B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6869/2024 U r t e i l v o m 1 4 . N o v e m b e r 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Esther Marti, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Janic Lombriser. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat – Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 24. Oktober 2024. E-6869/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 26. September 2024 in der Schweiz um Asyl nach. B. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der zentralen Fingerabdruckdaten- bank Eurodac ergab, dass er am (…) 2024 in Griechenland eingereist war und dort am (…) 2024 ein Asylgesuch eingereicht hatte. C. Gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver- fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt- staatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) und das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bun desrat und der Re- gierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729) ersuchte das SEM die grie- chischen Behörden am 4. Oktober 2024 um Rückübernahme des Be- schwerdeführers. Die griechischen Behörden stimmten dem Ersuchen am 6. Oktober 2024 zu, und teilten dem SEM mit, dass der Beschwerdeführer am (…) 2024 als Flüchtling anerkannt worden sei und er über eine bis am (…) 2027 gültige Aufenthaltsbewilligung verfüge. D. Am 9. Oktober 2024 wurde dem Beschwerdeführer anlässlich des persön- lichen Gesprächs in Anwesenheit der zugewiesenen Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zum Nichteintreten und zur Rückführung nach Griechen- land sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt (vgl. SEM -Akten […] [A]19/3). Hierbei machte er geltend, dass er im Camp auf Lesbos zur Ab- gabe seiner Fingerabdrücke gezwungen worden sei, da er ansonsten in die Türkei oder nach Afghanistan abgeschoben worden wäre. Er sei Ha- zara und spreche Farsi, weshalb er von anderen Personen im Camp ge- mobbt worden sei. Dies habe er den Mitarbeitern des Camps mitgeteilt, jedoch hätten diese sich nicht da für interessiert. Er sei auch gezwungen worden, das Land (Anmerkung Gericht: vermutlich ist das Camp gemeint) zu verlassen, eventuell weil er ledig und volljährig gewesen sei. Seine Rechte seien missachtet worden und er habe viel Rassismus erlebt . Er habe sich auch vor einer Deportation gefürchtet . Sodann seien die E-6869/2024 Seite 3 Lebensumstände in Griechenland nicht einfach und er könne von dort aus seine im (…) lebende Familie nicht unterstützen. Nach dem Verlassen des Camps sei er auf sich alleine gestellt gewesen und nach Athen gelangt. Er habe kein Geld für eine Unterkunft und für Essen sowie keine Unterstüt- zung bei der Arbeitssuche erhalten, sich aber auch nicht an die zuständige Gemeinde für Sozialhilfe und Unterkunft gewandt, da diese migranten- feindlich sei. Daher habe er sehr oft hungern müs sen. Sein Ziel sei schliesslich auch nicht Griechenland gewesen und nach einer kurzen Auf- enthaltsdauer sei er ausgereist. Hinsichtlich seines Gesundheitszustandes erklärte er, es gehe ihm sowohl physisch wie auch psychisch gut. E. Am 22. Oktober 2024 gewähr te die Vorinstanz der Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zum Entscheidentwurf und am gleichen Tag reichte diese ihre Stellungnahme ein. F. Mit Verfügung vom 24. Oktober 2024 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das As ylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, forderte ihn unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlas- sen, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. G. Gleichentags legte die Rechtsvertretung das Mandat nieder. H. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 31. Oktober 2024 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die angefochtene Verfü- gung sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einz utreten. Eventualiter sei ihm die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. Subeventualiter seien spezifische Garantien von den griechischen Behörden einzuholen, um eine angebrachte Unterbringung und medizinische Versorgung sicherzustellen. Subsubeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subsubsub- eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den zuständigen Behörden E-6869/2024 Seite 4 Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Grie- chenland umgehend Obdach, Nahrung, eine adäquate und regelmässige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfügung steh e. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt er die Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Zudem sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der Be- schwerde die aufschiebende Wirkung zu ert eilen und die Vollzugsbehör- den anzuweisen, von einer Überstellung nach Griechenland abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde ent- schieden habe. I. Am 4. November 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht das einst- weilige Anwesenheitsrecht des Beschwerdeführers in der Schweiz. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 A sylG i.V.m. Art. 31 –33 VGG). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form- gerecht eingereichte Beschwerde – vorbehältlich des unter 1.3 Gesagten – ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.3 Nachdem der Beschwerde von Gesetzes wegen die aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM diese auch nicht entzogen hat, ist auf die Verfahrensanträge auf Erteilung der aufschieben- den Wirkung sowie superprovisorische Aussetzung des Wegweisungsvoll- zugs nicht einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen E-6869/2024 Seite 5 richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Der in der Rechtsmitteleingabe gestellte Rückweisungsantrag ist offen- sichtlich nicht begründet. Die Vorinstanz hat den Sachverhalt rechtsgenüg- lich abgeklärt. Insbesondere hat sie den Beschwerdeführer nach den mas- sgeblichen Verfahrensvorschriften angehört. Sie hat sich sodann in der an- gefochtenen Verfügung nachvollziehbar und hi nreichend differenziert mit den zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Auch sonst ergeben sich aus den Akten keine Rückweisungsgründe, wes- halb der Antrag abzuweisen ist. 5. 5.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen folgendes aus: 5.1.1 Der Beschwerdeführer sei in Griechenland, das als sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6 a Abs. 2 Bst. b AsylG gelte, als Flüchtling anerkannt worden und er könne – nachdem die griechischen Behörden seinem Rück- übernahmeersuchen am 6. Oktober 2024 zugestimmt hätten – dorthin zu- rückkehren ohne eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoulement- Gebots befürchten zu müssen. 5.1.2 Sodann habe das Bundesverwaltungsgericht in seinem Referenzur- teil E-3427/2021 und E-3431/2021 vom 28. März 2022 entschieden, dass der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland für Personen, die dort Schutzstatus erhalten hätten, grundsätzlich zulässig sei. Griechenland sei überdies an die Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtlinie) gebunden, welche die Ansprüche von Personen mit internationalem Schutzstatus regle. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer im E-6869/2024 Seite 6 Falle einer Rückkehr nach Griechenland mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit einer Art. 3 EMRK - oder Art. 1 FoK -widrigen Behandlung oder einer existentiellen Notlage ausgesetzt wäre. Insbesondere habe er Griechen- land nur drei Wochen nach der Schutzgewährung verla ssen, weshalb er den griechischen Behörden nicht pauschal vorwerfen könne, diese hätten ihm keinen Zugang zu ihm als Schutzberechtigten zustehenden Leistun- gen gewährt. Das Bundesverwaltungsgericht habe im selben Referenzurteil festgehal- ten, dass der Vollzu g der Wegweisung nach Griechenland grundsätzlich zumutbar sei, dies ausgenommen in Konstellationen von Familien mit Kin- dern und von äusserst vulnerablen Personen, wo günstige beziehungs- weise besonders begünstigende Umstände erforderlich seien, um den Voll- zug der Wegweisung als zumutbar zu erachten . Dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, die Legalvermutung von Art. 83 Abs. 5 AIG (SR 142.20) umzustossen. Ausserdem seien die griechischen Strafverfol- gungsbehörden schutzwillig und schutzfähig, weshalb sich der Beschwer- deführer betreffend die geltend gemachten rassistisch motivierten Über- griffe und die fehlende Sicherheit an die zuständigen staatlichen Stellen wenden könne. Bezüglich der Zweifel an der Arbeitsweise der griechischen Behörden, insbesondere bei der Abnahme der Fingerabdrücke, könne er sich ebenfalls an die zuständigen Behörden wenden. 5.2 In der Beschwerde hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen dage- gen, dass aufgrund der prekären Lage in Griechenland von der Regel in Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG abzuweichen und auf sein Asylgesuch einzu- treten sei. Er habe in Griechenland Diskriminierung sowie Gewalt erlebt und sei dort aufgegriffen und zwangsweise unter Drohung einer Ausschaf- fung nach Afghanistan registriert worden. Die griechischen Behörden hät- ten ihn verwahrlosen und allein gelassen. Er habe auch keine Unterstüt- zung betreffend den im Zusammenhang mit seiner Ethnie erlebten Rassis- mus sowie bei der Arbeits- und Wohnungssuche und der Absolvierung von Sprachkursen erhalten. Die Entscheidungen der griechischen Behörden seien durch Fremdenfeindlichkeit geprägt, die sich in einem institutionellen Rassismus manifestierten. Zudem sei der griechische Staat nicht schutz- fähig und schutzwillig. Nach der Schutzanerkennung sei er auf die Strasse gestellt worden und habe weder Geld für die Weiterreise noch sonstige Unterstützung erhalten. Auch bestehe gemäss diverser Länderberichte von Menschenrechtsorganisationen und Rechtsprechung des Bundesverwal- tungsgerichts, EuGH und deutscher Gerichte bei einer Rückkehr eine tat- sächliche Gefahr («real risk») einer völkerrechtswidrigen Behandlung. E-6869/2024 Seite 7 Schliesslich sei er eine äusserst vulnerable Person, womit der Wegwei- sungsvollzug unzumutbar sei. 6. 6.1 Das SEM tritt in der Regel auf ein Asylgesuch nicht ein, wenn Asyl - suchende in einen sicheren Drittstaat im Sinn e von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten ha- ben (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG). 6.2 Nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG gelten namentlich die Staaten der Eu- ropäischen Union (EU) und damit auch Griechenland als sichere Drittstaa- ten, in denen nach den Feststellungen des Bundesrates effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht. Es ist akten- kundig, dass der Beschwerdeführer sich in Griechenland aufgehalten hat, er dort am 2. September 2024 als Flüchtling anerkannt wurde sowie eine bis am 1. September 2027 gültige Aufenthaltsbewilligung erhalten hat und die griechischen Behörde n seiner Rückübernahme am 6. Oktober 2024 ausdrücklich zugestimmt haben. 6.3 Gemäss der Regelvermutung von Art. 6 a Abs. 2 Bst. b i.V.m. Art. 5 Abs. 1 AsylG existiert in sicheren Drittstaaten keine asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG und es droht auch keine Ge- fahr für die schutzsuchende Person, dass sie zur Ausreise in ein Land, wo eine solche Verfolgung besteht, gezwungen wird. Diese Regelvermutung kann im Einzelfall mit konkreten und substanziierten Hinweisen widerlegt werden. Solche bringt der Beschwerdeführer auch in seiner Beschwerde nicht vor, und es ergeben sich ebenfalls keine aus den Akten. Sodann be- treffen seine Ausführungen grösstenteils die Frage n der Zulässigkeit und der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, die nachfolgend zu behan- deln sein werden (s. unten Ziff. 8.2 und 8.3). 6.4 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf E-6869/2024 Seite 8 Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumu tbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom- mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 der Kon- vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen- stehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Ref erenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 festgehalten, dass der Vollzug der Weg- weisung nach Griechenland für Personen, die dort einen Schutzstatus er - halten haben, grundsätzlich zulässig ist (vgl. a.a.O. E. 11.2 und 11.4). Na- mentlich wurde erwogen, dass nicht von einer Situation auszugehen sei, in der jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Trotz existierender Schwachstellen könne nicht von einem dysfunktionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Ange - bote, die auch Schutzberechtigten offen stünden, existierten, wenn auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und diese bisher vor allem von internationalen Akteuren in Zus ammenarbeit mit der lokalen Zivilge- sellschaft erbracht und finanziert würden. Trotz dieser schwierigen Verhält-E-6869/2024 Seite 9 nisse sei davon auszugehen, dass schutzberechtigte Personen grundsätz- lich in der Lage seien, ihre existenziellen Bedürfnisse abzudecken. Auch sei davon auszugehen, dass Rückkehrenden keine menschenunwürdige Behandlung drohe, weshalb für sie kein «real risk» einer völkerrechtswid- rigen Behandlung bestehe. 8.2.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung einlässlich be- gründet, weshalb dem Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers keine völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz entgegenstehen. Da- rauf kann verwiesen werden. Wie bereits festgestellt , vermochte der Be- schwerdeführer die Regelvermutung von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG und damit die vermutete Einhaltung des Rückschiebungsverbots nach Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht umzustossen (s. oben Ziff. 6.3). Hinsichtlich der geltend gemachten rassistisch motivierten Übergriffe im Zusammenhang mit seiner Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara und der fehlenden Sicherheit in Grie- chenland geht auch das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass die griechischen Behörden sowohl schutzfähig als auch schutzwillig sind (vgl. Urteil des BVGer E -1867/2024 vom 9. April 2024 E. 8.4.2 ). Nach der Schutzgewährung in Griechenland hat sich der Beschwerdeführer weniger als einen Monat lang dort aufgehalten und sich nicht hinreichend um eine Unterkunft sowie eine Arbeitsstelle bemüht. Es bestehen keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer nicht von den Unterstützungsangebo- ten in Griechenland profitieren könnte, zumal er erst am (…) 2024 von den griechischen Behörden als Flüchtling anerkannt worden ist. Die in der Be- schwerde festgehaltenen allgemeinen Ausführungen zur – zugegebener- massen nicht ganz einfachen – Situation in Griechenland führen mangels konkreter Hinweise zu keinem anderen Schluss. Auch vermögen die pau- schalen Einwände und Verweise auf die Rechtsprechung des Bundesver- waltungsgerichts, des EuGH und deutscher Gerich te sowie diverse Län- derberichte zu keiner anderen Würdigung zu führen und dem Beschwer- deführer gelingt es offenkundig nicht, im vorliegenden Fall ein «real risk» einer völkerrechtswidrigen Behandlung nachzuweisen. Schliesslich lässt der aktuelle Gesundheit szustand des Beschwerdeführers nicht ansatz- weise befürchten, dass er bei einer Überstellung nach Griechenland eine ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbun- den mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Le- benserwartung, zu erwarten hätte, wie dies für eine Annahme der Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen gefordert wird, zumal der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben sich sowohl physisch als auch psychisch gut fühlt (A19/3, S. 2). E-6869/2024 Seite 10 8.2.4 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach als zulässig zu qualif izie- ren. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG i.V.m. Anhang 2 zu Art. 18 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie der Landesverweisung von ausländischen Personen vom 11. August 1999 (VVWAL; SR 142.281) besteht die Vermutung, dass eine Wegweisung nach Griechenland in der Regel zumutbar ist (vgl. auch Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 11.3). Diese Vermutung gilt in Bezug auf Griechen- land grundsätzlich sogar für vulnerable Personen (vgl. a.a.O. E. 11.5.1). Es obliegt auch diesbezüglich der betroffenen Person, die Vermutun g umzu- stossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass sie im Fall einer Rückkehr nach Griechenland dort aufgrund von individu- ellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. a.a.O. E. 11.4). 8.3.2 Nach Durchsicht der Akten und unter Berücksichtigung der Be- schwerdevorbringen lassen sich keine Hinweise darauf finden, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückführung nach Griechenland in eine existenzielle Notlage geraten würde. Es handelt sich bei ihm um einen (…)- jährigen gesunden Mann, welcher nur eine kurze Zeit als anerkannter Flüchtling in Griechenland verbracht hat. Konkrete Hinweise auf eine aus- geprägte Hilflosigkeit im alltäglichen Leben lassen sich den Akten nicht ent- nehmen. Auch wurde ihm offenkundig nicht dauerhaft jegliche Unterstüt- zung verweigert beziehungsweise die ihm zustehenden minimalen Le- bensbedingungen vorenthalten und es kann von ihm erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen B ehörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Nicht- regierungsorganisationen können ihm in dieser Hinsicht ebenfalls behilflich sein. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die detaillierten Ausführungen in der an gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Festzustellen ist so- dann auch hier, dass es sich bei ihm – entgegen seiner blossen Behaup- tung – nicht um eine äusserst vulnerable Person im Sinne des E-6869/2024 Seite 11 massgeblichen Referenzurteils handelt (vgl. a.a.O. E. 11.5.3) , die an schweren Krankheiten leiden würde und bei der der Vollzug der Wegwei- sung nur bei Vorliegen besonders günstiger Umstände zumutbar wäre. 8.3.3 Der Beschwerdeführer vermag demnach die Vermutung, der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland sei auch in seinem Fall zumutbar, nicht umzustossen. 8.4 Ohne zu verkennen, dass die Rückkehr nach Griechenland für den Be- schwerdeführer nicht einfach sein mag, gelingt es ihm zusammenfassend nicht, die Vermutung zu entkräften, wonach Griechenland seinen völker- rechtlichen Verpflichtungen nachkommt und ein Wegweisungsvollzug in diesen EU-Mitgliedstaat auch zumutbar ist. Es ist schliesslich darauf hin- zuweisen, dass es den um Schutz ersuchenden Personen nicht fre isteht, ihren Aufenthaltsstaat selbst zu wählen. 8.5 Nach dem der Beschwerdeführer die genannten Vermutungen nicht umzustossen vermag, besteht auch kein Raum zur Einholung individueller Garantien bezüglich einer angebrachten Unterbringung und der medizini- schen Versorgung des Beschwerdeführers nach ihrer Rückkehr nach Grie- chenland. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 8.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich schliesslich auch als möglich, zumal die griechischen Behörden am der Rückübernahme des Beschwer- deführers am 6. Oktober 2024 explizit zugestimmt haben und er über eine bis am (…) 2027 gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt. 8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen , soweit darauf einzutreten ist. 10. 10.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses erweist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos. E-6869/2024 Seite 12 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich – unbesehen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers – die Beschwerde entsprechend den vorstehen- den Erwägungen als aussichtlos erwiesen hat. De mzufolge sind die Ver- fahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem Beschwerdeführer aufzuer- legen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-6869/2024 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Esther Marti Janic Lombriser Versand: