B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2873/2021 U r t e i l v o m 3 . S e p t e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen; Gerichtsschreiber Patrick Blumer. Parteien A._______, geboren am (…), Beschwerdeführerin, und ihre Kinder B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), E._______, geboren am (…) Syrien, vertreten durch MLaw Dimitri Witzig, Rechtsschutz für Asylsuchende, (…), gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 21. Mai 2021 / N (…). D-2873/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder B._______ und C._______ reisten auf Gesuch von F._______ – den Angaben zufolge ihr dannzumaliger Ehe- mann beziehungsweise Vater der beiden Kinder , der mit ablehnendem Asylentscheid des SEM vom (…) wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in der Schweiz vorläufig aufgenommen worden war – gestützt auf die seinerzeitige Weisung vom 4. September 2013 über die erleichterte Erteilung von Besucher-Visa am (…) in die Schweiz ein. Am 21. September 2015 verfügte das SEM ihre Wegweisung aus der Schweiz, schob den Wegweisungsvollzug jedoch infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vor- läufigen Aufnahme auf. B. Mit Urteil vom (…) anerkannte das Bezirksgericht G._______ die Eheschei- dung zwischen der Beschwerdeführerin und F._______ vom (…), eingetra- gen am (…) im Standesamt von H._______, Bezirk I._______, Syrien. C. Am (…) und am (…) wurden die Beschwerdeführerin und ihr neuer Partner J._______ Eltern der Kinder D._______ und E._______, welche vom SEM ebenfalls in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurden. D. Mit Eingabe vom 26. November 2020 ersuchte die Beschwerdeführerin das SEM unter Hinweis auf ihre familiäre Situation (häusliche Gewalt durch J._______) um eine Anhörung zur Änderung ihres Aufenthaltsstatus in der Schweiz. Das SEM antwortete mit Schreiben vom 10. Dezember 2020, es entnehme, dass die Beschwerdeführerin ein Asylgesuch in der Schweiz stellen wolle und verwies sie diesbezüglich an ein Bundesasylzentrum (BAZ). E. E.a Die Beschwerdeführerin suchte am 26. März 2021 im BAZ K._______ um Asyl nach. E.b Sie wurde a m 20. April 2021 un d ergänzend am 12. Mai 2021 vom SEM zu ihren Asylgründen angehört. D-2873/2021 Seite 3 Dabei brachte sie vor, sie sei in I._______ geboren und habe dort bezie- hungsweise in der Umgebung bis zu ihrer Ausreise aus Syrien am (…) ge- lebt. Sie sei mit (…) Brüdern aufgewachsen, wovon zurzeit (…) in verschie- denen europäischen Ländern leben würden . In I._______ habe sie die Schulen besucht und (…) ihr (…)studium abgeschlossen. Zunächst habe sie bei einer Bank gearb eitet. Ihr damaliger Ehemann, F._______, habe nicht mehr gewollt, dass sie auswärts arbeite, weshalb sie dann zu Hause als Primarlehrerin (…) und (…) unterrichtet habe. Mit F._______ habe sie zwei Kinder. Sie habe mit ihm in L._______ in der Nähe von M._______ gelebt. Zwischen (…) und (…) sei es in dieser Region zu heftigen Gefech- ten und Bombardierungen gekommen. Unter diesen Angriffen habe insbe- sondere auch ihr ältester Sohn, B._______, gelitten, sei er doch von einem Granatsplitter getroffen worden. In dieser angespannten Kriegssituation habe F._______, der bereits zuvor zu häuslicher Gewalt tendiert habe, sie während Stunden misshandelt und dabei den Kindern gesagt, dass auf diese Weise auf den Polizeiposten mit den Leuten umgegangen werde. Nach diesem Vorfall habe sie – wie bereits im (…) – die Scheidung ver- langt. F._______ habe unter der Bedingung, dass die Scheidung nicht re- gistriert werde, eingewilligt. Sie habe sich ihrerseits ausbedungen, dass sie die beiden gemeinsamen Kinder behalten könne. (…) sei die Ehe mit F._______ religiös geschieden worden, aber auf Druck seiner Familie erst (…) – nachdem (…) der Antrag gestellt worden sei – beim Zivilstandsamt registriert worden. Sie habe in einem Schreibwarengeschäft gearbeitet, um den Lebensunterhalt sicherzustellen. F._______ habe sie in der Wohnung, welche ihr Bruder ihr organisiert habe, in dieser Zeit ab und zu besucht, um die Kinder zu sehen. (…) habe sie erfahren, dass F._______ Syrien verlassen habe. Sie habe die Scheidung registrieren lassen wollen. F._______ habe ihr daraufhin per WhatsApp Drohnachrichten zugestellt. Sein Onkel, ein Richter und Berater beim (…), habe sich Ende (…)/Anfang (…) eingeschaltet und sie ein unbe- kanntes Dokument unterschreiben lassen. Er habe ihr mitgeteilt, dass er sie in der Hand habe, da sie angeschuldigt sei, mit Soldaten der Freien Syrischen Armee (FSA, arabisch: al-Ǧaiš as -Sūrī al -Ḥurr, Anmerkung BVGer) geschlafen zu haben. Ihr Name figuriere auf einer Liste, auf der sie als Prostituierte für die FSA bezeichnet worden sei. Aus Angst habe sie in der Folge den Kontakt zu F._______ aufrechterhalten. Sie sei von diesem Onkel erneut vorgeladen und dazu angehalten worden, Dokumente zu be- sorgen, zu fotografieren und über ihr Handy an F._______ zu schicken. Ihr Onkel habe ihr gesagt, dass sie bald eine Vorladung von der Schweizer Botschaft im N._______ erhalte. Als sie den Termin dort wahrgenommen D-2873/2021 Seite 4 habe, sei sie über ihre Ehe nicht befragt worden, was sie verwundert und bedauert habe. Sie sei nach Syrien zurückgekehrt. Schliesslich sei F._______ plötzlich mit der Scheidung einverstanden gewesen, da er zwi- schenzeitlich seine neue Partnerin in der Schweiz habe heiraten wolle n. Da sie Angst vor den Drohungen des Onkels gehabt habe , weil die Situa- tion aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen auch für ihre Kinder gefährlich gewesen sei und weil sie schliesslich auch befürchtet habe, dass die Schwiegereltern die Kinder einfordern würden, habe sie sich entschlos- sen, in die Schweiz zu reisen. F._______ habe ihr jedoch zu verstehen gegeben, dass er sich an ihr rächen werde, sobald sie in Syrien zurück sei. Zudem seien während ihrer Abwesenheit in Syrien (…) Beamte bei ihren Eltern vorbe igekommen und hätten nach ihr gefragt. An ihrer Stelle sei dann (…) ihr Bruder O._______ mitgenommen worden. Er sei gefoltert worden und ihm sei gesagt worden, dass sie eine Prostituierte sei. Ihr Bru- der drohe ih r daher nun mi t dem Ehrenmord. F._______ informiere die Nachbarschaft über Facebook, dass sie hier ein unehrenhaftes Leben führe. Nun werde im ganzen Quartier schlecht über sie geredet und i hr Bruder werde dadurch berechtigt, sie zu bedrohen. Auch ihre Eltern seien unter Druck gesetzt worden, um sie zu einer Rückkehr nach Syrien zu be- wegen, da sie angeblich auch im Ausland der Prostitution nachgehe. Nach ihrer Einreise in die Schweiz sei dann auch J._______ in die Schweiz ge- reist, den sie bereits in Syrien heimlich religiös geheiratet habe. Nach des- sen Ankunft in der Schweiz sei diese zweite Heirat in Syrien offiziell regis- triert worden, nicht aber in der Schweiz. Sie habe sich zwischenzeitlich je- doch wegen häuslicher Gewalt von J._______ getrennt und die in Syrien registrierte Ehe mit ihm sei zu Beginn des Jahres (…) aufgelöst worden. Seit (…) wohne B._______ bei seinem Vater, F._______, in der Schweiz. E.c Die Beschwerdeführerin reichte ihren syrischen Reisepass im Original, ihre syrische Identitätskarte in Kopie, die durch das Standesamt in H._______ am (…) ausgestellte Scheidungsurkunde ihrer ersten Ehe in Kopie, das ergänzende Scheidungsurteil in der Schweiz vom (…) im Origi- nal, den durch das Schariagericht I._______ am (…) ausgestellten Heirats- vertrag der zweiten Ehe im Original, sechs Fotos angeblich ihres Bruders mit Verletzungen am Rücken und Beine n, Fotoabzug vom Onkel von F._______, Abzug Facebook der Titelseite von der Person, die an der Ent- führung ihres Bruders beteiligt gewesen sein soll und Abdruck einer angeb- lichen Drohnachricht auf das Handy ihres Bruders. D-2873/2021 Seite 5 E.d Das SEM hörte B._______ am 20. April 2021 zu den Asylgründen an. Dabei brachte er im Wesentlichen vor, wegen des Krieges nicht nach Sy- rien zurückkehren zu können. Zudem habe er Angst, dass er seine Mutter (Beschwerdeführerin) nicht mehr sehen könnte. Er sei sicher, dass seine Mutter bei der Ankunft am Flughafen in Syrien direkt mitgenommen würde und er zur Familie seines Vaters gehen müsste. F. Das SEM stellte der Beschwerdeführerin am 19. Mai 2021 einen Entschei- dentwurf zu. Die Stellungnahme erfolgte tags darauf. G. Mit Verfügung vom 21. Mai 2021 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh- rerin und ihre Kinder würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihr Asylgesuch vom 26. März 2021 ab, verfügte ihre Wegweisung aus der Schweiz und stellte fest, dass die am 21. September 2015 ange- ordnete vorläufige Aufnahme weiterhin bis zu deren Aufhebung oder Erlö- schen bestehe. H. Die Beschwerdeführerin erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom 21. Juni 2021 für sich und ihre Kinder Beschwerde beim Bundesverwal- tungsgericht. Sie beantragte, es sei die Verfügung des SEM vom 21. Mai 2021 aufzuheben, ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu ge- währen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses. Der Beschwerde lag eine Empfangsbestätigung vom 21. Mai 2021 bei. I. Die Instruktionsrichterin wies mit Zwischenverfügung vom 6. Juli 2021 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab und for- derte die Beschwerdeführenden auf, bis zum 21. Juli 2021 einen Kosten- vorschuss von Fr. 750.– zu leisten. Der Kostenvorschuss wurde am 20. Juli 2021 bezahlt. J. Mit Eingabe vom 19. Juli 2021 ersuchte die Beschwerdeführerin um eine Reduktion des Kostenvorschusses auf die Hälfte oder auf einen Betrag von höchstens Fr. 500.–, da sie das notwendige Geld für den Kostenvorschuss D-2873/2021 Seite 6 aufgrund ihrer schlechten finanziellen Situation von ihrer (…) habe auslei- hen müssen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.2 Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder sind als Verfügungsadressa- ten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist, nachdem der Kostenvorschuss geleistet wurde, einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Ver- ordnung über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus vom 1. April 2020 [COVID-19-Verordnung Asyl; SR 142.318] und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelric hterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung D-2873/2021 Seite 7 des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, d ie einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.). 5. 5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor- bringen der Beschwerdeführerin (Verhaftung bei der Einreise nach Syrien durch die staatlichen Behörden; Rache ihres Ex-Ehemannes; Drohung ih- res Bruders O._______ mit einem Ehrenmord) hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 Asyl nicht stand. Sie habe im Verlauf der beiden Anhörungen in keiner Weise nachvollziehbar zu begründen ver- mocht, weshalb die Behörden ein derart langanhaltendes Interesse an ihr haben sollten. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich die syrischen Be- hörden – in einer angespannten Kriegssituation – für ihren Lebenswandel in Europa interessieren und dann auch noch Ressourcen für ihre Verfol- gung investieren sollten. Bei ihrem Onkel habe sie angeblich ein ihr unbe- kanntes Dokument unterschrieben. Gleichzeitig habe sie zu Protoko ll ge- geben, dieses Dokument mit ihrem Mobiltelefon fotografiert und an ihren Ex-Ehemann für sein Asylverfahren in die Schweiz geschickt zu haben. Unter diesen Umständen wäre jedoch zu erwarten, dass sie in der Lage gewesen wäre, das inkriminierte Dokument anzuschauen und genauere Angaben dazu machen zu können . Ihr Ex-Ehemann habe gemäss ihren Angaben bereits in Syrien getrennt von ihr gelebt und alles in die Wege geleitet, um sie und die Kinder aus dem unsicheren Kriegsgebiet in die Schweiz kommen zu lassen . Er habe in die Scheidung eingewilligt und diese sei gemäss ihren eigenen Angaben gesetzeskonform und unter Ein- bezug seiner Familie in Syrien offiziell abgeschlossen worden. Es sei wenig glaubhaft, dass sie ihm unter seinem Druck und unter seiner Vorspiegelung D-2873/2021 Seite 8 falscher Tatsachen im Rahmen eines Familiennachzuges in die Schweiz gefolgt sei, nachdem sie selber dafür gesorgt habe, in die Schweiz reisen zu können, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits religiös eine zweite Ehe in Syrien eingegangen sei. Die Beschwerdeführerin sei eine gut gebildete Frau und es wäre anlässlich ihres Besuches auf der Schweizer Botschaft im N._______ zu erwarten gewesen, dass sie angegeben hätte, die Ehe- frau eines anderen Mannes zu sein. Dies habe sie unterlassen, weshalb davon auszugehen sei, dass sie die Schweizer Behörden bereits einmal vorsätzlich getäuscht habe. Weiter sei sc hwer vorstellbar, dass ihre ehe- malige Nachbarschaft in der nach wie vor angespannten und schwierigen Situation ein Interesse daran haben könnte zu erfahren, was für einen Le- benswandel sie in Europa führe. Auch ihr Bruder P ._______ scheine sich nicht daran zu stören, dass sie sich habe scheiden lassen und erneut ge- heiratet habe, da er ihr Stellvertreter anlässlich ihrer offiziellen zweiten Hei- rat in Syrien am (…) gewesen sei. Dies sei ein deutlicher Hinweis, dass sich ihre Familie nicht grundsätzlich gegen ihr Vorgehen gestellt habe. An der Anhörung habe sie angegeben , nach der Verhaftung ihres Bruders O._______ nichts mehr von ihm gehört zu haben. An der ergänzten Anhö- rung habe sie jedoch geltend gemacht, er sei nach seiner Freilassung in den Reservedienst eingezogen worden und er bedrohe sie nun. Weiter sei ihre Befürchtung, dass ihr bei einer Rückkehr nach Syrien die Kinder weg- genommen würden, rein hypothetischer Natur. Schliesslich habe die Be- schwerdeführerin erst – fast (…) Jahre nach ihrer Einreise in die Schweiz und nachdem ihrem Gesuch um Ausstellung von Reisepapieren für eine problemlose Grenzüberquerung im europäischen Raum nicht entsprochen worden sei – ein Gesuch um Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft ein- gereicht. Ihre Erklärung, früher nichts verstanden zu haben, vermöge nicht zu überzeugen, da sie sehr wohl im Stande gewesen sei, für ihren zweiten Partner in der Schweiz umgehend einen Rechtsanwalt zu verpflichten. Auch anlässlich der Überprüfung ihres Aufenthaltsstatus sei sie anwalt- schaftlich vertreten gewesen. In ihrer Stellungnahme zum Entscheidentwurf habe die Beschwerdeführe- rin im Wesentlichen sämtliche im Entwurf angeführten Punkte bestritten. Dabei sei es widersprüchlich, dass sie zwar infolge falscher Anschuldigun- gen durch ihren sehr einflussreichen Onkel durch die staatl ichen Organe bedroht sein solle , aber eben dieser nicht im Stande gewesen sei, die Scheidung, welche angeblich gegen den Willen ihres Ex -Ehemannes und dessen Familie regelkonform in Syrien durchgeführt worden sei, zu verhin- dern. Schliesslich mute es eigenartig an, dass ihre Eltern, mit denen sie in D-2873/2021 Seite 9 regem Kontakt stehe, sie zur Heimkehr bewegen wollten, obwohl ihr Bru- der O._______ ihr mit einem Ehrenmord in Syrien drohe. 5.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in der Rechtsmittelschrift mit Ver- weis auf ihre vorinstanzliche Stellungnahme zum Entscheidentwurf des SEM, im angefochtenen Entscheid werde zusätzlich zum Entscheidentwurf vom 19. Mai 2021 nicht mehr viel Neues aufgeführt. Bei der Würdigung ihrer Aussagen sei zu berücksichtigen, dass die Ereignisse, welche zu ihrer Ausreise geführt hätten, mittlerweile bereits über (…) Jahre zurücklägen. Die Anhörung, die ergänzte Anhörung und die Redaktion des Asylent- scheids seien von drei M itarbeitenden des SEM vorgenommen worden. Dies scheine dazu zu führen, das s die Sachverhalte isoliert und künstlich aufgeteilt und nicht als ganzheitliches Vorbringen betrachtet worden seien. Sie habe über zwei Anhörungen hinweg ausführlich, widerspruchsfrei und lebensnah eine sehr verworrene und komplizierte Lebensgeschichte wi e- dergegeben. Der Entscheid des SEM hinterlasse den Eindruck, dass eine Begründung für eine vorgefasste Meinung gesucht worden sei. Dies zeige sich insbesondere darin, dass ihr und den Kindern abschliessend vorge- worfen werde, dass sie sich nur aus reisetechnischen Gründen um die An- erkennung der Flüchtlingseigenschaft bemüht hätten. Es lägen indes ver- schiedene Formen der geschlechtsspezifischen Verfolgung vor, welche sich in häuslicher Gewalt durch ihren Ex-Ehemann in Syrien s owie den drohenden Ehrenmord durch ihren Bruder zeigten. Ebenfalls habe sie glaubhaft darlegen können, dass ihr Ex-Ehemann eine staatliche Verfol- gung von ihr in Syrien habe bewirken können beziehungsweise auch wie- der werde bewirken können. Wenn sie in Syrien geblieben wäre, wären die Anschuldigungen und Drohungen ihres Onkels wahr geworden und die Schwiegereltern hätten ihr auch die Kinder wegnehmen können. Weiter könne sie darlegen, dass sie bei einer hypothetischen Rückkehr Verfol- gung seitens der syrischen Behörden, der Familie ihres Ex-Ehemannes so- wie der eigenen Familie zu befürchten hätte. Die Asylrelevanz der drohen- den Verfolgung sei klar gegeben (Motiv, Intensität), weshalb sich Ausfüh- rungen diesbezüglich erübrigen würden. 6. 6.1 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. In der angefochtenen Verfügung wird im Einzelnen dargelegt (vgl. dazu E. 6.1 hievor), aus welchen Gründen die Vorbringen der Beschwerdeführerin kon- struiert, nicht nachvollziehbar und teilweise widersprüchlich und damit ins-D-2873/2021 Seite 10 gesamt unglaubhaft sind. Was in der Rechtsmitteleingabe dagegen vorge- bracht wird, ist nicht geeignet, die Vorbringen in einem anderen Licht er- scheinen zu lassen. 6.2 Entgegen dem pauschalen, nicht weiter substanziierten Einwand der Beschwerdeführerin sind den Akten keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung eine vorgefasste Meinung gehabt hätte. Eine andere Schlussfolgerung ergibt sich auch nicht aus dem Hinweis des SEM am Schluss der Verfügung, dass die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft erst rund (…) Jahre nach der Einreise und nach abgelehntem Gesuch um Ausstellen von Rei- sepapiere eingereicht habe. Dies gilt umso mehr, als das SEM zutreffend angeführt hat , dass es der Beschwerdeführerin in der nämlichen Zeit- spanne sehr wohl möglich gewesen ist, anwaltschaftlichen Beistand zu su- chen für die Nachreise ihres zweiten Partners in die Schweiz und zur Über- prüfung der Rechtmässigkeit ihres Aufenthaltsstatus. 6.3 Soweit die Beschwerdeführerin einwendet, die ausreisebegründenden Ereignisse lägen mittlerweile über (…) Jahre zurück, was bei der Würdi- gung ihrer Aussagen zu berücksichtigen sei, vermag sie daraus ebenfalls nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Ein Asylbewerber hat lediglich selber Erlebtes wiederzugeben. Es darf deshalb erwartet werden, dass die in Frage stehenden Ereignisse in den wesentlichen Zügen und in der chrono- logisch richtigen Reihenfolge wiederholt korrekt erzählt werden können, umso mehr als es sich bei den geschilderten Vorfällen um einschneidende Ereignisse handelt, die erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis haften bleiben. 6.4 Die Beschwerdeführerin wendet weiter ein, der vorgebrachte Sachver- halt sei isoliert und künstlich aufgeteilt und deshalb nicht als ganzheitliches Vorbringen betrachtet worden. Dieser Sichtweise kann sich das Bundes- verwaltungsgericht nicht anschliessen, zumal dafür den Akten keine Hin- weise zu entnehmen sind . Die Beschwerdeführerin vermag deshalb aus dem Umstand, dass die Anhörungen und die Redaktion der angefochtenen Verfügung durch verschiedene Mitarbeitende vorgenommen worden sind, nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Ansonsten erschöpfen sich die Be- schwerdevorbringen in der Wiederholung, dass die Asylvorbringen durch- aus glaubhaft und asylrelevant seien. Damit setzen sich die Beschwerde- führerin und ihre Kinder jedoch mit den vorinstanzlichen Erwägungen nicht weiter auseinander, mithin legen sie nicht dar, inwiefern das SEM zu Un- recht auf Unglaubhaftigkeit beziehungsweise in Bezug auf die Vorbringen D-2873/2021 Seite 11 von B._______ auf fehlende Hinweise auf eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG geschlossen hat. Solches ist auch nicht ersichtlich. 6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin und ihre Kinder nichts vorgebracht haben, was geeignet wäre, ihre Flüchtlings- eigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat ihr Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt. 7. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch s onst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Nach dem Gesagten liegen insgesamt keine Gründe vor, die ein wie- dererwägungsweise Zurückkommen auf die Zwischenverfügung vom 6. Juli 2021, wonach die Beschwerdebegehren aussichtslos erscheinen, rechtfertigen, weshalb das Gesuch um Reduktion des Kostenvorschusses vom 19. Juli 2021 ungeachtet der vorgebrachten Bedürftigkeit abzuweisen ist. 9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der gleichen Höhe geleistete Kostenvorschuss i st zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-2873/2021 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um wiedererwägungsweise Reduktion des mit Zwischenver- fügung vom 6. Juli 2021 festgelegten Kostenvorschusses wird abgewie- sen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Be- zahlung der Verfahrenskosten verwendet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Patrick Blumer Versand: