<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 93 S.400</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">400</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>93</b></span> <span class="ft2"><b>Parteientschädigung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Der Beizug eines Rechtsvertreters im Verwaltungsbeschwerdeverfah-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ren ist dann "offensichtlich unbegründet" (§ 36 Abs. 2 VRPG), wenn</b></span><br/> <span class="ft2"><b>er objektiv betrachtet klarerweise unnötig ist (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Anwendung auf den konkreten Fall (Erw. 2).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">401</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 13. März 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen G. gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. a) § 36 VRPG lautet:</span><br/> <span class="ft5">"</span><span class="ft6"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Im Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht ist dem Ob-</span><br/> <span class="ft5">siegenden eine angemessene Entschädigung für die Kosten der Ver-</span><br/> <span class="ft5">tretung, Verbeiständung oder Beratung durch Anwälte und weitere</span><br/> <span class="ft5">Sachverständige zuzusprechen. Die Entschädigung ist den Umständen</span><br/> <span class="ft5">entsprechend dem Unterliegenden oder dem interessierten Gemeinwe-</span><br/> <span class="ft5">sen oder beiden anteilweise aufzuerlegen.</span><br/> <span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Diese Bestimmung kommt auch in den übrigen Beschwerdeverfah-</span><br/> <br/> <span class="ft5">ren zur Anwendung, sofern der Beizug eines Vertreters oder Sachver-</span><br/> <span class="ft5">ständigen nicht offensichtlich unbegründet war."</span><br/> <span class="ft1">Das Baudepartement betrachtete den Beizug eines Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">treters im bei ihm hängigen Verfahren als "offensichtlich unbegrün-</span><br/> <span class="ft1">det" im Sinne der angeführten Bestimmung; G. wäre als Fürsprecher</span><br/> <span class="ft1">ohne Weiteres selber in der Lage gewesen, auf die Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde ohne Beizug eines Berufskollegen zu replizieren und die</span><br/> <span class="ft1">entsprechenden Anträge zu stellen, zumal die Behörden den Sach-</span><br/> <span class="ft1">verhalt im Sinne von § 20 Abs. 1 VRPG von Amtes wegen zu prüfen</span><br/> <span class="ft1">hätten. Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, dass Lehre und</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung an die Bejahung der Notwendigkeit einer Rechts-</span><br/> <span class="ft1">vertretung keine strengen Anforderungen stellten. § 36 Abs. 2 VRPG</span><br/> <span class="ft1">gehe in dieser Beziehung sogar noch weiter. Ein Rechtsanwalt dürfe</span><br/> <span class="ft1">gegenüber andern Rechtsuchenden nicht in unzulässiger Weise</span><br/> <span class="ft1">benachteiligt werden; auch in solchen Fällen sei einzelfallweise zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen, ob sachliche Gründe für den Beizug eines Kollegen bestan-</span><br/> <span class="ft1">den hätten. Tragweite und Dauer des Verwaltungsbeschwerdever-</span><br/> <span class="ft1">fahrens seien nun für den als "Privatrechtler" tätigen Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer nicht absehbar gewesen; mit Beschwerderückzügen habe nicht</span><br/> <span class="ft1">gerechnet werden können. Der Beizug eines in Bausachen erfahrenen</span><br/> <span class="ft1">Kollegen habe auf Grund des hohen Streitwerts und des Umstands,</span><br/> <span class="ft1">dass Vergleichsverhandlungen vor erster Instanz gescheitert seien,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">402</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">auf der Hand gelegen. Der Hinweis auf § 20 Abs. 1 VRPG sei darum</span><br/> <span class="ft1">nicht stichhaltig, weil dem Einfluss der Untersuchungsmaxime auf</span><br/> <span class="ft1">die Parteientschädigung bereits in den §§ 5 und 8 AnwT Rechnung</span><br/> <span class="ft1">getragen werde.</span><br/> <span class="ft1">b) Die Wendung "nicht offensichtlich unbegründet" in § 36</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 VRPG stellt einen sog. unbestimmten Rechtsbegriff dar, der</span><br/> <span class="ft1">die Voraussetzungen der Rechtsfolge oder die Rechtsfolge selbst in</span><br/> <span class="ft1">offener, unbestimmter Weise umschreibt (siehe Ulrich Häfelin /</span><br/> <span class="ft1">Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auf-</span><br/> <span class="ft1">lage, Zürich 1998, Rz. 361; ferner BGE 98 Ib 509). Die Abgrenzung</span><br/> <span class="ft1">zwischen unbestimmtem Rechtsbegriff und Ermessen ist dabei flies-</span><br/> <span class="ft1">send; bei beiden Erscheinungen liegen offene Formulierungen vor,</span><br/> <span class="ft1">welche den rechtsanwendenden Behörden einen Entscheidungsspiel-</span><br/> <span class="ft1">raum gewähren. Der Unterschied liegt darin, dass die unbestimmten</span><br/> <span class="ft1">Rechtsbegriffe der Auslegung zugänglich sind und diese eine Rechts-</span><br/> <span class="ft1">und</span> <span class="ft1">keine</span> <span class="ft1">Ermessensfrage</span> <span class="ft1">darstellt</span> <span class="ft1">(Häfelin/Müller,</span> <span class="ft1">a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">Rz. 362 f.).</span><br/> <span class="ft1">c) aa) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine</span><br/> <span class="ft1">Norm in erster Linie aus sich selbst heraus, d.h. nach Wortlaut, Sinn</span><br/> <span class="ft1">und Zweck und den ihr zu Grunde liegenden Wertungen, aber auch</span><br/> <span class="ft1">nach der Entstehungsgeschichte auszulegen. Auszugehen ist vom</span><br/> <span class="ft1">Wortlaut, doch kann dieser nicht allein massgebend sein. Besonders</span><br/> <span class="ft1">wenn der Text unklar ist oder verschiedene Deutungen zulässt, muss</span><br/> <span class="ft1">nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichti-</span><br/> <span class="ft1">gung weiterer Auslegungselemente, wie namentlich der Entste-</span><br/> <span class="ft1">hungsgeschichte der Norm, ihrem Zweck und ihrem Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">mit andern Bestimmungen (Bundesgericht, in: ZBl 102/2001, S. 84,</span><br/> <span class="ft1">und BGE 125 II 152, je mit Hinweisen; AGVE 1997, S. 336 mit Hin-</span><br/> <span class="ft1">weisen).</span><br/> <span class="ft1">bb) Es entspricht einem haftpflichtrechtlichen Grundsatz, dass</span><br/> <span class="ft1">nicht jeder beliebige, sondern nur der <i>notwendige</i> Rechtsverfol-</span><br/> <span class="ft1">gungsaufwand des Entschädigungsberechtigten zu ersetzen ist; nicht</span><br/> <span class="ft1">notwendige Parteikosten gehören, da sie keinen adäquaten Kausal-</span><br/> <span class="ft1">zusammenhang zum "schädigenden" Ereignis aufweisen, nicht zum</span><br/> <span class="ft1">Schaden im Rechtssinne (Martin Bernet, Die Parteientschädigung in</span><br/> <span class="ft1">der schweizerischen Verwaltungsrechtspflege, Zürcher Studien zum</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">403</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verfahrensrecht, Band 69, Zürich 1986, Rz. 257 mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft1">Alfred Kölz / Jürg Bosshart / Martin Röhl, Kommentar zum Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1999, § 17 N 10 mit Hinweisen). In den Prozessgesetzen finden sich</span><br/> <span class="ft1">denn auch entsprechende Formulierungen. So wird etwa gemäss Art.</span><br/> <span class="ft1">159 Abs. 2 OG die unterliegende Partei verpflichtet, der obsiegenden</span><br/> <span class="ft1">alle durch den Rechtsstreit verursachten <i>notwendigen</i> Kosten zu</span><br/> <span class="ft1">ersetzen, und gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann die Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei eine Entschädi-</span><br/> <span class="ft1">gung für ihr erwachsene <i>notwendige</i> und verhältnismässig hohe</span><br/> <span class="ft1">Kosten zusprechen. Analoge Anforderungen werden an den An-</span><br/> <span class="ft1">spruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung (im aargauischen</span><br/> <span class="ft1">Recht: § 35 Abs. 3 VRPG) gestellt; die Verbeiständung muss <i>not-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>wendig</i> erscheinen bzw. die bedürftige Partei eines Rechtsbeistands</span><br/> <span class="ft1">zur gehörigen Wahrung ihrer Interessen bedürfen (BGE 117 Ia 281;</span><br/> <span class="ft1">124 I 2 mit Hinweisen; AGVE 1998, S. 438 mit Hinweisen; VGE</span><br/> <span class="ft1">III/33 vom 30. März 1999 [BE.1996.00087] in Sachen M., S. 14;</span><br/> <span class="ft1">Marc Forster, Der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung</span><br/> <span class="ft1">in der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: ZBl</span><br/> <span class="ft1">93/1992, S. 460 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Als notwendig gelten gemeinhin jene Parteikosten, welche zur</span><br/> <span class="ft1">sachgerechten und wirksamen Rechtsverfolgung oder Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">teidigung auf Grund der besonderen Umstände des Einzelfalls ob-</span><br/> <span class="ft1">jektiv unerlässlich sind (Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Wie die Notwendigkeit im Allgemeinen hängt auch die Frage, ob der</span><br/> <span class="ft1">Beizug eines rechtskundigen Vertreters erforderlich war, weitgehend</span><br/> <span class="ft1">von den Umständen des Einzelfalls ab. Die tatsächlichen und rechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Schwierigkeiten einer Angelegenheit sind an den Fähigkeiten</span><br/> <span class="ft1">und an der prozessualen Erfahrung des Betroffenen sowie an den</span><br/> <span class="ft1">Vorkehren der entscheidenden Behörde zu messen. Eine Vertretung</span><br/> <span class="ft1">ist umso eher unerlässlich, je bedeutsamer die Sache für den Betrof-</span><br/> <span class="ft1">fenen ist. Zu berücksichtigen ist auch, dass dieser gegenüber der</span><br/> <span class="ft1">fachlich und juristisch meist versierten Behörde in der Regel unterle-</span><br/> <span class="ft1">gen ist. Bei dieser Sachlage ist dem Privaten der Beizug eines rechts-</span><br/> <span class="ft1">kundigen Vertreters grundsätzlich zuzugestehen und ihm im Fall des</span><br/> <span class="ft1">Obsiegens eine Entschädigung zu gewähren, jedenfalls soweit sich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">404</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Anwaltskosten als nützlich erweisen, d.h. der Vertreter zur Füh-</span><br/> <span class="ft1">rung des Verfahrens besser geeignet ist als die vertretene Partei</span><br/> <span class="ft1">(Bernet, a.a.O., Rz. 259 mit Hinweisen; Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">§ 17 Rz. 11 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">cc) aaa) Es fällt nun auf, dass bezüglich des Anspruchs auf</span><br/> <span class="ft1">Parteientschädigung im aargauischen Recht statt des Begriffs "not-</span><br/> <span class="ft1">wendig" der Begriff "nicht offensichtlich unbegründet" verwendet</span><br/> <span class="ft1">wird. Vom Wortlaut her ist diese Formulierung insofern stärker, als es</span><br/> <span class="ft1">mehr braucht, um den Beizug eines Vertreters oder Sachverständigen</span><br/> <span class="ft1">(mit dem Anspruch auf Ersatz der Parteikosten) als ungerechtfertigt</span><br/> <span class="ft1">zu betrachten. Da die heute geltende Fassung von Art. 159 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">OG wie auch das VwVG als Ganzes im gleichen Zeitraum</span><br/> <span class="ft1">entstanden wie das VRPG, drängt sich ein Blick in die Gesetzesmate-</span><br/> <span class="ft1">rialien auf, um feststellen zu können, ob die unterschiedliche Wort-</span><br/> <span class="ft1">wahl bewusst so getroffen wurde.</span><br/> <span class="ft1">bbb) Ursprünglich war eine Entschädigung für <i>notwendige</i> Kos-</span><br/> <span class="ft1">ten nur in den Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht und</span><br/> <span class="ft1">den Spezialverwaltungsgerichten vorgesehen (§ 29 Satz 1 des Vor-</span><br/> <span class="ft1">entwurfs der Justizdirektion vom Juni 1966; siehe auch AGVE 1972,</span><br/> <span class="ft1">S. 350, 352). In der Expertenkommission, die sich mit diesem Ent-</span><br/> <span class="ft1">wurf befasste, wurde dann angeregt, die Parteientschädigung auch im</span><br/> <span class="ft1">Verfahren vor den Verwaltungsbehörden zuzulassen, "wenn beson-</span><br/> <span class="ft1">dere Umstände vorliegen" (S. 12 des Protokolls vom 14. September</span><br/> <span class="ft1">1966). Dementsprechend lautete § 29 Abs. 2 des Entwurfs der Jus-</span><br/> <span class="ft1">tizdirektion vom November 1966 wie folgt:</span><br/> <span class="ft5">"In schwierigen Fällen ist dies (scil. die Ausrichtung einer Parteient-</span><br/> <span class="ft5">schädigung gemäss Abs. 1) auch in den übrigen Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft5">möglich."</span><br/> <span class="ft1">Nachdem im Schosse der Expertenkommission namentlich ge-</span><br/> <span class="ft1">gen die Einführung der Parteientschädigung im Verwaltungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren "ernstliche Bedenken" geäussert worden waren (Protokoll der</span><br/> <span class="ft1">Sitzung vom 11. November 1966, S. 10; bereinigter Entwurf der</span><br/> <span class="ft1">Justizdirektion vom 30. November 1966, S. 9), nahm der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat in seine Botschaft vom 3. Mai 1967 an den Grossen Rat</span><br/> <span class="ft1">einem Wunsch der Expertenkommission entsprechend die folgende</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">405</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Formulierung auf (§ 30 Abs. 2; siehe das Protokoll der Sitzung vom</span><br/> <span class="ft1">10. Dezember 1966, S. 10):</span><br/> <span class="ft5">"Diese Bestimmung kommt auch in den übrigen Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft5">zur Anwendung, sofern der Beizug eines Vertreters oder Sachver-</span><br/> <span class="ft5">ständigen begründet war."</span><br/> <span class="ft1">In der Botschaft selber (S. 24) wurde dazu folgender Kommen-</span><br/> <span class="ft1">tar abgegeben:</span><br/> <span class="ft5">"Die Parteientschädigungen beschränken sich auf die Kosten für die</span><br/> <span class="ft5">Vertretung, Verbeiständung oder Beratung durch Anwälte oder Sach-</span><br/> <span class="ft5">verständige. Sie sind zulässig in Verfahren vor Verwaltungsgericht und</span><br/> <span class="ft5">in den übrigen Beschwerdeverfahren dann, wenn der Beizug eines</span><br/> <span class="ft5">Vertreters oder Sachverständigen begründet war. Das letztere ist wohl</span><br/> <span class="ft5">nur dann der Fall, wenn dem Beschwerdeführer nicht zugemutet wer-</span><br/> <span class="ft5">den konnte, das Rechtsmittel selber einzulegen."</span><br/> <span class="ft1">Auf Antrag von Grossrat Dr. Jakob Notter beschloss dann die</span><br/> <span class="ft1">vorberatende Grossratskommission anlässlich ihrer Sitzung vom</span><br/> <span class="ft1">15. September 1967 die folgende neue Fassung von § 30 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">(Protokoll, S. 11):</span><br/> <span class="ft5">"Diese Bestimmung kommt auch in den übrigen Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft5">zur Anwendung, sofern der Beizug eines Vertreters oder Sachver-</span><br/> <span class="ft5">ständigen nicht offensichtlich unbegründet ist."</span><br/> <span class="ft1">Diese Fassung wurde in der Folge, nur noch in redaktioneller</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht bereinigt ("ist" wurde durch "war" ersetzt), zum geltenden</span><br/> <span class="ft1">Wortlaut.</span><br/> <span class="ft1">ccc) Die Tendenz ging somit über weite Strecken des Gesetz-</span><br/> <span class="ft1">gebungsverfahrens dahin, Parteientschädigungen in Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren - wenn überhaupt - nur mit Zurückhaltung zu</span><br/> <span class="ft1">gewähren; als begründet wurde der Beizug eines Vertreters nur be-</span><br/> <span class="ft1">trachtet, wenn es für den Beschwerdeführer nicht zumutbar erschien,</span><br/> <span class="ft1">das Rechtsmittel ohne anwaltliche Hilfe zu ergreifen (erwähnte</span><br/> <span class="ft1">regierungsrätliche Botschaft vom 3. Mai 1967, S. 24). Die nicht</span><br/> <span class="ft1">unwesentliche Änderung der Formulierung ganz am Schluss des</span><br/> <span class="ft1">legislatorischen Prozesses wurde nicht weiter begründet und lässt</span><br/> <span class="ft1">deshalb - in Anbetracht des ursprünglich zurückhaltenden Tenors -</span><br/> <span class="ft1">einige Fragezeichen offen. Trotzdem lässt sich über die terminologi-</span><br/> <span class="ft1">sche Differenzierung nicht hinwegsehen; es muss davon ausgegan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">406</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen werden, dass der aargauische Gesetzgeber Parteientschädigungen</span><br/> <span class="ft1">in den Verwaltungsbeschwerdeverfahren eher in grosszügigerem</span><br/> <span class="ft1">Rahmen gewähren wollte, als dies der Begriff der Notwendigkeit zu-</span><br/> <span class="ft1">lässt. "Offensichtlich unbegründet" ist der Beizug eines Rechtsver-</span><br/> <span class="ft1">treters dann, wenn er objektiv betrachtet klarerweise unnötig ist; es</span><br/> <span class="ft1">muss auf der Hand liegen, dass eine vernünftig handelnde Prozess-</span><br/> <span class="ft1">partei, wenn sie das ihr erwachsende Kostenrisiko in Rechnung stellt,</span><br/> <span class="ft1">unter den gegebenen Umständen auf anwaltlichen Beistand verzich-</span><br/> <span class="ft1">tet.</span><br/> <span class="ft1">2. Diese Grundsätze sind im Folgenden auf den konkreten An-</span><br/> <span class="ft1">wendungsfall umzusetzen.</span><br/> <span class="ft1">a) Der vorliegende Fall hat die Besonderheit, dass die die Par-</span><br/> <span class="ft1">teientschädigung beanspruchende Prozesspartei selber den Anwalts-</span><br/> <span class="ft1">beruf ausübt. Dieser Umstand allein schliesst einen Anspruch auf</span><br/> <span class="ft1">Parteientschädigung freilich nicht aus; § 36 Abs. 2 VRPG enthält</span><br/> <span class="ft1">einen derartigen Vorbehalt nicht, und ein genereller Ausschluss</span><br/> <span class="ft1">schüfe ein Rechtsgleichheitsproblem (siehe auch Kölz/Bosshart/</span><br/> <span class="ft1">Röhl, a.a.O., § 17 N 13, zur Frage, ob ein Rechtsanwalt, der ein</span><br/> <span class="ft1">Verfahren in eigener Sache oder in eigenem Namen führt, in Bezug</span><br/> <span class="ft1">auf die ihm dadurch entstehenden Parteikosten ersatzberechtigt ist).</span><br/> <span class="ft1">Sollte der Entscheid des Regierungsrats vom 30. Juni 1999 (Art. Nr.</span><br/> <span class="ft1">1999-001236) in Sachen Dr. iur. B., auf den das Baudepartement</span><br/> <span class="ft1">verweist, eine anderweitige Aussage machen ("Rechtsanwalt Dr. B.</span><br/> <span class="ft1">wäre ohne weiteres in der Lage gewesen, die umstrittenen</span><br/> <span class="ft1">vorinstanzlichen Entscheide ohne Beizug eines Berufskollegen -</span><br/> <span class="ft1">zumal dieser noch in derselben Bürogemeinschaft tätig ist - an den</span><br/> <span class="ft1">Regierungsrat weiterzuziehen"), so wäre er insoweit als nicht</span><br/> <span class="ft1">schlüssig zu betrachten (siehe auch BGE 110 V 134 f.). Von selbst</span><br/> <span class="ft1">versteht sich dagegen, dass die besondere Sachkunde des als Partei</span><br/> <span class="ft1">am Verfahren beteiligten Anwalts bei der Beurteilung der konkreten</span><br/> <span class="ft1">Fallkonstellation eine Rolle spielen muss (siehe hinten Erw. b).</span><br/> <span class="ft1">b) Die Notwendigkeit, einen Rechtsvertreter beizuziehen, darf</span><br/> <span class="ft1">auch nicht deswegen aus grundsätzlichen Überlegungen verneint</span><br/> <span class="ft1">werden, weil das betreffende Verfahren von der Offizialmaxime bzw.</span><br/> <span class="ft1">vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, mithin die beteiligte</span><br/> <span class="ft1">Behörde ihrerseits gehalten ist, an der Sammlung des Prozessstoffs</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">407</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">massgeblich mitzuwirken (siehe BGE 117 Ia 282 und den erwähnten</span><br/> <span class="ft1">VGE in Sachen M., S. 14 [beide zur Frage der unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsverbeiständung]). Anderseits rechtfertigen es - im Rahmen der</span><br/> <span class="ft1">Zurückhaltung, welche angesichts der Formulierung in § 36 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">VRPG zu üben ist (vorne Erw. 1/c/cc) - Natur und Besonderheiten</span><br/> <span class="ft1">derartiger Verfahren, an die Voraussetzungen, unter denen eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">beiständung durch einen Rechtsanwalt sachlich geboten ist, einen</span><br/> <span class="ft1">eher strengen Massstab anzulegen; in einem vom Untersuchungs-</span><br/> <span class="ft1">grundsatz beherrschten Verfahren ist die Mitwirkung eines Rechtsan-</span><br/> <span class="ft1">walts häufig nicht zwingend erforderlich (BGE 122 I 10; erwähnter</span><br/> <span class="ft1">VGE in Sachen M., S. 14).</span><br/> <span class="ft1">c) Das vorinstanzliche Beschwerdeverfahren, in welchem der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer als Bauherr beteiligt war, ist zwar geprägt durch</span><br/> <span class="ft1">einen relativ hohen Streitwert (die Bausumme für die Betonaufbe-</span><br/> <span class="ft1">reitungsanlage wird in den Baugesuchsakten mit Fr. 1'500'000.--</span><br/> <span class="ft1">angegeben), doch ist dies letztlich nicht entscheidend. Ungleich stär-</span><br/> <span class="ft1">ker fällt ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren mit einer recht einfachen und übersichtlichen Ausgangs-</span><br/> <span class="ft1">lage konfrontiert war. So führten vor dem Baudepartement nur noch</span><br/> <span class="ft1">solche Einsprecher Verwaltungsbeschwerde, deren Einsprachebefug-</span><br/> <span class="ft1">nis vom Gemeinderat auf Grund der örtlichen Gegebenheiten ver-</span><br/> <span class="ft1">neint worden war. Der Gegenstand des Verfahrens reduzierte sich</span><br/> <span class="ft1">somit im Wesentlichen auf ein Legitimationsproblem. In materieller</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht sodann ging es den damaligen Beschwerdeführern nicht um</span><br/> <span class="ft1">eine Verhinderung des Bauvorhabens, sondern einzig um dessen ver-</span><br/> <span class="ft1">kehrstechnische Erschliessung, welche sie mit einer Auflage in ihrem</span><br/> <span class="ft1">Sinne geregelt haben wollten. Der Beschwerdeführer wies in der</span><br/> <span class="ft1">Vernehmlassung vom 14. Februar 2001 darauf hin, dass er "nöti-</span><br/> <span class="ft1">genfalls mit einer rechtsverbindlichen Auflage, wonach die Zu- und</span><br/> <span class="ft1">Wegfahrt zur Betonaufbereitungsanlage für betriebseigene Fahr-</span><br/> <span class="ft1">zeuge, die ca. 90% des Gesamtverkehrs ausmachen, zwingend über</span><br/> <span class="ft1">die Nigglishüserstrasse / Aeschwuhrstrasse-West zu erfolgen habe,</span><br/> <span class="ft1">durchaus leben könnte"; damit gab er zu erkennen, dass er dem Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahrensausgang nicht allzu grosse Bedeutung beimass. Jedenfalls</span><br/> <span class="ft1">erscheint dem Verwaltungsgericht klar, dass unter diesen Umständen</span><br/> <span class="ft1">der rechtskundige Beschwerdeführer nicht auf eine anwaltliche Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">408</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">beiständung angewiesen sein konnte. War der Beizug seines Büro-</span><br/> <span class="ft1">kollegen somit "offensichtlich unbegründet", darf ihm gemäss § 36</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 VRPG auch keine Parteientschädigung ausgerichtet werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerde ist abzuweisen und der vorinstanzliche Entscheid zu</span><br/> <span class="ft1">bestätigen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>