B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2067/2018 U r t e i l v o m 2 9 . A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter William Waeber, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, geboren am (…), und ihr Kind B._______, geboren (…), beide Eritrea, vertreten durch Selina Sutter, AsyLex, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. März 2018. E-2067/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin – eritreische Staatsangehörige tigrinischer Ethnie – verliess gemäss eigenen Angaben ihr Heimatland im September 2013 und reiste nach Äthiopien und anschliessend in den Sudan, wo sie sich während eineinhalb Jahren aufhielt. Ende Juli 201 5 gelangte sie über Li- byen auf dem Seeweg nach Italien, wo sie sich bis zum 1. August 2015 in einem zugewiesenen Lager aufhielt. Am 3. August 2015 reiste sie in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. B. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 12. August 2015 sowie der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen vom 3. März 2017 trug die Be- schwerdeführerin im Wesentlichen folgenden Sachverhalt vor: Sie sei in C._______ geboren (vgl. Akte A5, Ziffer 1.07) und habe bis zur dritten Klasse die Schule dort besucht. Sie habe aus gesundheitlichen Gründen die Schule abbrechen müssen; ihr Körper sei ständig geschwol- len gewesen. Sie habe bis zur Ausreise aus Eritrea im Jahr 2013 in C._______ gewohnt respektive sie habe seit ihrem 11. Lebensalter bis zu ihrer Ausreise in D._______, Nus Zoba E._______, Zoba F._______, bei ihrer Mutter und Geschwistern gelebt. Ihre Familie habe sich in der Land- wirtschaft betätigt. Als die Beschwerdeführerin etwas älter gewesen sei, habe sie als (…) und später als (…) gearbeitet, so dass sich die Lebens- umstände ihrer Familie etwas verbessert h ätten. Bei der Arbeit als (…) in D._______ habe sie ihren späteren Lebenspartner G._______ kennenge- lernt und sei schwanger geworden. Ihre Mutter habe diese Beziehung we- gen der äthiopischen Staatszugehörigkeit ihres Partners nicht gutgeheis- sen. Weil sie diese familiären Spannungen nicht ausgehalten habe, habe sie sich zur Ausreise aus Eritrea entschieden. Sie sei im dritten Monat ihrer Schwangerschaft in den Sudan gereist und habe dort ihre Tochter geboren. Weil sie im Sudan keinen Passagierschein besessen habe, sei sie während ihres 18-monatigen Aufenthalts dort nie aus dem Haus gegangen. Sie habe diese Situation nicht mehr ausgehalten. Ihr damaliger Lebenspartner habe sie nicht begleiten wollen, weshalb sie alleine aus dem Sudan ausgereist sei und dabei ihre Tochter beim Kindsvater zurückgelassen habe. Mit den eritreischen Behörden habe sie nie Probleme gehabt. Sie habe nie einen eritreischen Reisepass oder Identitätsausweis besessen oder beantragt. Sie habe seit 2008 wiederholt Aufforderungsschreiben erhalten, wonach sie zur Leistung des nationalen Mil itärdienstes hätte eingezogen werden E-2067/2018 Seite 3 sollen. Solche Schreiben seien ihr im Jahr 2012 und danach alle ein bis zwei Wochen von der örtlichen Verwaltung zugestellt worden. Diese Schreiben habe sie nicht selbst in Empfang genommen; sie seien ihrer Mutter übergeben worden. Weil die Beschwerdeführerin nicht persönlich angetroffen worden sei, hätten die Behörden im September 2013 ihre Mut- ter mitgenommen und einen Monat lang auf dem Polizeiposten H._______ inhaftiert. Die Beschwerdeführerin habe sich nicht mehr ständig zu Hause aufgehalten, sondern sich bei einer benachbarten älteren Frau versteckt gehalten. Zudem hätten «die Milizen» erfahren, dass sie zu Hause illegal (…) verkaufe und in der Folge sie sowie ihre Mutter im Mai 2013 mehrfach gewarnt. Weil diese Vork ommnisse viel Stress ausgelöst hätten, sei die Beschwerdeführerin mit zwei weiteren Frauen, die ebenfalls zum Militär- dienst aufgeboten worden seien, aus Eritrea ausgereist. Zu ihren familiären Verhältnissen trug die Beschwerdeführerin weiter vor, ihre gesundheitlich angeschlagene Mutter, ihre Schwester und ihr Bruder lebten in D._______. Ihr Vater sei während des Krieges gefallen; sie habe ihn kaum gekannt. Ihr ehemaliger Lebenspartner und ihre gemeinsame Tochter, beide äthiopische Staatsangehörige, würden (im Zeitpunkt der An- hörung) in Äthiopien leben. Im Verlauf der einlässlichen Anhörung vom 3. März 2017 wurde die Be- schwerdeführerin damit konfrontiert, dass sie in der BzP die persönlichen Schwierigkeiten mit ihrer Mutter wegen ihrer Schwangerschaft als Anlass für ihre Ausreise aus Eritrea angegeben und Probleme mit den heimatli- chen Behörden verneint habe. Zudem habe sie während der BzP mehr- mals die Ortschaft D._______ erwähnt. Hierzu gab die Beschwerdeführerin zu Protokoll, sie habe die entsprechenden An gaben nicht gemacht; sie habe keine persönlichen Schwierigkeiten mit ihrer Mutter oder Familie ge- habt und habe stets in C._______ gelebt (vgl. A15, Antworten 101-119). C. Am 12. April 2017 reichte die Beschwerdeführerin zwei Taufurkunde n im Original (ihre e igene Person sowie ihre Tochter I._______ betreffend) zu den Akten. D. Mit Verfügung vom 9. März 2018 – eröffnet am 14. März 2018 – verneinte das SEM das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführe- rin, lehnte ihr Asylgesuch ab und verfügte und – unter gleichzeitiger Anord- nung des Wegweisungsvollzugs – ihre Wegweisung aus der Schweiz. E-2067/2018 Seite 4 Zur Begründung führte das SEM insbesondere aus, die Asylvorbringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung beziehungsweise an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand, und befand den Vollzug der Weg- weisung als zulässig, zumutbar und möglich. Die Beschwerdeführerin habe bei der BzP angegeben, aus Eritrea ausgereist zu sein, weil ihre Mutter gegen ihre Partnerschaft mit einem äthiopischen Staatsangehörigen gewe- sen sei und dies zu Spannungen geführt habe. Es sei nicht ersichtlich, wes- halb sie bei der BzP ihre angeblich mit dem Nationaldienst zusammenhän- genden Ausreisegründe mit keinem Wort erwähnt und vielmehr bestätigt habe, in Eritrea niemals Probleme mit den B ehörden gehabt zu haben. Dem Vorhalt dieser Ungereimtheiten habe sie keine plausiblen Erklärun- gen zu entgegnen vermocht. Sie habe vielmehr bei der Anhörung angege- ben, es habe wegen ihrer Partnerschaft nie Probleme mit ihrer Mutter ge- geben. Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin vorgetragen, sie sei den Militär- behörden erst aufgefallen, als sie erfahren hätten, dass sie illegal (…) würde, anstatt zur Schule zu gehen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb sie bereits im Jahr 2008, im noch minderjährigen Alter v on (…) Jahren, eine schriftliche Aufforderung für den Militärdienst erhalten haben solle. Zudem seien ihre Angaben dazu, wann und wie oft ihrer Mutter schriftliche Auffor- derungen für sie – die Beschwerdeführerin – zugestellt worden seien, durchgehend unsubtanziiert ausgefallen. Ihre diesbezüglichen Angaben, seit 2008 fast jedes Jahr respektive in manchen Jahren wöchentlich oder alle zwei Wochen entsprechende Militäraufgebote erhalten zu haben, er- weckten in keiner Weise den Eindruck, dass es sich dabei um die Wieder- gabe eigener Erfahrungen handeln könne. Der Beschwerdeführerin sei es insgesamt nicht gelungen, glaubhaft dazutun, dass sie in Eritrea im Zusam- menhang mit dem Verdacht der illegalen (…) oder aus anderen Gründen bereits zum Einrücken in den Militärdienst aufgeboten worden sei. Im Weiteren gingen aus den Akten keine Hinweise hervor, dass die Be- schwerdeführerin aufgrund des Todes ihres Vaters, welcher im Kampf ge- fallen sein soll, oder wegen angeblichem illegalem Goldschürfen, asylbe- achtliche Nachteile erlitten habe oder zukünftig befürchten müsse. Gemäss Koordinationsurteil (publiziert als Referenzurteil) des Bundesver- waltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 sei nicht davon aus- zugehen, dass sich eritreische Staatsangehörige aufgrund ihrer ill egalen Ausreise mit asylbeachtlichen Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert E-2067/2018 Seite 5 sehen würden. Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführe- rin in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erschei- nen liessen, seien nicht ersichtlich, nachdem sie nicht in der Lage gewesen sei, einen Behördenkontakt vor ihrer Ausreise im Zusammenhang mit ei- nem allfälligen Einzug in den Nationaldienst glaubhaft zu machen. Die gel- tend gemachte illegale Ausreise vermöge für sich alleine keine Furcht vor einer zukünftigen asylrelevanten Verfolgung zu begründen. Eritrea weise gemäss übereinstimmenden Berichten zwar Defizite im Bereich der Menschenrechte auf. Diese allgemein schlechte Menschen - rechtslage reiche jedoch nicht aus, um dem Wegweisungsvollzug generell entgegenzustehen. Vorliegend seien keine Hinweise auf ein «real risk» im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 3 EMRK ersichtlich. Angesichts der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen zur Einberufung in den Nationaldienst könne nicht von einer tatsächlichen und unmittelbaren Gefahr einer Art. 3 EMRK verletzenden Behandlung ausgegangen werden. In Eritrea herrsche heute weder ein Krieg noch Bürgerkrieg oder eine Situ- ation allgemeiner Gewalt im Sinne eines Wegweisungshindernisses. Aus den Akten würden sich auch keine individuellen Gründe ergeben, die den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen liessen. Die Beschwer- deführerin könne in den Haushalt ihrer Familie (Mutter und Geschwister), zurückkehren und könne wieder (…). Zudem verfüge sie über Arbeitserfah- rung als (…) und ihre medizinischen Probleme hätten sich bereits vor über zehn Jahren stabilisiert. Der Wegweisungsvollzug sei insgesamt durch- führbar. E. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 9. April 2018 erhob die Beschwer- deführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte dabei die Aufhebung der Verfügung des SEM vom 9. März 2018, die Aner- kennung ihrer Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Even- tualiter sei die Beschwerdeführerin vorläufig aufzunehmen; subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung und vertieften Abklärung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Aussetzung des Vollzugs für die Dauer des Beschwerdeverfah- rens ersucht. E-2067/2018 Seite 6 Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Beschwerdefüh- rerin habe den Eindruck gehabt, die gesamte BzP habe sehr gehetzt ge- wirkt. Aufgrund des Zeitdrucks, unter welchem das Gespräch geführt wor- den sei, sei sie fest im Glauben gewesen, zu einem späteren Zeitpunkt vertieft über ihre Fluchtgründe sprechen zu können. Die Tatsache, dass während der BzP auf ihre Äusserungen nicht vertieft eingegangen worden sei, habe sie weiter in dieser Anna hme bestärkt, wozu auf Ziff. 7.01 d es BzP-Protokolls verwiesen werde. Die Beschwerdeführerin habe das von ihr als unangenehm empfundene Gespräch so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen, weshalb sie sich bei ihren Antworten sehr kurz gehal- ten habe. Sie habe zudem eine nur sehr vage Vorstellung vom Begriff «Be- hörden» gehabt; sie habe gedacht, es handle sich um ein Synonym für die Polizei, was angesichts ihrer nur dreijährigen Schulbildung nicht ausserge- wöhnlich sei. Sie sei der Meinung gewesen, die Frage nach Problemen mit Behörden habe darauf gezielt, herauszufinden, ob sie der Polizei in der Schweiz Probleme machen würde, weshalb sie die Frage verneint habe. Das SEM sei seinen Untersuchungspflichten nicht nachgekommen. Mittels einiger weniger Nachfragen bei der Anhörung zu den Asylgründen oder der Durchführung einer dritten Anhörung hätten die vom SEM angeprangerten Widersprüche innerhalb der Vorbringen der Beschwerdeführerin aufgeklärt werden können. Im Weiteren seien die bei der BzP angesprochenen Prob- leme mit der Mutter damals sehr gravierend gewesen und diese hätten die Beschwerdeführerin ausserordentlich belastet. Eine Zerrüttung der eige- nen Familie werde im eritreischen Kulturkreis als grosse Schande wahrge- nommen, weshalb die Beschwerdeführerin diese Situation bei der BzP be- sonders vorgehoben habe. In ihren Augen seien es die Streitigkeiten mit der eigenen Mutter, die ihre Situation von den anderen eritreischen Asylsu- chenden unterscheiden würden. Der Umstand, dass sie bei der Anhörung zu den Asylgründen fälschlicherweise angegeben habe, ihre Mutter habe ihre Schwangerschaft unterstützt, sei auf das grosse soziale Stigma und die emotionale Belastung zurückzuführen, die mit der schlechten Bezie- hung zur Mutter einhergehe. Zudem mache sich die Besch werdeführer selbst Vorwürfe wegen der Inhaftierung ihrer Mutter. Das Prinzip des Ver- drängens sei ein bekanntes psychologisches Verhaltensmuster, das Be- troffene davor bewahre, mit schwierigen und oft traumatischen Situationen umgehen zu müssen. Bei den Vorbringen betreffend Militärdienst liege ein Missverständnis vor. Weder die schriftliche Aufforderung für den Militärdienst von 2008, noch die E-2067/2018 Seite 7 darauffolgenden Aufforderungen in den Jahren 2012 und 2013 hätten et- was mit der Warnung vor dem illegalen (…) im Jahr 2012 zu tun. Die War- nung im Zusammenhang mit dem (…) stelle ein unabhängiges, vom restli- chen Geschehen losgelöstes Ereignis dar. Bei den Aufforderungsschreiben und der Warnung im Mai 2013 handle es sich um unterschiedlich motivierte Besuche der Miliz. Diese Unklarheiten beruhten auf der mangelhaften und zu wenig detaillierte Abklärung seitens der Vorinstanz. Die Beschwerdeführerin habe, seit sie 13-jährig gewesen sei, bis zur ihrer Ausreise 2013 illegal (…). Anfänglich noch wegen der Krank- heit, später wegen des (…) sei sie dem Schulunterricht meistens fernge- blieben. Vermutlich habe sie deshalb bereits im minderjährigen Alter ihr erstes Militäraufgebot erhalten. Im eritreischen Kontext stelle es keine Aus- nahme dar, dass Minderjährige, welche die Schule abbrechen würden, für den Militärdienst rekrutiert würden, wozu insbesondere auf Berichte de s European Asylum Support Office (EASO) , der UN Commission of Inquiry oder der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) verwiesen werde. Die Beschwerdefü hrerin habe durchgehend sehr knappe Antworten zu Protokoll gegeben. Deshalb auf fehlende Substanziiertheit zu schliessen anstatt von einem grundsätzlich charakterlich geprägten Antwortmuster auszugehen, sei verfehlt. Der Umstand, dass die Beschwerdeführeri n an der von der Vorinstanz als unglaubhaft bezeichneten Protokollstelle ihre Angaben in der direkten Rede zu Protokoll gegeben habe (vgl. A15, An t- wort 85), sei als Realkennzeichen zu werten. Auch ihre Antworten 70-85 im Anhörungsprotokoll wiesen überdurch schnittliche spontane Detailbe- schreibungen auf. Geschlechterspezifische Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen seien im eritreischen Militär- und Nationaldienst weit verbreitet. Es komme vor, dass Schwangere, verheiratete oder verlobte Frauen oder Mütter vom Na- tionaldienst ausgenommen würden. Auf die Beschwerdeführerin hätten diese Ausnahmen jedoch keinen Einfluss, da ihr Kind ausserhalb Eritreas beim Vater lebe und sie mit dem Kindsvater nicht verheiratet sei. Da sie das Kind nicht selbst pflege, wäre die Regelung von der Militärdienstbefrei- ung vorliegend nicht anwendbar. Zudem seien im Jahr 2015 in der Region F._______, aus welcher die Beschwerdeführerin stamme, sämtliche Frauen mit Kinder ins Militär eingezogen worden. Da der Vater der Beschwerdeführerin bereits verstorben sei, liege es nahe, dass die Schreiben des Militärs an deren Mutter adressiert gewesen seien. E-2067/2018 Seite 8 Es sei zudem eine bekannte Praxis, die Eltern der Betreffenden zu verhaf- ten, wenn diese der Militäraufforderung keine Folge leisten würden. Vorlie- gend seien keine Gründe ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin nicht hätte ins Militär eingezogen werden sollen. Es müsse mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass ihr bei einer Rück- kehr nach Eritrea umgehend der Einzug in den Nationaldienst und damit einhergehend sexuelle Gewalt drohe. Als junge, unverheiratete Frau im wehrdienstpflichtigen Alter gehöre sie einer sozialen Gruppe im Sinne des Asylgesetzes an. Der drohende Einzug in den Nationaldienst stelle ein Wegweisungshindernis dar. Zudem habe sie keine Kontakte zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern im Heimatstaat. Es könne ihr nicht zugemutet wer- den, zu ihrer Familie zurückzukehren, da die Beziehung zu dieser tief zer- rüttet sei. Die Beschwerdeführerin habe eine nur sehr rudimentäre Schul- bildung genossen, weshalb sie nicht in der Lage sein werde, ihr Existenz- minimum in Eritrea zu sichern. F. Mit Instruktionsverfügung vom 13. April 2018 wurde das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses verzichtet. G. In seiner Vernehmlassung vom 17. April 2018 hielt das SEM ohne ergän- zende Ausführungen an seinen Erwägungen fest. Diese Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 23. April 2018 zur Kenntnis gebracht. H. Mit Eingabe vom 24. Juni 2019 liess die Beschwerdeführerin einen Bericht des «J._______» vom 20. Juni 2019 nachreichen. Aus diesem Bericht geht hervor, dass die Beschwerdeführerin im Zeitraum von März bis Oktober 2017 beim J._______ regelmässig an Gespräch en in Anwesenheit einer Dolmetscherin teilgenommen habe, nachdem sie ihren Leidensdruck durch die Trennung von ihrem Kind und ihrer Mutter geäussert habe und aufgrund ihrer depressiven Symptomatik viele Absenzen beim Besuch eines Deutschkurses aufgewiesen habe. Aufgrund der Aggravierung ihres psy- chischen Gesundheitszustandes sei im Januar 2019 eine erneute Anmel- dung erfolgt. E-2067/2018 Seite 9 In den Gesprächen habe sich gezeigt, dass es der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer depressiven Symptomatik und den Belastungen aus de r Vergangenheit schwerfalle, ihren psychischen Leidensdruck zu verbalisie- ren und dazu tendiere, diesen stark auf der körperlichen Ebene zum Aus- druck zu bringen (mit Kopf - und Bauchschmerzen, Antriebslosigkeit und sozialem Rückzug). Die Abspaltung von unerträglichen Emotionen auf den Körper sei eine bekannte Form eines Abwehrmechanismus, welcher das Individuum vor der psychischen Dekompensation schütze. Es müsse da- von ausgegangen werden, dass sich diese Symbolisierungsstörung (Unfä- higkeit über ihr psychisches Leiden zu sprechen und nachzudenken) eben- falls nachteilig auf die Befragung beim SEM ausgewirkt habe. Sie zeige deutliche Entwicklungsdefizite, welche sich in Form von mangelnder Intro- spektionsfähigkeit, eingeschränkter Affektdifferenzierung und Selbstre gu- lation zeigen würden. Dies führe unter anderem dazu, dass es ihr schwer- falle, über ihre Befindlichkeit differenziert und nachvollziehbar Auskunft zu geben. Eine grosse Schamthematik rund um die konflikthafte Beziehung zur Mutter führe dazu, dass die Beschwerdeführerin das Sprechen darüber als sehr unangenehm erlebe und teils dazu tendiere, es zu bagatellisieren tendiere I. Gemäss Meldung des Migrationsamtes K._______ vom (…) hat die Be- schwerdeführerin am (…) einen Sohn, B._______, geboren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG). 1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). E-2067/2018 Seite 10 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Das am (…) geborene Kind, B._______, wird in das hängige Verfahren der Beschwerdeführerin aufgenommen. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer b estimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech- nung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig be- gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Abs. 3). Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit wird eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, E-2067/2018 Seite 11 Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig- keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen, vor- genommen. Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Gegensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstelle rischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol- gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substa nti- ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erleb- nissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. (vgl. BV GE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des Landes – eine Gefährdungssituation erst ode r zusätzlich geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 4. Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die Vorinstanz die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Fluchtgründe zu Recht und mit zutreffender Begründung als teilweise nicht glaubhaft be- ziehungsweise teilweise als nicht asylrelevant befunden hat. Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt (vgl. an- gefochtene Verfügung, Ziffer II/1), lassen sich die von der Beschwerdefüh- rerin bei der BzP und der einlässlichen Anhörung zu Protokoll gegebenen Asylgründe inhaltlich nicht miteinander in Einklang bringen. E-2067/2018 Seite 12 4.1 Zutreffend ist zunächst, dass die Beschwerdeführerin ihre Asylgründe bei den beiden Interviews (BzP und Anhörung vom 3. März 2017) vollstän- dig divergierend dargelegt hat. 4.1.1 So hat das SEM zutreffend ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin bei der BzP ihre Ausreise aus Eritrea einzig mit dem familiären Konflikt mit ihrer Mutter wegen ihrer Beziehung mit einem äthiopischen Staatsangehö- rigen und ihrer damit verbundenen Schwangerschaft begründet hat. Sie trug dabei explizit vor, ihre Mutter habe die Beziehung der Beschwerdefüh- rerin mit ihrem äthiopischen Lebenspartner nicht akzeptiert und sie – die Beschwerdeführerin – habe diese familiären Spannungen nicht ausgehal- ten, weshalb sie aus Eritrea ausgereist sei («Sono rimasta incinta, ma mia madre non condivideva la nostra relazione perché lui é etiope. Io non vo- levo più rimanere in quella situazione di tensione in famiglia e ho deciso di espatriare”). Andere Gründe hat sie nicht vorgetragen (vgl. A5, Ziffer 7.01). Im Anschluss an diese Vorbringen wurde die Beschwerdeführerin gefragt, ob sie Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt habe, was sie ausdrücklich verneint hat (vgl. A5, Ziffer 7.02). Die bei der späteren An- hörung am 3. März 2017 vorgetragenen, mehrfach erhaltenen Militärauf- gebote hat sie bei der BzP mit keinem Wort erwähnt. 4.1.2 Bei der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen trug die Be- schwerdeführerin zur Begründung ihres Asylgesuc hs demgegenüber vor, sie habe Eritrea verlassen, weil sie zum Einrücken in den Nationa ldienst aufgefordert worden sei: Sie habe bereits im Jahr 2008, als sie noch min- derjährig gewesen sei . Militäraufgebote erhalten; im Jahr 2012 habe sie wiederum ein solches Aufgebot erhalten und später, im Jahr 2013, seien seitens der örtlichen Verwaltung alle ein bis zwei Wochen entsprechende Schreiben zugestellt worden (vgl. A15, Antworten 58, 64, 85 und 86). Zu- dem habe sie im Zusammenhang mit ihrem illegalen (…) Schwierigkeiten mit den Behörden bekommen, diese hätten sie mehrfach gewarnt (vgl. A15, Antworten 72-75). Den bei der BzP als ausreiseauslösend genannten fa- miliären Konflikt mit ihrer Mutter im Zusammenhang mit ihrem Lebens- partner und Kindsvater erwähnte sie bei der Anhörung mit keinem Wort. Als sie mit den entsprechenden divergierenden Angaben in der BzP kon- frontiert wurde, stellte sie lediglich in Abrede, entsprechende Angaben bei der BzP zu Protokoll gegeben zu haben (vgl. A15, Antworten 101-104). Im weiteren Verlauf der Anhörung trug die Beschwerdeführerin explizit vor, ihre Mutter habe sie persönlich unterstützt; bezüglich ihrer Schwanger- schaft habe ihr die Mutter keine Vorwürfe gemacht (vgl. A15, Antwort 109). E-2067/2018 Seite 13 4.1.3 In der Beschwerde wird dargelegt, die BzP sei « insgesamt sehr ge- hetzt» durchgeführt worden; die Beschwerdeführerin habe die BzP als un- angenehm empfunden und die entsprechende Befragung so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen, weshalb sie sich bei ihren Antworten sehr kurz gehalten habe. Sie h abe zudem eine nur sehr vage Vorstellung vom Begriff «Behörden» gehabt; sie sei der Meinung gewesen, die Frage nach Problemen mit Behörden habe darauf gezielt, herauszufinden, ob sie der Polizei in der Schweiz Probleme machen würde, weshalb sie die Frage verneint habe. Diese Einwände müssen als unbehelfliche Erklärungsver- suche gewertet werden. 4.1.3.1 Für die Behauptung, die BzP sei in einer gehetzten Atmosphäre durchgeführt worden respektive die Beschwerdeführerin habe sich dabei unwohl gefühlt, gibt es in den Akten keinerlei Grundlage. Die Beschwerde- führerin hat die anwesende Dolmetscherin gut («bene»; vgl. Einleitung zur BzP , Bst. h sowie Ziff. 9.02) verstanden. Sie hat an keiner Stelle zu Proto- koll geben lassen, dass sie eine Frage nicht verstanden oder sich bei der kurzen Befragung ( 1 Stunde inklusive 10-minütige Pause) nicht wohl ge- fühlt hätte. Aus den protokollierten Angaben der Beschwerdeführerin ge- hen nirgends, weder aus den gestellten Fragen noch aus den zu Protokoll gegebenen Antworten, Hinweise hervor, die auf eine Einschüchterung der Beschwerdeführerin oder auf deren Unwohlbefinden hindeuten würden. 4.1.3.2 Im Weiteren geht aus dem entsprechenden Protokoll unmissver- ständlich hervor, dass die Beschwerdeführerin konkret nach Problemen mit den Behörden in Eritrea gefragt wurde («Ha mai avuto problemi con le au- torità eritre e?»), weshalb ausgeschlossen werden kann, dass sie diese Frage auf allfällige Schwierigkeiten mit der Polizei oder den Behörden in der Schweiz bezogen hat. 4.1.3.3 Auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin nur eine rudimen- täre, dreijährige Schulbildung genossen hat, vermag den Umstand nicht plausibel aufzuklären, dass sie die Gründe, die sie zur Ausreise aus Eritrea veranlasst haben sollen, in den beiden Befragungen völlig unterschiedlich dargelegt hat. Beim entsprechenden Sachverhaltsvortrag handelt es sich nicht um die Wiedergabe komplexer, intellektuell anspruchsvoller Vor- gänge, sondern um das Abrufen von persönlichen Erinnerungen, weshalb diese Aufgabe grundsätzlich auch von Personen mit einfacher Bildung zu bewerkstelligen ist. E-2067/2018 Seite 14 4.1.3.4 Aus dem eingereichten psychologischen Bericht de s J._______ vom 20. Juni 2019 geht zwar hervor, dass die Beschwerdeführerin dort ih- ren Leidensdruck wegen der Trennung von ihrem Kind un d ihrer Mutter vorgetragen hat. Es wird auch dargelegt, dass die Unfähigkeit der Be- schwerdeführerin, über ihr psychisches Leid zu sprechen, sich ebenfalls negativ auf die Befragung beim SEM ausgewirkt haben könne (vgl. Sach- verhalt oben, Bst. H). Die Ausfüh rungen der behandelnden Psychologin und Psychotherapeutin zum psychischen Leidendruck der Beschwerdefüh- rerin und zu den Konsequenzen der «Entwicklungsdefizite» vermögen in- dessen nicht auf nachvollziehbare Weise zu erklären, weshalb die Be- schwerdeführerin bei der BzP die später vorgetragenen , angeblich mehr- fach erfolgten Aufgebote zur Leistung des eritreischen Militärdienstes nicht ansatzweise erwähnte. 4.1.3.5 Bei der Anhörung zu den Asylgründen vom 3. März 2017 wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit gegeben, die Gründe für ihre Ausreise aus Eritrea (Frage 58) respektive ihre Schwierigkeiten im Heimatland (Frage 69) einlässlich im Rahmen eines freien Berichts zu schildern. Die ihr gestellten Fragen wurden offen formuliert, so dass die Beschwerdefüh- rerin durchaus G elegenheit gehabt hätte, ihre gesamten Asylvorbringen vorzutragen. Nachdem die Beschwerdeführerin ihren persönlichen Konflikt mit ihrer Mutter im Zusammenhang mit ihrem damaligen Lebenspartner bei der BzP vorzutragen vermochte, bleibt nicht nachvollziehbar, weshalb sie die entsprechenden familiären Probleme bei der späteren Anhörung nicht von selbst erwähnte und vielmehr explizit in Abrede stellte. 4.2 Die Beschwerdeführerin hat sich auch hinsichtlich ihrer Aufenthaltsorte im Eritrea widersprochen. Bei der BzP gab sie unmissverständlich zu Pro- tokoll, sie habe vom 11. Altersjahr an bis zur Ausreise in D._______ gelebt. Sie habe seit ihrem 13. Altersjahr dort (…). Sie trug bei der BzP weiter vor, ihren späteren Lebenspartner in D._______, beim (…) kennengelernt zu haben (vgl. A5, Ziff. 2.01 und 7.01). Innerhalb der BzP erwähnte sie die Ortschaft D._______ insgesamt viermal. Bei dieser Sachlage bleibt nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin bei der Anhörung vom 3. März 2017 in Abrede stellte, sich jemals in D._______ aufgehalten respek- tive diese Ortschaft in der BzP erwähnt zu haben (vgl. A15, Antwort 40) und auch nicht in der Lage war, plausibel darzulegen, wie ihre entsprechenden Angaben zur Ortschaft D._______ Eingang ins BzP-Protokoll fanden (vgl. A15, Antworten 43 sowie 119). E-2067/2018 Seite 15 Aufgrund der bereits festgestellten Divergenzen innerhalb des Sachver- haltsvortrags der Beschwerdeführerin bestehen bereits erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Vorbringen. 4.3 Hinzu kommt, dass ihre Schilderungen zum angeblichen mehrfachen Erhalt von Militäraufgeboten nicht glaubhaft ausfielen. So trug sie vor, dass sie erstmals im Jahr 2008, im minderjährigen Alter, ein Militäraufgebot er- halten habe. Im Jahr 2012 habe sie wiederum ein Aufforderungsschreiben und im Jahr 2013 habe sie in regelmässigen Abständen, alle ein bis zwei Wochen, entsprechende Aufgebote erhalten. Es muss als völlig realitätsfremd qualifiziert werden, dass die Beschwerde- führerin seitens der lokalen Behörden respektive de r Militärbehörden im geltend gemachten Ausmass mit Militäraufgeboten zur Leistung des Nati- onaldienstes aufgefordert worden sein soll. Wenn die eritreischen Behör- den die Beschwerdeführerin tatsächlich in der vorgetragenen Intensität ge- sucht hätten, bleibt nicht nachvoll ziehbar, weshalb es diesen nicht gelun- gen sein soll, die Beschwerdeführerin, die gemäss eigenen Angaben bei einer Nachbarsfrau Unterschlupf gefunden haben will, aufzugreifen und den Militärbehörden zur Ableistung ihres Nationaldienstes zu überführen. Dabei ist unerheblich, ob die Beschwerdeführerin nur wegen des Nichtleis- tens des Militärdienstes oder zusätzlich auch wegen ihres illegalen (…) ge- sucht worden sein soll, wie dies in der Beschwerdeeingabe (vgl. Ziffer 16) geltend gemacht wird. Wenn die Beschwerdeführerin aus einem irgendwie gearteten Grund das Augenmerk der eritreischen Behörden im behaupte- ten Ausmass auf sich gelenkt hätte, ist mit grösster Wahrscheinlichkeit da- von auszugehen, dass sie an ihrem Wohnort aufgegriffen worden wäre. Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts muss deshalb auch das vo n Beschwerdeführerin beschriebene Verhalten und Vorgehen der heimatlichen Behörden als unglaubhaft qualifiziert werden. 4.4 Nach dem Gesagten hat das SEM zutreffend die Schlussfolgerung ge- zogen, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, ihre Flucht- gründe – namentlich die behördlichen Suchen wegen illegalen (…) respek- tive zwecks Zuführung zur Leistung ihres Nationaldienstes – glaubhaft dar- zutun. In der Beschwerdeeingabe wird nichts Stichhaltiges vorgetragen und es wurden keine Beweismittel eingereicht, die diese Einschätzung in einem anderen Lichte betrachten liessen. Der Sachverhalt ist hinreichend geklärt E-2067/2018 Seite 16 und erstellt worden. Es besteht keine Veranlassung, das Verfahren dem SEM zur Durchführung einer dritten Anhörung der Beschwerdeführerin zu- rückzuweisen, wie dies in der Beschwerde ohne weitere Substanziierung subeventualiter verlangt wird (vgl. Ziffer 35). Alleine der Umstand, dass die Beschwerdeführerin während der einlässlichen Anhörung eine F rage mit einem Zitat in der direkten Rede beantwortet hat sowie das diesbezügliche Vorbringen, ein solches Antwortmuster sei als Realkennzeichen zu werten (vgl. Beschwerde, Ziff. 19), vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Es ist der Beschwerdeführerin insgesamt nicht gelungen, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus dem Heimatstaat bestehende asylbeachtliche Verfol- gungssituation glaubhaft darzutun. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt konkrete Kontakte zu den eritreischen Militärbe- hörden im Zusammenhang mit einer Rekrutierung in den National Service im Sinne der Rechtsprechung (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3 E. 4.7 und 4.10) bestanden haben. Es ist daher auch nicht davon auszugehen, dass sie wegen Regimefeindlichkeit (Refraktion) ins Visier der eritreischen Be- hörden geraten ist , weshalb eine diesbezüglich begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Bestrafung zu verneinen ist. 4.5 Im Zusammenhang mit de r von der B eschwerdeführerin geltend ge- machten illegalen Ausreise aus Eritrea ist zudem auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 zu ver- weisen. Das Gericht geht gemäss dieser Praxis nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sich eritreische Staatsangehörige auf- grund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfron- tiert sehen, welche bezüglich ihrer Intensität und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile im Sinn e des Asylgesetzes darstellen (vgl. D-7898/2015, a.a.O. E. 5.1). Nach dieser Rechtsprechung ist nur dann von einer begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich be- gründeten Nachteilen auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen (vgl. a.a.O., E. 5.1, letzter Absatz). Entsprechende zusätzliche Anknüpfungs- punkte im Sinne einer Profilschärfung sind bei der Beschwerdeführerin zu verneinen, zumal sich die vorgetragene n behördlichen Suchen als nicht glaubhaft gemacht erwiesen haben und in der Beschwerdeeingabe auch keine solche Anknüpfungspunkte spezifiziert werden. E-2067/2018 Seite 17 4.6 Nach dem Gesagten hat das SEM mit zutreffender Beg ründung zu Recht festgestellt, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Die Abweisung des Asylgesuchs ist demnach zu Recht erfolgt. 5. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demzufolge zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). 6. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 6.1.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Vorliegend erfüllt die Beschwerdeführerin die Flüchtlingsei- genschaft nicht. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend- bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge- meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrig ende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 6.1.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand- lung unterworfen werden. 6.1.3 Angesichts des Alters de r Beschwerdeführerin kann nicht ausge- schlossen werden, dass sie bei einer Rückkehr in ihr Heimatland in den Nationaldienst eingezogen würde. Im publizierten Urteil BVGE 2018 VI/4 klärte das Bundesverwaltungsge- richt die Frage der Zulässigkeit des Wegweisung svollzugs bei drohen- der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst unter den Aspekten des E-2067/2018 Seite 18 Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK), des Folterverbots und der un- menschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK). Es stellte fest, die Bemessung der Dienstdauer und die Gewährung von Urlauben im eritreischen Nationaldienst seien für die Einzelperson kaum vorhersehbar. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau beziffern, auszu- gehen sei jedoch davon, dass sie zwischen fünf und zehn Jahre betrage und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Die Lebensbedingungen gestalteten sich sowohl in der Grundausbildung als auch im militärischen und im zivilen Nationaldienst schwierig; der Nationaldienstsold reiche kaum aus, um den Lebensunterhalt zu decken. Darüber hinaus komme es im eritreischen Nationaldienst – insbesondere in der Grundausbildung und im militärischen Nationaldienst – zu Misshandlungen und sexuellen Über- griffen. Die Bedingungen im Nationaldienst seien grundsätzlich als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die An- nahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reiche diese Ein- schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch die Einziehung in den eritreischen Nationaldienst das ernsthafte Risiko ei- ner schwerwiegenden Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, mithin der Kerngehalt dieser Bestimmung verletzt würde. Eine solche Situation liege indessen nicht vor. Nicht erstellt sei zudem, dass die berichteten Miss- handlungen und sexuellen Übergriffe derart systematisch stattfänden, dass jede Nationaldienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernst- haften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden (vgl. a.a.O. E. 6.1, insbes. 6.1.5). 6.1.4 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) müsste die Beschwerdeführerin mit Blick auf Art. 3 EMRK eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ih r im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung dro- hen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Im Grundsatzur- teil BVGE 2018 VI/4 (E. 6.1.6) wurde diesbezüglich ausgeführt, es existier- ten keine hinreichenden Belege dafür, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im Nationaldienst derart flächendeckend stattfinden würden, dass jede Dienstleistende und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Ri- siko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Auch im Falle der Beschwerdeführerin kann daher, entgegen der anderslautenden Aus- führungen in der Beschwerdeeingabe (vgl. Ziffer 21), kein ernsthaftes Ri- siko einer Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritreischen Nationaldienst bejaht werden. E-2067/2018 Seite 19 6.1.5 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Falle einer freiwilligen Rückkehr der Beschwerdeführerin; sie macht selbst keine weiteren Unzu- lässigkeitsgründe geltend. Der Wegweisungsvollzug ist folglich vorliegend als zulässig zu betrachten. 6.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 6.2.1 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs- weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge- gangen werden. Das Gericht geht davon aus, dass sich in jüngster Zeit die Lebensbedingungen in einigen Bereichen verbessert haben, dass aber die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig ist. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren zwar nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung aus- gegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen (vgl. ausführlich Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 6.2.2 Wie nachstehend dargelegt, ist der Sachverhalt für die Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges zum heutigen Zeitpunkt nicht (mehr) genügend erstellt. Gemäss Aktenlage hat die Beschwerdeführerin am (…) einen Sohn gebo- ren. Dieser Umstand war im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 9. März 2018 und der Beschwerdeerhebung nicht bekannt. Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung den Wegweisungsvollzug der Beschwer- deführerin als alleinstehende Eritreerin geprüft. Dem Bundesverwaltungs- gericht gegenüber wurde die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin auch im Verlauf des Instruktionsverfahrens nicht geltend gemacht. Heute betrifft der Wegweisungsvollzug hingegen eine Frau mit einem Neu- geborenen. Bezüglich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zuges ist der Sachverhalt im heutigen Urteilszeitpunkt nicht hinreichend erstellt. So liegen beispielsweise keine Angaben zum derzeitigen Gesund- heitszustand der Beschwerdeführerin oder des neugeborenen Sohnes vor. E-2067/2018 Seite 20 Im Weiteren sind auch keine Informationen zu den familiären Verhältnissen der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes in der Schweiz, insbesondere zum Kindsvater, aktenkundig. Die angefochtene Verfügung vom 9. März 2018 beruht im Vollzugspunkt bei der heutigen Sachlage auf einem unvoll- ständig abgeklärten Sachverhalt. Dem Gericht ist es deshalb aufgrund der Aktenlage nicht möglich, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges im Hinblick auf die Zumut- barkeit einlässlich und abschliessend zu prüfen. 6.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Regel reformato- risch. Nur ausnahmsweise wird eine angefochtene Verfügung kassiert und an die Vorinstanz zurückgewiesen. Die aufgrund der kürzlich erfolgten Ge- burt erford erlichen Untersuchungsmassnahmen stellen eine relativ auf- wändige Beweiserhebung dar. In einem solchen Fall rechtfertigt sich ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die Kassation der angefoch- tenen Verfügung. Zudem bleibt den Beschwerdeführenden auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als im Asylverfahren das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet (Näheres zur Praxis bei mangelhafter Abklärung des Sachverhaltes in: ANDRÉ MO- SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Pr ozessieren vor dem Bun- desverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 180 f. Rz. 3.193 ff.). Somit erweist es sich als angezeigt, die Sache an die Vorinstanz zwecks Vornahme der erforderlichen Abklärungen zurückzuweisen. 6.2.4 Die Akten sind deshalb dem SEM zur weiteren Prüfung des Sachver- halts, soweit die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs betreffend, zu überweisen. Insbesondere wird das SEM weitere Abklärungen zum aktuel- len Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und ihres Neugeborenen vorzunehmen haben. Im Weiteren ist der Sachverhalt in Hinblick auf das Verhältnis der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes zum Kindsvater zu ergänzen. Die Frage der Zumutbarkeit des Vollzugs wird sodann im Licht der heutigen Verhältnisse neu zu beurteilen sein. 6.3 Die Verfügung des SEM vom 9. März 2018 beruht nach dem Gesagten zum heutigen Zeitpunkt im Wegweisungsvollzugspunkt auf einem nicht vollständig erstellten Sachverhalt, weshalb die Beschwerde diesbezüglich gutzuheissen ist. Die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfü- gung sind demnach aufzuheben und die Sache ist zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das SEM ist anzuweisen, die erforderli-E-2067/2018 Seite 21 chen Abklärungen zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorzuneh- men und aufgrund des vollständig erstellten und aktualisie rten Sachver- halts betreffend den Vollzug der Wegweisung neu zu entscheiden. 6.4 Im Übrigen – betreffend Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, Ver- weigerung des Asyls und Anordnung der Wegweisung als solche (Disposi- tiv-Ziffern 1 - 3 der angefochtenen Verfügung vom 9. März 2018) – ist die Beschwerde nach dem oben Gesagten abzuweisen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die reduzierten Verfahrens- kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Ein mit der Beschwerde gestelltes Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde jedoch mit Instruktionsverfügung vom 13. April 2018 gutgeheissen. Folglich ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 7.2 Angesichts des teilweisen Obsiegens (betreffend Wegweisungsvoll- zug) ist die Vorinstanz anzuweisen, der Beschwerdeführerin eine (hälftig reduzierte) Parteientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 Abs. 1 und 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht. Der entstandene Aufwand ist aufgrund der Akten abschätzbar (Art. 14 Abs. 2 VGKE), weshalb von der Ein forderung einer Kostennote abzusehen und die Entschädigung zu Lasten des SEM unter Berücksichtigung der mass- gebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 -13 VGKE) und der Entschädi- gungspraxis in vergleichbaren Fällen insgesamt auf Fr. 650.– festzusetzen ist. (Dispositiv nächste Seite) E-2067/2018 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird betreffend Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, Verweigerung des Asyls und Anordnung der Wegweisung (Dispositiv-Zif- fern 1 – 3 der angefochtenen Verfügung) abgewiesen. 2. Die Beschwerde wird betreffend Anordnung des Wegweisungsvollzugs gutgeheissen. Die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 der Verfügung des SEM vom 9. März 2018 werden aufgehoben. Die Sache wird im Sinne der Erwägun- gen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 650.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: