<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 116 S.486</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">486</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>116 Ausschaffungshaft; Nichtbefolgen einer fremdenpolizeilichen Anordnung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Einmaliges Nichtbefolgen einer Vorladung stellt vorliegend keinen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Haftgrund im Sinne von Art. 13b Abs. 1 lit. c ANAG dar (Erw. II/3b-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht</span><br/> <span class="ft3">vom 24. Februar 2000 in Sachen Fremdenpolizei des Kantons Aargau gegen</span><br/> <span class="ft3">B.I. betreffend Haftüberprüfung (HA.2000.00010).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Der Gesuchsgegner stellte am 20. Juli 1999 ein Asylgesuch,</span><br/> <span class="ft1">welche das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) am 27. August 1999</span><br/> <span class="ft1">ablehnte. Das BFF ordnete gleichzeitig die Wegweisung des Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchsgegners an und setzte ihm einen Ausreisetermin. Am 30. Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 1999 wurde dem Gesuchsgegner das Schreiben "Rückkehr-</span><br/> <span class="ft1">programm Kosovo" ausgehändigt. Mit Schreiben vom 15. Oktober</span><br/> <span class="ft1">1999 wurde er auf die Ausreisefrist hingewiesen und aufgefordert,</span><br/> <span class="ft1">sich gültige Reisedokumente zu beschaffen, ansonsten Zwangsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen angeordnet werden könnten. Nachdem der Linienflugbetrieb</span><br/> <span class="ft1">von Zürich nach Pristina wieder aufgenommen wurde und die Bun-</span><br/> <span class="ft1">desbehörden die entsprechenden Reisedokumente ausstellen konnten,</span><br/> <span class="ft1">wurde der Gesuchsgegner mit Schreiben vom 1. Februar 2000 aufge-</span><br/> <span class="ft1">fordert, sich zwecks Flugbuchung unverzüglich auf der Amtsstelle</span><br/> <span class="ft1">der Fremdenpolizei zu melden. Gleichzeitig wurde er darauf hinge-</span><br/> <span class="ft1">wiesen, dass er mit der Anwendung von Zwangsmassnahmen rech-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">487</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nen müsste, falls er dieser Aufforderung nicht Folge leisten oder sich</span><br/> <span class="ft1">der späteren Ausreise entziehen würde.</span><br/> <span class="ft1">Mit Schreiben vom 14. Februar 2000 wurde die Kantonspolizei</span><br/> <span class="ft1">Aargau, Polizeistation Oftringen, gebeten, eine Anwesenheitskon-</span><br/> <span class="ft1">trolle bezüglich des Gesuchsgegners vorzunehmen, beziehungsweise</span><br/> <span class="ft1">ihn anzuhalten. Der Gesuchsgegner wurde am 21. Februar 2000 um</span><br/> <span class="ft1">06.30 Uhr angehalten und der Fremdenpolizei zugeführt, welche</span><br/> <span class="ft1">gleichentags eine dreimonatige Ausschaffungshaft anordnete.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 3. b) Die Gesuchstellerin macht konkret geltend, der Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchsgegner habe der Vorladung vom 1. Februar 2000 keine Folge</span><br/> <span class="ft1">geleistet. Dadurch habe er eine behördliche Anordnung missachtet.</span><br/> <span class="ft1">Es habe sich dabei um eine Vorladung zur Regelung der Ausreise-</span><br/> <span class="ft1">modalitäten gehandelt. Daran, dass er ihr keine Folge geleistet habe,</span><br/> <span class="ft1">zeige sich, dass er nicht bereit sei, die Schweiz ohne Anwendung von</span><br/> <span class="ft1">Zwangsmassnahmen zu verlassen. Dass sich der Gesuchsgegner</span><br/> <span class="ft1">anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs bereit erklärt habe,</span><br/> <span class="ft1">mit dem bereits gebuchten Flug auszureisen, müsse im Lichte seines</span><br/> <span class="ft1">bisherigen Verhaltens als reine Schutzbehauptung gewertet werden.</span><br/> <span class="ft1">Die Fremdenpolizei bringt dafür, dass der Haftgrund im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">Art. 13b Abs. 1 lit. c ANAG erfüllt sein soll, einzig vor, der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer habe der Vorladung vom 1. Februar 2000 nicht Folge</span><br/> <span class="ft1">geleistet.</span><br/> <span class="ft1">c) Unbestrittenermassen ist der Gesuchsgegner der Vorladung</span><br/> <span class="ft1">vom 1. Februar 2000 nicht nachgekommen und hat somit einer be-</span><br/> <span class="ft1">hördlichen Anordnung nicht Folge geleistet. Dem Gesetzestext ist</span><br/> <span class="ft1">klar zu entnehmen, dass konkrete Anzeichen vorliegen müssen, die</span><br/> <span class="ft1">befürchten lassen, dass sich der Ausländer der Ausschaffung entzie-</span><br/> <span class="ft1">hen will. Die Gesuchstellerin schliesst einzig aus der einmaligen</span><br/> <span class="ft1">Nichtbefolgung einer Aufforderung zur Vorsprache darauf, dass der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">488</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gesuchsgegner ohne Anwendung von Zwangsmassnahmen nicht mit</span><br/> <span class="ft1">dem für ihn gebuchten Flug ausreisen werde. Dieser Umstand allein</span><br/> <span class="ft1">kann vorliegend für die Annahme eines Haftgrundes nach Art. 13b</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. c ANAG nicht genügen, zumal der Gesuchsgegner in kei-</span><br/> <span class="ft1">ner Art und Weise versuchte, sich den Behörden zu entziehen. Dass</span><br/> <span class="ft1">er einer behördlichen Vorladung nicht Folge leistet und dafür keine</span><br/> <span class="ft1">plausiblen Gründe vorbringen kann, stellt für sich allein noch kein</span><br/> <span class="ft1">konkretes Anzeichen dafür dar, dass er sich der Ausschaffung entzie-</span><br/> <span class="ft1">hen will. Auch seine im Rahmen des rechtlichen Gehörs abgegebene</span><br/> <span class="ft1">Erklärung, er werde mit dem Flugzeug ausreisen, wenn man ihm das</span><br/> <span class="ft1">Datum mitteile, kann in Anbetracht seines bisherigen Verhaltens</span><br/> <span class="ft1">nicht als reine Schutzbehauptung taxiert werden. Weitere Umstände,</span><br/> <span class="ft1">welche als konkrete Anzeichen auf eine Untertauchensgefahr</span><br/> <span class="ft1">schliessen lassen würden, liegen nicht vor.</span><br/> <span class="ft1">d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Haftgrund im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von Art. 13b Abs. 1 lit. c ANAG vorliegend nicht erfüllt ist.</span><br/> <span class="ft1">Der Gesuchsgegner ist daher unverzüglich aus der Haft zu entlassen.</span><br/></div> </div> </body> </html>