Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Mai 2016 (720 16 24 / 116) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Unter Berücksichtigung der Erwerbsbiographie der Versicherten kann nicht mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sie im Gesundheitsfall den angelernten Beruf weitergeführt hätte. Anspruch auf Teilrente bejaht. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Anna Arquint , Behinde r- tenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Die 1964 geborene A.____ war zuletzt Hausfrau u nd Hauswartin. Am 3. Dezember 2001 meldete sie sich erstmals bei der Eidgenössischen I nvalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landscha ft (IV-Stelle) die gesundheitlichen, er- werblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse ab geklärt und zudem Eingliederungsmass- nahmen durchgeführt hatte, verneinte sie mit Verfüg ung vom 14. Januar 2004 einen Anspruch von A.____ auf eine Rente. Daran hielt sie auch auf Einsprache hin mit Entscheid vom 23. Juni Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2005 fest. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. Nachdem sich die Versicherte am 18. Feb- ruar 2009 unter Hinweis auf Panikattacken, Depressionen, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Mig- räne und stressbedingte Schmerzen nochmals bei der IV-St elle zum Leistungsbezug angemel- det und diese die Verhältnisse abgeklärt hatte, wurde das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 9. März 2011 aufgrund eines rentenausschliessenden IV- Grads von 33% abgewiesen. Auch dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.2 Am 9. August 2013 meldete sich A.____ unter Hinwei s auf eine Angststörung, Depressi- onen, Rücken- und Gelenkschmerzen zum dritten Mal bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Nachdem die IV-Stelle die Verhältnisse ein weiteres Mal abgeklärt hatte, ermittelte sie bei der Versicherten wiederum einen IV-Grad von 33%. Gestützt a uf dieses Ergebnis und nach Durch- führung des Vorbescheidverfahrens wies sie mit Verfügung vom 9. Dezember 2015 einen An- spruch von A.____ auf eine Rente abermals ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Anna Arqui nt, Behindertenforum, am 10. Juni 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 9. Dezember 2015 auf- zuheben und es sei ihr rückwirkend ab Februar 2014 minde stens eine Viertelsrente auszurich- ten. Es seien weitere medizinische Abklärungen durchzuführ en; unter o/e-Kostenfolge. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilli gung der unentgeltlichen Prozessführung. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die Verfügung auf unzureichenden medi- zinischen Unterlagen beruhe und zudem der Einkommensvergl eich nicht zutreffend durchge- führt worden sei. C. Mit Verfügung vom 25. Februar 2016 wurde der Beschw erdeführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung bewillig t und auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses verzichtet. D. In ihrer Vernehmlassung vom 21. März 2016 schloss die I V-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes übe r die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 10. Juni 2015 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Be schwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 9. Dezember 2015 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfäh igkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Diese Definitionen entsprechen den vor Inkrafttreten des ATSG per 1. Januar 2003 von der Rechtsprechung entwickelten Begriffen in der Invalidenversicherung (BGE 130 V 343 ff.). 3.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). 3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 3.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an för mliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Gr undsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverläss igkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Re chnung tragen, dass diese mitunter Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellu ng in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih- rer Patientinnen und Patienten aussagen. Bei der Absc hätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Ein- schätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht da zu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkennt nisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellt en fachmedizinischen Experten ander- seits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Ad- ministrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätz ungen gelangen (Urteil des Bun- desgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, wei l die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt g eblieben sind (Urteil des Bundesge- richts I 514/06 vom 25. Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung d es Gesundheitszustandes und der Arbeits- fähigkeit der Versicherten auf das von ihr bei Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychothe- rapie, in Auftrag gegebene Gutachten vom 13. Mai 201 4. Demnach wurden bei der Versicher- ten eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), eine Panikstörung (ICD-10 F41.0), diffe- renzialdiagnostisch eine andere gemischte Angststörung ( ICD-10 F41.3), ein Status nach de- pressiver Episode und eine mögliche Persönlichkeitsproble matik diagnostiziert. Bei der Versi- cherten bestünde eine langjährige Angstproblematik, die in der Vergangenheit teilweise als Angst und depressive Störung gemischt oder als Agoraphobi e mit Panikstörung interpretiert worden sei. Aktuell sei eine diffuse Angstsymptomatik zu ve rmuten. Differentialdiagnostisch seien eine Agoraphobie oder eine Angst und depressive St örung möglich. In affektiver Hinsicht würden sich heute keine Beeinträchtigungen zeigen. Inwi eweit eine Persönlichkeitsstörung vor- liege, sei schwierig zu eruieren. Denkbar sei, dass die B eschwerdeführerin auffällige Persön- lichkeitszüge aufweise. Diese würden aber eine Arbeitst ätigkeit nicht verunmöglichen. Im Vor- dergrund stünden die diffuse Angstsymptomatik und die Pa nikstörung. Diese seien zwar nur leichtgradig ausgeprägt, würden aber die Belastbarkei t vermindern. Die Versicherte sei in der Lage, den Alltag zu meistern, Regeln und Routinen ein zuhalten und den Tag zu strukturieren. Möglicherweise sei sie – vor allem morgens – in der Flexi bilität und Umstellfähigkeit einge- schränkt. Sie könne aber ihre Kompetenzen einsetzen und sei fähig, Entscheidungen zu treffen. Die Durchhalte- und die Selbstbehauptungsfähigkeit sei en vermindert. In Bezug auf die Kon- taktfähigkeit bestünden subjektive Beeinträchtigungen. Di e Versicherte sei aber fähig, sich in eine Gruppe einzugliedern und familiäre Beziehungen aufrechtzuerhalten. Sie fühle sich indes nicht in der Lage, eine Paarbeziehung zu führen. Insge samt sei sie etwas vermindert belastbar und sie sei in der Umstellfähigkeit eingeschränkt. Zudem sei sie schneller ermüdbar und benö- tige daher vermehrt Pausen. Zudem sei sie teilweise durch Ängste blockiert oder zumindest behindert und verlangsamt. Es bestünde seit dem Jahr 201 0 auch für einfach strukturierte Tä- tigkeiten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 4 0%. Entgegen der Beurteilung der be- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht handelnden Psychiaterin Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, könne keine dauernde depressive Störung festgestellt werden und di e Angst- und Panikstörungen seien nicht als gravierend einzustufen. Zudem wirke sich die Persönlichkeitsproblematik grundsätzlich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Die Hospitalisatio n der Versicherten in der Psychiatrischen Klinik X.____ zeige auf, dass der Zustand bei konseque nten Therapiemassnahmen durchaus besserungsfähig sei. Aus diesem Grund sei die von der b ehandelnden Psychiaterin attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80% nicht nachvollziehbar. 5.2.1 Die IV-Stelle ging demnach davon aus, dass die Ve rsicherte in einer einfach strukturier- ten Tätigkeit im Umfang von 60% arbeitsfähig ist. Na ch dem oben Gesagten (vgl. E. 4.3 hier- vor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens einge holten Gutachten externer Spezial- ärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sp rechen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebn isse im Gutachten von Dr. B.____ vom 13. Mai 2014 in Frage zu stellen oder gar davon abzu weichen. Es ist vielmehr festzuhal- ten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl . E. 4.2 hiervor) – umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die gekla gten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten, insbesondere auch des Berichts der Psychiatrie Y._ ___ vom 18. Februar 2014, ab- gegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beur- teilung der medizinischen Situation ein und nimmt insbe sondere eine hinreichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vor. Sodann weist das Gutachten keine Widersprüche auf und es setzt sich auch hinlänglich mit den bei den Akten liegenden (abweichenden) fachärztli- chen Einschätzungen auseinander. Die entsprechenden vo rstehend (vgl. E. 5.1) wiedergege- benen Darlegungen des Gutachters vermögen zu überzeugen , sodass darauf verwiesen wer- den kann. 5.2.2 Die von der Beschwerdeführerin geäusserte Kritik a m Gutachten von Dr. B.____ ist nicht geeignet, dessen ausschlaggebenden Beweiswert in Frage z u stellen. Wenn sie – unter Hin- weis auf die Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin Dr. C.____ vom 6. September 2014 – darauf hinweist, dass es ihr knapp möglich sei, in g eschütztem Rahmen eine Arbeitspensum von 20% zu bewältigen, vermag dies die nachvollziehbare Beurteilung von Dr. B.____ nicht in Zweifel zu ziehen. Abgesehen davon, dass rechtsprechungsgem äss der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass behandelnde Ärztinnen und Är zte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen, benennt die behandelnde Psychiateri n in Bericht vom 6. September 2014 keine Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären (vgl. E. 4.3 hiervor). Weil die abschliessende Beurteilung der Leistungsfähigkeit in der Hauptsa- che dem Arzt oder der Ärztin obliegt (vgl. E. 4.1 hiervo r), lässt auch der Bericht der Geschäfts- führerin der Stiftung D.____ vom 6. Januar 2015 kein en anderen Schluss zu. Soweit die Be- schwerdeführerin die wirtschaftliche Verwertbarkeit ihres Leistungsvermögens auf dem in Frage Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt anzweifelt, ist ihr entgegenzuhalten, dass ihr gemäss dem massgebenden Gutachten von Dr. B.____ angepasste Tätigkeiten im Umfang von 60% möglich sind. Demnach stehen ihr trotz ihrer gesundheitl ichen Beeinträchtigungen nach wie vor verschiedene Tätigkeiten offen, so dass nicht von realitätsfremden und in diesem Sinne unmög- lichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeiten auszugehen ist . Weil das Gutachten von Dr. B.____ eine zuverlässige Beurteilung der verbleibe nden Arbeitsfähigkeit der Versicherten zulässt, kann auf die beantragte zusätzliche medizinische Abklärung verzichtet werden. 6.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versi- cherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des fr ühestmöglichen Rentenbeginns abzu- stellen ist (BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher – gem äss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG – auf Feb- ruar 2014 zu liegen kommt. Für den nachfolgend durchz uführenden Einkommensvergleich sind demnach die zu diesem Zeitpunkt gegebenen Einkommensverhältnisse massgebend. 6.1.1 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielb aren Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Z eitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) als Gesunde tatsächlich verdie- nen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Massgebend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fä higkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hierfür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hätte (BGE 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b). 6.1.2 Die IV-Stelle ging davon aus, dass die Beschwerdef ührerin ohne gesundheitliche Beein- trächtigung in ihrem angelernten Beruf als Serviceangest ellte tätig wäre. Gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik 2010 (LSE), Tabelle TA 1, Sektor Gastgewerbe, Anforderungsniveau des Arbeitsplat zes 4, Spalte Frauen, und in Berück- sichtigung der Nominallohnentwicklung von 2,3% sowie unte r Umrechnung auf die betriebsübli- che wöchentliche Arbeitszeit von 42,3 Stunden ermittelt e sie für das Jahr 2011 ein jährliches Valideneinkommen des Versicherten in der Höhe von Fr. 48‘497.--. Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden. Zunächst war die Versicher te nach ihrer Anlehre zur Serviceange- stellten lediglich in den Jahren 1987 bis 1990 im Gastg ewerbe tätig. Hernach war sie – bis zur Aufnahme der Hauswartstätigkeit im Umfang von 20% im Ja hr 1997 – Mutter und Hausfrau. Unter diesen Umständen kann entgegen der Ansicht der Besc hwerdegegnerin nicht mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Versicherte im Gesund- heitsfall und nach rund 24 Jahren vollständiger Erwerbsl osigkeit resp. bloss geringfügiger Er- werbstätigkeit der angelernte Beruf im Gastgewerbe we itergeführt hätte. Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin über keine eigentliche Beruf sausbildung verfügt. In Anbetracht des- sen und unter Berücksichtigung der Erwerbsbiographie der Versicherten ist durchaus denkbar, dass sie im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginn s eine andere Tätigkeit im Anforde- rungsniveau 4 ausgeübt hätte, weshalb das Valideneinkomm en aufgrund der LSE 2010, Tabel- le TA1, Total Frauen, Anforderungsniveau 4 zu bemessen ist. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.1 Bei der Ermittlung des trotz Gesundheitsschadens zumutbarerweise erzielbaren Ein- kommens (Invalideneinkommen) ist zu Recht unbestritten, d ass dieses anhand der LSE 2010, Tabelle TA1, Total Frauen, Anforderungsniveau 4 zu be stimmen ist. Sind Validen- und Invali- deneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu ber echnen, erübrigt sich rechtspre- chungsgemäss deren genaue Ermittlung; der Invaliditätsgr ad entspricht dem Grad der Arbeits- unfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenl ohn (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 30. Juli 2012, 8C_365/2012, E. 7). 6.2.2 Zu prüfen ist demnach, ob sich bei der Bemessung des Invalidenkommens ein Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt. Wird das Invalideneinko mmen auf der Grundlage von statisti- schen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen- falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getr agen werden, dass persönliche und be- rufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa). Ein Abzug hat jedoch nicht automatisch, sondern nur dann zu erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür b estehen, dass die versicherte Person we- gen eines oder mehrerer dieser Merkmale die verblieben e Arbeitsfähigkeit auch auf einem aus- geglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 80 E. 5b/aa in fine). Besteht Anlass für ei nen Abzug, so ist dieser unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25% nicht übersteigen (BGE 135 V 301 E. 5.2, 126 V 80 E. 5b/bb-cc). 6.2.3 Vorliegend hat die IV-Stelle keinen Abzug vom Ta bellenlohn vorgenommen. Die Be- schwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe nicht berücksichtigt, dass sie aufgrund ihres auffälli- gen Verhaltens, der krankheitsbedingt häufigen Arbeit sausfälle und dem verlangsamten Ar- beitstempo im Vergleich mit gesunden Arbeitnehmenden Lohneinbussen hinnehmen müsste, welche mit der Reduktion des Arbeitspensums nicht berücksichtigt seien. 6.2.4 Der Rüge der Beschwerdeführerin ist nicht beizup flichten. Wie sich aus der massgeben- den gutachterlichen Zumutbarkeitsbeurteilung von Dr. B .____ ergibt, hat dieser bei der Festle- gung der Arbeitsfähigkeit die Leistungsdefizite der Ver sicherten, insbesondere die verminderte Belastbarkeit, die Einschränkung in der Umstellfähigkei t, der erhöhte Pausenbedarf und das verlangsamte Arbeitstempo berücksichtigt (vgl. E. 5.1 hiervo r). Eine zusätzliche Veranschla- gung dieser Einschränkungen unter dem Titel des leiden sbedingten Abzugs im Sinne von BGE 126 V 75 würde somit zu einer unzulässigen doppelte n Anrechnung desselben Faktors führen. Unter Würdigung der gegebenen Umstände ist v orliegend – entgegen den Ausführun- gen der Beschwerdeführerin – nicht zu beanstanden, dass di e IV-Stelle bei der Ermittlung des Invalideneinkommens keinen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen hat. 6.3 Da kein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen ist, der IV-Grad gemäss dem Grad der Arbeitsunfähigkeit (vgl. E. 5.1) mit 40% zu veranschlag en. In Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG und der Anmeldung zum Leistungsbezug am 9. Au gust 2013 hat die Beschwerde- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin folglich ab 1. Februar 2014 Anspruch auf eine Viertelsrente. Die Beschwerde ist inso- weit gutzuheissen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 19 93 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Ve rfahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. 7.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerde- führerin hat mit Honorarnote vom 20. April 2016 für das vorliegende Verfahren einen Zeitauf- wand von 17,41 Stunden gemacht. Zu beachten ist, dass vo rprozessualer Aufwand (Position vom 29. Juni 2015: 20 Minuten) praxisgemäss nicht berücksich tigt werden kann. Folglich bleibt ein Aufwand von 17,08 Stunden zu entschädigen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversi- cherungsprozessen praxisgemäss für Verbandsangestellte von gemeinnützigen Organisationen bei durchschnittlichen Fällen zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 150.-- zu entschädigen. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine P arteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'562.50 (17,08 Stunden à Fr. 150.--) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als d ie Verfügung der IV- Stelle Basel-Landschaft vom 9. Dezember 2015 aufgehobe n und fest- gestellt wird, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Februar 2014 Anspruch auf eine Viertelsrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 2‘562.50 zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht