§ B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2017/2020 U r t e i l v o m 5 . O k t o b e r 2 0 2 0 Besetzung Richter Lorenz Noli (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiber Olivier Gloor. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 12. März 2020 / N (…). E-2017/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am 28. Januar 2016. Am 16. Mai 2016 reiste er in die Schweiz ein und suchte am gleichen Tag um Asyl nach. Am 25. Mai 2016 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum zur Person befragt (BzP). Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 12. Juli 2018 zu seinen Asylgründen an. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei Tamile und habe zuletzt bei Verwandten in B._______, im Quartier C._______, gelebt. Davor habe er in D._______ gelebt. Er habe die Schule bis zum (…) be- sucht, die Prüfung jedoch nicht abgelegt. Einen Beruf habe er ursprünglich keinen erlernt und seinen Lebensunterhalt als (…), unter anderem als (…)- und (…), verdient. Im Rahmen seiner Rehabilitierung sei er als (…) tätig gewesen. Im Jahre 2004 sei er von den Liberaton Tigers of Tamil Elam (LTTE) rekru- tiert worden und habe während des Krieges dem Kommando der E._______ als (…) gedient. An Kampfeinsätzen habe er aber nicht teilneh- men müssen. Im Mai 20(…) habe er sich der sri-lankischen Armee ergeben und sei bis 20(…) oder 20(…) in verschiedenen Rehabilitationscamps in- terniert gewesen. Während dieser Zeit sei er zu seinen Verbindungen zu den LTTE befragt und gefoltert worden. Danach sei er während zirka eines Jahres einer Meldepflicht unterstellt und danach einmal in der Woche oder im Monat vorgeladen und befragt worden. Im (…) 20(…) hätten die Behör- den in seinem Dorf (…) gefunden und er sei darüber einvernommen wor- den. Anschliessend habe man ihn zwei Wochen lang vorgeladen und be- fragt. Im (…) 20(…) habe es eine Explosion in der Nähe eines (…) gege- ben. Daraufhin sei er wiederum mehrere Male befragt und geschlagen wor- den. Man habe ihn verdächtigt, in Kontakt mit zwei gesuchten Personen zu stehen. Er habe diese beiden Personen, welche er von früher kannte, einen Monat vor der Explosion zufällig auf der Strasse getroffen und sich mit ihnen unterhalten. Im (…) 20(…) sei er nochmals vorgeladen und über die beiden Personen befragt worden. Am (…) 20(…) habe man ihn wiederum vorgeladen und ihm eröffnet, dass man über sein Treffen mit den beiden gesuchten Personen informiert sei. Hierbei sei der Verdacht geäussert wor- den, dass er mit der Explosion etwas zu tun zu habe . Danach sei er aber wieder freigelassen worden. Daraufhin habe er sein e Flucht vorbereitet E-2017/2020 Seite 3 und sei noch im gleichen Monat mit seinem eigenen Pass über den Flug- hafen F._______ legal ausgereist, wobei der Schlepper das Flughafenper- sonal bestochen habe. B. Mit Verfügung vom 12. März 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer- deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnetet den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingabe vom 14. April 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen den Entscheid der Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er beantragt, das Gericht habe unverzüglich darzulegen, welche Ge- richtspersonen mit der Behandlung der vorliegenden Sache betraut seien. Gleichzeitig habe das Gericht bekannt zu geben, ob diese Gerichtsperso- nen zufällig ausgewählt worden seien; und andernfalls die im vorliegenden Verfahren konkret objektiven Kriterien bekannt zu geben, nach denen diese Gerichtspersonen ausgewählt worden seien. Sodann sei ihm voll- ständige Einsicht in die Akten der Vorinstanz, insbesondere in das konsul- tierte "Referenzdossier" N (…), zu gewähren. Nach Gewährung der voll- ständigen Akteneinsicht sei ihm eine angemessen e Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Des Weiteren sei die Verfügung der Vorinstanz wegen Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventu- aliter sei die angefochtene Verfügung wegen Verletzung der Begründungs- pflicht aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststel- lung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub -subeventuali- ter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlingseigen- schaft festzustellen und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren. Sub-sub- subeventualiter sei die angefochtene Verfügung betr effend die Ziffern 3 und 4 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzuges festzustellen. Für den Fall, dass keine Rückweisung in der Sache erfolgen sollte, werde als Beweisantrag um Abklärung seines psychischen Zustandes von Amtes wegen, andernfalls um Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einrei- chung eines psychologischen Zeugnisses ersucht. Ferner sei er im Fall der E-2017/2020 Seite 4 Nichtrückweisung von einer in gesundheitlichen Beeinträchtigung geschul- ten Person erneut anzuhören, es seien die zur Anhörung intern angelegten Akten beizuziehen, die Herkunft seiner Körpernarben sei nötigenfalls mit- tels einer spezialärztlichen Abklärung zu eruieren und es sei ihm angemes- sene Frist zur Beibringung von weiteren Unterlagen zum Beweis seines vollständigen Engagement s zugunsten der LTTE anzusetzen (vgl. Be- schwerde S. 52-53). D. Am 29. April 2020 reichte der Beschwerdeführer einen medizinischen Be- richt von G._______ vom 22. April 2020 zu den Akten. E. Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer diverse Foto- grafien zu den Akten und machte ergänzende Ausführungen zur aktuellen Situation in Sri Lanka und seiner Tätigkeit für die LTTE. F. Mit Zwischenverfügung vom 13. Mai 2020 gab der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer die Zusammensetzung des Spruchkörpers bekannt, wies das Gesuch um Akteneinsicht ab und räumte ihm Gelegenheit ein, innert Frist einen aktuellen fachärztlichen Bericht einzureichen. Ferner for- derte er ihn dazu auf, innert Frist einen K ostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.– zugunsten der Gerichtskasse einzuzahlen. G. Mit Eingabe vom 28. Mai 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung, inklusive Verzicht auf den aufer- legten Kostenvorschuss. H. Am 29. Mai 2020 ging beim Gericht die Fürsorgebestätigung des Be- schwerdeführers vom 25. Mai 2020 ein. I. Mit Eingabe vom 5. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Erklärung betreffend die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht vom 3. Juni 2020 zu den Akten und ersucht um Fristverlängerung zwecks Einreichung weitere medizinischer Berichte beziehungsweise um Abklärung seines Ge- sundheitszustandes von Amtes wegen. E-2017/2020 Seite 5 J. Der Beschwerdeführer ersuchte mit Schreiben vom 10. Juni 2020 um An- setzung einer Frist zur Stellungnahme betreffend die Akten N (…), in wel- che ihm die Vorinstanz zwischenzeitlich Einsicht gewährt habe. K. Am 11. Juni 2020 bewilligte der Instruktionsrichter die Fristgesuche vom 5. Juni 2020 beziehungsweise vom 10. Juni 2020 und räumte Frist bis am 3. Juli 2020 ein. L. In seiner Eingabe vom 3. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer insbeson- dere Stellung zu den Akten des Verfahrens N (…) und reichte einen Arzt- bericht von H._______, vom 28. Juni 2020 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än- derung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge- setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom- men worden. D as Gericht wird nachfolgend die neue Gesetzesbezeich- nung verwenden. 2. 2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer- deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – unter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). E-2017/2020 Seite 6 2.2 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchgremi- ums ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4). 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Ver- haltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (subjektive Nachfluchtgründe). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälscht e Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft- machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2). 5. Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an E-2017/2020 Seite 7 das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht- lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG stand. Zur Begründung wird in der Verfügung ausgeführt , der Beschwerdeführer habe den in der Anhörung vorgebrachten Aufenthalt im I._______ sowie die Misshandlungen anlässlich der BzP nicht erwähnt. Sodann habe er die Gefahr vor flüc htlingsrelevanten Nachteilen im Zusammenhang mit der Meldepflicht anlässlich der Anhörung wesentlich dramatischer dargestellt, als noch anlässlich der BzP . Seine Angaben zur Meldepflicht selber, insbe- sondere zu deren Unterbrüchen beziehungsweise die Gründe für deren Wiederaufnahme, seien ebenfalls unstimmig ausgefallen. Es entstehe der Eindruck, der Beschwerdeführer berufe sich auf eine dramatisierte sowie konstruierte Verfolgungssituation. Die eingereichten Beweismittel ver- möchten an diesem Eindruck nichts zu ändern. Da er nicht habe glaubhaft machen können, er sei nach seine Rehabilitation Opfer von Verfolgungs- massnahmen geworden, könnten auch seine vorgebrachte niederschwel- lige exilpolitische Tätigkeit sowie seine Behauptung, er trage viele Narben am Körper, nicht zur Annahme führen, es bestünden Risikofaktoren, wel- che ihn bei einer Rückkehr in sein Heimatland als besonders gefährdet er- scheinen liessen. Auch die Präsidentschaftswahl im Jahre 2019 vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. 6. 6.1 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer im Wesentli- chen geltend, die Vorinstanz habe bei der Durchführung der Anhörung, bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sowie beim Wegwei- sungsvollzug seinen angeschlagenen psychischen Gesu ndheitszustand zu wenig berücksichtigt und dadurch seinen Anspruch auf rechtliches Ge- hör verletzt. Zudem hätte die Vorinstanz aufgrund der vorliegenden Indi- zien weitere Abklärungen bezüglich seiner psychischen Gesundheit veran- lassen müssen. Des Weiteren habe sich die Vorinstanz bei der Vorberei- tung der Anhörung sowie der Würdigung seiner Aussagen nicht an die ei- genen internen Richtlinien gehalten. Ferner sei er anlässlich der BzP im- mer wieder dazu angehalten worden, sich kurz zu fassen. Die beschwerli- che Reise sowie sein psychischer Zustand hätten sich ebenfalls negativ auf sein Aussageverhalten ausgewirkt. Zudem hätte der zeitliche Abstand zwischen BzP und Anhörung berücksichtigt werden müssen. Sodann seien ihm auch aus dem Umstand, dass sich der Verfasser der angefochtenen Verfügung lediglich auf die Befragungsprotokolle gestützt habe und über keinen persönlichen Eindruck verfügt habe, Nachteile erwachsen. E-2017/2020 Seite 8 Die Glaubhaftigkeitsprüfung sei auch deshalb mangelhaft, da nicht berück- sichtigt worden sei, dass es sich bei den Ergänzungen des Sachverhaltes auf Beschwerdeebene um Konkretisierungen des bereits Vorgebrachten gehandelt habe und als bekannt vorausgesetzt werden könne, dass Gefol- terte nicht immer in der Lage seien, über ihre traumatischen Erlebnisse zu sprechen. Des Weiteren seien die Abweichungen der Aussagen zwischen BzP und Anhörung unter anderem auf den zeitlichen Abstand, die daraus resultierenden Erinnerungslücken sowie übersetzungsbedingte Ungenau- igkeiten zurückzuführen. Ferner seien die Abweichungen marginal. 6.2 Sodann habe die Vorinstanz den Sachverhalt insofern nicht gehörig ab- geklärt, indem sie keine Abklärungen bezüglich der Herkunft seiner Kör- pernarben vorgenommen habe. Eine solche hätte erfolgen müssen, zumal die einvernehmende Person es anlässlich der Anhörung abgelehnt habe, die vorgezeigten Narben zu begutachten, und die geltend gemachten Fol- terungen nicht geglaubt worden seien. 6.3 Die Ausführungen der Vorinstanz zur allgemeinen Verfolgungsgefahr von zurückkehrenden tamilischen Asylgesuchstellern sei unzutreffend. Ge- rade angesichts des Umstandes, dass er ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen habe, gehöre er zu einer Gruppe, welche unter dem neuen Regime in Sri Lanka spezifischer Verfolgungsgefahr ausgesetzt sei. Insbe- sondere habe die Vergangenheit gezeigt, dass Untersuchungen gegen vermeintliche Anhänger der LTTE aus politischen Motiven jederzeit wieder aufgenommen werden und zu Bestrafungen führen könnten. Hinzu komme, dass sich die Gefahr vor Verfolgung für Minderheiten in Sri Lanka seit dem Regimewechsel im November 2019 noch verschärft habe. Die Vorinstanz stütze ihren Entscheid diesbezüglich auf einen Lagebericht aus dem Jahre 2016 und damit auf eine mangelhafte Basis. Im vorliegenden Fall sei seine LTTE-Mitgliedschaft aufgrund seiner Reha- bilitierung im Heimatland registriert. Da er sich in die Schweiz abgesetzt habe, werde er in Sri Lanka nun womöglich als Unterstützer der LTTE ge- sehen und es bestehe das Risiko, dass er sich auf einer Stop- oder Watch- List befinde. Sodann mache er sich durch seinen langjährigen Aufenthalt in der Schweiz, einem tamilischen Diasporazentrum, in den Augen der hei- matlichen Behörden verdächtig, sich für den Wiederaufbau der LTTE zu engagieren. In diesem Zusammenhang würdige die Vorinstanz auch seine exilpolitische Tätigkeit unzutreffend. E-2017/2020 Seite 9 6.4 Sodann habe er aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen bisher nicht vorgebracht, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit für die E._______- Einheit über zweieinhalb Jahre Leibwächter des J._______ gewesen sei. Da die Einheit auch (…) durchgeführt habe, sei es durchaus möglich, dass das anhaltende Interesse an ihm auf seine Rolle als Leibwächter des (…) und dem damit einhergehenden Einblick in die höchste Führungsebene der LTTE zurückzuführen sei. Zudem ergebe sich seine Flüchtlingseigenschaft auch aus seiner Zugehörigkeit zur Risikogruppe von Personen mit vergan- gener, aktueller oder vermeintlicher Verbindung zu den LTTE oder zum ta- milischen Separatismus beziehungsweise zur Risikogruppe von Personen, welche aus tamilischen Diasporazentren nach längerer Zeit zurückkehren. 7. 7.1 Die vom Beschwerdeführer erhobenen formellen Rügen der Verletzung des rechtlichen Gehörs beziehungsweise der Begründungspflicht sowie der unrichtigen Sachverhaltserstellung sind vorab zu behandeln, da sie ge- eignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be- wirken. 7.2 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör, weil zwischen BzP und Anhörung ein zeitlicher Abstand von beinahe zwei Jahren liegt. Eine zeitnahe Anhörung ist durchaus wünschenswert. Gemäss konstanter Rechtsprechung ist daraus jedoch nicht auf eine Verletzung des rechtli- chen Gehörs zu schliessen, zumal es sich dabei ni cht um eine justiziable Verfahrenspflicht handelt (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E -1277/2018 vom 3. April 2018 E. 4.3). Die zwischen den Befragungen verstrichene Zeit stellt keine Verletzung der Verfahrensrechte des Beschwerdeführers dar, ist jedoch bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen ange- messen zu berücksichtigen. 7.3 Der Beschwerdeführer erblickt im Umstand, dass die für die Anhörung zuständige Person und die entscheidverfassende Person nicht identisch sind, eine Verletzung seiner Verfahrensrechte. Ein Asylgesuch wird insbesondere aufgrund der Konsistenz, Schlüssigkeit sowie Plausibilität der Vorbringen der Gesuchstellenden beurteilt (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2). Somit bildet ein rechtskonform erstelltes Protokoll grundsätzlich genügende Grundlage für einen Asylentscheid. Dass die Er- hebung des Sachverhalts beziehungsweise der Beweise (Anhörungen E-2017/2020 Seite 10 etc.) und die spätere Würdigung (Entscheidfällung) von derselben Person vorgenommen werden müssen, lässt sich dem Gesetz nicht entnehmen. Zum Hinweis auf die Medienmitteilung vom 26. Mai 2014 ist festzuhalten, dass die personelle Trennung darin als einer von mehreren möglichen Fak- toren für frühere Fehleinschätzungen genannt wurde (https://www.sem.ad- min.ch/sem/de/home/aktuell/news/2014/2014-05-26.html; abgerufen am 4. September 2020). Allein aus dem Hinweis, die entscheidverfassende Person habe keine persönlichen Eindrücke über den Beschwerdeführer sammeln können, ergibt sich noch keine erhöhte Gefahr einer Fehlein- schätzung. Die Verfahrensführung der Vorinstanz ist insofern nicht zu be- anstanden. Zudem sind den Akten – entgegen der Behauptung in der Rechtsmitteleingabe – keine Einschätzungen der für die Anhörung verant- wortlichen Person zu entnehmen, weshalb auf die Begründetheit des An- trags auf Beizu g beziehungsweise Herausgabe des entsprechenden Ak- tenstücks nicht weiter einzugehen ist (vgl. Urteil des BVGer E -2298/2020 vom 7. August 2020, E. 7.7.). 7.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, anlässlich der Befragungen sei nicht in genügender Weise auf sei ne mentale Verfassung Rücksicht ge- nommen worden, kann den betreffenden Protokollen kein diesebezügli- ches Fehlverhalten der Vorinstanz entnommen werden und wird in der Rechtsmitteleingabe auch nicht substantiiert dargelegt. Insbesondere aus dem Umstand, das s der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung mit Widersprüchen konfrontiert worden sei, ist nicht auf eine unkorrekte Ver- fahrensführung der Vorinstanz zu schliessen. Die in diesem Zusammen- hang erhobene Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehö rs erweist sich als unbegründet und eine erneute Anhörung durch eine spezialisierte Per- son erweist sich als nicht notwendig. 7.5 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz stütze ihren Ent- scheid auf den Lagebericht aus dem Jahre 2016 und somit auf eine man- gelhafte Grundlage. Sinngemäss rügt er damit unter anderem einer Verlet- zung der Pflicht zur sorgfältigen Sachverhaltsabklärung. Insbesondere mit dem in der Rechtsmitteleingabe enthaltenen Hinweis auf nicht offengelegte Referenzen und der darauf basierenden Mutmas sung, der Bericht stütze sich auf manipulierte beziehungsweise nicht existierende Quellen, kann die Qualität und Vertrauenswürdigkeit des Berichts nicht ernsthaft in Frage gestellt werden. Sodann bestehen in diesem Zusam- menhang starke Anzeichen dafür, dass es sich bei dem Vorbringen – ins- besondere mit Blick auf dessen Begründung – sinngemäss um den vom E-2017/2020 Seite 11 Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in anderen Verfahren bereits öf- ters gestellten Antrag auf Offenlegung aller nicht öffentlich zugänglichen Quellen des besagten Lagebildes handelt. Der Antrag ist – wie bis anhin – abzuweisen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E -5142/2018 vom 13. No- vember 2018 E. 6.1). 7.6 Soweit der Beschwerdeführer eine unvollständige Sachverhaltsabklä- rung darin erblickt, dass sein Gesundheitszustand und die Herkunft seiner Körpernarben nicht genügend abgeklärt worden seien, kann auf die nach- folgenden Ausführungen (E. 9.1 sowie E 9.2.3) verwiesen werden. Eine ungenügende Abklärung des Sachverhaltes durch die Vorinstanz kann nicht festgestellt werden. Aufgrund der vorliegenden Aktenlage dräng en sich für das Gericht auch keine weiteren Abklärungen auf. 7.7 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet, wes- halb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzu- heben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen. 8. Soweit der Beschwerdeführer die Beschaffung weiterer Beweismittel zu seiner LTTE-Tätigkeit in Aussicht stellt – ohne diese näher zu konkretisie- ren oder bisherige Bemühungen der Beweisbeschaffung darzulegen – und zu deren Beibringung die Einräumung einer angemessenen Frist beantragt (vgl. Beschwerdeschrift S. 53.), ist diesem Antrag nicht zu entsprechen, da er keine gehörige Anerbietung tauglicher Beweise darstellt (vgl. Art. 33 Abs. 1 VwVG). 9. 9.1 Der Beschwerdeführer macht unter anderem geltend, dass er nach sei- ner Rehablitierung erneuter Gefahr vor Verfolgung ausgesetzt gewesen sei, da ihn die Behörden verdächtigt hätten, mit einem im (…) 20(…) er- folgten Sprengstoffanschlag auf einen (…) verwickelt gewesen zu sein. Es ist in diesem Zusammenhang mit der Vorinstanz darin übereinzugehen, dass seine Vorbringen in Bezug auf diesen zentralen Sachverhaltskomplex unvereinbar ausgefallen sind. Anlässlich der BzP äusserte er sich noch da- hingehend, dass ihn die Behörden im Jahre 20(…) deshalb wieder intensi- ver behelligt hätten, weil im Dorf Le ute erschossen worden seien. Der in der Anhörung vorgebrachte (…) im (…) 20(…) sowie der spätere Vorfall im (…) 20(…) wurden im Rahmen der BzP mit keinem Wort erwähnt (vgl. E-2017/2020 Seite 12 SEM-Akten A5/12, Ziffer 7.01 f. ). Diesen Widerspruch vermochte er auf Vorhalt nicht aufzulösen; auch nicht mit dem simplen Hinweis, er habe sich anlässlich der BzP kurz f assen müssen (vgl. SEM Akten A16 /18 F74 f.). Weiter fällt auf, dass er das Vorbringen anlässlich der BzP , es seien Leute in seinem Dorf erschossen worden, an der Anhörung mit keinem Wort mehr aufgegriffen oder weitergeführt hat. Sodann wirken seine Vorbringen auch insofern inkonsistent, als er einerseits geltend macht, die Leute im Dorf hätten ihn wegen der Überwachung sowie seiner Pflicht zur Zusammenar- beit mit den Behörden gemieden, sich andererseits zwei mutmassliche At- tentäter einen Monat vor dem Sprengstoffanschlag auf offener Strasse mit ihm unterhalten haben sollen (vgl. a.a.O. F36). Erheblich gegen die Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerde- führers spricht sodann der Umstand, dass er sich trotz der seit (…) 20(…) angeblich wiederaufgeflammten behördlichen Behelligungen, Vorladungen und Verdächtigungen völlig problemlos per (…) 20(…) einen heimatlichen Pass hat ausstellen lassen (vgl. a.a.O. F38 f.). Hierbei musste er sich nicht nur freiwillig zum Zweck der Passausstellung direkt an die Behörden (des angeblichen Verfolgerstaates) wenden, sondern er hat die Behörden durch sein Ersuchen um Passausstellung auch unmittelbar über seine Reiseab- sichten in Kenntnis gesetzt. Probleme bei der Passbeantragung habe es seinen Angaben zufolge abe r keine gegeben ( vgl. a.a.O. F 40). Hinzu kommt, dass er in der Folge Sri Lanka regulär auf dem Luftweg verlassen und hierbei seinen eigenen Reisepass verwendet hat. Die entsprechenden Vorgänge sind nicht nur mit der Behauptu ng einer objektiveren Verfol- gungssituation kaum zu vereinbaren, sondern stehen auch in Widerspruch zu einer subjektiven Verfolgungsfurcht. Die Hinweise auf seine Verfassung anlässlich der Befragungen sowie den zeitlichen Abstand zwischen BzP und Anhörung vermögen die aufgezeig- ten Inkonsistenzen in seinen Vorbringen nicht zu erklären. Im Übrigen ver- möchten diese Umstände an der Beweisfolgenlast gemäss Art. 7 AsylG im Grundsatz nichts zu ändern . Ergänzend ist festzuhalten, dass der Be- schwerdeführer aus allfälligen Sachverhaltsparallelen im Zusammenhang mit der Fluchtgeschich te eines anderen Gesuchstellers vorliegend nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Angesichts des Ausgeführten ist mit der Vorinstanz darin übereinzugehen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt glaubhaft darzulegen, dass er nach der Zeit seiner Rehabilitierung in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Fokus der heimatlichen Behörden stand. E-2017/2020 Seite 13 9.2 9.2.1 Soweit der Beschwerdeführer die Gefahr vor Verfolgung aus seiner Eigenschaft als rehabilitiertes LTTE-Mitglied sowie dem Ausgang und den möglichen Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen vom November 2019 ableitet, ist festzustellen, dass sich das Bundesverwaltungsgericht bezüglich der aktuellen Veränderungen in Sri Lanka bewusst ist. Es beo- bachtet die Entwicklungen aufmerksam u nd berücksichtigt sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungs- weise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesver- waltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Fami- lies of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heu- tigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwe chsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts- wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht (vgl. dazu die Rechtsprechung aus jüngster Zeit: Urteile des BVGer E-2669/2017 vom 8. Mai 2020 E. 7.4.3 f., D -4628/2017 vom 30. April 2020 E. 6.4 sowie E-1837/2020 vom 27. April 2020 E. 6.1). 9.2.2 Wie bereits unter der vorstehenden Ziffer ausgeführt wurde, vermag der Beschwerdeführer nicht glaubhaft darzulegen, dass er im Zeitpunkt sei- ner Ausreise in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Fokus der heimat- lichen Behörden gestanden hat. Der Umstand, dass seine ehemalige An- gehörigkeit zu den LTTE aufgrund der durchgeführten Rehabilitierung ak- tenkundig sein könnte, vermag auch vor dem Hintergrund des Regime- wechsels im November 2019 keine konkrete Gefahr vor Verfolgung zu be- gründen. In diesem Zusammenhang ist ferner festzuhalten, dass die erst auf Beschwerdeebene vorgebrachte Tätigkeit des Beschwerdeführers als Leibwächter des J._______ sich lediglich auf die Aussage des Beschwere- führers beziehungsweise eines von ihm eingereichten Schreibens vom 30. April 2020 (Beilage 28 zur Eingabe vom 4. Mai 2020) stützt. Seine darin enthaltenen Ausführungen wirken insgesamt rudimentär und nachgescho- ben und sind im Ergebnis – auch mit Blick auf die bereits erfolgten Ein- schätzungen seiner Vorbringen – als unglaubhaft zu qualifizieren. Selbst wenn nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, dass rehabili- tierte LTTE-Mitglieder teilweise einer Überwachung unterzogen werden können und die Rehabilitierung nicht in jedem Fall vor weiterer Verfolgung E-2017/2020 Seite 14 zu schützen vermag, ist es im vorliegenden Fall aufgrund des sehr nieder- schwelligen Profils des Beschwerdeführers als blosser ehemaliger LTTE- (…) und ohne Kampfeinsatz (vgl. SEM-Akten A16/18 F36, F47 ff., F51 und F63) wenig wahrscheinlich, dass er weiteren Überwachungsmassnahmen oder gar Ermittlungen ausgesetzt sein wir d (vgl. auch Australian Depart- ment of Foreign Affairs and Trade (DFAT), DFAT Country Information Re- port Sri Lanka , 24.01.2017, http://dfat.gov.au/about -us/publica- tions/Documents/country-information-report-sri-lanka.pdf, abgerufen am 4. September 2020; wie auch statt vieler: Urteil D -7286/2016 des BVGer vom 5. Februar 2019, E. 6.2. 2. Absatz). Die vorinstanzlichen Erwägungen hierzu sind zu bestätigen. 9.2.3 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesver- waltungsgericht festgehalten, dass aus Europa respektive der Schweiz zu- rückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzuneh- menden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt s eien. Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an ver- schiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Ver- bindung zu den LTTE, um die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lan- kischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsäc hli- chen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegrün- dende Faktoren). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisa- tion für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risiko- faktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri -lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8). Diese Praxis gilt auch unter der in E. 9.1 bereits dargelegten Lageeinschätzung im Zusammenhang mit den jüngeren Ent- wicklungen in Sri Lanka weiter. E-2017/2020 Seite 15 Die mittlerweile rehabilitierte Verbindung des Beschwerdeführers zu den LTTE – welche nach dem unter der vorstehenden Ziffer Ausgeführten nicht als starker Risikofaktor zu qualifizieren ist –, seine geltend gemachten Kör- pernarben – welche ihm nach seinen Angaben anlässlich seiner Rehabili- tierung zugeführt worden seien –, sein Aufenthalt im Exil sowie seine nie- derschwellige exilpolitische Tätigkeit (Teilnahmen an Kundgebungen) ver- mögen insgesamt kein flüchtlingsrelevantes Risikoprofil im beschriebenen Sinne zu begründen. In Bezug auf die Narben ist ergänzend festzuhalten, dass diejenigen an (…) und (…) leicht verdeckt werden können und dieje- nigen an den (…) nicht sichtbar oder bloss sehr dezent ausfallen (vgl. dazu a.a.O. E. 8.4.5). Sodann ist abschliessend festzustellen, dass – entgegen der Behauptung in der Rechtsmitteleingabe – der Beschwerdeführer über gültige Reisepapiere verfügt (vgl. SEM-Akten A16/18 F37 f.). 9.2.4 Der Beschwerdeführer leitet seine Flüchtlingseigenschaft des Weite- ren - unter Verweis auf das Urteil D -4543/2013 des BVGer vom 22. No- vember 2017– aus einer erhöhten Verfolgungsempfindlichkeit ab. Selbst bei der Annahme, der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner gel- tend gemachten Folter im Rahmen der Rehabilitierung traumatisiert, ist festzuhalten, dass er danach noch mehrere Jahre im Land verbrachte. Bloss weil er bei Rückführung in sein Heimatland allenfalls einen Back- ground-Check bezüglich seiner rehabilitierten Vergangenheit und seines Auslandaufenthalts zu gewärtigen hat, kann nicht zur Annahme der Flücht- lingseigenschaft im Sinne der genannten Rechtsprechung führen. 9.2.5 Weiter ist festzuhalten, dass – entgegen der in der Rechtsmittelein- gabe vertretenen Auffassung – die Gesamtheit der zurückkehrenden Ta- milen keine soziale Gruppe im Sinne von Art. 3 AsylG darstellt, da die Cha- rakteristik der "Rückkehr" nicht prägend ist für die Identität der betroffenen Personen und ausserdem Rückkehrer von der Gesellschaft nicht als ho- mogene Gruppe, die sich deutlich von der übrigen Gesellschaft unterschei- det, wahrgenommen werden (vgl. bereits Urteil des BVGer D -6272/2012 vom 6. März 2013 S. 10). Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, seine Flüchtlingseigenschaft leite sich aus seiner Zugehörigkeit zur Risikogruppe ehemaliger LTTE-Mit- glieder ab, ist darauf hinzuweisen, dass die ehemalige Verbindung zu den LTTE bereits im Einzelfall nicht per se die Flüchtlingseigens chaft zu be- gründen vermag (vgl. das unter E. 9.2.3 zum dort zitierten Referenzurteil Ausgeführte). Auf das Vorbringen ist nicht weiter einzugehen. E-2017/2020 Seite 16 10. Aufgrund des in den vorstehenden Erwägungen Ausgeführten ist das Vor- liegen von Vor - sowie Nachfluchtgründen zu verneinen. Zusammenfas- send ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 11. 11.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 11.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er teilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 12. 12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 12.2 12.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtli che Verpflichtun- gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). E-2017/2020 Seite 17 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und de r Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder un- menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb- liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen- den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 12.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Zudem ergeben sich auch keine konkreten Hinweise darauf, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein- lichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen soge nannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In - und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. 12.2.3 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich alleine lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht unzu- lässig erscheinen (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2). Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt be- fasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen E-2017/2020 Seite 18 Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P .K. ge- gen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichts- hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren- den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri Lanka nichts zu ändern (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E -2669/2017 vom 8. Mai 2020 E. 9.2). 12.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn der flüchtlings- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zuläs- sig. 12.3 12.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Bei der Frage des Vorhandens- eins einer genügenden medizinischen Infrastruktur ist nicht erforderlich, dass die Behandlung dort dem schweizerischen Standard entspricht (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21, Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 24 E. 5a und b). 12.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen- den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes- verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll- zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä- ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 13.2). In einem als Referenzurteil publizierten Entscheid erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil des BVGe r D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). E-2017/2020 Seite 19 12.3.3 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten physischen und psychi- schen Leiden sind in seinem Heimatland behandelbar (vgl. dazu die zutref- fenden Ausführungen der Vorinstanz zu den physischen Leiden sowie das Urteil des BVGer D-7355/2016 vom 11. Februar 2019 E. 11.5.2 m.w.H.). In Bezug auf die weiteren individuellen Wegweisungsvollzugshindernisse (wirtschaftliche und soziale Verflechtung im Heimatland) wird auf Be- schwerdeebene nichts Neues vorgebracht und es kann diesbez üglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Der Wegweisungsvollzug erweist sich auch in individueller Hinsicht als zumut- bar. 12.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Allfällig im Zusammenhang mit dem Coronavirus verfügte Einreiseverbote und ähnliche Massnahmen durch die sri-lankischen Behörden stehen angesichts ihres vorübergehenden Cha- rakters dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen (vgl. Urteile des BVGer D-968/2020 vom 31. März 2020; E-1575/2020 vom 19. Mai 2020 E. 9.4.3). 12.5 Zusammenfassend ist der Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut- bar und möglich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 13. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange- messen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 14. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit Eingabe vom 28. Mai 2020 gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist vorliegend gutzuheissen, da die in der Rechtsmitteleingabe gestellten ma- teriellen Anträge nicht von vornherein als aussichtlos zu qualifizieren waren und die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der eingereichten Fürsorgebestätigung vom 25. Mai 2020 ausgewiesen ist. Der mit Zwi- schenverfügung vom 13. Mai 2020 auferlegte Kostenvorschuss ist damit gegenstandslos geworden. E-2017/2020 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Olivier Gloor Versand: