<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2022.00461</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <a href="#ctx1">Zum ersten gefundenen Wort &gt;</a><br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=223457&amp;W10_KEY=13045524&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2022.00461</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 24.08.2023</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Anwaltsrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Verletzung von Berufsregeln/Ordnungsbusse</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Verletzung von Berufsregeln/Ordnungsbusse: Berufsgeheimnisverletzung; Melderecht nach Art. 314c ZGB. Nachdem die Zustellung der prozessleitenden Verfügungen der Aufsichtskommission an die Beschwerdeführerin auf postalischem Weg nicht möglich war, kam ausnahmsweise eine Eröffnung durch Publikation zum Zug, was als rechtsgenügende Eröffnung des Entscheids gilt. Spätestens nachdem die Beschwerdeführerin Kenntnis des Verfahrens hatte, hatte sie für die unaufgeforderte Mitteilung von Änderungen ihrer Adressangaben sowie ihre postalische Erreichbarkeit besorgt zu sein. Darin, dass die Aufsichtskommission in der Folge einen Entscheid fällte, obwohl die Beschwerdeführerin keine Stellungnahme eingereicht hatte, liegt keine Gehörsverletzung (E. 3). Die Beschwerdeführerin ist nicht mehr im Anwaltsregister eingetragen. Die von ihr beantragte Löschung erfolgte nach den ihr vorgeworfenen Berufsregelverletzungen. Objektive Verhältnisse, aufgrund derer eine Wiedereintragung â zumindest auf absehbare Zeit - ausgeschlossen ist, liegen keine vor. Die Beschwerdeführerin unterstand deshalb nach wie vor der Aufsicht der Aufsichtskommission (E. 5). Indem die Beschwerdeführerin dem Bezirksrat ein an ihre Mandantin gerichtetes Schreiben betreffend Mandatsniederlegung weiterleitete, in welchem sie neben der Mandatsniederlegung über weitere Vorkommnisse wie die Wertung und Beurteilung des Klientenverhältnisses aus Anwaltssicht informierte, wozu kein Anlass bestand, verletzte sie das Berufsgeheimnis (E. 6.3). Eine weitere Berufsgeheimnisverletzung wurde der Beschwerdeführerin vorgeworfen, indem sie gegenüber der KESB eine Gefährdungsmeldung bezüglich des Kindes ihrer ehemaligen Klientin machte, ohne sich vorgängig vom Berufsgeheimnis entbunden lassen zu haben. Die Beschwerdeführerin rechtfertigte ihr Vorgehen mit dem damaligen Bestehen einer beträchtlichen Gefährdung des Kindswohls, aufgrund dessen sie gemäss Art. 314c ZGB ein Melderecht gehabt habe (6.4.1-3). Mit der ZGB-Revision vom 15. Dezember 2017 wurden die Vorschriften für Meldungen an die KESB neu geregelt. Ziel der Gesetzesänderung war u.a. die Verbesserung des Schutzes von Kindern, wobei das Melderecht von Personen mit Berufsgeheimnis erleichtert wurde; eine Entbindung vom Berufsgeheimnis ist nicht mehr nötig (E. 6.4.5). In allgemeiner Weise gelten die Prinzipien der Subsidiarität und Verhältnismässigkeit auch unter dem Blickwinkel von Art. 314c Abs. 2 ZGB. Aus dem Gesetzeswortlaut lässt sich ableiten, dass von der dem Berufsgeheimnis unterstehenden Person, bevor sie an die KESB gelangt, eine Interessenabwägung vorzunehmen ist. Die Beschwerdeführerin brachte mehrere Anhaltspunkte vor, welche aus ihrer Sicht dem Kindswohl entgegenstanden. Es ergibt sich aus den Akten genügend, dass sie sich der gesetzlich geforderten Interessenabwägung unterzogen hatte und die Gefährdungsmeldung im Interesse des Kindswohls erstattete. Diese veranlasste die KESB schliesslich zu einem superprovisorischen Entscheid, welchen sie in der Folge zumindest teilweise bestätigte (E. 6.4.6). Die Meldung der Beschwerdeführerin an die KESB stellte somit zwar eine Berufsgeheimnisverletzung dar, war jedoch unter den gegebenen Umständen aufgrund des gesetzlichen Melderechts von Art. 314c ZGB gerechtfertigt (E. 6.4.7). Der Beschwerdeführerin ist bezüglich der Berufsgeheimnisverletzung gegenüber dem Bezirksrat, zu welcher sie - anders als gegenüber der KESB - nicht befugt war (E. 6.5), ein mindestens eventualvorsätzliches Verhalten vorzuwerfen. Angesichts der Bandbreite der möglichen Sanktionen, dem Verfahrensausgang sowie unter Berücksichtigung, dass die Beschwerdeführerin bis anhin keine Disziplinierungen erfuhr, erscheint die ausgesprochene Busse als rechtsverletzend hoch und ist sie auf einen angemessenen Betrag zu reduzieren (E. 7.4). Es lag im Ermessen der Aufsichtskommission, die Beschwerdeführerin, welche die im Verfahren vorgesehene Stellungnahme säumig blieb, mittels Ordnungsbusse zu sanktionieren (E. 8.2). Gesetzliche Grundlagen der von der Aufsichtskommission auferlegten Ordnungsbusse (E. 8.3). Teilweise Gutheissung. Im Übrigen Abweisung, soweit Eintreten. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANWALTSGEHEIMNIS">ANWALTSGEHEIMNIS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANWALTSGESETZ">ANWALTSGESETZ</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUFSICHTSKOMMISSION">AUFSICHTSKOMMISSION</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BERUFSGEHEIMNIS">BERUFSGEHEIMNIS</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DISZIPLINARSTRAFE">DISZIPLINARSTRAFE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DISZIPLINARVERFAHREN">DISZIPLINARVERFAHREN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ENTBINDUNG VOM BERUFSGEHEIMNIS">ENTBINDUNG VOM BERUFSGEHEIMNIS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KLIENT">KLIENT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ORDNUNGSBUSSE">ORDNUNGSBUSSE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PUBLIKATION">PUBLIKATION</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PUBLIKATION IM AMTSBLATT">PUBLIKATION IM AMTSBLATT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RECHTFERTIGUNGSGRÃNDE">RECHTFERTIGUNGSGRÃNDE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STELLUNGNAHME">STELLUNGNAHME</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: Besonderes Verwaltungsrecht (ohne...) ST: ÃBRIGES BESONDERES VERWALTUNGSRECHT">ÃBRIGES BESONDERES VERWALTUNGSRECHT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZGB-REVISION">ZGB-REVISION</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ZUSTELLUNG INS AUSLAND">ZUSTELLUNG INS AUSLAND</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">§ 38 AnwG</span><br/><span class="gerade">§ 48 lit. e AnwG</span><br/><span class="ungerade">§ 48 Abs. I lit. e AnwG</span><br/><span class="gerade">Art. 13 Abs. I BGFA</span><br/><span class="ungerade">Art. 13 Abs. II BGFA</span><br/><span class="gerade">Art. 17 Abs. I BGFA</span><br/><span class="ungerade">Art. 34 BGFA</span><br/><span class="gerade">§ 6b Abs. I VRG</span><br/><span class="ungerade">Art. 314c ZGB</span><br/><span class="gerade">Art. 314c Abs. II ZGB</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="591"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>3. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=63330" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2022.00461</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 3. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">24. August 2023</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident AndrÃ© Moser<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, Verwaltungsrichter Franz Kessler Coendet, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Cyrielle SÃ¶llner Tropeano.</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>RA A, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrerin, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Aufsichtskommission Ã¼ber die AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegnerin,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend Verletzung von Berufsregeln / Ordnungsbusse,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b><span>A. </span></b>RechtsanwÃ¤ltin A war bis zu der von ihr beantragten LÃ¶schung aus dem kantonalen Anwaltsregister am 19. Mai 2021 eingetragene AnwÃ¤ltin und als solche im Kanton ZÃ¼rich unter ihrer GeschÃ¤ftsadresse in B tÃ¤tig.</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b><span>Mit Eingabe vom 4. Februar 2021 reichte der Bezirksrat B (Verzeiger) bei der Aufsichtskommission Ã¼ber die AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte im Kanton ZÃ¼rich (fortan: Aufsichtskommission) gegen A eine Verzeigung (mit Beilagen) ein wegen Verletzung von Berufspflichten und beantragte aufsichtsrechtliche Massnahmen. Der Bezirksrat B machte zusammengefasst geltend, A habe in einem Verfahren eine Honorarnote eingereicht, obwohl sie nie zur unentgeltlichen Rechtsvertreterin bestellt worden sei. Die Honorarnote sei zudem vÃ¶llig Ã¼berzogen gewesen. Des Weiteren habe A eine Kopie eines Schreibens an ihre damalige Klientin eingereicht, mit welchem Erstere die Niederlegung des Mandats mitgeteilt habe, was hinsichtlich der Wahrung des Berufsgeheimnisses als problematisch erachtet werde. Den Beilagen der Verzeigung war zu entnehmen, dass sich A auch gegenÃ¼ber der Kindes- und ErwachsenenschutzbehÃ¶rde (fortan: KESB) B bezÃ¼glich des Verhaltens ihrer (ehemaligen) Klientin geÃ¤ussert und von einer GefÃ¤hrdung des Wohls des Kindes Letzterer gesprochen habe. Im Ãbrigen sei gemÃ¤ss AbklÃ¤rungen der KESB der involvierte Besuchsbegleiter von der Kanzlei von A dazu verleitet worden, schriftliche Berichte zu beschÃ¶nigen.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b>C. </b><span>Mit Beschluss vom 1. Juli 2021 erÃ¶ffnete die Aufsichtskommission ein Disziplinarverfahren gegen A wegen Verletzung von </span>Berufsregeln<span> (</span>Berufsgeheimnis<span> gemÃ¤ss Art. </span>13<span> des Bundesgesetzes Ã¼ber die FreizÃ¼gigkeit der AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte vom 23. Juni 2000 [BGFA; SR 935.61]) und setzte A Frist, um zu den gegen sie erhobenen VorwÃ¼rfen Stellung zu nehmen, unter der Androhung, dass sie im SÃ¤umnisfall mit einer Ordnungsbusse (bis Fr. 1'000.-) belegt und aufgrund der Akten entschieden wÃ¼rde. Betreffend die VorwÃ¼rfe der (verspÃ¤teten) Einreichung eines Gesuchs um Einsetzung als unentgeltliche RechtsbeistÃ¤ndin, der HonorarhÃ¶he sowie der Beeinflussung des Besuchsrechtsbeistands wurde das Verfahren nicht an Hand genommen.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><b>D. </b><span>Da der genannte Beschluss vom 1. Juli 2021 A nicht zugestellt werden konnte und mit dem Vermerk "Keine Nachsendung ins Ausland mÃ¶glich" zur Aufsichtskommission zurÃ¼ckkam, tÃ¤tigte diese AbklÃ¤rungen Ã¼ber ein mÃ¶gliches Zustelldomizil. GemÃ¤ss telefonischer Absprache, anlÃ¤sslich welcher A eine Adresse in der Schweiz bekanntgab (C-Strasse 01, D), fÃ¼r welche eine Postumleitung in das Land H hinterlegt sei, wurde ihr der Beschluss vom 1. Juli 2021 mit normaler Post und einem beigelegten Empfangsschein am 12. August 2021 zugestellt. Nachdem dieser Empfangsschein nicht zurÃ¼ckgekommen war, verfÃ¼gte die Aufsichtskommission mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 26. Oktober 2021, A den Beschluss vom 1. Juli 2021 gegen RÃ¼ckschein an die von der Einwohnerkontrolle mitgeteilte Adresse im Land H zuzustellen. A wurde mit dieser PrÃ¤sidialverfÃ¼gung zudem aufgefordert, innert 30 Tagen ein Zustelldomizil oder einen Vertreter in der Schweiz anzugeben, ansonsten Zustellungen durch amtliche VerÃ¶ffentlichungen ersetzt wÃ¼rden und auch weitere Entscheide in diesem Verfahren im ZÃ¼rcher Amtsblatt publiziert wÃ¼rden. Die VerfÃ¼gung vom 26. Oktober 2021 wurde am 4. November 2021 versandt, kam jedoch am 29. November 2021 zurÃ¼ck mit dem Vermerk der auslÃ¤ndischen Post, dass der EmpfÃ¤nger unter der angegebenen Anschrift nicht zu ermitteln sei. Am 17. Dezember 2021 erfolgte schliesslich im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) die Publikation, dass die Aufsichtskommission in Sachen A betreffend Verletzung von Berufsregeln am 1. Juli 2021 einen Entscheid gefÃ¤llt sowie am 26. Oktober 2021 eine PrÃ¤sidialverfÃ¼gung erlassen habe. GemÃ¤ss der Aufsichtskommission habe A die Entscheide nie bezogen und es sei auch keine Stellungnahme erfolgt. Mit VerfÃ¼gung vom 3. Februar 2022 bezeichnete die Aufsichtskommission die Referentin in der vorliegenden Angelegenheit; diese VerfÃ¼gung wurde wiederum im SHAB publiziert.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b><span> </span></p> <p class="Sachverhalt1"><span>Mit Beschluss vom 7. Juli 2022 auferlegte die Aufsichtskommission A wegen Verletzung der Berufsregel von Art. 13 BGFA (Berufsgeheimnis) eine Busse von Fr. 2'000.- (Dispositivziffer 1). Zudem wurde A mit einer Ordnungsbusse von Fr. 500.- bestraft (Dispositivziffer 2). Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.- wurden A auferlegt und es wurden keine EntschÃ¤digungen zugesprochen (Dispositivziffern 3â5). Als Mitteilungsform wurde die amtliche Publikation vorgesehen (Dispositivziffer 6). Nachdem A eine Rechnung aus einem anderen Verfahren an eine Adresse in der Schweiz zugestellt werden konnte (vgl. Aktennotiz der Aufsichtskommission vom 11. Juli 2022), wurde ihr der Beschluss vom 7. Juli 2022 mit Gerichtsurkunde am 5. August 2022 an ebendieser Adresse (E-Strasse 02, D) erfolgreich zugestellt.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Urteilstext">Gegen den Beschluss der Aufsichtskommission vom 7. Juli 2022 erhob A mit Eingabe vom 5. August 2022 (Poststempel vom 9. August 2022, eingegangen am 10. August 2022) Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte unter EntschÃ¤digungsfolge die Aufhebung der Dispositivziffern 1â4 des angefochtenen Beschlusses. Sodann sei festzustellen, dass sie nicht gegen die Berufsregel von Art. 13 BGFA verstossen habe. Die verhÃ¤ngte Ordnungsbusse von Fr. 500.- sei mangels Grundlage aufzuheben. </p> <p class="Urteilstext">Die Aufsichtskommission verzichtete am 16. August 2022 auf eine Beschwerdeantwort und reichte ihre Verfahrensakten ein. Diese Eingabe wurde A zur Kenntnisnahme zugestellt. Es ging keine weitere Stellungnahme ein. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b><span>GemÃ¤ss § 38 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 17. November 2003 (Anwaltsgesetz, AnwG; LS 215.1) kann gegen die in Anwendung des BGFA ergangenen Anordnungen der </span>Aufsichtskommission<span> nach Massgabe </span>von<span> §§ 41 ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG; LS 175.2) Beschwerde an das Verwaltungsgericht erhoben werden. Die Beschwerde ist von der Kammer zu behandeln (§ 38b Abs. 1 e contrario und § 38 Abs. 1 VRG; vgl. Martin Bertschi in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 38b N. 11).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>ZusÃ¤tzlich stellt die BeschwerdefÃ¼hrerin den ausdrÃ¼cklichen Antrag, es sei festzustellen, dass sie nicht gegen die Berufsregel von Art. 13 BGFA verstossen habe. Feststellungsbegehren setzen ein spezifisches schutzwÃ¼rdiges Interesse voraus. Kein schutzwÃ¼rdiges Feststellungsinteresse besteht jedoch, wenn die Gesuchstellerin das mit dem Feststellungsbegehren bezweckte Ziel auch mit einem Leistungs- oder Gestaltungsbegehren erreichen kÃ¶nnte (VGr, 30. MÃ¤rz 2023, VB.2022.00741, E. 1.2; VGr, 2. Juni 2022, VB.2022.00626, E. 1.2). Der Entscheid Ã¼ber den Hauptantrag bedingt die Auseinandersetzung mit der Frage, ob die BeschwerdefÃ¼hrerin Berufsregeln verletzt habe. Auf das Feststellungsbegehren ist daher mangels eines schutzwÃ¼rdigen Feststellungsinteresses nicht einzutreten.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>GemÃ¤ss Art. 13 BGFA unterstehen AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte zeitlich unbegrenzt und gegenÃ¼ber jedermann dem Berufsgeheimnis Ã¼ber alles, was ihnen infolge ihres Berufes von ihrer Klientschaft anvertraut worden ist. Die Entbindung verpflichtet sie nicht zur Preisgabe von Anvertrautem (Abs. 1). Sie sorgen fÃ¼r die Wahrung des Berufsgeheimnisses durch ihre Hilfspersonen (Abs. 2). Die Verletzung des anwaltlichen Berufsgeheimnisses ist auch disziplinarrechtlich sanktionsbewehrt (BGE 142 II 307 E. 4.1).</p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.2 </span></b><span>Die AnwÃ¤lte, die Parteien vor GerichtsbehÃ¶rden vertreten, unterstehen gemÃ¤ss Art. 14 </span>BGFA <span>der Aufsicht einer durch den Kanton bezeichneten BehÃ¶rde. Im Kanton ZÃ¼rich beaufsichtigt die Aufsichtskommission die AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte, und zwar unabhÃ¤ngig davon, ob sie forensisch oder nur beratend tÃ¤tig sind (§ </span>13<span> und § 21 Abs. 1 AnwG). Ihr obliegt auch die DurchfÃ¼hrung von Disziplinarverfahren (§ 21 Abs. lit. c AnwG). Ergibt sich, dass eine AnwÃ¤ltin oder ein Anwalt gegen das </span>BGFA<span> verstossen hat, kann die AufsichtsbehÃ¶rde eine Disziplinarmassnahme gemÃ¤ss Art. 17 Abs. 1 </span>BGFA<span> anordnen. In Betracht kommen dabei eine Verwarnung (lit. a), ein Verweis (lit. b), eine Busse bis Fr. 20'000.- (lit. c), ein befristetes BerufsausÃ¼bungsverbot (lit. d) und schliesslich ein dauerndes BerufsausÃ¼bungsverbot (lit. e).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>2.3 </b><span>Bei der Anfechtung von Entscheiden der AufsichtsbehÃ¶rde handelt es sich um ein einstufiges Verfahren ohne eine </span>gerichtliche<span> </span>Vorinstanz<span>. Da das Verwaltungsgericht damit als erste </span>gerichtliche <span>Instanz entscheidet, kÃ¶nnen neue Tatsachen â im Rahmen des Streitgegenstands â uneingeschrÃ¤nkt geltend gemacht werden (§ 52 Abs. 1 in Verbindung mit § 20a Abs. 2 VRG; Marco Donatsch, Kommentar VRG, § 52 N. 16).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht eine Verletzung des rechtlichen GehÃ¶rs geltend, da der angefochtene Beschluss ergangen bzw. die Sanktion gegen sie verhÃ¤ngt worden sei, ohne dass die Beschwerdegegnerin sie vorher angehÃ¶rt habe. Deshalb ist zunÃ¤chst zu prÃ¼fen, ob die Zustellung der verfahrensleitenden Entscheide der Beschwerdegegnerin vom 1. Juli 2021 respektive vom 26. Oktober 2021, mit welchen der BeschwerdefÃ¼hrerin die MÃ¶glichkeit zur Stellungnahme gewÃ¤hrt wurde, das rechtliche GehÃ¶r der BeschwerdefÃ¼hrerin verletzte. </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Das Vorliegen eines verfahrens- bzw. prozessrechtlichen VerhÃ¤ltnisses bewirkt fÃ¼r die Verfahrensbeteiligten eine Empfangspflicht bzw. eine Verpflichtung zur Entgegennahme; sie mÃ¼ssen wÃ¤hrend des hÃ¤ngigen Verfahrens mit der Zustellung behÃ¶rdlicher Akte rechnen. Wer sich in einem verfahrensrechtlichen VerhÃ¤ltnis befindet, hat die Pflicht, sich so zu verhalten, dass Verfahrensakten zugestellt werden kÃ¶nnen, d.h. die Post regelmÃ¤ssig zu kontrollieren, den BehÃ¶rden allfÃ¤llige lÃ¤ngere Ortsabwesenheiten mitzuteilen, AdressÃ¤nderungen von sich aus zu kommunizieren sowie allenfalls einen Stellvertreter zu ernennen oder der Post einen Nachsendeauftrag zu erteilen. Die Empfangspflicht beginnt mit der RechtshÃ¤ngigkeit des Verfahrens. Solange die (erstinstanzliche) BehÃ¶rde den Adressaten nicht darÃ¼ber informiert, dass sie ein Verfahren eingeleitet hat, muss dieser mit der Zustellung behÃ¶rdlicher Sendungen nicht rechnen (Kaspar PlÃ¼ss, Kommentar VRG, § 10 N. 86). Kommt eine Person ihrer Melde- bzw. Erreichbarkeitspflicht nicht nach, so gelten die Regeln der Zustellfiktion (vgl. statt vieler VGr, 10. November 2021, VB.2021.00724, E. 2.2). Ãndert sie beispielweise wÃ¤hrend des Verfahrens ihre Adresse, ohne dies der BehÃ¶rde zu melden, so gilt die (versuchte) Zustellung der Post an die zuletzt bekannte Adresse als erfolgt. Dies gilt auch dann, wenn die Post die betreffende Sendung als "unzustellbar" oder "nicht abgeholt" retourniert (PlÃ¼ss, § 10 N. 87).</p> <p class="Urteilstext">§ 6b Abs. 1 VRG verpflichtet die Verfahrensbeteiligten mit Wohnsitz oder Sitz im Ausland, ein Zustellungsdomizil oder einen Vertreter in der Schweiz anzugeben.</p> <p class="Urteilstext">Sobald eine Partei mit Wohnsitz im Ausland eine Schweizer Zustelladresse angibt, kann die BehÃ¶rde Anordnungen rechtswirksam an die angegebene Adresse zustellen (PlÃ¼ss, § 6b N. 19). Als Zustelldomizil ist eine Adresse anzugeben, an der behÃ¶rdliche und/oder gerichtliche Akte effektiv zugestellt werden kÃ¶nnen (PlÃ¼ss, § 6b N. 15). Misslingen sÃ¤mtliche individuellen Zustellversuche (telefonisch, brieflich, diplomatisch), so kommt eine ErÃ¶ffnung durch amtliche Publikation gemÃ¤ss § 10 Abs. 4 lit. a VRG infrage (PlÃ¼ss, § 6b N. 13).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin stellt sich auf den Standpunkt, die Behauptung, sie habe keine zustellfÃ¤hige Adresse angegeben und sei nicht erreichbar gewesen, entspreche nicht der Wahrheit: Sie habe am 5. August 2021 von der Beschwerdegegnerin per E-Mail kontaktiert werden kÃ¶nnen. Gleichentags kurz nach Erhalt der E-Mail habe ein telefonischer Kontakt stattgefunden. Sie habe um Zustellung mittels normaler Post an ihre frÃ¼here Adresse in D gebeten. Sie habe ihre damalige Wohnadresse im Land H nicht angegeben, wozu sie nicht verpflichtet gewesen sei.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.4 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>3.4.1 </b>Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin nach der postalischen Retournierung des Beschlusses vom 1. Juli 2021, welcher der BeschwerdefÃ¼hrerin an ihrer â offenbar im LÃ¶schungsgesuch aus dem Anwaltsregister angegebenen â Adresse in F nicht zugestellt werden konnte (mit dem Vermerk, dass keine Nachsendung ins Ausland mÃ¶glich sei; unter Angabe einer Adresse in G, Land H), AbklÃ¤rungen Ã¼ber eine mÃ¶gliche Zustelladresse der BeschwerdefÃ¼hrerin tÃ¤tigte. Eine Nachfrage bei der Einwohnerkontrolle F ergab, dass sich die BeschwerdefÃ¼hrerin per 30. April 2021 ins Ausland, namentlich nach I im Land H, abgemeldet habe. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.4.2 </b>Die Beschwerdegegnerin konnte die BeschwerdefÃ¼hrerin per E-Mail kontaktieren und um RÃ¼ckruf bitten. SpÃ¤testens nach dieser E-Mail der Beschwerdegegnerin vom 5. August 2021 und dem darauffolgenden Telefonat hatte die BeschwerdefÃ¼hrerin zweifelsohne Kenntnis vom sie betreffenden Verfahren â selbst wenn ihr nichts Weiteres darÃ¼ber mitgeteilt wurde â und davon, dass die Beschwerdegegnerin versuchte, ihr im Rahmen dieses Verfahrens eine Sendung zuzustellen. Ab diesem Zeitpunkt hÃ¤tte erwartet werden kÃ¶nnen, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin fÃ¼r eine funktionierende Zustelladresse (respektive einen ZustellempfÃ¤nger) in der Schweiz sorgen wÃ¼rde. FÃ¼r die von ihr telefonisch angegebene alte Adresse in D hatte sie offenbar eine Postumleitung in das Land H hinterlegt. Dass diese funktioniert, lag ebenfalls in ihrem Verantwortungsbereich. Es ist als Entgegenkommen seitens der Beschwerdegegnerin zu sehen, wenn diese die Zustellart den WÃ¼nschen der BeschwerdefÃ¼hrerin anpasste: Der Beschluss vom 1. Juli 2021 wurde ihr, wie unbestrittenermassen telefonisch vereinbart, mit Empfangsschein an die von der BeschwerdefÃ¼hrerin mitgeteilte Adresse geschickt.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.4.3 </b>Die Zustellung von Anordnungen mittels uneingeschriebener Post oder gegen einen vom Adressaten zurÃ¼ckzusendenden Empfangsschein erweist sich als beweisrechtlich ungeeignet (PlÃ¼ss, § 10 N. 84). Mit der Zustellung des Beschlusses vom 1. Juli 2021 gegen Empfangsschein konnte die Beschwerdegegnerin somit zwar keinen direkten Zustellbeweis erbringen, aber in diesem Einzelfall lagen UmstÃ¤nde vor, welche darauf schliessen liessen, dass die Sendung die EmpfÃ¤ngerin offenbar <i>nicht</i> erreicht hatte (vgl. PlÃ¼ss, § 10 N. 82, 84). Das VersÃ¤umnis der BeschwerdefÃ¼hrerin, den Empfangsschein zu retournieren, ist zu ihren Ungunsten zu wÃ¼rdigen. Zumal der Empfangsschein auch nach Ã¼ber zwei Monaten nicht zurÃ¼ckkam, kann der Beschwerdegegnerin nicht vorgeworfen werden, dass diese annahm, die Zustellung an diese Adresse sei ebenfalls erfolglos gewesen.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.4.4 </b>Nachdem der BeschwerdefÃ¼hrerin die PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 26. Oktober 2021, mit welcher sie zur Bezeichnung eines Zustelldomizils aufgefordert wurde, auch an der von ihr bei der Einwohnerkontrolle hinterlegten Adresse im Land H, an welche sie sich abgemeldet haben soll, â ungeachtet staatsvertraglicher Vorschriften betreffend ZustellmodalitÃ¤ten im Land H â nicht zugestellt werden konnte (EmpfÃ¤nger unter der angegebenen Anschrift nicht zu ermitteln), blieb der Beschwerdegegnerin schlussendlich nur noch der fÃ¼r diesen Fall angekÃ¼ndigte Weg der amtlichen Publikation: Da der Normalfall der ErÃ¶ffnung der VerfÃ¼gungen auf postalischem Weg nicht mÃ¶glich war, kam ausnahmsweise eine ErÃ¶ffnung durch Publikation zum Zug (vgl. PlÃ¼ss, § 10 N. 7). Am 16. Dezember 2021 publizierte die Beschwerdegegnerin im SHAB, dass ein Entscheid gefÃ¤llt und am 26. Oktober 2021 eine PrÃ¤sidialverfÃ¼gung erlassen worden sei. Die Publikation gilt nach dem Gesagten als rechtsgenÃ¼gende ErÃ¶ffnung des Entscheids.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.5 </b>Dass die BeschwerdefÃ¼hrerin von der Gerichtsschreiberin der Beschwerdegegnerin anlÃ¤sslich eines weiteren, eine andere Angelegenheit betreffenden Telefonats am 27. Juni 2022 offenbar nicht darauf angesprochen worden sei, dass im vorliegend strittigen Verfahren ihre Stellungnahme ausgeblieben sei, ist nicht, wie von ihr gerÃ¼gt, als eine "klare Verweigerung des rechtlichen GehÃ¶rs" zu beurteilen. Vielmehr lag es nach dem oben Gesagten im Verantwortungsbereich der BeschwerdefÃ¼hrerin, die spÃ¤testens nach dem Telefonat vom 5. August 2021 Kenntnis vom Verfahren hatte (und nach der Publikation vom 16. Dezember 2021 haben musste), der Beschwerdegegnerin unaufgefordert Ãnderungen in der Zustelladresse sowie ihre aktuellen Adressangaben mitzuteilen und fÃ¼r den Empfang von behÃ¶rdlichen Zustellungen als auch ihre (postalische) Erreichbarkeit besorgt zu sein.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.6 </b>Darin, dass die Beschwerdegegnerin in der Folge, obwohl die BeschwerdefÃ¼hrerin keine Stellungnahme eingereicht hatte, einen Entscheid fÃ¤llte, liegt nach den dargelegten UmstÃ¤nden keine GehÃ¶rsverletzung.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b><span>4.1 </span></b><span>Die Aufsichtskommission auferlegte der BeschwerdefÃ¼hrerin wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses eine Busse von Fr. 2'000.-. Sie erwog, die BeschwerdefÃ¼hrerin sei seit dem 19. Mai 2021 nicht mehr im kantonalen Anwaltsregister eingetragen. Sie habe sich erst nach den beanstandeten Handlungen im Dezember 2020 aus dem Anwaltsregister lÃ¶schen lassen. FÃ¼r eine dauerhafte Aufgabe der AnwaltstÃ¤tigkeit lÃ¤gen keine Anhaltspunkte vor, weshalb sie fÃ¼r die ihr vorgeworfenen Handlungen der Aufsicht der Aufsichtskommission unterstehe. Indem sie ein Schreiben an ihre Klientin vom 16. Dezember 2020 betreffend Mandatsniederlegung, dessen Inhalt dem Schutz des Berufsgeheimnisses unterlÃ¤ge, an den Bezirksrat B weitergeleitet habe, habe sie die Berufsgeheimnispflicht verletzt. Dasselbe gelte fÃ¼r ihre gegenÃ¼ber der KESB B gemachten, den Interessen der ehemaligen Klientin zuwiderlaufenden Ãusserungen. Das Melderecht gemÃ¤ss Art. 314c Abs. 2 des Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) bedeute nicht, dass der Anwalt sich nach seinem GutdÃ¼nken Ã¼ber das Berufsgeheimnis hinwegsetzen kÃ¶nne. Vorliegend hÃ¤tten schon Anhaltspunkte zu einer akuten GefÃ¤hrdung des Kindswohls gefehlt und es sei nicht ersichtlich, dass eine unmittelbare Gefahr nicht hÃ¤tte anders als durch eine entbindungslose Offenlegung abgewendet werden kÃ¶nnen. Es lÃ¤gen keine RechtfertigungsgrÃ¼nde vor.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin bringt hierzu vor, </span>dass mit Wegfall ihrer AnwaltstÃ¤tigkeit auch die Aufsichtskompetenz der Aufsichtskommission geendet habe und ein Interesse an der Sanktionierung entfallen sei. Die Anwaltskanzlei A GmbH befinde sich in Liquidation. Es gebe somit keinerlei Anhaltspunkte, dass sie wieder als AnwÃ¤ltin tÃ¤tig sein mÃ¶chte. Weiter macht sie geltend, <span>es bestÃ¼nde zwar bei Personen, die dem Berufsgeheimnis unterstÃ¼nden, keine Meldepflicht, doch gemÃ¤ss Art. 314c Abs. 2 ZGB bestehe ein Melderecht, wenn die kÃ¶rperliche, psychische oder sexuelle IntegritÃ¤t eines Kindes gefÃ¤hrdet erscheine. Es habe sehr wohl eine betrÃ¤chtliche GefÃ¤hrdung des Kindswohls bestanden, welche ein Hinwegsetzen Ã¼ber das Berufsgeheimnis gerechtfertigt habe. Es sei in keiner Weise ersichtlich, dass eine unmittelbare Gefahr hÃ¤tte anders abgewendet werden kÃ¶nnen. Kurz vor Weihnachten habe zeitliche Dringlichkeit bestanden. Es sei auch zwingend erforderlich gewesen, dass neben der KESB auch dem Bezirksrat alle Informationen zugekommen seien, damit dieser nicht in Unkenntnis eine falsche Entscheidung getroffen hÃ¤tte. Die Aufsichtskommission habe den zugrundeliegenden Sachverhalt ungenÃ¼gend gewÃ¼rdigt.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin ist unbestrittenermassen seit dem 19. Mai 2021 nicht mehr im kantonalen Anwaltsregister eingetragen.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b><span>Die im </span>BGFA<span> vorgesehene Aufsicht ist primÃ¤r eine nachtrÃ¤gliche, die Ã¼berhaupt erst greift, wenn Verletzungen der Berufspflichten bereits erfolgt sind. Dies gilt namentlich fÃ¼r die in Art. 17 </span>BGFA<span> vorgesehenen Disziplinarmassnahmen, welche ihrer Natur gemÃ¤ss rÃ¼ckblickend angewendet werden. Soll die Disziplinaraufsicht so lange wirksam sein, als TÃ¤tigkeiten im Monopolbereich ausgeÃ¼bt werden bzw. als die damit verbundenen Berufspflichten weiterdauern, muss die Aufsichtskommission die wÃ¤hrend der TÃ¤tigkeit im Monopolbereich begangenen Verletzungen auch dann noch disziplinarisch ahnden kÃ¶nnen, wenn die betreffende Person diese TÃ¤tigkeit in der Folge aufgegeben hat. Andernfalls kÃ¶nnten die gesetzlich vorgesehenen Disziplinarmassnahmen auf Pflichtverletzungen gegen Ende der BerufstÃ¤tigkeit nicht mehr greifen (ausfÃ¼hrlich zur Auslegung vgl. VGr, </span>5. November 2015, VB.2015.00320, <span>E. 5.4).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b><span>Die LÃ¶schung im Anwaltsregister ist auf Antrag der BeschwerdefÃ¼hrerin erfolgt. Zeitlich erfolgte die LÃ¶schung zudem nach den ihr vorgeworfenen Berufsregelverletzungen. </span>Hinzu kommt, dass es zurzeit soweit aktenkundig keine objektiven Hindernisse gibt, welche eine Wiederaufnahme der AnwaltstÃ¤tigkeit in der Schweiz und die Wiedereintragung ins Anwaltsregister definitiv ausschlÃ¶ssen. Weder sind Strafurteile bekannt, noch wurde ihr das Anwaltspatent entzogen. Die ErklÃ¤rung der BeschwerdefÃ¼hrerin, die AnwaltstÃ¤tigkeit in der Schweiz auch nach ihrer RÃ¼ckkehr aus dem Ausland nicht wieder aufgenommen zu haben, genÃ¼gt nicht. Ebenso wenig zieht die Liquidation der GmbH der Anwaltskanzlei zwingend die definitive Aufgabe der AnwaltstÃ¤tigkeit nach sich.<span> </span>Schliesslich kann auch der per 1. Mai 2021 erfolgte Wegzug der BeschwerdefÃ¼hrerin ins Ausland nicht ausschlaggebend sein, zog sie doch bereits im MÃ¤rz 2022 wieder in die Schweiz zurÃ¼ck. <span>Es liegen somit keine objektiven VerhÃ¤ltnisse vor, aufgrund derer eine Wiedereintragung â zumindest auf absehbare Zeit â ausgeschlossen ist.</span> Die BeschwerdefÃ¼hrerin unterstand deshalb fÃ¼r die ihr vorgeworfenen Handlungen nach wie vor der Aufsicht der Beschwerdegegnerin.</p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b><span>Anlass zur Disziplinierung der BeschwerdefÃ¼hrerin gaben deren Verhaltensweisen in einem Verfahren vor der KESB B betreffend Kindesschutzmassnahmen (elterliches Aufenthaltsbestimmungsrecht) sowie im diesbezÃ¼glichen Beschwerdeverfahren beim Bezirksrat B, in welchen die BeschwerdefÃ¼hrerin die Kindsmutter vertrat.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>6.2 </b>RechtsanwÃ¤ltinnen und RechtsanwÃ¤lte unterstehen zeitlich unbegrenzt und gegenÃ¼ber jeder Person dem Berufsgeheimnis. Die Geheimhaltungspflicht erstreckt sich nicht nur auf vom Klienten anvertraute Informationen, sondern auf alles, was der Anwalt aufgrund seines Mandats wahrnimmt und erfÃ¤hrt (vgl. <span>Hans Nater/Gaudenz G. </span>Zindel<span> in: Walter </span>Fellmann<span>/Gaudenz G. </span>Zindel<span> [Hrsg.], Kommentar zum </span>Anwaltsgesetz<span>, ZÃ¼rich etc. 2011, Art. 13 N. </span>97 und Fn. 172, N. 103; BGE 97 I 831 E. 4). Ferner gilt das Berufsgeheimnis gegenÃ¼ber jedermann, also auch gegenÃ¼ber Personen, die ihrerseits einem Berufs- oder Amtsgeheimnis unterliegen (Schiller, Schweizerisches Anwaltsrecht, ZÃ¼rich 2009, N. 503).</p> <p class="Erwgung2"><b>6.3 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>6.3.1 </b><span>Der erste Vorwurf der Berufsgeheimnisverletzung betrifft die von der BeschwerdefÃ¼hrerin beim Bezirksrat B am 17. Dezember 2020 eingereichte Kopie eines Schreibens an ihre (ehemalige) Klientin betreffend Mandatsniederlegung</span>.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.3.2 </b>Das Bestehen des MandatsverhÃ¤ltnisses war dem Bezirksrat aufgrund des Rechtsmittelverfahrens betreffend Kindesschutzmassnahmen bereits bekannt: Die KESB zeigte ihm die Vertretung der Kindsmutter durch die BeschwerdefÃ¼hrerin mit Schreiben vom 10. Dezember 2019 an. Insofern wÃ¤re die Mitteilung der Mandatsniederlegung unproblematisch gewesen. Eine rein informative Benachrichtigung hÃ¤tte ihren Zweck erfÃ¼llt. Die BeschwerdefÃ¼hrerin brachte dem Bezirksrat mit ihrer Eingabe aber weitere Details aus dem MandatsverhÃ¤ltnis zur Kenntnis: namentlich, dass durch die Beratungsresistenz und der Behinderung ihrer Arbeit das VertrauensverhÃ¤ltnis zu ihrer Klientin massiv beeintrÃ¤chtigt worden sei; die laufenden Kosten zudem das Budget der Klientin bei Weitem Ã¼berschritten und schliesslich aufgrund des uneinsichtigen Verhaltens der Klientin mit keinem positiven Ergebnis in ihrem Rechtsfall zu rechnen sei und obwohl sie so gut als mÃ¶glich versucht habe, zu helfen, sie auf taube Ohren gestossen sei.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.3.3 </b>Da die Geheimhaltungspflicht aufgrund des Schutzzwecks des Berufsgeheimnisses weit reicht (vgl. oben E. 6.2), fallen auch diese Wahrnehmungen, Beurteilungen und Informationen der BeschwerdefÃ¼hrerin bezÃ¼glich des VerhÃ¤ltnisses zwischen ihr als AnwÃ¤ltin und ihrer Klientin darunter. Es liegen weder RechtfertigungsgrÃ¼nde fÃ¼r deren Offenlegung vor noch macht die BeschwerdefÃ¼hrerin solche geltend. Es bestand kein Anlass, dem Bezirksrat im Rahmen der Mandatsniederlegung Ã¼ber weitere Vorkommnisse wie die Wertung und Beurteilung des KlientenverhÃ¤ltnisses aus Anwaltssicht zu informieren. In diesem Punkt ist die vorinstanzliche WÃ¼rdigung, die BeschwerdefÃ¼hrerin habe Art. 13 BGFA verletzt, nicht zu beanstanden.</p> <p class="Erwgung2"><b>6.4 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.1 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrerin wird eine weitere Berufsgeheimnisverletzung vorgeworfen, indem sie gegenÃ¼ber der KESB B eine GefÃ¤hrdungsmeldung bezÃ¼glich des Kindes ihrer ehemaligen Klientin machte, ohne sich vorgÃ¤ngig vom Berufsgeheimnis entbunden lassen zu haben.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.2 </b>Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend erwog, handelte es sich bei der Mitteilung der KindswohlgefÃ¤hrdung, der vermuteten Handlungsweisen der Klientin und der geltend gemachten potenziellen EntfÃ¼hrungsgefahr des Kinds um Wahrnehmungen, welche sie nur aufgrund des Mandats- und VertrauensverhÃ¤ltnisses zwischen der BeschwerdefÃ¼hrerin und ihrer Klientin machen konnte und welche somit dem Berufsgeheimnis unterlagen.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.3 </b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin rechtfertigt ihr Vorgehen mit dem damaligen Bestehen einer betrÃ¤chtlichen GefÃ¤hrdung des Kindswohls aufgrund dessen sie gemÃ¤ss Art. 314c Abs. 2 ZGB ein Melderecht gehabt habe. </span>Dem superprovisorischen Entscheid der KESB B vom 22. Dezember 2020 ist zu entnehmen, dass die ehemalige Rechtsvertreterin der Kindsmutter (die BeschwerdefÃ¼hrerin) am 17. Dezember 2020 die KESB kontaktiert habe. Sie habe von einer GefÃ¤hrdung des Wohls des betreffenden Kindes, deren Mutter sie vertreten habe, berichtet und daraufhin am 21. Dezember 2020 eine ausfÃ¼hrliche schriftliche Mitteilung eingereicht, worin sie berichtet habe, ihr Mandat niedergelegt zu haben. Da ihre ehemalige Klientin keine Fortschritte gemacht habe, sei das Kindswohl gefÃ¤hrdet. Weiter habe sie ausgefÃ¼hrt, dass die Kindsmutter verschiedene Akteure des UnterstÃ¼tzungssystems dazu gebracht habe, der KESB einen positiven Eindruck Ã¼ber ihr Verhalten gegenÃ¼ber dem Kind zu vermitteln. Ausserdem vermute die BeschwerdefÃ¼hrerin eine EntfÃ¼hrungsgefahr ins Ausland, da die Kindsmutter enge Kontakte mit einem Piloten unterhalte, der das Kind ins Ausland bringen kÃ¶nnte. Die KESB erwog, eine erhÃ¶hte EntfÃ¼hrungsgefahr erscheine zumindest nicht unplausibel, und entschied daraufhin superprovisorisch, dass unbegleitete Kontakte zwischen der Kindsmutter und dem Kind fÃ¼r die Dauer der weiteren AbklÃ¤rungen gestrichen wÃ¼rden.</p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.4 </b><span>Aufgrund der zeitlichen Gegebenheiten vor den Weihnachtsfeiertagen stellte sich die Frage der Dringlichkeit der Meldung: Es ist aufgrund der Vorbringen der BeschwerdefÃ¼hrerin, wonach die Umwandlung der Besuchs- in eine Familienbegleitung unmittelbar nach den Feiertagen hÃ¤tte in Kraft treten sollen, nachvollziehbar, dass ihrerseits die BefÃ¼rchtung bestand, die GefÃ¤hrdungsmeldung kÃ¶nnte die KESB nicht mehr rechtzeitig vor deren Entscheid und vor den feiertagsbedingten Abwesenheiten erreichen.</span></p> <p class="Erwgung3"><span>Der Donnerstag, 17. Dezember 2020 war ein gewÃ¶hnlicher Arbeitstag, weshalb davon auszugehen ist, dass in der Kanzlei der Beschwerdegegnerin zumindest jemand telefonisch erreichbar gewesen wÃ¤re. Auch wenn die BeschwerdefÃ¼hrerin von BÃ¼ro-/BehÃ¶rdenschliessungen (insbesondere der KESB) Ã¼ber die Feiertage ausging, wÃ¤re ein Ersuchen um Entbindung vom Berufsgeheimnis am Donnerstag in der Woche vor den Weihnachtsfeiertagen grundsÃ¤tzlich noch zumutbar und zeitlich mÃ¶glich gewesen. Der BeschwerdefÃ¼hrerin kÃ¶nnte somit vorgeworfen werden, dass sie die Beschwerdegegnerin nicht zumindest informierte bzw. bei dieser am 16. Dezember 2020 darum ersuchte, sie sei bezÃ¼glich der Offenlegung dieser Informationen zur GefÃ¤hrdungsmeldung dringend und vorlÃ¤ufig vom Berufsgeheimnis zu entbinden. Dass die BeschwerdefÃ¼hrerin dies indes nicht tat, scheint auf ihrer Annahme zu fussen, die entbindungslose Offenlegung habe aufgrund des gesetzlich statuierten Melderechts gemÃ¤ss Art. 314c Abs. 2 ZGB erfolgen dÃ¼rfen.</span></p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.5 </b><span>Mit der Ãnderung des Zivilgesetzbuchs vom 15. Dezember 2017 (Kindesschutz) wurden per 1. Januar 2019 die Vorschriften fÃ¼r Meldungen an die KESB neu geregelt (AS 2018 2947). Nach Art. 314c ZBG kann j</span>ede Person der KindesschutzbehÃ¶rde Meldung erstatten, wenn die kÃ¶rperliche, psychische oder sexuelle IntegritÃ¤t eines Kindes gefÃ¤hrdet erscheint (Abs. 1). Liegt eine Meldung im Interesse des Kindes, so sind auch Personen meldeberechtigt, die dem Berufsgeheimnis nach dem Strafgesetzbuch unterstehen. Diese Bestimmung gilt nicht fÃ¼r die nach dem Strafgesetzbuch an das Berufsgeheimnis gebundenen Hilfspersonen (Abs. 2).</p> <p class="Erwgung3"><span>Ziel der GesetzesÃ¤nderung war u.a. die Verbesserung des Schutzes von Kindern, wobei das Melderecht von Personen mit Berufsgeheimnis erleichtert wurde. Eine Entbindung vom Berufsgeheimnis ist nicht mehr nÃ¶tig. Das Melderecht besteht immer dann, wenn die TrÃ¤gerin oder der TrÃ¤ger des Berufsgeheimnisses Ã¼ber Informationen verfÃ¼gt, welche das Wohl eines Kindes als gefÃ¤hrdet erscheinen lassen, und die Meldung im Interesse des Kindes liegt (vgl. Botschaft zur Ãnderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Kindesschutz], BBl 2015 3431, S. 3455). Die Ausweitung des Melderechts fÃ¼r BerufsgeheimnistrÃ¤ger/innen war eine wichtige Neuerung, weil die Entbindung vom Berufsgeheimnis oft (zu) lange dauerte (vgl. Merkblatt der KOKES, Konferenz fÃ¼r Kindes- und Erwachsenenschutz, vom MÃ¤rz 2019, S. 9, https://www.kokes.ch/de/dokumentation/empfehlungen/melderechte-und-meldepflichten, besucht am 13. Juli 2023).</span></p> <p class="Erwgung3"><span>Die Bestimmung richtet sich spezifisch an Personen, welche dem Berufsgeheimnis nach Art. 321 StGB unterstehen, namentlich auch die dazumal als eingetragene RechtsanwÃ¤ltin tÃ¤tige BeschwerdefÃ¼hrerin.</span></p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.6 </b><span>Wie die Beschwerdegegnerin zwar diesbezÃ¼glich zutreffend festhielt, kann das Melderecht gemÃ¤ss Art. 314c ZGB nicht bedeuten, dass "der Anwalt einfach einen Freipass hat, sich nach seinem GutdÃ¼nken Ã¼ber das Berufsgeheimnis hinwegzusetzen". Wie von der Beschwerdegegnerin ebenfalls dargelegt, gelten zwar in allgemeiner Weise die Prinzipien der SubsidiaritÃ¤t und VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit auch unter dem Blickwinkel von Art. 314c Abs. 2 ZGB. Aus dem Gesetzeswortlaut, dass die Meldung im Interesse des Kindes zu liegen habe (Art. 314c Abs. 2 ZGB), lÃ¤sst sich mithin ableiten, dass von der dem Berufsgeheimnis unterstehenden Person, bevor sie an die KESB gelangt, eine InteressenabwÃ¤gung vorzunehmen ist. In der neueren Lehre wird hierzu ausgefÃ¼hrt, die dem Berufsgeheimnis unterstehende Person habe abzuwÃ¤gen, ob das Kindswohl bei einer Meldung an die KESB in grÃ¶ssere Gefahr geraten wÃ¼rde als ohne Meldung. FÃ¼hre die InteressenabwÃ¤gung nicht zu einem (relativ) eindeutigen Ergebnis, sollte regelmÃ¤ssig nicht mit der BegrÃ¼ndung, den weiteren Ablauf abwarten zu wollen, auf eine Meldung an die KESB verzichtet werden. Meldungen an die KESB sollten nicht als ultima ratio angesehen werden (vgl. GaÃ«lle Droz-Sauthier/Ersilia Gianella, Droits et obligations d'aviser l'autoritÃ© de protection de l'enfant, FamPra 2023, S. 647 ff., 666 f.; Luca Maranta, Im "Irrgarten" zwischen Meldepflichten, Melderechten und Berufsgeheimnissen â die Revision der Meldevorschriften im Kindesschutz, ZKE 4/2018, S. 231 ff., 245). </span></p> <p class="Erwgung3"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht geltend, dass entgegen den AusfÃ¼hrungen der Beschwerdegegnerin eine erhebliche GefÃ¤hrdung des Kindswohls im Sinn von Art. 314c Abs. 1 ZGB bestanden hÃ¤tte. Sie brachte in ihrer GefÃ¤hrdungsmeldung â soweit aus den Akten ersichtlich â mehrere Anhaltspunkte vor, welche aus ihrer Sicht dem Kindswohl entgegenstanden. DafÃ¼r, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin sich mit ihrer GefÃ¤hrdungsmeldung unbesehen und ohne PrÃ¼fung von RechtfertigungsgrÃ¼nden Ã¼ber das Berufsgeheimnis hinweggesetzt hÃ¤tte, liegen deshalb keine konkreten Anhaltspunkte vor. Es ergibt sich aus den Akten genÃ¼gend, dass sie sich der gesetzlich geforderten InteressenabwÃ¤gung unterzogen hat und nicht leichtfertig, sondern im Interesse des Kindeswohls die GefÃ¤hrdungsmeldung erstattete.</span></p> <p class="Erwgung3"><span>Die GefÃ¤hrdungsmeldung veranlasste die KESB B schliesslich zu einem superprovisorischen Entscheid betreffend Kontaktregelung, da sie eine GefÃ¤hrdung nicht fÃ¼r unplausibel erachtete. Mit Entscheid vom 19. Januar 2021 bestÃ¤tigte sie den Entscheid zumindest teilweise. Darin erwog die KESB, ihre AbklÃ¤rungen hÃ¤tten ergeben, dass der Besuchsbegleiter des Kindes nicht nur in seiner Rolle die Distanz zum Klienten- und UnterstÃ¼tzungssystem verloren habe, sondern sich auch habe dazu bewegen lassen, mÃ¼ndliche und schriftliche Berichte Ã¼ber den Verlauf der Besuchsbegleitung zu beschÃ¶nigen und sich dabei sogar zu Absprachen mit der Kanzlei der BeschwerdefÃ¼hrerin habe verleiten lassen. Die Anschuldigungen bezÃ¼glich EntfÃ¼hrungsgefahr hÃ¤tten sich indessen nicht belegen lassen.</span></p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.7 </b><span>An Anhaltspunkten zu einer (akuten) GefÃ¤hrdung des Kindes fehlte es somit entgegen der Beschwerdegegnerin â zumindest im Zeitpunkt der GefÃ¤hrdungsmeldung â nicht. Im Beschwerdeverfahren reichte die BeschwerdefÃ¼hrerin zudem ein Schreiben ihres Mitarbeiters J, welcher die Kindsmutter wÃ¤hrend einiger Monate psychologisch betreut habe, betreffend GefÃ¤hrdungsmeldung ein. Darin werden die UmstÃ¤nde, welche zur GefÃ¤hrdungsmeldung bei der KESB und der Kontaktierung des Bezirksrats gefÃ¼hrt hÃ¤tten, geschildert. Selbst wenn sich die behauptete EntfÃ¼hrungsgefahr nicht erhÃ¤rtete, kann von einem unbesehenen Hinwegsetzen Ã¼ber das Berufsgeheimnis der BeschwerdefÃ¼hrerin, soweit die beschriebenen UmstÃ¤nde als glaubhaft zu erachten sind, keine Rede sein. Es kann auch aufgrund der Entscheide der KESB davon ausgegangen werden, dass die GefÃ¤hrdungsmeldung der BeschwerdefÃ¼hrerin im Interesse des Kindes erfolgte.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die meldende Person muss zudem nicht beweisen, dass eine Person â vorliegend das Kind â tatsÃ¤chlich gefÃ¤hrdet ist; es reicht, wenn ihres Erachtens mÃ¶glicherweise eine GefÃ¤hrdung besteht (KOKES, Merkblatt, S. 3). Mit der Revision der Meldepflichten und -rechte ging zudem die Ãberlegung einher, dass solche Meldungen nicht erst vorgenommen werden, wenn bereits strafbare Handlungen begangen wurden oder das Kindswohl effektiv schon gefÃ¤hrdet wurde (Botschaft BBl 2015, S. 3449). Die Beurteilung, wie akut die GefÃ¤hrdung sich tatsÃ¤chlich erweist und welche Massnahmen zu ergreifen sind, obliegt der KESB. Mit Blick auf die im damaligen Zeitpunkt noch als neu zu bezeichnende Rechtslage nach der ZGB-Revision â deren Kenntnis bei der BeschwerdefÃ¼hrerin als RechtsanwÃ¤ltin als vorausgesetzt geltend darf â und unter BerÃ¼cksichtigung, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin eine InteressenabwÃ¤gung vorgenommen zu haben schien, ist ihr zuzubilligen, dass sie von dem in Art. 314c ZGB neu vorgesehenen Melderecht Gebrauch machen durfte. Ihre Meldung an die KESB stellte somit zwar eine Berufsgeheimnisverletzung dar, war jedoch unter den gegebenen UmstÃ¤nden aufgrund des gesetzlichen Melderechts gemÃ¤ss Art. 314c ZGB gerechtfertigt.</span></p> <p class="Erwgung3"><b>6.4.8 </b><span>Eine GefÃ¤hrdungsmeldung gegen den ausdrÃ¼cklichen Willen der Klientin hÃ¤tte unweigerlich das VertrauensverhÃ¤ltnis zwischen AnwÃ¤ltin und Klientin erschÃ¼ttert, was zwangslÃ¤ufig zur Mandatsbeendigung gefÃ¼hrt hÃ¤tte. Das Mandat wurde jedoch am 16. Dezember 2020 â und damit noch vor der GefÃ¤hrdungsmeldung â von der BeschwerdefÃ¼hrerin niedergelegt, weshalb auch aus dieser Sicht kein Anlass zur Annahme von berufsregelwidrigen Verhalten besteht. Dies relativiert auch den im Raum stehenden Vorwurf, dass Handlungen der BeschwerdefÃ¼hrerin im Zusammenhang mit der noch offenen Honorarforderung von Fr. 36'000.- gegenÃ¼ber ihrer Klientin gestanden hÃ¤tten. Es scheint vielmehr glaubhaft, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin im Interesse des Kindswohls gehandelt hatte, zumal im Ãbrigen nicht ersichtlich ist, inwiefern die GefÃ¤hrdungsmeldung zur Eintreibung eines offenen Honorars beigetragen hÃ¤tte.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>6.5 </b><span>Dass es â wie die BeschwerdefÃ¼hrerin vorbringt â"zwingend erforderlich" gewesen sein soll, auch den Bezirksrat, welchem in dem Verfahren betreffend Kindesschutzmassnahmen die Funktion der RechtsmittelbehÃ¶rde zukommt, zu informieren, ist hingegen nicht ersichtlich. Im angefochtenen Entscheid wird dies auch nicht thematisiert, sondern es werden nur die Ãusserungen der BeschwerdefÃ¼hrerin gegenÃ¼ber der KESB gewÃ¼rdigt. Soweit dies die Weiterleitung der Kopie des Schreibens an die Klientin an den Bezirksrat betrifft, ist auf die entsprechende ErwÃ¤gung zu verweisen (vgl. oben E. 6.3). Festzuhalten ist dennoch, dass mangels (erstinstanzlicher) Entscheidbefugnis des Bezirksrats gegenÃ¼ber diesem keine besondere Dringlichkeit wie bezÃ¼glich der GefÃ¤hrdungsmeldung gegenÃ¼ber der KESB bestanden hÃ¤tte. FÃ¼r die Behauptung der BeschwerdefÃ¼hrerin, der Bezirksrat kÃ¶nnte eine der Kindsmutter wohlgesonnene BehÃ¶rde sein, liegen keine weiteren Anhaltspunkte vor und lÃ¤ge darin Ã¼berdies keine Rechtfertigung.</span></p> <p class="Erwgung2"><span>Nicht entscheidend ist schliesslich, ob die KESB Anlass sah, das Verhalten der BeschwerdefÃ¼hrerin bei der Aufsichtskommission anzuzeigen oder ob sie, wie die BeschwerdefÃ¼hrerin vorbringt, diese als zur Offenlegung der Informationen berechtigt beurteilte.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>6.6 </b><span>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gegen die BeschwerdefÃ¼hrerin bezÃ¼glich der Berufsgeheimnisverletzung gegenÃ¼ber dem Bezirksrat B zu Recht eine Disziplinarmassnahme wegen Verstosses gegen Art. 13</span><a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getMarkupDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=219651&amp;W10_KEY=8083099&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/document.fiw#ctx13"></a> BGFA<span> ausgesprochen wurde. BezÃ¼glich der Offenlegung von Informationen im Rahmen der GefÃ¤hrdungsmeldung gegenÃ¼ber der KESB B ist hingegen zugunsten der BeschwerdefÃ¼hrerin festzuhalten, dass dieses Vorgehen aufgrund des Melderechts von Art. 314c Abs. 2 ZGB als zulÃ¤ssig zu erachten war. Eine diesbezÃ¼gliche Berufsgeheimnisverletzung war wie dargelegt gerechtfertigt (vgl. oben E 6.4.7).</span></p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b>7.1 </b><span>Art. 17 Abs. 1 BGFA sieht fÃ¼r Verletzungen der Berufspflichten verschiedene Disziplinarmassnahmen vor. Geordnet nach der Schwere und beginnend mit der mildesten sind dies die Verwarnung, der Verweis, die Busse bis zu Fr. 20'000.-, das befristete und das dauernde BerufsausÃ¼bungsverbot. Die Disziplinierung des fehlbaren Anwalts bzw. der fehlbaren AnwÃ¤ltin hat sich grundsÃ¤tzlich an den UmstÃ¤nden des Einzelfalls auszurichten. Bei der Wahl der Disziplinarmassnahme sind insbesondere die Schwere der Berufsregelverletzung, wobei auch die Anzahl der VerstÃ¶sse oder eine fortgesetzte Begehung beachtlich sind, das Mass des Verschuldens sowie das berufliche bzw. disziplinarische Vorleben der betroffenen Person zu berÃ¼cksichtigen. Der Einsicht und der Reue der bzw. des Fehlbaren kann ebenfalls Bedeutung beigemessen werden (Alexander </span>Brunner<span>/Matthias-Christoph </span>Henn<span>/Kathrin </span>Kriesi<span>, Anwaltsrecht, ZÃ¼rich etc. 2015, S. 251 Rz. 50). Anders als im Strafrecht ist bei der Wahl der Disziplinarmassnahme nicht primÃ¤r das Verschulden massgebend, vielmehr ist die Massnahme zu wÃ¤hlen, die zur Verhinderung weiterer Berufspflichtverletzung am besten geeignet erscheint (Walter </span>Fellmann<span>, Anwaltsrecht, 2. A., Bern 2017, Rz. 744). Eine Verwarnung findet bei leichtesten und einmaligen Pflichtverletzungen Anwendung; ein Verweis wird bei leichteren Verletzungen oder in FÃ¤llen ausgesprochen, die sich an der Grenze zu mittelschweren FÃ¤llen befinden, sowie bei einer wiederholten leichten </span>Verletzung<span> oder mehrfachen leichten VerstÃ¶ssen. Eine Busse liegt im "Mittelfeld" der disziplinarischen Sanktionen (VGr, 24. November 2022, VB.2022.00235, E. 7.1; VGr, 24. Februar 2022, VB.2021.00809, E. 3.1; 2. September 2021, VB.2019.00195, E. 5.1).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>7.2 </b><span>Der </span>Aufsichtskommission<span> steht bei der AusfÃ¤llung der konkreten Sanktion grundsÃ¤tzlich ein weites Ermessen zu, das sie freilich pflichtgemÃ¤ss auszuÃ¼ben hat (VGr, 10. Februar 2022, VB.2021.00720, E. 5.2). Die gewÃ¤hlte Massnahme muss zu Art und Schwere der begangenen Pflichtwidrigkeit in einem angemessenen VerhÃ¤ltnis stehen und darf nicht Ã¼ber das hinausgehen, was erforderlich ist, um den Schutz des rechtsuchenden Publikums zu gewÃ¤hrleisten und StÃ¶rungen des geordneten Gangs der Rechtspflege zu verhindern (BGE 106 Ia 100 E. 13c). Das Verwaltungsgericht Ã¼berprÃ¼ft diese ErmessensausÃ¼bung nicht frei, sondern lediglich auf Rechtsverletzungen (einschliesslich Ermessensmissbrauch, ErmessensÃ¼berschreitung und Ermessensunterschreitung) hin (§ 50 Abs. 1 in Verbindung mit § 20 Abs. 1 lit. a und b VRG; Marco Donatsch, Kommentar VRG, § 50 N. 25 ff.).</span></p> <p class="Erwgung2"><b>7.3 </b>Die Aufsichtskommission beurteilte das Verschulden der BeschwerdefÃ¼hrerin als erheblich, da sie bei beiden Verletzungen des Berufsgeheimnisses aus eigenem Antrieb gehandelt habe, wozu keinerlei Anlass bestanden hÃ¤tte, zumal sie auch nicht um AuskÃ¼nfte gebeten worden sei. Zu ihren Gunsten sei jedoch zu berÃ¼cksichtigen, dass sie noch nie diszipliniert werden musste. Eine Busse in HÃ¶he von Fr. 2'000.- erscheine deshalb angemessen.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.4 </b><span>Der BeschwerdefÃ¼hrerin ist bezÃ¼glich der Berufsgeheimnisverletzung gegenÃ¼ber dem Bezirksrat ein mindestens eventualvorsÃ¤tzliches Vorgehen vorzuwerfen (vgl. oben E. 6.3). Angesichts der Bandbreite der mÃ¶glichen Sanktionen (oben E. 7.1) sowie dem vorliegenden Verfahrensausgang (oben E. 6.6), wonach die Disziplinierung nur fÃ¼r eine einmalige Berufsgeheimnisverletzung zu erfolgen hat sowie unter BerÃ¼cksichtigung, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin bis anhin keine Disziplinierungen erfuhr, erscheint die ausgesprochene Busse als rechtsverletzend hoch; angemessen ist eine solche in HÃ¶he von Fr. 1'000.-.</span></p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>8.1 </b>Die BeschwerdefÃ¼hrerin rÃ¼gt schliesslich, sie kÃ¶nne fÃ¼r das Versagen der BehÃ¶rde nicht mit einer Ordnungsbusse bestraft werden; sie sei ihrer Pflicht nachgekommen, eine zustellfÃ¤hige Schweizer Adresse anzugeben. Aufgrund der fehlenden MÃ¶glichkeit, Stellung zu nehmen, sei ihr ohnehin schon eine Busse in HÃ¶he von Fr. 2'000.- auferlegt worden. Eine doppelte Bestrafung sei unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig. Die verhÃ¤ngte Ordnungsbusse in HÃ¶he von Fr. 500.- sei mangels Grundlage aufzuheben.</p> <p class="Erwgung2"><b>8.2 </b>Da nach oben Gesagtem eine Adresse nur dann als zustellfÃ¤hig gelten kann, wenn an dieser auch die effektive Kenntnisnahme von behÃ¶rdlichen Zustellungen und deren uneingeschrÃ¤nkter Empfang (also auch Zustellungen mittels Gerichtsurkunden) mÃ¶glich ist und da aufgrund der schlussendlich erfolgten amtlichen Publikation von einer rechtsgÃ¼ltigen Zustellung auszugehen war (vgl. oben E. 3.4.4), lag es im Ermessen der Beschwerdegegnerin, den Umstand, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin die im Verfahren vorgesehene Stellungnahme sÃ¤umig blieb, mittels Ordnungsbusse zu sanktionieren. Der RÃ¼ge der UnverhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit der doppelten Bestrafung ist entgegenzuhalten, dass sich die aufsichtsrechtliche Disziplinierung und die prozessuale Sanktionierung nicht nur aufgrund ihrer Grundlage, sondern auch in ihrem Sinn und Zweck unterscheiden (vgl. VGr, 23. August 2018, <span>VB.2018.00342, E. 3.3)</span>, weshalb sie durchaus nebeneinander ausgesprochen werden kÃ¶nnen.</p> <p class="Erwgung2"><b>8.3 </b>Als unbegrÃ¼ndet erweist sich schliesslich die RÃ¼ge, die Ordnungsbusse entbehre einer Grundlage. <span>Nach Art. 34 BGFA regeln die Kantone das Verfahren. GemÃ¤ss § 48 Abs. 1 lit. e AnwG regelt das Obergericht die Organisation und die GeschÃ¤ftsfÃ¼hrung der Aufsichtskommission durch Verordnung nÃ¤her. </span>Die vom Obergericht des Kantons ZÃ¼rich gestÃ¼tzt darauf erlassene Verordnung Ã¼ber die Aufsichtskommission Ã¼ber die AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte vom 15. Dezember 2004 (LS 215.2) hÃ¤lt in § 12 Abs. 1 bezÃ¼glich der Stellungnahme im Disziplinarverfahren fest, der beschuldigten Person werde angedroht, dass bei SÃ¤umnis aufgrund der Akten entschieden und eine Ordnungsbusse auferlegt werden kÃ¶nne. Ferner findet sich eine gesetzliche Grundlage im Gesetz betreffend die Ordnungsstrafen vom 30. Oktober 1866 (LS 312), welches Verwaltungsstellen und Gerichte unter anderem berechtigt, bei ihnen in mÃ¼ndlichen oder schriftlichen Verfahren stehende Private durch Ordnungsstrafe zu rÃ¼gen (§ 1 Abs. 1). GemÃ¤ss dessen § 4 Abs. 1 Ziff. 2 kann eine Ordnungsbusse bis Fr. 1'000.- verhÃ¤ngt werden. Das Nichteinhalten der Mitwirkungspflicht im Disziplinarverfahren, welche in diesem Fall das Einreichen einer Stellungnahme umfasst, kann unter eine StÃ¶rung der vorgeschriebenen Verfahrensordnung subsumiert werden (§ 2 lit. c des Gesetzes betreffend die Ordnungsstrafen). Die Ordnungsbusse war der BeschwerdefÃ¼hrerin zudem vorgÃ¤ngig angedroht worden.</p> <p class="Erwgung1"><b>9. </b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b>9.1 </b><span>Nach den vorstehenden ErwÃ¤gungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und dementsprechend in AbÃ¤nderung von Dispositivziffer 1 des angefochtenen Entscheids die der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegte Busse auf Fr. 1'000.- zu reduzieren. Im Ãbrigen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.</span></p> <p class="Erwgung2">Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens sind von der HÃ¶he her nicht zu beanstanden und wurden zu Recht der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegt.</p> <p class="Erwgung2"><b>9.2 </b><span>AusgangsgemÃ¤ss rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten der BeschwerdefÃ¼hrerin und der Beschwerdegegnerin je zur HÃ¤lfte aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG). ParteientschÃ¤digungen sind keine zuzusprechen (§ 17 Abs. 2 VRG). </span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. In AbÃ¤nderung von Dispositivziffer 1 des Beschlusses der Aufsichtskommission Ã¼ber die AnwÃ¤ltinnen und AnwÃ¤lte vom 7. Juli 2022 wird der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Busse von Fr. 1'000.- auferlegt. Im Ãbrigen wird die Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 3'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 3'570.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden der BeschwerdefÃ¼hrerin und der Beschwerdegegnerin je zur HÃ¤lfte auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Es wird keine ParteientschÃ¤digung zugesprochen. </span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Mitteilung an </span></p> <p class="Einzug2"><span> a) die Parteien;</span></p> <p class="Einzug2"><span> b) das EidgenÃ¶ssische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD).</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>