Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 24. November 2016 (720 16 261 / 311) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Auf das schlüssige Verwaltungsgutachten kann abgestellt werden Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Markus Mattle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Nikolaus Tamm, Advo- kat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1963 geborene, zuletzt als Mitarbeiterin in der Zentralwäscherei einer chemischen Reinigung erwerbstätig gewesene A.____ hatte im Jah r 1999 einen Unfall erlitten, bei welchem sie sich eine Fissur des distalen Radius rechts und Kontusionen des Ellbogens, der Schulter und der Lendenwirbelsäule zugezogen hatte. Seither ist die Versicherte keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen. Im September 2000 meldete sich A .____ unter Hinweis auf die Folgen dieses Unfalls bei der Eidgenössischen Invalidenver sicherung (IV) zum Bezug von Leistungen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und der erwer blichen Verhältnisse sprach die damals zuständige IV-Stelle Basel-Stadt der Versicherten mit Ve rfügung vom 8. Februar 2002 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 70 % rückwirkend ab 1. November 2000 eine ganze Rente zu. Im Rahmen einer im Dezember 2004 von Amtes wegen eingelei teten Rentenrevision ermittelte die IV-Stelle Basel-Stadt neu einen Invaliditätsgrad der Versicherten von 55 %, worauf sie deren laufende ganze Rente mit Verfügung vom 23. Juni 2005 mit Wirkung ab 1. August 2005 auf eine halbe Rente herabsetzte. In Gutheissung einer von A.____ gegen diese Verfügung erho- benen Einsprache kam die IV-Stelle Basel-Stadt jedoc h mit Einspracheentscheid vom 31. Ok- tober 2005 auf diese Verfügung vom 23. Juni 2005 zurück; gleichzeitig stellte sie fest, dass die Versicherte ab August 2005 weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente habe. Im Rahmen eines im August 2009 von Amtes wegen eingelei teten weiteren Revisionsverfah- rens stellte die aufgrund eines Wohnsitzwechsels der Versi cherten nunmehr zuständige IV- Stelle Basel-Landschaft unveränderte Verhältnisse fest, weshalb sie A.____ am 2. November 2009 mitteilte, dass sie weiterhin Anspruch auf die bi sherige Invalidenrente habe. Im April 2012 leitete die IV-Stelle Basel-Landschaft eine erneute Ü berprüfung des Rentenanspruchs der Ver- sicherten ein. Im Rahmen ihrer medizinischen Abklärungen holte sie unter anderem bei der MEDAS B.____ ein polydisziplinäres Gutachten ein, welche s am 30. März 2013 erstattete wur- de. Unter Hinweis auf die Ergebnisse dieses Gutachtens hob die IV-Stelle Basel-Landschaft - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Verfüg ung vom 18. Juli 2013 die A.____ bis- her ausgerichtete ganze Rente auf das Ende des der Zust ellung der Verfügung folgenden Mo- nats auf. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Nachdem A.____ am 27. Februar 2014 einen weiteren Un fall erlitten und sich dabei eine in- komplette Berstungsfraktur des 2. Lendenwirbelkörpers zu gezogen hatte, meldete sie sich am 12. Mai 2014 erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. D ie IV-Stelle Basel-Landschaft nahm wiederum Abklärungen der gesundheitlichen und der erw erblichen Verhältnisse vor, wobei sie bei der Versicherten ab 27. Februar 2015 (Ablauf des Wartejahres) einen Invaliditätsgrad von 100 % und ab 1. Juni 2015 einen solchen von 0 % ermi ttelte. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft A.____ nach durchg eführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 24. Juni 2016 für den Zeitraum vom 1. Februar 2015 bis 31. August 2015 eine befristete ganze Rente zu. Gleichzeitig hielt sie fest, dass ab 1. September 2015 kein Renten- anspruch mehr bestehe. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Nikolaus Tamm, am 26. August 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefoc htene Verfügung aufzuheben und es sei ihr, eventualiter gestützt auf ein gerichtliches Obergu tachten, eine unbefristete IV-Rente auszu- richten; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Oktober 2016 beantra gte die IV-Stelle Basel- Landschaft die Abweisung der Beschwerde. Zudem legte si e ihren Ausführungen eine Beurtei- lung von Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 27. September 2016 bei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 26. August 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 99 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 4.2.1 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht im Lei turteil BGE 141 V 281 ff. seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatof ormen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) und damit vergleichbaren psychosomatischen Lei den (vgl. BGE 140 V 13 f. E. 2.2.1.3) revidiert hat. Eine Einschränkung der Leist ungsfähigkeit kann danach weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Ge- sundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Ren tenanspruch - in Nachachtung der ver- fassungs- und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 de r Bundesverfassung der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rech tsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) - anhand eines normativen Prüfrasters beurteilt, und es braucht eine medizinische Evidenz, dass die Erwerbs unfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bundesgericht der seit längerem namentlich aus medizini- scher, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Überwindbarkeitsvermutun g nicht weiter fest. Anstelle des bis- herigen Regel/Ausnahme-Modells tritt ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Rah- men wird im Regelfall anhand von auf den funktionelle n Schweregrad bezogenen Standardindi- katoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen erg ebnisoffen und symmetrisch beur- teilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfakto ren wie den vorhandenen Ressour- cen Rechnung getragen wird (Urteil A. des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 4.2.2 Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei den genannten Gesundheitsschäden beachtlichen Standartindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indi- katoren-Komplex steht unter dem Titel “Gesundheitsschädigung“. Darunter sind die Ausprägung Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der diagnoserelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behand lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die “Persönlichkeit“ betreffen- den Indikatoren-Komplex wird nach der Persönlichkeitsent wicklung und der Persönlichkeits- struktur gefragt, und es sind die persönlichen Ressourcen des Versicherten zu eruieren. Im drit- ten Indikatoren-Komplex schliesslich ist unter dem Titel “Sozialer Kontext“ eine Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich die “Konsistenz“ zu prüfen. Darunter fallen ver haltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivität sniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behandlungs- und eingliederun gsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks (BGE 141 V 296 ff. E. 4). 4.2.3 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Ste llungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und - in der Folge - Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einsc hränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und damit ve rgleichbare Leiden können somit eine Invalidität nur begründen, wenn die funktionelle n Auswirkungen der medizinisch festge- stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfal l anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegende r Wahrscheinlichkeit in einem an- spruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind. Fehlt es daran , hat die Folgen der Beweislo- sigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 308 E. 6). 5. Nachdem sich die Versicherte im Mai 2014 erneut bei der IV zum Bezug einer Rente angemeldet hatte, gab die IV-Stelle zur Abklärung des aktuellen Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei den Dres. med. D.___, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, und E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ein bidisziplinäres (rheumatologi- sches/psychiatrisches) Gutachten in Auftrag, welches am 14. Februar 2016 erstattet wurde. 5.1 Im rheumatologischen Fachteil des Gutachtens hält D r. D.____ folgende rheumatologi- sche Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1) einen Status nach inkom- pletter Berstungsfraktur mit Spaltkomponente L2 AO Typ 3.2 mit/bei (1.1) Status nach ORIF L1/3 USS-Fraktur, Fusion L1/3, Beckenkammentnahme dorsal links, Vertebroplastie L2 am 01.03.2014, (1.2) Status nach Treppensturz am 27.02.2014, (1.3) normaler Abheilung und guter Stabilisierung der Fraktur (Rx der LWS vom 12.03.2015) - der frakturierte LWK2 stationär ohne zunehmende Sinterung, multisegmentale Facettengelenka rthrose betont LWK5/SWK1; (2) ei- nen Status nach Arthrotomie des distalen Radioulnargelenks (DRUG) links mit Entfernung eines freien Gelenkkörpers (Os styloideum und Synovektomie am 0 3.12.2014) mit (2.1) restlichen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (unveränderten) Beschwerden am linken Handgelenk ohne eindeutiges organisches Residuum (ICD-10 M79.8) und (2.2) klinisch normal erhaltener Fu nktion des linken Handgelenks ohne Hinweise auf Instabilität des Bandapparats, ohne residu elle Synovitis. Als rheumatologische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit werd en (1) Schmerzen im Bereich des rechten Handgelenks ohne eindeutiges organisches Substrat (ICD-10 M79.6), (2) eine begin- nende, leichtgradige Retropatellararthrose beidseits ( ICD-10 M22.4) und (3) Senk-/Spreizfüsse beidseits (ICD-10 M21.6) genannt. Im Weiteren führt Dr. D.____ folgende „wichtige internisti- sche Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit“ an : (1) einen Status nach totaler Thy- reoidektomie und zentraler Neck Dissection (am 13.06.2005) sowie nach zweimaliger Radio- jodtherapie (am 25.08. und 06.10.2005) bei hochdiff erenziertem, multifokalem papillärem Schilddrüsenkarzinom - aktuell klinisch, sonographisch und laborchemisch in Remission bei euthyreoter Stoffwechsellage unter Eltroxin-Substitut ion; (2) ein leichtes allergisches Asthma bronchiale, gemischte Form; (3) einen Status nach infiziertem Hämatom an der Bauchnarbe bei Status nach Abdominalplastik am 19.12.2012 und (4) ein e rezidivierende Eisenmangelanämie bei Menorrhagien. In seiner Beurteilung weist Dr. D._ ___ mehrfach auf eine erhebliche Diskre- panz zwischen dem subjektiven Leidensdruck der Versicherten un d den objektiven Befunden am Bewegungsapparat hin, auch wenn sich seit der letzten Begutachtung der MEDAS B.____ im Jahre 2013 einige Veränderungen am Bewegungsappar at ergeben hätten. Insbesondere aufgrund der LWK-Fraktur vom Februar 2014 sei die B elastbarkeit des Bewegungsapparats und somit auch die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt wor den. Bis sechs Monate nach dem Unfall vom 27. Februar 2014 bzw. nach der Operation vom 1. Mä rz 2014 sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten auszugehe n. Für die Zeit danach seien der Explo- randin aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit des Bewegungsapparats schwere bis mit- telschwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Dies gelte a uch für die körperlich mittelschwere Arbeit in einer Zentralwäscherei, welche die Versicherte zuletzt ausgeübt habe. Die Verrichtung leichter körperlicher Tätigkeiten sei der Versicherten h ingegen in vollem Umfang und im Rah- men eines vollen Arbeitspensums zumutbar. 5.2 Der Psychiater Dr. E.____ gelangt im seinem Fachte il des Gutachtens zum Ergebnis, dass aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkunge n auf die Arbeitsfähigkeit erho- ben werden könne. Als Diagnose ohne Auswirkungen auf d ie Arbeitsfähigkeit nennt er eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54). Im Rahmen sei ner Beurteilung äussert sich Dr. E.____ auch zu den Standartindikatoren, die gemäss der neuen bundesgerichtlichen Recht- sprechung (BGE 141 V 281 ff.; vgl. E. 4.2 hiervor) bei der Beurteilung der invalidisierenden Wir- kung von somatoformen Schmerzstörungen und damit vergleichb aren psychosomatischen Lei- den zu beachten sind. So hält er in Bezug auf den Indi katoren-Komplex “Gesundheitsschädi- gung“ (Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde) fest, dass die Explorandin eine ge- wisse Gereiztheit gezeigt und wiederholt darüber geklagt habe, dass ihr die Rente ungerechtfer- tigterweise entzogen worden sei. Eigentliche psychopath ologische Symptome, insbesondere depressive Symptome, hätten aber nicht festgestellt werde n können. Was die geklagten soma- tischen Beschwerden betreffe, so hätten diese aufgrund der somatischen Untersuchungsbefun- de nicht hinreichend objektiviert werden können. Die Exp lorandin messe diesen mehr Bedeu- tung zu, als dass es den objektivierbaren Tatsachen entspr eche. Allerdings würden Hinweise auf eine bewusstseinsnahe Aggravation fehlen. Zum Komplex “Persönlichkeit“ führt der Gutach- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ter aus, dass die Explorandin eher einfach strukturier t sei. Bei der Arbeit habe sie keine nen- nenswerten Schwierigkeiten gehabt, sie unterhalte auch gute Beziehungen zu ihren Kindern. Von der Persönlichkeit her würden sich keine Hinweise daf ür zeigen, dass sie nicht in der Lage wäre, ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen . Was die Ressourcen betreffe, so zei- ge sich, dass diese eher gering seien, die Explorandin verfüge nicht über eine Berufsausbil- dung, spreche kaum Deutsch und sie sei in der Schweiz kaum integriert. Dennoch sei sie aber in der Lage gewesen, während Jahren ohne grössere Schwi erigkeiten ganztags zu arbeiten. Zum Komplex “Sozialer Kontext“ sei festzuhalten, dass die Explorandin belastet sei durch die angespannte wirtschaftliche Situation, in welcher sie si ch seit der Rentenaufhebung befinde, und durch die ungenügende Unterstützung durch ihren Eh emann, auch sei sie nicht integriert. Diese Faktoren hätten einen Einfluss darauf, dass sie sich s ubjektiv nicht arbeitsfähig fühle. Allerdings erfahre die Explorandin eine gute Unterstützung durch ihre Kinder und ihre Schwäge- rin. Im Zusammenhang mit dem Komplex “Behandlung und Eingliederung“ sei zu erwähnen, dass die Explorandin alle zwei bis drei Monate ihre beha ndelnde Psychiaterin aufsuche. Die ihr verschriebenen Antidepressiva nehme sie gemäss den durchgef ührten Blutuntersuchungen nur unregelmässig ein. Es bestehe allerdings auch keine psychiatrische Störung, die eine therapeu- tische Intervention notwendig machen würde. Zur Behan dlung der somatischen Beeinträchti- gungen besuche sie regelmässig eine Physiotherapie und sie nehme Schmerzmittel ein. Zu erwähnen bleibe im Zusammenhang mit all diesen Behan dlungen jedoch, dass die Explorandin explizit eine Rente fordere, wobei dieses ausgesprochene Rentenbegehren nicht dazu beitrage, dass Therapien zu einem Erfolg führten, da ja ansonsten der Anspruch auf eine Rente wegfal- len würde. Im Rahmen der Prüfung der “Konsistenz“ fall e auf, dass sich die Explorandin durch ihre Schmerzen eingeschränkt fühle und darüber klage, da ss sie zu nichts in der Lage sei. Dennoch führe sie ihren Haushalt bis auf schwerere Ar beiten selbständig, sie unternehme re- gelmässig Spaziergänge, pflege Kontakte zu ihren Kinder n und zu Verwandten und sie sei vor kurzem auch ohne Weiteres in der Lage gewesen, zusammen mit ihrem Mann in die Türkei zu reisen. Zu erwähnen sei schliesslich auch, dass die Explora ndin während der Untersuchung zwar über Schmerzen geklagt habe, deren Schilderung sei aber sehr vage erfolgt. Gleichzeitig habe sie die ganze Zeit ruhig auf dem Stuhl gesessen und dabei nie eine Schmerzwahrneh- mung geäussert. Zusammenfassend gelangt Dr. E.____ desh alb zum Ergebnis, dass bei der Versicherten aus psychiatrischer Sicht in jeder beruflichen Tätigkeit eine volle Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit bestehe. 5.3 In ihrer interdisziplinären Konsensbeurteilung we isen die beiden Gutachter nochmals darauf hin, dass bei der Versicherten aus psychiatrischer Si cht keine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit vorliege. Somit sei für eine abschliessend e Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die rheumatologische Einschätzung als Gesamtbeurteilung der Fächer Rheumatologie und Psychi- atrie massgebend. 5.4 Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfügu ng vom 24. Juni 2016 davon aus, dass die Versicherte aufgrund des am 27. Februar 2014 erli ttenen Unfalls bis Oktober 2014 und an- schliessend wegen der Beschwerden am linken Handgelenk, d ie am 3. Dezember 2014 eine operative Sanierung des Gelenks erforderlich machten, bis Ende Mai 2015 für sämtliche Tätig- keiten vollständig arbeitsunfähig war. Für die Zeit da nach, d.h. ab 1. Juni 2015, stützte sie sich Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der A rbeitsfähigkeit der Versicherten voll- umfänglich auf die Ergebnisse des bidisziplinären Gutach tens der Dres. D.____ und E.____ vom 14. Februar 2016. Insbesondere übernahm sie deren Auffassung, wonach bei der Versi- cherten ab 1. Juni 2015 in jeder körperlich leichten Tätigkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestand. Diese vorinstanzliche Würdigung der medizinischen Aktenlage ist nicht zu beanstan- den. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ä rzte, die aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine v or. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. D.____ und E.____ vom 14. Februar 2016 weist wed er formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Be- lange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchun gen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben w orden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen medizinischen Situation ein, es setzt sich mit den vorhandenen abweichenden ärztl ichen Einschätzungen auseinander und es vermag in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. 5.5 Was die Versicherte in ihrer Beschwerde vorbringt, ist nicht geeignet, die ausschlagge- bende Beweiskraft des Gutachtens der Dres. D.____ und E.____ in Frage zu stellen. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, Dr. D.____ fehle die Fachkompetenz, um die Auswirkungen der von ihm erhobenen internistischen Diagnosen zu beur teilen, kann ihr nicht gefolgt werden. Die IV-Stelle weist diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass Dr. D.____ auch Facharzt für Innere Medizin ist, weshalb er zweifellos in der Lage ist, sich ko mpetent zu den betreffenden Diagno- sen zu äussern. Dieser Aspekt ist letztlich aber gar nicht e ntscheidend, von wesentlicherer Be- deutung ist in diesem Zusammenhang Folgendes: Die Beschw erdeführerin zeigt weder selber auf, inwiefern sich die internistischen Diagnosen auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirken sollen, noch verweist sie auf fachärztliche Berichte behandelnder Ärzte , in denen aufgrund eines dieser Lei- den eine dauerhafte arbeitsrelevante Einschränkung att estiert würde. Vielmehr bestätigt etwa der Bericht des Spitals F.____ vom 24. April 2015 in B ezug auf die Schilddrüsenproblematik, dass erfreulicherweise klinisch, sonographisch und laborche misch keine Anhaltspunkte für ein Tumorrezidiv oder Metastasen des im Jahr 2005 erlittenen Schilddrüsenkarzinoms vorliegen würden. Somit handelt es sich, wie der RAD-Arzt Dr. C.____ in seiner Beurteilung vom 27. Sep- tember 2016 zutreffend festhält, bei der internistischen Diagnose “Status nach Schilddrüsenkar- zinom“ um eine inaktive Diagnose, mit welcher sich keine dauerhafte und erhebliche Arbeitsun- fähigkeit begründen lässt. Ebenfalls nicht auf die Arbeitsfähigkeit wirken sich die Diagnosen des leichten Asthmas bronchiale und des Bluthochdrucks aus. Z um einen sind diese gesundheitli- chen Beeinträchtigungen behandelbar und zum andern en thalten die Akten keinerlei Hinweise, wonach aus diesen Leiden eine wesentliche Einschränkung resultieren sollte. Dasselbe gilt so- dann auch in Bezug auf die Diagnose eines “Status nach i nfiziertem Hämatom an der Bauch- narbe nach Abdominalplastik im Dezember 2012“, ist das Hämatom doch vor Jahren abgeheilt, und auf diejenige einer “Eisenmangelanämie“, welche w irksam behandelt werden kann und - soweit ersichtlich - zwischenzeitlich offenbar auch entspr echend behandelt worden ist. Nichts Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdeführerin im Weiteren aus dem Einwand, es sei realitätsfremd, dass bei ihr keine rentenrelevante Arb eitsunfähigkeit bestehen solle, nachdem Dr. D.____ selber bestätigt habe, dass sich ihr Gesundhei tszustand seit der letzten Begutach- tung im Jahr 2013 klarerweise verschlechtert habe. Es tr ifft durchaus zu, dass auch Dr. D.____ von einer Verschlechterung der Situation im Vergleich zur Voruntersuchung durch die MEDAS B.____ im Jahr 2013 ausgeht. So weist er explizit dara uf hin, dass insbesondere der Unfall von Ende Februar 2014 zu einer Verschlechterung der Belastba rkeit des axialen Skeletts geführt habe. Die Beschwerdeführerin scheint jedoch zu übersehen , dass Dr. D.____ diesem Umstand in seiner Zumutbarkeitsbeurteilung durchaus Rechnung trä gt. Während die Vorgutachter der Versicherten noch durchwegs eine volle Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten attestiert hat- ten, ist Dr. D.____ nunmehr der Auffassung, dass der Versicherten aufgrund dieser Entwicklung die Verrichtung körperlich schwerer und mittelschwerer A rbeiten nicht mehr zumutbar sei. Er bezeichnet die Versicherte deshalb lediglich - aber imm erhin - noch für körperlich leichte Tätig- keiten als voll arbeitsfähig. Als unbegründet erweist si ch schliesslich auch die Kritik der Be- schwerdeführerin am psychiatrischen Fachteil des Gutachtens. Unzutreffend ist insbesondere der Einwand, Dr. E.____ habe zwar eine Schmerzverarbeit ungsstörung diagnostiziert, die vom Bundesgericht in seiner neuesten Rechtsprechung geforde rte Diskussion der einschlägigen Indikatoren, Belastungsfaktoren und Ressourcen fehle aber in seinem Gutachten. Entgegen der Darstellung der Versicherten äussert sich Dr. E.____, wie oben aufgezeigt (vgl. E. 5.2 hiervor ), im Rahmen seiner Beurteilung durchaus zu den Standart indikatoren, die gemäss der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 141 V 281 ff.; vgl. E. 4.2 hiervor) bei der Beurteilung der invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstö rungen und damit vergleichbaren psychosomatischen Leiden zu beachten sind. Einzelne Aspekte d er jeweiligen Indikatoren- Komplexe sind zwar, was die Begründungsdichte betrifft, eher etwas knapp abgehandelt wor- den, insgesamt vermag die Indikatorenprüfung aber den bundesgerichtlichen Anforderungen zu genügen und dem Gutachten kann jedenfalls in nachvollzie hbarer Weise entnommen werden, dass die Versicherte über genügend Ressourcen verfügt, um eine leidensadaptierte leichte Tä- tigkeit in vollem Umfang zu verrichten. 5.6 Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten e ine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhaltes zu, so besteht kein Anlass, dem Antrag der Beschwerdeführerin entsprechend ein „gerichtliches Ob ergutachten“ in Auftrag zu geben. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Bew eisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfas- sungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen a bzunehmen, die für die Ent- scheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Ger icht bei pflichtgemässer Beweiswür- digung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevan- ten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreiche nd abgeklärt ist, kann auf ein bean- tragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbun dene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 64 E. 3.3, 122 V 162 E. 1d). 6.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Da die Beschwerdeführerin Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht laut dem vorstehend Gesagten vom 27. Februar 2014 bis E nde Mai 2015 in sämtlichen berufli- chen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig war, kann ohne weitere Erörterungen festgehalten werden, dass der Invaliditätsgrad im genannten Zeitrau m 100 % betrug. Für die nachfolgende Zeit ab 1. Juni 2015, in welcher die Versicherte in ei ner leichten körperlichen Tätigkeit wieder vollständig arbeitsfähig war, hat die IV-Stelle in de r Verfügung vom 24. Juni 2016 den zur Er- mittlung des Invaliditätsgrades erforderlichen Einkommen svergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumut barem Invalideneinkommen ab 1. Juni 2015 einen IV-Grad von 0 % ermittelt. Die ko nkrete Berechnung, die von der Versicher- ten in der vorliegenden Beschwerde nicht beanstandet worden ist, erweist sich als rechtens, weshalb diesbezüglich auf die entsprechenden Ausführunge n der IV-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 24. Juni 2016 verwiesen werden kann. 6.2 Bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ab 27. Febr uar 2014 hat die Versicherte ab 1. Februar 2015, d.h. nach Ablauf des Wartejahres, An spruch auf eine ganze Rente. Gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi cherung (IVV) vom 17. Januar 1961 ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen w erden kann, dass sie voraussicht- lich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne we- sentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Nach dem Gesagten liegt bei der Versicherten ab 1. Jun i 2015 keine Invalidität mehr vor. In Berücksichtigung der genannten Bestimmung besteht der An spruch auf die ganze Rente noch während dreier Monate seit der ab 1. Juni 2015 eing etretenen Verbesserung der Erwerbsfähig- keit, also noch bis Ende August 2015. Für den Zeitraum danach entfällt in Anbetracht des ermit- telten Invaliditätsgrades von 0 % ein weiterer Rentenanspruch. 6.3 Die angefochtene Verfügung vom 24. Juni 2016, mit welcher die IV-Stelle der Versi- cherten für den Zeitraum vom 1. Februar 2015 bis 31. A ugust 2015 eine befristete ganze Rente zugesprochen und gleichzeitig einen weiteren Rentenansp ruch ab 1. September 2015 abge- lehnt hat, ist demnach nicht zu beanstanden. Die dageg en erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens seit 1. Juli 2016 einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht