B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3682/2012/mel U r t e i l v o m 2 6 . M ä r z 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Juni 2012 / N (…). D-3682/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Sri Lanka am (…). Februar 2012 und gelangte über Italien am 27. Februar 2012 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nach suchte. Am 6. März 2012 führte das BFM eine Summarbefra gung durch. Die Anhö rung fand am 1. Juni 2012 statt. A.b Der Beschwerdeführer tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ machte zur Begründung seines Asyl gesuches im We sentli- chen geltend, die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) als deren Mi t- glied logistisch unterstützt zu haben. Im Jahr 2002 habe er sich mit einem bei den LTTE aktiven Cousin C._______ begeben und dort als Fah r- zeugmechaniker für die Organisation gear beitet. Der Cousin sei später bei einem Kampf ums Leben gekommen. Er habe an Propagandaaktivitä- ten teilgenommen und die LTTE über Standorte der Armee informiert. Im Jahr 2007 sei in D._______ eine mit ihm befreundete Person erschossen worden. Vor Kriegsende sei er nach B._______ zurückgekehrt bezi e- hungsweise seit dem Kriegsende vom 18. Mai 2009 drei Monate lang im Militärlager von E._______ festgehalten worden, bis sein Vater die Fre i- lassung gegen Bestechungsgeld habe bewirken können. Danach habe er sich bei einer Tante in F._______ aufgehalten. Im September 2009 sei er nach B._______ zurückgekehrt. Dort hätten ihn wiederholt unbekannte Personen – mutmasslich aus Armeekreisen – gesucht. Er habe deshalb seit Juli 2011 nicht mehr zuhause gewohnt und sei schliesslich via G._______ ausgereist. Sein älterer Bruder, welcher ebenfalls Propagan- da für die LTTE gemacht habe, sei seit 2008 verschollen. A.c Der Beschwerdeführer gab einen Geburtsschein als Beweismittel zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 12. Juni 2012 – eröffnet am 15. Juni 2012 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei sung aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug. Die Vorin stanz verneinte die Glaubhaftigkeit der dargelegten Fluchtgründe . Den Vollzug der We g- weisung bezeichnete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe seiner Rechtsvertre tung vom 11. Juli 2012 bean tragte der D-3682/2012 Seite 3 Beschwerdeführer beim Bundes verwaltungsgericht die Feststellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, die Aufhe bung der v orin- stanzlichen Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung, eventualiter die Fest stellung der Unzulässigkeit be - ziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verbunden mit der vorläufigen Aufnahme in der Sc hweiz so wie die un entgeltliche Rechtspflege (Art. 65 des Ver waltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 [VwVG, SR 172.021]) samt Entbindung von der Vor schuss- pflicht. Er machte geltend, das BFM gehe zu Unrecht von der Unglau b- haftigkeit seiner Vorbringen aus. Er sei im Heimatland asylrele vant g e- fährdet. D. Mit Zwischenverfügung vom 17. Juli 2012 stellte das Bundesverwa l- tungsgericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hie ss das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Dasjenige gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. E. Mit Vernehmlassung vom 25. Juli 2012 beantragte das BFM die Abwei - sung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem Be- schwerdeführer am 27. Juli 2012 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Per- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von D-3682/2012 Seite 4 Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund - sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefäh rdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). D-3682/2012 Seite 5 4. 4.1 Die Vorinstanz legte dar, die Vorbringen des Be schwerdeführers müssten als unglaubhaft qualifiziert werden. Er habe zu seinen Identitäts- dokumenten ungereimte Angaben gemacht. Die Schilderungen betreffend sein Verhalten vor beziehungsweise bei Kriegsende – nach Hause schlei- chen beziehungsweise mehrmonatige Haft in einem Lager – seien wider- sprüchlich ausgefallen. Den anschliessenden Aufenthalt bei ei ner Tante habe er in zeitlicher Hinsicht nicht übereinstimmend dargelegt. Ferner soll er im Jahr 2009 durch militärisch kontrolliertes Gebiet ge langt und zwe i- mal befragt worden sein. Personen mit seinem Profil – ein junger Mann, der von einem durch die LTTE k ontrolliertes Gebiet in das staatlich ko n- trollierte gekommen sei – hätten im damaligen Zeitpunkt mit strengen Kontrollen rechnen müssen. Er sei zudem nicht in der Lage gewesen sich auszuweisen. Es mute entsprechend realitätsfremd an, dass ihn Arme e- angehörige zwecks Identifizierung lediglich stillschwei gend angeschaut hätten und so zum Schluss gekommen seien, er gehöre zur Zivilbevölk e- rung. Schliesslich habe der Beschwerdeführer erst einein halb Jahre nach der Rückkehr in B._______ Probleme bekommen. Da ih m die sri - lankischen Behörden anscheinend unterstellt hätten, die LTTE unterstützt zu haben, wäre davon auszugehen gewesen, dass sich solche Probleme früher ergeben hätten. 4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht von der fehlenden Glaubhaftigkeit der Asylgründe aus. Im Ergebnis habe er zu seinen Identitätsdokumenten keine widersprüchlichen Schilderun - gen gemacht. Die Inhaftierung im Militärlager habe er bei der ersten B e- fragung nicht erwähnt, weil er befürchtet habe, dieser Sac hverhaltsum- stand könnte durch die Asylbehörden den heimatlichen Behörden mitge - teilt werden, was zu einer Gefährdung seiner Angehörigen führen würde. Die unterschiedlichen Angaben zur Dauer des Aufenthalts in F._______ seien aufgrund eines Irrtums entstan den. Im Weiteren seien seine Anga - ben zu den Kontrollen durch die Armee durchaus nachvollziehbar. Dass er in der Folge erst nach geraumer Zeit in B._______ in den Fokus der genannten Personen geraten sei, sei mutmasslich auf eine erst damals erfolgte Denunziation durch einen Bekannten aus der Kriegszeit zurüc k- zuführen. 5. Vorliegend kommt das Bundesverwaltungsgericht in Abwägung sämtli - cher Aussagen zum Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht von der fe h-D-3682/2012 Seite 6 lenden Glaubhaftigkeit des Kernvorbringen des Besc hwerdeführers aus- ging. 5.1 Es mag zwar zutreffen, dass sich d er Beschwerdeführer zeitweise auch C._______ aufhielt und es dort zu Kontakten mit den LTTE kam. Andererseits wirken seine Angaben zum damaligen Aufenthaltsort eher konfus (A 9/15 Antworten 28 ff.). Zudem gab er einerseits an, Mitglied der LTTE zu sein; andererseits brachte er vor, der verschollene Bru der, wel- cher nicht Mitglied sei, habe die LTTE unterstützt "auch wie ich" (A 9/15 Antworten 86 und 120). In der Beschwerde macht er geltend, er sei als "Zivilist" geflohen; die Regierung halte ihn für ein LTTE -Mitglied. Diese Aussagen lassen den Schluss zu, dass er zwischendurch als Mecha niker von den LTTE möglicherweise zu Arbeiten beigezogen wurde; eine e i- gentliche Einbettung in die Strukturen der Organisation verbunden mit ei- nem entsprechenden Persönlichkeitsprofil ist damit aber nicht hinreichend dargetan. Die ihm daraus angeblich erwachsenen Nachteile wirken in der geltend gemachten Form jedenfalls nicht glaubhaft. 5.2 Der Beschwerdeführer erwähn te bei der Erstbefragung den Aufent - halt im Militärlager bei Kriegsende auch nicht ansatzweise; vielmehr gab er an, sich zu diesem Zeitpunkt heimlich nach Hause begeben zu haben. Diese diametral abweichenden Schilderungen beeinträchtigen die Glau b- haftigkeit der entscheidwesentlichen Vorbringen nachhaltig. Die Behaup - tung in der Beschwerde, er habe den Lageraufenthalt we gen einer all - fälligen Gefährdung seiner Familie vorerst nicht geltend ge macht, kann in Anbetracht der ihm bei der Anhörung erklärten Ver schwiegenheitspflicht der Asylbehörden nicht nachvollzogen werden. Im Weiteren weist das BFM zurecht auf unterschiedliche zeitli che Angaben zum Aufenthalt bei einer Tante nach de r angeblich im Lager verbrachten Zeit hin. Das BFM erwägt f erner, der Umstan d, wonach er erst eineinhalb Jahre nach der Rückkehr in B._______ Probleme bekommen habe, obwohl ihm die sri - lankischen Behörden anscheinend unterstellt hätten, die LTTE zu unter - stützen, müsse als realitätsfremd erachtet werden. Auch dieses Argument vermag zu überzeugen; das Beschwerdevorbringen, irgend wann habe eine Person, welche ihn schon wäh rend des Krieges gekannt habe, den Behörden wahrscheinlich über die LTTE -Vergangenheit informiert, mutet demgegenüber sehr spekulativ an . Ausserdem schilderte der Beschwer- deführer die angebliche Suche nach ihm in B._______ überwiegend ste- reotyp und kaum mit Realkennzeichen verse hen, weshalb die Glaubhaf - tigkeit der Fluchtgründe auch in die sem Lichte besehen zu vernei nen ist. Schliesslich wirken sein e Angaben zu den Identitätsdokumenten entge-D-3682/2012 Seite 7 gen den Beschwerdevorbringen ungereimt; in Anbetracht der be reits zi- tierten Unstimmigkeiten in den Aussagen kann indes davon ab gesehen werden, auf diese und weitere vom BFM aufgelistete Un glaubhaftigkeits- elemente nähe r einzugehen . Auffallend ist jedoch, dass er bei seinen Schilderungen auch auf Medienberichte verwies (A 9/15 Antwort 47), was den Eindruck einer fehlenden individuell-konkreten Bedrohung verstärkt. 5.3 Insgesamt ist daraus zu schliessen, dass der Beschwerd eführer im Zeitpunkt des Verlassens seines Heimatlandes keinen ge zielten und i n- tensiven Behelligungen ausgesetzt gewesen ist. 6. 6.1 Darüber hinaus ist an dieser Stelle auf die generelle Praxis des Bun- desverwaltungsgerichts zu Asylbeschwerden aus Sri Lanka ei nzugehen (vgl. BVGE 2011/24). 6.2 Am 19. Mai 2009 verkündete die Regierung Sri Lankas offiziell den Sieg der Regierungstruppen über die LTTE, und Präsident Rajapakse er - klärte den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet. Das Führungska - der der LTTE ist der Medienberichterstattung zufolge komplett ausge - löscht wor den. Hinweise auf aktive LTTE -Kader im Norden Sri Lankas gibt es laut SFH keine. Die höchstrangigen LTTE -Kader waren entweder gefangen genommen oder getötet worden (so auch der LTTE -Chef Velu- pillai Prabha karan), oder sie konnten das Land verlassen. Trotz die ser Veränderungen gibt es Personenkreise, die seit Beendigung des militäri - schen Konfliktes immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausge - setzt sind. Dazu gehören unter anderem Person en, die auch nach Be - endigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbin - dung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des Ex - Generals Sarath Fonseka, Journalisten und andere in der Medienbranche tätige Personen, international und lokal tätige Vertreter von NGOs, die sich für die Menschenrechte einsetzen oder Verstösse kriti sieren, Opfer und Zeugen von Menschenrechtsverletzungen sowie Per sonen, die sol - che Übergriffe bei den Behörden anzeigen, abgewie sene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE-Kader oder Personen, die über be- trächtliche finanzielle Mittel verfügen (siehe die aus führliche Darstellung der Personengruppen im erwähnten Urteil E. 8). 6.3 Aus den Akten gehen nach dem Gesagten keine glaubhaften Anhalts- punkte dafür hervor, dass der Beschwerdeführer seitens der sri -lanki- schen Behörden heute als oppositionell aktiv wahrgenommen würde oder D-3682/2012 Seite 8 sonst einer dieser Risikogruppen zugehörig erklärt werden müsste. Ein namhaftes Engagement für die LTTE ergibt sich aus den Akten nicht. Die zielgerichtete Suche wegen eines Engagements ist ge mäss vorstehe n- den Erwägungen nicht glaubhaft. Solche Behelligun gen erscheinen auch aufgrund seiner vorgebrachten finanziellen Situation aktuell nicht als hi n- reichend wahr scheinlich. Eine Gefährdung nach der Rückkehr wegen Kontakten zu LTTE-Kadern im Ausland ist insofern un wahrscheinlich, als die blosse Rückkehr aus der Schweiz noch kein eigentliches persönliches Risikoprofil ausmacht. 7. 7.1 Zusammenfassend ist somit nicht davon aus zugehen, dass der Be - schwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise von den sri -lankischen Sicher- heitskräften landesweit gesucht wurde oder in naher Zu kunft eine Verfol- gung zu befürchten hätte. Das Gericht stellt fest, dass der Beschwerd e- führer Sri Lanka aus anderen als den von ihm geltend gemach ten Grün- den verliess; auch im heutigen Zeitpunkt muss nicht ange nommen wer- den, dass ihm bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernst hafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes drohen würden. Damit erübrigt es sich, auf weite- re Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe detailliert ein zugehen, weil diese am Ergebnis des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern verm ö- gen. 7.2 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Be - schwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 As ylG nachweisen oder glaub - haft machen konnte. Das BFM hat das Asylgesuch damit zu Recht abg e- wiesen. Die Beschwerde ist folglich im Asylpunkt abzuweisen. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733) D-3682/2012 Seite 9 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht - lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.] , Aus- länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (A rt. 83 Abs. 3 AuG). 9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei - nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder u n- menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterwor fen werden. 9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüc htlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden D-3682/2012 Seite 10 Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh- rers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde- führers noch aus den Akten Anhaltspunkte d afür, dass er für den Fall e i- ner Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie je ner des UN - Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge- fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall ei- ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen wü r- de. Der EGMR hat sich wiederholt mit der G efahr einer EMRK -widrigen Be- handlung für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, befasst (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2 mit weiteren Hinweisen). Der Gerichtshof unterstreicht da bei, dass nicht in genereller Weise davo n auszugehen sei, zurückkehren den Tamilen drohe unmen - schliche Behandlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr verschiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich in s- gesamt im Einzelfall schliessen lasse, dass der Betreffende erns thafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Fest - nahme und Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt der EGMR namentlich Aspekte wie eine frühere Registrie- rung als verdächtigtes oder tatsächliches LTTE-Mitglied, das Bestehen ei- ner Vorstrafe oder eines offenen Haftbefehls, die Flucht aus der Haft oder aus Kautionsauflagen, die Unterzeichnung eines Geständnisses oder ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London oder von einem anderen Ort, welcher als LTTE-Finanzmittelbeschaffungs- zentrum gelte, das Fehlen von ID -Papieren oder anderen Dokumenten, die Asylgesuchstellung im Ausland oder die Ver wandtschaft mit einem LTTE-Mitglied. Gleichzeitig hält der EGMR fest, dass dem Umstand g e- bührende Beachtung geschenkt werden müsse, dass diese einzelnen Faktoren, für sich alleine betrachtet, möglicherweise kein "real risk" da r- stellten, jedoch bei einer kumulativen Würdigung diese Schwelle er reicht sein könnte, namentlich unter der weiteren Berücksichtigung der aktu - ellen, gegebenenfalls erhöhten, Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der im Lande herrschenden allgemeinen Lage. D-3682/2012 Seite 11 Was die Prüfung derartiger Risikofaktore n betreffend den Beschwerd e- führer anbelangt, kann an dieser Stelle – zwecks Vermeidung von Wi e- derholungen – auf die vorangegangenen Erwägungen verwiesen werden, aus welchen sich ergibt, dass er keiner Risikogruppe zuzurech nen ist. Weder die allgemeine M enschenrechtssituation in Sri Lanka noch in divi- duelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers las sen demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als un zuläs- sig erscheinen. An dieser Einschätzung vermögen auch neuste Quellen zur Rückkehrgefährdung von tamilischen Asylsuchenden in ihr Heimat - land nichts zu ändern (vgl. "We will teach you a lesson": HRW, Fe bruar 2013; "Bulletin: Treatment of Returns", UK Home Office Border Agency, Dezember 2012). Nach dem Gesagten ist der Voll zug der Wegwei sung entgegen den nicht fundierten Beschwerdevorbringen sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung insbeson- dere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Person bei ei - ner Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefährdung ausge - setzt wäre. 9.3.1 Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewen - det, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels persönli- cher Verfolgung weder die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft noch jene des völker rechtlichen Non -Refoulement-Prinzips erfüllen, je - doch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allge - meiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weite- ren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesund- heitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1, mit weiteren Verweisen). 9.3.2 In der angefochtenen Verfügung hielt das BFM zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges fest, eine Rückkehr des Be schwerdeführers nach B._______ sei grundsätzlich zumut bar. Als junger Mann habe er dort ein tragfähiges Beziehungsnetz. Er habe eine gesicherte Wohnsitu a- tion und die Möglichkeit, sich eine wirt schaftliche Lebensgrundlage au f-D-3682/2012 Seite 12 zubauen. In der Beschwerde wird demge genüber auch an der Unzumu t- barkeit des Vollzugs festgehalten. 9.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im erwähnten Urteil vom 27. Ok- tober 2011 eine neue Beurteilung der allgemeinen Lage sowie der Nord - und Ostprovinzen Sri Lankas unter dem Sicherheits aspekt vorgenommen und hat dazu im Wesentlichen das Fol gende festgehalten: Gemäss über- einstimmenden Berichten ist heute von einer seit Ende des be waffneten Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 erheblich verbesserten Sicherheitslage in Sri Lanka auszuge hen, auch wenn sich das Land immer noch in einem Entwi cklungsprozess befindet. Auch vom UNHCR wird diese Einschät zung bestätigt. Die Lage präse n- tiert sich jedoch nicht in allen Landestei len gleich: In den Nord - und Ost- provinzen hat sich jedoch die Lage nach übereinstimmenden Quellen weitgehend stabilisiert und normalisiert. Die seit 2009 erfolgte Entspa n- nung der Sicherheitslage ist auch für die lokale Bevölkerung spürbar, und der Fortschritt ist erkennbar geworden: Die Infra struktur wird ausgebaut (Aufbau neuer Strassen und Brücken sowie Elektrizitäts - und Fernmelde- leitungen). Beobachter sprechen in diesem Zu sammenhang von gros s- angelegten Entwicklungsprojekten (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.1 mit weit e- ren Hinweisen). 9.3.4 Angesichts der neusten Lagebeurteilung erscheint der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführer s nach B._______ als zumutbar. Er wird dort wieder soziale Anknüpfungspunkte und eine Wohngelegenheit haben. Er besuchte elf Jahre die Schule und arbeitete als Mechaniker; re- levante gesundheitliche Probleme werden nicht gel tend gemacht . Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumut- bar. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisung svollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). D-3682/2012 Seite 13 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären die Verfahren s- kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch das Gesuch um Gewäh rung der unentgeltlichen Prozessführung mit In struktionsverfügung vom 17. Juli 2012 gutgeheissen; auf grund der Akten besteht kein Anlass, auf diesen Entscheid zurückzukommen. (Dispositiv nächste Seite) D-3682/2012 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: