A bteilung III C -975/2006 {T 0/2} U rteil vom 21. A ugust 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichter Vuille, Im oberdorf (Kam - m erpräsident); G erichtsschreiberin H aake. A ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung in B ezug auf B ._______ B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Am 29. Juni 2006 beantragte die 1972 geborene türkische Staatsangehöri- ge B._______ (nachfolgend G esuchstellerin) bei der schw eizerischen Vertretung in Ankara ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem im Kanton St. G allen lebenden Bruder. D as G esuch w urde dem Bundesam t für M igration zum Entscheid überw iesen. B. N achdem das Ausländeram t des Kantons St. G allen beim G astgeber w ei- tere Auskünfte eingeholt hatte, w ies die Vorinstanz das G esuch m it Verfü- gung vom 28. August 2006 ab. Als Begründung w urde im W esentlichen festgehalten, dass aufgrund der allgem einen Lage in der U rsprungsregion sow ie aufgrund fehlender fam iliärer, beruflicher oder gesellschaftlicher Verpflichtungen die fristgerechte W iederausreise nicht gesichert erscheine. C . M it Eingabe vom 29. Septem ber 2006 erhob der G astgeber, A._______ (nachfolgend Beschw erdeführer) Beschw erde beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) und beantragt im plizit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Erteilung der Einreisebew illigung. Zur Begründung bringt er vor, dass seine Schw ester seinen kleinen Sohn sehen und ihre Ferien in der Schw eiz verbringen m öchte. D . M it Vernehm lassung vom 17. N ovem ber 2006 beantragt die Vorinstanz die Abw eisung der Beschw erde. E. D em Beschw erdeführer w urde m it Verfügung vom 23. N ovem ber 2006 G e- legenheit gegeben, sich zur Vernehm lassung der Vorinstanz zu äussern. D iese Frist liess er ungenutzt verstreichen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 D as Bundesverw altungsgericht beurteilt gem äss Art. 31 des Verw altungs- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) Beschw erden ge- gen Verfügungen gem äss Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und Art. 34 VG G aufgeführten Behörden. D arunter fallen die Verfügungen des Bundesam tes für M igration betreffend Bew illigung der Einreise (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufent- halt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20] und Art. 18 Abs. 1 der Verordnung über die Einreise und Anm el- dung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]). D as Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]).3 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, per 1. Januar 2007 die Beurteilung der am 31. D ezem ber 2006 bei den Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. D as neue Verfahrens- recht ist anw endbar (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG , sofern das G esetz nichts anderes bestim m t. 1.3 D er Beschw erdeführer ist als G astgeber und G arant aufgrund von Art. 48 Abs. 1 Vw VG und Art. 20 Abs. 2 AN AG zur Beschw erde legitim iert. Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzutre- ten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. Ausländer und Ausländerinnen sind zur Anw esenheit in der Schw eiz be- rechtigt, w enn sie eine Aufenthalts- oder N iederlassungsbew illigung besitzen oder keiner solchen bedürfen (Art. 1a AN AG ). G ew isse G ruppen von Ausländerinnen und Ausländern benötigen für die Einreise in die Schw eiz ein Visum (vgl. Art. 3 ff. VEA). 2.1 D as Bundesam t für M igration entscheidet im R ahm en der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge m it dem Ausland nach freiem Erm essen über die Bew illigung von Aufenthalt und N iederlassung (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 VEA). D ies bedeutet, dass die schw eizerische R echtsordnung w eder ein allgem eines R echt auf Einreise kennt noch einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visum s gew ährt (vgl. PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax/Peter M ünch/Thom as G eiser/M artin Arnold [H rsg.], Ausländerrecht, H andbücher für die Anw altspraxis Bd. VIII, Basel 2002, R z. 5.28). Im Falle einer Einreisebew illigung ist daher der Spielraum für das behördli- che Erm essen um fangreicher als beispielsw eise bei der Verlängerung einer Anw esenheitserlaubnis. W ährend es im letztgenannten Fall zu be- denken gilt, dass ein bereits anw esender Ausländer auf sein Bleiberecht vertraut und insow eit einen gew issen Schutz geniesst, kann im Falle einer Einreisebew illigung jedes gegen den Aufenthalt sprechende öffentliche Interesse entscheiderheblich sein. D abei sind vor allem die geistigen und w irtschaftlichen Interessen sow ie das Verhältnis zw ischen schw eizerischer und ausländischer W ohnbevölkerung zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 1 AN AG ). Jedenfalls gebieten O rdnungs- und Steuerungsfunktionen der Visum sbestim m ungen, über jeden Einzelfall unter Einhaltung einer m ög- lichst vollständigen Interessenabw ägung zu entscheiden. 2.2 Ein Einreisevisum w ird verw eigert, w enn die in Art. 1 VEA aufgeführten Voraussetzungen nicht erfüllt sind (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). Insbesondere m üssen G esuchstellerinnen und G esuchsteller, die in die Schw eiz reisen m öchten, G ew ähr bieten, dass sie fristgerecht w ieder ausreisen w erden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. D ie G esuchstellerin benötigt aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz neben einem gültigen R eisedokum ent ein Visum . D ie Vorinstanz verw eigerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die 4 fristgerechte W iederausreise erscheine angesichts der allgem einen Lage im H erkunftsland sow ie aufgrund fehlender beruflicher, gesellschaftlicher oder fam iliärer Verantw ortlichkeiten nicht hinreichend gesichert. 3.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten beziehungsw eise R egionen m it politisch oder w irtschaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen von vorn- herein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befri- steten Einreisebew illigung in Einklang steht. 3.2 D ie Türkei zählt auf G rund der dort herrschenden politischen, gesellschaft- lichen und w irtschaftlichen Verhältnisse zu denjenigen Ländern, deren Staatsangehörige nach der Einreise in die Schw eiz oft beschliessen, ihren W ohnsitz hierher zu verlegen. D ie W irtschaftslage hat sich zw ar in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert. D ies ist einerseits auf ein striktes Program m des Internationalen W ährungsfonds (IW F) zurückzuführen, und andererseits w ird der Aufw ärtstrend durch die Perspektive eines Beitrittes zur Europäischen U nion und den dam it verbundenen M assnahm en ver- stärkt. D iese Entw icklung brachte jedoch bisher der breiten Bevölkerungs- m ehrheit w eder m ehr Beschäftigung noch m ehr Einkom m en. Insbesondere die unteren Bevölkerungsschichten leben nach w ie vor am R ande des Exi- stenzm inim um s (Q uellen: w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand M ai 2007; Eu- ropäische Kom m ission: Türkei Fortschrittsbericht 2006, im Internet unter: ec.europa.eu > Erw eiterung > Schlüsseldokum ente > Fortschrittsbericht Türkei 2006, besucht am 26. Juli 2007). Entsprechend hoch ist der Anteil derjenigen Türkinnen und Türken, die nach W esteuropa kom m en, um sich hier unter vorteilhafteren w irtschaftlichen R ahm enbedingungen eine m ate- riell bessere Existenz aufzubauen. D ie M igrationstendenz ist erfahrungs- gem äss bei jüngeren, ungebundenen Personen besonders ausgeprägt. Ein bereits vorhandenes soziales N etz in der Schw eiz (Verw andte, Freunde etc.) erleichtert in der R egel den M igrationsentschluss. D eshalb gilt es nach M öglichkeit zu verhindern, dass G esuchsteller – allenfalls entgegen ihrer ursprünglichen Absicht – nach erfolgter Einreise in die Schw eiz ver- suchen, sich unter U m gehung der fristgerechten W iederausreise dauerhaft hier niederzulassen, sei es m ittels eines Asylgesuches oder auf anderen W egen. 3.3 Angesichts der schw ierigen Situation im H erkunftsland der G esuchstellerin ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das R isiko einer nicht fristgerechten W iederausreise allgem ein als hoch einschätzte. Bei der R isi- koanalyse sind allerdings nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfah- rungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfal- les zu berücksichtigen. O bliegt dem G esuchsteller oder der G esuchstelle- rin beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam ili- äre Verantw ortung, so kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei 5 G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in ihrer H eim at keine beson- deren Verpflichtungen haben, das R isiko, dass sie sich nach einer bew illig- ten Einreise nicht gem äss den frem denpolizeilichen Vorschriften verhalten, als hoch eingeschätzt w erden. 3.4 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 35jährige, ledige Frau. Sie bezeichnet sich als H ausfrau und ist gem äss Inform ationen der schw eizeri- schen Vertretung arbeitslos und ohne geregeltes Einkom m en. W eitere An- gaben w urden w eder von ihr noch vom Beschw erdeführer gem acht. D ie vorhandenen Inform ationen lassen keine beruflichen, gesellschaftlichen oder fam iliären Verpflichtungen erkennen, w elche die G esuchstellerin nachhaltig von einer Em igration abhalten könnten. 3.5 W eitere G ründe, die einen Besuch der G esuchstellerin in der Schw eiz not- w endig erscheinen liessen und dam it die Erteilung eines Einreisevisum s rechtfertigen könnten, sind nicht ersichtlich. Insbesondere bew irkt die Ver- w eigerung der Einreisebew illigung nicht, dass die Fam ilienbeziehung nicht gepflegt w erden kann, da es dem Beschw erdeführer als Schw eizer Bürger unbenom m en bleibt, m it seinem kleinen Sohn seine Schw ester in der Tür- kei zu besuchen. 4. Zusam m enfassend ergibt sich, dass die fristgerechte und anstandslose W iederausreise der G esuchstellerin als nicht gesichert erscheint. D abei handelt es sich nicht um eine sichere Erkenntnis, sondern um eine Pro- gnose betreffend das zukünftige Verhalten der G esuchstellerin im Falle ihrer Einreise in die Schw eiz; doch reicht praxisgem äss eine negative Pro- gnose aus, um den Antrag auf Erteilung einer Einreisebew illigung, w orauf w ie erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht, abzulehnen. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Ergebnis rechtm ässig ist (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist dem zufolge abzuw ei- sen. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschw erdefüh- rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG i.V.m Art. 1 und Art. 3 des R e- glem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw al- tungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv siehe folgende Seite)6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. Sie w erden m it dem am 2. N ovem ber 2006 geleisteten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. _____ retour) D er Kam m erpräsident: D ie G erichtsschreiberin: Antonio Im oberdorf Barbara H aake Versand am :