Baurekursgericht des Kantons Zürich 4. Abteilung G.-Nr. R4.2019.00011 BRGE IV Nr. 0080/2019 Entscheid vom 20. Juni 2019 Mitwirkende Abteilungspräsident Reto Philipp , Baurichter Alexander Seiler , Baurichter Andreas Madianos, Gerichtsschreiberin Patrizia Schubert in Sachen Rekurrentin R., […] vertreten durch […] gegen Rekursgegner 1. Gemeinderat X, […] 2. H., […] betreffend Gemeinderatsbeschluss vom 12. Dezember 2018; Baubewilligung für Um- bau Zweifamilienhaus, […] ____________________________________________________________ R4.2019.00011 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Beschluss vom 12. Dezember 2018 erteilte der Gemeinderat X H. die baurechtliche Bewilligung für den Umbau des Zweifamilienhauses auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 […] in X. B. Hiergegen gelangte R. mit Rekurs vom 17. Januar 2019 fristgerecht an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung der genannten Baubewilligung, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulas- ten der Rekursgegnerschaft. C. Vom Reku rseingang wurde mit Verfügung vom 18. Januar 2019 Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. D. Mit Eingabe vom 11. Februar 2019 beantragte die Vorinstanz die Abwei- sung des Rekurses, unter Kostenfolge zulasten der Rekurrentin. Auch der pri vate Rekursgegner beantragte mit Eingabe vom 11. Februar 2019 sinngemäss die Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und Ent- schädigungsfolgen zulasten der Rekurrentin. E. Mit Replik vom 12. März 2019 bzw. Duplik vom 28. März 2019 hielten die Rekurrentin und der private Rekursgegner an ihren Anträgen fest. Die Vor - instanz verzichtete auf die Erstattung einer Duplik. R4.2019.00011 Seite 3 F. Am 10. April 2019 führte eine Delegation der 4. Abteilung des Baurekursge- richts im Beisein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. Es kommt in Betracht: 1. Die Rekurrentin ist Eigentümerin des nordwestlich an die Bauparzelle an- grenzenden Grundstücks Kat.-Nr. 2 an der […] . Angesichts dieser nachbar- lichen Beziehung und der vorgebrachten Rügen ‒ Nichtbeachtung von Grenzabstandsvorschriften und ungenügende Einordnung der projektierten Umbauten – ist die Rekurrentin mehr als beliebige Dritte von der angefoch- tenen Baubewilligung betroffen und damit zur Rekurserhebung im Sinne von § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PGB) legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs grundsätz- lich einzutreten. Soweit bezüglich einzelner Rügen auf den Rekurs nicht einzutreten ist, wird dies im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen dar- zulegen sein. 2. Das Baugrundstück Kat. -Nr. 1 liegt gemäss geltender Bau- und Zonenord- nung der Gemeinde X (BZO) in der Wohnzone W1.6. Am dort bestehenden Zweifamilienhaus sind zahlreiche Umbauarbeiten im Innen- und Aussenbe- reich geplant. Streitbetroffen sind die vorges ehenen Änderungen im west - und ostseitigen Aussenbereich des Gebäudes wie auch die Erstellung einer Aussentreppe in Zusammenhang mit der Neugestaltung der Parkplatzsitua- tion auf der Westseite des Gebäudes. 3.1. Die Rekurrentin bringt zunächst vor, durch den neu geplanten Erker im Erdgeschoss und die vorgesehene Erweiterung des Balkons im Oberge- R4.2019.00011 Seite 4 schoss würden an der Westfassade auf einer Breite von insgesamt 5,1 m in den Grenzabstandsbereich ragende Vorsprünge geschaffen. Bei einer massgebenden Fassadenlänge von rund 11 m werde damit jedoch der nach § 260 Abs. 3 PBG erlaubte Drittel, auf welchem derartige Vorsprünge von einer Abstandsprivilegierung profitieren dürften, überschritten. 3.2. Gebäude, Teile von Gebäuden und Gebäudebestandteile unterstehen grundsätzlich den im PBG bzw. der BZO statuierten Abstandsvorschriften. In Bezug auf die Grenz - und Gebäudeabstandsvorschriften gewährt § 260 Abs. 3 PGB für der Fassade vorgelagerte Gebäudeteile gewisse Erleichte- rungen. Demnach dürfen einzelne Vorsprünge gemäss § 260 Abs. 3 PBG bis 2 m in den Abstandsbereich hineinragen, Erker, Balkone und derglei- chen jedoch höchstens auf einem Drittel der betreffenden Fassadenlänge. Die Abstandspflicht nach § 260 Abs. 3 PBG erstreckt sich unter Vorbehalt abweichender kommunaler B estimmungen nur in rechtwinkliger Richtung zur dahinterliegenden Gebäudefassade, im seitlichen Verhältnis gilt aller- dings eine analoge Beschränkung des Abstandsprivilegs auf 2 m (Chris- toph Fritzsche/Peter Bösch/Thomas Wipf, Zürcher Planungs- und Baurecht, 5. Aufl., Zürich 2011, Bd. 2, S. 855 f., m.w.H.). Vorspringende Gebäudebe- standteile, welche für den Bestand des Gebäudes und die Nutzung des Gebäudeinnern notwendig sind und insofern keine selbständige Funktion erfüllen, sind von vornherein nicht abstandspflichtig (z.B. Dachtraufen, Fensterläden oder angebaute Sichtschutzwände; vgl. Fritzsche/Bösch/Wipf, S. 854, m.w.H.). 3.3. In der Zone W1.6 ist gemäss Art. 10 i.V.m. Art. 14 BZO im westseitigen Be- reich ein Grenzabstand von 5 m einzuhalten (kleiner Grundabstand). So- wohl der geplante Erker als auch die Balkonerweiterung (Verlängerung und Verbreiterung des Vordaches und seitliche Verkleidung) reichen unbestrit- tenermassen in den westlichen Grenzabstandsbereich hinein. Beide projek- tierten Gebäudevorsprünge sind damit auf ihre Vereinbarkeit mit § 260 Abs. 3 PBG zu überprüfen. In Bezug auf die geplante Balkonerweiterung ist hierzu präzisierend festzuhalten, dass der Balkon zwar zur Hauptsache nach Süden ausgerichtet ist. Aufgrund seiner über die westliche Fassaden- front hinausreichenden Ausladung unterliegt er aber auch in diesem Ver- hältnis der Drittelsbeschränkung von § 260 Abs. 3 PBG, da er insoweit R4.2019.00011 Seite 5 auch zur dahinterliegenden Westfassade als rechtwinklig liegend gilt. Die westseitige Ausladung tritt in Bezug auf die Westfassade mithin als selb- ständiger Vorsprung in Erscheinung. Die westseitige Fassadenlänge beträgt im Erdgeschoss 9,2 m (vgl. act. 9.1.5). Der streitbetroffene Erker ragt 0,95 m in den Grenzabstandsbe- reich hinein und nimmt mit einer Breite von 2,7 m klar weniger als einen Drittel der betreffenden Fassadenlänge in Anspruch. Der Erker ist damit für sich betrachtet unter dem Gesichtspunkt von § 260 Abs. 3 PGB nicht zu beanstanden. In Bezug auf die Balkonerweiterung im Obergeschoss präsentiert sich die Ausgangslage anders: Die im Obergeschoss massgebende Fassadenlänge kann entgegen der rekurrentischen Ansicht nicht bloss mit 11 m bemessen werden, sondern ist mit 13,2 m zu veranschlagen (vgl. act. 9.1.6 und act. 9.1.11 [aus dem Plan gemessen]). Berücksichtigt werden muss mithin auch die Ausdehnung des Balkonvorbaus inklusive Vordacherweiterung, nachdem die massgebliche Fassade im Obergeschoss – zufolge der gegen Westen angebrachten Verkleidung des Balkons im Sinne einer Sichtschutz- wand (vgl. die Graphik in act. 11.3 S. 3) – nahtlos verlängert w ird. Es er- schiene kaum sachgerecht, die Breite des Balkons in Relation zu setzen mit einer Fassadenlänge im Erdgeschoss (9,2 m), über die dieser selbst deutlich hinausreicht. Damit würde sinnbildlich gesprochen mit unterschied- lichen Ellen gemessen. Ausgehend von der Fassadenlänge im Oberge- schoss nimmt der Balkonvorbau – Verkleidung und Vordacherweiterung – mit einer Breite von 4,3 m damit ebenfalls nicht mehr als einen Drittel der betreffenden Fassadenlänge (13,2 m) in Anspruch. Den Beschränkungen, welche nach § 260 Abs. 3 PBG für abstandsprivile- gierte Vorsprünge wie Erker, Balkone und dergleichen gelten, wird damit vollumfänglich entsprochen, kann doch der Ansicht der Rekurrentin, dass Vorsprünge im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG zu kumulieren seien, nicht pauschal gefolgt werden: Vorliegend spricht nicht nur die uneinheitliche Fassadenlänge im Erdge- schoss und im Obergeschoss gegen eine Kumulierung der Vorsprünge, sondern auch der Zweck der entsprechenden Bestimmung. Grenz - und Gebäudeabständen kommt eine erhebliche nachbarschützende Funktion zu, was prinzipiell eine restriktive Auslegung der Abstandsprivilegierung nahelegt. Nachbarliche Interessen werden indes durch in den Abstandsbe- R4.2019.00011 Seite 6 reich hineinragende (offene) Balkone und das damit verbundene erhebliche Immissionspotential klarerweise weit mehr tangiert als durch geschlossene Gebäudevorsprünge. Vorliegend sind beide westseitigen Vorsprünge ge- schlossen. Sie kommen zudem auf unterschiedlichen Stockwerken und versetzt zueinander zu liegen, so dass jedenfalls nicht von einer einheitli- chen, grossen "Immissionsquelle" gesprochen werden kann, die es zum Schutz der Nachbarn zu verhindern gälte. Eine pauschale Kumulation ein- zelner Vorsprünge in – wie vorliegend – verschiedenen Stockwerken er- scheint ohnehin nicht angebracht, wenn man bedenkt, dass dies gerade bei mehrstöckigen Wohnhäusern praktisch verunmöglichen würde, verschie- dene Wohnungen in unterschiedlichen Stockwerken mit an der gleichen Fassade angebrachten, aber vertikal versetzten Balkonen zu versehen. Die von der Rekurrentin verfochtene Auslegung führte dazu, dass diesfalls im Abstandsbereich immer nur Balkontürme (ohne vertikalen Versatz) zulässig wären, obgleich von solchen Balkontürmen zufolge der vertikalen Konzent- riertheit der einzelnen Balkone wohl grössere Immissionen ausgehen dürf- ten als im Falle des vertikalen Versatzes von Balkonen über mehrere Stockwerke. Im Extremfall wäre es diesfalls bspw. auch unzulässig, im zweiten Stockwerk eines Gebäudes einen drittelsausschöpfenden Erker und im achten Stockwerk einen drittelsausschöpfenden, zum Erker im zwei- ten Stockwerk vertikal versetzten Balkon anzubringen, was nicht im Sinne des Gesetzgebers sein kann. In Fällen wie dem vorliegenden muss die massgebliche Fassade im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG in vertikaler Hin- sicht für jedes Stockwerk einzeln definiert werden, zumal es – wie er- wähnt – nicht angehen kann, auch im Obergeschoss von einer massgebli- chen Fassade von nur 9,2 m auszugehen, wenn der Balkon doch gerade deutlich darüber hinausragt. Die westseitigen Fassadenvorsprünge sind somit nicht zu beanstanden. 4.1. Die Rekurrentin moniert weiter, auch die westseitig geplante Aussentreppe rage unzulässigerweise 2 m zu viel in den Abstandsbereich hinein. 4.2. Der private Rekursgegner führt diesbezüglich in seiner Rekur santwort aus, es gehe lediglich darum, die bestehende Gartentreppe zur Überbrückung des Niveauunterschiedes zum neuen Parkplatz um vier Stufen zu ergän- R4.2019.00011 Seite 7 zen. Zu Recht weist die Rekurrentin darauf hin, dass die eingereichten und bewilligten Baupläne diese Dar stellung des Bauherrn nicht widerspiegeln. Der Plansatz lässt auf eine vollständige Neuerstellung einer Treppe schliessen (vgl. den entsprechenden Vermerk "Treppenaufgang neu" und die gänzlich in rot eingezeichnete Treppe in act. 9.1.3.–9.1.5., 9.1.8. und 9.1.11). Wie der Augenschein zeigte, ergibt sich aber weder die derzeit be- stehende Situation noch die geplante bauliche Veränderung schlüssig aus den Plangrundlagen. Tatsächlich führt derzeit eine parallel zur Fassade verlaufende Treppe vom Garten durch den Torbogen beim Pizzahaus, hin- unter auf das derzeit bestehende Terrain, das zur Erstellung des neuen Parkplatzes um weitere 0,8 m abgetragen werden soll (vgl. Prot. S. 7 f. und act. 9.1.8.). Gemäss Bauherrschaft sollen die zwei derzeit untersten runden Treppenstufen durch rechtwinklige Tritte ersetzt werden; zusätzlich sollen zur Überwindung des Niveauunterschieds zwischen bestehendem und künftigem (tieferen) Terrain rechtwinklig zur Fassade weitere vier Stufen ergänzt werden (Prot. S. 4 f.). 4.3. Von der Abstandspflicht ausgenommen sind Gebäude und Gebäudeteile, die unterirdisch angelegt sind oder aber den gewachsenen Boden um nicht mehr als einen halben Meter überragen und keine Öffnungen gegen Nach- bargrundstücke aufweisen (§ 269 PBG). Nachdem vorliegend die bestehende Aussentreppe nach unten bzw. in ei- nen Bereich ausgedehnt werden soll, in dem das Terrain im Vergleich zum gewachsenen Boden noch weiter abgesenkt werden wird, als bisher schon geschehen, ist die Treppenerweiterung von vornherein nicht abst ands- pflichtig. Der Vollständigkeit halber zu erwähnen ist jedoch, dass Aussentreppen oh- nehin nicht in jedem Falle abstandspflichtig sind. Sie sind nach der Recht- sprechung immerhin dann als bau- und abstandsrechtlich relevante Ge- bäudeteile anzusehen, wenn s ie mit der Hauptbaute räumlich, baulich und funktionell eng verbunden sind, was mit Bezug auf (unüberdeckte) Aussen- treppen, welche dem Gebäudezugang dienen, im Regelfall zu bejahen ist; ebenso, wenn die Aussentreppe zwar nicht dem direkten Gebäudezugang, aber immerhin dem Zugang zum Balkon dient (vgl. BRKE III Nr. 38/1997 in BEZ 1997 Nr. 12). R4.2019.00011 Seite 8 Vorliegend ist dies beides nicht der Fall; die Treppe führt vom Parkplatz in den Garten und ist mit der Hauptbaute weder räumlich, baulich oder funkti- onell verbunden. Ein Hauszugang, insbesondere ein Zugang zum neu ge- planten Erker, ist nicht vorgesehen (vgl. Prot. S. 4). Zusammengefasst verletzt die geplante neue Aussentreppe keine Ab- standsvorschriften. 5. Soweit die Rekurrentin auch im Bereich der Ostfassade die Nichteinhaltung von Grenzabstandsschriften beanstandet, kommt diese erst in der Replik vorgebrachte Rüge verspätet, weshalb darauf nicht einzutreten ist. 6.1. Die Rekurrentin spricht den geplanten Umbauten alsdann eine rechtsgenü- gende Einordnung ab. Das Bauvorhaben führe dazu, dass auf dem Bau- grundstück ein nicht nur einfach aussergewöhnliches, sondern optisch stö- rendes Gebäude entstehe. Die Westfassade sei mit all den bereits im Ab- standsbereich erstellten Gebäudeteilen kaum mehr als solche erkennbar. Der Blick von der rekurrentischen Liegenschaft aus führe zunächst an die nackte Wand des auf die Grenze gebauten Pizzahauses. Die verschiede- nen Vorsprünge sowie insbesondere auch die aussergewöhnliche Dachge- staltung mit unterschiedlich geneigten Dachabschnitt en und verschiedenen Dachaufbauten würden ein sehr unruhiges Bild in der Nachbarschaft schaf- fen, in welcher alle Wohnhäuser klassisch und mit praktisch gleicher Kuba- tur und Erscheinung gebaut seien. Durch die geplante Fällung einer Eibe und die Erstellung zusätzlicher Abstellplätze werde alsdann wertvolle Grün- fläche zerstört; auch dies passe nicht in das Wohnquartier und sei unty- pisch. 6.2. Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich und in ihrem Zusammenhang mit der baulichen und landschaftlichen Um- gebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für Materialien und Farben. R4.2019.00011 Seite 9 Diese Vorschrift enthält eine Grundanforderung an Bauten, Anlagen und Umschwung. Verlangt wird sowohl eine gewisse Qualität der Gestaltung in sich als auch der Einordnung in die bauliche und landschaftliche Umge- bung. Dabei erfasst die Norm über den Wortlaut ihres Randtitels ("Gestal- tung") hinaus nicht nur die Gestaltungs elemente wie beispielsweise die Dach- oder die Fassadengestaltung, sondern auch ortsbauliche Aspekte wie etwa die Stellung der Baukörper, soweit jene nicht durch speziellere Bauvorschriften geregelt sind. Die Frage, ob eine befriedigende Gesamt- wirkung erreicht wird, ist gestützt auf objektive, nachvollziehbare Kriterien zu beantworten. Blosses Empfinden rechtfertigt keinen Eingriff in das Ei- gentum. Soweit den Gemeinden bei der Anwendung von Bestimmungen des kanto- nalen Rechts als Ausfluss der Gemeindeautonom ie eine besondere Ent- scheidungs- und Ermessensfreiheit zukommt, überprüft das Baurekursge- richt entsprechende Entscheide mit Zurückhaltung. Beruht der kommunale Entscheid auf einer vertretbaren Würdigung der massgebenden Umstände, so hat ihn die Rekursinstanz zu respektieren. Die Rekursinstanz darf nur dann einschreiten, wenn die Baubehörde ihren Ermessensspielraum über- schreitet, indem sie sich von unsachlichen, dem Zweck der in Frage ste- henden Regelung fremden Erwägungen leiten lässt oder allgemeine Rechtsprinzipien, wie das Verbot von Willkür oder den Grundsatz der Ver- hältnismässigkeit, verletzt. Dabei darf sich die Rekursinstanz jedoch nicht auf eine blosse Willkürprüfung beschränken, vielmehr muss die Eingriffs- schwelle tiefer gesetzt werden (vgl. BGE 145 I 52, E. 3.6., mit Hinweisen). Ob eine Bestimmung des kantonalen Rechts den Gemeinden einen auto- nomen Entscheidungsspielraum einräumt, ist durch Auslegung zu ermitteln (Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 20 Rz. 62). Nach ständiger Praxis der kantonalen Instanzen betrifft dies insbesondere § 238 PBG, ferner aber auch etwa § 71 PBG betreffend die bauliche Gestaltung und Einordnung von Arealüberbauungen, § 237 PBG betreffend die Beurteilung der Verkehrssicherheit einer Zufahrt und § 357 Abs. 1 PBG betreffend die Beurteilung zulässiger Änderungen an vor- schriftswidrigen Bauten (Donatsch, § 20 Rz. 72). R4.2019.00011 Seite 10 6.3. Die Vorinstanz erwägt, die geplanten Änderungen wirkten sich nicht negativ auf das heutige Erscheinungsbild des Zweifamilie nhauses aus, und erach- tet die befriedigende Einordnung der Umbauvorhaben als gegeben. Der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung ist ohne weiteres zu folgen. Eine Verletzung der Vorschrift von § 238 Abs. 1 PBG ist nicht ersichtlich. Namentlich kann der Vorinstanz keine rechtsverletzende Ermessenshand- habung vorgeworfen werden. Die Liegenschaft ist in einer normalen Wohn- zone gelegen, weshalb an die Gestaltung von Bauten keine erhöhten An- forderungen zu stellen sind. Die Umgebung des Baugrundstücks ist auch nicht sonderlich homogen überbaut. Die geplanten Umbauvorhaben im Be- reich der Westfassade sind sodann von lediglich untergeordneter Bedeu- tung, vermögen das Erscheinungsbild der Baute nicht wesentlich zu verän- dern und sind im Übrigen aufgrund des grenzbündi g erstellten Pizzahauses für die Rekurrentin auch nicht frei einsehbar. Die allfällige Fällung der Eibe ist für die Frage der Einordnung der Umbau- ten nicht von Relevanz und wäre, wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, auch nicht zu beanstanden. Nichtsdest otrotz bleibt zu erwähnen, dass eine Fällung der Eibe nach den Angaben des privaten Rekursgegners gar nicht geplant ist. 7. Zusammenfassend ist der Rekurs abzuweisen, sofern darauf einzutreten ist. Festzuhalten ist immerhin, dass der Rekurrentin die Beurteilung des Bauvorhabens aufgrund der unzureichenden Plangrundlagen – mangelhaf- te Baupläne namentlich im Bereich der Aussentreppe und die fehlende Nachtragung der amtlichen Vermessung (insb. Pizzahaus und Pergola) – erschwert wurde, was letztlich durch den privaten Rekursgegner und die Vorinstanz zu verantworten ist. Bemerkungshalber ist dem privaten Re- kursgegner denn auch zu empfehlen, den letztbewilligten Zustand der Lie- genschaft zuhanden der amtlichen Vermessung unverzüglich nachtragen zu lassen. R4.2019.00011 Seite 11 8. Dem Au sgang des Verfahrens entsprechend wird die Rekurrentin grund- sätzlich kostenpflichtig (§ 13 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). Aufgrund der obgenannten Umstände rechtfertigt es sich jedoch in Nach- achtung des Verursacherprinzips (§ 13 Abs. 2 Satz 2 VRG), die Rekurs- gegnerschaft im Umfang von je einem Zehntel an den Verfahrenskosten zu beteiligen. Demzufolge sind der Rekurrentin 4/5 und der Vorinstanz sowie dem privaten Rekursgegner je 1/10 der Verfahrenskosten aufzuerlegen. Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwal- tungsgerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach seinem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimmbaren Streitwert oder dem tatsächlichen Streitinteresse fest. Liegt wie hier ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Ge- richtsgebühr in der Regel Fr. 1'000. – bis Fr. 50'000. – (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV VGr). Bei der Bemessung der Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser Ermessensspielraum zu (Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.). Demnach ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 5'200.– festzusetzen. 9. Ausgangsgemäss steht der Rekurrentin von vornherein keine Umtriebsent- schädigung zu. Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei- ner angemessenen Entschädigung für die Umtriebe der Gegenpartei ver- pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung k omplizierter Sach- verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte oder den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Umtriebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. Einer nicht durch einen Rechtsbeistand vertretenen Partei entstehen im Allgemeinen keine Rechtsverfolgungskosten, die zu entschädigen wären. Eine Umtriebsentschädigung ist ihr demnach nur dann zuzusprechen, wenn die Grenzen des im Verwaltungsrechtspflegeverfahren Üblichen und Zu- mutbaren durch anderweitigen Aufwand deutlich überschritten wurden. In der Regel ist das Vorliegen eines solchen Aufwandes zu verneinen. Dem- R4.2019.00011 Seite 12 zufolge ist auch dem privaten Rekursgegner keine Umtriebsentschädigung zuzusprechen. […]