<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2023-11-02-1C_356-2022.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1C_356/2022</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 2. November 2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Kneubühler, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Haag, Müller, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Gelzer. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">1. A.________, </div> <div class="para">2. B.________, </div> <div class="para">3. C.________, </div> <div class="para">4. D.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführende, </div> <div class="para">alle vier vertreten durch Rechtsanwalt Markus Janett, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. F.E.________ und G.E.________, </div> <div class="para">2. H.I.________ und J.I.________, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerschaft, </div> <div class="para">alle vier vertreten durch Rechtsanwalt Jon Andri Moder, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gemeinde Trimmis, </div> <div class="para">Galbutz 2, 7203 Trimmis, </div> <div class="para">vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Duri Pally und Dr. Valerio Priuli, </div> <div class="para">Bahnhofstrasse 7, Postfach 101, 7001 Chur. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Baueinsprache, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden, 5. Kammer, vom 3. Mai 2022 (R 21 16). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Die der Wohnzone W2 zugeteilte Parzelle Nr. 660 der Gemeinde Trimmis (nachstehend: Bauparzelle) wird durch den Amselweg erschlossen. Die an diesen Weg anstossenden Parzellen Nrn. 661, 655 und 656 stehen im Eigentum von A.________, B.________, C.________ sowie D.________ (nachstehend: Nachbarn). Südlich der Bauparzelle liegt die Parzelle Nr. 663 und östlich davon die Parzelle Nr. 664. Diese beiden Parzellen sind strassenmässig noch nicht erschlossen. </div> <div class="para">Mit Entscheid vom 6. Juni 2017 erteilte die Baukommission der Gemeinde Trimmis (nachstehend: Baukommission) der Einfachen Gesellschaft "K.________" die Bewilligung, auf der Bauparzelle ein Mehrfamilienhaus zu errichten und wies die gegen das Baugesuch erhobene Einsprache der Nachbarn ab. Die dagegen von den Nachbarn erhobenen Beschwerden wiesen der Gemeindevorstand Trimmis am 11. September 2017, das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (nachstehend: Verwaltungsgericht) am 19. Juni 2018 und das Bundesgericht mit Urteil 1C_388/2018 vom 8. Januar 2019 - abgesehen von einer teilweisen Gutheissung im Kostenpunkt - ab. </div> <div class="para">Am 2. Oktober 2017 beschloss die Gemeindeversammlung Trimmis eine Teilrevision der Ortsplanung, die im Generellem Erschliessungsplan 1:1000 Amselweg (GEP) ab dem Ende des Amselwegs (Strassenparzelle Nr. 659) über die Bauparzelle eine geplante Privatstrasse zur Erschliessung der Parzellen Nrn. 663 und 664 vorsah. Die von den Nachbarn gegen diesen Beschluss erhobene Planungsbeschwerde wies die Regierung des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 21. August 2018 ab. Die dagegen von den Nachbarn eingereichten Beschwerden wiesen das Verwaltungsgericht am 22. Oktober 2019 und das Bundesgericht mit Urteil 1C_124/2020 vom 25. November 2020 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Am 29. April 2020 stellten G.E.________ und F.E.________ sowie J.I.________ und H.I.________ (nachstehend: Bauherrschaft) bei der Gemeinde Trimmis das Gesuch, auf der von ihnen erworbenen Bauparzelle die Erstellung eines Zweifamilienhauses zu bewilligen. Dieses sollte gemäss den Bauplänen zur nordöstlichen Nachbarparzelle Nr. 661 einen Abstand von 5 m aufweisen. Mit Einsprache- und Baubewilligungsentscheid vom 9. September 2020 wies die Baukommission die von den Nachbarn gegen das öffentlich aufgelegte Baugesuch erhobene Einsprache ab und erteilte der Bauherrschaft die verlangte Baubewilligung mit Auflagen. Die Nachbarn fochten diesen Entscheid mit Beschwerde an, die der Gemeindevorstand Trimmis mit Entscheid vom 25. Januar 2021 abwies. Eine dagegen von den Nachbarn eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 3. Mai 2022 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Die Nachbarn erheben beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheit mit den Anträgen, das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 3. Mai 2022 aufzuheben und die Angelegenheit zur Neuentscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para">Das Verwaltungsgericht verzichtet auf eine Vernehmlassung. Die Bauherrschaft schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Die Gemeinde Trimmis beantragt, diese abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Beschwerdeführenden verzichten auf eine Replik. </div> <div class="para">Mit Präsidialverfügung vom 22. Juli 2022 erkannte das Bundesgericht der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Gegen den angefochtenen, kantonal letztinstanzlichen Endentscheid im Bereich des Baurechts steht die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten grundsätzlich offen (<span class="artref">Art. 82 ff. BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-II-353%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page353">BGE 133 II 353</a> E. 2). Die Beschwerdeführenden sind zur Beschwerdeführung legitimiert, da sie am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen haben und als Nachbarn durch den angefochtenen Entscheid bzw. die damit bestätigte Baubewilligung besonders berührt sind (<span class="artref">Art. 89 Abs. 1 BGG</span>; Urteil 1C_388/2018 vom 8. Januar 2019 E. 1.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Die Beschwerdeführenden stellen keinen reformatorischen Antrag, wie in der Sache zu entscheiden sei. Die Beschwerdebegründung lässt jedoch erkennen, dass sie die Aufhebung der streitbetroffenen Baubewilligung anstreben. Damit liegt ein Antrag in der Sache vor (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-II-409%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page409">BGE 133 II 409</a> E. 1.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 1C_348/2017 vom 21. Februar 2018 E. 1.1). Da die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> Mit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann geltend gemacht werden, der angefochtene Entscheid verletze Bundes- oder Völkerrecht (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/95/b" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/95/a" type="start"></artref>Art. 95 lit. a und b BGG</span><artref id="CH/173.110/95/b" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/b" type="end"></artref>). Zulässig ist auch die Rüge der Verletzung von kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie von kantonalen Bestimmungen über die politische Stimmberechtigung und über Volkswahlen und -abstimmungen (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/95/d" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/95/c" type="start"></artref>Art. 95 lit. c und d BGG</span><artref id="CH/173.110/95/d" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/d" type="end"></artref>). Abgesehen davon ist die Rüge der Verletzung kantonalen Rechts unzulässig. Jedoch kann gerügt werden, die Anwendung dieses Rechts widerspreche dem Bundesrecht, namentlich dem Willkürverbot gemäss <span class="artref">Art. 9 BV</span> (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-II-369%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page369">BGE 142 II 369</a> E. 2.1 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung verstösst ein Entscheid gegen dieses Verbot, wenn er im Ergebnis offensichtlich unhaltbar ist, weil er zum Beispiel eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt. Dass eine andere Lösung ebenfalls als vertretbar erscheint, genügt nicht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-I-170%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page170">BGE 144 I 170</a> E. 7.3; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-II-369%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page369">142 II 369</a> E. 4.3; je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.4.</b> Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (<span class="artref">Art. 105 Abs. 1 BGG</span>). Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz kann vor Bundesgericht nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von <span class="artref">Art. 95 BGG</span> beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (<span class="artref">Art. 105 Abs. 2 und <artref id="CH/173.110/97/1" type="start"></artref>Art. 97 Abs. 1 BGG</span><artref id="CH/173.110/105/2" type="end"></artref>). Offensichtlich unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willkürlich ist (<span class="artref">Art. 9 BV</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F148-IV-356%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page356">BGE 148 IV 356</a> E. 2.1; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-317%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page317">141 IV 317</a> E. 5.4). Die Willkürrüge muss in der Beschwerde explizit vorgebracht und substanziiert begründet werden (<span class="artref">Art. 106 Abs. 2 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.1.</b> Das von der Gemeindeversammlung am 26. März 2012 beschlossenen Baugesetz der Gemeinde Trimmis sieht folgende Regelungen vor: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. Genereller Erschliessungsplan </div> <div class="para">Erschliessungsanlagen </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 43 </span></div> <div class="para">1. Die öffentlichen Erschliessungsstrassen samt Ausstattungen sind öffentlich und können im Rahmen ihrer Zweckbestimmung und der örtlichen Verkehrsregelung von jedermann begangen und befahren werden. </div> <div class="para">[...] </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>IV. KOMMUNALE BAUVORSCHRIFTEN </i> </div> <div class="para">[...] </div> <div class="para">5. Verkehr </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 63 </span></div> <div class="para">1. Wo keine Baulinien bestehen, ist gegenüber Gemeindestrassen ein Gebäudeabstand von mindestens 5 m ab Strassenparzellengrenze einzuhalten. Die Baubehörde kann Abweichungen gestatten, wenn bei Verringerung des Strassenabstandes die Verkehrssicherheit dennoch gewährleistet ist. </div> <div class="para">2. [...] </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>V. ERSCHLIESSUNGSORDNUNG</i> </div> <div class="para">1. Allgemeines </div> <div class="para">[...] </div> <div class="para">2. Ausführung, Betrieb, Unterhalt und Erneuerung </div> <div class="para">A. Öffentliche Erschliessungsanlagen </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 73 </span></div> <div class="para">1. Die gemeindeeigenen Anlagen der Grund- und Groberschliessung werden von der Gemeinde nach Massgabe des Erschliessungsprogramms ausgeführt. </div> <div class="para">2. Anlagen der Feinerschliessung werden von der Gemeinde erstellt, wenn diese einer grösseren Anzahl von Grundstücken dienen. </div> <div class="para">3. Lehnt der Gemeindevorstand Anträge Interessierter auf Durchführung der Feinerschliessung ab, ermächtigt sie die Antragstellenden, die Anlagen nach den Plänen der Gemeinde als private Erschliessungsanlagen zu erstellen. </div> <div class="para">Art. 74 [...] </div> <div class="para">B. Private Erschliessungsanlagen </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 75 </span></div> <div class="para">1. Die Ausführung und Finanzierung von privaten Erschliessungsanlagen ist Sache der Grundeigentümer.[...] </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.2.</b> Die Baukommission führte in den Erwägungen (Rz. 15 und 16) ihres Einsprache- und Baubewilligungsentscheids vom 9. September 2020 sinngemäss aus, der Einwand der Beschwerdeführenden, das projektierte Zweifamilienhaus halte den in Art. 63 Abs. 1 BauG verlangten Strassenabstand von 5 m gegenüber der auf der Bauparzelle gemäss dem GEP geplanten, 3,5 m breiten Erschliessungsstrasse nicht ein, sei unbegründet, da zu dieser privaten Strasse zur Erschliessung der Parzellen Nrn. 663 und 664 kein Strassenabstand eingehalten werden müsse. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.3.</b> Im kommunalen Beschwerdeverfahren wendeten die Beschwerdeführenden ein, die gemäss dem GEP auf der Bauparzelle geplante Strasse sei trotz ihrer privaten Finanzierung eine öffentliche Strasse im Sinne von Art. 43 Abs. 1 BauG, weil sie der Feinerschliessung mehrerer Grundstücke diene. Dies entspreche der Auslegung des Begriffs der öffentlichen Strassen gemäss Art. 1 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01). Die geplante Erschliessungsstrasse sei daher von ihrer Funktion her als Gemeindestrasse im Sinne von Art. 63 Abs. 1 BauG zu qualifizieren. Den Abstand von 5 m zu dieser Strasse halte das projektierte Zweifamilienhaus nicht ein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.4.</b> Der Gemeindevorstand ging in seinem Beschwerdeentscheid vom 25. Januar 2021 davon aus, es könne offenbleiben, ob die auf der Bauparzelle geplante Erschliessungsstrasse als Gemeindestrasse im Sinne von Art. 63 Abs. 1 BauG zu qualifizieren sei. Selbst wenn dies zutreffen würde, dürfe die Baubehörde gemäss dem zweiten Satz dieser Regelung Abweichungen vom ordentlichen Strassenabstand von 5 m gestatten, wenn trotz der Verringerung dieses Abstands die Verkehrssicherheit gewährleistet sei. Dies treffe vorliegend zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.5.</b> Im vorinstanzlichen Verfahren gab die Gemeinde Trimmis in ihrer Vernehmlassung an, ihr kommunales Baugesetz unterscheide zwischen öffentlichen und privaten Erschliessungsanlagen, wobei gemäss Art. 73 BauG nur gemeindeeigene Anlagen öffentliche Erschliessungsanlagen seien. Der in Art. 63 Abs. 1 BauG verwendete Begriff der Gemeindestrassen beziehe sich gemäss dem eindeutigen Wortsinn auf gemeindeeigene Erschliessungsanlagen und erfasse daher die gemäss dem GEP auf der Bauparzelle geplante private Erschliessungsstrasse nicht. Dies entspreche dem Zweck von Art. 63 Abs. 1 BauG, weil bei privaten Strassen zur Feinerschliessung für wenige Grundstücke ein beidseitiger Strassenabstand von 5 m nicht gerechtfertigt sei. Ein solcher Abstand würde bei einer Strassenbreite von 3,5 m zu einem 13,5 m breiten Korridor führen, was den raumplanerischen Zielen des haushälterischen Umgangs mit dem Boden und der Siedlungsentwicklung nach innen widersprechen würde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.6.</b> Die Vorinstanz führte zusammengefasst aus, zwar sei naheliegend, dass mit dem in Art. 63 Abs. 1 BauG verwendeten Begriff der Gemeindestrassen gemeindeeigene öffentliche Strassen (im Sinne von Art. 73 BauG) gemeint seien. Der Wortsinn sei jedoch nicht so eindeutig, dass keine abweichende Auslegung möglich sei. In Bezug auf den Zweck von Art. 63 Abs. 1 BauG könne berücksichtigt werden, dass der in <span class="artref">Art. 1 Abs. 1 SVG</span> verwendete Begriff des Verkehrs auf den öffentlichen Strassen gemäss der Rechtsprechung im Interesse der umfassenden Geltung der Verkehrsregeln extensiv ausgelegt werde und daher auch den Verkehr auf privaten Strassen umfasse, wenn diese einem unbestimmbaren Personenkreis zur Verfügung stehen und damit verkehrsöffentlich sind (Urteil 6B_54/2010 vom 18. März 2010 E. 1.2). Angesichts dieser Rechtsprechung zur Qualifikation der öffentlichen Strasse könne die auf der Bauparzelle geplante verkehrsöffentliche Erschliessungsstrasse ungeachtet der Eigentumsverhältnisse als Gemeindestrasse im Sinne von Art. 63 Abs. 1 BauG betrachtet werden. Jedoch dürfe nach Art. 63 Abs. 1 Satz 2 BauG die Baubehörde Abweichungen vom Strassenabstand gestatten, wenn die Verkehrssicherheit weiterhin gewährleistet sei. Dies treffe gemäss der Stellungnahme des Verkehrsgutachters vom 22. Juni 2022 sowie dem Verkehrsgutachten vom März 2016 zu. Da die Verkehrssicherheit gewährleistet sei, habe die Gemeinde im Rahmen des Ermessensspielraums bei der Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe ganz oder teilweise auf einen Strassenabstand verzichten dürfen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.7.</b> Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Vorinstanz habe die auf der Bauparzelle geplante Erschliessungsstrasse gemäss ihrer Funktion zu Recht als verkehrsöffentliche Strasse und damit als Gemeindestrasse im Sinne von Art. 63 Abs. 1 BauG qualifiziert. Die Vorinstanz sei jedoch in Willkür verfallen, wenn sie angenommen habe, die Gemeinde Trimmis hätte die Unterschreitung des Strassenabstands Art. 63 Abs. 1 BauG gestützt auf den zweiten Satz dieser Regelung bewilligen dürfen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.8.</b> Das Bundesgericht hebt einen Entscheid wegen willkürlicher Rechtsanwendung nur auf, wenn nicht bloss seine Begründung, sondern auch sein Ergebnis unhaltbar ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-I-241%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page241">BGE 147 I 241</a> E. 6.2.1<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-I-170%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page170">144 I 170</a></span> E. 7.3; je mit Hinweisen). Dies ist vorliegend zu verneinen, da der Entscheid der Gemeinde Trimmis unter Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden ist. Diese durfte Art. 63 Abs. 1 BauG willkürfrei so auslegen, dass er auf die geplante private Erschliessungsstrasse nicht zur Anwendung kommt. Weshalb diese Auslegung willkürlich bzw. unhaltbar sein soll, legen weder die Beschwerdeführenden noch die Vorinstanz dar und ist auch nicht ersichtlich. So geht die Vorinstanz selber davon aus, unter dem in Art. 63 Abs. 1 BauG verwendeten Begriff der Gemeindestrassen könnte gemäss dem Wortsinn gemeindeeigene Strassen verstanden werden. Dies entspricht in systematischer Hinsicht der in Art. 73 ff. BauG vorgesehenen Unterscheidung zwischen gemeindeeigenen (öffentlichen) und privaten Erschliessungsanlagen. Daran ändert Art. 43 Abs. 1 BauG nichts, da er den Begriff der öffentlichen Erschliessungsstrassen nicht definiert und gemäss seiner Stellung im Rahmen der Regelung des GEP (Ziff. 4) in vertretbarer Weise angenommen werden kann, er beziehe sich auf Strassen, die gemäss diesem Plan öffentliche Erschliessungsstrassen sind, was vorliegend nicht zutrifft. Sodann ist nicht ersichtlich, weshalb der Zweck von Art. 63 Abs. 1 BauG zwingend verlangen sollte, dass der Strassenabstand von 5 m nicht nur in Bezug auf gemeindeeigene, sondern auch in Bezug auf private Erschliessungsstrassen eingehalten wird. So führte die Gemeinde nachvollziehbar aus, dieser Strassenabstand sei bei privaten Strassen, die nur eine kleine Anzahl von Grundstücken erschliessen und daher eine geringe Breite aufweisen, nicht gerechtfertigt. Demnach durfte die Gemeinde in vertretbarer Weise davon ausgehen, die extensive Auslegung des Begriffs der öffentlichen Strassen im Sinne von <span class="artref">Art. 1 Abs. 1 SVG</span> sei nicht analog auf den Begriff der Gemeindestrassen in Sinne von Art. 63 Abs. 1 BauG anzuwenden. Dies wird dadurch bestätigt, dass Art. 63 Abs. 1 BauG die Einhaltung des Gebäudeabstands ab der Strassenparzelle verlangt, welche es bezüglich der auf der Bauparzelle geplanten privaten Erschliessungsstrasse nicht gibt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.9.</b> Nach dem Gesagten ist nicht entscheiderheblich, ob die Vorinstanz davon ausgehen durfte, die Abweichung vom Strassenabstand gemäss Art. 63 Abs. 1 BauG hätte gestützt auf den zweiten Satz dieser Regelung bewilligt werden dürfen. Auf die dagegen gerichtete Kritik der Beschwerdeführenden braucht daher inhaltlich nicht eingegangen zu werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.1.</b> Im Beschwerdeentscheid vom 25. Januar 2021 auferlegte der Gemeindevorstand Trimmis den unterliegenden Beschwerdeführenden für das Baubeschwerdeverfahren Gebühren von insgesamt Fr. 3'365.-- (Behandlungsgebühr Fr. 300.--, gebührenpflichtige Auslagen Dritter Fr. 10; externe Rechtsberatung, Fr. 3'055.--). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.2.</b> Im vorinstanzlichen Verfahren machten die Beschwerdeführenden geltend, gemäss <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-467%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page467">BGE 143 II 467</a> müsse das kommunale Einspracheverfahren für die Einsprechenden kostenlos sein. Dies habe auch zu gelten, wenn das kommunale Einspracheverfahren - wie in der Gemeinde Trimmis - zweistufig sei. Zudem seien die Kosten für die externe Rechtsberatung von Fr. 3'055.-- unangemessen hoch gewesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.3.</b> Die Vorinstanz führte unter Hinweis auf Erwägung 5.3 des Urteils 1C_388/2018 vom 8. Januar 2019 aus, der Grundsatz der Kostenlosigkeit des Einspracheverfahrens für Einsprechende umfasse das kommunale Beschwerdeverfahren nicht. Die Gemeinde Trimmis habe die Höhe der Kosten für die externe Rechtsberatung nachvollziehbar damit begründet, im kommunalen Beschwerdeverfahren sei ein sechsseitiger Bau- und Einspracheentscheid, eine fünfseitige Beschwerde, eine fünfseitige Stellungnahme der Bauherrschaft sowie eine dreiseitige Stellungnahme der Beschwerdeführenden zu bearbeiten gewesen. Der Beschwerdeentscheid weise fünf Seiten auf, weshalb ein Aufwand von 10.2 Stunden zu einem Stundenansatz von CHF 270.-- zuzüglich Spesen und MWST üblich und angemessen sei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.4.</b> Die Beschwerdeführenden machen vor Bundesgericht geltend, die Baukommission habe für das Einspracheverfahren keine Gebühr verlangt, weshalb der Gemeinevorstand in seinem Beschwerdeentscheid die gesamten Kosten des in der Gemeinde Trimmis zweistufigen Baueinspracheverfahrens erhoben habe. Damit sei die Praxis gemäss <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=28.10.2023&amp;to_date=16.11.2023&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-467%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page467">BGE 143 II 467</a> umgangen worden. Die Vorinstanz sei in Willkür verfallen, weil sie die Gebühren im kommunalen Beschwerdeentscheid akzeptiert habe, ohne eine Detaillierung zu verlangen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.5.</b> Mit diesen Angaben lassen die Beschwerdeführenden ausser Acht, dass die Vorinstanz erkennbar davon ausging, die im Beschwerdeentscheid vom 25. Januar 2021 erhobenen Gebühren hätten einzig den Aufwand für das kommunale Beschwerdeverfahren abgedeckt. Inwiefern diese Feststellung offensichtlich unrichtig bzw. willkürlich sein soll, legen die Beschwerdeführenden nicht dar und ist auch nicht ersichtlich, weshalb insoweit vom vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt auszugehen ist (vgl. E. 1.4 hievor). Damit fehlt der Rüge, der Gemeindevorstand habe den Beschwerdeführenden in unzulässiger Weise Gebühren für das erstinstanzliche kommunale Einspracheverfahren auferlegt, die tatsächliche Grundlage. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 und Abs. 3 BGG</span>). Diese haben der anwaltlich vertretenen privaten Beschwerdegegnerschaft für das bundesgerichtliche Verfahren unter solidarischer Haftbarkeit eine Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 1, Abs. 2 und Abs. 4 i.V.m. <span class="artref">Art. 66 Abs. 5 BGG</span>). Die anwaltlich vertretene Gemeinde hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, weil sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegte (<span class="artref">Art. 68 Abs. 3 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden den Beschwerdeführenden auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Die Beschwerdeführenden haben die Beschwerdegegnerschaft für das bundesgerichtliche Verfahren unter solidarischer Haftbarkeit mit Fr. 3'000.-- zu entschädigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>4.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien, der Gemeinde Trimmis und dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, 5. Kammer, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 2. November 2023 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Kneubühler </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: Gelzer </div> </div></body></html>