Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 8. Dezember 2015 (460 15 70) ____________________________________________________________________ Strafrecht Versuchte schwere Körperverletzung (evtl. einfache Körperverletzung und Angriff; subevtl. Tötung) etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref. ), Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabtei- lung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin A.____ , vertreten durch Advokat Dr. Christian von Wartburg, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen, Privatkläger und Berufungskläger gegen B.____ , vertreten durch Advokat Marco Albrecht, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Versuchte schwere Körperverletzung (evtl. einfache Körperver- letzung und Angriff; subevtl. Tötung) etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-L andschaft vom 21. November 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Mit Urteil vom 21. November 2014 erklärte die Drei erkammer des Strafgerichts Basel- Landschaft B.____ des Raufhandels schuldig und veru rteilte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je CHF 30. ‒, bei einer Probezeit von 2 Jahren; dies unter Anrechnung der vom 2. März 2010 bis zum 3. März 201 0 und am 30. Mai 2010 ausgestande- nen Untersuchungshaft von insgesamt 3 Tagen (Ziffer 1 des Urteilsdispositivs). Demgegenüber wurde B.____ von der Anklage der versuchten schwere n Körperverletzung sowie der Nötigung freigesprochen (Ziffer 2 des Urteilsdispositivs). D ie Schadenersatz- und Genugtuungsforderung von A.____ wurde abgewiesen, ebenso wie dessen Ents chädigungsforderung gemäss Art. 433 StPO (Ziffern 3–4 des Urteilsdispositivs). Überdies auferlegte die Vorinstanz die Verfahrenskos- ten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von CHF 11'389.60 und der Gerichtsgebühr von CHF 4'000.‒, in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO je hälftig zu Lasten von B.____ so- wie zu Lasten des Staates (Ziffer 5 des Urteilsdispositivs). Zu guter Letzt setzte das Strafgericht die Kosten der amtlichen Verteidigung fest (Ziffer 6 des Urteilsdispositivs). Urteil Genis erwähnen B. Zudem wurde mit separatem Urteil der Dreierkammer des Strafgerichts Basel- Landschaft, ebenfalls vom 21. November 2014, C.____ der versuchten schweren Körperverlet- zung, des Raufhandels, der Hinderung einer Amtshand lung, der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, der mehrfachen groben Verletzung von Verkehrsregeln, des Fahrens in fahrun- fähigem Zustand, des Fahrens ohne Berechtigung sowi e des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern schuldig erklärt und zu einer bedingt vol lziehbaren Freiheitsstrafe von 22 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungsha ft von insgesamt 3 Tagen, zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je CHF 80. ‒, jeweils bei einer Probe- zeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 3‘0 00. ‒, verurteilt. Ferner wurde C.____ der Beschimpfung schuldig erklärt; von einer Bestrafung wurde jedoch in Anwendung von Art. 177 Abs. 3 StGB abgesehen (Ziffer 1 des Urteilsdisposit ivs). Demgegenüber wurde C.____ von der Anklage der Gefährdung des Lebens, der versuchten N ötigung sowie der versuchten Drohung freigesprochen (Ziffer 2 des Urteilsdispositivs). I m Weiteren hoben die Vorderrichter die Be- schlagnahme des Schlagstocks auf (Ziffer 3) und entschieden, die Schadenersatzforderung von A.____ in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 StPO auf de n Zivilweg zu verweisen sowie dessen Genugtuungsforderung abzuweisen (Ziffer 4). Hingegen wurde C.____ dazu verurteilt, in solida- rischer Haftung mit D.____, soweit und im Umfang, i n welchem dieser ebenfalls haftet, A.____ gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in der Höhe von CHF 10‘446.05 zu bezahlen. Die Mehrforderung wurde auf den Zivilweg verwiesen (Ziffer 5 des Urteilsdispositivs). Ferner legte die Vorinstanz fest, dass die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfah- rens von CHF 17‘638.50 und der Gerichtsgebühr von C HF 6‘000. ‒, dem Beurteilten auferlegt werden (Ziffer 6 des Urteilsdispositivs). Im Übrigen wird bezüglich des Urteils gegen den Mitbe- schuldigen C.____ vom 21. November 2014 sowie der gegen dieses Urteil erhobenen Berufung des Privatklägers A.____ auf die Verfahrensakten so wie auf das separat ergehende Urteil der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 8. Dezember 2015 betref- fend C.____ (Verfahrensnummer: 460 15 71) verwiesen. C. Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 21. November 2014 in Sachen B.____ haben der Beschuldigte mit Eingabe vom 25. November 2014 sowie der Privatkläger A.____ mit Schreiben vom 1. Dezember 2014 die Berufung angemel det. Mit Eingaben vom 10. April 2015 (Beschuldigter) bzw. vom 14. April 2015 (Privatkläg er) sind die Berufungserklärungen einge- reicht worden. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft mit Schreiben vom 29. April 2015 die Anschlussberufung erklärt. D. In seiner Berufungserklärung vom 10. April 2015 wu rde das Urteil der Vorinstanz von B.____ bezüglich der Verurteilung wegen Raufhandels sowie im Kostenpunkt angefochten, wo- bei er einen Freispruch vom Vorwurf des Raufhandels unter entsprechender Kostenfolge bean- tragte. Eventualiter – für den Fall der Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils – begehrte der Beschuldigte, dass ihm 1/10 der Verfahrenskosten au ferlegt werden, und er von der Rückzah- lung der Kosten der amtlichen Verteidigung befreit werde. E. In seiner Berufungsbegründung vom 3. August 2015 b eantragte der Privatkläger A.____ Folgendes: "1. Es sei der Berufungsbeklagte in Gutheissung der B erufung und in Abänderung des Urteils des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 21. November 2014 wegen versuch- ter Tötung schuldig zu sprechen und zu bestrafen. 2. Eventualiter sei der Berufungsbeklagte in Guthei ssung der Berufung und in Abände- rung des Urteils des Strafgerichts vom 21. November 2014 wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig zu sprechen und zu bestrafen. 3. Es sei der Berufungsbeklagte in Gutheissung der Berufung und Abänderung des Urteils des Strafgerichts vom 21. November 2014 zu verurteilen, dem Berufungs- und Privatkläger in solidarischer Haftung mit C.___ _ und D.____ Schadenersatz in Höhe von CHF 18'035.50 zuzüglich Zins zu 5% seit de m 19. Oktober 2009 zu be- zahlen. 4. Es sei der Berufungsbeklagte in Gutheissung de r Berufung und in Abänderung des Urteils des Strafgerichts vom 21. November 2014 zu verurteilen, dem Berufungs- und Privatkläger in solidarischer Haftung mit C.___ _ und D.____ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 25'000.-- zuzüglich Zins zu 5% seit dem 19. Oktober 2009 zu bezahlen. 5. Es sei der Berufungsbeklagte in Gutheissung de r Berufung und in Abänderung des Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Urteils des Strafgerichts vom 21. November 2014 zu verurteilen, dem Berufungs- und Privatkläger in solidarischer Haftung mit C.___ _ und D.____ eine Parteient- schädigung für das erstinstanzliche Verfahren in de r Höhe von gesamthaft CHF 13'327.55 zu bezahlen. 6. Es sei dem Berufungs- und Privatkläger gestützt a uf Art. 436 StPO eine angemes- sene Parteientschädigung für das Berufungsverfahren zuzusprechen. 7. Unter o/e Kostenfolge." Zudem stellte der Privatkläger in der Berufungserkl ärung vom 14. April 2015 folgende Beweis- und Verfahrensanträge: "1. Es sei Herr D.____ als Auskunftsperson zu laden u nd zu befragen. 2. Es sei Frau E.____ als Zeugin zu laden und zu befragen. 3. Es sei der Verteidigung gestützt auf Art. 403 Abs. 4 StPO eine angemessene Frist zur Begründung der Berufung zu gewähren." F. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beantragte in ihrer Anschlussberufungserklä- rung vom 29. April 2015 und der ergänzenden Begründ ung der Anschlussberufungserklärung vom 10. Juni 2015, der Beschuldigte sei im Fall 1 z usätzlich der versuchten schweren Körper- verletzung schuldig zu erklären und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 16 Mona- ten zu verurteilen. Im Übrigen sei das vorinstanzli che Erkenntnis vom 21. November 2014 in Abweisung der Berufung des Beschuldigten und des Pr ivatklägers in allen anderen Punkten zu bestätigen. G. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügunge n des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, so wurd e dem Beschuldigten B.____ mit Verfügung vom 11. Mai 2015 die amtliche Verteidigung mit Advo kat Marco Albrecht für das zweitinstanzli- che Verfahren bewilligt. Mit derselben Verfügung vo m 11. Mai 2015 wurde entschieden, dass das Kantonsgericht die beiden Verfahren 300 13 345 und 300 13 385 (kantonsgerichtliche Ver- fahrensnummern: 460 15 70 und 460 15 71) in der gle ichen Berufungsverhandlung beurteilt. Schliesslich wurden mit Verfügung vom 15. Oktober 2 015 die Beweisanträge des Privatklägers, es seien D.____ als Auskunftsperson und E.____ als Zeugin vor Kantonsgericht zu laden und zu befragen, abgewiesen. H. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlun g vom 7./8. Dezember 2015 er- scheinen B.____ mit seinem amtlichen Verteidiger Ad vokat Marco Albrecht, C.____ mit seinem Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht amtlichen Verteidiger Advokat Roman Felix, Advokat Dr. Christian von Wartburg als Vertreter des Privatklägers A.____ sowie S.____ als Vertreter in der Staatsanwaltschaft. Auf die Aussa- gen des zur Person und zur Sache eingehend befragten Beschuldigten sowie auf die Plädoyers der amtlichen Verteidiger und der Staatsanwaltschaft wird im Übrigen, soweit erforderlich, nach- folgend in den Erwägungen eingegangen. Die Parteien halten an den bereits gestellten Rechts- begehren fest, wobei der Privatkläger ergänzend den Verfahrensantrag stellt, die Jacke, welche er beim Vorfall vom 19. Oktober 2009 getragen habe, sei zu den Akten zu nehmen. Erwägungen I. Formelles Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgesch lossen worden ist. Es können Rechtsver- letzungen, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemes- senheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht d as Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinsta nzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Er- öffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzum elden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklä- rung einzureichen. Jede Partei, die ein rechtlich g eschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ist zur Berufung le gitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 401 Abs. 1 StPO richtet sich die Anschlussberufung sinngemäss nach Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO. Die Frist beträgt 20 Tage ab Empfang der Beru fungserklärung der Gegenpartei (vgl. Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO sowie L UZIUS EUGSTER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 401 N 1). Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Basel- Landschaft vom 21. November 2014 ange- fochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt g emäss Art. 398 Abs. 1 StPO darstellt. Bei- de Berufungskläger haben fristgerecht die Berufung angemeldet. Das schriftlich begründete Urteil der Vorinstanz wurde ihnen in der Folge am 2 6. März 2015 zugestellt, woraufhin sie mit ihren Eingaben vom 10. April 2015 (B.____) bzw. 14. April 2015 (Privatkläger) die Berufungser- klärung rechtzeitig beim Kantonsgericht eingereicht haben. Ebenso erfolgte die Anschlussberu- fungserklärung der Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 29. April 2015 innert der 20-tägigen Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO. Die Zustä ndigkeit der Dreierkammer des Kantonsge- richts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorlie- genden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Ein- führungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessor dnung (EG StPO, SGS 250). Da sämtli- che formellen Voraussetzungen erfüllt sind, kann so wohl auf die Berufungen des Privatklägers Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und des Beschuldigten als auch auf die Anschlussber ufung der Staatsanwaltschaft eingetreten werden. II. Materielles A. Allgemeines Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 8 2 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des i n Frage stehenden Sachverhalts auf die Be- gründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dies er beipflichten. Hingegen ist auf neue tat- sächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzu gehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). Der Einfachheit halber folgt das Kantonsgericht, wi e bereits die Berufungsbegründungen, grundsätzlich dem Aufbau des angefochtenen Urteils. Nachfolgend werden die Einwände der Parteien gegen das vorinstanzliche Urteil im Einzelnen beurteilt. B. Gegenstand des Berufungsverfahrens Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungs gericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rechtsschriften sowie der anlässlich der heuti- gen Hauptverhandlung gehaltenen Parteivorträgen zei gt sich, dass grundsätzlich das gesamte Urteil des Strafgerichts vom 21. November 2014 zur Disposition steht, mit den folgenden Aus- nahmen: – Freispruch von der Anklage der Nötigung (Urteilsd ispositiv-Ziffer 2); – ziffernmässige Festsetzung der Verfahrenskosten ( Urteilsdispositiv-Ziffer 5), nicht aber de- ren Tragung; – Bestimmung der Entschädigung der amtlichen Vertei digung (Urteilsdispositiv-Ziffer 6), nicht aber die Ausgestaltung der Rückzahlungsverpflichtung des Beschuldigten. Mit Blick auf die Berufungs- bzw. Anschlussberufung sgegenstände kann das Urteil gegenüber dem Beschuldigen B.____ sowohl verschärft als auch gemildert werden und zwar von einem Schuldspruch der versuchten vorsätzlichen Tötung (H auptantrag des Privatklägers) über den Schuldspruch der versuchten schweren Körperverletzu ng (Antrag der Staatsanwaltschaft und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eventualantrag des Privatklägers), den Schuldspruch wegen Raufhandels (vorinstanzliches Urteil) bis hin zu einem vollständigen Freispruch (Antrag des Beschuldigten). C. Beweisanträge 1. Art. 389 StPO bestimmt (unter dem Randtitel "Beweis ergänzungen") Folgendes: Das Rechtsmittelverfahren beruht auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind (Abs. 1). Beweisabnahmen des erstinstanzlichen Gerichts werden nur wiederholt, wenn (lit. a) Beweisvorschri ften verletzt worden sind, (lit. b) die Beweis- erhebungen unvollständig waren, oder (lit. c) die A kten über die Beweiserhebungen unzuver- lässig erscheinen (Abs. 2). Die Rechtsmittelinstanz erhebt von Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise (Abs. 3). 2. Der Privatkläger wiederholt vor den Schranken des K antonsgerichts seinen in der Beru- fungserklärung vom 14. April 2015 gestellten Antrag , wonach D.____ als Auskunftsperson zu laden und zu befragen sei. Dieses Begehren ist abzuweisen, wobei zunächst voll umfänglich auf die ausführliche Begrün- dung der verfahrensleitenden Verfügung vom 15. Okto ber 2015 verwiesen werden kann. Er- gänzend gilt es festzuhalten, dass D.____ derzeit u nbekannten Aufenthaltes ist – gemäss den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll er sich i rgendwo in Kurdistan aufhalten (vgl. Prot. S. 10) – und somit nicht greifbar ist. Der Antrag, die Jacke, welche der Privatkläger zur Tatzeit ge- tragen habe, sei zu den Akten zu nehmen, wird demge genüber in Nachachtung des Wahrheits- und Untersuchungsgrundsatzes (Art. 6 i.V.m. Art. 389 Abs. 3 StPO) gutgeheissen. D. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 1. Versuchte schwere Körperverletzung 1.1 Allgemeines Die Vorinstanz unterteilte den angeklagten Sachverh alt (vgl. Anklageschrift, act. 2285 ff.), der sich am 19. Oktober 2009 ereignet hat, in drei Hand lungsabschnitte, was als sachdienlich er- scheint. Es handelt sich dabei um folgende drei Phasen: 1. Phase: Telefongespräche zwischen A.____ und C._ ___, D.____ und dem Beschuldigten 2. Phase: Treffen zwischen A.____ und dem Beschuldi gten beim McDonald's in Münchenstein 3. Phase: Eintreffen von C.____ und D.____ beim McD onald's in Münchenstein Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht In der 1. Phase erweisen sich die Depositionen der Beteiligten als mehr oder weniger überein- stimmend und überdies gingen daraus keine Delikte h ervor, die Gegenstand des Berufungsver- fahrens bilden. Demnach kann bezüglich dieses Sachverhaltsabschnitts auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 26 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Vorliegend im Streit sind die Geschehnisse in der 2. und der 3. Phase, welche nachfolgend zu beurteilen sind. 1.2 2. Phase: Treffen zwischen A.____ und dem Besc huldigten beim McDonald's in Münchenstein 1.2.1 Das Strafgericht erwog bezüglich der 2. Phase zusam mengefasst, im Zusammenhang mit dem Treffen zwischen A.____ und dem Beschuldigt en lägen widersprüchliche Aussagen vor. Während A.____ zu Protokoll gegeben habe, beim Waldrand vom Beschuldigten mehrmals geschlagen und getreten sowie mit einem Messer bedr oht worden zu sein, sei es gemäss den Schilderungen des Beschuldigten lediglich zu einer Rangelei gekommen, in deren Verlauf er A.____ unter anderem am Kragen gepackt und mit der offenen Hand ins Gesicht geschlagen habe. Dabei kamen die Vorderrichter zum Schluss, da ss B.____ ein Zusammenschlagen des Berufungsklägers nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden könne. Die Depositionen des Beschuldigten, der einzig von A.____ belastet werde , würden durch die Aussagen der Zeugen F.____ und G.____ sowie derjenigen von C.____ objek tiviert. Folglich sei zu Gunsten des Be- schuldigten von seiner Version auszugehen, und deme ntsprechend der Beschuldigte in dieser Phase von der Anklage der versuchten schweren Körpe rverletzung freizusprechen. Allfällige vom Beschuldigten in dieser Phase zum Nachteil von A.____ begangene Tätlichkeiten seien ohnehin bereits verjährt. 1.2.2 Der Privatkläger stellt sich demgegenüber zusammeng efasst auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe den Berufungsbeklagten aufgrund ein er unrichtigen Sachverhaltsfeststellung zu Unrecht von der Anklage der versuchten vorsätzli chen Tötung und der versuchten schweren Körperverletzung freigesprochen. Aufgrund der glaub haften Aussagen des Berufungsklägers sowie der erstellten Verletzungen sei nachgewiesen, dass der Berufungsbeklagte bereits in der zweiten Phase tätlich geworden sei. B.____ gebe in der Einvernahme vom 2. März 2010 zu, dass er A.____ mit der offenen Hand gegen sein Gesi cht geschlagen habe. Auch wenn die Aussagen des Berufungsbeklagten und diejenigen des Berufungsklägers im Widerspruch zuei- nander stünden, dürfe dieser Umstand keineswegs pauschal zu Gunsten des Berufungsbeklag- ten entschieden werden. Vielmehr seien die zusätzli chen Beweise heranzuziehen und entspre- chend zu würdigen sowie die Glaubhaftigkeit der Aussagen zu analysieren. 1.2.3 Die Staatsanwaltschaft führt derweil bezüglich der Phase 2 im Wesentlichen aus, sie habe in diesem Punkt auf die Erhebung einer Anschlu ssberufung verzichtet, da dem Beschul- digten ein Einwirken auf den Berufungskläger, welch es über Tätlichkeiten hinausgegangen sei, nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden könne. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2.4 a) Das Gericht hat die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonne- nen Überzeugung zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Dabei kann sich eine Verurteilung insbe- sondere auch auf Indizien (Tatsachen, die einen Sch luss auf eine andere, unmittelbar erhebli- che Tatsache zulassen) stützen, zumal der Indizienb eweis dem direkten Beweis gleichwertig ist. Nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" (abgelei tet aus Art. 6 Ziffer 2 EMRK und Art. 32 Abs. 1 BV) hat das Gericht im Zweifel zu Gunsten de r beschuldigten Person zu entscheiden. Ein Freispruch muss erfolgen, wenn das Gericht die Überzeugung der nachgewiesenen Schuld nicht gewinnen kann. Es ist Sache der Anklagebehörd e, die Schuld der beschuldigten Person zu beweisen, wogegen es nicht an der beschuldigten Person ist, ihre Unschuld nachzuweisen. Für die Beurteilung einer konkreten, möglicherweise ausschlaggebenden Deposition ist die Aussagenanalyse, das heisst die kritische Würdigung des Aussagetextes, von überragender Bedeutung. Um eine Aussage als zuverlässig beurteil en zu können, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realkennzeichen und das Fehle n von Lügensignalen zu überprüfen (vgl. R OLF BENDER , Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeu genaussagen, SJZ 1985 [81], S. 53 ff.; für den ganzen Abschnitt vgl. R OBERT HAUSER/E RHARD SCHWERI /K ARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage 200 5, § 54 N 1 ff., § 59 N 12 ff., je- weils mit Hinweisen). b) In der 2. Phase war B.____ alleine mit A.____ u nd hierbei erscheint es als naheliegend, dass es zwischen ihnen zu einer tätlichen Auseinand ersetzung gekommen ist, die sich nicht unmittelbar beim Mc Donalds, sondern am Rande der n ahegelegenen Waldlichtung abgespielt hat. Über deren konkreten Ablauf und Intensität lie gen sich widersprechende Aussagen der Beteiligten vor. A.____ gab zwei Mal (Einvernahmen vom 14. Januar 2010, act. 479 ff., und vom 15. April 2010, act. 707 ff.) als Zeuge zu Protokoll, der Beschuldi gte habe ihn mehrmals mit massiven Faust- schlägen und Fusstritten traktiert, als er alleine mit ihm in Münchenstein gewesen sei. A.____ bestätigte seine Aussagen ein drittes Mal als Ausku nftsperson vor den Schranken des Strafge- richts (act. 2465 ff.). Anlässlich der ersten Einvernahme vom 2. März 2010 sagte der Beschuldigte B.____ aus, A.____ sei aufgrund einer gereizten Diskussion aggr essiv gegen ihn geworden. Er selber sei ebenfalls aggressiv geworden. Als A.____ ihn dann i n die Schultergegend geschlagen und ihn am Kragen gepackt habe, habe er ihn mit der offenen Hand gegen das Gesicht geschlagen. A.____ habe ihn weiterhin provoziert und am Hals gepackt. Daraufhin habe er ihn mit der ande- ren Hand ins Gesicht geschlagen und am Gesicht geha lten. Er habe versucht, A.____ wegzu- stossen. Sie hätten dann gegenseitig an sich herumgezogen und einander gestossen. Es könne sein, dass A.____ dadurch Kratzspuren am Kopf davon getragen habe, er habe ihn aber nicht verletzt (act. 559 ff.). Vor Strafgericht und anläs slich der kantonsgerichtlichen Hauptverhand- lung relativierte der Beschuldigte seine vorherigen Aussagen und gab zu Protokoll, er habe le- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht diglich das Gesicht von A.____ zwei Mal weggedrückt, als er ihn am Kragen gepackt habe (act. 597, Prot. KGer S. 14). c) Vorliegend liegen bezüglich der Geschehnisse in der 2. Phase keine objektiven Beweise vor. Der Privatkläger ist zwar durch ein konstantes Aussageverhalten aufgefallen, allerdings werden seine Depositionen von keinem der Beteiligte n oder von Zeugen bestätigt. Der Be- schuldigte B.____ sagte bezüglich des betreffenden Konflikts unterschiedlich aus, wobei er die Intensität seiner Einwirkung auf den Privatkläger m it der Zeit immer mehr relativierte. Selbst wenn aber von der intensivsten Tathandlung – nämlic h von Schlägen mit der offenen Hand ins Gesicht – ausgegangen würde, könnte dies nicht ausr eichen, um den Tatbestand der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 StGB zu erfüllen. Gegen eine Zufügung von über Tätlichkeiten hinausgehenden Verletzungen des Privatklägers spric ht überdies, dass C.____ und D.____ stets zu Protokoll gegeben haben, A.____ sei zu Beg inn der 3. Phase unverletzt gewesen (vgl. act. 521 sowie 549). Bezüglich der Zeugenaussagen von F.____ und G.____ gilt es zunächst zu konstatieren, dass der Beschuldigte mit den beiden genannten Zeugen vo r deren Aussage Kontakt hatte. So gab F.____ am 13. April 2010 zu Protokoll, er habe den Beschuldigten am 20. März 2010 bei der Gartenstadt in Münchenstein gesehen; dieser habe ge sagt, dass A.____ "falsche Zeugenaus- sagen" gemacht habe und er habe dann dem Beschuldig ten mitgeteilt, dass er schon für ihn Aussagen machen könne (act. 659). Überdies hat der Beschuldigte gemäss den Aussagen der Zeugin G.____ sie am Tag der Zeugenaussage mit dem Auto abgeholt und zum damaligen Be- zirksstatthalteramt Arlesheim gebracht (act. 685). Allerdings gilt es festzustellen, dass die Zeu- genaussagen in inhaltlicher Hinsicht nicht auffällig einseitig zu Gunsten des Beschuldigten aus- gefallen sind, sodass sich die Möglichkeit einer Be einflussung geradezu aufdrängen würde. Aufgrund dieser dargelegten Umstände sind die Zeuge naussagen zwar nicht als unverwertbar zu qualifizieren, sie sind aber mit der gebotenen Zurückhaltung zu würdigen und ihr Beweiswert erscheint nicht als besonders hoch. Die Zeugen habe n zudem nur fragmentarische Ausschnitte des Vorfalls mitbekommen und den Tatort offenbar vorzeitig verlassen. Dem Umstand, dass die beiden Zeugen kein Kriechen des Privatklägers sowie keine Verletzungen gesehen haben, kommt somit in casu keine hohe Bedeutung zu, es gilt ihn aber immerhin mitzuberücksichtigen. d) In casu liegt daher letztlich eine "Aussage geg en Aussage"-Konstellation vor, wobei so- wohl die Version des Beschuldigten als auch diejeni ge von A.____, auf welche sich der ange- klagte Sachverhalt im Wesentlichen abstützt, als mö gliche Varianten, wie sich der Vorfall vom 19. Oktober 2009 abgespielt haben könnte, erscheinen. Unter Berücksichtigung aller Umstände hegt die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts massgebliche und begründete Zweifel an der Verwirklichung des angeklagten Sachverhalts. In Anwendung des strafprozessualen Grund- satzes "in dubio pro reo" erscheint es demnach nich t als hinreichend erstellt, dass der Beschul- digte A.____ in der 2. Phase Verletzungen zugefügt hat, die zumindest das Ausmass einer ein- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht fachen Körperverletzung gemäss Art. 123 StPO erreicht haben. Dementsprechend ist das Urteil der Vorinstanz in diesem Punkt in Abweisung der Berufung des Privatklägers zu bestätigen. 1.3 3. Phase: Eintreffen von C.____ und D.____ be im McDonald's in Münchenstein 1.3.1 Hinsichtlich der dritten Phase erwog die Vorinstanz , C.____ gebe zu, A.____ mit der Faust mehrmals ins Gesicht geschlagen und auch getr eten zu haben, jedoch nicht gegen den Kopf. D.____ gebe ebenfalls zu, A.____ in dieser Ph ase ein paar Mal mit der Faust geschlagen und auch getreten zu haben, als er am Boden gelegen habe. Der Beschuldigte werde aus- schliesslich von A.____ belastet. Aufgrund des Umst andes, dass A.____ am Boden gelegen habe, geschlagen worden sei und sein Gesicht mit de n Händen geschützt habe, sei er objektiv gesehen gar nicht in der Lage gewesen, zu realisier en, von wem genau und von wie vielen er geschlagen worden sei. A.____ habe schlicht und einfach angenommen, in dieser dritten Phase auch vom Beschuldigten geschlagen worden zu sein. Dies berücksichtigend kam die Vorinstanz zum Schluss, gemäss der vorliegenden Beweislage sei nicht erstellt, ob B.____ in dieser Phase an der Schlägerei teilgenommen habe. Demzufolge sei er von der Anklage der versuchten schweren Körperverletzung (sowie von der Eventualklage der versuchten vorsätzlichen Tötung) freizusprechen. 1.3.2 Diesen vorinstanzlichen Erwägungen entgegnet der Pr ivatkläger, diverse Aussagen in den Einvernahmeprotokollen der an der Schlägerei be teiligten Personen wiesen unmissver- ständlich darauf hin, dass der Beschuldigte B.____ sehr wohl in die Auseinandersetzung invol- viert gewesen sei. Wie immer bei einem gemeinsamen Zusammenwirken, wenn jemand brutal zusammengeschlagen werde, sei es im Nachhinein sehr schwierig, genau zu eruieren, wer welchen Tatbeitrag für die resultierenden Verletzun gen geleistet habe. Der Berufungskläger habe aber mehrfach glaubhaft erklärt, dass er vom B erufungsbeklagten am Boden liegend ge- treten worden sei. Ebenso sei der Aussage von D.___ _ (vgl. act. 505) zu entnehmen, dass B.____ sicher auch geprügelt habe. 1.3.3 Hinsichtlich der 3. Phase stellt sich die Staatsanw altschaft auf den Standpunkt, es sei davon auszugehen, dass A.____ nach der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten in Rich- tung C.____ und D.____ gerannt sei und auf dem Weg gestolpert sein müsse. Nach Angaben von C.____ und D.____ sei zu diesem Zeitpunkt ledig lich A.____ verletzt gewesen. Auch wenn man darauf abstellen würde, dass B.____ in dieser l etzten Phase nicht mehr gegen A.____ ge- walttätig geworden sei, seien ihm die Verletzungen, die das Opfer erlitten habe und im Sinne von Art. 122 StGB zu werten seien, dennoch als Mitt äter zuzurechnen und es habe eine ent- sprechende Verurteilung zu erfolgen. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass das Treffen beim Mc Donalds geplant gewesen sei und der Beschul digte sowohl bei der Planung wie auch der Ausführung der Tat eine aktive Rolle eingenomme n habe. Der Tatablauf, bei dem alle Be- schuldigten gegen A.____ tätlich geworden seien, ha be sich stillschweigend aus der Situation Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht heraus ergeben, sodass C.____ und D.____ nicht wie wahrscheinlich geplant gleichzeitig, son- dern erst später beim Mc Donalds eingetroffen seien . Hierbei seien die Handlungen jedes Ein- zelnen den übrigen Mittätern anzurechnen. 1.3.4 a) A.____ gab zwei Mal (Einvernahmen vom 14. Januar 20 10, act. 479 ff., und vom 15. April 2010, act. 707 ff.) als Zeuge zu Protokol l, der Beschuldigte habe ihn mehrmals mit massiven Faustschlägen und Fusstritten traktiert, a ls er alleine mit ihm in Münchenstein gewe- sen sei. Nach dem Eintreffen von C.____ und D.____ hätten diese zusammen mit dem Be- schuldigten zu dritt auf ihn eingeschlagen. Der Beschuldigte bestreitet demgegenüber dezidiert, A.____ nach dem Eintreffen von C.____ und D.____ ge schlagen zu haben. Er habe in dieser 3. Phase lediglich versucht zu schlichten. Im Einzelnen kann hinsichtlich der Zusammenfassung der Aussagen der Parteien auf die mit einer Ausnahm e zutreffenden vorinstanzlichen Ausfüh- rungen verwiesen werden (vgl. A.____ S. 7 ff., Besc huldigter S. 12 ff., C.____ S. 16 ff., D.____ S. 19 ff., Zeugen S. 20 ff.). b) Nicht als korrekt erweisen sich nämlich die Erw ägungen der Vorinstanz, wonach B.____ ausschliesslich von A.____ belastet werde. D.____ gab in der Einvernahme vom 11. März 2010 zunächst zu Protokoll, er wisse nicht, was der Besc huldigte gemacht habe, als A.____ auf C.____ losgegangen sei. Es habe ein Durcheinander g egeben und es könne sein, dass der Beschuldigte bei der Schlägerei mitgemacht habe (act. 615). Später erklärte D.____ aber in der gleichen Befragung Folgendes: "Ja, natürlich hat er (B.____) sich auch geprügelt, als wir A.___ schlugen. Das ist doch klar. Ich weiss aber nicht, was er genau gemacht hat. Es war ein sol- ches Durcheinander" (act. 627). In derselben Einver nahme präzisierte D.____: "Wir drei haben höchstens während 30 Sekunden auf ihn eingeschlagen " (act. 629). Somit wird B.____ durch die Aussage von D.____ in erheblichem Umfang belastet. c) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist e ine belastende Zeugenaussage grundsätzlich nur verwertbar, wenn der Beschuldigte den Belastungszeugen wenigstens einmal während des Verfahrens in direkter Konfrontation befragen konnte (D ORRIT SCHLEIMINGER , Bas- ler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 147 N 30, m it Hinweis auf BGE 133 I 33, 40, E. 3.1). Der Anspruch, dem Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist dann absolut, wenn dem streitigen Zeugen alleinige oder ausschlaggebende Bedeutung zu kommt, dieser also den einzigen oder einen wesentlichen Beweis darstellt (D ORRIT SCHLEIMINGER , a.a.O., N 32, mit Hinweis auf BGE 131 I 476, 481 E. 2.2, 129 I 151, 154 E. 3.1, 125 I 127 E. 6cc.). Dabei ist – gemäss neuester Rechtsprechung – zu prüfen, wie weit die anderen Be weismittel für sich einen Schuldspruch zu tragen vermögen. Begründen sie einen schweren Tatve rdacht, so kann die Berücksichtigung der Aussage als zusätzlicher Mosaikstein zum Schuld spruch führen, ohne dass die Verteidi- gungsrechte dadurch verletzt wären (DORRIT SCHLEIMINGER , a.a.O., N 33, mit Hinweis auf BGE 133 I 33, 46 E. 4.4.1). Auf das Konfrontationsrecht kann diesfalls verzichtet werden. Der Be- schuldigte kann den Behörden grundsätzlich nicht vorwerfen, gewisse Zeugen zwecks Konfron- tation nicht vorgeladen zu haben, wenn er es unterl ässt, rechtzeitig und formgerecht entspre- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht chende Anträge zu stellen (BGE 125 I 127 E. 6c/bb, mit Hinweisen). Problematische, weil nicht durch anderweitige Massnahmen kompensierbare Einsch ränkungen des Konfrontationsrechts liegen jedoch dann vor, wenn die Identität eines Zeugen geheim gehalten wird oder wenn es für die beschuldigte Person unmöglich ist, dem Zeugen F ragen zu stellen oder diesem Vorhalte zu machen, z.B. weil der Zeuge nach seiner belastenden Aussage verstorben oder sein Aufent- haltsort unbekannt ist (vgl. W OLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 147 N 23 ff.). d) Wie bereits dargelegt wurde, ist D.____ derzeit nicht greifbar, dementsprechend ist der Beweisantrag des Privatklägers, ihn als Zeuge zu be fragen, mit präsidialer Verfügung vom 15. Oktober 2015 sowie erneut anlässlich der kantonsgerichtlichen Ha uptverhandlung durch den Spruchkörper abgewiesen worden. Aus den Akten e rgibt sich, dass der Beschuldigte somit während des ganzen Verfahrens nie mit D.____ konfro ntiert worden ist. Mithin konnte sein An- spruch auf Gewährleistung des Konfrontationsrechts gemäss Art. 6 Ziffer 3 lit. d EMRK und Art. 147 Abs. 1 StPO nicht eingelöst werden. Bei di eser Ausgangslage kann die strafrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts nicht auf die Aussage von D.____ abstellen. In diesem Zusammenhang gilt es überdies zu beachten , dass D.____ die B.____ belastenden Aussagen erst abgegeben hat, nachdem er zunächst au ssagte, er wisse nicht, was B.____ (in der Phase 3) gemacht habe (act. 615 und 625). Mithi n erweisen sich seine Aussagen somit als inkonstant und überdies erscheinen die darin enthal tenen Belastungen als sehr allgemein, in- dem D.____ von einem Gerangel und von "wir drei" sp richt, ohne dies aber näher zu spezifizie- ren. e) Was das vom Beschuldigten behauptete Engagement als Schlichter nach dem Eintref- fen von C.____ und D.____ beim McDonald's betrifft, so konnte keiner der Beteiligten ein sol- ches bestätigen. C.____ sagte im Gegenteil in der E invernahme vom 11. März 2010, es habe niemanden gegeben, der versucht habe, die Situation zu schlichten bzw. die Betroffenen zu trennen (act. 639). Auch die Zeugin G.____ verneint e in der Befragung vom 14. April 2010, dass einer der Anwesenden die Situation schlichten wollte (act. 687). Dementsprechend ist von keinerlei Schlichtungsversuchen seitens des Beschuldigten auszugehen. f) Bezüglich der Argumentation der Staatsanwaltsch aft, wonach der Beschuldigte A.____ bewusst in einen Hinterhalt gelockt habe, um ihm ei ne Lektion zu erteilen, ergibt sich zunächst in casu aus den Telefonranddaten, dass es der Priva tkläger war, der den Beschuldigten ange- rufen hat, was indiziell gegen eine im Voraus gepla nte Abrechnung spricht. Überdies erscheint der Tatort beim Mc Donalds in Münchenstein als denk bar ungeeignet für eine inszenierte Ra- cheaktion, da dieser gut frequentiert wird und bele uchtet ist. Nach übereinstimmenden Aussa- gen von C.____, B.____ sowie der Zeugen F.____ und G.____ ist zudem der Privatkläger auf C.____ zugerannt, was bei einem reinen Opfer einer geplanten Abrechnung ebenfalls nicht an- zunehmen wäre. Schliesslich bestand zwischen dem Be schuldigten und dem Privatkläger eine Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht langjährige Kollegialität, welche eine geplante wüste Abrechnung als unwahrscheinlich erschei- nen lässt, sodass es zusammenfassend festzustellen gilt, dass die vorliegenden Indizien nicht ausreichen, um die Theorie einer geplanten Abrechnung zu stützen. g) Unter Gesamtwürdigung aller Aspekte erweist si ch daher der Tatbeitrag des Beschuldig- ten in der dritten Phase als unklar, weswegen nicht rechtsgenüglich erwiesen ist, dass A.____ in dieser Phase auch von ihm geschlagen wurde. Folgerichtig ist der Beschuldigte gemäss dem strafprozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" von der Anklage der versuchten schweren Kör- perverletzung sowie konsequenterweise auch von den Eventualanklagen in Bestätigung des Urteils der Vorderrichter freizusprechen. 2. Raufhandel 2.1 In der Nacht vom 30. Mai 2010 kam es vor der Diskot hek der Basel City Studios in Mün- chenstein zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten, C.____, H.____ und I.____ auf der einen Seite sowie Sicherheitsang estellten der Diskothek sowie weiteren, unbekannten Sicherheitsangestellten auf der anderen Seite. Als Folge dieser Auseinanderset- zung sind der Beschuldigte, C.____ sowie I.____ ver letzt worden. Die Vorinstanz erachtete es aufgrund der vorliegenden Beweise als nachgewiesen, dass sich der Beschuldigte aktiv an der Auseinandersetzung vom 30. Mai 2010 beteiligte und nicht – wie von ihm behauptet – bloss zu schlichten oder abzuwehren versuchte und würdigte s ein Verhalten als Raufhandel gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB. 2.2 Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vo rwurf des Raufhandels, wobei zur Begründung einzig vorgebracht wird, die Aussagen de r anderen Beteiligten seien widersprüch- lich und diese wären im grossen Gerangel gar nicht in der Lage gewesen, seine Position zu beurteilen. Er habe – ohne den Raufhandel gefördert zu haben – bei seinem Schlichtungsver- such einen schweren Schlag an den Kopf erhalten, was nicht strafbar sei. 2.3 Die Staatsanwaltschaft stellt sich demgegenüber au f den Standpunkt, vorliegend er- scheine die aktive Beteiligung des Beschuldigten am Raufhandel – nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Aussagen – als klar erstellt. Die Verurteil ung sei demnach zu Recht erfolgt und das Urteil des Strafgerichts vom 21. November 2014 zu bestätigen. 2.4.1 Den Tatbestand gemäss Art. 133 StGB erfüllt, wer si ch an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Mensche n zur Folge hat (Abs. 1). Nicht strafbar ist, wer ausschliesslich abwehrt oder die Streitend en scheidet (Abs. 2). Die Norm stellt die Be- teiligung an einem Raufhandel als solche unter Stra fe. Der Eintritt der schweren Folge ist kein Tatbestandsmerkmal, sondern lediglich eine objektive Bedingung der Strafbarkeit. Der objektive Tatbestand erschöpft sich in der Beteiligung an ein em Raufhandel. Raufhandel ist jede tätliche Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auseinandersetzung, an der mindestens drei Personen beteiligt sind, die wechselseitig Tätlich- keiten gegeneinander verüben. Beteiligen setzt eine aktive Mitwirkung an der Auseinanderset- zung voraus, wobei bereits ein einziger Schlag ausr eichend ist. Der einzelne Teilnehmer muss nicht in dem Ausmass am Geschehen teilnehmen, wie e s zur Entstehung des Raufhandels er- forderlich ist; sofern drei sich tätlich bekämpfend e Personen beteiligt sind, genügt schon ein unterstützendes Verhalten für eine Streitpartei, et wa durch Hilfereichungen oder eine psychi- sche Mitwirkung, etwa durch Anfeuerungen, warnende Zurufe oder Ratschläge. Ein rein passi- ves Verhalten sowie die Beschränkung auf Schutzwehr fallen nicht unter den Tatbestand (G ÜNTER STRATENWERTH /W OLFGANG WOHLERS , Handkommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 130- 132 N 1 f. mit Hinweisen; S TEFAN MAEDER , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 133 N 13 f.). Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz , wobei Eventualvorsatz genügt. Der Vorsatz muss sich nur auf die Beteiligung am Raufhandel bez iehen. Es genügt, wenn der Täter damit rechnet, dass sich mehr als zwei Personen an der tä tlichen Auseinandersetzung beteiligen. Der Eintritt der Todes- oder Körperverletzungsfolge ist kein Tatbestandmerkmal, sondern lediglich objektive Strafbarkeitsbedingung. Unerheblich ist, wer die Verletzung verursacht hat und bei wem sie eingetreten ist (S TEFAN MAEDER , a.a.O., Art. 133 N 21 f.). 2.4.2 In der Einvernahme vom 30. Mai 2010 erklärte der Be schuldigte, die Situation sei plötz- lich eskaliert und es sei zu einem Herumgeschubse g ekommen. Dabei habe jeder jeden ges- tossen, auch er habe die älteren Sicherheitsangeste llten gestossen. Er habe zwar niemanden aktiv geschlagen, es könne jedoch sein, dass er im Handgemenge jemanden getroffen habe (act. 1261). In der Befragung vom 25. November 2011 gab der Beschuldigte überdies zu, einen Wutausbruch gehabt und andere Personen gestossen zu haben; dies indessen nicht, um die Situation anzuheizen, sondern um sich zu wehren, wo bei er betonte, es seien einfach körperli- che Reaktionen gewesen, die er nicht im Griff gehabt habe (act. 1575 ff.). Der Mitbeschuldigte H.____ sagte in der Einvernahme vom 21. September 2011, er, C.____ und der Beschuldigte hätten sicherlich herumgepöbel t und geschubst. Überdies erklärte er, der Beschuldigte und C.____ hätten wohl schon zurückges chlagen, nachdem sie geschlagen wor- den seien (act. 1395, 1401). Der Mitbeschuldigte I.____ gab im Rahmen der Befragung vom 22. September 2011 zu Protokoll, der Beschuldigte und C .____ hätten draussen vor der Diskothek geschlagen. Zudem habe der Beschuldigte während des Raufhandels mit einem Sicherheitsan- gestellten eine tätliche Auseinandersetzung gehabt (act. 1427, 1433). Der Mitbeschuldigte J.____ sagte in der Einvernahme vom 26. September 2 011, der Beschuldigte, C.____ und ein paar Mal auch I.____ hätten "Stress gemacht" und si ch mit den anderen geschubst, und er ha- be sie zurückhalten wollen. Der Beschuldigte, C.___ _, I.____ und H.____ hätten draussen vor der Diskothek herumgestossen (act. 1481 ff.). K.___ _ gab des Weiteren am 16. Dezember 2011 als Zeugin zu Protokoll, der Beschuldigte sei draussen hinzugekommen und habe seinen Kollegen geholfen, indem er auch mit den Fäusten ge gen die Security-Leute geschlagen habe (act. 1669). Gemäss den Darlegungen der Auskunftspe rson M.____ anlässlich der Einvernah- me vom 30. Mai 2010 sei der Beschuldigte nach draus sen auf den Vorplatz gekommen und Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht habe sich verbal und körperlich aggressiv verhalten (act. 1319, 1323). Die Auskunftsperson L.____ gab zu guter Letzt in der Befragung vom 18. Januar 2012 zu Protokoll, der Beschuldigte sei an dieser Auseinandersetzung sicher beteiligt g ewesen. Er sei derjenige gewesen, der im- mer Eins gegen Eins verlangt habe. Er habe die Fäus te nach oben gehoben und gesagt: "Kommt, kommt, ich mache euch alle fertig! Ich ficke euch!" (act. 1735). 2.4.3 Aufgrund der dargelegten Aussagen des Beschuldigten selbst, aber auch von nicht we- niger als 6 anderen Personen, davon 2 Mitbeschuldigte und eine Zeugin, steht für die strafrecht- liche Abteilung des Kantonsgerichts zweifelsfrei fe st, dass der Beschuldigte mindestens eine andere Person gestossen hat, womit er sich an der w echselseitigen tätlichen Auseinanderset- zung vom 30. Mai 2010 aktiv beteiligt hat. In casu ist nicht ansatzweise ersichtlich, weswegen der Beschuldigte von den übrigen Aussagenden zu Unr echt einer Straftat bezichtigt werden sollte. Beim betreffenden Vorfall, an dem sich der Beschuldigte gemäss Beweisergebnis betei- ligte, wurden er selbst, C.____ und I.____ verletzt , weswegen der objektive und der subjektive Tatbestand des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB in casu ohne Weiteres erfüllt sind. Folglich ist das Urteil der Vorderrichter bezüglich des Schuldspruchs wegen Raufhandels klarerweise zu bestätigen, was insofern zu einer Abweisung der Berufung des Beschuldigten führt. 3. Strafzumessung Für den Fall der Bestätigung der vorinstanzlichen S chuldsprüche wurde die Strafzumessung von keiner der Parteien angefochten, sodass diesbez üglich vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorderrichter verwiesen werden kann (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 36; Art. 82 Abs. 4 StPO). Folglich hat sich der Beschuldigte de s Raufhandels schuldig gemacht und ist zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 Tages sätzen zu je CHF 30. ‒, unter Anrechnung der vom 2. März 2010 bis zum 3. März 2010 und am 30 . Mai 2010 ausgestandenen Untersu- chungshaft von insgesamt 3 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu verurteilen. 4. Schadenersatz- und Genugtuungsforderung Da der Beschuldigte von sämtlichen Anklagepunkten im Zusammenhang mit A.____ wie bereits von der Vorinstanz auch zweitinstanzlich freigespro chen wird, ist die Abweisung der Schaden- ersatz- und Genugtuungsforderungen des Berufungsklä gers folgerichtig ebenfalls zu bestäti- gen. Überdies ist sein Antrag zur Ausrichtung einer vollen Parteientschädigung für die Anwalts- kosten vor erster Instanz vollumfänglich abzuweisen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Vorinstanzliche Kostenauferlegung 5.1 Als Eventualbegehren für den Fall der Bestätigung d es erstinstanzlichen Urteils bean- tragt der Beschuldigte, dass ihm lediglich 1/10 der strafgerichtlichen Verfahrenskosten aufzuer- legen seien und er von der Rückzahlung der Kosten d er amtlichen Verteidigung befreit werde. Er sei vom schwersten Vorwurf, nämlich demjenigen d er versuchten vorsätzlichen Tötung voll- umfänglich freigesprochen worden. lm Vergleich dazu habe der Vorwurf des Raufhandels eine völlig untergeordnete Bedeutung. Beim erstinstanzli chen Verfahrensausgang hätten ihm dem- nach nur 10% und nicht 50% der Verfahrenskosten auferlegt werden dürfen. 5.2 Die Vorinstanz begründete ihren Kostenentscheid dam it, dass die Anklagepunkte, wel- che zu Freisprüchen geführt haben, den gleichen Unt ersuchungs- und somit Kostenaufwand verursacht hätten wie der Anklagepunkt, gemäss welc hem der Beschuldigte verurteilt worden sei. Demzufolge habe der Beurteilte die Hälfte der Verfahrenskosten zu tragen; die andere Hälf- te der Verfahrenskosten sei auf die Staatskasse zu nehmen. 5.3 Nach Art. 423 StPO werden die Verfahrenskosten an s ich vom Bund oder dem Kanton getragen, der das Verfahren geführt hat; abweichend e Bestimmungen des Gesetzes bleiben indessen ausdrücklich vorbehalten. So trägt die bes chuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Be i einem Teilfreispruch hat sie die Kosten grundsätzlich anteilsmässig, d.h. im Rahmen des Schuldspruchs zu tragen. Es dürfen ihr jedoch selbst in diesem Fall die gesamten Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn die ihr zur Last gelegten Handlungen in einem engen und direkten Zus ammenhang stehen, und alle Untersu- chungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig waren (vgl. T HOMAS DOMEISEN , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 426 N 6). Die von den Vorderrichtern vorgenommene Kostenverle gung entspricht nach Überzeugung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts nich t der Kostentragung im Rahmen des Schuldspruchs. Augenscheinlich hat der Beschuldigte im vorinstanzlichen Verfahren im Haupt- punkt – nämlich hinsichtlich des massiven Vorwurfs der versuchten schweren Körperverletzung, eventualiter der versuchten vorsätzlichen Tötung – und somit mehr als zur Hälfte obsiegt. Der- art völlig im Hintergrund wie der Beschuldigte dies geltend macht, ist der Schuldspruch wegen Raufhandels allerdings nicht zu sehen. Gesamthaft e rscheint es als angebracht, dem Beschul- digten in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO einen Drittel der erstinstanzlichen Verfahrens- kosten aufzuerlegen. Zwei Drittel der Verfahrenskosten gehen demnach zu Lasten des Staates. Folgerichtig ist auch die Tragung des vorinstanzlic h festgelegten Honorars des amtlichen Ver- teidigers anzupassen, sodass dieses gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO im Umfang von zwei Dritteln definitiv zu Lasten des Kantons Basel-Land schaft geht und in diesem Umfang keine Rückzahlungsverpflichtung von B.____ besteht. B.___ _ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat eine n Drittel der Kosten der amtlichen Verteidi- gung in Höhe von CHF 3'062.45 zurückzuzahlen und de r amtlichen Verteidigung die Differenz Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). 