<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Fürsorgerische Unterbringung</span> <span class="page_no">59</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>12</b></span> <span class="ft2"><b>Übertragung der Entlassungszuständigkeit gemäss Art. 428 Abs. 2 ZGB</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Es ist unzulässig, dass das Familiengericht die Entlassungszuständigkeit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>an eine Einrichtung ohne ärztliche Leitung überträgt, da die Anordnung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>einer Nachbetreuung nur durch das Familiengericht möglich ist.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Urteil des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 29. Januar 2013 in Sachen</span><br/> <span class="ft3">B.F. gegen den Entscheid des Familiengerichts Z. (WBE.2013.25).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Art. 426 ZGB darf eine Person, die an einer psychi-</span><br/> <span class="ft1">schen Störung oder an geistiger Behinderung leidet oder schwer ver-</span><br/> <span class="ft1">wahrlost ist, in einer geeigneten Einrichtung untergebracht werden,</span><br/> <span class="ft1">wenn die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders erfolgen</span><br/> <span class="ft1">kann (Abs. 1). Dabei sind die Belastung und der Schutz von Angehö-</span><br/> <span class="ft1">rigen und Dritten zu berücksichtigen (Abs. 2). Die betroffene Person</span><br/> <span class="ft1">wird entlassen, sobald die Voraussetzungen für die Unterbringung</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr erfüllt sind (Abs. 3).</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Der im ZGB verwendete Begriff der psychischen Störung um-</span><br/> <span class="ft1">fasst die anerkannten Krankheitsbilder der Psychiatrie; dazu gehören</span><br/> <span class="ft1">auch Suchterkrankungen (Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenab-</span><br/> <span class="ft1">hängigkeit; vgl. Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivil-</span><br/> <span class="ft1">gesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht]</span><br/> <span class="ft1">vom 28. Juni 2006, BBl 2006 7043, nachfolgend: Botschaft Erwach-</span><br/> <span class="ft1">senenschutz). Beim Begriff der "psychischen Störung" handelt sich</span><br/> <span class="ft1">um einen Rechtsbegriff, der im Grundsatz der Definitionsmacht und</span><br/> <span class="ft1">Auslegungshoheit der Jurisprudenz unterliegt. Wo die Begrifflichkei-</span><br/> <span class="ft1">ten jedoch mit der medizinischen Terminologie übereinstimmen, wie</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">60</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bei der psychischen Störung, muss die rechtsanwendende Instanz da-</span><br/> <span class="ft1">ran gebunden sein (vgl.</span> <span class="ft1">KOKES-Praxisanleitung Erwachsenen-</span><br/> <span class="ft1">schutzrecht, Zürich/St.Gallen 2012, Rz.10.6; vgl.</span> <span class="ft1">C</span><span class="ft3">HRISTOF</span><br/> <span class="ft1">B</span><span class="ft3">ERNHART</span><span class="ft1">, Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel</span><br/> <span class="ft1">2011, N 267 ff.).</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Herausgeberin der</span><br/> <span class="ft1">internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und ver-</span><br/> <span class="ft1">wandten Gesundheitsprobleme (englisch: International Statistical</span><br/> <span class="ft1">Classification of Diseases and Related Health Problems [ICD]). Das</span><br/> <span class="ft1">Kapitel V dieser Dokumentation beinhaltet die psychischen Störun-</span><br/> <span class="ft1">gen. Im Abschnitt F1 werden Psychische Störungen und Verhaltens-</span><br/> <span class="ft1">störungen durch psychotrope Substanzen dargestellt. Mit F.10</span><br/> <span class="ft1">werden Störungen durch Alkohol klassifiziert. Damit eine Störung</span><br/> <span class="ft1">durch Alkohol als Abhängigkeitssyndrom diagnostiziert werden</span><br/> <span class="ft1">kann, müssen drei von mehreren von der WHO herausgeschälten</span><br/> <span class="ft1">Kriterien erfüllt sein. Der Begriff "Abhängigkeitssyndrom" löst den</span><br/> <span class="ft1">veralteten Begriff der "Sucht" ab und kennzeichnet sich in Anleh-</span><br/> <span class="ft1">nung an diese Kriterien zusammenfassend durch ein passives und un-</span><br/> <span class="ft1">kontrolliertes Verhalten, bei dem die freie Willensentscheidung auf-</span><br/> <span class="ft1">grund des Angewiesenseins auf schädliche Substanzen weitgehend</span><br/> <span class="ft1">fehlt und körperliche und psychosoziale Problemen zur Folge hat.</span><br/> <span class="ft1">Ein Abhängigkeitssyndrom kann ferner zu einer Toleranzentwick-</span><br/> <span class="ft1">lung gegenüber den Wirkungen der Substanz und zu körperlichen</span><br/> <span class="ft1">Entzugssymptomen bei Reduktion der Substanz führen</span><br/> <span class="ft1">(vgl. C</span><span class="ft3">HRISTOF</span> <span class="ft1">B</span><span class="ft3">ERNHART</span><span class="ft1">, a.a.O., N 267 ff. und N 275 ff.). Die</span><br/> <span class="ft1">Alkoholabhängigkeit als psychische Störung ist somit als medizi-</span><br/> <span class="ft1">nischer Terminus klar definiert, weshalb die rechtsanwendende In-</span><br/> <span class="ft1">stanz bei der Beurteilung, ob eine psychische Störung im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">Art. 426 Abs. 1 ZGB vorliegt, daran gebunden ist.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Wie bereits im Urteil des Verwaltungsgerichts vom 9. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2012 ausgeführt, steht fest, dass der Beschwerdeführer bereits seit</span><br/> <span class="ft1">vielen Jahren an einer Alkoholabhängigkeit leidet. Als Folge der</span><br/> <span class="ft1">langjährigen Alkoholabhängigkeit hat sich beim Beschwerdeführer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Fürsorgerische Unterbringung</span> <span class="page_no">61</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gar ein alkoholbedingtes dementielles Syndrom (Korsakow-Demenz)</span><br/> <span class="ft1">entwickelt. Ausserdem wurde eine Benzodiazepin-Abhängigkeit</span><br/> <span class="ft1">diagnostiziert. Diese Diagnosen haben sich seit Oktober 2012 nicht</span><br/> <span class="ft1">verändert. Die Klinik nimmt in ihrem Austrittsbericht vom 7. De-</span><br/> <span class="ft1">zember 2012 denn auch Bezug auf die Klassifizierungen der WHO</span><br/> <span class="ft1">und stellt erneut eine Alkoholabhängigkeit mit der Klassifizierung</span><br/> <span class="ft1">ICD-10 F10.24 fest. Die psychiatrische Sachverständige diagnosti-</span><br/> <span class="ft1">zierte im Rahmen ihres Kurzgutachtens ebenfalls eine schwere Alko-</span><br/> <span class="ft1">holabhängigkeit.</span><br/> <span class="ft1">Die Beiständin hat den Beschwerdeführer früher in Zofingen</span><br/> <span class="ft1">mehrfach in stark betrunkenem Zustand getroffen. Sie erlebt ihn als</span><br/> <span class="ft1">einen alkoholabhängigen Menschen mit einem starken Drang nach</span><br/> <span class="ft1">Alkohol. Dies zeigt sich auch darin, dass der Beschwerdeführer sich</span><br/> <span class="ft1">ohne Bewilligung am 5. Januar 2013 vom Rehahaus Effingerhort</span><br/> <span class="ft1">nach Zofingen begab und dort in stark alkoholisiertem Zustand ins</span><br/> <span class="ft1">Spital gebracht werden musste.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Folglich wurde beim Beschwerdeführer bereits mehrfach ein</span><br/> <span class="ft1">Alkoholabhängigkeitssyndrom diagnostiziert. Mit Blick auf diese</span><br/> <span class="ft1">klare medizinische Diagnose sowie des von der Beiständin geschil-</span><br/> <span class="ft1">derten Verhaltens des Beschwerdeführers und der vom Rehahaus</span><br/> <span class="ft1">Effingerhort geschilderten Situation steht fest, dass der Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführer an einer schweren Alkoholabhängigkeit und somit an einer</span><br/> <span class="ft1">psychischen Störung im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB leidet.</span><br/> <span class="ft1">3.-5. (...)</span><br/> <span class="ft1">6.</span><br/> <span class="ft1">6.1.</span><br/> <span class="ft1">Dispositivziffer 2 des Entscheids des Familiengerichts Z. über-</span><br/> <span class="ft1">trägt die Zuständigkeit für die Entlassung des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">dem Rehahaus Effingerhort. Nachfolgend ist von Amtes wegen zu</span><br/> <span class="ft1">prüfen, ob die Übertragung der Entlassungszuständigkeit im vor-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Fall zulässig war.</span><br/> <span class="ft1">6.2.</span><br/> <span class="ft1">6.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Zur Problematik der vorangehend aufgeworfenen Frage finden</span><br/> <span class="ft1">sich im Bundesrecht folgende Regelungen:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">62</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Wie im früheren Recht richtet sich die Zuständigkeit für die</span><br/> <span class="ft1">Entlassung aus einer fürsorgerischen Unterbringung danach, wer die</span><br/> <span class="ft1">Unterbringung angeordnet hat. Hat die Kindes- und Erwachsenen-</span><br/> <span class="ft1">schutzbehörde die Unterbringung angeordnet, ist sie gemäss Art. 428</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 ZGB grundsätzlich auch für die Entlassung zuständig. Wurde</span><br/> <span class="ft1">die Unterbringung von einem Arzt angeordnet, entscheidet die Ein-</span><br/> <span class="ft1">richtung über die Entlassung (Art. 429 Abs. 3 ZGB). Im Gesetz ist</span><br/> <span class="ft1">vorgesehen, dass die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde im</span><br/> <span class="ft1">Einzelfall die Zuständigkeit für die Entlassung der Einrichtung über-</span><br/> <span class="ft1">tragen kann (Art. 428 Abs. 2 ZGB). Die Möglichkeit der Delegation</span><br/> <span class="ft1">der Entlassungszuständigkeit entspricht der geltenden Praxis. Damit</span><br/> <span class="ft1">soll sichergestellt werden, dass der Patient sofort entlassen wird,</span><br/> <span class="ft1">wenn dies aus medizinischer Sicht möglich ist, und die Klinik nicht</span><br/> <span class="ft1">zuerst einen Antrag an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde</span><br/> <span class="ft1">stellen muss. Die Übertragung kann nur im Einzelfall erfolgen und</span><br/> <span class="ft1">nicht in einer generell-abstrakten Norm festgehalten werden (Bot-</span><br/> <span class="ft1">schaft Erwachsenenschutz, BBl 2006 7064; THOMAS GEISER/</span><br/> <span class="ft1">MARIO ETZENSBERGER, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler</span><br/> <span class="ft1">Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, Art. 428 N 8 f.). Wei-</span><br/> <span class="ft1">tere Hinweise, unter welchen Voraussetzungen die Entlassungszu-</span><br/> <span class="ft1">ständigkeit im Einzelfall an die Einrichtung übertragen werden kann,</span><br/> <span class="ft1">lassen sich aus dem Bundesrecht nicht ableiten.</span><br/> <span class="ft1">6.2.3.</span><br/> <span class="ft1">In Art. 437 ZGB wird die Kompetenz zur Regelung der Nach-</span><br/> <span class="ft1">betreuung an die Kantone delegiert. In Abs. 2 der genannten Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung wird darauf hingewiesen, dass die Kantone neben und inner-</span><br/> <span class="ft1">halb der Regelung der Nachbetreuung ambulante Massnahmen vor-</span><br/> <span class="ft1">sehen können. Gemäss THOMAS GEISER/MARIO</span><br/> <span class="ft1">ETZENSBERGER werden die Kantone mit Art. 437 ZGB zur Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung der Nachbetreuung verpflichtet, selbst wenn eine solche Ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtung dem Wortlaut der Bestimmung nicht explizit zu entneh-</span><br/> <span class="ft1">men ist. Wie die Nachbetreuung ausgestaltet wird, schreibt das Bun-</span><br/> <span class="ft1">desrecht nicht vor und ist entsprechend den kantonalen Gesetzgebern</span><br/> <span class="ft1">überlassen (vgl. THOMAS GEISER/MARIO ETZENSBERGER, in:</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Art. 437 N 5 f.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Fürsorgerische Unterbringung</span> <span class="page_no">63</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">6.3.</span><br/> <span class="ft1">6.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Regelung der Nachbetreuung überlässt das Bundesrecht</span><br/> <span class="ft1">dem Kanton. Bezüglich der Voraussetzungen der Delegation der Ent-</span><br/> <span class="ft1">lassungszuständigkeit macht das Bundesrecht keine Vorgaben.</span><br/> <span class="ft1">6.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Das kantonale Recht regelt die Nachbetreuung in den §§ 67k, l</span><br/> <span class="ft1">und m EG ZGB. § 67k EG ZGB hält allgemeine Grundsätze fest. So</span><br/> <span class="ft1">sieht § 67k Abs. 1 EG ZGB vor, dass bei Rückfallgefahr beim Aus-</span><br/> <span class="ft1">tritt eine Nachbetreuung vorzusehen ist. Sofern es zu keiner sachge-</span><br/> <span class="ft1">rechten schriftlichen Vereinbarung über die Nachbetreuung kommt,</span><br/> <span class="ft1">entscheidet die für die Entlassung zuständige Stelle über die Nach-</span><br/> <span class="ft1">betreuung (§ 67k Abs. 3 EG ZGB).</span><br/> <span class="ft1">6.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Dem Wortlaut und der Systematik dieser Bestimmungen kann</span><br/> <span class="ft1">entnommen werden, dass die Zuständigkeit der Anordnung einer</span><br/> <span class="ft1">Nachbetreuung an die Entlassungszuständigkeit angeknüpft werden</span><br/> <span class="ft1">soll: Liegt die Entlassungszuständigkeit bei der Einrichtung, soll die-</span><br/> <span class="ft1">se auch die Nachbetreuung festlegen (§ 67l Abs. 1 EG ZGB). Wenn</span><br/> <span class="ft1">hingegen die Entlassungszuständigkeit bei der Kindes- und Erwach-</span><br/> <span class="ft1">senenschutzbehörde liegt, entscheidet diese gestützt auf die ärztliche</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung über die Anordnung der Nachbetreuung (§ 67m Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">EG ZGB).</span><br/> <span class="ft1">6.3.4.</span><br/> <span class="ft1">§ 67l Abs. 1 EG ZGB hält fest, dass in Einrichtungen mit ärztli-</span><br/> <span class="ft1">cher Leitung die diensthabenden Kaderärztinnen und Kaderärzte die</span><br/> <span class="ft1">Nachbetreuung festlegen. Gemäss Abs. 4 derselben Bestimmung</span><br/> <span class="ft1">richtet sich die Nachbetreuung in Einrichtungen ohne ärztliche Lei-</span><br/> <span class="ft1">tung nach § 67m EG ZGB, d.h. die Kindes- und Erwachsenenschutz-</span><br/> <span class="ft1">behörde bzw. das Familiengericht (§ 59 Abs. 1 EG ZGB) ist zustän-</span><br/> <span class="ft1">dig für die Anordnung der Nachbetreuung. Im letzteren Fall ist eine</span><br/> <span class="ft1">Übertragung der Zuständigkeit für die Entlassung an die Einrichtung</span><br/> <span class="ft1">gemäss Art. 428 Abs. 2 ZGB nicht sachgerecht, denn dies würde be-</span><br/> <span class="ft1">deuten, dass die Einrichtung für die Entlassung und das Familienge-</span><br/> <span class="ft1">richt für die Anordnung einer Nachbetreuung zuständig sind. Ein</span><br/> <span class="ft1">Auseinanderfallen der Kompetenzen wäre unpraktikabel und kann</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2013</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">64</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nicht dem Willen des kantonalen Gesetzgebers entsprochen haben</span><br/> <span class="ft1">(vgl. Erw. 6.3.2. f. hiervor). Das kantonale Recht präzisiert Art. 428</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 ZGB in dem Sinne, dass einzig bei Einrichtungen mit ärztli-</span><br/> <span class="ft1">cher Leitung eine Übertragung der Zuständigkeit für die Entlassung</span><br/> <span class="ft1">an die Einrichtung zulässig ist. Andernfalls würde das Familienge-</span><br/> <span class="ft1">richt faktisch im Voraus auf die Anordnung einer Nachbetreuung ver-</span><br/> <span class="ft1">zichten, was nicht zulässig sein kann, insbesondere in den Fällen, in</span><br/> <span class="ft1">denen eine Rückfallgefahr nicht ausgeschlossen ist, was bei Alkohol-</span><br/> <span class="ft1">abhängigkeit regelmässig der Fall ist.</span><br/> <span class="ft1">6.4.</span><br/> <span class="ft1">6.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Das Rehahaus Effingerhort ist eine Einrichtung ohne ärztliche</span><br/> <span class="ft1">Leitung. Nach dem Gesagten war es daher nicht zulässig, die Ent-</span><br/> <span class="ft1">lassungszuständigkeit an das Rehahaus zu übertragen. Folglich ist</span><br/> <span class="ft1">Dispositivziffer 2 des Entscheids des Familiengerichts Z. von Amtes</span><br/> <span class="ft1">wegen aufzuheben.</span><br/> <span class="ft1">6.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Vollständigkeit halber ist in diesem Zusammenhang darauf</span><br/> <span class="ft1">hinzuweisen, dass es notorisch ist, dass die Rückfallgefahr bei Perso-</span><br/> <span class="ft1">nen, welche seit langer Zeit an einem Abhängigkeitssyndrom leiden,</span><br/> <span class="ft1">sehr hoch ist. Dies zeigt sich auch an der Krankheitsgeschichte des</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführers, welche von erfolgslosen Entzugsversuchen und</span><br/> <span class="ft1">wiederholten Rückfällen geprägt ist. Gestützt auf § 67k EG ZGB ist</span><br/> <span class="ft1">davon auszugehen, dass bei Austritt des Beschwerdeführers aus dem</span><br/> <span class="ft1">Rehahaus Effingerhort eine Nachbetreuung vorzusehen ist. Die</span><br/> <span class="ft1">Kompetenz betreffend Entlassungszuständigkeit und Regelung der</span><br/> <span class="ft1">Nachbetreuung darf im vorliegenden Fall nicht auseinanderfallen.</span><br/> <span class="ft1">6.4.3.</span><br/> <span class="ft1">Es ist somit abschliessend festzustellen, dass das Familienge-</span><br/> <span class="ft1">richt Z. für die Entlassung und Anordnung einer Nachbetreuung zu-</span><br/> <span class="ft1">ständig ist.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>