Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 17. August 2016 (810 15 355) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl , Stefan Schulthess, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A. A. ____ , Beschw erdeführerin , vertreten durch Burim Imeri , Recht s- anwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 1782 vom 17. November 2015) A. Der kosovarische Staatsangehörige B.A.____, gebo ren 1983, reiste am 27. Mai 2001 in die Schweiz ein und erhielt im Jahr 2007 eine Aufenthaltsbewilligung. Am 20. Mai 2010 heira- tete er seine Landsfrau A.A.____, geboren 1984, welche im Rahmen des Familiennachzugs am 30. April 2011 in die Schweiz einreiste und am 17. Mai 2011 eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann erhielt. Seit dem 1. Dezember 2011 wird A.A.____ von der Sozialhilfe Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht unterstützt. Im Jahr 2013 wurde die gemeinsame Tochter C.____ geboren. Seit der Einreise von A.A.____ fiel B.A.____ in hoher Kadenz wegen Ver stössen gegen die öffentliche Sicher- heit, insbesondere im Bereich häuslicher Gewalt, auf. Daraufhin wurde seine Aufenthaltsbewilli- gung mit Urteil des Kantonsgericht, Abteilung Verfassung s- und Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt), vom 24. September 2014 (Verfahren Nr. 810 14 151) widerrufen und er wurde aus der Schweiz weggewiesen. Seither hält er sich im Kosovo auf. A.A.____ lebt mit den nunmehr zwei gemeinsamen Töchtern bei ihrer Schwiegermutter in der Schweiz. Ende Februar/Anfang März 2015 besuchte A.A.___ ihren Ehemann ferienhalber im Kosovo. Im Jahr 2015 wurde die zweite gemeinsame Tochter der Ehegatten A.____, D.____, geb oren. Nachdem das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) A.A.____, nachfolgend immer vertreten durch Burim Imeri, Rechtsanwalt, das rechtliche Gehör gewährt hatte und d iese mit Schreiben vom 25. März 2015 Stellung genommen hatte, verzichtete das AfM mit Verfügung vom 14. August 2015 auf die Ver- längerung der Aufenthaltsbewilligung von A.A.____ un d ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz und diejenige ihrer Kinder auf den 14. Septem ber 2015 an. Im Wesentlichen machte das AfM geltend, dass die mit der damaligen Bewilligun gserteilung verbundene Bedingung des Verbleibs beim Ehemann nach der Wegweisung des Ehemanns nicht mehr erfüllt sei. Da das Ehepaar zwar räumlich getrennt, die Ehe jedoch nicht aufgelöst sei, sei eine Berufung auf Art. 77 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. Oktober 2007 nicht möglich. Der gemeinsame Ehewil le bestehe fort, indem die Eheleute ihre Beziehung weiterführen würden. A.A.____ suche fr eiwillig die Nähe zu ihrem Ehemann, verbringe mit diesem Ferien und habe ein zweites Kind mit ihm gezeugt. Auch für den Fall, dass eine Auflösung der Ehegemeinschaft angenommen würde, könne sich A.A.____ nicht auf Art. 77 Abs. 1 lit. b VZAE berufen. Die in der Verga ngenheit ihr gegenüber angewandte häusli- che Gewalt könne kein Recht auf eine Bewilligung verscha ffen, wenn die Beschwerdeführerin aus freien Stücken mit ihrem Ehemann nach wie vor eine eheliche Beziehung führe. Des Weite- ren liege kein Härtefall vor und die Wegweisung sei angemessen und verhältnismässig. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.A.____ mit Eingabe vom 27. August 2015 beim Re- gierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 14. August 2015 aufzuheben, A.A.___ _ die Aufenthaltsbewilligung zu ver- längern und von einer Wegweisung aus der Schweiz abzusehe n. Des Weiteren sei ihr die un- entgeltliche Rechtspflege zu gewähren; alles unter o/e -Kostenfolge. Im Wesentlichen machte sie geltend, dass Art. 50 Abs. 1 lit. a und b des Bundesg esetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 i.V.m. Art. 77 A bs. 1 VZAE anwendbar sei, da die Haushaltsgemeinschaft aufgelöst worden und keine Ausnah me im Sinne von Art. 49 AuG res- pektive Art. 76 VZAE gegeben sei. Es seien sowohl die Voraussetzungen des Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG als auch des Art. 77 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 VZAE (häusliche Gewalt) gegeben. Der Beschwerdeführerin sei daher gestützt auf Art. 50 AuG i.V.m. Art. 77 VZAE die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Des Weiteren liege ein Härtefall vor. Die Beschwerdefüh- rerin führte auch aus, dass sie wenn immer möglich tempor är gearbeitet und der Sozialhilfe einen Betrag von knapp Fr. 8‘000.-- zurückbezahlt habe. C. Mit Beschluss Nr. 1782 vom 17. November 2015 wies de r Regierungsrat die Be- schwerde ab und ordnete an, dass A.A.____ die Schweiz bis spätestens 30 Tage nach Rechts- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht kraft des Beschlusses zu verlassen habe. Das Gesuch um unentg eltliche Rechtspflege wurde gutgeheissen. Im Wesentlichen begründete der Regieru ngsrat seinen Entscheid damit, dass keine Auflösung der Familiengemeinschaft im Sinne von Art. 77 VZAE stattgefunden habe, weswegen sich A.A.____ auch nicht darauf berufen könne . Zudem liege kein Härtefall vor und die von der Vorinstanz angeordnete Massnahme sei angemessen und verhältnismässig. D. Mit Eingabe vom 30. November 2015 erhob A.A.____ gegen den Regierungsratsbe- schluss Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Der Beschwerdeführerin sei die Aufenthaltsb ewilligung zu verlängern bzw. dem Staatssekretariat für Migration (SEM) sei ein Antrag a uf Erteilung einer Härtefallbewilligung zu unterbreiten, eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwä- gungen an das AfM zurückzuweisen. Es sei von einer Wegwei sung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz abzusehen. Der Beschwerdeführerin sei di e unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und der sie vertretende Anwalt sei als ihr Rechtsbeistand einzusetzen; unter o/e- Kostenfolge. In der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 30. Dezember 2015 wiederholte sie die bereits gestellten Rechtsbegehren. Sie machte un ter anderem geltend, der Kontakt mit B.A.____ sei insbesondere deshalb entstanden, damit de r Vater die Tochter C.____ sehen könne. Dabei sei es zum ungeplanten Geschlechtsverkehr geko mmen, welcher zur Geburt der zweiten Tochter geführt habe. Die Beschwerdeführerin habe sich in der Zwischenzeit ent- schlossen, sich endgültig von ihrem Mann zu trennen und wünsche, in der Schweiz bleiben zu können. Diesen Entschluss habe sie endgültig gefasst, nac hdem sie erfahren habe, dass ein allfälliges Zusammenleben mit ihrem Mann in der Schwei z ohnehin unmöglich sei. Da ein Zu- sammenleben im Kosovo für keinen der Ehepartner in Frage käme, gebe es für das Paar defini- tiv keine gemeinsame Zukunft mehr. Der Ehemann sei unte r anderem aufgrund seiner Gewalt- anwendung gegenüber seiner Ehefrau aus der Schweiz aus gewiesen worden. Es wäre ein in- nerer Widerspruch, den Ehemann aufgrund seines Verhaltens in den Kosovo wegzuweisen und der Beschwerdeführerin zuzumuten, zum Ehemann zurückzukehr en. Da zu befürchten sei, dass der Ehemann nach einer allfälligen Rückkehr der Ehefrau wieder gewalttätig werden könn- te, liege ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 77 A bs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 VZAE vor. Ohnehin stelle allein das während der Ehe Erlebte einen wichti gen Grund gemäss Art. 77 Abs. 2 lit. b i.V.m. Abs. 2 VZAE dar, unabhängig davon, dass die B eschwerdeführerin in der Zwischenzeit mit ihrem Ehemann in der Schweiz zusammengelebt und ein weiteres Kind im Kosovo gezeugt habe. Des Weiteren teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie zur Zeit wieder temporär arbei- te. In ihrer Eingabe vom 22. Dezember 2015 wies die B eschwerdeführerin unter anderem da- rauf hin, dass sie sich definitiv von ihrem Mann getrenn t habe und ein entsprechendes Schei- dungsverfahren einleiten werde. In seiner Stellungnahme vom 22. Januar 2016 beantragte der Regierungsrat die Abweisung der Beschwerde unter o/e-Kostenfolge. Die Beschwerdeführer in habe bis zur Nichtverlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung mit ihrem Ehemann zusamm en leben wollen. Die Scheidung und die Einleitung eines entsprechenden Verfahrens beabsich tige sie erst, seit sie erkannt habe, dass eine Wiedervereinigung der Familie in der Schwei z nicht möglich sei. Dies geschehe ein- zig aufgrund des Wegweisungsverfahrens, um einen Verble ib in der Schweiz zu ermöglichen. Somit sei Art. 51 Abs. 2 lit. a AuG erfüllt und Art. 77 VZAE fände in analoger Anwendung dieser Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bestimmung trotz unterdessen erfolgter Trennung keine An wendung. Die in der Vergangenheit vorgefallene häusliche Gewalt habe die Beschwerdeführer in nicht davon abgehalten, mit ihrem Ehemann die Beziehung weiter zu führen und ein zweite s Kind zu zeugen, und sei demzufolge nicht der Trennungsgrund. Da keine hinreichend konkrete Gefahr vorliege und auch die Tren- nung der ehelichen Gemeinschaft nicht aufgrund einer solchen erfolge, könne die Beschwerde- führerin auch keinen nachehelichen Härtefall geltend machen. Zudem befänden sich ihre Eltern und Grosseltern im Kosovo. E. Mit präsidialer Verfügung vom 22. Februar 2016 wu rde der Fall der Kammer zur Beur- teilung im Rahmen einer Urteilsberatung überwiesen un d der Beschwerdeführerin im vorliegen- den Fall für das vorliegende Verfahren die unentgelt liche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 47 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfa ssungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist zur Beschwerde befugt, wer durch die ange- fochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Inte- resse an dessen Änderung oder Aufhebung hat. Da die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheides hat, die übrigen formellen Voraus- setzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind und die Zuständigkeit des Kantonsgerichts sowohl örtlich als auch sachlich gegeben ist, ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten. 2. Bei der Beurteilung der vorliegenden verwaltungsg erichtlichen Beschwerde ist die Kognition des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfälliger Rechtsver letzungen zu überprüfen bzw. zu prü- fen, ob der Beschwerdegegner ein allfälliges Ermessen re chtsfehlerhaft ausgeübt hat. Im Wei- teren kann beurteilt werden, ob dieser den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist de m Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3.1. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitz t oder wenn sie keiner solchen bedarf (Art. 10 und 11 AuG; vgl. auch Art. 2 AuG). Die zustä ndige kantonale Behörde entscheidet ge- mäss Art. 18 ff. und 27 ff. AuG – im Rahmen der gesetzl ichen Vorschriften und Verträge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Ertei lung einer Aufenthaltsbewilligung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AuG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 133 I 189; M ARC SPESCHA , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/ Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Auflage, Zürich 2015, Rz 1 ff. zu Art. 3 AuG). Gemäss Art. 3 Abs. 2 AuG wird Ausländerinnen und Auslän dern der Aufenthalt in der Schweiz bewilligt, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen, human itäre Gründe oder die Vereinigung der Familie es erfordern. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2. Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Kosovo besteht kein Staatsvertrag, welcher der Beschwerdeführerin eine n Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz gewähren würde. Es sind entsprechend die Bestimmun gen des AuG, vorbehältlich anderer völkerrechtlicher Verträge, anwendbar. Die Be schwerdeführerin macht zu Recht auch keinen Anspruch aus dem in Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 sowie Art. 13 Ab s. 1 der Schweizerischen Bundesver- fassung vom 18. April 1999 garantierten Recht auf Achtung des Familienlebens geltend. 