<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para">{T 0/2} </div> <div class="para">5A_399/2010 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 17. August 2010 </div> <div class="para">II. zivilrechtliche Abteilung </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichterin Escher, präsidierendes Mitglied, </div> <div class="para">Bundesrichter L. Meyer, Herrmann, </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Bettler. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">X.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bezirksgericht Pfäffikon, Einzelrichterin, </div> <div class="para">Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Ablehnung (Feststellung neuen Vermögens), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, Verwaltungskommission, vom 22. April 2010. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sachverhalt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A. </div> <div class="para">A.a Im Rahmen eines Betreibungsverfahrens erhob X.________ Rechtsvorschlag wegen fehlenden neuen Vermögens. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 11. März 2010 vor dem Bezirksgericht Pfäffikon stellte er sinngemäss ein Ablehnungsgesuch gegen die mit der Sache befasste Einzelrichterin. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.b Diese leitete das Gesuch zusammen mit einer von ihr verfassten gewissenhaften Erklärung zur Entscheidung an die zuständige Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich weiter. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B. </div> <div class="para">Mit Beschluss vom 22. April 2010 wies die Verwaltungskommission des Obergerichts das Ablehnungsbegehren ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C. </div> <div class="para">Dem Bundesgericht beantragt X.________ (nachfolgend Beschwerdeführer) in seiner Beschwerde vom 27. April 2010, es sei das Obergericht zu verpflichten, ihm das rechtliche Gehör zu gewähren. Eventualiter sei das Ablehnungsbegehren gutzuheissen. </div> <div class="para">Das Obergericht hat dem Bundesgericht die kantonalen Akten zugestellt, auf eine Vernehmlassung aber verzichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Erwägungen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">1.1 Die Frage, ob gegen bestimmte Justizbeamte in einem konkreten Verfahren ein Ausschluss- oder Ablehnungsgrund vorliegt, beurteilt sich im Kanton Zürich in einem Nebenverfahren zum hängigen Hauptverfahren, das in den §§ 95 ff. des Gerichtsverfassungsgesetzes des Kantons Zürich vom 13. Juni 1976 (GVG/ZH; LS 211.1) geregelt ist. Die Zuständigkeit zur Beurteilung von Ablehnungsbegehren gegen Einzelrichter des Bezirksgerichts liegt bei der Verwaltungskommission des Obergerichts (<span class="artref">§ 101 Abs. 1 GVG</span>/ZH und § 31 Ziff. 4 lit. b der Verordnung des Obergerichts des Kantons Zürich vom 22. Juni 2005 über die Organisation des Obergerichts [LS 212.51]). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.2 Der angefochtene Beschluss der Verwaltungskommission des Obergerichts stellt einen selbständig eröffneten Zwischenentscheid über ein Ausstandsbegehren im Sinne von <span class="artref">Art. 92 BGG</span> dar. Bei Zwischenentscheiden folgt der Rechtsmittelweg demjenigen in der Hauptsache (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-645%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page645">BGE 133 III 645</a> E. 2.2 S. 647 f.). Vorliegend geht es in der Hauptsache um die Bewilligung des Rechtsvorschlags wegen fehlenden neuen Vermögens nach <span class="artref">Art. 265a Abs. 1 SchKG</span>. Damit handelt es sich um eine Schuldbetreibungs- und Konkurssache (<span class="artref">Art. 72 Abs. 2 lit. a BGG</span>) mit einem Streitwert, der Fr. 30'000.-- übersteigt (<span class="artref">Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-III-524%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page524">BGE 134 III 524</a> E. 1.2 S. 526 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">2.1 Die Beschwerde in Zivilsachen ist nur gegen Entscheide letzter kantonaler Instanzen zulässig (<span class="artref">Art. 75 Abs. 1 BGG</span>). Gegen den angefochtenen Beschluss der obergerichtlichen Verwaltungskommission über ein Ablehnungsbegehren in einem Zivilprozess kann gestützt auf § 282 der Zivilprozessordnung des Kantons Zürich vom 13. Juni 1976 (ZPO/ZH; LS 271) die kantonale Nichtigkeitsbeschwerde an das Kassationsgericht erhoben werden. Der angefochtene Entscheid der Aufsichtsbehörde (<span class="artref">§ 101 Abs. 1 GVG</span>/ZH) über ein Ablehnungsbegehren fällt nicht unter die Ausnahmebestimmung von <span class="artref">§ 284 Ziff. 2 ZPO</span>/ZH (zum Ganzen <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-I-92%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page92">BGE 132 I 92</a> E. 1.4 S. 93 f. mit Hinweisen; so auch die Praxis des Kassationsgerichts des Kantons Zürich [«http://entscheide.gerichte-zh.ch»]: Beschlüsse vom 10. September 2009, Verfahren AA090107, E. 2, und vom 4. September 2009, Verfahren AA090085, E. 2, je mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.2 Im Übrigen bestimmt <span class="artref">§ 285 Abs. 2 ZPO</span>/ZH, im Verhältnis zum Weiterzug an das Bundesgericht, dass die Nichtigkeitsbeschwerde stets zulässig ist, wenn eine Verletzung von Art. 8, 9, 29 und 30 BV oder <span class="artref">Art. 6 EMRK</span> geltend gemacht wird (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-III-141%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page141">BGE 134 III 141</a> E. 2 S. 143 f.<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-I-92%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page92">132 I 92</a></span> E. 1.4 S. 94). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.3 Der Beschwerdeführer rügt vor Bundesgericht eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (<span class="artref">Art. 29 Abs. 2 BV</span>) sowie der Garantie des verfassungsmässigen Richters (<span class="artref">Art. 30 Abs. 1 BV</span> und <span class="artref">Art. 6 Ziff. 1 EMRK</span>). Diese Rügen hätte der Beschwerdeführer nach dem Vorstehenden mit Nichtigkeitsbeschwerde beim Kassationsgericht geltend machen können. Damit fehlt es an der Letztinstanzlichkeit des angefochtenen Entscheides (<span class="artref">Art. 75 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">3.1 Unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben ist zu beachten, dass der angefochtene Entscheid eine (unzutreffende) Rechtsmittelbelehrung enthält, nach der gegen den Entscheid der Verwaltungskommission des Obergerichts beim Bundesgericht eine Beschwerde in Zivilsachen oder eine subsidiäre Verfassungsbeschwerde erhoben werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.2 Gemäss Art. 18 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Zürich vom 27. Februar 2005 haben die Parteien Anspruch auf einen begründeten Entscheid mit Rechtsmittelbelehrung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.3 Aus einer unrichtigen Rechtsmittelbelehrung darf den Parteien indes kein Nachteil erwachsen (<span class="artref">Art. 49 BGG</span>; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-I-199%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page199">BGE 134 I 199</a> E. 1.3.1 S. 202 f.). Den erwähnten Schutz kann eine Prozesspartei nur dann beanspruchen, wenn sie sich nach Treu und Glauben auf die fehlerhafte Rechtsmittelbelehrung verlassen durfte. Wer die Unrichtigkeit erkannte oder bei gebührender Aufmerksamkeit hätte erkennen können, kann sich nicht auf <span class="artref">Art. 49 BGG</span> berufen, wobei allerdings nur eine grobe prozessuale Unsorgfalt der betroffenen Partei oder ihres Anwalts eine unrichtige Rechtsmittelbelehrung aufzuwiegen vermag. Der Vertrauensschutz versagt zudem nur dann, wenn der Mangel in der Rechtsmittelbelehrung für den Rechtsuchenden beziehungsweise seinen Rechtsvertreter allein schon durch Konsultierung der massgebenden Verfahrensbestimmung ersichtlich gewesen wäre. </div> <div class="para">Wann der Prozesspartei, die sich auf eine unrichtige Rechtsmittelbelehrung verlassen hat, eine als grob zu wertende Unsorgfalt vorzuwerfen ist, beurteilt sich nach den konkreten Umständen und nach ihren Rechtskenntnissen. Ist sie rechtsunkundig und auch nicht rechtskundig vertreten, darf sie nicht der anwaltlich vertretenen Partei gleichgestellt werden, es sei denn, sie verfüge namentlich aus früheren Verfahren über einschlägige Erfahrungen. Eine Überprüfung der in der Rechtsmittelbelehrung enthaltenen Angaben kann von einer Prozesspartei im Übrigen nur dann verlangt werden, wenn diese über die Kenntnisse verfügt, die es ihr überhaupt ermöglichen, die massgebende Gesetzesbestimmung ausfindig zu machen und gegebenenfalls auszulegen (zum Ganzen <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-III-374%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page374">BGE 135 III 374</a> E. 1.2.2.1 S. 376 f. mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.4 Der Beschwerdeführer ist nicht anwaltlich vertreten und war es auch im kantonalen Verfahren nicht. Für ihn war nicht ohne weiteres erkennbar, dass gegen den angefochtenen Beschluss die Nichtigkeitsbeschwerde an das Kassationsgericht des Kantons Zürich möglich gewesen wäre. Selbst wenn er die massgebenden Gesetzestexte konsultiert hätte, wäre gestützt auf <span class="artref">§ 101 Abs. 1 GVG</span>/ZH i.V.m. <span class="artref">§ 284 Ziff. 2 ZPO</span>/ZH nicht ersichtlich gewesen, dass die Nichtigkeitsbeschwerde zulässig ist. Die Berücksichtigung der kantonalen Praxis des Kassationsgerichts oder der Literatur kann vom Beschwerdeführer nicht verlangt werden (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-III-489%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page489">BGE 135 III 489</a> E. 4.4 S. 494). Sein Vertrauen in die Rechtsmittelbelehrung im angefochtenen Entscheid ist deshalb zu schützen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">Damit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten und die Sache dem Kassationsgericht des Kantons Zürich zu überweisen (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/30/2" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/30/1" type="start"></artref>Art. 30 Abs. 1 und 2 BGG</span><artref id="CH/173.110/30/2" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/2" type="end"></artref>; vgl. auch den ähnlich gelagerten Fall in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=32&amp;from_date=17.08.2010&amp;to_date=05.09.2010&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-I-92%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page92">BGE 132 I 92</a> E. 1.6 S. 96; Botschaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001, S. 4290 Ziff. 4.1.2.1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5. </div> <div class="para">Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten (<span class="artref">Art. 66 Abs. 1 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. </div> <div class="para">Die Eingabe des Beschwerdeführers vom 27. April 2010 wird dem Kassationsgericht des Kantons Zürich zur Behandlung überwiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. </div> <div class="para">Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. </div> <div class="para">Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, Verwaltungskommission, schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 17. August 2010 </div> <div class="para">Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para">Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Escher Bettler </div> <div class="para"> </div> </div></body></html>