B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 U r t e i l v o m 2 . A p r i l 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichter Sebastian Kempe, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiber Gero Vaagt. Parteien 1. A._______, geboren am (...), 2. B._______, geboren am (...), 3. C._______, geboren am (...), 4. D._______, geboren am (...), alle Türkei, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügungen des SEM vom 19. März 2025 / N (…) / N (…) / N (…). F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin 1 und ihre volljährige Tochter, die Beschwerdefüh- rerin 2, sowie ihre Schwester, die Beschwerdeführerin 3, und deren min- derjähriger Sohn, der Beschwerdeführer 4, ersuchten am 20. Februar 2025 in der Schweiz um Asyl (Akten der Vorinstanz zu r Beschwerdeführerin 1 [SEM-1-act.] 1/2, Akten der Vorinstanz zur Beschwerdeführerin 2 [SEM-2- act.] 1/2 und Akten der Vorinstanz zu den Beschwerdeführenden 3 und 4 [SEM-3-act.] 1/2). B. Die Dokumentenprüfung der Reisepässe ergab, dass die Tschechische Republik der Beschwerdeführerin 1 ein vom 12. Februar 2025 bis zum 28. März 2025, der Beschwerdeführerin 2 ei n vom 23. Januar 2025 bis zum 23. März 2025 und der Beschwerdeführerin 3 ein vom 1. Oktober 2024 bis zum 27. Februar 2025 sowie dem Beschwerdeführer 4 ein vom 3. Januar 2025 bis zum 27. Februar 2025 gültiges Visum der Kategorie D ausgestellt hatte. Die Prüfung ergab weiter, dass die Beschwerdeführerin 1 am 19. Februar 2025 und die Beschwerdeführenden 2 -4 am 11. Februar 2025 auf dem Luftweg über den Prager Flughafen in die Tschechische Re- publik ein gereist waren (SEM-1-act. 10/2, SEM-2-act. 9/2 und SEM-3- act. 11/3). C. Den Aufnahmegesuchen der Vorinstanz stimmten die tschechischen Be- hörden am 1 7. März 2025 jeweils gestützt auf Art. 12 Abs. 2 der Verord- nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö- rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter- nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin -III-VO) zu (SEM -1- act. 17/1, SEM-2-act. 18/1 und SEM-3-act. 19/1). D. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen de r persönlichen Dublin-Gespräche (SEM-1-act. 15/3, SEM -2-act. 13/4 und SEM -3- act. 17/4) trat die Vorinstanz mit drei separaten Verfügungen vom 19. März 2025 – jeweils eröffnet am 20. März 2025 – auf die Asylgesuche der Be- schwerdeführenden in Anwendung von Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) nicht ein, ordnete ihre Wegweisung in die Tschechische Re- publik an, forderte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 3 Beschwerdefrist zu verlassen, und wie s auf die einer allfälligen Be- schwerde fehlende aufschiebende Wirkung hin (SEM -1-act. 24/15, SEM- 2-act. 25/15 und SEM-3-act. 24/15). E. Mit Beschwerden vom 25. März 2025 gelangten die Beschwerdeführe- rin 1(erfasst unter der Geschäftsnummer F-2017/2025), die Beschwerde- führerin 2 (erfasst unter der Geschäftsnummer F-2021/2025) und die Be- schwerdeführenden 3-4 (erfasst unter der Geschäftsnummer F-2026/2025) gegen die Verfügungen vom 19. März 2025 an das Bundesverwaltungsge- richt. Sie beantragten, die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben; ihre Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und ihnen sei Asyl zu gewäh- ren. Darüber hinaus sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisungen unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, und ihre vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um even- tuelle Wiederherstellung (gemeint: Gewährung) der aufschiebenden Wir- kung. Zudem sei ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten und ein amt- licher Rechtsbeistand sei einzusetzen (Akten des Bundesverwaltungsge- richts F-2017/2025 [BVGer-1-act.] 1; F-2021/2025 [BVGer-2- act.] 1 und F- 2026/2025 [BVGer-3-act.] 1). F. Am 26. März 2025 ordnete der Instruktionsrichter in allen drei Verfahren jeweils einen superprovisorischen Vollzugsstopp gestützt auf Art. 56 VwVG an (BVGer-1-act. 2, BVGer-2-act. 2 und BVGer-3-act. 2). G. Mit Schreiben vom 27. März 2025 legte die Beschwerdeführerin 3 den sie betreffenden allgemeinen Bericht der Psychiatrischen Universitätsklinik E._______ vom ebenfalls 27. März 2025 ins Recht (BVGer-3-act. 4). Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Grundsätzlich bildet jeder vorinstanzliche Entscheid ein selbstständi- ges Anfechtungsobjekt. Ein gemeinsames Beschwerdeverfahren mit ei- nem einzigen Urteil ist indes zulässig, wenn die einzelnen Sachverhalte in einem engen inhaltlichen Zusammenhang stehen und sich ähnliche Rechtsfragen stellen ( vgl. Urteil des BVGer F -5976/2023, F -5979/2023 F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 4 vom 8. November 2023 E. 1.1; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Pro- zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 3.17). 1.2 Den drei angefochtenen Verfügungen liegen im Wesentlichen gleich- gelagerte Sachverhalte zugrunde und es stellen sich die gleichen Rechts- fragen. Zudem sind die Beschwerdeführenden miteinander verwandt. Die in engem sachlichen und persönlichen Zusammenhang stehenden Be- schwerdeverfahren sind daher zu vereinigen und es ist in einem Urteil über sie zu entscheiden. 2. 2.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) und die Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Be- schwerden – unter Vorbehalt nachfolgender Erwägung – einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Das Gericht entscheidet über diese endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mi t denen es die Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über- prüfen (Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be- schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2; je m.w.H.). Die Fragen der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung sowie die allfällige Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und/oder Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges unter Art. 83 Abs. 2-4 AIG und damit verknüpft die allfällige Anordnung einer vor- läufigen Aufnahme waren demgegenüber i n den vorinstanzlichen Verfah- ren nicht zu prüfen. Sie können folglich nicht zum Gegenstand de r Be- schwerdeverfahren gemacht werden, weshalb auf die entsprechenden An- träge der Beschwerdeführenden nicht einzutreten ist. 2.3 Die Beschwerden erweisen sich als offensichtlich unbegründet, wes- halb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung ei- nes zweiten Richters beziehungsweise e iner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit sum- marischer Begründung zu behandeln sind (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 3.1.1 Die Vorinstanz hat in den angefochtenen Verfügungen korrekt erwo- gen, dass gemäss den Bestimmungen der Dublin-III-VO grundsätzlich die F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 5 Tschechische Republik für die Behandlung der Asylgesuche der Beschwer- deführenden zuständig ist. Sie hat zutreffend festgestellt, dass das tsche- chische Asylsystem rechtsprechungsgemäss keine systemischen Mängel aufweist, aufgrund derer die Zuständigkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III- VO auf die Schweiz überginge, und dass vorliegend keine völkerrechtli- chen Vollzugshindernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichten würden. 3.1.2 Die Vorinstanz hat dabei zunächst den jeweils rechtsrelevanten me- dizinischen Sachverhalt – zu dem ihr betreffend die Beschwerdeführerin 1 ein ärztlicher Kurzbericht des Stadtärztlichen Dienstes der Stadt F._______ vom 13. März 2025 (SEM-1-act. 20/3), betreffend die Beschwerdeführe- rin 2 ein ambulanter Bericht des Instituts für Notfallmedizin des Stadtspitals G._______ vom 11. März 2025 (SEM-2-act. 17/2) und ein ärztlicher Kurz- bericht des Stadtärztlichen Dienst es der Stadt F._______ vom 13. März 2025 (SEM -2-act. 19/2) sowie betreffen d die Beschwerdeführerin 3 ein ärztlicher Kurzbericht des Stadtärztlichen Dienstes der Stadt F._______ vom 14. März 2025 (SEM-3-act. 20/2) vorlagen – ausreichend erstellt. So- dann hat sie die Diagnosen aus diesen ärztlichen Berichten (Hypothyreose und Verdacht auf Asthma betreffend die Beschwerdeführerin 1, Atembe- schwerden aufgrund einer Nasenseptumdevi ation betreffend die Be- schwerdeführerin 2, Verdacht auf eine p osttraumatische Belast ungsstö- rung betreffend die Beschwerdeführerin 3) und die Vorbringen der Be- schwerdeführenden aus de n persönlichen Dublin -Gesprächen vom 6. März 2025 (SEM-1-act. 15/3, SEM-2-act. 13/4 und SEM-3-act. 17/4) im Hinblick auf ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen (30-prozentige Be- hinderung, Probleme beim Gehen aufgrund zweier Bandscheibenvorfälle, Probleme mit dem Blut und psychische Probleme betreffend die Beschwer- deführerin 1 sowie psychische Probleme betreffend die Beschwerde füh- renden 2-4) berücksichtigt und rechtsprechungskonform gewürdigt. 3.1.3 Darüber hinaus hat die Vorinstanz in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 der Asylverord- nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) zukommenden Ermes- sens von einem freiwilligen Selbsteintritt der Schweiz abgesehen. 3.1.4 In diesem Zusammenhang hat sie hinsichtlich der von den Beschwer- deführenden im Rahmen der persönlichen Dublin -Gespräche am 6. März 2025 geltend gemachten Übergriffe und B edrohungslagen seitens des ehemaligen Arbeitgebers der Beschwerdeführerinnen 1 und 3 sowie ihrer in der Tschechischen Republik lebenden Verwandten (Brüder der F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 6 Beschwerdeführerinnen 1 und 3 respektive Onkel der Beschwerdeführe- rin 2 sowie des Beschwerdeführe rs 4) zutreffend festgehalten, dass die Tschechische Republik ein Rechtsstaat ist, der über einen funktionieren- den Polizei- und Justizapparat verfügt, deren Behörden grundsätzlich ge- willt und fähig sind, staatlichen Schutz zu gewähren (vgl. Urteil des BVGer F-81/2020, F-84/2020 vom 13. Februar 2020 E. 7.3.1). Aus dem bei der Beschwerdeführerin 3 gefundenen Protokoll der tschechischen Polizei vom 18. Februar 2025 (SEM-3-act. 16/14) lässt sich entnehmen, dass sie ihren ehemaligen Arbeitgeber dort wegen mehrfacher Bedrohung ihrer Per- son und der Beschwerdeführerin 1 angezeigt hat. Sollten sich die Be- schwerdeführenden in der Tschechischen Republik weiter bedroht oder un- ter Druck gesetzt fühlen, können sie sich (erneut) an die zuständigen Poli- zeibehörden wenden, die verpflichtet sind, sich ihrer mit ihren Vorbringen anzunehmen. Die Vorinstanz hat schliesslich auch zutreffend berücksich- tigt, dass de n Beschwerdeführenden in der Tschechischen Republik der Zugang zu einer allenfalls erforderlichen medizinischen Behandl ung ihrer geltend gemachten und diagnostizierten gesundheitlichen Beschwerden (vgl. hierzu E. 3.1.2) offensteht. 3.1.5 Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG ihre Wegweisungen in die Tschechische Republik angeordnet. Zur näheren Begründung wird auf die korrekten vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen. 3.2 3.2.1 Was die Beschwerdeführenden auf Rechtsmittelebene vor bringen, vermag daran nichts zu ändern . Die Beschwerdeführerin 1 bringt in ihrer Beschwerdebegründung vom 2 5. März 2025 (BVGer -1-act. 1) vor, in der Tschechischen Republik durch staatliche Stellen schikaniert worden zu sein. Darüber hinaus werde sie dort von ihrem ehemaligen Arbeitgeber und ihren Brüdern bedroht. Als sie sich diesbezüglich hilfesuchend an die Poli- zei gewandt habe, habe sie keinen Schutz erhalten. Vielmehr sei sie noch psychisch unter Druck gesetzt worden. Sie habe Angst, in der Tschech i- schen Republik entweder von ihrem ehemaligen Arbeitsgeber oder von ih- ren Brüdern getötet zu werden. Darüber hinaus gehe es ihr gesundheitlich nicht gut. Sie sei zu 30-Prozent behindert und habe psychische Probleme. Sie wolle sich in der Schweiz medizinisch beh andeln lassen und hierzu- lande leben. Die Beschwerdeführerin 2 wi ederholt in ihrer Beschwer- degründung vom 2 5. März 2025 (BVGer -2-act. 2) im Wesentlichen ihre Vorbringen aus dem persönlichen Dublin -Gespräch vom 6. März 2025 F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 7 (SEM-2-act. 13/4) bezüglich der geltend gemachten Bedrohung durch ihre Onkel und den ehemaligen Arbeitgeber der Beschwerdeführerinnen 1 und 3. In der Türkei habe sie zur Beilegung einer Blutfehde zwangsverhei- ratet werden sollen. Um der Zwangsheirat zu entgehen, sei sie aus der Türkei geflohen. Da ihre Onkel die Heirat befürworten würden, werde sie von diesen bedroht. Der ehemalige Arbeitgeber der Beschwerdeführerin- nen1 und 3 bedrohe sie und die übrigen Beschwerdeführenden, da sie von keinem männlichen Familienmitglied beschützt würden. Darüber hinaus bringt sie vor, von der tschechischen Polizei «psychisch und physisch ver- gewaltigt» worden zu sein, als sie sich schutzsuchend an sie gewandt habe. Aufgrund dieser Erfahrungen gehe es ihr gesundheitlich nicht gut und sie wolle in der Schweiz behandelt werden. Auch die Beschwerdefüh- rerin 3 wiederholt in ihrer Beschwerdebegründung vom 2 5. März 2025 (BVGer-3-act. 1) ihre Vorbringen aus dem persönlichen Dublin -Gespräch vom 6. März 2025 (SEM-3-act. 17/4). Ergänzend führt sie hinsichtlich der Bedrohungssituation durch ihren ehemaligen Arbeitgeber aus, dass die Po- lizei nicht gegen ihn vorgehe, da er Mitglied der Mafia sei. Sollte sie in die Tschechische Republik zurückkehren, werde er sie umbringen. Ihr ginge es psychisch nicht gut und sie befinde sie aktuell in der Psychiatrischen Universitätsklinik E._______ in stationärer Behandlung. Sie wolle weiterhin in der Schweiz behandelt werden und ihrem Sohn hierzulande eine gute Zukunft bieten. 3.2.2 Die Tschechische Republik ist Signatarstaat der EMRK, des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt ihren diesbezüglichen völker- rechtlichen Verpflichtungen vermutungsweise nach. Es darf davon ausge- gangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) erg eben. Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden; hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer F -651/2023 vom 17. Februar 2023 E. 8.2). F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 8 3.2.3 Die Beschwerdeführenden haben kein konkretes und ernsthaftes Ri- siko dargetan, wonach die tschechischen Behörden sich weigern würden, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhal- tung der Vorgaben der Verfahrens - und Auf nahmerichtlinie zu prüfen . Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden während ihres Aufenthalts in der Tschechischen Republik keinen Antrag auf interna- tionalen Schutz gestellt und sich dort nicht in Asylverfahren befunden ha- ben. Darüber hinaus sind ihre pauschalen Vorbringen in Bezug auf staatli- che Schikane und Gewalt weder belegt noch substantiiert und mithin nicht hinreichend glaubhaft gemacht. Insbesondere in Bezug auf die von der Be- schwerdeführerin 2 behauptete physische Misshandlung durch Polizeibe- amte ist festzuhalten, dass sie hierzu keine konkreten Angaben gemacht hat, welche das ihr zufolge Vorgefallene näher beschreiben, geschweige denn örtlich und zeitlich in Kontext setzen und somit plausibilisieren wür- den. Sie hat auch keinerlei Nachweise beigebracht, wie zum Beispiel Arzt- berichte, die die Folgen der angeblichen Misshandlungen dokumentieren könnten. Des Weiteren sind aus den Akten keine Anhaltspunkte ersichtlich, die darauf hindeuten würden, dass die tschechischen Sicherheits- und Jus- tizbehörden im Falle der Beschwerdeführenden bei einer konkreten Bedro- hungslage untätig bleiben würden. Im Übrigen genügt das subjektive Emp- finden eines Opfers, die behördliche Strafverfolgung werde nicht genug vo- rangetrieben, nicht, um von fehlendem Schutzwillen oder fehlender Schutzfähigkeit der Behörden auszugehen. 3.2.4 Die auf Beschwerdeebene wiederholend vorgebrachten und diag- nostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführen- den (vgl. oben E. 3.1.2) sind im Lichte der diesbezüglichen Rechtspre- chung (vgl. anstatt vieler: Urteil des BVGer F-3746/2023 vom 11. Juli 2023 E. 6.4 unter Verweis auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Men- schenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180-193; letzteres bestätigt durch Urteil des EGMR Savran gegen Dänemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, 57467/15, §§ 121 ff.) nicht als derart schwerwiegend anzusehen, dass aus humanitären Gründen oder gar wegen einer drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK von einer Überstellung in die Tschechische Republik abgese- hen werden müsste. Im Übrigen verfügt das Land über eine ausreichende medizinische Infrastruktur für ihre Behandlung (vgl. Urteil des BVGer F - 81/2020, F-84/2020 vom 13. Februar 2020 E. 7.5) und ist gemäss Art. 19 der Aufnahmerichtlinie verpflichtet, den Beschwerdeführenden die erfor- derliche medizinische Versorgung zugänglich zu machen. Es liegen keine Hinweise vor, wonach die Tschechische Republik den F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 9 Beschwerdeführenden eine adäquate medizinische Behandlung verwei- gern würde. Die persönliche Präferenz der Beschwerdeführenden für eine medizinische Behandlung in der Schweiz ist rechtlich unerheblich. Nichts anderes ergibt sich betreffend die Beschwerdeführerin 3 unter Berücksich- tigung des allgemeinen Berichts der Psychiatrischen Universitätsklinik E._______ vom 27. März 2025, nach dem sie unter einer posttraumati- schen Belastungsstörung (PTBS) leide und von einer Rückführung in die Tschechische Republik abzuraten sei, da diese mit einer akuten Gefähr- dung ihrer psychischen Gesundheit einherginge (BVGer -3-act. 4). Denn zum einen obliegt es nicht den behandelnden Ärzten, sondern dem Ge- richt, unter Berücksichtigung der konkreten medizinischen Diagnosen zu prüfen und festzustellen, ob eine medizinische Behandlung der Beschwer- deführerin 3 in der Schweiz zwingend erf orderlich ist oder ob für sie nicht auch – wie vorliegend der Fall – in der Tschechischen Republik eine adä- quate medizinische Versorgung rechtsgenügend gewährleistet ist. Zum an- deren wird der Beschwerdeführerin 3 in dem allgemeinen Bericht der Psy- chiatrischen Universitätsklinik E._______ vom 27. März 2025 keine krank- heitsbedingte Reiseunfähigkeit attestiert (BVGer-3-act. 4). 3.2.5 Zudem werden die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügungen beauftragt sind, die tschechischen Behör- den in geeigneter Weise über allfällige spezifische medizinische Bedürf- nisse und Umstände der Beschwerdeführenden informieren (Art. 31 f. Dublin-III-VO). In den Überstellungsmodalitäten ist bereits vermerkt, dass die Beschwerdeführerin 1 unter psychischen P roblemen sowie we iteren medizinischen Beschwerden wie beispielsweise Asthma (SEM-1-act. 23/1) und die Beschwerdeführerin 2 unter psychischen Problemen sowie Atem- beschwerden (SEM-2-act. 24/1) leidet. Hinsichtlich der Beschwerdeführe- rin 3 ist vermerkt, dass bei ihr der Verdacht auf eine posttraumatische Be- lastungsstörung (SEM-3-act. 23/1) besteht. In Bezug auf den Beschwerde- führer 4 wird in den Überstellungsmodalitäten darauf aufmerksam ge- macht, dass bei ihm Zahnschmerzen und eine psychische Belastung ak- tenkundig sind (SEM-3-act. 23/1). Schliesslich wird in den jeweiligen Über- stellungsmodalitäten noch darauf hingewiesen, dass die Überstellungen der Beschwerdeführenden möglichst koordiniert werden sollte n (SEM-1- act. 23/1, SEM-2-act. 24/1 und SEM-3-act. 23/1). 4. Nach dem Gesagten sind die angefochtenen Verfügungen vom 19. März 2025 nicht zu beanstanden und die Beschwerden sind abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist. F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 10 5. Mit vorliegendem Urteil werden die Anträge auf Gewährung der aufschie- benden Wirkung gegenstandslos und fallen die am 26. März 2025 ange- ordneten Vollzugsstopps dahin. 6. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sind abzu- weisen, da die Begehre n – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind und dies auch im Gesuchs- zeitpunkt waren. Bei diesem Ausgang de r Verfahren sind die Kosten den Beschwerdeführenden 1-3 aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 sowie Art. 6 Bst. b des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) F-2017/2025, F-2021/2025, F-2026/2025 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerdeverfahren F -2017/2025, F-2021/2025 und F -2026/2025 werden vereinigt. 2. Die Beschwerden werden abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird. 3. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege werden abgewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 1-3 auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu- gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführe nden, die Vorinstanz und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Sebastian Kempe Gero Vaagt