Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 10. Dezember 2020 (725 20 182 / 309) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Den Feststellungen der Eingliederungsfachleute kann bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit eine gewisse Aussagekraft zukommen. Die abschliessende Beurteilung obliegt aber letztlich dennoch dem Arzt oder der Ärztin Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Marie -Caroline Messerli , Rechtsanwältin, nigon Rechtsanwälte, Marktplatz 18, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1984 geborene A.____ war seit dem 1. Februar 2011 bei der B.____AG als Isolati- onstechniker angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungs- anstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfäll en versichert. Am 22. März 2013 ver- letzte er sich bei einem Treppensturz das rechte Handg elenk. Die Suva erbrachte die gesetzli- chen Leistungen (Taggelder, Heilbehandlung) für die Folgen dieses Ereignisses. Die Verletzung wurde am 31. Oktober 2013 und am 8. November 2016 op erativ versorgt. Mit Verfügung vom Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 28. August 2018 verneinte die Suva bei einem Invalidit ätsgrad von 8,15 % einen Anspruch auf eine Invalidenrente und erachtete die Voraussetzungen für eine Integritätsentschädigung als nicht erfüllt. Die hiergegen erhobene Einsprache hie ss sie in dem Sinne teilweise gut, als sie A.____ für die verbleibenden Unfallfolgen eine Integ ritätsentschädigung von 15 % zusprach. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab (Einspracheentscheid vom 24. März 2020). B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Marie-Caroline Mes- serli, am 14. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, A bteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Besc hwerde sei der Einspracheentscheid vom 24. März 2020 aufzuheben und ihm unter o/e-Kostenf olge eine Invalidenrente zuzuspre- chen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokatin Marie-Caroline Messerli als Rechtsvertreterin. Zur Begründung führ- te er im Wesentlichen aus, dass der angefochtene Entschei d auf unzureichenden medizini- schen Unterlagen beruhe und die Bemessung der Invalidität nicht zutreffend sei. C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 9. Juni 2020 auf Abwei- sung der Beschwerde. D. Am 11. Juni 2020 zog das Kantonsgericht bei der I V-Stelle Basel-Stadt (IV-Stelle) die Akten des Versicherten bei und gab den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die im Übrigen frist- und formge- recht erhobene Beschwerde vom 14. Mai 2020 ist demnach einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist einzig der Anspruch des V ersicherten auf eine Invalidenrente. Die gewährte Integritätsentschädigung ist mangels Anfec htung in (Teil-)Rechtskraft erwachsen und deshalb nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Auf den 1. Januar 2017 sind die mit Bundesgesetz vom 25. September 2015 revidierten Bestimmungen des UVG in Kraft getreten. Laut Abs. 1 de r Übergangsbestimmungen zur Ände- rung des UVG vom 25. September 2015 werden jedoch Versi cherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten dieser revidierten Bestim mungen zugetragen haben, und für Be- rufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind , nach bisherigem Recht gewährt. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall, weshalb nachfolgend auf das bisherige Recht und die dazu ergangene Rechtsprechung Bezug genommen wird. 4.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufs- unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behan dlung der Unfallfolgen (Heilbe- handlung). Ist die versicherte Person infolge des Unfall es voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeits- unfähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilwei ser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Ge sundheitszustands der versicher- ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali- denversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). 4.2 Der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheitssch aden nur insoweit, als dieser in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (vgl. BGE 129 V 177, E. 3). Dabei spielt die Adäqua nz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate mit der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 134 V 109, E. 2). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insbe sondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche u nd gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arzte s oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hin- weisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin ode r des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spe zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, sol ange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinwei- sen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten und Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese im Hi nblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussa- gen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des bzw. der therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes bzw. Ärztin einerseits und von Begutachtungsauf- trag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten u nd Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2 001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu st ellen und zum Anlass weiterer Abklä- rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte bzw. Ärzt innen zu anderslautenden Ein- schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benenn en, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urtei l des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt sowei t zu ermitteln, dass über den Leis- tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie genden Wahrscheinlichkeit ent- schieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zahl reiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Berichte wiedergegeben werden, welche für den Entscheid zentral sind. 7.2 Die IV-Stelle veranlasste bei der asim Begutachtung Universitätsspital Basel (asim) ein handchirurgisch-psychiatrisches Gutachten. Die Suva schloss sich dieser Begutachtung mit Zusatzfragen an. Im Rahmen der somatischen Abklärung fa nd auch ein ergotherapeutisches Assessment statt. Am 13. Dezember 2019 diagnostizierten die Experten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen beginnenden Gelenkskollaps am rechten Handgelenk (SLAC Wirst) Grad 1-2 mit nicht dissoziativer karpaler Instabilität (CIND). In psychiatrischer Hinsicht wurde keine Diagnose gemäss ICD-10 festgestellt. Beim Sturz am 22. März 2013 sei es zu einer Verletzung der intrinsischen Ligamente im Handgelenk gekommen. Es hä tten sich das typische Bild einer leichten dynamischen Instabilität am skapholunären Band u nd erste Anzeichen für eine Radio- karpalarthrose gezeigt. Die vom Versicherten geschilderten Schmerzen würden auf eine persis- tierende Instabilität hindeuten. Von einer weiteren Behandlung der Unfallfolgen könne mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit keine Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden. Die bisherige Tätigkeit als Isolationstechniker sei dem Versic herten nicht mehr zumutbar. Er könne aber mit seiner rechten Hand Tätigkeiten mit Belastung unter 2 kg ausführen. Mittelschwere Belastungen über 5 kg seien tolerabel, solange sie ni cht regelmässig vorkommen würden und nur von kurzer Dauer seien. Starke Vibrationen seien zu vermeiden. Statische und repetitive Tätigkeiten würden Pausen erfordern, sofern sie über längere Zeit ausgeübt würden. In einer angepassten Tätigkeit sei der Versicherte zu 100 % eins etzbar. Bei Zunahme der Arthrose sei eine Verschlechterung denkbar. 7.3 Am 15. November 2019 bestätigte der behandelnde Arzt med. prakt. C.____, FMH All- gemeine Innere Medizin, dass der Versicherte mindesten s zu 40 % arbeitsunfähig sei. Diese Beurteilung sei provisorisch und müsse regelmässig reevaluiert werden. 8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 24. März 2020 bei der Beurteilung des Gesundheitszustan ds und der Leistungsfähigkeit des Versicherten auf das bidisziplinäre Gutachten der asim vom 13. Dezember 2019. Sie ging dem- gemäss davon aus, dass dem Versicherten angepasste Verweist ätigkeiten ganztags zumutbar seien. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie in Erwägung 5.2 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beur- teilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsich tlich des Beweiswerts eines Arztbe- richts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allseiti- gen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten ab gegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtet und seine Schl ussfolgerungen begründet sind. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutach- ten der asim vom 13. Dezember 2019 in Frage zu stellen oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt. So weist es weder formale noch inhaltliche Mängel auf, ist – wie dies vom Bunde sgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor) – umfassend und beruht auf allseitigen Untersuchungen . Der Versicherte wurde eingehend so- matisch und psychiatrisch exploriert. Die entsprechenden, v orstehend (vgl. E. 7.2 hiervor) wie- dergegebenen Darlegungen im asim-Gutachten vermögen zu überzeugen, sodass darauf ver- wiesen werden kann. 8.2 Daran vermag der Hinweis des Beschwerdeführers auf den Abschlussbericht der Ein- gliederungsmassnahmen vom 24. Juli 2018 nichts zu ändern . Die Eingliederungsfachleute ka- men zum Schluss, dass der Versicherte im Umfang von 70 % i n der Arbeitsleistung einge- schränkt sei. Begründend hielten sie fest, er habe aufgr und der ständigen Schmerzen und den damit verbundenen psychischen Problemen immer wieder pa usieren müssen. Zudem sei die Kommunikation aus sprachlichen Gründen erschwert. Auch w enn den Feststellungen der Ein- gliederungsfachleute bei der Beurteilung der Arbeits fähigkeit eine gewisse Aussagekraft zu- kommen kann, obliegt die abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit in der Hauptsache aber letztlich dennoch dem Arzt oder der Ärztin (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juli 2008, 9C_833/2007, E. 3.3.2). In casu ist der äusserst knapp begründete Abschlussbericht vom 2 4. Juli 2018 nicht geeignet, ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der Einschätzung en im Gutachten der asim vom 13. Dezember 2019 aufkommen zu lassen, basiert doch di e fachärztliche Beurteilung der Leis- tungsfähigkeit (auch) auf den Erkenntnissen aus dem ergotherapeutischen Assessment. Zudem erkannte der Handchirurg den erhöhten Pausenbedarf b ei über längere Zeit ausgeübten stati- schen und repetitiven Tätigkeiten. Ferner fällt ins Ge wicht, dass der Versicherte keine die Leis- tungsfähigkeit einschränkenden psychischen Beschwerden aufwe ist und sprachliche Schwie- rigkeiten invaliditätsfremd sind. Die gänzlich unbegründ ete und zudem wage Einschätzung des behandelnden Allgemeinmediziners med. prakt. C.____, wonach der Versicherte mindestens zu 40 % arbeitsunfähig sei, vermag die Ergebnisse im Guta chten der asim vom 13. Dezember 2019 von Vornherein nicht in Frage zu stellen. Bei dieser Sachlage und der Tatsache, dass sich aus den vorliegenden Akten nichts ergibt, was geeigne t wäre, den Beweiswert des Gutachtens der asim in Zweifel zu ziehen, kann in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf zusätzliche medizinische Abkl ärungen verzichtet und davon ausgegangen werden, dass dem Versicherten angepasste Ver weistätigkeiten zu 100 % zumut- bar sind. Hinweise, die auf eine zwischenzeitliche Verschl echterung des Gesundheitszustands schliessen lassen würden, sind nicht ersichtlich. Eine allfä llige zukünftige Verschlechterung wä- re im Rahmen einer Revision zu berücksichtigten. 9.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchtigun- gen. Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf d ie Gegebenheiten im Zeitpunkt des frü- hestmöglichen Rentenbeginns abzustellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174), welcher vorlie- gend unstreitig ins Jahr 2018 zu liegen kommt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist ent scheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Da nach empiri scher Feststellung in der Regel die bis- herige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist grundsätzlich vom letzten vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung erziel ten, der Teuerung sowie der realen Ein- kommensentwicklung angepassten Verdienst auszugehen. Ausnah men müssen mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 139 V 28 E. 3.3.2 mit Hinweis). Im angefoch- tenen Einspracheentscheid ermittelte die Beschwerdegeg nerin das Valideneinkommen anhand der Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin und ging davon aus, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2018 ein Einkommen von Fr. 66'625.-- (13 x Fr. 5'125.--; vgl. act. 352) erzielt hätte, wäre er nicht invalid geworden. Davon ist auszugehen. Soweit der Beschwerdeführer behauptet, das Valideneinkommen sei mit Fr. 67'438.-- zu veranschlage n, kann ihm nach der Lage der Akten nicht gefolgt werden. 9.3.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist n ach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in we lcher die versicherte Person konkret steht. Hat sie nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine ihr an sich zumutbare neue Er- werbstätigkeit aufgenommen, können nach der Rechtsprec hung die Tabellenwerte der vom Bundesamt für Statistik (BfS) herausgegebenen Lohnstruktu rerhebung (LSE; oder die soge- nannten DAP-Zahlen) herangezogen werden (vgl. BGE 13 5 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1). Die von der Vorinstanz auf der Grundlage der LSE 20 16 Tabelle TA1 ermittelte Basis des Inva- lideneinkommens von Fr. 67'401.-- wird vom Beschwerdef ührer zu Recht nicht beanstandet. Er erachtet aber den gewährten Abzug vom Tabellenlohn von 10 % als zu tief. 9.3.2 Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 7 5 soll der Tatsache Rechnung ge- tragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinde- rung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Au fenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf eine m ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. BGE 134 V 64 E. 4.2.1) nur mit unterdurchschnitt lichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemä ssem Ermessen gesamthaft zu schät- zen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 29 7 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2). Die Recht- sprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf de m Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hil fsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungs- fähigkeit eingeschränkt ist (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a/bb). 9.3.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin für die ve rbleibenden unfallkausalen Beein- trächtigungen an der rechten Hand einen leidensbedingt en Abzug von 10 % vorgenommen, was angemessen erscheint. Darüber hinaus kann – entgegen der Auffassung des Beschwerde- führers – kein weiterer Abzug gewährt werden. Nicht ger echtfertigt ist etwa ein solcher aus sprachlichen Gründen, da diesem Umstand wie auch den sch ulischen und beruflichen Voraus- setzungen durch die Wahl des Kompetenzniveaus 1 beim In valideneinkommen bereits ange- messen Rechnung getragen wurde. Ein Abzug wegen Teilze itarbeit entfällt, da der Versicherte Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Zudem besteht weder in Bezug auf das Alter des Beschwerdeführers noch auf seine Dienstjahre oder die langjährige Arbeitsabstinenz eine Veranlassung, eine weitergehende Kürzung vorzune hmen. Gesamthaft betrachtet sind keine triftigen Gründe ersichtlich, die eine abweichend e Ermessensausübung als näherliegend erscheinen lassen. Soweit der Beschwerdeführer beantragt , in Abstimmung mit der Invaliden- versicherung sei ein Abzug vom Tabellenlohn von 15 % zu ver anschlagen, ist darauf hinzuwei- sen, dass die Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung gegenüber dem Unfallversicherer keine Bindungswirkung entfaltet (vgl. BGE 131 V 362 E. 2.2). Vielmehr haben die IV-Stellen und die Unfallversicherer die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbstständig vorzu- nehmen. Folglich ist die Unfallversicherung (bzw. das Geri cht im Unfallversicherungsverfahren) auch nicht an die von der IV-Stelle vorgenommene Sc hätzung des leidensbedingten Abzugs gebunden, sondern hat aufgrund der konkreten, im Zus ammenhang mit dem Unfall stehenden Umstände nach pflichtgemässem Ermessen eine eigene Schätz ung durchzuführen. In Bezug auf die Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn hat die Beschwe rdegegnerin ihr Ermessen nicht rechtsfehlerhaft ausgeübt, weshalb das Kantonsgericht nich t korrigierend einzugreifen hat. Demzufolge beläuft sich das massgebende Invalideneinkommen nach Berücksichtigung des leidensbedingten Abzuges von 10 % auf Fr. 60'660.90 (Fr. 67'401.-- x 90 %). 9.4 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidenei nkommen von Fr. 60'660.90 dem Valideneinkommen von Fr. 66'625.-- gegenüber, so resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 5'964.10, was einen rentenausschliessenden Invaliditä tsgrad von aufgerundet 9 % ergibt (Art. 18 Abs. 1 UVG; zur Rundungspraxis des Bundesgerich ts: vgl. BGE 130 V 121 ff.). Somit hat die Suva einen Anspruch des Versicherten zu Recht abgelehnt. 10. Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Ei nspracheentscheid vom 24. März 2020 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen er hobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 11. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlieg ende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. 12.1 Es bleibt über den Antrag des Beschwerdeführers zu befinden, es sei ihm für das vorlie- gende Verfahren die unentgeltliche Verbeiständung mit seiner Rechtsvertreterin zu bewilligen. Gemäss Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG wird der Beschwerde führenden Person, wo die Verhältnisse es rechtfertigen, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bew illigt. Praxisgemäss ist die unentgeltli- che Verbeiständung im kantonalen Beschwerdeverfahren zu gewähren, wenn der Prozess nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeiständung notwendig oder doch geboten ist. Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Die Bedürftig- keit des Versicherten ist gestützt auf die eingereichten Unterlagen gegeben, die Beschwerde kann nicht als offensichtlich aussichtslos bezeichnet werden und die anwaltliche Vertretung war geboten. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Verbeiständung im Beschwer- deverfahren ist demnach zu bewilligen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständung Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat in ihrer Hono- rarnote vom 5. August 2020 für das vorliegende Verfahre n einen Zeitaufwand von 6 Stunden und 50 Minuten geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Hinzu kommen Auslagen in der Höhe von Fr. 15.90. Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist demnach ein H onorar in der Höhe von Fr. 1'489.-- (6,83 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 15.90 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 12.2 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1’489.-- (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht