Baurekursgericht des Kantons Zürich 4. Abteilung G.-Nr. R4.2016.00034 BRGE IV Nr. 0159/2016 Entscheid vom 1. Dezember 2016 Mitwirkende Abteilungspräsident Reto Philipp , Baurichterin Margrit Manser , Baurichter Béla Berke, Gerichtsschreiber Fabian Vonlanthen in Sachen Rekurrentin Politische Gemeinde Elgg, Lindenplatz 4, 8353 Elgg vertreten durch Gemeinderat Elgg, Lindenplatz 4, 8353 Elgg gegen Rekursgegnerin Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 8090 Zürich betreffend Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich Nr. 0135 vom 25. Februar 2015; Ertüchtigung Abwasserreinigungsanlage, Elgg _______________________________________________________ R4.2016.00034 Seite 2 hat sich ergeben: A. Mit Verfügung vom 25. Februar 2016 verpflichtete das Amt für Abfall, Wa s- ser, Energie und Luft (AWEL) der Baudirektion des Kantons Zürich die poli- tische Gemeinde Elgg zu verschärften Anforderungen an die Einleitung des gereinigten Abwassers aus der Abwa sserreinigungsanlage (ARA) Elgg in die Eulach und zur Ertüchtigung der ARA Elgg. B. Gegen diesen Entscheid erhob die Gemeinde Elgg mit Eingabe vom 23. März 2016 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Z ü- rich und beantragte, der Entscheid sei aufzuheben, eventualiter sei eine unumgängliche Verschärfung so festzulegen, dass damit eine klar definie r- te und begründete Zielsetzung erreicht werden könne. C. Mit Verfügung vom 29. März 2016 wurde der Rekurseingang vorgemerkt und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. D. Mit Eingabe vom 28. April 2016 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses. E. Mit Replik vom 19. Mai 2016 bzw. Duplik vom 10. Juni 2016 hielten die Par- teien an ihren Anträgen fest. F. Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit für die Entscheidbegründung erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. R4.2016.00034 Seite 3 Es kommt in Betracht: 1. Die Rechtsgrundlage für die in der angefochtenen Verfügung getroffenen Anordnungen findet sich in der vom Bundesrat gestützt auf die entspr e- chenden Regelungen im Gewässerschutzgesetz (GSchG) erlassenen G e- wässerschutzverordnung (GSchV). Gemäss § 52 des Einführungsgesetzes zum Gewässerschutzgesetz (EG GSchG) können Anordnungen, die in A n- wendung des G ewässerschutzgesetzes ergehen, beim Baurekursgericht angefochten werden. Dies gilt auch für Anordnungen, die gestützt auf die Gewässerschutzverordnung ergehen. Das Baurekursgericht ist mithin zur Beurteilung des Rekurses sachlich zuständig. Die Berechtigung der Rekurrentin, die vorgenannte Verfügung rekursweise anzufechten, steht ausser Frage (§ 21 Abs. 2 lit. c des Verwaltungsrechts- pflegegesetzes [VRG]). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den R e- kurs einzutreten. 2. Dem Rekurs liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Mit Verfügung des A m- tes für Gewässerschutz und Wasserbau des Kantons Zürich (heute AWEL) Nr. 1723 vom 27. Juli 1988 wurde gestützt auf die damalige Verordnung über Abwassereinleitungen (heute Gewässerschutzve rordnung) eine Ve r- schärfung der Einleitungsbedingungen für das gereinigte Abwasser der ARA Elgg in das Fliessgewässer Eulach festgelegt. Diese Verfügung lief per 31. Dezember 2013 ab. Das AWEL gewährte der Gemeinde Elgg da r- aufhin eine fünfjährige Verlänger ung der Einleitungsbewilligung und legte mit der vorliegend angefochtenen Verfügung die ab 1. Januar 2018 gültigen Anforderungen zur Abwasserreinigung fest. Dabei wurden die Einleitung s- bedingungen für Gesamtphosphor von 0.8 mg/l auf 0.2 mg/l und für gesa m- te ungelöste Stoffe (GUS) von 20 mg/l auf 5 mg/l verschärft. Gegen diese Verschärfung richtet sich der vorliegende Rekurs. R4.2016.00034 Seite 4 3.1. Die Rekurrentin macht im Wesentlichen geltend, die Verschärfung der Ei n- leitungsbedingungen für die ARA Elgg sei unverhäl tnismässig und erschei- ne willkürlich festgesetzt. Es sei unklar, welche quantitativen Ziele bezü g- lich Fremd - und Schadstoffkonzentrationen in der Eulach erreicht werden sollen und ob diese mit den geforderten Massnahmen auch tatsächlich e r- reicht würden. We iter sei unklar, wie eine entsprechende Erfolgskontrolle auszugestalten sei. Der Gemeinderat sei momentan an der Planung der Er- tüchtigung der ARA und wolle sicherstellen, dass die erheblichen Investiti o- nen auch zielführend seien. Das AWEL habe daher den Ist-Zustand der Eu- lach zu dokumentieren, die Zielsetzung zu definieren und zu begründen, inwiefern sich diese durch die verschärften Einleitungsbedingungen erre i- chen lasse. Dabei seien bei der Festsetzung der Anforderungen auch we i- tere Einleiter in die Eulac h unterhalb der ARA Elgg mit einzubeziehen, wie beispielsweise der Schneitbach mit dem Abfluss der KLARA Unterschneit. Die vorgebrachte erhöhte Konzentration an Nährstoffen und Schmutzsto f- fen basiere auf alten Messwerten und entspreche nicht mehr den neues ten Befunden. Bei den letzten Messungen sei nur noch der Phosphatgehalt mit 0.095 mg/l leicht über dem geforderten Wert von 0.08 mg/l gelegen. Eine Verschärfung der Einleitungsbedingungen von 0.8 mg/l Gesamtphosphor auf 0.2 mg/l erscheine daher unangemesse n. Bezüglich GUS würden die verschärften Einleitungsbedingungen von 5 mg/l bereits heute grösstenteils problemlos eingehalten. 3.2. Die Rekursgegnerin bringt zur Begründung der verschärften Einleitungsb e- dingungen vor, die Eulach als direkter Vorfluter weis e heute eine erhöhte Konzentration an Nährstoffen und Schmutzstoffen auf. Eine Auswertung von Messungen aus Quartalsproben aus der Eulach nach der ARA Elgg zeige, dass die Konzentrationen an Ammonium, Phosphat und Gesamt - Phosphor regelmässig über den Qualitätszielen für Fliessgewässer lägen. Der erste regelmässige und signifikante Eintrag von Nährstoffen in die Eulach finde durch gereinigtes Abwasser aus der ARA Elgg statt, wobei der Abwasseranteil nach der ARA bei längeren Trockenphasen bis zu 30 % des natürlichen Gewässerabflusses ausmachen könne. Dieses ungünstige Verdünnungsverhältnis stelle eine grosse Belastung für das Gewässerök o- system dar und sei ursächlich dafür, dass die Zielvorgabe des Bundes mit R4.2016.00034 Seite 5 dem bestehenden Einleitungswert für Gesamtphosphor von 0.8 mg/l nicht eingehalten werden könne; nötig sei eine Verdünnung im Verhältnis 1 zu 10. Mit der zukünftig geforderten Konzentration von maximal 0.2 mg/l Ge- samtphosphor im Ablauf der ARA sei hingegen sichergestellt, dass auch der Zielwert für Phosphat von 0.08 mg/l auch bei einem Abwasseranteil von 30 % des Gesamtabflusses eingehalten werden könne. Eine Reduktion der Phosphorkonzentration könne sodann nur effizient e r- reicht werden, wenn auch eine Reduktion der GUS -Fracht stattfände, da GUS phosphorhaltig sei. GUS stelle jedoch auch unabhängig von Gesam t- phosphor eine Belastung an organischen Substanzen für das Fliessgewä s- ser dar. Die Reduktion von GUS auf 5 mg/l im gereinigten Abwasser e r- bringe damit auch eine substantielle Reduktion von suspendierten or gani- schen Schadstoffen, was zu einer wesentlichen Verbesserung in der Eulach führe. Aus diesem Grund sei es unumgänglich, den Grenzwert von GUS von ursprünglich 20 mg/l auf 5 mg/l zu senken. 4.1. Die Anforderungen an die Wasserqualität und an die Ableitung von ve r- schmutztem Abwasser sind in den Anhängen 2 und 3 GSchV geregelt. Die Anforderungen an einen relevanten Parameter für die Einleitung von ko m- munalem Abwasser in Gewässer hängen dabei unter anderem von der in Einwohnerwerten gemessenen Dimensionierung einer ARA ab und gelten am Ort der Einleitung für den Normalbetrieb der Anlage. Die vom AWEL in der vorliegend angefochtenen Verfügung festgelegten Anforderungen an die Einleitung von GUS und Gesamtphosphor lassen sich indes den A n- hängen der GSchV nicht direkt entnehmen. Die Tabelle im Anhang 3.1 Ziff. 2 sieht – für ARAs mit 200 bis 10'000 Einwohnerwerten, zu denen auch die ARA Elgg zählt – für den Parameter GUS eine Abflusskonzentration von 20 mg/l vor. Eine numerische Anforderung für Gesamtphosphor ist nur für die Einleitung in empfindliche Gewässer vorgesehen, unter anderem für die Einleitung von Abwasser aus Anlagen im Einzugsgebiet von Seen und an Fliessgewässern unterhalb von Seen, wenn dies zum Schutz des betre f- fenden Fliessgewässers erforderlich is t. In diesem Fall gilt für Gesam t- phosphor eine Abflusskonzentration von 0.8 mg/l (Anhang 3.1. Ziff. 3 GSchV). R4.2016.00034 Seite 6 Gemäss Art. 6 Abs. 1 GSchV bewilligt die Behörde die Einleitung von ve r- schmutztem Abwasser in oberirdische Gewässer grundsätzlich, wenn die Anforderungen an die Einleitung in Gewässer nach Anhang 3 GSchV ei n- gehalten sind. Die Anforderungen können in bestimmten Fällen verschärft, ergänzt oder erleichtert werden. Gemäss Art. 6 Abs. 2 verschärft oder e r- gänzt die zuständige Behörde die Anforderungen, we nn die betroffenen Gewässer durch die Einleitung des Abwassers die Anforderungen an die Wasserqualität nach Anhang 2 GSchV nicht erfüllen oder wenn dies zur Einhaltung internationaler Vereinbarungen oder Beschlüsse erforderlich ist (lit. a) oder wenn auf G rund von Abklärungen (Art. 47 GSchV betr. Vorg e- hen bei verunreinigten Gewässern) feststeht, dass die ungenügende Wa s- serqualität zu einem wesentlichen Teil auf die Einleitung des Abwassers zurückzuführen ist und die entsprechenden Massnahmen bei der ARA nicht unverhältnismässig sind (lit. b). Die Anforderungen können ausserdem ve r- schärft oder ergänzt werden, wenn die Wasserqualität nach Anhang 2 GSchV für eine besondere Nutzung des betroffenen Gewässers nicht au s- reicht (Abs. 3). 4.2. Die Anforderungen an die Wasserqualität nach Anhang 2 GSchV wurden durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) im Rahmen des sogenannten Modul-Stufen-Konzeptes konkretisiert. Das Modul -Stufen-Konzept statuiert Methoden zur Untersuchung und Bewertung der Fliessgewässer für die Be- reiche Hydrodynamik und Morphologie, Biologie sowie chemische Inhalt s- stoffe und toxikologische Effekte. Das Modul „Chemie“ beschreibt die M e- thoden, mit welchen Fliessgewässer anhand chemisch -physikalischer Kenngrössen beurteilt werden können (BAFU, Methoden zur Untersuchung und Beurteilung der Fliessgewässer, Chemisch-physikalische Erhebungen, Nährstoffe. Umwelt -Vollzug Nr. 1005. Bern 2010, www.modul -stufen-kon- zept.ch). Die Beurteilung orientiert sich an den Anforderungen an die Wa s- serqualität, wie sie im Anhang 2 GSchV beschrieben sind: numerische An- forderungen werden direkt übernommen, verbale Anforderungen in numer i- sche Grössen umgesetzt und als Zielvorgaben verwendet. Diese Zielvo r- gaben sind als Empfehlung an die Vollzugsbehörden gedacht. Eine Überdüngung mit Phosphor führt zu einem unerwünschten Wachstum von Algen und Plankton in Seen . Im Anhang 2 Ziffer 13 Absatz 2 GSchV wird darum für stehende Gewässer festgelegt, dass der Nährstoffgehalt R4.2016.00034 Seite 7 höchstens eine mittlere Produktion von Biomasse zulassen darf. Phospho r ist somit im Einzugsgebiet von Seen für die Wasserqualität von Bedeutung. Als Zielvorgabe für Gesamtphosphor in Fliessgewässern oberhalb von Seen, was für die Eulach nicht zutrifft, wird ein Wert von 0.07 mg/l empfoh- len. Die biologische Aktivität der Fli essgewässer unterhalb von Seen ist in der Regel nicht phosphorlimitiert. Diese Fliessgewässer werden durch h ö- here Phosphorgehalte kaum oder allenfalls in sehr langsam fliessenden Flussabschnitten negativ beeinflusst; hier dient Phosphor somit primär als Indikator für anthropogene Belastungen . Deshalb ist es dort dem Erme s- sensspielraum der kantonalen Gewässerschutzfachstellen anheimgestellt, die Zielvorgaben bezüglich Phosphor anzupassen oder auf eine Beurte i- lung zu verzichten (BAFU, Umwelt-Vollzug Nr. 1005, S. 15, 18 u. 20 f.). Für die Einleitung von Abwasser in Fliessgewässer unterhalb von Seen b e- stehen gesetzliche Vorgaben an das eingeleitete Abwasser nur, wenn dies zum Schutz des betreffenden Fliessgewässers erforderlich ist und ausse r- dem für Abwasser a us Anlagen ab 10'000 Einwohnerwerten (EW) bei Fliessgewässern im Einzugsgebiet des Rheins (Anhang 3.1 Ziff. 3 GSchV). Dementsprechend legte das AWEL auf Basis der Empfehlungen des BAFU für Fliessgewässer oberhalb von Seen für Fliessgewässer unterhalb von Seen doppelt so hohe Zielvorgaben für Gesamtphosphor und Phosphat fest; für Gesamtphosphor 0.14 mg/l und für Phosphat 0.08 mg/l (AWEL, Methoden und Beurteilung von Fliessgewässern, 2015, S. 3, www.awel.zh.ch). 4.3. Bei der Zielvorgabe handelt es sich um den Wert, der bei jeder Wasserfü h- rung nach weitgehender Durchmischung des eingeleiteten Abwassers im Gewässer eingehalten werden muss (vgl. Anhang 2 Ziffer 11 Abs. 3 GSchV). Ob die streitgegenständliche Verschärfung der Einleitungsbedi n- gungen zur Erreichung der Zielvorgabe erforderlich ist, hängt daher auch vom Verdünnungsverhältnis des betreffenden Fliessgewässers ab. Wä h- rend die Rekursgegnerin von einem schlechten Verdünnungsverhältnis ausgeht (Abwasseranteil von bis zu 30 %), stellt sich die Rekurrentin au f den Standpunkt, die diesbezüglichen Ausführungen seien nicht nachvol l- ziehbar. Im Folgenden ist daher zu untersuchen, von welchem Verdü n- nungsverhältnis im Ablauf der ARA Elgg auszugehen ist. R4.2016.00034 Seite 8 5.1. Nach Ansicht der Rekurrentin ist nicht nachvollziehbar, wie das AWEL auf einen Abwasseranteil der ARA Elgg in der Eulach von bis zu 30 % kommt. Das AWEL rechne mit einem Minimalabfluss der Eulach von 0.105 m3/s, zeige aber nicht transparent auf, mit welchen Abwassermengen der ARA Elgg gerechnet werde. Während längeren Trockenwetterphasen falle erfah- rungsgemäss auch die Abwassermenge teilweise unter 10 l/s, was eine m Verdünnungsverhältnis von 1 zu 10 entspreche. 5.2. Der erläuternde Bericht zur Änderung der Gewässerschutzverordnung vom 20. November 2013 gibt vor, da ss der Anteil von gereinigtem Abwasser im Gewässer aus dem Quotient des mittleren Trockenwetterabflusses (QTW) der ARA und der Abflussmenge Q347 nach weitgehender Durchmischung des eingeleiteten Abwassers im Fliessgewässer berechnet wird. Q347 ent- spricht der Abflussmenge, die gemittelt über 10 Jahre, durchschnittlich während 347 Tagen eines Jahres erreicht oder überschritten wird (Art. 4 lit. h GSchG). Da es an der Eulach oberhalb von Winterthur lediglich die hydrometrische Messstation Räterschen gibt, lie gen für die Stelle bei der ARA Elgg keine ausreichenden Messergebnisse vor. Art. 59 GSchG sieht für solche Fälle vor, dass die Abflussmenge Q347 mit anderen Methoden wie hydrologischen Beobachtungen und Modellrechnungen zu ermitteln ist. Das AWEL errec h- nete in der Folge eine für die ARA Elgg relevante Trockenwetterabflus s- menge von 43 l/s. Dabei ging es vom gemittelten Trockenwetterabfluss der hydrometrischen Messstation Räterschen von 105 l/s und vom dortigen Einzugsgebiet in der Grösse von 29.5 km2 aus und stellte dies dem Ei n- zugsgebiet bei der Probenahmestelle vor der ARA Elgg (Stelle 191) von 12.3 km2 gegenüber (act. 14 S. 1 f.). Diese Berechnung ist plausibel und nachvollziehbar und daher nicht zu beanstanden. Zur Bestimmung des Abwasseranteils der ARA E lgg ist der vorstehend e r- mittelte Trockenwetterabfluss der Abwassermenge der ARA Elgg gege n- überzustellen. Die Abwassermenge im Ablauf der ARA wird gemäss den VSA–Vorgaben (Definition und Standardisierung von Kennzahlen für die Abwasserentsorgung, act. 15.1) bei Trockenwetter ermittelt. Das AWEL geht aufgrund mehrjähriger ARA -Messdaten von 11 l/s aus, was einen A b- wasseranteil von ca. 25 % ergibt (11 l/s / 43 l/s). Entsprechend den VSA - R4.2016.00034 Seite 9 Vorgaben stammen die diesbezüglichen Rohdaten aus der Zulaufsmessung und dem Betriebsprotokoll der ARA (act. 15.1 S. 26), wel- che sich zwar nicht bei den Akten befinden, jedoch auszugsweise auch dem technischen Bericht Abwasserentsorgung Eulachtal (act. 8.4) en t- nommen werden können. Demnach beträgt die Trockenwetter - Abwassermenge im ARA Zulauf 4 -20 l/s (act. 8.4 S. 26). Vor diesem Hi n- tergrund erscheint die vom AWEL angenommene Menge von durchschnit t- lich 11 l/s plausibel. Die Rekurrentin legt denn auch nicht substantiiert dar, inwiefern dieser Wert nicht der tatsächlichen Abwasserm enge entsprechen sollte. Die Rüge der Rekurrentin, das AWEL gehe bei der Verschärfung der Einlei- tungsbedingungen zu Unrecht von einem schlechten bzw. einem falsch b e- rechneten Verdünnungsverhältnis aus, ist daher unbegründet. 6.1. Die Gesamtmenge der ungel östen Stoffe (GUS) umfasst die im Wasser schwebenden Stoffe, die sich durch mechanische Methoden wie Absetzen, Absieben oder Filtration entfernen lassen. Für GUS sieht die GSchV für Abwasser aus Anlagen mit weniger als 10'000 Einwohnerwerten eine A b- flusskonzentration von 20 mg/l vor (Anhang 3.1 Ziff. 2). Gemäss dem ang e- fochtenen Beschluss soll die Anforderung auf 5 mg/l verschärft werden. Die Rekurrentin bringt replicando vor, dass bezüglich GUS die geforderten verschärften Bedingungen von 5 mg/l bereits he ute grösstenteils proble m- los eingehalten würden. Auch gemäss Bericht des Ingenieurbüros Kuster + Hager, das mit der Beurteilung der für die ARA Elgg zur Einhaltung der streitgegenständlichen Verschärfung der Einleitungsbedingungen erforde r- lichen Massnahmen und den damit verbundenen Kosten beauftragt wurde, weist die ARA Elgg bereits heute sehr gute GUS-Werte auf. Diese liegen im Mittel zwischen 3 bis 4 mg/l, was vor allem auf eine sehr gute Nachklärung zurückzuführen sei. Der Bericht kommt zum Schluss, dass der verschärfte GUS-Wert von 5 mg/l in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne zusätzliche Massnahmen eingehalten werden könne (act. 8.5 S. 9). Vor dem Hintergrund von Art. 13 Abs. 1 lit. c GSchV, der die Inhaber von Abwasserreinigungsanlagen verpflichtet, beim Betrieb alle verhältnismäss i- gen Massnahmen zu ergreifen, die zur Verminderung der Mengen der a b- zuleitenden Stoffe beitragen, erweist sich daher die streitgegenständliche R4.2016.00034 Seite 10 Verschärfung betreffend GUS ohne weiteres als gerechtfertigt, da diese keine zusätzlichen technischen Massnahmen erforderlich macht. Diesb e- züglich ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden. 6.2. Die Einhaltung der verschärften Einleitungsbedingung von 0,2 mg/l für G e- samtphosphor erfordert die Nachschaltung ein er Filtrationsanlage (s. Kur z- bericht Kuster + Hager, act. 8.5, S. 9 f.). Es kann somit nicht ohne Weiteres gesagt werden, die Anforderung sei verhältnismässig und könne daher a l- lein gestützt auf Art. 13 Abs. 1 lit. c GSchV verlangt werden. Nachdem das Verdünnungsverhältnis (25 %) bestimmt ist, lassen sich Aus- sagen zur Erforderlichkeit der verschärften Einleitungsbedingungen für G e- samtphosphor treffen. Der bis anhin geltende Einleitungswert von 0.8 mg/l Gesamtphosphor führt bei einem Abwasseranteil von 25 % zu einer Pho s- phorkonzentration von 0.2 mg/l (ohne die Vorbelastung im Vorfluter), womit die Einhaltung der Zielvorgabe für die Wasserqualität nach Durchmischung (0,14 mg/l) nicht sichergestellt ist. Eine Verschärfung des Einleitungswerts von Gesamtphosphor auf 0.2 mg/l hat demgegenüber eine maximale Phos - phorkonzentration nach Durchmischung von 0.05 mg/l zur Folge, was auch zusammen mit der geringen Vorbelastung des Vorfluters mit Gesamtpho s- phor (s. act. 8.7) zu einer deutlichen Unterschreitung der Zielvorg abe führt. Alleine zur Erreichung der Zielvorgabe von 0.14 mg/l Gesamtphosphor ist ein Einleitungswert von 0.2 mg/l Gesamtphosphor daher nicht erforderlich. Die Rekursgegnerin macht in diesem Zusammenhang indes geltend, mit der zukünftig geforderten Konzen tration von maximal 0.2 mg/l Gesam t- phosphor im Ablauf der ARA sei sichergestellt, dass auch der Zielwert von 0.08 mg/l für Phosphat eingehalten werden könne. Diese Argumentation vermag indes wenig zu überzeugen, handelt es sich bei Phosphat doch um einen seit jeher separat erfassten Parameter (vgl. act. 8.7) mit einer eige n- ständigen Zielvorgabe. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb im vorliege n- den Fall nebst dem Grenzwert für Gesamtphosphor zusätzlich eine Einle i- tungsbedingung für Phosphat als Teilgehalt d es Gesamtphosphors vorg e- schrieben werden soll. Dies zumal die Gewässerschutzverordnung sogar für die Einleitung in empfindliche Gewässer nur eine Abflusskonzentration für Gesamtphosphor vorgibt, nicht aber für Phosphat (Anhang 3.1 Ziff. 3 GSchV). Ausserdem würde mit 0.05 mg/l Gesamtphosphor offensichtlich auch über das Qualitätsziel für Phosphat hinaus geschossen, die Vorbela s- R4.2016.00034 Seite 11 tung des Baches eingerechnet. Das Einhalten der Zielvorgabe für Phosphat wäre daher, wenn überhaupt, durch die Festsetzung einer ents prechenden Einleitungsbedingung für Phosphat sicherzustellen und nicht durch die Festsetzung einer übermässig strengen Einleitungsbedingung für Gesam t- phosphor. Der verschärfte Einleitungswert für Gesamtphosphor wird somit schon aus diesen Gründen zu Recht beanstandet. 7.1. Schliesslich macht die Rekurrentin geltend, bei der Festsetzung der ve r- schärften Einleitungsbedingungen seien auch weitere Einleiter in die Eulach unterhalb der ARA Elgg mit einzubeziehen, wie beispielsweise der Schneitbach mit dem Abfluss der KLARA Unterschneit. Die Rekursgegnerin hält dem entgegen, die Zielwerte gemäss Anhang 2 Ziffer 11 Abs. 3 GSchV müssten nach Einleitung und vollständiger Durc h- mischung des Abwassers in der Eulach unmittelbar nach der ARA erreicht werden. Der Eintrag v on Nährstoffen und Schadstoffen aus der ARA Elgg müsse die numerischen Anforderungen unabhängig von weiteren Einle i- tungen anderer Kläranlagen oder unregelmässigen Einträgen von Abwa s- ser über Regenüberläufe bei Starkregen einhalten. Letztere Mischwasse r- einträge führten aufgrund des ebenfalls höheren Abflusses der Eulach bei Regenwetter nicht zu übermässig hohen Schadstoffkonzentrationen. 7.2. Die Eulach entspringt nördlich des Schauenbergs in der Gemeinde Hofste t- ten und verläuft auf der Höhe der Gemeinde Elgg von Südosten nach Nord- westen. Der nördlich dieses Streckenabschnitts gelegene Schneitbach, an dem die KLARA Unterschneit liegt, mündet ca. 500 m nach der ARA Elgg, aber vor der Messstelle 192 („Eulach nach ARA Elgg“, beim Haldenhof, Elgg) in die Eulach (www.awel.zh.ch). Folglich werden die an der Messste l- le 192 gemessenen Nährstoffe und übrigen Parameter zur Beurteilung der Gewässerqualität anhand eines Mischwassers bestimmt, das ca. 1,3 km nach der ARA Elgg sowohl den Abfluss der ARA Elgg als auch den A bfluss der KLARA Unterschneit und allenfalls weitere Einträge (z.B. aus Ab - schwemmung und Auswaschung landwirtschaftlich genutzter Flächen) en t- hält. R4.2016.00034 Seite 12 Gemäss Anhang 2 Ziffer 11 Abs. 3 GSchV gelten die numerischen Anforde- rungen an die Wasserqualität bei jeder Wasserführung nach weitgehender Durchmischung des eingeleiteten Abwassers im Gewässer. Gemäss Rekursgegnerin müsse der Eintrag von Nähr - und Schadstoffen aus einer ARA oder KLARA die numerischen Anforderungen unabhängig von weit e- ren Einleitungen anderer K läranlagen erfüllen. Dies ist insoweit korrekt, als damit die Abflusskonzentrationen (Einleitungsbedingungen) gemäss A n- hang 3.1 GSchV gemeint sein sollten. Die Frage, ob mit der vorliegend strit- tigen Einleitungsbedingung für Gesamtphosphor die erforderlich e Wasser- qualität im Gewässer sichergestellt ist, muss aber unter Berücksichtigung anderer Schadstoffquellen beurteilt werden. Anhand der an der Messste l- le 192 gewonnenen Daten ist dies vorliegend aber gerade nicht sicherg e- stellt, da das dort vorliegende Mischwasser insbesondere auch den Abfluss der KLARA Unterschneit enthält. Wenn die Rekursgegnerin also ausführt, die Auswertung von Messungen aus Quartalsproben aus der Eulach nach der ARA Elgg zeige, dass die Konzentrationen an Ammonium, Phosphat und Gesamt phosphor regelmässig über den Qualitätszielen für Fliessg e- wässer lägen, lässt sich ohne Kenntnis des Eintrags an Nähr - und Schmutzstoffen durch den Abfluss der KLARA Unterschneit und möglicher anderer Quellen nicht mit hinreichender Sicherheit sagen, dass hierfür die ARA Elgg bzw. deren Abfluss die massgebliche Ursache ist. Selbst die Rekursgegnerin macht geltend, dass die Zielwerte der GSchV unmittelbar nach der ARA erreicht werden müssen. Demgegenüber bringt die Rekursgegnerin nichts vor, weshalb der Abfl uss der KLARA Unterschneit auf die an der Messstelle 192 gemessene Gewässerqualität keinen Einfluss haben soll. Alleine der Umstand, dass es sich bei der KLARA Unterschneit um eine vergleichsweise kleine Kläranlage handelt, reicht nicht aus, um e i- nen nenne nswerten Einfluss auf die Gewässerqualität der Eulach zum vornherein auszuschliessen. Diese fehlende Differenzierung hat auch zur Folge, dass dem Verursacherprinzip (wonach derjenige, der Massnahmen nach dem Gewässerschutzgesetz verursacht, die Kosten dafü r trägt, Art. 3a GSchG) nicht Rechnung getragen werden kann, gehören die ARA Elgg und die KLARA Unterschneit doch nicht zur selben politischen G e- meinde. Das Verursacherprinzip liegt auch der Bestimmung von Art. 47 GSchV zugrunde: S tellt die Behörde fest, d ass ein Gewässer die Anford e- rungen an die Wasserqualität nach Anhang 2 nicht erfüllt , so bestimmt sich das Vorgehen nach Art. 47 GSchV. Demgemäss sind Art, Ausmass und Ursachen der Verunreinigung zu ermitteln und die erforderlichen Mas s- R4.2016.00034 Seite 13 nahmen zu treffen (A bs. 1). Sind mehrere Quellen an der Verunreinigung beteiligt, so sind die bei den Verursachern erforderlichen Massnahmen au f- einander abzustimmen (Abs. 2). 7.3. Fliessgewässer unterhalb von Seen werden wie bereits ausgeführt durch höhere Phosphorgehalte kaum negativ beeinflusst. Es stellt sich somit die Frage, ob und inwieweit es im vorliegenden Fall zum Schutz der Eulach im Sinne von Anhang 3.1 Ziff. 3 GSchV überhaupt erforderlich ist, den Gren z- wert für Gesamtphosphor zu verschärfen. Massgebend sind die bunde s- rechtlichen Anforderungen an die Wasserqualität gem. Anhang 2 GSchV, namentlich das Wachstum von Algen und höheren Wasserpflanzen (A n- hang 2 Ziff. 11 Abs. 1 lit. a GSchV). Die erwähnten numerischen Zielvorg a- ben des AWEL an die Wasserqualität können höchstens als Indiz herang e- zogen werden, wobei die für Gesamtphosphor und Phosphat bei der Ste l- le 192 gemessenen Werte immerhin als mässig bis gut klassifiziert werd en. Letztlich kommt es daher weniger auf die nominalen Nährstoffkonzentrati o- nen und die allgemeingültigen Zielwerte an, als auf den qualitativen Allg e- meinzustand des konkret betroffenen Gewässers vor Ort. Die Rekursgegnerin ist nach dem Gesagten einzulade n, den diesbezügl i- chen Sachverhalt ergänzend abzuklären, den Einfluss des von der ARA Elgg eingeleiteten Abwassers auf die Wasserqualität in der Eulach zu u n- tersuchen und auf dieser Grundlage die Einleitungsbedingungen in Bezug auf den Gesamtphosphor neu z u beurteilen. Die Verschärfung oder Ergä n- zung der Einleitungsbedingungen gemäss Anhang 3 GSchV richtet sich nach den Voraussetzungen in Art. 6 Abs. 2 GSchV. Liegt ein Anwendung s- fall von Art. 47 GSchV vor (Vorgehen bei verunreinigten Gewässern), sind die be i den Verursachern erforderlichen Massnahmen aufeinander abz u- stimmen (Art. 47 Abs. 2 GSchV). Zu bemerken bleibt, dass die Verschärfung des Grenzwertes für Gesam t- phosphor auf die schon heute ohne eine zusätzliche Filtrationsanlage e r- reichte Abflusskonzentra tion wohl verhältnismässig wäre und gestützt auf Art. 13 Abs. 1 lit. c GSchV verlangt werden könnte. R4.2016.00034 Seite 14 8. Zusammengefasst ist der Rekurs teilweise gutzuheissen und die angefoc h- tene Verfügung ist aufzuheben. Die Sache ist im Sinne der Erwägungen zur ergänzenden Untersuchung und zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. [….]