<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">343</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Anwaltsrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>72</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 12 lit. a BGFA</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Gravierende Verletzung der Berufspflichten, wenn ein Anwalt über die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Anwaltspost private Briefe von seinem inhaftierten Klienten oder an sei-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nen inhaftierten Klienten weiterleitet</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 13. Februar 2017</span><br/> <span class="ft4">i.S. Aufsichtsanzeige (AVV.2016.25).</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft6">3.</span><br/> <span class="ft6">3.1. - 3.2. (...)</span><br/> <span class="ft6">3.3. Indem der beanzeigte Anwalt seinem Klienten, der sich in</span><br/> <span class="ft6">Untersuchungshaft befand, über die Anwaltspost mehrfach private</span><br/> <span class="ft6">Briefe von Dritten weiterleitete und diesem auch solche zukommen</span><br/> <span class="ft6">liess, ohne dass die Verfahrensleitung die entsprechenden Schreiben</span><br/> <span class="ft6">vorgängig hätte kontrollieren können, verletzte er seine Berufspflich-</span><br/> <span class="ft6">ten gemäss Art. 12 lit. a BGFA. Dem Umstand, dass es sich bei den</span><br/> <span class="ft6">entsprechenden Schreiben um solche mit harmlosen Inhalt handelte</span><br/> <span class="ft6">und diese "vor der Postkontrolle standgehalten" hätten (Stellungnah-</span><br/> <span class="ft6">me vom ...), gilt es bei der konkreten Sanktionierung zu berücksich-</span><br/> <span class="ft6">tigen (vgl. nachfolgend, Ziff. 4.3). (...)</span><br/> <span class="ft6">4.</span><br/> <span class="ft6">4.1. - 4.2. (...)</span><br/> <span class="ft6">4.3. In Anbetracht des Umstandes, dass der beanzeigte Anwalt</span><br/> <span class="ft6">gemäss eigenen Angaben die Briefe selber kontrolliert hat, ist davon</span><br/> <span class="ft6">auszugehen, dass er diese bewusst über die Anwaltspost weitergelei-</span><br/> <span class="ft6">tet hat. Damit verletzte er zumindest grobfahrlässig - wenn nicht so-</span><br/> <span class="ft6">gar eventualvorsätzlich - die Pflicht der Anwältinnen und Anwälte</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Anwaltskommission</span> <span class="page_no">344</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">nach Art. 12 lit. a BGFA, ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft</span><br/> <span class="ft6">auszuüben.</span><br/> <span class="ft6">Der beanzeigte Anwalt hat in gravierender Weise gegen die Be-</span><br/> <span class="ft6">rufsregeln gemäss Art. 12 lit. a BGFA verstossen. Wie der beanzeigte</span><br/> <span class="ft6">Anwalt in seiner Stellungnahme gerade selber ausführt, darf An-</span><br/> <span class="ft6">waltspost grundsätzlich nicht durch die Staatsanwaltschaft kon-</span><br/> <span class="ft6">trolliert werden. Indem der beanzeigte Rechtsanwalt diese besonde-</span><br/> <span class="ft6">ren Privilegien eines Verteidigers missbraucht hat, hat er dem Anse-</span><br/> <span class="ft6">hen des Anwaltsstandes und dem Vertrauen, welches diesem</span><br/> <span class="ft6">entgegengebracht wird, massiv geschadet. (...) Der Umstand, dass es</span><br/> <span class="ft6">sich bei den fraglichen Briefen offenbar allesamt um harmlose</span><br/> <span class="ft6">Schreiben handelte und der beanzeigte Rechtsanwalt sich dessen</span><br/> <span class="ft6">auch versicherte, kann leicht zugunsten des beanzeigten Anwalts be-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigt werden. Festzuhalten gilt aber, dass es niemals am</span><br/> <span class="ft6">Verteidiger liegen kann, die entsprechende Einschätzung vorzuneh-</span><br/> <span class="ft6">men: dies verkennt der beanzeigte, an sich berufserfahrende Anwalt</span><br/> <span class="ft6">noch heute (...), was zu seinen Lasten zu berücksichtigen ist. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>