Urteil vom 4. Dezember 2018 Strafkammer Besetzung Bundesstrafrichterinnen Joséphine Contu Albrizio, Vorsitz, Miriam Forni und Sylvia Frei, Gerichtsschreiberin Fiona Krummenacher Parteien BUNDESANWALTSCHAFT , vertreten durch a.o. Staatsanwalt des Bundes Thomas Bosshard, und PRIVATKLÄGERSCHAFT (gemäss aktualisiertem separatem Verzeichnis), gegen 1. A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Mi- chael Kummer, 2. B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Chris- toph Hohler, 3. C., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Alois Näf, Gegenstand Gewerbsmässiger Betrug B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: SK.2017.58 - 2 - Anträge der Bundesanwaltschaft (TPF 568-925-424): 1. Es seien die Beschuldigten in allen Punkten im S inne der Anklage schuldig zu spre- chen. 2. Es sei die Beschuldigte A. mit einer Freiheitsst rafe von 3 ½ Jahren zu bestrafen. 3. Es sei der Beschuldigte B. mit einer Freiheitsst rafe von 30 Monaten zu bestrafen. 4. Es sei der Beschuldigte C. mit einer Freiheitsst rafe von 27 Monaten zu bestrafen. 5. Es seien die beschlagnahmten Vermögenswerte einz uziehen und, soweit die Vo- raussetzungen gegeben sind, anteilmässig zugunsten der Privatkläger zu verwen- den. 6. Es sei gegen die Beschuldigten auf Ersatzforderu ngen in nachfolgend genannter Höhe zu erkennen: - Bei der Beschuldigten A.: Fr. 1‘750‘000.-- (TPF 5 68-925-424) bzw. Fr. 2‘000‘000.-- (TPF 568-925-460); - beim Beschuldigten B.: Fr. 2‘399‘957.--; - beim Beschuldigten C.: Fr. 713‘000.--. 7. Es seien den Beschuldigten die Kosten der Unters uchung und des Gerichtsverfah- rens aufzuerlegen. Anträge der Privatklägerschaft: Die Privatkläger haben ihre Anträge jeweils mittels Formular „Privatklage“, welches sie im Vorverfahren von der Bundesanwaltschaft erhielten, geltend gemacht (vgl. Rubrik 15, je- weils 1. Unterordner [„Strafanzeige – Formulare“]). Eine Zusammenstellung ihrer Anträge findet sich in den Anhängen 7a („Übersicht Privatkl äger mit Gesamtforderungen“) und 7b („Detailübersicht Privatklagen“) der Anklageschrift. Ein Teil der in diesen Zusammen- stellungen aufgeführten Personen haben ihre Privatklage im Sinne von Art. 120 StPO zu- rückgezogen (vgl. hinten E. 8.2). Anträge der Verteidigung von A. (TPF 568-925-495): 1. Das Strafverfahren gegen A. sei einzustellen. 2. A. sei im Falle des Eintretens auf die Anklage v ollumfänglich freizusprechen. - 3 - 3. Die Zivilklagen und Entschädigungsbegehren aller Privatkläger seien abzuweisen, eventualiter seien die Zivilklagen und Entschädigungsbegehren auf den Zivilweg zu verweisen. 4. Die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfah rens seien einschliesslich der Kosten der amtlichen Verteidigung aus der Bundeskasse zu bezahlen. 5. A. sei eine angemessene Genugtuung aus der Bunde skasse zu bezahlen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen [zzgl. MWST] zu Lasten der Bundes- kasse. Anträge der Verteidigung von B. (TPF 568-925-790): 1. B. sei voIIumfängIich freizusprechen. 2. Es sei keine Ersatzforderung anzuordnen. 3. Sämtliche Zivilklagen und Entschädigungsbegehren der Privatkläger seien abzuwei- sen, eventualiter seien die Zivilklagen auf den Zivilweg zu verweisen. 4. Die Kosten der Untersuchung und des Gerichtsverf ahrens seien einschliesslich der Kosten der amtlichen Verteidigung auf die Bundeskasse zu nehmen. 5. B. sei zufolge massiver Verletzung des Beschleun igungsgebotes eine angemes- sene Genugtuung aus der Bundeskasse zuzusprechen. Anträge der Verteidigung von C. (TPF 568-925-462 und 568-920-014) : 1. Der Beschuldigte C. sei von Schuld und Strafe fr eizusprechen. 2. Die Zivilklagen gegen den Beschuldigten C. seien abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. 3. Dem Beschuldigten seien die geleistete Kaution v on Fr. 50‘000.--, zzgl. Zins zu 5% seit 1. September 2008, und die beschlagnahmten Unterlagen zurückzuerstatten. Ausserdem seien alle beschlagnahmten und gesperrten Vermögenswerte des Be- schuldigten freizugeben. 4. Der Antrag auf Ersatzforderung sei abzuweisen. 5. C. sei eine Genugtuung zuzusprechen. 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer. - 4 - Prozessgeschichte: A. Am 3. Juli 2007 ersuchte die Staatsanwaltschaft Man nheim im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren gegen D. und weitere deutsche Staatsangehörige wegen Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs das Untersuch ungsrichteramt des Kantons Schaffhausen um Durchsuchung des privaten A nwesens und der Ge- schäftsräumlichkeiten von A. sowie um Beschlagnahme und Herausgabe von beschlagnahmten Unterlagen und Gegenständen (BA 18- 200-0001 ff.). Am 31. Juli 2007 wurde die Hausdurchsuchung vollzogen (BA 8-1-1-0001 ff.). B. Als Folge des Vollzuges des deutschen Rechtshilfeersuchens eröffnete das Un- tersuchungsrichteramt des Kantons Schaffhausen am 3 . Oktober 2007 eine Strafuntersuchung gegen A. wegen Verdachts des Betr ugs (BA 2-1-0001). Am 5. Oktober 2007 ersuchte es die Bundesanwaltschaft (nachfolgend: BA) um Übernahme des Verfahrens (BA 2-1-0002 ff.). Die BA hiess das Übernahmeer- suchen am 25. Oktober 2007 gut (BA 2-1-0006 ff.) und eröffnete am 27. Dezem- ber 2007 gestützt auf die Erkenntnisse aus den Akte n des Schaffhauser Straf- verfahrens ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsver fahren gegen A. wegen Ver- dachts des Betrugs im Sinne von Art. 146 StGB (BA 1-1-0001). C. Am 16. November 2006 erhielt die Kantonspolizei Zürich eine Meldung, wonach sich B. betrugsverdächtig verhalte (BA 5-1-0390). D araufhin wurde dieser am 20. Dezember 2007 erstmals als beschuldigte Person von der Polizei Zug ein- vernommen (BA 13-2-0001 ff.). Am 28. Dezember 2007 reichte AA. bei der Kan- tonspolizei Aargau (BA 4-2-0003 ff.), am 14. Februa r 2008 BB. bei der Polizei- station Z. (GR) (BA 4-2-0031 ff.) und am 14. Februar 2008 CC. bei der Kantons- polizei Basel-Stadt (BA 2-3-1-0001) Strafanzeigen g egen B. und D. wegen Be- trugsverdachts ein. Die Staatsanwaltschaft Graubünden leitete ihre Unte rsuchungsakten an die BA weiter (BA 2-3-1-0014), woraufhin Letztere am 7. Ap ril 2008 gegen B. ein ge- richtspolizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Betrugs eröffnete (BA 1-2-0001). Am 15. Mai 2008 ersuchte das kantona le Untersuchungsrichter- amt des Kantons Aargau die BA um Übernahme der Strafverfahren gegen B. und D. (BA 2-3-1-0016 f.). Die BA hiess das entsprechende Gesuch am 10. Juli 2008 gut (BA 2-3-1-0021 f.). Mit Verfügung vom 12. April 2011 hiess die BA das von der Staatsanwaltschaft des Fürstentums Liechtenstei n gestellte Ersuchen um Übernahme der Strafuntersuchung gegen B. vom 16. Dezember 2010 ebenfalls gut (BA 2-3-2-0001 f.). D. Schliesslich eröffnete die BA am 9. Mai 2008 aufgrund der Erkenntnisse aus den bereits hängigen Verfahren auch gegen C. ein gerichtspolizeiliches Ermittlungs-- 5 - verfahren wegen Verdachts des Betrugs (BA 1-3-0001). Am 28. Mai 2008 führte die Bundeskriminalpolizei (nachfolgend: BKP) im Auf trag der BA am Wohnsitz von B. und C. Hausdurchsuchungen durch (BA 8-7-1-0005 ff., 8-9-1-0001 ff.). E. Im Zusammenhang mit dem Anlagesystem um D. eröffnet e die BA insgesamt 13 Strafverfahren. Dabei ermittelte sie auch gegen D., bezüglich Taten, die im Verfahren in Deutschland nicht behandelt wurden. F. In Parallel-Sachverhalten wurden in Deutschland mehrere Personen wegen Be- trugs verurteilt (BA 5-1-2923 ff., insb. -2929, 18- 101-1-1842 ff.), darunter auch D., der vom Landgericht Mannheim am 4. März 2013 we gen Betrugs und vor- sätzlichem Handeln ohne Erlaubnis nach dem Kreditwe sengesetz zu einer Ge- samtfreiheitsstrafe von 8 Jahren und 6 Monaten veru rteilt wurde (BA 19-5- 0001 ff.). In der Schweiz wurde D. im Strafbefehlsv erfahren am 26. Juni 2014 wegen gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 2 StGB) für die im Verfahren in Deutschland nicht behandelten Taten mit einer unbed ingten Freiheitsstrafe von 2 Monaten als Zusatzstrafe zum Urteil des Landgeric hts Mannheim bestraft (BA 19-4-0001 ff.). Bis auf die Verfahren gegen D. und die drei Beschuldigten A., B. und C. wurden die übrigen von der BA in diesem Z usammenhang eröffneten Verfahren eingestellt (BA 5-1-2923 ff./-2928/-2930 ff., TPF 568-140-012 ff.). G. Die BA führte umfangreiche Beweiserhebungen – zum Teil auf dem Rechtshilfe- weg im Ausland – durch, unter anderem Befragungen e iner Vielzahl der in die untersuchten Vorgänge involvierten Personen, Sicher stellungen und Editionen von Unterlagen. Zudem wurden betreffend zwei Beschu ldigte diverse Vermö- genswerte (Bankguthaben, Wertschriften und eine Immobilie) beschlagnahmt. H. Am 18. März 2016 vereinigte die BA die Verfahren gegen die drei Beschuldigten (BA 1-4-0001 ff.). I. Am 23. Oktober 2017 erhob die BA gegen die drei Bes chuldigten bei der Straf- kammer des Bundesstrafgerichts Anklage wegen gewerb smässigen Betrugs (TPF 569-100-001 ff.). J. Im Rahmen der Prozessvorbereitung nahm das Gericht mehrere Beweiserhe- bungen vor, insbesondere lud es verschiedene Person en (mutmassliche Unter- vermittler und Geschädigte/Privatkläger) zur Einvernahme als Zeugen oder Aus- kunftspersonen zur Hauptverhandlung vor. Zudem führ te das Gericht das von der BA am 15. September 2017 gestellte Rechtshilfeersuchen in Strafsachen an Deutschland zur Einvernahme von DD. weiter (TPF 568 -300-003 ff.) und er- suchte das Fürstliche Landgericht Liechtenstein rec htshilfeweise um Aus- kunftserteilung und Aktenzustellung (TPF 569-257-0001 ff./-0010 ff.). Mit Schrei- - 6 - ben vom 13. Juli 2018 und 5. September 2018 gewährte das Fürstliche Landge- richt Liechtenstein dem Gericht die erwünschte Rech tshilfe (TPF 568-257- 008 ff./-018 ff.). K. Mittels Nebenentscheid vom 5. Juni 2018 (SN.2018.10) wies die Vorsitzende das Gesuch des Konkursverwalters der Unternehmung F. in Liquidation um Freigabe von beschlagnahmten Vermögenswerten ab. L. Das Gesuch der Verteidigung von C. vom 13. August 2 018 um Einstellung des Strafverfahrens gegen Letzteren sowie das Gesuch der Verteidigung von A. vom 30. August 2018 auf Einvernahme zweier Zeugen wies die Vorsitzende mittels prozessleitender Verfügung vom 1. Oktober 2018 eben falls ab (TPF 568-240- 012 ff.). M. Im Vorverfahren konstituierten sich rund 426 Personen als Privatkläger im Zivil- und/oder Strafpunkt. In der Zeit zwischen Anklageerhebung und Hauptverhand- lung zogen 85 Privatkläger ihre Klage zurück, so dass sich anlässlich der Haupt- verhandlung noch 341 Personen als Privatkläger im Z ivil- und/oder Strafpunkt am Verfahren beteiligten. N. Die Hauptverhandlung wurde am 15. Oktober 2018 in A nwesenheit der BA, der Beschuldigten und ihrer amtlichen Verteidiger am Si tz des Bundesstrafgerichts in Bellinzona eröffnet. Die Parteiverhandlungen dau erten mit Unterbrüchen bis zum 24. Oktober 2018 (TPF 568-920-001 ff.). O. Am 4. Dezember 2018 eröffnete das Gericht das Urteil und begründete es münd- lich in Anwesenheit der BA und der drei Beschuldigt en mit ihren Verteidigern (TPF 568-920-018 ff.). P. Mit Schreiben vom 6. Dezember 2018 verlangte die BA innert Frist i.S.v. Art. 82 Abs. 2 StPO eine schriftliche Begründung des Urteils (TPF 568-510-022). Sieben Privatkläger verlangten ebenfalls fristgerecht ein schriftliches Urteil. Die übrigen Privatkläger verzichteten auf die Zustellung eines schriftlich begründeten Urteils (TPF 568-970-007 f.). - 7 - Die Strafkammer erwägt: 1. Prozessuales 1.1 Bundesgerichtsbarkeit 1.1.1 Gemäss dem zum Zeitpunkt der jeweiligen Eröffnung d er gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren gültigen Art. 337 aStGB (in de r bis 31. Dezember 2010 in Kraft gewesenen Fassung; heute mit gleichem Inhalt: Art. 24 StPO) kann die BA bei Verbrechen u.a. des zweiten Titels des StGB ein e Untersuchung eröffnen, wenn die Straftaten zu einem wesentlichen Teil im A usland begangen worden sind oder wenn sie in mehreren Kantonen begangen worden sind und dabei kein eindeutiger Schwerpunkt in einem Kanton besteht (Ar t. 337 Abs. 2 lit. a i.V.m. Abs. 1 aStGB). Ferner ist für die Bundeszuständigkeit vorausgesetzt, dass keine kantonale Strafverfolgungsbehörde mit der Sache befasst ist oder die zuständige kantonale Strafverfolgungsbehörde die Bundesanwaltschaft um Übernahme des Verfahrens ersucht (Art. 337 Abs. 2 lit. b aStGB). Handlungs- und Erfolgsort gelten gleichermassen als Begehungsort (Art. 8 Abs. 1 StGB). Beim Betrug ist der Erfolgsort sowohl der Ort der schädigenden Vermögensverfügung bzw. der Vermögensschädigung als auch der Ort, an dem die beabsichtigte Bereicherung eingetreten ist oder hätte eintreten sollen (BGE 125 IV 177 E. 2a). 1.1.2 Im Anschluss an das Übernahmeersuchen des Untersuchungsrichteramts Schaffhausen eröffnete die BA am 27. Dezember 2007 ein Verfahren gegen A. wegen Verdachts des Betrugs (vgl. vorne lit. B). Der Tatbestand des Betrugs ist ein Verbrechen des 2. Titels des StGB. Der untersuchte Sachverhalt stand dabei von Anfang an im Zusammenhang mit dem durch D. (ane rkanntermassen) von den USA aus betriebenen Schneeballsystem, welchem in der Schweiz eine Ver- triebsstruktur von Vermittlern aus verschiedensten Kantonen zur Verfügung stand (vgl. BA 2-1-0002 ff.). Die Vermittlung von A nlagemöglichkeiten von D.s vermeintlichem Anlagesystem führte dazu, dass zahlr eiche Anleger in der Schweiz darin investierten (Vermögensverfügung). Der Erfolgsort des betrügeri- schen Schneeballsystems befindet sich damit an mehreren Orten in der Schweiz (so auch Strafbefehl der BA gegen D. vom 26. Juni 2 014, BA 19-4-0001 ff./ -0139). Die vermeintlich strafbaren Handlungen gelten als zu einem wesentlichen Teil in mehreren Kantonen begangen, wobei kein eind eutiger Schwerpunkt be- steht. Die Eröffnung der Untersuchung gegen A. nach Art. 24 Abs. 2 StPO be- gründete Bundesgerichtsbarkeit (Art. 24 Abs. 3 StPO ). Nachdem die Staatsan- - 8 - waltschaft Graubünden auf ein eigenes Verfahren gegen B. verzichtete und ge- gen C. kein kantonales Verfahren geführt wurde (vgl. vorne lit. C und D), dehnte die BA ihre gerichtspolizeilichen Ermittlungen auf die beiden Genannten aus und vereinigte die drei Verfahren mit Verfügung vom 18. März 2018 in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 StPO (vgl. vorne lit. H). Die Zuständigkeit des Bundesstrafge- richts für die Beurteilung der Anklage ist damit ge geben. Der Antrag der Vertei- digung C.s auf Nichteintreten (TPF 568-925-007 bis -009, 568-920-003) ist folg- lich unbegründet. Im Übrigen kann die Strafkammer des Bundesstrafgerichts ge- mäss Rechtsprechung des Bundesgerichts ihre sachliche Zuständigkeit nach An- klageerhebung nur aus besonders triftigen Gründen verneinen, so u.a., wenn be- reits die Annahme der Ermittlungskompetenz durch di e BA als offensichtlich missbräuchlich erscheint (BGE 133 IV 235 E. 7.1, K IPFER , Basler Kommentar, 2. Aufl., 2014, Vor Art. 22-28 StPO N 6). Dies ist vorliegend, wie gesehen, nicht der Fall. 1.1.3 Die Kompetenz des Kollegialgerichts der Strafkammer des Bundesstrafgerichts ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 StPO e contrario i.V.m. Art. 36 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehör den des Bundes vom 19. März 2010 (StBOG; SR 173.71). 1.2 Parteistellung der Privatkläger Von den 426 Personen, welche sich im Vorverfahren a ls Privatkläger im Zivil- und/oder Strafpunkt konstituiert haben, zogen zwisc henzeitlich 85 Privatkläger ihre Klagen zurück (vgl. vorne lit. M und hinten E. 8.2). Die Parteistellungen der verbleibenden Privatkläger sind unbestritten und geben zu keinen Bemerkungen Anlass (Art. 104 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 115 Abs. 1 und Art. 118 f. StPO). 1.3 Anwendbares Recht 1.3.1 Die angeklagten Handlungen erstrecken sich von ca. Mitte Mai 2005 bis ca. Ende August 2007 (B.) bzw. Anfangs September 2007 (C.) b zw. Mitte Oktober 2007 (A.). Die den drei Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen liegen teils vor, teils nach dem Inkrafttreten des revidierten Allgemeinen Teils (Erstes Buch) des Straf- gesetzbuchs am 1. Januar 2007 (Revision vom 13. Dez ember 2002; AS 2006 3459). Am 1. Januar 2018 traten weitere Änderungen des Sanktionenrechts in Kraft (Revision vom 19. Juni 2015; AS 2016 1249). 1.3.2 Grundsätzlich ist das im Tatzeitpunkt in Kraft gewesene (materielle) Recht anzu- wenden (Art. 2 Abs. 1 StGB). Das neue Recht ist anzuwenden, wenn es gegen- über dem im Tatzeitpunkt geltenden Recht das milder e ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). - 9 - Das Institut der Vermögenseinziehung wurde im Rahme n der Revision des All- gemeinen Teils des StGB vom 13. Dezember 2002 inhaltlich nicht geändert, son- dern lediglich unwesentlichen sprachlichen Anpassun gen und einer Neugliede- rung unterzogen (vgl. Art. 59 aStGB und Art. 70/71 StGB; ferner BAUMANN , Bas- ler Kommentar, 4. Aufl., 2018, Art. 70/71 StGB N 11). Die Strafdrohung des Be- trugs (Art. 146 StGB) wurde lediglich neu umschrieben, ohne dass der damit ver- bundene Vorwurf erschwert bzw. der Strafrahmen erwe itert worden wäre (BGE 134 IV 82 E. 5). Grundsätzlich kann gesagt werden, dass das am 1. Januar 2007 in Kraft getretene Sanktionenrecht für den Täter günstiger ist; hingegen sind die Änderungen des Sanktionenrechts per 1. Januar 2 018 nicht milder (T RECH- SEL /P IETH , in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 3. A ufl., 2018, Art. 2 StGB N 11). Wie sich nachfolgend ergibt, sind alle drei Beschuldigten frei- zusprechen (vgl. hinten E. 2.6.4), weshalb vorliegend offenbleiben kann, welches (materielle) Recht das mildere darstellt, und es kann vom geltenden Recht aus- gegangen werden (siehe auch hinten E. 6.2). 1.3.3 Das Vorverfahren wurde zum Teil unter altem Prozessrecht (Bundesgesetz vom 15. Juni 1934 über die Bundesstrafrechtspflege [BStP; SR 312.0]) durchgeführt. Die entsprechenden Verfahrenshandlungen behalten gemäss Art. 448 Abs. 2 der seit 1. Januar 2011 in Kraft stehenden StPO ihre Gültigkeit. 2. Gewerbsmässiger Betrug 2.1 Anklagevorwurf Den drei Beschuldigten wird zusammengefasst vorgewo rfen, in der Zeitspanne ab ca. 13. Mai 2005 bis ca. Ende August bzw. ca. 6. September bzw. 16. Okto- ber 2007 zum Nachteil mehrerer Personen für D. bzw. dessen Gesellschaften, G. Inc. und H. Inc., beide mit Sitz in Florida, als Vermittler von angeblichen bzw. vermeintlichen Kapitalanlagen tätig gewesen zu sein, wobei die Gelder in Tat und Wahrheit im Sinne eines Schneeballsystems verwendet worden seien. Sie seien zudem massgeblich am Aufbau und der Organisation de r von der Schweiz aus agierenden Vertriebsstruktur beteiligt gewesen (Anklageschrift [nachfolgend: AS] S. 6 f.). Der wesentliche Tatbeitrag der Beschuldigten habe i n der Verbreitung des von D. erschaffenen Lügengebäudes bestanden (AS S. 14 f f.), indem sie D.s (un- wahre) Angaben als zutreffend und zum Teil von ihnen geprüft vorgegeben hät- ten, während sie in Wirklichkeit nicht sicher gewusst hätten, ob D.s Angaben tat- sächlich der Wahrheit entsprachen (insb. AS S. 50 f .). Die drei Beschuldigten hätten aufgrund verschiedener Hinweise spätestens a b dem 27./28. April 2007 - 10 - (A. und B.) bzw. bereits ab dem 17. November 2006 ( C.) in Kauf genommen, dass es sich beim von D. betriebenen Anlagesystem um ein klassisches Schnee- ballsystem handeln könnte (AS S. 66). Durch diese Irreführung seien zahlreiche Anleger am Vermögen geschädigt worden. Der Vermögensschaden belaufe sich insgesamt auf rund Fr. 100 Mio. (AS S. 75). Anlässl ich der Hauptverhandlung führte die BA konkret aus, die Beschuldigten seien sowohl in Bezug auf die Hand- lungen von D. als auch im Zusammenhang mit dem Aufb au und Betrieb eines Strukturvertriebs für D.s Schneeballsystem dessen M ittäter in der Schweiz ge- wesen (TPF 568-925-457 Rz. 176). 2.2 Rechtliches 2.2.1 Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs schuldig, wer in der Ab- sicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vor- spiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglist ig irreführt und so den Ir- renden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen an- dern am Vermögen schädigt. Gewerbsmässiges Handeln wird gemäss Art. 146 Abs. 2 StGB qualifiziert bestraft. 2.2.2 Angriffsmittel beim Betrug ist die Täuschung. Täuschung ist jedes Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirklichkeit abweichende Vor- stellung hervorzurufen. Sie ist eine unrichtige Erk lärung über Tatsachen, d.h. über objektiv feststehende, vergangene oder gegenwä rtige Geschehnisse oder Zustände. Äusserungen oder Prognosen über künftige Vorgänge können zu einer Täuschung führen, wenn sie – in Bezug auf die vom Täter zugrunde geleg- ten gegenwärtigen Verhältnisse (Prognosegrundlage) – Tatsachen wiedergeben (BGE 135 IV 76 E. 5.1 m.w.H.). Der Tatbestand des B etrugs setzt sodann kein aktives Handeln voraus; er kann auch durch Unterdrü ckung von Tatsachen be- ziehungsweise durch Schweigen erfüllt werden (Urtei l des Bundesgerichts 6S.407/2002 vom 28. September 2003 E. 1.3). 2.2.3 Die Erfüllung des Tatbestands erfordert eine arglistige Täuschung. Dieses Erfor- dernis ist nach der Rechtsprechung einerseits erfüllt, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machens chaften oder Kniffe be- dient. Ein Lügengebäude liegt vor, wenn mehrere Lüg en derart raffiniert aufei- nander abgestimmt sind und von besonderer Hinterhäl tigkeit zeugen, dass sich selbst eine kritische Person täuschen lässt. Als besondere Machenschaften gel- ten Erfindungen und Vorkehren sowie das Ausnützen v on Begebenheiten, die allein oder gestützt durch Lügen oder Kniffe geeign et sind, das Opfer irrezufüh- ren. Machenschaften sind eigentliche Inszenierungen ; sie bestehen aus einem ganzen System von Lügen und setzen damit gegenüber einer blossen Summie- rung von Lügen höhere Anforderungen an die Vorberei tung, Durchführung und - 11 - Wirkung der Täuschungshandlung voraus. Sie sind gekennzeichnet durch inten- sive, planmässige und systematische Vorkehren, nich t aber notwendigerweise durch eine besondere tatsächliche oder intellektuelle Komplexität. Arglist ist aber auch schon bei einfachen falschen Angaben gegeben, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nic ht zumutbar ist, und wenn der Täter das Opfer von der möglichen Überprüfung a bhält oder er nach den Umständen voraussieht, dass dieses die Überprüfung der Angaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Das Kriterium der Überprüfbarkeit ist auch bei einem Lügengebäude und bei besonderen betrüge- rischen Machenschaften von Bedeutung. Arglist wird verneint, wenn das Täu- schungsopfer den Irrtum mit einem Mindestmass an Au fmerksamkeit hätte ver- meiden können. Dies beurteilt sich unter Berücksich tigung der jeweiligen Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfa ll. Dabei wird einerseits auf besonders schutzbedürftige Opfer Rücksicht genommen und andererseits deren gegebenenfalls vorhandene besondere Fachkenntnis und Geschäftserfahrung in Rechnung gestellt. Auch unter Berücksichtigung des Gesichtspunkts der Opfer- mitverantwortung erfordert der Tatbestand indes nicht, dass das Täuschungsop- fer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn es die grundle gendsten Vorsichtsmassnah- men nicht beachtet. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei je- der Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrü- gerische Verhalten des Täters in den Hintergrund tr eten lässt. Die zum Aus- schluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende O pferverantwortung kann daher nur in Ausnahmefällen bejaht werden (BGE 135 IV 76 E. 5.2; 128 IV 18 E. 3a; 126 IV 165 E. 2a; 122 IV 197 E. 3d, je m.w.H.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann bei Serienbetrügen, bei wel- chen die Fälle in tatsächlicher Hinsicht gleich gel agert sind und sich bezüglich Opfergesichtspunkten nicht wesentlich unterscheiden, in allgemeiner Weise für alle Einzelhandlungen gemeinsam geprüft werden, ob das Tatbestandsmerkmal der Arglist erfüllt ist. Auf die Einzelfälle ist nur ausführlich einzugehen, soweit sie deutlich vom üblichen Handlungsmuster abweichen (BGE 119 IV 284 E. 5a; Ur- teile des Bundesgerichts 6B_740/2011 vom 3. April 2 012 E. 2.5.1 und 6B_406/2008 vom 12. Dezember 2008 E. 2.4.3.3). 2.2.4 Die arglistige Täuschung muss bei einem anderen einen Irrtum hervorrufen, eine Vorstellung, die von der Wirklichkeit abweicht, wob ei nicht notwendig ist, dass sich der Getäuschte eine konkrete Vorstellung bilde t (BGE 118 IV 35 E. 2; TRECHSEL /C RAMERI , in Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 3. Au fl., 2018, Art. 146 StGB N 14). - 12 - 2.2.5 Der Getäuschte muss sodann als Folge des Irrtums ei ne Vermögensverfügung treffen. Diese kann das eigene Vermögen des Irrende n oder ein Drittvermögen betreffen (TRECHSEL /C RAMERI , a.a.O., Art. 146 StGB N 15; A RZT , Basler Kom- mentar, 4. Aufl., 2018, Art. 146 StGB N 129 ff.). 2.2.6 Betrug wird vollendet mit dem Eintritt eines Vermög ensschadens. Dieser kann auch in einer qualifizierten Vermögensgefährdung li egen, wenn dieser im Rah- men einer sorgfältigen Bilanzierung durch Wertberic htigung oder Rückstellung Rechnung getragen werden muss (vgl. BGE 129 IV 124 E. 3.1; 123 IV 17 E. 3d m.w.H.). Bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise liegt ein objektiver Schaden vor, wenn das Vermögen nach Vornahme der täuschungsbedin gten Vermögensver- fügung in seinem Gesamtwert wertmässig vermindert i st (BGE 120 IV 122 E. 6 b/bb; Urteil des Bundesgerichts 6B_314/2011 vo m 27. Oktober 2011 E. 3.3.1). Ein bloss vorübergehender Schaden genügt; späterer Ersatz schliesst Betrug nicht aus (BGE 122 II 422 E. 3b/aa; 120 IV 1 22 E. 6b/bb). Bei sog. Schneeballsystemen (Ponzi scheme), d.h. Anlagemodellen, bei denen von Neu- kunden akquirierte Geldanlagen dafür verwendet werden, früheren Anlegern an- gebliche Gewinne, Zinsen oder Teile des angelegten Kapitals auszuzahlen, tritt der Schaden gemäss Rechtsprechung bereits mit der Vermögensdisposition des Anlegers ein, da bei solchen Geschäften von vornher ein keine Gewähr für die volle Rückleistung des Anlagekapitals besteht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_406/2008 und 6B_425/2008 vom 12. Dezember 2008 E. 2.4.4.3). 2.2.7 In subjektiver Hinsicht wird nebst Vorsatz bzw. Eve ntualvorsatz (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 StGB) die Absicht unrechtmässiger Bereicherung vorausgesetzt. Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf gen ommen hat, muss das Ge- richt – bei Fehlen eines Geständnisses des Beschuld igten – aufgrund der Um- stände entscheiden. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirk- lichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge- nommen. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, v ernünftigerweise nur als In- kaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 138 V 74 E. 8.4.1 m.w.H.). Zwischen der angestrebten Bereicherung und dem Scha den muss ein innerer Zusammenhang bestehen, d.h. der Täter muss den Vorteil unmittelbar aus dem Vermögen des Geschädigten anstreben, so dass die Bereicherung als Kehrseite des Schadens erscheint. Dies drückt sich im Erfordernis der Stoffgleichheit aus. Danach müssen Vorteil und Schaden auf derselben Ver fügung beruhen und muss der Vorteil zu Lasten des geschädigten Vermöge ns gehen (BGE 134 IV 210 E. 5.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_462/201 4 vom 27. August 2015 - 13 - E. 2.3.2). Unrechtmässig ist die beabsichtigte Bere icherung immer dann, wenn sie von der Rechtsordnung missbilligt wird (T RECHSEL /C RAMERI , a.a.O., Vor Art. 137 StGB N 15; STRATENWERTH /J ENNY /B OMMER , Besonderer Teil I, 7. Aufl., 2010, § 15 N 63; V EST , Allgemeine Vermögensdelikte, in: Ackermann/Heine [Hrsg.], Wirtschaftsstrafrecht der Schweiz, 2013, § 13 N 221). 2.3 Feststellung zum äusseren Sachverhalt 2.3.1 Schneeballsystem von D. Dass D. ein sog. Schneeballsystem betrieben hat, ist unbestritten (12-62-0066/- 0159/-0241 Z. 3 ff.). Aus dem rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Mannheim vom 4. März 2013 und dem ebenfalls rechtskräftigen Strafbefehl der BA vom 26. Juni 2014 gegen D. sowie aus dessen Einvernahme n ergibt sich Folgendes (BA 19-5-0001 ff., 19-4-0001 ff., 12-62-0001 ff., insb. -0063 ff.): 2.3.1.1 D. gab (wahrheitswidrig) vor, mit vorbörsli chem Daytrading unter Einsatz einer speziellen Software zur Marktanalyse, auf dem ameri kanischen Aktienmarkt re- gelmässig so grosse Gewinne erwirtschaften zu können, dass er in sein System angelegtes Kapital ohne namhaftes Verlustrisiko mit bis zu 6% pro Monat verzin- sen könne. Um sich für sein vermeintliches Anlagesystem Gelder zu verschaffen, schloss D. jeweils mit den einzelnen Anlegern einen Anlagevertrag bzw. zweck- gebundenen Darlehensvertrag ab („Loan Agreement“ [s tatt vieler: BA 15-0047- 3-0002]). Dabei liess er den Anlegern eine sog. „PROMISSORY NOTE“ zukom- men, einen in englischer Sprache abgefassten und mi t notarieller Unterschrifts- beglaubigung versehenen Schuldschein bzw. ein Zahlungsversprechen D.s bzw. der G. Inc./H. Inc. (sog. „Borrower“ [Darlehensnehm er]), wonach bei Nichterfül- lung des Darlehensvertrages die Anlagesumme sofort vom Anleger, dem Darle- hensgeber (sog. „Lender“), zurückverlangt werden kö nne (statt vieler: BA 15- 0047-3-0001). Nach Überweisung der Anlagesumme durch den einzelnen Anle- ger wurde diesem der Erhalt vorerst von D. und später von A. jeweils mittels einer sog. „Kapitaleingangsbestätigung“ angezeigt (statt vieler: BA 15-0121-3-0004). Dass D. mit dem derart bei ihm bzw. der G. Inc./H. Inc. angelegten Geld (vor- börslich) Handel betrieb, war jedoch vorgetäuscht. In Wahrheit entwickelte er keine Handelsaktivitäten, betrieb somit kein Daytra ding oder andere Börsenge- schäfte, sondern bloss Scheintransaktionen (sog. „paper-trading“), nahm die Gel- der von Anlagekunden also lediglich entgegen und ve rwendete diese, um die vertraglich versprochenen (angeblichen) „Renditen“ auszuzahlen, zurückgezo- gene Anlagesummen zu erstatten, Vermittlungsprovisi onen zu finanzieren und für sich selbst, d.h. für seinen „Geschäftsbetrieb“ und seine persönlichen Bedürf- nisse. D. erwirtschaftete demzufolge keine Erträge auf den Anlagegeldern. Ein - 14 - Anlagewille fehlte ihm von Anfang an. D. hat dies insoweit vollumfänglich einge- standen. Dass es sich um ein Umlageverfahren im Sin ne eines Schneeballsys- tems handelte, ergibt sich im Übrigen aus der Art des Zusammenbruchs der D.- Anlage sowie aus dem Umstand, dass Hinweise auf irg endeine Anlagetätigkeit fehlen. D. nahm die Kundengelder über das Geschäftskonto der G. Inc. bzw. spä- ter H. Inc. bei der Bank L., später Bank M., ein un d zahlte angebliche Erträge, Darlehensrückzahlungen und Provisionen ab demselben Konto aus. Für sein „Geschäftsmodell“ entwarf D. Werbeprospekte wie bsp w. „DAY TRADING AK- TIEN-HANDEL MIT SYSTEM“. Mittels Internetauftritten auf der von ihm betrie- benen Website „www.o.com“, welche einem unbestimmten Personenkreis öffent- lich zugänglich war, veröffentlichte er fingierte Daten bzw. Zahlen über seine an- geblich durchgeführten Börsentransaktionen (BA 5-1- 0819 ff., 8-2-1-0007, 12- 62-0080/-0150 ff., 12-168-0017, 16-10-0625, 19-4-0009, TPF 568-930-959). 2.3.1.2 Auch D.s mündliche und schriftliche Angaben über seine Person, seine Ge- schäftsorganisation und seine Kompetenzen entsprach en nicht den Tatsachen und waren zur Täuschung der Anlageinteressenten ged acht. So gab er an, 25 Jahre lang als internationaler Banker tätig gewesen zu sein, zunächst bei der Bank E. und zuletzt 20 Jahre lang bei der Bank N. in New York als Cheftrader für Derivate und Bankgarantiehandel. Er bzw. die G. Inc. verfüge über eine Börsen- zulassung sowie einen halben Sitz an der New Yorker Börse (New York Stock Exchange [nachfolgend: NYSE]). Um sich als erfolgreichen Geschäftsmann aus- zugeben, dienten D. beispielsweise auch die Benutzu ng von Luxusfahrzeugen und eines privaten Businessfliegers, die Miete eine r luxuriösen Villa (vgl. DVD- Zusammenschnitt mit diversen Szenen betreffend Vort räge D.s anlässlich des Besuchs von Vermittlern in Florida im November 2006 im Hotel-Konferenzsaal, in Villa, in Jet etc., BA 18-101-1-1986 f.), gross angelegte Werbekampagnen u.a. in diversen Zeitungen und an Sportveranstaltungen (BA 13-1-0208, 16-10-0661), grosszügige Spenden (BA 5-1-0884/-0938/-0940) sowie nicht zuletzt sein ausge- prägtes Schauspieltalent (vgl. auch hinten E. 2.5.1.1). 2.3.1.3 Aufgrund sämtlicher Beweise steht für das G ericht somit fest, dass D. mittels eines komplexen Lügengebäudes – bestehend aus einer Vielzahl Vertrauen er- weckender, aber tatsachenwidriger Behauptungen und seinem Auftreten – den Anschein geschaffen hat, ein erfolgreiches Daytradi ng mit hohen Renditen zu betreiben, wobei er in Tat und Wahrheit das durch Dritte eingebrachte Geld nicht, wie behauptet, anlegte, sondern im Sinne eines Schn eeballsystems grundsätz- lich für sich selbst und für die Auszahlung der (angeblichen) Renditen und Provi- sionen verwendete. Im Laufe des Strafverfahrens anerkannten die Beschu ldigten A., B. und C. die Ermittlungsergebnisse in Bezug auf D. bzw. dass die ser ein Schneeballsystem - 15 - betrieben habe (A.: BA 13-1-0412 Z. 8/-0789 Z. 28 ff.) bzw. anlässlich der Haupt- verhandlung (B.: TPF 568-925-808 f., Ziff. 4.4; C.: TPF 568-925-463 Rz. 2/-477 Rz. 17). Auch bestätigten sie ihre Mitwirkung innerhalb des vermeintlichen Anla- gesystems D.s in den entscheidenden Punkten. Sie gaben jedoch an, selber an die Anlagetätigkeit von D. geglaubt zu haben und bestritten den Vorwurf, sie hät- ten gewusst oder zumindest damit gerechnet und in K auf genommen, dass D. ein Schneeballsystem betrieb (AS S. 14 und S. 66; vgl. hinten E. 2.4.1.1). 2.3.2 Mitwirkung und Rolle von A. 2.3.2.1 Die Anklageschrift legt A. zusammengefasst zur Last, an D.s Vertriebssystem teilgenommen, den Vertriebsstandort Schweiz aufgebaut und geleitet und auch selber auf das Anlagemodell Einfluss genommen, es präsentiert bzw. dazu Ver- mittler ausgebildet und instruiert zu haben. Zudem habe sie die Idee einer Fonds- gründung entwickelt. Schliesslich wird A. auch vorgeworfen, mit sog. Direktanle- gern selber Verträge im Zusammenhang mit vermeintli chen Anlagen in D.s An- lagesystem abgeschlossen zu haben (AS S. 16 ff.). 2.3.2.2 Diese ihr angelastete Rolle wird von A. nic ht bestritten und ist aktenmässig er- stellt. Demnach erfuhr A. erstmals im Februar/März 2005 über ein Zeitungsinse- rat von der Anlagemöglichkeit bei D. und liess sich diese anschliessend von R. sowie D. telefonisch erklären (BA 13-1-0003/-0625 f.). Im Mai 2005 tätigte sie bei D. ihre erste von zahlreichen Anlagen (BA 13-1-0069, 15-1043-3-0007, Anhang 4 der AS, TPF 568-930-006) und besuchte ihn im Juni d esselben Jahres in Fort Myers, Florida (BA 13-1-0069). Es folgten insgesamt drei weitere Reisen in die USA zu D., darunter u.a. auch die Reise an die von D. organisierte Tagung im November 2006 in Florida (BA 13-1-0062/-0072/-0089, 16-2-1907, TPF 568- 930-025). Seinen Besuchern in den USA liess D. jewe ils den – angeblichen – Handel am Bildschirm mitverfolgen und gewährte auch Einblick in sein Handels- konto (BA 13-1-0073 f./-0896, 13-2-0021 Z. 5 ff., 1 3-3-0032 Z. 34 ff., TPF 568- 930-011 f./-025 f., 568-930-060, 568-925-037). Nach ihrer ersten Reise zu D. in die USA übernahm A. die Administration für dessen angebliches Daytrading und die Betreuung der Vermittler (BA 13-1-0248/-0251). In diesem Zusammenhang liess sie in Absprache mit D. auf eigene Kosten bei der EE. GmbH zur Vertrags- und Provisionsabwicklung die Webapplikation „F.-Admin-Tool“ über die Internet- Domain-Adresse „https://www.p.ch“ erstellen und war dafür besorgt, dass die Vermittler darauf Zugriff erhielten (BA 13-1-0299/- 0481/-0792, 12-4-0032, 5-1- 2698 ff., S 8-021-0022-0211). Zudem entwickelte sie nach Vorgaben von D. das Informationsdokument „Daytrading“ (BA 8-2-3-0223/-0 254 ff.), finanzierte die Übersetzungen der gesamten Vertragsunterlagen (das „Loan Agreement“ und die „PROMISSORY NOTE“) in diverse Sprachen durch ei n Übersetzungsunter- nehmen (BA 13-1-0077/-1297) und gab sich offiziell als Vertreterin der G. Inc. in - 16 - Europa aus (BA B 8-141-0001-0007; Schild mit der Be zeichnung „European G. Inc.“ an A.s Geschäftsdomizil in Y. (SH), BA 8-2 -1-0009; 13-1-0500). Über- dies erteilte A. auf eigene Kosten der FF. Ltd den Auftrag, auf den British Virgin Islands (BVI) den Fonds „Q.“ zu gründen, um die Anlagegelder dorthin einzuzah- len (BA 16-2-0672 f./-0682, 12-171-0006 Z. 23 ff./-0018 Z. 31/-0111 f., TPF 568- 930-142 Z. 41 ff./-146 Z. 37 f., 13-1-0029). 2.3.2.3 A. zählte im Anlagesystem D.s nebst R. und S. sowie T. zum Kader bzw. – ge- mäss der Bezeichnung D.s – zu der „Gruppe RRRRR.“ ( BA 13-1-0003/-0250/ -0268). Ab Ende Januar 2006 stellte sie das Bindegl ied bzw. die Zwischenstufe zwischen D. und den Geschäftspartnern und Anlegern dar, da es seither den Geschäftspartnern untersagt war, mit D. in direkten Kontakt zu treten (BA 5-1- 0237, 12-71-0013/-0071, 12-65-0172, 12-66-0064, 13-1-0553/-0557). Im Zusam- menhang mit der von ihr betreuten Kundenadministrat ion war A. insbesondere für die Vertragsunterlagen zuständig (vgl. bspw. BA B 8-141-0001-0001 ff., insb. Merkblatt „Fakten“: -0023 ff.). Nach Einführung der Website „www.p.ch“ sandte sie sämtliche Provisionsabrechnungen der Geschäftsp artner an D. (BA 13-1- 0293 f.; vgl. bspw. auch Provisionsabrechnung A.s p er 31. Juli 2007: BA B 8- 011-0013-0006 ff.). Ausserdem bediente A. die Gesch äftspartner mit mehreren Rundschreiben (statt vieler: Rundschreiben vom 27. Dezember 2006 und vom Januar 2007, BA 5-1-1090/-1092 ff.) sowie mit „News“-Meldungen im „F.-Admin- Tool“ (BA 5-1-0322 ff./-2706). Zur administrativen Unterstützung beauftragte sie GG. und instruierte diese entsprechend (BA 10-1-001 1, 18-301-4-0758, 12-4- 0016 ff., S 8-031-0014-0001 f.). A. organisierte zu dem auf eigene Kosten Infor- mationsveranstaltungen und Schulungen bzw. Mitarbeitertage, welche einerseits dem Verständnis des Software Programms „F.-Admin-To ol“ und des Produkts HHHHH. (Portfolio 3) dienten und andererseits den p ersönlichen Austausch mit Geschäftspartnern bzw. Untervermittlern ermöglichte n (BA 13-3-0173 ff., TPF 568-930-010). 2.3.2.4 A. tätigte für sich selber und auch für ihr en Ehemann und ihren Sohn Anlagen in D.s Anlagesystem im Umfang von insgesamt rund USD 1.1 Mio. (vgl. Anhang 4 der AS, BA 10-1-0095 ff., 13-1-0065 Z. 15 ff./-0067 Z. 35). 2.3.2.5 Ab Oktober 2005 vermittelte A. Anleger an D ., entweder direkt als Geschäftsin- haberin der Unternehmung I. bzw. Unternehmung F. oder über ihre Gesellschaf- ten J. AG, Marshall Islands, und K. AG in Y. (SH). Dafür erhielten sie bzw. ihre Gesellschaften Provisionen (BA 13-1-0009/-0019 f.). Zusätzlich partizipierte sie an jeder Kundenakquisition durch ihre Geschäftspartner (BA 13-1-0073 Z. 11 ff.). Für mehrere Anleger (bspw. an HH., II., JJ. und KK.) übernahm sie die Bezahlung der Kapitaleinlage, wozu sie von D. ihr Provisionsg uthaben verrechnen liess - 17 - (BA 16-2-2940 f., 13-1-0426 f./-0438/-0809, S 8-011-0004-0009 f.). Einige Anle- ger zogen es vor, ihr Geld direkt bei A. anzulegen (sog. Direktanleger/-kunden). Mit diesen schloss A. über ihre Firma I. bzw. F. ei nen als Darlehensvertrag be- zeichneten Anlagevertrag ab (statt vieler: BA 15-14 95-3-0001 ff., BA 13-1-0971 Z. 6 ff./-0032 f.). Das von den Direktanlegern entgegengenommene Kapital legte A. anschliessend im eigenen Namen, unter Verrechnun g der ihr zustehenden Provisionsguthaben, bei D. an (BA 13-1-0968/-0970 ff., 16-2-3763 f.). 2.3.2.6 A. gab die (tatsachenwidrigen) Behauptungen von bzw. über D. und dessen An- lagesystem den Interessenten bzw. potentiellen Anlegern weiter. Beispielsweise, dass D. nach einer Banklehre bei der heutigen Bank E. in Zürich bis 2001 als Chefhändler für die Bank N. in New York tätig gewes en sei, sich danach selb- ständig gemacht habe und über einen halben Sitz an der NYSE verfüge (BA 12- 7-0119 Z. 28 ff., 12-31-0006 Z. 1 ff., 12-165-0012 Z. 4 f., 12-166-0009 Z. 15 ff.). Oder auch, dass D. die Anlagegelder an der NYSE bzw. an der Vorbörse handeln würde (BA 13-1-0005 f./-0627, 12-168-0009 f., 12-65-0047). 2.3.3 Mitwirkung und Rolle von B. 2.3.3.1 Die Anklageschrift legt B. zusammengefasst zur Last, am Vertriebssystem von D.s Anlagesystem teilgenommen, zu dessen Administration beigetragen und den Vertriebsstandort Schweiz aufgebaut zu haben (AS S. 43 ff.). 2.3.3.2 Diese ihm angelastete Rolle wird von B. im Wesentlichen nicht bestritten und ist aktenmässig erstellt. Demnach erfuhr B. erstmals im Jahre 2005 über A. von den (vermeintlichen) Anlagemöglichkeiten bei D. und reiste danach mit ihr in die USA zu D., um sich bei diesem direkt zu informieren (BA 13-2-0008 f.). Später reiste B. weitere Male zu D. in die USA, so u.a. an die vo n D. organisierte Tagung im November 2006 in Florida (BA 13-2-0019 f.). Auch er erhielt in den USA von D. Einblick ins Handelskonto (vgl. vorne E. 2.3.2.2). Ca. Ende 2005 begann B. über das Vertriebssystem von A. Anleger für D. zu akquir ieren (BA 13-2-0008/-0013/ -0023/-0554). Dabei setzte er auch selber Untervermittler ein (BA 13-2-0026) und machte diese mit D. bekannt (BA 13-2-0019/-0026 f.) . Mit A. pflegte er einen freundschaftlichen offenen Umgang und stand in häuf igem Kontakt mit ihr (BA 13-1-1291 f., 13-2-0018/-0038 f./-0042 f./-0547 /-0558). An einige Bekannte verschenkte B. Anlagen und tätigte auch mehrere eig ene Anlagen im Umfang von knapp USD 0.5 Mio. (Anhang 5 der AS, TPF 568-92 5-802). Für eine kurze Zeit mietete er eigens im Zusammenhang mit D.-Anlagen Büroräumlichkeiten in Zug und gab sich als Vertreter der „G. Inc. Europe“ aus (BA 13-1-0572 f., 13-2- 0001 f./-0022). Zur Entlastung von A.s Administrati onsaufwand stellte B. den Kontakt zwischen A. und GG. her, welche daraufhin v on A. bzw. der Unterneh- mung F. mit der Besorgung der Administrativaufgaben – u.a. für das Scannen - 18 - und Weiterleiten der Kapitaleingangsbestätigungen, das Einreichen der Ver- tragsoriginale an die G. Inc. und die Pflege der Da ten in der Software „p.ch“ – beauftragt wurde (BA 13-2-0054 f., 13-1-0011, 15-11 70-4-0020, 12-4-0002 f. Z. 24 ff. bzw. Z. 8 f./-0004 Z. 11 ff./-0016 ff.). Für seine Vermittlertätigkeit erhielt B. Provisionen und partizipierte ebenfalls an der Kundenakquisition seiner Unter- vermittler (BA 13-2-0027 f.). Auch B. gab die (tats achenwidrigen) Angaben und Informationen über D. (z.B., dass dieser ein ehemal iger Banker bei einer nam- haften US-Bank gewesen sei und vorbörslich handle) an potentielle Interessen- ten weiter (BA 13-2-0014 Z. 16 ff., 15-1096-4-0033 Z. 22 f., 12-168-0009 Z. 8 ff.). 2.3.4 Mitwirkung und Rolle von C. 2.3.4.1 Die Anklageschrift wirft C. zusammengefasst vor, am Vertriebssystem von D.s Anlagesystem teilgenommen und am Aufbau des Vertriebsstandorts Schweiz be- teiligt gewesen zu sein (AS S. 47 ff.). 2.3.4.2 Diese ihm angelastete Rolle wird von C. im Wesentlichen nicht bestritten und ist aktenmässig erstellt. Demnach lernte C. A. Ende 200 5 über B. kennen (BA 13- 1-0294/-0999/-1276, 13-3-0017) und legte Ende Janua r 2006 erstmals einen grösseren Betrag (USD 78‘000) bei D. an (BA 13-3-00 07, 15-0454-3-0011). Es folgten zwei weitere Anlagen auf seinen Namen sowie zusätzlich eine Anlage für seine Mutter. Insgesamt beliefen sich die eigenen A nlagen C.s auf über USD 0.4 Mio. (BA 13-3-0002, 15-0454-3-0003/-0008, 1 5-1072-3-0004, Anhang 6 der AS, TPF 568-925-474). Im Juni 2006 schloss er eine Kooperations- und Beteiligungsvereinbarung zwischen seinem Unternehme n LL. AG, Vaduz, und A.s J. AG ab und begann mit der Vermittlung von Kun den für das Anlagepro- gramm D.s (BA 13-3-0017/-0036/-0071 f.). Für die LL. AG waren mehrere Unter- vermittler tätig, die ihrerseits D.-Anlagen vermittelten (BA 13-3-0017/-0039). Für seine Vermittlertätigkeit erhielten C. bzw. sein Un ternehmen Provisionen. Auch partizipierten er bzw. sein Unternehmen an der Kundenakquisition der Unterver- mittler (TPF 568-930-055 Z. 4 f., BA 13-3-0040, 10-3-0110 ff.). C. reiste zwei Mal zu D. in die USA. Für sein erstes Treffen mit D. reiste er im Juli 2006 zusammen mit seinem Geschäftspartner MM. nach Fort Myers. Da s zweite Treffen mit D. fand anlässlich der Tagung im November 2006 in Florida statt (TPF 568-930-057 Z. 20 ff./-059 Z. 44 ff.). Anlässlich seiner Besuche bei D. erhielt auch er Einblick in dessen Handelskonto (vgl. vorne E. 2.3.2.2). Sei nen Kunden gegenüber er- klärte C., dass D. eine gut arbeitende Person in de n USA sei, die Anlagen mit einem Zins von 6% pro Monat anbiete (BA 13-3-0018 Z. 38 f./-0022 Z. 10 ff.). D. habe sich selbständig gemacht, nachdem er Banker gewesen und im Tradingge- schäft bei Banken tätig gewesen sei (BA 13-3-0023 Z. 5 f., 12-66-0008 Z. 30 ff.). C. zeigte potentiellen Vermittlern D.s Werbeunterla gen bzw. den Informations- prospekt „Day Trading“ (BA 12-66-0064 Z. 17 f., 13- 3-0018 Z. 23 ff.). In seiner - 19 - Rolle als Vermittler verwies er zudem auf die von D. betriebene Internetseite und auf die Möglichkeit, mit A. in Kontakt zu treten (BA 13-3-0022, TPF 568-925-476). 2.4 Konkrete Anklagevorwürfe gegen die Beschuldigte n 2.4.1 Vorbemerkungen 2.4.1.1 Den drei Beschuldigten wirft die BA unter d en Titeln „Täuschung/Verwendung des Lügengebäudes [von D.]“ sowie „Arglist“ vor, die das Lügengebäude ausma- chenden Angaben D.s aktiv als wahr verbreitet und d en Anschein erweckt zu haben, sicher zu wissen, dass diese Angaben der Wah rheit entsprachen (AS S. 6 ff., S. 14 ff. und S. 51 ff.). D.s Lügengebäude beinhaltete dabei auch die Vorspiegelung, er würde tatsächlich vorbörslich han deln und hohe Gewinne er- wirtschaften, wohingegen er in Tat und Wahrheit ein Schneeballsystem betrieb (vgl. vorne E. 2.3.1). Die Beschuldigten hätten ern stlich damit gerechnet, dass D.s Biografie nicht stimmte und dieser die versproc henen Gewinne nicht nach- haltig erwirtschaftete. Dabei hätten sie billigend in Kauf genommen, dass die den Anlegern versprochenen Gewinne und Provisionen der Vermittler im Wesentli- chen aus neu eingehenden Anlagegeldern beglichen wu rden, mithin ein klassi- sches Schneeballsystem vorlag. Die Anklage geht davon aus, dass die Beschul- digten – jedenfalls ab einem bestimmten Zeitpunkt n ach ihrem Einstieg in D.s Anlagesystem – gewusst oder zumindest damit gerechn et hatten, dass D. gar keine Gewinne erwirtschaftete, sondern ein Schneeba llsystem betrieb (AS S. 66). Dieser Vorwurf wird von allen Beschuldigten grundsä tzlich bestritten. Zusam- mengefasst erklärten sie, an die mündlichen und sch riftlichen Schilderungen über D.s Biografie, an das Bestehen seines Anlagesystems sowie an dessen Er- folg geglaubt zu haben und diese Informationen so weitergegeben zu haben, wie sie sie selber erfahren hätten (s. z.B. A.: BA 13-1-0005 f./-0197 Z. 20 ff./-0626 f./ -0629/-0808 Z. 3 ff.; B.: BA 13-2-0014 Z. 16 ff./-0017 Z. 34 ff.; C.: BA 13-3-0022 Z. 41 ff./-0028 Z. 35 ff.) und wie D. sie selber üb er sich verbreitete (vgl. dazu vorne E. 2.3.1.2). Wussten die Beschuldigten nicht, dass die von ihnen weitergegebenen Angaben in Tat und Wahrheit Lügen waren, und mussten sie au ch nicht damit rechnen, dann konnten sie darüber auch nicht täuschen. Die T äuschungshandlung beim Betrug hängt definitionsgemäss mit dem entsprechend en Wissen darüber zu- sammen, dass man täuscht, dass man dem Gegenüber (qualifizierte) Lügen auf- tischt. Der Betrug kann nur vorsätzlich begangen werden, wobei sich der Vorsatz auch auf die Täuschung beziehen muss. Was die Besch uldigten wussten oder hätten wissen müssen, ist eine Tatfrage. Ob sie dur ch die Verwendung dieses - 20 - Wissens täuschten, ist dagegen eine Rechtsfrage. Da beides miteinander un- trennbar korreliert, erfolgt nachfolgend die tatsäc hliche und gegebenenfalls die rechtliche Würdigung der Anklagevorwürfe gemeinsam. Die Schwierigkeit der vorliegenden Anklage liegt darin zu beweisen, dass die Beschuldigten über die Unwahrheiten und Tatsachenwidrigkeiten Bescheid wus sten bzw. dass sie auf- grund verschiedener Umstände davon hätten ausgehen müssen und daher in Kauf nahmen, dass D. in Tat und Wahrheit keinen Handel betrieb, keine Gewinne erwirtschaftete und auch keinen Anlagewillen besass. 2.4.1.2 Das Gericht würdigt die Beweise frei nach s einer aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Das G ebot soll sicherstellen, dass der Richter nicht verpflichtet ist, etwas als erwiesen zu erachten, wenn es dies nach seiner Überzeugung nicht ist, oder umgekehrt etwas als nicht erwiesen anzusehen, worüber für ihn kein Zweifel besteht (H OFER , Basler Kommentar, 2. Aufl., 2014, Art. 10 StPO N 58). Überzeugt zeige n darf sich das Gericht nur, wenn es jeden vernünftigen Zweifel ausschliessen kann. Die Überzeugung muss durch gewissenhaft festgestellte Tatsachen und logische Schlussfolgerungen be- gründet werden; dadurch wird die Herleitung des Bew eisergebnisses objektiv nachvollziehbar (HOFER , a.a.O., Art. 10 StPO N 61). Bestehen unüberwindba re Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Pe rson günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Nach dem allgemein anerk annten, sinngemäss in Art. 10 Abs. 3 StPO festgehaltenen Grundsatz in dubio pro reo, werden erhebli- che und unüberwindbare Zweifel zugunsten des Beschuldigten gewertet. Freilich kann dabei nicht verlangt werden, dass die Tatschul d gleichsam mathematisch sicher und unter allen Aspekten unwiderlegbar fests teht. Bloss abstrakte und theoretische Zweifel dürfen nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind. Eine theoretische, entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein könnte, rechtfertigt keinen Freispruch (H AUSER /S CHWERI /H ARTMANN , Schweize- risches Strafprozessrecht, 6. Aufl., 2005, S. 247; S CHMID , Handbuch des schwei- zerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl., 2017, N 227 und 233). D. selbst gestand, ein Schneeballsystem betrieben und die Anleger getäuscht zu haben, und erklärte, er habe gegenüber den Beschuld igten dieselben falschen Angaben gemacht, wie gegenüber allen übrigen Geldge bern (s. z.B. BA 12-62- 0006/-0066 ff.). Anlässlich der Konfrontationseinve rnahme mit A. bestätigte er deren Angaben zum äusseren Sachverhalt. Zum Wissens stand von A. und der Mitarbeiter erklärte er, deren „Vorstellungkraft“ weder positiv noch negativ bewer- ten zu können. Es sei schwierig zu denken, dass „man“ bis zum Schluss an sein Anlagesystem habe glauben können. Zur Vorstellung von A. könne er sich jedoch in keine Richtung äussern (BA 12-62-0073 f.). - 21 - Die Anklage listet verschiedene Umstände und Verhaltensweisen als Indizien da- für auf, dass die drei Beschuldigten die geschädigt en Personen auf arglistige Weise mit Eventualvorsatz getäuscht haben sollen (A S S. 14 ff. und S. 51 ff., insb. S. 60 f., S. 64 und S. 70). Anlässlich des Pa rteivortrages warf die BA C. Direktvorsatz vor (TPF 568-925-459 Rz. 184). Aufgrund des Anklageprinzips ist indessen der Anklagevorwurf zu prüfen. Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rec htsprechung auch ein indi- rekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen si nd, auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur mit einer gewissen Wahr scheinlichkeit auf die Täter- schaft oder die Tat hinweisen und einzeln betrachte t die Möglichkeit des An- dersseins offenlassen, können in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei ob- jektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_1427/2016 vom 27. April 2017 E. 3 m.w.H.). Mit anderen Worten reichen gemäss bundesge richtlicher Rechtspre- chung Indizien für den Beweis nur aus, wenn sie in ihrer Gesamtheit derart ge- wichtig sind, dass sie jeden berechtigten Zweifel an der Unschuld des Angeklag- ten ausräumen. Das heisst insbesondere, dass sie ge genüber allenfalls entlas- tenden Indizien klar überwiegen müssen und keinen Raum für eine günstige bzw. günstigere Sachverhaltsvariante lassen dürfen. Nachfolgend werden zunächst die gegen alle Beschuldigten gemeinsam formu- lierten, danach die gegen die einzelnen Beschuldigten zusätzlich erhobenen An- klagevorwürfe geprüft. 2.4.2 Anklagevorwürfe gegen alle Beschuldigten Unter den Titeln „Verwendung des Lügengebäudes“ als Teil der Täuschung und „Arglist“ wirft die Anklage allen drei Beschuldigte n sinngemäss u.a. Folgendes vor (AS S. 14 ff. und S. 51 ff.): 2.4.2.1 Sie hätten gegenüber Dritten erklärt, D. in den USA bzw. Florida mehrmals be- sucht zu haben (AS S. 14, letzter Absatz und S. 51, 2. Absatz) Gemäss Anklageschrift (Fn 340 f.) ergibt sich dies betreffend A. aus den Akten BA 12-71-0010 ff. (Aussagen NN.) und BA 15-0585-4-0 022 Rz. 20 ff. (Aussage OO.). Dass die Beschuldigten D. in den USA besuchten, entspricht den Tatsachen und ist unbestritten (vgl. vorne E. 2.3.2.2, 2.3.3.2, 2.3.4.2); darüber täuschten sie folg- lich nicht. Die Verweise in der Anklage auf die Aus sagen von NN. und OO. - 22 - (Fn. 340 f.) ergeben kein anderes Bild. NN. sagte a us, selber nie bei D. in den USA gewesen zu sein; er wisse aber, dass Treffen in den USA stattgefunden hätten, welche von D. organisiert worden seien (BA 12-71-0010 f. Z. 40, 42 f. bzw. 1 ff.); OO. sagte demgegenüber aus, NN. habe i hm beim ersten Treffen erzählt, in regelmässigem Kontakt mit D. zu sein un d immer wieder persönlich nach Amerika zu reisen (BA 15-585-4-0022 Z. 20 ff.) . Diese Aussagen stehen den Angaben der Beschuldigten, wonach sie D. besucht hätten, nicht entgegen. Ein Indiz für das Wissen über D.s Schneeballsystem oder dessen Inkaufnahme sind sie ebenfalls nicht. 2.4.2.2 Sie hätten Dritten erklärt, sich von D.s Ex istenz und dessen Geschäftstätigkeit überzeugt zu haben (AS S. 14, letzter Absatz und S. 51, 2. Absatz) Gemäss Anklageschrift (Fn 43) ergibt sich dies aus den Akten BA 12-183-0005 (Aussagen PP.). Die Beschuldigten anerkennen, sich entsprechend geä ussert zu haben. Sie er- klärten mehrfach, dass D. ihnen gezeigt habe, wie er vermeintlich tradete – was sie auf einem Bildschirm hätten verfolgen können – und dass sie in sein Han- delskonto hätten Einblick nehmen können (vgl. vorne E. 2.3.2.2, 2.3.3.2, 2.3.4.2). Diese Aussagen sind konstant und widerspruchsfrei ( z.B. A.: BA 13-1-0070/ -0074/-0152/-0636; B.: BA-13-2-0007 ff./-0015; C.: BA 13-3-0033/-0201). Sie werden von D. bestätigt (BA 13-1-0636 f.). Aktenkun dig sind auch ein Bild/Foto sowie ein Video von D. anlässlich einer Vorführung am Bildschirm (BA 13-1- 0711,18-101-1-1986 f.). Insoweit ist den drei Besch uldigten mithin ebenfalls keine Täuschung nachweisbar. Die in Fn. 43 der Anklageschrift angeführte Aus- sage von PP., wonach A. D. persönlich in Florida aufgesucht habe, sich dessen Geschäftspraktiken erklären liess und D. bei ihr (A.) einen sehr kompetenten Ein- druck hinterlassen habe (BA 12-183-0005), belastet sie diesbezüglich nicht, son- dern bestätigt das zuvor Gesagte. 2.4.2.3 Sie hätten behauptet, die Angaben D.s überp rüft zu haben (AS S. 14, letzter Ab- satz und S. 51, 1. Absatz) Dazu verweist die Anklageschrift in Fn. 44 auf eine Aussage QQ.s, worin dieser angibt, A. habe gesagt, sie habe „alles“ überprüft (BA 12-67-0005 Z. 22 f.). Da- nach, was QQ. mit „alles“ gemeint hatte, wurde im w eiteren Verlauf der Einver- nahme jedoch nicht gefragt. Es ist folglich denkbar , dass A. mit dem Ausdruck „alles überprüft“ das gemeint haben könnte, was sie bei ihren verschiedenen Be- suchen bei D. selbst gesehen hatte, insbesondere, dass D. – angeblich – tradete und dabei Gewinne erwirtschaftete und sie Einblick in sein Handelskonto gehabt hatte. Weiter führt die Anklageschrift eine Aussage von RR. an, der meinte, sei- nes Erachtens sei A. ebenfalls bloss ein Opfer D.s. A. habe alle Angelegenheiten - 23 - bezüglich Investitionen von D. persönlich überprüft , u.a. sei sie in den USA ge- wesen, um D. zu überprüfen (BA 15-1225-4-0107 Z. 7 ff. und -0177). Diese Aus- sagen entlasten A. und bestätigen wiederum die unbe strittenen Besuche bei D. Eine grosse Anzahl der Geschädigten sagte im Übrigen wie RR. zu Gunsten der Beschuldigten aus (statt vieler: AAA.: BA 12-85-001 6 Z. 13 ff., BBB.: BA 12-2- 0079 Z. 14 f., CCC.: BA 12-168-0032 Z. 12 und DDD.: TPF 568-930-141 Z. 10). Zudem gilt auch hier das zuvor Gesagte, nämlich, da ss A. mit der Überprüfung das gemeint haben könnte, was sie tatsächlich mit e igenen Augen gesehen hatte. Die Anklageschrift verweist in Fn. 44 ferner auf eine Konfrontationseinver- nahme zwischen A. und C. (BA 13-1-0943 Z. 8 ff.), w orin C. seine frühere Aus- sage bestätigte, wonach die Beschuldigte die Tradin gergebnisse D.s aus dem Internet täglich bei einer Privatbank in Zürich habe überprüfen lassen. Bereits in jener Einvernahme bestritt A. dies. An der Hauptverhandlung räumte C. ein, dass dies ein Missverständnis gewesen sei (TPF 568-930-061 Z. 30 ff.). In der von der BA zitierten Einvernahme gab C. an, er und auch MM. hätten mit D. telefoniert, um sich über dessen Anlagestrategie zu vergewissern (BA 13-1-0943 Z. 15 bzw. 13-3-0029 Z. 14). An der Einvernahme vor hiesigem Gericht bestätigte C., dass MM. nach dem gemeinsamen Besuch in den USA mit D. g esprochen habe (TPF 568-930-058 Z. 29 ff.). C. will zudem über MM. weitere Überprüfungen vor- genommen haben, indem Letzterer u.a. mit der amerikanischen Börsenaufsichts- behörde, der United States Securities and Exchange Commission (SEC), telefo- niert und sich nach D. erkundigt habe. Die SEC habe laut der Auskunft, die C. von MM. erhalten habe, nichts Negatives über D. mit geteilt (TPF 568-930-068 Z. 13 ff.). Diese Aussagen können nicht widerlegt werden. Hinsichtlich B. gilt das zu A. Gesagte, nämlich, dass auch er in den USA bei D. war, sich das Anlage- system erklären liess und Einblick in D.s Handelsko nto gehabt hatte (vgl. vorne E. 2.3.2.2). Auch A.s und C.s Aussagen, die Notarin in den USA überprüft zu haben (BA 13-1-0071 Z. 20 ff., 13-3-0003, TPF 568-9 25-037/-469), steht nichts entgegen. Die Notarin, EEE., existierte tatsächlich und D. bestätigte deren Ein- satz (BA 13-1-0631). Der Umstand, dass die Beschuld igten selbst Investitionen tätigten, spricht zwar nicht klar für deren Unkenntnis von D.s Machenschaften – konnten sie doch auch bei einem solchen Wissen auf Gewinne gehofft haben – er kann aber auch darauf hinweisen, dass ihre Abklärungen keine negativen Er- kenntnisse zum Vorschein gebracht haben. Aktenkundig bzw. nicht widerlegbar sind zudem weitere spätere Abklärungsbemühungen der Beschuldigten: die Ab- klärungen von RA NNNNN. bei der Staatsanwaltschaft Hamburg, der von A. mit B.s Einverständnis beauftragt wurde (BA 13-1-0198 f ./-1301/-0801 f., TPF 568- 930-019, BA 13-2-0104/-0127), sowie die Abklärungen von A. und C. bei der (da- mals noch zuständigen) Eidgenössischen Bankenkommis sion (EBK) und deut- schen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ( BaFin) (BA 13-1-0149 f., TPF 568-930-019 Z. 19 f., BA 13-3-0031, TPF 568-930-061 Z. 18 ff.). - 24 - Gestützt auf die angegebenen Aktenstellen in Fn. 44 der Anklage ist der Beweis jedenfalls nicht erbracht, dass die Beschuldigten darüber täuschten, die Angaben D.s überprüft zu haben. Die dort festgehaltenen Aussagen von QQ. und RR. be- zogen sich nur auf A., stehen mit den Aussagen von A. und dem festgestellten Sachverhalt in keinem Widerspruch und sind teilweise sogar entlastend. 2.4.2.4 Sie hätten eigene D.-Anlagen getätigt bzw. nahestehende Personen solche täti- gen lassen und Dritte – wahrheitsgemäss – darauf hi ngewiesen, dass alle die vereinbarten Renditezahlungen regelmässig erhalten hätten bzw. erhalten wür- den (AS S. 15, 1. Absatz und S. 52, 3. Absatz) Auch dies wird von den Beschuldigten anerkannt und sagt grundsätzlich nichts über deren Kenntnisse über D.s Machenschaften aus. Für die anschliessende anklägerische Behauptung, die Beschuldigten hätten dies nur getan, um den Ein- druck zu erwecken, sie seien vom Anlagemodell D.s überzeugt, verweist die An- klageschrift in Fn. 46 auf eine Aussage von FFF. Di eser gibt an, eben weil C. seiner Mutter die Anlage empfohlen habe, sei es völlig unmöglich, dass C. etwas gewusst habe; niemand würde die eigene Mutter überreden im Wissen, dass es ein Betrugssystem sei; der Vorwurf sei an den Haare n herbeigezogen (BA 12- 170-0014 Z. 10 ff.). Diese Aussage belastet C. nicht. C.s Mutter hatte tatsächlich eigenes Geld bei D. investiert (USD 124'200 und USD 130’000; BA 13-3-0187), wobei naheliegend erscheint, dass C. ihr die Anlage empfohlen hatte. Ein Indiz dafür, dass C. Kenntnis des Schneeballsystems hatte oder ein solches in Kauf nahm, ist dies jedoch nicht. Im gleichen Zusammenha ng verweist die Anklage- schrift schliesslich in Fn. 347 auf eine Aussage C. s, worin dieser bestätigt, sie (C. und MM.) hätten Kunden gesagt, selbst ins D.-Sy stem investiert und gute Erfahrungen damit gemacht zu haben (BA 13-3-0028 Z. 18-20/-0030 Z. 27). Ge- mäss der Finanzanalyse des Kompetenzzentrums für Wi rtschaft und Finanzen der Bundesanwaltschaft (nachfolgend: CCWF) sowie aus zahlreichen Aussagen von Anlegern ergibt sich, dass die Zahlungen bis September 2007 bzw. bis zum Zusammenbruch des Anlagesystems D.s regelmässig und pünktlich ausbezahlt wurden (BA 10-1-0122, 10-2-0086, 10-3-0117, siehe a uch Auss. von GGG.: TPF 568-930-152 Z. 1 ff./-0153 Z. 35 ff., HHH.: TPF 568-930-092 Z. 5 und BA 12-177-0011 Z. 25 ff., JJJ.: BA 12-66-0067 Z. 2, CCC.: BA 12-168-0010 Z. 18 ff., KKK.: BA 12-184-0010, LLL.: TPF 568-930-161 Z. 11 f. und BA 12-69- 0005 Z. 1 ff.). Für das Gericht steht damit fest, d ass die Beschuldigten bis Sep- tember 2007 von D. bzw. der G. Inc./H. Inc. Zahlung en erhielten. Wenn C. also gegenüber (potentiellen) Kunden sagte, er habe gute Erfahrungen gemacht, be- legt dies keine Täuschung bzw. Täuschungsabsicht. A uch A. und B. täuschten unter den vorgenannten Umständen nicht. Wie nachfol gend ausgeführt (vgl. E. 2.5.1.5), spricht für ihre Überzeugung auch, dass D. mit Notariatsstempel ver- sehene „Saldo- und Renditebestätigungen“ ausstellte (BA 13-1-0703 f., 19-4-- 25 - 0009). Dazu sagte D. selbst aus (BA 12-62-0008): „ Die Notarin habe ich quasi als Sicherheitsgefühl für die Kunden eingesetzt. In der Anfangsphase wurde je- des Dokument notariell beurkundet im III.-Store in Cape Coral. Danach wechselte ich in ein anderes III.-Store, welches näher zu Bon ita Springs war. Da war ich schon umgezogen. Dort habe ich die Notarin EEE. kennen gelernt. Nachdem sie mitbekommen hat, wie viel Volumen dies hat und wie viel Geld man verdienen kann, hat sie mir angeboten, dies privat zu machen. Wir haben das dann privat in ihrem Haus gemacht. […] EEE. hat mir den Stempel gegeben, mit einem Schreiben, welches uns berechtigt hat, diesen zu ve rwenden. Die Verträge hat dann MMM. bearbeitet und gestempelt “. D. beteuerte sodann gegenüber seinen Vertriebspartnern in einem Rundschreiben, alle Kunden würden ihre Abrechnun- gen und Auszahlungen pünktlich erhalten (BA 13-1-02 18 f., TPF 568-930-074 Z. 24 ff.) und publizierte seine vermeintlichen – g emäss Zeugenaussagen plau- siblen (vgl. hinten E. 2.5.1.2) – Tradingergebnisse auf seiner Website „www.o.com“ (BA 13-1-0635 f. Z. 20 ff. bzw. Z. 5 ff./-0706 bis -0710), was die An- nahmen der Beschuldigten ebenfalls bestärken konnte und jedenfalls nicht deren Wissen über die der Machenschaften D.s oder deren Inkaufnahme indiziert. 2.4.2.5 Sie hätten sich in unregelmässigen Abstände n getroffen, insbesondere zu ge- meinsamen Mittagessen, wobei sie sich jeweils über den aktuellen Stand ihrer Geschäfte informiert und das weitere Vorgehen bespr ochen hätten (AS S.15, 2. Absatz) Hinsichtlich der Mittagessen verweist die Anklageschrift in Fn. 47 f. auf Aussagen von II. und NNN. II. sagte aus, er habe B. über A. kennengelernt. Es habe einmal ein Essen gegeben, bei dem B. auch eingeladen gewesen sei. Genauso sei der Kontakt mit C. zu Stande gekommen (BA 15-1049-4-014 3 Z. 20 ff. bzw. 29 f.). Ob II. damit meinte, der Kontakt mit C. sei über A. oder zusätzlich anlässlich eines Essens zustande gekommen, geht aus der Einvernahme von II. nicht klar hervor. NNN.s Aussage hierzu lautete, dass er „glau be“, B. sei mit A. und C. jeweils zum Mittagessen gegangen (BA 15-1402-4-0046 Z. 1). Entgegen der An- klage sprach damit keiner der beiden von Essen im P lural. Der Beweis dafür, dass die Beschuldigten anlässlich dieser Treffen oder Mittagessen strafrechtlich Relevantes besprochen hätten, wird mit den zitierte n Aussagen nicht erbracht. Weitere Hinweise dazu liegen nicht vor und wurden v on der BA auch nicht gel- tend gemacht (TPF 568-925-435 Rz. 59). 2.4.2.6 Sie hätten das Anlagekonzept D.s gegenüber Dritten als seriöses, höchstkompe- tent betriebenes System usw. vorgestellt und dies m it ihren guten Erfahrungen aus ihren Eigeninvestitionen untermauert (AS S. 15, 3. Absatz und S. 52, 3. Ab- satz) - 26 - Es ist erstellt, dass die Beschuldigten bis September 2007 – als D. bereits flüchtig war (seit 31. Juli 2007, BA 19-4-0011) – Zahlungen von der H. Inc. erhielten. Vor diesem Hintergrund stellt die positive Bewertung ihrer persönlichen Erfahrungen mit dem Anlagesystem D.s bzw. dessen Bezeichnung als seriös und höchstkom- petent nicht offensichtlich eine Lüge dar (vgl. vorne E. 2.4.2.4). Dass die Beschul- digten ihre Eigenanlagen bis zum Schluss nicht kündigten, sondern verlängerten oder neue Anlagen abschlossen, kann auch ein Indiz dafür sein, dass sie in das Anlagesystem vertrauten. A. hat nie einen Anlage-/D arlehensvertrag bei D. ge- kündigt und noch am 16. Juli 2007 eine weitere eigene Anlage über USD 25‘000 getätigt (TPF 568-930-006 Z. 10 ff., BA 10-1-0095 f f., 15-1041-4-0023 und An- hang 4 der AS). Auch B. hat nie einen Anlagevertrag gekündigt und verlängerte noch am 27. Juni 2007 einen auslaufenden Anlagevertrag mit der Anlagesumme von USD 42'659 (BA 10-2-0043 f., 15-1383-4-0085 und Anhang 5 der AS). C., der ebenfalls nie eine Anlage in D.s Anlagesystem v orzeitig gekündigt hat, ver- längerte im März 2007 einen bestehenden Anlagevertrag mit der Anlagesumme von USD 20‘000 für ein weiteres Jahr (BA 22-0-0055 Rz. 279 i.V.m. BA 10-3- 0006/-0095, Anhang 6 der AS und Vertragsverlängerung C.s [BA 15-0454-0003/ -0006, 13-3-0003]). Dass er zwei seiner Anlagen auslaufen liess bzw. nicht ver- längerte, erklärte C. damit, dass er aufgrund des desolaten Zustands der Liegen- schaft in X. (GR) die Hypothek runterbringen musste und Renovationsbedarf be- stand (TPF 568-930-055 Z. 33 ff./-056 Z. 29 ff.). D ieses Vorgehen ist nachvoll- ziehbar, die Erklärung von C. somit plausibel und j edenfalls nicht widerlegbar (TPF 568-930-055 Z. 33 ff.). 2.4.2.7 Sie hätten Anlagen verschenkt bzw. finanzie rt, damit die so involvierten Be- schenkten künftig selber Anlagen machten oder solche in ihrem Bekanntenkreis anpreisen würden (AS S. 15, zuunterst und S. 16, 2. Absatz) Dieser Vorwurf wird unter Anklageziffer 1.3. (AS S. 14 ff.) gegenüber allen drei Beschuldigten erhoben. Es liegen jedoch keine Hinwi ese dafür vor, dass C. je eine Anlage verschenkt hat, und die Anklageschrift liefert auch nur einen Akten- hinweis bezüglich A. Unbestritten ist, dass A. in einigen Fällen selber das Kapital für D.-Anlagen Dritter aufgebracht hat bzw. von ihr er Provision hat verrechnen lassen, wobei sie bei einer Rückzahlung der Anlage die Einlage wieder zurück- erstattet bekommen wollte (BA 13-1-0078 Z. 32 ff.). Unbestritten ist schliesslich auch, dass die Beschuldigten die (vermeintliche) Anlage vermittelten bzw. dafür Kunden akquirierten und entsprechend handelten. Die s ist jedoch kein Hinweis dafür, dass sie über D.s Schneeballsystem Bescheid wussten oder ein solches in Kauf nahmen. - 27 - 2.4.2.8 Sie hätten sich am von D. vorgesehenen Proz edere bezüglich Unterzeichnung diverser Dokumente und schliesslich Zurverfügungstellung einer vermeintlich no- tariell beglaubigten Vertragskopie beteiligt (AS S. 52, 4. Absatz) Dazu verweist die Anklageschrift in Fn. 348 wiederum auf eine Aussage von NN. Darin erklärt dieser jedoch lediglich, dass er die Vertragsdokumente für die Kun- den von A. erhalten habe und der unterzeichnete Vertrag wieder an A. retourniert worden sei; schliesslich sei auch ein notariell beglaubigter Vertrag zurückgekom- men (BA 12-71-0076 Z. 10 ff.). Inwiefern dies den A nklagevorwurf gegenüber sämtlichen Beschuldigten belegen soll, ist nicht ersichtlich. Im Übrigen legt dies auch nicht dar, dass A. (oder auch B. und C.) Zweif el an der Authentizität der Verträge und der notariellen Beglaubigungen hegten (oder dass sie solche hätten hegen müssen). 2.4.2.9 Sie hätten insbesondere zu D. und dessen G. Inc.-Gesellschaften keine konkre- ten Erkundigungen bzw. Nachforschungen angestellt (AS S. 52, 5. Absatz) Dazu wird auf Erwägung 2.4.3.2 verwiesen (Handlunge n zur Überprüfung der Angaben von D.). 2.4.2.10 Sie hätten gewusst, dass es für Kunden bzw. Anleger unmöglich oder zumindest sehr beschwerlich gewesen wäre, D. in den USA zu üb erprüfen, u.a. auch des- wegen, da gemäss ausdrücklicher Weisungen A.s mit D . kein direkter Kontakt mehr erlaubt gewesen sei (AS S. 52, letzter Absatz und S. 65, Mitte) Die Anklage suggeriert, die Überprüfung D.s bzw. da s Aufdecken seiner Lügen wäre möglich gewesen, hätten die Anleger direkten Kontakt mit ihm haben kön- nen. Diese Annahme ist fraglich, denn die schauspie lerischen Leistungen D.s waren gerade Teil seines Lügengebäudes. Eine persönliche Kontaktnahme hätte das Schneeballsystem nicht offengelegt oder den Sch ein der beispielsweise im Internet publizierten Fehlinformationen geschwächt. Grundlage der Anklage (vgl. AS S. 7 sowie BA 22-0-0027 Rz. 124-126) ist denn auch zu Recht, dass D. nie- manden eingeweiht hatte, auch die Beschuldigten nicht (vgl. BA 18-101-1-1908, 12-62-0073 Z. 7/-0079 Z. 3 f./-0172 Z. 22/-0236 Z. 5). 2.4.2.11 Sie hätten ab ca. Ende April 2007 konkret damit gerechnet, dass es sich bei D. um einen von den deutschen Strafverfolgungsbehörden gesuchten und zur Ver- haftung ausgeschriebenen sowie des mehrfachen Betrugs verdächtigten Mittäter eines bereits verurteilten Betrügers („OOO.“) gehan delt habe (AS S. 66, 2. Ab- satz) In der hierzu als Beweis in Fn. 411 der Anklageschrift zitierten Einvernahme von C. sagt dieser lediglich aus, es habe Gerüchte um einen Gerichtsfall in Hamburg - 28 - gegeben, und er habe geglaubt, A. würde dieser Sach e nachgehen (BA 13-3- 0030 Z. 42 ff.). Laut A. habe sie D. anlässlich der Tagung in Florida im November 2006 mit den Negativmeldungen im Zusammenhang mit der Verurteilung OOO.s konfrontiert. D. habe die Bekanntschaft mit OOO. bereitwillig zugegeben und er- klärt, er habe OOO. damals mit einer Fondsgründung beauftragt. Als kein Geld geflossen sei, habe man sich zerstritten. Mit dieser Erklärung D.s sei die Sache für sie, A., erledigt gewesen (BA 13-1-0029/-0144 f .; TPF 568-930-016 Z. 7 ff.). A. anerkannte, den Zeitungsartikel in „Die Welt“ vom 15. Februar 2007 betreffend Verurteilung OOO.s durch das Landgericht Hamburg wegen Betrugs ca. im Feb- ruar/März 2007 gelesen zu haben (BA 13-1-0198 Z. 2 ff.). Das Urteil, in welches A. und B. in der Folge Einblick gehabt hätten, sei gemäss übereinstimmenden Aussagen A.s und B.s lediglich ein aus dem Internet mit unvollständigen, ge- schwärzten Passagen versehener Ausdruck gewesen. Di es habe ihnen einen unseriösen Eindruck vermittelt. Auch sei dessen Aut hentizität nicht nachgewie- sen gewesen. Entscheidend sei auch gewesen, dass di e Aussagen OOO.s ge- mäss Urteilsbegründung teilweise widersprüchlich gewesen seien. Dies habe so- wohl bei A. als auch bei B. Skepsis ausgelöst (TPF 568-930-019 Z. 33 ff., BA 13- 1-0198, 13-2-0041 Z. 31 ff./-0043 Z. 8 f./-0044 Z. 4 ff./-0103 Z. 28). In der Folge beauftragte A. RA NNNNN. mit weiteren Erkundigungen, wobei dessen Nachfor- schungen erfolglos verliefen (13-1-0198 f./-0801 f./-1301, TPF 568-930-019). Ak- tenkundig ist das Schreiben von RA NNNNN. an die St aatsanwaltschaft Ham- burg vom 26. April 2007; darin gibt RA NNNNN. an, A . befinde sich in höchster Sorge um das Kapital ihrer Kunden (BA 13-1-0235 f.) . Dazu erklärte A. im Vor- verfahren, RA NNNNN. habe diese Formulierung gewähl t, um die rechtlich er- höhten Anforderungen an eine gerichtliche Auskunfts erteilung glaubhaft zu ma- chen (BA 13-1-0200 Z. 1 ff.). Dies lässt sich jedenfalls nicht widerlegen. Im Rund- schreiben vom 27. April 2007 an die Vermittler (BA 13-1-0612) hielt A. fest: „Rich- tig ist ebenfalls, dass D. den verurteilten OOO. gekannt hat und für diesen einen Fond hätte auflegen sollen. Die jedoch jetzt genann ten Vorwürfe sind aus Sicht von D. absolut haltlos. D. wäre bereit, sich einer Befragung zu stellen: Aber Sie wissen selber, was dies bedeuten könnte: D. würde bis zur genauen Klärung der Umstände in U-Haft genommen. Was wiederum für uns b edeuten würde: D. könnte nicht mehr handeln und die Renditen könnten nicht mehr ausbezahlt wer- den! Ist dies in Ihrem Sinne? Und im Sinne Ihrer Ku nden? Wohl eher nicht. Ich fordere Sie daher auf, Ihre Kunden über den heutige n Sachverhalt aufzuklären und ihnen die Möglichkeit zu bieten, die Verträge rückabzuwickeln, oder von the- saurierend auf monatliche Auszahlung umzustellen “. In der Hauptverhandlung erklärte sie, dass sie angenommen habe, die Sache mit OOO. würde sich in Luft auflösen bzw. sei ein Humbug (TPF 568-930-019 Z. 33 ff./-023 Z. 27 ff.). A.s Ver- trauen in D. dürfte schliesslich auch mit ihrer Erf ahrung im Zusammenhang mit der Falschmeldung durch die Wirtschaftsfahndung PPP . (vgl. hinten E. 2.5.1.3) - 29 - sowie mit der von D. verbreiteten Einstellung erklä rbar sein, Dritte würden dem D.-System den Erfolg missgönnen und ihm mittels fal scher Gerüchte Steine in den Weg legen (vgl. hinten E. 2.5.1.3). Unter diesen Umständen ist nicht erwie- sen, dass die Verurteilung OOO.s das Vertrauen von A., B. und C. in das Anla- gesystem D.s entscheidend erschüttert hat und sie von einem Schneeballsystem auszugehen hatten. 2.4.3 Zusätzliche Anklagevorwürfe gegen A. Mit Bezug auf A. beschreibt die Anklageschrift auf S. 16 ff. sowie S. 53 ff. ver- schiedene zusätzliche Umstände und Verhaltensweisen , die eine eventualvor- sätzliche arglistige Täuschung begründen sollen (vgl. nachfolgend E. 2.4.3.1 ff.). Wie bereits vorne (E. 2.3.2) dargelegt, bestreitet A. den äusseren Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift unter den Titeln „Teil nahme am Vertriebssystem“, „Aufbau und Leitung des Vertriebsstandorts Schweiz“ , „Einflussnahme auf das Anlagemodell“, „Administration“, „Fondsgründung“, „Präsentation Anlagemodell / Ausbildung und Instruktion von Vermittlern“ sowie „Direktanleger“ aufgeführt wird (Anklageziffer 1.3.1., S. 16 ff.), im Wesentlichen nicht. Konkret bestritten werden einzig gewisse Sachverhaltspunkte, wie z.B. die angeblichen gemeinsamen Tref- fen/Mittagessen, welche vorne bereits erörtert wurden (vgl. E. 2.4.2.5), sowie die Motivation bzw. das Ziel der Fondsgründung (TPF 568 -925-510 Rz. 78 ff., vgl. hierzu hinten E. 2.4.3.4). Bestritten werden zudem die gestützt auf die objektiven Sachverhaltsumstände von der Anklagebehörde getroffenen rechtlichen Schlüs- se (vgl. AS S. 66 f.), wonach A. aufgrund all desse n ab ca. Anfangs 2005 bzw. jedenfalls vor dem 27./28. April 2007 an D.s bzw. an dessen Anlagesystem zwei- felte und die heute Geschädigten mit Eventualvorsat z arglistig getäuscht haben soll (TPF 568-925-490 ff., insb. -498 Rz. 11/ -501 f. Rz. 28 ff./-541 ff.). 2.4.3.1 Investorenwarnung der österreichischen Fina nzmarktaufsicht und deren angeb- liche Beschönigung Am 22. November 2006 hat die österreichische Finanz marktaufsicht (nachfol- gend: öFMA) in Bezug auf die G. Inc. eine sog. Investorenwarnung veröffentlicht. Darin hielt die öFMA fest, dass die G. Inc. über keine Konzession zur Vornahme bestimmter Finanzdienstleistungen in Österreich verfüge (BA 5-1-405). Die Anklage wirft A. vor, die österreichische Investorenwarnung gegenüber „Drit- ten“ insofern dementiert zu haben, als sie erklärt habe, dies sei lange vorbei und „es sei nun sauber“ (AS S. 24, 2. Absatz; S. 58, 4. Absatz; S. 64, Z. 2.5). Hierzu verweist die Anklageschrift in Fn. 131 auf die ents prechende Aussage von JJJ. JJJ. führte am 28. Mai 2008 aus, die Investorenwarnung bei seinen Recherchen - 30 - entdeckt zu haben. A. oder C. hätten dies „dementie rt und sei lange vorbei und sei nun sauber; es sei “nur“ Österreich, welches oh nehin nicht betroffen sei“ (BA 12-66-0010). Neun Jahre später, am 27. März 2017, wurde JJJ. diese Aus- sage wieder vorgelegt, wobei er sie bestätigte („Ja, ich denke das war so “; BA 12- 66-0076). JJJ. konnte somit nicht genau sagen, wer (ob A. oder C.) mit ihm über die Investorenwarnung gesprochen hatte. Die Anklageschrift erhebt den entspre- chenden Vorwurf sowohl gegenüber A. wie auch gegenü ber C. (bspw. S. 55, letzter Absatz; S. 63, 2. Absatz; S. 64, Mitte; zu C. vgl. hinten E. 2.4.5.1d). An- lässlich der Hauptverhandlung stellte C. klar, dass er es gewesen sei, der sich gegenüber JJJ. bezüglich der Warnung der öFMA geäus sert habe, und zwar in dem Sinne, dass D. keine Konzession für Österreich besass (TPF 568-930-065 Z. 42 ff.). Der entsprechende Vorwurf in Bezug auf A. ist somit nicht erwiesen. Ebenfalls im Zusammenhang mit der Investorenwarnung vom 22. Novem- ber 2006 wirft die Anklage A. zudem vor, versucht zu haben, diese zu relativieren oder zu beschönigen, um Zweifel über D. zu zerstreuen, obwohl sie nicht gewusst habe, ob die Geschäfte von D. bzw. der G. Inc. sauber gewesen seien (AS S. 58, 4. Absatz). Zum Beweis verweist die Anklageschrift in Fn. 382 auf eine Aussage von QQQ. in BA 15-0598-4-0039 Z. 22 ff. QQQ., welcher zuvor angab, von NN. und A. über das Anlageprodukt informiert worden zu sein (BA 15-598-4-0028), führt an jener Stelle aus, es sei ihm gesagt worden, die Finanzanlagen D.s seien ohne Risiko. Einen Zusammenhang mit der österreichischen Investorenwarnung bzw. zum damit verknüpften Anklagevorwurf gegen A. ergibt sich daraus indes- sen nicht. 2.4.3.2 Rundschreiben Juni 2006 bzw. Darstellung „D IE FAKTEN“ Die Anklageschrift wirft A. vor, im mit dem Rundschreiben „Juni 2006“ zugestell- ten Dokument „DIE FAKTEN“ insbesondere die Anlage-Variante A (Daytrading- Anlage mit 5% oder 6% Zins-Rendite pro Monat, Kapitalschutz durch eine nota- rielle Schuldanerkennung des Traders und sofortigem Zugriff auf das Portfolio) als möglichst attraktiv und sicher dargestellt und gegenüber Dritten bewusst ver- breitet zu haben, es handle sich dabei um Daytradin g mit Kapitalschutz (AS S. 26 f. und S. 56 f.). Die Beschuldigte verfasste die Darstellung „DIE FAK TEN“ (BA B 8-141-0001- 0024 ff.) gemäss eigenen Angaben nach Vorgaben D.s (BA 13-1-0635 Z. 43 ff./ -0706 ff.). Dafür, dass A. diese in Eigenregie verf asst haben könnte, bestehen keine Hinweise, und dies erscheint aufgrund der ers tellten Geschäftsbeziehung zu D. auch nicht wahrscheinlich. Belege dafür, dass sie an den Wahrheitsgehalt der dargestellten Anlagevarianten – die sich auf di e Höhe der Rendite und die Art des Kapitalschutzes bezogen – Zweifel hatte, sind nicht ersichtlich. - 31 - 2.4.3.3 Rundschreiben vom 27. Dezember 2006 Bezogen auf die Weigerung der Banken, Gelder an die oder von den G. Inc.- Gesellschaften zu transferieren, wirft die Anklage A. vor, mit dem Rundschreiben vom 27. Dezember 2006 (BA 5-1-1089 f.) ihren Geschäftspartnern das Vorgehen der Banken damit erklärt zu haben, dass es diesen nicht passe, dass die G. Inc.- Kunden erfahren würden, welche Gewinne im Daytradin g erzielt und wie wenig die Banken davon abgeben würden; dies, obwohl sie e rkannt habe, dass diese Erklärung nicht plausibel gewesen sei und andere Gründe für das Verhalten der Banken zu befürchten gewesen seien (AS S. 34, 5. Absatz und S. 54, letzter Ab- satz). A. bestreitet den Vorwurf und gibt an, in diesem Ru ndschreiben D.s Erklärung zum Verhalten der Banken wiedergegeben zu haben (TPF 568-930-017 Z. 14 f./ -020 Z. 25 f.). Dass D. auf einen Missstand bei den Banken hinwies, geht auch aus anderen Aktenstellen hervor. B., HHH., RRR. sow ie A. selbst führten aus, dass D. anlässlich der Tagung im November 2006 in F lorida davon gesprochen habe, künftig wehe von den Banken ein rauer Wind en tgegen bzw. es sei mög- lich, dass Banken nicht mehr überweisen würden (BA 13-1-0628, 13-2-0047 Z. 44, 12-177-0021 Z. 21 f., 12-52-0008/-0026 Z. 26 f./-0094). In einer E-Mail an die „Gruppe RRRRR.“ vom 26. Februar 2007, kündigte D. sodann an, er werde „ab sofort gegen jede Bank und deren Bankangestellten rechtliche Schritte inform [recte: in Form] von einstweiliger Verfügung ueber meinen Rechtsanwa lt, OOOOO. , einleiten.“ Er werde hierfür sämtliche Kosten tragen, benötig e aller- dings die jeweiligen Namen der Kunden, die Anschrift der betreffenden Bank in- klusive Sachbearbeiter der Bank (BA 13-1-0211/-0196 Z. 13 ff.). D.s Anwalt OOOOO. verfasste in der Folge tatsächlich Schreiben an Banken, in denen er aufzeigte, weshalb die Gerüchte gegen D. falsch seien und in scharfem Ton mit der Einleitung rechtlicher Schritte drohte (z.B. an Bank SSS. (D) vom 12. März 2007 [BA 12-170-0150 ff.] und an Bank TTT. (D) vom 18. März 2007 [BA 12-170-0152 ff.]). Auch in seinem undatierten S chreiben an alle Vertriebs- partner spricht D. davon, dass „ Die Bankenlobby [uns] aus dem Geschäft draussen haben [will]“ (BA 13-1-0218). Dass A. und andere Anleger D. die ban- kenfeindlichen Erklärungen abnahmen (vgl. z.B. TPF 568-930-020 f., BA 12-73- 0009 Z. 20 ff., 12-177-0021 Z. 21 f., TPF 568-930-0 95), erscheint vor diesem Hintergrund plausibel. 2.4.3.4 Fondsgründung A. wird in der Anklage vorgeworfen, aufgrund der Ne gativmeldungen und Ge- rüchte (um die D.-Anlagen) der FF. AG (recte: Ltd) 2016 den Auftrag erteilt zu haben, einen Fonds zu gründen, um darauf Gelder von Anlegern und Vermittlern - 32 - einzuzahlen und die Anlagegelder bei der Bank L. und Bank M. abzuziehen. Wei- ter habe sie die Fondsgründung angekündigt, um bei den Geschäftspartnern den Eindruck zu erwecken, durch die Überführung der ang elegten Gelder in den Fonds würde die Sicherheit zusätzlich erhöht (AS S. 34, Mitte und letzter Absatz sowie S. 58, 3. Absatz). A. gab an, aufgrund der diversen Meldungen und Gerü chte im Internet die Ab- sicht gehabt zu haben, einen speziellen Fonds zu gründen, in den die zukünftigen Anlagegelder und auch die bereits vermittelten Gelder geflossen wären. D. hätte eine beschränkte Handlungsvollmacht erhalten, sozus agen eine „Zug-um-Zug- Strategie“ (BA 13-1-0009). Bereits im Januar 2006 h ätten sie und ihre Gruppe beschlossen, einen Fonds zu gründen und nur noch einen Teil bei D. anzulegen und einen anderen Teil der Gelder im Fonds abzusichern (BA 13-1-0628 f.). Auch D. habe eine Absicherung tätigen wollen mittels Zero Bonds (BA 13-1-0629). Die Fondsgründung war gemäss Aussagen A.s die Umsetzung dieser anfänglichen Absicherungsidee (TPF 568-925-511/-522) und hätte g emäss den gesetzlichen Vorgaben gegründet werden sollen (TPF 568-925-522). Der im Jahre 2007 am Fondsgründungsprozess beteiligte DDD. (s. BA 12-171 -0018/-0042/-0057) er- klärte, es sei nie Thema gewesen, D. könnte ein Sch neeballsystem betreiben (TPF 568-930-142 Z. 27 ff.). Die Absicht der Fondsgründung ist somit unbestrit- ten. Dass eine allfällige Sicherheitsoptimierung der Gewinnung von Kunden oder dem allgemeinen Geschäftsruf dienen kann, ist gesch äftsnotorisch. Einen Be- weis dafür, dass A. Kenntnis eines Schneeballsystems hatte oder ein solches in Kauf nahm, stellt dies indessen nicht dar. 2.4.3.5 Unter dem Titel „Arglist“ wird A. vorgeworf en, sie habe Anlegern gesagt, sie kenne D. persönlich, habe ihn in den USA besucht; e r würde dort das Live-Tra- ding vorführen, und grosse Investoren seien bereits dorthin gereist, um es live zu sehen (AS S. 54 zuoberst). Dass (auch gewichtige) Investoren D. in den USA besucht haben, ist aktenkundig und erstellt (s. BA 12-168-0005/-0020 f. Z. 28 ff.; AS Anhang 2 und auch vorne E. 2.3.2.2). Inwiefern solche Äusserungen die Gutgläubigkeit von A. widerlegen, ist nicht klar. 2.4.3.6 A. soll einem Teil der Vermittler und Anleg er angegeben haben, selber USD 12 Mio. bei D. angelegt zu haben (vgl. S. 56 Mitte der AS). Hierzu führt die Anklage in Fn. 372 einzig eine Aus sage von AAAA. an (BA 12- 31-0005 Z. 29 ff.); gleichlautende Aussagen anderer Anleger liegen nicht vor. Dies kann zur Annahme von Arglist nicht genügen. - 33 - 2.4.3.7 Ebenfalls unter dem Titel „Arglist“ wird A. sodann vorgeworfen, potentiellen An- legern die Funktionsweise von D.s Anlagesystem erkl ärt zu haben (AS S. 56, 2. Absatz). Dies wird von A. nicht bestritten (vgl. vorne E. 2.3.2.6). Auch dies belegt indessen keinen Betrugsvorsatz bzw. ein arglistiges Vorgehen. 2.4.3.8 Rundschreiben vom 24. März und 27. April 20 07 Weiter wirft die Anklage A. vor, im Rundschreiben vom 24. März 2007 betreffend Zivilklage der Bank N. gegen D. die Angelegenheit bagatellisiert bzw. beschönigt zu haben, indem sie Dritten sinngemäss zu verstehen gegeben habe, sie habe keine Zweifel, dass sich alles klären werde (AS S. 58, 2. Absatz). Auch im Rund- schreiben vom 27. April 2007 habe sie D. ihr Vertra uen ausgesprochen und durch das gleichzeitige Angebot der Rückabwicklungs möglichkeit bestehende Anleger bei der Stange halten bzw. zu weiteren Vertragsabschlüssen motivieren wollen (AS S. 58, 5. Absatz). Die Anklage verzichtet bezüglich dieses Vorwurfs au f Aktenverweise. Indessen vermag auch dieser Vorwurf nicht zu belegen, dass A. ihr Vertrauen in D.s Anla- genkonzept lediglich vortäuschte und nicht daran glaubte, dass sich die Angele- genheit klären werde. A. sagte immer wieder aus, dass sie D. bis zuletzt für ver- trauenswürdig gehalten habe (BA 13-1-0808/-0629, TP F 568-925-534 Rz. 184/ -541 ff.). Für das Gegenteilt liegt kein Nachweis vor. Vielmehr untermauern meh- rere Akten ihre Version, so bspw.: - das Rundschreiben vom 16. April 2007, worin A. au f die Rückabwicklungs- möglichkeit hinweist (BA 13-1-0841 f.), - ihr Rundschreiben vom 27. April 2007, worin A. er klärt: „Ich vertraue D. auch weiterhin voll und ganz “ (BA 13-1-0612 f.), - der Umstand, dass A. noch am 16. Juli 2007 eine e igene Anlage über USD 25‘000 tätigte (BA 10-1-0097 und Anhang 4 der AS), - ihre E-Mail vom 8. August 2007 – zu einem Zeitpun kt, als D. sich bereits auf der Flucht befand (vgl. vorne E. 2.4.2.6) – worin s ie ihm schreibt, es müsse „ausschliesslich der Nachweis gebracht werden, dass noch alle Gelder vor- handen [seien] und es sich nicht um ein Schneeballsystem [handle] .“ Sie „ ver- steh [e] nicht, warum dies so lange dauern [könne] …“ (BA 13-1-0820), - ihr Rundschreiben vom 23. August 2007 mit erneute m Hinweis auf die Rück- abwicklungsmöglichkeit (BA 13-1-0912 f.), - 34 - - eine E-Mail vom 28. August 2007 von D. an die Füh rungscrew, worin er vor- gibt, die Rückabwicklung von Kundengeldern stehe ku rz bevor und die Ab- rechnungen für den Monat August würden wie gewohnt ausgeführt werden (BA 13-1-0908 f.), - das Schreiben von A. vom 31. August 2007, worin s ie D. sagt, es sei „…un- abdingbar, dass Sie […] volle Unterstützung auch geben, um diese Sache ein für alle Mal vom Tisch zu kriegen “ (BA 13-1-0910). 2.4.3.9 Schliesslich wird A. unter dem Titel der „A rglist“ vorgeworfen, Direktanlegern ver- sprochen zu haben, für einen allfälligen Ausfall persönlich geradezustehen, und dabei verschwiegen zu haben, dass sie einen solchen nicht hätte decken können (AS S. 59 f.). Die Darlehensverträge mit den Direktanlegern wurden jeweils von A. als Ge- schäftsinhaberin des Einzelunternehmens F. abgeschlossen (statt vieler: BA 15- 1495-3-0001 ff.). A. haftete damit persönlich (vgl. M EIER -HAYOZ /F ORSTMOSER / SETHE , Gesellschaftsrecht, 12. Aufl., 2018, § 26 N 20). Entsprechend anerkannte sie im Konkursverfahren der Unternehmung F. in Liquidation alle fraglichen For- derungen (BA 13-1-1004 Z. 20 ff.; statt vieler: BA 15-0771-4-0001 f., ferner BA 18-301-4-1654 f./-1855 ff., TPF 568-930-003 Z. 11 ff.). Anlässlich der Haupt- verhandlung sagte A. hierzu aus, sie habe damals gedacht, sie hätte unglaublich viel Geld bei D. angelegt (TPF 568-930-014 Z. 26 f.). Auch dieser Vorwurf belegt ein arglistiges Vorgehen somit nicht. 2.4.4 Zusätzliche Anklagevorwürfe gegen B. Mit Bezug auf B. beschreibt die Anklageschrift auf S. 43 ff. sowie S. 60 ff. eben- falls verschiedene zusätzliche Umstände und Verhalt ensweisen, welche eine eventualvorsätzliche arglistige Täuschung begründen sollen (nachfolgende E. 2.4.4.1 ff.). Auch hier ist vorweg zu bemerken, dass der äussere Sachverhalt, wie ihn die Anklageschrift unter dem Titel „Teilnahme am Vertri ebssystem“ (Anklagezif- fer 1.3.2.1., AS S. 43) wiedergibt, im Wesentlichen von B. nicht bestritten wird (vgl. vorne E. 2.3.3.2 und TPF 568-920-016 ff.). Hi nsichtlich der Bezeichnung G. Inc. Europe liess B. über seinen Verteidiger an der Hauptverhandlung erklä- ren, diese nach seiner ersten Einvernahme im Dezemb er 2006 nicht mehr ver- wendet zu haben (TPF 568-925-817). Gegenteilige Beweise oder Anhaltspunkte finden sich in den Akten nicht. Ebenso wird seitens B. der äussere Sachverhalt unter dem Titel „Aufbau des Vertriebsstandorts Schweiz“ (Anklageziffer 1.3.2.2., - 35 - AS S. 43 ff.), mit Ausnahme der vorgeworfenen Instrumentalisierung TT.s zur an- geblichen Kundenanlockung (AS S. 46, 1. Absatz, bzw. S. 61 f., 5. Absatz f.; vgl. nachfolgend, E. 2.4.4.8), grundsätzlich nicht bestritten (vgl. vorne E. 2.3.3.2 und TPF 568-920-016 ff.). 2.4.4.1 Unter dem Titel „Täuschung“ wirft die Ankla geschrift B. vor, den Kontakt zwi- schen A. und GG. hergestellt zu haben (AS S. 44, zuoberst). Dies ist unbestritten und insoweit erstellt (vgl. v orne E. 2.3.3.2; TPF 568-920- 016 f.). Weshalb dies ein Element arglistiger Täuschung darstellen soll, ist jedoch nicht ersichtlich. 2.4.4.2 Der Vorwurf, B. habe gegenüber Interessente n falsche Angaben gemacht, ins- besondere erklärt, es bestehe kein Risiko (AS S. 45, 1. Zeile), ist beispielsweise durch die Aussage von CCC. widerlegt (BA 12-168-0006 Z. 14 f./-0010 Z. 1 ff.). 2.4.4.3 Der Vorwurf, B. habe Interessenten (BBBB.) Renditeabrechnungen anderer Kun- den gezeigt, um den Eindruck zu erwecken, das Syste m würde funktionieren (AS S. 46, 2. Absatz), entspricht der Aussage BBBB. s (BA 12-115-0011 Z. 15- 27) und mag auch zutreffen. Auch diese würde jedoch nicht belegen, dass B. Kenntnis des Schneeballsystems hatte oder ein Schneeballsystem in Kauf nahm. Sofern nicht glaubhaft widerlegt ist, dass der Besc huldigte vom Bestehen des Anlagesystems überzeugt war (vgl. vorne E. 2.4.2.4, 2.4.2.6), vermag das vorge- worfene Verhalten keine arglistige Täuschung zu begründen. 2.4.4.4 B. wird vorgeworfen, er habe zusammen mit d em Vermittler CCCC. gegenüber Dritten, welche Bedenken über ein Schneeballsystem geäussert hätten, erklärt, er und CCCC. seien schon lange dabei und erhielten die Renditen regelmässig ausbezahlt (AS S. 46, 3. Absatz). Die BA stützt diesen Vorwurf auf eine Aussage von D DDD. (Fn. 299 der AS). Eine Konfrontationseinvernahme zwischen B. und DDDD. fand nicht statt, inso- fern können allfällige belastende Aussagen zum Nachteil B.s grundsätzlich nicht verwertet werden. Zum angegeben Zeitrahmen ist jedo ch festzuhalten, dass B. Ende 2005 bei D. eingestiegen ist (BA 13-2-0008 Z. 28 ff.), auch wenn er seine erste Anlage (wie DDDD.) erst am 1. Juni 2006 tätigte (BA 10-2-0043, Anhang 5 der AS; BA 12-9-0007, 15-0477-3-0018). Wann CCCC. erstmals investierte, geht aus den Akten nicht eindeutig hervor. Aus der poliz eilichen Auswertung der si- chergestellten Provisionsabrechnungen ergibt sich, dass CCCC. in der Zeit von März 2006 bis April 2007 als Untervermittler von B. aufgeführt war, wobei sechs Personen Namens CCCC. Anlagen tätigten (BA 5-1-0024 f./-2008 f./-2064/-2095 f.). Gemäss DDDD. sei seine Nachbarin, EEEE., mit CCCC. befreundet gewesen und er (DDDD.) habe CCCC. als Nachbar mindestens ze hn Jahre gekannt. - 36 - EEEE. habe DDDD. die Anlage beschrieben, dessen Ehefrau überzeugt und ein Treffen mit CCCC. und B. vorgeschlagen. CCCC. wurde nie einvernommen. In- sofern lässt die Aussage DDDD.s keine gesicherten Schlüsse über dessen Rolle zu. Dass B. nicht an das rechtmässige Funktionieren der Anlage geglaubt und in Kauf genommen hat, dass D. betrügerisch vorgeht bzw . ein Schneeballsystem betreibt, ist jedoch auch aufgrund DDDD.s Aussagen nicht erwiesen. 2.4.4.5 Gestützt auf eine Aussage von FFFF. (Fn. 39 2 der AS) wird gegen B. der Vorwurf erhoben, er habe gegenüber Interessenten zumindest teilweise – wider besseres Wissen – angegeben, dass D. überall in London, Tokio, New York etc. über Tra- der verfüge (AS S. 62, 2. Absatz). B. wurde zu diesem Punkt nicht befragt und hat sich zu dieser Aussage FFFF.s nicht geäussert. Die Behauptung, D. verfüge in vers chiedenen Metropolen über Trader, wäre geeignet gewesen, einen potentiellen A nleger mit dem (angebli- chen) beruflichen Erfolg von D. zu beeindrucken und ihn zur Anlage zu motivie- ren. Dass sich B. auf diese Weise geäussert hat, ka nn ohne weitere untermau- ernde Indizien nicht zweifelsfrei angenommen werden . Jedenfalls würde selbst eine solche Behauptung nicht belegen, dass B. ein S chnellballsystem in Kauf genommen hat. 2.4.4.6 B. soll zudem behauptet haben, D. zeige in den USA das Trading live, obwohl er selber nie ein Trading live gesehen habe bzw. hätte merken müssen, dass er nie ein solches gesehen hatte (Anklageziffer 3.3., S. 70). Zunächst fällt auf, dass die Anklageschrift andernorts (S. 51, zuunterst) ausführt, die Beschuldigten hätten es allenfalls nicht gemerkt, wenn das Trading nicht live gewesen wäre. Der Vorwurf gegenüber B. in Anklagezi ffer 3.3. steht damit im Widerspruch. Zudem stützt sich die Anklage hierzu, wie der Fn. 426 f. zu entneh- men ist, auf Aussagen GGGG.s (BA 12-30-0009 f. Z. 23 ff.), wonach er ca. Mitte 2007 seine Anlage habe kündigen wollen und mit „einem Mann in Deutschland“ telefoniert habe, welcher habe einräumen müssen, dass das Trading bei D. nicht live gewesen sei. Die Einvernahme von GGGG. wurde B. oder seinem Verteidi- ger nicht angezeigt (vgl. BA 12-30-0001) und kann grundsätzlich nicht zu Lasten des Beschuldigten verwendet werden. Es ist jedoch o hnehin unklar, ob GGGG. von B. gesprochen hat. Ebenso unklar ist, seit wann der Gesprächspartner von GGGG. über die Trading-Aufzeichnung Bescheid gewuss t haben soll. Ein Be- weis dafür, dass B. D.s Machenschaften in Kauf nahm, liegt somit auch hier nicht vor. 2.4.4.7 Des Weiteren wirft die Anklageschrift B. vo r, er habe im Bestreben, Anleger zu einem Vertragsabschluss zu bewegen, behauptet (AS S. 44 f.): - 37 - a) D. habe 25 Jahre lang bei den Banken gearbeitet; D. sei Chefhändler der Bank N. gewesen, was er selber (teilweise mit CCCC.) überprüft habe; D. sei ein „Mega-Hirsch “; Er kenne D. persönlich und habe alles überprüft, indem er bei diesem in den USA bzw. Florida gewesen sei (AS S. 4 4, 5. Absatz und S. 45, 3. und 4. Absatz) Die B. vorgeworfenen Äusserungen in Bezug auf D.s L ebenslauf entsprachen dem, was B. von D. und A. erfahren hatte (BA 13-2-0 014 Z. 27) bzw. was B. in den USA bei D. gesehen und was D. allen Vermittlern und (potentiellen) Anlegern vorgespiegelt hatte (BA 18-101-1-1853, 12-52-0005, vgl. vorne E. 2.3.3.2). CCCC. konnte nie einvernommen werden. Es ist jedoch erstellt, dass B. mehr- mals bei D. in Florida war und sich vor Ort ein eig enes Bild von ihm machen konnte, indem er beispielsweise D.s Geschäftsdomizi l besuchte und Einsicht in dessen Handelskonto erhielt (vorne E. 2.3.2.2, 2.3.3.2). Insofern entsprechen die vorgeworfenen Äusserungen bloss dem, was B. in Erfahrung gebracht hatte bzw. was ihm mitgeteilt worden war. Ein täuschendes Verh alten seitens B. ist damit jedenfalls nicht dargetan. b) D.s System sei noch besser als das der Banken; D. würde über gute Computer verfügen, mit denen er Hochrechnungen tätige, welch e viel schneller seien als alle anderen; Banken würden nicht gerne über dieses System sprechen, da ihre Systeme schlechter und die Banker neidisch seien (A S S. 44, 6. Absatz und S. 45, 5. und 6. Absatz) Auch diese B. vorgeworfenen Äusserungen entsprechen dem, was er anlässlich seiner Besuche in Florida gesehen hatte bzw. was D. dazu ausführte: So erklärte D. beispielsweise im Artikel (…) (BA 12-170-0185) u nd in der Daytrading-Bro- schüre (BA 13-1-0709), er führe im Gegensatz zu her kömmlichen Brokern die Orders direkt mit maximaler Geschwindigkeit aus. Dass B. D.s bankenfeindlichen Äusserungen (von denen er teilweise via A. erfuhr; vgl. vorne E. 2.4.3.3) Glauben schenkte, ist ebenfalls nicht widerlegbar. c) Für D. würden (beispielsweise) 12 Trader und 3 Analysten arbeiten (AS S. 44, 7. Absatz) D. selbst erklärte gegenüber Vermittlern und Anlege rn, zahlreiche Mitarbeiter bzw. Trader seien für ihn tätig (bspw. 23 feste und 95 freie [BA 5-1-0743], 20 feste und 50 freie [BA 5-1-0774/-0817, 15-1176-1 -0049], 25 feste und 220 freie Mitarbeiter [BA 5-1-0929], bzw. 12 Trader und 3 Analysten [BA 12-52- 0007 oben], ferner: BA 13-1-0709). Zudem versprach er mittels eines Rund- schreibens seinen Vertriebspartnern, er werde „ die Infrastruktur in New York “ einem ausgewählten Kreis offenlegen (BA 13-1-0818 f ., ferner BA 13-1-0807 - 38 - Z. 4 ff., vgl. auch hinten E. 2.5.1.2 am Ende). B.s Aussage, wonach er diese In- formationen primär von D. selbst erhalten habe (BA 13-2-0009 Z. 10), ist daher glaubhaft. Die vorgeworfenen Äusserungen beinhalten folglich bloss Informatio- nen, welche B. von D. erhalten hatte. Dass B. davon wusste oder hätte damit rechnen müssen, dass diese nicht zutrafen, und sie dennoch weitergab, ist hin- gegen nicht erstellt. d) Man könne sich den Gewinn jederzeit auszahlen la ssen (AS S. 45, 2. letzter Absatz) Die Anklage stützt sich diesbezüglich auf die Aussa ge von HHHH. (Fn. 294 der AS), der aussagte, B. habe ihm in Bezug auf die Anlagemöglichkeit bei D. mitge- teilt, man könne sich den Gewinn jederzeit auszahle n lassen (BA 15-1396-4- 0038 Z. 27 f.). Da D.s Anlagesystem die Möglichkeit gewährte, Anlageverträge entweder auszahlend oder thesaurierend abzuschliess en (vgl. bspw. BA B 8- 141-0001-0023 ff., 5-1-1113, TPF 568-930-138 Z. 30), ist nicht ersichtlich, inwie- fern eine solche Information die Inkaufnahme eines Schneeballsystems belegen soll. e) Die Anlage sei 100% sicher bzw. eine „super Sache“; andere Personen hätten mit D.s Anlagesystem viel Geld verdient; D.s Anlage habe bezüglich der Zins- zahlungen bisher immer funktioniert; er selber habe regelmässig Renditen aus- bezahlt erhalten, dies habe er mit Bankbelegen untermauert; immer mehr Perso- nen würden bei D. anlegen (AS S. 44, 1., 2. und 3. letzter Absatz, S. 45, 2. und letzter Absatz) Von D. selber stammte der Hinweis anlässlich der November-Tagung 2006, dass die vier höchsten Mitarbeiter in jenem Jahr durch das Anlagesystem USD 7 Mio. verdienen würden (BA 12-52-0006 oben). Ein Schneeballsystem beschert meist gewissen Personen zumindest eine Zeit lang gute Gewinne, was sich auch her- umspricht (bspw. BA 2-2-0005, 2. Absatz, 12-2-97-0012 Z. 29 f. und 15-1409-4- 0044 Z. 27 f.). Hinzu kommt, dass B.s (vermeintlich e) Anlagen tadellos funktio- nierten. Sowohl er, als auch die anderen beiden Beschuldigten erhielten von der G. Inc./H. Inc. regelmässig und pünktlich Zahlungen (vgl. vorne E. 2.4.2.4). An- gesichts der zahlreichen Anleger ist es zudem naheliegend, dass es in D.s Anla- gesystem zu einer Eigendynamik gekommen war und immer mehr Personen bei D. bzw. dessen G. Inc.-Gesellschaften anlegen wollt en (vgl. hinten E. 2.5.1.9). Die B. vorgeworfenen Äusserungen bestätigen bloss, was er von D. und anderen Personen erfahren bzw. selber festgestellt hatte. D ass er an diesen Informatio- nen zweifelte und sie dennoch weitergab, ist hingegen nicht erstellt. Eine arglis- tige Täuschung ist folglich nicht nachgewiesen. Hin sichtlich der Bankbelege gilt das vorne unter Erwägung 2.4.4.3 Gesagte. - 39 - f) Er habe sich in gewissen Abständen mit D. getrof fen, mit diesem bestehe ein freundschaftliches Verhältnis und die Treffen mit D . hätten unter dem Motto „Champagner fliesst in Strömen“ gestanden (AS S. 45, 3. letzter Absatz) Die Anklage stützt sich hierbei in Fn. 293 auf eine Aussage von HHHH., worin dieser erklärte, er „denke“ erfahren zu haben, dass B. mit D. in einem freund- schaftlichen Verhältnis gestanden habe, also irgend wie nach dem Motto „der Champagner fliesst in Strömen“, wenn sie sich treff en würden, im Sinne eines grosszügigen Gastgebers (BA 15-1396-4-0041 Z. 14 ff.). Es ist unstrittig, dass B. mehrere Male bei D. war (vgl. vorne E. 2.3.3.2). Au ch stand B. gemäss eigener Aussage zumindest zu Beginn in direktem Kontakt mit D. (BA 13-2-0018 Z. 14 f.). D. soll ein charismatisches Auftreten gehabt haben. Er spiegelte vor, ein erfolg- reicher Geschäftsmann zu sein, wozu er sich gerne m it Luxusgütern in Szene setzte (vgl. vorne E. 2.3.1.2, hinten E. 2.5.1.1). Dass B. an D.s Fassade gezwei- felt hätte, ist nicht erwiesen. Insgesamt vermag die Anklage auch in diesem Punkt nicht zu belegen, dass B. Anleger arglistig täuschte. 2.4.4.8 Unter den Titeln der Täuschung und der Argl ist wird B. überdies vorgeworfen, er habe den als Heiler bekannten TT. auf analoge Weise vom Anlagesystem von D. überzeugt und potenziellen Anlegern mit gesundheitl ichen Problemen empfoh- len, diesen Heiler aufzusuchen. Dabei habe er damit gerechnet, dass TT. seine Angaben bzw. diejenigen von D. bestätigen werde und dies dessen Patienten positiv beeinflussen bzw. TT. deren Entschluss, ein e Anlage zu tätigen, unter- stützen würde (AS S. 46, 1. Absatz; S. 61, 5. Absatz) Diesbezüglich verweist die Anklageschrift in Fn. 29 7 bzw. 391 einzig auf eine Aussage von JJJJ. Diese sagte im Vorverfahren aus, B. habe ihr wegen ihres Schleudertraumas angeboten, einen Heiler – TT. – zu besuchen. TT. habe alle Angaben zu den Verträgen von B. bzw. D. bestätigt u nd damit ihren Entschluss unterstützt (BA 12-11-0004 f., Z. 40 f. bzw. 1 ff.). B. erklärte anlässlich der Haupt- verhandlung (TPF 568-920-016 f.), entgegen der Unterstellung der BA sei JJJJ. die einzige, die er (B.) zu TT. gebracht habe. Alle anderen Personen seien Pati- enten von TT. gewesen. Und weiter: Er habe mit TT. „[…] über 120 Verträge abgeschlossen. Das waren alles Leute, die TT. gebra cht hat. Das waren Leute, die er seit Jahren gesundheitlich betreut hat “. Er habe TT. vom ersten Tag an alle Unterlagen, die A. ihm (B.) betreffend die Anlage b ei D. gegeben habe, immer vorgelegt, und TT. habe es immer geprüft und immer gesagt, es sei alles in Ord- nung. Er habe früher mehrere andere Geschäfte TT. v orgelegt und dieser habe ihm (B.) immer abgeraten. Das sei bei D. das erste Mal gewesen, und er (B.) sei völlig happy gewesen. Nach diesen Abklärungen sei e r (B.) 100% davon über- zeugt gewesen, dass D. ein ehrlicher Mann sei und ein gutes Geschäft anbiete. Bereits im Vorverfahren sagte B. in diesem Sinne au s (BA 13-2-0008 Z. 7 ff./ - 40 - -0565 Z. 15 ff.), nämlich, dass TT. ein Medium sei, der über eine Beziehung zum Universum verfüge. TT. sei für ihn (B.) ein wichtiger Mann gewesen. Er (B.) habe ihm jeweils die Programme vorgelegt und TT. habe ih m wiederholt geraten, ge- wisse Programme direkt in den Papierkorb zu werfen. AIs er (B.) ihm das Pro- gramm von D. vorgestellt habe, sei TT. von dem hundertprozentig überzeugt ge- wesen. TT. habe ihm (B.) gesagt, das sei gut und D. sei kein Betrüger bzw. ein ehrlicher Mensch. Er (B.) habe sich auf TT. verlassen. TT., der selber bei D. an- gelegt hatte, bestätigte, D.s Anlagesystem gegenübe r B. als positiv beurteilt zu haben, weil er (TT.) jeden Monat „ das Geld gekriegt [habe]“ (BA 12-172-0010 Z. 30/-0011 Z. 25). Aktenkundig ist auch ein Schrei ben TT.s an A. vom 14. Au- gust 2007, worin TT. erklärt, er lasse sämtliche Da rlehensverträge mit D. bzw. der G. Inc. bestehen, da D. weiterhin sein vollstes Vertrauen geniesse (BA B 12- 4-0002-0024). KKKK. sagte aus, der „Pendler“ und „H andaufleger“ TT., zu dem sie noch heute grosses Vertrauen habe, habe sie auf das Angebot von D. auf- merksam gemacht und gesagt, es handle sich um eine sehr gute Anlage. TT. habe D. in Amerika besucht und es handle sich bei D . um einen seriösen Mann (BA 12-10-0004 Z. 29 ff.). Über seinen Verteidiger liess B. anlässlich der Haupt- verhandlung erklären, die positive Einschätzung des Trading-Programms und der dahinterstehenden Person D. durch das Medium TT. sei für ihn (B.) ein wich- tiger Pfeiler bei seiner Entscheidungsfindung gewes en (TPF 568-925-812 ff.). Die von der Anklage angeführte Aussage von JJJJ., w onach B. sie an TT. ver- wies, wird durch keine weiteren Beweismittel unterm auert. Auch TT. schrieb seine Überzeugung, dass D.s Anlagesystem funktionierte, nicht etwa B. zu, son- dern der Tatsache, dass er (TT.) regelmässig sein Geld erhielt. In Würdigung all dessen erscheint glaubhaft, dass B. tatsächlich, wie er vorgab, für TT.s übersinn- liche Fähigkeiten als Medium empfänglich, diesem in gewisser Weise auch hörig war und dessen positiver Einschätzung von D. und de ssen Anlagesystem ver- traut hatte. Die von der Anklageschrift angeführte Aussage von JJJJ. steht damit nicht im Widerspruch und vermag im Übrigen für sich allein nicht, eine arglistige Täuschung bzw. einen Betrugsvorsatz B.s zu belegen. 2.4.5 Zusätzliche Anklagevorwürfe gegen C. Schliesslich beschreibt die Anklageschrift mit Bezu g auf C. auf S. 47 ff. sowie S. 62 ff. zusätzliche Umstände und Verhaltensweisen, welche eine eventualvor- sätzliche arglistige Täuschung begründen sollen (vg l. nachfolgende E. 2.4.5.1 lit. a bis f., sowie E. 2.4.5.2). 2.4.5.1 C. bestätigt den äusseren Anklagesachverhal t in den Grundzügen, wie er unter den Titeln „Teilnahme am Vertriebssystem“ sowie „Au fbau des Vertriebsstand- orts Schweiz“ in der Anklageschrift beschrieben wir d (Anklageziffer 1.3.3., AS S. 47 ff.). Bestritten werden indessen nachfolgende Punkte: - 41 - a) Er habe das Anlagesystem D. gegenüber bestehenden LLLL.-Kunden angeprie- sen (AS S. 48, 4. Absatz; TPF 568-925-478 f. Rz. 21). Die Anklageschrift verweist diesbezüglich auf keine Aktenstelle, sie dürfte sich je- doch auf eine Aussage C.s in der Einvernahme vom 28 . Mai 2008 beziehen (BA 13-3-0022 Z. 11 ff.). Darin führte C. aus, sie (gemeint: C. und MM.) hätten die Anlagemöglichkeit bei D. jeweils beiläufig bei Kontakten mit Kunden der LLLL. oder LL. AG erwähnt. Die vage Schilderung lässt nicht auf ein strafbares Verhalten bzw. auf eine eventualvorsätzliche Täuschung durch C. schliessen. b) Der Vorwurf, er habe MMMM. mit dem Schreiben der G. Inc. mit dem Titel „NO- TARIELLE BESTÄTIGUNGEN“ informiert (AS S. 49, 4. Ab satz), wird seitens C. bestritten (TPF 568-925-479 Rz. 22). Die Anklageschrift bezieht sich auf die in Fn. 331 aufgeführte Einvernahme von MMMM. Dieser erklärte, von C. und aus den Zeitungen Informationen erhalten zu haben bzw. zu glauben, dass C. ihm das Informations material gegeben habe (BA 12-38-0006/-0008). MMMM. war tatsächlich im Besitze dieses Dokuments; er reichte es anlässlich der Einvernahme ein (BA 12-38-0006/-0060). Dass er es von seiner Ansprechperson im Anlageverfahren (d.h. C.) erhalten haben muss, ist na- heliegend. Indessen handelt es sich bei diesem Schr eiben um eine (angebliche) notarielle Bestätigung von EEE. vom 6. Juni 2006, welche D. an A. zugestellt hatte. D. hat ausgesagt, über den Stempel der Notarin verfügt und ihn durch sein eigenes Sekretariat selbständig eingesetzt zu haben (vgl. vorne E. 2.4.2.4). Dafür, dass C. dies wusste und somit in Kauf nahm, dass die besche inigten Informationen nicht tatsächlich notariell geprüft waren, liegen keine Hinwiese vor. c) Zum Vorwurf, wonach C. alle Formalitäten im Zusa mmenhang mit dem Ver- tragsabschluss erledigt und für Gesellschaften, für welche er als Revisionsstelle tätig war, Anlagen als Revisionsstelle akzeptiert habe (AS S. 50, 2. Absatz), stützt sich die Anklage gemäss Fn. 334 ff. insbesondere au f die Einvernahmen von GGG., MMMM. (s. oben) und FFF. GGG. sagte dazu, er sei mit C. befreundet bzw. bekannt, C. habe ihm auf privater Basis Daytradingunterlagen von D. gezeigt und ihm die Anlage erklärt. C. habe ihn auf das Risiko in Bezug auf Aktienanlagen aufmerksam gemacht. Er (GGG.) habe investiert und den/die Verträge verlängert, weil es so gut funktioniert habe. C. habe sich um alles gekümmert und seines Er- achtens nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Vermutlich seien Banken und Aufsichtsbehörden fehlerhaft tätig gewesen (BA 12-37-0006/-0011/-0018 f.). FFF. führte aus, C. seit 17 Jahren zu kennen und mit ihm sowohl privat wie beruf- lich Kontakt zu haben. C., bzw. dessen Firma, sei R evisionsstelle seiner Gesell- schaften und absolute Vertrauensperson. Er habe sich mit ihm immer wieder auch über Investitionsmöglichkeiten ausgetauscht und sich in der Folge an A. gewandt, - 42 - um sich nach Investitionsmöglichkeiten zu erkundigen. Bei der G. Inc. habe er pri- vates Geld investiert (BA 12-170-0006 f.). Die Beschuldigten hätten, so FFF., nicht erfahren können, welches Betrugsinstrument D. aufge zogen habe. Kein Mensch würde eigenes Geld investieren, wenn ihm bekannt wäre, dass es ein Betrugssys- tem sein soll. D. habe auch zugegeben, dass nur er Schuld trage. Der Kernvorwurf gehe an D. und an die amerikanischen Banken (12-170-0011 Z. 25 ff.). Diese Aus- sagen belasten C. nicht und zeigen auch nicht auf, dass er mit einem Schneeball- system gerechnet bzw. ein solches in Kauf genommen hat. d) Wie gegenüber A. erhebt die Anklage auch gegenüb er C. den Vorwurf im Zu- sammenhang mit der österreichischen Investorenwarnu ng (AS S. 50, 3. Absatz; S. 63, 2. Absatz; S. 64, Z. 2.5). Eine Konfrontationseinvernahme zwischen C. und JJJ. fand nicht statt, weshalb dessen Aussagen grundsätzlich nicht zu Lasten des Beschuldigten herangezogen werden können. Im Übrigen gilt das zu A. vorstehend Gesagte (vgl. E. 2.4.3.1), worauf an dieser Stelle zu verweisen ist. e) Die BA wirft C. vor, bereits im Zeitpunkt seiner Tätigkeit für D. gewusst zu haben, dass es nicht zutraf bzw. nicht zutreffen konnte, d ass auf D.s Handelsplattform 35‘000 Aktientitel innert 5 Sekunden analysiert wurden, wie D. vorgab. Dieser Vorwurf basiert auf einer Aussage von C. vom 28. Mai 2008, wonach es seiner Ansicht nach in den USA nicht 35'000 gehande lte Aktien gebe, wer das behaupte, behaupte völligen Blödsinn (AS S. 63, 5. Absatz, BA 13-3-0029). C. prä- zisierte anlässlich der Hauptverhandlung, seine damalige Aussage sei ex post zu verstehen, mit seinem Wissen zum Zeitpunkt der dama ligen Einvernahme (TPF 568-930-061 Z. 22 ff.). Tatsächlich ist heute nicht rekonstruierbar, wie die Aussage vom 28. Mai 2008 erfolgte. Es fällt auf, da ss C.s fragliche Antwort mit einem Zeilenabstand getrennt von der restlichen Ant wort protokolliert wurde (BA 13-3-0029 Z. 4 f.). Dies lässt vermuten, dass d ie Antwort auf eine mögliche Zwischenfrage hin erfolgte, welche nicht protokolliert wurde. Unklar ist auch, ob C. von Anzahl Aktien oder Anzahl börsenkotierte Untern ehmen sprach, denn noto- rischerweise werden täglich Milliarden von Aktien gehandelt, dies auch in den an- klagerelevanten Jahren an der NYSE, mit deren dort kotierten Aktien D. sein an- gebliches Trading durchführte (vgl. Jan Schwalbe, S o viele Aktien gehandelt wie noch nie, in: „Finanz und Wirtschaft“ vom 13. August 2011, https://www.fuw.ch/ar- ticle/so-viele-aktien-gehandelt-wie/ [besucht am 5. November 2018]). Zwar ist zu berücksichtigen, dass an der Vorbörse die Zahl der gehandelten Aktien weniger hoch ist. Dennoch dürfte sie die von D. angegebene Zahl von 35‘000 um ein Mehr- faches übertreffen. Auch C. als Bankfachmann kann folglich nicht gemeint haben, - 43 - in den USA könnten nicht 35‘000 Aktien täglich geha ndelt werden. Insgesamt er- scheint C.s Aussage nicht schlüssig, weshalb sie so nicht zu seinen Lasten ver- wertet werden kann. f) Die BA wirft C. schliesslich vor, er habe sein W issen bzgl. der Kündigung der Geschäftsbeziehungen zur G. Inc. bzw. D. durch die Bank NNNN. (FL) absichtlich zurückgehalten (AS S. 50, 4. Absatz; S. 63 f., letzter Absatz). Diesbezüglich erklärte C. anlässlich der Hauptverha ndlung, D. an der Tagung in Florida im November 2006 im Beisein von A. informie rt zu haben (vgl. TPF 568- 930-063 f. Z. 46 ff. bzw. Z. 1 f.). Dies kann nicht widerlegt werden. A. widersprach dieser Aussage nicht, sondern sagte einzig, sich ni cht erinnern zu können (TPF 568-930-064 Z. 19 f.). 2.4.5.2 Des Weiteren wirft die Anklageschrift C. Fo lgendes vor (AS S. 47, 3. Absatz, bis S. 49, 3. Absatz): a) Er habe A. zwei Offshore-Gesellschaften verschafft bzw. verkauft, welche die- ser dazu gedient haben sollen, zumindest einen Teil des Zahlungsverkehrs mit D. bzw. dessen G. Inc.-Gesellschaften abzuwickeln (AS S. 47, 3. Absatz) Dieser Vorwurf ist grundsätzlich unbestritten und e ntspricht den Tatsachen (TPF 568-925-478 Rz. 20, BA 5-1-1190 f.). Es ist al lerdings nicht ersichtlich, in- wiefern dieser Umstand für sich allein C. belasten soll. b) Er habe im Zusammenhang mit Anlagen im D.-System mindestens 12 Unter- vermittler akquiriert und unterhalten (AS S. 47, zweitletzter Absatz) Auch dieser Vorwurf ist erstellt bzw. unbestritten (vgl. BA 13-3-0033, TPF 568- 930-055 Z. 4 f.). Es ist jedoch auch hier nicht ers ichtlich, inwiefern dies ein Ele- ment der Täuschung darstellen soll. c) Als übergeordneter Hauptansprechpartner habe er Anleger und Untervermitt- ler über D.s Anlagesystem informiert; er habe deren Fragen beantwortet und ihnen die von D. produzierten Prospekte gezeigt; er habe einzelne Interessenten mit Zeitungsberichten bzw. Zeitungsinseraten über D. und dessen Anlagesystem informiert; in seiner Rolle als Vermittler habe er auf die von D. betriebene Inter- netseite und auf die Möglichkeit, mit A. in Kontakt zu treten, verwiesen (AS S. 47 unten und S. 48, 3. und 5. Absatz) Im Wesentlichen ist dieser Sachverhalt erstellt bzw . unbestritten (vgl. vorne E. 2.3.4.2 sowie bspw. BA 13-3-0018 Z. 25 ff./-0022 Z. 10 f./-0027 Z. 32 ff./- 0039). Es ist jedoch wiederum nicht ersichtlich, inwiefern diese Umstände für sich - 44 - allein Elemente der Täuschung darstellen bzw. eine Täuschungsabsicht oder -inkaufnahme belegen. d) Er habe sich an vermögende Kunden sowie Kunden aus seinem persönlichen Umfeld, beispielsweise vom Sport etc. gewandt, wenn er bei jemandem Interesse für Anlagemöglichkeit im System D. habe wecken wollen (AS S. 48, 1. Absatz) Dies entspricht ebenfalls grundsätzlich den Tatsach en bzw. ist unbestritten (bspw. BA 13-3-0027 Z. 25 ff., 12-37-0004 Z. 2, 12-162-0005). Es ist jedoch nicht ersichtlich, inwiefern dies belastend sein soll. e) Er habe jeweils potentiellen Anlegern und Vermit tlern auf entsprechende Nachfragen hin bezüglich der Anlagen bei D. erklärt „ es ist alles in Butter, im grünen Bereich “ (AS S. 48, 6. Absatz) Die BA stützt sich hierzu auf die Aussagen von E. und JJJ. (Fn. 323 der AS). Die aktenkundigen Indizien weisen darauf hin, dass C.s Aussagen gegenüber E. und JJJ. seiner tatsächlichen Ansicht entsprachen. C.s (und auch A.s bzw. B.s) Über- prüfungen D.s waren positiv ausgefallen (vgl. vorne E. 2.4.2.3). Mit seinen Eigen- investitionen hatte C. gute Erfahrungen gemacht bzw . diese funktionierten (vgl. vorne E. 2.4.2.4). Die Investorenwarnung der öFMA besagte bloss, dass D. keine Konzession für Österreich besass. C.s Aussage, wona ch er dies in dieser Art auch gegenüber JJJ. erklärt habe, erscheint glaubhaft (vgl. vorne E. 2.4.3.1 und TPF 568-930-065 Z. 42 ff.). Im Übrigen fanden zwisc hen C. und E. bzw. JJJ. keine Konfrontationseinvernahmen statt, weshalb auc h hier eine allfällige Ver- wendung deren Aussagen zum Nachteil des Beschuldigt en grundsätzlich nicht möglich wäre. f) Er habe Interessenten bzw. potenziellen Anlegern teilweise ein Bankkonto er- öffnet, damit sie D. bzw. dessen G. Inc.-Gesellschaften Gelder überweisen konn- ten (AS S. 48, 7. Absatz) Die Anklage stützt sich diesbezüglich einzig auf di e Aussagen von EEEE. (Fn. 324 der AS), wonach C. für sie ein Konto eröffnet haben soll, damit das Geld von D. habe überwiesen werden können (BA 15-0502-4- 0120 Z. 7 f.). Entspre- chende Aussagen anderer Anleger liegen in den Akten nicht vor. C. bestritt die Aussage EEEE.s und behauptete, es sei CCCC. gewesen , der EEEE. geholfen habe, bei der Bank NNNN. (FL) ein Konto zu eröffnen (BA 13-3-0271 ff., insb. -0271, 3. Absatz). CCCC. konnte diesbezüglich nie einvernommen werden. Un- abhängig davon, ob das Vorgeworfene zutrifft, ist a uch hier nicht ersichtlich, in- wiefern dieser Umstand für sich allein ein Element arglistiger Täuschung darstel- len soll. - 45 - g) Er habe einzelnen Interessenten zusammen mit A. zu verstehen gegeben, dass die „PROMISSORY NOTES“ von D. bzw. der G. Inc. zusätzlich von einem amerikanischen Notar unterzeichnet und mit einem St empel versehen worden seien, damit die Behörden in den USA „davon“ wüssten und D. überwachen wür- den (AS. 48 f., letzter Absatz) Diesen Vorwurf stützt die Anklage ausschliesslich a uf eine Aussage JJJ.s (Fn. 325 der AS), welche C. bestreitet (TPF 568-925 -481 Rz. 28). Zusätzliche Beweismittel, welche die fragliche Aussage untermau ern würden (BA 12-66- 0006 Z. 1 ff./-0074 Z. 21 ff.), liegen nicht vor. A bgesehen davon, dass die Ver- wertbarkeit von JJJ.s Aussage fraglich erscheint (v gl. vorne E. 2.4.5.2 lit. e), ist dieser Anklagevorwurf so nicht rechtsgenüglich erstellt. h) Er habe Kunden bzw. Interessenten, in der Regel Bekannte, mit denen er zu- mindest teilweise befreundet war, jeweils darauf hi ngewiesen, dass er (C.) und MM. ebenfalls Anlagen getätigt und dabei gute Erfah rungen gemacht hätten (AS S. 49, 2. Absatz) Dies ist unbestritten (BA 13-3-0028 Z.18 ff.). Es g ilt das vorne unter Erwä- gung 2.4.2.4 Gesagte. i) Er habe seinen Kunden bzw. potenziellen Anlegern ausnahmslos Vertragsun- terlagen in englischer Sprache vorgelegt (AS S. 49, 3. Absatz) Die Anklageschrift stützt sich bezüglich dieses Vorwurfs auf C.s eigene Aussage (Fn. 330). Die Verwendung von Vertragsdokumenten in englischer Sprache ist und war auch im Jahr 2006 gebräuchlich. Es ist für das Gericht nicht ersichtlich, inwiefern der Umstand, dass Anlegern auf Englisch f ormulierte Vertragsunterla- gen vorgelegt wurden, für sich allein genommen C. belasten soll. j) Im Ergebnis ist den Anklagevorwürfen gemäss den vorstehenden lit. a bis lit. i gemeinsam, dass sie für sich allein genommen, aber auch in ihrer Gesamtheit nicht belastend sind und jedenfalls keine arglistig e Täuschung zu belegen ver- mögen, sofern C. selber von D. und dessen Anlagesys tem überzeugt war bzw. nicht daran zweifelte. Letzteres rechtsgenüglich zu widerlegen ist der Anklage nach Überzeugung des Gerichts nicht gelungen. 2.5 Entlastende Indizien 2.5.1 Wie nachfolgend gezeigt, findet sich in den Akten e ine Vielzahl entlastender In- dizien, welche zu Gunsten der Beschuldigten zu berücksichtigen sind: 2.5.1.1 D.s schauspielerische Begabung und sein ins zeniertes Umfeld - 46 - D. lud alle drei Beschuldigten zu sich nach Florida ein. Dabei umgab er sich mit grossem Luxus, um den Eindruck zu erwecken, ein seh r erfolgreicher und ver- mögender Geschäftsmann zu sein (vgl. BA 19-4-0001 f f., insb. -0018 f., 3. Ab- satz; 19-5-0001 ff., insb. -0006 ff.; 18-1-01-1-185 3 und auch vorne E. 2.3.1.2). So wurde A. beispielsweise von D. mit einem Privatjet nach Las Vegas geflogen (BA 13-1-0628, 18-101-1-1986 f.). Er betrieb im grossen Stil protzige und teure Werbu ng: ganzseitige Inserate in renommierten Zeitungen mit grossem Foto von sich se lber, Bandenwerbung an Sportveranstaltungen, z.B. dem UEFA-Cup-Spiel vom 1 4. Februar 2007, und Sponsoring von Golfturnieren, Eishockeyspielen und Pferderennsport-Veranstal- tungen. Zudem spendete er für wohltätige Zwecke, wa s ihm ebenfalls Publicity einbrachte. Seine imposanten Werbemassnahmen, Erfol gsschlagzeilen und Gönnerbereitschaft, welche er selber zusätzlich auf seiner Homepage anpries, machten Eindruck und stellten ihn als solide, erfolgreiche und sympathische Per- sönlichkeit dar (vgl. TPF 568-925-402/-547 Rz. 235 ff., 568-930-070 Z. 3 ff.). Der Untervermittler HHH. beschrieb D. als einen per fekten Schauspieler (TPF 568-930-093 Z. 17 f.), der gekonnt alles einwa ndfrei inszenierte. Laut A. benutzte D. an der November-Tagung 2006 in Florida einen Hotelangestellten, der im Tagungssaal vor versammelter Teilnehmerschaft auf D. zugekommen sei, kurz mit ihm geflüstert habe, so dass D. anschliess end überzeugend habe an- kündigen können, ein Live-Trading sei – entgegen de r Ankündigung – aufgrund von Internetproblemen des Hotels nicht möglich (TPF 568-930-015 Z. 8 ff.). D. zeichnete sich durch seine Redegewandtheit, seinen Ideenreichtum/Kreativität und Überzeugungskraft aus, indem er jeglichen Zweifel aus der Welt redete bzw. unverfroren Lügen im Gewand plausibler Erklärungen auftischte, um insbeson- dere Zweifel und Gerüchte aus dem Weg zu räumen (BA 19-4-0001 ff., insb. -0008 ff.; 19-5-0001 ff., -insb. -0006 ff.; 18-101- 1-1853 ff./-1986 f.). So habe er auf Nachfrage A.s hin, wie eine US-Notarin ein deutschsprachiges Dokument be- glaubigen könne, erklärt, die Notarin verfüge über Deutsch-Kenntnisse (TPF 568-930-017 Z. 38 ff.). Als Begründung für die Zivilklage seiner früheren (angeblichen) Arbeitgeberin, der Bank N., habe D. e in von ihm unterzeichnetes Konkurrenzverbot vorgegeben und erklärt, dieses sei seiner Ansicht nach nicht rechtens gewesen, da es nur für Amerika gegolten habe, er seine Anlagen jedoch nur in Europa vertreibe (TPF 568-930-021 Z. 12 ff.; vgl. auch BA 13-1-0218). D. war charismatisch (vgl. BA 18-101-1-1987, 15-105 5-4-0157 f., TPF 568-925- 537 f. Rz. 190 ff./-729 ff.). Davon konnte sich das Gericht nach Einblick in eine auf DVD festgehaltene Präsentation D.s anlässlich des Besuchs von Vermittlern in Florida im November 2006 überzeugen (BA 18-101-1 -1986 f.). Gleichzeitig - 47 - präsentierte er sich als fordernde Führungspersönli chkeit, die keine Fehler dul- dete. Entsprach jemand nicht seinen Vorstellungen, so wies er diesen gemäss Aussagen von Betroffenen und Zeugen umgehend in die Schranken. Dies muss- ten beispielsweise auch A. und B. erfahren, als sie einmal einige Tage für D. nicht sofort erreichbar waren und Mitarbeiterabrechnungen ausstanden (BA S 8-021- 0045-0277, 12-62-0479 ff.). D. wies sie umgehend zu recht. Er stellte klar, dass er ständige Erreichbarkeit und einwandfreie sowie speditive Vertragsabwicklung erwartete, was laut ihm zu Kunden- und Mitarbeiterz ufriedenheit führte und sei- nen guten Ruf wahrte (BA 13-1-0663). Solches Verhal ten entsprach einem ver- meintlich erfolgreichen, professionell strukturiert en Finanzstrategen, für den D. sich ausgab. Auch die BA stellt in ihrem Strafbefehl vom 26. Juni 2014 fest, dass D. durch eine Vielzahl raffiniert aufeinander aufbauender und abgestimmter, im Gesamtzusam- menhang ein konsistentes Bild ergebender Lügen von Anfang an ein Lügenge- bäude entwickelt hatte, welches auch für einen gesc häftserfahrenen und auf- merksamen (potentiellen Anleger) mit zumutbarem Auf wand bzw. zumutbarer Vorsicht nicht durchschaut, geschweige denn überprü ft werden konnte (BA 19- 4-0018). 2.5.1.2 Professionelle Broschüren und Internetauftr itte sowie realistische Tradingergeb- nisse D. gelang es, alles sehr realistisch aussehen zu lassen. Sein Trading-Programm war in einer ansprechenden, professionellen Daytrading-Broschüre wiedergege- ben (vgl. BA S 8-022-0028-0067 ff., TPF 568-930-159 Z. 5/-054 Z. 36 ff. /-062 Z. 2 ff.). Zudem besass D. eine gut bewirtschaftete Homepage – www.o.com – , auf der er zeitnah Informationen postete. Zusätzlic hes Vertrauen schaffte seit Aufschaltung seiner Website die tägliche Veröffentlichung seiner vermeintlichen Tradingergebnisse, welche für alle online abrufbar waren und auf Wunsch mittels Newsletter zugestellt wurden (vgl. vorne E. 2.4.2.4 sowie BA 13-1-0076 f./ -0635 f. Z. 20 ff. bzw. Z. 5 ff./-0706 bis -0710, 1 2-68-0024 Z. 20 ff., 13-3-0041 Z. 22 ff.). Zuvor hatte er diese per Fax bekannt ge geben (TPF 568-930-026 Z. 1 ff./-059 Z. 15 ff., 568-925-390 ff., BA 12-53-0016 Z. 13 ff.). Der in Anlagepro- dukten erfahrene CCC., HHH., C. und laut diesem auch MM. überprüften die von D. bekanntgegebenen bzw. veröffentlichten Tradinger gebnisse stichproben- weise, u.a. anhand der bei Nasdaq veröffentlichten Ergebnisse. Es habe dabei immer absolut plausible Übereinstimmungen gegeben (BA 12-168-0010 Z. 18 ff., 12-13-0008 Z. 1 ff., TPF 568-930-093 Z. 30 f., TPF 568-930-059 Z. 26 ff.). Zu- dem konnte der angebliche Handel am Bildschirm mitv erfolgt werden und den Beschuldigten und weiteren Personen wurde Einblick in D.s (vermeintliches) - 48 - Handelskonto gewährt (vgl. vorne E. 2.3.2.2, 2.3.3.2, 2.3.4.2). Auch Zusatzinfor- mationen, wonach D. darüber informierte, an einem Tag keinen Handel betrieben zu haben, da „… heute keine Aktie vorhanden [war], die unseren Parametern entsprochen hatte“ (BA S 8-021-0046-0190), oder dass er aufgrund eine s Notartermins oder Feiertags an einem bestimmten Tag nicht handeln werde (BA S 8-021-0046-0305 f.), wirkten realistisch und vertrauensfördernd (TPF 568- 930-026 Z. 13 ff./-033 Z. 20 ff., 568-925-514 Rz. 9 8 ff.). Weiter erklärte D. auf seiner Homepage, mit 20 festen und 50 freien Mitarbeitern ein monatliches Han- delsvolumen von ca. USD 250 Mio. zu bewegen (vgl. vorne E. 2.4.4.7 lit. c, insb. BA 15-1176-1-0049). Die Beschuldigten sahen diese Mitarbeiter nie, jedoch soll ihnen D. das vermeintliche noch im Bau befindliche Bürogebäude gezeigt haben, worin seine Mitarbeiter aus New York bei Fertigstel lung hätten untergebracht werden sollen (vgl. TPF 568-930-014 Z. 13 ff.). Auch kündigte D. ein Treffen für August 2007 in New York an, bei dem er angeblich se ine Infrastruktur sowie seine vermeintliche Börsen-Lizenz hatte zeigen woll en (BA 13-1-0807 Z. 4 ff./ -0818 f.). 2.5.1.3 Transparenz bei Negativmeldungen Vertrauenerweckend war auch die transparente und offene Wiedergabe der über D. via Medien kursierenden Negativmeldungen auf seiner Website mit überzeu- genden Dementi. So erwähnte er beispielsweise die N egativmeldung der Wirt- schaftsfahndung PPP. und verwies gleichzeitig darauf, dass Rechtsanwälte eine einstweilige Verfügung gegen den selbst ernannten Wirtschaftsfahnder PPP. aus München erwirkt hätten (TPF 568-925-404 und 568-930 -065 Z. 6 ff.). In dieser Hinsicht spielte D. nicht zuletzt das Fehlereingeständnis der Wirtschaftsfahndung PPP. in die Hände, die D. mit GGGGG. verwechselt ha tte und diese Verwechs- lung schliesslich zugeben musste (BA 13-1-0144 Z. 2 0 ff./-0268, B 8-021-0025- 0125 f.). 2.5.1.4 Vorgehen betreffend Banken D. gelang es, die Banken in der Wahrnehmung der Ver mittler und Anleger zum Feindbild zu machen. Diese würden – so D. – seinem System den Erfolg vergön- nen und durch seine Konkurrenz Gewinneinbussen befü rchten (vgl. D.s unda- tiertes Schreiben an alle Vertriebspartner: „ Die Bankenlobby will uns aus dem Geschaeft draussen haben “, BA 13-1-0218 f.; ferner A.s Rundschreiben vom 27. Dezember 2006 betr. Verhalten der Banken, BA 5- 1-1090). Die Vorhersage D.s im November 2006, es sei seitens der Banken ein rauer Gegenwind zu er- warten (vgl. vorne E. 2.4.3.3), erfüllte sich insofern, als gewisse Banken sich zu weigern begannen, Geldüberweisungen im Zusammenhang mit G. Inc./H. Inc. durchzuführen. D.s vorsorgliche Voraussage verfehlte ihre Wirkung nicht. Es ist - 49 - für das Gericht nachvollziehbar, dass Vermittler un d Anleger als Folge von D.s Voraussage geradezu erwarteten, dass die Banken gegen D. vorgehen und Ne- gativmeldungen über ihn verbreiten würden, so dass entsprechenden Gerüchten kein Glaube geschenkt wurde. Diese Haltung wurde au ch dadurch bekräftigt, dass jeweils problemlos eine neue Bank gefunden wer den konnte, wenn sich eine andere geweigert hatte, Transaktionen im Zusam menhang mit D. bzw. mit der G. Inc./H. Inc. auszuführen (vgl. Bankwechsel A.s von der Bank NNNN. (FL) zur Bank OOOO. [BA S 8-021-0011-0053 f. und AS S. 19]; Bankwechsel GGG.s von der Bank NNNN. (FL) zur Bank PPPP. [TPF 568-930-066 Z. 36 ff., BA 13-1- 1318]; zum Wechsel D.s von der Bank L. zur Bank M. vgl. nachfolgende E. 2.5.1.5). Weiteres Vertrauen schaffte sodann D.s anwaltliches Vorgehen über RA OOOOO. gegen verschiedene Banken, unter vorheriger Ankündigung an die „Gruppe RRRRR.“ (vgl. vorne E. 2.4.3.3). Das Vertrauen in D.s Seriosität wurde dadurch bestärkt, und aufgrund der Kündigungen seitens verschiedener Banken allfällig aufgekommene Zweifel wieder ausgeräumt. 2.5.1.5 D.s Unterstützung durch Notarin und US-Bank en D. gestand, zahlreiche fingierte, notariell bestätigte Unterlagen ausgehändigt zu haben. Diese betrafen die Kontostände der G. Inc., Tradingergebnisse, unwider- rufliche Zahlungsversprechen bzw. Schuldscheine [„PROMISSORY NOTE“] und Darlehensverträge [„Loan Agreement“]. Er hatte eine amerikanische Notarin, EEE., dazu gebracht, seine angeblichen Day-Tradingergebnisse, fingierte über- höhte Kontostände der G. Inc. sowie die „PROMISSORY NOTES“ und die „Loan Agreements“ zu beglaubigen bzw. ihm sogar ihren Not ariatsstempel zur Eigen- verwendung auszuhändigen (BA 19-4-0016 f., 12-62-00 08/-0076 Z. 20 ff./-0078 Z. 35 ff., 12-6-0007 f., 12-168-0014 Z. 26 f./-0020 Z. 24 ff./-0073/-0075 f., 13-1- 0151 Z. 8 ff./-0528, 16-2-0156 f., bzgl. „PROMISSORY NOTE“ und „Loan Agree- ment“ statt vieler: BA 15-0047-3-0001 f.). Damit musste niemand rechnen, eben- so wenig mit einer möglichen Bestechung von Bankmitarbeitern bei der Bank L. und der Bank M., die im US-Verfahren untersucht wir d (TPF 568-925-349/ -350 ff./-358/-359/-362 ff.). Sämtliche Ein- und Auszahlungen für D.s System lie- fen über die Bank L. und später über die Bank M. Beide amerikanischen Banken haben Zahlungen von und auf das Konto der G. Inc. bzw. H. Inc. widerspruchslos ausgeführt. Grund für den Wechsel von der Bank L. z ur Bank M. war, dass die Bank L. D. die Kontobeziehung aufgekündigt hatte, n achdem gemäss deren Clearing Bank Renditeüberweisungen für den Monat April 2007 blockiert werden sollten (BA 22-0-0018 Rz. 59, BA 13-1-0726 Z. 27 ff .). A. gab an, davon nichts gewusst zu haben (BA 13-1-0727 Z. 24 ff.); auch erg eben sich aus den Akten - 50 - keine Hinweise darauf, dass die Beschuldigten den w ahren Grund für den Ban- kenwechsel erfahren hatten. Vorgegeben wurde vielmehr, dass es Probleme mit Überweisungen bzw. Ein-/Auszahlungen gegeben habe ( BA 13-1-0019/-0090). Dass diese Erklärung nicht hinterfragt wurde, ist wohl nicht zuletzt D.s geschick- tem Umgang mit der Bankenproblematik zuzuschreiben (vgl. vorne E. 2.5.1.4). Der Bankwechsel verlief reibungslos. Nach der Bank L. führte die Bank M. den Zahlungsverkehr zwischen der H. Inc. und den Anlege rn/Vermittlern ohne kriti- sche Nachfragen und ohne Unterbruch weiter (siehe a uch BA 13-1-0726 Z. 16 ff.). Angesichts der strengen Compliancepflichten, denen die Banken nach dem 11. September 2011 bereits damals unterstanden, vermittelte dies den Ein- druck, dass alles mit rechten Dingen zuging (vgl. hierzu auch hinten E. 2.5.4.2). 2.5.1.6 Keine öffentliche Betrugswarnung seitens Ba nken und Behörden Öffentliche Betrugswarnungen seitens Banken und Behörden erfolgten weder in Europa noch in den USA. Zum Hinweis der öFMA vom 22. November 2006 wird auf das vorne Gesagte verwiesen (E. 2.4.3.1) Auch die Meldung der BaFin vom 9. August 2007 besagte lediglich, dass D. keine Konzession für Deutschland be- sass (BA 16-9-0029). Gemäss einer internen Aktennotiz der Bank NNNN. (FL) habe sich ein Bankmit- arbeiter gegenüber C. über D.s Trading-Modell dahingehend geäussert, dass die Bank die garantierten Renditen nicht realistisch respektive unseriös und äusserst risikoreich beurteile und „ im Falle“ eines Scheiterns von D.s Anlagemodell ein Reputationsrisiko befürchte (BA 13-1-0526 f.). C. b estreitet, dass in seiner An- wesenheit das Wort „ unseriös “ gefallen sei (TPF 568-930-056 Z. 5 ff.). Die Bank NNNN. (FL) verzichtete damals jedoch auf eine Meldung an die Financial Intelli- gence Unit (FIU), dies u.a. aufgrund Dementis im In ternet und der notariell be- glaubigten, publizierten Performance-Zahlen D.s (BA 7-3-6-2-0041 ff., 7-3-6-4- 0037 ff.). 2.5.1.7 Rückzahlungen gekündigter Anlagen Die widerspruchslose Rückzahlung gekündigter (bspw. BA 12-133-0014 Z. 5 ff., 12-52-0008 oben, 15-1048-4-0166 ff. Z. 27 ff., 12-2 8-0006 Z. 39 ff./-0011 Z. 27 f., TPF 568-930-023 Z. 10 ff.) bzw. auslaufen der Anlagen (TPF 568-930- 055 Z. 33 ff., BA 10-3-0096/-1321), die News-Meldun g bzw. der Eintrag der Rückabwicklungsofferte im „F.-Admin-Tool“ am 8. Aug ust 2007 durch D. selbst (BA 13-1-0831 f.) und seine noch am 28. August 2007 erfolgte schriftliche Bestä- tigung der Rückabwicklungsmöglichkeit (BA 13-1-0893 Z. 28 ff./-0908 f.) wirkten sich ebenfalls vertrauensfördernd aus. - 51 - 2.5.1.8 Geldüberweisungen der G. Inc./H. Inc. an di e Beschuldigten bis September 2007 Entscheidend für die Überzeugung der drei Beschuldigten, dass das Anlagekon- zept D.s funktionierte, dürfte auch gewesen sein, dass alle drei noch bis Septem- ber 2007 von der G. Inc./H. Inc. Geldüberweisungen erhielten (vgl. vorne E. 2.4.2.4). Mangels gegenteiligen Beweises ist zu ihren Gunsten davon auszu- gehen, dass sie diese Gelder für von D. vertragsgem äss erwirtschaftet hielten. Für die Beschuldigten lagen keine erkennbaren Indizien dafür vor, dass D.s An- lagemodell auf einer Täuschung beruhte (vgl. vorne E. 2.4.2 bis 2.4.5). Von den Beschuldigten unter diesen Umständen zu erwarten, sie hätten die Legalität von D.s Anlagesystem anzweifeln und stattdessen davon ausgehen müssen, die Gel- der seien aus neuem Anlagekapital entnommen worden, ist realitätsfremd. 2.5.1.9 Perpetuiertes Vertrauen aufgrund der Beteil igung von Persönlichkeiten aus der Wirtschaft sowie des engen Familien-/Bekannten-/Freundeskreises Laut A. und C. befanden sich unter den begeisterten Teilnehmern der November- Tagung in Florida von 2006 u.a. Verwaltungsratsmitglieder von Versicherungen, Banker, Wirtschaftsprüfer und sogar der Verfasser eines Börsenbriefs (TPF 568- 930-077 f. Z. 41 ff., BA 13-1-0936 Z. 31 ff.). Ebenfalls anwesend war CCC. Auch diesen soll D. auf der ganzen Linie überzeugt haben (BA 12-168-0020 Z. 12 ff./ -0032 Z. 15). Dies erscheint angesichts der Gewandtheit und Begabung D.s (vgl. vorne E. 2.5.1.1) glaubwürdig. Die einzige Person, welche an D. zweifelte und im Anschluss an die Tagung ein Schneeballsystem hinter D.s angeblicher Anlage- möglichkeit vermutete, war RRR. (BA 12-52-0010/-0086 f.). Er stellte D. zwar zur Rede, teilte seine Zweifel jedoch mit niemandem. An der Hauptverhandlung ga- ben alle drei Beschuldigten an, nichts von RRR.s fr istloser Kündigung durch D. gewusst zu haben (TPF 568-930-026 Z. 32 f./-073 Z. 33 f.). Gegenteilige Hin- weise liegen nicht vor. Dass auch sie, wie die übrigen Anleger und Vermittler D. und seinem Anlagemodell glaubten, ist nach dem Gesagten plausibel. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass viele der einvernommenen Geschädigten von der Unschuld der Beschuldigten überzeugt sind (z.B. CCC .: BA 12-168-0032, HH.: BA 12-53-0016, BBB.: BA 12-2-0082, NN.: BA 12-71-00 87, PP.: BA 12-183- 0036, QQQQ.: BA 12-13-0011, GG.: 12-4-0047 Z. 22, G GGG.: 12-28-0003 Z. 12 f., RRRR.: 12-81-0013, GGG.: TPF 568-930-153 Z. 17, um nur einige zu nennen). Abschliessend ist festzuhalten, dass sich das Vertrauen in die scheinbare Serio- sität des Anlagesystems D.s auch und primär durch d ie zahlreichen ahnungslo- sen Opfer selbst vervielfältigte und verstärkte: Di e guten Vertragsbedingungen und vor allem die Verlässlichkeit der Ertragsaussch üttung, die für das Funktio- - 52 - nieren von Schneeballsystemen entscheidend ist und zu einem Schneeballsys- tem gehört, sprachen sich in Bekannten- und Freundeskreisen herum. Der Kopf eines Schneeballsystems kann die irreführenden Informationen im kleinen Kreis von Personen, die an ihn glauben, verbreiten und da rauf zählen, dass diese In- formationen weitergegeben werden und andere sich da rauf verlassen, weil sie den Überbringern der Botschaft vertrauen. Ab einer bestimmten Grösse wirkt der Umstand, dass so viele andere auch dabei sind, weit er vertrauensbildend. Die- ses Vertrauen wird durch die Gewinnausschüttungen objektiv bestätigt. Das ah- nungslose Vertrauen in ein Schneeballsystem setzt häufig vorbestehendes Ver- trauen in sozialen Nahräumen voraus und baut auf solchem auf. So spricht sich insbesondere im Verwandten- und Freundeskreis herum, dass die Bedingungen attraktiv sind und der Ertrag regelmässig und verlässlich ausbezahlt werde, was vorliegend auch tatsächlich zutraf. Indem von Beginn an alle von D.s vermeintli- cher Anlage begeistert waren, steckte diese Begeist erung weitere Personen an bzw. verbreitete sich wie ein Lauffeuer und war weiter vertrauenerweckend (vgl. bspw. BA 13-1-0628, 13-2-0054 f. Z. 38 f. bzw. Z. 1 f. und 13-3-0027 Z. 39 f.). 2.5.2 Mit Bezug auf A. ergeben sich zusätzlich folgende entlastende Indizien: 2.5.2.1 Eigeninvestitionen in D.-Anlagen und Auslag en für das D.-System Die Anklageschrift geht davon aus, die Beschuldigte A. habe eigene Anlagen bei D. abgeschlossen, um ihre Überzeugung bezüglich dem Anlagemodell D.s ge- genüber Anlegern vorzugaukeln (AS S. 15, 1. Absatz und S. 20, 2. Absatz). Hiergegen spricht die Tatsache, dass die Beschuldigte insgesamt 19 eigene (da- runter zwei für ihren Ehemann) Anlageverträge (auszahlend und thesaurierend) mit D. abgeschlossen hat (AS S. 20, Anhang 4 zur AS ). Insgesamt besass A. eigene Anlagen von insgesamt rund USD 1.1 Mio. (BA 10-1-0097, Anhang 4 zur AS). Zudem investierte die Beschuldigte in die Entwicklung des „F.-Admin-Tool“, liess auf eigene Kosten den Fonds Q. zur Absicherung von Anlagegeldern grün- den (vgl. vorne E. 2.3.2.2) und übernahm beispielsw eise regelmässig grosszü- gige Kostenpunkte im Zusammenhang mit Schulungen bz w. Mitarbeitertagen (BA 5-1-1092 ff.). All dies spricht gegen eine betr ügerische Intention und dafür, dass A. tatsächlich überzeugt war. Die Tatsache, da ss A. nur zwei Anlagen mit eigenem Geld finanzierte und die restlichen durch V errechnung mit Provisions- ansprüchen, schadet nach Ansicht des Gerichts nicht. Wenngleich Letztere nicht gleichzusetzen sind mit erspartem Geld, so hatte sie doch einen rechtlichen An- spruch hierauf. Hinzu kommt, dass A. gegenüber Dire ktanlegern mit ihrem per- sönlichen Vermögen haftete, wozu sie die ihr zustehenden Provisionen hätte ver- wenden müssen. Eine lebensnahe Betrachtung lässt jedenfalls annehmen, dass - 53 - A. ihre Anlagen gekündigt hätte, wäre sie von einem betrügerischen Schneeball- system und damit von einem reellen Verlustrisiko ausgegangen. Solches tat sie hingegen nachweislich nicht (vgl. vorne E. 2.4.2.6). 2.5.2.2 A.s Fonds-Idee Die Verteidigung der Beschuldigten wies in ihrem Parteivortrag zu Recht darauf hin, dass mit der von A. bezweckten Fondsgründung u nd deren Ausgestaltung aufgrund der damit einhergehenden Transparenzerfordernisse die Sache aufge- flogen wäre (TPF 568-925-523 ff. Rz. 139 ff.). A. wandte sich Mitte Januar 2007 schriftlich mit ihren Abklärungen zur Fondsgründung an D. und erläuterte ihm, dass er der Bank einen Lebenslauf und ein polizeiliches Führungszeugnis beizu- bringen habe (BA B 8-011-0012-0002 ff.). Die Schaffung eines vertraglichen An- lagefonds hätte zudem einer Bewilligung der damaligen EBK (heute FINMA) be- durft und wäre deren Aufsicht unterstanden. Die Umsetzung von A.s Fonds-Idee, auf welche sie bis zum Schluss beharrte, hätte D.s Lügengebäude entlarvt und zu Fall gebracht. Dies spricht gegen eine vorsätzliche Beteiligung A.s. 2.5.2.3 Urteil OOO. Dazu, weshalb dieses Urteil bei A. (und B.) keine Zweifel an D. aufkommen liess, wird auf das unter Erwägung 2.4.2.11 Gesagte verwiesen. 2.5.2.4 A.s Mitteilungen im „F.-Admin-Tool“ und E-M ail-Korrespondenz mit D. nach des- sen Flucht a) Der Wortlaut der Mitteilungen A.s im „F.-Admin-Tool“ ab dem 2. August 2007 (vgl. BA 13-1-0827 ff.) – zu einem Zeitpunkt, als D . bereits auf der Flucht war (vgl. vorne E. 2.4.2.6) – legt nahe, dass sie D. weiterhin vertraute. Insbesondere ihre E-Mail an D. vom 8. August 2007 zeugt von dies em Vertrauen (vgl. vorne E. 2.4.3.8). Der dortige Wortlaut spricht dafür, dass A. auch im August 2007 wei- terhin davon ausging, dass das gesamte Anlagekapital noch vorhanden war. Da- für, dass A. dies lediglich vorgegeben hätte, um sich als ahnungslos darzustellen, bestehen keine Beweise. Ihr weiterhin vorhandenes Vertrauen in D. erklärt auch, weshalb sie am 3. August 2008 gegenüber den Geschäftspartnern im „F.-Admin- Tool“ die normale Auszahlung der Rendite- und Provisionszahlungen ankündigte (BA 13-1-0828). Die Zahlungen wurden dann auch effektiv geleistet (vgl. BA 10- 1-0122, 10-2-0085 f., 10-3-0117). D.s Antwort an A. vom 9. August 2007, worin er einen schriftlichen Nachweis für die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn forderte, um dies widerlegen zu können, u nd vorgab, alles rückabwi- ckeln zu wollen, „ denn das muss ich mir nicht antun “ (BA 13-1-0822), war eben- falls geeignet, dieses Vertrauen weiterhin zu bekräftigen. - 54 - b) A.s Einsatz für die Rückabwicklung von D.-Anlagen Dafür, dass A.s Vertrauen in D. bis zuletzt ungetrübt war, spricht auch der grosse von ihr betriebene Aufwand, um Anlegern die Rückabwicklung ihrer Verträge zu ermöglichen. So kündigte sie am 4. August 2007 im „F.-Admin-Tool“ – in Abspra- che mit D. – an, es würden „Anfang nächster Woche “ alle Kunden mit der Rück- abwicklungsmöglichkeit angeschrieben werden (BA 13- 1-0829 f.). Drei Tage später informierte sie über das genaue Vorgehen zur Rückabwicklung (BA 13-1- 0830 f.). In der Folge forderte sie die Geschäftspa rtner am 13. und 20. August 2007 dazu auf, die Kunden bzw. Anleger zu betreuen und ihnen bei der Rückab- wicklung behilflich zu sein (BA 13-1-0832 f./-0834 f.). Am 25. August 2007 teilte A. mit, „nächste Woche “ würden über die USA die Rückabwicklungen beginnen und es würde ein beglaubigtes Testat bezüglich der im Konto vorhandenen Gel- der ausgestellt werden. „Damit sollte dann die Beschuldigung, es würde sich um ein Schneeballsystem handeln, widerlegt [sein]“ (BA 13-1-0835). Nachdem auch D. selbst am 28. August 2007 die Rückabwicklung angekündigt hatte (vgl. vorne E. 2.4.3.8), informierte A. schliesslich am 6. Sept ember 2007 per „F.-Admin- Tool“, dass die Rückabwicklungen am vergangenen Donnerstag begonnen hät- ten, und bat, man möge ihr allfällige Rückmeldungen von Kunden mitteilen (BA 13-1-0836). Dieses Verhalten kann nicht anders gewertet werden, als dass A. tatsächlich davon ausging, es seien noch alle An lagegelder vorhanden. Das Offerieren der Rückabwicklungsmöglichkeit und dessen Initiierung wirken entlas- tend, denn hätte A. mit einem Schneeballsystem gere chnet, hätte sie nicht ris- kiert, dieses durch Rückabwicklungen bzw. Rückzahlungen von Geldern, zu Fall zu bringen. Dass A. noch lange, nachdem das Strafve rfahren gegen sie bereits eröffnet worden war, ein Schneeballsystem nicht für möglich hielt, bestätigt ihre E-Mail vom 15. Mai 2008 an die Geschäftspartner, wo rin sie gestützt auf einen Kontoauszug der Bank M. vom 31. Juli 2007 von einem (damaligen) Guthaben von ca. USD 140 Mio. ausging und deswegen ein Schneeballsystem ausschloss (BA 13-3-0068 f./-0083 ff.). c) A.s Transparenzaufruf Am 6. August 2007 prangerte A. im „F.-Admin-Tool“ e inen Datenvernichtungs- versuch an; damit werde lediglich die tägliche Admi nistration behindert (BA 13- 1-0830). Dies impliziert, dass die Beschuldigte nic hts verbergen wollte, und sie verurteilte, wer dies versuchte. d) D.s Lügen bis Ende August 2007 Noch am 22. Augst 2007 sandte D. der „Gruppe RRRRR.“ eine E-Mail, worin er sie mit „Erklärungen“ auf „ nächste Woche “ vertröstete bzw. ein Telefongespräch für den nächsten Tag in Aussicht stellte (BA-13-1-0 907). Am 28. August 2007 - 55 - folgte D.s Ankündigung der ersten Überweisungen für „ Donnerstag/Freitag “ so- wie „Provisionszahlungen für August “ (vgl. vorne E. 2.4.3.8). Gleichzeitig erfolgte der Hinweis, dass er im September nicht traden werde. D.s Mitteilungen wirkten einerseits beruhigend, andererseits sind sie ein Beleg für D.s Aussage, er habe niemanden, auch nicht die „Gruppe RRRRR.“, eingewei ht (vgl. vorne E. 2.4.2.10). D. selbst gab bis zum Schluss vor, eh rlich zu sein, und gaukelte gegenüber A. Rückabwicklungswillen vor, um – so seine Worte – „Zeit zu gewin- nen “ (BA 12-62-0249 Z. 29 ff./-0250 Z. 11 f.). e) A.s Schreiben vom 31. August 2007 Auch A.s Schreiben vom 31. August 2007 an D. (BA 13 -1-0910), worin sie zum Ausdruck bringt, es sei unabdingbar, „ dass Sie [gemeint: D.] […] volle Unterstüt- zung auch geben, um diese Sache ein für alle Mal vo m Tisch zu kriegen “ (vgl. vorne E. 2.4.3.8), ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Beschuldigte nach wie vor an die Rechtschaffenheit D.s glaubte. 2.5.2.5 A.s Aussageverhalten an der Konfrontationse invernahme vom 10. April 2013 Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit D. vom 10. April 2013 beantragte A., dass D. gefragt werde, weshalb er nicht mit dem Aktienhandelsprogramm Wi- zetrade gehandelt habe (BA 12-62-0082 Z. 35 ff.). Dies weist darauf hin, dass sie bis dahin nicht verstanden hatte, dass D. von Anfan g an ein Schneeballsystem geplant und nie vorgehabt hatte, Handel zu betreiben und auf legale Weise Ge- winne zu erwirtschaften. 2.5.2.6 A.s aufwändige Bemühungen zugunsten der Anl eger Nachdem sich A. laut eigener Angabe ab Mitte Septem ber 2007 eingestehen musste, dass D. auf der Flucht war und keine Zahlungen mehr zu erwarten waren (BA 13-1-0891 f.), engagierte sie sich dafür, die Anlagegelder der Geschädigten im US-Insolvenzverfahren gegen D. bzw. gegen die G. Inc./H. Inc. geltend zu machen. Dazu beauftragte sie RA NNNNN., welcher die abgetretenen Forderun- gen von Geschädigten (vgl. bspw. statt vieler: „ASSIGNMENT“ [Abtretungserklä- rung] vom 31. Oktober 2008, BA 15-0567-1-0055, und vom Januar 2008, BA 15- 0647-1-0039) mittels einer Gruppenklage am US Bankruptcy Court in Florida ein- reichen konnte. A.s Einsatz für die geschädigten Anleger nach dem Zusammen- bruch des von D. betriebenen Anlagesystems dauerte über mehrere Jahre (TPF 568-925-532 ff. Rz. 177 ff., 568-930-018 Z. 5 ff., BA 16-2-1948 f., Rz. 194 f./-1980). Ihr Engagement deutet das Gericht als weiteres Indiz ihrer Gut- gläubigkeit, erscheint es doch als lebensfremd, dass sie sich – wäre sie Mittäterin gewesen – über mehrere Jahre derart exponiert bzw. mit derart aufwändigem administrativem Aufwand belastet hätte. - 56 - 2.5.3 Mit Bezug auf B. sind zusätzlich folgende entlasten de Indizien zu berücksichti- gen: 2.5.3.1 Eigeninvestitionen in D.-Anlagen Wie bei A. sprechen auch B.s eigene Investitionen v on knapp USD 0.5 Mio. in D.-Anlagen dafür, dass er D.s Anlagesystem als vertrauenswürdig erachtete. Ins- gesamt schloss B. acht eigene Anlagen (alle thesaurierend), davon eine auf den Namen seiner Tochter, ab (Anhang 5 zur AS). B. kündigte keine dieser Anlagen. Die letzte Anlage tätigte er Anfang Juli 2007 (BA 1 5-1383-3-0006), was darauf hindeutet, dass B. auch noch zu jenem Zeitpunkt an das Anlagesystem D.s glaubte. Daran ändert nichts, dass ein Grossteil des investierten Geldes aus Pro- visionen stammte, die B. sich nicht auszahlen liess, sondern direkt in neue Anla- gen reinvestierte. Hierzu gilt das zu A. Gesagte (vgl. vorne E. 2.5.2.1). 2.5.3.2 Regelmässige Zahlungen von der G. Inc./H. I nc. und funktionierende Banküber- weisungen B. erhielt regelmässige Abrechnungen, Auszahlungen aus ausgelaufenen Ver- trägen bzw. Zins- und Provisionszahlungen bis am 7. September 2007 in der Höhe von knapp (netto) USD 0.5 Mio. (BA 10-2-0082 b is -0086). Er hatte nie Probleme mit den Banken im Zusammenhang mit Zahlung en der G. Inc./H. Inc. (BA 13-2-0018 Z. 5). Dies war vertrauenerweckend un d liess nicht ein Schnee- ballsystem erahnen. 2.5.3.3 Millionen-Investition geschäftserfahrener F amilie B. besass von allen drei Beschuldigten am wenigsten Wissen im Aktienhandel, weshalb er sich – nebst dem Urteil TT.s – auf die M einung geschäftserfahrener Personen bzw. Kunden verliess (vgl. BA 22-0-0042 Rz. 210 mit Verweis auf 13- 2-0010 Z. 12 ff., TPF 568-920-016 f.). Die Überzeug ung des geschäftserfahre- nen CCC.s und die Eigeninvestitionen dessen Familie (inkl. Gesellschaften) in D.-Anlagen im Umfang von über USD 6 Mio. bestätigten B. entscheidend in sei- nem Glauben, dass D. tatsächlich vertrauenswürdig w ar (Anhang 2 der AS, TPF 568-925-794 ff./-814 ff.). 2.5.3.4 Urteil OOO. Wie für A., wirkte das Urteil gegen OOO., welches d em Internet entnommen wurde und geschwärzte Passagen aufwies, auch auf B. als unecht (vgl. vorne E. 2.5.2.3). Als Empfänger des Inhalts des Rundschr eibens vom 27. April 2007 (BA 13-1-0612 f.) und aufgrund seiner freundschaftl ichen Geschäftsbeziehung - 57 - mit A. (vgl. vorne E. 2.3.3.2) erscheint glaubwürdi g, dass B. (wie A.) den Erklä- rungen glaubte und weiterhin D. vertraute. 2.5.4 Mit Bezug auf C. ergeben sich zusätzlich folgende entlastende Indizien: 2.5.4.1 Eigeninvestitionen in D.-Anlagen C. investierte in seinem Namen sowie im Namen seiner Ehefrau und seiner Mut- ter aus eigen erspartem Geld über USD 0.4 Mio. in D .-Anlagen (Anhang 6 zur AS, TPF 568-930-055 Z. 12 ff.). Auch er erhielt regelmässige Abrechnungen so- wie Zins- und Provisionsauszahlungen bis zum 6. September 2007 in Höhe von rund USD 0.9 Mio. (BA 10-3-0115 ff.). Zahlungen aus Europa oder die Überwei- sung von der G. Inc./H. Inc. nach Europa funktionie rten problemlos (TPF 568- 925-049/-052, BA 15-1409-4-0044 Z. 27 f.). In Anbetracht der umfangreichen In- vestitionen aus eigenen Mitteln in D.-Anlagen spric ht eine lebensnahe Betrach- tung dafür, dass C. nicht ahnte, dass sich hinter dem scheinbar funktionierenden Anlagemodell D.s in Tat und Wahrheit ein betrügeris ches (Schneeball-)System verbarg. 2.5.4.2 Fachkenntnisse im Bereich Bankenwesen D. liess den gesamten Zahlungsverkehr über eine ein zige Hausbank (Bank L., später Bank M.) abwickeln. Dies war gerade für C. a ufgrund seines beruflichen Fachwissens und seiner Erfahrungen im Bereich der Bankenaufsicht vertrauens- fördernd, wie er betonte (TPF 568-930-058 Z. 1 ff.) . Anlässlich der Hauptver- handlung erklärte C. glaubhaft, wegen seiner Ausbil dung als Bankrevisor und seiner Kenntnis der Prüf- und Sorgfaltspflichten von Banken überzeugt gewesen zu sein, dass die zwei renommierten, staatlich beaufsichtigten Banken L. und M. ihren gesetzlichen Pflichten mit Bezug auf die D.-Gelder („Know Your Customer“ [KYC], v.a. Wissen um Kerngeschäft etc.) nachkommen würden und ein allfälli- ges Schneeballsystem in dieser Grösse erkennen bzw. unterbinden würden (vgl. zum Ganzen TPF 568-925-049 ff., 568-925-464 ff.). 2.6 Ergebnis 2.6.1 Die Aussagen von A. und B. waren während des gesamten Verfahrens stringent und widerspruchsfrei. Belastende Hinweise, welche ihre Angaben im subjektiven Bereich umstossen können, liegen nicht vor. Insbesondre ist unumstritten, dass D. (auch) ihnen gegenüber ein Lügengebäude erstellt hat. Das Gericht erachtet sie daher als glaubhaft. In Bezug auf C. war das Ge richt zwar nicht durchwegs von dessen Glaubwürdigkeit überzeugt, räumte dieser doch ein, zu Beginn des Verfahrens in Bezug auf einige Geschehnisse gelogen zu haben, in der Absicht, - 58 - sich zu schützen (vgl. TPF 568-930-060 f. Z. 46 f. bzw. Z. 1 ff./-071 Z. 15). Nichtsdestotrotz, lässt der schliesslich erstellte Sachverhalt nicht annehmen, dass C. in der anklagerelevanten Zeit Kenntnis des Schneeballsystems hatte oder dieses in Kauf nahm. Auch ihm gegenüber stellte D. ein Lügengebäude auf. 2.6.2 Die Würdigung der Anklagevorwürfe der arglistigen T äuschung in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht hat ergeben, dass D. alle Personen um sich herum, in- klusive die Beschuldigten, mit ausgeklügelten Lügen über seine Biografie und seine Geschäftstätigkeit köderte, was allesamt äuss erliche Angaben darstellen. Was er ihnen hingegen verschwieg, war sein fehlende r Anlagewille, was eine innere Tatsache darstellt. Als Mittäter hätten die drei Beschuldigten nur gelten können, wenn ihnen hätte nachgewiesen werden können , dass sie Zweifel an D.s äusseren Angaben gehabt hatten bzw. ab einem gewissen Zeitpunkt hätten haben und zusätzlich aufgrund dieser Zweifel dessen fehlenden Anlagewillen hätten erkennen müssen. Diesen Beweis hat die Anklage nach Überzeugung des Gerichts nicht erbracht. Beweismittel oder Indizien, welche zum damaligen Zeit- punkt den Schluss zugelassen hätten, dass D. in Tat und Wahrheit ein Schnee- ballsystem betrieb und welche die Beschuldigten auch als solche verstanden hat- ten oder hätten verstehen müssen, liegen zu Lasten der Beschuldigten nicht vor. Weshalb auch die spätere Weigerung einiger Banken, Zahlungen im Zusammen- hang mit D./G. Inc./H. Inc. auszuführen, bei den Be schuldigten dennoch keine Zweifel aufkommen liess bzw. dass D. solche geschickt ausräumte, wurde erör- tert (vgl. vorne E. 2.5.1.4). Die massgeblich von d er Anklage ins Feld geführten Indizien betreffen im Übrigen den Lebenslauf D.s bz w. dessen Vergangenheit (Negativmeldungen). Daraus mussten die Beschuldigten nicht zwingend auf den Betrug bzw. auf D.s fehlenden Anlagewillen schliess en. Angesichts dieses Er- gebnisses erübrigt sich die Prüfung der weiteren Tatbestandselemente. 2.6.3 Im Ergebnis sind die von der Anklagebehörde beigebrachten Beweise bzw. Indi- zien in ihrer Gesamtheit nicht geeignet, jeden vernünftigen Zweifel an der Sach- verhaltsdarstellung, wie sie die Anklage vornimmt, auszuräumen. Weder konnte rechtsgenüglich nachgewiesen werden, dass die Beschuldigten täuschten, noch, dass sie wussten bzw. in Kauf nahmen, dass es sich bei D.s Anlagemodell um ein Schneeballsystem gehandelt hatte. Das Gericht k ann nicht ohne jeden ver- nünftigen Zweifel ausschliessen, dass die Beschuldigten von D. genauso hinters Licht geführt wurden wie alle anderen Anleger und Vermittler bzw. Geschädigten. In dubio pro reo muss das Gericht daher von der für die Beschuldigten günstige- ren Sachlage und demgemäss davon ausgehen, dass D. das betrügerische Schneeballsystem als Einzeltäter aufzog und sein Umfeld, inklusive die drei Be- schuldigten, erfolgreich in die Irre führte bzw. arglistig täuschte. - 59 - 2.6.4 Nach dem Gesagten sind die drei Beschuldigten A., B. und C. vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs freizusprechen. 3. Entschädigung bei Freispruch 3.1 Rechtliches 3.1.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise fr eigesprochen oder wird das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruc h auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte sowie für wirtschaftliche Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafver- fahren entstanden sind (Art. 429 Abs. 1 lit. a und lit. b StPO). Art. 429 StPO be- zweckt einen haftpflichtrechtlichen Schadensausglei ch (S CHMID /J OSITSCH , Pra- xiskommentar, 3. Aufl., 2018, Art. 429 StPO N 6). Z um Schaden gehört nach konstanter Rechtsprechung auch ein Zins vom Zeitpunkt an, in dem das schädi- gende Ereignis sich finanziell ausgewirkt hat. Er l äuft bis zum Tag der Zahlung des Schadenersatzes (BGE 131 III 12 E. 9.1). Dieser Schadenszins bezweckt, den Anspruchsberechtigten so zu stellen, wie wenn e r für seine Forderung am Tag der unerlaubten Handlung bzw. für deren wirtsch aftliche Auswirkungen mit deren Entstehung befriedigt worden wäre (BGE 81 II 512 E. 6). Er setzt im Ge- gensatz zum Verzugszins weder eine Mahnung des Gläubigers noch den Verzug des Schuldners voraus, erfüllt jedoch denselben Zweck. Er soll den Nachteil aus- gleichen, der dadurch entsteht, dass ein Kapital ni cht genutzt werden kann (BGE 122 III 53 E. 4a/b; 131 III 12 E. 9.1). Der Zinssatz beträgt 5% (in Analogie zu Art. 73 Abs. 1 OR; BGE 122 III 53 E. 4b). Auch der Schadensausgleich nach Art. 429 StPO beruht auf haftpflichtrechtlichen Grundsätzen, weshalb grundsätz- lich ein Schadenszins zu 5% geschuldet ist. Schadens- und Verzugszinsen sind unbesehen ihrer Entstehung derselben Natur und dienen demselben Zweck; eine Kumulation ist daher wegen des Bereicherungsverbots in der Regel ausge- schlossen (BGE 131 III 12 E. 9.3). Bei periodisch anfallendem Schaden rechtfer- tigt sich aus Praktikabilitätsgründen, einen mittleren Verfallzins anzunehmen, so- weit die Schadenshöhe konstant bleibt, oder den Verfalltag aufgrund der gewich- teten Schadenshöhe festzulegen (BGE 131 III 12 E. 9.5). Der Anspruch auf Ent- schädigung ist von Amtes wegen zu prüfen (Art. 429 Abs. 2 StPO). 3.1.2 Für die Berechnung der Entschädigung der freigespro chenen Person ist das Reglement des Bundesstrafgerichts über die Kosten, Gebühren und Entschädi- gungen in Bundesstrafverfahren vom 31. August 2010 (BStKR; SR 173.713.162) massgebend (vgl. Art. 10 BStKR). Gemäss Art. 13 Abs . 1 BStKR werden die Auslagen aufgrund der tatsächlichen Kosten entschädigt, höchstens aber zu den - 60 - Ansätzen nach Art. 13 Abs. 2 BStKR, wobei ausnahmsw eise anstelle der tat- sächlichen Kosten ein Pauschalbetrag vergütet werde n kann (Art. 13 Abs. 4 BStKR). Anwaltskosten umfassen das Honorar und die notwendi gen Auslagen, nament- lich für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie Porti und Telefonspesen (Art. 11 Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendige n und ausgewiesenen Zeitaufwand bemessen. Der Stundenansatz beträgt min destens Fr. 200.-- und höchstens Fr. 300.-- (Art. 12 Abs. 1 BStKR). Die Au slagen werden im Rahmen der Höchstansätze aufgrund der tatsächlichen Kosten vergütet (Art. 13 BStKR). Bei Fällen im ordentlichen Schwierigkeitsbereich, d .h. für Verfahren ohne hohe Komplexität und ohne Mehrsprachigkeit, beträgt der Stundenansatz gemäss ständiger Praxis der Strafkammer Fr. 230.-- für Arb eitszeit und Fr. 200.-- für Reise- und Wartezeit (Beschluss des Bundesstrafgeri chts BK.2011.21 vom 24. April 2012 E. 2.1; Urteil des Bundesstrafgerich ts SN.2011.16 vom 5. Okto- ber 2011 E. 4.1). Der Stundenansatz für Praktikante n beträgt praxisgemäss Fr. 100.-- (Urteile des Bundesstrafgerichts SK.2010 .28 vom 1. Dezember 2011 E. 19.2; SK.2010.3 vom 5. Mai 2010 E. 8.4). 3.1.3 Zu vergüten ist allein der für das konkrete Strafve rfahren notwendige Zeitauf- wand. Gerichtskosten für Annexverfahren zum eigentl ichen Strafverfahren wer- den von Gesetzes wegen in den entsprechenden Entscheiden durch die angeru- fene Instanz verlegt (TPF 2014 66 E. 5.6; Urteil de s Bundesstrafgerichts SN.2011.16 vom 5. Oktober 2011 E. 4.1, 4.5.2 lit. a und 4.6.2 lit. a). Zudem müs- sen sich sowohl der Beizug eines Verteidigers als auch der von diesem betriebe- nen Aufwand als angemessen erweisen (BGE 142 IV 163 E. 3.1.2; 138 IV 197 E. 2.3.4). AIs Massstab bei der Beantwortung der Fr age, welcher Aufwand für eine angemessene Verteidigung im Strafverfahren nöt ig ist, hat der erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen St rafrechts und des Strafpro- zessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt und deshalb seine Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient erbringen kan n (Urteil des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.3.1). Nicht zu entschädigen sind nutzlose, überflüssige und verfahrensfremde Aufwendungen (BGE 117 Ia 22 E. 4b). Sek- retariatsarbeiten werden grundsätzlich nicht entschädigt, da sie bereits im Stun- denansatz des Verteidigers enthalten und nicht sepa rat zu vergüten sind (Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2017.35 vom 7. Mai 2018 E. 5.3.3; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2016.289 vom 7. März 2017 E. 4.2; TPF 2014 66 E. 5.6). - 61 - 3.2 Entschädigung A. 3.2.1 Aufwendungen im Zusammenhang mit erbetener Ve rteidigung 3.2.1.1 A. beantragt den Ersatz der Kosten ihres er betenen Verteidigers. Für die Zeit als Wahlverteidiger (10. Oktober 2007 bis 18. März 2015 ) macht RA Kummer ein Honorar von insgesamt Fr. 124‘258.85 (364.3 Arbeits stunden [Rechtsanwalt] à Fr. 270.--, 26.5 Arbeitsstunden [Praktikant] à Fr. 100.--, 60.6 Stunden Reise-/ Wartezeit [Rechtsanwalt] à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 2‘605.45, zzgl. MWST von 7.6% bzw. 8%) geltend (TPF 568-925-843 ff.). 3.2.1.2 Das vorliegende Verfahren stellt in rechtli cher und tatsächlicher Hinsicht keine überdurchschnittlichen Anforderungen an die Verteid igung. In materieller Hin- sicht war der Sachverhalt schon zu Beginn weitgehen d erstellt und anerkannt. Ein Stundenansatz von Fr. 270.-- ist nicht gerechtfertigt. Er ist praxisgemäss auf Fr. 230.-- festzusetzen. 3.2.1.3 Nicht entschädigt werden folgende Positione n der Honorarnote, da es sich um verfahrensfremde Angelegenheiten handelt: Besprechungen/Korrespondenzen mit RA JJJJJ. vom 15. 10.2007, 25.5.2010 und 31.5.2010; Korrespondenz mit Treuhand KKKKK. vom 26.01.2009; Bespre- chung/Korrespondenzen mit Radio LLLLL. vom 01.07.20 08, 04.07.2008 und 14.07.2008; Korrespondenzen mit MMMMM. vom 22.08.20 12 und 02.10.2012; Telefonat mit A. vom 20.11.2012. Nicht zu entschädigen sind zudem die Positionen vom 05.02.2009 und 30.07.2013 (Fax-Schreiben), da diese Sekretariatsarbeiten darstellen (vgl. vorne E. 3.1.3). Die zu entschädigende Arbeitszeit (Rechtsanwalt) re duziert sich daher um ins- gesamt 4.87 Stunden. 3.2.1.4 Die zu entschädigenden Aufwendungen für die erbetene Verteidigung setzen sich damit wie folgt zusammen: a) Für die Zeitspanne vom 10. Oktober 2007 bis 31. Dezember 2010 sind 158.59 Stunden à Fr. 230.--, 10 Stunden à Fr. 100.--, 35.60 Stunden Reise-/War- tezeit à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 1‘519.55, zzgl. MWST von 7.6%, zu ent- schädigen. b) Für die Zeitspanne vom 1. Januar 2011 bis 18. Mä rz 2015 sind 200.84 Stun- den à Fr. 230.--, 16.15 Stunden à Fr. 100.--, 25 St unden Reise-/Wartezeit à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 1‘085.90, zzgl. MWST von 8%, zu entschädigen. - 62 - 3.2.1.5 Die Entschädigung ist ab 7. Mai 2013 zu verzinsen. Dies entspricht dem mittleren Verfalltag zwischen erster in Rechnung gesetzter Ar beitsleistung von RA Kum- mer (10.10.2007) und dem Datum der Urteilseröffnung (04.12.2018). 3.2.1.6 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StP O wird A. damit von der Eidgenos- senschaft für ihre Aufwendungen im Zusammenhang mit ihrer erbetenen Vertei- digung mit Fr. 107‘400.--, zzgl. 5% Zins ab 7. Mai 2013, entschädigt. 3.2.2 Aufwendungen im Zusammenhang mit der notwendi gen Beteiligung am Strafverfahren 3.2.2.1 Die Beschuldigte beantragt für ihre Beteili gung am Strafverfahren eine Entschä- digung im Gesamtbetrag von Fr. 2‘192.20. Dieser Bet rag setzt sich zusammen aus Auslagen im Zusammenhang mit vier Einvernahmen in Schaffhausen [Fr. 40.--], 28 Einvernahmen in Zürich [Fr. 711.20], einer Einvernahme in Mann- heim [Fr. 100.--], acht Übernachtungen in Bellinzona [Fr. 1‘140.--] und Reisespe- sen nach Bellinzona [Fr. 201.--] (TPF 568-721-049 f.). 3.2.2.2 Bis auf die geltend gemachten Kosten für di e Einvernahme in Mannheim (betrifft nicht das vorliegende Verfahren) und acht Hotelübernachtungen (berechtigt sind bloss 5 Nächte), sind A. die oben aufgeführten Aufwendungen zu entschädigen. Zusätzlich hat die Beschuldigte Anspruch auf eine E ntschädigung für ihre Teil- nahme an der Urteilseröffnung. 3.2.2.3 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. b StP O ist A. somit für ihre Beteiligung am Strafverfahren mit einem Pauschalbetrag von Fr. 1‘760.-- von der Eidgenossen- schaft zu entschädigen. 3.3 Entschädigung B. 3.3.1 B. erhielt vom Gericht für seine Teilnahme an der H auptverhandlung und Teil- nahme an der Urteilseröffnung einen Kostenvorschuss in Höhe von insgesamt Fr. 3‘186.-- (Kostengutsprachen vom 25. April 2018, 4. Juni 2018, 13. November 2018, TPF 568-232-015/-030, 568-045-577). An der Ha uptverhandlung machte die Verteidigung keine weitere Entschädigung gelten d (TPF 568-925-833), reichte jedoch Taxi- und Zugquittungen für B. im Zusammenhang mit der Haupt- verhandlung ein. Mit den Kostenvorschüssen wurden s ämtliche Zugspesen ab- gegolten, nicht jedoch Taxispesen. Diese waren vorliegend (in Berücksichtigung von Alter, Gesundheitszustand, notwendiges Gepäck, Distanzen und verfügbare öffentliche Verkehrsmittel) notwendig. B. ist daher zusätzlich für seine Taxispe- sen von insgesamt Fr. 140.-- zu entschädigen. - 63 - 3.3.2 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO ist B. somit für seine Beteiligung am Strafverfahren mit Fr. 3‘308.--, abzüglich berei ts geleisteter Zahlungen im Umfang von Fr. 3‘168.--, von der Eidgenossenschaft zu entschädigen. 3.4 Entschädigung C. 3.4.1 Aufwendungen im Zusammenhang mit der notwendi gen Verteidigung 3.4.1.1 C. beantragt den Ersatz der Kosten seines e rbetenen Verteidigers RA Gerd Jele- nik (nachfolgend: RA Jelenik). Mit Honorarnote vom 19. August 2008 machte die- ser für den Zeitraum 29. Mai bis 19. August 2008 ei n Honorar von insgesamt Fr. 15‘179.70 (38 Stunden 55 Minuten à Fr. 360.-- u nd Barauslagen von Fr. 97.50, zzgl. MWST von 7.6%) geltend (TPF 568-925-901 ff.). 3.4.1.2 Der Stundenansatz ist für eine Verteidigung im ordentlichen Umfang nicht ge- rechtfertigt und praxisgemäss auf Fr. 230.-- festzusetzen. 3.4.1.3 Nicht zu entschädigen sind die in der Honor arnote geltend gemachten Positionen im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren vor der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (Annexverfahren; Positionen vom 02.06.2008 [5h], 04.06.2008 [0.75h], 14.07.2008 [5h]). Zudem ist der Zeitaufwand für die Bespre- chung vom 29. Mai 2008 um 0.5 Stunden zu kürzen, da diese auch einen zusätz- lichen Klienten von RA Jelenik (MM.) betraf. 3.4.1.4 Die zu entschädigenden Aufwendungen für die erbetene Verteidigung durch RA Jelenik setzen sich damit wie folgt zusammen: 27.3 Stunden à Fr. 230.-- und Barausalgen von Fr. 97.50, zzgl. MWST von 7.6%. 3.4.1.5 Es ist davon auszugehen, dass C. RA Jelenik s Honorarnote vom 19. Au- gust 2008 praxisgemäss innert 30 Tagen beglichen ha t. Die Entschädigung ist daher ab 1. Oktober 2008 zu verzinsen. 3.4.1.6 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StP O ist C. damit von der Eidgenossen- schaft für seine Aufwendungen im Zusammenhang mit seiner erbetenen Vertei- digung mit Fr. 6‘900.--, zzgl. 5% Zins ab 1. Oktober 2008, zu entschädigen. 3.4.2 Aufwendungen im Zusammenhang mit der notwendi gen Beteiligung am Strafverfahren 3.4.2.1 Die von C. geltend gemachten Spesen in Höhe von Fr. 548.40 und Fr. 578.40 für acht Hotelübernachtungen während der Hauptverhandlung sind belegt (TPF 568- 925-904 f.) und ihm zu vergüten. Zusätzlich hat er Anspruch auf eine Entschädi- gung für seine Teilnahme an der Urteilseröffnung. - 64 - 3.4.2.2 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. b StP O ist C. somit für seine Beteiligung am Strafverfahren mit einem Pauschalbetrag von Fr. 1‘210.-- von der Eidgenos- senschaft zu entschädigen. 4. Genugtuung bei Freispruch 4.1 Rechtliches 4.1.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise fr eigesprochen oder wird das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Genugtuung für beson- ders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhäl tnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO). Materiellrechtlich beurteilt sich der Genugtuungsan spruch nach Art. 28 a Abs. 3 ZGB und Art. 49 OR. Der Verletzte kann – bei widerrechtlicher Verletzung in seiner Persönlichkeit (Art. 28 Abs. 1 ZGB) – Gen ugtuung verlangen (Art. 28 a Abs. 3 ZGB). Wer in seiner Persönlichkeit widerrech tlich verletzt wird, hat An- spruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders w iedergutgemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1 OR). Anstatt oder neben dieser Leis tung kann der Richter auch auf eine andere Art der Genugtuung erkennen (Art. 4 9 Abs. 2 OR). Die Genug- tuung nach Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO gewährt den Anspruch schon aufgrund der Tatsache, dass ein Freispruch bzw. eine Einstellung sverfügung erfolgte (W EH- RENBERG / FRANK , Basler Kommentar, 2. Aufl., 2014, Art. 429 StPO N 26). Vo- rausgesetzt ist nach dem Gesetz eine besonders schwere Verletzung der per- sönlichen Verhältnisse. Die Botschaft weist diesbezüglich auf Art. 28 (recte wohl: Art. 28 a) Abs. 3 ZGB und Art. 49 OR hin (BBl 2006 1329). Ar t. 49 Abs. 1 OR setzte in der bis 30. Juni 1985 geltenden Fassung eine besondere Schwere der Verletzung voraus. Der geltende Art. 49 Abs. 1 OR v erlangt nur mehr eine "Schwere der Verletzung". Begrifflich stellt eine „besonders schwere“ Verletzung eine grössere Beeinträchtigung dar als eine „schwer e“ Verletzung. Der Unter- schied ist aber nicht grundsätzlicher, vielmehr gradueller Art. Jedenfalls darf ein Genugtuungsanspruch durch eine so verlangte qualifizierte Verletzung nicht ver- unmöglicht werden (Urteil des Bundesgerichts 2A.350/2003 vom 5. August 2004 E. 5.4.1, betreffend eine Haftungsnorm nach kantonalem Verantwortlichkeitsge- setz). Mit dem Hinweis in der Botschaft u.a. auf Art. 49 OR ist davon auszugehen, dass die zu dieser Bestimmung bestehende Lehre und Rechtsprechung mass- geblich ist. Art. 49 OR gilt als Rechtsregel für di e Bemessung der Genugtuung (BREHM , Berner Kommentar, 4. Aufl., 2013, Art. 49 OR N 13 ). Es muss mithin eine gewisse Intensität der Verletzung vorliegen, d amit eine Genugtuung zuge- sprochen werden kann; nicht jede beliebige Verletzu ng der Persönlichkeit gibt - 65 - Anspruch auf Genugtuung (W EHRENBERG /F RANK , a.a.O., Art. 429 StPO N 27; BREHM , a.a.O., Art. 49 OR N 14a). Je grösser das Interesse des Betroffenen am verletzten Rechtsgut ist, desto schwerer wiegt auch die Verletzung (B REHM , a.a.O., Art. 49 OR N 20). Als Beispiele für eine Persönlichkeitsverletzung können etwa eine publik gewordene Hausdurchsuchung, eine s ehr lange Verfahrens- dauer, eine breite Darlegung in den Medien, allfällige Probleme im Familien- und Beziehungsleben durch die Strafuntersuchung oder pe rsönlichkeitsverletzende Äusserungen von Strafbehörden genannt werden (WEHRENBERG /F RANK , a.a.O., Art. 429 StPO N 27). Die mit jedem Strafverfahren in grösserem oder kleinerem Ausmass verbundene psychische Belastung, Demütigung und Blossstellung ge- gen aussen genügt im Regelfall nicht (SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl., 2017, N 1816). Die Schwere einer Unbill kann nicht direkt bewiesen werden, weil sie von der Empfindung des Geschädigten abhängt. Dennoch gibt es aufgrund der allgemeinen Lebenserfa hrung Anhaltspunkte für die Gerichte. Damit sich das Gericht ein Bild von d er Entstehung und Wirkung der Verletzung machen kann, hat der Kläger die Umstände darzutun, die auf sub- jektiv schweres Empfinden schliessen lassen. Wird die Verletzung durch den Ge- schädigten nicht als schwer empfunden, dann fällt d ie Anspruchsberechtigung auf Genugtuung weg (B REHM , a.a.O., Art. 49 OR N 22 und 30 mit Hinweis auf BGE 120 II 97 S. 98 f.). Erforderlich ist, dass die erlittene Persönlichkeitsverletzung mit dem Strafverfah- ren in einem Kausalzusammenhang im Sinne des Haftpf lichtrechts steht (Urteil des Bundesgerichts 6B_129/2016 vom 2. Mai 2016 E. 4 .2 mit Hinweisen; W EH- RENBERG /F RANK , a.a.O., Art. 429 StPO N 9; Botschaft, BBl 2006 1329). Eine Ver- letzung des Beschleunigungsgebots begründet einen Anspruch auf eine Genug- tuung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.93/2001 vo m 31. Oktober 2001 E. 3c/aa). Die Festlegung der Genugtuungssumme beruht auf richterlichem Ermessen. Bei der Ausübung des Ermessens kommt den Besonderheiten des Einzelfalles ent- scheidendes Gewicht zu (Urteil des Bundesgerichts 6 B_1342/2016 vom 12. Juli 2017 E. 4.2). Für die Bemessung der Genugt uung sind die allgemeinen haftpflichtrechtlichen Bestimmungen, namentlich Art . 43, 44 und 49 OR, mass- gebend. Der Genugtuungsanspruch ist nach der Rechts prechung ab dem Tag des schädigenden Ereignisses zu verzinsen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 E. 2.2; 6B_20/2016 v om 20. Dezember 2016 E. 2.5.1). Der Zinssatz beträgt 5% (in Analogie zu Art. 73 Abs. 1 OR; BGE 122 III 53 E. 4b). Wie bei periodisch anfallendem Schad en rechtfertigt sich auch bei Genugtuung, einen mittleren Verfall anzunehmen, soweit die Genugtuungshöhe konstant bleibt, oder den Verfalltag aufgrund der gewichteten Genugtuungshöhe - 66 - festzulegen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017 E. 2.2; BGE 131 III 12 E. 9.5). 4.1.2 Das in Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 14 Ziff. 3 lit. c UNO-Pakt II so- wie in Art. 5 StPO verankerte Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren während seiner gesamten Dauer zü gig voranzutreiben. Die beschuldigte Person soll nicht länger als notwendig den Belastungen des Straf- verfahrens ausgesetzt sein (BGE 133 IV 158 E. 8; Ur teil des Bundesgerichts 6B_1076/2009 vom 22. März 2010 E. 2.2). Die Beurteilung der Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Welche Zeitspanne angemessen ist, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Dabei sind insbesondere die Komplexität des Falls, dessen Behandlung durch die Be- hörden sowie das Verhalten des Beschuldigten zu ber ücksichtigen (BGE 130 IV 54 E. 3.3.3). Gemäss Rechtsprechung ist für die Berechnung der Verfahrens- dauer vom Datum der offiziellen amtlichen Mitteilun g der zuständigen Behörde an den Betroffenen, wonach ihm die Begehung einer S traftat angelastet werde, bzw. ab dem Zeitpunkt, in welchem die betroffene Person vom Verfahren Kennt- nis hat und beeinträchtigt wird, auszugehen (BGE 11 7 IV 126 E. 3; S UMMERS , Basler Kommentar, 2. Aufl., 2014, Art. 5 StPO N 2). Verfahrensverzögerungen, die die beschuldigte Person und/oder ihre Verteidigung selber verursacht haben, wie beispielsweise durch das Stellen von Beweisantr ägen, das Ergreifen von Rechtsmitteln, die Verschiebung von Beweisabnahmen oder die Erstreckung von Fristen für Eingaben können nicht den Behörden zuge rechnet werden. Gleich- zeitig kann auch eine beschuldigte Person nicht für Verzögerungen verantwort- lich gemacht werden, die aus dem Ausüben prozessualer Rechte oder Möglich- keiten resultieren. Die einfache Nicht-Mitwirkung d er beschuldigten Person im Verfahren ist dabei nicht als relevante Obstruktion zu werten. Erscheint das Ver- halten der beschuldigten Person/der Verteidigung nicht als rechtsmissbräuchlich, so ist einzig entscheidend, ob die Behörde das Verfahren angemessen vorange- trieben hat (SUMMERS , a.a.O., Art. 5 stopp N 9 ff.). Unzweckmässig orga nisierte Strafverfolgungsbehörden und/oder Gerichte entschul digen Verzögerungen ebenso wenig wie eine unzureichende personelle und/ oder sachliche Ausstat- tung derselben. Die staatlichen Behörden sind verpf lichtet, sich und die Pro- zessabläufe so zu organisieren, dass die Verfahren in angemessener Frist durch- geführt und entschieden werden können (S UMMERS , a.a.O., Art. 5 StPO N 14; WOHLERS , a.a.O., Art. 5 StPO N 10, je m.w.H.). Verfahrensverzögerungen oder eine überlange Verfahr ensdauer können nach- träglich nicht geheilt werden und führen deshalb in der Regel zu einer Strafre- duktion, gegebenenfalls zu einem Verzicht auf Bestr afung oder sogar zu einer Verfahrenseinstellung (BGE 133 IV 158 E. 8) bzw. be i Freispruch zu einem An- spruch auf eine Genugtuung (vgl. vorne E. 4.1.1). - 67 - 4.2 Prüfung Verletzung des Beschleunigungsgebots 4.2.1 Zwischen der Hausdurchsuchung vom 31. Juli 2007 bei A. (8-1-1-0001 ff.) und der Urteilseröffnung verstrichen über 11 Jahre. Dav on entfallen rund 10 Jahre auf das Vorverfahren. Bei B. und C. wurden die Haus durchsuchungen am 28. Mai 2008 durchgeführt (BA 8-7-1-0005 ff., 8-9-1-0001 ff.), wobei B. nicht an- wesend war. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass B. damals durch die an der Hausdurchsuchung anwesende Person spätestens im Verlauf der Wo- che darüber in Kenntnis gesetzt wurde. Die Zeitspan ne zwischen Kenntnis des Verfahrens und Urteilseröffnung beträgt somit für B . und C. rund 10 ½ Jahre, davon entfallen knapp 9 ½ Jahre auf das Vorverfahren. 4.2.2 Die jeweilige lange Dauer der Vorverfahren von 10 ½ bzw. 9 ½ Jahren erklärt sich bloss teilweise objektiv durch den grossen Umf ang und Administrativauf- wand des Verfahrens, welches zeitweise zusätzliche Tatvorwürfe und Beschul- digte sowie rund 450 Privatkläger aus dem In- und Ausland betraf, einen Akten- bestand von mehr als 500 Bundesordnern aufwies und teilweise auf dem (zeit- aufwändigen) Rechtshilfeweg zu führen war (vgl. BA 5-1-2923 ff., 22-0-0057 ff.). Die BA anerkennt, „dass die vorliegende Strafuntersuchung bei Weitem zu lange gedauert hat “, wobei sie als Hauptursache hierfür beschränkte Personalressour- cen geltend macht, welche es nicht erlaubt hätten, den vorliegenden Fall lücken- los zu betreuen (TPF 568-925-427 Rz. 13). In diesem Zusammenhang ist den Akten zu entnehmen, dass die BA im Herbst 2015 eine n ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes eingesetzt hat, nachdem die Verteidigung A.s mehr- mals die Verfahrensdauer gerügt hatte (vgl. bspw. B A 16-2-1198 f./-1203 f./ -1616 f./-1618 ff./-1629 ff./-1634). Die Einarbeitung der neuen Verfahrensleitung in die umfangreichen Akten bewirkte eine weitere Ve rfahrensverzögerung (vgl. BA 16-2-1635 f.). Indessen ist der Anspruch der bes chuldigten Partei auf Be- handlung und Beurteilung der Strafsache innert angemessener Frist, unabhängig von der jeweiligen Organisation der Strafbehörde gegeben. Die BA stellt sich al- lerdings gleichzeitig auf den Standpunkt, die Besch uldigten trügen an der Ver- fahrensverzögerung ein Mitverschulden. So hätten di e teilweise fragwürdigen Beweisanträge in der Endphase sowie die Mandatsniederlegung eines Verteidi- gers zur Unzeit den förderlichen Abschluss der Voruntersuchung nicht begünstigt (TPF 568-925-427 Rz. 14). In Bezug auf das von der BA vorgebrachte Argument d er fragwürdigen Beweis- anträge der Verteidigung ist Folgendes festzuhalten: A. liess durch ihren Vertei- diger tatsächlich in einem erheblichen Umfang Bewei santräge in der Endphase der Untersuchung stellen, ohne dass aus den anwaltl ichen Eingaben stets ein- deutig hervorging, inwiefern diese noch zur Sachverhaltsabklärung hätten beitra-- 68 - gen können (vgl. bspw. BA 16-2-3753 ff., insb. -377 9 ff.). Art. 139 Abs. 2 StPO gewährt jedoch der Strafverfolgungsbehörde die Möglichkeit, Beweisanträge, die unerhebliche, offenkundige, der Strafbehörde bekannte oder bereits rechtsgenü- gend erwiesene Tatsachen betreffen, abzuweisen. Vorliegend ist daher nicht er- sichtlich, inwiefern die Beweisanträge das Vorverfahren verzögert haben sollen. Ein rechtsmissbräuchliches Verhalten A.s beim Ausüb en ihrer prozessualen Rechte liegt jedenfalls nicht vor. Bezüglich der monierten Amtsniederlegung zur Unzeit ergibt sich Folgendes: Die Amtsniederlegung des erbetenen Verteidigers C.s erfolgte schriftlich am 1. Feb- ruar 2017 (BA 16-9-0361) und damit kurz vor den ursprünglich für Ende Februar 2017 geplanten Konfrontations- und Schlusseinvernahmen (BA 16-9-0357). Den Akten ist zu entnehmen, dass der erbetene Verteidig er C.s den Grund für die Amtsniederlegung der BA telefonisch mitteilte. Dieser wurde jedoch nicht in der Aktennotiz zum Telefonat von der BA festgehalten (vgl. BA 16-9-0367). Das Ge- richt kann daher nicht abschliessend beurteilen, ob die Verzögerung von drei bzw. vier Monaten zur Durchführung der Konfrontations- bzw. Schlusseinvernah- men von C. zu verantworten ist. 4.2.3 Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass die Strafuntersuchung im vorlie- genden Verfahren zu lange gedauert hat und nicht den Beschuldigten angelastet werden kann. Die Verletzung des Beschleunigungsgebo ts begründet einen An- spruch auf Genugtuung (vgl. vorne E. 4.1.1). 4.3 Genugtuung für A. 4.3.1 Die Verteidigung von A. beantragt unter Hinweis auf die Verfahrensdauer eine angemessene Genugtuung für die Beschuldigte. Die Ve rfahrensdauer von elf Jahren stelle eine krasse Verletzung des Beschleunigungsgebots dar, was auch die BA anerkannt habe. Diese habe in ihren Einstellungsverfügungen vom 3. Ap- ril 2018 weiteren ursprünglichen Vermittlern von D. aufgrund überlanger Verfah- rensdauer jeweils eine Genugtuung zugesprochen. Im Vergleich zu diesen sei die Verletzung der persönlichen Verhältnisse von A. deutlich gravierender, da das Verfahren gegen die Beschuldigte einerseits deu tlich länger gedauert habe und andererseits im Radio, in Zeitungen und mittels Flugblätter am Wohnort der Beschuldigten eine Schlammschlacht gegen sie geführt worden sei. Die Beschul- digte habe kaum mehr aus dem Haus gehen können. Zudem habe die Beschul- digte unzählige ganztägige Einvernahmen über sich ergehen lassen müssen und einen immensen zeitlichen Aufwand betrieben, um sich im vorliegenden Verfah- ren zur Wehr zu setzen. Das langwierige Verfahren habe A. und ihren Ehemann massiv belastet und zeitweise bei beiden zu erhebli chen gesundheitlichen Be- schwerden geführt (TPF 568-925-495/-556 f. Rz. 282 ff.). - 69 - 4.3.2 Das Beschleunigungsgebot wurde vorliegend verletzt (vgl. vorne E. 4.2.3). Dem- zufolge musste sich die Beschuldigte überdurchschnittlich lange mit der Strafsa- che befassen und blieb während dieser Zeit in Ungew issheit über den Verfah- rensausgang. Das Gericht anerkennt daher auch, dass die Beschuldigte einer erhöhten psychischen Belastung ausgesetzt war und i hr soziales Ansehen be- einträchtigt wurde. Das Verfahren betraf zudem den aktivberuflichen Tätigkeits- bereich A.s (Jahrgang 1959). Nicht substantiiert ist hingegen das Vorbringen der Verteidigung, wonach das Verfahren bei A. und ihrem Ehemann gesundheitliche Beschwerden verursacht und gegen die Beschuldigte e ine mediale Schlamm- schlacht stattgefunden habe. Derlei ergibt sich auch nicht aus den Akten. Im Üb- rigen bezog sich das Medienecho massgeblich auf D. Das öffentliche Interesse bewegte sich im üblichen Mass und A. nutzte ebenfal ls die Medien, um ihren Standpunkt zu vertreten (BA 17-0005). Das Verfahren gegen die Beschuldigte war auch nicht entscheidend schwerwiegender als diejenigen Verfahren, welche von der BA zwischenzeitlich eingestellt wurden. Zwa r endete das Vorverfahren gegen A. mit einer Anklage und nicht mit einer Eins tellung; der Freispruch, wel- cher gerichtlich und öffentlich erfolgt ist, trägt allerdings auch zu einem gewissen Ausgleich bei. Abgesehen von der Einstellungsverfügung betreffend SSSS., wo- mit die BA eine Genugtuung von Fr. 4‘000.-- zusprach, betrug die Genugtuungs- summe in sämtlichen übrigen Einstellungsverfügungen jeweils (inklusive Zins) Fr. 2‘000.-- (TPF 568-140-001 ff.). Aus der Einstel lungsverfügung betreffend SSSS. geht hervor, dass dieser in beruflicher und p rivater Hinsicht durch das Verfahren besonders schwer betroffen war und während eines Monates nicht ar- beiten konnte. Solche Umstände werden von der Beschuldigten nicht geltend ge- macht und sind auch nicht ersichtlich. Im Übrigen beurteilt und beziffert das Ge- richt die Genugtuung nach eigenem Ermessen. 4.3.3 In Berücksichtigung der oberwähnten Verletzungen de r persönlichen Verhält- nisse ist die Genugtuungssumme ist auf Fr. 3‘500.-- festzusetzen. Dieser Betrag ist bei einem mittleren Verfalltag zwischen Verfahrenseröffnung (27.12.2007) und Urteilseröffnung (04.12.2018) zu 5% zu verzinsen. 4.3.4 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO ist A. somit eine Genugtuung von Fr. 3‘500.--, zzgl. 5% Zins ab 15. Juni 2013, zuzusprechen. 4.4 Genugtuung für B. 4.4.1 Die Verteidigung von B. beantragt unter Hinweis auf die Verfahrensdauer und die vorerwähnten Einstellungsverfügungen der BA ebenfalls die Zusprechung einer angemessenen Genugtuung (TPF 568-925-790/-832 f.). - 70 - 4.4.2 Auch B. musste sich aufgrund der Verletzung des Bes chleunigungsgebots (vgl. vorne E. 4.2.3) überdurchschnittlich lange mit der Strafsache befassen und blieb sehr lange und unter Beeinträchtigung seines sozial en Ansehens in Ungewiss- heit über den Verfahrensausgang. Zur Zeit der Verfa hrenseröffnung war B. 65-jährig (Jahrgang 1943) und damit im Pensionierungsalter. Das Verfahren tan- gierte seinen aktivberuflichen Tätigkeitsbereich folglich nicht. 4.4.3 Die Genugtuungssumme ist auf Fr. 2‘500.-- festzuset zen. Dieser Betrag ist bei einem mittleren Verfalltag zwischen Verfahrenseröff nung (07.04.2008) und Ur- teilseröffnung (04.12.2018) zu 5% zu verzinsen. 4.4.4 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO ist B. eine Genugtuung von Fr. 2‘500.--, zzgl. 5% Zins ab 5. August 2013, zuzusprechen. 4.5 Genugtuung für C. 4.5.1 Auch die Verteidigung von C. beantragt für seinen M andanten eine angemes- sene Genugtuung (TPF 568-920-014). 4.5.2 Wie vorstehend bei A. und B. ausgeführt, musste auch C. sich überdurchschnitt- lich lange mit der Strafsache befassen bzw. für ein e sehr lange Zeit mit der Un- gewissheit über den Verfahrensausgang und der Beeinträchtigung seines sozia- len Ansehens leben. Durch das Verfahren wurde zudem sein aktivberuflicher Tä- tigkeitsbereich tangiert (Jahrgang 1960). 4.5.3 Die Genugtuungssumme ist auf Fr. 3‘500.-- festzuset zen. Dieser Betrag ist bei einem mittleren Verfalltag zwischen Verfahrenseröff nung (09.05.2008) und Ur- teilseröffnung (04.12.2018) zu 5% zu verzinsen. 4.5.4 In Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO ist C. eine Genugtuung von Fr. 3‘500.--, zzgl. 5% Zins ab 21. August 2013, zuzusprechen. 5. Entschädigungen an die amtlichen Verteidiger 5.1 Rechtliches 5.1.1 Die Kompetenz für die Festlegung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung liegt vorliegend beim urteilenden Gericht (Art. 135 Abs. 2 StPO). Praxisgemäss dauert die im Vorverfahren bestellte amtliche Verte idigung im erstinstanzlichen Hauptverfahren fort, sofern für die Verfahrensleitung des Gerichts kein Grund für eine Änderung ersichtlich ist (vgl. Art. 134 StPO e contrario ). - 71 - 5.1.2 Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird i n Bundesstrafverfahren nach dem Anwaltstarif des Bundes – gemäss BStKR – f estgesetzt (Art. 135 Abs. 1 StPO). In Bezug auf die Bemessung der Entsch ädigung der amtlichen Verteidigung kann auf die vorstehenden Erwägungen v erwiesen werden (vgl. E. 3.1.2 f.). 5.2 Amtliche Verteidigung von A. 5.2.1 RA Michael Kummer (nachfolgend: RA Kummer) wurde vo n der BA mit Verfü- gung vom 15. Juni 2015 rückwirkend auf den 19. März 2015 zum amtlichen Ver- teidiger der Beschuldigten A. bestellt (BA 16-2-162 5 ff.). Gemäss Honorarnote vom 23. Oktober 2018 macht RA Kummer für die Zeit a ls amtlicher Verteidiger ein Honorar von insgesamt Fr. 325‘047.95, abzüglich der bereits geleisteten Akontozahlungen, geltend. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 1‘004.3 Ar- beitsstunden (Rechtsanwalt) à Fr. 230.--, 191.24 Ar beitsstunden (Praktikant) à Fr. 100.--, 210 Stunden Reise-/Wartezeit (Rechtsanw alt) à Fr. 200.--, 75 Stun- den Reise-/Wartezeit (Praktikant) à Fr. 100.-- und Auslagen von Fr. 5‘299.05, zzgl. MWST von 8% bzw. 7.7% (Honorarnote vom 23. Ok tober 2018, TPF 568- 925-843 ff.). 5.2.2 5.2.2.1 Der Honorarnote ist zu entnehmen, dass für Akten-/Rechtsstudium allein von RA Kummer (d.h. ohne des diesbezüglich zusätzlich in Rechnung gestellten Ar- beitsaufwands seiner Praktikanten) im Jahr 2016 run d 263 Stunden, im Jahr 2017 rund 137 Stunden und im Jahr 2018 rund 55 Stunden veranschlagt werden. Im Zeitraum 2007 bis 2015 betrug das Akten- /Rechtsstudium demge- genüber insgesamt rund 103 Stunden. Der für die Jahre 2016, 2017 und 2018 – somit bei weiter vorangeschrittener Voruntersuchung – verbuchte Zeitaufwand für Akten-/ Rechtsstudium erscheint übersetzt. Abge sehen davon ist auch ein Vergleich mit dem Verteidigungsaufwand für den Mitb eschuldigten C. auf- schlussreich (zur Zulässigkeit des Vergleichs mit Verteidigungsaufwand der Mit- beschuldigten zur Beurteilung von Entschädigungsbegehren vgl. Urteil des Bun- desgerichts 6B_528/2010 vom 16. September 2010 E. 2 .5.1). RA Alois Näf (nachfolgend: RA Näf) macht in seiner Honorarnote für die Jahre 2017 und 2018 insgesamt rund 152 Stunden für das Aktenstudium geltend (wovon rund 70 Stun- den für die Ausarbeitung seines Plädoyers). Vorliegend rechtfertigt es sich, den von RA Kummer geltend gemachten Zeitaufwand für Akt en-/Rechtsstudium für die Jahre 2016 und 2017 je um rund die Hälfte, ausm achend 200 Stunden, zu kürzen. Für das Jahr 2018 ist das Akten-/Rechtsstud ium um 10 Stunden zu kürzen, denn zu diesem Zeitpunkt fanden nur noch wenige Untersuchungshand- lungen statt, so dass das Aktenstudium mehrheitlich für die Ausarbeitung des - 72 - Plädoyers im Sinne einer wiederholten Lektüre bereits bekannter Akten erforder- lich gewesen sein und somit weniger Zeit in Anspruch genommen haben dürfte. 5.2.2.2 Des Weiteren ergibt sich aus der Honorarnot e, dass RA Kummer und die Be- schuldigte häufig, auch mehrmals täglich, korrespondierten. Allein im Jahr 2016 werden für E-Mail-Korrespondenz und Telefonate rund 35 und im Jahr 2017 rund 26 Stunden ausgewiesen. Dieser Zeitaufwand für Informationsaustausch sprengt den ordentlichen Rahmen. Offensichtliche Gründe für dessen Notwendigkeit lie- gen nicht auf der Hand, vielmehr wurden damit wohl anwaltliche Ressourcen in zeitlicher Hinsicht wiederholt belegt. Es rechtfert igt sich eine Kürzung um pau- schal 30 Stunden. 5.2.2.3 Keine Entschädigung erfolgt sodann für die Position vom 4. Mai 2018, da dies Sekretariatsarbeit darstellt (vgl. vorne E. 3.1.3). Auch ist der ausgewiesene Auf- wand für Reisezeit für die Teilnahme an der Urteils eröffnung um 3.20 Stunden zu kürzen, da dieser in der Honorarnote doppelt in Rechnung gestellt wurde (vgl. Positionen vom 29.11.2018 bzw. vom 29.01.2018 [recte: 2019]). 5.2.2.4 Zusätzlich sind RA Kummer für die Teilnahme an der Hauptverhandlung 23.5 Stunden und für die Teilnahme an der Urteilser öffnung inklusive Nachbe- sprechung zwei Stunden à Fr. 230.-- sowie Reisespesen zu entschädigen. 5.2.2.5 Das zu entschädigende Honorar setzt sich da mit wie folgt zusammen: a) Für die Zeitspanne 19. März 2015 bis 31. Dezember 2017 sind 608.10 Stunden à Fr. 230.-- (Rechtsanwalt), 116.24 Stunden à Fr. 1 00.-- (Praktikant), 189.20 Stunden à Fr. 200.-- (Reise-/Wartezeit Recht sanwalt), 36.60 Stunden à Fr. 100.-- (Reise-/Wartezeit Praktikant) und Auslag en von Fr. 4‘208.75, zzgl. MWST von 8%, zu entschädigen. b) Für 2018 sind 181.50 Stunden à Fr. 230.-- (Recht sanwalt), 75 Stunden à Fr. 100.-- (Praktikant), 17.8 Stunden à Fr. 200.-- (Reise-/Wartezeit Rechtsanwalt) und Auslagen von Fr. 1‘200.30, zzgl. MWST von 7.7%, zu entschädigen. 5.2.3 Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers RA Kum mer ist damit auf insge- samt Fr. 271‘200.-- (inkl. MWST) festzusetzen. Hiervon sind die bereits geleiste- ten Akontozahlungen abzuziehen. 5.3 Amtliche Verteidigung von B. 5.3.1 RA Christoph Hohler (nachfolgend: RA Hohler) wurde von der BA mit Verfügung vom 29. September 2008 rückwirkend auf den 18. Sept ember 2008 zum amtli- - 73 - chen Verteidiger des Beschuldigten B. bestellt (BA 16-4-0004 f.). In seiner Hono- rarnote vom 25. Oktober 2018 macht RA Hohler insges amt eine Entschädigung von Fr. 137‘488.15, abzüglich der bereits geleisteten Akontozahlungen, geltend. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 561.2 Arbeits stunden (125.2 + 137.7 + 98.4 + 44.5 + 155.40) zu einem Stundenansatz von Fr . 220.--, 17.9 Stunden Warte-/Reisezeit im Hauptverfahren à Fr. 200.--, Barauslagen, zzgl. MWST von 7.6% bzw. 8% bzw. 7.7% (TPF 568-722-004 ff.). 5.3.2 5.3.2.1 Die von der BA dem Verteidiger RA Hohler zu gesprochenen Arbeitsstunden und Auslagen im Vorverfahren (Akontozahlungen) erschein en grundsätzlich ange- messen. Der Stundenansatz ist in casu praxisgemäss und aufgrund des Anwalts- aufwandes auf Fr. 230.-- pro Stunde festzulegen, wä hrend die Reisezeit mit Fr. 200.-- pro Stunde zu vergüten ist, was zu einem Pauschalabzug von Fr. 450.-- der Positionen „Gang zur BA“ führt. 5.3.2.2 Für die Teilnahme an der Hauptverhandlung w urden sieben Arbeitsstunden zu viel in Rechnung gestellt. Zusätzlich entschädigt werden hingegen zwei Stunden à Fr. 230.-- für die Teilnahme an der Urteilseröffnung inklusive Nachbesprechung mit dem Klienten, sowie vier Stunden Reisezeit à Fr. 200.--. 5.3.2.3 Das zu entschädigende Honorar setzt sich da mit wie folgt zusammen: a) Für die Zeitspanne 19. September 2008 bis 31. De zember 2014 sind 125.2 Stunden à Fr. 230.-- und Barauslagen von Fr. 1‘536. 70, zzgl. MWST von 7.6% bzw. 8%, zu entschädigen. b) Für die Zeitspanne 1. Januar 2015 bis 30. September 2016 sind 137.70 Stun- den à Fr. 230.-- und Barauslagen von Fr. 320.--, zz gl. MWST von 8%, zu ent- schädigen. c) Für die Zeitspanne 1. Oktober 2016 bis 30. April 2017 sind 98.40 Stunden à Fr. 230.-- und Barauslagen von Fr. 18.80, zzgl. MWST von 8%, zu entschädigen. d) Für die Zeitspanne 1. Mai 2017 bis 31. Dezember 2017 sind 44.5 Stunden à Fr. 230.-- und Barauslagen von Fr. 35.90, zzgl. MWST von 8%, zu entschädigen. e) Für 2018 sind 132.40 Stunden à Fr. 230.--, 22 St unden Reise-/Wartezeit à Fr. 200.-- und Barauslagen von Fr. 1‘052.20, zzgl. MWST von 7.7%, zu entschä- digen. Davon sind Fr. 450.-- (Pauschalabzug betreffend Reisezeit) in Abzug zu bringen. - 74 - 5.3.3 Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers RA Hohler ist damit auf insgesamt Fr. 141‘200 (inkl. MWST) festzusetzen. Davon sind die bereits geleisteten Akon- tozahlungen abzuziehen. 5.4 Amtliche Verteidigung von C. Im Verlaufe des Verfahrens wurden zwei Verteidiger mit der amtlichen Verteidi- gung von C. betraut (BA 16-7-0001 f., 16-10-0017 ff.). 5.4.1 Rechtsanwalt Peter Volkart 5.4.1.1 RA Peter Volkart (nachfolgend: RA Volkart) wurde von der BA mit Verfügung vom 19. November 2010, rückwirkend auf den 29. Mai 2008, zum amtlichen Verteidi- ger des Beschuldigten C. bestellt (BA 16-7-0001 f.). Im Vorverfahren sprach die BA ihm bei Beendigung des Mandatsverhältnisses eine Entschädigung von Fr. 3‘529.60 (14.68 Arbeitsstunden, Auslagen von Fr . 48.40, zzgl. MWST von 7.6% bzw. 8%) zu (BA 17-7-0233 ff.). Der von der BA insgesamt zugesprochene Betrag, bei dem es sich lediglich um eine Akontozah lung handelt, erscheint an- gemessen. Es rechtfertigt sich daher, die Entschädigung des ehemaligen amtli- chen Verteidigers RA Volkart in der Höhe der geleis teten Akontozahlung von Fr. 3‘529.60 (inkl. MWST) festzulegen. Eine weiterg ehende Kostennote wurde von RA Volkart denn auch nicht eingereicht. 5.4.1.2 Somit ist festzustellen, dass die Entschädi gung an RA Peter Volkart in vollem Umfang ausgerichtet worden ist. 5.4.2 Rechtsanwalt Alois Näf 5.4.2.1 RA Näf wurde von der BA mit Verfügung vom 2 7. Februar 2017 mit Wirkung glei- chen Datums zum amtlichen Verteidiger des Beschuldi gten C. bestellt (BA 16- 10-0017 ff.). RA Näf macht in seiner Honorarnote vo m 23. Oktober 2018 eine Entschädigung von insgesamt Fr. 95‘306.50 (254.167 Stunden à Fr. 300.--, 29.5 Stunden Warte- und Reisezeit à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 4‘610.80, zzgl. MWST von 8% bzw. 7.7%) geltend (TPF 568-925-891 ff.). 5.4.2.2 Das vorliegende Verfahren stellt in rechtli cher oder tatsächlicher Hinsicht keine überdurchschnittlichen Anforderungen an die Verteid igung (vgl. vorne E. 3.2.1.2). Der Stundenansatz für die aufgewendete Arbeitszeit ist daher praxis- gemäss auf Fr. 230.-- zu reduzieren. 5.4.2.3 Nicht zu entschädigen sind die jeweils unte r der Bezeichnung „Orientierungsko- pien“ aufgeführten Aufwände, da es sich hierbei um nicht zu entschädigende Sekretariatsarbeiten handelt (vgl. vorne E. 3.1.3). - 75 - 5.4.2.4 Die zu entschädigende Reisezeit reduziert s ich um 90 Minuten, da die Verlegung des Besprechungsorts nach Sargans (25.09.2018) nicht erforderlich war. Zusätz- lich reduziert sich die zu entschädigende Wartezeit um 9 Stunden, da vorliegend bloss eine Wartezeit von 0.5 Stunden pro Tag als an gemessen erscheint. Schliesslich ist der geltend gemachte Arbeitsaufwan d für die Teilnahme an der Hauptverhandlung aufgrund der tatsächlichen Dauer um 3.5 Stunden zu kürzen. 5.4.2.5 Die Benutzung des privaten Motorfahrzeugs i st gemäss Art. 13 Abs. 3 BStKR i.V.m. Art. 46 der Verordnung des EFD vom 6. Dezemb er 2001 zur Bundesper- sonalverordnung (VBPV; SR 172.220.111.31) mit 70 Ra ppen pro Kilometer zu entschädigen. Entsprechend sind die geltend gemacht en Auslagen betreffend das Jahr 2017 um Fr. 120.-- und betreffend das Jahr 2018 um Fr. 800.-- zu kür- zen. 5.4.2.6 Zusätzlich ist RA Näf für die Nachbesprechu ng mit seinem Klienten nach der Urteilseröffnung mit einer Stunde à Fr. 230.-- zu entschädigen. 5.4.2.7 Das zu entschädigende Honorar setzt sich da mit wie folgt zusammen: a) Für 2017 sind 84.58 Stunden à Fr. 230.--, 4.5 Stunden Reisezeit à Fr. 200.--, Fahrspesen von Fr. 310.-- und Barausalgen von Fr. 658.--, zzgl. MWST von 8%, zu entschädigen. b) Für 2018 sind 159.67 Stunden à Fr. 230.--, 24.5 Stunden Warte-/Reisezeit à Fr. 200.--, Fahrspesen von Fr. 1‘140.-- und Barausl agen von Fr. 1‘215.40, zzgl. MWST von 7.7%, zu entschädigen. 5.4.2.8 Die Entschädigung des amtlichen Verteidiger s RA Näf ist damit auf insgesamt Fr. 70‘400.-- (inkl. MWST) festzusetzen. 6. Einziehung / Ersatzforderung 6.1 Vorliegend ist über den Verbleib diverser beschlagnahmter Gegenstände (V. 1.1. bis 1.8. der AS), Datenträger (V. 2.1. bis 2.6. der AS) und Vermögenswerte (V. 3.1. bis 3.7. der AS) zu entscheiden. 6.2 Ist die Beschlagnahme eines Gegenstandes oder Vermögenswerts nicht vorher aufgehoben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Person, seine Verwendung zur Kostendeckung oder über seine Einzie hung im Endentscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO). Ist der Grund f ür die Beschlagnahme weg- gefallen, so hebt das Gericht die Beschlagnahme auf und händigt die Gegen- stände oder Vermögenswerte der berechtigten Person aus (Art. 267 - 76 - Abs. 1 StPO). Wie vorne unter Erwägung 1.3.2 ausgeführt, kann bezüglich Ver- mögenseinziehung/Ersatzforderungen nachfolgend vom geltenden Recht ausge- gangen werden. 6.3 Beschlagnahmte Gegenstände Bezüglich der beschlagnahmten Gegenstände (V. 1.1. bis V. 1.8. der AS) wurden keine Anträge gestellt. Die Voraussetzungen für ein e Sicherungseinziehung i.S.v. Art. 69 StGB sind nicht erfüllt. Die unter den Anklageziffern V. 1.1. bis V. 1.8 erwähnten beschlagnahmten Gegenstände sind daher den jeweils Berechtigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückzugeben. 6.4 Beschlagnahmte Datenträger 6.4.1 Die BKP ersucht um eine Löschungsverfügung des Geri chts betreffend die ge- mäss den Anklageziffern V. 2.1. bis V. 2.6. zur Beweissicherung beschlagnahm- ten Datenträger (vgl. S. 108 der AS). 6.4.2 Die Archivierung von Unterlagen wird im Bundesgeset z über die Archivierung (Archivierungsgesetz, BGA; SR 152.1) und in der Verordnung zum BGA (VBGA; SR 152.11) geregelt (vgl. zum Geltungsbereich Art. 1 BGA i.V.m. Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Anhang 1 VBGA). Gemäss Art. 3 Abs. 1 BGA fallen sämtliche Unterlagen, unabhängig vom Informationsträger, unter das BGA. Das Bundesarchiv entschei- det über die Archivwürdigkeit (Art. 7 BGA i.V.m. Ar t. 6 Abs. 1 VBGA) und über die Vernichtung von Unterlagen (Art. 8 BGA). Eine Z uständigkeit des Bun- desstrafgerichts ist folglich nicht gegeben. Damit ist auf den Antrag nicht einzu- treten. Im Übrigen kommt der BKP im vorliegenden Ve rfahren keine Parteistel- lung zu, womit das Gericht auch mangels Aktivlegiti mation auf den Antrag nicht eintreten kann (Art. 104 Abs. 1 StPO). 6.4.3 Die gemäss Anklageziffern V. 2.1. bis V. 2.6. beschlagnahmten Datenträger (ge- spiegelte Daten) sind Bestandteil der Akten und nach dem Gesagten bei diesen zu belassen. 6.5 Beschlagnahmte Vermögenswerte 6.5.1 Rechtliches 6.5.1.1 Gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB verfügt das Geri cht die Einziehung von Vermögens- werten, die durch eine Straftat erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine strafbare Handlung zu veranlassen oder zu belohnen, sofern sie nicht dem - 77 - Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes ausgehändigt werden. Das Recht zur Einziehung verjährt nach sieb en Jahren; ist jedoch die Verfolgung der Straftat einer längeren Verjährungsf rist unterworfen, so findet diese Frist auch auf die Einziehung Anwendung (Art. 70 Abs. 3 StGB). Die Einziehung von Vermögenswerten ist, wie sich aus dem letzten Halbsatz von Art. 70 Abs. 1 StGB ergibt, subsidiär zur Herausgabe an den Verletzten. Konkur- rieren allerdings obligatorische Ansprüche mehrerer Geschädigter und liegt eine Unterdeckung vor, so ist der Weg über Art. 73 StGB geboten (TRECHSEL /J EAN- RICHARD , in Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 3. Aufl., 2018, Art. 70 StGB N 9). Vorliegend stehen den geltend gemachten Zivilforderungen in der Höhe von rund Fr. 19 Mio., abzüglich zurückgezogener Forderu ngen (vgl. hinten E. 8.2), eine beschlagnahmte Liegenschaft in W. (SG) (Kaufpr eis am 31. März 2006: Fr. 735'000.--, BA 10-3-0938) und weitere beschlagnahmte Vermögenswerte im Umfang von rund Fr. 350'000 (vgl. hinten E. 6.5.2.2 lit. f) entgegen. Es liegt damit eine Unterdeckung vor. Ein Vorgehen nach Art. 73 StGB, d.h. eine Verwendung zu Gunsten der Geschädigten, hätte das Gericht indessen nur anordnen können, wenn diese den entsprechenden Teil ihrer Forderungen an den Staat abgetreten hätten (Art. 73 Abs. 2 StGB), was vorliegend nicht geschehen ist. Der Weg über Art. 73 StGB fällt damit zum Vornherein ausser Betracht. Hinzu kommt, dass der Sachverhalt nicht spruchreif ist, denn die Geschädi gten bzw. deren individuelle Schadenshöhe konnte vom Gericht nicht festgestellt werden (vgl. hinten E. 8.3). 6.5.1.2 Nach Art. 70 Abs. 1 StGB sind zunächst diej enigen Vermögenswerte einzuzie- hen, die unmittelbar aus der Straftat stammen und beim Täter und Begünstigten oder – unter den in Abs. 2 der Bestimmung genannten Voraussetzungen – bei einer Drittperson noch vorhanden sind (Originalwert e). Einzuziehen sind weiter echte und unechte Surrogate (Ersatzwerte) des Originalwertes. Soweit hier inte- ressierend, liegt ein unechtes Surrogat vor, wenn der unmittelbare Deliktserlös in Form von Banknoten, Devisen, Guthaben etc. in vergleichbare Wertträger umge- wandelt oder mit nicht deliktischen Geldern vermisc ht wird. Wie Originalwerte können auch Surrogate indes nur dann eingezogen wer den, wenn sie beim Tä- ter, beim Begünstigten oder Dritten noch vorhanden sind. Ein echtes Surrogat hat nachweislich an die Stelle des Originalwertes zu treten; ein unechtes Surro- gat kann nur dann bestehen, wenn eine Papierspur (" paper trail") zum Original- wert vorhanden ist. Der Vermögenswert, der nach Art. 70 Abs. 1 StGB eingezo- gen werden soll, muss im Vermögen des Täters oder des Begünstigten eindeutig bestimmbar sein, wobei die Anzahl der erfolgten "Umwandlungen" irrelevant ist. Nicht mehr bestimmbar ist ein Ersatzwert hingegen dann, wenn er bloss in einer Verminderung der Passiven beim Täter oder Begünstig ten besteht. Verwendet beispielsweise der Täter den Erlös aus der Straftat zur Bezahlung anderweitiger - 78 - Schulden, so bleiben weder der Originalwert noch ein unechtes oder echtes Sur- rogat übrig, und eine Einziehung ist nicht mehr mög lich (zum Ganzen BGE 126 I 97 E. 3, m.w.H.; SCHMID , in Schmid [Hrsg.], Kommentar Einziehung, Organisier- tes Verbrechen, Geldwäscherei, Bd. I, 2. Aufl., 2007, § 2 / Art. 70–72 N 49 ff.). 6.5.1.3 Beim Dritten ist die Einziehung ausgeschlos sen, wenn dieser die Vermögens- werte in Unkenntnis der Einziehungsgründe erworben und soweit er für sie eine gleichwertige Gegenleistung erbracht hat oder die E inziehung ihm gegenüber sonst eine unverhältnismässige Härte darstellen wür de (sog. „Drittenprivileg“; Art. 70 Abs. 2 StGB). In diesen Fällen ist der Dritte in seinem Erwerb geschützt. Als Dritterwerber gilt dabei nach der Rechtsprechung und Lehre diejenige natür- liche oder juristische Person, die einen konkreten deliktisch erlangten Vermö- genswert nach der Tat im Rahmen eines Rechtsübergan gs ohne Konnex zur Tathandlung (vom Täter oder einem Direktbegünstigten) erwirbt, also an der An- lasstat nicht in strafrechtlich relevanter Weise beteiligt ist und an dem der Einzie- hung unterliegenden Vermögenswert nach der strafbar en Handlung ein dingli- ches oder allenfalls obligatorisches Recht erwirbt. Keinen Schutz gemäss Art. 70 Abs. 2 StGB kann demgegenüber der Dritte in Anspruc h nehmen, welchem die Werte unmittelbar durch die Straftat zugekommen sin d, der mit andern Worten Direktbegünstigter ist (vgl. zum Ganzen BGE 115 IV 175 zu Art. 58 Abs. 1 lit. A aStGB; SCHOLL , in Ackermann [Hrsg.], Kommentar Kriminelles Vermögen, krimi- nelle Organisation, Band I, 2018, §4/Art. 70 StGB N 296, 306). Als Direktbegüns- tigter ist derjenige zu betrachten, der – ohne selber an der Straftat in strafrechts- relevanter Weise beteiligt zu sein – den Vermögenswert aus der Straftat "direkt" erlangt. "Direkt" in diesem Sinne meint, dass die Vermögenswerte nicht zunächst durch einen andern Vermögensträger erlangt werden und dem Dritten erst infolge nachträglichen und legalen Erwerbs zugehen. Ein Här tefall liegt vor, wenn die Massnahme den Dritten in seiner wirtschaftlichen Lage in besonders einschnei- dender Weise treffen würde (SCHMID , a.a.O., N 94). Bei der Beurteilung der Ver- hältnismässigkeit (Härtefall) hat das Gericht ein s ehr weites Ermessen (B AU - MANN , a.a.O., N 62). 6.5.1.4 Ist weder der Originalwert noch ein unechte s oder echtes Surrogat mehr vorhan- den, erkennt der Richter gemäss Art. 71 Abs. 1 StGB subsidiär auf eine Ersatz- forderung des Staates, welche er nach Art. 73 Abs. 1 lit. c StGB dem Geschädig- ten zuspricht, wenn anzunehmen ist, dass der Schädiger den Schaden nicht er- setzen wird. Gegenüber einem Dritten ist die Ersatz forderung jedoch nur mög- lich, soweit dies nicht nach Art. 70 Abs. 2 StGB au sgeschlossen ist (vgl. Art. 71 Abs. 1 StGB, i.f.). Möglich ist ein Ausweichen auf eine Ersatzforderung auch dann, wenn das Verfolgen und Feststellen konkreter deliktischer Vermögens- werte bzw. Surrogate derselben nur mit unverhältnismässigem Aufwand möglich wäre (BAUMANN , a.a.O., N 67; S CHMID , a.a.O., N 100). Ist die Ersatzforderung - 79 - voraussichtlich uneinbringlich oder behindert sie e rnstlich die Wiedereingliede- rung des Betroffenen, so kann von ihr ganz oder tei lweise abgesehen werden (Art. 71 Abs. 2 StGB). Werden beispielsweise die Ei nhaltung von Unterhalts- pflichten verunmöglicht bzw. gefährdet, so rechtfer tigt sich eine Herabsetzung oder ein Verzicht (SCHMID , a.a.O., N 123; BGE 106 IV 336; Urteil des Bundesge- richts 1P.328/2003 vom 10. Oktober 2003 E. 2.3.1). 6.5.2 Die BA beantragt die Einziehung der beschlagnahmten Vermögenswerte und – sofern möglich – deren anteilmässige Verwendung zug unsten der Privatkläger. Zudem sei für die nicht mehr vorhandenen Vermögenswerte gegen alle drei Be- schuldigten auf eine Ersatzforderung zu erkennen, g egen A. in Höhe von Fr. 1‘750‘000.-- bzw. Fr. 2‘000‘000.--, gegen B. in Höhe von Fr. 2‘399‘957.-- und gegen C. in Höhe von Fr. 713‘000.-- (TPF 568-925-424/-459 f. Rz. 190 f.). 6.5.2.1 Papierspur Gemäss den jeweiligen Berichten des CCWF (nachfolge nd: CCWF -Berichte) wurden den drei Beschuldigten (angebliche) Rendite- und Provisions- (A. und C.) bzw. Provisionszahlungen (B.; hatte ausschliesslich thesaurierend angelegt, vgl. vorne E. 2.5.3.1) ab dem Konto der G. Inc. bei der Bank L. bzw. dem Konto der H. Inc. bei der Bank M. direkt auf ihre Konten bzw. auf Konten ihrer Gesellschaf- ten ausbezahlt. Danach betrugen die Auszahlungen be i A. rund USD 1.4 Mio. (inkl. TTTT.; vgl. BA 10-1-0123), bei B. über USD 0 .5 Mio. (BA 10-2-0086) und bei C. über USD 1.3 Mio. (BA 10-3-0014, -0118). Die se Gelder haben sich mit den übrigen auf den jeweiligen Konten vorhandenen Geldern vermischt (unechte Surrogate). Es ist daher zu prüfen, ob eine Papierspur besteht. Anlasstat, aus welcher die zur Debatte stehenden Gelder (Provisionen/Renditen) generiert wurden, ist der gewerbsmässige Betrug durch D., für den er in Deutsch- land (BA 19-5-0001 ff.) und in der Schweiz (BA 19-4-0001 ff.) rechtskräftig verur- teilt wurde. Eine Einziehung ist auch dann möglich, wenn der für die Anlasstat verantwortliche Täter im Ausland abgeurteilt wurde, sofern die Tat unter schwei- zerische Gerichtsbarkeit fällt (B AUMANN , Basler Kommentar, 2. Aufl., 2014, Art. 376 StPO N 5). Es handelt sich vorliegend mith in um Deliktserlöse, welche an die Beschuldigten geflossen sind. Da die Zahlungen nachweislich ab den Kon- ten D.s bzw. der G. Inc./H. Inc. stammten und direk t auf die jeweiligen Konten der Beschuldigten erfolgten, ist die Papierspur [„paper trail“] vorhanden. Die Be- schuldigten wurden begünstigt, ohne dass sie um den Deliktscharakter wussten (vgl. vorne E. 2.6), d.h. sie waren gutgläubig („in Unkenntnis des Einziehungs- grundes“). Zu prüfen ist damit, ob sie in den Genus s des Drittenprivilegs kom- men. - 80 - 6.5.2.2 Drittenprivileg a) Der Betrug D.s bzw. sein Schneeballsystem wurde mit der Vermögensdispo- sition durch die Anleger und der damit einhergehend en Vermögensgefährdung vollendet (vgl. vorne E. 2.2.6). Durch die Einzahlu ng der betrügerisch erlangten Anlagegelder auf das Konto D.s bzw. der G. Inc./H. Inc. ging das Eigentum an den Geldern im Sinne eines Durchgangserwerbs für ei ne logische Sekunde auf den Täter D. als wirtschaftlich Berechtigter auf de n Konten der G. Inc./H. Inc. über, bevor die Vermögenswerte als vermeintliche Rendite-/Provisionszahlungen auf das Konto der Beschuldigten überwiesen und dort gutgeschrieben wurden. Entsprechend sind die Beschuldigten als Dritterwerb er und nicht als Direktbe- günstigte zu qualifizieren (vgl. Urteile des Bundes gerichts 6B_80/2011 vom 8. September 2011 E. 5; 6B_398/2012 vom 28. Januar 2013; SCHOLL , a.a.O., §4/Art. 70 StGB N 311 ff.). b) Was unter einer gleichwertigen Gegenleistung im Sinne von Art. 70 Abs. 2 StGB zu verstehen ist, ist zuweilen kontrovers. Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung schützt Art. 70 Abs. 2 StGB vorab den Erwerb von Vermö- genswerten im Rahmen von synallagmatischen Rechtsge schäften (Urteile des Bundesgerichts 6B_344/2007 vom 1. Juli 2008 E. 4.1; 6B_ 398/2012 vom 28. Ja- nuar 2013 E. 3.4). Unter den Begriff Gegenleistung fallen auch Dienstleistungen aller Art, wie z.B. der Haarschnitt beim Coiffeur. Liegt die Grundlage für Gegen- leistungen in einer vertraglichen Vereinbarung, so kann die Gegenleistung in einem beliebigen zulässigen Vertragsinhalt (Art. 19 OR) bestehen, so z.B. in der Übertragung von Wertpapieren wie Schecks, aber auch von Rechten, welche nicht in Wertpapieren verbrieft sind. Unbeachtlich sind jedoch Gegenleistungen, für welche die Drittperson die Zahlung durch den Täter aus rechtlichen Gründen nicht gerichtlich hätte durchsetzen können, z.B. Fo rderungen aus Spiel und Wette (S CHOLL , a.a.O., §4/Art. 70 StGB N 359 f.). Eine gleichwertige Gegenleis- tung liegt gemäss Bundesgericht auch vor, wenn der Dritte beim fraglichen Ge- schäft einen marktüblichen Gewinn erzielt. Wer eine m nicht erkannten Drogen- händler Uhren verkauft, kann das zur Zahlung entgeg engenommene Geld aus dem Betäubungsmittelhandel behalten, und zwar auch den damit üblicherweise verbundenen Gewinn (vgl. BGE 115 IV 175 E. 2b/bb S. 179). Der Gesetzgeber will lediglich unentgeltliche Zuwendungen an Drittp ersonen der Einziehung un- terwerfen, aber nicht auch den bei Gegenleistungen üblichen Gewinn. Dies ergibt sich schon aus dem Gesetzeswortlaut, der bei gleichwertigen Gegenleistungen, d.h. bei solchen zu dem im normalen Rechtsverkehr üblichen Marktpreis, die Ein- ziehung ausschliesst. Lediglich übersetzte Leistungen unterliegen im Umfang, in dem sie das Marktübliche übersteigen, der Einziehung (vgl. Urteile des Bundes- gerichts 6P.148/2005 und 6S.477/2005 vom 6. Oktober 2006 E. 2.3.2). - 81 - Die drei Beschuldigten hatten vertragliche Vereinbarungen mit D. sowohl bezüg- lich der (angeblichen) Renditen aus ihren eigenen A nlagegeldern – die „Loan Agreements“ (Darlehensverträge) –, als auch bezüglich der erhaltenen (angebli- chen) Provisionen (mindestens mündliche bzw. konklu dente Vermittlerverträge mit D., vgl. z.B. BA 13-1-1281 Z. 23 f.). Diese Vereinbarungen entfalten Rechts- wirkung. Der Umstand, dass D. ein betrügerisches An lagesystem (Schneeball- system) betrieb, führt nicht zur Nichtigkeit der Vermittlerverträge zwischen D. und den Vermittlern bzw. den Beschuldigten (vgl. in die sem Sinne, wenngleich nur implizit, das Urteil des Bundesgerichts 6B_369/2007 vom 14. November 2007 E. 2.2, worin die Einziehung der aus Anlagebetrugsg eldern stammenden Provi- sionen eines gutgläubigen Vermittlers zwar geschützt wurde, jedoch nur deswe- gen, weil es an der Gleichwertigkeit der Gegenleist ung mangelte). Zu prüfen bleibt somit die Voraussetzung der Gleichwertigkeit. c) Provisionsberechnung aa) A. gab anlässlich ihrer polizeilichen Einvernah me vom 31. Juli 2007 an, für jeden von ihr vermittelten Anleger ca. 1.5% an Prov isionen erhalten zu haben (BA 13-1-0012, unten). In späteren Einvernahmen erklärte A., die Provisionsab- rechnungen seien von D.s monatlichem Handelserfolg (Rendite) abhängig gewe- sen und hätten mindestens 1.5% des Anlagevermögens betragen (BA 13-1-0073 Z. 11 f./-0292 Z. 18/-0293 Z. 2 ff.). Die Provision hätte jeweils einem bestimmten prozentualen Anteil der vertraglichen Rendite entsp rochen bzw. „ Ursprung der Provisionsabrechnungen war immer die Rendite, die D . in einem Monat erzielt hat “. Von der durch D. erzielten Rendite sei jeweils d ie Hälfte an ihn gegangen. Die andere Hälfte sei nach Abzug der vertraglich ge schuldeten Rendite folgen- dermassen aufgeteilt worden: 10% an R., 65% an den Geschäftspartner (Ver- mittler) und 25% an sie (A.) selber. A. ergänzte, f rüher habe ein anderer Vertei- lungsschlüssel für Provisionen gegolten. Demnach se i von der zu verteilenden Monatsrendite 6% an den Kunden, 1% an R. und 2% an sie (A.) ausgerichtet worden (BA 13-1-0073 Z. 11 ff./-0549 Z. 26). A.s Aussagen zur Provisionsberechnung stimmen teilw eise nicht mit den Akten überein. So geht beispielsweise aus ihrem Informati onsschreiben vom 5. Feb- ruar 2007 hervor, dass auch eine Tippgeberprovision von 15% (BA B 8-011- 0013-0002 f.) oder gemäss Rundschreiben vom 1. März 2007 für neue Ge- schäftspartner zu Beginn eine Provision von 1.6% vo rgesehen waren (BA 5-1- 1107 f.). Insgesamt erscheinen A.s Aussagen zur Provisionsberechnung unvoll- ständig bzw. zu unpräzis, weshalb das Gericht vorwiegend auf die Provisionsbe- rechnung gemäss CCWF-Bericht-A. (BA 10-1-0001 ff.) abstellt. Diesem ist in Be- zug auf die Provisionsberechnung Folgendes zu entnehmen (BA 10-1-0110 f.): - 82 - Im Anlagesystem D.s waren R. und die Unternehmung F. bzw. A. als sogenannte Kader, die Geschäftspartner/Vermittler und schliesslich die Tippgeber provisions- berechtigt. Die Berechnung der Provisionen hing ein erseits vom Portfolio (1, 2 oder 3), vom Zeitpunkt und zum Teil von der gewählt en Variante ab. Die Höhe des verwendeten Prozentsatzes hing teilweise vom Kunden bzw. vom Vermittler, zu Beginn teilweise auch vom Erfolg D.s ab. Die Kader-Provision betrug bei Port- folio 1 bis Februar 2006 zwischen rund 1.275%-3.09% (je nach Variante) der An- lagesumme, zwischen März bis Dezember 2006 demgegen über 17%-85% der totalen Provision (1.5% der Anlagesumme) und ab Jan uar 2007 20%-50% der totalen Provision (1.5% der Anlagesumme). Die Vermittlerprovision betrug 50%- 65% der totalen Provision (1.5% der Anlagesumme) und die Tippgeberprovision 15% der totalen Provision (1.5% der Anlagesumme). B ei Portfolio 2 betrug die Kader-Provision zwischen 0.8%-2.4% der Anlagesumme, für Geschäftspartner bzw. Vermittler 1.6%-3.2% der Anlagesumme und für Tippgeber 0.8%-1.6% der totalen Anlagesumme (10-1-0111, vgl. bspw. auch Provisionsabrechnungen per 31. August 2006 [BA 13-1-0315 ff.], per 31. Januar 2007 [BA 13-3-0126 ff.] und per 31. Juli 2007 [BA B 8-011-0013-0005 ff.]). Die Provisionen fielen sowohl auf neuen Abschlüssen , als auch auf dem bei je- dem Vermittler bestehenden Bestand an (siehe S. 16 des Urteils Mannheim ge- gen S. et al. vom 18. Februar 2014, BA 18-101-1-1857; vgl. bspw. auch Provisi- onsabrechnungen per 31. Juli 2006 [BA B 8-011-0012- 0013 ff.] und per 31. Au- gust 2006 [BA 13-1-0315 ff.], BA 13-1-0075 Z. 15, 22 f., 31 f.). Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit kann Portfolio 3 (sog. „Produkt HHHHH.“ [BA 5-1-1086]), bei dem sich die Provisionen in Prozenten der akquirierten Anla- gesummen berechneten (BA 10-1-0111, 13-1-0292), unb erücksichtigt bleiben, da das Interesse von Vermittlern und (potentiellen) Anlegern an diesem Produkt gering blieb (BA 13-1-0211, 12-68-0009, TPF 568-930-062 Z. 8 f./-078 Z. 29 f.). Ebenfalls vernachlässigbar ist die sog. Differenzre ndite bzw. Differenzprovision (Differenz zw. 6% Rendite und der mit dem Kunden ve reinbarten Rendite), da die grosse Mehrheit der Anleger Anlageverträge mit 6% Rendite abschlossen, eine Differenzrendite somit höchst selten ausgerichtet wurde (TPF 568-930-032 Z. 38 ff./-062 Z. 11 ff.). bb) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Kader-Pro vision, die Geschäfts- partner/Vermittlerprovision und die Tippgeberprovision durchschnittlich je einen variierenden Prozentsatz von maximal 1.5% der Anlagesumme pro Monat betru- gen. - 83 - d) Gleichwertigkeit aa) Die Tätigkeit eines Anlagevermittlers und Tippg ebers ist vergleichbar mit einem Mäkler. Beim Mäklervertrag kann die Höhe des Mäklerlohns im Rahmen der allgemeinen Vertragsfreiheit grundsätzlich frei vereinbart werden. Der Mäk- lerlohn ist nur geschuldet, wenn der Mäkler einen oder mehrere abschlusswillige Interessenten ausfindig macht, und der Auftraggeber zudem tatsächlich mit einem vom Mäkler ausfindig gemachten Interessenten einen Vertrag abschliesst. Diese doppelte Erfolgsabhängigkeit des Mäklerlohns findet ihren Ausgleich im Fehlen einer Pflicht des Mäklers zum Tätigwerden un d in der Aussicht, eine im Verhältnis zu den effektiven Bemühungen unter Umständen hohe Vergütung zu verdienen (A MMANN , Basler Kommentar, 6. Aufl., 2015, Art. 413 OR N 1 ff.). Nach Rechtsprechung des Bundesgerichts ist zur Beurteilung der Verhältnismäs- sigkeit des Mäklerlohns nicht der Arbeits- oder Zei taufwand massgebend, son- dern der wirtschaftliche Wert der Leistungen des Mäklers (BGE 138 III 669 E. 3.2; AMMANN , a.a.O., Art. 417 OR N 4). bb) Ihre Provisionen begründet A. damit, dass sie D. administrativ zur Verfügung stand und ihm den Rücken freihielt (BA 13-1-0248). Wie vorne unter Erwägung 2.3.2.2 ausgeführt, koordinierte und leitete A. die gesamten Vertriebsaktivitäten für D.s (vermeintliches) Daytrading in der Schweiz und im benachbarten Ausland, so dass D. von der diesbezüglichen Administration b efreit war. A. oblag die ge- samte Instruktion und Betreuung der Geschäftspartne r und teilweise auch der Anleger. Sie sorgte für einen einheitlichen, umfass enden Informationsfluss und kontrollierte die Geschäftspartner, damit das Syste m funktionierte. Zu berück- sichtigen ist sodann, dass A. das Vertriebssystem m itaufbaute, während über zweier Jahre für sämtliche administrativen Belange des (vermeintlichen) Anlage- systems D.s zuständig war, sie mithin gewissermassen die Aufgaben einer Voll- zeit-Chefsekretärin bzw. Managerin ausübte und aufg rund des Kontaktverbots zudem als Verbindungsperson zwischen D. und den Anlegern/Vermittlern diente. Von Relevanz ist schliesslich, dass sie auf eigene Kosten Informationsveranstal- tungen bzw. Mitarbeitertage organisierte und das “F .-Admin-Tool“ entwickeln liess, die Kosten für die Übersetzung der Vertragsu nterlagen und für die Grün- dung des Fonds übernahm, sowie GG. zu ihrer Unterstützung im administrativen Bereich beauftragte und diese selber entschädigte. In Berücksichtigung all des- sen erachtet das Gericht die Provision in der vorstehend (E. 6.5.2.2 lit. c/bb) fest- gestellten Höhe als gleichwertige Gegenleistung im Vergleich zum wirtschaftli- chen Wert ihrer erbrachten Dienstleistungen bzw. für die von ihr ausgeübte Rolle. Eine derartige Provision erscheint angesichts des v on A. geschaffenen Mehr- werts für D.s Anlagesystem als marktüblich. - 84 - cc) B. und C. zählten zu D.s Top-Vermittlern, die seinem Anlagesystem während rund zweier Jahre (C. etwas weniger lang) sehr gute Anleger zuführten (BA 12- 62-0233 Z. 15 f., 13-1-0933 Z. 9 f.). Dabei generierte B. ein Gesamtanlagevolu- men von nahezu USD 24 Mio. (BA 10-2-0046), C. ein solches von immerhin rund USD 6 Mio. (BA 10-3-0100). Beide engagierten sich f ür das (vermeintliche) An- lagesystem und standen hierfür in Kontakt mit A. (B A 13-1-1291 f./-1319, 13-2- 0043 Z. 2 ff., siehe auch vorne E. 2.3.3.2, 2.3.4.2). Die vereinnahmten Provisio- nen stellen eine Gegenleistung dafür dar, dass B. und C. in massgeblicher Weise zur Beschaffung von Anlage- bzw. Investitionskapital für D.s (vermeintliches) An- lagesystem beitrugen. Dabei führten sie D. investit ionswillige Anleger zu, die in bedeutender Höhe anlegten. Wäre D. anlagewillig gewesen, hätten sich ihm mit jedem zusätzlich überwiesenen Anlagekapital jeweils weitere Investitionsmög- lichkeiten eröffnet (bspw. für das Produkt HHHHH.: Portfolio 3). B. und C. gene- rierten damit einen wichtigen Mehrwert für D.s Anlagesystem. Die im Gegenzug vereinnahmten Vermittler- und Tippgeberprovisionen in der vorstehend festge- stellten Höhe (E. 6.5.2.2 lit. c/bb) erscheinen zwar relativ hoch, sind aber in Be- rücksichtigung des von B. und C. geschaffenen Mehrw erts gerade noch als marktkonform einzustufen. e) Die beschlagnahmten Vermögenswerte der Beschuldigten A. und C. bzw. die von den drei Beschuldigten aus dem Anlagesystem D.s vereinnahmten Gelder sind nach dem Gesagten durch das Drittenprivileg geschützt. Damit sind die Vo- raussetzungen weder für eine Einziehung noch für ei ne Ersatzforderung erfüllt (Art. 70 Abs. 2 StGB bzw. Art. 71 Abs. 1 i.V.m. Art. 70 Abs. 2 StGB). Gegenüber A. und B. wäre eine Ersatzforderung zudem aus den n achfolgenden Gründen voraussichtlich uneinbringlich (Art. 71 Abs. 2 StGB): Sowohl A. als auch B. weisen kein Vermögen aus (TPF 568-930-003 Z. 24/-038 Z. 3 ff.). A. erzielt nach eigenen Angaben ein monatliches Einkommen bzw. eine Entschädigung für die Hilfe in der Erledigung der A ngelegenheiten ihres Ehe- mannes in Höhe von Fr. 1‘250.--. Nach Abzug ihrer K rankenkassenbeiträge, Arzt- und Telefonrechnungen etc. verbleiben ihr monatlich Fr. 400.-- bis Fr. 500.- - (TPF 568-930-003 Z. 43 ff.). B.s Einkommen besteh t aus einer monatlichen AHV-Rente von Fr. 1‘755.--, welche für ihn und sein e Familie in Thailand, nach seinen Aussagen knapp zur Bestreitung ihres Lebensu nterhalts ausreicht (TPF 568-930-037 f. Z. 13 ff., vgl. auch definitive Steuerveranlagung 2014 der Steuerkommission V. (AG) vom 11. Juli 2018, TPF 568 -232-034 ff.). Gegen B. bestehen zudem nicht getilgte Verlustscheine aus Pfändungen im Gesamtbetrag von Fr. 304‘295.90 (Betreibungsregisterauszug Betre ibungsamt V. (AG) vom 21. September 2018, TPF 568-232-038 f.). - 85 - f) Gestützt auf vorstehende Erwägungen sind sämtlic he im Vorverfahren be- schlagnahmten bzw. gesperrten Vermögenswerte bei Rechtskraft dieses Urteils freizugeben. Dies betrifft: - Kontonummer 1 und Kontonummer 2, beide lautend au f A., bei der Bank PPPP. (AS S. 108 Z. 3.1); - Kontonummer 3, lautend auf Unternehmung F. in Liq uidation, bei der Bank AAAAA. (AS S. 108, Z. 3.2); - Kundennummer 4, lautend auf K. AG, bei der Bank O OOO. (AS S. 108 f., Z. 3.3); - Kontonummer 5 und Depotnummer 6, lautend auf C.; Kontonummer 7, Kon- tonummer 8 und Depotnummer 9, lautend auf BBBBB. GmbH, bei der Bank CCCCC. (AS S. 109, Z. 3.4; BA 10-3-0030/-0032/-0034); - Kontonummer 10 CHF, Kontonummer 11 EUR, Kontonumm er 12 EUR, lau- tend auf DDDDD. AG, MI-Majuro, und Depotnummer 13 C HF, lautend auf LL. AG, MI-Majuro, bei der Bank EEEEE. (AS S. 109, Z. 3.5; BA 10-3- 0041 f.); - Kontonummer 14, lautend auf C., bei der Bank FFFF F. (AS S. 109 f., Z. 3.6); - Liegenschaft (…) in W. (SG), (AS S. 110 Z. 3.7). Die übrigen, vorstehend nicht erwähnten Konten, welche ursprünglich durch die BA beschlagnahmt wurden, sind zwischenzeitlich saldiert (vgl. 7-3-1-0066/-0131, 7-3-2-0049/-0103) bzw. deren Beschlagnahme aufgehoben worden (vgl. BA 7-1- 4-30 f., 7-1-5-0134 f., 7-3-2-0043 f.). Deren Freigabe erübrigt sich damit. g) Ebenfalls zurückzuerstatten ist der gemäss Besch lagnahmeverfügung vom 9. September 2008 von C. auf das PC-Konto der BA be im Eidgenössischen Fi- nanzdepartement einbezahlte Betrag von Fr. 50'000.-- (BA 8-9-1-0094 ff., -0097; 8-9-1-0178, -0250), zuzüglich der aufgelaufenen Zin sen. Die Anlage beschlag- nahmter Vermögen ist vom Bundesrat in der Verordnun g über die Anlage be- schlagnahmter Vermögenswerte vom 3. Dezember 2010 (SR 312.057) geregelt (Art. 266 Abs. 6 StPO). Gemäss Art. 2 Abs. 2 dieser Verordnung sind bei der Staatskasse oder der Eidgenössischen Finanzverwaltung in Schweizer Franken oder Fremdwährungen hinterlegte Bargelder marktkonf orm zu verzinsen. Der Zinssatz wird von der Eidgenössischen Finanzverwalt ung für die bei ihr hinter- legten Bargelder festgesetzt (Art. 2 Abs. 2 lit. b der vorgenannten Verordnung). - 86 - Entgegen dem Antrag der Verteidigung hat C. lediglich Anspruch auf die seit Ein- zahlung auf dem Konto der BA aufgelaufenen Zinsen, nicht auf einen grundsätz- lichen Zins von 5%. 7. Verfahrenskosten Die Verfahrenskosten können der beschuldigten Perso n nur auferlegt werden, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO) ode r wenn sie freigesprochen wird, aber rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Anhaltspunkte für Letzteres liegen nicht vor. Die Verfahrenskosten si nd daher von der Eidgenos- senschaft zu tragen. 8. Zivilklagen 8.1 Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüc he aus der Straftat als Pri- vatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren ge ltend machen (Art. 122 Abs. 1 StPO). Die in der Zivilklage geltend gemacht e Forderung ist spätestens im Parteivortrag zu beziffern und, unter Angabe der angerufenen Beweismittel, zu begründen (Art. 123 StPO). Dem Wesen des Adhäsio nsprozesses entspre- chend muss der Kläger allerdings nur jene Tatsachen ausführen und beweisen, welche sich nicht bereits aus den Akten ergeben (Ur teil des Bundesgerichts 6B_521/2007 vom 1. Februar 2008 E. 4.2). Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die be- schuldigte Person schuldig spricht (lit. a) oder fr eispricht und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 StPO). Ein materieller Entscheid des Strafgerichts über die Zivilklage ist u.a. dann nicht zulässig, wenn die Zivilklägerschaft auf die Klage verzichtet (Art. 120 Abs. 1 StPO) oder die beschuldigte Person freigespro- chen wird, der Sachverhalt aber nicht spruchreif ist (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). In ersterem Fall ist die Klage abzuschreiben, in le tzterem Fall ist sie auf den Zi- vilweg zu verweisen (D OLGE , Basler Kommentar, 2. Aufl., 2014, Art. 126 StPO N 6 f.). Spruchreif ist der Sachverhalt, wenn über den Zivilanspruch ohne Weite- rungen auf Grund der im bisherigen Verfahren gesamm elten Beweise entschie- den werden kann, mithin keine Beweiserhebungen gema cht werden müssen (DOLGE , a.a.O., N 19 und 41). 8.2 Die BA hat dem Gericht die Angaben über die Zivilklagen gemäss Art. 326 Abs. 1 lit. a StPO in Form eines Klägerverzeichnisses unte rbreitet (vgl. Anhänge 7a - 87 - [„Übersicht Privatkläger mit Gesamtforderungen“] und 7b [„Detailübersicht Privat- klagen“] der AS). Einem Teil der in diesem Verzeichnis als Zivilkläger aufgeführ- ten geschädigten Personen kommt diese Stellung inde ssen nicht (mehr) zu, da sie ihre Privatklage im Sinne von Art. 120 Abs. 1 S tPO zurückgezogen haben und deren Zivilklagen infolgedessen abgeschrieben werden müssen. Es handelt sich dabei um folgende Personen: Name (in alphabetischer Reihenfolge) Privatklägernu mmer (PK-Nr.) (…) (…) 8.3 Alle Beschuldigten wurden freigesprochen, jedoch is t der festgestellte Sachver- halt nicht spruchreif. Die aktuellsten Dokumente aus dem gegen D. bzw. gegen die G. Inc./H. Inc. in den USA geführten Insolvenzverfahren datieren vom 18. No- vember 2015 (vgl. BA 19-3-0001 ff., -0006), bzw. 3. Februar 2016 (TPF 568-925- 680 ff./-683 ff.). Inwiefern zwischenzeitlich Privatkläger allenfalls eine Konkursdi- vidende aus dem Insolvenzverfahren in den USA erhal ten haben oder noch er- halten werden und in welcher Höhe, lässt sich gestützt auf die vorliegenden Ak- ten nicht feststellen. Abgesehen davon, dass allfällige weitere in diesem Zusam- menhang durchführbare Beweismassnahmen auf dem Rech tshilfeweg erfolgen müssten und damit für das Strafverfahren einen unve rhältnismässigen Zeitauf- wand darstellen würden, wäre deren Durchführung nic ht unbedingt zielführend, da die ausländische Verarbeitungsdauer und Rechtsgr undlage dem entgegen- stehen könnten. Angesichts der bereits überlangen Verfahrensdauer (vgl. vorne E. 4.2.3) sind in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO die Zivilklagen daher auf den Zivilweg zu verweisen. 9. Berichtigung 9.1 Ist das Dispositiv eines Entscheides unklar, widers prüchlich oder unvollständig oder steht es mit der Begründung im Widerspruch, so nimmt die Strafbehörde, die den Entscheid gefällt hat, auf Gesuch einer Par tei oder von Amtes wegen eine Erläuterung oder Berichtigung des Entscheids vor (Art. 83 Abs. 1 StPO). Bei der Berichtigung geht es darum, offenkundige Ve rsehen, wie Schreibfehler, Rechnungsirrtümer, irrige Bezeichnung der Parteien und ähnliche Unrichtigkei- ten zu korrigieren. Ein offenkundiges Versehen ist anzunehmen, wenn aus dem Text einer gerichtlichen Entscheidung klar hervorge ht, dass das, was die Straf- behörde aussprechen oder anordnen wollte, nicht übe reinstimmt mit dem, was sie tatsächlich ausgesprochen oder angeordnet hat ( B RÜSCHWEILER , in: Do- natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess- ordnung, 2. Aufl., 2014, Art. 83 N 3). - 88 - 9.2 In Ziff. IV.4. des im Anschluss an die mündliche Urteilseröffnung vom 4. Dezem- ber 2018 ausgeteilten Dispositivs wurde versehentli ch nicht vermerkt, dass die zurückgezogenen Zivilklagen abzuschreiben sind. Aus den vorstehenden Erwä- gungen (E. 8.2 und 8.3) geht klar hervor, dass ein Teil der Privatkläger ihre Zivil- klagen im Sinne von Art. 120 Abs. 1 StPO zurückgezogen haben und diese folg- lich abgeschrieben werden müssen. Es liegt insoweit ein offensichtliches Verse- hen vor. Ziff. IV.4. des Dispositivs ist daher wie folgt zu berichtigen bzw. zu er- gänzen: „Die Zivilklagen der Privatkläger werden auf den Zi vilweg verwiesen, soweit sie nicht zufolge Rückzugs abgeschrieben werden.“ - 89 - Die Strafkammer erkennt: I. 1. A. wird freigesprochen. 2. A. wird durch die Eidgenossenschaft wie folgt en tschädigt: 2.1 mit Fr. 107‘400.--, zuzüglich 5% Zins ab 7. Mai 2013, für die Aufwendungen im Zu- sammenhang mit der erbetenen Verteidigung; 2.2 mit Fr. 1‘760.-- für die notwendige Beteiligung am Strafverfahren; 2.3 mit Fr. 3‘500.--, zuzüglich 5% Zins ab 15. Juni 2013, als Genugtuung. 3. Rechtsanwalt Michael Kummer wird für die amtlich e Verteidigung von A. mit Fr. 271‘200.-- (inkl. MWST), abzüglich bereits geleisteter Zahlungen, von der Eidge- nossenschaft entschädigt. II. 1. B. wird freigesprochen. 2. B. wird durch die Eidgenossenschaft wie folgt en tschädigt: 2.1 mit Fr. 3‘308.--, abzüglich bereits geleisteter Zahlungen im Umfang von Fr. 3‘168.--, für die notwendige Beteiligung am Strafverfahren; 2.2 mit Fr. 2‘500.--, zuzüglich 5% Zins ab 5. Augus t 2013, als Genugtuung. 3. Rechtsanwalt Christoph Hohler wird für die amtli che Verteidigung von B. mit Fr. 141‘200.-- (inkl. MWST), abzüglich bereits geleisteter Zahlungen, von der Eidge- nossenschaft entschädigt. III. 1. C. wird freigesprochen. 2. C. wird der auf das PC-Konto der Bundesanwaltsch aft einbezahlte Betrag von Fr. 50'000.--, zuzüglich der aufgelaufenen Zinsen, nach Eintritt der Rechtskraft zu- rückerstattet. - 90 - 3. C. wird durch die Eidgenossenschaft wie folgt en tschädigt: 3.1 mit Fr. 6‘900.--, zuzüglich 5% Zins ab 1. Oktob er 2008, für die Aufwendungen im Zusammenhang mit der erbetenen Verteidigung; 3.2 mit Fr. 1‘210.-- für die notwendige Beteiligung am Strafverfahren; 3.3 mit Fr. 3‘500.--, zuzüglich 5% Zins ab 21. Augu st 2013, als Genugtuung. 4. 4.1. Rechtsanwalt Peter Volkart wird für die Vertei digung von C. mit Fr. 3‘529.60 (inkl. MWST) von der Eidgenossenschaft entschädigt. Es wird festgestellt, dass die Ent- schädigung an Rechtsanwalt Peter Volkart in vollem Umfang ausgerichtet worden ist. 4.2. Rechtsanwalt Alois Näf wird für die Verteidigu ng von C. mit Fr. 70‘400.-- (inkl. MWST) von der Eidgenossenschaft entschädigt. IV. 1. Die gemäss Anklageziffer V. 1.1. bis V. 1.8. bes chlagnahmten Gegenstände und Unterlagen werden den jeweils Berechtigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ur- teils zurückgegeben. 2. Die Beschlagnahme folgender Vermögenswerte wird mit Rechtskraft dieses Urteils aufgehoben: 2.1. Kontonummer 1 und Kontonummer 2, beide lautend auf A., bei der Bank PPPP.; 2.2. Kontonummer 3, lautend auf Unternehmung F. in Liquidation, bei der Bank AAAAA.; 2.3. Kundennummer 4, lautend auf K. AG, bei der Ban k OOOO.; 2.4 Kontonummer 5 und Depotnummer 6, lautend auf C. ; Kontonummer 7, Kontonum- mer 8 und Depotnummer 9, lautend auf BBBBB. GmbH, bei der Bank CCCCC.; 2.5. Kontonummer 10 CHF, Kontonummer 11 EUR, Konton ummer 12 EUR, lautend auf DDDDD. AG, MI-Majuro, und Depotnummer 13 CHF, laute nd auf LL. AG, MI-Ma- juro, bei der Bank EEEEE.; 2.6. Kontonummer 14, lautend auf C., bei der Bank F FFFF.; 2.7. Liegenschaft (…) in W. (SG). - 91 - 3. Die Kosten des Verfahrens trägt die Eidgenossens chaft. 4. Die Zivilklagen der Privatkläger werden auf den Zivilweg verwiesen, soweit sie nicht zufolge Rückzugs abgeschrieben werden. V. Dieses Urteil wird in der Hauptverhandlung eröffnet und durch die Vorsitzende mündlich begründet. Den anwesenden Parteien wird das Urteils dispositiv ausgehändigt, den übri- gen wird es schriftlich zugestellt . Im Namen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts Die Vorsitzende Die Gerichtsschreiberin Eine vollständige schriftliche Ausfertigung wird zugestellt an: - Bundesanwaltschaft, Herrn Thomas Bosshard, a.o. St aatsanwalt des Bundes - Herrn Rechtsanwalt Michael Kummer, Verteidiger von A. - Herrn Rechtsanwalt Christoph Hohler, Verteidiger v on B. - Herrn Rechtsanwalt Alois Näf, Verteidiger von C. - Herrn Rechtsanwalt Frieder Birzele, Vertreter der Privatkläger (…) - Herrn und Frau PPPPP., Privatkläger - Frau QQQQQ., Privatkläger - Herrn CC., Privatkläger Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an: - Bundesanwaltschaft als Vollzugsbehörde (vollständi g) - 92 - Rechtsmittelbelehrung Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie die Verfahrenshandlungen der Strafkammer des Bundesstrafge- richts als erstinstanzliches Gericht, ausgenommen v erfahrensleitende Entscheide, kann innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde bei der Beschwer dekammer des Bundesstrafgerichts geführt werden (Art. 393 Abs. 1 lit. b und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen schriftlich und begrün- det Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstr afgerichts führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). Mit der Beschwerde können gerügt werden: a. Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss- brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsv erzögerung; b. die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts; c. Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 StPO). Beschwerde an das Bundesgericht Gegen verfahrensabschliessende Entscheide der Strafka mmer des Bundesstrafgerichts kann beim Bundes- gericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Ausfertigung Beschwerde eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG). Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a und b BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nu r gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 9 5 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Versand: 12. Juni 2019