4.1. Art. 42 und Art. 43 AuG regeln den Anspruch auf Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an ausländische Ehegatten und Kinder unter 18 Jahren von Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern bzw. von ausländischen Ehegatten mit Niederl assungsbewilligung. Art. 44 AuG statuiert die Voraussetzungen, unter welchen den auslän dischen Ehegatten und ledigen Kin- dern unter 18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewil ligung eine Aufenthaltsbewilligung er- teilt werden kann. Im Unterschied zu Art. 42 AuG und 43 AuG verschafft Art. 44 AuG keinen Rechtsanspruch auf ausländerrechtliche Bewilligungen (BGE 137 I 287 E. 2.1; Urteile des Bun- desgerichts 2C_254/2015 vom 24. März 2015 E.2.2; 2C_10 39/2014 vom 18. November 2014 E. 2.2; 2C_306/2013 vom 7. April 2013 E. 2.2). Die Beschwerdeführerin erhielt am 17. Mai 2011 eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann , welcher über eine Aufenthaltsbewilli- gung verfügte. Nach § 33 AuG wird eine Aufenthaltsb ewilligung für einen bestimmten Aufent- haltszweck erteilt und kann mit weiteren Bedingungen ve rbunden werden (Abs. 2). Sie ist be- fristet und kann verlängert werden, wenn keine Widerru fsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen (Abs. 3). Gemäss Art. 62 lit. d AuG kann eine Aufenthal tsbewilligung widerrufen werden, wenn die ausländische Person eine mit der Aufenthaltsbewil ligung verbundene Bedingung nicht ein- hält. Die Widerrufsgründe sind nicht nur für Widerrufe, sondern insbesondere auch bei Nichtver- längerungen von Bedeutung (SILVIA HUNZIKER , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesge- setz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Rz 5 zu Art. 62). Da die Aufenthalts- bewilligung des Ehemannes der Beschwerdeführerin mit Ur teil des Kantonsgerichts vom 24. September 2014 rechtskräftig widerrufen und er aus der Schweiz weggewiesen wurde, kann die Beschwerdeführerin die Bedingung des Verbleibs beim Ehemann nicht mehr erfüllen, weshalb ein Widerrufsgrund vorliegt. 4.2.1. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin die Ve rlängerung der Aufenthaltsbewilligung dennoch erteilt werden kann. Die Beschwerdeführerin m acht geltend, dass ihre Ehe aufgelöst sei und die Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 AuG zu verlängern sei. Der Regierungs- rat stellt sich hingegen auf den Standpunkt, dass die Eh e nicht aufgelöst bzw. die Berufung auf die Auflösung rechtsmissbräuchlich sei. 4.2.2. Art. 50 Abs. 1 AuG statuiert, unter welchen Be dingungen nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Ver- längerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 4 2 und 43 AuG weiter besteht. Der Be- schwerdeführerin wurde im 2011 eine Aufenthaltsbewill igung zum Verbleib bei ihrem Ehemann nach Art. 44 AuG und nicht nach Art. 42 AuG oder 43 AuG erteilt. Damit kommt Art. 50 AuG Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht – unabhängig von der im vorliegenden Fall umstrittene n Frage der Auflösung der Familienge- meinschaft – nicht zur Anwendung. 4.2.3. Gemäss Art. 77 VZAE kann nach Auflösung der Eh e oder der Familiengemeinschaft die im Rahmen des Familiennachzugs gemäss Art. 44 AuG er teilte Aufenthaltsbewilligung des Ehegatten und der Kinder verlängert werden, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration beste ht (lit. a); oder wichtige persönliche Grün- de einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderl ich machen (lit. b). Wichtige persönliche Gründe nach Abs. 1 lit. b können namentlich vorliegen , wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder wenn die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland star k gefährdet erscheint (Abs. 2). Nach Art. 77 Abs. 4 VZAE liegt eine erfolgreiche Integration nach Art. 77 Abs. 1 lit. a VZAE vor, wenn die Ausländerin oder der Ausländer namentlich: die rechtsstaatliche Ordnung und die Werte der Bundesverfassung respektiert (lit. a); den Willen zur Teil nahme am Wirtschaftsleben und zum Erwerb der am Wohnort gesprochenen Landessprache bekun det (lit. b). Da eine auf Art. 44 AuG gestützte Aufenthaltsbewilligung keinen Rechtsanspru ch auf Erteilung bzw. Verlängerung beinhaltet, verschafft auch Art. 77 VZAE keinen Rechtsans pruch auf Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung. Dabei ist irrelevant, dass Art. 77 VZ AE die Verlängerung einer Bewilligung analog zu den Kriterien von Art. 50 AuG ermöglicht (U rteile des Bundesgerichts 2C_254/2015 vom 24. März 2015 E. 2.2; 2C_5/2015 vom 7. Januar 2015 E. 2.2, 2C_306/2013 vom 7. April 2013 E. 2.2). Da aber Art. 77 VZAE die Verlängerung einer Bewilligung nach den Kriterien von Art. 50 AuG ermöglicht, ist Art. 77 VZAE immerhin in Analogie zu Art. 50 AuG anzuwenden, weshalb die dortige Rechtsprechung ebenfalls zu berücksichtigen ist. 4.2.4. Nach Art. 51 Abs. 2 AuG erlöschen die Ansprüche nach Art. 50 AuG, wenn sie rechts- missbräuchlich geltend gemacht werden, namentlich um Vo rschriften dieses Gesetzes und sei- ner Ausführungsbestimmungen über die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen oder wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen (vgl. auch A rt. 33 Abs. 3 AuG). Da Art. 77 VZAE die Verlängerung einer Bewilligung analog zu den Kr iterien von Art. 50 AuG ermöglicht, kann auch für das Erlöschen dieser Möglichkeit Art. 50 AuG i. V.m. Art. 51 Abs. 1 AuG analog herbei- gezogen werden. Wobei das Verbot des Rechtsmissbrauchs T eil des Grundsatzes von Treu und Glauben ist (U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungs- recht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, Rz 722) und folglich auch ohne analoge Anwendung des Art. 51 AuG Geltung hat. Rechtsmissbrauch liegt insbesondere dann vor, wenn ein Rechts- institut zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 121 I 367 E. 3b; HÄFELIN /M ÜLLER /UHLMANN , a.a.O., Rz 723). 4.3. Der Ehemann machte im Wegweisungsverfahren gelten d, eine intakte Ehe zu führen. Auch das Kantonsgericht hielt in seinem Urteil vom 24. September 2014 fest, dass eine tatsäch- lich gelebte, intakte familiäre Beziehung zwischen der B eschwerdeführerin und ihrem Ehemann vorliege (E. 4.4 des kantonsgerichtlichen Urteils vom 24 . September 2014). Die Beschwerde- führerin wandte sich am 10. Februar 2015 an das AfM, um sich nach ihrem Ausweis zu erkun- digen. Sie berichtete gegenüber dem AfM, von ihrem Eh emann wieder schwanger zu sein und ihren Mann bei sich haben zu wollen. Auf die Feststell ung der Mitarbeiterin des AfM, dies sei Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht möglich, erwiderte die Beschwerdeführerin, dies wäre kein Problem, wenn sie im Kosovo ein Haus hätten. Da dies aber nicht der Fall sei, wolle sie lieber in der Schweiz bleiben (Akte des AfM Nr. 2359). Anlässlich des Telefonats vom 17. März 2015 mit dem für die Beschwerde- führerin zuständigen Sozialarbeiter, teilte dieser dem AfM mit, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1. Dezember 2011 von der Sozialhilfe unterstützt we rde. Der Gesamtbetrag belaufe sich auf Fr. 60‘716.95, und monatlich erhalte die Beschwe rdeführerin und ihr Kind einen Betrag von Fr. 2‘823.--. Die Beschwerdeführerin sei durchaus koope rativ und spreche schon ziemlich gut Deutsch. Die Beschwerdeführerin wolle, dass ihr Mann wi eder in die Schweiz komme und sie sodann zusammen sein könnten. Aus diesem Grund bezahle d ie Beschwerdeführerin auch sämtliche Rechnungen für ihren Ehemann (Akte Nr. 2451). Mit Schreiben vom 19. März 2015 teilte das AfM der Besch werdeführerin mit, dass es in Erwä- gung ziehe, den Antrag auf Aufenthaltsbewilligung fü r die Beschwerdeführerin und ihre Kinder nicht dem SEM zu unterbreiten und sie stattdessen aus der Schweiz auszuweisen. Mit am 25. März 2015 eingegangenem Schreiben nahm die Beschwe rdeführerin das rechtliche Gehör wahr. Sie erklärte, in der Schweiz keine enge Bindungen oder Kontakte zu anderen zu haben. Im Kosovo würden ihr Vater und ihre Mutter leben, mit welchen sie jedoch keinen Kontakt habe, da sie ihren Ehemann ohne Einwilligung ihrer Eltern geheiratet und somit Schande über die Familie gebracht habe. Sie sei für neun Tage in den K osovo geflogen, die sie mit ihrem Ehe- mann in einem Hotel verbracht habe, da sie keine Blei be habe. Im Kosovo hätten weder sie noch ihr Ehemann ein Haus oder einen Ort, wo sie hing ehen könnten. Ihr Ehemann sei als Waisenkind aufgewachsen. Sie würde lieber sterben als mit den zwei Kindern in den Kosovo zu gehen. Selbstverständlich würde sie im Kosovo wieder mit ihrem Ehemann leben, weil er der einzige sei, welche sie unterstützen würde, da sie von ihr er ganzen Familie wegen der Heirat ausgestossen worden sei. Sie telefoniere sehr oft mit i hrem Ehemann. Sie und ihre Tochter würden mit ihrer Schwiegermutter in Liestal zusammen wohnen. Sie seien sehr eng verbunden. Diese unterstütze sie beim Haushalt und bei der Erziehun g ihres Kindes. Sie sei ihrer Schwie- germutter sehr dankbar, da alle ihre eigenen Familie nangehörigen sich von ihr abgewandt hät- ten. Sie bitte das AfM aufgrund dessen, was sie erlebt habe sowie weil sie von ihrer Familie verstossen worden sei und sie im Kosovo nichts habe, zu h elfen. Sie würde gerne weiter mit ihrem Ehemann leben, er sei der Vater ihrer Kinder u nd sie könne sich nicht vorstellen, jeman- den zu heiraten, der ihr nicht passe. Sie hoffe, dass a uch ihr Ehemann eines Tages wieder in der Schweiz mit ihr leben könne. Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde an das Kantonsgericht geltend, dass die Haushaltsgemeinschaft aufgelöst sei. Die Beziehung zwischen ihr und ihrem Ehemann sei nicht mehr vorhanden und werde aktuell nicht gelebt. Der Ko ntakt sei insbesondere entstanden, da- mit der Vater seine Tochter sehen könne. Dabei sei es zu m ungeplanten Geschlechtsverkehr gekommen, welcher zur Geburt der zweiten Tochter gefüh rt habe. Im Wesentlichen macht sie geltend, dass eine Zusammenführung der Familie in der Schweiz nicht möglich sei. Da auch die Verhältnisse im Kosovo eine Zusammenführung der Familie nicht zulassen würden, habe es für die Beschwerdeführerin immer nur die Wahl zwischen der Zusammenführung der Familie in der Schweiz oder das Leben in der Schweiz mit den Kindern u nd ohne Ehemann gegeben. Das heisse, dass sich das Paar bereits mit der Rückkehr des Ehem annes in den Kosovo getrennt Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe und in der Zwischenzeit die Möglichkeit einer Wie dervereinigung in der Schweiz in Erwä- gung gezogen worden sei. Für die Beschwerdeführerin sei jedoch immer klar gewesen, dass für sie eine Rückkehr in den Kosovo nicht in Frage käme, selbst wenn damit die Ehe geschieden werden müsse. Die Beschwerdeführerin habe sich in der Zwi schenzeit entschlossen, sich end- gültig von ihrem Ehemann zu trennen und wünsche, mit den Kindern in der Schweiz bleiben zu können. In ihrer Eingabe vom 22. Dezember 2015 an das Kanton sgericht weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass sie sich definitiv von ihrem Mann getrenn t habe und ein entsprechendes Scheidungsverfahren einleiten werde. Des Weiteren erklä rt sie, dass im Kosovo der Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen worden sei. Dies sei seit i hrer vorübergehenden Rückkehr zu ihrem Ehemann im Jahre 2012 der Fall. Ihre Eltern seien nic ht damit einverstanden gewesen, dass sie erneut Kontakt zu ihrem Ehemann aufgenommen habe. Zudem finde sie ohne Aufenthalts- bewilligung in der Schweiz keine Festanstellung. Eine We gweisung in den Kosovo würde einen sehr ungewissen Neuanfang bedeuten, den sie ohne jeglich e Hilfe bewältigen müsse. In ihrer Heimat hätte sie in der ersten Zeit nach einer Rückkehr keine Sozialhilfeleistungen, keine Woh- nung und überhaupt nichts. Sie könne sich an niemanden wenden und es gebe keine Hilfe für alleinstehende Mütter. 4.4.1. Die Ehe bzw. Familiengemeinschaft gilt dann als aufgelöst im Sinne von Art. 50 Abs. 1 AuG, wenn die Ehegatten ihr Leben unabhängig voneina nder gestalten, sich geistig-seelisch voneinander gelöst haben und ein wirtschaftlicher und e motionaler Bruch eingetreten ist (BGE 136 II 113 E. 2). Gemäss Bundesgericht wird der Zeitpunkt der Auflösung der Ehegemeinschaft – vorbehältlich eines Getrenntlebens gestützt auf Art . 49 AuG – im Regelfall mit der Aufhebung der Haushaltsgemeinschaft gleichgesetzt. Obwohl für die Erteilung des Familiennachzugs im vorliegenden Fall das Zusammenwohnen ein Erfordernis d arstellte, rechtfertigt es sich, die Überlegungen zu Art. 49 AuG heranzuziehen. Art. 49 AuG statuiert, dass das Erfordernis des Zusammenwohnens nach den Art. 42 - 44 AuG nicht besteht , wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden und die Famil iengemeinschaft weiter besteht (SPESCHA , a.a.O., Rz 1 zu Art. 50 mit weiteren Hinweisen und Rz 2 zu Art. 49). In den Fällen, in welchen für die Erteilung eines Familiennachzugs das Z usammenwohnen nicht verlangt wird (z.B. gemäss Art. 42 Abs. 2 AuG), stellt sich die Frage, wann die Ehe bzw. die Familiengemein- schaft als erloschen gilt. In diesen Konstellationen fäll t die Auflösung der Ehegemeinschaft mit dem Erlöschen des Ehewillens auf Seiten des nachgezogenen Ehepartners zusammen. Dieser Tatbestand ist von der Behörde nachzuweisen, wobei der Nachweis wohl dann als erbracht gilt, wenn die Ehe aufgrund der äusseren Umstände als “inhal tsleer“ erscheint oder bloss noch for- mell besteht. Diesfalls wäre die Berufung auf Art. 50 AuG bzw. Art. 77 VZAE rechtsmissbräuch- lich. Solange getrennt lebende Eheleute allerdings no ch einen Austausch pflegen, d.h. regel- mässig Kontakt haben, gar gemeinsam Ferien verbringen oder beispielsweise eine Ehetherapie besuchen, ist die entsprechende Annahme ausgeschlossen ( SPESCHA , a.a.O., Rz 4a zu Art. 50 mit weiteren Hinweisen). 4.4.2. Nachdem das AfM die Aufenthaltsbewilligung des Ehemannes am 13. Januar 2014 widerrufen hatte, der Regierungsrat am 27. Mai 2014 und das Kantonsgericht am 24. Septem- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ber 2014 diese Entscheidung bestätigt hatten, der Ehem ann der Beschwerdeführerin per Son- derflug am 27. Februar 2014 nach Pristina ausgeschafft und die Beschwerdeführerin mehrmals Opfer häuslicher Gewalt geworden war, hat die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben mit ihm in einem Hotel im Kosovo Ferien verbracht, ein zw eites Kind gezeugt und regen telefoni- schen Kontakt gehabt. Sie hat ihn gemäss eigenen Aussagen auch nach der Wegweisung fi- nanziell unterstützt und den Wunsch geäussert, mit ihm zusa mmen zu leben. Erst nachdem eindeutig war, dass der Ehemann nicht mit ihr in der Schweiz leben kann und der Regierungsrat die Nichterteilung ihrer Aufenthaltsbewilligung bestätigt hatte, machte sie in der Beschwerde an das Kantonsgericht erstmals geltend, dass der Ehewille erl oschen sei. Die Begründung, dass das Paar bereits seit der Rückkehr des Ehemannes in den Koso vo getrennt sei und in der Zwi- schenzeit die Möglichkeit einer Wiedervereinigung in der Schweiz in Erwägung gezogen wor- den sei, ist damit nicht glaubwürdig. Die Berufung der Beschwerdeführerin auf den erloschenen Ehewillen ist vielmehr als rechtsmissbräuchlich zu bewert en, da aufgrund der gesamten oben geschilderten Umstände davon auszugehen ist, dass sie sich auf das Erlöschen der Ehe beruft, um die Aufenthaltsbewilligung zu erhalten und in der Schweiz bleiben zu können. Art. 77 VZAE ist folglich nicht anwendbar. 5. Das Kantonsgericht geht – wie soeben ausgeführt – d avon aus, dass der Ehewille noch besteht. Auch für den Fall, dass der Ehewille erl oschen sein sollte, sind jedoch die Vor- aussetzungen für eine Verlängerung der Aufenthaltsbew illigung der Beschwerdeführerin nach Art. 77 VZAE aus den nachfolgenden Gründen nicht gegeben. 5.1. Nach Art. 77 Abs. 1 lit. a VZAE muss für die Verlä ngerung der Aufenthaltsbewilligung unter anderem eine erfolgreiche Integration bestehen . Diese ist – wie in der Urteilserwägung 7.5 auszuführen sein wird – nicht vorhanden. 5.2. Des Weiteren erlischt nach Art. 51 Abs. 2 lit. b A uG der Anspruch nach Art. 50 AuG, wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Nach Art. 62 lit. e AuG kann die Behörde eine Bewilligung widerrufen, wenn die ausländische Person oder eine Person für die sei zu sor- gen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. In analoger A nwendung der Bestimmung von Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG muss auch die in Art. 77 VZAE vorges ehene Möglichkeit der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Familiengem einschaft bei Sozialhilfeabhängigkeit verweigert werden können (vgl. auch Art. 33 Abs. 3 AuG) . Da die Beschwerdeführerin sozialhil- feabhängig ist, könnte die Behörde die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung auch aus die- sem Grund ablehnen. 5.3.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die A ufenthaltsbewilligung aufgrund der erlittenen ehelichen Gewalt zu verlängern sei. 5.3.2. Nach Art. 77 Abs. 1 lit. b VZAE kann nach Auflö sung der Ehe oder der Familienge- meinschaft die im Rahmen des Familiennachzugs gemäss Art. 44 AuG erteilte Aufenthaltsbe- willigung des Ehegatten und der Kinder verlängert w erden, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Nach Art. 77 Abs. 2 VZAE kön- nen solche wichtige persönliche Gründe unter anderem namentlich vorliegen, wenn die Ehegat- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht tin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder wenn die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint. 5.3.3. Unter Hinweis auf ein Urteil des Bundesgerichts (2C_451/2014) vom 24. Dezember 2014 erklärt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde an das Kantonsgericht, dass ein nachehelicher Härtefall ein wichtiger Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG darstellen könne. Die Bejahung eines nachehelichen Härtefalls gestützt auf eine solche hinreichend konkrete Ge- fahr setze voraus, dass die eheliche Gemeinschaft prim är aus diesem Grund aufgegeben wor- den sei. Könne dieser Zusammenhang nicht bejaht werde n, weil die Auflösung der Ehegemein- schaft überwiegend andere Ursachen habe, liege kein nac hehelicher Härtefall vor. Im vorlie- genden Fall habe die Beschwerdeführerin endgültig besc hlossen, sich von ihrem Ehemann zu trennen, nachdem sie erfahren habe, dass ein allfälli ges Zusammenleben ohnehin unmöglich sei. Zwar habe die Beschwerdeführerin in ihrem Schreiben an das AfM ausgeführt, dass sie mit ihrem Ehemann im Kosovo leben würde, doch hätten sich in der Zwischenzeit die Dinge anders entwickelt. Sowohl für B.A.____ als auch für die Besch werdeführerin komme ein Zusammenle- ben im Kosovo nicht mehr in Frage, weshalb es für das Pa ar definitiv keine gemeinsame Zu- kunft mehr gebe. Da zu befürchten sei, dass B.A.____ auch bei einer allfälligen Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Kosovo wieder gewalttätig w erden könnte, liege ein weiterer Grund im Sinne von Art. 77 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 VZAE vor. Ohnehin stelle bereits das während der Ehe Erlebte einen wichtigen Grund gemäss Art. 77 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 VZAE dar; dies unabhängig davon, dass die Beschwerdeführerin in der Zwischenzeit mit ihrem Ehemann in der Schweiz zusammengelebt habe und ein weiteres Kind im Kosovo gezeugt worden sei. Tatsa- che sei, dass das Paar sich getrennt habe und der Beschwe rdeführerin unter keinen Umstän- den zugemutet werden könne, in den Kosovo zurückzukehren. 5.3.4. Das Bundesgerichts hat in seinem von der Beschwe rdeführerin zitierten Urteil 2C_451/2014 vom 24. Dezember 2014 (E. 5.2 - 6.2.4) f estgehalten, dass der härtefallbegrün- dende Umstand kausal zur Aufhebung der Ehe sein müsse, da mit von einem nachehelichen Härtefall gesprochen werden könne, ansonsten die Gelte ndmachung des härtefallbegründen- des Umstandes als nachgeschoben bewertet werden müsse. Wi e in der Urteilserwägung 4.4.2 ausgeführt, ist die Beschwerdeführerin trotz der erlitt enen ehelichen Gewalt zum Ehemann zu- rückgekehrt und hat mit ihm zusammengelebt, mit ihm Fe rien verbracht, mit ihm ein Kind ge- zeugt und ihn finanziell unterstützt; dies obwohl z.B. im Februar 2012 im Eheschutzverfahren die gerichtliche Trennung und ein Annäherungsverbot verfügt worden sind und die Ehefrau sich z.B. im November 2011 im Frauenhaus aufgehalten hat. D ie eheliche Gewalt hat die Be- schwerdeführerin somit nicht daran gehindert, weiterhi n den engen Kontakt zum Ehemann auf- recht zu erhalten. Wie in der Urteilserwägung 4.2.2 er örtert, ist davon auszugehen, dass die eheliche Gemeinschaft nicht aufgelöst worden ist. Sollte diese jedoch in der Zwischenzeit auf- gelöst worden sein, so ist die eheliche Gewalt nicht kausal für die geltend gemachte Auflösung. Dass sich die Beschwerdeführerin im jetzigen Zeitpunkt auf die erlittene eheliche Gewalt beruft, muss unter den vorliegenden Umständen als rechtsmissbräuch lich betrachtet werden Damit ist der Beschwerdeführerin die Aufenthaltsbewilligung auc h nicht gestützt auf Art. 77 Abs. 1 lit. b VZAE zu verlängern. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1. Besteht kein Anspruch auf Erteilung oder Verläng erung einer Aufenthaltsbewilligung, kann eine Aufenthaltsbewilligung dennoch ermessensweise g ewährt respektive verlängert wer- den. Gemäss Art. 33 Abs. 3 AuG ist die Aufenthaltsbewill igung befristet und kann verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen. Die Bewilligung kann selbst bei Vorliegen von Widerrufsgründen ermessensweise verlängert werden, da ein Widerrufsgrund lediglich Ausdruck dafür ist, dass an der Wegweisung der a usländischen Person ein gewichti- ges öffentliches Interesse besteht (T AMARA NÜSSLE , in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländ erinnen und Ausländer, Bern 2010, Rz 33 zu Art. 33). Dieser Ermessensentscheid hat pflichtgemäss in Berücksichtigung der Anforderungen von Art. 96 AuG und in Beachtung über geordneter verfassungsmässiger Prinzi- pien wie der Rechtsgleichheit, des Willkürverbots und des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes zu erfolgen (PETER BOLZLI , in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrations- recht, 4. Auflage, Zürich 2015, Rz 7 zu Art. 33). Nach A rt. 96 AuG sind die öffentlichen Interes- sen der Schweiz gegen die persönlichen Interessen der aus ländischen Person am Verbleib in der Schweiz gegeneinander abgewogen werden. Dabei ist die bisherige Anwesenheitsdauer in der Schweiz, das Verhalten der ausländischen Person in d ieser Zeit, der Grad der Integration sowie die persönlichen, familiären und sozialen Beziehun gen gebührend Rechnung zu tragen (NÜSSLE , a.a.O., N 33 zu Art. 33). 6.2. Im angefochtenen Entscheid vom 17. November 2015 ( E. 6.a - 6.e) hat der Regierungs- rat diese Kriterien ausführlich geprüft, unter Berücksi chtigung sämtlicher Umstände des Einzel- falles beurteilt und seinen Entscheid nachvollziehbar begründet. Somit hat sich der Regierungs- rat mit den in Frage stehenden Interessen auseinanderge setzt und sein Ermessen pflichtge- mäss ausgeübt. Eine Überschreitung, Unterschreitung oder ein Missbrauch des Ermessens sind nicht erkennbar. Eine weitergehende inhaltliche A ngemessenheitskontrolle ist dem Kan- tonsgericht nicht gestattet (vgl. E. 2). Es ist demzuf olge nicht zu beanstanden, dass es der Re- gierungsrat abgelehnt hat, der Beschwerdeführerin die Aufenthaltsbewilligung ermessensweise zu verlängern. Auch für den Fall, dass in der Zwischenzeit die Ehegemeinschaft aufgelöst wor- den sein sollte, ist davon auszugehen, dass die Eltern der Beschwerdeführerin ihre Tochter und ihre Enkelkinder im Kosovo unterstützen würden, da sie sich nun angeblich von ihrem Ehemann getrennt und somit die von den Eltern angeblich nicht erwünschte Verbindung zwischen ihr und ihrem Ehemann beendet hat. Auch für den Fall, dass ke ine Versöhnung zwischen der Be- schwerdeführerin und ihren Eltern stattfinden sollte b zw. stattgefunden haben soll, ist zu be- rücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin ihre Kindheit un d Jugend im Kosovo verbracht und erst vor 5 Jahren den Kosovo verlassen hat, so dass davon a uszugehen ist, dass sie noch Freunde und Bekannte im Kosovo hat, die ihr bei einer Rückkehr behilflich sein könnten. Die Interessenabwägung würde damit trotz allfälliger Aufl ösung der Ehegemeinschaft nicht anders als zum Zeitpunkt des Regierungsratsbeschlusses ausfallen. Damit ist der Beschwerdeführerin auch ermessensweise keine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. 7.1. In einem weiteren Schritt gilt es zu beurteilen, ob der Widerruf der Aufenthaltsbewilli- gung verhältnismässig ist. Nach dem Grundsatz der Verhä ltnismässigkeit muss eine Verwal- tungsmassnahme zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig sein. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in ei nem vernünftigen Verhältnis zu Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt we rden. Dieses dritte Erfordernis wird als “Verhältnismässigkeit im engeren Sinn“ oder als “Zumutba rkeit“ bezeichnet (vgl. H ÄFELIN /M ÜL - LER /U HLMANN , a.a.O., Rz 555 f.). Im Rahmen der Verhältnismässigkei tsprüfung sind die be- kannten Kriterien wie Dauer der Anwesenheit, persönliche Beziehungen zur Schweiz, berufliche Situation, Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage, persönlich es Verhalten sowie Integrationsgrad zu berücksichtigen (vgl. Ziffer 8.3 der Weisungen des Bundesamts für Migration zum Ausländerbe- reich, Version vom 30. September 2011; BGE135 II 377 E. 4.3 ff.). 7.2. Es steht ausser Frage, dass eine Wegweisung für die Erreichung der fremdenpolizeili- chen Ziele eine geeignete Massnahme darstellt. Ausländer , deren Aufenthaltszweck weggefal- len ist, haben die Schweiz unter bestimmten Umständen zu verlassen. Dieses fremdenpolizeili- che Ziel kann auch nicht durch eine weniger einschneide nde Massnahme erreicht werden. Es bleibt zu prüfen, ob die Massnahme als verhältnismässig im engeren Sinne zu qualifizieren ist, ob also der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Ver hältnis zu den Belastungen steht, die der Beschwerdeführerin mit der Wegweisung auferlegt we rden. Diesbezüglich muss eine Inte- ressenabwägung vorgenommen werden. 7.3. Als zulässiges öffentliches Interesse fällt dabei gru ndsätzlich das Durchsetzen der Einwanderungspolitik in Betracht. Die Schweiz verfolgt gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und EFTA-Raums in Fragen der Aufenthaltsberechti gung eine restriktive Politik. Eine sol- che rechtfertigt sich im Hinblick auf ein ausgewogenes Ve rhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, auf die Schaffung gü nstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz bereits ansässigen Ausl änder und die Verbesserung der Ar- beitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung (BGE 135 I 153 E. 2.2.1; BGE 135 I 143 E. 2.2). 7.4. Das private Interesse an der Verlängerung der Auf enthaltsbewilligung, auf das sich die Beschwerdeführerin beruft, gründet sich im Wesentlich en auf das Argument, dass sie sich im Kosovo mit unüberwindbaren Problemen konfrontiert sehe . Die Eltern, welche von Anfang an gegen eine Heirat mit dem Ehemann gewesen seien, hätten bereits jetzt keinen Kontakt mit der Beschwerdeführerin. Ein Zusammenleben mit dem Ehemann im Kosovo, welcher bereits in der Schweiz gegenüber der Beschwerdeführerin gewalttätig geworden sei, komme für die Be- schwerdeführerin nicht in Frage. Zu ihrem Ehemann beste he keine Beziehung mehr. Der Be- schwerdeführerin könne nicht zugemutet werden, mit zwei kleinen Kindern in den Kosovo zu- rückzukehren, wo sie nirgends hingehen könne. Entgegen der Auffassung des Regierungsrates habe eine Integration stattgefunden, zumal die Umständ e für die Beschwerdeführerin alles an- dere als leicht gewesen seien. Dennoch habe sich die Beschw erdeführerin immer wieder be- müht und nach Möglichkeit temporäre Arbeitsstellen ang enommen. Im vorliegenden Fall wür- den die privaten Interessen die öffentlichen Interessen überwiegen, zumal eine Rückkehr in den Kosovo für die Beschwerdeführerin unter diesen Umständen nicht zumutbar sei. 7.5.1. Die Beschwerdeführerin lebt erst seit fünf Jahr en in der Schweiz, was keine lange Verweildauer darstellt. Des Weiteren musste sie schon späte stens nach der Wegweisung ihres Ehemannes durch das Kantonsgericht im September 2014 und damit nach lediglich dreieinhalb Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Jahren ihres Aufenthaltes in der Schweiz mit der Möglich keit einer Nichtverlängerung ihrer Auf- enthaltsbewilligung rechnen. Zudem hat sie, nachdem d er Ehemann durch den Regierungsrat weggewiesen worden war und damit auch ihre Aufentha ltsberechtigung fraglich war, ein zwei- tes Kind mit dem Beschwerdeführer gezeugt. Hinsichtlich i hrer beruflichen Situation ist der Be- schwerdeführerin zu Gute zu halten, dass sie trotz ihrer kl einen Kinder zumindest teilweise ei- ner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist. Dennoch handelt es sich bei den von der Beschwerde- führerin ausgeübten Arbeiten nicht um besonders qual ifizierte Tätigkeiten, die aus wirtschaftli- cher oder arbeitsmarktlicher Sicht eine Verlängerung d er Aufenthaltsbewilligung gebieten wür- de. Die Beschwerdeführerin ist ausserdem seit 2011 sozialhilfeabhängig. Die Beschwerdeführe- rin hat die deutsche Spreche einigermassen gelernt. Di e Beschwerdeführerin hat gemäss eige- nen Angaben zu niemandem ausser der Schwiegermutter in der Schweiz eine engere Bezie- hung. Obwohl der Ehemann der Beschwerdeführerin gemä ss Einvernahmeprotokoll der Polizei vom 2. Oktober 2011 das Verlassen der Wohnung verboten h atte, wäre es der Beschwerdefüh- rerin spätestens ab der Ausschaffung des Ehemannes aus der Schweiz am 11. Februar 2014 zumutbar gewesen, sich am gesellschaftlichen Leben in der Schweiz zu beteiligen, zumal sie bei der Betreuung ihrer Kinder die Hilfe ihrer Schwi egermutter hatte. Die wirtschaftliche und soziale Integration der Beschwerdeführerin ist unzureiche nd, die sprachliche Integration muss als teilweise gelungen bezeichnet werden. 7.5.2. In Bezug auf die Rückkehr in die Heimat ist festz uhalten, dass die Beschwerdeführerin erst im Alter von 27 Jahren in die Schweiz gekommen ist , sie somit den grössten Teil ihres Le- bens im Kosovo verbracht hat, die Sprache beherrscht und d ie Gepflogenheiten und Strukturen ihres Heimatlandes kennt. Ausserdem leben ihr Ehemann und ihre Eltern dort. Für den Fall, dass der Ehewille nicht mehr bestehen sollte, ist davon auszugehen, dass sich das Verhältnis zu ihren Eltern bessern wird, so dass ihre Eltern ihr n ach ihrer Rückkehr helfen könnten. Auch für den Fall, dass sie diese Hilfe nicht erhalten sollte , ist davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerin Bekannte und Freunde hat, die ihr eine anfängliche Unterstützung zukommen lassen würden. Die Beschwerdeführerin ist jung und gesu nd. Die zwei Kinder der Beschwerde- führerin sind erst drei- und einjährig und somit in ei nem anpassungsfähigen Alter. Aus den Ak- ten ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin vor ihre r Einreise in die Schweiz im Kosovo als Schneiderin arbeitete. Die Beschwerdeführerin verfügt ü ber sämtliche Voraussetzungen, die erforderlich sind, um im Kosovo innert nützlicher Frist wieder Fuss zu fassen. 7.5.3. Die Beschwerdeführerin wurde in ihrer Ehe Opfe r häuslicher Gewalt. Trotz dieses Um- standes hat sie mit dem Ehemann in der Schweiz weiter zusammen gelebt, nach der Wegwei- sung des Ehemannes mit diesem Ferien verbracht, mit ihm ein Kind gezeugt, ihn finanziell un- terstützt, mit ihm regen telefonischen Kontakt gehalte n und bis zum Entscheid des AfM auch ausgesagt, dass sie ein Leben mit ihrem Mann wünsche. D ie häusliche Gewalt hat somit offen- sichtlich keinen Grund dargestellt, um den Wunsch mit dem Ehemann zusammen zu leben, aufzugeben oder den Kontakt mit ihm zu meiden. Unter diesen Umständen kann die erlittene eheliche Gewalt bei der Interessenabwägung nicht wesentlich ins Gewicht fallen. 7.5.4. Ungünstigere wirtschaftliche Perspektiven im Kosovo lassen eine Rückkehr nicht un- zumutbar erscheinen. Dass die Rückkehr unbestreitbar mit p ersönlichen und wirtschaftlichen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachteilen für sie persönlich und - als Reflexwirkung - auch für ihre Kinder und ihren Ehemann verbunden ist, ändert an der Zumutbarkeit nichts. Unter Beachtung dieser Aspekte erscheinen die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sowie die Wegweisung der Beschwerdeführe- rin aus der Schweiz als zumutbar. Insgesamt überwiegt d emnach das öffentliche Interesse an der Gleichbehandlung der Ausländerinnen und Ausländer im Rahmen der Ausländergesetzge- bung sowie an der Durchsetzung der Rechtsordnung das pr ivate Interesse der Beschwerdefüh- rerin an einem weiteren Verbleib in der Schweiz. Der angefochtene Entscheid erweist sich als verhältnismässig. 7.6. Die öffentlichen Interessen an der Nichtverlänger ung der Aufenthaltsbewilligung sind bei einer Gesamtbetrachtung höher als die persönlichen Interessen der Beschwerdeführerin zu gewichten. 8. Zu prüfen ist abschliessend, ob allenfalls ein Härte fall nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG vorliegt. Für die Auslegung dieser Bestimmung kann auf die bisherige Härtefallpraxis im Rah- men von Art. 13 lit. f der Verordnung über die Begr enzung der Zahl der Ausländer (aBVO) vom 6. Oktober 1986 abgestellt werden (SPESCHA , a.a.O., Rz 5 zu Art. 30 AuG). Für die Anwendung der Härtefallregelung ist erforderlich, dass sich die bet reffende ausländische Person in einer persönlichen Notlage befindet. Das bedeutet, dass ihre L ebens- und Daseinsbedingungen ge- messen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Personen in gesteigertem Masse in Frage gestellt sein müssen, bzw. die Verweigerung von der Ausnahme der zahlenmässigen Begrenzung für die betroffene Person schwere Nachteile zur Folge hätte (BGE 119 Ib 33 E. 4.c; BGE 123 II 125 E. 2 und 3). Bei der Beurteilung des Härtefalles sind alle Gesichtspunkte und Besonderheiten des Einzelfalles einzubeziehen (BGE 124 II 110 E. 2 mit Hinweisen). In diesem Zusammenhang sind die in Art. 31 VZAE betreffend schwe rwiegende persönliche Härtefälle aufgezählten Kriterien zu berücksichtigen: die Integrati on, die Respektierung der Rechtsord- nung, die Familienverhältnisse, die finanziellen Verh ältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung, die Dauer d er Anwesenheit in der Schweiz, der Gesundheitszustand sowie die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat. Der Regierungsrat hält in seinem Beschluss (Erwägungen 8 .a - 8.b) zu Recht fest, dass die Voraussetzungen zur Erteilung einer Härtefallbewilligun g nicht gegeben sind. Es sei der Be- schwerdeführerin zumutbar, in ihr Heimatland zurückzukehre n. Ins Gewicht fällt insbesondere, dass die Beschwerdeführerin erst seit relativ kurzer Daue r in der Schweiz lebt, keine über- durchschnittliche Integration in die hiesige Gesellschaft vorliegt und ihr die Wiedereingliederung in den Kosovo gelingen dürfte. Ihre Lebens- und Dasein sbedingungen sind gemessen am durchschnittlichen Schicksal von anderen ausländischen Perso nen nicht in gesteigertem Mass in Frage gestellt. Daran ändert auch eine allfällig st attgefundene Auflösung der Ehegemein- schaft oder ein allfällig fehlender Kontakt zu den Elte rn der Beschwerdeführerin aus den in der Urteilserwägung 7.5.2 bereits in Bezug auf die Verhäl tnismässigkeitsprüfung genannten Über- legungen nichts. Es liegt mithin kein persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG vor. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1. Im Folgenden ist noch über die Kosten zu entscheid en. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Di e Verfahrenskosten umfassen die Ge- richtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der R egel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vorliegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- der unterliegenden Beschwer deführerin aufzuerlegen. Zufolge Bewil- ligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Ve rfahrenskosten zu Lasten der Gerichts- kasse. 9.2. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise o bsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Kanton wird keine Parteientschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 2 VPO). Die Parteikosten sind demnach wettzusc hlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ist dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. Der Rechtsvertreter der B eschwerdeführerin macht in sei- ner Honorarnote vom 22. März 2016 einen Aufwand von 7. 83 Stunden à Fr. 200.-- und Ausla- gen in der Höhe von Fr. 93.-- geltend, was nicht zu bea nstanden ist. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertrete r der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘792.45 (inkl. Auslagen und 8 % M ehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 9.3. Die Beschwerdeführerin, wird ausdrücklich darauf h ingewiesen, dass sie zur Nachzah- lung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichts- kasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Ge- setzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Beschwerdeführerin hat mit ihren beiden Kind ern die Schweiz spätestens dreissig Tage nach schriftlicher Eröffnung des b egründeten Urteils zu verlassen. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- werden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘792.45 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. Präsidentin Gerichtsschreiberin