B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1111/2014 U r t e i l v o m 21 . M ä r z 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Bruno Huber, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Februar 2014 / N (…). D-1111/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat im November 2011 und gelangte am 7. März 2012 unkontrol- liert in die Schweiz, wo er noch am gleichen Tag im Empfangs - und Ver- fahrenszentrum (EVZ) M._______ ein Asylgesuch stellte. Anlässlich der Befragung vom 12. April 2012 zur Person (BzP) im EVZ M._______ so- wie der Anhörung vom 10. Februar 2014 durch das BFM machte der Be- schwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er sei afgha nischer Staatsan gehöriger usbekischer Ethnie. Er habe von Geburt an bis zu seiner Ausreise in N._______ (Provinz Kun- duz) gelebt. Sein Vater sei verstorben, als er noch klein gewesen sei. In der Folge habe er mit seiner Mutter bei seinem Onkel gewohnt. E r sei nie zur Schule gegangen, habe jedoch in einer Koranschule ein wenig lesen und schreiben gelernt. Seit dem siebten Lebensjahr sei er als Hirte und in der Landwirtschaft arbeitstätig gewesen. Fünf - bis sechsmal seien G e- folgsleute eines gewissen B._______ nach N._______ gekommen, um junge Männer als Tänzer für den sog enannten Batschebaz-Kult mitz u- nehmen. Einige 14 - bis 16-Jährige aus N._______ seien mitgenommen worden. Er selber sei aber nie mitgenommen worden. Ferner gebe es in Afghanistan Probleme mit den Taliban. Er sei davon indessen persönlich nicht betroffen gewesen. Im Frühjahr sei sein Onkel verstorben. Daraufhin seien er und seine Mutter zu r Schwester und zu deren Ehemann umg e- zogen. Letztlich habe die Perspektivlosigkeit des Beschwerdeführers d a- zu beigetragen, dass er den Heimatstaat verlassen habe. Im November 2011 sei er aus Afghanistan ausgereist und auf dem Landweg nach Euro- pa gelangt. A.b Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer eine Tazkara zu den Akten. A.c Eigenen Angaben zufolge ka m der Beschwerdeführer am 1. Januar 1996 zur Welt. Aufgrund von Zweifeln an seiner Geburtsdatumsangabe wurde eine Knochenaltersbestimmung durchgeführt. Daraufhin wurde dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2012 eröffnet, dass er als volljä hrig gelte und ihm der 1. Januar 1994 als fiktives G e- burtstagsdatum zugeordnet worden sei. B. Mit Verfügung vom 14. Februar 2014 – eröffnet am 18. Februar 2014 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 7. März D-1111/2014 Seite 3 2012 ab und ordnete die Wegweisu ng aus der Schweiz sowie den We g- weisungsvollzug an. Ausserdem stellte es fest, als Geburtstagsdatum werde der 1. Januar 1994 angenommen. Zur Begründung machte die Vorinstanz im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, die Anhänger v on Kommandant B._______ hätten für die Ba t- schebaz-Tradition junge Männer im Alter von 14, 15 oder 16 Jahren mi t- genommen. Indessen habe der Beschwerdeführer die von ihm genannte Altersobergrenze von 16 Jahren deutlich überschritten und er sei somit aus dem Rekrutierungsalter herausgewachsen. Somit sei er – bei Wahr- unterstellung seiner Aussagen betreffend die Anhänger von Kommandant B._______ – zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr von asylrelevanter Ve r- folgung bedroht und bedürfe des Schutzes der Schweiz nicht. Da er im heutigen Zeitpunkt keine Verfolgungsmassnahmen zu befürchten habe, sei das Vorbringen, allenfalls für die Batschebaz -Tradition mitgenommen und missbraucht zu werden, nicht asylrelevant. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, Afghanistan verlassen zu haben, um in der Schweiz ein besseres Leben zu führen und um der Präsenz der Ta- liban zu entgehen. Allerdings habe er mit den Taliban persönlich keine Schwierigkeiten gehabt. Somit sei er nicht gezielt von den Taliban verfolgt worden. Die Perspektivlosigkeit stelle im Übrigen keinen Nachteil im Si n- ne des Asylgesetzes dar. Weil der Beschwerdeführer von den Taliban nicht gezielt verfolgt worden sei und das Land wegen sozialen, wirtschaft- lichen und politischen Lebensbedingungen verlassen ha be, lägen keine asylrelevanten Fluchtgründe vor. Aufgrund von Zweifeln an dem vom Beschwerdeführer angegebenen A l- ter sei im April 2012 eine Knochenaltersbestimmung durchgeführt wo r- den. Diese habe ergeben, dass er ein Skelettalter von 19 Jahren oder mehr aufweise. Es könne ihm nicht geglaubt w erden, dass er minderjä h- rig sei , und sein Geburtsdatum sei fiktiv auf den 1. Januar 1994 datiert worden. Daraufhin habe der Beschwerdeführer eine Tazkara eingereicht, um seine Minderjährigkeit glaubhaft zu ma chen. Das BFM habe mit Zw i- schenverfügung vom 4. Juli 2012 festgestellt, dass er weiterhin als vol l- jährig gelte. Es werde zudem festgehalten, dass er gemäss Tazkara am 25. November 2007 12 -jährig gewesen sei. Somit wäre er selbst bei Wahrunterstellung der Angaben auf der Tazkara im Zeitpunkt des vorli e- genden Asylentscheides volljährig. Bei der vom Beschwerdeführer eing e- reichten Tazkara handle es sich entgegen den Vorbringen des Beschwer- deführers lediglich um eine Kopie. Hebe man nämlich das sich auf der Tazkara befindliche Foto an, so sei erke nnbar, dass sich ein in Farbe f o- tokopiertes Abbild des Beschwerdeführers darunter befinde, was bei einer D-1111/2014 Seite 4 Original-Tazkara nicht der Fall sei. Zudem sei am Stempel auf der Tazka- ra erkennbar, dass es sich nicht um ein Original hand le. Dementspr e- chend sei die Identität des Beschwerdeführers als nicht gesiche rt zu qua- lifizieren. Vorbringen seien unglaubhaft, wenn sie in wesentlichen Punkten der al l- gemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns widersprächen. Der Beschwerdeführer habe angegeben, aus der Gemeinde N._______ (Pro- vinz Kunduz) zu stammen. Dort sei er auf gewachsen und bis zu seiner Ausreise ansässig gewesen. Es könne demnach er wartet werden, dass er die N._______ umgebenden Dörfer kenne. Es seien ihm fünf Dorfn a- men aus der Provinz Kunduz aufgezählt worden, wovon zwei Dörfer Nachbardörfer von N._______ seien. Er sei aufgefordert worden, aus den fünf aufgezählten Dörfern die beiden Nachbardörfer von N._______ zu benennen. Die beiden von ihm genannten Dörfer seien aber gerade keine Nachbardörfer von N._______. Die eigentlichen Nachbargemeinden habe er unerwähnt gelassen. Dies habe er damit begr ündet, dass er nie aus dem Dorf herausgegangen sei. Dies sei jedoch als reine Schutzbehau p- tung zu qualif izieren, zumal er auch angegeben habe, mehrfach in die Stadt O._______ gegangen zu sein. In Anbetracht des Umstandes, dass er mehrfach nach O._______ gegangen sei, könne davon ausgegangen werden, dass er über die geograf ischen Gegebenheiten gewisse Ang a- ben machen könne. Er habe jedoch nicht angeben können, ob es in O._______ einen Fluss gebe. Dies, obwohl es in O._______ einen Fluss gebe, den man von N._______ kommend passieren müsse. Aufgrund der mangelnden geografischen Kenntnisse bestünden Zweifel daran, dass er tatsächlich seine ganze Kindhe it in N._______ verbracht habe. Ferner habe er angegeben, in N._______ als Hirte und in der Landwirtschaft t ä- tig gewesen zu sein. Doch habe er nicht gewusst, zu welcher Jahreszeit respektive welchen Jahreszeiten Schafe in Afghanistan gebären. Seine Erklärung, er habe nicht die ganze Zeit als Hirte gearbeitet, sondern sei auch landwirtschaftlich tätig gewesen, vermöge nicht zu überzeu gen. So sei seine A ntwort auf die Frage , wie viele Male pro Jahr in N._______ Weizen geerntet werden könne, nicht schlüssig ausgefallen. Er habe nämlich angegeben, er habe innerhalb von sechs Monaten zwei - bis dreimal Weizen ernten können. Gemäss Er kenntnissen des BFM sei die Weizenernte in Afghanistan abe r bloss bis zu zweimal jährlich möglich , eine dreimalige Weizenernte in bloss sechs Monaten mitunter ausg e- schlossen. Nach dem Gesagten bestünden erhebliche Zweifel daran, dass er tatsächlich den von ihm geltend gemachten beruflichen Hinte r- grund besitze und in N._______ in der Landwirtschaft und als Hirt e tätig D-1111/2014 Seite 5 gewesen sei. Diese Zweifel würden dadurch erhärtet, dass er angegeben habe, seine Familie habe kein Land besessen, indessen soll seine Aus- reise durch den Verkauf von Land aus dem Besitz der Mutter finanziert worden sein. Es sei nicht nachvollzie hbar, dass er als in N._______ auf- gewachsene Person keine respektive falsche Angaben zu den geo grafi- schen Gegebenheiten mache und über ein mangelhaftes Wissen zu sei- nem geltend gemachten Berufsleben verfüge. Es sei ihm deshalb nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er tatsächlich aus N._______ stamme und den von ihm genannten Hintergrund besitze. Der Umstand, dass dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden könne, dass er aus N._______ stamme, werfe erhebliche Zweifel darüber auf, ob sich die von ihm geltend gema chte Verfolgungssituation in N._______ tatsächlich zugetragen habe. Die Zweifel würden dadurch erhärtet, dass er im Rahmen der BzP die Gefahr einer Mitnah me durch Anhänger des Kommandanten B._______ nicht erwähnt habe. Als Erklärung hiefür habe er angegeben, dass er nicht danach gefragt worden sei. Er sei bloss al l- gemein und nach dem Reiseweg befragt worden. Dies e Antwort vermöge nicht zu überzeugen, weil e r im Rahmen der BzP gefragt worden sei, ob er alle Gründe genannt habe, weshalb er Afghanistan verlassen habe , und ob es andere Gründe gebe, welche es ihm verunmöglichen würde n, in Afghanistan zu leben. Da er ohne zwingenden Grund erst im Rahmen der Bundesanhörung geltend gemacht habe, durch Anhänger von Ko m- mandant B._______ bedroht gewesen zu sein, seien diese Vorbringen höchst zweifelhaft. Hinsichtlich der geltend gemachten Bedrohung durch die Anhänger von Kommandant B._______ werde zudem auf die fehle n- de Asylrelevanz der entsprechenden Vorbringen verwiesen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) respektive den Anforderungen an die Asylrel e- vanz gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Hinsichtlich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gelte es folge n- de Umstände zu berücksichtigen: Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, aus N._______ (Bezirk P ._______, Provinz Kunduz) zu sta m- men. Eine R ückkehr dorthin wäre aufgrund der dort herrschenden allg e- meinen Lage als unzumutbar zu erachten. Wie bereits unter dem Asy l- punkt dargelegt, habe er jedoch falsche und widersprüchliche Angaben zu seinen finanziellen Verhältnissen (Landbesitz), zu seinem beruflichen Hintergrund (mangelhafte Kenntnisse bezüglich des Hirtenlebens und der D-1111/2014 Seite 6 Landwirtschaft), zu den geografischen Gegebenheiten (Unkenntnis betreffend Nachbardörfer und den Fluss in O._______) sowie zu seiner Identität (keine Abgabe einer Original-Tazkara trotz gegenteiliger Behaup- tung) gemacht. Es sei nicht nachvollzie hbar, dass eine Person, die ihr ganzes Leben an einem einzigen Ort gelebt habe, nicht imstande sei, schlüssige Angaben zur geografischen Umgebu ng und zum Berufsleben zu machen. Seine Aussagen zu der von ihm geltend gemachten Herkunft könnten deshalb nicht geglaubt werden. Es sei dem BFM nicht möglich, sich in voller Kenntnis seiner tatsächlichen persönlichen und familiären Situation zur Zumutbark eit des Vol lzugs der Wegweisung zu äussern. Zwar seien die Wegweisungshindernisse grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen; diese Untersuchungspflicht finde jedoch ihre Grenzen an der Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht des Beschwerdeführers. Es sei nach ständiger Rechtsprechung nicht Aufgabe der Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen seitens des Beschwerdeführers nach allfälligen Wegwe i- sungshindernissen zu forschen, falls dieser – wie dies vorliegend der Fall sei – seiner Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachve r- haltsermittlung nicht nachkomme und die Asylbehörden zu täuschen ve r- suche. Somit gebe es keine Hinweise dafür, dass eine konkrete Gefäh r- dung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezem- ber 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) vor- liege. Der Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat erweise sich auch als zumutbar. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durchführbar. C. C.a Mit Eingabe vom 4. März 2014 reichte der Beschwerdef ührer eine Beschwerde ein und stellte die nach stehend aufgeführten Rechtsbege h- ren: Der Entscheid des BFM vom 14. Februar 2014 sei im Wegweisung s- punkt aufzuheben. Es sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegwe i- sung festzustellen und die vorläufige Aufnahm e des Beschwerdeführers in der Schweiz anzuordnen. Schliesslich sei auf die Erhebung eines Ko s- tenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erw ä- gungen eingegangen. C.b Mit Eingabe vom 7. März 2014 reichte der Beschwerdeführer zwei Dokumente zu den Akten und erklärte hiezu, es handle sich um Original-D-1111/2014 Seite 7 dokumente, nämlich die Einwohnerbestätigung seiner Familie sowie die Tazkara seiner Mutter. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist dah er zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmun gen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 des AsylG gilt für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung dieses Gesetzes hängigen Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2-4 das neue Recht. 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legiti miert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-1111/2014 Seite 8 3. Die Beschwerde richtet sich gemäss den Rechtsbegehren und der B e- gründung ausschliesslich gegen den Vollzug der von der Vorinstanz ve r- fügten Wegweisung. Die Verfügung des BFM vom 14. Februar 2014 ist, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung betrifft (Ziffn. 1 und 2 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung), in Rechtskraft erwachsen, und auch die Anordnung der Wegweisung (Ziff. 3 des Dispositivs) ist nicht mehr zu überprüfen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK; EMARK] 2001 Nr. 21 ). Gegenstand d es vorliegenden Verfahrens bildet somit im Wesentlichen einzig die Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich er- achtet hat oder ob an seiner Stelle die vorläufige Aufnahme anzuordnen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG). 4. 4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 4.2 4.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder ein en Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schwe izerischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, D-1111/2014 Seite 9 SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 4.2.2 Da rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nich t ge- lungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Besc hwerdeführers in den He i- matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in sein Heimatland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Besch werde Nr. 37201/06, §§ 124 -127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm jedoch nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Afgh a- nistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten i st der Vollzug der Wegwe i- sung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. 4.3 4.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund vo n Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bu ndesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 4.3.2 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist auf das weiterhin zutreffende Grundsatzurteil BVGE 2011/7 vom 16. Juni 2011 zu verwe i-D-1111/2014 Seite 10 sen. Nach eingehender Lageanalyse stel lte das Bundesverwaltungsg e- richt darin fest, dass die Sicherheitslage sowie die humanitären Bedi n- gungen in weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in den Gros s- städten – äusserst schlecht seien, weshalb die Situation praktisch fl ä- chendeckend als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei die Lage in der Hauptstadt Kabul zu unterscheiden. Angesichts dessen, dass dort die S i- cherheitslage weniger bedrohlich als in den anderen Landesteil en sei , sich zumindest in letzter Zeit nicht verschlechtert habe, und dass die h u- manitäre Situation im Vergleich zu den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach Kabul unter Umständen als zumutbar qualifiziert wer den. Solche Umstände könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rüc k- kehrer um einen jungen, gesunden Mann handle. Angesichts der ko n- stanten Verschlechterung der Lage über die vergangenen Jahre hinweg und der auch in Kabul schwier igen Situation verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits von der vormaligen Beschwerdeinstanz in EMARK 2003 Nr. 10 formulierten strengen Bedingungen in jedem Einze l- fall sorgfältig geprüft w ürden und grundsätzlich erfüllt sein müssten, um die Zumut barkeit eines Wegweisungsvollzugs nach Kabul bejahen zu können. Unabdingbar sei in erster Linie ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als tragfähig erweise; denn ohne Unterstützung durch Familie od er Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in eine lebensbedrohende Situation führen (a.a.O., E. 9.9). 4.3.3 Bezüglich seiner Herkunft machte der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus N._______ (Bezirk O._______, Provinz Kunduz) und habe dort von Geburt an bis zu seiner Ausreise gelebt ( Akten BFM A14/11 Ziff. 2.01 S. 4). Indessen war er nicht in der Lage, zutreffende Angaben zur unmittelbaren Umgebung seines angeblichen Herkunftsortes zu ma- chen und unter einer ihm vorgelegten Auswahl von fünf Ortschaftsnamen auch nur eine s der beiden Nachbardörfer von N._______ korrekt an- zugeben (A37/13 F72/3 S. 8 und 9). Desgleichen wusste er nicht, ob es in O._______ einen Fluss gibt, obwohl er sich eigenen Angaben zufolge manchmal dorthin begeben habe (A37/13 F78 S. 10) und infolgedes sen zwangsläufig den Fluss überquert haben müsste . Ferner lassen auch seine Angaben zu seiner jahr elangen Erwerbstätigkeit ab dem 7. Alter s- jahr in der Landwirtschaft (A37/13 Ziff. 29 S. 4) lediglich den Schlu ss zu, dass er sich nicht in diesem Erwerbszweig betätigt hat. Andernfalls wüs s- te er nämlich, in welcher Jahreszeit die Schafe ihre Jungen zur Welt bri n-D-1111/2014 Seite 11 gen (A37 F35 S. 4, F36 S. 5) und ob in Afghanistan drei Ernten pro Jahr möglich sind (A37/13 F82 S. 10). Auch sind die Angaben des Beschwer- deführers zur Frage, ob seine Mutter Grundstückeigentümerin gewesen sei (A37/13 F31 S. 4, F37 S. 5), nicht geeignet, Klarheit in Bezug auf sein Umfeld im Heimatstaat zu schaffen, zumal sich angesichts der Reihenfo l- ge der Antworten der Eindruck aufdrängt, seine Mutter habe während seiner langjährigen Erwerbstätigkeit kein Land gehabt, dann aber doch welches verkauft, um die Ausreise des Beschwerdeführers zu finanzieren. Angesichts der unplausiblen Reihenfolge seiner Antwor ten vermag der nachträgliche Erklärungsversuch des Beschwerdeführers auf Vorhalt hin nicht zu überzeugen (vgl. a.a.O. F38 S. 5). Schliesslich ist darauf hinz u- weisen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Identität nicht nachgewiesen ist, weil es sich bei der von ihm eingereichten Tazkara ent- gegen seinen Vorbringen nicht um ein Original handelt. Dementspre- chend kann er aus diesem Dokument nichts zu seinen Gunsten ableiten; ebenso wenig sind die mit Eingabe vom 7. März 2014 eingereichte Ein- wohnerbestätigung oder die "Tazkara seiner Mutter" beweistaugliche Do- kumente für seine Herkunft aus N._______, zumal mit diesen Dokume n- ten die Identität des Beschwerdeführers nicht nachgewiesen werden kann und somit weiterhin nicht feststeht. Im Übrigen hat die Vorinstanz entgegen den Vorbringen in der Beschwer- deschrift die Tazkara nicht als Fälschung bezeichnet , weshalb es auch keinen Anlass gab, ihm das rechtliche Gehör zu allfälligen Fälschung s- merkmalen zu gewähren. Nach dem Gesagten liegt s omit keine Verle t- zung des rechtlichen Gehörs vor. 4.3.4 Die Untersuchungspflicht der Asylbehörden hinsichtlich Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs nach Treu und Glauben findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerde führenden Pe r- son (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG). Vorliegend ist der Beschwerdeführer offensichtlich nicht bereit, wahrheitsgemäss über seine persönliche und familiäre Situation im Heimatland Auskunft zu geben. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers keinen Realitätsb e- zug haben. Bei dieser Sachlage kann der Vorinstanz weder eine Verle t- zung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 12 VwVG) noch der Begrü n- dungspflicht (Art. 35 Vw VG) noch eine willkürliche Sachverhaltsbeurte i- lung vorgeworfen worden, da sie sich in der angefochtenen Verfügung rechtsgenüglich und einlässlich mit den Lebensumständen des B e- schwerdeführers auseinandergesetzt hat. Nach der Bestimmung von D-1111/2014 Seite 12 Art. 8 des Schwe izerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210), die als allgemeiner Rechtsgrundsatz auch im öffentlichen Recht Anwendung findet, hat der Beschwerdeführer die Folgen der Be- weislosigkeit in Bezug auf die unter dem Aspekt der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gegebenenfalls zu berücksichtigenden Umstände zu tragen. Nach dem oben Gesagten und aufgrund der Tatsache, dass es ihm möglich war, die kostspielige Reise in die Schweiz zu finanzieren, und er die prägenden Jahre der Adoleszenz in Afghanistan verbracht hat, ist davon auszugehen, dass er nach der Rückkehr in sein Heimatland auf ein bestehendes soziales Netz zurückgreifen kann. 4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zu- mutbar. 4.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mö g- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu bestätigen; er wurde von der Vorinstanz zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vor- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt rich tig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. 7.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 7.2 Der Beschwerdeführer ersucht um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG , wonach die B e- schwerdeinstanz eine bedürftige Partei, deren Begehren nicht von vor n- herein aussichtslos erscheinen, auf Gesuch davon befreien kann, Verfah- renskosten zu be zahlen. Aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer keine prozessualen Erfolgschancen hatte, ergibt sich zwar noch nicht D-1111/2014 Seite 13 zwingend, die Beschwerde sei von vornherein aussichtslos. Dennoch müssen vorliegend die Gewinnaussichten des Beschwerdeführers als von allem Anfang an beträchtlich geringer eingestuft werden als die Verlustge- fahren und können als kaum ernsthaft bezeichnet werden. Dies bedeutet nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. BGE 122 I 271 E. 2b), dass der Streitfall als von vornherein aussic htslos zu bezeichnen ist, was in casu angesichts der Vorbringen des Beschwerdeführers zu bejahen ist. Deshalb ist das gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-1111/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: