<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 125 S.517</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">517</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Strafvollzug</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>125 Stationäre suchtspezifische Massnahme gemäss Art. 44 StGB (Behand-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lung von Trunk- und Rauschgiftsüchtigen).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Ziel eines Massnahmenvollzugs im Sinne von Art. 44 StGB ist es,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>mittels Suchttherapie die Rückfallgefahr zu bekämpfen (Erw. 1 c).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Voraussetzungen für eine definitive oder bedingte Entlassung aus der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Massnahme bzw. für eine Einstellung der Massnahme (Erw. 1 b-e).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Eine Krankheit (im konkreten Fall eine HIV-Erkrankung) schliesst</b></span><br/> <span class="ft3"><b>weder den Strafvollzug noch eine stationäre Massnahme von vorn-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>herein aus (Erw. 1 d cc).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Frage der Notwendigkeit einer neuen Begutachtung im Massnah-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>menvollzug (Erw. 1 d dd).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Entscheid des Regierungsrates vom 26. März 2003 in Sachen R.M. gegen</span><br/> <span class="ft6">Departement des Innern.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">1. b) Nach Art. 374 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom</span><br/> <span class="ft8">21. Dezember 1937 (StGB) sind die Kantone zum Vollzug der Straf-</span><br/> <span class="ft8">bzw. Massnahmeurteile verpflichtet. Dabei obliegen dem De-</span><br/> <span class="ft8">partement des Innern gemäss § 18 des kantonalen Gesetzes über die</span><br/> <span class="ft8">Strafrechtspflege vom 11. November 1958 (StPO) in Verbindung mit</span><br/> <span class="ft8">§ 3 des Dekrets über den Vollzug von Strafen und Massnahmen vom</span><br/> <span class="ft8">27. Oktober 1959 (Strafvollzugsdekret) alle Aufgaben und Verfü-</span><br/> <span class="ft8">gungen im Straf- und Massnahmenvollzug, sofern nicht ausdrücklich</span><br/> <span class="ft8">andere Behörden zuständig sind. Es hat dabei insbesondere den Voll-</span><br/> <span class="ft8">zug der Freiheitsstrafen und der freiheitsentziehenden Massnahmen</span><br/> <span class="ft8">anzuordnen, über die bedingte und probeweise Entlassung und deren</span><br/> <span class="ft8">Widerruf zu entscheiden sowie die erforderlichen Verfügungen für</span><br/> <span class="ft8">den Vollzug der Nebenstrafen und andern Massnahmen zu treffen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">518</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Gemäss Art. 44 Ziff. 4 StGB beschliesst die zuständige Behörde</span><br/> <span class="ft8">die Entlassung des Eingewiesenen, wenn sie ihn für geheilt hält. Sie</span><br/> <span class="ft8">kann diesen aber auch für ein bis drei Jahre bedingt entlassen und ihn</span><br/> <span class="ft8">für diese Zeit unter Schutzaufsicht stellen. Diese Behörde hat ihren</span><br/> <span class="ft8">Beschluss vor der Entlassung dem Richter mitzuteilen. Eine Einstel-</span><br/> <span class="ft8">lung der stationären Massnahme drängt sich dann auf, wenn sich zei-</span><br/> <span class="ft8">gen sollte, dass der Eingewiesene nicht geheilt werden kann oder die</span><br/> <span class="ft8">Voraussetzungen für eine bedingte Entlassung nach zwei Jahren Auf-</span><br/> <span class="ft8">enthalt in der Anstalt noch nicht eingetreten sind (Art. 44 Ziff. 3</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 StGB).</span><br/> <span class="ft8">c) Ziel eines Massnahmenvollzugs im Sinne von Art. 44 StGB</span><br/> <span class="ft8">ist es, mittels Suchttherapie die Rückfallgefahr zu bekämpfen. Je</span><br/> <span class="ft8">nach Dauer, Intensität und Struktur des Suchtproblems und in Wür-</span><br/> <span class="ft8">digung der spezifischen Persönlichkeit sowie der jeweiligen Lebens-</span><br/> <span class="ft8">umstände der einzelnen Straftäter bzw. Straftäterinnen ordnet das</span><br/> <span class="ft8">Gericht eine stationäre Behandlung in einer Trinkerheilanstalt oder</span><br/> <span class="ft8">einer anders gearteten Heilanstalt an, oder es sieht eine ambulante</span><br/> <span class="ft8">Behandlung vor, die in der Regel als Psychotherapie bei einer ent-</span><br/> <span class="ft8">sprechenden Institution oder anerkannten Fachperson durchzuführen</span><br/> <span class="ft8">ist. Um die Rückfallgefahr wirkungsvoll bannen zu können, ist es</span><br/> <span class="ft8">auch im Falle einer trinkerspezifischen Massnahme stets angezeigt,</span><br/> <span class="ft8">die ursächlich hinter dem Symptom des Alkoholismus stehende Le-</span><br/> <span class="ft8">bensproblematik zu behandeln und zu verbessern und damit Voraus-</span><br/> <span class="ft8">setzungen zu schaffen, die es der behandelten Person ermöglichen,</span><br/> <span class="ft8">ihr Suchtverhalten dauerhaft aufgeben zu können. Ist die Heilung ei-</span><br/> <span class="ft8">ner Krankheit erfolgt bzw. haben sich die Lebensumstände stabili-</span><br/> <span class="ft8">siert und indikationsgemäss verändert, wird die Weiterführung einer</span><br/> <span class="ft8">Behandlung obsolet. Es gehört deshalb zu den Aufgaben der Voll-</span><br/> <span class="ft8">zugsbehörde, den Vollzug der Massnahme durch das Einverlangen</span><br/> <span class="ft8">von entsprechenden Berichten der Anstaltsleitung zu beaufsichtigen</span><br/> <span class="ft8">(§ 10 Verordnung über den Vollzug von Strafen und Massnahmen</span><br/> <span class="ft8">[Strafvollzugsordnung] vom 23. Januar 1964). Ist der Grund der an-</span><br/> <span class="ft8">geordneten Massnahme weggefallen, so hat die zuständige Behörde</span><br/> <span class="ft8">von Amtes wegen laut Art. 44 Ziff. 4 StGB die definitive oder be-</span><br/> <span class="ft8">dingte Entlassung aus der Massnahme zu beschliessen (Stefan</span><br/> <span class="ft8">Trechsel, Kurzkommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">519</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Zürich 1989, N 23 zu Art. 43;</span> <span class="ft8">Jörg Rehberg, Grundriss Strafrecht II,</span><br/> <span class="ft8">6. Auflage, Zürich 1994, S. 161/169). Mit Blick auf Sinn, Zweck und</span><br/> <span class="ft8">Inhalt einer gerichtlich angeordneten Massnahme ist dabei einzig</span><br/> <span class="ft8">relevant, ob das Massnahmenziel erreicht worden ist.</span><br/> <span class="ft8">d) aa) (...)</span><br/> <span class="ft8">bb) (...)</span><br/> <span class="ft8">Für den Regierungsrat ist aufgrund der Ausführungen des Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführers und der Stellungnahmen der Fachpersonen erstellt,</span><br/> <span class="ft8">dass eine Massnahmenbedürftigkeit nach wie vor besteht. Daran än-</span><br/> <span class="ft8">dert auch die vom Beschwerdeführer angeführte Tatsache nichts,</span><br/> <span class="ft8">dass die Dauer der stationären Massnahme in Kürze der Gesamt-</span><br/> <span class="ft8">dauer der Freiheitsstrafen gleichkommt.</span><br/> <span class="ft8">Der Auffassung des Beschwerdeführers, wonach die stationäre</span><br/> <span class="ft8">Massnahme nicht erfolgversprechend sei, kann nicht gefolgt werden</span><br/> <span class="ft8">und widerspricht auch den Feststellungen des Gutachters Dr. med.</span><br/> <span class="ft8">(...). Die stationäre Massnahme soll die Rückfallgefahr vermindern,</span><br/> <span class="ft8">wobei schon geringe Erfolgsaussichten genügen (BGE 105 IV 90).</span><br/> <span class="ft8">Auch bei strafrechtlich angeordneten Massnahmen ist der Grundsatz</span><br/> <span class="ft8">der Verhältnismässigkeit zu beachten (Art. 5 Abs. 2 der Bundesver-</span><br/> <span class="ft8">fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999</span><br/> <span class="ft8">[BV]; § 2 der Verfassung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980).</span><br/> <span class="ft8">Dabei geht es auch um die Frage, ob überhaupt erwartet werden</span><br/> <span class="ft8">kann, dass sich die Trunk- bzw. Rauschgiftsucht des Betroffenen tat-</span><br/> <span class="ft8">sächlich heilen lässt. Dafür müsste beim Betroffenen ein Mindest-</span><br/> <span class="ft8">mass an Kooperationsbereitschaft gegeben sein (BGE 128 IV 241,</span><br/> <span class="ft8">249). Der Beschwerdeführer macht denn auch geltend, dass er sich</span><br/> <span class="ft8">bemüht habe, sich im Rahmen der Therapie im Effingerhort, Reha-</span><br/> <span class="ft8">Haus für Alkoholabhängige, in die Hausgemeinschaft einzufügen</span><br/> <span class="ft8">und sich mit seiner Suchtproblematik auseinanderzusetzen. Diese</span><br/> <span class="ft8">Auffassung wird von den Fachstellen geteilt. Der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft8">legt zwar eine gewisse passive Verweigerungshaltung an den Tag; er</span><br/> <span class="ft8">geht aber täglich zur Arbeit, erfüllt die ihm übertragenen Aufgaben</span><br/> <span class="ft8">und engagiert sich auch in weiteren Bereichen wie Sport und Grup-</span><br/> <span class="ft8">pengesprächen. Hinzu kommt, dass erfahrungsgemäss von Seiten der</span><br/> <span class="ft8">Betroffenen regelmässig mit einem gewissen Widerstand gegen die</span><br/> <span class="ft8">durchzuführenden Therapien zu rechnen ist. Daher dürfen an die Ko-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">520</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">operationsbereitschaft auch keine übertriebenen Anforderungen ge-</span><br/> <span class="ft8">stellt werden. Die vorhandene Kooperationsbereitschaft des Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführers deutet jedoch darauf hin, dass er an einer Behand-</span><br/> <span class="ft8">lung seiner Probleme interessiert ist und die angeordnete Einweisung</span><br/> <span class="ft8">in das Therapiezentrum ,,im Schache" durchaus erfolgsversprechend</span><br/> <span class="ft8">erscheint. Zudem ist zu erwarten, dass der Beschwerdeführer auf-</span><br/> <span class="ft8">grund der von der Sektion Straf- und Massnahmenvollzug unabhän-</span><br/> <span class="ft8">gigen Beurteilung seiner Situation durch den Regierungsrat einen</span><br/> <span class="ft8">gewissen Motivationsschub erhält, der eine positive Wirkung auf</span><br/> <span class="ft8">seinen Therapiewillen ausübt.</span><br/> <span class="ft8">Der vom Beschwerdeführer vorgebrachte Entzug des Führer-</span><br/> <span class="ft8">ausweises verfolgt nicht das gleiche Ziel wie eine stationäre Be-</span><br/> <span class="ft8">handlung. Daher hat die eine Massnahme keinen Einfluss auf die</span><br/> <span class="ft8">Aufrechterhaltung oder Aufhebung der anderen.</span><br/> <span class="ft8">d) cc) Nach der Praxis des Regierungsrates und des Verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsgerichts schliesst eine Krankheit den Strafvollzug nicht von</span><br/> <span class="ft8">vornherein aus (RRB Nr. ...; AGVE 1981, S. 4). Dieser Grundsatz</span><br/> <span class="ft8">gilt auch für den Vollzug einer stationären Massnahme. Von diesem</span><br/> <span class="ft8">Grundsatz kann insbesondere dann abgewichen werden, wenn dem</span><br/> <span class="ft8">Betroffenen gesundheitliche Nachteile von einer gewissen Schwere</span><br/> <span class="ft8">drohen, die ihm im Hinblick auf das Grundrecht der persönlichen</span><br/> <span class="ft8">Freiheit und den darin enthaltenen Anspruch auf Wahrung der kör-</span><br/> <span class="ft8">perlichen und geistigen Unversehrtheit nicht zugemutet werden kön-</span><br/> <span class="ft8">nen; insbesondere ist die Menschenwürde zu wahren. Das Therapie-</span><br/> <span class="ft8">zentrum ,,im Schache" ist in der Lage, die medizinische und psy-</span><br/> <span class="ft8">chologische Betreuung des Beschwerdeführers im Hinblick auf seine</span><br/> <span class="ft8">HIV-Erkrankung zu gewährleisten. Neben der vorhandenen Infra-</span><br/> <span class="ft8">struktur des Gesundheitsdienstes steht dem Beschwerdeführer in Ab-</span><br/> <span class="ft8">sprache mit dem intern zuständigen Arzt auch eine externe medizini-</span><br/> <span class="ft8">sche Betreuung offen. Der Beschwerdeführer hat aber bisher von</span><br/> <span class="ft8">dem ihm zur Verfügung stehenden medizinischen Angebot nur einen</span><br/> <span class="ft8">ungenügenden Gebrauch gemacht. Gerade die Inanspruchnahme der</span><br/> <span class="ft8">ihm zur Beratung zur Seite stehenden medizinischen und psychologi-</span><br/> <span class="ft8">schen Ansprechpartner ist indessen notwendig, um die Sucht-</span><br/> <span class="ft8">probleme erfolgreich bewältigen zu können. Dafür bedarf es aber ei-</span><br/> <span class="ft8">ner geschützten Umgebung, die ihm das Therapiezentrum ,,im Scha-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">521</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">che" bieten kann. Aus medizinischer und psychologischer Sicht kann</span><br/> <span class="ft8">somit nicht gesagt werden, dass die Therapie inadäquat oder unver-</span><br/> <span class="ft8">hältnismässig sei.</span><br/> <span class="ft8">Neben der medizinischen Behandlung der HIV-Erkrankung ist</span><br/> <span class="ft8">das soziale Umfeld ebenfalls von zentraler Bedeutung. Dem Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdeführer ist es denn auch nicht verwehrt, Ausgang und Ur-</span><br/> <span class="ft8">laube zu beziehen und dadurch seine soziale Integration ausserhalb</span><br/> <span class="ft8">des Therapiezentrums zu erhalten. Diese Möglichkeiten scheint er</span><br/> <span class="ft8">indessen nicht nutzen zu wollen. Aufgrund der noch bestehenden</span><br/> <span class="ft8">Therapiebedürftigkeit kann dem Beschwerdeführer nicht ein unein-</span><br/> <span class="ft8">geschränkt grosser Freiraum zugestanden werden. Er bedarf noch ei-</span><br/> <span class="ft8">ner gewissen Betreuung, die ihm im besagten Therapiezentrum in</span><br/> <span class="ft8">geeigneter Weise zuteil werden kann. Zur Durchführung der erfor-</span><br/> <span class="ft8">derlichen Massnahmen muss eine bestimmte Ordnung aufrechter-</span><br/> <span class="ft8">halten bleiben, die in einem gewissen Widerspruch zu einem unein-</span><br/> <span class="ft8">geschränkten Besuchs- und Urlaubsrecht steht. In Abwägung der be-</span><br/> <span class="ft8">troffenen Interessen sieht der Regierungsrat denn keine Veranlas-</span><br/> <span class="ft8">sung, von der gegenwärtig praktizierten Regelung abzuweichen.</span><br/> <span class="ft8">Nach dem Gesagten besteht aus medizinischen oder psychologischen</span><br/> <span class="ft8">Gründen kein Anlass, den stationären Massnahmenvollzug einzu-</span><br/> <span class="ft8">stellen oder aufzuheben.</span><br/> <span class="ft8">d) dd) Das Gesetz selbst legt in Art. 44 Ziff. 3 bzw. 4 StGB</span><br/> <span class="ft8">nicht fest, aufgrund welcher Entscheidungsgrundlagen eine erneute</span><br/> <span class="ft8">Beurteilung des Betroffenen vorzunehmen ist. Im Rahmen des vor-</span><br/> <span class="ft8">liegenden Verfahrens ist insbesondere zu prüfen, ob noch auf die</span><br/> <span class="ft8">Gutachten vom 11. Januar 1999 bzw. 23. Juli 2001 abgestellt werden</span><br/> <span class="ft8">darf oder ob eine neue Begutachtung zu erfolgen hat. Gemäss</span><br/> <span class="ft8">höchstrichterlicher Rechtsprechung ist dabei nicht an das formale</span><br/> <span class="ft8">Kriterium des Alters des Gutachtens anzuknüpfen. Es kann auf ein</span><br/> <span class="ft8">älteres Gutachten abgestellt werden, wenn sich die Verhältnisse seit</span><br/> <span class="ft8">dessen Erstellung nicht verändert haben. So ist es durchaus möglich,</span><br/> <span class="ft8">dass ein Sachverständiger bereits im Hauptverfahren oder später im</span><br/> <span class="ft8">Verlaufe des Vollzugs sich so umfassend zu Fragen der Behandelbar-</span><br/> <span class="ft8">keit des Exploranden oder zu einer Behandlung geäussert hat, dass</span><br/> <span class="ft8">sich darauf die Antworten auf Fragen ableiten lassen, die sich stellen,</span><br/> <span class="ft8">wenn eine Massnahme später scheitert. Überdies dürfte in vielen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">522</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Fällen das Spektrum von möglichen Massnahmen im Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft8">Entscheidfällung nicht sehr gross sein. Entsprechend sind in einem</span><br/> <span class="ft8">späteren Verfahrensstadium auch keine zusätzlichen Abklärungen er-</span><br/> <span class="ft8">forderlich, um Alternativen beurteilen zu können (BGE 128 IV 241,</span><br/> <span class="ft8">247).</span><br/> <span class="ft8">Die mit Gutachten vom 11. Januar 1999 bzw. 23. Juli 2001 vor-</span><br/> <span class="ft8">genommenen und voneinander unabhängigen Beurteilungen der Si-</span><br/> <span class="ft8">tuation des Beschwerdeführers erscheinen auch zum heutigen Zeit-</span><br/> <span class="ft8">punkt noch zutreffend. Zumindest ist für den Regierungsrat seit der</span><br/> <span class="ft8">letzten Begutachtung keine Veränderung der persönlichen Situation</span><br/> <span class="ft8">oder des sachlichen Umfelds des Beschwerdeführers feststellbar.</span><br/> <span class="ft8">Diese Auffassung bestätigen denn auch bereits die in den Akten ent-</span><br/> <span class="ft8">haltenen Berichte der Anstaltsleitungen des Effingerhortes und des</span><br/> <span class="ft8">Therapieheims ,,im Schachen". Es ist somit von einer erneuten psy-</span><br/> <span class="ft8">chiatrischen Begutachtung abzusehen, da diese keine neuen An-</span><br/> <span class="ft8">haltspunkte zu liefern vermag, die dem Regierungsrat nicht bereits</span><br/> <span class="ft8">aufgrund der Akten und den Äusserungen des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft8">bekannt sind. In Übereinstimmung mit der Auffassung der Sektion</span><br/> <span class="ft8">Straf- und Massnahmenvollzug drängt sich eine nochmalige Begut-</span><br/> <span class="ft8">achtung nicht auf.</span><br/> <span class="ft8">e) Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass zum jetzigen</span><br/> <span class="ft8">Zeitpunkt weder eine Einstellung der Massnahme noch eine bedingte</span><br/> <span class="ft8">Entlassung des Beschwerdeführers das geeignete Mittel darstellt, um</span><br/> <span class="ft8">die noch vorhandene Suchtproblematik unter Kontrolle zu bringen.</span><br/> <span class="ft8">Vielmehr ist die stationäre Behandlung im Therapiezentrum ,,im</span><br/> <span class="ft8">Schache" weiterzuführen, da doch eine gewisse Aussicht auf eine</span><br/> <span class="ft8">Verminderung der Rückfallgefahr besteht.</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>