200 13 203 UV GRD/MAK/KRK Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 28. Mai 2014 Verwaltungsrichter Grütter, Kammerpräsident Verwaltungsrichterin Fuhrer, Verwaltungsrichter Matti Gerichtsschreiberin Mauerhofer A.________ Beschwerdeführer gegen SUVA Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern Beschwerdegegnerin betreffend Einspracheentscheid vom 25. Februar 2013 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 2 Sachverhalt: A. A.________ (Jg. 1942) verfügt über abgeschlossene Berufsausbildungen zum … sowie zum …. In seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der B.________ ist er im Rahmen der freiwilligen Unternehmerversicherung bei der SUVA gegen wirtschaftliche Unfallfolgen versichert (act. IIA/169). Am 5. September 2005 stürzte A.________ rückwärts von einem Bau- gerüst und erlitt dabei eine linksseitige Unterarmfraktur (AB 5/2). Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht. Während dem (protrahierten) Heilverlauf kam sie für die Heilungskosten auf und bezahlte Taggelder. Mit Schreiben vom 24. Mai 2012 informierte sie den Versicherten über den bevorstehen- den Fallabschluss (act. IIB/408). Am 31. August 2012 erliess sie eine Ver- fügung, wonach kein Rentenanspruch bestehe, da keine Erwerbseinbusse vorliege. Die Integritätseinbusse betrage 5 %, was Anspruch auf eine Inte- gritätsentschädigung im Umfang von Fr. 5‘340.-- begründe. Die bisherigen Leistungen würden per 16. September 2012 eingestellt. Einer allfälligen Einsprache entzog sie die aufschiebende Wirkung (act. IIB/428). Eine Ein- sprache des Versicherten vom 3. September 2012 (AB 432) wies sie mit Entscheid vom 25. Februar 2013 vollumfänglich ab (act. IIC/457). B. Mit Beschwerde vom 5. März 2013 hat der Versicherte den Einsprache- entscheid der SUVA vom 25. Februar 2013 (act. IIC/457) beim Verwal- tungsgericht des Kantons Bern angefochten und sinngemäss beantragt, dieser sei vollumfängliche aufzuheben. Am 21. Mai und am 4. Juni 2013 gingen insgesamt drei weitere Schreiben des Beschwerdeführers beim Verwaltungsgericht ein; sie wurden der SUVA zur Berücksichtigung in der Beschwerdeantwort zugestellt. Mit Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2013 schloss die SUVA auf Abweisung der Beschwerde. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 3 Am 9. Juli und am 29. August 2013 gingen dem Verwaltungsgericht zwei weitere Eingaben des Beschwerdeführers zu. Die Beschwerdegegnerin erhielt Gelegenheit zur Stellungnahme und machte davon am 1. Oktober 2013 Gebrauch. In der Folge gelangte der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. Oktober 2013, 5. November 2013 und 7. April 2014 abermals ans Verwaltungsgericht. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.2Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.3Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 4 2. 2.1In der Schweiz wohnhafte Selbstständigerwerbende (und ihre nicht obligatorisch versicherten mitarbeitenden Familienglieder) können sich gemäss Art. 4 Abs. 1 UVG freiwillig versichern. Nach Art. 5 Abs. 1 UVG gelten die Bestimmungen über die obligatorische Versicherung sinngemäss für die freiwillige Versicherung. Der Bundesrat erlässt ergänzende Vor- schriften über die freiwillige Versicherung. Er ordnet namentlich den Beitritt, den Rücktritt und den Ausschluss sowie die Prämienbemessung (Art. 5 Abs. 2 UVG). 2.2Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversi- cherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). Ausserdem bedarf es nebst anderem eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181; SVR 2012 UV Nr. 2 S. 6 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um- stände, ohne die der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht als zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingun- gen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein- trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele ("conditio sine qua non"; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181, 119 V 335 E. 1 S. 337; SVR 2010 UV Nr. 30 S. 121 E. 5.1). Für den Nachweis einer unfallkausalen gesundheitlichen Schädigung ist die Formel "post hoc, ergo propter hoc" nicht massgebend, nach deren Bedeu- tung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch einen Unfall verursacht gilt, wenn sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 335 E. 2b bb S. 341; SVR 2008 UV Nr. 11 S. 36 E. 4.2.3).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 5 2.3Gestützt auf Art. 19 Abs. 1 UVG sowie gemäss konstanter Recht- sprechung hat der Versicherer – sofern allfällige Eingliederungsmassnah- men der Invalidenversicherung abgeschlossen sind – die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur solange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszu- standes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (BGE 137 V 199 E. 2.1 S. 201). 2.4Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch- führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmass- nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits- marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 2.5Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 4.1 S. 325). Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich- erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person kon- kret steht (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 110 E. 4.1). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellen-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 6 löhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch her- ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder Lohnangaben aus der Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) der Schweizerischen Unfallversi- cherungsanstalt (SUVA) herangezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475). 2.6Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3). 2.7Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entspre- chend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG). 2.8Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfol- gen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 7 Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem völ- lig anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c S. 296; RKUV 2003 U 487 S. 341 E. 2). Liegt ein Rückfall oder eine Spätfolge vor, so besteht eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur dann, wenn zwischen den erneut geltend ge- machten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlitte- nen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusam- menhang besteht. Dabei kann der Unfallversicherer nicht auf der Anerken- nung des Kausalzusammenhangs beim Grundfall oder einem früheren Rückfall behaftet werden (BGE 118 V 293 E. 2c S. 296; RKUV 1994 U 206 S. 327 E. 2 und S. 328 E. 3b). Vielmehr obliegt es dem Leistungsanspre- cher, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge postulierten Beschwerdebild und dem Un- fall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht des Unfall- versicherers (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 26. September 2008, 8C_102/2008, E. 2.2). Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusammenhanges zu stellen (RKUV 1997 U 275 S. 191 E. 1c). 3.Der Beschwerdeführer macht bezüglich seiner Arbeitsfähigkeit gel- tend, die gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien bedeutender als dies von der Beschwerdegegnerin angenommen werde. Insbesondere leide er an einer Meralgia paraesthetica, einer Polyneuropatie und einem „Morbus Sudeck“, was ebenfalls vom Unfall herrühre. Bei der Arthrose, die seitens der Beschwerdegegnerin nicht hinreichend berücksichtigt worden sei, handle es sich zudem nicht um einen Rückfall, wie die Beschwerdegegne- rin erkläre. Vielmehr sei dieses Leiden bereits seit längerer Zeit aktenkun- dig und nicht erst nach Fallabschluss aufgetreten. Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen führt der Beschwerdeführer aus, es bestehe sehr wohl eine rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 8 Die Beschwerdegegnerin sei bei der Bemessung des Valideneinkommens zu Unrecht vom Durchschnittswert der Jahreseinkommen von 2001 bis 2004 gemäss IK-Auszug ausgegangen. Als Gesunder würde er ein weitaus höheres Erwerbseinkommen als Fr. 30‘799.25 verdienen, zumal ein versi- cherter Verdienst von Fr. 90‘000.-- vereinbart worden sei. Ausserdem kön- ne er keinesfalls das von der SUVA ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 55‘718.20 erzielen. 4. 4.1In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf den Bericht über die Evaluation der funktionellen Leis- tungsfähigkeit (EFL) im Spital C.________ vom 28. Januar 2011 (act. IIA/321). Diese wurde veranlasst, nachdem Dr. med. D.________ (Plasti- sche, Rekonstruktive und Ästhetische Chirugie FMH, Handchirurgie FMH) in ihrem Gutachten vom 23. Februar 2010 erklärt hatte, die zumutbare Dauer einer administrativen Tätigkeit sei mithilfe einer Arbeitsplatzab- klärung durch die Ergotherapie festzustellen (act. IIA/309, S. 17 f.). Gemäss der EFL ist eine leichte bis mittelschwere ganztägige Arbeit zu- mutbar, mit Einschränkungen hinsichtlich der zu hebenden und zu tragen- den Gewichte (max. 15 kg bzw. 12.5 kg), Leiternsteigen, Arbeiten auf Schulterhöhe, Kriechen und längerem Stehen und Gehen mit hängendem Arm sowie Gehen auf unebener Unterlage. Auch Arbeiten auf hohen unge- sicherten Arbeitsplätzen seien nicht zumutbar. Die beiden Gutachten erfüllen die rechtsprechungsgemäss gestellten An- forderungen an Expertisen. Sie berücksichtigen die beklagten Beschwer- den, beruhen auf eigenen durchgeführten Untersuchungen und wurden in Kenntnis der Vorakten erstellt. Die in der Darlegung der medizinischen Si- tuation widerspruchsfreien, begründeten Dokumente erfüllen die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizini- schen Gutachtens gestellten Anforderungen und erbringen damit vollen Beweis (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b bb S. 253). Daran vermögen auch die seitens des Beschwerdeführers vorgebrachten Einwände nichts zu ändern. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 9 4.2Sowohl im Gutachten von Dr. med. E.________ als auch im Bericht über die EFL wird das Complex Regional Pain Syndrome (CRPS [„Morbus Sudeck“]) ausdrücklich erwähnt und somit auch mitberücksichtigt (act. IIA/309 S. 14 und act. IIA/321 S. 1). Was die mit Schreiben vom 17. Mai 2013 (act. IID/474) gemeldete Arthrose angeht, ist – entgegen der Auffas- sung des Beschwerdeführers – weder objektivierbar noch ausgewiesen, dass diese in ihrer derzeitigen Ausprägung schon seit längerer Zeit vorliegt. Die ins Recht gelegten echtzeitlichen Beweisstücke erwähnen zwar Schmerzen (act. IB/3 f.), im Übrigen wird aber nur darauf hingewiesen, es bestehe die „Gefahr der sich zunehmend entwickelten Handgelenksarthro- se“ (Verlaufsblatt des Spitals F.________, Eintrag vom 27. Mai 2008, act. IB/2). Auch Dr. med. E.________ war in ihrem Gutachten zum Schluss gekommen, die damals aktuelle Symptomatik sei wahrscheinlich nicht auf die beginnende Arthrose zurückzuführen (act. IIA/309 S. 15). Somit ist da- von auszugehen, dass die (inzwischen auch operativ behandelte [act. IB/6]) Arthrose erst nach Fallabschluss aufgetreten ist, wobei sie nicht als Rück- fall, sondern als Spätfolge zu qualifizieren ist (vgl. vorstehend E. 2.8). Ge- stützt auf den Bericht von Dr. med. G.________ (Chirurgie FMH, Handchir- urgie FMH) vom 16. Mai 2013 hat die Beschwerdegegnerin denn auch mit Verfügung vom 1. April 2014 festgehalten, mittlerweile betrage der Inte- gritätsschaden insgesamt 15 %. Dementsprechend werde eine zusätzliche Integritätsentschädigung von Fr. 10‘680.--, entsprechend einer zusätzlichen Integritätseinbusse von 10 %, zugesprochen (act. IB/7). 4.3Der Beschwerdeführer bringt in medizinischer Hinsicht weiter vor, die Beschwerdegegnerin habe die Meralgia paraesthetica und die Poly- neuropathie zu Unrecht als unfallfremd eingestuft. Die eine Meralgia paraesthetica (Inguinaltunnel-Syndrom) kennzeichnen- den Beschwerden werden durch eine mechanische Kompression des Ner- vus cutaneus femoris lateralis in der Leisteingegend hervorgerufen (Pschy- rembel, Klinisches Wörterbuch, 2011, 262. Aufl. 2010, S. 1419). Der Be- schwerdeführer erlitt beim Unfallereignis vom 5. September 2005 eine linksseitige Unterarmfraktur (act. II/1). Weitere Verletzungen sind nicht do- kumentiert. Insbesondere wurden zeitnah zum Unfall keinerlei Beschwer- den im Bereich der Leistengegend erwähnt. Unter diesen Umständen er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 10 scheint nicht nachvollziehbar, inwiefern das diagnostizierte Syndrom unfall- kausal sein soll. Zwar werden die betreffenden Beschwerden in den Akten durchaus erwähnt, von den Ärzten jedoch zu keinem Zeitpunkt in einen ursächlichen Zusammenhang mit dem erlittenen Sturz gebracht, sondern – im Gegenteil – ausdrücklich als unfallfremd bezeichnet (act. II/58 S. 4, II/74 S. 4, II/81, II/292 S. 7). Dasselbe gilt für die Polyneuropathie. Daran ändert nichts, dass Dr. med. H.________ (Neurologie FMH) im Bericht vom 22. Januar 2010 ausführt, die eigentliche Krankengeschichte habe am 5. Sep- tember 2005 mit dem Sturz auf den linken Arm begonnen, wie der Be- schwerdeführer einwendet (act. IIB/375 S. 1). Auch die Tatsache, dass die Beschwerden erst nach dem 5. September 2005 auftraten, vermag nicht als Beweis für den behaupteten Kausalzusammenhang zu dienen, zumal die Formel „post hoc, ergo propter hoc“ (lat.: „danach, also deswegen“) im Zusammenhang mit der Frage der natürlichen Kausalität nicht massgebend ist (vgl. vorstehend E. 2.2). Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das Zumutbarkeitsprofil gemäss Bericht über die EFL vom 28. Januar 2011 (act. IA/321; vgl. vorstehend E. 4.1) abgestellt hat. Ob der Beschwerdeführer Aussicht hat, eine Stelle zu finden, die seinem Zumut- barkeitsprofil entspricht, ist – entgegen seinen Ausführungen – unerheblich. Die Restarbeitsfähigkeit ist auf dem hypothetischen ausgeglichenen Ar- beitsmarkt verwertbar (Entscheid des BGer vom 20. März 2013, 9C_941/2012, E. 4.1.2). 5. 5.1Bei der Ermittlung des Valideneinkommens hat die Beschwerde- gegnerin auf den IK-Auszug betreffend die Jahre 2001 bis 2004 abgestellt (act. IIB/327). Im Durchschnitt beträgt das dort vermerkte Einkommen (aufindexiert) Fr. 30‘799.25 pro Jahr. Angesichts der in Art. 25 Abs. 1 IVV vorgesehenen Gleichstellung der massgebenden hypothetischen Ver- gleichseinkommen mit den AHV-rechtlich beitragspflichtigen Erwerbsein- kommen – analog anwendbar für die Unfallversicherung (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 30. Juli 2002, U 80/02, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 11 E. 3.2) – ist dieses Vorgehen grundsätzlich zulässig. Die im individuellen Konto ausgewiesenen Einkünfte aus selbstständiger Erwerbstätigkeit dür- fen allerdings nicht als unabänderliche Grössen verstanden werden, die im Sinne einer abschliessenden Beweiswürdigungsregel eine keinem Gegen- beweis mehr zugängliche Tatsachenvermutung aufstellen würden. Weist das bis zum Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhält- nismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsver- dienst abzustellen (Entscheid des BGer 8C_9/2009 vom 10. November 2009 E. 3.3 f.). Wie erwähnt, hat die Beschwerdegegnerin hat denn auch einen Durchschnittswert der Jahre 2001 bis 2004 herangezogen, so dass das Abstellen auf die IK-Auszüge nicht zu beanstanden ist. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass mit Vereinbarung vom 16. Fe- bruar 2001 ein versicherter Verdienst Fr. 90‘000.-- festgelegt worden war (act. I/2c). Der versicherte Verdienst dient als Berechnungsgrundlage für die Prämien- und die Geldleistungen (vgl. beispielsweise zum Taggeld Art. 17 Abs. 1 Satz 1 UVG, zur Rente Art. 20 Abs. 1 UVG). Er dient hingegen nicht als Basis für das hypothetische Einkommen ohne Invalidität. Bei der Ermittlung desselben ist vielmehr von dem auszugehen, was der Versicher- te aufgrund seiner beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände zu erwarten gehabt hätte (EVGE U 78/01, E. 3.3). Diesbezüglich bringt der Beschwerdeführer vor, für den Lebensunterhalt habe er zusätzlich zum Entgelt für seine Tätigkeit noch Privatbezüge getätigt. Diese seien durch Baubegleitungs- und Bauführungshonorare fi- nanziert worden und hätten daher nicht als Vermögensverzehr, sondern als Erwerbseinkommen zu gelten, das beim Valideneinkommen zu berücksich- tigen sei. Hierzu liefert der Beschwerdeführer jedoch keine nachvollziehba- ren Belege. Namentlich hat er bezüglich der (angeblichen) Honorare kei- nerlei Rechnungskopien, Vereinbarungen oder sonstigen Beweismittel ein- gereicht. Auf die Jahresabschlüsse, die er ins Recht legt, kann nicht abge- stellt werden, da diese unvollständig sind, ebenso wenig auf die (nicht be- gründete) Bestätigung des I.________ sowie die Kontodetails (act. I/2a-2c). Der Beschwerdeführer unterlässt es ferner zu erklären, weshalb er über diese Bezüge keine Sozialversicherungsbeiträge abgerechnet hat, obwohl Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 12 die (angeblichen) Honorare ebenfalls Einkommen aus selbständiger Er- werbstätigkeit im Sinne von Art. 8 AHVG darstellen würden, das zu melden er verpflichtet gewesen wäre. Mit Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 1. November 2012 hat der Beschwerdeführer denn auch erklärt, für seine Tätigkeit als … habe er sich einen Jahreslohn von Fr. 30‘000.-- aus- bezahlt, für den übrigen Lebensunterhalt habe er die Substanz antasten müssen (act. IC/448). Somit ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer als Gesunder ein bedeutend höheres Erwerbseinkommen erzielen würde, als dies betreffend die Jahre unmittel- bar vor dem Unfallereignis im individuellen Konto (IK) vermerkt ist. Damit hat es beim von der Beschwerdegegnerin ermittelten Valideneinkommen von Fr. 30‘799.25 sein Bewenden. 5.2Zu prüfen ist weiter, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgeht, es lasse sich bei der geschilderten Restarbeitsfähigkeit ein Invali- deneinkommen in der Höhe von Fr. 55‘718.20 erzielen. Nach eigenen Angaben hat die Beschwerdegegnerin zur Berechnung des Invalideneinkommens auf den Durchschnitt der Durchschnittslöhne von fünf DAP-Profilen abgestellt (Nr. 3, 5, 393, 9435 und 844913) und dabei einen Durchschnitt von Fr. 55‘718.20 ermittelt (vgl. dazu S. 8 f. Ziff. 5 des Ein- spracheentscheids, act. IIC/457). Die betreffenden DAP-Blätter dieser SU- VA-internen Datenbank liegen nicht bei den Akten. Dies ist im Ergebnis indessen nicht von Bedeutung, weil auch eine Plausibilitätskontrolle an- hand von lohnstatistischen Werten – selbst bei ausgesprochen entgegen- kommender Betrachtungsweise – keinen rentenbegründenden Invaliditäts- grad ergibt: Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2010 (Totalwert, Männer; abruf- bar unter www.bfs.admin.ch) betrug der Medianlohn im Anforderungsni- veau 4 („einfache und repetitive Arbeiten“) monatlich Fr. 4‘901.--. Arbeits- zeitbereinigt (Fr. 4‘901.-- / 40 x 41,7 = Fr. 5‘109.--) und auf den Zeitpunkt des Fallabschlusses im Jahr 2012 indexiert (Fr. 5‘109.-- / 123.4 Punkte x 125.5 Punkte = Fr. 5‘196.--) beläuft sich das lohnstatistische Jahresein- kommen auf Fr. 62‘352.--. Selbst bei Vornahme des maximal zulässigen behinderungsbedingten Abzugs von 25 % (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301), ausmachend Fr. 15‘588.--, ergibt sich keine Erwerbseinbusse: Das resultie- rende Invalideneinkommen von Fr. 46‘764.-- fällt höher aus als das Vali-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 13 deneinkommen von Fr. 30‘799.25. Die Verneinung eines Rentenanspruchs erfolgte demnach zu Recht. 6.Zu prüfen ist weiter, ob die Beschwerdegegnerin den Integritäts- schaden zu Recht mit 5% bemessen hat. Sie stützt sich dabei auf die Beurteilung von Dr. med. J.________ (Allge- meine Innere Medizin FMH). Dieser hielt mit Beurteilungsbericht vom 11. Juli 2011 folgenden Zustand fest (act. IIB/339): „Im Bereiche des Handge- lenkes sind aus obigen Angaben nicht die funktionellen Bewegungsein- schränkungen massgebend, sondern das Schmerzausmass. Dieses ist einerseits auf einen möglichen Restzustand nach abgelaufenem CRPS 1, eventuell 2 zurückzuführen, andererseits auf eine beginnende Arthrose- Entwicklung im Handgelenk. (…)“. Gemäss Tabelle 5 sei bei leicht bis mässiger Arthrose-Entwicklung im Handgelenk eine Entschädigung zwi- schen 5 % und 10 % vorgesehen. Diese auf einer eingehenden Untersu- chung beruhende Einschätzung von Dr. med. J.________ ist nachvollzieh- bar und überzeugend. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers handelt es sich bei der inzwischen fortgeschrittenen und mittlerweile opera- tiv behandelten Arthrose um eine Spätfolge, deren Ausmass erst nach Fallabschluss dokumentiert ist und welche die Beschwerdegegnerin seither durch Erhöhung der Integritätsentschädigung auch anerkannt hat (act. IB/7; vgl. vorstehend E. 4.2). Es erübrigen sich daher weitere medizinische Ab- klärungen bezüglich der Bemessung des Integritätsschadens, und es ist dabei auf die kreisärztliche Beurteilung vom 11. Juli 2011 abzustellen, wo- nach dieser 5% beträgt. Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt unbe- gründet und daher vollumfänglich abzuweisen. 7. 7.1Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 28. Mai 2014, UV/13/203, Seite 14 7.2Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Parteien- tschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - SUVA (samt Eingaben des Beschwerdeführers vom 10. Oktober 2013, 5. November 2013 und 7. April 2014) - Bundesamt für Gesundheit Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.