B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1794/2013 U r t e i l v o m 1 0 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Einzelrichter Robert Galliker, mit Zustimmung von Richter Hans Schürch; Gerichtsschreiberin Sandra Sturzenegger. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), Algerien, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 20. März 2013 / (…). D-1794/2013 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführenden am 18. Februar 2013 in der Schweiz um Asyl nachsuchten, dass das BFM mit Verfügung vom 20. März 2013 – eröffnet am 26. März 2013 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Ungarn anordnete und die Beschwer- deführenden aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushänd i- gung der editionspflichtige n Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Be - schwerdeführenden verfügte, dass die Beschwerdeführe nden mit Eingabe vom 3. April 2013 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben und dabei in materieller Hinsicht beantragten, die angefochtene Verf ü- gung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihr Recht zum Selbsteintritt gemäss Art. 3 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Ver fahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags z u- ständig ist (Dublin-II-Verordnung), auszuüben und sich für das vorliege n- de Asylverfahren für zuständig zu erklären, dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten, es sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Ungarn abzusehen, bis das Gericht über die Beschwerde bezi e- hungsweise über die Gewährung der aufschiebenden Wirkung entschi e- den habe, dass sie zudem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin- ne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchten, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 5. April 2013 die kantonalen Vollzugsbehörden anwies, den Wegweisungsvollzug per s o-D-1794/2013 Seite 3 fort auszusetzen, bis nach Eingang der vori nstanzlichen Akten über die allfällige Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nach Art. 107a AsylG befunden werde, dass die vorinstanzlichen Akten am 8. April 2013 beim Bundesverwa l- tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei- det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person S chutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufg e- zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrifte n- wechsel verzichtet wurde, dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen kön nen, der für die Durchführung D-1794/2013 Seite 4 des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertr aglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass diesbezüglich das Dublin-Assoziierungsabkommen vom 26. Oktober 2004 (DAA, SR 0.142.392.68) zur Anwendung gelangt und das BFM die Zuständigkeitsfrage gestützt auf die Dublin-II-Verordnung prüfte, dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin-II-Verordnung jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird, dass derjenige Mitgliedstaat zuständig ist, welcher einem Familie nange- hörigen das Recht auf Aufenthalt in seiner Eigenschaft als Flüchtling g e- währt hat, welcher dem Asylbewerber einen gültigen Aufenthaltstitel oder ein gültiges Visum ausgestellt hat, dessen Land -, See - oder Luftgrenze der Asylbewerber aus einem Drittsta at kommend legal oder illegal über- schritten hat, oder in welchem der erste Asylantrag gestellt wurde ( Art. 5 i.V.m. Art. 6 bis 13 Dublin-II-Verordnung), dass sodann jedem Mitgliedstaat, in Abweichung von den vorgenannten Zuständigkeitskriterien, die Möglic hkeit zur Prüfung eines Asylgesuches eingeräumt wird (vgl. zur Souveränitätsklausel Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Ver- ordnung und zur humanitären Klausel Art. 15 Dublin-II-Verordnung; vgl. auch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Ver- fahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]), dass ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit der "EURODAC"-Datenbank ergab, dass diese am (…) in Ungarn und am (…) in Österreich ein Asylgesuch eingereicht hatten, dass das BFM die ungarischen Behörden am 1. März 2013 um Übernah- me der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II- Verordnung ersuchte, dass die ungarischen Behörden dem Gesuch um Übernahme am 12. März 2013 gestützt auf dieselbe Bestimmung zustimmten, dass die Zuständigkeit Ungarns somit grundsätzlich gegeben ist, dass der Umstand, dass die Beschwerdeführenden – gemäss ihren Aus- sagen – von Anfang an in die Schweiz wollten und in Ungarn gezwung e- nermassen ein Asylgesuch einreichten, nichts an der grundsätzlichen Z u-D-1794/2013 Seite 5 ständigkeit Ungarns ändert, zumal die Beschwerdeführenden den zustän- digen Mitgliedstaat, in welchem sie das Asylverfahren durchlaufen möc h- ten, nicht selber wählen können, dass sich die Beschwerdeführ enden bereits im vorinstanzlichen Verfa h- ren gegen eine Rückkehr nach Ungarn aussprachen und in dieser Hi n- sicht zur Hauptsache geltend machten, sie seien dort – zusammen mit al- gerischen Terroristen – inhaftiert gewesen, die algerischen Terroristen könnten dem Beschwerdeführer etwas antun, da er in Algerien bei der Terrorbekämpfung tätig gewesen sei sowie dem Beschwerdeführer gehe es gesundheitlich schlecht und die Beschwerdeführerin sei schwanger, dass sie im Beschwerdeverfahren ergänzend vorbringen, sie wü rden bei einer Wegweisung nach Ungarn sicherlich erneut inhaftiert, dass eine Verhaftung schlimmste Auswirkungen für die Beschwerdeführe- rin und das ungeborene Kind haben könnte, dass die Beschwerdeführenden im Übrigen auf Berichte des UNHCR ver- wiesen, wel che auf Probleme von Asylsuchenden in Ungarn hinweisen würden, dass sie in diesem Zusammenhang vorbrachten, das BFM habe sich nicht eingehend mit der Situation auseinandergesetzt, welche sie in U n- garn antreffen würden, dass vorab festzuhalten ist, dass die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung – entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffa s- sung – nicht so zu verstehen sind, dass die Vorinstanz die (kritisierte) S i- tuation von Asylsuchenden in Ungarn verkennen würde, sondern vielmehr so, dass einer Überstellung der Beschwerdeführenden nichts entgege n- stehe, dass die Beschwerdeführenden sodann aus den allgemeinen Ausführu n- gen in der Beschwerde zu den Problemen von Asylsuchenden in Ungarn nichts zu ihren Gunsten ableiten können (vgl. Urteile des Bundesverwal- tungsgerichts D -50/2013 vom 10. Januar 2013 und D -2622/2012 vom 18. Dezember 2012, E. 6.4 f.), dass Ungarn Signatarstaat der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtli n-D-1794/2013 Seite 6 ge (FK, SR 0.142.30) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, und keine konkreten Hinwei- se dafür bestehen, dass sich Ungarn im vorliegenden Fall nicht an die da- raus resu ltierenden Verpflichtungen halten und das Asyl - und Wegwe i- sungsverfahren nicht völkerrechtskonform durchführen werde, dass unter dem Dublin -System sodann die Vermutung besteht , dass alle Mitgliedstaaten beziehungsweise staatsvertraglich assoziierten Staaten die Rechte der EMRK garantieren und die Zuständigkeitsordnung selbst ein EMRK-konformes Ergebnis liefert, dass es zwar zutrifft, dass Asylsuchende in Ungarn vermehrt in Admi ni- strativhaft genommen werden und diese Praxis teilweise kritisiert wird, dass jedoch seitens der Beschwerdeführenden nicht dargelegt wird, wi e- so gerade sie bei einer Rückkehr nach Ungarn (wieder) Opfer einer so l- chen Administrativhaft werden sollten und i nwiefern gerade in ihrem Fall eine Überschreitung der Grenze der Rechtmässigkeit zu befürchten sei, weshalb der pauschale Einwand, sie hätten bei einer Rückkehr nach U n- garn sicherlich mit einer Inhaftierung zu rechnen, kein Vollzugshindernis darzustellen vermag, dass bezüglich der Angst der Beschwerdeführerin, die algerischen Terr o- risten könnten dem Beschwerdeführer etwas antun, darauf hinzuweisen ist, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung zur Person a n- gab, er sei von diesen nicht erkannt worden (Akten BFM A 6/13 S. 9), dass sich die Beschwerdeführenden zudem im Falle von Unrechtmässi g- keiten, Bedrohung oder Übergriffen durch Dritte an die ungarischen Ju s- tizbehörden wenden und diese um Schutz ersuchen können, dass auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin im (…) Monat schwanger ist, nicht gegen eine Rückkehr nach Ungarn spricht, zumal die mit der Überstellung befassten Behörden diesem Umstand angemessen Rechnung zu tragen haben, und aus den Akten keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich sind, wonach sich Ungarn nicht an das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) halte, dass schliesslich das Vorbringen, wonach es dem Beschwerdeführer g e- sundheitlich schlecht gehe, unsubstanziiert und unbelegt geblieben ist, D-1794/2013 Seite 7 dass unter diesen Umständen keinerlei Hindernisse, insbesondere auch keine humanitären Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vorlie- gen, die eine Überstellung der Beschwerdeführenden nach Ungarn als unzulässig erscheinen lassen, dass es demnach keinen Grund für die Anwendung der Souveränitäts- klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin-II-Verordnung) gibt, dass Ungarn somit für die Prüfung de r Asylgesuche der Beschwerdefüh- renden gemäss der Dublin-II-Verordnung zuständig und entsprechend verpflichtet ist, sie gemäss Art. 20 Dublin-II-Verordnung wieder aufzuneh- men, dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu Recht auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist und, da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Au f- enthalts- oder Niederlassungsbewilligung sind, ebenfalls zu Recht in An- wendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Ungarn ange- ordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1), dass unter diesen Umständen all fällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu prü- fen sind, da das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45, E. 10 S. 645), dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist, und die Verfü- gung des BFM zu bestätigen ist, dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, weshalb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wi r- kung sowie auf Kostenvorschusserlass als gegenstandslos erweisen, dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind, dass bei diesem Ausgan g des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und D-1794/2013 Seite 8 Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-1794/2013 Seite 9 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Sandra Sturzenegger Versand: