Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 28. September 2022 (810 22 77) ____________________________________________________________________ Steuern und Kausalabgaben Staatssteuern 2018 / Arbeitszimmerabzug bei Lehrpersonen / falsche behördliche Zusa- ge / Verlegung der Krankheitskosten bei internationaler Steuerausscheidung Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.A.____ und B.A.____ , Beschwerdeführer gegen Steuer - und Enteignungsgericht des Kantons Basel -Landschaft (Abteilung Steuergericht) , Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Vor- instanz Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft , Rechtsdienst, Rheinstrasse 33, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Einwohnergemeinde B.____ , Beigeladene Betreff Staatssteuer 2018 (Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts Basel-Landschaft, Abtei- lung Steuergericht, vom 5. November 2021) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (St euerverwaltung) setzte mit Steuerveranlagung zur Staatssteuer 2018 vom 5. März 2020 das im Kanton Basel-Landschaft steuerbare Einkommen von A.A.___ und B.A.____ auf Fr. 252'740.-- und das satzbestimmende Einkommen auf Fr. 419'255.-- fest. Die Steuerverwaltu ng rechnete unter anderem die geltend gemachten Abzüge für das Arbeitszimmer der Ehefrau (Zi ff. 525) mit Fr. 796.-- an. Im Rahmen der internationalen Steuerausscheidung teilte sie die gewährten Abzüge für Alimente/Krank- heitskosten/Zuwendungen von gesamthaft Fr. 6'530.-- nach B.____/BL (Fr. 1'968.--), C.____/BE (Fr. 22.--) und Deutschland (Fr. 4'540.--) auf. B. Mit E-Mail vom 15. März 2020 gelangten die Steuerp flichtigen an den Veranlagungs- experten der Steuerverwaltung D.____. Darin rügten si e unter anderem, bei den berufsbeding- ten Kosten der Ehefrau (Ziff. 525) sei der Betrag fü r die Ausstattung des Arbeitszimmers von Fr. 1'277.-- ohne Erklärung nicht berücksichtigt worden. In seiner E-Mail vom 17. März 2020 teilte D.____ den Steuerpflichtigen mit, bei Teilzeitarbeit bestehe kein Anspruch auf einen vollen Arbeitszimmerabzug. Es könne nur ein dem diesbezügliche n Einkommen entsprechender pro- zentualer Anteil angerechnet werden. Bei Lehrpersonen könne jedoch nicht auf das Pensum abgestellt werden. Gemäss Lohnausweis sei die Steuerverw altung von einem Arbeitspensum von 29 % ausgegangen. Der geltend gemachte Abzug könne aber im Umfang von 50 % ge- währt werden. In der Veranlagungsverfügung seien dage gen nur Fr. 833.68 gewährt worden (Eigenmietwert durch [Anzahl Zimmer + 1], davon 29 %) . Im Einspracheverfahren könne dieser Abzug zu Gunsten der Pflichtigen auf Fr. 1'437.38 (Eig enmietwert durch [Anzahl Zimmer + 1], davon 50 %) korrigiert werden. C. Mit Eingabe vom 26. März 2020 erhoben die Steuerp flichtigen Einsprache bei der Steuerverwaltung und beantragten unter anderem, dass der Abzug für das Arbeitszimmer im Umfang von 50 % statt von 29 % zu gewähren sei und die Krankheitskosten in der internationa- len Steuerausscheidung effektiv zwischen der Schweiz und D eutschland aufzuteilen seien, so dass in Deutschland Fr. 1'060.-- für den Ehemann und i n der Schweiz Fr. 5'420.-- für die Ehe- frau und die Tochter anfallen würden. Als Begründung führten sie an, dass die Steuerverwal- tung mit E-Mail vom 17. März 2020 den Abzug von 50 % für das Arbeitszimmer gewährt habe. Hinsichtlich der Krankheitskosten rechtfertige sich eine effektive Steuerausscheidung, da auf- grund der Belege die Kosten eindeutig den einzelnen Personen zugeordnet werden könnten. D. Mit Einspracheentscheid vom 18. Februar 2021 wies die Steuerverwaltung die Ein- sprache bezüglich der zwei obgenannten Rügen ab. Sie hi elt fest, dass bei Teilzeitarbeit der Arbeitszimmerabzug entsprechend dem Pensum anteilsmässig herabzusetzen sei. Ausgehend von einem Eigenmietwert der selbstbewohnten Liegenscha ft über Fr. 21'654.-- und sieben Zimmern liesse sich vorliegend ein zulässiger Arbeitszimmera bzug bei Vollzeitbeschäftigung von Fr. 2'707.-- errechnen. Bei einem Arbeitspensum von 29 % reduziere sich der abzugsfähige Betrag auf Fr. 785.--. Obwohl im Veranlagungsverfahr en ein Abzug von Fr. 834.-- zugestanden worden sei, werde von einer Korrektur zu Ungunsten der Pflichtigen abgesehen. Mit Blick auf die internationale Ausscheidung der Krankheitskosten erklärte die Steuerverwaltung, die Krank- heitskosten würden zu den allgemeinen Abzügen ohne sach lichen Zusammenhang zu einer bestimmten Einkommensart gehören, weshalb diese proport ional entsprechend dem Reinein- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht kommen zu verlegen seien. Infolgedessen könne dem Rech tsbegehren, die Krankheitskosten nach Verursacher zu verteilen, nicht entsprochen werden. E. Nach weiterer Korrespondenz zwischen der Steuerverwaltu ng und den Steuerpflichti- gen kam die Steuerverwaltung mit Einspracheentscheid v om 12. März 2021 auf ihren Ein- spracheentscheid vom 18. Februar 2021 zurück und wies d ie Einsprache bezüglich der oben genannten zwei Rügen ab. F. Mit Eingabe vom 30. März 2021 erhoben die Steuerp flichtigen beim Steuer- und Ent- eignungsgericht, Abteilung Steuergericht (Steuergerich t), Rekurs und beantragten, es sei der Einspracheentscheid der Steuerverwaltung vom 12. März 202 1 bezüglich Arbeitszimmer und Krankheitskosten aufzuheben und es seien die Kosten des Arbeitszimmers (Ehefrau) mit 50 % (= Fr. 1'437.--) anzuerkennen und in der internationalen Steuerausscheidung die Krankheitskos- ten der Ehefrau und der Tochter von Fr. 5'420.-- vollständig dem Einkommen der Ehefrau zuzu- ordnen und die Krankheitskosten des Ehemanns von Fr. 1'0 60.-- zwischen der Schweiz und Deutschland anteilig aufzuteilen; alles unter o/e-Kost en- und Entschädigungsfolge. Verfahrens- rechtlich wurde der Antrag gestellt, D.____ sei als Zeu ge anzuhören. Zur Begründung machten sie geltend, die Steuerverwaltung habe mit E-Mail vom 17. März 2020 die Abzugsfähigkeit der Kosten für das Arbeitszimmer in der Höhe von Fr. 1'437. -- verbindlich in Aussicht gestellt. Im Übrigen basiere die in der E-Mail gemachte Aussage zum Pensum der Lehrpersonen auf dem Baselbieter Steuerbuch (Band 1 - Einkommen 29 Nr. 3, Punkt 2.2.2, Absatz 2, Satz 2). Unter anderem unter Hinweis auf das Bundesgerichtsurteil 2C- 891/2011 vom 23. Juli 2012 rechtferti- ge es sich im vorliegenden Fall zudem, die Krankheitsk osten den einzelnen Personen zuzuord- nen. G. Nach Eingang der Vernehmlassung der Steuerverwaltun g vom 26. Mai 2021 wies das Steuergericht den Rekurs ab. Im Wesentlichen hielt das St euergericht fest, es fehle an einer gestützt auf die Zusage von D.____ getätigten Dispositi on, weshalb der Vertrauensgrundsatz nicht greife. Zudem gebe es keinen Grund, bei den Le hrpersonen von der üblichen Berech- nungsweise abzuweichen, daran ändere auch die Aussage im Baselbieter Steuerbuch nichts. Auch die Ausscheidung der Krankheitskosten sei korrekt erfolgt, da kein sachlicher Zusammen- hang zwischen dem Einkommen und den Krankheitskosten bestehe. H. Mit Eingabe vom 3. April 2022 erhoben die Steuerp flichtigen gegen den Entscheid des Steuergerichts beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsge- richt), Beschwerde. Sie beantragten die Aufhebung des Entscheids des Steuergerichts und wiederholten die bereits beim Steuergericht gestellten Rechtsbegehren. I. In ihren jeweiligen Vernehmlassungen vom 4. Mai 20 22 stellten die Steuerverwaltung und das Steuergericht Antrag auf Abweisung der Beschwerde. J. Mit präsidialer Verfügung vom 12. Mai 2022 überwies das Kantonsgericht den Fall der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Urteilsberatung. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht K. Mit unaufgeforderter Eingabe vom 30. Juni 2022 ma chten die Beschwerdeführer gel- tend, sie hätten nachteilige unwiderrufliche Dispositi onen getätigt, da sie aufgrund der Zusage der Steuerverwaltung die entsprechende Steuerersparnis in der Höhe von Fr. 155.-- gespendet hätten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Nach § 131 Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Ge meindesteuern (Steuergesetz, StG) vom 7. Februar 1974 können Entscheide und Präsid ialentscheide des Steuergerichts mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden. Da sämtliche weite- ren formellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. de s Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 erfüllt sind, kann auf die vorlie- gende Beschwerde gegen den Steuerentscheid betreffend Steuerveranlagung zur Staatssteuer 2018 eingetreten werden. 2. Gemäss § 45 Abs. 1 VPO können mit der verwaltungsg erichtlichen Beschwerde Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Untersch reitung oder Missbrauch des Er- messens (lit. a) sowie die unrichtige oder unvollständig e Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Die Überprüfung der Angemessenheit ei ner Verfügung ist hingegen nur in Aus- nahmefällen vorgesehen (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). Einen solchen Ausnahmefall statu- iert § 45 Abs. 2 VPO, gemäss welchem mit der Beschwerde in Steuersachen alle Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfah rens gerügt werden können (vgl. auch § 6 Abs. 3 VPO und § 18 Abs. 3 VPO). Demzufolge k ann das Kantonsgericht vorliegend auch die Angemessenheit des angefochtenen Entscheides überprüfen. Zudem können die Par- teien bei Beschwerden in Steuersachen auch neue Anträg e, Behauptungen und Beweismittel vor Kantonsgericht vorbringen (§ 6 Abs. 3 VPO). 3. Vorliegend ist als erster Punkt strittig, ob die Ko sten für das Arbeitszimmer der Ehefrau im Umfang von 50 % oder von 29 % abzugsfähig sind. 4.1.1. Gemäss § 29 Abs. 1 lit. a StG werden bei unselb ständiger Erwerbstätigkeit die Er- werbsunkosten wie die Kosten für das private Arbeitszimmer von den steuerbaren Einkünften abgezogen. Nach § 3 Abs. 1 lit. g der Verordnung zum S teuergesetz (Vo StG) vom 13. Dezem- ber 2005 können Steuerpflichtige, die einen wesentli chen Teil ihres Berufes ausserhalb des Arbeitsorts erledigen müssen (1. Voraussetzung), weil am Arbeitsort kein entsprechender Raum zur Verfügung steht (2. Voraussetzung), und die ein Zimm er ihrer Privatwohnung mit einem entsprechend ausgeschiedenen Arbeitsplatz regelmässig f ür diese Berufstätigkeit benützen (3. Voraussetzung), die Kosten des privaten Arbeitszimme rs in Abzug bringen. Der Abzug be- misst sich nach der Formel: Eigenmietwert beziehungsweise M ietzins durch (Anzahl Zimmer + 1). Gemäss Rechtsprechung besteht kein grundsätzlicher Anspru ch auf einen vollen Arbeits- zimmerabzug, sondern nur auf denjenigen Prozentsatz, der dem Anteil des Teilzeiteinkommens im Vergleich zum Einkommen, das bei einer Vollzeitarbeit erzielt worden wäre, entspricht (Urteil des Steuergerichts des Kantons Basel-Landschaft [StGer] vom 19. Februar 2016 [510 15 80] Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 2.g; zur Konkretisierung der Voraussetzungen vgl. Kurzm itteilung Nr. 214 der Steuerverwal- tung vom 15. Oktober 1993,<https://www.baselland.ch/pol itik-und-behorden/direktionen/finanz- und-Kirchendirektion/steuerverwaltung/kurzmitteilungen/1993/214> [besucht am 26. September 2022]). 4.1.2. Keine der Parteien bestreitet, dass die drei Vo raussetzungen vorliegend erfüllt sind. Da jedoch die in der Zwischenzeit aus dem Steuerbuch gestr ichene Passage mit der ersten Vo- raussetzung im Zusammenhang stehen könnte, wird hiernach darauf eingegangen. Des Weite- ren wird nicht bestritten, dass die Formel für die Be rechnung des Abzugs richtig angewendet wurde. Strittig ist jedoch, ob vom gemäss Formel errechneten maximalen abzugsfähigen Betrag (Fr. 2'707.--) vorliegendenfalls 29 % oder 50 % abzugsfähig sind. 4.1.3. Damit die Voraussetzung des wesentlichen Anteils (1. Voraussetzung) erfüllt ist, muss nach der Rechtsprechung der zu Hause ausgeübte Ante il der Erwerbstätigkeit ca. 40 % der gesamten Arbeitszeit betragen. Bezüglich der Lehrperson en errechnete das Steuergericht in seinem Entscheid vom 12. August 2009 (510 09 12, E. 3. d), dass auf Sekundarstufe der Anteil der Arbeitszeit, der für Vor- und Nachbereitung der S chulstunden und für übrige schulische Tä- tigkeiten erbracht werde, mindestens 43.25 % der gesamt en Arbeitszeit betrage. Dieser Anteil der Arbeitszeit könne somit ausserhalb des Schulhauses er bracht werden. Lägen die übrigen Voraussetzungen (am Arbeitsort steht kein entsprechender Ra um zur Verfügung und ein Zim- mer der Privatwohnung mit einem entsprechend ausgeschie denen Arbeitsplatz wird regelmäs- sig für die Berufstätigkeit benützt) vor, sei damit die Voraussetzung zum Abzug der Kosten für ein privates Arbeitszimmer gegeben. In einem Urteil vo m 19. Februar 2016 hat das Steuerge- richt festgehalten, dass für Lehrpersonen im Teilzeitpens um das gleiche gelte, da auch deren Anteil für die Vor- und Nachbereitung der Schulstunde n mindestens 40% betrage, so dass der zu Hause ausgeübte Anteil der Erwerbstätigkeit wesentl ich sei (Urteil des StGer vom 19. Feb- ruar 2016 [510 15 80] E. 3.a). Im vorliegenden Fall ist die Beschwerdeführerin als Lehrerin am E.____ tätig. Bei der Beschwerdeführerin wurde das V orliegen der zweiten und dritten Voraus- setzung bejaht und entsprechend der hiervor zitierten Re chtsprechung auch das Vorliegen der ersten Voraussetzung, wonach sie einen wesentlichen Teil der Erwerbstätigkeit (43.25 %) zu Hause ausübe. 4.2.1. Die Beschwerdeführer stützen den Anspruch auf ei ne 50%ige Abzugsfähigkeit der Kos- ten für das Arbeitszimmer auf die diesbezügliche Zusage de s Veranlagungsexperten in seiner E-Mail vom 17. März 2020. Sie monieren weiter, dass sie weder von der Steuerverwaltung noch vom Steuergericht zu potentiellen nachteiligen Dispositi onen befragt worden seien und auch keine Möglichkeit zur Stellungnahme gehabt hätten. Darü ber hinaus seien sie nach wie vor da- von überzeugt, für den Abzug im Umfang von 50% existiere eine rechtliche Grundlage. Sie prä- zisieren, entgegen der Ausführung im Urteil des Steue rgerichts hätten nicht sie sich auf das Baselbieter Steuerbuch berufen, sondern der Veranla gungsexperte habe sich bei der Erteilung der verbindlichen Zusage auf den Satz: "Beim Lehrpers onal kann jedoch nicht auf das Pensum abgestellt werden.", der im Baselbieter Steuerbuch wiederzufinden sei, bezogen. Er selber habe den Abzug von 50 % vorgeschlagen. In der Verhandlung hätten weder der Vertreter der Steuer- verwaltung noch die Vertreter des Steuergerichts den Wo rtlaut des Steuerbuchs deuten kön- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen. Nach der Verhandlung sei der Satz zum Pensum des Lehrpersonals aus dem Steuerbuch gestrichen worden. 4.2.2. Die Steuerverwaltung hält in ihrer Vernehmlas sung an das Kantonsgericht fest, dass die seinerzeitige Auskunft zur Höhe des Arbeitszimmerabzugs in der E-Mail vom 17. März 2020 falsch gewesen sei. Da jedoch darauf gestützt keine nac hteiligen Dispositionen getroffen wor- den seien, seien die Voraussetzungen eines allfälligen Vertrauensschutzes nicht erfüllt. Die Steuerverwaltung weist darauf hin, dass der Satz im Ba selbieter Steuerbuch, wonach bei Lehr- personen nicht auf das Arbeitspensum abzustellen sei, im folgendem Kontext zu sehen sei: Grundsätzlich bestehe nur ein Anspruch auf einen Arbeit szimmerabzug, wenn 40 % der Er- werbstätigkeit ausserhalb des eigentlichen Arbeitsorts erledigt werde. Im vorliegenden Fall liege unbestrittenermassen ein Teilzeitpensum von 29 % vor. Würde man nun dieses Teilzeitpensum mit dem für die Vor- und Nachbearbeitung der Schulstu nden massgebenden Faktor von 43.25 % multiplizieren, so ergebe dies lediglich einen Prozentsatz von 12.5. Unabhängig davon – und im Ergebnis somit unter den für den Arbeitszimmer abzug massgebenden 40 % blei- bend – werde der Beschwerdeführerin ein anteiliger A rbeitszimmerabzug gewährt; im vorlie- genden Fall von 29 %. Schliesslich sei der guten Ordnung halber darauf hinzuweisen, dass der vorgenannte Satz gegenwärtig im Steuerbuch "fehle" bzw . diese Aussage mancherorts ganz offensichtlich zu Missverständnissen führen könne und desh alb ergänzt resp. präzisiert werden solle. Der mit 29 % gewährte Arbeitszimmerabzug entspreche sowohl der konstanten Praxis der Steuerverwaltung sowie auch der ständigen Rechtsprechung des Steuergerichts. 4.3. Vorliegendenfalls ist unbestritten, dass ein Abzu g für die Kosten des Arbeitszimmers vorgenommen werden darf. Rechtsprechungsgemäss besteht bei Teilzeitarbeit kein Anspruch auf den vollen Arbeitszimmerabzug, sondern dieser Wert ist auf denjenigen Prozentsatz herab- zusetzen, der dem Anteil des Teilzeiteinkommens an demjen igen Einkommen entspricht, das bei einer Vollzeitarbeit erzielt worden wäre. Es find en sich entgegen der Auffassung der Be- schwerdeführer keine gesetzlichen Bestimmungen, die etwa s Anderes statuieren. Auch gibt es keine sachlichen Gründe, die Lehrpersonen in Bezug auf di ese Regelung anders zu behandeln als andere Steuerpflichtige. Selbst die Beschwerdeführ er bringen keine sachlichen Gründe vor, weshalb diese Regelung nicht für Lehrpersonen anwendbar sein solle. Besonders ist bei Lehr- personen hingegen, die in der Rechtsprechung ausgearbei tete Annahme, wonach sie auf der Sekundarstufe I 43.25 % ihres Pensums ausserhalb des Sc hulhauses und somit im privaten Arbeitszimmer erbringen können. Die in der Zwischenzeit a us dem Steuerbuch gestrichene Aussage zu den Lehrpersonen könnte im Zusammenhang mi t dieser Rechtsprechung stehen, wobei die Erklärung der Steuerverwaltung in ihrer Ve rnehmlassung an das Kantonsgericht zur Passage im Steuerbuch (E. 4.2.2 hiervor) nicht restlos z u überzeugen vermag, da unabhängig vom jeweiligen Pensum der Lehrperson, der Anteil der Arbeit, welcher im privaten Arbeitszim- mer erbracht werden kann, immer 43.25 % des jeweilig en Pensums beträgt und nicht je nach Pensum variiert. Unabhängig davon, was genau im Steuerb uch stand und wie dies zu verste- hen war, hat das Steuerbuch – wie von den Vorinstanzen zu Recht festgehalten – keine bin- dende Wirkung. Aus den obigen Darlegungen ergibt sich, dass die Höhe des Abzugs für die Kosten des Arbeitszimmers im Umfang von 29 % und nicht vo n 50 % korrekt ist und die Zusi- cherung des Veranlagungsexperten demzufolge fehlerhaft war. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.1. Der in Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizeri schen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verankerte Grundsatz von Treu und Glau ben statuiert ein Verbot widersprüchli- chen Verhaltens und verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte E rwartungen begründendes Verhalten der Behörden. Voraussetzung für eine Berufung auf Ver trauensschutz ist, dass die betroffene Person sich berechtigterweise auf die Vertrauensgrundlage verlassen durfte und gestützt darauf nachteilige Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr rückgängig machen kann. Dies ist unter anderem der Fall, wenn aufgrund einer behördl ichen Zusage Investitionen vorgenommen oder bestimmte Massnahmen unterlassen worden sind. Zwische n Vertrauen und Disposition muss ein Kausalzusammenhang gegeben sein. Dieser fehlt, wenn anzunehmen ist, dass die Disposition auch ohne ein Vertrauen begründendes behör dliches Verhalten bzw. bei Kenntnis der Mangelhaftigkeit der Vertrauensbasis vorgenommen w orden wäre. Die Berufung auf Treu und Glauben versagt jedoch, wenn ihr überwiegende öff entliche Interessen entgegenstehen (Urteil des BGer 1C_231/2012 vom 29. November 2012 E. 2.3; ULRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER / FELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich 2020, Rz. 659, 663). 4.4.2. In Bezug auf die Beweislast ist festzuhalten, da ss der Nachweis für steuerbegründende Tatsachen der Steuerbehörde, der Beweis für steuermin dernde Tatsachen grundsätzlich dem Steuerpflichtigen obliegt; er hat steuermindernde Ta tsachen nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen (Urteile des BGer 2C_130/2019 vom 2. O ktober 2019 E. 2.3; 2C_835/2016 vom 21. März 2017 E. 2.5). Damit haben die Beschwerdef ührer auch den Beweis für die getä- tigte Disposition und für den Kausalzusammenhang zu erbringen. 4.4.3. Die Beschwerdeführer machen geltend, sie hätten vor der Steuerverwaltung und dem Steuergericht keine Gelegenheit erhalten, sich zu den nachteiligen Dispositionen zu äussern. Das Steuergericht erwidert in seiner Vernehmlassung an das Kantonsgericht, die Steuerverwal- tung habe die Thematik der fehlenden nachteiligen D isposition sowohl in der Vernehmlassung vom 26. Mai 2021 als auch an der Hauptverhandlung vom 5. November 2021 angesprochen und die Beschwerdeführer hätten an der Hauptverhandlu ng die Möglichkeit gehabt, sich per- sönlich dazu zu äussern. Wie das Steuergericht richtig aus führt, wird bereits in der Vernehm- lassung der Steuerverwaltung vom 26. Mai 2021 – im Text fett hervorgehoben – auf das Fehlen einer nachteiligen Disposition hingewiesen. Dennoch h aben die Beschwerdeführer weder vor dem Steuergericht noch in der Beschwerde an das Kantons gericht die Betätigung nachteiliger Dispositionen geltend gemacht. Erst mit unaufgeforderte r Eingabe vom 30. Juli 2022 erklären die Beschwerdeführer, sie seien gestützt auf die Zusage des Veranlagungsexperten davon ausgegangen, dass die abzugsfähigen berufsnotwendigen Kosten der Ehefrau gegenüber dem Steuerbescheid vom 5. März 2020 um Fr. 603.-- erhöht w ürden, was zu einer Steuerersparnis von Fr. 155.-- geführt hätte. Für den Fall, dass die f ehlende Voraussetzung der nachteiligen Disposition ausschlaggebend sein sollte, was sie in Anbetr acht des Streitwerts als übertrieben und unverhältnismässig erachten würden, würden sie dem G ericht mitteilen, dass sie den Be- trag an zwei karitative Organisationen gespendet und damit unwiderruflich nachteilige Dispositi- onen getroffen hätten. Mit der Eingabe vom 30. Juli 2 022 reichten sie einen Beleg über eine Spende vom 23. März 2020 in der Höhe von Euro 100.-- a n die F.____ und einen Einzahlungs- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht schein in der Höhe von Fr. 50.-- zugunsten des G.____ ei n. Dem letztgenannten Einzahlungs- schein lässt sich nicht entnehmen, ob diese Einzahlung übe rhaupt getätigt worden ist, wer die- sen Betrag gespendet haben soll und wann dieser Betra g gespendet worden sein soll. Dieser Einzahlungsschein beweist somit gar nichts. Der erstgenann te Beleg beweist, dass die Be- schwerdeführer wenige Tage nach der Zusage des Veranlag ungsexperten Euro 100.-- an die Gesellschaft für biologische Krebsabwehr gespendet haben . Jedoch vermag diese Einzah- lungsbestätigung nicht einen Kausalzusammenhang zwischen der Zusicherung der Steuerer- sparnis und der Tätigung der Spende zu beweisen. Vielme hr ist anzunehmen, dass diese Dis- position auch ohne die Zusage des Veranlagungsexperten getroffen worden wäre. Auch die Tatsache, dass dieser Beleg erst nach Abschluss des Schriften wechsels vor Kantonsgericht und zusammen mit einem nichts belegenden Einzahlungssch ein eingereicht wurde, dessen Spendenbetrag (Fr. 50.--) so eingetragen wurde, dass g enau die Höhe der strittigen Steuerer- sparnis (Fr. 155.--) durch die zwei "Belege" (Fr. 50.-- und Euro 100.--) erreicht wird, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass diese Spende und die Zusicheru ng des Veranlagungsexperten in keinem Zusammenhang stehen. Damit ist die Beschwerde bez üglich des Antrags auf Abzugs- fähigkeit der Kosten für das Arbeitszimmer im Umfang von 50 % abzuweisen. 4.4.4. Im Zusammenhang mit der Zusage ist festzuhalten , dass es zwar nachvollziehbar ist, dass die Beschwerdeführer gewisse Mühe bekunden, zu akzept ieren, dass die Aussage des Veranlagungsexperten nicht verbindlich sein soll. Es best eht aber eine gefestigte und langjähri- ge Praxis, unter welchen Voraussetzungen solche Zusagen bindend sind. Diese Voraussetzun- gen sind vorliegendenfalls zweifelsohne nicht gegeben. Ü berdies kann ergänzt werden, dass nicht nur eine Zusage der Behörde nicht a priori binde nd ist, sondern dass in der Regel eine Behörde, so auch die Veranlagungsbehörde, ohne dass be sondere Voraussetzungen erfüllt sein müssen, sogar auf eine unangefochtene Verfügung zur ückkommen kann, solange die Rechtsmittelfrist nicht abgelaufen ist (Urteil des StGe r vom 24. April 2009 [510 08 84] E. 3.a; BGE 121 II 273 E. 1.a/bb). 4.5. Die Beschwerdeführer bemängeln, dass das Steuerger icht D.____ nicht als Zeugen zugelassen hat. Auch in der Beschwerde an das Kantonsge richt stellen die Beschwerdeführer wiederum den Antrag, D.____ als Zeugen vorzuladen. Es ist unbestritten, dass Letztgenannter festgehalten hat, der Abzug für die Kosten des Arbei tszimmers sei im Umfang von 50 % zu ge- währen, was bei einer Einsprache berücksichtigt würde. Di ese Aussage ist fehlerhaft. Daran könnte auch seine Befragung nichts ändern. Zudem ist di e Fehlerhaftigkeit dieser Zusage un- beachtlich, sofern gestützt darauf keine nachteiligen D ispositionen getätigt wurden. Aus diesen Gründen hat das Steuergericht zu Recht den Antrag auf Vorladung des Veranlagungsexperten abgelehnt. Da eine Aussage von ihm auch vor Kantonsge richt nicht geeignet wäre, an der Ab- zugsfähigkeit der Kosten für das Arbeitszimmer im Umfang von 29 % etwas zu ändern, ist der Antrag der Beschwerdeführer auf Vorladung des Veranla gungsexperten im kantonsgerichtli- chen Verfahren abzuweisen. 5.1. Als Nächstes ist zu prüfen, wie die Krankheitskosten im Rahmen der internationalen Steuerausscheidung zwischen der Schweiz und Deutschland aufzuteilen sind. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.1. Die §§ 29 bis 32 StG regeln welche Abzüge und A ufwendungen zur Ermittlung des Reineinkommens von den gesamten steuerbaren Einkünften a bgezogen werden können (vgl. Art. 9 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [Steuerharmonisierungsgesetz, StHG] vom 14. Dezember 1990). Vom so bestimm- ten (Rein-) Einkommen werden sodann zur Ermittlung d es steuerbaren Einkommens die Sozi- alabzüge nach § 33 StG vorgenommen. Gestützt auf diese Bestimmungen werden nach Lehre und Rechtsprechung die zulässigen Abzüge unterteilt in die zur Einkommenserzielung notwen- digen Aufwendungen (organische Abzüge), in die allgem einen Abzüge (d.h. Abzüge für beson- dere Aufwendungen; auch anorganische Abzüge genannt) u nd Sozialabzüge (d.h. Abzüge für bestimmte Verhältnisse; auch Freibeträge genannt; zum Ga nzen: Urteil des BGer 2C_95/2015, 2C_96/2015 vom 27. August 2015 E. 4.2). Im Abkommen zw ischen der Schweizerischen Eid- genossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland zur Ve rmeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm ögen (Doppelbesteuerungsab- kommen, nachfolgend: DBA) vom 29. Dezember 1972 fehlt eine Regelung, die eine objektmäs- sige Verlegung für bestimmte Kategorien von Abzügen vorschreibt. 5.2.2. Für die Verlegung von Abzügen im international en Verhältnis enthält das Bundesge- setz über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezemb er 1990 eine explizite Regelung betreffend die Sozialabzüge. Gemäss Art. 35 Abs. 3 DBG werden die Sozialabzüge bei teilwei- ser Steuerpflicht anteilsmässig gewährt. Dies bedeutet u.a., dass im Rahmen einer internationa- len Steuerausscheidung eine Aufteilung und Zuordnung der Sozialabzüge nach Massgabe des in der Schweiz steuerpflichtigen (Netto-) Einkommens im Verhältnis zum gesamten (Netto-) Einkommen, jeweils vor Abzug der Sozialabzüge, zu erfolg en hat. Für die organischen Abzüge und die allgemeinen Abzüge fehlen explizite Regelungen im Gesetz. Ebenso fehlen im interkan- tonalen sowie kantonalen Recht für den Kanton Basel -Landschaft jegliche Regelungen dazu (vgl. Art. 9 Abs. 2 lit. h StHG; vgl. M ADELEINE SIMONEK ; in: Zweifel/Beusch/Matteotti [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Internationales Steuerrecht, Basel 2015, N. 91 f. zu Art. 23 A, B des Musterabkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung des Einkom- mens und Vermögens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [OECD-MA] von 2010). In Lehre und Rechtsprechung unb estritten ist jedoch bezüglich der or- ganischen Abzüge, dass das ausländische Einkommen beziehungsw eise Vermögen nach Ab- zug der darauf entfallenden Gewinnungskosten freizustel len ist (vgl. M ADELEINE SIMONEK , a.a.O., N. 83 zu Art. 23 A, B OECD-MA). Die sachliche Begründung hierfür liegt im Umstand, dass die fraglichen Aufwendungen ganz konkret dazu beit rugen, das entsprechende Einkom- men zu erzielen. Es wäre daher falsch, diese Aufwendunge n anders zu verlegen und von Ein- kommensteilen in Abzug zu bringen, zu denen sie keinen sachlichen Konnex haben, bzw. Ein- kommensteile durch Nichtberücksichtigung der notwendigen organischen Abzüge übermässig zu besteuern (zum Ganzen: Urteile des BGer 2C_95/2015, 2C_96/2015 vom 27. August 2015 E. 4.2; 2C_1154/2013 vom 26. Juni 2015 E. 3.3). 5.2.3. Die allgemeinen Abzüge liegen von ihrer Art her zwischen den Sozialabzügen und den organischen Abzügen. Je nach konkret in Frage stehendem al lgemeinen Abzug kann ein sach- licher Zusammenhang zu einer bestimmten Einkommensart g egeben sein oder fehlen. Ist ein derartiger Zusammenhang gegeben, so liegen die allge meinen Abzüge näher bei den organi- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schen Abzügen, fehlt er, so haben sie eher Gemeinsamkeiten mit Sozialabzügen. In Anlehnung an die von Gesetz – betreffend die Sozialabzüge – sowie von Rechtsprechung und Lehre – be- treffend die organischen Abzüge – getroffene Regelung erscheint es daher als sachgerecht, die Zuteilung der allgemeinen Abzüge auf die verschiedene n Einkommensteile basierend darauf vorzunehmen, ob ein sachlicher Zusammenhang zwischen eine r bestimmten Einkommensart und dem geltend gemachten Abzug hergestellt werden kann. Allgemeine Abzüge, welche in keinem direkten Zusammenhang mit einer bestimmten Ein kommenserzielung stehen, sind pro- portional nach Lage des Reineinkommens zu verlegen (Urte ile des BGer 2C_95/2015, 2C_96/2015 vom 27. August 2015 E 4.3; 2C_1154/2013 v om 26. Juni 2015 E. 3.3; S IMONEK , a.a.O., N. 91 ff. zu Art. 23 A, B OECD-MA). 5.3. Die hier strittigen Abzüge für die Krankheitskost en gehören nach der Systematik des Gesetzes zu den allgemeinen Abzügen (§ 29 Abs. 1 lit. n S tG; Art. 9 Abs. 2 lit. h StHG) und liegen somit zwischen den organischen Abzügen und den S ozialabzügen. Zu prüfen ist demzu- folge, ob ein sachlicher Zusammenhang von diesen Krankhe itskosten zu einer bestimmten Ein- kommensart besteht. 5.4.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, es bestehe zwischen dem Einkommen und den Krankheitskosten ein sachlicher Zusammenhang. So sei der Ehemann im Jahr 2018 aus- schliesslich in H.____ (Deutschland) tätig gewesen und hab e dort über einen zweiten Wohnsitz verfügt. Da sein Verdienst ausschliesslich in Euro angefall en sei, habe er auch seinen Lebens- unterhalt einschliesslich der Beiträge an eine deutsche K rankenkasse überwiegend in Euro be- stritten. Die private Krankenversicherung sei von seiner Arbeitgeberin festgelegt worden, wobei es sich nicht um eine Betriebskrankenkasse handle. Ähnliches gelte für die Ehefrau mit Wohn- sitz in der Schweiz und die Ausgaben in Schweizer Franken . Letztlich könnten die Krankheits- kosten aufgrund der Belege den einzelnen Personen, die effektiv einen Aufwand gehabt hätten, eindeutig zugeordnet werden. Die Beschwerdeführer rei chen mit der Beschwerde an das Kan- tonsgericht eine E-Mail der deutschen Arbeitgeberin d es Beschwerdeführers vom 17. Februar 2016 ein, gemäss welcher Letztgenannter aufgrund der An stellung bei einer deutschen Arbeit- geberin verpflichtet sei, in Deutschland eine Krankenversicherung abzuschliessen. 5.4.2. Zu den Krankheitskosten werden die Ausgaben für medizinische Behandlungen ge- rechnet, d.h. Kosten für Massnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Gesundheit, so insbesondere die Kosten für ärztliche Behandlungen, Spital- kosten, Medikamente, medizinische Apparate, Brillen, Kon taktlinsen, Augen-Laserbehandlung oder Therapien (vgl. Baselbieter Steuerbuch, Band 1 - Einkommen 29 Nr. 17, Punkt 1.2; St. Galler Steuerbuch 46 Nr. 1, Stand 1. Januar 202 2, <https://www.sg.ch/content/dam/sgch/ steuern-finanzen/steuern/steuerbuch/art-29-52-stg/046_1.pdf> [besucht am 26. September 2022]). Ursache für diese Kosten sind somit Krankheite n, welche eine ärztliche Behandlung bzw. dementsprechende Massnahmen notwendig machen. Die se Kosten stehen in keinem sachlichen Zusammenhang zu einer bestimmten Einkommensar t und somit zur Erzielung des Erwerbseinkommens des Beschwerdeführers. Wie das Steuerg ericht in seinem Entscheid aus- führt, vermag auch die gleiche Währung von Einkommen u nd Ausgaben für Krankheitskosten keinen direkten und ursächlichen Zusammenhang zum Einkom men oder zu Teilen davon zu Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht begründen. Auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführe r aufgrund des Arbeitsverhältnisses mit einer deutschen Arbeitgeberin verpflichtet wurde, eine Krankenversicherung in Deutschland abzuschliessen, ändert nichts daran, dass die durch Krankheit bzw. deren Behandlung entstan- denen Kosten keinen sachlichen Zusammenhang zur Einkomm enserzielung aufweisen. Mit Blick auf die Argumentation der Beschwerdeführer ist üb erdies hervorzuheben, dass Kranken- kassenprämien nicht als Krankheitskosten gelten. 5.5.1. Die Beschwerdeführer berufen sich des Weiteren a uf das Urteil des Bundesgerichts 2C_891/2011 vom 23. Juli 2012. Das Bundesgericht hat im genannten Urteil im Rahmen einer interkantonalen Steuerausscheidung betreffend Krankheitskosten bei Eheleuten mit getrennten Hauptsteuerdomizilen entschieden, dass die Krankheitskosten an den Wohnsitzkanton derjeni- gen Person, die sie tatsächlich trage, zugeteilt würden . Das Steuergericht führt in seinem Ent- scheid aus, dass sich die Grundsätze des interkantonalen Steuerrechts nicht ohne Weiteres auf das internationale Steuerrecht übertragen lassen würden. Die Steuerverwaltung erörtert in ihrer Vernehmlassung an das Kantonsgericht, Hintergrund für die nicht unbesehen mögliche Anwen- dung der Regeln der Steuerausscheidung bei interkanton alen Verhältnissen auf internationale Verhältnisse bilde nicht zuletzt der Umstand, dass bei de n internationalen Verhältnissen eine Vielzahl sich konkurrierender Rechtssysteme aufeinandertref fe. Dies zeige sich so auch darin, dass dem von den Beschwerdeführern zitierten Bundesgerich tsentscheid ein spezieller Sach- verhalt zugrunde gelegen habe, wonach die Ehegatten i hren eigenen steuerlichen Wohnsitz gehabt hätten und zwar gestützt auf das Schweizer (inners taatliche) Steuerrecht bzw. auf das hiesige Schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB) vom 10. Deze mber 1907. Im internationalen Verhältnis bzw. im vorliegenden Fall zeige sich aber, d ass der Familienwohnsitz, und damit die Ansässigkeit gemäss dem DBA, unbestrittenermassen in der Schweiz liege, weil eine doppelte Ansässigkeit bzw. ein – wie es die Beschwerdeführer fälsch licherweise nennen würden – zwei- ter Hauptwohnsitz im internationalen Steuerrecht gerade nicht vorgesehen sei. Vor diesem Hin- tergrund und mit Blick auf den vorliegend zu beurteile nden internationalen Sachverhalt sei die vorgenommene verhältnismässige/proportionale Verlegung d er Krankheitskosten (analog den Sozialabzügen) nicht zu beanstanden bzw. zeige sich, dass ein e – wie es die Beschwerdefüh- rer postulieren würden – objektmässige Ausscheidung ausn ahmsweise nur dann stattfinde, wenn diese Ausscheidungsart im anwendbaren DBA vorgesehe n sei. Dies sei jedoch im DBA zwischen der Schweiz und Deutschland gerade nicht der Fall. 5.5.2. Die aus dem interkantonalen Verhältnis auf das internationale Verhältnis übertragene proportionale Verlegung der allgemeinen Abzüge und Sozialabzüge wurde auf kantonaler Ebe- ne auch für das internationale Verhältnis gerichtlich b estätigt, so unter anderem für Zuwendun- gen an gemeinnützige Institutionen und Krankheitskosten (Entscheid des StGer vom 20. Febru- ar 2009 [510 08 74] E. 5; SIMONEK, a.a.O., N. 93 zu Art. 23 A, B OECD-MA mit weiteren Bei- spielen). Die proportionale Verlegung geschieht unabh ängig davon, dass das Ausland, in dem eine in der Schweiz ansässige Person beschränkt steuerpfli chtig ist, in aller Regel keine per- sönlichen Abzüge übernimmt. Die anteilsmässige Ausscheidun g führt für in der Schweiz unbe- schränkt steuerpflichtige Personen deshalb häufig zu ei ner Überbesteuerung; in der Schweiz beschränkt steuerpflichtige Personen, die die persönlich en Abzüge in ihrem Ansässigkeitsstaat in der Regel vollständig geltend machen können, prof itieren von einer Unterbesteuerung Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht (SIMONEK , a.a.O., N. 93 zu Art. 23 A, B OECD-MA). Festzuhalten gilt, dass das Doppelbesteue- rungsverbot der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; so ausdrücklich in Art. 127 Abs. 3 BV) sich sodann a uf interkantonale, aber nicht auf inter- nationale Verhältnisse bezieht (BGE 139 II 78 E. 2.1). Im Gegensatz zum interkantonalen Steu- errecht ist eine aktuelle oder virtuelle Doppelbesteueru ng im internationalen Verhältnis nicht generell verpönt, obwohl die Schweiz durch Abschluss entsprechender Doppelbesteuerungsab- kommen und unilateralen Massnahmen solche Sachverhalte zu vermeiden versucht (R ENÉ MATTEOTTI /CHRISTINE HORN , in: Zweifel/Beusch/Matteotti [Hrsg.], Kommentar zum Schwei- zerischen Steuerrecht, Internationales Steuerrecht, Base l 2015, N. 21 ff. der Einleitung; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich [SB.2020.00073] vom 4. November 2020 E. 3.3). 5.5.3. In seinem Urteil 2C_891/2011 vom 23. Juli 201 2 (auszugsweise auf Deutsch publiziert in: Steuer Revue 67/2012 S. 823 f.; C LAUDIA SUTER , in: Zweifel/Beusch/de Vries Reilingh [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Int erkantonales Steuerrecht, Basel 2021, § 27 N. 32) hatte das Bundesgericht den folgen den Sachverhalt zu beurteilen: Die Ehe- frau hatte ihren steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton Tessin und der Ehemann seinen im Kan- ton Freiburg. Sie hatten somit getrennte Hauptsteuerd omizile. Die Ehegatten hatten keine Kin- der. Die Ehefrau war taub und litt an weiteren Gesu ndheitsbeschwerden. In ihrer Tessiner Steuererklärung beantragte die Ehefrau Abzüge für Kr ankheitskosten, davon Fr. 2500.-- für die wegen der Diabetes notwendige Diät, und Fr. 2500.-- für behinderungsbedingte Kosten. In der Steuerveranlagung verweigerte der Kanton Freiburg j eglichen Abzug der Gesundheitskosten und der behinderungsbedingten Kosten für die Ehefrau. Die Steuerveranlagung des Kantons Freiburg war in Rechtskraft erwachsen. Der Kanton Tessin g ewährte die Abzüge, teilte sie je- doch proportional mit dem Kanton Freiburg auf. Der Entscheid aus dem Kanton Tessin wurde angefochten und zudem der Antrag gestellt, eventuali ter sei der Entscheid des Kantons Frei- burg in Revision zu ziehen. Das Bundesgericht kam wie in der E. 5.5.1 hiervor ausgeführt zum Schluss, dass bei Eheleuten mit getrennten Hauptsteuerdo mizilen, die überdies ihren Lebens- unterhalt zur Hauptsache aus eigenen Mitteln bestreiten würden, die Krankheitskosten an den Wohnsitzkanton derjenigen Person, die sie tatsächlich tra ge, zugeteilt würden, wobei der nicht abzugsfähige Betrag ebenfalls anhand der eigenen Ein künfte berechnet werde (E. 2.4 und 2.4.2). Diese Entscheidung wurde unter anderem mit de m Argument des Verbots der Doppel- besteuerung begründet. 5.5.4. Vorliegendenfalls verfügen die zwei Ehegatten – wie die Steuerverwaltung ausführt – nicht über zwei Hauptwohnsitze, da ein zweiter Hauptwohn sitz im internationalen Steuerrecht nicht vorgesehen ist und die Ansässigkeit gemäss dem DBA im vorliegenden Fall in der Schweiz liegt. Im Übrigen ist unter anderem aufgrund der Höhe der jeweiligen Erwerbseinkom- men der Ehegatten davon auszugehen, dass nicht jeder Eh egatte seinen Lebensunterhalt hauptsächlich aus eigenen Mitteln bestreitet (Ehemann Einkünfte aus unselbstständiger Er- werbstätigkeit: Fr. 919'892, Ehefrau Einkünfte aus uns elbstständiger Erwerbstätigkeit: Fr. 24'668.--). Überdies ist, wie oben ausgeführt, eine allfällige Doppelbesteuerung bei internati- onalen Verhältnissen nicht verboten. Damit ist der vor liegend zu beurteilende Fall nicht mit demjenigen des Bundesgerichts 2C_891/2011 vom 23. Juli 2 012 vergleichbar. Die Gründe, welche das Bundesgericht bewegt haben, vom Grundsatz ein er proportionalen Aufteilung der Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Krankheitskosten nach Massgabe der Nettoeinkünfte zwischen den Kantonen abzuweichen, sind im vorliegenden Fall nicht vorhanden. Die Beschwe rde ist demzufolge auch in diesem Punkt abzuweisen. 6. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahren s zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpf lichtig. Die Verfahrenskosten umfas- sen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO ). Die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 1'200.-- sind demzufolge den u nterliegenden Beschwerdeführern auf- zuerlegen. Die Parteikosten sind gemäss § 21 Abs. 1 VPO wettzuschlagen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- werden den Be- schwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin