Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Juni 2012 (720 11 29) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente, Obergutachten Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichterin El isabeth Berger Götz, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Alex Hediger, Advo- kat, Freie Strasse 82, Postfach, 4010 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.9163.0469.57) A. A.____, geb. 1956, war bis 31. Dezember 2006 als Sch aler bei der B.____ tätig. Am 3. Dezember 2007 meldete er sich unter Hinweis auf einen Tumor bei der Eidgenössischen Invali- denversicherung zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 23. Dezember 2010 gewährte die IV-Stelle A.____ rückwirkend vom 1. September 2007 bis 31. März 2008 eine befristete ganze IV-Rente. Für die folgende Zeit lehnte sie die Ausri chtung einer IV-Rente gestützt auf das Gut- achten des Ärztlichen Begutachtungsinstitutes (ABI) vom 21. Januar 2010 und einen ermittelten IV-Grad von 35 % ab. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten du rch Dr. Alex Hediger, Advokat, mit Eingabe vom 19. Januar 2011 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungs- recht. Er beantragte die teilweise Aufhebung der Ver fügung und die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente über den 31. März 2008 hinaus. Zur Begründun g führte er im Wesentlichen an, dass das C.____-Gutachten vom 21. Januar 2010 sowohl in somat ischer als auch in psychiatrischer Hinsicht in Widerspruch zu den Berichten diverser Ärzte s tehe. Insbesondere gingen Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Arztbericht vom 10. Juni 2010 und Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in sein em Gutachten vom 31. März 2009 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus. C. Mit Vernehmlassung vom 22. Juni 2011 beantragte die IV-Stelle die teilweise Gutheis- sung der Beschwerde. Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, sei im Rahmen der C.____-Begutachtung auf die divergierenden Diag nosestellungen von Dr. D.____ und Dr. E.____ eingegangen und habe diese nachvollziehbar wid erlegt. Zu ergänzen sei jedoch, dass aufgrund der Hüftoperation eine Verschlechterung des G esundheitszustandes von Oktober 2010 bis Ende März 2011 zu berücksichtigen sei. In dieser Zeit habe der Versicherte keiner Tätigkeit nachgehen können. Ab April 2011 sei ihm wied er eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 80% möglich. Daraus ergebe sich in Berücksichtig ung von Art. 88a der Verord- nung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Janu ar 1961 ein Anspruch auf eine ganze IV-Rente ab Oktober 2010 bis Ende Juni 2011. D. Mit Replik vom 25. Juli 2011 und Duplik vom 10. Augu st 2008 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. E. Das Gericht ordnete mit Verfügung vom 4. Oktober 201 1 die Einholung eines psychiatri- schen Gerichtsgutachtens an. Mit Verfügung vom 1. Dezember 2011 wurde Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Begutachtung betraut. F. Dr. G.____kam mit Gutachten vom 23. Januar 2012 z um Schluss, dass der Beschwer- deführer aufgrund einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom zu 50% arbeitsunfähig sei. Die Minderungen der Leistungsfähi gkeit aus psychiatrischer Sicht einerseits und somatischer Sicht andererseits addierten sich teilweise, jedoch nicht vollständig. Bei einem Pensum von 60% sei die Leistungsfähigkeit gesamtmedizin isch um ein Drittel vermindert, so dass eine gesamtmedizinische Arbeitsfähigkeit von 40 % re sultiere. Anzunehmen sei, dass die 50%ige Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht seit ca. Anfang 2009 bestehe. G. Mit Stellungnahme vom 28. Februar 2012 beantragt e der Beschwerdeführer, vertreten durch Advokat Hediger, die Gutheissung der Beschwerde. B ei einer Arbeitsfähigkeit von 40% und einem leidensbedingten Abzug von 20% habe der Versicherte Anspruch auf eine ganze IV- Rente. H. Die IV-Stelle hielt dagegen mit Vernehmlassung vom 28. März 2012 gestützt auf die Stellungnahme des C.____-Gutachters Dr. F.____ vom 20. März 2012 an ihrem Antrag auf teil- weise Gutheissung fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob der Beschwerdefüh- rer über den 31. März 2008 hinaus Anspruch auf eine IV-Rente hat. 1.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). 1.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2 , 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Vor- aussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 1 02 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 2.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Die IV-Stelle stützte sich bei ihrem Entscheid auf da s C.____-Gutachten vom 21. Januar 2010, wonach der Versicherte aus rheumatologischer und p sychiatrischer Sicht 80% arbeitsfä- hig sei. Der Beschwerdeführer ist dagegen der Auffassung , dass allein gestützt auf die Darle- gungen von Dr. D.____ und Dr. E.____ von einer höheren Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. 4. Gemäss dem C.____-Gutachten vom 21. Januar 2012 wu rde der Versicherte in psychi- atrischer Hinsicht von Dr. F.____, in internistischer Hinsi cht von Dr. med. H.____, FMH Allge- meine und Innere Medizin, sowie in orthopädischer Hin sicht von Dr. med. I.____, FMH Ortho- pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappar ates, untersucht. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellten sie ein muskelinvasives Urothelkarzinom der Harn- blase ohne aktuellen Tumornachweis bei Status nach radi kaler Zystoprostato-Vesikulektomie und Einsatz einer Ersatzblase am 23. April 2007 und Status nach 4 Zyklen Chemotherapie, eine leichte depressive Episode ohne somatische Symptome und chronische Hüftschmerzen links bei partieller Femurkopfnekrose links fest. Ohne Auswirkun gen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine Adipositas, ein Status nach tiefer Venenthrombos e beidseits und eine Medikamenten- Malcompliance. In der angestammten Beschäftigung im Ba ugewerbe bestehe seit September 2006 bleibend eine volle Arbeitsunfähigkeit. In eine r körperlich leichten Verweistätigkeit, die vorwiegend im Sitzen mit gelegentlichen Positionswechseln durchgeführt werden könne und der Zugang zu einer Toilette jederzeit gewährleistet sei, sei eine Arbeitsleistung von 80% zumutbar. Sowohl aus orthopädischer als auch aus psychiatrischer Sicht sei eine Einschränkung von 20% gegeben, wobei sich die Beeinträchtigungen aus den beiden Fachrichtungen ergänzen würden. 5. Die körperlichen Beschwerden sind im Gutachten gut do kumentiert und die Einschrän- kungen sind nachvollziehbar beschrieben und decken sich in den Diagnosen und den Auswir- kungen weitgehend mit den ärztlichen Vorberichten. Den somatischen Teilgutachten ist damit volle Beweiskraft zuzuerkennen. So bestätigte der behande lnde Arzt Dr. med. J.____, FMH Urologie, am 13. Januar 2010, dass der Zustand des Versicherten zufriedenstellend sei und aus urologischer Sicht für körperlich leichte Tätigkeiten keine Einschränkungen vorlägen, sofern der Versicherte wegen seiner leichten Inkontinenz die Möglichke it habe, nach Bedarf auf die Toilet- te zu gehen (vgl. S. 11 des C.____-Gutachtens). Der B ericht vom 8. April 2009 von Dr. med. K.____, FMH Innere Medizin und Kardiologie, welcher vo n einer Arbeitsunfähigkeit ab 1. März 2008 ausgeht mit der Begründung, dass persistierende Sc hmerzen im kleinen Becken und die Inkontinenz eine Umschulung auf eine leichtere Tätigkei t verunmöglichten, scheint nach den gutachterlichen Feststellungen und den Ausführungen von Dr. J.____, welcher den Versicher- ten als behandelnder Spezialist kurz nach Dr. K.____ am 27. April 2009 untersuchte, überholt. Aus orthopädischer Sicht führte Dr. I.____ an, dass die v om Versicherten angegebenen Be- schwerden an der linken Hüfte durch die objektivierbaren Befunde gut begründet seien. Es be- stehe eine partielle Femurkopfnekrose, die allerdings i m Längsverlauf über ein Jahr nicht we- sentlich progredient geworden sei und wo nach wie vor von Seiten des Exploranden kein Wunsch nach einem invasiven Eingriff bestehe. Durch diese Pathologie sei die Belastbarkeit des linken Beines deutlich vermindert, was sich bei ste henden und gehenden Aktivitäten stark limitierend auswirke. Als Tätigkeit käme in erster Lin ie eine manuelle Tätigkeit auf Tischhöhe in Frage, bei welcher der Versicherte die zugeteilte Arbei tsmenge idealerweise auf den ganzen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tag verteilen könne, um die notwendigen Pausen selbstä ndig festzulegen. Der Versicherte müsse ausserdem während der Arbeit die Gelegenheit zur D urchführung von Bewegungsübun- gen oder zur Applikation des von ihm verwendeten Massa gegerätes haben. Die orthopädische Beurteilung von Dr. I.____ steht in Einklang mit den Ausführungen des behandelnden Arztes der orthopädischen Klinik des Kantonsspitals Dr. med. L._ ___, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 27. Mai 2009, 30. Juni 2009 sowie 3. Au- gust 2009. Beide Ärzte stellten dieselben Diagnosen. Dr . L.____ bestätigte, dass die Befunde unverändert seien und auch die Prognose gleich sei. Bei den leichtgradigen Beschwerden ohne hohen Leidensdruck werde weiterhin Physiotherapie empf ohlen. Sollten die Beschwerden zu- nehmen, sei gegebenenfalls eine hüfttotalprothetische V ersorgung ins Auge zu fassen. Dr. L.____ äusserte sich nicht explizit zur Arbeitsfähigkeit, bemerkte aber, dass eine leichte körper- liche Tätigkeit zu empfehlen wäre, da körperlich stark belastende Arbeiten aus gesundheitlichen Gründen ungeeignet seien (vgl. Bericht vom 27. Mai 2009). 6.1 In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte Dr. E.____ eine mittelgradige depressive Epi- sode mit somatischen Symptomen (F32.01), die im Anschlu ss an eine Chemotherapie und der operativen Behandlung eines fortgeschrittenen Urethelkar zinoms der Blase aufgetreten sei. Er attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus somat ischen und psychiatrischen Gründen. Dr. D.____ führte als Diagnose in seinem Bericht vom 26. Juni 2009 eine mittelgradige bis schwere depressive Episode mit ausgeprägtem somatischem Syndrom an. Der aktuelle psychische Zu- stand sei gekennzeichnet von einer ausgeprägten depressiv en Symptomatik und einer starken Somatisierung. Die Prognose sei ungünstig und hänge a uch von seinem körperlichen Zustand, aktuell von der bevorstehenden Hüftoperation ab. Es beste he eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 7. Februar 2008. Mit Schreiben vom 10. Juni 2010 berichtete Dr. D.____, dass weiterhin die Diagnose einer mittelgradigen bis schweren depressiven Epi sode mit ausgeprägtem somati- schem Syndrom bestehe. Der Versicherte zeige deutliche Zei chen einer Depression. Er spre- che langsam, vermeide meistens den Blickkontakt, schaue zum Fu ssboden, seine Stimmung wirke niedergeschlagen bis verzweifelt. In seinen Gedan ken scheine er vollständig mit seinen Minderwertigkeitsgefühlen und seiner hoffnungslosen Sit uation beschäftigt zu sein. Das Leben mache ihm keine Freude und häufig denke er an den Tod. 6.2 Dr. F.____ diagnostizierte dagegen mit Teilgutach ten vom 21. Januar 2010 eine leichte depressive Episode ohne somatische Symptome (F 32.00). Es lasse sich eine leichte bedrückte Stimmung feststellen mit Zukunftssorgen und Befürchtung en hinsichtlich eines möglichen Kar- zinomrezidivs. Eine schwere depressive Erkrankung sei nicht e rkennbar. Hierfür fehlten eine Antriebsstörung, Suizidgedanken, ein zirkadianer Rhythmus o der eine vital gehemmte Traurig- keit. Aus psychiatrischer Sicht stünden die körperlichen Erkrankungen des Versicherten eindeu- tig im Vordergrund, während die psychische Störung eine n reaktiven Charakter aufweise. Die Serumwerte für die verordneten Antidepressiva lägen un ter der Nachweisgrenze. Bei fehlender Compliance müsse daher auf einen eher geringen subjekti ven Leidensdruck geschlossen wer- den. Aufgrund der leichtgradigen depressiven Episode kön ne dem Versicherten eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% attestiert werde n. Zu den Berichten von Dr. E.____ und Dr. D.____ sei zu bemerken, dass beide in ihrer psychia trisch begründeten Arbeitsunfähig- keit explizit die körperliche Situation des Exploranden mit eingeschlossen hätten. Dies möge Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht inhaltlich richtig sein, insofern als zwischen der Depressi on und den körperlichen Beschwerden ein Zusammenhang bestehe. Die psychiatrische Störung soll e jedoch zur Quantifizierung der Leistungseinbusse gesondert betrachtet werden. 6.3 Da die Beurteilung von Dr. F.____ sowohl in der D iagnosestellung als auch bezüglich der Arbeitsfähigkeit im Widerspruch zu den Feststellunge n von Dr. E.____ und Dr. D.____ stand, war die Einholung eines Obergutachtens angezeig t (vgl. Verfügung vom 4. Oktober 2011). Die Gerichtsgutachterin Dr. G.____ diagnostizier te gemäss ihrem Gutachten vom 23. Januar 2012 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein e mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F 32.11). An depressiver Symptomatik fände sich gegenwärtig eine mittelgradige depressive Niedergeschlagenheit, ein nahe zu vollständiger Interessen- und Freu- deverlust, ein mittelgradig verminderter Antrieb, ein Verlust des Selbstwertgefühls mit Scham- gefühlen und Gefühlen von Wertlosigkeit, wiederkehrend e Suizidgedanken, subjektive Kon- zentrations- und Gedächtnisstörungen, Ein- und Durchschlafstörungen, Appetitminderung (ohne entsprechenden Gewichtsverlust), innere Unruhe mit Nervo sität und Reizbarkeit sowie ein aus- geprägter sozialer Rückzug. Die Kriterien für eine mitt elgradige depressive Episode seien er- füllt. Die diagnostischen Kriterien des somatischen Syndr oms gemäss ICD-10 seien ebenfalls gegeben. So seien ein deutlicher Interessenverlust und ein Verlust der Freude an normalerwei- se angenehmen Tätigkeiten, eine mangelnde Fähigkeit, auf Ereignisse oder Aktivitäten emotio- nal zu reagieren sowie ein deutlicher Appetit- und Li bidoverlust zu bejahen. Wie auch von bei- den psychiatrischen Vorgutachtern beschrieben, sei die Gene se der depressiven Störung des Versicherten als reaktiv im Sinne einer Reaktion auf die somatische Erkrankung und den damit verbundenen Einschränkungen, Verlusten und Ängsten zu ver stehen. Der Versicherte, welcher sich zuvor weitgehend über seine berufliche Tätigkeit und seinen Fleiss definiert habe, habe seiner Wahrnehmung nach durch die Tumorerkrankung alles verloren. Seine körperlichen Ein- schränkungen, insbesondere seine sexuelle Dysfunktion und se ine Inkontinenz mit wiederhol- tem Einnässen, den damit verbundenen Kontrollverlust un d den unangenehmen Geruch erlebe der Versicherte mit einem grossen Schamgefühl. Er bezeichne sich selbst als wertlos. Es hätten keine relevanten krankheitsfremden, psychosozialen Belastu ngsfaktoren festgestellt werden können, welche in Bezug auf die Krankheitsentwicklung eine signifikante Rolle gespielt hätten. Die Medikamentencompliance des Versicherten könne nicht abschliessend beurteilt werden. Hierzu wären wiederholte, unangekündigte Laboruntersuchungen erforderlich. Die diagnostische Einschätzung von Dr. F.____ sei in meh rfacher Hinsicht nicht nachvollzieh- bar. Im Gutachten fänden sich kaum Angaben bezüglich des Krankheitserlebens oder der Krankheitsverarbeitung. Es sei nicht exploriert worden, inwiefern der Versicherte sich durch die Ersatzblase im Alltag beeinträchtigt fühle und mit we lchen Gefühlen, nämlich Scham und Wert- losigkeit, die Beschwerden einhergingen. Auf die Inkont inenz mit wiederholtem Einnässen sei kaum eingegangen worden. Bezüglich der sexuellen Aktivitä t des Versicherten, seiner erektilen Dysfunktion und den Auswirkungen der Erkrankung auf seine Ehebeziehung fänden sich im Gutachten nur zwei knappe Sätze. Bei der heutigen Unt ersuchung habe sich ein konträres Bild mit Hinweisen auf mannigfache innerfamiliäre Konflikte als Folge der Erkrankung, insbesondere infolge der nervösen Gereiztheit mit Lärmunverträglichk eit und der sexuellen Dysfunktion des Versicherten ergeben. Für das ABI-Gutachten seien keine fremdanamnestischen Angaben von Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angehörigen erhoben worden, es sei kein Kontakt zum beha ndelnden Psychiater erfolgt. Ein Grossteil der Argumentation stütze sich auf die nicht nach weisbaren Medikamentenspiegel, welche von den Autoren als Hinweis für eine Malcompliance und einen fehlenden subjektiven Leidensdruck gedeutet worden seien. Angesichts der unge nügenden psychiatrischen Explorati- on und der wenig differenzierten Betrachtungsweise sei davon auszugehen, dass der Schwere- grad des zum damaligen Zeitpunkt vorliegenden psychiatrisch en Zustandbildes von den Gut- achtern nicht richtig erfasst worden sei. Mit überwiegen der Wahrscheinlichkeit habe bereits da- mals eine mittelgradige depressive Symptomatik vorgelege n, wie diese auch von Dr. E.____ und Dr. D.____ beschrieben worden sei. Aus rein psychiat rischer Sicht bestehe für körperlich leichte, den somatischen Erkrankungen angepasste, ungelernte Verweistätigkeiten ohne erhöh- te Anforderungen bezüglich Arbeitstempo, Selbststrukturi erung, Entscheidfindung, Multitasking und Flexibilität eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Bei e inem gleichmässig auf die Wochentage ver- teilten Arbeitspensum von 60% bestehe eine Leistungsmi nderung durch Verlangsamung und die beschriebene Notwendigkeit für das Einlegen von Erh olungspausen, so dass eine effektive Arbeitsfähigkeit von 50% resultiere. Die psychiatrischen Funktionsdefizite schränkten die mögli chen Verweistätigkeiten weiter ein. Der Schweregrad der psychiatrischen Symptomatik sei ausschlagg ebend und limitierend für das zumutbare Arbeitspensum. Die Minderungen der Leist ungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht einerseits und somatischer Sicht andererseits addier ten sich teilweise, jedoch nicht voll- ständig. Die subjektiv erlebten Schmerzen seien berücksicht igt worden und dürften nicht zwei- fach gewertet werden. Im Gegensatz zur Einschätzung der C.____-Gutachter könnten die aus somatischer Sicht erforderlichen Pausen von dem Versichert en jedoch kaum zur seelischen Erholung genutzt werden. Während der notwendigen To ilettengänge werde der Versicherte stets aufs Neue mit seinen Einschränkungen konfrontiert, die damit verbundenen Gefühle von Scham und Wertlosigkeit erforderten einen erhöhten in nerseelischen Energieaufwand. Bei ei- nem Pensum von 60% sei die Leistungsfähigkeit gesamtme dizinisch um ein Drittel gemindert, so dass eine gesamtmedizinische Arbeitsfähigkeit von 40% resultiere. In Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit d urch den Vorgutachter Dr. E.____ und den behandelnden Psychiater Dr. D.____ sei anzumerken, dass d ie psychiatrischen und somati- schen Faktoren vermengt oder mit eingeflossen seien. Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit al- lein aufgrund einer mittelgradig ausgeprägten depressiven Symptomatik zu attestieren, sei nicht nachvollziehbar. Die Einschätzung von Dr. F.____, dass ei ne 80%ige Arbeitsfähigkeit bei einer leichtgradigen depressiven Episode vorliege, könne angesichts der unzureichenden Exploration nicht gestützt werden und werde dem Ausmass der psychischen Beeinträchtigungen des Versi- cherten nicht gerecht. Die beschriebene 50%ige Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestehe wahrscheinlich seit circa Anfang 2009. Diese retrospektive Einschätzung könne n ur approximativ sein. Erstmals beschrieben werde die mittelgradige depressive Symptomatik von Dr. E.____ im März 2009. 7.1 Nach Würdigung der psychiatrischen Berichte ist auf d as ausführliche und überzeugen- de Gerichtsgutachten von Dr. G.____ abzustellen. Die Anamnese wurde sorgfältig und gründ- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich erhoben und die Ursachen für die psychische Erkranku ng anhand der Krankengeschichte, der persönlichen Untersuchung und der Befragung des Be schwerdeführers nachvollziehbar dargelegt. Das Beschwerdebild und die Diagnosekriterie n wurden umfassend herausgearbeitet und beschrieben. Die Auseinandersetzung mit den Gutachte n von Dr. F.____ und Dr. E.____ sowie dem Bericht von Dr. D.____ erfolgte sachlich und differenziert. Insbesondere ergibt das Gutachten zusammen mit dem Vorgutachten von Dr. E.____ sowie dem Bericht von Dr. D.____ - obwohl sie in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit voneinander abweichen - ein umfassendes Bild des Krankheitsgeschehens und der Auswirkungen auf di e Psyche des Versicherten. Im Gegensatz dazu wirkt das C.____-Teilgutachten von Dr. F. ____ inhaltlich weniger substantiiert und im Ergebnis isoliert, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Das gleiche gilt für seine Stellungnahme zum Gutachten von Dr. G.____ vom 20. Mä rz 2012. Darin erklärt Dr. F.____, dass seine Beurteilung auf der Lehre von Kübler-Ross beruhe, wonach die Rezidivängste eines Tumorpatienten als normale psychologische Reaktion zu werten seien und nicht als psychische Störung. Auf den vorliegenden Fall bezogen, vermag di ese doch eher theoretisch gehaltene Auffassung verglichen mit den detaillierten Darlegung en von Dr. G.____, Dr. E.____ und Dr. D.____ nicht zu überzeugen. 8. Im Ergebnis ist demnach gestützt auf das Gerichtsgutacht en von Dr. G.____ davon aus- zugehen, dass der Versicherte aufgrund einer mittelschwere n depressiven Episode mit somati- schem Syndrom in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Aus psychiatrischer Sicht besteht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit Anfang 2009. Nach den Ausführungen von Dr. E.____, wel- cher erstmals im März 2009 eine mittelgradige depressive S ymptomatik beschrieb, ist dieser Zeitpunkt als massgebend zu betrachten. Demnach besteht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen bzw. eine gesamtmedizinische von 40% seit März 2009. Die attestierte 40%ige Arbeitsfähigkeit berücksichtigt sowohl die psychischen als auch die somatischen Beein- trächtigungen. Zur Bestätigung der gesamtmedizinischen A rbeitsunfähigkeit wäre aber noch eine Konsensbesprechung zwischen Dr. G.____ und Dr. I.____ notwendig. Das Gericht verzich- tet im vorliegenden Fall auf die Einholung einer solch en Stellungnahme, weil - wie der folgende Einkommensvergleich aufzeigen wird - sowohl bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50% als auch einer solchen von 40% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente besteht. 9.1 Die Invaliditätsbemessung bei erwerbstätigen Versiche rten erfolgt aufgrund eines Ein- kommensvergleichs. Gemäss Art. 16 ATSG wird dazu das Erwerb seinkommen, das die versi- cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Dur chführung der medizinischen Behand- lung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli- chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zum Erwerbsein- kommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht inva lid geworden wäre (Validenein- kommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst gena u ermittelt und einander ge- genübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensd ifferenz der Invaliditätsgrad bestim- men lässt (vgl. BGE 104 V 136). Nach der Rechtsprechung d es Bundesgerichts sind für den Einkommensvergleich grundsätzlich die Verhältnisse im Zeit punkt des Beginns des Rentenan- spruchs massgebend (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174). Unbe stritten ist, dass der Versicherte vom 1. September 2007 bis 31. März 2008 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens stützte sich die IV-Stelle richtigerweise auf die Tabelle TA 1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebun g (LSE) 2006, Sektor Baugewerbe, Spalte 4, Männer und dem entsprechenden jährlichen Ein kommen von Fr. 60'084.-- (12 x Fr. 5'007.--) bei einer Arbeitswoche von 40 Stunden. Umge rechnet auf die betriebsübliche wö- chentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden resultiert ein Jahreseinkommen für das Jahr 2006 von Fr. 62'638.-- pro Woche. In Berücksichtigung der Nomin allohnentwicklung ergibt dies für das Jahr 2007 (1,6%) ein Einkommen von Fr. 63'640.--, für das Jahr 2008 (2%) ein solches von Fr. 64'913.-- und für das Jahr 2009 (2%) ein solches von Fr. 66'211.-- (vgl. T1.1.05 Nominallohnin- dex Männer, 2006-2009, in Lohnentwicklung 2009, Bundesamt für Statistik). 9.3 Für das Invalideneinkommen ermittelte die IV-Stell e für das Jahr 2006 ein Einkommen in der Höhe von Fr. 4'732.-- gemäss Tabelle TA 1, Total, Anforderungsniveau 4, Männer. Auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 umgerechnet, resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 59'197.--. Die entsprechende Anpassung an die Nominallohnentwicklung für das Jahr 2007 (1,6%) ergibt ein Einkommen von Fr. 60'144.--, für das Jahr 2008 (2,2%) ein solches von Fr. 61'467.-- und schliesslich für das Jahr 2009 (2,1%) ein solches von Fr. 62'758.--. Bei einer Restarbeitsfähigkeit von 50% resultiert ein Einkommen von Fr. 31'379.-- und bei einer Arbeits- fähigkeit von 40% ein solches von Fr. 25'103.---. 10.1 Von dem auf diese Weise erhobenen statistischen Wert können unter bestimmten Vor- aussetzungen Abzüge vorgenommen werden. Laut der dazu ergangenen Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöh ne herabzusetzen sind, von sämtli- chen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäf- tigungsgrad), welche nach pflichtgemässen Ermessen gesamt haft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung al ler jeweils in Betracht fallenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dan n erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts- punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsf ähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits- markt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. 10.2 Bei der attestierten Arbeitsfähigkeit von 50% si nd ausschliesslich die psychischen Ein- schränkungen berücksichtigt. Aufgrund der somatischen Zumutb arkeitsbeurteilung von Dr. I.____, dass für den Beschwerdeführer nur noch körperli ch leichte, vorwiegend sitzende Tätig- keiten in Frage kommen, ein erhöhter Pausenbedarf ausgewiesen ist und der Gang zur Toilette jederzeit möglich sein muss sowie der Tatsache, dass bei einer Teilzeitarbeit im Vergleich zu einer Vollzeittätigkeit die Entlöhnung geringer ausfä llt, rechtfertigt sich hier ein leidensbedingter Abzug von 20%. Bei einem Arbeitspensum von 40% sind g emäss Dr. G.____ die somatischen Einschränkungen weitgehend berücksichtigt, weshalb sich der Abzug beim Invalideneinkom- men auf 10% für die tiefere Entlöhnung für Teilzeitarbeit beschränkt. Im Ergebnis ergibt dies ein Invalideneinkommen von Fr. 25'103.-- bei einem 50%ige n Pensum und ein solches von Fr. 22'593.-- bei einem Pensum von 40%. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 11. Aus der Gegenüberstellung von Validen- und Inval ideneinkommen resultiert eine behin- derungsbedingte Einkommenseinbusse von Fr. 41'108.-- für das Jahr 2009 (Fr. 66'211.-- minus Fr. 25'103.--) und folglich ein IV-Grad von 62% bei Berücksichtigung einer Restarbeitsfähigkeit von 50%. Bei einer Restarbeitsfähigkeit von 40% resulti ert eine behinderungsbedingte Ein- kommenseinbusse von Fr. 43'618.-- für das Jahr 2009 (Fr. 66'211.-- minus Fr. 22'593.--) und damit ein IV-Grad von 65%. 12. Folglich hat der Beschwerdeführer ab 1. März 2009 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Die IV-Stelle hat zu Recht erkannt, dass der Versicher te aufgrund einer Hüftoperation von Ok- tober 2010 bis Ende März 2011 100% arbeitsunfähig war. Daraus ergibt sich in Anwendung von Art. 88a Abs. 2 Satz 1 IVV, dass der Beschwerdeführer ab 1. Januar 2011 bis 30. Juni 2011 Anspruch auf eine ganze Rente und ab 1. Juli 2011 wi eder Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. Die Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gutzuheissen. 13.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwal- tungsprozessordung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt, gegenüber der Vori nstanz bzw. den kantonalen Behörden wer- den indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend die Vorinstanz unterlegen ist, ist demnach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 13.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspr uch auf Ersatz der Parteikos- ten (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter macht g emäss Honorarnote vom 8. März 2012 einen Aufwand von 19,31 Stunden geltend, welcher in Berücksichtigung des doppelten Schrif- tenwechsels angemessen ist. Die IV-Stelle hat folglich d em Beschwerdeführer eine Parteient- schädigung von Fr. 5'667.30 (19,31 Stunden x Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 420.-- und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab 1. März 2009 Anspruch auf eine Drei viertelsren- te, ab 1. Januar 2011 bis 30. Juni 2011 Anspruch auf e ine ganze Ren- te und ab 1. Juli 2011 wieder Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 5'667.30 (inkl. Ausla gen und 8% MwSt.) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht