Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 7. Dezember 2017 (720 17 272 / 324) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Dem verwaltungsextern eingeholten Gut- achten kommt ausschlaggebender Beweiswert zu Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Markus Schä- fer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Marco Albrecht, Advokat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1960 geborene, zuletzt als Apparateführer be i der B.____ AG erwerbstätig gewe- sene A.____ hatte sich am 13. November 2013 unter H inweis auf einen „Herzinfarkt (2001) und Schlaganfall (2012) mit anschliessenden Komplikatio nen“ bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet. Nachdem sie die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, lehnte die IV-Stelle Basel-Landschaft mit Verfügung vom 29. Juli 2015 das Leistungsbegehren d es Versicherten mit der Begründung ab, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass „die Voraussetzugen für einen Rentenanspruch (durch gehende ununterbrochene Arbeits- unfähigkeit von mindestens 40 % während eines Jahres mit anschliessender rentenbegründen- der Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40 %)“ nicht erfüllt seien. Hiergegen erhob A.____, ver- treten durch Advokat Marco Albrecht, am 14. September 2015 Beschwerde beim Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Mit einer neuen Verfügung vom 2. November 2015 hob die IV-Stelle die angefochtene Verfügung vom 29. Juli 2015 „zwecks weiterer medizinischer Abklärungen“ auf und beantragte dem Gericht, „das Beschwerdeverfah- ren sei zufolge Wiedererwägung lite pendente von der Kontrolle abzuschreiben". Nachdem sich der Versicherte mit diesem Antrag einverstanden erklärt hatte, schrieb das Kantonsgericht das Beschwerdeverfahren mit Präsidialbeschluss vom 13. November 2015 als gegenstandslos ge- worden ab (Verfahren-Nr. 720 15 296). Nach Wiederaufnahme des Verwaltungsverfahrens holte die IV-Stelle bei der ZVMB GmbH, Medizinische Abklärungsstelle Bern, ein interdisziplinäres Gutachten über den Versicherten ein, welches am 1. Juli 2016 erstattet wurde. In der Folge lehnte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 9. August 2017 e inen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente erneut ab. Zur Begründung machte sie wiederu m geltend, dass „die Voraus- setzungen für einen Rentenanspruch (durchgehende unun terbrochene Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % während eines Jahres mit anschliessender r entenbegründender Erwerbsun- fähigkeit von mindestens 40 %)“nicht erfüllt seien. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, weiterhin vert reten durch Advokat Marco Alb- recht, am 8. September 2017 Beschwerde beim Kantonsger icht. Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei festzustell en, dass er zumindest Anspruch auf eine halbe Rente habe; unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rech tsvertreter zu bewilligen seien. Im Wei- teren stellte er in dieser Eingabe die Einreichung ei ner „privat in Auftrag gegebenen Zweitmei- nung zur Untermauerung seiner Position“ in Aussicht. C. Mit Verfügung vom 11. September 2017 bewilligte das Kantonsgericht dem Beschwer- deführer gestützt auf die eingereichten Unterlagen fü r das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltl iche Verbeiständung mit Advokat Marco Albrecht als Rechtsvertreter. D. Am 27. September 2017 reichte der Versicherte dem K antonsgericht die in der Be- schwerde in Aussicht gestellte „Zweitmeinung“ - einen B ericht von Dr. med. C.____, Innere Me- dizin und Kardiologie FMH, vom 5. September 2017 - sam t einer kurzen Stellungnahme hierzu ein. F. In ihrer Vernehmlassung vom 5. Oktober 2017 äusserte sich die IV-Stelle zur Be- schwerde des Versicherten und zum nachgereichten Bericht von Dr. C.____, wobei sie die Ab- weisung der Beschwerde beantragte. Zudem legte sie ihr en Ausführungen eine nachträglich eingeholte Beurteilung von Dr. med. D.____, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, vom 2. Oktober 2017 bei. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 8. September 2017 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So ist den im Ra hmen des Verwaltungsverfahrens einge- holten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Nach Eingang des Leistungsbegehrens hatte die IV-S telle zur Klärung des Gesund- heitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten un ter anderem bei Dr. med. E.____, Neurologie FMH, ein fachärztliches Gutachten in Auftrag gegeben, welches dieser am 23. März 2015 erstattete. Darin erhob Dr. E.____ als neurologi sche Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Zustand nach cerebrovasculärem Ereignis am 08.04.2012 im Media- Stromgebiet rechts mit noch möglicher leichter Beeintr ächtigung der Feinmotorik links. Als Di- agnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nann te er eine klinisch leichte Polyneuropa- thie, eine Fatigue, neurologisch nicht zuordenbar, und eine Verdeutlichungstendenz/Aggra- vation. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Versicherten hielt Dr. E.____ fest, aus rein neurologi- scher Sicht sei unter Berücksichtigung einer möglichen verm ehrten Ermüdbarkeit und vermin- derten Belastbarkeit höchstens eine leichte Beeinträchtigung von maximal 20 % ab dem 1. Sep- tember 2013 zu attestieren. Die darüber hinaus vom E xploranden geltend gemachte Beein- trächtigung lasse sich anhand der neurologischen und ver haltensneurologischen Befunde nicht erklären. Die Einschätzungen des Hausarztes sowie des behan delnden Neurologen, wonach eine vollständige bzw. eine 40 - 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, könne aus gutachterlicher Sicht nicht nachvollzogen werden. In der Folge lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. Juli 2015 das Leistungsbegehren des Versicherten im Wesentlich en gestützt auf die Ergebnisse dieses neurologischen Gutachtens von Dr. E.____ ab. 4.2 Nachdem die IV-Stelle diese erste rentenablehnend e Verfügung mit einer neuen Ver- fügung vom 2. November 2015 wiedererwägungsweise „zwe cks weiterer medizinischer Abklä- rungen“ aufgehoben und das Kantonsgericht deswegen das gegen die ursprüngliche Verfügung erhobene Beschwerdeverfahren mit Präsidialbeschluss vom 13. November 2015 als gegen- standslos geworden abgeschrieben hatte, gab die IV-Ste lle bei der ZVMB GmbH eine interdis- ziplinäre Begutachtung des Versicherten mit fachärztliche n Untersuchungen in den Bereichen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Kardiologie und Neurologie in Auftrag. In ihrem aus- führlichen Gutachten, welches sie am 1. Juli 2016 erstatte ten, gelangten die beteiligten Ärzte zur Auffassung, dass beim Versicherten keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit Auswir- kungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Als Diagnos en ohne Relevanz für die Arbeitsfähig- keit erhoben sie (1) eine coronare Herzkrankheit mit Sta tus nach inferoposteriorem Infarkt 2001 mit Stentimplantation in der rechten Kranzarterie, ( 2) einen Status nach zerebral-ischämischem Insult April 2012 (ACM/A. cerebri media-Territorium r echts, unklarer Genese: DD kardioembo- lisch, DD arterio-arteriell bei Plaque ACI-Segment re chts, seither orale Dauer-Antikoagulation), (3) einen schädlichen Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1) mit Folgeschädigung in Form einer akrodistal-symmetrischen Polyneuropathie, (4) einen Nikotinabusus, (5) eine Adipositas Grad II (BMI: 38.1), (6) einen Status nach Nabelhernienplasti k 1985, (7) einen Status nach Umbilical- hernienplastik mit Netzaugmentation 1996, (8) einen S tatus nach Re-Rezidiv einer Umbilical- hernie, (9) einen Status nach CTS links (EMG 2006) und (10) eine Penicillin-Allergie anamnes- tisch. Im Rahmen ihrer interdisziplinären Beurteilung d er Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, dass die Fähigkeiten und Ressourcen aus allgemein- internistischer Sicht erhalten seien Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht und dass der Versicherte auch aus rein kardiologischer Si cht normal arbeitsfähig sei. Aus psy- chiatrischer Sicht sei der Explorand grundsätzlich in der Lage, sämtliche Tätigkeiten zu verrich- ten. Vermieden werden müssten aber Arbeitstätigkeiten m it Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken oder sonstigen Suchtmitteln. Auch Arbeiten i n exponierten Haltungen mit Sturzge- fahr würden nicht in Betracht kommen. Somit bestehe im Ergebnis sowohl in der angestammten Tätigkeit als Apparateführer als auch in einer Verwei stätigkeit (ohne Verfügbarkeit von alkoholi- schen Getränken oder sonstigen Suchtmitteln und ohne Arb eiten in exponierten Haltungen mit Sturzgefahr) eine volle Arbeitsfähigkeit ohne Reduktion der Leistungsfähigkeit. 4.3 In seiner Beurteilung vom 21. März 2017 nahm der R AD-Arzt Dr. D.____ zu den Er- gebnissen Stellung, zu denen die ZVMB-Gutachter gelan gt waren. Diese hätten zwar keine Einschränkung gesehen, aufgrund der anamnestischen Müdigke it und rascheren Erschöpfbar- keit des Versicherten sei jedoch eine 20 %-ige Einschränk ung der Leistungsfähigkeit anzuneh- men. Eine vermehrte Erschöpfbarkeit und Müdigkeit sei in sgesamt aufgrund des starken Über- gewichts, des chronisch übermässigen Alkoholkonsums, der leicht eingeschränkten Herzfunkti- on, des obstruktiven Schlafapnoesyndroms und des Zustand s nach zerebral-ischämischem Insult im April 2012 plausibel. 4.4 Am 2. Mai 2017 berichtete die behandelnde Ärztin Dr. med. F.____, Pneumologie FMH und Allgemeine Innere Medizin FMH, auf Nachfrage der IV-Stelle, dass das beim Versicherten nach der Erstellung des ZVMB-Gutachtens zusätzlich diagnos tizierte obstruktive Schlafapnoe- syndrom mittlerweile gut eingestellt sei und dass sich mit diesem Leiden keine Arbeitsunfähig- keit begründen lasse. 4.5 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.3 hiervor), ist de n im Rahmen des Verwaltungsverfah- rens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen un d -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine v or. Das ausführliche interdisziplinäre Gutachten der ZVMB GmbH vom 1. Juli 2016 weist weder fo rmale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Be- schwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben word en, es ist in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktue llen medizinischen Situation schlüssig und es enthält einleuchtende Schlussfolgerungen. Insbesondere legt es schlüssig dar, dass beim Versicherten keine Diagnose mit Relevanz für di e Arbeitsfähigkeit erhoben werden kann und dass dieser deshalb sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in sämtlichen Verweistätigkeiten (ohne Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken oder sonstigen Suchtmit- teln und ohne Arbeiten in exponierten Haltungen mit Sturzgefahr) vollständig arbeitsfähig ist. 4.6 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 9. August 2017 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes des Versicherten – zu R echt – ebenfalls auf die Ergeb- nisse, zu denen die Fachärzte der ZVMB GmbH in ihrem G utachten vom 1. Juli 2016 gelangt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hingeg en folgte sie jedoch nicht der Einschätzung der Gutachter, sondern sie übernahm stattdessen die Beu rteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 21. März 2017. Sie stellte sich demnach auf den Standpunkt, dass beim Beschwerdeführer vom 8. April 2012 bis 5. August 2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Danach sei noch von einer Leistungseinschränkung „von maximal 20 %“ auszugehen. In letzterem Punkt kann der vorinstanzlichen Beweiswürdigung nicht gefolgt werden. Dr. D.____ begründet die Annahme einer 20 %-igen Beeinträchtigung der Leistung sfähigkeit mit einer vermehrten Er- schöpfbarkeit und Müdigkeit des Versicherten. Entsprechendes kann jedoch dem ausführlichen und überzeugenden ZVMB-Gutachten nicht entnommen werden. Dazu kommt, dass dieses - im Gegensatz zu der einzig gestützt auf die Akten erfolgten Einschätzung von Dr. D.____ - auf eingehenden persönlichen Untersuchungen des Exploranden beruht. Ferner ist in diesem Zu- sammenhang darauf hinzuweisen, dass auch die behandeln de Ärztin Dr. F.____ in ihrem Be- richt vom 2. Mai 2017 explizit festgehalten hat, dass sich mit dem „gut eingestellten“ obstrukti- ven Schlafapnoesyndrom keine Arbeitsunfähigkeit begründ en lasse. Entgegen der Auffassung der IV-Stelle besteht deshalb kein hinreichend begründ eter Anlass, um vorliegend von der schlüssigen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die ZVMB-Gutachter abzuweichen. Mit die- sen ist demzufolge davon auszugehen, dass beim Versicherten keine gesundheitlichen Beein- trächtigungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehen und dass dieser deshalb so- wohl in der angestammten Tätigkeit als Apparateführer als auch in sämtlichen Verweistätigkei- ten (ohne Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken od er sonstigen Suchtmitteln und ohne Arbeiten in exponierten Haltungen mit Sturzgefahr) vollständig arbeitsfähig ist. 4.7 Was der Beschwerdeführer vorbringt, ist nicht geeign et, die ausschlaggebende Be- weiskraft des ZVMB-Gutachtens vom 1. Juli 2016 in Zweifel zu ziehen. Er stützt sich im We- sentlichen auf einen aktuellen, im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht des Kardiologen Dr. C.____ vom 5. September 2017, in welchem dieser über eine am 1. September 2017 erfolgte kardiologische Untersuchung des Versichert en berichtet. Dr. C.____ beschränkt sich dabei auf Ausführungen zum Gesundheitszustand des Pa tienten, zur Frage, inwieweit die- ser allenfalls die Arbeitsfähigkeit des Versicherten beei nträchtigt, äussert er sich nicht. Dr. C.____ weist in seinem Bericht vorab darauf hin, d ass ihn der Beschwerdeführer „für eine Standortbestimmung“ aufgesucht habe. Subjektiv habe de r Patient über eine anhaltende Leis- tungseinbusse berichtet. Das Gefühl der Leistungseinbusse se i aber, so Dr. C.____ weiter, mit den kardialen Befunden nur zu einem sehr kleinen Teil erklärbar. Immerhin sei die Belastbarkeit aktuell in der Fahrradergometrie etwas geringer gewes en als anlässlich der letzten Testung. Der RAD-Arzt Dr. D.____ weist nun allerdings in seiner abschliessenden Stellungnahme vom 2. Oktober 2017 zu Recht darauf hin, dass dieses Ergebni s ganz erheblich durch eine starke Gewichtszunahme und den Trainingsmangel des Versicherten beeinflusst sein dürfte. Zudem enthalten die medizinischen Akten verschiedentlich Hinweise, wonach beim Versicherten in den Untersuchungen eine leichte Aggravationstendenz zu beoba chten gewesen ist. Allein aus dem Umstand, dass der Versicherte aktuell in der Fahrradergo metrie ein leicht schlechteres Testre- sultat als anlässlich der Voruntersuchung erreicht hat, ka nn jedenfalls noch nicht auf das Vor- liegen einer dauerhaften Beeinträchtigung der Arbei tsfähigkeit geschlossen werden. Für die Richtigkeit dieser Einschätzung spricht nicht zuletzt auch der Umstand, dass dem Bericht von Dr. C.____ diesbezüglich ebenfalls nichts Anderslautendes entnommen werden kann. Dieser Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht hält, wie vorstehend gesagt, vielmehr fest, dass das vom Ve rsicherten geschilderte Gefühl der Leistungseinbusse mit den kardialen Befunden nur zu einem sehr kleinen Teil erklärbar sei. 5.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimme n. Da der Beschwerdeführer jedoch nach dem Gesagten sowohl in der angestammten T ätigkeit als auch in praktisch allen Verweistätigkeiten vollständig arbeitsfähig ist, kann von einem solchen abgesehen werden und das Vorliegen einer voraussichtlich bleibenden oder lä ngere Zeit dauernden, auch nur teilwei- sen Erwerbsunfähigkeit ohne Weiteres verneint werden. 5.2 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die IV-Stelle in der angefochte- nen Verfügung vom 9. August 2017 einen Rentenanspruch des Versicherten zu Recht abge- lehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie ab- gewiesen werden muss. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens e inheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwe rdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist nun aller- dings mit Verfügung vom 11. September 2017 die unentg eltliche Prozessführung bewilligt wor- den. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorlä ufig auf die Gerichtskasse genom- men. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 11 . September 2017 die unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertreter bewilligt wo rden ist, ist dieser für seine Bemühun- gen aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die An- wältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- ständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Hono- rarnote vom 23. Oktober 2017 für das vorliegende Verf ahren einen Zeitaufwand von 6,5 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht de r sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 56.40. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘464.90 (6,5 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 56.40 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 6.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1‘464.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) a us der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht