B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5267/2022 U r t e i l v o m 2 8 . N o v e m b e r 2 0 2 2 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Matthias Neumann. Parteien A._______, geboren am (….), Afghanistan, vertreten durch MLaw Sara Spahni, HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren, Freiburgerstrasse 50, 4057 Basel, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 9. November 2022 / (….). E-5267/2022 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste am (….) in die Schweiz ein und suchte glei- chentags um Asyl nach. Auf dem Personalienblatt gab er an, er sei am (….) geboren worden. Damit bezeichnete er sich als minderjährig. B. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der europäi- schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass er am (….) in Österreich ein Asylgesuch gestellt hatte. C. Am 26. Juli 2022 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zugewie- sene Rechtsvertretung des Bundesasylzentrums (BAZ) der Region (….). D. Am 30. August 2022 führte das SEM – im Beisein der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers – eine Erstbefragung (Erstbefragung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. Dabei machte der Be- schwerdeführer geltend, am (….) geboren worden zu sein. Seine Mutter habe ihm gesagt, er sei am (….) geboren. Er habe seine Tazkera in Kopie heute dem SEM eingereicht. Er sei bei deren Ausstellung vor drei Jahren persönlich dabei und damals vierzehn Jahre alt gewesen. Er habe keine andere Tazkera und wisse nicht, wie er das Original beschaffen könne. Er sei ungefähr im Oktober 2021 mithilfe eines Schleppers und finanzielle r Hilfe seines Onkels illegal aus Afghanistan ausgereist und auf dem Land- weg via Pakistan, Iran, Türkei, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich in die Schweiz eingereist. In medizinischer Hinsicht gab er an, in Bulgarien schwer verprügelt worden zu sein ; seither zittere sein ganzer Körper. Zu- dem könne er nicht sehr gut schlafen. Jetzt gehe es ihm gesundheitlich gut. E. Auf schriftlichen Auftrag des SEM vom 6. September 2022 wurde am (….) durch das Institut für Rechtsmedizin B._______ eine forensische Lebens- altersschätzung durchgeführt. Im Altersgutachten vom (….) kamen die be- handelnden Ärzte zum Schluss, der Beschwerdeführer habe mit an Sicher- heit grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht. Es könne von einem Mindestalter von 19 Jahren aus- gegangen werden. E-5267/2022 Seite 3 F. Am 22. September 2022 ersuchte das SEM die österreichischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. G. Am 23. September 2022 stimmten die österreichischen Behörden einer Wiederaufnahme des Beschwerdeführers zu. H. Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 23. September 2022 schriftlich das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Anpassung seines Alters im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) mit Geburtsdatum vom 1. Januar 2003 sowie zur allfälligen Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung dorthin und zum Nichteintretensentscheid. I. Das SEM änderte das Geburtsdatum des Beschwerdeführers am 5. Okto- ber 2022 im ZEMIS – mit Bestreitungsvermerk – auf den 1. Januar 2003. J. In seiner Stellungnahme vom 6. Oktober 2022 führte der Beschwerdefüh- rer aus, er wisse zwar wie viele seiner Landsleute sein Geburtsdatum nicht auf den Tag genau . Es sei aber sowohl seiner Tazkera als auch seinem Impfausweis, den Aussagen seiner Mutter und auch seinem eigenen Aus- sageverhalten widerspruchsfrei zu entnehmen, dass er 17 Jahre und fünf oder sechs Monate alt sei, jedenfalls aber noch nicht volljährig. Zudem treffe es nicht zu, dass er das Alter seiner Geschwister habe nennen kön- nen, sein eigenes jedoch nicht. Er habe das Alter der Geschwister in gan- zen Jahreszahlen genannt und habe sow ohl deren als auch sein eigenes Geburtsdatum nicht genau gekannt. Schliesslich hätten auch die österrei- chischen Behörden ihn als minderjähri g registriert. Sodann dürfe im Zu- sammenhang mit der Tazkera allein aufgrund des Unvermögens, Identi- tätsdokumente im Original einzureichen, nicht auf die Unglaubhaftigkeit des angegebenen Alters geschlossen werden. Er habe an der EB UMA alles vorgebracht, was er zu seinem Alter wisse. Das Gutachten allein sei nicht dazu geeignet, das Glaubhaftmachen seines Alters in Frage zu stel- len. Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts könne eine Abweichung zwischen dem Knochenalter und dem tatsächli- chen Alter einer Person von zweieinhalb bis drei Jahren noch als innerhalb des Normbereichs betrachtet werden. Selbst wenn das zugrundeliegende E-5267/2022 Seite 4 Altersgutachten von der Volljährigkeit ausgehe, könne es in Anbetracht der möglichen Abweichung vom tatsächlichen Alter vorliegend nicht als einzi- ger Beweis für die Altersanpassung herangezogen werden. Vorliegend würden sämtliche seiner Aussagen mit seinen eingereichten Unterlagen übereinstimmen. Zusammenfassend sei keine Gesamtwürdigung aller Um- stände vorgenommen, sondern lediglich auf ein ungenaues Altersgutach- ten Bezug genommen worden. K. Mit Verfügung vom 9. November 2022 – eröffnet am 10. November 2022 – trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, stellte fest, sein Geburtsdatum im ZEMIS laute auf den (….), mit Bestreitungsver- merk, verfügte die Wegweisung nach Österreich als zuständigen Dublin - Mitgliedstaat und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton Solothurn mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Zudem verfügte die Vorinstanz die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Akten- verzeichnis an den Beschwerdeführer und hielt fest, einer allfälligen Be- schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. L. Mit Eingabe vom 17. November 2022 (Datum des Poststempels) erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertretung – beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragt in materieller Hinsicht, es seien die Ziffern 1 und 3 bis 7 der Verfügung des SEM vom 9. November 2022 aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten, es sei Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und das im ZEMIS geführte Geburtsdatum vom (…) zu berichtigten und auf den (…) anzupassen; eventualiter sei die Verfügung der Vorinstanz zur rechts- genüglichen Begründung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu- weisen. In prozessualer Hinsicht beantragt er, es sei im Sinne einer provi- sorischen Massnahme die Vorinstanz anzuweisen, ihn während des lau- fenden Beschwerdeverfahrens in der Unterkunft für Minderjährige unterzu- bringen. Zudem sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der vorlie- genden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Voll- zugsbehörde sei unverzüglich anzuweisen, v on einer Überstellung nach Österreich abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung entschieden ha be. Schliesslich sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und insbesondere von der Er- hebung eines Kostenvorschusses abzusehen. E-5267/2022 Seite 5 Der Beschwerde lagen die Kopie der Vollmacht vom 26. Juli 2022 und die angefochtene Verfügung des SEM bei. M. Am 18. November 2022 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Über- stellung des Beschwerdeführers nach Österreich mit sup erprovisorischer Massnahme per sofort einstweilen aus. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge- richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal- tungsgericht Beschwerd en gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vo- rinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun- desgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am V erfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Der Beschwerdeführer beantragt die Abänderung des im ZEMIS vermerk- ten Geburtsdatums (1. Januar 2003) auf den 5. April 2005. Die vorliegende Beschwerde richtet s ich demnach sowohl gegen den Nichteintretensent- scheid betreffend das Asylgesuch (Dispositivziffern 1 und 3–7 der ange-E-5267/2022 Seite 6 fochtenen Verfügung) als auch gegen die ZEMIS-Eintragung (Dispositivzif- fer 2 der angefochtenen Verfügung). Über das Begehren auf Änderung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums ist nicht im vorliegenden Dublin-Ver- fahren zu entscheiden, weshalb bezüglich der beantragten Datenänderung im ZEMIS ein separates Verf ahren unter der Geschäftsnummer E-5384/2022 zu führen ist (vgl. hierzu u.a. Urteil de s BVGer D-2765/2021 vom 21. Juni 2021 E. 2). Auf das auch in diesem Zusammenhang gestellte Rechtsbegehren 5 (aufschiebende Wirkung der Beschwerde) ist demnach im vorliegenden Dublin-Verfahren nicht weiter einzugehen. Das Beschwer- deverfahren betreffend Nich teintreten auf das Asylgesuch und Überstel- lung in einen anderen Dublin-Mitgliedstaat ist angesichts der Dringlichkeit des Asylverfahrens (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG) vorzuziehen, derweil das ZEMIS-Beschwerdeverfahren zu einem späteren Zeitpunkt weiterzuführen sein wird. 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwei- ten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriften- wechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 4. 4.1 Mit asylrechtlicher Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1 und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 5. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf einen Schriftenwechsel ver- zichtet. E-5267/2022 Seite 7 6. 6.1 Die Vorinstanz begründete die angefochtene Verfügung im Wesentli- chen wie folgt: Zum einen sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die angegebene Minderjährigkeit mit einem rechtsgenüglichen Identitäts- dokument zu belegen. Die eingereichten Kopien seiner Tazkera und seines Impfausweises seien nicht überprüfbar und verfügten deshalb nur über ei- nen geringen Beweiswert. Weiter habe er keine gehaltvollen Angaben dazu machen können, woher er sein Alter kenne und wie er davon erfahren habe. Gemäss eingereichter Tazkera sei er im Jahr 2019 vierzehn Jahre alt gewesen und auf der Impfkarte stehe, dass er am (….) geboren worden sei. Sein Alter habe er erst nach Rücksprache mit seiner Mutter erfahren. Aus diesen Angaben könne kein eindeutiges Alter entnommen werden. Zu- dem habe er nicht glaubhaft erklären können, woher seine Mutter den gre- gorianischen Kalender gekannt habe, obwohl diese in Afghanistan lebe und eine religiöse Schule besucht habe. Zudem erstaune, dass er das un- gefähre Alter seiner drei Geschwister und seiner Eltern spontan habe an- geben könne, obs chon er scheinbar mindestens bis zur Ausreise selbst das eigene Alter nicht gekannt habe. Schliesslich sei vorliegend das foren- sische Gutachten ein starkes Indiz für seine Volljährigkeit. Das Gutachten sei zum Schluss gekommen, dass er mit an Sicherheit gr enzender Wahr- scheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht habe. Zum Skelettalter sei festzuhalten, dass der radiologische Befund der Verknöcherung seines Handskeletts dem Referenzbild eines 19 -jährigen Jungen und die Verknöch erung der Schlüsselbein -Brustbein-Gelenke ei- nem Mindestalter von 19 Jahren entspreche. Nach den Ergebnissen der zahnärztlichen Untersuchung sei ein vollständiger Abschluss des Wurzel- wachstums festgestellt worden, was ab einem Alter von 16 Jahren zur Be- obachtung komme. Bei den Weisheitszähnen sei das Wurzelwachstum vollständig abgeschlossen, was einem Mindestalter von 17 Jahren ent- spreche. Zusammenfassend könne daher im Zeitpunkt der Untersuchung vom (….) von einem Mindestalter von 19 Jahren ausgegangen werd en. Das von ihm angegebene Lebensalter von 17 Jahren und 5 Monaten sei mit den erhobenen Befunden nicht zu vereinbaren. 6.2 Dem hält der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde im Wesentlichen folgendes entgegen: Die Vorinstanz sei vorliegend gar nicht befugt gewe- sen, ein medizinisches Altersgutachten einzuholen, da nach erfolgter EB UMA keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür vorgelegen hätten, dass das von ihm angegebene Alter nicht korrekt sei. Er habe von Anfang an konsistente Angaben zu seinem Geburtsdatum gemacht sowie Identitäts- dokumente eingereicht, die sein Alter und seine Minderjährigkeit bestätigen E-5267/2022 Seite 8 würden. Er sei – wie er mehrmals an der EB UMA betont habe – Analpha- bet. Die Personalienblätter seien von einer ihm unbekannten Person aus- gefüllt worden. Ent gegen der Vorinstanz habe er anlässlich der EB UMA Angaben zu seinem Alter machen können und sowohl die Tazkera als auch den Impfausweis eingereicht, welche seine Minderjährigkeit belegen wür- den. Es stimme zudem nicht, dass er das Alter seiner Geschwister und Eltern genau gekannt habe. Diesbezüglich sei gerichtsnotorisch, dass das Alter und Geburtsdatum in Afghanistan eine untergeordnete Rolle spiele und wenn überhaupt nur bei Schulantritt zur Sprache komme. Deshalb sei es nicht aussergewöhnlich, dass er lediglich sein ungefähres Alter und nicht sein genaues Geburtsdatum habe angeben können. Insgesamt habe er widerspruchsfrei und in sich stimmig ausgesagt. Ausserdem dürfe allein aufgrund des Unvermögens, Identitätsdokumente im Original einzu- reichen, nicht auf die Unglaubhaftigkeit des angegebenen Alters geschlos- sen werden. Er verfüge aktenkundig über ein sehr niedriges Bildungsni- veau, weshalb er die Wichtigkeit eines Identitätsdokuments im Original vor seiner Einreise in die Schweiz nicht erfasst habe. Er sei trotzdem bestrebt, die Originale der beiden Identitätsdokumente zu beschaffen. Dies sei auf- grund der Machtübernahme der Taliban bisher nicht gelungen. Schliesslich sei das Altersgutachten nicht geeignet, die Glaubhaftmachung seines Al- ters umzustossen und dessen Volljährigkeit zu begründen. Zunächst falle auf, dass sich das Ergebnis der zahnärztlichen Untersuchung lediglich zum Durchschnittsalter äussere und weder eine Altersspanne noch das statis- tisch wahrscheinlichste Alter angegeben werde. Das Ergebnis d er zahn- ärztlichen Untersuchung weise auf ein durchschnittliches Alter von 16 Jah- ren hin, weshalb das von ihm angegebene Alter wahrscheinlicher als das im ZEMIS eingetragene sei. Auch wenn die Schlüsselbein- respektive Ske- lettanalyse zu einem Mindestalter von 19 und einem Durchschnittsalter von 22.9 Jahren komme, könne das Ergebnis des Gutachtens insbesondere aufgrund der fehlenden Angabe zur Überlappung und ma ngels weiterfüh- render medizinischer Erklärungen gemäss der Rechtsprechung des Bun- desverwaltungsgerichts (BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 m.w.H; ebenso BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.) nicht als starkes Indiz gewertet werden. Vielmehr handle es sich um ein schwaches Indiz für die Volljährigkeit. Hinzu komm e das konsistente Aussageverhalten sowie die eingereichten Identitätsdoku- mente, welchen entgegen den Ausführungen der Vorinstanz zumindest ein Beweiswert zuzusprechen sei. Das Altersgutachten sei ausserdem äus- serst knapp gehalten. E-5267/2022 Seite 9 7. 7.1 Der Beschwerdeführer rügt in Bezug auf die Altersabklärung eine Ver- letzung der Begründungspflicht und macht geltend, die Vorinstanz habe in der angefochtenen Verfügung nicht rechtsgenüglich erklärt, wieso sie das forensische Gutachten als starkes Indiz für die Volljährigkeit des Beschwer- deführers heranziehe, da sie sich nicht zu den überlappenden Altersspan- nen und den divergierenden Einzelergebnissen äussere. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie bei Begründetheit zur Kassation der an- gefochtenen Verfügung führen kann. Die Rüge, wonach es die Vorinstanz unterlassen habe, eine separate an- fechtbare Verfügung zur Altersanpassung im ZEMIS zu erlassen, erübrigt sich vorliegend, da das ZEMIS-Verfahren wie vorstehend festgehalten (vgl. E. 2) separat geführt wird. 7.2 Gemäss Art . 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) und Art. 29 VwVG ha- ben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welcher als Mitwirkungs- recht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 und 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor- bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin- dung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Aus der Begründungspflicht, als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs, ergibt sich, dass die betroffene Person den Entscheid gestützt auf die Be- gründung sachgerecht anfechten kann und sich sowohl die betroffene Per- son als auch die Rechtsmittel instanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 und 2008/47 E. 3.2; vgl. ferner LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schind- ler [Hrsg.], a.a.O., N 5 ff. zu Art. 35 VwVG). 7.3 Eine Verletzung der Begründungspflicht ist vorliegend zu verneinen. Die Vorinstanz äussert sich in der angefochtenen Verfügung einlässlich zum forensischen Altersgutachten, gibt dessen Ergebnisse wi eder, stellt diese in den Kontext der anwendbaren Rechtsprechung des Bundesver- waltungsgerichts und begründet ihre Schlussfolgerung nachvollziehbar. Dem Beschwerdeführer war es offensichtlich auch möglich, sich ein Bild E-5267/2022 Seite 10 über die Tragweite des Entscheids zu machen und diesen – wie dessen Beschwerde zeigt – sachgerecht anzufechten. 7.4 Demgemäss besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zu- rückzuweisen. Das entsprechende (Eventual-)Begehren ist abzuweisen. 8. 8.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin -III-VO zur Anwen- dung. 8.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu- ständigen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah- men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge- genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi- tel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 8.3 Gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO ist der zuständige Mitglied- staat verpflichtet, die antragstellende Person, welche ihren Antrag während der Antragsprüfung zurückgezogen und in einem anderen Mitgliedstaat ei- nen Antrag gestellt hat oder die sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mit- gliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen. Diese Verpflichtung erlischt, wenn der Ge- suchsteller oder eine andere Person gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. c oder d das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten während einer Dauer von mindes- tens drei Monaten verlassen hat, ausser die Person verfüge über einen durch den zuständigen Mitgliedstaat ausgestellten Aufenthaltst itel (vgl. Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO). 8.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa- tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü- fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). E-5267/2022 Seite 11 8.5 Im Falle einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An- knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäs s Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat. Als minderjährig gilt ein Drittstaatsan- gehöriger unter 18 Jahren (Art. 2 Bst. i Dublin-III-VO; Art. 1a Bst. d AsylV1). Unbegleitete Min derjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausge- nommen (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin -III-Verord- nung, Das europäische Asylzuständigkeitssystem, 2014, K15 f. zu Art. 8 Dublin-III-VO, m.w.H.). Vorliegend bestünde deshalb bei Minderjährig keit des Beschwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezustän- digkeit Österreichs vorrangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. statt vieler Urteile des BVGer F -6213/2020 vom 5. Januar 2021 E. 3.4; F-5625/2020 vom 18. November 2020; F-3255/2020 vom 2. Juli 2020 E. 5.2). 9. 9.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Vorinstanz die dargelegte Minderjährig- keit des Beschwerdeführers zutreffend verneint hat. 9.2 Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich die asylsuchende Person (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und E. 4.2.3). Im Rah- men einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben spre- chen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei als für echt befundene Identi- tätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen Person (vgl. Urteil des BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.1.1, mit Hinweis auf Ent- scheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30). Das Resultat des Altersgutachtens stellt nur ein Element bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Minderjährigkeit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.). 9.3 Nach Durchsicht der Akten ist der Vorinstanz zunächst darin beizu- pflichten, dass der Beschwerdeführer anlässlich de r EB UMA nicht genü- gend plausible und stichhaltige Angaben zum behaupteten Alter machen konnte. Dies betrifft namentlich die Hintergründe zur Kenntnis seines Al- ters. Er gab an, er wisse nicht, wann er genau geboren worden sei; seine Mutter, habe ihm gesagt , am 10. Mai 2005 (vgl. SEM -eAkten, 1184244- 13/13, Ziffer 1.06). Die Mutter habe ihm das Geburtsdatum nach dem eu- ropäischen Kalender genannt, da sie eine religiöse Schule besucht habe (vgl. SEM-eAkten, 1184244-13/13, Ziffer 4.04). Ausserdem ist mit der Vor- instanz zu bemerken, dass er das Alter seiner drei Geschwister ohne wei- teres nennen konnte , obwohl er gemäss eigener Aussage bis zu seiner E-5267/2022 Seite 12 Ausreise offenbar sein eigenes Geburtsdatum nicht gekannt habe (vgl. SEM-eAkten, 1184244-13/13, Ziffer 1.06 und 3.01). 9.4 Bei den vom Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren zum Be- weis seines Alters eingereichten Tazkera und Impfausweis handelt es sich um Kopien, weshalb der Beweiswert von vornherein gering ist. Zudem ent- hält eine Tazkera keine Sicherheitsmerkmale und kann deshalb einfach ge- fälscht werden. Selbst bei Annahme der Echtheit der Tazkera besteht nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Möglichkeit, dass die darin enthaltenen zeitlichen Angaben keinen zweifelsfreien Rück- schluss auf das wirkliche Alter erlauben. Die Geburtsdaten werden je nach Ausstellungsort unterschiedlich eingetragen und oft basiert die Angabe auf einer Einschätzung des Alters aufgrund des Aussehens der Person im Zeit- punkt der Ausstellung (vgl. hierzu BVGE 2019 I/6 E. 6.2, bestätigt u.a. im Urteil des BVGer D -60/2020 vom 8. Februar 2021 E. 4.3.2). Aus diesem Grund vermag der Beschwerdeführer aus dem blossen Umstand, dass das in der Tazkera festgehaltene Alter mit seinen Angaben übereinstimme be- ziehungsweise für seine Minderjährigkeit spreche, nichts zu seinen Guns- ten herzuleiten und die Kopie der eingereichten Tazkera – wie auch die Kopie des Impfausweises – stellen kein wesentliches Indiz für die behaup- tete Minderjährigkeit zum Zeitpunkt der Stellung des Asylgesuchs in der Schweiz dar. 9.5 Gemäss dem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- respektive Skelettal- tersanalyse und die zahnärztliche Unters uchung (nicht jedoch die Hand- knochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet. Anhand der medizinischen Altersabklärung lässt sich keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person machen, wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und der Schlüsselbein - respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt (vgl. ebenda E. 4.2.1 f.). 9.5.1 Vorab ist festzustellen, dass die Rüge des Beschw erdeführers, wo- nach die Vorinstanz aufgrund fehlender Anhaltspunkte gar nicht erst befugt gewesen sei, ein medizinisches Altersgutachten einzuholen, ins Leere läuft. Es ist zunächst unbestritten, dass die Vorinstanz zur Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts auch Beweismittel in Form von medizini-E-5267/2022 Seite 13 schen Abklärungen erhältlich machen kann. Ob für eine solche Beweiser- hebung als Voraussetzung für deren Zulässigkeit hinreichende Anhalts- punkte im konkreten Fall vorliegen müssen, kann hier offengelassen wer- den, da die Vorinstanz – wie vorstehend gezeigt (vgl. E. 9.3) – bereits auf- grund der teilweise nicht plausiblen Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Alter hinreichend Anlass hatte, ein Altersgutachten einzuholen. 9.5.2 Vorliegend bestehen keine begründete n Anhaltspunkte, welche ge- eignet sind, die Erkenntnisse des Altersgutachtens des IRM Basel vom 13. September 2022 entscheidrelevant in Zweifel zu ziehen. Im Altersgut- achten wird zunächst festgehalten, dass die körperliche Untersuchung aus medizinischer Sicht keine Hinweise auf das Vorliegen einer entwicklungs- beeinflussenden Erkrankung beziehungsweise einer manifesten Entwick- lungsstörung ergeben habe. Die zahnärztliche Untersuchung habe einen vollständigen Abschluss des Wurzelwachstums ergeben, was ab einem Al- ter von 16 Jahren beobachtet werden könne. Dies könne nur als Mittelwert und nicht als Minimum gewertet werden. Sodann ergebe die Untersuchung aufgrund der Weisheitszähne ein Mineralisationsstadium H, was einem vollständigen Abschluss des Wurzelwachstums entspreche. Es könne da- her nur noch ein Mindestalter angegeben werden, was hier bei 17 Jahren liege. Die radiologische Altersschätzung der Brustbein-Schlüsselbein-Ge- lenke entspreche vorliegend dem Referenzbild eines 19 -jährigen Jungen, wobei hier unter Berücksichtigung der Verknöcherung (Stadium 3c) von ei- nem minimalen Alter von 19.7 Jahren auszugehen sei. In Zusammenschau der Befunde könne daher von einem Mindestalter von 19 Jahren ausge- gangen werden. Das vom Beschwerdeführer angegebene Lebensalter von 17 Jahren und 5 Monaten sei mit den erhobenen Befunden nicht zu ver- einbaren. Er habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht. 9.5.3 Gestützt auf BVGE 2018 VI/3 ist es ein starkes Indiz für die Volljäh- rigkeit, wenn das Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettal- tersanalyse oder der zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und die sich anhand der beiden Analysen ergebenden Altersspannen über- lappen (vgl. ebenda E. 4.2.2). Gemäss dem Altersgutachten des IRM Basel liegt das Mindestalter bei der Schlüsselbeinanalyse über 18 J ahren ([…] Jahre), bei der zahnärztlichen Untersuchung unter 18 Jahren ([…] Jahre). Da bei der Mineralisation der Weisheitszähne lediglich ein Mindestalter von (….) Jahren festgestellt werden konnte und die zahnärztliche Untersu- chung nur einen Mittelwert von (….) Jahren nannte, ist dem Beschwerde-E-5267/2022 Seite 14 führer zwar zuzustimmen, dass sich die Altersspannen zwar insofern tat- sächlich nicht überlappen, als dass im Rahmen dieser Untersuchung keine konkrete Altersspanne genannt wird. Die Ergebnisse stehen aber nicht im Widerspruch zueinander. Vor dem Hintergrund des eindeutigen Fazits des Altersgutachtens («mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» Voll- endung des 18. Lebensjahres) hat die Vorinstanz das Gutachten in Anwen- dung einer Gesamtwürdigung – namentlich der Aussagen und der einge- reichten Identitätsdokumente – als ein Indiz gewertet, welches ebenfalls für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers spricht. 9.6 Im Lichte des vorstehend Gesagten ist im Sinne einer Gesamtwürdi- gung aller Indizien davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine behauptete Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen konnte, mithin im Zeit- punkt der (Asyl-)Antragsstellung in der Schweiz mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit bereits volljährig war. 9.7 Damit fällt Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO als Kriterium zur Bestimmung des für das Asylverfahren zuständigen Mitgliedstaats ausser Betracht. 10. 10.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu- rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am (….) in Österreich ein Asylgesuch eingereicht hatte. Die Vorinstanz ersuchte deshalb die österreichischen Behörden am 22. September 2022 um Wiederaufnahme des Beschwerde- führers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin -III-VO. Die österreichi- schen Behörden stimmten diesem Gesuch am 23. September 2022 zu. 10.2 Die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist somit gegeben und wurde vom Beschwerdeführer im Übrigen auch nicht bestritten. 11. 11.1 Weiter ist zu prüfen, ob es im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf- nahmebedingungen für Asylsuchende in Österreich würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU -Grund- rechtecharta mit sich bringen würden. 11.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da- von aus, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für asyl- suchende Personen in Österreich keine Schwachstellen im Sinne von Art. E-5267/2022 Seite 15 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer un- menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtcharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden (vgl. Urteil des BVGer E-522/2022 vom 15. Februar 2022 E. 8 m.w.H.). Zudem ist Österreich ein funktionierender Rechtsstaat dessen Behörden grund- sätzlich gewillt und fähig sind, staatlichen Schutz zu gewähren. Im Übrigen bringt der B eschwerdeführer in seiner Beschwerde auch keine Kritik am Asylsystem in Österreich vor. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 12. 12.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Vorinstanz trotz der grundsätzlichen Zu- ständigkeit Österreichs das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, hätte ausüben müssen. Zwar kann die Vermutung, Österreich halte seine völkerrechtli- chen Verpflichtungen ein, im Einzelfall widerlegt werden. Dafür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die gegebenenfalls vom Betroffe- nen glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.). 12.2 Wie erwähnt macht der Beschwerdeführer nicht geltend, das Asylsys- tem in Österreich sei in irgendeiner Art mangelhaft und ihm würde dadurch ein konkretes und ernsthaftes Risiko drohen. Auch macht er in der Be- schwerde keine Beeinträchtigungen gesundheitlicher Art (physisch oder psychisch) geltend. In diesem Zusammenhang ist den Akten auch zu ent- nehmen, dass kein medizinisches Datenblatt über seine Person besteht und er sich bis zum heutigen Zeitpunkt wegen allfälligen gesundheitlichen Beschwerden nie beim medizinischen Personal in der Asylunterkunft ge- meldet hat (vgl. SEM-eAkten, 1184244-35/2). 12.3 Für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO besteht somit keine Veranlassung. Der Beschwerdeführer konnte kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar- tun, wonach seine Überstellung nach Österreich die Verletzung völker- rechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Eine Ermessenunterschreitung der Vorinstanz liegt ebenfalls nicht vor (vgl. dazu BVGE 2015/9 E. 7 f.). 13. Das SEM ist im Ergebnis zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Österreich in Anwendung von Art. 44 E-5267/2022 Seite 16 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Die ange- fochtene Verfügung erweist sich als rechtmässig und die Beschwerde ist abzuweisen. 14. Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 15. Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren hinsichtlich des Nichteintretensentscheids auf das Asylgesuch und der Überstellung in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Dublin-Verfahren) abgeschlossen, wes- halb der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung nach Art. 107a Abs. 2 AsylG gegenstandslos wird und der mit superpro visorischer Mass- nahme vom 18. November 2022 angeordnete Vollzugsstopp dahinfällt. 16. 16.1 Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG erübrigt sich mit dem vorliegenden abschliessenden Urteil in der Sache. 16.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aus den vorstehenden Erwägun- gen ergibt sich, dass seine Begehren als von vornherein aussichtslos zu erachten waren. Die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind damit nicht erfüllt, weshalb das Gesuch abzuweisen ist. 16.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-5267/2022 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Über die Begehren hinsichtlich der Datenänderung im Zentralen Migrati- onsinformationssystem (ZEMIS) wird im separaten Verfahren E-5384/2022 entschieden. 2. Die Beschwerde wird hinsichtlich des Nichteintretensentscheids auf das Asylgesuch und der Überstellung in den zuständigen Dublin -Mitgliedstaat (Dublin-Verfahren) abgewiesen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 4. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Matthias Neumann Versand: