Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. November 2020 (720 20 118 / 289) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Revisionsweise Aufhebung der Invalidenrente; Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin i.V. Lena Eichenberger Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.a Die 1965 geborene A.____ meldete sich am 14. Sept ember 2000 unter Hinweis auf phy- sische Beschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicheru ng (IV) zum Leistungsbezug an. Nachdem die zuständige IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und be- ruflichen Verhältnisse abgeklärt hatte, sprach sie A.__ __ mit Verfügung vom 29. August 2001 rückwirkend ab 1. November 2000 eine ganze Rente zu. Di ese Rente wurde im Rahmen von Revisionsverfahren mehrfach bestätigt, letztmals mit Mitteilung vom 4. Juli 2012. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A.b Im August 2017 wurde von Amtes wegen ein weiteres Revisionsverfahren eingeleitet. Im Rahmen der medizinischen Abklärungen wurde durch die IV-Stelle das rheumatologisch-psychi- atrische Gutachten vom 22. Februar 2018 bzw. vom 3. Septe mber 2018 bei Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eingeholt, gemäss welchem A.____ in einer angepassten Tätigkeit eine vollum- fängliche Arbeitsfähigkeit attestiert wurde. Die IV-S telle hob daraufhin mit Verfügung vom 13. Februar 2020 die Invalidenrente auf. B. Hiergegen erhob die Versicherte am 13. März 2020 Be schwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsre cht (Kantonsgericht). Sie bean- tragte, die Verfügung vom 13. Februar 2020 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, die Verfügun g sei in unrichtiger und unvollständiger Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zustande gekommen. Auch seien die Abklärun- gen hinsichtlich des Invaliditätsgrades nicht vollständi g sowie in Verletzung des Bundesrechts vorgenommen worden. Die IV-Stelle habe deshalb zu Unr echt gestützt auf die ihr vorliegenden Unterlagen angenommen, dass sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe. Des Weiteren seien die Abklärungen bezüglich ihres Gesundheitszustand es als ungenügend zu werten und nachzuholen und es müssten zwingend neue Gutachten in A uftrag gegeben werden, um an- schliessend über ihren Leistungsanspruch neu zu entscheiden. C. Mit Vernehmlassung vom 6. April 2020 schloss die IV- Stelle auf Abweisung der Be- schwerde. Sie begründete ihren Antrag im Wesentlichen damit, dass eine Verbesserung des Ge- sundheitszustandes der Beschwerdeführerin seit der letzten medizinischen Begutachtung aus- gewiesen sei. D. Die Beschwerdeführerin hielt im Rahmen ihrer Repli k vom 12. Juni 2020 an den Rechts- begehren und Argumenten in der Beschwerde fest. Die Beschwerdegegnerin blieb in ihrer Duplik vom 20. Juli 2020 unter Verweis auf drei Stellungnahm en des Regionalen ärztlichen Dienstes beider Basel (RAD) vom 1. Juli 2020 und vom 16. Juli 2020 bei ihrem Abweisungsantrag. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 13. März 2020 ist demnach einzutreten. 2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend, ob die IV- Stelle die Invalidenrente der Beschwerde- führerin mit Verfügung vom 13. Februar 2020 zu Recht revisionsweise aufgehoben hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbsfä- higkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Einglie- derungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraf t gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut- bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be- ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor- den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol- gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts- grad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität abgestuft. Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf ein e halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Nach Art. 17 ATSG sind laufende IV-Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in ein er für den Anspruch erheblichen Weise Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhält- nissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Ä nderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerbli- chen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundhe itszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine ab weichende medizinische oder rechtliche Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen Verhältnissen alleine führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf einer anderen W ertung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differenzen sind von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderungen deshalb abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von d er früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht verändert h at, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2. 3). Dabei braucht es sich nicht um eine for- melle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs n ichts und eröffnet die IV-Stelle des- wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74 ter lit. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangs- sachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrund e lag (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2013, 8C_441/2012, E. 3.1.2 mit Hinweisen). 3.2 Der letzte Revisionsentscheid datiert vom 4. Juli 201 2. Als Grundlage für diesen Entscheid wurde eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Halsw irbelsäule (HWS) sowie ein Bericht von Dr. med. D.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, h erangezogen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen rechtsgenügenden Referenzsachverhalt im hiervor erwähnten Sinne. Eine einlässliche materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit einer vertieften Abklärung des medizi- nischen Sachverhalts erfolgte durch ein im Januar 2010 eingeleitetes Revisionsverfahren, wel- ches mit Mitteilung der IV-Stelle vom 21. Juli 2010 abgeschlossen wurde. Zeitliche Vergleichsba- sis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 13. Februar 2020 eine erhebliche Änderung in den tat sächlichen Verhältnissen eingetreten ist, bildet demnach die Situation, wie sie im Zeitpunkt de r Mitteilung der IV-Stelle vom 21. Juli 2010 bestanden hatte. 4.1 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse ist di e rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Das Gericht h at diese Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bi ndung an förmliche Beweisregeln, sowie um- fassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent- scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechts- anspruches gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei e inander widersprechenden medizini- schen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das ge samte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der E xpertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweis- mittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 3 52 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Einem Gut- achten externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtspre chung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 135 V 469 E. 4.4). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwe rdefall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ih rem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichen- des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Be weisanforderungen nicht. Das Ge- richt hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folg en, die es von allen möglichen Gesche- hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 138 V 218 E. 6 mit diversen Hinweisen). Ein Anspruch auf Leistungen besteht nur, wenn die Vorau ssetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt sind. 5.1 Der Rentenzusprache aus dem Jahr 2010 liegt das inte rdisziplinäre Gutachten des Zent- rums für medizinische Begutachtung Basel (ZMB) vom 27. Mai 2010 mit Ausrichtung Innere Me- dizin, Rheumatologie und Psychiatrie zugrunde. In der internistischen Beurteilung wurden keine Erkrankungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fe stgestellt. Aus rheumatologischer Sicht wurde festgestellt, es bestehe eine ausgeprägte, diffuse Schmerzsymptomatik sämtlicher Kör- perregionen bei klinisch im Bereich des axialen Skeletts a usgeprägter Fehlhaltung der Wirbel- säule mit muskulärer Dekonditionierung und muskulärer D ysbalance ohne Hinweise auf radicu- läre oder pseudoradiculäre Schmerzausstrahlung in die unteren oder oberen Extremitäten. Im Gegensatz zur ausgeprägten subjektiven Schmerzsymptomatik würden im Bereich der Halswir- belsäule (HWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS) radiologisch lediglich altersentsprechende de- generative Veränderungen bestehen. Es bestünden keine H inweise auf relevante Instabilitäten der HWS und keine Hinweise auf eine atlanto-axiale Instabilität. Die 2009 diagnostizierte chroni- sche Polyarthritis sei unter Basistherapie vollständig remittiert. Auch an Händen und Füssen wür- den die Röntgenbilder keine wesentlichen, über die A ltersnorm hinausgehenden degenerativen Veränderungen oder Hinweise auf entzündliche Erosionen und Usuren zeigen. Zusammenfas- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht send bestehe eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und den subjek- tiven Angaben der Explorandin, welche sich aus rheumato logischer Sicht nicht völlig erklären liessen. Es sei eine ausgeprägte Ausweitungstendenz anzune hmen. Aus rheumatologischer Sicht bestehe für eine körperlich leichte Tätigkeit oh ne Tragen von Lasten über 10 kg mit der Möglichkeit, abwechselnd zu stehen und zu sitzen, keine relevante Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit. Aus psychiatrischer Sicht wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidi- vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode mit ausgeprägter Somatisierungstendenz bei somatischer Komorbidität sow ie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45) respektive eine somatoforme Überlagerung gestellt. Die Exploran- din wirke leidend und die depressive Stimmungslage werde sehr schnell offensichtlich. Sie impo- niere erschöpft, sei deutlich antriebsvermindert, zeige eine verminderte affektive Schwingungs- fähigkeit und wirke insgesamt schwer depressiv. Das formale Denken erscheine verlangsamt. Auf der Hamilton-Skala erreiche sie vorsichtig gewertet e 24 Punkte, was einer mittelschweren Depression entspreche. Im mit Hilfe der Dolmetscherin a usgefüllten Beck-Depressionsinventar erreiche sie vorsichtig gewertete 27 Punkte und damit einen Wert, der einer schweren Depression entspreche. Das depressive Leiden zeige sich im Sinne einer ausgeprägten Erschöpfung, in Stö- rungen des Selbstwertgefühls, in Schlafstörungen und ei nem Morgentief. Das Leiden scheine mindestens teilweise bei einer neurotischen Tendenz auch charakterlich fixiert, sodass der Ex- plorandin die Überwindung ihres psychischen Leidens aus ei gener Kraft nicht möglich sei. Aus psychiatrischer Sicht sei die Explorandin nicht arbeitsfähig und die Prognose bezüglich der Mög- lichkeit der Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit sei insgesamt schlecht. 5.2 Der strittigen Rentenrevision liegen diverse ärztlich e Unterlagen zu Grunde. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den Entscheid als zentral erweisen. 5.2.1 Im Rahmen des aktuellen Rentenrevisionsverfahrens b eauftragte die IV-Stelle Dres. B.____ sowie C.____ mit einem rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten, welches am 3. September 2018 erstattet wurde. Demnach haben im rheumatologischen Fachteil mit Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen einer ser opositiven, nicht erosiven rheumatoiden Arthritis, einer Spondylarthritis und eines myotendinot ischen panvertebralen Schmerzsyndroms erhoben werden können. Der rheumatologische Gutachter Dr. B.____ verweist auf die grosse Diskrepanz zwischen den subjektiv beklagten Beschwerden am Bewegungsapparat, für die sich keine entsprechenden organischen Korrelate finden würden. So liessen sich für die diffusen Be- schwerden im Rückenbereich, im Bereich der Brustwirbelsäu le bis zum Nacken in die latero- cervicale Region keine relevanten degenerativen oder en tzündlichen Veränderungen der HWS, der Brustwirbelsäule (BWS) und der LWS finden. Die Beweglichkeit sei anlässlich der Untersu- chung ohne Funktionseinschränkung normal erhalten gewese n. Auch bezüglich der geklagten Hüftbeschwerden hätten sich radiomorphologisch keine Ent zündungen oder degenerative Ver- änderungen gezeigt. Die Beweglichkeit der Hüftgelenke zeige sich altersentsprechend unauffällig und es gebe keine Hinweise auf femoroacetabuläre Funkti onsstörungen. Die seropositive, nicht erosive rheumatoide Arthritis bleibe unter Basistherapie in Remission. Der seit 2011 festgestellte Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht entzündliche axiale Befall habe sich seither weder in a ndere Segmente der Wirbelsäule ausge- dehnt noch im Bereich der Sakroiliakalgelenke zugenomm en; es persistiere nur ein minimales sehr flaues Oedem im Os Sakral und im Os Ilium rechts. Zudem fänden sich altersentsprechend beginnende leichtgradige degenerative Veränderungen der Kniegelenke und Spreizfüsse beid- seits bei normal erhaltener Funktion. Seit 1999 sei anhand der grossen Diskrepanz zwischen den subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Veränderungen am Bewegungsap- parat eine Schmerzverarbeitungsstörung festgestellt wor den, auf der auch eine diffuse my- otendinotische Verspannung der paravertebralen Muskulatu r vom cervicalen bis glutealen Be- reich im Rahmen einer muskulären Dekonditionierung be ruhe. Diese Störung beeinflusse seit dem Ausbruch der rheumatoiden Arthritis zumindest den Verlauf der subjektiven Beschwerden. Als Folgen der Schmerzverarbeitungsstörung nach langjähr iger Selbstlimitierung habe sich das Bilde einer muskulären Dysbalance und muskulären Dekondi tionierung im Bereich des axialen Skelettes mit Bildung myotendinotischer Verspannungen der paravertebralen Muskulatur und ei- ner insuffizienten paravertebralen und abdominalen Muskulatur etabliert. Der Gutachter verweist in diesem Zusammenhang auf die psychiatrische Komorbidi tät und darauf, dass sich seit der Begutachtung 2010 keine neuen erheblichen Aspekte im B ewegungsapparat ergeben hätten. Aus medizinischer Sicht bestehe deshalb keine relevante Arbeitsunfähigkeit für eine leichte kör- perliche Tätigkeit ohne Tragen von Lasten über 10 kg, mit der Möglichkeit abwechselnd zu stehen und zu sitzen, weder in der angestammten noch in einer Verweistätigkeit. Dies gelte auch unter Berücksichtigung des im November 2017 entdeckten Nierenz ellkarzinoms. Der Ausgang dieser Erkrankung erscheine günstig, da keine lymphonodale bzw. Fernmetastasierung festgestellt wer- den könne. Es handle sich um eine zentrale Neoplasie d er linken Niere, die operativ in toto ab- getragen worden sei. Es sei somit keine onkologische Nachsorge zu erwarten. 5.2.2 Aus psychiatrischer Sicht stellte Dr. C.____ ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4) so- wie einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41). Die in den Akten mehrfach gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Stö- rung könne nicht länger bestätigt werden. Die Explor andin befinde sich nicht in psychiatrischer Behandlung und werde auch nicht antidepressiv behande lt. Ausser gelegentlichen, leichten de- pressiven Verstimmungen hätten keine Zeichen einer depressi ven Störung festgestellt werden können. Die leichten depressiven Verstimmungen seien im Rahmen der Schmerzstörung einzu- ordnen. Die rezidivierende depressive Störung sei remittiert. Des Weiteren fühle sich die Explo- randin seit Jahren aufgrund der geklagten somatischen Beschwerden nicht arbeitsfähig. Das Aus- mass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankhei tsüberzeugung, nicht arbeiten zu können, würden durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektiviert, sodass eine psy- chische Überlagerung angenommen werden müsse. Sie sei im Alltag nicht durch schwere, quä- lende Schmerzen beeinträchtigt, gestalte den Alltag trotz der geklagten Beschwerden relativ ak- tiv. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne nicht gestellt werden; es handle sich vielmehr um eine chronische Schmerzstörung m it somatischen und psychischen Faktoren. Aus psychiatrischer Sicht sei die Explorandin da mit in jeder beruflichen Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 13. Februar 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vollum- fänglich auf das bidisziplinäre (rheumatologisch und psychia trisch) Gutachten der Dres. B.____ und C.____ vom 3. September 2018 sowie die Stellungnahmen ihres RAD. Gestützt darauf ging sie davon aus, dass eine Verbesserung in den gesundheitliche n Verhältnissen eingetreten sei. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist trotz der Kritik der Beschwerdeführerin am Gutachten (vgl. dazu die nachstehenden Erwägungen) im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie in Erwägung 4.1 hiervor dargelegt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be- urteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hin sichtlich des Beweiswerts eines Arztbe- richts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allseiti- gen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten a bgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und seine Schl ussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im bidiszip- linären Gutachten der Dres. B.____ und C.____ vom 3. September 2018 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungs- gemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage erfüllt. So weist es we- der formale noch relevante inhaltliche Mängel auf und beruht auf allseitigen Untersuchungen. Die Versicherte wurde hinreichend rheumatologisch und psychiat risch exploriert. Die entsprechen- den, vorstehend (vgl. E. 5.2.1 und 5.2.2 hiervor) wie dergegebenen Darlegungen im Gutachten von Dres. B.____ und C.____ vom 3. September 2018 verm ögen im Ergebnis zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 6.2 Betreffend das psychiatrische Gutachten von Dr. C.___ _ vom 3. September 2018 macht die Beschwerdeführerin geltend, dass die Umstände, auf grund welcher der Gutachter eine so- matoforme Schmerzstörung ausschliesse, nicht nachvollziehbar seien, obschon diese bis anhin stets von unterschiedlichen Ärzten diagnostiziert worden sei. Es liege diesbezüglich keine Ausei- nandersetzung mit früheren ärztlichen Einschätzungen vor. Zudem sei nicht ersichtlich, dass Dr. C.____ eine genügend detaillierte Prüfung der Stand ardindikatoren in Bezug auf das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung vorgenommen habe. D amit geht die Beschwerdeführerin jedoch fehl. Mit der Praxisänderung des Bundesgericht s (BGE 141 V 281) in Bezug auf die Be- urteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente wegen somatoformer Schmerzstörungen und vergleichbarer psychosomatischer Leiden wurde die früher geltende Vermutung aufgegeben, wo- nach solche Leiden in der Regel mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbar sind. Massge- bend sind neu in Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen eingeteilte Stan- dardindikatoren. Diese hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert: Der erste Indikatoren-Kom- plex steht unter dem Titel «Gesundheitsschädigung». Darunter sind die Ausprägung der diagno- serelevanten Befunde, der Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und die Komorbiditäten zu würdigen. Im zweiten, die «Persönlichkeit» betreffenden Indikatoren- Komplex wird nach der Persönlichkeitsentwicklung und -struktur gefragt und es sind die persön- lichen Ressourcen der versicherten Person zu eruieren. Im dritten Indikatoren-Komplex schliess- lich ist unter dem Titel «Sozialer Kontext» eine Eruier ung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds vorzunehmen. Anhand der ermittelten Indikator en ist schliesslich die «Konsistenz» zu prüfen. Darunter fallen verhaltensbezogene Kategorien wie die Indikatoren einer gleichmässigen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und eines behand- lungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leide nsdrucks (BGE 141 V 281 E. 4). Vorliegend findet eine Prüfung der Standardindikator en statt. So finden sich Aussagen zu den Indikatoren Persönlichkeitsdiagnostik, sozialer Kontext, g leichmässige Einschränkung des Akti- vitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen sowie behandlungs- und eingliederungs- anamnestisch ausgewiesener Leidensdruck. Der Gutachter stützt sich dabei auf die Schilderun- gen der Beschwerdeführerin in der Begutachtung. Das Auf stehen bereite ihr keine Mühe. Sie mache kleinere Einkäufe, bereite einfache Mahlzeiten zu und erledige leichtere Putzarbeiten. Praktisch täglich mache sie einen ca. einstündigen Spazierg ang, wobei sie entweder mit ihren Kolleginnen oder ihrem Mann unterwegs sei. Eine Nachb arin sehe sie täglich; mit ihr habe sie eine sehr gute Beziehung. Wenn sie Zeit habe, schaue sie fern oder lese etwas. 2016 sei sie in der Türkei und 2018 auf Zypern in den Ferien gewesen. Dr. C.____ stellte in der Begutachtung fest, dass die Explorandin zwar über Schmerzen klage, den Alltag dennoch aktiv gestalte. Sie schone sich etwas und leiste keine schweren Arbeiten. Im Alltag sei sie aber nicht durch schwere, quälende Schmerzen beeinträchtigt und ein Leidensdr uck sei kaum feststellbar gewesen. Aus dem Umstand, dass das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheits- überzeugung, nicht arbeiten zu können, durch die somatischen Befunde nicht hinreichend haben objektiviert werden können, nahm der Gutachter eine psychische Überlagerung an. Aufgrund die- ser Ausführungen legte Dr. C.____ überzeugend dar, weshalb er eine somatoforme Schmerzstö- rung ausschloss und der Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psy- chischen Faktoren den Vorzug gab (ICD-10 F45.41). 6.3 Weiter kritisiert die Beschwerdeführerin, Dr. C.__ __ schliesse aus ihren körperlichen Ak- tivitäten, dass kein Rückzug in allen Lebenslagen bestehe. Dabei habe sie explizit erwähnt, sich immer zu körperlichen Aktivitäten zu zwingen aus Angst da vor, im Rollstuhl zu enden. Diesem Einwand kann nicht gefolgt werden. Der Gutachter hat einen fehlenden Rückzug nicht aufgrund der täglichen Spaziergänge angenommen. Vielmehr begrü ndete er einen fehlenden sozialen Rückzug durch ihre täglichen Kontakte zu ihren Nachbarinnen sowie mit Aktivitäten wie die gele- gentlichen Besuche bei Verwandten oder ihre Ferien 2016 in der Türkei und 2018 auf Zypern. 6.4 Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, dass man sich in ihrem Kulturkreis für eine De- pression schäme. Darum befinde sie sich diesbezüglich auch nicht in Behandlung. Auch hieraus kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. Im Rahmen der interdisziplinären medizinischen Begutachtung 2010 hatte sie auf die Frage, warum keine psychiatrische Betreuung stattgefunden habe, vorgebracht, sie befürchte durch eine zusätzliche Einnahme von Medika- menten eine Verschlechterung ihres Zustands. Im Rahmen der zu prüfenden Standardindikatoren weist die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen auf den tatsächlichen Leidensdruck hin, der einen für eine zu stellende Diagnose miten tscheidenden Faktor darstellt. Bereits in den psychiatrischen Gutachten von Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, von 2001 und 2008 wie auch im ZMB-Gutachten von 2010 wurde a uf die unterlassene psychiatrische Be- handlung und die Ablehnung der mehrfach empfohlenen medikamentösen Massnahmen hinge- wiesen. Auch wenn es der Beschwerdeführerin schwerfalle n mag, zu ihren psychischen Leiden zu stehen, ist davon auszugehen, dass sie entsprechende Hil fsangebote angenommen hätte, wenn es ihr derart schlecht gehen würde, wie dies von ihr geltend gemacht wird. Ferner hätten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht die behandelnden Ärzte oder ihr vertrautes Umfeld sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zur Wahrnehmung solcher Angebote gedrängt. 6.5 Die Beschwerdeführerin wendet darüber hinaus ein, dass das rheumatologische Gutach- ten von Dr. B.____ vom 22. Februar 2018 den aktuellen Gesundheitszustand nicht wiederspiegle; dieser habe sich zwischenzeitlich verschlechtert. Hierzu verweist sie auf den Austrittsbericht des Spitals X.____ vom 10. Februar 2020, den Arztbericht von Dr. med. F.____, FMH Ophthalmologie und Radiologie, vom 11. Dezember 2019 und den proviso rischen Austrittsbericht des Spitals X.____ vom 30. Oktober 2019. Der Untersuchungstermin liege bereits knapp zwei Jahre zurück und das Gutachten sei veraltet. Diesen Einwänden kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Ein Zeit- raum von etwas mehr als zwei Jahren zwischen der Erstattung des als massgebend erachteten Gutachtens und dem Erlass der Verfügung bedeutet für sic h allein noch keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, wenn bei fehlenden Hinweisen auf eine Veränderung des Gesund- heitszustandes weiterhin darauf abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Au- gust 2017, 9C_114/2017, E. 7.3.3). Gemäss Dr. F.____ habe sehr wahrscheinlich der Bluthoch- druck zu einem Hyposphagma nasal geführt, was jedoch keine vom Gutachten abweichende Be- urteilung zu begründen vermag. Wie Dr. med. G.____, RAD, Facharzt für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin, in der Aktennotiz vom 25. März 2020 zu Recht einwendet, ist der hohe Blutdruck seit langem aktenkundig und das Hyposphagma nasal – eine Einblutung zwischen Lederhaut und Bindehaut des Auges ohne Beteiligung der angrenzenden Hornhaut – schmerzlos und führt nicht zu einer Einschränkung der Sehschärfe. Das Blut wird mi t der Zeit wieder resorbiert. Auch die Blasenentleerungsstörung der Beschwerdeführerin ist schon länger aktenkundig. Anlässlich der Untersuchung im Spital X.____ vom 10. Februar 2020 e rgaben sich klinisch-neurologisch keine Auffälligkeiten. Es konnten keine für eine spinale oder supraspinale Pathologie hinweisgebenden fokalneurologischen Defizite objektiviert werden. Anhalts punkte für eine Radikulopathie haben nicht bestanden. Wie aus dem Austrittsbericht des Spitals X.____ vom 31. Oktober 2019 hervor- geht, erfolgte bezüglich dem hellzelligen Nierenzellka rzinom links eine transabdominale retro- muskuläre Lumbalhernienversorgung mit primärem Bruchlückenverschluss und Einlage eines 12 x 15 cm Symbotex-Netzes bei einer grossen lumbalen Narbenhernie links. Wie der rheumatolo- gische Gutachter bereits festgestellt hat, ist auch nach diesem Eingriff keine onkologische Nach- sorge zu erwarten. Entsprechend ändert dieser Eingriff nichts an der bereits im Gutachten vorge- nommenen Einschätzung, wonach für die Beschwerdeführer in eine leichte körperliche Tätigkeit ohne mittelschwere Tragbelastung zumutbar ist. Sowohl das MRT der ganzen Wirbelsäule und des Iliosakralgelenks (ISG) vom 8. April 2019 als auch der Arztbericht von Dr. med. H.____, FMH Innere Medizin, vom 5. November 2019 zeigen keine Ve ränderungen im Vergleich zu den im Gutachten festgehaltenen Untersuchungsergebnissen. 6.6 Zusammenfassend erweist sich das bidisziplinäre Gutachte n der Dres. B.____ und C.____ vom 3. September 2018 als beweiskräftig, weshalb die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 13. Februar 2020 zu Recht darauf abgestellt hat. Bei der Tatsache, dass sich aus den Akten nichts ergibt, was geeignet wäre, den Beweiswert des bid isziplinären Gutachtens in Zweifel zu ziehen, kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 141 I 64 E. 3.3, 122 V 162 E. 1d) auf weitere Abklärungen verzichtet werden. Aufgrund der Aktenlage ist eine wesentliche Besserung des Ge- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht sundheitszustandes ausgewiesen. Entsprechend der gutachterlichen Einschätzung besteht in ei- ner körperlich leichten Tätigkeit eine umfassende Arbeitsfähigkeit. Damit sind die Voraussetzun- gen für eine Rentenrevision erfüllt. 7.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet des Weiteren di e Invaliditätsgradbemessung und stellt sich in diesem Zusammenhang auf den Standpunkt, dass bei älteren Arbeitnehmern nicht von einer Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit auszugehen sei, ausser die Beschwerdegeg- nerin würde im Einzelfall nachweisen, dass die Verwertung zu bewerkstelligen ist. Es sei Sache der Beschwerdegegnerin, konkret aufzuzeigen, welche lei densadaptierten Tätigkeiten infrage kommen könnten. 7.2 Der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wel cher der Ermittlung des Invalidenein- kommens zugrunde zu legen ist, ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten ohne Berücksichtigung der konkreten Arbeitsmarktlage auf ( BGE 134 V 71 E. 4.2.1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2020, 9C_473/2019, E. 5.1.1). Für die Invaliditätsbe- messung ist nicht massgeblich, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhält- nissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirt- schaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften ent- sprechen würden (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017, E. 5.4.2 und vom 12. Februar 2016, 8C_670/2015, E. 4.2). An die K onkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind rechtsprechungsgemäss keine überm ässigen Anforderungen zu stellen (BGE 138 V 459 E. 3.1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.3). Je restriktiver indessen das medizinische Anforderungsprofil umschrieben ist, desto ein- gehender ist in der Regel die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 14. Mai 2020, 8C_95/2020, E. 5.2.2 und vom 5. November 2018, 9C_304/2018, E. 5.1.1). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hat wieder- holt darauf hingewiesen, dass körperlich leichte und we chselbelastende Tätigkeiten auf dem al- lein massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden sind (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 9. Juli 2014, 8C_391/2014, E. 4; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG: heute Bundesgericht] vom 18. Oktober 2002 , I 761/01, E. 2.5, in: SVR 2003 IV Nr. 11 S. 33). Zu berücksichtigen ist zudem, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit ei- nem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgeber s rechnen können (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2020, 8C_433/2020, E. 7 .2 und vom 24. Juni 2020, 8C_302/2020, E. 7.1). Die Verwaltung wie auch das Kan tonsgericht sind daher nicht gehalten, die im Einzelnen zumutbaren Verweistätigkeiten näher aufzuzeigen (vgl. Urteile des Bundesge- richts vom 22. Dezember 2016, 9C_469/2016, E. 6.3 und vom 23. Februar 2015, 8C_32/2015, E. 4). 7.3 Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt auch davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem für einen allfäl ligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Die im gesamten Bereich des Sozialversicherungsrechts gelten de Schadenminderungspflicht Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht und die daraus abgeleitete Selbsteingliederungslast (BGE 113 V 22, E. 4a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juni 2011, 9C_916/2010, E. 2.2) gebieten grundsätzlich, die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit möglichst früh zu beantworten. Das Bundesge- richt hat in seinem Leitentscheid BGE 138 V 457 ff. entschieden, dass dabei auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit ab zustellen ist. Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 462, E. 3.4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 10. Mai 2013, 9C_954 /2012, E. 3.1). Dieser Zeitpunkt fällt vorliegend auf das Datum des Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ vom 3. September 2018. Damals war die Beschwerdeführerin 53 Jahre alt, womit die verbleibende Aktivitätsdauer bis zum Eintritt ins AHV-Alter noch rund elf Jahre betrug. Dieses Alter schliesst eine Verwertbarkeit ihrer Restarbeitsfähigkeit nicht aus. 7.4 Die Beschwerdeführerin ist zu 100 % arbeitsfähig. Sie ist in quantitativer Hinsicht somit nicht eingeschränkt. In qualitativer Hinsicht kann sie zwar nicht mehr körperlich schwere Arbeiten, hingegen immer noch dem Rückenleiden adaptierte körperlich leichte Tätigkeiten ohne Notwen- digkeit, Lasten über 10 kg zu heben, tragen oder zu stosse n, mit Möglichkeit im Sitzen, Stehen und Gehen arbeiten zu können, ausführen. Hilfsarbeiten werden auf dem hypothetischen ausge- glichenen Arbeitsmarkt (Art. 28 Abs. 2 IVG) grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt (vgl. Ur- teile des Bundesgerichts vom 15. Oktober 2020, 8C_433/ 2020, E. 8.2.3 und vom 25. Oktober 2018, 9C_898/2017, E. 3.4). Aufgrund der fachärztlichen Umschreibung der Restarbeitsfähigkeit ist davon auszugehen, dass der Versicherten auch unter Be achtung ihrer gesundheitlichen Be- einträchtigungen nach wie vor ein relativ breiter Fäch er verschiedenster Hilfsarbeitertätigkeiten offensteht. Es kann auch nicht nur von realitätsfremde n Einsatzmöglichkeiten gesprochen wer- den. Die Einschränkung der in Frage kommenden Hilfsarbe iten führt nicht dazu, dass es sich lediglich um Tätigkeiten handelt, die nur in so eingesc hränkter Form möglich sind, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entge- genkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wä ren. So gibt es in Industrie und Gewerbe verschiedene einfache Hilfstätigkeiten, die lei cht sind, vorwiegend sitzend ausgeübt werden können und Wechselbelastungen zulassen (z.B. Kontroll- oder Sortierarbeiten am Fliess- band und leichte Verpackungsarbeiten). 7.5 Wie eingangs bereits ausgeführt (E. 2.3 hiervor), i st der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Die ent- sprechende Bemessung ist zwischen den Parteien unbestritten geblieben und bietet keinen An- lass zu weiteren Bemerkungen. Es kann in dieser Hinsicht auf die zutreffenden Erwägungen der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, wonach ein Invaliditätsgrad von 2 % resultiert. Der für einen Rentenanspruch massgebende Schwellenwert wird damit deutlich un- terschritten. Die Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen. 8. Abschliessend bleibt über die Kosten zu befinden. Gem äss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilli gung oder die Verweigerung von IV- Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenp flichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht - festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten i n Berücksichtigung des bundesrechtli- chen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nac h § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah- renskosten in der Regel der unterliegenden Partei in a ngemessenem Ausmass auferlegt. Dem Prozessausgang zufolge hat deshalb die Beschwerdeführer in als unterliegende Partei die Ver- fahrenskosten von Fr. 800.-- zu tragen. Dieser Betrag ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zu verrechnen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kosten vorschuss in Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. http://www.bl.ch/kantonsgericht