Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Dezember 2014 (720 14 216 / 300) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Neuanmeldung zum Bezug von Leistungen der IV: Der Versicherte hat die massgebliche Verschlechterung seines Gesundheitszustandes im Verwaltungsverfahren glaubhaft zu machen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Die ter Freiburghaus, Kantons- richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.2508.5562.03) A.1 Der 1954 geborene A.____ meldete sich am 31. Ja nuar 2011 unter Hinweis auf einen im August 2010 erlittenen Herzinfarkt mit anschliessen der Bypass-Operation bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem die zuständige IV-Stelle B.____ die gesundheitlichen und erwerblichen Verhäl tnisse des Versicherten abgeklärt hatte, ermittelte sie für die Zeit von der Anmeldung bis zum 5. Oktober 2011 einen Invaliditätsgrad von 38%, für die Zeit vom 6. Oktober 2011 bis 31. Januar 2012 einen solchen von 100% und für die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zeit ab 1. Februar 2012 einen Invaliditätsgrad von 25 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach die IV-Stelle B.____ dem Versicherten mit Verfügung vo m 28. Juni 2012 für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis zum 30. April 2012 eine befristete ganze IV-Rente zu. Mit Wirkung ab dem 1. Mai 2012 wurde das Leistungsbegehren des Versicherten abgewiesen. Diese Verfügung er- wuchs in Rechtskraft. A.2 Nach seinem Umzug nach C.____ ersuchte A.____ die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Stelle) mit Schreiben vom 10. November 2011 um eine Neueinstufung seines IV-Grades. Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 3. Dezember 2012 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft. A.3 Am 18. März 2014 meldete sich A.____ unter Hinweis auf eine schwere Depression mit achtwöchigem stationären Aufenthalt vom 15. Oktober 201 3 bis 17. Dezember 2013, einer schweren Schlafapnoe und vier Bypässe erneut zum Leistungsbez ug an. Mit Schreiben vom 24. März 2014 wies die IV-Stelle den Versicherten darau f hin, dass eine Revision respektive eine erneute Prüfung der abgelehnten Leistung bloss mö glich sei, wenn er glaubhaft darlege, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem ursprüngl ichen Entscheid in einer für den An- spruch erheblichen Weise verändert hätten. Die IV-Stelle forderte den Versicherten deshalb auf, durch die Einreichung weiterer Unterlagen bis zum 29. April 2014 darzulegen, dass sich sein Gesundheitszustand in relevanter Weise verändert habe. S ie wies darauf hin, dass bei unbe- nutztem Fristenablauf oder ungenügender Glaubhaftmachung der veränderten Verhältnisse auf das Leistungsbegehren nicht eingetreten werde. Seiten s des Versicherten wurden innert der gesetzten und anschliessend verlängerten Frist keine we iteren Unterlagen eingereicht. Mit Ver- fügung vom 24. Juni 2014 trat die IV-Stelle auf das L eistungsbegehren nicht ein. Zur Begrün- dung führte sie aus, der Versicherte habe nicht glaubhaf t dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der Verfügung vom 3. Dezember 2012 wesentlich verändert hätten. B. Hiergegen erhob A.____ mit Schreiben vom 1. Juli 2014 Einsprache (recte: Beschwer- de) bei der IV-Stelle, welche die Eingabe zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), weiterleitete. Darin beantragte der Beschwerdefüh- rer sinngemäss, die Verfügung vom 24. Juni 2014 sei aufz uheben und es sei auf sein Leis- tungsbegehren einzutreten. Zur Begründung wird unter Hinweis auf einen beiliegenden Arztbe- richt im Wesentlichen angeführt, dass sich sein Gesundheit szustand seit Dezember 2012 mas- siv verschlechtert habe. Die behandelnden Ärzte und Klinike n seien in der Neuanmeldung er- wähnt worden. Weitere Arztberichte würden nachgereicht. C. Mit Eingabe vom 11. August 2014 reichte der Beschwer deführer weitere medizinische Unterlagen sowie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspfl ege ein. Mit Verfügung vom 12. August 2014 wurde dem Beschwerdeführer die unentg eltliche Prozessführung bewilligt und es wurde von der Erhebung eines Kostenvorschusses abgesehen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 8. September 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Die vom Beschwerdeführer betr effend die geltend gemachte de- pressive Episode eingereichten Arztberichte würden lediglich eine vorübergehende Verschlech- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht terung des Gesundheitszustandes belegen. Eine entspreche nde Therapie fände nicht statt und es lägen keine weiteren Arztberichte vor, die sich über e ine weitergehende Arbeitsunfähigkeit aussprechen würden. Bezüglich der ebenfalls geltend gem achten Luftröhrenverengung (Trachealstenose) durch die vergrösserte Schilddrüse (St ruma nodosa) sei festzuhalten, dass eine Operation möglich und vorgesehen sei. Die Operat ion verlaufe in der Regel ohne Kompli- kationen und bedinge keine anhaltende Verschlechterung d es Gesundheitszustandes. Eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der mit dem Apnoe-Syndro m zusammenhängenden Tagesmüdig- keit werde nicht attestiert und könne wegen mangelnder Therapie-Compliance auch nicht gel- tend gemacht werden. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 1. Juli 2014 ist somit einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdegegnerin auf die Neu- anmeldung des Beschwerdeführers zum Leistungsbezug vom 18. M ärz 2014 zu Recht nicht eingetreten ist. 3.1 Wurde ein Rentenanspruch einer versicherten Person wegen eines zu geringen Invali- ditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 erfüllt sind. Danach ist von d er versicherten Person im Ge- such glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invaliditä t in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wi rd auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht damit einer neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit be urteilte Sachverhalt sich in der Zwi- schenzeit nicht verändert hat. Erheblich ist eine Sachve rhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend ge- machten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil de s Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruch sprüfung immer wieder mit gleich- lautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1 mit weiteren Hinweisen). Die Verwaltung ver fügt bei der Beurteilung der Eintretensvo- raussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderunge n stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdings herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversich erungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigs- tens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus n och mit der Möglichkeit zu rech- nen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die beha uptete Änderung nicht erstellen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darz ulegen. Wie das Bundesgericht im Entscheid 130 V 64 ff. bekräftigt hat, spielt der Unt ersuchungsgrundsatz, wonach die Verwal- tung von Amtes wegen für die richtige und vollständig e Abklärung des rechtserheblichen Sach- verhaltes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen), insoweit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Be weismittel, insbesondere Arztberich- te, hingewiesen, die noch beigebracht würden oder vo n der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person nach der Rechtsprechung eine angemessene Frist zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenen- falls auf Nichteintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 68 f. E. 5.2.5 mit Hinweisen). Wenn die der Neuanmeldung beiliegenden ärztlichen Berichte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse alle nfalls rechtfertigen würde, ist es der Ver- waltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzu stellen oder bei der versicherten Person Belege nachzufordern, eine Verpflichtung der IV -Stelle zur Nachforderung weiterer An- gaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht indessen nu r, wenn den – für sich allein genom- men nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arztberichten konkrete Hinweise entnommen wer- den können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erh ebungen erstellbare rechtserhebli- che Änderung vorliegt. Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichtes, allein noch ke in materielles Eintreten auf die Neu- anmeldung (Urteil B. des Bundesgerichts vom 28. Mai 200 9, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hin- weis). 3.4 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Prüfung der verän derten Verhältnisse bildet die letzte materielle Beurteilung des Rentenanspruchs mit rechtskonfo rmer Sachverhaltsabklärung, Be- weiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleic hs. Zwischenzeitlich ergangene Nichteintretensverfügungen sind dagegen unbeachtlich (vg l. BGE 130 V 77 f. E. 3.2.3). Vorlie- gend wurde mit Verfügung vom 28. Juni 2012 ein Rente nanspruch des Beschwerdeführers für die Zeit ab 1. Mai 2012 verneint. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht tatsächlichen Verhältnissen erfolgt ist, die ein Eintret en auf die Neuanmeldung rechtfertigen würde, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zei tpunkt der Rentenverfügung vom 28. Juni 2012 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpu nkt der vorliegend angefochtenen Nicht- eintretensverfügung vom 24. Juni 2014. 4.1 Wie eingangs geschildert, hatte sich der Beschwerdefü hrer am 31. Januar 2011 bei der IV zum Leistungsbezug angemeldet. Nach Vornahme der erfo rderlichen Abklärungen sprach die damals zuständige IV-Stelle B.____ mit Verfügung vo m 28. Juni 2012 dem Beschwerdefüh- rer für die Zeit vom 1. Januar 2012 bis 30. April 201 2 eine ganze Rente zu. Für die Zeit ab 1. Mai 2012 wurde ein Invaliditätsgrad von 25% ermit telt und ein Rentenanspruch abgelehnt. Die IV-Stelle B.____ stützte sich bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf diver- se Berichte der behandelnden Ärzte. Die festgestellte Verbesserung des Gesundheitszustandes ab 1. Februar 2012 basiert augenscheinlich auf dem Beri cht des behandelnden Arztes Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2 0. Februar 2012. Darin hatte die- ser als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigke it unter anderem eine mittelgradige depressive Episode festgehalten. Bis 31. Januar 2012 sei der Patient deshalb zu 100% arbeits- unfähig. Seit dem 1. Februar 2012 betrage die Arbeitsunfähigkeit noch 40%. 4.2 In seiner Neuanmeldung vom 18. März 2014 gab der B eschwerdeführer an, vom Mai 2011 (recte wohl: 2012) bis Juni 2013 zu 25% invalid gewesen zu sein. Seit Juli 2013 sei er zu 100% krank. Vom 15. Oktober 2013 bis 17. Dezember 2013 sei er in der Klinik F.____ in statio- närer Behandlung gewesen, vom 9. Januar 2014 bis 14. März 2014 sei er ferner ambulant in der Tagesklinik F.____ behandelt worden. Der Beschwerdeführer gab die Namen und Adressen der ihn behandelnden Ärzte an und reichte zwei Arztzeugnisse von Dr. med. E.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, ein, wonach er vom 9. Janua r 2014 bis 27. Januar 2014 sowie für vier weitere Wochen ab dem 28. Januar 2014 respektive vom 6. Januar 2014 bis zum 31. März 2014 zu 100% arbeitsunfähig sei. Auf Aufforderung de r Beschwerdegegnerin reichte der Be- schwerdeführer jedoch keine weiteren medizinischen Unterlagen ein. 4.3 Erst mit der vorliegenden Beschwerde machte der Be schwerdeführer diverse Berichte der behandelnden Ärzte und Kliniken erhältlich: 4.3.1 Im Austrittsbericht der Klinik F.____ vom 7. Apri l 2014 werden als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra dige Episode (ICD-10 F33.1) und als Nebendiagnosen ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0), schizoide Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1), Belastungen in Verbindung mit der beruflichen Situation (Stellenverlust, ICD-10 Z56), Probleme in Verbindung mit der ökonomischen Sit uation (ICD-10 Z59), sozialer Rückzug (ICD-10 Z60.8) sowie in somatischer Hinsicht eine chro nisch-ischämische Herzkrankheit bei Status nach vierfachem Bypass im Jahr 2010, eine essentielle Hypertonie, eine Adipositas Grad I und ein schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom festgestel lt. Der Patient sei vom 9. Januar 2014 bis 14. März 2014 tagesstationär behand elt worden; bis zum 31. März 2014 liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.2 Aus dem eingereichten MRI-Bericht des Spitals G._ ___ vom 24. Juli 2014 geht hervor, dass beim Beschwerdeführer eine grosse Struma multinodo sa (vergrösserte Schilddrüse) mit deutlicher Einengung der Trachea (Luftröhre) auf Höhe der oberen Thoraxapertur vorliege. 4.3.3 Im Konsultationsbericht „aCPAP-Nachkontrolle“ d er kardiologischen Abteilung des La- bors H.____ vom 28. Juli 2014 werden folgende Diagnosen gestellt: eine hochgradige Stenosie- rung der Trachea durch eine grosse retrosternale Struma mit multiplen Hypodensitäten und Kalzifikationen; ein schweres obstruktives Schlafapnoe- / Hypopnoe-Syndrom bei ungenügen- der Therapiecompliance; ein kleiner, eher benigner Run dherd im anterioren rechten Oberlap- pen; eine Depression unter medikamentöser Therapie als Sozialbezüger; eine koronare Dreige- fässerkrankung bei Status nach vierfachem AC-Bypass (2010) und Sternotomie sowie bei knapp erhaltener linksventrikulärer systolischer Funktion (2013); eine Adipositas; eine Steatosis der Leber (CT 2014); eine arterielle Hypertonie; ein e Hiatushernie sowie anamnestisch eine Appendektomie und eine Nasenbeinfraktur. Der Patient b eklage ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Nykturie, spontanes Einschlafen am Tag, Konzentrationsstöru ngen, verminderte Leistungsfä- higkeit, Einschlafstörungen, öfters nächtliches Aufwachen ohne wieder einschlafen zu können, Hustenanfälle, Angstträume, nächtliches Schwitzen und Schnarchen. Er fühle sich morgens nie ausgeruht. Im Jahr 2012 sei ein schweres obstruktives Schlaf apnoe-Syndrom diagnostiziert worden und eine aCPAP-Heimtherapie eingeleitet word en. Der Patient habe sich an die Thera- pie nicht optimal gewöhnen können, anamnestisch werde die Maske bloss gelegentlich getra- gen. Von Seiten der koronaren Herzkrankheit sei der Pati ent asymptomatisch, er habe keine pektanginösen Beschwerden. Bei Anstrengung und forcierter Atmung bestehe zwischendurch ein Stridor, welcher eindeutig auf eine funktionell bedeutsame Trachealstenose hinweise. Die Indikation für eine Strumektomie sei gegeben, es bleib e abzuwarten, was postoperativ vom Schlafapnoe-Syndrom übrig bleibe. 5.1 Wie bereits unter Erwägung 3.3 hiervor ausgeführt , ist es in erster Linie Sache der ver- sicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine all fällige neue Prüfung des Leistungsan- spruchs darzulegen. Eine Verpflichtung der IV-Stellen zu r Nachforderung weiterer Angaben besteht demnach nur, wenn den von der versicherten Perso n eingereichten Unterlagen konkre- te Hinweise entnommen werden können, wonach eine massg ebliche Sachverhaltsveränderung stattgefunden hat. Dies ist vorliegend zu verneinen. Erwiesenermassen hat der Beschwerdefüh- rer im Rahmen der Neuanmeldung mit den Arztzeugnissen von Dr. E.____ bloss eine weniger als drei Monate dauernde Arbeitsunfähigkeit dokumentie rt. Weder mit der Anmeldung noch auf Aufforderung der Beschwerdegegnerin vom 24. März 2014 wurden weitere Arztberichte oder sonstige medizinischen Unterlagen eingereicht. Mit seinen unbelegten Angaben im Anmelde- formular zum stationären Aufenthalt in der Klinik F._ ___ und zu seiner seit Sommer 2013 dau- ernden Arbeitsunfähigkeit bot er auch keine genügend en Anhaltspunkte für eine Verschlechte- rung seines Gesundheitszustandes. Eine Pflicht der Besch werdegegnerin zur weiteren Abklä- rung ist folglich zu verneinen. Der Beschwerdeführer hat nach dem Ausgeführten im Neuan- meldungsverfahren nicht glaubhaft machen können, dass sich sein Gesundheitszustand in er- heblicher und dauerhafter Weise verschlechtert hat. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Daran vermögen grundsätzlich auch die nachträglich im Rahmen des Beschwerdever- fahrens und somit verspätet eingereichten Unterlagen nichts zu ändern. Der Austrittsbericht der Klinik F.____ vom 7. April 2014 erwähnt im Rahmen de r Angaben des Patienten zwar die stati- onäre Behandlung des Beschwerdeführers und eine vom be handelnden Psychiater seit August 2013 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die entsprechenden Berichte wurden vom Be- schwerdeführer indessen nicht eingereicht. Konkrete Anga ben zur Arbeitsunfähigkeit fehlen ausserdem im Austrittsbericht weitestgehend. Eine solche wird lediglich bis 31. März 2014 aus- gewiesen, wobei unklar ist, ob diese erst ab Beginn de r tagesstationären Behandlung am 9. Januar 2014 oder bereits früher eingetreten ist. D er Beginn der Arbeitsunfähigkeit wird auch aus den eingereichten Arztzeugnissen von Dr. E.____ nich t klar, wird dieser doch unterschied- lich auf den 6. oder 9. Januar 2014 festgelegt. Jeden falls kann aus den im Verwaltungsverfah- ren eingereichten Arztzeugnissen und dem im Beschwerdeverf ahren eingereichten Austrittsbe- richt vom 7. April 2014 nicht per se auf eine längerda uernde, rentenrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustands geschlossen werden (vgl. Art. 87 A bs. 3 und Art. 88a Abs. 2 IVV). Die ebenfalls im Beschwerdeverfahren eingereichten Ber ichte der MRI-Untersuchung vom 24. Juli 2014 und des Labors H.____ vom 28. Juli 2014 sind ihrerseits erst nach Erlass der an- gefochtenen Verfügung vom 24. Juni 2014 ergangen und demnach im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen (vgl. E. 3.4 hiervor). Im Übrigen werden in diesen Berichten keinerlei Angaben zu einer Arbeitsunfähigkeit gemacht, die für eine rentenrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes sprechen könnte. 5.3 Nach dem Ausgeführten ist festzustellen, dass der Beschw erdeführer eine anspruchs- relevante Sachverhaltsänderung nicht glaubhaft hat mach en können. Dennoch kann nicht voll- ständig verneint werden, dass aus den vom Beschwerdeführe r im Beschwerdeverfahren einge- reichten medizinischen Unterlagen gewisse Anhaltspunkte fü r eine mögliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ersichtlich werden. Es steht dem Be schwerdeführer frei, diese im Rahmen einer weiteren Anmeldung bei der IV-Stelle m ittels den entsprechenden Unterlagen glaubhaft zu machen. Im vorliegend zu beurteilenden Ve rwaltungsverfahren genügten die An- gaben des Beschwerdeführers indessen nicht, um von einer m öglichen (dauerhaften) Ver- schlechterung des Gesundheitszustands auszugehen. Der Nicht eintretensentscheid der Be- schwerdegegnerin ist damit zu Recht erfolgt und die Beschwerde ist abzuweisen. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der Reg el in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 600 .– festgesetzt werden, ihm zu auf- erlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist jedoch mit Ver fügung vom 12. August 2014 die unent- geltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem G rund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind entsprechend dem A usgang des Verfahrens wett- zuschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht