Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. Juni 2019 (725 16 288 / 166) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Unfallkausalität, Bestimmung des massgebenden medizinischen Sachverhalts aufgrund eines Gerichtsgutachtens Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advo- katin, St. Jakobs-Strasse 11, Postfach 3003, 4002 Basel gegen Sympany Versicherungen AG , Peter Merian -Weg 4 , 4002 Basel , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1957 geborene A.____ ist seit 1999 bei der B. ____AG in Y.____ als kaufmännische Mitarbeiterin angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Sympany Versicherungen AG (Sym- pany) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versic hert. Am 6. Dezember 2014 stand sie in ein Schlagloch und stürzte auf die linke Körperseite. Dabei zog sie sich gemäss Bericht des erstbehandelnden Arztes Dr. med. C.____, FMH Allgemein e Innere Medizin, eine Glenoidfrak- tur und eine Suprasspinatussehnenruptur links zu. Die Sym pany erbrachte in der Folge Versi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherungsleistungen. Nach weiteren Abklärungen und Einho lung eines Gutachtens bei Dr. med. D.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, teilte die Sympany der Versicherten mit Verfügung vom 1. Juni 2015 mit, dass die am 16. März 2 015 durchgeführte arthroskopische Refixierung der Supraspinatussehne überwiegend wahrsche inlich nicht in einem kausalen Zu- sammenhang mit dem Unfallereignis vom 6. Dezember 2014 stehe, weshalb die Leistungen per 16. März 2015 eingestellt würden. Daran hielt sie auf Einsprache der Versicherten hin fest (Ein- spracheentscheid vom 18. August 2016). B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 11. September 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei der E inspracheentscheid vom 18. August 2016 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpfl ichten, die gesetzlichen Versiche- rungsleistungen zu erbringen; unter o/e-Kostenfolge. Zu r Begründung führte sie im Wesentli- chen aus, dass der angefochtene Entscheid auf unzureichende n medizinischen Unterlagen be- ruhe. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 28. November 2016 auf Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich einer ersten Urteilsberatung vom 16. März 2017 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der A ngelegenheit gestützt auf die vor- handenen medizinischen Akten nicht möglich sei. In der F olge stellte es das Verfahren aus und ordnete ein Gerichtsgutachten an. Am 31. Mai 2017 beauftragte es die Academy of Swiss Insu- rance medicine (asim) mit einer orthopädisch-traumatolog ischen Begutachtung der Versicher- ten. Diese wurde von Prof. Dr. med. E.____, FMH Ort hopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, durchgeführt. Zum Gutachten vo m 31. Dezember 2017 und den Auswirkungen der medizinischen Beurteilung auf den Leistu ngsanspruch nahmen die Be- schwerdeführerin am 21. Januar 2018 und die Beschwerdeg egnerin am 7. Februar 2018 Stel- lung. E. Im Rahmen einer weiteren Urteilsberatung vom 16. A ugust 2018 kam das Kantonsge- richt zum Schluss, dass das Gerichtgutachten vom 31. Dezember 2017 Fragen aufwerfe, wes- halb zur abschliessenden Klärung der medizinischen Sachlage bei Prof. Dr. E.____ eine ergän- zende Abklärung erforderlich sei. Zu seinen Ausführungen vom 24. Oktober 2018 äusserten sich die Beschwerdeführerin am 6. November 2018 und die Beschwerdegegnerin am 27. De- zember 2018. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 11. September 2016 ist demnach einzutreten. 2. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversich erung (UVG) vom 20. März 1984 sowie der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 in Kraft ge- treten. Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestimmungen ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro- chen sind, werden nach bisherigem Recht gewährt (vgl. Üb ergangsbestimmung in Art. 118 Abs. 1 UVG). So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bishe- rige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 3. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistu ngspflicht für die Refixation der Sup- raspinatussehne an der linken Schulter zu Recht verneint und diesbezüglich die Versicherungs- leistungen per 16. März 2015 eingestellt hat. 4. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in d er obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwe iser Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 5.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammen- hangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruc hs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 5.2 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderli chen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundhei tsschadens darstellt, wenn also Letz- terer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursac hen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er u nmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, w ie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistun gsbegründende natürliche Kausalzusam- menhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung vo n unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Di e blosse Möglichkeit nunmehr gänz- lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genüg t nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kaus alzusammenhang gegeben ist – nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Dies e Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und si nd für sämtliche Leistungsarten mass gebend (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2 014, 8C_419/2014, E. 3.2 mit Hinwei- sen). 