B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2741/2013/mel U r t e i l v o m 2 9 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A.________ geboren (…) dessen Ehefrau B._________ Geboren (…), und deren Kinder C.________ geboren (…), und D.________ geboren (…), Sri Lanka, alle vertreten durch E.________ Satelliten-Beratungsstelle für Asyl Suchende, (…) Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. April 2013 / N_________ D-2741/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden – sri-lankische Staatsangehörige muslim i- schen Glaubens mit letztem Wohnsitz in F._______ – suchten am 15. Juni 2012 in der Schweiz um Asyl nach. Am 28. Juni 2012 wurden sie im G.________ in einer summarischen Erstbefragung und am 18. März 2013 vom BFM in H.________ vertieft zu den Asylgründen angehört. Sie machten dabei im Wesentlichen geltend, während des beruflichen Aufenthaltes des Beschwerdeführers in I._______ hätten sie dort 1992 geheiratet. Vor der Hei rat sei die B e- schwerdeführerin, da der Beschwerdeführer muslimischen Glaubens sei, zum Islam konvertiert. Nach ihrer Rückkehr nach Sri Lanka im Jahre 2009 hätten sie sich am Herkunftsort des Beschwerdeführers niedergelassen, wo der Beschwerdeführer eine Sanitärfirma gegründet und betrieben h a- be. Am 20. April 2012 habe eine Gruppe radikaler Buddhisten eine M o- schee in K.________, Bezik F._______, gestürmt. Der Beschwerdeführer sei bei diesem Vorfall anwesend gewesen und habe erfolglos versucht, die Angreifer davon abzuhalten, in die Moschee einzudringen. Am 2. Mai 2012 hätten maskierte Unbekannte, vermutlich Angehörige der Bodu Bala Sena (BBS), einer extremistischen singhalesischen buddhistischen Orga- nisation, die Beschwerdeführenden zuhause angegriffen und wegen des in der Moschee geleisteten Widerstands und ihrer Mischehe mit dem Tod bedroht (vgl. BFM-Protokoll A 18 S. 8). Vermutlich sei der Beschwerdefüh- rer von Dorfbewohnern, welche wegen seiner guten wirtschaftlichen Lage sehr neidisch auf ihn seien, denunziert worden (vgl. A18 S. 9). Der Toch- ter der Beschwerdeführenden habe man mit Vergewaltigung gedroht. Am darauffolgenden Tag hätten die B eschwerdeführenden versucht, bei der Polizei in F.________ Anzeige zu erstatten, indessen habe der zuständige Beamte die Anzeige wegen des muslimischen Glaubens der Beschwerde- führenden nicht entgegengenommen. Am gleichen Tag hätten Unbekann- te ihre Tochter zu entführen versucht. In der Folge habe der Beschwerde- führer zusammen mit seinen Familienangehörigen den muslimischen Mi- nister des Bezirks L.________ aufgesucht und ihm von seinen Schwierig- keiten berichtet. Aus Furcht vor weiteren Behelligungen habe sich der Be- schwerdeführer am 12. Mai 2012 nach M.________ begeben, um einen Schlepper für die Ausreise zu organisieren. Eine Woche später habe er sich mit seinen Familienangehörigen in M.________ getroffen und nach mehrtägigem Aufenthalt in M.________ seien sie am 29. Mai 2012 mit ei- nem vom Schlepper organisierten Visa in die Schweiz gereist. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden ver- schiedene Beweismittel ein, so insbesondere Identitätspapiere und Z i-D-2741/2013 Seite 3 vilstandsregisterauszüge, ein Bestätigungsschreiben aus N._______ betreffend der Konvertierung der Beschwerdeführerin sowie ein Schreiben der Moschee O._______ vom 20. August 2012 und eine DVD mit Filmma- terial betreffend den Vorfalls vom 20. April 2012 in K.________. B. Mit – am 16. April 2013 eröffneter – Verfügung vom 12. April 2013 lehnte das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden vom 15. Juni 2012 ab, ordnete deren Wegweisung an und erachtete den Vollzug als zulä s- sig, zumutbar und möglich. C. Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 14. Mai 2013 unter Einreichung von Bewei s- mitteln ( 3 DVD "people return", "BBC -News", "Anuradhapura, mosque destroy", Bestätigungsschreiben von P ._______, vom 8. Mai 2013 und von Q._______ vom 9. Mai 2013 ) beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde. Es wurde die vollumfängliche Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Gewährung der vorläufigen Aufnahme beantragt. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwal tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) ersucht. D. Mit Eingabe vom 30. M ai 2013 reichte die Rechtsvertreterin weitere Be- stätigungsschreiben (von R._____ vom 18. August 2012, von S.______, justice of peace, muslim registration, vom 13. Mai 2013, beide im Original samt Übersetzung in englischer Sprache, von T._______ vom 20. Mai 2013 und von V.______, vom 13. Mai 2012, im Original samt Übersetzung in englischer Sprache) und ein von der Tochter der Beschwerdeführenden verfasstes Schreiben ein. E. Mit Eingabe vom 5. Juni 2013 reichte die Rechtsvertreterin die bereits z u- vor in Kopie eingereichten Bestätigungsschreiben im Original ein. F. Mit Zwischenverfügung vom 6. Juni 2013 gewährte der zuständige I n- struktionsrichter die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Im Weiteren wurde darauf hingewiesen, dass das vorli e- gende Beschwerdeverfahren mit demjenigen des volljähri gen Sohnes bzw. Bruders der Beschwerdeführenden (….) koordiniert behandelt we r- de. D-2741/2013 Seite 4 G. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Juni 2013 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Das BFM führte aus, unabhängig von der Tatsache, dass die Vorbringen der B eschwerdeführenden, wie bereits in der angefochtenen Verfügung festgehalten, nicht asylrelevant seien, wie- sen diese mehrere Ungereimtheiten auf und seien daher auch als nicht glaubhaft zu erachten. H. Am 16. Juli 2013 reichte die Rechtsvertreterin ihre Replik ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsg e- suches des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht ( Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist form - und fristgerecht eingereicht. Die Be schwer- deführenden haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, sind durch die angefocht ene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Die Beschwerdeführenden sind daher zur Einreichung der B e- schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. D-2741/2013 Seite 5 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor bringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz erachtete in der angefochtenen Verfügung die zentra- len Vorbringen der Beschwerdeführenden, wegen des in der Moschee von K._______ vom Beschwerdeführer gegen eine Gruppe radikaler Buddhisten geleisteten Widerstands und wegen der von ihnen geführten Mischehe von Unbekannten mit dem Tod bedroht worden zu sein, als nicht asylrelevant. Zum einen seien die sri-lankischen Sicherheitsbehörden grundsätzlich wil- lens und in der Lage, auch Mitgliedern ethnischer und religiöser Minde r- heiten Schutz zu gewähren, insbesondere wenn diese, wie im vorliege n- den Fall, kein Gefährdungsprofil aufwiesen. Daher wäre es den B e- schwerdeführenden zumutbar gewesen, nach der angeblichen Weigerung der örtlichen Polizei, ihre Anzeige entgegenzunehmen, sich schutzs u- chend an eine andere Polizeistation zu wenden. Zum anderen sei die Furcht der Beschwerdeführenden vor künftigen B e- helligungen durch Dritte aufgrund ihres muslimischen Glaubens zum heu- tigen Zeitpunkt als nicht begründet zu erachten. Zwar hätten die interrel i- giösen Spannungen in Sri Lanka zwischen der muslimischen Minderheit und der buddhistischen Mehrheit seit dem Vorfall in K._______ am 20. April 2012 zugenommen, indessen sei ein Verfolgungsinteresse buddhi s- tischer Extremisten an den Beschwerdeführenden, welche sich weder r e- ligiös noch politisch engagiert hätten, nicht erkennbar, zumal die B e-D-2741/2013 Seite 6 schwerdeführenden nach dem Vorfall im A pril 2012 keinen weiteren B e- helligungen ausgesetzt gewesen seien. Schliesslich handle es sich bei den in F._______ erfahrenen Behelligun- gen um lokal oder regional beschränkte Verfolgungsmassnahmen, welche sich die Beschwerdeführenden durch einen Wegzug beispielsweise nach Colombo, wo sie über ein familiäres Beziehungsnetz verfügten, entziehen könnten. An der Einschätzung der fehlenden Asylrelevanz würden auch die eing e- reichten Beweismittel nichts ändern, zumal sich diese auf Umstände b e- ziehen würden, deren Glaubhaftigkeit nicht in Zweifel gezogen worden seien. 4.2 In der Beschwerde wurde unter anderem geltend gemacht, dass in der Zwischenzeit die Namen der Beschwerdeführenden der sri-lankischen Regierung und d en radikalen Buddhisten bekannt seien. Der "Kopf" d er BBS, W._______., habe ihnen bereits gedroht, dass bei einer Rückkehr nach Sri Lanka die ganze Familie sofort inhaftiert werde. Dies sei auch auf der DVD "people return" f estgehalten. Ebenfalls bestätigten P .______M, und Q._______, die gefahrvolle Situat ion der Beschwerd e- führenden. Eine innerstaatliche Fluchtalternative gebe es nicht, da die Beschwerdeführenden selbst in I.______ nicht vor Angriffen der radikalen Buddhisten sicher seien. Auch die Medien hätten von Übergriffen berichtet (vgl. DVD "BBC News") und bei Übergriffen auf Moscheen greife die Pol i- zei nicht ein, was auf der DVD "mosque destroy" deutlich zu sehen sei. 4.3 In ihrer Vernehmlassung wies die Vorinstanz auf Ungereimtheiten in den Aussagen der Beschwerdeführenden hin. Zum e inen könne den Bes chwerdeführenden aufgrund diverser Wide r- sprüche nicht geglaubt werden, dass diese am 2. Mai 20 12 zu Hause von Unbekannten angegriffen worden seien. So habe die Beschwerdeführerin abweichend von der Aussage anlässlich der Erstbefragung, wonach ihr Ehemann von vier bis fünf Männern gepackt worden sei (vgl. A5 S. 9), im Rahmen der Anhörung geltend gemacht, nur zwei Männer hätten ihren Ehemann gepackt (vgl. A19, Frage 51). Im Weiteren habe die Tochter des Beschwerdeführers abweichend von der Aussage im Rahmen der Erstbe- fragung, wonach die Unbekannten alle vier Familienmitglieder gepackt hätten (vgl. A6 S. 7), anlässlich der Anhörung geltend gemacht, nur ihre Mutter und ihr Vater seien tätlich angegriffen worden (vgl. A20 S. 3 und 4). Zum a nderen habe der Beschw erdeführer nicht plausibel erklären kö n- nen, wie die unbekannten Angreifer hätten erfahren soll en, dass der B e- schwerdeführer zuvor am 20. April 2012 in K.______ gewesen sei, als die D-2741/2013 Seite 7 dortige Moschee von einem buddhistischen Mob angegriffen wor den sei (vgl. A18 S. 7 ). Im Weiteren sei nicht nachvollziehbar, dass Angehörige der BBS die Beschwerdeführenden, welche vor dem Vorfall in K.______ keine ernsthaften Schwierigkeiten mit Buddhisten gehabt und auch keine wichtige Position in der muslimischen Gemeinschaft i nnegehabt hätten, zwei Wochen später zu Hause aufsuchen und im geschilderten Ausmass bedrohen würden. Auch habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft e r- klärt, wie er habe wissen können, dass es sich bei den angeblichen U n- bekannten um Angehörige der BBS geha ndelt habe. Schliesslich habe sich der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben am 12. Mai 2012 alle i- ne nach I._______ begeben, um die Ausreise zu organisieren und sich erst eine Woche später mit seinen Familienmitgliedern in I._______ ge- troffen, obwohl Unbek annte diese mit dem Tod bedroht hätten. Dieses Verhalten entspreche nicht dem Verhalten einer tatsächlich verfolgten Person, insbesondere, da er in I.