<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2002.00278</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=106866&amp;W10_KEY=13013575&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2002.00278</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 23.10.2002</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen diesen Entscheid am 07.04.2003 abgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Straf- und Massnahmenvollzug</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Widerruf der bedingten Entlassung / Vollzug einer Reststrafe</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Widerruf der bedingten Entlassung gemäss Art. 38 Ziff. 4 Abs. 1 StGB wegen Strafen von insgesamt über 3 Monaten während der Probezeit. Blosse Zusammenrechnung oder Gesamtwürdigung der Freiheitsstrafen? Bisherige Praxis und Lehre (E. 2a). Keine sinngemässe Anwendung von Art. 68 StGB (E. 2b). Die Gefahr des Widerrufs der bedingten Entlassung ist vom Strafrichter bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, nicht von den Vollzugsbehörden bei der Anordnung des Widerrufs (E. 2c/bb). Zwingende Rückversetzung bei (Gesamt-)Strafen von über drei Monaten unbedingt (E. 2c/cc). Das Amt für Justizvollzug verfügt über kein Ermessen, um bei Strafen von über drei Monaten von der Rückversetzung Umgang zu nehmen; es kann aber allenfalls den Vollzug bzw. den Strafantrittsbefehl wegen fehlender Hafterstehungsfähigkeit hinauszögern (E. 2c/dd). In der Regel werden verschiedene Freiheitsstrafen so vollzogen, dass keine Vollstreckungsverjährung eintreten kann. Noch zu verbüssende Strafreste werden deshalb in der Regel vorweg vollzogen (E. 3). Im Anschluss: Abweichende Meinung einer Minderheit der Kammer. Beim Entscheid über den Widerruf der bedingten Entlassung ist eine Gesamtwürdigung der erwirkten Freiheitsstrafen vorzunehmen, die nicht in einem blossen Zusammenrechnen der einzelnen Strafen besteht.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BEDINGTE ENTLASSUNG">BEDINGTE ENTLASSUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESAMTSTRAFE">GESAMTSTRAFE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: HAFTERSTEHUNGSFÃHIGKEIT">HAFTERSTEHUNGSFÃHIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PROBEZEIT">PROBEZEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RÃCKFALL">RÃCKFALL</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: RÃCKVERSETZUNG">RÃCKVERSETZUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STRAFAUFSCHUBSGRUND">STRAFAUFSCHUBSGRUND</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Ãbrige Rechtsgebiete UR: Straf- und Strafprozessrecht ST: STRAFPROZESSRECHT">STRAFPROZESSRECHT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Ãbrige Rechtsgebiete UR: Straf- und Strafprozessrecht ST: STRAFRECHT, ALLGEMEINER TEIL">STRAFRECHT, ALLGEMEINER TEIL</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WIDERRUF DER BEDINGTEN ENTLASSUNG">WIDERRUF DER BEDINGTEN ENTLASSUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 38 lit. IV Abs.1 StGB</span><br/><span class="gerade">Art. 68 StGB</span><br/><span class="ungerade">§ 23 lit. II StVG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 2 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. A. Der 1968 geborene und heute in X wohnhafte A wurde mit Ur­teil des Obergerichts des Kantons ZÃ¼rich vom 7. MÃ¤rz 1996 wegen mehr­facher UrkundenfÃ¤lschung zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten GefÃ¤ngnis verurteilt, abzÃ¼glich 15 Tage erstandener Untersuchungshaft. Diese Strafe verbÃ¼sste er â zusam­men mit einem Strafrest von acht Monaten und 18 Tagen GefÃ¤ngnis gemÃ¤ss Entscheid des PrÃ¤sidenten der Strafvoll­zugskommission des Kantons Y, sowie 41 Tagen Haft gemÃ¤ss vier Bussenumwandlungen des Statthalteramtes ZÃ¼rich â ab 18. November 1996. GemÃ¤ss VerfÃ¼gung vom 21. Januar 1998 wurde er am 22. MÃ¤rz 1998 bedingt aus dem Straf­vollzug entlassen, unter Anset­zung einer Probezeit von zwei Jahren.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Am 4. November 1999 wurde A von der Bezirksanwaltschaft ZÃ¼rich we­gen Verletzung von Verkehrsregeln, Vereitelung einer Blutprobe und weiterer Strassenverkehrsdelik­te mit 90 Tagen GefÃ¤ngnis unbedingt bestraft. Mit VerfÃ¼gung vom 20. Januar 2000 verzich­tete der Strafvollzugsdienst des Kantons ZÃ¼rich auf einen Widerruf der bedingten Entlassung vom 22. MÃ¤rz 1998, verlÃ¤ngerte jedoch die Probezeit fÃ¼r den Voll­zug der Reststrafe um ein Jahr.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Mit Strafbefehl der Bezirksanwaltschaft ZÃ¼rich vom 22. September 2000 wurde A wegen einfacher KÃ¶rperverletzung und TÃ¤tlichkeit, begangen am 18. Dezember 1999, zu vier Tagen GefÃ¤ngnis unbedingt verurteilt.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>B. Die VerfÃ¼gung des Amts fÃ¼r Justizvollzug (AJV) vom 10. Juni 2002 ordnete den Widerruf der bedingten Entlassung vom 22. MÃ¤rz 1998 und die VerbÃ¼ssung des Strafrests von 239 Tagen GefÃ¤ngnis an. Am 11. Juni 2002 ging beim AJV eine Stellungnahme des Rechtsvertreters Aâs ein, welche als WiedererwÃ¤gungsgesuch behan­delt wurde. Im Rahmen der Behandlung des WiedererwÃ¤gungsgesuchs wurde auch nach­trÃ¤glich das rechtliche GehÃ¶r gewÃ¤hrt. Das AJV ordnete in seinem WiedererwÃ¤gungsent­scheid vom 27. Juni 2002 den Widerruf der bedingten Entlassung an. Einem allfÃ¤lligen Rekurs wurde mit dieser VerfÃ¼gung die aufschiebende Wirkung entzogen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Mit Eingabe vom 8. Juli 2002 liess A bei der Direktion der Justiz und des Innern Rekurs gegen den Entscheid des AJV vom 27. Juni 2002 erheben mit dem Be­gehren, seine bedingte Entlassung sei nicht zu widerrufen. Vielmehr sei ihm erneut die Pro­bezeit zu verlÃ¤ngern. Zudem sei ihm in der Person seines Rechtsbeistandes ein unentgelt­licher Rechtsvertreter beizugeben. Sodann liess er am 31. Juli 2002 den zusÃ¤tzlichen An­trag stellen, die mit der angefochtenen VerfÃ¼gung entzogene aufschiebende Wirkung des Rekurses sei wieder herzustellen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Mit separater VerfÃ¼gung vom 2. August 2002 wurde die aufschiebende Wirkung des Rekurses wieder hergestellt. In der Sache wurde der Rekurs mit eingehender BegrÃ¼ndung, die sich insbesondere auch mit der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts befasste, am 23. August 2002 abgewiesen. Dem Gesuch um unentgeltliche RechtsverbeistÃ¤ndung wurde entsprochen.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. Gegen diesen Rekursentscheid liess A am 9. September 2002 Beschwerde an das Verwaltungsgericht erheben und die folgenden AntrÃ¤ge stellen:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="EinzugZitat"><span>"1. Die VerfÃ¼gung der Justizdirektion vom 23. August 2002 sei dahingehend zu korrigieren, dass der Rekurs des BF (gegen die VerfÃ¼gung der BG vom 27. Juni 2002) gutgeheissen wird.</span></p> <p class="EinzugZitat"><span> </span></p> <p class="EinzugZitat"><span>2.<span> </span></span><span>Die von Gesetzes wegen dieser Beschwerde zukommenden aufschieben­den Wirkungen seien nicht zu entziehen (§ 55 Abs. 2 VRG).</span></p> <p class="EinzugZitat"><span> </span></p> <p class="EinzugZitat"><span>5.<span> </span></span><span>Alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen zulasten der Beschwerde­­gegnerin."</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Diese Hauptbegehren wurden durch den prozessualen Antrag ergÃ¤nzt, fÃ¼r die Anhand­nahme der Beschwerde auf einen Kostenvorschuss zu verzichten. In der Be­grÃ¼ndung verweist die Beschwerde weiter darauf, dass BeschwerdefÃ¼hrer wie Beschwer­de­geg­ner we­gen der auf den 16. September 2002 vorgesehenen Entlassung des BeschwerdefÃ¼h­rers aus der Halbgefangenschaft zumindest hinsichtlich des Entzugs der aufschiebenden Wirkungen auf einen prÃ¤sidialen Entscheid angewiesen seien.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 12. September 2002 auf Abwei­sung der Beschwerde, wobei sie sich ablehnend zum neuen beschwerdefÃ¼hrerischen Ar­gument der VollstreckungsverjÃ¤hrung Ã¤usserte. Die Beschwerdeantwort des AJV vom 23. September 2002 beantragte ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">1. a) GemÃ¤ss § 43 Abs. 1 lit. g des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) ist zwar die Beschwerde an das Verwaltungsgericht gegen An­ord­nungen in Straf‑ und Polizeistrafsachen, einschliesslich Vollzug von Strafen und Mass­nah­men, grund­­sÃ¤tzlich unzulÃ¤ssig. Soweit jedoch die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundes­gericht offensteht, ist die Beschwerde gleichwohl zulÃ¤ssig (§ 43 Abs. 2 VRG; Art. 98a des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 [OG]).</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">Die Frage des Widerrufs der bedingten Entlassung unterliegt der eidgenÃ¶ssischen Ver­waltungsgerichtsbeschwerde (vgl. Art. 97 ff. OG; GÃ¼nter Stratenwerth, Schweizeri­sches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, Bern 1989, § 3 Rz. 90), woraus die ZulÃ¤ssigkeit der kan­tonalen Beschwerde folgt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">b) GestÃ¼tzt auf § 38 Abs. 2 lit. b VRG fiele die Beurteilung der vorliegenden Streitsache in die ein­zelrichterliche Kompetenz. Laut § 38 Abs. 3 VRG kann die Entscheidung in FÃ¤llen von grundsÃ¤tzlicher Bedeutung der Kammer Ã¼bertragen werden. Die Vorinstanz hat sich eingehend mit dem Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts vom 12. Februar 1999 (VB.98.00405) befasst, der in der hier entscheidenden Rechtsfrage eine abweichende Meinung vertritt. Da zu dieser Frage hier erneut Stellung zu nehmen ist, recht­fertigt sich die Kammerbesetzung.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">2. a) Begeht die entlassene Person wÃ¤hrend der Probezeit eine strafbare Handlung, fÃ¼r die sie zu einer drei Monate Ã¼bersteigenden und unbedingt zu vollziehenden Freiheitsstrafe ver­urteilt wird, so ordnet die zustÃ¤ndige BehÃ¶rde die RÃ¼ckversetzung an (Art. 38 Ziff. 4 Abs. 1 Satz 1 des Strafgesetzbuchs [StGB]). Werden wÃ¤hrend der Probezeit mehrere Freiheitsstrafen ausgespro­chen, so sei auf deren Gesamtdauer abzustellen (AGVE 1989 Nr. 28, S. 202 ff.; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafge­setz­buch, Kurzkommentar, 2. A., ZÃ¼rich 1997, Art. 38 N. 16; JÃ¶rg Rehberg, Strafrecht II, 7. A., ZÃ¼rich 2001, S. 34). Die Ver­waltungsbehÃ¶rde, welche die RÃ¼ckversetzung anordnet, verfÃ¼gt dabei nach der vor­herrschenden Meinung Ã¼ber kei­nen Ermessensspielraum (vgl. neben den bereits angefÃ¼hrten Autoren auch BGE 119 IV 125, 126). Dabei spiele die Art der Verfehlung keine Rolle. Es komme lediglich auf die Dauer der ausgesprochenen Frei­heits­strafen an.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">Der bereits angefÃ¼hrte Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts vom 12. Februar 1999 fÃ¼hrte dagegen aus, dass es mit der blossen Zusammenrechnung der einzel­nen verhÃ¤ngten Strafen nicht getan sei. Massgeblich sei daher nicht die gesamte LÃ¤nge der ausgesprochenen Strafen, sondern die Frage, ob der TÃ¤ter im Fall einer gemeinsamen Beurteilung der in der Probezeit begangenen Straftaten eine drei Monate Ã¼bersteigende un­bedingte Freiheitsstrafe erhalten hÃ¤tte oder nicht. Namentlich fÃ¼hre die gemeinsame Beurteilung mehrerer strafbarer Handlungen regelmÃ¤ssig zu einer milderen Strafe als die getrenn­te, was als natÃ¼rlich Folge von Art. 68 Ziff. 1 Abs. 1 StGB gelten kÃ¶nne, wonach bei der gleichzeitigen Beurteilung mehrerer Delikte nicht eine Addition der durch die einzelnen Delikte verwirkten Straften erfolge; vielmehr werde der TÃ¤ter zur Strafe der schwers­ten Tat verurteilt und lediglich deren Dauer angemessen erhÃ¶ht (VB.98.00405, E. 2b).</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">b) aa) Die Vorinstanz setzte sich mit dem letztgenannten Entscheid auseinander und folgte dessen ErwÃ¤gungen nicht. So ergebe sich vor allem aus Art. 68 Ziff. 2 StGB, dass ei­ne Aburteilung mehrerer Taten in verschiedenen Verfahren weder eine Benachteiligung noch eine Besserstellung des TÃ¤ters zur Folge haben solle. Das Gericht habe bei der Strafzu­­messung alle relevanten EntscheidgrÃ¼nde zu berÃ¼cksichtigen. An die entsprechenden Ent­­scheide der gerichtlichen Instanzen hÃ¤tten sich die Vollzugsinstanzen sodann zu halten. Weiter wird darauf hingewiesen, dass der im genannten Entscheid beigezogene BGE 101 Ib 154 einen anderen Fall betroffen habe, nÃ¤mlich den einer Gesamtstrafe von mehr als drei Monaten, welche einerseits wÃ¤hrend der Probezeit begangene Delikte und anderseits solche, welche ausserhalb der Probezeit begangen worden waren, beschlug. Die dort angestell­­ten ErwÃ¤gungen kÃ¶nnten deshalb hier nicht zur Anwendung gelangen. Insgesamt seien im vorliegenden Fall deshalb die beiden separat ausgefÃ¤llten und innerhalb der Probezeit er­­wirkten Strafen zusammen zu rechnen. Bei dem sich ergebenden Total von 94 Tagen Ge­fÃ¤ngnis sei die bedingte Entlassung deshalb zwingend zu widerrufen.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">bb) Art. 68 StGB regelt in seinen beiden Ziffern zwei unterschiedliche Konstellatio­nen der Strafzumessung beim Zusammentreffen von strafbaren Handlungen oder Strafbestim­mungen. Art. 68 Ziff. 1 StGB beschlÃ¤gt die Situation, in der verschiedene, vom selben TÃ¤ter â in Ideal- oder Realkonkurrenz (vgl. Rehberg, S. 62) â begangene StraftatbestÃ¤nde von der gleichen Instanz gleichzeitig zu beurteilen sind. Art. 68 Ziff. 2 StGB behandelt da­gegen die so genannte "retrospektive Konkurrenz", bei der eine mit Freiheitsstrafe bedrohte Tat zu beurteilen ist, die der TÃ¤ter begangen hat, bevor er wegen einer anderen Tat zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden ist. Nur dann, wenn die neu zu beurteilende Tat begangen wurde, bevor die Verurteilung wegen der ersten Tat erÃ¶ffnet worden ist, kommt Art. 68 Ziff. 2 StGB zur Anwendung (Rehberg, S. 63, mit Hinweis auf BGE 124 II 40). Sobald je­doch eine Tat zu beurteilen ist, die vom nÃ¤mlichen TÃ¤ter nach der ErÃ¶ffnung der ersten Ver­­urteilung begangen worden ist, kommt Art. 68 StGB nicht zur Anwendung. Delinquiert also ein TÃ¤ter nach einer ihm bereits erÃ¶ffneten Strafe erneut, so ist fÃ¼r dieses neue Delikt keine Zusatzstrafe im Sinne von Art. 68 Ziff. 2 StGB auszufÃ¤llen, sondern vielmehr eine ei­genstÃ¤ndige Strafe. Diese Regelung rechtfertigt sich dadurch, dass einer strafrechtlichen Verurteilung stets eine spezialprÃ¤ventive Wirkung zukommt, die einen TÃ¤ter von erneuter Delinquenz abhalten soll. Verfehlt die erste Bestrafung diese Wirkung, so gelangen die fÃ¼r den TÃ¤ter in der Strafzumessung gÃ¼nstigeren Regeln des Art. 68 StGB nicht zur Anwendung. Werden folglich verschiedene Delikte begangen und delinquiert der TÃ¤ter jeweils erst wieder nach der ErÃ¶ffnung der Aburteilung des frÃ¼heren Delikts, so spielt Art. 68 StGB gar keine Rolle. Den ErwÃ¤gungen der Vorinstanz kann deshalb nur im Ergebnis zugestimmt werden: die Zusammenrechnung der wÃ¤hrend der Probezeit erwirkten Strafen grÃ¼ndet auf dem sachlich beschrÃ¤nkten Anwendungsbereich des Art. 68 StGB und nicht auf dem in Art. 68 Ziff. 2 ausgedrÃ¼ckten Gedanken, dass ein TÃ¤ter durch die separate Aburteilung einzelner Delikte nicht besser und nicht schlechter gestellt werden dÃ¼rfe, als wenn die mehrere strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wÃ¤ren. Dieser Gedanke bezieht sich nur auf die AusfÃ¤llung von Zusatzstrafen bei retrospektiver Konkurrenz.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">c) aa) Die am 4. November 1999 ausgesprochene unbedingte GefÃ¤ngnisstrafe von 90 Tagen, die noch nicht zwingend die RÃ¼ckversetzung nach sich zog, hÃ¤tte nach dem bisher AusgefÃ¼hrten fÃ¼r den Be­schwerdefÃ¼hrer eine letzte Warnung sein mÃ¼ssen, sich nichts mehr zu Schulden kommen zu lassen. Dennoch erwirkte der BeschwerdefÃ¼hrer eine weitere Strafe von vier Tagen GefÃ¤ngnis, die am 22. September 2000 fÃ¼r Taten ausgesprochen wurde, die er am 18. Dezember 1999 begangen hatte. Der Zeitpunkt der zweiten Tat lag da­mit klar nach der ErÃ¶ffnung der Strafe vom 4. November 1999 und deutlich innerhalb der zwei­jÃ¤hrigen Probezeit, die bei der bedingten Entlassung 1998 angesetzt wurde.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">bb) Das Bundesgericht hat darauf hingewiesen, dass bei der Strafzumes­sung auch die Rechtsfolgen â wie etwa der drohende Widerruf der bedingten Entlassung â zu berÃ¼cksichtigen sind, die sich aus einem bestimmten Strafmass ergeben (BGE 119 IV 125). Die Zu­stÃ¤ndigkeit zur Beurteilung der Rechtsfolgen einer Bestrafung liegt damit bei den in der Sache urteilenden BehÃ¶rden. Dementsprechend muss sich ein Bestrafter, der aufgrund der </p> <p class="Einzug2">sich aus dem Strafmass ergebenden Konsequenzen mit dem Strafentscheid nicht einverstan­­den ist, auf strafprozessualem Weg wehren. Da es sich bei den beiden hier zu beachten­den Bestrafungen um Strafbefehle des Bezirksanwalts im Sinne von §§ 317 ff. der Strafpro­zess­ordnung (StPO) handelte, wÃ¤re gegen die Strafbefehle binnen 10 Tagen schriftliche Ein­spra­che zu erheben gewesen, was allenfalls zur richterlichen Beurteilung der Sache gefÃ¼hrt hÃ¤tte (§§ 321 f. StPO). Auf die MÃ¶glichkeit der Einsprache wurde denn auch in beiden Strafbefeh­len deutlich hingewiesen. Beide Strafbefehle blieben indessen unangefochten.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">cc) Den ErwÃ¤gungen der Vorinstanz ist deshalb wiederum zuzustimmen, soweit fÃ¼r die BerÃ¼cksichtigung der relevanten EntscheidgrÃ¼nde auf die ZustÃ¤ndigkeit der urteilenden BehÃ¶rde verwiesen wird. Es kann nicht die Aufgabe der Vollzugsinstanzen sein, allfÃ¤llige â hier nicht erkennbare â MÃ¤ngel der Strafzumessung zu korrigieren, wenn die einschlÃ¤gigen strafprozessualen Rechtswege nicht genutzt worden sind. Entgegen dem Eindruck, den die im angefÃ¼hrten Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts vom 12. Februar 1999 angestellten ErwÃ¤gungen erwecken kÃ¶nnten (VB.98.00405, E. 2b), kommt den Vollzugsinstanzen bei einer Sachlage wie der vorliegenden kein Ermessen zu: wird mit der Zusammenrechnung der einzelnen, wÃ¤hrend der Probezeit erwirkten Bestrafungen die in Art. 38 Ziff. 4 Abs. 1 StGB genannte Grenze von drei Monaten unbedingter Freiheitsstrafe Ã¼berschritten, so muss â im Einklang mit der ganz Ã¼berwiegenden Rechtsprechung und Lehre (Trechsel, Art. 38 N. 16; Rehberg, S. 34; beide mit Hinweisen) â zwingend die RÃ¼ckversetzung in den bedingt erlassenen Vollzug angeordnet werden.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">dd) Am soeben AusgefÃ¼hrten Ã¤ndert sich auch nichts durch das vom BeschwerdefÃ¼h­rer ins Recht gelegte psychiatrische Gutachten vom 4. September 2002. Dieses gelangt zwar zum Schluss, dass "der Vollzug dieser Haftstrafe fÃ¼r die angestrebte weitere psychische Stabilisierung und die Legalprognose eher ungÃ¼nstig" wÃ¤re und "das Risiko erneuter psychotischer Dekompensationen und in diesem Zusammenhang auch das Risi­ko weiterer Delikte erheblich" erhÃ¶he.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">Es liegt wie aufgezeigt nicht im Ermessen des Beschwerdegegners, von der RÃ¼ckver­setzung in den Vollzug Abstand zu nehmen, wenn die im Gesetz aufgestellte Grenze von drei Monaten Freiheitsstrafe Ã¼berschritten worden ist (vgl. auch BGr, 13. November 2001, 6A.71/2001, E. 2a, www.bger.ch). Entgegen den Vorbringen des BeschwerdefÃ¼hrers haben deshalb weder der Beschwerdegegner noch die Vorinstanz ihr Ermessen Ã¼berschritten oder missbraucht.</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">WÃ¤re indessen die HafterstehungsfÃ¤higkeit des BeschwerdefÃ¼hrers allenfalls zu ver­neinen â was allein aufgrund des erwÃ¤hnten Gutachtens vom 4. September 2002 nicht anzu­nehmen sein dÃ¼rfte â, dann hÃ¤tte dies die VollzugsbehÃ¶rde als Strafaufschubgrund gemÃ¤ss § 23 Abs. 2 des Straf- und Vollzugsgesetzes vom 30. Juni 1974 (StVG) beim Erlass eines Strafantrittsbefehls zu berÃ¼cksichtigen (siehe dazu Reto Surber, Das Recht der Strafvoll­streckung, ZÃ¼rich 1998, S. 316 ff.).</p> <p class="Einzug2"> </p> <p class="Einzug2">d) Aufgrund der vorstehenden AusfÃ¼hrungen ergibt sich, dass der Beschwerdegegner am 10. Juni 2002 zu Recht den Widerruf der bedingten Entlassung verfÃ¼gt hat.</p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>3. In der Beschwerde wird geltend gemacht, dass der noch zu verbÃ¼ssende Strafrest teilweise auf Bestrafungen aus den spÃ¤ten 1980er-Jahre zurÃ¼ckgehe und deshalb gemÃ¤ss Art. 73 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 74 StGB der VollstreckungsverjÃ¤hrung unterliege. Die Vollstreckbarkeit der 1996 durch das Obergericht ZÃ¼rich am 7. MÃ¤rz 1996 ausgefÃ¤llten GefÃ¤ngnisstrafe von 15 Monaten GefÃ¤ngnis wird hingegen nicht angezweifelt. Dagegen liess die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 12. September 2002 anfÃ¼hren, dass die Ver­jÃ¤hrung einer Freiheitsstrafe durch den Vollzug und jede auf Vollstreckung der Strafe gerichtete Handlung der vollstreckenden BehÃ¶rde unterbrochen werde und wÃ¤hrend der Pro­bezeit bei bedingter Entlassung ruhe (Art. 75 Ziff. 1 und 2 StGB). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Wie es sich mit der VollstreckungsverjÃ¤hrung bzw. dem Ruhen der Vollstreckung ge­­nau verhÃ¤lt, kann indessen offen bleiben, und zwar aus folgendem Grund: Der Beschwer­­defÃ¼hrer trat am 18. November 1996 den Vollzug verschiedener Freiheitsstrafen an. Neben dem Strafrest von acht Monaten und acht Tagen, der infolge des Widerrufs der mit VerfÃ¼gung vom 23. Januar 1992 gewÃ¤hrten bedingten Entlassung zu erstehen war, mussten 15 Monate GefÃ¤ngnis (abzÃ¼glich 15 Tage Untersuchungshaft) sowie insgesamt 41 Tage Haft wegen Bussenumwandlungen vollzogen werden. Nach zwei Dritteln der Gesamtdauer der Strafe, also nach insgesamt einem Jahr, vier Monaten und vier Tagen, wurde der Beschwer­defÃ¼hrer bedingt entlassen. Nun enthalten weder das Bundesrecht noch das kantona­le Recht (Straf- und Vollzugsgesetz, Justizvollzugsverordnung vom 24. Oktober 2001) Be­stim­mun­gen darÃ¼ber, in welcher Reihenfolge gemeinsam zu verbÃ¼s­sende Freiheitsstrafen zu vollziehen sind. Das Bundesgericht hat festgestellt, dass nicht zu beanstanden sei, wenn die BehÃ¶rden von mehreren gemeinsam zu verbÃ¼ssenden Strafen zunÃ¤chst diejenigen vollziehen lassen, bei denen die Gefahr der VerjÃ¤hrung besteht. Einer solchen Regelung sei gar der Vorzug zu geben, da unbedingt ausgesprochene Freiheitsstrafen nach MÃ¶glichkeit auch vollzogen werden sollten (BGE 113 IV 49 E. 3). So sind denn in der Regel bei gemeinsam zu voll­ziehenden Freiheitsstrafen Strafreste vorweg zu vollziehen (vgl. Surber, S. 266). Ent­spre­chend diesem Grundsatz kann davon ausgegangen werden, dass der Strafrest von acht Monaten und 18 Tagen, dessen mÃ¶gliche VollstreckungsverjÃ¤hrung vom BeschwerdefÃ¼hrer geltend gemacht wird, im Zuge des am 18. November 1996 begonnen Vollzugs bereits er­standen wurde.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>4. Zur RÃ¼ge des BeschwerdefÃ¼hrers, seine Verfahrensrechte seien beim Erlass der beiden die RÃ¼ckversetzung auslÃ¶senden Strafbefehle verletzt worden, indem ihm kein amt­licher Verteidiger beigegeben worden sei, hat die Vorinstanz bereits zutreffend verneinend Stellung bezogen, weshalb sich auf die dortigen AusfÃ¼hrungen verweisen lÃ¤sst (§ 70 in Ver­bindung mit § 28 Abs. 1 Satz 2 VRG).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>5. Die vom BeschwerdefÃ¼hrer verlangte rasche Stellungnahme zur Frage der aufschie­­benden Wirkung der Beschwerde erÃ¼brigt sich bereits deshalb, weil diese von der Vor­­instanz mit VerfÃ¼gung vom 2. August 2002 wieder hergestellt wurde, ohne dass der vor­instanzliche Rekursentscheid vom 23. August 2002 auf diese Frage zurÃ¼ckgekommen wÃ¤re. Aufgrund von § 55 Abs. 1 VRG kommt der Beschwerde deshalb ohnehin aufschieben­de Wirkung zu.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem BeschwerdefÃ¼h­­rer aufzuerlegen (§ 70 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG) und bleibt ihm eine ParteientschÃ¤digung versagt (§ 17 Abs. 2 VRG).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Der BeschwerdefÃ¼hrer stellt im vorliegenden Verfahren kein Gesuch um unentgeltli­che Rechtspflege bzw. Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes, weshalb beides auch nicht zu gewÃ¤hren ist (Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Ver­waltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 16 N. 22, 39).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss <a id="Text4">entscheidet</a> die Kammer:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>2. ...</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Einzug1">Abweichende Meinung einer Minderheit der Kammer:</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">Eine Minderheit der Kammer gab die folgende abweichende Meinung zu Protokoll:</p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Begeht die entlassene Person wÃ¤hrend der Probezeit eine strafbare Handlung, fÃ¼r die sie zu einer drei Monate Ã¼bersteigenden und unbedingt zu vollziehenden Freiheitsstrafe ver­urteilt wird, so ordnet die zustÃ¤ndige BehÃ¶rde die RÃ¼ckversetzung an (Art. 38 Ziff. 4 Abs. 1 Satz 1 StGB). Das Gesetz regelt den Fall nicht, in welchem der Betroffene fÃ¼r Straf­taten in der Probezeit mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt wurde.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Es ist daher zu prÃ¼fen, ob â respektive inwieweit â mehrere Freiheitsstrafen, die zwar zusammengerechnet, aber nicht fÃ¼r sich allein die Dreimonatsgrenze Ã¼bersteigen, zwin­gend zu einem Widerruf fÃ¼hren. Zu dieser Frage hat sich das Bundesgericht in der publizierten Praxis â soweit ersichtlich â nur in einem Fall geÃ¤ussert: Laut AGVE 1989 Nr. 28 zog das Gericht im Urteil vom 20. April 1989 in Betracht, dass sich eine Besserstellung des TÃ¤ters, dessen strafbare Handlungen einzeln beurteilt werden, gegenÃ¼ber dem­jenigen, der eine Gesamtstrafe erhÃ¤lt, nicht rechtfertige (S. 207). Damit einher geht selbstverstÃ¤ndlich, dass sich auch eine Schlechterstellung des TÃ¤ters, dessen strafbare Handlungen einzeln beurteilt werden, gegenÃ¼ber demjenigen, der eine Gesamtstrafe erhÃ¤lt, nicht rechtfertigt. Das Bundesgericht stellte deshalb ausdrÃ¼cklich fest, dass der Entscheid, ob eine drei Monate Ã¼bersteigende Freiheitsstrafe vorliegt, eine "Gesamtbeurteilung" aller wÃ¤h­rend der Probezeit verÃ¼bten strafbaren Handlungen gebietet (AGVE 1989 Nr. 28 S. 207). Eine Gesamtbeurteilung erschÃ¶pft sich jedoch nicht in einem blossen rechnerischen ZusammenzÃ¤hlen. Das Bundesgericht ging deshalb im zitierten Entscheid darauf ein, wie lange die Strafdauer bei einer Gesamtstrafe ausgefallen wÃ¤re â und stellte schliesslich fallbezogen fest, dass die Annahme der Vorinstanz, wonach die gesamte Strafdauer bei ei­ner oder mehreren Verurteilungen "etwa" gleich lang ausgefallen wÃ¤re, Bundesrecht nicht verletze (S. 207).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Ein Widerruf ist somit bei Vorliegen mehrerer Freiheitsstrafen nur zwingend, wenn die Strafdauer auch bei einer gesamthaften Beurteilung etwa gleich lang ausgefallen wÃ¤re und deshalb jedenfalls die Grenze von drei Monaten Ã¼berschritten hÃ¤tte. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Solches trifft vorliegend nicht zu. Es ist vielmehr ohne weiteres denkbar, dass der BeschwerdefÃ¼hrer bei einer gemeinsamen Beurteilung seiner Taten insgesamt mit nur 90 Tagen GefÃ¤ngnis bestraft worden wÃ¤re (und sicher nicht mit 94 Tagen, welche sich aus dem Zusammenrechnen der beiden separat ausgesprochenen Strafen ergeben). Im Grenzbereich von leicht Ã¼ber drei Monaten genÃ¼gt der Umstand, dass eine Strafe bei einer gemeinsamen Beurteilung "etwa" gleich lang ausgefallen wÃ¤re, gerade nicht zur Annahme, die Straf­dauer hÃ¤tte bei einer Gesamtbeurteilung der neuen Delikte auch die Drei­monats­grenze jedenfalls Ã¼berschritten. Eine durch das blosse Zusammenrechnen resultierende geringfÃ¼gi­ge Ãberschreitung der Grenze von drei Monaten fÃ¼hrt deshalb nicht zur zwin­genden RÃ¼ckversetzung. Entgegen dem in oben stehender UrteilsbegrÃ¼ndung erweckten Eindruck (E. 2c/cc) stÃ¼nde die zwingende RÃ¼ckversetzung in solchen Grenz­fÃ¤llen denn auch keineswegs im Einklang mit der "ganz Ã¼berwiegenden Rechtsprechung". Wie erwÃ¤hnt ist zu dieser Frage einzig AGVE 1989 Nr. 28 ersichtlich; gerade die darin enthaltenen, differenzierten ErwÃ¤gungen des Bundesgerichts sind Ausgangspunkt fÃ¼r vorliegende Beurteilung, wie sie am hiesigen Gericht durch den Einzelrichter bereits in VB.98.00405 vorgenommen wurde.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Es verbietet sich somit im vorliegenden Fall die Annahme, infolge des Zusammenrechnens beider ausgesprochenen Freiheitsstrafen seien die Voraussetzungen fÃ¼r einen zwin­genden Widerruf gemÃ¤ss Art. 38 Ziff. 4 Abs. 1 Satz 1 StGB erfÃ¼llt.</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>