<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 145 S.629</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilschutz</span> <span class="page_no">629</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Zivilschutz</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>145 Schutzraumbaupflicht.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Sicherstellung, dass gemeinsame Schutzräume spätestens drei Jahre</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nach Baubeginn des ersten betroffenen Bauvorhabens erstellt werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Erw. 2 b).</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Bankgarantie als Sicherheitsleistung für die ordnungsgemässe Aus-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>führung der Schutzräume bzw. für eine allfällige Ersatzabgabe (Erw.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>2 b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 6. September 2000 in Sachen F., S. &amp; P.</span><br/> <span class="ft5">gegen Gesundheitsdepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">2. a) Die Beschwerdeführenden beantragen, anstelle einer un-</span><br/> <span class="ft8">verzinsten Bareinzahlung eine unwiderrufliche Bankgarantie durch</span><br/> <span class="ft8">die X. Bank stellen zu dürfen.</span><br/> <span class="ft8">Demgegenüber führte die Abteilung Zivile Verteidigung aus,</span><br/> <span class="ft8">dass von ihr Bankgarantien zur Sicherstellung der Baupflicht nicht</span><br/> <span class="ft8">anerkannt würden, da bei Nichterstellung des Schutzraumes die Ver-</span><br/> <span class="ft8">fügbarkeit der Mittel nicht in jedem Fall gewährleistet sei (Bauherr-</span><br/> <span class="ft8">schaft nicht alleinige Verhandlungspartnerin, Ablauf der Bankgaran-</span><br/> <span class="ft8">tie, Besitzerwechsel etc.). Seit mehreren Jahren würden im Kanton</span><br/> <span class="ft8">Aargau die Sicherheitsleistungen verfügt. Die verfügten Beträge der</span><br/> <span class="ft8">Sicherheitsleistungen hätten bis anhin immer auf die Bestandesrech-</span><br/> <span class="ft8">nung der Gemeinde, Konto 2288, einbezahlt werden müssen. Dieses</span><br/> <span class="ft8">Vorgehen habe sich bisher bewährt und bis heute zu keinen Proble-</span><br/> <span class="ft8">men geführt. Der einbezahlte Betrag werde der Bauherrschaft nach</span><br/> <span class="ft8">Fertigstellung und erfolgreicher Abnahme des Schutzraumes unver-</span><br/> <span class="ft8">zinst zurückerstattet.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">630</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Der Gemeinderat G. hielt in seiner Stellungnahme zur Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerde fest, dass es in G. durchaus üblich sei, anstelle der Barzah-</span><br/> <span class="ft8">lung eine unwiderrufliche Bankgarantie, welche über den vollen</span><br/> <span class="ft8">verfügten Betrag laute, zu akzeptieren.</span><br/> <span class="ft8">b) Gestützt auf Art. 2 Abs. 4 des Bundesgesetzes über die bauli-</span><br/> <span class="ft8">chen Massnahmen im Zivilschutz (Schutzbautengesetz, BMG) vom</span><br/> <span class="ft8">4. Oktober 1963 können die Kantone oder Gemeinden anordnen,</span><br/> <span class="ft8">dass bei einer zusammenhängenden Überbauung die notwendigen</span><br/> <span class="ft8">Schutzräume der einzelnen Gebäude in einem Schutzraum zusam-</span><br/> <span class="ft8">mengelegt werden. Dabei ist sicherzustellen, dass dieser gemeinsame</span><br/> <span class="ft8">Schutzraum spätestens drei Jahre nach Baubeginn der Überbauung</span><br/> <span class="ft8">erstellt wird. Diese finanzielle Sicherstellung ist in Art. 13 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">BMG geregelt. Danach können die Kantone vom Bauherrn Sicher-</span><br/> <span class="ft8">heitsleistungen bis zu 3 % der mutmasslichen Baukosten ohne Land-</span><br/> <span class="ft8">erwerb verlangen, um die ordnungsgemässe Ausführung der Schutz-</span><br/> <span class="ft8">räume zu gewährleisten. Wie diese Sicherheitsleistung zu erfolgen</span><br/> <span class="ft8">hat, geht aus dem Gesetz nicht hervor.</span><br/> <span class="ft8">Die Frage, ob sich die Sicherstellung der Baupflicht durch eine</span><br/> <span class="ft8">Bankgarantie rechtfertigen lässt, ist nach Massgabe des Grundsatzes</span><br/> <span class="ft8">der Verhältnismässigkeit zu entscheiden (Art. 5 Abs. 2 der Bundes-</span><br/> <span class="ft8">verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April</span><br/> <span class="ft8">1999; § 2 der Verfassung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980).</span><br/> <span class="ft8">Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit weist drei Teilgehalte auf.</span><br/> <span class="ft8">Erstens muss sich eine Massnahme eignen, um das angestrebte Ziel</span><br/> <span class="ft8">zu erreichen. Zweitens muss sie erforderlich sein, um das im öffent-</span><br/> <span class="ft8">lichen Interesse angestrebte Ziel zu erreichen, und sie soll nicht wei-</span><br/> <span class="ft8">tergehen, als zu diesem Zweck nötig ist. Schliesslich muss zwischen</span><br/> <span class="ft8">Eingriffszweck und Eingriffswirkung ein angemessenes Verhältnis</span><br/> <span class="ft8">gewahrt bleiben (vgl.</span> <span class="ft8">Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des</span><br/> <span class="ft8">allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, N 486 ff.).</span><br/> <span class="ft8">Es steht unbestrittenermassen fest, dass die Schutzraum-</span><br/> <span class="ft8">baupflicht von der Bauherrschaft sicherzustellen ist. Ziel einer Si-</span><br/> <span class="ft8">cherstellung ist es, den Bau von Schutzräumen zu garantieren. Wer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Zivilschutz</span> <span class="page_no">631</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">den die notwendigen Schutzräume nämlich nicht erstellt, muss zur</span><br/> <span class="ft8">Erfüllung der Schutzraumbaupflicht eine Ersatzabgabe verfügt wer-</span><br/> <span class="ft8">den. In deren Höhe verfällt die Sicherheitsleistung zugunsten der</span><br/> <span class="ft8">Gemeinde. Sowohl die Bareinzahlung als auch die Bankgarantie sind</span><br/> <span class="ft8">an sich geeignete Mittel, die Schutzraumbaupflicht für den Fall der</span><br/> <span class="ft8">Zahlungsunfähigkeit der Bauherrschaft zu sichern. In beiden Fällen</span><br/> <span class="ft8">verliert die Bauherrschaft die Sicherheitsleistung in der Höhe der</span><br/> <span class="ft8">nachträglich verfügten Ersatzabgabe, wenn sie der Baupflicht nicht</span><br/> <span class="ft8">nachkommt.</span><br/> <span class="ft8">Mit der Bankgarantie bleibt ein vernünftiges Verhältnis zwi-</span><br/> <span class="ft8">schen dem Ziel der Massnahme und dem entgegenstehenden priva-</span><br/> <span class="ft8">ten Interesse gewahrt. Unverhältnismässig wäre die Bankgarantie,</span><br/> <span class="ft8">wenn diese nicht zum Ziel führen würde. Dies ist jedoch vorliegend</span><br/> <span class="ft8">gerade nicht der Fall. Soweit die Abteilung Zivile Verteidigung die</span><br/> <span class="ft8">Bankgarantie als unzulässig erachtet, übersieht sie, dass im Gesetz</span><br/> <span class="ft8">nicht normiert wird, wie eine Sicherheitsleistung zu erfolgen hat.</span><br/> <span class="ft8">Fehlt eine solche gesetzliche Grundlage, kann die Bauherrschaft</span><br/> <span class="ft8">nicht von vornherein verpflichtet werden, die Sicherstellung in bar zu</span><br/> <span class="ft8">leisten. Es wird zwar nicht verkannt, dass sich das Vorgehen mit der</span><br/> <span class="ft8">Bareinzahlung auf das Konto Ersatzbeiträge der Gemeinden bewährt</span><br/> <span class="ft8">und zu keinen Problemen geführt hat, wobei hier offen bleiben kann,</span><br/> <span class="ft8">ob die unverzinste Rückzahlung nach Fertigstellung der Schutzplätze</span><br/> <span class="ft8">nicht zu einer ungerechtfertigten Bereicherung des Gemeinwesens</span><br/> <span class="ft8">führt. Das von der Abteilung Zivile Verteidigung vorgebrachte Ar-</span><br/> <span class="ft8">gument des etwas grösseren Aufwandes vermag jedoch einer Bank-</span><br/> <span class="ft8">garantie nicht entgegenzustehen. Auch bezüglich Verfügbarkeit der</span><br/> <span class="ft8">Bankgarantie ist kein erhöhtes Risiko ausgewiesen, denn bei entspre-</span><br/> <span class="ft8">chender Formulierung verfällt die Bankgarantie bei Nichterstellung</span><br/> <span class="ft8">des Schutzraumes in der Höhe der verfügten Ersatzgabe ohnehin der</span><br/> <span class="ft8">Gemeinde, welche nur eine dem Sicherungszweck genügende Bank-</span><br/> <span class="ft8">garantie akzeptieren muss. Im Übrigen enthalten die Akten keinerlei</span><br/> <span class="ft8">Anhaltspunkte dafür, dass der Schutzraum im Haus D nicht erstellt</span><br/> <span class="ft8">wird. Die Bauherrschaft dürfte im Gegenteil ein grosses Interesse</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">632</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">daran haben, den Bau des Schutzraumes möglichst schnell auszufüh-</span><br/> <span class="ft8">ren, um damit die Bankgarantie überflüssig zu machen. Eine unwi-</span><br/> <span class="ft8">derrufliche Bankgarantie erweist sich somit vorliegend als geeignet</span><br/> <span class="ft8">und verhältnismässig, während bei einer Bareinzahlung Eingriffs-</span><br/> <span class="ft8">zweck und Eingriffswirkung in einem unangemessenen Verhältnis</span><br/> <span class="ft8">stünden.</span><br/> <span class="ft8">Nachdem inhaltlich nichts gegen die Bankgarantie spricht und</span><br/> <span class="ft8">diese von der Gemeinde G. als durch die verfügte Sicherheitsleistung</span><br/> <span class="ft8">begünstigtes Gemeinwesen sogar ausdrücklich akzeptiert wird, ist</span><br/> <span class="ft8">die von den Beschwerdeführenden beantragte unwiderrufliche Bank-</span><br/> <span class="ft8">garantie über den gesamten verfügten Betrag von Fr. 105'840.--</span><br/> <span class="ft8">zuzulassen. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>