6.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie insbeso ndere der Feststellung natürli- cher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist di e rechtsanwendende Behörde re- gelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bew eismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (B GE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 6.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 E. 4.4 und 4.5). So weicht das Ger icht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung de r medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsb arkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat diesbezüglich erwogen, der M einung eines von einem Gericht ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermu tungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen). Ein Grund zum A bweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom G ericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelan gt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Mei nungsäusserungen anderer Fachex- perten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Sc hlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis de s Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 f. E. 3b/aa mit Hinweisen). 7. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 8. Die Vorinstanz stützte sich im angefochtenen Einsprache entscheid vom 18. August 2016 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das Aktengut- achten von Dr. D.____ vom 9. April 2015 sowie auf der en Stellungnahme vom 29. Mai 2016. Anlässlich der ersten in vorliegender Angelegenheit erf olgten Urteilsberatung vom 16. März 2017 gelangte das Kantonsgericht zur Auffassung, dass dem Gutachten von Dr. D.____ keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. So bestünden im Ve rgleich zur Beurteilung des be- handelnden Arztes Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be- wegungsapparates, vom 6. September 2016 unüberwindbar e Diskrepanzen hinsichtlich der streitigen Frage, ob die Ruptur der Supraspinatussehne überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 6. Dezember 2014 zurückzuführen sei . Da auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte keine verlässliche Entsch eidgrundlage bildeten, beschloss das Kantonsgericht, den Fall auszustellen und zur Klärun g des Sachverhalts ein orthopädisch- traumatologisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Am 31. Dezember 2017 diagnostizierte Prof. Dr. E._ ___ eine freie linke Schulter bei/mit einem Status nach einer Glenoidfraktur (ICD-10 S42.14 ), nach einer Supraspinatussehnen- ruptur, nach einem Sturz am 6. Dezember 2014, nach ei ner arthroskopischen Gelenkevaluati- on, einem Débridement, einer Akrominoplastik und einer Refixation der Supraspinatussehne am 16. März 2015. Der Unfallmechanismus sei überwiegend wah rscheinlich nicht geeignet, eine Läsion im Bereich der Rotatorenmanschette auszulösen. E ine wie von Dr. F.____ im Operati- onsbericht vom 16. März 2015 dokumentierte (komplette ) kaudale Schulterluxation erscheine nicht überwiegend wahrscheinlich, da die Explorandin ei ne Schulterluxation während der Anamneseerhebung verneine. Überwiegend wahrscheinlich sei es aber zu einer Subluxation des Humeruskopfs gekommen. Im vorliegenden Fall sprech e das am dorsalen Humeruskopf gelegene bone bruise, welches MR-tomographisch beschri eben worden sei, für ein solches Subluxationsereignis. Weiter werde im Primärbefund von Dr. C.____ vom 11. Dezember 2014 eine Druckdolenz der Schulter ventral und eine schmerzbed ingt eingeschränkte Abduktion be- schrieben. Ein Funktionsverlust des Arms, wie er überwieg end wahrscheinlich nach einer post- traumatischen Rotatorenmanschettenläsion zu erwarten wäre, sei nicht dokumentiert. Der klini- sche Primärbefund spreche daher mit überwiegender Wahrsch einlichkeit gegen eine traumati- sche Rotatorenmanschettenläsion. Die kleine transmurale Ruptur am Vorderrand des Ansatzes der Supraspinatussehne, die Tendinopathie der restliche n Supraspinatussehne bei mässiger Verfettung der Supraspinatusmuskel und die leichte bis m ässige AC-Gelenksarthrose mit nur kleinen inferioren Osteophyten bei eher engem Subakrominalraum und Akromion Typ 1-2 seien bei der im Zeitpunkt des Unfalls 57-järigen Versicherte n mit überwiegender Wahrscheinlichkeit degenerativer Natur und stünden nicht in einem Zusamme nhang mit dem Unfallereignis vom 6. Dezember 2014. Die im Operationsbericht vom 16. Mär z 2015 dokumentierten Veränderun- gen im Bereich der Supraspinatussehne liessen keine Beur teilung der Unfallkausalität zu. Wei- ter hielt Prof. Dr. E.____ fest, es sei aufgrund der aktuellen Datenlage sehr gut möglich, dass die traumatische Schulterluxation vom 6. Dezember 20 15 eine vorbestehende Rotatorenman- schettenläsion richtungsgebend verschlechtert und einen we iteren strukturellen Schaden verur- sacht hätten. 9.2 Am 24. Oktober 2018 hielt Prof Dr. E.____ präzisie rend fest, sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass das Unfallereignis Ursache oder Teilursache für den Eingriff vom 16. März 2015 gewesen sei. 9.3 Am 6. November 2018 reichte die Beschwerdeführerin zwei Stellungnahmen des operie- renden Arztes Dr. F.____ ein. Am 26. Oktober 2018 hie lt er fest, es belege keine Studie, dass eine beschwerdefreie Frau unter 60 Jahren mit höhere r Wahrscheinlichkeit eine degenerative Supraspinatusläsion habe. Die Wahrscheinlichkeit, dass keine degenerative Läsion der Sehne vorgelegen habe, sei somit und aufgrund der Beschwerdef reiheit vor dem Unfall sehr wahr- scheinlich. Zudem habe er intraoperativ keine degenerati ven Sehnenveränderungen festge- stellt. Bei Menschen über 40 Jahren würde bei einer Lu xation der Schulter häufig die Supraspi- natussehne reissen. Am 29. Oktober 2018 hielt Dr. F.___ _ ergänzend fest, dass die beschwer- defreie und voll funktionsfähige Patientin wahrscheinl ich keine vorbestehende degenerative Ruptur der Rotatorenmanschette gehabt habe. Ein Luxat ionsmechanismus führe häufig zu ei- ner Ruptur der Rotatorenmanschette, grade wenn er – wie hier – heftig sei. Der Primärbefund Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestätige die Diagnose einer transmuralen Rotatorenman schettenruptur und auch der ansatz- nahe Riss spreche für diese Annahme. Demgegenüber würden degenerative Rupturen eher innerhalb und im mittleren Bereich einer Sehne auft reten. Solche Veränderungen hätten sich bei der Versicherten intraoperativ nicht gezeigt. 10.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 6.2 hiervor), weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizini schen Experten oder Expertinnen ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerich tsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Vorli egend sind keine Gründe ersicht- lich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gericht sgutachten von Prof. Dr. E.____ vom 31. Oktober 2017 und im ergänzenden Bericht vom 24. Okt ober 2018 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, da ss das Gutachten die rechtspre- chungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteil ungsgrundlage in jeder Hin- sicht erfüllt. Es weist weder formale noch inhaltliche M ängel auf, ist – wie dies vom Bundesge- richt verlangt wird (vgl. E. 6.1 hiervor) – für die stre itigen Belange umfassend, beruht auf allsei- tigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschw erden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Sodann we ist das Gutachten keinerlei Widersprü- che auf und setzt sich auch mit den bei den Akten liege nden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzungen auseinander. Das Gerichtsgutachten hat in sofern Klärung gebracht, als aus medizinischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die traumatische Schulterluxation resp. Subluxation vom 6. Dezember 2014 nicht ursächlich war für die Refixation der Supraspinatussehne. Die entsprechenden, vorstehend (vgl. E. 9.1 und E. 9.2 hiervor) wiedergegebenen Darlegungen des Gerichtsgutacht ers vermögen zu überzeugen, so- dass darauf verwiesen werden kann. 10.2 Daran ändern auch die Rügen der Beschwerdeführeri n nichts. Sie wendet ein, Prof. Dr. E.____ benenne in seinem Gutachten vom 31. Dezember 2017 und im Ergänzungsbe- richt vom 24. Oktober 2018 zahlreiche Aspekte, die für ein e Unfallkausalität sprechen würden. Zudem bestünde anerkanntermassen keine Vorerkrankung. Daher sei nicht ersichtlich, weshalb eine Teilkausalität des Unfallereignisses nicht nachgewiese n sein soll. Diese Einwände er- scheinen nicht triftig genug, um die Schlüssigkeit des Ger ichtsgutachtens des Prof. Dr. E.____ vom 31. Oktober 2017 und dessen ergänzenden Berichts vom 2 4. Oktober 2018 in Frage zu stellen. Zunächst ergibt sich daraus nichts, was auf eine widersprüchliche Feststellung von Prof. Dr. E.____ schliessen lassen würde. Vielmehr legte der Gerichtsgutachter in Kenntnis der me- dizinischen Akten und unter Einbezug aller relevanten A spekte überzeugend dar, weshalb das Unfallereignis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht Ursache oder Teilursache der Supra- spinatussehnenruptur und damit auch nicht mindestens Te ilursache für den Eingriff vom 16. März 2015 war. Zwar kann die Beurteilung des Kausa lzusammenhangs zwischen Ereignis und Schaden von der Natur der Sache her nicht ermessensfr ei erfolgen. Dem oder der medizi- nischen Sachverständigen eröffnet sich deshalb praktisch imm er ein gewisser Spielraum, in- nerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich, zulässig und im Rahmen einer Explo- ration lege artis zu respektieren sind. Genau darin kan n der Grund für den Beizug eines Ge- richtsgutachtens liegen, welches gewährleistet, dass das m edizinische Ermessen mit optimaler Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachkenntnis und vor allem optimaler Unabhängigkeit au sgeübt wird. Darin liegt auch die inne- re Berechtigung dafür, dass den Gerichtsgutachten recht sprechungsgemäss hohes Gewicht zukommt und das Gericht nicht ohne zwingende Gründe davon abweicht. Soweit sich die Be- schwerdeführerin auf die abweichende Beurteilungen vo n Dr. F.____ vom 26. und 29. Oktober 2018 (vgl. E. 9.3) beruft und geltend macht, dass ihr A lter nicht per se gegen, der Unfallmecha- nismus resp. die Glenoidfraktur aber für eine unfallbedingte Teilursächlichkeit der Beschwerden an der Supraspinatussehne sprechen würden, kann ihr ni cht gefolgt werden. Dr. F.____ zeigt nämlich keine neuen von Prof. Dr. E.____ unberücksichtigt gebliebenen Aspekte auf, die eine Neueinschätzung Unfallkausalität notwendig machen würd en. Zudem ist zu beachten, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftra gsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei- felsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Berichte mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 135 V 465 E. 4.5). Bei dieser Sach lage und der Tatsache, dass es dem Gerichtsgutachter möglich war, die streitige Frage, ob es sich bei der Verletzung im Bereich der Rotatorenmanschette um eine Unfallfolge handelt, zuver lässig zu beantworten, kann in antizi- pierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahl reichen Hinweisen) auf zusätzliche Ab- klärungen verzichtet werden. 11. Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leis- tungspflicht für die Refixation der Supraspinatussehn e an der linken Schulter verneint und die Versicherungsleistungen per 16. März 2015 eingestellt ha t. Die gegen den betreffenden Ein- spracheentscheid vom 18. August 2016 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 12.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht fü r die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 12.2.1 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungst räger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, w enn die Massnahmen für die Beurtei- lung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil n achträglich zugesprochener Leistun- gen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in jenen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver- fahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Ger icht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesger icht weiter, mit der zitierten Bestim- mung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (vgl. B GE 137 V 265 f. E. 4.4.2). In BGE 139 V 496 hat das Bundesgericht präzisierend Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden können, zu berücksichtigen sind. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Unter- suchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigke it, eine Gerichtsexpertise anzu- ordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellatio nen der Fall: Wenn ein manifester Wider- spruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztl ichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründet e Argumente entkräftet habe; wenn Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder wenn sie auf eine Expertise abgestellt ha be, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Wenn die Verwal- tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive kon- vergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rec htsgenüglichen Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzlichen Geri chtsgutachtens an sie nicht gerecht- fertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens; zum Ganze n: BGE 139 V 502 E. 4.4 mit Hin- weisen). 12.2.2 Vorliegend ist das Kantonsgericht anlässlich der Urteilsberatung vom 16. März 2017 zum Ergebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Wie vorstehend in Erwägung 8 ausgef ührt, kam der Beurteilung im Akten- gutachten von Dr. D.____ vom 9. April 2015 sowie dere n Stellungnahme vom 29. Mai 2016 mit Blick auf die Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Berichte und Gutachten keine aus- schlaggebende Beweiskraft zu. Da auch die übrigen bei de n Akten liegenden medizinischen Berichte keine verlässliche Entscheidungsgrundlage bildet en, waren die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht ausreichend beweiskräf tig. Demnach wies das Verwal- tungsverfahren Untersuchungsmängel auf, die eine Gericht sexpertise notwendig machten. Die Kosten des Gerichtsgutachtens, welche sich gemäss den eingere ichten Honorarnoten vom 31. Dezember 2017 und 31. Oktober 2018 auf insgesamt Fr. 5‘885.-- belaufen, sind unter die- sen Umständen der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 12.3 Nachdem sich die Rechtsstellung der Beschwerdeführer in mit dem Ausgang des Ver- fahrens gegenüber jener nach Abschluss des Administrativverf ahrens nicht verbessert hat, und die Verwaltung vorliegend nicht bloss rudimentäre Abkl ärungen vorgenommen hatte, wird bei diesem Prozessausgang keine Parteientschädigung zugesproch en (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 6. Juli 2018, 8C_304/2018). Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 5‘885.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. 4. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht