Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. August 2020 (725 20 138 / 205) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Ablehnung der Leistungspflicht des Unfallversicherers, da die geklagten Beschwerden des Versicherten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kau- salzusammenhang zum Unfallereignis stehen Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch C laude Béboux, Rechts- anwalt, Zimmerli + Béboux Rechtsanwälte AG, Eichwaldstrasse 5, Postfach 4449, 6000 Luzern gegen Vaudoise Allgemeine Versicherungs -Gesellschaft AG , Place de Milan, Case postale 120, 1001 Lausanne, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1976 geborene A.____ war seit dem 1. Dezembe r 2016 als Telematiker bei der B.____AG angestellt und durch die Arbeitgeberin bei der Vaudoise Allgemeine Versicherungs- Gesellschaft AG (nachfolgend: Vaudoise) obligatorisch geg en die Folgen von Unfällen und Be- rufskrankheiten versichert. Am 14. August 2018 liess A.____ der Vaudoise durch seine Arbeit- geberin einen Unfall melden. Gemäss den Angaben im F ormular "UVG Schadenmeldung" war Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherte am 12. August 2018 zu Hause eine Treppe hinuntergestürzt. Die erstbehan- delnde Ärztin Dr. med. C.____, Allgemeine Innere Med izin FMH, diagnostizierte beim Versi- cherten am folgenden Tag einen "Status nach Treppenstu rz mit starker Prellung linker Ober- schenkel und Becken" (vgl. das Formular "Arztzeugnis UVG" vo m 26. September 2018). Nach anfänglicher Fokussierung der Schmerzen auf den Oberschenke l klagte A.____ im Verlauf vor allem über Beschwerden im Bereich der linken Schulter. Der Versicherte suchte deswegen am 7. Januar 2019 die Klinik D.____ auf, wo die behandel nden Ärzte an der (adominanten) linken Schulter als Befunde den Verdacht auf eine Intervall-L äsion mit Supraspinatussehnenruptur (PASTA-Läsion) und den Verdacht auf eine Bicepssehnenpa thologie bei Status nach Treppen- sturz am 12. August 2018 erhoben. Nach weiteren Abkläru ngen nahm Dr. med. E.____, Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa rates FMH, am 30. Januar 2019 in der Klinik D.____ eine Arthroskopie der Schulter links mi t Rotatorenmanschettenrekonstruktion und subpectoraler Tenodese der langen Bicepssehne vor. Nach Eingang der Unfallmeldung hatte die Vaudoise die gesetzlichen Leistungen für die Heil- behandlung der anlässlich des Ereignisses vom 12. August 2018 auf der linken Körperseite in den Bereichen Oberschenkel/Becken und Schulter erlittene n Verletzungen und für die daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeiten erbracht. Am 5. April 2019 untersuchte Dr. E.____ den Versicherte n zusätzlich wegen rechtsseitigen Schulterschmerzen. In seinem Bericht vom 12. April 2019 hielt der genannte Facharzt fest, es bestätige sich nun doch auch rechts eine intervallnahe g elenksseitige Partialruptur der Supra- spinatussehne mit indirektem Zeichen der Instabilität der langen Bicepssehne (proximale intra- artikuläre Verdickung derselben). Zur Behandlung dies er Gesundheitsschädigungen nahm Dr. E.____ am 27. August 2019 einen arthroskopischen Ei ngriff an der rechten Schulter des Versicherten vor. Bereits vorgängig, am 29. Mai 2019, hatte die Vaudoi se die medizinischen Akten ihrem bera- tenden Arzt Dr. med. F.____, Chirurgie FMH, spez. Allgemeinchirurgie und Traumatologie FMH, vorgelegt und ihn um Beurteilung der Frage ersucht, ob die Beschwerden des Versicherten an der rechten Schulter als Folge des Ereignisses vom 12. August 2018 zu betrachten seien. Nachdem Dr. F.____ dies in seiner Stellungnahme vom 2 9. Mai 2019 verneint hatte, erliess die Vaudoise am 30. August 2019 eine Verfügung, mit der sie eine Leistungspflicht für die Behand- lung der rechten Schulter des Versicherten ablehnte. Zu r Begründung machte sie im Wesentli- chen geltend, laut Beurteilung ihres medizinischen Dien stes könnten die Schulterbeschwerden rechts, die am 27. August 2019 operiert worden seien, nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 12. August 2018 zurückgeführt werden. An dieser Leistungsablehnung hielt die Vaudoi se auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 26. Februar 2020 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vertre ten durch Rechtsanwalt Clau- de Béboux, am 30. März 2020 Beschwerde beim Kantonsger icht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin habe die gesetzlichen Leistungen (insbesondere Hei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht lungskosten und Taggelder) bezüglich der Schulteroper ation rechts zu erbringen; unter o/e- Kostenfolge. C. In ihrer Beschwerdeantwort vom 17. April 2020 bea ntragte die Vaudoise, die Be- schwerde sei abzuweisen, der Einspracheentscheid vom 26. Februar 2020 sei zu bestätigen und es seien keine Kosten zu vergüten. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in G.____ (BL), weshalb d ie örtliche Zuständigkeit des Kantonsge- richts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtlich e Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zustä ndig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten v om 30. März 2020 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschw erdegegnerin ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit der (operativen) Behandlung der rechten Schulter des Versicherten zu Recht abgelehnt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Per- son. Das Taggeld beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt unter anderem voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetret enen Schaden (Krankheit, Arbeits- unfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein n atürlicher Kausalzusammenhang besteht. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sin d alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer den kann. Entsprechend dieser Umschrei- bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenh angs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingung en die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zu sammenhangs genügt für die Begrün- dung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.1 Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistu ngsansprüche bedarf es verlässli- cher medizinischer Entscheidungsgrundlagen (BGE 134 V 23 1 E. 5.1). Das Gericht hat diese nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grun dsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismi ttel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozi- alversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbare n Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre- chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismate- rial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es a uf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Hin sichtlich des Beweiswertes eines Arzt- berichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die st reitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der D arlegung der medizinischen Zusam- menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Sit uation einleuchtet und ob die Schluss- folgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispie lsweise Berichten und Gutachten versi- cherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil A. des Bundesgerich ts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 4.1 Im Formular "UVG Schadenmeldung" vom 14. August 2018 gab der Versicherte im Abschnitt "Unfallhergang" an, er sei am 12. August 2018 zu Hause die Treppe hinuntergestürzt. Im Abschnitt "Verletzungen" erwähnte er "starke Prellung en am ganzen linken Oberschenkel und Schulter" und "durch ein versuchtes Auffangen" sei zudem die "ganze rechte Seite ver- spannt." Im Laufe des Verfahrens schilderte der Beschwerdeführer dann den genaueren Unfall- hergang wie folgt: Er sei auf der Treppe gestürzt. Al s er sich mit dem rechten Arm am Handlauf habe auffangen wollen, sei er nach links abgedreht und mit der linken Seite auf die Treppenstu- fen geprallt (vgl. etwa die Angaben in der Einsprache vom 27. September 2019 und in der Be- schwerde vom 30. März 2020). Diese Schilderung ist nicht in Zweifel zu ziehen und es kann, was den Unfallhergang betrifft, darauf abgestellt werden. 4.2 Wie eingangs ausgeführt, bezog sich die Heilbehandlu ng der Unfallfolgen im An- schluss an das Ereignis auf die Verletzungen, die der Ver sicherte auf der linken Körperseite in den Bereichen Oberschenkel/Becken und Schulter erlitten hatte. In den ärztlichen Unterlagen ist von zusätzlichen unfallbedingten Beeinträchtigungen an der rechten Schulter erstmals im Bericht von Dr. E.____ vom 12. April 2019 die Rede. Der genannte Facharzt führte darin aus, er habe den Versicherten am 5. April 2019 wegen rechtssei tigen Schulterschmerzen untersucht. Dabei habe sich nun doch auch rechts eine intervallnahe gelenksseitige Partialruptur der Sup- raspinatussehne mit indirektem Zeichen der Instabilität d er langen Bicepssehne (proximale int- raartikuläre Verdickung derselben) bestätigt. Die von ihm deswegen veranlasste weitergehende Abklärung mittels Arthro-MRI ergab am 18. April 2019 eine artikularseitige, knapp 50 % des Sehnenquerschnitts umfassende Partialruptur der Suprasp inatussehne mit leichter Retraktion der rupturierten Faserzüge um ca. 6 mm im Sinne einer PASTA-Läsion. Unmittelbar angren- zend an diesen Befund zeige sich eine kleine, muldenförm ige Impression des Humeruskopfs mit diskreten subchondralen ödematösen Knochenmarksveränd erungen vereinbar mit einem Status nach ossärer Kontusion. Zur Behandlung dieser Ge sundheitsschädigungen nahm Dr. E.____ am 27. August 2019 einen arthroskopischen Ei ngriff an der rechten Schulter des Versicherten vor. In seiner zuhanden des Versicherten verfassten Stellungnahme vom 20. Sep- tember 2019 führte Dr. E.____ sodann aus, der Patien t habe anlässlich eines Treppensturzes am 12. August 2018 eine beidseitige Schultertraumatisi erung erlitten, wobei er initial mit den rechten Arm am Handlauf den Sturz habe auffangen wol len, dabei jedoch nach links abgedreht worden und mit der linken Seite auf die Treppenstufe n aufgeprallt sei. Seither habe der Patient auch Schmerzen rechts verspürt, wobei zuerst am 30. Jan uar 2019 die linke Schulter und nun am 27. August 2019 auch die rechte Schulter operiert worden sei. Eine beidseitige gleichzeitige Operation sei nicht möglich gewesen. Primär sei rechts konservativ physiotherapeutisch be- handelt worden. Wegen persistierender Beschwerden sei dann auch rechts eine weitere Abklä- rung erfolgt, welche den Befund einer Intervall-Läsio n mit subtotaler gelenkseitiger Supraspi- natussehnenruptur (PASTA-Läsion) ergeben habe. Das am 2 7. August 2019 anlässlich der Arthroskopie vorgefundene Verletzungsmuster passe zum besc hriebenen Unfallmechanismus mit Rotationstrauma unter axialer Belastung. Aufgrund des Beschwerdeverlaufs stehe der intra- operativ vorgefundene Defekt mit überwiegender Wahrsc heinlichkeit mit dem Unfallereignis Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 12. August 2018 in Zusammenhang. Diese Auffassung b estätigte Dr. E.____ in einer wei- teren, an den damaligen Rechtsvertreter des Versicherten gerichteten Stellungnahme vom 11. November 2019. 4.3 Die Beschwerdegegnerin liess die strittige Unfallka usalität der operativ behandelten rechtsseitigen Schulterbeschwerden durch ihren behandel nden Arzt Dr. F.____ beurteilen. In seiner ersten - allerdings noch vor dem operativen Eingr iff erfolgten - Stellungnahme vom 29. Mai 2019 verneinte der genannte Facharzt die ihm unterbreitete Frage, ob die Beschwerden des Versicherten an der rechten Schulter als Folge des E reignisses vom 12. August 2018 zu betrachten seien. Die Begründung dieser Einschätzung beschränkte sich auf die Aussage, dass sich in den Akten keine Hinweise für eine Verletzung der rechten Schulter beim Ereignis vom 12. August 2018 finden würden. Nach Eingang der vorst ehend geschilderten zusätzlichen Stel- lungnahmen des behandelnden Arztes Dr. E.____ ersuchte die Beschwerdegegnerin ihren be- ratenden Arzt um eine weitere, ausführlichere Beurtei lung. In der entsprechenden Stellungnah- me vom 8. Januar 2020 blieb Dr. F.____ bei seinem Sta ndpunkt, wonach die Schulterbe- schwerden rechts, die zur Operation vom 27. August 2019 geführt hätten, nicht mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 12. August 2018 zurückzuführen seien. In sei- ner Begründung verwies er auf folgende Aspekte: Eine a kute Trennung von Gelenksstrukturen im Schultergelenk - auch nur partiell - sei sehr schmerzh aft und mit einer Einschränkung der Funktion vergesellschaftet. Dies würde sich nicht nur bei der Ausübung des Berufes, sondern beispielsweise auch bei der Körperpflege, bei Tätigkei ten im Haushalt oder beim Autofahren auswirken. Dies sei vorliegend offenbar nicht der Fall gewesen. Sodann seien im Bericht über die Erstkonsultation vom 7. Januar 2019 in der Klinik D. ____ keinerlei Ausfälle oder Einschrän- kungen der rechten Schulter erwähnt. Damals habe der Treppensturz schon mehr als vier Mo- nate zurückgelegen und bei anhaltenden Beschwerden hätte der Patient sicher darauf aufmerk- sam gemacht. Zudem untersuche man bei der Abklärung von Schulterbeschwerden üblicher- weise beide Schultern, um Abweichungen der verletzten Seite mit dem Befund der nicht verletz- ten Seite feststellen zu können. Auch bezüglich der ent sprechenden Untersuchung seien im Bericht über die Erstkonsultation vom 7. Januar 2019 weder Schmerzen in der rechten Schulter noch Beeinträchtigen der Funktion beschrieben. Schulterbeschwerden rechts seien erst ab April 2019, d.h. mehr als sieben Monate nach dem Ereignis, aktenkundig. In diesem Zusammenhang sei auch zu erwähnen, dass der Versicherte anlässlich einer Konsultation vom 14. März 2019 zwar über eine Problematik des linken Ellbogens nach ei nem früheren Trauma berichtet habe, persistierende Beschwerden an der rechten Schulter habe er jedoch auch hier nicht geschildert. Erstaunlich sei ferner, dass gemäss den Akten nach dem Ereignis und vor der Operation der linken Schulter am 30. Januar 2019 keine Arbeitsunfähig keit bestanden habe. Dies wäre nach seiner Erfahrung als Traumatologe bei einer beidseiti gen, akuten Verletzung der Schultern je- doch zu erwarten gewesen. Auffallend sei im Weiteren die Besonderheit, dass in beiden Schul- tern eine ventral gelegene, gelenkseitige Teilläsion d er Supraspinatussehne festgestellt worden sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem unkontrollier ten Sturz mit Einwirkung von äusseren Kräften auf beide Schultern die gleiche Struktur an der gleichen Stelle verletzt werde, sei aber äusserst gering. Auch vor diesem Hintergrund könne nicht davon gesprochen werden, dass die intraoperativ vorgefundenen Läsionen der Supraspinatusse hne ventral in beiden Schultern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gleichzeitig anlässlich des Ereignisses vom 12. August 2018 Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht entstanden seien. Zu beachten sei hingegen, dass es durch die postoperative Ruhigstellung der linken Seite zwangsläufig zu einer Mehrbelastung der re chten Schulter gekommen sei. Nicht selten würden in einem solchen Fall bereits vorhandene, bis dahin aber asymptomatische, de- generative Veränderungen erst demaskiert und symptomatisch. Schliesslich sei noch auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, das a rtikularseitige Teilläsionen der Rotatorenmanschett e und insbesondere der Supraspinatussehne ab dem vierten Lebensjahrzehnt häufig anzutref- fen seien. Häufig seien sie ventral gelegen und vergesellschaftet mit Begleitveränderun gen der Aufhängung der Bicepssehne. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurtei lung des vorliegend strittigen me- dizinischen Sachverhalts auf die Ergebnisse, zu denen ihr beratender Arzt Dr. F.____ in seinen Beurteilungen vom 29. Mai 2019 und 8. Januar 2020 gel angt ist. Sie verneinte demzufolge ei- nen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den beim Ver sicherten am 27. August 2019 operierten Schulterbeschwerden rechts und dessen Unfall vom 12. August 2018. Dieses Er- gebnis der vorinstanzlichen Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Nach der Rechtspre- chung kommt zwar dem Bericht eines beratenden Arztes des V ersicherungsträgers nicht der- selbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten exter- ner Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten, ein solcher Bericht ist aber soweit zu berücksichtigen, als keine - auch nur geringe - Zweifel a n der Richtigkeit seiner Schlussfolge- rungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorlieg end besteht kein Anlass, an der Richtig- keit der Feststellungen von Dr. F.____ zu zweifeln. Di eser setzt sich - insbesondere in seiner zweiten fachärztlichen Stellungnahme vom 8. Januar 2020 - mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und er nimmt darin eine schlüssige Beurteilung der strit- tigen Kausalitätsfrage vor. Diesbezüglich kann auf die überzeugenden Ausführungen in der ge- nannten Stellungnahme verwiesen werden, denen vollumfänglich beigepflichtet werden kann. 5.2 Hervorzuheben ist aus all den von Dr. F.____ angefü hrten Argumenten insbesondere der Umstand, dass in den medizinischen Akten erst ab April 2019 von Schulterbeschwerden rechts die Rede ist. In der Unfallmeldung vom 14. August 2018 werden denn auch - als erlittene Verletzungen - starke Prellungen am ganzen linken Obersch enkel und an der Schulter links erwähnt. Zwar wird auch festgehalten, dass "durch ein v ersuchtes Auffangen" zudem die "gan- ze rechte Seite verspannt" sei. Dies bedeutet jedoch, wie auch die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 17. April 2020 zutreffend geltend macht, noch nicht, dass die rechte Schulter (ebenfalls) traumatisiert worden ist. Zudem wird die rechte Schulter in der Folge weder im ersten Arztzeugnis von Dr. C.____ vom 26. September 2 018 noch in der detaillierten Anam- nese im Bericht der Klinik D.____ vom 7. Januar 2019 üb er die gleichentags erfolgte Erstkon- sultation erwähnt. Im Rahmen der Beweiswürdigung kommt sodann auch dem Umstand mass- gebliche Bedeutung zu, dass es - in Anbetracht des vom V ersicherten geschilderten Unfallher- gangs - wenig plausibel erscheint, dass bei diesem unkontr ollierten Sturz mit unterschiedlichen Einwirkungen von äusseren Kräften auf die linke und di e rechte Schulter auf beiden Seiten je- weils dieselbe Struktur an derselben Stelle verletzt wu rde. Dies wird denn auch von Dr. F.____ zu Recht betont. Im Weiteren weist die Beschwerdegegne rin in ihrer Vernehmlassung zutref- fend darauf hin, dass sich die Schulterbeschwerden rech ts offenbar erst im Verlauf der Rehabi- litation nach der Operation links zunehmend deutlich ma nifestiert haben, was erst dann - ab Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht April 2019 - entsprechende Abklärungen zur Folge hat te. Dies wiederum ist, wie Dr. F.____ zu Recht festhält, ein deutliches Indiz dafür, dass im Berei ch der rechten Schulter nicht traumati- sche, sondern degenerative Veränderungen vorlagen, die vermutlich aufgrund der postoperati- ven Ruhigstellung der linken Seite und der dadurch veru rsachten Mehrbelastung der rechten Schulter (wieder) symptomatisch wurden. In diesem Zusamm enhang ist schliesslich ebenfalls erwähnenswert, dass der Versicherte gemäss den Angaben in seiner Beschwerde bereits seit dem 20. Juli 2018, also noch vor dem Unfallereignis, u nter anderem an der rechten Schulter und im Bereich des Nackens physiotherapeutisch behandelt wu rde. Dies spricht zusätzlich da- für, dass die am 27. August 2019 operativ angegangenen Schulterbeschwerden rechts degene- rativen Ursprungs waren und nicht durch das Ereignis vom 12. August 2018 verursacht wurden. 5.3 Was der Versicherte in seiner Beschwerde vorbringt, führt zu keiner anderen Beurtei- lung der strittigen Kausalitätsfrage. Er beruft sich i m Wesentlichen auf die abweichenden, oben (vgl. E. 4.2 hiervor) wiedergegebenen Einschätzungen sei nes behandelnden Arztes Dr. E.____ vom 20. September 2019 und 11. November 2019. Diese si nd jedoch, wie vorstehend aufge- zeigt, durch Dr. F.____ überzeugend widerlegt worden. Dazu kommt, dass Dr. E.____ selber bestätigte, dass ihm der Versicherte lediglich retrospektiv von Schulterbeschwerden rechts be- richtet habe. Man kann sich deshalb des Eindrucks nicht er wehren, dass sich Dr. E.____ bei seiner späteren, im Nachgang zur Operation vom 27. Aug ust 2019 abgegebenen Kausalitäts- beurteilung doch zu einem beträchtlichen Teil auf die Schilderungen des Beschwerdeführers stützte, was den Beweiswert seiner Beurteilung zweifellos schmälert. 6. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den rechtsseitigen Schulterbeschwerden des Ver- sicherten und dem Ereignis vom 12. August 2018 zu Recht nur als möglich, nicht aber als mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr scheinlichkeit erstellt angesehen hat. Somit ist aber nicht zu beanstanden, dass sie im angefoch tenen Einspracheentscheid vom 26. Februar 2020 ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit der Behandlung der rechten Schulter des Versicherten abgelehnt hat. Die gegen die sen Entscheid erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, was zu deren Abweisung führt. 7. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Dem Prozessausgang entsprechend ist dem Beschwer deführer keine Parteientschä- digung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht