B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3319/2020 U r t e i l v o m 3. S e p t e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), Richterin Roswitha Petry, Richter Simon Thurnheer, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), Iran, vertreten durch Robin Bareth, Rechtsanwalt, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. Mai 2020 / N_______. D-3319/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die aus B._______ (Provinz [...]) stammende Beschwerdeführerin kur- discher Volkszugehörigkeit suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach. A.b Am 9. Mai 2018 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Dabei gab die Beschwerdeführerin an, sie habe durch eine Kollegin das Christentum kennen- und schätzen gelernt, weshalb sie sich etwa (Nennung Zeitpunkt) vor ihrer Ausreise zu dieser Religion bekannt habe. Eines Tages bezie- hungsweise zirka am (...) habe sie sich eine Halskette mit einem Kreuz als Anhänger gekauft. Sie sei etwa (...) Tage später von ihrer Mutter darauf angesprochen worden, welche die Bedeutung des Kreuzes nicht gekannt habe. Nachdem sie ihre Mutter darüber informiert habe, habe ihr diese die Kette vom Hals gerissen und erklärt, dass ihr Vater und ihr e Brüder sie umbringen würden, wenn sie jene Halskette an ihr entdeckten. Sie sei be- leidigt gewesen und habe sich kurz darauf an einem (Nennung Wochentag) – das genaue Datum wisse sie nicht mehr – am (Nennung Körperteil) und am (Nennung Körperteil) tätowieren lassen. In der Folge habe sie die Tä- towierungen jeweils mit einem Schal bedeckt. Eines Tages respektive am (...) sei der Schal zu Boden gefallen, worauf ihr Vater die Tätowierungen entdeckt, sie geschlagen und dabei ihre (Nennung Körperteil) gebrochen habe. Ihre Mutter sei herbeigeeilt, habe geschimpft und ihrem Vater von ihrer Zuwendung zum Christentum erzählt. Ihr Vater habe sie darauf in den Keller geführt, dort geschlagen und anschliessend zusammen mit ihrem (Nennung Verwandter) im Auto an einen unbekannten Ort gebracht. Dort sei sie von ihrem (Nennung Verwandter) vergewaltigt worden. Anschlies- send habe ihr (Nennung Verwandter) sie mit (Nennung Waffe) erschiessen wollen, auf ihr Flehen jedoch Abstand davon genommen und sie wegge- jagt. In der Folge habe sie sich zu einer (Nennung Geschäft) begeben, von wo sie ihren damaligen Freund C._______ angerufen habe. C._______ habe sie abgeholt und zu sich nach Hause gebracht. Tags darauf sei sie durch Vermittlung eines Freundes von C._______ zu einem Schlepper ge- gangen, der sie am folgenden Tag in die (...) Stadt D._______ gebracht habe. Dort sei sie mittel- und obdachlos gewesen. In D._______ habe sie E._______ kennengelernt und ihn (Nennung Zeitpunkt) nach ihrer Ankunft in der F._______ (…) nach Brauch geheiratet. E._______ habe sie jedoch schlecht behandelt, beschimpft und ihr auch (Nennung Verletzung) zuge- fügt. Als sie E._______ bei der Polizei habe anzeigen wollen, habe ihr diese mit der Ausschaffung in den Iran gedroht. Sie habe sich auch wegen eines Transfers in eine andere Stadt vergeblich an die Ausländerbehörde D-3319/2020 Seite 3 gewendet. Später sei auch C._______ in die F._______ gereist, der ihre Telefonnummer herausgefunden habe. Die vielen Telefonate mit C._______ seien ihrem Mann E._______ nicht verborgen geblieben, wes- halb E._______ ihr gedroht habe, ihre Eltern über diese Beziehung zu in- formieren. Sie habe sich in der Folge von E._______ getrennt und sei am (...) zusammen mit C._______ im Bus nach G._______ gereist, wo sie sich bis zum (...) aufgehalten hätten. Anschliessend sei sie alleine und auf ihr unbekannter Route bis in die Schweiz gebracht worden. A.c Am 19. September 2019 sowie am 25. Februar 2020 wurde die Be- schwerdeführerin vom SEM einlässlich zu ihren Asylgründen angehört. Da- bei führte sie aus, sie habe von einer langjährigen Freundin ein Video über das Christentum erhalten. Nachdem sie das Video angesehen und reali- siert habe, dass – im Gegensatz zum Islam – das Christentum gewaltfrei sei und ihr auch andere Sache n an dieser Religion gefallen hätte n, habe sie sich zu einem Beitritt entschieden. Dies auch deshalb, weil sie bereits vor ihrem Beitritt Probleme mit ihrer Familie gehabt habe. So hätten ihre Eltern nicht zugelassen, dass sie mit Freunden ausgehe und so lebe, wie sie es sich gewünscht habe. Nach ihrer Konversion habe ihr ihre Kollegin, welche selber Christin gewesen sei, eine Halskette mit einem Kreuzanhän- ger geschenkt. Ihre Mutter habe die Kette an ihr gesehen und sei – nach- dem sie ihre Mutter über die Bedeutung des Kreuzanhängers informi ert habe – darüber ungehalten gewesen, habe sie geohrfeigt, beschimpft und ihr in der Folge den Anhänger weggenommen. Da sie sich darüber aufge- regt habe, habe sie sich am nächsten Tag ihren (Nennung Körperteil) von (Nennung Person), welche in B._______ einen (Nennung Geschäft) führe und auch (Nennung Behandlungen) mache, tätowieren lassen . Sie sei dann aber von ihrem Vater wiederholt geschlagen worden, als dieser die Tätowierungen entdeckt habe. Auch ihre Mutter habe sie deswegen ge- schlagen. Wegen der Schläge sei ihre (Nennung Körperteil) gebrochen. Ihr Vater habe ihren ältesten (Nennung Verwandter) angerufen, der sie dann zu einem abgelegenen Ort ausserhalb der Stadt gebracht, dort vergewal- tigt habe und anschliessend habe töten wollen. Sie habe ihn jedo ch um- stimmen können, weshalb ihr (Nennung Verwandter) sie weggeschickt habe, worauf sie bei einer (Nennung Geschäft) mit dem Handy eines Un- bekannten C._______ angerufen habe. Sie habe C._______ über alles Vorgefallene informiert. Obwohl sie (Nennung Verletzungen) gehabt habe, habe sie keinen Arzt aufsuchen können. Zudem habe sie ihren (Nennung Verwandter) nicht bei der Polizei angezeigt, da sie befürchtet habe, noch grössere Probleme zu bekommen. Ferner sei C._______ von ihrer Familie unter Druck gesetzt, bedroht und beschuldigt worden, für ihr Verschwinden D-3319/2020 Seite 4 verantwortlich zu sein. Ihre Familie sei wohl deshalb auf C._______ ge- kommen, weil sie ihr Handy zuhause zurückgelassen habe. Darin sei die einzige gespeicherte Nummer eines Mannes diejenige von C._______ ge- wesen. Zudem habe die Polizei C._______ einige Male bei seinen Ange- hörigen erfolglos gesucht. Aufgrund dieser Probleme habe sie (Nennung Zeitpunkt) nach diesen Vorfällen den Iran verlassen. Ferner habe lediglich C._______ und ihre Freundin von ihrer Kon version gewusst, wobei C._______ ihren Entscheid respektiert habe. Da es keine christliche Kirche gegeben habe, in die sie hätte gehen können, habe sie sich mittels eines Buches und einer CD mit dem Christentum beschäftigt. Vor ihrer Ausreise habe sie mit C._______ ihre Zukunft besprochen . Sie hätten dann ent- schieden, dass sie in die F._______ gehe, um dort alleine zu leben, wobei sie C._______ finanziell unterstützen werde, bis sie eine Arbeit gefunden hätte. C._______ habe sich noch um sein Studium an der Universität und auch um seine Familie kümmern müssen, da er nach dem Tod seines Va- ters das Familienoberhaupt gewesen sei, weshalb er erst später in die F._______ habe nachreisen wollen. Nach ihrer Ankunft in der F._______ habe sie zunächst in einem Hotel gewohnt. Nach einigen Tagen sei ihr das Geld ausgegangen und sie habe aufgrund der fehlenden Sprachkennt- nisse und weil das Handy von C._______ ausgeschaltet gewesen sei – da die türkischen Behörden C._______ nach seiner illegalen Einreise wäh- rend (Nennung Dauer) inhaftiert hätten – habe sie nach (Nennung Dauer) E._______ geheiratet und nach einiger Zeit begonnen zu arbeiten. Sie sei von E._______ schlecht behandelt und sogar geschlagen worden, worauf sie ihr ungeborenes Kind verloren habe. Sie habe sich jede Woche einmal in H._______, wo sie sich registriert habe, melden müssen, ansonsten sie in den Iran ausgeschafft worden wäre. Dort habe sie ein Mädchen kennen- gelernt, der sie ihre SIM-Karte überlassen habe, falls C._______ sie anru- fen sollte. Nach der Haftentlassung von C._______ sei so der Kontakt mit ihm wieder zustande gekommen. E._______ habe sie eines Tages wäh- rend eines Telefongesprächs mit C._______ erwischt, sie massiv geschla- gen und angedroht, ihre Familie über ihren Aufenthaltsort zu informieren. Obwohl sie von E._______ in einem Zimmer eingeschlossen worden sei, habe sie dank eines zweiten Schlüssels fliehen können. Sie habe sich erst zu C._______ und ohne sich in H._______ abzumelden mit dem Bus nach G._______ begeben. Dort seien sie mit der Hilf e eines Schleppers nach I._______ weitergereist. Seit ihrer Ausreise habe sie weder mit ihren Fami- lienangehörigen noch mit E._______ jemals wieder Kontakt gehabt. In der Schweiz besuche sie eine (Nennung Kirche), habe sich aber bislang noch nicht taufen lassen respektive ihre Taufe sei für (Nennung Zeitpunkt) ge- plant. Ihre Beziehung zu C._______ sei kurz nach ihrer Ankunft in der D-3319/2020 Seite 5 Schweiz auseinandergegangen und sie habe heute kaum noch Kontakt zu ihm. Die Beschwerdeführerin reichte (Nennung Beweismittel) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 27. Mai 2020 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh- rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. C. Mit Eingabe vom 29. Juni 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei die angefoch- tene Verfügung des SEM vom 27. Mai 2020 vollumfänglich aufzuheben, ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Even- tualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen . Subeventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurtei- lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung des rubrizier- ten Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand. Der Beschwerde lagen mehrere Beweismittel in Kop ie (Aufzählung Be- weismittel) bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 10. Juli 2020 hiess die Instruktionsrichterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtli- chen Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt des Nachreichens einer Für- sorgebestätigung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses und ordnete der Beschwerdeführerin ihre n Rechtsvertreter als amtli- cher Rechtsbeistand bei. Ferner teilte sie mit, dass das vorliegende Ver- fahren mit dem Beschwerdeverfahren von C._______ (D-2400/2020) inso- weit koordiniert werde, als beide Verfahren durch den gleichen Spruchkör- per behandelt würden. Weiter lud die Instruktionsrichterin das SEM zur Ver- nehmlassung ein. E. Mit Eingabe vom 20. Juli 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Fürsor- gebestätigung gleichen Datums zu den Akten. D-3319/2020 Seite 6 F. Das SEM hielt – nach einmalig gewährter Fristerstreckung – in seiner Ver- nehmlassung vom 31. Juli 2020 zunächst fest, die Beschwerdeschrift ent- halte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes zu rechtfertigen vermöchten . Ferner ver- wies es nach einigen ergänzenden Bemerkungen auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und hielt an diesen vollumfänglich fest. G. Die Beschwerdeführerin replizierte – nach einmalig gewährter Fristerstre- ckung – am 11. September 2020. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). Es kann daher im Vorgehen der Vorinstanz, dem angefochtenen Entscheid die – aus heutiger Sicht altrechtlichen – Gesetzesbestimmungen auf dem Stand vom 1. Oktober 2015 beizulegen, kein formeller Fehler erblickt wer- den. Die entsprechende Rüge in der Beschwerdeschrift (S. 7, Ziff. 11) er- weist sich als unbegründet. Im Übrigen hält die Beschwerdeführerin selber fest, es seien vorliegend keine relevanten Bestimmungen betroffen. 1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde- führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bund esverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen D-3319/2020 Seite 7 richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die formellen Rügen (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, so insbe sondere Verletzung der Begründungspflicht, unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts) sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanz- lichen Verfügung zu bewirken. 3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be- hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerec hte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk- ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück- lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un- richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 3.2.1 Die Beschwerdeführerin sieht das rechtliche Gehör dadurch verletzt, dass das SEM ihre Aussagen teilweise falsch wiedergegeben, falsch ge- würdigt, einseitig und kontextlos interpretiert und undifferenzierte sowie un- zutreffende Schlüsse bezüglich der flüchtlingsr echtlich relevanten Verfol- gungsmotivation gezogen habe. Namentlich seien kleinere Ungereimthei- ten, so insbesondere bezüglich nebensächlicher Geschehnisse vorge- schoben worden, um ihre asylrelevanten und konsistenten Vorbringen als unglaubwürdig zu qualifizi eren. Dadurch sei der Sachverhalt mangelhaft festgestellt und die Begründungspflicht verletzt worden. Eine Verletzung der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs – welche es D-3319/2020 Seite 8 aufgrund der Ausgestaltung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Trag- weite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2) – liegt aber hier nicht vor. Das SEM hat nach- vollziehbar und hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überle- gungen es sich vorliegend leiten liess und sich auch mit sämtlichen zent- ralen Vorbringen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Dabei musste sich das SEM nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be- hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Der blosse Umstand, dass die Beschwerdeführerin die Auffassung und Schlussfolge- rungen des SEM nicht teilt , ist keine Ver letzung der Begründungspflicht sondern eine materielle Frage. Dies gilt ebenso für die Rüge der unrichti- gen und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung hinsichtlich der von der Vorinstanz in Zweifel gestellte n Glaubhaftigkeit der individuellen Asyl- gründe (Beschwerdeschrift S. 8-14). Diese richten sich im Wesentlichen nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz, sondern gegen die entsprechende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der Vorbringen. Sodann zeigt die ausführliche Beschwerdeeingabe auf, dass eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war. 3.2.2 Soweit die Beschwerdeführerin rügt, es seien ihr im Rahmen der An- hörung(en) nicht alle Widersprüche vorgehalten worden, vermag sie dar- aus nichts zu ihren Gunsten herzuleiten: a us Art. 30 Abs. 1 VwVG ergibt sich kein Anspruch einer Asylgesuchstellerin, zu ihren eigenen, im Verlauf des Asylverfahrens deponierten Aussagen vor Erlass einer entsprechen- den Verfügung Stellung zu nehmen. Wohl kann es im Rahmen des Unter- suchungsgrundsatzes aufgrund der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes geboten erscheinen, eine Asylgesuchstellerin – namentlich zur allfälligen Klärung aufgetretener Un- gereimtheiten oder Widersprüche – mit ihren eigenen früheren Aussagen zu konfrontieren und ihr diesbezüglich die Möglichkeit einer Stellungnahme einzuräumen (vgl. Urteil des BVGer D -1065/2009 vom 22. Januar 2010 E. 4.1 mit Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri- schen Asylrekurskommission [EMARK] 1994, Nr. 13). Der Anspruch auf vorgängige Anhörung, wie Art. 30 Abs. 1 VwVG den Anspruch auf rechtli- ches Gehör konkretisiert, wird indessen im Rahmen der Anhörung zu den Asylgründen selber wahrgenommen. Ein wei terer Anspruch zur Stellung- nahme zum Beweisergebnis der Anhörung besteht nicht. D-3319/2020 Seite 9 3.2.3 Schliesslich erblickt die Beschwerdeführerin darin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, dass sie nicht beurteilen könne, ob ihre Aussagen im Zusammenhang mit der Bedrohung v on C._______ durch ihre Familie – wie von der Vorinstanz vorgebracht – im Widerspruch zu jenen von C._______ stünden, da ihr die entsprechenden Protokolle nicht zu r Ein- sicht offenstehen würden. Diesbezüglich hat die Vorinstanz in der Ver- nehmlassung entgegnet, dass die Beschwerdeführerin die Stossrichtung der vorinstanzlichen Argumentation zu verkennen scheine. So seien im an- gefochtenen Asylentscheid in erster Linie jene Darlegungen bemängelt worden, gemäss welchen sich die Beschwerdeführerin bei C._______ nicht vertieft über dessen angeführte Bedrohung durch ihre Familie infor- miert haben soll. In der Replik vom 11. September 2020 äusserte sich die Beschwerdeführerin auch zu diesem Punkt (vgl. Replik, S. 3, Ziff. 5). Aus der Stellungnahme des SEM ist überdies ersichtlich, dass dieses den von der Beschwerdeführerin angeführten Widerspruch zu einer Aussage von C._______, der ihr nicht offengelegt worden sei, lediglich als nebensächli- chen Punkt in der diesbezüglichen Argumentationskette erachtete (vgl. Vernehmlassung SEM S. 3, 1. Abschnitt i.V.m. act. A43 S. 7, 3. Absatz). Insoweit eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch d as SEM zu erkennen ist, erweist sich der Verfahrensfehler unter diesen Um- ständen als geheilt, zumal dem Bundesverwaltungsgericht für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt und sich die Gehörsverletzung vorliegend auch nicht auf einen Aspekt der Angemessenheit bezieht. Eine Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz käme dagegen einem pro- zessökonomischen Leerlauf gleich. Der Verfahrensmangel wird indessen im Entschädigungspunkt zu berücksichtigen sein (vgl. nachfolgend E. 13.2). 3.3 Die formellen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der eventualiter gestellte Rückwei- sungsantrag ist abzuweisen. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 D-3319/2020 Seite 10 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Dr uck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2). 5. 5.1 Die Vorinstanz wies das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, da deren Vorbringen weder den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaub- haftmachung noch denjenigen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigen- schaft genügten. Zur Begründung führte es an, es sei der Beschwerdeführerin nicht gelun- gen, die zentralen Sachverhaltselemente im zu erwartenden Mass zu sub- stanziieren, obwohl ihr mehrfach die Gelegenheit dazu eingeräumt worden sei. So seien beispielsweise die Ausführungen zu den Ereignissen nach der Entdeckung der Tätowierung durch ihren Va ter ausgesprochen ober- flächlich, substanzlos und geradezu schemenhaft ausgefallen. Vertiefungs- fragen sei sie ausgewichen und habe lediglich sehr allgemein geantwortet, so insbesondere auch hinsichtlich der Autofahrt mit i hrem (Nennung Ver- wandter). Ebenso vage seien die Angaben dazu ausgefallen, wie diese Be- gegnung geendet habe. Eine erlebnisgeprägte Nacherzählung, die von ihr im Zusammenhang mit der dargestellten Ausnahmesituation zu erwarten gewesen wäre, sei – wie auch bei den zentralen Ereignissen im Elternhaus – an dieser Stelle gänzlich ausgeblieben. Zudem seien ihre Ausführungen teilweise widersprüchlich ausgefallen, so bezüglich der zeitlichen Abfolge der zentralen Ereignisse (Wegnahme der Halskette durch Mutter und Tä- towierung), den Umständ en des Erhalts der Halskette und wie sie zum Christentum gefunden haben wolle. Die Glaubhaftigkeit einer noch im Hei- matland geschehenen Konversion erscheine daher zweifelhaft. Dieser Ein- druck werde durch die stereotypen und jeden persönlichen Bezug vermis- senden Schilderungen zum angeblichen Glaubenswechsel im Iran bestä- tigt. Im Weiteren seien die pauschalen und wenig nachvollziehbaren Anga- ben zum Unwissen der Beschwerdeführerin über die weiteren Entwicklun- gen und die aktuelle Bedrohungslage in ihrer Heimat als Schutzbehaup- tungen zu werten. Es sei deshalb nicht glaubhaft, dass sie aufgrund eines D-3319/2020 Seite 11 Glaubenswechsels im Iran mit Ehrenmord oder anderen Massnahmen sei- tens ihrer Familienangehörigen bedroht sei. Sodann werde dem Teilvor- bringen, dass es im Zuge der dargestellten Ereignisse zur Vergewaltigung durch ihren (Nennung Verwandter) gekommen sei, angesichts der darge- legten Unglaubhaftigkeit die Grundlage entzogen. Diesbezüglich habe die Beschwerdeführerin erklärt, dies sei ein einmaliger Vorfall gewesen, der ihren Angaben zufolge einen untrennbar mit dem als unglaubhaft qualifi- zierten Hauptvorbringen zusammengehangen habe. Der eingereichte (Nennung Beweismittel) vermöge nicht zu einer anderen Einschätzung der Glaubhaftigkeit zu führen. Ferner bestünden Zweifel an den gegenüber C._______ ausgesprochenen Drohungen seitens der Familie der Be- schwerdeführerin und den gegen C._______ eingeleiteten polizeilichen Massnahmen (Anzeige gegen C._______, Suche und Vorladung), da sie diese angeblichen Probleme in der BzP noch m it keinem Wort erwähnt habe. Diese Zweifel würden durch ihre vagen und inkonsistenten Aussa- gen zu den Umständen, wie ihre Familie von ihrer Bekanntschaft zu C._______ erfahren habe und dass dieser etwas mit ihrem Verschwinden zu tun haben könnte sowie zur angeblichen Bedrohungslage von C._______ bestärkt. Zu allfällig relevanten Entwicklungen nach dem Weg- gang aus dem Iran habe sich die Beschwerdeführerin sodann sehr undif- ferenziert und zudem teilweise widersprüchlich zu den Angaben von C._______ in dessen Asylverfahren in der Schweiz geäussert. Auf Vorhalt habe sie keine plausiblen Erklärungen für die abweichenden Darstellungen geben können. Auch die Angaben zur Beziehung mit C._______ und den allfälligen Zukunftsplänen würden wenig gesichert erscheinen und seien insgesamt oberflächlich, wenig nachvollziehbar und substanzlos geblie- ben. Sodann könnten die geltend gemachten Schwierigkeiten in der F._______ bezüglich der von Gewalt geprägten Ehe mit E._______ asyl- rechtlich nicht in Betracht gezogen werden, da ei ne asylrechtliche Verfol- gungssituation allein bezüglich des Heimatstaats, hier Iran, bestehen könne. Die Beschwerdeführerin habe in diesem Zusammenhang keine konkreten, sondern lediglich hypothetische Befürchtungen geltend ge- macht. Obwohl E._______ ihr gedroht habe, ihre Eltern über ihr Verhalten zu informieren, lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass E._______ diese Drohung wahrgemacht hätte. Dass die Eltern der Be- schwerdeführerin nichts von der Heirat mit E._______ gewusst haben soll- ten, geschweige denn einer solchen zugestimmt hätten, erscheine im län- derspezifisch-kulturellen Kontext zweifelhaft, zumal der Bruch mit ihrer Fa- milie nicht geglaubt werden könne. D-3319/2020 Seite 12 Bezüglich der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben seit der Ankunft in der Schweiz (inkl. Vorbereitung auf ihre Taufe) sei festzuhalten, dass eine Konversion zum Christentum für sich alleine keine asylrelevan- ten Massnahmen des Staates auslöse. So sei gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (mit Verweis auf BVGE 2009/28) eine dis- krete und private Glaubensausübung im Iran auch ausserhalb des Islams grundsätzlich möglich. Ihre Ausführungen enthielten keine Anhaltspunkte dafür, dass sie ihren Glauben hierzulande besonders aktiv und deutlich sichtbar gegen aussen praktiziere. Entsprechend sei nicht davon auszuge- hen, dass die heimatlichen Behörden von ihrer Glaubensausübung Kennt- nis erlangt hätten. In Bezug auf allfällige Reaktionen im privaten Umfeld im Iran sei in erster Linie auf die vorangehend dargelegte Unglaubhaftigke it zu den geltend gemachten Problemen zu verweisen. In Anbetracht der ge- samten Angaben zum Konversionsprozess der Beschwerdeführerin sei ausserdem zweifelhaft, wie nachhaltig sein Interesse am christlichen Glau- ben sei. So falle auf, dass sie sich im Zeitpunkt der Bundesanhörung über ein Jahr nach ihrer Ankunft in der Schweiz noch kaum mit Fragen zum christlichen Glauben auseinandergesetzt habe. Es bestehe somit kein Grund zur Annahme, dass sie nach durchgeführter Taufe aufgrund ihrer Glaubensausübung bei einer Rückkehr in den Iran eine Verfolgung zu be- fürchten habe. 5.2 In der Rechtsmitteleingabe wendete die Beschwerdeführerin in materi- eller Hinsicht ein, die Vorinstanz setze sich in der Verfügung mit den zent- ralen Elementen der Flüchtlingseigenschaft nicht ause inander und hin- sichtlich der bemängelten Qualität der Aussagen finde keinerlei Differen- zierung statt. Aufgrund von angeblichen Abweichungen in kleinen Details würden sämtliche Vorbringen als zweifelhaft eingestuft. Ihre Aussagen seien jedoch über alle drei Befragungen hinweg konsistent, in sich schlüs- sig und auch nicht widersprüchlich ausgefallen und würden eine signifi- kante Dichte an Realkennzeichen aufweisen. Das alleinige Abstellen auf den Detailreichtum einzelner Erzählungen greife zu kurz. Bei der Würdi- gung der Aussagen sei zu berücksichtigen, dass sie aufgrund der trauma- tisierenden Erlebnisse in ihrer Heimat aus Selbstschutz bei gewissen Punkten eher oberflächlich geblieben oder sogar gewissen Vertiefungsfra- gen ausgewichen sei. Die Befragung sei du rch ihr unbekannte Personen durchgeführt worden, zu denen sie entsprechend kein Vertrauensverhält- nis habe aufbauen können. Es könne deshalb von ihr nicht erwartet wer- den, dass sie heftige Gewaltausübungen oder eine Vergewaltigung durch den eigenen (Nennung Verwandter) wieder und wieder in allen Einzelhei-D-3319/2020 Seite 13 ten erzähle. Die Vorinstanz habe das in diesem Zusammenhang beste- hende Schamgefühl wie auch den Umstand, dass von einer posttraumati- schen Belastungsstörung betroffene Personen ein Vermeidungsverhalten an den Tag legten, komplett ausser Acht gelassen. Ausserdem werde im (Nennung Beweismittel) darauf verwiesen, dass sie besonders zu Beginn Mühe gehabt habe, das Erlebte in Worte zu fassen und dies erst im weite- ren Verlauf der Therapie möglich gewesen sei. Im Geg ensatz zu den Be- fragungen sei es ihr denn auch möglich gewesen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und ihre Darstellung sei von den (Nennung Fachpersonen) als glaubhaft eingestuft worden. Zudem stelle die Glaubhaftmachung lediglich ein reduziertes Beweism ass dar und die für die Richtigkeit ihrer Schilde- rungen sprechenden Gründe würden überwiegen. Zum Vorhalt wider- sprüchlicher Aussagen beziehe sich das SEM auf die Reihenfolge der re- levanten Geschehnisse (Tätowierung und Kauf der Halskette), welche sie zeitlich nicht korrekt habe einordnen können. Die gesamten Zweifel würden ausschliesslich auf einer Aussage in der BzP basieren, deren korrekte Pro- tokollierung äusserst zweifelhaft erscheine, zumal ein Übersetzungsfehler oder ein sprachliches Missverständnis vorliegen müsse, da der Übersetzer einen deutlich anderen Dialekt spreche wie sie. Zudem sei sie in der BzP angehalten worden, nur kurze Antworten zu geben, weshalb sie sich in ei- ner besonderen Stresssituation und Verunsicherung wiedergefunden habe. Zudem ha be sie anlässlich der BzP in Ermangelung von Deutsch- kenntnissen bei Missverständnissen in der Übersetzung noch nicht ein- schreiten können, wie sie dies bei den weiteren Befragungen getan habe. Sodann würden sich ihre Schilderungen zum Erhalt der Halskette nicht wi- dersprechen. Sie habe den Anhänger zusammen mit ihrer Freundin J._______ auf dem Bazar gekauft, wobei sie ihn ausgesucht und ihre Freundin bezahlt habe. Sie sei also beim Kauf dabei gewesen und dennoch sei es ein Geschenk von J._______ gewesen. Auf Nachfrage habe sie den vermeintlichen Widerspruch nachvollziehbar präzisieren respektive auflö- sen können. Ferner sei zum Vorhalt widersprüchlicher Angaben dazu, wie sie zum Christentum gefunden habe, zu entgegnen, dass sie nie davon gesprochen habe, bei einer Freundin mehrere CD's über den Umgang von Jesus mit seinen Leuten angesehen zu haben. Vielmehr habe sie ein ein- ziges Video angesehen, das verschiedene Geschichten aus dem Leben Jesu enthalten habe. Es müsse sich auch hierbei um eine unpräzise Über- setzung handeln. Da ihr die Bedeutung der Rückübersetzung nicht be- wusst gewesen sei und sie Kopfschmerzen gehabt habe, habe sie die feh- lerhafte Darstellung bei der Rückübersetzung wohl nicht bemerkt. Da es ihr nicht erlaubt gewesen sei, zu Freunden zu gehen, sei es abwegig, dass sie das Video bei J._______ zuhause angeschaut hätte. Weiter würden D-3319/2020 Seite 14 ihre Ausführungen auch vor dem Hintergrund der sozio -kulturellen Bege- benheiten im Iran und aufgrund ihrer Herkunft aus einer strenggläubigen muslimischen Familie als rea listisch und glaubhaft erscheinen. Sodann habe sie sich bereits im Iran mit den zentralen Werten des Christentums auseinandergesetzt und sich aus innerer Überzeugung dazu entschlossen, diesen Glauben anzunehmen und schliesslich nach aussen kundzutun. Je- denfalls deute die Tatsache, dass sie anlässlich der ersten Befragungen noch kein grosses theoretisches Wissen betreffend den christlichen Glau- ben verfügt habe, keinesfalls darauf hin, dass ihr Interesse daran nicht nachhaltig sei. Ferner sei bezüglich der vo rgehaltenen Abweichungen zu Aussagen von C._______ festzuhalten, dass ihre diesbezüglichen Anga- ben nicht auf eigener Wahrnehmung beruhten, sondern lediglich Wieder- gaben dessen seien, was sie von C._______ erfahren habe. Nachdem ihre Ausführungen zu den Ere ignissen um ihre Konversion als glaubhaft gemacht zu erachten seien, sei sie bereits in ihrer Heimat asyl- relevanten Nachteilen in Form von massiver Gewalt und Todesdrohungen seitens ihrer Familie ausgesetzt gewesen. Sie habe daher auch begrün- dete Furcht, bei einer Rückkehr massiven Sanktionen bis hin zur Hinrich- tung durch die eigene Familie (Ehrenmord) ausgesetzt zu sein. So werde eine offen gelebte Abkehr vom islamischen Glauben als grosse Schande für die Familie angesehen und die verletzte Familienehre könne im traditi- onellen Verständnis nur durch einen sogenannten Ehrenmord wiederher- gestellt werden. Der iranische Staat sei weder gewillt noch imstande, Schutz vor solchen innerfamiliären Gewaltexzessen zu bieten. Ferner sei die Ansicht des SEM, eine diskrete und private Ausübung des christlichen Glaubens im Iran sei möglich, unzutreffend. Bereits der Abfall vom Islam (Apostasie) werde nach dem Recht der Scharia mit dem Tode bestraft. Be- sonders prekär sei die Situation für gebürtige Moslems, welche zum Chris- tentum konvertiert seien, was bei ihr der Fall sei. Zudem würden missiona- rische Tätigkeiten verfolgt, weshalb viele konvertierte Muslime gezwungen seien, ihren Glauben geheim zu halten. Ferner unterlägen Angehörige der christlichen Minderheit im Iran in sämtlichen Lebensbereichen massiver Repression, Schikane und Diskriminierung ausgesetzt, so beispielsweise bei der Stellensuche. Zudem sei sie durch ihre Tätowierung, welches bei der Rückkehr in den Iran im Rahmen einer Kontrolle vermutungsweise ent- deckt würde, einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt. Überdies hinter- lasse ein Glaubenswechsel aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung leicht erkennbare Spuren, da sie hierzulande an kirchlichen Veranstaltun- gen teilnehme. Sie erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft. D-3319/2020 Seite 15 5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, eine Sachverhaltsdar- stellung sei dann glaubhaft, wenn die positiven Elemente überwiegen wür- den, weshalb es nicht genüge, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar mög- lich sei, aber in Würdigung der gesam ten Aspekte wesentliche und über- wiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen würden. Der eingeforderte (Nennung Beweismittel), worin der Beschwerdeführerin eine (Nennung Diagnose) attestiert werde, sei zum Zeitpunkt der Entscheidfindung vorgelegen und entsprechend berücksich- tigt worden. Zwar vermöchten traumatisierende Erlebnisse und eine (Nen- nung Diagnose) eine gewisse Ungenauigkeit in der Erinnerung oder deren Wiedergabe zu erklären oder diese zumindest zu relativieren. Dies erkläre jedoch nicht, weshalb die Ausführungen der Beschwerdeführerin praktisch durchgehend substanzlos und ohne Erlebnisbezug geblieben seien. Der Beschwerdeführerin werde nicht zum Vorwurf gemacht, dass sie nicht im Detail über die vorgebrachte Vergewalti gung oder die Gewaltausübung durch die Eltern berichtet habe. Dass ihre Darstellung der Bedrohungslage im Heimatstaat im erwähnten (Nennung Beweismittel) als glaubhaft einge- schätzt werde, vermöge ebenfalls nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen. Aus dem Bericht gehe in keiner Weise hervor, wie diese beiläufig erwähnte Glaubhaftigkeitsbeurteilung zustande gekommen sei. Es werde nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin tatsäch- lich Traumatisches erlebt habe. Da jedoch ihre Angaben zur vorgebrachten Bedrohungssituation im Heimatstaat unglaubhaft ausgefallen seien, sei zu schliessen, dass sich solche Erlebnisse nicht in einem asylrelevanten Kon- text, sondern in einem anderen Zusammenhang abgespielt hätten. Auch die in der Beschwerdeschrift aufgeführten Passagen aus den Anhörungs- protokollen, welche nach Ansicht der Beschwerdeführerin für die Glaubhaf- tigkeit ihrer Vorbringen sprechen würden, würden nicht zu einer anderen Glaubhaftigkeitseinschätzung führen. So könne beispielsweise nicht jede Wiedergabe von Geschehnissen in direkter Rede als Dialog gewertet wer- den. Bei den in der Beschwerdeschrift in diesem Zusammenhang beispiel- haft aufgeführten Stellen fehle es insbesondere an der Wechselseitigkeit, durch die sich ein Gespräch auszeichne, und an längeren Gesprächsket- ten. Es werde nicht verkannt, dass es sich bei der BzP um eine summari- sche Befragung handle, der deshalb in gewissen Belangen eingeschränk- ter Beweiswert zukomme. Die in der Beschwerdeschrift angesprochenen Stellen aus der BzP zur zeitlichen Einordnung der Vorfälle mit der Halskette und dem Tattoo liessen aber selbst unter Berücksichtigung dessen keine andere Würdigung zu, zumal der Beschwerdeführerin nochmals die Gele- genheit gegeben worden sei, die Geschehnisse neu einzuordnen. Der Ein- wand, dass eine unrichtige Protokollierung oder falsche Übersetzung der D-3319/2020 Seite 16 Grund für diese Ungereimtheiten sein müsse, sei angesichts des BzP-Pro- tokolls nicht nachvollziehbar. Zur angeblichen Gefährdung der Beschwer- deführerin infolge ihrer Tätowierung sei zu bemerken, dass dem einge- reichten Foto kaum Beweiswert zukomme. Weder sei ersichtlich, ob es sich bei der abgebildeten Person tatsächlich um die Beschwerdeführerin handle, noch könne die Echtheit und Dauerhaftigkeit des Tattoos oder der Zeitpunkt dessen Entstehung beurteilt werden. Ausserdem seien allfällige daraus resultierende Verfolgungsszenarien rein hypothetisch, zumal die in diesem Zusammenhang geltend gemachten Vorfluchtgründe, wie in der angefochtenen Verfügung dargelegt, als unglaubhaft zu erachten seien. 5.4 In ihrer Replik verwies die Beschwerdeführerin zunächst auf ihre Aus- führungen in der Beschwerdeschrift, an denen vollumfänglich festgehalten werde. Sodann brachte sie vor, die Vorinstanz negiere in pauschaler Weise die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, ohne sich damit auseinanderzusetzen beziehungsweise darzulegen, wie sich die Ereignisse aus ihrer Sicht tat- sächlich zugetragen haben sollen. Zudem seien die für die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen sprechenden Indizien konsequent ignoriert worden. Wei- ter entspreche ihr Erzählstil bei der Schilderung der Fluchtgründe demjeni- gen ihrer restlichen Lebensgeschichte, was als Indiz für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu werten sei. Trotz der in der Vernehmlassung geäusser- ten Behauptung, bei der Würdigu ng ihrer Aussagen ihre Traumatisierung berücksichtigt zu haben, fehle im angefochtenen Entscheid eine entspre- chende Auseinandersetzung gänzlich, ansonsten das SEM zu einer ande- ren Beurteilung gelangt wäre. Das weitere Vorbringen, wonach ihr nicht zum Vorwurf gemacht werde, dass sie nicht im Detail über die vorgebrachte Vergewaltigung oder die Gewaltausübung durch die Eltern berichtet habe, stehe im Widerspruch zu den Ausführungen im Asylentscheid, in welchem gerade dieser Vorwurf erhoben werde. Die Einschät zung der Glaubhaf- tigkeit durch die Vorinstanz beruhe offenbar sehr wohl auf der Schilderung dieser Extremsituation. Ferner würden Gedanken an die erlebte Gewalt starke Angstzustände hervorrufen, weshalb sie aus Selbstschutz einen Verdrängungsmechanismus entwickelt habe. Sie habe sich bei C._______ nicht vertieft über die Geschehnisse informiert, um nicht darüber nachden- ken zu müssen, was nachvollziehbar sei. Die beigelegten Unterlagen (Auf- zählung Beweismittel) würden die Zuordnung des Tattoos zu ihrer Person, die Echtheit und den ungefähren Zeitpunkt der Tätowierung bestätigen. Da die Existenz des Tattoos dadurch belegt sei, müsse si e mit Verfolgung rechnen. D-3319/2020 Seite 17 6. 6.1 Die Ausführungen auf Beschwerdeebene und die zu deren Stützung eingereichten Dokumente sind insgesa mt nicht geeignet, die dargelegte Asylbegründung in ihrer Gesamtheit als glaubhaft gemacht respektive als asylrelevant erscheinen zu lassen und dadurch zu einer anderen Beurtei- lung als die Vorinstanz zu gelangen. 6.1.1 Die Schilderungen der Beschwerdeführerin erweisen sich in den we- sentlichen Punkten als stereotyp, unsubstanziiert und teilweise wider- sprüchlich sowie hinsichtlich ihrer persönlichen Gefühlslage als kaum Re- alkennzeichen (so insbesondere Detailreichtum der Schilderung, freies as- soziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonder- heiten) enthaltend. So sei sie – nachdem ihre Eltern und ihr älterer (Nen- nung Verwandter) von ihrer Hinwendung zum Christentum erfahren hätten – wiederholt geschlagen, mit dem Tod bedroht und schliesslich vergewal- tigt worden, was zu ihrer Flucht geführt habe. Trotz wiederholter Nachfra- gen zu den genauen Umständen des Handlungsablaufs, zur Reaktion ihrer Angehörigen sowie zu gesprochenen Dialogen sowie zum Erhalt der Kette mit dem Kreuzanhänger, entsteht aufgrund der Schilderungen de r Be- schwerdeführerin nicht der Eindruck, dass sie über einen tatsächlich erleb- ten Sachverhalt berichtet. D ie Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich vor, aufgrund der traumatisierenden Erlebnisse in ihrer Heimat seien ihre Aussagen aus Selbstschutz punktuell oberflächlich oder ausweichend aus- gefallen. Zudem seien die Befragungen durch ihr unbekannte Personen durchgeführt worden, zu denen sie kein Vertrauensverhältnis habe auf- bauen können. Diese Einwände sind als nicht stichhaltig zu erachten. Zu Beginn der BzP wurde der Beschwerdeführerin einleitend erklärt, dass eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten, die sie zum Verlassen der Hei- mat veranlasst hätten, erstellt werde und ihre Argumente in einer späteren Anhörung weiter vertieft werden könnten. Bezüglich des Dolmetschers wurde festgehalten, dass dieser die Fragen des Befragers und die Antwor- ten der Beschwerdeführerin Wort für Wort übersetzen werde. Der Dolmet- scher sei neutral und unparteiisch, stelle aus eigenem Antrieb keine Fragen und habe keinen Einfluss auf den Asylentscheid (vgl. act. A6, S. 1). Weiter wurde sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass alle bei der Befragung betei- ligten Personen bezüglich ihrer Aussagen an die Schweigepflich t gebun- den seien. Es wurde ih r zudem versichert, dass die Behörden in ihrem Land von ihren Aussagen nicht erfahren würden und sie ohne Angst spre- chen könne. Sodann unterstehe sie einer Mitwirkungs - und Wahrheits- pflicht und sei verpflichtet, die ih r gestellten Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Widersprüche, unsubstantiierte Aussagen D-3319/2020 Seite 18 und gefälschte Dokumente würden sich negativ auf ihren Asylentscheid auswirken. Auf Nachfrage erklärte die Beschwerdeführerin denn auch ex- plizit, alle einlei tenden Punkte respektive Erklärungen verstanden zu ha- ben (vgl. act. A6, S. 2), weshalb sie sich darauf behaften lassen muss. So- dann sind aus dem Protokoll keinerlei Hinweise ersichtlich, welche die Zweifel der Beschwerdeführerin an einer korrekten Protokollierung im Rah- men der BzP , welche auf einen Übersetzungsfehler oder ein sprachliches Missverständnis zurückzuführen seien, erhärten könnten. Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass d ie Beschwerdeführerin zunächst in freiem Vortrag Ausführungen machte, welche anschliessend durch weitere Nachfragen vertieft wurden. Am Ende der BzP bestätigte die Beschwerdeführerin nach Rückübersetzung in ihrer Muttersprache die Korrektheit und Wahrheit ihrer Aussagen mit ihrer Unterschrift (vgl. act. A6, S. 8-11). Auf explizite Frage zu Beginn dieser Befragung erklärte sie, den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. act. A6, S. 2). Zudem sind die Dolmetscher angehalten, ihre Arbeit objektiv zu verrichten und es ist ihnen insbesondere verwehrt, Aussagen zusammenzufassen oder zu interpretieren wie auch in eigener Regie Fra- gen zu stellen. Insgesamt vermag die Kritik an der Arbeit des im Rahmen der BzP eingesetzten Übersetzers nicht zu überzeugen. Diese entbehrt in Ermangelung irgendwelcher konkreter gegenteiliger Anhaltspunkte vorlie- gend einer sicheren Grundlage und stellt sich daher als blosse Schutzbe- hauptung dar. Ebenso wenig überzeugt der Einwand, die Beschwerdefüh- rerin habe aus Gründen des Selbstschutzes nur oberflächlich und auswei- chend ausgesagt. Nachdem sich die Beschwerdeführerin in die Schweiz begeben hat, um sich unter den Schutz der hiesigen Behörden zu stellen und ihr ihre Rechte und Pflichten jeweils zu Beginn der Befragungen erklärt wurden, erscheint es nicht nachvollziehbar, dass sie sich während der BzP oder der ersten Anhörung zu einem derartigen Aussageverhalten hätte ver- anlasst sehen sollen. Bezüglich der angeführten Traumatisierung liefert eine Durchsicht der Befragungsprotokolle (BzP und Anhörung) keine An- haltspunkte, welche an der Verwertbarkeit derselben ernsthafte Z weifel aufkommen lassen. Die Beschwerdeführerin machte weder in der BzP noch während den Anhörungen geltend, ihre gesundheitliche Situation hätte sie daran gehindert, ihre Asylgründe vollständig, detailliert und kor- rekt darzulegen. Aus ihren Anhörungsprotokollen sind denn auch keine sol- chen Probleme erkennbar. Aus den Anhörungen, welche ebenfalls in ihrer Muttersprache durchgeführt wurden, ergibt sich, dass die in freier Erzähl- form vorgetragenen Asylgründe jeweils durch eine Vielzahl von Nachfra- gen vertieft wurden. Die Beschwerdeführerin führte am Schluss der Anhö- rungen selber an, alles gesagt zu haben, führte im Rahmen der Rücküber- setzung teilweise Korrekturen zum Protokoll an und bestätigte schliesslich D-3319/2020 Seite 19 die Vollständigkeit ihre Angaben mit ihrer Unterschri ft (vgl. act. A18, S. 1 und S. 12-28; A27, S. 1 und S. 4 ff.). Sodann vermögen diese Entgegnun- gen den über weite Strecken spärlichen Gehalt ihrer Darlegungen und die fehlenden Ausführungen zu ihren Gefühlen und Empfindungen hinsichtlich der fluchtauslösenden Sachverhaltselemente nicht aufzuwiegen. Zwar ver- mochte sie zu verschiedenen Punkten einzelne Details und einige Sätze, welche zwischen ihr und ihren Eltern sowie zwischen ihrem (Nennung Ver- wandter) geführt worden seien, anzuführen. Dies alleine reicht j edoch nicht, um glaubhaft darzulegen, dass ihren diesbezüglichen Asylvorbringen eine genügende inhaltliche Dichte und Erlebnisrelevanz zukommt, die auf einen tatsächlich erlebten Sachverhalt hindeuten würden. Diese könnten in ihrer Einfachheit auch von ein em am Geschehen unbeteiligten Dritten problemlos nacherzählt werden (vgl. act. A18, F186 ff.; A27, F23, F75 ff., F86 ff.). Zudem weisen ihre Ausführungen kaum Realkennzeichen auf, so insbesondere zu Interaktionen sowie inhaltlichen Besonderheiten bezüg- lich der emotionalen Aspekte, zumal sie sich ihren Angaben zufolge in einer ausserordentlichen Situation befunden habe und gravierende familiäre Konsequenzen respektive den Tod habe befürchten müssen (vgl. act. A18, F23; A27; F124 ff.). Eine entsprechend gehal tvolle Schilderung wäre je- doch unter den gegebenen Umständen ohne Weiteres zu erwarten gewe- sen, handelte es sich doch um angeblich von der Beschwerdeführerin er- lebte Ereignisse mit einer derartigen Aussenwirkung. Die Beschwerdefüh- rerin vermochte indes ausser dem Vorbringen, dass es ihr – nach dem Vor- fall mit ihrem (Nennung Verwandter) – sehr schlecht gegangen sei (vgl. act. A18, F205) respektive ihr Herz sehr geschlagen und sie Angst gehabt habe und habe weinen müssen (vgl. act. A27, F94, F101, F111) keine wei- teren Gefühle zu artikulieren. Zu keiner anderen Einschätzung vermag der Umstand zu führen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörun- gen bei der Darlegung einzelner Punkte der fluchtauslösenden Gründe weinte, zumal die erst bei einer Befragung gezeigten Gefühlsregungen nicht zwangsläufig auf die Glaubhaftigkeit der geschilderten Sachverhalts- elemente schliessen lassen (vgl. act. A18, F198; A27, F79-80, F93). 6.1.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung ist es sodann zulässig, Wider- sprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare Aussagen in der BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung bei der Vorinstanz diametral abwei- chen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits im Empfangszent- rum zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; EMARK 1993 Nr. 3). D-3319/2020 Seite 20 In der angefochtenen Verfügung hat sich das SE M nicht in unzulässiger Weise auf das Protokoll der BzP abgestützt . Zu Recht führte es zunächst an, dass sich die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der BzP zur zeit- lichen Abfolge zentraler Ereignisse in unstimmiger Weise äusserte, soll sie sich zunächst erst nach dem Vorfall mit der Halskette tätowiert haben las- sen, um später anzugeben, dies sei vor diesem Zwischenfall gewesen (vgl. act. A6, S. 9). Auf Vorhalt führte sie danach aus, sie könne sich nicht mehr daran erinnern, wann sie die Tätowierung habe machen lassen, da dies einige Zeit her sei (vgl. act. A6, S. 9 unten und S. 10). Demgegenüber gab sie in den Anhörungen jeweils an, sie habe sich am folgenden Tag, nach- dem ihr ihre Mutter die Halskette weggenommen habe, tätowieren lassen (vgl. act. A18, F126; A27, F23). Der Umstand, dass es der Beschwerdefüh- rer nicht gelungen ist, diesen zentralen Vorfall wiederholt zeitlich genau einzuordnen, zumal er den Angaben nach kurz vor ihrer Ausreise gesche- hen und als ein Auslöser für ihre spätere Flucht aus dem Iran zu bezeich- nen ist, lässt erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens entstehen. Sodann hat sich die Beschwerdeführerin bezüglich der Ge- schehnisse im Anschluss an die Entdeckung des Tattoos in weitere Wider- sprüche verstrickt. Gemäss Aussagen in der BzP sei sie von ihrem Vater aus dem Keller nach draussen zum Auto geführt worden, wobei ihr (Nen- nung Verwandter) mitgekommen sei und sie ihren Vater gefragt habe, wo- hin er sie bringen wolle (vgl. act. A6, S. 9 Mitte). Aus diesen Schilderungen ergibt sich, dass ihr Vater bei der Autofahrt dabei gewesen sein muss. Demgegenüber machte sie in den Anhörungen jeweils geltend, lediglich ihr (Nennung Verwandter) habe sie mit dem Auto an einen unbekannten, wüs- tenähnlichen Ort gebracht (vgl. act. A18, F186, F200 f.; A27, F23). Ausser- dem brachte sie abweichend zur BzP vor, sie sei vom (Nennung Verwand- ter) schlagend ins Auto gebracht worden (vgl. act. A27, F23, 4. Abschnitt). Ferner widersprach sich die Beschwerdeführerin auch bezüglich der Art der Waffe, mit welcher sie durch ihren (Nennung Verwandter) bedroht wor- den sein soll. Sie soll es gemäss BzP eine (Nennung Waffe) gewesen sein, um anlässlich der ergänzenden Anhörung in Abweichung dazu anzugeben, ihr (Nennung Verwandter) habe sein (Nennung Waffe) herausgenommen (vgl. act. A6, S. 9; A27, F88). Überdies erkannte das SEM in den Umstän- den, wie die Beschwerdeführerin zur Halskette mit dem Kreuzanhänger gekommen sei, mit zutreffender Begründung einen Widerspruch. Während die Beschwerdeführerin in der BzP angab, sich den Anhänger "eines Ta- ges" selber gekauft zu haben, führte sie in der ersten Anhörung aus, den Anhänger von ihrer Freundin als Geschenk erhalten zu haben (vgl. act. A6, S. 9; A18, F164). Auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht erwiderte die Beschwerdeführerin, sie habe die Kette mit dem Anhänger zusammen D-3319/2020 Seite 21 mit ihrer Freundin gekauft, wobei die Freundin letztlich bezahlt habe. So- wohl diese Erklärung als auch der in der Rechtsmit teleingabe gemachte Hinweis, dass beide Aussagen dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprä- chen und sie in der Anhörung ihre Aussage umgehend und nachvollziehbar präzisiert habe, vermögen angesichts des klaren Protokollwortlauts in der BzP nicht zu überzeugen. Zudem erwähnte die Beschwerdeführerin im Rahmen der freien Sachverhaltsschilderung in der BzP ihre Kolle- gin/Freundin bereits kurz vor der Aussage, sich eine Halskette gekauft zu haben, weshalb zu erwarten gewesen wäre, dass sie sie auch im Zusam- menhang mit dem Kauf der Halskette erwähnt hätte, wäre ihr diese effektiv von der Freundin geschenkt respektive gekauft worden. 6.1.3 Zum Vorhalt widersprüchlicher Angaben dazu, wie sie zum Christen- tum gefunden habe, bestreitet die Beschwerdeführerin bei einer Freundin mehrere CD's über den Umgang von Jesus mit seinen Leuten angesehen zu haben. So handle es sich dabei um ein einziges Video mit verschiede- nen Geschichten aus dem Leben Jesu . Diese angebliche Unstimmigkeit sei auf eine unpräzise Übersetzung in der BzP zurückzuführen. Diesbe- züglich ist auf die obige E. 6.1.1 zu verweisen: Darin wurde erkannt, dass weder die Arbeit des bei der BzP eingesetzten Dolmetschers noch die Pro- tokollierung als solche zu beanstanden ist. Die Beschwerdeführerin hat sich daher ihre Aussage, welche bezüglich der Art des Datenträgers und des Ortes, wo sie das Filmmaterial angesehen habe, offensichtlich im Wi- derspruch zu ihrer Angabe in der ersten Anhörung steht, entgegen zu hal- ten lassen. 6.1.4 Angesichts der vorstehenden Erwägungen ist demnach zu bezwei- feln, dass die Beschwerdeführerin bereits im Iran zum Christentum konver- tierte. Diese Einschätzung wird dadurch bestärkt, dass sie sich zu den Gründen, weshalb sie sich letztlich für das Christentum entschieden habe, lediglich in stereotyper Weise äusserte (vgl. act. A18, F125 f., F129). Diese Aussagen lassen – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – nicht den Schluss zu, sie habe sich bereits vor ihrer Ausreise dem christli- chen Glauben ernsthaft und mit innerer Überzeugung zugewandt. 6.1.5 Im Weiteren erschliesst sich dem Gericht nicht, weshalb die Familie der Beschwerdeführerin nach ihrem Verschwinden Druck auf die Familie von C._______ hätte ausüben und ihn suchen sollen, weil angeblich ihre Familie C._______ verdächtigt habe, mit d iesem Verschwinden etwas zu tun zu haben. So erklärte die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zu-D-3319/2020 Seite 22 folge, sie sei von ihrem (Nennung Verwandter) nach der geltend gemach- ten Vergewaltigung aufgefordert worden zu versch winden, ansonsten er sie umbringen werde (vgl. act. A18, F204, F217; A27, F23 S. 5 unten). Ge- mäss der Sachverhaltsschilderung der Beschwerdeführerin ist davon aus- zugehen, dass ihre Eltern das Vorgehen des (Nennung Verwandter) gebil- ligt haben, zumal ihr Vater ihr gesagt habe, dass sie ungläubig sei, die Fa- milienehre beschmutzt habe und deswegen sterben müsse (vgl. act. A27, F81 sowie A18, F138, F242). Nachdem davon auszugehen ist, dass der (Nennung Verwandter) seine Eltern und weitere Familienangehörige über seinen Entschluss informierte, die Beschwerdeführerin nicht zu töten, son- dern diese unter Androhung des Todes dazu aufgefordert habe, zu ver- schwinden, bestand logischerweise für die Familie keine Veranlassung mehr, sich über das effektive Verschwinden der Beschwerdeführerin ir- gendwelche Gedanken zu machen oder gar ihren Aufenthaltsort herausfin- den zu wollen. Auf Vorhalt vermochte die Beschwerdeführerin diese Dis- krepanz nicht einleuchtend zu erklären. Ihre Mutmassung, dass "die Leute" nach ihr oder ihrem Au fenthaltsort hätten fragen können, bleibt unbehelf- lich, zumal ihre Familie – falls ihr (Nennung Verwandter) sie tatsächlich ge- tötet hätte – mit den gleichen Fragen konfrontiert gewesen wäre. Bezeich- nenderweise fielen denn auch ihre Angaben dazu, wie der Ve rdacht auf C._______ gefallen sei, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun zu haben , oder wie sich die Gefährdungslage für C._______ in der Folge dargestellt habe, zumal dieser von der Polizei gesucht worden sei und ein Dossier am Gericht über ihn bestehe, sub stanzlos und vage aus (vgl. act. A18, F93: A27, F72 ff.). Den vorinstanzlichen Erwägungen vermag die Beschwerde- führerin in diesem Punkt nichts Konkretes entgegenzusetzen. Jedenfalls erscheint der Hinweis, ihre diesbezüglichen Ausführungen seien lediglich die Wiedergabe dessen, was sie von C._______ darüber erfahren habe, als nicht stichhaltig. Zu Recht hat die Vorinstanz in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Ausreise mit C._______ weiterhin Kontakt hatte und nach ihrer Einreise in die Schweiz sogar noch (Nennung Dauer) mit ihm zusammen gewesen sei (vgl. act. A18/F88), weshalb wesentlich einlässlichere und inhaltlich fundierte Anga- ben von ihr hätten erwartet werden dürfen. So ist aufgrund der Interessen- lage der Beschwerdeführerin ohne Weiteres davon auszugehen, dass sie sich eingehend bei ihrem damaligen Partner C._______ über dessen Schicksal erkundigt und allfällige, im Zusammenhang mit ihrer beiden Aus- reisen aus dem Iran stehende neue Informationen eingeholt hätte. D-3319/2020 Seite 23 6.1.6 Der eingereichte (Nennung Beweismittel) vermag zu keiner anderen Einschätzung der Glaubhaftigkeit zu führen. Dieser vermag keine verläss- lichen Aussagen betreffend den Grund der Beeinträchtigung des psychi- schen Zustands respektive der festgestellten Traumatisierung der Be- schwerdeführerin abzugeben und beruht vielmehr auf einer Anamnese. Die von der Beschwerdeführerin angegebene Version über den Ursprung ihrer psychischen Beschwerden erweist sich im Kontext mit ihren bisherigen An- gaben und angesichts der vorgängigen Erwägungen nicht als glaubhaft. Es kann deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die die Traumatisierung auslösenden Ereignisse nicht aus Gründen, welche im asylrechtlichen Bereich liegen, geschehen sind, son- dern im Zusammenhang mit anderen Geschehnissen stehen. 6.1.7 In Bezug auf die christliche Tätowierung auf dem (Nennung Körper- teil) (…) der Beschwerdeführerin und der diesbezüglich eingereichten Be- weismittel (Aufzählung Beweismittel) ist Folgendes festzuhalten: Zwar las- sen sich die vom SEM geäusserten Zweifel an der Echtheit und Dauerhaf- tigkeit des Tattoos aufgrund der erwähnten Bestätigungen nicht aufrecht- erhalten. Die Beschwerdeführerin vermag damit aber nicht darzutun, dass sie das in Frage stehende (Nennung Form des Tattoos) bereits im Iran zu dem von ihr angeführten Zeitpunkt, nämlich im (...) stechen liess. Aus der (Nennung Zeitraum) später datierenden Bestätigung des Tätowierers ist zu ersehen, dass dieser das Tattoo aufgrund des Farbtons respektive des Blaustichs der schwarzen Farbe älter als (...) Jahre schätzt. Nachdem sich die Beschwerdeführerin auch in der F._______ hat tätowieren lassen (vgl. act. A18, F246 f.), besteht jedenfalls die reelle Möglichkeit, dass auch das (Nennung Form)-Tattoo während ihres Aufenthalts in der F._______ und nicht bereits im Iran entstanden ist. Im Weiteren gehört ein Tattoo zumin- dest im christlichen Kontext nicht zum unverzichtbaren Bestand der per- sönlichen Glaubensausübung. Sollte die Beschwerdeführerin infolge der Tätowierung Probleme mit den iranischen Behörden befürchten, wäre es ihr durchaus zuzumuten, das Tattoo insgesamt oder die religionstypische Form der Tätowierung – (Nennung Form) – wieder zu entfernen oder ent- sprechend zu verändern. 6.1.8 Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Sc hwierigkeiten und die erlebte Gewalt im Zusammenhang mit der in der F._______ geschlos- senen Ehe mit E._______ erweisen sich als asylirrelevant. Das SEM hat die diesbezüglich relevante Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge- richts korrekt wiedergegeben und angewendet. In Ermangelung einer Ent- gegnung auf Beschwerdeebene ist auf die zutreffenden Erwägungen im D-3319/2020 Seite 24 angefochtenen Entscheid zu verweisen, welche zu bestätigen s ind (vgl. act. A43, S. 8, Ziff. 3). 6.2 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalte n, dass das SEM insgesamt zu Recht das Vorliegen von Vorfluchtgründen verneint hat, da die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise die Flüchtlings- eigenschaft nicht erfüllte. Weder die Ausführungen auf Beschwerdeebene noch die eingereichten Beweismittel vermögen an dieser Einschätzung et- was zu ändern. 6.3 Asylsuchende sind auch dann als Flüchtlinge anzuerkennen, wenn sie erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer Rückkehr in ihren Heimat - oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich r elevanter Weise verfolgt würden. Zu unterscheiden ist dabei zwischen objektiven und subjektiven Nachfluchtgründen. Objektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Ein- fluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen; der von einer Ver- folgung bedrohten Person ist in solchen Fällen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung zu befürchten hat; in diesen Fällen wird kein Asyl gewährt (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.). 6.3.1 Die Beschwerdeführerin bringt subjektive Nachfluchtgrü nde vor, in- dem sie vorbringt, sie sei bei einer Rückkehr ins Heimatland aufgrund ihrer Konversion (Taufe in der Schweiz, Aktivitäten in christlichen Kirchen) flücht- lingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt. 6.3.2 Hinsichtlich der Menschenrechtss ituation im Iran ist festzuhalten, dass diese schon seit geraumer Zeit in genereller Hinsicht als schlecht be- zeichnet werden muss. Jegliche Kritik am System der Islamischen Repub- lik und an deren Würdenträgern ist tabu. Auch die vorliegend interessie- rende Religionsfreiheit ist nicht gewährleistet. Das Judentum, das Chris- tentum und der Zoroastrismus geniessen innerhalb des gesetzlichen Rah- mens das Recht auf freie Ausübung ihrer religiösen Riten und Zeremonien und ihre Anhängerinnen und Anhänger dürfen sich in persönlichen und glaubensspezifischen Belangen gemäss ihren religiösen Vorschriften ver- halten. Die diskrete und private Glaubensausübung ist im Iran damit grund- sätzlich möglich, auch wenn dieser Grundsatz nicht nur im alltäglichen Le- ben, sondern auch durc h verschiedene Paragraphen des iranischen D-3319/2020 Seite 25 Rechts durchbrochen wird. Christen werden im Iran insbesondere in wirt- schaftlicher, beruflicher und sozialer Hinsicht diskriminiert, was auch deren Schlechterstellung in ehe-, erb- und strafrechtlichen Angelegenheiten zur Folge hat. Die offiziellen christlichen Kirchen im Iran werden geduldet, Hauskirchen sind hingegen nicht erlaubt (vgl. UN HUMAN RIGHTS COUNCIL, Report of the Special Rapporteur on the situation of human rights in the Islamic Republic of Iran [A/HRC/31/69] , 26.05.2016, < http://www.oh- chr.org/EN/HRBodies/HRC/RegularSessions/Session31/Documents/A- HRC-31-69_en.doc >, S. 19, abgerufen am 26.03.2021). 6.3.3 Allein der Übertritt vom muslimischen Glauben zum Christentum führt grundsätzlich noch zu keiner individuellen staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glaubensausübung vermag gegebenenfalls dann flücht- lingsrechtlich relevante Massnahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon aus- gegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar missionierende Züge annehmenden Glaubensaus- übung erfährt. Missionierende Tätigkeit wird als Verstoss gegen allgemein geltende religiöse Grundprinzipien angesehen und als solche verfolgt. Da- bei richtet sich das Vorgehen der Sicherheitskräfte im Besonderen gegen Kirchenführer und gegen in der Öffentlichkeit besonders aktive Christen. Mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung durch den iranischen Staat ist mithin dann zu rechnen, wenn sich eine Person durch eine missi- onierende Tätigkeit exponiert und Aktivitäten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.1 ff. sowie statt vieler zuletzt Urteil des BVGer E-4001/2020 vom 2. März 2021 E. 6.3.2 m.w.H.). 6.3.4 Den eingereichten Bestätigungen (vgl. Beschwerdebeilagen 7 -14) zufolge nimmt die Beschwerdeführerin an religiösen Veranstaltungen – so zur Hauptsache an Gottesdiensten – teil, hat sich am (Nennung Zeitpunkt) in H._______ taufen lassen und pflegt Kontakte zu Mitgliedern der Kirch- gemeinde respektive der Jugendgruppe der Kirchgemeinde H._______. Wie in E. 6.3.3 erwähnt, führt der Übertritt zum christlichen Glauben für sich alleine jedoch noch nicht zu einer staatlichen Verfolgung im Iran (vgl. dazu bspw. auch: DFAT Country Information Report – Iran – 14 April 2020 < https://www.ecoi.net/en/file/local/2029778/country-information-report- iran.pdf >; Ziff. 3.56 ff., abgerufen am 15.07.2021). Die eingereichten Un- terlagen zeigen zwar, dass sich die Beschwerdeführerin in christlichen Kreisen bewegt und an deren Aktivitäten teilnimmt. Eine besondere Expo- nierung oder missionierende Tätigkeit, welche das Interesse der iranischen D-3319/2020 Seite 26 Behörden wecken könnte, da sie als Angrif f auf das Regime verstanden werden könnten, ergibt sich daraus aber nicht. Die Beschwerdeführerin hat sich weder vor noch nach ihrer Ausreise je aktiv gegen das iranische Re- gime geäussert. Insgesamt ist nach dem Gesagten nicht davon auszuge- hen, dass sie be i einer Rückkehr in den Iran mit flüchtlingsrechtlich rele- vanter Verfolgung durch den iranischen Staat zu rechnen hätte. Die von ihr geltend gemachte Gefährdung durch ihre religiösen Familienangehörigen erweist sich angesichts vorstehender Erörterungen und Schlussfolgerun- gen (E. 7.1 und E. 7.2) als unglaubhaft beziehungsweise als flüchtlings- rechtlich nicht relevant . Im Übrigen befinden sich die Tätowierungen der Beschwerdeführerin an Körperstellen, wo sie sich – so insbesondere das (Nennung Form)-Tattoo – durch geeignete Kleiderwahl problemlos abde- cken lassen. Es ist deshalb auch in dieser Hinsicht das Vorliegen subjekti- ver Nachfluchtgründe zu verneinen. 6.4 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass de r Be- schwerdeführerin weder zum Zeitpunkt ihrer Ausreise noch zum heutigen Zeitpunkt oder in absehbarer Zukunft in begründeter Weise droht, aufgrund der Konversion und ihrer in diesem Zusammenhang ausgeübten Aktivitä- ten im Rahmen christlicher Gemeinschaften in flüchtlingsrechtlich relevan- ter Weise in ihrem Heimatland verfolgt zu werden. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 7. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, D-3319/2020 Seite 27 wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 8.3.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nach- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–D-3319/2020 Seite 28 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 8.3.2 Was die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin betrifft, besteht bei ihr gemäss (Nennung Beweismittel) eine (Nennung Leiden und Therapie). Gesundheitliche Probleme stellen unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK im Übrigen nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen ein völkerrechtliches Wegweisungsvollzugshindernis dar (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kam- mer, 41738/10, § 183). Solche Umstände liegen nicht nur in Fällen vor, in denen sich die von einer Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer Gefahr befindet zu sterben, sondern auch dann, wenn Personen darunter- fallen, die angesichts fehlender Behandlungsmöglichkeiten im Zielstaat der Ausschaffung einem realen Risiko einer schwerwiegenden, raschen und irreversiblen Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt wer- den, die zu heftigen Leiden oder einer erheblichen Reduktion der Lebens- erwartung führen. Solche aussergewöhnlichen Umstände können aber hier hinlänglich ausgeschlossen werden (vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., BVGE 2009/2 E. 9.1.3). Der Vollzug erweist sich damit als zulässig. 8.3.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der We gweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Die allgemeine Situation im Heimatstaat der Beschwerdeführerin ist nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge- meiner Gewalt geprägt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut- bar wäre (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-383/2021 vom 15. März 2021 E. 10.3.2). 8.4.2 Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche die Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. Bei der Beschwerde- führerin handelt es sich um eine junge Frau, die über eine (...)-jährige (Nen-D-3319/2020 Seite 29 nung Schulbildung), die im Iran – angesichts der als unglaubhaft zu quali- fizierenden Verfolgung oder Gefä hrdung durch Familienangehörige – mit ihren Eltern und Geschwistern auf ein tragfähiges Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation zurückgreifen kann (vgl. A6 Ziff. 3.01; A18, F30 ff.). Sodann ist darauf hinzuweisen, dass die Familie der Beschwerde- führerin – und mithin auch sie – gemäss Aktenlage vor der Ausreise keine finanziellen Probleme hatte (vgl. A18, F39). 8.4.3 Auch die belegten gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführe- rin (vgl. oben E. 9.3.2) lassen den Wegweisungsvollzug nicht als unzumut- bar erscheinen. Bei medizinischen Problemen kann nur dann auf Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs erkannt werden, wenn eine notwen- dige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchti- gung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen würde. Da- bei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Be- handlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer m enschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizeri- schen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.). Nach dem Gesagten ist bezüglich der gesundheitlichen Probleme der Be- schwerdeführerin nicht von einer medizinischen Notlage im Sinne der vor- stehend dargelegten Rechtsprechung auszugehen. Das Gesundheitssys- tem im Iran wei st ein relativ hohes Niveau auf. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin im Iran medizinische und psychotherapeutische Behandlung erhalten kann (vgl. Urteil des BVGer E-3799/2020 vom 11. März 2021 E. 14.4.2 m.w.H.). Zudem ist auf die Möglichkeit der medizinischen Rückkehrhilfe hinzuweisen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). 8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). D-3319/2020 Seite 30 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Verfügung der Instruktionsrichterin vom 10. Juli 2020 wurde jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. An dieser Ein- schätzung ist auch im Urteilszeitpunkt festzuhalten, weshalb keine Kosten zu erheben sind. 10.2 In der Beschwerde wurde zu Recht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch das SEM gerügt. Dieser Verfahrensmangel wurde jedoch auf Beschwerdeebene geheilt (vgl. E. 3.2.3). Der Beschwerdeführerin ist des- halb trotz des Umstandes, dass sie im vorliegenden Beschwerdeverfahren mit ihren Rechtsbegehren letztlich nicht durchgedrungen is t, eine ange- messene (reduzierte) Parteientschädigung für die ihr aus der Beschwerde- führung erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen, da ihr, insoweit sie zu Recht einen Verfahrensmangel gerügt hat, kein finanzieller Nachteil erwachsen soll (vgl. BVGE 20 08/47 E. 5.1 S. 680 f.). Diese ist auf Grund der Akten (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und unter Berücksichtigung der Bemes- sungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 200.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. 10.3 Mit Verfügung vom 10. Juli 2020 wurde ausserdem das Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 102m Abs. 1 AsylG) und der Beschwerdeführerin ihr Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Dem- nach ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendun- gen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote zu den Akten gereicht. Auf die Nachforderung einer solchen D-3319/2020 Seite 31 kann jedoch verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren der Auf- wand zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und (ergänzend zum Aufwand gemäss E. 10.2 hievor) auf insgesamt zehn Stunden zu be- ziffern ist. Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts werden anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis 220.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Dem amtlichen Rechtsvertreter ist daher zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts eine Entschädigung von gesamthaft Fr. 2’400.– (inkl. Auslagen und MWSt) aus- zurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-3319/2020 Seite 32 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 200.– für das Verfahren vor dem Bundesverwal- tungsgericht zu entrichten. 4. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zulasten der Gerichtskasse eine Ent- schädigung von Fr. 2400 .– zugesprochen. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber Versand: