B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1503/2014 U r t e i l v o m 7 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiberin Christa Grünig. Parteien A._______, geboren (…), und deren Kinder B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), Türkei, alle vertreten durch Ali Tüm, Asylum Rechtsberatung, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. Februar 2014 / N (…). D-1503/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführe- rin) suchte am 27. April 2011 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ um Asyl nach. Dort wurde sie am 6. Mai 2011 zur Person b e- fragt (BzP) und am 10. Juni 2013 eingehend zu ihren Asylgründen ang e- hört. Am (…) gebar sie ihr Kind B._______, am (…) ging sie die Ehe mit E._______, türkischer Staatsangehöriger, geboren (…), ein und am (…) gebar sie das gemeinsame Kind C._______. A.b Anlässlich der BzP sowie der Anhörung machte die Beschwerdefü h- rerin im Wesentlichen geltend, in ihrer Nachbarschaft sei es im (…) zu ei- ner Schiesserei gekommen, worauf Militante der kurdischen Arbeiterpa r- tei (PKK) festgenommen und Bewohner des Quartiers auf den Posten zu Verhören mitgenommen worden seien. Sie sei am (…) in ihrem Quartier zuerst mit der ganzen Familie und der Nachbarschaft auf den Posten mi t- genommen und verhört worden. Später sei sie jeweils einmal im Monat auf den Posten geholt worden, wobei man sie jeweils nac h ihrem Onkel gefragt habe, der sich der PKK angeschlossen und ein umfangreiches Strafregister habe. Es seien insgesamt (…) Festnahmen gewesen, wovon bei der ersten auch ihre Eltern (mit Familie meine sie nur ihre Eltern und sie selbst, nicht jedoch ihre Geschwister) mitgenommen worden seien und bei den weiteren drei jeweils nur sie selbst. Den Fokus an den letzten (…) Festnahmen auf ihre Person könne sie sich nur so erk lären, dass sie an Newroz-Festen teilgenommen habe und das jüngste Familienmitglied sei. Sie habe jeweils Schwierigkeiten im Gewahrsam gehabt, da sie eine Frau sei . Auch habe sie sich in Lebensgefahr befunden. Anlässlich der Mitnahme vom (…) sei sie auf dem Posten sexuell belästigt worden , in- dem ein Polizist mit bö sem Blick sie mit der Hand an der Brust und am Körper berührt habe, nachdem ihre Bluse ausgezogen worden sei und er anzügliche Bemerkungen zu ihr ge sagt habe. Ein weiterer Polizist habe dabei zugesehen. Sie sei aus der Türkei geflüchtet, da sie befürchtet h a- be, nach diesem Überfall vergewaltigt zu werden . Bei ihren Schwestern , welche in F._______, G._______ und H._______ lebten, habe sie sich nicht verstecken können, da sie alle jünger seien und sie selbst nach den Befragungen als Frau "nicht gut" dastehe. Als sie aus der Türkei geflüc h- tet sei, habe sie nicht gewusst, dass sie unehelich schwanger sei. Sie be- fürchte, bei einer Rückkehr ins Heimatland deshalb getötet zu werden. D-1503/2014 Seite 3 Für den weiteren Inhalt der Aussagen wird auf die Protokolle bei den A k- ten verwiesen. B. Mit Verfügung vom 19. Februar 2014 – eröffnet am 24. Februar 2014 – lehnte das BFM die Asylgesuche mit der Begründung ab, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten weder den Anforderungen an die Glau b- haftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft stand. Gleichzei- tig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz an und stellte fest, der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Auf die Begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. C. Mit Eingabe vom 20. März 2014 erhoben die Beschwerdeführenden g e- gen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, es sei unter Kosten - und Entschädigungsfolge die Verf ü- gung des BFM aufzuheben, es sei Asyl zu gewähren (S. 8 der Beschwer- de) und eventuell sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fes t- zustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtl i- cher Hinsicht ersuchten sie um die Gewährung der unentgeltliche n Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Mit Verfügung vom 11. April 2014 stellte der Instruktionsrichter fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verf ahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab und forderte sie unter Androhung des Nichteintretens auf, innert Frist einen Kostenvorschuss zu bezahlen. Der Kostenvorschuss wurde am 26. April 2014 bezahlt. E. Mit Eingabe vom 16. Juli 2014 ersuchte die Beschwerdeführerin, das B e- schwerdeverfahren sei zu sistieren, bis über das Aufenthaltsrecht ihres Ehemannes im Kanton I._______ rechtskräftig entschieden worden sei. D-1503/2014 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind dah er zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 1.3 Die Beschwerdeführenden ersuchen mit Eingabe vom 16. Juli 2014 um Sistierung des Beschwerdeverfahrens, bis über d as Aufenthaltsrecht des Ehemannes der Beschwerdeführerin rechtskräftig entschieden sei. Da der Ausgang dieses Verfahrens schon in zeitlicher Hinsicht unabse h- bar ist, wird – auch in Berücksichtigung der nachfolgenden Erwägungen (siehe insbesondere E. 8.2.3) – das Sistierungsgesuch abgewiesen. 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des E r- messens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). D-1503/2014 Seite 5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nach weisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das BFM führte zur Begründung s einer angefochtene n Verfügung aus, es erscheine unwahrscheinlich, dass zuerst die ganze Familie , spä- ter jedoch nur die Beschwerdeführerin nach dem Vorfall vom (…) auf den Posten mitgenommen worden sei. Die Erklärung, dass dies wegen ihrer Teilnahme an einer Nevrozfeier und weil sie die Jüngste gewesen sei, passiert sei, stelle keinen plausiblen und nachvollziehbaren Grund dar, da nicht ersichtlich sei, weshalb die Sicherheitskräfte bei ihren Verfolgung s- massnahmen sich nur auf sie und nicht auch auf die übrigen Familienm it- glieder konzentriert hätten. Gemäss den geltenden gesetzlichen Besti m- mungen hätte sie eine Festnahmebescheinigung erhalten sollen. Dass dies, wie sie behaupte, nicht geschehen sei, spreche zusätzlich gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Mitnahmen auf den Posten. Darüber hinaus habe sie angegeben, die Vorfälle vom (…) seien durch den Umstand ausgelöst worden, dass PKK -Mitglieder bei ihren Nachbarn zu Besuch gewesen seien und sich dann eine Schiesserei mit den Sicherheitskräften geliefert hätten. Gleichzeitig ge be sie an, gegen ihre Nachbarn sei gemäss ihren Informationen kein Strafverfahren eingeleitet worden. Dies erscheine j e-D-1503/2014 Seite 6 doch den Erkenntnissen des BFM zufolge über das unnachgiebige Vo r- gehen der türkischen Behörden beim geringsten Verdacht auf PKK - Unterstützung unwahrscheinlich und lebensfremd. Zwar begründe sie dies damit, die Nachbarn seien zu Unrecht beschuldigt worden, da es keine Beweise gegen sie gegeben habe. Man könne jedoch nicht von fehlenden Beweisen sprechen, wenn ihre Nachbarn tatsächlich Besuch von PKK-Militanten gehabt hätten, wie sie dies behaupte. Ihre realität s- fremden Angaben zu zentralen Elementen ihrer angeblichen Verfolgung führten zum Schluss, sie beziehe sich mit ihren Vorbringen auf einen konstruierten Sachverhalt und nicht auf tatsäch lich Erlebtes. Aus diesem Grund könnten die von ihr geltend gemachten Festnahmen durch die tü r- kischen Sicherheitskräfte nicht geglaubt werden. Unter diesen Vorausset- zungen müsse auch die von ihr geltend gemachte sexuelle Belästigung anlässlich ihrer letzten Postenmitnahme bezweifelt werden. Im Weiteren bringe sie vor, ledig und schwanger in die Schweiz geflüchtet zu sein und eine Rückkehr mit dem unehelichen Kind würde für sie den Tod bedeuten. Sie mache somit sinngemäss geltend, Angst vor ihrer F a- milie bez iehungsweise einem sogenannten Ehrenmord zu haben. Dazu gelte es festzuhalten, dass die türkischen Behörden den Erkenntnissen und Erfahrungen des BFM zufolge in solchen Fällen schutzbereit und im Rahmen des Möglichen auch schutzfähig seien. Weiter sei dara uf zu verweisen, dass sie sich inzwischen in der Schweiz mit einem Land s- mann verheiratet habe, weshalb sie nicht als alleinstehende, sondern als verheiratete Frau und Mutter zurückkehren und im dortigen sozio - kulturellen Kontext in erster Linie unter dem S chutz ihres Ehemannes stehe, der überdies ihre besondere Lebenssituation akzeptiert habe. Ihr Ehemann könne sie bei einer Rückkehr in die Türkei schützend begleiten und ihre Reintegration erleichtern, dazu gehöre auch, dass neu für sie auch die Familie ihres Ehemannes Schutz und Aufnahme in ihrem Kreise bieten könne. Ihr Ehemann, E._______, verfüge in der Schweiz über eine Aufenthalt s- bewilligung B. Die Beschwerdeführenden könnten sich allerdings nur dann auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 Ziff . 1 EMRK beru- fen, wenn einerseits die familiäre Beziehung gelebt werde und andere r- seits sich die Beziehung auf eine nah verwandte Person mit gefestigtem Anwesenheitsrecht (Bürgerrecht oder Niederlassungsbewilligung) bezi e- he. Eine Aufenthaltsbewilligung reiche nur dann aus, wenn ein gesetzl i- cher Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Bewilligung bestehe. Dies sei in casu nicht erfüllt, da ihr Ehemann mit einer B-Bewilligung nicht D-1503/2014 Seite 7 über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfüge , ausser- dem keinen Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung habe und ihm vielmehr mit Verfügung vom (…) das Gesuch um Verlängerung seiner Aufenthalts- bewilligung abgelehnt worden sei. Unabhängig der Frage der Verläng e- rung könne er zur Beschwerdeführerin sowie zu seinem Kind den Kontakt durch regelmässige Besuche in der Türkei aufrechterhalten, da er kein anerkannter Flüchtling sei. Für den weiteren Inhalt wird auf die Verfügung verwiesen. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe wird im Wesentlichen vorgebracht, der Onkel der Beschwerdeführerin sei der Polizei bekannt und fichiert gew e- sen. "Weil es da so war" , hätten sich die Polizisten auf die Beschwerd e- führerin konzentriert. Neben allgemeinen Ausführungen zur Reflexverfo l- gung wurde im Weiteren geltend gemacht, dass nicht jeder eine Fes t- nahmebescheinigung bekomme. Diese müsse man "speziell" verlangen. Es habe gegen die Beschwerdeführerin keine Beweismittel gegeben , weshalb auch kein Haftbefehl gegen sie habe erlassen werden müssen. Auch bei den Nachbarn seien keine Beweismittel gefunden w orden, wes- halb kein Strafverfahren gegen sie eingeleitet worden sei. Neben weit e- ren Bekräftigungen zur Glaubhaftigkeit und zum Detailgrad der Aussagen der Beschwerdeführerin sowie weiteren allgemeinen Ausführungen zum Flüchtlingsbegriff wurde im Übrigen angemerkt, dass die Beschwerdefüh- rerin Kurdin und den türkischen Behörden bekannt sei, weshalb sie zur Zielscheibe der Polizei geworden sei. Da dauernd ihr Onkel Thema g e- wesen sei, sei sie von einer Reflexverfolgung betroffen. Auch sei sie von den Polizeibea mten sexuell schwer belästigt worden. Für den weiteren Inhalt wird auf die Akten verwiesen. 6. Nach Würdigung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen des BFM in keiner Weise zu beanstanden sind. So zeigte das BFM im angefocht e- nen Entscheid die Gründe für die Ablehnung des Asylgesuchs sowie den Wegweisungsvollzug in schlüssiger Weise auf, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen auf dieselben Erwägungen verwiesen wird. Die Be- schwerdeführerin unterliess es in ihrer Rechtsmitteleingabe, sich substan- tiiert mit den Ausführungen des BFM auseinanderzusetzen. Allgemein vermitteln die Ausführungen und Schilderungen der Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Befragungen den Eindruck eines Konstrukts und lassen jegliche Realkennzeichen vermissen. Zudem erweisen sie sich insbeso n- dere zu den zentralen Elementen als realitätsfremd. Die geltend gemac h-D-1503/2014 Seite 8 te Reflexverfolgung erscheint in Anbetracht des Umstandes, dass nur die Beschwerdeführerin mehrmals auf den Pos ten geholt worden sei, nicht jedoch die übrigen Familienmitglieder , als nicht stichhaltig. Auch machen die Ausführungen, wonach der Fokus der weiteren Verhaftungen auf der Beschwerdeführerin gelegen habe, da diese das jüngste Familienmitglied sei, keinen Sinn. Im Weiteren ist die Erklärung, wonach sie nicht bei einer ihrer in F._______, G._______ oder H._______ lebenden Schwestern Zu- flucht habe finden können allein aufgrund der Tatsache, weil diese jünger seien und sie als Frau nach den Befragungen "nicht g ut" dastehe und sie deshalb von ihrem Freund verlassen worden sei, nicht nachvollziehbar. Sodann machte die Beschwerdeführerin bereits zu Beginn des Asylver- fahrens nachweislich falsche Angaben, so in Bezug auf die Beantragung eines schweizerischen Visums. In ihrer Rechtsmitteleingabe setzte sich die Beschwerdeführerin mit den Ausführungen der Vorinstanz, wonach sie im Zusammenhang mit dem befürchteten Ehrenmord nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen sei, weil die türkischen Behörden in so l- chen Fällen schutzbereit und im Rahmen des Möglichen auch schutzfähig seien, nicht auseinander. Aus diesem Grund ist den diesbezüglich korrekt erscheinenden Erwägungen der Vorinstanz nichts beizufügen. Die ge l- tend gemachten Verfolgungsvorbringen vermögen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und an die Flüchtlingseigenschaft insgesamt nicht zu genügen, weshalb das Bundesamt zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch – wie sich aus den nachfolgenden Er- wägungen ergibt (vgl. E. 8.2.3) – über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zu lässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). D-1503/2014 Seite 9 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewe i- sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigste ns glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenste hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 g egen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz de r Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdefüh- renden in de n Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführen- den noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Str afe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses D-1503/2014 Seite 10 müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr (« real risk ») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschi e- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtss i- tuation i n der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zei t- punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vol l- zug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrecht- lichen Bestimmungen zulässig. 8.2.3 Gemäss Art. 8 EMRK hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Familienlebens. Auf den Schutz von Art. 8 EMRK können sich dabei z u- nächst die Mitglieder der Kernfamilie berufen, mithi n die Ehegatten und ihre minderjährigen Kinder; gemäss Rechtsprechung der Schweizer i- schen Asylrekurskommission (ARK), welche vom Bundesverwaltungsg e- richt weitergeführt wird, sind sodann Konkubinatspartner den Ehegatten gleichgestellt. Andere nahe Angehörig e können einbezogen werden, wenn besondere Gründe für die Familienvereinigung sprechen, mithin ein Abhängigkeitsverhältnis gegeben ist (BVGE 2007 Nr. 47, m.w.H.). Unter gewissen Umständen lässt sich aus Art. 8 EMRK ein Anspruch auf Erte i- lung einer Anwesenheitsbewilligung ableiten, da es genannten Artikel ver- letzen kann, wenn einem Ausländer, dessen Familienangehörige hier wei- len, die Anwesenheit in der Schweiz untersagt und damit das Familienl e- ben vereitelt wird (vgl. BGE 126 II 335 E. 2.1 S. 339). Ein Fami lienmit- glied muss dabei über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht (das Schweizer Bürgerrecht, eine Niederlassungsbewilligung oder eine Aufenthaltsbewi l- ligung, die ihrerseits auf einem festen Rechtsanspruch beruht) verfügen (vgl. dazu BGE 130 II 281 E. 3.1 S. 285 f., BGE 129 II 193 E. 5.3.1 S. 211, BGE 126 II 335 E. 2a S. 339 f., BGE 126 II 377 E. 2b S. 382 ff., m.w.H.). Weder der Ehemann E._______ noch die Beschwerdeführenden selbst verfügen über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Eine eingehende Interessenabwägung kann daher unterbleiben. Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden erweist sich somit – wie be- reits vom BFM zutreffend ausgeführt – unter dem Blickwinkel von Art. 8 EMRK als zulässig. Namentlich ist darauf hinzuweisen , dass das Gesuch um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von E._______ mit Verfügung vom (…) abgelehnt wurde und demnach nicht auszuschliessen ist, dass dieser die Schweiz ebenfalls verlassen und in die Türkei zurück- kehren müsste, weshalb sich die Frage des Grundsatzes der Einheit der D-1503/2014 Seite 11 Familie ohnehin nicht mehr stellen würde. Wie bereits das BFM ausg e- führt hat, handelt es sich bei E._______ nicht um einen anerkannten Flüchtling, weshalb er unabhängig der Frage einer Verlängerung der Auf- enthaltsbewilligung die Möglichkeit hat, mit der Beschwerdeführerin sowie seinem Kind den Kontakt durch regelmässige Besuche in der Türkei s o- wie durch die heutigen Kommunikationstechnologien aufrechtzuerhalten. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Gemäss publiziertem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts ist der Wegweisungsvollzug in die östlichen, an den Irak grenzenden Provin- zen Hakkari und Sirnak w egen der dort herrschenden Situation allgeme i- ner Gewalt generell unzumutbar (BVGE 2013/2). In den übrigen Regi o- nen Ost- und Südostanatoliens, – dazu zählt auch die Heimatprovinz der Beschwerdeführerin, F._______ –, die in letzter Zeit nur von punktuellen Gewaltausbrüchen betroffen waren, ist die Grenze für die Annahme einer Situation allgemeiner Gewalt hingegen klar nicht erreicht (vgl. BVGE 2013/2 E. 9.6.2 S. 16). Ein Wegweisungsvollzug dorthin erweist sich s o- mit generell als zumutbar. Sodann bestehen keine Hinweise, dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden aus anderen, individuellen Gründen nicht zumu t- bar sein könnte. Den Akten zufolge sind die Beschwerdeführenden g e- sund. Die Beschwerdeführerin verfügt über Berufserfahrung als K._______ und führte diesbezüglich aus, sie habe sehr viele eigene Kundschaft gehabt, da diese nicht zum Chef gegangen sei, sondern i m- mer zu ihr. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass die Beschwerd e- führenden bei einer Rückkehr in eine ihre Existenz bedrohende Situa tion geraten könnten . Ausserdem leben nach wie vor ihre Eltern und eine Schwester in F._______, auch verfügt sie je über einen Bruder in L._______ und M._______ sowie je eine Schwester in G._______ und H._______. Zusätzlich steht die Beschwerdeführerin als verheiratete Frau nun unter dem Schutz ihres Ehemannes , sollte sie Probleme mit der e i- genen Familie haben. Dank ihres grossen Kundenstammes als ehemal i- ge K._______ dürfte sie ihre wirtschaftliche Selbständigkeit aus eigener D-1503/2014 Seite 12 Kraft erlangen und eine neue Ex istenz aufbauen . Diesbezüglich ist auf die Möglichkeit der Rückkehrhilfe zu verweisen. Sodann ist nicht erkenn- bar, dass der Wegweisungsvollzug das Wohl ihrer beiden Kinder B._______ sowie C._______ gefährden könnte. Die beiden Kinde r sind derzeit (Angabe Alter), weshalb aufgrund dieses jungen Alters nicht von einer Integration in der Schweiz gesprochen werden kann ; vielmehr ist davon auszugehen, dass einer erfolgreichen Integration der beiden Ki n- der in der Türkei nichts im Wege stehen dürfte. Nach dem Gesa gten er- weist sich der Vollzug der Wegweisung – insbesondere auch im Lichte des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Ki n- des (KRK, SR 0.107) – als zumutbar. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung insgesamt nicht als unzumutbar. 8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden , sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstan z den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh- renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 26. April 2014 in gleicher Höhe geleistete Kos- tenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. D-1503/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur B e- zahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Christa Grünig Versand: