<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 67 S.263</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">263</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>67</b></span> <span class="ft2"><b>Erbschaftssteuer; Wohngemeinschaft (§ 147 Abs. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Unter den Begriff "Wohngemeinschaft" kann auch eine nicht part-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nerschaftliche Beziehung fallen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">21. Juni 2007 in Sachen E.L., 3-RV.2006.216</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1. Die Rekurrentin und W.M. waren von 1965 bis 1975 mit-</span><br/> <span class="ft1">einander verheiratet. Nach der Scheidung dieser Ehe heiratete die</span><br/> <span class="ft1">Rekurrentin 1976 F.L., einen Arbeitskollegen von W.M.. Fortan leb-</span><br/> <span class="ft1">ten alle drei im Haus von W.M. in S.. Wohnzimmer, Küche, Bad,</span><br/> <span class="ft1">Keller, Estrich und Garten standen zur gemeinsamen Verfügung.</span><br/> <span class="ft1">Einzig die Schlafzimmer waren getrennt zugeteilt. Alle trugen zum</span><br/> <span class="ft1">Wohl der Gemeinschaft bei. W.M. kümmerte sich um den Unterhalt</span><br/> <span class="ft1">der Liegenschaft und besorgte den Garten. Die Rekurrentin nahm</span><br/> <span class="ft1">sich dem Haushalt, der Verpflegung und der gesundheitlichen Be-</span><br/> <span class="ft1">treuung von W.M. an. Ihr Ehemann besorgte nebst der auswärtigen</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit die administrativen Belange von W.M..</span><br/> <span class="ft1">Aufgrund der Verschlechterung seines gesundheitlichen Zu-</span><br/> <span class="ft1">standes veräusserte W.M. seine Liegenschaft mit Kaufvertrag vom</span><br/> <span class="ft1">9. Oktober 1996 an die Rekurrentin und ihren Ehemann. Im Kauf-</span><br/> <span class="ft1">vertrag wurde W.M. ein lebenslängliches Wohnrecht eingeräumt.</span><br/> <span class="ft1">Dieses umfasste das alleinige und ausschliessliche Benützungsrecht</span><br/> <span class="ft1">am mittleren Zimmer, südlich, im Parterre, sowie die Mitbenützung</span><br/> <span class="ft1">der Wohnräume (Stube, Küche, Badzimmer) sowie Keller, Estrich</span><br/> <span class="ft1">und Garten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">264</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Mit der gleichentags errichteten öffentlichen letztwilligen Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung setzte W.M. die Rekurrentin als Alleinerbin ein. Bei deren</span><br/> <span class="ft1">Vorversterben ist ihr Ehemann Alleinerbe. Sollte auch dieser vorver-</span><br/> <span class="ft1">sterben, so wäre das Vermögen von W.M. zu gleichen Teilen auf die</span><br/> <span class="ft1">Einwohnergemeinde S. und den Haus- und Krankenpflegeverein S.</span><br/> <span class="ft1">aufzuteilen.</span><br/> <span class="ft1">1998 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von W.M. so</span><br/> <span class="ft1">sehr, dass er sich über viele Wochen in Spitalpflege begeben musste.</span><br/> <span class="ft1">Anschliessend musste er ins Alters- und Pflegeheim in S. überführt</span><br/> <span class="ft1">werden, weil er so stark pflegebedürftig war, dass die Rekurrentin</span><br/> <span class="ft1">und ihr Ehemann nicht mehr in der Lage waren, für ihn zu sorgen.</span><br/> <span class="ft1">Sie besuchten ihn jedoch regelmässig und erledigten weiterhin alle</span><br/> <span class="ft1">seine administrativen Angelegenheiten.</span><br/> <span class="ft1">Am 8. April 2005 ist W.M. verstorben.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Mit Verfügung vom 8. Mai 2006 hat die Vorinstanz auf dem</span><br/> <span class="ft1">der Rekurrentin zugeflossenen Nachlassvermögen von W.M. von</span><br/> <span class="ft1">CHF 472'045.00 eine Erbschaftssteuer von CHF 100'972.60 erhoben.</span><br/> <span class="ft1">Dieser Veranlagung liegen die Steuersätze der Klasse 3 zugrunde.</span><br/> <span class="ft1">Die Vorinstanz ist der Auffassung, dass das Zusammenleben des Ver-</span><br/> <span class="ft1">storbenen und der Rekurrentin nicht als unter die Klasse 1 fallende</span><br/> <span class="ft1">Wohngemeinschaft gemäss § 147 Abs. 2 StG qualifiziert werden</span><br/> <span class="ft1">könne.</span><br/> <span class="ft1">Die Vertreterin der Rekurrentin beantragt, die Erbschaftssteuer</span><br/> <span class="ft1">sei nach der Steuerklasse 1 zu berechnen.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">3.1.1. § 147 StG lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft7">,,1 Die Steuer wird nach dem steuerbaren Betrag des Vermögensan-</span><br/> <span class="ft7">falls und nach dem Verwandtschaftsgrad der steuerpflichtigen Person</span><br/> <span class="ft7">zur erblassenden, schenkenden oder zuwendenden Person berechnet.</span><br/> <span class="ft7">2 Für die Verwandtschaftsgrade gelten folgende Klassen:</span><br/> <span class="ft7">Klasse 1: Eltern, Stiefeltern und Pflegeeltern, sofern das Pflegever-</span><br/> <span class="ft7">hältnis während mindestens 2 Jahren bestanden hat, sowie Personen,</span><br/> <span class="ft7">die mit der zuwendenden Person während mindestens 5 Jahren in</span><br/> <span class="ft7">Wohngemeinschaft (gleicher Wohnsitz) gelebt haben;</span><br/> <span class="ft7">Klasse 2: Geschwister und Grosseltern;</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">265</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Klasse 3: alle weiteren steuerpflichtigen Personen.</span><br/> <span class="ft7">3 (...)</span><br/> <span class="ft7">4 (...)"</span><br/> <span class="ft1">3.1.2. Die Vorinstanz anerkennt, dass W.M. und die Rekurrentin</span><br/> <span class="ft1">während mehr als 5 Jahren in gemeinsamen Räumlichkeiten bzw. an</span><br/> <span class="ft1">der gleichen Wohnadresse zusammengelebt haben. Es wird auch</span><br/> <span class="ft1">nicht in Abrede gestellt, dass trotz dem Aufenthalt von W.M. im</span><br/> <span class="ft1">Pflegeheim weiterhin von einem Wohnen unter gleicher Adresse</span><br/> <span class="ft1">auszugehen ist.</span><br/> <span class="ft1">Streitig und im Folgenden zu prüfen ist einzig, ob die Art des</span><br/> <span class="ft1">Zusammenlebens von W.M. und der Rekurrentin als Wohngemein-</span><br/> <span class="ft1">schaft im Sinne von § 147 Abs. 2 StG zu qualifizieren ist.</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">3.2.1. Die Vorinstanz ist der Auffassung, dass der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft1">von partnerschaftlichen Wohngemeinschaften ausgegangen sei. Er</span><br/> <span class="ft1">habe mit der Regelung vor allem erreichen wollen, dass bei der Be-</span><br/> <span class="ft1">steuerung von unentgeltlichen Vermögensanfällen die Konkubi-</span><br/> <span class="ft1">natspaare im Vergleich zu den Ehepaaren nicht mehr derart ungleich</span><br/> <span class="ft1">behandelt würden, und dass die Beurteilung einer Wohngemeinschaft</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich gestützt auf objektive Kriterien vorgenommen werden</span><br/> <span class="ft1">könne.</span><br/> <span class="ft1">Nach Auffassung der Vorinstanz besteht eine partnerschaftliche</span><br/> <span class="ft1">Beziehung zwischen zwei (und nicht mehr) Personen. Vorliegend</span><br/> <span class="ft1">verhindere allein die Tatsache, dass die Rekurrentin verheiratet sei,</span><br/> <span class="ft1">die geforderte partnerschaftliche Beziehung im Sinne einer Lebens-</span><br/> <span class="ft1">gemeinschaft zwischen dem Erblasser und der Universalerbin.</span><br/> <span class="ft1">3.2.2. Die Vertreterin der Rekurrentin vertritt demgegenüber die</span><br/> <span class="ft1">Auffassung, dass der Gesetzgeber zwar in erster Linie, aber nicht</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich an die Konkubinatspaare gedacht habe. § 147 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">StG schliesse aber nicht nur Paarbeziehungen, sondern auch grössere</span><br/> <span class="ft1">Gemeinschaften ein. Der Gesetzgeber habe nicht ausschliesslich ein-</span><br/> <span class="ft1">oder zweigeschlechtliche Konkubinate, sondern auch andere Wohn-</span><br/> <span class="ft1">gemeinschaften begünstigen wollen.</span><br/> <span class="ft1">Es ist folglich § 147 Abs. 2 StG auszulegen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">266</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">3.3.1. Gemäss der Rechtsprechung bildet in erster Linie der</span><br/> <span class="ft1">Wortlaut den Ausgangspunkt jeder Auslegung (wörtliche oder</span><br/> <span class="ft1">grammatikalische Auslegung). Ist der Text nicht ganz klar und sind</span><br/> <span class="ft1">verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach seiner wahren</span><br/> <span class="ft1">Tragweite gesucht werden. Dabei müssen alle Auslegungselemente,</span><br/> <span class="ft1">wie namentlich die Gesetzesmaterialien (historische Auslegung), der</span><br/> <span class="ft1">Zweck der Regelung, der Sinnzusammenhang sowie die dem Text zu</span><br/> <span class="ft1">Grunde liegenden Wertungen beachtet werden. In gewissen Fällen ist</span><br/> <span class="ft1">auch das geschützte Interesse (teleologische Auslegung) oder auch</span><br/> <span class="ft1">das Verhältnis zu anderen Gesetzesbestimmungen (systematische</span><br/> <span class="ft1">Auslegung) zu beachten. Sind mehrere Auslegungen zulässig, so ist</span><br/> <span class="ft1">derjenigen der Vorzug zu geben, welche verfassungskonform ist. Das</span><br/> <span class="ft1">Bundesgericht geht davon aus, dass der Gesetzgeber keine mit der</span><br/> <span class="ft1">Verfassung unvereinbare Lösungen vorschlägt, ausser das Gegenteil</span><br/> <span class="ft1">ergebe sich eindeutig aus dem Wortlaut oder dem Sinn des Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">(Pra 95 [2006] Nr. 90 = BGE 131 II 562).</span><br/> <span class="ft1">3.3.2. Der Begriff ,,Wohngemeinschaft" wird wie folgt um-</span><br/> <span class="ft1">schrieben (Wahrig, Deutsches Wörterbuch, 7. Auflage, München</span><br/> <span class="ft1">2001):</span><br/> <span class="ft7">,,Gemeinschaft mehrerer Personen od. Paare in einer Wohnung mit</span><br/> <span class="ft7">gemeinsamer Benutzung von Küche u. Bad, Haushaltsgeräten, oft auch mit</span><br/> <span class="ft7">gemeinsamer Haushaltsführung."</span><br/> <span class="ft1">Unter den Begriff ,,Wohngemeinschaft" können also rein</span><br/> <span class="ft1">sprachlich gesehen nicht nur geschlechtliche Paarbeziehungen, son-</span><br/> <span class="ft1">dern auch nicht geschlechtliche Wohngemeinschaften mit mehr als</span><br/> <span class="ft1">zwei Personen fallen. Die wörtliche Auslegung spricht somit eher für</span><br/> <span class="ft1">den Standpunkt der Vertreterin der Rekurrentin. Es ist jedoch nicht</span><br/> <span class="ft1">ausgeschlossen, dass der Gesetzgeber den Begriff ,,Wohngemein-</span><br/> <span class="ft1">schaft" enger oder anders verstanden hat. Es sind daher die Geset-</span><br/> <span class="ft1">zesmaterialien zu konsultieren.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.1. (Zitate aus den Gesetzesmaterialien)</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.2. Aus den Gesetzesmaterialien ergibt sich also, dass unter</span><br/> <span class="ft1">den Begriff ,,Wohngemeinschaft" nach dem Willen des Gesetzgebers</span><br/> <span class="ft1">(entgegen der Auffassung der Vorinstanz) auch eine nicht ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">267</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schlechtliche Beziehung subsumiert werden kann. Es genügt, dass</span><br/> <span class="ft1">zwischen den Betroffenen eine gegenseitige (moralische) Unterstüt-</span><br/> <span class="ft1">zung in der Art eines Ehepaares bestand bzw. besteht. Dabei wird aus</span><br/> <span class="ft1">dem Umstand, dass eine erbrechtliche Zuwendung oder Schenkung</span><br/> <span class="ft1">erfolgte, auf das Vorliegen einer intensiven persönlichen Beziehung</span><br/> <span class="ft1">zwischen den Betroffenen geschlossen (vgl. dazu auch die neue</span><br/> <span class="ft1">Steuerpraxis 2007, S. 41 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Aus den Materialien ergeben sich keine Hinweise darauf, dass</span><br/> <span class="ft1">die von der Rekurrentin mit ihrem zweiten Ehemann geführte Ehe</span><br/> <span class="ft1">und der Umstand, dass dieser in den gleichen Räumlichkeiten wie</span><br/> <span class="ft1">der verstorbene W.M. und die Rekurrentin wohnte, das Vorliegen ei-</span><br/> <span class="ft1">ner Wohngemeinschaft zwischen W.M. und der Rekurrentin im Sinne</span><br/> <span class="ft1">von § 147 Abs. 2 StG ausschliessen würden. Dies wäre denn auch</span><br/> <span class="ft1">nicht sachgerecht, weil weder das eine noch das andere ein gutes per-</span><br/> <span class="ft1">sönliches Verhältnis zwischen W.M. und der Rekurrentin zwingend</span><br/> <span class="ft1">ausschloss.</span><br/> <span class="ft1">Wie die Vorinstanz zum Schluss kommen kann, die Gesetzes-</span><br/> <span class="ft1">materialien würden ihre Auffassung stützen, dass die Zuweisung in</span><br/> <span class="ft1">die Steuerklasse 1 eine partnerschaftliche Beziehung bedinge, ist für</span><br/> <span class="ft1">das Steuerrekursgericht nicht nachvollziehbar.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.3. Die übrigen Auslegungselemente stehen dieser Ausle-</span><br/> <span class="ft1">gung nicht entgegen. Vielmehr spricht auch die vom Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft1">bewusst angestrebte ,,Ausweitung des Kreises der Begünstigten" an-</span><br/> <span class="ft1">stelle einer Anknüpfung an ein Konkubinatsverhältnis für die vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend vom Steuerrekursgericht vertretene Sichtweise.</span><br/> <span class="ft1">3.3.3.4. Die Vorinstanz macht geltend, für ihre Annahme, dass</span><br/> <span class="ft1">der Gesetzgeber von partnerschaftlichen Wohngemeinschaften aus-</span><br/> <span class="ft1">gegangen sei, spreche der Umstand, dass er Zuwendungen unter Ge-</span><br/> <span class="ft1">schwistern der Steuerklasse 2 zugewiesen habe. Obwohl nicht selten</span><br/> <span class="ft1">auch Geschwister in Wohngemeinschaften leben würden, habe der</span><br/> <span class="ft1">Gesetzgeber darauf verzichtet, die Zuweisung zur Klasse 2 unter den</span><br/> <span class="ft1">Vorbehalt zu stellen, dass diese Zuweisung nur für diejenigen Fälle</span><br/> <span class="ft1">gelte, bei denen die Geschwister nicht in Wohngemeinschaft leben</span><br/> <span class="ft1">und somit Vermögenszuwendungen nach dem Satz der Steuerklasse</span><br/> <span class="ft1">1 zu besteuern wären.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">268</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die erbschafts-</span><br/> <span class="ft1">steuerlich privilegierten Wohngemeinschaften ursprünglich mindes-</span><br/> <span class="ft1">tens sieben Jahre dauern mussten und wie die Geschwister und</span><br/> <span class="ft1">Grosseltern in der Klasse 2 (von ursprünglich 5 Klassen) eingeteilt</span><br/> <span class="ft1">waren (im Vorentwurf I PL in der Klasse 3 von 6 Klassen). Im Laufe</span><br/> <span class="ft1">der Beratungen erfolgte eine Reduktion von 5 auf 3 Klassen und die</span><br/> <span class="ft1">Wohngemeinschaften wurden neu, entsprechend den Eltern, unter</span><br/> <span class="ft1">gleichzeitiger Reduktion der Mindestdauer von sieben auf fünf Jahre</span><br/> <span class="ft1">in die Klasse 1 eingeteilt (Nichtständige Kommission Nr. 07 ,,Steu-</span><br/> <span class="ft1">ergesetz" 17. Sitzung vom 9. November 1998, S. 321). Die neue Ein-</span><br/> <span class="ft1">reihung diente der Besserstellung der Wohngemeinschaften (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Protokoll der Sitzung des Grossen Rates vom 15. Dezember 1998,</span><br/> <span class="ft1">Votum Dr. Rudolf Rohr zu § 146). Dies hatte zur Folge, dass nur</span><br/> <span class="ft1">noch begünstigte Geschwister und Grosseltern in der Klasse 2 ver-</span><br/> <span class="ft1">blieben. Damit stellt sich die Frage, ob die Geschwister auch unter</span><br/> <span class="ft1">die in die Klasse 1 eingeteilten Wohngemeinschaften fallen können,</span><br/> <span class="ft1">wenn die diesbezüglichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu kann</span><br/> <span class="ft1">den Materialien, soweit ersichtlich, nichts entnommen werden.</span><br/> <span class="ft1">Nach der Auffassung des StRG kommt die Klasse 2 bei Ge-</span><br/> <span class="ft1">schwistern nur dann zur Anwendung, wenn die Voraussetzungen ei-</span><br/> <span class="ft1">ner der Klasse 1 zugeteilten Wohngemeinschaft nicht erfüllt sind.</span><br/> <span class="ft1">Wenn aber Geschwister während mindestens 5 Jahren in Wohnge-</span><br/> <span class="ft1">meinschaft gelebt haben, ist auch bei ihnen die Klasse 1 anzuwen-</span><br/> <span class="ft1">den. Einen ausdrücklichen gesetzlichen Vorbehalt braucht es dazu</span><br/> <span class="ft1">nicht, weil eine Besteuerung in Anwendung der Klasse 2 immer nur</span><br/> <span class="ft1">dann erfolgt, wenn die Voraussetzungen für die Anwendung der</span><br/> <span class="ft1">günstigeren Klasse 1 nicht erfüllt sind. Die Anwendung der Klassen</span><br/> <span class="ft1">1 - 3 ist stufenweise zu prüfen.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem Umstand, dass die Geschwister ohne Vorbehalt der</span><br/> <span class="ft1">Klasse 2 zugeteilt sind, kann daher für die Beurteilung der vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gend streitigen Frage (vgl. Ziff. 3.1.2.) nichts abgeleitet werden.</span><br/> <span class="ft1">3.4. Zusammenfassend kommt das StRG zum Schluss, dass das</span><br/> <span class="ft1">der Rekurrentin durch den Tod von W.M. zugeflossene Vermögen</span><br/> <span class="ft1">nach den für die Klasse 1 geltenden Steuersätzen zu besteuern ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>