B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3915/2014 U r t e i l v o m 2 5 . J u l i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…), Mali, alias B._______ alias C._______ alias D._______, geboren (…), Gambia, alias E._______ alias F._______, geboren (…), Sierra Leone, Postadresse: c/o (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren); Verfügung des BFM vom 2. Juli 2014 / N (…). E-3915/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess sein angebliches Heimatland Mali nach eigenen Angaben am 27. Juli 2012 und reiste über Algerien nach Marokko, von wo aus er seine Reise am 1. Mai 2014 fortsetzte und sich über die Kanarischen Inseln (Spanien) nach Frankreich begab. Nach einwöchigem Aufenthalt i n Frankreich gelangte er a m 2. Juni 2014 von Italien herkommend in die Schweiz und suchte g leichentags im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nach. A.b Daktyloskopische Abklärungen des BFM vom 3. Juni 2014 in der Eurodac-Datenbank ergaben, dass der Beschwerdeführer am (…) Janu- ar, (…) Februar und (…) März 2009 sowie am (…) Januar und (…) Mai 2012 in Italien Asylgesuche eingereicht hat. A.c Am 6. Juni 2014 fand im EVZ Kreuzlingen die Befragung zur Person statt. Er erklärte, vor seiner Reise nie im Ausland gewesen zu sein und in keinem Land je ein Asylgesuch gestellt zu haben. In der gleich anschlie s- senden Befragung zu den fünf Eurodac -Treffern und einer möglichen Wegweisung nach Italien bestritt er weiterhin, je in It alien gewesen zu sein. Er habe sich von Spanien und Frankreich her kommend in Italien bloss durchreisehalber insgesamt weniger als einen Tag lang aufgeha l- ten. In Italien hätte er keine gute Zukunft zu erwarten. Er reichte keine Reise- und Identitätspapiere ein mit der Begründung, seinen Reisepass habe er in Marokko dem Schlepper abgeben müssen und eine Identitäts- karte habe er nie besessen. A.d Das vom BFM am 19. Juni 2014 an die italienischen Behörden g e- stellte Ersuchen um Rücknahme des Beschwerdeführers ( Take-Back- Verfahren im Rahmen des Dublin -Vertragswerks) wurde von diesen am 1. Juli 2014 gutgeheissen. Laut italienischen Informationen hatte sich der Beschwerdeführer unter anderen Identitäten und Nationalitäten in Italien registrieren lassen (s. Rubrum: Alias-Identitäten). A.e Mit Verfügung 2. Juli 2014 – eröffnet 8. Juli 2014 – trat das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn nach Italien weg, forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ab lauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Das Bundesamt stellte zudem fest, e i- ner allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung komme keine aufschi e-E-3915/2014 Seite 3 bende Wirkung zu, und händigte dem Beschwer deführer die edition s- pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. Das BFM erkannte, dass die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens aufgrund der Dublin -III-VO an Italien übe r- gegangen sei. Es gebe keinen Grund, den Eurodac -Treffer in Italien vom (…) Mai 2012 anzuzweifeln, wonach der Beschwerdeführer sich in Italien aufgehalten habe. Die Verlässlichkeit des Eurodac -Treffers sei höher zu werten als seine gegenteiligen Beteuerungen und Ausführungen. Es gebe keine Hinweise, dass Italien sich nicht an die EU -Aufnahmerichtlinie oder an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und das Asyl - und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde . Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. B. Der Beschwerdeführer erklärt mit Eingabe vom 11. Juli 2014 , er erhebe gegen die Verfügung des Bundesamtes Beschwerde. In einer vom 15. Ju- li 2014 datierten ausführlichen Eingabe stellte er konkrete Anträge und begründete die Beschwerde. Die Rechtsbegehren lauten: Aufhebung de s angefochtenen Nichteintretensentscheids, Erlassen eines materiellen Entscheids, Gewährung von Asyl, eventualiter Feststellung der Undurch- führbarkeit (namentlich Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit) des Wegwei- sungsvollzugs und Anordnung der vorläufigen Aufnahme, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf Kostenvorschusserh e- bung. Mit der Beschwerde wurde n Kopien der Seiten 2 bis 4 der ange- fochtenen Verfügung und eine Fürsorgebestätigung vom 14. Juli 2014 eingereicht. Die auf Seite 2 der Ergänzung vom 15. Juli 2014 genannte BFM-Verfügung ("décision ODM du 10.09.2012 [ Copie]") lag der B e- schwerde nicht bei. C. Die am 16. Juli 2014 beim BFM bestellten vorinstanzlichen Akten gingen am 22. Juli 2014 beim Bundesverwaltungsgericht ein (vgl. Art. 109 AsylG (SR 142.31). Gemäss einem bei diesen Akten liegenden Schreiben hat das BFM dem Beschwerdeführer in Nachachtung d essen Akteneinsichtsgesuches vom 2. Juli 2014 am 21. Juli 2014 Einsicht in die gemäss Aktenverzeichnis der Einsicht unterliegenden Aktenstücke gewährt. E-3915/2014 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (vgl. Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter nachstehenden Vorbehalten einzutreten. Nicht einzutreten mangels Anfechtungsgegenstand ist auf die Anträge auf (Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und) Asylgewährung. 1.4 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu b e- handeln, weil sie sich als offensichtlich unbegründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Erme ssens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwe r- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2). E-3915/2014 Seite 5 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in d er Regel nicht eingetreten, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Vorliegend gelangt das Abkommen vom 26. Oktobe r 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung. Darauf basierend ist seit dem 1. Januar 2014 in allen Staaten der Europäischen Union die Dublin-III-VO (Verordnung [EG] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehör i- gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist ) anwend- bar (Art. 49 Abs. 2 Dublin -III-VO). Im Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der Europäischen Union betreffend die Übernahme der Dublin -III-VO (Wei terentwicklung des Dublin/Eurodac - Besitzstands) hat der Bundesrat der Europäischen Union mitgeteilt, dass die Schweiz den Inhalt dieses Recht sakts akzeptiere und in ihre inne r- staatliche Rechtsordnung umsetzen werde. Mit Bundesratsbeschluss vom 18. Dezember 2013 wurde festgehalten, die Dublin -III-VO werde ab 1. Januar 2014 vorläufig angewendet, mit Ausnahme deren Art. 18 Abs. 2, Art. 27 Abs. 3 und Art. 28. Folglich kommt, gestützt auf das DAA, in der Schweiz ab dem 1. Januar 2014 die Dublin-III-VO zur Anwendung, soweit gemäss Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht die Bestimmung des zuständ i- gen Mitgliedstaats nach den Kriterien der Dublin-II-VO vorbehalten bleibt. 3.2 Das Asylgesuch in der Schweiz datiert vom 2. Juni 2014. Mithin ist neues Dublin-Recht anzuwenden. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO haben die Mitgliedstaaten jeden Asy l- antrag zu prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III der Verordnung als zuständiger Staat bestimmt wird. Der nach Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpf lichtet, einen An- tragsteller aus einem Drittstaat, dessen Antrag hängig ist oder abgelehnt worden ist und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt E-3915/2014 Seite 6 hat oder sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufen t- haltstitel aufhält, nach Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 Dublin -III-VO wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b oder d Dublin-III-VO). Sämtliche im Schengen-Raum registrierten Asylgesuche des Beschwer- deführers, das jüngste datiert vom 29. Mai 2012 , wurden in Italien g e- stellt. Der Beschwerdeführer bestritt in seine n Befragungen vom 6. Juni 2014 zwar vehement seinen dortigen Aufenthalt und die Einreichung e i- nes Asylgesuchs. Die daktyloskopisch erhärteten Nachweise des Eur o- dac-Systems entlarven ihn allerdings zweifelsfrei als Person, die sich der Wahrheit nicht verpflichtet fühlt. Seinen Behauptungen ist nicht zu folgen. Sein Aufenthalt in Italien während längerer Zeit und die dort von ihm ei n- geleiteten Asylverfahren gelten als erstellt. Aufgrund dieser Umstände hat das BFM am 19. Juni 2014 zu Recht die italienischen Behörden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Dublin-III-VO um Rück- nahme des Beschwerdeführers gebeten. Mit der Gutheissung des Über- nahmeersuchens vom 1. Juli 2014 haben diese die Zuständigkeit Italiens anerkannt. D amit ist die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer ersucht mit seiner Beschwerde sinngemäss um Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO, was zum Selbsteintritt der Schweiz und zur hiesigen materiellen Beurte i- lung des Antrags auf internationalen Schutz führen würde. Er machte hierzu geltend, die Situation in Italien sei für ihn als Flüchtling sehr schwierig. So habe er im Heimatland notgedrungen – da er als Landa r- beiter beim Onkel habe arbeiten müssen, der ihn unzureichend ernährt und mit einer Peitsche gezüchtigt habe – die Nähe von Tuareg-Rebellen gesucht, von denen er sich später wieder gelöst habe. Würde er nun ita- lienische Behördenvertreter um Unterstützungsleistungen angehen, wäre er dem Risiko ausgesetzt, dass die Tuareg-Rebellen auf ihn aufmerksam würden, da sie beste Verbindungen ins europäische muslimische Milieu hätten, womit er in Italien gefährdet wäre . Die sehr schwierige Situation von Flüchtlingen in Italien sei notorisch: Er würde keine Unterkunft erha l- ten, er müsste auf der Strasse leben, für sich selber sorgen und würde keine finanzielle Unterstützungsleistungen erhalten. 4.2 Nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO kann die Schweiz ein Asy lgesuch materiell prüfen, auch wenn nach den in der Dublin -III-VO vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig wäre (sog. Selbsteintrittsrecht). Diese E-3915/2014 Seite 7 Bestimmung ist indessen nicht direkt anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen No rm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden (analog zu Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO: BVGE 2010/45 E. 5). Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, zum Bei- spiel gegen eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer A n- spruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts. In Frage kommen insb e- sondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie menschenrechtliche Garantien der EMRK, des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105). Die ins nationale Recht aufgenommene Norm Art. 29a Abs. 3 der Asy l- verordnung 1 vom 1. Februar 2014 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) sieht vor, dass das BFM aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -II-VO ein a n- derer Staat zuständig wäre. Es handelt sich dabei um eine Kann -Be- stimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (BVGE 2010/45 E. 8.2.2 und BVGE 2011/9 E. 8.1 f.). Nach der am 1. Februar 2014 in K raft getretenen Asylgesetzes- revision kann in diesem Bereich das Handeln oder Unterlassen des BFM mittels seiner angefochtenen Verfügung nicht (mehr) wegen blosser Un- angemessenheit gerügt werden (vgl. vorn E. 2.1). 4.3 Mithin ist – unter dem Aspekt der Sachverh altsfeststellung einerseits und der Rechtsverletzung (inkl. Missbrauch, Überschreitung und Unte r- schreiten des Ermessens) anderseits – namentlich zu prüfen, ob der B e- schwerdeführer im Falle seiner Überstellung nach Italien Gefahr laufen würde, wegen der dor tigen Gegebenheiten des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen in Schwierigkeiten zu geraten respektive eine Verletzung seiner Grundrechte zu erleiden. Es obliegt ihm dabei, dem Gericht darzulegen, gestützt auf welche ernsthaften konkreten Hinweise anzunehmen sei, die italienischen Behörden würden in seinem Fall ihre staatsvertraglichen Verpflichtungen nicht respektieren und ihm den no t- wendigen Schutz verweigern. 4.3.1. Die Ausführungen des Beschwerdeführers vermögen nicht zu über- zeugen. Zur Situation in Italien brachte er abgesehen von seinen Ausfüh- rungen über die angeblich omnipräsenten und ihn gefährdenden Tuareg-E-3915/2014 Seite 8 Rebellen in Italien und in Spanien lediglich pauschale Behauptung en ei- nes schwierigen Lebens in Italien vor. Darüber hinaus behauptete er bloss in einer globalen Weise, er würde nie eine Unterkunft in Italien fin- den und müsste auf der Strasse leben . Die Unterbringung von Asyls u- chenden in Italien erfüllt indessen die Minimalstandards des internationa- len Rechts, und es besteht kein Grund zur Annahme, der Beschwerdefüh- rer werde wegen ungenügender Aufenthaltsbedingungen oder mange l- hafter medizinischer Versorgung in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Sein ohnehin wenig glaubhafter Einwand, er habe in Italien Übergriffe von Tuareg-Rebellen zu fürchten, zielt angesichts der Möglichkeit, die italieni- schen Behörden um Schutz anzugehen, ins Leere. 4.3.2. Auch ist in Weiterführung der bisherigen Praxis des Bundesverwa l- tungsgerichts von der Vermutung auszugehen, dass Italien die Gebote des flüchtlingsrechtlichen und des menschenrechtlichen Rückschiebever- bots beachtet. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sieht Italien wirksame verfahrensrechtliche G a- rantien (inkl. Rekursmöglichkeiten) vor, die eine beschwerdeführende Person vor einer unmittelbaren Zurückweisung in ihren Herkunftsstaat, in dem diese riskiert, Folter oder unmenschlicher Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden, schützen. Bei einer Überstellung wird davon ausgegangen, Italien komme kraft seiner Mitglie dschaft den Ve r- pflichtungen aus der Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zue r- kennung und Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft (sog. Verfahrens- richtlinie) und jenen aus der Richt linie 2003/9/EG des Rates vom 27. Ja- nuar 2003 (sog. Aufnahmerichtlinie), darunter auch dem Refoulement - Verbot, nach (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2). Eine allfällige Verletzung der erwähnten Richtlinien durch den zuständigen Mitgliedstaat in der Vergan- genheit begründet kein selbständiges Recht einer beschwerdeführenden Person auf Anrufung zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts, sondern es bedarf hierzu grundsätzlich des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EGMR-Rechtsprechung (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien/Graz 2014, Art. 17 K5 S. 159), den der B e- schwerdeführer nicht erbracht hat. Nach dem Gesagten ist davon ausz u- gehen, dass ihm bei einer Überstellung nach Italien der Zugang zu einem fairen Asylverfahren möglich sein wird und er weder unmenschlicher B e- handlung ausgesetzt noch durch die italienischen Behörden ohne Pr ü- fung seiner Asylgründe und unter Missachtung des flüchtlings - oder men- schenrechtlichen Non -Refoulement-Gebotes in den Heimat - oder He r- kunftsstaat zurückgeschafft würde. E-3915/2014 Seite 9 4.3.3. Auch kann nicht erkannt werden, dass Italien in völkerrechtswidr i- ger Weise gegen die Aufnahmerichtlinie verstösst. Der EGMR hat diesbe- züglich festgehalten, dass in Italien kein systematischer Mangel an U n- terstützung und Einrichtungen für Asylsuchende (als eine besonders ve r- letzliche Personengruppe) bestehe, dies obwohl die allgemeine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit eine m subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. Urteil des EGMR vom 2. April 2013, Mohammed Hussein et al. gegen Niederlande und Italien [B e- schwerde Nr. 27725/10], Unzulässigkeitsentscheidung wegen offensichtli- cher Unbegründetheit gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK). Die vom Gerichts- hof zitierten Berichte zeigten detailliert eine Struktur von Einrichtungen und Versorgung auf, und in letzter Zeit seien zudem gewisse Verbess e- rungen festzustellen. Der Gerichtshof kam zum Schluss, dass die asyls u- chende Person – es handelte sich um eine alleinstehende Frau mit zwei kleinen Kindern – bei einer Rückkehr nach Italien nicht einer ernsthaften und unmittelbar drohenden Gefahr ausgesetzt wäre, in materieller, phys i- scher oder psychischer Hinsicht in eine Notlage zu geraten, die in den Schutzbereich von Art. 3 EMRK fallen würde. Diese Feststellungen la s- sen für das vorliegende Verfahren ableiten, dass Rückkehrende, die noch nicht in einer entsprechenden Einrichtung aufgenommen wurden, in e i- nem Aufnahmezentrum untergebracht werden können. Überdies steht es dem Beschwerdeführer offen, allfällige Probleme bei der Unterbringung oder ihm vorenthaltener Unterstützungsleistungen, bei der medizinischen Versorgung oder beim Zugang zum Asylverfahren bei den zuständigen italienischen Stellen oder Justizbehörden zu rügen. 4.3.4. Mithin sind keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, die darauf hindeuteten, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Italien aus individuellen Gründen in eine existenzielle Notlage geraten könnte. Aus den Akten geh en keine gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers hervor. Der Umstand, dass er sich offenbar seit geraumer Zeit ausserhalb des afrikanischen Kontinents – und namentlich der von ihm in den verschiedenen Verfahren als Heimatstaaten bezeic h- neten Länder Mali, Sierra Leone und Gambia – aufhält, wovon aufgrund der Eurodac-Treffer nachweislich eine längere Zeit im Schengen-/Dublin- Raum, lässt erwarten, dass er mit de r Situation in Italien umgehen und sich nötigenfalls für die ihm zustehenden Rechte einsetzen kann. 4.4 Zusammenfassend besteht damit kein konkretes und ernsthaftes R i- siko, die Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien würde gegen E-3915/2014 Seite 10 völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz oder Landesrecht versto s- sen. Er wird in Italien nicht in Schwierigkeiten existenzieller Art geraten. Damit besteht auch keine Verpflichtung der Schweiz zum Selbsteintritt. Aufgrund dieser Sachlage erweisen sich die vorinstanzlichen Erwägu n- gen, soweit sie vom Bundesverwaltungsgericht angesichts dessen eing e- schränkter Kognition im Asylverfahren überprüft werden dürfen, als zutref- fend. Italien ist zur Übernahme des Beschwerdeführers und zur Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig. 5. Das BFM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten, und hat, da der Beschwerde- führer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbe- willigung ist, zu Recht in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV1). Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht zu prüfen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10). 6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen , soweit darauf ei n- zutreten ist, und die angefochtene Verfügung des BFM ist zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren wird mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, weshalb sich der sinngemässe Antrag auf Ve rzicht eines Kostenvo r- schusses als gegenstandslos erweist. 7. Die Beschwerde ist als aussichtslos zu qualifizieren, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ungeachtet der b e- legten Bedürftigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen ist. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten von Fr. 600. – dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Koste n und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] und Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-3915/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: