<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>22 Eingrenzung;</b></span> <span class="ft2"><b>Verhältnismässigkeit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Anordnung einer Eingrenzung auf einen Bezirk muss aufgrund der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>potentiellen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>hältnismässig sein. Ein sehr geringfügiges Vermögensdelikt reicht hierfür</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Einzelrichters des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer,</span><br/> <span class="ft3">vom 19. Februar 2013 in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integra-</span><br/> <span class="ft3">tion (WPR.2013.7).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung der Vorinstanz</span><br/> <span class="ft1">vom 11. Dezember 2012 auf das Gebiet des Bezirks Brugg einge-</span><br/> <span class="ft1">grenzt. Zur Begründung führt die Vorinstanz lediglich aus, die Ein-</span><br/> <span class="ft1">schränkung der Bewegungsfreiheit des Beschwerdeführers diene der</span><br/> <span class="ft1">Verbesserung von Sicherheit und Ordnung.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">117</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Soweit sich die Eingrenzungsverfügung auf den Vorhalt des</span><br/> <span class="ft1">Diebstahls in Windisch bezieht, ist Folgendes festzuhalten:</span><br/> <span class="ft1">Zwar ist grundsätzlich denkbar, dass die Anordnung einer Ein-</span><br/> <span class="ft1">grenzung geeignet sein kann, die öffentliche Sicherheit und Ordnung</span><br/> <span class="ft1">zu erhöhen, wenn ein Betroffener zuvor wegen Diebstahls verurteilt</span><br/> <span class="ft1">wurde. Dies allerdings nur dann, wenn der Betroffene durch die Ein-</span><br/> <span class="ft1">grenzung daran gehindert werden soll, sich potentiellen Deliktsorten</span><br/> <span class="ft1">zu nähern oder wenn die Eingrenzung dazu führt, dass der Wirkungs-</span><br/> <span class="ft1">kreis des Betroffenen massgeblich eingeschränkt wird. Diese Voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzung ist im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Weder wird der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer durch die Eingrenzung auf das Gebiet des Bezirks</span><br/> <span class="ft1">Brugg gehindert, erneut in Windisch Ladendiebstähle zu begehen,</span><br/> <span class="ft1">noch wird in der dürftig begründeten Verfügung dargelegt, dass der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer daran gehindert werden müsste, Delikte ausser-</span><br/> <span class="ft1">halb des Bezirks Brugg zu begehen. Den Akten ist jedenfalls nicht zu</span><br/> <span class="ft1">entnehmen, dass der Beschwerdeführer, über den angeblich begange-</span><br/> <span class="ft1">nen geringfügigen Diebstahl in der Coop-Filiale Aarau hinaus, wei-</span><br/> <span class="ft1">tere Delikte ausserhalb des Bezirks Brugg begangen hat.</span><br/> <span class="ft1">In Bezug auf den Vorhalt des Diebstahls in Windisch ist die Ein-</span><br/> <span class="ft1">grenzung auf den Bezirk Brugg damit ungeeignet, den angestrebten</span><br/> <span class="ft1">Zweck zu erreichen.</span><br/> <span class="ft1">Betreffend des Vorhalts des Ladendiebstahls in der Coop-Filiale</span><br/> <span class="ft1">Aarau über einen Warenwert von CHF 6.85 ist festzuhalten, dass die</span><br/> <span class="ft1">Eingrenzungsverfügung vom 12. Dezember 2012 zwar geeignet ist,</span><br/> <span class="ft1">das von der Vorinstanz angestrebte Ziel der "Verbesserung von Si-</span><br/> <span class="ft1">cherheit und Ordnung" zu erreichen. Fraglich ist hier jedoch, ob</span><br/> <span class="ft1">nicht mit einer milderen Massnahme (Ausgrenzung aus der Stadt</span><br/> <span class="ft1">oder dem Bezirk Aarau) der angestrebte Zweck auch erreicht werden</span><br/> <span class="ft1">könnte. Die Vorinstanz äussert sich weder in ihrer abermals äusserst</span><br/> <span class="ft1">dürftig begründeten Verfügung noch in ihrer Vernehmlassung dazu,</span><br/> <span class="ft1">weshalb nur mit einer Eingrenzung auf den Bezirk Brugg, der ange-</span><br/> <span class="ft1">strebte Zweck erreicht werden kann. Wie nachfolgend zu zeigen sein</span><br/> <span class="ft1">wird, kann diese Frage jedoch vorliegend offen gelassen werden.</span><br/> <span class="ft1">Wie bereits ausgeführt, muss die angeordnete Massnahme ver-</span><br/> <span class="ft1">hältnismässig im engeren Sinne sein, d.h. es muss ein überwiegendes</span><br/> <span class="ft1">öffentliches Interesse an der Massnahme bestehen. Dabei ist ent-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">118</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">scheidend, ob der Betroffene die öffentliche Sicherheit und Ordnung</span><br/> <span class="ft1">bereits gestört hat und wie gravierend die Störung zu qualifizieren ist</span><br/> <span class="ft1">bzw. worauf sich eine allfällige Gefährdung der öffentlichen Si-</span><br/> <span class="ft1">cherheit und Ordnung stützt. In casu steht für die Bemessung des</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Interesses nur noch der vorgehaltene Ladendiebstahl in</span><br/> <span class="ft1">Aarau zur Diskussion, da die Eingrenzung auf den Bezirk Brugg, wie</span><br/> <span class="ft1">bereits ausgeführt, von vornherein nicht geeignet ist, weitere Delikte</span><br/> <span class="ft1">in Windisch zu verhindern.</span><br/> <span class="ft1">Gründet die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord-</span><br/> <span class="ft1">nung wie im vorliegenden Fall einzig auf einem geringfügigen Dieb-</span><br/> <span class="ft1">stahl über CHF 6.85, besteht zwar grundsätzlich ein öffentliches</span><br/> <span class="ft1">Interesse an einer Gebietsbeschränkung. Dieses ist jedoch als relativ</span><br/> <span class="ft1">klein einzustufen. Wird der geringfügige Diebstahl vom Betroffenen</span><br/> <span class="ft1">bestritten und ein ausgefällter Strafbefehl angefochten und ist auf-</span><br/> <span class="ft1">grund der Aktenlage nicht von einer klaren Beweislage auszugehen,</span><br/> <span class="ft1">steht die Eingrenzung auf einen Bezirk in einem klaren Missverhält-</span><br/> <span class="ft1">nis zum angestrebten Zweck. Mit anderen Worten ist im vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Fall mit Blick auf die potentielle Gefährdung der öffentlichen Si-</span><br/> <span class="ft1">cherheit und Ordnung aufgrund des vorgehaltenen geringfügigen</span><br/> <span class="ft1">Diebstahls nicht von einem überwiegenden öffentlichen Interesse an</span><br/> <span class="ft1">einer Eingrenzung auf einen Bezirk auszugehen.</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die am 12. Dezember 2012</span><br/> <span class="ft1">angeordnete Eingrenzung auf den Bezirk Brugg in Bezug auf den</span><br/> <span class="ft1">Vorhalt des Diebstahls in Windisch nicht geeignet ist den angestreb-</span><br/> <span class="ft1">ten Zweck zu erreichen. In Bezug auf den Vorhalt des geringfügigen</span><br/> <span class="ft1">Diebstahls in Aarau ist fraglich, ob nicht auch ein milderes Mittel ge-</span><br/> <span class="ft1">nügen würde; auf jeden Fall besteht aber kein überwiegendes</span><br/> <span class="ft1">öffentliches Interesse an der Eingrenzung auf den Bezirk Brugg.</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten ist die verfügte Eingrenzung unverhältnismäs-</span><br/> <span class="ft1">sig, weshalb die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Dezember 2012</span><br/> <span class="ft1">in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>