<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 58 S.291</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">291</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>A. Steuergesetz (StG) vom 15. Dezember 1998</b></span><br/> <br/> <span class="ft3"><b>58</b></span> <span class="ft3"><b>Steuerumgehung; Vorzugsmiete (§ 30 Abs. 1 StG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Beträgt der Mietzins weniger als die Hälfte des Eigenmietwertes ei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ner Liegenschaft, besteht die (widerlegbare) Vermutung, dass der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Mietvertrag missbräuchlich zwecks Steuereinsparung abgeschlossen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>wurde.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">11. Oktober 2006 in Sachen S. + E.Z., 3-RV.2005.50388/K 0206</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2. Der Rekurrent ist Eigentümer der Liegenschaft B.-strasse 8 in</span><br/> <span class="ft8">M. Der Eigenmietwert dieser Liegenschaft beträgt Fr. 13'597.-- pro</span><br/> <span class="ft8">Jahr. Der Rekurrent hat diese Liegenschaft seinem Sohn und dessen</span><br/> <span class="ft8">Ehefrau im Jahr 2003 für Fr. 4'560.-- vermietet. Dabei ist unbestrit-</span><br/> <span class="ft8">ten, dass die Rekurrenten von ihrem Sohn und dessen Ehefrau kei-</span><br/> <span class="ft8">nerlei andere Gegenleistungen erhalten haben. Die Vorinstanz hat die</span><br/> <span class="ft8">Differenz von Fr. 9'037.-- unter Hinweis auf den BGE vom 28. Ja-</span><br/> <span class="ft8">nuar 2005 (= StE 2005 B 25.2 Nr. 7) zum Einkommen aufgerechnet.</span><br/> <span class="ft8">Die Vertreterin der Rekurrenten beantragt, es sei auf die Auf-</span><br/> <span class="ft8">rechnung zu verzichten.</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1. Gemäss § 30 Abs. 1 lit. a StG sind alle Einkünfte aus Ver-</span><br/> <span class="ft8">mietung, Verpachtung, Nutzniessung oder sonstiger Nutzung als Er-</span><br/> <span class="ft8">träge aus unbeweglichem Vermögen zu versteuern. Steuerbar ist auch</span><br/> <span class="ft8">der Mietwert von Liegenschaften oder Liegenschaftsteilen, die der</span><br/> <span class="ft8">steuerpflichtigen Person auf Grund von Eigentum oder eines unent-</span><br/> <span class="ft8">geltlichen Nutzungsrechts für den Eigengebrauch zur Verfügung ste-</span><br/> <span class="ft8">hen (§ 30 Abs. 1 lit. b StG). Streitig ist vorliegend, ob die im Jahr</span><br/> <span class="ft8">2003 effektiv bezahlten Mietzinsen von Fr. 4'560.-- oder der Eigen-</span><br/> <span class="ft8">mietwert von Fr. 13'597.-- zu versteuern sind.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">292</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">3.2. Massgebend für die Besteuerung sind bei vermieteten Lie-</span><br/> <span class="ft8">genschaften oder Wohnungen grundsätzlich die effektiv eingenom-</span><br/> <span class="ft8">menen Mietzinsen, d.h. die Steuerbehörden haben grundsätzlich auf</span><br/> <span class="ft8">die von den Steuerpflichtigen geschlossenen Verträge abzustellen.</span><br/> <span class="ft8">Dies gilt, vorbehältlich einer anderslautenden ausdrücklichen Geset-</span><br/> <span class="ft8">zesgrundlage, selbst dann, wenn die Vermietung an einen nahen</span><br/> <span class="ft8">Verwandten zu Vorzugskonditionen erfolgt. Die Steuerbehörden dür-</span><br/> <span class="ft8">fen jedoch von den geschlossenen Verträgen abweichen, wenn die</span><br/> <span class="ft8">Steuerpflichtigen nur um der Steuerersparnis willen ein ungewöhnli-</span><br/> <span class="ft8">ches Vorgehen gewählt haben, d.h. wenn eine Steuerumgehung vor-</span><br/> <span class="ft8">liegt. Eine solche wird angenommen, wenn:</span><br/> <span class="ft9">-</span> <span class="ft8">eine von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als</span><br/> <span class="ft8">ungewöhnlich (insolite), sachwidrig oder absonderlich,</span><br/> <span class="ft8">jedenfalls den wirtschaftlichen Gegebenheiten völlig</span><br/> <span class="ft8">unangemessen erscheint,</span><br/> <span class="ft9">-</span> <span class="ft8">anzunehmen ist, dass die gewählte Rechtsgestaltung</span><br/> <span class="ft8">missbräuchlich lediglich deshalb getroffen wurde, um</span><br/> <span class="ft8">Steuern einzusparen, die bei sachgemässer Ordnung der</span><br/> <span class="ft8">Verhältnisse geschuldet wären, und</span><br/> <span class="ft9">-</span> <span class="ft8">das gewählte Vorgehen tatsächlich zu einer erheblichen</span><br/> <span class="ft8">Steuerersparnis führen würde, sofern es von der Steuer-</span><br/> <span class="ft8">behörde hingenommen würde.</span><br/> <span class="ft8">Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist aufgrund der konkre-</span><br/> <span class="ft8">ten Umstände des Einzelfalles zu prüfen (StE 2005 B 25.2 Nr. 7).</span><br/> <span class="ft8">Sind die Voraussetzungen erfüllt, so ist der Besteuerung die Ordnung</span><br/> <span class="ft8">zugrunde zu legen, die sachgemäss gewesen wäre, dem vom Steuer-</span><br/> <span class="ft8">pflichtigen erstrebten wirtschaftlichen Zweck zu entsprechen. Die</span><br/> <span class="ft8">Steuerbehörden tragen die Behauptungs- und die Beweislast für das</span><br/> <span class="ft8">Vorliegen sämtlicher objektiver und subjektiver Voraussetzungen der</span><br/> <span class="ft8">Steuerumgehung (VGE vom 18. Juni 2002 in Sachen KStA/O. +</span><br/> <span class="ft8">D.S.).</span><br/> <span class="ft8">Im folgenden ist zu prüfen, ob eine Steuerumgehung vorliegt.</span><br/> <span class="ft8">3.3.</span><br/> <span class="ft8">Das Bundesgericht hat dazu folgendes ausgeführt (StE 2005 B</span><br/> <span class="ft8">25.2 Nr. 7):</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">293</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">,,Eine Rechtsgestaltung erscheint als ungewöhnlich und den wirt-</span><br/> <span class="ft10">schaftlichen Gegebenheiten völlig unangemessen, wenn bei der Ver-</span><br/> <span class="ft10">mietung von Liegenschaften an Verwandte der vereinbarte Mietzins</span><br/> <span class="ft10">bloss gering ist oder gar symbolischen Charakter aufweist. Demge-</span><br/> <span class="ft10">genüber sind Abweichungen im Bereich von Schätzungsdifferenzen</span><br/> <span class="ft10">(5 - 10 %) nicht bedeutend. Vergrössert sich jedoch der Differenzbe-</span><br/> <span class="ft10">trag und verringert sich der Mietzins gegenüber dem Eigenmietwert</span><br/> <span class="ft10">weiter, wird in den Kantonen regelmässig bei einer Differenz von</span><br/> <span class="ft10">20 % (z.B. FR, SO) oder 25 % (z.B. ZH, SG) eine gemischte Schen-</span><br/> <span class="ft10">kung angenommen.</span><br/> <span class="ft10">Bestehen keine weiteren Vereinbarungen oder Kombinationen von</span><br/> <span class="ft10">Verträgen, erscheint im vorliegenden Zusammenhang ein Mietvertrag</span><br/> <span class="ft10">erst dann als ungewöhnlich und den wirtschaftlichen Gegebenheiten</span><br/> <span class="ft10">völlig unangemessen, wenn der vereinbarte Mietzins nicht nur beim</span><br/> <span class="ft10">Grenzwert für eine gemischte Schenkung liegt, sondern diesen klar</span><br/> <span class="ft10">unterschreitet. Macht der Mietzins weniger als die Hälfte des Eigen-</span><br/> <span class="ft10">mietwerts aus, ist daher zu vermuten, dass - unabhängig von einem</span><br/> <span class="ft10">Schenkungswillen - wegen der mehrheitlich unentgeltlichen Überlas-</span><br/> <span class="ft10">sung eine dem Eigengebrauch nahe kommende Situation vorliegt und</span><br/> <span class="ft10">der Mietvertrag missbräuchlich lediglich deshalb abgeschlossen</span><br/> <span class="ft10">wurde, um Steuern einzusparen, die bei sachgemässer Ordnung der</span><br/> <span class="ft10">Verhältnisse geschuldet wären. Dem Steuerpflichtigen bleibt in einem</span><br/> <span class="ft10">solchen Fall allerdings der Nachweis offen, dass trotz der bestehenden</span><br/> <span class="ft10">Vermutung eine Steuerumgehung ausgeschlossen ist."</span><br/> <span class="ft8">Dieser Entscheid ist zwar, wie die Vertreterin der Rekurrenten</span><br/> <span class="ft8">zu Recht erwähnt, zur direkten Bundessteuer ergangen, kann jedoch</span><br/> <span class="ft8">ohne weiteres auf die Kantons- und Gemeindesteuern übertragen</span><br/> <span class="ft8">werden, weil die massgebenden gesetzlichen Bestimmungen inhalt-</span><br/> <span class="ft8">lich vergleichbar sind. Da der Bundesgerichtsentscheid neuer ist als</span><br/> <span class="ft8">der von der Vertreterin der Rekurrenten zitierte VGE vom 18. Juni</span><br/> <span class="ft8">2002 in Sachen KStA/O. + D.S. und der diesem zugrunde liegende</span><br/> <span class="ft8">RGE vom 17. August 2000, ist für die Beurteilung des vorliegenden</span><br/> <span class="ft8">Falles (nur) die bundesgerichtliche Rechtsprechung massgebend. Die</span><br/> <span class="ft8">Rekurrenten können aus der durch den erwähnten Bundesgerichts-</span><br/> <span class="ft8">entscheid überholten ,,aargauischen Praxis" nichts für sich ableiten.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">294</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Weil die vom Sohn des Rekurrenten bezahlte Miete von</span><br/> <span class="ft8">Fr. 4'560.-- lediglich 1/3 des Eigenmietwertes von Fr. 13'597.-- be-</span><br/> <span class="ft8">trägt, ist gemäss der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtspre-</span><br/> <span class="ft8">chung eine Steuerumgehung zu vermuten. Der von den Rekurrenten</span><br/> <span class="ft8">dagegen vorgebrachte Einwand, ihr Sohn sei auf eine finanzielle Un-</span><br/> <span class="ft8">terstützung angewiesen, weil er seit einem schweren Autounfall kör-</span><br/> <span class="ft8">perlich behindert sei und seine Einkünfte daher weit unter dem</span><br/> <span class="ft8">betreibungsrechtlichen Existenzminimum liegen, vermag an dieser</span><br/> <span class="ft8">Beurteilung nichts zu ändern. Gemäss den Ausführungen der Vorin-</span><br/> <span class="ft8">stanz hat nämlich der Rekurrent die fragliche Wohnung seinem Sohn</span><br/> <span class="ft8">in der Vorperiode unentgeltlich zur Verfügung gestellt, was dazu</span><br/> <span class="ft8">führte, dass der Rekurrent den Eigenmietwert versteuern musste. Um</span><br/> <span class="ft8">das zu vermeiden, wurde ihm empfohlen, von seinem Sohn und des-</span><br/> <span class="ft8">sen Ehefrau ,,für 2003 ca. 1/3 des Mietwertes der Liegenschaft als</span><br/> <span class="ft8">Miete einzufordern und als Einnahme 2003 zu deklarieren. Dabei</span><br/> <span class="ft8">seien allerdings die Grenzen zur Steuerumgehung zu beachten".</span><br/> <span class="ft8">Diese Ausführungen zeigen mit aller Klarheit, dass der Grund für die</span><br/> <span class="ft8">zwischen dem Rekurrenten und seinem Sohn vereinbarte Mietzins-</span><br/> <span class="ft8">zahlung ausschliesslich darin bestand, Steuern zu sparen. Um das zu</span><br/> <span class="ft8">erreichen, nahm der Rekurrent sogar in Kauf, dass sein Sohn von</span><br/> <span class="ft8">ihm finanziell weniger unterstützt wurde, weil er im Gegensatz zum</span><br/> <span class="ft8">Vorjahr eine Miete bezahlen musste.</span><br/> <span class="ft8">Das Steuerrekursgericht kommt daher zum Schluss, dass die</span><br/> <span class="ft8">Einwendungen des Rekurrenten die Vermutung des Vorliegens einer</span><br/> <span class="ft8">Steuerumgehung nicht widerlegen, sondern geradezu bekräftigen.</span><br/> <span class="ft8">Die Vorinstanz hat unter den vorliegenden Umständen somit zu</span><br/> <span class="ft8">Recht eine Aufrechnung im Umfang der Differenz zwischen dem Ei-</span><br/> <span class="ft8">genmietwert und dem bezahlten Mietzins vorgenommen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>