Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. Februar 2017 (720 16 206 / 34) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rückweisung an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dr. Patrick Somm, Advokat und Notar, Steinenvorstadt 73, Postfach, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1986 geborene A.____ hatte ab August 2002 im Rahmen einer beruflichen Mass- nahme der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) erfolgreich eine zweijährige Anlehre als Hauswirtschaftsmitarbeiterin absolviert. In der Fol ge arbeitete sie ab August 2004 mit einer Leistungsfähigkeit von 50 % in der Küche eines Alte rszentrums. Mit Verfügung vom 6. Dezember 2004 sprach ihr die damals zuständige I V-Stelle des Kantons Solothurn gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 60 % rückwirkend ab 1. August 2004 eine Dreiviertelsrente zu. Im April 2009 leitete die aufgrund eines Wohnsitzwechs els der Versicherten neu zuständige IV- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle Basel-Landschaft (nachfolgend: IV-Stelle) ein Rentenrevisionsverfahren ein. In dessen Rahmen holte sie bei Dr. med. B.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztli- cher Dienst (RAD) beider Basel, ein psychiatrisches Gutacht en über die Versicherte ein, das am 29. Januar 2010 erstattet wurde. Dieses ergab, dass bei der Versicherten weiterhin von ei- ner 50 %-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Gestü tzt auf dieses Ergebnis teilte die IV- Stelle A.____ am 10. Februar 2010 mit, dass sie weite rhin Anspruch auf die bisherige Dreivier- telsrente habe. Am 12. März 2014 leitete die IV-Stell e von Amtes wegen eine weitere Überprü- fung des laufenden Rentenanspruchs der Versicherten ei n. Gestützt auf ein bei Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eingeholtes psychiatrisches Gutachten vom 4. März 2015 gelangte die IV-Stelle zur Auffassung, dass sich der Gesundheitszustand der Ver- sicherten relevant verbessert habe mit der Folge, dass au s dem neu vorzunehmenden Ein- kommensvergleich noch ein IV-Grad von 29 % resultiere. Di e IV-Stelle hob deshalb nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 27. Mai 2016 die A.____ bisher aus- gerichtete Dreiviertelsrente auf das Ende des der Zustell ung der Verfügung folgenden Monats auf. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dr. Patrick Somm, am 24. Juni 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte sie, es sei ihr in Aufhebun g der angefochtenen Verfügung weiterhin eine Dreiviertelsrente auszurichten; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltliche Prozess- führung und die unentgeltliche Verbeiständung mit ihr em Rechtsvertreter zu bewilligen seien. Ihrer Beschwerde legte sie einen aktuellen Bericht ihre s behandelnden Psychiaters Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 21. Juni 2016 bei. C. Mit Verfügung vom 18. Juli 2016 bewilligte das Ka ntonsgericht der Beschwerdeführerin gestützt auf die eingereichten Unterlagen für das vorl iegende Beschwerdeverfahren die unent- geltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei ständung mit Advokat Dr. Patrick Somm als Rechtsvertreter. D. In ihrer Vernehmlassung vom 9. September 2016 beant ragte die IV-Stelle die Abwei- sung der Beschwerde. E. Da die IV-Stelle ihrer Vernehmlassung eine nachtr äglich beim Gutachter Dr. C.____ eingeholte Stellungnahme vom 27. August 2016 sowie zwe i Beurteilungen der RAD-Ärztin Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 5. Juli 2016 und 7. September 2016 beigelegt hatte, ordnete das Kantonsgericht die Durchführung eines zweiten Schriften- wechsels an. In der Folge hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Replik vom 28. Oktober 2016 vollumfänglich an den in der Beschwerde gestellten Rech tsbegehren fest. Die IV-Stelle bean- tragte in ihrer Duplik vom 30. November 2016 nach wie vo r die Abweisung der Beschwerde; gleichzeitig gab sie eine weitere Beurteilung der Rad -Ärztin Dr. E.____ vom 8. November 2016 zu den Akten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 24. Juni 2016 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti- gen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Dabei ist zu betonen, dass im Kontext der rentenmässig ab zugeltenden psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vo- raussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die der Versicherten seit 1. August 2004 aus- gerichtete Dreiviertelsrente zu Recht per Ende Juni 2016 aufgehoben hat. 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Bloss auf ei- ner anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhe bliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugr enzen. Eine ärztliche Schlussfol- gerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Ur teil J. des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhalts in Revisionsfällen im Sinne des Art. 17 ATSG ist überdies Folgendes zu bea chten: Da die Feststellung einer revi- sionsbegründenden Veränderung durch eine Gegenüberste llung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Bewe ises das Vorhandensein einer ent- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheidungserheblichen Differenz in den - den medizinische n Gutachten zu entnehmenden - Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstel lten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisth ema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts - bezieht. Einer für sich allein betrach tet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Ren- tenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 2 32 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effek- tive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden ha t. Vorbehalten bleiben Sachla- gen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Ur- teile J. des Schweizerischen Bundesgerichts vom 29. August 2 011, 9C_418/2010, E. 4.2, und A. vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 5.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E . 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 6. Dezember 2004 rückwirkend ab 1. August 2004 bei ei- nem Invaliditätsgrad von 60 % eine Dreiviertelsrente zu . Im April 2009 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein, in dessen Rahmen eine einlässliche materielle Prüfung des Ren- tenanspruchs mit einer vertieften Abklärung des medizini schen Sachverhalts erfolgte, holte die IV-Stelle doch damals ein psychiatrisches Gutachten bei Dr . B.____ ein. Gestützt auf dessen Ergebnisse eröffnete die IV-Stelle der Versicherten in der Mitteilung vom 10. Februar 2010, dass sie keine Änderung festgestellt habe, die sich auf di e Rente auswirke (Invaliditätsgrad: 60 %), weshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Dreiviertelsrente bestehe. Nachdem sie im März 2014 von Amtes wegen eine weitere Überprüfung de s Rentenanspruchs der Versicherten eingeleitet und die erforderlichen Abklärungen vorgen ommen hatte, hob die IV-Stelle die lau- fende Dreiviertelsrente der Versicherten mit Verfügung vom 27. Mai 2016 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Zeitli che Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2016 allen- falls eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten Rente rechtfertigt, bildet demnach die Situation, wie sie im Zeitpunkt der Mitteilung vom 10. Februar 2010 best and; denn laut Art. 74 ter lit. f der Verord- nung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bedarf es keiner Verfügung, wenn die Invalidenrente nach einer von Amtes wegen dur chgeführten Revision weiter ausge- richtet wird, sofern keine leistungsbeeinflussende Ände rung der Verhältnisse festgestellt wird, was hier der Fall war. Eine solche Mitteilung ist, we nn keine Verfügung verlangt worden ist (Art. 74 quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer recht skräftigen Verfügung gleich- zustellen (Urteil K. des Bundesgerichts vom 29. Januar 201 0, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hin- weis). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundh eitszustand und - damit einher- gehend - der Grad der Arbeitsfähigkeit der Versichert en tatsächlich, wie von der IV-Stelle gel- tend gemacht, seit Februar 2010 in einer anspruchserheblichen Weise verbessert haben. 6.1.1 Beim Erlass ihrer Mitteilung vom 10. Februar 201 0 mit welcher sie den Anspruch der Versicherten auf die bisherige Dreiviertelsrente bestätig te, stützte sich die IV-Stelle bei der Be- urteilung des medizinischen Sachverhalts auf das von ihr ei ngeholte psychiatrische Gutachten des RAD-Arztes Dr. B.____ vom 29. Januar 2010. Darin er hob dieser als Diagnose mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline- Typ (ICD-10 F60.31) und als Diagnosen ohne Auswirkung au f die Arbeitsfähigkeit eine Teilleis- tungsschwäche im Rechnen (ICD-10 F81.2), ein Tabak-Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.24) und einen mindestens schädlichen Gebrauch von Cannabino iden (ICD-10 F12.1). In seiner Be- urteilung wies Dr. B.____ darauf hin, dass es für die D iagnose einer Persönlichkeitsstörung er- forderlich sei, dass verschiedene Bereiche der Persönlichkeit sowie auch des zwischenmensch- lichen Erlebens beeinträchtigt seien, wie bei der Versicherten u.a. im Ausspruch “ich habe keine Probleme mit anderen Leuten, die aber mit mir“, deu tlich werde. Menschen, die an einer Per- sönlichkeitsstörung leiden würden, würden in ihrer Entwicklung in der Regel ausgeprägte unan- genehme Erfahrungen machen, die einen Einfluss auf d ie weitere Entwicklung der betroffenen Person hätten. Diese seien bei der Versicherten in Form eines “Kulturschocks“ bei der Rück- kehr in die Schweiz und der Ermordung der Mutter mit xx Messerstichen ausgewiesen. Persön- lichkeitsstörungen würden sodann in der Regel während d er Kindheit/Adoleszenz in Erschei- nung treten und im Erwachsenenalter weiter besehen, w as auch bei der Explorandin der Fall sei. Deutlich auffällig seien bei Betroffenen Erfahrun gs-und Verhaltensmuster, die insgesamt von kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben abweichen würden. Die Störung betreffe die Wahrnehmung von Sachverhalten, Menschen und Ereignissen, die Affekt- und Impulskontrolle sowie zwischenmenschliche Beziehungen. Dies treffe auch auf die Versicherte zu, fühle sie sich doch rasch überfordert und „peinlich“ und sie füge sich auch Selbstverletzungen mit Schneiden und Brennen zu. Die Reaktionsweisen der Betroffenen sei en in der Regel unflexibel und unan- gepasst resp. unzweckmässig. So sei es bei der Versicherten be ispielsweise in der beruflichen Entwicklung zu einer Kündigung des Arbeitsplatzes wegen K onflikten u.a. mit Vorgesetzten ge- kommen. Bei der Explorandin bestehe ferner ein anhalte nder persönlicher Leidensdruck, sie möchte gerne “dazu gehören“, schaffe es aber nicht. Sie b emerke, dass “etwas nicht stimmt“, und sondere sich mehr und mehr vom sozialen Leben ab. Sie habe sich denn auch verstärkt Hobbies zugewandt, die sie nahezu vollkommen alleine au sführen könne (Töfffahren, Aqua- rien). All dies zeige, dass die Versicherte vollumfängl ich die Basiskriterien für eine Persönlich- keitsstörung (F6) gemäss ICD-10 erfülle, zudem weise ihr Verhalten mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit auf eine spezifische Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Borderline- Typus (ICD-10 F60.30) hin. Aus gutachterlicher psychiatrisch -psychotherapeutischer Sicht sei die Ausprägung der Persönlichkeitsstörung bei der Versi cherten leicht bis maximal mittel- schwer: So sei es der Explorandin dennoch möglich, ein we itgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie pflege Hobbies (Töfffahren, Aquarien) und habe noch vorhandenen sozialen Kontakt, der jedoch vergleichsweise eingeschränkt sei. Übe r diese Persönlichkeitsstörung hin- aus bestünden bei der Versicherten zum gegenwärtigen Ze itpunkt keine relevanten psychiatri- schen Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit , insbesondere hätten bei der Versi- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten aktuell keine Hinweise für eine depressive Stör ung (ICD-10 F3) resp. für eine Störung aus dem psychotischen Formenkreis (ICD-10 F2) bestanden. 6.1.2 Zusammenfassend sei festzustellen, dass bei der Versi cherten im Bereich der berufli- chen, sozialen und familiären Entwicklung Störungen in e rheblichem Ausmass vorhanden sei- en, die sich auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirken würden . Zum gegenwärtigen Zeitpunkt - und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit überdauernd - bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (von 100 %). Es sei jedoch vorstellbar, dass die Versicherte an einem für sie geeigneten Arbeits- platz, der sie einerseits bis zu einem gewissen Grad struktur iere, andererseits aber auch in ei- nem für sie geeigneten Mass fordere, eine höhere Arbeitsfähigkeit erbringen könne. Ein solcher Arbeitsplatz sollte insbesondere möglichst wenig zwischenmen schliche Kontakte aufweisen (wenig Kundenkontakt und wenig Kontakt zu Kollegen). Es bestünden eine reduzierte Ausdauer und ein erhöhter Betreuungsaufwand durch die Vorgeset zten und Arbeitskollegen. Zudem kön- ne es zu einer raschen Überforderung der Versicherten b ei neuen und ungeplanten Aufgaben kommen. Für Verweistätigkeiten besteh ebenfalls eine 50 %-ige Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit, da die genannten Probleme auch in einer Verweistätigkeit bestehen würden. 6.2.1 Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahrens gab die IV-Stelle bei Dr. C.____ eine psychiatrische Begutachtung der Versicherten in Auftrag. In seiner Expertise, welche er am 4. März 2015 erstattete, gelangte der genannte Facharzt zum Ergebnis, dass bei der Versicher- ten keine psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Als Leiden ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte Dr. C.____ „akzentuierte emotional-instabile Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)“. Diese Diagnosestellung begründete er dahingehend, dass aktuell nicht von einer durchgehenden, alle Lebensbereich e betreffenden Symptomatik auszu- gehen sei, weswegen er in Bezug auf die emotional-inst abilen Züge der Explorandin die Diag- nose von akzentuierten emotional-instabilen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1) gestellt habe. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit der Versicherten hielt der Gutachter fest, dass aus rein psychiat- rischer Sicht keine wesentliche Einschränkung der Arbeits fähigkeit bestehe. Die Explorandin befinde sich seit Jahren nicht in psychiatrischer oder psycholo gischer Behandlung, habe den Cannabiskonsum zunächst reduziert, dann ganz sistiert und ko nsumiere, wie der aktuellen Urinuntersuchung zu entnehmen sei, keinen Cannabis mehr. Sie habe einen geregelten Tages- ablauf, treffe sich regelmässig mit Kolleginnen, gehe eine bis zwei Stunden am Morgen und regelmässig am Nachmittag mit dem Hund spazieren, habe Hobbys. Auch helfe sie zweimal pro Woche bis einmal pro Monat einer Kollegin bei Hausren ovierungen. Bei diesem Funktionsni- veau könne nicht von einer wesentlichen Einschränkung de r Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Auch die Explorandin selbst halte sich für arbe itsfähig. In Tätigkeiten, die höhere An- forderungen an Konzentration und Merkfähigkeit stellt en, bestehe eine Einschränkung der Ar- beitsfähigkeit von ca. 50 % aufgrund der deutlichen Ko nzentrations- und Merkfähigkeitsstörun- gen. In einer Tätigkeit, die keine Ansprüche an die Ko nzentration und Merkfähigkeit stelle, wie dies bei einer Hilfstätigkeit im handwerklichen oder gä rtnerischen Bereich der Fall wäre, beste- he keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. 6.2.2 Unter dem Titel “Stellungnahme zu evtl. differe nten Voreinschätzungen“ ging Dr. C.____ auf die „bezüglich der diagnostischen Einschä tzung differenten Angaben“ von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. B.____ vom 29. Januar 2010 ein. Dieser habe die Diagnose einer emotional instabilen Per- sönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.31) erhoben. Im Gegensatz zu Dr. B.____ habe er das Vorliegen dieser Diagnose jedoch nicht anha nd der Kriterien des ICD-10, sondern anhand derjenigen des DSM-5 geprüft, da dessen Kriterien im Vergleich zum ICD-10 klarer sei- en. Dabei sei er, so das Fazit von Dr. C.____, zum Erg ebnis gelangt, dass die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderli ne-Typ aktuell nicht gestellt werden könne. Die Explorandin habe keine Hinweise auf ein verzw eifeltes Bemühen, ein Verlassen- werden zu vermeiden, gezeigt. Sie habe angegeben, ei ne gute Beziehung gehabt und darin keine „Aufs und Abs“ erlebt zu haben. Ein Muster instabi ler und intensiver zwischenmenschli- cher Beziehungen habe aufgrund der Angaben der Explora ndin nicht bestätigt werden können. Entsprechendes sei denn auch in den Akten ausser im Be richt von Dr. B.____ nicht ersichtlich. Laut den Angaben in dessen Bericht habe die Explorandi n damals auf Nachfrage erklärt, „dass sie auch schon wiederholte selbstschädigende Handlungen ( vor allem Schneiden mit einer Klinge und Brennen mit einer Zigarette) vorgenommen habe.“ Er habe die Explorandin deshalb nochmals ausdrücklich auf allfällige selbstschädigende Han dlungen angesprochen, sie habe solche jedoch verneint. Bei dieser Angabe sei sie auch n ach Konfrontation mit den Schilderun- gen im Bericht von Dr. B.____ geblieben. Die jetzige D arstellung der Explorandin stehe somit im Widerspruch zu derjenigen im Bericht von Dr. B.___ _. Ob tatsächlich selbstschädigende Handlungen vorgenommen worden seien, könne aktuell nich t beurteilt werden. Die Angaben der Explorandin, keine selbstschädigenden Handlungen vo rgenommen und keine instabilen Beziehungen gehabt zu haben, würden gegen die Diagno se der emotional-instabilen Persön- lichkeitsstörung vom Borderline-Typ sprechen. Zudem habe die Explorandin erklärt, dass eine wiederholte Suizidalität seit rund zwei Jahren nicht me hr aufgetreten sei. Ausserdem habe sie ein chronisches Gefühl der Leere verneint; ebenso verspür e sie heute weder eine heftige Wut noch habe sie Schwierigkeiten, die Wut zu kontrolliere n. Unter Berücksichtigung der Kriterien hach DSM-5 seien deshalb die Voraussetzungen für die Diagnose einer Borderline- Persönlichkeitsstörung nicht gegeben. Finden würden sich wohl emotional-instabile Züge mit einer sehr vorsichtigen, zurückhaltenden Beziehungsgestalt ung, so dass er deswegen die Di- agnose der akzentuierten, emotional-instabilen Persön lichkeitszüge (ICD-10 Z 73.1) gestellt habe. Bezüglich der rein psychiatrisch bedingten Einschränk ung der Arbeitsfähigkeit könne da- von ausgegangen werden, dass sich die Arbeitsfähigkeit seit dem Bericht von Dr. B.____ ver- bessert habe. Rasche Einbrüche der Stimmung habe er wä hrend der Untersuchung nicht be- obachten können. Die Explorandin habe stabiler gewirkt und sei im Gespräch schwingungsfähig gewesen. Die Stimmung sei auch bei belastenden Themen nicht eingebrochen. Bei dem von der Explorandin geschilderten Funktionsniveau könne aktu ell nicht mehr von einer Einschrän- kung der Arbeitsfähigkeit in einer Hilfstätigkeit ohne hohe Anforderungen an Konzentration und Merkfähigkeit ausgegangen werden. 6.3.1 Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung de s aktuellen medizinischen Sachverhalts und beim - damit einhergehenden - Entscheid über die Frage, ob seit der letzten materiellen Rentenüberprüfung eine wesentliche Verbesserung des Gesu ndheitszustandes der Beschwer- deführerin eingetreten ist, auf das psychiatrische Gutachte n von Dr. C.____ vom 4. März 2015. Sie gelangte demzufolge zum Ergebnis, dass es bei der Ve rsicherten im massgebenden Zeit- raum zu einer wesentlichen gesundheitlichen Verbesserun g gekommen sei. Während der Ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sicherten im Gutachten vom 29. Januar 2010 aufgrund ih rer psychischen Gesundheitsbeein- trächtigungen eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei, könne aktuell in einer Hilfs- tätigkeit ohne hohe Anforderungen an Konzentration u nd Merkfähigkeit nicht mehr von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Dieser vorinstanzlichen Beweiswür- digung kann nun allerdings nicht gefolgt werden. Ent gegen der Sichtweise der IV-Stelle kann vorliegend dem Gutachten von Dr. C.____ vom 4. März 2015 keine ausschlaggebende Beweis- kraft beigemessen werden. Im Zentrum der aktuellen medizinischen Beurteilung von Dr. C.____ steht die Frage, ob bei der Versicherten aktuell die D iagnose einer Persönlichkeitsstörung er- hoben werden kann. Wie oben aufgezeigt, wird dies von Dr. C.____ verneint, wobei er das Vor- liegen der Diagnose anhand der Kriterien des DSM-5 ge prüft und verworfen hat. Diese Beurtei- lung des aktuellen Gesundheitszustandes der Explorandin vermag jedoch nicht zu überzeugen. Dr. C.____ stützt seine Diagnosestellung im Ergebnis weitestgehend auf die von der Versicher- ten anlässlich der Begutachtung gemachten Angaben. So ist für ihn ausschlaggebend, dass die Versicherte ihm gegenüber erklärt habe, keine selbstschädig enden Handlungen vorgenommen und keine instabilen Beziehungen gehabt zu haben. Hinte r diese Aussagen der Explorandin ist aber ein Fragezeichen zu setzen. So weist der Rechtsvertr eter der Versicherten in seiner Be- schwerde darauf hin, dass diese im Zeitpunkt der Begutach tung anfangs 2015 vorübergehend tatsächlich keine Rente mehr gewollt habe, weshalb sie ihre (gesundheitliche) Situation dem Gutachter gegenüber teilweise beschönigend dargestellt habe. Diese Schilderung deckt sich weitgehend mit der Einschätzung des behandelnden Psychiat ers Dr. D.____ in dessen Bericht vom 27. November 2015. Dieser weist darauf hin, dass die differenten Angaben der Versicher- ten in der Tat zu verschiedenen Schlüssen führen könnten. Zu beachten sei jedoch, dass die jeweiligen unterschiedlichen Aussagen aber auch Ausdruck der instabilen Selbstwahrnehmung der Patientin respektive des Bildes, wie sie sich gerne sehen würde, und somit eben auch Aus- druck ihrer Krankheit seien. Bei derartigen Persönlichkei tsstörungen seien, so Dr. D.____ wei- ter, fremdanamnestische Angaben unverzichtbar, könnten m it diesen doch am ehesten Un- stimmigkeiten aufgezeigt werden. Dieser Einwand des beh andelnden Psychiaters verdient Zu- stimmung. Der Beweiswert des Gutachtens von Dr. C.____ wi rd in der Tat denn auch erheblich durch den Umstand geschmälert, dass der Experte ausschliesslich auf die Angaben der Explo- randin abgestellt und von solchen fremdanamnestischen Erh ebungen - beispielsweise bei der Familie F.____, welche die Versicherte laut Angabe vo n Dr. D.____ seit ca. 10 Jahren betreut, bzw. bei allfälligen anderen Bezugspersonen oder etwa b eim Hausarzt - gänzlich abgesehen hat, obwohl solche gerade in Anbetracht des Beschwerdebildes und der zur Diskussion stehen- den Diagnosestellung durchaus angezeigt gewesen wären. 6.3.2 Für das Ergebnis, dass dem Gutachten von Dr. C.___ _ kein ausschlaggebender Be- weiswert beigemessen werden kann, spricht sodann ein weiterer Grund: Wie oben festgehalten (vgl. E. 5.3 hiervor), hat der medizinische Experte im R ahmen eines Revisionsverfahrens vor allem aufzuzeigen, ob und inwieweit seit der ursprüng lichen Rentenzusprache bzw. der letzten materiellen Rentenüberprüfung Veränderungen des medi zinischen Sachverhalts eingetreten sind. In Bezug auf diese revisionsrechtliche Fragestellung erweist sich das Gutachten als un- vollständig. So äussert sich Dr. C.____ erstaunlicherweise im Abschnitt “Stellungnahme zu evtl. differenten Voreinschätzungen“ zu den Ergebnissen des Vorgutachtens von Dr. B.____. Diese - wohl nicht zuletzt auch auf eine entsprechend unvollstä ndige Fragestellung durch die IV-Stelle Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht zurückzuführende - Gliederung seiner Ausführungen erweckt den Eindruck, der Gutachter sei davon ausgegangen, dass vorliegend ein Gesuch um erstma lige Rentenzusprache zur Beurtei- lung stehe. Dies trifft hier aber offensichtlich nicht zu . Bei der Einschätzung von Dr. B.____ handelt es sich eindeutig nicht um eine „differente (V or-) Einschätzung“ des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten, son dern um eine schlüssige und überzeu- gende Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Zeit punkt der letzten materiellen Ren- tenüberprüfung (Februar 2010), welcher die IV-Stelle damals - zu Recht - volle Beweiskraft bei- gemessen hat. Wesentliche Aufgabe von Dr. C.____ wär e es nun aber gewesen, anhand einer Gegenüberstellung dieser früheren und der aktuellen S ituation schlüssig aufzuzeigen, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stat tgefunden hat. Da das Gutachten auf diese entscheidrelevante Thematik nur unzureichend eingeht, könnte es sich bei der aktuel- len Beurteilung von Dr. C.____ auch bloss um eine abwe ichende, auf einer anderen Wertung beruhende medizinische Einschätzung von im Wesentlichen un veränderten tatsächlichen Ver- hältnissen handeln. Damit liesse sich aber, wie oben aufg ezeigt (vgl. E. 5.2 hiervor), keine ma- terielle Revision einer laufenden Rente begründen. 7. Nach dem Gesagten lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen keine ab- schliessende Beurteilung des aktuellen medizinischen Sachve rhalts und somit auch keinen Entscheid über die Frage zu, ob seit der letzten mate riellen Rentenüberprüfung eine wesentli- che Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdefüh rerin eingetreten ist. Die an- gefochtene Verfügung vom 27. Mai 2016 ist deshalb aufz uheben und die Angelegenheit ist zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Dies e hat den aktuellen medizinischen Sachverhalt - unter besonderer Beachtung der revisionsrechtlichen Fragestellungen - nochmals durch ein psychiatrisches Gutachten abklären zu lassen. Gestüt zt auf die Ergebnisse der Ak- tenergänzung wird die IV-Stelle anschliessend über das Vorliegen eines Revisionsgrundes und damit zusammenhängend über den Rentenanspruch der Versi cherten neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 8. Abschliessend ist über die Kosten des Beschwerdeverfahren s zu entscheiden. 8.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanto nsgericht eine bei ihm angefoch- tene Verfügung auf und weist es die Angelegenheit z um weiteren Vorgehen im Sinne der Er- wägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück, so gilt in prozessua- ler Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständ ig) obsiegende und die IV-Stelle als unterliegende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 und 2.2, BGE 132 V 235 E. 6.2, je mit Hinweisen). 8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei- gerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verf ahrenskosten auferlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 8.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsieg ende Partei ist, ist ihr eine Partei- entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r Rechtsvertreter der Beschwerdefüh- rerin hat in seiner Honorarnote vom 4. Januar 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeit- aufwand von 11,47 Stunden ausgewiesen, was sich in Anbe tracht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Bem ühungen sind zu dem in Sozialversi- cherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu be anstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 68.80. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘171.20 (11, 47 Stunden à Fr. 250.- + Auslagen von Fr. 68.80 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 9.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschw erde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BG G). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 9.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den i n Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 9.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil K. des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2-4; vgl. auch Urteil K. des Bundesge- richts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 27. Mai 20 16 aufgeho- ben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwä- gungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die I V-Stelle Basel- Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘171.20 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht