Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Oktober 2012 (730 12 71 / 267) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Anspruch auf Übernahme der Kosten eines stationären Aufenthaltes im Kurhotel Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschreiber Pa scal Acrémann Parteien A.____, vertreten durch Andreas Meier, Recht sanwalt, Scherrer Vetsch Meier, Kleinwangenstrasse 7, 6281 Hochdorf gegen B____ AG , Postfach 8624, 3001 Bern, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1963 geborene A.____ ist bei der B____ AG ge setzlich für Krankenpflege versi- chert. Die behandelnde Ärztin Dr. C.____, FMH Allgeme ine Innere Medizin, verordnete am 4. März 2010 ab 15. März 2010 für die Dauer von zwei b is vier Wochen eine Erholungskur im Kurhotel D.____. Gleichzeitig überwies sie die Versicher te an dipl. psych. E.____ zur psycholo- gischen Betreuung. Nach Angaben von Dr. C.____ litt A.____ an einer Erschöpfungsdepression bei einer Burnout-Situation. Vom 15. März 2010 bis 3. April 2010 war A.____ zu einem stationä- ren Aufenthalt im Kurhotel D.____. Mit E-Mail vom 16 . März 2010 und Schreiben vom 16. April Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2010 hielt die B____ AG fest, dass die Voraussetzungen fü r die Übernahme einer stationären Erholungskur nicht erfüllt seien und deshalb keine Leistungen erbracht würden. Falls der statio- näre Aufenthalt der Rehabilitation diene, sei ein e rneutes Gesuch um Kostengutsprache einzu- reichen. Daraufhin ersuchte Dr. C.____ beim vertrauens ärztlichen Dienst mit undatiertem Ge- such (Eingang 27. April 2010) um Kostengutsprache für d en dreiwöchigen Rehabilitationsauf- enthalt im Kurhotel D.____. Mit Schreiben vom 29. Apr il 2010 teilte die B____ AG Dr. C.____ mit, dass bei A.____ keine akute stationäre Rehabilitat ionsbedürftigkeit bestehe. Zudem seien die ambulanten Therapiemöglichkeiten nicht ausgeschöpft worden. Das Gesuch um Kostengut- sprache für eine stationäre Rehabilitation werde deshal b abgewiesen. Auf Intervention der Ver- sicherten hin hielt die B____ AG mit Verfügung vom 15. März 2011 an ihrem Entscheid fest. Die hiergegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 26. Januar 2012 ab. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Meier, am 24. Februar 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Ab teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Aufhebung des Ein spracheentscheides vom 26. Januar 2012 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, für di e medizinischen Kosten und die Pensi- onskosten des Aufenthaltes im Kurhotel D.____ vom 15. Mä rz 2010 bis 3. April 2010 vollum- fänglich aufzukommen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die Frage der stationären Behandlungsbedü rftigkeit der Beschwerdeführerin im Frühling 2010 genauer abkläre; unter o/e- Kostenfolge . Zur Begründung führte sie im Wesentli- chen an, aufgrund einer Fehlinformation der B____ AG habe die Beschwerdeführerin den stati- onären Aufenthalt im Kurhotel D.____ im Glauben ang etreten, die Versicherung komme für die Kosten auf. Folglich habe die B____ AG für den finanzi ellen Schaden aufzukommen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin seien die ambulant en Behandlungsmöglichkeiten er- schöpft und eine stationäre Behandlungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin zu bejahen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 24. April 2012 schloss die B____ AG auf Abweisung der Beschwerde. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 60 A bs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ver- fügungen und Einspracheentscheide eines Sozialversicherungsträgers beim zuständigen Versi- cherungsgericht innerhalb von 30 Tagen Verwaltungsgeri chtsbeschwerde erhoben werden. Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicherung sgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zum Zeitpunkt der Beschwerdee rhebung ihren Wohnsitz hat. Die örtliche und gemäss § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 auch die sachl iche Zuständigkeit des Kan- tonsgerichts, ist vorliegend somit gegeben. Auf die f rist- und formgerecht eingereichte Be- schwerde ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Vorliegend beträgt der Streitwert weniger als CH F 10'000.--, sodass gemäss § 55 Abs. 1 VPO die präsidierende Person der Abteilung Sozi alversicherungsrecht des Kantonsge- richts entscheidet. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Überna hme der Kosten des stationären Auf- enthaltes im Kurhotel D.____ vom 15. März 2010 bis 3. A pril 2010 aus der obligatorischen Krankenversicherung. 3.1 Art. 24 des Bundesgesetzes über die Krankenversiche rung (KVG) vom 18. März 1994 verpflichtet die Krankenkassen, aus der obligatorischen Kran kenpflegeversicherung die Kosten für die in Art. 25-31 KVG aufgelisteten Leistungen na ch Massgabe der in Art. 32-34 KVG fest- gelegten Voraussetzungen zu übernehmen. 3.2 Zum Leistungsbereich gemäss Art. 25-31 KVG gehören die Kosten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG). Diese Leistungen umfassen nach Art. 25 Abs. 2 KVG unter anderem die Untersu- chungen, Behandlungen und Pflegemassnahmen, die ambula nt, bei Hausbesuchen, stationär, teilstationär oder in einem Pflegeheim durchgeführt werden (lit. a), die ärztlich durchgeführten oder angeordneten Massnahmen der medizinischen Rehabili tation (lit. d) und den Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung eines Spitals (lit. e). 3.3 In Art. 32 Abs. 1 KVG wird als generelle Vorausset zung für die Leistungspflicht aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verlangt, dass die Leistungen nach den Artikeln 25-31 KVG wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind. Das Gebot der Wirtschaftlichkeit be- sagt, dass die Krankenversicherer die Leistungen auf das Mass zu beschränken haben, das für den Behandlungszweck erforderlich ist. Demnach haben sie do rt, wo gleichzeitig mehrere Massnahmen als wirksam und zweckmässig zu qualifizieren sind, nu r für die kostengünstigere dieser Massnahmen aufzukommen (vgl. RKUV 1999 KV Nr. 64 S. 67 f. E. 3a+b mit Hinweisen). Anwendungsfall des Wirtschaftlichkeitsgebotes bei der Frage nach der Leistungspflicht für stati- onäre Behandlungen in einem Spital - d.h. in einer Einrichtung, die der stationären Behandlung akuter Krankheiten oder der stationären Durchführung vo n Massnahmen der medizinischen Rehabilitation dient (vgl. Art. 39 Abs. 1 KVG) - ist das Erfordernis der Spitalbedürftigkeit. Die Spitalbedürftigkeit wird vom Eidgenössischen Versicherung sgericht (EVG; heute: Bundesge- richt: sozialrechtliche Abteilungen) dahingehend umschrieb en, dass eine Krankheit vorliegen muss, die eine Akutbehandlung oder eine medizinische Reh abilitation unter Spitalbedingungen erforderlich macht. Spitalbedürftigkeit in diesem Sinn e ist nach der höchstrichterlichen Recht- sprechung einerseits dann gegeben, wenn die notwendigen diagnostischen und therapeuti- schen Massnahmen nur in einem Spital zweckmässig durchgefüh rt werden können und an- dererseits auch dann, wenn die Möglichkeiten ambulant er Behandlung erschöpft sind und nur noch im Rahmen eines Spitalaufenthaltes Aussicht auf einen Behandlungserfolg besteht. Dabei kann eine Leistungspflicht für den Spitalaufenthalt a uch dann bestehen, wenn der Krankheits- zustand der versicherten Person einen solchen Aufenthalt nicht unbedingt erforderlich macht, die medizinische Behandlung jedoch wegen besonderer per sönlicher Lebensumstände nicht anders als im Spital durchgeführt werden kann (BGE 126 V 326 E. 2b mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Der Begriff der medizinischen Rehabilitation im Si nne von Art. 25 Abs. 2 lit. d KVG wird im Gesetz nicht näher umschrieben. Nach der Definition in Lehre und Rechtsprechung ist dar- unter die Therapie zur Nachbehandlung von Krankheiten zu verstehen. Die medizinische Reha- bilitation schliesst damit entweder an eine eigentliche Krankheitsbehandlung an und bezweckt, die durch die Krankheit oder durch die Behandlung selbst bewirkte Beeinträchtigung der körper- lichen oder geistigen Leistungsfähigkeit mit Hilfe med izinischer Massnahmen ganz oder teilwei- se zu beheben oder sie dient insbesondere bei Chronisch kranken der Erhaltung und allenfalls Verbesserung des verbliebenen Funktionsvermögens. Die Rehabilitation kann ambulant, teilsta- tionär, in einer Kuranstalt, in einem Pflegeheim oder in einer spezialisierten Rehabilitationsklinik erfolgen. Dabei muss für Rehabilitationsmassnahmen, die stationär in einer Rehabilitationsklinik durchgeführt werden, wie bereits dargelegt, eine Spit albedürftigkeit vorliegen; ob dies der Fall ist, beurteilt sich hier nach der notwendigen Behandlungsintensität, dem Behinderungsgrad, der Pflegebedürftigkeit und der Schwere des Hauptleidens od er zusätzlich komplizierender Krank- heiten (vgl. BGE 126 V 326 E. 2c). Die Rehabilitation zielt somit auf die Nachbehandlung desje- nigen Krankheitsbildes, das bereits Gegenstand der vora ngegangenen Behandlung war. Geht es um eine psychiatrische Rehabilitation, muss demzufolge vor erst eine eigentliche psychiatri- sche Krankheitsbehandlung stattgefunden haben (vgl. Urte il des Bundesgerichts vom 3. April 2008, 9C_824/2007, E 3.3.1). Gemäss Anhang 1 Ziff. 11 der Verordnung des EDI über Leistun- gen in der obligatorischen Krankenversicherung (Kranken pflege-Leistungsverordnung [KLV] vom 29. September 1995) bedürfen stationäre Rehabili tationen einer vorgängigen besonderen Gutsprache des Versicherers mit einer ausdrücklichen Bewi lligung des Vertrauensarztes oder der Vertrauensärztin. 4. Für die Beantwortung der Frage, ob die Beschwerde gegnerin die Kosten für die statio- näre Behandlung der Beschwerdeführerin im Kurhotel D .____ vom 15. März bis 3. April 2010 übernehmen muss, ist die rechtsanwendende Behörde – di e Krankenversicherung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, d ie vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Ver- fügung zu stellen sind. Solche ärztliche Stellungnahmen sind, wie alle Beweise im Sozialversi- cherungsprozess, von der rechtsanwendenden Behörde frei sowie umfassend und pflichtge- mäss zu würdigen (F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983 , S. 278). Dabei ist für den Beweiswert grundsätzlich we der die Herkunft eines Beweismittels, noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftra g gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt ausschlaggebend. 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falls liegen folgende medizinische Unterlagen vor: 5.1 Im Bericht der Privatklinik D.____, vom 28. April 2 010 diagnostizierte Dr. med. F.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, ein Burnout-Syndrom und einen Verdacht auf eine Facettengelenkblockierung L3/4 rechts. Die Versi cherte leide seit Beginn des Jahres 2010 unter einem Burnout-Syndrom und einer damit zusa mmenhängenden Erschöpfungsde- pression. Neben der Mehrfachbelastung durch Haushalt, Familie und Berufstätigkeit seien mög- licherweise Umstrukturierungen im Arbeitsumfeld dafür verantwortlich zu machen. Seit Anfang Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Februar 2010 sei die Patientin arbeitsunfähig und befinde sich in psychologischer Mitbetreuung. Momentan stünden eine ausgeprägte Müdigkeit und Kopf schmerzen im Vordergrund. Als Re- habilitationsziele nannte Dr. F.____: Erholung, Stabi lisierung des psychischen Gesundheitszu- standes und Vermittlung rückengerechten Verhaltens. Es se ien Krankengymnastik, Bewe- gungstherapie im Thermalbad, klassische Massage und Kranio sakraltherapie durchgeführt so- wie Entspannungstechniken vermittelt worden. Zudem sei die Versicherte psychologisch mitbe- treut worden. Sie habe sich während des Aufenthaltes recht gut erholen können. Als besonders wertvoll habe sie die psychologische Mitbetreuung empfun den. Die Schmerzen in der unteren Lendenwirbelsäule (LWS) seien am ehesten im Rahmen e iner Facettengelenksarthrose zu se- hen. Auch hier hätten sich die Beschwerden durch die Therapie deutlich gebessert. 5.2 Auf Aufforderung der Versicherung hin, hielt Dr. C.____ am 7. Juni 2010 betreffend das Erfordernis einer stationären Rehabilitation fest, dass die Versicherte wegen der Erschöpfungs- depression resp. Burnout-Syndrom sowie der Exacerbarti on von chronisch rezidivierenden Rü- ckenbeschwerden kurz vor der Dekompensation gestanden habe. Probleme am Arbeitsplatz hätten "das Fass zum Überlaufen gebracht". Die Versichert e sei psychisch wie physisch an die Grenze der Belastbarkeit angelangt. Anstelle einer Akut-Hospitalisation hätten sie sich in einem gemeinsamen Gespräch für eine rasche Reha-Behandlung entschlossen. Die Situation habe einer rasche Reaktion erfordert, ansonsten eine Notfal leinweisung nötig geworden wäre. Die Situation habe nicht ambulant gelöst werden können; die Versicherte habe dringend eine Aus- zeit benötigt, zumal auch familiär eine überdurchschnittliche Belastung (Kind im Jugendalter mit ADHS) bestünde. Hinsichtlich vorgängiger ambulanter Therapien hielt Dr. C.____ fest, dass die Versicherte seit Jahren wegen Rückenbeschwerden in Behandl ung sei und zur Stabilisation wiederholt Physiotherapien benötigt habe. Sie habe bereits im Januar 2010 die Arbeit unterbre- chen müssen um sich etwas zu erholen. Sie stehe seither auch unter antidepressiver Therapie. Die Versicherte habe lange die Symptome ignoriert und sie habe erst in einem fortgeschrittenen Stadium ärztliche Hilfe angefordert, was aber die ambulante Therapie erschwert habe. 5.3 Mit Schreiben vom 17. November 2010 teilte Dr. C .____ dem Vertrauensarzt der B____ AG, Dr. G.____, ihr Unverständnis und Befremden für den ablehnenden Kostenent- scheid mit. Es widerspreche jedem gesunden Menschenverstand, die Patientin dafür zu bestra- fen, dass sie alles versucht habe, um die Kosten gering zu halten und sich mit grosser Willens- anstrengung ambulant durchgebissen habe, bis es nicht meh r gegangen sei. Die Patientin sei ihr persönlich bestens bekannt und sie könne ihm versichern, dass diese wirklich "am Rande des Abgrundes" gestanden habe. Als Alternative wäre nur die Notfalleinweisung ins Akutspital übrig geblieben. Die Versicherte sei zufolge starker Schm erzen und eines massiven Burnout- Problems wegen multiplen Problemen im beruflichen und familiären Umfeld am Ende ihrer Kräf- te gewesen. 6.1 Zunächst steht aufgrund der glaubwürdigen Angaben der Hausärztin Dr. C.____ fest, dass bei der Versicherten im Januar 2010 ein psychophysische r Erschöpfungszustand vorlag und sie kurz vor der Dekompensation stand. Hintergrund w ar eine Mehrfachbelastung durch Haushalt, Familie sowie Probleme am Arbeitsplatz. Sei t Mitte 2010 wird die Versicherte von dipl. psych. E.____ psychologisch betreut. Weiter steht d ie Versicherte seit Jahren wegen Rü- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ckenbeschwerden in Behandlung und benötigt wiederholt Physiotherapien. Hinsichtlich der Notwendigkeit einer stationären Rehabilitation führt Dr. C.____ im Wesentlichen aus, die Situa- tion habe eine rasche Reaktion erfordert, ohne die eine Notfalleinweisung nötig geworden wäre. Sie hätten sich in einem gemeinsamen Gespräch anstelle einer Akut-Hospitalisation für eine Reha-Behandlung entschlossen. Die Situation habe nicht ambulant gelöst werden können; die Versicherte habe dringend eine Auszeit benötigt. Demgeg enüber verneint die B____ AG einen Anspruch auf Kostenübernahme der stationären Rehabili tation. Vor Eintritt in das Kurhotel D.____ habe sich die Versicherte weder einer eigentlich en adäquaten psychischen Krankheits- behandlung bei einem Facharzt unterzogen, noch sei eine Spitalbedürftigkeit ausgewiesen. 6.2 Wie oben (vgl. E. 3.4 hiervor) ausgeführt, besteht das besondere Merkmal der medizi- nischen Rehabilitation gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. d KVG darin, dass die Behandlung der Krank- heit an sich abgeschlossen ist und Therapieformen zur Nach behandlung von Krankheiten zur Anwendung gelangen. Demnach ist bei der hier im Vorde rgrund stehenden psychiatrischen Rehabilitation eine eigentliche psychiatrische Krankheitsb ehandlung vorausgesetzt. Nach den vorliegenden medizinischen Unterlagen ist mit der Beschwerdegegnerin festzustellen, dass eine solche nicht durchgeführt wurde. Zwar wird die Versichert e seit März 2010 von dipl. psych. E.____ psychologisch betreut. Weiter wurde ihr von der H ausärztin ein handelsübliches Johan- niskraut-Präparat verabreicht. Eine abgeschlossene fachär ztliche (psychiatrische) Krankheits- behandlung als Voraussetzung für rehabilitative Massnahm en im Sinne von Art. 25 Abs. 2 lit. d KVG wurde aber nicht durchgeführt. Die Ausführ ungen von Dr. C.____ in den Berichten vom 7. Juni 2010 und 17. November 2010, wonach die Ver sicherte im März 2010 kurz vor der Dekompensation war und die Situation eine rasche Reakt ion erforderte, ohne die eine Notfall- einweisung nötig geworden wäre, lassen vielmehr darauf schliessen, dass eine akute Behand- lungsbedürftigkeit und nicht eine Nachbehandlung ein er bereits abgeschlossenen Krankheits- behandlung geboten war. Indes belegt der Umstand, dass die behandelnde Ärztin die Versi- cherte nicht in ein Akutspital, sondern in eine Rehabi litationsklinik einwies, dass keine Akutspi- talbedürftigkeit gegeben war. Zwar bezeugt die Tatsa che, dass gemäss den genannten Berich- ten von Dr. C.____ bei der Beschwerdeführerin medizinisc he Massnahmen dringend indiziert waren. Die Notwendigkeit solcher Massnahmen ist aber kein Beleg dafür, dass diese nur statio- när erfolgen konnten. Allein aufgrund der medizinische n Situation gemäss den vorliegenden Unterlagen drängte sich eine stationäre Behandlung som it nicht auf; Dr. C.____ selbst hatte denn zunächst auch keinen eigentlichen medizinischen Rehab ilitationsaufenthalt, sondern eine Erholungskur vorgeschlagen. Sodann finden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die im Kurho- tel D.____ durchgeführten und offenbar wirkungsvollen (vgl. das undatierte Kostengutsprache- gesuch für eine stationäre Rehabilitation) Therapien von ihrer Art oder ihrem Umfang her einen stationären Rahmen erfordert hätten. Jedenfalls ist von der behandelnden Ärztin nicht hinrei- chend dargelegt worden, warum das ambulante Behandlun gspotenzial als ausgeschöpft zu betrachten war. Nach dem Gesagten hat die Beschwerdefü hrerin die Kostengutsprache für den stationären Aufenthalt zu Recht mit der Begründung verweigert, es liege keine akute Rehabilita- tionsbedürftigkeit vor und das ambulante Behandlungspo tenzial sei nicht ausreichend ausge- schöpft worden. Sie durfte fordern, dass vor einer Reha bilitation eine Krankheitsbehandlung vorliegen muss, und dass nachzuweisen ist, dass eine ambulante Rehabilitation nicht ausreicht. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Daraus ist nach dem eben Dargelegten zu folgern, dass k ein Anspruch auf krankenversiche- rungsrechtliche Vergütung der stationären medizinischen Rehabilitation besteht. 7.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe auf grund der Auskünfte, die sie von der Beschwerdegegnerin erhalten habe, insbesondere au fgrund der E-Mail der B____ AG vom 11. März 2010 davon ausgehen können, dass die Kosten für den Aufenthalt im Kurhotel D.____ von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gedeckt s eien. Die Beschwerdegegnerin bestreitet eine unrichtige Auskunft erteilt zu haben. D amit stellt sich die Frage, ob die Be- schwerdeführerin aufgrund einer Verletzung des Vertrau ensschutzes Leistungen aus der obli- gatorischen Krankenpflegeversicherung geltend machen kann. 7.2 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, welcher den Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schüt zt, können falsche Auskünfte von Ver- waltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen ein e vom materiellen Recht abweichen- de Behandlung des Rechtsuchenden gebieten ("Vertrauenssch utz"; vgl. BGE 127 I 36 E. 3a). Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, we nn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; sie für die Erteilung der betreffen- den Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus zureichen- den Gründen als zuständig betrachten durfte; die Perso n die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte; sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gema cht werden können, und die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erf ahren hat. Der Vertrauensschutz kann ferner aufgerufen werden, wenn der Versicherer ein Ve rhalten an den Tag gelegt hat, das bei der versicherten Person berechtigterweise Erwartungen und Hoffnungen geweckt hat, an denen diese nicht zweifeln musste. 7.3 Im vorliegenden Fall teilte die B____ AG der Besc hwerdeführerin mit E-Mail vom 11. März 2010 folgendes mit: "… gemäss Rückfrage bei der Schadensachbearbeiterin sind fol- gende Kurhäuser anerkannt: Kurhaus D.____ und Kurhaus X.____ … Somit können Sie jetzt mit den beiden oben erwähnten Kontakt aufnehmen. Ein e Kostengutsprache können wir aber erst erteilen, wenn uns das ausgewählte Kurhaus eine Kostengutsprache-Anfrage stellt …" . Aus diesen Schreiben lässt sich kein Anspruch auf Vertrauenssc hutz herleiten. Zunächst steht fest, dass die Beschwerdegegnerin für den Aufenthalt im Kurho tel D.____ keine Kostengutsprache erteilt hat. Auch wenn die Beschwerdeführerin in der E-Mail vom 11. März 2010 darauf hinge- wiesen wurde, dass sie mit den anerkannten Kurhäusern Kon takt aufnehmen könne, wird deut- lich, dass der Entscheid betreffend die Übername der Kos ten erst nach Eingang des entspre- chenden Gesuchs des Kurhauses D.____ erfolgt. Unter die sen Umständen konnte die Be- schwerdeführerin nicht nach Treu und Glauben davon aus gehen, dass die Erteilung der Kos- tengutsprache bloss noch Formsache ist. Eine Verletzung des Vertrauensschutzes ist nicht er- sichtlich. Demnach hat die Beschwerdeführerin aus Vertrau ensschutz keinen Anspruch gegen- über der Beschwerdegegnerin auf Übernahme der Kosten für den stationären Aufenthalt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin zu Recht eine Übernahme der Kos- ten für den stationären Aufenthalt im Kurhotel D.__ __ vom 15. März bis 3. April 2010 aus der obligatorischen Krankenversicherung verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 9. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Verfahrensa usgang entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.