B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-3197/2025 U r t e i l v o m 16 . M a i 2 0 2 5 Besetzung Richter Basil Cupa (Vorsitz), Richterin Christa Preisig, Richterin Aileen Truttmann, Gerichtsschreiber Lukas Schmid. Parteien A._______, geb. (...), Afghanistan vertreten durch MLaw Mara Schneider, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des SEM vom 28. April 2025 / N (...). F-3197/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 7. Januar 2025 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro- dac) ergab, dass er bereits am 11. Oktober 2024 in Frankreich um Asyl ersucht hatte. B. Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 17. Januar 2025 im Rahmen der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) das rechtliche Gehör zu eine m allfälligen Nichteintretensent- scheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Frankreich, dessen Zu- ständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Anlässlich der EB UMA gab der Beschwerdeführer an, am (…) 2008 geboren zu sein. C. Aufgrund von Zweifeln an der angegebenen Minderjährigkeit gab die Vor- instanz eine forensische Altersdiagnostik in Auftrag, welche das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern am 29. Januar 2025 erstattete. D. Am 19. Februar 2025 antworteten die französischen Behörden auf das In- formationsersuchen des SEM vom 13. Januar 2025 und teilten mit, dass der Beschwerdeführer in Frankreich mi t dem Geburtsdatum (…) 2001 re- gistriert sei. E. Mit Schreiben vom 19. Februar 2025 gewährte die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer das rechtliche Gehör zum Altersgutachten sowie zur beab- sichtigten Änderung ihres Geburtsdatums im Zentralen Migrationsinforma- tionssystem (ZEMIS) auf den (…) 2007 (anstelle des bisherigen […] 2008). Dieser nahm mit Schreiben vom 24. Februar 2025 dazu Stellung und hielt an seinen Anträgen fest, namentlich der Belassung des Geburtsdatums im ZEMIS auf den (…) 2008. F. Am 28. Februar 2025 passte das SEM das Geburtsdatum des Beschwer- deführers im ZEMIS auf den (…) 2007 an und versah es mit einem Bestrei- tungsvermerk. F-3197/2025 Seite 3 G. Am 17. März 2025 hiessen die französischen Behörden das Gesuch des SEM vom 3. März 2025 um Übernahme de s Beschwerdeführers gut ge- stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Eu- ropäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei- nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). H. Mit Verfügung vom 19. März 2025 trat die Vorinstanz auf das Asylge such des Beschwerdeführers nicht ein. Dagegen gelangte der Beschwerdefüh- rer mit Beschwerde vom 28. März 2025 an das Bundesverwaltungsgericht, woraufhin die Vorinstanz im Rahmen des Schriftenwechsels die Verfügung vom 19. März 2025 aufhob und das Verfahren wiederaufnahm. I. Mit Verfügung vom 28. April 2025 (eröffnet am 29. April 2025) trat die Vor- instanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut nicht ein, ord- nete seine Überstellung nach Frankreich an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen (Dispositiv- ziffern 1 bis 3). Gleichzeitig stellte sie fest, das Geburtsdatum des Be- schwerdeführers im ZEMIS laute auf den (…) 2007 mit Bestreitungsver- merk (Dispositivziffer 6). Darüber hinaus beauftragte sie den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung und hielt fest, einer allfälligen Be- schwerde gegen die vorliegende Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu. J. Mit Beschwerde vom 2. Mai 2025 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzu- treten. Die Vorinstanz sei ferner anzuweisen, das Geburtsdatum des Be- schwerdeführers im ZEMIS auf den (…) 2008 festzusetzen. Im Sinne von superprovisorischen Massnahmen sei von einer Überstellung des Be- schwerdeführers nach Frankreich abzusehen. Der Beschwerde sei die auf- schiebende Wirkung zuzuerkennen, die unentgeltliche Prozessführung sei zu bewilligen und von der Erhebung eines Kostenvorschusses sei abzuse- hen. F-3197/2025 Seite 4 K. Am 5. Mai 2025 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowoh l gegen den Nichtein- tretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) betref- fend das Asylgesuch des Beschwerdeführers und dessen Wegweisung als auch gegen den ZEMIS-Eintrag betreffend dessen Geburtsdatum. 1.2 Zwar wird das Beschwerdeverfahren betreffend ZEMIS -Datenbereini- gung praxisgemäss separat neben dem Dublin-Beschwerdeverfahren ge- führt (vgl. BVGE 2018 VI/3), jedoch kann vorliegend aufgrund der Verfah- renskonstellation und des Prozessausgangs in einem Urteil über die strei- tigen Rechtsverhältnisse befunden werden. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG (Art. 37 VGG). In Bezug auf den Nichteintretens - und Wegweisungsentscheid ist ferner Art. 6 AsylG anwendbar. 1.4 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri- gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG bzw. Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit asylrechtlicher Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (ein- schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un- richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich der ZEM IS-Be- richtigung entscheidet das Bundesverwaltungsgericht mit uneingeschränk- ter Kognition (Art. 49 VwVG). 3. 3.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG wird in der Regel auf Asylgesuche nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kön- nen, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich F-3197/2025 Seite 5 zuständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ei n anderer Mit- gliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküber- stellung zugestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung – auf das Asyl- gesuch grundsätzlich nicht ein. 3.2 Im Falle einer minderjährigen Person ohne familiäre Anknüpfungs- punkte zu einem anderen Mitgliedstaat ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III- VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient. Der Ge- richtshof der Europäischen Union (EuGH) hat die Vorgängerbestimmung (Art. 6 Abs. 2 der Verordnung EG Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit- gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrages zuständig ist [Dublin-II-VO]) dahingehend ausgelegt, dass bei unbegleiteten Minderjährigen ohne fami- liäre Anknüpfungspunkte, die in mehr als einem Mitglie dstaat einen Asyl- antrag gestellt haben, derjenige Mitgliedstaat zuständig ist, in dem sich der Minderjährige aufhält, nachdem er dort einen Asylantrag gestellt hat (Urteil des EuGH vom 6. Juni 2013 in der Rechtssache C-648/11, M.A., B.T. und D.A. vs. Verei nigtes Königreich, Rn. 66). Vorliegend besteht deshalb bei gegebener Minderjährigkeit des Beschwerdeführers eine der grundsätzli- chen Zuständigkeit Frankreichs vorrangige Zuständigkeit der Schweiz. 4. Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer minderjährig und mit- hin die Schweiz für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfah- rens zuständig ist. 4.1 Die Vorinstanz geht von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers aus und begründet das zusammenfassend damit, dass er in Frankreich mit ei- nem fast sieben Jahre älteren Geburtsdatum registriert wurde. Sodann habe er im bisherigen Verfahren keine rechtsgenüglichen Identitä tsdoku- mente eingereicht, um seine Minderjährigkeit nachzuweisen. Seine Anga- ben im Rahmen der Erstbefragung in Bezug auf das genaue Geburtsdatum seien sehr vage und wenig überzeugend ausgefallen. So habe er beispiels- weise nicht sagen können, in welchem Alter er eingeschult wurde oder wie alt er war, als er die Schule verlassen hat. Zudem untermauere das Alters- gutachten, auch wenn es eine Minderjährigkeit nicht mit an Sicherheit gren- zende Wahrscheinlichkeit ausschliesse, aufgrund des Stadiums, in dem F-3197/2025 Seite 6 sich die Weisheitszähne des Beschwerdeführers befinden, die Zweifel an der geltend gemachten Minderjährigkeit. 4.2 Der Beschwerdeführer macht dagegen geltend, sein Geburtsdatum sei der (…) 2008, womit er minderjährig sei. Er habe sein Geburtsdatum von seiner Mutter erfahren und dieses Datum, dessen Richtigkeit auch von sei- ner Tazkera untermauert werde, bei der Einreichung seines Asylgesuchs in der Schweiz im Personalienblatt angegeben. Auch sonst sei er bei sei- nen Aussagen nie von diesem Datum abge wichen. Das in Frankreich re- gistrierte Geburtsdatum, der (…) 2001, sei falsch und ohne sein Wissen erfasst worden. Die Ausführungen der Vorinstanz zur angeblichen Un- glaubwürdigkeit seiner Aussagen seien unzutreffend und die Neuinterpre- tation der Schlussfol gerung des Altersgutachtens durch die Vorinstanz stelle ihrerseits eine Kompetenzüberschreitung dar. 4.3 Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt – der allgemei- nen asylrechtlichen Beweisregel folgend – grundsätzlich die asylsuchende Person (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und E. 4.2.3). Im Rahmen einer Gesamt- würdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei für echt befundene Identitätspa piere oder eigene Angaben der betroffenen Person. Bei Fehlen rechtsgenüglicher Identitäts- ausweise kann im Rahmen der Feststellung des Sachverhalts mit Unter- stützung wissenschaftlicher Methoden – beispielsweise Knochenalters- analysen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG) – abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person dem tatsächlichen Alter entspricht (Art. 7 Abs. 1 AsylV 1). Das Resultat des Altersgutachtens stellt nur ein Element bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachte n Min- derjährigkeit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.). 4.4 Die Vorinstanz hat ein Altersgutachten in Auftrag gegeben, welches vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern am 29. Januar 2025 erstellt wurde. Gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 ff.) sind von den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- respektive Ske- lettaltersanalyse und die zahnärztliche Un tersuchung (nicht jedoch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person ge- eignet. Gemäss dem Gutachten ergab die Handknochenanalyse ein Min- destalter von 16.1 Jahre n. Anhand der zahnärztlichen Untersuchung konnte kein Mindestalter angegeben werden , das Durchschnittsalter F-3197/2025 Seite 7 dagegen betrage jedoch 20.5 Jahre. Eine Schlüsselbeinanalyse war auf- grund anatomischer Gegebenheiten nicht durchführbar. Folglich kommen die Gutachter zum Schluss, es sei sowohl das vom Beschwerdeführer gel- tend gemachte Geburtsdatum wie auch seine Volljährigkeit möglich. Vor diesem Hintergrund lässt sich anhand der medizinischen Altersabklärung keine definitive Aussage zur Minder - beziehungsweise Volljährigkeit des Beschwerdeführers treffen, da die Handknochenaltersanalyse für sich al- leine zum Beweis der Minder - beziehungsweise Volljährigkeit ungeeignet ist. Der Wertung der Vorinstanz, wonach das Ergebnis des Altersgutach- tens die Zweifel an der geltend gemachten Minderjährigkeit untermauern, kann somit nicht gefolgt werden. Das Altersgutachten ist im vorliegenden Fall weder als Indiz für die Minderjährigkeit noch für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers zu werten (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.3 f.). 4.5 Der Beschwerdeführer gab bereits auf dem Personalienblatt an, sein Geburtsdatum sei der (…) 2008. Er habe in Afghanistan während drei Jah- ren die Schule besucht und diese dann im Sommer 2021 verlassen. Auf- grund der kurzen Schulzeit könne er nur wenig lesen un d schreiben. Ent- gegen der Ansicht der Vorinstanz kann die um wenige Tage falsche Um- rechnung des Geburtsdatums vom afghanischen in den gregorianischen Kalender (als Geburtsdatum im afghanischen Kalender gab der Beschwer- deführer den (…) an, was im gregorianischen Kalender dem (…) und nicht dem (…) 2008 entsprechen würde) vor dem Hintergrund der geringen Schulbildung des Beschwerdeführers nicht als Indiz gegen die Glaubwür- digkeit der Aussagen des Beschwerdeführers gewertet werden. Der in Ko- pie eingereichten, am 6. März 2020 ausgestellten Tazkera des Beschwer- deführers zufolge war er bei der Ausstellung der Tazkera 12 Jahre alt. Un- ter Berücksichtigung der geringen Schulbildung des Beschwerdeführers ist auch dieses Datum mit den Aussagen des Beschwerdeführers vereinbar. Ansonsten nennt der Beschwerdeführer keine abweichenden Geburtsda- ten. Auch die Aussagen zu seinem Reiseweg, seiner Biografie und zu sei- ner Familie sind schlüssig und weisen keine Widersprüche auf. Dies hielt die Vorinstanz im Übrigen selbst nach der EB UMA fest (vgl. act. 1387594- 17/1). Aus welchen Gründen die Vorinstanz ihre diesbezügliche Beurtei- lung im angefochtenen Entscheid komplett geändert hat, ist objektiv nicht nachvollziehbar. Schliesslich vermag a uch das in Frankreich registrierte Geburtsdatum ( […] 2001) nichts an der Glaubwürdigkeit der ansonsten konsistenten Aussagen des Beschwerdeführers zu ändern. Aus dem zwei- ten Informationsschreiben der französischen Behörden vom 6. März 2025 geht lediglich aus einem Satz hervor, dass der Bes chwerdeführer F-3197/2025 Seite 8 angegeben habe, er sei am (…) 2001 geboren worden. Die Umstände, wie es zu dieser Registrierung kam, bleiben völlig unbekannt. 4.6 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die von der Vorinstanz angeführten Indizien für die Volljährigkeit des Beschwerdefüh- rers nicht zu überzeugen vermögen, die von letzterem geltend gemachte Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung (7. Januar 2025) da- gegen als glaubhaft zu erachten ist. Die Vorinstanz ist zu Unrecht von des- sen Volljährigkeit im betreffenden Zeitpunkt ausgegangen (vgl. auch Urteile des BVGer F -2521/2025 vom 17. April 2025 E. 5.8; F -2948/2024 vom 3. Dezember 2024 E. 5.6.). 4.7 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Schweiz aufgrund der Minderjährigkeit des Beschwerdefü hrers zur Durchführung eines nationalen Asylverfahrens zuständig ist (siehe E. 3.2 hiervor) . Der Nichteintretens- und Wegweisungs entscheid vom 2 8. April 202 5 ist angesichts dessen aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers einzutreten. 5. Sodann ist über das gemäss Dispositivziffer 6 der angefochtenen Verfü- gung im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum ([…] 2007) zu befinden. 5.1 Am 1. September 2023 ist eine Totalrevision des Bundesgesetzes über den Datenschutz (DSG, SR 235.1) in Kraft getreten. Da die für Beschwer- deverfahren betreffend Datenänderung im ZEMIS wesentlichen Bestim- mungen inhaltlich nicht geändert wurden, kann auch unter der Geltung des revidierten DSG auf die bisherige Rechtsprechung verwiesen werden. 5.2 Das SEM führt zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben das ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- und dem Asylbereich dient (Art. 2 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom 20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zentrale Mig- rationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513; ZEMIS -Ver- ordnung) geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verordnung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbes ondere deren Auskunfts -, Berichti- gungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informationen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten, nach dem DSG und dem VwVG. F-3197/2025 Seite 9 5.3 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver- gewissern (Art. 6 Abs. 5 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga- nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 32 Abs. 1 i.V.m. Art. 41 Abs. 2 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3.2). Die ZEMIS -Verordnung sieht zudem in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind. Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung zu beweisen, die Bundesbehörde im Bestreitungs- fall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personendaten. Nach den massgeblichen Beweisregeln des VwVG gilt eine Tatsache als bewie- sen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist da- gegen nicht erforderlich. Die mit dem Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersuchungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzuklären (Art. 12 VwVG); die gesuch- stellende Person ist jedoch gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwirken (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3.3). 5.4 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab- sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 6 und Art. 41 Abs. 3 DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Personendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger- weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS er- fassten Namen und Geburtsdaten. In solchen Fällen überwiegt das öffent- liche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzutreffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Gemäss Art. 32 Abs. 3 DSG ist deshalb die Anbringung eines Bestreitungsvermerks vorgesehe n, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten be- stritten ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten an- schliessend mit einem derartigen Vermerk zu versehen (vgl. Art. 41 Abs. 4 DSG; vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3). 5.5 Dem Beschwerdeführer ist es gelungen, im Rahmen der Beschwerde gegen den asylrechtlichen Nichteintretensentscheid seine Minderjährigkeit glaubhaft zu machen. Gleichwohl gibt es vorliegend keinen sicheren F-3197/2025 Seite 10 Nachweis für das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsdatum, so dass dieses im Rahmen der Beschwerde gegen den ZEMIS -Eintrag nicht als bewiesen betrachtet werden kann. Damit ist dasjenige Datum im ZEMIS zu belassen oder einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist. Vor- liegend ist in der Gesamtschau das vom Beschwerdeführer geltend ge- machte Geburtsdatum als wahrscheinlicher zu betrachten als die mit Be- streitungsvermerk erfasste Angabe im ZEMIS. Somit ist ersteres im ZEMIS einzutragen, wobei wiederum ein Bestreitungsvermerk anzubringen ist. 5.6 Zusammenfassend ist die Beschwerde gegen Dispositivziffer 6 der an- gefochtenen Verfügung gutzuheissen und die Vorinstanz anzuweisen, im ZEMIS als Geburtsdatum den (…) 2008 mit Bestreitungsvermerk einzutra- gen. 6. Nach dem Gesagten kann offenbleiben, ob die Vorinstanz bei der Stellung des Übernahmeersuchens Art. 23 Abs. 4 Dublin-III-VO verletzt hat, indem sie die französischen Behörden nicht über das durchgeführte Altersgutach- ten und die vom Beschwerdeführer eingereichte Kopie seiner Tazk era in- formiert hat. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten auf- zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist damit gegenstandslos geworden. 7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus- zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG). 8. Dieses Urteil ist betreffend den Nichteintretens - und Wegweisungsent- scheid endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG) (Dispositiv nächste Seite) F-3197/2025 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde gegen den Nichteintretens- und Wegweisungsentscheid wird gutgeheissen. Die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfü- gung werden aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zur Durchfüh- rung eines Asylverfahrens in der Schweiz zurückgewiesen. 2. Die Beschwerde hinsichtlich der Datenänderung im Zentralen Migrationsin- formationssystem wird gutgeheissen. Die Dispositivziffer 6 der angefoch- tenen Verfügung wird aufgehoben und die Vorinstanz wird angewiesen, im ZEMIS als Geburtsdatum den (…) 2008 mit Bestreitungsvermerk einzutra- gen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz, das General- sekretariat des Eidgenössischen Justiz - und Polizeidepartements (EJPD) und die kantonale Migrationsbehörde. Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Basil Cupa Lukas Schmid F-3197/2025 Seite 12 Rechtsmittelbelehrung: Gegen Ziffer 2 des Dispositivs kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich -rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver- tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange- fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde- führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: