<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 125 S.471</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">471</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Opferhilfe</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>125 Kostengutsprache für kinesiologische Behandlung.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Zuständigkeit des Tatortkantons für die Tragung der Kosten der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>weiteren Hilfe gemäss Art. 3 Abs. 4 OHG (Erw. 1).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die weitere Hilfe muss wirksam sein, d.h. durch eine Fachperson er-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>bracht und den Bedürfnissen des Opfers gerecht werden (Erw. 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Regierungsrates vom 25. Februar 2004, i.S. A.M.</span><br/> <span class="ft4">gegen die Verfügung des Kantonalen Sozialdienstes</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">1. a) (...) Demgegenüber ist strittig, ob die von der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft7">führerin beantragte Kostengutsprache für 25 Stunden Kinesiologie</span><br/> <span class="ft7">bei U. F.-H., als weitere Hilfe i.S. von Art. 3 Abs. 4 OHG zu qualifi-</span><br/> <span class="ft7">zieren ist.</span><br/> <span class="ft7">b) Die Frauenzentrale des Kantons Aargau führt seit Januar</span><br/> <span class="ft7">2003 nicht nur für den Kanton Aargau, sondern auch für den Kanton</span><br/> <span class="ft7">Solothurn die Beratungsstelle für Opferhilfe gemäss Art. 3 Abs. 1</span><br/> <span class="ft7">OHG. Diese hat das Gesuch der Beschwerdeführerin, obwohl sie</span><br/> <span class="ft7">nach der tätlichen Auseinandersetzung mit ihrem damaligen Ehe-</span><br/> <span class="ft7">mann, d.h. per 1. Dezember 2000, an den Wohnort ihrer Mutter, T.,</span><br/> <span class="ft7">Kanton Solothurn, zog, dem Kantonalen Sozialdienst überwiesen;</span><br/> <span class="ft7">dieser ist im Aargau für die Kostengutsprache zuständig (vgl. § 9 der</span><br/> <span class="ft7">regierungsrätlichen Verordnung zur Bundesgesetzgebung über die</span><br/> <span class="ft7">Hilfe an Opfern von Straftaten vom 13. Januar 1993 [kantonale</span><br/> <span class="ft7">Opferhilfeverordnung]).</span><br/> <span class="ft7">Es stellt sich daher zunächst die Frage, ob der Kantonale So-</span><br/> <span class="ft7">zialdienst überhaupt zuständig war, über dieses Kostengutsprachege-</span><br/> <span class="ft7">such zu entscheiden, oder ob vielmehr die Opferhilfestelle Aargau /</span><br/> <span class="ft7">Solothurn bzw. der Kantonale Sozialdienst dieses an den Kanton</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">472</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Solothurn (Departement des Innern, Amt für Gemeinden und soziale</span><br/> <span class="ft7">Sicherheit, Koordinationsstelle Opferhilfe, vgl. §§ 4 i.V.m. 14 lit. f</span><br/> <span class="ft7">der solothurnischen Verordnung zur Einführung des Opferhilfege-</span><br/> <span class="ft7">setzes vom 17. März 1993) hätte überweisen müssen.</span><br/> <span class="ft7">c) Im Gegensatz zur Entschädigung und Genugtuung (vgl. Art.</span><br/> <span class="ft7">11 ff. OHG) findet sich hinsichtlich der Beratung im Opferhilfege-</span><br/> <span class="ft7">setz keine Regelung der örtlichen Zuständigkeit; gegenteils kann sich</span><br/> <span class="ft7">das Opfer gemäss Art. 3 Abs. 5 OHG an eine Beratungsstelle seiner</span><br/> <span class="ft7">Wahl wenden, d.h. an irgendeine Opferhilfestelle in der Schweiz.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss den Empfehlungen zur Anwendung des Bundesgesetzes über</span><br/> <span class="ft7">die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG) der Schweizerischen</span><br/> <span class="ft7">Verbindungsstellen-Konferenz OHG (SVK-OHG), (genehmigt und</span><br/> <span class="ft7">per 1. Januar 2002 von den Konferenzen der Kantonalen Justiz- und</span><br/> <span class="ft7">Polizeidirektorinnen und -direktoren sowie der Kantonalen Sozialdi-</span><br/> <span class="ft7">rektorinnen und -direktoren in Kraft gesetzt), sind die weiteren</span><br/> <span class="ft7">Kosten als Grundsatz vom Tatortkanton zu übernehmen. Allerdings</span><br/> <span class="ft7">sei eine Kostenübernahme durch den Wohnsitzkanton zu prüfen, je</span><br/> <span class="ft7">grösser die zeitliche und örtliche Distanz zur Tat bzw. zum Tatort-</span><br/> <span class="ft7">kanton sei (vgl. die genannten Empfehlungen, Ziffer 3.5).</span><br/> <span class="ft7">Vorliegend hat die Beschwerdeführerin sich an jene Beratungs-</span><br/> <span class="ft7">stelle gewandt, welche aufgrund ihres Wohnsitzes für sie zuständig</span><br/> <span class="ft7">ist. Indem nun diese Beratungsstelle das Gesuch aufgrund des Tat-</span><br/> <span class="ft7">vorfalles im Kanton Aargau an den Kantonalen Sozialdienst zwecks</span><br/> <span class="ft7">Kostengutsprache überwies, hat sie sich an die oben genannten</span><br/> <span class="ft7">Empfehlungen gehalten. Auch handelt es sich bei den nunmehr zu</span><br/> <span class="ft7">beurteilenden Kosten für kinesiologische Behandlungen um die Fort-</span><br/> <span class="ft7">setzung der bereits im Rahmen der Soforthilfe eingeleiteten Mass-</span><br/> <span class="ft7">nahme. Im Übrigen besteht noch keine grosse zeitliche und örtliche</span><br/> <span class="ft7">Distanz zur Tat bzw. zum Tatortkanton. Es erweist sich daher als</span><br/> <span class="ft7">richtig, dass der Kantonale Sozialdienst über das Gesuch um Kosten-</span><br/> <span class="ft7">gutsprache entschieden hat.</span><br/> <span class="ft7">Indem nun aber der Kanton Aargau das vorliegende Gesuch zu</span><br/> <span class="ft7">prüfen hat, kommt, wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom</span><br/> <span class="ft7">12. Dezember 2003 zutreffend ausführte, wohl die Praxis und Recht-</span><br/> <span class="ft7">sprechung im Kanton Aargau zum OHG zur Anwendung. Indessen</span><br/> <span class="ft7">geht es dabei um die Anwendung von Bundesrecht, nämlich im kon-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">473</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">kreten Fall von Art. 3 Abs. 4 OHG, weshalb das Gesuch nicht wie in</span><br/> <span class="ft7">der angefochtenen Verfügung vom 21. Oktober 2003 ausschliesslich</span><br/> <span class="ft7">aufgrund des aargauische Gesundheitsgesetzes abgewiesen werden</span><br/> <span class="ft7">kann. Vielmehr ist zu prüfen, ob die von der Opferhilfestelle veran-</span><br/> <span class="ft7">lasste Unterstützung der Beschwerdeführerin durch eine Kinesiolo-</span><br/> <span class="ft7">gin, welche im Kanton Solothurn eine Zulassung gemäss solothurni-</span><br/> <span class="ft7">schem Gesundheitsgesetz hat, unter die weitere Hilfe i.S. von Art. 3</span><br/> <span class="ft7">Abs. 4 OHG fällt.</span><br/> <span class="ft7">2. a) Gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a OHG haben die Beratungsstel-</span><br/> <span class="ft7">len insbesondere die Aufgabe, dem Opfer medizinische, psychologi-</span><br/> <span class="ft7">sche, soziale, materielle und juristische Hilfe zu leisten und zu ver-</span><br/> <span class="ft7">mitteln. Laut Art. 3 Abs. 4 OHG übernimmt die Beratungsstelle</span><br/> <span class="ft7">weitere Kosten, wie Arzt-, Anwalts- und Verfahrenskosten, soweit</span><br/> <span class="ft7">dies aufgrund der persönlichen Verhältnisse des Opfers angezeigt ist.</span><br/> <span class="ft7">Die weitere Hilfe zeichnet sich dadurch aus, dass sie zeitlich an</span><br/> <span class="ft7">die allenfalls notwendige Soforthilfe anschliesst. Sie umfasst länger-</span><br/> <span class="ft7">fristige Massnahmen, die insbesondere der Verarbeitung der Erleb-</span><br/> <span class="ft7">nisse durch das Opfer dienen. Sie ist nur zu gewähren, wo sie "nötig"</span><br/> <span class="ft7">ist (vgl. Art. 3 Abs. 3 OHG).</span><br/> <span class="ft7">Opfern von Straftaten soll wirksame Hilfe geleistet werden (vgl.</span><br/> <span class="ft7">Art. 1 Abs. 1 OHG). Die Wirksamkeit der Hilfe setzt voraus, dass die</span><br/> <span class="ft7">Unterstützung auf unbürokratische und schnelle Art und Weise er-</span><br/> <span class="ft7">folgt. Die Hilfe ist zudem durch qualifizierte Fachpersonen zu er-</span><br/> <span class="ft7">bringen und muss angemessen sein. Wirksam ist die Hilfe nur dann,</span><br/> <span class="ft7">wenn sie den Bedürfnissen des Opfers gerecht wird. Die Massnah-</span><br/> <span class="ft7">men müssen dem Opfer, das durch die Straftat und deren Folgen an</span><br/> <span class="ft7">den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden droht, helfen, sich</span><br/> <span class="ft7">wieder in die Gesellschaft einzugliedern, möglichst rasch sein</span><br/> <span class="ft7">Selbstvertrauen wieder zu finden und sein Schicksal zu meistern. So-</span><br/> <span class="ft7">bald das Opfer wieder auf eigenen Füssen stehen kann, soll die Hilfe</span><br/> <span class="ft7">eingestellt werden (vgl. Gomm/Stein/Zehnter, Kommentar zum</span><br/> <span class="ft7">Opferhilfegesetz, Bern 1995, N 8 ff. zu Art. 1 OHG; Botschaft zur</span><br/> <span class="ft7">Volksinitiative "zur Entschädigung der Opfer von Gewaltverbrechen"</span><br/> <span class="ft7">vom 6. Juli 1983, BBl 1983 III 895).</span><br/> <span class="ft7">b) aa) Die Beschwerdeführerin konnte nach dem tätlichen</span><br/> <span class="ft7">Übergriff ihres Ehemannes nur schwer wieder Fuss fassen. Von 1989</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">474</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">bis 2000 war sie zusammen mit ihrem Ehemann als selbständige</span><br/> <span class="ft7">Bäuerin tätig. Heute ist sie an drei Arbeitsstellen (Schüler-Fahrdienst,</span><br/> <span class="ft7">Gebäudereinigung und Kochen/Kinderbetreuung am Mittagstisch der</span><br/> <span class="ft7">Gemeinde T.) zu rund 43 %, d.h. rund 20 Wochenstunden,</span><br/> <span class="ft7">berufstätig. Aus ärztlicher Sicht erreicht sie dadurch die gesund-</span><br/> <span class="ft7">heitlich maximal mögliche Belastung (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft7">Aufgrund der nach wie vor bestehenden gesundheitlichen Be-</span><br/> <span class="ft7">einträchtigungen erscheint eine weitere Behandlung ohne Zweifel</span><br/> <span class="ft7">notwendig (vgl. ...). Dies wird von der Vorinstanz denn auch nicht in</span><br/> <span class="ft7">Abrede gestellt (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft7">bb) Wie unter lit. a vorstehend ausgeführt, muss die weitere</span><br/> <span class="ft7">Hilfe wirksam sein. Die von der Opferhilfestelle Aargau / Solothurn</span><br/> <span class="ft7">selbst ausgewählte U. F.-H. verfügt über eine Bewilligung des</span><br/> <span class="ft7">Kantons Solothurn als "Therapeutin der Erfahrungsmedizin in Kine-</span><br/> <span class="ft7">siologie" (vgl. ...). Gemäss der solothurnischen Vollzugsverordnung</span><br/> <span class="ft7">zum Gesundheitsgesetz vom 28. Juni 1999 unterliegt die selbstän-</span><br/> <span class="ft7">dige Berufstätigkeit von Heilpersonen der Bewilligungspflicht (vgl.</span><br/> <span class="ft7">§ 2 Abs. 1). Therapeutinnen und Therapeuten der Erfahrungsmedizin</span><br/> <span class="ft7">sind Heilpersonen, die therapeutisch eine oder mehrere Methoden</span><br/> <span class="ft7">anwenden, wie Akupressur, Atemtherapie, Heileurythmie, Shiatsu</span><br/> <span class="ft7">oder Bioresonanz. Sie sind nicht zur Diagnosenstellung oder Thera-</span><br/> <span class="ft7">pieverordnung berechtigt (§ 63 der genannten Verordnung). Mithin</span><br/> <span class="ft7">handelt es sich bei der genannten Therapeutin um eine Fachperson in</span><br/> <span class="ft7">ihrem Behandlungsbereich.</span><br/> <span class="ft7">Ob U. F.-H. ihren Beruf auch im Kanton Aargau gestützt auf die</span><br/> <span class="ft7">aargauische Gesundheitsgesetzgebung ausüben dürfte, ist entgegen</span><br/> <span class="ft7">der Auffassung der Vorinstanz nicht Gegenstand des vorliegenden</span><br/> <span class="ft7">Verfahrens. Ebensowenig sind die aargauischen Behörden für die</span><br/> <span class="ft7">Beurteilung der Frage zuständig, ob U. F.-H. den ihr gestatteten Tä-</span><br/> <span class="ft7">tigkeitsbereich überschreitet. Nachdem sie über eine Bewilligung des</span><br/> <span class="ft7">Kantons Solothurn verfügt, ist dieser auch für eine Verwarnung, An-</span><br/> <span class="ft7">drohung und schlussendlich den Entzug der Berufsausübungsbewil-</span><br/> <span class="ft7">ligung bei Verstoss gegen das Gesundheitsgesetz bzw. die Verletzung</span><br/> <span class="ft7">von Berufspflichten zuständig (vgl. § 14 des solothurnischen Ge-</span><br/> <span class="ft7">sundheitsgesetzes vom 27. Januar 1999). Daraus folgt, dass die Vo-</span><br/> <span class="ft7">rinstanz bei ernsthaften Zweifeln an der Tätigkeit von U. F.-H. beim</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Opferhilfe</span> <span class="page_no">475</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">zuständigen Departement des Innern des Kantons Solothurn eine</span><br/> <span class="ft7">Klärung dieser Frage hätte einleiten müssen und nicht - wie zumin-</span><br/> <span class="ft7">dest in der angefochtenen Verfügung vom 5. November 2003 - das</span><br/> <span class="ft7">Kostengutsprachegesuch mit der Begründung der Überschreitung des</span><br/> <span class="ft7">zulässigen Aufgabenbereiches der Therapeutin hätte abweisen dür-</span><br/> <span class="ft7">fen. Im Übrigen hat eine Abklärung beim zuständigen Gesundheits-</span><br/> <span class="ft7">amt des Departementes des Innern des Kantons Solothurn ergeben,</span><br/> <span class="ft7">dass die Ausübung der kinesiologischen Tätigkeit von U. F.-H. im</span><br/> <span class="ft7">vorliegenden Fall zweifelsfrei in Einklang mit ihrer Bewilligung</span><br/> <span class="ft7">steht (vgl. ...).</span><br/> <span class="ft7">Der von der Vorinstanz angeführten Vergleichsfall i.S. W.M. ist</span><br/> <span class="ft7">vorliegend nicht massgebend, da sich dort die Frage stellte, welche</span><br/> <span class="ft7">Behandlungen einem im Kanton Aargau ansässigen Therapeuten für</span><br/> <span class="ft7">eine Bio-Resonanz-Therapie gestützt auf das aargauische Gesund-</span><br/> <span class="ft7">heitsgesetz erlaubt sind.</span><br/> <span class="ft7">cc) Der Kantonale Sozialdienst hat in seiner Vernehmlassung</span><br/> <span class="ft7">vom 12. Dezember 2003 zur Begründung der Verweigerung der</span><br/> <span class="ft7">Kostengutsprache ausgeführt, das OHG nenne als weitere Hilfe aus-</span><br/> <span class="ft7">drücklich die medizinische, psychologische, soziale, materielle und</span><br/> <span class="ft7">juristische Hilfe. Die Kinesiologie sei indessen inhaltlich in keiner</span><br/> <span class="ft7">Art und Weise mit Psychotherapie gleichzusetzen. Ersteres stelle</span><br/> <span class="ft7">keinen Ersatz für psychologische oder medizinische Hilfe dar und es</span><br/> <span class="ft7">handle sich auch um keine ganzheitliche Wissenschaft, die eine Be-</span><br/> <span class="ft7">handlung im Sinne des OHG ermögliche. Massnahmen, die dem</span><br/> <span class="ft7">Opfer eine subjektiv verbesserte Lebensqualität bringen, fielen nicht</span><br/> <span class="ft7">in den Leistungsbereich der Opferhilfe.</span><br/> <span class="ft7">Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Einerseits</span><br/> <span class="ft7">handelt es sich bei den in Art. 3 Abs. 4 sowie Art. 3 Abs. 2 lit. a OHG</span><br/> <span class="ft7">genannten Hilfeleistungen (vgl. lit. a vorstehend) an das Opfer nicht</span><br/> <span class="ft7">um eine abschliessende Aufzählung. Andererseits nimmt die</span><br/> <span class="ft7">Therapeutin für sich auch gar nicht in Anspruch, medizinische oder</span><br/> <span class="ft7">psychologische Hilfe zu bieten. Im weiteren setzt die Hilfe nach</span><br/> <span class="ft7">OHG nicht voraus, dass es sich bei der angewandten Methode um</span><br/> <span class="ft7">eine ganzheitliche Wissenschaft handelt. Vielmehr ist erforderlich,</span><br/> <span class="ft7">dass eine Fachperson die weitere Hilfe leistet und diese den Bedürf-</span><br/> <span class="ft7">nissen des Opfers gerecht wird, d.h. wirksam ist. So hat denn auch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">476</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">der Regierungsrat beispielsweise in einem Entscheid aus dem Jahre</span><br/> <span class="ft7">1996 als weitere Hilfe i.S. des OHG einen fünfwöchigen Aufenthalt</span><br/> <span class="ft7">in einer Hofgemeinschaft, deren Mitarbeitende nicht über eine</span><br/> <span class="ft7">psychiatrische oder psychotherapeutische Ausbildung verfügen, für</span><br/> <span class="ft7">das Opfer einer sexuellen Ausbeutung anerkannt (vgl. RRB Art. Nr.</span><br/> <span class="ft7">...).</span><br/> <span class="ft7">Die Kinesiologin U. F.-H. führt in ihrem Schreiben an die</span><br/> <span class="ft7">Operhilfe Aargau / Solothurn vom 17. August 2003 (...) aus, Thera-</span><br/> <span class="ft7">pieziel sei die Verarbeitung der seelischen Verletzungen, zugefügt</span><br/> <span class="ft7">durch ihren Ehemann; Schulter- und Kopfschmerzen soweit zu the-</span><br/> <span class="ft7">rapieren, dass der Alltag dadurch nicht mehr dermassen einge-</span><br/> <span class="ft7">schränkt werde, sowie die Wiederherstellung des Selbstwertes und</span><br/> <span class="ft7">das Vertrauen in die Umwelt. Weiter führt sie aus, dass die Ver-</span><br/> <span class="ft7">trauensbasis rasch hergestellt gewesen und die Aufarbeitung des Er-</span><br/> <span class="ft7">lebten schon ein rechtes Stück fortgeschritten sei. Der Therapiever-</span><br/> <span class="ft7">lauf zeige bereits gute Resultate. Frau M. könne den Alltag mittler-</span><br/> <span class="ft7">weile recht gut bewältigen. Die erwünschte Belastbarkeit sei aber</span><br/> <span class="ft7">noch nicht wiederhergestellt. Einschränkungen verursachten vor</span><br/> <span class="ft7">allem noch die Kopfschmerzen, welche bei der Arbeit sehr hinderlich</span><br/> <span class="ft7">seien. Das Selbstvertrauen sei am Wachsen.</span><br/> <span class="ft7">Die obigen Ausführungen zeigen, dass die Therapie Wirksam-</span><br/> <span class="ft7">keit entfaltet. Mithin kann nicht behauptet werden, die Hilfe werde</span><br/> <span class="ft7">den Bedürfnissen des Opfers nicht gerecht. Vieles deutet im Gegen-</span><br/> <span class="ft7">teil darauf hin, dass die Therapeutin der Beschwerdeführerin helfen</span><br/> <span class="ft7">kann, wieder auf eigenen Füssen zu stehen. Genau dies ist Sinn und</span><br/> <span class="ft7">Zweck der weiteren Hilfe. In dem Sinne ist denn auch darauf hinzu-</span><br/> <span class="ft7">weisen, dass die Opferhilfestelle Aargau / Solothurn aus guten Grün-</span><br/> <span class="ft7">den die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der Soforthilfe an</span><br/> <span class="ft7">die genannte Kinesiologin überwiesen hat und es im vorliegenden</span><br/> <span class="ft7">Fall um die Fortsetzung der bereits begonnenen Behandlung geht.</span><br/></div> </div> </body> </html>