Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. November 2016 (720 16 84 / 295) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Bis zum Abschluss des im KSVI skizzierten Verfahrens für die Gutachtensauftragsverga- be kann keine anfechtbare Verfügung ergehen. Eine solche darf und muss die Be- schwerdegegnerin nach Abschluss der zweiten Phase, aufgrund der in der ersten Phase vorliegend erhobenen Einwände und allenfalls weiterer in der zweiten Phase vorgetrage- ner Einwände, erlassen. Wird vorher Beschwerde erhoben, besteht kein taugliches An- fechtungsobjekt. Bestätigung der Praxis des Kantonsgerichts, wonach Beschwerdever- fahren betreffend Zwischenverfügungen im Rahmen einer Gutachtensauftragsvergabe kostenpflichtig sind Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Christian Haag , Rechtsanwalt, Häfliger Haag Häfliger AG, Schwanenplatz 7, Postfach 6756, 6000 Luzern 6 gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten / Rechtsverweigerung / Rechtsverz ögerung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.1 A.____, geboren 1964, erlitt am 21. September 1 999 einen Unfall. Mit Gesuch vom 12. Mai 2000 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Fussver letzung sowie eine Verletzung der HWS (Schleudertrauma) zum Bezug von Leistungen bei der Schweizerischen Invalidenversi- cherung (IV) an (IV act. 1.7, 1/11). Mit Verfügung vom 26. März 2009 sprach ihr die IV-Stelle Luzern bei einem IV-Grad von 100 % vom 1. September 2000 bis 31. Dezember 2002 eine ganze Rente, vom 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2003 eine halbe Rente (IV-Grad 58 %) und schliesslich ab dem 1. Januar 2004 bei einem IV-Grad von 6 1 % eine Dreiviertelsrente zu (IV act. 1.1, 21/31). Anlässlich einer Revision im Jahr 2009 w urde festgestellt, dass weiterhin An- spruch auf die bisherige Dreiviertelsrente basierend auf einem IV-Grad von 61 % bestehe (IV act. 1.1, 1/31). Im Juni 2016 kündigte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) die Durchführung einer Revision an (IV act. 2). Im Revisions- Fragebogen gab A.____ an, dass die Schmerzen stärker geworden und neue Probleme hinzugekom men seien, vor allem ein Taub- heitsgefühl in den Beinen und im Nacken (IV act. 3). D r. med. B.____, Médecine générale und Hausarzt der Versicherten, gab im Arztbericht vom 29. Juni 2015 an, dass es schwierig sei zu beurteilen, ob sich die Einschränkungen durch medizinisch e Massnahmen vermindern lassen würden. Eine Expertise könne diese Frage beantworten. Die Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit betrage 100 %. Mit einer Wiedera ufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden (IV act. 7). Dr. med. C.____, Facharzt für Allgemeinmedizin, RAD, stell- te am 16. Oktober 2015 fest, dass die medizinische Situation und die Möglichkeit der Verbesse- rung der Gesundheit aufgrund der spärlichen medizinischen Unterlagen nicht beurteilt werden könne. Er empfehle daher, die Versicherte im RAD aufzu bieten (IV act. 9). Am 17. November 2015 wurde die Versicherte von Dr. C.____ persönlich befragt (IV act. 16). Dr. C.____ kam zum Schluss, dass die Versicherte insbesondere unter generali sierten Schmerzen leide, die sich pathophysiologisch kaum erklären lassen würden. Zudem seien die demonstrierten Defizite inkonsistent. Ausserdem berichte die Versicherte von kognitiv en Einbussen. Angesichts dieser Polymorbidität und auch einer geltend gemachten Versch lechterung des Gesundheitszustands empfehle er eine multidisziplinäre Abklärung. Die Gutachter sollten bei einer allfälligen Verände- rung des Gesundheitsschadens und der Arbeitsfähigkeit geb eten werden, den Verlauf darzule- gen (Bericht vom 20. Januar 2016, IV act. 16). A.2 In der Folge kündigte die IV-Stelle A.____ am 3 . Februar 2016 die Durchführung einer umfassenden medizinischen Untersuchung (allgemeine innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Neuropsychologie und Rheumatologie) an, wobei die Wahl der Gutachterstelle nach dem Zu- fallsprinzip erfolgen werde. Ohne schriftlich begründet en Gegenbericht innert zehn Tagen wer- de eine Gutachterstelle mit der Untersuchung beauftragt, wobei die Wahl nach dem Zufallsprin- zip erfolgen werde. Die IV-Stelle legte dem Schreibe n den allgemeinen Fragekatalog bei und kündigte an, dass sie den Gutachtern eine Zusatzfrage stellen werde. Sie räumte der Versicher- ten zudem das Recht ein, innert derselben Frist Ergänzungsfragen einzureichen (IV act. 17). A.3 Mit Schreiben vom 26. Februar 2016 führte die Ver sicherte, nun vertreten durch Rechtsanwalt Christian Haag, aus, dass sie ihr Revisionsges uch zurückziehe. Es sei nicht glaubhaft gemacht worden, dass eine Verschlechterung ein getreten sei. Da kein Revisions- grund vorliege, erweise sich die Anordnung einer Begutachtung als unzulässige second opinion Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und fishing expedition, weshalb die Begutachtung abge lehnt werde. Für den Fall, dass eine Begutachtung zulässig wäre, müsse diese bei der bisherige n Gutachterstelle in Auftrag gege- ben werden, da gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung i m Rahmen von Rentenrevisio- nen in aller Regel die bisherige Gutachterstelle zum Zuge kommen sollte. Eine Vergabe über den Zufallsgenerator SuisseMED@P werde abgelehnt. Ausser dem sei die Fachdisziplin Neu- rootologie notwendig, weshalb der Gutachtensauftrag um diese Disziplin erweitert werden soll- te. Im Ablehnungsfall sei eine Verfügung zu erlassen. Ausserdem liess die Versicherte Ergän- zungsfragen zukommen (IV act. 23). A.4 Mit Schreiben vom 2. März 2016 hielt die IV-Stell e fest, dass es sich vorliegend um eine Revision von Amtes wegen handle, weshalb das Gesuch n icht zurückgezogen werden könne. Die Voraussetzungen für eine revisionsweise Überpr üfung des Gesundheitszustands würden vorliegen, weshalb an der Durchführung einer po lydisziplinären Begutachtung sowie an der Wahl der Durchführungsstelle über den Zufallsgenerator festgehalten werde (IV act. 26). B. Gegen dieses Schreiben erhob A.____, weiterhin vert reten durch Rechtsanwalt Chris- tian Haag, am 9. März 2016 Beschwerde beim Kantonsgeri cht Basel-Landschaft, Abteilung So- zialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte unter o/e-Kostenfolge, es sei die Ver- fügung vom 2. März 2016 aufzuheben und es sei festzustellen, dass sich die Beschwerdeführe- rin keiner polydisziplinären Begutachtung zu unterziehen habe. Eventualiter sei die Beschwer- degegnerin anzuweisen, ein Verlaufsgutachten bei der MEDAS D.____ in Auftrag zu geben, soweit möglich unter Ernennung der ursprünglichen Gutach terpersonen. Es sei zudem eine Rechtsverzögerung und eine Rechtsverweigerung durch die Beschwerdegegnerin festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht werde um Durchführung e iner öffentlichen Gerichtsverhand- lung gestützt auf Art. 29 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK ersucht. C. In Ihrer Vernehmlassung vom 25. Mai 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 10. November 20 16, an welcher die Beschwer- deführerin, ihr Rechtsvertreter sowie Herr E.____, Ve rtreter der Beschwerdegegnerin, teilnah- men, hielten die Parteien an ihren Anträgen und Begründungen fest. Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wir d – soweit für die Entscheidfindung not- wendig – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet ein Schreiben der IV-Stelle Basel-L andschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 l it. b des Gesetzes über die Verfas- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. 2. Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgem einen Teil des Sozialver- sicherungsrechts (ATSG) kann gegen Einspracheentscheide od er Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden . Anfechtungsobjekt ist das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 2. März 2016, mit welchem sie der Beschwerdeführe- rin mitteilte, dass sie am Revisionsverfahren und an der polydisziplinären Begutachtung festhal- te. Dabei ist fraglich, ob es sich um eine Zwischenverfü gung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG) vom 20. Dezember 1968 handelt und ob ein nich t wieder gutzumachender Nachteil vorliegt (Art. 46 Abs. 1 lit. a VwVG), der zur selbständigen Anfechtung berechtigt. 3.1 Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat in seinem Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI, gültig ab dem 1. Januar 2010) festgehalten, wie bei der Auftragsvergabe für eine Begutachtung vorzugehe n ist. An diese Weisungen ist die Be- schwerdegegnerin grundsätzlich gebunden. Da neue Verfah rensvorschriften – vorbehältlich anders lautender Übergangsbestimmungen – gemäss bundesger ichtlicher Rechtsprechung mit dem Tag des Inkrafttretens sofort und in vollem Umfang anwendbar sind (vgl. BGE 132 V 368 E. 2.1) und die einzelnen Verfahrensschritte im Hinbli ck auf die hier in Frage stehende Begut- achtung unternommen wurden (vgl. dazu Erwägung A.2 hi ervor), ist das KSVI in der ab dem 1. Januar 2016 geltenden Fassung massgebend. 3.2 Ist ein medizinisches Gutachten erforderlich, so hat die IV-Stelle der versicherten Per- son gemäss KSVI in einer ersten Phase mit einer schriftl ichen Mitteilung ohne Rechtsmittelbe- lehrung bekannt zu geben, ob ein monodisziplinäres, bidi sziplinäres oder polydisziplinäres Gut- achten in Auftrag gegeben wird und welche Fachdisziplin en vorgesehen sind. Zudem sind der Auftrag für das Gutachten sowie der Fragekatalog aufzufü hren bzw. beizulegen und die versi- cherte Person ist darauf hinzuweisen, dass ihr die Möglich keit zusteht, schriftlich Zusatzfragen zu stellen (KSVI 2076 f. und 2083 f.; vgl. auch BGE 13 9 V 349 E. 5.2.2.2). Bei mono- oder bi- disziplinären Gutachten ist zusätzlich Name und Facharzttite l der mit dem Gutachten zu beauf- tragenden Personen bekanntzugeben (KSVI 2083). Überdies ist mit der Mitteilung eine Frist von 10 Tagen für die Erhebung von Einwänden gegen die Be gutachtung und die vorgesehenen Fachdisziplinen, bei mono- oder bidisziplinären zusätzlich auch gegen die Gutachter, sowie für die Einreichung von Zusatzfragen einzuräumen (KSVI 2076 .1 und 2083.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 349 E. 5.2.3). 3.3 Bei polydisziplinären Gutachten kann die versichert e Person in dieser ersten Phase (nicht personenbezogene) materielle Einwendungen gege n eine Begutachtung an sich oder gegen Art und Umfang der Begutachtung vorbringen. Namentlich kann sie geltend machen, der Sachverhalt sei bereits genügend abgeklärt und das einzuholende Gutachten würde eine unnö- tige second opinion darstellen. Ebenso kann sie die get roffene Wahl der medizinischen Fach- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht disziplinen als unzutreffend beanstanden (BGE 140 V 507 E. 3. 1 und 139 V 349 E. 5.2.2.2; vgl. auch KSVI 2076.1). Auch bei polydisziplinären Gutachten ist konsensorientiert vorzugehen, wenn in diesem ersten Stadium zulässige Einwände erhob en wurden (BGE 140 V 507 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 139 V 349 E. 5.2.1, 5.2.2 und 5.2.2.1). 3.4 In einer zweiten Phase wird der Auftrag bei Suis seMED@P deponiert. Das Verfahren der Auftragsvergabe für polydisziplinäre Gutachten via S uisseMED@P richtet sich nach dem Handbuch in Anhang V des KSVI. Das Bestätigungsmail der Plattform SwissMED@P über die erfolgreiche Vergabe des Gutachtensauftrags ist im Ver sichertendossier zu erfassen (KSVI 2077). Die Akten werden spätestens am Folgetag der Auf tragsvergabe an die medizinische Gutachterstelle übermittelt; sie müssen mit der SuisseMED @P-Auftragsnummer versehen sein (KSVI 2079). Die Gutachterstelle prüft, ob die Liste d er medizinischen Fachdisziplinen ange- passt werden muss. Weder die IV-Stelle noch die versichert e Person können die von der Gut- achterstelle vorgesehenen Fachdisziplinen anfechten (KSV I 2080 mit Hinweis auf BGE 139 V 349 E. 3.3). Nach der Zuteilung durch SuisseMED@P gibt die IV-Stelle der versicherten Person mit einer schriftlichen Mitteilung die Gutachterstelle , die Namen der mit dem Gutachten betrau- ten Personen mit entsprechendem Facharzttitel bekannt . Zudem hat ein Hinweis zu erfolgen, wonach die Mitteilung des Ortes und des Termins durch di e Gutachterstelle erfolgt (KSVI 2081; vgl. auch BGE 140 V 507 E. 3.1 und 139 V 349 E. 5.2.2 .2). Für die Erhebung von Einwänden wird der versicherten Person eine Frist von 10 Tagen ei ngeräumt. Diese Frist kann auf schrift- lich begründetes Gesuch hin verlängert werden (KSVI 208 1.1 mit Hinweis auf BGE 139 V 349 E. 5.2.3). 3.5 In dieser zweiten Phase kann die versicherte Person f ormelle und materielle (perso- nenbezogene) Einwände geltend machen (KSVI 2081.2 mi t Hinweis auf BGE 140 V 507 E. 3.1 und 139 V 349 E. 5.2.2.2). Das KSVI listet folgende E inwände exemplarisch auf: Die begutach- tende Person hat in der Sache ein persönliches Interess e oder ist mit einer Partei in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis zum dritten Grade ve rwandt oder verschwägert oder durch Ehe, Verlobung oder Kindesannahme verbunden oder sie ist a us anderen Gründen in der Sache befangen. Weiter kann eingewendet werden, dass es der begutachtenden Person an der nöti- gen Fachkompetenz fehlt. Bei stichhaltigen Einwendungen gegen bezeichnete Sachverständige sieht die KSVI vor, dass die Zufallszuweisung zu wiederho len bzw. zu modifizieren ist, indem die Beteiligten z.B. übereinkommen, an der ausgelosten MEDAS festzuhalten, dabei aber eine Arztperson nicht mitwirken zu lassen. Die Gutachterwahl erfolgt immer nach dem Zufallsprinzip (Art. 72 bis Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [ IVV] vom 17. Januar 1962;). Es findet diesbezüglich kein Einigungsverfahren statt ( BGE 140 V 507 E. 3.1 und 139 V 349 E. 5.2.1 und das Urteil des Bundesgerichts 8C_771/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 2.2). 3.6 Wird den Einwänden der versicherten Person nicht od er nur teilweise entsprochen, so erlässt die IV-Stelle eine Zwischenverfügung, worin sie die vorgesehenen Fachdisziplinen sowie den oder die Namen der begutachtenden Person bzw. Per sonen festhält und begründet, wes- halb den Einwänden nicht Rechnung getragen wurde (KS VI 2081.5). Erhebt die versicherte Person dagegen Beschwerde, wird der Auftrag zur Begut achtung in SuisseMED@P grundsätz- lich so lange sistiert, als der diesbezügliche Entscheid nicht rechtskräftig wurde (KSVI 2081.8). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Das Sozialversicherungsgericht Zürich setzt sich in sein em Beschluss vom 29. Juli 2016 (IV.2016.00645) eingehend mit den neuen Bestimm ungen der KSVI und seiner eigenen Rechtsprechung zur Anfechtbarkeit von Mitteilungen im Ve rfahren zur Einholung eines Gutach- tens auseinander. Es führt aus, dass das KSVI mit dieser R egelung verschiedenen, in der Ver- gangenheit ergangenen Urteilen des Sozialversicherungsge richts Zürich Rechnung trage. So habe es im Urteil vom 28. März 2013 (IV.2013.00040) fe stgehalten, dass im Verfahren zur Ein- holung eines Gutachtens den vom Bundesgericht in BGE 137 V 210 neu eingeräumten Verfah- rensgarantien und Mitwirkungsrechten ausreichend Nachachtu ng verschafft werde, wenn eine gerichtliche Überprüfung am Schluss der zweiten Phase er folgen könne und das Gericht dabei sämtliche Punkte, in denen Uneinigkeit bestehe, überprüfen könne. Eine gestaffelte gerichtliche Überprüfung (nach der ersten und nach der zweiten Phase) sei nicht erforderlich, weshalb nach der ersten Phase keine anfechtbare Zwischenverfügung erg ehen müsse, da es in diesem Zeit- punkt am nicht wieder gutzumachenden Nachteil fehle. Im Urteil vom 11. Juni 2013 (IV.2012.00729) sei sodann ausgeführt worden, dass keine anfechtbare Zwischenverfügung ergehen müsse, bevor nicht sämtliche Modalitäten (Notw endigkeit einer polydisziplinären Be- gutachtung, beteiligte Fachdisziplinen, Fragenkatalog u nd Zusatzfragen, Gutachterstelle, betei- ligte Fachärzte) feststünden, da es solchenfalls am nicht wieder gutzumachenden Nachteil fehle (E. 2.3). Im Entscheid vom 1. September 2014 (IV.201 4.00014) sei ausgeführt worden, dass keine anfechtbare Zwischenverfügung ergehen könne, bev or nicht sämtliche Modalitäten fest- stünden, da es ansonsten am nicht wieder gutzumachenden Nachteil fehle (E. 2.1). In beiden Entscheiden sei das Sozialversicherungsgericht Zürich mangel s eines nicht wieder gutzuma- chenden Nachteils auf die Beschwerde nicht eingetreten, da die angefochtene Verfügung nur geregelt habe, dass an der Begutachtung durch die vorg esehene Gutachterstelle festgehalten werde, und die Namen und Facharzttitel der vorgesehen en Gutachterpersonen gefehlt hätten (Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich vom 29. Juli 2016, IV.2016.00645, E. 1.7). Weiter sei in Präzisierung dieser Rechtsprechung im Urteil vom 23 . März 2015 (IV.2014.00665, E. 1.8) betont worden, dass die IV-Stelle während des Verfahr ens zur Einholung eines polydisziplinä- ren Gutachtens über die einzelnen Verfahrensschritte b eziehungsweise über allfällige Einwen- dungen nicht zu verfügen habe. Eine allenfalls doch erl assene Verfügung sei mangels eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils nicht mittels Beschwe rde beim kantonalen Gericht an- fechtbar. Erst wenn das Verfahren durchgeführt worden se i und wenn – in der ersten oder in der zweiten Phase – Einwendungen erhoben worden seien , denen die IV-Stelle nicht vollum- fänglich stattgegeben habe, habe sie eine anfechtbare Verfügung zu erlassen, in der sie sich zu sämtlichen noch strittigen Punkten zu äussern und mindest ens kurz zu begründen habe, wes- halb sie ihnen nicht oder nicht vollumfänglich stattgebe. 4.2 Auch das Kantonsgericht kam mit Urteil vom 3. März 2 016, 720 14 243, unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 10. November 2014, 9C_636/2014, zum Schluss, dass eine Zwischenverfügung, mit welcher eine polydisziplinäre Begutachtung via Zuweisungssys- tem SuisseMED@P festgelegt werde, nicht als Beschwerde objekt vor dem kantonalen Versi- cherungsgericht gelten könne, weil der versicherten Per son aus einer solchen Anordnung vor Kenntnis der Gutachterstelle kein Nachteil erwachse, und trat auf die entsprechende Be- schwerde nicht ein. Ebenfalls verneinte es im gleichen Urt eil einen nicht wiedergutzumachen- den Nachteil bei der Anfechtung von Gutachterfragen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Die Erwägungen des Sozialversicherungsgerichts Zürich ü berzeugen, insbesondere auch in Anbetracht des im Sozialversicherungsrecht geltend en Grundsatzes des raschen Ver- fahrens. Es ist daher angezeigt, diese Praxis seit dem I nkrafttreten der Änderung des Kreis- schreibens KSVI per 1. Januar 2016 auch im Kanton Bas el-Landschaft in Streitigkeiten wie der vorliegenden anzuwenden. 4.4 Mit der schriftlichen Mitteilung vom 3. Februar 20 16 hat die Beschwerdegegnerin – dem geschilderten ordentlichen Ablauf entsprechend – d er Beschwerdeführerin Gelegenheit eingeräumt, sich zur vorgesehen Begutachtung und den Diszi plinen sowie zum Fragekatalog und der Ergänzungsfrage zu äussern. Die Frage, ob diese s Schreiben im Sinne einer materiel- len Verfügung zu verstehen ist, kann offen gelassen wer den, denn gemäss vorstehenden Er- wägungen stellt das Schreiben vom 2. März 2016 keine an fechtbare Verfügung dar. Das Do- kument enthält deshalb zu Recht auch keine Rechtsmittel belehrung. Bis zum Abschluss des skizzierten Verfahrens für die Gutachtensauftragsvergabe kann gar keine anfechtbare Verfü- gung ergehen. Eine solche darf und muss die Beschwerdegegnerin nach Abschluss der zweiten Phase, aufgrund der in der ersten Phase vorliegend er hobenen Einwände und allenfalls weite- rer in der zweiten Phase vorgetragener Einwände, erla ssen. Dies hat zur Folge, dass das Vor- gehen der Beschwerdegegnerin auch nicht als rechtsverwe igernd bzw. -verzögernd betrachtet werden kann. Auf die Beschwerde vom 9. März 2016 ist somi t mangels eines tauglichen An- fechtungsobjekts nicht einzutreten. In Anbetracht dieses Ergebnisses kann auf die Frage, ob die Beschwerdegegnerin befugt war, eine Revision von Amtes einzuleiten, nicht eingegangen wer- den. 5.1 Es bleibt über die Kosten zu entscheiden. 5.2.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Ver si- cherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kos- tenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwan d und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen. Im Rahmen der Instruktion forderte das Kantonsgericht die Beschwerdeführerin auf, einen Kosten vorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zu zahlen. Diese Kostenvorschussverfügung zog die Beschwerdeführerin in der Folge ans Bun- desgericht weiter. In der Beschwerde stellte sie sich auf den Standpunkt, dass vorliegend nicht IV-Leistungen streitig seien, sondern lediglich prozess uale und abklärungsrechtliche Fragen sowie Fragen des rechtlichen Gehörs. Im Umkehrschluss zu Ar t. 69 Abs. 1 bis IVG sei das Ge- richtsverfahren nicht kostenpflichtig. Im Weiteren verwi es die Beschwerdegegnerin auf die Pra- xis von Versicherungsgerichten anderer Kantone, die von ei ner Kostenpflicht absehen würden und legte entsprechende Urteile bei. Das Bundesgericht trat mit Urteil vom 30. Mai 2016, 8C_297/2016, mangels eines nichtwiedergutzumachenden Nachteils nicht auf die Beschwerde ein. 5.2.2 Zu prüfen ist, wann eine Leistungs- und wann ein e Nichtleistungsstreitigkeit im Sinne von Art. 69 Abs. 1 bis IVG vorliegt, wenn es um Zwischenverfügungen der Verwal tung im IV- Verfahren geht, die vor dem kantonalen Versicherungsgeri cht angefochten werden. Das Bun- desgericht hat, soweit ersichtlich, diese Frage bis heu te nicht entscheiden müssen. Ein Blick in Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die kantonale Rechtsprechung zeigt, dass eine untersch iedliche Praxis herrscht. So sehen die Kantone Freiburg und Bern ebenfalls eine Kostenpflich t vor, andere Kantone, wie in der Be- schwerde aufgeführt, sehen von einer Kostenpflicht ab (Urteil vom 20. März 2013 des II. Sozial- versicherungsgerichtshofs des Kantons Freiburg, 605 2012-279; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, vom 20. August 2014, 200 14 320 IV). Auch das Bundesverwaltungsgericht erhebt bei Streit igkeiten wie der vorliegenden Ge- richtskosten mit der Begründung, dass die Bestimmung der G utachterstelle und die Bestellung der Gutachter Bestandteil des Verfahrens zur Beurteil ung des Leistungsanspruchs der versi- cherten Person bilden würden (Urteil des Bundesverwaltu ngsgerichts vom 8. Juni 2016, C- 2958/2015). 5.2.3 Setzt man sich mit der Botschaft des Bundesrates zu A rt. 69 Abs. 1 bis IVG auseinan- der, so soll die Kostenpflicht in der Invalidenversicherun g dazu führen, dass die Gründe für und gegen eine Beschwerdeerhebung sorgfältig gegeneinande r abgewogen werden. Die Massnah- me soll, im Zusammenwirken mit den anderen mit der Re vision eingeführten dazu führen, dass die Streitigkeiten über Leistungen der IV gestrafft und beschleunigt werden. Zudem ging der Gesetzgeber davon aus, dass auf unnütze Beschwerden in An betracht der Kostenpflicht wohl eher verzichtet werde, als wenn der Gang vor das Versicheru ngsgericht gratis wäre (Botschaft betreffend die Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [Massnahmen zur Verfahrensstraffung], BBl 2005 3079ff., S. 3081, S. 3 085). Dass der Gang ans kantonale Versi- cherungsgericht finanziell verträglich sei, dafür würde n die relativ geringen Gebühren sorgen, so die Botschaft weiter. Auf der anderen Seite besteht der Grundsatz der Kostenlosigkeit in so- zialversicherungsrechtlichen Angelegenheiten nach Art. 61 ATSG. In der Literatur hat sich ins- besondere THOMAS ACKERMANN in seinem 2014 publizierten Beitrag zu dieser Frage g eäussert (THOMAS ACKERMANN , Verfahrenskosten in der Sozialversicherung, in: Sozialver sicherungs- rechtstagung 2013, herausgegeben von Ueli Kieser, S. 1 91ff.). Wenn es sich um vor dem kan- tonalen Gericht angefochtene Zwischenentscheide der IV-S telle handelt, vertritt T HOMAS ACKERMANN die Auffassung, dass sich diese Verfahren an der Regel ung im Hauptverfahren orientieren müssten (THOMAS ACKERMANN , a.a.O., S. 208 f., mit Hinweis auf BGE 133 V 441 E . 5.3, der die Unfallversicherung betraf). Er verweist da bei auf das Bundesgesetz über das Bun- desgericht (BGG) vom 17. Juni 2005, das diesen Grundsatz übernommen habe (vgl. dazu BGE 121 V 178 E. 4a). Entscheidend sei aber letztlich die h öchstrichterliche Rechtsprechung zu Art. 132 und 134 des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (OG) vom 16. Dezember 1943, gültig bis 31. Dezember 2006. Diesbezügl ich habe das EVG festgehalten, dass rein prozessrechtliche Fragen (z.B. Kostenvorschusspflich t, Sistierung des Verfahrens, Ausstand von Gerichtspersonen, Wiederherstellung einer Frist) keine Streitigkeiten um Versi- cherungsleistungen darstellen würden. Hänge aber die an gefochtene Zwischenverfügung mit der Abklärung des Leistungsanspruchs zusammen (z.B. Beweisver fügungen) oder betreffe sie die aufschiebende Wirkung der Beschwerde bzw. vorsorgliche Massnahmen, handle es sich um eine Streitigkeit betreffend Versicherungsleistungen (BGE 121 V 178 E. 4a). 5.2.4 Unter Berücksichtigung der vorstehend ausgeführten Ziele der Gesetzesrevision und der schlüssigen Ausführungen von T HOMAS ACKERMANN zur bundesgerichtlichen Praxis liegen keine triftigen Gründe vor, um von der bisherigen Prax is abzuweichen. Zwischenverfügungen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Zusammenhang mit der Anordnung einer Begutachtung sind daher als Bestandteil des Ver- fahrens zur Beurteilung des Leistungsanspruchs zu betrach ten, weshalb das vorliegende Ver- fahren dementsprechend kostenpflichtig ist. Die Verfahre nskosten im Umfang von Fr. 600.-- sind daher der Beschwerdeführerin zu auferlegen und mi t dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 5.3 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang wettzuschlagen. 6. Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um eine n selbstständig eröffneten Zwi- schenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn e ine Beschwerde in öffentlich- rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unt er den in Art. 93 Abs. 1 BGG ge- nannten Voraussetzungen zulässig. Der Entscheid, ob dies e Voraussetzungen gegeben sind, obliegt dem Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittel belehrung erfolgt unter diesem aus- drücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht