<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 26" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 26</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">172</span> </div> <div class="page" id="S172"> <div role="main"> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>26 </b> <b>Sozialhilfe; Wohngemeinschaft </b></span><br/> <span class="text"><b>Zur Beurteilung, ob eine familienähnliche Wohn- und Lebensge-</b></span><br/> <span class="text">meinschaft oder eine Zweck-Wohngemeinschaft vorliegt, ist mit be-</span><br/> <span class="text">sonderer Sorgfalt abzuklären, ob ein gemeinsamer Haushalt geführt</span><br/> <span class="text">wird. </span><br/> <span class="text"><b>Vorliegend sprechen der grosse Altersunterschied zwischen den Be-</b></span><br/> <span class="text">wohnern, deren Lebensumstände sowie der Umstand, dass Haus-</span><br/> <span class="text">haltsfunktionen wie Wohnen, Einkaufen, Essen und Waschen vor-</span><br/> <span class="text">wiegend getrennt erfolgen, gegen eine familienähnliche Wohn- und</span><br/> <span class="text">Lebensgemeinschaft. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 10. Dezem-</span><br/> <span class="text">ber 2019, in Sachen A. gegen Gemeinderat B. und Departement Gesundheit</span><br/> <span class="text">und Soziales (WBE.2019.285).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">173</span> </div> <div class="page" id="S173"> <div role="main"> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <br/> <span class="text">2.2.</span><br/> <span class="text">Gemäss § 17 Abs. 1 VRPG ermitteln die Behörden den Sach-</span><br/> <span class="text">verhalt, unter Beachtung der Vorbringen der Parteien, von Amtes</span><br/> <span class="text">wegen und stellen die dazu notwendigen Untersuchungen an. Der</span><br/> <span class="text">Untersuchungsgrundsatz verpflichtet die Behörden dazu, für die rich-</span><br/> <span class="text">tige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts</span><br/> <span class="text">zu sorgen (KASPAR PLÜSS, in: ALAIN GRIFFEL [Hrsg.], Kommentar</span><br/> <span class="text">zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Auflage,</span><br/> <span class="text">Zürich/Basel/Genf 2014, § 7 N 10). Relativiert wird der Unter-</span><br/> <span class="text">suchungsgrundsatz durch die Mitwirkungspflicht der Parteien (§ 23</span><br/> <span class="text">Abs. 1 VRPG; für das Sozialhilfeverfahren: § 2 SPG und § 1 SPV).</span><br/> <span class="text">Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV;</span><br/> <span class="text">§§ 21 f. VRPG) ergibt sich eine behördliche Dokumentations- bzw.</span><br/> <span class="text">Aktenführungspflicht (vgl. BGE 138 V 218, Erw. 8.1.2; PLÜSS,</span><br/> <span class="text">a.a.O., § 7 N 40). Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges</span><br/> <span class="text">Aktendossier über das Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ord-</span><br/> <span class="text">nungsgemäss Akteneinsicht gewähren und bei einem Weiterzug diese</span><br/> <span class="text">Unterlagen an die Rechtsmittelinstanz weiterleiten zu können. Die</span><br/> <span class="text">Behörde hat alles in den Akten festzuhalten, was zur Sache gehört</span><br/> <span class="text">(BGE 138 V 218, Erw. 8.1.2; 124 V 372, Erw. 3b; 115 Ia 97,</span><br/> <span class="text">Erw. 4c).</span><br/> <span class="text">2.3.</span><br/> <span class="text">Am 23. Oktober 2018 erfolgte beim Beschwerdeführer ein</span><br/> <span class="text">Hausbesuch, wofür ein Abklärungsbericht vorliegt. Die Aussen-</span><br/> <span class="text">dienstmitarbeiterin des Kantonalen Sozialdienstes kreuzte bei</span><br/> <span class="text">Ziffer 14 des gebräuchlichen Formulars Wohn- und Lebensgemein-</span><br/> <span class="text">schaft an und brachte folgenden Vermerk an: Gemäss Aussage Herr</span><br/> <span class="text">A. gemeinsame Haushaltsführung und getrennte Nebenkosten. Wei-</span><br/> <span class="text">tere Dokumentationen zu den Wohnverhältnissen des Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führers finden sich nicht in den Akten der Gemeinde bzw. datieren</span><br/> <span class="text">nach dem Beschluss vom 19. November 2018.</span><br/> <span class="text">Die Aussendienstmitarbeiterin hat das Formular Abklärungs-</span><br/> <span class="text">bericht ausgefüllt und den Hausbesuch insoweit dokumentiert. Zur</span><br/> <span class="text">Abgrenzung einer familienähnlichen Wohn- und Lebensgemeinschaft</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">174</span> </div> <div class="page" id="S174"> <div role="main"> <span class="text">und einer Zweck-Wohngemeinschaft finden sich im Bericht indessen</span><br/> <span class="text">keinerlei Angaben. Ob Personen, die miteinander eine Wohnung tei-</span><br/> <span class="text">len, einen gemeinsamen Haushalt führen, muss die Sozialbehörde</span><br/> <span class="text">eingehend abklären (VGE vom 10. Dezember 2019</span><br/> <span class="text">[WBE.2019.256], Erw. II/2.2; vgl. CLAUDIA HÄNZI, Leistungen der</span><br/> <span class="text">Sozialhilfe in den Kantonen, in: CHRISTOPH HÄFELI [Hrsg.], Das</span><br/> <span class="text">Schweizerische Sozialhilferecht, Luzern 2008, S. 143 f. mit Hinwei-</span><br/> <span class="text">sen). Bei der Abklärung der Anhaltspunkte, welche für oder gegen</span><br/> <span class="text">eine Zweck-Wohngemeinschaft sprechen, ist eine besondere Sorgfalt</span><br/> <span class="text">erforderlich. Keinesfalls kann es angehen, aus Kostengründen oder</span><br/> <span class="text">zur Vermeidung von Aufwand auf eine vertiefte Abklärung zu ver-</span><br/> <span class="text">zichten.</span><br/> <span class="text">Die Aussendienstmitarbeiterin übernahm entsprechend dem</span><br/> <span class="text">Abklärungsbericht lediglich die (bestrittene) Aussage des Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführers, es liege eine gemeinsame Haushaltsführung vor. Damit</span><br/> <span class="text">war der rechtserhebliche Sachverhalt jedoch nicht genügend abge-</span><br/> <span class="text">klärt: Abgesehen davon, dass die betreffende Beurteilung nicht durch</span><br/> <span class="text">den Beschwerdeführer selbst vorzunehmen war (und von ihm auf-</span><br/> <span class="text">grund der heiklen Abgrenzungsproblematik auch kaum vorgenom-</span><br/> <span class="text">men werden konnte), liegt kein Abklärungsergebnis vor, welches sich</span><br/> <span class="text">auf die konkret vorgefundenen Umstände abstützen könnte. Soweit</span><br/> <span class="text">auf eine Aussage des Beschwerdeführers Bezug genommen wird, ist</span><br/> <span class="text">diese nicht ausreichend dokumentiert und es ist nicht nach-</span><br/> <span class="text">vollziehbar, worauf die Schlussfolgerung gründet. Aus dem Bericht</span><br/> <span class="text">ergibt sich nicht, welche Umstände die Aussendienstmitarbeiterin</span><br/> <span class="text">veranlassten, eine gemeinsame Haushaltsführung anzunehmen.</span><br/> <span class="text">Ebenso ist nicht erkennbar, dass Abklärungen getroffen worden</span><br/> <span class="text">wären, um mögliche Missverständnisse oder Verständigungsschwie-</span><br/> <span class="text">rigkeiten im Zusammenhang mit den angeblichen Aussagen des Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführers zu vermeiden. Der Gemeinderat ging in seinem Be-</span><br/> <span class="text">schluss vom 19. November 2018 ohne weitere Begründung von einer</span><br/> <span class="text">Wohn-/Lebensgemeinschaft mit gemeinsamer Haushaltsführung</span><br/> <span class="text">aus. Weitere Abklärungen zu den Wohnverhältnissen des Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführers erfolgten nicht mehr. Damit wurden im erstinstanzlichen</span><br/> <span class="text">Verfahren der Untersuchungsgrundsatz verletzt (unzureichende</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">175</span> </div> <div class="page" id="S175"> <div role="main"> <span class="text">Sachverhaltsabklärung) und das rechtliche Gehör des Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führers (ungenügende Dokumentation des Hausbesuchs).</span><br/> <span class="text">2.4. (...)</span><br/> <span class="text">3. (...)</span><br/> <span class="text">4.</span><br/> <span class="text">4.1.</span><br/> <span class="text">In der Sache macht der Beschwerdeführer geltend, er lebe in</span><br/> <span class="text">einer Zweck-Wohngemeinschaft im Sinne von Kap. B.2.4 der SKOS-</span><br/> <span class="text">Richtlinien. Im Bericht des Aussendienstes fänden sich keine Hin-</span><br/> <span class="text">weise für das Vorliegen einer familienähnlichen Wohn- und Lebens-</span><br/> <span class="text">gemeinschaft. Entsprechend dem Bericht seien zwei Schlafzimmer</span><br/> <span class="text">und sämtliche Möbel vorhanden. Der Beschwerdeführer und sein</span><br/> <span class="text">Mitbewohner teilten weder das Bett noch sonstiges Mobiliar, das auf</span><br/> <span class="text">eine familienähnliche Wohn- und Lebensgemeinschaft hinweise.</span><br/> <span class="text">Darauf dürfe nicht allein aufgrund eines gemeinsamen Internet-</span><br/> <span class="text">Vertrags oder Festnetzanschlusses geschlossen werden. Der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer und sein Mitbewohner wohnten zusammen, um die</span><br/> <span class="text">Wohnkosten möglichst tief zu halten. Sie würden getrennt einkaufen,</span><br/> <span class="text">kochen und waschen. Hingegen erledige der Beschwerdeführer einen</span><br/> <span class="text">grösseren Teil der Haushaltsarbeiten, weil der Mitbewohner eine</span><br/> <span class="text">Ausbildung absolviere und sich daher seltener zu Hause aufhalte.</span><br/> <span class="text">Dass Wohnzimmer, Bad und Küche geteilt würden, entspreche dem</span><br/> <span class="text">Hauptzweck einer Wohngemeinschaft. Eine Zweck-Wohngemein-</span><br/> <span class="text">schaft im Sinne von Kap. B.2.4 der SKOS-Richtlinien bedinge keine</span><br/> <span class="text">doppelten Küchen, Wohnzimmer oder Badezimmer. Schliesslich</span><br/> <span class="text">spreche der erhebliche Altersunterschied zwischen dem Beschwer-</span><br/> <span class="text">deführer (Jahrgang 1978) und seinem Mitbewohner (Jahrgang 1996)</span><br/> <span class="text">gegen eine familienähnliche Wohn- und Lebensgemeinschaft.</span><br/> <span class="text">4.2. - 4.3. (...)</span><br/> <span class="text">4.4.</span><br/> <span class="text">4.4.1.</span><br/> <span class="text">Die Bestimmungen über Personen in familienähnlichen Wohn-</span><br/> <span class="text">und Lebensgemeinschaften (SKOS-Richtlinien, Kap. B.2.3) sowie in</span><br/> <span class="text">Zweck-Wohngemeinschaften (SKOS-Richtlinien, Kap. B.2.4) sind</span><br/> <span class="text">seit 1. Januar 2017 für die Bemessung der materiellen Hilfe verbind-</span><br/> <span class="text">lich (vgl. § 10 Abs. 1 SPV).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">176</span> </div> <div class="page" id="S176"> <div role="main"> <span class="text">4.4.2.</span><br/> <span class="text">Unter den Begriff familienähnliche Wohn- und Lebensgemein-</span><br/> <span class="text">schaften fallen Paare oder Gruppen, welche die Haushaltfunktionen</span><br/> <span class="text">(Wohnen, Essen, Waschen, Reinigen usw.) gemeinsam ausüben</span><br/> <span class="text">und/oder finanzieren, also zusammenleben, ohne eine Unter-</span><br/> <span class="text">stützungseinheit zu bilden (z.B. Konkubinatspaare, Eltern mit voll-</span><br/> <span class="text">jährigen Kindern). Durch das gemeinsame Führen des Haushalts ent-</span><br/> <span class="text">spricht der Bedarf der Wohn- und Lebensgemeinschaft jenem einer</span><br/> <span class="text">Unterstützungseinheit gleicher Grösse. Der Grundbedarf für den Le-</span><br/> <span class="text">bensunterhalt wird anteilmässig im Verhältnis zur gesamten Haus-</span><br/> <span class="text">haltsgrösse festgelegt (SKOS-Richtlinien, Kap. B.2.3).</span><br/> <span class="text">Unter den Begriff Zweck-Wohngemeinschaften fallen dem-</span><br/> <span class="text">gegenüber Personengruppen, welche mit dem Zweck zusammen</span><br/> <span class="text">wohnen, die Miet- und Nebenkosten gering zu halten. Die Ausübung</span><br/> <span class="text">und Finanzierung der Haushaltsfunktionen (Wohnen, Essen,</span><br/> <span class="text">Waschen, Reinigen usw.) erfolgt überwiegend getrennt. Durch das</span><br/> <span class="text">gemeinsame Wohnen werden neben der Miete einzelne Kosten, wel-</span><br/> <span class="text">che im Grundbedarf enthalten sind, geteilt und somit verringert (z.B.</span><br/> <span class="text">Abfallentsorgung, Energieverbrauch, Festnetz, Internet, TV-</span><br/> <span class="text">Gebühren, Zeitungen, Reinigung). Der Grundbedarf für den Lebens-</span><br/> <span class="text">unterhalt wird unabhängig von der gesamten Haushaltsgrösse fest-</span><br/> <span class="text">gelegt. Er bemisst sich nach der Anzahl Personen in der Unter-</span><br/> <span class="text">stützungseinheit. Der entsprechende Grundbedarf wird um 10 % re-</span><br/> <span class="text">duziert (SKOS-Richtlinien, Kap. B.2.4).</span><br/> <span class="text">4.4.3.</span><br/> <span class="text">Aus dem Mietvertrag lassen sich vorliegend keine Schlüsse zie-</span><br/> <span class="text">hen. Zwar ist der Mitbewohner des Beschwerdeführers nicht ledig-</span><br/> <span class="text">lich Untermieter, sondern Solidarmieter, weshalb sowohl der Be-</span><br/> <span class="text">schwerdeführer als auch der Mitbewohner für Verbindlichkeiten aus</span><br/> <span class="text">dem Mietverhältnis haften. Solidarschuldner auf Mieterseite kom-</span><br/> <span class="text">men indessen sowohl bei familienähnlichen Wohn- und Lebensge-</span><br/> <span class="text">meinschaften wie auch bei Zweck-Wohngemeinschaften vor. Diese</span><br/> <span class="text">Konstellation ist für sich alleine nicht aussagekräftig.</span><br/> <span class="text">Die äusseren Umstände der vorliegenden Wohngemeinschaft</span><br/> <span class="text">sprechen klar dagegen, dass ihr familienähnlicher Charakter zu-</span><br/> <span class="text">kommt. Aufgrund des beträchtlichen Altersunterschieds zwischen</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Sozialhilfe</span> <span class="page_no">177</span> </div> <div class="page" id="S177"> <div role="main"> <span class="text">den Bewohnern ist plausibel, dass Haushaltsfunktionen mit sozialem</span><br/> <span class="text">Bezug wie Wohnen, Einkaufen und Essen überwiegend getrennt er-</span><br/> <span class="text">folgen. Dies legen auch die Hintergründe des Beschwerdeführers und</span><br/> <span class="text">seines Mitbewohners nahe, welche einerseits von Integrationsbe-</span><br/> <span class="text">mühungen und andererseits von der Ausbildungsphase geprägt sind.</span><br/> <span class="text">Insoweit sind jene vergleichbar mit Wohngemeinschaften von Stu-</span><br/> <span class="text">denten; diese Wohngemeinschaften sind ihrem Zweck entsprechend</span><br/> <span class="text">zeitlich begrenzt. Getrennte Schlafzimmer sind zwar keine hinrei-</span><br/> <span class="text">chende Voraussetzung für eine Zweck-Wohngemeinschaft, können</span><br/> <span class="text">aber mangels Anzeichen für eine engere Bindung als Indiz hierfür</span><br/> <span class="text">gewertet werden. Abgesehen von der gemeinsamen Wohnung sind</span><br/> <span class="text">vorliegend keine Umstände ersichtlich, welche für eine engere (ge-</span><br/> <span class="text">schweige denn sexuelle) Beziehung unter den Bewohnern sprechen.</span><br/> <span class="text">Im Haushalt legen die Zuordnung der Lebensmittel mittels</span><br/> <span class="text">Kennzeichnungen und die teilweise getrennte Aufbewahrung der</span><br/> <span class="text">Nahrungsmittel nahe, dass gewisse Funktionen getrennt ausgeübt</span><br/> <span class="text">werden. Unbeachtlich ist, dass Lebensmittel im selben Kühlschrank</span><br/> <span class="text">aufbewahrt werden. Die gemeinsame Nutzung von Haushaltsgeräten</span><br/> <span class="text">und der Kücheneinrichtung ist in familienähnlichen Wohn- und Le-</span><br/> <span class="text">bensgemeinschaften und in Zweck-Wohngemeinschaften üblich. In-</span><br/> <span class="text">soweit ist auch gemeinsames Küchengeschirr (im Gegensatz zu ge-</span><br/> <span class="text">trenntem) kein taugliches Abgrenzungskriterium. Dies trifft ebenfalls</span><br/> <span class="text">auf die sanitarischen Anlagen und gegebenenfalls auf Wohnzimmer</span><br/> <span class="text">zu, welche gemeinsam genutzt werden. Unbedeutend ist schliesslich,</span><br/> <span class="text">dass die Bewohner unterschiedliche Artikel zur Körperpflege und</span><br/> <span class="text">Mundhygiene verwenden. Diese lassen keine Rückschlüsse auf einen</span><br/> <span class="text">gemeinsam geführten Haushalt zu. Hingegen spricht die Verwendung</span><br/> <span class="text">unterschiedlicher Waschmittel dafür, dass die betreffenden Haus-</span><br/> <span class="text">haltsarbeiten getrennt erfolgen. Dem Umstand, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führer mehr Reinigungsarbeiten erledigt als sein Mitbewohner,</span><br/> <span class="text">kommt keine ausschlaggebende Bedeutung zu.</span><br/> <span class="text">Bei der Zweck-Wohngemeinschaft erfolgt die gemeinsame</span><br/> <span class="text">Nutzung von Einrichtung und Räumlichkeiten - im Gegensatz zur</span><br/> <span class="text">familienähnlichen Wohn- und Lebensgemeinschaft, wo der Kosten-</span><br/> <span class="text">faktor lediglich vorteilhaft erscheint - vorwiegend, um die Lebens-</span><br/> <span class="text">haltungskosten gering zu halten. Da sich die Motivation, eine Wohn-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">178</span> </div> <div class="page" id="S178"> <div role="main"> <span class="text">gemeinschaft einzugehen, regelmässig nicht feststellen lässt, ist jene</span><br/> <span class="text">im Wesentlichen aufgrund äusserer Umstände zu erschliessen. Vor-</span><br/> <span class="text">liegend sprechen die bescheideneren Verhältnisse wie auch die</span><br/> <span class="text">Lebensumstände beider Bewohner (materiell unterstützter neu aner-</span><br/> <span class="text">kannter Flüchtling und Auszubildender) für eine Zweck-Wohnge-</span><br/> <span class="text">meinschaft. Unter den gegebenen Umständen erscheint plausibel,</span><br/> <span class="text">dass die Wohngemeinschaft mit dem wesentlichen Zweck ein-</span><br/> <span class="text">gegangen wurde, eine Kostenersparnis zu erzielen. Insoweit ist nahe-</span><br/> <span class="text">liegend, dass sich der Beschwerdeführer und sein Mitbewohner die</span><br/> <span class="text">Wohnnebenkosten aufteilen.</span><br/> <span class="text">4.5.</span><br/> <span class="text">Insgesamt sind keine schlüssigen Anhaltspunkte ersichtlich, die</span><br/> <span class="text">auf eine familienähnliche Wohn- und Lebensgemeinschaft im Sinne</span><br/> <span class="text">von Kap. B.2.3 der SKOS-Richtlinien schliessen liessen. Demzufol-</span><br/> <span class="text">ge ist von einer Zweck-Wohngemeinschaft gemäss Kap. B.2.4 der</span><br/> <span class="text">SKOS-Richtlinien auszugehen, wofür auch die unter Erw. 4.4 aufge-</span><br/> <span class="text">führten Gründe sprechen. Entsprechend ist dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="text">der um 10 % reduzierte Grundbedarf für eine Person in einem Ein-</span><br/> <span class="text">personenhaushalt zu gewähren.</span><br/> <span class="text">(...)</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>