 2014 verlieh die Universität Zürich (UZH) A.</span><br/> <span class="ft6">den Doktor der Rechtswissenschaft (Dr. iur.). Während des Doktorats</span><br/> <span class="ft6">war er unter anderem als wissenschaftlicher Assistent und Mitarbei-</span><br/> <span class="ft6">ter am Rechtswissenschaftlichen Institut (RWI) in Zürich tätig.</span><br/> <span class="ft6">Zuvor hatte er am 19. November 2010 den Titel lic. phil. erworben</span><br/> <span class="ft6">und dieses Studium mit Hauptfach Soziologie, dem ersten Nebenfach</span><br/> <span class="ft6">Strafrecht II und Strafprozessrecht sowie dem zweiten Nebenfach</span><br/> <span class="ft6">Philosophie abgeschlossen. Die Lizentiatsarbeit hatte das Thema</span><br/> <span class="ft6">"Punitivität - Bedeutung, Messung und Ursache der öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">Strafstrenge". Momentan absolviert er ein Rechtspraktikum bei</span><br/> <span class="ft6">einem im Anwaltsregister eingetragenen Rechtsanwalt.</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer bringt vor, beim Doktortitel der Rechts-</span><br/> <span class="ft6">wissenschaften handle es sich um den höchsten akademischen Grad.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">238</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Zwar seien die Studiengänge zwischen den einzelnen Fakultäten und</span><br/> <span class="ft6">Fächern grundsätzlich undurchlässig, dieser Grundsatz erfahre je-</span><br/> <span class="ft6">doch eine Durchbrechung, wo beide Fachrichtungen Schnittmengen</span><br/> <span class="ft6">aufwiesen. Dort rechtfertigten sich ausnahmsweise fakultäts- und</span><br/> <span class="ft6">fachübergreifende Wechsel. Über solche Ausnahmefälle entscheide</span><br/> <span class="ft6">die Fakultätsversammlung. Der Beschwerdeführer habe den Doktor-</span><br/> <span class="ft6">titel entsprechend den Vorgaben der anwendbaren Promotionsverord-</span><br/> <span class="ft6">nung erlangt und das Doktoratsstudium beinhalte neben der Aus-</span><br/> <span class="ft6">arbeitung einer Dissertation auch Veranstaltungen. Dass dem Dok-</span><br/> <span class="ft6">toratsstudium ein Lizentiat der Philosophischen Fakultät vorange-</span><br/> <span class="ft6">gangen sei, sei aufgrund des Nebenfachs und der bisherigen</span><br/> <span class="ft6">Forschungstätigkeit für die Verleihung des Doktortitels unerheblich.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er habe das</span><br/> <span class="ft6">Nebenfachstudium absolviert, wobei in diesen Fächern identische</span><br/> <span class="ft6">Prüfungen zu absolvieren gewesen seien. Es habe insbesondere die</span><br/> <span class="ft6">Veranstaltung "Einführung in das Recht" umfasst und der Beschwer-</span><br/> <span class="ft6">deführer habe während seines 13-semestrigen Studiums verschiedene</span><br/> <span class="ft6">juristische Vorlesungen besucht (mehr juristische Veranstaltungen als</span><br/> <span class="ft6">soziologische). Während seines Doktoratsstudiums und als Lehr-</span><br/> <span class="ft6">stuhlassistent sei er durchgehend in der Rechtswissenschaft tätig</span><br/> <span class="ft6">gewesen, wobei er Publikationen im Bereich der Kriminologie sowie</span><br/> <span class="ft6">im Bereich des Straf- und Völkerrechts vorweisen könne. Seit</span><br/> <span class="ft6">Oktober 2015 absolviere er ein juristisches Praktikum in einer An-</span><br/> <span class="ft6">waltskanzlei, welche ihm ein sehr positives Zwischenzeugnis aus-</span><br/> <span class="ft6">stelle.</span><br/> <span class="ft6">Schliesslich listet der Beschwerdeführer besuchte juristische</span><br/> <span class="ft6">Vorlesungen auf. Durch die Teilnahme habe er sich ein umfassendes,</span><br/> <span class="ft6">wenngleich nicht lückenloses juristisches Wissen angeeignet. Im</span><br/> <span class="ft6">Selbststudium habe er sich insbesondere im Verwaltungs-, Sozialver-</span><br/> <span class="ft6">sicherungs- und Zivilprozessrecht Kenntnisse angeeignet.</span><br/> <span class="ft6">3.2.</span><br/> <span class="ft6">Die Anwaltskommission erwog, für die Erteilung des Anwalts-</span><br/> <span class="ft6">patents und die Zulassung zu den Anwaltsprüfungen gestützt auf</span><br/> <span class="ft6">Art. 7 Abs. 1 lit. a BGFA und § 15 Abs. 1 lit. b EG BGFA sei der Ab-</span><br/> <span class="ft6">schluss eines juristischen Studiums einer schweizerischen Universität</span><br/> <span class="ft6">mit dem Lizentiat oder Master erforderlich. Die gesetzlichen Bestim-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwalts- und Notariatsrecht</span> <span class="page_no">239</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">mungen enthielten keine Ausnahmeregelung und mit dem</span><br/> <span class="ft6">eingereichten Doktortitel der Rechtswissenschaft der Universität</span><br/> <span class="ft6">Zürich erfülle der Beschwerdeführer die Voraussetzungen eines</span><br/> <span class="ft6">absolvierten juristischen Studiums nicht. Gemäss der anwendbaren</span><br/> <span class="ft6">Promotionsverordnung könnten unter gewissen Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft6">auch Personen mit fachfremden universitären Masterabschlüssen</span><br/> <span class="ft6">zum Doktorat zugelassen werden. Der Abschluss "lic. phil." mit Ne-</span><br/> <span class="ft6">benfach Strafrecht und Strafprozessrecht sei kein juristischer</span><br/> <span class="ft6">Studienabschluss im Sinne der Anwaltsgesetzgebung.</span><br/> <span class="ft6">3.3.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss § 10 Abs. 1 der Verordnung über die Promotion zur</span><br/> <span class="ft6">Doktorin/zum Doktor der Rechtswissenschaft (Dr. iur.) an der</span><br/> <span class="ft6">Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich (Promo-</span><br/> <span class="ft6">tionsverordnung vom 25. Mai 2009; Systematische Rechtssammlung</span><br/> <span class="ft6">der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich [RS]</span><br/> <span class="ft6">6.1.1) hat einen Anspruch auf Zulassung zum allgemeinen Doktorat,</span><br/> <span class="ft6">wer den akademischen Grad eines Master of Law oder eines</span><br/> <span class="ft6">Lizentiats der Rechtswissenschaften der Universität Zürich mit dem</span><br/> <span class="ft6">Prädikat summa cum laude oder magna cum laude erlangt hat. Wer</span><br/> <span class="ft6">das in Absatz 1 genannte Prädikat nicht erreicht, wird zum Doktorat</span><br/> <span class="ft6">zugelassen, wenn sich ein Fakultätsmitglied bereit erklärt, die</span><br/> <span class="ft6">Betreuung zu übernehmen (Abs. 2). Personen, die den akademischen</span><br/> <span class="ft6">Grad eines Master of Law oder eines Lizentiats der Rechtswis-</span><br/> <span class="ft6">senschaft einer andern Schweizer Universität erlangt haben, werden</span><br/> <span class="ft6">zugelassen, wenn sich ein Fakultätsmitglied bereit erklärt, die Be-</span><br/> <span class="ft6">treuung zu übernehmen (§ 11).</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer wurde in Anwendung der Einzelfallrege-</span><br/> <span class="ft6">lung von § 13 Abs. 1 der Promotionsverordnung mit einem fach-</span><br/> <span class="ft6">fremden Abschluss zum Doktorat zugelassen. Im Rahmen dessen</span><br/> <span class="ft6">verfasste er eine Dissertation mit dem Thema "Kriminalitätsfurcht</span><br/> <span class="ft6">und Viktimisierung im Alter - Ergebnisse einer nationalen Opfer-</span><br/> <span class="ft6">werdungsbefragung unter österreichischen Seniorinnen und Senio-</span><br/> <span class="ft6">ren", welche mit dem Prädikat summa cum laude bewertet wurde.</span><br/> <span class="ft6">Parallel dazu war der Beschwerdeführer als wissenschaftlicher Assis-</span><br/> <span class="ft6">tent und Mitarbeiter an der Universität tätig. Er ist Mitautor bzw. Au-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">240</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">tor mehrerer Publikationen, vorzugsweise auf dem Gebiet der Krimi-</span><br/> <span class="ft6">nologie.</span><br/> <span class="ft6">3.4.</span><br/> <span class="ft6">Gemäss Art. 7 Abs. 1 BGFA müssen Anwältinnen und Anwälte</span><br/> <span class="ft6">für den Registereintrag über ein Anwaltspatent verfügen. Ein solches</span><br/> <span class="ft6">kann von den Kantonen nur auf Grund folgender Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft6">erteilt werden: ein juristisches Studium, das mit einem Lizentiat oder</span><br/> <span class="ft6">Master einer schweizerischen Hochschule oder einem gleichwertigen</span><br/> <span class="ft6">Hochschuldiplom eines Staates abgeschlossen wurde, der mit der</span><br/> <span class="ft6">Schweiz die gegenseitige Anerkennung vereinbart hat (lit. a); ein</span><br/> <span class="ft6">mindestens einjähriges Praktikum in der Schweiz, das mit einem</span><br/> <span class="ft6">Examen über die theoretischen und praktischen juristischen Kennt-</span><br/> <span class="ft6">nisse abgeschlossen wurde (lit. b).</span><br/> <span class="ft6">3.5.</span><br/> <span class="ft6">Das Recht der Kantone, im Rahmen des BGFA die Anforderun-</span><br/> <span class="ft6">gen für den Erwerb des Anwaltspatentes festzulegen, bleibt gewahrt</span><br/> <span class="ft6">(Art. 3 Abs. 1 BGFA). Das Bundesgesetz zielt nicht darauf ab, die</span><br/> <span class="ft6">Ausbildung der Anwältinnen und Anwälte oder die Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft6">zur Erteilung des kantonalen Anwaltspatents zu vereinheitlichen. Es</span><br/> <span class="ft6">schreibt zwar Mindestvoraussetzungen für den Eintrag in das kanto-</span><br/> <span class="ft6">nale Anwaltsregister vor, doch bleiben die Kantone für die Regelung</span><br/> <span class="ft6">der fachlichen Voraussetzungen zur Erteilung des kantonalen</span><br/> <span class="ft6">Anwaltspatents zuständig (vgl. H</span><span class="ft4">ANS</span> <span class="ft6">N</span><span class="ft4">ATER</span><span class="ft6">, in: W</span><span class="ft4">ALTER</span><br/> <span class="ft6">F</span><span class="ft4">ELLMANN</span><span class="ft6">/G</span><span class="ft4">AUDENZ</span> <span class="ft6">G.</span> <span class="ft6">Z</span><span class="ft4">INDEL</span> <span class="ft6">[Hrsg.], Kommentar zum Anwalts-</span><br/> <span class="ft6">gesetz, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2011, Art. 3 N 3; Botschaft zur</span><br/> <span class="ft6">Änderung des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwäl-</span><br/> <span class="ft6">tinnen und Anwälte vom 26. Oktober 2005 [nachfolgend Botschaft],</span><br/> <span class="ft6">05.075, in: BBl 2005 6628).</span><br/> <span class="ft6">Zur aargauischen Anwaltsprüfung wird gemäss § 15 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">lit. b EG BGFA zugelassen, wer das Studium der Rechtswissenschaft</span><br/> <span class="ft6">abgeschlossen hat (Lizentiat oder Masterabschluss). Der kantonale</span><br/> <span class="ft6">Gesetzgeber äusserte beim Erlass der Einführungsgesetzgebung die</span><br/> <span class="ft6">Meinung, dass zwecks Beibehaltung des Niveaus nach der Einfüh-</span><br/> <span class="ft6">rung des Bologna-Modells ein Masterabschluss als Prüfungszulas-</span><br/> <span class="ft6">sungsvoraussetzung verlangt werden muss (Botschaft des Re-</span><br/> <span class="ft6">gierungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwalts- und Notariatsrecht</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">12. November 2013, EG BGFA, 03.310, Bericht und Entwurf zur</span><br/> <span class="ft6">1. Beratung, S. 18).</span><br/> <span class="ft6">Dem Willen des Bundesgesetzgebers lässt sich nichts anderes</span><br/> <span class="ft6">entnehmen. Im Rahmen der Vernehmlassung wurde grossmehrheit-</span><br/> <span class="ft6">lich der Masterabschluss als Voraussetzung des Registereintrags</span><br/> <span class="ft6">gefordert. Studienabschlüsse anderer Fakultäten oder akademische</span><br/> <span class="ft6">Grade ohne Leistungsnachweis im juristischen Grund- bzw. Aufbau-</span><br/> <span class="ft6">studium waren kein Thema (vgl. Botschaft, a.a.O., 6627; N</span><span class="ft4">IKLAUS</span><br/> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">TUDER</span><span class="ft6">, Neue Entwicklungen im Anwaltsrecht, in: SJZ 100/2004,</span><br/> <span class="ft6">S. 231; F</span><span class="ft4">RANÇOIS</span> <span class="ft6">B</span><span class="ft4">OHNET</span><span class="ft6">, Droit des professions judiciaires, 3. Auf-</span><br/> <span class="ft6">lage, Basel 2014, S. 4).</span><br/> <span class="ft6">3.6.</span><br/> <span class="ft6">Mit der schriftlichen Anmeldung zur Anwaltsprüfung ist der</span><br/> <span class="ft6">Ausweis über ein abgeschlossenes juristisches Studium an einer</span><br/> <span class="ft6">schweizerischen Hochschule oder ein gleichwertiges Hochschul-</span><br/> <span class="ft6">diplom eines Staates, mit dem die Schweiz die gegenseitige Anerken-</span><br/> <span class="ft6">nung vereinbart hat, einzureichen (§ 1 lit. d AnwV). Soweit der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer daraus ableitet, sein Doktoratsstudium genüge als</span><br/> <span class="ft6">Nachweis für ein abgeschlossenes juristisches Studium, kann ihm</span><br/> <span class="ft6">nicht gefolgt werden. Der kantonale Verordnungsgeber konnte beim</span><br/> <span class="ft6">Erlass der Ausführungsvorschriften nicht von den Vorgaben des Ein-</span><br/> <span class="ft6">führungsgesetzes abweichen.</span><br/> <span class="ft6">Das Verwaltungsgericht hat zu den praktischen Prüfungszulas-</span><br/> <span class="ft6">sungsvoraussetzungen erwogen, deren Hintergrund sei zweifellos der</span><br/> <span class="ft6">Schutz des Publikums. Die wohl wichtigste Anforderung an den An-</span><br/> <span class="ft6">walt sei die Fachkompetenz. Nach der Erteilung des Anwaltspatents</span><br/> <span class="ft6">(und der Eintragung im Register) sei es jedem Anwalt erlaubt, ohne</span><br/> <span class="ft6">weitere "Aufsicht" Parteien gerichtlich oder aussergerichtlich zu ver-</span><br/> <span class="ft6">treten (vgl. AGVE 2012, S. 34 mit Hinweisen; K</span><span class="ft4">ASPAR</span> <span class="ft6">S</span><span class="ft4">CHILLER</span><span class="ft6">,</span><br/> <span class="ft6">Schweizerisches Anwaltsrecht, Zürich/Basel/Genf 2009, Rz. 175,</span><br/> <span class="ft6">210). Diese Erwägungen lassen sich grundsätzlich auch auf die fach-</span><br/> <span class="ft6">lichen Zulassungsvoraussetzungen der Anwaltsprüfung übertragen.</span><br/> <span class="ft6">Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers können ein</span><br/> <span class="ft6">Studium im Nebenfach mit Strafrecht und Strafprozessrecht sowie</span><br/> <span class="ft6">der Besuch juristischer Vorlesungen den gesetzlichen Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft6">gen nicht genügen. Es besteht auch keine Grundlage, um beim Vor-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">liegen einer Dissertation in Rechtswissenschaften oder publizisti-</span><br/> <span class="ft6">scher Tätigkeit ohne Leistungsnachweis im Grundlagen- und</span><br/> <span class="ft6">Aufbaustudium vom Erfordernis eines Lizentiats bzw. Masters in</span><br/> <span class="ft6">Rechtswissenschaften abzuweichen. Dies muss umso mehr gelten,</span><br/> <span class="ft6">als Leistungsnachweise insbesondere durch mündliche oder schrift-</span><br/> <span class="ft6">liche Prüfungen erbracht werden (vgl. §§ 26 ff. der Rahmenverord-</span><br/> <span class="ft6">nung über den Bachelor- und Masterstudiengang sowie die Neben-</span><br/> <span class="ft6">fachstudienprogramme an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der</span><br/> <span class="ft6">Universität Zürich vom 20. August 2012; RS 4.1.1). Wie der Be-</span><br/> <span class="ft6">schwerdeführer letztlich selbst ausführt, kann von Seiten einer</span><br/> <span class="ft6">Universität das Bedürfnis bestehen, Dissertationen mit Schnittmen-</span><br/> <span class="ft6">gen zur Jurisprudenz oder interdisziplinär ausgerichtete Doktorstu-</span><br/> <span class="ft6">dien zuzulassen. Entsprechende akademische Leistungen können</span><br/> <span class="ft6">einen Masterabschluss in Rechtswissenschaften als Zulassungs-</span><br/> <span class="ft6">voraussetzung zur Anwaltsprüfung jedoch nicht ersetzen. Es ist zu-</span><br/> <span class="ft6">mindest fraglich, ob der Beschwerdeführer zum Masterstudium in</span><br/> <span class="ft6">Rechtswissenschaften an der Universität Zürich zugelassen würde,</span><br/> <span class="ft6">da dieses einen Bachelor of Law voraussetzt und Ausnahmen nicht</span><br/> <span class="ft6">vorgesehen sind (vgl. § 19 der Rahmenverordnung). Insoweit über-</span><br/> <span class="ft6">zeugt das Argument des hierarchisch aufgebauten Systems der</span><br/> <span class="ft6">Studiengänge nicht.</span><br/> <span class="ft6">Der Beschwerdeführer verweist schliesslich auf den an der Uni-</span><br/> <span class="ft6">versität St. Gallen angebotenen Lehrgang Law and Economics</span><br/> <span class="ft6">(Master of Arts in Rechtswissenschaft mit Wirtschaftswissenschaf-</span><br/> <span class="ft6">ten; M.A. HSG) sowie auf sein Zertifikat der Universität Zürich, wo-</span><br/> <span class="ft6">nach er berechtigt ist, den Titel "Master of Arts UZH" oder "M A</span><br/> <span class="ft6">UZH" zu verwenden. Dieser Vergleich ist nicht stichhaltig. Beim</span><br/> <span class="ft6">angesprochenen Master der Universität St. Gallen handelt es sich un-</span><br/> <span class="ft6">streitig um einen wirtschaftsrechtlichen und damit juristischen</span><br/> <span class="ft6">Studienabschluss im Sinne von Art. 7 Abs. 1 lit. a BGFA. Gemäss</span><br/> <span class="ft6">der Broschüre "<i>Jus studieren an der Universität St. Gallen (HSG)</i>"</span><br/> <span class="ft6">wird im Rahmen des entsprechenden Bachelor-Lehrganges eine so-</span><br/> <span class="ft6">lide juristische Grundausbildung angeboten, erweitert um ausge-</span><br/> <span class="ft6">wählte Veranstaltungen der Volks- und Betriebswirtschaftslehre. Der</span><br/> <span class="ft6">Masterlehrgang soll unter anderem die rechtswissenschaftlichen Bil-</span><br/> <span class="ft6">dungsvoraussetzungen für den Erwerb von schweizerischen Anwalts-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwalts- und Notariatsrecht</span> <span class="page_no">243</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">patenten schaffen (abrufbar unter: http://www.ius-studium.unisg.ch,</span><br/> <span class="ft6">letztmals besucht am 31. Oktober 2016). Die Pionierrolle dieser</span><br/> <span class="ft6">Hochschule bei der Umsetzung der Bologna-Reform wurde im Rah-</span><br/> <span class="ft6">men der Änderung des BGFA vom 26. Oktober 2005 ausdrücklich</span><br/> <span class="ft6">betont (vgl. Botschaft, a.a.O., 6624).</span><br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">Soweit der Beschwerdeführer auf ein positives Zwischenzeug-</span><br/> <span class="ft6">nis seines Rechtspraktikums verweist, welches er bei einem Rechts-</span><br/> <span class="ft6">anwalt absolviert, kann diesem Arbeitszeugnis im Hinblick auf die</span><br/> <span class="ft6">fachlichen Zulassungsvoraussetzungen zur Anwaltsprüfung keine</span><br/> <span class="ft6">Bedeutung zukommen. Als fachliche Voraussetzung ist nachzuwie-</span><br/> <span class="ft6">sen, dass ein juristisches Studium gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. a BGFA</span><br/> <span class="ft6">abgeschlossen wurde (W</span><span class="ft4">ALTER</span> <span class="ft6">F</span><span class="ft4">ELLMANN</span><span class="ft6">, Anwaltsrecht, Bern</span><br/> <span class="ft6">2010, Rz. 675, Fn. 1484).</span><br/></div> </div> </body> </html>