B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3635/2022 U r t e i l v o m 1 . S e p t e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Einzelrichter Lorenz Noli, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______, geboren am (…), Serbien, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 16. August 2022 / N (…). E-3635/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 23. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Personalienaufnahme (BA) vom 28. Juni 2022 und der Be- fragung nach Art. 29 Abs. 3 AsylG vom 5. August 2022 im Bundesasylzent- rum (BAZ) Bern gab der Beschwerdeführer unter anderem an, in Serbien (B._______) als ethnischer Roma geboren zu sein. Im Jahr 2017 seien Sie nach längerem illegalen Aufenthalt in Deutschland nach Serbien abgeschoben worden. Zwei Monate nach seiner Rückkehr nach Serbien sei er von einem ehema- ligen Kollegen, einem Polizisten, unter dem Vorwurf, ihn g eschlagen zu haben, verhaftet und angezeigt worden. Obwohl er unschuldig gewesen sei, habe man ihn zu einer Geldstrafe und zu zwei Jahren Haft auf Bewäh- rung verurteilt. Kurz vor der Verurteilung sei er von drei Männern verprügelt worden. Er habe sich nicht an die Behörden wenden können, weil einer dieser Männer «sehr mächtig sei». Er habe diesen später umbringen wol- len, ihn aber nicht gefunden. Nach der Verurteilung habe er sich wie ein- gesperrt gefühlt. In der Folge sei er bei sich zuhause wegen seiner homo- sexuellen Neigung in eine Auseinandersetzung mit Romas aus dem Ko- sovo geraten, bei der er mit einem Messer oder einer Schere verletzt wor- den sei. Sechs oder acht Monaten vor der Ausreise habe er wegen seiner Verbindungen mit reichen Sängern und Schauspielern Schwierigkeiten mit der Mafia gehabt. Er befürchte im Weiteren, in Serbien umgebracht zu wer- den, weil er über Informationen hinsichtlich eines Attentats auf den serbi- schen Präsidenten verfüge. Ende 2021 sei er von Serbien nach C._______ gereist, um mit seiner dort lebenden Ex-Ehefrau und den beiden Kindern ein Familienleben zu führen, was sich als « hoffnungsloses Vorhaben er- wiesen habe». Nach einer erneut aufgrund seiner Homosexualität entstan- denen familiären Auseinandersetzung im Rahmen eines Familienfe stes habe er sich dazu entschlossen, in die Schweiz zu reisen. B. Am 12. August 2022 wurde der Entscheidentwurf der Rechtsvertretung zur Stellungnahme zugestellt. Diese wurde am 15. August 2022 beim SEM ein- gereicht. E-3635/2022 Seite 3 C. Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 16. August 202 2 stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und beauftragte den Kanton Bern mit dem Vollzug. D. Mit Eingabe vom 22. August 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen die- sen Entscheid Beschwerde. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewäh- rung beantragt. Eventualiter sei der Beschwerdeführer wegen Unzulässig- keit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver- zichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. E. Mit Schreiben vom 24. August 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die E-3635/2022 Seite 4 angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zus tändigkeit mit Zu- stimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu behan- deln, weil sie sich im Ergebnis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde ver- zichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass Übergriffe durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur dann flüchtlingsrechtlich relevant seien, wenn der Staat weder schutzwillig noch schutzfähig sei. Schutz sei generell gewährleistet, wenn funktionie- rende wirksame Polizei- und Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung E-3635/2022 Seite 5 und Ahndung von Verfolgungshandlungen bestünden. Der Zugang zu die- sem Schutz und dessen Inanspruchnahme müsse zumutbar sein. 5.2 Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, seit seiner Rückkehr nach Serbien im Jahre 2017 mehrere Male mit Privatpersonen in Konflikt geraten zu sein. Zudem sei er von der lokalen Polize i in B._______ beschuldigt worden, einen Polizisten geschlagen zu haben, und sei des- wegen zu einer Geldstrafe und zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verur- teilt worden. Vereinzelte Übergriffe durch Drittpersonen auf Roma könnten zwar nicht restlos ausgeschlossen werden. Allerdings komme solchen Behelligungen in der Regel keine flüchtlingsrechtlich relevante Intensität zu. Serbien ver- füge über eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur. Der ser- bische Staat sei schutzfähig und schutzwillig. Die dargelegten Vorfälle stell- ten auch in Serbien Straftatbestände dar, die strafrechtlich verfolgt würden. Zwar habe der Beschwerdeführer angegeben, die lokale Polizei habe ihn fälschlicherweise beschuldigt, einen Polizisten geschlagen zu haben und er sei deswe gen verurteilt worden. Allerdings wäre es dem Beschwerde- führer zuzumuten gewesen, gegen die unrechtmässige Verurteilung recht- lich vorzugehen. Auch hinsichtlich der Vorbringen des Beschwerdeführers, die Konflikte und Probleme könnten allenfalls in seiner homosexuellen Nei- gung begründet sein, sei auf die vorstehenden Ausführungen hinzuweisen. Es gebe keine Hinweise, dass der Beschwerdeführer deswegen bei Prob- lemen mit Drittpersonen, aber auch mit der lokalen Polizei, keinen Schutz von den serbischen Behörden erhalten würde. Es sei ohnehin anzuzwei- feln, ob die Personen ausserhalb seiner Familie, mit denen er Probleme gehabt habe, von seiner homosexuellen Ausrichtung Kenntnis hätten . Überdies sei festzuhalten, dass sich die Lage der ethnischen Minderheiten in Serbien im Zuge des demokratischen Wandels merklich verbessert habe und mit weiteren Verbesserungen in den Bereichen Antidiskriminierung und Minderheitenschutz zu rechnen sei. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer als Grund für seine Ausreise aus Serbien Ende 2021 angegeben habe, er habe mit seiner Ex -Ehefrau und seinen beiden Kindern wieder ein Familienlaben führen wollen, was darauf schliessen lasse, dass er im Zeitpunkt der Ausreise in Serbien keine ernsthaften Prob- leme gehabt habe. 5.3 Somit lägen keine Hinweise vor, welche die widerlegbare Vermutung des Art. 6a Abs. 2 Bst. AsylG (fehlende Verfolgungssicherheit) umstossen E-3635/2022 Seite 6 könnten. Die Vorbringen hielten folglich den Anforderungen an die Flücht- lingseigenschaft nicht stand, weshalb sich ei ne abschliessende Prüfung der Glaubhaftigkeit – welche fraglich erscheine – als nicht notwendig er- weise. 6. In der Beschwerde wurde im Wesentlichen pauschal geltend gemacht, dass er als Homosexueller in Serbien in doppelter Hinsicht diskriminiert werde. Er werde in Serbien von seiner Familie geächtet und sei als Roma, die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hätten, von deren Hilfsbereitschaft abhängig. 7. 7.1 Die Vorinstanz kam in ihrer Verfügung mit zutreffender Begründung zum Schluss, die serbischen Behörden seien schutzfähig und schutzwillig und die geltend gemachten Übergriffe deshalb flüchtlingsrechtlich nicht re- levant. Mit seiner Beschwerdeeingabe, die sich in der Wiederholung des bereits bekannten Sachverhalts und in pauschalen Gegenbehauptungen erschöpft, vermag der Beschwerdeführer den überzeugenden vorinstanz- lichen Argumenten nichts Stichhaltiges entgegenzuhalten. Mit den nachfol- genden Ergänzungen kann daher zur Vermeidung von Wiederholungen auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden, welche vollumfäng- lich zu bestätigen sind. 7.2 Der Bundesrat hat Serbien als sicheren Drittstaat («safe country») im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet (vgl. Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999, SR 142.311, Anhang 2). Für sichere Drittstaa ten besteht die gesetzliche Regelvermutung, dass eine asylrelevante staatliche Verfolgung nicht stattfinde und Schutz vor nicht- staatlicher Verfolgung gewährleistet sei. Es handelt sich hierbei um eine relative Verfolgungssicherheit, welche im Einzelfall au f Grund konkreter und substanziierter Hinweise umgestossen werden kann. Dies gelingt dem Beschwerdeführer vorliegend nicht. Die Gründe hierfür wurden von der Vo- rinstanz zutreffend und ausführlich dargelegt. Ohne die behördlichen Be- nachteiligungen, denen die Roma ausgesetzt sein können, zu verkennen, sind die Schilderungen des Beschwerdeführers als nicht asylrelevant ein- zustufen. Die dargelegten Vorfälle stellen auch in Serbien Straftatbestände dar, die strafrechtlich verfolgt werden, und hinsichtlich der falschen Be- schuldigung, er habe einen Polizisten geschlagen, wäre es dem Beschwer- deführer zuzumuten gewesen, gegen die unrechtmässige Verurteilung E-3635/2022 Seite 7 rechtlich vorzugehen. Auch hinsichtlich der Vorbringen des Beschwerde- führers, die Konflikte und Probleme seien in seiner homosexuellen Nei- gung begründet, ist darauf hinzuweisen, dass keine konkreten Hinweise vorliegen, dass der Beschwerdeführer deswegen bei Problemen mit Dritt- personen, aber auch mit der lokalen Polizei, keinen Schutz von den serbi- schen Behörden erhalten würde, zumal fraglich erscheint, dass die Perso- nen ausserhalb seiner Familie, mit denen er P robleme gehabt haben will, von seiner homosexuellen Ausrichtung Kenntnis gehabt haben. Es ist da- her davon auszugehen, die serbischen Behörden würde ihm im Falle einer Rückkehr den benötigten Schutz gewähren. 7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge- such abgelehnt hat. 8. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung e iner solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis na ch den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegensteh en (Art. 83 Abs. 3 AIG). E-3635/2022 Seite 8 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher ode r erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Dies ist ihm unter Hinweis auf die vorangehenden Erwägun- gen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei- matstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als E-3635/2022 Seite 9 unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei- sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun- gen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Auslä nderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.5 Die allgemeine Lage in Serbien ist weder von Bürgerkrieg noch von allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung dorthin grundsätzlich zumutbar ist. Zudem gilt Se rbien, wie erwähnt, als „Safe Country“. In individueller Hinsicht führte das SEM unter anderem aus, dass der al- leinstehende Beschwerdeführer über eine Grundschulbildung verfüge. Zwar lebe gemäss den Angaben des Beschwerdeführers beinahe die ge- samte Familie in Deutschland und er habe nach seiner Rückkehr nach Ser- bien im Jahr 2017 nicht gearbeitet. Dennoch dürfe angenommen werden, dass er bei einer Rückkehr nach Serbien für sich sorgen könne, in einer Übergangszeit, falls erforderlich, auf die Hilfe von Mitgl iedern seiner in Deutschland lebenden Familien oder des serbischen Staates, von dem er zeitweilig mit der Ausrichtung von Sozialhilfe unterstützt worden sei, zählen könne. Aus den Akten und den Aussagen des Beschwerdeführers ergäben sich somit keine konkre ten Anhaltspunkte auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich die- ser Einschätzung an. Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bereits zuvor vier Jahre lang in Serbien im Haus seines Vaters gewohnt hat, und auch heute wieder dort wird leben können . Ferner kommt hinzu, dass nu n ebenfalls sein Bruder wieder dort lebt, der ihm im Bedarfsfalls beistehen könnte. Fer- ner ist der Beschwerdeführer grundsätzlich arbeitsfähig ist. Weiter ist da- rauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in den vier Jahren vor seiner Ausreise problemlos in der Lage war für seine täglichen Bedürfnisse zu sorgen und auch die erforderlichen Behördengänge vorzunehmen. So geht aus den Akten auch hervor, dass er vor seiner Ausreise Sozialhilfe in Ser- bien beziehen konnte. Aus den genannten Gründen ist der Vollzug der Wegweisung auch zumutbar. E-3635/2022 Seite 10 9.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen- digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). 9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblich en Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass sich die Begehren als aussichtslos erweisen und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zu deren Gewährung fehlt. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit dem vorliegenden Urteil ohne vor gängige Instruktion ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hinfällig. (Dispositiv nächste Seite) E-3635/2022 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kan tonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Lorenz Noli Daniel Merkli Versand: