Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Januar 2017 (715 16 278 / 28) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Beitragszeit; kein genügender Nachweis der Barlohnauszahlung an die im Betrieb mitar- beitende Ehefrau Besetzung Vorsitzende Kantonsrichterin Elisabeth Be rger Götz, Kantonsrichter Christof Enderle, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschrei- berin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Die 1982 geborene A.____ war vom 1. August 2013 bis 31. Juli 2015 bei der B.____-Bar in C.____ und vom 1. August 2015 bis 31. März 2016 beim Buffet D.____ in E.____ im Service tätig. Inhaber der Betriebe und Arbeitgeber war jeweils ihr Ehemann. Am 11. März 2016 melde- te sich A.____ in ihrer Wohngemeinde zur Arbeitsvermittlung an und stellte gleichentags Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. April 2016 (spä ter korrigiert auf 20. April 2016). Mit Verfü- gung Nr. 1140/2016 vom 23. Juni lehnte die Öffentli che Arbeitslosenkasse Baselland (Arbeits- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht losenkasse) die Anspruchsberechtigung der Versicherten unt er Hinweis auf die nicht erreichte Mindestgrenze des versicherten Verdienstes bzw. den nicht nachgewiesenen Lohnfluss ab. Die von der Versicherten dagegen erhobene Einsprache wies d ie Einspracheinstanz des KIGA Ba- selland, Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit En tscheid vom 15. August 2016 ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass der geltende gemach te Lohnfluss nicht genügend belegt sei und weder die eingereichten Lohnabrechnungen (sowei t vorhanden) noch der Individuelle Kontoauszug der Ausgleichskasse (IK-Auszug) mit den ausgest ellten Lohnquittungen überein- stimmten. Die Versicherte habe keine Bank- oder Postkonto auszüge beibringen können, wo- raus sich ein effektiver Lohnbezug ergeben könnte. Auch habe sie gegenüber der Steuerbehör- de im Jahr 2015 kein Einkommen deklariert. Die Minde stgrenze des versicherten Verdienstes sei somit nicht erreicht. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit Eingaben vom 3. September 2016 und 7. September 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie sinngemäss, dass de r angefochtene Einspracheent- scheid aufzuheben und ihr Anspruch auf Arbeitslosenentsc hädigung festzustellen sei. Zur Be- gründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sie von ihre m Ehemann einen Arbeitsvertrag erhalten und bei der beruflichen Vorsorge angemeldet worden sei. Er habe auch die sozialver- sicherungsrechtlichen Beiträge bezahlt. Selbstverständlich habe er ihr auch einen Lohn ausbe- zahlt, wobei dieses Geld für laufende Kosten gebraucht worden sei. Die Übernahme des Buffet D.____ sei ein Fehler gewesen. Es sei überhaupt nicht g elaufen. Dennoch habe ihr Ehemann ihr bis Ende August 2015 einen Lohn ausrichten können. D er Buchhalter habe die Löhne je- weils abgebucht und in der Steuererklärung deklariert. C. In ihrer Vernehmlassung vom 21. November 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochte nen Einspracheentscheids, unter o/e-Kostenfolge. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 12 8 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitsl osenversicherung und die Insolvenzent- schädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin die Kontrollpflicht im Kanton B asel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtli- che Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be schwerde zuständig. Auf die im Übri- gen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 3. b zw. 7. September 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Arbeitslosenen tschädigung, wenn sie unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfü llung der Beitragszeit befreit ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. e in Verbindung mit Art. 13 und 14 AVIG) . Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitrags- zeit erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit von zwei Jah- ren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Mona ten eine beitragspflichtige Beschäfti- gung ausgeübt hat (vgl. AVIG-Praxis ALE, Arbeitsmarkt un d Arbeitslosenversicherung [AVIG- Praxis] Rz. B143). 2.2 Art. 13 Abs. 1 AVIG setzt eine beitragspflichtige Beschäftigung voraus. Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem Bundes- gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 obli- gatorisch versichert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit beitragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG bezie ht (vgl. BGE 122 V 251 E. 2b mit Hinweisen). Die Beitragspflicht einer versicherten unsel bstständigen Person entsteht mit der Leistung der Arbeit. Beiträge sind indessen erst bei Re alisierung des Lohn- oder Entschädi- gungsanspruchs geschuldet (vgl. BGE 111 V 166 f. E. 4a und b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen des Art. 13 Abs. 1 AVIG de shalb vorausgesetzt, dass die versi- cherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäfti gung ausgeübt und der Arbeitgeber für diese Beschäftigung tatsächlich auch einen Lohn entricht et hat (vgl. BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Erfordernis des Nachweises ef- fektiver Lohnzahlung sollen Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Ar- beitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). 2.3 In BGE 131 V 444 ff. hat das EVG präzisierend festg ehalten, die bisherige Rechtspre- chung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine b eitragspflichtige Beschäftigung über- haupt nur dann zur Bildung von Beitragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis tatsächli- cher Lohnzahlungen erbracht ist. Unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs.1 lit. e AVIG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 AV IG sei die faktische Ausübung einer bei- tragspflichtigen Beschäftigung während der geforderte n Dauer die einzige Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (vgl. BGE 113 V 352 f.). Dem Nachweis tatsächli- cher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer sel bstständigen Anspruchsvorausset- zung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in krit ischen Fällen unter Umständen aus- schlaggebenden Indizes für die Ausübung einer beitragspfl ichtigen Beschäftigung (BGE 131 V 453 E. 3.3 in fine). Das im Gesetz zwar nicht ausd rücklich genannte, nach ständiger Rechtsprechung aber massgebliche Erfordernis der genüge nden Überprüfbarkeit der beitrags- pflichtigen Beschäftigung diene der Verhinderung von Mi ssbräuchen (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 29. Dezember 2005, C 258/04, E. 3.2 mit Hin weis). Fehle es am Nachweis einer tat- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sächlich ausgeübten unselbstständigen Tätigkeit, sei das An spruchserfordernis nach Art. 8 Abs. 1 lit. e und Art. 13 AVIG nicht gegeben. Dies ge lte auch dann, wenn als Lohn bezeichnete oder auf ein als solches bezeichnetes Lohnkonto erfolgte Zahlungen des Arbeitgebers bestehen würden. Dieser Umstand bilde eben nur, aber immerhin , ein bedeutsames Indiz für eine bei- tragspflichtige Beschäftigung (vgl. BGE 131 V 451 E. 3.2.2). 2.4 In zwei weiteren Urteilen (C 83/06 vom 18. August 2006 und C 111/06 vom 6. März 2007) hat die höchstrichterliche Rechtsprechung schliesslich präzisierend festgehalten, dass der Umstand, dass eine tatsächliche Lohnzahlung nicht hinreichend belegt werden könne, nicht bedeute, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ku rzerhand abzulehnen wäre. Massgebend sei nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes einzig, dass innerhalb der Rahmen- frist für die Beitragszeit eine beitragspflichtige Beschä ftigung während der Mindestdauer von zwölf Monaten rechtsgenüglich dargetan sei. Soweit eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen, der exakt ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben sei, habe eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (vgl. Urteil des EVG vom 18. August 2006, C 83/06, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 451 E. 3.2 .3). Was die Einkommenshöhe betreffe, habe sich die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöhe d iesfalls grundsätzlich zu Ungunsten der versicherten Person auszuwirken (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 6. März 2007, C 111/06, E. 3.4). 2.5 Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV -Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnis- sen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässi- gen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeits bedingte Inkonvenienzen darstellen (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Der Verdienst gilt nicht als versichert, wenn er eine Mindestgrenze von monatlich Fr. 500.– nicht erreicht (Art. 23 Abs. 1 Satz 3 AVIG i.V.m. Art. 40 AVIV). Praxis- gemäss ist bei der Ermittlung des versicherten Verdienste s der im Bemessungszeitraum tat- sächlich erzielte Lohn massgebend; eine davon abweichende Lohnabrede zwischen Arbeitge- ber und Arbeitnehmer hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben (BGE 131 V 450 f. E. 3.2.1, mit Hinweisen). Der versicherte Verdienst nach Art. 23 AVIG bildet ein Korrektiv bei allfälligen missbräuchlichen Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, indem grund- sätzlich die tatsächlichen Lohnbezüge im Bemessungszeitraum massgebend sind (BGE 131 V 451 E. 3.2.3 mit Hinweis). Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweichen, rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinbaru ng fiktiver Löhne, welche in Wirklich- keit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2012, 8C_913/2011, E. 3.1; je mit Hinweisen). 2.6 Als Beweis für den tatsächlichen Lohnfluss genügen B elege über entsprechende Zah- lungen auf ein Post- oder Bankkonto, welches auf den Namen des Arbeitnehmers lautet. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohnquittungen sowie Auskünfte von ehemaligen Mitarbei- tern – allenfalls in Form von Zeugenaussagen – in Betr acht. Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen bilden Arbeitgeberbescheinigungen und vom Arbeitnehmer unterzeichnete Lohnabrechnungen oder AHV-Lohnblätter sowie Steuererklärungen (vgl. BGE 133 V 447 E. 1.2 mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 28. Juli 2004, C 2 50/03, E. 2.1; ARV 2004 Nr. 10 S. 115 ff.; Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht vgl. auch: BARBARA KUPFER BUCHER , Der Nachweis des Lohnflusses als Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, in: Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und berufliche Vorsorge [SZS] 2005, S. 138 f.). 2.7 Bei Personen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit eine a rbeitgeberähnliche Stellung innehat- ten, sowie bei ihren Ehegatten oder Partnern in eing etragener Partnerschaft hat die Arbeitslo- senkasse näher zu prüfen, ob diese tatsächlich einen Loh n bezogen haben (AVIG-Praxis, Rz. B32 und B146). Lassen sich in Fällen, die weitergehe nde Abklärungen bedingen, Bank- oder Postbelege beibringen, ist damit der Lohnfluss un d die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung in der Regel nachgewiesen (AVIG-Praxis ALE A1, Rz. B147). Wurde der Lohn bar bezogen, können das bei der Steuerverwaltung mit L ohnausweis deklarierte Einkommen, Lohnquittungen oder durch ein Treuhandbüro geführte Geschäftsbücher in Verbindung mit ei- nem entsprechenden individuellen Kontoauszug der AHV a ls Nachweis für den Lohnbezug ak- zeptiert werden. Widersprechen die genannten Beweismittel dem individuellen Kontoauszug der AHV, so ist für die Bestimmung des versicherten Verdienste s vom geringeren Betrag auszuge- hen. Es ist denkbar, dass die versicherte Person, welche den Lohn bar bezogen hat, durch eine Kombination von anderen Beweismitteln den Lohnfluss na chzuweisen vermag. Der Lohnfluss lässt sich aber zum Beispiel allein durch eine Lohnabrechnu ng, eine Lohnquittung, einen Ar- beitsvertrag, eine Kündigungsbestätigung oder eine Lo hnforderungseingabe im Konkurs nicht nachweisen. Solche Dokumente stellen lediglich Partei behauptungen dar, über deren Wahr- heitsgehalt niemand ausser der versicherten Person selbst b zw. ihr Ehegatte oder eingetrage- ner Partner Angaben machen kann. Ergeben sich aufgrund der eingereichten Belege keine kla- ren Rückschlüsse auf die in der fraglichen Zeit effektiv ausbezahlten Löhne, liegt Beweislosig- keit zulasten der versicherten Person vor, womit ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung infolge fehlender Beitragszeit verneint werden muss. Dem Nachweis des tatsächlich realisierten Lohnes kommt nicht nur bei der Bestimmung der Beitragsz eit, sondern auch bei der Festset- zung der Höhe des versicherten Verdienstes entscheidende Be deutung zu. Ohne genaue An- gaben über den Lohnfluss ist es nicht möglich, die Höhe d es versicherten Verdienstes zu be- stimmen (AVIG-Praxis, Rz. B148). 3. Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügen de Instanz und – im Beschwerde- fall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als be wiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat di e rechtsanwendende Behörde ih- ren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Ve rwaltung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von al len möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungs- grundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführ ungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügende n Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach- verhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel grei ft allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsat zes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen). 4.1 Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwe rdeführerin auf Arbeitslosenent- schädigung und in diesem Zusammenhang, ob die Beschwerdeführerin die Beitragszeit gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt hat. Dabei ist insbesonder e zu prüfen, ob sie innerhalb der massge- benden Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 20. April 2014 bis 19. April 2016 (vgl. Art. 9 Abs. 1 und 3 AVIG) eine beitragspflichtige Beschäftigung von mindestens zwölf Monaten nachweisen kann und – bejahendenfalls – ob der erzielte versicherte Verdienst die Mindestgrenze von mo- natlich Fr. 500.– (vgl. Art. 40 AVIV) erreicht hat. I m Hinblick auf die Beurteilung dieser strittigen Fragen ist zwischen den Parteien insbesondere das Kriterium des Lohnflusses strittig. 4.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt im angefochtenen Einspracheentscheid vom 15. August 2016 und in ihrer Vernehmlassung vom 21. No vember 2016 die Auffassung, dass die Beschwerdeführerin den Lohnfluss nicht belegen könn e. Zwar lägen diverse Unterlagen zu den Anstellungsverhältnissen und den Lohnzahlungen vor. Indessen seien diese Unterlagen alle vom Ehemann der Beschwerdeführerin – in seiner Fu nktion als Betriebsinhaber und Ge- schäftsführer – selbst unterzeichnet bzw. ausgestellt word en. Ferner seien die Angaben unein- heitlich und widersprächen sich teilweise. Die vom Steue rberater erstellten Buchhaltungsunter- lagen für das Jahr 2014 würden lediglich Indizien für den Lohnfluss in der behaupteten Höhe darstellen und seien insoweit nicht massgeblich, als dass d er Geschäftsabschluss für die B.____-Bar ohne kaufmännische Buchhaltung erstellt worden sei. Zudem habe der Treuhänder angegeben, dass die Barauszahlungen nicht dokumentiert worden seien. Die Beschwerdeführe- rin bringt dagegen vor, dass ihr Ehemann als ihr Arbe itgeber zwar sich selbst keinen, aber ihr und ihrem Stiefsohn, der ebenfalls in den Betrieben tätig gewesen sei, bis November 2015 mo- natlich Löhne ausbezahlt habe. Das Geld sei für den Un terhalt der Familie verwendet worden. Bis August 2015 habe ihr Ehemann auch jeweils alle Bei träge an die Sozialversicherungen und die Pensionskasse bezahlt. 4.3 Unbestritten ist, dass der Ehemann der Beschwerdefü hrerin in den vorliegend interes- sierenden Gastronomiebetrieben eine arbeitgeberähnlic he Stellung innehatte bzw. Arbeitgeber war. An den Beweis einer beitragspflichtigen Beschäftig ung der Beschwerdeführerin und den Lohnfluss sind deshalb erhöhte Anforderungen zu stellen (vgl. E. 2.7 hiervor). Zum Beleg hierfür reichte die Beschwerdeführerin im Verwaltungsverfahren Arbeitsverträge, Lohnabrechnungen, Lohnquittungen und Aufstellungen über die bei der Pe nsionskasse abgerechneten Löhne der beiden interessierenden Betriebe ein. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, kann diesen Dokumenten indes keine ausschlaggebende Beweiskraft zukommen, da sie allesamt vom Ehemann der Beschwerdeführerin selbst ausgestellt wu rden und damit grundsätzlich als reine Parteibehauptungen anzusehen sind. Objektive Ang aben zum behaupteten Lohnfluss, namentlich einen privaten Kontoauszug der Beschwerdefüh rerin, aus dem die Lohneinzahlun- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen ersichtlich werden, liegen nicht vor. Zwar wurde d ie jährliche Abrechnung der B.____-Bar für das Jahr 2014 von einem externen Treuhänder erstell t, der von der Beschwerdegegnerin telefonisch zu den umstrittenen Punkten befragt wurde. Gemäss der Telefonnotiz vom 17. August 2016 habe dieser ausgeführt, dass die Erstel lung eines Geschäftsabschlusses nach kaufmännischer Buchhaltung für das Jahr 2014 nicht möglich gewesen sei, da die Unterlagen teilweise unvollständig gewesen seien. Der Treuhänder h abe letztlich eine Aufstellung der Ein- nahmen und Ausgaben gemacht, welche so den Steuerbehö rden eingereicht worden sei. Der Lohnaufwand sei darin mit Fr. 72‘646.80 ausgewiesen w orden. Er könne bestätigen, dass die Versicherte in der B.____-Bar gearbeitet habe. Der Eh emann habe den Lohn jeweils aus der Kasse bezahlt, wenn Geld da gewesen sei. Als Treuhänd er habe er die monatlichen Lohnab- rechnungen anhand der vertraglich vereinbarten Beträg e ausgestellt. Er könne indes nicht be- stätigen, ob dieser Lohn der Versicherten auch tatsächlic h und in dieser Höhe ausbezahlt wor- den sei. Für das Jahr 2015 habe er keinen Geschäftsabschluss mehr erstellt. Somit liegen kei- ne objektiven Belege zum tatsächlich erfolgten Lohnfluss vor. 4.4 Die von der Beschwerdeführerin gemachten Angaben z um Lohn weisen ferner diverse Inkonsistenzen auf. In den Akten sind mehrere Arbeitsvert räge zu finden. Ein undatierter und nicht unterzeichneter Arbeitsvertrag weist einen vereinba rten Bruttolohn von Fr. 4'530.– ab 1. August 2013 aus. Indessen liegt ein weiterer, ebenf alls nicht unterzeichneter Arbeitsvertrag für denselben Zeitraum mit einer vereinbarten Lohnhöhe von brutto Fr. 4‘200.– vor. Lediglich für die Anstellung beim Buffet D.____ für die Zeit ab 1. September 2015 findet sich ein unterzeich- neter Arbeitsvertrag mit einer vereinbarten Bruttoloh nhöhe von Fr. 4‘200.–. Ferner liegen Lohn- abrechnungen für die Monate Januar bis März 2014, Mai 2014 bis November 2014, Januar 2015 und April 2015 bis Juni 2015 vor. In diesen ist – e ntsprechend den Aussagen des Treu- händers – jeweils ein Bruttolohn von Fr. 4‘200.– genan nt. Weiter reichte die Beschwerdeführe- rin Lohnquittungen ein. Die für das Jahr 2014 und Au gust 2015 bis Oktober 2015 eingereichten Quittungen betreffen jedoch allesamt den an den Stief sohn ausbezahlten Lohn und sind auch von diesem unterzeichnet. Von der Beschwerdeführerin qui ttierte Löhne finden sich bloss für die Monate Januar 2015 bis Juli 2015. Diese Quittungen weisen indes einen Bruttolohn von Fr. 4‘250.– aus, was einerseits den Lohnangaben in den Verträgen und Lohnabrechnungen widerspricht und andererseits auch dem der Ausgleichskasse gemeldeten Lohn (Fr. 4‘200.–) nicht entspricht. Der Pensionskasse wurde für denselben Z eitraum ein Lohn von Fr. 3‘450.– gemeldet. Ferner liegen Lohnquittungen vor, die vom A ugust 2016 bis Oktober 2016 datieren, obwohl die Beschwerdeführerin selbst angegeben hat, dass ihr Ehemann ihr lediglich bis Juli 2015 einen Lohn habe auszahlen können und sie zu diese m Zeitpunkt nicht mehr angestellt gewesen ist. Der Ehemann und ehemaliger Arbeitgeber d er Beschwerdeführerin hat anlässlich des Gesprächs mit der Beschwerdegegnerin vom 17. August 2016 angegeben, bis November 2015 oder Dezember 2015 den Lohn bezahlt zu haben. Es stellt sich aufgrund der offensichtlich unrichtigen Datierung der Lohnquittungen vom August 2016 bis Oktober 2016 (recte: 2015?) die Frage, ob die Lohnquittungen nachträglich erstellt wo rden sind, wodurch sich ihr Beweiswert weiter vermindert. 4.5 Insgesamt konnte die Beschwerdeführerin nach dem Au sgeführten keine Unterlagen einreichen, die einen Lohnfluss objektiv oder objektivier bar zu belegen vermögen. Zudem sind Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Aussagen und Bescheinigungen der Versicherten und ih res Ehemannes in Bezug auf den Lohnfluss und die Lohnhöhe inkonsistent. Unter diesen Umständen kann die Beschwerdeführe- rin nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darlegen , dass sie in den Jahren 2014 bis 2016 während der Rahmenfrist für die Beitragszeit eine beit ragspflichtige Beschäftigung mit Lohnbe- zug ausübte. Letztlich muss deshalb aufgrund der vorhande nen Akten Beweislosigkeit ange- nommen werden. Diese wirkt sich zulasten der anspruchser hebenden Beschwerdeführerin aus (vgl. E. 3.1 hiervor). Nach dem Ausgeführten hat die B eschwerdegegnerin einen Anspruch der Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung zu Recht abgelehnt. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht