Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer I I 2023 48 Entscheid vom 14. Oktober 2024 Besetzung lic.iur. Thomas Rentsch, Vizepräsident Dr.med. Bernhard Zumsteg, Richter Dr.med. Pierre Lichtenhahn, Richter lic.iur. Prisca Reichlin Brügger, Gerichtsschreiberin Parteien C.________ gegen IV-Stelle Schwyz, Rechtsdienst, Postfach 53, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Invalidenversicherung (Rentenrevision / Rückforderung)2 Sachverhalt: A.C.________, geb. A.________, hat nach der obligatorischen Schulzeit eine Lehre als B.________ begonnen, welche sie aus gesundheitlichen Gründen nach einem Jahr abbrach. Am 9. Juni 2014 reichte sie (damals unter dem Ledignamen E.________) bei der IV-Stelle Schwyz mit dem Hinweis auf eine psychische Er- krankung ein Gesuch um berufliche Integration/Rente ein (IV-act. 1). Mit Mittei- lung vom 26. Januar 2015 sprach die IV-Stelle Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Belastungstrainings zu (IV-act. 25). Am 3. Juli 2015 teilte die IV-Stelle C.________ mit, dass Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (Ar- beitsvermittlung) im Rahmen von Integrationsmassnahmen gewährt würden (IV- act. 41). Am 23. September 2015 wurde Kostengutsprache für ein Aufbautraining bei der BSZ Stiftung F.________ erteilt (Vi-act 54). Mit Mitteilung vom 12. April 2016 wurde die Kostengutsprache für ein Aufbautraining für ein halbes Jahr ver- längert (IV-act. 70). Weitere Verlängerungen des Aufbautrainings bei der BSZ wurden am 19. Oktober 2016 (IV-act. 84) und am 26. Januar 2017 (IV-act. 99) verfügt. Per 31. März 2017 wurde die Integrationsmassnahme abgebrochen (IV- act. 106-2/2, 110-4/4). B.Mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 wurde C.________ ab dem 1. April 2017 eine ganze Invalidenrente zugesprochen (IV-act. 116, 117, 119). C.Im Juni 2022 leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision von Amtes wegen ein (IV-act. 126). Aus den in diesem Zusammenhang eingereichten medizinischen Akten ging hervor, dass C.________ 2020 eine Tochter geboren hat und dass bei ihr im Frühjahr 2021 Multiple Sklerose diagnostiziert worden ist (vgl. IV-act. 128-5/22 f.). D.Am 9. Januar 2023 wurde eine Haushaltsabklärung vor Ort durchgeführt (IV-act. 135 ff.). Anschliessend teilte die IV-Stelle C.________ mit Vorbescheid vom 23. Januar 2023 mit, dass vorgesehen sei, aufgrund der Geburt der Tochter und dem damit einhergehenden Statuswechsel (neu 50% Erwerbstätigkeit, 50% Haushalt) die bisherige ganze Rente ab 1. Februar 2020 auf eine halbe Rente herabzusetzen. Die ab dem 1. Februar 2020 bezogenen zu hohen Renten wür- den zurückgefordert (IV-act. 137). Mit Eingabe vom 16. Februar 2023 erhob C.________ Einwand gegen den Vorbescheid (IV-act. 138). E. Mit Verfügung vom 28. April 2023 setzte die IV-Stelle Schwyz die bisherige ganze Rente ab 1. Februar 2020 auf eine halbe Rente herab. Gleichzeitig ver- pflichtete sie C.________ zur Rückzahlung von unrechtmässig bezogenen Leis-3 tungen in Höhe von Fr. 21'685.00 (IV-act. 151 und 156). Zudem wurde die Nach- zahlung der Kinderrente für die Tochter verfügt. F.Gegen diese Verfügung lässt C.________ mit Eingabe vom 30. Mai 2023 fristgemäss Beschwerde erheben beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit folgenden Anträgen: 1. Die Verfügung vom 28.4.2023 sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten der Beschwerdeführerin auch weiterhin, d.h. auch über den 31.1.2020 hinaus und für die Zukunft, eine ganze Invalidenrente mitsamt der entsprechenden Kinderrente, zu gewähren. 2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten auf die Rückforderung der Leistungen zu verzichten. 3. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese sei zu verpflichten eine erneute Abklärung vor Ort durchzuführen. 4. Eventualiter sei der Rückforderungsbetrag zu erlassen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Lasten der Beschwerdegegnerin. G.Die IV-Stelle Schwyz beantragt mit Vernehmlassung vom 28. Juli 2023 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen zu Lasten der Beschwerdeführerin. Mit Stellungnahme vom 13. November 2023 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgeset- zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind - vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege- lungen - grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Für Fälle erstmaliger abgestufter bzw. befristeter Rentenzusprachen und Revisionsfälle ist der Zeitpunkt der massgebenden Änderung nach Art. 88a IVV für das anwendba-4 re Recht entscheidend (vgl. Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der Inva- lidenversicherung, KSIR, Rz. 9102). Damit sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechts- vorschriften anwendbar, nachdem die potentiell massgebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen (Geburt einer Tochter am 19.1.2020) vor dem 1. Ja- nuar 2022 liegt. Die Gesetzesgrundlagen werden in der Folge in der bis 31. De- zember 2021 geltenden Version wiedergegeben (vgl. dazu auch Urteil BGer 8C_543/2023 vom 20.3.2024 E. 2.2). 2.1Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung der medizinischen Behandlung und allfäl- liger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge- glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbs- einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dies ist die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozentvergleichs (BGE 144 I 21 E. 2.1 m.H. auf BGE 114 V 31 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 144 I 21 E. 2.1 m.H. auf BGE 128 V 29 u.w.H.). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und de- nen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (aArt. 28a Abs. 2 IVG). Dies ist die spezifische Methode der Invaliditätsbemes- sung (Betätigungsvergleich). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Be- trieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Inva- lidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe- reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Abs. 2 festgelegt. In die- sem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufga- benbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemes- sen (aArt. 28a Abs. 3 IVG). Dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbe- messung (BGE 144 I 221 E. 2.1 m.H. auf BGE 137 V 334). Mit der am 1. De- zember 2017 beschlossenen Änderung der IVV und der dazu ergangenen Übergangsbestimmung (in Kraft ab 1.1.2018) wird für Teilerwerbstätige, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich Haushalt betätigen, ein neues Berechnungsmo-5 dell statuiert (Art. 27 bis Abs. 2 - 4 IVV). Dieses sieht vor, dass für die Ermittlung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbsfähigkeit für das Valideneinkom- men nicht mehr auf das Einkommen aus einem Teilzeitpensum abgestellt, son- dern das entsprechende Einkommen auf eine hypothetische Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27 bis Abs. 3 lit. a IVV). Die so berechnete prozentuale Erwerbseinbusse wird sodann weiterhin anhand des Beschäftigungsgrads, den die Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet (lit. b). 2.2Nach Art. 28 Abs. 2 aIVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abgestuft: Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreivier- telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (aArt. 28 Abs. 2 IVG). 3.1Im Rahmen der vorliegenden Revision von Amtes wegen stützte sich die Vorinstanz zur Berechnung des Invaliditätsgrades neu auf die gemischte Metho- de. Sie legt dar, dass die Versicherte seit der Geburt der Tochter am … 2020 gemäss der Haushaltsabklärung höchstens mehr am Wochenende erwerbstätig wäre; eine Kita erachteten die Versicherte und ihr Ehemann als zu teuer und fa- miliär seien keine zusätzlichen Ressourcen für die Betreuung der Tochter vor- handen (kein Kontakt zur Familie der Versicherten und fortbestehende Erwerbs- tätigkeit der Eltern des Ehemannes). Es wird deshalb unter Einbezug statisti- scher Werte von einer 50%-igen Erwerbstätigkeit der Versicherten im Gesund- heitsfall ausgegangen. Für den Erwerbsbereich anerkennt die Vorinstanz, dass weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit im 1. Arbeitsmarkt bestehe. Für den Auf- gabenbereich Haushalt wird gestützt auf den Abklärungsbericht eine relevante Einschränkung verneint. Entsprechend wird der IV-Grad ab 1. Februar 2020 auf 50% festgelegt. 3.2Die Beschwerdeführerin wendet unter Hinweis auf den Entscheid "Di Trizio" des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ein, es sei diskriminierend einzig aufgrund der Geburt eines Kindes fortan im Gesundheitsfall davon auszu- gehen, dass die Mutter teilzeiterwerbstätig wäre und damit ein Revisionsgrund vorliege. Vorliegend bestehe genau eine solche Ausgangslage. Die Beschwerde- führerin sei bis zur Geburt als Vollerwerbstätige qualifiziert worden. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung seien völkerrechtliche Normen zu berück- sichtigen; EMRK-Normen würden diesen widersprechenden bundesgesetzlichen Vorschriften vorgehen. Bei der Beschwerdeführerin sei die Rentenreduktion ein- zig auf den Umstand zurückzuführen, dass sie Mutter geworden sei. Auch wenn 6 mit der Neuregelung der gemischten Methode gegenüber der früheren Regelung Benachteiligungen reduziert worden seien, so bleibe es ein Faktum, dass wegen der notorisch geringen Einschränkungen im Haushalt ein Statuswechsel von Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätigkeit mit einer massiven Reduktion des Invali- ditätsgrades einhergehe. Die angefochtene Verfügung stelle einen Verstoss ge- gen Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK dar. 3.3Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (aArt. 17 Abs.1 ATSG). Anlass zur Ren- tenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revi- dierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe- nen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben oder eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt (BGE 144 I 21 E. 2.2 m.H.; BGE 130 V 343 E. 3.5). Liegt ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend (allseitig) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 m.H.). Steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass eine bisher ausschliesslich erwerbstätige versicherte Person ohne Gesundheitsscha- den neu nur noch teilweise erwerbstätig wäre und sich daneben neu in einem Aufgabenbereich im Sinne von Art. 28a IVG betätigen würde, so stellt ein solcher Statuswechsel gleichzeitig ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil BGer 9C_77/2021 vom 4.3.2021 E. 3.3 m.H.). Zu betonen ist unter Hinweis auf BGE 147 V 124, dass mit Einführung des neuen Berechnungsmodells gemäss aArt. 27 bis IVV kein Anlass mehr besteht, einen Statuswechsel von der Voll- zur Teilerwerbstätigkeit nicht als Revisionsgrund an- zuerkennen, auch wenn einzig die Geburt eines Kindes dafür verantwortlich ist (vgl. auch Urteile BGer 8C_570/2023 vom 10.7.2024 E. 4; 8C_543/2023 vom 20.3.2024 E. 2.4; 8C_658/2022 vom 30.6.2023 E. 4.2 m.H.). Insbesondere wird im Urteil "Di Trizio" nicht gefordert, dass die gleichen oder gar gleich hohen Leis- tungen ausgerichtet werden müssen, wenn es aufgrund der Geburt eines Kindes zu einem Wechsel von der Voll- in die Teilzeiterwerbstätigkeit kommt (BGE 147 V 124 E. 6.1). Das Bundesgericht qualifizierte die mit Inkrafttreten der per 1. Januar 2018 neu eingefügten Abs. 2 bis 4 des aArt. 27bis IVV verbleibenden Ungleichhei- ten als verhältnismässig und daher konventionskonform; daran ändere auch der Umstand nichts, dass der Statuswechsel hin zur gemischten Methode im Re-7 visionsfall zur Aufhebung oder Herabsetzung der Invalidenrente und damit zu ei- nem für die versicherte Person ungünstigen Resultat führen könne (vgl. Urteile BGer 8C_570/2023 vom 10.7.2024 E. 4; 8C_543/2023 vom 20.3.2024 E. 2.4; 8C_658/2022 vom 30.6.2023 E. 4.2; 9C_82/2020 vom 27.10.2020 E. 6.2). Gestützt auf diese bundesgerichtliche Rechtsprechung kann dem Einwand der Beschwerdeführerin, eine mit der Geburt eines Kindes vorgenommene Renten- revision stelle einen Verstoss gegen Garantien der EMRK dar, nicht gefolgt wer- den. Damit ist die Frage nicht beantwortet und ist nachfolgend zu prüfen, ob der von der Vorinstanz mit der Geburt der Tochter angenommene Statuswechsel rechtmässig ist. 4.1Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, was je zur Anwendung einer anderen Me- thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) führt, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträch- tigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbs- tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV f.) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erzie- hungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Bega- bungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypotheti- sche Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3; 141 V 15 E. 3.1 m.H; Urteile BGer 8C_526/2020 vom 31.10.2020 E. 3.2; 9C_161/2019 vom 28.6.2019 E. 5.2). Dies erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch hypotheti- sche Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Derlei ist einer direkten Beweisführung wesensgemäss nicht zugänglich und muss in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (BGE 144 I 28 E. 2.4 S. 31; Urteile BGer 8C_570/2023 vom 10.7.2024 E. 4; 8C_793/2017 vom 8.5.2018 E. 6.1). 4.2Zur Abklärung der Statusfrage führte die Vorinstanz eine Haushaltsab- klärung durch und hörte die Beschwerdeführerin zur Frage an, in welchem Um- fang sie ohne Gesundheitsschaden arbeitstätig wäre. Gemäss Abklärungsbericht 8 vom 16. Januar 2023 gab die Versicherte auf diese Frage an, dass sie vielleicht in einer Bäckerei tätig wäre und dort Putzarbeiten ausüben würde. Die Frage sei sehr schwer zu beantworten. Auf die Frage nach der Kinderbetreuung während der Erwerbstätigkeit hielt die Versicherte gemäss Abklärungsbericht fest, dass sie die Tätigkeiten wohl auf Samstag und Sonntag beschränken würde, da eine Kita zu teuer wäre. Zu ihren Eltern bestehe kein Kontakt. Die Familie des Ehemannes sei noch voll erwerbstätig in der G.________. Der Ehemann habe ergänzend festgehalten, dass er am Samstag jeweils zu seiner älteren Tochter (aus einer früheren Beziehung) schaue und er dadurch bereits ausgelastet sei. Im Abklärungsbericht wird gestützt auf diese Angaben - wie bereits erwähnt - un- ter Berücksichtigung statistischer Daten der Schluss gezogen, dass für den Ge- sundheitsfall von einer 50%-igen Erwerbstätigkeit auszugehen sei. Die Versicher- te habe beruflich nie Fuss fassen können. Sie und der Ehemann hätten sich nicht für ein konkretes Pensum im Gesundheitsfall ausgesprochen. Das Fazit des Ehepaares sei gewesen, dass die Versicherte im Gesundheitsfall einer Erwerbs- tätigkeit in einem Tiefpensum nachgehen würde. In Anbetracht der finanziellen Situation der Familie (Einkommen Ehemann bei einem 80%-Pensum ca. Fr. 5'000/Mt., Miete Fr. 1'000, Unterhaltspflicht des Ehemannes gegenüber Toch- ter aus früherer Beziehung) wäre für die Familie eine zusätzliche finanzielle Ein- nahmequelle durch die Versicherte wichtig. Die Kinderbetreuung durch die Fami- lie könne nach Aussagen der Versicherten und ihres Ehemannes maximal für zwei Tage abgedeckt werden (Freitag und Sonntag durch den Ehemann, dies je- doch auch eingeschränkt, da der Ehemann noch im Haus und in der G.________ der Mutter als Allrounder unentgeltlich arbeite). Es erscheine auch möglich, dass die Versicherte im Gesundheitsfall in der G.________ aushelfen würde, aller- dings sei fraglich ob der Betrieb genügend Umsatz für die ganze Familie abwer- fe. Insgesamt sei von einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall von (maximal) 50% auszugehen, dabei würden auch statistische Werte bezüglich der Erwerbstätigkeit von Müttern mit einem 3-jährigen Kind berücksichtigt. 4.3Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens macht die Beschwerdeführerin gel- tend, sie kenne als sogenannte Frühinvalide den Validenfall gar nicht. Sie sei nie im ersten Arbeitsmarkt tätig gewesen. Sie sei deshalb im Validenfall als voller- werbstätig einzustufen. Sie (und ihr Ehemann) hätten die Frage nach dem Er- werbspensum im Gesundheitsfall zudem nicht erfassen können. 4.4Die Vorinstanz verweist vernehmlassend auf die Beweismaxime "Aussage der ersten Stunde". Danach gelten bei sich widersprechenden Angaben der ver- sicherten Person im Sozialversicherungsverfahren die spontanen "Aussagen der 9 ersten Stunde" in der Regel als unbefangener und zuverlässiger als spätere Dar- stellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versi- cherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versi- cherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die er kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens grösseres Gewicht zu als je- nen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 45 E. 2a; BGE 115 V 143 E 8c). Die im Abklärungsbericht erfassten Angaben der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes seien unter diesem Gesichtspunkt uneingeschränkt zu beachten. Die letztlich getroffene Annahme einer 50%-igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall erscheine in Berücksichtigung dieser Anga- ben als eher grosszügig. 4.5Es ist nicht zu verkennen, dass für die frühinvalide Versicherte, welche kei- ne Ausbildung absolvieren konnte und welche sich im ersten (und auch im zwei- ten) Arbeitsmarkt nie richtig integrieren konnte, die Frage nach einer Erwerbs- tätigkeit im Gesundheitsfall schwer zu beantworten ist. Allerdings ergeben die Angaben der Versicherten und ihres Ehemannes klar, dass eine innerfamiliäre Betreuung der Tochter gewünscht wird bzw. eine ausserfamiliäre Betreuung nicht in Betracht gezogen würde, dass der Ehemann aufgrund seiner 80%-igen aus- serhäuslichen Erwerbstätigkeit, seiner daneben ausgeübten Tätigkeit als All- rounder im Haus und in der G.________ seiner Mutter und aufgrund der Betreu- ung der Tochter aus einer früheren Beziehung (jeweils am Samstag) nur sehr beschränkt in der Lage und willens wäre, die Tochter während einer Erwerbs- tätigkeit der Versicherten zu betreuen und dass andere Familienmitglieder für ei- ne Betreuung nicht zur Verfügung stehen. Die von der Vorinstanz getroffene Schlussfolgerung einer 50%-igen Erwerbstätigkeit der Versicherten ab Geburt der Mutter ist daher nachvollziehbar und begründet. Soweit diese Schlussfolge- rung zudem mit statistischen Daten untermauert wird, ist dies unter den konkre- ten Umständen ebenfalls nicht zu beanstanden. Gemäss den online abrufbaren Daten des Bundesamtes für Statistik gingen 2022 etwas mehr als die Hälfte der Frauen mit einem Kind im Alter von 0-3 Jahren einer Erwerbstätigkeit im Umfang von weniger als 50% nach. Etwas weniger als die Hälfte (47,3%) hat ein Er- werbspensum im Umfang von 50% oder mehr ausgeübt. Mit dem Alter der Kinder erhöht sich das statistisch ausgewiesene Erwerbspensum (vgl. htt- ps://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/ statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation- bevoelkerung/gleichstellung-frau-mann/ vereinbarkeit-beruf- familie/erwerbsbeteiligung-muettern-vaetern.html), was in einem weiteren Revisi- onsverfahren zu berücksichtigen wäre und von der Beschwerdeführerin dannzu- mal auch geltend gemacht werden kann. 10 Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend macht, als Frühinvalide sei sie unabhängig von der familiären Situation oder anderen Lebensumständen immer als Vollerwerbstätige einzustufen, kann ihr nicht gefolgt werden. Auch bei Frühinvaliden ist die Statusfrage jeweils gemäss den in E. 4.1 dargelegten Vor- gaben zu beantworten. Dies wird auch in der bundesgerichtlichen Rechtspre- chung regelmässig bestätigt (vgl. Urteile BGer 8C_543/2023 vom 20.3.2024 und 9C_779/2015 vom 4.5.2016). Eine von den konkreten Lebensumständen unab- hängige Qualifizierung von Frühinvaliden als voll Erwerbstätige würde zu einer Ungleichbehandlung mit Versicherten führen, welche erst nach Abschluss einer Ausbildung oder einer Erwerbstätigkeit invalid wurden. Diese Ungleichbehand- lung könnte sich im Übrigen auch zu Lasten von frühinvaliden Versicherten aus- wirken, etwa wenn aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen die Betätigung im Haushalt stark eingeschränkt, die Erwerbstätigkeit aufgrund der vorhandenen in- tellektuellen Fähigkeiten jedoch nicht eingeschränkt ist. Die Beschwerdeführerin konkretisiert zudem im Rahmen der Beschwerde nicht, wie sie sich eine Erwerbstätigkeit, eine Aufgabenteilung mit dem Ehemann und die Betreuung der Tochter vorstellt. Auch bestreitet sie die im Abklärungsbericht zum Erwerbsstatus festgehaltenen Angaben nicht bzw. sie macht nicht geltend, dass diese von der Abklärungsperson falsch wiedergegeben worden seien. Es bestehen im Übrigen keine Hinweise dafür, dass die Frage nach der Erwerbssi- tuation im Gesundheitsfall von der Versicherten und ihrem Ehemann nicht richtig erfasst wurde. Es wurden bei der Versicherten anlässlich eines Aufenthaltes in der Clienia Littenheid im Frühjahr 2014 im Rahmen der neuropsychologischen Abklärung zwar Hinweise für ein Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gefunden und es wurde von einer ausgeprägten Lernstörung ausgegan- gen (bei einem ermittelten IQ von 72); entsprechend wurde eine leichte bis mit- telschwere neuropsychologische Funktionsstörung attestiert (vgl. IV-act. 7-3/5). Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass für die Versicherte (und ihren Ehemann) die Frage nicht verständlich war. Die Versicherte hat die obligatori- sche Schulzeit normal durchlaufen. Im Rahmen der neurologischen Untersu- chungen bei Dr.med. D.________ wurden neuropsychologisch keine Hinweise für (relevante) kognitive Defizite gefunden (vgl. IV-act. 128-6/22, 129-4/9). Das im Abklärungsbericht dargestellte Antwortverhalten ist vernünftig und überlegt. Die Abklärungsperson hält dazu nachvollziehbar fest, dass das Gespräch gut mög- lich gewesen sei, die Versicherte die Fragen verstanden und auch medizinische Fachausdrücke verwendet haben. Die Antworten seien realistisch (IV-act. 135- 2/9). Insgesamt lässt sich der Einwand des fehlenden Verständnisses für die Frage nach der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall nicht bestätigen. 11 Nachdem die Vorinstanz beim Einkommensvergleich bisher von einer Vollzeit- erwerbstätigkeit ausgegangen ist, bildet die Aussage der Beschwerdeführerin, nach der Geburt des Kindes im Gesundheitsfall höchstens mehr an den Wochen- enden einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, eine wesentliche Änderung des Sachverhaltes, welche gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein zulässi- ger Revisionsgrund darstellt. Die Vorinstanz stützt sich zu Recht auf die gemisch- te Methode mit einem Erwerbsanteil von 50%. 5.1.1Unbestritten ist die volle Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich. Umstritten und in einem weiteren Schritt zu prüfen sind demgegenüber die Einschränkun- gen im Haushaltsbereich. Diesbezüglich wird in der angefochtenen Verfügung ausgeführt, dass MS-Schü- be 2013, 2015 und 2021 stattgefunden hätten. Gemäss dem behandelnden Neu- rologen seien keine neuen Beschwerden dazu gekommen. Die Situation sei sta- bil unter der Immuntherapie. Somit könne davon ausgegangen werden, dass die Situation bei der Haushaltsabklärung derjenigen entsprochen habe, welche zu einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit dem normalen Alltag entspreche. Der von der Versicherten geschilderte Tagesablauf könne von dieser (abgesehen von Perioden mit Schüben) weitgehend selbständig bewältigt werden. Die vom Part- ner erforderliche Hilfe (Mithilfe bei der Wohnungspflege, Mithilfe beim Einkauf von schweren Sachen, zusätzliche Unterstützung bei einer vorübergehenden Verschlechterung der gesundheitlichen Situation) sei zumutbar und gestützt auf die Schadenminderungspflicht von diesem zu leisten. Somit bestünden im Haus- halt keine Einschränkungen. 5.1.2Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens hat die Beschwerdeführerin ein- gewendet, die Krankheit MS habe viele Gesichter. Im Haushaltsabklärungsbe- richt werde dieser Erkrankung nicht die notwendige Beachtung geschenkt. Die Haushaltsaufgaben und die Kinderbetreuung könnten von ihr nicht in dem Um- fang selber geleistet werden, der in der Haushaltsabklärung angenommen wer- de. Die MS-Schübe würden jeweils unverhofft auftreten und stellten für alle einen Ausnahmezustand dar. Der Haushaltsabklärung würden zudem keine genügen- den medizinischen Abklärungen zu Grund liegen. Der Ehemann trage die ganze familiäre Belastung und er habe wegen einer Erschöpfungsdepression medizini- sche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens macht die Beschwerdeführerin geltend, ihre Tochter sei fast jeden Nachmittag beim Partner der Grossmutter väterlicher- seits, um die Kindsmutter zu entlasten. Diese Aussage sei nicht im Abklärungs- bericht aufgenommen worden. Der Haushaltsbericht sei im Übrigen nicht plausi-12 bel; angesichts einer Arbeitsunfähigkeit von 100% sei die angenommene Ein- schränkung in der Haushaltsführung in Berücksichtigung der Umstände nicht überzeugend. Auch gehe es nicht an, die Hilfe des Ehemannes vollumfänglich im Rahmen der Schadenminderung anzurechnen. Eventualiter sei eine erneute Haushaltsabklärung vor Ort durchzuführen. 5.1.3Die Vorinstanz hält vernehmlassend fest, die Annahme einer grösseren Einschränkung im Aufgabenbereich Haushalt als von der Abklärungsfachfrau berücksichtigt, rechtfertige sich nicht. Verlangsamungen in der Haushaltsführung würden sich nicht auf den Invaliditätsgrad auswirken. Die Mithilfe des Eheman- nes bei der Wohnungspflege und bei schweren Einkäufen sowie eine vermehrte Mithilfe bei MS-Schüben, welche gemäss Aussagen der Beschwerdeführerin alle 2-3 Monate auftreten würden, sei zumutbar. 5.2Im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Haushalt ist nicht die me- dizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt, was durch die Abklärung an Ort und Stelle (vgl. Art. 69 Abs. 2 Satz 2 IVV) zu erheben ist (Urteile BGer 8C_583/2023 vom 27.2.2024 E. 2.3.1 m.H.; 8C_119/2023 vom 15.6.2023 E. 5.1; 9C_399/2016 vom 18.1.2017 E. 4.7.1 m.H.). Die Abklärung er- streckt sich im Haushalt auch auf den zumutbaren Umfang der Mithilfe von Fami- lienangehörigen, welche im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu berück- sichtigen ist und weiter geht als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung (BGE 133 V 504 E. 4.2 m.H.; Urteile BGer 8C_583/2023 vom 27.2.2024 E. 2.3.1; 9C_80/2021 vom 16.6.2021 E. 3.1; 9C_399/2016 vom 18.1.2017 E. 4.7.1). Für den Beweiswert eines derartigen Abklärungsberichts ist wesentlich, dass er von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räum- lichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich ergeben- den Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Be- teiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (Urteile BGer 8C_258/2022 vom 14.12.2022 E. 3.2.3; 8C_748/2019 vom 7.1.2020 E. 5.2; 9C_161/2019 vom 28.6.2019 E. 6.2 je m.H.). 5.3Die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bildet nur, aber immerhin eine notwendige Grundlage für den Betätigungsvergleich und ist demzufolge von der Abklärungsperson zu berücksichtigen. Darauf kann lediglich in besonders ge-13 lagerten Fällen direkt abgestellt werden, etwa wenn die versicherte Person un- glaubwürdige Angaben macht, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen. Diesfalls ist ein Arzt beizuziehen, welcher sich zu den einzelnen Positio- nen der Haushaltsführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äus- sern hat (Urteil BGer 8C_583/2023 vom 27.2.2024 E. 2.3.2 m.H.). Stimmen die Ergebnisse der Haushaltsabklärung nicht mit den ärztlichen Feststellungen über psychisch bedingte Behinderungen überein, so haben letztere in der Regel mehr Gewicht als die im Haushalt durchgeführte Abklärung (Urteile BGer 8C_583/2023 vom 27.2.2024 E. 2.3.3 m.H.; 9C_399/2016 vom 18.1.2017 E. 4.7.; BGE 133 V 450 E. 11.1.1). 5.4Das Gericht greift im Übrigen, sofern der Bericht eine zuverlässige Ent- scheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein- schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fach- lich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 m.H.; Urteile BGer 8C_748/2019 vom 7.1.2020 E. 5.2 m.H.; 9C_161/2019 vom 28.6.2019 E. 6.4). 5.5Im Haushaltsabklärungsbericht werden die medizinischen Diagnosen, The- rapien und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin korrekt wiedergegeben. Gemäss den vorhandenen medizinischen Akten wurden bei der Versicherten im Rahmen von zwei Aufenthalten in der Clienia Littenheid depres- sive Episoden unterschiedlichen Schweregrades und eine generalisierte Angst- störung diagnostiziert (IV-act. 28). Nachdem die nach den Klinikaufenthalten durchgeführten Integrationsmassnahmen scheiterten, wurde in Berücksichtigung der psychischen Erkrankung eine volle Rente zugesprochen. Die MS-Diagnose wurde erst 2021, nach der Geburt der Tochter, gestellt. Aus den Berichten von Dr.med. D.________ ergibt sich, dass 2013, 2015 und 2021 Schübe stattgefun- den hatten (vgl. IV-act. 128-5/22 ff; 145), demgegenüber gab die Beschwerdefüh- rerin im Rahmen der Haushaltsabklärung an, dass Schübe ca. alle 2 - 3 Monate auftreten würden, auf telefonische Nachfrage des Abklärungsdienstes hin vom 13. März 2023 bestätigte die Versicherte jedoch, dass die in den Arztberichten festgehaltenen Schübe von 2013, 2015 und 2021 abschliessend seien (IV-act. 146). Im Bericht vom 14. Mai 2021 wird der neurologische Status - abgesehen von einer grenzgradig reduzierten Pallästhesie an den Fussknöcheln beidseits - als normal beschrieben (IV-act. 128-5/22 f.). Im Bericht vom 29. März 2022 wer- den anamnestisch Missempfindungen im Gesicht, an Händen und an Füssen, Krämpfe vor allem in Ruh in den Beinen und Schlafstörungen sowie Vergesslich-14 keit beschrieben. In der Beurteilung führt Dr.med. D.________ aus, es bestehe ein klinisch regelrechter und stabiler Verlauf unter Immuntherapie. Aus dem neu- rologischen Befund lassen sich keine relevanten Einschränkungen ableiten (ins- besondere Stand und Gang intakt, Motorik normal, Koordination intakt, neuro- psychologisch keine Verlangsamung und keine Aufmerksamkeitsstörung fest- stellbar, vgl. IV-act. 129-3/9). Gemäss neurologischem Verlaufsbericht vom 4. Oktober 2022 (IV-act. 145) bestanden keine neuen Schübe und neue Beschwer- den seien nicht dazu gekommen. Die Patientin störten insbesondere die Spastik in den Beinen und die Tagesmüdigkeit. Der EDSS (Expanded Disability Status, Scale, Skalierung der Behinderung bei MS) wird mit 2,5 angegeben, was einer minimalen Behinderung in zwei funktionellen Systemen bei vollständig vorhan- dener Gehfähigkeit entspricht (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch 2012, S. 535). Dieser Behinderungsgrad wird im Abklärungsbericht berücksichtigt. Anzumerken ist, dass im Rahmen der Abklärung auch der psychische Gesund- heitszustand erfragt wurde und die Versicherte festhielt, dass sie psychisch stabi- ler sei als im Zeitpunkt der Rentenzusprache. Im Verlaufsbericht des Hausarztes wird einzig auf die neue Diagnose MS Bezug genommen, rein psychische Be- schwerden bzw. entsprechende Diagnosen werden nicht erwähnt und es findet offenbar auch keine psychiatrische Behandlung statt. Als aktuelle Behandlun- gen/Therapien werden die MS-Behandlung durch den Neurologen (medika- mentös) und Physiotherapie erwähnt (IV-act. 19-1/9). Es findet mithin auch durch den Hausarzt aktuell keine Behandlung psychischer Beschwerden statt. 5.6Zu den Angaben der Beschwerdeführerin zum Gesundheitszustand wird im Abklärungsbericht angefügt, sie habe gerade eine hartnäckige Grippe gehabt, weshalb es ihr nicht gut gegangen sei und dies sich allenfalls auf die MS ausge- wirkt habe. Sie habe ungefähr alle 2 - 3 Monate einen MS-Schub (was später von ihr jedoch relativiert wurde), der sich in der Regel in ihren Beinen zeige. Sie habe sich deshalb einen Rollstuhl für den Innenbereich gekauft, wobei sie diesen bei der Abklärung nicht gebraucht habe. Auch leide sie an Taubheitsgefühlen an den Fingern und Händen. Wenn sei einen starken Schub habe, habe sie auch schon den Rollstuhl zu Hilfe genommen, um Arbeiten im Haushalt zu erledigen. In die- ser Zeit habe sie die Wohnung vorübergehend nicht verlassen können. Zu den verschiedenen Tätigkeiten im Aufgabenbereich ergaben die Angaben der Versicherten keine relevanten Beeinträchtigungen. Keine Einschränkungen be- stehen gemäss Abklärungsbericht im Bereich Ernährung. Die Versicherte küm- mere sich um das Essen, der Ehemann unterstütze sie wenn nötig. Die Woh- nungs- und Hauspflege werde gemeinsam ausgeführt, was der Versicherten al- lerdings nicht recht sei, da der Ehemann bereits für den finanziellen Unterhalt der 15 Familie aufkomme. Die Aufteilung dieser Tätigkeit sei jedoch zumutbar. Für den Bereich Einkauf wird angeführt, die Versicherte besorge die kleineren oder tägli- chen Einkäufe selber zu Fuss mit der Tochter. Grössere, schwerere Einkäufe übernehme der Ehemann, was wiederum zumutbar sei. Die Wäsche und Klei- derpflege übernehme die Versicherte selbständig. Zusätzlich mache sie die Wä- sche der G.________. Zur Kinderbetreuung wird ausgeführt, die meisten Termi- ne mit der 3-jährigen Tochter nehme die Versicherte wahr. Wenn der Ehemann zu Hause arbeite (freitags und an den Wochenenden) könne er einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen. In der Kinderbetreuung bestünden mithin eben- falls keine Einschränkungen. Externe, bezahlte Unterstützung werde nicht in An- spruch genommen. 5.7Der Bericht und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Aufgabenbereich ist nachvollziehbar und widerspruchsfrei. Dass für den Erwerbsbereich eine volle, im Haushaltsbereich jedoch keine Einschränkung attestiert wird, stellt für sich den Beweiswert des Abklärungsberichts nicht in Frage. Wie bereits erwähnt, ist im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Haushalt nicht die medizinisch- theoretische Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern deren konkreten Auswirkungen. Dass die Einschränkungen in Erwerb und Haushalt mit 100% und 0% weit auseinanderliegen, ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht ungewöhnlich: Eine gesundheitliche Beeinträchtigung wirkt sich oft in viel geringerem Ausmass auf die Erledigung der Hausarbeiten aus als auf die Teiler- werbstätigkeit, so dass im Aufgabenbereich häufig ein viel tieferer Invaliditäts- grad als im erwerblichen Bereich resultiert (BGE 125 V 146 E. 5c/dd; Urteil BGer 9C_565/2015 vom 29.1.2016 E. 4.3). Zudem kommt bei der Bemessung der In- validität von im Haushalt tätigen Versicherten der Schadenminderungspflicht er- hebliche Relevanz zu. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine mög- lichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltsarbeiten ermögli- chen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushalts- arbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Für deren Umfang ist sodann nicht die rechtliche Durchsetzbarkeit massgebend, sondern das was in der sozialen Realität üblich und zumutbar ist. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden kön- nen, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder ei-16 ne unverhältnismässige Belastung entsteht (BGE 133 V 504 E. 4.2 m.H.; 130 V 97 E. 3.3.3; Urteile BGer 9C_2023 vom 26.10.2023 E. 4.2; 8C_119/2023 vom 15.6.2023 E. 5.3.3; 8C_91/2016 vom 13.6.2016). Eine unzumutbare Belastung des Ehemannes ist aus den im Rahmen der Ab- klärung erhobenen Angaben nicht ersichtlich. Die Hilfestellungen beschränken sich weitgehend auf körperlich anstrengendere Verrichtungen, welche in der Haushaltstätigkeit nur in beschränktem Rahmen anfallen. Im Rahmen des Vor- bescheidverfahrens hat die Beschwerdeführerin geltend gemacht, der Ehemann habe sich wegen einer Erschöpfungsdepression in ärztliche Behandlung geben müssen, im Beschwerdeverfahren wird dies jedoch nicht mehr eingewendet und auch nicht näher substantiiert oder belegt. Die Beschwerdeführerin erhebt gegen die Feststellungen gemäss Abklärungsbericht im Einzelnen zudem kaum konkre- te Einwände. Soweit sie in der Beschwerde geltend macht, dass die Tochter fast jeden Nach- mittag beim Partner der Grossmutter verbringe, um die Beschwerdeführerin zu entlasten, deutet dies auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes hin, welcher im Rahmen einer Revision von der Beschwerdeführerin geltend gemacht werden kann. Für den Zeitpunkt der Haushaltsabklärung und des anschliessen- den Revisionsentscheides bestand jedoch kein Hinweis auf eine Einschränkung der Betreuungsfähigkeit der Beschwerdeführerin für ihre Tochter. Dass die Toch- ter regelmässig und in grossem zeitlichem Umfang vom Partner der Grossmutter betreut wird, wurde im Rahmen der Haushaltsabklärung nicht geltend gemacht. Soweit die Beschwerdeführerin einwendet, dies sei im Abklärungsbericht zu Un- recht nicht erwähnt worden, kann dem nicht gefolgt werden. Der Abklärungsbe- richt wurde der Versicherten zusammen mit dem Vorbescheid zur Einsicht zuge- stellt (IV-act. 137-3/8). Sie hat dazu mit Eingabe vom 16. Februar 2023 ausführ- lich Stellung genommen (IV-act. 138), ohne allerdings in Bezug auf die Betreu- ung der Tochter unrichtige oder unvollständige Angaben zu rügen. Mängel im Abklärungsbericht in Bezug auf ihre Angaben im Aufgabenbereich Kinderbetreu- ung sind deshalb nicht glaubhaft. Insgesamt sind klar feststellbare Fehleinschätzungen, welche ein Abweichen vom Abklärungsbericht rechtfertigen könnten, nicht ersichtlich, zumal weitgehend auf die Angaben der Versicherten und ihres Ehemannes abgestellt wurde. Einer zwischenzeitlich allenfalls eingetretenen Verschlechterung der Situation wäre im Rahmen eines Revisionsverfahrens Rechnung zu tragen. 5.8Nach dem Gesagten ist mithin nicht zu beanstanden, dass gestützt auf den Abklärungsbericht von keiner Einschränkung im Haushalt ausgegangen wurde 17 und entsprechend ausgehend von einer vollen Invalidität im Erwerbsbereich und keinen Einschränkungen im Aufgabenbereich Haushalt, der Rentenanspruch bei einem IV-Grad von 50% auf eine halbe Rente herabgesetzt wurde. In einem wei- teren Schritt zu prüfen ist der Zeitpunkt der Herabsetzung der Rente ("ex tunc" oder "pro futuro"). 6.1Die Vorinstanz hat die Rente rückwirkend ("ex tunc") herabgesetzt und die Rückerstattung der ab dem Zeitpunkt der Herabsetzung zu viel bezahlten Renten verfügt. Die verfügte Rückforderung gründet mithin aus der Differenz zwischen den im Zeitraum ab 1. Februar 2020 (auf den Zeitpunkt der Geburt folgenden Monat) bis 30. April 2023 geleisteten vollen IV-Renten und dem für diesen Zeit- raum errechneten Anspruch auf eine halbe IV-Rente inkl. der Kinderrente zur IV- Rente der Mutter. Diese Differenz beträgt Fr. 21'685.00 und wird im Bestand nicht bestritten. 6.2Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erfolgt rückwirkend ab Ein- tritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist (Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV). Mit Art. 31 ATSG besteht auf Gesetzesstufe eine zu Art. 77 IVV inhaltlich analoge Meldepflicht, ohne die Ver- ordnungsbestimmung aufzuheben (Urteil BGer 9C_526/2019 vom 16.4.2020 E. 4.1 m.H.). 6.3Gemäss Art. 31 Abs. 1 ATSG ist jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern, ih- ren Angehörigen oder Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungs- träger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden. Gemäss Art. 77 IVV haben der Berechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie Behör- den oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit, des Zustands der Hilflosigkeit, des invaliditätsbe- dingten Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs, des für den Ansatz der Hilflo- senentschädigung und des Assistenzbeitrages massgebenden Aufenthaltsortes sowie der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (Art. 77 IVV). Zu den persön- lichen Verhältnissen, welche bei Änderungen zu melden sind, zählen insbeson- dere die statusbezogenen, familiären und zivilstandsmässigen Verhältnisse (vgl. BSK ATSG, Präli/Borer, Art. 31 Rz 17 m.H.). Die Geburt eines Kindes stellt eine solche statusbezogene Änderung der persönlichen Verhältnisse dar, welche sich 18 auf den Leistungsanspruch auswirken kann und gestützt auf Art. 31 Abs. 1 ATSG und Art. 77 IVV der Meldeflicht unterliegt. Ob ein Sachverhalt eine wesentliche Änderung in den für die Leistungen mass- geblichen Verhältnissen darstellt, beurteilt sich häufig erst nach Einschätzung des zuständigen Sozialversicherungsträgers: Führt die gemeldete Tatsache zu einer Anpassung der Leistung, so bestand ex post betrachtet eine Meldepflicht. Dies hat zur Folge, dass die versicherte Person stets selbst einschätzen muss, ob eine meldepflichtige Veränderung der massgebenden Verhältnisse vorliegt oder nicht (vgl. BSK ATSG, Pärli/Borer, Art. 31 Rz 11). Allerdings ist insoweit von Bedeutung, dass die betreffende Person in unzweideutiger Form auf konkrete Meldepflichten (etwa Änderungen des Zivilstands, Aufnahme einer Erwerbstätig- keit, Veränderungen des Gesundheitszustands) hingewiesen wird. Regelmässig wird von den Sozialversicherungsträgern deshalb bei der Zusprache einer Dauer- leistung in der Leistungsverfügung auf die entsprechende Meldepflicht hingewie- sen (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar, 4.A., Art. 31 Rz 15). Für den Tatbestand der Meldepflichtverletzung genügt nach ständiger bundesge- richtlicher Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässigkeit (Urteile BGer 9C_526/2019 vom 16.4.2020 E. 5.3.3; 9C_658/2015 vom 9.5.2016 E. 4.1; 9C_680/2014 vom 15.5.2015 E. 7.1.1; BGE 118 V 214 E. 2a). 6.4.1Die Beschwerdeführerin bestreitet das Vorliegen einer Meldepflichtverlet- zung. Sie habe einen IQ von 72. Aufgrund der von der Ausgleichskasse geleiste- ten Kinderzulagen sei sie davon ausgegangen, dass der Invalidenversicherung die Geburt der Tochter bekannt gewesen sei. Die fehlende Meldung könne nicht als unentschuldbar gewertet werden. Sie habe denn auch keine Kinderrente be- antragt, da ihr nicht bewusst gewesen sei, dass ein Anspruch auf eine solche be- stehe. Auch dies spreche gegen einen fehlenden guten Glauben bezüglich des Bezugs der Leistungen. 6.4.2Die Vorinstanz hält vernehmlassend fest, im Rahmen der Rentenverfügun- gen werde jeweils auf die Meldepflicht bei Änderungen in jeglichen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen, welche den Leistungsanspruch beeinflussen könnten, hingewiesen. Die Beschwerdeführerin habe es bereits unterlassen, zu melden, dass sie seit Mai 2018 mit dem Partner im gleichen Haushalt lebe, was zu einer Neuberechnung der Ergänzungsleistungen und einer Rückforderung ge- führt habe (vgl. IV-act. 4, Rückforderungsverfügung der Ausgleichskasse vom 10.1.2020 betr. Ergänzungsleistungen). Dementsprechend hätte sie bei Anwen- dung der gebotenen Sorgfalt ohne weiteres erkennen müssen, dass die Geburt hätte gemeldet werden müssen. Die IV-Stelle sei nicht verpflichtet, von sich aus 19 Nachforschungen bei der Ausgleichskasse zu tätigen und abzuklären, ob sich die familiäre Situation der Versicherten allenfalls verändert habe. Erst anlässlich der von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision vom Juli 2022 habe entdeckt werden können, dass die Beschwerdeführerin im Januar 2020 Mutter geworden sei. Die Kinderzulagen würden zudem vom Ehemann bei der Ausgleichskasse bezogen. Aus der Meldung des Ehemannes könne nicht abgeleitet werden, dass die IV-Stelle über die Änderung der familiären Verhältnisse im Bilde gewesen sei, zumal der Ehemann keine IV-Rente beziehe und von ihm kein IV-Dossier vor- handen sei. Bei der Ausgleichskasse und IV-Stelle Schwyz handle es sich so- dann um je eigene öffentlich-rechtliche Anstalten mit eigener Rechtspersönlich- keit. 6.5Im vorliegenden Fall wurde die Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 28. Juni 2017 (IV-act. 114-2/4) und mit der leistungszusprechenden Verfügung vom 25. Oktober 2017 (IV-act. 117-1/4) auf die Meldepflicht aufmerksam ge- macht, wobei Geburten ausdrücklich als meldepflichtig aufgelistet werden. Es ist unbestritten, dass sie die Geburt der IV-Stelle nicht gemeldet hat und diese erst im Rahmen des im Juni 2022 eingeleiteten Revisionsverfahrens und den in die- sem Verfahren eingereichten ärztlichen Berichten von der Geburt einer Tochter Kenntnis erhalten hat (vgl. IV-act. 128-1/22 ff.; dabei insbesondere der beigelegte Bericht von Dr.med. D.________ vom 14.5.2021, IV-act. 128-6/22). Die mit der MS-Erkrankung einhergehenden kognitiven Beeinträchtigungen, welche insbe- sondere zu einer Verlangsamung und schnellen Ermüdung führen können, ver- unmöglichen es der Versicherten nicht, der einfach verständlichen Meldepflicht, wie sie im Vorbescheid und der leistungszusprechenden Verfügung dargestellt wird, nachzukommen. Soweit die Beschwerdeführerin auf die Anmeldung bei der Ausgleichskasse bzw. Familienausgleichskasse zum Bezug von Kinderzulagen und der damit einher- gehenden Meldung der Geburt verweist, kann mit der Vorinstanz festgehalten werden, dass nach der Rechtsprechung sich ein Leistungsbezüger seiner ge- setzlichen Meldepflicht nicht mit der Begründung entziehen kann, mit ihm befass- te andere Behörden (z.B. Steuer- oder Sozialhilfebehörde, andere Ämter) hätten eine ihnen bekannte Änderung der mit der Durchführung der Sozialversicherung betrauten Stelle melden müssen bzw. diese hätte sich von sich aus die Informa- tionen dort beschaffen müssen (Urteil BGer 9C_834/2010 vom 2.12.2010 E. 2.2 m.H.). Gemäss Art. 31 Abs. 2 ATSG hat eine an der Durchführung der Sozialver- sicherung beteiligte Person oder Stelle, die Kenntnis davon erhalten hat, dass sich die für die Leistung massgebenden Verhältnisse geändert haben, zwar dies dem Versicherungsträger zu melden. Es erfolgt jedoch kein automatischer Aus-20 tausch (Art. 32 ATSG e contrario). Das IVG unterscheidet zudem klar zwischen Aufgaben bzw. Zuständigkeiten der IV-Stellen (vgl. Art. 54 ff. IVG und Art. 40 ff. IVV) und solchen der Ausgleichskassen (vgl. Art. 60 f. IVG und Art. 44 ff. IVV). Die Bemessung der Invalidität sowie der Erlass der Verfügungen über Leistun- gen der Invalidenversicherung fällt in die alleinige Kompetenz der IV-Stellen (Art. 57 Abs. 1 lit. i und j IVG). Die Ausgleichskassen sind in diesem Zusammen- hang einzig für die Berechnung und Auszahlung der Renten zuständig (Art. 60 Abs. 1 lit. b und c IVG); die Ausgleichskasse wird mithin erst auf Anweisung der IV-Stelle tätig (und nicht umgekehrt). Zudem besteht keine Rangfolge der Melde- pflicht, d.h. aus der Nichterfüllung einer Meldepflicht können keine Folgerungen für das Bestehen der sonstigen Meldepflichten gezogen werden. So wird die leis- tungsbeziehende Person nicht dadurch entlastet, dass eine andere Sozialversi- cherung, die Kenntnis von der Sachverhaltsänderung erhalten hat, diese Kennt- nis nicht weiterleitet (Kieser, ATSG Kommentar, 4.A., Art. 31 Rz 45 m.H.; AHI 1994 S. 125). Insgesamt ist die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen, dass die Beschwer- deführerin ihre Meldepflicht verletzt hat und diese Meldepflichtverletzung in Berücksichtigung der dargestellten Umstände als zumindest leicht fahrlässig zu qualifizieren ist, weshalb die bisherige ganze Invalidenrente rückwirkend redu- ziert werden konnte. 7.1Gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten (Satz 1). Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Satz 2). Guter Glaube und grosse (finanzielle) Härte müssen kumulativ gegeben sein. Der für einen Erlass der Rückerstattung vorausgesetzte gute Glaube ist dann nicht an- zunehmen, wenn eine nicht bloss leicht schuldhafte (fahrlässige) Verletzung der Meldepflicht vorliegt (vgl. Kieser, a.a.O., Art. 31 Rz 26). 7.2Die Beschwerdeführerin beantragt den Erlass der Rückforderung; die Leis- tungen seien im guten Glauben empfangen worden. Zudem liege eine grosse Härte vor. 7.3In Bezug auf die Rückerstattungspflicht einerseits und den Anspruch auf Erlass der Rückerstattungsschuld anderseits liegen unterschiedliche Rechtsver- hältnisse vor. Der Erlass ist eine besondere Form der Tilgung einer Rückerstat- tungsschuld. Er fällt somit überhaupt erst in Betracht, wenn und soweit eine Rückerstattungspflicht der um Erlass ersuchenden Person rechtsbeständig fest- steht (BGE 116 V 290 E. 5b; Urteil BGer 9C_716/2020 vom 20.7.2021 E. 4.1 m.H.; 8C_6/2010 vom 4.5.2010 E. 6). Die Frage, ob die Beschwerdeführerin An-21 spruch auf Erlass der Rückerstattungsschuld hat, ist vorliegend dementspre- chend nicht zu prüfen. Voraussetzung für die Behandlung dieser Frage durch das Gericht bildet ein entsprechendes von der Vorinstanz abgewiesenes Gesuch. Die Beschwerdeführerin kann bei der Vorinstanz innerhalb der (als Ordnungsfrist ausgestalteten) 30-tägigen Frist nach Rechtskraft der Rückforderungsverfügung ein Gesuch um Erlass der Rückforderung stellen (vgl. Art. 4 Abs. 2 und 4 ATSV; vgl. auch BGE 132 V 42 E. 3.4). Es rechtfertigt sich jedoch, darauf hinzuweisen, dass die Annahme eines Status- wechsels aufgrund der Geburt eines Kindes und eine damit einhergehende Ren- tenkürzung selbst in der Lehre höchst umstritten ist und nach dem Urteil "Di Tri- zio" vorübergehend auch nicht mehr zulässig war (BGE 143 V 77). Dass eine Geburt Auswirkungen haben kann auf den Leistungsanspruch bei fortbestehen- der unveränderter voller Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich war für die Versi- cherte nicht ohne weiteres erkennbar. Zudem besteht zwar kein automatischer Informationsaustausch zwischen der Invalidenversicherung und der Ausgleichs- kasse. Die Vorinstanz verwendet jedoch für die verschiedenen Versicherungs- zweige durchwegs dieselbe Adresse und denselben Briefkopf (Ausgleichskasse Schwyz IV-Stelle Schwyz). Dies gilt grundsätzlich auch für die Familienaus- gleichskasse, bei welcher zur Anmeldung der Leistungen im Übrigen Angaben über beide Elternteile (inkl. AHV-Nr.) gemacht werden müssen. Unter diesen Umständen erscheinen Grobfahrlässigkeit oder gar Arglistigkeit in Bezug auf die Meldepflichtverletzung kaum gegeben (vgl. VGE II 2019 14 vom 22.5.2019 E. 4.4.2 und 4.4.3). Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung der Rückerstattung entfällt im Übrigen nicht schon deshalb, weil eine Meldepflichtverletzung vorliegt (Urteil BGer I 107/01 vom 24.8.2001 E. 3a; BGE 112 V 103 E. 2c). 8.Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einge- treten werden kann. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten der Beschwerdefüh- rerin (Art. 69 Abs. 1bis IVG und § 72 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegeset- zes, VRP, SRSZ 234.110).22 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 2. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von Fr. 500.00 werden der Beschwer- deführerin auferlegt. Sie hat am 5. Juni 2023 einen Kostenvorschuss von Fr. 500.00 geleistet, so dass die Rechnung ausgeglichen ist. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). 4. Zustellung an: -die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (2/R) -die Vorinstanz (R) -und an das Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, 3003 Bern (A). Schwyz, 14. Oktober 2024 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 21. November 2024