<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 73 S.363</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Abgeltungen gemäss kantonalem Landwirtschaftsgesetz</span> <span class="page_no">363</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"> <p><span class="ft3"><b>73</b></span> <span class="ft3"><b>Abgeltung ökologischer Leistungen gemäss § 28 ff. des kantonalen Land-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>wirtschaftsgesetzes.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Auslegung von sogenannten "Bewirtschaftungsverträgen" im Falle</b></span><br/> <span class="ft3"><b>einer unverschuldeten Teilunmöglichkeit für den Bewirtschafter, die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vereinbarte Leistung zu erbringen. Nach Massgabe der vertraglichen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Bestimmungen dürfen in derartigen Fällen nicht sämtliche Beiträge</b></span><br/> <span class="ft3"><b>verweigert werden (Erw. II/1, 2, 4, 5).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid der Landwirtschaftlichen Rekurskommission vom</span><br/> <span class="ft6">15. September 2008 in Sachen H. gegen Departement Finanzen und Ressour-</span><br/> <span class="ft6">cen, Abteilung Landwirtschaft (5-BE.2007.12).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">II.</span><br/> <span class="ft8">1. Sind in einem zusammenhängenden Gebiet einer oder mehre-</span><br/> <span class="ft8">rer Gemeinden Massnahmepläne zur qualitativen Verbesserung von</span><br/> <span class="ft8">Trinkwasservorkommen, Gewässern oder Böden vorgesehen, die be-</span><br/> <span class="ft8">sondere Einschränkungen der Bewirtschaftung oder besonders belas-</span><br/> <span class="ft8">tende Betriebsumstellungen erfordern, können die Gemeinden diese</span><br/> <span class="ft8">im Rahmen von vertraglichen Vereinbarungen mit Beiträgen unter-</span><br/> <span class="ft8">stützen (§ 28b Abs. 1 LwG-AG). Der Kanton beteiligt sich unter der</span><br/> <span class="ft8">Voraussetzung eines formellen Gemeinderatsbeschlusses über den</span><br/> <span class="ft8">Massnahmeplan und der Genehmigung durch das zuständige Depar-</span><br/> <span class="ft8">tement zu maximal 50 % an den Beiträgen (§ 28b Abs. 2 LwG-AG).</span><br/> <span class="ft8">2. Ein verwaltungsrechtlicher Vertrag entsteht durch überein-</span><br/> <span class="ft8">stimmende Willensäusserung der Parteien, wobei die Vorschriften</span><br/> <span class="ft8">des Obligationenrechts analog Anwendung finden, soweit das öffent-</span><br/> <span class="ft8">liche Recht keine eigenen Regeln vorsieht und die für zivilrechtliche</span><br/></p> </div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">364</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Verträge geltenden Grundsätze sich als sachgerecht erweisen (BGE</span><br/> <span class="ft8">105 Ia 207, Erw. 2c; BGE 122 I 328, Erw. 7b; ZBl 1982, S. 73,</span><br/> <span class="ft8">Thomas Müller-Tschumi in: Der verwaltungsrechtliche Vertrag in der</span><br/> <span class="ft8">Praxis, Isabelle Häner, Bernhard Waldmann (Hrsg.), Zürich/Basel/</span><br/> <span class="ft8">Genf 2007, S. 58 f., Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann,</span><br/> <span class="ft8">Allgemeines Verwaltungsrecht., 5. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2006,</span><br/> <span class="ft8">Rz. 1102). Als sachgerecht ist die zivilrechtliche Lösung für verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsrechtliche Verträge dann anzusehen, wenn sie der Beteiligung</span><br/> <span class="ft8">der Verwaltungsbehörden am Rechtsverhältnis und dem involvierten</span><br/> <span class="ft8">öffentlichen Interesse ausreichend Rechnung trägt (Müller-Tschumi,</span><br/> <span class="ft8">a.a.O., S. 59). Die Rechte und Pflichten ergeben sich unmittelbar aus</span><br/> <span class="ft8">dem Vertrag respektive aus dem Parteiwillen (vgl. § 6 ÖkoV; Müller-</span><br/> <span class="ft8">Tschumi, a.a.O., S. 69) und wirken lediglich zwischen den Parteien</span><br/> <span class="ft8">(Ingeborg Schwenzer, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemei-</span><br/> <span class="ft8">ner Teil, 4. Auflage, Bern 2006, Rz. 4.06).</span><br/> <span class="ft8">Der Beschwerdeführer behauptet sinngemäss, die vollständige</span><br/> <span class="ft8">Leistungserfüllung sei ohne sein Verschulden unmöglich geworden.</span><br/> <span class="ft8">Damit wird eine sogenannte Leistungsstörung vorgebracht. Zunächst</span><br/> <span class="ft8">ist zu prüfen, ob tatsächlich eine unverschuldete Unmöglichkeit vor-</span><br/> <span class="ft8">liegt. Sowohl das kantonale Landwirtschaftsgesetz als auch die Öko-</span><br/> <span class="ft8">verordnung regeln die sogenannten Leistungsstörungen (vgl. zu die-</span><br/> <span class="ft8">sem Begriff Erw. 4 hiernach) nicht. Falls effektiv eine unverschul-</span><br/> <span class="ft8">dete Unmöglichkeit besteht, ist folglich zu ermitteln, welches die</span><br/> <span class="ft8">Rechtsfolgen in einer analogen zivilrechtlichen Konstellation sind.</span><br/> <span class="ft8">Schliesslich stellt sich die Frage, ob die gefundene Lösung für den</span><br/> <span class="ft8">konkreten Fall als sachgerecht anzusehen ist.</span><br/> <span class="ft8">3. (...)</span><br/> <span class="ft8">4.</span><br/> <span class="ft8">4.1. Grundsätzlich bestreitet der Beschwerdeführer nicht, dass</span><br/> <span class="ft8">die betroffene Parzelle "S." durch seinen Verpächter gepflügt und</span><br/> <span class="ft8">somit "falsch bewirtschaftet" worden ist. Seitens der Vorinstanz ist</span><br/> <span class="ft8">unbestritten, dass der Verpächter ohne das Wissen des Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">führers den Umbruch der Naturwiese vorgenommen hat. Dieser</span><br/> <span class="ft8">Sachverhalt ist nicht vergleichbar mit den Fällen, welche die Arbeits-</span><br/> <span class="ft8">gruppe Nitratfeld bereits zu entscheiden hatte. Dort handelte die Per-</span><br/> <span class="ft8">son, welche die vertragswidrige Bodenbearbeitung vornahm, grund-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Abgeltungen gemäss kantonalem Landwirtschaftsgesetz</span> <span class="page_no">365</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">sätzlich im Einverständnis mit dem Bewirtschafter und somit als</span><br/> <span class="ft8">eigentliche Hilfsperson. Vorliegend fehlte indessen ein Einverständ-</span><br/> <span class="ft8">nis des Beschwerdeführers. Das Verhalten des Verpächters kann des-</span><br/> <span class="ft8">halb nach Massgabe des Zivilrechts nicht dem Beschwerdeführer zu-</span><br/> <span class="ft8">gerechnet werden; es liegt weder in seinem Gefahrenkreis noch han-</span><br/> <span class="ft8">delte der Verpächter als Hilfsperson des Beschwerdeführers (Peter</span><br/> <span class="ft8">Gauch/Walter R. Schluep/Jörg Schmid/Heinz Rey, OR Allgemeiner</span><br/> <span class="ft8">Teil, 8. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2003, Rz. 2870). Folglich muss</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdeführer für das Verhalten des Verpächters nicht einste-</span><br/> <span class="ft8">hen; es trifft ihn diesbezüglich kein Verschulden.</span><br/> <span class="ft8">4.2. Die Abteilung Landwirtschaft legt dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft8">zur Last, dass er von sich aus weder der Arbeitsgruppe noch der kon-</span><br/> <span class="ft8">trollierenden Fachperson eine Mitteilung über die veränderte Situa-</span><br/> <span class="ft8">tion gemacht habe. Durch diese Unterlassung verletzte der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer als Vertragspartner seine Mitteilungspflicht. Solche</span><br/> <span class="ft8">vertraglichen Nebenpflichten ergeben sich aus den allgemeinen</span><br/> <span class="ft8">Rechtsgrundsätzen, vor allem auch aus dem Gebot von Treu und</span><br/> <span class="ft8">Glauben (Art. 2 ZGB). Die Verletzung vertraglicher Nebenpflichten</span><br/> <span class="ft8">stellt eine positive Vertragsverletzung dar, welche eine Schadener-</span><br/> <span class="ft8">satzpflicht nach Art. 97 Abs. 1 OR nach sich zieht, sofern die erfor-</span><br/> <span class="ft8">derlichen Voraussetzungen (Schaden, Kausalzusammenhang zwi-</span><br/> <span class="ft8">schen positiver Vertragsverletzung und eingetretenem Schaden, Ver-</span><br/> <span class="ft8">schulden) erfüllt sind (Schwenzer, a.a.O., N 67.01 ff.). Vorliegend</span><br/> <span class="ft8">mangelt es jedoch bereits am Vorliegen eines Schadens gemäss</span><br/> <span class="ft8">Art. 97 Abs. 1 OR. Darüber hinaus war die Verletzung der Mittei-</span><br/> <span class="ft8">lungspflicht durch den Beschwerdeführer nicht kausal für die Nicht-</span><br/> <span class="ft8">erfüllung der vertraglichen Leistung bzw. den Umbruch der Wiese.</span><br/> <span class="ft8">Vielmehr konnte die Leistung bereits im Zeitpunkt des Umbruchs der</span><br/> <span class="ft8">Naturwiese nicht mehr erbracht werden.</span><br/> <span class="ft8">4.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den Beschwer-</span><br/> <span class="ft8">deführer hinsichtlich der Überführung einer Teilfläche von 40 Aren</span><br/> <span class="ft8">Naturwiese in offenes Ackerland im Frühjahr 2006 kein Verschulden</span><br/> <span class="ft8">trifft. Die Erfüllung der vertraglichen Verpflichtung, keine Über-</span><br/> <span class="ft8">führung in die offene Ackerbaufläche bzw. keine Bodenbearbeitung</span><br/> <span class="ft8">vorzunehmen, ist ohne sein Verschulden unmöglich geworden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">366</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">5.</span><br/> <span class="ft8">5.1. Bei vollkommen zweiseitigen Verträgen stehen die Leis-</span><br/> <span class="ft8">tungspflichten in einem Austauschverhältnis. Die eine Partei ver-</span><br/> <span class="ft8">spricht der anderen eine Leistung nur, damit und weil die andere Par-</span><br/> <span class="ft8">tei ihrerseits eine Leistung verspricht und erbringt. Die gegenseitigen</span><br/> <span class="ft8">Leistungspflichten stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis. Wird</span><br/> <span class="ft8">eine Leistung, die im Austauschverhältnis steht, ohne Verschulden</span><br/> <span class="ft8">des Gläubigers oder des Schuldners unmöglich, so wird gemäss der</span><br/> <span class="ft8">zivilrechtlichen Regelung der andere Teil von seiner Gegenleistungs-</span><br/> <span class="ft8">pflicht befreit (Art. 119 Abs. 2 OR; Schwenzer, a.a.O., N 3.21 und</span><br/> <span class="ft8">N 3.23). Doch tritt diese Rechtsfolge selbstverständlich nur ein,</span><br/> <span class="ft8">wenn die Parteien nicht etwas anderes vereinbart haben (Art. 119 OR</span><br/> <span class="ft8">ist dispositives Recht).</span><br/> <span class="ft8">5.2.</span><br/> <span class="ft8">5.2.1. Gemäss den Verträgen "Verlängerte Nutzungsdauer von</span><br/> <span class="ft8">Kunstwiesen" können bei Zuwiderhandlungen die Abgeltungen ge-</span><br/> <span class="ft8">kürzt oder verweigert werden. Strikter ist die Regelung des Trink-</span><br/> <span class="ft8">wasservertrages. Danach werden keine Abgeltungen ausgerichtet,</span><br/> <span class="ft8">wenn der Trinkwasservertrag oder auch nur Teile davon nicht erfüllt</span><br/> <span class="ft8">worden sind. Fraglich ist nun, ob diese Klauseln auch im Falle einer</span><br/> <span class="ft8">unverschuldeten Unmöglichkeit anwendbar sind (wodurch sich eine</span><br/> <span class="ft8">Abweichung von den dargestellten dispositiven Bestimmungen des</span><br/> <span class="ft8">Obligationenrechts ergäbe) bzw. ob eine Kürzung oder Verweigerung</span><br/> <span class="ft8">der Abgeltungen unabhängig vom Verschulden des Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft8">rers vorgenommen werden kann.</span><br/> <span class="ft8">5.2.2. Die drei Verträge stellen offensichtlich von der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft8">vorformulierte, standardisierte Verträge dar. Die vorgedruckten For-</span><br/> <span class="ft8">mulare wurden lediglich mit den persönlichen Angaben des</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeführers (Betriebsnummer, Name und Adresse) sowie mit</span><br/> <span class="ft8">den konkreten Flächenmassen ergänzt.</span><br/> <span class="ft8">Vorformulierte Vertragsbestimmungen sind grundsätzlich nach</span><br/> <span class="ft8">den gleichen Regeln wie individuell verfasste Vertragsklauseln</span><br/> <span class="ft8">auszulegen. So erfolgt denn auch die Ermittlung des mutmasslichen</span><br/> <span class="ft8">Parteiwillens nach dem Vertrauensgrundsatz. Dabei hat das Gericht</span><br/> <span class="ft8">vom Wortlaut auszugehen und zu berücksichtigen, was sachgerecht</span><br/> <span class="ft8">erscheint. Es orientiert sich dabei am dispositiven Recht, weil derje-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Abgeltungen gemäss kantonalem Landwirtschaftsgesetz</span> <span class="page_no">367</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">nige Vertragspartner, der dieses verdrängen will, das mit hinreichen-</span><br/> <span class="ft8">der Deutlichkeit zum Ausdruck bringen muss (unpubliziertes Urteil</span><br/> <span class="ft8">des Bundesgerichts vom 20. April 2007, 5C.21/2007 mit weiteren</span><br/> <span class="ft8">Hinweisen).</span><br/> <span class="ft8">5.2.3. Der Wortlaut von Ziffer 2.7 des Trinkwasservertrages so-</span><br/> <span class="ft8">wie von Ziffer 2.7 der Verträge betreffend "Verlängerte Nutzungs-</span><br/> <span class="ft8">dauer von Kunstwiesen" äussert sich nicht ausdrücklich zu den</span><br/> <span class="ft8">rechtlichen Auswirkungen der Unmöglichkeit. In genereller Weise</span><br/> <span class="ft8">wird einzig festgehalten, dass der Betrieb die Voraussetzungen erfül-</span><br/> <span class="ft8">len muss bzw. die Abgeltungen bei Zuwiderhandlung gekürzt oder</span><br/> <span class="ft8">verweigert werden können. Ob davon neben der verschuldeten auch</span><br/> <span class="ft8">die unverschuldete Leistungsstörung erfasst ist, lässt sich jedoch</span><br/> <span class="ft8">weder aus dem Wortlaut noch aus dem Zusammenhang mit den</span><br/> <span class="ft8">weiteren vertraglichen Regelungen bestimmen. Folglich ergibt sich</span><br/> <span class="ft8">aus den Verträgen kein Anlass, aufgrund dessen vom dispositiven</span><br/> <span class="ft8">(Zivil-)Recht abgewichen werden müsste. Die getroffene Lösung</span><br/> <span class="ft8">lässt sich somit nicht als eigenständige Regelung der Folgen der Un-</span><br/> <span class="ft8">möglichkeit auffassen. Vielmehr muss der Fall der Unmöglichkeit</span><br/> <span class="ft8">anhand der allgemeinen zivilrechtlichen Konzeption gelöst werden.</span><br/> <span class="ft8">Dies gilt umso mehr, als es nicht sachgerecht erscheint, dem Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer das Risiko der unverschuldeten Unmöglichkeit zur</span><br/> <span class="ft8">Gänze aufzuerlegen.</span><br/> <span class="ft8">Nichts anderes kann den Ausführungen der Vorinstanz entnom-</span><br/> <span class="ft8">men werden, wonach der Beschwerdeführer als "offiziell anerkannter</span><br/> <span class="ft8">Bewirtschafter für den Vorgang und dessen Auswirkungen" verant-</span><br/> <span class="ft8">wortlich zeichnen muss. Sinngemäss rechnet die Vorinstanz - fälsch-</span><br/> <span class="ft8">licherweise - das Handeln des Verpächters dem Beschwerdeführer zu</span><br/> <span class="ft8">(vgl. dazu Erw. 4.3). Folglich setzt auch die Vorinstanz für die An-</span><br/> <span class="ft8">wendung von Ziffer 2.7 der Verträge ein persönliches Verschulden</span><br/> <span class="ft8">voraus.</span><br/> <span class="ft8">5.2.4. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass</span><br/> <span class="ft8">die durch die Parteien getroffene Lösung auch keine Konventional-</span><br/> <span class="ft8">strafe darstellt. Eine solche setzt gemäss Art. 163 Abs. 2 OR im Fall</span><br/> <span class="ft8">der nicht zu vertretenden Unmöglichkeit voraus, dass Entsprechen-</span><br/> <span class="ft8">des ausdrücklich vereinbart worden ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">368</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">5.3.</span><br/> <span class="ft8">5.3.1. Die vertragliche Leistung besteht bei allen Verträgen</span><br/> <span class="ft8">darin, dass auf der Fläche innerhalb des Nitratgebietes "kein Um-</span><br/> <span class="ft8">bruch von Naturwiesen und Überführung in Ackerbau" erfolgen darf</span><br/> <span class="ft8">bzw. die Parzellen mit Dauerwiesen gemäss Flächendeklaration</span><br/> <span class="ft8">"nicht in offene Ackerfläche überführt werden dürfen und darauf</span><br/> <span class="ft8">keine Bodenbearbeitung vorgenommen werden darf". Durch das</span><br/> <span class="ft8">Handeln des Verpächters kann die Vertragsleistung durch den Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer nicht mehr erbracht werden; somit ist eine Unmög-</span><br/> <span class="ft8">lichkeit der Leistungserbringung zumindest hinsichtlich der Parzelle</span><br/> <span class="ft8">"S." eingetreten (vgl. Erw. 4).</span><br/> <span class="ft8">5.3.2. Ist bei einer teilbaren Leistung nur ein Teil der Leistung</span><br/> <span class="ft8">unmöglich, so stellt sich die Frage, ob der Gläubiger die noch mögli-</span><br/> <span class="ft8">che Restleistung gegen Bezahlung einer verminderten Vergütung</span><br/> <span class="ft8">annehmen muss, weil Leistungs- und Gegenleistungspflicht nur teil-</span><br/> <span class="ft8">weise entfallen. Vertretbar ist aber auch, dass der Gläubiger die Rest-</span><br/> <span class="ft8">leistung unter vollständiger Befreiung von der eigenen Leistungs-</span><br/> <span class="ft8">pflicht ausschlagen darf. Massgebend in dieser Frage ist entspre-</span><br/> <span class="ft8">chend Art. 20 Abs. 2 OR, ob der Gläubiger an der Annahme der Rest-</span><br/> <span class="ft8">leistung ein Interesse hat oder nicht (Schwenzer, a.a.O., N 64.31).</span><br/> <span class="ft8">Aufgrund der Vertragsfreiheit kann der Inhalt des Vertrages in-</span><br/> <span class="ft8">nerhalb der Schranken des Gesetzes beliebig festgesetzt werden</span><br/> <span class="ft8">(Art. 19 Abs. 1 OR; vgl. auch Schwenzer, a.a.O., N 32.41). Deshalb</span><br/> <span class="ft8">ist zur Beantwortung der obenstehenden Frage bzw. hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft8">Interesses der Vorinstanz zunächst auf die vertragliche Regelung der</span><br/> <span class="ft8">Parteien zurückzugreifen.</span><br/> <span class="ft8">5.3.3. Die Verträge "Verlängerte Nutzungsdauer von Kunstwie-</span><br/> <span class="ft8">sen" sehen selber die Möglichkeit einer blossen Kürzung der Bei-</span><br/> <span class="ft8">träge vor. Nach Massgabe des Verhältnismässigkeitsprinzips er-</span><br/> <span class="ft8">scheint daher eine vollständige Verweigerung der Abgeltungen als</span><br/> <span class="ft8">Ausnahme. Dagegen muss der Trinkwasservertrag auf den Flächen</span><br/> <span class="ft8">innerhalb des Nitratgebietes "jährlich als Ganzes erfüllt werden".</span><br/> <span class="ft8">Sinngemäss wird der Trinkwasservertrag somit insgesamt als nicht</span><br/> <span class="ft8">erfüllt betrachtet, selbst wenn nur einzelne Flächen betroffen sind.</span><br/> <span class="ft8">Diese Schlussfolgerung spricht dafür, dass das Interesse an einer</span><br/> <span class="ft8">Restleistung nicht vorhanden ist. Zentral ist jedoch, dass nur eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Abgeltungen gemäss kantonalem Landwirtschaftsgesetz</span> <span class="page_no">369</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Fläche von 40 Aren in offene Ackerfläche überführt worden ist. An-</span><br/> <span class="ft8">gesichts der vom Beschwerdeführer bewirtschafteten Gesamtfläche</span><br/> <span class="ft8">im Nitratgebiet von 15.05 Hektaren ergibt sich aus dem "Ziel und</span><br/> <span class="ft8">Zweck" des Trinkwasservertrags durchaus ein Interesse an der Rest-</span><br/> <span class="ft8">leistung. Durch die annähernd vollständige Einhaltung der vertrag-</span><br/> <span class="ft8">lichen Auflagen werden sicherlich günstigere Voraussetzungen zur</span><br/> <span class="ft8">Nitratgehaltreduktion geschaffen. Dies muss umso mehr gelten, als</span><br/> <span class="ft8">der Umbruch auf der Parzelle "S." auf das Ziel der Nitratgehaltsre-</span><br/> <span class="ft8">duktion "keinen grossen Einfluss" hat. Eine vollständige Streichung</span><br/> <span class="ft8">der Projektbeiträge erscheint somit auch aufgrund des Flächenver-</span><br/> <span class="ft8">hältnisses zwischen der Parzelle "S." und der gesamten Projektfläche</span><br/> <span class="ft8">unverhältnismässig. Insgesamt ist es somit nicht vertretbar, dass die</span><br/> <span class="ft8">Abgeltungspflicht vollständig entfallen soll. Vielmehr werden die</span><br/> <span class="ft8">Vertragspartner des Beschwerdeführers von ihrer Gegenleistungs-</span><br/> <span class="ft8">pflicht nur hinsichtlich des anteilsmässigen Beitrages für die Parzelle</span><br/> <span class="ft8">"S." befreit.</span><br/> <span class="ft8">5.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die Unmöglichkeit</span><br/> <span class="ft8">der Leistungserfüllung allein auf die Parzelle "S." bezieht. Folglich</span><br/> <span class="ft8">ist der Gemeindeverband B. bzw. der Kanton Aargau nicht berech-</span><br/> <span class="ft8">tigt, die Beiträge vollständig zu verweigern. Vielmehr müssen grund-</span><br/> <span class="ft8">sätzlich die gesamten Beiträge mit Ausnahme des Anteils für die Flä-</span><br/> <span class="ft8">che "S." ausgerichtet werden.</span><br/> <span class="ft8">Hinsichtlich der anteilmässigen Berechnung der Beiträge ergibt</span><br/> <span class="ft8">sich Folgendes: Von der Teilunmöglichkeit ist eine Fläche von</span><br/> <span class="ft8">40 Aren betroffen; die bewirtschaftete Gesamtfläche des Beschwer-</span><br/> <span class="ft8">deführers im Nitratgebiet beträgt 15.05 Hektaren. Demnach ist rund</span><br/> <span class="ft8">ein Vierzigstel der Fläche von der Teilunmöglichkeit betroffen. Die</span><br/> <span class="ft8">Beiträge sind daher grundsätzlich um einen Vierzigstel zu reduzieren.</span><br/> <span class="ft8">5.5. Auch aus anderen Gründen erscheint es sachgerecht, dass</span><br/> <span class="ft8">sich die vertraglichen Auswirkungen des Umbruchs der Naturwiese</span><br/> <span class="ft8">auf die Parzelle "S." beschränken und im Übrigen die gegenseitigen</span><br/> <span class="ft8">Leistungspflichten erhalten bleiben. Dem öffentlichen Interesse des</span><br/> <span class="ft8">Natur- und Umweltschutzes wird auch durch eine teilweise Erfüllung</span><br/> <span class="ft8">der Verträge gedient (vgl. Erw. 5.3.2). Zudem würde sich eine voll-</span><br/> <span class="ft8">ständige Streichung der Beiträge auch anhand des Prinzips der Ver-</span><br/> <span class="ft8">hältnismässigkeit, welches im ganzen Bereich des öffentlichen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Landwirtschaftliche Rekurskommission</span> <span class="page_no">370</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Rechts Geltung hat (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 581 ff.),</span><br/> <span class="ft8">nicht rechtfertigen; ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem ange-</span><br/> <span class="ft8">strebten Ziel und dem Eingriff würde durch das Vorgehen der Vorin-</span><br/> <span class="ft8">stanz nicht gewahrt.</span><br/></div> </div> </body> </html>