Obergericht des Kantons Zürich Präsident Geschäfts-Nr.: VO120141-O/U Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Gürber Urteil vom 17. Oktober 2012 in Sachen A._____, Gesuchsteller vertreten durch Rechtsanwältin lic.iur. X._____ betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege - 2 - Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 25. September 2012 liess A._____ (nachfolgend: Gesuch- steller) durch Rechtsanwältin lic.iur. X._____ beim Friedensrichteramt B._____ ein Schlichtungsgesuch betreffend Lohnforderung gegen die C._____ GmbH ein- reichen (act. 4/8). 1.2. Mit Eingabe vom 4. Oktober 2012 liess der Gesuchsteller sodann beim Prä- sidenten des Obergerichts des Kantons Zürich um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege sowie um Bestellung von Rechtsanwältin lic.iur. X._____ als unentgeltliche Rechtsbeiständin ersuchen (act. 1 und act. 4/2). 1.3. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteient- schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ei n- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtspr äsident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die un entgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantr a- gen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vorliegen der Anspruchsv o- raussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungsverfahrens bewilligen kann. 2.2. Gemäss Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Recht s- pflege, wenn sie einerseits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittel- losigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aus- sichtslos erscheint. Die Bewilligung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege hat u.a. zur Folge, dass keine Gerichtskosten erhoben werden. Die Frage der Bewilligung der unentgeltli chen Rechtspflege stellt sich damit nur bei Verfahren, - 3 - welche nicht ohnehin kostenlos sind. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 2 lit. d ZPO dann keine Gerichtskosten gesprochen, wenn es sich um eine Streitigkeit aus einem Arbeitsverhältni s bis zu einem Streitwert von Fr. 30'000.- handelt. Zwar sind die Rechtsbegehren im Schlichtungsgesuch vom 25. September 2012 unbeziffert (Urk. 4/8 S. 2). Aufgrund des vereinbarten monat- lichen Bruttolohnes von Fr. 4'200.- (Urk. 4/8 S. 3) ist jedoch davon auszugehen, dass der Streitwert der arbeitsrechtlichen Klage unter Fr. 30'000.- liegt, weshalb das Verfahren vor der Schlichtungsbehörde kostenlos ist. Auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltliche n Rechtspflege im Sinne von Art. 118 Abs. 1 lit. a und b ZPO ist deshalb nicht einzutreten. 2.3. Der Gesuchsteller beantragt die Bestellung von Rechtsanwältin lic.iur. X._____ als unentgeltliche Rechtsbeiständin. Ein unentgeltlicher Rechtsbeistand wird bestellt, wenn die gesuchstellende Person nicht über die erforderli chen Mittel verfügt, ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 117 ZPO) und die gerichtliche Bestellung des Rechtsbeistandes zur Wahrung der Rechte der ge- suchstellenden Person notwendig ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO). 2.4. Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das massgebl i- che Einkommen übersteigt, bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Überschuss r e- sultiert, welcher es der gesuchstellenden Person nicht erlauben würde, die Pr o- zesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Nebst dem Einkommen ist auch das Vermögen zur Bestreitung des Prozessaufwands einzusetzen. Zu berücksich- tigen ist vorhandenes Vermögen jeglicher Art, soweit es effektiv verfügbar, real i- sierbar und sein Verbrauch zumutbar ist (Emmel, in: Kommentar zur Schweizer i- schen Zivilprozessordnung, Sutter -Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Z ü- rich/Basel/ Genf 2010, Art. 117 N 7). 2.5. Die gesuchstellende Person hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die z ur Beur- teilung ihres Gesuchs relevanten Einkommens - und Vermögensverhältnisse um- fassend darzulegen - es trifft sie bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnis- se eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt sie dieser Mitwirkungspflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon ihre Bedürftigkeit nicht hi n-- 4 - reichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unentgeltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179). 2.6. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzul e- gen: Einerseits sind die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb be- reits bei einem relativ geringen Überschuss des Einkommens und Vermögens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden. Ande rerseits braucht es ganz besondere Umstände, damit die Bestellung eines Rechtsbeistandes im Schlichtungsverfahren gemäss Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO als notwendig erscheint. 2.7. Der Gesuchsteller macht geltend, er sei zurzeit arbeitslos und der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung sei noch in Prüfung. Er könne weder seine laufen- den Kosten, noch die Unterhaltsbeiträge und sodann erst recht keine Kosten für ein Gerichtsverfahren bzw. für die anwaltliche Vertretung bezahlen (act. 1). Sei- nem Schlichtungsgesuch ist zu entnehmen, dass er von Juni bis September 2012 bei der Firma C._____ GmbH angestellt war, jedoch die Löhne für die Monate Juli bis und mit September 2012 nicht erhalten hat (act. 4/8 S. 3). Der Gesuchsteller lebt mit seiner Partnerin und deren einjähriger Tochter zusammen und hat zwei Kinder aus einer früheren Beziehung (act. 4/2 S. 1). Der von ihm geltend gemach- te monatliche Bedarf von Fr. 2'433.30 (Anteil Miete Fr. 675. - [act. 4/4], Kranken- kassenprämie KVG Fr. 346.30 [act. 4/3], Anteil Hausrat -/Haftpflichtversicherung Fr. 12.- [act. 4/5], Unterhaltsbeiträge an seine beiden Kinder Fr. 1'400. - [act. 4/6 S. 2]) ist belegt. Nach Hinzurechnung des dem Gesuchsteller zustehenden mo- natlichen Grundbetrages gemäss Kreisschreiben von Fr. 1'100.- resultiert ein mo- natlicher Bedarf von Fr. 3'533.30. Die Darstellung des Gesuchstellers, dass er zurzeit keine Einnahmen erziele, da sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädi- gung noch in Abklärung sei, erscheint insbesondere au fgrund der kurzen Zeit, die seit Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der C._____ GmbH verstrichen ist, als glaubhaft. Die Anzehrung seines Vermögens von Fr. 3'200. - (Urk. 4/2 S. 3) ist dem Gesuchsteller sodann nicht zumutbar, benötigt er dieses doch zur Bestrei-- 5 - tung seiner Lebenshaltungskosten. Damit ist die Mittellosigkeit des Gesuchstellers hinreichend belegt bzw. glaubhaft gemacht. 2.8. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zweite Vorausse t- zung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Prozes s- prognose notwendig, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustel- len ist. Als aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich ge- ringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. z.B. BGE 69 I 160). Zur Vornahme der Prüfung ist auf die vorhandenen Akten abzustellen (vgl. auch Rüegg, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Basel 2011, Art. 117 N 20). 2.9. Der Eingabe an das Friedensrichteramt B._____ lässt sich entnehmen, dass der Gesuchsteller in der Hauptsache ausstehenden Lohn inkl. Anteil 13. Monat s- lohn und Kinderzulagen sowie die Ausstellung von Lohnabrechnungen und eines Arbeitszeugnisses bzw. einer Arbeitsbestätigung verlangt (act. 4/8 S. 2). Gestützt auf diese Ausführungen kann die rechtshängig gemachte Klage aus Arbeitsrecht gegen die frühere Arbeitgeberin C._____ GmbH aus heutiger Perspektive nicht als aussichtslos bezeichnet werden. 2.10. Damit die Bestellung eines Rechtsbeistandes im Schlichtungsverfahren schliesslich als notwendig erscheint, bedarf es ganz besonderer Umstände, d.h. es sind hohe Anforderungen an die Notwendigkeit eines unentgeltlichen Recht s- vertreters zu stellen. Allgemein ausgedrückt hat eine Partei dann einen Anspruch auf Verbeiständung, wenn ihre Interessen in schwerwiegender Weise betroffen sind und der Fall in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, die den Beizug eines Rechtsvertreters erforderlich machen (so Emmel, a.a.O., Art. 118 N 5). Dabei sind neben der Komplexität der Rechtsfragen und der U n- übersichtlichkeit des Sachverhaltes auch in der Person des Betroff enen liegende Gründe zu berücksichtigen, so das Alter, die soziale Situation, Sprachkenntnisse sowie allgemein die Fähigkeit, sich im Verfahren zurecht zu finden (Entscheid des Bundesgerichts 1C_339/2008 vom 24. September 2008, E. 2.2.). Droht das in - 6 - Frage stehende Verfahren besonders stark in die Rechtsposition der betroffenen Person einzugreifen, ist die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters grundsätzlich geboten, sonst nur dann, wenn zur relativen Schwere des Fall es besondere tatsächliche oder rechtliche Schwieri gkeiten hinzukommen, denen die gesuchstellende Person auf sich alleine gestellt nicht gewachsen wäre (BGE 130 I 180 E. 2.2 mit Hinweisen). 2.11. Das Erfordernis der Notwendigkeit eines unentgeltlichen Rechtsbeist andes ist vorliegend zu verneinen. Zwar handelt es sich bei Prozessen um wichtige A s- pekte des Lebens wie der Arbeit in der Regel um relativ schwere Fälle (vgl. R ü- egg, a.a.O., N 11 zu Art. 118), vorliegend bestehen aber weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besondere Schwierigkeiten. Der Sachverhalt ist über- schaubar und es ist nicht ersichtlich, inwiefern sich komplizierte Rechtsfragen stellen könnten. Dem bald 33jährigen Gesuchsteller, welcher deutsch spricht und mit der hiesigen Rechtsordnung grundsätzlich vertraut ist, ist ohne Weiteres zuzu- trauen, den dem Verfahren zugrundliegenden Sachverhalt (Arbeitsverhältnis und ausstehender Lohn, fehlende Lohnabrechnung und fehlendes Arbeitszeugnis bzw. fehlende Arbeitsbestätigung) vor der Schlichtungsbehörde darzulegen. Zu- dem finden sich in den Akten keine Hinweise dafür, dass die Gegenpartei in der Hauptsache anwaltlich vertreten wäre. 2.12. Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes für das Schlichtungsverfahren ist deshalb abzuweisen. Dem Gesuchsteller ist es jedoch unbenommen, in einem allfälligen Verfahren vor dem zuständigen Gericht erneut um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Bestellung eines un- entgeltlichen Rechtsbeistandes zu ersuchen. 3. Kosten und Rechtsmittel 3.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Recht s- pflege kostenlos. 3.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde gemäss - 7 - Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtspr ä- sident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Oberge- richtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz gegen deren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre. Es wird erkannt: 1. Auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 118 Abs. 1 lit. a und b ZPO wird nicht eingetreten. 2. Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes im Si n- ne von Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO wird abgewiesen. 3. Dieses obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 4. Schriftliche Mitteilung an: - die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers , zweifach, für sich und zu- handen des Gesuchstellers, gegen Empfangsschein - das Friedensrichteramt der Gemeinde B._____, gegen Empfangs- schein - die Gegenpartei in der Hauptsache, C._____ GmbH, … [Adresse], B._____, gegen Empfangsschein 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO). - 8 - Zürich, 17. Oktober 2012 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. A. Gürber versandt am: