A. Verwaltungsentscheide 1471 37 vorliegenden Fall ist der Nachlass weder verschulde t noch bestehen Anzeichen dafür, dass Forderungen bestehen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der Nachlass von den Geschwistern zugunsten der Mutter ausgeschlagen wird, um der Erbschaftssteuer für Geschwister zu entgehen. Aufgrund der eingangs erwähnten Ausfüh rungen ist es aber nicht im Sinne des Gesetzgebers, dass eine Erb schaft aus - geschlagen wird, welche ein Aktivum von rund Fr. 30 0'000.-- aufweist. Auch ist die Begründung, dass das Geld nicht verlor en geht, sondern zu einem späteren Zeitpunkt von der Mutter an die K inder weiter - vererbt wird, nicht in jedem Fall richtig: Durch di e Ausschlagung wird die Mutter nicht nur Nutzniesserin des Nachlasses, sondern sie kann diesen brauchen und verbrauchen. Die Mutter ist im jetzigen Zeitpunkt 68 Jahre alt. Wird die aktuelle Lebenserwartung für Frauen in der Schweiz betrachtet, wird sie noch rund 20 Jahre leb en. Ob sie einige Jahre davon allenfalls in einem Alters - oder Pflegeheim verbringen wird, ist nicht absehbar. Bekanntermassen sind solc he Aufenthalte kostspielig und je nach Dauer wäre es durchaus denk bar, dass ihr gesamtes Vermögen (und somit auch der Nachlass) auf gebraucht wird. Aus den erwähnten Gründen wird der Ausschlagu ng der Erbschaft am Nachlass von Q. für den bevormundetete n Sohn nicht zugestimmt. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden, 16.12.200 8 1471 Anlage von Mündelvermögen. D er Beistand ist verpflichtet, das Mündelvermögen sicher anzulegen. Zur Beurteilung de r “Mündel - sicherheit” ist auf die Empfehlungen der Konferenz der kantonalen Vormundschaftsbehörden abzustellen. Sachverhalt: Der Beschwerdeführer B. amtet als Beistand von P., geb. 1. Juli 1916, wohnhaft im Psychiatrischen Zentrum. Im Juli 2006 reichte der Beschwerdeführer der Vormundschaftskommission Z. ei nen Depot - auszug sowie ein Inventar ein. Die Töchter von P. t eilten mit, dass das Depot bei der Bank weiterhin als Verwaltungsdepot z u führen sei und wie bis anhin mit dem Risiko aus kotierten Aktien u nd Anlagefonds 37A. Verwaltungsentscheide 1471 38 und nicht nur aus mündelsicheren Anlagen bestehen s oll. Mit Be - schluss vom 20. November 2006 hielt die Vormundscha fts- kommission Z. fest, das Depot sei nicht vollständig mündelsicher. Es erfolgte eine Auflistung derjenigen Anlagen, welche unter Absprache mit der Bank zu einem geeigneten Zeitpunkt, jedoch spätestens innerhalb eines Jahres, zu verkaufen sind. In seine r Beschwerde gegen den Entscheid der Vormundschaftskommission Z. hielt B. fest, das Depot von P. sei ausgewogen. P. habe Vermögensw erte von über 4 Mio. Franken und werde nie der Fürsorge zur Last fallen. Aus den Erwägungen: 2. […] Die Legitimation des Mandatsträgers, vorliegend des Bei - standes, ist zu bejahen, da er mit der Beschwerde M ündelinteressen wahrt (Basler Kommentar zum ZGB I, 3. A., Basel 2006, Art. 420 N 33). 3. […] 4. a) Nach Art. 401 Abs. 1 ZGB (SR 210) hat der Vormund bares Geld beförderlich in einer von der Vormundschaftsbe hörde oder durch kantonale Verordnung bezeichneten Kasse oder in Wer ttiteln, die von der Vormundschaftsbehörde nach Prüfung ihrer Sicher heit genehmigt werden, zinstragend anzulegen. Diese Bestimmung gil t in gleicher Weise auch für den Beistand (Basler Kommentar z um ZGB I, a.a.O., Art. 398 N 1). Nach Art. 62 Abs. 3 EG zum ZGB (bGS 211.1) bezeichnet der Regierungsrat durch Reglement und We isungen im Einzelfall den Aufbewahrungsort, die Werttitel und andere wert - beständige Objekte, in welchen Mündelvermögen angel egt werden darf. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, hat d ie Direktion des Innern mit Schreiben vom 19. Dezember 2001 den Vorm undschafts- behörden mitgeteilt, dass die Empfehlungen der Konf erenz der kantonalen Vormundschaftsbehörden als Hilfsmittel f ür die Entscheid - findung im Einzelfall zu verstehen seien. Die Konfe renz der kanto - nalen Vormundschaftsbehörden hält in ihrer Empfehlu ng für die Ver - mögensanlage im Rahmen von vormundschaftlichen Mand aten vom 15. November 2001 fest, dass die Werterhaltung über der Wert - vermehrung stehe. b) In Art. 401 ZGB findet sich der Begriff der “mündelsicheren Anlage” nicht. Gemäss herrschender Lehre und Rechts prechung ver - steht man darunter eine risikoarme, nominelle Anlag e bzw. eine konservative Anlage in Nominalwerten ( Hans Michael Riemer , 38A. Verwaltungsentscheide 1471 39 Grundriss des Vormundschaftsrechts, 2. A., Bern 199 7, § 4 N 161). Die Anlage in Aktien wird i.d.R. als nicht mündelsi cher angesehen (August Egger, Zürcher Kommentar zum Vormundschaftsrecht, Zürich 1948, Art. 401 N 13; Hans Michael Riemer , a.a.O., § 4 N 161; Basler Kommentar zum ZGB I, a.a.O., Art. 401 N 5). Es besteht aber Einig - keit darüber, dass die genügende Sicherheit im Einz elfall beurteilt werden muss. Die Frage der Sicherheit ist von versc hiedenen Faktoren abhängig, so z.B. von der Art und Höhe des Mündel - vermögens, vom Zeitpunkt der Anlage und von deren D auer (Basler Kommentar zum ZGB, a.a.O., Art. 401 N 5). c) Der Regierungsrat hat keine feststehende Praxis zur Frage der “Mündelsicherheit”. Aus dem Schreiben der Direktion des Innern vom 19. Dezember 2001 ergibt sich, dass die Vormundscha ftsämter in diesem Bereich die Empfehlungen der Konferenz der k antonalen Vormundschaftsbehörden konsultieren sollen. Gründe, um von dieser Weisung abzusehen, sind keine ersichtlich, weshalb auch i m hier zu fällenden Entscheid grundsätzlich darauf abzustelle n ist. d) P. ist 1916 geboren und somit bereits über 90 Jahre alt. Aus den eingereichten Unterlagen ergibt sich, dass er v öllig handlungs - und urteilsunfähig sei […]. Per 29. Juni 2007 wies d as Vermögen von P. einen Stand von rund 4.7 Mio. Franken aus. Auch wenn P. noch einige Jahre im Psychiatrischen Zentrum lebt, wird er für die dafür anfallenden Kosten mit Sicherheit selber aufkommen können. In der Empfehlung der Konferenz der kantonalen Vormundscha ftsbehörden werden drei Vermögenskomplexe unterschieden, für di e je unter - schiedlich strenge Richtlinien in Bezug auf Anlagen gelten. Für Mündel, welche Vermögenswerte besitzen, die über di e Sicherung des Lebensstandards hinausgehen, ist folgende Vermö gensver- waltung (3. Komplex) möglich: Nach Beratung und auf Vorschlag von Fachleuten, jedoch nur mit Zustimmung der Vormundsc hafts- behörden, sind Anlagen in gemischte offene Anlagefo nds, aus - gegeben von Fondsgesellschaften unter der Leitung v on Kantonal - banken oder schweizerischen Grossbanken, in Aktien von Gesell - schaften mit guter Bonität und ertragbringende Grun dstücke zulässig. Aufgrund der geschilderten Vermögenssituation sind in Bezug auf die Vermögensverwaltung von P. die Richtlinien des 3. K omplexes anwendbar. Die von der Vormundschaftsbehörde notwendige Zustim mung liegt nicht vor. Im Gegenteil, der Beschwerdeführer wurde angewiesen, 39A. Verwaltungsentscheide 1472 40 einen Teil der Depotanlagen zu veräussern. Diese An weisung stützt sich auf einen Bericht des Leiters der Finanzabteil ung der Gemeinde. Seiner Meinung nach sind die explizit aufgeführten Anlagen nicht mündelsicher, weshalb sie zu verkaufen sind. Auch d ie Bank hält in ihrem Schreiben vom 22. Oktober 2007 fest, dass die Anlageform nicht mündelsicher sei, verweist aber auf P., welch er zu einem früheren Zeitpunkt diese Risikostrategie bestimmt u nd festgesetzt habe. Gründe, an den Aussagen der Finanzexperten zu zweifeln, sind keine ersichtlich. Der Leiter der Finanzabteilung d er Gemeinde hat sogar eine umfassende Einzelfallbeurteilung vorgeno mmen, indem jede Anlage des Depots separat geprüft wurde. Aus d iesem Grund ist festzuhalten, dass, auch gestützt auf die herrschen de Lehre, die Anlagen von P. im Depot als mehrheitlich nicht münd elsicher zu qualifizieren sind und der Beschwerdeführer diese i m von der Vormundschaftskommission Z. festgesetzten Zeitraum zu veräussern hat. In diesem Sinne ist die Beschwerde abzuweisen. e) Zu bemerken bleibt, dass es hierbei keine Rolle spi elt, was P. zu einem Zeitpunkt, als er selber noch urteilsfähig wa r, in Bezug auf seine Vermögensverwaltung festhielt. Mit der Anordn ung der vor - mundschaftlichen Massnahmen gelten die vormundschaf tlichen Schutzmassnahmen, wozu eben auch die mündelsichere Anlage nach Art. 401 ZGB gehört. Das Gleiche gilt in Bezug auf den W illen der erbberechtigten Töchter. Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden, 12.02.200 8 1472 Pflegeplatzbewilligung . Abgrenzung zwischen Mietverhältnis und einer bewilligungspflichtigen Unterbringung in eine r Pflegefamilie. Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine Einzelpflegebe willigung oder eine Heimbewilligung nötig ist. Sachverhalt: E.G. und ihr Sohn F.G., geb. 26. Oktober 2006, wurd en vom Beistand von E.G. bei der Pflegefamilie M.O. und N. O. untergebracht. Die Vormundschaftsbehörde Z. verfügte, dass sowohl der Aufenthalt von E.G. als auch derjenige ihres Sohnes bewilligun gspflichtig seien. 40