Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. September 2019 (725 19 168 / 230) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiswürdigung: Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und die Frage nach der Kausalität der persistierenden Fussbeschwerden kann anhand der medizinischen Ak- tenlage nicht zuverlässig beurteilt werden; Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Markus Mat tle, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen SWICA Versicherungen AG , Rechtsdienst, Römerstrasse 37, Post- fach, 8401 Winterthur, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1971 geborene A.____ war bei der X.____ als R ayonleiter Food tätig und in dieser Eigenschaft bei der SWICA Versicherungen AG (SWICA) obligatorisch unfallversichert. Gemäss Unfallmeldung UVG vom 25. März 2014 machte A.____ am 20. März 2014 bei einer Bo- denunebenheit einen Fehltritt und zog sich dabei ein e laterale Seitenbandruptur rechts zu. Die SWICA gewährte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Taggelder und Heilungskosten). Nach Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse stellte sie mit Verfügung vom 6. Dezember 2018 die gesetzlichen Leistungen per 1. Januar 2019 ein. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass der medizinische Endzustand erreicht sei. Die persistierenden Fussbeschwerden seien ge- mäss Aktenbeurteilung von PD Dr. med. B.____, FMH Neur ologie, nicht mehr kausal auf das Ereignis vom 20. März 2014 zurückzuführen. Hinsichtlich der psychischen Beschwerden fehle es infolge der Qualifikation des Ereignisses als leichter Un fall an der erforderlichen Adäquanz. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die SWI CA mit Einspracheentscheid vom 8. Mai 2019 ab. B. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Ein gabe vom 24. Mai 2019 Be- schwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft , Abteilung Sozialversicherungs- recht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, in Aufheb ung der angefochtenen Verfügung seien ihm die zustehenden Versicherungsleistungen sowie eine angemessene Integritätsentschädi- gung auszurichten. Eventualtiter sei eine unabhängiges Obergutachten einzuholen; unter o/e- Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Beschwerde die Suspen- sivwirkung zu erteilen. C. Nach Eingang der Stellungnahme der SWICA wies das Kantonsgericht mit Verfügung vom 3. Juli 2019 den Verfahrensantrag des Beschwerdeführers, es sei der Beschwerde die auf- schiebende Wirkung zu erteilen, ab. D. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2019 schloss die SWICA auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bunde sgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des G esetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versiche- rungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kanton s Beschwerden gegen Einspracheent- scheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behand- lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erho- bene – Beschwerde des Versicherten vom 24. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob der B eschwerdeführer über den 1. Januar 2019 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. D er Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist. 3.2 Gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG entsteht der Rentenanspru ch, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Verbesserung d es Gesundheitszustandes der versi- cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali- denversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin. Die verunfallte Person h at solange Anspruch auf Heilbehandlung, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ei ne namhafte Verbesserung des Ge- sundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prü fung des Anspruchs auf eine Invaliden- rente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (B GE 137 V 201 E. 2.1; 134 V 114 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 2. Mai 2014, 8C_888/2013, E. 4.1). Ob eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UV G noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Ar- beitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes "nam- haft" in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass d ie durch weitere (zweckmässige) Heil- behandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss (BGE 134 V 115 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts vom 2. Mai 2014, 8C_888/2013, E. 4.1). 3.3 Erleidet die versicherte Person durch den Unfall e ine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, s o hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG An- spruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Di ese wird mit der Invalidenrente fest- gesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 3.4 Für Leistungen nach UVG hat der Unfallversicherer n ur unter der Voraussetzung aufzu- kommen, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Stö- rungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht körperliche oder geistige Integrität der versicherten Pe rson beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitli- che Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinwe isen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natür licher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdig ung nach dem im Sozialversicherungs- recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinl ichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründ ung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.5 Um eine Leistungspflicht des Unfallversicherers begrün den zu können, muss zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nur ein natürlicher, son- dern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der wiederkehrenden Formulie- rung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lau f der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis all gemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 E. 5a, 123 III 112 E. 3a, 123 V 103 E. 3d und 139 E. 3c, 122 V 416 E. 2a, je mit Hin- weisen). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen d em versicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitlichen Schädigung auch de r erforderliche adäquate, d.h. rechtser- hebliche Kausalzusammenhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Pra- xis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinw eisen). Das Gericht hat diese medizini- schen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsproz ess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bin- dung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeu- tet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs- sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten . Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Be- weismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, weshalb es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Bewe iswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belang e umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksicht igt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleu chtet und ob die Schlussfolgerungen der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätz- lich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge- reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder G utachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach al- leine ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicher ungsträger nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Berich- ten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein- geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfol- gerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung t ragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin- nen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Der Umstand, dass eine ärztliche Stel- lungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, rechtfertigt für sich allein aber nicht Zweifel am Beweiswert des betreffend en Parteigutachtens (BGE 125 V 353 E. 3b/dd). 5.1 Für die Beurteilung der strittigen Frage stehen za hlreiche medizinische Akten zur Verfü- gung, welche allesamt vom Gericht gewürdigt wurden. Im Zentrum der medizinischen Beurteilung stehen indessen insbesondere die nachfolgenden medizinischen Unterlagen: 5.2 Im Bericht des Spitals C.____ vom 25. März 2014, w o der Versicherte im Anschluss an das Unfallereignis behandelt worden war, wurde ein Verdacht auf eine laterale Seitenbandruptur rechts und als Differenzialdiagnose eine Weber-A-Fraktur diagnostiziert. Nach anamnestisch be- reits mehrfach dokumentierten Eingriffen am rechten Sprunggelenk sei der Patient in den letzten Tagen mehrmalig umgeknickt. Am 13. Mai 2014 erfolgte eine Arthroskopie des oberen Sprung- gelenks (OSG) und eine laterale Bandplastik. In der Fo lge wurde im Rahmen von Verlaufskon- trollen ab Juli 2014 trotz oraler Analgesie eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik festgestellt und der Versicherte wiederholt arbeitsunfähig geschrieben. 5.3 Am 13. November 2014 erstellte Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein orthopädisches Gutachten zuhanden der Kranken- taggeldversicherung. Darin wurden als Diagnosen ein Status nach mehreren Distorsionstraumen und operativen Bandreinsertionen am rechten OSG, ein e leichte Instabilität des rechten OSG sowie eine erhebliche kapsulär bedingte Einschränkung der Beweglichkeit des OSG rechts bei einer Läsion eines Astes des Nervus peroneus superficialis rechts gestellt. Nach insgesamt sechs Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bandrekonstruktionen am OSG und bei einer schmerzhaften Nervenläsion sei die Prognose un- behandelt schlecht, jedoch auch bei weiteren Massnahmen n icht optimal. Restbeschwerden seien voraussichtlich zu erwarten, es dürfe aber mit einer Wiederherstellung der Gehfähigkeit gerechnet werden. Hinsichtlich der Kausalitätsfrage füh rte Dr. D.____ aus, dass das Ereignis sicher eine Mitursache der aktuellen Gesundheitsstörung darstelle. Aufgrund der dadurch erfor- derlichen Operationen bestünden therapieresistente Schmerzen. Es scheine, dass die geklagten Schmerzen schon vor der Operation bestanden hätten, we shalb ein Traktionstrauma des be- troffenen Nervs zu vermuten sei. Der jetzige Zustand sei sehr unbefriedigend, weshalb eine wei- tere Behandlung erforderlich sei. Es müsste die Schmerzleitung des Nervus peroneus superficia- lis definitiv unterbrochen werden. Bei einer Reoperation sei zu überlegen, ob nicht auch die Rest- instabilität des OSG behoben werden sollte. Nach sechs Eingriffen sei es ausgeschlossen, dass das Ligamentum fibulotalare anterius (lateraler Band apparat) noch eine normale Vitalität auf- weise. Vermutlich sei auch die Häufigkeit der früher d urchgemachten Distorsionen mit nachfol- gender Instabilität auf eine ungenügende Gewebsqualität des bereits vorgeschädigten Ligaments zurückzuführen. Zu empfehlen sei eine Resektion der Lig amentnarbe und eine Bandplastik mit einem Sehnentransplant. 5.4 Am 16. Dezember 2014 wurde ein arthroskopisches Sha ving des OSG und des arthro- skopischen Debridements des Sinus tarsi durchgeführt. Am 5. April 2016 erfolgte die Resektion multipler Narbenneurome über der Fibula, die Resektio n eines Fremdkörperknotens sowie die proximale Denervierung und Verlagerung des Nervenstumpfes von Nervus peroneus superficialis in die Extensorenmuskulatur der Wade rechts. 5.5 Anlässlich einer Verlaufskontrolle vom 19. April 20 16 berichtete Prof. Dr. med. E.____, FMH Chirurgie und Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, dass der Patient mas- sivste Schmerzen sowie ein Brennen im ehemaligen denervie rten Gebiet des Nervus peroneus superficialis angebe. Der Hauptschmerz sei jedoch relativ weit ausserhalb des Operationsgebie- tes, dorsal im Bereich des Nervus suralis. 5.6 Nachdem am 17. Oktober 2016 eine Neurolyse und Den ervierung des Nervus suralis durchgeführt worden war, stellte Dr. med. F.____, FM H Neurologie, am 20. Februar 2017 die Diagnose eines Tarsaltunnelsyndroms rechts. Bei einem Status nach zwei Denervationsoperati- onen am rechten Unterschenkel bestünden schmerzhafte und elektrisierende Missempfindungen an der rechten Fusssohle, die sich bei Belastung verstärken würden. Bei der klinischen Untersu- chung habe der Patient eine Hyposensibilität angegeben, wobei diese bei der Testung am ganzen Fuss – d.h. auch im Innervationsgebiet des Nervus peroneus superficialis et profundus und auch des Nervus suralis – vorhanden gewesen sei. Daraufhin erf olgte am 3. April 2017 eine weitere Operation (Spaltung des Tarsaltunnels und langstreckige Neurolyse des Nervus tibialis und des Ramus calcaneus). 5.7 Am 29. September 2017 erstattete die Academy of Sw iss Insurance Medicine (asim) ein orthopädisches Gutachten zuhanden der IV-Stelle Basel- Landschaft. Darin diagnostizierten die beteiligten Fachpersonen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzsyndrom OSG und Fuss links (recte: rechts). Aktuell bestehe eine komplexe Symptoma- tik nach drei Nervenoperationen mit Instabilitätsgefüh l und einem orthopädisch-morphologisch nur unvollständig erklärbaren chronischen Schmerzsyndrom. Klinisch lasse sich das OSG rechts kaum untersuchen. Es bestehe gemäss Explorand eine fast komplette Anästhesie mit gleichzei- tiger Hyperalgesie. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wu rde ausgeführt, dass die dokumentierten Arbeitsunfähigkeiten bis 2014 unbestritten und morpho logisch durch die stattgehabten Eingriffe begründbar seien. Ab 2014 bestehe eine Überlappung morphologisch begründbarer Belastungs- einschränkungen mit einem chronischen Schmerzsyndrom und neurologischer Problematik. Für die bisherige Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkei t von 100%. In Anbetracht der objektivier- baren morphologischen Veränderungen sei der Explorand für eine mehrheitlich sitzende, leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu mindestens 50% arbeitsfähig, sofern dem Exploranden die Mög- lichkeit von Pausen mit Hochlagern des Beines gewährt w ürde. Stehend-gehende Tätigkeiten, insbesondere mit Heben und Tragen von Lasten, Gehen auf unebenem Boden, mit der Notwen- digkeit spezielles Schuhwerk zu tragen oder Zwangspositionen mit dem rechten Fuss einzuneh- men, seien dauerhaft nicht mehr zumutbar. Aus orthopädi scher Sicht könne dem Exploranden keine Verbesserungsmöglichkeit mehr geboten werden, es se i von einem stationären Endzu- stand auszugehen. 5.8 Im selben Gutachten nahmen die beteiligten Fachpe rsonen zu Zusatzfragen der Be- schwerdegegnerin Stellung, wobei zunächst hinsichtlich der Kausalitätsbeurteilung festgehalten wurde, dass der Unfall vom 20. März 2014 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Hauptauslöser der aktuellen Gesundheitsstörung sei. Wohl hätten berei ts vorgängig Bandläsionen bestanden, welche mehrfach chirurgische Rekonstruktionseingriffe nöt ig gemacht hätten. In dem Sinne sei das Sprunggelenk sicherlich vorgeschädigt und anfälliger für eine erneute Verletzung gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten jedoch operative Eingriffe stets zu einer ausreichenden Stabilisie- rung des Gelenkes und damit zur Restitution der Funkt ion geführt, was sich in einer jeweils ra- schen Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess gezeig t habe. Dies sei nach der erneuten Bandläsion im Rahmen der Distorsion vom 20. März 2014 ni cht mehr der Fall gewesen. Das aktuell haupteinschränkend bestehende chronische Schmerzsyn drom des linken Fusses habe sich erst in der Folge der Behandlung des Unfalles vom 20. März 2014 entwickelt. Die morpholo- gisch feststellbaren Pathologien seien ausbehandelt. Inw iefern noch eine Verbesserung des chronischen Schmerzsyndroms erreicht werden könne, müsse durch einen Neurologen evaluiert werden. 5.9 Im in der Folge veranlassten neurologischen Gutachte n vom 20. April 2018 führte Dr. med. G.____, FMH Neurologie, in Bezug auf das Sc hmerzsyndrom aus, dass es sich heute überwiegend um einen Restzustand nach multiplen Trauma tisierungen im Bereich des OSG rechts mit verschiedenen Entrapment-Erscheinungen, damit verbundenen neuropathischen Schmerzen und jetzt im Vordergrund stehende im Bereich des Nervus tibialis, handle. Nicht er- klärt werden könne die angegebene vollständige Anästhesie im Bereich des rechten Fusses un- terhalb der Malleoli. Eine Anästhesie in den Ausarbeitungsgebieten des Nervus peroneus super- ficialis und des Nervus suralis sei nachvollziehbar, nicht aber in diesem kompletten Ausmass im restlichen Fuss. Reizerscheinungen inklusive neuropathische Schmerzen im Ausbreitungsgebiet Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Nervus tibialis seien aber überwiegend wahrscheinlich. Aufgrund der komplexen und chroni- schen Schmerzsymptomatik könnten keine körperlich mittelschwe ren bis schweren Tätigkeiten mehr zugemutet werden. Ebenso nicht mehr zumutbar seien Tätigkeiten vorwiegend im Gehen oder Stehen. In Folge deutlich erhöhten Pausenbedarfs mit der Möglichkeit das rechte Bein hoch- lagern zu können, müsse bei an sich ganztägig zumutbare r Arbeitstätigkeit eine Einschränkung von 30-40% angenommen werden. 5.10 Am 22. September 2018 legte die Beschwerdegegne rin die Akten Dr. B.____ vor. In der Zusammenschau der Sachverhalte sei davon auszugehen, dass das Ereignis vom 20. März 2014 im Sinne einer Conditio sine qua non (indirekt) ursächlich für die im Nervus peroneus superficialis- Versorgungsgebiet lokalisierten neuropathischen Schmerz en gewesen sei. Zwar sei durch das Ereignis keine direkte Nervenschädigung entstanden, die durch das Trauma notwendige Opera- tion und die dadurch bedingten lokalen Gewebsverände rungen mit Vernarbung im Verlauf des Nervus peroneus superficialis habe jedoch wesentlich zu ei ner Manifestation eines neuropathi- schen Schmerzsyndroms mit primärer Beteiligung des Nervus peroneus superficialis geführt. Die Situation bezüglich der Schmerzen und Missempfindungen/Se nsibilitätsstörungen im Suralis- Versorgungsgebiet und im Tibialis-Versorgungsgebiet sei weniger eindeutig. Theoretisch be- stehe zwar hier auch eine indirekte Kausalität in dem Sinne, dass zwischen dem Versorgungs- gebiet des Nervus suralis und dem angrenzenden Versorgung sgebiet des Nervus peroneus su- perficialis eine Art von "Crosstalk" stattfinden könne und/ oder Gewebsveränderungen zum Teil auch das Versorgungsgebiet des Nervus suralis betreffen würden, allerdings hätten im Nervus- Suralis-Versorgungsgebiet schon vor dem Ereignis vom 20. März 2014 Symptome bestanden, nur nicht in derartiger Ausprägung. Lokalisatorisch und pathophysiologisch sei eine zusätzliche Beteiligung des Nervus tibialis ebenfalls nicht zwingend d urch das Ereignis vom 20. März 2014 zu erklären. Die orthopädischen Eingriffe ab dem 20. März 2014 hätten jeweils im lateralen Fuss- bereich und nicht im medialen Fussbereich, wo der Nervu s tibialis verlaufe, stattgefunden. Eine ausgeprägte Ödembildung mit dadurch bedingter ausgeprägter Kompression des Nervus tibialis im Bereich des Tarsaltunnels sei so nicht dokumentiert. Allerdings werde aber auch berichtet, dass nach der operativen Versorgung am 16. Dezember 2014 Missempfindungen im Bereich der Fusssohle, also im Versorgungsgebiet des Nervus tibialis, aufgetreten seien. Durch diese OP und die dadurch bedingte Ödem-bedingte Druckerhöhung im Tarsaltunnel hätten sich Symptome ei- nes Tarsaltunnelsyndroms möglicherweise manifestiert, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit könne jedoch davon ausgegangen werden, dass das Ereignis vom 20. März 2014 weder direkt noch indirekt eine wesentliche Ursache für die Schädi gung des Nervus tibialis im Bereich des Tarsaltunnels darstelle. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen E inspracheentscheid vom 8. Mai 2019 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts auf das orthopädische Gutach- ten vom 29. September 2017, das neurologische Gutachten vom 20. April 2018 sowie insbeson- dere die neurologische Aktenbeurteilung vom 22. Septem ber 2018. Demzufolge ging sie davon aus, dass keine namhafte Verbesserung des Gesundheitzustandes mehr zu erwarten sei. Ferner hat sie erwogen, dass die Beschwerden des Versicherten am rechten Fuss nicht mehr überwie- gend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 20. März 2014 zurückzuführen seien. Aus ortho- pädischer wie auch neurologischer Sicht würden keine organisch objektivierbaren Befunde mehr Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorliegen. Es sei nur die Schädigung des Nervus peroneu s superficialis als unfallkausale Folge gewertet worden, hinsichtlich der anderen Nervenschädigungen bestehe nur eine mögliche, nicht aber eine überwiegend wahrscheinliche Kausalität. 6.2 Mit Blick auf die Frage, ob von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann, resultiert aus dem orthopädischen Gutachten, dass die morphologisch feststell baren Pathologien vollständig aus- behandelt sind. Diese Auffassung steht im Einklang mit d er medizinischen Aktenlage aus der keine Hinweise ersichtlich sind, die einen anderen Schluss zu begründen vermöchten. In neuro- logischer Hinsicht wird im Gutachten vom 20. April 2018 ausgeführt, es handle sich überwiegend um einen Restzustand nach multiplen Traumatisierungen, prognostisch gesehen könne eine ge- wisse weitere Erholung seit der Entlastungsoperation aber nicht ausgeschlossen werden. Mit ei- ner funktionell und sich relevant auf die Restarbeitsf ähigkeit auswirkenden weiteren Erholung könne aber eher nicht gerechnet werden. Dabei wird festgehalten, dass sich keine weiteren The- rapieoptionen mit Aussicht auf die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ergeben würden. In der Ak- tenbeurteilung vom 22. September 2018 hält Dr. B.___ _ fest, eine Abheilung im eigentlichen Sinne sei nicht möglich, vielmehr bestehe eine Defekthe ilung. Ein Status quo ante könne nicht erreicht werden, es hätte jedoch eine deutliche Verbess erung der Schmerzsituation erzielt wer- den können. In Würdigung der medizinischen Aktenlage mit zahlreich dokumentierten Operatio- nen ist demnach davon auszugehen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine wesent- liche Verbesserung der Situation mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten ist. Im Übrigen wird der angeordnete Fallabschluss seitens des Beschwerdeführers – soweit ersichtlich – nicht (mehr) beanstandet, zumal er mit der vorlie genden Beschwerde unter anderem die Aus- richtung einer Integritätsentschädigung beantragt. 6.3 Indessen kann der vorinstanzlichen Beweiswürdigung, w onach keine unfallbedingten Restbeschwerden (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) mehr ausgewiesen seien, – wie nach- folgend aufzuzeigen sein wird – aus verschiedenen Grün den nicht gefolgt werden. 6.4.1 Was zunächst die Feststellungen anbelangt, wonach aus somatischer Sicht keine ob- jektivierbaren Befunde auszumachen seien, so trifft es entgegen dem Dafürhalten der Beschwer- degegnerin gerade nicht zu, dass die attestierte Arbei tsunfähigkeit ausschliesslich auf einem chronischen Schmerzsyndrom ohne somatische Ursache beruht. Vielmehr wird im orthopädi- schen Gutachten vom 29. September 2017 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Überlap- pung morphologisch begründbarer Belastungseinschränkung en mit einem chronischen Schmerzsyndrom und neurologischer Problematik bestehe. Schliesslich wird geradezu unter Hin- weis auf diese objektivierbaren morphologischen Veränderungen für eine mehrheitlich sitzende, wechselbelastende leichte Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50% veranschlagt (vgl. Gutach- ten vom 29. September 2017, S. 16 f.). Dabei fällt insbesondere ins Gewicht, dass im Rahmen der spezifisch zu beantwortenden unfallversicherungsrechtlich en Zusatzfragen die Kausalitäts- frage klar bejaht wird, indem das Unfallereignis gar a ls Hauptauslöser für die aktuelle Gesund- heitsstörung angeführt wird. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.2 Aus neurologischer Sicht wird das Unfallereig nis anlässlich der Aktenbeurteilung als di- rekte oder indirekte Ursache für die Schmerzen und Sensib ilitätsstörungen im Bereich der Ver- sorgungsgebiete des nervus peroneus superficialis gesehen, nicht aber mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit hinsichtlich der Wirkungsbereiche des nervus suralis und tibialis. Im Gutachten vom 20. April 2018 wird sodann festgehalten, eine Anästhesie in den Ausbreitungsgebieten des Ner- vus peroneus superficialis und suralis sei nachvollziehbar, wenngleich nicht im geklagten Aus- mass. Diese Feststellungen stehen im Widerspruch zur Aussage , wonach die Beschwerden im Bereich der innervierten Gebiete des nervus peroneus superficialis sowie des nervus suralis ver- schwunden seien. Hinzu tritt, dass gestützt auf die komplexe Schmerzproblematik im Bereich des rechten Fusses aus neurologischer Sicht gesamthaft eine Einsch ränkung von 30 - 40% veran- schlagt wird. Aufgrund des zuhanden der IV erstellten Gutachtens beschränkt sich diese Arbeits- unfähigkeitsbeurteilung nicht spezifisch auf die unfallkau salen Beeinträchtigungen, sondern be- rücksichtigt sämtliche gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Dr. B.____ hingegen äussert sich zwar zur Kausalitätsfrage, nimmt jedoch keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor. Eine Einschät- zung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. B.____ wäre aber umso angezeigter gewesen, als er ferner festhält, dass ein Status quo sine vel ante nicht erreich t werden könne, sondern vielmehr eine Defektheilung bestehe. Dabei begnügt er sich in Bezug auf das unfallkausal beeinträchtigte Ver- sorgungsgebiet mit der Aussage, wonach eine wesentlich weniger einschränkende Ausfallsymp- tomatik vorhanden sei, was auch in diesem Bereich auf Restbeschwerden hindeutet. Angesichts dieser Tatsachen und aufgrund der langen Leidensgeschichte des Versicherten mit zahlreichen operativen Eingriffen erscheint schliesslich auch fraglich, inwiefern eine klare Differenzierung zwi- schen den unterschiedlichen Ausarbeitungsgebieten bzw. n amentlich den dadurch zu lokalisie- renden Beschwerden überhaupt möglich ist. 6.5 Insgesamt bestehen deutliche Hinweise auf organisch e Beschwerden, welche einen Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit ausüben, doch bleibt unklar, ob und in welchem Ausmass diese auf das Unfallereignis vom 20. März 2014 zurückgeführt werden können und welche funktionellen Beeinträchtigungen damit verbunden sind. Diese Tatsache hätte die Beschwerdegegnerin veran- lassen müssen, den Gesundheitszustand des Versicherten vor V erfügungserlass bzw. bis zum Erlass des Einspracheentscheids eingehender abklären zu lass en. Indem sie jedoch lediglich noch eine abschliessende versicherungsmedizinische Aktenbeurteilung bei Dr. B.____ einholte, ist sie ihrer – aus dem Untersuchungsgrundsatz resultiere nden – Pflicht zur richtigen und voll- ständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts nur unzureichend nachgekommen. 7.1 Was hingegen die Beschwerden des Beschwerdeführer s anbelangen, die keinem orga- nischen Substrat zuzuordnen sind, so kann bereits an die ser Stelle festgehalten werden, dass die Beschwerdegegnerin eine entsprechende Kausalität zu Recht verneint hat. So trifft es zwar zu, dass in der Prüfungsabfolge zunächst die natürliche Kausalität dieser Beeinträchtigungen im Zusammenhang zum fraglichen Ereignis vom 20. März 2014 zu untersuchen wäre. Nach der Rechtsprechung kann die Frage nach dem natürlichen Kaus alzusammenhang bei psychischen Beschwerden jedoch in jenen Fällen offengelassen werden, in welchen der für die Bejahung einer Leistungspflicht erforderliche adäquate Kausalzusammenha ng ohnehin verneint werden muss. (SVR 1995 U 23 S. 68 E. 3c; ebenso: Urteil des Bundesgerichts vom 2. Juli 2010, 8C_182/2010, E. 3.2). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nich t (hinreichend) nachweisbaren Un- fallfolgeschäden, ohne dass die versicherte Person ein S chleudertrauma der HWS oder einen äquivalenten Verletzungsmechanismus erlitten hat, erfolgt die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien (vgl. zu den Anforderungen an die Objektivierbarkeit von organischen Leiden: nicht publizierte E. 2 des Urteils BGE 135 V 465, in: SVR 2010 UV Nr. 6 S. 25 [8C_216/2009]). Nach die ser Rechtsprechung kann die Adäquanz bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Januar 2008, U 42/07, E. 3.3). Mit Blick auf die Adäquanz einer psychischen Überlagerung nach einer erlittenen Verletzung ist vorliegend nicht die Schwere der primären Verletzungen am rechten Fuss an sich, sondern ausschliesslich die Unfallschwere des Unfallereignisses zu würdi- gen. Der Beschwerdeführer machte im Rahmen seiner beru flichen Tätigkeit bei einer Bo- denunebenheit einen Misstritt. Aufgrund des augenfälligen Geschehens-ablaufs mit den sich da- bei entwickelnden Kräften ist dieser Vorgang mit der Beschwerdegegnerin zweifellos als leichter Unfall zu qualifizieren. 8.1 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich , dass anhand der medizinischen Aktenlage der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers un d die Frage nach der Kausalität der persistierenden Fussbeschwerden nicht zuverlässig beurteilt werden können. 8.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat das ange rufene kantonale Versiche- rungsgericht im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn es einen im Verwal- tungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abklärungsbedürf- tig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräf- tig ist. Eine Rückweisung an die IV-Stelle ist zulässig, wenn sie allein in der notwendigen Erhe- bung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet liegt oder wenn lediglich eine Klarstel- lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen A usführungen erforderlich ist (vgl. BGE 139 V 100 E. 1.1; 137 V 263 ff. E. 4.4.1). Da die B eschwerdegegnerin nicht alle notwendigen Abklärungen zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der natürlichen Kausalität vorgenom- men hat und es nicht die Aufgabe der kantonalen Gerich te ist, im Verwaltungsverfahren ver- säumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vor-instanz nichts entgegen. Demzufolge ist die Angelegenheit in Aufhebung des angefochtenen Einsprache- entscheids vom 20. November 2017 zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurück- zuweisen. Diese hat den aktuellen Gesundheitszustand und die Frage, ob die noch anhaltenden Fussbeschwerden natürlich kausal auf das Unfallereignis vom 20. März 2014 zurückzuführen und welche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit damit verbu nden sind, von einer unabhängigen Ärzteschaft untersuchen zu lassen. Gestützt auf die Ergebni sse der Aktenergänzung wird die Beschwerdegegnerin über die Ansprüche des Beschwerdeführers neuverfügen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen. 9.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für den vorliegenden Prozess keine Verfahrenskos- ten zu erheben. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Eine Parteientschädigung kann d er ganz oder teilweise obsiegenden Partei gemäss § 21 VPO nur für den Beizug eines Anwalts beziehungsweise einer Anwältin zu- gesprochen werden. Da der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht an- waltlich vertreten war, wird ihm keine Parteientschädigung ausgerichtet. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Ent- scheide, die das Verfahren abschliessen. Selbstständig eröffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkei t und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rech tlichen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtli chen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschlies- senden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sonder n um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) be- antwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid der SWICA vom 8. Mai 2019 aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die SWICA zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht