<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2019-05-03-5A_948-2018.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>5A_948/2018</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 3. Mai 2019</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>II. zivilrechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Herrmann, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Marazzi, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Levante. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwalt Nermin Zulic, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Definitive Rechtsöffnung, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Zivilkammer, vom 16. Oktober 2018 (ZK 18 311). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.a.</b> Am 9. Januar 2018 stellte die Ausgleichskasse der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA Zürich) beim Regionalgericht Emmental-Oberaargau in der gegen A.________ laufenden Betreibung Nr. xxx (Betreibungsamt Emmental-Oberaargau) das Gesuch um Erteilung der definitiven Rechtsöffnung für den Betrag von Fr. 73'110.90 plus Betreibungskosten von Fr. 103.30. Sie stützte das Gesuch auf ihre Verfügung vom 3. Juli 2014, womit sie A.________ aufgrund von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> zur Leistung von Schadenersatz für nicht bezahlte Sozialversicherungsbeiträge verpflichtet hatte. A.________ erhob die Einrede der Verjährung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.b.</b> Mit Entscheid vom 11. Juni 2018 wies das Regionalgericht das Rechtsöffnungsgesuch ab. Daraufhin gelangte die SVA Zürich an das Obergericht des Kantons Bern, welches ihre Beschwerde am 16. Oktober 2018 guthiess. Es erteilte der SVA Zürich die definitive Rechtsöffnung für den in Betreibung gesetzten Betrag mit Ausnahme der Betreibungskosten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">A.________ ist mit Beschwerde in Zivilsachen vom 16. November 2018 an das Bundesgericht gelangt. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des obergerichtlichen Entscheides und die Verweigerung der definitiven Rechtsöffnung zu Gunsten der SVA Zürich (Beschwerdegegnerin). Eventualiter sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para">Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Obergericht hat auf eine Vernehmlassung verzichtet. Die Antworten sind der Beschwerdeführerin zur Kenntnis übermittelt worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Angefochten ist der Entscheid einer kantonalen Rechtsmittelinstanz, die über ein Rechtsöffnungsbegehren mit einem Streitwert über Fr. 30'000.-- befunden hat. Die Beschwerde in Zivilsachen ist gegeben (<span class="artref">Art. 72 Abs. 2 lit. a, <artref id="CH/173.110/74/1/b" type="start"></artref>Art. 74 Abs. 1 lit. b und <artref id="CH/173.110/75/1" type="start"></artref>Art. 75 Abs. 1 BGG</span><artref id="CH/173.110/74/1/b" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/72/2/a" type="end"></artref>). Dabei handelt es sich um einen Endentscheid (<span class="artref">Art. 90 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-III-115%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page115">BGE 134 III 115</a> E. 1.1), ohne dass die Beschwerdegründe nach <span class="artref">Art. 98 BGG</span> beschränkt sind (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-399%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page399">BGE 133 III 399</a> E. 1.5). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Die im kantonalen Verfahren unterlegene Beschwerdeführerin ist als Schuldnerin von der definitiven Rechtsöffnung besonders berührt und daher zur Beschwerde berechtigt (<span class="artref">Art. 76 Abs. 1 lit. b BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> Mit der vorliegenden Beschwerde kann insbesondere die Verletzung von Bundesrecht gerügt werden (<span class="artref">Art. 95 lit. a BGG</span>). In der Beschwerde ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt (<span class="artref">Art. 42 Abs. 2 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-III-86%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page86">BGE 140 III 86</a> E. 2). Die Verletzung verfassungsmässiger Rechte ist ebenfalls zu begründen, wobei hier das Rügeprinzip gilt (BGE 106 Abs. 2 BGG; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-283%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page283">BGE 143 II 283</a> E. 1.2.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.4.</b> Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (<span class="artref">Art. 105 BGG</span>). Neue Tatsachen und Beweismittel sind nur zulässig als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (<span class="artref">Art. 99 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Die Vorinstanz sah die Voraussetzungen für die Erteilung der definitiven Rechtsöffnung gegeben. Die Verfügung der Beschwerdeführerin genüge den Anforderungen an einen Rechtsöffnungstitel. Die Verjährung richte sich nach der ordentlichen zehnjährigen Frist (<span class="artref">Art. 137 Abs. 2 OR</span>). Die von der Beschwerdeführerin erhobene Einrede der Verjährung erweise sich damit im konkreten Fall als unbegründet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Die Beschwerdeführerin stellt den definitiven Rechtsöffnungstitel nicht in Frage. Die Verjährung sei nach der hierfür massgebenden Bestimmung (<span class="artref">Art. 52 Abs. 3 AHVG</span>) bei Anhebung der Betreibung indes bereits eingetreten, weshalb das Rechtsöffnungsgesuch abzuweisen sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Anlass der Beschwerde bildet die im Rechtsöffnungsverfahren erhobene Einrede der Verjährung. Strittig sind insbesondere die Rechtsgrundlagen für die Verjährung einer Schadenersatzforderung der kantonalen Ausgleichskasse infolge nicht abgelieferter Sozialversicherungsbeiträge. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.</b> Zur Verfügung von Schadenersatzforderungen nach <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> und deren Verjährung sind u.a. die folgenden Grundsätze massgebend. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.1.</b> Beruht die Forderung auf einem vollstreckbaren gerichtlichen Entscheid eines schweizerischen Gerichtes, so kann der Gläubiger beim Richter die Aufhebung des Rechtsvorschlags (definitive Rechtsöffnung) verlangen. Gerichtlichen Entscheiden gleichgestellt sind unter anderem die Verfügungen schweizerischer Verwaltungsbehörden (Art. 80 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. 2 SchKG; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-III-162%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page162">BGE 143 III 162</a> E. 2.1). Der Richter gewährt die definitive Rechtsöffnung, sofern der Schuldner keine Einwendungen dagegen vorbringen kann (<span class="artref">Art. 81 Abs. 1 SchKG</span>). Während der Rechtsöffnungsrichter von Amtes wegen zu prüfen hat, ob die mit dem Gesuch um definitive Rechtsöffnung eingereichten Unterlagen eine vollstreckbare Verfügung darstellen, obliegt es dem Schuldner, durch Urkunden zu beweisen, dass die Schuld seit Erlass des Entscheides getilgt oder gestundet worden ist, oder die Verjährung anzurufen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-III-501%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page501">BGE 124 III 501</a> E. 3a; KREN KOSTKIEWICZ, Schuldbetreibungs- &amp; Konkursrecht, 3. Aufl. 2018, Rz. 590 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.2.</b> Die kantonalen Ausgleichskassen sind seit der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Teilrevision des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (SR 831.10; AHVG) berechtigt, den Schadenersatz gegenüber dem Arbeitgeber für die absichtliche oder grobfährlässige Missachtung von Vorschriften mit einer Verfügung geltend zu machen (<span class="artref"><artref id="CH/831.10/52/4" type="start"></artref><artref id="CH/831.10/52/1" type="start"></artref>Art. 52 Abs. 1 und 4 AHVG</span><artref id="CH/831.10/52/4" type="end"></artref><artref id="CH/831.10/4" type="end"></artref>). Zu den gesetzlichen Pflichten des Arbeitgebers gehört auch die periodische Abrechnung mit der Ausgleichskasse über die abgezogenen und selbst geschuldeten Beiträge (<span class="artref">Art. 51 Abs. 3 AHVG</span>). Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften die Mitglieder der Verwaltung und weitere Personen subsidiär für den Schaden, welcher der Ausgleichskasse aus der Verletzung der Pflichten des Arbeitgebers entstanden ist. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (<span class="artref">Art. 52 Abs. 2 AHVG</span>). Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden (<span class="artref">Art. 52 Abs. 3 AHVG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.3.</b> Das Bundesgericht hat sich mit der Verjährungsfrage in Zusammenhang mit der Arbeitgeberhaftung nach <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> bereits verschiedentlich befasst. So hat es in einem Urteil aus dem Jahre 2015 klar bestätigt, dass es sich bei den Beitragsforderungen nach <span class="artref">Art. 14 Abs. 1 AHVG</span> und den Schadenersatzforderungen nach <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> rechtlich nicht um identische Forderungen handelt. Insbesondere stelle die Schadenersatzforderung eine eigenständige Forderung dar, welche auch in Bezug auf die Verjährung unabhängig vom Schicksal der Beitragsforderung zu beurteilen sei (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-487%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page487">BGE 141 V 487</a> E. 4.1, 4.2 mit Hinweisen). Diesem Urteil ist im Jahre 2004 ein Grundsatzentscheid vorausgegangen, mit dem das Bundesgericht die Bedeutung von <span class="artref">Art. 52 Abs. 3 AHVG</span> in der seit 1. Januar 2003 geltenden Fassung geklärt hat (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-V-4%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page4">BGE 131 V 4</a> E. 3.3). Demnach betrifft die genannte Norm einzig die Festsetzungsfrist von zwei Jahren ab Kenntnis bzw. fünf Jahren ab Ereignis. Davon zu unterscheiden ist die Vollstreckungsfrist, welche hier nicht geregelt ist. An der früheren Praxis, wonach die Vollstreckungsfrist von fünf Jahren für die Beitragsforderungen gemäss <span class="artref">Art. 16 Abs. 2 AHVG</span> auch für die Schadenersatzforderungen massgebend sei, könne - so das Bundesgericht - aufgrund der unterschiedlichen Rechtsnatur der beiden Ansprüche nicht festgehalten werden. Da auch das bereits seit 1. Januar 2003 geltende Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) für die Vollstreckungsfrist keine Lösung vorsehe, bleibe nur die analoge Anwendung der allgemeinen Verjährungsfrist gemäss <span class="artref">Art. 137 Abs. 2 OR</span>, welche bei Anerkennung der Forderung durch Ausstellung einer Urkunde oder Feststellung der Schuld durch ein richterliches Urteil eine zehnjährige Frist vorsieht. Sie entspreche durchaus dem Sinn und Zweck von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span>. Auf diese Weise werde den Ausgleichskassen eher ermöglicht, die oft ansehnlichen Beträge einzutreiben, was bei kürzerer Frist nur teilweise erreicht werden könne. Zudem bestehe für die Rechtssicherheit kein Bedürfnis nach einer kürzeren Frist, da die Verhältnisse mit dem Erlass der Verfügung geklärt seien (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-V-4%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page4">BGE 131 V 4</a> E. 3.4). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.</b> Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin am 3. Juli 2014 eine Verfügung erlassen, mit welcher sie die Beschwerdeführerin und ihren Ex-Ehemann solidarisch zur Zahlung von Fr. 73'444.90 verpflichtete. Es handelt sich um eine Schadenersatzforderung gemäss <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> für nicht geleistete Sozialversicherungsabgaben der inzwischen in Konkurs geratenen B.________ AG mit Sitz in U.________, für welche die beiden als einzelzeichnungsberechtigte Verwaltungsräte tätig waren. Die Verfügung wurde seitens der Beschwerdeführerin nicht angefochten und stellt unbestrittenermassen einen definitiven Rechtsöffnungstitel gemäss <span class="artref">Art. 81 Abs. 1 SchKG</span> dar. Die Beschwerdegegnerin liess der Beschwerdeführerin unter anderem am 29. April 2015 eine Mahnung für den ausstehenden Betrag zukommen. Auf Betreibungsbegehren der Beschwerdegegnerin stellte das Betreibungsamt Emmental-Oberaargau der Beschwerdeführerin am 30. August 2017 den Zahlungsbefehl zu, wogegen diese Rechtsvorschlag erhob. Im anschliessenden Rechtsöffnungsverfahren erhob die Beschwerdeführerin die Einrede der Verjährung. Ob die Vorinstanz die Einrede zu Recht verwerfen durfte, ist im Folgenden zu prüfen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.1.</b> Nach Ansicht der Beschwerdeführerin richtet sich die Verjährung der Schadenersatzforderung ausschliesslich nach <span class="artref">Art. 52 Abs. 3 AHVG</span>. Die letzte verjährungsunterbrechende Handlung sei mit der Mahnung vom 29. April 2015 erfolgt, womit die Verjährung bis am 28. April 2017 gelaufen sei. Im Zeitpunkt der Zustellung des Zahlungsbefehls am 30. August 2017 sei die Forderung der Beschwerdegegnerin bereits verjährt gewesen sei. Sie wirft der Vorinstanz vor, den klaren Wortlaut von <span class="artref">Art. 52 Abs. 3 AHVG</span> missachtet und stattdessen die analoge Anwendung von <span class="artref">Art. 137 Abs. 2 OR</span> vorgezogen zu haben. Mit dieser Ansicht widerspricht die Beschwerdeführerin einzig einer für sie im vorliegenden Fall unvorteilhaften Praxis. Hingegen legt sie nicht dar, weshalb die vom Bundesgericht getroffene Unterscheidung von Festsetzungs- und Vollstreckungsverjährung nicht mit <span class="artref">Art. 52 Abs. 3 AHVG</span> vereinbar sein sollte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.2.</b> Gegen die analoge Anwendung von <span class="artref">Art. 137 Abs. 2 OR</span> bringt die Beschwerdeführerin vor, die Beschwerdegegnerin brauche nicht durch eine "Vollstreckungsverjährung" von 10 Jahren geschützt zu werden. Damit lässt sie ausser Acht, dass es sich bei der Schadenersatzforderung nach <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> um ansehnliche Beträge handeln kann, wie das Bundesgericht in seinem Grundsatzentscheid aus dem Jahre 2004 festgehalten hat. Zudem handelt es sich bei <span class="artref">Art. 137 Abs. 2 OR</span> um eine allgemeine Verjährungsfrist, die auch im Verwaltungsrecht zum Zuge kommen kann (DÄPPEN, in: Kurzkommentar OR, 2014, N. 4 zu Art. 137). So hat das Bundesgericht im Bereich der Zollabgaben eine Lücke festgestellt und sich bei der Vollstreckungsverjährung auf diese Norm berufen (Urteil 5A_152/2012 vom 19. Dezember 2012 E. 4.6.2). Zudem hat es bereits in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-V-4%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page4">BGE 131 V 4</a> E. 3.4 (a.E.) darauf hingewiesen, dass jede kürzere als die zehn Jahre dauernde Frist eine Privilegierung des Schadenersatzschuldners darstellen würde, und es nicht nachvollziehbar wäre, weshalb dieser aus Verschulden Haftende für den von ihm verursachten Schaden nicht ebenso lange soll belangt werden können wie für jede andere Forderung (vgl. <span class="artref">Art. 137 Abs. 2 OR</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.3.</b> Nicht hilfreich ist zudem der Hinweis der Beschwerdeführerin, der Grundsatzentscheid des Bundesgerichts aus dem Jahre 2004 basiere auf einer inzwischen revidierten Fassung von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> und erweise sich damit als überholt. Die angesprochene und seit dem 1. Januar 2012 geltende neue Fassung von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span> (AS 2011 4745; Fassung gemäss Ziff. I des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2011) stellt eine Verdeutlichung der bisherigen vor allem durch die Gerichtspraxis gestalteten Arbeitgeberhaftung dar. Sie weist gegenüber der Fassung aus dem Jahre 2003, von der das Bundesgericht im besagten Urteil ausgegangen ist, keine Änderungen auf, die für die Frage der Vollstreckungsverjährung massgebend sein könnten (Botschaft vom 3. Dezember 2010 zur Änderung des AHVG, BBl 2011 543, S. 560/561). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.4.</b> Damit ist auch dem Hauptargument der Beschwerdeführerin für eine Änderung der bundesgerichtlichen Praxis zur Verjährung der Verantwortlichkeitsansprüche nach <span class="artref">Art. 52 AHVG</span>, nämlich die neue Fassung von <span class="artref">Art. 52 AHVG</span>, die Grundlage entzogen. Eine Praxisänderung kommt gemäss ständiger Rechtsprechung nämlich nur in Frage, soweit ernsthafte Gründe im Raum stehen, die - vor allem im Hinblick auf das Gebot der Rechtssicherheit - umso gewichtiger sein müssen, je länger die als nicht mehr zeitgemäss oder falsch verstandene Rechtsanwendung für angebracht erachtet worden ist. Zudem muss die neue Lösung einer besseren Erkenntnis des Gesetzeszweckes, veränderten äusseren Verhältnissen oder gewandelten Rechtsanschauungen entsprechen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-V-269%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page269">BGE 143 V 269</a> E. 4 mit Hinweis). Das Bundesgericht hat die in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-V-4%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page4">BGE 131 V 4</a> begründete Praxis bisher nicht geändert. Es hat zwar in einem nicht amtlich publizierten Urteil 9C_235/2018 vom 2. Juli 2018 (E. 2.2.1) die Frage angetönt, dann aber mit Hinweis auf die seinerzeitige Berücksichtigung der Materialien bewusst offen gelassen. </div> <div class="para">Die weiteren wichtigen Gründe für eine Praxisänderung liegen nach Ansicht der Beschwerdeführerin in "offensichtlich grösseren Unklarheiten". Dieses allgemein gehaltene Vorbringen ist angesichts des bundesgerichtlichen Grundsatzentscheides aus dem Jahre 2004 nicht nachvollziehbar. Auch der Einwand, das Bundesgericht habe die Frage der Verjährung in einem Vollstreckungsverfahren bisher noch nicht beantwortet, kann nicht überzeugen. Ob die Einrede der Verjährung im Rahmen einer definitiven Rechtsöffnung erhoben wird, wie im konkreten Fall, oder der Schuldner dies auf eine Zahlungsaufforderung der Ausgleichskasse hin tut, ändert an den anzuwendenden Rechtsgrundlagen nichts. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.3.</b> Nach dem Gesagten kann der Vorinstanz keine Verletzung von Bundesrecht vorgeworfen werden, weil sie die Verjährungseinrede der Beschwerdeführerin abgewiesen und der Beschwerdegegnerin die definitive Rechtsöffnung erteilt hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Der Beschwerde ist kein Erfolg beschieden. Ausgangsgemäss trägt die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). Der in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegenden Beschwerdegegnerin ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (<span class="artref">Art. 68 Abs. 3 BGG</span>; Urteil 9C_398/2010 vom 8. Februar 2011 E. 6, nicht publ. in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=41&amp;from_date=02.05.2019&amp;to_date=21.05.2019&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-V-51%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page51">BGE 137 V 51</a>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern, 2. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 3. Mai 2019 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Herrmann </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Levante </div> </div></body></html>