Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Februar 2022 (725 21 138 / 32) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Bemessung der Invalidität Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Natalie Matiaska, Advo- katin, Fischmarkt 12, 4410 Liestal gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A.1 Der 1964 geborene A.____, gelernter Kaufmann, w ar seit dem 19. August 1985 bei der B.____AG Basel als Buchhalter angestellt und in diese r Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 16. März 1986 verletzte er sich beim Fussballspielen das r echte Kniegelenk. Die Suva aner- kannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Heilbehand- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lung) für die Folgen dieses Ereignisses. Im zeitlichen Verlauf kam es zu verschiedenen Rückfäl- len, für welche die Suva Leistungen gewährte. A.2 Seit dem 1. Juni 1997 war A.____ in seinem eigen en Unternehmen C.____ angestellt. Ab dem 25. Februar 2013 führt er das Geschäft als Einzelunternehmen. Am 6. Mai 2014 rutsch- te er auf einer schmutzigen Wasserlache aus und zog sich dabei multiple Verletzungen an der rechten Körperhälfte zu. Die D.____AG, bei der A.____ versichert war, erbrachte bis Ende April 2015 Versicherungsleistungen. Für die rückfallweise angem eldeten Beschwerden am rechten Knie anerkannte die Suva ihre Leistungspflicht (Schreib en vom 6. Januar 2016). Am 16. Oktober 2017 wurde A.____ im Spital E.____ am re chten Knie mit einer Totalprothese ver- sorgt. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2018 sprach ihm di e Suva für die verbleibenden Unfall- folgen eine Integritätsentschädigung von 25 % zu. Nachde m Dr. med. F.____, FMH Orthopädi- sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparat s, anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung vom 8. November 2019 festgestellt hatte, d ass der Endzustand erreicht sei und dem Versicherten angepasste berufliche Tätigkeiten ganzt ags zumutbar seien, stellte die Suva die Heilkosten und Taggeldleistungen per 31. Oktober 2018 ein (Schreiben vom 15. November 2019). Mit Verfügung vom 28. November 2019 verneinte si e bei einem Invaliditätsgrad von 9 % ab 1. November 2018 einen Anspruch auf eine Invaliden rente. Die hiergegen erhobene Ein- sprache wies sie ab (Einspracheentscheid vom 19. März 2021). B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Natalie Matiaska, am 4. Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilu ng Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschw erde sei der Einspracheentscheid vom 19. März 2021 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm mit Wirkung ab 1. November 2018 eine Invalidenrente von mindestens 1 2 % zu bezahlen. Zur Feststellung des versicherten Verdiensts und der betragsmässigen Berechnung se i die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte er im We- sentlichen aus, dass die Bemessung der Invalidität nicht zutreffend vorgenommen worden sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Juli 2021 beantrag te die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde vom 4. Mai 2021 sei in dem Sinne teilweise gutzuheissen, als der Invaliditätsgrad auf 12 % festzusetzen sei. Zur Feststellung des versicher ten Jahresverdiensts und der Berech- nung des Rentenbetrags sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen und der angefo chtene Einspracheentscheid zu be- stätigen. D. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 23 . August 2021 / Duplik vom 24. September 2021) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. E. Mit Instruktionsverfügung vom 27. September 2021 wur de die Angelegenheit der Drei- erkammer zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes üb er den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 4. Mai 2021 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Versiche rten auf eine Invalidenrente. 3. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidier- ten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Laut Abs . 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom 25. September 2015 werden jedoc h Versicherungsleistungen für Un- fälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen zugetragen haben, nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorl iegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 4.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeits- unfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwei ser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge sundheitszustands der versicher- ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali- denversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 4.2 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheit sschaden nur insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. BGE 129 V 177, E. 3). Dabei spielt die Adäquan z als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 134 V 109, E. 2). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hin- weisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispie lsweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärunge n vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversi cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf die Ausf ührungen im Untersuchungsbericht des Suva-Kreisarztes Dr. F.____ vom 8. November 2019. Demn ach wurden beim Versicherten ein Status nach Läsion des hinteren Kreuzbands rechts am 16 . März 1986, eine postprimäre Naht des hinteren Kreuzbands am 7. Mai 1986, im weiteren Verlauf die Ausbildung einer posttrauma- tischen Gonarthrose mit Implantation einer Knietotale ndoprothese am 16. Oktober 2017 diag- nostiziert und ein Muskeldefizit, eine diskrete Beugehemmu ng im rechten Bein sowie belas- tungsinduzierte Beschwerden im rechten Knie festgestellt. Von einer weiteren Behandlung kön- ne keine namhafte Verbesserung des unfallbedingten Zu stands am rechten Knie erwartet wer- den. Der medizinische Endzustand sei ein Jahr nach Impla ntation der Prothese erreicht. Der bisherige Beruf sowie Tätigkeiten auf Leitern/Gerüsten , mit Zwangshaltungen in der Hocke, im Knien und in unebenem Gelände könne der Versicherte n icht mehr ausüben. Hingegen seien ihm rein unfallbedingt leichte und nicht andauernd mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten ganztags zumutbar. 7.2 Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die Beur teilung von Dr. F.____ vom 8. November 2019 davon aus, dass der medizinische Endzusta nd ein Jahr nach Implantation der Knietotalendoprothese erreicht war und dem Versic herten angepasste Verweistätigkeiten ganztags zumutbar sind. Wie bereits ausgeführt (vgl. E. 5 .3 hiervor), sind an die Beweiswürdi- gung strenge Anforderungen zu stellen, wenn sich der an gefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen stützt. Be reits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellung en sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Vorliegend ergibt sich indes nichts, was Zwe ifel an der Stichhaltigkeit der Anga- ben des Kreisarztes Dr. F.____ wecken würde. Die von der Beschwerdegegnerin übernomme- nen Ergebnisse der kreisärztlichen Beurteilung beruhen a uf einer persönlichen Untersuchung des Versicherten und auf einem sorgfältigen Studium d er vorhandenen medizinischen Akten. Sie erweist sich sowohl in der Darlegung der medizinisch en Zusammenhänge als auch bezüg- lich der daraus gezogenen Schlussfolgerungen als überzeug end. Der Beschwerdeführer hat zu Recht nicht beanstandet, dass die Beschwerdegegnerin dar auf abgestellt hat. Demnach ist da- von auszugehen, dass ihm angepasste Verweistätigkeiten ganztags zumutbar sind. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns abzustellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher vorlie- gend unstreitig ins Jahr 2018 zu liegen kommt. Uneinig keit besteht einzig in Bezug auf die Er- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mittlung des Valideneinkommens. Unbestritten ist hin gegen die Berechnung des Invalidenein- kommens. 8.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 18 Abs. 2 UVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (lnvalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invalidit ätsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 8.3.1 Für die Bemessung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt des frühestmöglichen R entenbeginns (hier: 1. November 2018) aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihr er persönlichen Umstände nach dem Be- weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ohne Gesundheitsschaden tatsächlich verdient hätte. Das Valideneinkommen ist so konkret wie möglich fe stzusetzen. Da nach empirischer Erfahrung in der Regel ohne gesundheitliche Beeinträ chtigung die bisherige Tätigkeit weiterge- führt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimm ung des Valideneinkommens grund- sätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigun g erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl. BGE 134 V 322 E. 4.1; Ur- teil des Bundesgerichts vom 17. November 2020, 9C_109 /2020, E. 2.2.2). Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 139 V 28 E. 3.3.2 mit Hinweisen). Ist ein konkreter Lohn nicht eruierbar oder hätte die v ersicherte Person ihre bisherige Stelle auch ohne gesundheitliche Beeinträchtigung verloren, s o können die Zahlen der Lohnstruk- turerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik (BfS) herangezogen werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1 und vom 9. Juni 2015, 9C_212/2015, E. 5.4). 8.3.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid bestimmte di e Suva das Valideneinkommen aufgrund der Tabellenlöhne (LSE 2018, TA1, Wirtschaftszweige 77-82 [Sektor 3, „sonstige wirt- schaftliche Dienstleistungen”], Männer, Kompetenzniveau 3 ) und ermittelte für das Jahr 2019 einen an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit u nd an die Nominallohnentwicklung an- gepassten Lohn von Fr. 78'205.-- (Fr. 6'166.-- : 40 x 41,9 x 12 x 100,9 %). Der Beschwerdefüh- rer bestreitet diese Berechnung. Er macht geltend, dass er seine Selbstständigkeit aus unfall- bedingten Gründen aufgegeben habe, weshalb sich das Va lideneinkommen aufgrund des letz- ten vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielten, der Einkommensentwicklung angepassten Verdiensts bestimme und im Jahr 2019 Fr. 84'459.-- betr age ([Fr. 85'191.-- {2013} + Fr. 78'557.-- {2014} + Fr. 85'619.-- {2015}] : 3 x 100,7 % x 100,4 % x 100,5 %]). Allenfalls sei es mittels statistischer Werte zu bestimmen, wobei die Wirts chaftszweige 90-93 [Sektor 3, „Kunst, Unterhaltung und Erholung”] massgebend seien. Daraus resultiere ein Verdienst von Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 81'109.-- (Fr. 6'395.-- : 40 x 41,9 x 12 x 100,9 % ). Zudem sei ihm aufgrund seiner berufli- chen Stellung ein Zuschlag zum LSE-Tabellenlohn zu gewä hren. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Juli 2021 anerkannte die Beschwerdegegnerin die Vorbringen des Beschwerdeführers inso- fern, als für die Bemessung des Valideneinkommens die Wirtschaftszweige 90-93 massgebend seien, woraus – unter Berücksichtigung der wöchentlichen A rbeitszeit von 41,7 Stunden und der Nominallohnentwicklung – ein Lohn von Fr. 80'722. -- (Fr. 6'395.-- : 40 x 41,7 x 12 x 100,9 %) und im Ergebnis ein Anspruch auf eine Invalidenrente von 12 % resultiere. 8.3.3 Aus den Akten ergibt sich, dass die Erwerbstätigkei t des Beschwerdeführers als Ein- zelunternehmer vom Februar 2013 bis zur Geschäftsaufgabe Mitte 2018 währte. Ob die Ge- schäftsaufgabe massgeblich in der sich ab Mai 2014 auswirken den invalidisierenden Gesund- heitsschädigung begründet lag resp. ob er seine bisher ige Tätigkeit ohne die gesundheitlichen Beeinträchtigungen weiterhin ausüben würde und wenn ja in welcher wirtschaftlichen Situation er sich im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns am 1. November 2018 befände, kann bei der gebotenen gesamthaften Beurteilung der Umstä nde nicht zweifelsfrei eruiert werden. Vielmehr lässt sich aufgrund der Akten und der Aussagen d es Beschwerdeführers nur mut- masslich ermitteln, was er heute im hypothetischen Gesundheitsfall und unter Berücksichtigung der geänderten wirtschaftlichen Verhältnisse (neue Geschäftssituation nach Kündigung der Ge- schäftsräumlichkeiten) verdienen könnte. Entgegen seiner A uffassung kann der Validenlohn auch nicht verlässlich aus dem Durchschnittseinkommen der G eschäftsjahre 2013 bis 2015 gemäss Abklärungsbericht Selbständigerwerbende der Inval idenversicherung (IV) vom 17. Ja- nuar 2017 (vgl. act. 202) bestimmt werden, da sich ber eits ab Mai 2014 unfall- resp. rückfallbe- dingt invalidisierende Einschränkungen ausgewirkt haben . Daher kann auch nicht auf die im individuellen Konto (IK; vgl. act. 212) verbuchten Eink ommen der Jahre 2013 bis 2015 abge- stellt werden. Die für die Bemessung des Valideneinkom mens relevante Zeitspanne erstreckt sich demnach lediglich vom Februar 2013 bis Mai 2014. D iese kurze Zeitspanne lässt aber bei einem Selbständigerwerbenden aufgrund schwankender Jah reseinkommen keine gesicherte und repräsentative Beurteilung der Einkommenssituation zu, wie die Beschwerdegegnerin zu- treffend ausführt. Unter diesen Umständen rechtfertigt sich, das Valideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen gemäss LSE 2018 zu bestimmen. Dabei ist zw ischen den Parteien mittlerweile zu Recht unbestritten, dass am ehesten auf die Durchschni ttslöhne der Tätigkeiten im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (Wirtschaftszweige 90 -93) auf dem Anforderungsniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen i n einem Spezialgebiet voraus- setzen) der LSE 2018, TA1, abzustellen ist. Der entspreche nde monatliche Bruttolohn (Zentral- wert bei einer standardisierten Arbeitszeit von 40 Woc henstunden) der Männer beträgt Fr. 6'395.--. Die Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit im hier massge- benden Jahr 2018 (vgl. E. 8.1 hiervor) von 41,9 Wochen stunden (vgl. Bundesamt für Statistik, T 03.02.03.01.04.01 [Wirtschaftszweige 90-93]) und auf zwölf Monate ergibt ein Jahresein- kommen von Fr. 80'385.-- (Fr. 6'395.-- : 40 x 41,9 x 12). 8.3.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufg rund seiner Selbständigkeit im Vali- denfall rechtfertige sich ein Zuschlag zum Tabellenlohn, ist ihm entgegenzuhalten, dass die bundesgerichtliche Praxis keine Zuschläge zum tabellarisch bestimmten Validenlohn kennt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2014, 8C_2 5/2014, E. 4.2.3). Mit der Anwendung Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Kompetenzniveaus 3, welches komplexe praktische Tätigk eiten und ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet erfordern, wird der beruflichen Situation des Beschwerdeführers hinrei- chend Rechnung getragen. Eine Unterstellung des Beschwerdeführers unter das Kompetenzni- veau 4 rechtfertigt sich weder aufgrund seiner damaligen Berufssituation noch aufgrund der von ihm in den Jahren 2013 bis 2015 effektiv erzielten – vorl iegend für die Berechnung des Vali- deneinkommens nicht relevanten – tieferen Einkommen vo n (Fr. 85'191.-- [2013], Fr. 78'557.-- [2014]. Fr. 85'619.-- [2015]). Eine solche Einstufung wird vom Beschwerdeführer denn auch zu Recht nicht verlangt. 9. Das Invalideneinkommen hat die Suva gestützt auf die L SE 2018 TA1, Total, Kompe- tenzniveau 2 (praktische Tätigkeiten wie Verkauf / Pfleg e / Datenverarbeitung und Administrati- on / Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten / Sicherheitsdienst / Fahrdienst) er- mittelt, was unbestritten und aufgrund der Ausbildung sowie der Erwerbsbiographie des Be- schwerdeführers sachgerecht ist. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2018 von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, T 03.02.03.01.04.01 [Total]) resultiert ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 70'669.-- (Fr. 5'649.-- : 40 x 41,7 x 12). 10. Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidene inkommen von Fr. 70'669.-- dem Valideneinkommen von Fr. 80'385.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 9'716.--, was einen Invaliditätsgrad von rund 12 % ergibt (zur Rundungspraxis des Bundes- gerichts vgl. BGE 130 V 121). Demnach ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheis- sen, als der angefochtene Einspracheentscheid der Suva vom 19. März 2021 aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. November 2018 Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgra d von 12 % hat. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Angelegenheit zur Feststellung des versicherten Verdiensts und be- tragsmässigen Berechnung der Rente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 11.1 Gemäss Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistu ngen kos- tenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorg esehen ist. Sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht vor, kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Ge- richtskosten auferlegen. Da das UVG keine Kostenpflicht vor sieht und sich die Parteien weder mutwillig noch leichtsinnig verhalten haben, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 11.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Be schwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Ger icht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsach e und nach der Schwierigkeit des Prozes- ses bemessen. Nachdem der Beschwerdeführer im Grundsatz o bsiegt hat, hat er Anspruch auf Ersatz seiner Parteikosten. Die Rechtsvertreterin des Be schwerdeführers hat in ihrer Honorar- note vom 11. Oktober 2021 einen Zeitaufwand von 14 St unden 55 Minuten geltend gemacht, was umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachver halts- und Rechtsfragen sowie des zweifachen Schriftenwechsels gerade noch angemessen ist. Die zeitlichen Bemühungen sind zu dem seit dem 1. Januar 2004 in Sozialversicherung sprozessen für durchschnittliche Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Hinzu kom- men die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 84.15. Somit ist dem Beschwer- deführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine P arteientschädigung in der Höhe von Fr. 4'106.95 (14,91 Stunden à Fr. 250.-- sowie Auslag en von Fr. 84.15 zuzüglich 7,7 % Mehr- wertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 12.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (vgl. BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 12.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gu tgeheissen, als der Ein- spracheentscheid der Suva vom 19. März 2021 aufgehoben u nd fest- gestellt wird, dass der Beschwerdeführer ab 1. November 2018 An- spruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Inval iditätsgrad von 12 % hat. 2. Die Angelegenheit wird zur Feststellung des versicher ten Verdienstes und betragsmässigen Berechnung der Rente an die Suva zurü ckge- wie sen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Höhe von Fr. 4'106.95 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrw ertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht