Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 30. März 2022 (810 21 63) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Rückstufung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clausen, Claude Jeanneret, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiber i.V. Matthias Plattner Beteiligte A.____ und B.____ , Beschwerdeführende, vertreten durch Mustafa Ates, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung / Rückstu fung (RRB Nr. 261 vom 2. März 2021) A. Die türkische Staatsangehörige B.____ (geb. 1975) r eiste am 24. September 1979 in die Schweiz ein und erhielt in der Folge die Niederl assungsbewilligung. Sie heiratete am 2. August 1993 den ebenfalls türkischen Staatsangehörige n A.____ (geb. 1972). Am 1. Januar 1996 reiste A.____ im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt am 8. Januar 2001 die Niederlassungsbewilligung. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, welche Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Schweiz geboren wurden und eine Niederlassungs bewilligung besitzen: C.____ (geb. 1998) und D.____ (geb. 2006). B. Am 13. Februar 2013 trennten sich die Ehegatten r ückwirkend auf den 14. Oktober 2011, wobei die Trennung am 1. September 2013 wiede r aufgehoben wurde. Während der Trennung lebte die Ehefrau mit beiden Kindern in E. ____ und der Ehemann in F.____. Am 4. April 2013 stellte A.____ ein Gesuch für einen Kan tonswechsel beim Migrationsamt F.____, welches jedoch aufgrund von hohen Schulden und fehlender sprachlicher Integration abgelehnt wurde. C. A.____ trat seit seinem Aufenthalt in der Schweiz zweimal strafrechtlich in Erscheinung im Rahmen von Strassenverkehrsdelikten. Wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln wurde er am 26. Juni 2013 von der Staatsanwaltschaft Basel-S tadt und wegen Nichtabgabe von Aus- weisen und Kontrollschildern und Verletzung der Verkehr sregeln am 18. Juni 2019 von der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft jeweils zu bedingten Geldstrafen verurteilt. D. Mit Verfügung vom 11. Februar 2014 wurden A.____ und B.____ vom Amt für Migrati- on und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft (AFMB) aufgrund des mehrjährigen Sozial- hilfebezugs in der Höhe von Fr. 111'759.-- sowie auf grund von Betreibungen verwarnt. Bezüg- lich A.____ waren Betreibungen in der Höhe von Fr. 17 0'094.50 sowie 21 Verlustscheine in der Höhe von Fr. 151'504.45 verzeichnet, bezüglich B.____ lagen Betreibungen in der Höhe von Fr. 52'394.45 und sieben Verlustscheine in der Höhe von Fr. 19'723.15 vor. E. Am 14. März 2016 wurde das Ehepaar vom AFMB aufgef ordert, zu ihrer finanziellen Situation Stellung zu nehmen und insbesondere darzulegen, wie diese verbessert werden solle, und keine neuen Schulden mehr zu generieren. Mit Schrei ben vom 13. Mai 2016 teilte das Ehepaar mit, den Verkauf ihres Restaurants mit Pizzaser vice (G.____ GmbH) zur Schuldende- ckung zu beabsichtigen. Dies erfolgte jedoch nicht und E nde 2017 wurde über die G.____ GmbH der Konkurs eröffnet. F. Ende 2017 zog die Familie von E.____ nach H.____, wobei das Ehepaar im Zeitraum vom 31. Januar 2019 bis 31. Oktober 2019 erneut durch die Sozialhilfe mit Leistungen in der Höhe von Fr. 33'622.-- unterstützt werden musste. Mit S chreiben vom 29. April 2020 gewährte das AFMB den Ehegatten das rechtliche Gehör im Hinblick a uf allfällige ausländerrechtliche Massnahmen, wovon diese mit Schreiben vom 21. Mai 2020 Gebrauch machten. G. Mit Verfügung vom 20. August 2020 widerrief das A FMB die Niederlassungs- bewilligungen von A.____ und B.____ und ersetzte die se im Rahmen einer Rückstufung durch Aufenthaltsbewilligungen. Ausserdem erlegte das AFMB de m Ehepaar verschiedene Bedin- gungen auf mit der Drohung der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen sowie der Wegweisung aus der Schweiz bei deren Nichteinhaltung. So wurde die Aufenthaltsbewilligung von A.____ unter anderem mit den Bedingungen verbunde n, dass er nicht mehr gegen die öf- fentliche Ordnung und Sicherheit verstosse, dass er Deutschkurse absolviere und dass er keine neuen, vermeidbaren Schulden generiere. Die Aufenthal tsbewilligung von B.____ wurde mit Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht den Bedingungen verbunden, sich weiterhin um ein existe nzsicherndes Einkommen zu bemü- hen und keine neuen, vermeidbaren Schulden zu generieren. H. Die Ehegatten A.____ und B.____, nachfolgend imme r vertreten durch Mustafa Ates, Advokat in Basel, erhoben am 28. August 2020 Beschwerde an den Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) und beantragten die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung unter o/e-Kostenfolge sowie die Gewährung der u nentgeltlichen Rechtspflege und Ver- beiständung. I. Mit Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 261 vom 2. März 2021 wurde die Beschwerde abgewiesen und dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspfleg e und Verbeiständung entspro- chen. J. Mit Eingabe vom 12. März 2021 erheben A.____ und B .____ Beschwerde gegen den Beschluss des Regierungsrats vom 2. März 2021 beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Die Ehegatten beantragen die Auf- hebung des RRB Nr. 261 vom 2. März 2021 unter o/e-Koste nfolge. Weiter beantragen sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege . K. In seiner Vernehmlassung vom 8. Juni 2021 beantragt der Regierungsrat die kostenfäl- lige Abweisung der Beschwerde. L. Mit Präsidialverfügung vom 8. Juli 2021 wurde der F all der Kammer zur Beurteilung überwiesen und den Beschwerdeführenden die unentgeltl iche Prozessführung und Verbeistän- dung bewilligt. M. Mit Eingabe vom 9. August 2021 reichte der Rechtsver treter der Beschwerdeführenden seine Honorarnote ein. N. Beide Beschwerdeparteien halten anlässlich der heuti gen Parteiverhandlung an ihren bereits gestellten Rechtsbegehren fest. Weiter sind von beiden Beschwerdeparteien Unterlagen eingereicht worden, unter anderem ein Strafbefehl vo m 29. September 2021 von der Staatsan- waltschaft Basel-Landschaft, mit welchem die Beschwerdef ührerin wegen geringfügigen Dieb- stahls zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt wurde. Auf die weiteren Unterlagen wird, sofern erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- u nd Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beu rteilung der Beschwerde gegeben. Die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht weiteren formellen Voraussetzungen sind ebenfalls erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutre- ten ist. 2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit des angefochte nen Rechtsaktes ist dem Kantonsge- richt dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Materiell umstritten ist, ob das AFMB zu Recht gestützt auf Art. 63 Abs. 2 des Bundes- gesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und In- tegrationsgesetz, AIG) vom 16. Dezember 2005 die Niederl assungsbewilligungen der Be- schwerdeführenden widerrufen und durch Aufenthaltsbewilligungen ersetzt hat. 4.1 Am 1. Januar 2019 sind diverse neue Bestimmungen d es AIG in Kraft getreten (Ände- rung vom 16. Dezember 2016, Amtliche Sammlung [AS] 201 7 S. 6521 und 2018 S. 3171). Ins- besondere wurden die Bestimmungen zur Integration gr undlegend überarbeitet. Um die gesell- schaftliche Bedeutung der Integration zu unterstreichen, wurde das bis dahin geltende "Bun- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer" (AuG) vom 16. Dezember 2005 in "Bun- desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und üb er die Integration" (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG) vom 16. Dezember 2005 umbenan nt (Botschaft zur Änderung des Ausländergesetzes [Integration] vom 8. März 2013, Bundesb latt [BBl] 2013 S. 2403). Mit der Gesetzesänderung wurde eine neue ausländerrechtliche Ma ssnahme geschaffen: die soge- nannte Rückstufung von der Niederlassungsbewilligung zur A ufenthaltsbewilligung (Art. 63 Abs. 2 AIG). Die Massnahme basiert ursprünglich auf der von Philipp Müller eingereichten par- lamentarischen Initiative 08.406 "Rückstufung eines nieder gelassenen integrationsunwilligen Ausländers zum Jahresaufenthalter". Nachdem der Bundesra t unter anderem unter Hinweis darauf, dass die Schaffung der Massnahme zu neuen, kompli zierten und langwierigen Verfah- ren führe, vorgeschlagen hatte, die Initiative nicht u mzusetzen (vgl. Zusatzbotschaft zur Ände- rung des Ausländergesetzes [Integration] vom 4. März 2016 , BBl 2016 S. 2822), wurde im Ver- lauf der parlamentarischen Debatte ein gegenteiliger Antrag angenommen und die Rückstufung mit Art. 63 Abs. 2 AIG in der heute geltenden Form b eschlossen und ins Gesetz aufgenommen (Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verwaltung- und Verfassungsrecht [KGE VV], vom 10. Juni 2020 [810 19 335] E. 2.1). 4.2 Art. 63 Abs. 2 AIG sieht vor, dass die Niederlassung sbewilligung widerrufen und durch eine Aufenthaltsbewilligung ersetzt werden kann, wenn die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG nicht erfüllt sind. Mit der Rückstufung soll erreicht werden, dass die betroffene Person zu- künftig ihr Verhalten ändert und sich besser integriert. Die Rückstufung hat somit auch einen präventiven Charakter (Staatssekretariat für Migration [SEM], Weisungen AIG, Stand 1. März 2022, Ziff. 8.3.3). Die Rückstufung kann gemäss Art. 6 2a Abs. 1 der Verordnung über Zulas- sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE) vom 24. O ktober 2007 mit einer Integrationsver- einbarung oder einer Integrationsempfehlung nach Art. 58b AIG verbunden werden. Wird die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung nicht mit einer Integrationsvereinbarung od er Integrationsempfehlung verbunden, so muss sie gemäss Art. 62a Abs. 2 VZAE mindestens folgende Elemente enthalten: lit. a) die In- tegrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG, die die Ausländerin oder der Ausländer nicht erfüllt hat; lit. b) die Gültigkeitsdauer der Aufenthaltsbewi lligung; lit. c) die Bedingungen, an die der weitere Verbleib in der Schweiz geknüpft wird (Art. 33 Abs. 1 AIG) und lit. d) die Folgen für den Aufenthalt in der Schweiz, wenn die Bedingungen nach lit. c) nicht eingehalten werden (Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG). 4.3 Mit der per 1. Januar 2019 in Kraft gesetzten Gese tzesänderung wurden die massge- benden Integrationskriterien neu auf Gesetzesstufe in A rt. 58a AIG explizit und abschliessend definiert. Gemäss Art. 58a Abs. 1 AIG berücksichtigt die zuständige Behörde bei der Beurtei- lung der Integration folgende Kriterien: a. die Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnu ng; b. die Respektierung der Werte der Bundesverfassung; c. die Sprachkompetenzen; und d. die Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung. Der Situation von Personen, welche die Integrationskrit erien von Art. 58a Abs. 1 lit. c und lit. d AIG aufgrund einer Behinderung oder Krankheit oder anderen gewichtigen persönlichen Um- ständen nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen e rfüllen können, ist gemäss Art. 58a Abs. 2 AIG angemessen Rechnung zu tragen. Die in Art. 58a Abs. 1 AIG genannten Integrati- onskriterien wurden in den verschiedenen migrationsrecht lichen Erlassen (AIG, Asylgesetz [AsylG] vom 26. Juni 1998 und Bundesgesetz über das Schw eizer Bürgerrecht [Bürgerrechts- gesetz, BüG] vom 20. Juni 2014) vereinheitlicht und auf einander abgestimmt (Botschaft zur Änderung des Ausländergesetzes [Integration] vom 8. Mär z 2013, BBl 2013 S. 2399). Die in Art. 58a Abs. 1 AIG genannten Integrationskriterien bi lden den Massstab zur Beurteilung der Integration im Hinblick auf Bewilligungserteilungen sow ie Änderungen des Aufenthaltsstatus. Die Integrationsbeurteilung hat immer im Rahmen ein er zukunftsgerichteten Gesamtbetrach- tung zu erfolgen. Defizite bei einzelnen Kriterien kön nen durch ausgeprägt vorhandene andere Kriterien aufgewogen werden (KGE VV vom 2. Dezember 2020 [810 20 168] E. 5.1; vgl. M ARC SPESCHA , in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Komme ntar Migrationsrecht, 5. Auflage, 2019, N 1 zu Art. 58a AIG). 5.1 Das AFMB begründete die Rückstufungsverfügung primär mit der mutwilligen Ver- schuldung der Ehegatten, welche seit der Verwarnung im Jahr 2014 weiter gestiegen sei, und der schlechten Integration in beruflicher sowie bezügl ich des Ehemanns in sprachlicher Hin- sicht. Per August 2020 weise der Beschwerdeführer 56 Be treibungen in der Höhe von Fr. 216'038.20 und sieben Verlustscheine in der Höhe vo n Fr. 256'106.55 auf, bei der Be- schwerdeführerin seien es 35 Betreibungen über einen B etrag von Fr. 41'814.55 und 54 Verlustscheine über Fr. 79'582.45. 5.2 Der Regierungsrat bestätigte die angefochtene Ver fügung und begründete seinen Ent- scheid vom 2. März 2021 im Wesentlichen damit, dass sich da s Ehepaar nach ihrer Verwar- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nung im Februar 2014 weiter verschuldet und Sozialhilfeleistungen bezogen habe und aufgrund der Schuldenentwicklung und der mangelnden Sanierungsbe strebungen von einer mutwilligen Vernachlässigung der finanziellen Verpflichtungen ausge gangen werden dürfe. Nach der Ver- warnung hätte vom Beschwerdeführer erwartet werden dür fen, dass er Massnahmen ergreife, um keine weiteren Schulden mehr anzuhäufen, wie die Aufgabe der Selbstständigkeit, durch welche dieser nicht genügend Einnahmen für den Lebensu nterhalt hätte generieren können. Weiter hätten die Schulden, welche primär aus öffent lich-rechtlichen Verpflichtungen (Steuern und Krankenkassenprämien) bestünden, zumindest in dieser Höhe, vermieden werden können, wenn sich das Ehepaar um entsprechende Hilfe bemüht hät te. Auch die restlichen Integrations- kriterien seien nur ungenügend oder nicht in einem Mass erfüllt, als dass sie die hohe mutwillige Verschuldung und den erheblichen und dauerhaften Sozia lhilfebezug aufwiegen könnten, wes- halb in einer Gesamtbetrachtung ein deutliches Integr ationsdefizit resultiere. Die Rückstufung sei verhältnismässig, da die Ehegatten die Aufenthaltsb ewilligung behalten würden und die Schweiz nicht verlassen müssten und mit einer zweiten Ve rwarnung keine Verbesserung zu erwarten sei. Anlässlich der Parteiverhandlung macht der Regierungsrat geltend, dass das dem Strafbefehl vom 29. September 2021 zugrundeliegende Delikt zu einem Zeitpunkt erfolgt sei, als der angefochtene Regierungsratsbeschluss bereits vorgel egen habe, was hinsichtlich des Kriteriums der Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sehr negativ zu werten sei. 5.3 In der Beschwerdebegründung vom 14. Mai 2021 mac hen die Beschwerdeführenden im Wesentlichen geltend, dass keine mutwillige Verschuldu ng vorliege und das Integrationskri- terium der Teilnahme am Wirtschaftsleben erfüllt sei. Der Beschwerdeführer sei stetig arbeitstä- tig gewesen und darum bemüht, auf eigenen Füssen zu st ehen. Aufgrund der schlechten Ge- schäftsverläufe sei er jedoch in eine Schuldenfalle gerat en, aus welcher er trotz Bemühungen nicht mehr herausgekommen sei. Mit der zweiten Firmengrü ndung hätte das Ehepaar gerade beabsichtigt, ihre angeschlagenen Finanzen wieder in de n Griff zu bekommen. Sodann sei die Verschuldenszunahme grösstenteils auch in der Zeit des Sozialhilfebezugs erfolgt. Eine mutwil- lige Verschuldung könne deswegen nicht angenommen werde n. Ausserdem hätte eine Rück- stufung negative Auswirkungen auf die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Reintegration. Anläss- lich der Parteiverhandlung machen die Beschwerdeführen den geltend, dass sie keine neuen Schulden generiert hätten, es sich bei sämtlichen neuen Betreibungen um Schulden aus frühe- ren Zeiten handle und sie bestehende Schulden im Rahme n ihrer begrenzten Möglichkeiten zurückzahlen würden. 6.1 Da die Niederlassungsbewilligung ihrer Rechtsnatu r nach unbefristet und nicht an Be- dingungen geknüpft ist (Art. 34 Abs. 1 AIG), rechtferti gen Integrationsdefizite eine Rückstufung nicht leichthin, sondern nur, wenn sie derart sind, dass auch ein Widerruf der Niederlassungs- bewilligung samt Wegweisung aus der Schweiz ernsthaft i n Betracht fällt (vgl. SPESCHA , a.a.O., N 23 zu Art. 63 AIG). Voraussetzung für eine Rückstufung nach Art. 63 Abs. 2 AIG ist eine Prü- fung der Integrationskriterien nach Art. 58a AIG im Ra hmen einer zukunftsgerichteten Gesamt- betrachtung. Im Rahmen dieser Gesamtbetrachtung sind all e vier in Art. 58a Abs. 1 AIG ab- schliessend genannten Kriterien zu prüfen. Erforderlich ist eine Gesamtwürdigung aller mass- geblichen Aspekte im Einzelfall (S PESCHA , a.a.O., N 1 zu Art. 58a AIG). Eine gleichartige Ge - samtwürdigung ist auch im Einbürgerungsverfahren vorzun ehmen (vgl. Urteil des Bundesge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht richts 1D_7/2019 vom 18. Dezember 2019 E. 3.4). Die An forderungen an die Integration sind umso höher, je mehr Rechte einer ausländischen Person mit dem angestrebten Rechtsstatus verliehen werden. Sinn dieser Gesamtbetrachtung und G esamtwürdigung ist, dass Defizite bei einzelnen Kriterien durch ausgeprägt vorhandene andere Kriterien aufgewogen werden können. Im Gegensatz dazu muss beim Widerruf einer Niederlassung sbewilligung nach Art. 63 Abs. 1 AIG nur ein Widerrufsgrund geprüft und bejaht werde n. Die Rückstufung setzt weiter voraus, dass die betroffene Person in der Lage ist, ihr Verhalten zu steuern, d.h. ihre Integration zu ver- bessern, was zum Beispiel im Falle von Sozialhilfeabhängigkeit dann nicht der Fall ist, wenn der Sozialhilfebezug aufgrund persönlicher Umstände im Sin ne von Art. 77f VZAE entschuldbar erscheint (KGE VV vom 10. Juni 2020 [810 19 290] E. 5. 1; SPESCHA , a.a.O., N 26 zu Art. 63 AIG). 6.2 Die jeweilige Integration des Beschwerdeführers un d der Beschwerdeführerin muss separat geprüft werden, zumal es sich bei den angeordne ten Massnahmen um individuell- konkrete Hoheitsakte handelt. Zudem ist zu beachten, dass es sich bei der Verfügung betref- fend Erteilung einer Niederlassungsbewilligung um ei ne sogenannte Dauerverfügung handelt, die einen Sachverhalt für eine längere Zeitspanne re gelt. Die Verfügung entfaltet damit nicht bloss Wirkung für ein einmaliges und zeitlich abgeschlossene s Ereignis, sondern entfaltet auch Rechtsfolgen für die Zukunft. Diese Qualifikation ist insbesondere bei Änderungen der gesetzli- chen Rahmenbedingungen – wie die Rückstufung – entscheid end, da sich die Regelungen des Status im Laufe seiner Gültigkeit ändern können (vgl. ANNE KNEER UND BENJAMIN SCHINDLER , Schutz des Kontinuitätsvertrauens in die Rechtsordnung bei Rückstufung und Widerruf von Niederlassungsbewilligungen, in: Achermann et. al. [H rsg.], Jahrbuch für Migrationsrecht 2019/2020, Bern 2020, S. 38 f.). Der Gesetzgeber hat für die Änderung von Art. 63 Abs. 2 AIG keine Übergangsbestimmung erlassen, weshalb die Möglichke it der Rückstufung grundsätzlich für alle Niederlassungsbewilligungen ohne Differenzier ung der bisherigen Aufenthaltsdauer ab dem 1. Januar 2019 gilt (K NEER UND SCHINDLER , a.a.O., S. 41). Neues Recht darf jedoch keine Wirkungen für Sachverhalte vorsehen, die sich abschliesse nd unter altem Recht verwirklicht haben (sog. Rückwirkungsverbot). Nicht als Rückwirkung gelten demgegenüber Situationen, in denen ein neuer Erlass auf einen zeitlich offenen Sach verhalt angewendet wird. Ein zentraler Gedanke des intertemporalen Rechts ist, dass neues Recht nicht an Tatbestandselemente an- knüpft, die von den betroffenen Personen nicht mehr b eeinflusst werden können (KGE VV vom 3. Februar 2021 [810 20 229] E. 6.3). Die Rückstufung muss beim Widerruf einer altrechtlich erteilten Niederlassungsbewilligung im Hinblick auf dere n Unbefristetheit und Bedingungsfeind- lichkeit (Art. 34 Abs. 1 AIG) sowie wegen des Grundsatze s des Vertrauensschutzes und des Rückwirkungsverbots an ein unter dem neuen Recht aktualisi ertes, hinreichend gewichtiges Integrationsdefizit anknüpfen. Nur dann besteht ein ge nügendes öffentliches Interesse an der Rückstufung altrechtlich erteilter Niederlassungsbewillig ungen unter dem seit dem 1. Januar 2019 gültigen (neuen) Recht. Die Migrationsbehörden dürfen dabei vor dem 1. Januar 2019 eingetretene Sachverhaltselemente mitberücksichtigen, u m die neue Situation im Lichte der bisherigen würdigen und in diesem Sinn die Entstehung und das Fortdauern des Integrations- defizits umfassend klären zu können. Dabei müssen sie sich wie gesagt jedoch auf Sachverhal- te abstützen, die sich nach dem 1. Januar 2019 zugetrag en haben bzw. nach diesem Datum fortdauern; andernfalls läge eine grundsätzlich unzulä ssige echte Rückwirkung vor (Urteil des Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bundesgerichts 2C_711/2021 vom 15. Dezember 2021 E. 4.2 ). Im vorliegenden Fall ist für die Beurteilung des Integrationskriteriums "Beachtung der öf fentlichen Sicherheit und Ordnung" insbesondere die Verschuldung ab dem 1. Januar 2019 relevant, wobei diese unter Berücksich- tigung des vergangenen Verhaltens der Beschwerdeführer zu würdigen ist. Auch die weiteren Integrationskriterien müssen geprüft werden und dabei sind allfällige Defizite oder ausgeprägtes Vorhandensein gegeneinander abzuwägen. 7.1 Voraussetzung für die Beachtung der öffentlichen S icherheit und Ordnung nach Art. 58a Abs. 1 lit. a AIG ist die Beachtung der schw eizerischen Rechtsordnung. Eine Nichtbe- achtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt gemäss Art. 77a VZAE insbesondere vor, wenn die betroffene Person gesetzliche Vorschriften und behördliche Verfügungen missachtet oder öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Verpfl ichtungen mutwillig nicht erfüllt. In Bezug auf die Gewichtung einer Straftat ist selbstverständlich nebst deren Schwere auch der Zeitab- lauf seit deren Begehung zu beachten. Bei geringen und lang zurückliegenden Straftaten ist nicht leichthin ein relevantes Integrationsdefizit anzun ehmen (vgl. S PESCHA , a.a.O., N 2 zu Art. 58a AIG). Die Verschuldung, als Folge des Nichterf üllens von öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Verpflichtungen, muss mutwillig erfo lgen, das heisst sie muss selbst verschul- det und qualifiziert vorwerfbar sein. Gemäss bundesgerich tlicher Rechtsprechung ist Schulden- wirtschaft für sich allein noch nicht mutwillig und es ist nicht leichthin von der Mutwilligkeit des Schuldenmachens auszugehen. Wurde bereits eine ausländer rechtliche Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AIG) ausgesprochen, ist entscheidend, ob die auslä ndische Person danach weiterhin mutwillig Schulden angehäuft hat. Von entscheidender B edeutung ist, welche Anstrengungen zur Sanierung unternommen worden sind. Positiv zu würdig en ist etwa, wenn vorbestandene Schulden abgebaut worden sind. Auch anwachsende Schulde n lassen nicht ohne Weiteres auf Mutwilligkeit schliessen (Urteil des Bundesgerichts 2C_93/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.4). 7.2 Hinsichtlich des Beschwerdeführers sind zwei strafrecht liche Verfehlungen bekannt. Wie vom Beschwerdegegner anerkannt, würden diese Verstösse an sich nicht für eine Rückstu- fung ausreichen. Sie sind bei der Gesamtbetrachtung zu w ürdigen, fallen allerdings nicht schwer ins Gewicht. Stärker ins Gewicht fällt jedoch die ho he Schuldenbelastung. Insgesamt sind auf den Beschwerdeführer per 25. März 2022 99 Bet reibungen im Gesamtbetrag von Fr. 362'385.82 und 82 Verlustscheine im Wert von Fr. 257'606.05 verzeichnet, was nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zweifellos als erhebli ch einzustufen ist und von den Be- schwerdeführenden auch nicht bestritten wird. Bestritte n wird hingegen die Mutwilligkeit der Verschuldung mit dem Argument, dass der Beschwerdeführer aufgrund des schlechten Ge- schäftsverlaufes in der selbständigen Tätigkeit in eine Schuldenfalle geraten sei, aus der er sich nicht mehr habe befreien können, und er stets bemüht ge wesen sei, seine finanzielle Situation zu verbessern. Mit Schreiben vom 13. Mai 2016 gaben di e Beschwerdeführenden an, das Res- taurant wegen der Schulden verkaufen zu wollen und d ass der Beschwerdeführer eine Anstel- lung suchen werde, um ein geregeltes Einkommen erziele n zu können, wodurch sie die Schul- den zum grössten Teil begleichen könnten. Der Verkauf des Restaurants erfolgte allerdings nicht und eineinhalb Jahre später wurde über die G.__ __ GmbH der Konkurs eröffnet. Der Be- schwerdeführer macht anlässlich der Parteiverhandlung gel tend, dass er aufgrund seiner Sprachprobleme keine neue Stelle gefunden habe und d eswegen lieber an der Selbständigkeit Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht festgehalten habe, um nicht gänzlich ohne Arbeit dazust ehen sowie in der Hoffnung, dass sich die Geschäftssituation doch noch verbessern würde. Das Bunde sgericht bejahte in einem Ent- scheid die Mutwilligkeit der Verschuldung bei einem Beschw erdeführer, welcher trotz mehrfa- chen Scheiterns und Anhäufung weiterer Schulden an der selbständigen Tätigkeit festhielt (Ur- teil des Bundesgerichts 2C_384/2021 vom 22. November 2021 E. 5.4.2.). Auch im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer mit der Übernahme der Coop Pronto Filia- le im Jahr 2006 sowie der Gründung der G.____ GmbH im Jahre 2009 mehrfach in der Selb- ständigkeit versucht hat und trotz der prekären finanzie llen Lage und zunehmender Schulden im Jahr 2009 Fr. 20'000.-- in ein neues Geschäft invest ierte und trotz ausbleibenden Erfolgs sowie weiterhin zunehmender Schulden an dieser festhiel t. Es sind ausserdem keine Anstren- gungen des Beschwerdeführers nach der Verwarnung im Jah r 2014 aktenkundig, um eine wei- tere Zunahme der Verschuldung zu verhindern. Insgesamt ist der Beurteilung des Beschwerde- gegners zuzustimmen, dass die Schuldenzunahme insbesondere auf das passive Zusehen des Beschwerdeführers zurückzuführen ist. Entsprechend ist vorliegend beim Beschwerdeführer die Mutwilligkeit der Verschuldung anzunehmen. 7.3 Bei der Beschwerdeführerin ist eine Verurteilung per Strafbefehl aufgrund eines gering- fügigen Diebstahls bekannt. Auch wenn es sich dabei um e in geringfügiges Delikt handelt, ist insbesondere negativ zu werten, dass das Delikt im Juni 2 021 trotz hängigen Beschwerdever- fahrens beim Kantonsgericht begangen wurde. Bei der Be schwerdeführerin fällt allerdings die Schuldenbelastung geringer aus als beim Beschwerdeführer. Per 25. März 2022 sind 30 Betrei- bungen im Gesamtbetrag von Fr. 46'593.63 und 58 Verl ustscheine im Wert von Fr. 83'510.40 auf die Beschwerdeführerin verzeichnet. Bei den Beschwe rdeführenden handelt es sich um eine Lebens- und Schicksalsgemeinschaft, weshalb es nicht m öglich ist, exakt festzustellen, welcher Ehegatte für welchen Anteil der Verschuldung verantwortlich ist. Gemäss Aussagen der Beschwerdeführenden anlässlich der Parteiverhandlung ga b es zwischen den Ehegatten eine klare Rollenverteilung. Die Beschwerdeführerin hat sich um die Kinder und den Haushalt ge- kümmert und war nur aushilfsmässig im Geschäft tätig. Ei ne andere Rollenverteilung sei nicht zur Diskussion gestanden, da insbesondere der jüngere Soh n stärker auf die Mutter fokussiert gewesen sei und auch grösserer Aufmerksamkeit bedurft hab e. Aufgrund dieser Rollen- und Aufgabenverteilung können der Beschwerdeführerin das Fe sthalten des Beschwerdeführers an seiner Selbständigkeit trotz Erfolglosigkeit und die feh lenden Bemühungen zur Verhinderung der Zunahme der Verschuldung weniger stark vorgeworfen w erden als dem Beschwerdeführer selbst. Überdies kann ihr für die Zeit, in der die Kin der noch klein waren, und für diejenige, in der sie alleinerziehend war, die Verschuldung nicht qu alifiziert vorgeworfen werden. Insofern ist bei der Beschwerdeführerin nur in Bezug auf einen Tei l ihrer Verschuldung Mutwilligkeit zu be- jahen. 8. Das Kriterium der Respektierung der Werte der Bunde sverfassung nach Art. 58a Abs. 1 lit. b AIG fokussiert insbesondere auf die rechtsta atlichen Prinzipien sowie die freiheit- lich-demokratische Grundordnung der Schweiz. Art. 77c Bst. B VZAE nennt dahingehend aus- drücklich die "Gleichberechtigung von Mann und Frau, da s Recht auf persönliche Freiheit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit und die Meinungsfreih eit" (SPESCHA , a.a.O., N 5 zu Art. 58a Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht AIG). Das Integrationskriterium der Respektierung der W erte der Bundesverfassung gibt zu keinen weiteren Ausführungen Anlass. Beide Beschwerdeführenden erfüllen dieses Kriterium. 9. Die sprachlichen Integrationsanforderungen nach Art. 58a Abs. 1 lit. c AIG können auf verschiedene Weisen erfüllt werden. Der Nachweis der Spra chkompetenz erbringt gemäss Art. 77d VZAE, wer die am Wohnort gesprochene Landessprache als Muttersprache spricht und schreibt, während mindestens drei Jahren die obligatori sche Schule oder eine Ausbildung auf Sekundarstufe II oder Tertiärstufe in dieser Landesspr ache besucht hat oder über einen Sprachnachweis verfügt, welcher die entsprechende Sprachk ompetenz in dieser Landesspra- che bescheinigt. Ein entsprechender Nachweis der Sprach kompetenz des Beschwerdeführers liegt nicht vor, wurde allerdings vom AFBM auch nie e ingefordert. Aufgrund der Parteiver- handlung kann die Feststellung des Führungsberichts vom 8. April 2020 bestätigt werden, dass der Beschwerdeführer Gespräche auf Deutsch führen kann, allerdings nur über rudimentäre Sprachkenntnisse verfügt. Anlässlich der Parteiverhandlung hat der Beschwerdeführer angege- ben, nur zu Beginn seines Aufenthalts in der Schweiz e inen Sprachkurs besucht zu haben, an- schliessend habe er aufgrund seiner Arbeitstätigkeit kei ne Zeit mehr für weitere Kurse gehabt. Dass sich der Beschwerdeführer trotz seiner langen Anwesen heit in der Schweiz nur rudimen- tär verständigen kann, ist als Defizit anzusehen. Hinsichtl ich der Beschwerdeführerin ist festzu- stellen, dass diese fliessend deutsch sprechen und schreiben ka nn und sie das Integrationskri- terium der Sprachkompetenz zweifellos erfüllt. 10.1 Schliesslich nennt Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG noc h die Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung als Integrationskriterium. Nach Art. 77e Abs. 1 VZAE nimmt eine Person am Wirtschaftsleben teil, wenn sie die Lebenshal tungskosten und Unterhaltsverpflich- tungen deckt durch Einkommen, Vermögen oder Leistungen Dritter, auf die ein Rechtsanspruch besteht. Nach Art. 77e Abs. 2 VZAE nimmt eine Person am Erwerb von Bildung teil, wenn sie in Aus- oder Weiterbildung ist. Bei diesem Integrationskri terium wird nicht bloss der entsprechen- de Wille gefordert, sondern die tatsächliche Teilnahm e beziehungsweise der Erwerb (SPESCHA , a.a.O., Art. 58a Rz. 7). Da es im Rahmen von Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG auf den tatsächlichen Einsatz als Arbeitnehmer ankommt, sind die (auch aktuell en) Arbeitsbemühungen und der gel- tend gemachte Wille zum Arbeiten des Beschwerdeführers nur bedingt von Relevanz (KGE VV vom 20. Oktober 2021 [810 21 67] E. 7.3.4). Jedoch statu iert Art. 58a Abs. 2 AIG, dass der Si- tuation von Personen, welche die Integrationskriterien von Art. 58a Abs. 1 lit. c und d AIG auf- grund einer Behinderung oder Krankheit oder anderen gewichtigen persönlichen Umständen nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erfüllen können, angemessen Rechnung zu tra- gen sei. 10.2 Der dauerhafte und erhebliche Bezug von Sozialhil fe kann nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung führen. Dab ei geht es in erster Linie darum, eine zukünftige Belastung der öffentlichen Wohlfahrt zu verm eiden, weshalb eine andauernde kon- krete Gefahr einer Sozialhilfeabhängigkeit erforderli ch ist. Neben den bisherigen und aktuellen Verhältnissen ist die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht in die Beurteilung miteinzubeziehen. Erweist sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Wegweisung als unverhältnismässig, ist eine Rückstufung zulässig, soweit durch die Sozialhilfeabhängigkeit das Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Integrationskriterium der "Teilnahme am Wirtschaftslebe n" nicht (mehr) gegeben ist (Urteil des Bundesgerichts 2C_536/2021 vom 19. Oktober 2021 E. 5.1 f.). Keine mangelnde Integration ist anzunehmen, wenn die Verhinderung der Arbeitsaufnah me oder der Bezug von Sozialhilfe als unverschuldet zu bewerten ist, z.B. working poor, Verhin derung durch Krankheit oder Wahr- nehmung von Betreuungsaufgaben (vgl. auch M ARC SPECHA /P ETER BOLZLI /F ANNY DE WECK / VALERIO PRIULI , Handbuch zum Migrationsrecht, 4. Auflage, 2020, S. 357). 10.3 Der Beschwerdegegner macht geltend, dass die Besch werdeführenden das Kriterium der Teilnahme am Wirtschaftsleben nicht erfüllen, da diese während einigen Jahren ihre Le- benshaltungskosten nicht eigenständig hätten finanziere n können und dadurch in beträchtli- chem Umfang (Fr. 218'000.-- bis zum Zeitpunkt des Regie rungsratsbeschlusses) durch die So- zialhilfe unterstützt hätten werden müssen. Dagegen bri ngt der Beschwerdeführer vor, dass er während seiner selbständigen Tätigkeit immer 100% arbe itstätig gewesen sei, sich aber auf- grund des schlechten Geschäftsganges nur ein geringes Ein kommen habe auszahlen können. Der Beschwerdegegner argumentiert, dass der Beschwerdefü hrer in den Jahren vor der Selb- ständigkeit ein höheres Jahreseinkommen generiert habe als während der Selbständigkeit (ins- besondere als Geschäftsführer der G.____ GmbH). Er hä tte sich also nach Kräften bemühen können, eine Festanstellung mit ausreichendem Einkommen zu finden. Entsprechend sei er nicht als "working poor" einzuschätzen. Die Einschätzung des Beschwerdegegners wird durch den Fakt unterstützt, dass der Beschwerdeführer durch die mittlerweile wieder aufgenommene unselbständige Erwerbstätigkeit ein regelmässiges und sta biles Einkommen generieren kann. Allerdings ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer wieder über eine feste Arbeitsstelle ver- fügt sowie dass beide Beschwerdeführenden seit Oktober 20 19 nicht mehr von der Sozialhilfe abhängig sind, hinsichtlich der Teilnahme am Wirtschaftsle ben positiv zu berücksichtigen. Ne- gativ ins Gewicht fällt jedoch, dass der Beschwerdeführer ke ine Berufsausbildung oder auch sprachliche Weiterbildung in der Schweiz absolviert hat , was die Gefahr einer neuen Sozialhil- feabhängigkeit im Falle eines Stellenverlusts erhöht. 10.4 Die Beschwerdeführerin trägt eine Mitschuld an der Sozialhilfeabhängigkeit in den Jah- ren nach der Verwarnung im 2014, da die Söhne zu die sem Zeitpunkt nicht mehr in einem Alter waren, in dem, mit Blick auf die familienrechtliche Rec htsprechung, eine Arbeitstätigkeit neben der Betreuung der Kinder unzumutbar ist (vgl. BGE 144 III 481 E. 4.7.6). Anders zu bewerten ist die Sozialhilfeabhängigkeit zwischen 2011 und 2013, als die Beschwerdeführenden getrennt lebten und die Kinder alleine bei der Beschwerdeführ erin verblieben. Es ist der Einschätzung des Beschwerdegegners zuzustimmen, dass die Beschwerdeführer in mangels Berufsausbil- dung als "working poor" zu behandeln ist. Nicht zugestim mt werden kann jedoch dessen Ein- schätzung, dass dieser Umstand selbstverschuldet sei, da es fü r die Beschwerdeführerin ohne weiteres möglich gewesen wäre, eine Berufsbildung nachzu holen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie sehr früh geheiratet habe und a nschliessend habe arbeiten müssen, um den Haushalt finanzieren und den Ehemann in die Sch weiz nachziehen zu können. Nach der Einreise des Ehemanns sei sie bald schwanger gewor den und habe während dessen Selb- ständigkeit in den Betrieben mitgeholfen. Dass sie unter diesen Umständen keine Berufsbildung nachholte, kann ihr nicht vorgeworfen werden. Anlässlich der Parteiverhandlung wurde bekannt, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Beschwerdeführerin im letzten Jahr arbeitslos wu rde, mittlerweile aber wieder eine derzeit noch befristete Anstellung bei der I.____ gefunden hat. 11. Schliesslich ist eine zukunftsgerichtete Gesamtwürdigun g der Integrationskriterien vor- zunehmen. Hinsichtlich beider Beschwerdeführenden lässt si ch festhalten, dass das Integrati- onskriterium der Respektierung der Werte der Bundesverf assung ohne weiteres erfüllt ist. Das Integrationskriterium der Sprachkompetenz erfüllt hingegen nur die Beschwerdeführerin. Bezüg- lich der Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ord nung kann festgestellt werden, dass bei beiden Beschwerdeführenden strafrechtliche Verfehlungen vorliegen, diese aber aufgrund ihrer Geringfügigkeit bei beiden nicht allzu negativ ins Gew icht fallen. Negativ sind aber die hohen Schulden der Beschwerdeführenden zu werten. Wie bereits dargelegt kann sowohl beim Be- schwerdeführer wie auch bei der Beschwerdeführerin von e iner Mutwilligkeit der Verschuldung gesprochen werden, auch wenn dies bei der Beschwerdefüh rerin nur auf einen Teil der Ver- schuldung zutrifft. Ähnlich negativ wie die Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist die Teilnahme am Wirtschaftsleben zu bewerten, wobe i auch hier das Verschulden der Be- schwerdeführerin als geringer erscheint. Ihre Perspektiven dürften aufgrund ihrer sprachlichen Kompetenzen und der sukzessiv wegfallenden Kinderbetreuu ng trotz mangelnder Ausbildung etwas besser sein. 12.1 Die Rückstufung stellt zwar im Vergleich zu einer mi t dem Widerruf der Niederlas- sungsbewilligung verknüpften Wegweisung eine mildere M assnahme dar, muss allerdings, wie jedes staatliche Handeln, selbst auch verhältnismässig sein (vgl. S PESCHA , a.a.O., Rz. 23 zu Art. 63 AIG). Hinsichtlich der Verhältnismässigkeit ist zu prüfen, ob die Rückstufung geeignet und erforderlich ist, ihren Zweck zu erfüllen. Die Rückst ufung hat zudem in einem angemesse- nen Verhältnis zu den damit für die betroffene Person verbundenen Konsequenzen zu stehen ("Übermassverbot" [Zumutbarkeit]; vgl. Art. 96 AIG bzw. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999). Bezüglich der privaten Interes- sen einer niederlassungsberechtigten Person ist zu berücksi chtigen, dass mit einer Rückstu- fung keine unmittelbaren Entfernungs- oder Fernhaltemassnahmen einhergehen. Entsprechend werden durch eine Rückstufung die grundrechtlichen An sprüche des oder der Zurückgestuften auf Achtung des Privatlebens und auf Achtung des Familie nlebens nicht tangiert. Jedoch ist zu bedenken, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng und deren Ersatz durch eine Auf- enthaltsbewilligung für die betroffene ausländische P erson in verschiedener Hinsicht (z.B. bei allfälligen zukünftigen Widerrufsgründen) zu einer sub stanziellen Verschlechterung ihrer Rechtsposition führt. Dies ist mit Blick auf eine später e Wiedererteilung der Niederlassungsbe- willigung aber ein erwünschter Effekt, damit eine Verh altensänderung bei den Betroffenen er- zielt werden kann. Es handelt sich bei der Rückstufung u m eine "Kann"- Bestimmung und es liegt entsprechend im Entschliessungsermessen der Ausländ erbehörde, ob es vom Instrument der Rückstufung Gebrauch machen will (KGE VV vom 21. April 2021 [810 20 230] E. 8.3.1). 12.2 Es ist zudem zu berücksichtigen, dass die Rückstufung ein gegenüber dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Wegweisung eigenständiges Rechtsinstitut darstellt, für wel- ches der Gesetzgeber einen eigenständigen Anwendungsber eich vorsah. Dies bedeutet, dass in einem konkreten Fall ein Widerrufsgrund nach Art. 63 AIG nicht in genügendem Mass erfüllt Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht sein kann, während gleichzeitig eine mangelhafte Integ ration bejaht werden muss. In einer sol- chen Konstellation besteht das Ziel des Institutes der Rückst ufung darin, die Integration zu ver- bessern, damit es (später) eben nicht zum Widerruf der Niederlassungsbewilligung mit Wegwei- sung kommen muss. Das gleiche Ziel verfolgt auch die Inte grationsvereinbarung nach Art. 58b AIG. Somit sind die Massnahmen nach Art. 58a und b AI G darauf gerichtet, den betroffenen ausländischen Personen zu helfen und zu vermeiden, dass e s zu einer Wegweisung kommt. Gleichzeitig soll damit unmissverständlich aufgezeigt werd en, dass die aktuelle Situation und die Bemühungen den Anforderungen an eine durch die N iederlassungsbewilligung gerechtfer- tigte Integration nicht genügen. Damit soll den Betro ffenen rechtzeitig die Möglichkeit gegeben werden, ihr Verhalten zu ändern, bevor es anschliessend g egebenenfalls zu spät ist und – mangels behördlichen Ermessens – nur noch die viel härt ere Massnahme des Widerrufes der Niederlassungsbewilligung mit Wegweisung verfügt werden kann beziehungsweise muss (KGE VV vom 20. Oktober 2021 [810 21 67] E. 8.2). Hinsicht lich der geltend gemachten massiven Schwächung der Rechtsstellung ist anzumerken, dass die bund esgerichtliche Rechtsprechung deren Auswirkung als eher gering einschätzt, da diese – regelmässig als Vorstufe zur Nieder- lassungsbewilligung – die Arbeitstätigkeit zulässt und z ahlreiche Personen gestützt auf eine solche einer Arbeit nachgehen (Urteil des Bundesgericht s 2C_536/2021 vom 19. Oktober 2021 E. 6.3.1). Entsprechend ist die Rückstufung als Massnahme ge eignet, die gewünschten Verhal- tensänderungen zu bewirken. 12.3 Wie bereits im Rahmen der zukunftsgerichteten Ge samtbetrachtung festgestellt, trägt die Beschwerdeführerin eine Mitschuld an der heutigen S ituation, indessen muss bei ihr be- rücksichtigt werden, dass sie zur Zeit der Verwarnung im Jahr 2014 aufgrund der Erziehung der Kinder nur beschränkt Einfluss auf die Situation nehmen konnte. Nichtsdestotrotz gilt für beide Beschwerdeführenden, dass in der Zeit nach der Verwarn ung und auch nach einer Ermahnung des AFMB im Jahr 2016 keine wesentlichen Bemühungen und Verbesserungen ersichtlich wa- ren. Dass eine erneute Verwarnung eine wesentliche Ver haltensänderung bewirkt hätte, ist als eher unwahrscheinlich zu erachten, womit die Rückstufung als erforderlich anzusehen ist. 12.4.1 Nach dem Gesagten bleibt noch zu prüfen, ob di e Rückstufung zumutbar ist, wobei die Interessen der Betroffenen den Interessen der Öffentl ichkeit gegenüberzustellen sind. Im vor- liegenden Fall besteht das öffentliche Interesse vor a llem in der Förderung der Integration als sozialpolitischem Interesse sowie in der Entlastung der ö ffentlichen Hand. Dem öffentlichen Interesse stehen die privaten Interessen gegenüber. Zu b erücksichtigen sind insbesondere die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, die berufliche, sprachliche und soziale Integration so- wie die drohenden Nachteile. Bezüglich der Zumutbarkei t der Massnahme ist wiederum eine Differenzierung zwischen den Beschwerdeführenden vorzunehmen. Hinsichtlich des Beschwer- deführers ist festzuhalten, dass er im Alter von 24 Jahre n in die Schweiz kam und seit mittler- weile 26 Jahren in der Schweiz lebt. In Anbetracht d er langen Anwesenheit fällt aber insbeson- dere die mangelnde sprachliche Integration negativ au s. Hinsichtlich der sozialen Integration sind keine Angaben vorhanden und es wurden im Beschwer deverfahren auch keine solchen vorgebracht. Die berufliche Integration des Beschwerde führers kann ebenfalls als mangelhaft bezeichnet werden. Mit der Rückstufung wird die Rechtsst ellung des Beschwerdeführers zwar leicht geschwächt, dennoch kann er weiterhin in der Sch weiz bei seiner Familie verweilen und Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht es entstehen keine unmittelbar bemerkbaren Nachteile. Er hat sodann auch die Möglichkeit, bei künftigem Wohlverhalten die Niederlassungsbewilligung wiederzuerhalten. Die Rückstufung erweist sich demnach als verhältnismässig, weshalb die Beschw erde in Bezug auf den Be- schwerdeführer abzuweisen ist. 12.4.2 Die Beschwerdeführerin reiste bereits im Alter von 4 Jahren in die Schweiz ein und ist sprachlich gut integriert. Hinsichtlich der sozialen Integ ration fehlen ebenfalls Angaben. Die schlechte berufliche Integration kann ihr wie bereits er läutert nur bedingt vorgeworfen werden (vgl. E. 10.4 hiervor). Insbesondere in Anbetracht dessen , dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz aufgewachsen ist und hier fast ihre ganze Kindhe it verbracht hat, erscheint eine Rück- stufung als unverhältnismässige Massnahme. Nichtsdestotrotz b esteht aufgrund der hohen Verschuldung und der noch während dem Beschwerdeverfahre n erfolgten strafrechtlichen Ver- fehlung ein öffentliches Interesse an einer Verhaltens änderung der Beschwerdeführerin. Des- wegen ist eine erneute ausländerrechtliche Verwarnung a ngezeigt. Entsprechend ist die Be- schwerde hinsichtlich der Beschwerdeführerin gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin wird je- doch mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass in Zukunft der Widerruf ihrer Niederlassungsbe- willigung oder eine Rückstufung in Betracht käme, wenn sie erneut straffällig werden, gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen (durch wei tere Verschuldung oder Sozialhilfebe- zug) und damit das durch das Gericht in sie gesetzte Vert rauen enttäuschen sollte. Ausserdem muss sie weiter um das Aufrechterhalten der Arbeitstäti gkeit bemüht sein. Die Beschwerdefüh- rerin wird in diesem Sinne ausdrücklich verwarnt (Art. 96 Abs. 2 AIG). 13.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfa hrens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpf lichtig. Die Verfahrenskosten umfas- sen die Gerichtsgebühren sowie die Beweiskosten und wer den in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VP O). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- sind dem Ausgang des Verfahrens entsprechend den Beschwerdeführen- den und dem Beschwerdegegner je zur Hälfte, d.h. je im Umfang von Fr. 1'500.--, aufzuerlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die auf die Beschwerdeführen- den anfallenden Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 13.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann g emäss § 21 Abs. 1 VPO für den Beizug eines Anwalts oder einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Honorarnote des Rechtsvertreters vom 30. März 2022 weist einen Aufwand von 16.1667 Stunden mit Auslagen von Fr. 68.-- aus, was nicht zu bean- standen ist. Bei unentgeltlicher Verbeiständung beträg t das Honorar Fr. 200.-- pro Stunde (§ 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwä lte vom 17. November 2003). Entspre- chend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens hat der Regierungsrat des Kantons Basel- Landschaft den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung im Umfang der Hälfte des vom Rechtsvertreter geltend gemachten Aufwands und damit in der Höhe von Fr. 2'213.10 (8.08 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 34.--, all es zuzüglich 7.7 % MWST) zu bezahlen. Im Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Zufol ge Bewilligung der unentgeltlichen Ver- beiständung wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführe nden ein Honorar in der Höhe von Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 1'777.80 (8.08 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 34.--, alles zuzüglich 7.7 % MWST) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. 13.3 Die Beschwerdeführenden werden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewillig ung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet sind, sobald si e dazu in der Lage sind (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [ Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird de r Regierungsrats- beschluss Nr. 261 vom 2. März 2021, soweit die Beschwerd e der Be- schwerdeführerin betreffend, aufgehoben und die Beschw erdeführerin wird im Sinne der Erwägungen ausländerrechtlich verwarnt. 2. Die Beschwerde des Beschwerdeführers wird abgewiesen. 3. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanz- lichen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft zurückgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- werden den Be- schwerdeführenden und dem Beschwerdegegner je zur Hälft e, d.h. je im Umfang von Fr. 1'500.--, auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g gehen die auf die Beschwerdeführenden anfallenden Verfahrenskosten zul asten der Gerichtskasse. 5. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat d en Beschwer- deführenden eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'213.10 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. I m Übrigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'777.80 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteu er) aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V.