Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Mai 2018 (720 18 6 / 122) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision: medizinische Unterlagen in Bezug auf die Zumutbarkeitsbeurteilung un- klar, weshalb die Angelegenheit an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung des Sachverhalts zurückgewiesen wird. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Beat Hersberger, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Peter Bürkli, Advokat, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1981 geborene A.____ arbeitete zuletzt als X.____. Am 4. Juli 2010 meldete sie sich unter Hinweis auf Beschwerden am linken Knie, welche sie sich bei einem Velounfall im September 2008 zugezogen hatte, bei der Eidgenössis chen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Basel-Landschaft ( IV-Stelle) klärte die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse ab und holte bei Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psycho- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht therapie, und Dr. med. C.____, FMH Rheumatologie un d Innere Medizin, ein bidisziplinäres Gutachten ein. Gestützt darauf sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 14. September 2012 - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit W irkung ab 1. Januar 2011 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 40 % eine Viertelsren te zu. Die dagegen durch die Versicherte, vertreten durch Advokat Peter Bürkli, am 15. Oktober 2 012 beim Kantonsgericht, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht), erhobene Beschwer de wurde mit Urteil vom 4. Juli 2013 abgewiesen. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.2 Die IV-Stelle leitete am 1. Dezember 2015 von Amt es wegen eine Revision des Renten- anspruchs der Versicherten ein. Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts liess sie A.____ erneut durch die Dres. B.___ und C.____ begutachten. Gestützt auf die Ergebnisse des bidisziplinären Gutachtens vom 9./12. Dezember 2016 hielt die IV-Stelle - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - in ihrer Verfügung vom 21. Nov ember 2017 bei einem Invaliditätsgrad von 42 % am Anspruch der Versicherten auf eine Viertelsrente fest. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokat Bürkli, am 8. Januar 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht. Sie beantragte, die Ve rfügung vom 21. November 2017 sei aufzuheben und es sei ihr mindestens eine halbe Rente zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Versicherte um die Bewilligung der unentgeltli- chen Prozessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit Advokat Bürkli als Rechtsver- treter. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebrach t, die Vorinstanz habe die Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes nicht rechtsgenüglich gewürdigt. C. Am 12. Januar 2018 bewilligte das Kantonsgericht de r Beschwerdeführerin für das vor- liegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung u nd die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Bürkli als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Februar 2018 beant ragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. E. Mit Schreiben vom 22. März 2018 führte die IV-Stell e zur Honorarnote von Advokat Bürkli vom 19. März 2018 aus, dass dieser im Rahmen der un entgeltlichen Verbeiständung für seine Bemühungen im Vorbescheidverfahren bereits entschä digt worden sei. Sollte die IV- Stelle im Beschwerdeverfahren vor dem Kantonsgericht zur Bezahlung einer Parteientschädi- gung verpflichtet werden, sei dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es sich bei der Be- schwerdeschrift vom 8. Januar 2018 im Wesentlichen um ein e Kopie des Einwands vom 14. September 2017 handle. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 8. Januar 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 3.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat vorau s, das die Arbeits- und Erwerbsfähig- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er- wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nach zugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesund heitsbeeinträchtigung verur- sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehme n ist, die Verwertung der Arbeitsfä- higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Invalidenre nten für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditä tsgrad in einer für den Anspruch er- heblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt j ede wesentliche Änderung in den tat- sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditä tsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheits- zustandes, der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich bleibenden Gesundheitszustan- des (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen) oder der Gr undlagen für die Wahl der Invaliditäts- bemessungsmethode revidierbar (BGE 117 V 199 E. 3b; Ur teil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2011, 9C_223/2011, E. 3.1). Bei den Renten der Inval idenversicherung ist grundsätzlich jede Änderung des Sachverhalts, die zu einer Über- oder Unterschreitung eines Schwellenschwertes (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG) führt, als erheblich zu betra chten (BGE 133 V 545 E. 6 und 7; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 165). Liegt in diesem Sinne ei n Revisionsgrund vor, ist der Rentenan- spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseiti g zu prüfen (BGE 117 V 200 E. 4b; SVR 2004 IV Nr. 17 S. 53). Dagegen stellt die bloss unter schiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.1 mit Hinweis). 4.2 Nach der Rechtsprechung bildet zeitliche Vergleichsba sis für die Beurteilung einer Än- derung des Invaliditätsgrades im Sinne von Art. 17 Abs . 1 ATSG die letzte anspruchsändernde oder auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruh ende rechtskräftige Verfügung (BGE 133 V 108, 130 V 71 E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Ver- fügung vom 14. September 2012 eine Viertelsrente ab 1 . Januar 2011 zu. Am 1. Dezember 2015 leitete sie von Amtes wegen ein Rentenrevisionsverfa hren ein. Dabei nahm sie eine ein- lässliche materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit ein er vertieften Abklärung des medizini- schen Sachverhalts vor. Gestützt auf das dabei eingeholte bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.___ und D.____ vom 9./12. Dezember 2016 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 21. November 2017, dass sie keine Änderung festgestellt habe, die sich auf die Rente auswirke (Invaliditätsgrad: 42 %). Sie habe desha lb weiterhin Anspruch auf die bisherige Viertelsrente. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob d ie geltend gemachte Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, die eine revisio nsweise Erhöhung der bis anhin ausgerichteten Invalidenrente rechtfertigt, durch Verg leich des Sachverhalts, wie er im Zeit- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht punkt der Verfügung vom 14. September 2012 bestand, mi t demjenigen im Zeitpunkt der stritti- gen Verfügung vom 21. November 2017. 5.1 Zu prüfen ist somit, ob sich der Gesundheitszustand und - damit einhergehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit der Versicherten tatsächlich, seit September 2012 in einer anspruchs- erheblichen Weise verschlechtert hat. 5.2 In der ursprünglichen Verfügung vom 14. Septembe r 2012, mit welcher die IV-Stelle der Versicherten ab 1. Januar 2011 eine Viertelsrente zugesp rochen hatte, stützte sie sich bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.___ und D.____ vom 21. Dezember 2011. In ihrer Konsensbesprechung kamen die beiden Fachärzte zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführeri n mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit ein Complex Regional Pain Syndrom (= C RPS, Synonym: Morbus Sudeck) des linken Beins zu diagnostizieren sei, klinisch den Oberschen kel, das Knie und den Unterschen- kel betreffend, mit/bei Status nach Kniearthroskopie un d arthroskopisch medialer Meniskekto- mie am 15. Dezember 2009 infolge einer offenen Knieve rletzung am 16. September 2008. Oh- ne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden mögliche a kzentuierte Persönlichkeitszüge genannt. Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als X.____ nicht mehr zumutbar. In Bezug auf die Zusatzausbildu ng als Y.____ sei - obwohl kein genaues Belastungsbild von dieser Tätigkeit vorliege - davon auszugehen, dass auch hier Übungen und Bewegungen vorgezeigt und durchgeführt werden müssten, die das Kniegelenk deutlich belas- ten würden. Aus diesen Gründen bestehe auch in dieser Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit. Das Belastungsprofil einer Verweistätigkeit umfasse eine Arbeit, bei welcher die Beschwerdeführerin nicht über 7,5 kg heben, stossen oder ziehen und nicht d auernd nur sitzen, nur am Ort stehen oder gehen müsse. Die Gehstrecke sei auf eine halbe Stu nde am Stück beschränkt und es wä- re günstig, wenn sie eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ausüben könnte. Weiter sei zu beach- ten, dass sie nicht auf Leitern und Gerüste und nicht nur Treppen steigen dürfe sowie nicht kauernd, kniend oder in der Hocke arbeiten könne. Für eine Tätigkeit mit diesem Belastungs- profil sei aus rheumatologischer Sicht eine 70%ige Arb eitsfähigkeit bezogen auf ein Ganzta- gespensum zu attestieren. Die Einschränkung von 30 % beg ründe sich aufgrund des organi- schen Kniebefunds durch den vermehrten Pausenbedarf, d er zu einer Einschränkung im Rah- men dieses Rendements führe. 5.3 Medizinische Grundlage der im vorliegenden Verfahre n angefochtenen Verfügung vom 21. November 2017 bildet das von der IV-Stelle in Au ftrag gegebene bidisziplinäre (psychiatri- sche/rheumatologische) Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ vom 9./12. Dezember 2016. 5.3.1 Dr. B.____ diagnostizierte in seinem psychiatrische n Teilgutachten vom 9. Dezember 2018 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine r ezidivierende depressive _Störung, leichte (ICD-10 F33.0) bis mitunter mittelgradige (ICD-10 F33.1) depressive Episode, anamnes- tisch bisweilen schwere depressive Episode (ICD-10 F3.2). Ohne Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit bestünden mögliche akzentuierte Pers önlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1). In sei- ner Beurteilung und Prognose betonte Dr. B.____, dass be i der Beschwerdeführerin keine an- haltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert werd en könne. Gemäss dem rheumato- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht logischen Gutachten von Dr. C.____ leide die Beschwerdef ührerin an einem CRPS, so dass sämtliche von ihr in diesem Zusammenhang erlebten Beschwer den einer organischen Ursache zugeordnet werden könnten. Weiter führte Dr. B.____ aus, dass die innerpsychische Struktur der Beschwerdeführerin nicht auf eine Pathologie hinw eise. Sie habe während der Untersu- chung jederzeit sehr gut kooperiert, sei freundlich und höflich zugewandt geblieben und es hät- ten sich keinerlei interaktionelle Schwierigkeiten erg eben. Weder hätte sie eine Tendenz zur Polarisierung noch eine eigentliche Externalisierungstend enz. Gleich wie im Rahmen der Un- tersuchung im Dezember 2011 hätten sich weder aus der privaten Beziehungs- noch aus der Berufsanamnese Hinweise für eine wiederholt gestörte B eziehungsgestaltung gezeigt. Diese Feststellungen würden untermauern, dass die Kardinaldefinition für eine Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt sei. Im Zusammenhang mit ihren anhaltend en Beschwerden im linken Bein sei die Versicherte psychisch aber seit vielen Jahren in nachvollzieh barer Weise zum Teil erheblich gefordert und belastet. Sie könne nicht mehr jenen All tag leben, den sie vor dem Fahrradunfall im September 2008 bzw. vor der Operation im Dezember 2009 habe gestalten können. Seit 2012 hätten sich immer wieder depressive Episoden entwickel t. Die Beschwerdeführerin be- schreibe ihre Grundstimmung als ein Auf und Ab, wobei sie in den guten Stimmungszuständen eine euthyme Grundstimmung aufweise mit weitgehend int aktem innerem Antrieb, fehlender Tagesmüdigkeit und einer mehrheitlich intakten Fähigkei t, Freude und Lust zu erleben sowie Interessen zu entwickeln. Es gebe aber auch Hinweise da für, dass schon mehrere schwere depressive Episoden aufgetreten seien, zumal die Versiche rte über vereinzelte Situationen be- richte, in denen sie mit ihrem Leben habe abschliessen wollen und konkrete Suizidideen gehabt habe. In solchen Momenten erlebe die Beschwerdeführer in mitunter einen sehr eingeschränk- ten inneren Antrieb, eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit sowie eine fast fehlende Freud-, Lust- und Interessenfähigkeit. Es gebe aber auch Zustände, i n denen sie sich nur leicht depressiv und niedergeschlagen fühle, wie offensichtlich im Rahm en der hiesigen Begutachtung. Bei der Beschwerdeführerin liege demnach eine rezidivierende d epressive Störung vor, die mit hoher Wahrscheinlichkeit seit 2012 bestehe, die durch schwere de pressive Episoden charakterisiert sei, wo aber auch immer wieder euthyme Momente auftre ten können; vermutlich bestünden zusätzlich mittelgradige depressive Episoden. Im Rahmen di eser anhaltenden Belastung und der immer wiederkehrenden depressiven Symptomatik leide die Versicherte mitunter auch unter Schweissausbrüchen, einer schnellen Erschöpfbarkeit, unter Insuffizienzgefühlen, einer inneren Verzweiflung und einer Neigung zu höherer Impulsivität im Sinne einer höheren Reizbarkeit. Hingegen erfülle sie entgegen den Angaben des behande lnden Psychiaters die Voraussetzun- gen einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) nicht. Selbstverständ- lich habe sich im Leben der Explorandin viel verändert. Es lasse sich ohne weiteres nachvoll- ziehen, dass die andauernde (körperliche) Belastung, die bislang wenig beeinflusst habe wer- den können, auch den Lebensinhalt und die Lebensausrich tung der Beschwerdeführerin ganz erheblich belastet und verschoben habe. In der Tat könn e es bei solchen langjährigen Belas- tungen zu einer regelrechten Persönlichkeitsänderung ko mmen, im Rahmen welcher sich die betroffenen Personen über die Jahre im Vergleich zu fr üher ganz anders fühlen würden und nicht mehr in der Lage seien, die primäre, ursprünglich e Persönlichkeit wieder zu erlangen. Die Beschwerdeführerin habe in der hiesigen Untersuchung a uf spezifische Nachfrage mitgeteilt, dass sie in einzelnen Phasen den Eindruck eines Gefühls d er Entfremdung (womit aber nicht ein eigentliches Depersonalisationserleben gemeint sei) h abe; es stelle aber kein andauerndes Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gefühl dar. Für die Diagnose einer Persönlichkeitsänder ung nach Extrembelastung gemäss ICD-10 gebe es insgesamt fünf Symptome, von denen zwei vo rliegen müssten, was bei der Beschwerdeführerin jedoch nicht zutreffe. So zeige sich im Rahmen dieser Untersuchung im Gesichtsausdruck der Beschwerdeführerin eine Müdigkeit und e ine Depressivität. Ihr formales Denken sei eingeengt, ihre Grundstimmung depressiv und es läge im Vergleich zur Erstunter- suchung eine diskrete Affektlabilität vor. Diese Symptome seien aber insgesamt nicht sehr aus- geprägt, weshalb der objektive Psychostatus somit keine er heblichen Veränderungen im Ver- gleich zur Voruntersuchung im Jahr 2011 zeige. Nach Würd igung der subjektiven Angaben der Explorandin hinsichtlich ihrer depressiven Symptomatik sei nicht von einer überwiegend schwe- ren oder mittelschweren depressiven Störung auszugehen. E s komme zwei- bis dreimal pro Jahr zu schweren depressiven Einbrüchen. Mehrmals komme es a uch zu euthymen Phasen, dann auch zu leichten mitunter auch zu mittelschweren depressiven Stimmungszuständen. Es könne daher keine überwiegend schwergradige (d.h. mitte lgradige oder schwere) depressive Episode diagnostiziert werden, weshalb bei der Beschwerd eführerin gesamthaft von einer Funktionsfähigkeit von 70 % auszugehen sei. Die depressiv e Störung habe leichten bis mittel- gradig beeinträchtigenden Einfluss auf einzelne der so genannten ICF-Kriterien (lnternational Classification of Functioning), so zum Beispiel auf die F ähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität und Umstellungsfähigkei t sowie auf die Durchhalte- und die Selbstbehauptungsfähigkeit. Schwerergradige Beeintr ächtigungen liessen sich jedoch nicht erkennen. Die möglichen akzentuierten Persönlichkeitszüge hätten klinisch kaum eine Relevanz und würden sich daher nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. 5.3.2 Dr. C.____ diagnostizierte in seinem rheumatolog ischen Teilgutachten vom 12. Dezem- ber 2016 ein CRPS des linken Beins, welches klinisch den Oberschenkel, das Knie und den Unterschenkel betreffe, mit/bei Status nach Kniearthr oskopie und arthroskopisch medialen Me- niskektomie am 15. Dezember 2009 infolge offener Knieve rletzung am 16. September 2008. Die Beschwerdeführerin sei deshalb in der angestammte n Tätigkeit als X.____ und auch in der Zusatzausbildung als Y.____ nicht mehr arbeitsfähig. I n einer adaptierten Verweistätigkeit, bei welcher die Beschwerdeführerin nicht über 7,5 kg heben , stossen oder ziehen, nicht dauernd nur sitzen, stehen oder gehen müsse, bestehe eine Arbeits fähigkeit von 70 %. In der Untersu- chung habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sich der Zustand des linken Beins in den letzten 5 Jahren nicht verändert habe. Die Schmerzen im rechten Knie hätten im Jahr 2010 ih- ren Anfang genommen. Im Jahr 2015 sei ein MRI gemacht worden, welches einen Knorpelde- fekt gezeigt habe. Die Schmerzen im rechten Knie seien nicht immer vorhanden. Im Rücken habe sie keine Schmerzen, aber Blockaden. Aufgrund seine r Untersuchung kam Dr. C.____ zum Schluss, dass die Versicherte weiterhin an einem CRPS leide. Der Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zur Untersuchung im Jahr 2011 au s somatischer Sicht insgesamt nicht wesentlich verändert. Neu hinzugekommen sei jedoch eine Retropatellararthrose rechts, welche degenerativer Natur sei. 5.3.3 In ihrer Konsensbesprechung kamen die Dres. C.___ und D.____ zum Schluss, dass die aus den einzelnen Fachgebieten fliessenden Arbeitsunfä higkeiten nicht zu addieren seien. Zu- sammengefasst gehe die Einschränkung in der Arbeitsfäh igkeit im Fachgebiet Psychiatrie nicht über jene im Bereich Rheumatologie hinaus. Es werde daher eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit attestiert. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 In den Akten findet sich der Bericht des behandeln den Psychiaters Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 19. November 2016. Dieser diagnostizierte ein CRPS mit chronischem Schmerzsyndrom, rezidivierende depre ssive Episoden (ICD-10 F33), eine depressive Entwicklung (Dysthymie ICD-10 F34.1) und ei ne andauernde Persönlichkeits- änderung (ICD-10 F62.0). Betreffend die Arbeitsfähi gkeit führte Dr. D.____ aus, dass die Be- schwerdeführerin in den letzten zwei bis drei Jahren jew eils zwei bis drei 10 - 14 Wochen dau- ernde depressive Episoden erlitten habe, die mindestens mittelschwer gewesen seien und wäh- rend welchen sie nicht arbeitsfähig gewesen sei. In den Zwischenperioden leide sie an einer chronischen depressiven Erkrankung mit chronischem Schmerzsyndr om in der Ausprägung einer leichten depressiven Episode oder einer Dysthymie. I nfolge des verminderten Aufmerk- samkeitsspannungsbogens, der verminderten Konzentration, d er bedrückten Stimmungslage, der raschen Ermüdbarkeit, der Dysphorie und der Stimm ungsschwankungen sei die Arbeitsfä- higkeit nachhaltig beeinträchtigt. Zusammenfassend hiel t Dr. D.____ fest, dass die Beschwer- deführerin zu 100 % arbeitsunfähig sei. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung insbesondere auf die Ausfüh- rungen im bidisziplären Gutachten der Dres. C.___ und D.____ vom 9./12. Dezember 2016. Sie ging demzufolge davon aus, dass es der Beschwerdeführeri n zumutbar sei, in einer leidens- adaptierten Tätigkeit ein 70%iges Arbeitspensum zu absolvieren. Gestützt auf diese Beurteilung habe die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente. 6.2 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ä rzte, die aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien sind vorliegend in Bezug auf die Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. B.____ nicht von der Hand zu weisen, wie nachfolgende Ausführungen aufzeigen: 6.3 Zunächst ist festzustellen, dass Dr. B.____ die Beschwe rdeführerin umfassend und ein- gehend untersuchte und auch die geklagten Beschwerden s owie die vorbestehenden medizini- schen Akten berücksichtigte. Zudem nahm er ausführlich und kritisch zu abweichenden ärztli- chen Beurteilungen Stellung. So stellte er entgegen den Ausführungen des behandelnden Psy- chiaters nachvollziehbar fest, dass die Beschwerdeführerin nicht an einer somatoformen Schmerzstörung leide, weil die geklagten somatischen Besch werden nur im Zusammenhang mit dem CRPS am linken Bein stünden und damit keine psychische Ausweitung im Sinne eines somatoformen Beschwerdebilds vorliege. Überzeugend wider legte Dr. B.____ auch die von Dr. D.____ diagnostizierte Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung. Er führte diesbe- züglich aus, dass die Beschwerdeführerin dafür nicht genügend diagnostische Kriterien gemäss ICD-10 aufweise. Er stimme Dr. D.____ zwar zu, wenn d ieser von einer "veränderten Person" im Vergleich zur Erstbegutachtung im Jahr 2011 spreche. D a die Veränderungen aber nur ein- zelne wenige Parameter beträfen, könne die Diagnose ni cht bestätigt werden. Schliesslich leuchten die Ausführungen von Dr. B.____ auch in der Darlegung der medizinischen Zusam- menhänge ein. Es wird deutlich, dass die Beschwerdeführ erin an einer r ezidivierenden de- pressiven Störung leidet, welche Einfluss auf die A rbeitsfähigkeit hat. Demgegenüber ist die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht gestützt auf die Untersuchungen attestierte zumutbare Ar beitsfähigkeit von 70 % nicht schlüs- sig. Dr. B.____ legt in seinem Teilgutachten dar, dass die leichte bis mittelgradig depressive Störung einen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit habe. Während die leichte depressive Störung nachvollziehbar nur marginale Wirkung auf den Tagesablauf habe, beeinflusse die mittelgradige die Alltagsaktivität und die beruflichen Tätigkeiten so s tark, dass die Beschwerdeführerin diese nur mit mehr Aufwand und Anstrengung zu bewältigen ver möge. Wie sich dies konkret auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt, bleib t jedoch aufgrund der Feststellungen im Gutachten unklar. Weiter weist Dr. B.____ darauf hin, dass die Beschwerdeführerin zwei bis drei Mal im Jahr an schweren depressiven Einbrüchen leide , welche ihre qualitative Funktions- fähigkeit schwer beeinträchtigen würden. Der Gutachter ä ussert sich diesbezüglich aber weder zum zeitlichen Umfang dieser Einbusse noch dazu, welche Fu nktionen konkreten betroffen sind. Ein Anhaltspunkt für die Dauer einer solchen schwe ren Störung in den Alltagsfunktionen bietet die Aussage des behandelnden Psychiaters Dr. D.___ _. Er nennt - ebenso wie Dr. B.____ - zwei bis drei depressive Episoden (mittel)schweren Grads pro Jahr und hält in seinem Bericht vom 19. November 2016 fest, dass diese jeweils 10 - 14 Wochen dauern würden. Wür- de man dieser Einschätzung folgen, so wäre von einer E inschränkung in der Arbeitsfähigkeit von mehr weit mehr als 30 % auszugehen. Da diese Beurteilung in Bezug auf die Ausführungen von Dr. B.____ nicht in Einklang zu bringen ist, kann ni cht darauf abgestellt werden. Es beste- hen somit gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass die Versi cherte aufgrund der immer wieder auftretenden schweren depressiven Episoden mehr als 30 % i n ihrer Arbeitsfähigkeit einge- schränkt ist. Die Angelegenheit ist unter diesen Umständen an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese bei Dr. B.___ eine Beurteilung einholt, welche sich zur Frage äussert, inwiefern sich die Phasen der schweren depressiven Episoden konkret auf d ie Arbeitsfähigkeit und deren Verwertbarkeit auswirken. 6.4.1 Nicht zu beanstanden ist vorliegend hingegen das rheumatologische Teilgutachten von Dr. C.____, welchem bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen ist. Seine Ab- klärungen sind für die streitigen Belange umfassend, be rücksichtigen die geklagten Beschwer- den, beruhen auf eigenen Untersuchungen sowie auf Ke nntnis der Vorakten, leuchten in der Darstellung der medizinischen Zusammenhänge ein und sind in der Bewertung der medizini- schen Situation nachvollziehbar und schlüssig sind. Dr. C.___ kam dabei zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der erhobenen Befunde in einer dem leiden angepassten Tätig- keit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % aufweise. Diese Einschätzung der rheumatologischen Situa- tion überzeugt. 6.4.2 An diesem Ergebnis ändert die Kritik der Beschwer deführerin nichts. Sie macht geltend, dass die Beurteilung von Dr. C.____ lückenhaft sei und m oniert, sie leide nicht nur an einem CRPS des linken Beins, sondern auch an einer Retropatellararthrose des rechten Knies, welche sich auch auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Dr. C.____ führte in seinem Teilgutachten auf, dass die Beschwerdeführerin am rechten Knie eine Retropatel lararthrose mit oberflächlichem poste- ro-medialem femuralem Knorpeldefekt zeige. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf die von der Beschwerdeführerin erwähnte Schlafproblematik hin. In der Folge hielt er fest, dass diese Beschwerden keinen zusätzlichen Einfluss auf die A rbeitsfähigkeit in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit, bei der die Beschwerdeführerin ni cht auf Leitern oder Gerüsten steigen, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht nur Treppensteigen und nicht dauernd kauern, knien oder in der Hocke arbeiten müsse haben. Diese Beurteilung ist nachvollziehbar und plau sibel. Es ist deshalb davon auszugehen, dass aus rheumatologischer Sicht kein zusätzlicher invali disierender Gesundheitsschaden vor- liegt. 6.5 Somit ist zusammenfassend festzuhalten, dass vorliegend der medizinische Sachverhalt nur in rheumatologischer Hinsicht genügend abgeklärt wu rde. Gestützt auf die Ausführungen von Dr. C.____ vom 12. Dezember 2016 steht fest, dass der Beschwerdeführerin aus rheuma- tologischer Sicht die Ausübung einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 70 % zumutbar ist. Hinge- gen vermag das psychiatrische Teilgutachten von Dr. B.____ in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht zu überzeugen. Die IV-Stelle ha t daher den medizinischen Sachverhalt ungenügend abgeklärt, weshalb sie verpflichtet ist, ergänzende Abklärungen vorzunehmen. 7.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die S ozialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelf all selbst ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren ande rweitig erhobenen Sachverhalt über- haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder w enn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rü ckweisung an die IV-Stelle bleibt hinge- gen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erheb ung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstell ung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.). 7.2 Da die Beschwerdegegnerin nicht alle notwendigen A bklärungen zur Beurteilung des Leistungsanspruchs der Beschwerdeführerin vorgenommen hat (vgl. E. 7.5 hiervor) und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerichte ist, im Verwa ltungsverfahren versäumte medizini- sche Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an d ie Vorinstanz nichts entgegen. Diese hat in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus psychiatrischer Sicht nochmals bei Dr. B.____ abklären zu lassen, wie lange die schwer en depressiven Episoden konkret dau- ern und wie sich diese auf die Leistungsfähigkeit der Be schwerdeführerin auswirken. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Aktenergänzung wird die IV -Stelle anschliessend über den Leis- tungsanspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeve rfahrens zu befinden. 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. In diesem Z usammenhang ist allerdings zu be- achten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht inte- ressierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten aufe rlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter hat in seiner Hono- rarnote vom 19. Mai 2018 einen Zeitaufwand von 10,75 Stunden geltend gemacht. Dieser Auf- wand erweist sich jedoch als zu hoch, weshalb eine angemess ene Kürzung vorzunehmen ist. Insbesondere ist der angegebene Aufwand von 7,50 Stund en für das Aktenstudium, den Ent- wurf der Beschwerde sowie deren Überarbeitung zu hoch. Mit der Beschwerdegegnerin ist nämlich festzustellen, dass der Rechtsvertreter die Beschwer deführerin bereits im Vorbe- scheidverfahren vertreten hat und daher über ausreichend e Aktenkenntnisse verfügte. Zudem entspricht die beim Kantonsgericht eingereichte Beschwerd e in weiten Teilen dem Einwand vom 14. September 2017. Es rechtsfertigt sich daher eine angemessene Kürzung dieser Positi- onen von 7,5 Stunden auf 3 Stunden. Somit verbleibt e in zu entschädigender Aufwand von ins- gesamt 5.5 Stunden, der mit dem im Sozialversicherungsr echt üblichen Stundenansatz von Fr. 250.-- zu vergüten ist (vgl. § 3 Abs. 1 der Tariford nung für Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003). Die geltend gemachten Auslagen v on insgesamt Fr. 57.60 sind nicht zu beanstanden. Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin i st deshalb für seine Bemühungen ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'745.40 (0,75 Stund en à Fr. 250.-- + Auslagen zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer plus 5,5 Stunden à Fr. 250.-- + Auslage n zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 21. Novem ber 2017 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abkläru ng im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV- Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdef ührerin einer Par- teientschädigung in Höhe von Fr. 1'724.30 (inkl. Auslag en und Mehr- wertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht