B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3616/2011 U r t e i l v o m 4 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Robert Galliker, Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Hans Peter Roth, Büro Timur, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 20. Mai 2011 / N (…). E-3616/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Tamile hi nduistischen Glaubens aus B._______ im Distrikt Jaffna, verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 12. September 2008 über den Flughafen von Colombo und gelangte am 15. September 2008 in d ie Schweiz; am gleichen Tag suchte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nach . Die summarische Befr agung durch das BFM fand am 22. September 2008 statt, die direkte Bundesanhörung erfolgte am 5. Dezember 2008. Zur Begr ündung seines Gesuches führte der Beschwerdeführer an , er habe während des Waffenstillstandes den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) geholfen. Neben seiner (…) habe es ein LTTE -Camp ge- geben, wo er gearbeitet habe. Er sei aufgefordert worden, nach Vanni zu kommen und den LTTE dort zu helfen. Er wolle jedoch nicht hingehen und nach seiner Heirat ein ruhiges Leben führen. Mit der sri -lankischen Armee habe er kein konkretes Problem, allerdings habe er Angst, das s diese irgendwann merken würde , dass er Kontakt mit den LTTE gehabt habe, weshalb es wiederholt zu Hausdurchsuchungen gekommen und er von den Sicherheitskräften misshandelt worden sei. Er sei mehrmals kurz verhaftet worden, weil er in Colombo nicht registriert gewesen sei. Für die weiteren Aussagen wird auf die Akten und die nachfolgenden E r- wägungen verwiesen. B. Mit Verfügung vom 20. Mai 2011 – eröffnet am 24. Mai 2011 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung des ablehnenden Entscheides führte das Bundesamt im Vollzugspunkt aus, da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht angewandt werden . Ferner würden sich aus den Akten keinerlei Hinweise dafür ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den He i- matstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine dur ch Art. 3 der Ko n- vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Men schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Strafe oder Behandlung drohe. E-3616/2011 Seite 3 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri -lankischen Regierung und den separatistischen LTTE sei im Mai 2009 mit deren Niederlage zu Ende g e- gangen. Seither befinde sich das gesamte Land wieder unter Regi e- rungskontrolle, und es sei zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE mehr gekommen. Nach eingehender Überprüfung der Lage in Sri Lanka – unter anderem mittels einer Dienstreise im Herbst 2010 – sei das BFM zum Schluss gekommen, dass sich die allgemeine Sicherheitslage seit Mai 2009 deutlich entspannt habe. Ebenfalls sei festgestellt worden, dass eine Rückkehr auch in den Norden und Osten des Landes grundsätzlich wieder zumutbar sei. Der Beschwerdeführer sei bis zu seiner Ausreise immer im Distrikt Jaffna wohnhaft gewesen. In Anbetracht der obigen Ausführungen erachte das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat somit als zumutbar. Auch seine Familie lebe in diesem Gebiet. Zudem sei er me h- rere Jahre selbständiger (…) mit (…) gewesen. Er verfüge damit sowohl über eine gesicherte Wohnsituation in Jaffna als auch über ein tragfäh i- ges Beziehungsnetz. Gesundheitliche Beschwerden seien keine bekannt. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 24. Juni 2011 beantragte der Beschwerd e- führer durch seinen Rechtsvertreter in materieller Hinsicht die Aufhebung der Dispositivziffern 3 (Wegweisung aus der Schweiz), 4 (Ausreisefrist) und 5 (Vollzugsauftrag an den Kanton C._______) dieser Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung mit der Anweisung, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche sich die angefochtene Verfügung stütze, mittels Quellenangaben offenzulegen, und eventualiter unter Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutba r- keit des Wegweisungsvollzugs die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht beantragte er im Hinblick auf eine Gutheissung der Beschwerde die Kosten - und Entschädigungsfolge zulasten der Vo r- instanz, sodann sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ve r- zichten. An Beweismitteln wurden mehrere Bestätigungsschreiben zu den Akten gegeben. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird in den nachfolgenden E r- wägungen eingegangen. E-3616/2011 Seite 4 D. Mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2011 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses vorderhand verzichtet und festge stellt, dass weitere Verfügu n- gen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen würden. E. Mit Verfügung vom 6. November 2012 teilte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit, der Bericht "Sri Lanka, Erkenntnisse der Diens t- reise 5. bis 17. September 2010" vom 22. Dezember 2011 und die Ste l- lungnahme des Rechtsvertreters vom 21. Februar 2012 im Verfahren E-3408/2011 würden zu den Akten genommen. Des Weiteren räumte er dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein, innert Frist eine Ergänzung und eine Stellungnahme zur Praxisänderung des Bundesverwaltungsg e- richts zu den Akten zu reichen, wovon dieser in der Folge keinen Gebrauch machte. Auf die Einholung einer Vernehmlassung wurde ve r- zichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteil ung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich n ach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Beschwerde sind vo r- liegend erfüllt. E-3616/2011 Seite 5 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unr ichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den Vollzug der von der Vorinstanz angeordneten Wegweisung. Die Verfügung des BFM vom 20. Mai 2011 ist, soweit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung betrifft (Ziffern 1 und 2 des Dispositivs der vorinstanzl i- chen Verfügung), in Rechtskraft erwachsen, und auch die Anordnung der Wegweisung (Ziffe r 3 des Dispositivs) ist nicht mehr zu überprüfen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). Gegenstand des vorli e- genden Verfahrens bildet somit – abgesehen von den formellen Rügen – lediglich die Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, die Vori n- stanz habe die Begründungspflicht verletzt, weil sie die relev anten Her- kunftsländerinformationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, nicht of- fengelegt habe. Insbesondere habe sie es versäumt, nähere Angaben zu ihrer Dienstreise nach Sri Lanka zu machen. Das BFM sei deshalb anz u- weisen, sämtliche Herkunftsländerinf ormationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, mittels Quellenangaben offenzulegen. Der gebotenen Begründungspflicht sei die Vorinstanz auch deshalb nicht in genügendem Masse nachgekommen, weil sie in der angefochtenen Verfügung ohne ausreichende Begrü ndung von der langjährigen Praxis des Bundesve r- waltungsgerichts abgewichen sei. Daher sei die angefochtene Verfügung in den Dispositivpunkten 3, 4 und 5 (recte: 4 und 5) aufzuheben und zur Neubeurteilung der Sache an das Bundesamt zurückzuweisen. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewi r- ken (vgl. EMARK 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; FRITZ GYGI, Bundesverwal- tungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren Hinweisen, S. 287 und 297; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). E-3616/2011 Seite 6 4.2 Der Anspruch der Beschwerdepartei auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 VwVG) umfasst verschiedene Teilgehalte, die als Mitwirkungsrechte und Informationsansprüche au s- gestaltet sind. Zu nennen ist unter anderem das Recht auf Einsicht in die Verfahrensakten (Art. 26-28 VwVG), das der betroffenen Person ermögl i- chen soll, die Grundlagen eines sie betreffenden Entscheids zu kontrollie- ren und gegebenenfalls wirksam und sachbezogen Stellung zu beziehen (vgl. etwa MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 255, m.w.N.; STEPHAN C. BRUNNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, Zü rich/St. Gallen 2008, Art. 26, N 2; KÖLZ/HÄNER, a.a.O., Rz. 295; BERNHARD WALDMANN/MAGNUS OESCHGER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Z ü- rich/Basel/Genf 2009, Art. 26, N 4 ff., 32 f.). Demnach ist den Parteien grundsätzlich Einsicht in die Akten zu gewähren, und dieses Recht darf nur ausnahmsweise verweigert werden. Unter die als Beweismittel di e- nenden Aktenstücke im Sinne von Art. 26 Abs. 1 Bst. b VwVG fallen in s- besondere die im konkreten Fall tatsächlich als Beweismittel herangez o- genen Aktenstücke und zudem alle Unterlagen, welche grundsätzlich g e- eignet sind, in einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen (vgl. dazu BGE 132 V 387 E. 3.2 S. 389, BGE 121 I 225 E. 2a S. 227, BGE 119 Ib 12 E. 6b S. 20; EMARK 1994 Nr. 1 E. 3a; vg l. zudem WALD- MANN/OESCHGER, a.a.O., Art. 26, N 58). Des Weiteren ist im vorliegenden Zusammenhang auf die Begründungspflicht hinzuweisen. Die Begrü n- dung eines Entscheids soll der betroffenen Person die Tatsachen und Rechtsnormen zur Kenntnis bringen, die f ür die entscheidende Behörde massgeblich waren. Damit soll der Adressat des Entscheids ausserdem in die Lage versetzt werden, den Entscheid sachgerecht anzufechten (vgl. FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHWANK, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], a.a.O., Art. 35, N 10, 17). 4.3 Soweit in der Beschwerde gerügt wird, die Vorinstanz habe die B e- gründungspflicht verletzt, indem sie es unterlassen habe, die relevanten Herkunftsländerinformationen, auf welche sie ihren Entscheid stütze, o f- fenzulegen, ist festzuhalten, dass das aus dem verfassungsmässigen An- spruch auf rechtliches Gehör resultierende Recht des Beschwerdeführers auf Information über die wesentlichen Entscheidungsgrundlagen im vo r- liegenden Fall nicht ausreichend gewahrt worden ist. Das BFM wäre u n- ter dem Gesic htspunkt der Begründungspflicht gehalten gew esen, dem Beschwerdeführer die Erkenntnisse über die in der angefochtenen Verf ü-E-3616/2011 Seite 7 gung aufgeführte Dienstreise vom Herbst 2010 mit angemessener Trans- parenz offenzulegen. Die knappe Wiedergabe lediglich der wichtigst en Schlussfolgerungen in der angefochtenen Verfügung wird dem Informat i- onsanspruch des Beschwerdeführers nicht gerecht. Aus dem Gesagten ergibt sich zusammenfassend, dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zu Unrecht keine Einsicht in das Ergebnis der Dienstreise nach Sri Lanka vom September 2010 gewährt und dadurch seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat. Folglich wäre sein An- trag, das BFM sei nach Aufhebung der Dispositivziffern 3, 4 und 5 (re c- te: 4 und 5) der Verfügung vom 20. Mai 2011 anzuweisen, sämtliche Her- kunftsländerinformationen, auf welche es seinen Entscheid stütze, mittels Quellenangaben offenzulegen, diesbezüglich gutzuheissen. Angesichts der Tatsache, dass der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer mit Ver- fügung vom 6. November 2012 mitteilte, der Bericht "Sri Lanka, Erkenn t- nisse der Dienstreise 5. bis 17. September 2010" vom 22. Dezember 2011 und die diesbezügliche Stellungnahme des Rechtsvertreters vom 21. Februar 2012 im Verfahren E -3408/2011 würden zu den Akten g e- nommen, und ihm zusätzlich die Gelegenheit einräumte, innert Frist eine Ergänzung und eine Stellungnahme zur Praxisänderung des Gerichts zu den Akten zu reichen, wovon dieser keinen Gebrauch machte, ist dieser Antrag jedoch hinfällig geworden. Festzustellen ist zudem, dass die Ver- letzung des rechtlichen Gehörs nicht schwerwiegender Natur ist, dem Ge- richt bezüglich des Wegweisungsvollzugs volle Kognition zukommt, der rechtserhebliche Sachverhalt erstellt und die notwendige Entscheidung s- reife gegeben ist, weshalb der gerü gte Verfahrensmangel als geheilt zu betrachten ist. 4.4 Hinsichtlich der Rüge, die Begründungspflicht und der Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör seien verletzt, weil das BFM ohne Begründung von der langjährigen Praxis des Bundesverwaltungsge- richts abgewichen sei, ist Folgendes festzuhalten: Das Bundesamt hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, weshalb es zum Schluss gelangt, dass sich die allgemeine Sicherhe itslage in Sri Lanka nach Ende des bewaffneten Konfliktes zwischen der sri-lankischen Regie- rung und den LTTE im Mai 2009 entspannt habe und sich die Lebensb e- dingungen insoweit verbessert hätten, als eine Rückkehr auch in den Norden und Osten Sri Lankas gru ndsätzlich wieder zumutbar sei, wä h- rend im ehemals von den LTTE kontrollierten Vanni -Gebiet die Leben s-E-3616/2011 Seite 8 bedingungen nach wie vor als sehr schwierig einzustufen seien. Die Vo r- instanz muss sich zwar auch hinsichtlich der Frage der generellen Z u- mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in Herkunftsländer abgewies e- ner Asylsuchender an die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts halten, sie ist aber befugt, mit einlässlicher Begründung von einer bestehenden Praxis abzuweichen, wenn sie diese als anpassungsbedürftig erac htet (vgl. BVGE 2010/54 E. 9.2.1 S. 801 f.). Dass das BFM den Vollzug der Wegweisung in die Nord- und Ostprovinz Sri Lankas aufgrund der jüng s- ten Entwicklungen in Sri Lanka aus den in der Verfügung dargelegten Gründen als zumutbar einschätzt, ist daher nic ht zu beanstanden. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Übrigen kurz nach Erlass der a n- gefochtenen Verfügung in BVGE 2011/24 zur aktuellen Situation in Sri Lanka geäussert und eine Anpassung seiner in BVGE 2008/2 publizierten Praxis vorgenommen, welche mit derjenigen des BFM im Ergebnis wei t- gehend übereinstimmt (vgl. E. 5.4.2 nachstehend). In Anbetracht der in s- gesamt ausgewogenen und differenzierten Erwägungen ist ohnehin nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz ihre Begründungspflicht verletzt h a- ben sollte. 4.5 Bei dieser Sachlage besteht somit keine Veranlassung, die angefoch- tene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb das Bege h- ren des Beschwerdeführers, der Entscheid vom 20. Mai 2011 sei in den Dispositivpunkten 3, 4 und 5 (recte: 4 und 5) aufzuheben und zur Neube- urteilung der Sache an das BFM zurückzuweisen mit der Anweisung, sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche sich die angefocht e- ne Verfügung stütze, mittels Quellenangaben offenzulegen, abzuweisen ist. Der festgestellte V erfahrensmangel wird indessen im Kosten - und Entschädigungspunkt zu berücksichtigen sein (vgl. E. 7 nachstehend). 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 5.2 Bezüglich der Geltendmachung von Wegwei sungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be - weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s-E-3616/2011 Seite 9 tens glaubhaft zu mach en (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 5.3 5.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 Asy lG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Deze m- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e r- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pr axis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 5.3.2 Da rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht ge- lungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Nonrefoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschw erdeführers nach Sri Lan- ka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in sein Heimatland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist ihm nicht g e- lungen. Der Beschwerdeführer gehört keiner in Bezug auf die Flüch t- lingseigenschaft relevanten Risikogruppe an, weshalb nicht davon au s- zugehen ist, ihm drohe im Rahmen der routinemässig en Überprüfung bei E-3616/2011 Seite 10 der Rückkehr diesbezüglich eine unmenschliche Behandlung. Die allg e- meine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). Au fgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den diesbezüglichen Entge g- nungen in der Beschwerde, weil diese nicht geeignet sind, eine andere Beurteilung herbeizuführen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.4 5.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimatland aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festg e- stellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Au f- nahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Auslä n- derinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 5.4.2 Im bereits erwähnten Grundsatzurteil BVGE 2011/24 hat das G e- richt eine aktuelle Analyse der allgeme inen, heute herrschenden S i- cherheits- und politischen Lage in Sri Lanka vorgenommen und die in BVGE 2008/2 publizierte Wegweisungsvollzugspraxis teilweise geändert. Danach hat sich seit dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE im Mai 2009 die allgemeine Lage in Sri Lanka erhe blich verbessert (vgl. a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz ist indessen gebietsweise sehr unterschiedlich. So herrscht in den Gebieten, die bereits seit längerer Zeit unter Regierungskontrolle stehen, das heisst in den Distrikten Jaffna und in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und Mannar (mit anderen Worten: die Nordprovinz u n- ter Ausschluss des sogenannten "Vanni -Gebietes"), keine Situation al l- gemeiner Gewalt. Zudem ist die dortige politische Lage nicht dermassen angespannt, dass eine Rüc kkehr dorthin als generell unzumutbar eing e- stuft werden müsste. Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor fragilen Lage drängt sich aber beim Wegweisung s- vollzug in dieses Gebiet eine sorgfältige, zurückhaltende Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien auf. Nebst der allgemeinen Zumu t- barkeit (u.a. sozioökonomische und medizinische Aspekte, Kindeswohl etc.) ist dabei auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu tr a- gen. Für Personen, die aus der Nordprovinz stamme n und dieses Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009 verlassen haben, E-3616/2011 Seite 11 ist der Wegweisungsvollzug (zurück) in dieses Gebiet als grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die betreffende Person auf die g leiche oder auf eine gleichwertige L e- bens- und Wohnsituation zurückgreifen kann, die im Zeitpunkt der Ausrei- se geherrscht hat und dem Wegweisungsvollzug nichts im Wege steht. Liegt der letzte Aufenthalt der betreffenden Person in der Nordprovinz i n- dessen l ängere Zeit zurück (vor Beendigung des Bürgerkrieges im Mai 2009) oder ergeben sich aus den Akten konkrete Hinweise auf eine massgebliche Veränderung der Lebensumstände seit der Ausreise, sind die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse sorgfälti g abz u- klären und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges hin zu übe r- prüfen. In diesem Zusammenhang erscheinen namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums sowie der Wohn situation als massgeb- liche Faktoren. Falls solche begünstigende Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, ist eine zumutbare Aufenthaltsalternative im übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo, zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 13.2.1). 5.4.3 Der junge und – soweit aktenkundig – gesunde Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna, wo er bis kurz vor seiner Ausreise aus Sri Lanka im Jahre 2008 lebte. Mit seinen Eltern und (…) Brüdern, welche gemäss seinen eigenen Angaben ebenfalls in besagtem Dist rikt leben, verfügt er dort über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz und au s- serdem über Berufserfahrung als (…) mit (…) (vgl. Akten BFM A1/10 S. 3), welche Umstände es ihm ermöglichen sollten, eine neue Existen z- grundlage aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass er die in BVGE 2011/24 statuierten Kriterien für eine Bejahung der Zumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs erfüllt. Blosse soziale und wirtschaftl i- che Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgeme i- nen betroffen ist, genügen nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Ent- gegen den Vorbringen in der Rechtsmittelschrift ist somit nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat in eine existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht als z u- mutbar. 5.5 Schliesslich obliegt es dem Beschw erdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls zusätz- lich benötigten Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), E-3616/2011 Seite 12 weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 6. Aus diesen Erwägun gen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. 7. 7.1 Die Kosten des Verf ahrens sind grundsätzlich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen wurde in der Beschwerde zu Recht ein Verfahrensmangel gerügt, der durch die Rechtsmittelinstanz geheilt werden musste. Es erscheint daher gerechtfertigt, die Verfahrenskosten in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu ermäss i- gen (vgl. dazu ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, S. 212, Rz. 4.60). Eine Reduktion der Verfahrenskosten auf Fr. 400. – erscheint angemessen. 7.2 Angesichts des soeben Gesagten ist dem Beschwerdeführer schliesslich trotz des Umstandes, dass e r im Beschwerdeverfahren mit seinen Rechtsbegehren nicht durchgedrungen ist, eine angemessene Parteientschädigung für die ihm aus der Beschwerdeführung erwachs e- nen notwendigen Kosten zuzusprechen. Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann jedoch verzichtet werden, da im vorliegenden Verfahren der Au f- wand für das Beschwerdeverfahren zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmung, unter Be rücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist das BFM anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 400.− (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten. E-3616/2011 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 400. – werden dem Beschwerdeführer auf - erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung von Fr. 400.– zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, an das B FM und an das Migrationsamt des Kantons C._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand: