B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4420/2013 U r t e i l v o m 2 7 . N o v e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Hansjörg Trüb, Asylbrücke Zug, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Juni 2013 / N (…). D-4420/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ist sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______, C._______, Nordprovinz (Sri Lanka). Gemäss eigenen Angaben reiste er am 6. November 2012 in d ie Schweiz ein, wo er am darauffolgenden Tag im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte. B. Der Beschwerdeführer wurde am 26. November 2012 zu seiner Person und summarisch zum Reiseweg sowie seinen Fluchtgründen befragt (Be- fragung zur Person [BzP]) . Eine eingehende Anhörung zu den Asylgrü n- den fand am 18. März 2013 statt. Anlässlich der Anhörung machte er im Wesentlichen geltend, dass er vom (…) 2007 bis (…) 2009 Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen sei und dort als Bodyguard für einen Colonel D._______ tätig gewesen sei, der im ganzen Gebiet für die Waffen und deren Nac h- schub verantwortlich gewesen sei. Ausserdem habe er an Kampfhan d- lungen teilgenommen und sei mehrfach verletzt worden. Vom (…) 2009 bis (…) 2010 sei er aufgrund seiner Zugehörigkeit bei den LTTE inhaftiert gewesen und misshandelt worden. Er sei teils unter Folter verhört worden und habe Angaben bezüglich eines Waffenverstecks bekannt gegeben. Aufgrund von Verletzun gen habe man ihn und andere entlassen. (…) 2010 seien zwei Männer des Criminal Investigation Department ( CID) zu ihm nach Hause gekommen und h ätten ihn zur Zusammenarbeit überr e- den wollen. Daraufhin sei er, da ihn in seinem Dorf al le als LTTE-Mitglied gekannt hätten, (im) November 2010 nach B._______ gegangen, wo er einen Priester gekannt habe. (…) 2011 seien zwei Personen mit einem Motorrad zu ihm gekommen und hätten ihm gesagt, er solle sich am da r- auffolgenden Tag im CID-Büro melden. Dort sei er wieder verhört worden. Danach habe er sich einmal in der Woche melden müssen und er habe das D orf nicht mehr verlassen dürfen . Nach seiner Heirat habe er sich nicht mehr melden müssen , dafür sei en Beamte des CID einmal im M o- nat zu ihm gekommen . (…) 2012 sei er von der Armee vorg eladen, ge- schlagen und zu weiteren Waffenverstecken befragt worden . Im A n- schluss habe man ihm ein Ultimatum von drei Tagen gestellt, woraufhin er am folgenden Tag B._______ verlassen habe und mit Hilfe eines Schlep- pers in die Schweiz gelangt sei. Dieser habe dem Beschwerdeführer sei- nen Pass abgenommen und ihm einen gefälschten Pass für die Reise D-4420/2013 Seite 3 gegeben. Auch nach seiner Ausreise sei er bei seinen Eltern sowie bei seiner Frau mehrmals behördlich gesucht worden. Gemäss eigenen Angaben habe er am 23. Mai 2010 brieflich einen Asyl- antrag an die Schweizer Botschaft in Colombo geschickt. Jedoch konnte vom BFM weder im Zentralen Migrationsinformationssystem ( ZEMIS) noch im Elektronischen Visumsausstellungssystem (EVA) ein Eintrag ge- funden werden. Er habe einen Antwortbrief erhalten, der jedoch nicht ha- be übersetzt werden können. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer im Rahmen des ersti n- stanzlichen Verfahrens eine Kopie eines gültigen heimatlichen Reisepas- ses, eine Kopie einer nationalen Identitätskarte, seine Heiratsurkunde, ei- ne beglaubigte Kopie seiner Geburtsurkunde, ein Release Certificate, e i- ne Visitenkarte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sowie ein Schreiben eines Priesters ein. C. Mit Verfügung vom 27. Juni 2013 (Eröffnung am 4 . Juli 2013) wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die We g- weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Recht s- vertreters vom 5. August 2013 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er die vollständige Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewähr ung von Asyl, andernfalls sei er vorläufig aufzunehmen. Weiter seien auf die Erhebung von Verfahrenskosten und einen Kosten- vorschuss zu verzichten . Mit der Beschw erde wurden als Beweise eine Fürsorgebestätigung sowie zwei Kopien von Bestätigungsschreiben ein- gereicht, eines des E._______ aus B._______ und eines des Justice of Peace. E. Mit Zwischenverfügung vom 9. August 2013 wurde das Gesuch um G e- währung der unentgel tlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) gutgeheissen. F. In der Vernehmlassung vom 14. August 2013 nahm das BFM zu den neu D-4420/2013 Seite 4 eingereichten Beweismitteln Stellung und hielt im Übrigen an seinen bis- herigen Ausführungen fest. G. In seiner Replik vom 27. August 2013 äusserte sich der Beschwerdefü h- rer zur Vernehmlassung. H. Am 5. September 2013 reichte der Beschwerdeführer die Originale der bereits mit Beschwerde in Kopie eingereich ten Dokumente ein. Darüber hinaus wurden zwei weitere Bestätigungsschreiben (des Priesters re- spektive des Divisional Secretary von F._______, G._______) ins Recht gelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zustä n- dig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezieh ungsweise Änderung; er ist daher D-4420/2013 Seite 5 zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die B e- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solc hen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglic hen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Fl üchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheides fest, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, seine Fluch t- gründe überzeugend und glaubhaft darzulegen, insbesondere seien seine Vorbringen nicht substanziiert. Im Einzelnen führte es aus, der B e- schwerdeführer habe Fragen zu Einzelheiten seines Aufgabenbereic hs nicht ausführlich und überzeugend beantworten können. Es sei ihm nicht gelungen, die Waffentypen, mit denen er in seiner Funktion als Bodyg u- ard zu tun gehabt habe, zu erklären bzw. zu beschreiben . Das Arbeitsge- biet seines Vorgesetzten, Colonel D._______, habe er nicht näher ei n- grenzen können und stattdessen vorgebracht, dieser sei für das ganze Gebiet zuständig gewesen, was aber eher unwahrscheinlich sei. Weiter habe er sich widersprochen, in dem er zuerst angegeben habe, gesehen D-4420/2013 Seite 6 zu haben, wie die Waffen mit dem Lastwagen gebracht und wieder aufge- laden worden seien, und dass ganze Ladungen von Waffen aus H._______ gekommen seien. Später habe er hingegen gesagt, die Wa f- fen seien heimlich geliefert worden und er habe nicht mitbekommen, w o- her diese Waffen gekommen seien. Auch seine Schilderungen zu den Vorkommnissen (…) 2009, namentlich zum Umstand, wie Colonel D._______ ums Leben gekommen sei und wie der Beschwerdeführer in der Folge die LTTE verlassen habe, würden oberflächlich wirken und nicht den Eindru ck entstehen lassen, als habe er das Geschilderte ta t- sächlich erlebt. Deshalb könne ihm nicht geglaubt werden, dass er wä h- rend zweier Jahre in der Funktion eines Bodyguards bei den LTTE gew e- sen sei. Ebenfalls unglaubhaft sei, dass er über das Tätigkeitsfeld der an- deren drei Bodyguards von Colonel D._______ nichts Genaues zu b e- richten gewusst habe, obwohl er mit ihnen während zwei er Jahre im sel- ben Camp gewohnt habe. Von einer Person, die zwei Jahre lang in der Funktion eines Bodyguards bei den LTTE zugebracht habe und die meis- te Zeit im selben Camp statio niert gewesen sei, dürften präzisere Infor- mationen erwartet werden. Die im Zusammenhang m it den Verhören während der neu n Monate Haft in I._______ geltend gemachten Ge s- tändnisse bezüglich der Waffenverstecke und die Schilderung, dass er Waffen des Colonels in Plastiktüten gesteckt und in einem Brunnen ve r- steckt habe, seien unglaubhaft. Zuvor in derselben Anhörung, als er über die Zeit als Bodyguard bei Colonel D._______ berichtet habe , habe er angegeben, nichts Genaues über die Waffenverstecke gewusst zu haben. Bezüglich der Haft von (…) 2009 bis (…) 2010 habe der Beschwerdefüh- rer keine differenzierten Angaben gemacht. Er habe nichts darüber g e- sagt, weshalb er aus der Haft entlassen worden sei, und das Geschilderte sei auch recht vage. Er habe angegeben, zusammen mit tausend Pers o- nen, die auch hätten entlassen werden sollen, auf einem Sportplatz Kopfnickern vorgeführt worden zu sein. Gerade weil der Beschwerdefü h- rer in dem Moment besonders Angst gehabt habe, sei von ihm zu erwar- ten, dass er die Kopfnicker und die damit verbundene konkret erlebte Si- tuation differenziert hätte beschreiben können . Weiter könne dem B e- schwerdeführer auch ni cht geglaubt werden, dass er vom CID un d der Armee aufgefordert worden sei, mit ihnen zusammenzu arbeiten. Er habe zur angeblichen Zusammenarbeit keine detaillierten und differenzierten Angaben machen können, beispielsweise inwiefern und in welchen spezi- fischen Bereichen er diesen Behörden als Informant hätte dienlich sein können. Deshalb erscheine es nicht glaub haft, dass CID und Armee ihn verdächtigt hätten, Waffen sowie Informationen zu Waffenverstecken der LTTE zu besitzen, ihm aber gleichzeitig eine Bedenkzeit von drei Tagen D-4420/2013 Seite 7 gegeben hätten, um sich für oder gegen eine Zusammenarbeit ausz u- sprechen. Ebenso wenig erscheine es daher glaubhaft, dass der Be- schwerdeführer nicht gewusst habe, wie sich die Kooperation konkret gestaltet hätte. Da die vorgebrachten Fluchtgründe (LTTE-Mitgliedschaft, Haft, vorübergehende Festnahmen, Unterschriftleisten) nicht glaubhaft erscheinen würden, seien die während der Haft und de r vorübergehen- den Festnahmen erlittenen Misshandlungen ebenfalls als unglaubhaft zu würdigen. D ie Schilderungen der Misshandlungen würden aber auch nicht den Eindruck von tatsächlich Erlebtem entstehen lassen, da sie sich auf eine Aufzählung von Körperverletzungen beschränken würden, ohne die geltend gemachten Beeinträchtigungen in einen persönlichen Bezugs- rahmen zu stellen. Darüber hinaus habe der Beschwerdeführer die in J._______ erlittenen Misshandlungen an den beiden Befragungen unte r- schiedlich geschildert. Der Widerspruch habe nicht aufgelöst werden können, da der Beschwerdeführer erklärt habe, er habe sich an der BzP so kurz wie möglich fassen müssen. Weiter könnten d ie Beweismittel im vorliegenden Fall keine aktuelle Verfolgungssituation belegen. Das R e- lease Certificate vom (…) 2010 zeige vielmehr an, dass der Beschwerde- führer nicht verdächtigt worden sei, da er ansonsten nicht aus der Reh a- bilitation entlassen worden wäre. Darüber hinaus sei die Kausalität nicht gegeben, da der Beschwerdeführer doch erst mehr als zwei Jahre nach der Entlassung aus der Rehabilitation aus Sri Lanka ausgereist sei. Das Empfehlungsschreiben eines Priesters sei als Beleg für eine aktuelle Ver- folgungssituation nicht geeignet, da solche Schreiben meist Gefälligkeits- charakter hätten, da sie für gewöhnlich im Auftrag der Asylantragsteller angefertigt würden und damit die subjektive Einschätzung privater Dritter rapportiert werde. Die Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten, weshalb ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 4.2 In der Beschwerde wurde demgegenüber geltend gemacht, der B e- schwerdeführer sei eine eher wortkarge Person, woraus nicht ohne Wei- teres geschlossen werden könne, die Vorbringen seien nicht wahr. Nicht jede Person drücke sich gleich detailliert aus. Ferner müsse auch der Wissensstand des Beschwerdeführers berücksichti gt werden. Eine Fü h- rungsperson in einer Guerilla -Armee würde sich akut in Gefahr bringen, wenn sie ihren Bodyguards zu viele Informationen zukommen liesse. Der Vorhalt, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, die Waffentypen, mit denen er als Bodyguard zu tun gehabt habe, zu erklären bzw. zu b e- schreiben, stosse ins Leere. Der Beschwerdeführer habe in den Antwor- ten zu F30 bis F35 die wesentlichen Waffentypen auf gezählt. Dass die D-4420/2013 Seite 8 technischen Details etwas unbeholfen erschienen seien, liege an der Übersetzung, bei der es sich nicht um eine militärische Fachübersetzung handle (z.B. Schlauch statt Rohr). Das Fabrikat der Waffen bzw. das Her- kunftsland seien jedoch top secr et gewesen, weshalb der Beschwerd e- führer nicht darüber habe Bescheid wissen können. Ein w eiterer Wider- spruch werde dem Beschwerdeführer zur Herkunft dieser Waffen unte r- stellt. Er habe gewusst, dass die Waffen vom H._______-Distrikt gekom- men seien, da sie dorthin mit Schiffen transportiert worden seien. Die in der Verfügung zitierte Antwort, gemäss welcher er nicht mitbekommen habe, woher die Waffen gekommen seien, habe jedoch die Frage nach der Marke und dem Produzenten beantwortet. Es sei in den beiden Fr a- gen um Unterschiedliches gegangen, weshalb die Antworten ebenfalls unterschiedlich ausg efallen seien. Bei der einen Frage sei es um den Transportweg und bei der anderen um den Ursprung der Waffen gega n- gen, weshalb es sich nicht um einen Widerspruch handle. Colonel D._______ sei für die Waffen verteilung der gesamten Region zuständig gewesen, jedoch nicht für deren Beschaffung und den Import. Es sei wei- ter naheliegend, dass der Beschwerdeführer nach dem Tod seines Chefs den Kontakt zu den LTTE verloren habe. Dies, da der Colonel wenige Ta- ge vor Verkündung des Kriegsendes und dem Tod Prabhakarans verstor- ben sei und während dieser Tage chaotische Zustände geherrscht hätten. Ein weiterer Widerspruch sei dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den Waffenverstecken vorgehalten worden. Dem sei zu entgegnen, dass es sich beim Verstecken der 150 Waffen um eine einmalige Aktion gehandelt habe, da die Einnahme durch die Armee gedroht habe. Sonst aber seien die Waffen in unzähligen Aktionen versteckt worden. Von di e- sen Verstecken habe der Beschwerdeführer keine Kenntnis gehabt. Es handle sich somit nicht u m einen Widerspruch. Hingegen habe dem Be- schwerdeführer das CID aus dem gleichen Grund Probleme gemacht: Diese Behörde habe vermutet, der Beschwerdeführer kenne auch andere Waffenverstecke. Die Vorinstanz habe dem Beschwerdeführer weiter vor- gehalten, die S childerungen seiner Misshandlungen würden nicht den Eindruck von tatsächlich Erlebtem entstehen lassen. Ausserdem habe er die in J._______ erlittenen Misshandlungen an den b eiden Befragungen unterschiedlich geschildert. Es könne nicht nachvollzogen werden , inwie- fern die Aussagen widersprüchlich seien, insbesondere mache die Vorin- stanz denn auch keine konkreten Ausführungen dazu. Vor allem die Schilderung in F120 bis F123 lasse den Vorfall genügend plastisch e r- scheinen. Betreffend die Kausalität der LTTE-Mitgliedschaft für die Au s- reise wurde in der Beschwerde ausgeführt, dass eine s olche nie behaup- tet worden sei. Anlass der Ausreise sei der Druck gewesen, der auf dem D-4420/2013 Seite 9 Beschwerdeführer gelastet habe. Das CID habe angenommen, der B e- schwerdeführer kenne w eitere Waffenverstecke und habe mehr Inform a- tionen über die LTTE, welche er nicht preis geben wolle. Daher habe d as CID den Beschwerdeführer mit einer Dreitagesfrist unter Druck setzen und ihm Angst machen wollen. Es handle sich dabei, entgegen der Au f- fassung der Vorinstanz, nicht um eine normale Antwortfrist, in welcher der Beschwerdeführer sich für oder gegen eine Zusammenarbeit hätte au s- sprechen können. Weiter seien die Vorbringen der Vorinstanz falsch, dass es sich hierbei um eine Zusammenarbeit gehandel t hätte. Vielmehr hätte es sich um ein Herauspressen von Informationen, allenfalls unter Folter, gehandelt. 4.3 In der Vernehmlassung führte das BFM zum mit Beschwerde eing e- reichten Schreiben des Justice of Peace aus, dass solche Empfehlung s- schreiben meist Gef älligkeitscharakter hätten, da sie im Auftrag des A n- tragsstellers angefertigt und damit die subjektive Einschätzung privater Dritter rapportieren würden. 4.4 Zu diesem Vorhalt des BFM wurde auf Replikebene vorgetragen, dass es sich bei den eingereichten Schrif tsätzen um Bestätigungen von Behördenmitgliedern handle. Die meisten amtlichen Dokumente wü rden auf Verlangen der darin Erwähnten ausgestellt, wodurch gemäss der pauschalen Einschätzung des BFM jedes amtl iche Dokument wertlos sein müsste. 5. Die Vorinstanz h at die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Asy l- gründe als unglaubhaft erachtet. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die Vorinstanz diesen Vorbringen zu Recht gestützt auf Art. 7 AsylG die Glaubhaftigkeit abgesprochen hat. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen d ann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüc h- lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbeso n- dere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Ab s. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar - stellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder u n-D-4420/2013 Seite 10 begründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspek- te wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer G e- samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalt s- darstellung sprechen, üb erwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekt i- vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2 S. 43 f.; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 5.2 Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist die Darstellung der Asylgrün- de des Beschwerdeführers hinsichtlich der Kernpunkte als glaubhaft zu erachten. 5.2.1 Der Beschwerdeführer hat das Vorbringen , ein Angehöriger oder zumindest Unterstützer der LTTE und deswegen inhaftiert gewesen zu sein, in den wesentlichen Punkten glaubhaft machen können. So legte er ein Release Certifi cate vor, welches keine offensichtlichen Fälschungs- merkmale aufweist und dessen Echtheit auch von der Vorinstanz nicht in Zweifel gezogen wurde , mit welchem er belegte, dass er sich mehrere Monate in Haft befand (vgl. dazu nachfolgend E. 5.2.3). Zudem erschei- nen gewisse geschilderte Tätigkeiten durchaus plausibel. Zu seinem Auf- gabenbereich habe es gehört, den Colonel auf Geheiss zu begleiten, den Funk abzuhören und die Post des Colonels zu erledigen, da dieser diese Aufgaben nicht selbst habe erledigen könn en. Weiter ist es dem B e- schwerdeführer gelungen, die Waffentypen, mit denen er zu tun hatte, zu erklären bzw. zu beschreiben. Darüber hinaus nannte er auch spezifische Waffentypen (act. A13 F30 und F34). In Bezug auf den angeblichen W i- derspruch bei der Waf fenherkunft wird in der Beschwerdeschrift zutre f- fend dargelegt, dass es sich hierbei um zwei unterschiedliche Fragen handelte, indem sich die eine auf die geographische Herkunft und die a n- dere auf den Lieferanten bezog (act. A13 F28 und F36). Aus seinen Aus- sagen geht hervor, dass der Beschwerdeführer jedoch lediglich unterge- ordnete Arbeiten erledigte (vgl. act. A13 F46); was genau seine Aufgaben waren, kann hier allerdings offen gelassen werden. D-4420/2013 Seite 11 5.2.2 Bezüglich seiner Verbindung zu den LTTE bleibt auszuführen, dass das Gericht die Funktion des Beschwerdeführers als Bodyguard und die aktive Teilnahme an Kämpfen für nicht glaubhaft dargelegt erachtet . Die Ausführungen bezüglich der Umstände um den Tod des Colonels schei- nen banal und widersprec hen der Lebenserfahrung. Allein die Tatsache, dass ein Colonel, der sich überall hin begleiten lässt, den Bunker wä h- rend eine s Angriffs alleine verlässt, um seine Waffe zu suchen , ist nur schwer nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass es nicht logisch erscheint , dass der Beschwerdeführer genau gewusst haben will, wie der Colonel gestorben sei, zumal er sich gemäss eigenen Angaben während des An- griffs in einem Bunker versteckt habe. Nicht überzeugend sind auch die Vorbringen, dass der Beschwerdeführer die anderen Bodyguards nicht gekannt habe, obwohl er angab , während zweier Jahre im selben Camp gewohnt zu haben. Nach diesen Ausführungen erscheint auch unglau b- haft, dass der Beschwerdeführer als Soldat an den einmal im Monat statt- findenden Kämpfen teilgenommen habe. Darauf deutet auch seine äus- serst vage ausgefallene Antwort auf die Frage hin, was sein eindrüc k- lichstes Erlebnis bei diesen Kämpfen gewesen sei. Es sei der Moment gewesen, als die Armee H._______ eingenommen habe und vor und hin- ter ihnen die Armee gestanden sei, sie aber trotzdem hätten entkommen können (act. A13 F156 bis F159). 5.2.3 Die Ausführungen zu den Misshandlungen während der Haft sind für das Gericht hingegen glaubhaft, da sie an diversen Stellen Realken n- zeichen aufweisen. Der Beschwerdeführer führte aus, dass ihm durch Schläge die Schulter ausgekugelt worden sei. Da er sich dieses U m- stands offensichtlich nicht bewusst war, umschrieb er die Situation (act. A13 F78). Im Verlauf der Anhörung erwähnte er weitere konkret bezeic h- nete physische und psychische Misshandlungen (act. A13 F81). Ferner ist auch die Schilderung, er habe Waffen in Plastiktüten eingepackt und in einem Brunnen versteckt, als glaubhaft zu erachten. Insbesondere die beschriebene Reaktion der Beamten des CID, d ass sie ihm einen Plan vorgehalten haben und er das Gebiet einzeichnen musste, ist überze u- gend (act. A13 F65, 70, 73). Die Erzählungen in Bezug auf die Haften t- lassung sind glaubhaft. Es ist insbesondere nachvollziehbar, dass er die "Kopfnicker" nicht genau angesehen, sondern vielmehr seinen Kopf g e- senkt hat, damit diese ihn nicht als LTTE-Mitglied erkennen konnten. 5.2.4 Hinsichtlich der auf die Entlassung folgenden Befragungen und der auferlegten Meldepflicht fallen weitere Realkennzeichen in der Erzählung des B eschwerdeführers auf. So erwähnte er etwa das an sich nebe n-D-4420/2013 Seite 12 sächliche Detail, wie er von den zwei Beamten, welche ihn (…) 2011 auf- gesucht hätten, mit seinem Rufnamen angesprochen worden sei und wie diese ihm anschliessend den Weg zum L._______-Camp beschrieben hätten (act. A13 F102 f.). In diesem Zusammenhang spricht f ür die Glaubhaftigkeit der Vorbrin gen ferner, d ass der Beschwerdeführer die nach seiner Heirat eingetretene Lockerung der Meldemodalitäten erwähn- te (act. A13 F110 bis F112), zumal diese Lockeru ng einerseits ein nac h- vollziehbares behördliches Handeln darstellt und andererseits der B e- schwerdeführer damit einen Umstand erwähnte , der grundsätzlich gegen eine asylrelevante Verfolgung spricht. Weiter handelt es sich b ei den an- geblich widersprüchlichen Aussagen in der BzP und der Anhörung in B e- zug auf die in J._______ erlittenen Misshandlungen nicht um einen Wi- derspruch. Vielmehr präzisiert e der Beschwerdeführer hier seine in der BzP gemachten Aussagen bezüglich des Kerngeschehens (act. A13 F138). Wie in der Beschwerde schrift zutreffend ausgeführt, handelt es sich entgegen der Ansicht des BFM nicht um eine partnerschaftliche Zu- sammenarbeit, bei welcher der Beschwerdeführer habe zu- bzw. absagen können, sondern um ein Verhör unter Druck. Aus den Schilderungen ging hervor, dass das CID der Meinung war, dass der Beschwerdeführer LTTE-Mitglied war und aufgrund des preisgegebenen Waffenverstecks noch weitere Informationen zu Leuten und Waffen habe. 5.3 Zusammenfassend hält das Gericht fest, dass der Beschwerdeführer die Verbindung zur LTTE und die Umstände, welche ihn zu seiner Ausrei- se veranlassten, im Kern glaubhaft dargestellt hat. Zu der Verbindung zu den LTTE und zum Colonel D._______ ist auszuführen, dass diese grundsätzlich als glaubhaft erachtet werden. Das Gericht geht jedoch d a- von aus, dass der Beschwerdeführer bei den LTTE keine führende Positi- on als Bodyguard innehatte, sondern nur untergeordnete Tätigkeiten ver- richtete. Die Haft und die Misshandlungen sowie das auch nach Entla s- sung aus der Haft andau ernde behördliche Interesse an seiner Person werden als glaubhaft erachtet, da aus den Anhörungen hervor geht, dass die sri -lankischen Behörden den Beschwerdeführer als Person mit rel e- vantem Wissen über LTTE -Mitglieder sowie andere erhebliche Informati- onen erachteten. 6. 6.1 Somit bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Voraussetzu n- gen für die Anerkennung als Flüchtling gemäss A rt. 3 AsylG zu erfüllen vermag. D-4420/2013 Seite 13 6.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person erns t- hafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund b e- stimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Eine Ver- folgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der Flüchtlingse i- genschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person einer landes- weiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil i h- res Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die Beu r- teilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer so l- chen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Ra h- men der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls w e- sentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zw i- schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5 S. 154 f. und BVGE 2010/57 E. 2 S. 826 ff., beide mit weite- ren Hinweisen). 6.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von A rt. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andere r- seits durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wi s- sen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Grü n- de für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f. mit weiteren Hinweisen). 7. 7.1 Seit Mai 2009 ist insgesamt von einer seit Beendigu ng des militär i- schen Konflikts zwischen der sri -lankischen Armee und den LTTE erhe b- lich verbesserten Lage in Sri Lanka auszugehen. Militärisch gelten die D-4420/2013 Seite 14 LTTE als vernichtet; es gibt keine Anzeichen, dass sie heute noch in der Lage wären, Angriffe auf die Sicherheitskräfte oder sonstige Attentate auszuführen. Allerdings werden politisch Oppositionelle jeglicher Couleur seitens der sri -lankischen Regierung als Staatsfeinde betrachtet und müssen mit entsprechenden Verfolgungsmassnahmen rechnen (vgl. BVGE 2011/24 E. 7.6). Aus diesem Grunde definierte das Bundesverwa l- tungsgericht im Grundsatzurteil BVGE 2011/24 – im Sinne von Risik o- gruppen – Personenkreise, deren Zugehörige einer erhöhten Verfo l- gungsgefahr unterliegen. Zu diesen Risikogruppen gehören namentlich (1) Personen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise gesta n- den zu sein (vgl. dazu auch EGMR, NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008) , (2) kritisch auftretende Jour- nalisten und Medienschaffende, (3) Menschenrechtsaktivisten und r e- gimekritische Nichtregierungsorganisationen -Vertreter, ferner (4) Pers o- nen, die Opfer oder Zeuge schwerer Menschenrechtsverstösse wurden oder diesbezüglich juristische Schritte einleiten, sowie (5) Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden b e- ziehungsweise die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen (BVGE 2011/24 E. 8). Innerhalb der Risikogruppen muss im Einzelfall untersuch t werden, ob die individuellen Begebenheiten eine asylrelevante Verfo l- gungsgefahr zu begründen vermögen. Diese Lageeinschätzung des Grundsatzurteils BVGE 2011/24 des Bundesverwaltungsgerichts ist für die Entscheidfindung weiterhin mitzuberücksichtigen, auc h wenn die jüngste Entwicklung teilweise zu Besorgnis Anlass gibt. Es ist somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer einer der soeben skizzierten Risik o- gruppen angehört. 7.2 Vor diesem Hintergrund kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass der Beschwerdeführer begründete Furcht hat , bei einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu sein. Er wurde aufgrund seiner LTTE -Mitgliedschaft von der sri -lankischen Armee verhaftet und unter Folter zu Waffenverstecken befragt. Obwohl er nur untergeordnete Tätigkeiten ausführte, verdächtigte n ihn die Behörden – nach dem Ge s- tändnis, einmalig Waffen versteckt zu haben – weitere Waffenverstecke zu kennen und zusätzliche Informationen liefern zu können. Zwar wurde er aus der Haft entlassen, was darauf hinweist, das s er nicht als (hohes) LTTE-Mitglied angesehen wurde, aber schon wenige Monate nach der Entlassung wurde er erneut vom CID aufgesucht. Danach verpflichtete ihn das CID, sich wöchentlich zu melden und die Stadt nicht zu verlassen. Ein Jahr später wurde er unter Gewaltanwendung zu Waffenverstecken D-4420/2013 Seite 15 und LTTE -Mitgliedern befragt. Gemäss glaubhaften Angaben des B e- schwerdeführers wurde er auch nach seiner Ausreise bei seinen Eltern und seiner Frau vom CID gesucht. Aufgrund des anhaltenden Bestrebens der sri -lankischen Regierung ein Wiedererstarken der LTTE zu verhi n- dern, muss diese Verfolgung nach wie v or als aktuell gewertet werden. Obwohl der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben den Behörden alles gestanden hat, was er wusste, ist anzunehmen, dass die Behörde n weiterhin davon ausgehen , der Beschwerdeführer verfüge über weitere relevante Informationen bezüglich der LTTE und ihren Mitgliedern. Ferner ist er als Rückkehrer aus der Schweiz, wo er ein Asylgesuch gestellt hat, bei der Einreise nach Sri Lanka zusätzl ich exponiert und gefährdet. Eine innerstaatliche Fluchtalternative besteht offensichtlich nicht, da sich die Gefährdung bereits bei der Einreise ergeben würde. Der Beschwerdefüh- rer passt nach dem Gesagten in die in BVGE 2011/24 genannte Risiko- gruppe der LTTE-Angehörigen. Somit gelangt das Gericht zum Schluss, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass er im Falle einer Rückkehr wegen vorhandener beziehungsweise ihm unte rstellter LTTE -Verbin- dungen inhaftiert oder anderweitig en ernsthaften Nachteilen ausgesetzt würde. 8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den Beschwerd e- führer sämtliche Kriterien der in Art. 3 AsylG enthaltenen Definition als er- füllt zu betrachten und dieser – mangels Ausschlussgründen im Sinne von Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) – als Flüchtling anzuerkennen ist. Die vorinstanzliche Verfügung ist dementsprechend aufzuheben und es ist dem Beschwerdeführer mangels Anzeichen für das Vor liegen eines Aus- schlussgrundes (Art. 53 AsylG) in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 9. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die vorinstanzl i- che Verfügung vom 27. Juni 2013 ist aufzuheben und das BFM anzuwe i- sen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). D-4420/2013 Seite 16 10.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem sich der notwendige Vertretungsaufwand au f- grund der Aktenlage hinreichend zuverlässig abschätzen lässt , erübrigt sich die Einholung einer Kostennote. Die von der Vorinstanz auszuric h- tende Parteientschädigung ist unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren von Amtes wegen auf Fr. 875.– festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-4420/2013 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 27. Juni 2013 wird aufgehoben . Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschäd i- gung in der Höhe von Fr. 875.– zu entrichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: