Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 1. November 2012 (720 11 197) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Frühinvalidität; keine zumutbare Erwerbstätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt; versicherungsmässige Voraussetzungen ausländischer Jugendlicher Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dani el Noll, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Raffaella Biaggi, Advo- katin, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1992 in Italien geborene A.____ besuchte in I talien die erste bis fünfte Schulklasse. Im Oktober 2002 wurde ihren Eltern mit Urteil des Juge ndgerichts in B.____ die Obhut und el- terliche Sorge entzogen. In der Folge kam A.____ im Ja nuar 2003 zusammen mit ihrem jünge- ren Bruder in die Schweiz und wurde unter Vormundschaf t gestellt. Sie besuchte die Kleinklas- se der Primar- und Sekundarschule in C.____, wo sie dank engmaschiger Betreuung ihren Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schulabschluss absolvierte. Schon während ihrer Schulausb ildung zeigte sich, dass A.____ grosse Mühe hatte, dem Schulstoff zu folgen. Bereits in den Jahren 2003 und 2004 hatten erste psychologische Abklärungen Schwächen im kognitiven Bereich sow ie eine retardierte Entwick- lung aufgezeigt. Nachdem eine erste Anmeldung bei der Invalidenversicherung zum Leistungs- bezug mangels Vorliegen der versicherungsmässigen Voraussetzungen abgelehnt worden war, meldete sich die Versicherte am 15. Februar 2010 erneut zum Leistungsbezug an und bean- tragte eine berufliche Integration sowie eine Rente. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse wies die IV-Stelle Basel-Land schaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 15. April 2011 das Leistungsbegehren nach durchgeführ tem Vorbescheidverfahren aufgrund fehlender Invalidität ab. B. Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Raff aella Biaggi, Advokatin, am 30. April 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte, es seien ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung die gesetzlichen Leistungen zu gewähren; eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei- lung an die IV-Stelle zurückzuweisen, unter o/e-Kostenfol ge. Zur Begründung wurde im We- sentlichen geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin an einer erheblichen pathologischen Einschränkung leide, die zu einer deutlichen Einschränku ng der Arbeitsfähigkeit führen würde. Sie sei daher nicht in der Lage, einer Erwerbstätigkei t auf dem ersten Arbeitsmarkt nachzuge- hen. C. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung auf Ab weisung der Beschwerde. Gestützt auf das Gutachten des RAD-Arztes sei nachvollziehbar begründet, dass es sich bei den psychi- schen Schwierigkeiten der Versicherten nicht um Störungen handle, die gemäss den ICD-10- Kriterien eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten. Eine eigentliche Störung mit Krankheitswert liege deshalb nicht vor. Es sei nicht zutreffend, dass bei der Beschwerdeführerin eine verminderte Intelligenz vorliege, da sie bei eine m Intelligenzquotienten von 81 die Voraus- setzungen einer Intelligenzminderung leichten Grades nicht erfülle. Während der Untersuchung durch den RAD-Arzt hätten keine Hinweise für Störungen der kognitiv-mnestischen Funktionen bestanden. Eine ergänzende Abklärung der medizinischen V erhältnisse in neurologischer oder neuropsychologischer Hinsicht sei deshalb nicht angezeigt. D. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 14. November 2011 wurde die gerichtliche Be- gutachtung in Form eines ergänzenden jugendpsychiatrische n Gutachtens in Auftrag gegeben. Hintergrund bildete der Umstand, dass die Begutachtung durch den RAD-Arzt sämtlichen ande- ren in den Akten enthaltenen Einschätzungen widersprech e. Das entsprechende Gerichtsgut- achten der D.____-Kliniken Basel wurde am 12. Juli 2012 erstattet. Die IV-Stelle schloss sich in ihrer Stellungnahme vom 26. Juli 2012 der Beurteilun g der Gerichtsgutachter an und ging da- von aus, dass aufgrund der seit Jahren bestehenden Einschränkungen von einer Frühinvalidität auszugehen sei. Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 27. Juli 2012 an der Gutheissung der Beschwerde fest und beantragte eine voll e IV-Rente, da im ersten Arbeits- markt keine Arbeitsfähigkeit bestehe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die übrigen Vorbringen der Parteien ist - soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwä- gungen - einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialversi- cherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 i.V.m. Art. 69 des Bundesgesetzes über die Inva- lidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 kann gegen Ve rfügungen der kantonalen IV-Stellen bei dem vom Kanton bezeichneten Versicherungsgericht am O rt der IV-Stelle innerhalb von 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Das Kantonsgericht ist deshalb gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsp rozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 örtlich und sachlich zuständig. Auf die im Ü brigen form- und fristgerecht einge- reichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (vgl. BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (vgl. BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahm e einer durch eine psychische Gesund- heitsbeeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicher- te Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheid end ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternati- ve Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (vgl. BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 3.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG ist für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten Art. 16 ATSG anwendbar. Danach wird für d ie Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eint ritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälli ger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbe itsmarktlage erzielen könnte (Invalidenein- kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er werbseinkommen ziffernmässig mög- lichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 4.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körperli- chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bis- herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt im Wesentlichen mit dem Begriff der Arbeitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hinweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene dies- bezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; heu- te: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen) bleib t folglich weitestgehend anwendbar (vgl. BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und ins besondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlich en Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer- weise noch verrichtet werden können (vgl. U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entsc heidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, auch die geklagten Be- schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamn ese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprech ung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise s prechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.1 Die IV-Stelle gab zur Abklärung des Gesundheitszustan des und der Beurteilung der Ar- beitsfähigkeit der Versicherten eine Untersuchung beim regionalen ärztlichen Dienst in Auftrag. Am 21. Oktober 2010 wurde diese von Dr. E.____, FMH Psych iatrie und Psychotherapie, be- gutachtet. In seiner zusammenfassenden Beurteilung vom 22. November 2011 kam der RAD- Arzt zum Schluss, dass im Zeitpunkt der Untersuchung keine psyc hiatrische Störung mit Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden könne . Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine Lernbehinderung, ein Lispeln, Schwieri gkeiten bei der kulturellen Eingewöh- nung, (akten-)anamnestisch ein sexueller Missbrauch in der Kindheit durch ein Familienmitglied sowie anamnestisch ein sexueller Missbrauch durch eine Per son aus dem nahen, ausserfamili- ären Umfeld, eine ungenügende, elterliche Überwachung und Kontrolle sowie eine emotionale Vernachlässigung. Im Psychostatus sei die Versicherte wach, bew usstseinsklar und allseits orientiert gewesen. In der klinischen Prüfung hätten Hi nweise für eine Intelligenz im unteren Normbereich bestanden, eine erhebliche Intelligenzmin derung habe jedoch nicht festgestellt werden können. Die testpsychologischen Befunde vom 24. September 2009 nach Wechsler- Intelligenz-Test für Erwachsene hätten einen Wert von 8 1 ergeben. Kritisch zu bemerken sei hierzu allerdings, dass kein kultur- und sprachunabhäng iger Test verwendet worden sei. So sei zu bedenken, dass die italienische Muttersprache der Versi cherten die Validität der Intelligenz- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht messung einschränken könne. Es sei mit überwiegender Wa hrscheinlichkeit davon auszuge- hen, dass die Versicherte bei einem sprach- und kulturunab hängigen Test der intellektuellen Fähigkeiten deshalb höhere Werte erreichen würde. Deren Persönlichkeitsentwicklung sei noch nicht abgeschlossen. Insgesamt müsse von einem Entwicklungsrü ckstand der mittlerweile 18- jährigen Versicherten ausgegangen werden. Dieser sei dur ch die besondere Entwicklungsge- schichte sowie die Lernbehinderung bei einer Intellige nz im unteren Normbereich erklärbar. Eine Überforderung am Arbeitsplatz aber sei prinzipiell nicht nachvollziehbar. 5.2 Bereits am 11. Februar 2004 hatten F.____, leit ende Psychologin, und G.____, Psycho- login, beide H.____-Dienste in I.____, über die Versi cherte berichtet. Das intellektuelle Leis- tungsvermögen der Versicherten sei unterdurchschnittlich. Si e verfüge über nur wenig Kon- zentrations- und Abstraktionsvermögen, über eine schwache Wahrnehmungsorganisation sowie ein nur geringes Durchhaltevermögen. Sie zeige grosse Le rnschwierigkeiten und könne Analo- gien nur wenig nachvollziehen. Zudem liege eine ausgeprägte Selbstwertproblematik mit inadä- quaten Ängsten vor und es bestehe eine Überforderung be im Lernen. Aufkommende Unsicher- heiten würden mit Verweigerungs- und Vermeidungsstrate gien zu kompensieren versucht. Die frühkindliche Entwicklung sei durch psychosoziale Belastungs faktoren wie eine unzureichende Versorgung sowie eine emotionale Deprivation geprägt g ewesen. Diese Faktoren hätten die intellektuelle und psychoaffektive Entwicklung möglicherweise beeinträchtigt. 5.3 Am 24. November 2009 war bei der Versicherten ein Wechsler-Intelligenz-Test für Er- wachsene durchgeführt und ein Intelligenzquotient von 81 festgestellt worden. Es wurde fest- gehalten, dass die Versicherte die Voraussetzungen für ei ne Intelligenzminderung im Sinne der ICD-10 nicht erfüllte. 5.4 Gemäss Beiblatt vom 5. Juni 2010 zum Arztbericht von Dr. J.____, Oberärztin, und K.____, Psychologin, beide L.____-Dienst C.____, vom 26 . April 2010 sei die emotionale Ent- wicklung der Versicherten nicht altersentsprechend. Sie zeige sich noch sehr kindlich sowie abhängig und verfüge über wenig Selbstvertrauen, wodu rch eine erneute Gefährdung durch sexuellen Missbrauch zu befürchten sei. Noch immer seien Tr aumsymptome in Form einer er- höhten psychischen Sensitivität zu erkennen, welche sich in Sch lafstörungen äussern würden. Die Leistungsabklärung im Dezember 2009 habe ein eindeu tig unterdurchschnittliches kogniti- ves Potential ergeben. Dieses liege gesamthaft im Bereich niedriger Intelligenz. Die Explorandin zeige im Handlungsteil signifikant bessere Leistungen als im verbalen Teil, wo das Ergebnis einer leichten Intelligenzminderung entspreche. Sie sei daher auf eine angemessene und ver- ständnisvolle Betreuung angewiesen. Ein Arbeitspensum v on acht Stunden täglich sei zumut- bar. Bezüglich des Arbeitstempos müsse jedoch den genann ten Schwierigkeiten Rechnung getragen werden. Als berufliche Massnahmen sei eine Aus bildung im geschützten Rahmen zu empfehlen. Damit könnten die Schwächen im kognitiven un d emotionalen Bereich berücksich- tigt werden. Dies könne helfen, Fähigkeiten im praktischen Bereich zu entfalten und das Selbst- vertrauen zu stärken. 5.5 Gemäss Arztbericht von Dr. M.____, Chefarzt L.___-Die nst, vom 31. Mai 2010 bestehe bei der Versicherte eine niedrige Intelligenz gemäss ICD -10. Zudem lägen eine Vernachlässi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gung sowie ein Verdacht auf sexuellen Missbrauch vor. D ie bisherige Tätigkeit im Rahmen ei- ner einjährigen, internen praktischen Ausbildung als V erkaufsangestellte in der N.____ sei zu- mutbar. Eine eigentliche Einschätzung der medizinisch-the oretischen Arbeitsfähigkeit lässt sich diesem Arztbericht nicht entnehmen. Festgestellt wird lediglich, dass der weitere Verlauf zeigen werde, inwieweit eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit vor dem Hintergrund einer leichten Intelli- genzminderung und einer multiplen Traumatisierung möglich sei. 5.6 Gemäss Arztbericht von Dr. O.____, FMH für Allgemein e Medizin, vom 17. Februar 2011 werde die Einschätzung von Dr. E.____ der Realitä t nicht gerecht. Die Versicherte sei im Verhalten wie eine 14 bis 16-jährige Person mit Lern - und Konzentrationsschwierigkeiten bei verminderter Intelligenz. Es sei ihr nur im geschützten R ahmen möglich, eine Anlehre zu absol- vieren. 5.7 Da die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfah ren nicht ausreichend beweis- kräftig waren, gab der instruierende Präsident des Kant onsgerichts am 9. Januar 2012 zur Ab- klärung des Gesundheitszustandes und zur Beurteilung der A rbeitsfähigkeit der Versicherten ein jugendpsychiatrisches Gutachten bei Dr. P.____, FMH Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. Q.____, FMH Kinder- und Jugendp sychiatrie und Psychotherapie, bei- de D.____, in Auftrag, welches am 12. Juli 2012 erstat tet wurde. Darin diagnostizierten die Ex- perten dieselben Diagnosen wie sie bereits Dr. E.____ vom RAD als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhoben hatte. Im klinischen E indruck sei ein fehlender Realitätsbezug der Explorandin deutlich geworden. Diese habe sich in Bezug auf ihre kognitiven Schwächen und Einschränkungen unvernünftig gezeigt und habe Ursache und Wirkung vermischt. Insbe- sondere die grandios anmutenden Zukunftspläne hätten aufgezeigt, dass sie nur wenig Einsicht in ihre realen Fähigkeiten besitze. Der psychische Befund habe eine allseits orientierte, deutlich jünger wirkende Person gezeigt. Es hätten sich Hinweise auf eine reduzierte Konzentrations- und eine erhöhte Ablenkungsfähigkeit sowie auf eine Affektlabilität ergeben. Die Ergebnisse der testpsychologischen Untersuchung würden auf eine unterdurch schnittliche, allgemeine kogniti- ve Leistungsfähigkeit hindeuten, welche sich an der Gre nze zu einer leichten Intelligenzminde- rung (F70.0) im Sinne der ICD-10 bewege. Erfordere die Aufgabenstellung numerische oder verbale Fähigkeiten, kämen die Leistungen noch mehr i m unterdurchschnittlichen Bereich zu liegen und würden bei einem IQ von 67 die Kriterien einer leichten Intelligenzminderung erfül- len. Die Lern- und Gedächtnisleistungen für figurale Informationen lägen insgesamt im unter- durchschnittlichen Bereich. Zudem sei die Explorandin nu r unterdurchschnittlich in der Lage, das Gelernte auf eine feinmotorische Ebene zu übertragen. Damit resultierten Hinweise für eine mnestische Hirnfunktionsstörung. Festzustellen sei ausserdem eine niedrige bis sehr niedrige Konzentrationsfähigkeit. Ein knapp durchschnittliches Ar beitstempo einzuhalten gelänge der Versicherten nur, indem sie sehr unsorgfältig arbeite. D ie Arbeitsresultate würden zusätzlich durch eine hohe Ablenkbarkeit, die rasche Ermüdbarkeit sowie eine erhöhte Stressanfälligkeit verschlechtert. Wie bereits vom RAD festgehalten könnten keine psychiatrischen Diagnosen mit klarer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten werden. Es zeige sich jedoch, dass die Versicherte unter erheblichen psychopathologischen Einschrä nkungen leide, welche in ihrer Gesamtheit im Sinne einer Komorbidität zu einer deut lichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten. Die Versicherte sei unter keinen Umständen fähi g, den schulischen Ansprüchen einer Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lehre auf dem ersten Arbeitsmarkt zu genügen. Selbst für eine Attestlehre wäre sie auf eine stützende und strukturierende Begleitung angewiesen. Ei ne posttraumatische Belastungsstö- rung liege nicht vor. Es zeigten sich jedoch Hinweise auf eine Traumafolgestörung wie insbe- sondere eine problematische Beziehungsgestaltung, ein ni edriges Selbstwertgefühl sowie eine schlechte Abgrenzungsfähigkeit. Es lägen zahlreiche Kom orbiditäten vor, welche gesamthaft einen psychopathologischen Zustand erreichten, der einen Krankheitswert im Sinne einer deut- lichen Verminderung der Fähigkeiten darstelle, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Lehre bzw. eine Attestlehre zu bestehen. 6.1 Die IV-Stelle hat der angefochtenen Verfügung d ie medizinischen Abklärungsergebnisse des RAD vom 22. November 2011 zu Grunde gelegt. Mittle rweile gehen beide Parteien darin einig, dass die Beurteilung der medizinischen Verhältni sse indessen gestützt auf das gerichtli- che Gutachten vom 12. Juli 2012 zu erfolgen hat. So hat sich insbesondere auch die IV-Stelle in ihrer Stellungnahme vom 26. Juli 2012 den Schlussfolg erungen der Gerichtsgutachter grund- sätzlich angeschlossen. Dieser übereinstimmenden Ansicht ist b eizupflichten. Das gerichtliche Gutachten erfüllt alle rechtsprechungsgemäss erforderlich en Kriterien an eine aussagekräftige und schlüssige Expertise (vgl. oben, Erwägung 4.3). Es be ruht auf umfassenden Untersuchun- gen, berücksichtigt detailliert die von der Versicherten geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben. Anders al s noch anlässlich der RAD-Abklärung durch Dr. E.____ haben die gerichtlichen Gutachter auch Hinweise auf eine mnestische Hirn- funktionsstörung erhoben, was sich infolge der nur unte rdurchschnittlichen Fähigkeit der Versi- cherten, Erlerntes auf eine freinmotorische Ebene zu übe rtragen, als schlüssig und nachvoll- ziehbar begründet erweist. Darüber hinaus gibt das geri chtliche Gutachten in Bezug auf die erneut erhobenen testpsychologischen Untersuchungsergeb nisse ein differenzierteres Bild ab. In Abweichung zur eher pauschalen Interpretation des am 24. November 2009 durchgeführten Wechsler-Intelligenz-Tests durch den RAD-Arzt gehen die gerichtlichen Gutachter speziell auf die numerischen und verbalen Fähigkeiten sowie auf di e Lern- und Gedächtnisleistungen für figurale Informationen der Versicherten ein, welche si ch als Grundvoraussetzungen für deren berufliches Fortkommen im Alltag jedoch als unterdurchsc hnittlich erweisen. Auch wenn die Gerichtsgutachter in Übereinstimmung mit der Diagnosestellung durch Dr. E.____ zum Schluss kommen, dass für sich alleine genommen keine psychiatrischen Diagnosen mit klarer Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten festgeh alten werden können, gelangen sie nach- vollziehbar zur abweichenden Schlussfolgerung, dass die p sychopathologischen Einschränkun- gen in ihrer Gesamtheit jedoch eine erhebliche Komo rbidität darstellen, welche letztlich einen Krankheitswert erreichen, so dass die Versicherte unter ke inen Umständen fähig ist, auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bestehen. Auch wenn in Übereinsti mmung mit der Diagnose von Dr. E.____ das Vorliegen einer posttraumatischen Bela stungsstörung verneint wird, zeichnen die Gerichtsgutachter damit ein präziseres Gesamtbild der gesundheitlichen Einschränkungen. Deren Schlussfolgerungen stimmen sodann auch mit den übrigen medizinischen Akten überein. Entgegen der Einschätzung von Dr. E.____, wonach eine Ü berforderung am Arbeitsplatz prin- zipiell nicht nachvollziehbar sei, entspricht die Einschätzung der Gerichtsgutachter den Empfeh- lungen aller behandelnden Ärzte, dass eine Ausbildung bzw. Anlehre lediglich im geschützten Rahmen absolviert werden könne (vgl. Arztbericht von Dr. O .____ vom 17. Februar 2011 sowie Beiblatt vom 5. Juni 2010 zum Arztbericht von Dr. J.____ vom 26. April 2010). Mit Ausnahme Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Einschätzung durch den RAD widerspricht die verfügun gsweise Festlegung einer uneinge- schränkten Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft so mit allen übrigen Erhebungen, welche stets auf die kognitiven Einschränkungen, die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite, die rasche Ermüdbarkeit sowie weitere Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit der Versicherten hingewiesen haben (vgl. undatierter Bericht von R.____ und S. , Kinder- und Jugendheim C.____, Beilage zum Schreiben des Sozialdienstes der Geme inde T.____ vom 14. Januar 2011; Beiblatt vom 5. Juni 2010 zum Arztbericht von Dr. J.____ vom 26. April 2010). Dass unter den Bedingungen der freien Wirtschaft keine verwertbare Arbeitsfähigkeit vorhanden ist, erweist sich somit als schlüssig belegt. Diese Erkenntnis wird letzt lich auch durch die bisherigen Erfah- rungswerte der Beschäftigung der Versicherten im geschützt en Rahmen bestätigt, anlässlich derer die Versicherte einen Leistungsgrad von lediglich 40 bis 50% erreicht hatte und dabei - wie bereits im Rahmen ihres Schulabschlusses - jeweils auf e ine vertrauensvolle Kontakt- und Bezugsperson angewiesen war (vgl. Bericht von U.____ vom 11. Januar 2011; ebenso Bericht von V.____ vom 5. Januar 2011). 6.2 Gemäss den vorstehend wiedergegebenen medizinischen V erhältnissen vermag die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Frühinvalidität unt er den Bedingungen der freien Wirtschaft keiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. Wie die im geschüt zten Rahmen begonnene Anlehre in der N.____ bestätigt, belegt die medizinisch bescheinig te Unmöglichkeit, unter den Bedingun- gen der freien Wirtschaft einer zumutbaren Erwerbstätigkeit nachgehen zu können, dass die der Versicherten zumutbaren Tätigkeiten nicht Gegenstand vo n Angebot und Nachfrage auf dem offen stehenden, ausgeglichenen Arbeitsmarkt sind (vgl. ZA K 1991 S. 320 f. E. 3b; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c mit Hinweisen). Die Beschwerdefüh rerin ist in deren Ausübung derart eingeschränkt, dass der allgemeine Arbeitsmarkt keine so lche Stellen kennt. Eine Beschäfti- gung wäre deshalb nur unter nicht realistischem Entgege nkommen eines Arbeitgebers möglich (vgl. ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b und 1989 S. 321 f. E. 4a). Somit aber muss die Versicherte als vollständig erwerbsunfähig bezeichnet werden, weshalb a uf Seiten des Invalideneinkommens keinerlei Erwerbseinkommen ausgewiesen ist. Damit resul tiert bei fehlendem Invalideneinkom- men ein Invaliditätsgrad von 100%. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmac hung des Leistungsanspruchs. Die Rente wird gemäss Art. 29 Abs. 3 IVG vom Beginn de s Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht. Nachdem sich die Versicherte am 15. Februar 2010 bei der Invali- denversicherung erneut zum Leistungsbezug angemeldet h atte, wäre ihr die ganze IV-Rente demnach mit Wirkung ab August 2010 zuzusprechen. 6.3 Zu prüfen bleibt hingegen, ob die Versicherte im Erlasszeitpunkt der vorliegend ange- fochtenen Verfügung die versicherungsmässigen Voraussetzun gen erfüllt hat. Hintergrund bil- det die Tatsache, dass ein erstes Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 9. April 2008 mangels Erfüllung der versicherungsmässigen Voraussetzunge n abgelehnt worden war (vgl. Verfügung der IV-Stelle vom 14. Juli 2008). De r Kurzbegründung dieser Ablehnungsverfü- gung zufolge bestehe keine versicherungsmässige Deckung, wei l die Eltern der Versicherten keine Beiträge in der Schweiz geleistet hätten. Diese Be gründung der IV-Stelle scheint auf Art. 9 Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 IVG abzuzielen, wonach ausländische Staats- angehörige mit Sitz und gewöhnlichem Aufenthalt in de r Schweiz, die das 20. Altersjahr noch Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht nicht vollendet haben, Anspruch auf Leistungen der IV besitzen, wenn unter anderem deren Vater oder Mutter bei Eintritt der Invalidität währe nd mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahre n in der Schweiz aufgehalten haben (lit. a), und sie selbst entweder in der Schweiz invali d geboren sind oder sich bei Eintritt der In- validität seit mindestens einem Jahr in der Schweiz aufge halten haben (lit. b). Unter diesem Blickwinkel bleibt fraglich, ob der Leistungsanspruch der B eschwerdeführerin nicht auch vorlie- gend grundsätzlich zu verneinen gewesen wäre (vgl. für d ie damalige Beurteilung der versiche- rungsmässigen Voraussetzungen die Aktennotiz der IV-Stelle vom 15. April 2008). Bei summa- rischer Betrachtung erweist es sich jedenfalls als nahelie gend, dass deren Eltern italienischer Staatsangehörigkeit, welche den vorliegenden Akten zuf olge nie in der Schweiz gelebt haben, die in Art. 9 Abs. 3 lit. a IVG erforderliche, einjäh rige Beitragszeit auch im Zeitpunkt des Erlas- ses der vorliegend angefochtenen Verfügung nicht erfü llt haben. Unklar ist die Verfügung der IV-Stelle vom 14. Juli 2008 jedoch, soweit sie auf ein S ozialversicherungsabkommen zwischen Italien und der Schweiz Bezug nimmt und den Eingliederungsanspruch der Beschwerdeführerin dazumal davon abhängig gemacht hat, dass diese, unmittel bar bevor diese Massnahmen an- gezeigt gewesen wären, ununterbrochen während mindestens eines Jahres in der Schweiz ge- wohnt hat. Just diese Voraussetzung scheint die Gesuchstelle rin aber erfüllt zu haben, wohnte sie doch nachweisbar seit Ende Januar 2003 bei ihren P flegeeltern in der Schweiz (vgl. Schrei- ben der Amtsvormundschaft vom 28. März 2008). Gesamthaft bleibt deshalb offen, ob die Beschwerdeführ erin die versicherungsmässigen Vor- aussetzungen nach Art. 6 Abs. 2 und Art. 9 Abs. 3 IV G bzw. diejenigen nach Art. 8 lit. c Abs. 2 des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Italienischen Re- publik über Soziale Sicherheit vom 14. Dezember 1962 (S R 0.831.109.454.2) auch im vorlie- genden Fall mittlerweile erfüllt. Zu prüfen bleibt in diesem Zusammenhang aber auch, ob sie einen Rentenanspruch allenfalls aus dem Abkommen vom 2 1. Juni 1999 zwischen der Schwei- zerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinsch aft sowie ihren Mitgliedstaaten über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681) bzw. au s der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme d er sozialen Sicherheit auf Arbeit- nehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehör ige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, ableiten kann. Die Aktenlage erlaub t hierüber keine Beurteilung. Zumal die versicherungsmässigen Voraussetzungen in streitgegenständlich er Hinsicht von der angefoch- tenen Verfügung nicht erfasst werden, ist die Sache daher an die Kasse zurückzuweisen, damit sie ihre bereits vorhandenen Erhebungen ergänze und danach über die versicherungsmässigen Voraussetzungen der Beschwerdeführerin entscheide. 6.4 Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den Anspru ch der Beschwerdeführerin auf Ausrichtung einer ganzen IV-Rente insofern zu Unrecht verneint, als die Versicherte nicht in der Lage ist, ein massgebendes Invalideneinkommen zu erzie len. In Gutheissung der Be- schwerde ist die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 15. April 2011 demnach aufzuhe- ben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführer a b August 2010 Anspruch auf eine ganze IV-Rente besitzt, sofern sie die übrigen Anspruch svoraussetzungen erfüllt. Die Angele- genheit ist somit zugleich an die IV-Stelle zur ergänze nden Abklärung zurückzuweisen. Hierbei Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird die Kasse insbesondere zu prüfen haben, ob und a b wann die versicherungsmässigen Voraussetzungen einem Rentenanspruch der Versicherten allenfalls entgegen stehen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden d ie Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt; gegenüber den Vorinstanzen bzw. den kantonalen Behörden werden indes grundsätzlich keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die IV-Stelle unterlegen ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Die Aufwendungen für die gerichtliche Begutachtung durch die UPK sind demgegenüber der IV- Stelle aufzuerlegen. So sind gemäss Art. 78 Abs. 3 IVV die Kosten von Abklärungsmassnah- men von der IV-Stelle dann zu tragen, soweit sie für di e Zusprechung von Leistungen unerläss- lich waren (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Diese Vo raussetzung ist vorliegend gegeben, nach- dem das Gericht mit Verfügung vom 14. November 2011 zu m Schluss gekommen war, dass eine abschliessende Beurteilung gestützt auf die vorhan dene Aktenlage nicht möglich war und insbesondere die zentrale Frage der der Versicherten no ch verbleibenden Erwerbsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt näherer Prüfung bedurft hat. D ie Bemühungen der gerichtlichen Gut- achter für das Gerichtsgutachten beläuft sich gemäss Honora rrechnung vom 22. August 2012 auf Fr. 5'585.--, welche die IV-Stelle somit zu tragen hat. 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besc hwerde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahren s entsprechend ist der Beschwerde- führerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Ihre Rechts- vertreterin hat in ihrer Honorarnote vom 13. August 2012 einen Zeitaufwand von insgesamt 12,5 Stunden sowie Auslagen von Fr. 210.-- ausgewiesen, was umfangmässig nicht zu beanstanden ist. Die Bemühungen sind zu dem in der Honorarnote in Rechnung gestellten Stundenansatz von Fr. 210.-- zu entschädigen. Damit ist der Beschwerde führerin für das vorliegende Be- schwerdeverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'601.80 (12,5 Stunden à Fr. 210.-- und Auslagen von Fr. 210.-- zuzüglich 8% Meh rwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügu ng der IV-Stelle Ba- sel-Landschaft vom 15. April 2011 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab August 2010 A nspruch auf eine ganze IV-Rente besitzt, sofern die übrigen Ans pruchsvoraus- setzungen erfüllt sind. 2. Die Angelegenheit wird zur ergänzenden Abklärung d er versiche- rungsmässigen Voraussetzungen an die IV-Stelle zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 5'585.-- werden der IV-Stelle auferlegt. 5. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 3'601.80 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Mitteilung an Parteien Bundesamt für Sozialversicherungen Präsident Gerichtsschreiber