B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2967/2015 U r t e i l v o m 2 6 . F e b r u a r 2 0 1 6 Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi, mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher; Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren am 1. Januar 1995, alias B._______, geboren am (…), alias C._______, geboren am (…), alias D._______, geboren am (…), alias E._______, geboren am (…), unbekannter Staatsangehörigkeit (angeblich Somalia), F._______, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 1. April 2015 / N (…). D-2967/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer reiste am 6. August 2013 illegal in die Schweiz ein, wo er am 7. August 2013 um Asyl nachsuchte und geltend machte, noch minderjährig (…) zu sein. Anlässlich der am 6. August 2013 erfolgten vorläufigen Festnahme gab der Beschwerdeführer am 7. August 2013 bei der polizeilichen Einvernahme zu Protokoll, verheiratet zu sein und zwei Kinder (…) zu haben. Er selber sei am (…) geboren, seine gesetzlichen Vertreter seien seine Eltern, welche in Soma lia wohnhaft seien. Sein Ar- beitgeber sei (…), er sei von Beruf G._______. Der Befund der Handkno- chenanalyse vom 16. August 2013 ergab ein ungefähres Alter von (…) oder älter. A.b Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) im Empfangs- und Ver- fahrenszentrum (EVZ) H._______ vom 10. September 2013 machte der Beschwerdeführer geltend, im Jahre (…) in I._______ geboren zu sein, je- doch in der Stadt J._______ der Provinz K._______ aufgewachsen und verlobt beziehungsweise der Tochter eines Freundes seine s Vaters ver- sprochen zu sein. Sein Clan heisse L._______, sein Subclan M._______ und sein Subsubclan N._______. Er wisse nicht , woher sein Clan ur- sprünglich stamme. Er habe die Schule für ungefähr fünf Jahre besucht und dann abgebrochen, da seine Eltern für seine Schulbildung nicht mehr finanziell hätten aufkommen können. Er habe von Anfang 2010 bis Ende 2012 in einem O._______ gearbeitet. In Somalia würden sich seine Mutter, zwei Schwestern und ein Bruder aufhalten, sein Vater sei im Jahre (...) ver- storben. Ausser seinem Reisegefährten habe er keine weiteren Bezugs- personen. Sein Heimatland habe er vor ungefähr fünf Monaten illegal ver- lassen und sei via P ._______, wo e r sich ungefähr 20 Tage aufgehalten habe, Q._______ und R._______ nach S._______ gereist, von wo er mit einem Reisebus in die Schweiz gelangt sei. In seiner Heimat herrsche seit Jahren nur Krieg und es sei kein Frieden in Sicht. Ein anderer Grund seiner Ausreise liege auch darin, dass sein Onkel gewollt habe, dass er für die T._______ kämpfe, da jener ein Mitglied dieser Organisa-tion sei. In Bezug auf sein Alter führte der Beschwerdeführer aus, er wisse nicht, wie alt er sei, er sei aber damit einverstanden, als volljährige Person erfasst zu werden und sein Geburtsdatum auf den (…) ändern zu lassen. Er wisse nicht, weshalb er bei der Polizei falsche Angaben zu seiner Person ge- macht habe. Der angegebene Name sei sicher der Name gewesen, de n ihm der Schlepper gegeben habe. D-2967/2015 Seite 3 A.c Anlässlich der Anhörung gab der Beschwerdeführer im Wesentlichen zu Protokoll, die ganze Zeit in seinem Quartier U._______ gewesen zu sein. Er kenne sich nur in diesem Quartier aus. In J._______ würden meh- rere Clans leben, er kenne sich aber damit nicht so gut aus, weshalb er keine Clans kenne. Er habe sich nie für seinen Clan interessiert, weshalb es ihm auch nicht in den Sinn komme, welches der seinige sei. Er komme aus Somalia und sei Somalier, es sei nicht wichtig, dass er etwas über sei- nen Clan wisse. Er beantrage in der Schweiz Asyl, da er sein Heimatland aufgrund der allgemeinen Situation verlassen habe beziehungsweise da er dort keine Zukunft habe. Bis auf die allgemeine schlechte Lage hab e er keine weiteren Probleme. Auf Nachfrage führte der Beschwerdeführer aus, sein Onkel sei Mitglied der T._______-Gruppe und habe ihn angefragt, ob er bei dieser Gruppe mitkämpfen wolle, dies sei vor ungefähr drei Jahren gewesen. In Somalia gebe es nur zw ei Möglichkeiten, entweder man schliesse sich der T._______ an oder man verlasse das Land. Er habe das Land verlassen und sechs Monate lang in P ._______ in einem Hotel bezie- hungsweise O._______ als V._______ gearbeitet. A.d Bezüglich der weiteren Aussagen wird auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. B. Mit Verfügung vom 1. April 2015 – nach unbenutztem Ablauf der siebentä- gigen Abholfrist rechtsgültig eröffnet per 10. April 2015 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft ni cht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass aufgrund der substanzlosen Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der BzP hin- sichtlich seiner Clanzugehörigkeit Zweifel an der Herkunft bestehen wür- den, weshalb ihm an der Anhörung länderspezifische Fragen gestellt wor- den seien. Er habe an der BzP immerhin noch rudimentäre Angaben zu seiner Clanzugehörigkeit machen können, wohingegen er an der Anhörung diesbezüglich keinerlei Auskunft mehr habe geben können. Er habe auch die Währung von Somalia nicht gekannt und nur äusserst substanzlose Aussagen zu J._______ beziehungsweise W._______ in der Region K._______, wo er aufgewachsen sein soll, machen können. Er habe nicht angeben können, welche Clanfamilien in J._______ lebten, und habe bei der Frage nach Quartieren in der Stadt J._______ lediglich diverse Ort- schaften in der Region K._______ angeben können. Ausserdem habe er D-2967/2015 Seite 4 nur oberflächliche Aussagen zu wichtigen Gebäuden in J._______ und zu Veränderungen seines Wohnquartiers U._______ seit seiner Kindheit ma- chen können. Er habe im Übrigen falsche beziehungsweise substanzlose Angaben zu den in J._______ stationierten Soldaten gemacht. Seine ver- einzelten Kenntnisse über Somalia beziehungsweise über die Stadt J._______ seien nicht von einer Tiefe, die eine somalische Sozialisation als glaubhaft erscheinen lassen würden und könnten leicht auf eine andere Art und Weise , beispielsweise durch Dritte oder d as Internet, erworben worden sei n. Seine Aussagen zur Beschaffung seines Geburtsscheines müssten als widersprüchlich und substanzlos bezeichnet werden. Auf- grund seiner unglaubhaft en Aussagen zur seiner Herkunft müsse davon ausgegangen werden, dass er seine wahre Identität und Herkunft verheim- liche und aus einem anderen Land als Somalia stamme. Aufgrund der als unglaubhaft erkannten Herkunft aus Somalia sei den vorgebrachten Prob- lemen mit der T._______ jegliche Grundlage entzogen. Diese Feststellung werde auch dadurch bestätigt, dass er die entsprechenden Probleme an der Anhörung erst nach Erwähnung des Befragers vorgebracht habe. Zu- dem habe er widersprüchliche Aussagen zum Zeitpunkt, als ihn sein Onkel zum Kampf mit der T._______ aufgefordert habe, gemacht. Zum Gespräch mit seinem Onkel habe er ebenfalls nur substanzlose Aussagen machen können. Der Krieg in Somalia könne aufgrund der unglaubhaften Herkunft nicht als Ausreisegrund angesehen werden, zudem wären kriegerische Er- eignisse oder die allgemein schlechte Situation für sich ohnehin nicht asyl- relevant. Seine Vorbringen hielten den Anforderungen an Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht stand, weshalb die Asylrelevanz nicht mehr geprüft werden müsse. Er habe die Folgen seiner unglaubhaften Identitätsangaben und der Un- glaubhaftigkeit seines Sachverhaltsvortrags zu tragen, indem vermutungs- weise davon auszugehen sei, es stünden einer Wegweisung in seinen bis- herigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse entgegen. Es sei ihm zu- zumuten, sich bei der zuständigen Vertretung die allenfalls benötigten Rei- sepapiere zu beschaffen, weshalb der Vollzug der Wegweisung grundsätz- lich als möglich betrachtet werde, selbst wenn ein Asylgesuchsteller seine wahre Identität oder Staatsangehörigkeit verheimliche. C. D-2967/2015 Seite 5 Mit vorgedruckter Formularbeschwerde vom 8. Mai 2015 beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des SEM sei aufzuheben, es sei festzu- stellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und un- möglich sei, und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Das vorge- druckte Rechtsbegehren auf Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung wurde durchgestrichen. In prozessualer Hinsicht wurde im Weiteren beantragt, es sei die unent- geltliche Prozessführung zu gewähren, ihm eine rechtskundige Person bei- zugeben und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, es sei eventuell die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder herzu- stellen, es sei die zuständige Behörde vorsorglich anzuweisen, die Kon- taktaufnahme mit den Behörden des Heimat- oder Herkunftsstaates sowie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlassen, und – falls Daten bereits weitergeleitet worden seien – sei er in einer separaten Verfügung darüber zu informieren. Auf die Beschwerdebegründun g wird – soweit entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, D-2967/2015 Seite 6 Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten. 1.3 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz hat sie nicht entzogen. Auf den Antrag, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei wieder herzustel- len, ist somit nicht einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine s olche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen d en verfügten Wegwei- sungsvollzug. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung des Asylgesuchs und die Anordnung der Wegweisung des Beschwerde- führers (Dispositivziffern 1 bis 3 der Verfügung vom 1. April 2015) blieben unangefochten und sind damit in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet deshalb einzig die Frage, ob der Wegweisungsvollzug vom SEM zu Recht als durchführbar bezeichnet wurde. 5. Zur Begründung seiner Beschwerde brachte der Beschwerdeführer hin- sichtlich der Undurchführbarkeit des Vollzugs der Wegweisung im Wesent- lichen vor, er habe bei den Interviews nicht die Wahrheit gesagt. Er stamme aus I._______ und sei Somalier. Als Kind sei der mit seiner Mutter und den Geschwistern nach X._______ gereist, wo sie fortan gewohnt hätten. Ei- nige seiner Verwandten würden in J._______ leben, er selber sei ab und D-2967/2015 Seite 7 zu dort gewesen. Ein Kollege habe ihm auf der Reise in die Schweiz ge- sagt, er solle sagen, er sei aus J._______, da Asylbewerber aus I._______ und X._______ weggewiesen würden. Daher habe er nicht die Wahrheit erzählt und keine Details nennen können. Er werde seine Mutter kontaktie- ren und sie bitten, ihm Beweise für se ine somalische Nationalität, seine Geburt und sein Leben in I._______ beziehungsweise zu seinem Leben in X._______ zu schicken. Sobald die Dokumente eingetroffen seien, werde er sie dem Gericht schicken. Er bitte darum, ihm mehr Zeit zu geben. Er wolle beweisen, dass er Somalier sei und nicht nach Hause zurückkehren könne, er habe nichts in Somalia beziehungsweise X._______. Er habe kein soziales Netz und keine Arbeit. Er sei leichtgläubig gegenüber seinen Kollegen gewesen, vielleicht auch aufgrund seines jugendlichen Alters. Heute bereue er dies und bitte um eine erneute Chance. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer hält nach wie vor an der von ihm behaupteten somalischen Staatsangehörigkeit fest und führt nun auf Beschwerdeebene aus, aus I._______ beziehungsweise X._______ und nicht, wie von ihm an den Befragungen geltend gemacht, aus J._______ zu kommen. Im Asylverfahren gilt gemäss Art. 12 VwVG in Verbindung mit Art. 6 AsylG, dass der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist. Diese behördliche Untersuchungspflicht wird im Asylverfahren insbesondere durch Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG eingeschränkt, wonach Asylsuchende im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht gehalten sind, ihre Identität offenzulegen. Die Staatsan- gehörigkeit fällt als Begriffselement der Identität im Sinne von Art. 1a Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) unter diese Offenlegungspflicht. Sie muss in jedem Asylverfahren erstellt wer- den. Dies ergibt sich einerseits aus der systematischen Stellung von Art. 8 AsylG und andererseits aus dem Zweck des Asylverfahrens, das der Er- mittlung von Verfolgung beziehungsweise von Wegweisungshindernissen mit Bezug auf einen konkreten Heimatstaat dient. Ein Asylverfahren kann nicht sinnvoll geführt werden, wenn die Asylsuchenden ihre Staatsangehö- rigkeit nicht offen legen beziehungsweise durch die Verheimlichung un d Verschleierung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlings- eigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 8 E. 3.1 S. 76 f.). Dabei trägt nach der Bestimmung von Art. 8 ZGB, die als allgemeiner Rechtsgrundsatz auch im öffentlichen Recht Anwendung findet, die asyl- suchende Person die Beweislast und damit die Folgen der Beweislosigkeit. D-2967/2015 Seite 8 Mit Bezug auf das Beweismass ist von der allgemeinen Regel von Art. 7 AsylG auszugehen, das heisst, die behauptete Staatsangehörigkeit muss zumindest glaubhaft erscheinen (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5). 6.2 Das Gericht ist mit der Vorinstanz der Auffassung, dass der Beschwer- deführer die Mitwirkungspflicht in nicht entschuldbarer Weise verletzt hat und dadurch den Behörden nähere Abklärungen und eine Rückschaffung in seinen tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. So wurde der Be- schwerdeführer, welcher unter verschiedenen Id entitäten auftrat, zu Be- ginn der BzP sowie der Anhörung auf seine Mitwirkungspflicht und die Fol- gen bei ungenauen, lückenhaften, widersprüchlichen oder falschen Anga- ben aufmerksam gemacht (vgl. act. A14/16 S. 2, A32/11 S. 2). Selbst wäh- rend der Anhörung wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass seine spär- lichen Aussagen sich negativ auf den Entscheid auswirken können (vgl. act. A32/11 S. 8 F86). Es ist sodann dem SEM zuzustimmen, dass – auch wenn der Beschwerdeführer somalisch spricht – seine Herkunft aus Soma- lia nicht als glaubhaft erscheint, wobei zur Vermeidung von Wiederholun- gen vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochte- nen Verfügung zu verweisen ist. Die Beschwerdevorbringen ändern so- dann an dieser Einschätzung nichts. Vielmehr ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer zur Beschaffung von angeblichen Beweismittel n – welche er im Übrigen bis heute nicht eingereicht hat – seine Mutter kontak- tieren wolle und gemäss eigenen Ausführungen über Verwand te in J._______ sowie Geschwister, mit welchen er in X._______ gelebt habe, verfügen will. Gleichzeitig führt er jedoch aus , er habe in X._______ kein soziales Netz. Dabei widerspricht er sich selber, was der Glaubhaftigkeit seines Vorbringens nicht sehr förderlich erscheint. Auch gab der Beschwer- deführer bei der Polizei zu Protokoll, G._______ zu sein, was auf privile- gierte Verhältnisse schliessen lassen dürfte, sollten diese Aussagen der Wahrheit entsprechen. Im Weiteren kann die Erklärung, wonach ihm ein Kollege aus asyltaktischen Gründen zu gewissen Aussagen geraten habe, um sich einen Aufenthalt in der Schweiz zu sichern, nicht gehört werden, zumal der Beschwerdeführer um seine Wahrheitspflicht wusste – er wurde diesbezüglich während der Anhörung ermahnt (vgl. act. A32/11 S. 3 F15) – und somit die Schweizer Behörden bewusst zu täuschen versuchte. Er hat die Folgen dieses Verhaltens somit zu verantworten, was ihm zu Beginn der BzP und der Anhörung klargemacht wurde. Die Ausführungen auf Be- schwerdeebene zur angeblichen Herkunft aus I._______ und dem Leben in Somaliand vermögen sodann – auch im Hinblick auf die gemachten Aus- führungen in den Befragungen – nicht zu überzeugen. Der Verweis auf sein D-2967/2015 Seite 9 angeblich "jugendliches Alter" und seine Leichtgläubigkeit vermögen eben- falls nicht zu überzeugen, zumal auch von einem Jugendlichen erwartet werden kann, wahrheitsgemässe Aussagen zu machen. 6.3 Gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. b AsylG müssen Asylsuchende im Rahmen ihrer Mitwirkungsplicht im EVZ Reisepapiere und Identitätsausweise abge- ben. Diesbezüglich gab der Beschwer deführer anlässlich der BzP vom 10. September 2013 zu Protokoll, ausser dem Geburtsschein, welcher sich zu Hause bei seiner Mutter befinde, nichts anderes beschaffen zu können. An der Anhörung vom 20. März 2015 führte er sodann aus, er habe den Geburtsschein nicht beschaffen können, we il es nicht möglich gewesen sei, und äusserte sich widersprüchlich in Bezug auf den telefonischen Kon- takt mit seiner Mutter (vgl. act. A32/11 S. 2 f.). Bezeichnenderweise reichte er sodann auch bis zum heutigen Tag, mithin rund zweieinhalb Jahre nach der BzP, nichts ein, was seine Identität belegen könnte. Überzeugende Ausführungen hinsichtlich seiner Bemühungen zur Beschaffung von Iden- titätsdokumenten brachte der Beschwerdeführer nicht an. Es ist aufgrund der Akten vielmehr davon auszugehen, dass er die Asylbehörden bewusst in Bezug auf seine tatsächliche Herkunft im Dunkeln lassen will. Es ka nn aufgrund dieser Ausführungen darauf verzichtet werden, noch länger auf die vom Beschwerdeführer versprochenen Dokumente – eine entspre- chende Frist brauchte vom Bundesverwaltungsgericht in Anbetracht der mehrmaligen vorinstanzlichen Aufforderungen zur Papierbeschaffung nicht angesetzt zu werden – zu warten, weshalb der Antrag auf Einräumung ei- ner weiteren Chance abzuweisen ist. 6.4 Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer in Verletzung seiner Mitwirkungspflicht seine Identität bis heute nicht offengelegt. D iese steht demnach weiterhin nicht fest. 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus- ländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs (Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG) sind grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersuchungspflicht findet jedoch nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der beschwerdeführenden Person (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (Art. 7 AsylG), und es D-2967/2015 Seite 10 kann nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen Wegweisungshin- dernissen in hypothetischen He rkunftsländern zu forschen. Mit dem Vor- enthalten von Informationen und dem Fehlen jeglicher Bemühungen, Aus- weispapiere oder Beweismittel zu beschaffen, die seine Identität, Herkunft und Vorbringen beweisen könnten, ist der Beschwerdeführer selber dafür verantwortlich, weshalb sich die Vorinstanz und nun auch das Gericht mit den Fragen der Wegweisung und deren Vollzugs nur in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise gemäss vorliegenden Ausführungen befassen. Er entzieht mit seinem Verhalten die für genauere Abklärungen erforderli- che Grundlage. Es ist nicht Sache des Gerichts, sich diesbezüglich in Mut- massungen und Spekulationen zu ergehen. Der Beschwerdeführer hat deshalb die Folgen seiner von ihm nicht rechtsgenüglich nachgewiesenen wahren Identität und Herk unft zu tragen, indem vermutungsweise davon auszugehen ist, es würden einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimat- staat keine landes - oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 AsylG i n Verbindung mit Art. 83 Abs. 2–4 AuG (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2. S. 4 f.) entgegenstehen. 7.2 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allenfalls benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten ist. 9. Die Gesuche um Unterlassung der Kontaktaufnahme mit den Behörden des Heimat - oder Herkunftsstaates sowie jeglicher Datenweitergabe an dieselben und – falls Daten bereits weitergeleitet worden seien – um Infor- mation in einer separaten Verfügung werden mit vorliegendem Urteil ge- genstandslos. Mangels glaubhaft gemachter Identität ist ohnehin offen, welche Staatsangehörigkeit der Beschwerdefü hrer besitzt, weshalb ent- sprechende Kontaktaufnahmen oder Datenweitergaben nicht möglich sind. 10. Dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist nicht D-2967/2015 Seite 11 stattzugeben, weil die Begehren als aussichtslos zu erachten waren (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Mangels Befreiung von der Bezahlung der Verfah- renskosten als Voraussetzung zur Bestellung eines amtlichen Rechtbei- stands (Art. 110a Abs. 1 AsylG) ist das entsprechende Begehren abzuwei- sen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf Fr. 600.– festzusetzen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2967/2015 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt- lichen Verbeiständung werden abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Regula Frey Versand: