200 20 637 IV JAP/SCM/ARJ Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 10. März 2021 Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichter Ackermann Gerichtsschreiberin Schädeli A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 1. Juli 2020 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1982 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) meldete sich im September 2017 unter Hinweis auf chronische Schmerzen und eine Blutkrankheit bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (vgl. Akten der IV, Antwortbeilage [AB] 1, 3). Im Rahmen der erwerblichen und medizinischen Erhebungen liess die IV- Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) insbesondere ein orthopä- disch-psychiatrisches Gutachten (datierend vom 19. November 2019 [AB 139.1-139.4]) einholen. Gestützt darauf sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (AB 143, 146, 149, 151, 153) verneinte sie mit Ver- fügung vom 1. Juli 2020 (AB 154) einen Rentenanspruch bei einem Invali- ditätsgrad von 16 %. B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, am 28. August 2020 Beschwerde. Er lässt beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache an die Beschwer- degegnerin zurückzuweisen, damit diese ein polydisziplinäres Gutachten einhole und hiernach über den Rentenanspruch neu entscheide. Mit Eingabe vom 7. September 2020 legte der Beschwerdeführer ein unda- tiertes Arztzeugnis der behandelnden Psychiaterin ins Recht (Beschwerde- beilage [BB] 7). Mit Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2020 schliesst die Beschwerde- gegnerin – unter Hinweis auf den Bericht des Regionalen Ärztlichen Diens- tes (RAD) vom 18. September 2020 (AB 161) sowie eine Stellungnahme des psychiatrischen Gutachters vom 19. Oktober 2020 (AB 167) – auf Ab- weisung der Beschwerde. Mit Replik vom 3. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere medizinische Unterlagen ein (BB 8 f.). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 3 Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 11. Januar 2021 auf eine ausführ- liche Duplik und bestätigt ihren Antrag. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 1. Juli 2020 (AB 154). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 4 2. In formeller Hinsicht ist zunächst zu klären, ob die Beschwerdegegnerin mit dem Einholen einer weiteren Stellungnahme bei der Gutachtensstelle ohne Einbezug des Beschwerdeführers während der Rechtshängigkeit des vor- liegenden Beschwerdeverfahrens den Devolutiveffekt missachtet bzw. den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat (vgl. prozessleitende Verfü- gung vom 3. November 2020, Ziff. 1; Replik S. 1). 2.1Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mit- wirkungsrecht der Verfahrensbeteiligten beim Erlass von Verfügungen dar, die ihre Rechtsstellung betreffen. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äus- sern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Be- weisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu be- einflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungs- recht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 143 V 71 E. 4.1 S. 72; SVR 2019 AHV Nr. 7 S. 20 E. 3.1.1). Im Verwaltungsverfahren hat der Versicherungsträger, der einer Gutachte- rin oder einem Gutachter Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen zu stellen gedenkt, die versicherte Person vorgängig darüber zu informieren und ihr Gelegenheit zu geben, auch ihrerseits solche Fragen zu stellen. Dies gilt auch in Verfahren, die mittels durch Einsprache anfechtbare Verfügung abgeschlossen werden (BGE 136 V 113 E. 5.4 S. 116; SVR 2019 IV Nr. 93 S. 316 E. 5.3.3.2). 2.2Im vorliegenden Fall hat der bereits im Vorbescheidverfahren an- waltlich vertretene Beschwerdeführer (AB 143, 146) mit seiner Beschwerde bzw. unmittelbar danach weitere, nach Erlass der Verfügung erstellte, und teilweise an den Anwalt des Beschwerdeführers adressierte Arztberichte eingereicht (vgl. AB 157/13, 159). Die Beschwerdegegnerin hat diese Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 5 richte in der Folge dem RAD-Arzt Dr. med. C.________ unterbreitet (vgl. AB 160). Dieser nahm am 18. September 2020 Stellung (AB 161) und emp- fahl, den undatierten, dem Rechtsvertreter (offenbar am 3. September 2020) zugestellten Bericht der behandelnden Psychiaterin (AB 159/4-8) dem Gutachter vorzulegen. Der Gutachter wurde in der Folge gebeten mit- zuteilen, ob und gegebenenfalls weshalb sich Änderungen an seiner Beur- teilung ergeben; spezifische Fragen hat die Beschwerdegegnerin dem Gut- achter nicht vorgelegt (AB 164). 2.3Dass die Beschwerdegegnerin, (erst) mit einer Beschwerde einge- reichte Berichte zur fortlaufenden Beurteilung des Falls und zur Erarbeitung der von ihr als Partei im Gerichtsverfahren abzugebenden Stellungnahmen dem RAD unterbreitet, ist nicht zu beanstanden und wird seitens des Be- schwerdeführers zu Recht nicht bestritten. Dies dient nicht zuletzt auch der Klärung der Frage, ob die Verwaltung aufgrund neuer Erkenntnisse ge- stützt auf Art. 53 Abs. 3 ATSG ihre Verfügung in Wiedererwägung ziehen soll (SVR 2019 IV Nr. 93 S. 316 E. 5.3.3.3 in fine). Ob es der Beschwerdegegnerin mit Blick auf die höchstrichterlichen Aus- führungen im Entscheid SVR 2019 IV Nr. 93 S. 315 E. 5.3.1 f. bzw. S. 316 E. 5.3.3.3 zur eigenen Meinungsbildung verboten war, den ihr vom Be- schwerdeführer erstmals im vorliegenden Verfahren entgegen gehaltenen neuen Arztbericht ohne spezifische Fragen nicht einem Facharzt bzw. einer Fachärztin der Psychiatrie des RAD, sondern dem mit der Sache bereits befassten psychiatrischen Gutachter vorzulegen, braucht hier nicht absch- liessend geklärt zu werden. Die vom Beschwerdeführer mit der Beschwer- de bzw. unmittelbar danach eingereichten medizinischen Unterlagen sind nicht geeignet, die von der Beschwerdegegnerin gutachterlich abgeklärte und der angefochtenen Verfügung zugrunde gelegte medizinische Sachla- ge in Frage zu stellen (vgl. E. 4.3 hiernach). 2.4Der Beschwerdeführer hatte im Rahmen der Replik Gelegenheit, sich zum Bericht des RAD (AB 161) wie auch der Stellungnahme des Gut- achters (AB 167) zu äussern, womit auch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geheilt wäre (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.3.2 S. 197, 126 V 130 E. 2b S. 132; SVR 2019 IV Nr. 65 S. 210 E. 4.3). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 6 3. 3.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 3.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz- lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 3.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 7 Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 4. 4.1In medizinischer Hinsicht ist den Akten im Wesentlichen das Fol- gende zu entnehmen: 4.1.1Im Abklärungsbericht der Abklärungsstelle D.________ vom 22. März 2019 (AB 87) über die durchgeführte arbeitsmarktlich- medizinische Abklärung (AMA) vermerkte PD Dr. med. E.________, Fach- arzt für Rheumatologie sowie Physikalische Medizin und Rehabilitation, die nachstehenden Diagnosen (AB 87/18): Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: - Chronisches lumbospondylogenes Syndrom Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: - Status nach depressivem Zustandsbild und Suizidalität bei psychosozialen Belastungsfaktoren - Status nach iatrogener Opiat-Abhängigkeit - Polyglobulie mit Verdacht auf beginnende Polyneuropathie - Aktenanamnestisch TOS (Thoracic-outlet-Syndrom), DD CTS (Karpaltun- nelsyndrom) bds. Die angestammte Tätigkeit als … sei unter Berücksichtigung der erhaltenen Arbeitsanforderungen und dem arbeitsbezogenen Beschwerdebild sowie den fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen, der Fehlstatik und der reduzierten Belastbarkeit sowie aufgrund von Sicherheitsüberlegungen auf Dauer nicht zumutbar. Knapp mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten im Sinne des Wechselns zwischen Gehen und Stehen, gelegentlich auch Sitzen oder Knien, mit Hantieren von Lasten bis 15 kg seien grundsätzlich ganztags zumutbar. Die aktuell festgestellte Leistungsminderung von 25 % entspreche der aktuellen Dekonditionierung und der langen Arbeitsabsenz. Es sei davon auszugehen, dass sie sich mit zunehmender Arbeitsanpas- sung verbessere und ein qualitativ und quantitativ normales Rendement erreicht werde (AB 87/19). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 8 4.1.2Im orthopädisch-psychiatrischen Gutachten der F.________ (ME- DAS) vom 19. Dezember 2019 (AB 139.1-139.4) stellten die Experten in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung die folgenden Diagnosen (AB 139.1/7 Ziff. 4.2): Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: - Chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, anamnestisch linksbetont mit Ausstrahlung in die Beine, derzeit ohne klinisch fassbare Hinweise für eine radikuläre Symptomatik (ICD-10 M54.5) •moderate Osteochondrose LWK2/3 sowie leichte degenerative Verände- rungen der kaudalen Lendenwirbelsäule (ICD-10 M42.16/M47.86) •klinischer Verdacht auf Hypomobilität in den Sakroiliakalgelenken (ICD-10 M99.84) Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: - Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.4) - Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0) In der angestammten Tätigkeit bestehe seit Juli 2017 eine vollständige Ar- beitsunfähigkeit (Arbeitsfähigkeit von 0 %; AB 139.1/8 Ziff. 4.6). In einer angepassten körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren, wech- selbelastenden Tätigkeit ohne dauernde Zwangshaltungen des Rumpfes und ohne repetitive Überkopfbewegungen der Arme (vgl. AB 139.1/7 Ziff. 4.3) bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100 %. In der Vergangenheit könne keine länger dauernde, höhergradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten attestiert werden (AB 139.1/8 Ziff. 4.7.5). 4.1.3Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens führte der RAD-Arzt Dr. med. C.________ (nach eigenen Angaben Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie [D]; im Medizinalberuferegister ohne anerkannten Facharzttitel verzeichnet [vgl. <https://www.medregom.admin.ch/>]) im Be- richt vom 18. September 2020 (AB 161) aus, aufgrund der vorgelegten wei- teren ärztlichen Berichte sei eine Begutachtung in den Fachgebieten der Urologie, der Neurologie und der Hämatologie nicht indiziert. Sie würde keine neuen Anknüpfungstatsachen hinsichtlich der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit im Rahmen der angepassten Tätigkeit bringen. Hinsichtlich der divergierenden Auffassung der ambulanten Psychiaterin werde um eine ergänzende gutachterliche Stellungnahme gebeten.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 9 4.1.4In der Stellungnahme vom 19. Oktober 2020 (AB 167) hielt der Gut- achter der MEDAS, Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (mitunterzeichnet durch Dr. med. H.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin), zum zwischenzeitlich eingegangen Bericht der behandelnden Dr. med. I.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho- therapie, vom 3. September 2020 (Eingang beim Rechtsvertreter, vgl. BB 7) das Folgende fest: Es treffe nicht zu, dass der Beschwerdeführer seit Jahren unter depressiven Symptomen leide, er sei erst seit 2018 in psych- iatrischer Behandlung. Eine Angst- und Panikstörung liege nicht vor und die depressive Störung sei geringgradig ausgeprägt. Es fänden sich keine Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung, eine posttraumatische Belas- tungsstörung oder eine Angststörung, so dass die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt sei. Da kein Trauma eruierbar sei, sei auch keine Traumathe- rapie indiziert. An den Schlussfolgerungen im Gutachten vom 19. Novem- ber 2019 bzw. der in einer körperlich leichten bis intermittierend mittel- schweren wechselbelastenden Tätigkeit vorhandenen Arbeitsfähigkeit von 100 % werde festgehalten. 4.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag- gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei- nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 10 gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 4.3Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfü- gung (AB 154) massgeblich auf das bidisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 19. November 2019 (AB 139.1-139.4). Dieses erfüllt die höchstrichter- lichen Beweisanforderungen (vgl. E. 3.2 hiervor) und erbringt vollen Be- weis. Die Feststellungen der Gutachter beruhen auf eigenen fachärztlichen Untersuchungen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berück- sichtigung der geklagten Beschwerden getroffen worden. Die Ausführun- gen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sind für die streitigen Belange umfassend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand werden nachvollziehbar und einleuchtend begründet, weshalb darauf abgestellt werden kann. Was der Beschwerdeführer dage- gen vorbringt, verfängt nicht. 4.3.1Zunächst ist nicht zu beanstanden, dass, auch wenn vorliegend eine Erstbegutachtung zur Diskussion gestellt ist, die Beschwerdegegnerin eine bi- und nicht eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag gegeben hat (Beschwerde S. 4-5 Ziff. 3). Nach Einschätzung des RAD vom 16. Au- gust 2019 lagen gestützt auf die Akten gesundheitliche Beeinträchtigungen allein auf dem Gebiet der Orthopädie und der Psychiatrie vor bzw. die im Krankheitsverlauf vorhandenen somatischen Erkrankungen wirkten sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus (AB 119/5). Mit der Anordnung einer bi- disziplinären Begutachtung erklärte sich auch der RAD-Arzt Dr. med. J.________, Praktischer Arzt und Facharzt für Nuklearmedizin, einverstan- den (AB 121). Ausserdem erhob der Beschwerdeführer innert Frist keine Einwände gegen Art und Umfang der vorgesehenen Expertise (vgl. AB 125; Bundesamt für Sozialversicherungen [BSV], Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], gültig ab 1. Januar 2010, Rz. 2076.3 f.). Zudem waren die von der Beschwerdegegnerin bzw. vom RAD vorgesehenen Fachdisziplinen für die Gutachtensstelle einsich- tig, sah sie doch offensichtlich keine Veranlassung für eine Expertise in einem weiteren Fachgebiet (vgl. hierzu BGE 139 V 349 E. 3.3 S. 352). Ins- besondere war es nicht so, dass die Beschaffenheit der Gesundheitspro-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 11 blematik nicht vollends gesichert oder weitere interdisziplinäre Bezüge (z.B. internistischer Art) notwendig gewesen wären. Auch bestand nach durch- geführter AMA (AB 87, 104) kein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf (vgl. hierzu BGE 139 V 349 E. 3.2 S. 352). Des Weiteren zeigte der RAD-Arzt Dr. med. C.________ in der Stellungnahme vom 18. September 2020 (AB 161) überzeugend und nachvollziehbar auf, dass und weshalb sich auch unter Berücksichtigung der nach der Begutachtung ins Recht gelegten weiteren ärztlichen Berichte eine hämatologische, urologische und neurologische Begutachtung erübrigt (vgl. Beschwerde S. 5-7 Ziff. 4-6; Replik S. 2). Die zunächst unklar gewe- sene Ätiologie der Polyglobulie (AB 52/3 Ziff. 4, 69.2/58 Ziff. 1) ist nunmehr geklärt (hereditär [AB 157/22, 157/24]). Durch die Hämatologie des Spitals K.________ wurde indes klargestellt, dass bei hereditären Polyglobulien in der Regel keine Therapieindikation vorliegt (AB 157/24) und beim Be- schwerdeführer auch keine Hinweise auf die bekannten arbeitsfähig- keitseinschränkenden Komplikationen bestehen (AB 157/20). Auch ist nicht einzusehen, inwiefern die akontraktile Harnblase bzw. die damit einherge- hende Empfehlung zum Selbstkatheterismus (AB 157/29) einen Einfluss auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit haben sollte, ist der drei bis vier Mal täglich erforderliche Katheterwechsel in der als angepasst er- klärten Tätigkeit doch während den üblichen Toilettenpausen möglich (vgl. Beschwerde S. 6 Ziff. 5). Schliesslich wurde zwar aktenanamnestisch ein Verdacht auf eine Neuropathie des medianen Nerves beidseits erhoben bzw. differentialdiagnostisch ein TOS in Betracht gezogen (AB 52/3 Ziff. 6, 69.2/57 Ziff. 5). Der orthopädische Gutachter erhob indes kursorisch den peripher-neurologischen Status (AB 139.2/6 Ziff. 4.3), wobei sich keine Hinweise auf eine funktionell relevante Pathologie am peripheren Nerven- system zeigten. Insbesondere liess sich eine Läsion eines grösseren peri- pheren Nervs klinisch weitgehend ausschliessen (AB 139.2/8 Ziff. 7.1). Damit wurden in der Exploration keine wesentlichen Aspekte zu Tage ge- fördert, die eine zusätzliche fachneurologische Abklärung hätten als indi- ziert erscheinen lassen (vgl. Beschwerde S. 7 Ziff. 6). 4.3.2Was das psychiatrische Teilgutachten (AB 139.3) anbelangt, be- nannte die behandelnde Dr. med. I.________ im anlässlich des vorliegen- den Verfahrens eingereichten Bericht an den Rechtsvertreter vom 3. Sep-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 12 tember 2020 (Eingang beim Rechtsvertreter, BB 7) keine wesentlichen As- pekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder unberücksichtigt geblieben wären. Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen Fachärztin einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es denn auch nicht zu, das medizinische Administrativgutachten in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, weil die Behandlerin zu anderslautenden Einschätzungen gelangt (vgl. hierzu SVR 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3, 2017 IV Nr. 49 S. 148 E. 5.5). Im Übrigen zog die Behandlerin psychosoziale Belastungsfaktoren in ihre Beurteilung ein (u.a. deutlich be- lastende familiäre Probleme mit Scheidung, unklarer Situation hinsichtlich Alimenten, Besuchsrecht und finanziellen Schwierigkeiten [BB 7/3]), mithin orientierte sie sich am hier nicht massgebenden bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell (vgl. u.a. SVR 2008 IV Nr. 62 S. 204 E. 4.2). Hinzu kommt ihre direkte Betroffenheit als Behandlerin, hat das Gericht doch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels- fällen eher zugunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470; 125 V 351 E. 3b cc S. 353; Entscheid des Bun- desgerichts [BGer] vom 14. Oktober 2020, 8C_515/2020, E. 4.2.3). Der psychiatrische Gutachter setzte sich mit der diskrepanten Einschätzung der behandelnden Psychiaterin nachvollziehbar und überzeugend auseinander (AB 139.3/7, vgl. AB 114/14), so auch in der Stellungnahme vom 19. Okto- ber 2020 (AB 167; vgl. Beschwerde S. 8 Ziff. 8). Dabei legte er nachvoll- ziehbar dar, weshalb insbesondere die von der Behandlerin aufgeführte Diagnose einer schweren depressiven Störung (ICD-10 F33.2), einer Per- sönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) und einer posttraumatischen Belas- tungsstörung (ICD-10 F43.1; vgl. hierzu BB 7) anlässlich der Begutachtung nicht zu stellen war und nicht zu bestätigen ist. Schliesslich ist angesichts des gerichtlichen Überprüfungshorizonts – massgebend ist der Sachver- halt, der im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung gegeben war (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) – auch die stationäre Behandlung ab 4. September 2020 in den psychiatrischen Diensten L.________ (BB 8-9) unbeachtlich.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 13 4.4Nach dem Ausgeführten erweist sich der medizinische Sachverhalt als rechtsgenüglich abgeklärt. Da bei dieser Ausgangslage von weiteren medizinischen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten sind, kann in antizipierter Beweiswürdigung auf die beschwerdeweise be- antragten zusätzlichen Erhebungen verzichtet werden (BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). Es ist erstellt, dass der Beschwerdeführer aufgrund des chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndroms in der angestammten Tätigkeit auf dem … seit Juli 2017 nicht mehr arbeitsfähig ist (AB 139.1/8 Ziff. 4.6). In einer angepassten körperlich leichten bis intermittierend mittel- schweren, wechselbelastenden Tätigkeit ohne dauernde Zwangshaltungen des Rumpfes und ohne repetitive Überkopfbewegungen der Arme besteht demgegenüber seit jeher eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100 % (AB 139.1/7-8 Ziff. 4.3 und 4.7). Mangels einer psychiatrischen Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (AB 139.1/7 Ziff. 4.2, 139.3/6 Ziff. 6) bzw. einer Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit aus psychia- trischer Sicht (AB 139.3/9 Ziff. 8), erübrigt sich die Vornahme einer Indika- torenprüfung im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens (vgl. hierzu BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296; Entscheid des BGer vom 5. September 2019, 8C_270/2019, E. 4.2.2 f.). Auf dieser Grundlage ist nachstehend die Invaliditätsbemessung vorzu- nehmen. 5. 5.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 5.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 14 nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). Im Rahmen des für die Inva- liditätsbemessung durchzuführenden Einkommensvergleichs ist ein Nebe- nerwerbseinkommen beim hypothetischen Einkommen ohne Invalidität (Valideneinkommen) zu berücksichtigen, sofern es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiterhin erzielt worden wäre, wenn die versicherte Person gesund geblieben wäre. Dies gilt ohne Rücksicht auf den hiefür erforderlichen zeitlichen oder leistungsmässigen Aufwand (SVR 2018 UV Nr. 12 S. 40 E. 4.5; RKUV 2003 U 476 S. 108 E. 3.2.1). 5.3Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange- zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3). 5.4Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe- ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222). Unter Berücksichtigung der Anmeldung zum Leis- tungsbezug im September 2017 (AB 3) fällt der frühestmögliche Rentenbe- ginn auf März 2018 (Art. 29 Abs. 1 IVG), in welchem Zeitpunkt das Warte- jahr gemäss Art. 28 Abs.1 lit. b IVG bereits erfüllt war (vgl. AB 139.1/8 Ziff. 4.6). Damit ist der Einkommensvergleich auf das Jahr 2018 hin durch- zuführen. 5.5Die vom Beschwerdeführer zuletzt langjährig (vgl. AB 96/3) innege- habte Anstellung als … bzw. … (AB 96/8) wurde von der ehemaligen Ar-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 15 beitgeberin per Ende Mai 2019 aus gesundheitlichen Gründen beendet (AB 96/6-7). Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die Ermittlung des Valideneinkommens davon ausgegangen ist, der Beschwerdeführer wäre ohne gesundheitliche Einschränkungen weiterhin bei der M.________ angestellt (AB 154/1). Ausgehend vom zuletzt seit 2017 erzielten Einkommen von Fr. 71'500.-- (AB 18/3, 96/4) resultiert inde- xiert auf das Jahr 2018 ein Betrag von Fr. 71'855.-- (Fr. 71'500.-- / 100.7 x 101.2 [BFS, T1.1.15 Nominallohnindex, Männer, 2016-2019, Ziff. 41-43 / Baugewerbe/Bau, Zahlen 2017 und 2018]). Unter Mitberücksichtigung des gemäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) im Jahr 2016 zuletzt erzielten zusätzlichen Einkommens als … von Fr. 9'595.-- (AB 15/2; vgl. hierzu Beschwerde S. 8-9 Ziff. 9; Beschwerdeantwort S. 5 Ziff. 8), in- dexiert per 2018 ausmachend Fr. 9'652.50 (Fr. 9'595.-- / 100.1 x 100.7 [BFS, T1.1.15 Nominallohnindex, Männer, 2016-2019, Ziff. 77 - 82 / sonsti- ge wirtschaftliche Tätigkeiten, Zahlen 2016 und 2018]), ergibt sich ein massgebliches Valideneinkommen von Fr. 81'507.50 (Fr. 71'855.-- + Fr. 9'652.50). Der Beschwerdeführer verwertet die ihm verbliebene Arbeits- und Leis- tungsfähigkeit nicht, weshalb das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2018, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer, Total, von Fr. 5‘417.-- zu berechnen ist. Aufgerechnet auf ein Jahr und angepasst an die betriebsüb- liche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (BFS, Betriebsübliche Ar- beitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, 2018) ergibt dies einen Betrag von Fr. 67'766.65 (Fr. 5‘417.-- x 12 / 40 x 41.7). Selbst unter Berücksichti- gung des – bei einer vollständigen Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit fraglichen – von der Beschwerdegegnerin gewährten Tabellenlohnabzugs von 10 % (vgl. zur Kürzung von Tabellenlöhnen BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20, 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3), änderte dies bei einem Invalideneinkommen von Fr. 60'990.-- (Fr. 67'766.65 x 0.9) am Ergebnis nichts (vgl. E. 5.6 hiernach). 5.6Bei Gegenüberstellung der beiden Vergleichseinkommen (E. 5.5 hiervor) resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 13'740.85 (Fr. 81'507.50 ./. Fr. 67'766.65 [ohne Tabellenlohnabzug]) bzw. Fr. 20'517.50 (Fr. 81'507.50 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 16 ./. Fr. 60'990.-- [Tabellenlohnabzug von 10 %]), was so oder anders einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von gerundet 17 % bzw. 25 % ergibt (vgl. zur Rundung BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123; SVR 2019 IV Nr. 61 S. 198 E. 7.1). Damit ist die angefochtene Verfügung vom 1. Juli 2020 (AB 154) im Ergebnis nicht zu beanstanden und die dagegen erhobe- ne Beschwerde abzuweisen. 6. 6.1Gemäss aArt. 69 Abs. 1 bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitig- keiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kosten- pflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe entnommen. 6.2Gemäss dem auch im kantonalen Verfahren geltenden allgemeinen Verfahrensgrundsatz, wonach unnötige Kosten zu bezahlen hat, wer sie verursacht (Verursacherprinzip), kann es sich rechtfertigen, die verantwort- liche Partei zur Leistung einer Parteientschädigung an die (in der Sache unterliegende) Gegenpartei zu verpflichten, wenn deren rechtliches Gehör in schwerwiegender Weise verletzt wurde und diese Verletzung zu nen- nenswerten Kosten führte, die ohne die Gehörsverletzung nicht angefallen wären (SVR 2019 IV Nr. 93 S. 316 E. 5.4.3). Vorliegend sah sich die Beschwerdegegnerin durch den im hängigen Be- schwerdeverfahren neu aufgelegten Bericht von Dr. med. I.________ vom 3. September 2020 (Eingang beim Rechtsvertreter, BB 7) unter anderem veranlasst, Rückfragen an den psychiatrischen Gutachter zu stellen. Es ist indessen überwiegend wahrscheinlich erstellt, dass sich der Beschwerde- führer auch dann zur Beschwerde veranlasst gesehen hätte, wenn die ent-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 17 sprechenden Abklärungen der Beschwerdegegnerin bereits im Verwal- tungsverfahren erfolgt wären, stellt er sich doch nach wie vor auf den Standpunkt, dass der psychiatrische Gutachter eine ungenügende Ausein- andersetzung mit der Einschätzung der Behandlerin vorgenommen habe (Replik S. 1). Ausserdem hätten die weiteren, aus anderen medizinischen Fachgebieten stammenden und erst mit der Beschwerde eingereichten Berichte und Stellungnahmen (vgl. AB 157/13) zumutbarerweise bereits im Vorbescheidverfahren eingeholt und bei der Verwaltung eingereicht werden können. Schliesslich wäre der Aufwand für das Einreichen der Replik auch ohne die entsprechende Rückfrage beim Gutachter (AB 164, 167) entstan- den. Denn der Beschwerdeführer hätte sich so oder anders zu der im hän- gigen Verfahren (in nicht zu beanstandender Weise) eingeholten Stellung- nahme des RAD (AB 161) äussern können, was nicht zur Überbindung der entsprechenden Kosten an die Beschwerdegegnerin Anlass gibt. Bei dieser Ausgangslage besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. März 2021, IV/20/637, Seite 18 4. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.