B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6179/2013 U r t e i l v o m 2 0 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._______, geboren (…), Volksrepublik China, vertreten durch Liliane Blum, Freiplatzaktion Zürich, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfügung des BFM vom 27. September 2013 / N (…). E-6179/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Der Beschwerdeführer, gemäss eigenen Angaben ein Tibeter mit letztem Wohnsitz in B._______ (Provinz Kham), soll seinen Heimatstaat (…) illegal verlassen haben. Er sei nach C._______ gegangen und von dort nach D._______ und weiter nach E._______. Nach einem Marsch über das Gebirge sei er nach F._______ (Nepal) gereist. Insgesamt sei er zirka zwei Monate in Nepal gewesen; dann sei er auf dem Luftweg mit ei- ner ihm unbekannten Fluggesellschaft in ein ihm unbekanntes Land g e- reist. Nach einer mehrstündigen Fahr t in einem Auto sei er am 10. April 2011 in die Schweiz gelangt. Der Beschwerdeführer suchte gleichentags um Asyl nach. Die Befragung zur Person (BzP) fand am 26. April 2011 statt, die Anhörung am 19. Janu- ar 2012. A.b Zur Begründung seines Asylgesuches brachte der Beschwerdeführer vor, am (…) in G._______ zusammen mit sieben Mönchen, total seien sie etwa 50 Personen gewesen, für den Dalai Lama beziehungsweise gegen die Chinesen demonstriert zu haben. Als die Geheimpolizei gekommen sei, sei er weggerannt und zu seinen Eltern gegangen. Er habe diesen vom Vorfall erzählt und dann das Dorf (…) verlassen. Ansonsten habe er mit den Behörden, mit Organisationen oder m it Per- sonen keine Probleme gehabt. Er sei niemals inhaftiert gewesen und h a- be auch nie vor Gericht gestanden; weder sei er religiös noch politisch tä- tig gewesen. Bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat würde er, so seine Befürchtung, ins Gefängnis gesteckt. A.c Der Beschwerdeführer gab keine Identitätspapiere zu den Akten; e i- nen Pass habe er nie besessen, und seine Identitätskarte habe er wegen der plötzlichen Flucht zuhause gelassen . Er reichte auch keine anderen Beweismittel ein. A.d Das BFM wies den Beschwerdeführer am 11. Mai 2011 für die Dauer des Verfahrens dem Kanton (…) zu. B. Nachdem die Rechtsvertretung dem BFM am 8. Juni 2012 die Ma n- datsübernahme angezeigt und um Akteneinsicht ersucht hatte, bat der E-6179/2013 Seite 3 Beschwerdeführer das Bundesamt im eigenen Namen, sein Gesuch so schnell wie möglich zu behandeln. Das BFM teilte ihm mit Schreiben vom 18. Oktober 2012 mit, infolge der hohen Geschäftslast sei es nicht möglich, den Asylentscheid auf ein b e- stimmtes Datum hin in Aussicht zu stellen. Gleichzeitig wi es es das A k- teneinsichtsgesuch unter Hinweis darauf, dass die Abklärungen noch nicht abgeschlossen seien, ab; es werde auf das Ersuchen nach deren Abschluss zurückkommen. Der Beschwerdeführer erkundigte sich erneut – diesmal durch seine Rechtsvertretung – am 14. Juni 2013 nach dem Verfahrensstand, und am 23. August 213 wollte die Rechtsvertretung unter Hinweis darauf, dass die Eingaben vom 8. Juni 2012 und 14. Juni 2013 unbeantwortet gebli e- ben seien, den Verfahrensstand in Erfahrung bringen; sie behi elt sich ei- ne Rechtsverzögerungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht vor. Mit Schreiben vom 18. September 2013 liess das BFM dem Beschwerde- führer Kopien des Aktenverzeichnisses und der nachgesuchten Akten zu- gehen. C. Mit am 30. September 2013 eröffneter Verf ügung vom 27. September 2013 stellte das Bundesamt fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht- lingseigenschaft, lehnte indessen das Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Wegen aktueller Unzulässigkeit werde die Wegweisung nicht vollzogen; der Vollzug der Wegweisung werde zu Gunsten einer vor- läufigen Aufnahme aufgeschoben und (…) mit deren Umsetzung beauf- tragt. D. Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechts- vertreter am 30. Oktober 2013 beim Bundesverwaltungsgericht B e- schwerde erheben. Er beantragte in materieller Hinsicht die Aufhebung der Ziffern 1 (Flüchtlingseigenschaft) und 3 (Wegweisung) der vorinstanz- lichen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Ge- währung von Asyl. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Erlass der Verfahrenskosten und den V erzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses; ausserdem sei ihm eine angemessene Parteientschädigung zu entrichten. E-6179/2013 Seite 4 E. Mit Zwischenverfügung vom 7. November 2013 fordert e der Instruktions- richter den Beschwerdeführer auf, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu leisten oder eine Fürsorgebestätigung nachzureichen. Fristgerecht ging beim Gericht am 11. November 2013 eine Unterstü t- zungsbestätigung H._______ vom (…) ein. F. Der In struktionsrichter lud das BFM mit Verfügung vom 13. November 2013 zur Vernehmlassung ein. Das Bundesamt stellte in seiner Vernehmlassung vom 20. November 2013 fest, die Beschwerde enthalte nichts Neues. Allerdings sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung g e- fragt worden sei, ob er nebst den Problemen mit den Behörden anderwei- tige Schwierigkeiten gehabt habe, was von diesem verneint worden sei; es sei nicht nachvollziehbar, warum er mehrere wesentliche Vorbringen erst später vorgebacht habe. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 21. November 2013 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül- tig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31 ]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-6179/2013 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter Beachtung der nachstehenden Ausführungen einzutreten. 1.4 In der Beschwerde wird unter anderem die Feststellung der Flüch t- lingseigenschaft beantragt. Nachdem die Vorinstanz in der angefocht e- nen Verfügung feststellte, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingse i- genschaft, ist auf dieses Rechtsbegehren nicht einzutreten. Da die Flüchtlingseigenschaft aufgrund von Art. 54 AsylG (subjektive Nachflucht- gründe) festgestellt wurde, ist indessen im Rahmen der Prüfung der Asyl- gewährung das Vorliegen von Vorfluchtgründen, we lche zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führen könnten, zu überprüfen. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i-E-6179/2013 Seite 6 chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder ma ssgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM begründete seine Ablehnung des Asylgesuches mit der feh- lenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen, welche den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. 4.1.1 Der Beschwerdeführer mache geltend , im (…) von den chines i- schen Behörden geschlagen worden zu sein, als er versucht h abe, sei- nen Lehrer zu unterstützen. Im (…) solle er demonstriert haben. Weil die Behörden ihn zuhause nicht gefunden hätten, seien sein Vater und sein Bruder verhaftet worden. Er habe etliche Vorbringen erst an der Anhörung und nicht schon bei der Befragung geltend gemacht. So habe er anlässlich der Befragung mit keinem Wort die angeblichen Probleme im Jahr (…), insbesondere die Schläge und den anschlie ssenden Spitalaufenthalt, erwähnt. Da es sich hierbei um prägende Erlebnisse handeln dürfte, sei nicht nachvollziehbar, warum der Beschwerdeführer diese bei der BzP nicht einmal ansatzweise vorgebracht habe. Selbst auf die explizite Frage, ob er sonst irgendwe l- che Probleme gehabt habe, habe er mit Nein geantwortet. Er habe anlässlich der Befragung auch nicht e rwähnt, dass die Behörden am Tag nach der Demonstration nach Hause gekom men seien und an seiner Stelle den Vater und den Bruder festgenommen hätten. Auch hie r- bei handle es sich um einschneidende Erlebnisse, weshalb nicht nach- vollziehbar sei, dass er sie damals nicht erwähnt habe. Ebenfalls nicht erwähnt habe er, dass er sich nach seiner Teilnahme an der Demonstration stundenlang (…) versteckt habe. Schliesslich hab e er an der Befragung auch nicht vorgebracht, nach der Demonstration sei die Polizei ins Klost er gekommen und habe dort festgestellt, dass er an der Demonstration gewesen sei. Weiter habe er bei der BzP angegeben, während der Demonstration sei- en Geheimpolizisten gekommen, worauf die Demonstranten in alle Ric h- tungen davongerannt seien. Er sei zu sei nen Eltern geflüchtet, die ihm vom Vorfall erzählt hätten. Anlässlich der Anhörung dagegen habe er vor- gebracht, sich nach der Flucht (…) versteckt zu haben und anschliessend zu Verwandten geflohen zu sein. Von dort habe er seine Eltern angerufen E-6179/2013 Seite 7 und ihnen das Vorgefallene sinngemäss berichtet. Danach sei er von e i- nem Verwandten nach Hause beg leitet worden, wo ihn der Vater vor der Haustür abgefangen habe und sogleich zusammen mit ihm geflüchtet sei. Zudem habe der Beschwerdeführer zum Fluchtweg widersprüch liche An- gaben gemacht. Bei der Befragung habe er vorgebracht, am (…) von B._______ zu Fuss losgegangen und später in einem Auto nach C._______ gefahren zu sein. An der Anhörung hingegen habe er ausg e- sagt, von seinem Vater zu einem Verwandten in das nächste Dorf g e- bracht worden zu sein. Dort seien sie zu fremden Leuten gebracht wo r- den. Dann habe sie der Verwandte angerufen und ihnen gesagt, sie so l- len nicht in der Nähe bleiben, worauf sie zur Mutter zurückgekehrt seien; von dort seien sie nach C._______ geflüchtet. Aufgrund der nachgeschobenen und widersprüchlichen Aussagen seien die Asylgründe als unglaubhaft zu qualifizieren. Die Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigk eit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. 4.1.2 Befürchtungen, künftig staatlicher Verfolgung ausgesetzt zu sein, seien nur dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur Annahme b e- stehe, dass sich diese Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen werde. Das Bundesverwaltungsgericht habe in seinem Leitentscheid BVGE 2009/29 festgehalten, dass illegal ausgereiste Tibeter verdächtigt würden, den Dalai Lama zu unterstützen. Sie würden somit Gefahr laufen, als s e- paratistisch gesinnte Oppositionelle zu gelten und müssten bei einer Rückkehr Haft und Misshandlungen in einem flüchtlingsrelevanten Au s- mass befürchten. Den Akten sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer illegal aus Ch i- na ausgereist sei. Er habe somit begründete Furcht, bei einer Rückkehr in die Heimat flüchtlingsrelevanten Übergriffen ausgesetzt zu sein. Damit erfülle er die Flüchtlingseigenschaft. Flüchtlingen werde indessen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG geworden s eien (Art. 54 AsylG). Somit seien vorliegend die flüchtlingsrelevanten Elemente als subjektive Nachfluchtgründe zu qualifizieren, weshalb der Beschwerdeführer von der Asylgewährung auszuschliessen sei. E-6179/2013 Seite 8 Demnach sei das Asylgesuch abzulehnen und der Beschwerdeführer vor- läufig aufzunehmen. 4.1.3 Da das Asylgesuch abgelehnt werde, sei der Beschwerdeführer grundsätzlich zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung komme das BFM zu folgendem Schluss: Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfülle, werde der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG ang e- wandt. Deshalb erachte das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung in den Herkunfts- beziehungsweise in den Heimatstaat oder in einen Drit t- staat im gegenwärtigen Zeitpunkt als nicht zulässig. Demnach sei er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 4.2 4.2.1 Diesen Erwägungen wird in der Beschwerde nach Zitierung der vor- liegend interessierenden gesetzlichen Bestimmungen und der einschlägi- gen Rechtsprechung das Nachstehende entgegengehalten. 4.2.2 Die Vorinstanz werfe dem Beschwerdeführer vor, etliche seiner Vor- bringen erst an der Anhörung und nicht schon bei der Befragung vorg e- bracht zu haben. Indessen handle es sich bei der BzP um e ine summari- sche Befragung. Das BFM habe ihn in der EVZ aufgefordert, sich kurz zu halten und lediglich die wesentlichen Punkte anzugeben. Er sei erst am Schluss zu den Asylgründen befragt worden. Bei der Anhörung, die lä n- ger als die Befragung gedauert habe, habe er sich ausschliesslich zu den Asylgründen äussern können, wobei man ihn angehalten habe, ausfüh r- lich und detailliert zu erzählen. Grundsätzlich dürfe für die Vorbringen zu den Asylgründen die summar i- sche Befragung nicht zum Vergleich herangezogen werden, da diese nicht die Abklärung der Flüchtlingseigenschaft bezwecke. Widersprüche, die zwischen der Befragung und der Anhörung entstanden seien, dürften nur dann für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit he rangezogen werden, wenn bestimmte Ereignisse od er Befürchtungen, die später als zentrale Asylgründe genannt würden, nicht bereits in der EVZ erwähnt worden seien. Keine entscheidrelevante Bedeutung hätten Aussagen in der BzP , welche sich im Vergleich zu späteren Vorbringen als blosse Unvollstä n- digkeit und unwesentliche Abweichungen erweisen würden. E-6179/2013 Seite 9 Der Beschwerdeführer habe sich an die Anweisung gehalten, sich bei der Befragung kurz zu fassen und erst bei der Anhörung alle Vorbringen au s- führlich geltend zu machen. Ihm dies nun vorzuwerfen und ihn als un - glaubwürig zu bez eichnen, sei stossend ; es dürfe ihm nicht vorgeworfen werden, sich bei der Befragung auf den wichtigsten Vorfall beschränkt und weitere Ausführungen weggelassen zu haben. Die sämtlichen Vorwürfe des BFM seien als unbegründet zu erachten. Der Beschwerdeführer blähe mit seinen Vorbringen bei der Anhörung den Sachverhalt weder auf, noch schiebe er gewichtige Ereignisse nach. Die Angaben, dass Vater und Bruder am Tag nach der Demonstration festge- nommen worden seien , aber auch der Umstand, das s er sich noch am Tag der Demonstration (…) versteckt gehalten habe, seien Sachverhalt s- präzisierungen, welche die kurzen Erläuterungen bei der BzP vervollstän- digen würden. Die Vorinstanz behaupte, dass zwischen der Befragung und der Anh ö- rung Widersprüche vorliegen würden. Dem Beschwerdeführer werde vor- geworfen, bei der BzP angegeben zu haben, nach der Demonstration zu seinen Eltern geflüchtet zu sein. Zudem habe er bezüglich des Reisew e- ges widersprüchliche Angaben gemacht. Die Vorinstanz verkenne dabei offensichtlich, dass es sich nicht um widersprüchliche Aussagen, sondern um Präzisierungen handle. 4.2.3 Alle Vorbringen des Beschwerdeführers seien glaubhaft. Er habe bei der Anhörung von sich aus sehr d etailliert zu seinen Asylgründen Auskunft gegeben, de r Befrager habe keine zusätzlichen Fragen stellen müssen. Bereits die Ausführlichkeit seiner Schilderungen weise auf ein glaubwürdiges Aussageverhalten hin. Des Weiteren seien die Vorbringen in sämtlichen Punkten in sich schlüssig und nachvollziehbar. Die Schilderungen zu der allgemeinen Situation in Tibet und zu r Lage- entwicklung in den letzten Jahren seien von grosser Präzision und zei g- ten anschaulich auf, inwieweit der Beschwerdeführer in den Prozess der Unterdrückung der tibetischen Mönche involviert gew esen sei. Er gebe eine grosse Dichte an Informationen weiter, welche verbi ldlichen würden, dass er sich als tibetischer Mönch mit den Eingriffen der chinesischen Regierung in die tibetische Religion und Kultur auseinandergesetzt habe. In Anbetracht des Hin tergrundes des Beschwerdeführers und seiner E r- lebnisse sei es ohne weiteres nachvollziehbar, dass sich der Beschwer -E-6179/2013 Seite 10 deführer am (…) auf die Strasse begeben und gegen die chinesische Re- gierung demonstriert habe. Seine umfangreichen Oppositionsbemühu n- gen zeigten ein hohes Mass an Präzision und Originalität. Auch die Schil- derungen seiner Flucht seien präzise und in sich schlüssig. Schliesslich erscheine der Beschwerdeführer auch persönlich als glau b- würdig. Er habe gegenüber der Vorinstanz nicht nur bezüglich Zeitpunkt, Umfang und Ursache seiner geltend gemachten Verfolgung klare Ang a- ben gemacht, sondern auch sehr detailliert Auskunft über sein Kl oster und die umliegende Region gegeben, ohne dass dabei wesentliche Tat- sachen verschwiegen oder falsch dargestellt worden seien. Es sei auch darauf hinzuweisen, dass er keine gefä lschten Beweismittel verwendet, keine Tatsachen verschwiegen oder die zumutbare Mitwirkung verweigert habe. In Würdigung der gesamten Vorbringen könne darauf geschlossen we r- den, dass der Beschwerdeführer gl aubwürdig sei und seine Angaben als glaubhaft betrachtet werden müssten, weshalb seine Flüchtlin gseigen- schaft als nachgewiesen und glaubhaft erachtet werden müsse. Zusammenfassend werfe das Vorgehen der Vorinstanz Fragen au f. O f- fensichtlich versuche das BFM durch das Heranziehen von nicht vorha n- denen oder unwesentlichen Widersprüchen in den Aussagen des B e- schwerdeführers auf eine generelle Unglaubwürdig keit zu schliessen. Dies habe zur Folge, dass das Asylgesuch ungerechtfertigterw eise abge- lehnt worden sei. Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien aufgrund der Ausführungen in der Beschwerde in Abwägung aller Ausführungen als glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG zu würdigen, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei. 5. 5.1 Das Gericht stellt vorweg die Ausgangslage klar. 5.1.1 Das BFM hat bezüglich des Beschwerdeführers am 27. September 2013 verfügt: 1. " Sie erfüllen die Flü chtlingseigenschaft gemäss Artikel 3 Absatz 1 und 2 AsylG. 2. Ihr Asylgesuch wird abgelehnt. 3. Sie werden aus der Schw eiz weggewiesen. 4. Ihre Wegweisung wird zurzeit wegen Unzulässigkeit nicht vollzogen. Der Vollzug wird zugunsten einer vorläuf i- gen Aufnahme aufgeschoben. (…) (vgl. BFM-Akten A21/9 S. 7). E-6179/2013 Seite 11 Weiter hat es in seinem Entscheid ausgeführt, d a das Asylgesuch abg e- lehnt werde, sei der Beschwerdeführer grundsätzlich zur Ausreise aus der Schweiz verpflichtet. Das Gericht geht mit der Vorinstanz in diesem Punkt einig: Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Au f- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502). Vor diesem Hintergrund hält der Antrag des Beschwerdeführers in seiner Rechtsmitteleingabe, die vorerwähnte Ziffer 3 des Dispositivs der vorin - stanzlichen Verfügung sei aufzuheben (vgl. Beschwerde Anträge S. 1), einer vertieften Auseinandersetzung nicht stand, und es ist ohne weiteren Begründungsaufwand nicht näher darauf einzugehen. 5.1.2 Sodann ist anzumerken, dass die Identität des Beschwerdeführers bis heute nicht gesichert feststeht. Er hat bei seiner Einreise in die Schweiz am 10. April 2011 keine Ausweispapiere oder anderen Bewei s- mittel zu den Akten gegeben und sich seither offensichtlich auch nicht um die Beschaffung solcher Dokumente bemüht. Sein Vorbringen bei der An- hörung, er habe bewusst keinen Kontakt mit der Familie, mit Verwandten und mit Bekannten aufgenommen, weil die Chinesen wahrscheinlich alle Gespräche abhören würden, ist umso unbehelflicher, als er dann auf Nachfrage hin angab, er denke nicht, dass alle Tibeter abgehört würden (vgl. A13/12 F45 A ff.). Vor diesem Hintergrund hat die Bekräftigung in der Rechtsmitteleingabe, der Beschwerdeführer habe keine gefälschten Beweismittel verwendet (vgl. Beschwerde Ziff. 2. S. 3), zwar ihre Richtigkeit, spricht aber eher g e- gen als für ihn. 5.1.3 Schliesslich ist zur zitierten R echtsprechung der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (Entscheidungen und Mitteilu n- gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3 ) festzustellen, dass dieses zwanzigjährige Grundsatzurteil ("Bedeutung E-6179/2013 Seite 12 der Aussage in der Empfangsstelle für die Beurteilung der Glaubwürdi g- keit") zwar im Kern nach wie vor seine Gültigkeit hat, aber – wie nachste- hend aufgezeigt – vorliegend insofern für den Beschwerdeführer nichts zu bewirken vermag, als es sich bei d essen Vorbringen bei der Anhörung in zahlreichen Punkten um Aussagen handelt, die bei der Befragung nicht einmal ansatzweise gemacht worden sind. Die Rechtsvertretung macht geltend, Widersprüche, die zwischen der Be- fragung und der Anhörung entstanden seien, dürften nur dann für die B e- urteilung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden, wenn bestimmte E r- eignisse oder Befürchtungen, die später als zentrale Asylgründe genannt würden, nicht bereits in der EVZ erwähnt worden seien , und keine ent- scheidrelevante Bedeutung hätten Aussagen in der BzP , welche sich im Vergleich zu späteren Vorbringen als blosse Unvollständigkeit und unw e- sentliche Abweichungen erweisen würden (vgl. vorstehend Ziff. 4.2.2) . Dem ist entgegenzuhalten , dass der Beschwerdeführer in der Tat nichts ausgeführt hat, was als Unvollständigkeit oder unwesentliche Abweichun- gen zu qualifizieren ist: Er hat nämlich in selten gesehenem Ausmass bei der Anhörung Vorbringen geltend gemacht, die weit über das hinausg e- hen, was er anlässlich der BzP zu Prot okoll gegeben hat, und vieles d a- von ist, obwohl von zentraler Bedeutung, bei der Befragung nicht einmal ansatzweise erwähnt worden. Es wird nachstehend näher darauf eing e- gangen. 5.2 Es wird in der Rechtsmitteleingabe angemerkt, der Beschwerdeführer sei anl ässlich der Befragung wiederholt zur Kürze aufgefordert und a n- gehalten worden, sich auf das Wesentliche zu beschränken, und zudem sei er anlässlich der zwei Stunden dauern den BzP erst am Schluss zu seinen Asylgründen befragt worden (vgl. Beschwerde Ziff. 1 . A). Dazu ist Folgendes klarzustellen: Die Dauer der Befragung entspricht dem üblichen zeitlichen Rahmen und ist nicht zu beanstanden. Ebenfalls nicht zu beanstanden ist der Um- stand, dass der Beschwerdeführer erst gegen Schluss der Befragung zu seinen Asy lgründen befragt wurde . D ieses Vorgehen ist Standard, wie auch dem Befragun gsprotokoll zu entnehmen ist (vgl. A6/9) ; zudem hat der Beschwerdeführer die Befragung auch nicht beanstandet (vgl. A6/9 S. 7). Der Beschwerdeführer hat bei der BzP d en fluchtauslösenden Vorfall als ein eher unspektakuläres, öfters vorkommende s Ereignis geschildert: Es E-6179/2013 Seite 13 sei demonstriert worden, die Polizei sei gekommen, er sei wie die ande- ren Demonstranten auch weggelaufen und dann zu seinen Eltern gega n- gen (vgl. A6/9 Ziff. 15). Ganz anders dagegen ist die Schilderung anlässlich der Anhörung ausge- fallen. Neu wurde – um nur einige, allerdings bezeichnende Beispiele zu erwähnen, welche die Unterschiede gegenüber den Aussagen bei der BzP dokumentieren – vorgebracht, dass der Vater un d der Br uder des Beschwerdeführers festgenommen worden seien (vgl. A13/12 F8 A), dass er sich (…) versteckt habe (vgl. A13/12 F34 A) und dass die Polizei in das Kloster gegangen sei und dort erfahren habe, dass er bei der Demonstra- tion dabei gewesen sei. Hierbei handelt es sich entgegen der Auffassung der Rechtsvertretung in der Beschwerde nicht einfach nur um eine Präzi- sierung von bereits an der BzB gemachten Vo rbringen, vielmehr zeichnet der Beschwerdeführer ein völlig anderes, wesentlich dramatischeres Bild. Dass die Festnahme engster Familienangehöriger nicht bereits bei der Befragung erwähnt worden ist, ist in keiner Weise nachvollziehbar. Das Gericht geht denn auch in einer Gesamtwürdigung der Vorbringen davon aus, dass es sich bei den angeblichen Präzisierungen weitestgehend um nachgeschobene Schilderungen handelt, um die Erfol gsaussichten im Verfahren zu steigern; zwi schen der Befragung und der Anhörung liegen sieben Monate, die es dem Beschwerdeführer leicht gemacht haben dürf- ten, seine Vorbringen schärfer und eindrücklicher zu konturieren. Es kann vorliegend offenbleiben, ob der Beschwerdeführer tatsächlich Mönch gewesen ist, im Kloster gelebt und sich politisch betätigt hat, wie er das bei der Anhörung vorbrachte (vgl. dazu etwa A13/12 F33 A) , denn die diesbezüglichen Aussagen sind für die Beurteilung des zentralen, fluchtauslösenden Vorbringens – der Vorfall (…) – nicht entscheidend. In- dessen muss er sich darauf behaften lassen und es bestärkt das Gericht in seiner Überzeugung, dass der Beschwerde führer das Geschehen überzeichnet, zu Protokoll gegeben zu haben, abgesehen von diesem Vorfall nie Probleme gehabt zu haben und auch nie religiös oder politisch tätig gewesen zu sein (vgl. A6/9 Ziff. 15), was mit den vorerwähnten Au s- sagen schwer vereinbar ist beziehungsweise klar im Widerspruch steht. Entscheidend ist die Frage, was der Beschwerdeführer anläs slich der Demonstration tatsächlich erlebt hat und ob er in flüchtlingsrelevantem Ausmass staatlicher Verfolgung ausgesetzt war. Das Gericht kommt dies- bezüglich zum Schluss, dass er anlä sslich der Demonstration und kurz E-6179/2013 Seite 14 danach nicht anderes erlebt hat, als das, was eine Vielzahl von Tibetern über sich ergehen lassen muss. Es schliesst weiter, dass der Beschwe r- deführer zwar bei der Demonstration dabeigewesen sein dürfte, aber die massiv voneinander abweichenden Darstellungen des Vorgefallenen an der BzP und an der Anhörung führen zum Schluss , dass er das Erlebte aufbauscht. 5.3 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass der Beschwerd e- führer für den Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Heimatstaat keine Ver- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag. 5.4. Subjektive Nachfluchtgründe sind dann zu bejahen, wenn eine asy l- suchende Person erst durch die Fluc ht aus dem Heimat- oder Herkunfts- staat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nach- fluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden j e- doch als Flü chtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1, BVGE 2009/29 E. 5.1). Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, aufgrund se i- ner illegalen Ausreise aus China habe der Beschwerdeführer begründete Furcht, bei einer Rückkehr in die Heimat flüchtlingsrelevanten Übergriffen ausgesetzt zu sein. Sie anerkannte daher seine Flüchtlingseigenschaft und ordnete die vorläufige Aufnahme an. Weitere Ausführungen zu den subjektiven Nachfluchtgründen und zum Vollzug der Wegweisung erübr i- gen sich demnach. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Verfahrensausgang wären dem Beschwerdeführer die Verfah- renskosten in der Höhe von Fr. 600.- aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesv erwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da sich indessen die Rechtsbegehren nicht von vornhe r- ein als aussichtslos erwiesen haben und die Mittellosigkeit des B e-E-6179/2013 Seite 15 schwerdeführers belegt ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgel t- lichen Prozessführung gutzuheissen und auf die Auferlegung der Verfa h- renskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-6179/2013 Seite 16 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub