<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <a name="idp356352"></a><div class="big bold">Urteilskopf</div> <br/>142 III 321<br/><br/><br/><div class="paraatf">41. Auszug aus dem Urteil der I. zivilrechtlichen Abteilung i.S. A. gegen B. AG (Beschwerde in Zivilsachen)</div> <div class="paraatf">4A_524/2015 vom 31. März 2016</div> <a name="idp357712"></a><br/><div id="regeste" lang="de"> <div class="big bold">Regeste</div> <br/><div class="paraatf">Ermächtigung zur Ersatzvornahme (<span class="artref">Art. 98 Abs. 1 und <artref id="CH/220/366/2" type="start"></artref>Art. 366 Abs. 2 OR</span><artref id="CH/220/98/1" type="end"></artref>; Art. 221 Abs. 1 lit. b, Art. 236 Abs. 3, Art. 250 lit. a Ziff. 4, <span class="artref">Art. 337 Abs. 1, <artref id="CH/272/338/1" type="start"></artref>Art. 338 Abs. 1, <artref id="CH/272/339/2" type="start"></artref>Art. 339 Abs. 2 und <artref id="CH/272/343/1/e" type="start"></artref>Art. 343 Abs. 1 lit. e ZPO</span><artref id="CH/272/339/2" type="end"></artref><artref id="CH/272/338/1" type="end"></artref><artref id="CH/272/337/1" type="end"></artref>). <div class="paratf">Tragweite von <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> und dessen Umsetzung in der ZPO: Steht die Leistungspflicht nicht fest, kann der Leistungsempfänger nicht direkt auf Ermächtigung zur Ersatzvornahme klagen und die Leistungspflicht vorfrageweise beurteilen lassen. Er muss vielmehr eine Leistungsklage einreichen, die er mit einem Begehren um Anordnung von Vollstreckungsmassnahmen verbinden kann. Oder er kann zunächst ein separates Urteil über die Leistungspflicht erwirken und dieses danach vollstrecken lassen (E. 4 und 5). </div> </div> </div> <a name="idp371024"></a> <a name="idp384928"></a> <br/><div> <a name="idp392272"></a><span class="big bold" id="sachverhalt">Sachverhalt</span> <span class="small">ab Seite 322</span> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="page322"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 321 S. 322</div> </div> <div class="paraatf">Die B. AG (Beklagte, Beschwerdegegnerin) realisierte auf dem Nachbargrundstück von A. (Kläger, Beschwerdeführer) ein Bauvorhaben. Der Kläger macht geltend, die Bauarbeiten hätten auf seinem Grundstück Risse verursacht. Die Beklagte habe ihm anlässlich von gemeinsamen Besichtigungen der Liegenschaften zugesichert, die durch den Bau entstandenen Risse zu beheben, die versprochenen Instandstellungsarbeiten aber nicht erbracht.</div> <div class="paraatf">Der Kläger reichte Klage ein und verlangte im ordentlichen Verfahren, er sei gerichtlich zu ermächtigen, die im Rahmen eines separaten Verfahrens betreffend vorsorgliche Beweisführung nach <span class="artref">Art. 158 ZPO</span> festgestellten Schäden auf Kosten der Beklagten beheben zu lassen (Rechtsbegehren 1). Zudem sei diese zu verpflichten, ihm die durch die vorsorgliche Beweisführung entstandenen die Kosten sowie Schadenersatz zu bezahlen (Rechtsbegehren 2).</div> <div class="paraatf">Sowohl das Regionalgericht Berner Jura-Seeland, als auch das Obergericht des Kantons Bern traten auf die Klage nicht ein, da der geltend gemachte Anspruch auf Ersatzvornahme nach <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> zwingend im summarischen Verfahren zu beurteilen<a name="page323"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 321 S. 323</div> (<span class="artref">Art. 250 lit. a Ziff. 4 ZPO</span>) und keine (im ordentlichen Verfahren zu behandelnde) Leistungsklage auf Behebung der (behaupteten) Schäden mit gleichzeitigem Antrag auf Anordnung einer Vollstreckungsmassnahme (der Ersatzvornahme) gestellt worden sei. Das Bundesgericht weist die gegen den Entscheid des Obergerichts eingereichte Beschwerde ab.</div> <div class="paraatf"> <i>(Zusammenfassung)</i> </div> <br/><div> <a name="idp407888"></a><span class="big bold" id="erwaegungen">Erwägungen</span> </div> <br/><div class="paraatf">Aus den Erwägungen:</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp408848"></a><span class="bold" id="consideration_4.">4. </span>Der Beschwerdeführer stützt seinen Anspruch auf die behauptetermassen anlässlich der Besichtigungen gemachten Zusicherungen, leitet daraus einen Erfüllungsanspruch ab und beruft sich auf <span class="artref">Art. 98 OR</span>. Ob ihm derartige Ansprüche gegenüber der Beschwerdegegnerin zustehen, haben die kantonalen Instanzen nicht beurteilt, da es in ihren Augen bereits an den Eintretensvoraussetzungen fehlte.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp412128"></a><span class="bold" id="consideration_4.1">4.1 </span>In der Lehre ist die dogmatische Qualifizierung der Ersatzvornahme gemäss <span class="artref">Art. 98 OR</span> umstritten. Umstritten ist, ob <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> eine prozessrechtliche Vollstreckungsregel oder eine materiellrechtliche Erfüllungsregel ist. Nach der ersten Ansicht (sog. "Vollstreckungstheorie") richtet sich die Bestimmung nur an den Vollstreckungsrichter und besagt, dass der Gläubiger einer Verpflichtung zu einem Tun von Bundesrechts wegen Anspruch darauf hat, dass ein Leistungsurteil zu einem Tun mittels Ersatzvornahme vollstreckt wird. Die Ermächtigung zur Ersatzvornahme setzt demnach ein rechtskräftiges Leistungsurteil gegen den Schuldner voraus (ROLF H. WEBER, Berner Kommentar, 2000, N. 46 zu <span class="artref">Art. 98 OR</span>; PETER GAUCH, Die Ersatzvornahme nach OR 98 I und viele Fragen zur Nichterfüllung - Ein Entscheid des Luzerner Obergerichts, recht 1987 S. 24 ff., 28; VON TUHR/ESCHER, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, Bd. II, 3. Aufl. 1974, S. 90 f.; KELLERHALS/STERCHI/GÜNGERICH, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, 5. Aufl. 2000, N. 3.a zu <span class="artref">Art. 404 ZPO</span>/BE; GAUCH/SCHLUEP UND ANDERE, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Bd. II, 10. Aufl. 2014, S. 86 Rz. 2515; CLAIRE HUGUENIN, Obligationenrecht, 2012, S. 229 Rz. 812). Nach der zweiten Ansicht (sog. "Erfüllungstheorie") ist die Ersatzvornahme ein Bestandteil des Erfüllungsanspruchs, weil es auch bei der Ermächtigung zur Ersatzvornahme um die Bewirkung der geschuldeten Erfüllungshandlung gehe (WALTER FELLMANN, Die Ersatzvornahme nach <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> - "Vollstreckungstheorie" oder "Erfüllungstheorie", recht 1993 <a name="page324"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 321 S. 324</div>S. 109 ff.; ALFRED KOLLER, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, 3. Aufl. 2009, S. 682 § 44 Rz. 18).</div> <div class="paraatf">In prozessualer Hinsicht ergibt sich aus der "Erfüllungstheorie", dass <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> kein Leistungsurteil voraussetzt; vielmehr kann sich ein Dienstleistungsgläubiger nach dieser Theorie auch ohne Leistungsurteil zur Ersatzvornahme ermächtigen lassen, sofern er rechtswirksam auf das Erbringen der Leistung durch den Schuldner selber verzichtet hat. Der Gläubiger, der den Weg über <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> wählt, muss somit nach der "Erfüllungstheorie" nicht zuerst und gesondert ein Leistungsurteil gegen den Schuldner erstreiten, sondern kann vielmehr direkt die Ermächtigung beantragen, wobei dann vorfrageweise die Verpflichtung des Schuldners festgestellt wird (FELLMANN, a.a.O., S. 116; KOLLER, a.a.O., S. 682 § 44 Rz. 18).</div> <div class="paraatf">Nach der "Vollstreckungstheorie" ergibt sich aus Bundesrecht (<span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span>) lediglich, dass ein Anspruch auf Ersatzvornahme besteht. Vor Inkrafttreten der ZPO bestimmte damit nach gewissen Vertretern dieser Theorie das (kantonale) Prozessrecht, ob ein gesondertes Vollstreckungsbegehren notwendig war oder das Begehren um Ersatzvornahme mit der Leistungsklage verbunden werden konnte (WEBER, a.a.O., N. 85 zu <span class="artref">Art. 98 OR</span>). Andere Autoren scheinen aus <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> von Bundesrechts wegen das Recht auf eine derartige Verbindung der beiden Begehren abzuleiten (GAUCH, a.a.O., S. 28; KELLERHALS/STERCHI/GÜNGERICH, a.a.O., N. 3.a zu <span class="artref">Art. 404 ZPO</span>/BE).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp437568"></a><span class="bold" id="consideration_4.2">4.2 </span>Nach Inkrafttreten der schweizerischen Zivilprozessordnung wird nun darauf hingewiesen, dass <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> seine vollstreckungsrechtliche Umsetzung durch die ZPO und damit durch Bundesrecht erfahre, womit die Kontroverse zwischen "Erfüllungstheorie" und "Vollstreckungstheorie" "jede praktische Bedeutung" (so: FRANZ KELLERHALS, in: Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bd. II, 2012, N. 67 und 74 zu <span class="artref">Art. 343 ZPO</span>) bzw. "an Bedeutung" (so: WOLFGANG WIEGAND, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht, Bd. I, 6. Aufl. 2015, N. 3 zu <span class="artref">Art. 98 OR</span>) verloren habe (vgl. auch LUC THÉVÉNOZ, in: Commentaire romand, Code des obligations, Bd. I, 2. Aufl. 2012, N. 3 zu <span class="artref">Art. 98 OR</span>: "semble désormais tranchée [...]").</div> <div class="paraatf">Gemäss Art. 236 Abs. 3 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 337 Abs. 1 ZPO</span> kann das Erkenntnisgericht im Rahmen der "direkten Vollstreckung" Vollstreckungsmassnahmen anordnen, also den Gläubiger oder einen <a name="page325"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 321 S. 325</div>Dritten direkt zur Ersatzvornahme (<span class="artref">Art. 343 Abs. 1 lit. e ZPO</span>) ermächtigen. Dies setzt nach dem Wortlaut von <span class="artref">Art. 221 Abs. 1 lit. b und <artref id="CH/272/236/3" type="start"></artref>Art. 236 Abs. 3 ZPO</span><artref id="CH/272/221/1/b" type="end"></artref> allerdings einen genügenden Antrag sowohl in der Hauptsache als auch bezüglich der Vollstreckung voraus. Der Gläubiger kann aber auch den Weg der indirekten Vollstreckung wählen und gestützt auf ein Leistungsurteil beim Vollstreckungsgericht ein Gesuch um Ermächtigung zur Ersatzvornahme stellen (Art. 338 Abs. 1 i.V.m. <span class="artref">Art. 343 Abs. 1 lit. e ZPO</span>). Das Vollstreckungsgericht entscheidet im summarischen Verfahren (<span class="artref">Art. 339 Abs. 2 ZPO</span>).</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp458192"></a><span class="bold" id="consideration_4.3">4.3 </span>Es trifft nicht zu, dass die Kontroverse mit dem Inkrafttreten der ZPO jede Bedeutung verloren hat, wie gerade die vorliegend strittige Frage zeigt. Enthält <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> lediglich eine Vollstreckungsregel, hat die Bestimmung mit Blick auf die allgemeinen Regeln über die direkte Vollstreckung kaum mehr praktische Bedeutung (vgl. DANIEL STAEHELIN, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], Thomas Sutter-Somm und andere [Hrsg.], 3. Aufl. 2016, N. 30 zu <span class="artref">Art. 343 ZPO</span>) und hätte der Beschwerdeführer beantragen müssen, (1.) die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Schäden auf seinem Grundstück zu beheben, und (2.) im Unterlassungsfall sei er zur Ersatzvornahme zu ermächtigen. Beinhaltet <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> dagegen einen (anderen) Erfüllungsanspruch, behält die Bestimmung ihre Bedeutung und konnte der Beschwerdeführer direkt auf Ermächtigung zur Ersatzvornahme klagen, wie er es getan hat (vgl. auch THÉVÉNOZ, a.a.O., N. 3 und 12 zu <span class="artref">Art. 98 OR</span>, der die Meinung vertritt, <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> in Verbindung mit <span class="artref">Art. 250 lit. a Ziff. 4 ZPO</span> eröffne dem Gläubiger die Möglichkeit, im summarischen Verfahren nach <span class="artref">Art. 250 lit. a Ziff. 4 ZPO</span> direkt die Ermächtigung zur Ersatzvornahme nach <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> zu verlangen, ohne dass ein Leistungsurteil vorausgehen müsste). Der Beschwerdeführer beruft sich sinngemäss auf die "Erfüllungstheorie", wenn er geltend macht, dem Begehren um Ersatzvornahme sei "von Natur aus ein Leistungsanspruch inhärent".</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp474864"></a><span class="bold" id="consideration_4.4">4.4 </span>In der Lehre wird angenommen, das Bundesgericht habe sich in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2016&amp;to_year=2016&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-III-302%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page302">BGE 130 III 302</a> "der Sache nach für die Vollstreckungstheorie entschieden" (GAUCH/SCHLUEP UND ANDERE, a.a.O., S. 86 Rz. 2515). Nach anderer Auffassung hat sich das Bundesgericht mit <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2016&amp;to_year=2016&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-III-302%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page302">BGE 130 III 302</a> gerade umgekehrt "der Sache nach für die Erfüllungstheorie ausgesprochen" (KOLLER, a.a.O., S. 683 § 44 Rz. 20). Eine klare <a name="page326"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 321 S. 326</div>Stellungnahme lässt sich indessen dem Entscheid weder im einen noch im anderen Sinn entnehmen (ebenso: HEINZ REY, Die privatrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts, veröffentlicht im Jahre 2004, Sachenrecht, ZBJV 143/2007 S. 1 ff., Ziff. 2.1.3 Ersatzvornahme bei Nutzniessung, S. 36 ff., 39 f.). Die Frage wurde bislang nicht entschieden.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp482224"></a><span class="bold" id="consideration_4.4.1">4.4.1 </span>Der Gesetzgeber hätte im Rahmen der Schaffung der Zivilprozessordnung Gelegenheit gehabt, die Frage zu klären. Es entsprach seinem Willen, mit der Schaffung der schweizerischen Zivilprozessordnung das materielle Zivilrecht soweit als möglich von prozessrechtlichen Regeln zu entlasten, also eine Gesamtkodifikation des Prozessrechts zu schaffen (Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], BBl 2006 7407 Ziff. 5.27). Obwohl mit <span class="artref">Art. 343 Abs. 1 lit. e ZPO</span> prozessrechtlich durch ein Bundesgesetz bestimmt wurde, dass ein Entscheid auf eine Verpflichtung zu einem Tun mittels Ersatzvornahme vollstreckt werden kann, wurde <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> nicht wie <span class="artref">Art. 97 Abs. 2 OR</span>, der die Zwangsvollstreckung betrifft, abgeändert. Die bisherige Formulierung von <span class="artref">Art. 97 Abs. 2 OR</span> "Die Art der Zwangsvollstreckung steht unter den Bestimmungen des Schuldbetreibungs- und Konkursrechtes und der eidgenössischen und kantonalen Vollstreckungsvorschriften" wurde ersetzt durch "Für die Vollstreckung gelten die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung und Konkurs sowie der Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO)" (Amtliches Bulletin des Ständerates, AB 2007 S 645). Dass <span class="artref">Art. 98 OR</span> unverändert blieb, spricht an sich eher gegen ein rein vollstreckungsrechtliches Verständnis der Bestimmung. Aus der Beratung ergibt sich aber keine weitere Diskussion und kein Hinweis, dass sich der Gesetzgeber der Frage bewusst gewesen wäre. Andererseits bestimmt <span class="artref">Art. 250 lit. a Ziff. 4 ZPO</span>, dass das summarische Verfahren für die Ermächtigung zur Ersatzvornahme gemäss <span class="artref">Art. 98 OR</span> gelte. Wie der Beschwerdeführer zu Recht selber geltend macht, eignet sich das summarische Verfahren mit seinen beschränkten Beweismitteln (<span class="artref">Art. 254 ZPO</span>) nicht, um vorfrageweise die materiellrechtliche Verpflichtung zu klären. Soweit hier auf <span class="artref">Art. 98 OR</span> Bezug genommen wird, kann damit (entgegen der Auffassung von THÉVÉNOZ, a.a.O., N. 3 und 12 zu <span class="artref">Art. 98 OR</span>) deshalb nur die Ermächtigung zur Ersatzvornahme als Vollstreckungsmassnahme gemeint sein, nachdem die Leistungspflicht bereits beurteilt wurde. <a name="page327"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 321 S. 327</div> </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp503760"></a><span class="bold" id="consideration_4.4.2">4.4.2 </span>KOLLER als Vertreter der "Erfüllungstheorie" argumentiert sodann mit dem systematischen Zusammenhang zu <span class="artref">Art. 366 Abs. 2 OR</span>, welcher anerkanntermassen eine Spezialregel zu <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> sei: <span class="artref">Art. 366 Abs. 2 OR</span> setze voraus, dass der Besteller auf die Leistung des Unternehmers verzichtet und damit dessen Leistungspflicht zum Erlöschen gebracht habe; gleich müsse es sich auch bei <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> verhalten (KOLLER, a.a.O., S. 683 § 44 Rz. 20 i.V.m. <i>demselben</i>, Berner Kommentar, 1998, N. 89 zu <span class="artref">Art. 366 OR</span>).</div> <div class="paraatf">Zutreffend ist, dass die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend <span class="artref">Art. 366 Abs. 2 OR</span> davon ausgeht, dass der Besteller auf die Leistung zu einem Tun (Nachbesserung) verzichtet und dass sich so die ursprüngliche Verpflichtung des Schuldners verwandelt in eine Verpflichtung zur Erstattung der Kosten der Ersatzvornahme. Der ursprüngliche Erfüllungsanspruch wird also durch einen andern Erfüllungsanspruch ersetzt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2016&amp;to_year=2016&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-III-230%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page230">BGE 126 III 230</a> E. 7a/aa S. 233 und ihm folgend: <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2016&amp;to_year=2016&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-III-257%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page257">BGE 141 III 257</a> E. 3.3 S. 259; Urteile 4A_518/2011 vom 21. Dezember 2011 E. 3; 4A_556/2011 vom 20. Januar 2012 E. 2.4). <span class="artref">Art. 366 Abs. 2 OR</span> lehnt sich ("se rattache") zwar insofern an <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> an, als beide Bestimmungen die Ersatzvornahme bei Leistungen zu einem Tun betreffen; im Unterschied zu <span class="artref">Art. 98 OR</span> setzt <span class="artref">Art. 366 Abs. 2 OR</span> aber keine Ermächtigung des Gerichts voraus, um zur Ersatzvornahme zu schreiten (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=22&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=2016&amp;to_year=2016&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=0&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-III-230%3Ade&amp;number_of_ranks=0&amp;azaclir=clir#page230">BGE 126 III 230</a> E. 7a S. 232). Im Unterschied zu <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span>, der das Recht des Gläubigers auf Ermächtigung zur Ersatzvornahme nicht von einer Aufforderung (Mahnung) an den Schuldner, insbesondere nicht von einer Fristansetzung im Sinn von <span class="artref">Art. 107 Abs. 1 OR</span>, abhängig macht, verlangt <span class="artref">Art. 366 Abs. 2 OR</span> sodann ausdrücklich das Ansetzen einer angemessenen Frist mit der Androhung, sonst zur Ersatzvornahme zu schreiten. Nun ist es aber gerade die Tatsache, dass <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> keine solchen Voraussetzungen nennt, aus der die Vertreter der "Vollstreckungstheorie" ableiten, <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> wolle nicht einen unmittelbaren Erfüllungsanspruch auf Ersatzvornahme gewähren (VON TUHR/ESCHER, a.a.O., S. 90 f.; WEBER, a.a.O., N. 47 zu <span class="artref">Art. 98 OR</span>; GAUCH, a.a.O., S. 28). Das erscheint überzeugend. Auch FELLMANN als Vertreter der "Erfüllungstheorie" geht denn davon aus, es bedürfe einer Aufforderung zur Leistung, damit der Schuldner um seine Leistungspflicht wisse, wenn die Zeit der Erfüllung weder durch Vertrag noch durch die Natur des Rechtsverhältnisses bestimmt sei (FELLMANN, a.a.O., S. 116 f.). Er vermag aber nicht zu erklären, weshalb der Gesetzgeber, wenn er denn bei <a name="page328"></a><div class="center pagebreak">BGE 142 III 321 S. 328</div><span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> wie bei <span class="artref">Art. 366 Abs. 2 OR</span> von einer Umwandlung des Realerfüllungsanspruchs in einen Anspruch auf Ersatzvornahme ausgegangen wäre, eine solche Voraussetzung nicht in das Gesetz aufnahm. </div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp545840"></a><span class="bold" id="consideration_4.5">4.5 </span>Aus <span class="artref">Art. 98 Abs. 1 OR</span> kann der Beschwerdeführer somit keinen Anspruch ableiten, direkt auf Ersatzvornahme - unter vorfrageweiser Prüfung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin - zu klagen. Die Vorinstanz ging im Ergebnis zu Recht davon aus, er hätte beantragen müssen, die Beschwerdegegnerin sei zur Beseitigung der von ihr verursachten Schäden zu verpflichten und im Unterlassungsfall sei er zur Ersatzvornahme zu ermächtigen. Das von ihm gestellte Rechtsbegehren lässt sich auch nicht in diesem Sinn interpretieren. So führt er in seiner Replik selber aus, er habe bewusst kein separates Leistungsbegehren gegen die Beschwerdegegnerin gestellt, da aufgrund deren Verhaltens im Vorfeld des Prozesses keine Chancen auf Instandstellung durch diese selber bestanden hätten.</div> <br/><div class="paraatf"> <a name="idp550144"></a><span class="bold" id="consideration_5.">5. </span>Der Beschwerdeführer hätte entweder zuerst im ordentlichen Verfahren ein Leistungsbegehren stellen und, nachdem das Urteil vorlag, in einem zweiten Schritt gestützt auf <span class="artref">Art. 98 OR</span> nach <span class="artref">Art. 250 lit. a Ziff. 4 ZPO</span> die Ersatzvornahme verlangen müssen. Oder er hätte gleichzeitig mit dem Leistungsbegehren gestützt auf <span class="artref">Art. 236 Abs. 3 ZPO</span> für den Fall des Obsiegens ein Begehren um direkte Vollstreckung durch Ersatzvornahme (<span class="artref">Art. 343 Abs. 1 lit. e ZPO</span>) stellen können. Der Beschwerdeführer hat bewusst keine der in der ZPO vorgesehenen Varianten gewählt. Daher ist die Vorinstanz zu Recht auf das Begehren 1 nicht eingetreten. Die Beschwerde ist abzuweisen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird der Beschwerdeführer kosten- und entschädigungspflichtig (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 und <artref id="CH/173.110/68/2" type="start"></artref>Art. 68 Abs. 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/66/1" type="end"></artref>).</div> </div></body></html>