B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-456/2011 U r t e i l v o m 1 6 . A u g u s t 2 0 1 2 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiber Lorenz Noli. Parteien X._______, Beschwerdeführer, vertreten durch lic. iur. Susanne Bertschi, Advokatin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-456/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1967 geborene thailändische Staatsangehörige Y ._______ (im Fo l- genden: Gesuchstellerin) beantragte am 30. Juni 2010 bei der Schwei ze- rischen Botschaft in Bangkok ein Schengen -Visum für einen drei - monatigen Besuchsaufenthalt bei X._______ (im Folgenden: Ga stgeber bzw. Beschwerdeführer). In einem an die Schweizerische Botschaft gerichteten Einladungsschre i- ben vom 18. Juni 2010 hielt der Gastgeber dazu fest, bei der Gesuchste l- lerin handle es sich um seine Freundin. Er wolle ihr seine Heimat zeigen und sie beabsichtigten, zu einem späteren Zeitpunkt zu heiraten. B. Mit Formularentscheid vom 7. Juli 2010 lehnte es die Schweizer Ver - tretung ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Hal- tung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für eine fristgerech- te Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen -Raum nach einem Besuchsaufenthalt. C. Gegen diesen Entscheid erhob der Gastgeber mit Eingabe vom 8. Juli 2010 Einsprache. D. Am 15. November 2010 richtete das Migrati onsamt des Kantons Basel - Stadt einen Fragekatalog an den Gastgeber, den dieser am 23. Nove m- ber 2010 beantwortete. E. Mit Verfügung vom 3. Dezember 2010 wies die Vorinstanz die Einsprache ab. Dabei teilte sie die Beurteilung durch die schweizerische Auslandver- tretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt nicht als gesichert betrachtet werden könne. Die Gesuchstellerin lebe in einer Region, aus der als Folge der dort in s- besondere in wirtschaftlicher Hinsicht herrschenden Verhältnisse ein a n- haltend starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. Besondere Gewähr für die fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt erg e- be sich auch nicht aus den persönlichen Verhältnissen der Betroffenen. Sie sei ledig und verfüge nur über ein gerin ges bzw. über kein gesiche r- tes Einkommen. C-456/2011 Seite 3 F. Mit Rechtsmit teleingabe vom 14. Januar 201 1 und Ergänzung vom 21. Februar 2011 gelangt der Gastgeber an das Bundesverwaltungsg e- richt. Er beantragt die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Ausstellung des anbegehrten Scheng en-Visums. Dabei rügt er im W e- sentlichen, die Voraussetzungen zur Visumserteilung seien entgegen der Meinung der Vorinstanz erfüllt. Die Vorinstanz habe ihr Ermessen rechts- fehlerhaft ausgeübt bzw. nicht verhältnismässig entschieden. Es liege auf der Hand, dass die Gesuchstellerin vor einer allfälligen Heirat ihr neues Lebensumfeld in der Schweiz kennen lernen wolle. Mit der Verweigerung des Visums würden sie von der Vorinstanz in eine überstürzte Ehe g e- drängt, was bei allen sich daraus ergebenden Risiken nicht im wohlver- standenen öffentlichen Interesse der Schweiz sein könne. G. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 17. März 201 1 auf Abweisung der Beschwerde. H. In einer Replik vom 7. April 2011 hält der Besc hwerdeführer an seinem Antrag und dessen Begründung fest. Am 12. Januar 2012 liess er durch seine Rechtsvertreterin ausrichten, er gedenke nun zu heiraten. Umso wichtiger sei es für die Gesuchstellerin, zuvor noch in die Schweiz ko m- men zu können. I. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit entscheidrelevant, in den Erwä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht u nter Vorbe- halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fa llen u.a. Verfügun gen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchs - zwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesver -C-456/2011 Seite 4 waltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichts - gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf di e im Übrigen frist - und formgerecht einge - reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unric htige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlic h die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer thailändischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstelleri n nicht auf die EU/EFTA - Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Sche n- gen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: C-456/2011 Seite 5 4.1 Das schw eizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinwei sen). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli che Vor- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaa ten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über d ie Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reised oku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren- zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti - gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi- gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei - lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des C-456/2011 Seite 6 Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visak odex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge- schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Bezie - hungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gef ahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge - richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Ge - fahr einer rechtswidrigen Einwanderu ng oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako - dex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit He r- vorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüll t, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder auf grund interna- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk - ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Die ses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellen den Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter den selben Voraus- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). C-456/2011 Seite 7 5. 5.1 Die Gesuchstellerin unterliegt als thailändische Staatsangehörige der Visumspflicht (Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einrei sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesicherten Wiederausreise im Vor- dergrund, welche die Vorinstanz vor allem aufgrund der allgemeinen Lage im Heimatland anzweifelt. Dazu lassen sich in der Regel keine gesiche r- ten Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wi e- derausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bü r- gerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wir t- schaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können darauf hi n- deuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fälle n nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. 6. 6.1 Die Gesuchstellerin stammt aus der Provinz Lopburi im Zentrum Thai- lands, einer landwirtschaftlich geprägten Region. Sie gilt im landesweiten Vergleich wirtschaftlich nicht als stark, gehört aber auch nicht zu den schwächsten (vgl. www.thaiwebsites.com > Economy and Politics in Thai- land > GDP of Thai Regions and Provinces, besucht im Juli 2012). 6.2 Vom Druck zur wir tschaftlichen Existenzsicherung sind in Thailand Frauen besonders betroffen, die mit ihrem Einkommen oft für die Überle - benschancen ihrer eigenen Haushalte und ganzer Gemeinden sorgen müssen und deren Arbeitsplätze in Zeiten angespannter wirtschaftlicher Verhältnisse – je nach Sektor – besonders gefährdet sind. Entsprechend hat die wirtschaftlich motivierte Emigration von Thailänderinnen nach 1997 zugenommen (Quelle: Schlussbericht vom 13. Mai 2002 der Ko m- mission des Deutschen Bundestags zum Thema Global isierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten, Ziff. 6.2.2.2 S. 317 f., online abrufbar als Bundesdrucksache 14/9200 unter www.bundestag.de > Dokumente & Recherche > Drucksachen; zu den wirtschaftlichen Ec k- daten allgemein vgl. Staatssekre tariat für Wirtschaft > Themen > Aus - senwirtschaft > Länderinformationen > Asien/Ozeanien > Thailand, <http://www.seco.admin.ch>, Stand: Januar 2011, besucht im Juli 2012). C-456/2011 Seite 8 6.3 Im Falle der Schweiz wird die Tendenz zur Immigration erfahrungsge- mäss dort noch begünstigt, wo durch die Anwesenheit von Verwandten oder Freunden bereits ein minimales soziales Beziehungsnetz besteht. Angesichts der restriktiven Zulassungsregelung werden dabei nicht selten ausländerrechtliche Bestimmungen umgangen, indem versucht wird, den Aufenthalt – einmal eingereist – auf eine ganz andere rechtliche oder fak- tische Basis zu stellen und sich so der Pflicht zur Wiederausreise zu ent - ziehen. Solche Umstände und Erfahrungen sind beim Entscheid übe r die Erteilung eines Visums zu berücksichtigen. 6.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allg e- meinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichts - punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer g e- suchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine beson dere be- rufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann die ser Um- stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederaus reise be- günstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihre r Heimat keine b e- sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrecht lich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem B e- suchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. 7. 7.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 45 -jährige, unverhei- ratete Frau. Gemäss den vom Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Ver- fahren getätigten Angaben ist sie Mutter mehrerer Kinder. Weder die ge- naue Anzahl der Kinder, noch deren Alter und Betreuungsverhältnisse sind aktenkundig. Auf dieser Grundlage kann nicht ohne Weiteres ang e- nommen werden, die Gesuchstellerin habe in ihrer Heimat Verpflichtu n- gen familiärer Natur, aus denen besondere Gewähr für die Rückkehr dorthin nach Ablauf eines bewilligten Besuchsaufenthalts abgeleitet we r- den könnte. 7.2 In wirtschaftlicher Hinsicht muss davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin nicht in besonders günstigen Verhältnissen lebt. In ih- rem Visumsantrag bezeichnete sie sich als beruflich selbständig. Der B e- schwerdeführer hielt dazu in seinen schriftlichen Auskünften an die Migra- tionsbehörde des Kantons Basel -Stadt fest, die Gesuchstellerin arbeite als Verkäuferin und werde das auch nach ihrer Rückkehr aus der Schweiz weiter tun. Dabei weiss offenbar selbst er nichts Näheres. In der Beschwerde liess er d azu nur verlauten, die Gesuchstellerin habe wä h- rend seines Aufenthalts in Thailand Eis verkauft. Inzwischen unterstützt er C-456/2011 Seite 9 seine Freundin und deren Familie mit monatlichen Zahlungen. Über den Kindsvater und dessen finanzielle Situation ist nichts bekannt. Es könnte nach dem Gesagten durchaus auch sein, dass die wirtschaftl i- che Situation der Gesuchstellerin eine zentrale Rolle spielt, wenn es bei ihr darum geht, sich für oder gegen eine Emigration zu entscheiden. 7.3 Der Beschwerdeführer und die Gesuchstellerin sind sich 2009 ein ers- tes Mal in Thailand begegnet und haben im April 2010 eine Liebesbezi e- hung begonnen. Sie telefonieren nach Darstellung des Beschwerdefü h- rers fast täglich miteinander, wobei den Möglichkeiten einer sprachlichen Verständigung offenbar noch enge Grenzen gesetzt sind. Inzwischen sol- len sie sich zur Heirat entschlossen haben. Der Beschwerdeführer bete u- ert, dass die beantragte Einreise nur ein erster Schritt sei, der der G e- suchstellerin erlauben solle, ihr mögliches neues Lebensumfeld in de r Schweiz kennen zu lernen. Zweifel an den guten Absichten des B e- schwerdeführers sind sicherlich nicht am Platz. Andererseits kann er w e- der Verantwortung für das mögliche Verhalten seines Gastes überne h- men noch ein solches verlässlich steuern. Vor dem aufg ezeigten Hinter- grund sind Vorbehalte am Platz, wenn es beim Beschwerdeführer darum geht, mögliche Vorstellungen der Gesuchstellerin über ihre kurz - und mit- telfristige Lebensplanung abzuschätzen. Es ist tatsächlich nicht ausz u- schliessen, dass die Gesuchstel lerin – einmal in der Schweiz – versucht sein könnte, auch unabhängig von der Entwicklung der Beziehung zu i h- rem rund 17 Jahre älteren Freund Fuss zu fassen. 7.4 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vori n- stanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. 7.5 Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit wurden vom Beschwerdeführer nicht gel tend gemacht und sol- che sind auch nicht ersichtlich. Zwar liess er in seiner Beschwerdeschrift geltend machen, er werde durch die Verweigerung des Besuchsvisums in seiner Ehefreiheit eingeschränkt, indem ihm und seiner Freundin die Möglichkeit genommen wer de, sich auf einen solchen Schritt gebührend vorzubereiten. Tatsache ist aber, dass der Beschwerdeführer von der Vor- instanz mit dem verweigernden Entscheid nicht daran gehindert wird, sei- ne Freundin zu heiraten. Vielmehr steht ihm frei, mit einem entsprech en- den Gesuch an die zuständigen Behörden zu gelangen. Das Verfahren C-456/2011 Seite 10 würde – sollten die spezifischen Voraussetzungen erfüllt sein – zur Ertei- lung einer Kurzaufenthaltsbewilligung führen, mit der die Betroffenen i m- mer noch frei entscheiden können, ob sie tatsächlich heiraten wollen oder nicht. 8. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird der unterlieg ende Be- schwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schä- digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). (Dispositiv Seite 11) C-456/2011 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss g e- deckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: Dossier Ref-Nr. ZEMIS […]) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Lorenz Noli Versand: