Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. März 2021 (725 20 186 / 79) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zeitpunkt der Einstellung der vorübergehenden Leistungen / Prüfung des Rentenan- spruchs / Adäquanzprüfung nach der sog. Psycho-Praxis Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1959 geborene A.____ bezog seit 17. November 2 016 Taggelder der Arbeitslo- senversicherung. Als arbeitslose Person war er bei der S chweizerischen Unfallversicherungs- anstalt (Suva) obligatorisch gegen Unfälle versichert. Am 23. November 2018 liess A.____ der Suva einen Unfall melden. Gemäss den Angaben im Form ular "Schadenmeldung UVG für ar- beitslose Personen" war er am 3. November 2018 im Gart en seiner Ferienwohnung in B.____ am Sammeln von Nüssen, als "alte Sachen (Durchlauferhitz er) über den Zaun geschmissen" wurden und ihn am Kopf trafen. A.____ suchte noch am s elben Tag die Notfallstation des Spi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tals C..____ auf, wo - nebst einer kleinen Schürfung fr ontal links - ein leichtes Schädelhirntrau- ma diagnostiziert wurde (Bericht vom 3. November 2018). Nachdem die Suva dem Versicherten nach Eingang der Unfallmeldung die gesetzlichen Leistu ngen (Heilkosten, Taggelder) für die Folgen dieses Ereignisses erbracht hatte, stellte sie dies e mit Verfügung vom 11. Juli 2019 per 30. April 2019 ein. Zur Begründung machte sie im Wesen tlichen geltend, ihre Abklärungen hät- ten ergeben, dass die vom Versicherten aktuell noch gekl agten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien. Man habe deshalb geprüf t, ob zwischen dem Vorfall vom 3. November 2018 und den zurzeit noch geklagten Beschwer den ein adäquater Zusammen- hang bestehe. Die Würdigung der massgebenden Kriterie n habe ergeben, dass dies nicht der Fall sei. Aus diesem Grund seien die Versicherungsleistun gen (Heilkosten, Taggelder) einzu- stellen. Mangels adäquater Unfallfolgen bestehe auch k ein Anspruch auf weitere Geldleistun- gen in Form einer Invalidenrente und/oder einer Int egritätsentschädigung. Daran hielt die Suva auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 6. April 2020 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 5. Mai 2020 "Einspruch" bei der Suva. Darin machte er - unter Beilage von zwei Arztberichten - sinng emäss geltend, dass die medizinische Behandlung noch nicht abgeschlossen sei. Am 15. Mai 2020 leitete die Suva die Eingabe zuständi gkeitshalber zur Behandlung als Be- schwerde an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), weiter. C. In ihrer Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2020 beantrag te die Suva die Abweisung der Beschwerde. D. Am 7. August 2020 reichte der Versicherte weitere A rztberichte ein. Gleichzeitig nahm er im Rahmen einer Replik zur Beschwerdeantwort der Suva Stellung. E. Zur Vervollständigung des medizinischen Sachverhalts z og des Kantonsgericht bei der IV-Stelle Basel-Landschaft die IV-Akten des Versicherten bei. F. Mit Eingabe vom 23. Oktober 2020 teilte die Suva m it, dass sie auf die Einreichung einer umfassenden Duplik und auf eine Stellungnahme zu den beigezogenen IV-Akten verzich- te. Sie verweise stattdessen auf den angefochtenen Einsp racheentscheid und die Beschwerde- antwort und erneuere ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde. G. Am 17. März 2021 gab der Beschwerdeführer einen akt uellen Bericht der behandeln- den Ärztin D.____, Fachärztin für Allgemeinmedizin, zu den Akten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer oder gegen Verfügungen de r Unfallversicherer, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, beim zuständigen kanto nalen Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in E.____ (BL), weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Ver- fassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Deze mber 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Die Eingabe vom 5. Mai 2020 genügt den formellen Voraussetzungen, denen ein e Beschwerde in Sozialversicherungs- sachen gemäss § 5 Abs. 1 und 2 VPO zu genügen hat, nur kna pp. In Anbetracht, dass es sich um eine Laienbeschwerde handelt, ist jedoch auf das Rechtsmittel einzutreten. 2.1 In der obligatorischen Unfallversicherung werden na ch Art. 6 Abs. 1 UVG, soweit die- ses Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleist ungen bei Berufsunfällen, Nichtbe- rufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Gemäss Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfall folgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilwei se arbeitsunfähig, so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähi gkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Be- ginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Pe rson. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, w enn sie infolge des Unfalls zu mindes- tens 10 Prozent invalid ist und sofern sich der Unfall vo r Erreichen des ordentlichen Rentenal- ters ereignet hat. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Be- handlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsma ssnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die He ilbehandlung und die Taggeldleistun- gen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder p sychischen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine angemessene Int egritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenan spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt vorau s, dass zwischen dem versicher- ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit , Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integri- tätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusamm enhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzus ammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache g esundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis- tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zu sammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3.1 Für eine Bejahung der Leistungspflicht des Unfa llversicherers muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nu r ein natürlicher, sondern auch ein adä- quater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtsp rechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geei gnet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweis) . Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftu ngsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzu- sammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der e ingetretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechts erhebliche Kausalzusammenhang be- steht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Ge- richt zu beurteilen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 3 . Dezember 2010, 8C_626/2010, E. 5; BGE 112 V 30 E. 1b). 2.3.2 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfall folgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kaus alzusammenhang ergebenden Haf- tung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hi er die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1, 12 7 V 102 E. 5b/bb). Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfäl ligen Geschehensablauf des geltend gemachten Unfallereignisses auszugehen, und es sind je n achdem weitere unfallbezogene Kri- terien einzubeziehen. Bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall werden diese Adäquanz- kriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (soge nannte Psycho-Praxis; BGE 115 V 133), während nach der bei Schleudertraumen un d äquivalenten Verletzungen der HWS sowie Schädel-Hirntraumen anwendbaren sogenannten Schleudertrauma-Praxis auf eine Diffe- renzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ve rzichtet wird (zum Ganzen: BGE 134 V 109 E. 2.1 mit Hinweisen). 3. Zur Beurteilung medizinischer Sachverhalte (Gesundh eitszustand und Arbeitsfähigkeit der versicherten Person, Vorliegen eines natürlichen Kau salzusammenhangs zwischen schädi- gendem Ereignis und gesundheitlicher Störung) bedarf es verlässlicher medizinischer Entschei- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dungsgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversi- cherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent- scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverl ässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einan der widersprechenden medizini- schen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das ge samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische The- se abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hinsichtlich des Bewe iswertes eines Arztberichtes ist dem- nach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belan ge umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung d er medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 23 1 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hin- weis). 4. Den medizinischen Akten des vorliegenden Falls lässt sic h Folgendes entnehmen: 4.1 Laut dem am Unfalltag erstellten Bericht der Notf allstation des Spitals C.____ vom 3. November 2018 diagnostizierten die erstbehandelnde n Ärzte beim Versicherten ein "leichtes Schädelhirntrauma". Im Schädel/HWS-CT habe eine Blutu ng oder Fraktur ausgeschlossen werden können. Im Weiteren wurde vermerkt, dass keine Arbeitsunfähigkeit vorliege. 4.2 Im Bericht vom 20. November 2018 hielt die Hausärzt in D.____ fest, dass der Versi- cherte aufgrund des erlittenen Schädelhirntraumas an Kopfschmerzen, Schwindel, Gangunsi- cherheit und einer Sturzneigung leide. Er sei seit 9. November 2018 zu 100 % arbeitsunfähig. Diese Beurteilung wiederholte die genannte Ärztin in ihren nachfolgenden Berichten vom 3. und 21. Dezember 2018. In einem weiteren Zwischenbericht v om 21. Januar 2019 führte die Haus- ärztin die gleichen Diagnosen auf. Der Verlauf sei sub jektiv unverändert, objektiv sei aufgrund der Medikamente eine Besserung eingetreten; die Prognose sei gut und ein bleibender Nachteil sei nicht zu erwarten. Vermutlich bestünden beim Patienten zum Teil Ängste, dadurch nehme er Schonhaltungen ein, die wiederum Schmerzen und Schwin del verursachen würden. Einen Mo- nat später, am 28. Februar 2019, hielt D.____ fest, dass der Versicherte aufgrund des erlittenen Schädel-Hirntraumas immer noch unter Kopfschmerzen und Übelkeit leide, er sei nach wie vor vollständig arbeitsunfähig. Seit 22. Februar 2019 sei es allerdings zu einer Zustandsverbesse- rung gekommen, der Patient klage nur noch über morgend liche Übelkeit und Kopfschmerzen. Aus ihrer Sicht empfehle sich eine neurologische/psychiat rische Abklärung. Im gleichen Sinne äusserte sich die behandelnde Ärztin in den nachfolgen den Attesten vom 15. März 2019 und 9. April 2019. 4.3 Gestützt auf die Empfehlung der behandelnden Ärzti n leitete die Suva eine neurologi- sche Untersuchung des Versicherten in der Neurologischen Poliklinik des Spitals F.____ in die Wege. Der Beschwerdeführer sagte jedoch den vereinbar ten Sprechstundentermin vom Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 15. April 2019 drei Tage vorher mit der Begründung ab, dass er sich wegen seiner Erkrankung entschlossen habe, für einige Zeit zu seinen Eltern na ch G.____ zu fahren, um dort gesund zu werden und seine Ängste zu überwinden. 4.4 In der Folge legte die Suva die medizinischen Akte n ihrem Kreisarzt Dr. med. H.____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vor, der in seiner Kurzbeurteilung vom 13. Juni 2019 darauf hinw ies, dass seit 16. April 2019 formal keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorliege. Eine "kreisärztliche B estätigung" sei aktuell nicht erforderlich. Zudem hielt er fest, dass im Verlauf keine strukturelle n Läsionen nachgewiesen seien und zwar weder im Bereich der HWS noch im Bereich des Schädels. In seinem auf Ersuchen der Suva erstellten ausführlicheren Bericht vom 10. Juli 2019 wie derholte Dr. H.____, dass seit 16. April 2019 auch formal keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigun gen mehr vorliegen würden. In seiner Beurteilung hielt er fest, dass im gesamten Verlauf ke ine strukturell objektivierbaren Folgen des Unfalls vom 3. November 2018 nachgewiesen worden seien, in der Konsequenz würden aktuell keine strukturell objektivierbaren Unfallfolgen vorliege n. Nach einem Schädelhirntrauma ohne strukturelle unfallkausale Läsionen und mit der aus dem D ossier hervorgehenden initialen Symptomatik seien allerspätestens sechs Monate nach dem E reignis naturwissenschaftlich kei- ne Symptome mehr in einem natürlich-kausalen Zusammenhang zum Ereignis zu erklären. 4.5 In einem weiteren Attest vom 6. August 2019 hiel t die Hausärztin D.____ fest, ihr Pati- ent leide weiterhin an Panikattacken, Angstzuständen und Kopfschmerzen und er sei deswegen weiter zu 100 % arbeitsunfähig. Im gleichen Sinne äusse rte sich die behandelnde Ärztin am 2. September 2019 und 28. Februar 2020. 4.6 In den beigezogenen IV-Akten findet sich ein Beri cht von Dr. med. I.____, Ärztin und Dipl.-Psychologin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie , Spital J.____, vom 4. März 2020. Darin wurden ein ängstlich-depressives Syndrom seit ca. e inem Jahr mit Niedergestimmtheit und Antriebsminderungen, Ängsten, Panikattacken, sozia lem Rückzug sowie Schlaf- und Kon- zentrationsstörungen festgehalten. Dem Versicherten sei aktuell die regelmässige Ausübung einer Tätigkeit nicht möglich. 4.7 Zusammen mit seiner Replik reichte der Beschwerdefü hrer einen Bericht der Klinik für Neurologie und Neurophysiologe, Spital J.____, vom 8. J uni 2020 ein, der als "Mitbeurteilung zum Ausschluss einer Epilepsie" verfasst wurde. Danach wür den sich aktuell anamnestisch keine Hinweise auf epileptische Anfälle finden. Zudem habe sich im heutigen EEG ein unauffäl- liger Normalbefund gezeigt. Insgesamt gebe es somit w eder im EEG noch anamnestisch Hin- weise für eine Epilepsie, so dass die weitere Behandlung durch die Kollegen der Psychiatrie erfolgen sollte. 4.8 Unmittelbar vor der heutigen Urteilsberatung gin g beim Kantonsgericht ein aktueller Bericht von D.____ ein. Darin führte die Hausärztin a us, der Versicherte habe vor zehn Jahren an schweren Depressionen gelitten. Nach einer Behandlun g sei es ihm sehr gut gegangen, bis der Vorfall vom November 2018 geschehen sei. Seither lei de der Versicherte unter einer para- noiden Persönlichkeitsstörung, Panikattacken, psychosomatischen Beschwerden, Angstzustän- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht den, Verfolgungswahn und Schlafstörungen. Durch den Vorfall von 2018 seien seine damaligen Beschwerden wieder reaktiviert worden und diesmal seie n "die Ängste und die psychiatrischen Beschwerden dazu gekommen." 5.1 Der Beschwerdeführer macht - zumindest sinngemäss - geltend, der medizinische Endzustand sei Ende April 2019 noch nicht erreicht gew esen, so dass die Voraussetzungen für eine Einstellung der vorübergehenden Leistungen im genannten Zeitpunkt nicht erfüllt gewesen seien. 5.2 Die vorübergehenden Leistungen wie Taggelder und Heilbehandlung hat der Unfallver- sicherer - sofern allfällige Eingliederungsmassnahmen de r Invalidenversicherung abgeschlos- sen sind - nur so lange zu gewähren, als von der Fortsetzun g der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Was darunter zu verstehen ist, bestimmt sich nach Massgabe der zu erwartende n Steigerung oder Wiederher- stellung der unfallbedingt beeinträchtigten Arbeitsfä higkeit. Dabei muss die durch weitere Heil- behandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen (BGE 134 V 109 E. 4.3 mit Hinwei- sen). Trifft dies nicht mehr zu und ist ein Endzustand e ingetreten, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruches auf eine Invaliden- rente und/oder eine Integritätsentschädigung abzuschlie ssen (BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hin- weisen, 134 V 109 E. 4.1). 5.3 Aus den vorstehend geschilderten medizinischen Unterl agen geht klar hervor, dass beim Versicherten im Zeitpunkt der Leistungseinstellung p er Ende April 2019 keine somati- schen Unfallfolgen mehr, sondern ausschliesslich verschiedene psychische Gesundheitsbeein- trächtigungen vorlagen. Diesbezüglich kann vollumfängli ch auf die oben (vgl. E. 4.4 hiervor) wiedergegebene, schlüssige Beurteilung des Kreisarztes D r. H.____ vom 10. Juli 2019 verwie- sen werden, zumal dessen Einschätzung auch von der behandelnden Ärztin D.____ diesbezüg- lich - zu Recht - nicht in Frage gestellt wird. Zudem bestätigt auch der nachträglich eingegange- ne Bericht der Klinik für Neurologie und Neurophysiologe, Spital J.____, vom 8. Juni (vgl. E. 4.7 hiervor) explizit, dass aus neurologischer Sicht ebenfalls von einem Normalbefund auszugehen ist. Unter den geschilderten Umständen durfte die Beschwerdegegnerin aber den Fallabschluss per 30. April 2019 vornehmen und im Hinblick auf eine n allfälligen Anspruch auf eine Invaliden- rente auf diesen Zeitpunkt hin prüfen, ob die beim V ersicherten vorhandenen psychischen Ge- sundheitsbeeinträchtigungen in einem natürlichen und a däquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 3. November 2018 stehen. 6.1 Ob der für die Leistungspflicht des Unfallversichere rs vorausgesetzte natürliche Kau- salzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 3. November 2018 und den im Zeitpunkt der Leistungseinstellung vorhandenen - und seither anhaltenden - psychischen Gesundheitsbe- einträchtigungen zu bejahen ist, wird vom Kreisarzt Dr. H.____ in seiner Beurteilung vom 10. Juli 2019 erheblich in Zweifel gezogen. Wie es sich damit verhält, braucht nun allerdings nicht weiter geprüft zu werden, denn die Frage kann letztlich offen bleiben. Wie im Folgenden zu zeigen ist, fehlt es vorliegend nämlich an dem für di e Bejahung einer Leistungspflicht - zu- sätzlich zur natürlichen Unfallkausalität - erforderlichen adäquaten Kausalzusammenhang zwi- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen den im Zeitpunkt des Fallabschlusses vorhandenen psychischen Gesundheitsbeeinträch- tigungen des Versicherten und dem am 3. November 2018 erlittenen Unfall. 6.2.1 Im Rahmen der Adäquanzprüfung ist als erstes zu klären, ob diese nach der soge- nannten Psycho-Praxis (BGE 115 V 133) oder nach der Schl eudertrauma-Praxis, welche bei Schleudertraumata der Halswirbelsäule und analog bei äquivalenten Verletzungsmechanismen sowie Schädel-Hirntraumata mit entsprechenden Verletzu ngen zur Anwendung gelangt (BGE 134 V 109 und 117 V 259), zu erfolgen hat. 6.2.2 Der Beschwerdeführer erlitt beim Unfall unbestr ittenermassen kein Schleudertrauma der Halswirbelsäule. Hingegen wurde bei ihm am Unfal ltag in der Notfallstation des Spitals C.____ ein "leichtes Schädelhirntrauma" diagnostiziert. Wie die erstbehandelnden Ärzte der Notfallstation im Bericht vom 3. November 2018 dazu au sführen, habe im Schädel/HWS-CT eine Blutung oder Fraktur ausgeschlossen werden können. De r Wert der GCS (Glasgow Coma Scale) betrage 15 Punkte. Die Pupillen seien isocor un d seitengleich, die Lichtreaktion prompt und die Hirnnerven intakt. Der Patient bewege alle Extremitäten seitengleich und die Sensibilität sei seitengleich intakt. Ausser einer kleinen Schürfung frontal links lägen keine Verletzungen vor. 6.2.3 Der ermittelte GCS-Wert von 15 Punkten entsprich t praxisgemäss höchstens einer leichten Gehirnerschütterung mit leichter Bewusstseinsstö rung, was nach der herrschenden Rechtsprechung grundsätzlich nicht für die Anwendung de r Adäquanzbeurteilung gemäss Schleudertrauma-Praxis genügt (Urteil des Bundesgerichts vom 24. August 2020, 8C_386/2020, E. 4.3.2 mit zahlreichen Hinweisen). Dara us folgt, dass die Adäquanzprüfung im vorliegenden Fall, wie auch die Suva im angefochtenen E inspracheentscheid zutreffend ent- schieden hat, nach der sogenannten Psycho-Praxis vorzunehmen ist. 6.3 Zu ergänzen bleibt Folgendes: Soweit der Beschwerd eführer den per Ende April 2019 erfolgten Fallabschluss - auch (vgl. E. 5.3) - als zu fr üh erachtet, weil er über dieses Datum hin- aus an verschiedenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigu ngen litt, kann ihm nicht gefolgt werden. Die Prüfung der Adäquanz, d.h. der Fallabschl uss, ist bei Anwendung der Praxis ge- mäss BGE 115 V 133 in jenem Zeitpunkt vorzunehmen, in d em von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhaf te Besserung des Ge- sundheitszustandes mehr erwartet werden kann (BGE 134 V 1 09 E. 6.1). Dies war, wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), vorliegend spätestens per Ende April 2019 der Fall. 6.4.1 Für die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolg en ist von der vom damaligen Eid- genössischen Versicherungsgericht (EVG; heute: Bundesgeric ht, sozialrechtliche Abteilungen) in BGE 115 V 133 entwickelten Rechtsprechung auszugehen. Danach setzt die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfallereign is und einer anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung im Einzelfall voraus, dass dem Unfallereignis für die Entstehung der psychisch bedingten Arbeits- bzw. Erwerbs unfähigkeit eine massgebende Be- deutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beur- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht teilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuk nüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälli- gen Geschehensablauf - folgende Einteilung der Unfäll e in drei Gruppen zweckmässig er- scheint: banale bzw. leichte Unfälle einerseits, schwere U nfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E . 6). Während bei leichten bzw. bana- len Unfällen der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel ohne weiteres verneint werden kann, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung , aber auch unter Einbezug unfallmedi- zinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass e in solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen, ist der adäquate Kausalzusam- menhang zwischen Unfall und Folgen bei schweren Unfällen in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der al lgemeinen Lebenserfahrung sind sol- che Unfälle geeignet, invalidisierende psychische Gesundhei tsschäden zu bewirken. Bei Unfäl- len aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Fo lgen ein adäqua- ter Kausalzusammenhang besteht, nicht auf Grund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zu- sammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folg e davon erscheinen, in eine Gesamt- würdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133 E. 6c/aa) zu nennen: • besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; • die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verle tzungen, insbesondere ihre erfah- rungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; • ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; • körperliche Dauerschmerzen; • ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erh eblich verschlimmert; • schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikation en; • Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkei t. Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die G esamtwürdigung ist nicht in jedem Fall er- forderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausal- zusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Das trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, der zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittle- ren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlagge bendes Gewicht zu, so müs- sen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen we rden. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu- zuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden K riterien in gehäufter oder auffallen- der Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wird. Diese Würdigung des Unfalls zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusam- menhangs. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach ande ren Ursachen zu forschen, die möglich- erweise, die psychische Fehlreaktion mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/bb). 6.4.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid gelangte die Beschwerdegegnerin zur Auffas- sung, dass vorliegend höchstens von einem mittelschweren Un fallereignis im eigentlichen Sin- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne auszugehen ist. Diese Einschätzung ist nicht zu beansta nden. Demgemäss müsste ein ein- zelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterie n in besonders ausgeprägter Weise er- füllt sein oder es müssten mehrere der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sein, damit die Adäquanz bejaht werden könnte (BGE 115 V 133 E. 6c/bb). 6.4.3 Die Suva ging im angefochtenen Einspracheentscheid ausführlich auf die einzelnen Kriterien ein, die in die Adäquanzbeurteilung einzub eziehen sind, und sie zeigte überzeugend auf, dass vorliegend keines dieser Kriterien erfüllt i st. Zusammenfassend gelangte die Be- schwerdegegnerin zu folgenden Einschätzungen: Dem Ereignis ist zwar eine gewisse Eindrück- lichkeit zuzubilligen, diese Feststellung allein reicht ab er noch nicht für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums aus. Sodann zog sich der Versicherte be im Unfall aus somatischer Sicht lediglich eine harmlose Schürfwunde und somit aber keine Körperverletzungen zu, die aufgrund ihrer Schwere oder besonderen Art erfahrungsgemäss gee ignet wären, psychische Fehlent- wicklungen herbeizuführen. Im Weiteren war die erlitte ne somatische Verletzung von Vornhe- rein nicht geeignet, körperliche Dauerschmerzen, einen schwierigen Heilungsverlauf und erheb- liche Komplikationen nach sich zu ziehen. Unstreitig lag f erner auch keine ärztliche Fehlbe- handlung vor, welche die Unfallfolgen erheblich verschli mmert hätte. Schliesslich ist auch das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Ar beitsunfähigkeit nicht erfüllt. Es bedarf keiner weiteren Erörterung, dass die erlittene harmlo se Schürfwunde die Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigte. Im Li chte dieser überzeugenden vorinstanzli- chen Beurteilung kann an dieser Stelle von einer (erne uten) vertieften Auseinandersetzung mit den einzelnen Adäquanzkriterien abgesehen und stattdesse n auf die entsprechenden Ausfüh- rungen der Suva im angefochtenen Einspracheentscheid (E. 6d des Entscheids) verwiesen werden. Dies gilt umso mehr, als der Versicherte in seine r Beschwerde keinerlei Argumente vorbringt, welche die Richtigkeit der vorinstanzlichen Adä quanzbeurteilung in Frage stellen könnten. 6.4.4 Aus dem Gesagten folgt, dass die Suva den adäquat en Kausalzusammenhang zwi- schen den im Zeitpunkt des Fallabschlusses vorhandenen psychischen Gesundheitsbeeinträch- tigungen des Versicherten und dem am 3. November 2018 erlittenen Unfall in Anwendung der sogenannten Psycho-Praxis zu Recht verneint hat. 7.1 Im Formular "Schadenmeldung UVG für arbeitslose Pe rsonen" hatte der Beschwerde- führer zum Unfallhergang angegeben, er sei am 3. Nove mber 2018 im Garten seiner Ferien- wohnung am Sammeln von Nüssen gewesen, als "alte Sache n (Durchlauferhitzer) über den Zaun geschmissen" worden seien und ihn am Kopf getroffen hätten. In der nachfolgenden, aus- führlicheren Unfallschilderung vom 6. Dezember 2018 füh rte der Versicherte dann allerdings aus, es habe sich um einen Überfall einer fremdenfein dlichen Gruppe (ca. 5 - 6 Personen) ge- handelt, die auf einem Anhänger stehend verschiedene M aterialien über den Bauzaun gewor- fen hätten. Dabei habe ihn ein Durchlauferhitzer am K opf getroffen. Ob sich der Unfallhergang tatsächlich so, wie vom Versicherten nachträglich geschilde rt, zutrug, kann letztlich offen blei- ben, denn die Suva prüfte im angefochtenen Einsprache entscheid aufgrund dieser Angaben des Versicherten zusätzlich, ob allenfalls die Voraussetzunge n einer Leistungspflicht für eine Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychische Schädigung nach einem Schreckereignis erfüllt sind. Dabei kam sie - zu Recht - zum Schluss, dass dies nicht der Fall ist. 7.2 Der Suva ist dahingehend beizupflichten, dass nach der Rechtsprechung, wonach bei "gemischten" Vorfällen, in welchen die Elemente eines S chreckereignisses (Überfall, Bedro- hung) und einer den Unfallbegriff erfüllenden physische n Einwirkung (Zufügen von Verletzun- gen) kombiniert vorkommen, die Adäquanzprüfung unter beiden Aspekten vorzunehmen ist; eine Prüfung unter beiden Gesichtspunkten ("Schreckereig nis" und "Psychopraxis") ist danach möglich, wenn keiner der Faktoren deutlich im Vordergr und steht (Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2014, 8C_480/2013, E. 2 mit Hinweisen). 7.3 Rechtsprechung und Lehre haben schreckbedingte plö tzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (i m Sinne des geltenden Unfallbegriffs) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Beha ndlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfalls voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seeli- sche Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmi ttelbaren Gegenwart des Versi- cherten sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden Heftigkeit ge- eignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch St örung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie Lähmungen, Herzsch lag etc.) hervorzurufen. Das EVG hat diese Rechtsprechung wiederholt bestätigt u nd dahingehend präzisiert, dass auch bei Schreckereignissen nicht nur die Reaktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Ver- gleichsgrösse dienen kann, sondern in diesem Zusammenhang ebenfalls auf eine "weite Band- breite" von Versicherten abzustellen ist. Zugleich hat e s dabei relativierend, unter Bezugnahme auf den massgeblichen Unfallbegriff, betont, dass sich d as Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich- keit definitionsgemäss nicht auf die Wirkung des äusser en Faktors, sondern nur auf diesen sel- ber bezieht, weshalb nicht von Belang sein könne, wen n der äussere Faktor allenfalls schwer- wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog (BGE 129 V 177 E. 2.1 mit zahlreichen Hinwei- sen). An den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereigni s ausgelöst haben, an die Ausser- gewöhnlichkeit dieses Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock sind strenge Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Oktober 2013, 8C_376/2013, E. 3.1 am Ende). 7.4 Als typische, aussergewöhnliche Schreckereignisse sind l aut bundesgerichtlicher Rechtsprechung etwa Brand- oder Erdbebenkatastrophen, Eisenbahn- oder Flugzeugunglücke, eine schwere Autokollision, ein Brückeneinsturz, ein Bombenabwurf, ein verbrecherischer Über- fall, eine sonstige plötzliche Todesgefahr oder die T sunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 in Thailand zu nennen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2008, 8C_387/2007, E. 5.2.1 mit Hinweisen). In Anbetracht dieser exempla rischen Aufzählung ist dem vorliegend zu prüfenden Unfall vom 3. November 2018 der Charakter e ines aussergewöhnlichen Schrecker- eignisses mit der Suva abzusprechen. Wie diese im angefochtenen Einspracheentscheid zutref- fend festhält, kann zwar die vom Versicherten geschilderte , von mehreren feindlich gesinnten Personen ausgeübte Tat generell ein entsprechendes Angstgefühl hervorrufen. Der Versicherte befand sich jedoch, wie er in seiner Stellungnahme vom 6. Dezember 2018 selber ausführte, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf einem durch einen ca. zwei Meter hohen Bauzaun g eschützten Grundstück, auf das die Angreifer nicht vordrangen. 7.5 Muss somit das Vorliegen eines aussergewöhnlichen Sch reckereignisses im Lichte der hierzu ergangenen bundesgerichtlichen Rechtsprechung vern eint werden, so hat die Suva zu Recht auch unter diesem Aspekt eine Leistungspflicht für d ie beim Versicherten im Zeitpunkt der Leistungseinstellung vorhandenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen abgelehnt. 8. Zusammenfassend ist nach dem Gesagten nicht zu beanstand en, dass es die Be- schwerdegegnerin abgelehnt hat, dem Versicherten im Zu sammenhang mit dem Unfallereignis vom 3. November 2018 über den 30. April 2019 hinaus Leistungen aus der obligatorischen Un- fallversicherung auszurichten. Die gegen den betreffende n Einspracheentscheid vom 6. April 2020 erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegrü ndet, weshalb sie abzuweisen ist. 9. Art. 61 lit. a ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen, hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) hält fest, dass das Verfahren vor de m kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht