Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. August 2013 (720 11 128) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswert eines gerichtlichen Gutachtens Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yves Thom men, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Raffaella Biaggi , Advok a- tin, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ bezog erstmals vom 1. Dez ember 1989 bis 31. Dezember 1989 eine ganze IV-Rente. Am 1. Januar 1990 nahm er wieder eine volle Erwerbstätigkeit auf. Zwischen Januar 1996 und Januar 1998 wurde er zum techn ischen Kaufmann umgeschult, wo- bei er danach ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen konnte. Vom 1. Februar 1998 bis Ende Mai 2003 arbeitete der Versicherte bei der Firma B.____ AG in C.____ als kaufmänni- scher Mitarbeiter. Am 15. Dezember 2005 meldete er sich erneut bei der IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) unter Hinweis auf eine HIV-Erkr ankung sowie eine Hepatitis C und B- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erkrankung zum Leistungsbezug an, wobei er eine IV-Rent e beantragte. Nach Abklärung der erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Juni 2007 mit Wirkung ab 1. Dezember 2005 eine Dreiviertelsrente aufgrund eines IV-Grads von 65% zu. Eine dagegen erhobene Beschwerde hiess das Ka ntonsgericht des Kantons Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht) mit Urteil vom 16. Mai 2008 gut und wies die Angelegenheit zur weiteren Abklä rung, insbesondere der Auswirkungen der HIV-Medikation und einer allenfalls psychisch bedingt en Verminderung der Leistungsfähig- keit, an die IV-Stelle zurück. B. Nach Vornahme dieser Abklärungen sprach die IV-Ste lle dem Versicherten mit Verfü- gung vom 21. Februar 2011 ab 1. Dezember 2005 eine Dr eiviertelsrente und ab 1. Oktober 2009 gestützt auf einen IV-Grad von 48% eine Viertelsr ente zu. Gleichzeitig forderte sie die bis Februar 2011 zu viel ausbezahlten Rentenbetreffnisse z urück. Zur Begründung führte sie aus, dass es dem Versicherten gestützt auf das Gutachten der K linik D.____ vom 6. August 2009 infolge Verbesserung des Gesundheitszustandes ab Juli 2009 möglich sei, eine leichte bis mit- telschwere Tätigkeit im Umfang von 70% auszuüben. C. Hiergegen erhob der Versicherte am 25. März 2011 fr ist- und formgerecht Beschwerde beim Kantonsgericht. Diese sei aufzuheben. Er sei nicht in der Verfassung, eine 70%-ige Stelle anzunehmen. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 5. August 2011 auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Replik vom 20. Oktober 2011 beantragte der Besch werdeführer, mittlerweile vertre- ten durch Raffaella Biaggi, Advokatin, die Verfügung der IV-Stelle vom 21. Februar 2011 sei aufzuheben und es sei ihm eine Dreiviertelsrente auszuri chten. Zusammenfassend liess er vor- bringen, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Rent enzusprache per Dezember 2005 nicht verbessert habe. Die IV-Stelle hielt mit Duplik vo m 1. November 2011 an der Abweisung der Beschwerde fest. E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 22. Dezember 201 1 wurde der Fall ausgestellt und es wurden das infektiologische und das orthopädische Unter gutachten des polydisziplinären Gutachtens der D.____ vom 6. August 2009 eingeholt. E benfalls wurde festgehalten, dass die Rückweisung der Angelegenheit bzw. die Anordnung eines G erichtsgutachtens vorbehalten bleibe, falls die einzuholenden Untergutachten nichts zur Aufhellung des medizinischen Sach- verhalts beitragen würden. Mit Beschluss vom 12. April 201 2 kam das Gericht zum Schluss, dass der Beizug der bisher fehlenden Untergutachten wei tere Fragen aufwerfe, weshalb ein gerichtliches Gutachten unumgänglich sei. In der Folge w urde ein polydisziplinäres Gutachten in den Disziplinen Infektiologie, Orthopädie und Psychiat rie beim E.____ zur Frage der ge- samtmedizinisch bedingten Einschränkung der Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers einge- holt. Das entsprechende Gutachten des E.____ erging am 26. März 2013. F. In seiner Stellungnahme vom 22. April 2013 beantra gte der Beschwerdeführer, es sei ihm auf der Basis des gerichtlichen E.____-Gutachtens mi t Wirkung ab Dezember 2004, even- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tualiter ab Mai 2005, eine ganze IV-Rente auszurichten . Die IV-Stelle beantragte in ihrer Stel- lungnahme vom 8. Mai 2013, es sei ein weiteres gerichtliches Gutachten in Auftrag zu geben. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den A llgemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 i.V.m. Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Verfügungen der kantonalen IV- Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsge richt am Ort der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsger icht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Am 1. Januar 2008 ist die Änderung des IVG vom 6. Oktober 2006 (5. IV-Revision) in Kraft getreten. In intertemporalrechtlicher Hinsicht sehen deren Schlussbestimmungen eine - im vorliegenden Fall nicht weiter interessierende - Sonder regelung betreffend die Besitzstands- wahrung bei Taggeldern für laufende Eingliederungsma ssnahmen vor. In Bezug auf den Ren- tenanspruch enthalten die Schlussbestimmungen dagegen keine übergangsrechtliche Sonder- regelung. Für die Beurteilung der Frage, welches Rech t bei der Beurteilung des Rentenan- spruchs Anwendung findet, ist deshalb auf die allgemein en Kriterien des intertemporalen Rechts abzustellen (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1). 2.2 Was die Anwendbarkeit der materiell-rechtlichen Be stimmungen betrifft, ist in zeitlicher Hinsicht somit der übergangsrechtliche Grundsatz massgebend , wonach im Falle einer Ände- rung der gesetzlichen Grundlagen jene Ordnung anwendbar ist, die zur Zeit galt, als sich der zu Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 253 E. 3.5 mit Hinweis; BGE 127 V 467 E. 1). Vorliegend ist die Höhe des Anspr uchs auf eine IV-Rente strittig. Was deren Ausrichtung ab Dezember 2005 betrifft, ist der Anspruch des Versicherten deshalb an- hand der im Rahmen der 4. IV-Revision erfolgten Änder ungen des IVG und der IVV sowie der damit einhergehenden Anpassungen des ATSG zu beurteilen (vgl. BGE 130 V 329 ff und 446 f., E. 1.2.1. f.). 3.1. Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab Januar 2004 gü ltigen Fassung hat die versicherte Per- son Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wen n sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invali d ist. Als Invalidität, welche Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann, gil t die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähi gkeit (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbin- dung mit Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversiche- rungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstäti gen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG). Danach wird das Erw erbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh rung allfälliger Eingliederungsmassnah- men durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichen er Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbsei nkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkomme n). Der Vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er werbseinkommen ziffernmässig mög- lichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (sog. allgemeine Methode des Einkommensver- gleichs; BGE 104 V 136 Erw. 2a und b). 4. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, in welch er Höhe der Beschwerdeführer Anspruch auf eine IV-Rente besitzt und in diesem Zusammenhang insbesondere, in welchem Ausmass er aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum erneuten Erlass der n unmehr angefochtenen Verfügung vom 21. Februar 2011 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt b ildet rechtsprechungsgemäss die zeitli- che Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2. mit Hinweisen). 4.1 Bis zum In-Kraft-Treten des ATSG fehlte es an einer Legaldefinition des Begriffes der Ar- beitsunfähigkeit. Rechtsprechungsgemäss galt eine Person als arbeitsunfähig, die infolge eines Gesundheitsschadens ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr, nur noch beschränkt oder nur unter der Gefahr, ihren Gesundheitszustand zu verschlimmern, ausüben konnte (so zuletzt in BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Der Gra d der Arbeitsunfähigkeit wurde unter Be- rücksichtigung des bisherigen Berufs festgesetzt, solange von der versicherten Person nach einer gewissen Übergangsfrist (vgl. BGE 114 V 287 E. 3 d) nicht verlangt werden konnte, ihre restliche Arbeitsfähigkeit in einem anderen Berufszweig zu verwerten (vgl. BGE 114 V 283 E. 1d mit Hinweisen). Diese Umschreibung der Arbeitsunfähigkeit ist in die Definition des ATSG eingeflossen, nach dessen Art. 6 die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit ist, im bisheri- gen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu le isten (Satz 1); bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese positivrechtliche Begriffsumschreibung wei cht mithin nicht wesentlich vom Be- griff der Arbeitsunfähigkeit gemäss früherer Rechtspraxi s ab; vielmehr zeichnet sich die Über- führung in das geschriebene Recht durch einen hohen Gra d an Rechtskontinuität aus. Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsp rechung bleibt folglich weitestge- hend anwendbar (vgl. BGE 130 V 345 E. 3.1.1). Zu ergänzen bleibt, dass die Umschreibung der Arbeitsunfähigkeit in Art. 6 ATSG mit der am 1. Jan uar 2004 in Kraft getretenen 4. IV-Revision keine Änderungen erfahren hat. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwal- tung und im Streitfall das Gericht - auf Unterlagen a ngewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist e s, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungn ahmen eine wichtige Grundlage für die Be- urteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche an deren Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invalidi- tätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversi- cherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungspro- zess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche B eweisregeln, sowie umfassend und pflicht- gemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicher ungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen un d danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung d es streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial z u würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere m edizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössi schen Versicherungsgerichts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung) mit dem Grundsatz der freien Beweis- würdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Forme n medizinischer Berichte und Gutach- ten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen ( vgl. die ausführlichen Zusammenstellun- gen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsve rfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweisw ürdigung volle Beweiskraft zuzu- erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuve rlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Wie das Bundesgericht unlängst präzisiert hat, sind in solchen Fällen jedoch strenge Anforderung en an die Beweiswürdigung in dem Sin- ne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an d er Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit jener ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts, I. sozialrechtliche Abteilung, vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit Ver- weisen). Dabei lässt es die unterschiedliche Natur von Beh andlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsa uftrag eines amtlich bestellten fach- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht medizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E . 4 S. 175; Urteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) jedoch nicht zu, ein Admini strativ- oder Gerichtsgutachten in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten blei ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte w ichtige - und nicht rein subjektiver ärztli- cher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung uner- kannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Schliesslich weicht das Gericht bei eigenen Gerichtsgutachten praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerich tsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. E in allfälliger Grund für ein Abwei- chen kann höchstens dann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten de m Gericht als triftig genug er- scheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frag e zu stellen (vgl. BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). 4.5 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschw erdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Ab- weichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegend en Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genü gt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweisen; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 451 Rz 43 ff.). 5. Nachdem sich mit Beschluss des Kantonsgerichts vom 12. Ap ril 2012 die Einholung eines gerichtlichen Gutachtens als unerlässlich erwiesen hatte , steht hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nunmehr das gerich tliche Gutachten des E.____ vom 26. März 2013 - insbesondere dessen psychiatrische Teilbeu rteilung - im Zentrum der divergie- renden Parteistandpunkte. 5.1 Die Ärzteschaft des E.____ diagnostizierte beim Versich erten mit Auswirkung auf die Ar- beitsfähigkeit Störungen durch multiplen Substanzgebrau ch und Konsum anderer psychotroper Substanzen bei aktuell ständigem Substanzgebrauch von C annabinoiden und Tabak und bei einem Status nach jahrelangem Konsum von Alkohol sowie Heroin, gegenwärtig abstinent, mit organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen sowie anhaltender kognitiver Beein- trächtigung, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit d issozial und emotional instabilen An- teilen, eine deutliche Bewegungseinschränkung am unteren und eine geringere Bewegungsein- schränkung am oberen Sprunggelenk links, eine thorakal r echtskonvexe Rotationsskoliose und lumbale Streckhaltung, eine HIV-Infektion Stadium CDC A3 bei antiviraler Therapie seit Mai 2005 sowie eine chronische Hepatitis C. Zusammenfassend hielt die Kommission für medizini- sche Begutachtung des E.____ fest, dass sich eine schwierig e und belastende Anamnese in Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Kindheit und Jugend des Versicherten nachweisen la sse, deren Folgen einerseits die Ent- wicklung einer Persönlichkeitsstörung mit heute dissozial un d emotional instabilen Anteilen und andererseits ein Einstieg in einen Konsum illegaler D rogen, von Tabak und Alkohol seit dem 15. Lebensjahr über Jahre hinaus gewesen sei. Delitär sei insbesondere ein phasenweise aus- geprägter Alkoholabusus gewesen, der zu einer ganz erhebl ichen Schädigung mit deutlichen kognitiven Leistungseinbussen und einer Persönlichkeits- und Wesensveränderung geführt ha- be. Sekundäre Folgen dieses Drogenabusus sei überwiege nd wahrscheinlich schliesslich die Ansteckung mit einer Hepatitis C und einer HIV-Infekti on gewesen. Aufgrund der chronischen Hepatitis C bestehe eine leichte Einschränkung in der A rbeitsfähigkeit. Diese betreffe insbeson- dere körperlich belastende Tätigkeiten, die dem Versiche rten wegen rascher Ermüdbarkeit und körperlicher Leistungsintoleranz nicht mehr zumutbar seie n. Bezüglich der HIV-Infektion beste- he keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit. Bezügl ich der Hepatitis C-Infektion könne für leichte, körperlich adaptierte Tätigkeiten nur eine mi nime Einschränkung der Arbeitsfähigkeit postuliert werden. Mit besseren Therapien könne bezügl ich der Hepatitis C eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden. Bezüglich des Beweg ungsapparates bestünden Einschrän- kungen seit dem Unfall im Januar 1995 für Tätigkeiten, welche mit dem Gehen auf unebenem Gelände, dem Besteigen von Treppen oder Leitern sowi e Arbeiten auf Gerüsten und derglei- chen verbunden seien. Aus psychiatrischer Sicht bestünde eine hochgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einerseits einer ganz e rheblichen Persönlichkeitsstörung und an- dererseits einer eindeutigen Einschränkung der kogniti ven Leistungsfähigkeit mit einer organi- schen Persönlichkeits- und Wesensveränderung im Sinne einer alkoholischen Wesensverände- rung. Die psychiatrische Pathologie müsse als ganz erhebli ch angesehen werden. Die neuro- kognitiven Einschränkungen seien ebenfalls relevant. Hinz u würden die Auswirkungen dieser Pathologien auf das gesamte soziale Verhalten des Versi cherten treten, aufgrund derer die Fä- higkeit, sich an eine gewisse Ordnung, an Regeln und Ro utinen anzupassen, ganz erheblich beeinträchtigt sei. Auch die Fähigkeit, gezielt, strukt uriert und verlässlich Aufgaben zu über- nehmen, sei schwer eingeschränkt. Beträchtlich beeinträchtigt sei ebenfalls die Adaptionsfähig- keit auf neue Gegebenheiten. Insbesondere beeinträchti gt seien die Urteilsfähigkeit infolge der Kritikschwäche, aber auch das Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, ein Ziel konstant zu ver- folgen. Wie sich aus dem psychopathologischen Befund eindr ücklich ableiten lasse, sei auch die Kontaktfähigkeit zu anderen Personen, die Gruppe nfähigkeit und die Fähigkeit zu normalen persönlichen Beziehungen ganz erheblich beeinträchtigt. Diese psychiatrische Pathologie inter- feriere in allen möglichen Tätigkeitsbereichen. Die Hau ptproblematik liege seit langem auf psy- chiatrischem und weniger auf somatischem Gebiet. Als techni scher Kaufmann sei der Versi- cherte derart hochgradig in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, dass er letztlich einem Arbeit- geber nicht mehr zumutbar sei. Allfällige Nebenwirkunge n der Stocrin-Medikation würden von der psychiatrischen Symptomatik völlig dominiert. Aus psychia trischen Gründen sei der Versi- cherte auf dem freien Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsf ähig. Eine retrograde Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei schwierig. Di e aktuelle Untersuchung und die bis- herigen Akten erlaubten aber eine gewisse Rekonstruktio n. Der Versicherte habe zuletzt bei seinem F.____ gearbeitet. Danach sei er arbeitslos gewe sen und anschliessend krankge- schrieben worden. Es sei davon auszugehen, dass der Versiche rte bereits zuvor aus psychiat- rischen Gründen in seiner Arbeitsleistung eingeschränkt g ewesen sei, da die Aufgabe der Ar- beitstätigkeit mit einer Phase schweren Alkoholmissbrauch s korrespondiere. Mit Blick auf die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht von der D.____ attestierte Einschränkung in der Arbeitsunfähigkeit aus rein internistischer Sicht stünden gerade die psychischen Co-Faktoren ganz wesentlich am gesamten Geschehen im Vordergrund. Von seinem Hausarzt sei der Versicherte seit längerem als arbeitsunfähig beur- teilt worden. Die von ihm vorgenommene Gesamtbeurteilu ng decke sich letztlich mit den ein- zelnen spezialärztlichen Untersuchungen des Gutachtens. 5.2 Während sich der Versicherte in seiner Stellungnahm e vom 22. April 2013 den Schluss- folgerungen des E.____-Gutachtens anschliesst, beantragt d ie IV-Stelle in ihrer Eingabe vom 8. Mai 2013, es sei ein weiteres gerichtliches Gutachte n in Auftrag zu geben. Sie begründet diese Auffassung mit Verweis auf die Stellungnahme ihre s regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) damit, dass das gerichtliche Gutachten des E.____ vo m 26. März 2013 nicht verwertbar sei, weil die Beschwerde- und Befundanamnese sowie die Schilderung des Tagesablaufes im E.____-Gutachten zu kurz ausgefallen seien. Anderers eits hafte dem gerichtlichen Gutachten der Mangel an, dass die abweichende Einschätzung von Dr. G.____ aus dem Jahre 2009 nicht erwähnt worden sei, obschon explizit danach gefragt wo rden sei. Die Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit erweise sich schliesslich als nicht nachvollziehbar, weil der psychiatrische Gutachter es unterlassen habe, die Sucht des Versicherten im Rahmen der Begutachtung mit einem Drogen- test zu objektivieren. Diesen Standpunkten kann nicht gefol gt werden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.4 hievor) ist von eingeholten Gerichtsgutach ten praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab zuweichen, dessen Aufgabe es gerade ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Ve rfügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein allfäll iger Grund für ein Abweichen kann höchstens dann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise wi dersprüchlich ist oder wenn gegen- sätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Ger icht als triftig genug erschei- nen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu st ellen. Solche Gründe liegen hier keine vor. 5.3 Zunächst ist festzustellen, dass das Gericht bereits mit Beschluss vom 12. April 2012 in Frage gestellt hatte, ob das Gutachten der medizinischen Poliklinik vom 6. August 2009 und mit ihm letztlich auch das psychiatrische Teilgutachten von Dr. G .____ vom 18. Februar 2009 die gesundheitlichen Verhältnisse im massgeblichen Zeitpunkt der hier angefochtenen Verfügung vom 21. Februar 2011 noch aktuell darstelle. Nachdem im Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Mai 2008 beanstandet worden war, dass die IV-Stell e eine möglicherweise relevante psy- chisch bedingte Verminderung der Leistungsfähigkeit des V ersicherten nicht fachärztlich abge- klärt hatte, vermag die im Anschluss erfolgte Untersuchung durch Dr. G.____ vom 17. Februar 2009 mit Blick auf die erst zwei Jahre später erfolgte V erfügung vom 21. Februar 2011 bereits in zeitlicher Hinsicht jedenfalls keinen solch zwingenden Grund für eine abweichende Haltung zu begründen. Entgegen der von der IV-Stelle vertreten en Auffassung vermag das E.____- Gutachten aber auch in inhaltlicher Hinsicht zu überzeugen. Was zunächst die von der IV-Stelle im Gerichtsgutachten als zu kurz kritisierte Anamneseerhebung betrifft, sind vielmehr die ent- sprechenden Erhebungen von Dr. G.____ als eher kurz und unvollständig zu qualifizieren. So finden sich im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. G.__ __ beispielsweise keinerlei Angaben des Versicherten im Zusammenhang mit dessen frühen Kindh eit und den Erinnerungen an den leiblichen Vater. Aus der psychiatrischen Teilbegutachtung des E.____ ergibt sich diesbezüglich Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein deutlich umfassenderes und mit Blick auf die Beurte ilung der psychiatrischen Verhältnisse damit auch aussagekräftigeres Bild. Nichts anderes gilt hi nsichtlich der Erlebnisse des Explo- randen mit seinem Stiefvater, welche im E.____-Guta chten ebenfalls einen höheren Detaillie- rungsgrad aufweisen. Auch wenn der gerichtliche Gutach ter keinen eigentlichen Tagesablauf wiedergibt, zeichnet das psychiatrische Teilgutachten des E .____ ein umfangreicheres Bild der Kindheit des Versicherten, welches offensichtlich einen massgebenden Einfluss auf die nun- mehr zu diagnostizierenden Gesundheitsstörungen mit Einf luss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Unter diesen Umständen kann jedenfalls nicht gesagt werd en, die psychiatrische Anamneseer- hebung durch Dr. G.____ vermöge mehr zu überzeugen. 5.4 Nichts anderes gilt in Bezug auf die Befunderhebun g. Auch hier fallen die Aussagen von Dr. G.____ weniger umfangreich aus als jene im psychiatri schen Teilgutachten des E.____. Beide psychiatrischen Gutachter erheben zwar im Wesentlic hen dieselben Befunde. Obschon auch Dr. G.____ zum Schluss kommt, der Versicherte wirke d istanzlos, schweife ab und sei kaum zu bremsen, nimmt er in der anschliessenden Beurte ilung keinen detaillierten Bezug auf diese Befunde. Dies gilt insbesondere für die von den be iden Gutachtern ebenfalls festgestellte Gereiztheit und Aggressivität des Versicherten, die im psych iatrischen Teilgutachten des E.____ nachvollziehbar als Teilaspekt der dort erhobenen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bewertet wird. Stellt man die beiden psychiatrischen Teilgutachten nebeneinan- der, bleibt in der psychiatrischen Beurteilung von Dr. G.____ letztlich unbeantwortet, weshalb die erhobenen Befunde keinen Einfluss auf die Arbeitsf ähigkeit des Versicherten haben. Dem- gegenüber vermag das psychiatrische Teilgutachten des E.__ __ eine schlüssige Erklärung für die fehlende Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit abz ugeben, wonach die anamnestisch detail- liert erhobene Entwicklung des Versicherten in dessen Kin dheit und Jugend die Basis der die Arbeitsfähigkeit verhindernden, psychiatrischen Symptom atik darstellt. Auch wenn sich das E.____ mit dem Teilgutachten von Dr. G.____ nicht det ailliert auseinandergesetzt hat, kann schliesslich auch nicht gesagt werden, das E.____ lasse je glichen Verweis auf das polydiszipli- näre Gutachten des D.____ und dessen psychiatrische Teilbeg utachtung durch Dr. G.____ vermissen. So hält das E.____-Gutachten sehr wohl fest, d ass im Gegensatz zu der von der Klinik D.____ aus rein internistischer Sicht attestierte n Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit vielmehr die psychischen Co-Faktoren im Vordergrund stehen. Mithin kann nicht davon gespro- chen werden, das E.____ habe die entsprechende Frage u nbeantwortet gelassen (vgl. E.____- Gutachten, S. 45, Antwort ad Frage 6.12). Der Umstand , dass damit bei im Wesentlichen gleichlautenden Befunden eine grundsätzlich abweichende Beurteilung der psychiatrischen Verhältnisse durch das E.____-Gutachten einhergeht, st ellt alleine aber keinen Grund dar, weshalb davon abgewichen werden müsste. Nichts anderes gil t schliesslich hinsichtlich der Kritik, der psychiatrische Gutachter des E.____ habe es unt erlassen, den Versicherten im Rahmen der Begutachtung auf Drogen zu testen. Eine po sitive Testung beträfe - worauf die IV- Stelle in ihrer Stellungnahme vom 8. Mai 2013 zu Rech t hinweist - lediglich die Verwertbarkeit der neuropsychologischen Testergebnisse, mithin also gerade nicht die postulierten Einschrän- kungen in psychiatrischer Hinsicht. Es tritt hinzu, dass die psychiatrisch bedingte Arbeitsunfä- higkeit des Versicherten einen Folgeschaden der Suchtkrankh eit darstellt, deren Basis wiede- rum in einer psychopathologisch auffälligen Persönlichkeit mit einer belastenden Entwicklung in Kindheit und Jugend zu finden ist (vgl. E.____-Gutacht en, S. 43, Antwort ad Frage 6.7). Damit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht aber ist zugleich gesagt, dass ein im Zeitpunkt der Explo ration vorhandener Drogenkonsum diese schon länger vorbestehende psychiatrische Diagnose ni cht beeinflussen würde. Deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten lie gt vielmehr in einem schon frühen Ein- stieg in die Drogenwelt begründet. Unter diesen Umstän den aber ist es einem erfahrenen Gut- achter schliesslich grundsätzlich zuzumuten, auch ohne Labo rtests die gesundheitliche Situati- on und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einschät zen zu können. Die von der IV-Stelle vorgebrachte Kritik vermag deshalb nicht zu überzeugen. 5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine zwingenden Grün de vorliegen, welche gegen die Verwertbarkeit des gerichtlichen Gutachtens des E.__ __ sprechen würden. Dessen Er- kenntnisse legen schlüssig und nachvollziehbar dar, dass der Versicherte auf dem ersten Ar- beitsmarkt aus psychiatrischen Gründen nicht mehr arbeitsfähig ist. Die medizinisch bescheinig- te Unmöglichkeit, unter den Bedingungen der freien W irtschaft einer zumutbaren Erwerbstätig- keit nachgehen zu können, belegt zugleich, dass die dem Versicherten zumutbaren Tätigkeiten nicht Gegenstand von Angebot und Nachfrage auf dem of fen stehenden, ausgeglichenen Ar- beitsmarkt sind (vgl. ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b; vgl. au ch BGE 127 V 298 E. 4c mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer ist in deren Ausübung derart ein geschränkt, dass der allgemeine Ar- beitsmarkt keine solche Stellen kennt. Eine Beschäftigung wäre deshalb nur unter nicht realisti- schem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich (vgl. ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b und 1989 S. 321 f. E. 4a). Somit aber muss der Versicherte als v ollständig erwerbsunfähig bezeichnet werden, weshalb auf Seiten des Invalideneinkommens keine rlei Erwerbseinkommen ausgewie- sen ist. Damit resultiert bei fehlendem Invalideneinkommen ein Invaliditätsgrad von 100%. 5.6.1 Zu prüfen bleibt der Zeitpunkt des Rentenanspru chs. Gemäss der ab Januar 2004 gülti- gen Fassung von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG setzt der Anspruch auf eine IV-Rente voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min- destens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (sog. Wartejahr). Das E.____-Gutachten weist in die- sem Zusammenhang darauf hin, dass eine retrograde Schät zung der Arbeitsfähigkeit aus psy- chiatrischer Sicht infolge der erheblichen Pathologie sc hwierig sei. Nichts desto trotz gehen die Gerichtsgutachter davon aus, dass insbesondere aufgrund der übrigen Akten eine gewisse Re- konstruktion möglich ist (vgl. E.____-Gutachten, S. 45, ad Frage 6.11). Das E.____ verweist dabei explizit auf den Hausarzt des Versicherten Dr. H.____, welcher den Versicherten seit län- gerem als arbeitsunfähig beurteilt habe. Dieser geht in seinem Bericht vom 21. September 2006 davon aus, dass der Versicherte spätestens seit seiner ersten schweren Krankheitskrise im Mai 2004 arbeitsunfähig gewesen sei. Auch wenn das E.___ _ davon ausgeht, dass der Versicherte schon zuvor aus psychiatrischen Gründen in seiner Arbeitsle istung eingeschränkt gewesen ist, vermag es keine konkrete Angabe in zeitlicher Hinsicht zu m achen, sondern weist vielmehr da- rauf hin, dass die effektive Arbeitsleistung bis ins Jahr 2003 nicht beurteilt werden könne. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, den Beginn der f ür das Wartejahr massgebenden Ar- beitsunfähigkeit unter Beizug der ebenfalls vom E.____ als massgebend erwähnten Berichter- stattung des Hausarztes auf Mai 2004 festzusetzen. Unter Be achtung des Wartejahres ist der Rentenanspruch demgemäss per 1. Mai 2005 entstanden. D iese Lösung entspricht im Übrigen dem von der IV-Stelle bereits anlässlich des Erlasses ihre r vorangehenden Verfügung vom Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 26. Juli 2007 vertretenen Standpunkt (vgl. ebenfalls Ve rnehmlassung der IV-Stelle vom 17. Ja- nuar 2008 im Verfahren des Kantonsgerichts 720 07 381). 5.6.2 Die Rente wird vom Beginn jenes Monats ausgericht et, in dem der Anspruch entsteht (vgl. Art. 29 Abs. 2 Satz 1 IVG). Meldet sich der Versi cherte mehr als zwölf Monate nach Ent- stehen des Anspruchs an, so werden die Leistungen ledigl ich für die zwölf der Anmeldung vo- rangehenden Monate ausgerichtet (vgl. Art. 48 Abs. 2 IVG in der ab 2004 geltenden Fassung). Nachdem sich der Versicherte vorliegend am 15. Dezember 20 05 - mithin lediglich siebenein- halb Monate nach der Entstehung seines Rentenanspruchs - erneut bei der IV-Stelle zum Leis- tungsbezug angemeldet hatte, hat er demnach mit Wirkun g ab Mai 2005 Anspruch auf eine ganze IV-Rente. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis gutzuheissen. 6.1. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterlie genden Partei in angemessenem Aus- mass auferlegt; gegenüber den Vorinstanzen bzw. den kant onalen Behörden werden indes grundsätzlich keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliege nd die Vorinstanz unterlegen ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Die Aufwendungen für die gerichtliche Begutachtung durch das E.____ sind demgegenüber der IV -Stelle aufzuerlegen. So sind ge- mäss Art. 78 Abs. 3 IVV die Kosten von Abklärungsmassnahmen von der IV-Stelle dann zu tra- gen, soweit sie für die Beurteilung von Leistungen u nerlässlich waren (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Diese Voraussetzung ist vorliegend gegeben, nachdem das Gericht mit Beschluss vom 12. April 2012 zum Schluss gekommen war, dass eine abschliessende Beurteilung ge- stützt auf die bis zu jenem Zeitpunkt vorgelegene Akten lage nicht möglich war. Die Bemühun- gen des gerichtlichen Gutachters für das Gerichtsgutacht en belaufen sich gemäss Honorar- rechnung vom 2. April 2013 auf Fr. 13'637.50, welche die IV-Stelle somit zu tragen hat. 6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahr ens entsprechend ist dem Beschwer- deführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten de r IV-Stelle zuzusprechen. Seine Rechtsvertreterin hat in ihrer Honorarnote vom 14. No vember 2011 (recte: 28. Mai 2013) einen Zeitaufwand von insgesamt 19,33 Stunden sowie Auslagen vo n Fr. 331.50 ausgewiesen. Die- ser Aufwand erweist sich in Anbetracht der angefallenen Bemühungen als angemessen. Diese sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelan- genden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Da mit ist dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Parteientschäd igung in der Höhe von Fr. 5'578.-- (19,33 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 331.50 zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Las- ten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 21. Febru ar 2011 auf- gehoben und festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Mai 2005 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 13'637.50 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 5'578.-- (inkl. A uslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht