<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 83 S.305</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">305</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>83</b></span> <span class="ft2"><b>Rückstellung für Sozialversicherungsbeiträge (§ 36 Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es besteht handelsrechtlich die Pflicht, für die in der Bemessungspe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>riode der Steuern geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge, soweit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>diese noch nicht definitiv abgerechnet sind, eine Rückstellung zu bil-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den. In der Praxis werden jedoch üblicherweise auch später bezahlte</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Beiträge, für die keine Rückstellung gebildet wurde, zum Abzug zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gelassen. Dabei ist im Einzelfall zu prüfen, ob allenfalls auf Grund</b></span><br/> <span class="ft2"><b>besonderer Umstände eine Aufrechnung periodenfremder Sozialver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sicherungsbeiträge angezeigt ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">28. Januar 2004 in Sachen A.K., RV.2003.50348/K 8303</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Der Rekurrent ist Inhaber der Einzelfirma ,,K." in A. In</span><br/> <span class="ft1">der Erfolgsrechnung 2001 verbuchte er im Konto ,,4070</span><br/> <span class="ft1">AHV/IV/EO-Beiträge" neben den Akontozahlungen für das Jahr</span><br/> <span class="ft1">2001 von Fr. 3'540.-- (und einer Mahngebühr von Fr. 20.--) eine</span><br/> <span class="ft1">Nachtragszahlung für die AHV-Beitragsperioden 1997 bis 2000 von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 12'731.75.</span><br/> <span class="ft1">b) Im Einspracheverfahren beantragte der Rekurrent, der Abzug</span><br/> <span class="ft1">der AHV-Nachtragszahlung sei zu gewähren. Die Vorinstanz ge-</span><br/> <span class="ft1">währte diesen nicht, da Aufwendungen in dem Zeitpunkt zu berück-</span><br/> <span class="ft1">sichtigen seien, in dem sie zu Kosten würden, insbesondere wenn die</span><br/> <span class="ft1">Ausgabenverpflichtung entstünde oder die Wertverminderung ein-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">306</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">trete. Die Sozialleistungen seien aufgrund ihrer gesetzlich festgeleg-</span><br/> <span class="ft1">ten, prozentualen Höhe mit grosser Genauigkeit zu errechnende Kos-</span><br/> <span class="ft1">ten, für die am Ende des Geschäftsjahres Rückstellungen zu bilden</span><br/> <span class="ft1">seien. In der Vernehmlassung führt das Gemeindesteueramt A. er-</span><br/> <span class="ft1">gänzend aus, der Entscheid beruhe nicht in erster Linie auf der Tatsa-</span><br/> <span class="ft1">che, dass es sich ,,nur" um periodenfremden Aufwand handle, son-</span><br/> <span class="ft1">dern, was viel bedeutender sei, um Aufwand der, was die Jahre 1999</span><br/> <span class="ft1">und 2000 betreffe, in die Bemessungslücke falle.</span><br/> <span class="ft1">c) (...)</span><br/> <span class="ft1">3. a) Wie der Rechtsdienst des Kantonalen Steueramtes korrekt</span><br/> <span class="ft1">ausführt, sind ,,(...) die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge,</span><br/> <span class="ft1">auch wenn diese noch nicht definitiv sind, als Verbindlichkeit (wenn</span><br/> <span class="ft1">ihre Höhe schon feststeht), als transitorisches Passivum oder als</span><br/> <span class="ft1">Rückstellung zu bilanzieren". Mit anderen Worten, es besteht han-</span><br/> <span class="ft1">delsrechtlich die Pflicht, für die in der Bemessungsperiode der Steu-</span><br/> <span class="ft1">ern geschuldeten AHV-Beiträge, soweit diese noch nicht definitiv</span><br/> <span class="ft1">abgerechnet sind, eine Rückstellung zu bilden (die neue Steuerpraxis</span><br/> <span class="ft1">2000 S. 57; StE 2001 B 23.44.2 Nr. 3).</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist zu beachten, dass die AHV/IV/EO-Beiträge seit dem</span><br/> <span class="ft1">Jahr 2001 aufgrund der Gegenwartsbemessung festgesetzt werden</span><br/> <span class="ft1">(Art. 22 Abs. 1 AHVV; Art. 3 Abs. 1 IVG; Art. 27 Abs. 2 EOG). Das</span><br/> <span class="ft1">bedeutet, dass der AHV/IV/EO-Beitrag von selbstständig Erwerben-</span><br/> <span class="ft1">den eines Jahres aufgrund des in diesem Jahr erzielten Einkommens</span><br/> <span class="ft1">bemessen wird. Während unter dem alten System der Vergangen-</span><br/> <span class="ft1">heitsbemessung bei der AHV (bei dem das zweit- und drittletzte Jahr</span><br/> <span class="ft1">vor der Beitragsperiode als Bemessungsgrundlage dienten) die Höhe</span><br/> <span class="ft1">des Einkommens der Bemessungsperiode in der Beitragsperiode in</span><br/> <span class="ft1">der Regel bereits feststand, und somit in der Regel kein Rückstel-</span><br/> <span class="ft1">lungsbedarf bestand, muss neu die Höhe der Sozialversicherungsbei-</span><br/> <span class="ft1">träge vom selbstständig Erwerbenden aufgrund seines Ergebnisses</span><br/> <span class="ft1">berechnet und eine entsprechende Rückstellung (unter Abzug der</span><br/> <span class="ft1">Akontozahlungen) gebildet werden.</span><br/> <span class="ft1">Entsprechend wäre der Sozialversicherungsaufwand durch die</span><br/> <span class="ft1">Steuerbehörde anzupassen und eine zusätzliche Rückstellung zu bil-</span><br/> <span class="ft1">den, wenn sie Aufrechnungen vornimmt. Soweit für den Sozialversi-</span><br/> <span class="ft1">cherungsaufwand in der Bemessungsperiode von der steuerpflichti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">307</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gen Person keine Rückstellung gebildet worden ist, wäre dieser bei</span><br/> <span class="ft1">späterer Bezahlung nicht mehr zum Abzug zuzulassen.</span><br/> <span class="ft1">b) Eine Anfrage beim Leiter der Abteilung für natürliche Per-</span><br/> <span class="ft1">sonen des Kantonalen Steueramtes ergab jedoch, dass in der Praxis</span><br/> <span class="ft1">üblicherweise auch später bezahlte Sozialversicherungsbeiträge, für</span><br/> <span class="ft1">die keine Rückstellung gebildet wurde, zum Abzug zugelassen wer-</span><br/> <span class="ft1">den. Dabei sei im Einzelfall zu prüfen, ob allenfalls auf Grund be-</span><br/> <span class="ft1">sonderer Umstände eine Aufrechnung periodenfremder Beiträge an-</span><br/> <span class="ft1">gezeigt sei. So etwa, wenn im Jahr 2001 Nachtragszahlungen der</span><br/> <span class="ft1">Bemessungslückenjahre 1999 und 2000 bezahlt und verbucht worden</span><br/> <span class="ft1">seien, für die in den Jahren 1999 und 2000 keine Rückstellungen ge-</span><br/> <span class="ft1">bildet wurden. Bei Aufrechnungen durch die Steuerbehörde werde</span><br/> <span class="ft1">(im neu geltenden System der Gegenwartsbemessung bei den Sozial-</span><br/> <span class="ft1">versicherungen) auf Antrag der steuerpflichtigen Person eine Rück-</span><br/> <span class="ft1">stellung für die entsprechenden Beiträge zugelassen. Diese Praxis ist,</span><br/> <span class="ft1">obwohl sie nicht im Einklang mit dem Handelsrecht steht, aufgrund</span><br/> <span class="ft1">des provisorischen Charakters von Rückstellungen und da sie der</span><br/> <span class="ft1">Pflicht zur erfolgswirksamen Auflösung einer überhöhten Rückstel-</span><br/> <span class="ft1">lung für Sozialversicherungsbeiträge entspricht, angemessen (so</span><br/> <span class="ft1">auch Zürcher Steuerpraxis 2003 S. 217 betreffend Steueraufwand ei-</span><br/> <span class="ft1">ner juristischen Person).</span><br/> <span class="ft1">4.</span> <span class="ft1">Die Vorinstanz rechnete die Nachtragszahlungen der</span><br/> <span class="ft1">AHV/IV/EO-Beiträge für die Jahre 1997 bis 2000 auf. Aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">vorstehenden Ausführungen erfolgte diese Aufrechnung betreffend</span><br/> <span class="ft1">der Bemessungslückenjahre 1999 und 2000 zu Recht. Dagegen sind</span><br/> <span class="ft1">die Nachtragszahlungen für die Jahre 1997 und 1998 in der Steuerpe-</span><br/> <span class="ft1">riode 2001 zum Abzug zuzulassen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>