BRKE I Nr. 198/2003 vom 22. August 2003 in BEZ 2003 Nr. 41 5. a) Die Rekursgegner vertreten die Ansicht, dass das geplante Attikageschoss mit den einschlägigen Vorschriften für Dachgeschosse vereinbar und eine Überschreitung der zulässigen Anzahl Vollgeschosse entgegen der Auffassung des Nachbarrekurrenten nicht gegeben sei. Die Vorinstanz stellt dabei die von den Rechtsmittelinstanzen vertr e- tene Auffassung in Frage, wonach das für Flachdächer geltende Profil unabhängig d a- von, ob di e maximal zulässige Gebäudehöhe ausgeschöpft sei oder nicht, am tatsächl i- chen Schnitt punkt zwischen Fassade und Dachfläche anzusetzen sei. Vielmehr dürfe nach gefestigter Praxis ein (hypothetischer) Kniestock veranschlagt werden. Das nach § 292 lit. b PBG massgebliche Profil könne 1 m über der Schnittlinie zwischen Fassade und Dachfläche bzw. auf der maximal zulässigen Gebäudehöhe angesetzt werden, falls diese tiefer sei. Gegen die erwähnte Rechtsprechung wendet die Vorinstanz im W esentlichen ein, es handl e sich beim Kniestock zwar um einen konstruktionsbedingten Bauteil, der nur bei Schrägdächern entstehe und bei Flachdächern fehle. Dass er alleine deswegen für die B estimmung des massgeblichen Profils für Dachgeschosse über Flachdächern u n- beachtlich sein s olle, lasse sich dem Gesetz jedoch nicht entnehmen. W eiter sei nicht leichthin anz unehmen, dass der Gesetzgeber Flachdachlösungen gegenüber Schrä g- dachlösungen habe benachteiligen wollen. Beim Schrägdach könne durch das Abse n- ken des Dachgeschos s fussbodens u nter das Niveau der Schnittlinie Dachfl ä- che/Fassade das Volumen des Dac hgeschosses und damit die nutzbare Fläche in b e- trächtlichem Umfang erhöht werden. Die Praxis der Bausektion hinsichtlich von Attik a- geschossen versuche, diesen Mechanismus möglichst getr eu nachzubilden. Um umg e- kehrt Attikalösungen gegenüber Schrägdachl ösungen nicht zu bevorteilen, dürfe der fi k- tive Schnittpunkt, an dem die 45°- Linien anzusetzen seien, nicht über der zulässigen Gebäudehöhe liegen. Ferner macht die Vorinstanz geltend, es sei nicht einzusehen, weshalb die Berüc k- sichtigung eines fiktiven Kniestocks unzulässig sein solle, wenn das Gesetz schon au s- drücklich auf die für ein entsprechendes Schrägdach zulässigen Ebenen verweise. Dem Verwaltungsgericht gehe es offenbar vor allem da rum sicherzustellen, dass Attikag e- schosse noch als Dachgeschosse erkennbar seien. Hiezu sei zu bemerken, dass auch nach der Auffa s sung der Bausektion Attikageschosse nicht nur rechtlich, sondern auch visuell von Vollg eschossen unterscheidbar seien. Da die Bausektion in analoger A n- wendung der Kniestoc kregelung die Profilansetzung im Maximum 1 m über dem Dac h- geschossfussboden zulasse, sei eine Rückversetzung des Attikageschosses in jedem - 2 - Fall gewährleistet. Hielten die Rechtsmittelinstanzen an ihrer Praxis fe st, würde dies - etwas überspitzt ausgedrückt - dazu führen, dass Architekturbüros und Bauwillige eine schlechte, den gestalterischen und stä dtebaulichen Minimalanforderungen gerade noch genügende Schrägdachlösung einer guten Attikalösung vorzögen. Schliesslich sei in Betracht zu ziehen, dass die unter altem Recht erstellten Attik a- geschosse (Art. 23 BauO 1963 ) allesamt rechtswidrig wären, wenn die die zulässige Au s- dehnung von Dachgeschossen regelnden Vorschriften weiterhin im Sinne der vorher r- schenden Rechtsprechung ausgelegt würden; auch dies gelte es zu vermeiden. b) Das geplante Mehrfamilienhaus ist als Flachdachbaute mit Attikageschoss au s- gebildet. Zwischen den Parteien herrscht Einigkeit darüber, dass die hypothetische Firstlinie parallel zur Strassenfl ucht verläuft. Als Giebelseiten sind mithin die Nordost - und Südwestfassaden anzusehen. Die Traufseiten werden durch die Nordwest - und Südostfassaden gebildet. Strittig ist indessen, wie das Profil des (hypothetischen) Schrägdaches zu bilden sei. Attikageschosse werden lediglich mittelbar durch die sich auf Dachaufbauten b e- ziehende Vorschrift von § 292 PBG erfasst. Nach dieser Norm dürfen, wo nichts and e- res bestimmt ist, Dachaufbauten (ausgenommen Kamine, Anlagen zur Nutzung von Sonnenenergie und kleinere technisch bedingte Aufbauten) insgesamt nicht breiter als ein Drittel der betreffenden Fassadenlänge sein, sofern sie bei Schrägdächern über die tatsächliche Dachebene hinausragen (lit. a) bzw. bei Flachdächern die für ein entspr e- chendes Schrägdach zulässi gen Ebenen durchstossen (lit. b). Darüber, wie das Profil des hypothetischen Schrägdaches zu bilden sei, spricht sich das Gesetz nicht näher aus. Nach ständiger Rechtsprechung müssen Attikageschosse als Dachgeschosse e r- kennbar und klar von Vollgeschossen unterscheidbar sein. Damit sie diesen Eindruck vermitteln, ist das Profil des entsprechenden Schrägdaches nach Ansicht der Rechtsmi t- telinstanzen ungeachtet dessen, ob die zulässige Gebäudehöhe ausgeschöpft sei oder nicht, durch eine am tatsächlichen Schnit tpunkt zwischen Fassade und Flachdach a n- zusetzende 45° -Linie zu bilden. Es darf mit anderen W orten kein fiktiver Kniestock veranschlagt werden bzw. dürfen die 45° -Linien nicht auf der maximal zulässigen Gebäudehöhe angesetzt werden. Der Grund liegt darin, dass Attikageschosse, welche sich an e inem derart hypothetischen Dachprofil orientierten, von Vollgeschossen visuell praktisch nicht mehr zu unterscheiden wären (RB 1993 Nr. 42; BRKE III Nr. 272/1996; BEZ 1997 Nr. 19; BEZ 2001 Nr. 40). Diese von den Recht smittelinstanzen strikte gehandhabte Definition von Attikag e- schossen ist sachgerecht. Es besteht daher kein Anlass, von dieser Auffassung abzur ü- cken, auch wenn sie nicht jedem erdenklichen Spezialfall gerecht wird. Eine Definition ist darauf angelegt, eine n bestimmten Sachverhalt möglichst klar und einheitlich zu or d- nen. So ist gegen die von den Rechtsmittelinstanzen vertretene Ansicht beispielsweise auch schon eingewendet worden, sie sei namentlich bei Gebäuden an steiler Hanglage zu rigoros, da eine Rückv ersetzung der Dachaufbaute auf der rückwärtigen Hangseite die optische Ablesbarkeit des Dachgeschosses nicht tangiere, wenn die talseitige Te r- rasse entsprechend gross dimensioniert werde. Dies Kritik verkennt, dass es mit dem Wesen einer Definition unverei nbar ist, diese «flexibel» zu handhaben, indem projek t- bezogene, topographische, gestalterische oder weitere Überlegungen mitberücksichtigt werden. Die Gemeinden haben jedoch - wie die Vorinstanz selber einräumt - die Mög-- 3 - lichkeit, den z ulässigen Umfang von Flachdachbauten abweichend zu ordnen, da ihnen das Gesetz diese Kompetenz zugesteht (§§ 49 Abs. 2 lit. d und 292 PBG; vgl. BEZ 2001 Nr. 41). W enn die von den Rechtsmittelinstanzen streng gehandhabte Definition von A t- tikageschossen mithin von der Stadt Züri ch als allzu restriktiv empfunden wird, so kann die L ösung nicht in einer durch das kantonale Recht nicht gedeckten Auslegung der Dachaufbautenvorschrift von § 292 PBG bestehen, sondern nur über die Verankerung einer en tsprechenden Norm in der kommunalen B au- und Zonenordnung erfolgen. Auf eine en tsprechende Legiferierungskompetenz hat denn auch das Verwaltungsgericht bereits in dem in RB 1993 Nr. 42 auszugsweise publizierten, die Stadt Zürich betreffe n- den En tscheid (VB 93/0077) hingewiesen. Der Stadt Züric h hätte es demnach freig e- standen, ihre Praxis zur Streitfrage durch eine geeignete Norm in der erst kürzlich rev i- dierten Bau- und Zonenordnung zu verankern, was im übrigen ohne weiteres durch eine entsprechende Ergänzung nachgeholt werden könnte. Damit hät te sie es auch in der Hand gehabt, die von ihr angesprochene Rechtswidrigkeit der unter dem alten Recht e r- stellten Attikageschosse abzuwenden.