Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 6. Januar 2015 (460 14 124) ___________________________________________________________________ Strafrecht Banden- und gewerbsmässiger Diebstahl etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.) , Richterin Susanne Afheldt, Richterin Helena Hess, Richter Pet er Tobler; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, 4132 Muttenz Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin gegen A.____ (gesicherte Identität [IP Georgien]: B.____, geb. X.Y.82), alias: X.____, Y.____, X.____ vertreten durch Advokat Dieter Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Banden- und gewerbsmässiger Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 14. Februar 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil vom 14. Februar 2014 erklärte die Fünfe rkammer des Strafgerichts Basel- Landschaft A.____ des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbe- schädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, der mehrfachen Fälschung von Auswei- sen, der mehrfachen Geldwäscherei, der rechtswidrig en Einreise und des rechtswidrigen Aufenthalts sowie des mehrfachen unbefugten Konsums von Betäubungsmitteln schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten, unter Anrechnung der vom 22. August 2012 bis zum 13. November 2013 a usgestandenen Untersuchungshaft von 449 Tagen sowie zu einer Busse von CHF 400. ‒ (Ziffer 1 des Urteilsdispositivs). Über- dies wurde in Ziffer 2 des Urteilsdispositivs festg estellt, dass sich der Beschuldigte seit dem 14. November 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befindet (Art. 236 StPO i.V.m. Art. 220 Abs. 2 StPO). Von den Vorwürfen des Diebstahls, teilweise versucht, der Sachbeschädigung sowie des Hausfriedensbruchs, teilweise versucht, in den Anklageziffern 1.1–1.4, 1.6 sowie 1.26, vom Vorwurf der mehrfachen Urkundenfälschung in der Anklageziffer 3 sowie vom Vorwurf der Sachbeschädigung in der Zusatzanklageschrift wu rde A.____ hingegen freigesprochen (Ziffer 3). Ferner wurde das Verfahren wegen mehrfa cher Widerhandlung gegen das Bun- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer ges tützt auf Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StPO in Beachtung des Prinzips "ne bis in idem" gem äss Art. 11 Abs. 1 StPO eingestellt, soweit es den Zeitraum zwischen dem 12. Juni 2012 und 14. Juni 2012 betrifft (Ziffer 4). Hin- sichtlich der Entscheide bezüglich des Beschlagnahm eguts sowie der Zivilforderungen kann an dieser Stelle auf die Ziffern 5–6 des vorinstanz lichen Urteilsdispositivs verwiesen werden. Schliesslich wurden die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 37‘745.20, den Kosten des Zwangsmassnahmeng erichts von CHF 4‘325. ‒ sowie der Gerichtsgebühr von CHF 15‘000. ‒, abzüglich der gemäss Ziffer 6 eingezogenen CHF 600. ‒, zu Lasten des Beschuldigten verlegt (Ziffer 7). D as Honorar der amtlichen Verteidi- gung in Höhe von CHF 22‘513.70 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) wurde unter Vorbe- halt der Rückzahlungsverpflichtung des Beschuldigte n nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet (Ziffer 8). B. Gegen dieses Urteil meldete Advokat Dieter Roth na mens und im Auftrag des Be- schuldigten am 3. März 2014 Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 10. Juni 2014 lies s der Berufungskläger Folgendes bean- tragen: "1. Es sei das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaf t vom 14. Februar 2014 teil- weise aufzuheben. 2. Nicht anzufechten sind die Freisprüche gemäss den Z iffern 3 und 4 des Urteils des Strafgerichts vom 14. Februar 2014. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Anerkannt und damit unangefochten bleiben die Schul dsprüche wegen mehrfa- chen einfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädig ung und mehrfachem Hausfriedensbruch in den Anklagepunkten 1.13 und 1.14. 4. Anzufechten sind demgegenüber insbesondere die Schuldsprüche in den weite- ren Anklagepunkten, die Verurteilung zu qualifizier tem banden- und gewerbs- mässigem Diebstahl, zu mehrfacher Fälschung von Aus weisen und zu mehrfa- cher Geldwäscherei. 5. Aufzuheben seien auch die Verurteilungen zur Leistu ng von Schadenersatz gemäss Ziffer 5.1 des angefochtenen Urteils. 6. Gemäss der Neubeurteilung in den angefochtenen Urte ilsziffern sei die Straf- zumessung neu vorzunehmen und eine Freiheitsstrafe von maximal 6 Monaten auszusprechen. 7. Für das bereits erfolgte und noch andauernde Übersi tzen sei dem Beschuldig- ten eine angemessene Haftentschädigung zuzusprechen. 8. Aufzuheben ist auch Ziffer 7 des angefochtenen Urte ils. Gemäss der Neubeur- teilung der Schuldsprüche und der Strafzumessung si nd die erstinstanzlichen Verfahrenskosten neu zu verlegen. 9. Unter o/e-Kostenfolge. Es sei dem Beschuldigten wei terhin die amtliche Vertei- digung mit dem Unterzeichneten als Advokaten zu bewilligen." C. Mit Eingabe vom 30. Juni 2014 erklärte die Staatsa nwaltschaft Basel-Landschaft an- schlussweise Berufung und stellte folgende Rechtsbegehren: "1. Es seien zusätzlich in den Fällen 1.1–1.4, 1.6 sowi e 1.26 der Anklageschrift Schuldsprüche gemäss Anklage auszufällen. 2. Es sei der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe vo n 6 Jahren und einer Busse von CHF 400.00 zu verurteilen. 