______ über ein familiäres Beziehung s- netz verfüge und es ihm als wohlhabender Geschäftsmann ein Leichtes gewesen wäre, seine Familie nach I._______ mitzunehmen. Aus den ge- nannten Erwägungen seien die Vorbringen der Beschwerdeführenden als nicht glaubhaft zu erachten. Obwohl es nicht auszuschliessen sei, dass die Beschwerdeführenden aufgrund ihrer Mischehe Opfer von diskriminie- renden Handlungen gewesen seien, sei davon auszugehen, dass die B e- schwerdeführenden ihre Schwierigkeiten im Heimatstaat übersteigert da r- gestellt hätten. 4.4 In ihrer Replik wies die Rechtsvertreterin darauf hin, dass die B e- schwerdeführerin an der Erstbefragung noch sehr mitgenommen und durcheinander gewesen sei. Die Beschwerdeführerin sei sich sicher, dass nicht vier bis fünf Männer ihren Ehemann ge packt hätten. Es seien zwar wohl mehrere Männer gewesen, die zum Haus gekommen seien, aber nur ein Mann habe sie gewürgt und nur zwei Männer hätten ihren Ehemann festgehalten. Im Weiteren weise die Tochter der Beschwerdeführenden die Feststellung des BFM, wonach sie anlässlich der ersten Anhörung a n- gegeben habe, alle vier Familienmitglieder seien gepackt worden, zurück. Hier liege wohl ein Missverständnis vor. Korrekt sei die Aussage anläs s- lich der Anhörung. Auch wenn der Beschwerdeführer keine wichtige Position innerhalb der muslimischen Gemeinschaft gehabt habe, sei er ein sehr gläubiger Mu s- lim, der regelmässig die Moschee zum Beten aufgesucht habe und aktiv in der Glaubensgemeinschaft gewesen sei. Beim Überfall auf die M o- schee hätten verschiedene Leute sein Gesicht gesehen. Möglicherweise sei auch ein Bekannter dabei gewesen. Beim Angriff zuhause hätten ihm die Angreifer in sing halesischer Sprache gesagt: "In der Moschee kon n- test du fliehen, heute kannst du aber nicht fliehen." Aufgrund dieser Au s-D-2741/2013 Seite 8 sage habe der Beschwerdeführer darauf geschlossen, dass es sich bei den Angreifern um Angehörige der BBS handle und ein Zusammenhang mit dem Überfall auf die Moschee bestehe. Schliesslich sei es zu gefäh r- lich gewesen, zusammen mit der Familie nach I._______Colombo zu rei- sen. Der Beschwerdeführer habe in zwei, drei Tagen eine Wohnung in I.________ finden wollen, was für seine Familie am sichersten gewesen wäre. Hilfe von seinem Bruder habe er nicht erwarten können, da dieser seit der Heirat jeglichen Kontakt verweigert habe. 4.5 Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zutreffend ausgeführt hat, sind die Vorbringen der Beschwerdeführenden, am 2. Mai 2012 zuhause angegriffen und mit dem Tod bedroht worden zu sein, angesichts des wi- dersprüchlichen Aussageverhaltens und der teils nicht plausiblen Ang a- ben in wesentlichen Punkten in Zweifel zu ziehen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zutreffenden und zu bestätigenden Ausfü h- rungen in der Vernehmlassung des BFM verwiesen werden, welche in der Replik nicht entkräftet werden können. So sind die blossen Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführeri n a n- lässlich der Erstbefragung noch sehr mitgenommen und durcheinander gewesen sei und es sich bei der Aussage der Tochter der Beschwerdefüh- renden anlässlich der Erstbefragung, wonach alle vier Familienmitglieder gepackt worden seien, um ein Missverständni s handeln müsse, nicht g e- eignet, die widersprüchlichen Aussagen zu erklären. Im Weiteren ist, wie vom BFM zutreffend festgehalten, nicht nachvollziehbar, warum Angeh ö- rige der BBS die Beschwerdeführenden, welche vor dem Vorfall in K.______ keine ernsthaften Schwierigkeiten mit Buddhisten gehabt und auch keine wichtige Position in der muslimischen Gemeinschaft inneg e- habt hatten, zwei Wochen später zu Hause aufsuchen und im geschi lder- ten Ausmass bedrohen sollten , zumal die Frage, wie die Täter von der Identität des Beschwerdeführers in der Moschee erfahren hätten, von den Beschwerdeführenden nicht plausibel erklärt werden konnte (vgl. A18 S. 8 und 9). Auch der spekulative Erklärungsversuch in der Replik, wonach beim Überfall auf die Moschee verschiedene Leute s ein Gesicht gesehen hätten und möglicherweise auch ein Bekannter dabei gewesen sei, ve r- mag nicht zu überzeugen. Ebenso handelt es sich um eine blosse Vermu- tung, dass es sich bei den Angreifern um Angehörige der BBS gehandelt habe. Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass das Verhalten des Beschwerdeführers, sich am 12. Mai 2012 alleine nach I.______ zu begeben, um die Ausreise zu organisieren und sich erst eine Woche sp ä- ter mit seinen Familienmitgliedern in I._______ zu treffen, obwohl Unb e- kannte diese mit dem Tod bedroht gehabt haben sollten, realitätsfremd erscheint. Die Entgegnung in der Replik, wonach der Beschwerdeführer in I.________ für seine Familie zuerst eine Wohnung habe suchen wollen, D-2741/2013 Seite 9 weil eine solche die sicherste Unterkunftsmögli chkeit in Colombo gew e- sen wäre, vermag nicht zu erklären, warum er nicht sofort mit seiner F a- milie den Ort verliess, der am gefährlichsten erschien. Aus den genannten Gründen ist es den Beschwerdeführenden nicht gelungen, die geltend gemachten Behelligunge n durch Dritte glaubhaft zu machen. An dieser Einschätzung vermögen die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern. Zum Einen weisen die eingereichten DVDs keinen hinreichenden sachl i- chen Zusammenhang zu den geltend gemachten Vorbringen auf, zum Anderen sind die zahlreichen Bestätigungsschreiben unabhängig von der Frage der Authentizität vor dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen und der naheliegenden Möglichkeit, dass es sich um reine Ge- fälligkeitsschreiben handelt, als wenig beweistauglich zu erachten. 4.6 Im Weiteren sind die Vorbringen der Beschwerdeführenden auch als nicht asylrelevant zu erachten. Der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung Sri Lankas beträgt 9%. Grundsätzlich geniessen die Muslime innerhalb Sri Lankas religiöse Fre i- heiten. So können sie beispielsweise ihren Glauben ohne Einschränku n- gen ausüben, wichtige muslimische Feiertage werden wie öffentliche Festtage gefeiert, und sie können staatlich finanzierte islami sche Schulen führen, wobei nebst den staatlichen Bildungsi nhalten auch der Islam g e- lehrt wird. Im Weiteren sind Muslime in allen politischen Parteien vertreten (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -2798/2009 vom 1. Februar 2010 S. 9 E.4.7). Mit dem seinerzeitigen Wiederaufflam men des Bürge r- kriegs kamen die Muslime erneut ins Kreuzfeuer der bei den Kriegspartei- en, wovon vor allem diejenigen im Osten des Landes betroffen waren. Die Muslime wurden von den kriegerischen Auseinandersetzungen im Norden und Osten Sri Lankas ebenso hart getroffen wie die übrige Zivilbevölke- rung. Zusätzlich konnte es zu Situationen kommen, in denen sie zwischen den Fronten – also zwischen den Singhalesen und den Tamilen – stan- den. Vier Jahre nach dem Sieg der sri -lankischen Streitkräfte führen si n- ghalesische Gruppen wie die BBS la ndesweit eine antimuslimische Kam- pagne, wobei es zu vermehrten Übergriffen auf muslimische Einrichtu n- gen gekommen ist. So riss im September 2012 ein singhalesischer Mob, angeführt von etwa hundert buddhistischen Mönchen, einen muslimischen Schrein in der Stadt Anuradhapura ab. Im April 2012 stürmte, wie von den Beschwerdeführenden angegeben, ein erneut von buddhistischen Mö n- chen angeführter Mob von rund 2000 Singhalesen eine Moschee in Dambulla und erzwang die Absage der Freitagsgebete. Auch in Berüc k- sichtigung der vermehrten interreligiösen Spannungen zwischen der mu s- limischen Minderheit und der buddhistischen Mehrheit ist alleine aufgrund der Mischehe nicht von einem Verfolgungsinteresse buddhistischer Ex - tremisten an den Beschwerdeführenden, welche keine wichtige Position in D-2741/2013 Seite 10 der muslimischen Gemeinschaft innegehabt und vor dem Vorfall in Da m- bulla keine ernsthaften Schwierigkeiten mit Buddhisten gehabt haben, auszugehen. An dieser Einschätzung vermögen die blossen Behauptu n- gen in der Beschwerde, wonach in der Zwischenzeit die Namen der B e- schwerdeführenden der sri -lankischen Regierung und den radikalen Buddhisten bekannt seien und der "Kopf" der BBS, Q._____., ihnen b e- reits gedroht habe, dass bei einer Rückkehr nach Sri Lanka die ganze Familie sofort inhafti ert werde, nichts zu ändern. In diesem Zusamme n- hang ist festzuhalten, dass die eingereichte DVD "people return to sri la n- ka, arrested on airport" keinen hinreichenden sachlichen Zusammenhang mit den geltend gemachten Vorbringen der Beschwerdeführenden au f- weist und in den zahlreichen Bestätigungsschreiben pauschal lediglich die geltend gemachten Sachverhaltsvorbringen der Beschwerdeführenden wiedergegeben werden . Angesichts der fehlenden begründeten Furcht der Beschwerdeführenden vor künftiger Verfolgung im heutigen Zeitpunkt sind die Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht asylrelevant. Anzu- merken bleibt, dass im Weiteren von der grundsätzlichen Bereitschaft der sri-lankischen Polizei auszugehen ist, auch Mitgliedern ethnischer und r e- ligiöser Minderheiten Schutz zu gewähren, insbesondere, wenn diese, wie im vorliegenden Fall, kein Gefährdungsprofil aufweisen. Daher wäre es den Beschwerdeführenden zuzumuten gewesen, sich an eine andere P o- lizeistation zu wenden, wenn die lokalen Behörden in F.______ tatsäch- lich nicht willens gewesen sein sollten, die Anzeige entgegenzunehmen. Schliesslich könnten sich die Beschwerdeführenden allfälligen Behell i- gungen an ihrem Wohnort ohnehin durch einen Wegzug in einen anderen Teil des Heimatstaates, so unter anderem nach I._______, entziehen. 4.7 Aus den obenstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden weder als glaubhaft noch als asylrelevant zu erachten sind. Die Beschwerdeführenden erfüllen somit die Vorausse t- zungen zur Anerkennung der Flüchtling seigenschaft nicht, weshalb die Vorinstanz die Asylbegehren zu Recht abgelehnt hat. 5. 5.1 In der Regel hat die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichtein - treten auf ein Asylgesuch die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge. (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend hat der Kanton keine Aufenthaltsbewilli- gung erteilt und es besteht zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol - chen (BVGE 2009/50 E.9), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde. 5.2 Das Bundesamt regelt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli- chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern, wenn D-2741/2013 Seite 11 der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 5.3 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtli che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in den Hei- mat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Es darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei - nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefä hrdet ist oder in dem sie Ge fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Der Vollzug der Wegwe isung ist vorliegend in Betrachtung dieser mas s- geblichen völker - und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig, weil – wie vorstehend dargelegt – die Beschwerdeführenden die Flüchtlingsei- genschaft nicht erfüllen und keine Anhaltspunkte für eine den Be schwer- deführenden in Sri Lanka drohende menschenrechtswid rige Behandlung im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) vorliegen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 5.4 Der Vollzug für Auslä nderinnen und Ausländer erweist sich als unzu - mutbar, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situatio - nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not - lage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Gemäss allgemein zugänglichen Quellen ist heute im Heimatstaat der Beschwerdeführenden von einer seit Ende des bewaffneten Konflikts zw i- schen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich ver- besserten Menschenrechts- und Sicherheitslage auszugehen, auch wenn sich das Land noch in einem Entwicklungsprozess befindet (vgl. BVGE 2011/24 E. 12 S. 509). Im Distrikt Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar herrscht keine Situation allgemeiner G e- walt und die dortige politische Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1 S. 510). Die Erwägungen in BVGE 2011/24 zur Zumutbarkeit des Wegwei - sungsvollzuges gelten gleichermassen für Asylsuchende musl imischer wie tamilischer Ethnie (vgl. Urteil E -5743/2012 vom 9. Januar 2013 E. 7.3.2 S. 9 f.). D-2741/2013 Seite 12 Die Beschwerdeführenden lebten in Sri Lanka mehrheitlich in F._____, dem in der Zentralprovinz gelegenen Herkunftsort des Beschwerdefü h- rers. Eine Rückkehr dorth in ist nach der zitierten Rechtsprechung als z u- mutbar zu erachten. Die Beschwerdeführenden sind mittleren Alters, E l- tern eines erwachsenen Sohnes (…), einer siebzehnjährigen Tochter und eines weiteren Sohnes im Alter von zehn Jahren. Vor ihrer Ausreise führte der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben erfolgreich eine Sanitärfi r- ma. Es ist davon auszugehen, dass der beruflich erfahrene Beschwerd e- führer bei einer Rückkehr in der Lage sein wird, erneut eine wirtschaftliche Lebensgrundlage aufzubauen. Im Weiteren verfügen die Beschwerdefü h- renden in Sri Lanka über mehrere Verwandten. In diesem Zusamme n- hang ist zudem darauf hinzuweisen, dass bloss soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansäs sige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, nicht g enügen, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Aufgrund des bisherigen kurzen Aufenthalts in der Schweiz von nur etwas mehr als einem Jahr besteht für die Kinder der Beschwerdeführenden noch keine genügend starke, persönliche Bindung an die Schweiz, weshalb sich der Vollzug auch unter dem Aspekt des Kindswohls als zumutbar erweist. Die Zugehörigkeit zur muslimischen Minderheit stellt ebenso wenig ein Voll- zugshindernis dar. Gemäss den Kenntnis sen des Gerichts sind die Mu s- lime in Sri Lanka nicht von schweren und systematischen Diskriminieru n- gen betroffen, welche geeignet wären, ihre Existenzgrundlage oder ihr Leben zu gefährden. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit s o- wohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 5.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 6. Aus diesen Erwä gungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. D-2741/2013 Seite 13 7. Mit Zwischenverfügung vom 6. Juni 2013 wurde das Gesuch um Ge wäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. (Dispositiv nächste Seite) D-2741/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: