Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 10. Juni 2015 (810 14 355) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Beat Walther, Ka ntonsrichter Christian Haidlauf, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Marius Wehren Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dominique Erhart , Recht s- anwalt gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal , Be- schwerdegegner Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligun g und Wegweisung (RRB Nr. 1746 vom 18. November 2014) A. Der serbische Staatsangehörige A.____, geboren 1 972, reiste im Jahr 1994 in die Schweiz ein und stellte erfolglos ein Asylgesuch. S eine Wegweisung konnte in der Folge nicht vollzogen werden. Am 9. Juni 2000 heiratete er B.__ __, worauf ihm im Rahmen des Familien- nachzugs eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Am 16. Januar 2003 wurde A.____ vom Amt für Migr ation des Kantons Basel- Landschaft (AfM) wegen bezogener Sozialhilfeleistungen in der Höhe von mindestens Fr. 165'000.-- sowie Betreibungen in der Höhe von Fr . 43'187.75 und Verlustscheinen in der Höhe von Fr. 49'651.30 fremdenpolizeilich verwarnt. C. Am 20. Juli 2004 kam der Sohn C.____ von A.____ und seiner damaligen Freundin D.____ zur Welt. Mit Urteil des Bezirksgerichts Arlesheim vo m 15. Juli 2008 wurde das Kindes- verhältnis zwischen C.____ und A.____ festgestellt und der vorgelegte Unterhaltsvertrag wurde genehmigt. C.____ verfügt über die Niederlassungsbewilligung. D. Per 1. September 2005 machte sich A.____ mit der Ü bernahme des Restaurants E.____ in F.____ selbständig. Mit Verfügung des Konkur srichters des Bezirksgerichts Arles- heim vom 5. September 2012 wurde über A.____ als Inha ber der Einzelfirma E.____ der Kon- kurs eröffnet und die Firma wurde von Amtes wegen im Ha ndelsregister gelöscht. Das Kon- kursverfahren wurde mit Verfügung des Konkursrichters des B ezirksgerichts Arlesheim vom 9. Oktober 2012 mangels Aktiven eingestellt. Das Restau rant E.____ wurde ab dem 30. April 2010 unter dem Namen G.____-GmbH geführt. A.____ is t seit dem 1. September 2012 bei der G.____-GmbH als Koch angestellt. E. Am 20. Dezember 2005 wurde die Ehe von A.____ und B.____ vom Bezirksgericht Liestal geschieden. Am 21. Februar 2006 heiratete A.____ H.____, von der er seit dem 30. No- vember 2012 getrennt lebt. F. Mit Schreiben des AfM vom 6. Juni 2006 wurde A.____ auf seine offenen Betreibungen in der Höhe von Fr. 59'650.-- hingewiesen. Er wurde aufgefordert, fortan seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und die Schulden nach Möglichkeit zurückzuzahlen. G. Am 12. Juli 2012 wurde A.____ erneut durch das AfM wegen Verursachung von Schulden ausländerrechtlich verwarnt. Die Abklärungen d es AfM hätten ergeben, dass er beim Betreibungsamt Binningen mit Betreibungen in der Höhe von Fr. 502'588.54 sowie offenen Ver- lustscheinen in der Höhe von Fr. 31'548.70 verzeichnet sei. Man werde weitere ausländerrecht- liche Massnahmen prüfen, sollte er seinen finanziellen Verpflichtungen künftig nicht nachkom- men. H. Zwischen 2003 und 2014 wurde A.____ wiederholt str affällig. Namentlich wurde er wegen Zuwiderhandlung gegen das Transportgesetz und mehreren SVG-Delikten sowie wegen Zweckentfremdung von Arbeitnehmerbeiträgen bzw. Verstosses gegen das Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung zu Bussen und bedingten Geldstrafen verurteilt. I. Mit Verfügung vom 23. April 2014 verweigerte das A fM die Verlängerung der Aufent- haltsbewilligung von A.____ und ordnete dessen Wegwe isung aus der Schweiz an, wobei ihm eine Ausreisefrist bis spätestens 23. Mai 2014 gesetzt wurde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht J. Die von A.____, vertreten durch Dominik Erhart, Advo kat in Oberwil, dagegen erhobe- ne Beschwerde wurde vom Regierungsrat des Kantons Basel-L andschaft mit Entscheid vom 18. November 2014 abgewiesen. K. Mit Eingabe vom 25. November 2014 erhob A.____, n ach wie vor durch Dominik Erhart anwaltlich vertreten, gegen den Entscheid des Regierun gsrats Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Er st ellt das Rechtsbegehren, es sei in Aufhebung des angefochtenen Entscheids von der Nichtverlä ngerung der Aufenthaltsbewilli- gung und der Wegweisung abzusehen und die Aufenthalts bewilligung sei zu verlängern. Even- tualiter sei die Angelegenheit an den Regierungsrat, subeventualiter an das AfM zurückzuwei- sen, verbunden mit der Anweisung, die Aufenthaltsbewilligung angemessen zu verlängern. L. In seiner Beschwerdebegründung vom 28. Januar 2015 h ält der Beschwerdeführer an den gestellten Rechtsbegehren fest. M. Mit Vernehmlassung vom 13. März 2015 stellt der Regi erungsrat den Antrag, es sei die Beschwerde abzuweisen. N. Mit Präsidialverfügung vom 26. März 2015 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrates die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim K antonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgese tzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Be- schwerde gegeben. Der Beschwerdeführer ist vom angefocht enen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Vorausset- zungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können g emäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefocht enen Entscheids ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Strittig ist, ob die Nichtverlängerung der Aufentha ltsbewilligung und die damit verbun- dene Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht erfolgten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Das AfM führte in seiner Verfügung vom 23. April 2014 aus, dass gegen den Be- schwerdeführer Betreibungen in der Höhe von Fr. 537'5 76.39 und offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 267'252.85 vorliegen würden. Der Beschwe rdeführer habe sein Verhalten bezüg- lich seiner Finanzen auch nach den Ermahnungen und Verw arnungen des AfM in gleicher Wei- se fortgesetzt und weiter mutwillig Schulden angehäuft , ohne sich um eine Schuldensanierung zu bemühen. Angesichts der Höhe der Schulden und der U ntätigkeit des Beschwerdeführers sei von einem schwerwiegenden Verstoss gegen die öffentli che Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 62 lit. c des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) vom 16. Dezember 2005 auszugehen. Hinzu komme, dass der Besch werdeführer in den vergange- nen Jahren immer wieder strafrechtlich in Erscheinung ge treten sei. Dem Beschwerdeführer stehe kein Aufenthaltsanspruch gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Men- schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 1950 zu. Zwar verfüge sein Sohn über die Niederlassungsbewilligung. Allerdings könne d er Beschwerdeführer die Beziehung zu seinem Sohn auch von seinem Heimatland Serbien aus wahr nehmen und sein Verhalten in der Schweiz sei nicht klaglos gewesen, wie es für die Begründu ng eines Aufenthaltsanspruchs nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK vorausgesetzt sei. In Würdig ung der gesamten Umstände überwiege das Interesse der Öffentlichkeit an einer Wegweisung d es Beschwerdeführers dessen private Interessen und die Wegweisung erweise sich als verhältnismässig und angemessen. 4.2 Der Regierungsrat erwog im angefochtenen Entscheid, dass der Beschwerdeführer seit 2003 insgesamt fünf strafrechtliche Veurteilungen erwirkt habe. Ausserdem sei er seit April 2004 seinen öffentlich- und privatrechtlichen finanziel len Verpflichtungen nicht nachgekommen. Am 6. Juni 2006 habe ihn das AfM wegen seiner Schulden ein erstes Mal verwarnt. Seit dieser Verwarnung hätten seine Schulden weiter massiv und stet ig zugenommen. Mittlerweile lägen gegen ihn 58 Verlustscheine in der Höhe von Fr. 286'1 47.--, 48 offene Verlustscheine in der Höhe von Fr. 232'121.-- und 122 Betreibungen im Gesamtbetrag von rund Fr. 506'420.-- (Stand: 4. November 2014) vor. Die Umstände liessen auf eine be denkliche Gleichgültigkeit des Be- schwerdeführers gegenüber dem massiven Anstieg seiner Sch ulden schliessen. Dabei sei ihm nicht einzig ein nachlässiger ("liederlicher") Umgang mit den finanziellen Mitteln vorzuwerfen, sondern der Beschwerdeführer habe trotz Verwarnungen d urch das AfM über Jahre keinen er- kennbaren Willen gezeigt, seine finanzielle Situation ernsthaft in den Griff zu bekommen und eine Schuldensanierung anzustreben. Im jahrelangen Fest halten an einer selbständigen Er- werbstätigkeit, welche nicht genügend Einkommen für den gewählten Lebensstandard generie- re, sei auf eine vorsätzliche Misswirtschaft zu schliessen. Auch jetzt, wo der Beschwerdeführer in einem Angestelltenverhältnis stehe und ein Einkomme n von Fr. 4'538.75 netto erziele, wel- ches ihm ein Leben ohne Schuldenmachen ermöglichen sollte , würden die Betreibungen und Schulden zunehmen und der Beschwerdeführer habe keine n achhaltigen Anstrengungen zur Sanierung seiner finanziellen Situation unternommen. Er habe zudem bezüglich seines Ein- kommens widersprüchliche Angaben gemacht und dazu verschie dene Belege, jedoch keine entsprechenden Bankauszüge eingereicht. Namentlich varii ere sein Einkommen gemäss den Lohnabrechnungen für den Juni 2013 zwischen Fr. 4'050.- - und Fr. 5'308.-- brutto. Nach dem Gesagten müsse von einer mutwilligen Verschuldung ausgegangen werden. Der Regierungsrat komme wie auch das AfM zum Schluss, dass der Beschwerdeführ er den Widerrufsgrund von Art. 62 lit. c AuG gesetzt habe. Angesichts der enormen Schuldenwirtschaft des Beschwerde- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht führers, welche er über die letzten elf Jahre mutwilli g getätigt habe, sowie seiner Delinquenz müsse das öffentliche Interesse an einer Wegweisung des Be schwerdeführers als erheblich bezeichnet werden. 4.3.1 Gemäss Art. 62 lit. c AuG kann die Aufenthaltsbew illigung widerrufen bzw. nicht ver- längert werden, wenn der Ausländer erheblich oder wie derholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen ha t oder diese gefährdet oder die in- nere oder die äussere Sicherheit gefährdet. Ein Verst oss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist gemäss Art. 80 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Auf- enthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) unter anderem gegeben bei einer Missachtung gesetzlicher Vorschriften und behördlicher Verfügungen (lit. a) und bei mutwilliger Nichterfüllung der öffent- lich- oder privatrechtlichen Verpflichtungen (lit. b). 4.3.2 Schuldenwirtschaft vermag für sich allein den Wide rruf der Aufenthaltsbewilligung nicht zu rechtfertigen. Vielmehr bedarf es der qualifizierten Voraussetzung, dass die entsprechenden Pflichten mutwillig nicht erfüllt worden sind (Art. 80 Abs. 1 lit. b VZAE). Die Verschuldung muss demnach selbst verschuldet und qualifiziert vorwerfbar se in (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_997/2013 vom 21. Juli 2014 E. 2.2 mit Hinweisen). Soll das Gesetz eine ausgewogene An- wendung finden, rechtfertigt es sich, nicht leichthin vo n der Mutwilligkeit des Schuldenmachens auszugehen. Der ausländerrechtliche Bewilligungswiderruf ist nicht ein schuldbetreibungsrecht- liches Instrument zur Eintreibung bestehender Schulden. Eine Entfernung aus der Schweiz dürfte einerseits eher dazu führen, dass die Gläubiger faktisch keinerlei reelle Aussichten mehr hätten, für ihre Forderungen auch nur teilweise befr iedigt zu werden. Andererseits besteht bei einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz die Gefahr, dass hier weitere uneinbringliche Schul- den geäufnet werden (vgl. dazu Urteil des Bundesgericht s 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.3 mit Hinweisen). 4.3.3 Der Widerruf bzw. die Verweigerung der Bewilli gung rechtfertigt sich jeweils nur, wenn die im Einzelfall vorzunehmende Interessenabwägung die entsprechende Massnahme als ver- hältnismässig erscheinen lässt. Dabei sind die öffentliche n Interessen, die persönlichen Ver- hältnisse und der Grad der Integration der ausländische n Person zu berücksichtigen (Art. 96 Abs. 1 AuG; Urteil des Bundesgerichts 2C_877/2013 vom 3. Juli 2014 E. 3.1.2 mit Hinweisen). 4.3.4 Ist eine Massnahme begründet, aber den Umständen nicht angemessen, kann die be- troffene Person nach Art. 96 Abs. 2 AuG unter Androhung dieser Massnahme verwarnt werden. Wurde eine solche Verwarnung bereits ausgesprochen, kann dies bei einer Fortsetzung des fraglichen Fehlverhaltens zu einer definitiven Massnahme führen. Erforderlich ist dafür aber, dass keine wesentliche Besserung eintritt bzw. dass eben das vom Gesetz als unerwünscht erachtete Verhalten auch nach der Verwarnung fortgesetzt wird. Dabei muss ein Vergleich zwi- schen der Ausgangslage im Zeitpunkt der Androhung der M assnahme mit der aktuellen Situati- on, in der diese endgültig ergriffen werden soll, gezogen werden. Das frühere Verhalten ist zwar nicht unbedeutend; es vermag aber nicht für sich allein – abgesehen von den rechtlichen Vo- raussetzungen der Zulässigkeit eines Rückkommens auf eine V erfügung – die definitive Mass- nahme zu begründen. Das Fehlverhalten muss vielmehr an gedauert haben oder wiederholt Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht worden sein. Erforderlich ist mithin eine Gesamtbetracht ung unter Einschluss des früheren Fehlverhaltens; für einen Widerruf müssen nach einer allfälligen Verwarnung jedoch neue Ver- fehlungen dazu gekommen sein, welche die Wirkungslosigkeit der Androhung des Widerrufs belegen. Für den Fall der Schuldenwirtschaft als Wider rufsgrund bedeutet dies, dass die aus- ländische Person auch nach der Androhung ausländerrecht licher Folgen weiterhin mutwillig Schulden gemacht haben muss. Dabei ist zu berücksichtigen, d ass, wer einem betreibungs- rechtlichen Verwertungsverfahren, insbesondere der Loh npfändung, unterliegt, zum vornherein keine Möglichkeit hat, ausserhalb des Betreibungsverfahre ns Schulden zu tilgen. Das führt in solchen Fällen dazu, dass im Vergleich zu früher weitere Betreibungen hinzukommen können oder der betriebene Gesamtbetrag angewachsen sein kann, ohne dass allein deswegen Mutwil- ligkeit vorliegt. Es kommt vielmehr darauf an, welche Anst rengungen zur Sanierung unternom- men worden sind. Positiv wäre etwa zu würdigen, wenn v orbestandene Schulden abgebaut worden sein sollten; ein Widerruf wäre demgegenüber zu lässig, wenn in vorwerfbarer Weise weitere Schulden geäufnet worden wären (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_997/2013 vom 21. Juli 2014 E. 2.3, 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.4). 4.4.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen gelt end, dass der von den Vorinstanzen wiederholt behauptete Sozialhilfebezug nicht belegt s ei und die Nichtverlängerung der Aufent- haltsbewilligung nicht rechtfertigen könne. Im Weitere n führt der Beschwerdeführer – unter Verweis auf seine im vorinstanzlichen Verfahren eingereich te Beschwerdebegründung – aus, dass er einen massgeblichen Teil seiner Schulden seit lä ngerer Zeit zurückbezahlt habe und sich weiterhin aktiv und ernsthaft um eine weitere Schul dentilgung sowie eine Verbesserung seiner finanziellen Situation bemühe. Zudem reduziere sich der ursprünglich angeführte Schul- denbetrag um über Fr. 174'000.-- bzw. um über zwanzig Betreibungsforderungen, wenn man bei der Beurteilung der Schuldensituation lediglich di e aktuell unbeglichenen Forderungen als Grundlage nehme. Schliesslich sei aufgrund seiner persönl ichen Verhältnisse – namentlich mit Blick auf den Kontakt zu seinem Sohn – die angeordnete Wegweisung als unangemessen und unverhältnismässig zu qualifizieren. 4.4.2 In seiner Vernehmlassung macht der Regierungsrat im Wesentlichen geltend, dass die Sozialhilfeabhängigkeit im angefochtenen Entscheid nicht ausschlaggebend gewesen sei für die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des B eschwerdeführers. Der Beschwerdefüh- rer schreibe diesbezüglich an der Begründung des angefoch tenen Entscheids vorbei. Was die Schuldenwirtschaft des Beschwerdeführers anbelange, so seien in diesem Zusammenhang entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers nicht bloss die aktuell unbeglichenen, sondern alle Forderungen und Verlustscheine zu berücksicht igen. Gemäss dem angefochtenen Entscheid sei der Beschwerdeführer per 22. Oktober 2014 mit 122 Betreibungen in der Höhe von insgesamt Fr. 506'419.80 sowie 48 offenen Verlustsch einen in der Höhe von Fr. 232'121.-- verzeichnet gewesen. Per 12. März 2015 hätten 124 Betre ibungen in der Höhe von Fr. 506'096.14 und 53 offene Verlustscheine in der Hö he von Fr. 236'124.80 gegen den Be- schwerdeführer vorgelegen. Die Behauptung des Beschwer deführers, wonach er einen mass- geblichen Teil seiner Schulden seit längerer Zeit zurück bezahlt habe, sei nicht nachvollziehbar. Von einem namhaften Abbau der Schulden könne nicht die Rede sein. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.5.1 Im Verwaltungsverfahren und im Verwaltungsbesch werdeverfahren gilt der Grundsatz der Untersuchung des Sachverhalts von Amtes wegen (sog. U ntersuchungsmaxime). Dieser besagt, dass die Behörde von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des ent- scheidwesentlichen Sachverhalts besorgt sein muss und sich ni cht mit den Parteivorbringen begnügen darf. Die Sachverhaltsdarstellung und die Be weisanträge der Parteien binden die Behörde nicht. Sie kann und soll aus eigener Initiat ive fehlende Sachverhaltselemente ergän- zen und die Beweismittel vervollständigen (vgl. M ICHAEL PFEIFER , Der Untersuchungsgrundsatz und die Offizialmaxime im Verwaltungsverfahren, Basel u nd Stuttgart 1980, S. 82 ff.). Der Un- tersuchungsgrundsatz ist im basellandschaftlichen Recht für das verwaltungsinterne (Be- schwerde-)Verfahren in § 9 des Verwaltungsverfahrensges etzes Basel-Landschaft (VwVG BL) vom 13. Juni 1988 gewährleistet. 4.5.2 Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkun gspflicht der Parteien relativiert (vgl. RHINOW /K OLLER /KISS /T HURNHERR /B RÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht und Justizver- fassungsrecht des Bundes, Basel 2014, N 1208 ff.). Nach § 16 Abs. 1 VwVG BL sind die Par- teien verpflichtet, an der Ermittlung des Sachverhaltes mitzuwirken. Die Mitwirkungspflicht gilt vorab für solche Tatsachen, welche eine Partei besser ken nt als die Behörden und welche die- se ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht ohne vernün ftigen Aufwand erheben können (vgl. BGE 124 II 365 E. 2b). 4.5.3 Nach dem Gesagten ist es in erster Linie an der B ehörde, bezüglich einer ausländer- rechtlich relevanten Schuldenwirtschaft den Sachverhalt n äher zu ermitteln bzw. darzulegen, dass seit der letzten Verwarnung neue und qualifiziert vorwerfbare Schulden entstanden sind. Soweit es sich um Umstände handelt, welche nicht ohne M itwirkung des Betroffenen ermittelt werden können, ist letzterer jedenfalls im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Stellungnahme aufzufordern. Fest steht, dass einzig aus einer Zunahme der Verschuldung nicht automatisch auf eine mutwillige Neuverschuldung geschlossen werden darf (vgl. Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom 22. April 2015 [810 14 286] E. 5.3.4). 4.5.4 Aus den Entscheiden der Vorinstanzen geht nicht h ervor, wie sich die einzelnen Pos- ten der Schulden des Beschwerdeführers seit der Verwarnu ng vom 12. Juli 2012 konkret wei- terentwickelt haben bzw. worin die Ursache der neuen Bet reibungen und Verlustscheine liegt. Soweit der Regierungsrat aus dem jahrelangen Festhalte n des Beschwerdeführers an einer selbständigen Erwerbstätigkeit auf eine vorsätzliche Misswi rtschaft schliesst, ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer am 1. September 2012 – und d amit unmittelbar nach der Verwar- nung vom 12. Juli 2012 – eine unselbständige Erwerbstäti gkeit aufnahm. Namentlich auch vor diesem Hintergrund wäre vorliegend näher abzuklären ge wesen, ob bzw. in welchem Umfang es sich bei der Zunahme der Schuldenlast des Beschwerdefü hrers um Schulden handelt, wel- che durch den Beschwerdeführer nach der Verwarnung vom 12. Juli 2012 mutwillig verursacht wurden. Soweit die Vorinstanzen alleine aus dem Umstan d, dass die Schulden des Beschwer- deführers seit diesem Zeitpunkt angewachsen sind, auf M utwilligkeit des Schuldenmachens schliessen, genügt dies im vorliegenden Zusammenhang nicht und der Sachverhalt wurde inso- fern unzureichend abgeklärt. Auch der Beschwerdeführer vermag jedoch nicht nachzuweisen, Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass er nach seiner Verwarnung vom 12. Juli 2012 keine mutwillige Schuldenwirtschaft mehr betrieben hat. 4.5.5 Sind wichtige, entscheidrelevante Elemente des S achverhalts von den Vorinstanzen nicht bzw. nicht hinreichend abgeklärt worden (vgl. zu m Untersuchungsgrundsatz Ziffer 4.5.1 vorstehend), kann das Kantonsgericht eine Rückweisung vorn ehmen. Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich, auch zur Wahrung des Instanzenzugs, i n Gutheissung der Beschwerde den angefochtenen Entscheid aufzuheben und die Angelegenhe it zur weiteren Sachverhaltsabklä- rung und zu neuem Entscheid auf dieser Grundlage an da s AfM zurückzuweisen. Das AfM wird insbesondere abzuklären haben, ob der Beschwerdeführer na ch der Verwarnung vom 12. Juli 2012 neue Schulden verursacht hat und ob ihm dabei Mu twilligkeit vorzuwerfen ist, und es wird gestützt auf das Beweisergebnis eine Neubeurteilung bez üglich des Vorliegens eines Wider- rufsgrunds bzw. eine erneute Interessenabwägung vorzunehmen haben. 5.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das verwaltungsgerichtliche Verfahren vor dem Kantons- gericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen di e Gerichtsgebühren sowie die Be- weiskosten und werden nach § 20 Abs. 3 VPO in der Regel der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dementsprechend sind im vorlieg enden Verfahren keine Verfahrens- kosten zu erheben. 5.2 Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der obsiegenden Partei fü r den Beizug eines Anwalts eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden. En tsprechend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens ist dem Beschwerdeführer eine P arteientschädigung zulasten des Be- schwerdegegners zuzusprechen. Was deren Bemessung anbelang t, so ist festzustellen, dass die Beschwerdebegründung über weite Strecken Ausführun gen zur Frage des Sozialhilfebe- zugs des Beschwerdeführers enthält, welcher im vorinstanzl ichen Verfahren keine entscheid- wesentliche Bedeutung zukam. Der entsprechende Aufwand erweist sich als unnötig und ist bei der Bemessung der Parteientschädigung nicht zu berücksic htigen. Hinzu kommt, dass die im vorliegenden Verfahren eingereichte Beschwerdebegründu ng im Wesentlichen dieselben Aus- führungen enthält wie diejenige im vorinstanzlichen Ver fahren. Der in der Honorarnote vom 27. April 2015 geltend gemachte Aufwand von 12.75 St unden erweist sich vor diesem Hinter- grund als überhöht. Für das Verfahren vor Kantonsgericht erscheint eine Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 1'500.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) als angemessen. 5.3 Bezüglich der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Angelegenheit zum neu- en Entscheid an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Angele genheit zur Neubeur- teilung im Sinne der Erwägungen an das Amt für Migration des Kantons Basel-Landschaft zurückgewiesen. 2. Zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Ve rfahrens wird die Angelegenheit an den Regierungsrat des Kantons Basel-La ndschaft zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'100 .-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer für da s Verfahren vor Kantonsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe vo n Fr. 1'500.-- (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiber