Handelsgericht des Kantons Zürich Geschäfts-Nr.: HG210152-O U/ei Mitwirkend: der Oberrichter Roland Schmid, Vizepräsident, die Oberrichterin Ju- dith Haus Stebler, die Handelsrichter Dario Cimirro, Samuel Kistler und Dr. Martin Liebi sowie der Gerichtsschreiber Dr. Severin Haris- berger Urteil vom 12. Dezember 2023 in Sachen Kanton Zürich, Kläger vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. X1._____, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X2._____, gegen 1. A._____, 2. B._____, Beklagte 1 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____, 2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Y2._____, 2 vertreten durch Rechtsanwältin MLaw Y3._____, betreffend Forderung - 2 - Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2) " 1. Die Beklagten seien solidarisch zu verpflichten, dem Kanton Zürich CHF 2'153'052.19 zuzüglich Zins zu 5% p.a. ab dem 14. Januar 2011 zu bezahlen, wobei die jeweilige Ersatzpflicht eines jeden Beklagten durch das Gericht festzusetzen sei. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu solidari- schen Lasten der Beklagten. " Sachverhalt und Verfahren A. Sachverhaltsübersicht a. Parteien und ihre Stellung Der Kläger macht als Abtretungsgläubiger i.S.v. Art. 260 SchKG einen Verant- wortlichkeitsanspruch der C._____ AG in Liquidation geltend. Die Beklagte 1 ist eine natürliche Person mit Wohnsitz in D._____, Kanton E._____. Sie war von 2006 bis 2016 Vizepräsidentin des Verwaltungsrats der C._____ AG in Liquidation. Der Beklagte 2 ist eine natürliche Person mit Wohnsitz in F._____, Kanton G._____. Er ist dipl. Steuerexperte und dipl. Treuhandexperte und war im mass- geblichen Zeitraum zumindest Berater der C._____ AG in Liquidation bzw. deren Verwaltungsrats. b. Prozessgegenstand Der Kläger macht im Wesentlich en geltend, die Beklagte 1 als formelles und der Beklagte 2 als faktisches Organ der C._____ AG in Liquidation hätten pflichtwidrig eine Ausschüttung von CHF 2'153'052.19 ermöglicht, veranlasst und umgesetzt. Insbesondere hätten sie es unterlassen, rechtzeitig die pflichtgemässen Rückstel- lungen für eine Altlastensanierung zu bilden. Den durch die Ausschüttung ent- standenen Mittelabfluss will er mit der vorliegenden Verantwortlichkeitsklage er- hältlich machen. Die Beklagten bestreiten ihre Verantwortlichkeit. - 3 - B. Prozessverlauf Mit Klageschrift vom 2. August 2021 (Datum Poststempel) erhob der Kläger Klage mit dem eingangs genannten Rechtsbegehren (act. 1; act. 3/2-32). Die separat vertretenen Beklagten erstatteten mit Eingaben vom 8. November 2021 (Beklag- te 1; act. 29; act. 30/1-26) bzw. 5. November 2021 (Beklagter 2; act. 31; act. 32/1- 17) innert den ihnen mit Verfügungen vom 30. September 2021 bzw. 5. Oktober 2021 (act. 24; act. 27) angesetzten Nachfristen ihre Klageantwort en. Darin bean- tragen sie, die Klage sei abzuweisen (act. 29 S. 3; act. 31 S. 2). Mit Verfügung vom 6. Januar 2022 (act. 33) wurde die Leitung des Prozesses an Oberrichterin Judith Haus Stebler delegiert. Nachdem am 14. März 2022 eine I n- struktionsverhandlung stattgefunden hatte, an der keine Einigung erzielt werden konnte (act. 35; Prot. S. 11 f.), wurde mit Verfügung vom 15. März 2022 (act. 36) ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Mit Eingabe vom 22. Juni 2022 (act. 43; act. 46/33-63) erstattete der Kläger innert der ihm mit Verfügung vom 24. Mai 2022 (act. 41) erstreckten Frist die Replik. Den Beklagten wurde darauf m it Verfügung vom 4. Juli 2022 (act. 47) Frist zur Einreichung der Duplik angesetzt. Mit Eingabe vom 4. Juli 2022 (act. 49; act. 50/64-77) reichte der Kläger eine erste Noveneingabe ein, worauf den Beklagten mit Verfügung vom 11. Juli 2022 (act. 51) eine der Duplikfrist entsprechende Frist angesetzt wurde, um sich zur ersten Noveneingabe des Klägers zu äussern. Mit Eingaben vom 28. Oktober 2022 (Beklagte 1; act. 59; act. 60/27-28) bzw. 26. Oktober 2022 (Beklagter 2; act. 57; act. 58/1-4) erstatteten die Beklagten frist- gemäss ihre Dupliken. In den nämlichen Eingaben nahmen sie fristgemäss Stel- lung zur ersten Noveneingabe des Klägers. Mit Verfügung vom 3. November 2022 (act. 61) erfolgte die Zustellung dieser Eingaben an die jeweils anderen Parteien. In nämlicher Verfügung wurde erwogen, dass für die Wahrnehmung des Repli k- rechts und das Einbringen von Noven als Reaktion auf die Duplik eine Zeitspanne von dreissig Tagen angemessen erscheine, wobei dem Kläger auf eine entspr e- chende Eingabe vom 5. Dezember 2022 (act. 71) hin mit Schreiben vom - 4 - 6. Dezember 2022 (act. 73) bestätigt wurde, dass mit einem Entscheid bis und mit 17. Dezember 2022 zugewartet werde. Mit Eingabe vom 28. November 2022 (act. 67; act. 68/78) reichte der Kläger eine zweite Noveneingabe ein. Innert der mit Verfügung vom 29. November 2022 (act. 69) angesetzten Frist nahmen die Beklagten mit Eingaben vom 7. Dezember 2022 (Beklagte 1; act. 75) bzw. 12. Dezember 2022 (Beklagter 2; act. 78) Stellung zur zweiten Noveneingabe des Klägers. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2022 (act. 76; act. 77/79-88) nahm der Kläger Stel- lung zu den Dupliken und reichte gleichzeitig eine dritte Noveneingabe ein. Den Beklagten wurde darauf m it Verf ügung vom 13. Dezember 2022 (act. 79) Frist angesetzt, um sich zur dritten Noveneingabe des Klägers zu äussern. Mit Eingabe vom 9. Januar 2023 (act. 81) nahm die Beklagte 1 fristgemäss Stellung zur dritten Noveneingabe des Klägers. Der Beklagte 2 liess sic h diesbezüglich nicht verlau- ten. Mit Eingabe vom 4. April 2023 (act. 83; act. 84/89) reichte der Kläger eine vierte Noveneingabe ein. Innert der mit Verfügung vom 6. April 2023 (act. 85) angesetz- ten Frist nahmen die Beklagten m it Eingaben vom 24. April 2023 (Beklagte 1; act. 88) bzw. 17. April 2023 (Beklagter 2; act. 87) Stellung zur vierten Novenei n- gabe des Klägers. Weitere Eingaben erfolgten nicht. Mit Verfügung vom 4. September 2023 wurde den Parteien Gelegenheit einge- räumt, auf die Durchführung einer Hauptverhandlung zu verzichten (act. 90). Während beide Beklagten mit Eingaben vom 6. September 2023 (Beklagte 1; act. 92) bzw. 18. September 2023 (Beklagter 2; act. 94) ihren Verzicht erklärten, bestand der Kläger mit Eingabe vom 18. September 2023 (act. 93) auf der Durch- führung der Hauptverhandlung. In der Folge wurden die Parteien auf den 12. Dezember 2023 zur Hauptverhandlung vorgeladen (act. 95). Anlässlich dieser Hauptverhandlung erstatteten die Parteien ihre Parteivorträge. Es wurden keine relevanten Noven rechtsgenüglich vorgebracht (Prot. S. 30 ff.). - 5 - Das Verfahren ist spruchreif (Art. 236 Abs. 1 ZPO). Erwägungen 1. Formelles 1.1. Zuständigkeit 1.1.1. Örtliche Zuständigkeit Die örtliche Zuständigkeit der Gerichte des Kantons Zürich ist gestützt auf Art. 40 ZPO gegeben und unbestritten (act. 1 Rz. 5; act. 29 Rz. 61; act. 31 Rz. 183). 1.1.2. Sachliche Zuständigkeit Die sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts ist gestützt auf Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG gegeben und unbestritten (act. 1 Rz. 6; act. 29 Rz. 61; act. 31 Rz. 183). 1.2. Einfache Streitgenossenschaft Die Beklagten sind einfache Streitgenossen. Sie führen den Prozess unabhängig voneinander (Art. 71 Abs. 3 ZPO). Umgekehrt bedeutet dies, dass prozessuales Handeln grundsätzlich nur für die handelnde Partei wirkt. Jede von ihnen hat ihren Standpunkt individuell zu substantiieren. Immerhin wirken sich faktisch die Tats a- chenbehauptungen einer Partei auch auf die Stellung des Streitgenossen bzw. der Streitgenossin aus (vgl. R UGGLE, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, Art. 71 N 33). 1.3. Anwendbares Recht Anwendbar ist schweizerisches Recht. Anzumerken ist, dass am 1. Januar 2013 das Bundesgesetz vom 23. Dezember 2011 betreffend das Rechnungslegungs- recht (Art. 957 ff. OR) in Kraft trat. Was die hier interessierende Pflicht zur Bildung von Rückstellungen betrifft, bewirkte die Revision allerdings keine massgeblichen Änderungen ( RENTSCH/ZÖBELI, Rückstellungen gemäss OR 960e, Jahrbuch des Rechnungswesens 2015, 180). - 6 - 1.4. Novenrecht 1.4.1. Gestützt auf Art. 229 Abs. 1 ZPO ist das Vorbringen neuer Tatsachen z u- lässig, wenn diese erst nach dem Abschluss des Schriftenwechsels entstanden sind (echte Noven; lit. a) oder wenn sie zuvor trotz zumutbarer Sor gfalt nicht vor- gebracht werden konnten (unechte Noven; lit. b). Die Zulässigkeit unechter Noven ist unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände nach objektiven Massstäben zu beurteilen ( KILLIAS, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, Schweizer i- sche Zivilprozessordnung, 2012, Art. 229 N 14; PAHUD, in: Bru n- ner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung Kommentar, 2. Aufl. 2016, Art. 229 N 14; W ILLISEGGER, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilproz essordnung, 3. Aufl. 2017, Art. 229 N 32). Entscheidend ist, dass der betreffenden Partei keine Nachlässigkeit bei der Behauptungs- und Beweislast vorgeworfen werden kann ( LEUENBERGER, in: Sut- ter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zi- vilprozessordnung, Art. 229 N 8; siehe auch PAHUD, a.a.O., Art. 229 N 14). Weiter ist vorausgesetzt, dass die Tatsachen und Beweise unverzüglich in den Prozess eingebracht werden, also bei der nächsten prozessualen Gelegenheit ( W ILLISEG- GER, a.a.O., Art. 229 N 34). Soweit eine Partei Noven geltend machen will, hat sie zugleich mit deren Einreichung darzulegen, dass die Voraussetzungen erfüllt sind (Obergericht ZH LF160046 vom 14. September 2016 E. II.3.1; Appellationsgericht BS ZB.2019.3 vom 9. August 2019 E. 4.3.5; SOGO/NAEGELI, in: Oberham- mer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2021, Art. 229 N 11d; siehe auch L EUENBERGER, a.a.O., Art. 229 N 10). 1.4.2. Die erste Noveneingabe des Klägers vom 4. Juli 2022 (act. 49; act. 50/64- 77) erfolgte nach Erstattung der Replik (act. 43). Mithin hatte der Kläger dannz u- mal bereits zweimal die Möglichkeit gehabt, sich unbeschränkt zu äussern. Damit war für ihn der Aktenschluss eingetreten (vgl. BGer 5A_822/2022 vom 14. März 2023 E. 3.3.6). Daher sind die Tatsachenbehauptungen und Beweismittel, die er mit dieser ersten Noveneingabe aufstellte bzw. einreichte, Noven. Diese sind nur unter den Voraussetzungen von Art. 229 ZPO beachtlich. - 7 - Der Kläger begründet die Zulässigkeit dieser Noven damit, dass er am 24. Juni 2022 – d.h. nach Einreichung der Replik – von der das Strafverfahren gegen die Beklagten (hinten E. 2.5) führenden Staatsanwaltschaft weitere Verfahrensakten erhalten habe. Diese stammten aus Sicherstellungen anlässlich von Hausdurc h- suchungen beim Beklagten 2 bzw. der H._____ AG (act. 49 Rz. 1). Zum Beweis reicht er eine E-Mail der Staatsanwaltschaft vom 24. Juni 2022 ein (act. 50/64). Die Beklagten erachten diese Begründung als ungenügend ( act. 57 Rz. 13; act. 59 Rz. 6, 10). Die fraglichen Unterlagen seien am 7. September 2021 sicher- gestellt und unversiegelt zu den Strafakten genommen worden (act. 57 Rz. 14 f.; act. 59 Rz. 8). Der Kläger habe bereits vor Einreichung der Replik Eins icht in die Strafakten genommen (act. 57 Rz. 19; act. 59 Rz. 7 f.). Es werde daher bestritten, dass die betreffenden Unterlagen dem Kläger erst nach Einreichung der Replik zugänglich geworden seien (act. 57 Rz. 20; act. 59 Rz. 9). Es sei auf die Möglich- keit der Einsichtnahme abzustellen, wobei sich der Kläger vor Ablauf der Repli k- frist nicht bei der Staatsanwaltschaft nach neuen Akten erkundigt habe (act. 57 Rz. 21 f.). Der Kläger wiederum äussert sich in seiner Eingabe vom 8. Dezember 2022 zu diesen Vorbringen der Beklagten (act. 76 Rz. 6 ff.). Die Begründung des Klägers in seiner ersten Noveneingabe vom 4. Juli 2022 ge- nügt den rechtlichen Anforderungen: Mit seinen Erklärungen ("weitere" bzw. "neue" Akten; act. 49 Rz. 1 f.) und der eingereichten E-Mail, worin die Staatsan- waltschaft ausführt, "noch die restlichen Beweisakten" zu übermitteln (act. 50/64), zeigt er auf, dass er vor dieser Übermittlung am 24. Juni 2022 noch nicht über die betreffenden Unterlagen verfügt hatte und dass ihm die Staatsanwaltschaft diese erst mit der besagten E -Mail übermittelte. Entsprechend handelt es sich um un- echte Noven, die der Kläger nicht früher vorbringen konnte. Der Kläger liess die zumutbare Sorgfalt walten, indem er die Staatsanwal tschaft um Akteneinsicht er- suchte. Nicht zu beanstanden ist, wenn er in der Folge die Übermittlung durch die Staatsanwaltschaft abwartete und nicht laufend neue Ersuchen stellte, zumal kei- ne Umstände dargetan w urden, aufgrund derer sich solche wiederholten Ers u- chen aufgedrängt hätten. Entsprechend kann mangels Relevanz von der Einho- lung einer schriftlichen Auskunft seitens der Staatsanwaltschaft (vgl. act. 57 Rz. 20 ff.; act. 59 Rz. 8) abgesehen werden. Da demnach für die Kenntnisnahme - 8 - durch den Kläger auf die Übermittlung am 24. Juni 2022 abzustellen ist, erfolgte die Noveneingabe vom 4. Juli 2022 fristgerecht. Daher sind die damit eingereich- ten Beweismittel beachtlich, ebenso wie die darin enthaltenen Tatsachenbehaup- tungen, soweit sie auf diesen Beweismitteln gründen. 1.4.3. Die dritte Noveneingabe des Klägers vom 8. Dezember 2022 (act. 76; act. 77/79-88) erfolgte ebenfalls, nachdem für den Kläger der Aktenschluss einge- treten war. Entscheidrelevant sind einzig Rz. 21 f., worin sich der Kläger zum Vollzug der Ausschüttung äussert und als neue Beweismittel Steuererklärungen der Beklagten 1 und ihres Ehemanns einreicht (act. 77/84-85). Diese Ausführungen sind Teil der Stellungnahme zu den Dupliken ( siehe act. 76 Rz. 18 ff.). In diesem Zusammenhang ist gemäss Bundesgericht davon auszuge- hen, dass es der klagenden Partei weder möglich noch zumutbar ist, auf Vorrat in ihrer Replik sämtliche denkbaren Noven zu entkräften, mit denen der Prozessstoff in der Duplik noch ausgedehnt werden kann. Wenn daher in der Duplik Noven vorgebracht werden, welche die klagende Partei ihrerseits mit unechten Noven entkräften will, so ist insofern die Voraussetzung von Art. 229 Abs. 1 lit. b ZPO er- füllt, dass diese Noven vor Aktenschluss trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorge- bracht werden konnten. Damit der klagenden Partei dieser Sorgfaltsnachweis ge- lingt, ist immerhin unabdingbar, dass die Dupliknoven f ür diese Noveneingabe kausal sind. Erforderlich ist einerseits, dass (erst) die Dupliknoven das Vorbringen der unechten Noven veranlasst haben, andererseits , dass die unechten Noven in technischer bzw. thematischer Hinsicht als Reaktion auf die Dupliknoven aufzu- fassen sind (BGE 146 III 55 E. 2.5.2 S. 61 f.). Die hier interessierenden Tatsachenbehauptungen und Beweismittel dienen zur Entkräftung der beklagtischen Behauptung, wonach nicht erstellt sei, dass die von der streitgegenständlichen Ausschüttung erfassten Darlehensforderungen tat- sächlich abgetreten worden seien (siehe act. 76 Rz. 20). Wie zu zeigen sein wird, stellten sich die Beklagten in ihren Klageantworten noch auf den Standpunkt, dass die Ausschüttung im Jahr 2011 umgesetzt worden sei, bzw. bestritten, dass die Forderungsabtretung im Juli 2012 nicht vollzogen war (hinten E. 8.3.3). Die Behauptung, die Forderungsabtretung sei nicht erfolgt, ist daher ein Novum, das - 9 - die Beklagten mit ihren Dupliken neu aufbrachten. Auf dieses durfte der Kläger mit seinen Tatsachenbehauptungen und Beweismitteln in act. 76 Rz. 21 f., die die genannten bundesgerichtlichen Anforderungen erfüllen, antworten. Im Übrigen er- folgte diese Noveneingabe vom 8. Dezember 2022 auch fristgerecht (vgl. act. 61, 73). Daher sind die in act. 76 Rz. 21 f. enthaltenen Tatsachenbehauptungen und Beweismittel (act. 77/84-85) beachtlich. 1.4.4. Im Übrigen kann die Zulässigkeit der Noven eingaben des Klägers mangels Entscheidrelevanz offenbleiben. 2. Unbestrittener Sachverhalt 2.1. Die Beklagte 1 war im massgeblichen Zeitraum Vizepräsidentin des Ver- waltungsrats der C._____ AG ("C._____"; act. 1 Rz. 9, 16; act. 29 Rz. 36; act. 31 Rz. 14, 38; act. 43 Rz. 96, 123, 134, 248; act. 59 Rz. 109). Einziges anderes Mit- glied und Präsident des Verwaltungsrats war ihr 2015 verstorbener Ehemann (act. 1 Rz. 16, 18; act. 29 Rz. 13, 17; act. 31 Rz. 38). Sie war zudem Verwaltungs- ratspräsidentin der I ._____ AG (" I._____"; act. 31 Rz. 47; act. 43 Rz. 96, 123, 294). Diese nicht operative Gruppengesellschaft (act. 31 Rz. 19; act. 43 Rz. 106, 173, 294, 357) war ab Januar 2011 Muttergesellschaft bzw. Alleinaktionärin der C._____ (act. 29 Rz. 53, 65, 109, 125; act. 31 Rz. 19, 23, 36; act. 43 Rz. 106, 173, 298; act. 57 Rz. 222, 226; act. 59 Rz. 234). Zuvor war die C._____ (gemäss Darstellung des Klägers) direkt von der Beklagten 1 und ihrem Ehemann (act. 43 Rz. 298) bzw. (gemäss Darstellung beider Beklagten) direkt vom Ehemann gehal- ten worden (act. 29 Rz. 17; act. 31 Rz. 23; act. 59 Rz. 172, 174). Die I._____ wie- derum wurde (gemäss Darstellung des Klägers und des Beklagten 2) von der Be- klagten 1 und ihrem Ehemann (act. 31 Rz. 36; act. 43 Rz. 106, 201, 248, 294, 298, 357; act. 57 Rz. 8, 326) bzw. ( gemäss Darstellung der Beklagten 1) vom Ehemann gehalten (act. 59 Rz. 17, 172, 234). Der Verwaltungsrat der I._____ be- stand neben der Beklagten 1 aus ihrem Ehemann sowie bis 17. Juli 2012 dem Beklagten 2 und Prof. Dr. J._____, Rechtsanwalt und Rechnungslegungsrecht s- experte (act. 29 Rz. 25; act. 31 Rz. 19, 47, 53, 192; act. 43 Rz. 96, 105, 123, 173, 197, 243, 253, 294; act. 57 Rz. 326; act. 3/9). Letzterer war im Übrigen auch B e-- 10 - rater und enger Vertrauter der C._____ bzw. der Beklagten 1 und ihres Ehe- manns (act. 1 Rz. 34; act. 29 Rz. 25; act. 31 Rz. 29). 2.2. Der Beklagte 2 ist Aktionär und leitender Mitarbeiter der H._____ AG, K._____ [Ortschaft] ("H._____"; act. 1 Rz. 19; act. 31 Rz. 16). Die H._____ ist ei- ne Treuhandgesellschaft. Sie war insbesondere mit der Buchhaltung der C._____ betraut bzw. deren "Buchhaltungsstelle" ( act. 29 Rz. 31, 145, 149; act. 31 Rz. 34, 148, 155, 159, 228; act. 43 Rz. 184; act. 57 Rz. 334). Zudem übernahm sie die Steuerberatung sowie andere Aufgaben (act. 31 Rz. 34). Seitens der H._____ be- treute der Beklagte 2 das Mandat der C._____ (act. 31 Rz. 155; act. 43 Rz. 104g, 197; act. 57 Rz. 355, 365, 469, 652). B is Mai 2016 war der Beklagte 2 aber nicht formelles Organ der C._____ (act. 1 Rz. 10, 57; act. 31 Rz. 132; act. 43 Rz. 102). Jedoch war er von 2007 bis 2016 zeichnungsberechtigt zu zweien und wurde 2016 Mitglied des Verwaltungsrats der C._____ (act. 43 Rz. 102; act. 57 Rz. 320). Darüber hinaus war er, wie gesagt, bis 17. Juli 2012 Mitglied des Verwaltungsrats der I._____. Ferner war er Mitglied des Verwaltungsrats der L._____ AG ("L._____"), einer weiteren Gruppengesellschaft (act. 43 Rz. 105, 223; act. 57 Rz. 207, 210, 229). 2.3. Die C._____ bzw. eine ihrer Rechtsvorgängerinnen produzierte von … bis zur Aufgabe der Betriebstätigkeit im Jahr … M._____ (act. 1 Rz. 15; act. 29 Rz. 12, 16, 64; act. 31 Rz. 20, 37, 39; act. 43 Rz. 26, 121, 133, 174, 289). Bis mindestens … [Jahr] leitete sie den dabei entstandenen M._____-schlamm in den N._____ [See], was zu M._____-schlammablagerungen auf dem Seegrund führte. Untersuchungen ergaben, dass diese zu hohen Kosten saniert werden müssen (act. 1 Rz. 20; act. 29 Rz. 12, 39, 64, 66, 144; act. 31 Rz. 37, 39; act. 43 Rz. 26, 121 f., 133, 186, 306). Das Problem dieser M._____-schlammablagerungen und die hohen Kosten einer Sanierung waren den Beteiligten seit einiger Zeit bekannt (act. 29 Rz. 15, 68; act. 31 Rz. 210, 212). Spätestens … [Jahr] teilte der Kläger der C._____ mit, dass bezüglich der M._____-schlammablagerungen Untersuchungen durchzuführen und eine Gefahrenabschätzung sowie nötigenfalls eine Sanierung vorzunehmen sei (act. 29 Rz. 42, 46, 144; act. 43 Rz. 157; act. 59 Rz. 46). Freilich bestanden - 11 - unterschiedliche Ansichten darüber, ob die C._____ zur Tragung der Kosten ver- pflichtet werden könne: Der Kläger war der Ansicht, bezüglich der Sanierung eine Millionenforderung gegen die C._____ zu haben (act. 1 Rz. 24). Demgegenüber bestritt di e C._____ eine Kostentragungspflicht, namentlich mit Verweis auf die Verjährung (act. 29 Rz. 42, 68, 75; act. 31 Rz. 212; act. 59 Rz. 40 f., 182, 211). 2.4. In der Jahresrechnung 2010 wurden noch keine Rückstellung en für die Forderung des Kläger s ausgewiesen (act. 29 Rz. 49; act. 31 Rz. 224; act. 43 Rz. 225, 315; act. 59 Rz. 63). Für die diesbezüglichen Rechts - und Verfahrens- kosten wurden i n der Jahresrechnung 2011 erstmals Rückstellungen von CHF 1 Mio. ausgewiesen (act. 1 Rz. 25; act. 29 Rz. 49; act. 31 Rz. 84 f., 224; act. 43 Rz. 66, 225, 317; act. 59 Rz. 63). In der Jahresrechnung 2012 wurden entsprechende Rückstellungen von CHF 1.1 Mio. ausgewiesen (act. 31 Rz. 94, 224; act. 30/16; act. 32/10-11). Schliesslich wurden in der Jahresrechnung 2013 entsprechend e Rückstellungen von CHF 2.02 Mio. ausgewiesen (act. 29 Rz. 49; act. 31 Rz. 96, 225; act. 59 Rz. 63; act. 30/17; act. 32/12-13). 2.5. Nachdem Verhandlungen zwischen dem Kläger und der C._____ nicht zu einer Einigung geführt hatten (act. 1 Rz. 60; act. 29 Rz. 43), verpflichtete Ersterer die Letztere mit Verfügung vom 11. Juli 2017 zur Sicherstellung der ungefähr von ihr zu tragenden Kosten von CHF 8.55 Mio. (act. 1 Rz. 61; act. 31 Rz. 114). Hier- gegen beschritt die C._____ den Rechtsmittelweg. Mit Urteil vom 2 9. Juli 2019 entschied das Bundesgericht letztinstanzlich, dass der vom Kläger geltend ge- machte Anspruch nicht der Verjährung unterliege und daher die C._____ zur Tra- gung eines Grossteils der Sanierungskosten verpflichtet werden könne. Entspr e- chend bestäti gte es die Sicherstellungsverfügung (act. 1 Rz. 62; act. 29 Rz. 52; act. 31 Rz. 114 f.). Infolge des bundesgerichtlichen Urteils wurde über die C._____ am tt.mm.2019 der Konkurs eröffnet (act. 1 Rz. 1, 63; act. 29 Rz. 52; act. 31 Rz. 116; act. 43 Rz. 1). Der Kläger wurde mit seiner Forderung von CHF 8.55 Mio. (bedingt) kollo- ziert und erlitt einen (vorläufigen) Konkursverlust von rund CHF 6.7 Mio. (act. 1 Rz. 1, 64 f.; act. 31 Rz. 117; act. 43 Rz. 1; act. 57 Rz. 36 f.; act. 59 Rz. 27). Er - 12 - liess sich allfälli ge Verantwortlichkeitsansprüche gegen die Beklagten nach Art. 260 SchKG abtreten (act. 1 Rz. 3, 8; act. 31 Rz. 124; act. 59 Rz. 28). Ferner reichte er Strafanzeige gegen die Beklagten wegen Verdachts insbesondere auf ungetreue Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung ein. Die Strafbehörden des Kantons E._____ führen ein entsprechendes Strafverfahren (act. 1 Rz. 2, 67; act. 29 Rz. 59; act. 31 Rz. 180; act. 43 Rz. 3). 2.6. Die C._____ unterstand einer eingeschränkten Revision ( act. 29 Rz. 21; act. 43 Rz. 138; act. 57 Rz. 241; act. 59 Rz. 128). 3. Streitpunkte 3.1. Der Kläger stellt seinen Standpunkt zusammenfassend wie folgt dar (act. 43 Rz. 110 ff.): Erstens habe es den Ausschüttungsbeschluss über CHF 2'153'052.19 vom 14. Januar 2011 gar nicht gegeben (act. 43 Rz. 110, 387). Vielmehr sei dieser fingiert worden, was sich aus diversen Ungereimtheiten erge- be (act. 1 Rz. 46 ff.; act. 43 Rz. 10 ff., 37, 88 ff., 200, 367, 387, 400 ff., 415). Zwei- tens wäre dieser Beschluss , selbst wenn es ihn gegeben hätte, unrechtmäss ig (act. 43 Rz. 111, 387). Zum einen seien nämlich die formellen Voraussetzungen für eine Dividendenausschüttung, namentlich diejenigen für die Ausschüttung e i- ner Interimsdividende, nicht erfüllt gewesen (act. 1 Rz. 42 ff.). Zum anderen seien bereits im Januar 2011 die materiellen Voraussetzungen für eine derartige Div i- dendenausschüttung nicht vorgelegen. Denn bereits dannzumal hätten Rückstel- lungen gebildet werden müssen, die eine Überschuldung bewirkt und einer Aus- schüttung entgegengestanden hätten ( act. 43 Rz. 111, 360, 383). Drittens hätte dieser Beschluss, unabhängig davon, ob es ihn gab oder er rechtmässig war, im Juli 201 2 nicht vollzogen werden dürfen. Denn spätestens nachdem Prof. Dr. J._____ am 9. Juli 2012 in einem Schreiben gewarnt habe, dass R ückstellungen in Höhe von 50% der voraussichtlichen Sanierungskosten zu bilden seien, hätten Rückstellungen gebildet werden müssen, die die Überschuldung der C._____ be- wirkt hätten (act. 43 Rz. 112). Nichtsdestotrotz hätten die Beklagten die Ausschüt- tung im Juli 2012 oder später effektiv vollzogen (act. 43 Rz. 53, 58, 375). Bei alle- dem habe die Beklagte 1 als formelles Organ und der Beklagte 2 als faktisches Organ mitgewirkt (act. 1 Rz. 9 ff.; act. 43 Rz. 96 ff.). Dadurch hätten sie die - 13 - C._____ im Betrag von CHF 2'153'052.19 geschädigt und sich aus aktienrechtli- cher Verantwortlichkeit nach Art. 754 Abs. 1 OR haftbar gemacht (act. 1 Rz. 68). 3.2. Die Beklagten machen geltend, die streitgegenständliche Ausschüttung sei gültig beschlossen worden. Namentlich habe die Alleinaktionärin I._____ am 14. Januar 2011 anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung be- schlossen, einen Teil der Kapitalreserven an sich selbst auszuschütten (act. 29 Rz. 53, 90, 94, 97, 115; act. 31 Rz. 52 ff., 236, 293; act. 57 Rz. 34.1, 41, 45, 102, 133, 140, 144, 179, 330, 405 f., 409, 411, 413, 430, 448, 525, 542; act. 59 Rz. 197). Diese Kapitalreserven seien in Form eines Fusions agios im Betrag von rund CHF 4.6 Mio. seit längerer Zeit vorhanden und – soweit die allgemeine R e- serve die Hälfte des Aktienkapitals überstieg – frei verwendbar gewesen (act. 29 Rz. 53, 104; act. 31 Rz. 243; act. 59 Rz. 157, 222). Die Ausschüttung von CHF 2'132'052.13 sei teils als Sachdividende, indem die C._____ mehrere Darle- hensforderungen zediert habe, und teils als Bardividende, die dem Kontokorrent der I._____ gutgeschrieben worden sei, erfolgt (act. 29 Rz. 104, 118, 125; act. 31 Rz. 55, 244, 247). Sie sei buchhalterisch transparent abgebildet und von der da- maligen Revisionsstelle nicht beanstandet worden (act. 29 Rz. 54, 74, 112; act. 31 Rz. 245). Das Haftungsrisiko der C._____ für die Sanierungskosten sei aus Sicht der B e- klagten zu relativieren gewesen, namentlich weil die Verjährung im Raum gestan- den habe (act. 29 Rz. 47, 68; act. 31 Rz. 44, 214). Gestützt auf Abklärungen und den Rat beigezogener Experten und Berater habe der Verwaltungsrat die Ei n- trittswahrscheinlichkeit als marginal (act. 29 Rz. 49, 73; act. 59 Rz. 63, 240, 293), sehr gering (act. 31 Rz. 215; act. 59 Rz. 43, 46, 60, 182, 240, 293), wesentlich un- ter 50% (act. 57 Rz. 159) bzw. unter 50% (act. 31 Rz. 226) eingeschätzt. Insbe- sondere sei Prof. Dr. O._____ in einem von der C._____ in Auftrag gegebenen und am 16. Januar 2012 erstatteten Gutachten zum Schluss gelangt, dass die Ansprüche des Klägers verjährt seien (act. 29 Rz. 75, 151; act. 31 Rz. 218; act. 59 Rz. 58, 60, 62). Sodann habe Prof. Dr. J._____ zumindest bis im Juli 2012 die Ansicht vertreten, dass keine Rückstellungen gebildet werden müssten (act. 29 Rz. 76, 84; act. 59 Rz. 23). In seinem Schreiben vom 9. Juli 2012 habe er - 14 - diese Einschätzung zwar relativiert und vertreten , dass man sich möglicherweise im Grenzbereich von 50:50 bewege (act. 29 Rz. 87, 148; act. 31 Rz. 74 f.; act. 57 Rz. 48). Allerdings habe er als Rechnungslegungsexperte die Eintrittswahrschein- lichkeit nicht besser einschätzen können als die Umweltrechtsexpertin Prof. Dr. O._____ (act. 29 Rz. 85, 148; act. 31 Rz. 232; act. 57 Rz. 248; act. 59 Rz. 58, 200). Zudem habe er seine Ausführungen später wiederum relativiert, d.h. die Chancen der C._____ wieder besser eingeschätzt, namentlich in einem Mem o- randum vom 15. Juni 2015 (act. 29 Rz. 88, 149; act. 31 Rz. 103 ff., 219; act. 59 Rz. 24, 61, 192, 199). Letztlich sei der Verwaltungsrat der Einschätzung von Prof. Dr. O._____ gefolgt (act. 29 Rz. 90 f.). Auf diese habe er vertrauen dürfen (act. 57 Rz. 251, 253, 291, 374, 376, 447; act. 59 Rz. 79 ff., 293). Erst nach dem Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2019 sei kl ar gewesen, dass die Forderung des Klägers nicht verjährt war (act. 29 Rz. 52, 134, 153; act. 31 Rz. 283; act. 59 Rz. 46). Insbesondere im Zeitpunkt der Generalversammlung vom 14. Januar 2011 sei der Verwaltungsrat überzeugt gewesen, dass die Forderung des Klägers verjährt sei (act. 59 Rz. 211). Aber auch im Jahr 2012 sei nicht absehbar gewesen, dass die C._____ die Sanierungskosten tragen müsse (act. 29 Rz. 57, 127). Dem Vor- sichtsprinzip entsprechend sei en trotzdem erstmals per 31. Dezember 2011 für das Restrisiko bzw. die Rechts - und Abwehrkosten Rückstellungen gebildet wor- den (act. 29 Rz. 77, 93, 137; act. 59 Rz. 63). Die damalige Revisionsstelle habe die Jahresrechnungen 2010, 2011 und 2012 ohne Einschränkungen testiert (act. 29 Rz. 78; act. 31 Rz. 224). Für das Geschäftsjahr 2015 habe die neue Re- visionsstelle die Rückstellungen geprüft und nach Konsultation der Prozessanwäl- tin Dr. P._____, die die Gewinnchancen mit mindestens 50% beziffert habe, für gut befunden (act. 29 Rz. 50 f.; act. 57 Rz. 378; act. 59 Rz. 128). Zusammenge- fasst sei der Verwaltungsrat angesichts der einschlägigen Lehre und der ange- nommenen Eintrittswahrscheinlichkeit in den wesentlichen Zeitpunkten nicht zur Bildung einer Rückstellung verpflichtet gewesen und habe damit auch keine Überschuldung vorgelegen (act. 57 Rz. 277, 558; act. 59 Rz. 274 ff., insb. 285, 292). - 15 - Darüber hinaus bestreitet der Beklagte 2 seine Passivlegitimation. Namentlich macht er geltend, während des fraglichen Zeitraums nicht faktisches Organ der C._____ gewesen zu sein (insb. act. 31 Rz. 131 ff.; act. 57 Rz. 462 ff.). 3.3. Auf diese und weitere Vorbringen ist im Rahmen der nachfolgenden Erw ä- gungen einzugehen, soweit es für die Entscheidfindung erforderlich ist. 4. Umstände rund um die behaupteten Ansprüche des Klägers, die Ausschüt- tung und die Rolle des Beklagten 2 im Einzelnen 4.1. Am 31. Oktober 2007 beschloss der Verwaltungsrat der C._____ Mass- nahmen im Bereich Organisation. Demnach wurde beschlossen, dass der Beklag- te 2 "im Auftragsverhältnis für die Geschäftsleitung per tt.mm.2007 übernimmt", wobei er im R ahmen dieses Auftrags für bestimmte, aufgezählte Themen A n- sprechperson und für die Koordination der anstehenden Arbeiten zuständig sei. Namentlich wurden als solche Themen Immobilienprojekte und der Verkauf von M._____-maschinen aufgeführt, aber auch das " Führen der Finanzabteilung und Vertretung der C._____ AG (nachfolgend C._____) in finanziellen Angelegenhei- ten", wozu insbesondere "monatliches Reporting zu Handen des Verwaltungsr a- tes" sowie das "Erstellen von sofern notwendig Quartals- und Jahresabschlüssen" gehören sollte. Sodann gehörte zu den Aufgaben des Beklag ten 2, den Verwal- tungsrat zeitnah bzw. periodisch über laufende Aktivitäten zu informieren und "wesentliche Entscheide für den Verwaltungsrat vor zu bereiten". Ferner war vor- gesehen, dass der Beklagte 2 bei Bedarf Fachleute beiziehen konnte und dass Kostenbeschlüsse von über CHF 20'000.– pro Monat dem Verwaltungsrat vorbe- halten waren. "Damit B._____ diese Funktion und Verantwortung wahrnehmen kann" wurde ihm Kollektivzeichnungsberechtigung zu zweien gewährt, wie auch "[i]m Rahmen seiner Stellvertretung und damit operative Entscheide effizi ent ge- troffen werden können" seinem Bruder Q._____. Dies ist unbestritten (act. 57 Rz. 201 f.). 4.2. In einem vom November 2007 datierenden, mit " Organigramm C._____ AG" übertitelten Dokument wird der Beklagte 2 als alleiniger, (nur) dem Verwal- tungsrat unters tellter und zwei Projektleitern, unter anderem einem R._____, - 16 - übergeordneter "Geschäftsführer" aufgeführt. A ls Stellvertreter wird sein Bruder Q._____ bezeichnet (act. 43 Rz. 103; act. 57 Rz. 199). Dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus dem entsprechenden Dokument (act. 46/36 4.1.1 050). 4.3. In vom Oktober 2007 bzw. Februar 2008 datierenden Vollmachtsformula- ren betreffend Geschäftsbeziehungen der C._____ mit der S._____ [Bank] und der T._____ [Bank] wird der Beklagte 2 als "CFO" bzw. als "Geschäftsführer" be- zeichnet. Dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus den entspr e- chenden Formularen (act. 43 Rz. 104a, 104b; act. 57 Rz. 203; act. 46/53-54). 4.4. Spätestens ab 2008 wurden die M._____- schlammablagerungen vom Verwaltungsrat der C._____ thematisiert (act. 1 Rz. 21; act. 31 Rz. 44; act. 43 Rz. 5, 27, 187, 190; act. 57 Rz. 43, 78). Namentlich wurden Ausmass, Dringlic h- keit und Höhe sowie Tragung der Kosten besprochen (act. 43 Rz. 27 f.; act. 57 Rz. 78; act. 59 Rz. 41 f.; act. 46/37 Nr. 146). Dass eine allfällige Sanierung hohe Kosten verursachen würde, war den Beklagten bekannt, auch wenn die Kosten- tragungspflicht der C._____ unsicher gewesen sein mag (act. 1 Rz. 21; act. 29 Rz. 68; act. 31 Rz. 212; act. 43 Rz. 27, 187). Namentlich lag eine Kostenschät- zung der U._____ AG über CHF 20 Mio. vor (act. 1 Rz. 21; act. 31 Rz. 213; act. 43 R z. 27, 187, 309). Ebenso war bekannt , dass der Kläger versucht sein würde, diese Kosten zumindest teilweise auf di e C._____ zu überwälzen (act. 29 Rz. 73). All dies ist unbestritten. 4.5. Mit Datum 11. März 2008 verfasste die H._____ ein Papier "Pendenzen i.S. C._____ AG". Unter dem Titel " M._____-schlamm im N._____" stehen fol- gende Passagen (act. 31 Rz. 41 f.; act. 43 Rz. 187 ff.; act. 3/13 Folie 4): " Stand − Gemäss Protokoll vom 26. Oktober 2007 von U._____ hat es im N._____ auf 20'000 m2 M._____-schlammablagerungen: Die U._____ wurde vom V._____ aufgefordert einen of- fiziellen Bericht einzureichen − Die Entsorgungskosten belaufen sich aufgrund einer ersten Schätzung seitens U._____ auf CHF 20 Mio. […] - 17 - Weiteres Vorgehen − Historische Untersuchung − Verjährungsfrage (allenfalls 10 Jahre; umstritten) − Bewusstsein der damaligen Zeit eruieren − frühere Grenzwerte − Rechtliche Abklärung der finanziellen Auswirkungen − Bildung allfälliger Rückstellungen in Abhängigkeit des Risikos, dass C._____ haftbar ist (bei welcher Summe ist das Risiko einer Haftung höher als 50%) " 4.6. Am 10. April 2008 fand eine Verwaltungsratssitzung der C._____ statt, an welcher neben der Beklagten 1 und ihrem Ehemann auch der Beklagte 2 teilnahm (act. 1 Rz. 21; act. 29 Rz. 47, 68; act. 31 Rz. 43 f., 214; act. 43 Rz. 27; act. 3/14 S. 1). Dabei wurde im Protokoll Folgendes festgehalten (act. 3/14 S. 3): "Am 25. April 2008 wird ein Treffen mit dem V._____ zum Thema M._____-schlamm stattfin- den. Das betragsmässige Risiko ist enorm, wobei das Risiko eines Eintreffens zu relativieren ist. Es bestehen verschiedene Bewilligungen und andere Dokumente, die noch zu prüfen sind." 4.7. Ende August 2009 erstellte der Beklagte 2 eine Präsentation " W._____ / C._____ /I._____ / L._____ Provisorische Ausgangslage und weiteres Vorgehen" für eine Verwaltungsratssitzung der C._____, der I._____ und der L._____ zu- sammen mit der Beklagten 1 und ihrem Ehemann (act. 43 Rz. 30; act. 57 Rz. 82; act. 46/39). Die Präsentation diente gemäss Titelfolie als Grundlage für das Pr o- tokoll eb endieser Verwaltungsratssitzung, wobei der Dateiname diese auf den 21. August 2009 terminiert (act. 43 Rz. 30; act. 46/39 S. 1). Darin finden sich fol- gende Passagen (act. 43 Rz. 30; act. 57 Rz. 82; act. 59 Rz. 45; act. 46/39 Foli- en 4, 7 f.): " • Altlasten See: zunehmender Druck zur Kostenübernahme durch die C._____ (mündliche Aussagen U._____ bzw. V._____ […] • C._____: Nicht ohne weiteres ausschüttbar, Frage der Rückstellung für Altlastens a- nierung See. […] - 18 - • Entreicherung C._____: Angesichts der drohenden Auflagen und Forderungen se i- tens des V._____ ist - ungeachtet der Variantenwahl - die C._____ im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zu entreichern indem Anlagevermögen (z.B. Darlehen …, W._____-strasse 1/2, AA._____-strasse …) an Dritte oder nahestehende Gesel l- schaften veräussert wird oder Leistungen (z.B. Liegenschaftenvermittlung) von na- hestehenden Gesellschaften an die C._____ erbracht werden. " 4.8. Am 14. September 2009 fand eine Verwaltungsratssitzung der C._____, der I._____ und der L._____ statt, an der die Beklagte 1, ihr Ehemann und der Beklagte 2 als Sekretär des Verwaltungs rats teilnahm en (act. 43 Rz. 31; act. 57 Rz. 84; act. 46/56 S. 1). Die H._____ bzw. der Beklagte 2 hatte eine Präsentation "C._____/I._____/AB._____/AC._____ etc. Präsentation zur VR -Sitzungen vom 14. September 2009" vorbereitet, welche anlässlich der Sitz ung behandelt und dem Protokoll beigelegt wurde (act. 43 Rz. 31; act. 57 Rz. 84, 86; act. 46/40; act. 46/56). Darin finden sich folgende Passagen (act. 43 Rz. 31, 107; act. 46/40 Folien 5, 10): " • Pro memoria: die Überlegungen zur Gründung der I._____ und AB._____ waren: • Altlastenproblematik • […] Übersicht zur finanziellen Situation des Ehepaars A._____ AF._____ • AA._____-strasse …: Bei einem Verkauf an Dritte zum Preis von CHF 10 Mio. verbleibt auf der Ebene C._____ nach Steuern rund CHF 8 Mio. Nach Ausschüt- tung als Dividende ins Privatvermögen des Ehepaars A._____ AF._____ verbleibt rund CHF 6.3 Mio. (evtl. Schwierigkeiten betreffende Ausschüttung infolge der Al t- lastenproblematik). • Verkauf W._____-strasse 1/2: Verkauf bei rund CHF 2 Mio. […] ergibt ein Gewinn nach Steuern auf Ebene C._____ von CHF 1'600'000. Nach Ausschüttung als Div i- dende in Privatvermögen des Ehepaars A._____ AF._____ verbleibt rund CHF 1.2 Mio. (evtl. Schwierigkeiten betreffende Ausschüttung infol ge der Altlas- tenproblematik). " - 19 - Im Protokoll wurde zudem Folgendes festgehalten ( act. 43 Rz. 104f; act. 57 Rz. 86, 208; act. 46/56 S. 2 f.): " 1. Projekt "W._____" in AD._____ […] der Verwaltungsrat […] beschlossen hat, das Areal […] zu verkaufen. B._____ von der H._____ AG wird mit der Koordination und dem Verkauf des Areals in AD._____ samt Projekt beauftragt. […] 2. AA._____-strasse … in Zürich […] hat sich der Verwaltungsrat entschlossen, die Liegenschaft […] zu verkaufen. B._____ von der H._____ AG wird mit der Koordination und dem Verkauf der Liegen- schaft beauftragt. […] 3. Beurteilung der Altlastenrisiken durch Herrn Prof. Dr. J._____ Als Beilage liegt diesem Protokoll die Stellungnahme von Herrn RA Prof. Dr. J._____ (Aktennotiz über die A._____-Gesellschaften Bezug zur M._____- schlammablagerung im See; Frage der Kosten einer allfälligen Altlastensanierung vom 16. September 2009) vor. 4. Beauftragung von B._____ von der H._____ AG [Gewährung der Berechtigung, Vermittlungsgebühren an Dritte zu bezahlen.] B._____ wird mit dem Verkauf der Immobilien beauftragt und hat sämtliche Kompe- tenzen die Liegenschaften zum bestmöglichen Verkauf vorzubereiten. B._____ darf […] auch Dritte beauftragen, die ihn beim Abschluss unterstützen. Für den Ver kauf der Liegenschaften in AD._____ und Zürich ist B._____ von der H._____ AG berechtigt neben den direkten Kosten eine Verkaufsprovision zu verrec h- nen. […] Mit der Verkaufsprovision werden folgende Leistungen abgegolten: • Erstellung einer sauberen Verkaufsdokumentation • Entwurf und Disposition von Inseraten • Bearbeiten von schriftlichen und telefonischen Anfragen • Besichtigung mit Interessenten • Führen von Verkaufsverhandlungen […] • Erstellen einer Reservationsvereinbarung • Mitarbeit bei der Ausarbeitung des Kauf- bzw. Kaufrechtsvertrages • Instruktion der Notare - 20 - • Organisation der Beurkundung • Übergabe des Objektes zusammen mit einem Vertreter der Auftraggeber, bzw. des Auftraggebers Der Verwaltungsrat bewilligt vom Bruttoverkaufspreis eine Verkaufsprovision zu Guns- ten von B._____ H._____ AG Von 2.5 % Die laufenden Aufträge von H._____ AG (Verwaltung LS 65, Verwaltung C._____, etc.) werden durch den Verkaufsauftrag nicht tangiert. " 4.9. In einer vom 22. Mai 2010 datierenden Honorarrechnung fakturierte die H._____ unter dem Titel "Arbeiten i.S. Buchhaltung und Geschäftsführung" insbe- sondere die Anpassung des Liquiditätsplans, die Überwachung von Debitoren, Kreditoren und des Zahlungsverkehrs, die Verbuchung des Geschäftsverkehrs, die Lohnverarbeitung, die Fertigstellung des Jahresabschlusses 2009 und dessen Vorbereitung zur Revision, die monatliche Rapportierung der Aktivitäten in S a- chen Verkauf und Geschäftsverlauf sowie Arbeiten betreffend spezifische Projek- te. Ferner fakturierte die H._____ unter dem Titel "M._____- schlamm – Altlasten- problematik" das " Aufgleisen von Abwehrszenarien", "Weitere Prüfungsarbeiten von Abwehrszenarien und deren Auswirkungen Skizzieren (rückgängig machen Fusion, Sitzverlegung, Ausschüttung von Reserven, Verjährung etc.)", sowie diesbezügliche Korrespondenz, Telefonate und Besprechungen (act. 49 Rz. 4a, 15a; act. 57 Rz. 628 ff., 651 ff.; act. 59 Rz. 257, 267). All dies wird nicht substanti- iert bestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus der Honorarrechnung (act. 50/65). 4.10. Am 30. Juni 2010 schickte der Beklagte 2 einen Telefax an die Beklagte 1 und ihren Ehemann (act. 43 Rz. 33; act. 57 Rz. 89). Darin finde n sich folgende Passagen (act. 43 Rz. 33; act. 57 Rz. 89; act. 46/41 S. 2 f.): "Herr AE._____ [Vertreter der potentiellen Käuferin eines Grundstücks der C._____] ist damit einverstanden, dass die weiteren Zahlungen […], Gewinnanteil Verkauf Wohnungen und Pr o- visionierung der Verkäufe an eine andere Gesellschaft als die C._____ gezahlt wird, so dass - 21 - dieser Teil nicht von der Altlastenproblematik ' M._____-schlamm' in Mitleidenschaft gezogen werden kann. […] Deshalb empfehle ich Euch, dieses [Immobilienkaufangebot] zu akzeptieren […] Sofern Ihr Einverstanden seid, soll zu Beginn der kommenden Woche die Absichtserklärung unterzeichnet werden. […]" 4.11. In einer vom 12. August 2010 datierenden Honorarrechnung fakturierte die H._____ unter dem Titel "Arbeiten i.S. Buchhaltung und Geschäftsführung" insbe- sondere die Anpassung des Liquiditätsplans, die Überwachung von Debitoren, Kreditoren und des Zahlungsverkehrs, die Verbuchung des Geschäftsverkehrs, die Lohnverarbeitung, die Fertigstellung des Jahresabschlusses 2009 und dessen Vorbereitung zur Revision inklusive Erarbeiten der Finanzierung sowie der Ran- grücktritte, die Rapportierung der Aktivitäten in Sachen Verkauf, ein Austrittsge- spräch sowie Arbeiten betreffend spezifische Projekte. Ferner fakturierte die H._____ unter dem Titel "M._____-schlamm – Altlastenproblematik" insbesondere die "Vertiefung der Abwehrszenarien ( rückgängig machen Fusion, Sitzverlegung, Ausschüttung von Reserven, Verjährung etc. )" sowie diesbezügliche Korrespon- denz, Telefonate und Besprechungen (act. 49 Rz. 4b, 15b; act. 57 Rz. 628 ff., 651 ff.; act. 59 Rz. 257, 267). All dies wird nicht substantiiert bestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus der Honorarrechnung (act. 50/66). 4.12. In einem vom 31. August 2010 datierenden Schreiben der H._____ an eine am Kauf ei nes Gesellschaftsgrundstücks interessierte Partei , stammend unter anderem vom Beklagten 2, wird ausgeführt, die H._____ sei von der C._____ "seit Jahren mit der Geschäftsführung betraut" (act. 43 Rz. 104d; act. 57 Rz. 205). Dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus dem Schreiben (act. 46/55). 4.13. Die Jahresrechnung 2010 der C._____ (Revisionsbericht datierend vom 10. November 2011) wies p er 31. Dezember 2010 ein Eigenkapital von CHF 3'437'052.19 aus, welches sich wie folgt zusammensetz te (act. 31 Rz. 45; act. 43 Rz. 76; act. 30/2; act. 32/2): - 22 - BILANZ per 31. Dezember 2010 2009 PASSIVEN CHF CHF […] Eigenkapital Aktienkapital 656'000.00 656'000.00 Allgemeine gesetzliche Reserve 210'000.00 210'000.00 Fusionsagio 4'614'097.71 4'614'097.71 Aufwertungsreserve 0.00 15'125'000.00 Freie Reserve 182'000.00 182'000.00 Bilanzverlust - Vortrag vom Vorjahr -20'772'462.16 -9'180'237.53 - Jahresgewinn/-verlust 18'547'416.64 -11'592'224.63 Total Eigenkapital 3'437'052.19 14'635.55 Im Geschäftsjahr 2010 hatte die C._____ das von ihr gehaltene Fabrikareal ver- äussert, was eine Erhöhung des Eigenkapitals um rund CHF 3.4 Mio. im Ve r- gleich zum Vorjahr bewirkt hatte (act. 29 Rz. 41; act. 31 Rz. 45). 4.14. Am 13. Januar 2011 fand eine Verwaltungsratssitzung und Generalver- sammlung "der M._____-fabrik-Gesellschaften" statt, an der neben der Beklag- ten 1 und ihrem Ehemann auch der Beklagte 2 sowie Prof. Dr. J._____ teilnah- men (act. 43 Rz. 35; act. 57 Rz. 53, 92, 99). Die H._____ hatte eine Präsentation "VR-Sitzung / GV der M._____- fabrik-Gesellschaften" vorbereitet, welche anläs s- lich der Sitzung vom Beklagten 2 präsentiert wurde und die Traktanden bildete (act. 57 Rz. 92; act. 46/42). Darin finden sich folgende Passagen (act. 43 Rz. 34, 104e; act. 57 Rz. 93 ff., 207; act. 59 Rz. 50 f.; act. 46/42 Folie 4): " Umstrukturierung C._____ / I._____ und Dividendenausschüttung • Aufgrund der stillgelegten Betriebstätigkeit ist zu erwägen, die ausschüttbaren R e- serven der C._____ auszuschütten; • Mit Blick auf eine steueroptimale Handhabung sollte diese Ausschüttung nicht an den jetzigen Aktionär erfolgen (Einkommenssteuer), sondern an eine von ihm ge- haltene Gesellschaft. […] - 23 - • Vor diesem Hintergrund ist der Verkauf der C._____ zu Nennwert an die AB._____ zu erwägen. […] Die Ausschüttung kann auch in Form einer Naturaldividende (fol- gen. • Mit Blick auf die Thematik rund um die Schlammablagerung im See und dem laten- ten Anspruchsforderungen seitens des V._____ bzw. des Kantons wird von einem unabhängigen Rechtsexperten ein Gutachten verfasst wonach die erwähnte Th e- matik verjährt ist und die Ausschüttung vollzogen werden kann. Dieses Gutachten sollte Mitte Februar 2011 vorliegen; • Aufgrund der sich ändernden Funktionen der Gesellschaft en kann eine Anpassung der Organe erfolgen: Austritt B._____ und Q._____ als Geschäftsführer aus der C._____, Austritt von B._____ und J._____ aus dem Verwaltungsrat der I._____. Verbleib von B._____ und J._____ im VR bzw. in der Geschäftsleitung der L._____ zwecks Ausübung des Dekontaminationsauftrages. " Anlässlich dieser Sitzung wurde mit Blick auf die M._____- schlammablagerungen beschlossen, ein Rechtsgutachten einzuholen, wonach dieses Thema verjährt sei (act. 59 Rz. 51). Dementsprechend wurde Prof. Dr. O._____ mit der Ausarbeitung eines Gutachtens zur Verjährung der Kostenhaftung bei der Sanierung von Altlas- ten beauftragt (act. 29 Rz. 48; act. 57 Rz. 46; act. 59 Rz. 60, 94, 293). Prof. Dr. O._____ hatte bereits in mehreren Publikationen vertreten, dass die fragliche Haftung der Verjährung unterliege, mithin den von der C._____ eingenommenen Standpunkt vertreten (act. 43 Rz. 85a, 86; act. 57 Rz. 176 f.; act. 59 Rz. 60, 97, 243). All dies ist unbestritten. 4.15. Am 14. Januar 2011 fand gemäss (bestrittener) Darstellung de s Beklag- ten 2 zunächst eine ausserordentliche Generalversammlung der I._____ statt, an der die Beklagte 1 und ihr Ehemann, nicht aber die übrigen Verwaltungsratsmi t- glieder der I._____ teilnahmen (act. 31 Rz. 47 f.). Es existiert ein diesbezügliches Protokoll, in dem zunächst festgestellt wird, das Ehepaar A._____ AF._____ sei Eigentümer des gesamten Aktienkapitals der C._____, der L._____ und der I._____. Sodann wird festgehalten, die Beklagte 1 beantrage, die Beteiligungs- rechte der C._____ rückwirkend per 1. Januar 2011 in die I._____ einzubringen. - 24 - Schliesslich wird festgestellt, dieser Antrag sei angenomm en worden (act. 31 Rz. 51; act. 32/3). Nachfolgend fand gemäss (bestrittener) Darstellung der Beklagten eine ausseror- dentliche Generalversammlung der C._____, ebenfalls unter Teilnahme nur der Beklagten 1 und ihres Ehemanns, statt (act. 29 Rz. 97 f., 104; act. 31 Rz. 52 ff.). Es existiert ein diesbezügliches Protokoll, in dem unter dem Titel "2. Verwendung von Reserven" F olgendes steht (act. 29 Rz. 104; act. 31 Rz. 55, 243 f., 247; act. 3/4): "Der Vorsitzende beantragt, dass die Reserven der C._____ AG per sofort wie folgt verwe n- det werden: Bildung gesetzliche Reserven zu Lasten Fusions Agio CHF 118'000.00 Bildung zusätzliche Reserven zu Lasten Fusions Agio CHF 300'000.00 Gutschrift Fusions Agio auf Gewinnvortrag CHF 4'196'097.71 Gutschrift ausserordentliche Reserven auf Gewinnvortrag CHF 182'000.00 Saldo Konto Gewinnvortrag vor Umbuchungen CHF -2'225'045.52 Saldo Konto Gewinnvortrag nach Umbuchungen CHF 2'153'052.19 Es wird beantragt, dass der Saldo des Kontos Gewinnvortrages (Saldo frei verfügbare Reser- ven) im Betrage von CHF 2'153'052.19 vollumfänglich ausgeschüttet werden soll. Die Ausschüttung soll mittels Zession der folgenden Forderungen erfolgen: Darlehen Dr. AF._____ CHF 1'543'026.68 Darlehen A._____ (…) CHF 215'392.39 Darlehen Dr. AF._____ AG CHF 11'001.13 Darlehen Dr. AF._____ AG CHF 11'814.96 Darlehen AG._____ AG CHF 38'937.40 Darlehen AC._____ AG CHF 6'583.95 Der Restbetrag von CHF 326'295.68 wird dem Kontokorrent der I._____ AG gutgeschrieben. Dieser Antrag wird in offener Abstimmung einstimmig angenommen." - 25 - Die genannten Darlehensforderungen waren grossmehrheitlich solche gegenüber der Beklagten 1 und ihrem Ehemann und anerkanntermassen (auch) im Übrigen solche gegenüber nahestehenden Personen ( act. 1 Rz. 37; act. 29 Rz. 125; act. 43 Rz. 59a, 201, 376, 385, 406; act. 57 Rz. 412, 535; act. 59 Rz. 306, 312). Das Protokoll wurde anerkanntermassen erst nachträglich erstellt, und zwar a m 22. August 2012. Dies erfolgte durch die H._____ aufgrund der Informationen, die der Beklagte 2 von der Beklagten 1 und ihrem Ehemann erhalten habe (act. 43 Rz. 379a f.; act. 57 Rz. 414, 425). Dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen aus den Dateieigenschaften, die zwei Mitarbeitende der H._____ als bearbeitende Personen benennen (act. 46/47). Unterzeichnet wurde es am 20. November 2012 vom Ehemann der Beklagten 1 als Präsident sowie von der Beklagten 1 als Vize- präsidentin des Verwaltungsrats sowie als Protokollführerin (act. 1 Rz. 40, 48; act. 29 Rz. 100, 117; act. 43 Rz. 380, 401; act. 57 Rz. 414, 425). Auch dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen aus dem Protokoll (act. 3/4 S. 3). 4.16. Am 16. Januar 2012 erstattete Prof. Dr. O._____ ihr Gutachten. Darin kam sie im Wesentlichen zum Schluss, dass der vom Kläger gegen die C._____ gel- tend gemachte Anspruch der Verjährung unterliege. Dies hätte bedeutet, dass der konkrete Anspruch verjährt gewesen wäre (act. 29 Rz. 29, 48, 75; act. 31 Rz. 58 f.; act. 57 Rz. 382; act. 59 Rz. 58, 88 ff., 293). In seinem Urteil vom 29. Juli 2019 (vorne E. 2.5) nahm das Bundesgericht auf dieses Gutachten Bezug. I m Hinblick auf den Einwand der C._____, sie habe "aufgrund eines von ihr in Auf- trag gegebenen Gutachtens von O._____ vom 16. Januar 2012, wonach Verjäh- rung bzw. Verwirkung angenommen werden könne, die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Zahlungspflicht auf nur 25 % eingeschätzt", erwog es Folgendes: Der Kläger "vertrat jedoch schon damals die (zutreffende) gegenteilige Rechtsauffassung und konnte sich hierfür auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur analogen Rechtslage im Bereich des Gewässerschutzrechts stützen […], weshalb die B e- schwerdeführerin nicht auf die Richtigkeit des von ihr in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens vertrauen durfte" (act. 43 Rz. 78 f., 144, 204, 314; act. 57 Rz. 347; act. 59 Rz. 82; act. 3/7 E. 3.3). - 26 - 4.17. Zwischen September 2011 und 5. Juli 201 2 fanden drei "Round Tables" zwischen unter anderem dem Kläger und der C._____ statt, an denen seitens Letzterer namentlich der Beklagte 2 teilnahm (act. 29 Rz. 43; act. 31 Rz. 57, 60; act. 43 Rz. 38, 104g; act. 57 Rz. 210). Insbesondere fand am 5. Juli 20 12 ein "Round Table" statt, an dem seitens der C._____ der Beklagte 2 und Prof. Dr. J._____ teilnahmen (act. 31 Rz. 67; act. 43 Rz. 7, 38 ). Der Kläger machte gel- tend, die C._____ könne und müsse ins Recht gefasst werden, und wies das Ver- jährungsargument zurück , während die C._____ ihre Haftung bestritt (act. 31 Rz. 64; act. 43 Rz. 39). Das diesbezügliche Protokoll hält zum weiteren Vorgehen fest, der Entscheid über die Art der Mitwirkung der C._____ solle durch deren Verwaltungsrat gefällt werden (act. 31 Rz. 66). Sodann verzeichnet es eine B e- merkung des Beklagten 2 vom 17. Juli 2012, wonach er festhielt, weder im Ver- waltungsrat noch in der Geschäftsleitung der C._____ zu sein. Die H._____ ver- trete vielmehr die Interessen der C._____ im Rahmen eines Treuhandmandats und habe diesbezüglich stark beschränkte und abgegrenzte Kompetenzen (act. 31 Rz. 68; act. 43 Rz. 208). All dies ist unbestritten und ergibt sich im Übr i- gen auch aus den entsprechenden Protokollen ( act. 30/8; act. 32/5; act. 43/38 4.3.1 084 ff.). 4.18. Eine neuerliche Kostenschätzung durch die AH._____ AG bezifferte die vo- raussichtlichen Sanierungskosten auf CHF 8'250'000.– bzw. inkl. MWST. CHF 8'910'000.–. Dies wurde der C._____ am 5. Juli 2012 eröffnet (act. 1 Rz. 22; act. 31 Rz. 63, 217; act. 43 Rz. 40, 67, 309). Dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus der betreffenden Richtofferte (act. 3/15). 4.19. Am 9. Juli 2012 sandte Prof. Dr. J._____ ein Schreiben an den Beklag- ten 2. Darin führte er insbesondere Folgendes aus: "Aufgrund des Gutachtens von Frau O._____ dürfen wir davon ausgehen, dass die Chancen, dass ein Gericht von der Verjährung ausgeht, intakt sind. Meine Meinung war, dass die Chancen, dass die Verjährung angenommen wird, grösser sind, als die Chancen, dass die Verjährung verneint wird. Nach der 50% Regel, wie sie im IFRS vorgeschrieben ist, würde das dazu führen, dass eine Rückstellung nicht nötig wäre. Aber: Gegenüber dieser früheren Einschätzung wissen wir heute mehr." - 27 - Sodann wies er auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts hin, wonach auch bei einer Eintrittswahrscheinlichkeit von unter 50% und namentlich im Grenzbe- reich 50:50 eine Pflicht zur Bildung einer (anteiligen) Rückstellung greifen könne. In der Folge führte er aus: "Aufgrund des Gutachtens von Frau O._____ gehe ich davon aus, dass die Chance, dass die Verjährung angenommen wird, gleich gross ist, wie das Risiko, dass dies nicht der Fall ist. Aus diesem Grund scheint mir gestützt auf die zitierte Rechtsprechung des Bundesgerichts eine Rückstellung im Umfang von 50% der mutmasslichen Sanierungskosten pflichtgemäss." Er kam entsprechend zum Schluss, dass bis zum Abschluss des Kostenauflage- verfahrens keine Ausschüttungen an Aktionäre mehr möglich seien ( zum Ganzen act. 1 Rz. 29; act. 29 Rz. 83 ff.; act. 31 Rz. 70 ff.; act. 43 Rz. 7, 41 ff., 55e, 87, 129, 213, 324, 338, 350, 440) . All dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus dem Schreiben (act. 3/22). 4.20. Am 10. Juli 2012 fand eine Verwaltungsratssitzung der C._____ und der I._____ statt, an der die Beklagte 1, ihr Ehemann und der Beklagte 2 teilnahmen, wobei der Beklagte 2 im entsprechenden Protokoll als Protokollführer bezeichnet wird (act. 1 Rz. 31; act. 29 Rz. 103; act. 31 Rz. 77; act. 43 Rz. 45, 95b; act. 57 Rz. 190; act. 3/23 S. 1). Das Protokoll hält fest , die Beklagte 1 und ihr Ehemann hätten den Beklagten 2 über die am 14. Januar 2011 gefassten Beschlüsse i n- formiert. Sodann habe der Verwaltungsrat die H._____ bzw. den Beklagten 2 be- auftragt, die Ausschüttung steuerlich zu deklarieren und in der Buchhaltung abz u- bilden, d.h. die Jahresrechnungen dahingehend zu korrigieren. Der Beklagte 2 habe auf allfällige Risiken hingewiesen, das Vorgehen gerügt und auf das Schrei- ben von Prof. Dr. J._____ vom Vortag hingewiesen. Die Beklagte 1 und ihr Ehe- mann hätten mit Verweis auf den Beschluss vom Vorjahr an diesem Vorgehen festgehalten (zum Ganzen act. 1 Rz. 31 f.; act. 29 Rz. 103, 119; act. 31 Rz. 79 ff., 238 f.; act. 43 Rz. 46, 52). Die ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus dem entsprechenden Protokoll (act. 3/23 S. 3). 4.21. Vom 24. August 2012 datieren Buchhaltungs auszüge der C._____ betref- fend "Buchungen Reservenausschüttung per 14.01.2011", die eine "Ausschüttung - 28 - Reserven C._____ AG" von CHF 2'153'052.19 zulasten des Passivkontos "G e- winn/Verlust-Vortrag" per 14. Januar 2011 dokumentieren (act. 1 Rz. 36, 38, 79; act. 49 Rz. 8a; act. 3/25). Die Beklagten anerkennen denn auch, dass die Aus- schüttung über CHF 2'153'052.19 und insbesondere der Darlehensforderungen verbucht wurde (act. 31 Rz. 86; act. 59 Rz. 312), und zwar nach dem 10. Juli 2012 (act. 57 Rz. 134, 146). Spiegelbildliche Buchhaltungsauszüge betreffend "Buchungen Reservenausschüttung per 14.01.2011" finden sich bei der I._____ (act. 49 Rz. 8a; act. 50/70). 4.22. In der Jahresrechnung 2011 der C._____ mit Revisionsbericht datierend vom 22. Oktober 2012 wurden per 31. Dezember 2011 auf der Passivseite der Bi- lanz die Buchungen gemäss dem streitgegenständlichen Ausschüttungsbeschluss (namentlich: Umbuchung Fusionsagio auf Gewinnvortrag und Reservenausschüt- tung von CHF 2'153'052.19) verzeichnet. Sodann wurden auf der Aktivseite der Bilanz keine Darlehensforderungen gegenüber Aktionären (per 31. Dezember 2010 noch CHF 1'756'977.90) oder gegenüber Nahestehenden (per 31. Dezember 2010 noch CHF 71'372.62) mehr ausgewiesen (act. 1 Rz. 36, 38; act. 29 Rz. 104; act. 31 Rz. 86; act. 43 Rz. 95d; act. 76 Rz. 21; act. 3/24; act. 30/3; act. 32/7). Spiegelbildlich wurde n in der Jahresrechnung 2011 der I._____ (Revisionsbericht datierend vom 21. Dezember 2012) in der Erfolgsrec h- nung ein Beteiligungsertrag von CHF 2'153'052.19 und auf der Aktivseite der Bi- lanz diverse Darlehen insbesondere gegenüber den Schul dnern der ausgeschüt- teten Darlehensforderungen – jeweils in die se ausgeschütteten Forderungen übersteigenden Beträgen – ausgewiesen ( act. 29 Rz. 104; act. 31 Rz. 90, 265; act. 30/26 und 32/9). Diese Aktivposten enthielten die ausgeschütteten Darl e- hensforderungen (act. 31 Rz. 90). Dies zeigen die Buchhaltungsauszüge der I._____ datierend vom 26. September 2012. Denn darin ist die Erhöhung der be- sagten Aktivposten jeweils im Betrag der ausgeschütteten Forderung verzeichnet (act. 49 Rz. 8a; act. 50/70). Der Beklagte 2 macht denn auch geltend, dass die Ausschüttung in der Jahresrechnung der I._____ per 31. Dezember 2011 "korrekt als Beteiligungsertrag […] und die ausgeschütteten Forderungen als Aktiven der I._____ verbucht" bzw. dass ein Beteiligungsertrag von CHF 2'153'052.19 und die "entsprechenden Aktiven aus der Bar - und Sachdividende" ausgewiesen wo r-- 29 - den seien (act. 31 Rz. 90, 265). Ebenso antwortete der Beklagte 2 anlässlich ei- ner Einvernahme im Strafverfahren auf die Frage, ob die Dividenden wie be- schlossen ausgeschüttet, d.h. die Forderungen und die CHF 326'295.68 gutge- schrieben worden seien, mit "Ja, hat man umgesetzt" (act. 43 Rz. 53; act. 46/37 Fragen Nr. 165). Schliesslich deklarieren die Steuererklärungen der Beklagten 1 und ihres Ehemanns für das Jahr 2010 Darlehensschulden gegenüber der C._____ von CHF 1'543'027 und CHF 215'392 aber keine gegenüber der I._____ und für das Jahr 2011 keine Darlehensschulden gegenüber der C._____ aber solche gegenüber der I ._____ von CHF 1'752'889 und CHF 220'799 (act. 76 Rz. 22; act. 77/84 S. 9; act. 77/85 S. 10). 4.23. In vom 14. April 2014, 5. Juni 2014 und 19. Juni 2014 datierenden Hono- rarrechnungen fakturierte die H._____ unter dem Titel "Arbeiten i.S. Buchhaltung, Geschäftsführung und Administration" insbesondere die Anpassung des Liquid i- tätsplans, die Überwachung von Debitoren, Kreditoren und des Zahlungsverkehrs, die Verbuchung des Geschäftsverkehrs, Tätigkeiten im Bereich Steuern, das Er- stellen des Jahresabschlusses 2012, die Vorbereitung, Begleitung und Nachberei- tung der Revision, die Ausarbeitung einer Kapital - und Geldflussrechnung, die "[w]iederkehrende Unterstützung bei den entsprechenden Verwaltungsratssitzun- gen und Vorbereitung von teilweisen Entscheidungsgrundlagen und Protokoll auf Diktat im Auftrag des Verwaltungsrates für einen Teil der VR -Sitzungen und G e- neralversammlungen schreiben" (act. 49 Rz. 15b; act. 57 Rz. 656 f.). All dies ist unbestritten und ergibt sich im Übrigen auch aus den Rechnungen (act. 50/75- 77). 4.24. Vom 15. Juni 2015 datiert ein von Prof. Dr. J._____ stammendes internes Memorandum. Darin führt er Folgendes aus (act. 29 Rz. 88; act. 31 Rz. 104 f., 219; act. 43 Rz. 345; act. 30/25; act. 32/15): "Gestützt auf das Gutachten von Frau Prof. O._____ könnten wir uns auf den Standpunkt stellen, dass die Chancen eines Obsiegens über 50% liegen, und dass somit kei ne Rückstel- lung zu bilden sei. Dies entspricht der Anwendung der IFRS -Regeln, deren Anwendung auch für das Obligationenrecht vertreten wird. Das Bundesgericht hat aber in mehreren Entschei- den festgehalten, dass bei einer Eintretenswahrscheinlichkeit von knapp unter 50% proport i-- 30 - onale Rückstellungen zu bilden sind, also bei einer Eintretenswahrscheinlichkeit von 45% ei- ne Rückstellung von 45% der Kosten. Weiter ist festzuhalten, dass eine Rückstellung erst dann gebildet werden muss, wenn die Kosten einigermass en verlässlich geschätzt werden können, was im jetzigen Zeitpunkt nicht der Fall ist. Wenn wir vorsichtig sein wollen, müssen wir auch bei einer Eintretenswahrscheinlichkeit un- ter 50% eine proportionale Rückstellung bilden, also beispielsweise bei 30% im U mfang von 30% der erwarteten Kosten. Ich würde daher im heutigen Zeitpunkt davon abraten, Gewinne auszuschütten." 5. Allgemeines zur Haftung nach Art. 754 Abs. 1 OR Nach Art. 754 Abs. 1 OR sind di e Mitglieder des Verwaltungsrat s und alle mit der Geschäftsführung oder mit der Liquidation befassten Personen sowohl der G e- sellschaft als den einzelnen Aktionären und Gesellschaftsgläubigern für den Schaden verantwortlich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Verletzung ih- rer Pflichten verursachen. Die Voraussetzungen einer Haftung aus aktienrechtl i- cher Verantwortlichkeit sind demnach das Vorliegen eines Schadens, einer Pflichtverletzung, eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zw i- schen Schaden und Pflichtverletzung sowie eines Verschuldens . Darüber hinaus müssen die Aktiv - und Passivlegitimation gegeben sein. Es obliegt dem Kläger, das Vorliegen dieser Voraussetzungen zu beweisen (Art. 8 ZGB; zum Ganzen BGE 132 III 564 E. 4.2; BGE 132 III 342 E. 4.1; BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 7.1; BGer 4A_294/2020 vom 14. Juli 2021 E. 4.1.1; BGer 4A_344/2020 vom 29. Juni 2021 E. 5.1; BGer 4A_19/2020 vom 19. August 2020 E. 3.1; BGer 4A_373/2015 vom 26. Januar 2016 E. 3; BGer 4A_626/2013 vom 8. April 2014 E. 5; BGer 4C.281/2004 vom 9. November 2004 E. 2.3). 6. Passivlegitimation der Beklagten 1 Die Beklagte war von 2006 bis 2016 Mitglied des Verwaltungsrats der C._____ (vorne E. 2.1), mithin formelles Organ. Sie unterliegt damit ohne Weiteres der ak- tienrechtlichen Verantwortlichkeit (vgl. nur BGer 4A_373/2015 vom 26. Januar 2016 E. 3.2). - 31 - 7. Passivlegitimation des Beklagten 2 7.1. Parteistandpunkte 7.1.1. Der Kläger macht geltend, der Beklagte 2 sei faktisches Organ der C._____ gewesen. Er habe als Statthalter der Eigentümer gehandelt, sei bestens informiert gewesen, habe die Beschlüsse des Verwaltungsrats umgesetzt und über längere Zeit aktiv an der Willensbildung teilgenommen (act. 1 Rz. 10, 57). Über Jahre hinweg sei er massgebendes Organ gewesen, was sich unter anderem daraus ergebe, dass er bezüglich der M._____-schlammablagerungen beim Kläger vo r- gesprochen habe und an den vorliegend relevanten Entscheidungen massgeblich beteiligt gewesen sei sowie diese umgesetzt bzw. die sch ädigenden Handlungen persönlich vorgenommen habe (act. 1 Rz. 19, 57). All dies ergebe sich aus den Strafakten (act. 43 Rz. 103 f.; act. 49 Rz. 15). Ferner sei er ab 2008 Mitglied des Verwaltungsrats der I._____ und der L._____ gewesen, was auch Indizwirkung für seine Stellung innerhalb der C._____ habe, zumal diverse Verflechtungen zwi- schen den Gruppengesellschaften bestanden hätten (act. 43 Rz. 105 ff.). 7.1.2. Der Beklagte 2 bestreitet eine faktische Organstellung ( insb. act. 31 Rz. 131 ff.; act. 57 Rz. 462 ff.). Eine solche bedinge die Einflussnahme auf Ver- waltung oder Geschäfts führung in organtypischer Weise. Dies setze eigene Ent- scheidbefugnisse voraus. Demgegenüber genüge die blosse Mithilfe bei der Ent- scheidfindung nicht (act. 31 Rz. 136 ff.). Die H._____ bzw. der Beklagte 2 als ihr Vertreter seien als Buchhalter und Steuerberater der C._____ tätig gewesen (act. 31 Rz. 146 f., 159; siehe schon vorne E. 2.2). In dieser Funktion hätten sie langjährige Kenntnisse der wirtschaftlichen Verhältnisse der C._____, der I._____ sowie der Beklagten 1 und ihres Ehemanns gehabt (act. 31 Rz. 159) und Ge- schäftsvorfälle wie vom Verwaltungsrat vorgelegt verbuc ht (act. 31 Rz. 148). Fer- ner sei die H._____ bzw. der Beklagte 2 im Jahr 2007 mit konkreten Mandaten im Hinblick auf die Einstellung des Betriebs der C._____ und die Veräusserung ihres Anlagevermögens beauftragt und diesbezüglich auch zur V ertretung ermächtigt worden. Allerdings seien seine Aufgaben und Kompetenzen klar umschrieben gewesen. Zudem seien die wesentlichen Entscheide, namentlich finanzielle Ent- scheide über CHF 20'000.–, dem Verwaltungsrat vorbehalten gewesen (act. 57 - 32 - Rz. 200 ff., 205, 208). Der Wille der C._____ sei stets durch die Beklagte 1 und ihren Ehemann gebildet worden (act. 31 Rz. 151). Der Beitrag der H._____ und des Beklagten 2 habe sich auf die Erarbeitung von Entscheidgrundlagen und Empfehlungen beschränkt (act. 31 Rz . 152, 161). Sie hätten nicht in organtypi- scher Weise eigenverantwortlich den Organen vorbehaltene Entscheide getroffen (act. 31 Rz. 161). Namentlich w as das Vorsprechen beim Kläger anbelangt, sei klar gewesen, dass der Beklagte 2 keine Entscheidbefugnisse habe (act. 31 Rz. 157 f.). 7.2. Rechtliches Von der Organhaftung nach Art. 754 OR erfasst und damit passivlegitimiert sind nicht nur Mitglieder des Verwaltungsrats, sondern alle mit der Geschäftsführung betrauten Personen. Als solche gelten nach Lehre und Rechtsprechung nicht nur Entscheidungsorgane, die ausdrücklich als solche ernannt worden sind, sondern auch faktische Organe. Faktische Organe sind Personen, die tatsächlich Organen vorbehaltene Entscheide treffen oder die eigentliche Geschäftsführung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft massgebend mitbestimmen ( BGE 146 III 37 E. 6.1; BGE 128 III 92 E. 3a; BGE 128 III 29 E. 3a; BGE 117 II 570 E. 3; BGE 107 II 349 E. 5a; BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 7.1; BGer 4A_294/2020 vom 14. Juli 2 021 E. 3.1; BGer 4A_268/2018 vom 18. November 2019 E. 5; BGer 4A_306/2009 vom 8. Februar 2010 E. 7.1.1; siehe auch BGE 136 III 14 E. 2.4; BGE 132 III 523 E. 4.5). Vorausgesetzt ist, dass eine solche Person die sich aus der internen Organisation ergebenden Pflichten in eigener Entscheidbefugnis zu erfüllen hat, sie also selbständig und eigenverantwortlich handelt. Nicht ausreichend ist ein Handeln im Einzelfall oder eine bloss hilfsweise Tätigkeit in untergeordneter Stellung, ebenso wenig wie eine blosse Mithilfe bei der Entscheidung. Die aktienrechtliche Verantwortlichkeit greift nur, wenn die Kompetenzen der betreffenden Person wesentlich über die Vorbereitung und Grundlagenbeschaffung hinausgehen und sich zu einer massgebenden Mitwi r- kung bei der Willensbildung verdichten ( BGE 136 III 14 E. 2.4; BGE 128 III 29 E. 3a, 3c; BGE 117 II 570 E. 3; BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 7.1; BGer 4A_306/2009 vom 8. Februar 2010 E. 7.1.1). Dabei sind faktische Organe - 33 - auch für pflichtwidrige Unterlassungen verantwortlich, wenn im eigentlich wahrge- nommenen Aufgabenbereich ein Tätigwerden erforderlich gewesen wäre (BGE 128 III 92 E. 3a; BGer 4A_268/2018 vom 18. November 2019 E. 5). In jedem Fall ist aber verlangt, dass die als faktisches Organ handelnde Person aufgrund ihrer effektiven Entscheidungsgewalt in der Lage ist, den durch die Verletzung einer entsprechenden Pflicht eingetretenen Schaden zu verhindern ( BGE 136 III 14 E. 2.4; BGE 132 III 523 E. 4.5; BGE 128 III 29 E. 3a; BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 7.1; BGer 4A_268/2018 vom 18. November 2019 E. 5; BGer 4A_306/2009 vom 8. Februar 2010 E. 7.1.1). Was den Begriff der Geschäftsführung betrifft, geht es dabei um die interne Lei- tung der Gesellschaft. Sie beinhaltet sämtliche Elemente, die im Innenverhältnis der Gesellschaft wirken, wie etwa die Organisation von Produktion und Vertrieb, die Finanzplanung, die Führung der Geschäftsbücher, die Leitung des Personals oder die Festlegung der Ziele für Forschung und Entwicklung (BGer 4A_248/2009 vom 27. Oktober 2009 E. 6.3.2; G RAF, Gesellschaftsorgane zwischen Aktienrecht und Strafrecht, 2017, N 457). Zum Kernbereich der Geschäftsführung können die Einstellung von Mitarbeitern, die Gestaltung der Geschäftsbeziehungen zu Ver- tragspartnern, das Führen von Verhandlungen mit Kreditgebern, die Entscheidung von Steuerangelegenheiten und die Steuerung der Buchhaltung gezählt werden (GRAF, a.a.O., FN 921 und die dortigen Hinweise). 7.3. Würdigung 7.3.1. Der Beklagte 2 war faktisches Organ der C._____, da er die eigentliche Geschäftsführung besorgte und so die Willensbildung massgebend mitbestimmte: 7.3.1.1. Zunächst ist erstellt, dass der Beklagte 2 die eigentliche Geschäftsfüh- rung der C._____ besorgte. Dies ergibt sich erst einmal aus dem Beschluss des Verwaltungsrats vom 31. Oktober 2007 (vorne E. 4.1). Damit übertrug der Verwal- tungsrat weitreichende Aufgaben auf den Beklagten 2. Namentlich sollte dieser "im Auftragsverhältnis für die Geschäftsleitung" übernehmen. Ihm wurden denn auch typische Geschäftsführungsaufgaben übertragen, wie namentlich die Koor- dination bestimmter Projekte (Immobilienprojekte, Verkauf von M._____-- 34 - maschinen). Ferner wurde er mit der Führung der Finanzabteilung unter Ei n- schluss der Erstellung von Abschlüssen betraut, wobei es sich ebenfalls um typi- sche Geschäftsführungsaufgaben handelt. Daraus, dass im Rahmen seiner Stell- vertretung auch seinem Bruder Kollektivzeichnungsberechtigung gewährt wurde, ergibt sich, dass letztlich eine Struktur geschaffen wurde, die im Wesentlichen derjenigen auf dem kurze Zeit später erstellten Organigramm entspricht, worin der Beklagte 2 als Geschäftsführer und sein Bruder als Stellvertreter bezeichnet wird (vorne E. 4.2). Die Existenz dieses Organigramms stützt damit die Erkenntnis, dass dem Beklagten 2 – eben wie im Beschluss festgehalten – die Geschäftsfüh- rung übertragen wurde. Diese Indizwirkung hätte das Organigramm selbst dann , wenn es sich dabei, wie der Beklagte 2 behauptet, nur um eine Idee gehandelt haben sollte, die nicht umgesetzt wurde, weil R._____ aus allen Positionen ent- fernt werden musste (act. 57 Rz. 199). Dies gilt umso mehr, als die Entfernung von R._____ aus der nä chsttieferen Hierarchieebene gar keinen Einfluss auf die Stellung des Beklagten 2 haben musste bzw. wenn schon dessen Aufgaben hätte zunehmen lassen. Auch weitere Tatsachen indizieren, dass der Beklagte 2 – eben wie im besagten Beschluss festgehalten – die Geschäftsführung der C._____ wahrnahm: Dies gilt erstens für die Vollmachtsformulare, in denen er als Geschäftsführer bzw. CFO ausgewiesen wird (vorne E. 4.3), zweitens das Proto- koll der Verwaltungsratssitzung vom 14. September 2009, worin die "Verwaltung C._____" als einer der laufenden Aufträge der H._____ bezeichnet wird (vorne E. 4.8, am Ende), und drittens die Auskunft gegenüber der Kaufinteressentin vom 31. August 2010, wonach die H._____ seit Jahren mit der Geschäftsführung be- traut sei (vorne E. 4.12). Schliesslich zeigt sich die tatsächliche Besorgung der Geschäftsführung durch den Beklagten 2 auch in den diversen Honorarrechnun- gen (vorne E. 4.9, 4.11, 4.23). Denn darin werden explizit Leistungen in Sachen Geschäftsführung und spezifisch Arbeiten in den Bereichen Finanzplanung, Füh- rung der Geschäftsbücher und Personalführung, mithin typ ische Geschäftsfüh- rungsaufgaben, in Rechnung gestellt. 7.3.1.2. Sodann ist erstellt, dass der Beklagte 2 seine Aufgaben selbstständig und eigenverantwortlich zu erfüllen hatte, mithin über eigene Entscheidungsbefugnis verfügte und die Willensbildung der C._____ massgebend mitbestimmte: - 35 - Dies ergibt sich zunächst aus dem Verwaltungsratsbeschluss vom 31. Oktober 2007 (vorne E. 4.1). Darin wurden dem Beklagten 2 neben dem Auftrag, wesentli- che Entscheide für den Verwaltungsrat vorzubereiten, auch Entscheidkompeten- zen übertragen. Denn erstens wurden nur Kostenbeschlüsse von über CHF 20'000.– dem Verwaltungsrat vorbehalten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Beklagte 2 betragsmässig tiefere Kostenentscheide selbst treffen konn- te. Zweitens wurde neben dem Beklagten 2 auch seinem Bruder Kollektivzeic h- nungsberechtigung gewährt, und zwar damit operative Entscheide effizient getrof- fen werden könnten. Dies zeigt gerade, dass eine Entscheidfassung ohne Mitwir- kung der Beklagten 1 und ihres Ehemanns ermöglicht werden sollte. Jedenfalls anerkennt auch der Beklagte 2, bei Ausführung der konkreten Mandate eine ge- wisse bzw. bezüglich des Liegenschaftenverkaufs eine weitgehende Selbststän- digkeit genossen zu haben (act. 57 Rz. 205, 469) und für den Immobilienverkauf mit beschränkten Entscheidungsbefugnissen ausgestattet worden zu sein (act. 57 Rz. 87). Dass der Beklagte 2 die Willensbildung der C._____ massgebend mitbestimmte, zeigt sodann seine Mitwirkung auf der Ebene des Verwaltungsrats, und zwar g e- rade hinsichtlich der M._____-schlammablagerungen. Der Beklagte 2 nahm näm- lich an den Verwaltungsratssitzungen vom 10. April 2008, 21. August und 14. September 2009, 13. Januar 2011 sowie 10. Juli 2012 – mithin an sämtlichen von den Parteien erwähnten Verwaltungsratssitzungen in diesem Zeitraum – teil (vorne E. 4.6, 4.7, 4.8, 4.14, 4.20). Zumindest für die drei letztgenannten Sitzun- gen erstellte die H._____ bzw. der Beklagte 2 Präsentationen. Diese ersetzten teils das Protokoll bzw. die Traktanden, so im Fall der Sitzungen vom 21. August 2009 und 13. Januar 2011. Hinzu kommt bezüglic h letzterer Sitzung, dass sich der Beklagte 2 im Hinblick auf den Beschluss betreffend Anpassung der Organi- sation selbst auf die ( vorgängig zur Sitzung erstellte) Präsentation bezieht, um zu belegen, dass der entsprechende Beschluss gefasst worden sei (act. 57 Rz. 98). Dies zeigt, dass die von ihm entworfenen Unterlagen eben nicht nur Entschei d- grundlagen lieferten, sondern vielmehr auch bereits Beschlüsse abbildeten. - 36 - Dass der Beklagte 2 massgeblich in die Willensbildung eingebunden war, zeigt sich ferner darin, dass die Verwaltungsratssitzungen der C._____, der I._____ und der L._____ wiederholt zusammen stattfanden, so jedenfalls am 21. August und 14. September 2009, 13. Januar 2011 und 10. Juli 2012 (vorne E. 4.7, 4.8, 4.14, 4.20). Der Beklagte 2 mag zwar nicht formelles Mitglied des Verwaltungsrats der C._____ gewesen sein, war aber unbestrittenermassen Mitglied des Verwal- tungsrats der I._____ und der L._____ (vorne E. 2.2). Als solches war er grund- sätzlich zur Teilnahme an den Sitzungen sowie zur Mitwirkung an der Willensbi l- dung bzw. den Abstimmungen verpflichtet ( FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL, Schweizerisches Aktienrecht, 1996, § 28 N 68; KRNETA, Praxiskommentar Verwal- tungsrat, 2. Aufl. 2005, N 719; WERNLI/RIZZI, in: Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Ba s- ler Kommentar, Obligationenrecht II, 5. Aufl. 2016, Art. 713 N 6). Der Beklagte 2 macht denn auch geltend, er habe seine organschaftlichen Pflichten dort wahrge- nommen, wo er als Mitglied des Verwaltungsrats Organstellung gehabt habe, und gibt zu verstehen, dass er in die Entscheidfindung der I._____ einbezogen wer- den wollte (act. 57 Rz. 268 f.). Es ist lebensfremd, dass der Beklagte 2 im Ra h- men der besagten kombinierten Sitzungen zwar bei der Willensbildung der I._____ und der L._____ mitwirkte, nicht aber bei derjenigen der C._____ . Aus den betreffenden Protokollen bzw. Präsentationen (die als Traktanden fungierten) ist denn auch in keiner Weise erkenntlich, dass bei Diskussion und Beschlussfas- sung zwischen den einzelnen Gesellschaften unterschieden worden wäre. Mithin wurde entgegen einschlägigen beklagtischen Behauptungen (act. 57 Rz. 268, 471) gerade nicht zwischen den einzelnen Gesellschaften und Funktionsstufen unterschieden. 7.3.1.3. Zusammengefasst besorgte der Beklagte 2 die Geschäftsführung und be- stimmte die Willensbildung der C._____ massgebend mit, was ihn gemäss Recht- sprechung zum faktischen Organ macht . Insbesondere ist erstellt, dass sein Bei- trag, entgegen seinen Vorbringen ( z.B. act. 31 Rz. 151 f., 161), darüber hinaus- ging, Entscheidgrundlagen zu erarbeiten und Empfehlungen abzugeben. Dem steht auch nicht entgegen, dass er nicht sämtliche Entscheide alleine getroffen haben mag und insbesondere nicht den Zuschlag betreffend Verkauf von Immobi- lien alleine erteilte und anlässlich des "Round Table" vom 5. Juli 2012 den Ent-- 37 - scheid des Verwaltungsrats vorbehielt (act. 31 Rz. 67 f., 158). Denn eine Qualif i- kation als faktisches Organ setzt keine allumfassende Entscheidungshoheit vo- raus. Dem steht schliesslich auch nicht entgegen, dass der Beklagte 2 nicht bei der C._____ angestellt war (act. 57 Rz. 216 ff.), setzt doch eine Qualifikation als faktisches Organ auch kein Arbeitsverhältnis voraus. 7.3.2. Auch die weiteren vom Beklagten 2 gegen seine Qualifikation als faktisches Organ erhobenen Einwände überzeugen nicht: 7.3.2.1. Der Beklagte 2 beruft sich auf eine beschränkte inhaltliche Tragweite sei- ner Aufgaben. Namentlich macht er mit Verweis auf die Protokolle der Verwal- tungsratssitzungen vom 31. Oktober 2007 und 14. September 2009 (vorne E. 4.1, 4.8) geltend, die H._____ bzw. er sei nur mit konkret zu erledigenden Mandaten im Hinblick auf die Einstellung des Betriebs und die Veräusserung von Anlage- vermögen betraut bzw. mit der Veräusserung der Immobilien der C._____ beauf- tragt und dafür mit keinen bzw. nur beschränkten Entscheidu ngsbefugnissen aus- gestattet worden (act. 57 Rz. 68, 87 f., 200 ff., 208, 265 ff., 272, 275, 355, 469, 652). Dies überzeugt aus folgenden Gründen nicht: Erstens wird gerade im besagten Protokoll vom 14. September 2009 (vorne E. 4.8, am Ende) auch festgehalten, die laufenden Aufträge der H._____ und namentlich die " Verwaltung C._____" wür- den von der Beauftragung des Beklagten 2 mit dem Immobilienverkauf nicht tan- giert. Dies zeigt, dass über die Betriebseinstellung bzw. den Immobilienverkauf hinausgehende Aufträge bestanden. Zweitens beschränkte sich die tatsächliche Tätigkeit des Beklagten 2 nachweislich nicht auf die Betriebseinstellung bzw. den Immobilienverkauf. Dies ergibt sich aus dem Verwaltungsrat sbeschluss vom 31. Oktober 2007 und diversen Präsentationen sowie Honorarrechnungen (vorne E. 4.1, 4.7, 4.8, 4.9, 4.11, 4.14, 4.23). Denn d iese zeigen, dass der Beklagte 2 beispielsweise auch die Rechnungslegung besorgte und sich mit den M._____- schlammablagerungen befasste. Drittens hatte die C._____ ihre Betriebstätigkeit im Jahr … aufgegeben (vorne E. 2.3). Mithin betraf die Betriebseinstellung bzw. die Immobilienverkaufstätigkeit ohnehin einen wesentlichen Aspekt der verblei- benden Aktivitäten der C._____ und daher der Geschäftsführung. - 38 - 7.3.2.2. Der Beklagte 2 verweist auf die zeitlichen Gegebenheiten und bringt vor , selbst wenn eine faktische Organstellung bestanden hätte, sei diese spätestens am 13. Januar 2011 entfallen. D enn anlässlich der Verwaltungsratssitzung von diesem Tag (vorne E. 4.14) sei sein Austritt als Geschäftsführer aus der C._____ sowie derjenige seines Bruders (act. 57 Rz. 39, 98, 357, 366, 472) bzw. der A b- schluss der vom Beklagten 2 über die H._____ zu erledigenden Mandate be- schlossen worden (act. 57 Rz. 265, 366, 653) . Dies sei vor dem Hintergrund ge- schehen, dass Ende 2010 die Grundstücke und das Anlagevermögen verkauft und der Geschäftsbetrieb eingestellt gewesen sei (act. 57 Rz. 472, 653). Die vom Kläger für das Vorliegen einer faktischen Organstellung geltend gemachten U m- stände lägen vor der für die streitgegenständliche Verantwortlichkeit relevanten Zeit – die im Juli 2012 liege – und begründeten jedenfalls keine faktische Orga n- schaft des Beklagten 2 in dieser Zeit (act. 57 Rz. 465 f.). Insbesondere führe der Kläger kein auf eine faktische Organschaft hindeutendes Verhalten ab dem Jahr 2011 an, welches auch im Juli 2012 noch angedauert hätte (act. 57 Rz. 472). Dies überzeugt aus folgenden Gründen nicht: Erstens schliesst der Wegfall der Betriebs- und Immobilienverkaufstätigkeit nicht aus, dass der Beklagte 2 weiterhin andere Aufgaben zu besorgen hatte. Die s gilt namentlich für die anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom 14. September 2009 (vorne E. 4.8, am Ende) vorbe- haltene "Verwaltung C._____". Zweitens zeigen die Honorarrechnungen aus dem Jahr 2014 (vorne E. 4.23), dass die H._____ auch zu diesem Zeitpunkt noch typi- sche Geschäftsführungstätigkeiten, namentlich solche in den Bereichen Buchhal- tung und Rechnungslegung, unter dem Titel Geschäftsführung in Rechnung stel l- te. Drittens zeigt die Teilnahme des Beklagten 2 an den "Round Tables " (vorne E. 4.17), dass er auch nach dem 13. Januar 2011 mit dem Thema der Sanie- rungskosten befasst war. Dieses machte nach Aufgabe der Betriebstätigkeit und Verkauf des Anlagevermögens den verbleibenden wesentlichen Aspekt der Aktivi- täten der C._____ aus. 7.3.2.3. Ebenso wenig schliesst der Hinweis des Beklagten 2, dass der Verwal- tungsrat auch im Fall der Delegation der Führung der Buchführung an eine exter- ne Stelle die Verantwortung hierfür trage (act. 57 Rz. 346), seine Passivlegitimati-- 39 - on aus. Die Buchführung mag zwar eine unentziehbare und unübertragbare Auf- gabe des Verwaltungsrats sein (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR). Allerdings schliesst dies nicht aus, dass zusätzlich ein faktisches Organ hierfür verantwortlich sein kann (vgl. Handelsgericht SG HG.2002.81 vom 10. Juli 2009 E. 13.7). 8. Schaden 8.1. Parteistandpunkte Der Kläger verweist zunächst darauf, dass bei verspäteter Benachrichtigung des Konkursgerichts der Schaden in der durch das Hinauszögern eingetretenen Ver- minderung der Nettoaktiven, mithin im sog. Konkursverschleppungsschaden be- stehe (act. 1 Rz. 76). Sodann macht er geltend, dass, wenn die erforderlichen Rückstellungen vorgenommen und das Konkursgericht rechtzeitig benachrichtigt worden wäre, die Ausschüttung nicht erfolgt wäre (act. 1 Rz. 77). Diese Ausschüt- tung habe CHF 2'153'052.19 betragen (act. 1 Rz. 77; act. 43 Rz. 452). Mit seiner Klage macht er (nur) diesen Betrag geltend (act. 1 S. 2). Die Beklagten bestreiten einen Schaden von (mindestens) CHF 2'153'052.19 (act. 29 Rz. 158; act. 31 Rz. 301) und erheben dabei die sogleich zu prüfenden Einwände. 8.2. Rechtliches Der Schaden entspricht der ungewollten Verminderung des Reinvermögens der geschädigten Person, d.h. der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermö- gensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 142 III 23 E. 4.1 m.w.H.; BGer 4A_294/2020 vom 14. Juli 2021 E. 4.1.2.2.3). Er kann in einer Vermehrung der Passiven, einer Verminderung der Aktiven oder in entgangenem Gewinn bestehen (BGE 148 III 11 E. 3.2.3; Ha n- delsgericht ZH HG170213- O vom 1. Dezember 2020 E. 5.2.1 m.w.H.). Abtre- tungsgläubiger machen im Verantwortlichkeitsprozess nicht ihre eigenen Anspr ü- che geltend, sondern diejenigen der Konkursmasse bzw. der Gläubigergesamtheit (G ERICKE/WALLER, in: Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar , Obligatio- nenrecht II, 5. Aufl. 2016, Art. 757 N 12 ff.). Es geht also um die unfreiwillige Ver-- 40 - mögenseinbusse, die die konkursite Gesellschaft erlitten hat (BGE 132 III 342 E. 2.3.3). Es ist anerkannt, dass der Substanzabfluss infolge einer Ausschüttung, die durch unzureichende Rückstellungen ermöglicht wird, einen Schaden der Gesellschaft darstellen kann (vgl. BGer 4A_465/2022 vom 30. Mai 2023 E. 5 und vorinstanzl . Handelsgericht ZH HG200175 -O vom 13. September 2022 E. 4.1.3; BGer 4A_277/2010 vom 2. September 2010 E. 2.3 und vorinstanzl. Handelsgericht SG HG.2002.81 vom 10. Juli 2009 E. 14; betreffend verdeckte Gewinnausschüttun- gen BGer 4A_174/2007 vom 13. September 2007 E. 4.3.3; siehe auch BGer 4A_248/2012 vom 7. Januar 2013 E. 4.2, wonach es im Wesen der Dividende liegt, dass Mittel aus dem Gesellschaftsvermögen abfliessen; K ÄGI, Kapitalerhal- tung als Ausschüttungsschranke, 2012, § 7 Rz. 21, 23). 8.3. Würdigung 8.3.1. Dass di e streitgegenständliche Ausschüttung CHF 2'153'052.19 betragen hat, ist unbestritten. Im Übrigen ergibt sich dies auch aus dem Protokoll der Gene- ralversammlung vom 14. Dezember 2011 (vorne E. 4.15) sowie den Buchhal- tungsunterlagen sowohl der C._____ als auch der I._____ (vorne E. 4.21, 4.22). Sollte sich die Ausschüttung der Dividende in der Höhe von CHF 2'153'052.19 als unzulässig erweisen, wäre daher ein Schaden in dieser Höhe erstellt. Vorbehalten sind die nachfolgend zu prüfenden Einwände der Beklagten. 8.3.2. Die Beklagten wenden ein, der Kläger mache zwar einen Konkursver- schleppungs- bzw. Fortführungsschaden geltend, unterlasse es aber, die Zunah- me der Überschuldung rechtsgenüglich darzulegen. Namentlich habe er den hy- pothetischen Zeitpunkt, in dem der Konkurs über die C._____ bei pflichtgemäs- sem Handeln eröffnet worden wäre, nicht bestimmt. Zudem habe er nicht konkret behauptet und belegt, in welchem Zeitpunkt die C._____ wie hoch überschuldet gewesen sei . Daher sei ein Vergleich der tatsächlich eingetretenen Überschul- dung im Zeitpunkt der tatsächlichen Konkurseröffnung mit der Überschuldung, die bei einem hypothetischen Konkurs zu einem früheren Zeitpunkt bestanden hätte, nicht möglich. Es fehlten insbesondere Vorbringen zu den entsprechenden Liqui-- 41 - dationswerten. Die Ausschüttung einer Dividende alleine könne nicht ein Fortfüh- rungsschaden sein, nicht zuletzt weil dadurch allfällige Vermögenszugänge aus- ser Acht gelassen würden. Jedenfalls sei kein Fortführungsschaden entstanden (zum Ganzen act. 31 Rz. 295, 297; act. 57 Rz. 34.4 f., 453, 484 ff., 494, 496, 501 ff., 508 ff.; act. 59 Rz. 71, 75, 250 f., 294 ff., 299, 302, 304 f., 308, 310). Die Einwände der Beklagten gehen am Punkt vorbei. Der Kläger nimmt zwar ve r- einzelt auf das Konzept des Konkursverschleppungsschadens Bezug. Tatsächlich macht er aber gar keinen Fortführungsschaden im Sinn der b undesgerichtlichen Rechtsprechung, d.h. einen Schaden, der "in der Vergrösserung der Verschul- dung der Konkursitin, welche durch eine verspätete Konkurserklärung entstanden ist" (BGE 136 III 322 E. 3.2; BGE 132 III 342 E. 2.3.3; BGer 4A_271/2016 3.1) , geltend. Vielmehr bezieht sich die Klage auf eine spezifische Vermögensvermi n- derung, nämlich die Ausschüttung in der Höhe von CHF 2'153'052.19. Eine sol- che kann anerkanntermassen einen Schaden darstellen (vorne E. 8.2). Hierfür gelten die Anforderungen betreffend den Nachweis eines Fortführungsschadens nicht. 8.3.3. Die Beklagten bestreiten in ihren Dupliken den Vollzug (von Teilen) der streitgegenständlichen Ausschüttung: Die Beklagte 1 behauptet in ihrer Duplik, sie könne sich nicht erinnern, wann bzw. ob überhaupt die Ausschüttung je vollzogen worden sei ( act. 59 Rz. 69, 260, 313), bzw. bestreitet den Vollzug des Dividen- denbeschlusses mit Nichtwissen (act. 59 Rz. 300). In ihrer Klageantwort hatte sie noch geltend gemacht, die Dividende sei im Anschl uss an den Dividendenbe- schluss ausgeschüttet worden, insbesondere indem die C._____ ihre Forderun- gen gegen diverse Personen an die I._____ zediert und die Bardividende deren Kontokorrent gutgeschrieben habe (act. 29 Rz. 104); nach ihrem Verständnis sei die beschlossene Ausschüttung umgehend bzw. im Jahr 2011 umgesetzt worden (act. 29 Rz. 119 ff.). Der Beklagte 2 behauptet in seiner Duplik, die Dividenden- forderung der I._____ sei am 10. Juli 2012 noch nicht er füllt gewesen (act. 57 Rz. 437), bzw. dass nicht erstellt und ihm nicht bekannt sei , dass die Sachdiv i- dende tatsächlich geflossen und damit Aktiven der C._____ abgeflossen seien (act. 57 Rz. 34.3, 388, 393, 401, 408, 426, 433, 537, 581). Er habe jedenfalls mit - 42 - dem Vollzug des Ausschüttungsbeschlusses nichts zu tun gehabt bzw. nicht über das Vermögen der C._____ verfügt und weder die Abtretungserklärungen noch irgendwelche sonstigen Erklärungen für den Vollzug erstellt (act. 57 Rz. 34.3, 61, 129, 131, 149, 231, 296, 306 f., 323, 328, 345, 382, 392, 407, 426, 458, 537 f., 575, 611, 631, 648). In seiner Klageantwort hatte er noch behauptet, die C._____ habe "mittels Zession" ihre Forderungen gegen verschiedene Personen an die I._____ ausgeschüttet (act. 31 Rz. 247), und mit Nichtwissen bestritten, dass die Forderungsabtretung im Juli 2012 nicht vollzogen war (act. 31 Rz. 268). Er und die H._____ hätten mit der "materiellrechtlichen Umsetzung des Beschlusses" nichts zu tun gehabt, diese "wurde von den Mitgliedern des Verwaltungsrats bzw. von AF._____ [Ehemann der Beklagten 1] besorgt" (act. 31 Rz. 251). Der Kläger macht demgegenüber geltend, der Ausschüttungsbeschluss sei im Juli 2012 oder später vollzogen worden (act. 43 Rz. 52 f., 58, 60). 8.3.3.1. Was den Vollzug des Baranteils der A usschüttung betrifft, wurde ein Be- trag von CHF 326'295.68 dem Kontokorrent der I._____ bei der C._____ gutge- schrieben, mithin durch Letztere passiviert (act. 29 Rz. 104; act. 31 Rz. 247). Dies ergibt sich auch aus der Jahresrechnung 2011 der C._____, gelesen zusammen mit den Buchhaltungsauszügen der I._____ (dort: Konto 3 Kto.Korr. C._____ AG; act. 30/3; act. 32/7; act. 50/70). Damit haben sich die Passiven der C._____ er- höht, ist also eine Vermögensverminderung im genannten Betrag eingetreten. 8.3.3.2. Was den Vollzug der Ausschüttung der Darlehensforderungen betrifft, ist erstellt und auch gar nicht bestritten, dass die streitgegenständliche Ausschüttung entsprechend dem Protokoll der Generalversammlung vom 14. Dezember 2011 verbucht wurde. Dies zeigen sowohl die Buchhaltung der C._____ als auch jene der I._____ sowie ferner die Tatsache, dass die Beklagte 1 und ihr Ehemann die Darlehensschuld in ihrer Steuererklärung neu als solche gegenüber der I._____ deklarierten. Hinzu kommt, dass der Beklagte 2 anlässlich einer Einvernahme im Strafverfahren explizit erklärte, die Ausschüttung sei wie beschlossen umgesetzt, d.h. die Forderungen seien übertragen worden (vorne E. 4.21, 4.22). Mit der Ver- buchung der Ausschüttung der Darlehensforderungen durch die C._____ vermin- derten sich ihre Aktiven im Umfang ebendieser Forderungen. Sie waren nicht län-- 43 - ger als Vermögenswerte der C._____ erfasst. Damit war insbesondere nicht mehr davon auszugehen, dass sie allfälligen zukünftigen Konkursgläubigern als Ha f- tungssubstrat zur Verfügung stehen würden, was denn auch tatsächlich nicht der Fall war . Es ist mithin gerade die Verbuchung der Ausschüttung, die bewirkte, dass sich die Vermögensverminderung bei der C._____ einstellte. Eine Verm ö- gensverminderung liegt damit auch im Umfang der von der Ausschüttung erfass- ten Darlehensforderungen vor. Hervorzuheben ist diesbezüglich, dass gemäss Bundesgericht ein Schaden nicht erst entstanden ist, wenn die geschädigte Per- son einen Verlust ihres Barvermögens erleidet, sond ern die Beeinträchtigung i h- res Bilanzvermögens ausreicht (BGE 116 II 441 E. 3a/aa). Was den Verweis auf fehlende Abtretungserklärungen anbelangt, bedarf zwar ei- ne Forderungsabtretung zu ihrer Gültigkeit der schriftlichen Form (Art. 165 Abs. 1 OR). Freilich anerkennt das Bundesgericht, dass das Protokoll einer Generalver- sammlung dieses Schriftformerfordernis erfüllen kann, wenn der Übertragungswil- le der abtretenden Partei zumindest implizit daraus hervorgeht bzw. nach Treu und Glauben durch Auslegung daraus abgeleitet werden kann (BGer 6B_85/2021 vom 26. November 2021 E. 14.4.2; BGer 4A_248/2015 vom 15. Januar 2016 E. 4). Das von der Beklagten 1 und ihrem Ehemann in ihren Funktionen als Mi t- glieder des Verwaltungsrats der C._____ unterzeichnete Protokoll der General- versammlung vom 14. Januar 2011 wäre daher ohne Weiteres als rechtsgenügl i- che Abtretungserklärung anzusehen, sofern es für das Vorliegen eines Schadens auf eine solche ankommen würde. Dies gilt umso mehr, als darin erstens explizit von einer "Zession" gesprochen wird, zweitens die betreffenden Darlehensf orde- rungen individualisiert werden und drittens die Beklagte 1 und ihr Ehemann auch Vertreter der Zessionarin I._____ waren. Dass das Protokoll Grundlage der Abtre- tung war, nimmt letztlich auch der Beklagte 2 an, wenn er geltend macht, die H._____ habe die Ausschüttung "gestützt auf das Protokoll der Generalversam m- lung in den Büchern der C._____ abgebildet" (act. 57 Rz. 131). Vor diesem Hi n- tergrund erübrigt sich auch die vom Kläger beantragte Edition von Belegen (vgl. act. 43 Rz. 58). - 44 - 8.3.4. Schliesslich stellt die Beklagte 2 die Werthaltigkeit der von der Ausschüt- tung erfassten Darlehensforderungen in Frage (act. 59 Rz. 251, 300). Allerdings ist nicht ersichtlich, warum die Lage der C._____ die Fähigkeit ihrer Schuldner zur Begleichung ihrer Forderungen hätte beeinflussen sollen. Es wird denn auch nicht behauptet, die Darlehensforderungen seien seitens der C._____ wertberichtigt worden. 9. Pflichtverletzung 9.1. Parteistandpunkte 9.1.1. Der Kläger m acht betreffend Pflichtverletzungen – seinem zusammenfas- senden Standpunkt (vorne E. 3.1) entsprechend – Folgendes geltend: Erstens sei der Vollzug des angeblichen Generalversammlungsbeschlusses vom 14. Januar 2011 pflichtwidrig gewesen; die Beklagten hätten ihre Pflichten verletzt, indem sie gestützt auf einen fiktiven, jedenfalls aber ungültigen Beschluss eine Ausschüt- tung vorgenommen hätten (act. 43 Rz. 110, 356, 359 f., 377). Zweitens hätten be- reits vor dem bzw. im Januar 2011 Rückstellungen gebildet werden müssen (act. 1 Rz. 24; act. 43 Rz. 76, 111, 166, 383, 393). Denn seit 2008 seien die S a- nierungskosten voraussehbar gewesen bzw. habe man gewusst, dass ein gros- ses Risiko bestehe und etwaige Ausschüttungen kritisch würden ( act. 1 Rz. 24; act. 43 Rz. 76, 166, 393) . Entsprechend sei den Beklagten jedenfalls im Januar 2011 bewusst gewesen, dass Rückstellungen erforderlich seien (act. 43 Rz. 373). Diese hätten bewirkt, dass eine Ausschüttung i m Januar 2011 handelsrechtlich unzulässig gewesen sei, und überdies eine Überschuldung herbeigeführt (act. 43 Rz. 111, 166, 366, 383) . Denn das per Ende 2010 ausgewiesene Eigenkapital von rund CHF 3.4 Mio. wäre durch eine auch nur anteilige (namentlich unter 20%ige) Rückstellung der seit 2008 voraussehbaren Sanierungskosten, die dann- zumal noch auf CHF 20 Mio. geschätzt worden seien, aufgebrau cht worden, w o- mit kein frei verfügbares Eigenkapital für eine Ausschüttung vorhanden gewesen wäre (act. 43 Rz. 76, 166). Nichtsdestotrotz hätten die Beklagten pflichtwidrig kei- ne ausreichende Rückstellung gebildet, hiermit die Überschuldung verschleiert und stattdessen die streitgegenständliche Ausschüttung vorgenommen (act. 1 Rz. 74; act. 43 Rz. 451). Hinzu komme, dass der Ausschüttungsbeschluss vom - 45 - 14. Januar 2011, wenn er denn gefasst worden wäre, formell unrechtmässig sei. Denn die Ausschüttung einer Interimsdividende setze neben der Einhaltung von Art. 675 Abs. 2 OR, wonach Dividenden nur aus dem Bilanzgewinn und den hier- für gebildeten Reserven ausgerichtet werden dürfen, einen revidierten Zwische n- abschluss sowie eine spezielle Bestätigung der Revisionsstelle voraus. Keine die- ser Voraussetzungen sei erfüllt gewesen (act. 1 Rz. 42 ff.; act. 43 Rz. 383, 394). Drittens hätte spätestens am 9. Juli 2012 eine Pflicht zur Bildung von Rückstel- lungen bestanden (act. 43 Rz. 67 f., 112, 334, 339). Denn unter Berücksichtigung des Schreibens von Prof. Dr. J._____ vom 9. Juli 2012 sowie der am 5. Juli 2012 thematisierten Kostenschätzung von CHF 8'910'000.– (inkl. MWST.) hätten jeden- falls Rückstellungen in der Höhe der Hälfte dieses Betrags (CHF 4'455'000.–) ge- bildet werden müssen (act. 1 Rz. 26; act. 43 Rz. 67, 69, 339). Dies hätte die Überschuldung der C._____ bewirkt (act. 1 Rz. 27; act. 43 Rz. 70 ff., 115, 263, 315, 334, 366, 369). Denn die C._____ wäre am 9. Juli 2012 jedenfalls dann überschuldet gewesen, wenn rund 25% der voraussichtlichen Sanierungskosten hätten zurückgestellt werden müssen (act. 43 Rz. 71 f., 74, 115, 341). Deshalb hätten die Beklagten den Ausschüttungsbeschluss spätestens im Juli 2012 nic ht mehr vollziehen dürfen (act. 43 Rz. 61, 112, 360, 369). Vielmehr hätten sie die Bi- lanz der C._____ beim Konkursgericht deponieren müssen (act. 43 Rz. 112, 451). Trotz alledem hätten die Beklagten in Verletzung ihrer gesellschaftsrechtlichen Pflichten die Bildung dieser Rückstellungen wie auch die Deponierung der Bilanz unterlassen und stattdessen die streitgegenständliche Ausschüttung vorgenom- men (act. 1 Rz. 2, 23, 27, 74; act. 43 Rz. 18, 116, 377, 451). Dadurch hätten sie ihre gesetzlichen Pflichten zur Bildung von Rückstellungen ( aArt. 669 Abs. 1 OR) und zur Benachrichtigung des Konkursgerichts im Fall einer Überschuldung (aArt. 725 Abs. 2 OR) sowie – namentlich indem sie stattdessen eine Ausschüt- tung vornahmen – ihre Sorgfalts- und Treuepflicht (Art. 717 Abs. 1 OR) sowie das Vorsichtsprinzip (aArt. 662a Abs. 2 Ziff. 3 OR) verletzt (act. 43 Rz. 15 f., 18, 341). Was spezifisch den Beklagten 2 betrifft, sei dieser als faktisches Organ zur Bi l- dung der Rückstellungen verpflichtet gewesen, was er unterlassen habe (act. 43 Rz. 334, 264) . Sodann hätte er sich nicht am Beschluss und Vollzug der Aus- schüttungen beteiligen dürfen (act. 43 Rz. 448) bzw. eine Pflichtverletzung be-- 46 - gangen, indem er den Ausschüttungsbeschluss vollzogen und dadurch die C._____ durch effektive Mittelabflüsse geschädigt habe (act. 43 Rz. 265, 337, 465 f.). Überdies sei er spätestens am 9. Juli 2012 verpflichtet gewesen, die Überschuldung dem Konkursgericht anzuzeigen bzw. zumindest die Beklagte 1 und ihren Ehemann über die Überschuldung zu informieren, was er unterlassen habe (act. 43 Rz. 264 f., 448, 451, 466). Die Beklagten hätten bei alledem nicht im Rahmen eines einwandfreien und wohlinformierten Verfahr ens, sondern vielmehr unter Einfluss eines Interessenkonflikts gehandelt (act. 43 Rz. 327b). Auch wenn die Ausschüttung primär die Alleinaktionärin I._____ begünstigt habe, hätten näm- lich indirekt auch die Schuldner der von der Ausschüttung er fassten Darlehens- forderungen profitiert. Denn so sei verhindert worden, dass eine später aktive Konkursverwaltung die Forderungen eintreiben konnte (act. 43 Rz. 427). Vor dem Hintergrund, dass die besagten Forderungen im Wesentlichen solche gegenüber der Beklagten 1 und ihrem Ehemann gewesen seien und sich überdies die I._____ in deren alleinigem Besitz befunden habe, hätten sie letztlich sich selbst bereichert (act. 43 Rz. 201, 376). Der Beklagte 2 wiederum habe über Provisi o- nen und Verwaltungsratsmandate ebenfalls von der Ausschüttung profitiert (act. 43 Rz. 427). 9.1.2. Die Beklagten machen zunächst geltend, die Ausschüttung sei gültig b e- schlossen worden (vorne E. 3.2). Sodann bestreiten sie eine Verletzung der Pflicht zur Bildung von Rückstellungen. In den massgeblichen Zeitpunkten habe gestützt auf die damalige Informationslage bzw. geringe Eintrittswahrscheinlich- keit keine solche Pflicht bestanden (act. 29 Rz. 49, 77, 87, 137, 157; act. 31 Rz. 178, 220, 223, 226, 287, 291; act. 57 Rz. 43, 80, 157, 420; act. 59 Rz. 63, 65, 178, 274, 285, 292) bzw. seien die gebildeten Rückstellungen angemessen ge- wesen (act. 29 Rz. 71, 82, 93; act. 57 Rz. 155, 342, 371, 378, 445, 452, 547). Entsprechend hätten sie sich bezüglich der Bildung von Rückstellungen sorgfältig verhalten (act. 57 Rz. 558). Ebenso wenig habe eine Pflicht zur Benachrichtigung des Konkurs gerichts bestanden (act. 29 Rz. 71, 80; act. 31 Rz. 292; act. 57 Rz. 40, 60, 130, 142, 387, 391 f., 448, 452, 459; act. 59 Rz. 65, 70). Insbesondere am 14. Januar 2011 habe keine Pflicht zur Bildung von Rückstellungen bestan- den, die eine A usschüttung verhi ndert bzw. die Überschuldung bewirkt hätten - 47 - (act. 29 Rz. 54, 103, 127; act. 57 Rz. 69, 380, 420). Dies sei dannzumal von allen Beratern des Verwaltungsrats so gesehen worden (act. 29 Rz. 103). Entspre- chend sei der Ausschüttungsbeschluss handelsrechtlich zulässig gewesen und von der Revisionsstelle auch nicht beanstandet worden (act. 29 Rz. 54). Sodann habe es sich gar nicht um eine Interimsdividende gehandelt. Vielmehr sei eine Ausschüttung von bereits per 31. Dezember 2009 bestehenden allgemeinen R e- serven, namentlich eines aus einer früheren Fusion resultierenden Fusions agios, erfolgt. Dafür sei weder das Vorliegen der Jahresrechnung 2010 noch ein revidier- ter Zwischenabschluss nötig gewesen bzw. seien die V orjahreszahlen irrelevant gewesen (act. 29 Rz. 110; act. 31 Rz. 254, 256, 272; act. 57 Rz. 181, 421, 431; act. 59 Rz. 221, 228). Zudem sei der Beschluss von der Alleinaktionärin I._____ in einer Universalversammlung gefasst worden, weshalb die Revisionsste lle den Ausschüttungsantrag nicht habe prüfen können oder müssen (act. 31 Rz. 255). Auch eine Verletzung von Art. 675 Abs. 2 OR sei nicht ersichtlich, zumal das Agio gemäss Gesetz zu den allgemeinen Reserven gehöre und die gesetzlichen R e- serven auf mindestens die Hälfte des Aktienkapitals geäufnet worden seien (act. 29 Rz. 110; act. 31 Rz. 255). Mit dem Generalversammlungsbeschl uss sei eine unbedingte Forderung der I._____ gegen die C._____ entstanden (act. 29 Rz. 122; act. 31 Rz. 264; act. 57 Rz. 34.2, 133, 232, 260, 288, 349, 393, 405, 430, 526; act. 59 Rz. 68, 217, 312) . Diese habe in den Gesellschaftsbüchern als Ver- pflichtung verbucht werden müssen (act. 57 Rz. 138; act. 59 Rz. 217). Damit sei ein Mittelabfluss bzw. eine Eigenkapitalreduktion erfolgt, während die spätere Er- füllung der bilanzierten Dividendenforderung keine Auswirkungen mehr auf das Eigenkapital bzw. eine allfällige Überschuldung gehabt , sondern nur die Bilanz verkürzt hätte (act. 57 Rz. 141, 149, 232, 261, 301, 345, 416; act. 59 Rz. 68, 218, 312). Der Verwaltungsrat könne einen solchen Ausschüttungsbeschluss nicht mehr abändern oder entziehen (act. 31 Rz. 250; act. 57 Rz. 137, 527). Und auch eine Überschuldungsanzeige hätte am Ausschüttungsbeschluss nichts geändert, die Dividendenforderung wäre weiterhin als Verbindlichkeit vorhanden gewesen (act. 57 Rz. 418). Was spezifisch den Beklagten 2 betrifft, m acht dieser geltend, seine Befugnisse seien auf die in seinen konkreten Mandaten umrissenen Berei- che beschränkt gewesen. Ausserhalb dieser Bereiche sei er nicht verantwortlich - 48 - (act. 57 Rz. 470). Insbesondere eine allfällige Pflicht zur Bildung von Rückstel lun- gen hätte nicht ihn getroffen, sei er doch weder Mitglied des Verwaltungsrats noch für die Bildung von Rückstellungen zuständig gewesen (act. 31 Rz. 178, 223, 226, 287, 342, 558). Ebenso wenig sei er verpflichtet gewesen, bei begründeter B e- sorgnis bezüglich einer Überschuldung das Konkursgericht zu benachrichtigen (act. 57 Rz. 40, 60, 130). Auch der Vorwurf , er habe den Verwaltungsrat nicht über das Bestehen einer Überschuldung informiert, treffe nicht zu. Ohnehin hätten die Beklagte 1 und ihr Ehemann die finanzielle Situation der C._____ gekannt und behaupte der Kläger auch gar nicht, dass er, der Beklagte 2, den Verwaltungsrat aktiv davon abgehalten habe, die Überschuldung anzuzeigen (act. 57 Rz. 391, 560). Darüber hinaus habe er nicht an der Fassung des Ausschüttungsbeschlus- ses teilgenommen und davon bis am 9. oder 10. Juli 2012 keine Kenntnis gehabt (act. 57 Rz. 34.3, 52, 64 , 76, 102, 119, 260, 424). Als er davon erfahren habe, habe er das Vorgehen beanstandet (act. 57 Rz. 34.3, 63, 119). Ferner habe er den Ausschüttungsbeschluss nicht vollzogen, er habe nicht über das Vermögen der C._____ verfügt (act. 57 Rz. 34.3, 64, 76, 260, 345, 392). Schliesslich macht die Beklagte 1 geltend, der Entscheid, keine Rückstellungen zu bilden, sei durch ein unabhängiges Gutachten abgestützt worden und habe damit auf einer ei n- wandfreien und angemessenen Informationsbasis beruht und sei frei von Interes- senkonflikten gewesen (act. 59 Rz. 286). Der Beklagte 2 macht geltend, keinen Vorteil aus der Ausschüttung gezogen zu haben (act. 57 Rz. 439). 9.2. Rechtliches 9.2.1. Zur Pflichtverletzung 9.2.1.1. Zu den unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des Verwaltungs- rats gehört gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR die Ausgestaltung des Rec h- nungswesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung, sofern diese für die Führung der Gesellschaft notwendig ist; gemäss Ziff. 6 derselben Bestimmung ist er zudem zur Erstellung des Geschäftsbericht s, der insbesondere die Jahres- rechnung, bestehend aus Erfolgsrechnung, Bilanz und Anhang ( vgl. aArt. 662 bzw. Art. 958 Abs. 2 OR), umfasst, sowie zur Vorbereitung der Generalversam m- lung und Ausführung ihrer Beschlüsse verpflichtet. Nach aArt. 662, aArt. 957 - 49 - Abs. 1 Ziff. 1 und aArt. 958 Abs. 1 bzw. Art. 957 Abs. 1 Ziff. 2 und Art. 957a Abs. 1 OR muss jede Aktiengesellschaft eine kaufmännische Buchhaltung nach den Bestimmungen des Obligationenrechts führen, die Grundlage der Rec h- nungslegung bildet. Die Verwaltungsratsmitglieder dürfen die Buchführungstäti g- keit delegieren; die Endverantwortung verbleibt jedoch beim Gesamtv erwaltungs- rat. 9.2.1.2. Nach Art. 717 Abs. 1 OR müssen die Mitglieder des Verwaltungsrats und mit der Geschäftsführung befasste Dritte ihre Aufgaben mit aller Sorgfalt erfüllen. Die Sorgfaltspflicht ist ein Mindeststandard für die Erfüllung der gesetzlich über- tragenen Aufgaben (BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht, 5. Aufl. 2022, § 16 Rz. 280). Für die Sorgfalt, die bei der Führung der Geschäfte anzuwenden ist, gilt ein objek- tiver Massstab. Mithin sind die betreffenden Personen zu aller Sorgfalt verpflichtet und nicht nur zur Vorsicht, die sie in eigenen Geschäften anzuwenden pflegen. Ihr Verhalten wird deshalb mit demjenigen verglichen, das billigerweise von einer abstrakt vorgestellten, ordnungsgemäss handelnden Person in einer vergleichba- ren Situation erwartet werden kann ( BGE 139 III 24 E. 3.2; BGer 4A_344/2020 vom 29. Juni 2021 E. 5.1; BGer 4A_19/2020 vom 19. August 2020 E. 3.1.1, 3.1.2; BGer 4A_259/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 5.1; BGer 4A_626/2013 vom 8. April 2014 E. 5.1; siehe auch BGE 122 III 195 E. 3a; BGE 113 II 52 E. 3a). Die Frage einer Sorgfaltspflichtverletzung richtet sich nach den Verhältnissen im Zeitpunkt der fraglichen Handlung oder Unterlassung. Mithin richtet sich die ve r- langte Sorgfalt nach dem Recht, Wissensstand und den Massstäben im damal i- gen Zeitpunkt (BGE 139 III 24 E. 3.2; BGer 4A_19/2020 vom 19. August 2020 E. 3.1.2; BGer 4A_259/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 5.1; BGer 4A_626/2013 vom 8. April 2014 E. 5.1; Handelsgericht ZH HG170213- O vom 1. Dezember 2020 E. 5.2.2; BÖCKLI, a.a.O., § 16 N 51, 246; C ORBOZ/AUBRY GIRARDIN, in: Ter- cier/Amstutz/Trigo Trinidade [Hrsg.], Commentaire Romand, Code des obligations II, 2. Aufl. 2017, Art. 754 N 22 f.; GERICKE/WALLER, a.a.O., Art. 754 N 31c; WAT- TER/ROTH PELLANDA, in: Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligati- onenrecht II, 5. Aufl. 2016, Art. 717 N 6). Es ist auf diejenigen Informationen ab- zustellen, über die die betreffende Person damals verfügte oder verfügen konnte - 50 - (BGer 4A_74/2012 vom 18. Juni 2012 E. 5.1; CORBOZ/AUBRY GIRARDIN, a.a.O., Art. 754 N 22a; WATTER/ROTH PELLANDA, a.a.O., Art. 717 N 6). 9.2.1.3. Eine unter dem aktienrechtlichen Verantwortlichkeitsrecht relevante Pflichtverletzung kann beispielsweise in einer Verletzung der genannten unüber- tragbaren und unentziehbaren Aufgaben des Verwaltungsrats nach Art. 716a Abs. 1 OR liegen (GERICKE/WALLER, a.a.O., Art. 754 N 26). Darüber hinaus bzw. konkret kann eine solche Pflichtverletzung in ein em Verstoss gegen Bilanz - und Rechnungslegungsvorschriften oder (allenfalls zusätzlich) der Bestimmungen über das Verhalten bei eingetretener Überschuldung liegen (BGE 148 III 11 E. 3.2.3.2; BÖCKLI, a.a.O., § 16 N 307, 311, 319 ff.; CORBOZ/AUBRY GIRARDIN, a.a.O., Art. 754 N 25; FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL, a.a.O., § 37 N 29, 31). So liegt beispielsweise eine Pflichtverletzung vor, wenn der Verwaltungsrat es un- terlässt, eine gesetzlich verlangte Rückstellung zu bilden bzw. deren Bildung zu verlangen (BGE 132 III 564 E. 5.1; BGer 4A_277/2010 vom 2. September 2010 E. 2.1; Handelsgericht SG HG.2002.81 vom 10. Juli 2009 E. 13.6, 13.8e, 14.3a; siehe auch BGer 4A_74/2012 vom 18. Juni 2012 E. 4.1.1, 4.1.4). Ebenso liegt ei- ne Pflichtverletzung vor, wenn der Verwaltu ngsrat es unterlässt, bei gegebenen Voraussetzungen nach Art. 725 Abs. 2 OR das Konkursgericht zu benachricht i- gen (BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 7.2.3, 7.2.4.2, 7.2.5, 9.2.1, 9.3.2; BGer 4A_373/2015 vom 26. Januar 2016 E. 4.1; BGer 4A_188/2007 vom 13. September 2007 E. 5.3; GERICKE/WALLER, a.a.O., Art. 754 N 28). Ferner kön- nen Gewinnausschüttungen, sei es in Form von Dividenden oder von verdeckten Gewinnausschüttungen, Pflichtverletzungen darstellen, wenn die finanzielle Lage der Gesellschaft zum Zeitpunkt der Ausschüttung diese nach objektiver Beurtei- lung nicht zulässt (BGer 4A_174/2007 vom 13. September 2007 E. 4.3.1; BGer 4A_188/2007 vom 13. September 2007 E. 4.3.2, 4.3.3; CORBOZ/AUBRY GIRARDIN, a.a.O., Art. 754 N 21a; GERICKE/WALLER, a.a.O., Art. 754 N 30). Ebenso kann ein Verstoss gegen die Voraussetzungen einer rechtmässigen Ausschüttung pflicht- widrig sein, trägt doch der Verwaltungsrat die Verantwortung für die Rechtmäs- sigkeit und Tragbarkeit seines Antrags auf Verwendung des Bilanzgewinns an die Generalversammlung (BÖCKLI, a.a.O., § 16 N 50, 308). Schliesslich können Ver- letzungen der Treuepflicht haftungsbegründend sein, worunter Straftatbestände - 51 - wie ungetreue Geschäftsführung oder Veruntreuung fallen (GERICKE/WALLER, a.a.O., Art. 754 N 29). 9.2.1.4. Was Geschäftsentscheide betrifft, haben sich Gerichte bei der nachträgli- chen Beurteilung solcher Entscheide Zurückhaltung aufzuerlegen, sofern diese in einem einwandfreien, auf einer angemessenen Informationsbasis beruhenden und von Interessenkonflikten freien Entscheidprozess zustande gekommen sind. Diesfalls prüfen Gerichte Geschäftsentscheide in inhaltlicher Hinsicht lediglich da- rauf, ob sie als ve rtretbar erscheinen (BGE 139 III 24 E. 3.2; BGer 4A_19/2020 vom 19. August 2020 E. 3.1.2; BGer 4A_626/2013 vom 8. April 2014 E. 5.1). Liegt hingegen ein Interessenkonflikt vor, rechtfertigt es sich gemäss bundesge- richtlicher Rechtsprechung nicht, besondere Zurückhaltung zu üben. Vielmehr ist diesfalls nach der allgemeinen Lebenserfahrung zu befürchten, dass beim fragl i- chen Entscheid die Gesellschaftsinteressen nicht an erster Stelle stehen und nicht allein diese gewahrt werden. Deshalb wird bei nachgewiesenem Interessenkon- flikt auf tatsächlicher Ebene ein pflichtwidriges Handeln vermutet. Eine tatsächl i- che Vermutung betrifft die Beweiswürdigung und bewirkt keine Umkehr der B e- weislast; die Vermutungsgegnerschaft hat nicht etwa den Beweis des Gegenteils zu erbringen, sondern den Gegenbeweis. Gelingt der Gegenbeweis nicht, ist die Pflichtwidrigkeit aufgrund der tatsächlichen Vermutung erstellt. Liegt am Ende aber Beweislosigkeit vor, wirkt sich dies zu Lasten der nach wie vor die Bewei s- last tragenden Verantwortl ichkeitsklägerschaft aus und eine Pflichtverletzung ist diesfalls nicht nachgewiesen (zum Ganzen BGer 4A_642/2016 vom 27. Juni 2017 E. 2.1; BGer 4A_259/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 5.2 m.w.H.; B ÖCKLI, a.a.O., § 16 N 249). 9.2.2. Zu den Voraussetzungen und Wirkungen einer Ausschüttung 9.2.2.1. Eines der wichtigsten Prinzipien des Aktienrechts ist der Kapitalschutz. In dessen Dienst steht eine ganze Reihe zwingender Bestimmungen, mit denen s i- chergestellt werden soll, dass der Aktiengesellschaft stets ein Reinvermögen – d.h. Aktiven minus Fremdkapital – mindestens im Umfang von Grundkapital und gebundenen Reserven erhalten bleibt. Im Dienst des Kapitalschutzes stehen ins-- 52 - besondere die Vorschriften über die Dividendenausschüttung. Zum einen darf der verhältnismässige Anteil am Bilanzgewinn, der jedem Aktionär nach Art. 660 OR zusteht, gemäss Art. 675 Abs. 2 OR nur aus dem Bilanzgewinn und aus hierfür gebildeten Reserven ausgerichtet werden (materielle Voraussetzung für Gewinn- ausschüttungen; BGE 140 III 533 E. 4.1; BGer 4A_248/2012 vom 7. Januar 2013 E. 3.2; Handelsgericht ZH HG130015- O vom 20. Januar 2014 E. 5.1.2; siehe auch BGer 4A_174/2007 vom 13. September 2007 E. 4.3.1; BGer 4A_188/2007 vom 13. September 2007 E. 4.3.2). Zum anderen muss ein Dividendenbeschluss formelle Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem muss sich der Ausschüttungs- beschluss auf eine Jahresrechnung abstützen. Sodann muss ein Revisionsbericht vorliegen, in dem die Revisionsstelle der Generalversammlung schriftlich einen zusammenfassenden Bericht über das Ergebnis der Revision erstattet (für die eingeschränkte Revision Art. 729b OR). Der Revisionsbericht hat sich bei der ein- geschränkten Revision darüber auszusprechen, ob sich bezüglich des Gewinn- verwendungsantrags des Verwaltungsrats an die Generalversammlung Hinweise auf Verstösse gegen Gesetz und Statuten ergeben (Art. 729a Abs.1 Ziff. 2 OR). Dies gilt auch dann, wenn die Ausschüttung nicht aus dem Bilanzgewinn, sondern beispielsweise aus freien Reserven oder Agio erfolgt ( BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 701; REUTTER/RASMUSSEN, in: Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar, Oblig a- tionenrecht II, 5. Aufl. 2016, Art. 731 N 6; siehe auch BÖCKLI, Revisionsstelle und Abschlussprüfung nach neuem Recht, 2007, N 707). Schliesslich hat die General- versammlung die Ausschüttung zu beschliessen (Art. 698 Abs. 2 Ziff. 4 OR; zum Ganzen VOGT, in: Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationen- recht II, 5. Aufl. 2016, Art. 675 N 25; siehe auch BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 677; DUBS/TRUFFER, in: Hons ell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligatione n- recht II, 5. Aufl. 2016, Art. 698 N 21; KÄGI, a.a.O., § 7 Rz. 5 f., 33 ff.). Was die materielle Beschränkung für Gewinnausschüttungen gemäss Art. 675 Abs. 2 OR betrifft, bedeutet diese ( über den Wortlaut hinaus ), dass die der Aus- schüttung zugrundeliegende Jahresrechnung so viel verwendbares Eigenkapital (d.h. Eigenkapitalpositionen, die nicht von den aktienrechtlichen Ausschüttungs- sperren erfasst sind) ausweisen muss, dass der Ausschüttungsbetrag gedeck t ist (BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 680; DUBS/TRUFFER, a.a.O., Art. 698 N 21). Das verwend-- 53 - bare Eigenkapital ist dasjenige, welches ( gegebenenfalls nach Abzug eines B i- lanzverlustes) nicht auf das Grundkapital einerseits und auf die gesperrte Quote der allgemeinen gesetzlichen Reserve (in der Höhe der Hälfte des Grundkapitals, vgl. Art. 671 Abs. 2 OR), die Reserve für eigene Aktien und die Aufwertungsr e- serve andererseits entfällt ( BAHAR/PEYER, in: Handschin/Jung [Hrsg.], Zürcher Kommentar, Art. 660-697m OR, 2. Aufl. 2021, Art. 675 N 15; BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 680; VOGT, a.a.O., Art. 675 N 16). Hat die Gesellschaft verfügbare Reserven und weist sie gleichzeitig Verluste aus, reduzieren sich die verfügbaren Reserven um diesen Betrag (GLANZMANN, Ausgewählte Fragen im Zus ammenhang mit Divi- dendenausschüttungen, in: Kunz/Arter/Jörg [Hrsg.], Entwicklungen i m Gesel l- schaftsrecht XII, 2017, 105); eine Ausschüttung ist also nur in dem Umfang mög- lich, als das verwendbare Eigenkapital den Bilanzverlust übersteigt ( BA- HAR/PEYER, a.a.O., Art. 675 N 24; VOGT, a.a.O., Art. 675 N 23). Ein allfälliges Agio untersteht ab dem Moment seiner Erfassung in den G e- schäftsbüchern der Gesellschaft den Ausschüttungsregeln der allgemeinen R e- serve und kann demnach unter den soeben beschriebenen Vorauss etzungen frei verwendet werden (BGE 140 III 533 E. 6.2; BAHAR/PEYER, a.a.O., Art. 675 N 31). Dies gilt auch für ein allfälliges Fusionsagio, d.h. den Betrag, in dem die über- nommenen Nettoaktiven den Nennbetrag der im Rahmen der Fusion durchgeführ- ten Kapitalerhöhung übersteigen ( G LANZMANN/GUIDOUM, Die gesetzliche Kapital- reserve, in: Jung/Krauskopf/Cramer [Hrsg.], Festschrif t Handschin, 2020, 258 m.w.H.). 9.2.2.2. Eine sog. ausserordentliche Dividende liegt vor bei einer Ausschüttung, die nicht im Rahmen der ordentlic hen Generalversammlung gestützt auf die Jah- resrechnung des Vorjahrs , sondern zu einem späteren Zeitpunkt unter Verwen- dung freier Gesellschaftsmittel vergangener Geschäftsjahre und gestützt auf eine bereits früher genehmigte Jahresrechnung beschlossen wird ( A ICHELE/VIONNET- RIEDERER, Die Zwischendividende im revidierten Aktienrecht, EF 2021, 293; BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 725; FORSTMOSER/ZINDEL/BAHAR, Zulässigkeit der Interim s- dividende im schweizerischen Recht, SJZ 2009, 205). Sie ist zu unterscheiden von der Interimsdividende, bei der eine Ausschüttung aus dem Gewinn des lau-- 54 - fenden Geschäftsjahrs erfolgt und die sich nicht auf die Jahresrechnung eines abgeschlossenen Geschäftsjahrs stützt ( FORSTMOSER/ZINDEL/BAHAR, a.a.O., 205; GLANZMANN, a.a.O., 85; VOGT, a.a.O., Art. 675 N 36). Auch die Ausrichtung einer ausserordentlichen Dividende untersteht den besag- ten Voraussetzungen (DRUEY/DRUEY JUST/GLANZMANN, Gesellschaf ts- und Ha n- delsrecht, 12. Aufl. 2021, § 8 Rz. 70; GLANZMANN, Das Eigenkapital gemäss neu- em Aktienrecht, SJZ 2022, 763) . Zunächst müssen auch für eine ausserordentl i- che Dividende die Voraussetzungen von Art. 675 Abs. 2 OR erfüllt sein ( BA- HAR/PEYER, a.a.O., Art. 675 N 52; FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL, a.a.O., § 40 N 54; FORSTMOSER/ZINDEL/BAHAR, a. a.O., 205 f.; VOGT, a.a.O., Art. 675 N 35). Sodann muss sich auch eine ausserordentliche Dividende auf eine Jahresrec h- nung abstützen, sind doch Ausschüttungen, die sich nicht auf eine revidierte und genehmigte Jahresbilanz stützen, rechtswidrig (BGer 4A_248/2012 7. Januar 2013 E. 3.2; V OGT, a.a.O., Art. 675 N 25). Zusätzlich wird gefordert, dass die R e- visionsstelle – namentlich im Rahmen ihrer Prüfung des Dividendenantrags des Verwaltungsrats (Art. 728a Abs. 1 Ziff. 2 bzw. Art. 729a Abs. 1 Ziff. 2 OR) – in ei- nem Bericht bestätigt, dass die Ausschüttung gesetzes - und statutenkonform, insbesondere also das benötigte verwendbare Eigenkapital immer noch vorhan- den ist ( HWP, Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung, Buchführung und Rechnungslegung, Treuhand- Kammer [Hrsg.], 2014, 238; HWP, Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung, Ordentliche Revision, EXPERTsuisse [Hrsg.], 2015, 400; C HENAUX, in: Tercier/Amstutz/Trigo Trinidade [Hrsg.], Commentaire Romand, Code des Obligations II, 2. Aufl. 2017, Art. 675 N 23; VOGT, a.a.O., Art. 675 N 35; wohl auch A ICHELE/VIONNET-RIEDERER, a.a.O., 293; ferner R ENG- GLI/KISSLING/CAMPONOVO/HONOLD/KEEL, Die eingeschränkte Revision, 3. Aufl. 2023, 463 f.). Eine solche Bestätigung soll zumindest dann erforderlich sein, wenn der Generalversammlungsbeschluss mehr als sechs Monate nach dem Bilanz- stichtag gefasst wird ( DRUEY/DRUEY JUST/GLANZMANN, a.a.O., § 8 Rz. 70; FORST- MOSER/ZINDEL/BAHAR, a.a.O., 205 f., Fn. 3; GLANZMANN, SJZ 2022, a.a.O., 763; GLANZMANN, Entwicklungen XII, a.a.O., 89; ebenso B ÖCKLI, a.a.O., § 8 N 697, 725, nach dem aber gar ein Zwischenabschluss erstellt und geprüft werden muss, wenn das verbleibende Eigenkapital nur knapp auszureichen scheint oder Erei g-- 55 - nisse des Geschäftsjahrs auf eine Verschlechterung der Finanzlage schliessen lassen). Teils wird gar gefordert, dass stets ein Zwischenabschluss erstellt und von der Revisionsstelle geprüft wird ( FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL, a.a.O., § 40 Fn. 11; ferner HWP OR, a.a.O., 401, wonach "in der Regel" ein aktueller Zwischenabschluss erforderlich ist), jedenfalls wenn der Bilanzstichtag im Zei t- punkt des Generalversammlungsbeschlusses mehr als sechs Monate zurückliegt (CHENAUX, a.a.O., Art. 675 N 23) oder Grund zur Annahme besteht, dass das in der Jahresrechnung ausgew iesene Eigenkapital in der Zwischenzeit durch einen Verlust aufgezehrt worden ist ( BAHAR/PEYER, a.a.O., Art. 675 N 52; CHENAUX, a.a.O., Art. 675 N 23). Fehlt die besagte Bestätigung der Revisionsstelle, ist ein Ausschüttungsbeschluss in Anwendung von Art. 731 Abs. 3 OR nichtig (HWP B&R, a.a.O., 238; HWP OR, a.a.O., 401). 9.2.2.3. Mit einem Ausschüttungsbeschluss wird der latente Anspruch des Akti o- närs auf das Eigenkapital durch eine Forderung gegen die Gesellschaft ersetzt. Diese ist durchsetzbar und kann nicht wieder entzogen werden. Grundsätzlich wird sie sofort mit dem Beschluss der Generalversammlung fällig. Sie untersteht, wenn sie erst später bezahlt wird, nicht mehr der Entnahmesperre von Art. 675 Abs. 2 OR ( zum Ganzen B AHAR/PEYER, a.a.O., Art. 675 N 49; VOGT, a.a.O., Art. 675 N 26; ferner BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 705; GLANZMANN, Entwicklungen XII, a.a.O., 109; KÄGI, a.a.O., § 7 Rz. 21, 23). 9.2.3. Zur Pflicht zur Bildung von Rückstellungen 9.2.3.1. Ein Grundsatz ordnungsmässiger Rechnungslegung ist das Vorsichts - prinzip (Art. 958c Abs. 1 Ziff. 5 OR bzw. aArt. 662a Abs. 2 Ziff. 3 OR). Allgemein gesprochen besagt dieses, dass im Rahmen der Erstellung der Jahresrechnung beim Umgang mit Ungewissheiten Vorsicht geboten ist. Vermögenswerte und Er- träge sollen nicht zu hoch, Sch ulden und Aufwendungen nicht zu niedrig ange- setzt werden (LIPP, in: Roberto/Trüeb [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Rechnungslegungsrecht, 2013, Art. 958c N 30). In seiner Ausprägung als Imparitätsprinzip erfordert es, dass Rückstellungen für absehbare Mittelabflüs- se schon zu erfassen sind, wenn sie absehbar (BGer 4A_277/2010 vom 2. September 2010 E. 2.2) bzw. erkennbar ( Botschaft vom 21. Dezember 2007 - 56 - zur Änderung des Obligationenrechts [ Aktienrecht und Rechnungslegungsrecht sowie Anpassungen im Recht der Kollektiv - und der Kommanditgesellschaft, im GmbH-Recht, Genossenschafts-, Handelsregister- sowie Firmenrecht], BBl 2007 1589 ff., Ziff. 2.2.2; MÜLLER/HENRY/BARMETTLER, in: Pfaff/Glanz/Stenz/Zihler [Hrsg.], Rechnungslegung nach Obligationenrecht, 2. Aufl. 2019, Art. 958c N 52) sind bzw. sobald der sorgsame Kaufmann mit ihnen aufgrund der Erfahrung ernstlich rechnen muss ( BÖCKLI, OR-Rechnungslegung, 2. Aufl. 2019, N 174, 180). In Bezug auf die Bewertung verlangt das Vorsichtsprinzip, dass bei Bewer- tungsunsicherheiten von zwei sachlich begründeten Wertansätzen der weni ger optimistische gewählt wird ( BÖCKLI, Rechnungslegung, a.a.O., N 182; NEU- HAUS/SUTER, in: Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligatione n- recht II, 5. Aufl. 2016, Art. 958c N 14). Dies gilt auch als Leitlinie für Schätzungen (BÖCKLI, Rechnungslegung, a.a.O., N 182). 9.2.3.2. Um ungewisse Verpflichtungen und drohende Verluste, deren Eintritt s- wahrscheinlichkeit, Zeitpunkt und Höhe unsicher sind, zu decken, sind Rückstel- lungen zu bilden (BGer 6B_778/2011 vom 3. April 2012 E. 5.4.2; BGer 4A_277/2010 vom 2. September 2010 E. 2.1; BGer 4C.190/2004 vom 11. August 2004 E. 2.4; BOEMLE/LUTZ, Der Jahresabschluss, 5. Aufl. 2008, 370, 373; H AND- SCHIN, Rechnungslegung im Gesellschaftsrecht, 2. Aufl. 2016, N 761 f.; NEU- HAUS/HAAG, in: Honsell/Vogt/Watter [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht II, 5. Aufl. 2016, Art. 960e N 2, 9, 14; RIEDERER, Die Pflicht zur Bildung von Rüc k- stellungen nach Art. 960e Abs. 2 OR, 2016, N 178; STENZ, in: Pfaff/Glanz/Stenz/Zihler [Hrsg.], Rechnungslegung nach Obligationenrecht , 2. Aufl. 2019, Art. 960e N 13). Konkret sah der sowohl im Januar 2011 als auch im Juli 2012 geltende aArt. 669 Abs. 1 OR eine Pflicht zur Bildung von Rückstel- lungen vor, "soweit sie nach allgemein anerkannten kaufmännischen Grundsät- zen notwendig sind" bzw. "um ungewisse Verpflichtungen und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu decken." Die Pflicht zur Bildung von Rückste l- lungen bezweckt, dass bei der Bilanzierung diejenigen Korrekturen vorgenommen werden, die erforderlich sind, um eine korrekte und dem Vorsichtsprinzip Rec h- nung tragende Darstellung der finanziellen Lage der Gesellschaft s icherzustellen. Beim Entscheid darüber, ob und in welcher Höhe Rückstellungen getätigt werden - 57 - müssen, verfügt die Unternehmensleitung als Folge der Ungewissheit der Ver- bindlichkeiten über einen gewissen Ermessensspielraum. Sie hat ihr Ermessen aber stets pflichtgemäss, das heisst nach kaufmännischen Grundsätzen ausz u- üben (BGer 6B_778/2011 vom 3. April 2012 E. 5.4.2; BGer 4C.190/2004 vom 11. August 2004 E. 2.4). Namentlich Prozessrisiken können eine Pflicht z ur Bildung von Rückstellungen begründen (Handelsgericht SG HG.2002.81 vom 10. Juli 2009 E. 13.6a; HWP B&R, a.a.O., 215, 218; B ÖCKLI, a.a.O., § 6 N 893; BÖCKLI, Rechnungslegung, a.a.O., N 1048; BOEMLE/LUTZ, a.a.O., 372; HANDSCHIN, a.a.O., N 762; KÄLIN, Buchhalterische Beurteilung von Prozessrisiken aus Beklagtensicht, AJP 2017, 1045). Wird der Gesellschaft eine Forderungsklage angedroht, muss der Verwa l- tungsrat daher den voraussichtlichen Verfahrensausgang abschätzen und eine angemessene Rückstellung bilden, sofern er zum Schluss kommt, dass die G e- sellschaft zwar nicht sicher, aber m öglicherweise unterliegt (BÖCKLI, a.a.O., § 6 N 893; BÖCKLI, Rechnungslegung, a.a.O., N 1048; KÄLIN, a.a.O., 1044 f.; w äre das Unterliegen sicher, müsste die Forderung als Verbindlichkeit verbucht wer- den). Der Verwaltungsrat wird für die Schätzung von Bestand und Höhe der For- derung sowie der zu erwartenden Rechtskosten in der Regel seine Rechtsvertr e- tung beizuziehen haben ( KÄLIN, a.a.O., 1044; siehe auch Handelsgericht SG HG.2002.81 vom 10. Juli 2009 E. 13.6a; HWP B&R, a.a.O., 218; ferner allgemein zur Pflicht des Verwaltungsrats, sich von Spezialisten beraten zu lassen WAT- TER/ROTH PELLANDA, a.a.O., Art. 717 N 9). Teils wird eine solche Erkundigung gar als unerlässlich bezeichnet (BÖCKLI, a.a.O., § 6 N 893; BÖCKLI, Rechnungslegung, a.a.O., N 1048). Ab welcher Eintrittswahrscheinlichkeit eine Pflicht zur Bildung einer Rückstellung besteht, ist im Einzelnen umstritten (vgl. dazu etwa die Übersichten bei BERT- SCHINGER, Die handelsrechtliche und steuerrechtliche Gewinnermittlung unter dem revidierten Rechnungslegungsrecht, 2020, N 420, RIEDERER, a.a.O., N 197 ff., und R IEDERER, Rückstellungen: Eigen oder Fremdkapital?, recht 2017, 36 f.). Jedenfalls hielt das Bundesgeri cht in einem Entscheid aus dem Jahr 2010 (zu aArt. 669 Abs. 1 OR) fest, eine Rückstellung könne bereits bei einer Eintritts-- 58 - wahrscheinlichkeit von 50% oder darunter angebracht sein. In einem solchen Fall könne die angemessene Lösung in der Rückstellung eines Teilbetrags des schlimmsten möglichen Ausgangs bestehen , wenn ein Versicherer, der viele sol- che Risiken in seinen Büchern hätte, eine Rückstellung in einem Betrag, welcher der Wahrscheinlichkeit entspricht, für nötig erachten würde (BGer 4A_277/2010 vom 2. September 2010 E. 2.1; bestätigt in BGer 6B_778/ 2011 vom 3. April 2012 E. 5.4, ohne die Bezugnahme auf den Versicherer , der viele solche Risiken in seinen Büchern hat ; in diesem Sinn auch Handelsgericht ZH HG200175- O vom 13. September 2022 E. 4.2.3). Demnach ist i m Bereich des OR jedenfalls nicht die Methode der IFRS massgeblich, wonach eine Rückstellung zu bilden ist, wenn eine Eintrittswahrscheinlichkeit von mehr als 50% vorliegt, und andernfalls keine Rückstellung gebildet werden darf ( more likely than not-Regel). In der Lehre wird teils die Ansicht als vorherrschend bezeichnet, wonach bei einer Wahrscheinlich- keit ab 50% die volle Summe, bei einer solchen unter 50% eine anteilsmässige Rückstellung zu buchen ist ( KÄLIN, a.a.O., 1045 f.; in diesem Sinn, und zwar j e- weils [wie auch KÄLIN] ohne Vorbehalt betreffend Einzelsachver halte, auch HWP B&R, a.a.O., 216; NEUHAUS/HAAG, a.a.O., Art. 960e N 12; STENZ, a.a.O., Art. 960e N 27; wohl auch L IPP, a.a.O., Art. 959 N 56, Art. 960e N 19; a.M. HÄNDSCHIN, a.a.O., N 774 ff. [Anwendung der more likely than not -Regel; so auch die Vorauf- lage 2013; vgl. aber auch H ÄNDSCHIN, Rechnungslegungs- und Revisionsrecht in a nutshell, 2008, 92, wonach eine Rückstellung entsprechend der Eintrittswahr- scheinlichkeit zulässig sei ]; R ENTSCH/ZÖBELI, Rückstellungen nach dem neuen Rechnungslegungsrecht, rechnungswesen & controlling 3/2013, 13 [Anwendung der more likely than not -Regel jedenfalls für Einzelsachverhalte] ; RIEDERER, a.a.O., N 197 ff., 255 [Anwendung der more likely than not -Regel jedenfalls für Einzelsachverhalte]). BÖCKLI schlägt vor, bei einer Eintrittswahrscheinlichkeit von unter 20-25% keine Rückstellung zu buchen, bei einer solchen von 20- 25% bis 75-80% eine Rückstellung in einem angemessenen Teilbetrag und bei einer h ö- heren Eintrittswahrscheinlichkeit eine Verbindlichkeit im vollen Betrag; dies auch bei grossen Einzelrisiken (BÖCKLI, a.a.O., § 6 N 881, 906, 908 [für anteilsmässige Rückstellungen auch die Vorauflage 2009 § 8 N 841]; BÖCKLI, Rechnungslegung, a.a.O., N 1025 f. [so auch die Vorauflage 2014]). Stets zu beachten ist bei dieser - 59 - Beurteilung jedenfalls das Vorsichtsprinzip ( BGE 132 III 564 E. 5.1; BERTSCHIN- GER, a.a.O., N 431). 9.3. Würdigung 9.3.1. Keine Beschränkung auf Vertretbarkeit sprüfung / Vorliegen eines Intere s- senkonflikts 9.3.1.1. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach sich Gerichte bei der nachträglichen Überprüfung von Geschäftsentscheiden unter bestimmten Voraus- setzungen Zurückhaltung aufzuerlegen haben, findet nur auf eigentliche unter- nehmerische Entscheide Anwendung; hingegen sind andere Aufgaben des Ver- waltungsrats, namentlich Kontroll - und Organisationsaufgaben, nach der Recht- sprechung des Bundesgerichts einer justizmässigen Nachkontrolle zugänglich (BGer 4A_623/2018 vom 31. Juli 2019 E. 3.1). Ist , wie vorliegend, die Einhaltung von Rechnungslegungsvorschriften zu prüfen, rechtfertigt sich entsprechend kei- ne auf blosse Vertretbarkeit beschränkte Prüfung (Handelsgericht ZH HG200175- O vom 13. September 2022 E. 4.2.1). 9.3.1.2. Ohnehin befanden sich die Beklagten im Hinblick auf die Bildung von Rückstellungen und die Fassung des Dividendenbeschlusses im Januar 2011 un- ter Einfluss eines Interesskonflikts: Ein Organmitglied steht unter Einfluss eines Interessenkonflikts, wenn es hinsicht- lich eines Rechtsgeschäfts persönliche Interessen hat oder Drittinteressen wah- ren muss, die den Interessen der Gesellschaft widersprechen (STUTZ/VON DER CRONE, Kontrolle von Interessenkonflikten im Aktienrecht, SZW 2003, 103; siehe auch BÜHLER, in: Händschin [Hrsg.], Zürcher Kommentar, Die Aktiengesellschaft, Generalversammlung und Verwaltungsrat, 3. Aufl. 2018, Art. 717 N 127; FISCHER, Interessenkonflikte im Schweizer Privat - und Wirtschaftsrecht, 2019, 37; ferner BGer 4A_360/2012 E. 4.2.2 ["Ein Interessenkonflikt ergibt sich, wenn am G e- schäft eine Person beteiligt ist, die aufgrund ihrer Stellung die Interessen beider Vertragsparteien zu wahren hat."]). - 60 - Die Beklagte 1 befand sich unter Einfluss ei nes solchen Interessenkonflikts: Ers- tens hatte sie als Verwaltungsrats präsidentin der Alleinaktionärin I._____ (vorne E. 2.1), der die Ausschüttung unmittelbar zugutekam, auch deren Interessen zu wahren (vgl. BGer 4A_522/2011 vom 13. Januar 2012 E. 2.3). Zweitens wurde die I._____ (wie auch zunächst die C._____) jedenfalls von ihrem Ehemann gehalten (vorne E. 2.1). Damit profitierte das Ehepaar mittelbar vom Verzicht auf die Bi l- dung von Rückstellungen und der dadurch ermögli chten Ausschüttung. Nicht ent- scheidend ist diesbezüglich, ob formell gesehen einzig der Ehemann Aktionär der I._____ war. Denn zunächst ist zu bemerken, dass die Beklagte 1 und ihr Ehe- mann gemäss dem Protokoll der Generalversammlung der I._____ vom 14. Januar 2011 explizit feststellten, das Ehepaar A._____ AF._____ sei Eigen- tümer des gesamten Aktienkapitals der I._____ (vorne E. 4.15). Dies zeigt, dass sich die Beklagte 1 und ihr Ehemann zumindest gemeinsam als Eigentümer b e- trachteten. Sodann ist anzumerken, dass sich ein Interessenkonflikt auch aus ei- ner moralischen bzw. ideellen Betroffenheit ergeben kann ( FISCHER, a.a.O., 45), vorliegend also aus dem persönlichen Verhältnis zwischen der Beklagten 1 und ihrem Ehemann. Drittens handelte es sich bei den von der Ausschüttung erfas s- ten Darlehensforderungen grossmehrheitlich um solche gegenüber der Beklag- ten 1 und ihrem Ehemann und auch im Übrigen um solche gegenüber nahest e- henden Personen (vorne E. 4.15). Die Übertragung dieser Forderungen an die I._____ war insofern im Interesse der Beklagten 1, als sie dadurch deren Durch- setzung im Falle eines Konkurses der C._____ verhindern konnte. Auch der Beklagte 2 befand sich unter Einfluss eines solchen Interessenkonflikts: Erstens war auch er Mitglied des Verwaltungsrats der I._____ (vorne E. 2.2). Auch er hatte also die Interessen der Ausschüttungsempfängerin zu w ahren. Zweitens war d er Beklagte 2 anerkanntermassen einer der Berater der Gesel l- schaften des Ehemanns der Beklagten 1 sowie des Ehemanns und der Beklag- ten 1 persönlich (act. 57 Rz. 206, 628). Gemäss Darstellung der Beklagten 1 war der Beklagte 2 gar ein enger Vertrauter und Berater ihres Ehemanns und er beriet und unterstützte über die H._____ ihren Ehemann seit Jahren (act. 29 Rz. 31, 33). Dass der Beklagte 2 tatsächlich auch die wirtschaftlich Berechtigten beriet, zeigt sich unter anderem darin, dass er den Entwurf eines Testaments der B e-- 61 - klagten 1 erstellte (act. 43 Rz. 104k; act. 57 Rz. 220). Dies zeigt sich ferner darin, dass er anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom 14. September 2009 Ausfüh- rungen zur finanziellen Situation der Beklagten 1 und ihres Ehemanns machte (vorne E. 4.8). Vor diesem Hintergrund war der Beklagte 2 nicht nur den Interes- sen der C._____ verpflichtet. Vielmehr musste er auch die Interessen der wir t- schaftlich Berechtigten wahren. Insbesondere zeigen die besagten Ausführungen zur finanziellen Situation der Beklagten 1 und ihres Ehemanns anlässlich einer Verwaltungsratssitzung der C._____, der I._____ und der L._____, dass die Inte- ressen der wirtschaftlich B erechtigten gerade auch in seine organschaftlic he Tä- tigkeit einflossen. Dadurch vermischte er die Interessen sowohl der drei Gesel l- schaften als auch der wirtschaftlich Berechtigten. Hervorzuheben ist, dass sich die Interessen der C._____ einerseits und jene der I._____ und der wirtschaftlich Berechtigten andererseits insofern widersprachen, als Letztere an einer Ausschüttung interessiert waren bzw. eine solche anstrebten (vgl. nur E. 4.7), während Erstere mit Blick auf ihre Bestandessicherung – gerade angesichts der hohen klägerischen Forderungen – an einem soliden Eigenkapi- talpolster interessiert war. Zu betonen ist auch, dass dieser Interessenkonflikt nicht nur den Entscheid über die Au sschüttung beschlug. Vielmehr betraf er auch denjenigen über die Bildung von Rückstellungen für die Sanierungskosten und namentlich über die Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit der diesbezügl i- chen Kostentragungspflicht der C._____. Denn di e Bildung von Rückstellungen hätte das für Ausschüttungen verwendbare Eigenkapital vermindert . Dieser Z u- sammenhang zwischen der Bildung von Rückstellungen und der Möglichkeit von Ausschüttungen war den Beklagten bewuss t. Dies ergibt sich insbesondere aus der Präsentation von Ende August 2009, worin die Ausschüttbarkeit in unmittelba- ren Zusammenhang mit der Frage der Rückstellungen gebracht wird (vorne E. 4.7). Infolge dieser Interessenkonflikte ist von der Vermutung auszugehen, dass sich die Beklagten bezüglich der Bildung von Rückstellungen und der dadurch ermög- lichten Ausschüttung pflichtwidrig verhielten. - 62 - 9.3.2. Pflichtwidrig unterlassene Rückstellungen vor dem 14. Januar 2011 9.3.2.1. Am und vor dem 14 . Januar 2011 stand eine Kostentragungspflicht von bis zu CHF 20 Mio. im Raum. Diese Zahl basierte auf einer Schätzung der U._____ AG und war den Beklagten spätestens ab März 2008 bekannt (vorne E. 4.4). Mangels anderer Schätzungen mussten sie dannzumal auf diesen Betrag abstellen. Irrelevant ist für die Beurteilung einer allfälligen Pflichtverletzung, dass eine spätere Schätzung der Sanierungskosten durch die AH._____ AG einen Be- trag von CHF 8'910'000.– (inkl. MWST.) ergab (vorne E. 4.18). Denn zur Beurtei- lung einer Sorgfaltspflichtsverletzung ist auf die dannzumal verfügbaren Inform a- tionen abzustellen (vorne E. 9.2.1.2). Dass es Gründe gab, an der Kostenschät- zung der U._____ AG zu zweifeln, machen die Beklagten nicht geltend. Vielmehr stellten auch sie auf diesen Betrag ab. Dies ergibt sich aus dessen Nennung im Pendenzenpapier vom 11. März 2008 (vorne E. 4.5) sowie der Bezugnahme auf ein betragsmässig enormes Risiko und die Diskussion dieses Betrags (so act. 31 Rz. 213) anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom 10. April 2008 (vorne E. 4.6). Mithin gingen auch die Beklagten davon aus, dass die Sanierung zu Kosten von schätzungsweise CHF 20 Mio. führen würde. Angemerkt sei, dass zur Beurteilung einer Sorgfaltspflichtsverletzung auf diejenigen Informationen abzustellen ist, über die die betreffende Person damals verfügte oder verfügen konnte (vorne E. 9.2.1.2). Die Beklagten hatten es jederzeit in der Hand und es hätte ihnen nach dem Gesagten bei Zweifeln an der damaligen Kostenschätzung auch oblegen, ei- ne neuerliche Schätzung einzuholen, um den U mfang der Rückstellungspflicht zu präzisieren. Entsprechend wäre eine Pflicht zur Bildung von Rückstellungen nicht schon deshalb entfallen, weil die damalige Kostenschätzung zu hoch schien. Dass der Kläger zumindest einen Teil dieser Kosten gegenüber der C ._____ gel- tend machen könnte, mithin die C._____ sich einer möglichen Verpflichtung aus- gesetzt sah, war den Beklagten bewusst, was die Beklagte 1 im Übrigen auch an- erkennt (act. 29 Rz. 73): Das Pendenzenpapier vom 11. März 2008 sah zum wei- teren Vorgehen rechtliche Abklärungen der finanziellen Auswirkungen vor (vorne E. 4.5). An der Verwaltungsratssitzung vom 21. August 2009 wurde infolge münd- licher Aussagen des Klägers zunehmender Druck zur Kostenübernahme festge-- 63 - stellt sowie von drohenden Forderungen gesprochen (vorne E. 4.8). An der Ve r- waltungsratssitzung vom 13. Januar 2011 wurde von latenten F orderungen des Klägers gesprochen (vorne E. 4.14). Die Beklagten wussten demnach vor dem 14. Januar 2011, dass die C._____ möglichen Verpflichtungen von bis zu CHF 20 Mio. ausgesetzt war. Daher stellte sich die Frage der Bildung von Rückstellungen, was die Beklagte 1 im Übrigen auch anerkennt (act. 29 Rz. 44), und entsprechend der Zulässigkeit von Ausschüttungen: Das Pendenzenpapier vom 11. März 2008 sah zum weite- ren Vorgehen die Bildung allfälliger Rückstellungen in Abhängigkeit des Risikos , dass die Gesellschaft haftbar ist, vor, wobei offenbar als entscheidend angesehen wurde, ob das Risiko einer Haftung höher als 50% sei (vorne E. 4.5). An der Ver- waltungsratssitzung vom 21. August 2009 wurde die Frage der Rückstellungen für die Altlastensanierung See angesprochen und das Vermögen der C._____ als nicht ohne Weiteres ausschüttbar bezeichnet (vorne E. 4.7). An der Verwaltungs- ratssitzung vom 14. September 2009 wurde auf Schwierigkeiten betreffend Aus- schüttungen infolge der Altlastenproblematik hingewiesen (vorne E. 4.8). Auch die Erwähnung der Möglichkeit einer Vereinnahmung des Verkaufserlöses der Li e- genschaften durch eine andere Gesellschaft im Telefax vom 30. Juni 2010 ist vor diesem Hintergrund zu sehen (vorne E. 4.10), auch wenn dieses Vorhaben in der Folge nicht umgesetzt worden sein mag (act. 57 Rz. 90). Dasselbe gilt für den Beschluss vom 13. Januar 2011, ein Gutachten einzuholen "wonach die erwähnte Thematik verjährt ist und die Ausschüttung vollzogen werden kann" (vorne E. 4.14). Bei der Verjährungshypothese handelte es sich um eine von den Beklagten da- mals vertretene "Auffassung" (act. 57 Rz. 384; act. 59 Rz. 23). Es handelte sich nämlich um eine umstrittene Rechtsf rage, zu der in der Lehre unterschiedliche Meinungen vertreten wurden. Dabei konnte sich die – aus Sicht der Beklagten – gegenteilige Meinung auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur analogen Rechtslage im Bereich des Gewässerschutzrechts stützen, wie das Bundesge- richt in seinem Urteil vom 29. Juli 2019 bemerkte (vorne E. 4.16). Die Frage der Bildung von Rückstellungen stellte sich denn auch gerade deshalb, weil den B e-- 64 - klagten bewusst war, dass sich die C._____ nicht mit Sicherheit erfolgreich auf die Verjährung würde berufen können. Dies ergibt sich daraus, dass im Penden- zenpapier vom 11. März 2008 festgehalten wurde, dass die Verjährungsfrage um- stritten sei (vorne E. 4.5), und am 13. Januar 2011 überhaupt beschlossen wurde, ein Gutachten einzuholen (vorne E. 4.14), durch welches – so die Annahme – die Verjährungshypothese "erhärtet" (act. 57 Rz. 384) bzw. welches die Ansicht der Beteiligten "voraussichtlich bestätigen" würde (act. 59 Rz. 49). Demnach sah sich die C._____ bereits im bzw. vor dem Januar 2011 einem nicht unwesentlichen Risiko bzw. einer unsicheren Ver pflichtung ausgesetzt, deren Nichteintritt letztlich davon abhing, ob die vom Verwaltungsrat vertretene Recht s- auffassung Bestand haben würde. Vor dem Bundesgericht machte die C._____ geltend, sie habe "aufgrund eines von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens von O._____ vom 16. Januar 2012, wonach Verjährung bzw. Verwirkung angenom- men werden könne, die Eintretenswahrscheinlichkeit einer Zahlungspflicht auf nur 25 % eingeschätzt" (vorne E. 4.16). Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Beklagten nach Erstattung des besagten Gutachtens am 16. Januar 2012 die Ein- trittswahrscheinlichkeit tatsächlich mit lediglich 25% bezifferten, folgt daraus, dass diese vor diesem Zeitpunkt höher als 25% eingeschätzt worden war . Denn die Einschätzung auf 25% kam gemäss dem soeben zitierten Vorbringen gerade auf- grund des Gutachtens zustande; das Gutachten hat ja gemäss Darstellung der Beklagten den Standpunkt des Verwaltungsrats, wonach die Forderung des Kl ä- gers verjährt sei, erst bestätigt (z.B. act. 57 Rz. 382; act. 59 Rz. 293). Gleichzeitig mussten sich die Beteiligten vor Erstattung des Gutachtens auch bewusst sein, dass ihnen die Fachkompetenz zur Beurteilung der Verjährungsfrage fehlte. Dies machen die Beklagten letztlich selbst geltend, führt doch der Beklagte 2 aus, dass er als juristischer Laie keine Möglichkeit gehabt habe, die Verjährungsfrage e i- genständig zu beurteilen (act. 57 Rz. 168, 608), und verweist doch auch die B e- klagte 1 auf ihre Eigenschaft als juristische Laiin sowie die Schwierigkeit auch für Juristen, die keine Spezialisten im Umwelt - oder Verwaltungsrecht seien, die Ver- jährungsfrage einzusc hätzen (act. 59 Rz. 91). Entsprechend mussten sie erken- nen, dass ihre Risikoeinschätzung (von jedenfalls über 25%) von einer erhebl i- chen Unschärfe geprägt war. - 65 - Ohnehin muss die Risikoeinschätzung in der Zeit vor Erstattung des Gutachtens näher bei 50% gelegen haben. Dies ist zunächst daraus zu schliessen, dass die Beteiligten – der Beratung von Prof. Dr. J._____ folgend – davon ausgingen, dass eine Rückstellung erst ab einem Haftungsrisiko von mehr als 50% gebildet wer- den müsse (sie mithin der more likely than not -Regel folgten; act. 31 Rz. 73; vgl. das Pendenzenpapier vom 11. März 2008 [vorne E. 4.5], das Schreiben von Prof. Dr. J._____ vom 9. Juli 2012 [ vorne E. 4.19] sowie das Memorandum von Prof. Dr. J._____ vom 15. Juni 2015 [vorne E. 4.24]), und zugleich wiederholt die Bi l- dung von Rückstellungen in Betracht zogen bzw. die Zulässigkeit von Ausschüt- tungen unter diesem Aspekt diskutierten (dazu soeben) . Daran zeigt sich, dass ein Überschreiten der 50% -Schwelle durchaus für denkbar gehalten wurde. Dies ist ferner aus dem Schreiben von Prof. Dr. J._____ vom 9. Juli 2012 (vorne E. 4.19) zu schliessen. Denn darin weist er zwar auf seine bisherige Meinung hin, wonach die Chancen, dass eine Verjährung angenommen werde, grösser seien als die Chancen, dass diese verneint werde, sagt aber gleichzeitig auch, dass er aufgrund des Gutachtens von Prof. Dr. O._____ von einer 50:50 Einschätzung ausgehe. Daran zeigt sich, dass er die Chancen der Verjährungshypothese vor Erstattung des Gutachtens jedenfalls nicht als klar überwiegend eingeschätzt ha- ben muss, kam doch seine 50:50 Einschätzung gerade wegen des (für die Verjäh- rungshypothese günstigen) Gutachtens zustande. Ähnliches folgt schliesslich auch aus dem Memorandum von Prof. Dr. J._____ vom 15. Juni 2015 (vorne E. 4.24). Denn d arin drückt er seine Ansicht aus, gestützt auf das Gutachten könnte man sich auf den Standpunkt stellen, die Chancen eines Obsiegens lägen über 50%. Zudem zeigen seine nachfolgenden Ausführungen zur bundesgerichtli- chen Rechtsprechung und sein Rat, keine Gewinne auszuschütten, dass selbst nach Vorliegen des günstigen Gutachtens jedenfalls ein Grenzfall vorlag. In diesem Kontext ist nun auch relevant, dass die Beklagten bezüglich der Bildung von Rückstellungen unter Einfluss eines Interessenkonflikts standen. Infolgedes- sen war es den Beklagten daran gelegen, zum einen (entgegen BGer 4A_277/2010) der more likely than not -Regel zu folgen, da diese bei einer Ei n- trittswahrscheinlichkeit von unter 50% keine Rückstellungen erforderte, und zum anderen die Eintrittswahrscheinlichkeit möglichst tief und insbesondere unter 50% - 66 - anzusetzen. Diese Konstellation war besonders geeignet, die Gesellschaftsint e- ressen zu beeinträchtigen, weil die more likely than not -Regel gerade im Bereich der mittleren Wahrscheinlichkeit ein "nicht zu unterschätzendes Missbrauchspo- tential" entfaltet, da niemand die exakte Wahrscheinlichkeit eines Mittelabflusses bestimmen kann, die Konsequenzen der Bezifferung dieser Wahrscheinlichkeit unter oder über 50% aber weitreichend sind (so STENZ, a.a.O., Art. 960e N 25). Vor dem Hintergrund des Ausgeführten gelingt es den Beklagten nicht, die natür- liche Vermutung, dass sie sich bei der Bildung von Rückstellungen pflichtwidrig verhielten, umzustossen. Es lag kein Fall vor, in dem aufgrund einer geringen Ein- trittswahrscheinlichkeit von der Bildung einer Rückstellung abgesehen werden konnte. Vielmehr handelte es sich im für die Beklagten günstigsten Fall um einen Grenzfall, in welchem zwar die Eintrittswahrscheinlichkeit zwischen 25% und 50% eingeschätzt worden sein mag, gleichzeitig aber auch klar war, dass diese Ei n- schätzung mit einer erheblichen Unsicherheit verbunden war, das Risiko mithin nicht exakt eingegrenzt werden konnte. Gerade diese Ungewissheit verlangte in Verbindung mit dem Vorsichtsprinzip die Bildung einer angemessenen Rückstel- lung. Daher hätte entsprechend der dargelegten und vom Bundesgericht gestütz- ten Regel (vorne E. 9.2.3.2) eine anteilsmässige Rücks tellung gebildet werden müssen. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die Pflicht zur Bildung an- teilsmässiger Rückstellungen bei Eintrittswahrscheinlichkeiten unter 50% der wohl herrschenden Lehre entspricht und dass insbesondere vertreten wird, gerade ab einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 20- 25% bestehe eine solche Pflicht. Ebenso ist daran zu erinnern, dass spätestens seit BGer 4A_277/2010 feststeht, dass die Methode der IFRS, wonach eine Rückstellung zu bilden ist, wenn eine Eintritt s- wahrscheinlichkeit von mehr als 50% vorliegt (more likely than not -Regel), nicht ohne Weiteres auf das OR übertragen werden kann (zum Ganzen vorne E. 9.2.3.2). Die Beratung durch Prof. Dr. J._____ ist den Beklagten daher nur b e- schränkt behilflich, beruhte sie doch auf dieser vom Bundesgericht nicht geteilten Ansicht. - 67 - 9.3.2.2. Die exakte Höhe der zu bildenden Rückstellungen kann offenbleiben. Fest steht, dass bereits eine Rückstellung von 25% der dannzumal drohenden Kosten von CHF 20 Mio., d.h. von CHF 5 Mio., den Betrag der streitgegenständl i- chen Ausschüttung von CHF 2'153'052.19 übersteigt bzw. die ausschüttbaren Mit- tel soweit vermindert hätte, dass die gesamte Ausschüttung nicht möglich gew e- sen wäre. Denn per Ende 2010 wies die C._____ ein Eigenkapital von CHF 3'437'052.19 aus ( vorne E. 4.13). Dieses wäre durch eine Rückstellung im besagten Umfang vollständig entfallen, womit eine Ausschüttung nicht hätte erfol- gen dürfen ( siehe act. 43 Rz. 166). Nebenbei bemerkt wäre auch eine Rückstel- lung von 25% der späteren Kostenschätzung von CHF 8'910'000.– (inkl. MWST.), d.h. von CHF 2'227'500.–, einer Ausschüttung entgegengestanden, da das E i- genkapital angesichts dessen, dass davon CHF 866'000.– auf das Grundkapital und die gesperrte Quote der allgemeinen gesetzlichen Reserve entfielen (vorne E. 4.13), und angesichts der Reservenzuweisung von CHF 418'000.– (vorne E. 4.15) nicht für die Ausrichtung einer Ausschüttung ausgereicht hätte. 9.3.2.3. Trotz dieser Pflicht zur Bildung von Rückstellungen wurden vor dem 31. Dezember 2011 keine solchen gebildet (vorne E. 2.4). 9.3.3. Unrechtmässigkeit des Ausschüttungsbeschlusses vom 14. Januar 2011 9.3.3.1. Der gemäss Darstellung der Beklagten anlässlich der Generalversamm- lung vom 14 . Januar 2011 gefasste Ausschüttungsbeschluss ist, wenn er denn gefasst worden wäre, unrechtmässig und daher nichtig: Zunächst erfüllt er die einschlägigen formellen Anforderungen nicht. Zwar ver- kennt der Kläger, dass es sich bei der fraglichen Ausschüttung nicht um eine Int e- rimsdividende handelt e. Es wird nämlich nicht behauptet und ist auch nicht e r- sichtlich, dass Gewinn des laufenden Geschäftsjahrs ausgeschüttet worden wäre. Vielmehr ging es um eine Ausschüttung von Reserven, namentlich gemäss be- klagtischer Darstellung um eine Ausschüttung eines bereits per 31. Dezember 2009 bestehenden Fusionsagios (vorne E. 9.1.2). Nach dieser Darstellung lag al- so eine ausserordentliche Dividende vor. Nichtsdestotrotz beanstandet der Kläger zu Recht, dass kein Zwischenabschluss und kein Bericht der Revisionsstelle vor-- 68 - gelegen habe. Dies wird von den Bekl agten auch gar nicht bestritten. Vielmehr entgegnen sie, es sei weder das Vorliegen der Jahresrechnung 2010 noch ein r e- vidierter Zwischenabschluss noch eine Prüfung durch die Revisionsstelle nötig gewesen (vorne E. 9.1.2). Dies ist unzutreffend. Denn gemäss den beschriebenen formellen Anforderungen an einen Ausschüttungs beschluss (vorne E. 9.2.2) musste sich auch diese ausserordentliche Dividende auf eine Jahresrechnung abstützen und wäre der Verwaltungsrat verpflichtet gewesen, den Ausschüt- tungsantrag der Revisionsstelle zur Prüfung zu unterbreiten. Namentlich, da es sich um eine ausserordentliche Dividende handelte, hätte zumindest eine Bestät i- gung der Revisionsstelle eingeholt werden müssen, dass das notwendige ver- wendbare Eigenkapital immer noch vorhanden sei, zumal der letzte Bilanzstichtag (31. Dezember 2009) zur Zeit des Ausschüttungsbeschlusses (14. Januar 2011) schon mehr als sechs Monate in der Vergangenheit lag. Der behauptete Aus- schüttungsbeschluss ist deshalb in Anwendung von Art. 731 Abs. 3 OR nichtig. Wohlgemerkt gilt dies unabhängig davon, ob Rückstellungen hätten gebildet wer- den müssen oder nicht. Darüber hinaus verletzt e der Ausschüttungsbeschluss die materiellen Bestim- mungen zum Kapitalschutz. Zunächst wies die damals jüngste Jahresrechnung per 31. Dezember 2009 – auf die sich zumindest sinngemäss auch die Beklagten beziehen (act. 29 Rz. 110; act. 31 Rz. 254, 256; act. 59 Rz. 221, 228) – lediglich ein Eigenkapital von CHF 14'635.55 aus (vorne E. 4.13). Diesbezüglich ist daran zu erinnern, dass sich die frei verfügbaren Reserven um die Verluste verringern, wenn die Gesellschaft frei verfügbare Reserven und gleichzeitig Verluste ausweist (vorne E. 9.2.2.1). Alleine die Existenz des Bilanzpostens Fusionsagio bedeutet e daher nicht, dass diese Mittel auch ausgeschüttet werden konnten. Vielmehr ist auch zu berücksichtigen, dass die Jahresrechnung per 31. Dezember 2009 Ver- luste von knapp CHF 21 Mio. auswies . Hinzu kommt, dass bei pflichtgemässer Bildung von Rückstellungen auch per 31. Dezember 2010 kein frei verwendbares Eigenkapital vorhanden gewesen wäre (vorne E. 9.3.2.2). Damit ist der Ausschüt- tungsbeschluss auch in Anwendung von Art. 706b Abs. 3 OR nichtig, weil er keine Grundlage in einer ordnungsgemäss erstellten Jahresrechnung mit frei verwend-- 69 - barem Eigenkapital mindestens in der Höhe der Bruttodividende hatte (siehe BÖCKLI, a.a.O., § 14 N 229). Vor dem Hintergrund des Ausgeführten gelingt es den Beklagten nicht, die natür- liche Vermutung, dass sie sich bei der Fassung des Ausschüttungsbeschlusses pflichtwidrig verhielten, umzustossen. 9.3.3.2. Dass die Ausschüttung anlässlich einer Universalversammlung beschlos- sen wurde, ändert nichts am Gesagten: Gemäss Art. 701 Abs. 1 OR befreit die widerspruchslose Teilnahme aller Aktionäre von der Einhaltung der Einberufungs- vorschriften. Hingegen gelten für die nicht mit der Einberufung zusammenhän- genden Belange alle gesetzlichen und statutarischen Vorschriften auch für die Universalversammlung (B ÖCKLI, a.a.O., § 8 N 65, 69, 79; DUBS/TRUFFER, a.a.O., Art. 701 N 2; FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL, a.a.O., § 23 N 5, 8; KRNETA, a.a.O., N 1415; MÜLLER/LIPP/PLÜSS, Der Verwaltungsrat, 5. Aufl. 2021, N 7.37; VON DER CRONE, Aktienrecht, 2. Aufl. 2020, N 1023). Daher müssen für einen gül- tigen Ausschüttungsbeschluss auch an einer Universalversammlung die Jahres- rechnung und der Revisionsbericht nach Art. 731 Abs. 3 OR vorliegen (BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 71, 74; MÜLLER/LIPP/PLÜSS, a.a.O., N 7.37). 9.3.4. Pflichtverletzungen der Beklagten 1 im Einzelnen 9.3.4.1. Die Beklagte 1 verletzte zunächst ihre Pflicht zur sorgfältigen Ausgestal- tung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR i.V.m. Art. 717 Abs. 1 OR) bzw. Bilanz - und Rec h- nungslegungsvorschriften, namentlich das Vorsichtsprinzip und d ie Pflicht zur Bil- dung von Rückstellungen (aArt. 662a Abs. 2 Ziff. 3, aArt. 669 Abs. 1 OR), indem sie es unterliess, die gesetzlich verlangten Rückstellungen zu bilden bzw. deren Bildung zu verlangen. Dabei ist hervorzuheben, dass der Gesamtverwaltungsrat die Endverantwortung für die Buchführungstätigkeit trägt. 9.3.4.2. Die Beklagte 1 verletzte sodann ihre Pflicht zur sorgfältigen Vorbereitung der Generalversammlung und Ausführung ihrer Beschlüsse nach Art. 716a Abs. 1 Ziff. 6 OR i.V.m. Art. 717 Abs. 1 OR . Zu dieser Pflicht gehört, dass der Verwal-- 70 - tungsrat Anträge auszuarbeiten, zu beschliessen und zu unterbreiten hat. N a- mentlich gehört dazu ein allfälliger Antrag zur Verwendung des Bilanzgewinns bzw. zu einer Ausschüttung aus verwendbaren Reserven, zumal dem Verwal- tungsrat die Festlegung der Dividendenpolitik obliegt ( BÖCKLI, a.a.O., § 8 N 485, 489; BÜHLER, a.a.O., Art. 716a N 117; WATTER/ROTH PELLANDA, a.a.O., Art. 716a N 30). Die Verantwortung für die Antragstellung verbleibt dabei stets beim G e- samtverwaltungsrat (BÜHLER, a.a.O., Art. 716a N 118). Vorbehalten bleibt ein all- fälliger Ausschüttungsantrag vonseiten des Aktionariats, der besondere Probleme aufwirft (vgl. BÖCKLI, a.a.O., § 13 N 188 f.). Ein solcher liegt aber nicht vor , da der streitgegenständliche Ausschüttungsbeschluss auf einem Antrag des Verwal- tungsrats gründete (vorne E. 4.15), weshalb sich Weiterungen erübrigen. Diese Pflicht v erletzte die Beklagte 1 zum einen, weil der Verwaltungsrat am 14. Januar 2011 den Antrag stellte, Reserven auszuschütten, obschon dieser A n- trag die formellen und materiellen Voraussetzungen für Gewinnausschüttungen missachtete. Dadurch nahm der Verwaltungs rat seine Verantwortung für die Rechtmässigkeit seines Ausschüttungsantrags an die Generalversammlung nicht wahr, handelte mithin pflichtwidrig (siehe B ÖCKLI, a.a.O., § 16 N 50, 308). Wohl- gemerkt gilt dies, namentlich aufgrund der formellen Mängel, unabhängig davon, ob Rückstellungen hätten gebildet werden müssen oder nicht. Diese Pflicht verletzte die Beklagte 1 zum anderen, weil der Verwaltungsrat den besagten Antrag stellte, bevor das Gutachten zur Verjährungsfrage vorlag: Bei der Beurteilung der Verjährungsfrage war der Verwaltungsrat auf fachkundige Un- terstützung angewiesen (dazu schon vorne E. 9.3.2.1). Zur Wahrung seiner Sorg- faltspflicht war er deshalb verpflichtet, solche Unterstützung beizuziehen. Ebe n- dies folgt aus der Regel, wonach der Verwaltungsrat zur Beurteilung von Pr o- zessrisiken bezüglich Schätzung von Bestand und Höhe der Forderung sowie der zu erwartenden Rechtskosten in der Regel seine Recht svertretung im Prozess beizuziehen hat (vorne E. 9.2.3.2). Auch die Beklagte 1 bezeichnet es als "völlig naheliegend und vorsichtig", noch ein Gutachten einzuholen (act. 59 Rz. 49). Die- ser Pflicht kam der Verwaltungsrat insoweit nach, als er ein Gutachten zur Verjäh- rungsfrage in Auftrag gab. Damit war es aber nicht getan: Die Sorgfaltspflicht - 71 - setzt weiter voraus, dass der Verwaltungsrat die Facheinschätzung abwartet und berücksichtigt. Ebendies hat der Verw altungsrat unterlassen. Denn stattdessen beantragte er am Tag, nachdem er beschlossen hatte, ein Gutachten einzuholen, "wonach die erwähnte Thematik verjährt ist und die Ausschüttung vollzogen wer- den kann" (vorne E. 4.14), ebendiese Ausschüttung. Eine ordnungsgemäss han- delnde Person in derselben Situation hätte zumindest das Gutachten abgewartet. Letztlich macht auch die Beklagte 1 geltend, wenn der Verwaltungsrat für die Ei n- schätzung eines Risikos auf die Einholung eines externen Gutachtens verzichte, sei sein eigenes Risik o höher (act. 59 Rz. 183). Dies muss aber auch gelten, wenn er zwar die Einholung eines Gutachtens beschliesst, sodann aber vollende- te Tatsachen schafft. 9.3.4.3. Die Beklagte 1 wirkte ferner an der Ausrichtung einer ungerechtfertigten Ausschüttung mit und verstiess gegen die Vorschriften zur ordnungsmässigen Buchführung und Rechnungslegung (aArt. 662a Abs. 2 Ziff. 1 und aArt. 959), in- dem sie als Teil des Verwaltungsrats dem Beklagten 2 am 10. Juli 2012 auftrug, die streitgegenständliche Ausschüttung zu verbuchen (vorne E. 4.20). Der Verstoss gegen die formellen und materiellen Voraussetzungen für Gewinnaus- schüttungen führte nämlich dazu, dass sämtliche Leistungen unter dem Titel des Ausschüttungsbeschlusses vom 14. Januar 2011 ungerechtfertigt waren (Han- delsgericht ZH HG150193- O vom 9. März 2018 E. 2.4). Entsprechend war es pflichtwidrig, solche Leistungen in der Buchhaltung der C._____ abzubilden. 9.3.5. Pflichtverletzungen des Beklagten 2 im Einzelnen 9.3.5.1. Der Beklagte 2 verletzte zunächst ebenfalls Bilanz- und Rechnungsl e- gungsvorschriften, namentlich das Vorsichtsprinzip und die Pflicht zur Bildung von Rückstellungen (aArt. 662a Abs. 2 Ziff. 3, aArt. 669 Abs. 1 OR), indem er es un- terliess, ausreichende Rückstellungen zu verbuchen bzw. mindestens dafür zu sorgen, dass der Verwaltungsrat solche vorsah ( siehe Handelsgericht SG HG.2002.81 vom 10. Juli 2009 E. 13.7). Diese Unterlassung geschah im Zustä n- digkeitsbereich des Beklagten 2, wäre mithin durch eine pflichtgemässe Aufga- benerfüllung seinerseits zu verhindern gewesen: Die H._____ war mit der Buc h- haltung der C._____ betraut bzw. deren "Buchhaltungsstelle" , wobei der Bekla g-- 72 - te 2 dieses Mandat betreute (vorne E. 2.2). G emäss dem Verwaltungsratsbe- schluss vom 31. Oktober 2007 war er mit dem Führen der Finanzabteilung betraut und dabei insbesondere für das Erstellen von Quartals - und Jahresabschlüssen zuständig (vorne E. 4.1). Entsprechend bezeichnete ein Vollmachtsformular den Beklagten 2 als CFO (vorne E. 4.3). In ihren Honorarrechnungen vom 22. Mai und 12. August 2010 sowie vom 14. April, 5. Juni und 19. Juni 2014 fakturierte die H._____ denn auch Arbeiten in Sachen Buchhaltung, namentlich die Verbuchung des Geschäftsverkehrs und die Fertigstellung der Jahresabschlüsse und deren Vorbereitung zur Revision (vorne E. 4.9, 4.11, 4.23). Hinzu kommt, dass der B e- klagte 2 das Thema der Rückstellungen wiederholt anlässlich von Verwaltungs- ratssitzungen thematisierte. In seiner Funktion wirkte er also bei der Festlegung der Höhe der Rückstellungen und damit der Höhe der ausschüttbaren Mittel mit, womit er sich gerade in seiner Eigenschaft als für die Führung der Finanzabtei- lung verantwortliche Person und angesichts der dabei vorauszusetzenden Kennt- nisse des Rechnungslegungsrechts verantwortlich machte. 9.3.5.2. Der Beklagte 2 wirkte sodann ebenfalls an der Ausrichtung der unge- rechtfertigten Ausschüttung mit und verstiess gegen die Vorschriften zur or d- nungsmässigen Buchführung und Rechnungslegung (aArt. 662a Abs. 2 Ziff. 1 und aArt. 959), indem er den aufgrund materieller und formeller Mängel nichtigen Ausschüttungsbeschluss verbuchte. Dass die H._____ bzw. der Beklagte 2 diese Verbuchung besorgte, ist erstellt. Der Beklagte 2 macht denn auch selbst geltend, die durch ihn vertretene H._____ habe vom Verwaltungsrat den Auftrag erhalten, den Beschluss zu verbuchen, was sie geta n und der C._____ in Rechnung ge- stellt habe (act. 31 Rz. 251, 253; act. 57 Rz. 62, 131 , 328) . Zudem war die H._____ bzw. der Beklagte 2 allgemein mit der Buchhaltung der C._____ betraut (vorne E. 2.2), die sie der C._____ auch in Rechnung stellte (vorne E. 4.9, 4.11, 4.23). Der Beklagte 2 besorgte die Verbuchung des streitgegenständlichen Aus- schüttungsbeschlusses, obschon ihm aufgrund seiner Ausbildung bewusst sein musste, dass ein solcher insbesondere nur gestützt auf eine Jahresrechnung bei Vorliegen einer Bestätigung der Revisionsstelle und frei verfügbarer Mittel gültig hätte gefasst werden können. Damit bewirkte er, dass die C._____ der vom Aus- schüttungsbeschluss erfassten Vermögenswerte v erlustig ging und sich die von - 73 - ihm zu besorgende Buchhaltung nicht ordnungsgemäss präsentierte (siehe B ÖCK- LI, a.a.O., § 16 N 311). Wohlgemerkt gilt dies, namentlich aufgrund der formellen Mängel, unabhängig davon, ob Rückstellungen hätten gebildet werden müssen oder nicht. 9.3.6. Zwischenfazit Zusammenfassend ist damit erstellt, dass beiden Beklagten aufgrund der pflicht- widrig unterlassenen Bildung von Rückstellungen vor dem 14 . Januar 2011 und der Unrechtmässigkeit des Ausschüttungsbeschlusses vom 14 . Januar 2011 mehrere Pflichtverletzungen vorzuwerfen sind. Offenbleiben kann daher zunächst, ob der Ausschüttungsbeschluss überhaupt gefasst oder vielmehr fingiert worden ist, wäre er doch ohnehin nichtig. Offenblei- ben kann ferner, wann der Beklagte 2 vom Ausschüttungsbeschluss erfahren hat. Sodann kommt dem Vorwurf der Verletzung von Art. 725 Abs. 2 OR keine eigen- ständige Bedeutung zu, wäre diese doch Folge der Unvollständigkeit der Jahr es- rechnungen infolge fehlender Rückstellungen (siehe Handelsgericht SG HG.2002.81 vom 10. Juli 2009 E. 21; ferner BGer 4A_77/2014 vom 21. Mai 2014 E. 6.1.1). 10. Kausalzusammenhang 10.1. Parteistandpunkte 10.1.1. Der Kläger macht geltend, die Beklagten hätten der C._____ durch die ge- tätigten Ausschüttungen und die Weiterführung des Geschäftsbetriebs einen Mill i- onenschaden zugefügt (act. 43 Rz. 18). Das Vermögen der Konkursmasse wäre um mindestens CHF 2'153'052.19 grösser gewesen, wenn die Beklagten eine ge- nügend hohe Rück stellung gebildet und daraufhin pflichtgemäss eine Überschul- dungsanzeige beim Konkursgericht eingereicht hätten, da es diesfalls nicht zur Ausschüttung in der Höhe des genannten Betrags gekommen wäre (act. 1 Rz. 81; act. 43 Rz. 451). Was spezifisch den Bek lagten 2 betreffe, habe er durch den Vollzug de s jedenfalls unzulässigen Ausschüttungsbeschlusses die Schädigung direkt bzw. durch effektive Mittelabflüsse herbeigeführt (act. 43 Rz. 265, 465). - 74 - 10.1.2. Die Beklagte 1 bestreitet den Kausalzusammenhang mit Verweis a uf das Fehlen einer Pflichtverletzung und eines Schadens (act. 29 Rz. 159; act. 59 Rz. 317). Der Beklagte 2 macht zunächst geltend, die klägerischen Behauptungen genügten den rechtlichen Anforderungen bezüglich des bei Unterlassungen zu erstellenden hypothetischen Kausalverlaufs nicht , weil der Kläger den Kausalver- lauf zur hypothetischen Konkurseröffnung hätte darstellen müssen (act. 57 Rz. 595 ff.) Sodann wäre der Konkurs über die C._____ nicht früher eröffnet wor- den, auch wenn er sich gemäss den Anforderungen des Klägers verhalten und auf der Bildung entsprechender Rückstellungen bestanden hätte, weil der Verwal- tungsrat diesen Rat nicht befolgt und das Konkursgericht nicht benachrichtigt hät- te (act. 57 Rz. 598 ff.). Hinzu komme, dass sich die Ausschüttung auch bei einer Benachrichtigung des Konkursgerichts am 9. Juli 2012 nicht hätte verhindern las- sen, da sie bereits gültig beschlossen gewesen sei (act. 57 Rz. 603). 10.2. Rechtliches 10.2.1. Zwischen dem Schaden und der Pflichtverletzung muss ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ursachen im Sinne des natürli- chen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Adäquat kausal ist eine Ursache, wenn sie nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, den entstandenen Schaden herbeizuführen. Es kommt also auf die generelle Eignung der fraglichen Urs achen an, Wirkungen der eingetretenen Art herbeizuführen (BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 9.1.1, 9.1.2; G AUCH/SCHLUEP/EMMENEGGER, Schweizerisches Obligationen- recht, AT, 11. Aufl. 2020, N 2947 ff. m.w.H.). 10.2.2. Bei Unterlassungen bestimmt sich der Kausalzusammenhang danach, ob der Schaden auch bei Vornahme der unterlassenen Handlung eingetreten wäre. Es geht um einen hypothetischen Kausalverlauf, für den nach den Erfahrungen des Lebens und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge eine über wiegende Wahr- scheinlichkeit sprechen muss. Grundsätzlich ist auch bei Unterlassungen zw i- schen natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang zu unterscheiden . - 75 - Während bei Handlungen die wertenden Gesichtspunkte erst im Rahmen der Adäquanz zum Tragen kommen, spielen diese Gesichtspunkte bei Unterlassun- gen in der Regel schon bei der Feststellung des hypothetischen Kausalverlaufs eine Rolle. Bei der entsprechenden Feststellung über den hypothetischen Zu- sammenhang zwischen der unterlassenen Handlung und dem Erfol g berücksich- tigt das Gericht in der Regel auch die allgemeine Lebenserfahrung und lässt nach dieser Erfahrung unwahrscheinliche Geschehensabläufe von vornherein ausser Betracht. Es ist daher bei Unterlassungen regelmässig nicht sinnvoll, den festge- stellten oder angenommenen hypothetischen Geschehensablauf auch noch auf seine Adäquanz zu prüfen ( BGE 132 III 715 E. 2.3; BGE 124 III 155 E. 3d; BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 9.1.3; BGer 4A_294/2020 vom 14. Juli 2021 E. 4.1.2.4.1; BGer 4A_2/2020 vom 16. September 2020 E. 3.3.3; BGer 4C.53/2003 vom 25. Juni 2003 E. 6.1). 10.2.3. Für den Nachweis des natürlichen bzw. hypothetischen Kausalzusam- menhangs gilt das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 132 III 715 E. 3.2 m.w.H.). 10.3. Würdigung 10.3.1. Was den Einwand der Beklagten 1 anbelangt, es lägen weder Pflichtver- letzung noch Schaden vor, ist dies unzutreffend. D ie unterlas sene Bildung von Rückstellungen, die Stellung des Ausschüttungsantrags und die Anweisung zur Verbuchung der Ausschüttung waren für den Schadenseintritt ohne Weiteres n a- türlich und adäquat kausal, waren sie doch jeweils Teilschritte, die letztlich bewirk- ten, dass die C._____ der von der Ausschüttung erfassten Vermögenswerte ver- lustig ging. 10.3.2. Was die Einwände des Beklagten 2 anbelangt, gehen diese fehl, insoweit sie sich auf die (hypotheti sche) Konkurseröffnung beziehen. Der Kläger macht nämlich letztlich geltend, dass die Ausschüttung unterblieben wäre, wenn die pflichtgemäss verlangte Rückstellung gebildet worden wäre bzw. wenn der B e- klagte 2 nicht die Schädigung durch den Vollzug der Ausschüttung direkt herbei- geführt hätte. Die (hypothetische) Konkurseröffnung ist hierfür nicht entscheidend. - 76 - Vielmehr ist danach zu fragen, ob die von der Ausschüttung erfassten Verm ö- genswerte auch abgeflossen wären, wenn die besagte Rückstellung gebildet wo r- den wäre und der Beklagte nicht die besagten Buchungen vorgenommen hätte. Dies ist zu verneinen: Hätte erstens der Beklagte 2 die besagte Rückstellung verbucht , wäre am 14. Januar 2011 kein frei verwen dbares Eigenkapital verfügbar gewesen (vorne E. 9.3.2.2). Ein Ausschüttungsbeschluss wäre daher augenfällig unzulässig ge- wesen und hätte nicht so wie im Protokoll der Generalversammlung der C._____ vom 14. Januar 2011 festgehalten (vorne E. 4.15) beschlossen werden können, zumal gemäss den Bekl agten Ausschüttungen nur im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten erfolgen sollten ( act. 57 Rz. 83, 90, 630; act. 59 Rz. 45) und zumal der Revisionsstelle eine solch eklatante Rechtsverletzung hätte auffallen müssen. Mit der Nichtbuchung der verlangten Rückstellung en hat der Beklagte 2 also die buchhalterische Grundlage für die unrechtm ässige Ausschüttung geschaffen, o h- ne die die Ausschüttung zumindest mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unter- blieben wäre. Zweitens wären ohne die Verbuchung der Ausschüttung durch den Beklagten 2 die von der Ausschüttung erfassten Vermögenswerte weiterhin in der Bilanz der C._____ aufgeführt worden. Mithin wären die Aktiven der C._____ nicht entsprechend vermindert worden. Das Verhalten des Beklagten 2 war dem- nach unmittelbar ursächlich für die Vermögensverm inderung. Zusammenfassend liegt der Kausalzusammenhang sowohl zwischen der Unterlassung der Bildung von Rückstellungen als auch der Verbuchung der Ausschüttung einerseits und dem Schaden andererseits vor. 11. Verschulden 11.1. Parteistandpunkte 11.1.1. Gemäss dem Kläger trifft die Beklagten ein grobes Verschulden. Denn sie hätten vorsätzlich und mutwillig die erforderlichen Rückstellungen nicht getätigt und die streitgegenständliche Ausschüttung aus der C._____ entnommen. Damit hätten s ie die C._____ vorsätzlich und zum eigenen Vort eil ausgehöhlt (act. 1 Rz. 84). - 77 - 11.1.2. Die Beklagte 1 bestreitet ein Verschulden mit Verweis auf ihre übrigen Ausführungen (act. 29 Rz. 160) bzw. macht geltend, ein solches wäre äusserst gering (act. 59 Rz. 118). Der Beklagte 2 bestreitet ebenfalls ein Verschulden: Er habe sich als juristischer Laie auf das Gutachten von Prof. Dr. O._____ verlassen dürfen sowie an der Verwaltungsratssitzung vom 10. Juli 2012 seine Bedenken gegen den Ausschüttungsbeschluss angemeldet, d.h. sich vom Vorgehen des Verwaltungsrats distanziert und den B eschluss nicht mitgetragen. Er habe diesen in der Folge denn auch nicht umgesetzt. Deshalb sei ihm kein Verschulden bzw. wenn schon nur leichte Fahrlässigkeit vorzuwerfen (act. 57 Rz. 605 ff., 619). 11.2. Rechtliches Eine Haftung nach Art. 754 Abs. 1 OR setzt ein Verschulden voraus. Es genügt leichte Fahrlässigkeit . Das Verschulden ist objektiv zu bestimmen, d.h. anhand eines Vergleichs mit dem, was vernünftigerweise von einem Organmitgli ed unter den konkreten Umständen erwartet werden kann. Grundsätzlich liegt daher immer ein Verschulden vor, denn das Organmitglied, das seine Pflichten verletzt, verhält sich allgemein nicht so, wie ein vernünftiges Organmitglied sich verhalten würde (zum Ganzen BGE 139 III 24 E. 3.5; BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 7.2.2; BGer 4A_344/2020 vom 29. Juni 2021 E. 5.2.2; BGer 4A_15/2013 vom 11. Juli 2013 E. 8.1; BGer 4A_74/2012 vom 18. Juni 2012 E. 5). Nur ausseror- dentliche Umstände können zum Schluss führen, dass das Organmitglied, das seine Pflichten verletzt hat , kein Verschulden trifft. Dies kommt dann in Frage, wenn die betreffende Person im massgeblichen Moment urteilsunfähig war oder sich absolutem Zwang ausgesetzt sah oder einem unausweichlichen Fehlschluss, namentlich infolge Täuschung durch einen Dritten, unterlag. Hingegen kann sich ein Organmitglied nicht mit Hinweis auf mangelnde Kenntnisse oder Zeit exkulpie- ren, ebenso wenig dadurch, dass es den Instruktionen einer Drittperson oder ei- nes übergeordneten Organs folgen musste (zum Ganzen BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 7.2.2; BGer 4A_344/2020 vom 29. Juni 2021 E. 5.2.2 m.w.H.). - 78 - 11.3. Würdigung Es wurden keine im besagten Sinn ausserordentlichen Umstände geltend ge- macht, die ein Verschulden entfallen liessen. Solche sind denn auch nicht ersicht- lich. Vielmehr haben beide Beklagten mehrere Pflichtverletzungen begangen, sich mithin nicht so verhalten, wie sich vernünftige Organmitglieder verhalten würden. Entsprechend ist ihr Verschulden zu bejahen. Was die Beklagte 1 anbelangt, ist zu bemerken, dass sie sich nachweislich an- lässlich von Verwaltungsratssitzungen persönlich mit der Frage der Bildung von Rückstellungen befasste und ihr die massgeblichen Grundlagen bekannt war en, trotzdem aber keine Bildung von Rückstellung verlangte, sondern vielmehr als Teil des Verwaltungsrats an der Stellung des Ausschüttungsantrags an die Gene- ralversammlung beteiligt war und noch am 10. Juli 2012 auf der Verbuchung der Ausschüttung bestand (vorne E. 4.7, 4.14, vgl. auch BGer 4A_465/2022 vom 30. Mai 2023 E. 6.4). Was die Einwände des Beklagten 2 anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass das erst einige Zeit nach dem 14. Januar 2011 vorliegende Gutachten von Prof. Dr. O._____ nur schon aufgrund der zeitlichen Abfolge nicht geeignet ist, die vor diesem Zeitpunkt unterlassene Bildung der rechtlich verlang- ten Rückstellungen zu exkulpieren. Dasselbe gilt für seine Ausführungen anläss- lich der Verwaltungsratssitzung vom 10. Juli 2012. Zudem hat er in der Folge die Ausschüttung verbucht. Dies zeigt, dass er sich tatsäch lich nicht vom Aus schüt- tungsbeschluss distanziert, sondern diesen vielmehr mitgetragen hat. Hinzu kommt, dass er als dipl. Treuhandexperte die Bedeutung der Pflicht zur Bildung von Rückstellungen kennen musste, ebenso wie die Voraussetzungen einer rechtmässigen Ausschüttung. Nichtsdestotrotz verbuchte er die in formeller und materieller Hinsicht mangelhafte Ausschüttung und bewirkte dadurch eine Ver- minderung der Aktiven. Das Verschulden der Beklagten ist daher als schwer ei n- zustufen. - 79 - 12. Differenzierte Solidarität 12.1. Rechtliches Sind im Bereich der aktienrechtlichen Verantwortlichkeit für einen Schaden meh- rere Personen verantwortlich, so ist jede von ihnen insoweit mit den anderen sol i- darisch haftbar, als ihr der Schaden aufgrund ihres eigenen Verschuldens und der Umstände persönlich zurechenbar ist (Art. 759 Abs. 1 OR). Dies e sog. differen- zierte Solidarität bedeutet, dass der Umfang der Ersatzpflicht einer solidarisch haftenden Person auch im Aussenverhältnis , d.h. der geschädigten Person ge- genüber, individuell bestimmt wird. Die haftende Person kann demnach auch im Aussenverhältnis Herabsetzungsgründe nach Art. 43 Abs. 1 und Art. 44 OR gel- tend machen. Solche Herabsetzungsgründe sind z.B. das Vorliegen eines bloss geringen Verschuldens, einer Notlage, einer Gefälligkeitshandlung, einer unglei- chen wirtschaftlichen Situation oder einer geringen Entschädigung (zum Ganzen BGE 132 III 564 E. 7; BGer 4A_133/2021 vom 26. Oktober 2021 E. 10.3; BGer 4A_19/2020 vom 19. August 2020 E. 3.1.3 m.w.H.; BGer 4C.358/2005 vom 12. Februar 2007 E. 5.5.1). 12.2. Vorbringen des Beklagten 2 und Würdigung Der Beklagte 2 macht geltend, ihn treffe wenn schon nur ein leichtes Verschulden (act. 57 Rz. 619). Sodann verweist er auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Parteien und macht geltend, der Kläger könne den Schaden viel leichter tragen (act. 57 Rz. 620 f.). Ferner verweist er auf seine wirtschaftlichen Verhältnisse und macht geltend, er würde durch di e Haftung in eine Notlage versetzt (act. 57 Rz. 622 ff.). Eine Reduktion der Haftpflicht gestützt auf Art. 43 Abs. 1 und Art. 44 Abs. 2 OR würde sich allenfalls rechtfertigen, wenn den Beklagten 2 ein leichtes oder alle n- falls mittelschweres Verschulden treffen würde ( B REHM, Berner Kommentar, Die Entstehung durch unerlaubt e Handlungen, Art. 41– 61 OR, 5. Aufl. 2021, Art. 43 N 63, 73, Art. 44 N 69; KESSLER, in: Widmer Lüchinger/Oser [Hrsg.], Basler Ko m- mentar, Obligationenrecht I, 7. Aufl. 2020, Art. 43 N 9, 14). Wie festgestellt (vorne - 80 - E. 11.3), ist aber das Verschulden des Beklagten 2 als schwer einzustufen. Daher rechtfertigt sich keine Reduktion seiner Ersatzpflicht im Aussenverhältnis. 13. Zins Der Kläger macht geltend, die Beklagt en wollten ihre Ausschüttungen selbst auf den 14. Januar 2011 rückdatiert haben, worauf sie im Rahmen der Zinsberec h- nung zu behaften seien. Es rechtfertige sich daher, die Schadenszinsberechnung ab diesem Tag vorzunehmen (act. 1 Rz. 79; act. 43 Rz. 454). Die Beklagten m a- chen geltend, der Kläger verhalte sich widersprüchlich, wenn er einerseits bestre i- te, dass der Ausschüttungsbeschluss am 14. Januar 2011 gefasst worden sei, andererseits aber Zins ab dann verlange. Er sei darauf zu behaften, dass die Ausschüttung am 14. Januar 2011 erfolgt sei (act. 29 Rz. 158; act. 31 Rz. 298; act. 57 Rz. 455 f.). Schadenszins ist zu bezahlen vom Zeitpunkt an, in dem sich das schädigende Ereignis finanziell ausgewirkt hat (BGE 131 II 217 E. 4.2). Wie ausgeführt (vorne E. 8.3.3), erhöhten sich mit der Verbuchung der Gutschrift vom CHF 326'295.68 auf dem Kontokorrent der I._____ die Passiven der C._____ und verminderten sich mit Verbuchung der Ausschüttung der Darlehensforderungen (d.h. mit deren Ausbuchung) die Aktiven der C._____. Die Buchhaltungsauszüge betreffend "Bu- chungen Reservenausschüttung per 14.01.2011" der C._____ datieren vom 24. August 2012 (vorne E. 4.21), weshalb für die finanziellen Auswirkungen der Ausschüttung auf die C._____ auf dieses Datum abzustellen ist. 14. Zusammenfassung Die Beklagten sind nach Art. 754 Abs. 1 OR verantwortlich. Daher sind sie in Gut- heissung der Klage solidarisch zu verpflichten, dem Kläger CHF 2'153'052.19 zu bezahlen, zuzüglich Zins zu 5% seit 24. August 2012. - 81 - 15. Kosten- und Entschädigungsfolgen 15.1. Gerichtskosten Die Höhe der Gerichtskosten bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsäc h- lichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Vorliegend beträgt der Strei t- wert CHF 2'153'052.19 (act. 1 Rz. 13; act. 29 Rz. 62; act. 31 Rz. 194). Die nach § 4 Abs. 1 GebV OG ermittelte Grundgebühr beträgt CHF 42'281.–. In Anwe n- dung von § 4 Abs. 2 GebV OG und angesichts der Schwierigkeit des Falls ist die Gerichtsgebühr auf CHF 50'000.– festzusetzen und ausgangsgemäss unter soli- darischer Haftung den Beklagten aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1, 3 ZPO). 15.2. Parteientschädigung Aufgrund des Prozessausgangs sind die Beklagten zu verpflichten, dem Kläger eine Parteientschädigung zu bezahlen. Bei berufsmässig vertretenen Parteien bestimmt sich die Höhe der Parteientschädigung nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (AnwGebV; Art. 95 Abs. 3 lit. b und Art. 96 ZPO i.V.m. § 48 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 des Anwaltsgesetzes vom 17. November 2003). Sie richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Beim vorliegenden Streitwert beträgt die nach § 4 Abs. 1 AnwGebV ermittelte Grundgebühr (inkl. MWST.) CHF 46'237.–. Sie ist mit der Begründung bzw. B eantwortung der Klage verdient (§ 11 Abs. 1 AnwGebV). Für die Teilnahme an zusätzlichen Verhandlungen und für weitere notwendige Rechtsschriften wird ein Einzelzuschlag von je höchstens der Hälfte der Gebühr oder ein Pauschalzuschlag berechnet (§ 11 Abs. 2 AnwGebV). Vorliegend haben eine Vergleichsverhandlung und ein zweiter Schriftenwechsel stattgefunden. Ent- sprechend ist die Parteientschädigung (inkl. MWST.) auf CHF 65'000.– festzuset- zen. Diese ist den Beklagten unter solidarischer Haftung aufzuerlegen (A rt. 106 Abs. 3 ZPO). Bezüglich des Antrags des Klägers auf Zusprechung der Parteientschädigung z u- züglich Mehrwertsteuer ist auf das Kreisschreiben des Obergerichts vom 17. Mai - 82 - 2006 (mit Modifikation betreffend Mehrwertsteuer -Satz am 17. September 2010) hinzuweisen. Der Kläger ist im Rahmen seiner hoheitlichen Tätigkeit nicht mehr- wertsteuerpflichtig (siehe ROBINSON, in: Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Mehrwer t- steuer, 2015, Art. 12 N 1). Entsprechend kann er die seiner Rechtsvertretung be- zahlte Mehrwertsteuer nicht von einer eigenen Mehrwertsteuerschuld abziehen. Daher ist ihm die Parteientschädigung, wie beantragt, mit Mehrwertsteuerz u- schlag zuzusprechen. Das Handelsgericht erkennt: 1. Die Beklagten werden unter solidarischer Haftung verpflichtet, dem Kläger CHF 2'153'052.19 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 24. August 2012 zu bezah- len. 2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 50'000.–. 3. Die Kosten werden je zur Hälfte und unter solidarischer Haftung den Beklag- ten auferlegt. 4. Die Beklagten werden je zur Hälfte und unter solidarischer Haftung verpflich- tet, dem Kläger eine Parteientschädigung von insgesamt CHF 65'000.– zu bezahlen. 5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an den Kläger unter Beilage der Dop- pel von act. 92 und 94, an die Beklagte 1 unter Beilage der Doppel von act. 93 und 94 sowie an den Beklagten 2 unter Beilage der Doppel von act. 93 und 92. 6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 - 83 - und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit- wert beträgt CHF 2'153'052.19. Zürich, 12. Dezember 2023 Handelsgericht des Kantons Zürich Vorsitzender: lic.iur. Roland Schmid Gerichtsschreiber: Dr. Severin Harisberger