<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">36</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>4</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 12 lit. a BGFA</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Unangepasstes, übertrieben aggressives Verhalten kann einen Verstoss</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gegen Berufspflichten darstellen. Die blosse Einleitung einer Betreibung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stellt keinen Verstoss gegen Berufspflichten dar, sofern sie nicht miss-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bräuchlich, zur Verfolgung sachfremder Ziele erfolgt.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid der Anwaltskommission vom 14. August 2012 (AVV.2012.11)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">37</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Hinsichtlich des Verhaltens eines Anwalts im Verkehr mit</span><br/> <span class="ft1">Drittpersonen, Behörden, Kollegen und Klienten sind widerrechtli-</span><br/> <span class="ft1">che Drohungen, Nötigungen oder Erpressungen in jedem Fall unter-</span><br/> <span class="ft1">sagt (Verein Zürcherischer Rechtsanwälte [Hrsg.], Handbuch über</span><br/> <span class="ft1">die Berufspflichten des Rechtsanwaltes im Kanton Zürich, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1988, S. 170 und 173 [zit. H</span><span class="ft4">ANDBUCH ÜBER DIE</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft4">ERUFSPFLICH</span><span class="ft1">-</span><br/> <span class="ft4">TEN</span><span class="ft1">]). Drohungen sind nur zulässig, wenn das angedrohte Mittel und</span><br/> <span class="ft1">das verfolgte Ziel je für sich erlaubt sind und zudem zwischen Mittel</span><br/> <span class="ft1">und Zweck ein sachlicher Zusammenhang besteht (vgl. zum Ganzen:</span><br/> <span class="ft1">H</span><span class="ft4">ANDBUCH</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft4">ERUFSPFLICHTEN</span><span class="ft1">, S. 170; F</span><span class="ft4">ELLMANN</span><span class="ft1">, BGFA-Kom-</span><br/> <span class="ft1">mentar, N 49b zu Art. 12 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann unange-</span><br/> <span class="ft1">passtes, übertrieben aggressives Vorgehen des Rechtsanwaltes einen</span><br/> <span class="ft1">Verstoss gegen dessen Berufspflichten darstellen. Allerdings ist der</span><br/> <span class="ft1">Anwalt aber durch Art. 12 lit. a BGFA nicht dazu verpflichtet, stets</span><br/> <span class="ft1">das mildeste mögliche Vorgehen zu wählen. Die blosse Einleitung</span><br/> <span class="ft1">einer Betreibung - welche von Gesetzes wegen an keinerlei Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzungen gebunden ist und vorgängig weder eine Zahlungsaufforde-</span><br/> <span class="ft1">rung noch eine Androhung der Betreibung verlangt - vermag grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich keine gegen Art. 12 lit. a BGFA verstossende Handlung dar-</span><br/> <span class="ft1">zustellen, auch wenn ein Eintrag im Betreibungsregister für den Be-</span><br/> <span class="ft1">troffenen unangenehm sein mag. Anders verhält es sich nur dann,</span><br/> <span class="ft1">wenn die Betreibung geradezu missbräuchlich ist, was der Fall ist,</span><br/> <span class="ft1">wenn mit ihr sachfremde Ziele verfolgt werden, etwa wenn bloss die</span><br/> <span class="ft1">Kreditwürdigkeit des angeblichen Schuldners geschädigt werden soll</span><br/> <span class="ft1">oder wenn zwecks Schikane ein völlig übersetzter Betrag in Betrei-</span><br/> <span class="ft1">bung gesetzt wird (vgl. BGE 130 II 270, E 3.2.2).</span><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <span class="ft1">2.6.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss den gemachten Ausführungen war das unbestrittener-</span><br/> <span class="ft1">massen am 17. Januar 2012 eingegangene Urteil vom 5. Dezember</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">38</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2011 des Gerichtspräsidiums Brugg, welches nur mit Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">anfechtbar war und dessen Vollstreckbarkeit nicht aufgeschoben war,</span><br/> <span class="ft1">somit vollstreckbar. Dass der beanzeigte Anwalt gleich am Tag nach</span><br/> <span class="ft1">der Urteilseröffnung seinen Parteikostenanteil bis Ende Januar 2012</span><br/> <span class="ft1">einforderte und anschliessend die Betreibung einleitete, kann allen-</span><br/> <span class="ft1">falls als voreilig und forsch betrachtet werden, allerdings ist dieses</span><br/> <span class="ft1">Vorgehen rechtlich nicht zu beanstanden. So vermag gemäss bundes-</span><br/> <span class="ft1">gerichtlicher Rechtsprechung die blosse Einleitung einer Betreibung</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich keine gegen Art. 12 lit. a BGFA verstossende Hand-</span><br/> <span class="ft1">lung darzustellen. Hinweise dafür, dass der beanzeigte Anwalt mit</span><br/> <span class="ft1">seiner Betreibung lediglich die Kreditwürdigkeit des Schuldners</span><br/> <span class="ft1">schädigen wollte, gibt es keine. So hat der beanzeigte Anwalt nicht</span><br/> <span class="ft1">sogleich eine Betreibung eingeleitet, sondern die Anzeigerin zu-</span><br/> <span class="ft1">nächst mit Schreiben vom 18. Januar 2012 aufgefordert, die Partei-</span><br/> <span class="ft1">kosten bis Ende Monat zu überweisen (vgl. Schreiben vom 18. Ja-</span><br/> <span class="ft1">nuar 2012, Beilage zur Anzeige vom 8. Februar 2012). Eine Berufs-</span><br/> <span class="ft1">regelverletzung gemäss Art. 12 lit. a BGFA liegt demnach nicht vor.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>