B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Abteilung V E-559/2010 U r t e i l v o m 1 6 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Barbara Frei-Koller, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2009 / N (…). E-559/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heima t- staat im Dezember 2006 und gelangt e – nach einem Aufenthalt von rund einem Jahr und acht Monaten in Malaysia – via Dubai und Österreich mit einem gefälschten Pass unter Umgehung der Grenzkontrolle am 2. Se p- tember 2008 in die Schweiz, wo er tags darauf im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nachsuchte. Am 16. September 2009 fand im EVZ B._______ die summari sche Befragung zur Person statt und am 13. August 2009 erfolgte die Bundesanhörung zu den Asy l- gründen. Anlässlich der Kurzbefragung sowie der Anhörung machte der Beschwe r- deführer im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie und stamme aus C._______ (Nordprovinz, Jaffna), wo er bis im Jahr 1995 gelebt ha- be. Anschliessend sei er nach D._______ (Vanni-Gebiet) gezogen, wo er eine eigene (…) gehabt habe. Die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) hätten regelmässig bei ihm (…) gekauft. Für grössere Lieferungen habe er ihren Wagen brauchen dürfen. Politisch sei er nie aktiv gewesen. Im Jahre 2002 habe er bei einer Versteigerung die Pachtrechte für einen Markt in C._______ erworben, weshalb er dorthin zurückgekehrt sei. Nach einiger Zeit sei er von den Eelam People's Democratic Party (EPDP) bedroht und wegen Verdachts, die LTTE zu unterstützen aufge- fordert worden , die Pachtrechte dem ehemaligen Besitzer zurückzug e- ben. Da er sich geweigert habe, hätte n die EPDP das Militär sowie das Criminal Investigatio ns Department of Sri Lanka (CID) auf ihn gehetzt. Diese seien regelmässig zu ihm gekommen und hätten gefragt, ob er Mitglied der LTTE sei. Da er einerseits wiederholt von Leuten der EPDP bedroht und schikaniert worden sei und andererseits die LTTE von ihm verlangt hätten, Waffen für sie zu schmuggeln, habe er C._______ im Ju- ni 2006 verlassen und sei nach Colombo gegangen. Da er den LTTE kei- ne Hilfe geleistet habe, hätten diese ihm nicht mehr erlaubt , mit seinem Wagen in deren Gebiet Geschäfte zu machen oder durch ihr Gebiet zu fahren. Circa a m 15. Juli 2006 sei er in Colombo von Angehörigen der EPDP wegen Verdachts der Zusammenarbeit mit den LTTE festgenom- men und bis am 2. August 2006 festgehalten worden. Dabei hätten sie ihn ge schlagen, aufgehängt und die Hoden gequetscht. Gegen Beza h- lung von 1.5 Millionen Rupien sei er nach 15 Tagen freigelassen worden. Daraufhin habe er sich bis zu seiner Ausreise bei einem Geschäftspartner in E._______ versteckt. Im Dezember 2006 habe er sein Heimatland ver-E-559/2010 Seite 3 lassen und sei nach Malaysia ausgereist, wo er sich bis am 31. August 2008 aufgehalten habe. Da seine Familienangehörigen nach seiner Au s- reise in Jaffna Probleme wegen ihm gehabt hätten, seien diese ebenfalls nach Colombo gezogen. Aber auch in Colombo seien seine Frau und sein Cousin schikaniert worden . Am 7. März 2009 sei sein Cousin seinetw e- gen von der EPDP mitgenommen, gefoltert und festgehalten worden. Seine Frau sei am 15. März 2009 mitgenommen, misshandelt und einen Tag lang festgehalte n worden. Seine Frau , die Familie seiner Tante und seines Onkels sowie sein Cousin und Cousinen würden weiterhin in Co- lombo leben. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer diverse fremdsprachige Dokumente (teilweise im Original) (Pacht- und Fahrzeug- unterlagen, Anzeige seiner Ehefrau an die Human Right Commission of Sri Lanka [HRC] vom 22. April 2009, eine eidesstattliche Erklärung "Affi- davit" vom 17. Juni 2009 von seiner Ehefrau, wonach sie nach ihrer Ve r- haftung von der Polizei F._______ viermal befragt worden sei, Haftbestä- tigung des Ministry of Defence, Public Security, Law & Order vom 16. März 2009, An zeige beim HRC vom 7. Juli 2009 seines Cousins s o- wie dessen Haftbestätigung des Ministry of Defence, Public Security, Law & Order vom 7. März 2009 und eine Haftbestätigung des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes [IKRK] vom 18. Juni 2009, seinen Cousin betreffend) zu den Akten. Für weitere Ausführungen kann auf die Protokolle bei den Akten verwi e- sen werden. B. Am 5. November 2008 diagnostizierte Dr. med. X., Facharzt FMH für Uro- logie, beim Beschwerdeführer eine symptomatische Spermatozele tes tes links nach einem Hodentrauma . Demzufolge wurde er am 9. Februar 2009 operiert. C. Am 13. März 2009 suchte die Ehefrau des Beschwerdeführers auf d er Schweizer Botschaft in Colombo für sich und ihre Kinder um Einreiseb e- willigung in die Schweiz sowie um Asyl nach. Am 14. September 2009 wurde sie zu den Asylgründen befragt. Am 29. Dezember 2009 lehnte das BFM die Asylgesuche ab und bewilligte ihnen die Einreise in die Schweiz nicht. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. E-559/2010 Seite 4 D. Am 15. Januar 2009 liess der Beschwerdeführer verschiedene ärztliche Berichte in Kopie zu den Akten reichen. E. E.a. Abklärungen des BFM zufolge sei dem Beschwerdeführer am 30. Juni 2008 ein Arbeitsvisum für Italien ausgestellt worden. Mit Schrei- ben vom 23. November 2009 wurde er aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. E.b. Mit Schreiben seiner Rechtsvertreterin vom 3. Dezemb er 2009 liess er ausführen, dass er selbst nichts von diesem Visum wisse. Er habe we- der ein Visum beantragt noch ein solches unterschrieben. Bei der Ausre i- se aus Sri Lanka sei der Schlepper im Besitz des Passes gewesen und nicht er. Er habe den Pass ledigl ich kurz bei den Passkontrollen erhalten, ansonsten aber nie in den Pass geschaut und somit das besagte Visum nicht gesehen. Zu ergänzen bleibe ferner, dass er nicht – wie anlässlich der Anhörung ausgeführt – über Österreich , sondern via Italien in die Schweiz gelangt sei . Ferner habe er sich in Italien ungefähr 30 Tage in einem Zimmer auf gehalten, bevor er auf dem Landweg in die Schweiz weitergereist sei. In Italien habe er aber nie gearbeitet und habe das Zimmer nicht verlassen dürfen. Seinen P ass habe er in Italien dem Schlepper abgegeben. Was seither mit dem Ausweis geschehen sei, wis- se er nicht. F. Mit Verfügung vom 29. Dezember 2009 – am folgenden Tag eröffnet – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. G. Mit Eingabe vom 29. Januar 2010 – Datum Poststempel – an das Bu n- desverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seine R echts- vertreterin Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Ve r- fügung des BFM sei aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren, eventu a- liter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs festzustellen und als Folge davon sei er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsve r-E-559/2010 Seite 5 fahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Auferlegung eines Kostenvorschusses ersuchen. Seiner Beschwerde liess er nebst der Vollmachtserklärung, dem Track und Trace-Auszug und dem vorinstanzlichen Entscheid verschiedene Do- kumente in Kopie (ärztliche Bescheinigung von Dr. Y. , vom 28. Januar 2010 sowie Kopien einer Haftbestätigung des Ministry of Defence, Public Security, Law & Order vom 7. März 2009, seinen Cousin betreffend [in singhalesischer Sprache mit englischer Übersetzung], seine Geburtsu r- kunde sowie jene seines Cousin s [je in tamilischer Sprache], eine Einl a- dung des HRC vom 15. Juli 2009 an die Mutter seines Cousins bezüglich weiterer Informationen über dessen Verhaftung [in tamilischer Sprache], eine Karte des IKRK zur Registrierung der Haft seines Cousins [in engl i- scher Sprache], eine Haftbestätigung seine Ehefrau betreffend des M i- nistry of Defence, Public Security, Law & Order vom 16. März 2003 [in singhalesischer Sprache] und eine Bestätigung des HRC über die Me l- dung der Haft seiner Ehefrau vom 22. April 2009 [in en glischer Sprache]) zu den Akten reichen. Auf die Begründung der Beschwerde und der Beweismittel wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. H. Mit Zwischenverfügung vom 5. Februar 2010 verwies die zuständige I n- struktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Rechtspflege auf einen späteren Zeitpunkt , verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte dem Beschwerdeführer Frist zur Nachreichung einer Fürsorgeabhängigkeit s- bestätigung, der fehlenden Originaldokumente und der Übersetzung en der fremdsprachigen Dokumente. I. Mit Eingabe vom 18. Februar 2010 liess der Beschwerdeführer die g e- wünschten Dokumente zu den Akten reichen. Zusätzlich liess er die G e- burtsurkunden seiner Mu tter im Original mit englischer Übersetzung so- wie jene seiner Tante im Original mit deutscher Übersetzung ins Recht l e- gen. J. Am 3. Februar 2012 liess sich das BFM vernehmen. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 8. Februar 2012 zur Kenntnis gebracht. E-559/2010 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerd e und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff . 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Eine Ausnahme gemäss Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet vorliegend endgültig. 1.3. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG , dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Be schwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen gr und- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaft en Nachteilen ausgesetzt sind oder E-559/2010 Seite 7 begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubh aft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder d en Tatsa- chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insb e- sondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen au s- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwi r- kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für ge wisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, im Rahmen einer G e- samtwürdigung aller Elemente (übereinstimmende Angaben bezüglich des vorgeb rachten Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Vorbringen, persönliche Glaubwürdigkeit) überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Ent - scheidungen und Mitteilungen der vormals zuständi gen Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). Für das Glaubhaftmachen reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vo r- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte w e- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachve r- haltsdarstellung sprechen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.149; Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, Schweize- rische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 161 ff.; EMARK 1996 Nr. 28 E. 3.a S. 270). E-559/2010 Seite 8 4. 4.1. 4.1.1. Das BFM führte in seiner Verfügung vom 29. Dezember 2009 zur Begründung der Verneinung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerd e- führers aus, dessen Vorbringen genügten den Anforderungen an die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaft igkeit) im Sinne von Art. 7 AsylG nicht. In Bezug auf die Begleitumstände und die Motivation, die ihn zur Flucht aus C._______ bewogen hätten, habe er in wesentlichen Punkten unte r- schiedliche Angaben gemacht. Von einer tatsächlich verfolgten Person dürfe jedoch erwartet werden, dass diese imstand e sei, die wichtigsten Geschehnisse, die zur Flucht f ührten, in den wesentlichsten Punkten b e- reits bei der Befragung im EVZ darzutun un d diese inhaltlich gleich la u- tend auch anlässlich der Bundesanhörung wiederzugeben . Dies sei ihm vorliegend nicht gelungen. So habe er anlässlich der Befragung ausg e- führt, Angehörige der EPDP hätten von ihm verlangt , dass er die erstei- gerten Pachtrechte seinem Vorgänger zurückge be, da diese befürchtet hätten, er gebe die Gewinnsteuer den LTTE ab. Nachdem er ihnen mit ei- ner Anzeige gedroht habe, seien diese ruhig gewesen. Des Weiteren hät- ten ihn die LTTE aufgefordert, Waffen für sie zu transportieren, was er j e- doch abgelehnt habe. Danach hätten sie begonnen, Leute wie ihn umz u- bringen. Als im Jahre 2006 auch sein Freund umgebracht worden sei, habe er sich aus Furcht um sein Leb en im Juni 2006 nach Colombo b e- geben (vgl. Akten BFM A2/9 S. 5). Im Widerspruch dazu habe er anläs s- lich der Bundesanhörung zu Protokoll gegeben, nachdem er die Pach t- rechte erworben habe, habe die EPDP d as CID und das Militär auf ihn gehetzt. Weil sie ihn v erdächtigt hätten, Angehöriger der LTTE zu sein, sei er vom Militär und vom CID wiederholt aufgesucht und von Angehör i- gen der EPDP schikaniert worden. Vor diesem Hintergrund habe er C._______ verlassen (vgl. A10/16, F : 69). Aufgrund dieser Darlegungen sei an dem geltend gemachten Sachverhalt zu zweifeln, dies umso mehr, als er kaum einen Marktstand in C._______ hätte unterhalten können, wäre er tatsächlich verdächtigt worden, die LTTE zu unterstützen. Zudem seien die Vorbringen des Beschwerdeführers weder zu seiner be- haupteten Festnahme noch zu der angeblichen Folter glaubhaft ausgefa l- len. Da er weder Klarheit über seine Verfolger noch über deren Verfo l- gungsmotiv habe verschaffen können, sei an seinen Vorbringen erheblich zu zweifeln. Daran ändere auch das in der Schweiz diagnostizierte H o- dentrauma nichts. Daraus gehe nicht hervor, wo und wie diese Verletzung zustande gekommen sei. Vor dem Hintergrund der damals angespannten Lage in Colombo sei ferner seine Schilderung, wonach er am 15. Juli E-559/2010 Seite 9 2006 anlässlich einer Kontrolle seine ID -Karte vorgewiesen und auf ent- sprechende Frage "nicht so ernsthaft" geantwortet haben soll, noch einen weiteren Namen zu haben (vgl. A10/16 F : 75), völlig realitätsfremd und absurd. Aufgrund dieser Ausführungen wäre es dem Beschwerd eführer sicher nicht möglich gewesen, bereits früher aus geschäftlichen Gründen "unzählige Male" vom Norden her nach Colombo gereist zu sein, ohne dass ihm dabei etwas passiert oder er tatsächlich gesucht worden wäre. Ferner sei realitätsfremd, dass er me hr als zwei Jahre nach seiner Au s- reise aus Sri Lanka von der Polizei gesucht worden sei ( vgl. A10/16 F: 57), zumal er sich in seinem Heimatland politisch nicht exponiert und damit nicht dem Profil einer landesweit verfolgten Person entspr ochen habe. Aus demselben Grund sei sein Vorbringen, wonach sein Cousin im März 2009 an seiner Stelle verhaftet worden sei , unglaubhaft. Da seine Ehefrau anlässlich der Anhörung zu ihrem Asylgesuch auf der Schweizer Botschaft behauptet habe, ihr Cousin beziehungsweise der Sohn ihrer Tante sei verhaftet worden (vgl. B11/20 S. 7 f.), sei fraglich, ob die verhaf- tete Person tatsächlich sein Cousin sei. Im Übrigen sei bezüglich der ge l- tend gemachten Verhaftung seiner Ehefrau festzustellen, dass ihre Vo r- bringen als unglaubwürdig (recte: unglaubhaft) erachtet worden seien und ihr Asylgesuch mit separater Verfügung abgelehnt worden sei. Des Weiteren sei nicht nachvollziehbar, dass er mit seinem eigenen Pass nach Malaysia geflogen und daraufhin mit einem gefälschten Pass nach Europa weitergereist sei (vgl. A2/9 S. 4 und 6 , A10/16 F: 118). Zudem ha- be er sich weder erinnern können wann genau er Sri Lanka verlassen habe noch auf welchen Namen und Nationalität der gefälschte Pass au s- gestellt gewesen sei. Erst nach langem Überlegen habe er ausgesagt, der Vorname sei G._______ gewesen (vgl. A10/16 F: 118). Aufgrund des- sen müsse vermutet werden, dass der Beschwerdeführer die näheren Umstände seiner Reise verschweige, dies umso mehr, als Abklärungen ergeben hätten , dass er über ein Arbeitsvi sum für Italien verfügt habe. Daran ändere auch sein Beharren auf seine r Unkenntnis nichts. Auch sei sein Erklärungsversuch, wonach er am 31. August 2008 nach Italien g e- flogen sei und sich dort 30 Tage aufgehalten habe, bevor er mit dem Auto in die Sch weiz gelangt sei, unbehelflich, zumal er sowohl anlässlich der Befragung als auch während der Bundesanhörung stets behauptet habe, in Österreich gelandet und von dort mit dem Wagen in die Schweiz g e- langt zu sein. Darüber hinaus seien diese Angaben nicht stimmig, habe er doch am 3. September 2008 in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht. E-559/2010 Seite 10 Im Übrigen habe sich der Beschwerdeführer mehr als eineinhalb Jahre in Malaysia aufgehalten, ohne dort um Schutz nachzusuchen, was nicht dem Verhalten einer tatsächlich verfolgten Person entspreche. 4.1.2. Unter Verweis auf seine Erwägungen, an denen es vollumfänglich festhalte, führte das BFM i n seiner Vernehmlassung aus, dass der We g- weisungsvollzug des Beschwerdeführers auf die Jaffna -Halbinsel in B e- rücksichtigung des zu publi zierenden U rteils BVGE E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 zumutbar sei. Obwohl er Jaffna bereits vor dem Mai 2009 verlassen habe, v erfüge er dort über ein umfassendes familiäres Beziehungsnetz und damit über eine gesicherte Wohnsituation. 4.2. Nach eingehender P rüfung der Akten ist festzustellen, dass die Vo r- instanz in der angefochtenen Verfügung die Unglaubhaftigkeit der Auss a- gen des Beschwerdeführers überzeugend und rechtskonform dargelegt hat. Diese Erkenntnisse vermag der Beschwerdeführer in seiner Recht s- mitteleingabe nicht umzustossen, so dass auf die zutreffenden Erwägu n- gen des BFM zu verweisen ist. Obwohl dem Beschwerdeführer zuz u- stimmen ist, dass er sich – entgegen den vo rinstanzlichen Ausführungen (vgl. E. I 1., S. 3) – in Bezug auf seine Beweggründe, die zu seiner Flucht aus C._______ führten, nicht widersprochen hat (vgl. A10/16 F: 65 S. 8), ist in Übereinstimmung mit dem BFM an seiner Fluchtmotivation aus C._______ insgesamt zu zweifeln. So ist nicht nachvollziehbar , dass er weder von der EPDP no ch vom CID oder vom Militär unbehelligt Pacht- rechte des Marktes in C._______ hätte unterhalten können, wäre er ta t- sächlich verdächtigt worden, die LTTE zu unterstützen. Dies umso mehr, als dass der CID und das Militär ihre politischen Gegner brutal angreifen und die örtliche Bevölkerung systematisch einschüch tern. Wäre der B e- schwerdeführer damals tatsächlich verdächtigt worden, die LTTE zu u n- terstützen, hätte er nicht ohne weiteres unbehelligt und ohne besondere Auflagen seinen Geschäften auf dem Markt in C._______ nachgehen können. Daran vermögen auch seine zu den Akten gereichten Pachtu n- terlagen des Marktes sowie seine Geschäftsunterlagen nichts zu ändern, geht doch daraus in keiner Weise hervor, dass er wegen der Pachtrechte von der EPDP belästigt worden sein s ollte und diese, wie von ihm g e- schildert, an den ehemaligen Besitzer hätte zurückgeben sollen. In di e- sem Zusammenhang ist nicht nachvollziehbar, weshalb die EPDP den Beschwerdeführer erst in Colombo festgenommen und misshandelt ha- ben sollte, obschon sie da zu in C._______ zwei Jahre Gelegenheit g e- habt h ätte. Des Weiteren spricht gegen die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten gezielten Suche seitens der EPDP , dass er C._______ ohne E-559/2010 Seite 11 Weiteres hat verlassen und seinen Geschäftstätigkeiten auf dem Markt in Colombo hat nachgehen können (vgl. A10/16 S. 8). Hätte die EPDP ta t- sächlich ein Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer gehabt, kann davon ausgegangen werden, dass sie ihn bereits in C._______ festge- nommen hätten und ihn nicht nach Colombo hätten ausreisen lassen, um ihn dort mit Mühe ausfindig zu machen und festzunehmen. Aufgrund der verschiedenen Ungereimtheiten zu den Umständen seiner Festnahme im August 2006 ist davon auszugehen, der Beschwerdeführer sei weder von Seiten der EPDP noch vom Militär oder vo m CID gesucht, behelligt und festgenommen worden. Der Beschwerdeführer macht zwar anlässlich der Befragungen wohl übereinstimmend geltend, er sei anlässlich der Inha f- tierung in Colombo aufgehängt und ihm seien die Hoden gequetscht wo r- den, weshalb er in der Schweiz operiert worden sei (vgl. A2/9 S. 5, A10/16 S. 7). Die zu den Akten gereichten medizinischen Unters u- chungsberichte und der Operationsbericht der Klinik H._______ vom 10. Februar 2009 (Diagnose: Symptomatische Spermatzozele links nach Hodentrauma) lassen es zumindest auch als plausibel erscheinen, dass die diagnostizierte Verletzung Folge einer solchen Misshandlung sein könnte, wobei festzustellen ist, dass damit noch nicht belegt ist, dass di e- se Verletzung tatsächlich im Rahmen der geltend gemachten Inhaftierung erfolgt ist. Doch selbst bei Annahme der Glaubhaftigkeit dieses Vorbri n- gens resultiert daraus vor dem Hintergrund der veränderten Verhältnisse nach Beendigung des Bürgerkrieges und unter den aktuellen Gegebe n- heiten in Sri Lanka (vgl. E. 6.4. 2.) nunmehr keine asylrelevante Verfo l- gungsgefahr mehr . Gegen eine solche bereits zum Ausreisezeitpunkt spricht auch, dass sich der Beschwerdeführer nach seiner Freilassung bis zu seiner Ausreise noch ungefähr zweieinhalb Monate in E._______ bei einem Geschäftsinhaber (N.) aufgehalten haben will (vgl. A10/16 S. 10), was nicht dem Verhalten einer tatsächlich gesuchten Person entspricht. Vor diesem Hintergrund ist schliesslich der Einschätzung des BFM vol l- umfänglich zu folgen, wonach realitätsfremd sei, dass der Beschwerd e- führer zwei Jahre nach seiner Ausreise aus Sri Lanka von der Polizei von F._______ weiterhin gesucht sein wolle. Dabei kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf die entsprechenden Ausführungen in der Verfügung vom 29. Dezember 2009 verwiesen werden. Auf Beschwerdeebene wird demgegenüber nichts vorgebracht, was eine andere Betrachtungsweise rechtfertigen könnte. Wie in seiner Eingabe zu Recht ausgeführt wird, geht aus den nachg e- reichten Geburtsurkunden zwar hervor, dass der angeblich verhafte te Cousin tatsächlich der Cousin des Beschwerdeführers beziehungsweise E-559/2010 Seite 12 der Sohn seiner Tante ist. Indes ist diesen Dokumenten in keiner Weise zu entnehmen, weshalb der Cousin am 7. März 2009 wegen der angebli- chen Probleme des Beschwerdeführers von der EPDP festgenommen und misshandelt sein wolle. Damit vermag der Beschwerdeführer aus den zu den Akten gereichten Beweismittel n in Bezug auf die Verhaftung sei- nes Cousins nichts zu seinen Gunsten ableiten. Aufgrund der vom BFM als unglaubhaft qualifizierten Asylvorbringen seiner Ehefrau (vgl. Verfü- gung des BFM vom 29. Dezember 2009 [B17/6]) zu deren sowie zu der Verhaftung seines Cousins ist in Überein stimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Darlegungen seine r Motivation, die den Be- schwerdeführer zur Ausreise seines Heimatlandes veranlasst haben, nicht auf tatsächlich erlebten Ereignissen basieren, so dass diese Vo r- bringen insgesamt als konstruiert und mithin als unglaubhaft zu bezeic h- nen sind. Ferner fielen a uch seine Ausführungen zu der von ihm geltend gemachten Ausreise aus Sri Lanka widersprüchlich und nicht überze u- gend aus, was zusätzlich die Glaubwürdigkeit seiner Person in Frage stellt. Der Erklär ungsversuch in seiner Stellungnahme vom 3. Dezember 2009, er habe diese (Falsch -)-Aussagen auf Weisung seines Schleppers hin zu Protokoll gegeben, sind als Anpassung an den Sachverhalt und damit als nachgeschobene Schutzbehauptungen zu qualifizieren. 4.3. Nach dem Gesagten gelangt das Bundesverwaltungsgericht somit zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anford e- rungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht zu genügen ve r- mögen. Es erübrigt sich, auf die Ausführungen in der Beschwerde sowie die im Verfahren eingereichten Dokumente noch näher e inzugehen. Das BFM hat demnach sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 5. 5.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und or d- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer ve rfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). E-559/2010 Seite 13 6. 6.1. Bezüglich der Geltendmachung von Wegwei sungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und ande rnfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweiz erischen Eid- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vo m 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem B e- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG und Art. 33 FK verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorli e- genden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des B e- schwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s-E-559/2010 Seite 14 schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Straf e oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungs situation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem eur o- päischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008; P.K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011; vgl. das zur Publikation vorgesehene Urteil BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 10.4.2). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, z u- rückkehrenden Tamilen drohe unmenschliche Behandlung; ein e entspre- chende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme un d Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich A s- pekte wie eine frühere Registrierung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen einer Vorstrafe oder eines offenen Haftb e- fehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeic h- nung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, w el- cher als LTTE -Finanzmittelbeschaffungszentrum gilt, das Fehlen von ID - Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Verwandtschaft mit einem LTTE -Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand gebührende Beacht ung geschenkt we r- den müsse, dass diese einzelnen Faktoren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" darstellen, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle erreicht sein könnte, namentlich unter der we i- teren Berücksichtigung d er aktuellen, gegebenenfalls erhöhten, Siche r-E-559/2010 Seite 15 heitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen L a- ge (vgl. T.N. v. Denmark, a.a.O., § 93, S. 28). Was die Prüfung derartiger Risikofaktoren betreffend die Situation des Beschwerdeführers anbelangt, ist an dieser Stelle auf die Erwägung 4.2. oben zu verweisen, wonach der Beschwerdeführer keiner Risikogruppe im Hinblick auf die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft zuzurechnen ist. Nachdem dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, seine Fluchtgründe glaubhaft darzustellen und dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri -lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde a us demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen. Allein der Umstand, dass er in Sri Lanka angeblich gefoltert worden sei, vermag für sich alleine nicht zu einer Gefährdung zu führen. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka noch individuelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen demnach den Wegwe i- sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4. 6.4.1. Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.4.2. Das Bundesverwaltungsgericht nahm im zur Publikation vorges e- henen Urteil BVGE E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 eine umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgemeine Lage in Sri Lanka erheblich verb essert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stabilisiert und no r- malisiert, so dass der Wegweisungsvollzug in das gesamte Gebiet der Ostprovinz als grundsätzlich zumutbar zu erachten ist (vgl. Urteil a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprov inz von Sri Lanka ist indes differenziert zu betrachten, da sich die Situation gebietsweise sehr unterschiedlich präsentiert. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit u n- ter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in E-559/2010 Seite 16 den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz unter Ausschluss des sogenannten "Vanni - Gebietes") keine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem ist die dortige pol i- tische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. Angesichts der im hum a- nitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisungsvollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, z u- rückhaltende Beurte ilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumutbarkeit (u.a. sozio -ökonomische und med i- zinische Aspekte, Kindeswohl etc.) ist dabei auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tragen. Für Personen, die aus der Nordprov inz stammen und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgega n- gen werden kann, dass die betreffende Person auf die gleiche oder gleichwertige Lebens- und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zei t- punkt der Ausreise geherrscht hat und dem Wegweisungsvollzug zurück dorthin nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordpr ovinz indessen längere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder gehen konkrete Umstände aus den Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise massgeblich verändert haben können, sind die aktuell vorliegenden Le- bens- und Wohnverhältnisse sorgfältig abzuklären und auf die Zumutba r- keit des Wegweisungsvollzuges hin zu überprüfen. In diesem Zusa m- menhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Bezi e- hungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicheru ng des Exi s- tenzminimums und der Wohnsituation als massgebliche Faktoren. Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im Übrigen Staatsgebiet, namentlich im Gros sraum Colombo zu prüfen (vgl. Urteil a.a.O. E. 13.2.1). 6.4.3. Die Ehefrau des ursprünglich aus C._______ (Nordprovinz) sta m- menden Beschwerdeführers sowie ihre gemeinsamen Kinder leben seit März 2009 in Colombo in ein er Mietwohnung (vgl. Akten BFM A 2/9 S.1 , A10/16 S. 6 ). Ferner seien seine Frau und die Kinder dort registriert (vgl. Akten Ehefrau B11/20 S. 2 und S. 6) . Eigenen Aussagen ge mäss wohnen auch die Familie seiner Tante und seines Onkels, seine Cousins und Cousinen in Colombo. Z udem lebt ein ehemaliger Ge schäftsfreund mit seiner Ehefrau, bei denen er im Jahre 2006 bis zu seiner Ausreise nach Malays ia habe leben können , in Colombo (vgl. A10/16 S. 6) . Wie E-559/2010 Seite 17 dem Anhörungsprotokoll weiter entnommen werden kann, war er bereits "unzählige Male" in Colombo (vgl. A10/16 S. 5), so dass insgesamt davon ausgegangen werden darf, dass er bei einer Rückkehr nach Colombo auf ein existierendes, tragfähiges soziales Netz zurückgreifen kann und ihm der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz – allenfalls auch mit Hilfe se i- ner F amilie – möglich sein wird. Obwohl der Beschwerdeführer bereits knapp über fünf Jahre lang landesabwesend gewesen ist, bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten würde. Angesichts des Alters des B e- schwerdeführers und seiner Schulbildung (vgl. A 2/9 S. 2; A10/16 S. 4) sowie seiner Berufserfahrung als (…) mit einem eigenen Geschäft , als Marktstandbesitzer und (…) ist davon auszugehen, dass er in Sri Lanka auch beruflich wieder wird Fuss fassen können. Bei den von ihm anläs s- lich der Befragung geltend gemachten Schmerzen an den Hoden, deren Ursache gemäss Arztbericht nicht mit Bestimmtheit auf die vorgebrachte Folterung zurückzuführen ist, ist davon auszugehen, dass er durch die komplikationslose Operation und die medizinische Versorgung in der Schweiz nicht mehr auf eine medizinische Betreuung angewiesen ist. Gegenteiliges geht aus den Berichten jedenfalls nicht hervor. Zudem bie- ten in Colombo fünf staatliche Krankenhäuser kostenlos ihre Dienste an und die Apotheken sind besonders in den Städten gut ausgestattet. Damit ist es ihm möglich, sich bei Bedarf in Colombo (weiter-)behandeln zu las- sen. 6.4.4. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unz u- mutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 6.5. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.6. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und E-559/2010 Seite 18 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei d iesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem die Bedürfti g- keit des Beschwerdeführers ausgewiesen ist und das Verfahren nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, ist das Gesuch um Gewähru ng der u n- entgeltlichen Rechtspflege, über welches bisher nicht entschieden wo r- den ist, gutzuheissen, und es sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) E-559/2010 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand: