<h2>SubmittedText<h2><p>In einem Artikel der Zeitschrift "Agrarforschung Schweiz" steht: "Während die Emissionen der direkten landwirtschaftlichen Produktion durch Abnahme der Tierbestände und des Mineraldüngereinsatzes zwischen 1990 und 2011 um etwa 8 Prozent gefallen sind, stiegen die Emissionen durch Nahrungsmittelimporte im gleichen Zeitraum um gut 70 Prozent." </p><p>Aufgrund dieser wissenschaftlich klar belegten Feststellungen stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Sollte der Bundesrat die einheimischen Ackerkulturen - insbesondere das Futtergetreide - nicht stärker fördern, anstatt den Grenzschutz schrittweise abzubauen, wie er es vor Kurzem gemacht hat? Letzteres fördert die Einfuhr von Nahrungsmitteln, die für die Zunahme der Treibhausgase hauptsächlich verantwortlich sind, noch stärker.</p><p>2. Ist der Bundesrat angesichts der starken Zuwanderung, die die Schweiz seit den Neunzigerjahren erfährt, nicht der Ansicht, dass die von der Schweizer Landwirtschaft bis anhin unternommenen Anstrengungen zur Effizienzsteigerung bemerkenswert sind und dass deshalb vielmehr die Strategie in Bezug auf die Einfuhr von Nahrungsmitteln neu ausgerichtet werden sollte?</p><p>3. Die Expertinnen und Experten kommen zum Schluss, dass das Emissionsvolumen der landwirtschaftlichen Produktion zu gering ist, um im Bereich der landwirtschaftlichen Betriebsmittel und des Energieverbrauchs eine starke Reduktion zu erwarten. Ist der Bundesrat mit seiner Agrarpolitik der "intensiven Extensivierung" nicht völlig auf dem Holzweg?</p><p>4. Bezweckt der schleichende Abbau des Grenzschutzes, der unter verschiedensten Vorwänden stattfindet, im Endeffekt nicht hauptsächlich, die Möglichkeiten zur Einfuhr von Nahrungsmitteln zu erweitern, anstatt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Landwirtschaft zu verbessern? Gemäss der obenerwähnten Studie steht dies in einem klaren Widerspruch zu einer wirkungsvollen Reduktion der CO2-Emissionen. Wie erklärt der Bundesrat diese Widersprüche?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Weltklimarat IPCC schätzt, dass etwa 14 Prozent der globalen Treibhausgase direkt auf die landwirtschaftliche Produktion zurückzuführen sind. Das nationale Treibhausgasinventar weist für die Schweizer Landwirtschaft einen Anteil von 12 Prozent aus. Die Schweiz ist Teil eines globalen Land- und Ernährungssystems, 55 Prozent des Nettokalorienbedarfs produziert sie selber, für den Rest ist sie auf Importe angewiesen. Es ist dem Bundesrat ein Anliegen, die Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion so zu nutzen, dass sie auch künftigen Generationen für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen. Die vom BLW erarbeitete Klimastrategie Landwirtschaft sieht ambitiöse Ziele vor, welche die Reduktion der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft und die Anpassung der Produktion an den Klimawandel betreffen.</p><p>1./4. Die Höhe der Treibhausgasemissionen wird in erster Linie durch die Art des Produkts, seine Herstellungsweise und Weiterverarbeitung bestimmt. Relevant ist auch, wie die Lebensmittel zubereitet werden und welcher Anteil als Food Waste verlorengeht. Die Herkunft respektive die beim Transport entstehenden Emissionen sind für Güter des täglichen Verzehrs von untergeordneter Bedeutung. </p><p>Eine spezifische Förderung der inländischen Futtergetreideproduktion hätte eine Verdrängung von anderen Kulturen - was bei diesen den Importbedarf erhöhen würde - und/oder eine intensivere Bewirtschaftung anderer Flächen zur Folge. Die Treibhausgasemissionen würden dadurch nicht reduziert, sondern verlagert. Eine Veränderung der Höhe des Grenzschutzes hätte bei einer Gesamtbetrachtung ebenfalls kaum einen wesentlichen Einfluss auf die Treibhausgasbilanz.</p><p>2./3. Die Treibhausgasemissionen der landwirtschaftlichen Produktion konnten in der Schweiz über die letzten 25 Jahre reduziert werden. Dies ist umso erfreulicher, als während derselben Zeitspanne die Nahrungsmittelproduktion um über 10 Prozent zugenommen hat. Eine weitere Effizienzsteigerung (sprich weniger Emissionen pro Nahrungsmittelkalorie) ist möglich und nötig. Die Klimastrategie Landwirtschaft zeigt entsprechende Handlungsfelder auf. Die Optimierung von Stoff- und Energiekreisläufen sowie beispielsweise auch die Zucht von effizienteren Nutztieren können helfen, den Futtermittelbedarf und damit Futtermittelimporte zu reduzieren. Nötig sind auch Verhaltensänderungen auf der Nachfrageseite (weniger Emissionen pro Warenkorb). Verschiedene Anstrengungen - beispielsweise bezüglich Ernährungszusammensetzung und Food Waste - sind lanciert. Sie zielen durch Sensibilisierungen darauf ab, Gewohnheiten und Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten in nachhaltigere Bahnen zu leiten.</p>  Antwort des Bundesrates.