Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Mai 2021 (715 20 350 / 141) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenentschädigung Kurzarbeitsentschädigung (Corona); mangelnde Mitwirkungsbereitschaft in Bezug auf die Einreichung der notwendigen Unterlagen Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung Kurzarbeitsentschädigung (Corona) A. Mit Formular «Antrag und Abrechnung von Kurzarbeitse ntschädigung» beantragte B.____ am 23. Mai 2020 im Namen der A.____ die Ausri chtung von Kurzarbeitsentschädigung für die Zeit vom 16. März 2020 bis 26. April 2020. Mit Verfügung vom 6. August 2020 lehnte die Öffentliche Arbeitslosenkasse (Kasse) die beantragte Kurzarbeitsentschädigung für die Abrech- nungsperioden März 2020 und April 2020 infolge fehle nder Unterlagen ab. Mit E-Mail vom 23. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Juni 2020 sei B.____ aufgefordert worden, Unterlagen betreffend Sollstunden, wirtschaftlich bedingten Ausfallstunden und ahv-pflichtiger Lohnsumme einzureichen. Am 23. Juli 2020 sei sie an die fehlenden Unterlagen erinnert worden. Fer ner sei B.____ mit Telefonat vom 29. Juli 2020 erklärt worden, welche Unterlagen benötigt würd en und dass für jede Abrechnungsperio- de einzeln das Formular «Antrag und Abrechnung von Ku rzarbeitsentschädigung» auszufüllen und einzusenden sei. Gleichentags habe B.____ nochmal s die bereits mit dem Antrag vom 23. Mai 2020 eingereichten Unterlagen der Kasse per E -Mail geschickt. Zudem habe sie mitge- teilt, dass sie keine weiteren Formulare ausfüllen un d auch keine weiteren Unterlagen einsen- den werde. Da die Kasse den Anspruch auf Kurzarbeitsentsc hädigung allein gestützt auf die vorhandenen Akten nicht habe beurteilen können, habe ein solcher für die entsprechenden Mo- nate abgelehnt werden müssen. Dagegen erhob B.____ mit Eingabe vom 17. August 2020 Einsprache. In der Beilage übermit- telte sie der Kasse weitere Unterlagen, namentlich di e Jahresabrechnung für Lohnbeiträge für die Abrechnungsperiode 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2019, ein Dokument «Übersicht Löhne, Sollstunden und Ausfallstunden März 2020», ein Dokument «Übersicht Löhne, Sollstun- den und Ausfallstunden April 2020», die erste Seite d es Formulars «Antrag und Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigung» für die Abrechnungsperiode 16. März 2020 bis 31. März 2020, die erste Seite des Formulars «Antrag und Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigung» für die Abrechnungsperiode 1. April 2020 bis 30. April 2020, eine Kopie des E-Mail-Verkehrs zwischen ihr und den zuständigen Personen bei der Kasse sowie d ie Bilanz 2019 und die Erfolgsrech- nung 2019 der A.____. Mit Entscheid vom 9. September 2020 wies die Kasse die Einsprache ab. Zur Begründung führte sie an, dass die Abrechnungs periode für den Monat März am 31. März 2020 und diejenige für den Monat April am 30. A pril 2020 geendet habe, so dass die dreimonatige Frist zur Geltendmachung des Entschädigun gsanspruchs am 30. Juni 2020 bzw. am 31. Juli 2020 abgelaufen sei. Die mit der Einsprache am 17. August 2020 eingereichten An- tragsunterlagen für die Monate März 2020 und April 2 020 seien somit nach Ablauf der gesetzli- chen Frist eingereicht worden. Der Vollständigkeit halbe r sei zudem festzuhalten, dass die An- tragsunterlagen selbst im Zeitpunkt des vorliegenden E ntscheides nicht vollständig gewesen seien. B. Gegen den Einspracheentscheid erhob B.____ mit Ein gabe vom 14. September 2020 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherung srecht. Sie beantragte die Aus- zahlung von Kurzarbeitsentschädigung gestützt auf die ein gereichten Unterlagen. Sie machte sinngemäss geltend, dass sie sich bereits am 28. März 2020 f ür den Bezug von Leistungen vorangemeldet habe und erst am 1. Mai 2020 – nach Kont aktaufnahme ihrerseits – vom Kanto- nalen Amt für Industrie und Arbeit (KIGA) informiert worden sei, dass sie ein anderes Formular ausfüllen müsse. Der Ressortleiter habe sie sodann an di e Kasse verwiesen. Schliesslich habe sie die Unterlagen am 19. Mai 2020 der Kasse übermitt elt. Leider habe sie auch hier erst auf ihre Initiative hin am 22. Juni 2020 eine Antwort erhalten. Aus Rücksicht auf die Behörden habe sie jeweils vier Wochen verstreichen lassen, bis sie bezüglich ihres Antrages nachgefragt habe. Dass ihr nun diese Rücksicht zur Last gelegt werde, sei unve rständlich. Sie sei davon ausge- gangen, dass die eingereichten Unterlagen vollständig seien. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Vernehmlassung vom 23. Oktober 2020 beantragt e die Kasse die Abweisung der Beschwerde. Die Aussage der Beschwerdeführerin, das Verf ahren sei ohne ihr Verschulden verzögert worden und sie habe fast drei Monate auf ein e Rückmeldung warten müssen, treffe so nicht zu. Die Arbeitsbelastung der Kasse habe innert kürzester Zeit massiv zugenommen. Dennoch sei sie stets darum bemüht gewesen, alle Anfrag en innert angemessener Zeit zu be- arbeiten. Insbesondere im vorliegenden Fall sei die Versicherte telefonisch und schriftlich kon- taktiert worden und es sei ihr mehrmals erklärt worden, wie sie die Kurzarbeitsentschädigung korrekt zu beantragen habe. Trotzdem habe sich die Beschw erdeführerin geweigert, die An- tragsunterlagen wie gefordert auszufüllen und einzure ichen. Somit treffe auch die Aussage, dass sie angenommen habe, die eingereichten Unterlagen seien vollständig, nicht zu. Ferner sei zu betonen, dass bis zum heutigen Tag keine vollständigen Antragsunterlagen vorlägen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist ei n Gericht als letzte kantonale In- stanz unter anderem für die Beurteilung von Beschwerd en gegen Verfügungen der kantonalen Amtsstellen und der Kassen sachlich zuständig. Örtlich zust ändig ist gemäss Art. 58 ATSG das Gericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Gemäss Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 kann der Bundes- rat die örtliche Zuständigkeit in Abweichung von Art. 58 ATSG regeln. Auf der Grundlage dieser Delegationsnorm hat der Bundesrat Art. 128 der Verord nung über die obligatorische Arbeitslo- senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 1983 erlassen, wo- nach sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungs gerichts nach Art. 119 AVIV richtet. Dieser bestimmt für die Kurzarbeitsentschädigung die ör tliche Zuständigkeit nach dem Ort des Betriebes (vgl. Art. 119 Abs. 1 lit. b AVIV), im vorli egenden Fall X.____, Kanton Basel- Landschaft. Auf die beim örtlich und sachlich zuständi gen Gericht form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Nach § 55 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- un d Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 entscheidet die präsidi erende Person der Abteilung Sozi- alversicherungsrecht des Kantonsgerichts Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.- - durch Präsidialentscheid. Vorliegend liegt der Strei twert unter dieser Grenze. Über die Be- schwerde ist deshalb präsidial zu entscheiden. 3. Es stellt sich als Erstes die Frage, ob ein rückwirkender Anspruch auf Kurzarbeitsent- schädigung besteht. 3.1 Beabsichtigt ein Arbeitgeber, für seine Arbeitnehm er Kurzarbeitsentschädigung geltend zu machen, so muss er dies der kantonalen Amtsstelle min destens zehn Tage vor Beginn der Kurzarbeit schriftlich melden. Die Voranmeldefrist für Kurzarbeit beträgt ausnahmsweise drei Tage, wenn der Arbeitgeber nachweist, dass die Kurzarb eit wegen plötzlich eingetretener Um- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht stände, die nicht voraussehbar waren, eingeführt werde n muss (Art. 36 Abs. 1 AVIG in Verbin- dung mit Art. 58 Abs. 1 AVIV). Bei der Voranmeldefrist handelt es sich um eine Verwirkungsfrist (vgl. B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2019, S. 289). Hat der Arbeitgeber die Kurzarbeit ohne entschuldbaren Grund verspätet angemeldet, so wird der Arbeitsausfal l erst anrechenbar, wenn die für die Mel- dung vorgeschriebene Frist abgelaufen ist (Art. 58 Abs. 4 AVIV). Der Arbeitgeber hat die Kurz- arbeit auf dem Formular des SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) zu melden (Art. 59 Abs. 2 AVIV). 3.2 Am 20. März 2020 hat der Bundesrat ein Paket mit diversen Coronavirus bedingten Verordnungen bzw. Verordnungsänderungen verabschiedet, unter anderem die Verordnung über Massnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19-Verordnung Arbeitslosenversicherun g). Diese Verordnung wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt (vgl. Art. 9 Abs. 1 der Verordnung) und brachte insbesondere in Bezug auf die Kurzarbeit diverse (vorüberg ehende) Verfahrenserleichterungen und Anspruchserweiterungen mit sich (insb. den Wegfall der Karenztage und eine Ausdehnung des Anspruches auf einen weiteren Personenkreis [arbeit geberähnliche Personen]). Bereits am 25. März 2020 wurde die COVID-19-Verordnung Arbeitslo senversicherung ein erstes Mal ab- geändert und es wurden weitere (vorübergehende) verfa hrensmässige Erleichterungen und Anspruchserweiterungen eingeführt. Im Speziellen wurd en in Art. 8b der Verordnung der Weg- fall der Voranmeldefrist in Abweichung von Art. 36 Abs. 1 AVIG sowie Art. 58 Abs. 1 bis 4 AVIV zwischen 1. März und 31. Mai 2020 und die Möglichkeit zur telefonischen Anmeldung von Kurzarbeit statuiert. Ein rückwirkender Anspruchsbeginn (G ewährung eines Anspruches für die Zeit vor der Anmeldung der Kurzarbeit) wurde jedoch nicht in die Verordnung aufgenommen. Der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung entstand mithi n am Tag der Voranmeldung (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts Bern vom 7. Oktober 2020, in: BVR 2021, Urteil des Sozialversi- cherungsgerichts Basel-Stadt vom 10. September 2020, AL.2020.86). 3.3 Das SECO hat zur Präzisierung der vom Bundesrat erla ssenen Verordnungen ver- schiedene Weisungen unter dem Titel «Sonderregelungen aufgrund der Pandemie» erstellt. Mit der (nicht publizierten) Weisung 06/2020 vom 9. Apri l 2020 (S. 7 Ziff. 2) wurde bestimmt, dass bei verspätet eingereichten Anträgen das Eingangsdatum 17. März 2020 gesetzt werde, wenn der Betrieb aufgrund der behördlichen Massnahmen schlie ssen musste und der Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung vor dem 31. März 2020 gestellt wurde. Dies wurde sodann in der Weisung 10/2020 (S. 14 Ziff. 2.13) nochmals bestätigt. 3.4 Im vorliegenden Fall wurde die Anmeldung der Kur zarbeit für die Zeit vom 17. März 2020 bis 26. April 2020 erst am 5. Mai 2020 vorgenomm en. Eine rückwirkende Anspruchsbe- gründung (Festlegung des Anmeldedatums auf den 17. Mär z 2020) wäre daher unter Berück- sichtigung der oben erwähnten Weisung des SECO nicht mög lich, womit ein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung entfallen würde. 4.1 Wird eine Anmeldung nicht formgerecht oder bei einer unzuständigen Stelle einge- reicht, so ist für die Einhaltung der Fristen und für die an die Anmeldung geknüpften Rechtswir- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht kungen trotzdem der Zeitpunkt massgebend, in dem sie de r Post übergeben oder bei der unzu- ständigen Stelle eingereicht wird (Art. 29 Abs. 3 ATSG ). Alle Stellen, die mit der Durchführung der Sozialversicherung betraut sind, haben versehentlich a n sie gelangte Anmeldungen, Gesu- che und Eingaben entgegenzunehmen. Sie halten das Dat um der Einreichung fest und leiten die entsprechenden Unterlagen an die zuständige Stelle weiter (Art. 30 ATSG). 4.2 Die Beschwerdeführerin meldete sich fälschlicherweise am 28. März 2020 bei der Aus- gleichskasse zum Bezug von Corona-Erwerbsersatzentschädigu ng an, statt mittels Vor- anmeldung von Kurzarbeit beim KIGA Antrag auf Kurzar beitsentschädigung zu stellen. Auf Nachfrage der Versicherten bezüglich ihres Gesuchs vom 28. März 2020 hin lehnte die Aus- gleichskasse mit Mitteilung vom 1. Mai 2020 einen Anspr uch der Beschwerdeführerin auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung ab, da sie als Geschäft sführerin einer GmbH unselbstän- dig erwerbend sei. Allenfalls bestehe aber ein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Darauf- hin meldete sich die Versicherte telefonisch beim KIGA a n und sendete das ausgefüllte Formu- lar für die KAE-Voranmeldung COVID-19 am 5. Mai 202 0 ein. Als voraussichtliche Dauer der Kurzarbeit gab sie den Zeitraum 16. März 2020 bis 26. A pril 2020 an. Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 bewilligte das KIGA das Gesuch um Kurzarbeit sentschädigung für die Dauer vom 17. März 2020 bis zum 16. September 2020. Die Ausrichtung e iner solchen Entschädigung sei je- doch nur möglich, wenn die übrigen Voraussetzungen erf üllt seien. Für den Antrag und die Ab- rechnung der Kurzarbeitsentschädigung sei das amtliche Fo rmular zu verwenden, das online zur Verfügung stehe. 4.3 In Würdigung des Sachverhalts hat das KIGA zurecht die Anmeldung der Kurzarbeits- entschädigung ab 17. März 2020 in Nachachtung von Art. 29 Abs. 3 ATSG, Art. 8b der COVID- 19-Verordnung Arbeitslosenversicherung sowie der Weisun g des SECO in Bezug auf eine Rückwirkung des Anspruchs auf den 17. März 2020, sofern d as Gesuch bis 31. März 2020 ein- gegangen ist, bewilligt. 5.1 Nach Art. 38 Abs. 1 AVIG hat der Arbeitgeber den Anspruch seiner Arbeitnehmer auf Kurzarbeitsentschädigung innert dreier Monate nach Ablauf jeder Abrechnungsperiode gesamt- haft für den Betrieb bei der von ihm bezeichneten Kasse geltend zu machen. Entschädigungen, die der Arbeitgeber nicht fristgemäss geltend macht, we rden ihm nicht vergütet (Art. 39 Abs. 3 AVIG). Bei der in Art. 38 Abs. 1 AVIG vorgesehenen F rist handelt es sich nicht um eine blosse Ordnungsvorschrift, sondern um eine Verwirkungsfrist, der en Nichtwahrung das Erlöschen des Anspruchs zur Folge hat. Die Frist für die Geltendmach ung des Entschädigungsanspruchs wird durch das Ende der Abrechnungsperiode ausgelöst, weshal b die Frist an dem Tag des letzten Monats der Dreimonatsfrist abläuft, der durch seine Z ahl dem Tag des Endes der Abrech- nungsperiode entspricht; daran ändert nichts, dass der Fristenlauf gemäss Art. 61 AVIV erst am ersten Tag nach der Abrechnungsperiode beginnt. Ferne r beginnt die dreimonatige Frist nach Ablauf der jeweiligen Abrechnungsperiode, unabhängig davon, ob die kantonale Amtsstelle gemäss Art. 36 Abs. 4 AVIG oder die Rekursinstanz berei ts einen Entscheid über die Auszah- lung gefällt hat (vgl. B ARBARA KUPFER BUCHER , a.a.O., S. 292 und T HOMAS NUSSBAUMER , Ar- beitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltung sgericht, Band XIV, Soziale Si- cherheit, 3. Auflage, Basel 2016, S. 2423 f.). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Wurde der Entschädigungsanspruch gelten gemacht, o hne alle notwendigen Unterla- gen einzureichen, setzt die Arbeitslosenkasse dem Arbeitg eber eine angemessene Frist zur Vervollständigung mit dem Hinweis, dass der Anspruch erli scht, wenn die Vervollständigung nicht bis zum Ablauf der dreimonatigen Verwirkungsfrist erfolgt. Erfolgt die Geltendmachung kurz vor Ablauf der dreimonatigen Verwirkungsfrist, ist für eine allfällige Vervollständigung der Unterlagen eine angemessene Frist anzusetzen, die über d ie Verwirkungsfrist hinausgehen kann (Ziff. I7 AVIG-Praxis KAE). 5.3 Vorliegend sind die zur Diskussion stehenden Abrechnun gsperioden am 31. März 2020 bzw. am 30. April 2020 abgelaufen, so dass die Frist zu r Geltendmachung des Anspruchs auf Kurzarbeitsentschädigung jeweils am nächsten Tag, dem 1. April 2020 bzw. dem 1. Mai 2020, zu laufen begonnen und grundsätzlich mit Ablauf des dri tten Monats, d.h. am 30. Juni 2020 bzw. am 31. Juli 2020, geendet hat. Aus den Akten geht hervor, dass das Formular «Antrag und Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigung» am 26. Mai 20 20 beim KIGA eingegangen ist. Damit wurde die Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung für die Zeit vom 16. März 2020 bis 26. April 2020 beantragt. Als Beilagen reichte die Versicherte das Formular «Voranmeldung von Kurzarbeitsentschädigung», die Mitteilung der Ausgleich skasse vom 1. Mai 2020 betreffend Ablehnung einer Corona-Erwerbsersatzent-schädigung und die Seiten 1 bis 3 von 4 des Formu- lars «Anmeldung für die Corona-Erwerbsersatzentschädigu ng» ein. Mit E-Mail vom 22. Juni 2020 erkundigte sich die Versicherte bei der Kasse bezügli ch ihres Anspruches auf Kurzar- beitsentschädigung. Die zuständige Sachbearbeiterin wand te sich tags darauf mit E-Mail vom 23. Juni 2020 an die Versicherte und bestätigte den Ein gang des Antrags auf Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigung für den Monat April 2020. Die Sachbearbeiterin informierte die Versi- cherte, dass die von ihr eingereichten Unterlagen unvoll ständig seien. Insbesondere fehlten Unterlagen, welche die Sollstunden aller anspruchsberech tigten Arbeitnehmenden für den gan- zen Monat belegten sowie Unterlagen, welche die wirtsc haftlich bedingten Ausfallstunden aller von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmenden in der Zei t vom 1. April 2020 bis 30. April 2020 aufzeigten und Unterlagen, welche die ahv-pflichtige Lohnsumme aller anspruchsberechtigen Arbeitnehmenden für den ganzen Monat bestätigten. Für die Plausibilisierung seien betriebliche Unterlagen notwendig, die Auskunft über Soll- und Aus fallstunden sowie Lohnzahlungen geben würden. Als Nachweis würden beispielsweise gelten: Abrechn ungen aus Zeiterfassungssyste- men, Stundenerfassung / Rapporte, Arbeitsverträge mit Sollstunden, Lohnlisten und Lohnab- rechnungen und Zusammenstellungen in Tabellen, die M itarbeiternamen, Stunden- und Lohn- angaben enthalten würden. Alternativ könne die Versic herte die beigefügte Excel-Liste wahr- heitsgetreu ausfüllen und zusammen mit dem Antrag e inreichen. Ohne die fehlenden Unterla- gen könne keine Prüfung des Antrags und keine Auszahl ung der Kurzarbeitsentschädigung vorgenommen werden. Da die Versicherte nicht auf die E-Mail der Kasse vom 23. Juni 2020 reagierte, sandte die Sachbearbeiterin am 23. Juli 2020 ein Erinnerungsmai l und machte die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam, dass ohne die fehlenden Unterlagen eine Prüfung des Antrags auf Kurzar- beitsentschädigung und eine Auszahlung von Leistungen nich t möglich sei. Mit E-Mail vom 26. Juli 2020 antwortete die Versicherte, dass sie drei Formulare an drei Stellen gesendet habe und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht keine Ahnung habe, was sie noch ausfüllen müsse. Es sei ihr auch zu blöde, mit den Ämtern zu streiten. Mit Telefonat vom 29. Juli 2020 erklärte nu nmehr die zuständige juristische Mitarbeite- rin der Versicherten, welche Unterlagen benötigt würden und dass für jede Abrechnungsperiode einzeln ein Formular «Antrag und Abrechnung von Kurza rbeitsentschädigung» auszufüllen und einzureichen sei. Mit E-Mail vom 29. Juli 2020 liess die juristische Mitarbeitern der Beschwerde- führerin im Anhang nochmals das Antragsformular zukom men und wies darauf hin, dass die Monate einzeln abzurechnen seien und auf das bereits ei ngereichte Formular nicht abgestellt werden könne, da darin auf die Zeit vom 16. März 2020 bis 26. April 2020 Bezug genommen werde. Die Versicherte wurde ferner gebeten, alle Unt erlagen per E-Mail oder per Post einzu- reichen. Am gleichen Tag antwortete die Versicherte, d ass sie den Antrag auf Kurzarbeitsent- schädigung bereits im Mai 2020 eingereicht habe. In der Beilage übermittelte sie die gesamte Korrespondenz sowie die Unterlagen, welche sie bereits mit dem Antrag im Mai 2020 zugestellt hatte. Schliesslich erklärte sie, mehr werde sie nicht «ausfüllen» (vgl. E-Mail vom 29. Juli 2020). Mit E-Mail vom 30. Juli 2020 an die Versicherte legte die juristische Mitarbeiterin nochmals dar, dass die Unterlagen unvollständig seien und dass sie pr o Abrechnungsperiode (= Monat) ein Antragsformular auszufüllen und die Angaben mit betrieblichen Unterlagen zu belegen habe. So wie sie die Versicherte aber verstanden habe, würde sie – trotz gestriger Zusicherung ihr ge- genüber – keine weiteren Unterlagen mehr einreichen. Wie bereits aufgezeigt, könne die Kasse den Antrag vom 23. Mai 2020 aus folgenden Gründen nicht abrechnen: 1. Die Angaben würden sich auf die Zeit vom 16. März 2020 bis 26. April 2020 und nicht auf jeweils einen Monat bezie- hen und 2. Hätte sie ihre Angaben trotz mehrfacher sch riftlicher Aufforderung nicht belegt. Da sie dies gemäss ihren Angaben auch künftig nicht zu tu n gedenke, werde das Dossier an die Verfügungsstelle weitergeleitet, damit der Anspruch fo rmell per Verfügung abgelehnt werde. Anschliessend habe sie die Möglichkeit, das Rechtsmittel zu ergreifen. Gleichentags schrieb die Beschwerdeführerin zurück, dass sie ein Nein nicht akzeptiere . Sie fragte, was mit betriebli- chem Unterhalt gemeint sei und machte geltend, dass sie keine mehrfachen Aufforderungen erhalten habe. Sie ersuchte um «rückwirkende» Zusendung dieser. Ferner bat sie, sie nicht mehr telefonisch zu kontaktieren. Sie kommuniziere nur noch schriftlich mit der Kasse. Schliess- lich setzte sie der Kasse Frist zur Beantwortung bis 6. August 2020. 5.4 Die Antwort folgte mit Verfügung vom 6. August 20 20, in welcher die Kasse die Aus- richtung von Kurzarbeitsentschädigung für die Abrechnungsperioden März 2020 und April 2020 infolge fehlender Unterlagen ablehnte. 6.1 Festzuhalten ist, dass die Frist zur Geltendmachung de s Anspruchs auf Kurzarbeits- entschädigung grundsätzlich am 30. Juni 2020 bzw. am 31. Juli 2020 geendet hat. Da die Be- schwerdeführerin ihre Unterlagen nicht innerhalb der F rist eingereicht hat, gilt der Anspruch somit im Zeitpunkt der Verfügung prinzipiell als verwi rkt. Die Kasse hat die Versicherte im Rah- men ihrer Beratungspflicht (Art. 27 Abs. 2 ATSG) mit viel Geduld schriftlich und telefonisch da- rauf hingewiesen, dass sie separate Formulare für die M onate März und April 2020 auszufüllen und die entsprechenden Lohnbelege für die Prüfung des Anspruchs einzureichen habe. Sie übermittelte ihr die Formulare und listete die fehle nden Belege auf mit der Bitte, diese zeitnah einzureichen. Eine Frist zur Vervollständigung der erforderlichen Unterlagen nach Ziff. I7 AVIG- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Praxis KAE (vgl. auch Art. 29 Abs. 3 AVIV [Geltendmachun g des Anspruchs auf Arbeitslosen- taggelder]) mit der Androhung, dass der Anspruch erlösc he, wenn die ausstehenden Belege nicht bis zum Ablauf der Frist einträfen, setzte die Kass e nicht. Es stellt sich die Frage, ob die Kasse aufgrund des unkooperativen Verhaltens der Versiche rten auf eine Fristansetzung mit explizitem Hinweis auf die Säumnisfolgen hat verzichten dürfen. 6.2 Ziff. I7 AVIG-Praxis KAE entspricht der Schutznorm Art. 29 Abs. 3 AVIV, wonach die Kasse der versicherten Person im Rahmen der Geltendmachung ihres Anspruchs auf Arbeitslo- sentaggelder nötigenfalls eine Frist zur Vervollständigun g der Unterlagen setzt und sie auf die Folgen der Unterlassung – die Verwirkung des Anspruchs – aufmerksam macht. Zeigt sich die versicherte Person gegenüber den ihr obliegenden Handl ungspflichten aber völlig gleichgültig und bleibt sie entsprechend untätig, kann eine Berufun g auf die Schutznorm rechtmissbräuch- lich sein. Fehlt es offensichtlich an der Mitwirkungsbere itschaft, wäre es nicht rechtens, dem Anspruchsuntergang allein unter Hinweis auf die Nichte rfüllung der Informationspflichten der Kasse gemäss Art. 29. Abs. 3 AVIV bzw. Ziff. I7 AVIG-Pra xis KAE – ohne sonstige entschuld- baren Gründe – entgehen zu können (vgl. Urteil des Bu ndesgerichts vom 29. Oktober 2014, 8C_439/2014, E. 4.4). 6.3 Die Kasse hat die Beschwerdeführerin mehrmals aufge fordert, die notwendigen Unter- lagen, welche sie auch bezeichnet hatte, einzureichen un d ihr dafür – auch wegen der speziel- len Umstände – über die Dreimonatsfrist hinaus Zeit ge geben. Dies gilt für die Abrechnungspe- riode März 2020 und hätte auch für die Abrechnungspe riode April 2020 gegolten, hätte sie sich nicht explizit in ihrer E-Mail vom 29. Juli 2020 geweig ert, weitere Unterlagen einzureichen. Von der Kasse zu verlangen, der Versicherten nunmehr eine F rist nach Ziff. I7 AVIG-Praxis KAE zu setzen und auf die Säumnisfolgen aufmerksam zu machen, wäre im gegebenen Fall nach be- harrlicher Weigerung, sich mit der Angelegenheit und den notwendigen Eingaben auseinander- zusetzten, stossend. An dieser Stelle bleibt anzumerken, da ss die Versicherte nach der E-Mail der Kasse vom 30. Juli 2020 und der Ankündigung der Abl ehnung des Anspruchs noch Gele- genheit gehabt hätte, einzulenken und die fehlenden Unterlagen kurzfristig nachzureichen. Die Ablehnung des Anspruchs erfolgte erst eine Woche später am 6. August 2020. 6.4 Spätestens mit der Ablehnungsverfügung vom 6. Aug ust 2020 musste der Versicherten schliesslich bewusst gewesen sein, dass sie wegen ihrer mang elnden Mitwirkungsbereitschaft keine Kurzarbeitsentschädigung erhalten würde. Mit Wohl wollen und mit Blick auf die Schutz- norm I7 AVIG-Praxis KAE wäre im Rahmen der Einsprache letzte Gelegenheit gewesen, die vollständigen Unterlagen einzureichen, um ein Zurückkomme n auf die ablehnende Verfügung zu ermöglichen. Diese Gelegenheit nutzte die Versicherte nicht. Zwar übermittelte sei nun ge- trennte Anträge für März 2020 und April 2020 sowie Lo hnbelege (Jahresabrechnung Lohnbei- träge 2019, Übersicht Ausfallstunden März / April 2020, Bilanz und Erfolgsrechnung 2019), voll- ständig waren die Unterlagen zur Prüfung und Berechnun g des Anspruchs auf Kurzarbeitsent- schädigung aber auch jetzt nicht. Die Kasse hat folglich zurecht den Anspruch der Beschwerde- führerin auf Kurzarbeitsentschädigung mit Einspracheentscheid vom 14. September 2020 abge- lehnt. Die Beschwerde ist demgemäss abzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Überg angsbestimmungen zur Änderung vom 1. Januar 2021) hat der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht