A bteilung III C -686/2006 {T 0/2} U rteil vom 1. M ai 2007 M itw irkung: R ichter Antonio Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Andreas Trom m er und Bernard Vaudan; G erichtsschreiber D aniel G rim m . A._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in Bezug auf B._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Am 4. August 2005 ersuchte der syrische Staatsangehörige B._______ (geboren _______, nachfolgend G esuchsteller) bei der Schw eizerischen Botschaft in D am askus um eine Einreisebew illigung für einen einm onati- gen Besuchsaufenthalt bei dem in der Stadt Basel w ohnhaften A._______ (im Folgenden: G astgeber bzw . Beschw erdeführer). D ie Auslandvertretung verw eigerte das beantragte Visum vorerst form los und überm ittelte das G esuch anschliessend der Vorinstanz zum form ellen Entscheid. B. M it Verfügung vom 30. Septem ber 2005 w ies die Vorinstanz das Einreise- gesuch ab. Zur Begründung führte sie aus, die schw eizerischen Behörden hätten sich zu vergew issern, dass ausländische Staatsangehörige nach Ablauf ihres Aufenthalts hierzulande w ieder ausreisten. W ie die Erfahrung zeige, w ürden Touristen- und Besuchervisa im m er w ieder von Personen dazu m issbraucht, sich dauerhaft in der Schw eiz niederzulassen. Ange- sichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse im H erkunfts- land könne die anstandslose und fristgerechte W iederausreise im Falle des G esuchstellers nicht als gesichert betrachtet w erden. Ausserdem lä- gen keinerlei G ründe vor, w elche eine Einreise trotzdem als zw ingend not- w endig erscheinen liessen. C . M it Beschw erde vom 18. O ktober 2005 an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) beantragt der G astgeber die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung der gew ünschten Einreisebe- w illigung. H ierbei m acht er geltend, sein G ast habe schriftlich bestätigt, dass er die Schw eiz nach seinem Besuchsaufenthalt w ieder verlassen w erde. D . M it Zw ischenverfügung vom 28. O ktober 2005 forderte das EJPD den Be- schw erdeführer unter H inw eis auf Art. 13 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) dazu auf, ergänzende Angaben zur fam iliären und beruflichen Situation der eingeladenen Person zu liefern. D ieser Aufforderung kam der Be- schw erdeführer m it einer Eingabe vom 24. N ovem ber 2005 nach. E. In ihrer Vernehm lassung vom 12. D ezem ber 2005 spricht sich die Vorin- stanz für die Abw eisung der Beschw erde aus, w obei sie insbesondere da- rauf hinw eist, G astgeber und G ast w ürden sich offensichtlich nur ober- flächlich kennen. Laut Angaben der Schw eizervertretung verfüge der G e- suchsteller in Syrien zudem nicht über eine feste Anstellung. F. D er Beschw erdeführer verzichtete auf die Einreichung einer R eplik. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Einreisebew illigung unterliegen der Beschw erde an das Bundes-3 verw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 lit. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Vw VG , sow eit dieses G esetz nichts anderes be- stim m t. D as U rteil ist endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist als G astgeber gem äss Art. 20 Abs. 2 AN AG i.V.m . Art. 48 Vw VG zur Beschw erdeführung legitim iert. Auf die frist- und form gerechte Beschw erde ist daher einzutreten (Art. 49 – 52 Vw VG ). 2. D as schw eizerische R echt räum t w eder einen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visum s ein (vgl. PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esen- heit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold, Ausländerrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Pri- vatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143). 3. Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz grundsätzlich ein Visum (vgl. Art. 1 sow ie Art. 3 der Verordnung vom 14. Januar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländer [VEA, SR 142.211]). D as Visum w ird verw eigert, w enn die Aus- länderin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Art. 1 VEA nicht erfüllt (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So m üssen Personen, die in die Schw eiz reisen m öchten, unter anderem G ew ähr bieten, dass sie fristge- recht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c. VEA). 4. D er G esuchsteller kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen; er braucht aufgrund seiner N ationalität für die Einreise in die Schw eiz zu Be- suchszw ecken ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Ausstellung ei- nes solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerech- te W iederausreise scheine nicht als hinreichend gesichert. 4.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in aller R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen von vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht.4 4.2 M it der Am tsübernahm e durch Bashar al-Assad im Juli 2000 hat sich die politische Atm osphäre in Syrien zw ar entspannt. So w urden H underte von politischen G efangenen aus der H aft entlassen. Eine D em okratisierung nach w estlichem Verständnis hat jedoch nicht stattgefunden und ist auf ab- sehbare Zeit nicht zu erw arten. Seit 2001 w urden denn m ehrere Initiativen zur Entw icklung einer offenen G esellschaft w ieder m it polizeistaatlichen M itteln überw acht und teilw eise auch unterdrückt. Zivilgesellschaftliches Engagem ent w ird von den Sicherheitsdiensten nach w ie vor streng kontrol- liert. W irtschaftlich zeichnet sich hingegen eine langsam e Ö ffnung ab. D ie seit 2003 vorangetriebenen W irtschaftsreform en m arkieren den Beginn ei- ner Transform ation der syrischen W irtschaft von einer Plan- zur sozialen M arktw irtschaft. D ie R eform geht zw ar langsam , aber stetig voran. D en- noch ist das Land m it zahlreichen Entw icklungsproblem en konfrontiert. D azu gehören insbesondere ein hohes Bevölkerungsw achstum (nahezu 40% der Bevölkerung sind jünger als 14 Jahre) sow ie eine hohe Arbeitslo- sigkeit. D ie verdeckte Arbeitslosigkeit liegt Einschätzungen zufolge bei über 30% (vgl. http://w w w .ausw aertiges-am t.de>, Stand D ezem ber 2006 [besucht am 23. April 2007]). Ein grosser Teil der Bevölkerung ist zudem von U nterbeschäftigung betroffen (vgl. hierzu Syria, C ountry of O rigin In- form ation R eport vom 20. Februar 2007, U K H om e O ffice, S. 10). Auf ent- sprechend hohem N iveau bew egt sich der Anteil derer, die sich zur Em ig- ration entschliessen. D er W ille zur Ausw anderung w ird erfahrungsgem äss in jenen Fällen noch begünstigt, w o bereits Verw andte oder Bekannte im Ausland leben und entsprechend ein m inim ales soziales N etz besteht. 4.3 Es w äre jedoch zu schem atisch und nicht haltbar, generell und ohne spezi- fische H inw eise ausschliesslich aufgrund der allgem einen Situation im H erkunftsland auf eine nicht hinreichend gesicherte W iederausreise zu schliessen. D ie eben genannten U m stände entbinden daher nicht von ei- ner Beurteilung der persönlichen Verhältnisse. 5. 5.1 Beim Antragsteller handelt es sich um einen 38-jährigen M ann. G em äss den Vorbringen der Beteiligten ist er verheiratet und lebt m it Ehefrau und drei Kindern im Fam ilienverband. D am it kann zum indest auf den ersten Blick tatsächlich von einer gew issen sozialen Einbindung ausgegangen w erden. Eine solche Verw urzelung ist allerdings im m er abhängig von den w irtschaftlichen Verhältnissen, in denen sich die Betroffenen befinden. D enn schw ierige Lebensbedingungen w irtschaftlicher N atur können gera- de auch dort, w o eine eigene Fam ilie zu ernähren ist, dazu führen, dass die Em igration gew ählt w ird. Ein solcher Schritt ist dann häufig verbunden m it der H offnung, die Fam ilie aus dem Ausland besser unterstützen und später einm al nachziehen zu können. 5.2 W as die w irtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des G esuchstellers be- trifft, so sind diese ebenfalls nicht in einer W eise offengelegt w orden, die eine schlüssige Beurteilung zuliesse. Auf dem Form ularantrag deklarierte der G esuchsteller unter der R ubrik "Beruf", er sei selbständiger Installateur ("Plum bing"). In die gleiche R ichtung geht auch eine im Beschw erdever-5 fahren nachgereichte Bestätigung eines ansässigen Buchhalters, der an- gibt, für den G esuchsteller zu arbeiten. D em gegenüber m achte der Be- schw erdeführer in seiner ergänzenden Eingabe vom 24. N ovem ber 2005 geltend, sein G ast verkaufe elektronische M aterialien und Ersatzteile. N icht überzeugend offengelegt w urde auch das Einkom m en, das m it der beruflichen Tätigkeit erzielt w erden soll. Besagte Bestätigung eines Buch- halters geht zw ar von 26'000 syrischen Lira aus (der Beschw erdeführer spricht in seiner ergänzenden Eingabe von ca. 500 SFr.), die der G esuch- steller m onatlich verdienen soll. Irgendw elche schlüssigen Belege fehlen allerdings und es ist kaum anzunehm en, dass aus einer selbständigen Tä- tigkeit solche regelm ässig gleich hohen Einkünfte resultieren. 5.3 Kom m t hinzu, dass auch über das Verhältnis zw ischen G ast und G astge- ber w enig bekannt ist. D er Beschw erdeführer selbst begründete seine schriftliche Einladung vom 20. Juni 2005 dam it, er kenne seinen Freund noch zu w enig und w olle dem abhelfen. G egenüber der kantonalen Frem - denpolizeibehörde legte er (auf die Frage, w ann, w o und w ie m an sich kennen gelernt habe) in seiner Antw ort vom 8. Septem ber 2005 nur gerade dar, m an habe zw ei Jahre zuvor in der Türkei Bekanntschaft geschlossen. W ie es dazu gekom m en ist, auf w elche W eise m an seither Kontakt hielt und w as genau w ährend des Besuchsaufenthaltes beabsichtigt w ird, darü- ber äusserten sich w eder der Beschw erdeführer noch sein G ast jem als in befriedigender W eise. D ies und sonstige U ngereim theiten (so m achte der G esuchsteller anfänglich unzutreffende Angaben zur Person des Be- schw erdeführers) lassen nicht m it der notw endigen Bestim m theit aus- schliessen, dass es sich bei der Einladung um eine G efälligkeit handelt und in W irklichkeit noch andere Interessen im Spiel sein könnten. D ie Zw eifel w erden im Ü brigen auch von der schw eizerischen Vertretung vor O rt geteilt. 6. Aufgrund des G esagten ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die G ew ähr für eine anstandslose W iederausreise als ungenügend erachtete und dem G esuchsteller die Einreise verw eigerte. D ie angefochtene Verfü- gung verletzt daher Bundesrecht nicht. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde – im Ergebnis – richtig und vollständig festgestellt und die Vorins- tanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtgem äss ausgeübt (vgl. Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist abzuw eisen und die Kosten sind dem Be- schw erdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG i.V.m . Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE], SR 173.320.2). D ispositiv S. 66 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 23. N ovem ber 2005 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben, Akten R ef-N r. 2 185 424 retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf D aniel G rim m Versand am :