Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Januar 2016 (720 15 182) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenaufhebung bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerden ohne nachweisbare organische Grundlage bestätigt. Beurteilung der verbleibenden Ressourcen anhand des in BGE 141 V 281 ff. vorgegebe- nen strukturierten, normativen Prüfrasters. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1972 geborene A.____ war als Hilfsdachdecker angestellt, als er im Oktober 1996 einen Arbeitsunfall erlitt und von einem rutschende n Bund Ziegel an der linken Rumpfseite und im Bereich der Nierenloge getroffen wurde. Nach die sem Unfall nahm er im November 1996 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht seine Arbeit wieder auf, klagte in der Folge jedoch w eiterhin über chronische lumbale Schmer- zen. Im Mai 1999 wurde er wegen seiner Beschwerden krank geschrieben. Seither ist er keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen. Am 4. Januar 2000 meldete sich A.____ zum Leistungs- bezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Nach Abklärung der gesundheit- lichen und erwerblichen Verhältnisse sprach ihm die IV-St elle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 22. April 2004 ab 1. Mai 2000 eine Vie rtelrente und ab 1. August 2003 eine hal- be Rente der IV zu. Mit Mitteilungen vom 28. Mai 2005 sowie vom 1. Oktober 2007 wurde diese Leistung jeweils revisionsweise bestätigt. Im Rahmen einer weiteren im September 2014 einge- leiteten Revision von Amtes wegen hob die IV-Stelle nac h Abklärung der gesundheitlichen Ver- hältnisse gestützt im Wesentlichen auf ein polydisziplinäres Gutachten der B.____ vom 28. August 2013 mit Verfügung vom 12. Mai 2015 die bi sher ausgerichtete IV-Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen der Änderungen des Bundesg esetzes über die Invalidenversi- cherung (IVG) vom 18. März 2011 per Anfang Juli 2015 auf. B. Hiergegen erhob der Versicherte am 18. Mai 2015 Be schwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und bean- tragte sinngemäss die Weiterausrichtung der ihm bisher au sgerichteten IV-Rente. Zur Begrün- dung machte er im Wesentlichen geltend, dass er seit 199 6 regelmässig Medikamente zu sich nehme und seine Schmerzen so stark seien, dass seit seinem Unfall die linke Schulter immer wieder einschlafen würde. Der Schmerz greife allmählich auch auf die rechte Körperseite über. Am Informationsgespräch der IV-Stelle vom 22. August 20 14 sei ihm an den Kopf geworfen worden, dass er zwei erwachsene Kinder habe, die ihn f inanziell unterstützen würden. Er habe das Gespräch daraufhin beendet. Es sei nicht wahr, dass er nicht an Wiedereingliederungs- massnahmen interessiert sei, sondern er wäre froh, wenn e r eine passende Arbeitsstelle finden würde. Bei den starken Schmerzen sei es jedoch nicht mö glich, eine Arbeitsstelle im Umfang von 50% bis 100% zu finden. C. Mit Eingabe vom 18. Juni 2015 liess der behandelnde Arzt des Beschwerdeführers, Dr. C.____, FMH Psychotherapie und Psychiatrie, dem Ge richt einen Bericht vom 17. Juni 2015 zukommen. Darin berichtet er, dass sein Patient imm er noch schreckliche Albträume an die Kriegserlebnisse in Jugoslawien habe. Er leide seit dem Unfall an andauernden lumbalen Schmerzen. Dr. C.____ berichtet im Weiteren, dass der V ersicherte angebe, insbesondere an andauernden, quälenden Rückenschmerzen begleitet von ei ner allgemeinen Schwäche, Er- schöpfung, Gereiztheit und hartnäckigen Schlafstörungen z u leiden. Es sei theoretisch höchs- tens von einer 25%-igen bis 30%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 21. Juli 2 015 mit Hinweis auf die medizi- nische Einschätzung im B.____-Gutachten vom 28. August 201 3 sowie auf einen Bericht ihres regional-ärztlichen Dienstes (RAD) vom 28. Juli 2015 auf Abweisung der Beschwerde. Der Be- schwerdeführer verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer Stellungnahme. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist – sowe it notwendig – in den nachfolgenden Erwä- gungen einzugehen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Diese Legaldefinition stimmt i m Wesentlichen mit dem Begriff der Ar- beitsunfähigkeit überein, wie ihn die Rechtspraxis vor dem Inkrafttreten des ATSG entwickelt hatte (vgl. etwa BGE 129 V 53 E. 1.1 in fine mit Hi nweisen). Die bis zum 31. Dezember 2002 ergangene diesbezügliche Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Versicherungsge- richts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abte ilungen] bleibt folglich weitestgehend anwendbar (BGE 130 V 345 E. 3.1.1). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie k ann im IV-Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IV G). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommende n allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des V orliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 200 8 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein trächtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (BGE 128 V 30 E. 1). 2.5 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die dem Versicherten seit 1. Mai 2000 aus- gerichtete IV-Rente zu Recht per Anfang Juli 2015 aufgehoben hat. 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 4.2 Die IV-Stelle stützt ihre Renteneinstellung im vor liegenden Fall jedoch nicht auf Art. 17 ATSG, sondern auf lit. a Abs. 1 SchlB IVG ab. Danach werden Renten, die bei pathogenetisch- ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundla- ge (nachfolgend: unklare Beschwerden) zugesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Vor aussetzungen nach Art. 7 ATSG nicht er- füllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehobe n, auch wenn die Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmun g ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 ff.). Sie findet indessen laut lit. a Abs. 4 SchlB IVG keine Anwendung auf Per- sonen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Änderu ng das 55. Altersjahr zurückgelegt ha- ben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung einge leitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen. 4.3 Was zunächst den Beginn des Zeitpunkts betrifft, ab w elchem eine versicherte Person eine IV-Rente bezogen hat, hat das Bundesgericht in BGE 139 V 442 E. 3 f. in Auslegung des vorstehend letztzitierten Satzteils (vgl. oben, Erwägung 5.1 hiervor) erkannt, dass auf den Be- ginn des Rentenanspruchs und nicht auf den Zeitpunkt d es Erlasses der rentenzusprechenden Verfügung abzustellen sei. Nur diese Interpretation d er Ausschlussklausel trage den Kernanlie- gen der darin verankerten Besitzstandsgarantie (Gewährleistung von Rechtssicherheit und Ver- trauensschutz; Vermeidung aussichtsloser Eingliederungsver suche) angemessen Rechnung. Vorliegend ist dem Versicherten mit Verfügung der IV-Stelle vom 22. April 2004 rückwirkend per 1. Mai 2000 eine Viertelrente der IV und in der Fol ge ab 1. August 2003 eine halbe IV-Rente zugesprochen worden. Unter dem Blickwinkel der Ausschlussklausel von lit. a Abs. 1 SchlB IVG ist für den Beginn des Rentenbezugs somit auf den 1. Mai 2000 abzustellen. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Was sodann den Zeitpunkt betrifft, „in dem die Üb erprüfung eingeleitet wird," hat das Bundesgericht in seinem Urteil 8C_576/2014 vom 20. Nove mber 2014 festgehalten, dass sich dieser nicht anhand des Momentes bestimme, in welchem die versicherte Person erstmals schriftlich Kenntnis von der gestützt auf lit. a SchlB IVG ins Auge gefassten Rentenaufhebung erhalte (SVR 2014 IV Nr. 17 S. 65, 8C_773/2013 E. 3 .1 in Verbindung mit E. 3.3.2). Der mass- gebende Zeitpunkt richte sich vielmehr nach dem mit über wiegender Wahrscheinlichkeit nach- gewiesenen Beginn des betreffenden Verfahrens (SVR 20 15 IV Nr. 13 S. 37, 8C_576/2014 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Der Beweis der Rechtzeitigke it der Einleitung eines Revisionsverfah- rens sei daher nicht vom Empfang eines schriftlichen Vorbe scheids oder einer anderen schriftli- chen Mitteilung abhängig. Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass das strittige Revisi- onsverfahren mit dem Versand des Revisionsfragebogens ber eits am 4. September 2012 ein- geleitet worden ist. Nachdem die IV-Stelle im Rahmen ihrer Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse am 23. April 2013 eine polydisziplinäre Be gutachtung bei der B.____ in die Wege geleitet hatte, fand am 22. August 2014 ein Gespräch mit dem Versicherten hinsichtlich einer allfälligen Eingliederung statt. Daraus geht hervor, d ass sich der Versicherte aus gesundheitli- chen Gründen nicht in der Lage sehe, einer Arbeitstät igkeit nachzugehen. Ebenfalls mit Datum vom 22. August 2014 wurde ihm der Vorbescheid betreffen d die nunmehr strittige Rentenauf- hebung eröffnet. Mit Blick auf die ursprüngliche Rente nzusprache per 1. Mai 2000 erhellt somit, dass im Zeitpunkt, in welchem das Revisionsverfahren eingel eitet worden ist, noch kein 15- jähriger Rentenbezug vorgelegen hat. Der 1972 geboren e Versicherte gelangt deshalb nicht in den Genuss der betreffenden Ausschlussklauseln. Zudem hat die IV-Stelle die Überprüfung der ursprünglich zugesprochenen Rente im Zeitpunkt der Eröff nung ihres Vorbescheids am 22. Au- gust 2014 innerhalb der massgebenden Dreijahresfrist se it dem Inkrafttreten der fraglichen Übergangsbestimmung am 1. Januar 2012 nicht nur eingele itet, sondern auch bereits abge- schlossen. Da es genügt, die einleitenden Überprüfungssch ritte innerhalb von drei Jahren seit dem Inkrafttreten der Schlusstitelbestimmung am 1. Januar 2012 lediglich in die Wege zu leiten (KGE SV 720 15 137 / 300 vom 17. Dezember 2015), ist als Zwischenergebnis festzuhalten, dass die IV-Stelle die Rentenüberprüfung unter dem Titel der fraglichen Schlusstitelbestimmung insgesamt rechtzeitig vorgenommen hat. 5.1 Für die Herabsetzung oder Aufhebung der Rente g estützt auf die SchlB IVG müssen rechtsprechungsgemäss drei Voraussetzungen erfüllt sein: Die seinerzeitige Rentenzusprache muss aufgrund der Diagnose eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Be- schwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage er folgt sein. Weiter ist erforderlich, dass auch im Revisionszeitpunkt ein unklares Beschwerdebild vorliegt. Schliesslich ist im Rah- men der zwischenzeitlich ergangenen Änderung der bundesg erichtlichen Rechtsprechung in einem strukturierten Beweisverfahren das tatsächliche Leist ungsvermögen der versicherten Person ergebnisoffen und einzelfallgerecht zu bewerten (BGE 141 V 281; nachfolgende Erwä- gungen 6.1 ff.) und zu prüfen, ob eine Validitätseinbusse auf diese Weise - trotz des hinsichtlich der invalidisierenden Folgen nicht objektivierbaren Besch werdebildes - nachweisbar ist (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2014, 8C_436/2013, E. 4 mit Verweis auf BGE 139 V 568 f. E. 9.4 und 10). Da es sich bei den erwähnten P unkten, von deren Beantwortung der Be- stand laufender Renten abhängt, in erster Linie um sol che medizinischer Art handelt, sind an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforder ungen zu stellen. Wie das Bundes- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht im Grundsatzurteil BGE 139 V 547 ff. ausdrückl ich betont hat, setzt die Anwendung der genannten SchlB IVG denn auch eine fachgerechte und umfassende Begutachtung der be- troffenen Person voraus. Namentlich muss verlangt werden , dass die Untersuchungen im Zeit- punkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblich en Fragestellung auseinanderset- zen (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Januar 2014, 8C_43 6/2013, E. 4 mit Verweis auf BGE 139 V 568 f. E. 9.4 und 10.2). 5.2 Die IV-Stelle stützte sich bei ihrer ursprünglichen Rentenzusprache einerseits auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre D.____-Gutachten vom 3. Januar 2002 sowie auf das psy- chiatrische Gutachten von Dr. E.____, FMH Psychotherapie und Psychiatrie, vom 26. Mai 2003. Im D.____-Gutachten hielten die Fachärzte als Hauptdia gnose mit Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom mit ein er Generalisierungstendenz, eine somatoforme Schmerzstörung sowie eine leicht bis m ittelgradig depressive Episode fest. Der gesamtmedizinischen Beurteilung zufolge würden die B efunde seitens des Bewegungsap- parates bescheiden ausfallen. Eindrücklich präsentierte n sich hingegen die subjektiven Be- schwerden, für welche keinerlei somatisches Korrelat gefunden worden sei. In psychischer Hin- sicht bestünde eine gewisse depressive Verstimmung mit resi gnativen Tendenzen. Die Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf a ls Hilfsdachdecker im Umfang von 70% bestehe seit Mai 1999 und ergebe sich aus der an haltenden somatoformen Schmerzstö- rung und allenfalls auch aus den diskreten degenerativen Veränderungen seitens des Achsen- organs. Nichts anderes geht im Ergebnis aus dem psychiatrisch en Gutachten von Dr. E.____ vom 26. Mai 2003 hervor, wonach mit Auswirkung auf die A rbeitsfähigkeit eine anhaltende so- matoforme Schmerzstörung mit depressiver Fehlentwicklung, Resignation und deutlichem Krankheitsgebaren zu diagnostizieren sei. Es bestehe ein e deutliche Schmerzfehlverarbeitung mit histrionischen Anteilen und einer Verweigerungshaltung genereller Art. Die Verhaltensauffäl- ligkeit könne nicht nur einer depressiven Erkrankung zugeordnet werden. Diese sei nämlich nur leicht ausgeprägt. Aus rein psychiatrischer Hinsicht sei de r Versicherte in einer seinem Körper- leiden angepassten Verweistätigkeit halbtags arbeitsfähig. Diese bereits ursprünglich diagnostizierte somatoforme Sch merzstörung gehört zweifellos zu den hiervor (vgl. E. 5.1) genannten unklaren Beschwerden ohne nachweisbare organische Grundlage (BGE 139 V 549 f. E. 2.2). Daran vermag nichts zu ändern, dass nebst dessen auch somatische Diagnosen erhoben worden sind. Wie das Bundesg ericht festgehalten hat, ist für die Anwendung des fraglichen Schlusstitels von lit. a Ab s. 1 SchlB IVG nicht vorausgesetzt, dass die ursprüngliche Rente ausschliesslich aufgrund unklar er Beschwerden zugesprochen worden ist. Vielmehr stehe der Umstand, dass eine laufe nde Rente sowohl für unklare Be- schwerden als auch für andere Gesundheitsschäden, also a uch für erklärbare Beschwerden, zugesprochen worden sei, einer Anwendung der fraglichen Bestimmung nicht entgegen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2014, 8C_74/2014, E. 6.2. 3). Laufende Renten sind vom An- wendungsbereich von lit. a Abs. 1 SchlB IVG daher nur dann auszunehmen, wenn und so- weit sie ausschliesslich auf erklärbaren Beschwerden beruhe n. Diese Voraussetzung aber liegt hier vorliegend nicht vor. Gemäss den dazumal massgebend en Beurteilungen des D.____ und von Dr. E.____ war die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Versicherte nebst eher beschei- denen Befunden in somatischer Hinsicht im Wesentlichen a uf die psychiatrische Diagnose der Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht somatoformen Schmerzstörung zurückzuführen. Damit kann je denfalls nicht gesagt werden, dass die damalige Rente nicht auch aufgrund eines un klaren Beschwerdebilds zugesprochen worden war. 5.3 Unbestrittenermassen liegt auch im Revisionszeitpunkt ei n unklares Beschwerdebild vor, haben doch die untersuchenden Fachärzte der B.___ _ in ihrem von der IV-Stelle eingehol- ten polydisziplinären Gutachten vom 28. August 2013 in psychiatrischer Hinsicht ebenfalls eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung erhoben. Zumal ke ine depressive Episode mehr festgestellt werden konnte und somatisch kaum erklärbare Beschwerden bestünden, steht der Anwendung von lit. a Abs. 1 SchlB IVG demnach nichts entgegen (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2014, 8C_104/2014, E. 3.1). 5.4 Indem die IV-Stelle im Rahmen des vorliegenden Re visionsverfahrens bei der B.____ das polydisziplinäre Gutachten vom 28. August 2013 eingeholt hat, hat sie sich bei der Renten- überprüfung zudem sowohl auf umfassende als auch auf - i m Revisionszeitpunkt - aktuelle me- dizinische Abklärungen stützen können. Darauf ist nachfolgend näher einzugehen: 5.4.1 Im psychiatrischen Teilgutachten der B.____ erhob der begutachtende Fachpsychiater med. prakt. F.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychoth erapie FMH, keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen au f die Arbeitsfähigkeit sei einzig eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung zu diagnostizieren . An objektiven Befunden seien eine ausgeglichene Grundstimmung und ein normaler An trieb festzustellen gewesen. Die Psychomotorik sei unauffällig. Gemäss Beurteilung und Würd igung der fachspezifischen Unter- suchungen gebe der Versicherte in verschiedenen Bereichen des Körpers Schmerzen an, die er als Folge des 1996 erlittenen Unfalls ansehe. Diese Schmerzen seien jedoch nicht ausrei- chend somatisch erklärbar. Insgesamt lasse sich deshalb eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bzw. eine chronische Schmerzstörung mit som atischen und psychischen Fak- toren diagnostizieren. Mit Ausnahme der psychischen Schmerzerkrankung bestehe keine weite- re psychiatrische Erkrankung. Das Kriterium einer psychiatrisch en Komorbidität sei deshalb nicht erfüllt. Gemäss dem Hauptgutachten sei auch das Kriterium einer somatischen Komorbidi- tät nicht erfüllt. Ein Verlust der sozialen Integrati on bestehe nicht, der Versicherte sei sozial gut integriert. Hinweise für einen ausgeprägten, primäre n Krankheitsgewinn bestünden keine. Es bestehe zwar ein mehrjähriger Verlauf mit einer unverä nderten oder progredienten Symptoma- tik, jedoch bestünden auch unbefriedigende Behandlung sergebnisse. Der Versicherte gehe regelmässig in eine ambulante psychiatrische Behandlung u nd erhalte auch entsprechende Medikamente. Mangels einer stationären psychiatrischen Beh andlung seien bisher aber noch nicht alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft wor den. Bei der aktuellen Untersuchung könnten praktisch keine depressiven Symptome mehr nachgewie sen werden. Die einzige Auf- fälligkeit sei ein etwas eingeschränkter affektiver Rappor t. Hingegen bestünden keine betrübte Stimmung, kein eingeschränkter Antrieb, keine auffällig e Psychomotorik und auch keine ab- normale Konzentration. Der Versicherte sei innerlich ru hig und ausgeglichen. Die vom Versi- cherten beschriebenen depressiven Symptome könnten daher nicht bestätigt werden. Der Ver- sicherte berichte auch über schlimme Erfahrungen im Kosov o-Krieg. Er reagiere darauf jedoch relativ adäquat. Hinweise dafür, dass der Versicherte an einer posttraumatischen Belastungs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht störung leiden würde, bestünden deshalb keine. Die Arb eitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt. Auch wenn es sinnvoll sei, die ambulante psychiatrische Behandlung weiterzuführen, sei diese nicht notwendig, um die Arb eitsfähigkeit zu erhöhen. Der Versicherte weise keine Erkrankung auf, die seine Arbeitsfähigkeit einschränken würde. 5.4.2 Gemäss dem neurologischen Teilgutachten der B.___ _ von Prof. Dr. G.____, FMH Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, sei der Versicherte im Verhalten stark ver- deutlichend. Sein Verhalten sei auffällig. Es dominie re eine Selbstlimitation. Es bestünden aus- geprägte Verdeutlichungstendenzen. Die neurologische Untersuchung sei durch das ausge- prägte demonstrative Verhalten deutlich erschwert word en. Immer wieder habe der Proband Untersuchungen aus Angst verweigert, dass diese ihn schmerzen würden oder er fallen könnte. Die von ihm subjektiv beklagten Beschwerden seien aus objektiver, neurologischer Sicht jedoch weder nachvollziehbar noch neuroanatomisch einzuordnen. Aus gutachterlicher Sicht stünden ihm in neurologischer Hinsicht alle Ressourcen eines gesunden, jungen Mannes zur Verfügung. Neurologisch könne keine Diagnose gestellt werden. Sein e zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Dachdecker sei ihm vollumfänglich und uneingeschränkt zumutbar. 5.4.3 Der hauptgutachterlichen Beurteilung und polyd isziplinären Zusammenfassung der B.____ zufolge bestünden keine Diagnosen mit Einschränk ung der zumutbaren Arbeitsfähig- keit. Ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom panvertebral, ischialgiform links und zervikozephal linksbetont mit vegetativen Begleitb eschwerden zu diagnostizieren. Psychiatrisch könne keine depressive Episode mehr diagnostizi ert werden. Es bestünden wei- terhin somatisch kaum erklärbare Beschwerden. Sowohl die n eurologische als auch die rheu- matologische Untersuchung seien durch das demonstrative Verhalten des Versicherten deutlich erschwert gewesen. Die Arbeitsfähigkeit sei weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Dachdecker noch in einer adaptierten Tätigkeit eingesc hränkt. Die psychiatrische Erkrankung der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne mittels Willensanstrengung überwunden werden. Die Arbeitsprognose sei infolge vorwiegend IV-fremder Faktoren schlecht. 5.4.4 Nebst dem B.____-Gutachten vom 28. August 2013 liegen der strittigen Angelegenheit folgende medizinische Unterlagen von Relevanz zu Grunde: 5.4.4.1 Gemäss Bericht von Dr. C.____ vom 26. Septembe r 2014 beginne der Patient in jeder Sitzung, über andauernde, quälende Rückenschmerzen zu kla gen, begleitet von einer allge- meinen Schwäche und Kraftlosigkeit, Gereiztheit und S chlaflosigkeit. Erst auf Befragen hin komme er auf eine Bedrücktheit und eine anhaltende Fre ud- sowie Lustlosigkeit zu sprechen. Zwischendurch berichte er ohne suggestive Nachfrage über nachlassende sexuelle Kraft und über einen Lebensüberdruss sowie über den Wunsch, freiwi llig aus dem Leben zu scheiden. Anamnestisch gelte es nachzutragen, dass der Versicherte al s Kosovo-Albaner seinen Militär- dienst in Kroatien absolviert habe. Er habe, um sein Leben zu retten, aus der Truppe weglaufen und riskieren müssen, erschossen zu werden. Diese Lebenssequ enz löse in Abständen noch immer schreckliche Albträume begleitet von Herzklopfen und Zittern aus. Sein Arbeitsunfall auf einem nassen Dach als Hilfsdachdecker habe ihn in eine n Ausnahmezustand geworfen. Die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht psycho-physischen Ressourcen würden seither erhebliche Defizit e ausweisen. Auf anhaltende chronische, tiefsitzende lumbale Schmerzen habe sich der Versicherte bislang mit seiner einfa- chen Persönlichkeitsstruktur depressiv vergebens zur Wehr ge setzt. Er scheint bislang mit sei- nen chronischen Schmerzen überfordert zu sein und präsent iere sich nach wie vor dekompen- siert. Im Längsschnitt vermittle der Versicherte jeweils das Bild, ein Häuflein Elend zu sein. Er versuche, sich via körperliche Beschwerden zu vermitteln. An dauernde, chronisch tiefsitzende lumbale Schmerzen, deren organischer Hintergrund nicht völlig geklärt werden konnte, würden das klinische Bild beherrschen. In Form von Flashbacks bestünd en intermittierend eruierbare Anteile einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ebens o seien intermittierende Suizidge- danken vorhanden. Das formale Denken sei zwar geordnet, j edoch auf die Schmerzen einge- engt. Eine Entfremdung von sich selbst und seinen Näch sten gegenüber sei ebenso im Gange wie ein sozialer Rückzug. Zu diagnostizieren sei als rele vante Komorbidität mit mehrjährigem Krankheitsverlauf eine depressive Störung mit leichten b is mittelgradigen Episoden ohne Re- mission bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung. I m Längsschnitt sei theoretisch von einer Arbeitsfähigkeit von 25% bis 30% auszugehen. Die Aufnahme einer konkreten neuen Ar- beitsstelle sei unter diesem Blickwinkel nicht zumutbar. 5.4.4.2 Gemäss Bericht der H.____ vom 19. Mai 2015 sei e ine diskrete degenerative Verände- rung in der unteren Lendenwirbelsäule sowie eine progrediente Osteochondrose auf Höhe LWK 3/4 festzustellen. Im Weiteren bestehe eine minimale, vorbestehende Einengung auf Höhe LKW 3/4 rechts mit möglicher Tangierung der Nervenwurzel L 4 rechts. Ein Nachweis einer Nerven- wurzelkompression sei nicht auszumachen. 5.4.4.3 Am 17. Juni 2015 berichtet Dr. C.____ erneut über den Versicherten. Dieser Bericht deckt sich weitgehend mit den Angaben in dessen Bericht vom 26. September 2014. Die trau- matischen Kriegserlebnisse würden noch immer als schreckliche Albträume zurückkehren. Er- gänzend ist zu entnehmen, dass beim Versicherten eine larvi erte Autoaggression feststellbar sei. Eine Reintegration in den Arbeitsprozess sei bisher nicht möglich gewesen. Es sei eine psychische Komorbidität von erheblicher Ausprägung und Schwere festzustellen. Ebenfalls be- stünden eine chronische körperliche Begleiterkrankung und ein mehrjähriger chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter Symptomatik ohne l ängerdauernde Rückbildung. Ferner seien ein sozialer Rückzug und ein therapieresistenter un d kaum mehr beeinflussbarer inner- seelischer Verlauf festzustellen. Trotz kooperativer Haltu ng des Patienten und konsequent durchgeführter ambulanter Behandlung sei keine Besseru ng des Gesundheitszustandes zu erreichen. Es sei von einer Restarbeitsfähigkeit im Umfang von höchstens 25% bis 30% auszu- gehen. Die Aufnahme einer neuen Arbeitsstelle sei nicht zumutbar. 5.5 Das zitierte Gutachten der B.____ erfüllt alle re chtsprechungsgemässen Vorausset- zungen an eine taugliche medizinische Beurteilungsgrund lage. Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf und ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 f. hiervor) - für die streitigen Belange umfassend. Es beruht auf al lseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der im Zeitp unkt der Exploration vorhandenen Vorakten abgegeben worden und leuchtet in der Darle gung der medizinischen Zusammenhän- ge sowie der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Die vorinstanzliche Rentenüberprü- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht fung entspricht somit auch in dieser Hinsicht den von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung formulierten Anforderungen (vgl. E. 5.1 hiervor und die dortigen Hinweise). Der Beschwerdefüh- rer rügt denn auch nicht, dass die entsprechende Beurt eilung nicht beweiskräftig sei. Auch bringt er keine inhaltliche Kritik an dem von der IV-Stelle eingeholten Gutachten der B.____ vor. Allerdings liegen zwei Berichte des behandelnden Psychiate rs in den Akten, welche dem B.____-Gutachten sowohl in Bezug auf die Diagnose als auch in Bezug auf die dem Versicher- ten attestierte volle Arbeitsfähigkeit widersprechen. 5.5.1 Was zunächst eine allfällige Diagnose im Zusamme nhang mit den tragischen Kriegs- Erlebnissen des Versicherten anbelangt, weist der psychiat rische Gutachter der B.____ zu Recht darauf hin, dass in den übrigen Akten bis heute ke ine solche Diagnose oder entspre- chend korrespondierende Befunde erhoben worden sind. Insbesondere lassen sich den anam- nestischen Angaben weder im Gutachten des D.____ vom 3. Januar 2002 noch im Gutachten von Dr. E.____ vom 26. Mai 2003 allfällige Hinweise au f das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung entnehmen, wie sie von Dr. C.____ p ostuliert worden ist. Der psychiatrische Gutachter der B.____ erwähnt in seiner aktuellen Beurteilung zwar, dass die Kriegserfahrungen den Versicherten noch heute belasten würden. Er verneint jedoch das Vorliegen einer post- traumatischen Belastungsstörung mit der nachvollziehbaren Begründung, dass der Versicherte auf die Ereignisse relativ adäquat reagiere. Zumal de n rapportierten Albträumen auch gemäss Dr. C.____ kein unmittelbarer Einfluss auf die Arbeit sfähigkeit des Versicherten zugeschrieben werden kann, ist die Einschätzung der B.____ in diesem Z usammenhang letztlich nicht zu be- anstanden. 5.5.2 Mit Blick auf die von Dr. C.____ gestellte Diagn ose einer rezidivierenden depressiven Störung mit leichten bis mittelschweren Episoden ist dar auf hinzuweisen, dass einer solchen Symptomatik regelmässig keine invalidisierende Wirkung zuko mmt (Urteil des Bundesgerichts 8C_689/2014 vom 19. Januar 2015). Die Frage, ob von einer Schmerzstörung im Sinne eines unklaren Beschwerdebildes auszugehen ist, entscheidet sich vielmehr danach, ob die depressi- ven Episoden lediglich als Begleiterscheinung der Schme rzentwicklung oder als selbständiges, davon losgelöstes Leiden anzusehen sind (Urteil des Bund esgerichts 9C_173/2015 vom 29. Juni 2015 E. 4.2.2). Nur im zweiten Fall liegt kein un klares Beschwerdebild, sondern ein selb- ständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes psychiatri sches Leiden vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_420/2014 vom 27. November 2014). Vorliegend ist auf der Basis der Grundlagen für die ursprüngliche Rentenzusprache davon auszugehen, dass sich die depressi- ve Entwicklung des Versicherten jedoch als Folge seiner Sch merzproblematik entwickelt hat. Sowohl Dr. E.____ als auch die Gutachter des D.____ h atten die anhaltende somatoforme Schmerzstörung in ihren Gutachten vom 3. Januar 2002 bzw . 26. Mai 2003 bereits in den Vor- dergrund ihrer Diagnosen gesetzt. Insbesondere Dr. E.__ __ hatte schon dazumal ausdrücklich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit depressiv er Fehlentwicklung erhoben. Nichts anderes ergibt sich in Bezug auf die aktuellen ge sundheitlichen Verhältnisse aber aus den Berichten von Dr. C.____, wonach der Versicherte m it seinen chronischen Schmerzen überfordert zu sein scheine und darauf bislang vergebe ns depressiv reagiert habe. Bei dieser Aktenlage erhellt, dass eine allfällige, nach wie vor b estehende depressive Problematik von der von allen Fachpersonen übereinstimmend diagnostizierten Schmerzstörung unterhalten wird. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Schweregrad der depressiven Episoden wird von Dr. C .____ zudem lediglich als leicht bis mittelschwer bezeichnet. Gegenüber der aktuellen psychiat rischen Begutachtungsergebnisse, wonach beinahe keine depressiven Symptome erhoben werden konnten (vgl. B.____- Gutachten vom 28. August 2013, S. 20), hält sich die Diskr epanz zu den von der B.____ erho- benen Befunden daher ohnehin in Grenzen. Eine allfäl lige depressive Begleiterkrankung des Versicherten ist mit Blick auf die erwähnte Rechtsprechung somit als Begleiterkrankung der Schmerzstörung zu qualifizieren. Diese hat sich den Akten zufolge erst im Zuge einer Schmerz- verstärkung entwickelt und wird seither offensichtlich dur ch die anhaltende Schmerzstörung aufrechterhalten. Die von Dr. C.____ erhobenen depre ssiven Episoden entsprechen daher kei- ner verselbständigten psychischen Erkrankung. 5.5.3 Daran ändert auch nichts, dass gemäss Dr. C.____ a ndauernde, chronische Schmer- zen das klinische Bild beherrschen würden, deren organische r Hintergrund nicht völlig habe geklärt werden können. Entgegen der mithin von ihm ver tretenen Auffassung, dass diese teils eben doch somatisch bedingten Schmerzen eine Arbeitsfäh igkeit verunmöglichen würden, hin- dert ein organischer Kern die Einordnung einer Beeint rächtigung als Schmerzstörung nicht. Vielmehr zeichnen sich solche Störungen gemäss den massgeb enden Klassifikationskriterien der ICD-10 gerade dadurch aus, dass ein pathophysiologisch definierter Prozess oder Struktur- schaden die geklagten Beschwerden nicht hinreichend genug erklären kann. Eine körperliche Störung im Sinne des von der B.____ aktuell ebenfalls diagnostizieren, diffusen chronischen Schmerzsyndroms ist als Ausgangspunkt der psychiatrischen Prob lematik daher geradezu vo- rausgesetzt. Damit aber ist zugleich gesagt, dass auch der radiologische Befund der H.____ vom 19. Mai 2015 nichts daran ändern kann, dass die als kör perlich wahrgenommenen Be- schwerden des Versicherten vor allem der Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung zu- zuschreiben sind. Vor diesem Hintergrund ist die Einschätz ung der Gutachter der B.____ aber nicht zu beanstanden. Auf deren Gutachten vom 28. Augu st 2013 kann daher abgestellt wer- den. Zu prüfen bleibt, ob die vorliegenden medizinisch en Unterlagen eine schlüssige Beurtei- lung im Lichte der massgebenden Indikatoren gemäss der aktuellen Rechtsprechung erlauben. 6.1 Mit Leitentscheid vom 3. Juni 2015 hat das Bundesg ericht seine Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung von somatoformen Schmerzstörunge n und vergleichbaren psycho- somatischen Leiden revidiert und sich von der bisherigen Überwindbarkeitsvermutung verab- schiedet (BGE 141 V 281 ff.). Die Rechtsprechungsänderun g findet grundsätzlich auch auf lau- fende Verfahren wie auf die vorliegend strittige Rent enaufhebung Anwendung. Eine Einschrän- kung der Leistungsfähigkeit kann deshalb weiterhin nur anspruchserheblich sein, wenn sie Fol- ge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist. Auch künftig wird der Rentenanspruch – in Nachachtung der verfassungs - und gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 (Rechtsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2 A TSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurtei- lung) – anhand eines normativen Prüfrasters – beurtei lt, und es braucht eine medizinische Evi- denz, dass die Erwerbsunfähigkeit aus objektiver Sicht eingeschränkt ist. Indes trägt das Bun- desgericht der seit längerem namentlich aus medizinischer, aber auch aus juristischer Sicht an der bisherigen Schmerzrechtsprechung geäusserten Kritik Rechnung und hält an der Über- windbarkeitsvermutung nicht weiter fest. Anstelle des bi sherigen Regel/Ausnahme-Modells tritt Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht ein strukturiertes, normatives Prüfraster. In dessen Ra hmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindika toren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressou rcen Rechnung getragen wird (Ur- teil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2015, 9C_899/2014, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). 6.2 Zwar hatten die Ärzte bereits bis anhin ihre Stell ungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist. Die diesbezüglichen Anforde- rungen hat das Bundesgericht aber nunmehr dahin gehend konkretisiert, dass aus den medizi- nischen Unterlagen genauer als bisher ersichtlich sein muss, welche funktionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen A usfällen bei objektivierter Zumutbarkeits- beurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargeta n werden kann, trägt weiterhin die ma- teriell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. E ine anhaltende somatoforme Schmerz- störung und vergleichbare Leiden können somit eine Inval idität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlich en Anspruchsgrundlage im Einzel- fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider spruchsfrei mit zumindest überwiegen- der Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Au smass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6). 6.3 Geht es darum, den medizinischen Sachverhalt im Licht e dieser neuen höchstrichterli- chen Schmerzrechtsprechung zu würdigen, so bleibt in i ntertemporalrechtlicher Hinsicht auf Folgendes hinzuweisen: Laut Bundesgericht verlieren die gemäss altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten – wie das hier vorliegende Guta chten der B.____ vom 28. August 2013 – nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahme n einer gesamthaften Prüfung des Ein- zelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrun dlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-b eweisrechtlich geänderten Anforde- rungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die b eigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfal ls im Kontext mit weiteren fachärztli- chen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte d er massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8 mit Hinweis). 6.4.1 Das Bundesgericht hat die massgeblichen Abklärunge n in zwei Bereiche eingeteilt: In einem ersten Teil sind unter dem Stichwort des funktion ellen Schweregrades drei Indikatoren- Komplexe zu klären, welche wiederum in weitere Indikato ren unterteilt sind. In einem zweiten Teil sind die Ergebnisse aus dem ersten Teil einer Konsistenzprüfung zu unterziehen. 6.4.2 Der erste Indikatoren-Komplex steht unter dem Ti tel “Gesundheitsschädigung“. Dabei stellt sich zunächst die Frage nach der Ausprägung der d iagnoserelevanten Befunde. Zu würdi- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen ist unter dem Aspekt der Schwere des Krankheitsgesc hehens, wie stark die Alltagsfunktio- nen beeinträchtigt sind und ob Hinweise auf Aggravation oder Simulation ersichtlich sind. Aus dem psychiatrischen Teilgutachten der B.____ geht hervor , dass beim Beschwerdeführer mit Ausnahme eines leicht eingeschränkt affektiven Rapportes i nsgesamt ein normaler psychopa- thologischer Befund erhoben werden konnte. Er lebt zusa mmen mit seiner Ehefrau und seinen fünf Kindern in einer gemeinsamen Wohnung und verfo lgt einen passiven, nichts desto trotz aber durchaus strukturierten Tagesrhythmus. Mit Ausnahme der Tatsache, dass er seine Ehe- frau zum Einkaufszentrum fahre, beteiligt er sich schmerzb edingt zwar nicht am Haushalt, un- ternimmt jedoch halbtags offensichtlich regelmässig kurze Spaziergänge (a.a.O., S. 12). Auch wenn er seinen Alltag vorwiegend zu Hause verbringt, ist seinen anamnestischen Angaben bis auf ein allgemeines Desinteresse nichts zu entnehmen, was den Beschwerdeführer in seinen Alltagsfunktionen überdurchschnittlich beeinträchtigen w ürde. So trifft er sich gelegentlich mit Kollegen und besucht häufig seine Geschwister in der Region. Entgegen der Einschätzung von Dr. C.____ bestanden im Z eitpunkt der Untersuchung der B.____ sodann keine Hinweise für eine Selbst- oder Fre mdgefährdung. Ebenso wenig haben sich aus den Schilderungen des Versicherten allfällige Hinweise auf eine Antriebsveränderung ergeben. Aus dem B.____-Gutachten geht im Weiteren h ervor, dass die deutlichen Diskrepan- zen zwischen den somatisch objektivierbaren Befunden und de n subjektiv beklagten Be- schwerden offenbar auch auf eine bewusste Aggravation zurü ckzuführen sind. So präsentierte der Versicherte ein stark verdeutlichendes Verhalten (vgl. a.a.O., S. 24 und 26) und erschwerte insbesondere die neurologische Exploration durch ausgeprä gtes demonstratives Verhalten (vgl. a.a.O., S. 27). Bereits anlässlich der Begutachtung durch das D.____ im Jahre 2002 war die Untersuchung durch eine extrem mangelnde Kooperat ion verunmöglicht worden (vgl. D.____-Gutachten vom 3. Januar 2002, S. 14). Auch das an lässlich der psychiatrischen Begut- achtung durch Dr. E.____ im Jahre 2003 festgestellte Ver haltensmuster wurde als appellativer Ausdruck demonstrativer Hilflosigkeit qualifiziert. Es ist daher zweifelsohne von einer klaren Überlagerung mit deutlichen Ausweitungstendenzen auszugehen. 6.4.3 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht d en Behandlungs- und Eingliede- rungserfolg. Dabei sind Verlauf und Ausgang der bisher durchgeführten Therapien und Einglie- derungsversuche zu würdigen, und es ist zu prüfen, ob di e therapeutischen Möglichkeiten aus- geschöpft wurden. Dies ist vorliegend zu verneinen. Dem p sychiatrischen Gutachten der B.____ zufolge sind aufgrund der subjektiv ausgeprägten Krankheitsüberzeugung keine er- folgsversprechenden, beruflichen Massnahmen durchführbar. In Bezug auf bisherige Therapien geht daraus hervor, dass sich der Beschwerdeführer zwar sei t vielen Jahren in einer ambulan- ten psychiatrischen sowie psychopharmakologischen Behandlung befindet. Diese erweist sich aber als nicht notwendig, um die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen, da er an keiner Erkrankung leidet, welche seine Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht einschränken würde (vgl. a.a.O., S. 22). Auch wenn sie sich durch weiterführende psychiatrische Beh andlungen kaum beeinflussen las- sen dürfte, kann insbesondere aber nicht von einem defi nitiven Scheitern einer mit optimaler Kooperation des Versicherten durchgeführten Therapie g esprochen werden. So ist festzustel- len, dass der Beschwerdeführer bisher nie in einer stati onären psychiatrischen Behandlung ge- standen ist. Die therapeutischen Möglichkeiten sind somi t noch nicht ausgeschöpft worden Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht (vgl. a.a.O., S. 20). Der Umstand, dass die bisherigen t herapeutischen Bemühungen geschei- tert sind, hängt vielmehr auch damit zusammen, dass der Explorand auf Grund seiner ausge- prägten Krankheitsüberzeugung wenig Motivation zeigt, si ch trotz allfälliger Restbeschwerden aktiv um seine Genesung zu bemühen und sich den Belastungen der Arbeitswelt wieder auszu- setzen. 6.4.4 Als weiterer Indikator sind die Komorbiditäten zu würdigen. Der psychischen Komorbi- dität ist nach der neuen Praxis keine vorrangige Bedeut ung mehr einzuräumen, vielmehr sind auch körperliche Begleiterkrankungen zu würdigen. Vor liegend liegt neben der chronischen Schmerzstörung keine weitere psychiatrische Diagnose vor. All fällige depressive Episoden werden von der somatoformen Schmerzstörung unterhalten u nd können daher keine eigen- ständige Geltung beanspruchen (vgl. oben, Erwägung 5.5. 2 hiervor). Als körperliche Begleiter- krankung liegt einzig ein diffuses chronisches, panvertebra les und zervikozephales Schmerzsyndrom vor. Dieses vermag die geklagten Beschwerde n des Versicherten ebenso wenig zu erklären wie die radiologischen Befunde (vgl. oben, Erwägung 5.5.3 hiervor). Da der Versicherte sowohl in seiner angestammten Tätigkeit als H ilfsdachdecker als auch in einer all- fälligen Verweistätigkeit vollständig arbeitsfähig ist, ist das Kriterium einer allfälligen Komorbidi- tät insgesamt somit nicht erfüllt (vgl. ebenso B.____-Gutachten, S. 20). 6.4.5 Im zweiten, die Persönlichkeit betreffenden Ind ikatoren-Komplex wird nach der Persön- lichkeitsentwicklung und der Persönlichkeitsstruktur gefragt , und es sind die persönlichen Res- sourcen des Versicherten zu eruieren. Aus dem B.____-Guta chten geht hervor, dass der Be- schwerdeführer in seiner Urteilsbildung nicht gestört ist. Sein Gedankengang ist formal unauffäl- lig. Zeichen für eine Konzentrationsschwäche oder für eine Einengung des Denkens sind keine vorhanden. Damit besteht grundsätzlich auch ein bewusstsein sklarer Realitätsbezug (vgl. a.a.O., S. 17 f.). In neurologischer Hinsicht steh en ihm alle Ressourcen eines jungen, ge- sunden Mannes zur Verfügung. Aufgrund der gutachterlich erhobenen guten Integration in sei- ner Grossfamilie kann ausserdem davon ausgegangen werd en, dass er über adäquate inter- personelle Kompetenzen verfügt (vgl. a.a.O., S. 12). D ie persönlichen Ressourcen sind insge- samt deshalb noch umfassend genug erhalten, um einer Tä tigkeit nachgehen zu können (vgl. a.a.O., S. 21 und 27). 6.4.6 Im dritten Indikatoren-Komplex ist unter dem Ti tel „sozialer Kontext“ eine Abgrenzung der psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorzuneh men. Diese Faktoren bleiben als invaliditätsfremd unbeachtlich. Im vorliegenden Fall f ührt der psychiatrische Fachgutachter der B.____aus, dass die schlechte Arbeitsprognose im Wesentl ichen mit IV-fremden Faktoren zu begründen sei. Verantwortlich seien die Migrationsprob lematik, bescheidene Deutschkenntnis- se, eine fehlende Berufsausbildung sowie unter andere m auch eine länger andauernde Er- werbsabstinenz (vgl. a.a.O., S. 31). Insgesamt bestehen so mit erhebliche psychosoziale Ein- flüsse auf das Krankheitsgeschehen. 6.4.7 Als weiteren Indikator nennt das Bundesgericht in diesem Indikatoren-Komplex – wie auch im Indikatoren-Komplex der Persönlichkeit – die Er uierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds. Beachtlich sind dabei die Verankerung u nd die Vernetzung im sozialen Um- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht feld und die daraus mobilisierbaren Ressourcen der versiche rten Person. Der Beschwerdefüh- rer lebt zusammen mit seiner Ehefrau und seinen fünf Kindern im gleichen Haushalt. Er verfolgt zwar einen eher passiven, dennoch aber strukturierten T agesrhythmus. Auch wenn er sich mit Ausnahme der Autofahrten zusammen mit seiner Ehefrau ins Einkaufszentrum schmerzbedingt nicht am Haushalt beteiligt, trifft er sich hin und wieder offenbar mit Kollegen und besucht öfters seine in der Region lebenden Geschwister. Von seinem so zialen Umfeld geht somit zweifellos auch weiterhin eine nicht unbeachtliche Stütze aus (vgl. B.____-Gutachten, S. 20 und 21). 6.5 Anhand der ermittelten Indikatoren ist schliesslich e ine „Konsistenzprüfung“ vorzuneh- men. Dabei ist zu prüfen, ob die vom Gutachter festgest ellten Auswirkungen auf die Leistungs- fähigkeit aufgrund des medizinisch festgestellten Gesundheitsschadens anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein lichkeit nachgewiesen sind. Ein wichtiger Indikator ist dabei die Frage, ob die diskuti erte Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit gleich ausgeprägt ist wie die Einschränkungen in den sonstigen Lebensbereichen. Ferner ist zu beachten, ob die versicherte Person Therapieangebote w ahrnimmt oder mögliche Behandlun- gen auslässt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer insbeso ndere noch nie eine stationäre Be- handlung in Anspruch genommen. Eine 2003 begonnene berufliche Abklärung musste aufgrund des auch aktuell festgestellten auffälligen Schonverha ltens bereits nach rund einer Woche wie- der abgebrochen werden (vgl. Abklärungsbericht I.____ vo m 29. Januar 2003, S. 4). Dieses bereits dazumal festgestellte Schon- und Schmerzverhalte n deckt sich daher im Wesentlichen mit den aktuellen Befunden (vgl. Abschlussbericht beruf liche Massnahmen vom 12. Februar 2003). Ausser einem Schmerzmittelkonsum mit Dafalgan so wie rheumatischen Crèmes und Pflastern besteht ausserdem aktuell keine spezifische soma tische Therapie mehr (vgl. B.____- Gutachten, S. 14). Dies ist als Indiz dafür zu werten, da ss der geschilderte Schmerz grösser ist als der tatsächlich erlebte. In diese Richtung weist auch die Tatsache, dass die anlässlich der neurologischen Exploration durch die B.____ geklagten B eschwerden nicht objektivierbar, son- dern als funktionell zu interpretieren waren (vgl. a.a. O., S. 27). Aufgrund der erwähnten Indika- toren sind insgesamt beträchtliche Restressourcen erkenn bar, welche mit Blick auf eine künfti- ge Arbeitstätigkeit auch im Rahmen des Erwerbslebens ver wertbar sein dürften. Die fehlenden Einschränkungen des Beschwerdeführers im Alltag stehen de mnach durchaus im Einklang mit der von den Gutachtern der B.____ entsprechend veransch lagten, vollständigen Arbeitsfähig- keit des Beschwerdeführers. 7. Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass das polydisziplinäre Gutachten der B.____ vom 28. August 2013 genügend Aufschluss über die massgeblichen Indikatoren gibt. Die von den Gutachtern der B.____ vorgenommene Zumutbarkeitsbeurteilung erweist sich auch in Würdigung der nach neuer Rechtsprechung zu be rücksichtigenden Indikatoren als überzeugend. Das fragliche Gutachten lässt mithin eine z uverlässige Beurteilung der verblei- benden Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu, weshalb in a ntizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf al lfällige zusätzliche Abklärungen ver- zichtet werden kann. Insgesamt resultiert in medizinischer Hinsicht, dass der Beschwerdeführer weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfsdach decker noch in einer adaptierten Tätig- keit eine Leistungsbeeinträchtigung aufweist. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.1 Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men (vgl. Art. 16 ATSG). Dieser Einkommensvergleich ist zwischen den Parteien grundsätzlich zu Recht unbestritten geblieben. Auf der Basis der Angaben des ehemaligen Arbeitgebers d es Versicherten ergibt sich ein seit 2000 an die Nominallohnentwicklung per 2015 angepasstes, hypothetisches Valideneinkommen als ehemaliger Hilfsdachdecker in der Höhe von CHF 61‘4 61.— pro Jahr (vgl. Arbeitgeberfragebogen vom 13. Januar 2000). Aus der Gegenüberstellung mit dem an- hand des Totalwerts der schweizerischen Lohnstrukturerhebu ng zu bemessenden und an die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden anzupa ssenden Invalideneinkommen von jährlich CHF 62‘415.— für leichte Arbeiten (vgl. LS E 2010, Tabelle TA1, Totalwert, Männer, Anforderungsprofil 4, CHF 4‘901.— x 12 Monate / 40 x 41 ,7 Stunden zuzüglich Nominallohn- entwicklung von + 1,8%) resultiert keine Erwerbseinbusse und damit auch kein IV-Grad. Die bisher ausgerichtete IV-Rente ist somit aufzuheben. 8.2 Daran ändert auch nichts, dass über die ärztliche Bezeichnung der massgebenden Zumutbarkeitsbeurteilung hinaus zusätzlichen Einschränkungen mit einem leidensbedingten Abzug bis maximal 25% Rechnung getragen werden kann. Im vorliegenden Fall liesse sich kaum ein leidensbedingter Abzug begründen. So rechtfe rtigt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung der Umstand, dass eine vollzeitlich arbeit sfähige versicherte Person gesund- heitlich bedingt nur reduziert leistungsfähig ist, grun dsätzlich keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2011, 9C_582/ 2011, E. 3.1). Auch im vorliegen- den Fall ist der Versicherte weiterhin vollzeitlich arb eitsfähig. Weitere Kriterien, die eine Erhö- hung des Abzuges vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind ebenfalls nicht ersichtlich. So nehmen sowohl die Bedeutung des Alters als auch diejenig e der Dienstjahre der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, weshalb d iese Faktoren bei einfachen und repetiti- ven, dem Anforderungsniveau 4 der LSE 2010 entsprechend en Tätigkeiten keinen Anlass zu einem Abzug vom Tabellenlohn geben (BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Unbesehen dessen resultiert selbst bei einem maximal zulässigen Abzug von 25% kein Ren ten begründender IV-Grad. Das Invalideneinkommen beliefe sich diesfalls auf CHF 46‘8 11.—, weshalb sich bei einer Erwerbs- einbusse von CHF 14‘650.— ein IV-Grad von 24% ergeben würde. 8.3 Damit bleibt es so oder anders bei einem IV-Grad unter 40%. Die Vorinstanz hat den Rentenanspruch des Versicherten ab dem ersten Tag des zwe iten, der angefochtenen Verfü- gung vom 12. Mai 2015 folgenden Monats (vgl. Art. 88 bis Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, vom 17. Januar 1961) im Ergeb nis somit zu Recht verneint, wes- halb die hiergegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 9. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von CHF 200.— bis CHF 1‘000.— festgelegt . Bei Fällen wie dem vorliegen- den, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kost enrahmens einheitlich auf CHF 600.— fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfah renskosten in der Regel der unter- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht liegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vor liegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ih m aufzuerlegen sind. Dem Beschwerde- führer ist nun allerdings mit Verfügung vom 27. Augu st 2015 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahr enskosten vorläufig auf die Gerichts- kasse genommen. Der Beschwerdeführer wird allerdings auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewä hrt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Die ausserordentl ichen Kosten sind bei dem nicht vertrete- nen Beschwerdeführer wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 600.— werd en dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.