B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-113/2012 U r t e i l v o m 9 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, B._______, C._______, D._______, angeblich Kosovo, alle vertreten durch (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 3. Januar 2012 / N (…). E-113/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 – nach eigenen Angaben aus E._______ stammende, der Ethnie der Roma angehörende kosovarische Staatsangehörige – suchten zusammen mit ihren Enkelkindern (Be- schwerdeführerinnen 3 und 4) am 11. Oktober 2010 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ um Asyl nach. Am 18. Oktober 2010 fanden im EVZ summarische Befragungen und am 27. Juli 20 11 direkte Anhörungen durch das BFM statt. B. Die Beschwerdeführenden brachten zur Begründung ihrer Asylgesuche vor, dass sie im Jahre 1999 ihren Herkunftsort E._______ verlassen hät- ten, nachdem sie nach Ausbruch des Kriegs i n Kosovo von Leuten der UCK (Befreiungsarmee des Kosovo) verletzt worden seien und daraufhin bis in s Jahr 2007 in G._______, Montenegro, gelebt hätten. I m Jahre 2007 seien sie nach Frankreich gereist, wo sie ein Asylgesuch eingereicht hätten. Nach rechtskräftiger Abweisung ihres Asylgesuchs durch die fran- zösischen Behörden seien sie nach Montenegro zurückgekehrt. Schliess- lich hätten sie sich aufgrund ihrer prekären Lebensbedingungen in Mo n- tenegro zur erneuten Ausreise entschlossen . Zudem sei eine Rückkehr nach Kosovo nicht möglich , weil die allgemeine Situation für die Roma dort seh r schlecht und ihr Haus in E._______ zerstört worden sei . Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden eine Ident i- tätskarte der Beschwerdeführerin 2, ausgestellt am 22. August 1997 ; ei- nen Parteiausweis des Beschwerdeführers 1 der Romavere inigung (…), ausgestellt am 24. Juni 1996 ; eine Bescheinigung derselben Vereinigung vom 13. Oktober 1999 (inklusive Übersetzung ); einen Bericht des Ka n- tonsspitals H._______ vom 10. Februar 2011 betreffend die Beschwerde- führerin 2 sowie eine Daten -CD von Dr. med. (…), H._______, vom 21. Januar 2011, betreffend den Beschwerdeführer 1 und eine Bestät i- gung des Sohnes der Beschwerdeführenden 1 und 2 vom 26. Mai 2011 betreffend die Übert ragung des Sorgerechts für die Beschwerdeführe n- den 3 und 4 an seine Eltern zu den Akten. C. Mit Zwischenverfügung vom 10. November 2011 stellte das BFM fest, dass eine amtsinterne Analyse der von der Beschwerdeführerin 2 eing e- reichte Identitätskarte ergeben habe, dass es sich dabei um eine Totalfäl- schung handle und dem nach die an gebliche Herkunft der Beschwerd e- führenden aus E._______ nicht belegt sei, und gab den Beschwerdefü h-E-113/2012 Seite 3 renden Gelegenheit zur Stellungnahme innert Frist. D. Mit Eingabe vom 17. N ovember 2011 hielten die Beschwerdeführenden an der Echtheit des Identitätsdokuments sowie ihrer Herkunft aus E._______ fest und reichten eine Bestätigung der Vereinigung (…) vom 14. November 2011 inklusive Übersetzung zu den Akten. E. Mit Verfügung vom 3. Januar 2012 – eröffnet am 5. Januar 2012 − trat das BFM gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vol l- zug an. Zur Begründung führte das Bundesamt aus, die Stellungnahme der Beschwerdeführenden vom 17. November 2011 sei nicht geeignet, das Ergebnis der Dokumentenanalyse, wonach es sich bei der von der Beschwerdeführerin 2 zu den Akten gereichten Identitätsk arte um eine Fälschung handle, in Frage zu stellen. Demnach stehe fest, dass die Be- schwerdeführenden die Behörden im Rahmen des Asylverfahrens über ihre Identität getäuscht und damit ihre Verpflichtung zur vollständigen O f- fenlegung ihrer Identität (Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG) verletzt hätten. Somit erübrige es sich, auf ihre Vorbringen weiter einzugehen und insbesondere könne auf eine eingehende Würdigung der von ihnen eingereichten Mi t- gliedskarte und Bestätigungsschreiben einer Roma -Vereinigung verzich- tet werden. Es sei ferner zu berücksichtigen, dass im Asylverfahren des Sohnes beziehungsweise Vaters der Beschwerdeführenden und dessen Ehefrau de ren behauptete Herkunft aus E._______ als unglaubhaft e r- achtet worden sei. Im Weit eren sei es nicht Sache der As ylbehörden, nach allfälligen Wegweisungshindernissen zu forschen, wenn die Asyls u- chenden ihre Herkunft zu verschleiern suchten und keine eindeutigen Hinweise auf ihre Staatsangehörigkeit bestehen würden. E s würden na- mentlich keine Hinweise auf eine drohend e gegen Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grun d- freiheiten (EMRK, SR 0.101) verstossende Strafe oder Behandlung vo r- liegen, und es sei davon auszugehen, dass die gesundheitlichen Probl e- me der Beschwerdeführerin ber eits vor Einreichung des Asylgesuchs b e- standen hätten und sie in ihrem Heimatstaat medizinisch behandelt wo r- den sei. E-113/2012 Seite 4 F. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 6. Januar 2012 (Poststempel: 7. Januar 2012) beantragten die Beschwerdeführe nden sinngemäss, die Verfügung des Vorinstanz sei aufzuheben und es sei auf ihr Asylgesuch einzutreten, eventualiter sei ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten sie eine Geburtsurkunde des B e- schwerdeführers 1, ausgestellt am 6. Januar 2012 (in Kopie), Mitglieds- karten der (…), ausgestellt im Jahre 2010, sowie eine Kopie des Bestät i- gungsschreibens vom 13. November 2011 ein. Zur Begründung stellten sich die Beschwerdeführenden auf den Standpunkt , dass sie ihre He r- kunft aus Kosovo mit den neu vorliegenden Dokumenten, welche im Ori- ginal nachgereicht würden, belegen könnten, weshalb auf ihr Asylgesuch einzutreten sei. Ferner sei der Wegweisungsvollzug nach Kosovo, wo sie vor 14 Jahren ausgereist seien, als unzumutbar zu erachten, insbesonde- re aufgrund der fehlenden Unterkunft und Unterstützung durch ein sozi a- les Netz in der Heimat , der Diskriminierung der Roma i n Kosovo sowie der gesundheitlichen Probleme der Beschwerdefüh rerin 2. Zudem seien die fortgeschrittene Integration der Enkelkinder in der Schweiz und die mangelhafte Schulinfrastruktur in Kosovo zu berücksichtigen. G. Mit Zwischenverfügung vom 11. Januar 2012 forderte der Instruktionsrich- ter den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden auf, innert Frist eine schriftliche Vollmacht einzureichen, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. H. Mit Eingabe vom 12. Januar 2012 reichte der Rechtsvertreter der B e- schwerdeführenden die geforderte Vollmacht sowie zwei Bestätigungs- schreiben von Dr. med. (…), H._______ vom 11. Januar 2012 und der Volksschule Kanton I._______ vom 10. Januar 2012 zu den Akten. I. Mit Verfügung vom 18. Januar 2012 forderte der Instruktionsrichter die Beschwerdeführenden zur Einzahlung eines Kostenvorschusses innert Frist auf. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht einbezahlt. J. Mit Eingabe vom 27. Januar 2012 reichten die Beschwerdeführenden ei- ne Geburtsurkunde des Beschwerdeführers 1 im Original, ausgestellt am E-113/2012 Seite 5 16. Januar 2012, eine Kopie einer Identitätskarte des Beschwerdeführe rs 1, ausgestellt am 17. November 1977, und einen Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker über die Situation der Roma i n Kosovo vom August 1999 zu den Akten. K. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Februar 2012 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Ins- besondere führte sie aus , dass die von den Beschwerdeführenden auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumente keine Identitätsdokumente im Sinne von Art. 1a Bst. c der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) und daher nicht geeignet seien, die von ihnen vo r- gebrachte Identität zu belegen. Namentlich sei die Gültigkeit der in Kopie eingereichten, im Jahre 1977 ausgestellten Identitätskarte des Beschwer- deführers abgelaufen, und diese könne zudem keine Auskunft über seine aktuelle Staatsangehörigkeit geben. L. Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2012 wurde den Beschwerd e- führenden Gelegenheit zur Stellungnahme zur vorinstanzlichen Vernehm- lassung eingeräumt. M. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 2 4. Februar 2012 (Poststempel) führten die Beschwerdeführenden aus, dass sie sich um die Beschaffung kosovarischer Identitätskarten bemühen würden , und sie ersuchten um Gewährung einer Frist zur Einreichung derselben sowie um Zustellung der Geburtsurkunde des Beschwerdeführers 1 im Original. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sach gebiet betreffende Ausnahme im Sinne E-113/2012 Seite 6 von Art. 32 VGG lie gt nicht vor. Das Bun desverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefoch tene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an de ren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter Vorbehalt der nachstehe Erwägun- gen einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide des Bundesamtes ist praxisgemäss auf die Überprüfung der Frage b e- schränkt, ob die Vor instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetr e- ten ist. Bei Begrün detheit des Rechtsmittels ist die a ngefochtene Verfü- gung aufzuheben und die Sache zu neu er Entscheidung an die Vori n- stanz zurückzuweisen (vgl. die diesbezüglich weiterhin massgeb lichen Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl rekurskom- mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Volle Kognition kommt dem Bun desverwaltungsgericht hingegen bei der Überprüfung der vom Bundesamt angeordneten Wegweisung und deren Vollzugs zu. 4. 4.1. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG wird auf Asylgesuche nicht ei n- getreten wenn Asylsuchende die Behörden über ihre Identität täuschen und diese Täu schung aufgrund der Ergebnisse der erkennungsdienstl i- chen Behandlung oder anderer Beweismittel feststeht. Der Begriff der Identität im asylrechtlichen Sinn umfasst gemäss Art. 1 Bst. a der Asy l- verordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) die Identitätsmerkmale des Namens, Vornamens, der Staatsan- gehörigkeit, der Ethnie, des Geburtsdatums, Geburtsorts und des G e-E-113/2012 Seite 7 schlechts. 4.2. Der allgemeinen, auch im Verwaltungsverfahren gültigen Beweis - regel von Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezem- ber 1907 (ZGB, SR 210) zufolge hat derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Entspr e- chend hat die Behörde den Nachweis zu erbringen, dass ein Asylsuchen- der im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG über seine Identität täuscht (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2575/2008 vom 15. Mai 2008; EMARK 2003 Nr. 27 E. 4a S. 177 , EMARK 2000 Nr. 19 E. 8b S. 188). Der Beweis gilt dann als erbracht, wenn der Richter (beziehungs- weise die verfügende Behörde) nach objektiven Kriterien von der Tä u- schung über die Identität überzeugt ist. Nicht ausreichend ist da gegen, wenn bloss eine über wiegende Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich die behauptete Tatsache verwirklicht hat (vgl. BGE 128 III 271 ff., E. 2a-b, mit weiteren Hinweisen). Es kann nur dann vom Vorliegen einer Identität s- täuschung im Sinne der genannten Nicht eintretens-Bestimmung ausg e- gangen werden, wenn dies a ufgrund der vorhande nen Beweismittel − beispielsweise Herkunftsanalysen der BFM-Fachstelle LINGUA, sicher- gestellten Ausweispapieren, Zeugenaussagen oder Eingeständnissen der asylsuchenden Person − ohne vernünftigen Zweifel feststeht. In die sem Zusammenhang ist zudem zu berücksich tigen, dass die im Asylgesetz vorgesehenen Nichtein tretens-Bestimmungen gemäss konstanter Praxis der ARK restriktiv zu interpre tieren sind (vgl. EMARK 2003 Nr. 27 E. 4a S. 177 f., mit weiteren Hinweisen). 5. 5.1. Das Bundesamt begründete seinen Nichteintretensentscheid im W e- sentlichen damit, dass es sich bei der von der Beschwerdeführerin 2 zu den Akten gereichten Identitätskarte mit Ausstellungsdatum vom 22. A u- gust 1997 um eine Totalfälschung handle. Nachdem die Beschwerdefüh- renden weder im Rah men des ihnen im erstinstanzlichen Verfahren hier- zu eingeräumten rechtlichen Gehörs noch auf Beschwerdeebene stic h- haltige Argumente vorgebracht haben, welche das eindeutige Ergebnis der Dokumentenanalyse in Frage zu stellen vermö gen, teilt das Gericht die diesbezügliche Einschätzung der Vorinstanz. Aus dem Umstand, dass ein gefälschtes Identitätspapier eingereicht wurde, kann jedoch nicht o h- ne Weiteres der Schluss gezogen werden, dass auch die in diesem D o- kument enthaltenen Angaben z ur Identität der Beschwerdeführerin nicht der Wahrheit entsprechen, zumal sich aus den Akten keine weiteren kon- kreten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sie gegenüber den schweizeri- schen Asylbehörden falsche Angaben zu ihrer Identität und Herkunft ge-E-113/2012 Seite 8 macht hätte. Vielmehr sind ihre diesbezüglichen Aussagen in beiden Be- fragungen widerspruchsfrei und stimmen mit den entsprechenden Ang a- ben des Beschwerdeführers 1 überein. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die von ihnen zu Protokoll gegebenen Angaben zu ihren Sprach- kenntnissen (Muttersprache: Rom, gute Kenntnisse der serbischen und mittlere beziehungsweise gute Kenntnisse der albanischen Sprache) im Einklang mit der behaupteten Herkunft aus Kosovo stehen. Im Weiteren lassen sich den Akten keine stichhaltigen Hinweise auf falsche Identitäts- angaben hinsichtlich des Beschwerdeführers 1 sowie der beiden Enke l- kinder entnehmen. Zwar hat das Bundesamt zu Recht festgestellt, dass die auf Beschwerdeebene eingereichten Identitätsdokumente des Be - schwerdeführers 1 (Geburtsschein im Original, Identitätskarte in Kopie) den Anforderungen von Art. 1a Bst. c AsylV1 nicht entsprechen und dem- nach nicht geeignet sind, seine Identität zu belegen. Daraus kann aber nicht per se auf eine Täuschung über die Identität geschlossen werden, zumal keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass es sich bei diesen D o- kumenten um Fälschungen handelt . Entgegen der Auffassung der Vori n- stanz vermag auch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht im Sinne von Art. 8 AsylG einen Nichteintretensentscheid gestüt zt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht zu rechtfertigen. Das Verhalten von Personen, die im Asylverfahren keine Identitätspapiere einreichen , wird in erster Linie mit dem Nichteintretens-Tatbestand von Art. 3 2 Abs. 2 Bst. a AsylG sankti o- niert. Die Bestimmung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG kommt demgegen- über nur dann zur Anwendung, wenn neben dem Fehlen identitätsbel e- gender Dokumente zusätzlich fest steht, dass die asylsuchende Person die schweizerischen Asylbehörden über ihre wahre Identität täuscht (vg l. EMARK 2003 Nr. 27 E. 4e S. 180). Diese Voraussetzung ist indessen vor- liegend nicht erfüllt. Eine andere Einschätzung vermag auch der U m- stand, dass im Verfahren des Sohnes der Beschwerdeführenden 1 und 2 sowie dessen Ehefrau die von diesen ebenfalls beha uptete Herkunft aus E._______ Kosovo beziehungsweise J._______ Montenegro als u n- glaubhaft erachtet wurde (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgericht (…) vom 16. September 2010), nicht zu rechtfertigen. In jenem Verfahren fäl l- te das BFM einen Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG und beurteilte demnach den Sachverhalt gemäss anderen Kriterien und einem anderen Beweismassstab, als denjenigen, die im vor- liegenden Verfahren zur Anwendung kommen. 5.2. Insgesamt ergibt sich aufgrund der Aktenlage zwar, dass die Identität der Beschwerdeführenden nicht erstellt ist und gewisse Zweifel an ihren diesbezüglichen Angaben angebracht sind. Hingegen ist es der Vorins - tanz nicht gelungen, einen den oben genannten Anforderungen genügen-E-113/2012 Seite 9 den Nachweis einer Täuschung über die Identität durch die Beschwerde- führenden zu erbringen. Demnach gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Voraussetzungen für einen Nichteintre tensent- scheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht erfüllt sind. 5.3. Obwohl das Gericht an die Begründung der vorinstanzlichen Verf ü- gung nicht gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG), kann dieser Mangel vo r- liegend nicht durch eine blosse Substitution der Motive geheilt werden. Einer allfälligen Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG steht der Um- stand entgegen, dass eine abschliessende Beurteilung der Frage , ob ein Eintreten auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden trotz unterlass e- ner Einreichung von Identitätspapieren gemäss den Kriterien von Art. 32 Abs. 3 Asy lG gerechtfertigt ist, aufgrund der derzeitigen Aktenlage nicht möglich ist. Der Nichteintretens -Tatbestand von Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG (grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht) kann ebenfalls nicht h e- rangezogen werden. Bezüglich der beiden Verfahrensp flichten von Asy l- suchenden, ihre Identität offenzulegen (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG) und an der Empfangsstelle die Identitätspapiere abzugeben (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. b AsylG) kommt den zwei Nichteintretens -Tatbeständen von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und b AsylG der Charakter einer spezialgesetzlichen Regelung zu, welche die Anwendung der allgemeinen Norm von Art. 32 Abs. 2 Bst. c AsylG ausschliesst (vgl. EMARK 2003 Nr. 27 E. 4g S. 181, mit weiteren Hinweisen). 6. Schliesslich werden die in der Eingabe vom 24. Februar 2012 gestellten Anträge um Einräumung einer Frist zur Einreichung von Identitätspapi e- ren sowie um Zustellung der im Beschwerdeverfahren zu den Akten g e- gebenen Geburtsurkunde des Beschwerdeführers 1 im Original abgewi e- sen. Eine allfällige Nachre ichung beweistauglicher Identitätsdokumente ist für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens ohne Relevanz, we s- halb die in Aussicht gestellte Beschaffung derselben nicht abzuwarten ist. Zudem ist die vom Beschwerdeführer 1 auf Beschwerdeebene vorgelegte Geburtsurkunde zuhanden des BFM einzuziehen (Art. 10 Abs. 2 AsylG). 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Unrecht einen Nichteintretensentscheid gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG erlassen und damit Bundesrecht verletzt hat (vgl. Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung des Bundesamtes vom 3. Januar 2012 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an E-113/2012 Seite 10 die Vorinstanz zurückzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufz u- erlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der von den Beschwerdeführenden geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.− ist zurückzuersta t- ten. 9. Sodann ist der obsiegenden Partei grundsätzlich eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zuzuspre- chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Gemäss Abklärungen des Gerichts fordert indessen der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden für seine Täti g- keit im vorliegenden Verfahren kein Honorar, weshalb ihnen keine Kosten in zu entschädigende m Umfang erwachsen sind. Demnach ist den B e- schwerdeführenden keine Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-113/2012 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen . Die Verfügung des BFM vom 3. J a- nuar 2012 wird aufgehoben. 2. Die Sache wird zur Neubeurteilung des Asylgesuchs an das BFM zurüc k- gewiesen. 3. Die vom Beschwerdeführer 1 auf Beschwerdeebene eingereichte G e- burtsurkunde wird zuhanden des BFM eingezogen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der von den Beschwerde- führenden geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.− wird durch das Bu n- desverwaltungsgericht zurückerstattet. 5. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 6. Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Nicholas Swain Versand: