<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 61 S.239</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">239</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Steuergesetz (StG) vom 15. Dezember 1998</b></span><br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>61</b></span> <span class="ft3"><b>Gewinnungskosten des selbstständig Erwerbtätigen (§ 36 Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Der steuerlich zu anerkennende Einschlag beim Verkauf von WIR-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Guthaben ist aufgrund des konkreten Einzelfalles zu ermitteln. Vor-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>liegend ist der beim Verkauf gewährte Einschlag von 40 % ange-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sichts des hohen verkauften Betrages und der konsequenten Be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>handlung des WIR-Geldes in der Buchhaltung angemessen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">23. August 2007 in Sachen E. + P.O., 3-RV.2006.148</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2.</span><br/> <span class="ft8">2.1. Der Rekurrent ist Inhaber der Einzelfirma O. Er handelt</span><br/> <span class="ft8">vorab mit Audio-Anlagen für den Einbau in Fahrzeuge. Dabei nimmt</span><br/> <span class="ft8">er für einen Teil des Verkaufspreises WIR-Checks in Zahlung. Sein</span><br/> <span class="ft8">WIR-Guthaben verkauft er regelmässig mit einem Einschlag von</span><br/> <span class="ft8">rund 40 % an seinen ebenfalls selbstständig erwerbstätigen Bruder.</span><br/> <span class="ft8">So hat er im Jahr 2001 WIR-Geld von total CHF 354'000.00 für</span><br/> <span class="ft8">CHF 214'800.00 veräussert. Die Differenz von CHF 139'200.00</span><br/> <span class="ft8">wurde als Erlösminderung verbucht.</span><br/> <span class="ft8">2.2. Die Steuerkommission L. anerkannte einen Einschlag von</span><br/> <span class="ft8">lediglich 25 % und rechnete entsprechend CHF 50'700.00 zum Ein-</span><br/> <span class="ft8">kommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit auf. Sie führt dazu aus,</span><br/> <span class="ft8">steuerlich seien 30 % abziehbar. Es sei nicht ersichtlich, was die In-</span><br/> <span class="ft8">kaufnahme des höheren Verlustes mit der Erreichung des Gesell-</span><br/> <span class="ft8">schaftszweckes zu tun habe. Es sei nicht davon auszugehen, dass der</span><br/> <span class="ft8">Rekurrent bei einem unabhängigen Dritten einen Einschlag von 40 %</span><br/> <span class="ft8">akzeptiert hätte. Da zudem alle Geschäfte mit dem Bruder abge-</span><br/> <span class="ft8">wickelt worden seien, könne das Delkredererisiko vernachlässigt,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">240</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">und nur ein Einschlag von 25 % akzeptiert werden. Was darüber hin-</span><br/> <span class="ft8">ausgehe, sei nicht geschäftsmässig begründet.</span><br/> <span class="ft8">2.3. Der Rekurrent führt aus, die Annahme von WIR-Checks</span><br/> <span class="ft8">garantiere ihm einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Sein Bruder</span><br/> <span class="ft8">ermögliche ihm dies, indem er ihm das WIR-Geld mit einem Ein-</span><br/> <span class="ft8">schlag von 40 % abkaufe. Aus diesem Geschäft erleide er keinen</span><br/> <span class="ft8">Verlust, da der Kaufpreis bei der Bezahlung mit WIR entsprechend</span><br/> <span class="ft8">um 40 % nach oben korrigiert werde. Zudem sei die Frage, ob er</span><br/> <span class="ft8">auch bei einem unabhängigen Dritten einen Einschlag von 40 % ak-</span><br/> <span class="ft8">zeptieren würde, fehl am Platz, da nicht einzusehen sei, weshalb er</span><br/> <span class="ft8">seinem Bruder ein ,,Geschenk" machen solle.</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1. Nach den Geschäftsbedingungen der WIR-Genossenschaft</span><br/> <span class="ft8">besitzt WIR-Geld die volle Kaufkraft, und ein Minderwert gegenüber</span><br/> <span class="ft8">Währungsgeld wird verneint. Obschon an sich nicht gestattet, wird</span><br/> <span class="ft8">mit sog. WIR-Checks beträchtlicher Handel getrieben. Angesichts</span><br/> <span class="ft8">der doch beschränkten Verwendbarkeit von WIR-Guthaben ist aber</span><br/> <span class="ft8">anerkannt, dass bei ihrem Verkauf zur Beschaffung von Bargeld mit</span><br/> <span class="ft8">einem Einschlag von 25 bis 30 % zu rechnen ist (AGVE 1970</span><br/> <span class="ft8">S. 284; VGE vom 19. Dezember 2002 in Sachen A. + B.B.). Offi-</span><br/> <span class="ft8">zielle WIR-Teilnehmer können daher anstelle des Nennwerts entwe-</span><br/> <span class="ft8">der den niedrigeren Verkehrswert versteuern oder ohne besonderen</span><br/> <span class="ft8">Nachweis eine Delkredere-Rückstellung von 25 % des Nominalwerts</span><br/> <span class="ft8">bilden. Wird der tiefere Verkehrswert bilanziert, ist höchstens noch</span><br/> <span class="ft8">eine Rückstellung von 5 % (wie für inländische Forderungen) mög-</span><br/> <span class="ft8">lich (VGE vom 19. Dezember 2002 in Sachen A. + B.B.; vgl. zum</span><br/> <span class="ft8">Ganzen auch Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 2. Auflage,</span><br/> <span class="ft8">Muri-Bern 2004, § 25 StG N 27). Der Verkehrswert des WIR-Geldes</span><br/> <span class="ft8">ist nach den konkreten Verwendungsumständen und Geschäftsberei-</span><br/> <span class="ft8">chen differenziert zu ermitteln (BGE vom 14. Dezember 1999 in Sa-</span><br/> <span class="ft8">chen E. AG; RGE vom 11. Oktober 2006 in Sachen O.M.).</span><br/> <span class="ft8">3.2. Im vorliegenden Fall geht es nicht um die Bewertung von</span><br/> <span class="ft8">WIR-Guthaben in der Bilanz, sondern darum, ob der Einschlag von</span><br/> <span class="ft8">40 % auf den verkauften WIR-Geldern geschäftsmässig begründet</span><br/> <span class="ft8">war. Der Hinweis der Steuerkommission L. auf das geringe ,,Delkre-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">241</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">dere-Risiko" vermag daher eine Aufrechnung nicht und auch nicht</span><br/> <span class="ft8">teilweise zu begründen.</span><br/> <span class="ft8">3.3. Entgegen der Ansicht der Steuerkommission L. ist der Ein-</span><br/> <span class="ft8">schlag auf WIR-Geld steuerlich nicht auf 30 % fixiert, sondern der</span><br/> <span class="ft8">Einschlag ist entsprechend dem Verkehrswert zu bestimmen. Der</span><br/> <span class="ft8">Satz von 25 bis 30 % gilt nur, wenn kein besonderer Nachweis ge-</span><br/> <span class="ft8">führt wird. Vorliegend hat der Rekurrent unbestritten sein WIR-Geld</span><br/> <span class="ft8">mit einem Einschlag von 40 % verkauft. Es ist angesichts des hohen</span><br/> <span class="ft8">Betrages von CHF 354'000.00 fraglich, ob er bei einem unabhängi-</span><br/> <span class="ft8">gen Dritten mehr dafür bekommen hätte. Es ist auch nicht davon</span><br/> <span class="ft8">auszugehen, dass der Rekurrent seinem Bruder die Gelder zu einem</span><br/> <span class="ft8">unter dem Marktpreis liegenden Wert hat zukommen lassen. Dies gilt</span><br/> <span class="ft8">umso mehr, als der Käufer die WIR-Gelder in seiner Buchhaltung er-</span><br/> <span class="ft8">fasst hat.</span><br/> <span class="ft8">Im BGE vom 14. Dezember 1999 in Sachen E. AG hatte das</span><br/> <span class="ft8">Bundesgericht eine in WIR-Checks ausgerichtete Zuwendung an</span><br/> <span class="ft8">eine Freikirche, die nicht als geschäftsmässig begründet anerkannt</span><br/> <span class="ft8">wurde, zu beurteilen. Es führte aus, der vom Verwaltungsgericht an-</span><br/> <span class="ft8">genommene Minderwert des WIR-Geldes von 25 % sei nicht gerade</span><br/> <span class="ft8">willkürlich tief angesetzt, ,,(...) obwohl die Festsetzung eines Ein-</span><br/> <span class="ft8">schlags von 40 % mit Blick auf die in dieser Höhe (...) akzeptierten</span><br/> <span class="ft8">buchmässigen Wertberichtigungen möglich und wohl auch</span><br/> <span class="ft8">angemessener gewesen wären." Auch nach Ansicht des Bundesge-</span><br/> <span class="ft8">richtes ist somit ein Einschlag auf WIR-Geldern von 40 % nicht von</span><br/> <span class="ft8">vornherein unangemessen.</span><br/> <span class="ft8">Der Saldo der zwei Kontokorrente des Rekurrenten bei der</span><br/> <span class="ft8">WIR-Bank betrug per 31. Dezember 2001 CHF - 5'151.25. (...) Das</span><br/> <span class="ft8">Konto ,,Delkredere" hatte per 31. Dezember 2001 einen <i>positiven</i></span><br/> <span class="ft8">Saldo von CHF 2'050.00. Offenbar hat der Rekurrent auf seiner</span><br/> <span class="ft8">Schuld bei der WIR-Bank 40 % ,,gutgeschrieben". Es ist offensicht-</span><br/> <span class="ft8">lich, dass auf einer Schuld handelsrechtlich kein Delkredere verbucht</span><br/> <span class="ft8">werden darf. Indes hat der Rekurrent wenigstens auf den WIR-Beträ-</span><br/> <span class="ft8">gen konsequent mit einem Einschlag von 40 % gerechnet. Dies</span><br/> <span class="ft8">wurde denn auch von der Steuerkommission L. nicht korrigiert.</span><br/> <span class="ft8">3.4. Nach Ansicht des Steuerrekursgerichtes ist aufgrund der</span><br/> <span class="ft8">vorstehenden Überlegungen im vorliegenden Fall der Einschlag von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">242</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">40 % beim Verkauf von WIR-Geldern angemessen. Der Handel mit</span><br/> <span class="ft8">dem Bruder ist als drittmarktgerecht zu beurteilen und die Behand-</span><br/> <span class="ft8">lung in der Buchhaltung war konsequent. Der Rekurs erweist sich in</span><br/> <span class="ft8">diesem Punkt als begründet. Die Aufrechnung von CHF 50'700.00</span><br/> <span class="ft8">zum Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit ist zu strei-</span><br/> <span class="ft8">chen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>