<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat verfolgt im Bereich Energiepolitik eine Viersäulenstrategie. Die erste Säule ist die Energieeffizienz. Für Effizienz spricht, dass eine eingesparte Kilowattstunde (kWh) meistens billiger und umweltschonender ist als die zusätzliche Erzeugung einer kWh. In der Schweiz wird gemäss Berechnungen der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz jede dritte kWh, sprich etwa 19 Milliarden kWh pro Jahr, durch den Einsatz unnötig ineffizienter Technik verbraucht und damit verschwendet. Dies entspricht Stromkosten von 3 Milliarden Franken pro Jahr, die durch eine kluge Stromeffizienzpolitik eingespart werden könnten.</p><p>Davon ist ein beträchtlicher Teil wirtschaftlich. Das heisst, dass sich die Investitionen in Effizienz für Unternehmer oder Privathaushalte lohnen würden, da sich die Investitionen durch die eingesparten Stromkosten über die Lebenszeit mehr als auszahlen. Mit der Ausschöpfung dieses Potenzials wird auch der zukünftigen Stromversorgungssicherheit gedient. Ich bitte den Bundesrat, folgende Frage zu beantworten:</p><p>Wie hoch ist das wirtschaftliche Stromsparpotenzial in der Schweiz in den Bereichen Industrie, Dienstleistung, öffentliche Hand und Privathaushalte?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan hat der Bundesrat am 23. März 2011 das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) zusammen mit den betroffenen Departementen mit der Erarbeitung neuer Energieszenarien und entsprechender Aktions- und Massnahmenpläne beauftragt. Schwerpunkt der durchzuführenden Arbeiten bilden drei Stromangebotsszenarien: </p><p>- Stromangebotsvariante 1: Weiterführung des bisherigen Strommixes mit allfälligem vorzeitigem Ersatz der ältesten drei Kernkraftwerke im Sinne höchstmöglicher Sicherheit.</p><p>- Stromangebotsvariante 2: kein Ersatz der bestehenden Kernkraftwerke am Ende ihrer Betriebszeit.</p><p>- Stromangebotsvariante 3: vorzeitiger Ausstieg aus der Kernenergie, bestehende Kernkraftwerke werden vor Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebszeit abgestellt.</p><p>Der Bundesrat möchte die Potenziale, die zusätzlichen Fördermassnahmen und den Zeitbedarf kennen. Insbesondere will er Massnahmen in den Bereichen Smartenergy, Smartgrids, Netze, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Forschung und Entwicklung sowie Pilot- und Demonstrationsanlagen vertieft analysieren. Bei der Überprüfung der Grundlagen der Energiepolitik werden die in der Anfrage gestellten Fragen geprüft und im Detail beantwortet. </p><p>Aufgrund der Energieperspektiven 2035 des Bundesamts für Energie (BFE) aus dem Jahr 2007 können zu den Stromsparpotenzialen derzeit folgende Aussagen gemacht werden: </p><p>Die wirtschaftlichen Potenziale sind methodisch relativ schwer zu erfassen. In den Zielvereinbarungen werden als Massstab Pay-back-Zeiten bezüglich der eingesparten Energiekosten angenommen. Der Entscheid zu einer Ersatzinvestition wird aber in der Regel durch andere betriebswirtschaftliche Faktoren beeinflusst. Dies führt dazu, dass eine Anlage weit über ihre Abschreibungsdauer hinaus weiterbetrieben wird, obwohl sie längst nicht mehr dem (energetischen) Stand der Technik entspricht. Durch die Alterung der Anlagen entstehen immer grössere wirtschaftliche Energiesparpotenziale. Wann die Einsparpotenziale umgesetzt werden, hängt im Wesentlichen vom Reinvestitionsentscheid des Unternehmens ab.</p><p>In den Energieperspektiven wurde das wirtschaftliche Potenzial bei gewerblichen Anwendungen und bei industriellen Prozessen auf rund 15 Prozent geschätzt. Im Dienstleistungssektor wurde das wirtschaftliche Potenzial bei der Beleuchtung auf 70 Prozent und bei der Haustechnik auf 20 bis 50 Prozent geschätzt. Basierend auf diesen Zahlen beträgt das wirtschaftliche Potenzial in der Industrie etwa 2,2 TWh und jenes des Dienstleistungssektors rund 5 TWh (3 TWh Beleuchtung und 2 TWh Haustechnik). Das wirtschaftliche Stromsparpotenzial in den beiden Sektoren macht rund die Hälfte des technischen Potenzials aus.</p><p>Das wirtschaftliche Stromsparpotenzial bei den Haushalten ist nicht eindeutig definiert, da Konsumentinnen und Konsumenten Geräte in der Regel nach ihrer Lebensdauer ersetzen, aber keine energetischen Pay-back-Überlegungen anstellen. Bei den Haushalten steht deshalb das technische Potenzial im Vordergrund. In den Energieperspektiven wurde ein sogenanntes Best-Geräte-Szenario (Szenario III Potenzial) gerechnet, welches davon ausgeht, dass mittelfristig (innert 10 bis 20 Jahren) bei einer Verdoppelung der Strompreise rund 70 Prozent des technischen Stromsparpotenzials von 4,7 TWh realisiert werden. Inzwischen wurden aber in der Energieverordnung Mindestvorschriften für den Stromverbrauch von Haushaltgeräten bestimmt, sodass nur noch "Best-Geräte" in Verkehr gebracht werden dürfen. Entsprechend ist davon auszugehen, dass innert 10 bis 20 Jahren ausschliesslich entsprechend dem Stand der Technik von heute effiziente Geräte verkauft und installiert werden und das obenzitierte technische Potenzial weitgehend ausgeschöpft sein wird. Es ist aber sinnvoll, dass die Mindestanforderungen an Elektrogeräte laufend verschärft und dem neusten Stand der Technik angepasst werden.</p><p>Ausschliesslich bei den Haushalten sind zudem die Elektrospeicherheizungen zu erwähnen, mit deren Ersatz durch Wärmepumpen rund 2 TWh Strom eingespart werden können. Diese Massnahme ist aber nur unter einer Langfristbetrachtung (steigende Strompreise) als wirtschaftlich einzustufen.</p>  Antwort des Bundesrates.