<h2>SubmittedText<h2><p>Laut Medienbericht vom 4. September 2013 wurde für eine Studie der Universität Zürich eine grössere Anzahl Rehkitze in der Region Simmen- und Kandertal mit Halsbandsendern ausgestattet. Die Halsbänder weiteten sich jedoch nicht aus, um sich an die wachsende Halsgrösse der jungen Tiere anzupassen. Die Rehe mussten in der Folge von Wildhütern erlegt werden, um ihnen weitere Qualen zu ersparen. Dazu drängen sich folgende Fragen auf, und ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung:</p><p>1. Was ist der Zweck dieser Studie?</p><p>2. Wie viele Tiere wurden tatsächlich "besendert"?</p><p>3. In der Fragestunde erwähnte die Bundesrätin den Wechsel des Lieferanten der Halsbandsender. Wieso wurde der Lieferant gewechselt, und wer lieferte die neuen Sender?</p><p>4. Hätte man die Resultate der Studie auch anders, ohne oder mit weniger Tieren erhalten können?</p><p>5. Was kostet die Studie insgesamt, inklusive der geleisteten Arbeitsstunden der Forscher und Angestellten der öffentlichen Hand?</p><p>6. Wer beteiligt sich an diesen Kosten?</p><p>7. Wer hat die Einfangaktion durchgeführt, und wie wurden dabei die Vorschriften des Tierschutzgesetzes beachtet?</p><p>8. Verlief diese Aktion einwandfrei und ohne Qualen für die Tiere, gab es dazu Rückmeldungen?</p><p>9. Warum wurden keine Mikrochips verwendet?</p><p>10. Verstösst dieses Vorgehen gegen das Tierschutzgesetz (Tierquälerei)?</p><p>11. Wurde gegen die fehlbaren Personen Strafanzeige eingereicht?</p><p>12. Wenn nein, warum nicht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Ein renommiertes Forschungsteam der Universität Zürich untersucht unter der Leitung von Professor Dr. Lukas Keller im Berner Oberland, wie sich eine Rehpopulation bei einer hohen Luchsdichte entwickelt. Insbesondere soll untersucht werden, welche Anteile der Sterblichkeit der Rehe durch den Luchs, durch Krankheit, durch Strassenunfälle usw. verursacht werden und wie sich der Luchs auf das räumliche Verhalten der Rehe auswirkt.</p><p>2. Insgesamt wurden in den Jahren 2012 und 2013 143 Rehe eingefangen und besendert.</p><p>3. Bei den im Jahr 2012 verwendeten Sendern ergaben sich Schwierigkeiten mit der termingerechten Lieferung und der Sendeleistung. Deshalb hat das Forschungsteam zu Halsbandsendern der neuseeländischen Firma Sirtrack gewechselt. Diese Sender waren zuvor bei anderen Huftierarten erfolgreich eingesetzt worden.</p><p>4. Für eine wildbiologische Studie über Mortalitätsursachen sind individuell kenntliche und mit Halsbandsendern ausgestattete Tiere, die man über ihre gesamte Lebensgeschichte überwachen kann, zwingend erforderlich. Die Zahl von rund 140 Tieren ist an der unteren Grenze für aussagekräftige Schlüsse im Forschungsprojekt.</p><p>5./6. Der Bund beteiligt sich an der vierjährigen Studie mit insgesamt 477 000 Franken. Die Universität finanziert die Forschenden und die Forschungsinfrastruktur im Rahmen der kantonalen Anstellungen. Die Wildhüter der Aufsichtskreise im Kandertal und im Simmental beteiligten sich bei den Einfängen zur Besenderung der Rehe im Rahmen ihrer Anstellung beim Kanton Bern. Zudem leisteten freiwillige Helfer bei den Fängen zahlreiche Stunden an unentgeltlicher Arbeit.</p><p>7./10.-12. Die Einfänge zur Besenderung wurden vom Forschungsteam von Professor Dr. Lukas Keller der Universität Zürich geplant und durchgeführt. Bei diesen Fängen mit Treiben und Netzen wurden Jäger und Studenten als Helfer beigezogen. Die zuständigen Wildhüter haben sie vor Ort mit ihren Gebietskenntnissen unterstützt und die Aktionen überwacht. Die Methodik für die Fänge und die Markierung respektive Besenderung der Tiere wird europaweit bei Rehstudien eingesetzt und ist bestens erprobt.</p><p>Das Projekt wurde zudem von der kantonalen Tierversuchskommission bewilligt. Ob unwissentlich bzw. fahrlässig gegen das Tierschutzgesetz verstossen wurde, klärt derzeit die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern ab. Die Staatsanwaltschaft wird auch entscheiden, ob Anklage erhoben wird.</p><p>8. Bei den Fangaktionen waren Tierärzte anwesend, welche die Tiere überwachten. Bis auf einen Fall gab es keine nennenswerten Probleme (bei 34 Kastenfängen und rund 60 Netzfangaktionen), und die Tiere verhielten sich nach der Freilassung normal: Keines der besenderten erwachsenen Rehe starb innert zwei Monaten nach dem Fang eines natürlichen Todes, was darauf hinweist, dass die Tiere durch den Fang nicht übermässig belastet wurden. Ein Tier musste beim Fang vom Wildhüter erlöst werden, da es sich verletzt hatte. Zum Vergleich: Im Kanton Bern wurden im Jahr 2012 gemäss kantonaler Statistik 1835 Rehe im Autoverkehr verletzt, 406 Rehe vermäht, und 100 wurden bei der Jagd durch Schüsse verletzt.</p><p>9. Die Daten von implantierten Mikrochips, wie sie heute zur Kennzeichnung von Hunden und Katzen verwendet werden, können nur auf sehr nahe Distanz mit einem Lesegerät gelesen werden. Diese Methode würde es nicht erlauben, die aus irgendeinem Grund gestorbenen Rehe rasch zu finden, um dann die Todesursache festzustellen. Zudem können Mikrochips keine GPS-Punkte oder Bewegungsdaten erfassen und aufzeichnen. Halsbandsender sind deshalb für die wildbiologische Forschung zentral und können durch Mikrochips nicht ersetzt werden.</p>  Antwort des Bundesrates.