3. Im Übrigen sei das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 14. Februar 2014 in Abweisung der Berufung des Beschuldigten vo llumfänglich zu bestäti- gen." D. Der Beschuldigte wiederholte mit Berufungsbegründu ng vom 15. August 2014 seine Rechtsbegehren gemäss Berufungserklärung vom 10. Juni 2014. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Ebenso hielt die Staatsanwaltschaft mit Begründung der Anschlussberufung vom 14. August 2014 an ihren Rechtsbegehren gemäss Erkl ärung der Anschlussberufung vom 30. Juni 2014 fest. F. In seiner Stellungnahme vom 20. Oktober 2014 zur A nschlussberufung der Staatsan- waltschaft begehrte der Berufungskläger Folgendes: "1. Es seien die Begehren der Staatsanwaltschaft in der Anschlussberufung vom 14. August 2014 vollumfänglich abzuweisen. 2. Es sei das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaf t vom 14. Februar 2014 teil- weise aufzuheben und gemäss den Anträgen des Berufungsklägers vom 10. Juni 2014 neu zu beurteilen. 3. Unter o/e-Kostenfolge. Es sei dem Beschuldigten wei terhin die amtliche Verteidi- gung mit dem Unterzeichneten als Advokaten zu bewilligen." G. Die Staatsanwaltschaft nahm in ihrer Eingabe vom 3 0. Oktober 2014 zur Berufungsbe- gründung des Beschuldigten Stellung. H. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügun gen des Kantonsgerichts, Abtei- lung Strafrecht, betrifft, so wurde dem Beschuldigt en mit Verfügung vom 11. Juni 2014 die amtliche Verteidigung mit Advokat Dieter Roth für d as Berufungsverfahren bewilligt. Über- dies wurde mit Verfügung vom 31. Oktober 2014 das U ntersuchungsgefängnis Arlesheim in Gutheissung des betreffenden Verfahrensantrags ange wiesen, dem Beschuldigten am 13. November 2014 die Teilnahme an der Trauerzeremo nie für seine verstorbene Mutter in Georgien per Skype-Video-Telefonie zu ermöglichen. Dabei musste mittels Überwachung sichergestellt werden, dass der Beschuldigte den Videoanruf mit Skype nicht für sachfremde Zwecke nutzt. I. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlu ng vom 5./6. Januar 2015 erschei- nen der Beschuldigte mit seinem amtlichen Verteidig er Dieter Roth, C.____ als Vertreterin der Staatsanwaltschaft sowie eine Dolmetscherin für Georgisch. Die Parteien halten an den bereits gestellten Anträgen fest. Auf die Aussagen des zur Sache und zur Person eingehend befragten Beschuldigten sowie die Parteivorträge wi rd, soweit erforderlich, nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht […] II. Materielles 1. Allgemeines […] 2. Banden- und gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfac he Sachbeschädigung und mehrfacher, teilweise versuchter Hausfriedensbruch 2.1 Zurechenbarkeit der Mobiltelefone mit den Numme rn 0XX XXX XX 57 sowie 0XX XXX XX 76 a) Bezüglich der nachfolgend zu beurteilenden Einbruch serie sind die beiden Mobiltelefon- nummern 0XX XXX XX 57 und 0XX XXX XX 76 von entsche idender Bedeutung, da diese jeweils an einem Antennenstandort nahe der betreffe nden Einbruchsobjekte registriert wer- den konnten. Die Verteidigung stellt sich auf den S tandpunkt, die vorerwähnten zwei Tele- fonnummern könnten dem Beschuldigten – im Gegensatz zur Auffassung der Staatsanwalt- schaft sowie der Vorderrichter – nicht mit hinreich ender Sicherheit zugeordnet werden. Telefonnummer 0XX XXX XX 57 b) Zunächst ist zu konstatieren, dass der Beschuldi gte anlässlich der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht seine bisherigen Aussagen bezüglich des Mobiltelefons Samsung GT-E1050 mit der Telefonnummer 0XX XXX XX 57 erheblich geändert hat: Im Untersuchungsverfahren sowie vor Strafgericht gab er zu Protokoll, es habe 3 typengleiche Telefongeräte gegeben, und alle, mit denen er zusammen gewesen sei, hätten diese benutzt, sodass es zu einer Verwechslung der Telefone gekommen sei (act. 2603 f .). Demgegenüber sagte der Beschul- digte vor Kantonsgericht aus, es sei nicht um 3 Tel efone gegangen und lediglich am letzten Tag vor seiner Verhaftung, somit am 22. August 2012 , sei es zu einer Verwechslung ge- kommen. Er selbst habe eine ganz anders lautende Te lefonnummer gehabt (Prot. KGer S. 11). Festzuhalten ist des Weiteren, dass anlässl ich seiner Festnahme vom 22. August 2012 im Hostel Bed&Breakfast BackPack Basel beim Beschuldigten das Mobiltelefon mit der Nummer 0XX XXX XX 57 beschlagnahmt werden konnte (a ct. 935, 1033), was bereits als gewichtiges Indiz für die Zuordnung dieser Nummer z u ihm zu werten ist. Überdies hat der Beschuldigte das betreffende Mobiltelefon bereits a m 2. August 2012 – somit einige Zeit vor seiner Verhaftung am 22. August 2012 – bei den beid en zugegebenen Einbrüchen an der X._____strasse 1 in Arlesheim (Ziffer 1.13 und 1.14 der Anklageschrift) auf sich getragen (act. 3805, 3923). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Am besagten Tag um 14:12 Uhr konnte die betreffende Nummer am X._____weg 10 in Ar- lesheim und damit in der Nähe des Tatorts lokalisie rt werden (act. 3807, 3925). Des Weite- ren ergibt sich aufgrund der Auswertung der gespeic herten Kurznachrichten, dass zwischen der Rufnummer 0XX XXX XX 57 und der österreichische n Nummer 00XX XXX XX XX 08 zu jeder Tages- und Nachtzeit teilweise sehr intime Na chrichten ausgetauscht wurden (vgl. act. 1033–1039). Im Zeitraum vom 21. Juli 2012 bis zum 2 2. August 2012 fanden zwischen den beiden Rufnummern insgesamt 707 registrierte Kontak te statt (act. 1627), weswegen auf eine sehr enge Beziehung zwischen den Inhabern der betreffenden Rufnummern zu schlies- sen ist. Der Beschuldigte hat mit E.____, welche in Österreich wohnhaft ist, den gemeinsamen Sohn D.____ (geboren am 28. September 2011). Der Name de s Sohnes erscheint in den ausge- werteten Kurznachrichten mehrfach (vgl. z.B. act. 1 035 und 1037), weswegen das Gericht davon überzeugt ist, dass E.____ Benutzerin der öst erreichischen Nummer 00XX XXX XX XX 08 war. Überdies haben Abklärungen bei Interpol Georgien er geben, dass es sich beim Beschuldig- ten in Wahrheit um B.____, geboren am X. Y. 1982, h andelt (act. 167). Hierzu passt, dass der Beschuldigte in mehreren sehr intimen SMS seite ns seiner in Österreich wohnhaften Freundin E.____ mit „Mi“ angesprochen wurde (vgl. a ct. 1033 f.). Dabei dürfte es sich um die beiden ersten Buchstaben seines korrekten Vornamens „F.____“ handeln. Schliesslich gilt es in diesem Zusammenhang zu beachten, dass dem Beschu ldigten im Oktober 2013 von Sei- ten des in Sissach inhaftierten G.____ ein in georg ischer Sprache verfasster Brief zugestellt wurde, welcher mit „H.____“ adressiert war (act. 35 6.13 ff.). Gemäss Aussage der Dolmet- scherin ist „H.____“ im Georgischen die Abkürzung f ür F.____ (act. 356.17). Nur unter Be- rücksichtigung der wahren Identität des Beschuldigt en ergibt die betreffende Adressierung einen Sinn. In Würdigung all dieser dargelegten Aspekte hegt di e strafrechtliche Abteilung des Kantons- gerichts mit der Vorinstanz keine Zweifel an der Zu ordnung der Telefonnummer 0XX XXX XX 57 zum Beschuldigten als deren ständiger und ausschliesslicher Benutzer. Telefonnummer 0XX XXX XX 76 c) Bezüglich der Rufnummer 0XX XXX XX 76 gab der Be schuldigte vor Strafgericht zu Pro- tokoll, er habe das betreffende Mobiltelefon, welch es sich in seinem Rucksack befunden habe, von einem „I.____“ erhalten und diesem dafür CHF 50. ‒ gegeben. Mit dem sich eben- falls im Rucksack befindlichen Einbruchswerkzeug ha be er vorgehabt, einen Diebstahl zu begehen, um eine Anwaltskonsultation bezahlen zu kö nnen (act. 6005). Das betreffende Mobiltelefon habe er am 14. [Juni 2012] erhalten (a ct. 6007). Vor den Schranken des Kan- tonsgerichts erklärte der Beschuldigte demgegenüber , eine ihm unbekannte Person habe Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihm eine Tasche mit Einbruchswerkzeugen und einem H andy überreicht, welche er noch am gleichen Tag hätte zurückgeben sollen (vgl. Prot. KGer S. 12 f.). d) Der Beschuldigte trug das Mobiltelefon mit der R ufnummer 0XX XXX XX 76 bei seiner vorübergehenden Festnahme durch die Kantonspolizei Basel-Stadt am 14. Juni 2012 im Bahnhof Basel SBB auf sich (act. 2121). Überdies be fand sich im Rucksack des Beschuldig- ten Einbruchswerkzeug (act. 2119). Im Zeitraum vom 11. Mai 2012 bis zum 20. Juni 2012 fanden zwischen den Rufnummern 0XX XXX XX 76 und 00 XX XXX XXX XX 44, welche in Österreich eingelöst wurde, insgesamt 718 Kontakte, das heisst durchschnittlich 17.5 Kon- takte pro Tag, statt (act. 1629). Vom 23. Mai 2012 bis zum 26. Mai 2012 kommunizierten die Rufnummern 0XX XXX XX 76 und 00XX XXX XX XX 08 insg esamt 40 Mal miteinander, was einen Tagesdurchschnitt von 10 Kontakten ergibt (ac t. 1629). Es wurde bereits beweis- mässig festgehalten, dass die Rufnummer 00XX XXX XX XX 08 von der Partnerin des Be- schuldigten, E.____, verwendet worden ist (vgl. obe nstehend II. 2.1 b). Zudem war die Ruf- nummer 0XX XXX XX 76 während der Betriebsdauer unte r anderem in regem Kontakt mit der Nummer 0XX XXX XX 78, welche eindeutig dem Brud er des Beschuldigten, F.____, zu- zuschreiben ist, der am 14. Juni 2012 gemeinsam mit dem Beschuldigten in Basel kontrolliert worden war und das Mobiltelefon mit der erwähnten R ufnummer bei sich trug (0XX XXX XX 78; act. 2123). Die beiden Rufnummern unterscheiden sich nur in der letzten Zahl voneinan- der, was dafür spricht, dass diese Nummern in naher zeitlicher Abfolge – vermutungsweise gemeinsam – eingelöst wurden, wobei sich bei der Ei nlösung beim gleichen Anbieter wohl eine andere Nummer dazwischen geschoben hat. Aufgrund dieser Umstände erscheint es als ausgeschl ossen, dass das Mobiltelefon mit der Nummer 0XX XXX XX 76 dem Beschuldigten von einer unbekannten Person bzw. von einem „I.____“ in Basel am 14. Juni 2012 überreicht wurde , und er es nur gerade einen Tag lang besass. Diese Aussagen erweisen sich vielmehr als v öllig unglaubwürdige Schutzbehaup- tungen. e) Demnach ist in Übereinstimmung mit dem Strafgeri cht als erstellt zu erachten, dass die Mobiltelefone mit den Rufnummern 0XX XXX XX 76 sowi e 0XX XXX XX 57 eindeutig dem Beschuldigten zuzuordnen sind und dieser deren ständiger Besitzer bzw. Benutzer war. 2.2. Die angefochtenen Einbruchdiebstähle im Einzel nen 2.2.1 Ziffer 1.1 der Anklageschrift: Diebstahl, Sa chbeschädigung und Hausfriedens- bruch zum Nachteil von G.____ a) Unter Ziffer 1.1 der Anklageschrift wird dem Bes chuldigten vorgeworfen, in der Zeit zwi- schen Mittwoch, 23. Mai 2012, 09:00 Uhr, und Montag , 28. Mai 2012, ca. 15:00 Uhr, zu- sammen mit mindestens einer weiteren, unbekannt geb liebenen Person in Basel an der Y.____strasse 21 zum Nachteil von G.____ in die dor tige Liegenschaft eingebrochen zu sein. In diesem Anklagepunkt wurde der Beschuldigte von der Vorinstanz vom Vorwurf des Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Diebstahls, der Sachbeschädigung sowie des Hausfrie densbruchs freigesprochen. Das Strafgericht erwog im Wesentlichen, zwar stehe aufgrund der Ortung der dem Beschuldigten zuzurechnenden Rufnummer 0XX XXX XX 76 fest, dass s ich dieser am 25. Mai 2012 um 15:42:55 Uhr an der Z.____strasse 10 in Basel und s omit in unmittelbarer Nähe zum Tatort aufgehalten habe. Da allerdings weitere Beweise ode r Indizien für die Täterschaft des Be- schuldigten fehlten, es sich überdies um ein grosses Tatzeitfenster von über 5 Tagen handle und eingedenk des Umstandes, dass der Beschuldigte seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Basel gehabt habe, könnten die Zweifel an der Täter schaft des Beschuldigten nicht mit ge- nügender Sicherheit ausgeräumt werden. In Beachtung des Grundsatzes "in dubio pro reo" habe der Sachverhalt gemäss Anklageschrift als nicht erstellt zu gelten. b) Die Staatsanwaltschaft hat gegen diesen Freispru ch Anschlussberufung erhoben. Sie macht im Wesentlichen geltend, das Bewegungsprofil des Beschuldigten, seine zahlreichen Telefonkontakte im Tatzeitraum sowie das Vorgehensm uster sprächen klar für eine Täter- schaft des Beschuldigten. c) Demgegenüber hält der Beschuldigte die Erwägunge n des Strafgerichts im erstinstanzli- chen Urteil für zutreffend. Es genüge nicht für den Beweis der Begehung einer Straftat, wenn eine Rufnummer, welche einem Beschuldigten zugeordn et werde, innerhalb von mehreren Tagen der möglichen Deliktsbegehung einmal in der N ähe des fraglichen Tatorts eingeloggt gewesen sei. Zudem bestünden keinerlei konkrete Tatspuren wie Fingerabdrücke oder DNA- Material. Schliesslich könne die Tatsache, dass ein Einbruch nach dem Vorgehensmuster „Schlosszylinder-Abbrechen“ begangen worden sei, eb enfalls nicht zum rechtsgenüglichen Beweis für eine Täterschaft des Beschuldigten angeführt werden. d) Aus den Ergebnissen der Telefonüberwachung der d em Beschuldigten zuzuordnenden Rufnummer 0XX XXX XX 76 ergibt sich, dass sich dies er am 25. Mai 2012 von seinem ge- wöhnlichen Aufenthaltsort in Basel (Hostel H.____, W.____strasse 1, Nähe V.____strasse) in Richtung Y.____strasse 21 (Antennenstandorte Z._ ___strasse 10 und U.____strasse 45) bewegt hat (act. 1665). Um 15:42:55 Uhr befand sich der Beschuldigte an der Z.____strasse 10 in Basel und somit in unmittelbarer Nähe zum Tat ort (act. 1665). Überdies ist der vorlie- gende Fall im Zusammenhang mit dem Fall 1.2 der Ank lageschrift zu sehen, in welchem der Beschuldigte – ebenfalls am 25. Mai 2012 – zwischen 17:32:22 und 17:51:06 Uhr an der T.____strasse 55 und an der S.____strasse 138 in Ba sel geortet werden konnte (act. 1665). Ferner ist festzustellen, dass sich die Täterschaft an diesen beiden Tatorten mittels der glei- chen Vorgehensweise („Schlosszylinder-Abbrechen“) Z ugang zu den betreffenden Liegen- schaften verschaffte. Diese spezifisch angewendete Einbruchmethode wurde in allen übrigen dem Beschuldigten zur Last gelegten und den beiden von ihm eingestandenen Fällen ange- wendet, was ein zusätzliches Indiz für eine Täterschaft des Beschuldigten darstellt. Des Wei- teren ist zu konstatieren, dass die betreffenden Ei nbrüche in Mehrfamilienhäuser zu Tages- zeiten stattfanden, was ebenfalls dem Vorgehen des Beschuldigten in der gesamten Ein- bruchserie mit einer einzigen Ausnahme (Ziffer 1.20 der Anklageschrift) entspricht. Schliess- lich hatte der Beschuldigte mit seiner Rufnummer 0X X XXX XX 76 zur Tatzeit am 25. Mai Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2012 um 17:32 Uhr Kontakt zur österreichischen Numm er 00XX XXX XXX XX 08. Ebenso hatte er mit dieser Rufnummer um 15:24 Uhr Kontakt, also kurz bevor seine Rufnummer um 15:42 Uhr an der Z.____strasse 10 in der Nähe zum Tatort an der Y.____strasse 21 in Basel registriert werden konnte (act. 1665). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Beschuldig te in den Tatzeiträumen jeweils rege per Telefon kommunizierte, unter anderem auch mit seinem Bruder F.____ (vgl. act. 1665, 1677, 1741, 1469). Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausführte, ist davon auszugehen, dass diese während eines Einbruchs geführten Telefongesp räche offensichtlich in irgendeiner Weise im Zusammenhang mit der Tatausführung stehen müssen (vgl. hierzu Urteil der Vorinstanz, S. 79 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das Vorbringen des Beschuldigten, wonach keinerlei konkrete Tatspuren wie Fingerab- drücke oder DNA-Material vorliegen würden, vermag i hn nicht entscheidend zu entlasten, denn auch im vom Beschuldigten eingestandenen Fall 1.14 fanden sich keinerlei DNA- Spuren. Solche konnten mit Ausnahme von Ziffer 1.13 der Anklageschrift an keinem Tatort sichergestellt werden. Dieser Umstand weist auf ein weitgehend profihaftes Vorgehen und fundiertes Wissen um Spurenverhinderung hin, verunmöglicht jedoch eine Verurteilung nicht, wenn – wie im vorliegenden Fall – derart zahlreiche Anhaltspunkte für die Täterschaft des Beschuldigten sprechen. Werden die vorhandenen Indizien in ihrer Gesamtheit gewürdigt, sind nach Überzeugung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts jegliche relevanten Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten ausgeschlossen. Beweismässig ist daher festzustellen, dass der Be- schuldigte entweder selber in die Liegenschaft Y.__ __strasse 21 eindrang oder draussen Wache hielt, um den Einbruch abzusichern, wobei kei ne der beiden Beteiligungsformen als unwahrscheinlich ausgeschlossen werden kann. Der erbeutete Deliktswert ist mit CHF 100. ‒ zu beziffern (act. 3129). e) Des Diebstahls nach Art. 139 Ziffer 1 StGB macht si ch strafbar, wer jemandem eine frem- de bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrecht- mässig zu bereichern. Gemäss Art. 186 StGB macht sich auf Antrag unter anderem strafbar, wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abge- schlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmitte lbar zu einem Hause gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder Garten oder in einen We rkplatz unrechtmässig eindringt. Der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB macht sich auf Antrag schuldig, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- od er Nutzniessungsrecht besteht, be- schädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. Beim Ein bruchdiebstahl stehen die Sachbeschä- digung (Art. 144 StGB) sowie der Hausfriedensbruch (Art. 186 StGB) in echter Konkurrenz zum Diebstahl (Art. 139 StGB). Dies gilt jedenfalls für die Begehung des Grundtatbestandes nach Art. 139 Ziffer 1 StGB sowie für die Qualifika tionen ausser derjenigen nach Art. 139 Ziffer 3 Abs. 4 StGB, welche in casu nicht vorliegt (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /CHRISTOF RIEDO , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 139 N 229 mit Hinweisen). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung o der Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tätern zusamm enwirkt, sodass er als Hauptbetei- ligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Ta tbeitrag nach den Umständen des kon- kreten Falles und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat gen ügt zur Begründung von Mittäterschaft jedoch nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei der En tschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwirken. Dem einen Täter sind die vom anderen im Rahmen des gemeinsamen Plans verübten Taten auch dann zuzurech nen, wenn er selber im betreffen- den Ausführungsstadium nicht mehr Mitinhaber der Tatherrschaft ist, sofern eine enge, zeitli- che, räumliche und sachliche Beziehung zwischen den gemeinsam vorgenommenen Tat- handlungen und dem eingetroffenen Erfolg zu bejahen ist (BGE 108 IV 92 ff.; M ARC FORSTER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 24 N 8 ). Bei Mittäterschaft gibt es demnach keine Beschränkung der Haftung auf die "eig enen" kausalen Tatbeiträge. In sub- jektiver Hinsicht setzt Mittäterschaft Vorsatz und einen gemeinsamen Tatentschluss voraus. Der gemeinsame Tatentschluss braucht nicht ausdrück lich zu sein, er kann auch bloss kon- kludent begründet werden, wobei Eventualvorsatz gen ügt (BGE 130 IV 58 ff.; 125 IV 134 ff.; BGE 126 IV 84, 88; MARC FORSTER , a.a.O., Art. 24 N 12). Aufgrund des Beweisergebnisses ist "in dubio pro re o" davon auszugehen, dass der Be- schuldigte zumindest ausserhalb der Liegenschaft "S chmiere" gestanden hat. Zu prüfen ist somit, ob er durch dieses Verhalten die angeklagten Tatbestände erfüllt hat. Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass ein „ Schmierestehen“ des Beschuldigten nicht bloss Gehilfenschaft, sondern vielmehr Mittäterscha ft begründet. Die betreffenden theoreti- schen Ausführungen zu Ziffer 1.5 der Anklageschrift treffen vollumfänglich in analoger Weise auf den vorliegenden Fall zu, sodass darauf verwies en werden kann (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 49–51). Hiervon ausgehend erscheint es in casu als erstellt, dass der Be- schuldigte bei der Ausführung des Diebstahls eine m assgebliche Rolle übernommen hat, indem er zumindest vor dem Einbruchsobjekt Wache hi elt. Die Entwendung des Diebesguts gemäss Anklageschrift ist ihm in vollem Umfang zure chenbar. Somit hat der Beschuldigte den Tatbestand des einfachen Diebstahls in objektiv er Hinsicht erfüllt. Er handelte zudem vorsätzlich und mit Bereicherungsabsicht, weswegen er bezüglich Ziffer 1.1 der Anklage- schrift wegen Diebstahls schuldig zu sprechen ist. Bezüglich der Antragsdelikte des Hausfriedensbruchs bzw. der Sachbeschädigung liegt ein rechtsgültiger Strafantrag vor (act. 3147). Der Bes chuldigte drang entweder selbst oder allenfalls sein Mittäter in die Liegenschaft an der Y.____strasse 21 ein. In jedem Falle ist dem Beschuldigten das Eindringen in die betreffende Liegenschaft und somit die Verletzung des Hausrechts von G.____ über die Regeln der Mittäterschaft zurechenbar. Der Tatbestand des Hausfriedensbruchs ist in objektiver und subjek tiver Hinsicht erfüllt. Des Weiteren erfüllt das dem Beschuldigten nachgewiesene Verhalten den T atbestand der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. Durch das Abbrec hen des Schlosszylinders und des Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schliessblechs bzw. des Langschilds entstand ein Sa chschaden in der Höhe von CHF 961.05 (act. 3157 ff.). Der Beschuldigte hat sich demnach hinsichtlich Ziff er 1.1 der Anklageschrift des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 1 StGB, der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB sowie des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB schuldig gemacht. 2.2.2 –2.2.8 […] 2.2.9 Zwischenfazit Zusammenfassend ist aufgrund der obigen Erwägungen hinsichtlich der Einbruchdiebstähle festzuhalten, dass der Beschuldigte in teilweiser G utheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft und in vollumfänglicher Abweisun g der Berufung des Beschuldigten im Vergleich mit dem Urteil der Vorinstanz zusätzlich hinsichtlich der Ziffern 1.1 und 1.6 der An- klageschrift wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs sowie bezüglich der Ziffer 1.2 der Anklageschrift wegen versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung und ver- suchten Hausfriedensbruchs schuldig zu sprechen ist . Von den insgesamt 27 angeklagten Einbruchdiebstählen ist der Beschuldigte somit ledi glich hinsichtlich der Anklageziffern 1.3, 1.4 sowie 1.26 freizusprechen. 2.3 Gewerbsmässigkeit a) Zu prüfen ist des Weiteren der Vorwurf des gewer bsmässigen Handels, welchen die Vor- derrichter bejahten. b) Die Einwände des Beschuldigten hinsichtlich der Gewerbsmässigkeit haben sich aller- dings vorliegend insofern weitgehend erübrigt, als sie auf der Prämisse fussen, er habe le- diglich die eingestandenen zwei Delikte gemäss den Ziffern 1.13 und 1.14 der Anklageschrift begangen. c) Nach Art. 139 Ziffer 2 StGB liegt eine qualifizi erte Form des Diebstahls vor, wenn der Tä- ter gewerbsmässig stiehlt. Gewerbsmässigkeit ist an zunehmen, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die der Täter für die deliktische Täti gkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Ein- zelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraumes sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkei t nach der Art eines Berufs ausübt (BGE 119 IV 132 f., E. 3a; M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , Basler Kommentar, Schweizerisches Strafrecht, 3. Aufl. 2013, Art. 139 N 89, mit weiteren Hinweisen). Ge- werbsmässigkeit setzt laut Bundesgericht ein Dreifa ches voraus: Sie kann zunächst nur dann angenommen werden, wenn der Täter mehrfach delinquiert hat. Ferner muss der Täter in der Absicht handeln, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, und er muss zur Verübung einer Vielzahl von Delikten der fraglichen Art bereit sei n. Bei der Absicht, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, muss das Bestreben erkennbar sein, aus der deliktischen Tätigkeit mit einer ge- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht wissen Regelmässigkeit Einkünfte zu erzielen, die g eeignet sind, einen namhaften Teil der Lebenskosten zu decken. Die Bereitschaft zur Verübu ng einer Vielzahl von Delikten kann auch aufgrund einer plausiblen Prognose beurteilt w erden. Dabei sind unter anderem die Häufigkeit der verübten Delikte, die dafür eingeset zten Mittel und der dabei erzielte Delikts- betrag zu berücksichtigen. Eine Bereitschaft liegt vor, wenn der Täter den entsprechenden Tatbestand mit einer gewissen Regelmässigkeit zu erfüllen gedenkt. Gemäss höchstrichterli- cher Rechtsprechung ist dabei nicht vorausgesetzt, dass die deliktische Tätigkeit die einzige oder auch nur die hauptsächliche Einnahmenquelle des Täters bildet, es genügt vielmehr ein „Nebenerwerb“ (M ARCEL ALEXANDER NIGGLI /C HRISTOF RIEDO , a.a.O., Art. 139 N 84 ff. mit diversen Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). d) In Anbetracht der 24 begangenen Einbruchdiebstäh le respektive Versuchen hierzu ist die Voraussetzung der Bereitschaft mehrfach zu delinqui eren vorliegend offensichtlich erfüllt. Der gesamte Deliktswert beläuft sich inklusive der neu hinzutretenden Delikte auf CHF 139‘280. ‒ (statt CHF 120‘000. ‒ gemäss dem Urteil der Vorinstanz). Der bereits in Österreich und in anderen Ländern mehrfach einschlägig vorbestrafte Beschuldigte (act. 199 f., 245 f., 255 f., 265 ff., 313) hatte in der Schw eiz als abgewiesener Asylbewerber keine Möglichkeit, einer legalen Erwerbstätigkeit nachzug ehen und verfügte auch nicht über Ver- mögen. Er nutzte seinen Aufenthalt in der Schweiz z ur Begehung einer Vielzahl von Ein- bruchdiebstählen. Durch die Verübung derselben bzw. aufgrund des Deliktserlöses war es dem Beschuldigten nicht nur möglich, für seinen eig enen Lebensunterhalt aufzukommen, sondern auch seine in Österreich lebende Freundin E.____ und seinen Sohn D.____ finanzi- ell zu unterstützen, für sich und weitere Personen Hotelunterkünfte zu bezahlen und an di- verse Personen im Ausland höhere Geldbeträge zu übe rweisen (act. 1179.3, 1179.4, 4879– 4911). Überdies bezog der Beschuldigte während sein es Aufenthaltes in der Schweiz Hero- in, Kokain und Methadon, was ebenfalls auf nicht un erhebliche Geldquellen schliessen lässt. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass er den Del iktserlös mit Mittätern teilen musste, ist offensichtlich, dass dieser mindestens einen be deutenden Beitrag an seine Lebenshal- tungskosten bildete. Somit ist in casu die Qualifik ation der Gewerbsmässigkeit klarerweise zu bejahen und das Urteil des Strafgerichts in diesem Punkt zu bestätigen. 2.4 Bandenmässigkeit a) Sodann wendet sich die Verteidigung gegen den vorin stanzlichen Schuldspruch hinsicht- lich der bandenmässigen Tatbegehung im Hinblick auf sämtliche Diebstähle und bringt dies- bezüglich vor, es sei nie eine konkrete Person erwiesenermassen als Mittäter auch nur eines Anklagepunktes in vorliegender Sache festgestellt w orden. Es könne nicht einzig aufgrund gerichtsnotorischer Feststellungen angenommen werde n, dass der Beschuldigte banden- mässig gehandelt habe. Des Weiteren liessen sich ge nügend Beispiele finden, bei welchen Einbrecher sehr wohl alleine unterwegs gewesen seie n. Schliesslich könne weder aus der Feststellung, dass der Beschuldigte zu gewissen Zei ten mit anderen telefoniert habe, noch aus der Tatsache, dass er sich manchmal nicht allei ne in einem Hotel aufgehalten habe, auf eine bandenmässige Begehung konkreter Taten geschlossen werden. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) Art. 139 Ziffer 3 StGB erfasst als Qualifikation des Diebstahls die Taten, die vom Mitglied einer Bande begangen werden, die sich zur fortgeset zten Verübung von Raub oder Dieb- stahl zusammengefunden hat. Gemäss konstanter Recht sprechung des Bundesgerichts ist Bandenmässigkeit anzunehmen, wenn sich mindestens z wei Täter mit dem ausdrücklich oder konkludent geäusserten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbständiger, im Einzelnen möglicherweise noch unb estimmter Delikte zusammenzuwirken (BGE 132 IV 132, 137 m.w.H.). Stehlen als Mitglied einer Bande ist als besonders gefährlich zu qualifizieren, "weil der Zusammenschluss zur for tgesetzten Verübung von Raub oder Diebstahl die Täter psychisch und physisch stärkt" (BGE 78 IV 233, 72 IV 113). Durch den Zusammenschluss binden sich die Mitglieder auch an die verbrecherischen Ziele und er- schweren sich gegenseitig die Umkehr. Dabei muss de r Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung einer Mehrzahl von Delikten gerichtet sein . Auch das Qualifikationsmerkmal der Bande setzt gewisse Mindestansätze einer Organisati on (etwa Rollen- oder Arbeitsteilung) und eine Intensität des Zusammenwirkens in einem Ma sse voraus, dass von einem stabilen Team gesprochen werden kann, auch wenn dieses allen falls nur kurzlebig ist (BGE 124 IV 86, E. 2b und 286, E. 2a; 122 IV 265, E. 2b). c) Das Strafgericht hat sich mit der Frage der Band enmässigkeit einlässlich auseinanderge- setzt und das Verhalten des Beschuldigten korrekt g ewürdigt, sodass vorab auf die zu- treffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werd en kann (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 79–81; Art. 82 Abs. 4 StPO). Hierbei wurde durch die Vorinstanz eine Mehrzahl konkreter Indizien (S. 79 f., Ziffer 3–7) aufgezeigt, die in ihrer Gesamtheit jeden vernünftigen Zweifel an der Zugehörigkeit des Beschuldigten zu einer Bande, die sich zur fortgesetzten Verübung von Diebstahl zusammengefunden und solche (Einbruch-)Diebstähle in einer grossen Anzahl begangen hatte, ausschliessen. Hervorzuheben ist hierbei einerseits die generelle Feststellung, dass eine derart grosse An- zahl von Einbrüchen in Wohnungen von Mehrfamilienhäusern zu Tageszeiten (insgesamt 24 Einbruchdiebstähle in einem Zeitraum von weniger al s 3 Monaten), welche alle nach dem- selben modus operandi ausgeführt wurden, kaum von e inem Alleintäter begangen werden könnten, da das Risiko, hierbei von unerwartet auft auchenden Drittpersonen überrascht zu werden, viel zu hoch wäre. Gerade auch in Anbetrach t der teilweise äusserst kurzen Tatzeit- räume erscheint es schlechterdings als ausgeschlossen, dass der Beschuldigte alleine agier- te (vgl. etwa die Anklageziffer 1.5: zwischen ca. 1 3:00 Uhr und 14:30 Uhr; Anklageziffern 1.13 und 1.14: zwischen 14:00 Uhr und 14:15 Uhr; An klageziffer 1.15: zwischen 16:45 Uhr und 17:30 Uhr; Anklageziffer 1.23: zwischen 12:55 Uhr und 14:00 Uhr). Das vom Beschuldig- ten in sämtlichen Fällen gewählte Tatvorgehen setzt überdies zur erfolgreichen Ausführung zwangsläufig einen hohen Organisationsgrad mit eine r klar definierten Rollenvertei- lung voraus. Aus diesem Umstand sowie der hohen Anz ahl an begangenen Einbruchdieb- stählen drängt sich überdies der Schluss auf, dass der Beschuldigte nicht jedes Mal einen neuen Mittäter rekrutiert haben konnte, sondern imm er wieder mit denselben routinierten Bandenmitgliedern Einbruchdiebstähle beging. Danebe n erhellt aus den während den Tat- zeiträumen vorhandenen telefonischen Kontakte mit t eilweise denselben Nummern (unter Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht anderem jener seines Bruders F.____) vor und nach e inem Einbruchdiebstahl, dass der Be- schuldigte auf seinen Einbruchstouren immer wieder mit denselben Mittätern delinquiert hat. Es ist nicht erforderlich, dass die Identität der ü brigen Bandenmitglieder namentlich bekannt ist, sofern sich das gemeinsame Handeln – wie in ca su – aus den übrigen Tatumständen zweifelsfrei ergibt. Allerdings ist die strafrechtl iche Abteilung des Kantonsgerichts überzeugt, dass der Beschuldigte mit seinem Bruder F.____ ein stabiles Team bildete. Der Beschuldigte kommunizierte mit der seinem Bruder zuzuordnenden N ummer 0XX XXX XX 78 in den Fäl- len 1.4, 1.5, 1.11, 1.13 und 1.15 (vgl. act. 1665, 1677, 1741, 1469) jeweils mehrfach in den betreffenden Tatzeiträumen. Überdies wurden die bei den am 14. Juni 2012 in Basel ange- halten, wobei der Beschuldigte Einbruchswerkzeug au f sich trug (act. 2117 ff.). Im Übrigen wurde der Beschuldigte, wenn er von Drittpersonen w ahrgenommen wurde, jeweils immer in Begleitung anderer Personen gesehen. Aufgrund all dieser Umstände bestehen keine vernünf tigen Zweifel, dass der Beschuldigte als Mitglied einer Bande handelte, weswegen das Urt eil der Vorinstanz hinsichtlich dieses qualifizierenden Merkmals zu bestätigen ist. 3.–6. […] III. Strafzumessung […] IV. Kosten […] Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 1 4. Februar 2014, aus- zugsweise lautend: "1. Der Beschuldigte wird des banden- und gewerbsmässig en Dieb- stahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfa chen Hausfriedensbruchs, der mehrfachen Fälschung von Au sweisen, der mehrfachen Geldwäscherei, der rechtswidrigen Ei nreise und des rechtswidrigen Aufenthalts sowie des mehrfachen unbefugten Konsums von Betäubungsmitteln schuldig erklärt und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten, Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht unter Anrechnung der vom 22. August 2012 bis zum 13 . Novem- ber 2013 ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherhe itshaft von insgesamt 449 Tagen, sowie zu einer Busse von CHF 400.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an deren Stel le eine Ersatz- freiheitsstrafe von 4 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziffer 2 und Ziffer 3 StG B, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 252 Abs. 3 und Abs. 4 StGB, Art. 305 bis Ziffer 1 StGB, Art. 115 Abs. 1 AuG, Art. 19a Ziffer 1 BetmG, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB sow ie Art. 106 StGB. 2. Es wird festgestellt, dass sich der Beschuldigte se it dem 14. No- vember 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befindet (A rt. 236 StPO i.V.m. Art. 220 Abs. 2 StPO). 3. Der Beschuldigte wird in den Anklageziffern 1.1 - 1 .4, 1.6 sowie 1.26 vom Vorwurf des Diebstahls, teilweise versucht , der Sach- beschädigung sowie des Hausfriedensbruchs, teilweis e versucht, in der Anklageziffer 3 vom Vorwurf der mehrfachen U rkundenfäl- schung sowie in der Zusatzanklageschrift vom Vorwur f der Sach- beschädigung freigesprochen. 4. Das Verfahren wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer wird ge- stützt auf Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StPO in Beachtung des Prin- zips ne bis in idem gemäss Art. 11 Abs. 1 StPO eingestellt, soweit es den Zeitraum zwischen dem 12. Juni 2012 und 14. Juni 2012 betrifft. 5. […] 6. […] 7. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfah- rens von CHF 37‘745.20, den Kosten des Zwangsmassna hmen- gerichts von CHF 4‘325.-- sowie der Gerichtsgebühr von CHF 15‘000.--, gehen, abzüglich der unter Ziffer 6 eing ezogenen CHF 600.-- (G 25156), zu Lasten des Beschuldigten. 8. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von CHF Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 22‘513.70 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) wird unter Vorbe- halt der Rückzahlungsverpflichtung des Beschuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet. Der Beschuldigte ist, sobald es seine wirtschaftlic hen Verhältnis- se erlauben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Ver- teidigung zurückz uzahlen und der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO)." wird in teilweiser Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsan- waltschaft und in Abweisung der Berufung des Beschuldigten in den Ziffern 1 und 3 wie folgt geändert: 1. Der Beschuldigte wird des banden- und gewerbsmässig en Dieb- stahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfa chen Hausfriedensbruchs, der mehrfachen Fälschung von Au sweisen, der mehrfachen Geldwäscherei, der rechtswidrigen Ei nreise und des rechtswidrigen Aufenthalts sowie des mehrfachen unbefugten Konsums von Betäubungsmitteln schuldig erklärt und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten , unter Anrechnung der vom 22. August 2012 bis zum 13 . Novem- ber 2013 ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherhe itshaft von insgesamt 449 Tagen, sowie zu einer Busse von CHF 400.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an deren Stel le eine Ersatz- freiheitsstrafe von 4 Tagen, in Anwendung von Art. 139 Ziffer 2 und Ziffer 3 StG B, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 252 StGB, Art. 305 bis Ziffer 1 StGB, Art. 115 Abs. 1 AuG, Art. 19a Ziffer 1 BetmG, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB sowie Art. 106 StGB. 3. Der Beschuldigte wird in den Anklageziffern 1.3, 1. 4 sowie 1.26 vom Vorwurf des Diebstahls, der Sachbeschädigung so wie des Hausfriedensbruchs, in der Anklageziffer 3 vom Vorw urf der mehrfachen Urkundenfälschung sowie in der Zusatzanklageschrift vom Vorwurf der Sachbeschädigung freigesprochen. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 32‘500. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 500. ‒, werden dem Beschuldig- ten auferlegt. Dem amtlichen Verteidiger Advokat Dieter Roth wird für das Berufungsver- fahren ein Honorar in der Höhe von CHF 8‘619.55 (in kl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 689.55), somit insgesamt CHF 9‘309.10, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschul digte ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amt lichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger