<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 111 S.408</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">407</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>111 Beiladung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Wann sind Dritte beizuladen? (Erw. 11c)</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">408</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>- Eine Drittperson ist nicht beizuladen, wenn sie von den Beschwerde-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>anträgen nicht betroffen ist und eine Begründung dafür fehlt anzu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nehmen, dass die beschwerdeführende Partei ihr gegenüber Regress-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ansprüche geltend machen könnte, die gegen den Einwand der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schlechten Prozessführung abzusichern sind.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Regierungsrats vom 15. August 2007 i.S. J. AG gegen die</span><br/> <span class="ft3">Einwohnergemeinde Thalheim.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Ortsbürgergemeinde Thalheim ist Grundeigentümerin der</span><br/> <span class="ft1">Parzelle 281 im Gebiet «Hard». 1971 schloss sie mit der J. AG einen</span><br/> <span class="ft1">Dienstbarkeitsvertrag, der diese berechtigt, auf der Parzelle Material</span><br/> <span class="ft1">abzubauen. In der neuen Nutzungsplanung Kulturland wies die Ein-</span><br/> <span class="ft1">wohnergemeinde die Parzelle 281 besonderen Schutzzonen zu. Ge-</span><br/> <span class="ft1">gen diese Zonenzuweisung erhob die J. AG Beschwerde beim Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat. Dabei beantragte sie erfolglos, dass die Ortsbürgerge-</span><br/> <span class="ft1">meinde zum Verfahren beizuladen sei.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">11. Beiladung Ortsbürgergemeinde</span><br/> <span class="ft1">a) Mit Gesuch vom 19. Juni 2006 beantragte die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin, die Ortsbürgergemeinde Thalheim von Amtes wegen bei-</span><br/> <span class="ft1">zuladen. Ferner beantragte sie sinngemäss, den Gemeinderat Thal-</span><br/> <span class="ft1">heim anzuweisen, die Beiladung an der Ortsbürgergemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung zu traktandieren, damit die Ortsbürgergemeinde entschei-</span><br/> <span class="ft1">den kann, ob sie sich aktiv am Verfahren beteiligen will oder nicht</span><br/> <span class="ft1">und einen vom Gemeinderat unabhängigen Vertreter bestellen kann.</span><br/> <span class="ft1">Eventualiter sei der Ortsbürgergemeinde von Amtes wegen ein</span><br/> <span class="ft1">Rechtsvertreter zu bestellen. Die Beiladung habe den Zweck, die</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft des Entscheids auf die Beigeladene auszudehnen, damit</span><br/> <span class="ft1">diese in einem später gegen sie gerichteten Prozess den Entscheid</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">409</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gegen sich gelten lassen müsse. Die Beiladung diene der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">sicherheit (durch Ausdehnung der Rechtskraft) und der Prozessöko-</span><br/> <span class="ft1">nomie. Sie verhindere damit widersprüchliche Entscheide. Damit</span><br/> <span class="ft1">werde ein allfälliger späterer Regressprozess erleichtert. Jeder Ein-</span><br/> <span class="ft1">fluss auf die Rechtsstellung sei ausreichend; es sei nicht erforderlich,</span><br/> <span class="ft1">dass die Beigeladene materiell beschwert sei beziehungsweise sein</span><br/> <span class="ft1">werde. Abgesehen davon werde der Ausgang des Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft1">rens die rechtlichen Interessen der Ortsbürgergemeinde erheblich</span><br/> <span class="ft1">tangieren, sogar die weitere Existenz der Ortsbürgergemeinde ge-</span><br/> <span class="ft1">fährden: Würde die Beschwerde abgewiesen, könnte die Ortsbürger-</span><br/> <span class="ft1">gemeinde den Ausbeutungsvertrag von 1971 nicht erfüllen, woraus</span><br/> <span class="ft1">ihr immense finanzielle Nachteile erwachsen würden. (...) Da die</span><br/> <span class="ft1">Postulationsfähigkeit der Ortsbürgergemeinde aufgrund der unver-</span><br/> <span class="ft1">einbaren Doppelrolle des Gemeinderats als Vertreter der Ortsbürger-</span><br/> <span class="ft1">gemeinde und der Einwohnergemeinde nicht mehr gegeben sei, sei</span><br/> <span class="ft1">ihr die Möglichkeit zu geben, einen eigenen direkten Rechtsvertreter</span><br/> <span class="ft1">an Stelle des Gemeinderats zu wählen. Der Gemeinderat habe im</span><br/> <span class="ft1">Unterschied zum Mitwirkungsverfahren im Einsprache- und im Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren keine Eingabe für die Ortsbürgergemeinde einge-</span><br/> <span class="ft1">reicht. Der Gemeinderat sei daher aufgrund der offensichtlichen In-</span><br/> <span class="ft1">teressenkollision nicht in der Lage, die Interessen der Ortsbürgerge-</span><br/> <span class="ft1">meinde gehörig zu wahren.</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat beantragt namens der Einwohnergemeinde,</span><br/> <span class="ft1">den Antrag auf Beiladung abzuweisen, einschliesslich der ergänzen-</span><br/> <span class="ft1">den Anträge auf Weisungen und Massnahmen. Zur Begründung führt</span><br/> <span class="ft1">er an, dass eine Beiladung nur gerechtfertigt sei, wenn es darum</span><br/> <span class="ft1">gehe, widersprüchliche Entscheide zu vermeiden. Das sei hier nicht</span><br/> <span class="ft1">gegeben, weil die Ortsbürgergemeinde die Zonierung des «Hard» so</span><br/> <span class="ft1">oder so gegen sich gelten lassen müsse. Ausserdem sei der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat gemäss § 27 Abs. 2 BauG gar nicht befugt, die beantragte</span><br/> <span class="ft1">Direktänderung in eine Materialabbauzone zu beschliessen. Somit</span><br/> <span class="ft1">käme nur eine Nichtgenehmigung und eine Rückweisung an die Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinde in Frage. Rückweisungsanträge seien jedoch als blosse</span><br/> <span class="ft1">Zwischenentscheide grundsätzlich nicht anfechtbar, weshalb die</span><br/> <span class="ft1">Ortsbürgergemeinde bei einem entsprechenden gutheissenden Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsratsentscheid formell gar noch nicht belastet sei, jedenfalls</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">410</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nicht in nichtwiedergutzumachender Weise. Ohnehin sei die be-</span><br/> <span class="ft1">schlossene Zonierung gemessen an der restlichen Vertragsdauer bis</span><br/> <span class="ft1">2070 angesichts von Art. 21 Abs. 2 RPG ein relativ kurzes Inter-</span><br/> <span class="ft1">mezzo. Im Übrigen habe der Gemeinderat die Interessen der Orts-</span><br/> <span class="ft1">bürgergemeinde immer gewahrt. Er habe für die Ortsbürgergemeinde</span><br/> <span class="ft1">eine Mitwirkungseingabe verfasst. Auf eine Einsprache habe er dann</span><br/> <span class="ft1">verzichtet, gestützt auf die Aussage im Vorprüfungsbericht, dass die</span><br/> <span class="ft1">Vorlage keine Massnahmen vorsehe, welche eine spätere Zonierung</span><br/> <span class="ft1">dieses Abbaustandorts ausschliesse. Die Ortsbürgergemeinde sei in</span><br/> <span class="ft1">näherer Zukunft auf die Abbauentschädigung nicht angewiesen,</span><br/> <span class="ft1">gleich wie in den vorhergehenden Jahren. Die Zustimmung des Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderats zu den geplanten Probebohrungen des Departements Bau,</span><br/> <span class="ft1">Verkehr und Umwelt zeige, dass der Gemeinderat - im Gegensatz zu</span><br/> <span class="ft1">den anderen Gemeinderäten der für Probebohrungen vorgesehenen</span><br/> <span class="ft1">Standortgemeinden - in Vertretung der Ortsbürgergemeinde an der</span><br/> <span class="ft1">Standortevaluation konstruktiv mitwirke. Der Gemeinderat habe die</span><br/> <span class="ft1">übrigen Organe der Ortsbürgergemeinde stets über seine Entschei-</span><br/> <span class="ft1">dungen und Überlegungen orientiert. Der Gesetzgeber habe bewusst</span><br/> <span class="ft1">in Kauf genommen, dass der Gemeinderat beide Gemeinden, Orts-</span><br/> <span class="ft1">bürgergemeinde und Einwohnergemeinde, auch in Interessenkon-</span><br/> <span class="ft1">flikten vertrete.</span><br/> <span class="ft1">b) Das VRPG regelt die Beiladung für das Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren (vor dem Regierungsrat und dem Verwaltungsgericht) nicht, je-</span><br/> <span class="ft1">denfalls nicht ausdrücklich, nur für das gerichtliche Klageverfahren</span><br/> <span class="ft1">(vgl. § 62 VPRG). In der - kaum publizierten - Praxis wird die</span><br/> <span class="ft1">Beiladung jedoch auch im Verwaltungsbeschwerdeverfahren zuge-</span><br/> <span class="ft1">lassen. Der Entwurf des Regierungsrats vom 14. Februar 2007 zur</span><br/> <span class="ft1">ersten Beratung für ein neues Gesetz über die Verwaltungsrechts-</span><br/> <span class="ft1">pflege (nVRPG; GR.07.27) kodifiziert im Wesentlichen die bisherige</span><br/> <span class="ft1">Praxis mit folgender neuer Bestimmung:</span><br/> <span class="ft5">«§ 12 Beiladung</span><br/> <span class="ft6"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Die instruierende Behörde kann Dritte von Amtes wegen oder auf</span><br/> <span class="ft5">Antrag zum Verfahren beiladen, wenn sie durch den Ausgang des Ver-</span><br/> <span class="ft5">fahrens in eigenen Interessen berührt werden könnten.</span><br/> <span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Beigeladene haben Parteistellung und die damit verbundenen Rechte</span><br/> <span class="ft5">und Pflichten; über die Anträge der ursprünglichen Parteien können</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">411</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">sie nicht hinausgehen, die Verfügung über den Streitgegenstand steht</span><br/> <span class="ft5">ihnen nicht zu. Mit der Beiladung wird der Entscheid auch für die</span><br/> <span class="ft5">Beigeladenen verbindlich.</span><br/> <span class="ft6"><sup>3</sup></span><span class="ft5">Verzichten Beigeladene auf eine aktive Teilnahme am Verfahren, tra-</span><br/> <span class="ft5">gen sie keine Kosten.»</span><br/> <span class="ft1">Die dazugehörige Botschaft vom 14. Februar 2007 enthält zur</span><br/> <span class="ft1">Beiladung folgende Bemerkungen (S. 20 f.; vgl. M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o.,</span><br/> <span class="ft1">§ 41 N 60 ff.):</span><br/> <span class="ft5">«Die Beiladung ist im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft5">(vgl. aber § 62 VRPG für das Klageverfahren) bis anhin nicht ge-</span><br/> <span class="ft5">regelt, liess sich aber als notwendige Ausdehnung des Schriften-</span><br/> <span class="ft5">wechsels auf rechtlich Betroffene (§ 41 Abs. 1 VRPG sinngemäss)</span><br/> <span class="ft5">oder als nachträglicher Einbezug Dritter in das Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft5">bei Vorliegen besonderer Voraussetzungen begreifen. Im Aargau</span><br/> <span class="ft5">existiert dazu kaum eine publizierte Praxis (AGVE 1994, 472 ff.;</span><br/> <span class="ft5">1981, 279).</span><br/> <span class="ft5">Die Beiladung hat den Zweck, die Rechtskraft des Urteils auf den</span><br/> <span class="ft5">Beigeladenen auszudehnen, damit dieser in einem später gegen ihn ge-</span><br/> <span class="ft5">richteten Prozess das Urteil im Beiladungsprozess gegen sich gelten</span><br/> <span class="ft5">lassen muss. Die Beiladung dient damit der Rechtssicherheit durch</span><br/> <span class="ft5">Ausdehnung der Rechtskraft sowie der Prozessökonomie und verhin-</span><br/> <span class="ft5">dert sich widersprechende Urteile. Der Beigeladene kann die Beila-</span><br/> <span class="ft5">dung nicht mit der Wirkung ausschlagen, dass das betreffende Urteil</span><br/> <span class="ft5">für ihn nicht gilt; selbst wenn er auf die aktive Mitwirkung (Stellung</span><br/> <span class="ft5">von Anträgen) am Verfahren verzichtet, entfaltet das Urteil auch ihm</span><br/> <span class="ft5">gegenüber Rechtswirkungen, hingegen trägt er diesfalls kein Kostenri-</span><br/> <span class="ft5">siko. Der beigeladene Dritte erhält Parteistellung.</span><br/> <span class="ft5">Beigeladen werden können Dritte, deren «eigene» Interessen durch</span><br/> <span class="ft5">den Entscheid betroffen werden; auf die Beschwerdebefugnis des</span><br/> <span class="ft5">Dritten kommt es nicht an. Das (allgemeine) Interesse eines Dritten an</span><br/> <span class="ft5">der richtigen Anwendung von Verwaltungsrecht kann keine Beiladung</span><br/> <span class="ft5">nach sich ziehen.</span><br/> <span class="ft5">Das Vernehmlassungsverfahren ist von der Beiladung abzugrenzen.</span><br/> <span class="ft5">Mit der Zustellung zur Beschwerdeantwort wird Dritten, die durch den</span><br/> <span class="ft5">Ausgang des Prozesses direkt in ihren rechtlichen oder tatsächlichen</span><br/> <span class="ft5">Interessen betroffen werden, die (freigestellte) Teilnahme am Verfah-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">412</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ren ermöglicht. Die Beiladung lässt dem Beigeladenen keine Wahl, er</span><br/> <span class="ft5">wird Partei, ob er sich am Verfahren aktiv beteiligt oder nicht; aller-</span><br/> <span class="ft5">dings kann er das Kostenrisiko ausschliessen, wenn er auf die Aus-</span><br/> <span class="ft5">übung seiner Parteirechte verzichtet. Darauf ist er hinzuweisen.</span><br/> <span class="ft5">Der Beigeladene ist im Grundsatz mit denselben prozessualen Rechten</span><br/> <span class="ft5">und Pflichten am Verfahren beteiligt wie die ursprünglichen Parteien.</span><br/> <span class="ft5">Er kann selbständig Anträge stellen, ein Rechtsmittel ergreifen und,</span><br/> <span class="ft5">sofern er sich am Verfahren durch die Stellung von Anträgen beteiligt</span><br/> <span class="ft5">hat, auch zur Kostentragung verpflichtet werden; bei Obsiegen hat er</span><br/> <span class="ft5">Anspruch auf Kostenersatz. Hingegen fehlt ihm die Dispositionsbe-</span><br/> <span class="ft5">fugnis über den Streitgegenstand (kein Rückzug).</span><br/> <span class="ft5">Die Beiladung erfolgt von Amtes wegen, auf Antrag einer Partei oder</span><br/> <span class="ft5">auf Antrag des beizuladenden Dritten selbst. Der Entscheid über einen</span><br/> <span class="ft5">Antrag liegt im Ermessen der erkennenden Instanz. Die Beiladung ist</span><br/> <span class="ft5">dann eine notwendige, wenn die zu treffende Entscheidung in der Sa-</span><br/> <span class="ft5">che für die Parteien und den beizuladenden Dritten nur einheitlich er-</span><br/> <span class="ft5">gehen kann. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Rechtsmittel-</span><br/> <span class="ft5">entscheid zugunsten des Beschwerdeführers den Dritten belastet (An-</span><br/> <span class="ft5">wendungsfall in AGVE 1967, 284 ff.), wenn die Feststellung eines</span><br/> <span class="ft5">Rechtsverhältnisses verlangt wird, an welchem ein Dritter beteiligt ist,</span><br/> <span class="ft5">oder wenn bei einer Rechtsgemeinschaft ein Einzelner an sich selb-</span><br/> <span class="ft5">ständig zur Beschwerde befugt ist, das Prozessthema materiell aber</span><br/> <span class="ft5">die anderen in ihren Rechten gleichwohl betrifft.</span><br/> <span class="ft5">Das Verwaltungsgericht verlangt in formeller Hinsicht, dass der Bei-</span><br/> <span class="ft5">zuladende über die Folgen der Beiladung orientiert wird. Es ist ihm zu</span><br/> <span class="ft5">eröffnen, dass er berechtigt ist, innert der gesetzten Frist Anträge zu</span><br/> <span class="ft5">stellen, seinen Standpunkt zu begründen, dass er ein Kostenrisiko trägt</span><br/> <span class="ft5">und den Entscheid auch gegen sich gelten lassen muss, wenn er auf</span><br/> <span class="ft5">jegliche Mitwirkung verzichtet. Äussert sich der Beigeladene innert</span><br/> <span class="ft5">Frist nicht zu den gestellten Begehren, hat er auf die Ausübung seiner</span><br/> <span class="ft5">Parteirechte verzichtet, womit das Kostenrisiko entfällt, nicht aber die</span><br/> <span class="ft5">Verbindlichkeit des ohne seine Mitwirkung zustande gekommenen</span><br/> <span class="ft5">Entscheids.»</span><br/> <span class="ft1">c) Die Beiladung erfolgt von Amtes wegen, auf Antrag einer</span><br/> <span class="ft1">Partei oder auf Antrag des beizuladenden Dritten selbst</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1994, S. 473 mit Hinweisen; M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o., § 41 N 65).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">413</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin beantragt, die Ortsbürgergemeinde als</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümerin von Amtes wegen beizuladen. In diesem Antrag</span><br/> <span class="ft1">ist entgegen der Formulierung auch ein Parteiantrag zu erblicken, der</span><br/> <span class="ft1">auch zu beurteilen ist, wenn die Ortsbürgergemeinde nicht von Am-</span><br/> <span class="ft1">tes wegen, das heisst nicht zwingend, beizuladen ist.</span><br/> <span class="ft1">Der Gesetzgeber hat die Beiladung für das Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren bewusst nicht (ausdrücklich) vorgesehen, obwohl ihm das Pro-</span><br/> <span class="ft1">blem bekannt war (vgl. § 62 VRPG; der Gesetzgeber war der Auffas-</span><br/> <span class="ft1">sung, das Institut der Beiladung sei im Beschwerdeverfahren unnötig</span><br/> <span class="ft1">[M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o., § 41 N 60 Fn 78]). Dies spricht für eine Anwen-</span><br/> <span class="ft1">dung, die sich auf die Fälle beschränkt, wo sie von der Interessenlage</span><br/> <span class="ft1">her klar geboten ist (AGVE 1997, S. 392).</span><br/> <span class="ft1">In der Praxis wird die Terminologie der Beiladung nicht immer</span><br/> <span class="ft1">konsequent beziehungsweise im umschriebenen eigentlichen (engen)</span><br/> <span class="ft1">Sinn verwendet. Häufig steht die nachträgliche (weil aus welchen</span><br/> <span class="ft1">Gründen auch immer vergessen gegangene) Zuerkennung der Partei-</span><br/> <span class="ft1">stellung im Vordergrund. Die eigentlichen Beiladungen erfolgen, um</span><br/> <span class="ft1">den Zweck der Beiladung zu erfüllen, der darin liegt, die Rechtskraft</span><br/> <span class="ft1">des Urteils auf den Beigeladenen auszudehnen, damit dieser in einem</span><br/> <span class="ft1">später gegen ihn gerichteten Prozess das Urteil im Beiladungsprozess</span><br/> <span class="ft1">gegen sich gelten lassen muss; die Beiladung dient damit der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">sicherheit durch Ausdehnung der Rechtskraft sowie der Prozessöko-</span><br/> <span class="ft1">nomie und verhindert sich widersprechende Urteile.</span><br/> <span class="ft1">Die wenigen echten Fälle von Beiladungen lassen sich in fol-</span><br/> <span class="ft1">gende Fallkategorien zusammenfassen:</span><br/> <span class="ft1">Dritte sind beizuladen,</span><br/> <span class="ft1">- <i>wenn eine Regresssituation nachgewiesen ist</i>, das heisst</span><br/> <span class="ft1">wenn der Antragsteller nachweist, dass er gegen den beizu-</span><br/> <span class="ft1">ladenden Dritten wahrscheinlich Regress nehmen kann.</span><br/> <span class="ft1">So ist ein Generalunternehmer in einem Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft1">ren gegen eine Gebührenverfügung beizuladen, wenn er ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss klarem Wortlaut des Generalunternehmervertrags (und</span><br/> <span class="ft1">übereinstimmender Auslegung durch die Vertragsparteien)</span><br/> <span class="ft1">verpflichtet ist, die Gebühren zu tragen (AGVE 1997, S. 389</span><br/> <span class="ft1">ff., insb. S. 394).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">414</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">- <i>wenn ein Rechtsmittelentscheid zugunsten des Beschwerde-</i></span><br/> <span class="ft4"><i>führers einen Dritten belastet</i>. Die Belastung ist in der Regel</span><br/> <span class="ft1">lediglich indirekt beziehungsweise erfolgt später (eine di-</span><br/> <span class="ft1">rekte Belastung fällt demgegenüber häufig unmittelbar unter</span><br/> <span class="ft1">§ 41 Abs. 1 und betrifft einen Beteiligten, der von Amtes</span><br/> <span class="ft1">wegen Partei ist und nicht extra beigeladen werden muss, so</span><br/> <span class="ft1">beispielsweise der Bauherr, wenn der ehemalige Einsprecher</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde erhebt [AGVE 2003, S. 310 f.], der Störer im</span><br/> <span class="ft1">Fall einer Immissionsklage der Nachbarn [AGVE 2003, S.</span><br/> <span class="ft1">310 f.] oder der Gesuchsteller um Mitbenutzung einer Er-</span><br/> <span class="ft1">schliessungsanlage gemäss § 38 Abs. 1 BauG im Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deverfahren des belasteten Grundeigentümers [VGE III/72</span><br/> <span class="ft1">vom 21.7.2005, S. 5]). Im Vordergrund steht, die Gefahr ei-</span><br/> <span class="ft1">nes späteren widersprüchlichen Entscheids zu vermeiden.</span><br/> <span class="ft1">Beanspruchen beispielsweise beide geschiedenen Eltern bei</span><br/> <span class="ft1">ihrer Steuerveranlagung (die an den jeweiligen Wohnorten,</span><br/> <span class="ft1">also durch zwei verschiedene Steuerkommissionen erfolgte)</span><br/> <span class="ft1">den Kinderunterhaltsabzug, ist im Rekursverfahren des Ehe-</span><br/> <span class="ft1">manns die Ehefrau beizuladen, weil der Abzug nur einem</span><br/> <span class="ft1">von beiden zusteht (AGVE 1994, S. 472 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Rekurriert ein Gesellschafter gegen die Besteuerung des</span><br/> <span class="ft1">Grundstückgewinns, so sind die übrigen Gesellschafter ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Konsortialvertrag beizuladen (AGVE 1967, S. 284 f.).</span><br/> <span class="ft1">Allgemein geht es um Situationen, in denen ein Einzelner</span><br/> <span class="ft1">einer Rechtsgemeinschaft selbständig zur Beschwerde be-</span><br/> <span class="ft1">fugt ist, das Prozessthema aber die anderen in ihren Rechten</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls betrifft (M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o., § 41 N 65).</span><br/> <span class="ft1">- <i>wenn zur Durchsetzung des Entscheids in die Rechte eines</i></span><br/> <span class="ft4"><i>Dritten eingegriffen werden muss</i>. Dies ist insbesondere</span><br/> <span class="ft1">dann gegeben, wenn der Beschwerdeführer Verhaltensstörer</span><br/> <span class="ft1">und der Dritte Zustandsstörer ist.</span><br/> <span class="ft1">Wehrt sich beispielsweise ein Bauherr, der nicht zugleich</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer ist, gegen die Wiederherstellung des recht-</span><br/> <span class="ft1">mässigen Zustands bei einem bereits bestehenden Gebäude,</span><br/> <span class="ft1">so ist der Grundeigentümer beizuladen (im konkreten Fall</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">415</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">unterstützte der Grundeigentümer den Bauherrn; Zwischen-</span><br/> <span class="ft1">entscheid VGE III/125 vom 18. Dezember 1996, S. 3 ff.).</span><br/> <span class="ft1">Muss der Bauherr Sicherungsmassnahmen am Gebäude auf</span><br/> <span class="ft1">der Nachbarliegenschaft vornehmen, so ist der benachbarte</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer beizuladen (im konkreten Fall begrüsste</span><br/> <span class="ft1">der Grundeigentümer die verfügten Massnahmen und bean-</span><br/> <span class="ft1">tragte, als Gegenpartei zum beschwerdeführenden Bauherrn</span><br/> <span class="ft1">beigeladen zu werden; Entscheid des Departements Bau,</span><br/> <span class="ft1">Verkehr und Umwelt [EBVU] vom 21. Januar 2002 i.S. J.S.</span><br/> <span class="ft1">und Mitb., S. 3).</span><br/> <span class="ft1">- <i>wenn die Feststellung eines Rechtsverhältnisses verlangt</i></span><br/> <span class="ft4"><i>wird, an welchem ein Dritter beteiligt ist</i> (M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o.,</span><br/> <span class="ft1">§ 41 N 65).</span><br/> <span class="ft1">d) Die von einer Nutzungsplanung betroffene Grundeigentüme-</span><br/> <span class="ft1">rin (die nicht auch Planungsträgerin ist) ist am Beschwerdeverfahren</span><br/> <span class="ft1">eines Dritten nicht zwingend beteiligt; sie kann folglich auf eine</span><br/> <span class="ft1">Parteistellung verzichten (was mit einer förmlichen Beiladung nicht</span><br/> <span class="ft1">gegeben wäre); sie ist dann nicht Partei und von der Mitwirkung am</span><br/> <span class="ft1">Verfahren ausgeschlossen (AGVE 1997, S. 282).</span><br/> <span class="ft1">Dies trifft im vorliegenden Fall zu. Die Betroffenheit der Orts-</span><br/> <span class="ft1">bürgergemeinde als Grundeigentümerin genügt für sich allein des-</span><br/> <span class="ft1">halb nicht für eine Beiladung. Die Nutzungsplanung gilt für alle</span><br/> <span class="ft1">Grundeigentümer im Planungsperimeter, somit auch für die Ortsbür-</span><br/> <span class="ft1">gergemeinde, unabhängig davon, ob sie am Verfahren teilnimmt oder</span><br/> <span class="ft1">nicht (vgl. Art. 21 Abs. 1 RPG). Der Genehmigungsentscheid über</span><br/> <span class="ft1">die vorliegende Nutzungsplanung, der grundsätzlich den regierungs-</span><br/> <span class="ft1">rätlichen Beschwerdeentscheid ablöst (§ 28 BauG; § 6 Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">ABauV), wird in jedem Fall auch gegenüber der Ortsbürgergemeinde</span><br/> <span class="ft1">als Grundeigentümerin gelten.</span><br/> <span class="ft1">Ohnehin ist die Ortsbürgergemeinde vorliegend nicht betroffen</span><br/> <span class="ft1">in diesem rechtlichen Sinn:</span><br/> <span class="ft1">Betroffen ist, wem durch den Beschwerdeentscheid die Auflage</span><br/> <span class="ft1">von Pflichten oder der Entzug von Rechten droht (M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o.,</span><br/> <span class="ft1">§ 41 N 36), das heisst wer bei einem Rechtsmittelentscheid zu Guns-</span><br/> <span class="ft1">ten des Beschwerdeführers neu belastet wird (M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o., § 41</span><br/> <span class="ft1">N 65). Im Nutzungsplanverfahren bedeutet «betroffen», dass die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Grundeigentümerin im Falle einer möglichen Gutheissung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde in ihren schutzwürdigen eigenen Interessen betroffen, das</span><br/> <span class="ft1">heisst durch die neue nutzungsplanerische Festlegung belastet wird;</span><br/> <span class="ft1">entsprechend wird die Grundeigentümerin materiell beschwert (vgl.</span><br/> <span class="ft1">VGE IV/16 vom 14. Mai 2004, S. 11).</span><br/> <span class="ft1">Durch eine (direkte oder weisungsgebundene) Zuweisung der</span><br/> <span class="ft1">Parzelle der Ortsbürgergemeinde in eine Materialabbauzone (ohne</span><br/> <span class="ft1">überlagerte Schutzzonen) würden der Grundeigentümerin insgesamt</span><br/> <span class="ft1">keine neuen Pflichten auferlegt, sondern Rechte (zum Materialabbau)</span><br/> <span class="ft1">eingeräumt. Die Beschwerdeführerin selbst weist in ihrem Gesuch</span><br/> <span class="ft1">und in der Beschwerde darauf hin, dass die Zuweisung zu einer Ma-</span><br/> <span class="ft1">terialabbauzone für die Ortsbürgergemeinde Vorteile hätte und daher</span><br/> <span class="ft1">in ihrem Interesse sei. Als belastend nennt die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">lediglich, dass die Gutheissung der Beschwerdeanträge für die Orts-</span><br/> <span class="ft1">bürgergemeinde von erheblicher Bedeutung wäre, weil eine Mate-</span><br/> <span class="ft1">rialabbauzone das Land der Ortsbürgergemeinde ganz anderen Nut-</span><br/> <span class="ft1">zungsbeschränkungen unterwerfen würde. Sie erläutert jedoch nicht,</span><br/> <span class="ft1">worin in diesen anderen Nutzungsvorschriften eine relevante Be-</span><br/> <span class="ft1">lastung für die Ortsbürgergemeinde liegen würde. Die Ortsbürgerge-</span><br/> <span class="ft1">meinde könnte ihr Land wie gemäss der beschlossenen Zonierungen</span><br/> <span class="ft1">als Wald nutzen. Auch wäre es ihr erlaubt, freiwillig Naturschutz-</span><br/> <span class="ft1">massnahmen zu ergreifen. Ein Abbauzwang ergäbe sich nicht aus der</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsplanung (das Baugesetz sieht dies nicht vor), genauso we-</span><br/> <span class="ft1">nig wie sich aus der Zuweisung eines Grundstücks zur Bauzone ein</span><br/> <span class="ft1">direkter Bauzwang ergibt. Die Ortsbürgergemeinde ist insofern von</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeanträgen nicht in ihren geschützten Interessen betrof-</span><br/> <span class="ft1">fen.</span><br/> <span class="ft1">Im Übrigen ist offenkundig und mittlerweile scheinbar unbe-</span><br/> <span class="ft1">stritten, dass der Regierungsrat die von der Beschwerdeführerin im</span><br/> <span class="ft1">Hauptantrag beantragte Materialabbauzone im Fall einer Gutheis-</span><br/> <span class="ft1">sung der Beschwerde nicht in einer Direktänderung vornehmen kann,</span><br/> <span class="ft1">weil klarerweise weder eine Änderung von geringer Tragweite vor-</span><br/> <span class="ft1">liegt noch keine erhebliche Entscheidungsfreiheit besteht (vgl. § 27</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 Satz 2 BauG). Dass die Einwohnergemeinde ein Ermessen</span><br/> <span class="ft1">hat, ergibt sich bereits daraus, dass das kantonale Recht keine defi-</span><br/> <span class="ft1">nierte Materialabbauzone kennt; die Aufzählung der möglichen Zo-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nenarten in § 15 Abs. 2 lit. f BauG ist lediglich exemplarisch und de-</span><br/> <span class="ft1">finiert die zulässige Nutzung noch nicht in grundeigentümerverbind-</span><br/> <span class="ft1">licher Konkretheit. Auch die Muster-BNO der Abteilung Raument-</span><br/> <span class="ft1">wicklung vom Juni 1999 (Stand 26. November 2002) enthält keine</span><br/> <span class="ft1">Standardbestimmung für eine Materialabbauzone, sondern ergänzt</span><br/> <span class="ft1">die vorgeschlagene Grundbestimmung mit dem Hinweise, dass je</span><br/> <span class="ft1">nach Standort, Art und Grösse der Materialabbauzone weitere oder</span><br/> <span class="ft1">andere Vorschriften erforderlich sind, z.B. für besondere Anforde-</span><br/> <span class="ft1">rungen an den Abbau zwecks landschaftlicher Einordnung, Abstim-</span><br/> <span class="ft1">mung auf die Umweltschutzgesetzgebung, Rekultivierung, nicht-</span><br/> <span class="ft1">landwirtschaftlicher Nachnutzung usw. (Ziff. 3.6.3). Im vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">Fall wären offensichtlich detaillierte planerische Festlegungen und</span><br/> <span class="ft1">insbesondere einzelfallgerechte, spezielle Zonenvorschriften not-</span><br/> <span class="ft1">wendig, wie auch ein Blick in die Nutzungsplanungsvorschriften der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinden Auenstein und Veltheim zeigt, welche die Rahmenord-</span><br/> <span class="ft1">nung für die bestehenden Abbaugebiete der Beschwerdeführerin bil-</span><br/> <span class="ft1">den (vgl. auch AGVE 1999, S. 118, wo auf die Auflagen des Natur-</span><br/> <span class="ft1">und Landschaftsschutzes hingewiesen wird). Der Gemeinde steht</span><br/> <span class="ft1">hier ein Planungsermessen zu. Somit wäre eine Direktänderung un-</span><br/> <span class="ft1">zulässig und es käme nur eine Rückweisung an die Gemeinde in</span><br/> <span class="ft1">Frage (AGVE 2002, S. 289 und 291). Das Verwaltungsgericht tritt</span><br/> <span class="ft1">auf Beschwerden gegen Rückweisungsentscheide der Genehmi-</span><br/> <span class="ft1">gungsbehörde in Anwendung von § 28 BauG grundsätzlich nicht ein;</span><br/> <span class="ft1">eine Ausnahme von diesem Nichteintretensgrundsatz besteht nach</span><br/> <span class="ft1">der Rechtsprechung dann, wenn eine beschwerdeführende Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">von vornherein erklärt, an ihrer Planung so oder so festhalten zu</span><br/> <span class="ft1">wollen, und dies auch entsprechend zu begründen vermag</span><br/> <span class="ft1">(VGE IV/43 vom 1. November 2002, S. 9 f.), was hier aber nicht</span><br/> <span class="ft1">gegeben ist. Die Ortsbürgergemeinde wäre durch einen Rückwei-</span><br/> <span class="ft1">sungsentscheid somit in ihren rechtlich geschützten Interessen noch</span><br/> <span class="ft1">nicht tangiert. Dies allein schliesst eine Beiladung bereits aus.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ergibt sich, dass das Nutzungsplanungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahren nicht Anlass für eine Beiladung geben kann. Die Gründe für</span><br/> <span class="ft1">eine Beiladung müssten daher ausserhalb des Nutzungsplanungsver-</span><br/> <span class="ft1">fahrens liegen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">e) Anknüpfungspunkt könnte die vertragliche Beziehung der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin zur Ortsbürgergemeinde sein. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin stützt ihr Gesuch auf den Ausbeutungsvertrag von 1971.</span><br/> <span class="ft1">Auch aus dem Ausbeutungsvertrag wird jedoch nicht ersichtlich,</span><br/> <span class="ft1">wieso die Ortsbürgergemeinde von Amtes wegen beigeladen werden</span><br/> <span class="ft1">müsste und automatisch Partei sein sollte. Weder muss in diesem Zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenhang die Rechtskraft des Entscheids auf die Ortsbürgerge-</span><br/> <span class="ft1">meinde ausgedehnt werden, noch besteht die Gefahr von sich wider-</span><br/> <span class="ft1">sprechenden Entscheiden.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin führt sinngemäss an, es liege eine Re-</span><br/> <span class="ft1">gresssituation vor. Die blosse Behauptung einer solchen genügt in-</span><br/> <span class="ft1">dessen nicht. Eine Beiladung ist vom Nachweis einer Regresssitua-</span><br/> <span class="ft1">tion abhängig zu machen, weil die Beiladung (anders als im Zivil-</span><br/> <span class="ft1">prozess) ein öffentliches Interesse voraussetzt. Dieses öffentliche</span><br/> <span class="ft1">Interesse kann nur im Hinblick auf den möglichen (wahrscheinli-</span><br/> <span class="ft1">chen) späteren Regressprozess bejaht werden (AGVE 1997, S. 393).</span><br/> <span class="ft1">Es ist daher zu prüfen, ob es wahrscheinlich ist, dass später in einem</span><br/> <span class="ft1">von der Beschwerdeführerin gegen die Ortsbürgergemeinde ange-</span><br/> <span class="ft1">strengten Zivilprozess die Ortsbürgergemeinde der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin mit Erfolg vorwerfen könnte, die Beschwerdeführerin habe im</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Verfahren nicht alles getan, um die Zonierung zu er-</span><br/> <span class="ft1">halten, die den Materialabbau ermöglicht, und habe das Verfahren</span><br/> <span class="ft1">daher schlecht geführt. Eine solche wahrscheinliche Regresssituation</span><br/> <span class="ft1">liegt hier jedoch nicht vor. Bis die notwendigen Voraussetzungen für</span><br/> <span class="ft1">einen Abbau gegeben sind und die Beschwerdeführerin für den Bau</span><br/> <span class="ft1">der Anlagen bereit ist, kann die Zonierung grundsätzlich wieder</span><br/> <span class="ft1">überprüft und angepasst werden (vgl. Art. 21 Abs. 2 RPG). Die be-</span><br/> <span class="ft1">schlossene Planung sieht keine Massnahmen vor, die den späteren</span><br/> <span class="ft1">Abbau von Gestein im Gebiet «Hard» verhindern würden. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">hauptung der Beschwerdeführerin, die Ortsbürgergemeinde könne</span><br/> <span class="ft1">den Ausbeutungsvertrag von 1971 nicht mehr erfüllen, ist somit un-</span><br/> <span class="ft1">begründet. Im Übrigen nennt die Beschwerdeführerin auch keine</span><br/> <span class="ft1">Vertragsbestimmung, gegen die die Ortsbürgergemeinde im Zusam-</span><br/> <span class="ft1">menhang mit der Nutzungsplanung verstossen haben soll. Die Orts-</span><br/> <span class="ft1">bürgergemeinde verpflichtete sich im Vertrag denn auch nicht, auf</span><br/> <span class="ft1">eine bestimmte Zonierung hinzuarbeiten (die es damals vor Inkraft-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">treten des RPG wohl noch gar nicht brauchte). Auch enthält der Ver-</span><br/> <span class="ft1">trag keine bestimmte Frist, bis zu welcher die Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">mit dem Abbau beginnen können muss. Jedenfalls kann dem Wort-</span><br/> <span class="ft1">laut nichts dergleichen entnommen werden und die Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rerin macht in dieser Hinsicht nichts geltend. Die Vertragserfüllung</span><br/> <span class="ft1">wird durch die beschlossene Zonierung und die beantragte Änderung</span><br/> <span class="ft1">nicht unmöglich. Die Beschwerdeführerin hat daher den Nachweis</span><br/> <span class="ft1">nicht erbracht, dass der Einbezug der Ortsbürgergemeinde in das</span><br/> <span class="ft1">Verfahren ihrer Entlastung in einem späteren Regress- oder sonstigen</span><br/> <span class="ft1">Forderungsprozess gegenüber der Ortsbürgergemeinde dienen kann.</span><br/> <span class="ft1">f) Insgesamt ergibt sich, dass es keinen Grund gibt, die Ortsbür-</span><br/> <span class="ft1">gergemeinde notwendigerweise von Amtes wegen beizuladen.</span><br/> <span class="ft1">Was das Gesuch der Beschwerdeführerin als Parteiantrag be-</span><br/> <span class="ft1">trifft, so liegt der Entscheid über den Antrag im Ermessen der erken-</span><br/> <span class="ft1">nenden Instanz (M</span><span class="ft3">ERKER</span><span class="ft1">, a.a.o., § 41 N 65). Aus den genannten</span><br/> <span class="ft1">Gründen und Umständen ist es bei der fehlenden ausdrücklichen ge-</span><br/> <span class="ft1">setzlichen Grundlage nicht angezeigt und nicht zulässig, die Ortsbür-</span><br/> <span class="ft1">gergemeinde beizuladen, noch dazu entgegen dem begründeten An-</span><br/> <span class="ft1">trag des Gemeinderats.</span><br/> <span class="ft1">Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Beiladung der Ortsbür-</span><br/> <span class="ft1">gergemeinde ist daher abzuweisen (...).</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>