<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 25 S.95</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">95</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>25 § 134 StPO, endgültiger Entscheid des Untersuchungsrichters über</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anträge auf Ergänzung der Untersuchung. Ausnahmsweise Zulässigkeit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der Beschwerde dagegen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Seit der Teilrevision der StPO vom 2. Juli 2002 (in Kraft seit 1. Januar</b></span><br/> <span class="ft2"><b>2003) entscheidet der Untersuchungsrichter endgültig über Anträge auf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Ergänzung der Untersuchung. Dennoch ist das Beschwerderecht insbe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sondere dann zu gewähren, wenn der Entscheid gegen grundlegende ge-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>setzliche Bestimmungen verstösst oder willkürlich ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Urteil des Obergerichtes, Beschwerdekammer in Strafsachen, vom</span><br/> <span class="ft3">13. Mai 2004 i.S. W gegen Verfügung des Bezirksamtes Aarau</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Nach altem Recht konnten die Parteien die nach der Aktener-</span><br/> <span class="ft1">öffnung durch den Untersuchungsrichter ergangenen Verfügungen</span><br/> <span class="ft1">über Anträge auf Ergänzung der Untersuchung mit Beschwerde an-</span><br/> <span class="ft1">fechten. Seit der Teilrevision der StPO vom 2. Juli 2002 (in Kraft seit</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 2003) entscheidet indessen der Untersuchungsrichter end-</span><br/> <span class="ft1">gültig über solche Ergänzungsanträge (§ 134 StPO). Die Beschwerde</span><br/> <span class="ft1">ist demnach in solchen Fällen ausdrücklich ausgeschlossen worden.</span><br/> <span class="ft1">Ein solcher Ausschluss kann jedoch nur für den Regelfall und nicht</span><br/> <span class="ft1">ausnahmslos gelten. Bei Rechtsverweigerung, insbesondere, wenn</span><br/> <span class="ft1">der Entscheid gegen grundlegende gesetzliche Bestimmungen ver-</span><br/> <span class="ft1">stösst oder willkürlich ist, kann das Beschwerderecht nicht ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn ver-</span><br/> <span class="ft1">sucht wird, die Strafuntersuchung nur noch rudimentär zu führen und</span><br/> <span class="ft1">wichtige Untersuchungshandlungen ins Gerichtsverfahren zu verla-</span><br/> <span class="ft1">gern. Solches verletzt den Anspruch des Beschuldigten auf Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung der Strafsache durch ein unabhängiges und unparteiisches Ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">96</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">richt (Art. 30 Abs. 1 BV, a. Art. 58 Abs. 1 BV, 6 Ziff. 1 EMRK; vgl.</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1993 Nr. 49 139 ff. mit der Verweisung auf BGE 115 Ia 222</span><br/> <span class="ft1">f.). Auch in der Botschaft des Regierungsrates vom 21. März 2001</span><br/> <span class="ft1">zur Teilrevision der KV und der StPO wird ausgeführt (S. 27,</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 2.15), da die Parteien ihren Antrag jederzeit vor dem urteilen-</span><br/> <span class="ft1">den Gericht wiederholen könnten, sei ihre Rechtsposition kaum be-</span><br/> <span class="ft1">rührt, auch wenn nicht übersehen werden dürfe, "dass faktisch in</span><br/> <span class="ft1">gewissen Fällen der Entscheid des Gerichts durch das Ergebnis der</span><br/> <span class="ft1">Untersuchung vorgespurt" werde. Die dann weiter implizit geäus-</span><br/> <span class="ft1">serte Auffassung (Botschaft, a.a.O.), bei Gutheissung der Beweisan-</span><br/> <span class="ft1">träge durch das Gericht bestehe die Möglichkeit, die Akten an die</span><br/> <span class="ft1">Untersuchungsbehörden zurückzuweisen, ist nicht richtig, denn nach</span><br/> <span class="ft1">erfolgter Anklageerhebung ist allein das Gericht für die weiteren</span><br/> <span class="ft1">Beweismassnahmen zuständig, und eine Rückweisung ist nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">möglich (mit Ausnahme von § 162 Abs. 3 StPO, wonach eine Ergän-</span><br/> <span class="ft1">zung der Untersuchung angeordnet werden kann, wenn dringender</span><br/> <span class="ft1">Verdacht auf das Vorliegen einer weiteren, in der Anklage nicht ge-</span><br/> <span class="ft1">nannten Straftat besteht; selbstverständlich kann die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">kammer des Obergerichts auch gemäss § 141 Abs. 2 StPO auf Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde hin eine Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft</span><br/> <span class="ft1">aufheben und die Fortführung der Untersuchung anordnen).</span><br/> <span class="ft1">3. Eine solche Rechtsverweigerung liegt hier nicht vor. Die</span><br/> <span class="ft1">Untersuchung ist eingehend geführt worden, und die Akten bieten</span><br/> <span class="ft1">eine genügende Entscheidungsgrundlage, ob das Verfahren einge-</span><br/> <span class="ft1">stellt oder Anklage erhoben werden soll. Im Falle einer gerichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung kann es dem Gericht überlassen bleiben, ob es weitere</span><br/> <span class="ft1">beantragte Beweismassnahmen zulassen will oder nicht. Auf die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde ist demnach nicht einzutreten.</span><br/></div> </div> </body> </html>