<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2004.00206</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="https://vgrzh.djiktzh.ch/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=https://vgrzh.djiktzh.ch&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=204724&amp;W10_KEY=4467139&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2004.00206</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 23.12.2004</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">3. Abteilung/3. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">Gesundheitswesen</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Tierversuch</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Tierversuch: Darf mit einem Tierversuch geprüft werden, ob die Lebendfütterung von Luchsen in einem Wildpark mit Kaninchen möglich ist und dem natürlichen Jagdverhalten der Luchse gerecht wird?<br/><br/>Rechtsgrundlagen für die Bewilligung von Tierversuchen nach eidgenössischem und kantonalem Recht (E. 3).<br/>Als Versuchstiere im Sinn der Tierschutzgesetzgebung gelten der Luchs u n d die Kaninchen (E. 4).<br/>Die Güterabwägung (Belastung der Kaninchen einerseits, Erkenntnisgewinn anderseits) orientiert sich an unbestimmten Rechtsbegriffen. Deren Anwendung durch die Vorinstanzen überprüft das Gericht mit einer gewissen Zurückhaltung (E. 5.1). Der Versuch dient nicht der Sicherstellung der körperlichen oder psychischen Gesundheit des Luchses, sondern nur der V e r b e s s e r u n g der psychischen Gesundheit (E. 5.2). Ein vom Luchs verletztes Kaninchen kann nicht in jedem Fall im Gehege gefunden und euthanasiert werden (E. 5.3). Der Versuch ist nicht unerlässlich im Sinn der Tierschutzgesetzgebung; die vorinstanzliche Güterabwägung zugunsten des Schutzes der Kaninchen ist nicht zu beanstanden (E. 5.4).<br/>Die Lebendfütterung setzt voraus, dass das Beutetier wie in freier Wildbahn gefangen und getötet wird. Mangels einer realistischen Fluchtmöglichkeit für das Kaninchen im Gehege ist diese Voraussetzung nicht erfüllt (E. 6).<br/>Das Gesuch wurde von der kantonalen Tierversuchskommission und der kantonalen Bewilligungsbehörde gründlich und umfassend geprüft und abschlägig beurteilt. Dieser Beurteilungsspielraum ist zu beachten (E. 7).<br/>Abweisung, soweit Eintreten. - Minderheitsantrag auf Gutheissung und Rückweisung an Vorinstanz zur weiteren Abklärung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KANINCHEN">KANINCHEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: LEBENDFÃTTERUNG">LEBENDFÃTTERUNG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: LUCHS">LUCHS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERSCHUTZ">TIERSCHUTZ</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERSCHUTZRECHT">TIERSCHUTZRECHT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: TIERVERSUCH">TIERVERSUCH</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WILDPARK">WILDPARK</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">§ 4 KTSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 12 TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 13 Abs. I TSchG</span><br/><span class="ungerade">Art. 16 Abs. I TSchG</span><br/><span class="gerade">Art. 2 Abs. III TSchV</span><br/><span class="ungerade">Art. 61 TSchV</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b><span>I. </span></b><span> </span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Der Wildpark A (X) reichte am 2. November 2001 beim kantonalen VeterinÃ¤ramt ein Gesuch (Nr. 2361) um Bewilligung eines Tierversuchs im Sinn von Art. 12 des eidgenÃ¶ssischen Tierschutzgesetzes vom 9. MÃ¤rz 1978 (TSchG, SR 455) ein, betitelt mit âPilotversuch zur Evaluation des Verhaltens von Gehegeluchsen gegenÃ¼ber lebenden Kaninchenâ. Bereits zuvor hatte der Wildpark um Bewilligung eines Ã¤hnlichen Versuchs nachgesucht. Die kantonale Tierversuchskommission unterstÃ¼tzte dieses erste Gesuch (Nr. 2256) nicht, empfahl jedoch dem Wildpark, ein neues bereinigtes Gesuch einzureichen.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Der Versuch auf der Grundlage des neuen Gesuchs vom 2. November 2001 hat zum Ziel zu untersuchen, wie das natÃ¼rliche Jagdverhalten bei den in einem Gehege gehaltenen Luchsen ausgelÃ¶st und damit eine dauernde Aktivierung und BeschÃ¤ftigung erreicht werden kann. Zu diesem Zweck soll Ã¼berprÃ¼ft werden, ob die Gehegeluchse lebende Kaninchen schnell und sicher tÃ¶ten. Mit dem Versuch soll die Eignung dieser FÃ¼tterungsmethode fÃ¼r Luchse beurteilt werden. Die Versuchsresultate sind nach Ansicht des Gesuchsstellers fÃ¼r die Anwendung von LebendfÃ¼tterungen generell und fÃ¼r grÃ¶ssere Katzen im Speziellen relevant. </span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Die Versuchsanordnung, die im Gesuch detailliert umschrieben ist, dauert 14 Tage. Beteiligt sind drei im Gehege gehaltene Luchse, und es werden insgesamt neun Kaninchen verwendet. Eine wissenschaftliche Begleitung durch eine Fachkommission ist sichergestellt.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Das kantonale VeterinÃ¤ramt lehnte am 29. April 2002 das Gesuch ab, nachdem sich die kantonale Tierversuchskommission zuvor bereits negativ zum Gesuch geÃ¤ussert hatte. Das Amt stÃ¼tzte seine Ablehnung auf Art. 61 Abs. 3 lit. d der eidgenÃ¶ssischen Tierschutzverordnung vom 27. Mai 1981 (TSchV, SR 455.1), wonach ein Tierversuch nicht bewilligt werden darf, wenn dem Tier â gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis â unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet werden.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>II. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Einen dagegen von der Gemeinde Y erhobenen Rekurs wies die Gesundheitsdirektion am 2. April 2004 ab, im Wesentlichen mit der BegrÃ¼ndung, dass bei einer GÃ¼terabwÃ¤gung zwischen der Belastung der Versuchstiere und dem erwarteten Erkenntnisgewinn die Interessen der Versuchstiere hÃ¶her zu bewerten seien.</span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>III. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Gemeinde Y reichte am 29. April 2004 gegen die VerfÃ¼gung der Gesundheitsdirektion Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Sie beantragte, es sei die VerfÃ¼gung aufzuheben und der Tierversuch, eventuell in abgeÃ¤nderter Form, zu bewilligen. Mit Eingabe vom 16. Juni 2004 beantragte die Gesundheitsdirektion (auch im Namen des VeterinÃ¤ramtes) Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der BeschwerdefÃ¼hrerin.</span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>1. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde gemÃ¤ss § 19b Abs. 1 in Verbindung mit § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 8. Juni 1997 (VRG) funktionell und sachlich zustÃ¤ndig. Da auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde grundsÃ¤tzlich einzutreten.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>2. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.1 </span></b><span>Die Gesundheitsdirektion hÃ¤lt im Rekursentscheid fest, dass die beantragte Versuchsanordnung als Tierversuch im Sinn von Art. 12 TSchG zu wÃ¼rdigen sei (E. 2a). Zwar sei die LebendfÃ¼tterung nicht bewilligungspflichtig. Deren grundsÃ¤tzliche ZulÃ¤ssigkeit bedeute jedoch nicht, dass fÃ¼r LebendfÃ¼tterungen im Rahmen eines wissenschaftlichen Versuchs keine Tierversuchsbewilligung eingeholt werden mÃ¼sse (E. 2b). Das Tierschutzrecht des Bundes auferlege der BewilligungsbehÃ¶rde eine GÃ¼terabwÃ¤gung zwischen dem erwarteten Ergebnis des Tierversuchs und den Belastungen der Versuchstiere (E. 3a-b). Nach dem Klassierungsmassstab des Bundesamtes fÃ¼r VeterinÃ¤rwesen falle der Versuch hinsichtlich der Belastung in Ãbereinstimmung mit der Ansicht der Parteien in die Stufe drei (= schwere Belastung) einer vierstufigen Skala (beginnend bei Null). Diese Einstufung sei dadurch begrÃ¼ndet, dass eine gewisse Zeit vergehe, bis ein von einem Luchs verletztes Kaninchen von den Tierpflegern eingefangen und fachgerecht euthanasiert werden kÃ¶nne (E. 3c). Die Vorinstanz erwog, dass die LebendfÃ¼tterung zwar eine Erweiterung des Verhaltensrepertoires der Luchse darstelle, jedoch fÃ¼r eine artgerechte Haltung nicht unabdingbar sei. Der erwartete Erkenntnisgewinn des Tierversuchs kÃ¶nne daher nicht als vorrangig fÃ¼r die Verbesserung der Haltung von Luchsen in Gefangenschaft angesehen werden. Es bestehe kein Ã¶ffentliches Interesse an einer wissenschaftlichen KlÃ¤rung der Frage, ob Luchse in Gefangenschaft Beutetiere wie in freier Wildbahn fangen und tÃ¶ten. Es gebe nÃ¤mlich keinen Anspruch auf eine LebendfÃ¼tterung, solange ein Tier anderweitig ernÃ¤hrt werden kÃ¶nne (E. 3d). Bei der GÃ¼terabwÃ¤gung seien die Interessen der Versuchstiere eindeutig hÃ¶her zu bewerten. Deshalb habe der Beschwerdegegner das Gesuch zu Recht nicht bewilligt (E. 3e).</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.2 </span></b><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin hebt die Bedeutung der Luchshaltung im Wildpark A namentlich hinsichtlich des Artenschutzes hervor (Ziff. 1). Um die Haltungsbedingungen zu verbessern, konzentriere sich der Wildpark auf die FÃ¼tterung der Tiere. HauptaktivitÃ¤t des Luchses in freier Wildbahn sei das Jagen. Dieser AktivitÃ¤tskreis falle bei der Gehegehaltung vollstÃ¤ndig weg. Trotz neuen Versuchen (tote Beute oder Beuteattrappe) sei es bis heute nicht gelungen, diesbezÃ¼glich eine befriedigende LÃ¶sung zu finden. In den meisten FÃ¤llen wÃ¼rden dadurch nur isolierte Teile des Jagdverhaltens ausgelÃ¶st. Die Folge seien VerhaltensÃ¤nderungen oder -stÃ¶rungen (Ziff. 2a). Weil sich die Jagd nicht mit technischen Mitteln simulieren lasse, sei in den vergangenen Jahren zur LebendfÃ¼tterung zurÃ¼ckgegriffen worden. Diese gelte in Fachkreisen als bestmÃ¶gliche FÃ¼tterungsmethode fÃ¼r grÃ¶ssere Katzen. Die Tierschutzverordnung sehe die LebendfÃ¼tterung vor unter der Voraussetzung, dass das Raubtier das Beutetier wie in freier Wildbahn fangen und tÃ¶ten kÃ¶nne. Ob diese Voraussetzung erfÃ¼llt sei, soll gerade mit dem Versuch untersucht werden (Ziff. 2b). Die GÃ¼terabwÃ¤gung der Vorinstanz sei fehlerhaft. Richtig betrachtet sei der Luchs das Versuchstier, das Kaninchen dagegen die unabhÃ¤ngige Variable im Experiment. Aus diesem Grund mÃ¼sste â gemÃ¤ss Eventualantrag â der Versuch neu formuliert werden. Unzutreffend sei auch die vorinstanzliche Ansicht, die FÃ¼tterung mit toter Beute sei ausreichend. Es gehe nÃ¤mlich auch um die psychische Gesundheit der Luchse. Es kÃ¶nne ethisch nicht falsch sein, Tieren in Gefangenschaft dasselbe Verhalten zu ermÃ¶glichen, wie es ihre freien Artgenossen zeigten. Entscheidend sei nicht, ob das Kaninchen zu Tode komme, sondern wie (Ziff. 2c).</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>2.3 </span></b><span>Vorinstanz und Beschwerdegegner treten in ihrer gemeinsamen Eingabe der Ansicht entgegen, es mÃ¼sse den Tieren in Gefangenschaft dasselbe Verhalten wie in freier Wildbahn offen stehen. Der Mensch dÃ¼rfe, wenn er Tiere halte oder nutze, diesen ungerechtfertigt nicht Schmerzen zufÃ¼gen oder sie in Angst versetzen (Art. 2 Abs. 3 TSchG). Davon unterschieden sich die VerhÃ¤ltnisse in freier Wildbahn, wo nur die GesetzmÃ¤ssigkeiten der Evolution Anwendung fÃ¤nden (Ziff. 1). Es sei nicht erwiesen, dass allein eine unbefriedigte Jagdmotivation zu VerhaltensÃ¤nderungen fÃ¼hrten (Ziff. 2). Eine neue Formulierung des Tierversuchs gemÃ¤ss Eventualantrag der BeschwerdefÃ¼hrerin â sofern ein solcher Antrag aus verfahrensrechtlichen GrÃ¼nden Ã¼berhaupt zulÃ¤ssig wÃ¤re â erÃ¼brige sich, weil die Kaninchen auf dem Gesuch stets als Versuchstiere aufgefÃ¼hrt gewesen seien, wogegen die Luchse erst im Verlauf des Verfahrens ins Gesuch miteinbezogen worden seien. Es sei eine ganzheitliche Betrachtungsweise angestrebt worden, bei der die Auswirkungen sowohl auf die Luchse als auch auf die Kaninchen zu berÃ¼cksichtigen seien (Ziff. 3). Stehe die LebendfÃ¼tterung im Rahmen eines Tierversuchs zur Diskussion, so sei die vom Tierschutzrecht geforderte GÃ¼terabwÃ¤gung vorzunehmen. Diese AbwÃ¤gung mÃ¼sse nicht in jedem Fall zuungunsten der LebendfÃ¼tterung ausfallen. Bei der vorliegenden Versuchsanordnung wÃ¼rden jedoch die Chancen zuungunsten der Kaninchen verschoben, weil die verwendeten Kaninchen in Gefangenschaft aufgewachsen seien und deshalb nicht dasselbe Fluchtverhalten wie Wildkaninchen aufwiesen (Ziff. 4).</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>3. </span></b><i><span> </span></i></p> <p class="Urteilstext"><span>Tierversuche im Sinn von Art. 12 TSchG bedÃ¼rfen einer Bewilligung, wenn sie dem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den zufÃ¼gen, es in schwere Angst versetzen oder sein Allgemeinbefinden erheblich beeintrÃ¤chtigen kÃ¶nnen (Art. 13a Abs. 2 in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 TSchG; vgl. Antoine F. Goetschel/Gieri Bolliger, Das Tier im Recht, ZÃ¼rich 2003, S. 210 ff.; Peter E. Wirth, Gesetzgebung und Vollzug im Bereiche der Tierversuche, ZÃ¼rich 1991, S. 34 ff.). Die Versuche sind auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken (Art. 13 Abs. 1 TSchG) und haben einem in Art. 14 TSchG umschriebenen Zweck zu dienen, wie etwa der wissenschaftlichen Forschung (lit. a). Im Rahmen eines Tierversuchs dÃ¼rfen einem Tier Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den nur zugefÃ¼gt werden, soweit dies fÃ¼r den verfolgten Zweck unvermeidlich ist (Art. 16 Abs. 1 TSchG). Die Bewilligungsvoraussetzungen sind in Art. 61 TSchV nÃ¤her umschrieben. Namentlich darf ein Versuch nicht bewilligt werden, wenn er, gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn oder Ergebnis, dem Tier unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen, Leiden oder SchÃ¤den bereitet (Abs. 3 lit. d).</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Das Bewilligungsverfahren wird durch die Kantone durchgefÃ¼hrt (vgl. Wirth, S. 197 ff.). Die Gesuche sind zuerst der kantonalen Tierversuchskommission â einer breit zusammengesetzten Fachkommission â zu Ã¼berweisen; diese stellt der kantonalen BewilligungsbehÃ¶rde Antrag (Art. 62 Abs. 3 Satz 1 TSchV; § 12 Abs. 1 in Verbindung mit § 4 des Kantonalen Tierschutzgesetzes vom 2. Juni 1991 [KTSchG, LS 554.1]). Im Kanton ZÃ¼rich ist das VeterinÃ¤ramt die BewilligungsbehÃ¶rde (§ 2 KTSchG in Verbindung mit § 3 der Delegationsverordnung vom 9. Dezember 1998 [LS 172.14]).</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>4. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin beanstandet, dass die Kaninchen im Bewilligungsgesuch als Versuchstiere zu bezeichnen seien. Nach ihrer Auffassung sei allein der Luchs das Versuchstier, dessen Verhalten gegenÃ¼ber dem Beutereiz untersucht werden soll. An diese Auffassung knÃ¼pft die BeschwerdefÃ¼hrerin den Eventualantrag, es sei der Tierversuch in abgeÃ¤nderter Form zu bewilligen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Diesen Eventualantrag hat die BeschwerdefÃ¼hrerin erst im Beschwerdeverfahren gestellt. Ein Antrag darf nur Begehren enthalten, Ã¼ber welche die Vorinstanz entschieden hat oder hÃ¤tte entscheiden sollen (Alfred KÃ¶lz/JÃ¼rg Bosshart/Martin RÃ¶hl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich, 2. A., ZÃ¼rich 1999, § 54 N. 4). Auf den Eventualantrag ist deshalb nicht einzutreten. Anzumerken ist, dass die Argumentation der BeschwerdefÃ¼hrerin nicht Ã¼berzeugt. Zwar geht es beim streitigen Tierversuch in erster Linie darum, die Verhaltensweise des Luchses zu untersuchen. Indessen ist der Luchs durch die Versuchsanordnung keiner Belastung ausgesetzt, weswegen diese richtigerweise mit dem Schweregrad Null bewertet wird. Hingegen entspricht der Schweregrad beim Kaninchen dem Wert drei, was einer schweren Belastung gleichkommt. Es ist daher folgerichtig, das Kaninchen im Gesuch als Versuchstier aufzufÃ¼hren. Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin verfochtene Ansicht scheint einer mathematischen Logik zu entspringen, die dem Zweck der Tierschutzgesetzgebung im Bereich der Tierversuche nicht gerecht wird, nÃ¤mlich dem Schutz und Wohlbefinden des Tiers zu dienen (vgl. Art. 1 Abs. 1 TSchG).</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>5. </span></b><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.1 </span></b><span>Unter den Parteien ist die GÃ¼terabwÃ¤gung nach Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV streitig. Die Vorinstanz hat bei der GegenÃ¼berstellung der Belastung der als Versuchstiere eingesetzten Kaninchen einerseits und dem erwarteten Erkenntnisgewinn anderseits die Interessen dieser Versuchstiere hÃ¶her gewichtet. GemÃ¤ss der genannten Bestimmung ist also zu prÃ¼fen, ob im Vergleich zum erwarteten Ergebnis des Versuchs dem Tier unverhÃ¤ltnismÃ¤ssige Schmerzen oder Leiden bereitet werden. Diese Verordnungsnorm fÃ¼hrt den im Gesetz verankerten Grundsatz aus, wonach Tierversuche auf das unerlÃ¤ssliche Mass zu beschrÃ¤nken sind (Art. 13 Abs. 1 TSchG). Es handelt sich dabei um unbestimmte Rechtsbegriffe (Wirth, S. 37. â Zu den unbestimmten Rechtsbegriffen im Allgemeinen vgl. Ulrich HÃ¤felin/Georg MÃ¼ller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A., ZÃ¼rich 2002, Rz. 445 ff.; KÃ¶lz/Bosshart/ RÃ¶hl, § 50 N. 72 ff., auch zum Folgenden). Deren Anwendung ist im Beschwerdeverfahren grundsÃ¤tzlich Ã¼berprÃ¼fbar. Dabei auferlegt sich das Gericht eine gewisse ZurÃ¼ckhaltung, indem es der Verwaltung in der Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe einen Beurteilungsspielraum zugesteht.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.2 </span></b><span>Ausgangspunkt bei der von Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV geforderten GÃ¼terabwÃ¤gung ist der Schweregrad der Belastung fÃ¼r die Kaninchen. Dieser bildet mit Stufe drei die hÃ¶chste Kategorie, welche schwere Belastungen mit Schmerzen, andauernden Leiden bzw. erheblichen oder andauernden BeeintrÃ¤chtigungen des Allgemeinbefindens umfasst (Goetschel/Bolliger, S. 212). Deshalb muss beim Vergleich mit dem erwarteten Ergebnis auch ein entsprechend hoher Kenntnisgewinn aus dem Tierversuch resultieren.</span></p> <p class="Erwgung2"><span>Wie auch die BeschwerdefÃ¼hrerin zugesteht, ist die LebendfÃ¼tterung, die Gegenstand des Tierversuchs bildet, fÃ¼r die kÃ¶rperliche Gesundheit des Luchses nicht notwendig. Es geht vielmehr um die Verbesserung des psychischen Wohlergehens des Luchses, welches durch die Haltung in Gehegen beeintrÃ¤chtigt sein kann. Die Haltung von Luchsen in Gehegen (vorliegend in der GrÃ¶sse von ca. 5'000 m<sup>2</sup>) ist zwar zulÃ¤ssig (vgl. Art. 38 ff. TSchV) und mÃ¶glich; sie entspricht angesichts der bekanntermassen sehr grossen ReviergrÃ¶sse dieser Tierart von 20 â 30 km<sup>2</sup> oder mehr (vgl. Schweizer Lexikon, Visp 1999, Stichwort âLuchsâ) jedoch nicht der natÃ¼rlichen Lebensweise des Tiers. Dem Luchs wird so eine seiner natÃ¼rlichen Lebensart nicht in allen Teilen gerecht werdende Haltung aufgenÃ¶tigt und ihm dadurch die Entfaltung eines artgerechten Verhaltensrepertoires verunmÃ¶glicht. Es fragt sich deshalb, ob dieses Defizit gerade dadurch zu kompensieren ist, dass ein anderes Tier einer TÃ¶tung ausgesetzt wird, deren Art in tierschutzrechtlicher Hinsicht als schwere Belastung (Schweregrad drei) fÃ¼r dieses qualifiziert wird.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Entscheidend ist auf jeden Fall, dass der Tierversuch lediglich der <i>Verbesserung </i>der psychischen Gesundheit â und nicht der Sicherstellung derselben Ã¼berhaupt â dienen soll. Ebenso wenig bezweckt der Versuch, Erkenntnisse Ã¼ber die ErnÃ¤hrung zu gewinnen, die Ã¼ber die Bereitstellung von toten Beutetieren bereits hinreichend gewÃ¤hrleistet ist. Insofern reduziert sich auch das Interesse an einer wissenschaftlichen KlÃ¤rung dieser Fragen. Der Versuch mag nur ein wÃ¼nschbares Ziel anzustreben, nicht aber einen fÃ¼r die Gesunderhaltung des Luchses unbedingt notwendigen Zweck.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.3 </span></b><span>Zudem ist der Argumentation der Vorinstanz zu folgen, wonach nicht sichergestellt sei, dass ein verletztes Kaninchen von den Tierpflegern eingefangen und euthanasiert werden kann. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass ein verletztes fliehendes Tier in einem mit BÃ¤umen, BÃ¼schen und Unterholz versehenen weitrÃ¤umigen Gehege in der GrÃ¶sse von ca. 5'000 m<sup>2</sup> nicht immer sofort ausfindig gemacht werden kann und â wenn der Luchs von der Jagd ablÃ¤sst â dadurch besonderen Schmerzen und Leiden ausgesetzt ist.</span></p> <p class="Erwgung2"><b><span>5.4 </span></b><span>Der Versuch ist deshalb nicht âunerlÃ¤sslichâ im Sinn von Art. 13 Abs. 1 TSchG, und der beabsichtigte Erkenntnisgewinn steht nicht in einem adÃ¤quaten VerhÃ¤ltnis zur schweren Belastung, welcher die Kaninchen ausgesetzt sind. Die von den Vorinstanzen vorgenommene GÃ¼terabwÃ¤gung ist aus diesen GrÃ¼nden nicht zu beanstanden.</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>6. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die BeschwerdefÃ¼hrerin wendet ein, die LebendfÃ¼tterung sei von der Tierschutzgesetzgebung gar nicht untersagt. Art. 2 Abs. 3 TSchV gestattet diese FÃ¼tterungsart nur, wenn das Wildtier das Beutetier wie in freier Wildbahn fangen und tÃ¶ten kann. Die beantragte Versuchsanordnung wird diesem Erfordernis nur unvollkommen gerecht. Das ausgesetzte Kaninchen hat keine FluchtmÃ¶glichkeit (z.B. Ã¼ber einen unterirdischen Unterschlupf), sondern ist unentrinnbar dem Tod ausgesetzt. Eine Chancengleichheit (vgl. dazu Rekursvernehmlassung, S. 1 f.) zwischen den beiden Tieren besteht nicht. Dadurch unterscheidet sich die Versuchssituation von der freien Wildbahn: Dort werden vom Luchs primÃ¤r schwache Tiere mit Erfolg gejagt, was mit einer natÃ¼rlichen Regulierung des Tierbestandes einhergeht. Gesunde Tiere haben aber durchaus eine realistische Fluchtchance, insbesondere auch deshalb, weil der Luchs nicht als HetzjÃ¤ger gilt, sondern die Jagd hÃ¤ufig bereits nach ca. 20 Metern aufgibt (vgl. Roland Kalb, Der Luchs, Augsburg 1992, S. 29).</span></p> <p class="Erwgung1"><b><span>7. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Zu berÃ¼cksichtigen ist auch, dass die GÃ¼terabwÃ¤gung des Beschwerdegegners auf einer grÃ¼ndlichen und umfassenden AbklÃ¤rung beruht. Entsprechend den anwendbaren Verfahrensvorschriften (E. 3) hatte die kantonale Tierversuchskommission vor Erlass der VerfÃ¼gung das Gesuch zu prÃ¼fen. In dieser Kommission sind Fachvertreter namentlich aus den Bereichen des Tierschutzes, der Tierkunde, der Forschung und der Ethik vertreten (§ 4 Abs. 1 und 2 KTSchG). Die Kommission hat das Gesuch eingehend erÃ¶rtert und es der BewilligungsbehÃ¶rde einstimmig zur Ablehnung empfohlen. Weil das Verwaltungsgericht den Verwaltungsinstanzen einen eigenen Beurteilungsspielraum zugesteht (E. 5.1), kommt dieser eindeutigen Fachmeinung einiges Gewicht zu. Die von der BeschwerdefÃ¼hrerin im Rechtsmittelverfahren vorgebrachten RÃ¼gen vermÃ¶gen die Beurteilung der Tierversuchskommission und gestÃ¼tzt darauf des Beschwerdegegners und der Vorinstanz nicht umzustossen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Die Gerichtskosten sind ausgangsgemÃ¤ss der BeschwerdefÃ¼hrerin aufzuerlegen (§ 70 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 VRG).</span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss </span><span><a id="Text25"></a>entscheidet</span><span> </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2">1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.</p> <p class="Einzug2">2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 1'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 1'560.-- Total der Kosten.</p> <p class="Einzug2">3. Die Gerichtskosten werden der BeschwerdefÃ¼hrerin auferlegt.</p> <p class="Einzug2">4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben werden.</p> <p class="MsoNormal">5. Mitteilung an â¦</p> <p class="Erwgung2"><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Minderheitsantrag und -begrÃ¼ndung</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Eine Minderheit des Gerichts hat beantragt, die Beschwerde sei gutzuheissen und die Sache zur weiteren AbklÃ¤rung an die Gesundheitsdirektion zurÃ¼ckzuweisen.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Mit der Mehrheit des Gerichts anerkennt auch die Minderheit, dass es sich vorliegend um einen der Legaldefinition von Art. 12 TSchG entsprechenden Tierversuch handelt, bei dem die Kaninchen und nicht die Luchse als Versuchstiere zu betrachten sind (E. 3 und 4). Im Rahmen der strittigen GÃ¼terabwÃ¤gung gemÃ¤ss Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV ist sodann in Ãbereinstimmung mit den Vorinstanzen von einer schweren Belastung der Kaninchen auszugehen. Bei der Zielsetzung des Versuches jedoch geht es entgegen der Auffassung der Gerichtsmehrheit nicht nur um eine Verbesserung der psychischen Gesundheit der Luchse, sondern es ist auch eine allfÃ¤llige Verbesserung der Haltung bzw. der Sterbebedingungen von Kaninchen als Beutetiere der Luchse in Betracht zu ziehen: </span></p> <p class="Urteilstext"><span>GemÃ¤ss Art. 2 Abs. 3 TSchV dÃ¼rfen lebende Tiere fÃ¼r Wildtiere als Futter verwendet werden; das Wildtier muss das Beutetier wie in freier Wildbahn fangen und tÃ¶ten kÃ¶nnen. Entgegen der Mehrheitsmeinung gemÃ¤ss E. 6 ist die Minderheit der Auffassung, dass diese Anforderung der vorliegend beantragten Versuchsanordnung nicht entgegensteht. Der Umstand, dass sich das Wildtier in Gefangenschaft und dadurch in einem definierten Gehege befindet, hindert es vorerst nicht daran, ein Kaninchen als ausgesetztes Beutetier âwie in freier Wildbahnâ zu fangen und zu tÃ¶ten. Nach der Verordnungssystematik ist die LebendfÃ¼tterung eine zulÃ¤ssige FÃ¼tterungsart fÃ¼r in Gefangenschaft gehaltene Wildtiere. Diese Tierhaltung setzt zwangslÃ¤ufig eine umgrenzte FlÃ¤che oder einen umgrenzten Raum als Gehege im Sinne von Art. 5 TSchV voraus. Daraus ergibt sich, dass der Verordnungsgeber mit der EinschrÃ¤nkung, wonach das Wildtier das Beutetier wie in freier Wildbahn mÃ¼sse fangen und tÃ¶ten kÃ¶nnen, keine absolute Gleichwertigkeit der beidseitigen Jagdbedingungen verlangt. Insbesondere was die Ãberlebenschancen der Beutetiere anbelangt, darf angenommen werden, dass es durchaus dem Zweck der LebendfÃ¼tterung entspricht, dass das Beutetier hier unentrinnbar dem Tod ausgesetzt ist, wÃ¤hrend gesunde Tiere in der freien Wildbahn regelmÃ¤ssig eine realistische Ãberlebenschance haben. Die Gleichwertigkeit der Jagdbedingungen in Gefangenschaft und in freier Wildbahn setzt daher im Wesentlichen nur voraus, dass sowohl das Wild- wie auch das Beutetier eine mÃ¶glichst grosse, den Bedingungen der Gefangenschaft aber durchaus angepasste Bewegungsfreiheit haben mÃ¼ssen. Dies ist im bestehenden Luchsgehege offensichtlich der Fall. </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Eine andere Frage ist es, ob die Luchse aufgrund der Dauer ihrer Gefangenschaft Ã¼berhaupt noch in der Lage sind, die Kaninchen als Beutetiere zu erkennen und diese schnell und sicher zu tÃ¶ten. Genau dies ist aber der aus dem Versuch erhoffte Erkenntnisgewinn. Wird nun die LebendfÃ¼tterung mit Kaninchen als legale FÃ¼tterungsmethode der Luchse angesehen, so besteht â wie die BeschwerdefÃ¼hrerin zu Recht vorbringt â die MÃ¶glichkeit, dass solche FÃ¼tterungen in der Schweiz wie auch im Ausland bewilligungsfrei stattfinden, ohne dass dabei die Erkenntnisse aus dem vorliegend strittigen Tierversuch einfliessen kÃ¶nnen. Damit besteht die Gefahr, dass eine ungewisse Anzahl von Kaninchen oder anderen Beutetieren von den Luchsen nur verletzt, anstatt schnell und sicher getÃ¶tet werden und damit einer grossen Belastung ausgesetzt sind. Diese Gefahr soll bei der strittigen Versuchsanordnung mit verschiedenen Massnahmen minimiert werden, unter anderem durch BeschrÃ¤nkung der eingesetzten Kaninchen auf maximal neun StÃ¼ck. Die aus dem Versuch mit neun Kaninchen gewonnenen Erkenntnisse kÃ¶nnten daher letztlich auch dazu beitragen, die Bedingungen der erlaubten LebendfÃ¼tterung fÃ¼r eine ungewisse Anzahl anderer Kaninchen ertrÃ¤glicher zu gestalten.</span></p> <p class="Urteilstext"><span>Die Sache ist daher an die Vorinstanz zurÃ¼ckzuweisen, um bei der anstehenden GÃ¼terabwÃ¤gung die bei der bewilligungsfreien LebendfÃ¼tterung von Luchsen bestehende Gefahr eines erhÃ¶hten Leidens der dafÃ¼r verwendeten Beutetiere und dementsprechend den Nutzen des Versuchs fÃ¼r diese selber angemessen zu berÃ¼cksichtigen.</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>