<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 122 S.587</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">587</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>IV. Strafvollzug</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>122 Widerruf der Bewilligung der Strafverbüssung in Form der Halbgefan-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>genschaft und Anordnung des Normalvollzugs.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Haft- und Gefängnisstrafen sind gemeinsam zu vollziehen. Kommt zur</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Gefängnisstrafe nachträglich eine Haftstrafe hinzu und übersteigt die Ge-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>samtdauer der Strafen die zulässige Höchstdauer von 6 Monaten für die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Bewilligung der Halbgefangenschaft, so ist diese zu widerrufen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 9. März 2005 i.S. K.W. M.-G.</span><br/> <span class="ft4">gegen Departement des Innern</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. a) Die Sektion Straf- und Massnahmenvollzug (nachfolgend:</span><br/> <span class="ft6">Vorinstanz) begründet die angefochtene Verfügung damit, dass Haft-</span><br/> <span class="ft6">und Gefängnisstrafen, die wie im vorliegenden Fall im Vollzug zu-</span><br/> <span class="ft6">sammen fallen, gemäss Art. 2 Abs. 3 VStGB 1 gemeinsam zu voll-</span><br/> <span class="ft6">ziehen seien. Der Beschwerdeführer habe, unter Anrechnung von 1</span><br/> <span class="ft6">Tag Untersuchungshaft, eine Strafe von insgesamt 6 Monaten und 4</span><br/> <span class="ft6">Tagen zu verbüssen. Dementsprechend sei die für die Halbgefangen-</span><br/> <span class="ft6">schaft zulässige Maximaldauer von 6 Monaten gemäss § 39 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">SMV überschritten. Entsprechend § 44 SMV sei die rechtskräftig</span><br/> <span class="ft6">ausgesprochene Bewilligung für den Vollzug im Sonderregime zu</span><br/> <span class="ft6">widerrufen, da eine Voraussetzung für den besonderen Vollzug weg-</span><br/> <span class="ft6">gefallen sei.</span><br/> <span class="ft6">b) Der Beschwerdeführer wendet dagegen im Wesentlichen ein,</span><br/> <span class="ft6">die erst nach erfolgter Bewilligung der Halbgefangenschaft (29. Juli</span><br/> <span class="ft6">2004) am 11. August 2004 vom Bezirksamt Bremgarten ausgefällte</span><br/> <span class="ft6">Strafe von 5 Tagen Haft, abzüglich 1 Tag Untersuchungshaft, sei als</span><br/> <span class="ft6">eigenständige Strafe zu qualifizieren. Der Vollzug dieser Strafe habe</span><br/> <span class="ft6">nichts mit dem Vollzug der Gefängnisstrafe von 6 Monaten zu tun, es</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">588</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">handle sich mithin nicht um einen gemeinsamen Vollzug im Sinne</span><br/> <span class="ft6">von § 39 Abs. 2 SMV. Demnach gehe es nicht an, im nachhinein die</span><br/> <span class="ft6">Dauer zusammen zu zählen und die beiden Strafen gemeinsam zu</span><br/> <span class="ft6">vollziehen. Nachdem der Strafantritt für die Strafe von 6 Monaten</span><br/> <span class="ft6">auf den 1. April 2005 festgelegt worden sei, habe die Möglichkeit be-</span><br/> <span class="ft6">standen - und bestünde auch weiterhin -, dass er (der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer) die restliche Haftstrafe von 4 Tagen vorher verbüssen könne,</span><br/> <span class="ft6">zumal in diesem Fall überhaupt keine öffentlichen Interessen tangiert</span><br/> <span class="ft6">seien. Voraussetzung für einen Widerruf sei gemäss § 26 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">VRPG aber, dass wichtige öffentliche Interessen einen solchen erfor-</span><br/> <span class="ft6">dern; die Aufhebung der Bewilligung verstosse somit gegen diese</span><br/> <span class="ft6">Bestimmung.</span><br/> <span class="ft6">2. a) Treffen Haftstrafen und eine Gefängnisstrafe im Vollzug</span><br/> <span class="ft6">zusammen, so sind sie gemeinsam entsprechend der Dauer der Ge-</span><br/> <span class="ft6">fängnisstrafe gemäss den Artikel 37, 37</span><span class="ft7"><sup>bis</sup></span> <span class="ft6">Ziffer 1 Absatz 1 oder Zif-</span><br/> <span class="ft6">fer 2 StGB zu vollziehen (Art. 2 Abs. 3 VStGB 1). Gemäss Art. 1</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 VStGB 3 und § 39 SMV können sodann Freiheitsstrafen bis</span><br/> <span class="ft6">zu 6 Monaten, nicht aber Umwandlungsstrafen, in der Form der</span><br/> <span class="ft6">Halbgefangenschaft vollzogen werden (§ 39 Abs. 1 SMV). Massgeb-</span><br/> <span class="ft6">lich ist die von der urteilenden Behörde ausgesprochene Strafdauer</span><br/> <span class="ft6">ohne Abzug von Untersuchungshaft oder bereits erstandenen Teil-</span><br/> <span class="ft6">strafen. Beim gemeinsamen Vollzug mehrerer Strafen wird auf die</span><br/> <span class="ft6">Gesamtdauer abgestellt (§ 39 Abs. 2 SMV). Gemeinsam zu voll-</span><br/> <span class="ft6">ziehende Strafen müssen im Übrigen weder zum gleichen Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft6">noch von denselbem Gericht ausgesprochen worden sein, wie der</span><br/> <span class="ft6">Beschwerdeführer anzunehmen scheint. Aus Art. 3 VStGB 1 ergibt</span><br/> <span class="ft6">sich sogar, dass die Strafen aus verschiedenen Kantonen stammen</span><br/> <span class="ft6">können. Aus den nachfolgenden Gründen ist auch im vorliegenden</span><br/> <span class="ft6">Fall auf die Gesamtdauer der zu vollziehenden Strafen abzustellen</span><br/> <span class="ft6">und damit eine Berechtigung zum Vollzug in Halbgefangenschaft ab-</span><br/> <span class="ft6">zulehnen:</span><br/> <span class="ft6">Im Bereich der Sondervollzugsform der Halbgefangenschaft</span><br/> <span class="ft6">findet sich in § 44 SMV eine spezialgesetzliche Regelung des Wider-</span><br/> <span class="ft6">rufs, welcher naturgemäss "im nachhinein" und damit erst nach Ein-</span><br/> <span class="ft6">tritt der formellen Rechtskraft eines Entscheides erfolgt (vgl. Ulrich</span><br/> <span class="ft6">Häfelin/Georg Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A., Zürich</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafvollzug</span> <span class="page_no">589</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">2002, N 994 ff.). Die Bewilligung wird demgemäss u.a. dann</span><br/> <span class="ft6">widerrufen, wenn die Voraussetzungen für den besonderen Vollzug</span><br/> <span class="ft6">weggefallen sind (Abs. 1 lit. b). Voraussetzung für die Bewilligung</span><br/> <span class="ft6">der Halbgefangenschaft ist aber u.a. eine Höchstdauer der zu vollzie-</span><br/> <span class="ft6">henden Strafe oder der gemeinsam zu vollziehenden Strafen von 6</span><br/> <span class="ft6">Monaten. Diese wird hier unbestrittenermassen überschritten, so dass</span><br/> <span class="ft6">sich der Widerruf der Bewilligung zum Vollzug in Halbgefangen-</span><br/> <span class="ft6">schaft schon aus diesem Grund als zulässig erweist. Auf § 26 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">VRPG muss nicht zurückgegriffen werden, weshalb auch offen blei-</span><br/> <span class="ft6">ben kann, ob der Widerruf durch wichtige öffentliche Interessen</span><br/> <span class="ft6">gefordert ist; § 44 SMV hat diese Abwägung bereits vorgenommen.</span><br/> <span class="ft6">Ziff. 6 der Bewilligungsverfügung der Vorinstanz vom 29. Juli 2004</span><br/> <span class="ft6">enthält zudem einen sog. Widerrufsvorbehalt. Demnach kann bei</span><br/> <span class="ft6">strafbaren Handlungen, begangen nach Zustellung der Verfügung,</span><br/> <span class="ft6">die Gewährung des Sondervollzugs neu geprüft werden. Zwar ent-</span><br/> <span class="ft6">spricht der Wortlaut dieses Widerrufsvorbehalts nicht genau dem</span><br/> <span class="ft6">zeitlichen Ablauf im vorliegenden Fall: hier beging der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">führer die zweite strafbare Handlung am 23. Juli 2004 und somit so-</span><br/> <span class="ft6">gar bereits vor Erlass dieser Verfügung. Die angefügte Widerrufs-</span><br/> <span class="ft6">klausel bringt aber deutlich zum Ausdruck, dass auch im Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft6">der Ausfertigung der Verfügung noch nicht bekannte Straftaten im</span><br/> <span class="ft6">Sinne von Art. 2 Abs. 3 VStGB 1 gemeinsam mit der bereits zum</span><br/> <span class="ft6">Vollzug gemeldeten Strafe vollzogen werden sollen; dies ohne Frage</span><br/> <span class="ft6">mindestens solange, als der Vollzug der Erststrafe erst angesetzt und</span><br/> <span class="ft6">überhaupt noch nicht begonnen hat. Wäre dem nicht so, würde der</span><br/> <span class="ft6">entsprechenden bundesrechtlichen Regelung über den gemeinsamen</span><br/> <span class="ft6">Vollzug von mehreren ausgefällten Strafen faktisch die Anwendung</span><br/> <span class="ft6">versagt.</span><br/> <span class="ft6">b) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Strafvollzug in der</span><br/> <span class="ft6">Form der Halbgefangenschaft durch die Vorinstanz zu Recht</span><br/> <span class="ft6">widerrufen wurde. Von Amtes wegen ist allerdings Ziff. 1 der ange-</span><br/> <span class="ft6">fochtenen Verfügung so zu berichtigen, als die mit Verfügung vom</span><br/> <span class="ft6">29. Juli 2004 erteilte Bewilligung für eine Strafverbüssung in Form</span><br/> <span class="ft6">der Halbgefangenschaft gestützt auf das oben Ausgeführte widerru-</span><br/> <span class="ft6">fen - statt abgebrochen - wird. Der Beschwerdeführer hat demzufolge</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">590</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">die gegen ihn ausgesprochenen Freiheitsstrafen von einer Gesamt-</span><br/> <span class="ft6">dauer von 6 Monaten und 5 Tagen im Normalvollzug zu verbüssen.</span><br/></div> </div> </body> </html>