<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">381</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Auflösung Anstellungsverhältnis</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>79 Aufhebungsvertrag.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Konkrete Prüfung, ob ein gültiger Aufhebungsvertrag vorliegt oder ob</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zwingende Vorschriften zugunsten der Arbeitnehmenden verletzt wurden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. II/3 - 6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 27. Januar 2010 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen J. gegen S. (2-KL.2008.15).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">II.</span><br/> <span class="ft5">3.</span><br/> <span class="ft5">(Die Urteilsfähigkeit der Klägerin im Zeitpunkt der Unterzeich-</span><br/> <span class="ft5">nung der Austrittsvereinbarung vom 7. Februar 2008 wird im konkre-</span><br/> <span class="ft5">ten Fall trotz psychischer Beschwerden bejaht).</span><br/> <span class="ft5">4.</span><br/> <span class="ft5">Nachfolgend ist somit in einem nächsten Schritt zu prüfen, ob</span><br/> <span class="ft5">sich der Aufhebungsvertrag im Lichte der relevanten arbeitsrechtli-</span><br/> <span class="ft5">chen Vorschriften als zulässig erweist.</span><br/> <span class="ft5">4.1.</span><br/> <span class="ft5">Der obligationenrechtliche Aufhebungsvertrag findet seine</span><br/> <span class="ft5">Grundlage in der Vertragsfreiheit und ist daher grundsätzlich zulässig</span><br/> <span class="ft5">(Wolfgang Portmann, Der Aufhebungsvertrag im Individualarbeits-</span><br/> <span class="ft5">recht, in: Jusletter vom 20. Januar 2003, Rz. 12). Im kantonalen Per-</span><br/> <span class="ft5">sonalrecht sieht § 9 Abs. 1 PersG zudem ausdrücklich vor, dass die</span><br/> <span class="ft5">Vertragsparteien das Anstellungsverhältnis jederzeit im gegenseitigen</span><br/> <span class="ft5">Einvernehmen beendigen können. Als zweiseitiges Rechtsgeschäft</span><br/> <span class="ft5">fällt der Aufhebungsvertrag nicht unter den Begriff der Kündigung</span><br/> <span class="ft5">und kann daher die Kündigungsschutzbestimmungen nicht verletzen.</span><br/> <span class="ft5">Der Abschluss eines Aufhebungsvertrages ist jedoch unzulässig,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">382</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">wenn damit eine Umgehung zwingender Vorschriften (vgl. Art. 362</span><br/> <span class="ft5">Abs. 1 OR) bezweckt wird (vgl. Portmann, a.a.O., Rz. 13; BGE 119</span><br/> <span class="ft5">II 449, Erw. 2a mit Hinweis). Eine vertragliche Auflösung des Ar-</span><br/> <span class="ft5">beitsverhältnisses muss auf einem echten Vergleich beruhen, der ge-</span><br/> <span class="ft5">genseitige Zugeständnisse beinhaltet. Eine Vereinbarung, die diese</span><br/> <span class="ft5">Voraussetzungen nicht erfüllt, bindet die Parteien nicht. Der Aufhe-</span><br/> <span class="ft5">bungsvertrag bedarf keiner besonderen Form. Wird er vom Arbeitge-</span><br/> <span class="ft5">ber verfasst, muss dem Arbeitnehmer hingegen eine Bedenkzeit ein-</span><br/> <span class="ft5">geräumt werden. Der Aufhebungsvertrag ist im Übrigen auch dann</span><br/> <span class="ft5">ungültig, wenn er mit einem Willensmangel im Sinne von Art. 23 ff.</span><br/> <span class="ft5">OR behaftet ist.</span><br/> <span class="ft5">Erweist sich eine Aufhebungsvereinbarung als ungültig, ist da-</span><br/> <span class="ft5">von auszugehen, dass an ihrer Stelle die ordentliche gesetzliche Re-</span><br/> <span class="ft5">gelung Anwendung findet und die Parteien wieder so zu stellen sind,</span><br/> <span class="ft5">wie wenn sie keine solche Vereinbarung getroffen hätten. Wurde</span><br/> <span class="ft5">durch den ungültigen Aufhebungsvertrag das Arbeitsverhältnis vor</span><br/> <span class="ft5">Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist beendet, gilt es zu klären,</span><br/> <span class="ft5">ob der Arbeitgeber den Vertrag ordentlich oder mit sofortiger Wir-</span><br/> <span class="ft5">kung aufgelöst hätte, falls keine vertragliche Auflösung zustande</span><br/> <span class="ft5">gekommen wäre. Je nachdem kann der Angestellte eine Lohnzahlung</span><br/> <span class="ft5">bis zum Ende der ordentlichen Kündigungsfrist - beziehungsweise</span><br/> <span class="ft5">für die in Anwendung von Art. 324a und Art. 336c OR verlängerte</span><br/> <span class="ft5">Dauer - oder Schadenersatz und Genugtuung gestützt auf die</span><br/> <span class="ft5">Art. 337c Abs. 1 und 3 OR verlangen. Der Arbeitnehmer hat den Be-</span><br/> <span class="ft5">weis zu erbringen, dass ihm fristlos gekündigt worden wäre</span><br/> <span class="ft5">(vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 4A_495/2007 vom</span><br/> <span class="ft5">12. Januar 2009, Erw. 4.3.1 mit Hinweisen; PRGE vom 2. Juli 2009</span><br/> <span class="ft5">in Sachen E.W., Erw. II/5.1).</span><br/> <span class="ft5">4.2.</span><br/> <span class="ft5">In der von den Parteien unterzeichneten Austrittsvereinbarung</span><br/> <span class="ft5">vom 7. Februar 2008 wurde Folgendes festgehalten:</span><br/> <span class="ft3">"1. Das Anstellungsverhältnis wird in beidseitigem Einvernehmen per</span><br/> <span class="ft3">31. Juli 2008 aufgelöst. Auf Ihren Wunsch werden Sie spätestens</span><br/> <span class="ft3">Freitag, 14. März 2008, freigestellt. Die aufgelaufenen Pendenzen</span><br/> <span class="ft3">müssen aufgearbeitet und erledigt werden. Daraus kann bilateral</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">383</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">auch ein früheres Aufhebungsdatum abgeleitet und vereinbart wer-</span><br/> <span class="ft3">den.</span><br/> <span class="ft3">2. Die S. übernimmt die Kosten für ein Outplacement mit einem von</span><br/> <span class="ft3">ihr bestimmten Berater. Voraussetzung ist, dass das Outplacement</span><br/> <span class="ft3">unmittelbar nach Unterzeichnung dieser Vereinbarung eingeleitet</span><br/> <span class="ft3">wird.</span><br/> <span class="ft3">3. Sofern Sie vorzeitig eine Stelle finden, wird das Arbeitsverhältnis</span><br/> <span class="ft3">mit der S. unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von einem Mo-</span><br/> <span class="ft3">nat auf das Ende des der Kündigung folgenden Monats aufgelöst.</span><br/> <span class="ft3">4. Sie verpflichten sich zu einer loyalen Haltung gegenüber der S..</span><br/> <span class="ft3">Bei geschäftsschädigendem Verhalten kann die Arbeitgeberin nach</span><br/> <span class="ft3">einer Ermahnung im Wiederholungsfall das Arbeitsverhältnis nach</span><br/> <span class="ft3">Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist ohne weitere Lohnzah-</span><br/> <span class="ft3">lung sofort auflösen. Damit würden auch die Regelungen gemäss</span><br/> <span class="ft3">Punkt 1 - 2 dahinfallen. [...]</span><br/> <span class="ft3">Der Ferienanspruch ist mit dem vorzeitigen Austritt abgegolten."</span><br/> <span class="ft5">4.3.</span><br/> <span class="ft5">Der Inhalt der Austrittsvereinbarung vom 7. Februar 2008 ist</span><br/> <span class="ft5">vor dem Hintergrund der tatsächlichen Verhältnisse zu würdigen, wie</span><br/> <span class="ft5">sie sich bei der Vertragsunterzeichnung präsentierten (vgl. Urteil des</span><br/> <span class="ft5">Bundesgerichts 4C.27/2002 vom 19. April 2002, Erw. 3c).</span><br/> <span class="ft5">Den Akten lassen sich keine Hinweise entnehmen, dass der</span><br/> <span class="ft5">Klägerin fristlos gekündigt worden wäre, wenn sie den ihr vorge-</span><br/> <span class="ft5">legten Aufhebungsvertrag nicht unterzeichnet hätte. Die in Ziffer 1</span><br/> <span class="ft5">der Vereinbarung festgehaltene Klausel, gemäss welcher die aufge-</span><br/> <span class="ft5">laufenen Pendenzen aufgearbeitet und erledigt werden müssten, deu-</span><br/> <span class="ft5">tet vielmehr darauf hin, dass das Vertrauensverhältnis zwischen der</span><br/> <span class="ft5">Klägerin und der Beklagten nicht in einer Weise gestört war, die eine</span><br/> <span class="ft5">weitere Zusammenarbeit per sofort unzumutbar gemacht hätte. Von</span><br/> <span class="ft5">der Klägerin wird denn auch nicht geltend gemacht, dass ihr eine</span><br/> <span class="ft5">fristlose Kündigung gedroht hätte.</span><br/> <span class="ft5">Um festzustellen, ob die fragliche Austrittsvereinbarung einen</span><br/> <span class="ft5">fairen Ausgleich der auf dem Spiel stehenden Interessen der Parteien</span><br/> <span class="ft5">beinhaltet, ist somit ein Vergleich mit derjenigen Situation anzu-</span><br/> <span class="ft5">stellen, welche die Klägerin zu gewärtigen gehabt hätte, wenn ihr</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">anstelle der vertraglichen Auflösung des Dienstverhältnisses ordent-</span><br/> <span class="ft5">lich gekündigt worden wäre.</span><br/> <span class="ft5">4.4.</span><br/> <span class="ft5">Der hauptsächliche finanzielle Vorteil für die Klägerin, der ihr</span><br/> <span class="ft5">mit der vertraglichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses angeboten</span><br/> <span class="ft5">wurde, liegt in der in Ziffer 1 der Austrittsvereinbarung vorgese-</span><br/> <span class="ft5">henen Freistellung ab spätestens Mitte März 2008 bei gleichzeitiger</span><br/> <span class="ft5">Lohnfortzahlung während viereinhalb Monaten.</span><br/> <span class="ft5">Davon abzuziehen sind die Ferientage, auf deren Bezug die</span><br/> <span class="ft5">Klägerin mit Unterzeichnung der Austrittsvereinbarung ausdrücklich</span><br/> <span class="ft5">verzichtete. Gemäss den Akten hatte die Klägerin ein Guthaben rest-</span><br/> <span class="ft5">licher Ferientage aus dem Jahr 2007 von zehn Tagen, von denen sie</span><br/> <span class="ft5">im Januar 2008 sieben Tage bezogen hatte. Bis zum vereinbarten</span><br/> <span class="ft5">Zeitpunkt der Auflösung des Anstellungsverhältnisses per 31. Juli</span><br/> <span class="ft5">2008 hätte die Klägerin bei einem Jahresguthaben von 25 Ferien-</span><br/> <span class="ft5">tagen pro rata temporis Anspruch auf den Bezug von 15 Ferientagen</span><br/> <span class="ft5">gehabt. Insgesamt verzichtete die Klägerin mit der Unterzeichnung</span><br/> <span class="ft5">der Austrittsvereinbarung somit auf 18 Ferientage.</span><br/> <span class="ft5">Der wirtschaftliche Wert der vereinbarten Freistellung mit</span><br/> <span class="ft5">Lohnfortzahlung beläuft sich somit auf einen Betrag in der Höhe von</span><br/> <span class="ft5">gut dreieinhalb Monatslöhnen.</span><br/> <span class="ft5">4.5.</span><br/> <span class="ft5">4.5.1.</span><br/> <span class="ft5">Zudem wurde der Klägerin in Ziffer 2 der Vereinbarung die Fi-</span><br/> <span class="ft5">nanzierung eines Outplacements mit einem von der Beklagten be-</span><br/> <span class="ft5">stimmten Coach in Aussicht gestellt. Aus dem Schreiben der mit der</span><br/> <span class="ft5">Führung dieses Mandats beauftragten H. Consulting geht hervor,</span><br/> <span class="ft5">dass die in Aussicht gestellte Unterstützung bei der Stellensuche auf</span><br/> <span class="ft5">24 Beratungsgespräche ausgerichtet war. Dies wäre für die Beklagte</span><br/> <span class="ft5">mit voraussichtlichen Kosten in der Grössenordnung eines weiteren</span><br/> <span class="ft5">Monatslohnes verbunden gewesen.</span><br/> <span class="ft5">4.5.2.</span><br/> <span class="ft5">Beim Berater H. von der H. Consulting handelt es sich um eine</span><br/> <span class="ft5">Person, die der Personalchef der Beklagten gemäss eigenen Angaben</span><br/> <span class="ft5">während einer gemeinsamen Ausbildung kennengelernt hatte und die</span><br/> <span class="ft5">von der Beklagten bereits bei den früheren Austritten jeweils beige-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">zogen wurde. Der Beizug eines - wenn auch nicht engen - persönli-</span><br/> <span class="ft5">chen Bekannten für das Outplacement einer Mitarbeiterin erscheint</span><br/> <span class="ft5">vorliegend insofern heikel, als die psychische Erkrankung der Klä-</span><br/> <span class="ft5">gerin offenbar in einem direkten Zusammenhang mit ihrer persönli-</span><br/> <span class="ft5">chen Arbeitssituation stand. Dies hätte der Beklagten spätestens auf-</span><br/> <span class="ft5">grund der mit der Klägerin während der krankheitsbedingten Abwe-</span><br/> <span class="ft5">senheit Ende Januar 2008 geführten Gespräche bewusst gewesen sein</span><br/> <span class="ft5">müssen.</span><br/> <span class="ft5">Nach dem ersten Gespräch mit H. äusserte die Klägerin gegen-</span><br/> <span class="ft5">über ihrem direkten Vorgesetzten zudem, dass sie den Berater "eher</span><br/> <span class="ft5">unsympathisch" finde. Trotz dieser Äusserung wurde jedoch an der</span><br/> <span class="ft5">Person des Beraters festgehalten und der Klägerin keine Alternative</span><br/> <span class="ft5">in Aussicht gestellt. Vor diesem Hintergrund ist die Zusage der Klä-</span><br/> <span class="ft5">gerin, es mit H. versuchen zu wollen, in erster Linie als Ausdruck der</span><br/> <span class="ft5">fehlenden Wahlmöglichkeit zu verstehen.</span><br/> <span class="ft5">Aus den Akten geht sodann hervor, dass der Berater H. an der</span><br/> <span class="ft5">Besprechung vom 7. Februar 2008, an welcher die Austrittsvereinba-</span><br/> <span class="ft5">rung unterzeichnet wurde, teilgenommen hat. H. hatte ein eigenes</span><br/> <span class="ft5">Interesse an der Unterzeichnung der Austrittsvereinbarung durch die</span><br/> <span class="ft5">Klägerin. Bei einer Unterschriftsverweigerung wäre sein Beratungs-</span><br/> <span class="ft5">mandat nicht zustandegekommen. Seine Gesprächsteilnahme ist</span><br/> <span class="ft5">daher grundsätzlich geeignet, Zweifel an seinem Rollenverständnis</span><br/> <span class="ft5">aufkommen zu lassen.</span><br/> <span class="ft5">4.5.3.</span><br/> <span class="ft5">Die Vorbehalte gegenüber dem von der Beklagten angeregten</span><br/> <span class="ft5">Outplacement durch die H. Consulting werden anderseits vorliegend</span><br/> <span class="ft5">insofern gemildert, als H. sein Beratungsmandat offenbar weitgehend</span><br/> <span class="ft5">unabhängig ausüben konnte und seine Gesprächsteilnahme am 7. Fe-</span><br/> <span class="ft5">bruar 2008 zumindest nicht gegen den Willen der Klägerin erfolgte.</span><br/> <span class="ft5">Ebenfalls zu Gunsten der Beklagten zu berücksichtigen ist schliess-</span><br/> <span class="ft5">lich, dass die Klägerin keine grundsätzlichen Einwände gegen das</span><br/> <span class="ft5">Outplacement vorbrachte, nach Abschluss der Austrittsvereinbarung</span><br/> <span class="ft5">gemäss eigenen Angaben mehrere Beratungsgespräche mit H. in An-</span><br/> <span class="ft5">spruch nahm und die Laufbahnberatung lediglich krankheitsbedingt</span><br/> <span class="ft5">aufgab.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">4.5.4.</span><br/> <span class="ft5">Bei einer Bewertung der oben aufgeführten Umstände ist der</span><br/> <span class="ft5">wirtschaftliche Vorteil, welcher der Klägerin mit der Finanzierung ei-</span><br/> <span class="ft5">ner Laufbahnberatung eingeräumt wurde, im Vergleich zu den</span><br/> <span class="ft5">budgetierten Kosten nur in geringem Masse zu relativieren und mit</span><br/> <span class="ft5">einem knappen Monatslohn zu beziffern.</span><br/> <span class="ft5">4.6.</span><br/> <span class="ft5">Im Übrigen ist die Auflösung des Arbeitsverhältnisses in gegen-</span><br/> <span class="ft5">seitigem Einvernehmen für das berufliche Fortkommen der Klägerin</span><br/> <span class="ft5">grundsätzlich günstiger, als wenn sie entlassen worden wäre</span><br/> <span class="ft5">(vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2A.650/2006 vom 30. Mai</span><br/> <span class="ft5">2007, Erw. 2.2.1).</span><br/> <span class="ft5">4.7.</span><br/> <span class="ft5">Mit der Unterzeichnung des Aufhebungsvertrages verzichtete</span><br/> <span class="ft5">die Klägerin andererseits auf den ihr zustehenden Kündigungsschutz.</span><br/> <span class="ft5">4.7.1.</span><br/> <span class="ft5">Trotz des Verweises auf die Bestimmungen des Obligationen-</span><br/> <span class="ft5">rechts geht der effektive Kündigungsschutz von öffentlichrechtlichen</span><br/> <span class="ft5">Angestellten weiter als derjenige im Privatrecht. Der staatliche Ar-</span><br/> <span class="ft5">beitgeber darf, anders als Private, eine Kündigung nur aussprechen,</span><br/> <span class="ft5">wenn sachliche Gründe vorliegen. Mangels einer entsprechenden</span><br/> <span class="ft5">Regelung im Anstellungsreglement ist diesbezüglich zusätzlich sinn-</span><br/> <span class="ft5">gemäss das kantonale Recht, insbesondere § 10 Abs. 1 PersG, heran-</span><br/> <span class="ft5">zuziehen (vgl. PRGE vom 17. September 2009 in Sachen H.B.,</span><br/> <span class="ft5">Erw. II/1.2).</span><br/> <span class="ft5">4.7.2.</span><br/> <span class="ft5">Im Verfahren vor dem Personalrekursgericht macht die Be-</span><br/> <span class="ft5">klagte geltend, die Arbeitsleistungen der Klägerin seien in verschie-</span><br/> <span class="ft5">dener Hinsicht mangelhaft gewesen. Zudem habe sich ihr Verhalten</span><br/> <span class="ft5">am Arbeitsplatz negativ auf die Arbeitsleistungen und das Arbeits-</span><br/> <span class="ft5">klima ausgewirkt. Mangelnde Eignung im Sinne von § 10 Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">lit. b PersG wird der Klägerin demgegenüber nicht vorgeworfen</span><br/> <span class="ft5">(vgl. AGVE 2007, S. 355 ff.). Gemäss § 10 Abs. 1 lit. c PersG setzt</span><br/> <span class="ft5">die Kündigung wegen Mängeln in der Leistung oder im Verhalten in</span><br/> <span class="ft5">aller Regel voraus, dass diese sich trotz schriftlicher Abmahnung</span><br/> <span class="ft5">während der angesetzten Bewährungszeit fortsetzen. Zudem haben</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">öffentlichrechtliche Angestellte gestützt auf Art. 29 Abs. 2 BV An-</span><br/> <span class="ft5">spruch darauf, vor Erlass der Kündigung angehört zu werden.</span><br/> <span class="ft5">4.7.3.</span><br/> <span class="ft5">Aus den Akten geht hervor, dass die Klägerin von der Beklagten</span><br/> <span class="ft5">weder schriftlich gemahnt noch ihr eine Bewährungszeit angesetzt</span><br/> <span class="ft5">wurde. Wenn die Klägerin die Austrittsvereinbarung nicht unter-</span><br/> <span class="ft5">zeichnet hätte, wäre somit eine einseitige Vertragsauflösung durch</span><br/> <span class="ft5">die Beklagte erst nach erfolgloser schriftlicher Mahnung und Ablauf</span><br/> <span class="ft5">einer angemessenen - in casu wohl mehrmonatigen - Bewährungszeit</span><br/> <span class="ft5">sowie eines anschliessend einzuräumenden rechtlichen Gehörs zuläs-</span><br/> <span class="ft5">sig gewesen. Zudem hätte die Beklagte die dreimonatige Kündi-</span><br/> <span class="ft5">gungsfrist gemäss Art. 35 Abs. 2 Anstellungsreglement (im Folgen-</span><br/> <span class="ft5">den: AR) einhalten müssen.</span><br/> <span class="ft5">Falls die Beklagte diese Verfahrenspflichten nicht beachtet und</span><br/> <span class="ft5">statt dessen der Klägerin im Falle einer Unterschriftsverweigerung</span><br/> <span class="ft5">ohne vorgängige schriftliche Mahnung und Ansetzung einer Bewäh-</span><br/> <span class="ft5">rungszeit gekündigt hätte, hätte die Klägerin einen Entschädigungs-</span><br/> <span class="ft5">anspruch wegen unrechtmässiger Kündigung in der Höhe von ma-</span><br/> <span class="ft5">ximal sechs Monatslöhnen geltend machen können (vgl. Art. 336a</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 OR). Aufgrund der Praxis zu Art. 336a Abs. 2 OR ist indessen</span><br/> <span class="ft5">davon auszugehen, dass der Klägerin vor Gericht kaum eine drei</span><br/> <span class="ft5">Monatslöhne übersteigende Entschädigung zugesprochen worden</span><br/> <span class="ft5">wäre (vgl. etwa PRGE vom 2. April 2009 in Sachen B.B., Erw. II/6).</span><br/> <span class="ft5">Die Klägerin wäre daher im Falle einer Missachtung des ordent-</span><br/> <span class="ft5">lichen Kündigungsprozederes durch die Beklagte wirtschaftlich in</span><br/> <span class="ft5">etwa gleich gestellt gewesen, wie wenn diese die entsprechenden</span><br/> <span class="ft5">Vorschriften eingehalten und die Kündigung erst nach Ablauf der Be-</span><br/> <span class="ft5">währungszeit ausgesprochen hätte.</span><br/> <span class="ft5">5.</span><br/> <span class="ft5">Für die Beurteilung der Frage, ob es sich bei dem von den Par-</span><br/> <span class="ft5">teien abgeschlossenen Aufhebungsvertrag um einen echten Vergleich</span><br/> <span class="ft5">handelt, der auf gegenseitigem Nachgeben beruht, ist in einem näch-</span><br/> <span class="ft5">sten Schritt zu prüfen, welche rechtlichen Folgen sich für die Partei-</span><br/> <span class="ft5">en - je nach der weiteren Entwicklung des Gesundheitszustandes der</span><br/> <span class="ft5">Klägerin - im Extremfall beziehungsweise bei dem, was im Zeit-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">388</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">punkt der Vertragsunterzeichnung objektiv zu erwarten war, hätten</span><br/> <span class="ft5">ergeben können.</span><br/> <span class="ft5">Wie schon weiter oben ausgeführt wurde, ist in casu davon aus-</span><br/> <span class="ft5">zugehen, dass die Klägerin im damaligen Zeitpunkt aufgrund einer</span><br/> <span class="ft5">depressiven Krise berufliche oder häusliche Anforderungen grund-</span><br/> <span class="ft5">sätzlich nicht mehr oder nur noch zeitweilig bewältigen konnte, sich</span><br/> <span class="ft5">jedoch offenbar gleichzeitig in der Lage fühlte, ihre Arbeitstätigkeit</span><br/> <span class="ft5">nach einer zweiwöchigen Absenz ab dem 4. Februar 2008 wieder zu</span><br/> <span class="ft5">50% aufzunehmen und bis zum 7. März 2008 in diesem Umfang</span><br/> <span class="ft5">fortzuführen. Entsprechend wird im Folgenden davon ausgegangen,</span><br/> <span class="ft5">dass die Klägerin im Zeitpunkt der Unterzeichnung der Austritts-</span><br/> <span class="ft5">vereinbarung zu 50% arbeitsunfähig war.</span><br/> <span class="ft5">5.1.</span><br/> <span class="ft5">Im hypothetischen "Idealfall", in welchem die Klägerin innert</span><br/> <span class="ft5">kurzer Zeit wieder vollständig genesen und zu 100% arbeitsfähig ge-</span><br/> <span class="ft5">worden wäre und die Beklagte der Klägerin eine mehrmonatige Be-</span><br/> <span class="ft5">währungszeit (während der Monate Februar, März und April 2008)</span><br/> <span class="ft5">sowie anschliessend das rechtliche Gehör gewährt hätte, hätte das</span><br/> <span class="ft5">Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der dreimonatigen Kündigungs-</span><br/> <span class="ft5">frist per 31. Juli 2008 rechtmässig gekündigt werden können.</span><br/> <span class="ft5">In dieser Konstellation hätte die zu überprüfende Austrittsver-</span><br/> <span class="ft5">einbarung demnach die Dauer des Anstellungsverhältnisses nicht</span><br/> <span class="ft5">verkürzt und der Klägerin eine Freistellung während gut vier Mo-</span><br/> <span class="ft5">naten bei gleichzeitiger Lohnfortzahlung sowie die Finanzierung</span><br/> <span class="ft5">eines Outplacements verschafft.</span><br/> <span class="ft5">5.2.</span><br/> <span class="ft5">Für den Fall einer langdauernden krankheitsbedingten Arbeits-</span><br/> <span class="ft5">unfähigkeit der Klägerin ergibt sich demgegenüber ein anderes Bild.</span><br/> <span class="ft5">5.2.1.</span><br/> <span class="ft5">Gemäss Art. 35 Abs. 1 AR in Verbindung mit Art. 336c Abs. 1</span><br/> <span class="ft5">lit. b OR darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nach Ablauf der</span><br/> <span class="ft5">Probezeit nicht kündigen, wenn der Arbeitnehmer ohne eigenes Ver-</span><br/> <span class="ft5">schulden durch Krankheit oder Unfall ganz oder teilweise an der Ar-</span><br/> <span class="ft5">beitsleistung verhindert ist; dieser Kündigungsschutz dauert im ers-</span><br/> <span class="ft5">ten Jahr 30 Tage, ab zweitem bis fünftem Dienstjahr 90 Tage und ab</span><br/> <span class="ft5">sechstem Dienstjahr 180 Tage.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">389</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Da die Klägerin während mehr als fünf Jahren bei der Beklag-</span><br/> <span class="ft5">ten angestellt war, wäre eine einseitige Vertragsauflösung bei An-</span><br/> <span class="ft5">dauern der Erkrankung während einer Sperrfrist von maximal</span><br/> <span class="ft5">180 Tagen ausgeschlossen gewesen. Ab dem 18. Januar 2008 war die</span><br/> <span class="ft5">Klägerin krankheitsbedingt an der Arbeit verhindert. Am 4. Februar</span><br/> <span class="ft5">2008 nahm sie ihre Tätigkeit mit einem reduzierten Pensum von 50%</span><br/> <span class="ft5">wieder auf.</span><br/> <span class="ft5">Eine ordentliche Kündigung unter Beachtung der gesetzlichen</span><br/> <span class="ft5">Sperrfrist wäre im gesundheitlich schlechtesten Fall - der vorliegend</span><br/> <span class="ft5">offenbar eingetreten ist - aufgrund der sechsmonatigen Sperrfrist</span><br/> <span class="ft5">(vom 18. Januar 2008 bis zum 17. Juli 2008) erst per 31. Oktober</span><br/> <span class="ft5">2008 möglich gewesen. Das Ansetzen einer Bewährungszeit hätte</span><br/> <span class="ft5">sich diesfalls indessen aufgrund andauernder Arbeitsunfähigkeit der</span><br/> <span class="ft5">Klägerin und somit mangelnder Eignung für die Erfüllung der ver-</span><br/> <span class="ft5">traglich vereinbarten Arbeit erübrigt (vgl. § 10 Abs. 1 lit. b PersG).</span><br/> <span class="ft5">Es ist daher anzunehmen, dass die Beklagte das Arbeitsverhältnis mit</span><br/> <span class="ft5">der Klägerin per 31. Oktober 2008 einseitig aufgelöst hätte.</span><br/> <span class="ft5">5.2.2.</span><br/> <span class="ft5">Für den Krankheitsfall sieht Art. 1 Anhang 7 AR einen über</span><br/> <span class="ft5">Art. 324a OR hinausgehenden Lohnfortzahlungsanspruch vor. Ge-</span><br/> <span class="ft5">mäss dieser Bestimmung dauert die Lohnfortzahlung bei vorüberge-</span><br/> <span class="ft5">hender Arbeitsunfähigkeit höchstens sechs Monate, soweit sie nicht</span><br/> <span class="ft5">vorsätzlich oder grobfahrlässig verschuldet ist (Abs. 2). Dauert die</span><br/> <span class="ft5">Arbeitsunfähigkeit länger, so werden im siebten und achten Monat</span><br/> <span class="ft5">der Arbeitsunfähigkeit 90% und vom neunten bis zwölften Monat</span><br/> <span class="ft5">80% des Gehalts bezahlt, soweit nicht eine Überweisung wegen</span><br/> <span class="ft5">Invalidität an die Pensionskasse angezeigt ist (Abs. 3).</span><br/> <span class="ft5">Die Arbeitsunfähigkeit der Klägerin begann am 18. Januar 2008</span><br/> <span class="ft5">und es liegen keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche oder grob-</span><br/> <span class="ft5">fahrlässige Verursachung vor. Entsprechend hätte die Klägerin ohne</span><br/> <span class="ft5">Aufhebungsvertrag gegenüber der Beklagten bis zum 17. Juli 2008</span><br/> <span class="ft5">Anspruch auf den vollen Lohn gehabt, bis zum 17. September 2008</span><br/> <span class="ft5">auf 90% und bis zum Ende des Anstellungsverhältnisses auf 80% des</span><br/> <span class="ft5">Lohnes.</span><br/> <span class="ft5">Da sich die Klägerin freiwillig der kollektiven Krankentaggeld-</span><br/> <span class="ft5">versicherung der Beklagten angeschlossen hat, stehen ihr bei krank-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">390</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">heitsbedingter Arbeitsunfähigkeit zudem 720 Taggelder in der Höhe</span><br/> <span class="ft5">von 80% ihres letzten monatlichen Bruttolohnes (inkl. Anteil</span><br/> <span class="ft5">13. Monatslohn) zu. Während der Klägerin offenbar seit dem Klinik-</span><br/> <span class="ft5">aufenthalt in R. bis im Herbst 2009 durchgehend eine Arbeitsunfä-</span><br/> <span class="ft5">higkeit von 100% attestiert wurde, ist sie im heutigen Zeitpunkt wie-</span><br/> <span class="ft5">der zu 50% arbeitsfähig, hat jedoch gemäss eigenen Angaben noch</span><br/> <span class="ft5">keine neue Arbeitsstelle gefunden. Aufgrund dieser Verbesserung der</span><br/> <span class="ft5">gesundheitlichen Situation besteht die Hoffnung, dass die Klägerin</span><br/> <span class="ft5">die volle Bezugsdauer der Krankentaggelder nicht wird in Anspruch</span><br/> <span class="ft5">nehmen müssen. Andernfalls würde mit der Einstellung der Kranken-</span><br/> <span class="ft5">taggelder unter Umständen die Zusprechung einer IV-Rente sowie</span><br/> <span class="ft5">von entsprechenden Leistungen der beruflichen Vorsorge aktuell.</span><br/> <span class="ft5">Aufgrund dieser sozialen Abfederung erleidet die Klägerin bei</span><br/> <span class="ft5">einem Vergleich mit der Situation im Falle einer einseitigen Ver-</span><br/> <span class="ft5">tragsauflösung durch die in der Austrittsverereinbarung festgehaltene</span><br/> <span class="ft5">Regelung selbst im ungünstigsten Fall einer Langzeiterkrankung nur</span><br/> <span class="ft5">einen relativ geringfügigen wirtschaftlichen Nachteil. Die Lohnein-</span><br/> <span class="ft5">busse, welche aus der um drei Monate verkürzten Anstellungsdauer</span><br/> <span class="ft5">resultiert, wird zum überwiegenden Teil durch die reglementarisch</span><br/> <span class="ft5">vorgesehene Lohnfortzahlung, die Krankentaggelder und - in dem</span><br/> <span class="ft5">aufgrund der aktuellen gesundheitlichen Entwicklung eher unwahr-</span><br/> <span class="ft5">scheinlichen Invaliditätsfall - durch entsprechende Leistungen der IV</span><br/> <span class="ft5">und der Pensionskasse abgedeckt. Der aus der Austrittsvereinbarung</span><br/> <span class="ft5">maximal zu erwartende finanzielle Nachteil für die Klägerin beläuft</span><br/> <span class="ft5">sich somit auf einen Betrag in der Grössenordnung von ein bis zwei</span><br/> <span class="ft5">Monatslöhnen.</span><br/> <span class="ft5">5.2.3.</span><br/> <span class="ft5">Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist somit festzustellen,</span><br/> <span class="ft5">dass das Anstellungsverhältnis der Klägerin in dem für sie ungüns-</span><br/> <span class="ft5">tigsten Fall aufgrund der Unterzeichnung der Austrittsvereinbarung</span><br/> <span class="ft5">drei Monate früher endete als wenn ihr die Beklagte ordentlich ge-</span><br/> <span class="ft5">kündigt hätte. Dieser frühere Auflösungszeitpunkt hat jedoch auf-</span><br/> <span class="ft5">grund der sozialversicherungsrechtlichen Absicherung der Klägerin</span><br/> <span class="ft5">nur nachteilige finanzielle Folgen in der Grössenordnung von ein bis</span><br/> <span class="ft5">zwei Monatslöhnen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">391</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">5.3.</span><br/> <span class="ft5">Von zentraler Bedeutung für die Beurteilung der Austrittsver-</span><br/> <span class="ft5">einbarung ist sodann, von welcher gesundheitlichen Entwicklung im</span><br/> <span class="ft5">Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung bei einer realistischen Betrach-</span><br/> <span class="ft5">tungsweise auszugehen war und welche finanziellen Folgen dies für</span><br/> <span class="ft5">die Klägerin ausgelöst hätte.</span><br/> <span class="ft5">5.3.1.</span><br/> <span class="ft5">Diesbezüglich ist vorweg nochmals festzuhalten, dass die Klä-</span><br/> <span class="ft5">gerin gemäss den Akten offenbar von anfangs Februar bis anfangs</span><br/> <span class="ft5">März 2008 zu 50% arbeitsfähig war.</span><br/> <span class="ft5">Wegen der psychischen Erkrankung der Klägerin hätte das An-</span><br/> <span class="ft5">stellungsverhältnis im damaligen Zeitpunkt nicht einseitig durch die</span><br/> <span class="ft5">Beklagte aufgelöst werden können (vgl. Art. 336c Abs. 1 lit. b OR).</span><br/> <span class="ft5">Zudem bestand eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass sich die</span><br/> <span class="ft5">Vertragsbeendigung aufgrund der zu beachtenden Sperrfrist von ma-</span><br/> <span class="ft5">ximal 180 Tagen über den 31. Juli 2008 hinaus verzögert hätte. Die</span><br/> <span class="ft5">Schilderungen im ärztlichen Bericht vom 24. Oktober 2008 lassen</span><br/> <span class="ft5">indessen nicht den Schluss zu, bereits damals sei klar gewesen, dass</span><br/> <span class="ft5">die gesundheitliche Beeinträchtigung zu einer längeren vollständigen</span><br/> <span class="ft5">Arbeitsunfähigkeit der Klägerin führen würde. Vielmehr durfte da-</span><br/> <span class="ft5">von ausgegangen werden, dass die Erkrankung einen wesentlich</span><br/> <span class="ft5">günstigeren Verlauf nehmen würde: Zum einen war es vor dem</span><br/> <span class="ft5">18. Januar 2008 offenbar zu keinen krankheitsbedingten Arbeitsaus-</span><br/> <span class="ft5">fällen der Klägerin gekommen, die auf eine drohende Langzeiter-</span><br/> <span class="ft5">krankung hingewiesen hätten. Zum anderen bestand mit der Freistel-</span><br/> <span class="ft5">lung von der offenbar belastenden Arbeitssituation sowie der in An-</span><br/> <span class="ft5">griff genommenen Psychotherapie und der parallel gestarteten Lauf-</span><br/> <span class="ft5">bahnberatung grundsätzlich eine gute Ausgangslage für eine baldige</span><br/> <span class="ft5">Verbesserung des psychischen Wohlbefindens der Klägerin.</span><br/> <span class="ft5">5.3.2.</span><br/> <span class="ft5">Realistisch betrachtet gab es somit - insbesondere vor dem</span><br/> <span class="ft5">Hintergrund der erneuten Arbeitsaufnahme am 4. Februar 2008 zu</span><br/> <span class="ft5">50% - berechtigten Anlass zur Annahme, dass die Arbeitsfähigkeit</span><br/> <span class="ft5">der Klägerin vorerst zumindest auf diesem Niveau erhalten bleiben</span><br/> <span class="ft5">und sich in den folgenden Monaten allmählich wieder auf 100%</span><br/> <span class="ft5">verbessern würde.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">392</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">5.3.3.</span><br/> <span class="ft5">Dies wiederum würde bedeuten, dass die Klägerin trotz ihrer</span><br/> <span class="ft5">psychischen Erkrankung durchaus von der angebotenen Freistellung</span><br/> <span class="ft5">mit Lohnfortzahlung hätte profitieren können, wenn auch nur im ent-</span><br/> <span class="ft5">sprechend reduzierten Umfang von mindestens zwei Monatslöhnen</span><br/> <span class="ft5">(vier Monate Lohnfortzahlung bei einer Arbeitsfähigkeit von</span><br/> <span class="ft5">ca. 50%). Stellt man dieses finanzielle Entgegenkommen und die</span><br/> <span class="ft5">weiteren Vorteile (insbesondere der Finanzierung eines Outplace-</span><br/> <span class="ft5">ments) den Lohnansprüchen der Klägerin gegenüber, auf welche</span><br/> <span class="ft5">diese durch die vertragliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses per</span><br/> <span class="ft5">31. Juli 2008 verzichtete, kann in Bezug auf die naheliegendste Ent-</span><br/> <span class="ft5">wicklung nicht davon gesprochen werden, mit der Austrittsverein-</span><br/> <span class="ft5">barung vom 7. Februar 2008 sei kein echter Vergleich mit gegensei-</span><br/> <span class="ft5">tigen Zugeständnissen abgeschlossen worden.</span><br/> <span class="ft5">5.4.</span><br/> <span class="ft5">Bei einer Gegenüberstellung der vorstehend geschilderten drei</span><br/> <span class="ft5">möglichen Fallkonstellationen (vgl. Erw. II/5.1 - 5.3; zwischen dem</span><br/> <span class="ft5">"Idealfall" und dem "Worst Case" gibt es selbstverständlich unzäh-</span><br/> <span class="ft5">lige denkbare Varianten) kommt das Personalrekursgericht zum</span><br/> <span class="ft5">Schluss, dass die vorliegende Austrittsvereinbarung einen echten</span><br/> <span class="ft5">Vergleich darstellt, welcher den berechtigten Interessen beider Partei-</span><br/> <span class="ft5">en - bezogen auf den Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung - ange-</span><br/> <span class="ft5">messen Rechnung trägt. Während die Klägerin im "Idealfall" im</span><br/> <span class="ft5">vollen Umfang von der angebotenen Freistellung hätte profitieren</span><br/> <span class="ft5">können, hätte sie im "Worst Case" lediglich eine relativ geringfügige</span><br/> <span class="ft5">Lohneinbusse von ein bis zwei Monatslöhnen erlitten. Bei einer im</span><br/> <span class="ft5">Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung als realistisch zu bezeichnen-</span><br/> <span class="ft5">den Variante hätte die Klägerin schliesslich aus der getroffenen Ver-</span><br/> <span class="ft5">einbarung ebenfalls namhafte Vorteile ziehen können. Unter diesen</span><br/> <span class="ft5">Umständen ist die inhaltliche Regelung des Aufhebungsvertrages</span><br/> <span class="ft5">vom 7. Februar 2008 - unter dem Vorbehalt allfälliger Willensmängel</span><br/> <span class="ft5">(vgl. Erw. II/6) - nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft5">Die Argumentation der Klägerin, wonach die Beklagte auf eine</span><br/> <span class="ft5">Austrittsvereinbarung gedrängt habe, weil sie die "Alarmlampen" der</span><br/> <span class="ft5">Sperrfrist habe leuchten sehen, entbehrt jeder Grundlage. Dies ergibt</span><br/> <span class="ft5">sich zum einen daraus, dass - wie gesehen - die Austrittsvereinbarung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">AuflösungAnstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">393</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">auf beidseitigen Zugeständnissen beruht. Zum anderen ist wesent-</span><br/> <span class="ft5">lich, dass der Abschluss einer Austrittsvereinbarung bereits vor dem</span><br/> <span class="ft5">krankheitsbedingten Arbeitsausfall der Klägerin am 18. Januar 2008</span><br/> <span class="ft5">angestrebt wurde und dieses Bestreben offenbar auf die aus Sicht der</span><br/> <span class="ft5">Beklagten ungenügenden Leistungen der Klägerin zurückzuführen</span><br/> <span class="ft5">war.</span><br/> <span class="ft5">5.5.</span><br/> <span class="ft5">Wird der Aufhebungsvertrag - wie im vorliegenden Fall - durch</span><br/> <span class="ft5">den Arbeitgeber vorformuliert, so ist dem Arbeitnehmer vorgängig</span><br/> <span class="ft5">eine angemessene Bedenkfrist einzuräumen (vgl. Urteil des Bundes-</span><br/> <span class="ft5">gerichts 4A_495/2007 vom 12. Januar 2009, Erw. 4.3.1.1).</span><br/> <span class="ft5">Gemäss den Akten wurde die Klägerin von der Beklagten erst</span><br/> <span class="ft5">am Morgen des 7. Februar 2008 informiert, dass am Nachmittag ein</span><br/> <span class="ft5">weiteres Gespräch stattfinden würde. Wie bereits ausgeführt wurde,</span><br/> <span class="ft5">hatte die Klägerin jedoch spätestens seit Ende Januar 2008 Kenntnis</span><br/> <span class="ft5">davon, dass die Beklagte das Arbeitsverhältnis mit ihr einvernehm-</span><br/> <span class="ft5">lich beendigen wollte und in diesem Zusammenhang eine Freistel-</span><br/> <span class="ft5">lung mit Lohnfortzahlung und ein Outplacement in Aussicht stellte.</span><br/> <span class="ft5">Als die Klägerin am 4. Februar 2008 ihre Arbeit erneut aufnahm, um</span><br/> <span class="ft5">Pendenzen abzubauen, war ihr zudem bewusst, dass dies Vertrags-</span><br/> <span class="ft5">bestandteil sein würde. Ebenso konnte sie aufgrund ihrer Kenntnis</span><br/> <span class="ft5">früherer Austrittsvereinbarungen der Beklagten mit einer vollen</span><br/> <span class="ft5">Lohnfortzahlung während rund sechs Monaten rechnen. Unklar war</span><br/> <span class="ft5">offenbar einzig, ob die Beklagte auch einen Passus betreffend die Fi-</span><br/> <span class="ft5">nanzierung einer allfälligen Ausbildung in die Vereinbarung aufneh-</span><br/> <span class="ft5">men würde. Der Text der Austrittsvereinbarung wurde der Klägerin</span><br/> <span class="ft5">von ihrem direkten Vorgesetzten sodann bereits am Morgen des</span><br/> <span class="ft5">7. Februar 2008 - wenn auch nur auf dessen Bildschirm - gezeigt.</span><br/> <span class="ft5">Ungeachtet des relativ kurzfristig angesetzten Gesprächs- bezie-</span><br/> <span class="ft5">hungsweise Unterschriftstermins kann bei dieser Sachlage nicht da-</span><br/> <span class="ft5">von ausgegangen werden, die Klägerin sei vom Inhalt des Vertrages</span><br/> <span class="ft5">überrascht worden oder habe aus anderen Gründen vorgängig zu</span><br/> <span class="ft5">wenig Zeit gehabt, sich den Abschluss der Austrittsvereinbarung</span><br/> <span class="ft5">reiflich zu überlegen. Die Beklagte war daher nicht verpflichtet, der</span><br/> <span class="ft5">Klägerin eine weitere Bedenkfrist für die Unterzeichnung der Aus-</span><br/> <span class="ft5">trittsvereinbarung einzuräumen. Dies umso weniger, als auch die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">394</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">Klägerin keine solche zusätzliche Bedenkzeit wünschte, sondern sich</span><br/> <span class="ft5">anlässlich der Besprechung gemäss eigenen Angaben darauf be-</span><br/> <span class="ft5">schränkte, eine Rückfrage zu stellen und ihren Coach um Rat zu</span><br/> <span class="ft5">fragen. Selbst wenn man zum Schluss gelangen würde, die Beklagte</span><br/> <span class="ft5">hätte der Klägerin nach Vorlage der ausformulierten Austrittsverein-</span><br/> <span class="ft5">barung in jedem Fall eine (zusätzliche) Bedenkfrist einräumen müs-</span><br/> <span class="ft5">sen, würde sich die Frage stellen, ob die Berufung auf die unterlas-</span><br/> <span class="ft5">sene Einräumung einer solchen Frist nach der widerspruchslosen</span><br/> <span class="ft5">Vertragserfüllung - insbesondere dem vereinbarten Abbau der</span><br/> <span class="ft5">Pendenzen - und dem Zuwarten der Klägerin während rund eines</span><br/> <span class="ft5">halben Jahres nicht als rechtsmissbräuchlich im Sinne von Art. 2</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 ZGB qualifiziert werden müsste.</span><br/> <span class="ft5">6.</span><br/> <span class="ft5">(Das Vorliegen von Willensmängeln wird verneint).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>