Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 13. Mai 2020 (810 19 334) ____________________________________________________________________ Steuern und Abgaben getrennte Besteuerung von Ehegatten Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber Martin Michel Beteiligte A.A.____ und B.A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Dr. Hubertus Ludwig, Advokat gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht), Beschwerdegegner Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV , Beigeladene Betreff Direkte Bundessteuer 2016 (Urteil der Abteilung Steuergericht vom 28. Juni 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. A.A.____ meldete sich im Jahre 2015 aus der Gemeinde C.____ (SO) ab und per 1. Juli 2015 in der Gemeinde B.____ (BL) an. Gemäss Angaben der Einwohnerkontrolle B.____ gab A.A.____ bei der Anmeldung in B.____ an, er hab e sich am 16. Oktober 2014 von seiner Ehefrau freiwillig getrennt und lebe in B.____ in e inem Konkubinat mit D.____. Seine Ehefrau B.A.____ blieb im vormals gemeinschaftlichen Haus in C.____ SO wohnhaft. B. Für die Steuerperiode 2015 reichten die Ehegatten A.A.____ und B.A.____ separate Steuererklärungen ein: der Ehemann im Kanton Basel-L andschaft und die Ehefrau im Kanton Solothurn. Darin bezeichneten sich beide Ehegatten den jeweiligen Steuerbehörden gegenüber übereinstimmend als alleinstehend. Dementsprechend wurden die Ehefrau im Kanton Solothurn und der Ehemann im Kanton Basel-Landschaft für die S teuerperiode 2015 jeweils getrennt als alleinstehende Personen veranlagt. Im Rahmen der Veran lagung anerkannte die Steuerver- waltung Basel-Landschaft den von A.A.____ in der Steue rerklärung geltend gemachten Unter- stützungsabzug für seine Ehefrau. Die Veranlagungsverfüg ungen sind in der Folge unange- fochten in Rechtskraft erwachsen. C. Auch für die Steuerperiode 2016 reichten A.A.___ _ und B.A.____ jeweils separate Steuererklärungen in den Kantonen Basel-Landschaft bzw. Solothurn ein. D. Per 1. Juni 2017 meldete sich A.A.____ in B.____ w ieder ab. E. Am 9. Januar 2018 veranlagte der Kanton Solothurn die Ehegatten A.A.____ und B.A.____ für die Steuerperiode 2016 gemeinsam als Ehegatten. F. Mit Verfügungen vom 25. Januar 2018 veranlagte die Steuerverwaltung Basel-Land- schaft A.A.____ für die Staatssteuer 2016 und die direkt e Bundessteuer 2016 als alleinstehende, unbeschränkt steuerpflichtige Person mi t einem steuerbaren Einkommen von Fr. 702'578.-- (Staatssteuer) bzw. Fr. 695'700.-- (direkte Bundessteuer). G. Gegen die Veranlagungsverfügungen vom 25. Januar 20 18 erhob A.A.____, vertreten durch die Basellandschaftliche Kantonalbank, mit Eingabe vom 7. Februar 2018 Einsprache mit den Rechtsbegehren, es sei die Doppelbesteuerung auf Eb ene der Staats- und Gemeinde- steuern zu beseitigen und seine Ehefrau und er seien als verheiratet mit getrennten Wohnsitzen zu veranlagen. Dabei seien die Einkommensfaktoren und das bewegliche Vermögen je hälftig den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn zuzuweisen. Zudem sei der Tarif für Verheirate- te bei der direkten Bundessteuer und der Staats- und Gemeindesteuer anzuwenden und analog dazu seien die Sozialabzüge für Verheiratete zu gewähren. H. Mit Entscheid vom 9. Januar 2019 wies die Steuerverw altung Basel-Landschaft die Einsprache betreffend direkte Bundessteuer 2016 ab. I. Die von A.A.____ und B.A.