Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. März 2015 (720 14 321 / 55) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Das vorliegende Gutachten lässt eine zuverlässige Beurteilung der verbleibenden Ar- beitsfähigkeit der Versicherten zu. Auf eine zusätzliche Abklärung kann verzichtet wer- den. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Raffaella Biaggi , Adv o- katin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1974 geborene A.____ war zuletzt vom 1. März 2011 bis 10. Juni 2011 bei der B____AG als kaufmännische Mitarbeiterin angestellt. Am 20. April 2011 zog sie sich bei einem Treppensturz Verletzungen an der linken Körperhälft e zu. Am 17. Oktober 2011 meldete sie sich unter Hinweis auf unfallbedingte Schulter-, Na cken-, Schlüsselbein- und Fussgelenkbe- schwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversiche rung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Folge führte die IV-Stelle des Kantons Basel-Landsc haft (IV-Stelle) berufliche Massnahmen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch und zog die Akten der C____AG als zuständige Unfal lversicherung bei. Nach weiteren Abklärungen der Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle auf der Grundlage des von der C____AG beim Begutachtungsinstitut C.____ in Auftrag gegebenen polydisziplinären Gutachtens vom 28. Mai 2013 ab 18. Juni 2012 einen IV-Grad von 100%, ab 24. September 2012 einen solchen von 56% und ab 8. Januar 2013 einen solchen von 11%. Ge stützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mi t Verfügung vom 11. September 2014 ab 1. Juni 2012 eine ganze Rente und ab 1. Januar 2013 befristet bis 30. April 2013 eine halbe Rente zu. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin Raffaella Biaggi, am 13. Oktober 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialv ersicherungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die V erfügung vom 11. September 2014 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verurteile n, ihr auch über den 30. April 2013 hinaus die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventuali ter sei eine gerichtliche Expertise einzuholen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeu rteilung an die Beschwerdegegnerin zu- rückzuweisen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtl icher Hinsicht ersuchte sie um Bewilli- gung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokatin Bi aggi als unentgeltliche Rechtsvertrete- rin. Sie rügte im Wesentlichen eine Verletzung des recht lichen Gehörs, die unzureichenden medizinischen Akten sowie das Fehlen eines Revisionsgrundes. C. Am 14. November 2014 zog die Beschwerdeführerin ihr Gesuch um Bewilligung der un- entgeltlichen Rechtspflege zurück. D. In ihrer Vernehmlassung vom 28. November 2014 schlo ss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. Am 17. Dezember 2014 zog das Kantonsgericht bei der C____AG die Akten der Versi- cherten bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 13. Oktober 2014 ist einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Sie macht geltend, die IV-Stelle habe ihr nicht die vollständigen Akten, insbesondere die im Gutach- ten des Begutachtungsinstituts C.____ vom 28. Mai 2013 e rwähnten Berichte der behandeln- den Ärzte Dr. med. D.____, FMH Neurologie und Neuroch irurgie, Dr. med. E.____, FMH Oto- Rhino-Laryngologie, und Dr. med. F.____, FMH Orthopä dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zur Einsichtnahme zugestellt. 2.2 Diese Rüge der Beschwerdeführerin ist offensichtlich u nbegründet. Aufgrund der vorlie- genden Unterlagen deutet nichts darauf hin, dass die IV -Stelle dem Begehren der Beschwerde- führerin vom 1. Oktober 2014, vollständige Akteneinsicht zu gewähren, nicht resp. nur teilweise nachgekommen wäre und damit Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des An- spruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesve rfassung der Schweizerischen Eid- genossenschaft [BV] vom 18. April 1999) verletzt hätte. 3. Materiell streitig ist der Rentenanspruch der Beschwer deführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 11. September 2014 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungs gemäss die zeitliche Grenze der richter- lichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kran kheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumut- barerweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Sc hlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Inva- lidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG nimmt der Versich erungsträger die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderli chen Auskünfte ein. Nach dem Unter- suchungsgrundsatz hat die Behörde somit den rechtserhebli chen Sachverhalt von Amtes we- gen abzuklären (dazu allgemein: Urteil des Bundesger ichts vom 26. Oktober 2004, I 457/04 E. 4.1, in: SVR 2006 IV Nr. 10 S. 38). Welche konkrete n Abklärungsmassnahmen im Hinblick auf eine rechtsgenügliche Sachverhaltsermittlung jewe ils geboten sind, lässt sich in Anbetracht der Besonderheiten jedes Einzelfalles nicht generell sa gen. Der Abklärungsbedarf ergibt sich zum einen aus dem Umfang, in welchem Erhebungen notwen dig sind, und zum anderen aus der Tiefe, in der diese vorzunehmen sind. Zunächst hat d er Versicherungsträger festzulegen, welche Bereiche für die zu entscheidende Frage massgeben d sind. In der Folge hat er im Rahmen des so begrenzten Bereichs den Sachverhalt bis zur zweifelsfreien Eruierung abzuklä- ren (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Oktober 2004, I 457/04, E. 4.2, in: SVR 2006 IV Nr. 10 S. 38; UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N. 12 zu Art. 43 ATSG). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an4zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die a ndere medizinische These abstellt. Hin- sichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des EVG m it dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversiche- rung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltu ngsverfahren sinngemäss Anwendung (vgl. Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind im Wesentlichen die folgenden medizi- nischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Die C____AG beauftragte das Begutachtungsinstitut C .____ mit einem polydisziplinären Gutachten, welches am 28. Mai 2013 erstattet wurde. Dem nach wurden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit chronische Nacken-Schulterbeschwerden der adominanten linken Seite (ICD- 10 M54.2/M79.61/T92.8), ein Tinnitus links (ICD-10 H93 .1) und eine intermittierende Schwin- delsymptomatik (ICD-10 H82) diagnostiziert. Ohne Auswirkun g auf die Arbeitsfähigkeit bestün- den eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), ein Status nach Fussdis- torsion (ICD-10 T93.3/Z98.8) und nach Hüftkontusion lin ks am 20. April 2011 im Rahmen eines Treppensturzes (ICD-10 T93.3), eine konstitutionell ver mehrte Bandlaxizität (ICD-10 M35.7) und Adipositas (ICD-10 E66.0). Aus otorhinolaryngologischer Sicht sei ein mittelgradig kompen- sierter Tinnitus links zu bestätigen. Für die intermittie rende Schwindelproblematik finde sich keine objektivierbare Ursache. Eine vestibuläre Funktionsstö rung sowie eine Hörstörung seien ausgeschlossen. Aufgrund des Tinnitus und der Schwindelp roblematik seien der Explorandin Tätigkeiten mit erhöhtem Umgebungsgeräuschpegel sowie mit Eigen- und Fremdgefährdung nicht mehr möglich. Der Tinnitus habe eine Leistungsein schränkung von 5% zur Folge. Bei weitgehend unauffälligen radiologischen Befunden lie ssen sich die Nacken- und Schulterbe- schwerden links nicht ausreichend erklären. Aus orthopädische r Sicht sei die Versicherte in ihrer bisherigen kaufmännischen Tätigkeit nicht eingesch ränkt. Auch leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten seien zumutbar. Die Distor sion des linken Fusses mit Sehnen- operation am 18. Juni 2012 sowie die Hüftkontusion links seien weitgehend folgenlos ausgeheilt und hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die neurologische Untersuchung hätte keine pathologischen Befunde am zentralen oder peripheren Nervensystem gezeigt. Das zervikoze- phale Schmerzsyndrom habe keinen Einfluss auf die Arbeits fähigkeit. In psychiatrischer Hin- sicht bestünde eine die Leistungsfähigkeit nicht einschr änkende anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Ein zusätzliches psychisches Leiden sei nicht di agnostizierbar. Aus gesamt- medizinischer Sicht sei die Versicherte in ihrer bisherig en Tätigkeit und in angepassten Ver- weistätigkeiten zu 95% arbeits- und leistungsfähig. Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde und der vorliegenden Akten sei davon auszugehen, dass die Versicher- te nach ihrem Unfall am 20. April 2011 während maxima l sechs Monaten vollständig arbeitsun- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht fähig gewesen sei. Danach sei – wegen der Verletzung am linken Fuss – von einer leicht redu- zierten Arbeitsunfähigkeit von 20% auszugehen. Nach der Operation am 18. Juni 2012 habe bis 23. September 2012 wiederum eine vollständige Arbeits unfähigkeit bestanden. Danach sei bis 9. Januar 2013 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% auszugehen. Hernach sei die Arbeitsfä- higkeit einzig wegen des Tinnitus im Umfang von 5% einge schränkt. In Bezug auf die früheren ärztlichen Einschätzungen seien die Befunde von Dr. E.__ __ und die Beurteilung von Dr. F.____ zu bestätigen. Die vom behandelnden Arzt Dr . med. G.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, attestierte lang andau ernde Arbeitsunfähigkeit liesse sich mit den Befunden an der Wirbelsäule nicht erklären. Hinge gen würden die Angaben der Ärzte der orthopädischen Klinik des Kantonsspitals H.____ vom Oktober 2010 mit der vorliegenden Beur- teilung übereinstimmen. Auch die Beurteilung von Dr. D.____, wonach kein objektives Korrelat bestünde, sei zu bestätigen. Schliesslich hielten die Guta chter fest, dass zwar unfallfremde ge- sundheitliche Störungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. Diese hätten aber auf die bisherige Tätigkeit der Versicherten sowi e auf angepasste Verweistätigkeiten kei- nen Einfluss. 5.2 Am 22. April 2014 diagnostizierte Dr. G.____ ein chronisches zervikovertebrales Syn- drom, ein Schulterimpingement links, einen Tinnitus l inks sowie eine rezidivierende depressive Störung. Es bestünden persistierende Nackenschmerzen mit Au sstrahlung in den Kopf, Schmerzen im Schultergürtel, ein anhaltender Tinnitus links sowie ein vermindertes Hörvermö- gen am linken Ohr. Ausserdem habe die Versicherte immer wieder Blockaden im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS) . Hinzugekommen seien belastungs- und gehabhängige Schmerzen am rechten Knie. Die Verl etzung am linken Fuss sei mittlerweile abgeheilt. Eine psychiatrische Abklärung/Gesprächstherapie sei ab Anfang Mai 2014 geplant. Es bestünden Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 11. September 2014 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeit sfähigkeit der Versicherten auf das Gutachten des Begutachtungsinstituts C.____ vom 28. Mai 2013 und ging davon aus, dass die Versicherte ab 18. Juni 2012 vollständig und ab 24. September 2012 zu 50% und seit 8. Januar 2013 zu 5% arbeitsunfähig war. Wie oben ausgeführt ( vgl. E. 4.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizi en liegen nicht vor. Die Beurteilung des Expertenteams beruht auf eingehenden Untersuchungen der Versicherten und berücksich- tigt die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte. Zudem gingen die Gutachter auf die Beschwerden der Versicherten ein und vermitteln ein hinreichendes Bild über deren Ge- sundheitszustand. Es wird deutlich, dass die Versicherte im Z eitpunkt der Begutachtung einzig einen leicht einschränkenden Tinnitus links aufwies. Die Folgen der Sehnenoperation sowie der Hüftkontusion links waren demgegenüber folgenlos ausgeh eilt und die geklagten Nacken- und Schulterbeschwerden somatisch nicht erklärbar. Auch in neu rologischer Hinsicht zeigten sich keine pathologischen Befunde. Weiter ist davon auszugehe n, dass die diagnostizierte anhal- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tende somatoforme Schmerzstörung überwindbar ist und ke inen Einfluss auf die Arbeitsfähig- keit hat. Vor diesem Hintergrund ist auch die fachärztlich e Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar begründet. Demnach ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach ihrem Unfall am 20. April 2011 resp. nach der Operation am 18. Juni 2012 vollständig arbeitsun- fähig war. Zufolge Verbesserung des Gesundheitszustandes i st ab September 2012 von einer Leistungsfähigkeit von 50% und ab Januar 2013 von 95% auszugehen. Zwar liegen nach An- sicht der Gutachter unfallfremde gesundheitliche Störun gen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä- higkeit vor. Diese würden sich aber bei der bisherigen Tätigkeit der Versicherten sowie bei an- gepassten Verweistätigkeiten nicht auswirken. Insgesamt i st die Beurteilung im Gutachten des Begutachtungsinstituts C.____ sowohl in der Darlegung de r medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerunge n überzeugend. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage darauf abgestellt hat. 6.2 Daran vermögen die Vorbringen der Beschwerdeführ erin nicht zu ändern. Wenn sie rügt, die IV-Stelle habe den rechtserheblichen medizinischen Sachverhalt ungenügend abgeklärt und es insbesondere unterlassen, bei den behandelnden Ärzt en Berichte einzuholen, kann ihr nicht gefolgt werden. Zunächst spielt es keine Rolle, dass das Gutachten des Begutachtungsinstituts C.____ vom 28. Mai 2013 von der Unfallversicherung und nicht von der Invalidenversicherung in Auftrag gegeben wurde. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist einzig entschei- dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfa ssend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizini schen Zusammenhänge und in der Beur- teilung der medizinischen Situation einleuchtet und o b die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. E. 4.3 hiervor). Wie in Erwägung 6.1 hiervor ausgeführt, ist der relevante medizinische Sachverhalt mit dem Gutachten des Begutacht ungsinstituts C.____ vom 28. Mai 2013 hinreichend abgeklärt, weshalb die IV-Stelle ni cht gehalten war, weitere medizinische Ab- klärungen vorzunehmen. Dies gilt umso mehr, als im Gut achten darauf hingewiesen wird, dass sich in Bezug auf die früheren ärztlichen Einschätzungen keine wesentlichen Diskrepanzen er- geben und überdies auch die Beschwerdeführerin keine an derslautenden medizinischen Be- richte beigebracht hat, die Zweifel am Gutachten beg ründen würden. In Bezug auf die abwei- chende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden Arzt Dr. G.____ ist zu berück- sichtigen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auf tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patiente n aussagen dürften (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Auch die von der Beschwerdeführerin geäussert en Bedenken, das Gutachten des Begutachtungsinstituts C.____ beinhalte keine Beurteilun g in Bezug auf unfallfremde Gesund- heitsbeeinträchtigungen, können nicht geteilt werden. Die IV-Stelle ersuchte das Ärzteteam um eine Differenzierung von unfallbedingten und unfallfr emden Beschwerden und deren Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit. Entsprechend haben sich die Experten mit den unfallfremden Beschwerden auseinandergesetzt und festgehalten, dass zwar solche mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden, diese aber auf di e bisherige Tätigkeit der Versicherten sowie auf angepasste Verweistätigkeiten keinen Einfluss hätten . Soweit die Beschwerdeführerin eine zwischenzeitlich eingetretene Verschlechterung des Gesundhe itszustandes geltend macht, ist ihr entgegenzuhalten, dass eine solche nicht hinreichend substantiiert ist und sie weder im Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltungsverfahren noch im Verfahren vor Kantonsgeri cht entsprechende aussagekräftige ärztliche Unterlagen einreichte, die eine Veränderung des Gesundheitszustandes hinreichend nachweisen würden. Nach dem Gesagten lässt das vorliegende Gutachten des Begutachtungs- instituts C.____ vom 28. Mai 2013 eine zuverlässige Beur teilung der verbleibenden Arbeitsfä- higkeit der Versicherten zu, weshalb in antizipierter Be weiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragte z usätzliche Abklärung verzichtet werden kann. 7. Die IV-Stelle hat gestützt auf die massgebende Be urteilung im Gutachten des Begutach- tungsinstituts C.____ vom 28. Mai 2013 einen Einkommen svergleich vorgenommen und ab 18. Juni 2012 einen IV-Grad von 100%, ab 24. September 2012 einen solchen von 56% und ab 8. Januar 2013 einen solchen von 11% ermittelt. Da sich auch aus den Akten keine Hinweise ergeben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes w egen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre und die Beschwerdef ührerin den Einkommensver- gleich auch nicht bestreitet, erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem durch die IV-Stelle angestellten Einkommensvergleich. Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 11. September 2014, mit welcher der Beschwerdeführerin – unter Berücksichtigung der dreimo- natigen Übergangsfrist (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV) – f ür die Zeit vom 1. Juni 2012 bis 31. Dezember 2012 eine ganze und vom 1. Januar 2013 bis 30. April 2013 eine halbe Rente zugesprochen wurde, nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 und 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versi- cherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unterlie- genden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorlie gend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ih r aufzuerlegen sind. Die Verfahrenskos- ten in der Höhe von Fr. 600.-- werden mit dem geleis teten Kostenvorschuss verrechnet. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht