Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. November 2017 (720 17 283 / 297) ____________________________________________________________________ Invalidenrenten Keine Anwendung der gemischten Methode bei teilerwerbstätiger Versicherten ohne Aufgabenbereich Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiberin Margit Cam- pell Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Nicolai Fullin, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1955 geborene A.___ meldete sich am 29. Okt ober 2003 unter Hinweis auf eine Depression erstmals bei der IV-Stelle Basel-Landsch aft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an und ersuchte um Umschulung auf eine neue Tätigkeit. Nac hdem die IV-Stelle den erwerblichen und den gesundheitlichen Sachverhalt abgeklärt hatte, l ehnte sie das Gesuch von A.____ am 30. Dezember 2003 mit der Begründung ab, sie sei in ihrer angestammten Tätigkeit als kauf- männische Angestellte nicht eingeschränkt. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.2 Am 27. Januar 2016 meldete sich A.____ unter Hin weis auf eine Arthrose erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an. In diesem Zeitpunkt war sie bei verschiedenen Arbeitge- bern als Haushälterin/Reinigungskraft tätig. Nach noch maliger Abklärung der gesundheitlichen, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse sowie n ach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens ermittelte die IV-Stelle in Anwendung der gemischten Bemessungsmethode mit Anteilen von 70 % Erwerbstätigkeit und 30 % Haus haltstätigkeit einen Invaliditätsgrad von 0 %. Gestützt auf dieses Ergebnis lehnte sie einen Rentenanspruch der Versicherten mit Verfü- gung vom 21. Juli 2017 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Nicola i Fullin, am 13. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicher ungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, es sei die Verfügung vom 21. Juli 2017 a ufzuheben und es sei die Beschwerde- gegnerin zu verpflichten, ihr eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen, mindes- tens aber eine Viertelsrente, zuzusprechen. Eventualit er seien weitere medizinische Abklärun- gen zur Arbeitsfähigkeit durchzuführen und es sei im Anschl uss daran erneut über ihren Ren- tenanspruch zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Abklärungsergebnisse der Beschwerdegegnerin seie n unzureichend, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne. Zudem sei der Invaliditätsgrad anhand der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu ermitteln und vom Invalidene inkommen ein angemessener lei- densbedingter Abzug vorzunehmen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 3. Oktober 2017 schloss di e IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Auf d ie - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 13. September 2017 ist demnach einzutreten. 2. Vorliegend ist strittig und zu prüfen, ob die IV-S telle den Anspruch der Beschwerdefüh- rerin auf eine Rente zu Recht verneinte. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2017 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterli chen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 3.2 Die Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträ chtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilwei se Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allge- meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. O ktober 2000, Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and ern Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. 4.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k önnte, in Beziehung gesetzt zum Er- werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht inva lid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs (BGE 141 V 20 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 114 V 313 E. 3 a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 4.3 Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Auf gabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werde n kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abge stellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Ab s. 2 IVG). Dies ist die spezifische Me- thode der Invaliditätsbemessung (Betätigungsvergleich; BGE 141 V 20 E. 3.2). 4.4.1 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird d ie Invalidität auch nach Art. 16 ATSG fest- gelegt. Waren sie daneben auch in einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Eh egatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der In validitätsgrad entsprechend der Behin- derung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Method e der Invaliditätsbemessung; Art. 28a IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Ren- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht tenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstät ig wären, so ist die Invaliditäts- bemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbst ätige zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.4.2 Gemäss BGE 131 V 51 E. 5.1.2 bemisst sich die Invali dität bei einer hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicher ten Person ohne Aufgabenbereich im Sin- ne von Art. 27 IVV nach der allgemeinen Methode des E inkommensvergleichs oder einer Un- tervariante davon (Schätzungs- oder Prozentvergleich, a usserordentliches Bemessungsverfah- ren). Dabei ist das Valideneinkommen nach Massgabe der ohne Gesundheitsschaden ausge- übten Teilerwerbstätigkeit festzulegen, wobei entscheid end ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und n icht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Wäre sie gesundheitlich in der Lage, voll erwer bstätig zu sein, reduziert sie aber das Arbeitspensum, um mehr Freizeit zu haben, hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzu- stehen. Das Invalideneinkommen bestimmt sich entsprechen d den gesetzlichen Vorgaben da- nach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalid ität und Durchführung allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte. Dabei kann das - ärztlich festzulegend e - Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleistete. 4.4.3 Bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabe nbereich hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zudem dahingehend präzisiert, dass die Ei nschränkung im erwerblichen Be- reich proportional - im Umfang des hypothetischen erwer blichen Teilzeitpensums - zu berück- sichtigen ist (BGE 142 V 290 ff.). Die entsprechende Pr äzisierung der Invaliditätsbemessungs- methode bei dieser Versichertenkategorie drängte sich aus Rechtsgleichheitsüberlegungen auf. Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass die Einbusse, die eine versicherte Person in einem bestimmten (hypothetischen) erwerblichen Teilpensum (z.B. 80 %) erleidet, in diesem Bereich zum selben Invaliditätsgrad führen muss, unabhängig davon, ob sie daneben (d.h. in den hypo- thetisch verbleibenden 20 %) keinen Aufgabenbereich ha t, in einem Aufgabenbereich tätig ist oder ein weiteres erwerbliches Teilpensum hat und dami t als vollerwerbstätig gilt (BGE 142 V 290 E. 7.2). Die mit (z.B. 20 % zu veranschlagende) Freizeit ist nicht versichert (BGE 142 V 290 E. 6.2 in fine). 4.4.4.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Stan dpunkt, dass sie im Gesundheitsfall in einem 100%igen Pensum arbeiten würde, weshalb bei de r Berechnung des Invaliditätsgrads die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs anzuwenden sei. Dieser Auffassung wider- spricht die IV-Stelle, welche die Beschwerdeführerin i n der angefochtenen Verfügung als teiler- werbstätig einstufte und den Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode bemass. 4.4.4.2 Wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 4.4.2 f hiervor), ist für die Wahl der Bemessungsme- thode (gemischte Methode oder Einkommensvergleich) massg ebend, ob eine versicherte Per- son neben der Ausübung einer teilzeitlichen Erwerbstäti gkeit zusätzlich im Aufgabenbereich tätig ist. Voraussetzung ist, dass überhaupt ein Aufgabe nbereich vorhanden ist (Art. 28a Abs. 3 IVG). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.4.3 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführ erin alleine in einer 2 Zimmer- Wohnung lebt, keine Kinder und Haustiere hat. Zudem h at sie in der näheren Umgebung keine Familienangehörigen mehr, nachdem im Juli 2016 ihre Mutter verstarb, die sie während vielen Jahren gepflegt hatte. Die Beschwerdeführerin führt d aher einen Einpersonenhaushalt ohne Betreuungsaufgaben, welcher kaum - wie in der angefochtenen Verfügung dargelegt - ein 30%- Pensum für dessen Erledigung erfordert. Es ist daher vo rliegend davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin kein Aufgabenbereich (mehr) vor liegt. Somit berechtigt der Umstand, dass sie im Zeitpunkt der zweiten Anmeldung zum Leistungs bezug in einem reduzierten Pen- sum arbeitete, nicht dazu, automatisch von einem Aufga benbereich neben der Berufsausübung auszugehen und damit die gemischte Methode anzuwenden. 4.4.4.4 Die Invalidität der Beschwerdeführerin ist daher mangels Aufgabenbereich entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht nach der gemischte n Methode, sondern aufgrund eines Einkommensvergleichs (allenfalls unter Berücksichtigun g der in BGE 142 V 290 genann- ten Rechtsprechung) zu ermitteln. Unter diesen Umstände n erübrigen sich jedoch weitere Aus- führungen zu den Vorbringen, wonach der Haushaltsberich t vom 9. August 2016 unzureichend sei. 4.5.1 Zu prüfen bleibt jedoch, ob die Beschwerdeführe rin überhaupt in einem Teilzeitpensum oder - wie in der Beschwerde dargelegt- im Gesundheitsfall in einem 100 % Pensum erwerbstä- tig wäre. Die Versicherte bringt diesbezüglich vor, dass sie in gesundem Zustand während vie- len Jahren in einem Vollpensum gearbeitet habe. Die Reduktion auf das 70%-Pensum sei erst erfolgt, als sie ihre Mutter gepflegt habe. Nachdem i hre Mutter seit 2011 in einem Pflegeheim lebte, hätte sie - wäre sie gesund gewesen - mit überw iegender Wahrscheinlichkeit wieder in einem 100%igen Pensum gearbeitet. 4.5.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitw eilig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprechun g des Bundesgerichts aus der Prü- fung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umst änden täte, wenn keine gesundheitli- che Beeinträchtigung bestünde. Dabei sind im Besonderen die persönlichen, familiären, sozia- len und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfälli ge Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persön- lichen Neigungen und Begabungen der versicherten Person zu berücksichtigen. Die Statusfra- ge beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfü- gung (hier: 21. Juli 2017) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Ge- sundheitsfall ausgeübten Teilerwerbstätigkeit der im S ozialversicherungsrecht übliche Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b, je mit Hinweisen). Die blosse Mö glichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat j ener Sachverhaltsdarstellung zu fol- gen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen al s die wahrscheinlichste würdigt (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinwe isen; THOMAS LOCHER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2014, S. 537 f. Rz. 2 ff., S. 548 Rz. 56). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.3 Die Beschwerdeführerin hat in der Leistungsanme ldung vom 27. Januar 2016 angege- ben, seit 2011 bei verschiedenen Arbeitgebern in einem circa 50%igen Pensum zu arbeiten. In einer Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 20. April 2 016 wurde die telefonische Mitteilung der Beschwerdeführerin festgehalten, wonach sie im Gesu ndheitsfall 100 % arbeiten würde. Im Rahmen der Haushaltabklärung vom 2. August 2016 liess di e Beschwerdeführerin verlauten, dass sie im Gesundheitsfall ein anderes als das bisherige Pensum von 28 Stunden pro Woche ausüben würde (vgl. act. 39 Seite 3/7 Frage 3). Dem F ragebogen zur Ermittlung der Erwerbstä- tigkeit vom 6. August 2016 ist zu entnehmen, dass sie im Gesundheitsfall in einem 70 %- Pensum berufstätig wäre. Im Einwandschreiben, welches am 17. August 2016 bei der IV-Stelle einging, betonte sie, dass sie im Gesundheitsfall minde stens 90 % arbeiten würde. In der Be- schwerde machte sie sodann geltend, dass sie 100 % erwerbstätig wäre. 4.5.4 Für die Beantwortung der hypothetischen Frage, in welchem Umfang die Versicherte aktuell und ohne gesundheitliche Einschränkung einer er werblichen Beschäftigung nachgehen würde, bieten alleine die Angaben im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit vom 6. August 2016 nach Auffassung des Gerichts keine verlässliche Entscheidungsgrundlage. Die Versicherte hat darin zwar unterschriftlich bestätigt, da ss sie ohne gesundheitliche Einschrän- kung in einem 70 % Pensum erwerbstätig wäre. Diese An gabe widerspricht der bereits am 20. April 2016 gemachten und von der Beschwerdegegneri n in der Telefonnotiz festgehaltenen Information, wonach die Beschwerdeführerin in einem V ollzeitpensum arbeiten würde. Zudem äusserte sich die Versicherte im Rahmen der Haushaltabkl ärung vom 2. August 2016 dahinge- hend, dass sie im Gesundheitsfall das bisherige Pensum n icht mehr ausüben würde. Unter die- sen Umständen hätte die IV-Stelle betreffend die Stat usfrage nicht nur auf den Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit vom 6. August 2016 ab stellen dürfen, sondern hätte den Sach- verhalt weiter untersuchen müssen. Dies hätte sich auch in Anbetracht des persönlichen und beruflichen Werdegangs der Beschwerdeführerin aufgedrä ngt, welche bis ins Jahr 2002 zu 100 % erwerbstätig war und dieses Pensum nur reduzierte , um ihre betagte Mutter zu pflegen. Zudem lebt die Versicherte in finanziell sehr knappen Ve rhältnissen, weshalb sich auch unter diesem Aspekt das Abstellen auf die Angaben im Frageboge n als unzureichend erweist. Damit steht jedoch fest, dass die IV-Stelle in Bezug auf die S tatusfrage weitergehende Abklärungen vorzunehmen hat. Die Angelegenheit ist bereits unter di esem Aspekt zur weiteren Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 5.1 Weiter ist zu klären, in welchem Ausmass die Beschwerde führerin aufgrund ihrer ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stü tzt sich der angefochtene Entscheid hin- gegen ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweis- würdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zwei- feln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztliche n Feststellungen ergänzende Abklä- rungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27 . Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 5.5 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera- peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutacht ungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 17 5 E. 4; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 13. Juni 2001, I 506/00 , E. 2b) lässt nicht zu, ein Administra- tiv- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen un d zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautende n Einschätzungen gelangen. Vorbe- halten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behan- delnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver är ztlicher Interpretation entspringende – As- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht pekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkan nt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.1 Im vorliegenden Fall sind für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im We- sentlichen folgende entscheidrelevanten Berichte wiederzugeben: 6.2 Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Innere M edizin, diagnostizierte am 21. De- zember 2015 eine symptomatische Rhizarthrose rechts sowie e ine STT-Arthrose und eine dis- krete Tendovaginitis de Quervain rechts, einen Status n ach operativer A1-Ringbandspaltung beidseits, seitdem beschwerdefrei, beidseitiger Hallux val gus bei Senk-Knickfuss beidseits, anamnestisch eine Hepatitis B, gemäss den Akten ein Status nach medikamentöser Eradikation einer HEP C-Infektion. Dr. B.____ hielt fest, dass die Versicherte aus rheumatologischer Sicht handbelastende Tätigkeiten wie zum Beispiel Putzen nur noch zu 50 % ausüben könne. Sämtli- che andere leichten, nicht handbelastenden Tätigkeiten seien jedoch vollschichtig zumutbar. 6.3 Am 28. April 2016 nannte Dr. med. C.____, FMH I nnere Medizin, mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine symptomatische Rhizarthrose, eine STT-Arthrose und einen Hallux valgus beidseits. Die Beschwerdeführerin leide an Schmerzen un d Krafteinbusse beim Putzen, wobei die Beschwerden progredient seien. Sie sei deshalb noch im zeitlichen Rahmen von 50 % leis- tungsfähig. 6.4 Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap- parates, Regionaler ärztlicher Dienst beider Basel (RAD ), äusserte sich am 10. Mai 2016 da- hingehend, dass auf die rheumatologische Beurteilung von Dr. B.____ abgestellt werden könne. Es sei von einer verminderten Arbeitsfähigkeit als Putz frau von 50% auszugehen. Eine ange- passte leichte, nicht handbelastende Beschäftigung sei d er Beschwerdeführerin hingegen zu 100 % zumutbar. 6.5 Gemäss Angaben im Bericht von Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 19. August 20 16 litt die Beschwerdeführerin an einer chronischen Achillessehnentendinopathie rechts un d einer asymptomatischen osteo- chondralen Läsion der medialen Talusschulter des oberen Sprunggelenks (OSG) rechts. 6.6 Dr. D.____ hielt in seiner Stellungnahme vom 5. Januar 2017 fest, dass die festgestellte chronische Achillessehnentendinopathie nicht zu einer w egweisenden Funktionseinschränkung von Dauer führe. 6.7 Der die Beschwerdeführerin behandelnde Psychiater, Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte am 11. Juni 2017 ei ne mittelgradige depressive Episode F32.1 und ein Derealisationsyndrom F48.1. Er führte aus, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2001 ihre Stelle als kaufmännische Angestellte verloren habe und in der Folge stark depressiv geworden sei. Als die Suizidimpulse ausser Kontrolle zu g eraten gedroht hätten, habe sie sich zu ihm in Behandlung begeben. Er habe ihr damals Sero pram verschrieben. Da sie im kauf- männischen Bereich keine Stelle mehr gefunden habe, sei sie als Haushaltshilfe tätig gewor- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Im Jahr 2008 habe sie sich wegen einer Hepatitis C einer Chemotherapie unterziehen müssen, welche sehr starke Nebenwirkungen gezeigt hätte. In dieser Zeit sei die antidepressive Behandlung mit Cipralex wieder aufgenommen worden. Im Sommer 2016 sei die Mutter gestor- ben, um welche sich die Beschwerdeführerin intensiv gekümmert habe. Dies habe dazu geführt, dass es ihr psychisch immer schlechter gegangen sei und die Cipralexmedikation auf 20 mg pro Tag habe erhöht werden müssen. Zudem seien auch die k örperlichen Beschwerden (Entzün- dung der Achillessehne und Arthrose im Sattelgelenk) i mmer schlimmer geworden, so dass die Beschwerdeführerin ihre Berufstätigkeit zunehmend hab e einschränken müssen. Weiter führte Dr. F.____ zum ärztlichen Befund aus, dass die depressive Stimmung schon averbal gut er- kennbar sei. Die Beschwerdeführerin breche oft unkontro lliert in Tränen aus, grüble viel und habe ausgeprägte Existenzängste. Sie leide an Durchschlafstörungen und müsse nachts immer wieder aufstehen. Aufgrund der körperlichen und psychischen Beschwerden könne sie nur eine begrenzte Zeit arbeiten und brauche längere Zeit, um sich wieder zu erholen. In Anbetracht des sich verschlechternden Verlaufs attestierte er seit Juni 201 6 bis zum Erreichen des Pensionsal- ters eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit. 6.8 In seiner Stellungnahme vom 6. Juli 2017 hielt d er RAD-Arzt Dr. D.____ fest, dass die von Dr. F.____ genannte Hauptdiagnose einer mittelgr adigen depressiven Episode versiche- rungsmedizinisch als behandelbar eingestuft werden müsse. Das therapeutische Spektrum sei angesichts der eher unterschwelligen Medikation mit Cipralex (20 mg/Tag) sowie der Tatsache, dass bislang offensichtlich keine stationäre Behandlung e rforderlich gewesen sei, nicht ausge- schöpft. 6.9 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens teilte die Besch werdeführerin unter anderem mit, dass sie sich anfangs September 2017 einer Operatio n an der Achillessehne habe unter- ziehen müssen. Hierzu und zu den weiteren Ausführungen in der Beschwerde liessen sich die RAD-Ärzte Dr. D.____ und Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am 26. Sep- tember 2017 bzw. 28. September 2017 vernehmen. Dr. D .____ hielt in seiner Stellungnahme fest, dass der operative Eingriff an der Achillessehne ke ine Änderung der versicherungsmedizi- nischen Einschätzung verursache, weshalb aus somatischer S icht weiterhin auf die Zumutbar- keitsbeurteilung von Dr. B.____ abgestellt werden könn e. Dr. G.____ führt in psychiatrischer Hinsicht aus, dass bei der Beschwerdeführerin ausschliesslich e ine depressive Episode und keine weiteren komorbiden psychiatrischen Diagnosen vorliege n würden, welche mit dem Ver- lauf oder der Behandelbarkeit der depressiven Episode u ngünstig interferieren würden. Akten- kundig habe sich die letzte depressive Episode im Jahr 2003 ereignet. Es sei daher von einem langen gesunden Intervall ohne Hinweise auf eine Chr onifizierung bis zur jetzigen Erkrankung auszugehen. Die im Bericht von Dr. F.____ erwähnten weiteren Belastungsfaktoren wie der Tod der Mutter oder Katze, seien invaliditätsfremd und hä tten daher keinen Einfluss auf die medizi- nisch-theoretische Arbeitsfähigkeit. Weiter legte Dr. G.____ dar, dass zwar keine Hinweise auf eine Malcompliance hinsichtlich der Psychotherapie vorlieg en würden. Allerdings habe der be- handelnde Psychiater nicht über eine Medikamentenspiegelbestimmung berichtet. Zudem seien die Therapieoptionen bei Weitem nicht ausgeschöpft, weshalb auch nicht von einer Therapiere- sistenz ausgegangen werden könne. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 21. Juli 2017 bei der Be- urteilung des somatischen Gesundheitszustandes und der Arbe itsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ausführungen der Rheumatologi n Dr. B.____ vom 21. Dezember 2015 und die Beurteilungen ihres RAD-Arztes Dr. D.____ vom 1 0. Mai 2016, 5. Januar 2017 und 6. Juli 2017 ab. Sie ging davon aus, dass der Versichert en aus medizinischer Sicht die Aus- übung einer leichten, nicht handbelastenden Tätigkeit vollumfänglich respektive im angestamm- ten Pensum von 70 % weiterhin zumutbar sei. An dieser Einschätzung ist in Bezug auf die so- matische Einschätzung von Dr. B.____ nichts auszusetzen. I hr Bericht erfüllt alle rechtspre- chungsgemässen Voraussetzungen an eine taugliche medizini sche Beurteilungsgrundlage. Er weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf und ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2) - für die streitigen Belange umfasse nd. Er beruht auf allseitigen Untersuchun- gen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Ken ntnis der im Zeitpunkt der Exploration vorhandenen Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge sowie der Beurteilung der medizinischen Si tuation ein. Auch die somatischen Beurteilungen von Dr. D.____ in seinen Berichten vom 1 0. Mai 2016 und 5. Januar 2017 sind nicht zu beanstanden. Insbesondere legt er nachvollziehbar dar, dass die Achillessehnen- tendinopathie keinen Einfluss auf die von Dr. B.____ v orgenommene Einschätzung der Arbeits- fähigkeit habe. Darauf kann auch im vorliegenden Verfahren abgestellt werden. 7.2.1 Hingegen kann der IV-Stelle nicht gefolgt wer den, wenn sie in ihrer Verfügung und der Vernehmlassung in Bezug auf die psychiatrischen Beschwerde n auf die Angaben von Dr. D.____ vom 6. Juli 2017 und von Dr. G._____ vom 28 . September 2017 abstellt. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen d es Verwaltungsverfahrens eingeholten Be- urteilungen versicherungsinterner Herkunft bei der Beweiswürdigung nur dann volle Beweiskraft zuzuerkennen, wenn keine auch nur geringen Zweifel gege n deren Zuverlässigkeit sprechen. Solche Zweifel liegen hier allerdings vor, denn die zit ierten RAD-Beurteilungen erweisen sich in einzelnen Punkten als unvollständig und unklar. 7.2.2 Zunächst steht fest, dass Dr. D.____ als Facharzt d er Chirurgie nicht qualifiziert ist, die Angaben des Psychiaters Dr. F.____ in Frage zu stellen. Z war ist mit der IV-Stelle einig zu ge- hen, dass die Einschätzung von Dr. F.___ nicht ohne wei teres übernommen werden kann. Da- bei muss insbesondere berücksichtigt werden, dass er als beha ndelnder Psychiater und auch als Arbeitgeber der Beschwerdeführerin wohl eher zu ih ren Gunsten aussagt (BGE 125 V 353 E. 3b/cc; vgl. oben E. 5.5). Zudem ist seine Zumutbarkei tsbeurteilung hauptsächlich auf das bald bevorstehende Erreichen des Rentenalters ausgerich tet und beinhaltet wesentliche invali- ditätsfremde Faktoren. Auch unter Berücksichtigung dieser beweiswertmindernden Tatsachen steht jedoch fest, dass Dr. F.____ dennoch ein von Dr. G.____ abweichendes Beschwerdebild darlegt, welches erhebliche Zweifel an dessen Einschätzung begründet. So bringt der RAD-Arzt vor, dass zwischen der im Jahr 2003 erlebten ersten depressi ven Episode und der nunmehr diagnostizierten ein langes gesundes Intervall ohne C hronifizierung vorgelegen habe. Diese Angaben sind unzutreffend. Aufgrund der Ausführungen von Dr. F.____ steht fest, dass die Be- schwerdeführerin seit dem Jahr 2003 in seiner Behandlung steht und auch medikamentös be- handelt wird. Im Zusammenhang mit einer Chemotherapie im Jahr 2008 musste die antidepres- sive Cipralex-Behandlung wieder aufgenommen werden. Vo n einer durchgehend gesunden Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Phase zwischen dem erstmaligen Auftreten der depressiven Be schwerden und der nunmehr diagnostizierten mittelgradigen Depression und dem Der ealisationssyndrom kann daher nicht gesprochen werden. Bereits unter diesem Aspekt ergebe n sich Zweifel an der Zuverlässigkeit der Beurteilung von Dr. G.____. Weiter verneint er mi t Blick auf die Rechtsprechung des Bun- desgerichts die Auswirkung der durch Dr. F.____ diagnosti zierten mittelschweren Depression auf die Arbeitsfähigkeit. Demgemäss kämen leichte bis mi ttelgradige depressive Störungen re- zidivierender oder episodischer Natur einzig dann als inval idisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent seien (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 mit Hinweisen; 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Apr il 2017, 8C_5/2017, E. 4.2 und 5.2). Dr. G.____ erachtet die Behandlungsoptionen als nicht ausgeschöpft, weshalb die vom Bun- desgericht geforderte Therapieresistenz nicht ausgewiesen sei. Dieser Schlussfolgerung leuch- tet jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerde führerin bereits seit dem Jahr 2003 in psychiatrischer Behandlung steht, nicht ein und es hät ten sich insbesondere unter dem As- pekt, dass das Bundesgericht bei depressiven Störungen im m ittelgradigen Bereich verlangt, dass die invalidisierende Wirkung besonders sorgfältig zu pr üfen ist, weitere Abklärungen auf- gedrängt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2017, 8C_753/2016, E. 4.3). 7.3 Somit steht fest, dass vorliegend der medizinische Sach verhalt einzig in somatischer Hinsicht genügend abgeklärt wurde. Gestützt auf die Ausf ührungen von Dr. B.____ vom 21. Dezember 2015 und die Beurteilungen von Dr. D.__ __ vom 10. Mai 2016 und 5. Januar 2017 steht fest, dass der Beschwerdeführerin aus rheumato logischer Sicht die Ausübung einer adaptierten Tätigkeit vollschichtig bzw. im bisherigen Pensum von 70 % zumutbar ist. Hingegen vermögen die psychiatrischen Berichte nicht zu überzeugen . Weder den Ausführungen von Dr. F.____ noch jenen von Dr. G.____ kann bei der Beweisw ürdigung volle Beweiskraft zuerkannt werden, weshalb die Beschwerdegegnerin verpflichtet ist , ergänzende Abklärungen vorzuneh- men. Dies hat ebenfalls zur Folge, dass sich die Frage na ch der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der ärztlicherseits definierten Restarbeitsfähigkeit ni cht abschliessend beantworten lässt. Erst nach Vorliegen einer beweiskräftigen medizinischen Zumu tbarkeitsbeurteilung kann diesbezüg- lich eine Beurteilung vorgenommen werden (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 6. Juli 2017, 9C_253/2017, E. 3.3.1). 8. Aus dem Gesagten folgt, dass die angefochtene Verfü gung vom 21. Juli 2017 aufzuhe- ben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen ist. Diese hat den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nochmals aus psychiatri- scher Sicht gutachterlich abklären zu lassen. Gestützt auf di e Ergebnisse dieser Aktenergän- zungen wird die IV-Stelle anschliessend über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden haben. Dabei wird sie, nachdem sie auch die Statusfrage erneut untersucht hat, den Invaliditätsgrad gestützt auf die allgemeine Met hode des Einkommensvergleichs (allenfalls unter Berücksichtigung der Vorgaben in BGE 142 V 290 ff ., vgl. oben E. 4.4.3.) zu bemessen haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeve rfahrens zu befinden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten aufe rlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten er hoben werden. Der Beschwerde- führerin ist der geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 2. September 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 9 Stunden und 25 Minuten geltend ge macht. Darin befinden sich auch Bemü- hungen im Umfang von 40 Minuten, welche auf den Konta kt des Rechtsvertreters mit der Rechtsschutzversicherung der Versicherten zurückzuführen ist. Solche Bemühungen würden im Falle einer nicht rechtsschutzversicherten Person nicht anf allen und müssen daher unberück- sichtigt bleiben, weshalb sie im genannten Umfang in Abzug zu bringen sind. Es resultiert somit ein zu vergütender Aufwand von 8 Stunden und 45 Minut en, welcher sich umfangmässig in An- betracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfrage n als angemessen erweist. Die Be- mühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisge mäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgew iesenen Auslagen von Fr. 44.90. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'411.-- (8 Stun- den und 45 Minuten à Fr. 250.- + Auslagen von Fr. 44 .90 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgerich t (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenh eiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbst ändig eröffnete Zwischenentscheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zust ändigkeit und über Ausstandsbe- gehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öff entlich-rechtlichen Angelegenheiten an- fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Na chteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeifüh- ren und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit ode r Kosten für ein weitläufiges Beweisver- fahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). N ach der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an de n Versicherungsträger zur Ak- tenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 10.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Praxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 21. Juli 2 017 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2'411.-- (inkl. A uslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht