Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. Juni 2019 (720 19 50 / 156) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Ablehnung des Rentenanspruchs ist auf der Basis versicherungsinterner Einschät- zungen des regional-ärztlichen Dienstes zu Recht erfolgt. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Monica Armesto, Advo- katin, indemnis, Spalenberg 20, Postfach, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1965 geborene A.____ meldete sich am 25. Apri l 2018 unter Hinweis auf eine rheu- matoide Arthritis bei der eidgenössischen Invalidenversich erung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle mit Ver- fügung vom 10. Januar 2019 einen Rentenanspruch mange ls eines Renten begründenden IV- Grads ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Ad vokatin Monika Armesto, am 13. Februar 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht des Ka ntons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf- zuheben und es sei ihr den gesetzlichen Bestimmungen zufolge mit Wirkung ab 1. Oktober 2017 eine IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angel egenheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zusammenfassend liess sie geltend machen, dass die durchgeführ- ten medizinischen Abklärungen unvollständig seien. Es sei deshalb insbesondere ein bidiszipli- näres, rheumatologisches-psychiatrisches Gutachten durch die Vorinstanz einzuholen. Nach Ein- gang dieses Gutachtens müsse auch die Haushaltsabklärung wiederholt werden. Erst dann könne über den Rentenanspruch entschieden werden. C. Mit Vernehmlassung vom 29. März 2019 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen g eltend, aufgrund der Berichte der behandelnden Ärzte und des regional-ärztlichen Dienstes (RAD) sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin aus gesamtmedizinischer Sicht die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit im Umfang von 100% zumutbar sei. Die Beschwerdeführerin befinde sich insbesondere nicht in psychiatrischer Behandlung, und es sei bei ihr keine psychiatrische Diagnose mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben worden. Weiter e Abklärungen seien bei dieser Sachlage weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht angezeigt. D. Nachdem die Angelegenheit mit verfahrensleitender Verfügung vom 5. April 2019 dem Gericht zur Beurteilung überwiesen worden war, liess d ie Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. April 2019 einen Bericht ihres behandelnden Rheum atologen einreichen. Gestützt darauf machte sie geltend, dass zusätzliche Weichteilbeschwerden bestünden, welche sich nicht durch die rheumatologische Erkrankung erklären liessen. Ihr be handelnder Arzt erachte deshalb eine polydisziplinäre Begutachtung als notwendig. E. Mit Eingabe vom 29. April 2019 hielt die IV-Stel le am Abweisungsantrag fest. F. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 3. Mai 2019 w urde der Fall dem Gericht erneut zur Beurteilung überwiesen. Auf die übrigen Ausführungen der Parteien wird soweit erforderlich in den nachfolgenden Erwä- gungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und f ormgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 13. Februar 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraf t gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente , wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkomme n, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a u nd b). Insoweit die fraglichen Er- werbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werde n können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und si nd die so gewonnenen Annäherungs- werte miteinander zu vergleichen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren H inweisen). Entscheidet das Sozialversi- cherungsgericht demgegenüber ausschliesslich gestützt auf v ersicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind strengere Anforderungen an die Beweiswürdigung zu stellen, und es sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlü ssigkeit solcher versicherungsinternen, ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzuneh men (Urteil des Bundesgerichts, I. sozialrechtliche Abteilung, vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit Verweisen; BGE 139 V 225, E. 5.2). 4.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Einschätzung der g esundheitlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf die Beurteilung ihres RAD ab, der insbesondere in sei- nem Bericht vom 20. März 2018 zum Schluss gekommen war, dass die Versicherte in einer kör- perlich leichten Arbeit mit spontaner Wechselbelastung und ohne Nässe- oder Kälteexposition vollständig arbeitsfähig sei (IV-Dok 37, S. 5). Diese letztlich auf einer versicherungsinternen Ein- schätzung beruhende Beurteilung impliziert, dass bei bereits geringen Zweifeln weitere Abklärun- gen zu erfolgen hätten (oben, Erwägung 3.4 soeben). Nur diesfalls wäre die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Sachverhaltsabkl ärung zurückzuweisen. Vorliegend ist aber zu beachten, dass die Einschätzungen des RAD in Bezug auf das Attest einer vollstän- digen Restarbeitsfähigkeit der Versicherten nicht etwa im Gegensatz, sondern vielmehr in Über- einstimmung mit der Einschätzung der behandelnden Ärzte erfolgt sind. So haben sowohl der behandelnde Rheumatologe Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Physikalische Medizin & Rehabilitation sowie Innere Medizin, in seinem Bericht vom 30. März 2017 als auch der Hausarzt Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, mit Bericht vom 3. Mai 2017 der Versicherten für leichte Arbeiten jeweils eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-Dok 12, S. 3 und S. 7). Insbesondere aus dem Bericht von Dr. B.____ vom 30. März 2 017 geht hervor, dass lediglich eine Verdachtsdiagnose auf eine sero-negative, rheumat oide Arthritis erhoben worden war und dazumal kaum weder eine arthritische Aktivität in den Gelenken feststellbar noch in der Blutkon- trolle von einer humoralen Aktivität auszugehen war. Nachdem den seither ergangenen Berichten des behandelnden Rheumatologen keine Aussagen zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu ent- nehmen sind, ist davon auszugehen, dass dessen Einschätzung in der Folge zwar nicht mehr bestätigt, andererseits aber auch nicht dementiert worden ist. Auch anlässlich der anschliessen- den Haushaltabklärung vom 26. Februar 2018 sind keine Einschränkungen festgestellt worden (IV-Dok 33). Vor diesem Hintergrund kann deshalb festge stellt werden, dass die nunmehr kriti- sierte Beurteilung des RAD bezüglich einer vollständigen Restarbeitsfähigkeit der Versicherten nicht widersprüchlich ausgefallen ist, sondern vielmehr m it den Einschätzungen der behandeln- den Ärzten übereinstimmt (IV-Dok 24). 4.2 Ohnehin ist in rheumatologischer Hinsicht nur von e iner Verdachtsdiagnose auszuge- hen: Trotz ergänzender Zusatzuntersuchungen, wie sie Ende des Jahres 2016 noch als erforder- lich erachtet worden waren (IV-Dok 12, S. 12), hat de r behandelnde Rheumatologe in seinen anschliessenden Berichten an einer Verdachtsdiagnose fe stgehalten. Es trifft zwar zu, dass in seinem Bericht vom 28. Juni 2017 unter dem Titel Diagnosen kein Verdacht mehr aufgeführt wird; indessen ist seiner Beurteilung zu entnehmen, dass nur leichte Synovitis-verdächtige Befunde an Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Kleinfingern und Handgelenken bestehen würden. Diese Aussage lässt sich nur so verste- hen, dass auch weiterhin keine gesicherte Diagnose besta nden hat (IV-Dok 20, S. 1). Gleiches gilt für den Arztbericht des behandelnden Rheumatologe n vom 13. August 2018 (IV-Dok 43, S. 4, ad Beurteilung), wonach ein Teil der Beschwerden au ch rheumatischer Natur sein „könnte“. Zumal der behandelnde Rheumatologe die ausgeprägt geklagten Beschwerden der Versicherten als etwas diskrepant zu den fehlenden Schwellungen der Gelenke und zu der normalen humora- len Reaktion bezeichnet hat, geht er mithin auch in dieser Beurteilung von einer nicht gesicherten somatischen Erkrankung aus. Gleiches geht aus seinem, von der Beschwerdeführerin replicando eingereichten Bericht vom 22. Februar 2019 hervor (Einzelbeilage zur Eingabe der Beschwerde- führerin vom 10. April 2019). Bei dieser Sachlage kann nicht davon gesprochen werden, die ge- klagten Beschwerden seien somatisch erklärbar. Mangels Angabe einer funktionellen Einschrän- kung kann auch nicht davon gesprochen werden, dass aus somati scher Sicht eine allfällige Ar- beitsunfähigkeit bestehen würde. Der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung, dass die rheumatische Arthritis bei Vorliegen lediglich ein er Verdachtsdiagnose keine Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat, ist deshalb beizupflichten. Bei diesem Zwi- schenergebnis kann somit ohne weiteres auch auf die von i hr beantragte rheumatologische Be- gutachtung verzichtet werden. Es kann in dieser Hinsicht insbesondere auf die letzte Berichter- stattung des behandelnden Rheumatologen vom 22. Februar 2019 verwiesen werden: Nachdem sich durch einen Vergleich der Röntgenbilder keine Ver änderungen feststellen liessen, und die Laborkontrollen auch weiterhin keine erhöhte, humorale Reaktion ergeben hatten, liegt in soma- tischer Hinsicht eine stabile gesundheitliche Situation ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. Dies gilt umso mehr, weil der rheumatologische Facharzt sowohl eine Intensivierung der Behand- lung als auch das Vorliegen schwerer organischer Veränd erungen explizit verneint hat (a.a.O.). Eine ergänzende Abklärung aus somatischer Sicht erweist sich bei dieser Aktenlage weder als notwendig noch als zweckmässig. 4.3 Nichts anderes gilt in Bezug auf die psychiatrischen Verhältnisse. Während die IV-Stelle gestützt auf die Berichterstattung ihres RAD davon ausgegangen ist, dass in psychiatrischer Hin- sicht ein versicherungsmedizinisch ausgewiesener Gesundheitssc haden weder ausgewiesen noch zu erwarten sei, vertritt die Beschwerdeführerin den Standpunkt, dass ihre Schmerzproble- matik nicht alleine durch die rheumatologische Erkrankung verursacht werde. Dies mag allenfalls zutreffen. Nichts desto trotz drängen sich entgegen der vo n ihr vertretenen Auffassung keine zusätzlichen Abklärungen auf. Es ist an dieser Stelle in Erinnerung zu rufen, dass die Annahme insbesondere einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung stets eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach e inem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraussetzt (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Gemäss der im Leiturteil des Bundesgerichts revidierten Rechts prechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörungen und damit vergleichbar en psychosomatischen Leiden (BGE 140 V 13 f.) kann eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnost izierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist. Diese Voraussetzung liegt hier nicht vor. Die Beschwerd eführerin weist selber darauf hin, dass allfällige psychosomatische Beschwerden lediglich im Raum stehen (Replik vom 10. April 2019). Eine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erhobene Dia gnose ist damit weder dargetan noch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgewiesen. Der behandelnde Rheumatologe geht im Gegenteil von einem generellen und un- spezifischen Verdacht nicht somatischer Faktoren aus. Aus seinem Bericht vom 13. August 2018 geht zwar hervor, dass zahlreiche nicht-organische Faktoren die Bildung eines Schmerzgedächt- nisses verstärken könnten. Auch in seinem neuesten Bericht vom 22. Februar 2019 berichtet er, dass die Schmerzproblematik nicht alleine durch die r heumatologische Erkrankung erklärt wer- den könne. Aufgrund der sprachlichen und kulturellen Barrieren sei allerdings schwer festzustel- len, inwieweit nicht-organische Anteile die Schmerzwahrnehmung der Patientin ungünstig beein- flussen würden. Diese lediglich verdachtsweise, nur all gemein gehaltenen Aussagen genügen mit Blick auf die dargelegten Voraussetzungen wie bereit s erwähnt aber nicht, um eine ergän- zende Abklärung der psychiatrischen Verhältnisse zu rechtfertigen, andernfalls praktisch in allen Fällen eine ergänzende Begutachtung immer schon dann zu erfolgen hätte, in welchen nur schon eine vage Möglichkeit einer psychiatrischen Komponente vermutet würde. In solchen Fällen von einem unvollständig abgeklärten Sachverhalt auszugehen, widerspräche auch der im Sozialver- sicherungsrecht geltenden Beweismaxime, wonach allfällige Gesundheitsschäden stets mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein müssen. D ies ist hier nicht der Fall. Es tritt hinzu, dass der behandelnde Rheumatologe den Verdacht auf eine allfällige psychische Mitkom- ponente insbesondere auf die fehlende Integration u nd das laufende IV-Verfahren (Bericht vom 13. August 2018, IV-Dok 43, S. 4) sowie auf sprachliche und kulturelle Barrieren zurückführt (Be- richt vom 22. Februar 2019). Solchen psychosozialen Faktoren und soziokulturellen Umständen kommt im Kontext allenfalls rentenmässig abzugeltender psychischer Leiden kein Krankheitswert zu. Schliesslich können anhaltende somatoforme Schmerzstöru ngen und vergleichbare Leiden nur dann eine Invalidität begründen, sofern auch konkr ete funktionelle Auswirkungen in einem anspruchserheblichen Ausmass ausgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). Im hier vorliegenden Fall geht jedoch der Hausarzt der Versicherten davon aus, dass der Verdacht auf ein depressives Zustandsbild gerade keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nach sich zieht (IV-Dok 23, S. 1). Gegenteilige Anhaltspunkte sind den Akten keine zu entnehmen. Festzustellen ist vielmehr, dass sich die Versicherte bisher nicht in die von ihrem H ausarzt empfohlene psychiatrische Be- handlung begeben hat (IV-Dok 23, a.a.O). Entsprechend e Behandlungen sind in den Akten je- denfalls keine dokumentiert. 4.4 In Anbetracht dieser Aktenlage drängen sich weiter e medizinische Abklärungen, wie sie die Beschwerdeführerin verlangt, nicht auf, und es kann von der von ihr beantragten Anordnung einer bidisziplinären Begutachtung abgesehen werden. Der Anspruch auf rechtliches Gehör um- fasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsm ässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entsc heidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigu ng zur Überzeugung, dass die vorhan- denen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben, und dieser dem- nach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Dies ist dem Gesagten zufolge hier der Fall. Die damit verbundene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). Als weiteres Zwischenergebnis ist demnach festzustellen, da ss die IV-Stelle gestützt auf die zi- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht tierten Unterlagen insbesondere seitens der behandel nden Ärzte zu Recht von einer vollständi- gen Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer leichte n, angepassten Verweistätigkeit ausgehen durfte. 5. Die erwerblichen Auswirkungen der verbleibenden, vol len Restarbeitsfähigkeit sind zwi- schen den Parteien zu Recht unbestritten geblieben. Au szugehen ist sowohl beim Validen- als auch beim Invalideneinkommen von einem zumutbarerweise erzielbaren Salär im Umfang von je Fr. 54‘062.--. Grundlage bildet jeweils die LSE 2014, Tabelle TA1, Totalwert Frauen, Kompetenz- niveau 1 für einfache und repetitive Arbeiten (12 x Fr. 4‘300.-- x 12 / 40 x 41,7 Wochenstunden, zuzüglich Nominallohnentwicklung per 2015 für den Totalw ert im Umfang von ebenfalls 0,5% [Tabelle BFS 1.2.10 Nominallohnindex Frauen 2011-20 15]). Es resultiert somit keine Einkom- menseinbusse und damit ein IV-Grad von 0%. Unbesehen eines allfälligen leidensbedingten Ab- zugs beim Invalideneinkommen selbst im maximal zulässigen Umfang von 25% wird der für einen Rentenanspruch massgebende Schwellenwert von 40% demnach so oder anders nicht erreicht. Der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ist daher zu Recht abgelehnt worden. Dies führt im Ergebnis zur Abweisung der vorliegenden Beschwerde. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihr ist allerdings mit Verfügung vom 14. Februar 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. A us diesem Grund werden die Verfahrens- kosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 6.2 Dem Verfahrensausgang entsprechend wird keine Pa rteientschädigung zugesprochen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. Februar 2019 auch die unentgeltliche Verbei- ständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt worden i st, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarif ordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Honorarnote vom 6. Mai 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeit aufwand von 7 Stunden und 55 Minuten geltend gemacht, der im Umfang der noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung geltend ge- machten Aufwendungen zu kürzen ist, sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen im Übrigen aber als angemessen erweist. Ni cht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen, welche allerdings ebenfalls um die noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung aufgeführten Spesen zu kürzen sind. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘655.05 (7 Stunden und 25 Minuten à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 53.40 zu- züglich 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Die Beschwerdeführerin wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wu rde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, so- bald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar von Fr. 1’655.05 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gericht skasse aus- gerichtet.