B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3059/2013 U r t e i l v o m 29 . J u l i 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Daniel Willisegger; Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien, seine Ehefrau B._______, geboren (…), Äthiopien bzw. Eritrea, zur Zeit in Khartum, Sudan, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 5. November 2012 / N (…). E-3059/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Mit Schreiben vom 28. März 2011 ersuchten die Beschwerdeführe n- den, ein äthiopisch -eritreisches Ehepaar, bei der Schweizer Botschaft in Khartum um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Asylerteilung. Ih- rem Gesuch legten sie ein Schreiben des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) bei, das ihren Flüchtlingsstatus im Sudan bestätigt. A.b Mit Schreiben vom 20. August 2012 teilte das BFM den Beschwerd e- führenden mit, dass von einer mündli chen Befragung abgesehen werde , und lud sie zu ergänzenden Angaben ein. Diesem Begehren kamen die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 8. September 2012 nach. Ihrer Antwort wurden Kopien der UNHCR -Identitätskarten und einer han d- schriftlich verfassten Besc hwerdeschrift gegen die sudanesische Polizei beigelegt. A.c Zur Begründung des Gesuchs führte der Beschwerdeführer aus, er sei in C._______, Äthiopien, geboren und aufgewachsen. 1989 sei er aufgrund des Krieges zwischen der Regierung und verschiedenen Una b- hängigkeitsbewegungen sowie der Furcht, selber in das Militär einberufen zu werden, in den Sudan geflüchtet. Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe ihre Jugend in D._______ verbracht. Nachdem äthiopische Truppen die Stadt im Jahr 1975 besetzt hätten und ihre Mutter in den Sudan geflüchtet sei, habe sie bis zum Tod ihres Vaters in D._______ ausgeharrt. 1978 sei sie ihrer Mut- ter in den Sudan gefolgt, wo diese jedoch kurze Zeit später verstorben sei. Im Jahr 2002 seien die Beschwerdeführenden vom UNHCR im Sudan als Flüchtlinge registriert worden. Zwar sei es ihnen dort illegal möglich, u n- regelmässigen Arbeiten nachzugehen; auf grund behördlichen Schikanen sei dies jedoch sehr schwierig und würde nur bedingt helfen, die finanziel- len Alltagsprobleme zu lösen. Ferner würden sie im Sudan aufgrund ihrer Herkunft und christlichen Religion diskriminiert. A.d Mit Verfügung vom 5. November 2012 – vom BFM via Schweizer Botschaft an di e Beschwerdeführenden versandt und am 23. April 2013 eröffnet – verweigerte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise und lehnte das Asylgesuch ab. Es verneinte eine Verfolgung oder akute Gefährdung der Beschwerdeführenden im Sudan. E-3059/2013 Seite 3 B. Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit en g- lischsprachiger E ingabe vom 29. April 2013 Beschwerde (Eingang Bo t- schaft: 7. Mai 2013; Eingang Bundesverwaltungsgericht: 30. Mai 2013). Mit den weitgehend gleichen Argumenten wie im Asylgesuch wird in der Beschwerde beantragt, den vorinstanzlichen Entscheid aufzuheben und den Beschwerdeführenden in der Schweiz Schutz zu gewähren. Zusätzlich wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin habe im März 2012 das linke Bein gebrochen, als sie illegal Tee verkauft und plötzlich von der Polizei habe flüchten müssen. Da das UNHCR keine Unterstützung böte, sei die benötigte Operation aufgrund der prekären finanziellen Lage nicht durchführbar. Der Beschwerdeführer sei überdies am 17. Januar 2012 von einem sudanesischen Polizisten zusammengeschlagen worden. Z u- dem habe sich die Sicherheitssi tuation in den Flüchtlingslagern ve r- schlechtert: Lokale Banden würden Flüchtlinge verschlepp en, foltern und erpressen. Andere würden gleich umgebracht, um ihnen innere Organe zu entnehmen. Ferner sei im Sudan die Religionsfreiheit für Christen nicht gewährleistet. Bei einem Übergriff im März 2013 sei der Beschwe r- deführer von einem Muslim zusammengeschlagen worden, weil er eine Kette mit einem Kreuz getragen habe. Der Beschwerde wurden Kopien verschiedener medizinischer Berichte sowie eines Diabetiker-Ausweises des Beschwerdeführers beigelegt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i.S. von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-3059/2013 Seite 4 Für Asylgesuche aus dem Ausland, die vor dem 29. September 2012 (I n- krafttreten der dringlichen Änderung vom 28. September 2012, mit we l- chen das Auslandverfahren abgeschafft wurde; AS 2012 5359) gestellt wurden, gilt das Asylgesetz nach der alten Fassung. In diesen Fällen sind weiterhin dessen Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 a lt AsylG anwend- bar. Die Beschwerde ist somit vor dem Hintergrun d der alten rechtlichen Bestimmungen zu beurteilen. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Der mündige Sohn, E._______ (Jahrgang […]), der in den Antworten der Beschwerdeführenden an das BFM und in der Beschwerde erwähnt wird, ist im Vorverfahren aufgrund seiner Volljährigkeit korrekterweise nicht einbezogen worden. Er ist auch im Beschwerdeverfahren nicht Pro- zessbeteiligter. Auf seine Situation wird daher im Rahmen dieses Urteils nicht eingegangen. 1.4 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung wird im Au s- landverfahren praxisgemäss verzichtet, zumal der in Englisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend klare Rechtsbegehren s amt deren B e- gründung zu entnehmen sind und aussagekräftige Beweismittel beiliegen, weshalb ohne Weiteres darüber entschieden werden kann. 1.5 Die angefochtene Verfügung wurde den Beschwerdeführenden am 23. April 2013 durch die Schweizer Botschaft in Khartum eröffnet. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgeno m- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert . Auf die in der Form akzeptierte und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutre ten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AslyG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.6 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.7 Gestützt auf Art. 111 Abs. 1 AslyG wurde auf die Durchfüh rung des Schriftwechsels verzichtet. E-3059/2013 Seite 5 2. 2.1 Ein Asylgesuch kann im Ausland bei einer Schweizer Vertretung g e- stellt werden, die es mit einem Bericht an das BFM überweist (Art. 19 und Art. 20 Abs. 1 alt AsylG). Zum Verfahren bei der Schweizer Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1; SR 142.311) vor, dass diese mit der asyls u- chenden Person in der Regel eine Befragung durchführt. Ist dies nicht möglich, ist die asylsuchende Person gemäss Art. 10 Abs . 1 AslyV 1 auf- zufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten. 2.2 Gemäss Art. 20 Abs. 2 alt AsylG bewilligt das Bundesamt einer asy l- suchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sac h- verhaltes, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wo hnsitz- oder Auf- enthaltsstaat zu bleiben oder in ein andres Land auszureisen. Die Vor- aussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung sind restriktiv zu verstehen. Den Behörden kommt ein weiter Ermessensspielraum zu. Ausschlaggebend ist die Schutzbedür ftigkeit der betroffenen Person, wo- zu es der Prüfung der Fragen bedarf, ob eine Gefährdung i.S. von Art. 3 AslyG glaubhaft und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/10 E. 3 ff.). 2.3 Gemäss Art. 52 alt AslyG kann einer Person, die sich im Ausland b e- findet, das Asyl verweigert werden , wenn ihr zugemutet werden kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwe n- dung dieser Bestimmung ist gemäss Praxis (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3 m.w.H.) in einer Gesamtschau zu prüfen, ob es aufgrund aller Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung erforderlichen Schutz gewähren soll. Dazu sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Einglied e- rungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Diese Vo r- aussetzungen sind restriktiv zu verstehen. Die Behörden verfügen über einen weiten Ermessensspielraum. Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist im Sinn einer Vermutung davon ausz u- gehen, sie habe dort bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen und ein weitere Verbleib im Drittstaat sei ihr zuzumuten. Diese Vermutung kann sich allenfalls sowohl in Bezug auf die Schutzg e- währung durch den Drittstaat wie auch auf die Zu mutbarkeit der Ina n- spruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. E-3059/2013 Seite 6 3. 3.1 Das BFM begründet die Ablehnung des Asylgesuchs damit, dass die Beschwerdeführenden seit vielen Jahren – die Beschwerdeführerin seit 1978, der Beschwerdeführer seit 1989 – im Sudan wohnhaft seien. Im Jahr 2002 seien sie vom UNHCR als Flüchtlinge registriert worden. Die geltend gemachte Verfolgung in den Heimatstaaten wäre nur dann b e- deutsam, wenn sie andauern würde oder konkrete Hinweise auf eine künftige Verfolgung best ünden. Da seit den Ausreisen aus dem Heimat- land 34 beziehungsweise 23 Jahre zurückliegen, sei zwischen der Verfol- gung und der gewünschten Einreise in die Schweiz kein genügender Kausalzusammenhang festzustellen. Wiewohl die Situation in Sudan nicht einfach sei, bedeute dies nicht, dass ein weiterer Verbleib der B e- schwerdeführenden nicht möglich oder nicht zumutbar sei. Registrierte Flüchtlinge seien im Sudan einem Flüchtlingslager zugeteilt, erhielten dort die nötige Versorgung und könnten sich bei kritische n Situationen an das UNHCR wenden. Zudem sei das Risiko, von den sudanesischen Behö r- den nach Eritrea oder Äthiopien ausgeschafft zu werden, gemäss ges i- cherten Erkenntnissen gering. Darüber hinaus existiere im Sudan eine grosse Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weit- gehend Unterstützung anbiete. Zudem befand das BFM, dass religiöse Diskriminierungen von Christen im Sudan zwar vorkommen, indes nicht von einer allgemeinen und staatlichen Unterdrückung oder Verfolgung von Christen ausgegangen werden könne. Schliesslich bestehe kein per- sönlicher Bezug der Beschwerdeführenden zur Schweiz. 3.2 In der Beschwerde erläuterten die Beschwerdeführenden, sie seien nicht aufgrund der generellen Kriegssituation aus ihren Heimatstaaten ge- flohen, sondern weil sie von den Behörden persönlich verfolgt worden seien. Eine Rückkehr sowohl nach Äthiopien als auch nach Eritrea sei ih- nen nicht zu zumuten. Im Sudan sei es nur illegal möglich, einer Arbeit nachzugehen. Sie würden oft von der Polizei gefangen genomme n und müssten Geld bezahlen, um wieder frei zu kommen. Im März 2012 habe die Beschwerdeführerin ihr linkes Bein gebrochen, als sie Tee verkauft und plötzlich von den lokalen Sicherheitskräften habe fliehen müssen. Der Beschwerdeführer sei am 17. Januar 201 2 von sudanesischen Pol i- zisten zusammengeschlagen worden. Durch seine Diabetes sei die A r- beitssuche zusätzlich schwierig geworden. Im Flüchtlingscamp fehl e es an den grundlegendsten Notwendigkeiten, wie insbesondere an einer an- gemessenen medizinische Versorgung. Die Sicherheit sei nicht gewäh r- leistet und die religiöse Diskriminierung der Christen habe seit der Una b- hängigkeit des Südsudans stark zugenommen. E-3059/2013 Seite 7 4. 4.1 Die Vorinstanz hat richtigerweise die Zumutbarkeit des weiteren Verbleibs der Beschwerdeführenden im Sudan geprüft. Unzumutbar ist ein Verbleib namentlich dann, wenn die asylsuchenden Personen schut z- bedürftig sind. Als s chutzbedürftig gelten Personen, die i.S. vo n Art. 3 AsylG in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zulet zt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer b e- stimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Frucht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. 4.2 Zunächst stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr in einen ihrer Hei matstaaten – Äthiopien oder Eritrea – (noch) einer Gefährdung i.S. von Art. 3 AsylG ausgesetzt wären. Das BFM führte diesbezüglich in seiner ablehnenden Verfügung aus, dass aus den Vorbringen der Beschwerdeführenden keine gezielten Ve r- folgungsmassnahmen z u erkennen seien. Die allgemeine Unsicherheit, die als Folge des Konflikts zwischen Äthiopien und Eritrea bis 1991 g e- herrscht hätten, betreffe die gesamte Bevölkerung in gleichem Masse. Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde geltend, er sei aufgrund seiner Dienstverweigerung von den äthiopischen Behörden gesucht wo r- den. Die Beschwerdeführerin sei ihrerseits aus Angst vor Mord und Ve r- gewaltigung aus Eritrea geflüchtet. Eine Rückkehr in eines der beiden Länder sei aber schon aufgrund der unterschiedlic hen Nationalität der Ehepartner nicht möglich. Eine Verfolgung des Beschwerdeführers durch die äthiopischen Be hör- den aufgrund seiner Dienstverweigerung ist nicht grundsätzlich als G e- fährdung i.S. von Art. 3 AsylG zu werten, zumal die äthiopischen Behö r- den ein legitimes Interesse daran haben, strafrechtlich relevante Taten zu ahnden (vgl. zur Unterscheidung zwischen legitime r strafrechtlicher und flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung: Entscheidungen und Mitteilu n- gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 29 E. 2g, EMARK 1996 Nr. 34 E. 3; Urteil e des Bundesverwaltungsgerichts E- 4286/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 4.4 und D -3417/2009 vom 24. Juni 2010 E. 4.5). Im vorliegenden Fall ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 23 Jahre nach seiner E-3059/2013 Seite 8 Flucht noch mit Repressalien zu rechnen hat. Die Beschwerdeführerin hat ihr Heimatland im Jahr 1975 zusammen mit ihrer Familie aufgrund der damaligen allgemeinen Gewaltsituation verlassen; ein e Verfolgung i.S. von Art. 3 AslyG bestand nicht. Da Eritrea erst 1993 unabhängig wurde und die Beschwerdeführerin seit ihrer Ausreise im Sudan gelebt hat, gilt sie – obwohl aus dem heute zu Eritrea gehörenden Gebiet stammend – formell wohl noch als äthiopische Staatsangehörige, sofern sie überhaupt noch solche Papiere auf sich trägt. Eine Rückweisung des Ehepaars nach Äthiopien wäre demnach nicht grundsätzlich auszuschliessen. Dass die Beschwerdeführerin in Eritrea Verfolgung zu gewärtigen hätte , e r- scheint aufgrund der autoritären Führung der People's Front for Demo c- racy and Justice (PFDJ) und deren umfassenden Datenbank der "Organi- sations- und Mobilisierungsbüros" aber als nicht un wahrscheinlich (vgl. DAN CONNELL/TOM KILLION, Historical Dictionary of Eritr ea, 2. Aufl. Lan- ham 2011, S. 418 f.; GAIM KIBREAB, Eritrea: A Dream Deferred, Wood - bridge 2009, S. 5 f.). Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass zwar eine Ausreise nach Eritrea ausgeschlossen ist, einer Rückkehr nach Äthi- opien aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts im Wege stehen würde. 4.3 Im nächsten Schritt ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden im Sudan den Schutz eines Drittstaates geniessen und ihnen zugemutet werden kann, dort zu verbleiben. Halten sich asylsuchende Personen in einem Drittstaat auf, bedeutet dies noch nicht zwingend, dass es ihnen auch zuzumuten ist, sich dort um Aufnahme zu bemühen. Im Sinne einer Vermutung ist aber davon ausz u- gehen, die betreffenden Personen haben in diesem Drittstaat bereits den erforderlichen Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnung des Asylgesuchs und der Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In j e- dem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme bezie- hungsweise den Verbleib in diesem Drittstaat als zumutbar ersche inen lassen. Diese sind mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz a b- zuwägen. Es gilt also zu prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz ist, die den erforderlichen Schutz einer Person gewähren soll (vgl. EMARK 2004 Nr. 21 E. 4, EMARK 1997 Nr. 15 E. 2 f.). 4.3.1 In der angefochtenen Verfügung wurde festgestellt, dass Flüchtlinge im Sudan, die vom UNHCR registriert wurden, einem Flüchtlingslager z u- geteilt werden, wo sie sich aufzuhalten haben und die nötige Versorgung erhalten. Es sei ihnen daher zuzumuten, beim UNHCR um Schutz zu e r-E-3059/2013 Seite 9 suchen, sollte ihre Situation kritisch sein. Zudem seien die Hürden für e i- ne zumutbare Existenz im Sudan aufgrund ihres langjährigen Aufentha l- tes und ihrer Arbeitstätigkeit überwindbar. Im Übrigen gebe es im Sudan eine grosse äthiopische Diaspora , die notleidenden Landsleuten helfe, und es bestehe k eine allgemeine und staatliche Unterdrückung christl i- cher Minderheiten. Schliesslich lasse sich keine besondere Beziehung s- nähe zur Schweiz erkennen. 4.3.2 Die Beschwerdeführenden machen bezüglich ihres Verbleibs im Sudan geltend, ein andauernder Aufenthalt im sudanesischen Flüchtlings- lager sei ihnen aufgrund der finanziellen Lage, der fehlenden medizin i- schen Versorgung, der mangenden Sicherheit sowie der ethnischen und religiösen Diskriminierung nicht möglich. 4.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht er achtet es als objektiv zumutbar, dass die Beschwerdeführenden den im Sudan bestehenden Schutz we i- terhin in Anspruch zu nehmen (Art. 52 Abs. 2 altAsylG). Sie sind dort nicht in Gefahr, gegen ihren Willen nach Äthiopien (beziehungsweise Eritrea) deportiert zu werden. Sollten sie sich im Flüchtlingslager durch Personen oder Vorkommnisse bedroht fühlen oder sollte ein medizinischer Eingriff notwendig werden, können sie sich an die lokale Vertretung des UNHCR wenden. Aus den eingereichten medizinischen Unterlagen ist zu schlies- sen, dass sie zumindest Zugang zu rudimentärer medizin ischer Versor- gung haben. Gemäss gesicherten Informationen erhalten die Flüchtlinge in sudanesischen Lagern in der Regel Essensrationen und haben Zugang zu Wasser. Dies lässt den Schluss zu, dass die Beschwerdeführenden im Sudan bereits angemessenen Schutz gefunden haben und somit ma n- gels Schutzbedürftigkeit keiner Schutzgewährung durch die Schweiz b e- dürfen. Die Beschwerdeführenden machen zudem nicht geltend, dass sie zur Schweiz besondere Anknüpfungspunkte haben. Bloss medizinisch b e- dingte Präferenzen oder Hinweise auf die schwierigen Lebensbedingun- gen in Flüchtlingslagern reichen praxisgemäss nicht aus, um eine Bezi e- hungsnähe im Sinne der Rechtsprechung zu begründen. 4.4 In Gesamtwürdigung der von den Beschwerdeführenden vorgebrac h- ten Argumenten ergibt sich, dass die Vorinstanz das Asylgesuch zu Recht abgelehnt und die Einreise verweigert hat. Die Beschwerde wird de m- nach abgelehnt. E-3059/2013 Seite 10 5. Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun- desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwe r- de ist daher abzuweisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grunds ätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verfa h- rensökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fin e VwVG und Art. 2 und 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt (VGKE, SR 173.320.2) ist vorliegend auf die Erhebung von Verfa h- renskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-3059/2013 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Verfahrenskosten werden den Beschwerdeführenden nicht auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden , das BFM und die Schweizer Botschaft in Khartum. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Grasdorf Versand: