<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 16 S.76</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">76</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>16</b></span> <span class="ft1"><b>Art. 5 Ziff. 3 EMRK; Unabhängigkeit des Untersuchungsrichters.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Die aargauischen Untersuchungsrichter sind unabhängig i.S.v. Art. 5</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Ziff. 3 EMRK.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Beschwerdekammer in Strafsachen,</span><br/> <span class="ft2">vom 19. April 2005 i.S. C.L.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. c) Zu prüfen ist der Einwand der fehlenden sachlichen</span><br/> <span class="ft4">Zuständigkeit mit Bezug auf die angefochtene Entlassungsverfügung</span><br/> <span class="ft4">unter Auflagen. Dazu ergibt sich Folgendes:</span><br/> <span class="ft4">Unter Hinweis auf BGE 1P.553/2004 vom 2. November 2004</span><br/> <span class="ft4">(publ. in BGE 131 I 36) wird die Unabhängigkeit der Untersu-</span><br/> <span class="ft4">chungsrichterin des Bezirksamts Aarau bestritten und damit man-</span><br/> <span class="ft4">gelnde Sachkompetenz zum Erlass auch der Entlassungsverfügung</span><br/> <span class="ft4">eingewendet. Es ist zutreffend, dass es sich beim haftanordnenden</span><br/> <span class="ft4">Magistraten im Sinne von Art. 5 Ziff. 3 EMRK um eine unpartei-</span><br/> <span class="ft4">ische Instanz handeln muss, die bei der Ausübung ihres Amts nicht</span><br/> <span class="ft4">weisungsgebunden sein darf. Art. 5 Ziff. 3 EMRK gilt praxisgemäss</span><br/> <span class="ft4">daher namentlich dann als verletzt, wenn die haftanordnende Amts-</span><br/> <span class="ft4">person in gleicher Sache auch noch für die Anklageerhebung zu-</span><br/> <span class="ft4">ständig ist. Entgegen der Regelung des Kantons Luzern, für welche</span><br/> <span class="ft4">im zitierten Bundesgerichtsentscheid diese Unabhängigkeit verneint</span><br/> <span class="ft4">worden ist, untersteht der Untersuchungsrichter im aargauischen</span><br/> <span class="ft4">Strafprozessrecht weder der Weisungskompetenz einer hierarchisch</span><br/> <span class="ft4">übergeordneten Instanz noch übt er Anklagefunktion aus: Über die</span><br/> <span class="ft4">Anklageerhebung entscheidet vielmehr nach Abschluss der Untersu-</span><br/> <span class="ft4">chung die Staatsanwaltschaft - ebenso wie über die allfällige Einstel-</span><br/> <span class="ft4">lung des Strafverfahrens (§§ 136 Abs. 1 und 143 StPO) - selbständig</span><br/> <span class="ft4">und unabhängig allein gestützt auf die Akten und den dazu er-</span><br/> <span class="ft4">gangenen Schlussbericht des Untersuchungsrichters (§ 135 StPO). In</span><br/> <span class="ft4">Untersuchungen verfügt die Staatsanwaltschaft über die ordentlichen</span><br/> <span class="ft4">Parteirechte ohne Weisungsbefugnis (§ 129 StPO). Der Einwand der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">77</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">mangelnden richterlichen Unabhängigkeit der Untersuchungs-</span><br/> <span class="ft4">richterin erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>