<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]&gt;<br/> <br/> <span class="ft2"><b>80</b></span> <span class="ft2"><b>Kommunales Dienstverhältnis. Bezug von Ferientagen bei Freistellung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ob bei einer Freistellung die restlichen Ferientage bis zum Ablauf der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kündigungsfrist zu beziehen oder nach der Anstellung vom Arbeitgeber</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zu entschädigen sind, hängt vom im Einzelfall gegebenen Verhältnis zwi-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schen der Freistellungsdauer und der Anzahl der restlichen Ferientage ab</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/8).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 23. März 2010 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen B. gegen Einwohnergemeinde X. (2-KL.2009.2).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">8.</span><br/> <span class="ft1">8.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Klägerin verlangt im Weiteren, die Beklagte sei zu ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichten, ihr 14 der verbliebenen 28 Ferientage mit Fr. 5'887.--</span><br/> <span class="ft1">brutto zu entschädigen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">395</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">8.2.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 13 Satz 2 bzw. Art. 80 des Dienst- und Besol-</span><br/> <span class="ft1">dungsreglements (im Folgenden: DBR) in Verbindung mit Art. 329d</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 OR dürfen Ferien während der Dauer des Arbeitsverhältnisses</span><br/> <span class="ft1">nicht durch Geld abgegolten werden, sondern sind tatsächlich zu</span><br/> <span class="ft1">beziehen. In der Zeit zwischen der Kündigung und dem Ablauf der</span><br/> <span class="ft1">Kündigungsfrist läuft das Arbeitsverhältnis weiter; demzufolge gilt</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich auch in dieser Zeit das Abgeltungsverbot. Aufgrund</span><br/> <span class="ft1">der nach wie vor bestehenden Treuepflicht hat der Arbeitnehmer aber</span><br/> <span class="ft1">die Interessen des Arbeitgebers insoweit zu wahren, als er die ihm</span><br/> <span class="ft1">zustehenden Ferientage nach Möglichkeit bezieht. Dies gilt selbst</span><br/> <span class="ft1">dann, wenn keine ausdrückliche Weisung des Arbeitgebers vorliegt.</span><br/> <span class="ft1">Muss der Arbeitnehmer eine neue Stelle suchen, so tritt der</span><br/> <span class="ft1">Ferienbezug in den Hintergrund. In diesen Fällen ist das Abgel-</span><br/> <span class="ft1">tungsverbot eingeschränkt.</span><br/> <span class="ft1">In zeitlicher Hinsicht lassen sich keine allgemeingültigen Aus-</span><br/> <span class="ft1">sagen machen, welcher Anteil der Dauer der Anstellung für die Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitssuche einzusetzen ist und welcher Anteil als Ferienbezug gelten</span><br/> <span class="ft1">kann. In der Rechtsprechung und Lehre findet sich die allgemein</span><br/> <span class="ft1">gehaltene Formulierung, wonach ein Ferienbezug möglich ist bzw.</span><br/> <span class="ft1">eine Abgeltung ausser Betracht fällt, wenn die Freistellungsdauer das</span><br/> <span class="ft1">restliche Ferienguthaben sehr stark übersteigt. Massgebend ist mithin</span><br/> <span class="ft1">das im Einzelfall gegebene Verhältnis zwischen der Freistel-</span><br/> <span class="ft1">lungsdauer zur Anzahl der restlichen Ferientage (zum Ganzen:</span><br/> <span class="ft1">BGE</span> <span class="ft1">128 III 271 ff., Erw.</span> <span class="ft1">4/a; Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft1">4C.215/2005 vom 20.</span> <span class="ft1">Dezember 2005, Erw.</span> <span class="ft1">6.1; LGVE 2008</span><br/> <span class="ft1">I S. 45 ff., Erw. 3.3.2; Ullin Streiff/Adrian von Kaenel, Der Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">vertrag, Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR, 6. Auflage, Zü-</span><br/> <span class="ft1">rich/Basel/Genf 2006, Art. 324 OR N 13; je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Im Entscheid BGE 128 III 271, Erw. 4/b, kam das Bundesge-</span><br/> <span class="ft1">richt zum Schluss, der Betroffene habe während seiner Freistellung</span><br/> <span class="ft1">von 87 Arbeitstagen genügend Zeit gehabt, um neben der Suche nach</span><br/> <span class="ft1">einer neuen Stelle die noch offenen 40 Ferientage mit Freizeit zu</span><br/> <span class="ft1">kompensieren. Die Dauer der Freistellung war in diesem Fall 2,175-</span><br/> <span class="ft1">mal länger als der Ferienanspruch.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">396</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">8.3.</span><br/> <span class="ft1">Der Klägerin wurde am 20. März 2009 per 30. Juni 2009 ge-</span><br/> <span class="ft1">kündigt; für die Zwischenzeit wurde sie freigestellt. Die Freistellung</span><br/> <span class="ft1">betraf 66,5 Arbeitstage (ohne Karfreitag, Ostermontag, Auffahrt,</span><br/> <span class="ft1">Pfingstmontag, Fronleichnam und einen halben Tag am 1. Mai; vgl.</span><br/> <span class="ft1">§ 67 DBR in Verbindung mit § 5 Abs. 3 des Reglements über die Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitszeit für das Gemeindepersonal vom 25. Oktober 2004 [Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">zeitreglement]). Abzüglich des Gleitzeitsaldos von 15,16 h ergeben</span><br/> <span class="ft1">sich (gerundet) 64,5 Arbeitstage; das Ferienguthaben betrug 28 Tage.</span><br/> <span class="ft1">Somit ergibt sich für den vorliegenden Fall, dass der Klägerin</span><br/> <span class="ft1">nach Abzug der Ferien 36,5 Tage für die Arbeitssuche verblieben; die</span><br/> <span class="ft1">Dauer der Freistellung war rund 2,3-mal länger als die Anzahl der</span><br/> <span class="ft1">Ferientage. Diese Verhältniszahl liegt höher als diejenige im zitierten</span><br/> <span class="ft1">Bundesgerichtsentscheid. Eine speziell aufwändige Stellensuche (mit</span><br/> <span class="ft1">Laufbahnberatung, Coaching, Assessments oder dergleichen) oder</span><br/> <span class="ft1">andere besondere Umstände, welche in concreto dennoch eine Ab-</span><br/> <span class="ft1">geltung nicht bezogener Ferien rechtfertigen würden, sind nicht er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich. Demzufolge ist das entsprechende Begehren der Klägerin</span><br/> <span class="ft1">abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>