<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="cell small-12 contentContainer printArea"> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4">IV.2006.00719</font></b><br/> <b><font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="4"> </font></b><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">Sozialversicherungsgericht</font><br/> <font face="RotisSansSerif ExtraBold" size="6">des Kantons Zürich</font><br/> <font size="4">II. Kammer</font><br/> <font size="4">Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender</font> <p><font size="4">Sozialversicherungsrichterin Pfiffner Rauber</font> </p><p><font size="4">Ersatzrichterin Romero-Käser</font> </p><p><font size="4">Gerichtssekretärin Steck</font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Beschluss vom 21. Dezember 2006</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">in Sachen</font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="4">L.___</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdeführerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">vertreten durch Rechtsdienst Integration Handicap</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Bürglistrasse 11, 8002 Zürich</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">gegen</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="4">Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Beschwerdegegnerin</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.1 Mit Verfügung vom 14. Juni 2005 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, L.___, geboren 1975, bei einem Invaliditätsgrad von 50 % rückwirkend vom 1. bis 31. Dezember 2002 eine halbe Rente in der Höhe von Fr. 964.-- pro Monat mit Zusatzrente für den Ehegatten von Fr. 289.-- und eine Kinderrente für den Sohn A.___ (geboren 2002) von Fr. 386.--, mithin gesamthaft von Fr. 1'639.-- zu. Für die Zeit vom 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2004 wurde das Rentenbetreffnis auf total Fr. 1'679.-- (Fr. 988.-- + Fr. 296.-- + Fr. 395.--) und mit Wirkung ab 1. Januar 2005 auf total Fr. 1'711.-- (Fr. 1'006.-- + Fr. 302.-- + Fr. 403.--) festgesetzt. Der Rentenberechnung wurden ein massgebendes durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 67'080.-- sowie - bei einer angerechneten Beitragsdauer von 6 Jahren - die Rentenskala 44 zugrunde gelegt (Urk. 10/35/1-4).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.2 Mit Verfügung vom 7. Juli 2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten neu bei einem gleich hohen Invaliditätsgrad rückwirkend vom 1. bis 31. Dezember 2002 eine halbe Rente von Fr. 948.-- pro Monat mit Zusatzrente für den Ehegatten von Fr. 285.-- und eine Kinderrente von Fr. 379.--, mithin gesamthaft von Fr. 1'612.-- zu. Für die Zeit vom 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2004 wurde das Rentenbetreffnis auf total Fr. 1'650.-- (Fr. 971.-- + Fr. 291.-- + Fr. 388.--) und mit Wirkung ab 1. Januar 2005 auf total Fr. 1'682.-- (Fr. 989.-- + Fr. 297.-- + Fr. 396.--) festgesetzt. Der Rentenberechnung wurde nunmehr ein massgebendes durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 64500.-- bei gleicher angerechneten Beitragsdauer und Rentenskala zugrunde gelegt (Urk. 10/46/1-4 = Urk. 2).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">1.3 Gegen die Verfügung vom 7. Juli 2006 (Urk. 2) erhob die Versicherte mit Eingabe vom 6. September 2006 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte deren Aufhebung und die Zurückweisung der Angelegenheit an die IV-Stelle zum Erlass eines Vorbescheids und einer neuen Verfügung. Eventualiter sei die Rente im Sinne der bisherigen Verfügung weiterhin auszurichten (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2006 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 9).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.1 Nach dem im Rahmen der 5. IVG-Revision eingefügten Art. 57a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, in Kraft seit 1. Juli 2006) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.2 Gegenstand des Vorbescheids sind Fragen, die gemäss Art. 57 Abs. 1 Buchstabe a-d IVG in den Aufgabenbereich der IV-Stellen fallen (Art. 73</font><sup><font face="RotisSerif" size="4">bis</font></sup><font face="RotisSerif" size="4"> Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, im Rahmen der 5. IVG-Revision eingefügt).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Demnach obliegt den IV-Stellen insbesondere:</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">a. die Abklärung der versicherungsmässigen Voraussetzungen;</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">b. die Abklärung der Eingliederungsfähigkeit der Versicherten, die Berufsberatung und die Arbeitsvermittlung;</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">c. die Bestimmung und Überwachung der Eingliederungsmassnahmen;</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">d. die Bemessung der Invalidität und der Hilflosigkeit.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">2.3 Der Vorbescheid bezieht sich einzig auf Fragen, welche im Zusammenhang mit den in Art. 57 Abs. 1 lit. a-d IVG statuierten Aufgaben der IV-Stellen stehen. Nicht enthalten im Vorbescheid sind die Berechnung der Renten und der Taggelder, der Betrag der Nachzahlungen sowie Verrechnungen mit anderen Sozialversicherern, denn diese Aufgaben obliegen den Ausgleichskassen (Art. 60 Abs. 1 lit. b IVG). Die IV-Stellen beschränken sich insbesondere bei den Renten auf die Mitteilung des Invaliditätsgrades, des Anspruchsbeginns sowie, im Falle einer Aufhebung oder Anpassung der Rente, des Zeitpunkts der Änderung des Rentenanspruches (Rz 3013.5 des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung; KSVI).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.1 Die Beschwerdegegnerin hat in den in Art. 57 Abs. 1 lit. a-d IVG aufgeführten Fällen einen Vorbescheid zu erlassen (vgl. vorstehend Erw. 2.2). Sie stellt sich in diesem Sinne auf den Standpunkt, dass das Vorbescheidverfahren nur bei Leistungsstreitigkeiten zur Anwendung komme. Entsprechend unterstehe das Verfahren hinsichtlich einer Rentenberechnung diesem nicht, weshalb es verfahrensrechtlich korrekt gewesen sei, dass gegen die Verfügung vom 7. Juli 2006 als Rechtsmittel die Beschwerde beim hiesigen Gericht angegeben worden sei (vgl. Urk. 9 S. 2). Die Beschwerdeführerin vertritt dagegen die Ansicht, wenn das rechtliche Gehör nicht nach Art. 42 Satz 2 ATSG im Rahmen einer Einsprache gewährt werde, hätte es ihr gemäss Art. 42 Satz 1 ATSG vor Erlass der Verfügung gewährt werden müssen (Urk. 1 S. 3 Ziff. 1).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.2 Massgeblich für die Rentenberechnungen sind die Einträge im individuellen Konto der versicherten Person, weshalb die damit zusammenhängenden Fragen nicht invalidenversicherungs-, sondern AHV-rechtlicher Natur sind. Daher ist der Beschwerdegegnerin dahingehend beizupflichten, dass vor Erlass der Verfügung betreffend Rentenberechnung kein Vorbescheid zu ergehen hatte. Dies ändert indessen nichts daran, dass die Beschwerdeführerin keine Gelegenheit hatte, zu der sie in ihrer Rechtsstellung beeinträchtigenden Verfügung Stellung zu nehmen. Damit wurde ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.3 Nachdem Art. 57 Abs. 1 lit. a-d IVG bestimmt, dass Rentenberechnungen vom Vorbescheidverfahren ausgenommen sind, gelangen - mangels im IVG vorgesehener ausdrücklicher Abweichung - die Bestimmungen des ATSG über das Einspracheverfahren zur Anwendung: Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vereinbart. Art. 57a IVG sieht für Leistungsstreitigkeiten eine solche Abweichung (Vorbescheid statt Einsprache) vor. Dass in den übrigen Fällen kein Vorbescheid </font><i><font face="RotisSerif" size="4">und</font></i><font face="RotisSerif" size="4"> kein Einspracheverfahren gemäss ATSG vorgesehen wäre, ergibt sich weder aus Art. 57a IVG noch aus einer anderen Bestimmung. Art. 52 ATSG bestimmt, dass gegen Verfügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden kann; (erst) gegen den Einspracheentscheid kann beim kantonalen Gericht Beschwerde erhoben werden (Art. 56 und 57 ATSG).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Daraus folgt, dass auf die vorliegende Beschwerde nicht eingetreten werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat sie als Einsprache zu behandeln.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> Die Angelegenheit ist deshalb zuständigkeitshalber nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Nichteintretensentscheids an die verfügende Stelle zur Behandlung als Einsprache zu überweisen.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.4 Das Gleiche gilt in den Fällen, in denen IV-rechtliche Aspekte Gegenstand des Vorbescheidverfahrens gebildet haben, nach Verfügungserlass aber übrige, nicht unter die Vorbescheidsregelung fallende Aspekte streitig sind. Sie sind im Einspracheverfahren zu behandeln.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> In diesem Fall sind die von Art. 57a IVG erfassten Gegenstände - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - beschwerdeweise anzufechten, die übrigen in Nachachtung von Art. 52 Abs. 1 ATSG einspracheweise. Dies ist, ob gesetzgeberisch mit Absicht oder nicht, die Konsequenz aus der in Art. 57a IVG vorgenommenen Umschreibung des Anwendungsgebiets des Vorbescheidverfahrens.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3.5 Eine Minderheit des Gerichts hat eine abweichende Meinung zu Protokoll gegeben (Prot. S. 2 f.).</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">4. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde-führerin eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten (§ 34 Abs. 1 GSVGer in Verbindung mit § 9 Abs. 1 und 3 der Verordnung über die sozial-versicherungsrechtlichen Gebühren, Kosten und Entschädigung). Diese wird unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 1'100.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festgesetzt. </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <font face="RotisSerif" size="4"> </font><br/> <b><font face="RotisSansSerif" size="5">Das Gericht beschliesst:</font></b><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4"> Nach Eintritt der Rechtskraft werden die Akten an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Behandlung der Einsprache überwiesen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">2. Das Verfahren ist kostenlos.</font><br/> <font face="RotisSerif" size="4">3. </font><font face="RotisSansSerif" size="4">Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von Fr. 1'100.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zu bezahlen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">4. Zustellung gegen Empfangsschein an:</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Rechtsdienst Integration Handicap, unter Beilage einer Kopie von Urk. 9</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">- Bundesamt für Sozialversicherung</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">5. Gegen diesen Entscheid kann innert </font><b><font face="RotisSansSerif" size="4">30 Tagen</font></b><font face="RotisSansSerif" size="4"> seit der Zustellung beim Eidgenössischen Versicherungsgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereicht werden.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Die Beschwerdeschrift ist dem Eidgenössischen Versicherungsgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung zuzustellen.</font><br/> <font face="RotisSansSerif" size="4">Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift der beschwerdeführenden Person oder ihres Vertreters zu enthalten; die Ausfertigung des angefochtenen Entscheides und der dazugehörige Briefumschlag sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die beschwerdeführende Person sie in Händen hat (Art. 132 in Verbindung mit Art. 106 und 108 OG).</font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p><p><font size="4"> </font> </p></div></body></html>