B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6504/2016 U r t e i l v o m 3 . N o v e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren am (…), Irak, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 19. September 2016 / N (…). D-6504/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte am 20. August 2015 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) M._______ um Asyl. Anlässlich der Befragung vom 11. September 2015 zur Person (BzP) sowie der Anhörung vom 5. Ap- ril 2016 durch das SEM machte er zur Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er stamme aus N._______ im Nordirak und sei eth- nischer Kurde. Ungefähr am 20. Mai 2015 beziehungsweise am 3. oder 4. Juni 2015 hätten ihn zwei kurdische Freunde in ein Haus nach P ._______ begleitet, in dem sich wider Erwarten Islamisten beziehungs- weise Salafisten versammelt hätten. Diese hätten ihn nicht mehr gehen lassen und ihm stattdessen am dritten Tag mitgeteilt, er könne nach Hause gehen, wenn er seine Mutter und Schwester dazu bringe, sich nach den Regeln des Islams zu kleiden und zu Hause zu bleiben. Es sei ihm indes- sen gelungen, nachts zu fliehen und nach N._______ zurückzukehren. Er sei jedoch nicht zu den Behörden gegangen, weil diese Leute starke Be- ziehungen zu den Behörden gehabt hätten, beziehungsweise er sei mehr- mals zur Polizei gegangen. Insgesamt sei er wiederholt bedroht, tätlich an- gegriffen und einmal sogar spitalreif geschlagen worden. Auch seine Mut- ter sei bedroht und geschlagen worden. Ausserdem seien Steine in das Fenster ihres Coiffeursalons geworfen worden. Er habe weder von seiner Mutter noch von seinem Vater Hilfe erhalten. Deswegen sei er nach Europa gereist. Am 19. oder 20. Juli 2015 habe er den Nordirak verlassen, indem er legal in die Türkei gereist sei. Dort habe er einen Schlepper gefunden, der ihn auf dem Landweg in die Schweiz geschickt habe. Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer an- lässlich der Direktanhörung das Scheidungsurteil seiner Eltern sowie ein Bild seiner Mutter zu den Akten. Mit Schreiben vom 25. Mai 2016 reichte seine damalige Rechtsvertretung zwei medizi nische Berichte sowie zwei Drohschreiben des Islamischen Staates ein, jeweils mit deutscher Ü ber- setzung. Am 23. August 2015 erhielt das SEM den mit Erstges präch vom 7. Juni 2016 überschriebenen Bericht der Klinik für Psychiatrie und Psy- chotherapie des (…)spitals O._______ vom 22. August 2016. Mit Erreichen der Volljährigkeit am 28. Mai 2016 wurde der Beschwerde- führer nicht mehr durch die Zentralstelle MNA vertreten. D-6504/2016 Seite 3 B. B.a Mit Verfügung vom 19. September 2016 – eröffnet am 21. September 2016 – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh- rers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. B.b Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifizierte das SEM die geltend gemachte Bedrohung durch Salafisten beziehungsweise Islamisten als unglaubhaft. Zum einen seien seine Vorbringen in zahlrei- chen wesentlichen Punkten widersprüchlich ausgefallen, etwa in Bezug auf die Frage, ob er wegen des Vorfalls in P .________ zur Polizei gegangen sei. Widersprüchlich geäussert habe er sich des Weiteren zum Zeitpunkt der Entführung, zu seinem Schulbesuch, zu den Personen, die ihn bedroht hätten wie auch zu sei ner Beziehung zu diesen Personen. Zum anderen widersprächen seine Vorbringen in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung oder Logik des Handeln s, habe er doch einerseits geltend ge- macht, von der Polizei keinen Schutz erhalten zu haben. Andererseits aber habe er es trotz wiederholter Bedrohungen und tätlicher Angriffe unterlas- sen, in eigener Regie zu naheliegenden Schutzmassnahmen – wie etwa dem Untertauchen – Zuflucht zu nehmen. Schliesslich bestreite das SEM die Authentizität der vom Beschwerdeführer eingereichten Drohbriefe des Islamischen Staates und der Arztberichte, zumal der konkrete Inhalt dieser Dokumente den Schluss zulasse, sie seien nicht echt. So enthielten die angeblichen medizinischen Berichte keine genaue Diagnose, sondern viel- mehr den Tathergang und Täterbeschreibungen. Dies passe eher zu einem Polizei-Protokoll, nicht aber zu einem Bericht aus dem Krankenhaus. Die eingereichten Berichte könnten überdies von einer beliebigen Person ver- fasst worden sein und enthielten keine Echtheitsmerkm ale. Ferner seien die verwendeten Stempel leicht zu erwerben beziehungsweise herzustel- len. Aus all diesen Gründen könne die angebliche Bedrohung durch Sa- lafisten oder Islamisten nicht geglaubt werden. Im Übrigen gehe das SEM davon aus, die Sicherheitsbehör den in der Autonomen Region Kurdistan (ARK) seien gewillt und in der Lage, Einwohner vor nichtstaatlichen Über- griffen zu schützen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Ar t. 5 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) nicht angewendet werden. Ferner ergäben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, wonach ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimat- staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbo- tene Strafe oder Behandlung drohe. D-6504/2016 Seite 4 Der Beschwerdeführer stamme aus einer der vier von der kurdischen Re- gionalregierung kontrollierten nordirakischen Provinzen. Aufgrund der Si- cherheits- und Menschenrechtslage in der ARK herrsche in deren vier Pro- vinzen keine Situation allgemeiner Ge walt. Diese Einschätzung stehe im Einklang mit der Wegweisungspraxis des Bundesverwaltungsgerichts so- wie diverser EU-Staaten. Der Wegweisungsvollzug sei daher nach wie vor grundsätzlich zumutbar. Zudem sprächen im vorliegenden Fall auch keine individuellen Gründe gegen die Zumu tbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Insbesondere könne davon ausgegangen werden, dass er sich bei seiner Rückkehr in den Nordirak auf ein familiäres beziehungsweise soziales Be- ziehungsnetz abstützen könne. Im Übrigen habe er erste Beruf serfahrun- gen gesammelt (Tagelöhner, Zimmermann, Automechaniker) und mit ei- nem Geschäftspartner einen Hühnerhandel betrieben. Es sei somit anzu- nehmen, dass er zum Aufbau einer eigenen Existenzgrundlage in der Lage sei. Das SEM habe vom Bericht vom 22. August 2016 der Klinik für Psy- chiatrie und Psychotherapie des (…)spitals O._______ Kenntnis genom- men. Darin würden eine mittelgradige depressive Episode und eine post- traumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Die im B ericht genannten Probleme bezögen sich – abgesehen von Schwierigkeiten in der Schweiz, zum Beispiel im Umgang mit anderen Migranten – vor allem auf seine Vor- bringen (Verfolgung durch Islamisten), die das SEM als unglaubhaft er- achte. Zusammenfassend stünden somit keine individuellen Gründe einem Vollzug der Wegweisung entgegen. Ausserdem sei der Vollzug der Weg- weisung technisch möglich und praktisch durchführbar. C. Mit Eingabe vom 21. Oktober 2016 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung des SEM ein und stellte die nachfolgend aufgeführten Rechts- begehren: Der Entscheid des SEM vom 19. September 2016 sei aufzuhe- ben und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen, der Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen beziehungsweise die vorläufige Aufnahme infolge Unzumutbarkeit der Rückkehr zu verfügen. Schliesslich sei auf die Erhe- bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D-6504/2016 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sic h vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im D-6504/2016 Seite 6 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seiner Beschwerdebe- gehren im Wesentlichen geltend, die entstandenen Widersprüche seien auf Missverständnisse oder auf Mängel bei der BzP zurückzuführen. Er sei als minderjährige Person anlässlich der BzP nervös und gestresst gewesen. Von ihm vorgebrachte Details seien damals nicht protokolliert, sein Rede- fluss stattdessen gestoppt worden. Dies habe bei ihm für Verwirrung und Unsicherheit gesorgt. Dementsprechend seien Details verloren gegangen, und es sei schwierig geworden, sich zu konzentrieren, da er nicht mehr gewusst habe, was er erzählen dürfe und was nicht. Nach dem Gesagten handle es sich bei den von der Vorinstanz festgestellten Unstimmigkeiten nicht um Widersprüche, sondern um Missverständnisse. Des Weiteren leide er an Depressionen, Ängsten sowie an einer posttrau- matischen Belastungsstörung. In seiner Heimat könne er nicht medizinisch behandelt werden, einerseits mangels geeigneter Therapien, andererseits mangels geeigneter Therapeuten. Zudem gebe es dort kein Krankenversi- cherungssystem, und alle Behandlungskosten müssten selbst getragen werden. Ausserdem habe er als Scheidungskind in seiner Heimat kein so- ziales Umfeld mehr und keine engen familiären Verhältnisse. 5.2 Diese Vorbringen in der Beschwerdeschrift sind nicht geeignet, zu einer veränderten Betrachtungsweise zu führen, zumal die Überlegungen, mit D-6504/2016 Seite 7 denen der Beschwerdeführer die von der Vorinstanz angeführten Unstim- migkeiten ausräumen will, auch nicht ansatzweise nachvollziehbar sind. So gibt es beispielsweise den vom Beschwerdeführer bemühten Zusammen- hang zwischen der angeblich lückenhaften Protokollierung , dem befra- gungsbedingten Stress und den von der Vorinstanz festgestellten Unstim- migkeiten in Wirklichkeit nicht. Beide Protokolle wurden dem Beschwerde- führer nach Abschluss der Befragung beziehungsweise Anhörung in eine ihm verständliche Sprache zurückübersetzt. Dementsprechend hätte er im Rahmen der Rückübersetzung Gelegenheit gehabt, diejenigen Details, welche seiner Meinung nach nicht protokolliert wurden, nachträglich einfü- gen zu lassen. Da er dies unterlassen hat, muss er sich bei seinen Erklä- rungen, wie sie in die Protokolle Ei ngang gefunden haben, behaften las- sen. Wie den entsprechenden Protokollen zu entnehmen ist, hat sich der Beschwerdeführer zu zahlreichen und wesentlichen Aspekten der geltend gemachten Verfolgungssituation diametral widersprüchlich geäussert. Bei- spielsweise machte er anlässlich der BzP ausdrücklich geltend, er sei we- gen der Entführung nicht bei der Polizei gewesen (vgl. A8/11 Ziff. 7.02 S. 7), während er demgegenüber anlässlich der Direktanhörung das Gegenteil behauptete (vgl. A26/29 F78 S. 11, F90 ff. S. 13). Dementsprechend drängt sich zur Erklärung der artiger Unstimmigkeiten zwangsläufig der Schluss auf, der Beschwerdeführer konnte bei seinen Schilderungen der angebli- chen Verfolgungssituation nicht auf Erinnerungen an tatsächliche Bege- benheiten zurückgrei fen und hat stattdessen eine Verfolgungssituation vollumfänglich erfunden. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Unstimmigkeiten einzugehen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann stattdessen an dieser Stelle auf die zutreffenden Erwägungen in der ange- fochtenen Verfügung verwiesen werden. 5.3 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Be- schwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaub- haft machen konnte. Das SEM hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). D-6504/2016 Seite 8 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrec htliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat für Migration das Anwesen- heitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völk errechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] , Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter u nd andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter - oder Rückreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Her- kunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer un- zumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Si- tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. W ird eine konkrete Gefährdung festge- stellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Auf- nahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat - oder in den Her- kunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.3 Das SEM führte in seinen Erwägungen zur Zulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs in zutreffender Weise aus, der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung finde vorliegend mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung und es erg äben sich keine An- haltspunkte für eine sich aus Art. 3 EMRK ergebende Unzulässigkeit des D-6504/2016 Seite 9 Wegweisungsvollzugs. Es sind zudem auch keine anderweitigen völker- rechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar, womit der Vollzug der Wegwei- sung als zulässig zu qualifizieren ist. 7.4 Gemäss Rechtsprechung des Gerichts herrscht in der ARK keine Situ- ation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG und es liegen keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme vor, dies werde sich in ab- sehbarer Zeit massgeblich verändern. Der Wegweisungsvollzug gilt für aus dieser Region stammende Kurden weiterhin als zumutbar, sofern begüns- tigende individuelle Faktoren – insbesondere ein tragfähiges familiäres Be- ziehungsnetzes – vorliegen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. D ezember 2015 E -3737/2015 E. 7.4 mit Verweis auf BVGE 2008/5, als Referenzurteil publiziert). Diese Rechtsprechung ist in naher Vergangenheit in mehreren Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts umgesetzt und bekräftigt worden (vgl. D-4824/2016 vom 16. August 2016, E-4108/2016 vom 4. August 2016). Der Beschwerdeführer ist kurdischer Ethnie und aufgrund der Akten kann geschlossen werden, dass er seit Geburt und insbesondere vor seiner Aus- reise in N._______ lebte; er kann dort nach wie vor auf ein Beziehungsnetz zurückgreifen. So leben dort seine Mutter – vermutlich auch sein Vater – sowie ein Bruder und eine Schwester. Vor seiner Ausreise lebte der Be- schwerdeführer gemeinsam mit seiner Mutter und den Geschwistern in ei- nem Haus. Er arbeitete bis kurz vor seiner Ausreise als Automechaniker, verfügt aber auch über Arbeitserfahrung als Tagelöhner, Zimmermann und Geflügelhändler. Anstatt weiterhin in einer allenfalls emotional belastenden Untätigkeit zu verweilen, kann er d erlei Aktivitäten nach der Rückkehr in den Heimatstaat umgehend wieder aufnehmen und damit seinen Lebens- unterhalt verdienen. Auch die ihm attestierte posttraumatische Belastungs- störung kann er im Heimatstaat ärztlich behandeln lassen, was ihm inso- fern von zusätzlichem Nutzen wäre, als er dort keinen Anlass haben dürfte, einem Arzt Verfolgungsgeschichten ohne hinreichenden Realitätsbezug zu unterbreiten (siehe in diesem Zusammenhang auch BVGE 2015/11 E. 7.2.2). Es ist davon auszugehen, dass er auch Zugang zur allenfalls er- forderlichen Therapie haben wird, hat er doch die Möglichkeit, in der Schweiz ein Gesuch um Gewährung medizinischer Rückkehrhilfe zu stel- len. Somit liegen bei dem aus der ARK stammenden Beschwerdeführer kurdi- scher Ethnie individuell begünstigende individuelle Faktoren vor. Der Weg- weisungsvollzug erweist sich als zumutbar. D-6504/2016 Seite 10 7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug z u Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserh eblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Mit dem Urteil in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 9.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass sich die Be- gehren des Beschwerdeführers als aussichtslos erwiesen haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt und der entsprechende Antrag ist abzuweisen. 9.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten de m Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen ( Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-6504/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser B etrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: