B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2194/2021 U r t e i l v o m 2 8 . M a i 2 0 2 1 Besetzung Einzelrichterin Constance Leisinger, mit Zustimmung von Richter Markus König; Gerichtsschreiberin Kinza Brunner. Parteien A._______, geboren am (…), Marokko, vertreten durch MLaw Nathalie Kux, (…) (…), Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. April 2021 / N (…). E-2194/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin – marokkanische Staatsangehörige – reiste am 8. Januar 2021 in die Schweiz ein und stellte am 4. Februar 2021 ein Asylgesuch. Am 10. Februar 2021 wurde sie zu ihren Personalien befragt (Personalienaufnahme; PA). Im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertre- tung fand am 29. März 2021 sodann eine Anhörung zu den Asylgründen nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) statt. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie sei in B._______ im Quartier (…) in der (…) geboren und aufgewachsen. Dort habe sie gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern zusammengelebt. Im Jahr 2017 habe sie das Abitur ge- macht. Anschliessend habe sie sich an der Universität (…) in C._______ immatrikuliert, wo sie Jura studiert habe. Die Immatrikulation sei ohne Wis- sen des Vaters erfolgt. Während des ersten Jahres habe sie die Vorlesun- gen jeweils nur während der Abwesenheit des Vaters besucht . Am (…) 2019 habe sie auf dem französischen Konsulat in D._______ einen Vi- sumsantrag gestellt. Dieser sei am (…) 2019 abgelehnt worden. Aufgrund der Probleme mit dem Vater habe sie ihr Studium frühzeitig abbrechen müssen und folglich keinen Abschluss erlangt. Der Vater habe es nie für gut befunden, dass sie zur Universität gegangen sei. Zum einen hätten die Kosten für das Lehrmaterial eine Rolle gespielt, zum anderen habe er den Besuch der Vorlesungen für nicht akzeptabel befunden, da auch männliche Kommilitonen anwesend gewesen seien. Nach dem Abbruch des Studiums sei sie untätig zu Hause geblieben, mit einer Ausnahme: Sie habe im Jahre 2020 während 20 Tagen als (…) gearbeitet, bis sie von ihrem Vater daran gehindert worden sei, die Tätigkeit weiter auszuüben. Im Sommer 2020 habe ihr Vater ihr mitgeteilt, dass er beabsichtige, sie mit seinem Freund beziehungsweise seinem Arbeitskollegen / Arbeitgeber zu verheiraten. Die- ser sei Besitzer eines Transportunternehmens und sehr vermögend; er sei bereits zweifach verheiratet gewesen. Sie habe diese Heirat abgelehnt und ihrem Vater mitgeteilt, dass sie einen Mann namens E._______ heiraten wolle, den sie via Instagram kennengelernt habe. Er sei (…) Staatsbürger und lebe in der Schweiz in F._______. Zu Beginn habe sie lediglich mit ihm telefoniert, später habe er sie einmal in Marokko besucht. Eine Heirat mit E._______, welcher kein Muslim sei, sei für den Vater nicht in Frage ge- kommen. Er habe keinen Widerspruch geduldet , sie beschimpft und kör- perlich misshandelt. In die Auseinandersetzung sei auch die Mutter invol- viert gewesen, die auf ihrer Seite gewesen sei. Der Vater habe der Mutter E-2194/2021 Seite 3 fortan kein Geld mehr zum Kauf der benötigten Lebensmittel gegeben. Deshalb hätten sie die Grossmutter mütterlicherseits nach Lebensmitteln fragen müssen. Ihr Vater habe sie in der Folge im Haus eingesperrt. Bevor er zur Arbeit gegangen sei, habe er ihr jeweils etwas zu Essen gebracht. Er habe immer wieder versucht, sie zur Heirat zu überreden. Sie habe fast einen Nerven- zusammenbruch erlitten. Später habe sich die Lage zugespitzt. Ihr Vater sei ihr gegenüber gewalttätig geworden. Mit Hilfe ihrer Schwester habe sie einmal telefonisch mit ihrem Freund in der Schweiz Kontakt aufnehmen können. Dieser habe vorgeschlagen, bei einem muslimischen Notar einen Heiratsvertrag abzuschliessen. Da dazu aber die Anwesenheit und das Einverständnis der Eltern notwendig sei, sei die Heirat nicht möglich gewe- sen. Am (…) 2021 habe ihr Vater vergessen, ihre Türe abzuschliessen, nach- dem er das Frühstück gebracht und das Haus verlassen habe. Dies e Ge- legenheit habe sie zur Flucht genutzt. Ihre Mutter habe ihr den Reisepass sowie etwas Bargeld und Schmuck für die Finanzierung der Ausreise ge- geben. Sie sei sofort mit einem Taxi nach G._______ zu einer Freundin gefahren. Bei der Freundin habe sie nicht dauerhaft bleiben können. Sie sei deshalb nach einer Nacht in G._______ am (…) 2021 mit der Hilfe eines Schleppers ausgereist. Bei einer Rückkehr nach Marokko befürchte sie, dass ihr Vater sie umbringen werde. Ausserdem wisse sie nicht, wer sie bei einer Rückkehr nach Marokko aufnehmen würde. Die Beschwerdeführerin reichte keinerlei Identitätsdokumente oder Be- weismittel ins Recht. B. Am 8. April 2021 nahm die Rechtsvertretung zum vorgelegten Entwurf der Verfügung Stellung. C. Mit Verfügung vom 9. April 2021 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr Asylgesuch vom 4. Februar 2021 ab. Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. D. Mit Eingabe vom 10. Mai 2021 erhob die Beschwe rdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht E-2194/2021 Seite 4 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung des SEM vom 9. April 2021 aufzuheben, sie sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr in der Schweiz Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und sie sei in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, subeventualiter sei die Sa- che zwecks weiterer Abklärungen und zur Neubeurteilung an die Vo r- instanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus (Covid -19-Verordnung Asyl, SR 142.318); Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bund esverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. E-2194/2021 Seite 5 3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli- cher Zust ändigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur- teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe den Untersuchungs- grundsatz (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) verletzt (vgl. Beschwerde , Ziff. 44 ff.). Sie begründet dies damit, dass der Sachverhalt bezüglich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Zwa ngsheirat nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden sei. 4.2 Diese formelle Rüge erweist sich als unbegründet. Der Beschwerde- führerin wurde vielmehr in der Anhörung vom 29. März 2021 ausführlich Gelegenheit gegeben , ihre Fluchtvorbringen zu erläutern (vgl. act. 1087525-31/17, F69 ff. [nachfolgend act. 31/17]). Auch wurde sie mehrfach aufgefordert, ihre Gründe zu konkretisieren (vgl. act. 31/17 F76, F77). Der Beschwerdeführerin war es somit möglich, ihr Asylgesuch hinreichend zu begründen. Aus der Beschwerde geht denn auch nicht konkret hervor, wel- che zusätzlichen Fragen der Beschwerdeführerin hätten gestellt werden sollen, um dem Erfordernis der rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung Rechnung zu tragen. In diesem Zusammenhang ist auch auf die der Be- schwerdeführerin obliegende Mitwirkungspflicht an der Erstellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 AsylG), hinzuweisen. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG) Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-2194/2021 Seite 6 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Ents cheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 6. 6.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung im Asylpunkt im Wesentli- chen damit, dass sie die Asylvorbringen der Beschwerdeführeri n als un- glaubhaft erachte. Schon an dem von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Besuch der Universität H._______ bestünden ernsthafte Zweifel, habe sie doch un- terschiedliche Angaben dazu gemacht, ob sie das Studium direkt nach dem Abschluss des Abiturs im Jahr 2017 oder erst ein Jahr später angefangen habe. Hinzu komme in dieser Hinsicht, dass sie tatsachenwidrig angege- ben habe, dass an der H._______ Universität Studiengebühren erhoben würden; ebenfalls unzutreffend sei ihre Beschreibung der Studienstruktur. Sodann seien die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrer Biographie ab dem Jahr 2019 inhaltlich wie auch vom Umfang her äusserst knapp aus- gefallen, und es sei kein klares Bild entstanden. Zudem habe sie divergie- rende Angaben dazu gemacht, wann die Probleme mit ihrem Vater ange- fangen hätten und bis wann sie an der Universität studiert habe. Auf Vorhalt hin habe sie diese Unklarheiten nicht beseitigen können. Wider sprüchlich sei auch die Aussage, dass sie vor Beginn der Probleme mit ihrem Vater nie mit dem Gedanken gespielt habe, Marokko zu verlassen, zumal sie als Grund für den Visumsantrag angegeben habe, sie habe Maro kko unbe- dingt verlassen wollen. Auf Vorhalt hin habe sie sich diesbezüglich in wei- tere Widersprüche verstrickt. Widersprüchlich seien weiter auch die Anga- ben der Beschwerdeführerin zu dem Mann, mit dem ihr Vater sie angeblich habe verheiraten wollen. Einmal habe die Beschwerdeführerin davon ge- sprochen, dass es sich um einen vermögenden Arbeit skollegen handle, den der Vater sehr gut kenne, b eziehungsweise um einen langjährigen Freund. Danach gefragt, wie es komme, dass der Arbeitskollege reich, ihre E-2194/2021 Seite 7 eigene Familie jedoch ihren Angaben gemäss arm sei, habe die Beschwer- deführerin sich korrigiert und ausgeführt, dass es sich bei dem Mann nicht um einen Arbeitskollegen ihres Vaters, sonder n um dessen Arbeitgeber handle. Diese Erklärung wirke konstruiert. Auch die Angaben der Beschwerdeführerin zu der Zeit, in der sie einge- sperrt gewesen sei, seien u neinheitlich. Einmal habe sie von c irca 18 Ta- gen gesprochen, nur wenig später hingegen angegeben, sie sei die ganze Zeit eingesperrt gewesen und sie habe kein Zeitgefühl gehabt, ob es Nacht oder Tag gewesen sei. Auf erneute Nachfrage hin habe sie erneut angege- ben, es habe sich um circa 18 Tage gehandelt. Auf die unterschiedlichen Angaben angesprochen, sei sie zunächst ausgewichen, dann habe sie ausgeführt, es sei ihr ab Sommer 2020 nicht mehr erlaubt gewesen, das Haus zu verlassen oder mit jemandem Kontakt aufzunehmen; ins Zimmer eingesperrt habe sie ihr Vater nur für 18 Tage. Sie wisse jedoch nicht mehr, wann dies der Fall gewesen sei. Dass sie den Zeitpunkt des Einsperrens nicht habe angeben können überrasche und sei angesichts ihrer gesamten Vorbringen nicht nachvollziehbar. 6.2 Die Beschwerdeführerin hält den vorinstanzlichen Erwägungen entge- gen, ihre Vorbringen würden zahlreiche Realkennzeichen aufweisen, was für die Glaubwürdigkeit ihrer Aussage spreche. Sodann versucht sie die von der Vorinstanz festgestellten Unglaubhaftigkeitsmerkmale zu erklären beziehungsweise zu relativieren. Für ihre Ausführungen im Detail, wird so- fern notwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 7. 7.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdeführerin zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Die Ausführungen in der Beschwer- deschrift vermögen den Erwägungen des SEM letztlich nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Somit kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 7.2 Selbst wenn die Beschwerdeführerin in Bezug auf einzelne von der Vo- rinstanz festgestellte Unglaubhaftigkeitsmerkmale teilweise plausible Er- klärungen vorbringt, vermag dies in einer Gesamtsicht aufgrund der zahl- reichen Widersprüche in wesentlichen Aspekten nichts daran zu ändern, dass ihre Fluchtvorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten. E-2194/2021 Seite 8 7.3 Zunächst ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die Beschwerdeführe- rin zum Zeitp unkt der Aufnahme ihres Studiums nur unpräzise und vage Angaben gemacht hat (vgl. act. 31/17, F35 ff.). Zwar trifft zu, dass bei einer Berücksichtigung des weiteren Kontexts der Aussagen der Beschwerde- führerin zu vermuten ist, dass sie zwischen 2017 und 2019 die Universität besucht haben könnte (vgl. Beschwerde, Ziff. 17). Dies vermag allerdings nicht zu erklären, warum die Beschwerdeführerin keine klaren Angaben dazu machen kann, wann sie ihr Studium aufgenommen beziehungsweise auch aufgegeben hat (vgl. act. 31/17, F40), zumal die betreffende Zeit noch nicht lange zurückliegt. Wie es sich damit genau verhält, muss vorliegend aber ohnehin nicht abschliessend geprüft werden, steht der Abbruch des Universitätsstudiums doch nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Flucht der Beschwerdeführerin. Insofern erübrigt sich auch eine Würdigung der unpräzisen Aussagen der Beschwerdeführerin zum Studiensystem in Marokko, wobei insoweit aber immerhin darauf hinzuweisen ist, dass die Erklärung der Beschwerdeführerin, sich heimlich an der Universität immat- rikuliert zu haben und keine Möglichkeit zum Austausch mit Kommilitonen und zur Teilnahme an Informationsveranstaltungen gehabt zu haben (vgl. Ziff. 18 der Beschwerde), nicht überzeugt. 7.4 Zutreffend erscheint nach Durchsicht der Akten insbesondere auch die Würdigung der Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin eine drohende Zwangsverheiratung nicht glaubhaft machen konnte. Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang verschiedene Aspekte. Stark ins Gewicht fällt, dass die Beschwerdeführerin in wesentlichen As- pekten ihres Vorbringens unklare, widersprüchliche und unsubstanziierte Angaben machte. Dies betrifft – wie die Vorinstanz richtig ausführt – zum einen die Person des Mannes, mit dem ihr Vater sie angeblich verheiraten wollte (Freund des Vaters, den der Vater seit langer Zeit kenne [ vgl. act. 31/17, F75], Freund und Arbeitskollege [ vgl. act. 31/17, F88], Arbeitgeber [vgl. act. 31/17, F90]). Zum anderen betreffen sie die Frage, wie lange sie eingesperrt war (eine Nacht [vgl. act. 31/17, F75], 18 Tage [vgl. act. 31/17, F76] ohne dabei zu wissen, ob es Tag oder Nacht gewesen sei [ vgl. act. 31/17, F77], die ganze Zeit [ vgl. act. 31/17, F77]). Hinzu kommt, dass sie den Zeitpunkt wann genau sie von ihrem Vater aufgrund ihrer Verweige- rungshaltung eingesperrt worden sei, nicht genauer in die angeblich erleb- ten Geschehnisse einordnen konnte. Zunächst verorte sie diesen in der Zeitphase unmittelbar vor ihrer Flucht ( vgl. act. 31/17, F77ff.). Zu einem späteren Zeitpunkt der Anhörung vermochte die Beschwerdeführerin hin- gegen das Eingesperrtsein zeitlich überhaupt nicht mehr einzugrenzen E-2194/2021 Seite 9 (vgl. act. 31/17, F93). Entgegen den Beschwerdeausführungen lässt sich dieser Widerspruch nicht mit der Nervosität und Angespanntheit der Be- schwerdeführerin erklären (vgl. Beschwerde, Ziff. 31). Dieses Aussage- verhalten lässt darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin die angeb- lich fluchtauslösenden Momente nicht selbst erlebt hat. Dieser Schluss drängt sich auch deshalb auf, weil die Beschwerdeführerin in der Anhörung zunächst vorbrachte, sie habe Marokko schon im Jahr 2019 unbedingt ver- lassen wollen (vgl. act. 31/17, F67). Zu einem späteren Zeitpunkt führte sie hingegen aus, bis zu den Problemen mit ihrem Vater nie mi t dem Gedan- ken gespielt zu haben, Marokko zu verlassen ( vgl. act. 31/17, F86). Auch diesbezüglich sind ihre Aussagen mithin in sich nicht schlüssig; dies ver- mochte sie in der Anhörung auch nicht plausibel aufzulösen ( vgl. act. 31/17, F102). 7.5 Insgesamt wirk t das Vorbringen der Beschwerdeführerin konstruiert. Dies auch mit Blick auf den bereits im Jahr 2019 gestellten Visumsantrag für I._______. Es scheint wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin schon längere Zeit nach einem Weg gesucht hat, in die Schweiz zu ihrem hier lebenden Freund zu kommen. Darauf deutet nicht zuletzt auch hin, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Ankunft in der Schweiz fast einen Monat zuwartete, bis sie ihr Asylgesuch stellte. 7.6 Zusammenfassend ergibt sich nach dem Gesagten, dass d ie Vo r- instanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin zu Recht ver- neint und ihr Asylgesuch abgewiesen hat. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Eine andere Beurteilung ergibt sich auch nicht aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz einen Freund hat. Die Weg- weisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den E-2194/2021 Seite 10 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 8.4 Beim Geltendmachen von Wegweisungsv ollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.5 8.5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie- mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be- handlung unterworfen werden. 8.5.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be- schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Marokko ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.5.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh- rerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses E-2194/2021 Seite 11 müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nach- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies ist der Beschwerdeführerin vorliegend nicht ge- lungen. Ebenso wenig lässt die allgemeine Menschenrechtss ituation in Marokko den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. 8.5.4 Gründe, die einem Vollzug der Wegweisung nach Art. 8 EMRK (Recht auf Familienleben) entgegenstehen könnten, ergeben sich mit Blick auf die geltend gemachte Beziehung nicht. 8.5.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.6 8.6.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.6.2 In Marokko herrscht weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation all- gemeiner Gewalt, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret gefähr- det bezeichnet werden müsste. Der Wegweisungsvollzug ist daher grund- sätzlich zumutbar (vgl. statt vieler Urt eil des BVGer E -2647/2020 vom 2. September 2020 E. 9.3.2). Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 8.6.3 Die Beschwerdeführerin ist gesund, verfügt über eine gute Schulbil- dung und ist im erwerbsfähigen Alter. Sie hat auch in anderen Teilen Ma- rokkos sowie in Europa Verwandte. Zudem hat sie einen Freund in der Schweiz. Es ist mithin davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nicht in eine existentielle Not geraten wird. 8.6.4 Allfällige wirtschaftliche Reintegrationsschwierigkeiten vermögen dem Vollzug nicht entgegenzustehen, da blosse soziale oder wirtschaftli- che Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung betroffen ist, für sich gesehen keine existenzbedrohende Situa tion zu begründen ver- mögen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6). E-2194/2021 Seite 12 8.7 Sodann obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung als möglich zu be- zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Auch die Corona -Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Ihr ist im Rahmen der Vollzugsmo- dalitäten Rechnung zu tragen, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst wird. 8.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies- bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwer- debegehren der Beschwerdeführerin schon bei Einreichung des Rechts- mittels als aussichtslos zu gelten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin – eine der kumula- tiv zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt. Das entsprechende Gesuch ist abzuweisen. Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschuss- erhebung ist mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos geworden. 10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art . 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-2194/2021 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Kinza Brunner Versand: