JAAC69.27 Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 29. Juni 2004 i.S. P .G., unbekannter Herkunft, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 19 Art. 23 al. 3 en relation avec l’art. 112 al. 1 et 2 LAsi. Exécution immédiate du renvoi dans le pays d’origine ou dans un pays tiers, en procédure d’aéroport (décision de principe). L’Office fédéral des réfugiés a pouvoir de décider du retrait de l’effet suspensif à un éventuel recours dans les cas où il ordonne l’exécution immédiate du renvoi dans le pays d’origine ou dans un pays tiers; la réglementation prévue à l’art. 112 al. 1 et 2 LAsi (dans la nouvelle version entrée en vigueur le 1 er avril 2004) s’applique également à ces cas (comblement d’une lacune; consid. 3). Art. 23 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 112 Abs. 1 und 2 AsylG. Sofortiger Vollzug der Wegweisung in den Heimat- oder Herkunftsstaat im Flughafenverfahren (Grundsatzentscheid). Das Bundesamt für Flüchtlinge verfügt über die Kompetenz, im Falle der Anordnung des sofortigen Vollzuges der Wegweisung in den Heimat- oder Herkunftsstaat, einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen; die in Art. 112 Abs. 1 und 2 AsylG (in der neuen, auf den 1. April 2004 in Kraft getretenen Fassung) vorgesehene Regelung findet über den Wortlaut hinaus auch in diesem Fall Anwendung (Lückenfüllung; E. 3). 1Art. 23 cpv. 3 in relazione all’art. 112 cpv. 1 e 2 LAsi. Esecuzione immediata dell’allontanamento verso il Paese d’origine o di provenienza in procedura d’aeroporto (decisione di principio). È consentito all’Ufficio federale dei rifugiati (UFR), in caso di pronuncia dell’esecuzione immediata dell’allontanamento verso il Paese d’origine o di provenienza in procedura d’aeroporto, di ritirare l’effetto sospensivo all’eventuale ricorso. La regola di cui all’art. 112 cpv. 1 e 2 LAsi (nella nuova versione entrata in vigore il 1° aprile 2004) è infatti applicabile, al di là del tenore letterale, anche in tali casi (colmata una lacuna legislativa; consid. 3). ZusammenfassungdesSachverhalts: DerBeschwerdeführersuchteam1.April2004imFlughafenZürich-Kloten umAsylnach. DasBundesamtfürFlüchtlinge(BFF)verweigerteihmmit VerfügungvomgleichenTagdieEinreiseindieSchweizundwiesihm fürdieDauerdesAsylverfahrensdenTransitbereichdesFlughafensals Aufenthaltsortzu. DieKantonspolizeiZürich(Flughafenpolizei)unterzogdiebeim BeschwerdeführersichergestelltenIdentitätsdokumenteam1.April2004einer Echtheitsprüfung. AmfolgendenTagbefragtesiedenBeschwerdeführerzu seinerPerson,zumReisewegundzudenGründenseinesAsylgesuchs. Dabei tratdieserunterdemNamenP.I.aufundführtebezüglichseinerHerkunftan, erbesitzedieliberianischeStaatsangehörigkeitundhabestetsinMonrovia gelebt,eheerimJahre2002zurFluchtgezwungengewesensei. Diefolgenden eineinhalbJahrehabeerinGhanaverbracht;EndedesJahres2003seier nachSüdafrika(Johannesburg)weitergezogen,woernunam29.März2004 dasFlugzeugbestiegenhabe,mitdemerohneZwischenhaltindieSchweiz gelangtsei. ZurBegründungseinesAsylgesuchsmachtederBeschwerdeführer imWesentlichengeltend,nachdemTodseinerElternundseinerSchwester sowiedemVerschwindenseinesBrudersundseinesOnkelshabeerkeine Möglichkeitmehrgesehen,weiterhininseinemHeimatlandzuleben. Sein VaterseiwegenseinerMitgliedschaftbeider«M.F.P.L.»imJahre1997vonder «Regierungsopposition»umgebrachtworden,währenddemseineMutterund seineSchwesterihrLebeninFeuersbrünstenverlorenhätten,welchevon derOppositionindenJahren2000und2002imHausseinerFamiliegelegt wordenseien. ErselberseibeimzweitenBrandanschlagimJahre2002knapp demTodeentronnen,woraufersich-sicherheitshalberundzurPflegeseiner Verbrennungen-beiFreundeneinquartierthabe,umdannnacheinigen WochennachGhanaauszureisen. DorthabeerzunächstdreiTageineinem FlüchtlingslagerverbrachtundanschliessendbeieinemManninderNähe vonAccragelebt. DieserMannhabeihmgeholfen,zunächstnachSüdafrika undvondortausnachEuropazugelangen. ErseiinLiberianiemalsinHaft genommenwordenoderineinGerichtsverfahrenverwickeltgewesenund habedortauchkeineProblememitdenBehörden,derPolizeioderdemMilitär gehabt. Erwissejedoch,dassmanihnumgebrachthätte,wäreerinseinem Heimatlandgeblieben. 2Am7.April2004hieltdasHochkommissariatderVereintenNationenfür dieFlüchtlinge(UNHCR)imRahmeneinerKonsultationimSinnevon Art.23Abs.3desAsylgesetzesvom26.Juni1998(AsylG,SR142.31)fest, dasAsylgesuchdesBeschwerdeführersseialsoffensichtlichunbegründet abzulehnen. MitVerfügungvom13.April2004stelltedasBFFfest,derBeschwerdeführer erfülledieFlüchtlingseigenschaftnicht,lehntedessenAsylgesuchab,ordnete sodanndie-alssofortvollstreckbarbezeichnete-Wegweisungausder SchweizanundentzogeinerallfälligenBeschwerdegegenseineVerfügungdie aufschiebendeWirkung. MitEingabevom15.April2004fochtderBeschwerdeführerdieVerfügung desBFFvom13.April2004beiderSchweizerischenAsylrekurskommission (ARK)an. OhneeinRechtsbegehrenzuformulieren,verlangteersinngemäss dieAufhebungderangefochtenenVerfügung,dieGutheissungseines AsylgesuchsunterAbstellungaufseineliberianischeStaatsangehörigkeit unddieWiederherstellungderaufschiebendenWirkungseinerBeschwerde. AufErsuchendeszuständigenInstruktionsrichtersderARKnahmdasBFFin seinerVernehmlassungvom15.April2004StellungzurFragedergesetzlichen GrundlagedesvorgenommenenEntzugsderaufschiebendenWirkungeiner allfälligenBeschwerde. DieARKweistdieBeschwerdevollumfänglichab. AusdenErwägungen: 3.a. ImDispositivderangefochtenenVerfügungwirddieWegweisungals sofortvollstreckbarbezeichnetundeinerallfälligenBeschwerdegegendie VerfügungdieaufschiebendeWirkungentzogen. DieKompetenzdesBFFzur AnordnungdessofortigenVollzugsderWegweisungergibtsichunmittelbar ausArt.23Abs.3AsylG.GemässdieserBestimmungkanndasBFF-sofern dieEinreisenichtbewilligtwirdundeinevorsorglicheWegweisungineinen DrittstaatnachArt.23Abs.1und2AsylGausgeschlossenist-densofortigen VollzugderWegweisungindenHeimat-oderHerkunftsstaatanordnen,wenn derasylsuchendenPersondortnachübereinstimmenderAuffassungdesBFF unddesUNHCRoffensichtlichkeineVerfolgungdroht. BisherhatdasBFF sodanneinerallfälligenBeschwerdezudemregelmässigdieaufschiebende Wirkungentzogen,wennesgestütztaufArt.23Abs.3AsylGdensofortigen VollzugderWegweisunganordnete. DieKompetenz,imFallederAnordnung dessofortigenVollzugsderWegweisungeinerallfälligenBeschwerdedie aufschiebendeWirkungzuentziehen,warimAsylgesetzzwarauchbisanhin nichtausdrücklichvorgesehen. SiekonntenachbisherigemRechtjedoch ohneweiteresdurchUmkehrschlussausderimbisherigenArt.112Abs.1 AsylGenthaltenenspezialgesetzlichenRegelungabgeleitetwerden,wonach dieausländischePersonimFallederAnordnungdessofortigenVollzugs derWegweisunginnerhalbvon24StundenbeiderARKeinGesuchum WiederherstellungderaufschiebendenWirkungeinreichenkann(vgl. zum AnwendungsbereichvonArt.55Abs.2desBundesgesetzesvom20.Dezember 31968überdasVerwaltungsverfahren[VwVG],SR172.021: Entscheidungenund MitteilungenderSchweizerischenAsylrekurskommission[EMARK]1997Nr.9 S.63ff. = VPB62.8). b. UnklarpräsentiertsichdieRechtslagebezüglichderKompetenzdesBFF, imFallederAnordnungdessofortigenVollzugsderWegweisunginden Heimat-oderHerkunftsstaatgestütztaufArt.23Abs.3AsylGeinerallfälligen BeschwerdegegendieVerfügungdieaufschiebendeWirkungzuentziehen, hingegenseitInkrafttretendesBundesgesetzesüberdasEntlastungsprogramm 2003(EP03,AS 2004 1633)vom19.Dezember2003aufden1.April2004. Die imRahmendesEP03revidierteFassungvonArt.112Abs.1AsylGsiehtneu nämlichvor,dassdieausländischePersoninnerhalbvon24Stundenbei derARKeinGesuchumWiederherstellungderaufschiebendenWirkung einreichenkann,wenndersofortigeVollzugderWegweisungnach Art. 23 Abs. 2 oder Art. 42 Abs. 3 AsylG angeordnetwurde. Eswerdendemnach lediglichdiebeidenFälledessofortigenVollzugseinervorsorglichen WegweisungineinenDrittstaatdurchZwischenverfügungwährenddes Verfahrens(Art.23Abs.2undArt.42Abs.3AsylG)erwähnt,nichtaber dersofortigeVollzugderWegweisungindenHeimat-oderHerkunftsstaat nachArt.23Abs.3AsylG.DieshatzurFolge,dassunterneuemRechtbei VerfügungennachArt.23Abs.3AsylGdieKompetenzdesBFFzumEntzug deraufschiebendenWirkungeinerallfälligenBeschwerdenichtmehrwie bisanhindurchUmkehrschlussausderinArt.112Abs.1AsylGenthaltenen Regelungabgeleitetwerdenkann. EsstelltsichdeshalbdieFrage,obdas BFFüberhauptdazuberechtigtwar,inderangefochtenenVerfügungeiner allfälligenBeschwerdedieaufschiebendeWirkungzuentziehen. c. Zunächstistzuklären,obdieNichterwähnungvonArt.23Abs.3AsylG inderrevidiertenFassungvonArt.112Abs.1AsylGeinebewusstnegative AntwortdesGesetzgebers,einsogenanntesqualifiziertesSchweigendarstellt. EsistmitanderenWortenzuprüfen,obderGesetzgeberimFalleder AnordnungdessofortigenVollzugsderWegweisunggestütztaufArt.23Abs.3 AsylGdemBFFdieseKompetenz[…]bewusstentziehenundinsoferneine andereRegelungalsbeiBeschwerdengegenZwischenverfügungennach Art.23Abs.2undArt.42Abs.3AsylGeinführenwollte(vgl. BGE129V6 E.4.1.1mitHinweisen). aa. WolltemandieNichterwähnungvonArt.23Abs.3AsylGinArt.112Abs.1 AsylGalsqualifiziertesSchweigeninterpretieren,soliessesichalseinzig denkbareBegründunganführen,derGesetzgeberhabeimFlughafenverfahren densofortigenVollzugderWegweisungindenHeimat-oderHerkunftsstaat dergestaltumsetzenwollen,alsdassdieWegweisungentsprechendder RegelungvonArt.39Bst.aVwVGerst sofort nach Eintritt der Rechtskraft , d.h. sofortnachunbenutztemAblaufder30-tägigenBeschwerdefrist(vgl. Art.50VwVG)bzw. sofortnachErlassdesnegativenBeschwerdeurteils durchdieARK(vgl. Art.33derVerordnungvom11.August1999überdie SchweizerischeAsylrekurskommission[VOARK],SR142.317)vollzogenwerden soll. DieWirkungderinArt.23Abs.3AsylGeingeräumtenMöglichkeitdes beschleunigtenWegweisungsvollzugs(«[…] kann dersofortigeVollzug[…] angeordnetwerden[…]»)würdesichmitanderenWortendaraufreduzieren, dassnachdemVorliegeneinerrechtskräftigenWegweisungsverfügungkeine 4Ausreisefristangesetzt(vgl. Art.45Abs.1Bst.bAsylG)undabgewartetwerden müsste(vgl. Art.14Abs.1Bst.adesBundesgesetzesvom26.März1931über AufenthaltundNiederlassungderAusländer[ANAG],SR142.20). bb. BeinähererBetrachtungistindesauszuschliessen,dasseinederartige Regelungangestrebtwurde. SofehleninderBotschaftzumEP03vom2.Juli 2003(BBl 2003 5615ff.) undindenRatsprotokollenjeglicheHinweiseauf eineentsprechendeZielsetzung. WiedasBFFinseinerVernehmlassung zuRechtfesthält,hatderGesetzgebervielmehrdaraufverzichtet,die neueKonzeptiondesFlughafenverfahrens,wiesieinderBotschaftzur Totalrevisionvorgesehenist(vgl. BotschaftzurÄnderungdesAsylgesetzes vom4.September2002,BBl 2002 6849ff. und6879ff.),bereitsindasEP03 zuintegrieren. Dieslässtdaraufschliessen,dassderGesetzgeberdieim FlughafenverfahrenbestehendenRegelungenbetreffenddievorsorgliche WegweisungineinenDrittstaatgemässArt.23Abs.2AsylGundbetreffend diesofortigeWegweisungindenHeimat-oderHerkunftsstaatgemässArt.23 Abs.3AsylGnichtändernwollte. Dieswirdauchdadurchbestätigt,dass derinArt.23Abs.4AsylGformulierteVorbehaltzugunstenvonArt.112 AsylGunverändertbelassenwurde. DieerwähnteAusnahmeregelungfürden sofortigenVollzugderWegweisungnachArt.23Abs.3AsylGkannerstrecht nichtmitdemLeitmotivdesEP03erklärtwerden,welchesinderSanierung desBundeshaushalteszuerblickenistundimAsylbereichumgesetztwird, indemPersonen,derenAsylgesucheoffensichtlichunbegründetsindoderdie sichmissbräuchlichverhaltenundaufderenAsylgesuchenichteingetreten wird,ausdemSystemderSozialleistungenausgeschlossenwerden,sowie durchdieVerkürzungdesVerfahrens(BBl 2003 5689ff.). cc. VorallemaberwürdeesstossendeundunsinnigeRechtsfolgennach sichziehen,wolltemandemBFFbeimsofortigenWegweisungsvollzugnach Art.23Abs.3AsylGdieKompetenzzumEntzugderaufschiebendenWirkung einerallfälligenBeschwerdevorenthalten. DaindiesemFalldieWegweisung frühestensnachAblaufder30-tägigenRechtsmittelfristvollstrecktwerden könnte,dieasylsuchendePersonnachEröffnungdeserstinstanzlichen EntscheidesabernurnochwährendlängstenssiebenTagenimTransitbereich desFlughafensfestgehaltenwerdenkann(vgl. Art.23Abs.4AsylG),müssteihr -sofernnichtdieAusschaffungshaftangeordnetwird(vgl. EMARK1998Nr.30 =VPB63.40)-nachAblaufderzulässigenFesthaltedauerimTransitbereich desFlughafensunabhängigvoneinerallfälligenBeschwerdeerhebung regelmässigdieEinreiseindieSchweizbewilligtwerden. Diesläuftaber demCharakterdesFlughafenverfahrenszuwider,welchesdaraufabzielt, PersonennichtindieSchweizeinreisenzulassen,welchedieVoraussetzung fürdieBewilligungzurEinreisegemässArt.21AsylGnichterfüllenbzw. bei denenbereitsamFlughafendievorsorglicheWegweisungineinenDrittstaat angeordnetoderfestgestelltwerdenkann,dasssieinihremHeimat-oder Herkunftslandoffensichtlichnichtverfolgtsind. AlsVerfahren sui generis (EMARK1998Nr.30S.292ff. = VPB63.40 E.6b;EMARK1995Nr.3S.33 E.8b)hängtdasFlughafenverfahrenzudemvonderEinreiseverweigerung ab(vgl. Art.23Abs.1und3AsylG:«WirddieEinreisenichtbewilligt[…]»). WirddieEinreisebewilligt,istdasAsylverfahrendahernichtamFlughafen, sondernimInlanddurchzuführen. DieARKgehtdeshalbinständigerPraxis davonaus,dassimFlughafenverfahrendieVerweigerungderEinreiseeine SachurteilsvoraussetzungfürdieAnordnungdessofortigenVollzugsder 5WegweisungindenHeimat-oderHerkunftsstaatnachArt.23Abs.3AsylGist, welcheentfällt,wennwährendhängigemVerfahrennachträglichdieEinreise indieSchweizausdrücklichbewilligtoderdurchkonkludentesVerhaltender Behörden(z.B.geregelteEntlassungausdemFlughafenareal,Zuweisungan eineEmpfangsstelle,UnterbringungineinemDurchgangszentrum,Entlassung ausderAusschaffungshaft)faktischgeduldetwird. DieimFlughafenverfahren gestütztaufArt.23Abs.3AsylGerlasseneVerfügungdesBFFfälltdeshalb unabhängigvomStadium,indemsichdasnochhängigeVerfahrenim Zeitpunktder-erteiltenoderfaktischerlangten-Einreisebewilligung befindet,gegenstandslosdahinmitderFolge,dassdasordentlicheVerfahren imInlanddurchzuführenist(vgl. W. Stöckli,AsylgesucheamFlughafen -PraxisübersichtundGedankenzumVerfahren,ASYL1996/4,S.107, Ziff.2.1.cundS.111,Ziff.1.6.a; W. Lang,DasFlughafenverfahren,ASYL 2000/3,S.10,Ziff.7.3; BGE128II199 E.2.2.3miteinemHinweisaufdas UrteilderARKvom6.März2002i.S.H.C.,Kamerun,wodieaufAnordnung desFlughafenarzteserfolgteEinlieferungderBeschwerdeführerinzur AbklärungineinepsychiatrischeKlinikaufgrundderAbsprachezwischen FlughafenpolizeiundderKlinikleitung,diesestehederFlughafenpolizei jederzeitzurVerfügung,nichtalsfaktischgeduldeteEinreisebeurteilt wurde;vgl. auchEMARK1998Nr.30S.253= VPB63.40,wobetreffenddie AusschaffungshaftimFlughafengefängnisfestgestelltwurde,dasseine Einreisesolangenichtalserfolgtgelte,alssichdieasylsuchendePerson-wenn auchnichtmehrimeigentlichenTransitbereich-nochimGewahrsamder FlughafenpolizeibefindeunddieserBehördezurVerfügungstehe). Wollte mandieNichterwähnungvonArt.23Abs.3AsylGinArt.112Abs.1AsylGals qualifiziertesSchweigendesGesetzgebersdeuten,hättediesnachheutiger RechtslagedemnachzurFolge,dassdiegestütztaufArt.23Abs.3AsylG ergangeneVerfügungdesBFFaufgrundderinfolgeAblaufsderzulässigen maximalenAufenthaltsdauerimTransitbereichzubewilligendenEinreise indieSchweizgegenstandslosdahinfälltundmitzeitlicherVerzögerung dasordentlicheAsylverfahrenimInlanddurchgeführtwerdenmüsste. EinderartigerprozessualerUnsinnkannfreilichnichtdemWillendes Gesetzgebersentsprechen. d. NachdemaufgrundderbisherigenErwägungendieAnnahmeeines qualifiziertenSchweigensnichtinBetrachtfällt,stehtfest,dassmitder inderdeutschen,französischenunditalienischenFassungdesGesetzes festzustellendenNichterwähnungvonArt.23Abs.3AsylGinArt.112Abs.1 AsylGeineausfüllungsbedürftigeLückegeschaffenwurde. Weildiesich unweigerlichstellendeRechtsfrage,wiedieerwähntenprozessualenFolgenzu vermeidensind,imGesetznichtbeantwortetwird,liegteingesetzgeberisches VersehenunddamiteinesogenannteechteLückevor,welchedasGericht unterRückgriffaufdie ratio legis zuschliessenhat(vgl. BGE129V6 E.4.1.1 mitHinweisen). aa. AusdembisherGesagtenergibtsich,dassimFlughafenverfahrendie AnordnungdessofortigenVollzugsderWegweisungindenHeimat-oder HerkunftsstaatdurchdasBFFnurdannsinnvollist,wenndieWegweisung bereitsvorEintrittderRechtskraftvollstrecktwerdenkann. Diesistabernur möglich,wenndasBFFdiederBeschwerdezukommendeaufschiebende Wirkung(vgl. Art.55VwVG)entziehenkann,weilnurindiesemFall dieVerfügungvorEintrittderRechtskraftvollstreckbarist(vgl. Art.39 6Bst.cVwVG).Esdrängtsichdeshalbauf,demBFF-wieunterbisherigem RechtundwiebeivorsorglichenWegweisungenineinenDrittstaatam FlughafenimRahmendesEP03weiterhinvorgesehen-auchinskünftigdie Kompetenzeinzuräumen,imFallederAnordnungdessofortigenVollzugs derWegweisungindenHeimat-oderHerkunftsstaatnachArt.23Abs.3 AsylGeinerallfälligenBeschwerdedieaufschiebendeWirkungzuentziehen. DieseBetrachtungsweiserechtfertigtsichinsbesondere-wiegezeigt-auch deshalb,weilesindenMaterialiengänzlichanHinweisendarauffehlt,dass derGesetzgeberimRahmendesEP03dieKompetenzendesBFFbeider AnwendungvonArt.23Abs.3AsylGbewusstandersalsunterbisherigem Rechthatregelnwollen. Vielmehristdavonauszugehen,dassderGesetzgeber mitderNeuformulierungvonArt.112Abs.1AsylGnichtsanderemals derAufhebungvonArt.45Abs.2AsylGRechnungtragenwollte,welcher dieMöglichkeitderAnordnungdessofortigenVollzugsderWegweisung beiNichteintretensentscheidendesBFFnachdenArt.32-34AsylGvorsah (vgl. BotschaftzumEP03vom2.Juli2003,BBl 2003 5759;Botschaftvom 4.September2002zurÄnderungdesAsylgesetzes,BBl 2002 6889). bb. DiefestgestellteLückeistdemnachzufüllen,indemdemBFFgenau gleichwieimFalledervorsorglichenWegweisungineinenDrittstaatnach Art.23Abs.1und2sowieArt.42Abs.2und3AsylGauchimFalleder AnordnungdessofortigenVollzugsderWegweisungindenHeimat-oder HerkunftsstaatnachArt.23Abs.3AsylGdieKompetenzzukommensoll,einer allfälligenBeschwerdedieaufschiebendeWirkungzuentziehen. Alssachlich befriedigendeOptionderrichterlichenLückenfüllungfälltmitanderen WorteneinziginBetracht,Art.112Abs.1AsylGsozuverstehen,wiewenn Art.23Abs.3AsylGdarinebenfallsausdrücklicherwähntwäre. cc. DiesovorgenommeneLückenfüllunghatzurFolge,dassimFalleder AnordnungdessofortigenVollzugsderWegweisungnachArt.23Abs.3AsylG untergleichzeitigemEntzugderaufschiebendenWirkungeinerallfälligen BeschwerdedurchdasBFFdiedavonbetroffeneausländischePersoninnert 24StundenbeiderARKzusammenmitderBeschwerde(vgl. EMARK1995 Nr.13S.120f. E.3)einGesuchumWiederherstellungderaufschiebenden Wirkungeinzureichenhat,willsiesichnichtdemRisikoeinerAusschaffung aussetzen(vgl. Art.112Abs.1AsylG;EMARK1995Nr.13,a.a.O.). Dersofortige VollzugderWegweisungistsomitweiterhinerstnachunbenutztemAblauf der24-stündigenFristzulässig(vgl. EMARK1996Nr.41S.359f. E.3a;EMARK 1993Nr.1S.4= VPB57.31;Lang,a.a.O.S.14,Ziff.11.2)bzw. dann,wenndie ARKdasGesuchumWiederherstellungderaufschiebendenWirkungder Beschwerdeabgewiesenhat(vgl. EMARK1995Nr.13,a.a.O.),wobeidiese übereininnert24StundeneingereichtesGesuchumWiederherstellungder aufschiebendenWirkungeinerBeschwerdewiebisanhininnert48Stunden entscheidenmuss(Art.112Abs.2AsylG). e. Zusammenfassendergibtsich,dassdasBFFauchnachInkrafttreten desEP03aufden1.April2004überdieKompetenzverfügt,imFalleder AnordnungdessofortigenVollzugesderWegweisungindenHeimat-oder HerkunftsstaatgemässArt.23Abs.3AsylGeinerallfälligenBeschwerde 7dieaufschiebendeWirkungzuentziehen,unddieinArt.112Abs.1und2 AsylGvorgeseheneRegelungüberdenWortlauthinausauchindiesemFall Anwendungfindet. 4. NachdemGesagtenliegtsomitkeineVerletzungvonBundesrechtvor,wenn dasBFFinderangefochtenenVerfügungeinerallfälligenBeschwerdegegen dieselbedieaufschiebendeWirkungentzogenhat. DerInstruktionsrichter derARKhatdemnachinderZwischenverfügungvom16.April2004gestützt aufArt.27Abs.2VOARKundinBeachtungvonArt.112Abs.1und2AsylG zuRechtüberdasmitderBeschwerdesinngemässverbundeneGesuchum WiederherstellungderaufschiebendenWirkungbefunden. 8Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 69.27 - Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 29. Juni 2004 i.S. P.G., unbekannter Herkunft, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 19 In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2005 Année Anno Band 69 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 908 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.