Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2020 77 Entscheid vom 21. Oktober 2020 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter MLaw Christina Zehnder, a.o. Gerichtsschreiberin Parteien 1. A.________, 2. B.________, Beschwerdeführer, gegen Ausgleichskasse Schwyz, Rechtsdienst, Postfach 53, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand Erwerbsersatzordnung (COVID-19 Erwerbsausfall)2 Sachverhalt: A.A.________ ist seit dem 1. Februar 2017 bei der Ausgleichskasse Schwyz als selbständige Person angeschlossen. Das Nämliche gilt für B.________. Ge- meinsam führen Sie die C.________ KLG. Unter dieser Firma betreiben sie ein Charterbusiness in D.________, indem sie mit einer Motoryacht Ferien- und Ausbildungswochen für den schweizerischen Hochseeschein anbieten (www.___.ch). Je mit provisorischer Beitragsverfügung für das Jahr 2019 vom 6. Februar 2019 wurde A.________ resp. B.________ das beitragspflichtige Ein- kommen auf der Basis der Vorjahresperiode je auf Fr. 6'800.-- festgesetzt (Vi-act. 1). Am 27. August 2019 ergingen die definitiven Beitragsverfügungen für das Jahr 2018, die für beide je ein beitragspflichtiges Einkommen von Fr. 400.-- aus- wiesen (Vi-act. 2). B.Am 29. April 2020 reichten A.________ und B.________ je eine Anmel- dung für Corona Erwerbsersatzentschädigung für Selbständige - Härtefall- Regelung ein (Vi-act. 3 und 4). Dies mit der Begründung, seit dem 16. März 2020 infolge der Coronakrise einen Erwerbsausfall erlitten zu haben. Ab dem 14. April 2020 hätte das Schiff in D.________ wieder klar gemacht werden sollen, um die gebuchten Törns durchzuführen. Infolge Corona hätten sie gar nicht aus der Schweiz ausreisen können. Die ersten Törns im Mai und Juni hätten sie absagen und die Anzahlungen zurückzahlen müssen. Mit viel Glück könnten sie allenfalls im September / Oktober 2020 noch eine oder zwei Wochen aufs Meer fahren. C.Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 wies die Ausgleichskasse das Gesuch von A.________ ab mit der Begründung, sie habe keinen Anspruch auf COVID- 19 Erwerbsersatzentschädigung, da ihr Einkommen für das Jahr 2019 unter Fr. 10'000.-- liege (Vi-act. 5). Eine identische Verfügung erhielt am 19. Mai 2020 auch B.________ (Vi-act. 6). D.Gegen diese beiden Verfügungen erhoben A.________ und B.________ am 25. Mai 2020 gemeinsam Einsprache (Vi-act. 7), welche die Ausgleichskasse mit zwei gleichlautenden Einspracheentscheiden je an die beiden Gesuchsteller separat am 23. Juli 2020 abwies (Vi-act. 9 und 10). E.Am 12. August 2020 erheben A.________ und B.________ beim Verwal- tungsgericht des Kantons Schwyz - erneut gemeinsam - fristgerecht Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, den Einspracheentscheid aufzuheben und ihnen eine Corona Erwerbsausfallentschädigung zuzusprechen.3 Unter Verweis auf den Einspracheentscheid verzichtet die Vorinstanz am 16. September 2020 auf die Einreichung einer Vernehmlassung und beantragt die Abweisung der Beschwerde. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1Es ist vorliegend unbestritten, dass die Beschwerdeführer 1 und 2 als in der Schweiz wohnhafte Selbständigerwerbende obligatorisch AHV-versichert sind. Nicht bestritten ist ebenso, dass sie als solche einen Anspruch auf COVID- Erwerbsersatzentschädigung aus Härtefall nach Art. 2 Abs. 3 bis der Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19) vom 20. März 2020 (COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall; SR 830.31) in der bis am 16. September 2020 gültigen Fassung haben können. Demgemäss waren Selbständigerwerbende im Sinne von Art. 12 des Bundesge- setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vom 6. Oktober 2000, die nicht unter Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall fallen, anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der bundesrätli- chen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus einen Erwerbsausfall erlit- ten und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV massgebendes Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.-- lag. 1.2Gemäss Beurteilung und Verfügung resp. Einspracheentscheid der Vor- instanz haben die Beschwerdeführer keinen Anspruch, da ihr massgebliches Einkommen für das Jahr 2019 weniger als die in der COVID-19-Verordnung Er- werbsausfall geforderten Fr. 10'000.-- betrug. 1.3Demgegenüber machen die Beschwerdeführer geltend, Ihr Gesuch sei nicht unter dem Aspekt von irgendwelchen gesetzlichen Vorgaben oder Zahlen zu betrachten, sondern unter dem Aspekt der aktuellen Krise und vor allem der Menschlichkeit. Ihre Firma sei im Kanton Schwyz eingetragen. Infolge der Coro- na-Krise hätten sie alle bereits fix gebuchten Törnwochen im Jahr 2020 bis zum 11. Juli 2020 absagen müssen. Bereits gebuchte Bruttoeinnahmen von fast Fr. 26'000.-- würden entfallen; geleistete Anzahlungen habe man zurückerstatten müssen. Insgesamt seien ihnen 2020 Bruttoeinnahmen von geschätzten Fr. 80'000.-- entgangen, was in etwa einer normalen durchschnittlichen Saison entspreche. Dies stelle ihr gemeinsames Einkommen dar, von welchem sie leben müssten. Mithin hätten sie aufgrund der Corona-Situation ein massives finanziel- les Problem. Aus diesem Grunde hätten sie die finanzielle Unterstützung bean- tragt. Die Beschwerdeführer stellen die Frage, was denn ein Härtefall sei, wenn nicht der ihrige. Ihr Einkommen der vergangenen Jahre sei ohnehin schon sehr 4 gering; nun würden sie deswegen noch doppelt bestraft, weil sie genau deswe- gen keine Unterstützung erhalten sollen. Es müsse ihre Lage beachtet werden und das Gesuch sei nicht unter dem Gesichtspunkt von Paragraphen zu beurtei- len. Es bestehe eine echte, wirklich sehr echte Notlage. Schliesslich könnten sie sich nicht vorstellen, dass es im Interesse der Schweiz sei, Unternehmen wie das ihrige einfach so "sterben" zu lassen. 2.Die Beschwerdeführer gehen auf die Begründung der Ablehnung nicht ein; namentlich bestreiten sie nicht, dass sie (je) für 2019 kein beitragspflichtiges Ein- kommen zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.-- auswiesen. Dies zu Recht nicht. Die am 17. März 2020 vorliegende provisorische Beitragsverfügung 2019 (vgl. bezüglich Massgeblichkeit dieser Verfügung VGE II 2020 66 vom 16.9.2020) weist ein beitragspflichtiges Einkommen von Fr. 6'800.-- aus (Vi-act. 1). Am 27. August 2019 erging die definitive Beitragsverfügung 2018, die ein beitragspflich- tiges Einkommen von Fr. 400.-- ausweist, was ebenso wenig einen Anspruch begründet. Im vorliegenden Fall lag sodann bereits vor dem 16. September 2020 die definitive Beitragsverfügung für das Jahr 2019 vor, womit diese für die An- spruchsprüfung noch berücksichtigt werden könnte (vgl. Art. 5 Abs. 2 COVID-19- Verordnung Erwerbsausfall in der bis am 16.9.2020 geltenden Fassung). Mit de- finitiver Beitragsverfügung wurde das beitragspflichtige Einkommen für das Jahr 2019 je für die Beschwerdeführer 1 und 2 auf Fr. 400.-- festgesetzt (Vi-act. 12). Damit aber steht zweifelsfrei fest, dass die Beschwerdeführer 1 und 2 im Jahr 2019 weniger als das Einkommensminimum von Fr. 10'000.-- gemäss Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall (in der bis am 16.9.2020 geltenden Fassung) erzielt haben. Gemäss klarem Wortlaut der Verordnung haben sie da- her keinen Anspruch auf eine COVID-19 Härtefallentschädigung. 3.Selbständigerwerbende, die einen Anspruch nach Art. 2 Abs. 3 COVID-19- Verordnung Erwerbsausfall geltend machen, unterliegen der Anspruchsvoraus- setzung eines Mindesteinkommens von Fr. 10'000.-- nicht. Sie müssen aber un- mittelbar aufgrund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 der COVID-19- Verordnung 2 (SR 818.101.24 vom 13.3.2020) einen Erwerbsausfall erlitten ha- ben. Darunter fallen Selbständigerwerbende, die entweder eine Veranstaltung absagen oder ihren Betrieb schliessen mussten und deshalb unmittelbar einen Erwerbsausfall erlitten. Die Beschwerdeführer machen zu Recht nicht geltend, ih- re Geschäftstätigkeit sei durch eine Massnahme untersagt worden, ihr Betrieb sei unmittelbar massnahmebedingt geschlossen worden. Damit aber fällt ein An- spruch gestützt auf Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall ausser Betracht.5 4.Die Beschwerdeführer machen sinngemäss geltend, es sei ihr Härtefall an- zuerkennen und es sei ihnen losgelöst der Voraussetzungen gemäss COVID-19- Verordnung Erwerbsausfall (unbeachtlich der Paragraphen) zur Abfederung eine Entschädigung zu leisten. Diesbezüglich sind die Beschwerdeführer auf das Le- galitätsprinzip hinzuweisen. Dieses besagt, dass ein staatlicher Akt sich auf eine materiellgesetzliche Grundlage stützen muss, die hinreichend bestimmt und vom staatsrechtlich hierfür zuständigen Organ erlassen worden ist. Es dient damit ei- nerseits dem demokratischen Anliegen der Sicherung der staatsrechtlichen Zu- ständigkeitsordnung, anderseits dem rechtsstaatlichen Anliegen der Rechts- gleichheit, Berechenbarkeit und Voraussehbarkeit des staatlichen Handelns. Das Legalitätsprinzip gilt für das ganze Verwaltungshandeln, d.h. insbesondere auch für die Leistungsverwaltung (zum Ganzen BGE 138 I 378 Erw. 7.2; BGE 130 I 1 Erw. 3.1 m.w.H.). Besteht keine gesetzliche Grundlage, ist es dem Staat verwehrt, finanzielle Bei- träge zu leisten. Ohne Grundlage, die etwa den Kreis der Berechtigten, die An- spruchsvoraussetzungen, die Bemessungsgrundlagen und Berechnung der Bei- tragshöhe hinreichend klar festlegt, kann eine rechtsgleiche und voraussehbare Behandlung der Betroffenen nicht gewährleistet werden. Es bestünde die Gefahr einer rechtsungleichen und gar willkürlichen Mittelverwendung. Der Nachweis oder die Glaubhaftmachung, dass man wegen der Coronapandemie Erwerbsein- bussen erleidet, kann daher nicht genügen, um eine staatliche Entschädigung zu erhalten. Vielmehr braucht es eine gesetzliche Grundlage hierzu sowie die Erfül- lung der vom Gesetz definierten Anspruchsvoraussetzungen. Vorliegend besteht eine materiellgesetzliche Grundlage, um Härtefälle finanziell abzufedern, resp. Entschädigungen an Selbständigerwerbende zu leisten, die aufgrund der bundesrätlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus ei- nen Erwerbsausfall erlitten: Art. 2 Abs. 3 bis COVID-19-Verordnung Erwerbsaus- fall. Diese Grundlage ist hinreichend bestimmt (der Kreis der Berechtigten ist ebenso definiert wie die Anspruchsvoraussetzungen und die Ermittlung der Ent- schädigung) und wurde vom dazu zuständigen Bundesrat erlassen (ohne hier weiter auf das Notverordnungsrecht des Bundesrates und die diesbezüglichen Lehrmeinungen einzugehen; vgl. hierzu etwa Caroni/Schmid, Notstand im Bun- deshaus, Die Rolle der Bundesversammlung in der (Corona-)Krise, AJP 2020 S. 710; Brunner/Wilhelm/Uhlmann, Das Coronavirus und die Grenzen des No- trechts, AJP 2020 S. 685; Biaggini, "Notrecht" in Zeiten des Coronavirus – Eine Kritik der jüngsten Praxis des Bundesrats zu Art. 185 Abs. 3 BV, ZBl 2020 S. 239; zur COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall auch Pärli, Corona-Verordnungen des Bundesrates zur Arbeitslosenversicherung und zum Erwerbsausfall, SZS 2020 S. 122; Kieser, COVID-19-Erlasse und das Sozialversicherungsrecht AJP 2020 S. 6 552; vgl. auch Urteil BGer 2C_280/2020 vom 15.4.2020; Urteil BVGer C- 1828/2020 vom 4.5.2020). Damit besteht eine Grundlage, dass Entschädigungen ausbezahlt werden können. Dass das Legalitätsprinzip hiermit nicht erfüllt sein sollte, machen die Beschwerdeführer nicht geltend. Im Gegenteil fordern sie, dass auch sie eine Entschädigung erhalten, obwohl sie die Voraussetzungen gemäss der materiellgesetzlichen Grundlage nicht erfüllen. Dies ist indes - wie ausgeführt - nicht möglich. 5.1Zumindest implizit machen die Beschwerdeführer geltend, es sei unhaltbar und damit willkürlich, ihren Härtefall nicht als solchen anzuerkennen und ihnen keine Entschädigung zu leisten. Denn eigentlich seien sie doppelt bestraft. Zum einen sei ihr Einkommen per se schon sehr tief, nämlich unter Fr. 10'000.-- im Jahr 2019. Und zum andern würden sie bei sehr tiefem Einkommensniveau co- ronabedingt nun noch einen Erwerbsausfall erleiden. 5.2Die COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall als generell-abstrakte Rechts- norm des Bundes kann nicht im Rahmen einer abstrakten Normenkontrolle über- prüft werden (Art. 189 Abs. 4 BV; Urteil BGer 2C_280/2020 vom 15. April 2020 Erw. 2.). Nicht ausgeschlossen ist grundsätzlich die vorfrageweise Prüfung, die akzessorische Normenkontrolle einer Verordnung des Bundesrates. Dabei wird ein Erlass anlässlich der Anfechtung eines darauf gestützten Einzelaktes vorfra- geweise auf seine Rechtmässigkeit einschliesslich seiner Verfassungsmässigkeit überprüft und, ausser es handelt sich um eine bundesgesetzliche Norm (vgl. Art. 190 BV), im Falle der Rechtswidrigkeit nicht angewendet (vgl. BGE 132 V 299 Erw. 4.3.2). Ob vorliegend selbst die vorfrageweise Überprüfung ausgeschlossen ist, weil es sich bei der COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall um eine Notver- ordnung handelt, die gestützt auf Art. 185 Abs. 3 BV erlassen wurde und die die Abwendung einer schweren Störung der öffentlichen Ordnung und inneren Si- cherheit bezweckt, was die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ans Bundesgericht (soweit nicht ein völkerrechtlicher Anspruch besteht) aussch- liesst (vgl. Art. 83 lit. a BGG; Rechsteiner, Polizeiliche Generalklausel und Not- verordnungen des Bundesrates, Sicherheit&Recht 2016 S.143/151), kann offen bleiben. 5.3.1Sinngemäss machen die Beschwerdeführer Willkür der Härtefallregelung geltend. Willkür in der Rechtsetzung liegt vor, wenn ein Erlass sich nicht auf ernsthafte sachliche Gründe stützen lässt oder sinn- und zwecklos ist (BGE 134 I 23 Erw. 8; BGE 131 I 1 Erw. 4.2; BGE 129 I 1 Erw. 3). Wie bei der Rechtsan- wendung muss bei der Willkürprüfung darauf abgestellt werden, ob der Erlass im Ergebnis sachlich haltbar ist (Urteil BGer 2P.4/2004 vom 10.12.2004 Erw. 2.2). 7 5.3.2Die COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall sah bei ihrem Erlass am 20. März 2020 noch keine Härtefallregelung vor. Art. 2 Abs. 3 bis COVID-19- Verordnung Erwerbsausfall wurde erst am 16. April 2020 eingefügt (AS 2020 1257). Aufgrund des speziellen Notverordnungsverfahrens bestehen kaum greif- bare Materialien hierzu. In den Erläuterungen zur Verordnungsänderung wird auf die Anspruchsvoraussetzung des Erwerbseinkommens zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.-- hingewiesen, wobei jedoch einzig die Obergrenze begründet wird (Plafond gemäss Erwerbsersatzordnung; Fr. 196.--/Taggeld), so dass die Entschädigung nur eigentlichen Härtefällen zugute komme (vgl. Erläuterungen zu den Verordnungsänderungen vom 16.4.2020). Angepasst wurde in der Folge auch das Kreisschreiben, wobei auch diesem einzig die Begründung zu entneh- men ist, um lediglich Härtefälle zu berücksichtigen, bestehe nur Anspruch, wenn das AHV-pflichtige Einkommen zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.-- liege (vgl. KS CE Vorwort zur Version 2). Gemäss einem Artikel des online-Magazins 'Das Lamm' vom 25. Mai 2020 (www.daslamm.ch/die-mit-dem-kleinsten-einkommen- erhalten-keine-hilfe/ , von Alexandra Tiefenbacher, eingesehen am 18.9.2020) wurde die Frage der Rechtfertigung der Untergrenze von Fr. 10'000.-- dem BSV unterbreitet. Publiziert wurde die Antwort: "Man kann davon ausgehen, dass Selbstständigerwerbende mit derart tiefem Einkommen nicht allein von diesem Einkommen leben, sondern zu wesentlichen Teilen auf andere Einkommen zurückgreifen können. Sehr tiefe Taggeldbeträge tragen in dieser Situation nur sehr beschränkt zur Existenzsicherung bei." Es gehe darum, denen zu helfen, die in finanzielle Not geraten seien, bis sich die Situation wieder normalisiere. Mit der Untergrenze wolle man verhindern, dass diejenigen, die eigentlich gar nicht wirk- lich von ihrem selbstständigen Erwerb abhängig seien, Leistungen kriegen, ob- wohl sie diese nicht wirklich brauchen würden. Diese Begründung ist soweit nachvollziehbar. Mit der Härtefallentschädigung sollen Personen unterstützt wer- den, die ihr Auskommen grundsätzlich als Selbständigerwerbende erwirtschaf- ten. Sie können trotz der Coronapandemie weiterarbeiten. Führen die Corona- Massnahmen aber zu Erwerbseinbussen, soll eine Entschädigung diese abfe- dern. Die Not muss massnahmenbedingt sein und es muss davon auszugehen sein, dass sich die Situation wieder normalisiert, der Selbständigerwerbende wieder von seinem Erwerb leben kann. Wenn indes das gesamte Einkommen schon ohne Coronapandemie und -Massnahmen weniger als Fr.10'000.-- pro Jahr beträgt, dann ist es nicht geradezu willkürlich anzunehmen, dass dies allein für ein Auskommen so oder anders nicht ausreicht und die Betroffenen daher auch nicht von einer Härtefallentschädigung abhängig sind (bei einem Jahresein- kommen von Fr. 6'800.-- [gemäss der hier relevanten Beitragsverfügung] beträgt das Taggeld Fr. 15.10/Tag oder Fr. 453.--/Mt). Dass dies ggfs. im Einzelfall an-8 ders aussehen kann, macht die Regelung noch nicht willkürlich in dem Sinn, dass sie sich nicht auf ernsthafte sachliche Gründe stützen lässt oder sinn- und zwecklos ist. 5.4.1Zu prüfen ist auch, ob die Härtefallregelung allenfalls gegen das Gleich- heitsprinzip verstösst. Ein Erlass verstösst gegen das Prinzip der Rechtsgleich- heit in der Rechtsetzung (Art. 8 Abs. 1 BV), wenn er hinsichtlich einer entscheid- wesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen nicht ersichtlich ist, oder wenn er Un- terscheidungen unterlässt, die sich aufgrund der Verhältnisse aufdrängen (Urteil BGer 8D_1/2020 vom 13.5.2020 Erw. 6.1.1 m.w.H.). 5.4.2Selbständigerwerbende nach Art. 2 Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbs- ausfall haben (bei Erfüllung der übrigen Voraussetzungen) unabhängig eines Mindesteinkommens Anspruch auf eine Entschädigung, wogegen Selbständi- gerwerbende nach Art. 2 Abs. 3 bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall ein Mindesteinkommen von Fr. 10'000.-- im Jahr 2019 aufweisen müssen. Diese Un- terscheidung ist vor dem Hintergrund der weiteren Anspruchsvoraussetzungen haltbar. Denn im ersten Fall sind die Selbständigerwerbenden von den bundes- rätlichen Massnahmen in dem Sinne unmittelbar betroffen, als sie ihre Erwerbs- tätigkeit überhaupt nicht mehr ausüben können (Veranstaltungsverbot; Betriebs- schliessungen); die Massnahmen kommen sozusagen einem (befristeten) Be- rufsausübungsverbot gleich. Diesfalls scheint es angezeigt zu sein, jeglichen Ausfall - auch den sehr geringen - auszugleichen bzw. eine Entschädigung zu leisten. Mit der erst später eingeführten Härtefallentschädigung hingegen reagier- te der Gesetzgeber auf die mittelbare Betroffenheit; Selbständigerwerbende, die wohl weiterarbeiten dürfen (von keinem Verbot direkt betroffen sind), aber bspw. wegen den Massnahmen Einbussen erleiden (z.B. weniger Taxikunden, weniger Beratungsaufträge etc.), können eine Entschädigung beantragen. Mithin handelt es sich um zwei grundsätzlich verschiedene Ausgangslagen, was es rechtfertigt, unterschiedliche rechtliche Lösungen zu normieren. Zumindest erscheint die Un- terscheidung nicht geradezu unhaltbar. 6.Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz einen Anspruch der Beschwerdeführer auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung ver- neint hat mit der Begründung, ihr Einkommen für das Jahr 2019 erreiche das Mindesteinkommen gemäss Art. 2 Abs. 3 bis COVID-19-Verordnung Erwerbsaus- fall nicht. Damit kann die Frage offen bleiben, ob die Beschwerdeführer mit ihrer Firma C.________ KLG, welche in D.________ mit einer Motoryacht Ferien- und Ausbildungswochen anbietet, auch die weitere Anspruchsvoraussetzung erfüllen 9 würde, dass nämlich der erlittene Erwerbsausfall durch die bundesrätlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verursacht ist. Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 7.Es werden keine Kosten erhoben. 8.Was das Rechtsmittel gegen diesen Entscheid anbelangt, so steht grundsätzlich die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ans Bundesgericht in Luzern offen. Allerdings wird es Sache des Bundesgerichtes sein zu entscheiden, ob es auf die dannzumal vorgetragenen Rügen eintritt oder die Beschwerde aufgrund von Art. 83 lit. a BGG unzulässig ist. In diesem Sinne können die Parteien aus der angefügten Rechtsmittelbelehrung nichts zu ihren Gunsten ableiten; der Entscheid über die Anfechtbarkeit liegt beim Bundesge- richt.10 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). Soweit die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nicht zulässig ist, kann in derselben Rechtsschrift subsidiäre Verfassungsbe- schwerde* erhoben und die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden (Art. 113ff. BGG). 4. Zustellung an: -die Beschwerdeführer (2/R) -die Vorinstanz (R) -und das Bundesamt für Sozialversicherung 3003 Bern (A). Schwyz, 21. Oktober 2020 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die a.o. Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 22. Oktober 2020