Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Juli 2020 (725 20 53 / 163) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhanges nach der sog. Schleudertraumapraxis aufgrund von erlittenen HWS-Distorsionen im Rahmen zweier Auffahrunfälle. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Daniel Riner, Advo- kat, Steinentorstrasse 13, Postfach 204, 4010 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Advokatur am Bahnhof GmbH, Güterstrasse 106, Postfach 109, 4018 Basel Betreff Leistungen A.a Der 1981 geborene A.____ erlitt am 29. Juli 201 6 einen Auffahrunfall, wobei er sich eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) zuzog. Die Schwe izerische Unfallversicherungsan- stalt (Suva), bei welcher A.____ obligatorisch gegen U nfälle versichert war, erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen. Nachdem Zweifel an d en Beschwerden aufgetaucht waren, erfolgte am 30. März 2017 ein Gespräch mit dem Versiche rten. Zum einen ergab sich hierbei, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass der Versicherte offenbar einen Bericht seines behande lnden Arztes verfälscht hatte. Zum anderen waren Ungereimtheiten bezüglich des Unfallhergangs zu verzeichnen. Die Suva stellte die Leistungen deshalb per 30. März 2017 ein. Infolge weiterer Abklärungen wurden die Leis- tungen mit Schreiben vom 11. Juli 2017 rückwirkend ab 30. März 2017 wieder aufgenommen. A.b Am 7. Oktober 2017 kam es zu einem weiteren Unfall wiederum in Form einer Heckkol- lision, in deren Rahmen der Versicherte erneut eine HW S-Distorsion erlitt. Die Suva erbrachte auch für dieses Ereignis die gesetzlichen Leistungen. Mit Verfügung vom 27. September 2018 stellte die Suva die Leistungen per 31. Oktober 2018 f ür beide Ereignisse ein, und lehnte einen Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer Inva lidenrente und einer Integritätsentschä- digung ab. Als Begründung führte sie im Wesentlichen a n, für die anhaltend geklagten Be- schwerden sei keine organische Ursache nachweisbar, und die Adäquanz sei nach Prüfung der massgebenden Kriterien zu verneinen. Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 31. Dezember 2019 fest. B. Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vertre ten durch Dr. Daniel Riner, Ad- vokat, mit Eingabe vom 30. Januar 2020 Beschwerde beim K antonsgericht des Kantons Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsger icht). Darin beantragte er, in Auf- hebung des angefochtenen Einspracheentscheids seien ihm die gesetzlichen Versicherungs- leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei ein gerichtli ches (medizinisches) Gutachten einzuho- len und der Fall zur Durchführung von weiteren Abklärun gen (u.a. bezüglich des Unfalls vom 29. Juli 2016) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge zzgl. der Kosten des Einspracheverfahrens. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, dass die Kreisarztbeurteilungen, auf welche sich die Leistun gseinstellung der Beschwerdegegnerin stütze, nicht über den erforderlichen Beweiswert verfügt en. Gestützt auf die medizinischen Ak- ten sei aufgrund eines Zusammenspiels der einzelnen F aktoren ein organisches Substrat für die geltend gemachten Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. März 2020 schloss die B eschwerdegegnerin auf Ab- weisung der Beschwerde. D. Im Rahmen einer weiteren Eingabe vom 21. April 20 20 liess der Versicherte einen Be- richt von Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Allg emeine Innere Medizin, vom 20. Ap- ril 2020 ins Recht legen. Am 18. Mai 2020 machte die Beschwerdegegnerin von der Möglichkeit Gebrauch, hierzu Stellung zu nehmen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gerich t und im Weiteren form- und frist- gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Versicherte übe r den 31. Oktober 2018 hinaus An- spruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfal lversicherung (UVG) vom 20. März 1981 hat der Unfallversicherer in der obligato rischen Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs- unfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Per- son Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die ver- sicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses b eträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindes- tens 10 Prozent invalid ist. Der Rentenanspruch entst eht, wenn von der Fortsetzung der ärztli- chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundhe itszustandes der versicherten Per- son mehr erwartet werden kann und allfällige Einglie derungsmassnahmen der Invalidenversi- cherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn f allen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt als erstes voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetret enen Schaden (Krankheit, Arbeits- unfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein na türlicher Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürl ichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ei ngetreten gedacht werden kann. Ent- sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des nat ürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Stö- rungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Pe rson beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitli- che Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinwe isen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natür licher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde − die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht − im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründ ung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im W eiteren voraus, dass zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen S chaden ein adäquater Kausalzusam- menhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lau f der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizufüh- ren, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Erei gnis allgemein als begünstigt erscheint Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammen- hangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzu ng zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen ein es natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Ka usalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwicke lten Regeln vom Gericht zu beurtei- len ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 3.4 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfo lgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kaus alzusammenhang ergebenden Haf- tung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hi er die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1 f., 127 V 103 E. 5b/bb). Liegen keine orga- nisch (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden vor , hat eine besondere Adäquanzprü- fung zu erfolgen. Dabei ist rechtsprechungsgemäss wie folgt zu differenzieren (BGE 127 V 103 E. 5b/bb mit Hinweisen): Hat die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, einen äquivalenten Verletzungsmechanismus oder ein Schädel-Hirntrauma, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BG E 117 V 382 E. 4b), erlitten und liegt in der Folge das für diese Verletzung typische bunte Be schwerdebild vor (diffuse Kopfschmer- zen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Vi- susstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, W esensveränderung usw., BGE 119 V 338 E. 1), so ist die Adäquanz nach Massgabe der in B GE 117 V 359 ff. entwickelten und mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten Grundsätze zu prüfen (s og. Schleudertrauma-Praxis). Liegt kein Unfall mit einem Schleudertrauma oder einer adäq uanzrechtlich äquivalenten Verletzung vor oder fehlt es nach einer solchen Verletzung an dem hierfür typischen bunten Beschwerde- bild, so hat die Adäquanzbeurteilung der Folgeschäden des Unfalls nach den in BGE 115 V 133 ff. (sog. Psycho-Praxis) entwickelten Kriterien zu erfolge n. Der Unterschied besteht darin, dass bei Unfällen mit einem Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolg en verzichtet wird (BGE 134 V 109 E. 6.2.1, 117 V 359 E. 6a in fine), während bei den übrigen Unfällen für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen massgebend sind (BGE 115 V 140 E. 6c/aa). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzt es oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 1 32 V 93 E. 4 mit weiteren Hinwei- sen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an- deren Beweismittel − frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so wie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht gering e Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 5.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes stehen zahlreiche medizinische Akten zur Verfügung, welche allesamt vom Gericht gewür digt wurden. In der Folge werden in- dessen lediglich entscheidrelevante Arztberichte wiedergegeben. 5.2 Im Dokumentationsfragebogen für Erstkonsultation n ach kranio-zervikalem Beschleu- nigungstrauma vom 5. August 2016 im Anschluss an das erste Unfallereignis wurden Kopf- und Nackenbeschwerden sowie Parästhesien am ganzen rechten Arm diagnostiziert und eine voll- ständige Arbeitsunfähigkeit bis zum 7. August 2016 ausgew iesen. Ein am 8. August 2016 ver- anlasstes MRI ergab eine Streckhaltung der HWS sowie e inen partiellen Blockwirbel HWK 2/3. Ansonsten wurden unauffällige Verhältnisse, ohne fassba re Degenerationen, knöcherne Läsio- nen oder neurale Kompressionen, erhoben. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3 In einem Bericht vom 22. September 2016 diagnostiz ierte Dr. B.____ einen Status nach HWS-Distorsion (Heckauffahrkollision im Kosovo) am 29. Juli 2016. Unmittelbar nach dem Aufprall sei es zu heftigen Kopf- und Nackenschmerzen mi t Ausstrahlung in den rechten Arm sowie zu einer vermehrten Übelkeit gekommen. Ferner habe auch initial eine Sensibilitätsstö- rung am rechten Arm bestanden, welche inzwischen wieder weitgehend regredient sei. Der Pa- tient habe weiterhin eine stark eingeschränkte HWS-Beweg lichkeit, v.a. nach rechts, sowie ausgeprägte okzipitale und rezidivierende Schmerzen. Aktuell betrage die Schmerzintensität im Bereich der HWS auf der VAS-Stufe 5-6, je nach Belastung. 5.4 Anlässlich einer ersten kreisärztlichen Kurzbeurteilun g vom 8. Dezember 2016 wurde festgehalten, dass es gemäss vorliegenden Bildgebungen durch das HWS-Schleudertrauma nicht zu unfallkausalen strukturellen Läsionen gekommen se i und neurologisch keine Auffällig- keiten bestünden. Es sei aber Kostengutsprache für die Komplexbehandlungen in der Rehakli- nik C.____ zu bewilligen. 5.5 Im Rahmen einer Untersuchung vom 23. Dezember 20 16 stellte Dr. med. D.____, FMH Neurologie, die Diagnose einer radikulären Reiz- und Ausfallsymptomatik, vermutlich die Wur- zel C8 betreffend. Das MRI vom 8. August 2016 habe damals keine Hinweise auf neurale Kom- pressionen ergeben. Bei konsistent geschilderten Beschwerd en und dazu passendem Befund sowie fehlendem Ansprechen auf Physiotherapie und Chir opraktik sei eine lokale röntgenge- steuerte Infiltration bei einem spezialisierten Anästhesisten zu empfehlen. 5.6 In der Zeit vom 6. Februar bis 3. März 2017 absolvi erte der Versicherte in der Rehaklinik C.____ ein ambulantes Rehabilitationsprogramm. Im hi erzu ergangenen Bericht vom 22. März 2017 wurde bei einem Status nach HWS-Distorsion berichtet, dass es laut Aussagen des Patien- ten im Verlauf der vier Wochen zu einer Zunahme der Na ckenbeschwerden, des Schwindels und der Übelkeit gekommen sei. Er spüre dennoch eine Verbe sserung seiner Kondition sowie auch der Beweglichkeit der HWS. Die Haltung habe durch eine Aktivierung der Rumpfmuskulatur deut- lich verbessert werden können, welche sich vor allem in stat ischen Positionen positiv auswirke. Als Buschauffeur bleibe er bis auf weiteres aufgrund de r ausgeprägten Schwindelproblematik zu 100% arbeitsunfähig. 5.7 Im Rahmen einer kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 4. Juli 2017 führten Dr. med. E.____, FMH Neurologie, und PD Dr. med. F. ____, FMH Neurologie, aus, dass die ausgeprägte Beschwerdezunahme von anfangs noch leichten Schmerzen bis hin zu schweren Schmerzangaben (mit Angabe 6-8 auf einer Schmerzskala m it 10 Punkten), dies zusätzlich un- ter multimodaler Schmerztherapie in einem intensiven ambulanten Rehabilitationssetting, auffäl- lig sei. Ausser einem paravertebralen Muskelhartspann mit Myogelosen hätten keine sicheren neurologischen Ausfälle festgestellt werden können. Die neurologische Untersuchung bleibe ohne sicheren Befund, bei dokumentierter differential diagnostischer Einschätzung pseudoradi- kulärer Schmerzen versus sensibler Wurzelreizsymptomatik C8 ohne Hinweise auf eine Gang- oder Gleichgewichtsstörung. Hierzu korreliere die früh v eranlasste zervikale Kernspintomogra- phie, welche bis auf die sogenannte Blockwirbelbildung C 2/C3 keine Auffälligkeiten gezeigt ha- be, insbesondere keine posttraumatischen Verletzungszeichen, keine foraminalen Einengungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht und auch keine Vorschädigung der HWS. Zusammengefasst handle es sich aus neurologischer Sicht um ein chronifiziertes und zunehmend als subjektiv ve rschlimmert angegebenes Be- schwerdebild nach einer leichten HWS Distorsion WAD Gra d II in Anlehnung an die Quebec Task Force (QTF)-Klassifikation durch einen leichten Auf fahrunfall, ohne nachweisbare Verlet- zungsfolgen und ohne nachvollziehbare organisch-neurolo gische Ursache. Bilddiagnostisch sei keine radikuläre Kompression, z.B. durch eine Bandscheibenprotrusion, nachgewiesen worden. Auch sei die Symptombeschreibung in der zunehmenden Sch merzintensität und in den inkon- sistenten topographischen Ausbreitungsangaben klinisch nicht plausibel, ebenso wenig wie die erst viele Wochen später angegebenen Zusatzsymptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Kon- zentrations- und Schlafstörungen. Hierzu gehöre auch die Beschwerdeausweitung mit Angaben wie Knacken beim Schlucken. Ebenso charakteristisch sei, da ss alle Behandlungen letztlich erfolglos geblieben seien, und bei häufigem Arzt- und Therapeutenwechsel kein positiver An- satz gefunden worden sei. Offensichtliche neurologische Funktionseinschränkungen seien nicht ersichtlich. Bei mangelnder Leistungsbereitschaft müsse da her letztlich eine Symptomauswei- tung mit sekundärem Krankheitsgewinn bei einer nur für die ersten Wochen bis maximal drei Monate nach leichtem Auffahrunfall neurologisch nachvo llziehbaren leichten HWS- Beschleunigungssymptomatik überwiegend wahrscheinlich angenommen werden. 5.8 Nachdem der Fall zunächst abgeschlossen worden war, w urden die Leistungen auf Intervention der Rechtsschutzversicherung des Versicherten w ieder aufgenommen. Mit Bericht vom 17. August 2017 diagnostizierte Prof. Dr. med. G.__ , FMH Neurologie, einen chronischen rezidivierenden Schwankschwindel und wahrscheinlich zervikogen e Kopfschmerzen am ehes- ten bei zerviko-zerebraler Vasomotorenstörung. Es wurde eine allseits frei bewegliche HWS mit gelegentlichen Schmerzangaben hoch zervikal, vor allem in den Endpositionen, festgestellt. Ansonsten wurden keine Auffälligkeiten erhoben. 5.9 Im unmittelbar im Anschluss an das zweite Unfallere ignis erstellen Dokumentationsfra- gebogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleu nigungstrauma vom 7. Oktober 2017 wurden ein WAD Grad II nach der Quebec Task Force ( QTF)-Klassifikation sowie unmit- telbar eintretender Schwindel diagnostiziert. Das Arzt zeugnis UVG vom 26. Oktober 2017 ent- hält zudem die Diagnosen von Nackenschmerzen, Übelkeit und leichten Kopfschmerzen. 5.10 Anlässlich von Untersuchungen der Neurootolgie des Spitals H.____ am 15. November bzw. 6. Dezember 2017 wurden rezidivierende, sekundenanh altende Schwankschwindelatta- cken sowie Zephalgien ohne eindeutige Hinweise für ei ne peripher-vestibuläre Funktionsstö- rung diagnostiziert. Beim Patienten würden Beschwerden vorliegen, die nicht zu einer peripher oder zentral vestibulären Funktionsstörung passen würden. Es handle sich am ehesten um zer- vikogen ausgelöste Schwindelbeschwerden. 5.11 Im Rahmen eines MRI vom 20. Dezember 2017 wurde n im Vergleich zur Voruntersu- chung vom 6. März 2017 unveränderte Verhältnisse erhobe n. Neben der bekannten Streckhal- tung der HWS und den bekannten Blockwirbeln C2/3 konnt en keine Frakturen oder Luxationen und keine degenerativen oder entzündlichen Veränderunge n der HWS und der oberen BWS festgestellt werden. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.12 Am 28. Februar 2018 diagnostizierte Dr. med. I._ ___, FMH Neurologie, eine chroni- sche Zervikalgie, somatoformen Schwindel, kognitive Störungen, eine Angsterkrankung und ein neurogenes Thoracic-outlet-Syndrom. Die HWS-Beweglichkei t sei sowohl für die Rotation als auch für die Lateralflexion eingeschränkt. Zusätzlich sei en die Provokationsmanöver für ein Thoracic-outlet-Syndrom rechts positiv. Im MRI der HWS vom 20. Dezember 2017 würde sich kein Hinweis für eine radikuläre Kompression finden. Ele ktroneurographisch könne ein Sulcusulnaris-Syndrom ebenso wie ein Loge de Guyon-Synd rom ausgeschlossen werden. Die Sensibilitätsstörungen im Bereich des rechten Armes seien am ehesten als Ausdruck eines neurogenen Thoracic-outlet-Syndroms bei Verspannungen der Muskulatur im Nacken-Schulter- Gürtel zu sehen. Ein MRI des Schädels vom August 2017 se i unauffällig gewesen. Eine aus- führliche otoneurologische Untersuchung im November und Dezember 2017 habe keinen Nachweis einer peripher-vestibulären Störung ergeben. Elektroencephalographisch würden sich keine Hinweise für ein epileptisches Geschehen finden. Tag süber würden begleitend teilweise Panikattacken auftreten, nachts seien diese regelmässig mit dem Schwindel assoziiert, der dann auch nicht schwankend sei, sondern einem Drehschwindel entspreche. Nach dem zweiten Ereignis habe sich noch zusätzlich eine Höhenangst eingestellt. Er habe den Patienten über die Art des Schwindels aufgeklärt und empfehle, in der lau fenden psychologischen Behandlung diesen verhaltenstherapeutisch anzugehen. 5.13 In einem Verlaufsbericht vom 24. August 2018 diagn ostizierte Dr. B.____ ein chroni- sches komplexes Post-HWS-Syndrom. Es bestehe weiterhin ein schweres chronisches Post- HWS-Distorsionssyndrom mit verminderter Belastbarkeit. Dabei könnten geringste Belastungen oder bestimmte Kopfbewegungen (v.a. Inklination und R eklination) den Schwindel, die Übelkeit und ein Hitzegefühl im Nacken auslösen. Aufgrund der ob en beschriebenen Einschränkungen sei der Patient seit dem 7. August 2017 zu 100% arbeits unfähig. Die bei seinem Arbeitgeber durchgeführten Arbeitsversuche, zunächst mit einem Pensum vo n 20% und seit dem 12. Juni 2018 zu 50%, hätten ihn jedoch stets an den Rand seine r physischen Belastbarkeit geführt. Mehrfach habe er nach einem halben Arbeitstag als Buscha uffeur erbrechen müssen, da die Belastbarkeit für ihn zu gross gewesen sei. Prognostisch sei somit davon auszugehen, dass der Patient seine volle Arbeitsfähigkeit als Buschauffeur n icht mehr werde erreichen können. Auch scheine es derzeit unwahrscheinlich, dass er ein Arbeitspensum im Umfang von 50% in seinem angestammten Beruf längerfristig werde ausüben können . Ein Kausalzusammenhang mit den beiden Unfällen sei für ihn klar gegeben, insbesonder e, da sich die Hauptbeschwerdesympto- matik im Bereich der Kopfgelenke, v.a. C1/2, lokalisier en lasse, was typisch für HWS- Distorsionen sei. Es bleibe zu diskutieren, ob die angeborenen Blockwirbel auf Höhe C2/3 einen Faktor darstellten, welcher zu dem chronifizierten Schme rzverlauf beigetragen habe, da hier möglicherweise beim Aufprallen während des Unfalls ein e besonders ungünstige Kraftübertra- gung erfolgt sei, wodurch die Symptomatik zusätzlich erschwert worden sei. 5.14 In der Beurteilung vom 21. September 2018 führt e PD Dr. F.____, versicherungsmedi- zinisches Kompetenzzentrum der Suva, aus, dass sich nach ein em gemäss unfallanalytischem Gutachten leichten Heckauffahrunfall mit einer kollisio nsbedingten Geschwindigkeitsänderung (delta-V) unter 10 km/h und der vorliegenden Dokument ation ohne objektivierbare unfallnahe Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht neurologische Ausfälle gemäss Leitlinien nach der gelte nden QTF-Klassifikation für HWS- Beschleunigungsverletzungen und ebenso nach der klinisch morphologischen Klassifikation von HWS-Beschleunigungsverletzungen nur ein Grad I ergebe. D ies entspreche einer leichten HWS-Distorsion. Zudem seien auch im weiteren Verlauf z u keinem Zeitpunkt objektivierbare neurologische oder Hals-Nasen-Ohren-Befunde erhoben wo rden. Alsdann würden sich in der Zusammenschau Inkonsistenzen bei der Entwicklung und Schilderung der Beschwerdeangaben des Versicherten ergeben mit häufigen, jedoch organisch nicht zuordenbaren Schwindelatta- cken bis 25 Mal pro Tag und gleichzeitig möglichen Aktivit äten wie Joggen. Das Beschwerde- bild sei zudem im Gegensatz zu dem erwarteten Verlauf mit einer regelhaften Rückbildung in- nerhalb von wenigen Wochen bis maximal drei bis sechs Mon aten, über diesen Zeitpunkt hin- aus noch als progredient angegeben worden. Der entspr echende Zeitabstand sei aus neurolo- gischer Sicht ebenfalls nicht erklärbar. Diese Symptoma usweitung umfasse sowohl die Anga- ben von Kribbelparästhesien im rechten Arm als auch die Angabe von Angstattacken mit Herz- rasen und Schwindel. Auf organischer Grundlage könnten ohne bilddiagnostische Nachweise keine unfallbedingt überdauernden Gesundheitsbeeinträ chtigungen durch die Ereignisse fest- gestellt werden. Demzufolge sei auch eine anhaltende te ilweise Arbeitsunfähigkeit nicht plausi- bel, zumal zu keinem Zeitpunkt begründet worden sei, weshalb lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50% und nicht eine solche von 100% bestehe. 5.15 Auf Ersuchen des Rechtsvertreters des Versicherten b erichtete Dr. B.____ in einer E- Mail vom 19. Oktober 2018, dass ein aktuell veranlasster MR I-Befund neu ein verdicktes Liga- mentum transversum sowie ein verdicktes Ligamentum agikal e ergeben habe, welche gemäss dem Radiologen gut zu einem posttraumatischen Zustand passen würden und im Sinne eines verbleibenden Schadens nach Schleudertrauma zu beurteil en wären. Diese Verdickung könne auch darauf hindeuten, dass hier ein chronischer Reizzus tand bestehe, was gut mit der klini- schen Symptomatik vereinbar wäre, wonach der Patient scho n bei leichten Kopfbewegungen nach hinten (Reklination) sofortigen Schwindel, Übelkeit und ein Hitzegefühl verspüre. 5.16 Im Rahmen einer weiteren Beurteilung vom 11. Mä rz 2019 nahm PD Dr. F.____ zu diesen neu erhobenen Befunden Stellung: Es sei eine interdisziplinäre Fallbesprechung mit Prof. Dr. J.____, FMH Radiologie, am 15. Januar 2019 abgehalten worden. Diese Veränderun- gen seien nicht spezifisch für posttraumatische Veränderun gen, sondern sehr häufig im Rah- men von degenerativen Veränderungen nachweisbar. Die v orliegende kongenitale Fusion von HWK 2/3 würde die mechanische Belastung auf die angrenzenden Niveaus verstärken, so dass insgesamt beginnende degenerative Veränderungen deutli ch wahrscheinlicher seien als post- traumatische Veränderungen. Zudem seien relevante und eindeutige posttraumatische Verän- derungen der HWS, wie insbesondere zervikale Weichteilsc hwellungen oder Einblutungen, im vorliegenden Bildmaterial nicht nachweisbar. Im Bereich des Neurokraniums sei in der kranialen Kernspintomographie vom 21. August 2017 eine isolierte diffuse axonale Scherverletzung auf- findbar. Zu einer Kopfverletzung sei es anlässlich des Un fallereignisses vom 7. Oktober 2017 jedoch gemäss unfallnaher Dokumentation nicht gekommen . Sowohl die Beschwerdeschilde- rung des Versicherten als auch die fehlende Prellmarke im Kopfbereich liessen auf keine solche Verletzung schliessen. Eine Kopfverletzung sei anhand des Unfallmechanismusses auch nicht nachvollziehbar. Demzufolge könne hier kein überwiegend er Zusammenhang des ebenfalls in Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Expertise vom 15. Januar 2019 erstmals beschriebenen isolierten punktförmigen Hämoside- rinnachweises frontal rechts festgestellt werden. Solch e Hämosiderinreste könnten überdau- ernde bilddiagnostische Korrelate von Kopfverletzungen sein. Im vorliegenden Fall seien sie bei fehlenden Kopfverletzungen nicht mit genügend hohem B eweisgrad einem der leichten Auf- fahrunfälle des Versicherten zuzuordnen. 5.17 Anlässlich des vorliegenden Beschwerdeverfahrens rei chte der Beschwerdeführer ei- nen weiteren Bericht von Dr. B.____ vom 20. April 2020 ins Recht. Darin nahm dieser zu einem im Zusammenhang mit dem Taggeldanspruch des Versicherten der AXA Versicherungen AG ergangenen Aktenkonsil zuhanden des Rechtsvertreters de sselben Stellung. Gegen die durch den Rheumatologen im Aktenkonsil vorgenommenen Diagno sen sei nichts einzuwenden. Wie in der E-Mail vom 19. Oktober 2018 dargelegt, habe ein aktuell veranlasstes MRI ein verdicktes Ligamentum transversum sowie ein verdicktes Ligamentum ag ikale ergeben, welche gut zu einem posttraumatischen Zustand passen würden. Obgleich diese Veränderungen in den Ver- sicherungsberichten, auf die sich der Rheumatologe beru fe, noch nicht dokumentiert gewesen seien, halte dieser fest, dass es sich dabei nur um unspe zifische, nicht objektivierbare klinische Befunde handeln würde. Paradoxerweise sehe er keine Veranlassung, die klinische Symptoma- tik von einem neutralen Rheumatologen überprüfen zu l assen. Eine solche wäre aber dringend angezeigt, um insbesondere auch die im letzten MRI erhobenen Veränderungen zu würdigen. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts und der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in erster L inie auf die Ergebnisse, zu denen der Kreisarzt PD Dr. F.____ in seinen Beurteilungen vom 21. September 2018 bzw. 11. März 2019 gelangt war. Sie ging demzufolge davon aus, dass die p ersistierenden Beschwerden des Versi- cherten ab Oktober 2018 nicht überwiegend wahrscheinlich auf die Unfallereignisse vom 29. Juli 2016 und 7. Oktober 2017 zurückzuführen seien. Aus rheumatologischer wie auch neu- rologischer Sicht würden keine organisch ausgewiesenen unfallbedingten Restfolgen vorliegen. 6.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Nach der Rechtspre- chung kommt zwar den Berichten beratender Ärzte des Versi cherungsträgers nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 AT SG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Ein solcher Bericht ist aber soweit zu berücksichtigen, als keine − auch nur geringe − Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolge- rungen bestehen (vgl. E. 4.3 hiervor). Vorliegend be steht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von PD Dr. F.____ zu zweifeln. Es ist vie lmehr festzuhalten, dass er sich hinrei- chend mit den wesentlichen medizinischen Unterlagen auseinandersetzte und in seinen Berich- ten auf die Beschwerden des Versicherten einging und so insgesamt ein vollständiges Bild des Gesundheitszustands des Versicherten vermittelte. Alsdann nahm PD Dr. F.____ eine schlüssi- ge Beurteilung der Kausalitätsfrage vor. Seine Beur teilung steht auch im Einklang mit dem Ge- sundheitszustand, wie er in den vorhandenen medizinischen Unterlagen dokumentiert wird. 6.3 Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen zu ke iner anderen Beurteilung der Kausalitätsfrage zu führen. Er macht im Wesentlichen g eltend, dass strukturelle Läsionen nachweisbar seien. Dabei beruft er sich insbesondere au f das am 9. Oktober 2018 veranlasste Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht MRI sowie die hierzu ergangene E-Mail-Beurteilung vo n Dr. B.____ vom 19. Oktober 2018. Ein organisches Substrat ergebe sich insbesondere aufgrund eines Zusammenspiels einzelner Fak- toren. Alsdann seien im vorliegenden Fall namentlich d ie von Geburt an bestehenden Blockwir- bel im Sinne eines besonderen Faktors zu berücksichtigen, welche sich ungünstig auf die Un- fallfolgen ausgewirkt hätten. 6.4 Unter Berücksichtigung des vorstehend Dargelegten gi lt es zunächst festzuhalten, dass PD Dr. F.____ in Würdigung sämtlicher vorgenannter Befunde (vgl. E. 5 hiervor) sowie gestützt auf die (aktuellsten) Bildgebungen nachvollzie hbar zum Ergebnis gelangte, dass keine strukturellen Läsionen auszumachen seien. Dabei begründ ete er überzeugend, dass, mangels organisch (hinreichend im Sinne von apparativ bildgeben d) nachweisbaren Unfallfolgeschäden, überdauernde Gesundheitsbeeinträchtigungen durch ein l eichtes HWS-Distorsionstrauma Grad I ohne Vorschaden – nach abgeheiltem vorherigem ebenso einfachen HWS- Distorsionstrauma Grad II – über ein Jahr nach dem zwei ten Unfallereignis nicht mehr überwie- gend wahrscheinlich festzustellen seien. Diese Auffassung steht im Einklang mit den Feststel- lungen der involvierten medizinischen Fachpersonen, die sowohl unmittelbar im Anschluss an die beiden Unfallereignisse als auch im weiteren Verla uf keinerlei strukturelle Auffälligkeiten feststellen konnten. So wurden bereits im MRI vom 8. Au gust 2016 unauffällige Verhältnisse, ohne fassbare Degenerationen, knöcherne Läsionen oder neurale Kompressionen, festgestellt (vgl. E. 5.2 hiervor). Ebenso wurden im Nachgang zum zw eiten Unfallereignis am 20. Dezember 2017 unveränderte Verhältnisse erhoben (vg l. E. 5.11 hiervor). Es findet sich vielmehr wiederholt der Hinweis, dass sich die demonstri erten Einschränkungen und Be- schwerden nicht mit pathologischen Befunden erklären lies sen. Ferner wurde im weiteren Ver- lauf von einer erheblichen Symptomausweitung berichtet, namentlich mit Bezug auf erst zu ei- nem späteren Zeitpunkt angegebene Zusatzsymptome wie Sc hwindel, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Panikattacken mit Herzrasen. In Übe reinstimmung hierzu konnten in einer neurootologischen Abklärung vom 22. März 2017 keine Auffälligkeiten, insbesondere kein Anhalt für eine peripher vestibuläre Funktionsstörung, ausgemacht werden (vgl. Suva-act. 145). Gleichermassen verhält es sich für die im Nachgang an das zweite Unfallereignis erfolgten neu- rologischen und neurootolgischen Untersuchungen vom 17. August, 15. November und 6. Dezember 2017, zumal der geklagte Schwindel in der jüngsten Abklärung vom 28. Februar 2018 am ehesten als somatoform qualifiziert worden ist. 6.5 Unbestritten ist, dass ab Oktober 2018 organisch obje ktiv ausgewiesene Befunde mit- tels verschiedener Bildgebungen ausgemacht worden sind, für die jedoch gestützt auf die be- weiskräftige Beurteilung vom 11. März 2019 mit überwieg ender Wahrscheinlichkeit kein Kau- salzusammenhang zu den stattgehabten Unfallereignissen besteht. Was insbesondere das vom Beschwerdeführer angeführte, neu im MRI vom 9. Oktober 2018 erhobene verdickte Ligamen- tum anbelangt, so sind die diesbezüglichen Schlussfolge rungen von PD Dr. F.____ ebenfalls überzeugend, denen zufolge dieses zwar möglicherweise, n icht aber mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auf die Ereignisse zurückzuführen sei. Nach Rücks prache mit Prof. Dr. J.____ legt er nachvollziehbar dar, dass es zum einen an posttrau matischen Veränderungen der HWS wie insbesondere zervikalen Weichteilschwellungen oder -einblutungen fehle, und zum anderen durch die vorbestehende kongenitale Fusion zweier Wirbe l zu einer mechanischen Belastung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der angrenzenden Wirbel komme, weshalb er degenerativ e Veränderungen als überwiegend wahrscheinliche Ursache für diesen Befund ansehe. Demgege nüber äussert sich Dr. B.____ in der vom Beschwerdeführer angerufenen E-Mail-Beurteilu ng vom 19. Oktober 2018 nur dahin- gehend zur Kausalitätsfrage, als er die Vermutung in den Raum stellt, dass das verdickte Liga- mentum gemäss radiologischer Beurteilung "gut zu einem posttraumatischen Zustand passen würde" und sich "die Blockwirbelbildung sicherlich ungünsti g auf die oberen HWS-Segmente ausgewirkt" habe. Wie PD Dr. F.____ dargelegt hat, sp richt letzteres indessen gerade für eine überwiegende Wahrscheinlichkeit degenerativer Ursachen de s entsprechenden Befundes. Da- mit läuft aber zugleich der Einwand ins Leere, wonac h sich die angeborene Blockwirbelbildung HWK 2/3 ungünstig auf die Unfallfolgen ausgewirkt hab e, zumal anhand der medizinischen Ak- tenlage auch bezüglich dieser Fehlbildung stets unauffäll ige Verhältnisse ohne Krankheitswert ausgemacht worden sind (vgl. Bericht vom 7. August 2018 , act. 273). Alsdann sind weder ge- stützt auf weitere Beurteilungen von Dr. B.____ noch son st Hinweise ersichtlich, die eine diver- gierende Auffassung zur Kausalitätsfrage vertreten und auch nur geringe Zweifel an den Fest- stellungen von PD Dr. F.____ begründen würden. Solche Zweifel ergeben sich mangels ander- weitiger Berichte auch nicht in Bezug auf die Kausalit ätsbeurteilung der bereits im MRI vom 8. August 2016 erhobenen Streckhaltung der Wirbelsäule sowie die durch PD Dr. F.____ an- hand der Bildgebung vom 21. August 2017 ermittelte d iffuse axonale Scherverletzung. Dies umso weniger, als auch der Beschwerdeführer die Unfallereignisse für diese Befunde nicht ver- antwortlich macht. Zu keiner anderen Auffassung vermag schl iesslich auch der Bericht von Dr. B.____ vom 20. April 2020 zu führen. Zum einen hande lt es sich dabei um eine Stellungnahme zu einem Arztbericht, der nicht von der Beschwerdegegnerin, sondern von einer anderen Versi- cherung eingeholt wurde. Zum anderen setzt sich Dr. B.____ darin nicht mit der Beurteilung von Prof. Dr. J.____ auseinander. 6.6 Ebenfalls nicht zu überzeugen vermag letztlich das V orbringen, demzufolge der Versi- cherte vor den Unfallereignissen in Bezug auf die HWS ke inerlei Beschwerden zu beklagen gehabt hätte, läuft es doch auf die Schlussfolgerung h inaus, dass eine gesundheitliche Schädi- gung durch den Unfall verursacht gilt, weil sie sich nach dem Unfallereignis manifestiert hat. Die betreffende Argumentation beruht im Ergebnis auf der Beweisformel "post hoc, ergo propter hoc", nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädig ung bereits deshalb als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb). 6.7 Nach dem Gesagten lässt sich den vorliegenden Akten nichts entnehmen, was den Beweiswert der Beurteilungen von PD Dr. F.____ in Zwe ifel zu ziehen vermöchte. Es können infolge der Auffahrunfälle keine organisch objektivie rbaren Befunde für die über den 31. Okto- ber 2018 hinaus geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers nachgewiesen werden. Über- dies ist mit der Beschwerdegegnerin gestützt auf die A usführungen von PD Dr. F.____ davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt von weiteren medizin ischen Massnahmen keine nam- hafte Verbesserung des Gesundheitszustands mehr zu erwarten gewesen war (BGE 134 V 109 E. 4.3), zumal auch Dr. B.____ am 24. August 2018 kein e im Hinblick auf die Erhöhung der Ar- beitsfähigkeit erfolgsversprechenden Behandlungsmassnahme n mehr vorsah. Unter diesen Umständen kann auf die vom Beschwerdeführer beantragten zusätzlichen medizinischen Ab- klärungen verzichtet werden. Gelangt das Gericht bei p flichtgemässer Beweiswürdigung zur Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverl ässiges Bild des relevanten Sach- verhalts ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklä rt ist, kann auf weitere Abklärungen verzichtet werden. Eine solche antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgericht- licher Rechtsprechung zulässig (vgl. BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin für die im Anschluss an die Unfallereig- nisse aufgetretenen Beschwerden aufzukommen hat, die k einem organischen Substrat zuzu- ordnen sind. Wie den Akten entnommen werden kann, wir d im erstellten Dokumentationsfrage- bogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma vom 5. August 2016 im Anschluss an das erste Unfallereignis von auftretenden K opf- und Nackenbeschwerden so- wie Parästhesien am ganzen rechten Arm berichtet. Anl ässlich des zweiten Unfallereignisses vom 7. Oktober 2017 sind Nackenschmerzen, Übelkeit und le ichte Kopfschmerzen dokumen- tiert. 7.2 Nachdem die Ausführungen des Beschwerdeführers in B ezug auf den Beschwerdever- lauf mehr oder weniger gleichlautend sind, ist mit übe rwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er anlässlich von beiden Unfällen eine S ymptomatik aufwies, die dem sog. bunten Beschwerdebild einer HWS-Distorsion entsprach. Zumal die geklagten gesundheit- lichen Störungen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung zumindest nicht in ihrer überwiegenden Mehrheit als von psychischem Ursprung zu qualifizieren sind, hat die Beschwerdegegnerin die Adäquanzprüfung deshalb zu Recht nach Massgabe der in BG E 117 V 359 ff. dargelegten, mit BGE 134 V 109 ff. modifizierten Grundsätzen vorgenommen. 8.1 Die Bejahung der Adäquanz bei einem HWS-Schleude rtrauma setzt voraus, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- und Erwerbsunfä higkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schw ere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung diese r Frage ist an das Unfallereignis anzuknüp- fen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensabla uf – zwischen banalen bezie- hungsweise leichten Unfällen einerseits, schweren Unfäll en anderseits und schliesslich dem dazwischenliegenden mittleren Bereich unterschieden wi rd. Während der adäquate Kausalzu- sammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne wei teres bejaht und bei leichten Unfäl- len verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäq uanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schl üssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit de m Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Es handelt sich dabei um folgende Kriterien: besonders dramatische Begleitum- stände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die S chwere oder besondere Art der erlit- tenen Verletzungen; eine fortgesetzt spezifische, belast ende ärztliche Behandlung; erhebliche Beschwerden; eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplika tionen; eine erhebliche Arbeitsunfähig- keit trotz ausgewiesener Anstrengungen (BGE 134 V 109, E. 10.3). Dabei ist nicht in jedem Fall der Einbezug sämtlicher Kriterien in die Gesamtwürdigu ng erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausal zusammenhangs ein einziges Krite- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht rium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schwe- ren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Krite- rium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkrite- rium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere, das heisst mindes- tens vier der sieben unfallbezogenen Kriterien bejaht werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2018, 8C_414/2017, E. 3.4). Diese Wür digung des Unfalls zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs (BGE 117 V 367 E. 6b). 8.2.1 Was zunächst die Frage nach dem Unfallhergang des Unfallereignisses vom 29. Juli 2016 anbelangt, so konnten die anfangs noch vorhanden en Unstimmigkeiten – entgegen den Darlegungen der Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmla ssung – infolge weiterer Abklärungen beseitigt werden. Es ist mit überwiegender Wahrscheinl ichkeit davon auszugehen, dass sich eine Heckkollision ereignet hat. Hierzu geht aus den pro tokollierten Angaben des übersetzten Polizeirapportes vom 29. Juli 2016 hervor, dass das hinte r dem Versicherten fahrende Fahr- zeug auf denselben aufgefahren sei, als der Versicherte abrupt habe abbremsen müssen (vgl. Suva-act. 82). Der Schadenmeldung UVG vom 3. Augus t 2016 zufolge sei ein fremder PKW auf den Versicherten aufgefahren. Gegenüber dem A ussendienstmitarbeiter der Suva schilderte dieser am 10. Februar 2017, dass er während d er Fahrt verkehrsbedingt habe anhal- ten müssen und nur noch leicht gerollt sei, als das hinte re Fahrzeug in ihn hineingeknallt sei. Die Aussagen des Versicherten, wonach die Stossstange nach der Kollision im Heckbereich sowie der sich darunter befindliche Balken eingedrückt gewesen seien, decken sich im Wesent- lichen mit den in den Akten vorhandenen Fotos (vgl. Suva -act. 66), wobei in Übereinstimmung mit dem Polizeirapport lediglich ein geringer Sachscha den entstanden ist. Dieser betrug Eur. 70.-- (vgl. Suva-act. 73), wobei die Instandsetzung in der Schweiz den Angaben des Versicher- ten zufolge Fr. 2'700.-- betragen würde. 8.2.2 Praxisgemäss werden Auffahrkollisionen auf ein ha ltendes Fahrzeug regelmässig als mittelschwere Unfälle im Bereich zu den leichten Unfäl len qualifiziert (Urteile des Bundesge- richts vom 16. Dezember 2016, 8C_425/2016, E. 4.3.3, vom 3. Januar 2012, 8C_786/2011, E. 3.1, vom 29. Juni 2010, 8C_321/2010, E. 5.1 und v om 9. November 2009, 8C_626/2009, E. 4.2.2 mit Hinweisen). Vorliegend sind keine Anhal tspunkte ersichtlich, die es rechtfertigen würden, von diesem Regelfall abzuweichen. Es ist demna ch nicht zu beanstanden, dass die Suva das Ereignis vom 29. Juli 2016 als mittelschweren Unfall mit Tendenz zu einem leichten Unfall qualifiziert hat. Damit die Adäquanz bejaht werden kann, muss somit von den in die Beur- teilung einzubeziehenden sieben Adäquanzkriterien entwed er ein einzelnes in besonders aus- geprägter Weise vorliegen oder es müssen mindestens vier der sieben Kriterien erfüllt sein (Ur- teil des Bundesgerichts vom 14. Februar 2014, 8C_682/2013, E. 10). In Bezug auf die Heckkol- lision vom 7. Oktober 2017 gilt es zu berücksichtigen, dass d ie unfallbedingte Geschwindigkeit- sänderung (Delta-V) mit 7 km/h gemäss dem an verschieden er Stelle zitierten, sich indessen nicht in den vorliegenden Akten befindlichen, unfallana lytischen Gutachten, unterhalb des Be- reiches von 10 - 15 km/h lag. Rechtsprechungsgemäss handelt es sich somit grundsätzlich um einen leichten Unfall, mit der Folge, dass die Adäquanz zum vornherein zu verneinen wäre (vgl. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht statt vieler Urteil des Bundesgerichts vom 16. Januar 2008 , U 42/07, E. 3.3.). Wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen ergibt, braucht die Frag e, wie es sich damit im Detail verhält, nicht abschliessend beantwortet zu werden. 8.3 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitu mstände oder der besonderen Ein- drücklichkeit des Unfalls ist objektiv zu beurteilen und ni cht aufgrund des subjektiven Empfin- dens bzw. des Angstgefühls der versicherten Person (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Janu- ar 2015, 8C_325/2014, E. 4.2.2). Beim Unfall vom 29. Juli 2016 handelt es sich um einen einfa- chen Auffahrunfall, der objektiv betrachtet und unter B erücksichtigung der Tatsache, dass je- dem mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit i nnewohnt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2008, 8C_39/2008, E. 5.2), weder von besonderer Eindrücklichkeit war noch sich unter besonders dramatischen Begleitumständen a bgespielt hat (vgl. E. 8.2.1 hier- vor). In Anbetracht der Tatsache, dass die Adäquanzkriterien mit Bezug auf das zweite Ereignis wohl gar nicht zum Tragen kommen dürften, ist der die sbezügliche Einwand des Beschwerde- führers grundsätzlich unbeachtlich, wonach er den zweiten Unfall als besonders eindrücklich erlebt habe, weil er zu diesem Zeitpunkt noch die Fol gen des ersten Unfalls zu tragen gehabt habe. Alsdann gilt es diesbezüglich zu berücksichtigen, dass die Adäquanz des Kausalzusam- menhangs, wenn im Anschluss an zwei oder mehrere Unfälle eine psychische Fehlentwicklung eintritt, grundsätzlich für jeden Unfall gesondert zu pr üfen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2012, 8C_638/2012, E. 4.2.2 mit Hinwe isen). Gleiches gilt prinzipiell auch bei einer Mehrzahl von Unfällen mit Schleudertrauma der H WS oder gleichgestellter Verletzung. Dessen ungeachtet ist der sich beim Betroffenen während des Unfalls abspielende psychische Vorgang gerade nicht massgebend, sondern die objektive E ignung solcher Begleitumstände, bei Betroffenen psychische Vorgänge auszulösen, die an den nachfolgenden psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Aus objekti ver Sicht sind ebenfalls keine Gründe ersichtlich, die den zweiten Unfall in dieser Hinsicht al s besonders eindrücklich erscheinen lies- sen. Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumst ände bzw. der besonderen Ein- drücklichkeit des Unfalls ist somit zu verneinen. 8.4.1 In Bezug auf das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verlet- zungen ist daran zu erinnern, dass die Diagnose eines Schleudertraumas der HWS die Schwe- re oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen vermag. Es bedarf hierzu einer besonderen Schwere der für das Ver letzungsbild typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (BGE 134 V 109 E. 10.2.2). Zwar entspricht es einer allgemeinen Erfa hrungstatsache, dass pathologische Zu- stände nach HWS-Verletzungen bei erneuter Traumatisierung stark exazerbieren können (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Dezember 2008, 8C_477/2008, E. 6.3.2.2), was im Rahmen des Kriteriums (namentlich bei Schleudertraumen) jedoch n ur dann zu berücksichtigen ist, wenn es durch einen früheren Unfall nachgewiesenermassen zu ei ner dauerhaften, behandlungsbedürf- tigen und zu einer Beeinträchtigung des Leistungsvermö gens führenden Vorschädigung ge- kommen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktobe r 2012, 8C_638/2012, E. 4.2.2 mit zahlreichen Hinweisen). Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.4.2 Der Versicherte erlitt in den Jahren 2016 sowie 2017 zwei Auffahrunfälle und hat sich hierbei jeweils eine Distorsion der HWS zugezogen. Indessen waren sowohl anlässlich des ers- ten als auch des zweiten Ereignisses keine unfallkausal en strukturellen Läsionen festgestellt worden. Darüber hinaus sind in Bezug auf das Unfallgesc hehen auch keine, das Beschwerde- bild beeinflussende besonderen Umstände ersichtlich. Dem gegenüber könnte man sich fragen, ob die gesundheitlichen Beeinträchtigungen als schwer zu qualifizieren wären. Hierfür spricht die Tatsache, dass der Beschwerdeführer seit dem ersten Unfall unter persistierenden Be- schwerden leidet, welche nach dem zweiten Unfall offenba r zugenommen haben. Dagegen spricht, dass es sich beim zweiten Ereignis um einen leichten Auffahrunfall handelt und der Be- schwerdeführer ab März 2018 einen Arbeitsversuch im Umfan g von 20% gestartet und sein Pensum im Juni 2018 auf 50% gesteigert hat (vgl. Suva-act. 219 und 227). Der Beschwerdefüh- rer macht denn auch nicht geltend, dass dieses Kriteriu m erfüllt sei. Letztlich kann vorliegend offengelassen werden, ob dieses Kriterium erfüllt ist. Selbst wenn es erfüllt wäre, würde es nicht in ausgeprägter Weise vorliegen. 8.5 Was das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung angeht, so ist zunächst darauf hinzuweisen, dass dieses Kriterium nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen ist. Von Bedeutung sind auch Art u nd Intensität der Behandlung sowie inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Es muss, gesamt- haft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gew issen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung vo n ungewöhnlich langer Dauer vorliegen. Manualtherapeutische Massnahmen zur Erhaltung des Zustandes und medikamen- töse Schmerzbekämpfung allein genügen diesen Anforderun gen nicht (Urteil des Bundesge- richts vom 9. Februar 2015, 8C_765/2014, E. 11.3). Wie bereits dargelegt, konnten im Nach- gang zu den Unfallereignissen keine strukturellen Läsi onen oder anderweitige unfallkausale objektivierbare pathologische Befunde ausgemacht werden . Im Bericht von Dr. K.____ vom 1. Oktober 2016 rund drei Monate im Anschluss an das e rste Unfallereignis wurde bereits von einer allmählichen Besserung und einer günstigen Pro gnose berichtet (vgl. Suva-act. 22). Von Beginn an sowie auch im weiteren Verlauf der ärztlichen Behandlungen stand die Durchführung konservativer Massnahmen – wie Physiotherapie oder Infilt rationen – im Vordergrund, wobei viele der ärztlich angeordneten Massnahmen der Abklärung des Gesundheitszustandes dien- ten. Angesichts dieser Tatsachen sowie insbesondere aufgru nd der wiederholt festgestellten Diskrepanz zwischen dem Ausmass der Schmerzangaben und dem ve rhältnismässig guten radiologischen Befund kann somit nicht von einer mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichteten ärztlichen Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gesprochen werden. Demnach kann dieses Kriterium nicht bejaht werden. 8.6 Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist aufg rund der Individualität des Schmerzempfindens subjektiv ausgeprägt und deshalb zu objektivieren. Adäquanzrelevant können nur die in der Zeit zwischen dem fraglichen Unfall und dem Fallabschluss ohne wesent- lichen Unterbruch bestehenden erheblichen Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach Massgabe der glaubhaften Schmerzen und der Beeintr ächtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 128 E. 10.2.4). Wie bereits dargelegt, leidet der Versicherte seit dem ersten Unfa llereignis an belastungsabhängigen Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzen und klagt seit dem Unfall vom 7. Oktober 2017 über vermehrten Schwindel sowie Kopfschmerzen. Indessen ist fraglich, ob der Versicherte d adurch in seinem Lebensalltag we- sentlich eingeschränkt ist. Hierzu führt er in Übereinsti mmung mit der medizinischen Aktenlage einzig an, dass er insbesondere bei und während Belastun gen an den besagten Schmerzen leide. Hinweise auf eine drastische Einschränkung lassen sich den massgebenden Akten nicht entnehmen, zumal der Beschwerdeführer auch nicht weite r darlegt, bei welchen alltäglichen Verrichtungen und Aktivitäten und in welchem Umfang er dadurch Einschränkungen erfährt. Alsdann lassen sich die angegebenen Schmerzen kaum objektivieren und sie stehen insbeson- dere in einem Missverhältnis zum vergleichsweise guten r adiologischen Befund. Die Tatsache, dass er seit Juni 2018 in der Lage ist, seiner vor dem Unfall ausgeübten Tätigkeit zu 50% nach- zugehen, spricht nicht für eine erhebliche Beeinträcht igung im Lebensalltag im Sinne der Rechtsprechung. Selbst wenn das Kriterium der erheblichen Beschwerden dem Vorbringen des Beschwerdeführers folgend aber zu bejahen wäre, würde es nicht in besonders ausgeprägter Weise vorliegen. 8.7 Das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver- schlimmert hat (BGE 134 V 109 E. 10.2.5), ist unbestrittenermassen nicht erfüllt. 8.8 Aus der ärztlichen Behandlung und allfälligen erh eblichen Beschwerden kann nicht schon auf ein Erfüllen des Kriteriums des schwierigen Hei lungsverlaufes und der erheblichen Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hierzu besond erer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil des Bundesgerichts vom 21 . November 2014, 8C_496/2014, E. 4.6). Solche Gründe sind vorliegend nicht ersichtlich . Wie bereits dargelegt, geht aus den medizinischen Unterlagen hervor, dass im Anschluss an die Unfallereignisse keine strukturellen Läsionen erhoben werden konnten und zahlreiche Beschwer den ohne organische Ursachen, welche vorwiegend die Durchführung konservativer Massnahmen bedingten, zentraler Bestand- teil der weiteren ärztlichen Untersuchungen bildeten. Ferner finden sich auch keinerlei Hinweise auf erhebliche Komplikationen. Dieses Kriterium ist somit zu verneinen, zumal der Beschwerde- führer auch nicht den Standpunkt vertritt, dass einer der beiden Teilaspekte desselben erfüllt wäre. 8.9 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit t rotz den ausgewiesenen An- strengungen anbelangt, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Arbeitsunfähig- keit in einem erheblichen Ausmass erforderlich. Den vorliegenden Unterlagen kann entnommen werden, dass der Versicherte ab März 2018 einen Arbeitsve rsuch zu 20% unternommen und diesen ab Juni 2018 auf ein Pensum von 50% ausgedehnt h at (vgl. Suva-act. 219 und 227). Im Zeitraum davor hatte eine vollschichtige Arbeitsunfähigk eit und damit eine solche von erhebli- chem Ausmass bestanden. Diesbezüglich gilt es nun aber auch zu berücksichtigen, dass ent- sprechende Anstrengungen relativ spät erfolgt sind, und die fehlenden objektivierbaren Befunde ein derartiges Ausmass der Arbeitsunfähigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg nicht zu begründen vermögen. Nachdem auch die Bejahung dieses K riteriums zu keinem anderen Er- gebnis führen würde, kann auf diesbezügliche Weiterungen verzichtet werden. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Zusammenfassend sind höchstens drei der sieben Kriterie n gegeben, jedoch nicht in ausgeprägter oder auffallender Weise. Dies reicht zur Bejahung der Adäquanz praxisgemäss nicht aus. Demnach hat die Beschwerdegegnerin den adäqua ten Kausalzusammenhang zwi- schen den Unfallereignissen vom 29. Juli 2016 bzw. 7. Okt ober 2017 und den über den 31. Oktober 2018 hinaus anhaltend geklagten, organisch n icht hinreichend nachweisbaren Be- schwerden zu Recht verneint und die Leistungen eingestellt . Demnach ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 31. Dezember 2019 nicht zu beanst anden und die dagegen erhobe- ne Beschwerde ist abzuweisen. 10. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Dem Prozessausgang entsprechend wird dem Beschw erdeführer keine Parteient- schädigung zugesprochen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht