A bteilung III C -1389/2007 {T 0/2} U rteil vom 28. A ugust 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterin Beutler und R ichter Vaudan; G erichtsschreiberin Kaufm ann. D ._______, Beschw erdeführerin, vertreten durch W ._______, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für M ._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er am 6. Juli 1987 geborene serbische Staatsangehörige M ._______ (im Folgenden: G esuchsteller) beantragte am 15. Januar 2007 bei der Schw ei- zerischen Botschaft in Belgrad ein Visum für einen einm onatigen Besuchs- aufenthalt bei seiner Tante D ._______ (im Folgenden: G astgeberin bzw . Beschw erdeführerin) in R oot (LU ). D ie Schw eizer Vertretung überw ies das G esuch in der Folge der Vorinstanz zum Entscheid. B. N achdem das Am t für M igration des Kantons Luzern bei der G astgeberin w eitere Auskünfte eingeholt hatte, verw eigerte die Vorinstanz in einer Ver- fügung vom 8. Februar 2007 die nachgesuchte Einreisebew illigung. D ies im W esentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der persönlichen Verhältnisse des G esuch- stellers nicht als gesichert betrachtet w erden. C . M it R echtsm itteleingabe vom 21. Februar 2007 liess die Beschw erdeführe- rin beim Bundesverw altungsgericht um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Erteilung der gew ünschten Einreisebew illigung ersu- chen. Zur Begründung w urde sinngem äss vorgebracht, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die anstandslose und fristgerechte W ieder- ausreise des G esuchstellers w äre nicht gesichert. D ieser habe keinerlei Absicht, länger als vorgegeben in der Schw eiz zu bleiben. Er lebe noch bei den Eltern und arbeite unter anderem auf dem elterlichen Bauernbetrieb, den er als einziger m ännlicher N achkom m e dereinst übernehm en w erde. W eiter lässt die Beschw erdeführerin einw enden, der Ansporn zum Besuch gehe von ihr aus. Sie sei erkrankt und bis auf w eiteres nicht reisefähig. D a sie sich schon seit längerem nicht m ehr in ihrer H eim at aufgehalten habe, m öchte sie gerne jem anden aus der Verw andtschaft zu sich einladen. D er G esuchsteller sei der einzige Verw andte, der für einen solchen Ausland- aufenthalt in Betracht kom m e. Auf diese und w eitere Vorbringen w ird, so- w eit entscheidserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 20. April 2007 die Abw eisung der Beschw erde. E. In einer R eplik (per E-M ail) vom 27. April 2007 hält die Beschw erdeführe- rin an ihrem R echtsbegehren und dessen Begründung fest. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 3 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sow eit dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as U rteil des Bundesverw altungsgerichts ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.3 D ie Beschw erdeführerin ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBE R SAX, Einreise und Anw esenheit, in: PETER U EBE R SAX / PETER M Ü N C H / TH O M A S G EIS ER / M AR TIN AR N O LD (H rsg.), Ausländer- recht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D er G esuchsteller bedarf aufgrund seiner N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass eines Visum s. D ie Vorinstanz verw eigerte die Er- teilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen m a- chen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it 4 Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 D ie politische und w irtschaftliche Situation in Serbien ist auch Jahre nach Beendigung der bew affneten Auseinandersetzungen und Aufhebung von Boykottm assnahm en schw ierig. O bschon m it der U m setzung von W irt- schaftsreform en das W achstum gesteigert w erden konnte, bleibt die Ar- beitslosigkeit m it einer Q uote von fast 22% (2005) sehr hoch. Von dieser Situation besonders betroffen ist die junge Bevölkerungsschicht im Alter von 15 bis 24 Jahren, die fast zur H älfte arbeitslos ist (vgl. International O rganization of M igration, Serbia Labour M arket Assessm ent, Septem ber 2006, S. 2). D em entsprechend hoch ist der Anteil derer, die sich zur Em i- gration entschliessen. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine an- standslose W iederausreise begünstigen. U m gekehrt m uss bei G esuchstel- lern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R i- siko für ein frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w er- den. 5. 5.1 Beim G esuchsteller handelt es sich um einen 20-jährigen, ledigen M ann, der gem äss den Angaben in der Beschw erde zusam m en m it den Eltern auf dem fam ilieneigenen Bauernhof lebt. Besondere Verpflichtungen persönli- cher oder fam iliärer N atur sind bei ihm keine erkennbar. Auch in den beruf- lichen und dam it w irtschaftlichen Verhältnissen liegen keine Besonderhei- ten vor, die G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise abzugeben ver- m öchten. D er G esuchsteller verm erkte in seinem persönlichen Einreisege- such unter der R ubrik „berufliche Tätigkeit“, er sei arbeitslos. D ie Be- schw erdeführerin hielt in ihrem Auskunftsschreiben vom 29. Januar 2007 gegenüber dem Am t für M igration des Kantons Luzern fest, der G esuch- steller arbeite als Koch. Im Beschw erdeverfahren w urde dann geltend ge- m acht, der G esuchsteller helfe im elterlichen Betrieb, bei N achbarn und in der D orfgem einschaft aus. Abgesehen davon, dass diese letzteren Ausfüh- rungen sehr unpräzise sind, w idersprechen sie auch den Angaben der Be- teiligten im G esuchsverfahren. Insgesam t kann vorliegend jedenfalls nicht davon ausgegangen w erden, dass der Beschw erdeführer sich in der H ei- m at in stabilen beruflichen und w irtschaftlichen Verhältnissen befinde. 5.2 Vor dem aufgezeigten allgem einen und persönlichen H intergrund durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass keine hinreichende G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise des G esuchstellers nach einem Besuchsaufenthalt besteht.5 5.3 D ie R isikoeinschätzung lässt sich m it dem Einw and der Beschw erdeführe- rin nicht relativieren, w onach der Ansporn zum Besuch nicht vom G esuch- steller, sondern von ihr selbst ausgehe. Ebenso w enig kann von Bedeu- tung sein, dass der G esuchsteller der deutschen Sprache nicht m ächtig sei und er in der Schw eiz auch kein besonderes Beziehungsnetz habe. Sollte der W ille zur Em igration vorhanden sein, so liesse sich der G esuchsteller von solchen überw indbaren Schw ierigkeiten sicherlich nicht abhalten. 6. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird die unterliegende Be- schw erdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 66 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden der Beschw erdeführerin auf- erlegt. Sie sind durch den am 15. M ärz 2007 geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (Einschreiben) - der Vorinstanz (Akten 2 272 380 retour) D er vorsitzende R ichter: D ie G erichtsschreiberin: A. Trom m er D . Kaufm ann Versand am :