B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3183/2014 U r t e i l v o m 5 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli; Gerichtsschreiber Alfred Weber. Parteien A._______, geboren (…), und ihr Kind B._______, geboren (…), Eritrea, c/o Schweizerische Botschaft in Khartum, Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 12. September 2013 / N (…). D-3183/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin (Mutter) suchte mit nicht unterzeichnetem Schreiben vom 27. Februar 2011 (Eingangsstempel) an die schweizeri- sche Botschaft in Khartum sinngemäss um Asyl nach. B. Mit Schreiben vom 5. Juni 2013 – eröffnet am 29. Juli 2013 – teilte das Bundesamt de r Beschwerdeführerin unter Hinweis auf das in BVGE 2007/30 veröffentlichte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts und das Schreiben der Botschaft vom 23. März 2010 mit, letztere sei aufgrund der Zunahme der eingereichten Asylgesuche, des begrenzt en Personalbe - stands sowie wegen fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechn i- schen und räumlichen Bereich nicht mehr in der Lage, eine persönliche Befragung durchzuführen, und ersuchte sie in diesem Zusammenhang unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts um Beantwortung konkreter Fragen be - treffend die folgenden Themenbereiche: Personalien; Familienangehörige in Drittstaaten; Gründe, die zur Ausreise aus dem Heimatstaat geführt hätten, und deren Umst ände; Aufenthalt im Sudan; Dokumente und B e- weismittel. Sodann wurde die Beschwerdeführerin für den Fall, dass den Rechtsbegehren nicht stattgegeben werden könnte, Gelegenheit zu a b- schliessenden Bemerkungen beziehungsweise Einwänden innert 30 T a- gen ab Erhal t des Schreibens eingeräumt. Da sie noch nicht ein eigens unterzeichnetes Schreiben eingereicht habe, wurde sie aufgefordert, das Antwortschreiben selbst zu schreiben und zumindest zu unterschreiben, damit sie persönlich in Erscheinung trete. Das Antwortschreiben der Be- schwerdeführerin vom 14. August 2013 ging bei der schweizerischen Botschaft am folgenden Tag ein. Der Eingabe lag en Fotokopien der Flüchtlingsausweise, ein das Kind betreffender Taufschein sowie eine ge- richtliche sudanesische Bestätigung vom 6. Februar 2011 bei. C. In ihren schriftlichen Eingaben machte d ie Beschwerdeführerin zur B e- gründung des Asylgesuches im Wesentlichen geltend, die Tochter eines eritreischen Vaters und einer äthiopischen Mutter zu sein. Sie sei in Äth i- opien geboren, wo sie b is ins Jahr 2000 gelebt habe. 1998 seien ihre zwei älteren Schwestern wegen ihrer eritreischen Abstammung von äthi- opischen Sicherheitskräften verhaftet worden. Ihr Aufenthaltsort sei sei t- her unbekannt. In der Folge sei sie mit ihren Eltern, ihren zwei Töch tern D-3183/2014 Seite 3 C._______, geboren (…), und B._______, geboren (…) sowie ihren a n- deren zwei Schwestern im August 200 0 nach Eritrea deportiert worden. Auch dort habe man sie aufgrund ihrer äthiopischen Herkunft diskrim i- niert. Im Februar 2010 seien ihre beiden Schwestern verschwunden. Man habe sie wegen des Vorwurfs, den beiden Schwestern zur Ausreise in den Sudan verholfen zu haben , verhaftet. Sie sei zunächst in (Gefängnis 1) vom 28. Februar bis 6. Mai 2010 in Haft gewesen und danach ins (Ge- fängnis 2) transferiert worden. Während der Haft sei sie misshandelt und von zwei Männern, von denen sie verhört worden sei, wiederholt verg e- waltigt worden. Am 8. Oktober 2010 sei sie unter der Auflage, innert zweier Monate entweder 100 '000 Nakfa zu bezahlen oder wieder inha f- tiert zu werden, freigelassen worden. Da sie die Summe nicht habe au f- bringen können, sei sie mit ihren beiden Töchtern am 8. November 2010 in den Sudan geflohen. Am 12. November 2010 seien sie in D._______ angekommen, von wo sie sich weiter ins UNHCR -Flüchtlingslager E._______ begeben hätten. Sie seien als Flüchtlinge registriert worden. Aufgrund mangelnder Sicherheit vor Entführung und sexueller Gewalt seien sie am 28. Dezember 2010 weiter nach Khartum geflüchtet. In Khartum verrichte sie körperliche Arbeit und verkaufe Tee. Zusammen mit zwei anderen Frauen wohne sie in einem gemieteten Raum. Das Leben in Khartum sei hart. Man sei ständig mit Round-ups durch die Polizei kon- frontiert und müsse jeweils Bestechungsgelder bezahlen, um einer D e- portation zu entg ehen. Auch habe man kein Recht, zu arbeiten oder zu studieren. Als Witwe sei die Situation ohne den Schutz eines Ehemannes noch schwieriger. Aufgrund all dieser Widerwärtigkeiten sei die ältere Tochter C._______ Ende 2011 nach F._______ geflüchtet. Seither habe sie nichts mehr von ihr gehört. D. Mit am 12. September 2013 über die schweizerische Botschaft versan d- ter Verfügung vom selben Tag – eröffnet am 5. Mai 2014 – verweigerte das Bundesamt de n Beschwerdeführerinnen die Einreise in die Schweiz und lehnte d as Asylgesuch ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Abklärung des rechtserhe blichen Sachverhalts erfordere die Anwesenheit de r Beschwerdeführerinnen in der Schweiz nicht. G e- stützt auf den vollständig erstellten Sachverhalt sei davon auszugehen, dass keine unmittelbare Gefährdung vorliege, die eine sofortige Einreise der Beschwerdeführerinnen als notwendig erscheinen lasse. Aufgrund der Ausführungen im Asylgesuch vom 27. Februar 2011 sowie der Stel- lungnahme vom 15. August 2013 sei darauf zu schliessen, dass d ie Be- schwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus Eritrea ernstzunehmende D-3183/2014 Seite 4 Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden gehabt habe. In diesem Zusammenhang sei zu prüfen, ob einer Asylgewährung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG (SR 142.31) entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Au f- nahme zu bemühen. Gemäss den Berichten des UNHCR würden sich in Eritrea zahlreiche eritreische Flüchtlinge befinden, deren schwierige Lage nicht zu verkennen sei. Dennoch bestünden keine konkreten Anhalt s- punkte zur Annahme, dass ein weiterer Verbleib im Sudan nicht zumutbar oder nicht möglich sei. Vom UNHCR registrierte Flüchtlinge würde n e i- nem Flüchtlingslager zugeteilt, wo sie sich aufzuhalten hätten und die notwendige Versorgung erhielten. Es sei ih nen deshalb zuzumuten, beim UNHCR um Schutz zu ersuchen, sollte ihre Situation tatsächlich kritisch sein. Die Befürchtung de r Beschwerdeführerin, nach Eritrea zurückg e- schafft zu werden, sei als unbegründet zu erachten, da gemäss gesiche r- ten Erkenntnissen das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt seien, g e- ring sei. Das UNHCR registriere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in e i- nem Flüchtlingslager melden würden, unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlassen hätten. Vorliegend bestünden keine konkreten Anhalt s- punkte, wonach de r Beschwerdeführerin eine Rückführung nach Eritre a drohen könnte. Weder verfüge sie gemäss Akten über ein geeignetes R i- sikoprofil noch habe sie glaubhaft darlegen können, persönlich faktisch und unmittelbar bedroht zu sein, unter Verletzung des Non -Refoulement- Prinzips nach Eritrea zurückgeschafft zu wer den. Da sie den Flüchtlings- status durch das UNHCR erhalten habe, habe sie jederzeit die Möglic h- keit, sich bei einer Vertretung des UNHCR im Sudan zu melden. Khartum sei für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach. Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin verdiene sie den Lebensunterhalt mit körperlicher Arbeit und dem Verkauf von Tee. Die Hürden für den Aufbau einer zumut- baren Existenz in Khartum seien in ihrem Fall nicht unüberwindbar. Z u- dem würden eine schwierige Lebenssituation und insofern humanitäre Überlegungen keinen Grund für eine Einreisebewilligung darstellen. Überdies lebe im Sudan eine grosse eritreische Diaspora, die gegeb e- nenfalls Unterstützung bieten könne. Sodann verfüge die Beschwerdefüh- rerin über keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz , da sie keine nahen Verwandten oder Bezugspersonen in der Schweiz habe. E. Mit englischsprachiger Eingabe vom 27. Mai 2014 (Eingang Botschaft) beantragte die Beschwerdeführerin sinngemäss, es sei die angefochtene D-3183/2014 Seite 5 Verfügung aufzuheben und ihr und ihrem Kind die Einreise in die Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewähren. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG lieg t nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VG G und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann inde s- sen verzichtet werden, da der in Englisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemäss e Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann. 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vo r- liegende Entscheid in deutscher Sprache. D-3183/2014 Seite 6 2. Mit Beschwerde ka nn die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Da es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, ist der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wurden u n- ter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen halten jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Ände rung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Artikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bisherigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. 5. 5.1 Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3 und Art. 7 AsylG sowie aArt . 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen e r- mächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft m a- chen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Frei- heit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. D-3183/2014 Seite 7 5.2 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ve r- fahrens bei der schweizerischen Vertretung im Ausland sieht aArt. 10 AsylV 1 (SR 142.311) vor, dass diese mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durchführt ( aArt. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuhalten ( aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann sich erü b- rigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereicht en Asylge- suchs als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu ei nem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7). 5.2.1 Die Beschwerdeführerin wurde nicht zu ihre m Asylgesuch befragt. Sie legte ihre Vorbringen jedoch bereits im Asylgesuch vom 27. Februar 2011 schriftlich dar (vgl. Sachverhalt Bst. A). Mit Verfügung vom 5. Juni 2013 wurde sie unter Beilage eines expl izit aufgelisteten Frage nkatalogs gebeten, für die vollständige Erstellung des rechtserheblichen Sachve r- halts die entsprechenden Fragen vollständig und präzise zu beantworten (vgl. Sachverhalt Bst. B). Hierzu nahm die Beschwerdeführe rin am 15. August 2013 schriftlich Stellung (vgl. Sachverhalt Bst. C). Der en t- scheidwesentliche Sachverhalt) erscheint angesichts der schriftlichen Darlegung der Asylgründe (vgl. Sachverhalt Bst. A und C) soweit erstellt, dass die entscheidrelevanten Elemente vorliegen. 5.2.2 Bei die ser Sachlage bestand keine Veranlassung, die Beschwer - deführerin vorgängig eines Entscheides durch eine schweizerische Ver- tretung zusätzlich persönlich befragen zu lassen. Das BFM hat den ve r- fahrensrechtlichen Anforderungen damit Genüge getan. 5.3 Für die E rteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorau s- setzungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum z u- kommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit d er Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlag- gebend für die Er teilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzb e-D-3183/2014 Seite 8 dürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prüfung der Fragen, ob e i- ne Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufe nthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann. Die Einreise ist aber selbst im Falle einer allfäll i- gen Schutzbedürftigkeit zu verweigern, wenn Asylausschlussgründe vo r- liegen (vgl. BVGE 2011/10). 6. 6.1 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit der Vorinstanz einig geht, dass d ie Beschwerdeführerin aufgrund der von ihr dargelegten Vergangenheit in ihrem Heimatstaat vor ihrer Ausrei- se aus Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den eritreischen Behörden ha tte, die insgesamt geeignet erscheinen, eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. 6.2 Halten sich die asylsuchenden Personen – wie im vorliegenden Fall – in einem Drittstaat auf, bedeutet dies noch nicht zwingend, dass es ihnen auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. In einem so l- chen Fall ist aber im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffenden Personen hätten in diesem Drittstaat bereits den erforderl i- chen Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und der Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer allfälligen B ezie- hungsnähe zur Schweiz abzuwägen (vgl. BVGE 2011/10). Vorab ist festzuhalten, dass sich d ie Beschwerde sinngemäss auf eine grundsätzliche Wiederholung der bisherigen Vorbringen beschränkt. Die Überprüfung der Akten ergibt sodann, dass sich die diesbezü glichen Er- wägungen in der angefochtenen Verfügung als zutreffend erweisen (vgl. Sachverhalt Bst. D). Das BFM hat in seiner Verfügung vom 12. Septem- ber 201 3 zutreffend ausgeführt , dass infolge der hohen Anzahl eritre i- scher Flüchtlinge im Sudan deren Lage ni cht einfach ist. Dennoch best e- hen im vorliegenden Verfahren keine konkreten Anhaltspunkte für die An- nahme, dass ein weiterer Verbleib im Sudan, wo d ie Beschwerdeführe- rinnen seit November 2010 leben und vom UNHCR als Flüchtlinge regist- riert seien, nicht zumutbar oder nicht möglich ist. Zwar werden durch die sudanesischen Behörden – wie in der Beschwerde hinsichtlich von Zwi- schenfällen im Rahmen von R ound-ups mit der Polizei oder dem Militär geltend gemacht – tatsächlich teilweise eritreische Asylsuchende und D-3183/2014 Seite 9 Flüchtlinge nach Eritrea deportiert. Diese Rückführungen erfolgen inde s- sen nicht flächendeckend. Die Beschwerdeführerinnen sind im Sudan ei- nem Flüchtli ngscamp zugewiesen worden, ha ben es jedoch den Akten zufolge vorgezogen, sich in Khartum aufzuhalten, wo sie die Sicherheit für eritreische Flüchtlinge für besser , aber gleichwohl nicht sicher genug erachten. Sollten sie eine Deportation ernsthaft befürchten, wäre es ihnen zuzumuten, in das ih nen zugewiesene Flüchtlingscamp zurückzukehren. Im Übrigen hat d as BFM in seiner Verfügung vom 12. September 2013 übereinstimmend mit der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts erw o- gen, gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtli n- ge an erkannt seien, gering . Dem Bericht der Schweizerischen Flüch t- lingshilfe (SFH) vom 5. Juli 2012 zufolge, der die Gefahr von Deportati o- nen, Entführungen und Lösegelderpressungen von eritreischen Flüchtli n- gen im Sudan thematisiert und auf die schwierige Situation hinweist, kann ausserdem entnommen werden, dass insbesondere das UNHCR, die I n- ternational Organisation for Migration (IOM) und die sudanesischen B e- hörden bestrebt sind, die Situation zu verbessern. Gleiches gilt für Bestre- bungen hinsichtlich der Sicherheit in den Flüchtlingscamps (vgl. dazu ins- besondere die Mitteilung des UNHCR vom 25. Januar 2013; "UNHCR concern at refugee kidnappings, disappearences in eastern Sudan"). Ihre erstmals in dieser Form auf Beschwerdestufe mit Hinweisen auf Interne t- seiten geäusserten Befürchtungen sind nicht geeignet, daran etwas zu ändern. Sodann leben sie – wie bereits erwähnt – seit fast vier Jahren im Sudan und vermochte n eine gewisse Selbständigkeit zu entfalten . G e- mäss Akten geht die Beschwerdeführerin Gelegenheitsarbeiten nach. In diesem Zusammenhang ist auch auf die grosse eritreische Gemeinschaft in Khartum zu verweisen, die eine weitere Eingliederung ebenfalls e r- leichtert. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend keine konkreten Hin- weise dafür bes tehen, die Beschwerdeführerinnen seien gegenwärtig ei- ner konkreten Gefährdung ausgesetzt oder hätten eine unmittelbar dr o- hende Deportation nach Eritrea oder eine Entführung durch terroristische Gruppen zu befürchten. Schliesslich ist festzustellen, dass keine nahen Verwandten oder Bezugs- personen der Beschwerdeführerin in der Schweiz leben . Der erstmals in der Beschwerde erwähnte Cousin der Beschwerdeführerin, welcher in der Schweiz lebe, vermag den Anforderungen der besonderen Beziehung s- nähe zur Schweiz jedenfalls nicht zu genügen. D-3183/2014 Seite 10 6.3 Die Beschwerdeführerinnen vermochten insgesamt nicht aufzuzeigen, dass sie auf die Schutzgewährung durch die Schweiz angewiesen sind beziehungsweise ih nen gerade die Schweiz den erforderlichen Schutz gewähren muss. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt ric h- tig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das BFM hat die Asylgesuche und das Gesuch um Einreise in die Schweiz zu Recht abge- lehnt. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten gr undsätzlich den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwal- tungsökonomischen Gründen sowie in Anwendung von A rt. 63 Abs. 1 letzter Satz VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Fe b- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht ( VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend jedoch auf die Erh e- bung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3183/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das BFM und die z u- ständige schweizerische Vertretung. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Alfred Weber Versand: