B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6633/2017 U r t e i l v o m 2 0 . D e z e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, Richterin Esther Marti, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, amtlich verbeiständet durch Rechtsanwältin Raffaella Massara, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 24. Oktober 2017 / N (…). E-6633/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess den Heimatstaat eigenen Angaben zu- folge im (…) 2014 und gelangte nach B._______ (Sudan). Dort habe er sich etwa zehn Tage lang aufgehalten. Anschliessend sei er in einem Auto nach Khartum weitergereist. Von September 2014 bis Juli 2015 sei er in Khartum geblieben und habe in einem Restaurant (…) gearbeitet, bevor er nach Libyen gelangt sei. Drei Wochen später, am 2. September 2015, habe er ein Boot bestiegen u nd sei tags darauf auf dem Seeweg nach Italien gelangt, wo er drei Tage lang geblieben sei. Am 6. September 2015 habe er die Schweiz erreicht und am 7. September 2015 habe er ein Asylgesuch gestellt. A.b Am 7. September 2015 fand im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ die Befragung zur Person (BzP) statt. Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 11. September 2017 zu seinen Asylgründen an. A.c Im Wesentlichen führte er zur Begründung seines Asylgesuchs aus, er gehöre der Ethnie der Bilen an und sei katholischen Glaubens. Er stamme aus D._______ (E._______). Nach der elften Klasse habe er die Schule abgebrochen, weil der Vater und sein älterer Bruder bereits im Militärdienst gewesen seien und er sich daher um die familieneigenen Felder habe küm- mern müssen. Im (…) 2014 hätte er nach H._______ einrücken müssen; er sei jedoch nicht hingegangen. In der Folge habe er zwei Vorladungen für den Militärdienst bekommen. Er habe sich deswegen eine Zeitlang nicht zu Hause, sondern auf d en Feldern aufgehalten und diese dennoch wei- terhin bearbeitet, bevor er im (…) 2014 aus Eritrea ausgereist sei. A.d Der Beschwerdeführer reichte einen Taufschein im Original (Duplikat) zu den erstinstanzlichen Akten. B. Mit Verfügung vom 24. Oktober 2017 lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. E-6633/2017 Seite 3 C. C.a Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. November 2017 durch seine Rechtsvertreterin beim Bundes verwal- tungsgericht Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der vor - instanzlichen Verfügung. Er sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll- zugs festzustellen und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihn vorläufig aufzu- nehmen. C.b In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie darum ersucht, die Rechtsvertreterin sei als amtli- che Rechtsbeiständin beizuordnen und von der Erhebung eines Kosten- vorschusses sei abzusehen. C.c Mit dem Rechtsmittel wurden die angefochtene Verfügung vom 24. Ok- tober 2017 (Farbkopie), eine Vollmacht, eine Fürsorgebestätigung und eine Honorarnote eingereicht. D. D.a In der Zwischenverfügung vom 1. Dezember 2017 hiess der Instrukti- onsrichter die Gesuche um Gewährung der unentgeltliche n Prozessfüh- rung sowie um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht gut und bestellte die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin für das vorliegende Verfahren. Gleichzeitig übermittelte er das Doppel der Beschwerdeschrift der Vorinstanz und lud diese zur Stellungnahme ein. D.b Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 14. Dezember 2017 voll- umfänglich an den Erwägungen in der Verfügung vom 24. Oktober 2017 fest. D.c Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Be schwerdeführer am 19. Dezember 2017 unter Ansetzen einer Frist zur Replik zur Kenntnis ge- bracht. Ein am 21. Dezember 2017 gestelltes Gesuch um Fristerstreckung hiess der Instruktionsrichter am 27. Dezember 2017 gut, und er legte neu die Frist zum Einreichen der Replik auf den 18. Januar 2018 fest. Ein zwei- tes, mit gleicher Begründung eingereichtes, Fristerstreckungsgesuch vom 17. Januar 2018 lehnte der Instruktionsrichter – unter anderem mit dem Hinweis auf die Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 VwVG – ab. D.d Eine Entgegnung des Beschwerdeführers zur Vernehmlassung wurde in der Folge am 26. Januar 2018 eingereicht. E-6633/2017 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Das SEM führte aus, die vom Beschwerdeführer geltend gemach ten Asylgründe seien in zentralen Punkten nicht glaubhaft. 3.1.1 Der Beschwerdeführer mache geltend, vom Militär aufgeboten wor- den zu sein. Dabei habe er die Daten des verlangten Einrückens in H._______ unterschiedlich angegeben, einmal habe er vom (…), einmal vom (…) 2014 gesprochen. Weiter wolle er gemäss Aussagen in der BzP nach Erhalt der zweiten Vorladung realisiert haben, dass man ihn nicht in Ruhe lassen würde, weshalb er das Zuhause verlassen und sich in der E-6633/2017 Seite 5 Natur versteckt habe. Gemäss späteren Aussagen sei er bei Erhalt der zweiten Vorladung bereits in der Einöde gewesen und habe von den Ge- schwistern, die ihn dort aufgesucht hätten, über diese informiert worden. Die auf Vorhalt hin angebrachten Erklärungen seien nicht überzeugend und vermöchten die unterschiedlichen Angaben nicht zu relativieren. Auch den Erhalt des ersten Aufgebots habe er inhaltlich und zeitlich nicht stim- mig und ungenau vorgetragen. Die geltend gemachten sprachlichen Schwierigkeiten und Verständigungsprobleme bei den Anhörungen seien nicht stichhaltig und vermöchten die Widersprüche und Ungereimtheiten nicht zu erklären. 3.1.2 Zusammenfassend seien die vorgebrachten Asylgründe und die ille- gale Auseise vorliegend als oberflächliches Konstrukt zu werden, und es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer Eritrea aus anderen als den geschilderten Gründen verlassen habe. 3.1.3 Die weiteren Vorbringen, namentlich das geltend gemachte illegale Verlassen Eritreas, seien gemäss neuer Rechtsprechung des Bundesver- waltungsgerichts nicht (mehr) geeignet, eine begründete Furcht vor ernst- haften Nachteilen im Sinn von Art. 3 AsylG zu bewirken, mithin erfülle der Beschwerdeführer auch vor diesem Hintergrund die Flüchtlingseigenschaft nicht. 3.2 Im Rechtsmittel wird vorweg der Sachverhalt wie folgt ausgeführt: 3.2.1 Die Aufforderung zum Einrücken nach H._______ sei mit einer Liste in der Schule erfolgt, demnach hätte der Beschwerdeführer am (…) 2014 dort einrücken sollen. Da er dies unterlassen habe, sei zwei Tage später, am (…) 2014, eine Vorladung gekommen, wobei Herr F._______ von der Gemeinde diese dem Beschwerdeführer persönlich übergeben habe. Ge- mäss der Vorladung hätte er sich tags darauf auf der Gemeinde G._______ melden müssen. Der Beschwerdeführer sei jedoch auf die Felder der Fa- milie gegangen und habe sich dort versteckt. Wiederum zwei Tage später sei ein weiteres Aufgebot gekommen und der Mutter übergeben worden. Auch diese Vorladung habe der Beschwerdeführer nicht befolgt, was zur Folge gehabt habe, dass die Miliz im Auftrag der Behörde zu Hause er- schienen sei und dort die Mutter bedroht habe. Der Beschwerdeführer habe sich noch zwei Wochen versteckt, bevor er sich zur Ausreise aus Erit- rea entschlossen habe. E-6633/2017 Seite 6 3.2.2 Bei Durchsicht des Anhörungsprotokolls falle auf, dass es mehrfach zu Verständigungsschwierigkeiten gekommen sei. Beim zweiten Interview habe der Beschwerdeführer explizit darauf hingewiesen, dass er sich am besten in seiner Muttersprache (Bilen) ausdrücken könne. Dass der Be- schwerdeführer in diesem Zusammenhang letztlich einer Befragung auf Tigrinya zugestimmt habe ändere nichts daran, dass die Qualität dieser Befragung aufgrund der im Protokoll erkennbaren Verständigungsschwie- rigkeiten offenbar gelitten habe. Diesem Umstand sei bei der Würdigung seiner Aussagen angemessen Rechnung zu tragen. 3.2.3 Die Erwägungen der Vorinstanz, wonach der Beschwerdeführer sei- ne Asylvorbringen nicht habe glaubhaft machen können, seien nicht über- zeugend. Insbesondere sei nicht ersichtlich, inwiefern die angegebenen zeitlichen Angaben bezüglich des Erhalts der beiden Vorladungen wider- sprüchlich seien, zumal der Beschwerdeführer bei der BzP weder gefragt worden sei, ob er sich nach Erhalt der ersten oder erst nach der zweiten zugestellten Vorladung in die Einöde begeben habe. Er habe in der BzP zudem nur gesagt, er habe eine zweite Vorladung bekommen; dass er diese entgegengenommen habe, habe er nicht gesagt. Der Sachverhalt sei in der BzP nicht näher abgeklärt worden, weshalb dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden könne, er habe sich widersprochen. Was den Zeitpunkt des Erha lts der ersten Vorladung betreffe, sei diese zwei oder drei Tage nach dem Einrückdatum nach H._______ gekommen; von einem Tag sei nie die Rede gewesen; zudem sei es hierbei zu Verständigungs- schwierigkeiten gekommen, weshalb nicht von einem widersprüchliche m Aussageverhalten ausgegangen werden könne. 3.2.4 Der einzig nachvollziehbare Widerspruch sei darin gegeben, dass er als Einrückungsdatum für H._______ einmal vom (…), einmal vom (…) 2014 gesprochen habe. Da der Beschwerdeführer nicht in seiner Mutter- sprache befragt worden sei, könne und dürfe die Glaubhaftigkeit des Be- schwerdeführers nicht allein deswegen in Frage gestellt werden. 3.2.5 Insgesamt würden die Gründe überwiegen, die für die Richtigkeit der Angaben sprechen würden. Der Beschwerdeführer habe lebensnah u nd glaubhaft geschildert, was er erlebt habe. Die mit der Durchsetzung der Dienstpflicht betraute Behörde sei mit dem Beschwerdeführer konkret in Kontakt getreten, was klar zeige, dass er hätte rekrutiert werden sollen. Es müsse damit von einer begründeten Furcht des Beschwerdeführers im Sinn der Rechtsprechung zu Art. 3 AsylG ausgegangen werden. E-6633/2017 Seite 7 4. 4.1 Der Beschwerdeführer bemängelt die Befragungsprotokolle insbeson- dere vor dem Hintergrund des Umstands, dass er namentlich bei der aus- führlichen Anhörung nicht in der gewünschten Muttersprache befragt wor- den sei. Dies habe zu klar erkennbaren Verständigungsschwierigkeiten ge- führt. Zu diese m, die Verwendbarkeit der Befragungsprotokolle in Frage stellenden Vorbringen ist Folgendes festzustellen: 4.1.1 Vorab ist festzuhalten, dass Tigrinya in Eritrea neben ac ht anderen Sprachen Nationalsprache und mit Arabisch zusammen de facto die be- deutendste offizielle Sprache ist. Zudem ist Tigrinya die landesweit ver- pflichtende Unterrichtssprache in den Jahrgangsstufen 1 –5 (vgl. http:// www.fibw.eu/images/dokumente/WP_6-2014_Treiber_Bildungswesen_Eri trea.pdf; https://de.wikipedia.org/wiki/Tigrinya_[Sprache]; beide abgerufen am 7. Dezember 2018). Der Beschwerdeführer legte dar, er habe von der dritten bis fünften Klasse Tigrinya als Schulfach gehabt und diese Sprache zudem zu Hause erlernt (vgl. Protokoll A12/18 F/A108). Vor diesem Hinter- grund kann auf Seiten des Beschwerdeführers von guten Kenntnissen die- ser Sprache sowie davon ausgegangen werden, dass er durchaus eine Konservation in Tigrinya führen respektive einer solchen folgen kann. 4.1.2 Auf dem Personalienblatt (A2/2) führte de r Beschwerdeführer als Muttersprache sowohl Bilen als auch Tigrinya auf. Anlässlich der BzP gab er als Muttersprache „Bilen“ an und liess zusätzlich festhalten, er könne einer Befragung in Tigrinya folgen (vgl. Protokoll A5/12 S. 3). In der BzP wurde zudem bereits eingangs auf die Befragungssprache Tigrinya hinge- wiesen und unter anderem gefragt, ob er den Befrager bis dahin verstan- den habe. Dabei erklärte der Beschwerdeführer, den Dolmetscher "sehr gut" zu verstehen ("Comment avez-vous compris l’interprète? Très bien"; vgl. a.a.O. S. 2); am Ende der Befragung hielt er nochmals fest, den Dol- metscher "très bien" verstanden zu haben (vgl. a.a.O. S. 9). Mit seiner Un- terschrift bestätigte er schliesslich, das Protokoll entspreche seinen Aussa- gen, diese seien wahrheitsgemäss erfasst und in einer ihm verständlichen Sprache, Tigrinya, rückübersetzt worden (vgl. a.a.O. S. 9). Dem Protokoll sind keine Hinweise auf Vers tändigungsprobleme zu entnehmen, mithin muss der Beschwerdeführer sich auf diese protokollierten Auss agen be- haften lassen. E-6633/2017 Seite 8 4.1.3 Zu Beginn der ausführlichen Anhörung erklärte der Beschwerdefüh- rer, er habe in der BzP beantragt, dass er in der Folgebefragung gerne eine Bilen-Übersetzung hätte. Er habe nun nicht mit einem Tigrinya -Dolmet- scher gerechnet. Er bestä tigte gleichwohl erneut, dass seine Tigrinya - Kenntnisse für eine Anhörung ausreichen würden und er in der Lage sei, die Anhörung in dieser Sprache zu absolvieren (vgl. Protokoll A12/18 F/A 1 ff.). Dem Beschwerdeführer wurde folgend nachdrücklich empfohlen, er solle bei Verständigungsproblemen sofort nachfragen (vgl. a.a.O. F/A 5). Dieser Aufforderung ist der Beschwerdeführer erkennbar nachgekommen. Wie im Rechtsmittel (vgl. dort S. 4) einzeln aufgeführt, hat er bei sprachli- chen Unsicherheiten nachgefragt re spektive wurde er um Umschreibung aufgefordert, und der Dolmetscher seinerseits liess bei Bedarf Ausdrücke, die wohl nicht aus dem Tigrinya seien, entsprechend festhalten (vgl. a.a.O. F/A 27, F/A 34 [wobei der Beschwerdeführer bei F/A 34, soweit aus dem Kontext ersichtlich, eher einen allfällig en inhaltlichen und weniger einen Verständigungsfehler realisiert und entsprechend korrigiert hat], F/A 48, F/A 51). Bei F/A 56 ergibt sich aus dem gesamten Zusammenhang, dass die befragende Person durch eigenes Nachfragen dem beabsichtigten Kor- rigieren des Beschwerdeführers nachgekommen ist, und dieser seine Kor- rektur in F/A 57 anbringen konnte. Einzig mit Bezug auf F/A 88 – gestellt im Zusammenhang mit dem Reiseweg – ist es offenbar zu einem Missver- ständnis gekommen, das folgend nicht restlos aufgelöst worden ist. Allein daraus lässt sich nicht schliessen, die Verständigungsschwierigkeiten seien generell und dergestalt gewesen, dass dadurch eine adäquate Fra- gestellung respektive deren korrekte Beantwortung insgesamt negativ be- einflusst oder gar verunmöglicht worden wäre und als Folge davon jegliche erkennbaren Ungereimtheiten relativiert werden müssten. Weitere kon- krete Hinweise auf sprachlich ungelöste Missverständnisse ergeben sich aus dieser Gesprächsaufzeichnung nicht. Entsprechend bestätigte der Be- schwerdeführer zuletzt, die ausführliche Niederschrift sei ihm Satz für Satz vorgelesen und in eine ihm verständliche Sprache übersetzt worden; das Protokoll sei vollständig und entspreche seinen freien Äusserungen (vgl. Protokoll A12/18 S. 16). Er muss sich damit auch auf diesen Aussagen be- haften lassen. Letztlich bleibt auch anzumerken, dass sein Vorbringen, er habe in der BzP eine Bilen-Übersetzung für die nachf olgende Befragung beantragt, in den Akten keine Stütze findet. 4.1.4 Nach dem Gesagten ist die Durchführung der Befragungen in Tigri- nya vorliegend nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer muss sich auf seinen in den beiden besagten Befragungen schriftlich festgehaltenen Aus- sagen behaften lassen. E-6633/2017 Seite 9 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder weg en ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Das Gericht schliesst sich der Einschätzung der Vorinstanz an, wonach die Vorbringen des Beschwerdeführers namentlich betreffend das zentrale Vorbringen – die Einberufung in den Nationaldienst – insgesamt ungereimt, vage sowie oberflächlich ausgefallen sind und kaum Realitätskennzeichen aufweisen: 5.3.1 Der Beschwerdeführer hat in der Kurzbefragung als Einrückungsda- tum den (…) 2014 angegeben. In der Anhörung erklärte er, er hätte am (…) 2014 in H._______ einrücken müssen. Diese zeitliche Diskrepanz wird auch im Rechtsmittel nicht bestritten und lässt erste Zweifel an den Aussa- gen aufkommen. In der Folge äusserte sich der Beschwerdeführer weiter teilweise ungereimt und wenig plausibel. So ist aufgrund sein er Schilde- rungen – in freier Erzählung erfolgt – in der BzP klar zu schliessen, dass er nach der zweiten angeblichen Vorladung in die Einöde gegangen sein will: "…La 2ème convocation disait que je devais me présenter le lendemain de la réception de cette c onvocation. Je savais qu’ils allaient pas me laisser tranquille et je me suis donc éloigné de mon domicil e ce jour-là…" (vgl. Protokoll A5/12 S. 8). Aufgrund dieser Darstellung bestand zu diesem Be- fragungszeitpunkt – entgegen der Ansicht im Rechtsmittel – auch keine Notwendigkeit für Nachfragen. Gemäss Darstellung in der Anhörung sei der Beschwerdeführer dem Einrückungstermin für H._______ am (…) E-6633/2017 Seite 10 2014 nicht nachgekommen, am (…) 2014, dem Datum des Erhalts der ers- ten Vorladung, sei er in die Einöde geflüchtet (vgl. Protokoll A12/18 F/A 34, F/A 41-43 und F/A 57). Diese Aussage divergiert mit derjenigen in der Erst- befragung, gemäss der er erst nach der zweiten Vorladung von zu Hause weg auf die Felder gegangen sei. Diesen Widerspruch vermag der Be- schwerdeführer letztlich auch auf Beschwerdeebene nicht plausibel aufzu- lösen und das blosse Abstreiten der ersten Darstellung (vgl. a.a.O. F/A 115) überzeugt nicht. Vielmehr fällt auf, dass er – wie erwähnt – in beiden Be- fragungen bestätigte, dem Gespräch in Tigrinya gut folgen zu können und sprachliche Schwierigkeiten auffälligerweise bei konkretem Vorhalten von Widersprüchen ins Feld führte (vgl. oben sowie Protokoll A5/12 S. 3 f., Pro- tokoll A12/18 F/ A1 ff. und F/A 117). Dieses Aussageverhalten überzeugt nicht. Ebenfalls ungereimt bleiben seine Schilderungen des Aufenthalts in der Einöde. Einerseits will er aufgrund der besagten Vorladungen etwa zwei Wochen lang versteckt in der Natur gelebt haben. Andererseits sprach er davon, er habe sich manchmal zwei Wochen lang in der Einöde aufgehal- ten, dieses Verstecken aber nicht mehr ausgehalten (vgl. Protokoll A12/18 F/A 30). Gemäss dieser freien Schilderung hätte der Beschwerdeführer mithin sogar mehrmals Anlass gesehen, sich zu verstecken. Dass er aus- serdem nach Nichtbefolgen des zweiten Aufgebots zu Hause von der Miliz gesucht worden sei und diese dabei seine Mutter bedroht habe, hat er erst- mals in der Anhörung geltend gemacht (vgl. a.a.O. F/A 52, 64 f. und 73 ff.). Dieses Sachverhaltselement erweist sich als nac hgeschoben. Weiter ist nicht nachvollziehbar, dass die Miliz zwar den Standort der familieneigenen Felder und des Tierstalls gekannt, es bei Nichtantreffen des Beschwerde- führers in seinem Zuhause dann aber unterlassen haben soll, ihn an die- sem bekannten Standort zu suchen. Dies gilt umso weniger, nachdem sich diese Felder in der Nähe des heimatlichen Dorfes befunden haben sollen (vgl. a.a.O. F/A 46, 68 f.). Und letztlich keineswegs plausibel ist in diesem Kontext, dass der Beschwerdeführer sich trotz seiner angeblich nachhalti- gen Angst vor einem Aufgreifen und Überführen in den Nationaldienst den- noch in unmittelbarer Nähe des Wohnortes und an einem den Milizen be- kannten Ort versteckt haben will. 5.3.2 Die oben genannten zahlreichen Ungereimtheiten, wie auch die wei- teren von der Vorinstanz erkannten Unstimmigkeiten, scheinen zwar je- weils isoliert betrachtet der Glaubhaftigkeit auf den ersten Blick nicht be- reits zwingend abträglich zu sein. Allerdings fällt die Häufigkeit der Unge- reimtheiten und das Aussageverhalten des Beschwerdeführers ebenfalls E-6633/2017 Seite 11 ins Gewicht , und in einer gesamtwürdigend vorzunehmenden Betrach- tungsweise entstehen folglich ernsthafte Zweifel daran, ob er ein militäri- sches Aufgebot erhalten h at. Diese Zweifel werden zusätzlich durch Fol- gendes erhärtet: Der Beschwerdeführer hat zwar auf Aufforderung hin ei- nen Taufschein (Duplikat, das die Eltern extra hätten anfertigen lassen) zu den Akten gereicht. Abgesehen davon, dass allein mit diesen Dokumenten die Identität nicht zweifelsfrei verifiziert werden kann, ist vor diesem Hinter- grund nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer die für sein e Asylbegründung wichtigsten Dokumente, nämlich die beiden Vorladungen, zur Untermauerung seiner Vorbringen nicht beigebracht hat. Dazu hat er vielmehr auch ungereimt einmal ausgeführt, er habe diese beiden Doku- mente nicht aufbewahrt respektive er habe das erste Schreiben zerrissen, das zweite Aufgebot gar nicht zu Gesicht bekommen (vgl. Protokoll A5/12 S. 8, Protokoll A12/18 F/A 54 und 56), dieses sei seiner Mutter überreicht worden. Damit wäre jedoch anzunehmen, dass mindestens die zweite Vor- ladung entsprechend zu Hause greifbar gewesen wäre. Dem Beschwerde- führer sind im erstinstanzlichen Verfahren seine Mitwirkungspflichten er- klärt worden (vgl. Protokoll A5 S. 6, Protokoll A12/18 F/A 6), und im Be- schwerdeverfahren ist er ausserdem durch eine in Asylfragen spezialisierte Beiständin amtlich vertreten. Insgesamt hätte er bis zum Urteilszeitpunkt nunmehr gut drei J ahre Zeit gehabt, sich erkennbar um die Beschaffung wichtiger und seine Aussagen stützender Unterlagen zu bemühen (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG). Sein diesbezügliches Unterlassen bestätigt da- mit letztlich die genannten Zweifel am Wahrheitsge halt seiner Darstellun- gen. 5.4 In einer Gesamtabwägung kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorbringen in ihrer Ganzheit den Anforderungen an das Glaubhaftmachen eines asylrelevanten Sachverhalts nicht genügen. Damit ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine durch eine Vorladung erfolgte, konkret bevorstehende Einberufung in den eritreischen Militär- dienst glaubhaft darzulegen. 5.5 Es ist demnach nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer sei in einem spezifischen Kontakt zu den Militärbehörden im Zusammenhang mit einer Rekrutierung gestanden. Es ist folglich auch nicht davon auszuge- hen, er werde wegen Regimefeindlichkeit (infolge Desertierens) in den Fo- kus der eritreischen Behörden geraten und müsse begründete Furcht ha- ben, einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bestrafung zu unterliegen. Für die Annahme einer flüchtlingsrechtlich relevanten Furcht vor zukünftiger Ver- folgung reicht es nicht aus, dass die betroffene Person im dienstfähigen E-6633/2017 Seite 12 Alter ist und fürchtet, in Eritrea irgendwann ausg ehoben zu werden (vgl. zum Ganzen EMARK 2006 Nr. 3; jüngst bestätigt im Urteil des BVGer E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1). 5.6 Es ist nachfolgend zu prüfen, ob der Beschwerdeführer illegal aus Erit- rea ausgereist ist, mithin aus diesem Grund die Flüchtlingseigenschaft er- füllt. 5.6.1 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom - men. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten je nach Länderkontext insbe- sondere das illegale Ver lassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht), das Einreichen eines Asylgesuchs im Ausland oder exilpolitische Betäti- gungen, wenn sie die Ge fahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer wegen illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaates befürchten muss, die bezüglich ihrer Inten- sität ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG darstellen (vgl. BVGE 2009/29). 5.6.2 Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des Urteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 ( als Referenzurteil publiziert) mit der Frage, ob Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Das Gericht kam dabei zum Schluss, dass sich die bisherige entsprechende Praxis nicht mehr aufrechterhalten lasse und vom SEM zwischenzeitlich zu Recht angepasst worden sei. Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von Bedeutung, dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora für kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkeh- ren würden und sich unter ihnen auch Personen befänden, die Eritrea zu- vor illegal verlassen hätten. Es sei mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohe. Von einer begründe- ten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich begründeten Nachteilen sei nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzukommen würden, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebi ge Person erscheinen liessen (vgl. a.a.O. E. 5). E-6633/2017 Seite 13 5.6.3 Den Akten des vorliegenden Verfahrens sind solche zusätzlichen Ge- fährdungsfaktoren nicht zu entnehmen. Nachdem sich die vom Beschwer- deführer vorgebrachten Fluchtgründe als unglaubhaft erwiesen haben, lie- gen keine glaubhaften Hinweise für Anknüpfungspunkte vor, welche ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten. 5.6.4 Die Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten illegalen Aus- reise kann damit offen bleiben. 5.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge- such abgelehnt hat. 6. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). E-6633/2017 Seite 14 7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 7.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrücks chiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich mit dem Koordinationsent- scheid E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 (als Referenzurteil publiziert und zur Publikation als BVE vorgesehen) mit der Frage befasst, ob der Vollzug der Wegweisung auch angesichts einer drohenden Einzieh ung in den eritrei- schen Nationaldienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AuG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG) qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht nach einer ausführlichen Auswertung der zur Verfügung stehenden Länderinfor- mationen mit den folgenden Erwägungen bejaht: 7.2.4.1 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus- übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse durch den eritreischen Staat bezeichnet werden. Z udem kann, auch wenn der Nationaldienst formal nicht befristet ist und sich teilweise über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen werden, der für die Annahme von Leib- eigenschaft vorausgesetzt wäre. Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Sklaverei noch um Leibeigenschaft im Sinn von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. Urteil E-5022/2017 E. 6.1 insbes. 6.1.4). E-6633/2017 Seite 15 7.2.4.2 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Nationaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht als "übliche Bürgerpflicht" im Sinn von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK ver- standen werden. Die B edingungen im Nationaldienst sind folglich grund- sätzlich als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Einschätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforder lich, dass durch die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verlet- zung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mit- hin diese Bestimmung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine sol- che Situation liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienst- dauer, der niedrigen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe während der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. Urteil E-5022/2017 E. 6.1 insbes. 6.1.5). 7.2.4.3 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund einer allfälligen illegalen Ausreise eine Inhaftierung und in diesem Zusammenhang eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots vo n Folter oder unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Erit- rea Misshandlungen und sexuellen Übergriffe nach einer Inhaftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede Nationa ldienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein ernst- haftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl. Urteil E-5022/2017 E. 6.1 insbes. 6.1.6 und 6.1.8). 7.2.4.4 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 oder 4 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be- handlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtsho- fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschus- ses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nach- weisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). E-6633/2017 Seite 16 7.2.5 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er- scheinen. 7.2.6 Nach dem Gesag ten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1 Gestützt auf die aktuelle Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt bezie- hungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssitua- tion, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz- bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Vora ussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 7.3.2 Besondere Umstände, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden müsste, sind beim Beschwerdeführer nicht ers icht- lich. So handelt es sich bei ihm gemäss Aktenlage um einen jungen und gesunden Mann mit Berufserfahrung in der Landwirtschaft und mit weite- ren beruflichen Erfahrungen, die er in Khartum in einem Restaurant erwor- ben hat. Zudem verfügt er über ein soziales und familiäres Beziehungsnetz im Heimatland. Auch für den Fall, dass er nach einer Rückkehr den Militär-E-6633/2017 Seite 17 dienst in Eritrea leisten müsste, vermöchte dies allein den Vollzug der Weg- weisung nicht als unzumutbar erscheinen lassen (vgl. Referenzurteil E-5022/2017, a.a.O., E. 6.2). 7.3.3 Seit Einreichung der Beschwerde haben sich überdies weitere Ver- besserungen ergeben; namentlich haben Äthiopien und Eritrea jüngst ein Friedensabkommen geschlossen (vgl. Neue Zürcher Zeitung, Trotz Frie- densabkommen in Eritrea – Asylpraxis bei Eritreern ändert sich vorerst nicht, 11. Juli 2018). 7.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischenverfügung vom 1. Dezember 2017 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und im Urteilszeitpunkt keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finan- zielle Lage seither entscheidrelevant verände rt hätte, ist von der Auflage von Verfahrenskosten abzusehen. E-6633/2017 Seite 18 9.2 Mit der Zwischenverfügung vom 1 . Dezember 2017 wurde auch das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 VwVG) und die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Folglich ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. 9.2.1 Die Rechtsbeiständin hat mit der Beschwerde sowie mit der Eingabe vom 26. Januar 2018 eine aktualisierte Kostennote zu den Akten gereicht. Der zeitliche Vertretungsaufwand von siebeneinhalb Stunden erscheint den konkreten Verfahrensumständen als angemessen. Die Abrechnung vom 26. Januar 2018 ist jedoch einerseits insofern – zugunsten der Bei- ständin – zu korrigieren als die Summe der Vertretungsstunden falsch er- fasst ist (einstündiger Aufwand für die Erarbeitung der Replik in der Abrech- nung versehentlich nicht berücksichtigt) und der Mehrwertsteuersatz für alle Aufwendungen mit 7.7 % angenommen worden ist (korrekt: 8 % für die Arbeiten bis Ende 2017, 7.7 % für die Tätigkeiten danach). Andererseits entschädigt das Gericht Rechtsanwält innen, die bei einer Rechtsbera- tungsstelle angestellt sind , im Grundsatz mit einem Stundenansatz von Fr. 200.– (statt Fr. 220.– wie in der Kostennote verlangt). 9.2.2 Unter Vornahme dieser Korrekturen ist das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin auf insgesamt Fr. 1670.– festzusetzen (inklusive Ausla- gen und Mehrwertsteuerzuschlag) und durch die Gerichtskasse zu vergü- ten. (Dispositiv nächste Seite) E-6633/2017 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin wird auf Fr. 1670.– bestimmt und durch die Gerichtskasse vergütet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay Versand: