200 20 524 IV ACT/BRO/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 21. November 2020 Verwaltungsrichter Ackermann, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichterin Wiedmer Gerichtsschreiberin Brunner A.________ vertreten durch Regionaler Sozialdienst ..., B.________, Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 8. Juni 2020 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1963 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) meldete sich Anfang 2019 unter Hinweis auf eine Schulteroperation rechts bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbei- lage [AB] 1). Nachdem die IVB medizinische und erwerbliche Abklärungen getätigt hatte, lehnte sie berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 6. März 2019 (AB 13) ab. Im November 2019 gelangte der Versicherte abermals mit einem Leistungsgesuch an die IVB; als gesundheitliche Beeinträchti- gung gab er eine weitere Schulteroperation, diesmal links, an (AB 18.2 S. 1, 35). Die IVB führte zusätzliche erwerbliche sowie medizinische Erhe- bungen durch, insbesondere holte sie eine Einschätzung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) ein (AB 58) und verneinte mit Mitteilung vom 17. Februar 2020 (AB 44) abermals Eingliederungsmassnahmen. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 59) verneinte sie zudem mit Verfügung vom 8. Juni 2020 (AB 63) bei einem Invaliditätsgrad von 8 % einen Anspruch auf eine Rente. B. Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch seine Beiständin B.________, mit Eingabe vom 2. Juli 2020 Beschwerde. Er beantragt sinn- gemäss die Aufhebung der Verfügung vom 8. Juni 2020 (AB 63) und die Ausrichtung einer Invalidenrente. Mit Beschwerdeantwort vom 4. September 2020 beantragt die Beschwer- degegnerin die Abweisung der Beschwerde.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 3 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 8. Juni 2020 (AB 63). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 4 werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz- lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen- dung des 18. Altersjahres folgt. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 5 sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 3. 3.1Zum Gesundheitszustand sowie zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit finden sich in den Akten insbesondere folgende Angaben: 3.1.1Aufgrund von Schmerzen an der rechten Schulter begab sich der Beschwerdeführer in ärztliche Behandlung (AB 27 S. 19) und unterzog sich am 28. August 2018 einem arthroskopischen Eingriff (AB 14 S. 4 f.). Im Bericht vom 15. Oktober 2018 (AB 14 S. 2 f.) führte Dr. med. C.________, Facharzt für Chirurgie, aus, der Patient habe sich zur Ab- schlusskontrolle vorgestellt. Er sei fast komplett beschwerdefrei, bereits wieder bei der Arbeit und berichte über lediglich minimal ziehende Schmer- zen beim Heben schwerer Gewichte. Die sonografische Untersuchung der Schulter sei unauffällig (AB 14 S. 2). 3.1.2Wegen im Frühjahr 2019 auftretender Schmerzen an der linken Schulter (AB 27 S. 10) erfolgte am 21. Mai 2019 auch auf dieser Seite eine Arthroskopie (AB 27 S. 7 f.). 3.1.3Im Bericht vom 30. November 2019 (AB 27 S. 1) diagnostizierte der Operateur Dr. med. C.________ was folgt: - Osteochondrosis HWK (Halswirbelkörper) 6/7 - Kompression der Nervenwurzel C6 links und C7 beidseits bei beidsei- tiger neuroforaminaler Stenose Der Patient habe sich in der Sprechstunde vorgestellt mit der Angabe, in der letzten Zeit im Bereich der operierten linken Schulter Schmerzen zu spüren mit Ausstrahlung über die Aussenseite des Arms aber auch mit Pa- rästhesien im Versorgungsbereich von C6. Die sonografische Untersu- chung der Schulter zeige keine Auffälligkeit im Bereich der Rotatorenman-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 6 schette, wo die Naht stattgefunden habe. Bis zum 20. Dezember 2019 sei der Patient arbeitsunfähig (AB 27 S. 1). 3.1.4Infolge einer seit Monaten bestehenden therapierefraktären Schmerzsymptomatik mit von zervikal nach linkslastig ausstrahlenden Schmerzen (AB 49 S. 2 oben) wurde der Beschwerdeführer im Neurozen- trum D.________ vorstellig. Im Bericht vom 26. Februar 2020 (AB 49) führ- te Dr. med. E.________, Facharzt für Neurologie, folgende Diagnosen auf (AB 49 S. 1): - Radikuläres Reizsyndrom wahrscheinlich C6 links - Ossäre Einengung HWK 5/6 links (deutlich) und mässige ossäre Einengungen HWK 6-7 beidseits (MRI HWS [Halswirbelsäule] 19. November 2019) - Periradikuläre Infiltration C6 aus diagnostischen und therapeuti- schen Überlegungen empfohlen - Elektrophysiologisch keine anderweitige periphere Neuropathie er- sichtlich (Untersuchung 26. Februar 2020) Aufgrund der klinischen Präsentation sei von einer radikulären Genese und in Kenntnis des MR-tomografischen Befundes von einer radikulären Reiz- symptomatik C6 links auszugehen. In den sensibel evozierten Potenzialen des Nervus medianus habe sich ein Normalbefund ohne Affektion der sen- siblen Afferenz ergeben (AB 49 S. 2). 3.1.5Im Bericht vom 26. März 2020 (AB 55 S. 2 f.) diagnostizierte PD Dr. med. F.________, Facharzt für Neurochirurgie, beidseitige, linksbe- tonte Foraminalstenosen HWK5/6, HWK6/7 (AB 55 S. 2) und führte aus, grundsätzlich wäre in Anbetracht der lang anhaltenden klinischen Sympto- matik und des hohen Leidensdruckes des Patienten, welcher beruflich in der … zunehmend mehr eingeschränkt sei, die Indikation für eine ventrale Microdiscectomie und Stabilisation mit Foraminotomie HWK5/6, HWK6/7 gegeben. Da aufgrund der Corona-Pandemie aktuell keine elektiven Ein- griffe möglich seien, werde zunächst eine Infiltration C6 und C7 links fora- minal empfohlen (AB 55 S. 3). 3.1.6Im Bericht vom 14. April 2020 (AB 58 S. 5) führt der RAD-Arzt Dr. med. G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, aus, ab Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 7 dem 23. April 2019 habe eine 100%ige, ab dem 15. Juli 2019 eine 70%ige und ab dem 14. August 2019 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten ein beidseitiges Schulterlei- den (Sehnenläsionen, Impingement, Akromioklavikulararthrose) sowie ein degeneratives Leiden der Halswirbelsäule mit radikulärer Reizsymptomatik C6 links (MRI vom 21. November 2019 [vgl. AB 27 S. 2 f.]), aber ohne neu- roradikuläre Ausfallsymptomatik. Aus medizinischer Sicht noch zumutbar seien körperlich leichte bis ausnahmsweise mittelschwere Tätigkeiten, zu- meist ohne Heben und Tragen von Lasten, mit maximaler gelegentlicher Gewichtsbelastung bis zu 10 kg, mit ausnahmsweiser (nicht repetitiver) Gewichtsbelastung bis zu 25 kg. In der Regel eher zu meiden seien Zwangshaltungen der Halswirbelsäule (z.B. längeres Sitzen mit vorgeneig- tem Kopf), repetitive, stereotype Kopfbewegungen, manuelles Überkopfa- rbeiten, rumpffernes Lastenheben, repetitives Heben von Lasten über Brusthöhe, manuelles Arbeiten über Schulterhöhe sowie das Besteigen von Leitern und Gerüsten. Eine dem medizinischen Zumutbarkeitsprofil ange- passte Tätigkeit könne aus medizinischer Sicht ganztags (d.h. zu einem normalen Arbeitspensum) und ohne wesentliche Leistungsminderung aus- geübt werden. Die angestammte Tätigkeit als ... dürfte dem oben formulier- ten Zumutbarkeitsprofil nicht angepasst sein (AB 58 S. 5). 3.2Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.2.1Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 8 Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 3.2.2Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärzt- liches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichba- ren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2018 IV Nr. 4 S. 12 E. 3.2, 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2). Soll allerdings ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Insbesondere sind die von der versicherten Person aufgelegten Berichte der behandeln- den Ärztinnen und Ärzte mitzuberücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen durch einen nach- vollziehbaren Bericht eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so genügt der pauschale Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 E. 3a cc S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Viel- mehr wird das Gericht entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen haben, damit die- ser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 - 4.6 S. 469). 3.2.3Nach der Praxis sind Aktengutachten nicht zu beanstanden, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärti- gen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Der Untersu- chungsbefund muss lückenlos vorliegen. Der Experte muss sich aufgrund vorhandener Unterlagen ein gesamthaft lückenloses Bild machen können (RKUV 2006 U 578 S. 175 E. 3.4, 1988 U 56 S. 371 E. 5b). 3.3 3.3.1Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfü- gung vom 8. Juni 2020 (AB 63) in medizinischer Hinsicht massgeblich auf die Aktenbeurteilung des RAD-Arztes Dr. med. G.________ vom 14. April Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 9 2020 (AB 58 S. 5). Die Einschätzung ist zwar sehr kurz ausgefallen, erfüllt aber dennoch die Anforderungen der Rechtsprechung an medizinische Berichte (E. 3.2.1 ff. hiervor) und erbringt demnach vollen Beweis. So ist sie für die Frage der medizinisch noch möglichen Tätigkeiten umfassend, beruht auf den Untersuchungen der behandelnden Ärzte und ist in Kenntnis der Vorakten (AB 58 S. 1 ff.) ergangen. Insbesondere schmälert der Ver- zicht auf eine klinische Untersuchung den Beweiswert nicht, zumal die Be- funde unbestritten sind und es dem RAD-Arzt gestützt auf die vorhandenen Akten möglich war, sich ein lückenloses Bild zu verschaffen. So liegt kein medizinischer Bericht in den Akten, der weitere Einschränkungen postuliert und der zu – auch nur geringen – Zweifeln an der Einschätzung des RAD- Arztes führen würde. Der Beschwerdeführer rügt die Einschätzung des RAD denn auch nicht. Vielmehr weist er einzig darauf hin, an seiner ange- stammten Stelle aktuell bei einer Anwesenheit von 100 % eine 50%ige Leistung zu erbringen und dabei Krankentaggelder zu beziehen (Be- schwerde). Dies vermag nichts an der Einschätzung des RAD-Arztes zu ändern, denn die aktuell ausgeübte Tätigkeit ist gemäss dessen Auffas- sung medizinisch nicht angepasst (AB 58 S. 5) und damit nicht zumutbar. 3.3.2Basierend auf der überzeugenden Aktenbeurteilung des RAD- Arztes Dr. med. G.________ vom 14. April 2020 (AB 58 S. 5) ist demnach eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit erstellt (körperlich leichte bis ausnahmsweise mittelschwere Tätigkeiten, zumeist ohne Heben und Tragen von Lasten, mit maximaler gelegentlicher Gewichtsbelastung bis zu 10 kg, mit ausnahmsweiser [nicht repetitiver] Gewichtsbelastung bis zu 25 kg; in der Regel eher zu meiden sind Zwangshaltungen der Halswirbelsäule [z.B. längeres Sitzen mit vorgeneig- tem Kopf], repetitive, stereotype Kopfbewegungen, manuelles Überkopfa- rbeiten, rumpffernes Lastenheben, repetitives Heben von Lasten über Brusthöhe, manuelles Arbeiten über Schulterhöhe sowie das Besteigen von Leitern und Gerüsten). Dies unabhängig von der in der Beschwerde er- wähnten Operation Mitte Juli 2020 (vgl. auch AB 64 S. 6), denn diese ist hier nicht zu beachten, da sie nach Verfügungserlass – der zeitlich mass- gebenden Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) – erfolgt ist. Es steht dem Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 10 schwerdeführer frei, sich nach erfolgter Operation bei der IV neu anzumel- den. Auf dieser Grundlage ist nachstehend die Invaliditätsbemessung vorzu- nehmen. 4. 4.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 4.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). 4.3Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 11 schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei- nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein- schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be- schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein- kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo- bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkun- gen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs ein- fliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (SVR 2018 IV Nr. 45 S. 145 E. 2.2). 4.4Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe- ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222). Da zwischen dem 11. Februar und dem 22. April 2019 – d.h. während mehr als 30 Tagen – keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden ist (AB 26.5 S. 4; vgl. auch AB 26.1 S. 31), sind gemäss Art. 29 ter der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die IV (IVV; SR 831.201) die vom 27. August 2018 bis 10. Februar 2019 attestierten Arbeitsunfähigkeiten (AB 26.5 S. 4) we- gen wesentlichen Unterbruchs nicht zu berücksichtigten. Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG (vgl. E. 2.2 hiervor) ist deshalb im April 2020 abgelaufen. Angesichts des klaren Verfahrensausganges (vgl. E. 4.7 hiernach) kann der frühestmögliche Rentenbeginn gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG (vgl. E. 2.2 hiervor) offenbleiben; so ist hier nicht entscheidend, ob zwei Anmeldungen vorliegen – eine von Anfang 2019 betreffend Schulter rechts (AB 1) und eine von November 2019 betreffend Schulter links (AB 18.2 S. 1, 27 S. 7 f.) – respektive ob das durch die Anmeldung Anfang Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 12 2019 (AB 1) eröffnete Verfahren überhaupt abgeschlossen worden ist oder nicht. 4.5Es ist unbestritten und aufgrund der Akten erstellt, dass der Be- schwerdeführer bei guter Gesundheit weiterhin an seinem angestammten Arbeitsplatz bei der H.________ GmbH in einem 100%igen Pensum tätig wäre (vgl. AB 1 S. 6 Ziff. 5.4, 35 S. 6 Ziff. 5.4), weshalb das Validenein- kommen gestützt auf den zuletzt erzielten Lohn festzulegen ist, welcher gemäss Leistungsabrechnung des Krankentaggeldversicherers (AB 26.5 S. 5) im Jahr 2019 Fr. 66'000.-- betrug; Abweichendes wird denn auch nicht geltend gemacht. 4.6Gestützt auf das medizinische Zumutbarkeitsprofil (AB 58 S. 5) ist seit Mitte April 2020 von einer 100%igen Leistungsfähigkeit in einer ange- passten Tätigkeit auszugehen. Da der Beschwerdeführer weiterhin an sei- nem angestammten Arbeitsplatz bei einer Anwesenheit von 100 % eine 50%ige Leistung erbringt und dabei Krankentaggelder bezieht (Beschwer- de), verwertet er seine Restarbeitsfähigkeit nicht optimal und es kann nicht auf das effektiv erzielte Einkommen abgestellt werden. Denn für die Belan- ge der Invaliditätsbemessung ist massgebend, was er auf dem hypothe- tisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG; vgl. hierzu BGE 138 V 457 E. 3.1 S. 459; SVR 2019 IV Nr. 21 S. 66 E. 4.2) verdienen könn- te und nicht, was er effektiv verdient. Dies, um die Bereiche der Invaliden- und Arbeitslosenversicherung voneinander abzugrenzen (vgl. UELI KIESER, Kommentar zum ATSG, 4. Aufl. 2020, Art. 16 N. 94; THOMAS ACKERMANN, Die Bemessung des Invaliditätsgrades, in: KIESER/LENDFERS [Hrsg.], Sozia- lversicherungsrechtstagung 2012, S. 29). Die Beschwerdegegnerin hat zur Bemessung des Invalideneinkommens auf die LSE 2016 abgestellt (AB 63 S. 2). Massgebend sind jedoch die im Zeitpunkt des Verfügungserlasses aktuellsten statistischen Daten (BGE 143 V 295 E. 2.3 S. 297; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 27. November 2019, 8C_64/2019, E. 6.2.1), vorliegend demnach die am 21. April 2020 und damit vor Erlass der Verfügung vom 8. Juni 2020 (AB 63) publizierte LSE 2018. Die marginalen Abweichungen in den Ein- kommensberechnungen durch die Verwendung der LSE 2016 sind jedoch nicht entscheidrelevant. Ausgehend vom gutachterlichen Zumutbarkeitspro-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 13 fil (AB 58 S. 5) ist – was denn auch nicht bestritten wird – auf den praxis- gemäss anwendbaren Totalwert der allgemeinen LSE-Tabelle TA1 für Männer (in BGE 133 V 545 nicht publizierte E. 5.1 des Entscheides vom 24. August 2007, 9C_237/2007) im Kompetenzniveau 1 von Fr. 5'417.-- abzustellen, womit eine grosse Breite an möglichen Stellen abgebildet wird. Unter Berücksichtigung der wöchentlichen Normalarbeitszeit sowie der Indexierung auf das Jahr 2019 ergibt sich ein Betrag von Fr. 68'367.55 (Fr. 5'417.-- [LSE 2018, Männer, Total, Kompetenzniveau 1] x 12 [Monate] / 40 [Wochenarbeitsstunden] x 41.7 [Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt- schaftsabteilung, Total, 2019] / 101.5 x 102.4 [Tabelle T1.1.15, Nominal- lohnindex Männer, 2016-2019, Indices 2018 und 2019]). Die Beschwerde- gegnerin gewährte zudem einen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. E. 4.3 hier- vor) von 10 % mit der Begründung, durch die gesundheitlichen Einschrän- kungen verringere sich das Tätigkeitsspektrum (AB 63 S. 2). Dies ist nicht zu beanstanden. Demnach ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 61'530.80 (Fr. 68'367.55 x 0.9 [Abzug von 10 %]). 4.7Aus der Gegenüberstellung der beiden Vergleichseinkommen resul- tiert ein aufgerundeter (BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123; SVR 2019 IV Nr. 61 S. 198 E. 7.1) rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 7 % ([Fr. 66'000.-- ./. Fr. 61'530.80] / Fr. 66'000.-- x 100). Demnach ist die ange- fochtene Verfügung vom 8. Juni 2020 (AB 63) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh- rer die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Nov. 2020, IV/20/524, Seite 14 (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 5.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr- schluss]). Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei- cher Höhe entnommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Zu eröffnen (R): - Regionaler Sozialdienst ... z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.