Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: PQ190009-O/U Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Diggelmann, Vorsitzender, Oberrichterin lic. iur. M. Stammbach und Ersatzrichter lic. iur. T. Engler sowie Gerichtsschreiberin MLaw N. Seebacher Urteil vom 7. Juni 2019 in Sachen A._____, Beschwerdeführer gegen B._____, Beschwerdegegnerin betreffend Ermahnung an den Kindsvater, Erteilung von Weisungen und Er- richtung einer Erziehungsaufsicht nach Art. 307 Abs. 3 ZGB Beschwerde gegen ein Urteil des Bezirksrates Pfäffikon vom 7. Januar 2019 i.S. C._____, geb. tt.mm.2006; VO.2018.4 (Kindes- und Erwachsenenschutz- behörde Bezirk Pfäffikon) - 2 - Erwägungen: I. 1. A._____ (der Beschwerdeführer) und B._____ (die Beschwerdegegnerin) sind die Eltern von C._____, geboren tt.mm.2006. Die Ehe der Parteien wurde geschieden, als C._____ zwei Jahre alt war (Prot. S. 5). Übereinstimmenden An- gaben der Eltern zufolge steht die elterliche Sorge für C._____ alleine zu (Prot. S. 5, S. 21 unten f.; anders im angefochtenen Entscheid der KESB, wonach die el- terliche Sorge den Parteien gemeinsam zusteht [KESB-act. 17 S. 1 ]). C._____ lebt bei der Mutter. Er verbringt jedes zweite Wochenende bei seinem Vater (Prot. S. 8). A._____ ist von Beruf Elektriker (Prot. S. 10). Er bezahlt derzeit die im Scheidungsurteil (Datum des Urteils dem Obergericht nicht bekannt) festgesetz- ten monatlichen Unterhaltsbeiträge von Fr. 2'500.-- (inkl. Familienzulagen) für B._____ und den gemeinsamen Sohn nicht, weil er derzeit nicht leistungsfähig sei (Prot. S. 9, S. 11). Eigenen Angaben zufolge möchte der Beschwerdeführer das Geschäft seines Vaters, die D._____ GmbH, übernehmen. Zweck der Firma ist der Vertrieb von ... für die Lebensmittelbranche. Der Beschwerdeführer erwirt- schaftet mit der Tätigkeit im Betrieb des Vaters eigener Darstellung zufolge der- zeit keinen Lohn, der ihm die Bezahlung der Unterhaltsbeiträge ermöglicht. B._____ ist dementsprechend auf Alimentenhilfe und Sozialleistungen angewie- sen. Sie sucht eine Arbeit (Prot. S. 21, S. 22 unten f.). Vor einem halben Jahr ist ihr Freund, mit welchem sie seit 10 Jahren zusammen ist, in ihre Wohnung gezo- gen (Prot. S. 22). B._____ hält fest, dass A._____ ihr bester Freund sei, aber auch ein Stressfaktor, wegen den Problemen, die er mit Frau E._____ habe (Prot. S. 23). C._____ kommt nach den Sommerferien in die erste Oberstufe. Er geht intensiv seinen Freizeitbeschäftigungen nach, nämlich Fussball spielen und insbesondere dem Geräteturnen (Prot. S. 13). 2.1. A._____ war von 2012 bis 2017 mit E._____ zusammen (Prot. S. 6). Aus dieser Beziehung stammt die Tochter F._____, geboren 2014. Seit - 3 - 2017 sind A._____ und E._____ getrennt. Es wurde für F._____ eine Beistand- schaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB angeordnet. In der zweiten Jahreshälfte 2018 erfolgte der persönliche Kontakt zwischen A._____ und F._____ begleitet. Es haben in diesem Zeitraum sechs begleitete Besuche à vier Stunden stattge- funden. Inzwischen erfolgt der persönliche Kontakt zwischen A._____ und F._____ unbegleitet an jedem zweiten Wochenende, ohne Übernachtung (Prot. S. 7). Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass Frau G._____, c/o kjz H._____, die Besuche plane und koordiniere. Die Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen für F._____ ist noch nicht geregelt, das Verfahren ist pendent (Prot. S. 20). 2.2. Im September 2017 wurden gegen A._____ Gewaltschutzmassnahmen ver- fügt. Die Gewaltschutzmassnahmen wurden u.a. angeordnet wegen häuslicher Gewalt zum Nachteil von E._____. E._____ machte in diesem Zusammenhang geltend, A._____ gehe nicht gut mit C._____ um, er schlage ihn oft (KESB-act. 2, act. 3). In der Folge erstattete die Polizei der KESB Bezirk Pfäffikon (nachfolgend nur noch KESB) Meldung, welche sich zu Abklärungen veranlasst sah (KESB-act. 5 ff.). Die fallverantwortliche Peron der KESB hörte E._____, A._____, B._____ und C._____ an. Es ergab sich für die KESB aus den Anhörungen, dass A._____ C._____ mit Schlägen gezüchtigt hat (vgl. weiter unten E. I./2.4. ff.). 2.3. A._____ hat wieder eine Beziehung mit einer Frau aus den Philippinen, die als Hausangestellte in einer Familie am Zürichsee wohnt und arbeitet (Prot. S. 9). Er teilt die Wohnung derzeit mit einer Kollegin seiner neuen Freundin, wel- che auch aus den Philippinen stammt (Prot. S. 9 unten). 2.4. Die KESB kam aufgrund der Anhörungen zum Schluss (E. I./2.2), dass Kin- desschutzmassnahmen notwendig sind und ordnete deshalb mit Entscheid vom 6. Februar 2018 Folgendes an (KESB-act. 27): "1. Der Kindsvater, A._____, geb. tt. April 1976, von Zürich, wohnhaft in I._____ ZH, wird gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB ermahnt, gegenüber C._____ in Zukunft körperliche Bestrafungen jeglicher Form gänzlich zu unterlassen. 2. Der Kindsvater, A._____, geb. tt. April 1976, von Zürich, wohnhaft in I._____ ZH, wird nach Art. 307 Abs. 3 ZGB angewiesen: - 4 - a) eine Erziehungsberatung durch eine geeignete Fachperson in An- spruch zu nehmen; b) der Erziehungsaufsicht in regelmässigen Gesprächen Auskunft und Einblick über die in der Erziehungsberatung erzielten Fortschritte und deren Umsetzung bei der Betreuung von C._____ zu geben. 3. Für C._____, geb. tt.mm.2006, von Zürich wird eine Erziehungsaufsicht nach Art. 307 Abs. 3 ZGB angeordnet mit den Aufträgen: a) eine für den Kindsvater geeignete Erziehungsberatung und deren Form und Umfang festzulegen und den Vater bei der Umsetzung zu unterstützen; b) die Kindsmutter, B._____, geb. tt. Dezember 1978, brasilianische Staatsangehörige, wo nötig und gewünscht, in die Erziehungsberatung miteinzubeziehen; c) sich soweit notwendig mit der Beiständin von F._____, gesetzlicher Wohnsitz I._____, betreffend die Besuchskontakte zwischen F._____ und A._____ auszutauschen; d) die Einhaltung der Weisungen an den Kindsvater gemäss Ziff. 1 zu überwachen. 4. Als Aufsichtsperson mit den in Ziff. 3 genannten Aufgaben wird J._____, kjz H._____, ... [Adresse], eingesetzt, mit der Einladung a) nötigenfalls Antrag auf Anpassung der behördlichen Massnahmen an veränderte Verhältnisse zu stellen, b) sobald als nötig, ordentlicherweise per 31. Januar 2020 Bericht zu erstatten 5. (Kosten) 6. (Rechtsmittelbelehrung). 3.1. Gegen diese Anordnung führte A._____ Beschwerde an den Bezirksrat, mit dem sinngemässen Antrag, es seien die Ziffern 2, 3 und 4 aufzuheben. Er sei nicht bereit, in eine Erziehungsberatung zu gehen, diese sei unnötig. Er habe Probleme mit seiner Ex-Freundin E._____, dies habe aber nichts mit seinen bei- den Kindern zu tun (BR-act. 2a). Er sei bereit zu einer Mediation mit E._____, aber auch nur deshalb, weil sie mit F._____ ein gemeinsames Kind hätten. Er schlage C._____ nicht, es seien lediglich Klapse auf den Hintern, und das auch nur sehr selten. Er könne sonst immer mit C._____ reden. Und seit der Trennung von E._____ sei es auch nicht mehr vorgekommen. Auch Videoüberwachung und verschlossene Schränke seien nicht mehr notwendig (BR-act. 2a, BR-act. 8). - 5 - 3.2. Der Bezirksrat erwog, der Beschwerdeführer erachte eine körperliche Be- strafung in Form von "Klapsen" als Erziehungsmittel als unproblematisch. Dem könne nicht gefolgt werden, wenn diese Art der Bestrafung wiederholt, gezielt und damit systematisch als Erziehungsmittel eingesetzt werde – dies auch dann, wenn sie "nur" in einem Ausmass angewendet werde, welche nur wenig Schmer- zen zufüge (BR- act. 24 = [act. 6] S. 9, Erw. 4.3.). Die KESB habe mit der Ermah- nung, diese Art der Bestrafung künftig zu unterlassen, sowie mit der Anordnung einer Erziehungsberatung und -aufsicht die mildesten Massnahmen des Kindes- schutzes gegenüber dem Beschwerdeführer gewählt. Es könne demnach nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer sich im- mer problemlos im Griff habe, vielmehr scheine das Ausmass des Einsatzes von Körperstrafen auch situationsabhängig zu sein und nicht nur konkretes Verhalten zu sanktionieren. C._____ sei inzwischen 12 Jahre alt. Es könne durchaus sein, dass er sich mit zunehmenden Alter auch zusehends zu wehren beginne, was zu einer Eskalation führen könne (act. 6 S. 10). Der Bezirksrat wies die Beschwerde mit Urteil vom 7. Januar 2019 ab (act. 6). 4. Gegen den Entscheid des Bezirksrats führt A._____ Beschwerde ans Ober- gericht, mit den sinngemässen Anträgen, das angefochtene Urteil sei auf- zuheben und von der Anordnung einer Erziehungsberatung sei abzusehen (act. 2, act. 9). Es wurden die Akten der KESB und des Bezirksrates beigezogen (act. 7/1-27). Am 21. Mai 2019 erfolgte eine Anhörung der Parteien durch die Re- ferentin im Beisein der Gerichtsschreiberin (Prot. S. 4-28). Die Sache ist spruch- reif. II. 1. Ist das Wohl eines Kindes in irgend einer Form gefährdet, ermächtigen die Bestimmungen gemäss Art. 307 ff. ZGB die KESB zur Ergreifung geeigneter Massnahmen. Die Ermahnung und die Erteilung von verbindlichen Weisungen an die Eltern, wie die Verpflichtung zu einer Erziehungsberatung, stellen eine milde Kindesschutzmassnahme dar und kommen als niederschwellige Intervention vor allem in nicht besonders schwerwiegenden Fällen oder in Kombination mit ande- ren Massnahmen in Frage (KOKES-Praxisanleitung Kindesschutzrecht, Rz. 2.26). - 6 - (Art. 307 Abs. 3 ZGB). Aber auch diese unteren Stufen der möglichen Interventi- onsmassnahmen durch die KESB setzen voraus, dass die Handlungen oder Ent- scheidungen der Eltern die Schwelle zu einer Kindeswohlgefährdung überschrit- ten haben. Eine Gefährdung des Kindeswohls liegt vor, sobald nach den Umstän- den die ernstliche Möglichkeit einer Beeinträchtigung des Kindeswohls vorauszu- sehen ist (C. Hegnauer, 5. Auflage, 1999, N. 27.14). Es muss die Gefahr einer er- heblichen Störung des Kindeswohls gegeben sein, und eine Situation vorliegen, die zur (weiteren) Schädigung des Kindes führt, wenn sie belassen wird (CHK- Biderbost, ZGB I, 3. Auflage, 2016, Art. 307 N. 10 und N 16). Das Kindswohl ist ein unbestimmter Rechtsbegriff. Art. 302 Abs. 1 ZGB umschreibt den Kern des Kindswohls. Die Eltern haben das Kind ihren Verhältnissen entsprechend zu er- ziehen und seine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung zu fördern und zu schützen. Über diese grundlegende Umschreibung des Kindswohl hinaus konkre- tisiert sich der Inhalt des Kindswohls je nach Sachlage, Fragestellung und Adres- sat (Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, 6. Auflage, 2018, Familienrecht, Rz. 15.20). 2.1. Die KESB und der Bezirksrat hatten gute Gründe, A._____ für den Umgang mit C._____ eine ernsthafte und von einer Fachperson durchgeführte Beratung vorzuschreiben. Auch wenn in der Schweiz noch kein Gewaltverbot im Erziehungsrecht gilt, so können und müssen in Bezug auf das körperliche Wohl von Kindern doch einheit- liche Massstäbe gelten. Unzulässig sind sämtliche entwürdigen Erziehungsmass- nahmen sowie alle Massnahmen, die das Anstandsgefühl des Kindes verletzen, das Kind quälen oder zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit führen können. Darüber hinaus muss jede körperliche Züchtigung als unzulässig angesehen wer- den (BSK-ZGB I Schwenzer/Cottier, 6. Auflage, 2018 Art. 301 N 8 mit weiteren Hinweisen). Entsprechend müssen körperliche Strafen generell, also unabhängig von ihrer Intensität und dem jeweiligen Kontext als unzulässig angesehen werden (T. Trost, Das elterliche Erziehungsrecht und die Persönlichkeitsrechte des Kin- des, Diss., Bern Stämpfli 2017, in: Schriftenreihe zum Familienrecht FamPra, Bd. 24, S. 35). - 7 - 2.2.1. Unbestritten ist, dass es zu körperlicher Härte des Vaters gegenüber C._____ gekommen war. Gemäss Darstellung des Beschwerdeführers vor Be- zirksrat und vor Obergericht ist es "nur" zwei Mal zu körperlicher Bestrafung von C._____ gekommen. Der Beschwerdeführer gibt zu, dass er einmal dem damals achtjährigen C._____ eine Ohrfeige gegeben hatte (Prot. S. 14). Er denke, in je- ner Situation habe dies nicht geschadet; es sei sicher ein Schock für C._____ gewesen (ebenda). Die Ohrfeige war gemäss Beschwerdeführer gerechtfertigt und sie tat ihm nicht leid (Prot. S. 16 unten). Der Beschwerdeführer verharmlost damit den Schlag und dessen Wirkungen auf C._____ und gibt Erziehungsver- antwortung ab. Dass er die Auswirkungen von körperlichen Strafen auf die Psy- che kleinredet, ergibt sich auch daraus, dass er sein Tun in das Verhältnis setzt zu schwerer Gewalt und Misshandlungen von Kindern und es so zu entschuldigen versucht (Prot. S. 14 ff.). Jede Ohrfeige ist körperliche Gewalt und erfüllt den ob- jektiven Tatbestand der Tätlichkeit gemäss Art. 126 StGB. Der Beschwerdeführer spricht von einem Reflex, der ihn zur Ohrfeige verleitet hatte (Prot. S. 14). Es liegt aber am Beschwerdeführer, diesen Impuls zu kontrollieren. Körperliche Strafen als Erziehungsmittel richten sich gegen die körperliche Unversehrtheit eines (ver- letzlichen und abhängigen) Kindes und können daher nicht gutgeheissen werden, auch wenn sie nach dem Dafürhalten des Erziehungsberechtigten "massvoll" und "gerechtfertigt" erteilt, das heisst (angeblich) durch ein seinerseits nicht hinnehm- bares Verhalten veranlasst wurden. Der Beschwerdeführer gibt sodann zu, dass er vor zwei Jahren dem damals 11-jährigen C._____ einen Klaps gegeben hatte (Prot. S. 17). Auch Klapse spü- ren Kinder, und sie stellen für ein 11-jähriges Kind in erster Linie eine Abwertung seiner Person dar. Es liegt jedenfalls eine Persönlichkeitsverletzung beim Kind vor, die aber unter Berücksichtigung der dem Gericht vorliegenden Akten noch keine Kindswohlgefährdung von C._____ im Sinne von Art. 307 Abs. 1 ZGB ist. 2.2.2. Das konkrete Ausmass und die Regelmässigkeit der körperlichen Züchti- gung und deren Wirkung auf C._____ sind umstritten (so auch der Bezirksrat in act. 6 S. 7, E. 4.1.). Es bestehen mit den Vorinstanzen Zweifel an der Darstellung des Beschwerdeführers, wonach es mit Ausnahme der Ohrfeige und eines Klap-- 8 - ses während all den Jahren zu keinen weiteren Schlägen gegen C._____ ge- kommen sei. B._____ führte am 30. Januar 2018 im Beisein einer Dolmetscherin gegenüber dem fallverantwortlichen Mitglied der KESB aus, dass sie sich wegen den Schlägen (gemeint gegen C._____) schon öfters mit dem Vater gestritten ha- be. Es sei ein ständiger Streitpunkt gewesen und sie habe ihm auch schon erklärt, sie werde die Polizei rufen (KESB-act. 23). In der Anhörung vom 3. November 2017, damals ohne Anwesenheit eines Dolmetschers, erwähnte B._____ mit keinem Wort Probleme oder gar Schläge des Vaters (KESB-act. 10). Sie betonte im Gegenteil, wie gut das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sei und es die Beziehung mit Frau E._____ sei, die A._____ überfordern würde. In der Anhörung am Obergericht vom 21. Mai 2019 hält B._____ fest, es sei nur zwei Mal passiert, dass der Beschwerdeführer C._____ geschlagen habe; sie ha- be bei der KESB nicht gesagt, sie beide hätten öfters wegen der Schläge gestrit- ten (Prot. S. 24). Die Beschwerdegegnerin ist dem Beschwerdeführer immer noch freundschaftlich verbunden, sie bezeichnet ihn als besten Freund (Prot. S. 23), und sie ist aus die- sem Grund möglicherweise gehemmt, ihn weiter zu belasten. Heute sagen beide Parteien, Frau E._____ habe das Verfahren vor der KESB mit falschen Anschul- digungen ins Rollen gebracht (Prot. S. 25). 2.2.3. Der Beschwerdeführer hat kein Belohnungs- bzw. Bestrafungssystem (Prot. S. 17). Er vermittelte anlässlich der Anhörung den Eindruck, dass er manchmal aggressives, provokantes Verhalten oder Vorwürfe von Familienange- hörigen persönlich nimmt. Die sich daraus ergebende fehlende Souveränität sei- nerseits scheint mit sich zu bringen, dass er sich auch mit einem Kind in einen Machtkampf verwickelt, anstatt mit klaren Vorgaben und Gelassenheit zu reagie- ren. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer während Monaten zwei Kameras mit Fernzugriff in seiner Wohnung installierte, um die jugendliche Tochter aus ei- ner früheren Beziehung seiner damaligen Freundin (E._____) zu überwachen (und damit auch alle anderen Familienmitglieder, inklusive C._____) und die Tochter von der Entwendung weiterer Geldscheine abzuhalten, zeigt systemati- sche Kontrolle der Familie (Prot. S. 18 ff.). Der Beschwerdeführer findet es - 9 - "krank", dass er seiner Meinung nach gezwungen wurde, Kameras aufzustellen, weil er den eigenen Leuten nicht mehr trauen konnte (Prot. S 19). Der Beschwer- deführer reflektiert oder hinterfragt damit sein befremdend anmutendes Tun nicht. 2.2.4. Die auf sich selbst bezogene Haltung des Beschwerdeführers zeigt sich auch mit seiner gegenwärtigen Einstellung zur Unterhaltspflicht. Der Beschwerde- führer will sich beruflich neu orientieren. Dies hat zur Folge, dass er derzeit die Unterhaltsbeiträge für die Beschwerdegegnerin und C._____ nicht mehr bezahlen kann. Dementsprechend ist die Beschwerdegegnerin auf Sozialhilfe angewiesen (Prot. S. 23). Die Entscheidung des Beschwerdeführers, sich selbständig zu ma- chen bei ungewissem wirtschaftlichem Fortgang, ist um so unverständlicher, als er der klassischen Rollenverteilung das Wort redet und festhält, die Mutter (zu Hause) sei immer noch das Beste für das Kind (Prot. S. 28). Die Eltern haben gemeinsam die Pflicht, das Wohl des Kindes zu wahren und zu verwirklichen (Art. 302 ZGB). Der Beschwerdeführer sagte anlässlich der Anhö- rung am Obergericht, als Elektriker auf dem Bau zu arbeiten sei nicht mehr schön. Er möchte in seiner Arbeit glücklich sein (Prot. S. 11). Auch wenn dieser Wunsch des Beschwerdeführers nachvollziehbar ist, so ist festzuhalten, dass in finanzieller Hinsicht, und damit auch was die Art der Arbeit anbelangt, den Eltern Einiges zu- zumuten ist. Die Bedürfnisse eines Kindes nach Versorgung, Nahrung, Bildung sind lebensnotwendig zur Sicherung seiner Existenz. Die Kosten tragen in erster Linie die Eltern. Der Beschwerdeführer stellt seinen Wunsch auf berufliche Erfül- lung dem Wohl von C._____ voran. 3.1. Die private Situation des Beschwerdeführers hat sich nach der Trennung von Frau E._____ beruhigt (Prot. S. 9 f.). In der Beziehung mit Frau E._____ fühl- te sich der Beschwerdeführer sehr angespannt und in die Ecke gedrängt (Prot. S. 13 unten). Die Übergabe von F._____ an den Besuchstagen verläuft aber noch nicht konfliktfrei, und die Kontakte zwischen A._____ und Frau E._____ bzw. der älteren Tochter von Frau E._____ anlässlich der Übergabe von F._____ bei der Wahrnehmung der Besuchskontakte stellen eine Eskalationsgefahr dar (vgl. Prot. S. 20). Es ist dem Beschwerdeführer aber zu glauben, dass er bei der Planung und Koordinierung der Kontakte zu F._____ die Unterstützung des kjz H._____ - 10 - bei Bedarf in Anspruch nimmt (Prot. S. 7). Die Unterhaltsbeiträge für die dreijähri- ge F._____ sind noch nicht geregelt (Prot. S. 20). 3.2. C._____ befindet sich in der Obhut der Mutter. Die Mutter ist die Hauptbe- zugsperson von C._____ und die alleinige Sorgerechtsinhaberin. Es ist unbestrit- ten, dass es C._____ gut geht, er seinen Interessen nachgeht und ein gutes und vertrauliches Einvernehmen mit seiner Mutter hat (Prot. S. 26). C._____ wird im nächsten Monat 13 Jahre alt und kommt nach den Sommerferien in die 1. Sekun- darschule A. Er ist jedes zweite Wochenende bei seinem Vater, der in der Nähe in der gleichen Gemeinde wohnt (Prot. S. 13). Der Beschwerdeführer will dann im- mer in kurzer Zeit möglichst viel unternehmen (Prot. S. 13). Gemäss Mutter kommt C._____ jeweils müde, aber zufrieden von den Besuchen bei seinem Va- ter zurück (Prot. S. 26). Es sind keine Konflikte ersichtlich, die grundsätzlich anzugehen wären, um die Si- tuation von C._____ bei seinem Vater zu verbessern. Die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und C._____ ist gut. C._____ geht offenbar während der Woche auch spontan zu seinem Vater auf Besuch (Prot. S. 8). 3.3. Wie gezeigt, nimmt der Beschwerdeführer das Wohl von C._____ nicht im- mer vollständig wahr (E. 2.2.1.-2.2.4), und seine Einstellungen etwa in Bezug auf die Notwendigkeit der finanziellen Sicherstellung der Familie sind zu hinterfragen. Überwachungen, wie geschehen, stellen Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der Kinder dar, verletzen deren Privatsphäre und beeinträchtigen das Eltern-Kind- Verhältnis in hohem Masse. Der Beschwerdeführer kommt nicht darum herum, sich bei Problemen mit C._____ (und später mit F._____) hinzusetzen und in Ge- sprächen das gegenseitige Vertrauen zu fördern. Dazu gehört auch zu akzeptie- ren, dass C._____ mit zunehmender Reife seinen eigenen Weg gehen wird. Das Obergericht kommt trotz der erwähnten Erziehungsdefizite aufgrund der Ak- tenlage zum Schluss, dass der Beschwerdeführer die Schläge nicht gezielt und damit systematisch als Erziehungsmittel einsetzt bzw. eingesetzt hat (act. 6 S. 9, Ew. 4.3.), sondern es nimmt den Beschwerdeführer beim eigenen Wort, dass Schläge nicht mehr innerhalb der Norm seien (Prot. S. 16), und es damit bei den - 11 - zwei Ausnahmen bleibt. Der Beschwerdeführer weiss um seine Vorbildfunktion für C._____. Im Ergebnis geht das Gericht davon aus, dass die persönlichkeitsverlet- zenden Erziehungshandlungen nicht die Schwere einer Gefährdung des Kindes- wohls im Sinne von Art. 307 Abs. 1 ZGB erreicht haben. Vom Erlass von Kindes- schutzmassnahmen ist abzusehen. 3.4. Werden keine Kindesschutzmassnahmen angeordnet, dann wird auch nicht die mildeste der Kindesschutzmassnahmen, die Ermahnung gemäss Dispositivzif- fer 1 des Entscheides der KESB vom 6. Februar 2018, angeordnet. A._____ weiss, dass er im Interesse von C._____ körperliche Bestrafungen jeglicher Form gänzlich zu unterlassen hat. 4. Damit ist die Beschwerde gutzuheissen und es sind das Urteil des Bezirks- rates Pfäffikon vom 7. Januar 2019 und der Entscheid der KESB Bezirk Pfäffikon vom 6. Februar 2018 aufzuheben. 5. Ein Entscheid über Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten ist einem Kind zu eröffnen, welches das 14. Altersjahr vollendet hat (Art. 301 lit. b ZPO). Diese Voraussetzung erfüllt C._____ nicht. Von einer Mitteilung dieses Entscheides an C._____ ist daher abzusehen. III. Ausgangsgemäss sind für die Verfahren vor Bezirksrat und dem Obergericht kei- ne Kosten zu erheben. Die KESB erhob keine Entscheidgebühr (KESB-act. 27 S. 4, Dispositivziffer 5). Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen. Die KESB hat ihr Verfahren aufgrund substanzieller Anzeichen fraglicher Erziehungs- methoden des Beschwerdeführers und damit pflichtgemäss eingeleitet, und der Entscheid über die Anordnung einer Erziehungsberatung oder Verzicht darauf ist ein Ermessensentscheid. - 12 - Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Das Urteil des Bezirksrates Pfäffikon vom 7. Januar 2019 und der Entscheid der KESB Bezirk Pfäffikon vom 6. Februar 2018 werden aufgehoben. Es wird für A._____ keine Erziehungsberatung angeordnet. 2. Für die Verfahren vor Bezirksrat und Obergericht werden keine Kosten er- hoben und keine Parteientschädigungen zugesprochen. 3. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, die Kindes- und Erwachsenenschutz- behörde Bezirk Pfäffikon sowie – unter Rücksendung der eingereichten Ak- ten – an den Bezirksrat Pfäffikon, je gegen Empfangsschein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer Die Gerichtsschreiberin: MLaw N. Seebacher versandt am: