Botschaft betreffend Erhöhung Betriebsbeitrag und Gewährung Defizitgarantie Schul- und Gemeindebibliothek Ilanz/Glion

Sehr geehrte Frau Parlamentspräsidentin

Sehr geehrte Parlamentarierinnen, sehr geehrte Parlamentarier

Der Vereinsvorstand der Schul-und Gemeindebibliothek Ilanz/Glion sucht bereits seit Jahren geeignetere Räumlichkeiten, um den Anforderungen einer zeitgemässen Bibliothek entsprechen zu können. Nun bietet sich in der Altstadt eine ideale Möglichkeit, das Angebot und die Attraktivität der Bibliothek für die Nutzerinnen und Nutzer massgebend zu steigern. Gleichzeitig kann auch die Schule von den neu zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten profitieren, um aktuelle Unterrichtsmethoden mit einer Lernlandschaft im Trakt C des Schulhauses in Ilanz umsetzen zu können. Um diesen Umzug und die Aufwertung des Angebots realisieren zu können, bedingt es eine Erhöhung des Betriebsbeitrags der Gemeinde und eine Defizitgarantie an die einmaligen Investitionen, weshalb der Gemeindevorstand dem Gemeindeparlament eine entsprechende Vorlage unterbreitet. 

Auftrag der Bibliothek

Die Gemeindebibliothek ist eine Grundeinrichtung der Gemeinde. Ihr Angebot richtet sich an alle Bevölkerungs- und Altersgruppen und stellt die Grundversorgung mit Medien und Informationen sicher. Hierzu unterstützt sie auch die Aus- und Weiterbildung, die Freizeitgestaltung und führt Veranstaltungen durch. In Ergänzung dazu deckt die Schulbibliothek den Informationsbedarf für den Sachunterricht ab, enthält die notwendigen Nachschlagewerke und bietet Lesestoff für Kinder und Jugendliche an. Die Zuständigkeit dafür ist in Art. 5 des Gesetzes über die Förderung der Kultur des Kantons Graubünden sowie in Art. 36 des Gesetzes für die Volksschulen des Kantons Graubünden geregelt. Die Bibliothek arbeitet nach den Richtlinien für Schulbibliotheken und den Richtlinien für öffentliche Bibliotheken von BiblioSuisse, dem Schweizerischen Bibliotheksverband. Die heutige Schul- und Gemeindebibliothek Ilanz/Glion wird von einem privatrechtlichen Verein geführt, der 1968 als Jugendbibliothek Ilanz gegründet worden und in den nachfolgenden Jahrzehnten mangels Platzbedarf mehrmals umgezogen ist.

Ausgangslage 

Die heutige Schul- und Gemeindebibliothek befindet sich im Erdgeschoss des Traktes C der Schule. Seit der Gemeindefusion ist die Bibliothek zuständig für die Bevölkerung aus der ganzen Gemeinde, ebenso für alle Standorte der Volksschulen. Die Bibliothek bietet folgende Dienstleistungen an: 

Deutschsprachige, romanische und englische Medien für alle Altersgruppen, insgesamt 5'700 Medien;

Digitale Medien: Die Kunden können auf die Digitale Bibliothek Ostschweiz („Dibiost“) zugreifen und somit rund um die Uhr E-Books ausleihen und auf ein persönliches Gerät laden. Hörbücher und Hörspiele werden vor allem von den Kindern sehr rege genutzt. Seit einem Jahr können auch Tonies (Hörspielfiguren mit einem speziellen Abspielgerät) ausgeliehen werden. Für Vorschulkinder ist dieses Medium sehr gut geeignet und wird gerne genutzt.

Ein Arbeitsplatz mit WLAN, welches aufgrund des passwortgeschützten Bereiches der Schule nur beschränkt zur Verfügung steht.

Sitzecke für Kinder; Sitzecke fürs Lesen oder geeignete Arbeitsplätze für Erwachsene fehlen. 

Veranstaltungen wie Murmelistunde, Sprachtreff, Bücherkaffee und Erzählnacht. 

Pro Jahr werden 3'500 Besuche verzeichnet. 

Bereits seit längerem werden die engen Platzverhältnisse bemängelt, welche die Tätigkeiten der Bibliothek stark einschränken und gewisse Angebote einer zeitgemässen Bibliothek gar nicht ermöglichen. Im Juni 2020 hat die Bibliothekskommission des Kantons Graubünden nach einem Besuch in der Schul- und Gemeindebibliothek Ilanz/Glion in Bezug auf die Räumlichkeiten folgende Feststellungen gemacht:

Fläche von 100 m2 ist ungenügend für die Grösse des Einzugsgebiets. Die Medien können nicht benutzergerecht präsentiert werden (Kinder oder Personen mit eingeschränkter Mobilität, Übersicht über Neuanschaffungen) resp. der Medienbestand ist gemessen an der Einwohnerzahl gemäss den Richtlinien von Bibliosuisse viel zu klein. Gemäss Richtlinien müsste mehr als die doppelte Fläche zur Verfügung stehen. 

Für die Schule ist der Standort ideal, für eine allgemeine öffentliche Bibliothek wäre ein Standort ausserhalb des Schulgeländes an zentraler Lage besser. 

Ebenso hält die Bibliothekskommission fest, dass die Öffnungszeiten mit acht Wochenstunden sehr knapp bemessen sind. Aufgrund der knappen Personalressourcen (ca. 40 Stellenprozente) ist es der Bibliothek zudem nicht möglich, in der Schule die Leitziele des Lehrplans 21 abzudecken. Auch die Besoldung der Mitarbeitenden wird als sehr niedrig beurteilt.

Insgesamt stellt die Kommission fest, dass die Bibliothek unter den gegebenen Rahmenbedingungen professionell, zukunftsgerichtet und engagiert geführt wird. Nichtsdestotrotz empfiehlt sie einen Standortwechsel in grössere Räumlichkeiten und eine Erhöhung der Ressourcen. 

Soll-Zustand

Vor dem Hintergrund der gemachten Erfahrungen und auf der Grundlage dieser Analyse haben die Verantwortlichen der Bibliothek ein Konzept für die Entwicklung der Bibliothek erarbeitet. In der heutigen Zeit sind Bibliotheken weit mehr als eine Hol- und Bringinstitution. Sie sind Bildungs- und Aufenthaltsort. Dieser „Dritte Ort“ (gem. Soziologe Ray Oldenburg) bietet einen Ausgleich zu Familie und Arbeitsort und ist ein Treffpunkt für die nachbarschaftliche Gemeinschaft.

Neu soll der Raum nicht mehr während starren Öffnungszeiten die Möglichkeit für Medienrückgabe und -ausleihe bieten. Vielmehr wird er ein zeitunabhängiger Ort für Treffpunkte, Studentenarbeitsplätze und Veranstaltungen ohne Konsumpflicht für Schule, allgemeine Bevölkerung und Touristen ermöglichen. 

Die neue Bibliothek Ilanz/Glion soll so eingerichtet werden, dass es möglich ist, die Bibliothek nebst der herkömmlichen bedienten Ausleihe auch als sogenannte «Open Library» (unbediente Bibliothek) zu betreiben. Durch dieses Angebot kann die Schul- und Gemeindebibliothek Ilanz/Glion als Vorzeigebibliothek im Kanton Graubünden auftreten, da bisher erst die Stadt Chur Open Library diese Dienstleistung anbietet.

Die Schul- und Gemeindebibliothek Ilanz/Glion bleibt weiterhin als Verein bestehen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, insbesondere der Schule, soll aber gestärkt werden. Es ist vorgesehen, die künftige Zusammenarbeit in einer Leistungsvereinbarung festzuhalten, so wie es auch der Entwurf des Kulturförderungskonzepts vorsieht. Auch die Webseite wird professioneller gestaltet und zusammen mit dem Social-Media Auftritt laufend aktualisiert.

Raum und Standort

Aufgrund der engen Platzverhältnisse suchen die Verantwortlichen bereits seit längerem nach Abhilfe. Vor drei Jahren wurde die Ausweitung im Trakt C in Betracht gezogen. Abklärungen der räumlichen Möglichkeiten haben jedoch gezeigt, dass damit keine langfristig befriedigende Lösung für die Bibliothek erreicht worden wäre. Zudem hätte heute gut genutzter Raum für den Unterricht der Primarklassen gefehlt. Nach weiteren Standortevaluationen hat sich die Möglichkeit eines Standorts in der Ilanzer Altstadt ergeben, an der Städtlistrasse. Der Liegenschaftsbesitzer bietet in unmittelbarer Nähe von Ludothek und Spielgruppe an, die in die Jahre gekommene Liegenschaft in enger Absprache mit den Bibliothektsverantwortlichen in eine Bibliothek umzubauen und der Bibliothek in Miete zu überlassen zu einem Mietzins, der unter dem ortsüblichen Preis liegt.

Die Belebung und Attraktivitätssteigerung der Ilanzer Altstadt ist seit langem ein Anliegen der Gemeinde und auch im Kommunalen räumlichen Leitbild festgehalten. Die Bibliothek als weitere Institution nebst Ludothek, Spielgruppe, Regionalmuseum, zwei Restaurants und weiteren Dienstleistern könnte einen Beitrag dazu leisten und weitere Besucher in die Altstadt locken. Auch die Nähe zur Schule über einen kurzen und sicheren Fussweg ist gegeben. 

Finanzielle Auswirkungen

Heute arbeitet der Verein mit einem jährlichen Aufwand von knapp 40'000 Franken. Pro Einwohner bedeuten dies Ausgaben von gut acht Franken. BiblioSuisse empfiehlt Betriebskosten von 35 Franken pro Einwohner. In Zukunft sieht das Budget wie folgt aus: 

Um eine professionelle Führung der Bibliothek zu gewährleisten, ist eine festangestellte Bibliotheksleitung (ca. 50 Stellenprozente) unabdingbar. Die erfahrenen Mitarbeiterinnen werden weiterhin auf Stundenlohnbasis die bedienten Ausleihen übernehmen. Die Qualität wird zusätzlich gestärkt, indem weitere Mitarbeiterinnen die Bibliotheksausbildung absolvieren werden. 

Der Gemeindebeitrag belief sich bislang auf 22'000 Franken (bis 2021). Die Kosten für die Räumlichkeiten inkl. Nebenkosten wie Hauswartung etc. wurden bislang über die Bildung finanziert und nicht separat der Bibliothek angerechnet. Neu soll der Gemeindebeitrag 100'000 betragen, um den angemessen Raum- und Personalbedarf zu ermöglichen. 

Zudem muss mit einmaligen Investitionskosten in der Höhe von rund 200'000 Franken gerechnet werden:

		Konzepte und Druck Broschüre für Sponsoring		3'500.00

		Projektierungskosten Schweiz. Bibliotheksdienst		4'000.00

		Einrichtung/Möblierung		120'000.00

		IT-Infrastruktur		9'000.00

		Konzept und Umsetzung Beschriftungen		4'500.00

		Beleuchtung		30'000.00

		Open Library		6'000.00

		Eigenleistungen		15'000.00

		Reserve und Unvorhergesehenes		8'000.00

		Total	CHF	200'000.00

Diese Kosten für die Einrichtung soll grundsätzlich durch Beträge von Dritten (Stiftungen, Sponsoren etc.) gedeckt werden. Die Gemeinde soll jedoch eine Defizitgarantie in der Höhe von 40'000 Franken gewähren für den Fall, dass die Finanzierung doch nicht vollständig zustande kommen sollte.

Übersicht

Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick über den Ist-/Soll-Zustand mit den Anforderungen, die eine heutige Bibliothek gemäss BiblioSuisse erfüllen sollte:

IST

SOLL

Bemerkungen

Fläche = 100 m2

Fläche = 230 m2

Bessere Unterteilung 

(auf zwei Stockwerken)

Medienbestand: 5'700

Medienbestand: ca. 8'000 

BiblioSuisse: 7'500 - 10'000 Medien

im Schulhausgebäude

in der Altstadt

Belebung der Altstadt

Mietkosten integriert im Bildungsbudget

zusätzliche Mietkosten für neue Räumlichkeiten in der Altstadt

freiwerdende Räumlichkeiten für die Schule (z.B. für Lernlandschaft)

teilweise ungeeignete Einrichtung aufgrund des Platzmangels 

Übersichtliche Einrichtung mit klarem Konzept

neu auch für Kinder und Menschen mit Behinderung geeignet

Rückgabe- und Ausleihe

+ Nutzung als «dritter Raum» 

(Veranstaltungen, Kurse, …)

attraktiver Treffpunkt neu auch für Familien, Studenten und Touristen

fixe Öffnungszeiten 8 Std. pro Woche (über 5 Arbeitstage)

fixe Öffnungszeiten pro Woche ausweiten + «Open Library»

Attraktivität wird erhöht und die Zielgruppe erweitert

eingeschränktes WLAN

Gratis-WLAN auch für Besucher 

eigenes Netz

Pro Kopf Ausgaben CHF 8

Pro Kopf Ausgaben CHF 20-25

BiblioSuisse empfiehlt CHF 35

Abo-Kosten sehr tief 

Abo-Kosten + ca. 80 %

Bsp: Kinder von CHF 15 auf CHF 25

Erwachsene von CHF 30 auf CHF 50

Familie von CHF 40 auf 70

Vereinsarbeit im Stundenlohn

Festanstellung 

Gemeindebeitrag: CHF 22’000

Gemeindebeitrag: CHF 100’000

Termine

	Beschluss Gemeindeparlament	9. März 2022

	Planung und Ausführung Umbau Bibliothek	März 2022 – Juni 2023

	Bezug neue Bibliothek 	Juli/August 2023

Das Konzept der neuen Schul- und Gemeindebibliothek Ilanz/Glion wurde dem Parlament bereits an der Sitzung vom 27. Oktober 2021 präsentiert.

Der Gemeindevorstand erachtet den Handlungsbedarf bei den Räumlichkeiten und personellen Ressourcen der Bibliothek als dringend. Die Möglichkeit des neuen Standorts in der Ilanzer Altstadt ist eine einmalige Chance, um die Attraktivität der Bibliothek zukunftsgerichtet zu steigern und ein angemessenes Bibliotheksangebot für jung und alt zu gewährleisten.

Antrag

Aufgrund der vorangehenden Ausführungen stellt der Gemeindevorstand dem Parlament folgende Anträge:

auf die Vorlage einzutreten;

für den einmaligen Einrichtungsbedarf eine Defizitgarantie von CHF 40'000 zu gewähren;

die Erhöhung des Jahresbeitrags auf 100'000 Franken zu genehmigen. 

	Ilanz/Glion, 9. Februar 2022	Gemeindevorstand Ilanz/Glion

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