Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. September 2020 (725 20 126 / 222) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Würdigung der Arztberichte: Es bestehen keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1976 geborene A.____ war seit dem 1. Juni 200 7 bei der B.____AG als Bauarbeiter angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerisch en Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 30. August 2013 erlitt er einen Fahr- radunfall, wobei er sich Verletzungen im linken Knie zuzog. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Heilbehandlung) für die Folge n dieses Ereignisses. Am 6. September 2013 erfolgte operativ eine Naht am Aussenmeniskushinter horn und eine Rekonstruktion des Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Innenbands mit einem G4-Anker, am 3. Dezember 2013 ei ne vordere Kreuzbandrekonstruktion mit Ligamentum patellae Transplantat und am 26. Janua r 2015 eine Arthroskopie mit Debride- ment sowie eine osteochondrale Rekonstruktion mit allogener Spongiosa und Implantation einer Novocart-Membran. Mit Verfügung vom 4. Oktober 2017 spr ach die Suva A.____ für die ver- bleibenden Unfallfolgen mit Wirkung ab 1. Januar 201 6 eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 21 % sowie eine Integritätsentsch ädigung basierend auf einer Integri- tätseinbusse von 10 % zu. Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin fest (Ein- spracheentscheid vom 18. Februar 2020). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanw alt Daniel Altermatt, am 20. März 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei der E inspracheentscheid vom 18. Februar 2020 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin unter o/e -Kostenfolge zu verpflichten, den me- dizinischen Sachverhalt neu abzuklären und ihm eine Invali denrente basierend auf einem Inva- liditätsgrad von mehr als 21 % sowie eine Integritätse ntschädigung von mehr als 10 % zuzu- sprechen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, dass sowohl der Invaliditätsgrad als auch die Integritätsentschädigung nicht korrekt ermittelt worden seien. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 1. April 2020 auf Abwei- sung der Beschwerde. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 2 6. Juni 2020 / Duplik vom 1. Juli 2020) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 20. März 2020 ist demnach einzutreten. 2. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Laut Abs. 1 de r Übergangsbestimmungen zur Ände- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung des UVG vom 25. September 2015 werden jedoch Versi cherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestim mungen zugetragen haben, und für Be- rufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind , nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeits- unfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwei ser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspr uch entsteht, wenn von der Fortset- zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der ver- sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfäll ige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Ren tenbeginn fallen die Heilbehand- lung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung d er körperlichen, geistigen oder psychi- schen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Ans pruch auf eine angemessene Integri- tätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente f estgesetzt oder, falls kein Rentenan- spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.2 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitssch aden nur insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 177, E. 3). Dabei spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich or- ganisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch kein e Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109, E. 2). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 13 2 V 93 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bu ndesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den vorliegenden Entscheid zentral sind. 6.2 Am 19. Oktober 2015 fand eine kreisärztliche Unter suchung statt. Im Bericht vom 20. Oktober 2015 diagnostizierte Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Trauma- tologie des Bewegungsapparates, ein Status nach Fahrradunfall am 30. August 2013 mit vorde- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rer Kreuzbandruptur, höhergradiger Ruptur des medialen Kollateralbands, Radiärriss des latera- len Menikusvorderhorns und Impression der ventrolateralen Femurcondyle links sowie einen Status nach mehrfacher operativer Versorgung, letztmalig am 26. Januar 2015, mit osteochond- raler Rekonstruktion der lateralen Femurkondyle, alloge ner Spongiosa und Implantation einer Novocart-Membran sowie Neurotomie des Ramus Infrapatell aris links. Aktuell bestünden eine Gonarthrose im linken Kniegelenk, eine Überempfindlich keit medialseitig, ein Muskeldefizit im linken Bein und Beschwerden. Von einer weiteren Behan dlung könne keine namhafte Besse- rung des Gesundheitszustands erwartet werden. Die bisher ige Arbeit auf dem Bau sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Hingegen seien ihm l eichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten bei einer selbstbestimmt wechselbelastenden Arbeit möglich, wobei häufiges Trep- pensteigen, das Klettern auf Leitern und Gerüsten sowie Tätigkeiten im Knien und in der Hocke nicht mehr und das Gehen auf unebenem Boden nur noch ausnahmsweise zumutbar seien. Im Rahmen der Zumutbarkeit sei eine ganztägige Arbeit m öglich. Bei bereits bestehender lateral betonter Gonarthrose im linken Kniegelenk sei dem Ve rsicherten eine Integritätsentschädigung geschuldet. Es sei damit zu rechnen, dass sich der Gesundhei tszustand langfristig verschlech- tere; gegebenenfalls müsse der Integritätsschaden zu eine m späteren Zeitpunkt neu beurteilt werden. 6.3 Im Bericht vom 16. März 2016 hielten die behandeln den Ärzte des Spitals D.____ fest, dass sich im Wesentlichen ein unverändertes klinisches Bild mit ausgeprägter Berührungsemp- findlichkeit und mit Schmerzhaftigkeit der gesamten Weichteile um das Knie zeige. Die Narben- verhältnisse würden sich reizlos präsentieren und der Bewe gungsumfang sei nur wenig einge- schränkt. Die Stabilität der Kollateral- sowie der Kre uzbänder seien aktuell bei ausgeprägter Schutzspannung und Schmerzhaftigkeit nicht konklusiv prüfbar. Aus orthopädischer Sicht zeige sich keine Veränderung der Situation. Der Versicherte se i in wechselbelastender Tätigkeit wei- terhin nicht mehr als 20 % arbeitsfähig. Die kniegelen kserhaltenden Therapieoptionen seien ausgeschöpft. 6.4 Die Beschwerdegegnerin liess den Versicherten durch Dr. med. Peter E.____, Facharzt für Chirurgie, und Dr. med. F.____, FMH Neurologie, Kompetenzzentrum Versicherungsmedizin der Suva, bidisziplinär begutachten. Die Untersuchung fand am 8. August 2017 statt. Im Bericht vom 20. September 2017 wurden in chirurgischer Hinsicht eine Distorsion des linken Kniege- lenks mit vorderer Kreuzbandruptur, eine arthroskopisch e Rekonstruktion mit Ligamentum pa- tellae-Transplantat am 3. Dezember 2013, ein Radiärr iss am Aussenmeniskushorn mit Korb- henkelriss, eine Arthroskopie und Naht des Meniskus am 6. S eptember 2013, ein Innenband- riss, eine Rekonstruktion des Innenbands mit einem Anker am 6. September 2013, eine Im- pression der lateralen Femurkondyle, eine osteochondrale Rekonstruktion mit allogener Spo- giosa und eine Implantation einer Novocart-Membran am 26. Januar 2015 diagnostiziert. Die SPECT-CT-Untersuchung vom 20. Februar 2017 zeige ein e stabile Verheilung des vorderen Kreuzbandersatzes. Im Bereich des lateralen Femurkondylus zeige sich ein Knorpelkrater. In diesem Areal werde ein deutlich erhöhter Uptake des Radionuklids dargestellt, was als Hinweis auf einen Fortbestand eines Knorpelschadens zu werten s ei. Für das mediale Kompartiment würden leichte Arthrosezeichen beschrieben. Der Zustand des linken Kniegelenks entspreche damit einem vorzeitigen Gelenkverschleiss, der mit überwi egender Wahrscheinlichkeit kausal Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf den im Rahmen des Unfallereignisses vom 30. Augus t 2013 erlittenen Schaden zurückge- führt werden könne. Der medizinische Endzustand sei erre icht. Der Versicherte habe weder starke Schmerzen noch nehme er Analgetika ein. Die von ihm angegebenen von lateral nach medial und umgekehrt wechselnden Schmerzen seien mit dem dokumentierten Gelenkschaden nicht ausreichend zu erklären. Dasselbe gelte für das deutlich vorgetragene hinkende Gangbild. Der Versicherte könne leichte, vorwiegend sitzende, selten stehende Arbeiten in Wechselbelas- tung ganztags ausführen. Dabei seien Tätigkeiten, die den Einsatz der oberen Extremitäten erfordern, ohne Einschränkung möglich. Beeinträchtigungen bezüglich der Aufmerksamkeit und beim Bedienen von Maschinen bestünden nicht. Ein erhöh ter Pausenbedarf sei aus den medi- zinischen Befunden nicht abzuleiten. Hingegen seien dem Versicherten längeres Gehen und Stehen, Tragen und Heben mittelschwerer und schwerer L asten, Arbeiten auf unebenem Un- tergrund, Leitern und Gerüsten oder solche auf vibrierenden oder schlagenden Maschinen nicht mehr möglich. Die im Bericht des Spitals D.____ vom 16. März 2016 veranschlagte Arbeitsun- fähigkeit von 80 % könne bei der aktuellen Befundlage nicht bestätigt werden. Radiologisch sei fast vier Jahre nach dem Unfall eine beginnende Arthrose im linken Kniegelenk feststellbar. Eine mässiggradige Arthrose im femoro-tibialen Gelenk w erde laut Tabelle 5 der Suva (Integri- tätsschaden bei Arthrosen) mit 5-15 % bewertet. Mit e inem Fortschreiten der unfallkausalen Arthrose im linken Kniegelenk sei zu rechnen. Da jedoch im Verlauf von fast vier Jahren keine ausgeprägten arthrotischen Veränderungen eingetreten seien, sei nicht mit einem raschen Fortschreiten zu rechnen. Unter Berücksichtigung des künft igen Fortschreitens der derzeit nur initialen Arthrose werde der Integritätsschaden am lin ken Kniegelenk mit 10 % geschätzt. In neurologischer Hinsicht könne nicht ausgeschlossen werden , dass es im Rahmen der operati- ven Interventionen zu einer Läsion des Ramus infrapatel laris des Nervus saphenus gekommen sei. Die gewollte operative Durchtrennung dieses Nervs ci rca ein Jahr nach dem Unfall habe nichts Wesentliches an der Beschwerdeschilderung des Versichert en geändert. Eine allfällige neuropathische Schmerzkomponente spiele aber im klinischen Gesamtbild eine untergeordnete Rolle. Ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) lieg e aktuell nicht vor. Eine Ein- schränkung der Leistungsfähigkeit sei nicht neurologisch b edingt. Ein Integritätsschaden sei im neurologischen Fachbereich nicht ausgewiesen. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 18. Februar 2020 bei der Beurteilung der Leistungsf ähigkeit auf den Bericht des Kreisarztes Dr. C.____ vom 20. Oktober 2015 sowie auf das bidiszipl inäre Gutachten der Dres. E.____ und F.____ vom 8. August 2017. Sie ging demgemäss davon au s, dass dem Versicherten ange- passte Verweistätigkeiten ganztags zumutbar sind. Wie be reits ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu st ellen, wenn sich der angefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen stützt. Bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigk eit der ärztlichen Feststellungen sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Vorliegend ergibt sich nichts, was Zweifel an der Stichhaltigkeit der Angaben der Dres. C.____, E.____ u nd F.____ wecken würde. Die von der Beschwerdegegnerin übernommenen Ergebnisse der kreisärzt lichen resp. versicherungsmedi- zinischen Beurteilungen beruhen auf einer persönlichen Untersuchung des Versicherten und auf einem sorgfältigen Studium der vorhandenen medizin ischen Akten. Ihre Beurteilungen er- weisen sich sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusa mmenhänge als auch bezüglich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeugend, weshalb vollumfänglich darauf abgestellt werden kann. Demnach ist mit der Beschwerdeg egnerin davon auszugehen, dass dem Versicherten trotz des dokumentierten Gelenkschadens a m linken Knie angepasste, vor- wiegend sitzende Tätigkeiten zu 100 % zumutbar sind. 7.2 Daran vermag die wenig substantiierte Kritik des Beschwerdeführers an den medizini- schen Entscheidgrundlagen nichts zu ändern. So kann entg egen seiner Ansicht weder gesagt werden, die Dres. E.____ und F.____ hätten bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit die von ihm geklagten Schmerzen nicht hinreichend berücksichtigt noch erscheint das von ihnen ange- gebene Stellenprofil als unrealistisch oder unzumutbar . Vielmehr stellte Dr. E.____ – nach per- sönlicher Untersuchung des Beschwerdeführers – explizit fest , dass die im Bericht des Spitals D.____ vom 16. März 2016 veranschlagte Arbeitsfähigkeit von lediglich 20 % unter Berücksich- tigung der aktuellen Befunde nicht bestätigt werden kö nne und sich zudem kein erhöhter Pau- senbedarf ableiten lasse. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass diese Beurteilung widersprüchlich oder nicht lege artis erfolgt ist, sind nicht ersichtli ch. Anderslautende medizinische Berichte, die Zweifel an dieser Beurteilung begründen würden, liegen ebenfalls nicht vor. Dies gilt namentlich auch hinsichtlich des neurologischen Abklärungsergebnisse s, stimmt doch die Beurteilung von Dr. F.____ mit derjenigen von Prof. Dr. med. G.____, FMH Neurologie, vom 19. August 2014 überein, wonach keine Anhaltspunkte für eine neurolo gische Ursache der Beschwerden aus- zumachen seien. Bei dieser Sachlage und der Tatsache, d ass sich aus den Akten nichts ergibt, was geeignet wäre, den Beweiswert des Berichts von Dr. C .____ vom 20. Oktober 2015 und der bidisziplinären Beurteilung der Dres. E.____ und F.____ vom 8. August 2017 in Zweifel zu ziehen, kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinwei- sen) auf die beantragte zusätzliche Abklärung verzichtet und davon ausgegangen werden, dass dem Versicherten angepasste Verweistätigkeiten zu 100 % zumutbar sind. 8.1 Zu prüfen sind die erwerblichen Auswirkungen der g esundheitlichen Beeinträchtigung. Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invalidit ätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität dur ch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge- glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalidenein kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Validen- einkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel i n der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig mög lichst genau ermittelt und einan- der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdiffe renz lässt sich der Invaliditätsgrad be- stimmen (BGE 128 V 30 E. 1). Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenhei- ten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns a bzustellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher vorliegend unstreitig auf den 1. Januar 2016 zu liegen kommt. Für den Ein- kommensvergleich sind demnach die in diesem Zeitpunkt ge gebenen Einkommensverhältnisse massgebend. 8.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 18. Febr uar 2020 ermittelte die Beschwer- degegnerin das Valideneinkommen anhand der Angaben de r ehemaligen Arbeitgeberin vom 20. Oktober 2015, wonach der Beschwerdeführer im Jahr 2 015 ein Jahreseinkommen von Fr. 72'865.-- (13 x Fr. 5'605.--; act. 271) erzielt hä tte, wäre er nicht invalid geworden. Bei der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bemessung des Invalideneinkommens stützte sie sich auf die Dokumentation über Arbeitsplät- ze (DAP) ab, welcher das Lohnjahr 2015 zugrunde liegt (vgl. act. 184), und errechnete gestützt darauf ein hypothetisches Jahreseinkommen von Fr. 57’214 .--, woraus ein Invaliditätsgrad von 21 % resultiert. 8.3 Soweit der Beschwerdeführer rügt, dass für die Bem essung des Invaliditätsgrads die im Jahr 2016 gegebenen Einkommensverhältnisse massgebend sei en, ist ihm zwar grundsätzlich beizupflichten. Allerdings führt die Anwendung der Wer te des Jahres 2016 zu keinem für ihn günstigeren Ergebnis, wie die Beschwerdegegnerin in ih rer Vernehmlassung vom 1. April 2020 zutreffend darlegt. Vielmehr ergibt sich aus ihrer – nunmehr aufgrund der einschlägigen Tabel- lenwerte der vom Bundesamt für Statistik (BfS) heraus gegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 basierenden – Neubemessung des Invalideneinkommens , dass der im angefochtenen Einspracheentscheid vom 18. Februar 2020 veranschlagte I nvaliditätsgrad von 21 % eher grosszügig ausgefallen ist (vgl. die Ausführungen in de r Vernehmlassung vom 1. April 2020). Nachdem der Beschwerdeführer diese Neuberechnung des I nvaliditätsgrads im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels nicht beanstandete, kann auf e ine detaillierte Auseinandersetzung mit den von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid 18. Februar 2020 resp. in der Vernehmlassung vom 1. April 2020 angestellten Invaliditätsbemessungen verzichtet werden. Dies gilt umso mehr, als die Bemessung der In validität – wie allgemein Arbeitsunfähig- keitsschätzungen oder Zumutbarkeitsfragen – immer auch E rmessenszüge aufweist und sich aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht zwingend eine andere Einschätzung der Vergleichseinkommen zu Gunsten oder zu Lasten des Beschwerdeführers vorzunehmen wäre. Damit bleibt es bei einem Invaliditätsgrad von 21 %. 9.1 Zu prüfen bleibt die Integritätsentschädigung. Ge mäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versi- cherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsen tschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körper lichen, geistigen oder psychischen In- tegrität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnun g über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt ein Integritätsschaden als daue rnd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfäl- lig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentschädi- gung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integritäts- schadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jah- resverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Be- messung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessun g der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 218 E. 2a; Kranken- u nd Unfallversicherung - Rechtspre- chung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1988 Nr. U 48 S. 23 6 E. 2a mit Hinweisen) häufig vor- kommende und typische Schäden prozentual gewichtet. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integritä tsschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höc hstbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für speziel le oder nicht aufgeführte Integritätsschä- den wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert ab geleitet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In die- sem Zusammenhang hat die Suva in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der Medizi- nischen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59 herausgegebene n Tabellen (teilweise geändert und ergänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten ge währleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a mit Hinweis). 9.3 Bei der Bestimmung des Schweregrads einer gesundh eitlichen Beeinträchtigung handelt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verw altung und Gerichte auf fachärztliche Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht möglic h, die Beurteilung aufgrund der akten- kundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfun g des in den Tabellen offen ge- lassenen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse vo raussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht er wartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den är ztlichen Sachverständigen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 9.4 Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer e ine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 10 % zu. Sie stützte sich dabei auf die entspre- chenden Beurteilungen der Dres. C.____ und E.____ vo m 19. Oktober 2015 resp. 8. August 2017. Beide Fachärzte veranschlagten aufgrund einer beg innenden Arthrose im linken Kniege- lenk einen Integritätsschaden von 10 %. Dabei stützen sie sich auf die Suva-Tabelle 5, wonach mässiggradige Arthrosen im femoro-tibialen Gelenk mit 5 -15 % bewertet werden. Damit ist die Festsetzung der Integritätsentschädigung durch die Beschwer degegnerin basierend auf einer Integritätseinbusse von 10 % nachvollziehbar und begrün det. Anhaltspunkte, welche gegen die Richtigkeit der Schätzungsgrundlage sprechen, liegen ni cht vor. Zudem ist keine rechtsfehler- hafte Handhabung des Ermessens ersichtlich, weshalb kein An lass besteht, in den Bemes- sungsspielraum der Beschwerdegegnerin einzugreifen. Soweit der Beschwerdeführer vermutet, dass diese Beurteilung zum Zeitpunkt des Einspracheentsch eids vom 18. Februar 2020 nicht mehr aktuell sein könnte, ist ihm entgegenzuhalten, dass sich aus den vorliegenden medizini- schen Akten keine entsprechenden Anhaltspunkte ergeben. Im Gegenteil spricht die Beurtei- lung von Dr. E.____ vom 20. September 2017, wonach im Verlauf der letzten vier Jahre keine ausgeprägten arthrotischen Veränderungen eingetreten seien und nicht mit einem raschen Fortschreiten zu rechnen sei, gegen eine zwischenzeitliche Verschlechterung des Integritäts- schadens. Bei dieser Sachlage durfte die Beschwerdegegnerin in antizipierter Beweiswürdigung und ohne den Untersuchungsgrundsatz zu verletzen auf weitere Abklärungen hierzu verzichten. Dies gilt umso mehr, als keine anderslautenden medizinischen Unterlagen bei den Akten liegen. Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich demna ch als rechtens, soweit dem Versi- cherten darin eine auf einer Integritätseinbusse von 10 % basierende Integritätsentschädigung zugesprochen wurde. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10. Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Ei nspracheentscheid vom 18. Februar 2020 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 11. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht