Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2012 (720 12 127 / 213) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Laura Manz Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Christoph Vettiger, Rechtsanwalt, Austrasse 37, 4051 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1958 geborene A.____ war seit dem 7. Septembe r 2004 bei der B.____ AG als Küchenchef in einem 100%-Pensum angestellt. Aus gesund heitlichen Gründen arbeitete er im Jahr 2010 mehrere Monate nicht oder nur in einem Teil zeitpensum, ab 2011 arbeitete er zwar wieder zu 100%, allerdings nicht mehr als Küchenchef, son dern als Hilfskoch. Per 29. Februar 2012 wurde das Arbeitsverhältnis durch die Arbeitgeberin beendet. Am 18. Januar 2011 melde- te sich A.____ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) unter Hinweis auf Burnout und Depressionen zum Leistungsbezug an. Nach erfolgtem Vorbescheidverfahren lehnte die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vo m 6. März 2012 einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 39% ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Rechtsanwalt Christoph Vetti- ger, am 23. April 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozial- versicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte dabe i die Ausrichtung einer IV-Rente ab dem 1. August 2011 aufgrund eines Invaliditätsgrads von mindestens 46%. Eventualiter sei die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen und/oder e rwerblichen Abklärungen zurückzu- weisen. Alles unter o/e-Kostenfolge. C. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 8. Juni 2 012 auf Abweisung der Be- schwerde. D. Mit Eingabe vom 12. Juli 2012 änderte der Beschwerd eführer, wiederum vertreten durch Christoph Vettiger, das Rechtsbegehren dahingehen d, dass er eine Rente aufgrund von einem Invaliditätsgrad von mindestens 54% beantrage. Zur Begründung wurde angeführt, dass ein Arbeitsversuch als Küchenchef im Juni 2012 gescheiter t sei, weshalb eine Tätigkeit als Kü- chenchef auf Jahre hinaus ausgeschlossen sei. Das Invalideneinko mmen müsse deshalb ent- sprechend einem Lohn als normaler Koch nach unten korrigiert werden. E. Mit Schreiben vom 16. Juli 2012 hielt die IV-Stelle an ihren bisherigen Ausführungen fest und führte weiter aus, dass nicht erstellt sei, dass der Beschwerdeführer nicht in einem nor- malen Pensum als Küchenchef tätig sein könne, da der Ar beitsversuch in einem neu eröffneten Restaurant und damit unter besonderen Umständen stattgefunden habe. F. Mit Eingabe vom 21. Juli 2012 nahm der wiederum a nwaltlich vertretene Beschwerde- führer zum Schreiben der IV-Stelle Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 23. April 201 2 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 6. März 2012 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (vgl. Bundesgerichtsentscheid [BGE] 129 V 4 E. 1.2). 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts (EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abtei lungen) bleibt folglich weitestgehend anwendbar (vgl. BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahm e einer durch eine psychische Gesund- heitsbeeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicher- te Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheid end ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternati- ve Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (v gl. BGE 102 V 165, 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; vgl. BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 11 5 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ä rztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätig- keiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauig- keit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schla uri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht deren Beweismittel – frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5. Folgende medizinische Unterlagen liegen dem Gericht vor: 5.1 Gemäss Austrittsbericht der C.____-Klinik vom 2. No vember 2010 war der Beschwer- deführer vom 6. September 2010 bis 20. Oktober 2010 in der Klinik hospitalisiert. Die Ärzte di- agnostizierten dabei eine anbehandelte mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD 10 F32.11). Bezüglich des somatischen Synd roms seien bei Eintritt in die Klinik Interessensverlust, frühmorgentliches Erwachen, Morgenti ef und Appetitverlust aufgefallen. Aufgrund des akzentuierten Arbeitsstresses als Küchenchef un d mangelnder Abgrenzungsstra- tegien habe der Patient ein Ausgebranntsein (ICD 10 Z73.0) erlebt. Bei Austritt sei die depres- sive Symptomatik sowohl subjektiv als auch klinisch vollständig r emittiert. Man habe dem Pati- enten empfohlen, in einem Arbeitspensum von 20% einz usteigen und danach die Arbeitsfähig- keit in Absprache mit der Klinik stetig zu erhöhen. 5.2 Am 22. Dezember 2010 nahm der behandelnde Arzt, Dr. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie sowie Allgemeinmedizin, Rehabilitationswes en und Rettungswesen, zuhanden der Lohnausfallversicherung Stellung. Er bestätigte di e Diagnosen einer mittelgradigen depres- siven Episode mit somatischem Syndrom sowie ein Ausgebrannt sein. Obwohl sich der Zustand gebessert habe, liege immer noch eine erhebliche Erschö pfbarkeit vor, sodass das Arbeitspen- sum nur behutsam gesteigert werden könne, wobei aktuell eine Belastbarkeit von 40% gegeben sei. 5.3 Mit Arztbericht vom 2. März 2011 zuhanden der IV-St elle attestierte Dr. D.____ dem Patienten eine mittelgradige depressive Episode mit so matischem Syndrom auf dem Weg zur Remission sowie eine Burnout-Symptomatik. Nach langandau ernder Überforderung am Ar- beitsplatz sei der Patient im Sommer/Herbst 2010 sukzessi ve in eine Erschöpfungsdepression mit somatischem Syndrom und Burnout-Symptomatik abgerut scht. Im Sinne einer Prognose führte Dr. D.____ aus, dass in den nächsten drei Monate n wieder mit einer 80%-igen Belast- barkeit zu rechnen sei, da der Patient von seinem Arbe itgeber um zwei Positionsstufen zurück- gestuft worden sei, nunmehr als normaler Koch arbeite und deutlich weniger Verantwortung tragen müsse. Die Zurückstufung habe die depressive Symptoma tik zwar zunächst verschärft, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Patient habe den Umstand aber mittlerweile akzepti ert. Ein dauerhafter Verbleib in dieser Stellung sei jedoch für den Patienten nicht tragbar. Der Patient werde sich deshalb nach zwei bis drei Monaten eine Stelle als Küchenchef in einem kl einen, weniger hektischen und geregel- ten Betrieb suchen. Dies erachtete Dr. D.____ als sinnvo ll, empfahl jedoch auch, bis zur voll- ständigen Remission in den nächsten ein bis zwei Jahren ni cht über ein 80%-Pensum hinaus- zugehen. 5.4 Im Arztbericht vom 7. November 2011 ging Dr. D.____ davon aus, dass der Zustand des Patienten weitgehend remittiert sei. Dieser arbe ite nun zu 100% als Koch. Aus der jetzigen Perspektive könne der Patient inzwischen auch wieder eine Tätigkeit als Küchenchef anneh- men, jedoch nicht im Gastgewerbe, sondern ausschliesslich in einem geregelten Betrieb, wie beispielsweise einem Krankenhaus, einem Altersheim oder dergleichen. Dem Managen von saisonbedingten Belastungsspitzen sei der Patient krankhe itsbedingt nicht mehr gewachsen, weshalb er auch an seinem bisherigen Arbeitsort nicht m ehr als Küchenchef arbeiten könne. In einer angemessenen Tätigkeit jedoch sei der Patient w ieder zu 80-100% als Küchenchef be- lastbar. 5.5 Am 8. November 2011 nahm Dr. E.____, FMH Arbeit smedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst beider Basel (RAD), zur Arbeitsfähigkeit des Besch werdeführers Stellung. Dr. E.____ beurteilte die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers dahingehend, dass zuletzt von Anfang bis Mitte März 2011 noch eine 25%-ige Arbeitsunfähigkeit und ab dem 15. März 2011 eine voll- ständige Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Er bezeichnete die Ausführungen von Dr. D.____ als nachvollziehbar und begründet, wonach von einer weitge henden Remission auszugehen sei. Damit müsse ab dem 15. März 2011 von einer vollständige n Arbeitfähigkeit als Chefkoch aus- gegangen werden. Die Annahme von Dr. D.____, der Ver sicherte könne nur in einem geregel- ten Betrieb arbeiten, sei hingegen spekulativ. Vielmehr sei es am vorherigen Arbeitsort zu einer aussergewöhnlichen Stressbelastung gekommen, die aber so nicht generell in der Gastronomie anzutreffen sei. Dem Versicherten sei deshalb auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Stelle als Küchenchef zumutbar. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung bei der Beurteilung des Ge- sundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. E.____ in seiner Stellungnahme vom 8. No vember 2011 gekommen ist. Demzu- folge ging sie davon aus, dass gemäss der durch Dr. E.___ _ interpretierten Ausführungen von Dr. D.____ und aufgrund dessen ärztlichen Krankschreibungen beim Beschwerdeführer ab dem 15. März 2011 eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit als Küch enchef gegeben sei. Diese Beurteilung von Dr. E.____ vermag nicht zu überzeugen. Zwar schätzte Dr. D.____ den Beschwerdeführer gemäss Arztzeugnis vom 28. Februar 2011 ab dem 15. März 2011 wieder zu 100% arbeitsfähig ein. Für eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit zu diesem Ze itpunkt als Küchenchef gibt es jedoch in den Akten keine Anhaltspunkte. Der Beschwerdeführer war in dieser Zeit nur als normaler Koch wieder zu 100% tätig. Dr. D.____ äusserte sich zudem am 2. März 2011 (und damit nur zwei Tage nach Ausstellung des besagten Arztzeugnisses) eindeut ig dahingehend, dass eine Arbeit im Rahmen eines 100%-Pensums nur als Koch, nicht aber al s Küchenchef, denkbar sei. Als solcher sei mit der Zeit eine Arbeitsfähigkeit von bis zu 80% zu erwarten. Im Bericht vom Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7. November 2011 attestierte Dr. D.____ dem Beschwerdef ührer ebenfalls keine volle Arbeits- fähigkeit, sondern eine von 80-100%. Die Annahme von Dr . E.____, dass der Beschwerdefüh- rer aufgrund der medizinischen Berichte ab dem 15. März 2011 als Küchenchef zu 100% ar- beitsfähig sei, findet in den medizinischen Akten keine Grundlage, weshalb nicht darauf abge- stellt werden kann. 6.2 Demgegenüber sind die durch Dr. D.____ geäusserte n Diagnosen und Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nachvollziehba r und schlüssig begründet. Sie ba- sieren auf einer sorgfältigen Anamnese und sind hinsic htlich der zu beurteilenden Fragen um- fassend. Die Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschw erdeführers wird nachvoll- ziehbar dokumentiert, es wird aber auch schlüssig dargele gt, weshalb noch nicht von einer vol- len Arbeitsfähigkeit als Küchenchef auszugehen sei. Im Üb rigen hält auch Dr. E.____ die Aus- führungen von Dr. D.____ für schlüssig begründet, wobe i er allerdings in Frage stellt, dass der Beschwerdeführer nur noch an einem geregelten Arbeit splatz als Küchenchef tätig sein könne, dies sei eine rein spekulative Annahme. Wie es sich damit verhält, kann letztlich offen bleiben – immerhin leuchtet ein, dass bei einer Stelle als Küche nchef in einem geregelten Betrieb die Stressbelastung geringer sein sollte, als in der frei en Gastronomie. Vorliegend ist allerdings die Tätigkeit als Küchenchef das massgebende Element, wenn es um die Einordnung in ein Anfor- derungsniveau der Tabellen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE; vgl. dazu Erwägung 7 hiernach) geht, nicht der Arbeitsplatz. 6.3 Da Dr. D.____ von einer 80-100%-igen Arbeitsfäh igkeit ausgeht, kann nicht angenom- men werden, der Beschwerdeführer sei wieder voll arbeit sfähig. Andererseits attestierte Dr. D.____ auch keine 80%-ige Arbeitsunfähigkeit. Auf grund der ungenauen Angabe der Ar- beitsunfähigkeit von 80-100% ist von einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als Küchen- chef von 90% auszugehen. Dabei sei im Übrigen darauf h ingewiesen, dass – wie aufzuzeigen bleibt – auch die Annahme einer 100%-igen Arbeitsfä higkeit letztlich zu keinem anderen Ergeb- nis führen würde. 7.1 Strittig ist weiter die Berechnung des Invalidität sgrads mittels der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs (vgl. Erwägung 3.2 hiervor). Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 6. März 2012 den erforderlichen Einkommen svergleich gemäss Art. 16 ATSG vorgenommen. Unbestritten ist dabei das Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 109'200.--. 7.2. Umstritten ist das dem Einkommensvergleich zu Grunde gelegte Invalideneinkommen. Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welch er die versicherte Person konkret steht. Geht die versicherte Person nach Eintritt des Gesundhei tsschadens keiner Beschäftigung mehr nach, ist beim Einkommensvergleich von einem hypothetisc hen Invalideneinkommen auszuge- hen, für dessen Ermittlung auf die statistischen Löhne der LSE abzustellen ist (vgl. BGE 126 V 76 E. 3b/bb mit Hinweisen und BGE 124 V 322 E . 3b/aa). Vorliegend zog die IV-Stelle bei der Berechnung die LSE-Tabelle TA 1 2008 bei un d ermittelte bei einer Arbeitfähigkeit von 100% im Sektor Gastgewerbe, Anforderungsniveau 1+2, einer Nominallohnentwicklung von 2% Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht und nach Umrechnung auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 42 Stunden ein jährliches Invali- deneinkommen von Fr. 66'303.--. 7.3.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, es sei aufgrund eines gescheiterten Arbeitsversuchs im Juni 2012 als Küchenchef auf Jahre hi nweg ausgeschlossen, dass er als Küchenchef tätig sein könne. Vielmehr werde er als Koc h arbeiten müssen, wobei für die Be- rechnung des Invalideneinkommens die LSE Tabelle TA 1 2010, Sektor Gastgewerbe, Anforde- rungsniveau 3 zugrunde gelegt werden müsse. 7.3.2 Vorliegend ist (nur) der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Ver- fügung vom 6. März 2012 entwickelt hat, massgebend (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2), weshalb der durch den Beschwerdeführer unternommene Arbeitsversuch im Juni 2012 für das vorliegende Verfahren keine Beachtung finden kann. Eine allfällig e dauerhafte Veränderung der tatsächli- chen Gegebenheiten wäre im Rahmen einer Revision darzu legen. Aus den Akten, wie sie sich zum Verfügungszeitpunkt präsentierten, sind sodann keine Anhaltpunkte ersichtlich, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht hätte möglich sein sollen, wieder als Küchenchef zu arbeiten. Dies hielt Dr. D.____ in seinen Berichten stets für möglich. Damit ging die IV-Stelle zu Recht vom Anforderungsniveau 1+2 aus. 7.4 Hinsichtlich der Anwendung der LSE Tabellen weist d er Beschwerdeführer zu Recht darauf hin, dass die IV-Stelle unrichtigerweise die LS E Tabellen 2008 heranzog und den Lohn entsprechend der Nominallohnerhöhung aufteuerte. Der Einkommensvergleich hat in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt werden können (vgl. Erwägung 3.2 hiervor). Es liegt auf der Hand, dass die LSE Tabel- le 2010 die realen Begebenheiten im Jahr 2011 genaue r widerspiegelt, als diejenige im Jahr 2008. Dass sich der Lohn effektiv nicht in der Weise entwi ckelt hat, wie es die IV-Stelle in ihrer Berechnung darlegt, ist erstellt. Es ist demnach für di e Berechnung die LSE Tabelle 2010 he- ranzuziehen. 7.5 Damit berechnet sich das Invalideneinkommen aufgr und eines Tabellenlohns in der Höhe von Fr. 5'200.-- (LSE Tabelle TA 1 2010, Sektor Gastgewerbe, Anforderungsniveau 1+2). Umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbei tszeit von 42 Stunden ergibt dies ein Jahreseinkommen von Fr. 65'520.--. Entsprechend einem Pensum von 90% beträgt das jährli- che Invalideneinkommen Fr. 58'968.--. Stellt man das I nvalideneinkommen dem Validenein- kommen gegenüber, resultiert eine Erwerbseinbusse von F r. 50'232.-- und damit ein Invalidi- tätsgrad von 46%. Ginge man im Übrigen wider der vora nstehenden Erwägungen von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit aus, würde der Invaliditätsg rad nach der dargelegten korrekten Be- rechnungsweise 40% betragen. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die IV-Stelle ei nen Rentenanspruch des Ver- sicherten zu Unrecht abgelehnt hat. Da vom Beschwerdeführ er die Zusprechung einer halben Rente beantragt wurde, erweist sich die gegen die betr effende Verfügung vom 23. April 2012 erhobene Beschwerde als teilweise begründet, weshalb sie teilweise gutzuheissen ist. Damit hat der Beschwerdeführer seit Ablauf des Wartejahrs – namentlich seit dem 1. August 2011 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Anspruch auf Ausrichtung einer Viertelsrente aufgrund e ines Invaliditätsgrads von 46%. Eine allfällig dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszusta nds wäre im Rahmen eines Revisi- onsverfahrens geltend zu machen. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass aufer legt. Gemäss § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO werden den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier ni cht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auferlegt. Aufgrund dieser Best immung hat die IV-Stelle als Vorin- stanz trotz Unterliegens nicht für die Verfahrenskosten a ufzukommen, weshalb für den vorlie- genden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. De r geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist dem Be- schwerdeführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzu- sprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Honorarnote vom 12. Juli 2012 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 12.30 Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sa chverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozia lversicherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stund enansatz von Fr. 250.-- zu entschä- digen. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 25.--. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädig ung in der Höhe von Fr. 3'348.-- (12.30 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 25.- - zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Las- ten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver- fügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 6. März 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab 1. August 2011 Anspruch auf eine Viertelrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'348.-- (inkl. Ausl agen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.