B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-7545/2015 U r t e i l v o m 1 0 . F e b r u a r 2 0 1 7 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiberin Karin Fischli. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Fabienne Bratoljic, Freiplatzaktion Basel, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 20. Oktober 2015 / N (…). D-7545/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland Sri Lanka am 25. Oktober 2014 per Flugzeug. Er sei via B._______ nach Mailand geflogen, von wo aus er nach einigen Tagen Aufenthalt schliess- lich am 19. November 2014 mit einem Auto in die Schweiz gelangte und gleichentags um Asyl nachsuchte. B. Am 27. November 2014 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum C._______ zu seiner Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). C. Am 29. Dezember 2014 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö- rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO). Die italienischen Behörden lehnten dieses Ersuchen am 21. Februar 2015 ab. Am 3. März 2015 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, dass das Dublin-Verfahren beendet worden sei und sein Asylgesuch deshalb in der Schweiz geprüft werde. D. Am 28. Mai 2015 wurde er eingehend zu den Gründen seines Asylgesuchs angehört. Er begründete dieses im Wesentlichen damit, dass er aufgrund mehrerer Vorkommnisse vom Criminal Investigation Department (CID) beziehungs- weise von der sri-lankischen Armee verfolgt werde, da sie ihn verdächtigen würden, ein Mitglied oder Helfer der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen zu sein. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer ein Arbeitszeugnis von der [Kooperative], seine sri-lankische Identitätskarte sowie sein Geburtszertifi- kat inklusive englischer Übersetzung zu den Akten. D-7545/2015 Seite 3 E. Mit Verfügung vom 20. Oktober 2015 – eröffnet am 22. Oktober 2015 – lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. F. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechts- vertreterin vom 23. November 2015 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Gewäh- rung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, wobei dem Beschwerde- führer als Folge die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren sei. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG, um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Feststellung der aufschiebenden Wir- kung der Beschwerde. G. Mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember 2015 teilte das Bundesverwal- tungsgericht dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Ver- fahrens in der Schweiz abwarten, gewährte die unentgeltliche Prozessfüh- rung und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. H. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Dezember 2015 hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I. In der Replik vom 5. Januar 2016 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Vernehmlassung der Vorinstanz. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher D-7545/2015 Seite 4 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Ar t. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingse igenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-7545/2015 Seite 5 4. 4.1 Der Beschwerdeführer begründete se in Asylgesuch im Wesentlichen damit, dass er Tamile sei und aus D._______ bei E._______ in Jaffna stamme. Er habe sein gesamtes Leben dort verbracht, einzig zwischen den Jahren 1999 und 2001 habe er wegen des Krieges in F._______ gelebt. Seine Eltern sowie zwei Brüder würden stets in E._______ leben. Der jün- gere seiner dort lebenden Brüder sei seit seiner Flucht aus Sri Lanka aus- serdem dreimal vom Geheimdienst der sri-lankischen Armee (CID) mitge- nommen und nach ihm gefragt worden. Der Bruder habe immer gesagt, er wisse nicht, wo er sei. Ferner habe er noch eine Schwester in den USA und einen Bruder in London, welcher aufgrund seines Engagements für die LTTE dorthin geflüchtet sei. Bis im Jahr 2007 habe er die Schule besucht und ab 2008 in einer Kooperative als Verkäufer gearbeitet, wo er bis im (…) 2011 tätig gewesen sei. Während der Zeit bei der Kooperative habe er erste Probleme mit der sri- lankischen Armee beziehungsweise mit dem CID bekommen. Sein Chef habe ihn beauftragt, Lebensmittel zum Lager des Ladens beziehungsweise Restaurants eines Freundes namens G._______ zu bringen. Dieser habe jedoch sein Restaurant geschlossen gehabt, da in der Nacht ein mit den LTTE assoziierter Angestellter erschossen worden sei. Da G._______ selbst ebenfalls Kontakt zu Mitgliedern der LTTE gehabt, ihnen Essen ge- liefert und sein Fahrzeug zur Verfügung gestellt habe, habe er Angst be- kommen und sich versteckt. Später habe er sich dann der sri-lankischen Armee ergeben, welche ihn bis im (…) 2009 festgehalten habe. Er selbst sei im (…) oder (…) 2008 auch einmal vom CID festgenommen worden. Eines Morgens seien fünf Leute des CID an seinem Arbeitsort aufgetaucht und hätten ihn und seinen Chef mitgenommen. Sie hätten ihn verhört und am nächsten Morgen wieder freigelassen. Beim Verhör sei er gefragt wor- den, wer in die Kooperative komme und wohin er Lebensmittel bringe. Da- rauf habe er geantwortet, er habe keine Ahnung. Sein Chef sei eine ganze Woche festgehalten worden. Nach der Freilassung sei er am nächsten Tag wieder normal zur Arbeit gegangen. Während eines Jahres habe er einmal monatlich beim CID Unterschrift leisten müssen. Dabei h abe er jeweils auch das Büro des CID putzen oder für ihn einkaufen müssen. Bis ins Jahr 2011 habe er bei der Kooperative weitergearbeitet. Dann, im (…) 2011 sei sein Chef getötet worden, worauf er seine Arbeit dort niedergelegt habe. Im Jahr 2012 habe er als Hilfsmaurer zu arbeiten begonnen. Dabei sei es zum zweiten Ereignis gekommen, welches zu Problemen mit der sri-lanki- schen Armee geführt habe. An einem Abend im (…) 2012 hätten er und ein D-7545/2015 Seite 6 paar Freunde – inklusive G._______ – Cricket gespielt. Nach dem Spiel hätten sie noch zu viert Alkohol konsumiert. Plötzlich seien zwei Personen auf einem Motorrad aufgetaucht und hätten ihn und die Freunde mit einem Ast geschlagen. Auf die Frage, wer die Angreifer seien, hätten die beiden geantwortet, sie seien vom CID. G._______ habe daraufhin gesagt, sie (die Freunde und der Beschwerdeführer) seien von den LTTE. Dann habe er Angst bekommen und sei nach Hause gerannt. Von dort aus sei er weiter zu einer entfernten Verwandten beziehungsweise Bekannten namens H._______ gegangen. Sie sei einseitig gelähmt, weshalb er ihr regelmäs- sig geholfen habe. Üblicherweise sei er jeweils nach dem Abendessen zu- hause zu H._______ gegangen, bei welcher er jeweils auch übernachtet habe. Am Morgen nach dem Vorfall nach dem Cricketspiel sei er normal zur Arbeit und am Mittag zu seiner Mutter zum Essen gegangen. Diese habe ihm gesagt, er sei vom CID gesucht worden. Daraufhin habe sie ihn geschlagen, was ihn sehr traurig gestimmt habe. Folglich habe er sich etwa eine Woche bei einem Freund aufgehalten. Gleichzeitig habe er seine Ar- beit niedergelegt. Anschliessend sei er zu I._______ – einem engen Freund des Vaters – gegangen, wo er circa (…) Monate versteckt geblie- ben sei. Angst habe er insbesondere wegen G._______ Aussagen gehabt. Dieser sei nämlich nach dem Vorfall nach dem Cricketspiel von den An- greifern auf dem Motorrad weggebracht und in einem Camp interniert wor- den. Unter Schlägen habe er dort gesagt, er (der Beschwerdeführer) und die zwei Freunde würden die LTTE wieder zum Leben erwecken wollen. Deswegen seien der Beschwerdeführer und die Freunde vom CID gesucht worden. Bei ihm zuhause sei das CID sieben- bis achtmal vorbeigekom- men. Es sei ihm vorgeworfen worden, früher Lebensmittel an die LTTE ge- liefert zu haben. G._______ habe wohl auch von seiner vorherigen Arbeit erzählt und dabei fälschlicherweise gesagt, er (der Beschwerdeführer) habe willentlich den LTTE Lebensmittel gegeben. Noch während er bei I._______ gewesen sei, habe G._______ dem CID seinen Aufenthaltsort verraten. Folglich habe er sich noch bei anderen Freunden verstecken müssen, bevor er schliesslich nach (…) Monaten geflüchtet sei. 4.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass der Beschwerde- führer zahlreiche widersprüchliche Angaben gemacht habe, so dass seine Vorbringen nicht glaubhaft erscheinen würden. So habe er bei der BzP an- gegeben, der Lagerist sei von der sri-lankischen Armee festgenommen worden, an der Anhörung hingegen habe er gesagt, es sei das CID gewe- sen. Ferner habe der Beschwerdeführer an der BzP angegeben, er sei im (…) 2008 festgenommen worden, an der Anhörung hingegen habe er (…) 2008 gesagt. Ausserdem habe er in der BzP geltend gemacht, er habe sich D-7545/2015 Seite 7 wöchentlich beim CID melden müssen, an der Anhörung hingegen habe er von monatlich gesprochen. Zudem habe er in der BzP angegeben, er sei zum Zeitpunkt, als er vom CID im Jahr 2014 zum ersten Mal gesucht wor- den sei, bei seiner Grossmutter gewesen. In der Anhörung hingegen habe er gesagt, damals bei der Arbeit gewesen zu sein. Da der Beschwerdefüh- rer nicht in der Lage gewesen sei, diese zahlreichen widersprüchlichen An- gaben plausibel zu erklären, seien seine Vorbringen unglaubhaft. Weiter habe der Beschwerdeführer angegeben, im Jahr 2014 zusammen mit Ar- beitskollegen beziehungsweise Freunden Cricket gespielt zu haben und dort von CID-Angehörigen geschlagen worden zu sein. Seine diesbezügli- chen Erzählungen seien ein kurzer Allgemeinbeschrieb, welcher kein be- sonderes Erlebnis in den Vordergrund rücke, ke ine inneren Zustände be- schreibe oder sonst den Eindruck vermitteln würde, er habe den Vorfall tatsächlich erlebt. Aufgrund ausgeprägter Detailarmut, Oberflächlichkeit und Leblosigkeit der Schilderungen seien die diesbezüglichen Ausführun- gen des Beschwerdeführers nicht hinreichend substantiiert. Ferner be- haupte Letzterer, im Jahr 2008 und 2009 kurzzeitig vom CID festgehalten worden und anschliessend ein Jahr lang melde pflichtig gewesen zu sein. Angesichts seiner Freilassung und der abgeschlossenen Meldepflicht sei es nicht logisch nachvollziehbar, dass ihn das CID im Jahr 2014 erneut gesucht haben soll, mit der Begründung, er habe früher den LTTE Lebens- mittel geliefert. Ausserdem vermöge das als Beweismittel eingereichte Ar- beitszeugnis die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers nicht zu beweisen. Somit würden die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Es bleibe zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG habe. Die sri-lankischen Behörden würden gegenüber Perso- nen tamilischer Ethnie, welche nach einem Auslandaufenthalt nach Sri Lanka zurückkehren, eine erhöhte Wachsamkeit aufweisen. Der Be- schwerdeführer sei Tamile und habe Sri Lanka vor ungefähr (…) Monaten verlassen. Seine Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und die Landesab- wesenheit würden jedoch gemäss herrschender Praxis nicht ausreichen, um von Verfolgungsmassnahmen bei seiner Rückkehr ausgehen zu müs- sen. Es bleibe somit zu prüfen, ob in seinem Fall weitere Faktoren vorlä- gen, welche – kumuliert mit der Zugehörigkeit zur tamilische n Ethnie und der mehrmonatigen Landesabwesenheit – eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen vermögen würden. Die Herkunft des Beschwer- deführers aus dem Norden Sri Lankas, sein Alter, angebliches illegales Ver- lassen des Landes, seine Angabe, sein Bruder sei angeblich bei den LTTE D-7545/2015 Seite 8 gewesen und habe deswegen vor ungefähr zehn Jahren das Land verlas- sen, könnten die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden ihm gegen- über im Rahmen der Wiedereinreise und Wiedereingliederung zusätzlich erhöhen. Trotz dieser zusätzlichen Faktoren gebe es jedoch keinen hinrei- chend begründeten Anlass zur Annahme, dass er Massnahmen zu be- fürchten habe, welche über einen sogenannten «background check» (Be- fragungen, Überprüfung von Auslandsaufenthalten und Tätigkeiten in Sr i Lanka und im Ausland) hinausgehen würden. Die Vorbringen des Be- schwerdeführers würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten, weshalb sein Asylgesuch abzu- lehnen sei. 4.3 4.3.1 In der Beschwerdeschrift wird zuerst der Sachverhalt insofern präzi- siert, dass er ab 2008 für eine Lebensmittel-Kooperative in E._______ tätig gewesen sei, welche als Lager gedient und andere Geschäfte sowie Res- taurants beliefert habe. Sein Freund G._______ habe als regelmässiger Kunde Waren für sein Restaurant gekauft, in welchem er Essen für die LTTE zubereitet habe. Die Arbeit des Beschwerdeführers sei das Liefern von Waren gewesen. Wofür das Liefergut gedient habe, habe er damals nicht gewusst. Ungefähr im (…) 2008 sei sein Vorgesetzter verschwunden und erst eine Woche später wieder aufgetaucht. Kurze Zeit später sei der Beschwerdeführer von Armeeangehörigen festgenommen und einen Tag lang festgehalten worden. Als er danach ins Geschäft zurückgekehrt sei, seien nebst seinem Chef auch fünf Armeeangehörige vor Ort gewesen. Er und sein Chef seien inhaftiert und ins Camp in E._______ gebracht wor- den. Dort hätten ihn zwei Personen dazu befragt, an wen er Waren geliefert habe und wer die Geschäftskunden gewesen seien. Dabei sei er auch ge- schlagen worden. Nach einer Nacht sei er entlassen worden und a m Tag darauf wieder zur Arbeit gegangen. Sein Vorgesetzter sei eine ganze Wo- che inhaftiert gewesen und erst danach – mit sichtbaren Verletzungen im Gesicht – ins Geschäft zurückgekehrt. Ihm sei vorge worfen worden, der LTTE Waren geliefert zu haben. Zu jenem Zeitpunkt habe der Beschwer- deführer auch erfahren, dass sein Vorgesetzter bereits früher einmal wäh- rend einer Woche in Haft gewesen sei. Ungefähr im (…) 2009 sei der Vor- gesetzte erneut für (…) Monate inhaftiert worden. Anfangs 2011 sei der Vorgesetzte dann umgebracht worden. Nach dem weiteren Vorfall nach dem Cricketspiel mit Freunden sei der Beschwerdeführer dann aus Sri Lanka ausgereist, was Konsequenzen für den ältesten Bruder des Be- schwerdeführers gehabt habe. Denn dieser sei nach der Ausreise des Be- schwerdeführers viermal von zivilen Personen mitgenommen und nach D-7545/2015 Seite 9 letzterem befragt worden, wobei das letzte Mal vor rund (…) Monaten ge- wesen sei. 4.3.2 Der Einschätzung der Vorinstanz der Unglaubhaftigkeit der Vorbrin- gen des Beschwerdeführers sei zu entgegnen, dass die von der Vorinstanz aufgeführten Widersprüche erklärt werden könnten. Zu den verschiedenen Datumsangaben betreffend die Festnahmen und Freilassungen seines Vorgesetzten sowie zur Unterschriftspflicht sei anzumerken, dass all dies innerhalb von etwa einem Jahr stattgefunden habe. Der Beschwerdeführer sei zu dieser Zeit erst (…) Jahre alt gewesen und habe sich in den Befra- gungen nach (…) Jahren nicht mehr genau erinnern können, wann sich was genau ereignet habe. Da er sich nicht getraut habe, dies einzugeste- hen, habe er einfach ungefähre Daten genannt. Im Gespräch mit der Rechtsvertretung seien deshalb die Ereignisse chronologisch hergeleitet worden, weshalb von den in der Beschwerdeschrift genannten Daten aus- gegangen werden könne. Weiter habe es Verständigungsprobleme mit dem Dolmetscher gegeben, welche zu Widersprüchen geführt hätten, was auch im Protoko ll ersichtlich sei. So sei vom jüngsten Bruder des Be- schwerdeführers die Rede, obwohl er nur zwei ältere Brüder habe (vgl. act. A15, F14). Weiter zeige sich die ungenaue Übersetzung von Laden und Lager (vgl. act. A15, F52). Auch F57, F99/109 oder F104 würden zeigen, dass nicht alle Fragen klar und deutlich übersetzt worden seien. Allgemein seien die Antworten des Beschwerdeführers nur sehr knapp übersetzt wor- den. Hinzugekommen sei die allgemeine Nervosität. Auf dem Weg zur An- hörung sei der Beschwerdeführer ausserdem wegen eines falschen Zug- billets gebüsst worden, weshalb er sich eingeschüchtert gefühlt habe, ihm in der Befragung unwohl gewesen sei und er sich nur schlecht habe kon- zentrieren können. Weitere scheinbare Widersprüche würden sich aus der nicht eindeutigen Übersetzung ergeben, beispielsweise was die Rolle des Vorgesetzten betreffe. Da es sich beim Geschäft um ein Lager gehandelt habe, sei der Vorgesetzte als Lagerist bezeichnet worden. Zu den Begriffen Armee und CID sei anzumerken, dass dies im Umfeld des Beschwerdefüh- rers oft zur Bezeichnung der gleichen Leute ge braucht werde. Gemeint seien zivil gekleidete Personen, bezüglich welchen es nicht eindeutig sei, ob sie der Armee oder de m CID angehören würden. Auch die tamilische Kultur des Beschwerdeführers sei zu beachten, da es in jener vermieden werden wolle, sein Gesicht zu verlieren. Dies führe dazu, dass lieber un- gefähre Antworten gegeben würden , als Unwissen zuzugeben. So lasse sich auch erklären, weshalb der Beschwerdeführer in der BzP erwähnt habe, dass er sich, als er das erste Mal gesucht worden sei, bei sei ner Grossmutter aufgehalten habe, bei der Anhörung hingegen ausgesagt D-7545/2015 Seite 10 habe, er sei zu diesem Zeitpunkt am Arbeiten gewesen. Hinzu komme die jugendliche Schüchternheit, weshalb genaues und mehrmaliges Nachfra- gen wichtig sei. In der Anhörung reiche dazu die Zeit jedoch nicht, weshalb Einiges nicht habe abschliessend geklärt werden können. Weiter hege die Vorinstanz Zweifel an den angeblich oberflächlichen Ausführungen des Be- schwerdeführers zum Cricket -Abend. Der Beschwerdeführer habe seine Erlebnisse und Probleme in der Anhörung bei der ersten Frage diesbezüg- lich kurz zusammengefasst, da er gewusst habe, dass noch ausführlichere Fragen gestellt würden. Später habe er denn auch detailliertere Angaben zu diesem Abend gemacht und alle Fragen genau beantworte t. Es seien auch Realkennzeichen vorhanden, weshalb die Zweifel der Vorinstanz un- begründet seien. Dem von der Vorinstanz als unglaubhaft qualifizierten Vorbringen, dass der Beschwerdeführer mehrere Jahre nach seiner Ver- haftung und Meldepflicht erneut gesucht wo rden sei, sei zu entgegnen, dass der Auslöser dazu der Cricket -Abend gewesen sei, als sein Freun d behauptet habe, er sei bei den LTTE gewesen, und nicht die Verhaftung oder die Meldepflicht. Insgesamt seien die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers überwiegend wahrscheinlich und somit als glaubhaft zu bewerten. 4.3.3 Betreffend die Flüchtlingseigenschaft mache der Beschwerdeführer geltend, der Unterstützung der LTTE verdächtigt, gesucht und verfolgt wor- den zu sein. Zwei Mal sei er inhaftiert und dazu befragt worden. Er habe stets bestritten, die LTTE unterstützt zu haben, was ihm jedoch nicht ge- glaubt worden sei. Sein Vorgesetzter habe die LTTE unterstützt und sei im Jahr 2011 tot aufgefunden worden. Sein Freund G._______ habe für die LTTE gekocht und diesen sein Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Zuletzt sei der Beschwerdeführer jedoch von G._______ verraten und deshalb mehr- mals gesucht worden. Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) habe betont, dass bereits private Beziehungen zu tatsächlichen oder vermeintlichen LTTE-Mitgliedern Verfolgungsmassnah- men auslösen. Generell sei keineswegs eine besondere Nähe zu den ehe- maligen LTTE erforderlich, um asylrelevante Übergriffe zu erleiden. Ob ein begründeter Verdacht oder bloss eine vage Verdächtigung bestehe, sei ir- relevant. Inhaftierungen inklusive Fo lter seien in beiden Fällen in hohem Masse wahrscheinlich (vgl. S chweizerische Flüchtlingshilfe [ SFH], Sri Lanka: Gefährdung rückkehrender tamilischer Personen, 16. Juni 2015, S. 8 f.). Diese private Verbindung unterstreiche das Bundesverwaltungsge- richt in seinem Grundsatzurteil vom 27. Oktober 2011 (BVGE 2011/24), in welchem es verschiedene Risikogruppen definiere. So würden insbeson- dere Personen, welche auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdäch-D-7545/2015 Seite 11 tigt würden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen oder gestanden zu ha- ben, einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen (vgl. a.a.O., E. 8.1). Die Verbindung zu den LTTE könne dabei unterschiedlicher Art sein. Für die Annahme eines Gefährdungs profils reiche es bereits aus, dass ein Ver- dacht bestehe, Handlungen zugunsten den LTTE vorgenommen zu haben (vgl. Urteil des BVGer E -8649/2007 vom 21. November 2011). Nicht rele- vant sei, ob die betroffene Person tatsächlich jemals ein aktives Mitglied der LTTE gewesen sei. Ein genereller Ausschluss einer Verfolgungsgefahr aufgrund eines geringen politis chen Profils sei nicht zulässig. Diese Ein- schätzung sei in Anbetracht aktueller Berichte auch heute noch gültig (vgl. SFH, op. cit., S. 5). Im vorliegenden Fall sei dem Beschwerdeführer vorge- worfen worden, die LTTE unterstützt und beliefert zu haben sowie selbst bei den LTTE gewesen zu sein. Die angesprochene aktuelle Lageeinschät- zung würde somit die Asylrelevanz der Vorbringen stützen, weshalb eine Verfolgung des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG angenommen werden müsse. Der Auslandaufenthalt des Beschwerdefüh- rers, insbesondere in der Schweiz, welche in den Augen des sri-lankischen Staates immer noch als politisch aktiver Hort der tamil ischen Diaspora wahrgenommen werde, würde bei einer Rückkehr zusätzlich die Aufmerk- samkeit der Behörden auf sich ziehen. So lebe in der Schweiz die sechst- grösste tamilische Diaspora und es gebe mehrere mit der LTTE verbun- dene Organisationen ( vgl. SFH, op. cit., S. 18). Der Beschwerdeführer habe ausserdem geltend gemacht, dass er nach seiner Ausreise mehrere Male in seinem Elternhaus gesucht und seine Familie bedroht worden sei. Sein Bruder sei mehrmals mitgenommen und nach ihm ausgefragt worden. Dies untermauere die zuvor gemachten Beschwerdeausführungen. Nach Sri Lanka rückkehrende Personen würden am Flughafen von mehreren In- stanzen verhört und überprüft. Mittels elektronische r Datenbanken werde kontrolliert, ob sie auf einer Liste mit gesuchten Personen (sog. «Black List», «Stop List » oder «Watch List») vermerkt seien. Es werde zudem überprüft, ob eine Person das Land illegal verlassen habe. In die «Black List» oder «Stop List» würden Personen eingetragen, welche einer Verbin- dung mit den LTTE verdächtigt würden oder gegen welche eine gerichtliche Verfügung oder ein Haftbefehl vorliege. Ein Eintrag in einer solchen Liste könne zu einer Verhaftung führen. Personen, welche auf der «Watch List» vermerkt seien, würden zwar nicht inhaftiert, jedoch verdeckt überwacht werden (vgl. SFH, op. cit., S. 12 ff.). Es sei davon auszugehen, dass d er Beschwerdeführer wegen seines vermuteten Engagements für die LTTE und der illegalen Ausreise auf einer Liste mit gesuchten Personen vermerkt sei. Ein temporärer Reisepass sei für die sri-lankischen Behörden zudem ein klarer Hinweis darauf, dass eine Person das Land illegal verlassen D-7545/2015 Seite 12 habe. Dies stelle ein Delikt dar, wodurch die Person verdächtig sei und bei der Rückkehr besonders genau geprüft und eventuell sogar in haftiert werde. Die darauf folgenden Gerichtsverfahren würden oft mehrere Jahre dauern (vgl. SFH, op. cit., S. 15 f.). Es müsse damit gerechnet werden, dass der Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr inhaftiert und wegen der illegalen Ausreise verurteilt werde. Falls der Beschwerdeführer am Flugha- fen nicht verhaftet würde, sei er möglicherweise dennoch ständiger Über- wachung ausgesetzt und es könnte zu späteren Schikanierungen und Ver- hören kommen. Die Vorinstanz habe zwar erkannt, dass die sri-lankischen Behörden tamilischen Personen gegenüber nach einem Auslandaufenthalt eine erhöhte Wachsamkeit aufweisen würden und ihr sei auch die beson- dere Aufmerksamkeit bewusst, welche dem Beschwerdeführer wegen sei- nes Alters, seiner Herkunft aus dem Norden Sri Lankas sowie der früheren LTTE-Mitgliedschaft seines Bruder bei einer Rückkehr zukommen würde. Sie sei dennoch der Ansicht, dass im vorliegenden Fall nicht von Verfol- gungsmassnahmen nach der Rückkehr des Beschwerdeführers ausge- gangen werden müsse. Dem sei aufgrund der vorausgehenden Ausführun- gen zu widersprechen. Ausserdem habe der Sprecher der TNA die tamili- sche Diaspora im März 2015 davor gewarnt, nach Sri Lanka zurückzukeh- ren, da keine Verbesserung der Behandlung rückkehrender Personen zu verzeichnen sei (vgl. Ceyl on Today, «Don’t return to Sri Lanka», 8. März 2015). Auch Human Rights Watch (HRW) habe sich besorgt darüber ge- äussert (vgl. HRW, World Report 2015 – Sri Lanka, 29. Januar 2015). Mit dem vermuteten Engagement des Beschwerdeführers für die LTTE und der Nähe zu LTTE-Mitgliedern weise er ausserdem ein erhöhtes Gefährdungs- profil auf. Die dem sri-lankischen Staat vorliegende Informationsmenge zu Personen solchen Profils habe sich in den Jahren nach Kriegsende stetig verdichtet. Für die Behörden spiele es keine Rolle, ob eine Person tatsäch- liches oder bloss mutmassliches LTTE -Mitglied gewesen sei. Es sei des- halb überaus wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer bei einer allfälli- gen Rückkehr heute unter noch höherer Beobachtung stehen würde als zu der Zeit, als er noch in Sri Lanka gelebt habe. Ausserdem sei es nicht si- cher, dass die Verfolgung des Beschwerdeführers eingestellt würde. Es sei anzufügen, dass sich – gemäss verschiedenen Berichten und Arti- keln – die Hoffnung auf eine Entspannung der Lage auch sechs Jahre nach Ende des Bürgerkriegs nicht erfüllt habe. Der Alltag in Sri Lanka sei weiter- hin stark militarisiert und die tamilis che Bevölkerung sei konstanten Ein- schüchterungen und Schikanierungen durch d ie Sicherheitskräfte ausge- setzt. Die Situation für die tamilische Bevölkerung im Norden habe sich seit D-7545/2015 Seite 13 Amtsantritt des neuen Präsidenten kaum verbessert. Es habe keine Ver- änderungen in der Struktur und Haltung der Armee, der Polizei sowie des Sicherheitsapparats gegeben. An gewissen Orten habe die Militärpräsenz sogar zugenommen. Auch der umstrittene Prevention of Terrorism Act (PTA) sei nach wie vor in Kraft. Aufgrund all dieser Ausführungen erhelle sich, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfülle und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren sei. 4.4 In der Vernehmlassu ng wendet das SEM ein, der Beschwerdeführer erkläre, er habe sich nicht präzise an alle Daten und Details erinnern kön- nen, weil er (…) Jahre alt gewesen sei, als die Vorfälle geschehen seien. Ob er sich jedoch wöchentlich oder monatlich bei den Behörden habe mel- den müssen, sei ein wesentlicher Unterschied, welcher keine Erinnerung an ein präzises Datum erfordere. Ebenso könne erwartet werden, dass sich der Beschwerdeführer daran erinnere, ob er bei der Arbeit oder der Gross- mutter gewesen sei, als er gesucht worden sei. Dies sei auch noch nicht allzu lange her und es handle sich bei diesem Vorbringen um einen pr ä- genden Moment und ein einschneidendes Ereignis. Der Beschwerdeführer mache weiter geltend, es habe während der Anhörung Verständigungs- probleme mit dem Dolmetscher gegeben und seine Antworten seien knapp übersetzt worden. Dem könne nicht zugestimmt werden, zumal der Be- schwerdeführer angegeben habe, den Dolmetscher zu verstehen (vgl. act. A15, F1), und ihm die Gelegenheit gegeben worden sei, sich ausführlich zu äussern (vgl. u.a. F46). Ferner werde anhand der Beispiele, die der Be- schwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift nenne (vgl. F14/ 99/ 104/ 109) nicht ersichtlich, weshalb die Fragen nicht klar und deutlich übersetzt wor- den sein sollten. F52 weise keine Mängel des Dolmetschers auf, sondern eine vorangehende unklare Antwort des Beschwerdeführers. Gerade weil aus den Ausführungen von Letzterem nicht klar geworden sei, ob es sich um einen Laden oder ein Lager gehandelt haben soll, sei nachgefragt wor- den, um die Unklarheit zu bereinigen. Dies gelte auch für die Rolle des Lageristen. Aus der Anhörung gehe her vor, dass der Lagerist der Vorge- setzte des Beschwerdeführers gewesen sei; der Widerspruch habe geklärt werden können ( vgl. F148) und sei im Asylentscheid nicht als Argument verwendet worden. In diesem Sinne seien Unklarheiten, die auch durch Nervosität hätten entstehen können, bereinigt. Auch die Angabe, der Be- schwerdeführer habe aus kulturellen Gründen, aus Schüchternheit und weil er sein Gesicht nicht habe verlieren wollen, nicht zugegeben, dass er sich nicht mehr erinnern könne , und darum einmal gesagt h abe, er habe sich bei seiner Grossmutter aufgehalten, das andere Mal, er sei am Arbei-D-7545/2015 Seite 14 ten gewesen, bleibe fragwürdig. Das SEM erachte ferner die Schilderun- gen des C ricketspiels und des damit verbundenen Vorbringens nach wie vor als nicht substantiiert. So habe der Vorfall nur durch stetes Nachfragen eruiert werden können. Seine Aussagen seien oberflächlich geblieben und hätten sich auf die Wiedergabe der Handlungsabfolge beschränkt. Der Be- schwerdeführer habe knappe stereotype Angaben gegeben, so zum Bei- spiel zur Beschreibung der zwei Personen, welche ihn und seine Freunde geschlagen haben sollen (vgl. F110). 4.5 In der Replik wird unter Hinweis auf die Ausführungen in der Beschwer- deschrift ausgeführt, die Vorinstanz behaupte, es könne verlangt werden, dass sich der Beschwerdeführer daran erinnere, ob er sich bei der Arbeit oder seiner Grossmutter aufgehalten habe, als er gesucht worden sei. Zu- nächst müsse dazu berichtigt werden, dass es sich nicht um die leibliche Grossmutter, sondern um eine gelähmte Bekannte nam ens H._______ handle, die der Beschwerdeführer regelmässig gepflegt und bei der er oft übernachtet habe. Es sei zu betonen, dass sich der Beschwerdeführer in der Anhörung nicht wohlgefühlt habe und sich schlecht habe konzentrieren können. Hinzu komme seine starke Schüchternheit, die es auch der Rechtsvertretung erforderlich mache, sehr genau und mehrmals nachzu- fragen, bis sie ausführliche Antworten erhalte. Dass die Zeit dafür in der Anhörung nicht gereicht habe, sei nachvollziehbar. Aus diesem Grund hät- ten jedoch einige Punkte nicht abschliessend geklärt werden können. Der Beschwerdeführer habe sich oft nicht eindeutig ausgedrückt. Da er bei H._______ übernachtet habe, von da zur Arbeit gefahren und erst am Mit- tag nach Hause gegangen sei, würden seine beide n Aussagen im weiten Sinne stimmen. Er wisse nicht genau, wann er am Morgen gesucht worden sei, wohl jedoch als er bereits bei der Arbeit gewesen sei. Je nach Frage- stellung habe er sodann ausgeführt, dass er sich am Morgen noch bei sei- ner sogenannten Grossmutter aufgehalten habe oder eben bereits bei der Arbeit gewesen sei. Zu den Verständigungsproblemen mit dem Dolmetscher sei anzumerken, dass der Beschwerdeführer letzteren zwar gut verstanden habe (vgl. act. A15, F1), aber seine Aussagen teilweise ungenau übersetzt worden seien. Dies habe sich der Rechtsvertretung sehr offensichtlich gezeigt, als sie ge- wisse Fragen aus der Anhörung wiederholt und der Beschwerdeführer er- staunt reagiert und versichert habe, dass ihm die Frage nicht genau gleich gestellt worden sei. Die Fragen F14, F99 in Zusammenhang mit F104 so- wie F109 seien dem Beschwerdeführer nicht eindeutig gestellt worden, so- dass auch seine Antworten ungenau ausgefallen seien. D-7545/2015 Seite 15 Zum Cricketspiel und der Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass die dies- bezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers ungenügend substan- tiiert seien, weshalb davon ausgegangen werden müsse, dass diese nicht stimmen würden, sei zu sagen, dass der Beschwerdeführer durchaus de- taillierte Angaben zu den Erlebnissen jenes Abends gemacht habe. Er habe alle Fragen genau beantwortet. Dass er meist erst auf Nachfragen genauere Antworten gegeben habe, hänge mit seiner Schüchternheit zu- sammen. Da die Angreifer dunkel gekleidet gewesen seien und Motorrad- helme getragen hätten, habe der Beschwerdeführer keine detaillierten Be- schreibungen dieser zwei Personen machen können. Er sei bei dem Vorfall verängstigt gewesen und so rasch als möglich geflüchtet. Es sei nicht er- sichtlich, welche weiteren erlebnisorientierten Elemente die Vorinstanz ver- lange. Die Zweifel Letzterer seien somit unbegründet. 5. 5.1 Zunächst ist auf die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerde- führers einzugehen. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten wi- dersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person p ersönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf ge- fälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduzi ertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwie- gend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaub- haftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebracht e Sachver- haltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdi- gung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, 2010/57 E. 2.3). D-7545/2015 Seite 16 5.2 Vorliegend bestehen erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vor- bringen des Beschwerdeführers und im Wesentlichen kann auf die Ausfüh- rungen der Vorinstanz verwiesen werden. Entgegen der Einschätzung der Vorinstanz ist jedoch das alternierende Benutzen der Begriffe der sri-lanki- schen Armee und des CID nicht als wesentlicher Faktor anzusehen, wel- cher gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen spricht. Dass der Beschwer- deführer und sein Umfeld diese Begriffe bezüglich zivil gekleideten Perso- nen der Armee beziehungsweise des CID im gleichen Sinne benutzten, ist durchaus denkbar. Auch die Erklärungen in der Anhörung, der Beschwerde und der Replik, wo er sich am Morgen nach dem Cricket-Abend befunden habe und dass er je nach Fra ge anders geantwortet habe (vgl. u.a. act. A15, F147), wirken der Widersprüchlichkeit der Aussagen entgegen. Die Ausführung, dass er zuerst bei H._______ – teils auch Grossmutter ge- nannt – gewesen und anschliessend zur Arbeit gegangen sei und jeweils den einen oder den anderen Ort in den Befragungen genannt habe, ver- mag den Widerspruch aufzuklären. 5.3 Den übrigen von der Vorinstanz aufgezählten Unglaubhaftigkeitsmo- menten ist zuzustimmen. Insbesondere ist der Widerspruch zwischen der Pflicht, während ungefähr eines Jahres wöchentlich (vgl. act. A3, Ziff. 9.01) beziehungsweise monatlich (vgl. act. A15, F91) bei den sri-lankischen Be- hörden Unterschrift zu leisten , erheblich. Auch wenn dies mittlerweile schon etwa (…) Jahre her ist, sollte ein solcher Unterschied – sich entwe- der ungefähr zwölf Mal oder circa 52 Mal melden zu müssen – noch in Erinnerung sein, auch wenn der Beschwerdeführer damals erst (…) Jahre alt war. Ausserdem hat Letzterer in der Anhörung genau präzisiert, dass er jeweils am (…) Tag des Monats habe vorbeigehen müssen (vgl. act. A15, F91), was den Widerspruch zusätzlich unterstreicht. An dieser Stelle ist ausserdem anzumerken, dass der Beschwerdeführer in der BzP sowie in der Anhörung stets von einer Verhaftung sprach, in der Beschwerde jedoch erwähnt, zwei Mal verhaftet worden zu sein. Dies begründet zusätzliche Zweifel. Weiter erzählte der Beschwerdeführer, wie die Vorinstanz zutref- fend ausführte, den Vorfall beim Cricket -Abend oberflächlich und ohne Nennung vieler Details. Widersprüchlich sind auch die Antworten des Be- schwerdeführers auf die Fragen in der Anhörung, mi t wem er Cricket ge- spielt habe. Auf die erste Frage hin nannte er (…) Personen namentlich (vgl. act. A15, F100). Allerdings zählte er in der darauf folgenden Frage F101 betreffend die Freunde, mit welchen er anschliessend Alkohol getrun- ken habe, drei andere Personen auf – solche, die er in der vorangehenden Frage nicht genannt hatte. In F103 bestätigte er wiederum, dass er mit die-D-7545/2015 Seite 17 sen drei zuletzt genannten Freunden zusammen gespielt und Alkohol ge- trunken habe. Warum er nicht von Anfang an alle Personen aufzählte, ist nicht nachvollziehbar und weist auf einen Widerspruch hin. Auch wenn der Beschwerdeführer zwar vereinzelte Elemente bezüglich des Vorfalls ge- nauer beschrieb, reicht dies nicht aus, um mit ausreichend hoher Wahr- scheinlichkeit von tatsächlich Erlebtem ausgehen zu können. Zu den in der Beschwerde geltend gemachten Verständigungsschwierigkeiten mit dem Dolmetscher und den Übersetzungsproblemen kann erstens auf die Aus- führung der Vorinstanz verwiesen werden, dass der Beschwerdeführer in der Anhörung angab, den Dolmetscher zu verstehen (vgl. act. A15, F1). Zweitens ist anzumerken, dass den kleineren Unterschieden keine wesent- liche Bedeutung bei der Einschätzung der unzureichenden Glaubhaftma- chung beigemessen wird. Dass der Beschwerdeführer während der Anhö- rung nervös und schüchtern war, ist ausserdem gut möglich. Allerdings ver- mögen diese allfälligen Umstände, wie auch die tamilische Kultur des Be- schwerdeführers, die Zweifel an de r Glaubhaftigkeit nicht um zustossen. Insgesamt kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass es einen Vorfall anlässlich eines Cricket -Abends gegeben hat, allerdings lassen die Aus- führungen des Beschwerdeführers nicht mit überwiegender Wahrschein- lichkeit auf die Glaubhaftigkeit des Vorbringens schliessen. 5.4 Ausserdem vermögen weder das eingereichte Arbeitszeugnis der Ko- operative noch die sri -lankische Identitätskarte des Beschwerdeführers noch sein Geburtszertifikat etwas an dieser Einschätzung zu ändern. 5.5 Die Vorinstanz hat somit zu Recht verneint, dass der Beschwerdeführer eine asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft machen konnte. 6. 6.1 Im vorliegenden Fall ist auch nicht davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka aus anderen Grün- den flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen zu befürchten hätte. 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (Referenzurteil) eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehren- den nach Sri Lanka vorgenommen (vgl. a.a.O. E. 8) und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsu- chende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei D-7545/2015 Seite 18 der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risiko- faktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, Teilnahme an exilpolitischen regimekrit ischen Handlungen und Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermut eten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1- 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspa- piere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Mig- ration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sicht- baren Narben (sog. schwach risikobegrün dende Faktoren, vgl. a. a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub- haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson- dere jene Rückkehrer eine begr ündete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behör- den zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separa- tismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1). 6.3 Aufgrund der Akte nlage ist nicht davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer einer Risikogruppe angehört . Er hat zwar einen Bruder, welcher gemäss eigenen Angaben Mitglied der LTTE gewesen und vor mehr als zehn Jahren nach London geflüchtet sei, allerdings lässt sich da- raus nicht ableiten, dass auch der Beschwerdeführer eine Verbindung zu den LTTE gehabt haben soll. Weiter macht er geltend, sein Chef in der Kooperative habe Verbindungen zu den LTTE gehabt, weshalb auch er (der Beschwerdeführer) im Rahmen seiner Anstellung indirekt gewisse Leistungen für LTTE-nahe Leute erbracht habe. Aufgrund dessen sei er im Jahr 2008 auch einmal verhaftet worden und habe sich anschliessend re- gelmässig bei der sri-lankischen Armee melden müssen. Aus der Haft sei er jedoch nach einem Tag freigelassen worden, und auch von der Melde- pflicht sei er nach ungefähr einem Jahr offiziell befreit worden. Demzufolge ist davon auszugehen, dass die sri -lankischen Behörden dies als abge- schlossen erachten. Weiter führte der Beschwerdeführer aus, sein Freund G._______, welcher der LTTE auf verschiedene Arten geholfen habe, habe anlässlich einer Inhaftierung durch das CID angegeben, er (der Beschwer- deführer) sei ebenfalls in Verbindung mit der LTTE, auch aufgrund seiner D-7545/2015 Seite 19 Anstellung in der Kooperative . Sodann könnten vermeintliche Verbindun- gen des Beschwerdeführers mit de n LTTE seitens der sri-lankischen Be- hörden vermutet werden. Die Inhaftierung von G._______ und die dabei angeblich gemachten Aussagen über den Beschwerdeführer konnten al- lerdings – wie in den Erwägungen 5.1-5.4 ausgeführt – nicht ausreichend glaubhaft gemacht werden, so dass diesbezüglich nichts zum allfälligen Risikoprofil des Beschwerdeführers hinzuzufügen ist . Ferner wird in der Beschwerde ausgeführt, der Beschwerdeführer s ei illegal aus Sri Lanka ausgereist, weshalb er Probleme bei einer allfälligen Wiedereinreise er- warte. Dies kann möglicherweise ein Risikofaktor sein, ist allerdings nicht alleine ausschlaggebend, sondern muss zusammen mit den anderen Ele- menten bewertet werden. Im Weiteren hat der Beschwerdeführer nicht gel- tend gemacht, sich exilpolitisch gegen das sri-lankische Regime zu enga- gieren oder gut sichtbare Narben zu haben. Den Vorbringen des Beschwer- deführers sind auch sonst keine Hinweise zu entnehmen, aufgrund derer ihm ein Profil zu bescheinigen wäre, das ihn angesichts der heutigen Situ- ation in Sri Lanka als eine in asylrechtlich relevanter Weise gefährdete Per- son erscheinen lässt. 6.4 Zusammenfassend ergeben sich aufgrund einer gesamthaften Be- trachtung keine wesentlichen Elemente eines möglichen Risikoprofils. So- mit ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft machen konnte und deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Das SEM hat dem- nach das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis D-7545/2015 Seite 20 nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werd en (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen od er glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafü r, dass er für den Fall einer Aus- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt wären. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folter- ausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ( «real risk ») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge- gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124 ff. m.w.H.). Dies ist ihm unter Hinweis auf die vorstehenden Ausführungen im D-7545/2015 Seite 21 Asylpunkt nicht gelungen. Er gehört keiner in Bezug auf die Flüchtlingsei- genschaft relevanten Risikogruppe an, weshalb nicht davon auszugehen ist, ihm drohe im Rahmen der routinemässigen Überprüfung bei der Rück- kehr diesbezüglich eine unmenschliche Behandlung. Die allgemeine Men- schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu- tigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzur- teil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2). 8.4 8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Urteil E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Lagebeurteilung vor (vgl. a.a.O. E. 13.2-13.4). Betreffend die Nordprovinz, aus der der Beschwerdeführer stammt und in der er bis zur Ausreise vorwiegend lebte, hielt es zusammenfassend Fol- gendes fest: Während die Wirtschaft im Distrikt Jaffna in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt habe, bleibe die ökonomische Lage ins- besondere der ländlichen tamilischen Bevölkerung in der übrigen Nordpro- vinz angesichts der andauernden Besetzung von privatem und öffentli- chem Land durch das sri -lankische Militär respektive der weiterhin hohen Zahl an intern Vertriebenen sowie der verhältnismässig hohen Lebenskos- ten nach wie vor fragil. Auch die humanitäre Lage habe sich angesichts der anhaltend hohen Militärpräsenz nicht grundlegend verändert (vgl. a.a.O., E. 13.3.3). In der ehemaligen Kriegszone, insbesondere in den Distrikten Kilinochchi und Mullaitivu, wo die gesamte Bevölkerung in der letzten Phase des Bürgerkrieges vertrieben worden, mittlerweile aber grössten- teils wieder dorthin zurückgekehrt sei, sei die Situation besonders prekär. So seien die Spuren des Krieges dort längst nicht alle beseitigt. Die Unter- stützung beim respektive die Kompensation für den Aufbau der zerstörten Häuser der Rückkehrenden sei bislang weitgehend ausgeblieben und die Entwicklungsdefizite in der Region seien unübersehbar. Trotz der bereits erfolgten Dekontaminierungsbemühungen seien weiterhin nicht unerhebli- che Teile der Distrikte Kilinochchi, Mullaitivu und Mannar vermint. Schliess- lich sei davon berichtet worden, dass es vor allem in der ehemaligen Kriegszone an Erwerbsmöglichkeiten fehle und die Armutsgrenze dort drei- bis fünfmal höher liege, als jene im Rest des Landes. Folglich geht das D-7545/2015 Seite 22 Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des «Vanni-Gebiets» im Sinne der Defini- tion in BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1) dann zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines trag- fähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sow ie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann. Die Frage, wie die Situation im «Vanni-Gebiet» einzuschätzen sei, wurde of- fengelassen (vgl. a.a.O. E. 13.3.3). 8.4.3 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung aus, der Beschw er- deführer stamme ursprünglich aus D._______ (Jaffna Distrikt, Nordpro- vinz), wo er praktisch ohne Unterbruch bis zuletzt gelebt habe. Somit habe er vor seiner Ausreise jahrelang in der Nordprovinz gelebt. Weder die vor Ort herrschende Sicherheitslage noch individuelle Gründe würden vorlie- gend der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen. Viel- mehr verfüge der Beschwerdeführer in seiner Heimat über ein tragfähiges Beziehungsnetz, zumal seine Eltern, Geschwister, Tanten und Onkel dort leben würden und ihn bei einer Rückkehr unterstützen könnten. Ferner sei er jung, gesund und gebilde t und verfüge bereits über eine berufliche Er- fahrung, womit ihm der Aufbau einer wirtschaftlichen Lebensgrundlage möglich sei. 8.4.4 Den Ausführungen der Vorinstanz ist vorliegend vollumfänglich zuzu- stimmen. Überdies wurde dem weder in der Beschwerde noch in der Replik etwas entgegengehalten. 8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sac hverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. D-7545/2015 Seite 23 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege mit Verfügung vom 7. Dezember 2015 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) D-7545/2015 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bendicht Tellenbach Karin Fischli Versand: