Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. Januar 2012 (810 11 197) ____________________________________________________________________ Raumplanung, Bauwesen Denkmalschutz Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Beat Walther, Markus Clausen, Bruno Gutzwiller, Niklaus Ruckstuhl , Gerichtsschrei- ber Markus Pachlatko Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Thomas Christen, Ad- vokat B.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Thomas Christen, Advokat gegen Baurekurskommission des Kantons Basel-Landschaft , Rhein- strasse 29, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin C.____ AG , Beschwerdegegnerin, vertreten durch Roman Felix, Ad- vokat Beigeladene Einwohnergemeinde D.____ Betreff Baugesuch für Mehrfamilienhaus mit Laden und Einstellhalle in D.____ (Entscheid der Baurekurskommission Basel-Landschaft vom 16. November 2010) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die C.____ AG reichte am 26. Mai 2008 ein Bauges uch für den Bau eines Mehrfamili- enhauses mit Laden und Einstellhalle an der X.____strasse in D.____ beim Bauinspektorat des Kantons Basel-Landschaft (Bauinspektorat) ein. Gegen dieses Baugesuch erhoben A.____ und B.____ am 1 6. Juni 2008 Einsprache. Im We- sentlichen begründeten sie ihre Einsprache damit, das s ihre Zustimmung zur temporären Bau- ausführung auf ihrem Grundstück fehle und dass ihre den kmalgeschützte Liegenschaft durch die geplante Tiefgarage beeinträchtigt würde. Mit S chreiben vom 31. Juli 2009 und vom 9. Ok- tober 2009 hielten sie nach jeweiligen Planbereinigun gen an ihrer Einsprache fest. In einem weiteren Schreiben vom 19. Oktober 2009 ergänzten sie ihre Einsprachebegründung, indem sie sich auf die Verunstaltungs- und Gefährdungsverbote gemäss § 7 Abs. 3 und § 9 des Gesetzes über den Denkmal- und Heimatschutz (DHG) vom 9. April 1992 beriefen. Mit Schreiben vom 12. Februar 2010 beantragte die C. ____ AG dem Bauinspektorat, mangels Zustandekommens einer Lösung mit den Einsprechern inne rt vernünftiger Frist, die Abweisung der Einsprache. Mit Entscheid vom 7. Mai 2010 wies das Bauinspektorat die Einsprache ab, soweit darauf einzutreten war und erteilte der C.___ _ AG die Baubewilligung unter Auflagen. Bezüglich der privatrechtlichen Einsprachen wurden die E insprecher an den Zivilrichter verwie- sen. Der Einspracheentscheid wurde A.____ und B.____ am 12. Mai 2010 zugestellt. Mit Schreiben vom 18. Mai 2010 erhob A.____ gegen den Einspracheentscheid des Bauinspek- torates vom 7. Mai 2010 Beschwerde bei der Baurekurskom mission des Kantons Basel- Landschaft (BRK). Mit einem weiteren Schreiben vom 20 . Mai 2010 erhoben A.____ und B.____, vertreten durch Dr. Thomas Christen, Advokat, B eschwerde bei der BRK gegen den Einspracheentscheid und beantragten unter o/e-Kostenfol ge, dass erstens der Entscheid des Bauinspektorates 029/10 vom 7. Mai 2010 aufzuheben sei und dass zweitens das Baugesuch Nr. 1018/2008 unter Gutheissung der dagegen erhobenen Einsprache nicht zu bewilligen sei. Mit Schreiben vom 21. Juni 2010 reichten A.____ und B .____ die Beschwerdebegründung ein und beantragten, in Ergänzung zu den bereits gestellten Rechtsbegehren, dass eventualiter die Baubewilligung nur mit detaillierten Auflagen zu ert eilen sei. Die Auflagen hätten Gewähr dafür zu leisten, dass erstens die Parzellen der Beschwerdeführe r und insbesondere die Parzelle 3974 und das denkmalgeschützte "Y.____haus" im Rahmen d er Realisierung des umstrittenen Projekts und der geplanten Abgrabung weder während no ch nach Fertigstellung desselben ei- ner Abrutschgefahr noch sonst einer Gefahr ausgesetzt wür den, dass zweitens das strittige Objekt den Beschwerdeführern einen allfälligen Bau ei ner 1.20 m hohen Stützmauer an die Nachbarsgrenze nicht verunmöglicht werde und dass dritten s das geschützte Objekt nicht be- einträchtigt werde, indem das strittige Objekt im Rahm en einer Neuplanung Richtung Osten zurückversetzt werden müsse. Verfahrenstechnisch beantragten A.____ und B.____, es sei ein geologisches Gutachten zur Frage der Rutschgefahr der P arzelle 3974 respektive des "Y.____haus" unter Berücksichtigung der örtlichen Bodenbe schaffenheit im Rahmen der ge- planten Abgrabung einzuholen, respektive darüber, wel che bauliche Massnahmen zu treffen wären, um einer derartigen drohenden Gefahr vorzubeugen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mit Eingabe vom 6. Juli 2010 reichte die Gemeinde D.____ ihre Stellungnahme zur Beschwerde ein. Betreffend den Denkmal- und Ortsbildschutz hielt di e Gemeinde D.____ fest, dass das Bauprojekt keine wesentliche Verunstaltung des Ortsbilde s im Sinne von § 7 Abs. 1 DHG und keine Beeinträchtigung der Wirkung des geschützten Kultu rdenkmals im Sinne von § 7 Abs. 3 und § 9 DHG bewirke. Betreffend bautechnische Fragen gemäss Eventualantrag (Rutschgefahr usw.) hielt die Gemeinde D.____ fest, dass zu gewährlei sten sei, dass die Parzelle 3974 und das "Y.____haus" keinen Schaden im Sinne des entsprechend en Rechtsbegehrens der Be- schwerdeführers erlitten. Ob dies mit oder ohne detaill ierte Auflagen möglich sei, müssten die kantonalen Fachleute beurteilen. Falls dies ohne ein geologisches Gutachten nicht möglich sei, wäre dem Verfahrensantrag stattzugeben. Betreffend di e beantragte Rückversetzung des ge- planten Objekt in Richtung Osten führte die Gemeinde D.____ aus, dass sie sich einer solchen nicht entgegenstellen würde, sofern die Bau- und Planungsvorschriften eingehalten würden. Mit Vernehmlassung vom 21. Juli 2010 verwies das Bauinsp ektorat unter anderem auf die Stel- lungnahme der Kantonalen Denkmalpflege vom 19. Juli 2 010 und beantragte die vollumfängli- che Abweisung der Beschwerde. Die C.____ AG, vertreten durch Roman Felix, Advokat, bea ntragte - unter o/e-Kostenfolge - mit Eingabe vom 10. September 2010 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Mit Entscheid vom 16. November 2010 wies die BRK die B eschwerde ab. Der Entscheid wurde den Beschwerdeführern am 18. Mai 2011 zugestellt. B. Mit Eingabe vom 30. Mai 2011 reichen A.____ und B. ____, vertreten durch Dr. Thomas Christen, Advokat, (Beschwerdeführer) gegen den Entscheid der BRK vom 16. November 2010 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- u nd Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt) ein. Die Beschwerdeführer beantragen erstens, de r Entscheid der BRK vom 16. Novem- ber 2010 sei aufzuheben, zweitens sei das Baugesuch Nr. 1 018/2008 unter Gutheissung der dagegen erhobenen Einsprache nicht zu bewilligen. Drittens sei eventualiter die Baubewilligung nur mit detaillierten Auflagen zu erteilen. Die Aufl agen hätten Gewähr dafür zu leisten, dass erstens die Parzellen der Beschwerdeführer und insbesonder e die Parzelle 3974 und das "Y.____haus" im Rahmen der Realisierung des umstrittenen Projekts und der geplanten Abgra- bung weder während noch nach Fertigstellung desselben ei ner Abrutschgefahr noch sonst ei- ner Gefahr ausgesetzt würden, dass zweitens das strittige Objekt den Beschwerdeführern einen allfälligen Bau einer 1.20 m hohen Stützmauer an die Nachbarsgrenze nicht verunmöglicht wer- de und dass drittens das geschützte Objekt nicht beeinträcht igt werde, indem das strittige Ob- jekt im Rahmen einer Neuplanung Richtung Osten zurückver setzt werden müsse. Ausserdem wurde der Verfahrensantrag gestellt, es sei ein geol ogisches Gutachten zur Frage der Rutsch- gefahr der Parzelle 3974 respektive des "Y.____hauses" u nter Berücksichtigung der örtlichen Bodenbeschaffenheit im Rahmen der geplanten Abgrabung einzuholen, respektive darüber, welche bauliche Massnahmen zu treffen wären, um einer d erartigen drohenden Gefahr vorzu- beugen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Schreiben vom 30. August 2011 nimmt die Gemeind e D.____ (Beigeladene) zur Be- schwerde Stellung und führt darin aus, dass ihre Stellun gnahme vom 6. Juli 2010 zur Be- schwerde gegen den Entscheid des Bauinspektorates unverände rt auch für die Beschwerde gegen den Entscheid der BRK gelte. D. Die C.____ AG (Beschwerdegegnerin) reicht am 12. S eptember 2011 ihre Stellungnah- me zur Beschwerde ein und beantragt die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, unter o/e-Kostenfolge. E. Das Bauinspektorat nimmt mit Eingabe vom 12. Septem ber 2011 Stellung zur Be- schwerde und beantragt - unter Verweis auf die der St ellungnahme beigelegten Stellungnahme der Kantonalen Denkmalpflege vom 2. September 2011 - die Abweisung der Beschwerde, wie auch des Verfahrensantrages. F. Mit präsidialer Verfügung vom 22. September 2011 weist das Kantonsgericht den Ver- fahrensantrag der Beschwerdeführer betreffend die Ei nholung eines geologischen Gutachtens ab. Ausserdem wird der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. G. Auf die weiteren Vorbringen und Begründungen der Parteien im Rahmen des Schriften- wechsels wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. H. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung mit vorgä ngigem Augenschein halten die Parteien vollumfänglich an ihren Begehren fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Gemäss § 134 Abs. 5 des Raumplanungs- und Baugesetzes (RBG) vom 8. Janu- ar 1998 in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 können Entsch eide der BRK durch die Betrof- fenen und die Gemeinden beim Kantonsgericht angefoch ten werden. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der vorliegenden Angele genheit ist somit gegeben. Auch sind die weiteren formellen Anforderungen an die Beschwerd e erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gem äss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unt erschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen - abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen - untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). Gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die Raump lanung (RPG) vom 22. Juni 1979 ist in Fällen wie dem vorliegenden die volle Überprüfung ein schliesslich der Kontrolle der Angemes- senheit durch wenigstens eine Beschwerdebehörde verlangt . Die Beurteilung durch die BRK genügt diesen Anforderungen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Die Beschwerdeführer bringen unter anderem vor, d ass für die Realisierung des Bau- projektes die Inanspruchnahme der Parzelle unumgänglich sei, dass sich die Beschwerdeführer aber von Beginn an gegen eine solche Inanspruchnahme ausgesprochen hätten und sich nach wie vor gegen eine solche Inanspruchnahme verwehren wür den. Es sei an der Beschwerde- gegnerin und nicht an den Beschwerdeführern, die zivilrechtlichen Voraussetzungen für die Re- alisierung des Bauprojekts zu schaffen. Der Eingriff in fremdes Eigentum sei nur dann gerecht- fertigt, wenn sich der Störer auf eine besondere gese tzliche Vorschrift berufen könne und der Eingriff in das Grundeigentum mit dem Bundesrecht und folglich mit Art. 695 des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 vereinbar sei. Da aber vorliegend durch den Eingriff gar das Grundstück des Beschwerdeführer s gefährdet sei, sei der geplante Eingriff mit dem Bundesrecht klar nicht vereinbar. Damit dürfe die Bewilligung nur erteilt wer- den, wenn auch die sachenrechtliche Frage und die Sicher heitsfrage geklärt seien. Es könne nicht sein, dass die Beschwerdeführer in die Klägerrolle gedrängt würden. 3.2 Gemäss § 43 Abs. 3 VPO schliesst die Zuständigkeit des Z ivilgerichts die Zuständig- keit des Kantonsgerichts als Verwaltungsgericht aus, wobei das Kantonsgericht gemäss § 46 Abs. 1 VPO sämtliche mit dem Entscheid zusammenhängenden Vorfragen überprüft, auch wenn diese nicht dem öffentlichen Recht angehören. Zu prüfen ist, ob die Frage der Vereinbar- keit der geplanten Inanspruchnahme der beschwerdeführer ischen Parzelle durch die Be- schwerdegegnerin mit Art. 695 ZGB Gegenstand des öffent lichen Rechts ist und, sollte dies nicht der Fall sein, ob es sich um eine mit dem Entschei d zusammenhängende Vorfrage han- delt oder ob es sich um einen Gegenstand handelt, welcher in die Zuständigkeit des Zivilrichters fällt. 3.3 Die Vorinstanzen haben zu Recht festgestellt, dass di e Inanspruchnahme von Nach- barsparzellen für die Bauausführung in § 129 des Geset zes über die Einführung des Zivilge- setzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 geregelt ist . § 129 Abs. 1 EG ZGB hält fest, dass die Nachbarschaft das Betreten oder die vorübergehen de Benützung ihres Grundstückes zu dulden hat, soweit es für die Errichtung oder den Unterhalt von Bauten, Einfriedigungen und anderen Anlagen längs der Grenze unumgänglich ist. Wer ein solches Recht ausüben will, muss der Nachbarschaft sein Vorhaben rechtzeitig und gehör ig anzeigen und einen allfälligen Schaden ersetzen (§ 129 Abs. 3 EG ZGB). Diese Norm stützt sich auf Art. 695 ZGB ab, wonach es den Kantonen vorbehalten bleibt, über die Befugni s des Grundeigentümers, unter anderem zum Zwecke der Bewirtschaftung oder Vornahme von Ausbesser ungen und Bauten das nach- barliche Grundstück zu betreten, nähere Vorschriften aufz ustellen. Art. 695 ZGB ist Teil des zivilrechtlichen Nachbarrechts (vgl. Art. 684 ff. ZGB). Die Frage der Vereinbarkeit der geplanten Inanspruchnahme der beschwerdeführerischen Parzelle durch die Beschwerdegegnerin mit Art. 695 ZGB ist damit Gegenstand des Zivilrechts. Gemäss § 129 Abs. 1 RBG wird die Baube- willigung unter Vorbehalt der privaten Rechte erteil t, wenn das Bauvorhaben den gesetzlichen Bestimmungen entspricht und über die Einsprachen öffen tlich-rechtlicher Natur rechtskräftig entschieden worden ist. Die Klärung der Frage, ob die im vorliegenden Fall geplante Benützung des beschwerdeführerischen Grundstücks durch die Beschwerdege gnerin mit Art. 695 ZGB vereinbar ist, ist somit nicht Gegenstand des Baubewilligu ngsverfahrens und stellt damit keine Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit dem vorliegenden Entscheid zusammenhängende Vorfr age dar, sondern fällt in die Zustän- digkeit des Zivilrichters (vgl. B ERNHARD WALDMANN /P ETER HÄNNI , Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 22 N 64 f.). Die Beschwerde ist insoweit abzuweisen. 4.1 Die Beschwerdeführer rügen ferner, dass weder das B auinspektorat, noch die BRK das von ihnen beantragte geologische Gutachten angeor dnet hätten. Im vorliegenden Verfah- ren haben die Beschwerdeführer deshalb nochmals die Anordnung eines geologischen Gutach- tens beantragt. Dieser Antrag wurde durch die Verfügu ng der Präsidentin des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 22. September 2011 abgewiesen. 4.2 Gemäss § 101 Abs. 3 RBG kann die Baubewilligungsbeh örde auf Kosten der Bauherr- schaft Untersuchungen über die Baugrundverhältnisse verlan gen, wenn die Stabilität des Bau- grundes in Frage gestellt ist. Das Bauinspektorat verlangt die Einreichung eines geologischen Gutachtens praxisgemäss nur in Gebieten mit ausgewiesener akuter Rutschgefahr. Sowohl das Bauinspektorat, wie auch die BRK, welche in baulicher H insicht Fachbehörden sind, haben es aufgrund der örtlichen Verhältnisse nicht als erforderl ich erachtet, ein geologisches Gutachten einzuholen. An dieser Ansicht hielten beide Fachbehörde n auch in ihrer Stellungnahme im Rahmen des vorliegenden Verfahrens und anlässlich des Aug enscheins fest. Dementspre- chend hat der Vertreter der Beigeladenen anlässlich des Augenscheins festgehalten, dass das Gebiet, in welchem das fragliche Bauprojekt realisiert werden soll, nicht als rutschgefährdetes Gebiet bekannt sei. Der Antrag der Beschwerdeführer, e in geologisches Gutachten einzuholen, ist demnach abzuweisen. 5. Bauten und Anlagen bedürfen einer öffentlichrechtl ichen Bewilligung (Art. 22 RPG; § 120 RBG). Sind die gesetzlichen Voraussetzungen, wie un ter anderem die im Nutzungsplan ausgedrückten räumlichen Ordnungsvorstellungen, alle übrigen planerischen sowie die baupoli- zeilichen Vorschriften, erfüllt, besteht ein Anspruch au f Erteilung der Baubewilligung (P ETER HÄNNI , Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Au flage, Bern 2008, S. 322 f.). Vorliegend ist unbestritten, dass das geplante Bauprojekt zonenkonform ist. 6. Die Beschwerdeführer rügen demgegenüber, das Baupr ojekt halte die massgeblichen Bestimmungen für Stützmauern und Terrainveränderungen an der Parzellengrenze gemäss §§ 92 und 93 RBG nicht ein. Die Beschwerdeführer substa nziierten diese Rüge allerdings we- der in ihrer Beschwerdebegründung, noch anlässlich des Augenscheins. 7.1 Strittig ist im Weiteren, ob die Erstellung des ge planten Bauprojekts bzw. die zu erstel- lende Baute eine Beeinträchtigung des denkmalgeschützte n "Y.____hauses" bzw. seiner Um- gebung zur Folge hat. Die Beschwerdeführer machen dies bezüglich geltend, das geplante Bauprojekt habe eine wesentliche Verunstaltung des Ortsb ildes im Sinne von § 7 Abs. 1 DHG und § 104 RBG sowie eine Beeinträchtigung der Wirkung des "Y.____hauses" im Sinne von § 7 Abs. 3 und § 9 DHG zur Folge. So passe der Neubau mit seinem geplanten Flachdach über- haupt nicht in das Ortsbild, auch werde der Blick auf das "Y.____haus" mit dem geplanten Neu- bau massiv beeinträchtigt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 § 104 RBG statuiert, dass alle bewilligungspflichti gen Bauten und Anlagen unter Be- rücksichtigung der Ziele des Natur-, Landschafts-, Denkmal- und Heimatschutzes derart zu ges- talten und in die Umgebung einzugliedern sind, dass au f wertvolle Objekte, insbesondere auf wertvolle Landschaftsbilder, Rücksicht genommen wird. § 7 Abs. 1 DHG untersagt die Verun- staltung des Orts- und Landschaftsbildes. Bauten und An lagen sind zudem in das Orts- und Landschaftsbild einzupassen. Wo die Erhaltung des Orts- und Landschaftsbildes es erfordert, kann die zuständige Fachstelle ausserdem geeignete Bepfla nzungen zur Auflage machen (Abs. 2). Explizit Bezug zu geschützten Kulturdenkmälern nehmen § 7 Abs. 3 DHG und § 9 DHG. Gemäss § 7 Abs. 3 DHG ist es verboten, die gesch ützten Kulturdenkmäler in ihrem Bestand zu gefährden, sie in ihrem Wert oder in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen oder sie zu beseitigen. Nach § 9 DHG dürfen geschützte Kulturdenkmä ler durch bauliche oder technische Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden. Als Umgebung gilt der nähere Sichtbereich des Kulturdenkmals. 7.3 Mit den §§ 7 und 9 DHG sowie mit § 104 RBG statui ert der Kanton Basel-Landschaft sogenannte Ästhetikklauseln. Die Ästhetikvorschriften bezwecken den Schutz des Landschafts- , Orts- und Strassenbildes, der historischen Stätten sowie der Natur- und Kunstdenkmäler (HÄNNI , a.a.O., S. 318). Sie sind zumeist in Form einer Ge neralklausel umschrieben, können jedoch auch detaillierte Vorschriften bezüglich einzelne r Gestaltungselemente der Bauten wie beispielsweise Baumaterialien, Farbgebung oder Materi alauswahl beinhalten (H ÄNNI , a.a.O., S. 319; M ARCEL STEINER , Die Ästhetikgeneralklauseln, Baurecht 1994, S. 117; zu m Ganzen auch BEAT ZUMSTEIN , Die Anwendung der ästhetischen Generalklauseln des kant onalen Bau- rechts, St. Gallen 2001, S. 27 ff.). 7.4 Die Parzelle, auf welchem das umstrittene Bauprojekt geplant ist, befindet sich in der Wohn- und Geschäftszone 3b (WG 3b) und steht in unmitte lbarer Umgebung des "Y.____hau- ses", welches in das kantonale Inventar der geschützten Ku lturdenkmäler aufgenommen wor- den ist. Fraglich ist, ob das geplante Bauprojekt die Um gebung im Sinne von § 7 Abs. 1 DHG verunstaltet, ob es dem Eingliederungsgebot gemäss § 104 RBG nach kommt und ob es das geschützte Kulturdenkmal im Sinne von § 7 Abs. 3 DHG und § 9 DHG gefährdet bzw. beein- trächtigt. Die vorliegend relevanten Begriffe "Verunsta ltung, Eingliederung und Beeinträchti- gung" stellen unbestimmte Rechtsbegriffe dar, für de ren Auslegung und Handhabung die Ver- waltungsbehörde zur Auslegung kompetenter erscheint, ha ndelt es sich dabei doch jeweils um ausgesprochene Fachfragen, bei deren Beantwortung be sondere Fachkenntnisse und die Ver- trautheit mit den tatsächlichen Verhältnissen vorausgese tzt werden. Dementsprechend hat das Kantonsgericht bei der Überprüfung der Anwendung und Interpretation dieser unbestimmten Rechtsbegriffen Zurückhaltung zuüben und den Verwaltun gsbehörden einen gewissen Beurtei- lungsspielraum zuzuerkennen (vgl. BGE vom 24. Januar 2008 [1C_134/2007] E. 4.2). 7.5 Die Beschwerdeführer machen geltend, die Vorinstan z habe im Rahmen ihres Ent- scheides das ihr zustehende Ermessen nicht wahrgenommen bzw. unterschritten, indem sie sich lediglich auf die Auffassungen der Beigeladenen un d der Kantonalen Denkmalpflege beru- fen habe. Hierzu ist zu entgegnen, dass die Vorinstanz gep rüft hat, ob der Bau des geplanten Projekts hinsichtlich dessen Kubatur, Gestaltung sowie Ma terialisierung eine unzulässige Be- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht einträchtigung des "Y.____hauses" bewirken würde. Sie hat dabei einen Augenschein vor Ort vorgenommen und Fotomontagen im Entscheid mitberücksichtigt. Aufbauend darauf ist die Vor- instanz zum Schluss gekommen, dass dem Schutzobjekt genügend Rechnung getragen werde, was insbesondere auch die kantonale Denkmalpflege so beurteile. Die Vorinstanz hat damit das ihr zustehende Ermessen wahrgenommen. 7.6 Anlässlich des Augenscheins konnte die Feststellung gem acht werden, dass sich der Standort der geplanten Baute - entsprechend der Ansi cht der Beschwerdegegnerin - in einer Umgebung befindet, welche sich durch eine heterogene A rchitektur auszeichnet. Die Umge- bung der betreffenden Parzelle kann weder hinsichtlich d es Ortsbildes noch bezüglich des Landschaftsbildes als einheitlich beurteilt werden. So b efinden sich etwa in unmittelbarer Nähe der betreffenden Parzelle nicht nur Giebeldächer, sond ern auch Flachdachbauten. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer spricht nichts gegen e ine Berücksichtigung dieser Flach- dachbauten bei der Beurteilung der Umgebung der bet reffenden Parzelle, vielmehr drängt sich eine entsprechende Berücksichtigung gerade auf, befinde n sich diese Flachdachbauten doch bloss etwa 50 m entfernt von der betreffenden Parzelle. Ein homogenes Erscheinungsbild ist demzufolge, insbesondere was die Art der Gebäudebedachun g betrifft, in der Umgebung der betroffenen Parzelle nicht auszumachen. Zudem kann das Ausmass des Gegensatzes zwi- schen der bestehenden Umgebung sowie der neu zu erstelle nden Baute nicht als gross be- zeichnet werden. Kein anderes Resultat ergibt sich aus ein er Bewertung des Projekts an sich. Die ästhetische Einschätzung der Baute kann nur vorgenomm en werden, soweit sie Wirkungen im Hinblick auf ihre Umgebung entfaltet. Farben, Form en oder bestimmte Bautypen können für sich allein betrachtet nicht als hässlich oder als unschön ch arakterisiert werden. Diese Beurtei- lung ergibt sich im Rahmen der Ästhetikgeneralklausel immer erst im Vergleich zu ihrer Umge- bung. Insoweit kann ein Bauprojekt nicht losgelöst von seiner Umgebung betrachtet werden (KGE VV vom 22. September 2004 [810 04 19] E. 6b). Überdies kann anhand der vorliegenden Pläne festgestellt werden, dass die geplante Baute die elementaren Erfordernisse an die Ges- taltung nicht missachtet. Die Ansicht der Vorinstanz, da ss die geplante Baute weder gegen das Verunstaltungsverbot, noch gegen das Eingliederungs- od er Einordnungsgebot verstösst, er- scheint deshalb als vertretbar. Soweit die Beschwerdeführe r die Verunstaltung des Ortsbildes im Sinne von § 7 Abs. 1 DHG bzw. die Verletzung des Eing liederungs- oder Einordnungsgebot gemäss § 104 RBG rügen, ist die Beschwerde folglich abzuweisen. 7.7.1 Offen bleibt damit aber, ob das geplante Baupr ojekt das "Y.____haus" in seinem Be- stand gefährdet oder in seiner Wirkung beeinträchtigt. Keine Anzeichen bestehen dafür, dass der Bau des geplanten Projekts bzw. die geplante Baute selber das "Y.____haus" in seinem Bestand gefährdet. Insbesondere ist nicht davon auszuge hen, wie oben bereits festgestellt, dass durch den Bau des geplanten Projekts der Boden, au f welchem das "Y.____haus" steht, ins Rutschen gerät (vgl. E. 4.2). Zu prüfen bleibt folg lich, ob die geplante Baute das "Y.____haus" in seiner Wirkung beeinträchtigt, wobei d avon auszugehen ist, dass sich die Par- zelle, auf welcher die geplante Baute realisiert werd en soll, im näheren Sichtbereich des "Y.____hauses" und damit in dessen Umgebung im Sinne von § 9 DHG befindet, grenzt doch die betreffende Parzelle unmittelbar an jene Parzell e, auf welcher das geschützte Kulturdenk- mal steht. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.7.2 Die Beschwerdeführer bringen hierzu im Wesentl ichen vor, dass die gesamte Fassade des "Y.____hauses" geschützt sei und dass der äussere Schut z durch den Bau des geplanten Bauprojekts verunmöglicht werde, da man das "Y.____haus" nach Erstellung der Baute von der Südseite des geschützten Objekts nicht mehr sehen könne. D emgegenüber hält die Vorinstanz in ihrem Entscheid vom 16. November 2010 unter Berufun g auf die Kantonale Denkmalpflege im Wesentlichen fest, dass mit der Erstellung des geplan ten Bauprojektes keine im Sinne des DHG unzulässige Beeinträchtigung des "Y.____hauses" verursacht werde. 7.7.3 Gemäss dem kantonalen Inventar der geschützten Kul turdenkmäler waren der integra- le Erhaltungszustand, der hohe typologische, kunsthandwer kliche und architekturgeschichtliche Wert sowie die Bedeutung der Baute als Wohnsitz des Baselbieters Kunstmalers E.____ für die Aufnahme des "Y.____hauses" in das Inventar ausschlaggebe nd. Dem Inventar ist weiter zu entnehmen, dass sich auf der Südseite des "Y.____hauses" ursprünglich industrielle Bauten und danach ein Malatelier befanden, welche heute nicht mehr existieren. In ihrer Stellungnahme vom 2. September 2011 gegenüber dem Bauinspektorat we ist die Kantonale Denkmalpflege darauf hin, dass das "Y.____haus" früher nicht so frei wi e heute gestanden habe, weshalb sie ein Neubau grundsätzlich als möglich erachte. Anlässlich der heutigen Verhandlung hält der Vertreter der Kantonalen Denkmalpflege dementsprechen d fest, dass das "Y.____haus" schon immer von Gebäuden umgeben gewesen sei und damit nic ht als alleinstehendes Haus ge- schützt sei. Zwar sei die Südseite des "Y.____hauses" und damit jene Seite, an welche die be- schwerdegegnerische Parzelle grenzt, als Hauptseite zu betrachten. Es sei jedoch zu beachten, dass beim sogenannten "Laubsägelistil", in welchem das " Y.____haus" geschaffen sei, das Haus rund um gleich geschaffen werde, insofern gebe es ke ine Hauptseite. Beim Schutz des "Y.____hauses" gehe es in erster Linie um den Erhalt d er Substanz der Fassade und der Kon- struktion. Zwar sei es auch wichtig, dass man das "Y.____ haus" sehen könne, dies sei aber auch nach Errichtung der umstrittenen Baute von der We stseite her, von welcher das "Y.____haus" erschlossen sei, weiterhin möglich. 7.7.4 Die Auffassung der Kantonalen Denkmalpflege bet reffend den Schutzbedarf des "Y.____hauses" sowie deren Auslegung und Handhabung de s unbestimmten Rechtsbegriffes "Beeinträchtigung" ist nicht zu beanstanden: Ins Gewich t fällt, dass das "Y.____haus" in erster Linie in dessen Substanz, nicht aber als alleinstehendes H aus geschützt ist. Zwar unterliegen dem Denkmalschutz nicht bloss die Objekte selbst, sondern auch deren Wahrnehmung aus der Umgebung heraus (vgl. KGE VV vom 11. März 2009 [810 08 207] E. 4.2.2). Diesbezüglich ist aber zu beachten, dass alle Seiten des "Y.____hauses" gleich geschaffen sind und dass es auf dessen Südseite, auf welcher das umstrittene Bauproje kt realisiert werden soll, in der Vergan- genheit während längerer Zeit industrielle Bauten bzw . ein Malatelier gegeben hat. So war das "Y.____haus" früher in erster Linie von der Westseite, von wo es auch erschlossen ist, sichtbar. Die Ansicht der Kantonalen Denkmalpflege, wonach das "Y. ____haus" nach der Realisierung des geplanten Bauprojekts weiterhin, wenn auch - wie l ängere Zeit in der Vergangenheit auch - in erster Linie von der Westseite, wahrnehmbar sei, we shalb die Wirkung des "Y.____hauses" mit der Erstellung der Baute auf dessen Südseite nicht i n unzulässiger Weise beeinträchtigt werde, ist deshalb vertretbar. Dementsprechend ist der Auffassung der Vorinstanz, wonach mit Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Realisierung des umstrittenen Bauprojektes keine im S inne des DHG unzulässige Beein- trächtigung des "Y.____hauses" stattfinde, zuzustimmen und die Beschwerde ist abzuweisen. 8.1 Es bleibt über die Verteilung der Kosten zu entsch eiden. Dem Verfahrensausgang ent- sprechend werden die Verfahrenskosten gemäss § 20 Abs. 1 VPO in Verbindung mit § 20 Abs. 3 VPO der unterliegenden Partei auferlegt. Für die heutige Parteiverhandlung (inklu- sive Augenschein) ist eine Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 2‘400.-- zu entrichten. Diese sind den Beschwerdeführern in solidarischer Verpflichtung au fzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Die Beschwerdeführer haben d emzufolge restliche Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 200.-- zu bezahlen. 8.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann ge mäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessen e Parteientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Beschwerdefüh rer haben demzufolge in solidari- scher Verpflichtung der Beschwerdegegnerin eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 3'281.05 (inkl. Auslagen und 8% MwSt) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 2'400.-- werden den Be- schwerdeführern in solidarischer Verpflichtung auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'200.-- verrechnet. Die Beschwerdeführer haben demzufolge restliche Verfahren skosten in der Höhe von Fr. 200.-- zu bezahlen. 3. Die Beschwerdeführer haben in solidarischer Verpf lichtung der C.____ AG eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'281 .05 (inkl. Ausla- gen und 8% MwSt) auszurichten. Im Übrigen werden die P arteikosten wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid haben die Beschwerdeführer am 15. Mai 2012 beim Bundesgericht Beschwerde erhoben (Verfahrensnummer: 1C_255/2012).