<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">127</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Abgaben</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>25 Beitragsplan.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Folgen eines erst nach Baubeginn öffentlich aufgelegten bzw. durch Ein-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zelverfügung eröffneten Beitragsplans; Verwirkung der Beitragsan-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sprüche.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 26. Januar 2010 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">Einwohnergemeinde X. gegen Y. und Z. (WBE.2008.71).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">1.</span><br/> <span class="ft5">Seitens der Verfahrensbeteiligten ist allseits unbestritten, dass</span><br/> <span class="ft5">mit den Bauarbeiten für die Verbindungsstrasse am 29. November</span><br/> <span class="ft5">2004 begonnen wurde, der Beitragsplan "Verbindungsstrasse A.-B."</span><br/> <span class="ft5">vom 14. Oktober 2004 den betroffenen Grundeigentümern jedoch</span><br/> <span class="ft5">erst mit Einzelverfügung vom 22. März 2005 (versandt am 6. April</span><br/> <span class="ft5">2005) eröffnet wurde. Zu beurteilen ist im vorliegenden Beschwer-</span><br/> <span class="ft5">deverfahren einzig die Frage, ob die erst nach Baubeginn erfolgte</span><br/> <span class="ft5">Eröffnung des Beitragsplans zur Folge hat, dass der verfügte Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsanspruch des Gemeinwesens gegenüber den Beschwerdegeg-</span><br/> <span class="ft5">nern verwirkt ist.</span><br/> <span class="ft5">2. (...)</span><br/> <span class="ft5">3.</span><br/> <span class="ft5">3.1.</span><br/> <span class="ft5">Die Gemeinden sind gemäss § 34 Abs. 1 BauG (in der hier an-</span><br/> <span class="ft5">wendbaren Fassung vom 31. August 1999) im Sinne des Bundes-</span><br/> <span class="ft5">rechts (vgl. insbesondere Art. 19 RPG und Art. 6 WEG) verpflichtet,</span><br/> <span class="ft5">von den Grundeigentümern - nach Massgabe der diesen erwach-</span><br/> <span class="ft5">senden wirtschaftlichen Sondervorteile - Beiträge an die Kosten der</span><br/> <span class="ft5">Erstellung und Änderung von Strassen zu erheben. Die genaue Rege-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">128</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">lung erfolgt in einem Beitragsplan (§ 35 Abs. 1 BauG; sog. ur-</span><br/> <span class="ft5">sprünglicher Beitragsplan). Soweit keine kantonalen Vorschriften be-</span><br/> <span class="ft5">stehen, regeln die Gemeinden die Beitragserhebung selber (§ 34</span><br/> <span class="ft5">Abs. 3 BauG). Von dieser Kompetenzzuweisung hat die Gemeinde</span><br/> <span class="ft5">X. mit dem Erlass des Strassenreglements vom 29. November 2002</span><br/> <span class="ft5">(Strassenreglement) Gebrauch gemacht. Gemäss § 5 Strassenregle-</span><br/> <span class="ft5">ment erhebt der Gemeinderat für die Kosten der Erstellung und Än-</span><br/> <span class="ft5">derung von Strassen von den Grundeigentümern Erschliessungsbei-</span><br/> <span class="ft5">träge (vgl. im Einzelnen auch §§ 6 ff. Strassenreglement). Im Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsplan sind alle relevanten Angaben und Berechnungen nachvoll-</span><br/> <span class="ft5">ziehbar darzustellen (§ 10 Abs. 1 und 2 Strassenreglement). Auf Ort</span><br/> <span class="ft5">und Zeitpunkt der öffentlichen Auflage des Beitragsplans ist vor-</span><br/> <span class="ft5">gängig im amtlichen Publikationsorgan der Gemeinde hinzuweisen</span><br/> <span class="ft5">(§ 11 Abs. 1 Strassenreglement). Den Beitragspflichtigen ist die Auf-</span><br/> <span class="ft5">lage zusammen mit der Höhe des Beitrags durch eingeschriebenen</span><br/> <span class="ft5">Brief anzuzeigen (§ 11 Abs. 2 Strassenreglement). Zur Frage, zu wel-</span><br/> <span class="ft5">chem Zeitpunkt die öffentliche Auflage des Beitragsplans zu erfolgen</span><br/> <span class="ft5">hat, äussert sich das Strassenreglement nicht.</span><br/> <span class="ft5">3.2.</span><br/> <span class="ft5">Das Baugesetz vom 2. Februar 1971 (aBauG) sah in § 32 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">vor, dass Beitragspflicht und Höhe der einzelnen Beiträge vor der</span><br/> <span class="ft5">Bauausführung aufgrund eines Kostenvoranschlages durch den Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsplan festgesetzt würden. § 32 Abs. 2 aBauG bestimmte, dass der</span><br/> <span class="ft5">Beitragsplan nach Publikation und schriftlicher Anzeige an die</span><br/> <span class="ft5">Pflichtigen während 30 Tagen öffentlich aufzulegen und binnen glei-</span><br/> <span class="ft5">cher Frist mit Beschwerde an den Regierungsrat weiterziehbar war.</span><br/> <span class="ft5">Der Beitragplan war somit nicht erst nach Bauvollendung hinten-</span><br/> <span class="ft5">drein zu erstellen, sondern "vor der Bauausführung", d. h. vor deren</span><br/> <span class="ft5">Beginn (so ausdrücklich Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons</span><br/> <span class="ft5">Aargau vom 2. Februar 1971, Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985,</span><br/> <span class="ft5">N 1 zu § 32 aBauG).</span><br/> <span class="ft5">§ 35 Abs. 1 des vorliegend geltenden BauG (Fassung vom</span><br/> <span class="ft5">31. August 1999) lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft3">"Der Gemeinderat, bei Gemeindeverbänden der Vorstand, bestimmt</span><br/> <span class="ft3">die Beitragspflichtigen und deren einzelne Beiträge an die Grob- und</span><br/> <span class="ft3">Feinerschliessung in einem Beitragsplan. Dieser wird während 30</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">129</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Tagen öffentlich aufgelegt. In Verfahren, die nur wenige Grundeigen-</span><br/> <span class="ft3">tümer betreffen, kann die öffentliche Auflage entweder durch eine auf</span><br/> <span class="ft3">die Beteiligten beschränkte Auflage oder durch Einzelverfügungen mit</span><br/> <span class="ft3">Zustellung des Kostenverteilers ersetzt werden."</span><br/> <span class="ft5">Das BauG (in der massgebenden Fassung vom 31. August</span><br/> <span class="ft5">1999) enthält somit anders als das Baugesetz von 1972 keine aus-</span><br/> <span class="ft5">drückliche Regelung mehr darüber, zu welchem Zeitpunkt der Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsplan festzusetzen ist. Aus den Gesetzesmaterialien zu dieser Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmung geht nun aber klar hervor, dass der Gesetzgeber diesbe-</span><br/> <span class="ft5">züglich keine Änderung beabsichtigte und insbesondere auch nicht</span><br/> <span class="ft5">eine nachträgliche Festsetzung und Auflage des ursprünglichen Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsplans ermöglichen wollte. Der Botschaft des Regierungsrats des</span><br/> <span class="ft5">Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 16. Dezember 1998</span><br/> <span class="ft5">(Nr. 98.005747) zum Gesetz über Raumplanung, Umweltschutz und</span><br/> <span class="ft5">Bauwesen vom 19. Januar 1993, Änderung der §§ 34, 35, 88, 166</span><br/> <span class="ft5">und 169 (Erschliessungsfinanzierung), Bericht und Entwurf zur</span><br/> <span class="ft5">1. Beratung, S. 14, ist zu entnehmen, "Dass dem Beitragsplan ein</span><br/> <span class="ft5">Kostenvoranschlag zugrunde liegen und die Auflage vor Baubeginn</span><br/> <span class="ft5">stattfinden muss, ergibt sich aus der Sache selbst; ein Hinweis im</span><br/> <span class="ft5">Gesetz erübrigt sich". Insofern ist mit der Vorinstanz davon ausge-</span><br/> <span class="ft5">hen, dass das BauG auch ohne ausdrückliche Regelung von einer</span><br/> <span class="ft5">Festsetzung und Auflage des (ursprünglichen) Beitragsplans vor</span><br/> <span class="ft5">Baubeginn ausgeht und eine solche auch verlangt.</span><br/> <span class="ft5">In diesem Sinne haben die Schätzungskommission nach Bauge-</span><br/> <span class="ft5">setz und das Verwaltungsgericht übereinstimmend festgehalten, aus</span><br/> <span class="ft5">dem sachlogischen Zusammenhang mit den weiteren für die Reali-</span><br/> <span class="ft5">sierung einer Erschliessung notwendigen Verfahrensschritten (Er-</span><br/> <span class="ft5">schliessungsplan, Bauprojekt, Landerwerb) sei der Beitragsplan</span><br/> <span class="ft5">frühestens nach Erstellung des auflagereifen Projekts mit Kosten-</span><br/> <span class="ft5">voranschlag und <i>spätestens vor Baubeginn</i> aufzulegen (VGE II/65</span><br/> <span class="ft5">vom 5. Juli 2007 [WBE.2006.30], S. 6; AGVE 2002, S. 502 f. [Ent-</span><br/> <span class="ft5">scheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom 28. Mai</span><br/> <span class="ft5">2002]; vgl. auch schon AGVE 1970, S. 215).</span><br/> <span class="ft5">3.3.</span><br/> <span class="ft5">Unterschiedliche Rechtsauffassungen zwischen den beiden Ge-</span><br/> <span class="ft5">richten bestehen jedoch offensichtlich bezüglich der Folgen einer erst</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">130</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">nach Baubeginn und damit angesichts der gesetzlichen Vorgabe kla-</span><br/> <span class="ft5">rerweise verspätet erfolgenden Auflage eines ursprünglichen Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsplans. Während die Schätzungskommission nach Baugesetz eine</span><br/> <span class="ft5">Verwirkung des individuellen Beitragsanspruchs annimmt, hat das</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht eine solche in seiner bisherigen Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft5">verneint. In VGE II/65 vom 25. November 1980 [1979/229], S. 13,</span><br/> <span class="ft5">hielt es diesbezüglich Folgendes fest:</span><br/> <span class="ft3">"Gegen § 32 Abs. 1 BauG wurde im vorliegenden Fall insoweit ver-</span><br/> <span class="ft3">stossen, als mit der Bauausführung begonnen wurde, bevor auch nur</span><br/> <span class="ft3">die Auflagefrist für den Beitragsplan abgelaufen war. Indessen liesse</span><br/> <span class="ft3">es sich nicht rechtfertigen, hieran Verwirkungsfolgen zu knüpfen. Als</span><br/> <span class="ft3">wesentliche Folge der vorzeitigen Bauausführung kann das Gemein-</span><br/> <span class="ft3">wesen nicht mehr auf den Bau verzichten, wenn ihm der verbleibende</span><br/> <span class="ft3">Kostenanteil zu gross erscheint (...). § 32 Abs. 1 BauG soll damit in</span><br/> <span class="ft3">erster Linie das Budgetrecht der Gemeinde wahren (vgl. AGVE 1970,</span><br/> <span class="ft3">215). Ausserdem dürfte es - vom rein praktischen Gesichtspunkt aus</span><br/> <span class="ft3">betrachtet - nach dem Bau schwerer fallen, Ausfälle auf Grund von</span><br/> <span class="ft3">Beschwerdegutheissungen auf die anderen Privaten zu verteilen. Da-</span><br/> <span class="ft3">gegen erwachsen den Beitragspflichtigen aus der vorzeitigen Bauaus-</span><br/> <span class="ft3">führung keine Nachteile. Dass die Beiträge nach Massgabe der ent-</span><br/> <span class="ft3">standenen Kosten fällig werden (§ 33 Abs. 2 BauG; dazu Zimmerlin,</span><br/> <span class="ft3">a.a.O., N. 2 zu § 33 BauG), kann selbstverständlich keine Fälligkeit</span><br/> <span class="ft3">vor der Rechtskraft des Beitragsplanes bewirken."</span><br/> <br/> <span class="ft5">In einem späteren Entscheid (VGE II/125 vom 22. Oktober</span><br/> <span class="ft5">1992 [BE.92.00249], S. 8) führte das Verwaltungsgericht aus:</span><br/> <span class="ft3">"Gemäss § 32 Abs. 1 BauG ist der Beitragsplan vor der Bauausfüh-</span><br/> <span class="ft3">rung aufzustellen; das bedeutet, dass mit dem Bau erst nach Eintritt</span><br/> <span class="ft3">der Rechtskraft des Beitragsplans begonnen werden darf. Sinn und</span><br/> <span class="ft3">Zweck dieser Bestimmung ist es, der Gemeinde das Budgetrecht zu</span><br/> <span class="ft3">wahren (AGVE 1970, S. 215) und ihr zu ermöglichen, nachträglich auf</span><br/> <span class="ft3">den Bau zu verzichten, wenn ihr der Anteil, welcher nach dem Be-</span><br/> <span class="ft3">schwerdeentscheid auf sie entfällt, zu hoch erscheint. Beginnt die</span><br/> <span class="ft3">Gemeinde wie im vorliegenden Fall mit dem Bau vor Rechtskraft des</span><br/> <span class="ft3">Beitragsplans, so bewirkt dies nicht dessen Ungültigkeit, sondern hat</span><br/> <span class="ft3">lediglich zur Folge, dass die Gemeinde nicht mehr auf den Bau ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">131</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">zichten kann (AGVE 1981, S. 152). Den beitragspflichtigen Privaten</span><br/> <span class="ft3">dürfen aus der vorzeitigen Bauausführung jedenfalls keine Nachteile</span><br/> <span class="ft3">erwachsen (VGE II/65 vom 25. November 1980 in Sachen Hartmann,</span><br/> <span class="ft3">S. 13)."</span><br/> <span class="ft5">Im schon erwähnten VGE</span> <span class="ft5">II/65 vom 5.</span> <span class="ft5">Juli 2007</span><br/> <span class="ft5">(WBE.2006.30), S. 6, schliesslich bezeichnete das Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft5">richt die von der Schätzungskommission in AGVE 2002, S. 503,</span><br/> <span class="ft5">gemachte Feststellung, dass ein Beitragsplan bzw. dessen Auflage</span><br/> <span class="ft5">nach dem Baubeginn nicht mehr möglich sei, als offenkundig unzu-</span><br/> <span class="ft5">treffend; es gehe um die Zulässigkeit der späteren Auflage, die das</span><br/> <span class="ft5">Verwaltungsgericht in konstanter Rechtsprechung zum aBauG bejaht</span><br/> <span class="ft5">habe. Im konkreten Fall seien die Folgen der späteren Auflage eines</span><br/> <span class="ft5">ursprünglichen Beitragsplans nicht zu erörtern.</span><br/> <span class="ft5">Die Schätzungskommission kritisiert die verwaltungsgerichtli-</span><br/> <span class="ft5">che Rechtsprechung zu Recht daraufhin, dass diese einzig die Seite</span><br/> <span class="ft5">der Gemeinde beleuchte und die Seite der Grundeigentümer, welche</span><br/> <span class="ft5">durch die Beitragspläne häufig sehr stark belastet würden, völlig</span><br/> <span class="ft5">ausblende. Die Verpflichtung zur Auflage des Beitragsplans vor der</span><br/> <span class="ft5">Bauausführung hat in der Tat nicht ausschliesslich die kommunale</span><br/> <span class="ft5">Budgetwahrung zum Zweck; sie dient vielmehr auch dem Schutz der</span><br/> <span class="ft5">betroffenen Grundeigentümer und der Rechtssicherheit (vor allem</span><br/> <span class="ft5">auch im Hinblick auf allfällige Eigentümerwechsel). Das Bun-</span><br/> <span class="ft5">desgericht hat sich in zwei Entscheiden mit kantonalen Vorschriften</span><br/> <span class="ft5">(aus den Kantonen Thurgau und Solothurn) befasst, die im Wesent-</span><br/> <span class="ft5">lichen mit § 32 aBauG übereinstimmen. Es erwog, bei der gesetzlich</span><br/> <span class="ft5">statuierten Pflicht, zusammen mit dem Bauplan der zu erstellenden</span><br/> <span class="ft5">oder zu korrigierenden Strasse auch das Verzeichnis der beitrags-</span><br/> <span class="ft5">pflichtigen Grundstücke aufzulegen bzw. deren Eigentümer über die</span><br/> <span class="ft5">Beitragspflicht und die mutmasslichen Kosten zu informieren, handle</span><br/> <span class="ft5">es sich keineswegs um eine blosse Ordnungsvorschrift von unterge-</span><br/> <span class="ft5">ordneter Tragweite, sondern um eine für den Schutz der Interessen</span><br/> <span class="ft5">der Privaten wichtige Bestimmung. Durch die Festlegung der bei-</span><br/> <span class="ft5">tragspflichtigen Grundstücke sowie die Bekanntgabe der mutmass-</span><br/> <span class="ft5">lichen Kosten werde es den betroffenen Eigentümern ermöglicht,</span><br/> <span class="ft5">sich rechtzeitig, nämlich vor Ausführung des Strassenbaues, darüber</span><br/> <span class="ft5">schlüssig zu werden, ob sie dem Bauvorhaben stillschweigend zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">132</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">stimmen oder aber gegen das Projekt bzw. dessen Ausgestaltung und</span><br/> <span class="ft5">die damit zusammenhängende Bildung von Interessenzonen Ein-</span><br/> <span class="ft5">sprache erheben wollten. Werde die Beitragspflicht erst nachträglich</span><br/> <span class="ft5">bestritten, könnten solche Einwendungen nicht mehr oder nicht mehr</span><br/> <span class="ft5">im gleichen Umfang erhoben werden (BGE 102 Ia 48; bestätigt in</span><br/> <span class="ft5">BGE vom 17. Oktober 2005 [2P.84/2005], Erw. 2.4). Weiter hat das</span><br/> <span class="ft5">Bundesgericht im Urteil vom 17.</span> <span class="ft5">Oktober 2005 (2P.84/2005),</span><br/> <span class="ft5">Erw. 2.5, festgehalten, wann für die aus einem erstellten öffentlichen</span><br/> <span class="ft5">Werk einzelnen Grundeigentümern erwachsenden Sondervorteile ein</span><br/> <span class="ft5">Verfahren zur Beitragserhebung einzuleiten sei bzw. bis zu welchem</span><br/> <span class="ft5">Zeitpunkt ein solches Verfahren spätestens eingeleitet werden dürfe,</span><br/> <span class="ft5">sollte durch die betreffende Gesetzgebung zweckmässigerweise aus-</span><br/> <span class="ft5">drücklich geregelt werden, zumal eine analoge Anwendung von Ver-</span><br/> <span class="ft5">jährungs- oder Verwirkungsfristen aus anderen Rechtsgebieten mit</span><br/> <span class="ft5">erheblichen Unsicherheiten behaftet sei.</span><br/> <span class="ft5">Diese Überlegungen sind grundsätzlicher Natur und lassen sich</span><br/> <span class="ft5">ohne Weiteres auch auf das geltende aargauische Baugesetz übertra-</span><br/> <span class="ft5">gen. Daran ändert entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft5">nichts, dass dieses heute nicht mehr ausdrücklich verlangt, dass der</span><br/> <span class="ft5">Beitragsplan vor der Bauausführung erstellt und aufgelegt wird. Wie</span><br/> <span class="ft5">dargelegt, erachtete der Gesetzgeber es als keiner expliziten Rege-</span><br/> <span class="ft5">lung bedürfende Selbstverständlichkeit, dass die Festsetzung und</span><br/> <span class="ft5">Auflage des Beitragsplans vor der Bauausführung erfolgen; keines-</span><br/> <span class="ft5">falls hat er damit eine in zeitlicher Hinsicht abweichende Regelung</span><br/> <span class="ft5">treffen wollen (siehe vorne Erw. 3.2.). Das Erfordernis dieser zeitli-</span><br/> <span class="ft5">chen Abfolge folgt auch aus der kantonalen Praxis (siehe vorne</span><br/> <span class="ft5">Erw. 3.2.). Es hat, wie die Vorinstanz zutreffend annimmt, nicht nur</span><br/> <span class="ft5">zum Zweck, das Budgetrecht der Gemeinde zu schützen, sondern es</span><br/> <span class="ft5">dient ebenfalls und in erster Linie dem Schutz der privaten Beitrags-</span><br/> <span class="ft5">pflichtigen und der Rechtssicherheit. Die betroffenen Grundeigentü-</span><br/> <span class="ft5">mer müssen die Möglichkeit haben, sich vor der Bauausführung ge-</span><br/> <span class="ft5">gen ihre persönliche Beitragspflicht wehren zu können. Unter Um-</span><br/> <span class="ft5">ständen gibt nämlich erst die Höhe der zu erwartenden Beiträge An-</span><br/> <span class="ft5">lass, sich gegen die Erschliessung zu wehren, sei es mit dem Argu-</span><br/> <span class="ft5">ment, ein Ausbau der Erschliessungsanlage sei gar nicht nötig oder</span><br/> <span class="ft5">es seien billigere Varianten denkbar. Individuelle Beitragspflicht und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">133</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Beitragsbemessung hängen zudem massgeblich von den Verhältnis-</span><br/> <span class="ft5">sen vor Baubeginn ab, welche sich im Nachhinein vielfach kaum</span><br/> <span class="ft5">mehr zuverlässig eruieren lassen. Weiter gebietet die Rechtssicher-</span><br/> <span class="ft5">heit eine klare Regelung der Frage, bis zu welchem Zeitpunkt Grund-</span><br/> <span class="ft5">eigentümerbeiträge erhoben werden können, dies namentlich im Hin-</span><br/> <span class="ft5">blick auf allfällige Eigentümerwechsel. Mithin handelt es sich nicht</span><br/> <span class="ft5">lediglich um eine blosse Ordnungsvorschrift zum Schutz des Budget-</span><br/> <span class="ft5">rechts, sondern um eine wesentliche Verfahrensvorschrift, welche die</span><br/> <span class="ft5">Befugnis des Gemeinwesens zur Erhebung von Grundeigentümer-</span><br/> <span class="ft5">beiträgen durch eine zeitliche Vorgabe begrenzt (vgl. erwähnter BGE</span><br/> <span class="ft5">vom 17. Oktober 2005 [2P.84/2005], Erw. 2.5). Ihre Missachtung</span><br/> <span class="ft5">muss deshalb mit rechtlichen Konsequenzen verbunden sein. Die</span><br/> <span class="ft5">öffentliche Auflage des Beitragsplans bzw. die Bekanntgabe durch</span><br/> <span class="ft5">Einzelverfügung erst nach Bauausführung bewirkt zwar nicht per se</span><br/> <span class="ft5">die Nichtigkeit des Beitragsplans als Ganzes, jedoch können die</span><br/> <span class="ft5">betroffenen Grundeigentümer einspracheweise die Verwirkung des</span><br/> <span class="ft5">ihnen gegenüber festgesetzten Beitragsanspruchs geltend machen.</span><br/> <span class="ft5">3.4.</span><br/> <span class="ft5">Nicht näher zu prüfen ist, ob und unter welchen Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft5">gen eine Planauflage trotzdem erst nach Baubeginn zulässig sein</span><br/> <span class="ft5">kann (z. B. wegen zeitlicher Dringlichkeit der auszuführenden Ar-</span><br/> <span class="ft5">beiten, System der Gesamtfinanzierung; vgl. erwähnter BGE vom</span><br/> <span class="ft5">17. Oktober 2005 [2P.84/2005], Erw. 2.5). Im vorliegenden Fall lag</span><br/> <span class="ft5">der Beitragsplan unbestrittenermassen bereits vor Baubeginn</span><br/> <span class="ft5">(29. November 2005) vor, wurde aber erst rund vier bis fünf Monate</span><br/> <span class="ft5">nach Baubeginn durch Einzelverfügungen eröffnet. Sachliche</span><br/> <span class="ft5">Gründe für die spätere Auflage bzw. Eröffnung sind nicht ersichtlich</span><br/> <span class="ft5">und wurden auch von der Beschwerdeführerin nicht geltend ge-</span><br/> <span class="ft5">macht. Diese verwies vor Vorinstanz einzig auf ihre - zwischen-</span><br/> <span class="ft5">zeitlich geänderte - Praxis. Mit anderen Worten bestand vorliegend</span><br/> <span class="ft5">keine objektiv begründete Veranlassung, den betroffenen Grundei-</span><br/> <span class="ft5">gentümern den Beitragsplan erst während der Bauausführung bzw.</span><br/> <span class="ft5">rund zwei Monate vor Abschluss der massgeblichen Bauarbeiten zu</span><br/> <span class="ft5">eröffnen. Damit ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der</span><br/> <span class="ft5">Beitragsplan im vorliegenden Fall jedenfalls vor Baubeginn hätte</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">134</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">aufgelegt bzw. eröffnet werden müssen und der individuelle Bei-</span><br/> <span class="ft5">tragsanspruch gegen die Beschwerdegegner somit verwirkt ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>