<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>88</b></span> <span class="ft2"><b>Standortevaluations- und -koordinationsverfahren beim Bau von Mobil-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>funkantennen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Mobilfunkbetreiberinnen und -betreiber sind verpflichtet, eine umfassen-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>de Standortevaluation und -koordination vorzunehmen und den am Bes-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ten geeigneten Standort zu wählen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Regierungsrats i.S. Mobilfunkbetreiberin X gegen</span><br/> <span class="ft3">den Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt/Gemeinderats B.</span><br/> <span class="ft3">(RRB Nr. 2010-000957)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Bau-,Raumentwicklungs-u.Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">437</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.1</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 26 EG UWR ist der am besten geeignete Standort</span><br/> <span class="ft1">von Antennen, die den bundesrechtlichen Vorschriften über den</span><br/> <span class="ft1">Schutz vor nichtionisierender Strahlung unterstehen, gestützt auf eine</span><br/> <span class="ft1">Abwägung der Interessen der Betreiberinnen beziehungsweise der</span><br/> <span class="ft1">Betreiber und der Standortgemeinde sowie gegebenenfalls betrof-</span><br/> <span class="ft1">fener Nachbargemeinden zu wählen. Die Interessenabwägung be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigt insbesondere Aspekte des Landschafts- und des Orts-</span><br/> <span class="ft1">bildschutzes sowie der Siedlungsentwicklung. Das kantonale Recht</span><br/> <span class="ft1">verlangt damit auch innerhalb der Bauzone eine umfassende Stand-</span><br/> <span class="ft1">ortevaluation- und -koordination und schränkt damit die Wahl von</span><br/> <span class="ft1">möglichen und bewilligungsfähigen Antennenstandorten baurechtlich</span><br/> <span class="ft1">ein, da nur der "am besten geeignete Standort" gewählt werden darf.</span><br/> <span class="ft1">Diese kantonalrechtliche Einschränkung ist aus bundesrechtlicher</span><br/> <span class="ft1">Sicht nicht zu beanstanden. Den Kantonen steht es nämlich aus</span><br/> <span class="ft1">raumplanungsrechtlicher Sicht ohne weiteres zu, die Erteilung einer</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung über die bundesrechtlichen Raumplanungsvor-</span><br/> <span class="ft1">schriften hinaus von weiteren Voraussetzungen abhängig zu machen</span><br/> <span class="ft1">(Art. 22 Abs. 3 RPG), soweit diese Voraussetzungen oder Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men nicht umweltschützerisch motiviert sind (vgl. Benjamin Witt-</span><br/> <span class="ft1">wer,</span> <span class="ft1">Bewilligung von Mobilfunkanlagen, 2. Aufl., Zürich 2008, S. 97</span><br/> <span class="ft1">f.; BGE 133 II 64, Erw. 5.3). Der Grosse Rat machte mit § 26 EG</span><br/> <span class="ft1">UWR von diesen raumplanerischen Möglichkeiten Gebrauch. Die</span><br/> <span class="ft1">schon konzessionsrechtlich geforderten Koordinationsvorschriften</span><br/> <span class="ft1">gehen allerdings nicht soweit bzw. sie dürften nicht soweit gehen,</span><br/> <span class="ft1">dass die Erfüllung des Konzessionsauftrages der Mobilfunkbetrei-</span><br/> <span class="ft1">berinnen und -betreiber verhindert oder in Frage gestellt würde</span><br/> <span class="ft1">(Wittwer,</span> <span class="ft1">a.a.O., S. 92).</span><br/> <span class="ft1">Die Mobilfunkbetreiberinnen und -betreiber sind für die</span><br/> <span class="ft1">Evaluation und Koordination selber zuständig und verpflichtet den</span><br/> <span class="ft1">besten Standort zu wählen, wobei sie diesbezüglich gehalten sind,</span><br/> <span class="ft1">vor der Stellung eines konkreten Baugesuches mit den betroffenen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">438</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Gemeinden in Kontakt zu treten (Botschaft 07.17 des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft1">des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 17. Januar 2007,</span><br/> <span class="ft1">S. 29). Es ist offensichtlich, dass ohne Kontaktaufnahme mit den be-</span><br/> <span class="ft1">troffenen Gemeinden deren Interessen in die vorzunehmende Güter-</span><br/> <span class="ft1">abwägung überhaupt nicht einfliessen könnten, was offensichtlich</span><br/> <span class="ft1">ein Verstoss gegen Sinn und Zweck von § 26 EG UWR darstellen</span><br/> <span class="ft1">würde. Bei der vorzunehmenden Standortwahl müssen die Interessen</span><br/> <span class="ft1">und Bedürfnisse der Gemeinden im Bereich des Landschafts- und</span><br/> <span class="ft1">Ortsbildschutzes sowie der Siedlungsentwicklung auf jeden Fall,</span><br/> <span class="ft1">nicht aber im Bereich des bundesrechtlich abschliessend geregelten</span><br/> <span class="ft1">Gesundheits- bzw. Strahlenschutzes berücksichtigt werden. Im</span><br/> <span class="ft1">Standortevaluations- und -koordinationsverfahren ist deshalb unab-</span><br/> <span class="ft1">dingbar, dass sowohl die Mobilfunkbetreiberinnen und -betreiber als</span><br/> <span class="ft1">auch die Gemeinden ihre Interessen zum Ausdruck bringen. Die</span><br/> <span class="ft1">Überprüfung des gewählten, besten Standortes bedingt auch, dass die</span><br/> <span class="ft1">betroffenen Gemeinden Kenntnis davon haben, welche Gebiete mit</span><br/> <span class="ft1">der neu zu bauenden Mobilfunkantenne abgedeckt werden sollen</span><br/> <span class="ft1">bzw. welche Lücken oder Engpässe im Netz bestehen (vgl. dazu auch</span><br/> <span class="ft1">BGE 133 II 409, Erw. 4.2.). Eine Abdeckungskarte gehört damit in</span><br/> <span class="ft1">die vollständigen Baubewilligungsunterlagen.</span><br/> <span class="ft1">Ergibt die obligatorische Durchführung der Standortevaluation</span><br/> <span class="ft1">und -koordination, dass kein besserer als der von der Mobilfunkbe-</span><br/> <span class="ft1">treiberin bzw. des Mobilfunkbetreibers ins Auge gefasste Standort</span><br/> <span class="ft1">vorliegt, und ist dieser Standort raumplanungs-, bau- und umwelt-</span><br/> <span class="ft1">schutzrechtlich bewilligungsfähig, so ist das entsprechende Bauge-</span><br/> <span class="ft1">such gutzuheissen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>