Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 1. April 2020 (810 19 256) ____________________________________________________________________ Straf- und Massnahmenvollzug Verweigerung der bedingten Entlassung Besetzung Vorsitzender Niklaus Ruckstuhl, Kantonsrichter Marku s Clausen, Clau- de Jeanneret , Jgnaz Jermann, Kantonsrichterin Helena Hess , Ge- richtsschreiberin Julia Kempfert Beteiligte A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Silvio Bürgi, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Verweigerung der bedingten Entlassung (RRB Nr. 1217 vom 10. September 2019) A. A.____, geboren 1943, wurde mit Urteil des Straf gerichts Basel-Landschaft vom 10. Dezember 2015 wegen mehrfacher Vergewaltigung, mehrfacher, teilweise versuchter sexu- eller Nötigung sowie wegen mehrfacher sexueller Handlun gen mit einem Kind zu einer Frei- heitsstrafe von 7½ Jahren verurteilt. An die verhängt e Freiheitsstrafe wurden die 296 Tage Un- tersuchungshaft angerechnet. A.____ trat den vorzeitigen Strafvollzug seiner Freiheitsstrafe am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Dezember 2014 an und zweit Drittel der Strafe war en am 8. Februar 2019 verbüsst. Das or- dentliche Vollzugsende ist am 8. August 2021. B. Mit Vollzugsbefehl der Sicherheitsdirektion des Kant ons Basel-Landschaft, Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug (Sicherheitsdirektion), vom 29. Januar 2015 wurde A.____ per 10. Februar 2015 in die geschlossene Abteilung der Justizvollzugsanstalt B.____ verlegt. Ange- sichts seines Alters und um Haftschäden entgegen zu wirken sowie um seine Selbständigkeit zu fördern, bewilligte die Sicherheitsdirektion mit Ve rfügung vom 14. November 2016 die Ver- setzung von A.____ in den offenen Vollzug der Justizvollz ugsanstalt B.____. Für A.____ wurde eine deliktsorientierte ambulante Therapie angeordnet und Urlaub sowie Ausgänge wurden bis auf weiteres untersagt. C. Mit Eingabe vom 27. Februar 2017 reichte der Foren sisch-Psychiatrische Dienst der Universität F.____ (FPD) einen Abklärungsbericht betref fend eine vollzugsbegleitende ambu- lante Therapie von A.____ ein. Darin wurde festgehalt en, dass bei A.____ weiterhin eine Nei- gung zur Externalisierung sowie Bagatellisierung besteh e und er eine mangelnde Opferempa- thie aufweise. Zudem sehe sich A.____ selber als Opfer . Er habe zwar über seine Delikte nachgedacht, versuche diese jedoch zu verdrängen, da da s Aufarbeiten seiner Straftaten nicht einfach für ihn sei. Aufgrund der unzureichenden The rapiemotivation und der geringen Ausei- nandersetzungsbereitschaft wurde im Bericht vorgeschlagen , die Therapiegespräche mit A.____ auf sechs Monate zu begrenzen. Sollte sich inner t dieser Frist nichts an der Motivation von A.____ ändern, sei von einer weiteren Therapie abzusehen. D. Mit Eingabe vom 4. Juli 2017 reichte der FPD eine n weiteren Therapiebericht sowie eine Stellungnahme bezüglich begleiteter/unbegleiteter Ausgänge ein. Darin wurden regelmäs- sige Einzeltherapiesitzungen mit A.____ seit Anfang 20 17 dokumentiert und die im Gutachten vom 10. November 2014 gestellte Diagnose der sexuellen Präferenzstörung, Pädophilie (ICD- 10: 65.4) und die wahrscheinliche Alkoholkrankheit (ICD-10: F10.2) bestätigt. Als Problemberei- che wurden die Störung der Sexualpräferenz, die Ausübun g von Gewalt/Nötigung, die Alkohol- abhängigkeit, eine verminderte Introspektionsfähigkeit so wie die konflikthafte Beziehung zur Ehefrau benannt. Hingewiesen wurde zudem auf die ge ringe Auseinandersetzungsbereitschaft von A.____ und festgehalten, dass er in Bezug auf sein e Verbrechen eine bagatellisierende Haltung zeige und eine Aufarbeitung der Delikte mit klarer Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln nicht möglich gewesen sei. Eine deliktpr otektiv ausreichende therapeutische Beeinflussbarkeit sei nicht gegeben. Aufgrund des Alters von A.____ sei auch nicht davon aus- zugehen, dass die Introspektionsfähigkeit durch weitere Massnahmen zu verbessern sei. Das Rückfallrisiko könne vielmehr durch eine enge Kontrolle der Gegebenheiten und klare Weisun- gen beeinflusst werden. Schliesslich wurde empfohlen, dass A.____ die ersten Ausgänge nur in Begleitung einer Vertrauensperson verbringen dürfe. E. Mit Schreiben vom 27. Juli 2017 bewilligte die Si cherheitsdirektion A.____ unbegleitete Ausgänge à fünf Stunden mit den Auflagen eines strikte n Alkoholkonsumverbots, einer Kon- taktsperre zu C.____ und D.____ sowie einem Verbot, sich alleine mit minderjährigen Mädchen aufzuhalten. Ausgänge, welche über fünf Stunden hinausgehen würden, würden der Konkordat- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lichen Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefährlich keit von Straftätern (KoFako) zur Stellungnahme vorgelegt. F. Gestützt auf den Therapiebericht des FPD vom 4. Juli 2 017 hob die Sicherheitsdirekti- on mit Verfügung vom 8. August 2017 die angeordnete deliktorientierte Behandlung von A.____ wegen Aussichtslosigkeit auf. G. A.____, nachfolgend vertreten durch Silvio Bürgi, A dvokat, stellte mit Eingabe vom 21. Dezember 2017 einen Antrag auf unbegleitete Aus gänge à 12 Stunden. Mit Verfügung der Sicherheitsdirektion vom 10. April 2018 wurde der Ant rag abgewiesen und sämtliche unbeglei- teten Vollzugsöffnungen für A.____ per sofort sistiert. Die Sicherheitsdirektion stützte sich bei diesem Entscheid auf die Beurteilung der KoFako vom 26. März 2018, in welcher empfohlen wurde, keine unbegleiteten Vollzugsöffnungen zuzulassen, bevor nicht der Einbezug des sozia- len Umfelds (Offenlegung und Klärung von Risikosituatio nen, Zuständigkeiten und Ansprech- personen im Risikofall) sowie eine klare Strukturierung d er Ausgänge und Urlaube vorliegen würden. Weiter wurde von der Sicherheitsdirektion beab sichtigt, vor der Gewährung weiterer Vollzugslockerungen ein neues forensisch-psychiatrisches Gutachten über A.____ einzuholen. H. Mit Eingabe vom 4. Dezember 2018 stellte A.____ e in Gesuch um bedingte Entlassung per 8. Februar 2019. Am 20. Dezember 2018 reichte di e Justizvollzugsanstalt B.____ der Si- cherheitsdirektion ihren Führungsbericht über A.____ ein. Am 7. Januar 2019 wurde A.____ im Beisein seines Anwalts das rechtliche Gehör zur beantrag ten bedingten Entlassung gewährt. Dabei beantragte er, die Beantwortung gewisser Fragen (Diagnose, Risikomanagement, De- liktdynamik und Aktengutachten) schriftlich vornehmen zu dürfen. Auf diese schriftlichen Ergän- zungen verzichtete A.____ mit Schreiben vom 17. Januar 2019. I. Mit Verfügung vom 6. Februar 2019 verweigerte di e Sicherheitsdirektion die bedingte Entlassung von A.____. Zur Begründung wurde im Wesentli chen ausgeführt, dass seit der Er- stellung des Aktengutachtens im Jahr 2014 weder die Legalprognose habe verbessert noch das Rückfallrisiko habe gesenkt werden können. In Bezug auf risikogefährdete Personen sei festzu- halten, dass im Umfeld von A.____ minderjährige Enke lkinder vorhanden seien und eine Kon- taktherstellung möglich wäre. Geeignete Kontrollmöglichkeiten in dieser Situation würden fehlen und greifende, flankierende Massnahmen würden ebenfall s keine bestehen. Der Zugang zu minderjährigen Angehörigen sei für die Verbesserung d er Legalprognose mit Sicherheit nicht förderlich und bedürfe weiterer Abklärungen. Es bestehe ein grosses Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit und das Risiko müsse in Anbetracht der fehl enden Transparenz und der vorherr- schenden Problemfelder als zu hoch gewertet werden. J. A.____ erhob mit Eingabe vom 19. Februar 2019 beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Februar 2019. Er beantragte, es sei die Verfügung der Sicherheitsdire ktion aufzuheben und A.____ aus dem Strafvollzug zu entlassen. Eventualiter sei die Verfügu ng der Sicherheitsdirektion aufzuheben und A.____ seien umgehend angemessene Vollzugslockerung en – namentlich unbegleitete Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ausgänge – zu gewähren. Unter o/e-Kostenfolge zulaste n des Staates. Der Regierungsrat wies die Beschwerde, soweit darauf eingetreten wurde, mit Entscheid vom 10. September 2019 ab. K. Gegen den Entscheid des Regierungsrates erhob A.____ mit Eingabe vom 23. September 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abt eilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragt, es seien de r Entscheid des Regierungsrates und die Verfügung der Sicherheitsdirektion aufzuheben und A.____ sei bedingt aus dem Strafvollzug zu entlassen. Eventualiter seien der Entscheid des Regierung srates und die Verfügung der Si- cherheitsdirektion aufzuheben und A.____ seien umgehend angemessene Vollzugslockerungen – namentlich unbegleitete Ausgänge – zu gewähren. L. Mit Eingabe vom 27. Januar 2020 verzichtete die Sich erheitsdirektion auf eine Ver- nehmlassung und verwies auf die vorinstanzlichen Entscheide. M. Mit Verfügung vom 29. Januar 2020 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung über- wiesen und festgehalten, dass das Urteil schriftlich eröffnet werde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Be urteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben. Die weiteren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, sodass auf die Be- schwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1 Strittig ist vorliegend, ob die Sicherheitsdirekti on die vom Beschwerdeführer beantragte bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug zu Recht abgewiesen hat. 3.2 Die Vorinstanz verweigerte die bedingte Entlassung mit der Begründung, dass in Be- zug auf die Legalprognose des Beschwerdeführers viele Fr agen offen seien und grosse Unsi- cherheiten bestünden (insbesondere Risikomanagement, sozi aler Empfangsraum, Rückfallrisi- ko). Hinzukomme, dass bei einem Rückfall hohe Rechtsgüte r – wie die physische und psychi- sche Unversehrtheit von minderjährigen Mädchen – betro ffen seien. In Anbetracht dessen, dass der Beschwerdeführer ein neues forensisch-psychiatrisches Gu tachten verweigere, welches Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich zu einer aktuellen Behandelbarkeit und zur Rückfal lgefahr äussern könnte, müsse für die Erstellung der Legalprognose auf die vorhandenen Akten abgestellt werden. In Bezug auf die zu erwartenden Lebensverhältnisse, seine Persönlichkeit und sein Rückfallrisiko würden diver- se Unklarheiten vorliegen, die durch eine erneute Begu tachtung und ein geeignetes Risikoma- nagement geklärt werden könnten. 3.3 In der Beschwerdebegründung wird im Wesentlichen vorgebracht, dass der Beschwer- deführer seit 15 Jahren nicht strafrechtlich in Erschein ung getreten sei und im Rahmen seiner Möglichkeiten an sich und an seinem Verhalten gearbeitet habe. Zudem habe er eine Genugtu- ung in der Höhe von Fr. 35'000.-- an seine Stieftoch ter aus zweiter Ehe bezahlt. Nach seiner Entlassung beabsichtige der Beschwerdeführer, sich in einer neuen Region niederzulassen und sein Leben in Ruhe in einem neuen Umfeld zu verbringe n. Im angefochtenen Entscheid werde das durchwegs positive Verhalten des Beschwerdeführers in der Justizvollzugsanstalt B.____ unzureichend berücksichtigt. Auch bei seinen fünfstündig en Ausgängen habe er sich aus- nahmslos an die Weisungen und Abmachungen gehalten. Se in tadelloses Verhalten zeige, dass von ihm keine relevante Gefahr mehr ausgehe. Zud em habe sich die Delinquenz des Be- schwerdeführers in einem hochspezifischen familiären Umf eld ereignet und sei durch die unkri- tische Haltung der Kindsmutter sowie dem Wegschauen weit erer Personen aus dem Umfeld begünstigt worden. Nachdem der Beschwerdeführer von sein er Ehefrau bei einem Übergriff ertappt worden sei, habe er den Missbrauch eingestellt. Obschon er weiterhin unter einem Dach mit seiner Stieftochter gelebt habe und den sexuellen Missbrauch hätte weiterführen können, habe er bis zu seiner Verhaftung deliktfrei gelebt. Dad urch habe der Beschwerdeführer gezeigt, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgehe. Weiter sei von der Vorinstanz nicht aufgezeigt wor- den, wie der soziale Empfangsraum nach der Entlassung des Beschwerdeführers oder das ver- langte Risikomanagement auszusehen habe. Schliesslich kön ne die Legalprognose des Be- schwerdeführers nur dann noch verbessert werden, wenn e r sich mit Weisungen und Bewäh- rungshilfe in Freiheit bewähren könne und der erfolg ten Prisonierung entgegentrete. Mit Blick auf die Verhältnismässigkeit müsse der Beschwerdeführer aufgrund seiner überwiegenden Inte- ressen bedingt entlassen werden. Zu den Vollzugslockerun gen wird zudem festgehalten, dass die Vorinstanz auf dieses Begehren hätte eintreten müssen und Vollzugslockerungen eventuali- ter als mildere Massnahme hätte anordnen müssen. 4.1.1 Gemäss Art. 86 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzb uchs (StGB) vom 21. De- zember 1937 ist der Gefangene nach Verbüssung von zwei Dri tteln der Strafe bedingt zu ent- lassen, wenn es das Verhalten im Strafvollzug rechtfertig t und nicht anzunehmen ist, er werde weitere Verbrechen oder Vergehen begehen. Die zuständige Behörde hat von Amtes wegen zu prüfen, ob der Gefangene bedingt entlassen werden kann. Dabei hat sie diesen anzuhören und einen Bericht der Anstaltsleitung einzuholen (Art. 86 Abs. 2 StGB). Die bedingte Entlassung stellt die Regel und die Verweigerung die Ausnahme d ar. In dieser Stufe soll der Entlassene den Umgang mit der Freiheit erlernen, was nur in Fre iheit möglich ist. Diesem rein spezialprä- ventiven Zweck stehen die Schutzbedürfnisse der Allgemeinh eit gegenüber, welchen umso hö- heres Gewicht beizumessen ist, je hochwertiger die gefähr deten Rechtsgüter sind. Die Progno- se über das künftige Wohlverhalten ist in einer Gesamtwü rdigung zu erstellen, welche nebst dem Vorleben, der Persönlichkeit und dem Verhalten des Täters während des Strafvollzugs vor Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht allem dessen neuere Einstellung zu seinen Taten, seine allfällige Besserung und die nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnisse berücksichtigt (Urteil des Bundesgerichts 6B_645/2010 vom 12. November 2010 E. 2.3). Im Sinn einer Differenzialprognose sind die Vor- züge und Nachteile der Vollverbüssung der Strafe denje nigen einer Aussetzung des Strafrests gegenüberzustellen. Die Strafvollzugsbehörden haben insbe sondere zu prüfen, ob die Gefähr- lichkeit des Täters bei einer Vollverbüssung der Strafe a bnehmen, gleichbleiben oder zuneh- men wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_215/2017 vom 19 . Juli 2017 E. 2.4; BGE 124 IV 193 E. 5b/bb). 4.1.2 Bei der Beurteilung der Legalprognose kommt d er zuständigen Behörde Ermessen zu (BGE 133 IV 201 E. 2.3). Eine Ermessensüberschreitung kann etwa darin liegen, auf eine Ge- samtwürdigung aller für die Prognose relevanten Umstä nde zu verzichten und die günstige Le- galprognose allein gestützt auf das Bedenken weckende Vorleben der vom Freiheitsentzug be- troffenen Person zu verneinen (BGE 133 IV 201 E. 3.2 ). Aus dem gleichen Grund darf eine be- dingte Entlassung auch nicht einzig aufgrund einzelner günstiger Faktoren - etwa dem Wohl- verhalten des Täters im Strafvollzug - bewilligt werd en, wenn gewichtige Anhaltspunkte für die Gefahr neuer Rechtsbrüche sprechen (Urteile des Bundesg erichts 6B_93/2015 vom 19. Mai 2015 E. 5.3, 6B_331/2010 vom 12. Juli 2010 E. 3.3.5; C ORNELIA KOLLER , in: Nig- gli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Auflage, Basel 2013, N 7 zu Art. 86). 4.2 Der Beschwerdeführer hat bereits zwei Drittel seiner Strafe verbüsst, womit die zeitli- che Voraussetzung von Art. 86 Abs. 1 StGB erfüllt ist. So dann steht sein Vollzugsverhalten auch nach Ansicht der Vorinstanz einer bedingten Entlassung nicht entgegen. Dem Vollzugsbe- richt vom 14. Januar 2020 ist zu entnehmen, dass dem Besc hwerdeführer ein sehr guter Voll- zugsverlauf attestiert werden könne. Er habe sich bish er zuverlässig und kooperativ gezeigt, habe sich an alle Regeln und Abmachungen gehalten und er habe seine Ausgänge und Urlau- be auflagengemäss und regelkonform verbracht. Der Entsche id über die bedingte Entlassung hängt damit einzig davon ab, ob dem Beschwerdeführer eine günstige Prognose im Sinn von Art. 86 Abs. 1 StGB gestellt werden kann. 4.3.1 Das im Strafverfahren erstellte Aktengutachten vo n Dr. med. E.____ vom 10. November 2014 diagnostizierte beim Beschwerdeführe r Pädophilie. Zudem erscheine das Vorliegen einer Alkoholkrankheit insgesamt als wahrsche inlich. Dem Beschwerdeführer werde ein leichtes bis mittelgradig erhöhtes Rückfallrisiko atte stiert, welches entscheidend von den sich bietenden Gelegenheiten und Familienkonstellationen abhänge (gefährdet seien bspw. die Enkelkinder). Die im Gutachten gestellte Diagnose wi rd durch den FPD in den Therapieberich- ten vom 4. Juli 2017 und vom 31. Mai 2019 bestätigt und zusätzlich festgehalten, dass aus Sicht des FPD auch die ICD-Kriterien für eine Alkoholkra nkheit erfüllt seien. Der Beschwerde- führer bestreitet weder die Ausführungen im Gutachten vom 10. November 2014 noch diejeni- gen in den Therapieberichten des FPD. Ferner sind kein e Gründe ersichtlich, weshalb nicht auf die Ausführungen von Dr. med. E.____ und dem FPD abgestellt werden kann. 4.3.2 Die KoFako empfiehlt in ihrem Bericht vom 23. September 2019, dem Beschwerdefüh- rer keine unbegleiteten Vollzugsöffnungen zu gewähren und ihn zurzeit nicht bedingt zu entlas- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sen. Zur Begründung ihrer Empfehlung führt die KoFak o aus, aufgrund des ungünstigen Be- handlungsverlaufs würden die tatzeitnahen Risikofaktore n auch heute noch vorliegen. Der Be- schwerdeführer habe weder ein Risikomanagement erarbei tet, noch zeige er Opferempathie oder intrinsischen Veränderungswillen. Eine Veränderun g sei nicht erkennbar. Beim vorliegen- den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit einem Ki nd handle es sich um Delikte mit einer hohen statistischen Rückfallbasisrate. Ohne geeignetes Risikomanagement und tiefgreifender Störungseinsicht gehe die KoFako nach wie vor davon aus, dass der Beschwerdeführer rasch wieder mit einschlägiger Delinquenz in Erscheinung trete n könne. Gerade der deliktanfällige und intransparente soziale Empfangsraum bergen nach Ansicht der KoFako Konfliktsituationen, welchen der Beschwerdeführer aufgrund fehlender Therap eutischer Fortschritte nicht adäquat begegnen könne. Das fortgeschrittene Alter des Beschwer deführers werde nicht als Schutzfak- tor gewertet, da Sexualdelikte an Kindern auch im hohen Alter noch vorkommen würden. 5.1 In Bezug auf das deliktische Vorleben des Beschwerde führers sind vorliegend die strafrechtliche Verurteilung wegen Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz vom 1. Februar 2008 sowie die strafrechtliche Verurteilung vom 10. Dezember 2015 wegen mehrfa- cher Vergewaltigung, mehrfacher, teilweise versuchter sex ueller Nötigung sowie wegen mehr- facher sexueller Handlungen mit einem Kind, aufgrund w elcher er sich derzeit im Strafvollzug befindet, massgeblich. Im Zusammenhang mit den Hinweise n für den sexuellen Missbrauch seiner 11 Jahre jüngeren Schwester und den jahrelangen sexuellen Missbrauch seiner Stieftochter aus erster Ehe (vgl. Gutachten vom 10. Nove mber 2014) wurden gegen den Be- schwerdeführer keine strafrechtlichen Schritte unternommen, weshalb diese nicht in die Beurtei- lung einfliessen dürfen. Werden diese Hinweise ausser A cht gelassen, ist dem Beschwerdefüh- rer in strafrechtlicher Hinsicht lediglich die Verurteil ung vom 1. Februar 2008 vorzuwerfen, wel- che jedoch keinen erkennbaren Bezug zu seiner aktuellen Verurteilung aufweist. Der Be- schwerdeführer macht zudem zu Recht geltend, dass seine S exualdelikte zum Nachteil seiner Stieftochter aus zweiter Ehe im Zeitpunkt seiner Verha ftung am 8. Februar 2014 12 Jahre zu- rücklagen. In diesen 12 Jahren hat der Beschwerdeführer mit dem Opfer unter einem Dach ge- lebt, ohne erneut straffällig zu werden. Es ist zwar ni cht feststellbar, ob diese Straffreiheit dem eigenen Willen des Beschwerdeführers oder den fehlende n Möglichkeiten zuzuschreiben war, zumal im engsten Familienumfeld des Beschwerdeführers n eben den beiden Stieftöchtern im Teenager- bzw. jungen Erwachsenenalter keine Kinder mehr gelebt haben. Dennoch muss die- se Zeitspanne, in welcher sich der Beschwerdeführer strafr echtlich nichts hat zuschulden las- sen kommen, zu seinen Gunsten gewertet werden. Der Beschwerdeführer weist somit in Bezug auf sein deliktisches Vorleben zwei strafrechtliche Verurt eilungen auf, welche in den Haupt- merkmalen keine Gemeinsamkeit aufweisen. 5.2.1 Im Weiteren ist die Persönlichkeit des Beschwerde führers zu würdigen. Dabei geht es in erster Linie um die innere Einstellung des Täters zu seinen Straftaten und die Frage, ob hier allenfalls ein Wandel zum Besseren stattgefunden und sich die innere Einstellung des Verurteil- ten verändert hat (BGE 104 IV 281 E. 4). Ferner ist m assgebend, ob eine Reifung und Festi- gung seiner Persönlichkeit durch therapeutische Entwicklu ng oder dergleichen festzustellen ist (BGE 104 IV 281 E. 4) . Von besonderer Wichtigkeit ist insbesondere die Auseinan dersetzung des Verurteilten mit seiner Tat und ob er Reue und Ei nsicht in die begangenen Straftaten zeigt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht (Urteil des Bundesgerichts 6B_961/2009 vom 19. Januar 2010 E. 2.2; vgl. zum ganzen Richtli- nien der Konkordatskonferenz des Strafvollzugskonkordats der Nordwest- und Innerschweizer Kantone betreffend die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug vom 26. Oktober 2018 [Richt- linien], Art. 2 Abs. 3 lit. b). 5.2.2 Die Vorinstanz hält zur Täterpersönlichkeit des Beschwerdeführers gestützt auf das Gutachten fest, dass dieser über eine geringe Introspekt ionsfähigkeit verfüge und ihm ein Min- destmass an Problembewusstsein fehle, um eine effektvolle und zielgerichtete Therapierbarkeit zu ermöglichen. Zudem leugne der Beschwerdeführer, bei seinen Taten Gewalt angewendet zu haben und neige dazu, diese zu bagatellisieren. Weiter sei gemäss MARC GRAF (Das Schweize- rische Vollzugslexikon – von der vorläufigen Festnahme zur b edingten Entlassung, Basel 2014, S. 365) erstellt, dass bei der Persönlichkeitsstörung der Pädophilie die betroffenen Personen aufgrund der starken gesellschaftlichen Tabuisierung frü h ausgeprägte Abwehrmechanismen entwickeln würden. Vor allem bei älteren pädophilen Straftätern führe dies zu häufigen Rückfäl- len trotz Sanktionierung und erschwere Psychotherapien, wenn sich Delikt- und Abwehrmecha- nismen über einen langen Zeitraum eingeschlichen hätten. Ohne eine Tataufarbeitung und Ein- sicht sei eine Verhaltensänderung grundsätzlich nicht zu e rwarten, was die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls grundsätzlich erhöhe. Dem ist jedoch entge gen zu halten, dass der Beschwer- deführer die sehr hohe Genugtuungssumme von Fr. 35'00 0.-- an seine Stieftochter aus zweiter Ehe bezahlt hat und darlegt, er bereue, dass er "das" gemacht und mit seinen Taten sein Um- feld kaputtgemacht habe (vgl. persönliche Anhörung de s Beschwerdeführers vom 7. Januar 2019). Zudem gibt der Beschwerdeführer an, dass seine De likte Fehler gewesen seien, da er dadurch ins Gefängnis gekommen sei (vgl. Abklärungsbericht des FPD vom 17. Februar 2017). Im Therapiebericht des FPD vom 4. Juli 2017 wird festge halten, dass der Beschwerdeführer eine fehlende Opferempathie sowie eine deutlich vermi nderte Introspektionsfähigkeit aufweise. Trotzdem hätten in den Therapiegesprächen kleine Fortsc hritte bezüglich seiner Störungsein- sicht und Anerkennung der Tatvorwürfe erzielt werden kö nnen. So habe der Beschwerdeführer berichten können, dass die erste Deliktsserie ähnlich wie d ie zweite abgelaufen sei. Zu seiner fehlenden Auseinandersetzungsbereitschaft gibt der Besch werdeführer an, es sei ihm peinlich darüber zu sprechen und es überfordere ihn, zu seiner Diagnose der Pädophilie Stellung zu nehmen (persönliche Anhörung des Beschwerdeführers vom 7. Januar 2019). Für eine psycho- therapeutische Behandlung ist ein Mindestmass an Proble mbewusstsein und Introspektionsfä- higkeit notwendig, welches der Beschwerdeführer nicht err eicht hat. Aufgrund seines Alters ist auch nicht davon auszugehen, dass sich seine Introspektionsfä higkeit noch verbessern wird (vgl. Therapiebericht des FPD vom 4. Juli 2017). Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz ist dem Beschwerdeführer somit dahingehend zuzustimmen, dass er im Rahmen seiner Möglich- keiten versucht hat, sich auf deliktsbezogene Therapiegespräche einzulassen. 5.3.1 Weiter ist das deliktische und sonstige Verhalten des Beschwerdeführers zu beurteilen. Dabei sind alle Umstände, welche zur Straftat geführt haben, zu berücksichtigen (BGE 105 IV 167 E. 3). Der Deliktsart kommt insofern Bedeutung zu, als beim Entscheid über die bedingte Entlassung nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls, sondern auch die Art der gefährde- ten Rechtsgüter ins Gewicht fällt (BGE 124 IV 193 E. 3). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3.2 Mit der Vorinstanz ist auf das Strafurteil vom 1 0. Dezember 2015 zu verweisen und zum deliktischen Verhalten des Beschwerdeführers festzuhalte n, dass er die strafbaren Hand- lungen an seiner Stieftochter aus zweiter Ehe im Zeitr aum ihres 9. bis 14. Lebensjahrs durch- schnittlich wöchentlich vorgenommen hat. Das strafbare Ver halten des Beschwerdeführers hat erst aufgehört, nachdem er von seiner Ehefrau auf "frisc her Tat" ertappt wurde. Die Vorinstanz führt weiter zu Recht aus, dass er diese Straftaten als E rwachsener an seiner Stieftochter, für welche er in gesteigertem Masse fürsorgepflichtig war, b egangen hat. Damit hat er gravierend in die körperliche und seelische Integrität sowie in di e sexuelle Entwicklung seiner Stieftochter eingegriffen. Im Bericht des FPD vom 4. Juli 2017 wird diesbezüglich festgehalten, dass die Ansprüche des Beschwerdeführers wegen seiner konflikthaften Ehe und der reduzierten Sexua- lität in der Ehe nicht hätten befriedigt werden könne n. Aufgrund der räumlichen Nähe zur Stieftochter habe er diese missbraucht, um seine Bedürf nisse zu erfüllen. Im Aktengutachten vom 10. November 2014 wird zum Deliktsmechanismus des Beschwe rdeführers festhalten, dass dessen Zuwendung zu Mädchen kompensatorisch zu seinen Minderwertigkeitsgefühlen erscheine, da er sich dort potent und mächtig erlebe und seine Sexualität ausleben könne, ohne sich den Ansprüchen einer Frau stellen zu müssen. Das gewa lttätige Verhalten sei zum Teil zweckgerichtet mit dem Ziel, den Widerstand des Opfers zu brechen, habe aber auch den As- pekt der ausagierten Wut und Frustration gegenüber de m weiblichen Geschlecht. Sein delikti- sches Verhalten ist somit offensichtlich zu Ungunsten des B eschwerdeführers zu werten. In Bezug auf den jahrelangen sexuellen Missbrauch seiner St ieftochter aus erster Ehe sowie den Missbrauch seiner jüngeren Schwester ergingen jedoch kei ne Strafurteile, weshalb der Be- schwerdeführer nicht als Wiederholungstäter bezeichnet wer den kann. Zu seinem sonstigen Verhalten lässt sich anführen, dass der Beschwerdeführer die gesamte Genugtuungssumme in der Höhe von Fr. 35'000.-- an seine Stieftochter aus zweiter Ehe bezahlt hat. Die Vorinstanzen sowie der Beschwerdeführer weisen weiter zu Recht darauf hin, dass letzterer im Strafvollzug ein durchwegs positives Vollzugsverhalten gezeigt und er zu keinem Zeitpunkt Anlass zu Bean- standungen gegeben hat. Zudem hat der Beschwerdeführe r bis zur Sistierung seiner Vollzugs- lockerungen im April 2018 seine fünfstündigen unbeglei teten Ausgänge ohne jeden Zwischen- fall vollzogen (vgl. Vollzugsbericht vom 14. Januar 2020). Das durchwegs positive Vollzugsver- halten und die Leistung der vollständigen Genugtuungssu mme sind im Rahmen der Verhal- tensbeurteilung zu Gunsten des Beschwerdeführers zu werten. 5.3.3 Ob die mit einer bedingten Entlassung stets verbu ndene Gefahr neuer Delikte hin- nehmbar ist, hängt nicht nur vom Wahrscheinlichkeitsgrad der Begehung einer neuen Straftat ab, sondern namentlich auch von der Bedeutung des be i einem Rückfall allfällig bedrohten Rechtsguts. Je höherwertigere Rechtsgüter in Gefahr sind, desto grösser ist das Sicherheitsin- teresse der Allgemeinheit und desto geringer darf das Risiko sein, das eine bedingte Entlas- sung mit sich bringt (BGE 124 IV 193 E. 4). Hinzu kommt , dass angesichts des infrage stehen- den hochwertigen Rechtsguts der sexuellen Integrität nach der Rechtsprechung des Bundesge- richts auch ein geringes Rückfallrisiko nicht in Kauf geno mmen werden muss. Anders zu ent- scheiden hiesse, die potenziellen Opfer einem nicht vera ntwortbaren Risiko auszusetzen (Urteil des Bundesgerichts 6B_842/2013 vom 31. März 2014 E. 3). Unbestritten ist, dass bei einem Rückfall des Beschwerdeführers die psychische und physische Un versehrtheit von minderjähri- gen Mädchen bedroht sind, welche hochwertige Rechtsgüte r darstellen, die es ohne Vorbehalt Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu schützen gilt. Auch ein geringes Rückfallrisiko muss somit grundsätzlich nicht in Kauf ge- nommen werden. 5.3.4 Gemäss Gutachten vom 10. November 2014 bestehe beim Beschwerdeführer ein leichtes bis mittelgradig erhöhtes Rückfallrisiko, welches entscheidend von sich bietenden Ge- legenheiten und Familienkonstellationen abhängig sei (risikogefährdet seien die Enkelkinder). Im Therapiebericht des FPD vom 4. Juli 2017 wird in die sem Zusammenhang ausgeführt, wich- tige Therapieschritte des Risikomanagements seien die De liktsbearbeitung, die Erkennung des Vorlaufs sowie die Bearbeitung der störungs- und delikts spezifischen Aspekte, was jedoch nur bei ausreichender Introspektionsfähigkeit und Problem bewusstsein erarbeitet werden könne. Beides habe der Beschwerdeführer nicht erreichen können. Für eine Risikoeinschätzung wurde im Therapiebericht vom 4. Juli 2017 sowie in der KoFako Beurteilung vom 26. März 2018 eine Begutachtung des Beschwerdeführers (mit dessen Mitwirkung) empfohlen. Bis heute wurde der Beschwerdeführer hingegen noch nie persönlich begutachte t, weshalb die Risikoeinschätzun- gen der vorstehenden Fachpersonen aufgrund der Akten er gangen sind. Die Statistik des Bun- desamtes für Statistik "Erwachsene: Wiederverurteilung innerhalb von drei Jahren nach einem 2014 erfolgten Referenzurteil, nach Merkmalen der Ausg angsbevölkerung" zeigt bei dem Delikt gemäss Art. 187 StGB (sexuelle Handlungen mit Kindern ) für Personen im Alter von 45 Jahren und älter eine Rückfallrate von 3% auf (Stand des Str afregisters: 1. Dezember 2019). Diese relativ geringe Rückfallquote deckt sich nicht mit der Ei nschätzung im KoFako Bericht vom 23. September 2019, in welchem beim Tatbestand der se xuellen Handlung mit einem Kind von einem Delikt mit einer hohen statistischen Rückfallbasisra te ausgegangen wird (vgl. E. 4.3.2 hiervor). Mit Blick auf die bundesamtliche Statistik kann somit nicht auf die Rückfallprognose im Bericht der KoFako vom 23. September 2019 abgestellt werden und beim Beschwerdeführer ist gestützt auf das Gutachten vom 10. November 2014 von eine m leichten bis mittelgradig erhöh- ten Rückfallrisiko auszugehen. Der Beschwerdeführer bestät igt indessen im Rahmen seiner Anhörung vom 7. Januar 2019 und seines Antrags auf be dingte Entlassung vom 4. Dezember 2018, dass "so etwas" nie wieder passieren we rde, da er kein Verlangen mehr nach Sex habe und er Risikosituationen aus dem Weg gehen werde. Neben den Aussagen des Beschwerdeführers gilt es insbesondere zu beachten, dass der Beschwerdeführer jeweils in seinem hochspezifischen Familienumfeld straffällig wurde und sich – soweit ersichtlich – nicht auf die Suche nach fremden Opfern gemacht hat. 5.4 Hinsichtlich der Lebensverhältnisse nach der Haftentla ssung gibt der Beschwerdefüh- rer anlässlich seiner Anhörung vom 7. Januar 2019 an, dass er mit seiner Ehefrau in den Kan- ton F.____ oder G.____ ziehen wolle. Seine Ehefrau w ohne im Kanton Basel-Landschaft und ist in einem 100%-Pensum als Maschinenführerin bei einer Firma in H.____ angestellt. In finan- zieller Hinsicht werde der Beschwerdeführer von seiner A HV-Rente und seinen Ersparnissen von monatlich Fr. 4'000.-- leben. Zusätzlich verfüge das Ehepaar über das Einkommen der Ehe- frau. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass er ein ruhiges Leben führen, sich um seine Gesundheit kümmern und keinerlei Kontakt zu seiner Stieftochter und deren drei minder- jährigen Kindern haben wolle. Auch sein leiblicher Sohn, welcher ebenfalls minderjährige Kinder habe, wünsche keinen Kontakt zum Beschwerdeführer. Als Fre izeitgestaltung könne sich der Beschwerdeführer vorstellen, mit Leder oder Holz zu arb eiten. Es ist durchaus positiv zu wer- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten, dass sich der Beschwerdeführer mit seiner Zukunft au seinandersetzt. Finanziell ist der Be- schwerdeführer abgesichert und wohnen wird er wahrscheinl ich in der Wohnung seiner Ehe- frau. Zudem verfügt er mit seiner Ehefrau, welche ihn im Vollzug regelmässig besucht, über eine soziale Beziehung. Angesichts des Umstands, dass seine E hefrau jedoch Kontakt zu ihrer Tochter und zu den Enkelkindern hat, sie den Beschwerdefüh rer nicht von der jahrelangen De- linquenz gegen ihre Tochter abhalten konnte und häu fig aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit abwesend sein wird, ist ihre Unterstützung bei der Wiedereingliederung des Beschwerdeführers zweifelhaft. Im Falle einer Entlassung wäre es somit Aufgabe der Bewährungshilfe, dem Be- schwerdeführer durch engmaschige Kontrollen und strenge A uflagen die notwendigen Struktu- ren zu geben, um eine erneute Delinquenz zu verhinder n. Diese Kontrollmöglichkeiten beste- hen hingegen nur bei einer bedingten Entlassung des Be schwerdeführers und nicht mehr nach einer Vollverbüssung der Strafe. Im letzteren Fall wäre der Beschwerdeführer nach der Entlas- sung auf sich alleine gestellt. 5.5 Im Sinn einer Differenzialdiagnose sind die Vorzüg e und Nachteile der Vollverbüssung der Strafe denjenigen der Aussetzung des Strafrests geg enüberzustellen, wobei zu prüfen ist, ob die Gefährlichkeit des Gefangenen bei einer Vollverb üssung der Strafe abnehmen, gleich bleiben oder zunehmen wird (vgl. BGE 124 IV 193 E. 5 b.bb; Urteil des Bundesgerichts 6B_215/2017 vom 19. Juli 2017 E. 2.4). Wie die Vori nstanz zu Recht festhält, ist dabei zu be- rücksichtigen, dass die bedingte Entlassung in Verbindung mit sachgerechten Weisungen und/oder Bewährungshilfe in spezialpräventiver Hinsicht zw eckmässiger sein kann als die Ent- lassung zum Strafende ohne jegliche Möglichkeit, weiter auf den Täter einzuwirken. Zu berück- sichtigen sind aber auch die Art und Schwere der möglicherweise zu erwartenden Straftaten. Ist die Verletzung wertvoller Rechtsgüter betroffen, kann es im Interesse der öffentlichen Sicherheit sein, den Gefangenen die gesamte Strafe verbüssen zu la ssen (CORNELIA KOLLER , in: Brägger [Hrsg.], Das Schweizerische Vollzugslexikon – von der vorlä ufigen Festnahme zur bedingten Entlassung, Basel 2014, S. 82 f.). Mit der Vorinstanz i st weiter festzuhalten, dass bei einem Rückfall des Beschwerdeführers hochwertige Rechtsgüter be droht sind, wobei ein grosses öf- fentliches Interesse daran besteht, Sexualstraftäter we iter von der Gesellschaft, und sich dem Täter bietenden Gelegenheiten, fernzuhalten. Während des ganzen bisherigen Strafvollzugs hat sich der Beschwerdeführer geweigert, sich auf eine tiefgreifende Therapie einzulassen, weshalb seine Delikte mit ihm nicht haben bearbeitet werden kön nen. Aus diesem Grund konnte kein Risikomanagement bzw. keine Verhaltensweisen zur Vermeidun g weiterer Straftaten erarbeitet werden (vgl. Therapiebericht FPD vom 4. Juli 2017). Obsc hon die Unmöglichkeit einer delikts- orientierten Therapie dem verweigernden Verhalten d es Beschwerdeführers zuzuschreiben ist, gehen die Fachpersonen aufgrund seines Alters nicht davon aus, dass sich die Haltung des Beschwerdeführers noch ändern könnte und er sich auf ein e Therapie einlassen würde. Aus diesem Grund wird im Gutachten vom 10. November 2014 und dem Therapiebericht des FPD vom 4. Juli 2017 empfohlen, das Rückfallrisiko durch eine enge Kontrolle der Gegebenheiten zu beeinflussen und dem Beschwerdeführer klare Weisungen (Ve rbot, sich alleine mit minderjähri- gen Mädchen aufzuhalten [Enkelkinder], Verbot, mit Kin dergruppen zu arbeiten) aufzuerlegen. Vor diesem Hintergrund ist zu Gunsten des Beschwerdeführers davon auszugehen, dass seiner Rückfallgefahr im Rahmen einer streng kontrollierten bedingten Entlassung möglicherweise Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht besser begegnet werden kann, als wenn er ohne strenge Begleitmassnahmen nach Vollverbüs- sung der Strafe entlassen wird. 6.1 Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsbeurteilung ist zusammenfassend festzuhalten, dass die beim Beschwerdeführer diagnostizierte psychische St örung der Pädophilie nicht heil- bar ist und er während des Strafvollzugs nicht in der La ge war, sich mit dieser Diagnose und seinen Verbrechen vertieft auseinanderzusetzen. Die Mit wirkung an einer persönlichen foren- sisch-psychiatrischen Begutachtung verweigert der Beschwerde führer bis heute. Aus diesem Grund konnten die Risikofaktoren seiner Delikte und folg lich ein Risikomanagement nicht erar- beitet werden. Den Therapieberichten sowie dem Gutac hten zufolge weist der Beschwerdefüh- rer nach wie vor ein leichtes bis mittelgradig erhöhte s Rückfallrisiko auf. Bei einem Rückfall des Beschwerdeführers sind hochwertige Rechtsgüter – wie di e Unversehrtheit der psychischen und physischen Integrität minderjähriger Mädchen – bedr oht. Der Beschwerdeführer würde in das soziale Umfeld bzw. zu seiner Ehefrau bedingt entla ssen werden, durch welche seine De- likte gemäss Urteil des Strafgerichts vom 10. Dezember 201 5 begünstigt wurden. Der Be- schwerdeführer bestätigt jedoch in seiner Anhörung vom 1 3. Januar 2020, dass er bereit sei, mit der Bewährungshilfe zusammenzuarbeiten, weshalb d ie von den Fachpersonen empfohle- nen Massnahmen im Rahmen einer bedingten Entlassung um gesetzt werden könnten. Gegen den Beschwerdeführer liegt ferner neben der Verurtei lung vom 10. Dezember 2015 lediglich eine strafrechtliche Verurteilung wegen Vergehen gege n das Straßenverkehrsgesetz vor. Nachdem er von seiner Ehefrau beim sexuellen Missbrauch i hrer Tochter erwischt worden ist, trat er während 12 Jahren nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung und kann nicht als Wiederho- lungstäter im strafrechtlichen Sinn bezeichnet werden. Es ist zudem darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer 77 Jahre alt ist und als gebrechlic h beschrieben wird. Weiter gibt er an, dass er ein ruhiges Leben führen und sich um seine Gesun dheit kümmern wolle. Zu seinen Stieftöchtern habe er keinen Kontakt mehr und er bea bsichtige, sich von I.____ und seinem alten Umfeld zu entfernen. Risikosituationen werde er aus dem Weg gehen. In diesem Zusam- menhang ist darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerdef ührer bisher nicht auf die Suche nach fremden Opfern gemacht hat und jeweils in einem hochspezifischen Familienumfeld straf- fällig wurde. Sofern sein familiäres Umfeld dabei entscheidend mitwirkt, indem jeglicher Kontakt zwischen den minderjährigen Enkelkindern und dem Beschwer deführer vermieden wird, ist ge- stützt auf seine Aussagen, das Alter und die gesundheitl iche Verfassung des Beschwerdefüh- rers davon auszugehen, dass er sich bemühen wird, nicht m ehr einschlägig zu delinquieren. Ohne weitere Vorkommisse oder Massnahmen wird der Beschw erdeführer am 8. August 2021 ohnehin ordentlich aus dem Strafvollzug entlassen. In d iesem Fall bestünde jedoch die Mög- lichkeit der Bewährungshilfe nicht und der Beschwerdefüh rer würde ohne externe Kontrollme- chanismen entlassen. Um den Beschwerdeführer wieder in ei n Leben ausserhalb des Strafvoll- zugs einzugliedern und um eine Überforderung im Allt ag und damit einen allfälligen Rückfall zu vermeiden, setzt die Entlassung des Beschwerdeführers zwinge nd begleitende Kontrollmass- nahmen voraus, welche nur bei einer bedingten Entlassu ng möglich sind. Vor diesem Hinter- grund überwiegen die privaten Interessen des Beschwerdef ührers an einer bedingten Entlas- sung die öffentlichen Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Der Beschwerdeführer wird wahrscheinlich zu seiner E hefrau ziehen, aufgrund ihrer beruflich bedingten Abwesenheit wird er jedoch mehrh eitlich auf sich alleine gestellt sein. Um eine Überforderung des Beschwerdeführers im Alltag und die daraus resultierenden möglichen Konsequenzen zu verhindern, muss die bedingte Entlassung zwingend einer strengen Kontrolle unterworfen sein, zumal die Ausgänge des Beschwerdefüh rers seit April 2018 sistiert sind und er ohne jegliche Vorbereitung bedingt entlassen wird. Die Sicherheitsdirektion hat somit die Umstände der Bewährungshilfe sowie alle Auflagen und Weisungen umfassend zu prüfen, wel- che vorliegend notwendig sind, um einen Rückfall des Beschwerdeführers zu verhindern. 6.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen u nd die Angelegenheit ist zur Bewilligung der bedingten Entlassung im Sinne der Erwägungen an die Sicherheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Straf- und Massnahme nvollzug, zurückzuweisen. Bei die- sem Ausgang des Verfahrens ist auf die weiteren Begehre n und Vorbringen des Beschwerde- führers nicht weiter einzugehen. 7.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- dem Beschwerdegegner aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- i st dem Beschwerdeführer zurückzuer- statten. 7.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise ob siegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Entsprechend dem Ausgan g des Verfahrens ist dem Be- schwerdeführer eine Parteientschädigung zulasten des Be schwerdegegners zuzusprechen. In seiner Honorarnote vom 27. Februar 2020 macht der Rech tsvertreter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 7.17 Stunden à Fr. 250.-- und Ausla gen in der Höhe von Fr. 94.20 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Demzufolge hat der Beschwe rdegegner dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2’032.-- (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) zu be- zahlen. 7.3 Was die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens anbel angt, so ist die Angelegenheit zu deren Neuverlegung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Regierungsrats vom 10. September 2019 wird aufgehoben und die Angel egenheit wird zur Bewilligung der bedingten Entlassung im Sinne der Erwägungen an die Sicherheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft, A bteilung Straf- und Massnahmenvollzug, zurückgewiesen. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden dem Regie- rungsrat des Kantons Basel-Landschaft auferlegt. Der gel eistete Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- wird dem Beschwerde führer zu- rückerstattet. 4. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat de m Beschwerde- führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2’032.-- (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) auszurichten. Kantonsrichter Gerichtsschreiberin