6. Fazit Aufgrund der obigen Ausführungen ergibt sich demnac h, dass in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigten, in Abweisung der Berufu ng des Privatklägers sowie in Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft das vo rinstanzliche Urteil in den Ziffern 5 (Tra- gung der Verfahrenskosten) und 6 (Honorar des amtli chen Verteidigers) entsprechend den obi- gen Ausführungen geändert und in den übrigen Punkten zu bestätigen ist. III. Kosten 1. Gestützt auf § 12 Abs. 1 i.V.m. § 3 der Verordnung vom 15. November 2010 über die Gebühren der Gerichte (SGS 170.31) ist die Urteilsg ebühr für das kantonsgerichtliche Verfah- ren auf CHF 10'000. ‒ inklusive Auslagen festzusetzen. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Im vorl iegenden Fall sind die Berufung des Pri- vatklägers sowie die Anschlussberufung der Staatsan waltschaft abzuweisen und die Berufung des Beschuldigten teilweise, allerdings bloss in ei nem Nebenpunkt, gutzuheissen. Demgemäss sind die ordentlichen Kosten des kantonsgerichtlich en Verfahrens in Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO wie folgt zu tragen: – Privatkläger: CHF 4‘000. ‒ – B.____: CHF 2‘500. ‒ – Staat: CHF 3‘500. ‒ 2. Mit Verfügung des Präsidenten der Abteilung Strafre cht des Kantonsgerichts Basel- Landschaft vom 11. Mai 2015 wurde dem Beschuldigten B.____ für das Rechtsmittel verfahren die amtliche Verteidigung bewilligt. Folglich ist dem amtlichen Verteidiger des Beschuld igten für seine Bemühungen im Rechtsmit- telverfahren eine Parteientschädigung aus der Gerichtskasse zu entrichten. Der vom amtlichen Verteidiger ausgewiesene Zeitaufwand von 16.25 Stunden ohne kantonsge- richtliche Hauptverhandlung erscheint als angemesse n, wobei für deren Teilnahme ergänzend insgesamt 5 Stunden zu berücksichtigen sind, wesweg en Advokat Marco Albrecht zulasten der Gerichtskasse eine Entschädigung von CHF 3‘906.80 ( inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehr- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht wertsteuer (CHF 312.55), somit insgesamt CHF 4‘219. 35, aus der Gerichtskasse auszurichten ist. Der Beschuldigte B.____ ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung an den Kanton im Umfang von einem Viertel verpflich tet, sobald es seine wirtschaftlichen Ver- hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Entsprechend dem vorliegenden Verfahrensausgang ist der vom Privatkläger gestellte Antrag auf Zusprechung einer Parteientschädigung vollumfänglich abzuweisen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 21. November 2014, aus- zugsweise lautend: "1. B.____ wird des Raufhandels schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 Ta gessätzen zu je Fr. 30.--, unter Anrechnung der vom 2. März 2010 bis zum 3. Mä rz 2010 und am 30. Mai 2010 ausgestandenen Untersuchungshaf t von insgesamt 3 Tagen, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 133 Abs. 1 StGB sowie Art. 34 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 51 StGB. 2. B.____ wird von der Anklage der versuchten sc hweren Körperver- letzung sowie der Nötigung freigesprochen. 3. Die Schadenersatz- und die Genugtuungsforderu ng von A.____ werden abgewiesen. 4. Die Entschädigungsforderung gemäss Art. 433 S tPO von A.____ wird abgewiesen. 5. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfah- rens von Fr. 11'389.60 und der Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.--. B.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO ½ der Ver- fahrenskosten. ½ der Verfahrenskosten geht zu Lasten des Staa- tes. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründet es Urteil ver- langt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtl iche Gebühr auf Fr. 2'000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 6. Das Honorar des amtlichen Verteidigers in Höh e von insgesamt Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 9'187.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer ) wird aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorbehalt der R ückzahlungs- verpflichtung von B.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von ½ des Honorars. Aufgrund des teilweisen Freispruchs geht das Honora r des amtli- chen Verteidigers gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StP O im Umfang von ½ definitiv zu Lasten des Kantons Basel-Landsch aft und es besteht in diesem Umfang keine Rückzahlungsverpflic htung von B.____. B.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhäl tnisse erlau- ben, verpflichtet, dem Staat die Hälfte der Kosten der amtlichen Verteidigung in Höhe von Fr. 4'593.65 zurückzuzahle n und der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der a mtlichen Ent- schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (Art . 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO)." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuld igten, in Ab- weisung der Berufung des Privatklägers sowie in Abweisung der An- schlussberufung der Staatsanwaltschaft in den Ziffern 5 und 6 wie folgt geändert: 5. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Koste n des Vorverfah- rens von Fr. 11'389.60 und der Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.--. B.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO einen Drit- tel der Verfahrenskosten. Zwei Drittel der Verfahrenskosten ge- hen zu Lasten des Staates. 6. Das Honorar des amtlichen Verteidigers in Hö he von insgesamt Fr. 9'187.35 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorbehalt der Rückz ahlungsver- pflichtung von B.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von einem Drittel des Honorars. Aufgrund des teilweisen Freispruchs geht das Honora r des amtli- chen Verteidigers gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StP O im Umfang von zwei Dritteln definitiv zu Lasten des Kantons Basel- Landschaft und es besteht in diesem Umfang keine Rü ckzah- lungsverpflichtung von B.____. Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhäl tnisse erlau- ben, verpflichtet, dem Staat einen Drittel der Kosten der amtli- chen Verteidigung in Höhe von Fr. 3'062.45 zurückzuzahlen und der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen d er amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten ( Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO). Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. II. a) Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfah rens in der Höhe von CHF 10‘000. ‒ inklusive Auslagen werden wie folgt verlegt: – Privatkläger: CHF 4‘000. ‒ – B.____: CHF 2‘500. ‒ – Staat: CHF 3‘500. ‒ b) Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Marco Albrech t, wird für das Beru- fungsverfahren ein Honorar in der Höhe von CHF 3‘90 6.80 (inklusive Ausla- gen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 312.55), somi t insgesamt CHF 4‘219.35, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte B.____ ist zur Rückzahlung der Ent schädigung der amtli- chen Verteidigung an den Kanton im Umfang von einem Viertel verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau ben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger