B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-177/2016 U r t e i l v o m 7 . F e b r u a r 2 0 1 7 Besetzung Richter Martin Kayser (Vorsitz), Richter Andreas Trommer, Richter Antonio Imoberdorf, Gerichtsschreiber Ardian Nikolla. Parteien A._______, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christoph Zobl, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vorläufige Aufnahme. F-177/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der aus Syrien stammende Beschwerdeführer (geb. […]) reiste am (…) in die Schweiz ein und ersuchte am darauffolgenden Tag um Asyl. Als Asylgrund gab er an, dass er für die Muslimbruderschaft als Briefbote tätig gewesen sei. Daraufhin sei er vom syrischen Nachrichtendienst gesucht worden. Aus Angst vor dem Assad-Regime habe er sein Heimatland ver- lassen ( Vorakten des Staatsekretariats für Migration [nachfolgend : SEM act.] 1/10 sowie Akten des Bundesamts für Flüc htlinge im Verfahren Nr. […] [nachfolgend: SEM N-act.] A1/5, A3/7-9). B. Aufgrund der Heirat mit der aus Algerien stammenden und in der Schweiz niedergelassenen B._______ erhielt der Beschwerdeführer am 7. Februar 2000 im Kanton X._______ eine Aufenthaltsbewilligung. In der Folge zog er sein Asylgesuch am 12. März 2000 zurück. Der Beziehung entstammt die gemeinsame Tochter C._______ (geb.1999). Diese wurde nach der Scheidung im Jahr 2005 unter die elterliche Sorge der Mutter gestellt (SEM act. 1/10 und 3/54). Im Jahr 2010 heiratete der seit März 2004 niederlas- sungsberechtigte Beschwerdeführer die aus Marokko stammende D._______. C. Mit Urteil vom 20 . September 2013 wurde der Beschwerdeführer vom Obergericht des Kantons X._______ wegen versuchter räuberischer Er- pressung, mehrfacher Körperverletzung, Nötigung und mehrfacher Dro- hung mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren belegt (SEM act. 3/32 -33 sowie Akten des Bundesverwaltungsgerichts [nachfolgend: BVGer act.] 10). Das Urteil, welches im Wesentlichen jenes des Bezirksgerichts Y ._______ vom 24. Oktober 2012 bestätigte, wurde in der Folge rechts- kräftig. Am 5. März 2015 wurde der Beschwerdeführer vorzeitig bedingt aus dem Strafvollzug entlassen (SEM act. 3/53-54). D. Am 19. März 2015 widerrief das Migrationsamt des Kantons X._______ (nachfolgend: Migrationsamt) die Niederlassungsbewilligung d es Be- schwerdeführers und wies ihn aus der Schweiz weg (SEM act. 3/39). Die [kantonale Rekursinstanz] hiess einen dagegen erhobenen Rekurs teil- weise gut und beauftragte das Migrationsamt am 8. Juli 2015, beim Staats- sekretariat für Migration (SEM bzw. Vorinstanz) die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers zu beantragen (vgl. SEM act. 3/40). F-177/2016 Seite 3 E. Das Migrationsamt beantragte in der Folge beim SEM die vorläufige Auf- nahme des Beschwerdeführers. Am 2. Dezember 2015 lehnte die Vorin - stanz eine vorläufige Aufnahme nach Gewährung des rechtlichen Gehörs ab. Zur Begründung führte sie im W esentlichen aus, dass der Beschwer- deführer aufgrund seiner Vergehen gestützt auf Art. 83 Abs. 7 AuG (SR 142.20) keinen Anspruch auf eine vorläufige Aufna hme wegen Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs habe (Art. 83 Abs. 4 AuG). Ferner stün- den auch keine völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz der Weg- weisung entgegen (Art. 83 Abs. 3 AuG), da in Syrien keine generelle Ge- fährdung der Gesamtbevölkerung an Leib und Leben bestehe und auch im vorliegenden Fall eine konkrete Gefährdung weder belegt noch ersichtlich sei (SEM act. 8/90-93). F. Mit Rechtsmitteleingabe vom 11. Januar 2016 beantragt der Beschwerde- führer, den Antrag auf vorläufige Aufnahme gutzuheissen und eventualiter das Verfahren zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweise n. In seiner Begründung macht er geltend, das SEM habe Art. 83 AuG falsch angewendet. Der Verweigerung der vorl äufigen Aufnahme stünde Art. 83 Abs. 3 AuG entgegen. Ferner sei die Ablehnung der vorläufigen Aufnahme mit Hinblick auf seine Beziehung zu seiner Tochter, seine wirtschaftliche Existenz sowie seine Integration in der Schweiz ein Verstoss gegen da s Verhältnismässigkeitsprinzip (BVGer act. 1). G. In der Vernehmlassung vom 17. Februar 2016 hält die Vorinstanz vollum- fänglich an ihren Erwägungen fest und beantragt die Abweisung der Be- schwerde (BVGer act. 6). H. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer in der Folge zugestellt und am 28. November 2016 das erwähnte Urteil des Obergerichts bei ge- zogen (vgl. vorn unter C). I. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. F-177/2016 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des SEM sind beim Bundesverwaltungsger icht anfecht- bar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet vorliegend endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG). 1.2 Die vorläufige Aufnahme wird durch den Kanton beantragt (Art. 83 Abs. 6 AuG). Lehnt das SEM, wie hier, diesen Antrag ab, ist die betroffene Person zur Anfechtung dieses Entscheids legitimiert (Urteil des BVGer D- 524/2011 vom 21. Dezember 2011 E. 1.2 m.H.). Auch sonst sind sämtliche Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt (vgl. Art. 48 ff. VwVG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die Ver- letzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis- sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. 3.1 Das SEM verfügt die vorläufige Aufnahme eines Ausländers oder einer Ausländerin, wenn der Vollzug der Weg - oder Ausweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar ist (Art. 83 Abs. 1 AuG). Die vorläufige Aufnahme wegen Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs (Art. 83 Abs. 2 und 4 AuG) wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die weg- oder ausgewiesene Person, wie hier, zu einer längerfristi- gen Freiheitsstrafe im In - oder Ausland verurteilt wurde (Art . 83 Abs. 7 Bst. a AuG). In so einem Fall ist allein zu prüfen, ob sich der Vollzug auf- grund von völkerrechtlichen Verpflichtung en als unzulässig erweist (vgl. Art. 83 Abs. 3 AuG). Letzteres wird im Grundsatz auch vom Beschwer- deführer anerkannt (vgl. Beschwerdeschrift Ziff. 11, BVGer act. 1). 3.2 Die Vorinstanz erachtet den Vollzug der Wegweisung als zulässig, da in Syrien keine generelle Gefährdung der Gesamtbevölkerung an Leib und F-177/2016 Seite 5 Leben bestehe. Eine allgemeine, unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefährdung für Leib und Leben aller dort leb enden Personen liege nicht vor. Auch bezogen auf den konkreten Fall sei nicht substantiiert dargetan, dass völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Ausreise nach Sy- rien entgegenstehen würden. Der Vollzug der Wegweisung verletze insbe- sondere Art. 3 EMRK nicht (vgl. SEM act. 8/90-93). 3.3 In der Beschwerde rügte der Beschwerdeführer zunächst eine Verlet- zung von Art. 83 Abs. 3 AuG unter Verweis auf die Situation in seinem Hei- matland Syrien (vgl. Beschwerdeschrift Ziff. 7 ff., BVGer act. 1 auch zum Folgenden). Z._______, die Herku nftsstadt des Beschwerdeführers , sei, nachdem die syrischen Rebellen zusammen mit der Al -Nusra-Front die Kontrolle übernommen hätten, durch Bombardements der syrischen Luft- waffen weitgehend zerstört worden. Berichten zufolge herrschten weiterhin Kämpfe zwischen Islamisten, Rebellen und Regierungstruppen. Die Situa- tion habe sich durch das Eingreifen von Russland und verschiedenen eu- ropäischen Staaten sowie den USA verschlimmert. Aufgrund des Bürger- krieges und des „unzimperlichen brutalen Vorgehens der betroffenen Par- teien“ sei von einem sehr grossen Risiko auszugehen, dass der Beschwer- deführer „getötet, gefoltert oder in einer eingekesselten Stadt aus gehun- gert würde“. Daher sei aufgr und von Art. 3 EMRK die Wegweisung des Beschwerdeführers unzulässig. 4. 4.1 Völkerrechtliche Verpflichtungen im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG kön- nen sich namentlich aus dem flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement-Ge- bot von Art. 33 Ziff. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), Art. 3 EMRK sowie dem inhalt- lich mit letzterer Norm weitgehend übereinstimmenden Art. 3 des Überein- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder e rniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ergeben (vgl. BGE 124 I 231 E. 2a). Diese Bestimmungen sind kei- ner Einschränkung zugänglich (BVGE 2010/42 E. 11.2 m.H.). 4.2 In seiner Rechtsprechung zu Art. 3 EMRK hat der EGMR festgehalten, dass der Vollzug der Wegweisung gegen Art. 3 EMRK verstösst, wenn für die betroffene Person im Zielstaat die ernsthafte Gefahr ("real risk") einer dieser Bestimmung widersprechenden Behandlung besteht ( Urteil des EGMR Mamatkulov gegen die Türkei vom 4. Februar 2005, 4682 7/99, Ziff. 67). Dabei genügt es nicht, dass eine allgemeine Gefahr dargetan wird; vielmehr muss diese sich gerade auf die betroffene Person beziehen F-177/2016 Seite 6 (vgl. Urteil des EGMR NA. gegen Grossbritannien vom 17. Juli 2008 , 25904/07, Ziff. 113). Es muss glaubhaft sein, dass gerade die betroffene Person einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt sein würde. Dabei wird auf die allgemeine Situation und die Erfahrungen im Zielland abgestellt, wobei allein der Umstand, dass im Zielstaat ernsthafte Menschenrechtsverletzungen stattfinden, im allgemeinen nicht genügt, um eine ernsthafte Gefahr zu begründen (vgl. Urteil des EGMR Vilvarajah et al. gegen Grossbritannien vom 30. Oktober 1991, 13163/87, Ziff. 108; OLI- VER THURIN, Der Schutz d es Fremden vor rechts widriger Abschiebung – Das Prinzip des Non -Refoulement nach Artikel 3 EMRK, Wien/New York 2009, S. 179 f.). Vielmehr müssen spezifische Gründe dargelegt werden, welche die Gefahr für den Betroffenen, einer Art. 3 EMRK widersprechen- den Behandlung ausgesetzt zu werden, als real erscheinen lassen ( THU- RIN, a.a.O., S. 170; BGE 130 II 217 E. 8.1). 4.3 Im in der angefochtenen Verfügung zitierten Referenzurteil des Bun- desverwaltungsgerichts zur Lage in Syrien wurde festgestellt, dass sich am Bürgerkrieg verschiedene Parteien und Gruppierungen mit unterschiedli- cher politischer, ethnischer und religiöser Prägung beteiligen, die zudem in wechselnden Koalitionen zueinander stehen . Ferner ist zu beobachten, dass auch gegen die Zivilbevölkerung in willkürlicher Weise mit massivster Gewalt und unter Einsatz von Kriegswaffen vorgegangen wird, so mittels Artillerie, Bombenangriffen sowie Giftgas. Hierbei gehen insbesondere die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tatsächliche oder vermeintliche Regimegegner mit gröss- ter Brutalität und Rücksichtslosigkeit vor. Personen, die sich an regimekri- tischen Demonstrationen beteiligt haben, sind in grosser Zahl von Verhaf- tung, Folter und willkürlicher Tötung betroffen (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.1 sowie 5.7.2 m.H.). 4.4 In der Beschwerdeschrift werden die generelle Unübersichtlichkeit so- wie die Volatilität der Machtverhältnisse in Syrien und im Speziellen in der Heimatstadt des Beschwerdeführers beschrieben (Beschwerdeschrift Ziff. 6 f ., BVGer act. 1 ; vgl. auch Urteil BVGer D -5779/2013 E. 5.3.2 sowie 5.4.1). Im Kampf um die Kontrolle über die Stadt Z._______ stünden sich zum einen die sy rische Armee von Baschar al -Assad und zum anderen verschiedene islamistische Rebellengruppen gegenüber. 4.5 Als der Beschwerdeführer im Besitze einer Aufenthalts- und später ei- ner Niederlassungsbewilligung war, reiste er vor dem Ausbruch des Bür- gerkriegs regelmässig freiwillig nach Syrie n (SEM act. 1/4 ). Es wird nicht F-177/2016 Seite 7 glaubhaft dargelegt, dass er sich später als tatsächlicher oder vermeintli- cher Regimegegner exponiert hätte, und daher von der Regierung eine Art. 3 EMRK wiedersprechende Behandlung befürchten müsste. Bezogen auf das Assad-Regime ist demnach nicht ersichtlich, dass gerade er einem besonders realen Risiko ausgesetzt wäre, Opfer von Folter oder einer an- deren Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung zu werden. Gemäss seinem Asylgesuch stand der Beschwerdefüh rer vor seiner Ein- reise in die Schweiz der sunnitisch -islamistischen Muslimbruderschaft nahe (vgl. vorn unter A). Aus den vorliegenden Akten ist zu schliessen, dass es sich bei m Beschwerdeführer folglich um einen Syrer arabischer Ethnie und sunnitischen Muslim handelt. Insofern ist auch nicht ersichtlich bzw. glaubhaft dargelegt, dass er in den von islamistischen Rebellengrup- pen kontrollierten Gebieten aufgrund einer abweichenden politischen, reli- giösen oder ethnischen Zugehörigkeit einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt sein könnte, Opfer einer Art. 3 EMRK widersprechenden Behandlung zu werden. 4.6 Insgesamt beschränken sich die Ausführungen des Beschwerdefüh- rers auf die Darstellung des anhaltenden Bürgerkriegs und der daraus re- sultierenden allgemeinen Gewalt in Syrien . Dies wäre allenfalls unter Art. 83 Abs. 4 AuG zu berücksichtigen. Daraus kann jedoch aufgrund sei- ner Straffälligkeit kein Anspruch auf vorläufige Aufnahme wegen Unzumut- barkeit der Wegweisung abgeleitet werden . Die allgemeine Menschen- rechtslage in Syrien ist zweifelsohne als problematisch einzustufen. Dem Beschwerdeführer misslingt jedoch die Glaubhaftmachung eines realen Ri- sikos durch spezifische Gründe, welche die völkerrechtliche Unzulässigkeit der Wegweisung nach sich ziehen würde. Anzumerken bleibt sodann, dass sich der Beschwerdeführer in Syrien in ein Gebiet begeben kann, in dem eine menschenrechtswidrige Behandlung unwahrscheinlich erscheint (vgl. CHRISTOPH GRABENWARTER/KATHARINA PABEL, Europäische Menschen- rechtskonvention, 6. Aufl., München 2016, S. 215). 4.7 Dem Vollzug der Wegweisung stehen nach dem Gesagten im vorlie- genden Fall keine völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG entgegen. 5. 5.1 Nach Auffassung der Vorinstanz würden die Behörden aufgrund von Art. 83 Abs. 7 AuG nicht über ein Entschliessungsermessen verfügen. Eine F-177/2016 Seite 8 Verhältnismässigkeitsprüfung käme sinngemäss nur bei der Aufhebung, je- doch nicht bei der Anordnung ei ner vorläufigen Aufnahme in Frage (vgl. SEM act. 7/91). 5.2 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, es sei entgegen der Auffassung de r Vorinstanz eine Verhältnismäs sigkeitsprüfung ange- zeigt. Die Ablehnung der vorläufigen Aufnahme stelle mit Hinblick auf die Beziehung zu seiner Tochter, seine wirtschaftliche Existenz sowie seine In- tegration in der Schweiz einen Verstoss gegen das Verhältnismässigkeits- prinzip dar. Diesbezüglich bringt er weiter vor, dass es sich beim begange- nen Delikt um ein einmaliges E reignis handle und er keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstelle. In Syrien könne er aufgrund der aktuellen Lage keine Ar beit finden, welche ihm ermögli chen könnte, seine hier lebende Tochter finanziell zu unterstützen oder diese zu besu- chen. Die Kommunikation über das Telefon oder das Internet sei aufgrund der zerstörten Infrastruktur nicht möglich. Nebst einem einmaligen kurzen Ausfall sei er immer seinen Unterhaltspflichten nachgekommen und wolle dies auch in Zukunft tun. Es entspräche auch den öffentlichen Interessen der Schweiz, dass er weiterhin in der Schweiz arbei ten könne und seine Unterhaltsbeiträge bezahle. Er sei sowohl wirtschaftlich als auch gesell- schaftlich integriert. In der Heimat verfüge der Beschwerdeführer über kein funktionierendes Beziehungsnetz und sein Grundstück sei zerstört worden. Aus dem Gesagten sei von einem hohen privaten Interesse an einem Ver- bleib in der Schweiz auszugehen, welches das öffentliche Interesse an ei- ner Verweigerung der vorsorglichen Aufnahme überwiege (vgl. zum Gan- zen Beschwerdeschrift Ziff. 10 ff., BVGer act. 1). 5.3 Das Bundesverwaltungsgericht nimmt praxisgemäss – unabhängig der Frage, ob es um einen Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme oder eine Aufhebung einer solchen geht – eine Verhältnismässigkeitsprüfung vor (vgl. Urteile des BVGer E-3304/2015 vom 6. August 2015 E. 7.3 ff.; D- 1389/2013 vom 8. Dezember 2015 E. 6.3.3 ff.). Dies entsprach ebenfalls der Praxis der ehemaligen Asylrekurskommission, auf welche im Übrigen auch die von der Vorinstanz zi tierte Stelle verweist ( Urteil des BVGer D- 7342/2010 vom 5. März 2013 E. 6.5.1 mit Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2004 Nr. 39 E. 5.3 S. 271). Insofern muss auch vorliegend eine Interessenabwä- gung erfolgen und die Frage beantwortet wer den, ob die Nichtgewährung der vorläufigen Aufnahme eine verhältnismässige Massnahme darstellt. Dabei gilt es d ie Schwere des Delikts und des Verschuldens, den Grad seiner Integration, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die F-177/2016 Seite 9 ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu beachten (vgl. BGE 134 II 1 E. 2.2 m.w.H.). Andererseits soll die Interessenabwägung nicht auf eine vollständige Zumutbarkeitsprüfung hinauslaufen. Zudem darf dadurch nicht der Wortlaut von Art. 83 Abs. 7 AuG unterlaufen werden (vgl. vorn E. 3.1). 5.4 Der Beschwerdeführer hat eine erhebliche Gewaltbereitschaft an den Tag gelegt, indem er aus egoistischen, rein finanziellen Motiven besonders wertvolle Rechtsgüter wie Leib und Leben seiner Ex -Frau gefährdet hat (vgl. dazu ausführlich den Rekursentscheid der [kantonalen Rekursinstanz] vom 8. Juli 2015 E. 7a, SEM act. 3/46; vgl. auch das Urteil des Obergerichts des Kantons X._______ vom 20. September 2013 S. 41 f., BVGer act. 10). Die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren spricht, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, deutlich für ein gewichtiges öffent- liches Interesse an seiner Wegweisung und deren Vollzug. Das öffentliche Interesse ist nicht darauf beschränkt, zukünftige Verletzungen der öffentli- chen Ordnung durch die betroffene Person zu vermeiden, sodass die Tat- sache, dass es sich um ein einmaliges Ereignis handelte, nicht ins Gewicht fällt (vgl. BVGE 2007/32 E. 3.7.3 S. 391). 5.5 Dem öffentlichen Interesse sind die privaten Interessen des Beschwer- deführers gegenüberzustellen. Bezüglich der Beziehung zur Tochter ist zu beachten, dass diese im Juni 2017 volljährig wird. Damit kann ihr zugemu- tet werden, nebst der Kommunikation über elektronische Medien auch durch Treffen ausserhalb der Schweiz den Kontakt zum Vater zu pflegen. Ferner ist in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters der Tochter das vorge- brachte öffentliche Interesse der Schweiz an der Leistung von Unterhalts- beiträgen durch den Beschwerdeführer unerheblich. In Anbetracht des Strafmasses sind die negativen Auswirkungen auf die Beziehung zur Toch- ter verhältnismässig. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben im Asylverfahren wei- tere Kinder aus erster Ehe in Syrien hat (SEM N-act. A1/2). Folglich ist fraglich, ob tatsächlich kein Beziehungsnetz in der Heimat besteht. Weiter gilt es dem Umstand Rechnung zu tragen , dass der Beschwerde- führer erst im Alter von […] Jahren in die Schweiz einreiste. Eine über das übliche Mass hinaus reichende Integration innerhalb seines (…) -jährigen Aufenthalts in der Schweiz ist nicht genügend substantiiert dargelegt wor- den. Damit liegen keine Indizien vor, dass er beim Wegweisungsvollzug aus einem besonders engen schweizerischen Beziehungsumfeld heraus- gerissen würde. Vor seiner Inhaftierung reiste er regelmässig nach Syrien. F-177/2016 Seite 10 Der Beschwerdeführer spricht arabisch und hat bereits vor seiner Einreise in die Schweiz in verschiedenen Ländern ausserhalb Syriens gearbeitet. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann ebenfalls nicht von einer wirtschaftlichen Integration ausgegangen werden, zumal er durch eine Erpressung das nötige Kapital für seinen Autohandel auftreiben wollte und gemäss den Akten Schulden im Gesamtwert von Fr. 50 000.– verur- sacht hat (SEM act. 3/48). 5.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das öffentliche Interesse am Weg- weisungsvollzug das private Interesse des Beschwerdeführers am weite- ren Verbleib in der Schweiz überwiegt. Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz erweist sich vor diesem Hintergrund auch im Resultat nicht als unangemessen. 6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Kosten des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). F-177/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Sie sind durch den in gleich er Höhe einbezahlten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] und N […] retour) – das Migrationsamt des Kantons X._______ Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Kayser Ardian Nikolla Versand: