<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 98 S.420</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">420</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>98</b></span> <span class="ft1"><b>Abzüge vom Roheinkommen; Geschäftsverluste (§ 24 lit. b Ziff. 3 StG).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Merkmale einer selbstständigen Erwerbstätigkeit; es ist auf die ge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>samten Umstände des Einzelfalles abzustellen; mehrjährige Verluste</b></span><br/> <span class="ft1"><b>in der Aufbauphase mit anschliessender Gewinnerzielung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">22. Juni 2000 in Sachen K., RV.1999.50092/K 5370</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2. Streitig ist, ob die Rekurrenten die Verluste von Fr. 28'536.--</span><br/> <span class="ft4">pro 1993 und von Fr. 19'788.-- pro 1994, welche aus der Tätigkeit</span><br/> <span class="ft4">der Firma X. resultieren, mit den übrigen Einkünften verrechnen</span><br/> <span class="ft4">dürfen. Die Vorinstanz hat dies verneint, weil sie die Aktivitäten der</span><br/> <span class="ft4">Firma X. nicht als selbstständige Erwerbstätigkeit, sondern als Lieb-</span><br/> <span class="ft4">haberei qualifiziert. Aufgrund der seit dem Jahre 1988 erzielten er-</span><br/> <span class="ft4">heblichen Betriebsverluste (mit Ausnahme des Jahres 1996) könne</span><br/> <span class="ft4">nicht von einer auf Gewinnerzielung gerichteten Teilnahme am wirt-</span><br/> <span class="ft4">schaftlichen Verkehr gesprochen werden. Es könne auch auf lange</span><br/> <span class="ft4">Sicht nicht mit grösseren Gewinnen gerechnet werden. Wer eine</span><br/> <span class="ft4">Tätigkeit nicht vorwiegend im Hinblick auf die Einkommenserzie-</span><br/> <span class="ft4">lung, sondern aus Freude an einer Betätigung und unter Inkaufnahme</span><br/> <span class="ft4">dauernder Verluste ausübe, betreibe ein Hobby. Nach Auffassung der</span><br/> <span class="ft4">Vertreterin der Rekurrenten liegt dagegen eine selbstständige (Ne-</span><br/> <span class="ft4">ben-)Erwerbstätigkeit vor. Zur Begründung wird im Wesentlichen</span><br/> <span class="ft4">ausgeführt, weil die Firma X. in einem Nischenbereich tätig sei, habe</span><br/> <span class="ft4">nicht von Beginn weg mit hohen Umsatz- und Gewinnzahlen ge-</span><br/> <span class="ft4">rechnet werden können. Es seien zuerst grössere Investitionen in</span><br/> <span class="ft4">Produktion und Werbung und eine Mindestanzahl von CD-Produk-</span><br/> <span class="ft4">tionen nötig gewesen bis der Markt von der Existenz des neuen</span><br/> <span class="ft4">Schweizer Labels X. Kenntnis genommen und darauf reagiert habe.</span><br/> <span class="ft4">Ab dem Geschäftsjahr 1996 habe ein Gewinn erzielt werden können.</span><br/> <span class="ft4">3. In Rechtsprechung und Praxis wird die selbstständige Er-</span><br/> <span class="ft4">werbstätigkeit als planmässiges, nachhaltiges und im Wirtschaftsver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">421</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">kehr wahrnehmbares Handeln zur Erzielung eines wirtschaftlichen</span><br/> <span class="ft4">Erfolges umschrieben. Sie ist durch folgende drei Merkmale gekenn-</span><br/> <span class="ft4">zeichnet, die kumulativ gegeben sein müssen (VGE vom</span><br/> <span class="ft4">11. Dezember 1992 in Sachen KStA/Erbengemeinschaft M.):</span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft4">Das Zusammenwirken von Kapital und Arbeit in Erwerbsab-</span><br/> <span class="ft4">sicht,</span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft4">die zeitlich ungebundene Selbstorganisation,</span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft4">die anhaltend nach aussen in Erscheinung tretende, auf die Er-</span><br/> <span class="ft4">bringung wirtschaftlicher Leistung an Dritte gerichtete Tätig-</span><br/> <span class="ft4">keit.</span><br/> <span class="ft4">4. a) Die Rekurrenten haben im Jahre 1987 die ersten beiden</span><br/> <span class="ft4">Langspielplatten produziert. Im Jahre 1988 folgte die erste CD. In</span><br/> <span class="ft4">den darauffolgenden Jahren kamen weitere Produktionen dazu. Die</span><br/> <span class="ft4">Rekurrenten verfügen zwischenzeitlich über 17 veröffentlichte Pro-</span><br/> <span class="ft4">duktionen, 4 Aufnahmen sind in Bearbeitung und weitere 4 sind zur</span><br/> <span class="ft4">Veröffentlichung bereit (Stand Mai 1999). Als dem Rekurrenten</span><br/> <span class="ft4">Ende 1991 unerwartet seine langjährige Arbeitsstelle bei der Firma S.</span><br/> <span class="ft4">AG in Sch. gekündigt wurde, gründete er (früher als geplant) die</span><br/> <span class="ft4">CD-Produktionsfirma X. Im Herbst 1994 übernahmen die Rekurren-</span><br/> <span class="ft4">ten für die Schweiz die Generalvertretung von A. (Florida). Diese</span><br/> <span class="ft4">Firma hat von 1993 bis Ende 1998 fast 200 Neuerscheinungen auf</span><br/> <span class="ft4">den Markt gebracht. Im Jahr 1995 konnten die Rekurrenten Verträge</span><br/> <span class="ft4">mit Vertrieben für Frankreich und Deutschland abschliessen. Sie</span><br/> <span class="ft4">liessen die durch sie vertriebenen Labels im Tobek-Katalog eintragen</span><br/> <span class="ft4">(daraus ist ersichtlich, welche Labels in der Schweiz durch welche</span><br/> <span class="ft4">Organisation vertrieben werden). Im Januar 1997 erfolgte der Han-</span><br/> <span class="ft4">delsregistereintrag der Firma X. Im Weiteren bauten die Rekurrenten</span><br/> <span class="ft4">einen Direct-Mail-Service auf, druckten für jede Neuerscheinung</span><br/> <span class="ft4">eine dreisprachige Broschüre und bearbeiteten die grossen CD-Läden</span><br/> <span class="ft4">in den grösseren Schweizerstädten. Ausserdem organisierten die</span><br/> <span class="ft4">Rekurrenten regelmässig mit Künstlern in der alten Kirche in B.</span><br/> <span class="ft4">Konzerte, um dort die eigenen Produkte verkaufen zu können. Die</span><br/> <span class="ft4">eigenen CD's wurden auch an Jazz-Festivals und anderen einschlägi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">422</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">gen Anlässen verkauft (vgl. Bericht des Rekurrenten vom 26. Mai</span><br/> <span class="ft4">1999 über die Aktivitäten der Firma X.).</span><br/> <span class="ft4">b) Es ist also offenkundig und wird zu Recht nicht bestritten,</span><br/> <span class="ft4">dass die Tätigkeiten der Firma X. planmässig, anhaltend und nach</span><br/> <span class="ft4">aussen sichtbar erfolgt sind. Auch der Einsatz von Arbeit und Kapital</span><br/> <span class="ft4">in frei bestimmter Selbstorganisation kann nicht in Abrede gestellt</span><br/> <span class="ft4">werden (vgl. Vernehmlassung des Rechtsdienstes des KStA vom 9.</span><br/> <span class="ft4">August 1999). Die Rekurrenten sind in aktiver Weise darum bemüht,</span><br/> <span class="ft4">sich auf dem Jazz-Markt zu etablieren. Die Vorinstanz und der</span><br/> <span class="ft4">Rechtsdienst des KStA sind jedoch der Auffassung, die Tätigkeiten</span><br/> <span class="ft4">der Firma X. seien auch nach einer Gründungsphase, bei welcher</span><br/> <span class="ft4">erfahrungsgemäss mit Verlusten zu rechnen sei, nicht auf Gewinner-</span><br/> <span class="ft4">zielung ausgerichtet. Die X. werde auch in Zukunft kaum grössere</span><br/> <span class="ft4">Gewinne hervorbringen. Demzufolge liege keine selbstständige Er-</span><br/> <span class="ft4">werbstätigkeit, sondern Liebhaberei vor.</span><br/> <span class="ft4">5. a) Eines der massgeblichen Kriterien für das Vorliegen einer</span><br/> <span class="ft4">selbstständigen Erwerbstätigkeit - und damit auch zur Abgrenzung</span><br/> <span class="ft4">gegenüber der Liebhaberei - stellt das Erfordernis der Gewinnstre-</span><br/> <span class="ft4">bigkeit dar. Ob eine Tätigkeit im Sinne einer Liebhaberei oder im</span><br/> <span class="ft4">Sinne einer Erwerbstätigkeit vorliegt, hängt somit auch davon ab, ob</span><br/> <span class="ft4">sie ausschliesslich oder doch vorwiegend im Hinblick auf die Erzie-</span><br/> <span class="ft4">lung eines Erwerbseinkommens ausgeübt wird. Das Unterschei-</span><br/> <span class="ft4">dungskriterium bildet der Beweggrund für die Ausübung der Tätig-</span><br/> <span class="ft4">keit und somit ein im Innern der steuerpflichtigen Person liegender</span><br/> <span class="ft4">und der Natur der Sache nach nur schwer feststellbarer Sachverhalt.</span><br/> <span class="ft4">Eine zusätzliche Erschwerung liegt darin, dass Grenzfälle häufig</span><br/> <span class="ft4">sind, bei denen sich Liebhaberei und Erwerbstätigkeit verbinden. Auf</span><br/> <span class="ft4">das massgebliche Kriterium der Gewinnerzielungsabsicht als innere</span><br/> <span class="ft4">Tatsache kann dabei nur anhand der äusseren Umstände geschlossen</span><br/> <span class="ft4">werden.</span><br/> <span class="ft4">b) Bei einer andauernden Verlustsituation ist daher zu prüfen,</span><br/> <span class="ft4">ob tatsächlich eine selbstständige Erwerbstätigkeit angenommen</span><br/> <span class="ft4">werden kann oder ob diese bloss vorgeschoben ist. Zu berücksichti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">423</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">gen ist dabei allerdings, dass allein die Tatsache einer mehrjährigen</span><br/> <span class="ft4">Verlusterzielung die Qualifikation einer Tätigkeit als blosses Hobby</span><br/> <span class="ft4">nicht zu begründen vermag (BVR 1999 S. 65). Namentlich bei</span><br/> <span class="ft4">künstlerischer Tätigkeit ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass</span><br/> <span class="ft4">der Aufbau einer solchen Karriere lange dauern kann und der Erfolg</span><br/> <span class="ft4">ungewiss ist. Nach einhelliger Lehre und Rechtsprechung fehlt es</span><br/> <span class="ft4">allerdings in objektiv erkennbarer Weise an der erforderlichen Ge-</span><br/> <span class="ft4">winnstrebigkeit, wenn auf Dauer keine Überschüsse erzielt werden</span><br/> <span class="ft4">und nach der Art des Vorgehens der betreffenden Person realisti-</span><br/> <span class="ft4">scherweise und auf längere Sicht gesehen auch keine Überschüsse</span><br/> <span class="ft4">realisiert werden können. Auf Liebhaberei ist namentlich dann zu</span><br/> <span class="ft4">schliessen, wenn nach einem gewissen Andauern einer Verlustsitua-</span><br/> <span class="ft4">tion angenommen werden muss, eine steuerpflichtige Person, der es</span><br/> <span class="ft4">um die Erzielung eines Erwerbseinkommens gegangen wäre, hätte</span><br/> <span class="ft4">sich wegen des finanziellen Misserfolgs von der Weiterführung des</span><br/> <span class="ft4">Verlustbetriebes abbringen lassen. Diejenige Person, welche eine</span><br/> <span class="ft4">bestimmte Tätigkeit wirklich als Erwerbstätigkeit ausübt, wird sich</span><br/> <span class="ft4">in der Regel durch das Fehlen eines finanziellen Erfolgs von der</span><br/> <span class="ft4">Zwecklosigkeit ihres Unterfangens überzeugen und die betreffende</span><br/> <span class="ft4">Tätigkeit aufgeben. Für die Beurteilung der Frage, ob eine selbst-</span><br/> <span class="ft4">ständige Erwerbstätigkeit vorliegt, ist jedoch stets auf die gesamten</span><br/> <span class="ft4">Umstände des Einzelfalles abzustellen. Entscheidend ist letztlich das</span><br/> <span class="ft4">Gesamtbild einer bestimmten Tätigkeit (baselstädtische Steuerpraxis,</span><br/> <span class="ft4">Band XIV, S. 249, mit Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung).</span><br/> <span class="ft4">c) Die Rekurrenten haben für die Jahre 1987 bis und mit 1995</span><br/> <span class="ft4">jeweils einen Verlust ausgewiesen. In den Jahren 1996 bis 1998 ha-</span><br/> <span class="ft4">ben sie ein positives Geschäftsergebnis erzielt (1996: Gewinn</span><br/> <span class="ft4">Fr. 1'262.68, 1997: Gewinn Fr. 6'908.25, 1998: Gewinn Fr. 8'274.02).</span><br/> <span class="ft4">Damit steht fest, dass mit den Aktivitäten der Firma X. Geld verdient</span><br/> <span class="ft4">werden kann, was vom Rekurrenten angesichts der verlorenen Stelle</span><br/> <span class="ft4">wohl auch angestrebt wird. Die Entwicklung der Geschäftsergebnisse</span><br/> <span class="ft4">deutet darauf hin, dass auch in den folgenden Jahren mit positiven</span><br/> <span class="ft4">Geschäftsergebnissen gerechnet werden kann. Es handelt sich also</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">424</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">bei der Firma X. nicht um einen "Dauerverlustbetrieb". Die Ver-</span><br/> <span class="ft4">lustjahre stellen die für den Aufbau einer selbstständigen Erwerbstä-</span><br/> <span class="ft4">tigkeit typische "Durststrecke" dar, ohne dass deswegen eine feh-</span><br/> <span class="ft4">lende Gewinnstrebigkeit angenommen und damit eine Erwerbstätig-</span><br/> <span class="ft4">keit verneint werden dürfte (StR 1999 S. 310). Dies gilt vorallem in</span><br/> <span class="ft4">Fällen wie dem vorliegenden, wo nicht einfach ein gekauftes Produkt</span><br/> <span class="ft4">weiterverkauft wird, sondern zuerst erhebliche Vorleistungen er-</span><br/> <span class="ft4">bracht werden müssen (vgl. zum Ganzen StE 1999 B 23.1 Nr. 42</span><br/> <span class="ft4">betreffend Tonträgerproduktion).</span><br/> <span class="ft4">d) In Anbetracht der dargelegten Umstände kann der Auffas-</span><br/> <span class="ft4">sung der Vorinstanz, die Tätigkeit der Firma X. stelle (entgegen der</span><br/> <span class="ft4">früheren Beurteilung) eine Liebhaberei dar, nicht zugestimmt wer-</span><br/> <span class="ft4">den. Es handelt sich nach Auffassung des StRG vielmehr um eine</span><br/> <span class="ft4">selbstständige Erwerbstätigkeit, was zur Folge hat, dass die in den</span><br/> <span class="ft4">Jahren 1993 und 1994 erzielten Verluste grundsätzlich mit den übri-</span><br/> <span class="ft4">gen Einkommen der Rekurrenten verrechnet werden können.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>