B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6250/2015 U r t e i l v o m 2 9 . M ä r z 2 0 1 8 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter Markus König, Gerichtsschreiber Urs David. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advoka- tur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 1. September 2015 / N (…). E-6250/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin beantragte erstmals im Oktober 2011 auf der schweizerischen Botschaft in Teheran ein Besuchervisum für die Schweiz. Der Antrag wurde in der Folge wieder zurückgezogen. Im April 2014 bean- tragte sie auf der schweizerischen Botschaft in Teheran erneut ein Touris- tenvisum für die Schweiz zwecks Besuchs ihrer hier wohnhaften Schwes- ter. Der Antrag wurde am (…) April 2014 mit der Begründung einer nicht gesicherten Wiederausreise aus der Schweiz abgelehnt. Einen ablehnen- den Visumsentscheid erhielt sie ferner im September 2014 von den zustän- digen (…) Behörden. B. Am 3. März 2015 stellte die Beschwerdeführerin im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch. Anlässlich der im E VZ durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 10. März 2015 und der Anhörung vom 13. Juli 2015 zu den Asylgründen machte sie im Wesentli- chen Folgendes geltend: Sie sei ethnische (…),(…), ledig und habe in B._______ bei ihrem Vater und ihren Geschwistern gelebt; die Mutter sei (…) tot. Von ihren (…) Ge- schwistern lebten (…) im Iran. Ein Bruder sei nach seiner vor rund (…) Jahren erfolgten Flucht aus dem Iran Bürger der C._______ geworden und ihre ein Jahr später ausgereiste Schwester D._______ (N […]; zusammen mit deren Ehemann vorläufige Aufnahme als Flüchtling durch Verfügung des SEM vom […] 2009) sei in der Schweiz aufenthaltsberechtigt. Sie habe die Mittelschule mit der Matura abgeschlossen und später – von 2009 bis 2011 – als Sekretärin in einer (...)firma gearbeitet. Im Gegensatz zu ihren geflüchteten Geschwistern sei sie nicht polit isch aktiv gewesen. Zuhause sei sie unter Druck und ständiger Kontrolle durch ihren Vater gestanden, der ihr auch die weitere Erwerbstätigkeit untersagt habe. Ihr Schwager, ein (...) und Angehöriger der Basij (Sicherheitsdienst) beziehungsweise des Et- telaat (Geheimdienst), habe den Vater dabei unterstützt. Diese belastende Situation sei auch der eigentlich wahre Hintergrund ihres Visumsantrags vom April 2014 für die Schweiz gewesen. Am (…) November 2014 habe sie ohne Wissen ihres Vaters mit Kollegen in B._______ an einer nicht be- willigten Solidaritätsdemonstration für E._______ teilgenommen. Die Poli- zei habe nach rund einer halben Stunde mit Gewalt interveniert, wobei sie festgenommen und in der Folge auf dem Posten des Geheimdienstes ver- hört worden sei; ihre Kollegen seien unbehelligt geblieben. Beim Verhör E-6250/2015 Seite 3 habe sie aus Angst vor einer Untersuchungshaft erwähnt, dass ihr Schwa- ger bei den Basij sei, woraufhin sie nach wenigen Stunden von diesem und von ihrem Vater habe abgeholt werden können. Zuvor hätten sie alle drei ein Papier unterschrieben, dass sie sich künftig nicht mehr an politischen Aktionen beteiligen werde. Die Demonstrationsteilnahme habe einen hefti- gen Streit mit ihrem Vater – dieser habe sie auch geschlagen – und ihrem Schwager ausgelöst . Sie sei nunmehr in ihrer Bewegungsfreiheit noch mehr eingeschränkt gewesen und dauerhaft beobachtet und kontrolliert worden; sie habe nur in Begleitung ihres Schwagers aus dem Haus gehen dürfen. Um mit der Polizei beziehungsweise mit dem Sicherheitsdienst keine weiteren Probleme wegen ihr zu bekommen und eine Wiederholung der Umstände mit seinen beiden geflüchteten Kindern zu vermeiden, habe ihr Vater sie gegen ihren Willen mit einem älteren ehemaligen Militäroffizier zu verehelichen beabsichtigt. Letzterer sei bereits verheiratet, Vater von (…) Kindern und habe seinerseits mit dieser Heirat Rache nehmen wollen für die ihm missfallenden politischen Aktivitäten ihrer ins Ausland geflüch- teten beiden Geschwister. Diese Zwangsverheiratung habe sie unbedingt vermeiden wollen. Nach einem erfolglos verlaufenen Gespräch mit dem Militäroffizier – dieser habe von der Heiratsabsicht nicht Abstand nehmen wollen, insbesondere auch sexuelle Interessen an ihr gezeigt und ihr für den Fall der Heiratsverweigerung ihre Verätzung mit Säure angedroht – habe sie die Situation ausweglos und psychisch belastend empfunden und ernsthaft ihren Suizid in Betracht gezogen. Ihre Geschwister hätten sie da- von abgehalten und der in den C._______ wohnhafte Bruder habe sie statt- dessen zur Flucht aus dem Iran motivieren können. Ende Januar 2015 habe sie einen ihr bekannten Schlepper kontaktiert . Zwei Tage später sei sie von zuhause weggelaufen und ausgereist. Sie sei illegal in die Türkei gelangt und drei Wochen später in einem LKW über unbekannte Länder ebenso illegal in die Schweiz gereist, wo sie am 3. März 2015 angekom- men sei. Auf der Reise sei sie nie kontrolliert worden. Sie sei im Übrigen nie politisch tätig gewesen und habe keine weiteren Probleme mit Behör- den oder Privaten gehabt. Die Beschwerdeführerin gab ihre originale Shenasnameh zu den Akten. Ihr Reisepass und ihre Identitätskarte befänden sich zu Hause; ihr Vater habe den Pass versteckt, als er ihre Fluchtabsicht bemerkt habe. C. Mit Verfügung vom 1. September 2015 – eröffnet tags darauf – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht E-6250/2015 Seite 4 und lehnte deren Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. D. Mit Eingabe vom 2. Oktober 2015 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung. Darin bean- tragt sie deren Aufhebung, die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung von Asyl und eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie ferner um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses un d um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand. E. Mit Verfügung vom 5. Oktober 201 5 stellte die Instruktionsrichterin den einstweilen rechtmässigen Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz fest. Mit Zwischenverfügung vom 15. Oktober 2015 bestätigte sie diese Fest- stellung. Weiter hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ebenso wurde das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung nach Art. 110 a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) gutgeheissen und der rubrizierte Rechtsanwalt als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Mit derselben Zwischenverfügung wurde schliesslich die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 4. November 2015 eingeladen. F. Mit Vernehmlassung vom 3. November 2015 beantragte das SEM sinnge- mäss die Abweisung der Beschwerde. Mit Schreiben vom 25. November 2015 teilte die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht u nter Festhaltung an der Beschwerde ihren Verzicht auf eine substanzielle Replik mit. Gleichzeitig legte sie eine Hono- rarnote ihres Rechtsvertreters vor. E-6250/2015 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungs gericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bund esverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtli ngen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-6250/2015 Seite 6 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nac hteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Die Furcht vor künftiger Verfolgung umfasst allgemein ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beru- hendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfin- dung der betroffenen Person als subj ektives Element andererseits. Be- gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrschein- lichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be- gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl (vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sind jedoch Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) dennoch vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer be- gründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flücht lingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-6250/2015 Seite 7 Glaubhaft sind die Vorbringen einer asylsuchenden Person grundsätzlich dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentli- chen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widerspre- chen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaub- würdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsu- chenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142; 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 4. 4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheides qualifizierte das SEM die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sach- verhalts nicht genügend, weshalb die Beschwerdeführerin die Flüchtlings- eigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht erfülle. So würde die vom Militäroffizier angestrebte Vermählung mit ihr angesichts ihrer Aufmüpfigkeit und des durch ihre Demonstrationsteilnahme und die politischen Probleme der ge- flüchteten Geschwister angeschlagenen Rufs der Familie der Handlungs- logik und der allgemeinen Erfahrung zuwiderlaufen . Eine solchermassen bewirkte eigene Rufschädigung könne für ihn nicht erstrebenswert sein . Gleichsam wenig nachvollziehbar und plausibel erscheine der Umstand, dass ihr Vater und ihr Schwager sie mit einem Mann – notabene pensio- nierter Militarist und (…)ladenbetreiber – hätten verheiraten wollen, der noch eine Rechnung mit der Familie offen habe und sich mit der Heirat für die Flucht zweier Mitglieder habe rächen wollen. Die auf Vorhalt deponierte Erklärung, wonach der Schwager sich damit womöglich Aufstiegschancen beim Ettelaat erhofft habe, sei insbesondere angesichts des Ruhestandes des Militäroffiziers weder logisch noch überzeugend. Weiter habe die Be- schwerdeführerin die erstaunlichen Rollen und das Wirken des Schwagers E-6250/2015 Seite 8 und des Vaters (z.B. mögliche Demonstrationsteilnahme der Beschwerde- führerin trotz Überwachung, anschliessende Bewirkung ihrer Freilassung mit nachfolgender Einsperrung zuhause und Iniziierung einer Zwangshei- rat mit einem Militaristen; dennoch erfol greiche, unbemerkt gebliebene Flucht) divergent und nicht nachvollziehbar ausgeführt. Realitätsfremd er- scheine angesichts ihrer angeblich dauernden Überwachung ebenso die geschilderte Vorbereitung und Organisation der Flucht mittels Kontaktauf- nahme mit einem Schlepper. Dieser Sachverhalt erscheine konstruiert. Un- logisch seien weiter die vorgebrachten Suizidabsichten, zumal ohne vor- gängige Gedanken an einen Wegzug aus Sandanaj. Die hierfür abgege- bene Erklärung, man hätte sie bei ihrer Schwester in F._______ sicher ge- funden, sei oberflächlich, pauschal und nicht nachvollziehbar. Angesichts der angeblich permanent ausgeübten Kontrolle über sie sei nicht plausibel, dass sie noch die behaupteten Diskussionen mit all ihren Geschwistern – inklusive dem Bruder in den C._______ – hätte führen und entsprechende Vorbereitungen treffen können. Auch die Fluchtumstände als solche seien realitätsfremd (aufwändige Organisation einer illegalen Ausreise innert nur zweier Tage aus der Isolation heraus, persönliche Bekanntschaft eines Schleppers, problemloses Verlassen des Hauses trotz Einsperrung) und zudem widersprüchlich ausgefallen. Glaubhaftigkeitszweifel bestünden ebenso an der geschilderten Demonstrationsteilnahme mit nachfolgender kurzzeitiger Inhaftierung. So müssten auc h ihr als politisch nicht aktiver Person Brisanz und Risiken von Demonstrationsteilnahmen bewusst ge- wesen sein. Zweifelhaft sei zudem, dass die von Beginn weg präsenten Sicherheitskräfte eine halbe Stunde lang mit einer Intervention in die unbe- willigte Kundgebung zugewartet hätten. Weiter sei die geschilderte Fest- nahme als solche oberflächlich und stereotyp ausgefallen, und es könne nicht nachvollzogen werden, dass zwar sie, nicht aber auch ihre Freunde verhaftet worden seien. Es könne darauf verzichtet werden, weitere Unge- reimtheiten zu erörtern. Zu bemerken bleibe indessen, dass die angebliche Demonstrationsteilnahme und Inhaftierung ohnehin nicht asylrelevant wä- ren, da ihre Schilderungen nicht auf die Gefahr künftiger weiterer Konse- quenzen hindeuten würden. Nach dem Gesagten sei anzunehmen, die Be- schwerdeführerin habe den Iran aus anderen als den behaupteten Beweg- gründen verlassen. Hierauf deute denn auch der trotz Mitwirkungsplicht ohne jegliche Verfolgungshintergründe, sondern mit touristischen Gründen gestellte Visumsantrag vom Frühling 2014. Es müsse davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin hätte bereits damals einen längerfristigen Aufenthalt in der Schweiz beabsichtigt. Die gesetzliche Regelfolge der Ab- lehnung des Asylgesuchs sei die Wegweisung. Deren Vollzug in den Hei- matstaat sei – unter dem Aspekt von Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 3 EMRK E-6250/2015 Seite 9 – angesichts der fehlenden Flüchtlingseigenschaft und mangels anderwei- tiger gegenteiliger Anhaltspunkte völkerrechtlich zulässig. Er erscheine auch grundsätzlich zumutbar, denn weder die politische Situation im Iran noch andere, insbesondere individuelle Gründe sprächen dagegen. D ie Beschwerdeführerin habe angesichts ihrer nicht glaubhaft gemachten fa- miliären Probleme ein unterstützungsfähiges Beziehungsnetz in ihrer Hei- mat, verfüge ferner über Arbeitserfahrung und weise aktuell keine beach- tenswerten gesundheitlichen Beschwerden auf. Der Vollzug der Wegwei- sung sei technisch möglich und praktisch durchführbar. 4.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe bekräftigt die Besc hwerdeführerin ihre erstinstanzlich dargelegten Verfolgungsgründe. Sodann wendet sie sich ar- gumentativ gegen die Unglaubhaftigkeitserkenntnisse der Vorinstanz. Be- treffend die vom SEM als unglaubhaft erkannte Zwangsverheiratungsab- sicht ihres Vaters und ihres Schwagers zwischen ihr und dem Militäroffizier sowie des Eigeninteresses des Letzteren an einer Heirat wirft die Be- schwerdeführerin der Vorinstanz eine völlige Verkennung der familiären Si- tuation vor. Diese stelle sich so dar, dass hauptsächlich der regierungs- treue Militäroffizier – aus Rachemotiven und sexueller Lust – ein Heiratsin- teresse gehabt habe und der Vater, der wegen dessen geflüchteter Kinder bereits Probleme mit den Sicherheitskräften erfahren habe, sich nicht ge- gen diese Absichten gewehrt habe, um nicht einen “Affront“ und damit ei- gene Nachteile befürchten zu müssen. Zudem habe der Schwager den Mi- litäroffizier bereits lange persönlich gekannt. Aber auch die Befürwortung einer Heirat durch den Vater und den Schwager sei durchaus nachvollzieh- bar. Der Schwager habe sich Vorteile beim Ettelaat erhofft und d er Vater würde mit einer Verheiratung seiner Tochter weiteren Behelligungen des Geheimdienstes aufgrund seiner geflüchteten Kinder und aufgrund politi- scher Aktivitäten der Beschwerdeführerin entgehen können. Im Übrigen habe in der Familie bereits eine Zwangsverheiratung stattgefunden. Weiter seien die heimliche Demonstrationsteilnahme sowie die Möglichkeit einer Fluchtergreifung und -organisation trotz Überwachung durch den Vater und insbesondere durch den Schwager nicht re alitätsfremd, zumal sich die Kontrolle erst nach der Demonstrationsteilnahme intensiviert und der Schwager nicht im gleichen Haushalt gewohnt habe. Die Rollen des Vaters und des Schwagers und deren Verhalten seien daher entgegen der Ansicht des SEM plausib el und keineswegs inkonsequent oder Erstaunen erwe- ckend. Sodann sei der Vorwurf einer fehlenden Logik der vorgebrachten Suizidabsichten ohne vorgängige Suche nach Alternativlösungen nicht be- rechtigt, zumal sie diese Absichten und ihre psychische Ausweglosigkeit zu konkretisieren vermocht habe und die Selbstmordrate junger Frauen im E-6250/2015 Seite 10 Zusammenhang mit Ehrverletzungen der Familie im Iran hoch sei. Ausrei- segedanken habe sie zu jenem Zeitpunkt aus finanziellen Gründen noch nicht gehabt und ein Wegzug zur Schweste r nach F._______ sei nicht in Betracht gefallen, weil man sie dort hätte finden können und sie das Leben dieser Schwester nicht habe zerstören wollen. Mit ihrer noch zuhause woh- nenden Schwester habe sie trotz Kontrollen problemlos über ihre Situation diskutieren können und mit ihrem in den C._______ wohnhaften Bruder habe sie in einer Art Geheimsprache kommuniziert, damit ihr Vater und ihr Schwager nichts gemerkt hätten. Weiter greife die Einschätzung des SEM betreffend die erstaunliche und realitätsfremde Organisation, Vorbereitung und Realisierung der Flucht von zuhause trotz ihrer Kontrolle und Isolation zu kurz. Den Schlepper habe sie bereits über eine Kollegin gekannt und das Telefon habe sie nur selten und unauffällig benutzt. Das SEM verkenne zudem, dass die auf ihr lastenden Kontrollen nicht rein physischer Art, son- dern psychisch und sozial gewesen seien. Die Ausreise als solche habe sie detailliert und glaubhaft zu schildern vermocht; sie sei bis in die Türkei von den Schwestern und ab dort von ihrem Bruder in den C._______ finanziert worden. Den vorinstanzlichen Erwägungen betreffend die un- glaubhaft, insbesondere oberflächlich und stereotyp erscheinende Teil- nahme an der Demonstration vom (…) November 2014 sowie betreffend deren Verlauf, ihre Festnahme und das Verhör hält die Beschwerdeführerin entgegen, dass sie auch diese Ereignisse sehr detailliert und realitätsnah habe schildern können. Es sei dabei zu beachten, dass es sich um eine Solidaritätskundgebung gehandelt habe und deren Auflösung sehr schnell und chaotisch von statten gegangen sei, wobei die Verhaftungen eher zu- fällig erfolgt seien. Zu berücksichtigen sei ebenso, dass sie (Beschwerde- führerin) durchaus politisch interessiert sei und klare persönliche Auffas- sungen gegenüber Zwangsehen, dem Islam und bezüglich Frauenrechten allgemein habe und pointiert vertrete. Unter diesen Vorzeichen erscheine ihr politisches Engagement im Iran und in der Schweiz authentisch. Betref- fend den Visumsantrag vom Frühling 2014 bekräftigt sie sodann, dass des- sen Hintergrund schon damals im auf ihr lastenden, wenngleich noch nicht ausgeprägten Druck zuhause (Kontrolle, Erwerbsverbot) bestanden habe und ihre Schwester ihr habe helfen wollen. Die vom SEM behauptete Un- glaubhaftigkeit einer nur ein halbes Jahr später einsetzenden asylrelevan- ten Bedrohung gehe fehl, da ein vorbestandener Zusammenhang vorliege und die Situationsverschärfung in Form der hinzugekommenen Demonst- rationsteilnahme und drohenden Zwangsverheiratung erfolgt sei. Die schweizerische Visumsbehörde habe denn auch den sich so präsentieren- den Ausreisdruck erkannt und das Visum aufgrund der nicht gesicherten E-6250/2015 Seite 11 Rückkehr verweigert. Weiter trage das SEM bei der Glaubhaftigkeitsbeur- teilung dem kulturellen und länderspezifischen Kontext zu wenig Rech- nung, indem es seine Erkenntnisse auf subjektive Einschätzungen und reine Spekulationen stütze, so betreffend die Rufschädigung beim Militärof- fizier, dessen Valabilität als Ehemann sowie der Beweggründe für einen Selbstmord. In einer Gesamtbeurteilung und in Berücksichtigung einer ob- jektivierten Sichtweise seien ihre widerspruchsfreien, s ubstanziierten und realitätsnahen Aussagen somit sehr glaubhaft, wogegen das SEM den her- abgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG zu restriktiv Rech- nung getragen habe. Die erlebten und befürchteten Nachteile seien unter dem Aspekt von Art. 3 AsylG sodann asylrelevant. So sei eine Zwangshei- rat gemäss dem in ihrem Fall analog anwendbaren Urteil D-2928/2014 des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Dezember 2014 genügend intensiv und mithin ernsthaft und knüpfe an das Verfolgungsmotiv des Geschlechts und der sozialen Gruppe an. Staatlicher Schutz, insbesondere der Zugang zu einem unabhängigen Gericht sei für Frauen in Ländern mit traditionell- konservativen und frauendiskriminierenden Wertvorstellungen wie dem Iran nicht gewährleistet. Der iranische Staat sei nicht schutzwillig. Am Her- kunftsort der Beschwerdeführerin würden gar die meisten Zwangsheiraten im ganzen Land vorgenommen. Weiter macht die Beschwerdeführerin gel- tend, sie sei w egen der politi schen Aktivitäten ihrer als Flüchtlinge aner- kannten Geschwister in Verbindung mit dem eigenen politischen Engage- ment der Gefahr von Reflexverfolgung ausgesetzt. Dies sei unter Berück- sichtigung des Urteils D -7272/2013 des Bundesverwaltungsger ichts vom 5. November 2014 flüchtlingsrechtlich bedeutsam . Ihr müsse daher die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und das Asyl gewährt werden. Im Weite- ren lägen bei ihr subjektive Nachfluchtgründe in Form exilpolitsicher Betä- tigung vor, da sie am (…) September 2015 an einer Demonstration der (…) in G._______ beziehungsweise in H._______ teilgenommen und sich da- bei exponiert habe, wie aus de m beigelegten und auf der (…)-Homepage hochgeladenen Foto ersichtlich sei. Auch bestätige das „Centre I._______ pour les Droits de l’Homme“ in grundsätzlicher Art ihre Gefährdung. Diese zwar nur einmalige exilpolitische Betätigung sei unter Mitberücksichtigung der politischen Aktivitäten ihrer in der Schweiz beziehungsweise in den C._______ lebenden beiden Geschwister, ihrer Vorbelastung durch ein e Demonstrationsteilnahme im Iran, ihrer im Iran schriftlich abgegebenen Zu- sicherung des Verzichts auf künftige politi sche Betätigung sowie der Be- kanntheit der teilweise regimekritischen Familie bei den iranischen Behör- den bedeutsam. Exilaktivitäten und das Internet würden gemäss verschie- denen Berichten und dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D - 7272/2013 vom 5. November 2014 von den iranischen Behörden intensiv E-6250/2015 Seite 12 überwacht. Sie sei somit wieder ins Visier der heimatlichen Behörden ge- langt und habe bei einer Rückkehr ihre Verhaftung und Folterung zu ge- wärtigen. Entsprechend habe sie Anspruch zumindest auf Feststellung ih- rer Flüchtlingseigenschaft und Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges ergebe sich gleichsam aus der realen Gefahr ihrer unmenschlichen Behandlung und mithin einer potenzi- ellen Verletzung von Art. 3 EMRK. Schliesslich sei der Vollzug der Wegwei- sung unzumutbar. Beim Argument ihrer Arbeitserfahrung verkenne die Vo- rinstanz die auch im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2108/2011 vom 1. Mai 2013 dargestellte Lage alleinstehender Frauen im Iran, die sich ohne unterstützendes soziales Umfeld in einer persönlichen Notlage befänden und mithin einer konkreten Gefährdung ausgesetzt seien. 4.3 In seiner Vernehmlassung stellt das SEM fest, die Beschwerde enthalte keine neuen und erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, die eine Ände- rung seiner bisherigen Standpunkte rechtfertigen könnten. Die Eingabe wiederhole in erster Linie bereits Gesagte s. Sowohl die Verhaftung nach der Demonstrationsteilnahme als auch die geplante Zwangsverheiratung würden daher unglaubhaft bleiben. Das exilpolitische Engagement genüge im Weiteren nicht zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft. Zwar inte- ressierten sich die iranischen Behörden grundsätzlich für die exilpolitischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen, konzentrierten sich jedoch auf jene Personen, die aus der Masse der Regimekritiker hervorträten und als ernst- hafte Bedrohung für das Regime wahrgenommen würden. Nicht das bloss optische Hervortreten, sondern eine öffentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit, der Form des Auftritts und des Inhalts der abgegebenen Erklärungen den Eindruck einer Gefährdung für das politische System dar- stellten, seien massgebend. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Ein politi- sches Engagement im Iran habe die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft machen können, weshalb zu bezweifeln sei, dass die iranischen Behörden überhaupt ihre Aktivitäten in der Schweiz verfolgen würden . Zudem ver- möge die blosse Teilnahme an kleinen Kundgebungen in der Schweiz keine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung bei einer Rückkehr zu be- gründen. Daran änderten auch die vorgelegten Beweismittel nichts, zumal sich aus den Fotos keine exilpolitische Exponierung ableiten lasse und die Bestätigung des „Centre I._______“ Gefälligkeitscharakter aufweise, wes- halb sie als Beweismittel nicht geeignet sei. Schliesslich stelle die geltend gemachte Reflexverfolgung im Zusammenhang mit ihren Geschwistern eine blosse Vermutung respektive Behauptung dar, der es an Substanz und objektiven Anhaltspunkten fehle. Im Übrigen verweist das SEM auf E-6250/2015 Seite 13 seine Erwägungen gemäss angefochtener Verfügung, an denen es vollum- fänglich festhalte. 5. 5.1 Das SEM ist in seinen Erwägungen nach korrekter Sachverhaltsfest- stellung mit überzeugender Begründung und umfassender Aktenabstüt- zung zur Erkenntnis gelangt, die geltend gemachten Vorfluchtvorbringen sowie Flucht- und Ausreiseumstände der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines asylbe- gründenden Sachverhalts nicht genügen, weshalb sie insoweit keinen An- spruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und auf Gewährung des Asyls habe. Diese Erwägungen sind nicht zu beanstanden und es kann zur Vermeidung von Wiederholungen auf sie sowie auf die zusammenfas- sende Wiedergabe oben (E. 4.1) verwiesen werden. Das SEM wird dabei im Übrigen auch de m Umstand gerecht, dass an die Beschreibung von nicht selbst erfahrenen Fremdwahrnehmungen oder -handlungen (bei- spielsweise die Beweggründe für Handlungen oder Handlungsabsichten insb. des Vaters, des Schwagers oder der Sicherheitsbehörden) reduzierte Plausibilitätsanforderungen zu stellen sind und durchaus auch blosse Ver- mutungsäusserungen genügen können . Die Vorinstanz hat diesem Um- stand in der angefochtenen Verfügung Rechnung getragen und eine so- wohl von der Perspektive der Beschwerdeführerin als auch von jener der Drittbeteiligten distanzierte objektive Betrachtung der Handlungslogik und Realitätsnähe ins Zentrum gestellt. Dabei ist es zutreffend zu einer für die Beschwerdeführerin abschlägigen Beurteilung gelangt. Der Inhalt der Beschwerde führt zu keiner anderen Betrachtung hinsichtlich der erkannten Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Vorflucht gründe sowie Flucht- und Ausreiseumstände. Über weite Teile bekräftigt die Be- schwerdeführerin ihre diesbezüglichen Vorbringen und stellt den vor - instanzlichen Erkenntnissen blosse Gegenbehauptungen entgegen. So- weit die Argumentation darüber hinausgeht, fehlt ihr die Durchschlagskraft. So erscheint der (betreffend die als unglaubhaft erkannte Zwangsverheira- tung) erhobene und an das SEM gerichtete Vorwurf einer Verkennung der Situation der Familie unberechtigt. Die Beschwerdeführerin versucht dabei die Interessenlagen der Beteiligten (Vater, Schwager, Militäroffizier) derart in Übereinstimmung zu bringen, dass das dadurch entstehende Bild einer geschlossenen gegen sie gerichteten Front nur noch ein Konstrukt darstel- len kann, das ständiger Anpassung an immer neu entstehende Plausibili- tätszweifel bedarf. Auffallend ist im Weiteren das Bemühen der Beschwer- deführerin, den Grad der auf ihr lastenden Kontrolle durch den Vater und E-6250/2015 Seite 14 den Schwager jeweils so zu variieren, dass sich einerseits ihre geltend ge- machte Verfolgungslage nicht gänzlich realitätsfremd darstellt und ander- seits dennoch Platz bleibt, um die angeblich trotz erschwerten Bedingun- gen möglich gewesene Demonstrationsteilnahme sowie Fluchtergreifung und -organisation plausibel erscheinen zu lassen; diese Argumentation ist inkonsequent. Im Zusammenhang mit dem vorinstanzlichen Vorhalt einer fehlenden Logik in den vorgebrachten Suizidabsichten ist zwar zugunsten der Beschwerdeführerin anzuerkennen, dass es im Wesen der Suizidalität liegt, rationales und logisches Denken in den Hintergrund zu stellen. Damit nicht vereinbar ist aber die Darstellung der in diese r Phase psychischer Aufgewühltheit und Ausweglosigkeit fallenden Fähigkeit der Beschwerde- führerin, innert kürzes ter Zeit ihre Flucht und Reise planen, organisieren und realisieren zu können und hierbei mit ihrem in den C._______ wohn- haften Bruder telefonisch in einer Art Geheimsprache kommuniziert zu ha- ben. Weiter versucht sie, die vorinstanzlich erkannte Unglaubhaftigkeit der Demonstrationsteilnahme – gleichzeitig angeblich Ursache der fluchtaus- lösenden Verfolgungshandlungen – mit dem auf Beschwerdeebene ge- zeichneten Bild einer durchaus politisch interessiert en, engagierten und klare persönliche Auffassungen pointiert vertretenden Person zu entkräf- ten. Die Authentizität dieses Bildes zerfällt indessen in Anbetracht ihrer un- zweideutig anderslautenden Aussagen im erstinstanzlichen Verfahren (vgl. Akten A8 S. 8 unten sowie A15 F39, F122 und F159 ). Das SEM hat im Weiteren den Visumsantrag vom Frühling 2014 in Anbetracht des bisher Gesagten zutreffend als weiteres Unglaubhaftigkeitsindiz gegen die be- hauptete Verfolgungslage verwendet. Tatsächlich ist nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin zum einen den angeblich wahren Beweg- grund des Reisevorhabens (Einschränkungen und Benachteiligungen durch Vater und Schwager) nicht bereits damals erklärt ha t, und zum an- dern auf Beschwerdeebene den tatsächlichen Beweggrund der schweize- rischen Visumsbehörde zur Antragsab lehnung (Ausreisedruck der Be- schwerdeführerin erkannt) dennoch zu kennen glaubt. Am Rande ist hierzu im Übrigen anzumerken, dass es sich nicht um den einzigen Visumsantrag für eine Einreise nach Europa gehandelt hat. Nicht stichhaltig ist in Anbe- tracht der vorliegend erkannten Unglaubhaftigkeitselemente gleichsam die Rüge, wonach das SEM bei der Glaubhaftigkeitsbeurteilung dem kulturel- len und länderspezifischen Kontext sowie den herabgesetzten Beweisan- forderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen habe. Das sich ergebende Gesamtbild eines konstruierten Verfolgungs- sachverhalts und einer Verschleierung der tatsächlichen Migrationsmotive lässt sich mit solchen standardisierten Einwänden nicht ausräumen. In die-E-6250/2015 Seite 15 sem Zusammenhang ist ergänzend zu bemerken, dass die Beschwerde- führerin trotz klaren Hinweisen auf die ihr obliegende Mitwirkungspflicht nach Art. 8 (insb. Abs. 1 Bst. b) AsylG ihren Reisepass nie vorgelegt hat, obwohl sich dieser zuhause befinde. Die in der Anhörung deponierte Erklä- rung, ihr Vater habe den Pass versteckt, als er ihre Fluchtabsicht bemerkt habe (vgl. Akte A15 F4), stellt sich als Schutzbehauptung dar. Einerseits hat sie noch im EVZ ausdrücklich erwähnt, der Pass befinde sich zuhause und sie könne ihn beschaffen (vgl. Akte A8 Ziff. 4.02 und 4.07); anderseits erstaunt es nun umso mehr, dass ihr die Flucht trotz Kenntnis ihres Vaters über ihre Ausreiseabsichten dennoch derart einfach und in kürzester Zeit hätte gelingen können. Es drängt sich die Annahme auf, die Beschwerde- führerin versuche mittels Zurückhaltung ihres Reisepasses Einträge zu verheimlichen, die wesentliche von ihr geltend gemachte Sachverhaltsele- mente als tatsachenwidrig entblössen würden. Es ergibt sich als Zwischenergebnis, dass sowohl die Vorfluchtgründe (De- monstrationsteilnahme, Festnahme, Verhör, Gewalt- und Druckausübung durch Vater und Schwager, beabsichtigte Zwangsverheiratung der Be- schwerdeführerin mit einem Militäroffizier aus je eigenen Beweggründen und Zweckverfolgungen) als auch die geltend gemachten Flucht- und Aus- reiseumstände (vgl. dazu insb. A15 F128 ff. und F 152 f.) den Anforderun- gen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sachverhalts nicht genügen. Damit erübrigen sich grundsätzlich Erörterun- gen über die Fr age der flüchtlingsrechtlichen Relevanz der Vorbringen, denn es liegt kein erstellter Verfolgungssachverhalt vor, der unter Art. 3 AsylG subsumierbar wäre. Dennoch ist die im Ansatz vorgenommene Ein- schätzung des SEM, wonach die angebliche Demonstrationsteilnahme und Inhaftierung ohnehin nicht asylrelevant wären, da die Schilderungen nicht auf die Gewärtigung künftiger weiterer Konsequenzen daraus hindeuteten, zu bestätigen. Die Ausführungen in der Beschwerde betreffend die dort als erfüllt dargestellte Asyl relevanz der drohenden Zwangsverheiratung (ge- schlechtlich und sozial motivierte, genügend intensive und ernsthafte Ver- folgungsfurcht von Frauen im traditionell-konservativen und frauendiskrimi- nierenden Iran) können in dieser pauschalen Form und weitgehend losge- löst von einer konkretisierten und individualisierten Betrachtungsweise nicht gestützt werden. 5.2 Unter dem Aspekt objektiver Nachfluchtgründe ist im Weiteren zu prü- fen, ob die in der Beschwerde geltend gemachte Reflexverfolgung im Zu- sammenhang mit den i ns Ausland geflüchteten beiden Geschwistern der E-6250/2015 Seite 16 Beschwerdeführerin glaubhaft und bejahendenfalls flüchtlingsrechtlich be- deutsam im Sinne der Ausführungen in E. 3 oben ist. Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin im erstinstanzlichen Verfahren sei ein Bruder um das Jahr (…) aus flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Mo- tiven vom Iran in die C._______ geflohen und dort Staatsbürger des Lan- des geworden. Ihre Schwester D._______ sei ein Jahr später in die Schweiz geflüchtet und hier aufenthaltsberechtigt. Beide seien bei der (…) Partei und bei der J._______-Partei aktiv (gewesen). Eine Reflexverfol- gung im Zusammenhang mit diesen beiden Geschwistern hat sie nie gel- tend gemacht, sondern die Flucht der beiden einzig als einen – unterge- ordneten – Beweggrund (nebst anderen) ihres Vaters für die Kontrollmass- nahmen über sie genannt. Die nun behauptete Reflexverfolgung stützt sich einzig auf den Umstand, dass bei de die Flüchtlingseigenschaft hätten. Auch geht aus den Angaben nirgends hervor, welches die Motive für die Ausreise der beiden Geschwister gewesen seien. Betreffend den Bruder ist nicht einmal erstellt, dass es sich um Verfolgungsgründe gehandelt und er sei nen Aufenthaltstitel auf Basis einer zuerkannten Flüchtlingseigen- schaft erhalten habe. Den beigezogenen Akten der Schwester D._______ (N […]) – in der Beschwerde wird sie, wohl fälschlicherweise, mit K._______ benannt (vgl. Beschwerde S. 7 Mitte) – ist sodann zu entneh- men, dass diese zwar als Flüchtling anerkannt wurde. Indessen hat sie weder einen Asylstatus erhalten, noch ist sie aus originären Gründen als Flüchtling anerkannt worden. Vielmehr wurden in der Verfügung des SEM vom (…) 2009 (im Irak entstand ene) subjektive Nachfluchtgründe beim Ehemann von D._______ festgestellt und dessen Flüchtlingseigenschaft auf D._______ ausgeweitet. Diese selber hat sich gemäss dieser Verfü- gung in der Heimat und in der Folge im Irak nie politisch betätigt und per- sönlich keinerlei Probleme gehabt . Besagte Verfügung wurde zwar beim Bundesverwaltungsgericht angefochten; letzteres trat aber mit Urteil D - 5408/2009 vom (…) 2009 auf die Beschwerde infolge Nichtleistung des eigeforderten Kostenvorschusses nicht ein. Mit dem SEM (vgl. dessen Vernehmlassung am Ende) ist somit festzuhal- ten, dass das Argument der Reflexverfolgung eine blosse Vermutung res- pektive Behauptung der Beschwerdeführerin darstellt, der es an Substanz und objektiven Anhaltspunkten fehlt. Auf eine Replik zu die ser Erkenntnis verzichtete die Beschwerdeführerin. Ein aus objektiven Nachfluchtgründen abgeleiteter Anspruch auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Ge- währung des Asyls fällt somit ebenfalls nicht in Betracht. E-6250/2015 Seite 17 5.3 Zu prüfen bleibt, ob bei der Beschwerdeführerin subjektive Nachflucht- gründe aufgrund exilpolitischer Betätigung in der Schweiz vorliegen. Hierzu macht sie geltend, sie habe am (…) 2015 an einer Demonstration der (…) teilgenommen und sich dabei exponiert, wie aus dem beigelegten und auf der (…)-Homepage hochgeladenen Foto ersichtlich sei. Auch bestätige das „Centre I._______ pour les Droits de l’Homme“ in grundsätzlicher Art ihre Gefährdung. Diese zwar nur einmalige exilpolitische Betätigung sei insbesondere unter Mitberücksichtigung de r politischen Aktivitäten ihrer beiden geflüchteten Geschwister, ihrer Vorbelastung wegen einer De- monstrationsteilnahme im Iran und ihrer dort abgegebenen Zusicherung des Verzichts auf künftige politische Betätigung bedeutsam und sie habe bei einer Rückkehr ihre Verhaftung und Folterung zu befürchten. Es ist zwar bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitä- ten ihrer Staatsbürger im Ausland überwachen und erfassen. Es bleibt je- doch im Einzelfall zu prüfen, ob die exilpolitischen Aktivitäten bei einer all- fälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernst- hafte Nachteile im asylrechtlichen Sinne nach sich ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist davon auszugehen, dass sich die irani- schen Geheimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpo- litischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorge- nommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse de r mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährli- chen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei darf davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zu unterscheiden vermö- gen zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilak- tivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufent- haltsrecht zu erhöhen versuchen (vgl. der am 20. Juli 2016 ergangene und als Referenzurteil publizierte Entscheid des BVGer D-830/2016 E. 4.2, m.w.H. insb. auf BVGE 2009/28 E. 7.4.3 und auf das Urteil des EGMR S.F. et al. gegen Schweden vom 15. Mai 2012, 52077/10, §§ 63 f.). Vorliegend erstaunt zunächst, dass die Beschwerdeführerin selber nicht zu wissen scheint, ob die Demonstration vom (…) September 20 15 in G._______ (s. Beschwerde S. 22) oder in H._______ (s. Beschwerde S. 23) stattgefunden hat. Unbesehen dessen ist der Beschwerdeführerin ein politisches Profil gänzlich abzusprechen oder bestenfalls im niederschwel- ligen Bereich zuzuschreiben . Das vorge legte Foto und der geltend ge- machte Umstand, dass dieses auf die (…)-Homepage hochgeladen wor-E-6250/2015 Seite 18 den sei, lassen in keiner Weise auf eine Exponierung oder gar eine Profil- schärfung schliessen. Das politische Profil der Beschwerdeführerin weist gar eine klare quantitative und qualitative Diskrepanz zu jenem auf, das im erwähnten Referenzurteil D-830/2016 dennoch nicht zur Annahme subjek- tiver Nachfluchtgründe geführt hat . Der auf Beschwerdestufe unternom- mene Versuch der Beschwerdeführerin, eine Profilierung und Vorbelastung durch Mitberücksichtigung der politischen Aktivitäten ihrer beiden geflüch- teten Geschwister sowie ihrer eigenen Demonstrationsteilnahme im Iran und der in der Folge abgegebenen Zusicherung des Verzichts auf künftige politische Betätigung zu erreichen , misslingt. Diesbezüglich kann zum ei- nen auf die Ausführungen oben (E. 5.1 und 5.2) verwiesen werden. Zum andern sind der Beschwerdeführerin ihre Aussagen in der Anhörung vom 13. Juli 2015 (dort F159) entgegenzuhalten, die i hr politisches Desinte- resse auch in der Schweiz offenbaren. So erstaunt es in nicht geringem Masse, dass sie wenige Wochen nach dieser Aussage durch eine einma- lige Teilnahme an einer Demonstration in der Schweiz bereits ein flücht- lingsrechtlich bedeutsames Profil aufweisen will. Eine politische Vorbelas- tung kann im Übrigen auch deshalb ausgeschlossen werden, weil sie noch in der Beschwerde (dort S. 13) bekräftigt, aufgrund der Intervention ihres Schwagers seitens der Behörden nicht als Politaktivistin quali fiziert, son- dern vielmehr aus der Kurzhaft entlassen worden zu sein. Das SEM ist schliesslich in seiner Beweismittelwürdigung betreffend die Bestätigung des „Centre I._______ pour les Droits de l’Homme“ ohne Einschränkung zu stützen; das Dokument ist in se inem substanziellen Gehalt für die An- nahme einer begründeten Furcht der Beschwerdeführerin vor Verfolgung nahezu wertlos. Somit ergibt sich in Stützung der betreffenden Ausführungen des SEM in dessen Vernehmlassung, dass keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vorliegen, die Beschwerdeführerin könnte aufgrund exilpolitischer Aktivitä- ten in der Schweiz oder bereits aufgrund der angeblichen (aber als nicht glaubhaft erkannten) illegalen Ausreise aus dem Iran einer flüchtlingsrele- vanten Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein. Das Vorlie- gen subjektiver Nachfluchtgründe ist deshalb zu verneinen und es besteht daher auch in diesem Zusammenhang kein Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft. 5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass d ie Beschwerdeführerin keine Gründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft ma- chen konnte. Das SEM hat das Bestehen einer Verfolgungssituation de r Beschwerdeführerin und mithin ihre behauptungsgemässen Ansprüche auf E-6250/2015 Seite 19 Feststellung der Flüchtlingseigenschaft (aus Vor- oder Nachfluchtgründen) und auf Gewährung des Asyls zu Recht verneint. Weder für das SEM noch für das Bundesverwaltungsgericht bestand begründeter Anlass zur Vor- nahme weiterer Abklärungen oder Beweismassnahmen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Inhalte der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel weiter einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zuläs- sig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschli- che oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei- mat-, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Her- kunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvoll- zugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und E-6250/2015 Seite 20 andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Die genannten Voraussetzungen sind vorliegend unter integralem Hin- weis auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. dort E. III sowie zusammenfassend oben in E. 4.1 [am Ende]) nicht erfüllt. Insbeson- dere vermag die Beschwerdeführerin keine konkrete Gefahr nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde. Auch die allgemeine Men- schenrechtssituation im Iran lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Im Zusammenhang mit der fest- gestellten Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges macht die Beschwer- deführerin geltend, beim Argument ihrer Arbeitserfahrung verkenne die Vorinstanz die auch im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2108/2011 vom 1. Mai 2013 dargestellte Lage alleinstehender Frauen im Iran, die sich ohne unterstützendes soziales Umfeld in einer persönlichen Notlage be- fänden und mithin einer konkreten Gefährdung ausgesetzt seien. Dieser pauschale und einer konkretisierenden Bezugnahme auf die Beschwerde- führerin entbehrende Hinweis ist vorliegend nicht stichhaltig . Wie oben (E. 5) erkannt, sind die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführerin und damit das angebliche Zerwürfnis mit ihrem Vater und ihrem Schwager nicht glaubhaft, womit von einem nach wie vor intakten sozialen Beziehungs- netz, einer bestehenden Unterkunft und einer gesicherten wirtschaftlichen Existenz der Beschwerdeführerin ausgegangen werden kann. Die im vor- genannten Entscheid E-2108/2011 beurteilte Situation einer vergewaltigten beziehungsweise von Vergewaltigung bedrohten, alleinstehenden und iso- liert lebenden sowie einen tiefen Bildungsstand aufweisenden Frau trifft auf sie nicht zu. Im Übrigen stünde ihr bei Bedarf beispielsweise ein Wegzug nach F._______ offen, wo bereits eine Schwester lebt. Mit ihrem über- durchschnittlichen Bildungsstand und immerhin zwei bis drei Jahren Ar- beitserfahrung muss sie nicht konkret befürchten, in eine existenzielle Not- lage zu geraten. Unter Berücksichtigung der bei ihr vorhandenen begüns- tigenden Umstände hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug daher zu Recht als zumutbar bezeichnet. Sc hliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, allfällig vorhandene Identitäts- und Reisedokumente – insbesondere ihren Reisepass – vorzulegen beziehungsweise sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr not- wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). E-6250/2015 Seite 21 7.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf die weiteren Inhalte der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Beschwerde ist abzuwei- sen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist je- doch angesichts der mit Zwischenverfügung vom 15. Oktober 2015 ge- währten unentgeltliche n Prozessführung zu verzichten (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 9.2 Der Beschwerdeführerin wurde mit besagter Zwischenverfügung die amtliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG gewährt und in der Folge der rubrizierte Rechtsanwalt als Rechtsbeistand beigeordnet. In seiner Honorarnote vom 25. November 2015 weist d ieser einen Gesamtaufwand von Fr. 4‘121.05 aus (inkl. Auslagen und MwSt, bei einem Stundenansatz von Fr. 300. –). Dieser Betrag ist insoweit zu redu- zieren, als bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwälte auszugehen ist (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2 VGKE) und der zeitliche Aufwand von 12.55 Stunden vorlie- gend leicht überhöht erscheint. Dem amtlich bestellten Rechtsbeistand ist daher vom Bundes verwaltungsgericht ein Honorar im angemessen er- scheinenden Gesamtbetrag von Fr. 2‘700.– (inkl. Auslagen und Mehrwert- steuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-6250/2015 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird durch das Bundesverwaltungsgericht ein Honorar von Fr. 2‘700.– ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Regula Schenker Senn Urs David Versand: