B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-4907/2014 U r t e i l v o m 1 2 . F e b r u a r 2 0 1 5 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien A.______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-4907/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 28. April 2014 beantragte die aus Thailand stammende, 1978 geborene B._______ (nachfolgend: Gesuchstellerin bzw. Eingeladene) bei der Schweizerischen Botschaft in Bangkok die Erteilung eines Schengenvi- sums für die Dauer von 90 Tagen. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab sie an, A._______, wohnhaft im Kanton Bern (geb. 1968, im Folgenden: Beschwerdeführer bzw. Gastgeber), besuchen zu wollen. B. Mit Verfügung vom 8. Mai 2014 wies die Schweizerische Botschaft den Vi- sumsantrag ab. Dagegen erhob der Beschwerdeführer beim Bundesamt für Migration (BFM; neu: SEM) am 17. Mai 2014 Einsprache. In der Folge wurden die Gesuchsunterlagen zwecks Durchführung ergänzender Abklä- rungen beim Gastgeber an den Migrationsdienst des Kantons Bern über- mittelt. C. Am 4. August 2014 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Begründend wurde festgestellt, dass kein genereller Anspruch auf Erteilung eines Vi- sums bestünde. Aufgrund des starken Zuwanderungsdrucks aus der Her- kunftsregion sei grundsätzlich von einem hohen Risiko einer nicht fristge- rechten und anstandslosen Rückkehr auszugehen. Von dieser Einschät- zung sei nur abzuweichen, wenn der Gesuchstellerin über das übliche Mass hinausgehende Verpflichtun gen im Aufenthaltsland oblägen, was hier nicht der Fall sei. D ie zwei Kinder der geschiedenen Gesuchstellerin würden bei ihrem Vater leben. Die Eingeladene könne keinen Kontakt mit ihren Kindern pflegen. Des Weiteren arbeite sie seit Anfang April 2014 als Masseuse und beabsichtige überraschenderweise kurz nach Aufnahme der Erwerbstätigkeit 90 Tage im Ausland zu verbringen. Überdies könne der Gastgeber nicht für die Handlungen und Absichten seines Gastes in rechtlich durchsetzbarer Weise garantieren. D. Gegen diese Verfügung erhob der Gastgeber am 2. September 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er betont seine Seriosität, an der nicht gezweifelt werde, und die Erschütterung seines Rechtsemp- findens durch den negativen Entscheid. Es sei ein ungeschriebenes Ge- setz, dass die Botschaft ihre Entscheide auf Grund der Empfehlungen der "TSL Contact" fälle und diese seien willkürlich. Er habe die Eingeladene im C-4907/2014 Seite 3 Oktober 2013 im Internet kennengelernt und sei anschliessend drei Mo- nate mit ihr in Thailand umhergereist. Nun möchte er sie in die Schweiz einladen, um sie besser kennenzulernen . Da ein Visum bereits zwei Mal verweigert worden s ei, sei er im Juni 2014 erneut für drei Wochen nach Thailand gereist und habe die Gesuchstellerin getroffen. Er plane in abseh- barer Zeit nach Thailand auszuwandern. Es könne nicht sein, dass die Ein- geladene bestraft werde, weil ihr der Ex-Ehemann die Kinder weggenom- men habe und sie diese nicht sehen dürfe. Zudem sei er sich sicher, dass sie in der Schweiz einen Kulturschock erleben würde und deshalb nicht würde bleiben wollen. Des Weiteren arbeite sie nicht als Masseuse, son- dern als gelernte Masseurin. Er habe gesehen, dass in jenem Salon seriös gearbeitet werde. Überdies arbeite sie nicht erst seit April 2014 , sondern habe lediglich im März 2014 die Arbeitsstelle gewechselt. Nach ihrem Fe- rienaufenthalt könne sie wieder dort arbeiten. Sinngemäss wird auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie auf Erteilung des ersuchten Visums geschlossen. E. Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung vom 19. November 2014 aus, die Aufgabe von "TSL Contact" bestehe einzig aus der Entgegennahme von Visumsgesuchen, der anschliessenden Registrierung der Personen - und biometrischen Daten und der Weiterleitung der Unterlagen an die schweizerische Vertretung. Die Prüfung der Gesuche werde einzig durch die zuständigen Konsularangestellten vorgenommen. Des Weiteren erläu- tert sie, der Gesuchstellerin nicht vorgeworfen zu haben, ihre Tätigkeit sei unseriös, sondern lediglich festgestellt zu haben, dass sie keine besonde- ren Verpflichtungen habe. Herausragende gesellschaftliche V erpflichtun- gen würden jedoch ein gewichtiges Indiz für die Rückkehrbereitschaft in den Heimat- oder Herkunftsstaat darstellen. In ihrer Verfügung sei lediglich festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin keine solche Verpflich- tungen habe, so dass ein mögliches Indiz für die Rückkehrbereitschaft fehle. F. Der Beschwerdeführer bemerkt dazu in seiner Replik vom 11. Dezember 2014 es sei ihm nicht möglich Beweise für eine fristgerechte Ausreise der Gesuchstellerin zu erbringen. Er möchte zudem gerne wissen, was unter "herausragenden gesellschaftlichen Verpflichtungen" verstanden werde. Des Weiteren bringt er vor, die Gesuchstellerin besitze ein Grundstück in "Isaan" im Wert von einer Million Bath. Bei einem Jahreseinkommen vo n C-4907/2014 Seite 4 ca. Bath 100'000.- sei dies eine gute Sicherheit für die Zukunft. Überdies erkläre er sich bereit, die Gesuchstellerin wieder zurück nach Thailand zu begleiten. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Dazu gehört das SEM, das mit der Abweisung der Einsprache betreffend Verweigerung eines Schengen-Visums eine Ver- fügung im erwähnten Sinne und daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange- legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb- lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-C-4907/2014 Seite 5 sen oder abweisen; massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 mit Hinweisen). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer thailändischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 90-tägigen Aufent- halt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beab- sichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schen- gen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechts- akte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Das schweizerische Auslände rrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung ei- nes Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätz- lich nicht verpflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu gestatten . Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Aus- länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1). Das Schengen-Recht schränkt die n ationalstaatlichen Befug- nisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt jedoch auch das Schengen - Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 5. 5.1 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in die Schweiz bzw. den Schengen-Raum für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen gültige Reisedokumente, die zum Grenz- übertritt berechtigen, und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist. Im Wei- teren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzi-C-4907/2014 Seite 6 elle Mittel verfügen. Namentlich haben sie zu belegen, dass sie den Schen- gen-Raum vor Ablauf der Gültigkeitsdauer des beantragten Visums wieder verlassen bzw. Gewähr für ihre fristgerechte Wiederausreise bieten. Ferner dürfen Drittstaatsangeh örige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darste llen (vgl. zu den Einreisevoraussetzungen: Art. 5 Abs. 1 und Abs. 2 AuG; Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Vi- sumserteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex bzw. SGK], ABl. L 105/1 vom 13.04.2006; Art. 14 Abs. 1 Bst. a-c und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] N r. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex] [nach- folgend: Visakodex], ABl. L 243/1 vom 15.09.2009; vgl. zum Personenkreis: Art. 2 Ziff. 5 und Ziff. 6 SGK). 5.2 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die Voraussetzungen für die rechtmässige Einreise nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen - Raum geltendes "einheitliches Visum" nicht erteilt werden. Allerdings kann ein Mitgliedstaat in Ausnahmefällen ein sog. "Visum mit räumlic h be- schränkter Gültigkeit" erteilen, das nur für das Hoheitsgebiet des betreffen- den Mitgliedstaats gilt. Unter anderem kann der betreffende Mitgliedstaat von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, wenn er es aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internati- onaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visako- dex; ebenso Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK; BVGE 2011/48 E. 4.6). 5.3 Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufs tellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müs- sen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind (ABl. L 81/1 vom 21.03.2001; zu m vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV) zeigen diejenigen Staaten auf, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren- zen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitze eines Visums sein müssen. Da Thailand in dieser Liste aufgeführt ist, unterliegt die Gesuchstellerin der Visumspflicht. C-4907/2014 Seite 7 6. 6.1 Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Einsprache im Wesentli- chen damit, dass der Zweck des Aufenthalts zu wenig belegt und die Wie- derausreise der Gesuchstellerin nicht gewährleistet sei. Bei der Beur- teilung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss ein zukünfti- ges Verhalten beurteilt werden. Hierzu sind lediglich Prognosen möglich, wobei jedoch sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen sind. Dabei ist einerseits die allgemeine Lage im Herkunftsland und ande- rerseits die individuelle Situation der gesuchstellenden Person in die Beur- teilung mit einzubeziehen. Insbesondere ist die Ausstellung eines Visums zu verweigern, wenn der Aufenthaltszweck und die Umstände des geplan- ten Aufenthalts nicht genügend belegt wurden (Art. 32 Visakodex i.V. Art. 12 VEV). 6.2 Zur allgemeinen Situation in Thailand kann momentan folgendes fest- gehalten werden: Im Mai 2014 hat das Militär durch einen Putsch die Macht übernommen; seither herrscht Kriegsrecht. Durch den Putsch wurde ein seit mehreren Monaten dauernder Machtkampf beendet. Die politische Krise in Thailand wirkte sich in erheblichem Mass negativ auf die wirtschaft- liche Lage aus. Besonders deutlich war der Einbruch im Tour ismussektor (Januar – Juni 2014 minus 6 %). Die inzwischen erreichte Stabilisierung der politischen Lage und die von der Übergangsregierung eingeleiteten Massnahmen wirken sich allerdings positiv auf die Vorhersagen für das Jahr 2015 aus (zwischen 3,5 und 4,5 % Wachstum). Diese Zahlen vermö- gen jedoch nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die ländlichen Gebiete Thailands, vor allem im Nordosten, nach wie vor von wirtschaftlichen Prob- lemen betroffen sind, die sich in verbreiteter Armut niederschlagen (88 % der von Armut Betroffenen 12,6 % der Bevölkerung leben in ländlichen Ge- bieten). Überdies kommt es im muslimisch geprägten Süden Thailands im- mer wieder zu Anschlägen und Unruhen (Quellen: Deutsches Auswärtiges Amt, www.auswaertiges-amt.de > Reise & Sicherheit > Reise- und Sicher- heitshinweise: Länder A -Z > Thailand > Wirtschaft / Innenpolitik , Stand September 2014 ; United Nations Development Programme in Thailand, www.th.undp.org > About Thailand; Websites besucht im Februar 2015). 6.3 Im Hinblick auf die dargelegte wirtschaftliche Lage und den grossen Migrationsdruck in Thailand ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besuchern aus Thailand allgemein als hoch einschätzt. C-4907/2014 Seite 8 6.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Um- stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des kon- kreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Per- son im Heimatland beispielsweise eine besondere (herausragende) beruf- liche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünsti- gen. Andererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonde- ren Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht regel- konformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch einge- schätzt werden. 6.4.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 36-jährige, geschie- dene Frau und Mutter zweier Kinder (gemäss Beschwerdeführer 11 und 14 Jahre alt). Die Kinder leben bei den Grosseltern väterlicherseits. Ein per- sönlicher Kontakt mit ihnen wird der Gesuchstellerin durch ihren Ex -Ehe- mann verwehrt. Sie pflegt lediglich telefonischen Kontakt mit den Kindern. Ihre Mutter hingegen, welche gesundheitlich angeschlagen sei und ca. 400 km von ihr entfernt wohne, besuche sie so oft wie möglich. Auf den ersten Blick könnte der Umstand, dass die Gesuchstellerin Mutter ist, für eine ge- wisse Verwurzelung sprechen. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass zu- rückbleibende nahe Angehörige gerade in Situationen angespannter politi- scher bzw. wirtschaftlicher Verhältnisse regelmässig nicht verlässlich da- von abhalten können, den Entschluss für eine Emigration zu fällen, sei dies etwa in der Hoffnung, die Zurückgebliebenen aus dem Ausland effizienter zu unterstützen oder später allenfalls gar nachziehen zu können. Dass der Zuwanderungsdruck von Personen aus Thailand in grossem Masse anhält, wurde bereits erwähnt. Es sind somit in casu - im Sinne des anzulegenden engen Beurteilungsmassstabs - keine familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen ersichtlich, welche die Gesuchstellerin von einer Emigra- tion abzuhalten vermögen. 6.4.2 Der Beschwerdeführer macht alsdann berufliche Bindungen der Ge- suchstellerin geltend: Sie arbeite als Masseurin und verdiene ca. Bath 100'000.- (rund Fr. 2'800.-) jährlich. Zudem soll sie ein Grundstück im Wert von ca. einer Million Bath besitzen. Den Akten ist kein Arbeitsvertrag, der ihre derzeitige Arbeitsstelle hinreichend darstellen würde (Beschäftigungs- grad, Höhe des Gehalts, etc.) sowie ein Auszug aus einem Grundbuchre- gister, der ihr Eigentum beweisen würde, beigelegt, weshalb daraus keine zuverlässigen Rückschlüsse auf ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gezogen werden können. Es ist festzuhalten, dass auf dieser Grundlage die Wieder- ausreise der Gesuchstellerin noch nicht als gesichert eingestuft werden C-4907/2014 Seite 9 kann, zumal ihr die ausgeübte Tätigkeit offenbar ohne weiteres eine mehr- wöchige Landesabwesenheit gestatten w ürde. Demzufolge obliegen der Gesuchstellerin wohl auch keine zwingenden beruflichen Verpflichtungen. 6.4.3 Des Weiteren hat die Gesuchstellerin im Visumantrag den Hinweis angebracht, die Lebenshaltungskosten während ihres Aufenthaltes würden vom Beschwerdeführer getragen - Umstände, die zweifelsohne nicht für eine gesicherte finanzielle Situation der Gesuchstellerin sprechen. 6.5 Insgesamt ist die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach die Wieder- ausreise der Gesuchstellerin angesichts der allgemeinen Lage in Thailand und ihrer individuellen Situation zu wenig gesichert sei, nicht zu beanstan- den. Mithin ist die über weite Strecken appellatorische Kritik durch den Be- schwerdeführer unbegründet. 6.6 An der Richtigkeit dieser Einschätzung ändert auch die Tatsache nichts, dass der Beschwerdeführer über einen guten Leumund verfügt. Die Integ- rität des Beschwerdeführers in seiner Eigenschaft als Gastgeber wird denn in keiner Weise in Zweifel gezogen. Indessen sind bei der Abwägung des Risikos einer nicht fristgerechten Wiederausreise nicht so sehr die Einstel- lung und die Absichten des Gastgebers, sondern in erster Linie das mögli- che Verhalten der eingeladenen Person selbst von Bedeutung. Nur Letz- tere ist in der Lage, hinrei chend Ge währ für eine fri stgerechte und an- standslose Wiederausreise zu bieten. Der Gastgeber kann denn auch nicht – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten des Gastes Garantie leisten (zum Ganzen siehe Entscheid des BVGer C-1043/2014 vom 2. Januar 2014 E. 6.4 m.H.). 6.7 Die Gesuchstellerin und der Beschwerdeführer sind seit Oktober 2013 (ca. 15 Monate) befreundet und haben sich bis anhin nur in Thailand gese- hen. Der Wunsch des Gastgebers, seine Freundin besser kennen zu ler- nen sowie ihr die Schweizer Kultur näher zu bringen, ist verständlich, auf- grund der vorgenommenen Beurteilung hat er sie aber - zumindest vorder- hand - in deren Heimat zu treffen. Aus den hier zur Anwendung gelangen- den ausländerrechtlichen Normen kann keine Verpflichtung des Staates zu Massnahmen abgeleitet werden, Paaren im Rahmen von Tourismusaufent- halten die Möglichkeit einzuräumen, ihr Zusammenleben vorweg auf schweizerischem Territorium zu erproben. Sollte zu gegebener Zeit ein Eheschluss ins Auge gefasst werden, so wäre über die Einreise des Gas- tes - nach Abschluss der hierzu erforderlichen zivilstandsamtlichen Vorkeh- ren - unter einem anderen Aspekt sowie in einem andersartigen Verfahren C-4907/2014 Seite 10 zu befinden (vgl. Art. 10 und 17 AuG bzw. Art. 42 AuG). Vorliegend wurde, wie angetönt, ein Visum für einen befristeten Besuchsaufenthalt beantragt, weshalb die Erteilung zwingend an eine fristgerechte Wiederausreise ge- knüpft ist. Kann hierfür keine Gewähr geboten werden, darf das beantragte Visum nicht erteilt werden. 6.8 Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist eine unabdingbare Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen -Visums nicht erfüllt. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich be- schränkter Gültigkeit (vgl. dazu Ziffer 5.2 hiervor) liegen nicht vor. 7. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-4907/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]) – den Migrationsdienst des Kantons Bern (Ref-Nr. Zemis […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Versand: