<h2>SubmittedText<h2><p>Die Erforschung der Langlebigkeit ist eine weltweite Bemühung, welche auch in der Schweiz Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt prägen. Im Kern geht es darum, den Alterungsprozess der Menschen "verlangsamen" und die Menschen somit länger gesund leben können. Die Wissenschaft ist dabei, neue Ansätze zu erforschen, welche jedem Menschen die Möglichkeit geben, seine Lebenszeit weitgehend selbstbestimmt zu verlängern. Mögliche Anwendungen im Bereich der Medizin gehen vom Einsatz von Gesundheitspräparaten/-Massnahmen bis hin zu Eingriffen auf zellulärer Ebene. Die Schweiz hat die Chance, sich weltweit in diesem noch jungen Forschungs- und Anwendungsbereich zu positionieren - einerseits in der medizinischen Forschung, andererseits aber auch in der Entwicklung innovativer Technologien in vielfältigsten Bereichen. Hierbei geht es nicht nur um Anwendungen im fortgeschrittenen Alter, sondern auch um Anwendungen, die ein längeres, gesünderes Leben ermöglichen. Dies hat nicht nur Einfluss auf die Gesundheitskosten eines immer längeren Lebens, sondern dieser Fortschritt erschliesst auch neue Potenziale für unser Humankapital und damit die Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftsleistung unseres Landes.</p><p>Der Bundesrat wird gebeten, in diesem Zusammenhang folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche nationalen Forschungsprogramme sowie Forschungen an Hochschulen und Think Tanks existieren bereits heute im Bereich der Langlebigkeit? Wie sind diese national/international vernetzt und wie können diese koordiniert werden?</p><p>2. Wie können Grundlagen- und angewandte Forschungen im Bereich der Langlebigkeit besser unterstützt werden?</p><p>3. Von welchen Ländern kann die Schweiz besonders lernen?</p><p>4. Welche Rahmenbedingungen braucht die Schweiz, um sich - aus wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive - als weltweites Zentrum der Langlebigkeit zu positionieren ("Longevity Valley")?</p><p>5. Was bieten sich der Schweiz für sozioökonomische und wissenschaftliche Chancen im Bereich der Erforschung der Langlebigkeit?</p><p>6. Welchen langfristigen gesetzgeberischen Handlungsbedarf ergibt sich durch die Erforschung und daraus resultieren Anwendungen im Bereich der Langlebigkeit? </p><p>7. Ist der Bundesrat grundsätzlich der Ansicht, Forschung und Bildung zur Langlebigkeit stärker zu berücksichtigten, zum Beispiel in der BFI-Botschaft 2025-2028?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Angesichts der Fortschritte in der medizinischen Forschung und Versorgung teilt der Bundesrat die Ansicht, dass dem gesunden Altern eine hohe Bedeutung zukommt. Dies zeigt sich auch auf internationaler Ebene, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO 2021-2030 doch zur Dekade des gesunden Alterns erklärt. Der Bundesrat geht mit dem Interpellanten einig, dass verschiedene disziplinäre Ansätze für Forschung in diesem Bereich wichtig sind, um die vielfältigen Herausforderungen anzugehen.</p><p>Die Forschungs- und Innovationsförderung basiert in der Schweiz auf dem Bottom-up-Grundsatz. Forschende können beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und bei der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) Gesuche zu allen wissenschaftlichen Themen und Fragestellungen eingeben. Der Bundesrat erachtet das Bottom-up-Prinzip als wichtiges, erfolgreiches Modell. Er sieht keinen Grund, es aufgrund spezifischer Forschungsinteressen anzupassen.</p><p>1. Die verfügbaren Förderinstrumente werden in der Schweiz bereits gut für Forschung und Innovation zu Langlebigkeit und gesundem Altern genutzt. Schweizer Forschende waren in den letzten zehn Jahren an über 100 Projekten zur Thematik beteiligt, die durch den SNF oder im Rahmen von Horizon 2020 finanziert wurden. Auch die Hochschulen haben thematische Schwerpunkte in diesem Gebiet; so zum Beispiel das Projekt "AGE-INT" unter Leitung der Ostschweizer Fachhochschule OST, das Herausforderungen und Chancen des demographischen Wandels untersucht oder der Forschungsschwerpunkt zur "Dynamik gesunden Alterns" sowie der Innovationscluster "Gesunde Langlebigkeit" für den Wissens- und Technologietransfer der Universität Zürich. Auch ist die Schweiz über Innosuisse am EU-Programm "Active and Assisted Living" AAL beteiligt, das die Lebensqualität älterer Menschen mit Innovationen zu verbessern bezweckt. Bisher wurden 115 AAL-Projekte mit Schweizer Beteiligung gefördert. Weiter hat der Bundesrat mehrere Nationale Forschungsprogramme (NFP) mit Bezug zur Thematik lanciert (NFP 63 "Stammzellen und regenerative Medizin", NFP 67 "Lebensende" und NFP 74 "Gesundheitsversorgung"). Zu ergänzen ist die Plattform "a+ Swiss Platform Ageing Society" der Akademien der Wissenschaften Schweiz, die den Austausch zwischen den interessierten Akteuren mit den zuständigen Fachämtern der Bundesverwaltung ermöglicht.</p><p>2./3./4./5./7. Durch die Aktivitäten der Schweizer Forschenden ist der internationale Austausch mit anderen in diesem Bereich führenden Ländern bereits gewährleistet. Dies ermöglicht der Schweiz aktuelle und zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und die internationale Forschungs- und Innovationsagenda im Bereich der gesunden Langlebigkeit für die kommenden Jahre mitzugestalten. Daher sieht der Bundesrat keinen Bedarf für Änderungen der Rahmenbedingungen für die Erforschung der Langlebigkeit. Der Bundesrat verfolgt auch weiterhin das Ziel, die Rahmenbedingungen für Bildung, Forschung und Wirtschaft zu verbessern und die Schweiz damit als attraktiven Standort für Wirtschaftsaktivitäten mit hoher Wertschöpfung zu positionieren. Unter diesen Rahmenbedingungen konnten sich in der Schweiz auch die für die Langlebigkeit relevanten Life Sciences gut entwickeln.</p><p>6. Die zuständigen Fachämter verfolgen die Ergebnisse der laufenden Forschung sowie ihre Auswirkungen. Sollte im Bereich der Langlebigkeit regulatorischer Handlungsbedarf entstehen, würde dieser frühzeitig erkannt.</p>  Antwort des Bundesrates.