____, weiterhin vertrete n durch die Basellandschaftliche Kantonalbank, dagegen erhobene Beschwerde betreffend direkte Bundessteuer 2016 wies das Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Steuer- und Enteignungsgericht Basel-Landschaft, Abteilu ng Steuergericht (Steuergericht), mit Urteil vom 28. Juni 2019 (Verfahrensnummer 510 19 9) ab. J. Dagegen erhoben A.A.____ und B.A.____, nunmehr ve rtreten durch Dr. Hubertus Ludwig, Advokat in Basel, mit Eingabe vom 5. Dezember 2019, Beschwerde beim Kantons- gericht Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und V erwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren, es seien die Urteile des Steuerger ichts betreffend Staatssteuer 2016 und direkte Bundessteuer 2016 aufzuheben und die zugrundeli egenden Steuerveranlagungen für die Steuern 2016 im Sinne der gemeinsamen Besteuerun g als Ehegatten (Tarif und Sozial- abzüge für Verheiratete) abzuändern. Eventualiter sei das Beschwerdeverfahren zu sistieren, um die eingetretene Doppelbesteuerung im Rahmen eine r Neuveranlagung der Steuerperiode 2016 im Kanton Solothurn zu beseitigen. K. Das Kantonsgericht eröffnete daraufhin je ein Beschw erdeverfahren betreffend Staats- steuer 2016 (Verfahrensnummer 810 19 333) und direkte Bundessteuer 2016 (Verfahrens- nummer 810 19 334). Mit Verfügung vom 9. Dezember 201 9 wies das Kantonsgericht den Antrag der Beschwerdeführer auf Sistierung des Verfahrens ab. L. Die Steuerverwaltung und das Steuergericht schlosse n mit Vernehmlassungen vom 18. Dezember 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Die Ei dgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen. M. Mit Eingabe vom 21. Februar 2020 reichten die Besch werdeführer eine E-Mail- Nachricht des Steueramts Solothurn vom 11. Februar 20 20 ein, worin das Steueramt Solothurn den Beschwerdeführern mitteilte, es halte an ihrer ursprünglichen Veranlagung fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 145 des Bundesgesetzes über die dire kte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 i.V.m. § 3 der kantonalen Vollzugsve rordnung zum DBG (VV DBG) vom 13. Dezember 1994 können Entscheide des Steuergerichts betreffend die direkte Bundessteuer mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht an gefochten werden. Da sämtliche formellen Voraussetzungen nach den Art. 140 ff. DBG, Art. 145 Abs. 2 DBG sowie gemäss §§ 43 ff. des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwalt ungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, kann auf die Beschwerde eingetreten werden. 1.2 Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Män gel des angefochtenen Ent- scheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (§ 45 Abs. 2 VPO). 2.1 Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid au s, der Beschwerdeführer sei während des gesamten Steuerjahres 2016 im Kanton Bas el-Landschaft angemeldet gewesen und habe gegenüber der Einwohnerkontrolle angegeben, er sei von seiner Ehefrau freiwillig getrennt und lebe in einem Konkubinat mit D.____. Fü r einen objektiven Trennungswillen und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine getrennte Veranlagung spreche zudem, dass sich der B eschwerdeführer selbst in der Steuererklärung 2016 als ledig bezeichnet und die Ste uererklärung alleine unterzeichnet und vorbehaltlos eingereicht habe, womit er die Steuerhoh eit des Kantons Basel-Landschaft aner- kannt habe; dies alles am 26. September 2017 und somit zu einem Zeitpunkt, in dem er – gemäss seinen heutigen Angaben – bei seiner Ehefrau ge wohnt habe. Bei dieser Sachlage sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer zu Recht aufgrun d persönlicher Zugehörigkeit im Kanton Basel-Landschaft besteuert worden sei. Weiter seien die Voraussetzungen für eine getrennte Besteuerung der Ehegatten (keine gemeinsame eheliche Wohnung, Trennung auf eine längere Zeit, kein gemeinsames Auftreten in der Öffentlichkeit und keine Gemeinschaftlich- keit der Mittel für Wohnung und Unterhalt) erfüllt, weshalb die Beschwerdeführer zu Recht ge- trennt besteuert worden seien. Hinsichtlich der Rüge d er interkantonalen Doppelbesteuerung führte die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe – nachdem er sich selbst vorbehaltlos der Besteuerung durch den Kanton Basel-Landschaft unte rworfen habe – die Doppelbesteue- rung durch den Kanton Solothurn nach Ausschöpfung des I nstanzenzugs beim Bundesgericht zu rügen. 2.2 Die Beschwerdeführer bringen dagegen vor, die Woh nsitzverlegung sei von ihnen als temporäre räumliche Trennung vereinbart worden und h abe lediglich den Zweck gehabt, einen neuen Impuls für das Eheleben zu schaffen – der Fortbe stand der Ehe sei zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt gewesen. Der Kontakt zwischen ihnen se i nie abgerissen, sodass der Be- schwerdeführer regelmässig an den Wochenenden nach C.____ zurückgekehrt sei. Der Um- stand, dass er in B.____ eine getrennte Wohnung bezog en habe, begründe noch keine effekti- ve Trennung. Sowohl den Hausrat als auch die persönlichen Freizeitutensilien habe er in der ehelichen Liegenschaft zurückgelassen. Nicht zuletzt befind e sich auch das gesamte soziale Umfeld in Solothurn. Ihre Absprache, sich eine räumli che Auszeit und Bedenkzeit zu gönnen, habe sich als erfolgsversprechendes Rezept herausgestellt: Im Jahre 2017 seien sie übereinge- kommen, das räumliche Getrenntsein wieder aufzugeben. D araufhin habe sich der Beschwer- deführer per 1. Juni 2017 in B.____ abgemeldet und sei wieder in das gemeinschaftliche Haus zu seiner Ehefrau gezogen. Die Steuerverwaltung und das Steuergericht hätten lediglich forma- le Argumente ins Feld geführt, welche für eine getren nte Besteuerung sprechen sollten. Die auf formalen Kriterien basierenden Argumente der Vorinsta nz würden die eigentlichen Voraus- setzungen für eine getrennte Besteuerung übersehen. In sbesondere hätten sie, obwohl sich ihre Wohnsitze im Kanton Basel-Landschaft und Solothur n befunden hätten, ihren Lebens- unterhalt aus gemeinschaftlichen Mitteln bestritten. Da s Konto bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank sei – auch wenn jeweils ein hälftiger An teil deklariert worden sei – ein gemein- sames Konto geblieben, aus welchem Liegenschaftskosten bezahlt worden seien. Letztlich sei auch das gemeinsame Auftreten in der Öffentlichkeit in keiner Weise in Frage gestellt gewesen. Im Ergebnis lägen damit die Voraussetzungen, die eine g etrennte Besteuerung in den Kanto- nen Basel-Landschaft und Solothurn für die Steuerperiode 2016 rechtfertigen würden, nicht vor. Dies habe der Kanton Solothurn richtig erkannt und fo lglich eine gemeinsame Veranlagung mit hälftigen Einkommens- und Vermögensfaktoren für die Steuerperiode 2016 vorgenommen. 2.3.1 Nach Art. 9 Abs. 1 DBG (vgl. ebenso Art. 3 Abs. 3 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG] vom 14. Dezember Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1990) werden Einkommen und Vermögen der Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, ohne Rücksicht auf den Güterstan d zusammengerechnet (sogenannte Faktorenaddition bzw. Gemeinschafts- oder Familienbesteuerung). Die Gemeinschaftsbesteue- rung betrifft nicht nur die Bemessungsgrundlage, sonde rn auch die Steuerpflicht; insofern besteht eine gegenseitige Wechselwirkung (BGE 141 II 318 E. 2.2.1; BGE 128 I 317 E. 2.2.4). 2.3.2 Der Zusammenrechnung von Einkommen und Vermögen der Eheleute liegt der Grund- satz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen (Gesamt-)Le istungsfähigkeit zugrunde (Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen schaft [BV] vom 18. April 1999). Die Gemeinschaftsbesteuerung beruht auf der Überlegung, dass der eine Ehegatte oder eingetragene Partner ebenso am Einkommen des anderen Partners teilhat, sich die wirtschaftli- che Leistungsfähigkeit des einen Partners auch nach dem Einkommen und Vermögen des anderen bestimmt und die Partner zivilrechtlich und wir tschaftlich eine gewisse Einheit bilden (vgl. BGE 141 II 318 E. 2.2.1). Deshalb seien für die Bemessung der wirtschaftlichen Leistungs- fähigkeit des Ehepaares bzw. der eingetragenen Partner die gesamten Einkünfte (und kantonal auch das Gesamtvermögen) heranzuziehen (vgl. P ETER LOCHER , Kommentar DBG, I. Teil, 2. Auflage, 2019, Art. 9 DBG N 4). Die Gemeinschafts besteuerung beginnt am 1. Januar des Jahres, in dem die Ehegatten heiraten bzw. die Partne rschaft eingetragen wird. Bei Scheidung, gerichtlicher oder tatsächlicher Trennung werden die E hegatten für die ganze Steuerperiode separat veranlagt. Massgebend sind die persönlichen Verhältnisse am Ende der Steuerperiode, d.h. am 31. Dezember des entsprechenden Kalenderjahres; sind die Ehegatten zu diesem Zeit- punkt geschieden oder leben sie rechtlich oder tatsächlich getrennt, werden sie für die gesamte Steuerperiode separat veranlagt (Art. 42 Abs. 2 DBG; vgl. ebenso Art. 18 Abs. 2 StHG; Urteil des Bundesgerichts 2C_1145/2013 vom 20. September 2014, E. 2.2; B EAT KÖNIG /C HRISTIAN MADUZ , in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerische n Steuerrecht DBG, 3. Auflage, 2017, Art. 42 DBG N 4). 2.3.3 Die Gemeinschaftsbesteuerung setzt voraus, dass die Ehe rechtlich und tatsächlich ungetrennt ist. Liegt dagegen eine rechtlich oder auch nur tatsächlich getrennte Ehe vor, kommt eine gemeinschaftliche Besteuerung bei Aufgabe der ge meinsamen Mittelverwendung nicht mehr in Frage. Im Fall der rechtlich oder tatsächlich g etrennten Ehe wird jeder Ehegatte für seine eigenen Steuerfaktoren zu dem auf ihn anwendbare n Steuertarif besteuert (BGE 138 II 300 E. 2.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesge richts 2A.458/2006 vom 18. Dezember 2006 E. 3.1). 2.3.4 Eine rechtliche Trennung der Ehegatten liegt vo r, wenn die Ehegatten im Sinne von Art. 117 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 gerichtlich getrennt leben. Ein Ehepaar, das zwar rechtlich noch ver bunden ist, aber faktisch bzw. tat- sächlich getrennt lebt, wird nicht mehr gemeinsam beste uert. Damit steuerrechtlich von einer massgeblichen rechtlichen oder tatsächlichen Trennung der Ehegatten auszugehen ist, müssen die folgenden Voraussetzungen grundsätzlich kumulativ e rfüllt sein: Beide Ehegatten haben gestützt auf Art. 23 ZGB einen eigenen Wohnsitz bzw. ver fügen über getrennte Wohnstätten. Sodann müssen die Ehegatten die eheliche Gemeinschaft aufgehoben haben; besteht diese – wenn auch nur mit sporadischem Gemeinschaftsleben – weite r, gilt die Ehe steuerrechtlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht als getrennt. Eine separate Veranlagung der Ehe gatten setzt demnach eine dauernde Trennung und damit eine Aufhebung des gemeinsamen Hau shalts bzw. ein Getrenntleben im Sinne von Art. 175/176 ZGB bzw. Art. 275 der Schweizer ischen Zivilprozessordnung (ZPO) vom 19. Dezember 2008 voraus. Solange die Ehegatten (w ie etwa bei einer "Wochenendehe") nur über getrennte Wohnsitze bzw. Wohnstätten verfügen, an der ehelichen Gemeinschaft aber festhalten, liegt demnach keine getrennte Ehe im Sinne von Art. 9 Abs. 1 DBG bzw. Art. 3 Abs. 3 Satz 1 StHG vor. Erforderlich ist schliesslich, dass kein e Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung und Lebensunterhalt besteht bzw. dass sich die Unt erstützung des einen an den anderen Ehegatten in ziffernmässig bestimmten Beiträgen erschöpft (Urteile des Bundesge- richts 2C_502/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.1, 2C_98 0/2013 vom 21. Juli 2014 E. 8.1, 2C_753/2011 vom 14. März 2012 E. 6.1.2, 2C_523/2007 v om 5. Februar 2008 E. 2.3; vgl. zu den Kriterien auch Kreisschreiben Nr. 30 der Eidgenössisc hen Steuerverwaltung (ESTV) vom 21. Dezember 2010 Ziff. 1.3; L OCHER , a.a.O., Art. 9 DBG N 16; S ILVIA HUNZIKER /J SABELLE MAYER -KNOBEL , in Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht DBG, 3. Auflage, 2017, Art. 9 DBG N 10 ff.). 3.1 Zu prüfen ist, ob die obengenannten kumulativen Vo raussetzungen für eine faktische Trennung der Beschwerdeführer gegeben sind. Um zu ermi tteln, ob in der Steuerperiode 2016 eine tatsächlich getrennte Ehe vorlag, ist von den nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnissen auszugehen und es bedarf einer Gesamtbeur teilung der verschiedenen Indizien. Liegen im Bereich der Sachverhaltsdarstellung widersprüchliche Auskünfte und Handlungen der Eheleute vor, so hat die Behörde das Verhalten beider Ehegatten zu berücksichtigen und in die Beweiswürdigung mit einzubeziehen (vgl. H UNZIKER /M AYER -KNOBEL , a.a.O., Art. 9 DBG N 16 mit Hinweisen). 3.2 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer in der St euerperiode 2016 seinen Wohn- sitz – wie bereits in der Vorperiode – in B.____ BL h atte und dass sich der Wohnsitz der Beschwerdeführerin in C.____ SO befunden hatte. Beid e Ehegatten verfügten somit über eigene Wohnsitze. 3.3 In Bezug auf das Kriterium der dauernden Trennu ng bzw. der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts ist unbestritten, dass der Beschwerd eführer sich im Jahre 2015 aus der Gemeinde C.____ SO abgemeldet und per 1. Juli 20 15 in der Gemeinde B.____ BL ange- meldet hat. Aus den Akten ergibt sich diesbezüglich, dass der Beschwerdeführer bei der Anmeldung in B.____ angegeben hat, er habe sich am 1 6. Oktober 2014 von seiner Ehefrau freiwillig getrennt und lebe in B.____ in einem Kon kubinat mit D.____. Unbestritten ist weiter, dass die Beschwerdeführer bereits in der Vorperiode (Steuerperiode 2015) – den eigenen sepa- rat eingereichten Steuerdeklarationen entsprechend – in beiden Kantonen als Alleinstehende mit eigenen Wohnsitzen veranlagt wurden (definitive Ver anlagung Kanton SO betreffend Steuerperiode 2015 vom 6. Februar 2017) und dass sich d ie Wohnverhältnisse bzw. die Lebenssituation der Beschwerdeführer im Jahr 2016 nicht geändert haben. Ebenso ergibt sich aus den eingereichten Lohnausweisen für die Steuerpe riode 2016 des Beschwerdeführers, dass dieser gegenüber beiden Arbeitgeberinnen im Jahr 2016 B.____ als seinen Wohnsitz angegeben hat. Sodann haben die Beschwerdeführer auc h für die Steuerperiode 2016 sepa-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rate, jeweils alleine eigenhändig unterzeichnete Steu ererklärungen in B.____ BL und C.____ SO eingereicht. In diesen Steuererklärungen vom 26. September 2017 (Beschwerdeführer) und vom 2. Juli 2017 (Beschwerdeführerin) bezeichneten sich die Beschwerdeführer übereinstim- mend als ledig/alleinstehend. Unter diesen Voraussetzu ngen kann den Beschwerdeführern nicht gefolgt werden, wenn sie nun vorbringen, die Wo hnsitzverlegung sei von ihnen als tem- poräre räumliche Trennung vereinbart worden und habe lediglich den Zweck gehabt, einen neuen Impuls für das Eheleben zu schaffen. Wäre effektiv l ediglich eine temporäre Trennung vereinbart worden, wären die Beschwerdeführer verpflichtet gewesen, in den jeweiligen Steuer- erklärungen entsprechende Vorbehalte anzubringen, zum al ihnen klar sein musste, dass voll- ständig ausgefüllte, eigenhändig unterzeichnete und vo rbehaltlos eingereichte Steuererklä- rungen ausdrückliche Anerkennungen der Steuerpflicht da rstellen und die steuerpflichtige Person alles zu tun hat, was dazu dient, eine vollständig e und richtige Veranlagung zu ermöglichen (Art. 126 Abs. 1 DBG; BGE 145 II 130 E. 3.3.2). Gegen die nun vorgebrachte Argumentation der Beschwerdeführer, der Kontakt zwische n ihnen sei nie abgerissen und der Beschwerdeführer sei regelmässig an den Wochenenden nach C.____ zurückgekehrt, spricht weiter die Tatsache, dass die Beschwerdeführer separate und jeweils nur von einem Ehegatten unterzeichnete Steuererklärungen eingereicht haben. Gemäss Art. 113 DBG üben nämlich Ehe- gatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter E he leben, die ihnen zukommenden Ver- fahrensrechte und -pflichten gemeinsam aus und unterschre iben die Steuererklärung gemein- sam, was die Beschwerdeführer nicht getan haben. Unter W ürdigung all dieser Umstände sind die Vorinstanzen zu Recht davon ausgegangen, dass die B eschwerdeführer den gemeinsamen Haushalt aufgegeben haben. 3.4.1 Damit von einer tatsächlich getrennten Ehe gesp rochen werden kann, darf neben der nicht mehr gelebten Ehe keine Gemeinschaftlichkeit der M ittel für Wohnung und Unterhalt bestehen, d.h. die Unterstützung des einen an den ande ren Ehegatten hat sich in ziffernmässig bestimmten Beiträgen zu erschöpfen (Urteil des Bundesgerichts 2C_533/2018 vom 30. Oktober 2019 E. 2.3 mit Verweis auf BGE 121 I 14). Ob die E he als wirtschaftliche Einheit zu würdigen ist, hängt von der Art der Mittelverwendung ab, wie sie objektiv feststellbar ist; auf die subjektiven Intentionen der Ehegatten kommt es nicht an ( Urteil des Verwaltungsgerichts St. Gallen vom 28. April 2015 E. 2.1.2, publ. in: D er Steuerentscheid [StE] 2015 B 27.2 Nr. 42). Keine Rolle spielt, ob und in welchem Umfang die Eheg atten allenfalls noch über gemeinsam gehaltene Vermögenswerte verfügen oder gegenseitige Z ugriffsmöglichkeiten auf liquide Mittel haben. Diese Auslegung entspricht dem Sinn der Familie nbesteuerung, deren Rechtfertigung nicht in erster Linie im gemeinsamen Halten von Vermög enswerten durch die Ehegatten liegt, sondern darin, dass die Ehegatten Mittel für die gemei nsame Lebensführung zusammen erwirtschaften und auch verbrauchen (Urteil des Verwaltungsgerichts Aargau vom 7. Dezember 2011 E. 2.3.2, publ. in: StE 2012 B 13.1 Nr. 18). D iese Lösung erlaubt auch eine praktikable und rechtsgleiche Handhabung in der Veranlagungspraxi s: Im Regelfall wird im Stadium der Auflösung einer Ehe die eigentliche vermögensrechtliche Auseinandersetzung der Eheleute erst vorbereitet. Dazu gehört, dass allenfalls sogar noch über einen längeren Zeitraum hinweg für beide Ehegatten die Möglichkeit besteht, auf bisher g emeinsam gehaltene Vermögenswerte zuzugreifen. Ob und allenfalls über welche Zugriffsmögli chkeiten auf bisher beiden Ehegatten zugängliche Vermögenswerte ein Ehepartner noch verfügt, ist aus der Steuererklärung nicht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ersichtlich und es ginge zu weit, müsste sich die Steuerbeh örde in jedem Fall erst Kenntnisse über allenfalls noch vorhandene gemeinsame Mittel bzw. g egenseitige Zugriffsrechte auf (liquide) Vermögensbestandteile verschaffen, bevor sie darüber entscheiden könnte, ob noch eine gemeinsame Besteuerung Platz greifen soll. Für e ine getrennte Besteuerung muss daher genügen, wenn der gemeinsame Haushalt aufgehoben wur de und keine Hinweise dafür bestehen, dass sich die Situation wieder geändert hat, w ie z. B. dass sich die Ehegatten im massgeblichen Zeitpunkt wieder versöhnt hätten (vgl. Urte il des Verwaltungsgerichts Aargau vom 7. Dezember 2011 E. 2.3.2, publ. in: StE 2012 B 13.1 Nr. 18). 3.4.2 Was das Kriterium der Mittelverwendung betrifft, ist unbestritten, dass in der Steuer- periode 2016 noch gemeinsame Bankkonti der Beschwerdefüh rer bestanden. Aus den – mit den jeweiligen Steuererklärungen eingereichten – Wert schriftenverzeichnissen ergibt sich je- doch, dass die Beschwerdeführer bei den verbliebenen g emeinsamen Konti jeweils nur einen hälftigen Anteil deklariert hatten. Weiter ergibt sic h aus den Akten, dass der Beschwerdeführer in der Steuerperiode 2016 ein gemeinsames Konto mit se iner damaligen Konkubinatspartnerin geführt hatte, was gegen eine Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung und Unterhalt der Beschwerdeführer spricht. Ebenfalls für eine getrennte Verwendung der Mittel spricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits in der Vorp eriode einen Unterstützungsabzug für seine Ehegattin geltend gemacht hatte. Insgesamt sind di e Vorinstanzen somit zu Recht zum Schluss gekommen, dass in der Steuerperiode 2016 keine Ge meinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung und Lebensunterhalt zwischen den Beschwerdeführe rn bestand, zumal auch keine Hinweise dafür bestehen, dass sich die Beschwerdeführer p er Ende 2016 wieder versöhnt hätten. 4. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass sämtliche Voraus- setzungen für eine getrennte Veranlagung der Ehegatte n in der Steuerperiode 2016 gegeben sind, woraus sich – aufgrund der gegenseitigen Wechselw irkung (siehe dazu oben E. 2.3.1) – auch die unbeschränkte Steuerpflicht des Beschwerdeführe rs im Kanton Basel-Landschaft ergibt. Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist vollumfänglich abzuweisen. 5. Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. Für die B eschwerde an das Kantonsgericht als weitere kantonale Beschwerdeinstanz im Bereich der d irekten Bundessteuer gelten nach Art. 145 Abs. 2 DBG die Vorschriften von Art. 140 bis 1 44 DBG sinngemäss. Gemäss Art. 144 Abs. 1 DBG werden die Kosten der unterliegenden Parte i auferlegt; wird die Beschwerde teilweise gutgeheissen, so werden sie anteilsmässig aufe rlegt. Die Höhe der Kosten des Verfahrens wird durch das kantonale Recht bestimmt (Art. 144 Abs. 5 DBG). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Verfahrenskosten in de r Höhe von Fr. 1'400.-- den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Die Parteikosten werde n wettgeschlagen (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVG] vom 20. Dezember 1968). Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiber Gegen diesen Entscheid wurde am 20. November 2020 Beschwerde beim Bundesgericht (Verfahrensnummer 2C_952/2020) erhoben.