<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 321</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">321</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Erschliessungsabgaben</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>77</b></span> <span class="ft2"><b>Ursprünglicher Beitragsplan nach §§ 34/35 BauG</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine private Stiftung kann Grundstücke des Stiftungsvermögens</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht mit einem Selbstbindungsakt von der Beitragspflicht an die Er-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schliessung befreien.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der wirtschaftliche Sondervorteil ist nach der objektiven Methode zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>bestimmen.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Der subjektiven Situation eines Beitragspflichtigen ist im Rahmen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Vollzugs der Beitragsleistung Rechnung zu tragen (Zahlungser-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>leichterung).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus einem Entscheid der Schätzungskommission nach Baugesetz vom</span><br/> <span class="ft5">31. August 2011 in Sachen Stiftung E.R. gegen Einwohnergemeinde L.</span><br/> <span class="ft5">(4-BE.2010.32).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">A.</span><br/> <span class="ft7">In der Zeit vom 11. Mai 2009 bis 9. Juni 2009 legte der Ge-</span><br/> <span class="ft7">meinderat L. den Beitragsplan ES auf.</span><br/> <span class="ft7">Die Stiftung E.R. (...) ist Eigentümerin der Parzelle 864 im</span><br/> <span class="ft7">Halte von 1'721 m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span><span class="ft7">. Die Parzelle 864 soll mit einem Strassenbaubei-</span><br/> <span class="ft7">trag von Fr. 15'705.- belastet werden. Beitragspflichtig ist eine Teil-</span><br/> <span class="ft7">fläche von 644 m</span><span class="ft8"><sup>2</sup></span> <span class="ft7">zu 100 %.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <br/> <br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">322</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">9.2.</span><br/> <span class="ft7">Bei der Eigentümerin der Parzelle 864 handelt es sich um eine</span><br/> <span class="ft7">privatrechtliche Stiftung, die gemäss Errichtungsurkunde vom</span><br/> <span class="ft7">19. Juli 2000 (...) folgenden Zweck hat:</span><br/> <span class="ft7">"Die Stiftung hat zum Zweck, E.R.s bildhauerische Arbeitsstätte</span><br/> <span class="ft7">und eine umfangreiche Sammlung von Skulpturen, plastischen Ent-</span><br/> <span class="ft7">würfen und grafischen Blättern zu erhalten, zu betreuen, der Öffent-</span><br/> <span class="ft7">lichkeit zugänglich zu machen und durch gegenseitige Wechselaus-</span><br/> <span class="ft7">stellungen mit andern Museen und Sammlungen in weitere Kreise zu</span><br/> <span class="ft7">tragen."</span><br/> <span class="ft7">Neben dem Stiftungszweck verfügt eine Stiftung stets über ein</span><br/> <span class="ft7">Stiftungsvermögen, mit dessen Einsatz und Hilfe die Stiftungsorgane</span><br/> <span class="ft7">den Stiftungszweck zu verfolgen haben. Das Vermögen einer Stif-</span><br/> <span class="ft7">tung hat immer deren Zweck zu dienen und muss daher auf diesen</span><br/> <span class="ft7">ausgerichtet sein. Zu den Mitteln der Stiftung E.R. gehört unter ande-</span><br/> <span class="ft7">rem die Parzelle 864. Die Verwendung dieser Parzelle ist grundsätz-</span><br/> <span class="ft7">lich an den Stiftungszweck gebunden und es kann nicht frei darüber</span><br/> <span class="ft7">verfügt werden. Eine Änderung des Stiftungszwecks ist gemäss</span><br/> <span class="ft7">Art. 86 Abs. 1 ZGB nur ausnahmsweise und unter bestimmten Vor-</span><br/> <span class="ft7">aussetzungen möglich, denn jegliche Abänderung des Zwecks tang-</span><br/> <span class="ft7">iert die Stiftung in ihren Grundfesten. Eine Veränderung des Stif-</span><br/> <span class="ft7">tungszwecks kommt nur dann in Frage, wenn objektiv ein Wandel in</span><br/> <span class="ft7">der Bedeutung und Wirkung des Stiftungszweckes und subjektiv eine</span><br/> <span class="ft7">Entfremdung vom ursprünglichen Stifterwillen vorliegt. Dies ist der</span><br/> <span class="ft7">Fall, wenn der ursprüngliche Stiftungszweck unsinnig, gänzlich</span><br/> <span class="ft7">überholt, unwirtschaftlich wurde oder sich berechtigte Erwartungen</span><br/> <span class="ft7">nicht erfüllt haben. Zudem muss sich der geänderte Stiftungszweck</span><br/> <span class="ft7">am bisherigen möglichst anlehnen (Basler Kommentar zum Zivilge-</span><br/> <span class="ft7">setzbuch, 4. Auflage, Basel 2010, Art. 85/86 N 7 ff.). Bei einer jun-</span><br/> <span class="ft7">gen Stiftung, welche mit genügenden Mitteln ausgestattet ist und die</span><br/> <span class="ft7">wie die Stiftung E.R. zum Ziel hat, künstlerische Werke zu erhalten</span><br/> <span class="ft7">und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist es unwahrschein-</span><br/> <span class="ft7">lich, dass in absehbarer Zukunft eine Änderung des Stiftungszwecks</span><br/> <span class="ft7">vorgenommen werden muss. Der Beschwerdeführerin ist daher</span><br/> <span class="ft7">grundsätzlich zuzustimmen, dass die Parzelle 864 als Stiftungsver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">323</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">mögen an den Stiftungszweck gebunden ist und über die Nutzung</span><br/> <span class="ft7">derselben nicht frei verfügt werden könnte.</span><br/> <span class="ft7">9.3.</span><br/> <span class="ft7">Gegenwärtig dient das beitragsgebundene Grundstück dem Stif-</span><br/> <span class="ft7">tungszweck, indem es als Park genutzt wird und Skulpturen sowie</span><br/> <span class="ft7">Kunstgegenstände darauf ausgestellt werden. Denkbar ist aber auch,</span><br/> <span class="ft7">dass die gegenwärtige Nutzung eine Änderung erfährt und dass das</span><br/> <span class="ft7">Grundstück dann in einer anderen Form einen Beitrag zur Ver-</span><br/> <span class="ft7">wirklichung des Stiftungszwecks leistet. So wäre es beispielsweise</span><br/> <span class="ft7">möglich, dass eine örtliche Veränderung erforderlich ist, weil die</span><br/> <span class="ft7">Kunstsammlung zunehmend vergrössert und/oder zusätzlichem Pu-</span><br/> <span class="ft7">blikum zugänglich gemacht werden soll und die Stiftung daher um-</span><br/> <span class="ft7">zieht. Ein Wechsel der Örtlichkeit kann auch dann angebracht sein,</span><br/> <span class="ft7">wenn die bestehende Infrastruktur nicht mehr genügt und sich ein</span><br/> <span class="ft7">Ausbau nicht lohnt oder wenn die Ausstellung aus strategischen</span><br/> <span class="ft7">Überlegungen an einen andern Ort verlegt werden soll. Ein Umzug</span><br/> <span class="ft7">könnte innerhalb von L. oder aber in eine andere Ortschaft erfolgen.</span><br/> <span class="ft7">Das beitragsgebundene Grundstück würde in einem solchen Fall</span><br/> <span class="ft7">wohl als ökonomische Grundlage für den Erwerb einer anderen Lie-</span><br/> <span class="ft7">genschaft dienen, was durch eine Überbauung desselben erreicht</span><br/> <span class="ft7">werden könnte. Auf diese Weise würde eine Änderung der Nutzung</span><br/> <span class="ft7">des betreffenden Grundstücks vollzogen und das Grundstück den-</span><br/> <span class="ft7">noch vollkommen dem Stiftungszweck dienen. Der Standort ist in</span><br/> <span class="ft7">der Stiftungsurkunde (...) jedenfalls nicht festgeschrieben.</span><br/> <span class="ft7">9.4.</span><br/> <span class="ft7">9.4.1.</span><br/> <span class="ft7">Vorweg ist festzuhalten, dass der Gesetzgeber im geltenden</span><br/> <span class="ft7">Baugesetz bezüglich der Erhebung von Beiträgen weder eine Unter-</span><br/> <span class="ft7">scheidung nach privaten und öffentlichen Grundstücken vorgenom-</span><br/> <span class="ft7">men hat, noch nach Grundstücken, die einem privaten und solchen,</span><br/> <span class="ft7">die einem öffentlichen Zweck dienen. Ausnahmen von der Abgabe-</span><br/> <span class="ft7">pflicht müssen aber im Sinne des Legalitätsprinzips ausdrücklich</span><br/> <span class="ft7">normiert werden. Hingegen kann sich bei Grundstücken öffentlich-</span><br/> <span class="ft7">rechtlicher Körperschaften und Anstalten, aber auch bei privaten In-</span><br/> <span class="ft7">stitutionen, die einen öffentlichen oder einen gemeinnützigen Zweck</span><br/> <span class="ft7">verfolgen, die Frage nach einem ausnützbaren Sondervorteil stellen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">324</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">9.4.2.</span><br/> <span class="ft7">Grundsätzlich ist ein wirtschaftlicher Sondervorteil dann zu</span><br/> <span class="ft7">bejahen, wenn der Vorteil objektiv betrachtet realisierbar ist. Nicht</span><br/> <span class="ft7">erforderlich ist, dass der Vorteil effektiv realisiert wird. Unerheblich</span><br/> <span class="ft7">ist auch, ob der Sondernutzen sofort oder zu einem späteren Zeit-</span><br/> <span class="ft7">punkt realisiert werden kann. Bei noch nicht überbauten Liegen-</span><br/> <span class="ft7">schaften besteht der abzugeltende Sondervorteil in der Überbaubar-</span><br/> <span class="ft7">keit und der damit verbundenen Wertsteigerung der Grundstücke</span><br/> <span class="ft7">(...).</span><br/> <span class="ft7">9.5.</span><br/> <span class="ft7">Diese Realisierung der Wertvermehrung durch Verkauf ist bei</span><br/> <span class="ft7">Grundstücken eingeschränkt, die sich im Gemeingebrauch befinden,</span><br/> <span class="ft7">die zu einem Stiftungsvermögen oder zum Verwaltungsvermögen</span><br/> <span class="ft7">gehören und infolge ihrer Widmung dem rechtsgeschäftlichen Ver-</span><br/> <span class="ft7">kehr entzogen sind. Allerdings erfahren solche Grundstücke gleich-</span><br/> <span class="ft7">wohl einen ausnützbaren Sondervorteil angesichts der Tatsache, dass</span><br/> <span class="ft7">öffentliche Grundstücke genauso wie private erschlossen sein müs-</span><br/> <span class="ft7">sen, bevor sie überbaut werden können. Für Vorteile, welche dem</span><br/> <span class="ft7">Gemeinwesen zukommen, können nicht die privaten Grundeigen-</span><br/> <span class="ft7">tümer zu Beitragsleistungen herangezogen werden (vgl. AGVE 2006,</span><br/> <span class="ft7">S. 361 ff.). Dies kann sich bei einer Parzelle, die zu einer pri-</span><br/> <span class="ft7">vatrechtlichen Stiftung gehört und daher zweckgebunden ist, nicht</span><br/> <span class="ft7">anders verhalten.</span><br/> <span class="ft7">9.6.</span><br/> <span class="ft7">Die zu den Mitteln der Stiftung E.R. gehörende Parzelle 864</span><br/> <span class="ft7">liegt in der Bauzone W2b, in welcher Bauten zu Wohnzwecken mit</span><br/> <span class="ft7">bis zu zwei Geschossen errichtet werden dürfen. Faktisch ist somit</span><br/> <span class="ft7">die Überbauung der Parzelle 864 im Rahmen der Zonenordnung</span><br/> <span class="ft7">zulässig. Zumindest aus rein zonenrechtlicher Sicht steht einer zu-</span><br/> <span class="ft7">künftigen Realisierung des Mehrwerts durch eine Überbauung nichts</span><br/> <span class="ft7">entgegen. Daran ändert auch der von der Beschwerdeführerin geltend</span><br/> <span class="ft7">gemachte Umstand (...), dass die Parzelle zur Strasse im B. hin mit</span><br/> <span class="ft7">einer Mauer versehen worden ist, nichts. Eine solche Abgrenzung</span><br/> <span class="ft7">kann jederzeit entfernt werden, so dass der Zugang zur Parzelle wie-</span><br/> <span class="ft7">der frei ist. Allerdings erschwert die Tatsache, dass es sich beim be-</span><br/> <span class="ft7">treffenden Grundstück um Stiftungsvermögen handelt, die Realisie-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Erschliessungsabgaben</span> <span class="page_no">325</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">rung des Mehrwerts durch einen Verkauf. Vollkommen auszuschlies-</span><br/> <span class="ft7">sen ist ein solcher Schritt aber nicht, wie sich aus den Ausführungen</span><br/> <span class="ft7">in Erwägung 9.3. ergibt.</span><br/> <span class="ft7">Vorliegend besteht tatsächlich eine Besonderheit im Vergleich</span><br/> <span class="ft7">zu gewöhnlichem unüberbautem Bauland, das nach einer Erschlies-</span><br/> <span class="ft7">sung zu einem höheren Preis verkauft oder mit einer höheren Hypo-</span><br/> <span class="ft7">thek beliehen werden kann. Die Ausgangslage der Beschwerdeführe-</span><br/> <span class="ft7">rin unterscheidet sich somit wesentlich von derjenigen der übrigen</span><br/> <span class="ft7">vom Beitragsplan betroffenen Grundeigentümern. Aus diesem Um-</span><br/> <span class="ft7">stand allein kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass ein wirtschaft-</span><br/> <span class="ft7">licher Sondervorteil vollständig dahinfalle. Es wäre störend, wenn</span><br/> <span class="ft7">ein Grundstück, nur weil es zum Vermögen einer Stiftung gehört und</span><br/> <span class="ft7">durch diesen Selbstbindungsakt und somit durch ein subjektives Nut-</span><br/> <span class="ft7">zungshindernis von der Beitragspflicht befreit würde. Vielmehr wäre</span><br/> <span class="ft7">es sinnvoll, der subjektiven Situation der Beschwerdeführerin im</span><br/> <span class="ft7">Rahmen des Vollzugs der Beitragsleistung Rechnung zu tragen. An</span><br/> <span class="ft7">der objektiven Methode zur Bestimmung des Sondervorteils ist daher</span><br/> <span class="ft7">auch im vorliegenden Fall festzuhalten. Weil der Vorteil nicht effek-</span><br/> <span class="ft7">tiv realisiert werden muss, die Beiträge aber dennoch fällig werden,</span><br/> <span class="ft7">führt dies zwangsläufig zu Härtefällen. Diese sind aber nicht dadurch</span><br/> <span class="ft7">zu vermeiden, dass auf die subjektive Methode (auch Realisie-</span><br/> <span class="ft7">rungsprinzip) abzustellen ist, denn dadurch wird eine Beitragspflicht</span><br/> <span class="ft7">ausgeschlossen, obschon dem Grundstück ein realisierbarer Sonder-</span><br/> <span class="ft7">vorteil erwächst. Wer die Wertzunahme seines Grundstücks aus be-</span><br/> <span class="ft7">stimmten Gründen nicht ausnützen kann, soll einen Zahlungsauf-</span><br/> <span class="ft7">schub erhalten, entgeht jedoch der Beitragspflicht nicht (Armin</span><br/> <span class="ft7">Knecht, Grundeigentümerbeiträge an Strassen im aargauischen</span><br/> <span class="ft7">Recht, Aarau 1975, S. 75 f.). Wichtig ist also, dass die subjektive</span><br/> <span class="ft7">Situation bei der Beurteilung eines Härtefalls nach pflichtgemässem</span><br/> <span class="ft7">Ermessen gebührend berücksichtigt und eine Unverhältnismässigkeit</span><br/> <span class="ft7">im Einzelfall vermieden wird. Die Stundung eines Beitrages bedeutet</span><br/> <span class="ft7">nicht, dass dieser im Beitragsplan zu streichen wäre, er kann ledig-</span><br/> <span class="ft7">lich trotz Rechtskraft des Beitragsplans nicht eingezogen werden,</span><br/> <span class="ft7">solange die Stundung gilt (AGVE 2006, S. 364). Damit kann dem</span><br/> <span class="ft7">besonderen Umstand, dass die Parzelle 864 an den Stiftungszweck</span><br/> <span class="ft7">gebunden ist und eine Realisierung des Mehrwerts durch einen Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Schätzungskommission nach Baugesetz</span> <span class="page_no">326</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">kauf erschwert wird, Rechnung getragen werden (vgl. SKE</span><br/> <span class="ft7">4-EB.2003.50024 in Sachen Schweizerische P-Stiftung N. gegen</span><br/> <span class="ft7">Einwohnergemeinde N. vom 6. Dezember 2006).</span><br/> <span class="ft7">9.7.</span><br/> <span class="ft7">Die Sach- und Rechtslage ist vergleichbar mit unüberbauten, in</span><br/> <span class="ft7">der Bauzone liegenden Grundstückteilen, die dem bäuerlichen Bo-</span><br/> <span class="ft7">denrecht unterstehen. Es besteht gemäss § 35 Abs. 4 BauG ein</span><br/> <span class="ft7">Rechtsanspruch auf Stundung für die auf diesen Flächen erhobenen</span><br/> <span class="ft7">Beiträge. Eine Befreiung von der Beitragspflicht oder die Verneinung</span><br/> <span class="ft7">eines wirtschaftlichen Sondervorteils ist auch in diesen Fällen nicht</span><br/> <span class="ft7">vorgesehen. Die Bestimmung enthält jedoch keine Vorschriften be-</span><br/> <span class="ft7">züglich der Ausgestaltung von Zahlungserleichterungen, sie stellt</span><br/> <span class="ft7">diese ins Ermessen des Gemeinderates. Insbesondere sieht sie keine</span><br/> <span class="ft7">Befristung der Stundungsdauer vor. Auch dies steht im Ermessen der</span><br/> <span class="ft7">anordnenden Behörde. Grundsätzlich sind die Beiträge so lange zu</span><br/> <span class="ft7">stunden, als der Härtefall vorliegt. Dieser fällt unter anderem bei</span><br/> <span class="ft7">einer Überbauung oder bei einem Verkauf des Grundstücks dahin,</span><br/> <span class="ft7">weil dann erfahrungsgemäss die Wertzunahme realisiert wird (Erich</span><br/> <span class="ft7">Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau vom 2. Februar 1971</span><br/> <span class="ft7">[aBauG], Kommentar, 2. Auflage, Aarau 1985, § 33 N 3; Knecht,</span><br/> <span class="ft7">a.a.O., S. 77). Vorliegend sieht auch das RFE in § 7 in Übereinstim-</span><br/> <span class="ft7">mung mit § 35 Abs. 4 BauG eine Vorschrift für Sonderfälle vor. (...)</span><br/> <span class="ft7">Auch aus Gründen der Rechtsgleichheit darf im vorliegenden</span><br/> <span class="ft7">Fall der wirtschaftliche Sondervorteil nicht unter Berücksichtigung</span><br/> <span class="ft7">der subjektiven Situation bestimmt werden, während in vergleichba-</span><br/> <span class="ft7">ren Fällen nach herrschender Lehre und Praxis der Sondervorteil</span><br/> <span class="ft7">nach objektiven Kriterien festgestellt wird und nur allenfalls auf-</span><br/> <span class="ft7">grund der subjektiven Verhältnisse Zahlungserleichterungen gewährt</span><br/> <span class="ft7">werden.</span><br/> <span class="ft7">9.8.</span><br/> <span class="ft7">(...) Vorliegend ist festzuhalten, dass die Ausgestaltung der</span><br/> <span class="ft7">Zahlungserleichterungen nicht in den Kompetenzbereich der Schät-</span><br/> <span class="ft7">zungskommission fällt. Darüber hat einzig die Gemeindebehörde zu</span><br/> <span class="ft7">befinden. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>