B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6384/2019 U r t e i l v o m 9. A p r i l 2 0 2 0 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Jürg Marcel Tiefenthal, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 1. November 2019 / N (…). D-6384/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein iranischer Staatsangehöriger mit letztem Aufenthalt in B._______, verliess seine Heimat eigenen Angaben gemäss im Februar oder März 2016 und gelangte am 26. Juni 2016 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag ein Asylgesuch stellte. A.b Am 1. Juli 2016 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer die Befra- gung zur Person (BzP) durch. Er gab an, er habe im Iran wegen seiner Religion Probleme gehabt. Jeweils am Donnerstag und am Sonntag habe er sich mit Freunden getroffen, um über die Bibel zu sprechen. Er sei noch Muslim, habe aber am Christentum Interesse. Ein weiteres Problem sei, dass er zum anderen Geschlecht keine Beziehung auf bauen könne. Ein Offizier habe ihm wegen seines Motorrads Probleme bereitet. 2015 sei er wegen einer Schlägerei zwei Tage in Haft gewesen. Der Beschwerdeführer gab sechs Speicherkarten zu den Themen Bibel und Jesus ab (vgl. act. A5/1 Ziff. 1). A.c Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 27. Februar 2018 zu seinen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, es sei für ihn er- schwert, Dokumente einzureichen, da seine Familie nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle. Seine Schwester habe ihm einige Dokumente ges chickt und seine Mutter habe versprochen, ihm weitere zukommen zu lassen. Im Zusammenhang mit Dokumenten aus einem Gerichtsverfahren führte der Beschwerdeführer aus, man habe ihm eine Falle gestellt. Er habe mit C._______ einen Konflikt gehabt, dessen Onkel bei der «[…]-Brigade» ar- beite. Man habe ihm fälschlicherweise vorgeworfen, dass er mit C._______ eine Messerstecherei gehabt habe. Er sei zu einem Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt worden und habe Schmerzensgeld bezahlen müssen. Er habe das Urteil nicht erhalten, der Kläger habe indessen Ein- spruch erhoben. Als er das zweite Urteil erhalten habe, habe er bezahlen müssen. Er verstehe nicht, wie die Sache abgelaufen sei. Der Hauptgrund für seine Ausreise seien die Bedrohung, die Folter und die Prügel gewesen, die er nicht habe beweisen können. Als er an einem Donnerstag (im März oder April 2014) von der Arbeit zurückgekehrt sei, habe er mit C._______ einen Disput gehabt, weil dieser seine Schwester belästigt habe. Später habe er vom Gericht ein Schreiben erhalten, worauf er sich bei der Polizei gemeldet habe, die ihn festgenommen habe. Danach sei der Onkel des Klägers auf dem Polizeirevier erschienen und habe sich in die Angelegen- heit eingemischt, obwohl er nicht dort arbeite. Man habe behauptet, dass D-6384/2019 Seite 3 man ihm (dem Beschwerdeführer) Vorladungen geschickt habe, die er in- dessen nicht erhalten habe. Als er vor Gericht gestanden sei, habe der Kläger nicht beweisen können, dass er ihn mit einem Messer angegriffen habe. Deshalb habe der Richter ihn auf Kaution freigelassen. Als sich her- ausgestellt habe, dass C._______ die Sache inszeniert habe, habe dieser gegen ihn (den Beschwerdeführer) und seinen Bruder Drohungen ausge- stossen und wahrgemacht. Sein Arbeitgeber sei mit den (…) verwandt ge- wesen und habe ihn entlassen; im Gesc häft seines Bruders seien die Scheiben zerschlagen worden. Da er um sein Leben gefürchtet habe und von seiner Mutter dazu gedrängt worden sei, habe er den Iran im Frühjahr 2016 verlassen. Er sei in der Heimat viele Male festgenommen word en (wegen eines Motorrads, zerrissener Hosen und Tätowierungen). Der Beschwerdeführer machte im Weiteren geltend, er habe mit seinem Wagen Freunde und Bekannte zu «religiösen Treffen» gefahren, was er erst mit der Zeit bemerkt habe. Daraufhin habe er aus Neugierde zwei- oder dreimal selbst an den Treffen teilgenommen, letztmals zirka drei Mo- nate vor seiner Ausreise. Er sei immer vorsichtig gewesen, damit niemand davon erfahre. In Griechenland sei er in die Kirche gegangen und in der Schweiz habe er jemanden kennengelernt, der ihn in die Kirche geführt und ihm ein Buch gegeben habe. In D._______ habe er sich taufen lassen. Schliesslich habe er aufgrund der im Iran herrschenden Gesetze und Sitten wegen seiner sexuellen Orientierung Probleme gehabt. Seine Familie habe ihn deshalb sozusagen abgelehnt. Er wisse nicht, ob er krank oder normal sei, aber er fühle sich zu Männern hingezogen. Von der islamischen Re- gierung werde er deshalb als Verbrecher betrachtet. Er habe ständig Angst gehabt, erwischt zu werden. Er habe seine Beziehungen im Geheimen ge- pflegt, nur ein Freund, der zurzeit im Militär sei, wisse davon. Seine Familie habe später davon erfahren und deshalb den Kontakt zu ihm abgebrochen. Er habe sich in der Schweiz taufen lassen und sich dazu entschlossen, die Wahrheit zu sagen. Für eine muslimische Familie sei es schwer, so etwas zu verstehen – abgelehnt worden sei er aber vor allem von seinem Vater. A.d Am 19. März 2018 gingen beim SEM mehrere Dokumente und Foto- grafien von Dokumenten ein (vgl. act. A5/1 Ziff. 2 – 7). A.e Mit Verfügung vom 12. Februar 2019 gewährte das SEM de m Be- schwerdeführer die Möglichkeit, bis zum 4. März 2019 Übersetzungen von den eingereichten Dokumenten nachzureichen. D-6384/2019 Seite 4 A.f Der Beschwerdeführer wandte sich mit undatiertem Schreiben (Ein- gang SEM: 28. Oktober 2019), dem zwei Übersetzungen beilagen, an das SEM. B. Das SEM stellte mit Verfügung vom 1. November 2019 – eröffnet am 5. No- vember 2019 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 3. Dezember 2019 be- antragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Aufhe- bung der angefochtenen Verfügung. Die Sache sei zur Neubegründung an das SEM zurückzuweisen. Eventualiter sei Asyl zu gewähren oder jeden- falls die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Subeventualiter sei die Unzu- lässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu- stellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihm in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltli- cher Rechtsbeistand zu gewähren. Zudem beantragte er, es seien ihm Ko- pien der von ihm eingereichten Dokumente und der Üb ersetzungen zu- kommen zu lassen. Der Eingabe lag eine Sozialhilfe-Bestätigung vom 3. Dezember 2019 bei. D. Mit Instruktionsverfügung vom 6. Dezember 2019 hielt der Instruktionsrich- ter fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege hiess er gut; dem Beschwerdeführer ordnete er lic. iur. Domi- nik Löhrer als amtlichen Rechtsbeistand bei. Die Akten übermittelte er zur Vernehmlassung an das SEM. E. Der Rechtsvertreter übermi ttelte am 9. Dezember 2019 eine Kostennote vom gleichen Tag. F. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 12. Dezember 2019 (Ein- gang Bundesverwaltungsgericht: 16. Dezember 2019) an seiner Verfügung D-6384/2019 Seite 5 fest. Der Instruktionsrichter brachte dem Beschwerdeführer die Vernehm- lassung am 17. Dezember 2019 zur Kenntnis. G. Mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 2020 stellte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer Kopien der drei mit dem Gerichtsverfahren zusam- menhängenden Dokumente, der von ihm eingereichten zwei Üb ersetzun- gen und der drei vom Bundesverwaltungsgericht in Auftrag gegebenen Übersetzungen der Dokumente zu. H. Der Beschwerdeführer liess am 6. März 2020 eine Stellungnahme einrei- chen, der ein Rapport der Kantonspolizei E._______ vom 5. Januar 2020 beilag. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. D-6384/2019 Seite 6 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtli ngen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die we- gen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Aus- druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat be- stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingse igenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass am nachgeschobe- nen und wenig substanziierten Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei aufgrund einer ihm unterschobenen Messerstecherei im Jahr 2014 zu einer Geld- und einer Bewährungsstrafe von einem Jahr Gefängnis verurteilt und danach weiterhin von den Klägern bedroht worden, erhebliche Zweifel an- zubringen seien. Nach Problemen gefragt, habe er bei der BzP gesagt, ein Offizier habe gegen ihn wegen seines Motorrads ein Verfahren eröffnet. Nach Inhaftierungen befragt, habe er vorgebracht, er sei 2015 wegen einer Schlägerei zwei Tage in Haft gewesen. Nach weiteren Gründen gefragt, die D-6384/2019 Seite 7 einer Rückkehr in den Iran entgegenstehen könnten, habe er keine solchen geltend gemacht. Vor diesem Hintergrund erwecke es ein erhebliches Er- staunen, dass er bei der Anhörung zu Protokoll gegeben habe, er sei vier bis fünf Stunden auf einem Polizeiposten festgehalten und gefoltert wor- den, weil er einige Tage vorher einen Mann beschimpft habe, der seine Schwester belästigt habe. Grundsätzlich könne erwartet werden, dass eine asylsuchende Person bei der BzP die Hauptgründe für die Flucht darlege. Auch wenn seine Aussagen bei den beiden Befragungen als dasselbe Vor- bringen interpretiert würden, müsse aufgrund der sich ergebenden Wider- sprüche von dessen Unglaubhaftigkeit ausgegangen werden. Auf die von- einander abweichenden Aussagen angesprochen, habe er keine überzeu- gende Erklärung geben können. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er bei der BzP den Hauptgrund für seine Flucht nicht ansatzweise habe benennen können. Seine Schilderungen betreffend d ie Auseinandersetzung, di e Festnahme, die angebliche Folterung und die Freilassung fielen substanz- los und stereotyp aus. In den Aussagen fänden sich kaum persönliche Ele- mente. Die Tatsache, dass es ihm nicht gelungen sei, eine konkrete Verfol- gung plausibel darzulegen, unterstreiche die erheblichen Zweifel am Wahr- heitsgehalt seines Vorbringens. Er sei nicht in der Lage gewesen, zu erklä- ren, weshalb er knapp zwei Jahre nach dem in der ersten Hälfte 2014 er- gangenen Gerichtsurteil den Iran verlassen habe. Seine Angaben zu einer fortwährenden Bedrohung seien ausgesprochen vage und oberflächlich ausgefallen. Die beiden in Übersetzung eingereichten Dokumente könnten an der Einschätzung der Unglaubhaftigkeit des Vorbringens nichts ändern. Insgesamt sei der Schluss zu ziehen, dass das Vorbringen, der Beschwer- deführer sei von der Polizei festgehalten und gefoltert sowie wegen einer angeblichen Messerstecherei von einem Gericht fälschlicherweise verur- teilt sowie fortwährend bedroht worden, den Anforderungen an die Glaub- haftmachung nicht genüge. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei in der Schweiz zum Chris- tentum konvertiert und getauft worden, sei nicht asylrelevant. Weder sei er zum Zeitpunkt seiner Ausreise konkreten Verfolgungsmassnahmen ausge- setzt gewesen noch gebe es Anzeichen dafür, dass die iranischen Behör- den von seinem angeblichen Interesse an der christlichen Religion ge- wusst hätten. Er habe erwähnt, dass sein Kontakt mit Mitgliedern einer Hauskirche und die Teilnahme an drei Treffen für ihn keine Bedrohung dar- gestellt habe. An den Treffen habe er eine Beobachterrolle eingenommen und für ihn sei alles nicht so ernst gewesen. Zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Iran sei er weder zum Christentum konvertiert noch infolge des D-6384/2019 Seite 8 Besuchs einer Hauskirche asylbeachtlichen Nachteilen ausg esetzt gewe- sen. Es lägen keine konkreten Hinweise dafür vor, dass er aufgrund seiner angeblichen Konversion asylbeachtliche Nachteile zu befürchten habe. Seinen Aussagen sei nicht zu entnehmen, dass er den christlichen Glau- ben sichtbar praktiziere, oder in irgendeiner Weise missionarisch tätig sei. Er besuche die Kirche, wenn es ihm möglich sei, und versuche, anderen Leuten Klarheit zu verschaffen. Die von ihm unterrichtete eigene Familie habe nicht speziell reagiert. Die einzige Schwierigkeit mit seiner Fa milie liege in seiner Homosexualität begründet. Es lägen keine Hinweise dafür vor, dass er seitens seiner Familie eine Denunzierung zu befürchten habe. Ebenso wenig gebe es Anhaltspunkte dafür, dass seine Angehörigen fana- tische Muslime seien. Die diskrete und private Glaubensausübung sei im Iran grundsätzlich möglich, weshalb davon auszugehen sei, der iranische Staat habe kein Interesse an seiner Verfolgung. Eine Prüfung der Glaub- haftigkeit der Konversion könne demnach unterbleiben, obwohl diesbezüg- lich Vorbehalte anzubringen seien. Hinsichtlich der sexuellen Orientierung des Beschwerdeführers seien keine Hinweise ersichtlich, dass er konkrete Verfolgungsmassnahmen erlitten habe. Obwohl Zweifel an der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Ho- mosexualität anzubringen seien, könne diese Frage offenbleiben, da die- ser Umstand allein noch nicht ausreichen würde, um die Flüchtlingseigen- schaft zu begründen. Das Bundesverwaltungsgericht sei im Urteil D-891/2013 vom 17. Januar 2014 zum Schluss gelangt, dass Homosexu- elle im Iran gefährdet seien, jedoch die hohen Anforderungen an eine Kol- lektivverfolgung nicht erfüllt seien. In Anbetracht der repressiven Lage vor Ort sei Homosexualität eines iranischen Staatsangehörigen als erhebli- ches Risiko für eine möglicherweise drohende Verfolgung zu werten. Den Akten könne nicht entnommen werden, dass der Beschwerdeführer bei ei- ner Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu- kunft asylbeachtlichen Nachteilen ausgesetzt wäre. Er habe angegeben, dass zum Zeitpunkt seiner Ausreise nur ein guter Freund davon gewusst habe. Seinen Aussagen sei zu entnehmen, dass er nicht von seiner ganzen Familie abgelehnt werde, die er nach seiner Ausreise orientiert habe. Da sein Vater verstorben sei, habe er von dieser Seite mit keinen Repressalien zu rechnen. Auch wenn er von einigen Familienmitgliedern nicht mehr ak- zeptiert würde, sei nicht anzunehmen, dass dies in naher Zukunft asylrele- vante Intensität aufweisen würde. Der Beschwerdeführer sei weder poli- tisch aktiv noch habe er s ich in anderer Weise öffentlich exponiert. Den Akten seien keine glaubhaften Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass er mit den iranischen Behörden Probleme gehabt habe. Seine Aussagen zu D-6384/2019 Seite 9 Haftaufenthalten seien widersprüchlich ausgefallen. Es sei demnach nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in den Iran allein aufgrund des Umstandes, dass er homosexuell sei, mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit asylrechtlich relevant verfolgt beziehungsweise einer konkreten Gefahr an Leib und Leben ausgesetzt würde. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, das vorinstanzliche Verfah- ren habe über drei Jahre gedauert und es habe innerhalb der Vorinstanz mehrere Handwechsel gegeben. Die Person, die den Entscheid formuliert habe, sei bei den Befragungen nicht zugegen gewesen und habe über das Gesuch wohl gestützt auf die Akten entschieden. Der Beschwerdeführer habe sich bei der BzP offenbar schwer damit getan, sich zu seinen Flucht- gründen zu äussern. Die Befragerin habe vermutet, er könnte aufgrund der Team-Zusammensetzung nicht offen sprechen, und der Beschwerdeführer habe gesagt, ein gleichgeschlechtliches Team wäre besser. Er sei aufge- fordert worden, sich kurz zu fassen und habe in einer Antwort zwei Flucht- gründe geltend gemacht. Das SEM zweifle an der Glaubhaftigkeit der gel- tend gemachten Homosexualität, lasse diese Frage indessen offen, da sie für sich allein die Flüchtlingseigenschaft nicht begründen würde. Selbstver- ständlich sei relevant, ob das SEM die geltend gemachte Homosexualität glaube oder nicht, schreibe es doch selbst, diese berge im Iran ein erheb- liches Risiko in sich und sei im Einzelfall sorgfältig zu prüfen. Werde die Homosexualität in Abrede gestellt, könne eine Einzelfallprüfung nicht mehr seriös erfolgen. Es erstaune nicht sonderlich, dass die Prüfung vorliegend unausgeglichen ausfalle. Der Beschwerdeführer habe gesagt, er habe im Iran sehr unter seiner sexuellen Veranlagung gelitten, und geltend ge- macht, er habe diese verborgen. Aus seinen Aussagen werde klar, dass er seine Homosexualität habe unterdrücken müssen. Das SEM habe die gel- tend gemachten Umstände ignoriert und verharmlost. Die vom SEM ge- wählte Mischform zur Begründung der Verfügung dürfe nicht akzeptiert werden. Zweifle das SEM an der Homosexualität des Beschwerdeführers, tangiere dies seine Integrität derart, dass diese Zweifel begründet werden müssten. Aufgrund der Anhörungsprotokolle entstehe nicht der Eindruck, die befragenden Personen hätten an der geltend gemachten Homosexua- lität gezweifelt. Die den Entscheid abfassende Person scheine die einzige zu sein, die ihm nicht glaube. Die Verfügung sei demnach aufzuheben und an das SEM zurückzuweisen. Praxisgemäss komme den Aussagen bei der BzP nur beschränkter Be- weiswert zu. Da mit der Zeit Erinnerungslücken entstünden, müsse auch die zwischen den Befragungen liegende Zeitdauer berücksichtigt werden. D-6384/2019 Seite 10 Ungereimtheiten in den Aussagen könnten durchaus auf den Zeitablauf zu- rückgeführt werden. Bei der BzP sei der Beschwerdeführer aufgefordert worden, nur kurz zusammenzufassen, weil die Zusammenset zung des Teams in geschlechtsspezifischer Hinsicht nicht gut gewesen sei. Diese Aufforderung sei berechtigt gewesen und zeige, dass die befragende Per- son die Stimmung des Beschwerdeführers und sein Verhalten gut berück- sichtigt habe. Es sei nicht zu vergess en, dass er im Zusammenhang mit der Festnahme bei der Anhörung gesagt habe, er habe seinen eigenen Urin trinken müssen. Es seien also auch diesbezüglich Dinge geschehen, die er sich bei der BzP aufgrund der Team-Zusammensetzung nicht zu sa- gen getraut hätte . Das SEM versuche, diese zu ignorieren, dabei sei es fraglich, ob die BzP mit Hinsicht auf die Geltendmachung der Fluchtgründe für die Glaubhaftigkeitsanalyse verwendet werden dürfe. Der Beschwerde- führer habe gesagt, er könne aufgrund der Team -Konstellation nicht frei erzählen, was vom SEM akzeptiert worden sei. Er sei in der Folge aufge- fordert worden, nicht ins Detail zu gehen. Vor diesem Hintergrund zu be- haupten, er habe sich so divergierend geäussert, dass kaum von den glei- chen Vorfällen gesprochen werden könne, sei wenig überzeugend. Der Be- schwerdeführer habe bei der BzP und der Anhörung die gleichen drei fluchtauslösenden Gründe geltend gemacht, nämlich sein Problem mit den Behörden wegen der Auseinandersetzung, die erfolgt sei, während er sein Fahrzeug repariert habe, seine sexuelle Ausrichtung und die Konversion. Bei der BzP habe er zwar gesagt, ein Beamter habe einen Fall wegen eines Motorrads eröffnet und er sei wegen einer Schlägerei zwei Tage in Haft gewesen. Dies stimme im Wortlaut nicht mit der Anhörung überein; unter Berücksichtigung der gesamten Umstände sei es stossend, zu behaupten, es könne kaum von den gleichen Fällen gesprochen werden. Zwei von den drei Fluchtgründen stimmten in den Befragungen überein, weshalb von di- ametralen Abweichungen nicht die Rede sein könne. Das SEM habe ver- gessen, die Sache auch kurz aus dem Blickwinkel des Betroffenen zu be- trachten und nicht berücksichtigt, dass zwischen den Befragungen viel Zeit verstrichen sei. Die Akten vermittelten den Eindruck, der Beschwerdeführer sei glaubwürdig. Der Inhalt der Vorbringen und die Art und Weise, wie er sie darlege, enthielten viele Realkennzeichen. Seine Aussagen seien kon- sistent und zögen sich wie ein roter Faden durch die Protokolle. Würde davon ausgegangen, dass sich die Geschehnisse um die Messer- stecherei so wie geschildert zugetragen hätten, müsste dem Beschwerde- führer Asyl gewährt werden. Er sei anlässlich der Festnahme gefoltert wor- den. Er habe auch gesagt, dass die beiden anderen Fluchtgründe lebens-D-6384/2019 Seite 11 bedrohlich gewesen seien. Sinngemäss habe er auch gesagt, die Verfol- gung im Zusammenhang mit der Messerstecherei sei fluchtauslösend ge- wesen. Er habe aber klar gemacht, dass alle drei Fluchtgründe ihn zum Verlassen des Iran veranlasst hätten. Zur sexuellen Orientierung befrag t, habe er gesagt, er wisse nicht, ob er normal oder krank sei. Er werde in der Schweiz vielleicht als krank angesehen, von der heimatlichen Regie- rung hingegen als Verbrecher. Er habe auch gesagt, er habe ständig Angst gehabt, erwischt zu werden, obwohl er seine Sexualität im Geheimen aus- gelebt habe. Gemäss Lehre und Rechtsprechung könne von einer Person nicht erwartet werden, dass sie ihre sexuelle Orientierung geheim halte oder Zurückhaltung beim Ausleben der sexuellen Orientierung übe. Aus den Aussagen des Beschwerdeführers gehe hervor, dass er aufgrund sei- ner Homosexualität erhebliche Probleme mit sich selbst habe. Dies hätte beim Entscheid berücksichtigt werden müssen. Seine eigenen Probleme seien auf den Umgang und die Behandlung von homosexuellen Menschen durch den iranischen Staat und die dortige Gesellschaft zurückzuführen. Wenn eine homosexuelle Person im Iran von sich denke, sie sei krank, sei dies der Beweis dafür, dass diese Art von Sexualität von Staat und Gesell- schaft verachtet werde. Das iranische Strafgesetz verbiete Homosexualität und die Angstgefühle des Beschwerdeführers seien nachvollziehbar. Er habe zwar noch keine konkreten Probleme wegen seiner sexuellen Orien- tierung gehabt, mit sich selbst habe er aber konkrete Probleme gehabt, die direkte Folge des Verhaltens seines Heimatlandes und dessen Gesell- schaft seien. Es handle sich um eine extreme und sehr wirksame Form der psychischen Unterdrückung einer Menschengruppe durch den Staat. Die Tatsache, dass er sich im Iran nicht getraut habe, seine sexuelle Orientie- rung anderen Menschen anzuvertrauen, zeige auf, wie sehr er sich vor Konsequenzen gefürchtet habe. Führe das SEM aus, ausser einem guten Freund habe niemand davon gewusst, vertrete es den Standpunkt, es dürfe von Homosexuellen verlangt werden, ihre Neigungen im Iran geheim zu halten, zu unterdrücken oder im Geheimen auszuüben. Dies widerspre- che den Überlegungen des Europäischen Gerichtshofs in dessen Urteilen C-199/12 und C-201/12. Die Konversion des Beschwerdeführers in der Schweiz sei ein Element, das zusätzlich dazu beitrage, dass insgesamt von asylrelevanter Verfol- gung auszugehen sei. 4.3 In der Stellungnahme vom 6. März 2020 wird ausgeführt, der Inhalt der vom Beschwerdeführer beim SEM eingereichten Dokumente untermauere seine Vorbringen. Zudem wies er darauf hin, dass er in der Schweiz bei D-6384/2019 Seite 12 einer Auseinandersetzung angegriffen und schwer verletzt worden sei. Bei ihm handle es sich um einen äusserst sensiblen Menschen, der mit sich selbst hadere, und es sei damit zu rechnen, dass ihn die erlittene Attacke zusätzlich belasten werde. Dies sei bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu berücksichtigen. 5. 5.1 In der Beschwerde wird zur Hauptsache die Rückweisung der Sache an das SEM zur Neubegründung beantragt , weil das SEM sich nicht ab- schliessend zur Frage geäussert habe, ob es dem Beschwerdeführer glaube, dass er homosexuell sei oder nicht. 5.2 Das SEM äusserte in der angefochtenen Verfügung zwar Zweifel an der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Homosexuali tät, enthielt sich aber einer eingehenden Prüfung der Glaubhaftigkeit des Vorbringens und liess diese offen. Indessen prüfte es unter Zugrundelegung der vom Beschwerdeführer gemachten Aussagen, ob er im Iran aufgrund seiner se- xuellen Orientierung Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war oder solche in begründeter Weise zu befürchten hatte. Des Weiteren äusserte es sich auch zur Frage, ob er – bei Annahme der Glaubhaftigkeit seines Vorbrin- gens – im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland im heutigen Zeitpunkt in objektiv begründeter Weise Verfolgung zu befürchten hätte, nachdem er seine engsten Familienangehörigen über seine sexuelle Orientierung infor- miert habe. Dabei richtete es sich an der geltenden Rechtsprechung aus. 5.3 Da das SEM die vom Beschwerdeführer gelte nd gemachten Vorbrin- gen unbesehen der daran geäusserten Zweifel auf ihre asylrechtliche Re- levanz hin geprüft hat, die Begründung so ausgefallen ist, dass sowohl der Beschwerdeführer als auch das Bundesverwaltungsgericht sich ein Bild über die Tragweite des Entscheids machen können und er zu den Erwä- gungen des SEM ohne weiteres wirksam Stellung beziehen konnte, ist die erhobene Rüge, das SEM habe den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt, nicht stichhaltig. Nach der gesetzlichen Konzep- tion hat die asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen (vgl. Art. 7 Abs. 1 AsylG). Erfüllt sie indessen die Flüchtlingseigenschaft selbst bei angenommener Glaubhaf- tigkeit der Vorbringen nicht, ist das SEM nicht gehalten, diese einlässlich auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu prüfen. D-6384/2019 Seite 13 6. 6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub - haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden konkretisie rt. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3.). 6.2 Bei der BzP müssen und können die Asylsuchenden ihre Asylgründe nicht bereits in aller Ausführlichkeit darlegen. Den im ersten Protokoll wie- dergegebenen Aussagen kommt angesichts des summarischen Charak- ters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Asylgründe nur beschränkter Beweiswert zu. Aussagewidersprüche dürfen und müs- sen bei dieser Prüfung jedoch mitberücksichtigt werden, wenn klare Au s- sagen in der Erstbefragung in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe ge- nannt werden, nicht zumindest ansatzweise in der Erstbefragung erwähnt werden. Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung Asylgründe an- führte, die er bei der BzP auch nicht ansatzweise erwähnte. Von Asylsu- chenden, die trotz Hinweis auf ihre Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht bei der BzP Asylgründe verschweigen und diese erst zu einem späteren Zeit- punkt nennen, sind besondere Anstrengungen notwendig, diese nachzu- weisen oder zumindest glaubhaft zu machen, da die Glaubhaftigkeit von nachgeschobenen Asylgründen grundsätzlich zu bezweifeln ist (vgl. Urteile des BVGer D -3222/2016 vom 10. November 2016 E. 5.4.1 und D-3028/2016 vom 30. September 2016 E. 6.4). 6.3 6.3.1 Bei der BzP wurde der Beschwerdeführer gefragt, ob er im Iran je mit irgendwelchen Personen, mit den heimatlichen Behörden oder Organisati- onen ein konkretes Problem gehabt habe. Daraufhin antwortete er, ein Of- fizier habe wegen seines Motorrades einen Fall eröffnet. Zudem sei er we- gen einer Schlägerei bei der Polizei von F._______ während zweier Tage inhaftiert gewesen. 2015 habe er deshalb vor Gericht gestanden (act. A6/11). Bei der Anhörung erwähnte er erstmals explizit, dass er ein konkre- tes und schwerwiegendes Problem mit C._______ und dessen Onkel ge- habt habe. Er sei von diesen besch uldigt worden, C._______ mit einem Messer verletzt zu haben, und habe deshalb eine Vorladung auf das Poli- zeirevier erhalten, wo er vier bis fünf Stunden festgehalten und gefoltert D-6384/2019 Seite 14 worden sei. Ausserdem sei er wegen seines Motorrades, wegen zerrisse- ner Hosen und wegen Tätowierungen auf seinem Körper zwischen zehn - und einhundertmal inhaftiert worden. 6.3.2 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung sind die vor- stehend skizzierten Unterschiede in den Aussagen des Beschwerdeführers weder mit der bei der BzP an ihn gerichteten Aufforderung, sich kurz zu halten, noch mit de r zwischen den Befragungen verstrichenen Zeit noch mit der Scham des Beschwerdeführers, sich in Anwesenheit von Frauen frei zu äussern, zu erklären. Der vom Beschwerdeführer bei der BzP erwähnte Vorfall, bei dem ihm ein Offizier Schwierigkeiten bereitet habe, indem er wegen eines Motorrads ein Verfahren gegen ihn eingeleitet habe, könnte allenfalls mit seiner Angabe bei der Anhörung, er sei wegen seines Motorrads in Haft genommen wor- den, in Zusammenhang gebracht werden. Das von ihm geltend gemachte Ereignis bei der BzP , bei dem er wegen einer Schlägerei zwei Tage lang inhaftiert und 2015 vor Gericht gestellt worden sei, ist aber schwerlich mit der Aussage, er sei wegen einer Messerstecherei von der Polizei zirka vier bis fünf Stunden festgehalten und gefoltert worden, in Übereinstimmung zu bringen. Es erstaunt, dass er bei der BzP weder grobe Misshandlungen durch Polizisten noch die gegen ihn angeblich verhängte einjährige Frei- heitsstrafe erwähnte. Bei der BzP gab der Beschwerdeführer an, er habe in B._______ die (…) Klasse mit Diplom abgeschlossen, und den Beruf eines (…) erlernt. Bis drei Monate vor seiner Ausreise sei er selbständiger (…) gewesen, habe Ange- stellte gehabt und gut verdient. Dann sei er (…) gestürzt und habe nicht mehr arbeiten können (act. A6/11 S. 4). Diese Angaben weichen erheblich von denjenigen ab, die er bei der Anhörung machte. Dort gab er an, er habe für einen Verwandten von C._______ gearbeitet, der seine Entlassung von der Arbeit erwirkt habe (act. A17/30 S. 25) . Er habe alles Mögliche ge- macht, aber hauptsächlich als «[…]» im (…) gearbeitet. In den letzten zwei- bis zweieinhalb Jahren bis zu seiner Ausreise habe er nur diese Arbeit ver- richtet. Im Gegensatz zu den Angaben bei der BzP sagte er, er habe keine Angestellten, sondern Arbeiter gehabt, die unter ihm gearbeitet hätten – er habe diese angestellt (act. A17/30 S. 6 f.). Die bei der Vorinstanz eingereichten Dokumente zu einem Gerichtsverfah- ren weichen von den Angaben, die der Beschwerdeführer bei der Anhörung zum selbigen machte, ab. Dort gab er an, man habe ihm eine Falle gestellt D-6384/2019 Seite 15 und er verstehe das Vorgefallene nicht (act. A17/30 S. 3). Er sei verurteilt worden und nach iranischem Gesetz müsse man bei einer Verurteilung we- gen einer Messerstecherei zwischen sechs Monaten und einem Jahr ins Gefängnis. Er sei zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung und der Bezah- lung eines Schmerzensgeldes von 1 250 000 Toman verurteilt worden (act. A17/30 S. 4). Im Zusammenhang mit dem Erhalt eines Schreibens des Ge- richts brachte er vor, er sei eigentlich Analphabet, was indessen nicht mit seinen Angaben zu seiner schulischen Ausbildung und den Akten in Über- einstimmung zu bringen ist, füllte er das Personalienblatt beim Empfangs- zentrum doch selbständig aus (vgl. act. A1/2). Hinsichtlich des Verfahrens gab er an, der Kläger habe nicht beweisen können, dass er (der Beschwer- deführer) ein Messer gezogen habe. Der Richter habe eine Kaution ver- langt und er habe seine Arbeitsbewilligung hinterlegt, wonach er ganz ein- fach habe freikommen können. Nachdem sich herausgestellt habe, dass C._______ die ganze Angelegenheit inszeniert habe, habe er Drohungen gegen den Beschwerdeführer und seine Familie ausgestossen (act. A17/30 S. 8). Dem vom Beschwerdeführer eingereichten Gerichtsurteil vom 29. Juni 2014 ist gemäss vom Bundesverwaltungsgericht in Auftrag gegebener integraler Übersetzung zu entnehmen, dass der Beschwerde- führer aufgrund der Ermittlungen und der Aussagen von Zeugen C._______ am linken Arm verletzt habe. Er müsse 10 Millionen Rial an die Gerichtskasse für die Straftat und an den Verletzten ein Blutgeld von 1,5 Millionen Toman bezahlen. Weil der Beschwerdeführer jung und nicht vor- bestraft sowie anzunehmen sei, dass er resozialisiert werden könne, und angesichts seiner mentalen und psychologischen Situation zum Zeitpunkt der Tatbegehung werde die Geldstrafe auf ein Jahr bedingt ausgespro- chen. Sollte der Beschwerdeführer innerhalb der Bewährungszeit noch ein- mal in bestimmter Weise straffällig werden, so sei auch die in diesem Urteil verhängte Geldstrafe zu bezahlen. Dieses Urteil wurde in Anwesenheit des Beschwerdeführers gefällt und er hätte innerhalb von 20 Tagen Rekurs ein- reichen können. Aufgrund der vom Gericht in Auftrag gegebenen vollstän- digen Übersetzung wird klar, dass der Beschwerdeführer entgegen seinen Behauptungen und der von ihm eingereichten teilweisen Übersetzung nicht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. «Seiner» Übersetzung ist zu ent- nehmen, dass er aufgrund seiner psychischen Probleme und seiner Min- derjährigkeit aus der Haft entlassen werde, bis sich seine Lage verbessert habe. Der Beschwerdeführer machte bei der Anhörung nicht geltend, dass die vom Gericht verhängte Geldstrafe aufgrund der oben genannten Gründe bedingt ausgesprochen wurde, sondern gab an, er sei gegen Hin- terlegung seiner Arbeitsbewilligung auf freien Fuss gesetzt worden, weil D-6384/2019 Seite 16 der Kläger nicht habe beweisen können, dass er ihn mit einem Messer an- gegriffen habe. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage war, bei der Anhörung den Ablauf des Gerichtsverfahrens aus einer per- sönlichen Sicht überzeugend zu schildern, erweckt erhebliche Zweifel an der Authentizität der Dokumente. Diese Zweifel werden dadurch gestärkt, dass der Beschwerdeführ er behauptete, zu einer (bedingten) Freiheits- strafe von einem Jahr verurteilt worden zu sein, und dies mit einer nicht mit dem eingereichten Gerichtsurteil übereinstimmenden Übersetzung zu be- kräftigen suchte. Damit bestehen auch gewichtige Vorbehalte an de r per- sönlichen Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. Einem weiteren Dokument (Petition) ist gemäss Übersetzung zu entneh- men, dass sich der Beschwerdeführer an den Vorsitzenden des Gerichts wandte und darauf hinwies, dass er nicht in der Lage sei, den Betr ag von 22 500 000 Rial an den Kläger zu bezahlen. Einer Quittung vom 5. Mai 2015 ist indessen zu entnehmen, dass dieser Betrag vo n ihm einbezahlt wurde. 6.4 Zusammenfassend ist unbesehen der Frage der Echtheit der einge- reichten Dokumente festzuhalten, dass die mit der vom Beschwerdeführer eingereichten Übersetzung des Gerichtsurteils vom 29. Juni 2014 ge- stützte Angabe, er sei zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden, weder bewiesen noch glaubhaft gemacht ist, sie ist viel- mehr als unglaubhaft zu werten. Der Beschwerdeführer machte auch wei- tergehend Aussagen, die sich nicht mit den Ausführungen im Urteil in Über- einstimmung bringen lassen. Sein Vorbringen, er habe das erste Urteil nicht erhalten und nicht verstanden, wie das Verfahren abgelaufen sei, ist nicht glaubhaft, handelt es sich doch beim Urteil vom 29. Juni 2014 um ein erstinstanzliches Urteil und war der Beschwerdeführer gemäss Urteil beim Prozess zugegen, wobei er eine Verteidigung hatte, die ihm das Verfahren erklärt haben wird. Angesichts der in verschiedener Hinsicht unglaubhaften Aussagen des Beschwerdeführers geht das Bundesverwaltungsgericht nicht davon aus, dass er von der Familie von C._______ nach Erlass des Urteils und Erhalt des Blutgeldes verfolgt wurde. 6.5 Der Beschwerdeführer gab bei der Anhörung an, er habe einige Kolle- gen unwissentlich zu Treffen in sogenannten «Hauskirchen» gefahren. Ein Freund habe ihm auf Nachfrage erzählt, zu welcher Art von Treffen er gehe, und habe ihn dort eingeführt. Es sei alles im Geheimen abgelaufen und er habe deshalb keine Probleme gehabt. Als er bereits in der Schweiz gewe-D-6384/2019 Seite 17 sen sei, habe er seinen Angehörigen gesagt, dass er zum Christentum kon- vertiert sei, diese hätten keine besondere Reaktion gezeigt. Als er sich in Griechenland aufgehalten habe, sei er zur Kirche gegangen und auch in der Schweiz habe er Zugang zu Gleichgesinnten erhalten. Er gab an, er sei in G._______ getauft worden, wisse aber nicht, wo genau. Auf einem Platz an einem See hätten sich viele Leute versammelt. Er habe sic h ein- gereiht und gewartet. Er wisse nicht, wie diese christliche Gruppe heisse, gehe aber zur Kirche, wenn er könne (act. A17/30 S. 16). Die Aussagen des Beschwerdeführers zur in der Schweiz erfolgten Konversion sind zu vage, als dass davon ausgegangen wer den könnte, er habe sich mit den Lehren der Glaubensgemeinschaft, die ihn getauft habe, vertieft auseinan- dergesetzt und setze sich aktiv für deren Anliegen ein. 7. 7.1 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh- barer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und auf- grund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Eine begrün- dete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zei tpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk- lichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorru- fen würden (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010/44 E. 3.4 S. 620 f., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfol- gung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asy- lentscheides noch aktuell sein. Anspruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat somit nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er kei- nen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaften Nachteile befürchten müsste (sogenannte objektive Nach- fluchtgründe). D-6384/2019 Seite 18 7.2 Wie vorstehend ausgeführt (vgl. Ziff. 5.3.3), ist es dem Beschwerdefüh- rer nicht gelungen, die von ihm geschilderte Version der Auseinanderset- zung mit C._______ beziehungsweise deren Folgen glaubhaft zu machen. Sollte diese stattgefunden haben (die Echtheit der eingereichten Doku- mente steht nicht fest), ist aufgrund des eingereichten Gerichtsurteils da- von auszugehen, dass der Beschwerdeführer seinen Kontrahenten mit ei- nem Messer am Arm verletzte. Das zuständige Strafgericht gelangte auf- grund der Aussagen des Geschädigten, der behördlichen Ermittlungen, ei- nes gerichtsmedizinischen Berichts und von Zeugenaussagen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer die ihm vorgeworfene Tat begangen hatte. Er wurde zur Bezahlung einer Busse und eines Blutgeldes verurteilt, wobei die Busse bedingt ausgesprochen wurde. Aufgrund der gesamten Aktenlage kann nicht davon ausgegangen werden, dass er von den irani- schen Behörden wissentlich aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe zu Unrecht oder zu einer höheren als der für die Tat übliche Strafe verurteilt wurde. Dem Beschwerdeführer ist es somit nicht gelungen, einen asylrechtlich relevanten Hintergrund des von ihm geltend gemachten Straf- verfahrens zu beweisen oder glaubhaft zu machen. 7.3 7.3.1 Hinsichtlich der allgemein besorgniserregenden Situation im Iran ist auf BVGE 2009/28 und die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-3923/2016 vom 24. Mai 2018 [als Referenzurteil publiziert] sowie D-4795/2016/D-4798/2016 vom 15. März 2019 zu verweisen. Daraus geht hervor, dass die iranischen Behörden die Meinungsäusserungsfreiheit sys- tematisch unterdrücken. Nicht wenige Menschen wurden aufgrund des vage definierten Vergehens "moharebeh" ("Feindschaft zu Gott") hinge- richtet. Obwohl das iranische Regime behauptet, die Menschenrechte zu respektieren, hält es sich in der Praxis sehr häufig weder an die eigene(n) Verfassung und Gesetze noch an die internationalen Konventionen. Be- kannt ist, dass die iranischen Behörden nicht vor der Überwachung ihrer Staatsbürger im Ausland zurückschrecken; es finden sich auch Hinweise darauf, dass konvertierte Iranerinnen und Iraner im Ausland von ihrem Hei- matstaat überwacht werden. 7.3.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts führt der Übertritt zu einer anderen Glaubensrichtung im Iran alleine zu keiner (individuellen) staatlichen Verfolgung. Verfolgung droht dann, wenn der Glaubenswechsel aufgrund einer missionierenden Tätigkeit bekannt wird und zugleich Aktivi- täten der Konvertierten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. D-6384/2019 Seite 19 7.3.3 Es ist davon auszugehen, dass weniger als ein Prozent der irani- schen Bevölkerung als Christen registriert sind, wobei Konvertiten und Konvertitinnen sowie Personen evangelikalen Glaubens nicht als Christin- nen anerkannt werden. Personen, die sich nicht als Christen registrieren lassen können, können nicht von dens elben Rechten wie Mitglieder von anerkannten christlichen Gruppen profitieren. Auch heute werden in der iranischen Verfassung Personen christlichen Glaubens offiziell als Minder- heit anerkannt, womit ihnen das Recht gewährt wird, innerhalb der durch das Ges etz vorgegebenen Grenzen religiöse Rituale und Zeremonien durchzuführen und persönliche Angelegenheiten sowie Religionsunterricht gemäss ihren eigenen religiösen Regeln zu gestalten. Sowohl die Abkehr vom Islam selber als auch die Missionierung von muslimi schen Personen kann aber mit der Todesstrafe bestraft werden. Nach dem Amtsantritt von Hassan Rohani hat die Anzahl Verhaftungen insgesamt zugenommen. In Berichten wird von mehreren hundert festgenommenen Personen in den letzten Jahren ausgegangen, wobei verschiedentlich von Verurteilungen zu langen Haftdauern berichtet wird, insbesondere wenn die Personen mit ei- ner missionierenden Tätigkeit in Verbindung gebracht werden. Konvertierte werden oft wegen Verbrechen politischer Natur und Verbrechen gegen die nationale Sicherheit angeklagt, was ein weites und vages Spektrum an Ak- tivitäten umfasst, wie zum Beispiel Propaganda gegen das System, Ab- sprache gegen die Regierung, Beleidigung des obersten Führers oder des Präsidenten oder auch Verschwörung mit ausländischen Feinden. Die Ver- fahren sind oft unfair und genügen rechtsstaatlichen Kriterien nicht. In jüngster Zeit liegen Hinweise dafür vor, dass das Strafmass für Konvertierte besonders hoch ausfällt. Um gegebenenfalls aus der Haft entlassen zu werden, müssen ko nvertierte Personen oft eine hohe Kaution bezahlen, den Glauben verleugnen, sich als Informant respektive Informantin betäti- gen und/oder das Land verlassen. 7.3.4 Christinnen und Christen werden im iranischen Alltag in verschiede- ner Hinsicht diskriminiert. Sie sind oft auch mit Ablehnung sowie Druck sei- tens ihrer Familienangehörigen konfrontiert, wobei das Risiko einer Denun- ziation gross ist. Aufgrund dessen müssen Christinnen und Christen ihren Glauben oft im Geheimen in sogenannten Hauskirchen ausüben, welche aufgrund der fehlenden Bewilligung als illegal gelten und als illegale Netz- werke und zionistische Propagandainstitutionen bezeichnet werden. Die Gefahr, durch Informantinnen oder Informanten entdeckt zu werden, ist gross. Auch der Import, der Druck und die Verteilung von nicht -muslimi- scher religiöser Literatur sind stark beschränkt und verboten. Der Besitz einer Bibel oder anderer christlicher Texte wird als Straftat eingeschätzt. D-6384/2019 Seite 20 7.3.5 Bei einer Rückkehr in den Iran nach einer im Ausland erfolgten Taufe respektive Konversion kann die Gefährdung durch verschiedene Faktoren wie offene Äusserungen zum Glauben (z.B. auch in sozialen Medien), Be- kanntsein der Person bei den iranischen Behörden im Zeitpunkt der Aus- reise, familiäre Verbindungen zu den Behörden, zugänglich e Belege der Taufe, Verbindungen zu Netzwerken im Ausland oder auch der Dauer des Auslandsaufenthalts abhängen. Indessen werden im Ausland konvertierte Personen nicht anders behandelt, als Personen, welche sich im Iran haben taufen lassen (vgl. Urteil des BVGer D-4795/2016/D-4798/2016 E. 6.2.4). 7.3.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich die aktuelle Situation im Iran im Vergleich zu derjenigen, die im Zeitpunkt des Erlasses des BVGE 2009/28 zugrundeliegenden Urteils zu beurteilen war, hinsichtlich der Lage der Christinnen und Christen im Iran in den letzten Jahren nicht verbessert hat. Mit einer asylrelevanten Verfolgung durch den iranischen Staat aufgrund einer Konversion ist dann zu rechnen, wenn sich die Person durch ihre missionierende Tätigkeit exponiert oder exponieren würde und Aktivitäten des Konvertierten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Der Beschwerdeführer wurde im Iran weder von behördlicher noch von pri- vater Seite im Sinne des Asylgesetzes ernsthaft benachteiligt. Er legte zwar dar, dass er aufgrund einer Auseinandersetzung mit einer Drittperson zur Bezahlung einer (bedingten) Busse und eines Blutgeldes verurteilt wurde, und anschliessend seine Arbeitsstelle verlor, weil sein Arbeitgeber mit dem Opfer verwandt gewesen sei, die Verurteilung wäre indessen aus den vor- stehend genannten Gründe als asylrechtlich nicht relevant zu bezeichnen. Aufgrund seiner beruflichen Fertigkeiten kann nicht davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer hätte seinen Lebensunterhalt nicht ander- weitig als bei seinem vorherigen Arbeitgeber bestreiten können. Er schil- derte des Weiteren, dass er im Iran zwar einige Sitzungen einer Hauskirche besucht habe, aber sehr vorsichtig gewesen sei, weil er behördliche Mass- nahmen befürchtete, falls seine Teilnahme an den Treffen bekannt gewor- den wäre. Den Akten sind keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass eine Entdeckung der Hauskirche, an deren Treffen er teilnahm, kurz bevorge- standen hätte, oder dass ihm nahestehende Personen, die bei einem Ver- hör Aussagen über ihn hätten machen können, festgenommen worden wa- ren. Dem Beschwerdeführer kann bezüglich seines Interesses für das Christentum für den Zeitpunkt seiner Ausreise somit keine begründete Furcht vor in naher Zukunft drohender Verfolgung zuerkannt werden. D-6384/2019 Seite 21 7.4 7.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt die vom Beschwerdeführer gel- tend gemachte Homosexualität nicht grundsätzlich in Frage. Gemäss stän- diger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts werden homosexu- elle Personen im Iran nicht kollektiv ver folgt (vgl. Urteil D -891/2013 vom 17. Januar 2014 E. 5 mit Hinweis auf die Beurteilung des Europäischen Gerichtshofs [EuGH] vom 7. November 2013 [C -199/12, C -200/12, C-201/12]). Diese Einschätzung wird vom Bundesverwaltungsgericht in konstanter Rechtsprechung geteilt (vgl. Urteile E-3447/2019 vom 13. No- vember 2019 E. 6.3.6, E -6640/2018 vom 16. Mai 2019 E. 6.1.1, E-212/2019 vom 12. Februar 2019 E. 6.1, D-4503/2017 vom 17. Juli 2018 S. 6, E-1490/2015 vom 13. März 2018 E. 5.3). 7.4.2 Aktuellen Berichten zufolge wird Homosexualität im Iran weiterhin kri- minalisiert und es sind hohe Strafen bis hin zur Todesstrafe dafür vorgese- hen. Homosexuelle Menschen werden von den Sicherheitsbehörden dis- kriminiert sowie verhaftet und Hasskriminalität wird geduldet (USDOS – US Department of State, Country Report on Hu man Rights Practices 2018 – Iran, vom 13. März 2019, Amnesty International, Amnesty International Re- port 2017/18 – The State of the World's Human Rights – Iran, vom 22. Feb- ruar 2018). Allerdings komme es nur selten zu Strafverfolgungen; dies ge- mäss Berichten nicht zuletzt aufgrund der Besonderheiten des iranischen Straf(prozess)rechts, das für die Beweisbarkeit von homosexuellen Hand- lungen hohe Hürden aufstellt und diesbe zügliche Falschanschuldigungen unter massive Strafandrohung stellt (vgl. Austrian Centre for Country of Ori- gin & Asylum Research and Documentation [ACCORD], Iran: COI Compi- lation, vom Juli 2018, mit Hinweis auf einen Länderbericht des Netherlands Ministry of Foreign Affairs vom Mai 2015, The Guardian, Where are the most difficult places in the world to be gay or transgender? , vom 1. März 2017). Auch das Committee against Torture (CAT) hat festgestellt, dass al- lein die Tatsache, dass Homosexualität im Iran g enerell verboten ist , für einen in dieses Land zurückkehrenden homosexuellen Iraner noch nicht zu einem konkreten und ernsthaften Folterrisiko führe (vgl. Urteil H.R.E.S. ge- gen die Schweiz vom 9. August 2018, Communication No. 783/2016). 7.4.3 Aufgrund der dies bezüglich übereinstimmenden und klaren Aussa- gen des Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass er im Iran auf- grund seiner sexuellen Orientierung keine konkreten Verfolgungsmassnah- men erlitt, die zu seiner Ausreise geführt haben könnten. Den Akten kann nicht entnommen werden, dass ihm in absehbarer Zeit Verfolgung gedroht hätte, da der Beschwerdeführer in der Anhörung zwar davon berichtete, D-6384/2019 Seite 22 Homosexualität werde im Iran als Verbrechen betrachtet und geahndet, in- dessen nicht darlegte, ihm hätte aufgrund seiner Sexualkontakte mit Män- nern konkret die Einleitung eines Strafverfahrens gedroht. 7.5 7.5.1 Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer aufgrund der seinen Aus- sagen gemäss in der Schweiz vollzogenen Taufe von einer ihm nicht na- mentlich bekannten Glaubensgemeinschaft sowie den Kirchenbesuchen in Griechenland und der Schweiz beziehungsweise seines Vorbringens, er habe seine engsten Familienangehörigen über seine Hinwendung zum Christentum und seine Homosexualität in Kenntnis gesetzt, subjektive Nachfluchtgründe geschaffen hat. 7.5.2 Personen, die erst wegen ihrer Ausreise aus ihrem Heimatstaat oder ihrem Verhalten danach ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sind respektive begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, sind nach Art. 54 AsylG zwar als Flüchtlinge vorläu- fig aufzunehmen, indes wegen sogenannter subjektiver Nachfluchtgründe von der Asylgewährung auszuschliessen. Das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen muss nachgewiesen oder zumindest glaubhaft ge- macht werden. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesent- lichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7.5.3 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet das Interesse des Be- schwerdeführers am Christentum nicht als generell unglaubhaft. Er übt sei- nen Glauben indessen auch nach seiner Ausreise aus dem Iran nicht in einer als objektiv gesehen aktiven und expon ierten Weise aus. Er sagte aus, er habe seinen engsten Familienangehörigen von seiner Hinwendung zum Christentum erzählt, nachdem er in der Schweiz angelangt war. Da seine Familie indessen kaum eine Reaktion auf sein «Geständnis» zeigte, ist nicht davon auszugehen, dass seine Zuwendung zum Christentum den iranischen Behörden zur Kenntnis gelangte. Der Beschwerdeführer hätte somit bei einer Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine flüchtlingsrechtlich relevanten, ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen; es ist ihm diesbezüglich auch im heutigen Zeit- punkt keine begründete Furcht vor Verfolgung zuzusprechen. 7.5.4 Im vorliegenden Fall ergeben sich angesichts der Aussagen des Be- schwerdeführers keine Hinweise darauf, dass er bei einer Rückkehr in den D-6384/2019 Seite 23 Heimatstaat befürchten müsste, wegen seiner sexuellen Veranlagung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.1) zum Opfer von Verfolgung zu werden. Seinen Angaben gemäss reagierten seine engsten Familienangehörigen, denen er nach sei- ner Ausreise aus dem Iran seine sexuelle Orientierung eröffnet habe, nicht feindselig, sondern befremdet und betroffen. Aufgrund der Aktenlage be- steht kein Anlass für die Annahme, seine Angehörigen würden ihn im Falle einer Rückkehr bei den Behörden denunzieren. Da keine genügend hohe Wahrscheinlichkeit der Anzeigenerstattung durch diejenigen Personen, de- nen er seine sexuelle Orientierung eröffnete, besteht, kann ihm keine ob- jektiv begründete Furcht vor Verfolgung zuerkannt werden, da eine in Zu- kunft hypothetisch denkbare Verfolgung dazu nicht ausreicht. 7.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. Das SEM hat zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge- such abgelehnt. Es erübrigt sich auf die weiteren Ausführungen in der Be- schwerde einzugehen, da sie an der Würdigung des vorliegenden Sach- verhalts nichts zu ändern vermögen. 8. 8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine au sländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zuläs sig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, D-6384/2019 Seite 24 wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausa me, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 9.2.3 Gemäss den vorstehenden Ausführungen ist auch nicht davon aus- zugehen, der Beschwerdeführer wäre für den Fall einer Ausscha ffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) so- wie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die ist ihm unter Hinweis auf die vorste- henden Erwägungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Auch die allgemeine D-6384/2019 Seite 25 Menschenrechtssituation im Iran lässt den Wegweisungsvollzug zum heu- tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 9.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.1 Im Iran herrscht weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar wäre. 9.4.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts führt Ho- mosexualität (auch) bei Asylsuchenden aus dem Iran für sich allein genom- men nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Urteile E-6640/2018 vom 16. Mai 2019 E. 8.3.2 und D-6447/2017 vom 18. Januar 2018 E. 6.4.2). 9.4.3 Andere individuelle Gründe, welche gegen die Zumutbarkeit des Voll- zugs der Wegweisung sprechen könnten, liegen nicht vor. Der Beschwer- deführer ist ein junger Mann, der über eine gute schulische Bildung, eine Berufsausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung verfügt und für sei- nen Lebensunterhalt selbst aufkommen konnte. Seinen Angaben gemäss hatte er im Iran ein funktionierendes soziales Beziehungsnetz, das er teil- weise wird reaktivieren können. Es darf davon ausgegangen werden, dass seine Geschwister ihn nach seiner Rückkehr anfänglich unterstützen kön- nen und werden. 9.4.4 Der Beschwerdeführer wurde den Angaben des eingereichten Poli- zeiberichts gemäss am 4. Januar 2020 bei einer Auseinandersetzung von einem Landsmann mit einem zerbrochenen Weinglas im Halsbereich le- bensgefährlich verletzt. Dass er als Opfer einer seine körperliche Integrität stark beeinträchtigenden Straftat auch psychisch belastet sein könnte, er- achtet das Bundesverwaltungsgericht als durchaus wahrscheinlich. Da die psychischen Folgen einer Straftat im Iran indessen behandelt werden kön- nen, kann deshalb nicht auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ge- schlossen werden. Das SEM wird indessen zu klären haben, inwieweit die D-6384/2019 Seite 26 Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz im Strafverfahren not- wendig sein könnte und ob er aus medizinischer Sicht reisefähig ist bezie- hungsweise besonderer Betreuung und Begleitung bedarf. Den vorliegen- den speziellen Umständen könnte im Rahmen der Ansetzung der Ausrei- sefrist Rechnung getragen werden. 9.4.5 Es ist somit nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer gerate bei einer Rückkehr in den Iran in eine Notlage, weshalb sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar erweist. 9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.6 Zusammenfassend hat die Vorins tanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be - schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 6. Dezember 2019 gutgeheis- sen wurde und den Akten keine Hinweise auf eine relevante Veränderung der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, sind keine Verfahrenskos- ten aufzuerlegen. 11.2 Mit Zwischenverfügung vom 6. Dezember 2019 wurde dem Be- schwerdeführer auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung nach aArt. 110a Abs. 1 AsylG gewährt und lic iur. Dominik Löhrer als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Darin wurde auch auf die praxisgemässen Stundenansätze für nicht-anwaltliche Vertreter von Fr. 100.– bis 150.– hin- gewiesen. Dem amtlichen Rechtsbeistand ist ein Honorar zulasten des Ge- richts auszurichten (Art. 65 Abs. 5 VwVG und Art. 12 i.V.m. Art. 8 ff. des D-6384/2019 Seite 27 Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor de m Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der Kostennote vom 14. Januar 2019 ausgewiesene Vertretungsaufwand von rund 13.5 Stunden erscheint für das vorliegende Verfahren nicht als voll- umfänglich angemessen und ist unter Berücksichtigung des Aufwandes für die Einreichung der Stellungnahme vom 6. März 2020 auf 12,5 Stunden zu reduzieren. Unter Anwendung des in der Zwischenverfügung kommunizier- ten Stundenansatzes von Fr. 150.– ist das Honorar des amtlichen Rechts- beistands somit auf insgesamt Fr. 1915.– (inkl. Auslagen von Fr. 40.–) fest- zusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-6384/2019 Seite 28 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand, lic. iur. Dominik Löhrer, wird vom Bundes- verwaltungsgericht ein Honorar von Fr. 1915.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: