BRKE II Nr. 213/1992 vom 22. September 1992 in BEZ 1998 Nr. 18 3. Das Bundesgesetz über den Umweltschutz (USG) schützt unter dem Titel «Strahlen» auch vor starken Lichteinwirkungen (Art. 7 Abs. 1 und 2 sowie Art. 11 Abs. 1 USG). Allerdings enthalten weder das Gesetz sel bst noch die vom Bundesrat bis dato erlassenen Verordnungen Ausführungsbestimmungen. Für die Begrenzung der gerü gten So nnenlichtreflexionen gilt somit einzig die Grundregel von Art. 11 Abs. 2 USG, w onach Emissionen im Rahmen der Vo rsorge soweit zu begrenze n sind, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (RB 1990 Nr. 95). Das Umwel tschutzgesetz übernimmt damit den Massstab des allg e- meinen Polize irechtes, wonach die Behörden erst bei Beeinträchtigung eines g e- schützten Polizeigutes aufgrund einer Güterabwägung einzugreifen haben (BRKE III Nrn. 270/1990 und 26/1991). Damit u mschreibt Art. 11 Abs. 2 USG die zu treffenden emissionsbegrenzenden Massnahmen pra k tisch gleich wie § 226 PBG, weshalb die aus letzterer Norm entwickelte Rechtspr axis hier wegweisend und anwendbar ist (BEZ 1990 Nr. 7). Gemäss § 226 PBG ist jedermann verpflichtet, «bei der Eigentums - und Besitz- ausübung alle zumutbaren baulichen und betrieblichen Massnahmen zu treffen, um Einwirkungen auf die Umgebung möglichst gering zu halten; er hat diese Vorkehren in zeitlicher und sachlich angemessener W eise der technischen Entwicklung anzu- passen (Abs. 1). Bei der Benützung von Bauten, Anlagen, Ausstattungen, Ausrü s- tungen und Betriebsflächen darf nicht in einer nach den U mständen übermässigen Weise auf die Umwelt eingewirkt werden» (Abs. 2). Erhebliche Störungen oder G e- fährdungen polizeil icher Güter, insbesondere der öffentlichen Ruhe, Ordnung, G e- sundheit und der W ohnqualität, sollen damit abgewehrt werden. Nach gefestigter Rechtspraxis und dem W ortlaut der zitierten Bestimmung sind vorab alle Einwirku n- gen auf die Umgebung zu unte rlassen, die mit verhältnismässigem Aufwand vermi e- den werden können. Das gilt selbst dort, wo die Immissionen im Grundsatz nicht als übermässig erscheinen (u.a. BEZ 1987 Nr. 36). Allerdings hat die Belästigung auch in diesen Fällen eine erhebliche Intensität aufzuweisen. Die Frage, ob in einem ko n- kreten Fall die von einem Gebäude ausgehe nden Immissionen als erheblich und für die Nachbarschaft unzumutba r zu qualifizieren seien, beurteilt sich nicht nach dem persönlichen Empfinden eines einzelnen Betroff enen, sondern nach objektiven Krite- rien (u.a. BEZ 1986 Nr. 31 sowie BRKE III Nrn. 270/1990 und 26/1991). Die Abklärungen des Gemeindeammannes am 13. Juni 1988 und der von der kommunalen Baubehörde am 12. Juli 1990 durchgeführte Augenschein haben b e- züglich der gerügten Immissionen zusammengefasst folgendes ergeben: Die Blen d- wirkung des vom rekurrentischen W ohngebäude rund 50 m entfernten verglasten Treppenhauses hängt vom Sonnenstand und damit von der Jahreszeit ab. Bei der - 2 - Messung am 12. Juli 1990 begann die Einwirkung um 11.10 Uhr beim Gartenei n- gang im Untergeschoss und hielt dort bis 11.20 Uhr an. Auf dem Balkon konnte sie zwischen 11.20 Uhr und 11.32 Uhr festgestellt werden; im W ohnzimmer zwischen 11.25 Uhr und 11.37 Uhr. Insgesamt dauerten die Sonnenlichtreflexionen an ve r- schiedenen Orten also 27 Minuten. Beim A ugenschein am 13. Juni 1988 begann sie schon um 11.02 Uhr und hörte entsprechend früher, nämlic h um 11.20 Uhr wieder auf. Die Blendwirkung ist lediglich zwischen Mitte April und Mitte August überhaupt möglich, falls die Sonne scheint und die Läden nicht g eschlossen bzw. die Vorhänge in den betroffenen Räumen nicht gezogen werden. W ährend der übrigen Zeit kann die rekurrentische Liegenschaft au fgrund des Einfallwi nkels der Sonnenstrahlen gar nicht tangiert werden. O bwohl die Blendwirkung in den Messprotokollen als erhe b- lich und störend bezeichnet wird, ist sie wegen ihrer kurzen zeitlichen Intensität als untergeordnet im Sinne der vorstehend erläuterten Rechtspr echung zu qualifizieren und vom Rekurrenten hinzunehmen. Die Reflexionen gehen nicht über das normale Mass von irgendwelchen Einwirkungen hinaus, welche bei der Nu tzung von Ba u- grundstücken entstehen können. Davon ist zu Recht auch die Vorinstanz ausgega n- gen. Damit stellt sich die Frage nicht, ob die private Rekursgegnerin zu baul ichen Massnahmen im Lichte von Art. 11 Abs. 2 USG bzw. § 226 PBG verpflichtet we rden könnte.