B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5237/2019 U r t e i l v o m 6 . J a n u a r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher, Richter Simon Thurnheer; Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Familienzusammenführung (Asyl) zugunsten von C._______, geboren am (…), Eritrea (zurzeit in Äthiopien); Verfügung des SEM vom 5. September 2019 / N (…). D-5237/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 19. Dezember 2008 in der Schweiz um Asyl nach. Mit Verfügung vom 21. Februar 2011 stellte das damalige Bun- desamt für Migration (BFM; heute: SEM) fest, dass er die Flüchtlingseigen- schaft erfüllt, und es gewährte ihm in der Schweiz Asyl. Der Beschwerdeführer gab im Rahmen des Asylverfahrens zu Protokoll, er sei, nachdem er aus dem eritreischen Militärdienst desertiert sei, im (…) 2006 illegal aus seinem Heimatland ausgereist. Er sei ledig und Vater eines Sohnes namens C._______, der am (…) zur Welt gekommen sei und bei der Mutter lebe. B. B.a Mit Eingabe vom 21. Juli 2011 reich te der Besc hwerdeführer für die Beschwerdeführerin und C._______ Asylgesuche aus dem Ausland ein und beantragte, ihnen sei die Einreise in die Schweiz zur Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. Er gab an, die Beschwerdeführerin sei seine Verlobte. Sie hätten von 2002 bis zu seiner Ausreise aus Eritrea im Jahr 2006 zusammengelebt. C._______ sei ihr gemeinsamer Sohn und am (…) zur Welt gekommen. Mit Schreiben vom 15. November 2011 teilte er er- gänzend mit, die Beschwerdeführerin halte sich seit anfangs September 2011 in Äthiopien auf. C._______ habe sie bei der (Verwandten) in Eritrea zurückgelassen. B.b Mit Verfügung vom 4. Januar 2012 bewilligte das BFM die Einreise der Beschwerdeführerin und des Kindes C._______ zwecks Durchführung ei- nes Asylverfahrens in der Schweiz. B.c Am 27. März 2012 reiste nur die Beschwe rdeführerin in die Schweiz ein und ersuchte hierzulande um Asyl. Mit Verfügung vom 26. Februar 2013 stellte das BFM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingsei- genschaft erfüllt, und es gewährte ihr in der Schweiz Asyl. B.d Mit Schreiben vom 30. September 2015 teilte das SEM dem Be- schwerdeführer mit, es prüfe, ob die asylrechtlichen Voraussetzungen für die Einreise von C._______ in die Schweiz noch gegeben seien. Es ge- währte ihm hierzu das rechtliche Gehör. Mit Schreiben vom 6. Oktober 2 015 führte der Beschwerdeführer aus, C._______ habe Eritrea bisher nicht verlassen . Er lebe weiterhin bei der D-5237/2019 Seite 3 (Verwandten). Der Wunsch nach einem Zusammenleben sei aber nach wie vor gegeben. B.e Am 26. Oktober 2015 schrieb das SEM die Einreisebewilligung für C._______ vom 4. Januar 2012 als gegenstandslos geworden ab. C. Mit Schreiben vom 6. März 2019 reichten d ie Beschwerdeführenden ein Gesuch um Familienzusammenführung zugunsten von C._______ im Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG ein. Sie machten erneut geltend, C._______ sei ihr gemeinsamer Sohn. Nach- dem sich die politische Lage verändert habe, habe er Eritrea nun verlassen können. Er halte sich seit zwei Monaten in Äthiopien in der Obhut von Be- kannten auf. Sie stünden in wöchentlichem telefonischen Kontakt. D. D.a Am 10. April 2019 forderte das SEM die Beschwerdeführenden auf, Fragen zur Beziehung zu C._______ zu beantworten und zwecks Nach- weises des Verwandtschaftsverhältnisses einen DNA-Test durchzuführen. D.b In ihrer Stellungnahme vom 29. April 2019 erklärten die Beschwerde- führenden, der Beschwerdeführer habe C._______ nach der Geburt we- gen des Militärdienstes nur zwei oder drei Mal bei kurzen Besuchen gese- hen. Die Beschwerdeführerin habe bis zu ihrer im Jahr 2011 erfolgten Aus- reise aus Eritrea mit C._______ zusammengelebt. C._______ habe von 2011 bis 2019 die Schule besucht. Nachdem sie einer Bekannten namens D._______ Geld gegeben hätten, habe C._______ mit dieser im Januar 2019 nach Äthiopien gehen können. Sie hätten nun fast täglich telefoni- schen Kontakt. Mit Schreiben vom 10. Juli 2019 teilten die Beschwerdefüh- renden ergänzend mit, C._______ und D._______ befänden sich mittler- weile nicht mehr in einem Flüchtlingslager, sondern würden nun zusammen in Addis Abeba leben. D.c Das Abstammungsgutachten vom 26. August 2019 bestätigte die Va- terschaft des Beschwerdeführers. Hingegen ergab der DNA-Test, dass die Beschwerdeführerin nicht die Mutter von C._______ ist. E. Mit Verfügung vom 5. September 2019 – eröffnet am 9. September 2019 – lehnte das SEM das Familienzusammenführungsgesuch ab und bewilligte die Einreise von C._______ in die Schweiz nicht. D-5237/2019 Seite 4 Zur Begründung führte es an, angesichts des Ergebnisses des DNA-Tests sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer wiederholt falsche An- gaben gemacht und die am 4. Januar 2012 erteilte Einreisebewilligung er- schlichen habe. Wären di e tatsächlichen Umstände bekannt gewesen, wäre die Einreisebewilligung nicht erteilt worden. Zwar sei die Vaterschaft des Beschwerdeführers erwiesen, aber offensichtlich habe im Ausreise- zeitpunkt keine Lebensgemeinschaft mit der aktuellen Lebensgefährtin und dem Sohn bestanden. Das Kind sei zudem erst kurz vor der Ausreise des Beschwerdeführers aus Eritrea geboren wo rden und er habe es nur zwei oder drei Mal kurz gesehen. Auch wenn das Ki nd längere Zeit bei Fami- lienangehörigen gelebt habe, ändere dies nichts daran, dass die zentrale Voraussetzung für die Familienzusammenführung – eine bereits vor der Flucht bestehende Familiengemeinschaft – nicht erfüllt sei. Im Übrigen sei auch nicht klar, wer die Kindsmutter sei und ob der Beschwerdeführer über- haupt das Sorgerecht habe. Es sei somit von besonderen Umständen aus- zugehen, die gegen die Familienzusammenführung sprechen würden. F. Mit Eingabe vom 8. Oktober 2019 erhoben die Bes chwerdeführenden durch den rubrizierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde. Sie ersuchten um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 5. September 2019 , Feststellung der Flüchtlingseigenschaft von C._______ und Gewährung des Famil ienasyls gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG sowie um Bewilligung der Einreise in die Schweiz gem äss Art. 51 Abs. 4 AsylG und Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an C._______ ge- stützt auf Art. 8 EMRK. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän- dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Sie brachten im Wesentlichen vor, sie hätten bisher aus Angst, dass die Familienzusammenführung bei Offenlegung der wahren Umstä nde nicht bewilligt würde, nicht gewagt, die wahre Mutterschaft offenzulegen. Bei der leiblichen Mutter von C._______ handle es sich um E._______, die Ju- gendliebe des Beschwerdeführers. Im Jahr 2002 hätten die Beschwerde- führenden sich kennengelernt und seither in einer festen Partnerschaft ge- lebt. Als der Beschwerdeführer sich (…) während eines Urlaubs vom Mili- tärdienst in sein Heimatdorf begeben habe, sei es zu einem Wiedersehen mit E._______ gekommen. Aus dieser Begegnung sei der am (…) gebo- rene Sohn C._______ hervorgegangen. Die Beschwerdeführerin habe von dem Seitensprung des Beschwerdeführers gewusst und das Kind akzep- tiert. Nachdem E._______ am (…) verstorben sei, sei C._______ von der D-5237/2019 Seite 5 (Verwandten) grossgezogen worden. Nach der Ausreise des Beschwerde- führers sei die Beschwerdeführerin an ihrem Wohnort von den Militärbe- hörden belästigt worden, weshalb sie beschlossen habe, fortan mit der zu- künftigen Schwiegermutter und dem Sohn des Beschwerdeführers zusam- menleben. Sie habe schon bald die mütterlichen Aufgaben übernommen und die Familie habe beschlossen, C._______ nichts von den Umständen seiner Zeugung und vom Tod seiner leiblichen Mutter zu sagen; er glaube bis heute, die Beschwerdeführerin sei seine leibliche Mutter. Die Beschwer- deführerin sei daher als Stief- oder Adoptivmutter zu bezeichnen und Stief- oder Adoptivkinder seien zur Kernfamilie zu zählen. Die Familiengemeinschaft sei bereits vor der Flucht begründet worden . Dass es dem Beschwerdeführer aufgrund des Militärdiensts nur zwei- bis dreimal möglich gewesen sei, C._______ zu besuchen, dürfe ihm nicht zur Last gelegt werden. Auch bedeute die geringe Anzahl nicht, dass er bei den Besuchen keine tiefe Beziehung zu seinem Sohn hätte aufbauen können. Vielmehr seien diese das Fundamt der trotz grosser Distanz gelebten Va- ter-Kind-Beziehung. Seine Ausreise aus Eritrea se i zudem nicht freiwillig , sondern aus asylrelevanten Gründen erfolgt. Von der Schweiz aus habe er den Kontakt mittels Anrufen aufrechterhalten und er habe veranlasst, dass sein Sohn immer betreut worden sei. Zunächst habe die (Verwandte) die Betreuung übernommen, später die Beschwerdeführerin, die C._______ wie einen eigenen Sohn behandelt habe. Er stehe mit C._______ bis heute in telefonischem Kontakt. Auch die Be schwerdeführerin pflege seit ihr er Einreise in die Schweiz die innige Beziehung zu C._______ weiter. Sie würden ihn nach Möglichkeit auch finanziell unterstützen. Äthiopien sei für C._______ ein fremdes Land. Er befinde sich dort mit einer Bekannten der Familie, mithin nicht in Begleitung einer engen Bezugsperson, und könne dort auch nicht zur Schule gehen. Selbst wenn er nach Eritrea zurückkeh- ren würde, wäre seine Betreuungssituation nicht gesichert, da sich der Ge- sundheitszustand der (Verwandten) altersbedingt verschlechtert habe. Es sei sowohl von einer intakten Vater-Kind-Beziehung als auch von einer ge- lebten Stiefmutter-Kind-Beziehung auszugehen. Angesichts ihres F lücht- lingsstatus sei es ihnen nicht möglich, ihr F amilienleben in Eritrea zu füh- ren, und ein Drittstaat, der dafür in Frage käme, sei nicht ersichtlich. Zudem sei die momentane Situation dem Kindswohl abträglich und C._______ sei gestützt auf Art. 8 EMRK eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu er- teilen. Der E ingabe lagen nebst Unter lagen zu r finanziellen Situation der Be- schwerdeführenden eine UNHCR-Registrierungsbescheinigung betreffend D-5237/2019 Seite 6 C._______ vom 19. März 2019 und ein englischsprachiges Schreiben der Beschwerdeführenden vom 27. September respektive 1. Oktober 2019 bei. G. Am 10. Oktober 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein- gang der Beschwerde. H. Mit Zwischenverfügung vom 21. Oktober 2019 wies die Instruktionsrichte- rin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mangels prozessualer Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden ab. Sie forderte die Beschwerdeführenden auf, bis zum 5. November 2019 einen Kostenvor- schuss von Fr. 750.– zu bezahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht geleistet. I. Mit Eingabe vom 25. Oktober 2019 reichten die Beschwerdeführenden ein weiteres Beweismittel ein (Bescheinigung des Todes von E._______, aus- gestellt in F._______ am 5. Juli 2019). Sie erklärten, bei dem in der Be- schwerde vom 8. Oktober 2019 genannten Todestag ( …) handle es sich um einen Tippfehler. Wie sich der Todesbescheinigung entnehmen lasse, sei E._______ am (…) gestorben; dieses Datum hätten sie auch in ihrem Schreiben vom 27. September respektive 1. Oktober 2019 genannt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betref fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). D-5237/2019 Seite 7 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 2.2 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – namentlich Ehegatten und minderjährige Kinder von Flüchtlingen ihrerseits als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in der Schweiz, wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen. Wurden die anspruchsberech- tigten Personen nach Absatz 1 durch die Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG). Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest beabs ichtigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus; Zweck von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist allein die Wie- dervereinigung vorbestandener Familiengemeinschaften und nicht die Auf- nahme neuer respektive vor der Flucht noch nicht gelebter familiärer Be- ziehungen (vgl . BVGE 2018 VI/6 E. 5, 2017 VI/4 E. 3.1 und E. 4.4.2, 2012/32 E. 5; Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Än- derung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Aus- länder vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 1 ff., insbesondere S. 68). Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung entgegen- stehende "besondere Umstände" sind beispielsweise anzunehmen, wenn das Familienmitglied Bürger eines anderen Staats als der Flüchtling ist und die Familie in diesem Land nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Status derivativ erworben hat, oder wenn das Familienleben während einer D-5237/2019 Seite 8 längeren Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmit- glieder nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/32 E. 5.1). 3.2 Vorliegend ist das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Beschwer- deführer und seinem Sohn C._______ durch das Abstammungsgutachten vom 26. August 2019 ausgewiesen. Hingegen hat der DNA-Test ergeben, dass die Beschwerdeführerin – entgegen der gegenüber den Schweiz Be- hörden seit 2011 behaupteten Mutterschaft – nicht die leibliche Mutter von C._______ ist. Besonders stossend am Verhalten der Beschwerdeführen- den ist die Tatsache, dass sie sogar noch nach der am 10. April 2019 er- folgten Aufforderung zur Vorlage eines DNA-Gutachtens wider besseres Wissen, unter Vorlage einer offensichtlich gefälschten Taufurkunde vom (…), behaupteten, C._______ sei ihr gemeinsamer Sohn (vgl. vorinstanz- liche Akten B16 und B17 [Schreiben der Beschwerdeführenden vom 24. April 2019 {Beilage: Taufurkunde vom (…) mit falscher Angabe der Mut- terschaft} und 24. Juli 2019]). Selbst nach Vo rliegen der Testergebnisse vom 26. August 2019 legten sie die wahren Verwandtschaftsverhältnisse dem SEM gegenüber nicht dar; das Abstammungsgutachten ging kom- mentarlos beim SEM ein. Stichhaltige Belege, dass es sich bei der nun auf Beschwerdeebene genannten Person E._______ tatsächlich um die leibli- che Mutter von C._______ handelt, liegen nicht vor. In der Taufurkunde vom (…) und dem Schulausweis von 2018 wird nicht E._______, sondern die Beschwerdeführerin als Mutter von C._______ aufgeführt. Die am 25. Oktober 2019 eingereichte Todesbescheinigung vom 5. Juli 2019 ver- mag – unabhängig von der Frage der Authentizität des Dokuments – die Mutterschaft von E._______ nicht zu belegen, ergeben sich daraus doch keinerlei Hinweise auf allfällige Nachkommen. Letztlich kann die Frage der Mutterschaft respektive des Tods der leiblichen Mutter von C._______ aber angesichts der nachfolgenden Ausführungen offengelassen werden. 3.3 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstimmung mit dem SEM zum Schluss, dass vorliegend die Voraus- setzungen für die asylrechtliche Familienzusammenführung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind. Den Angaben des Beschwer- deführers zufolge bestand zwischen ihm und der Kindsmutter keine Part- nerschaft und er wohnte auch nicht in derselben Ortschaft wie die Kinds- mutter und sein Sohn (G._______), sondern zusammen mit der Beschwer- deführerin in H._______. Bis zu seiner Ausreise aus Erit rea im (…) 2006 habe er den am (…) geborenen C._______ nur zwei oder drei Mal kurz gesehen. I m Z eitpunkt der Flucht des Beschwerdeführers kann daher, D-5237/2019 Seite 9 selbst wenn die Kindsmutter tatsächlich verstorben sein sollte und die (Ver- wandte) sich ab 2006 um C._______ gekümmert haben sollte, nicht von einem tatsächlich bestehenden Familienleben – der unabdingbaren Vo- raussetzung für eine asylrechtliche Familienzusammenführung – zwischen dem Vater und dem Kleinkind gesprochen werden. Im Übrigen ist selbst bei Bejahung einer sich damals im Aufbau befindenden Vater-Sohn-Bezie- hung davon auszugehen, dass diese während sehr langer Zeit nicht im Sinne einer effektiven Familiengemeinschaft geführt wurde. Im Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers aus Eritrea im (…) 2006 war C._______ noch nicht einmal (…) alt. An die zwei bis drei kurzen Besuche seines Vaters dürfte er sich kaum erinnern können. Mittlerweile ist er (…) alt und hat seinen Vater während der prägenden Jahre der Kindheit nie persönlich gesehen. Auch wenn der Beschwerdeführer sich über die Jahre hinweg um telefonischen Kontakt bemüht haben mag, kann aufgrund der Aktenlage nicht die Rede davon sein, dass er die hauptsächliche Bezugs- person seines Sohnes ist. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Beschwer- deführerin, hat sie doch laut ihren Angaben in ihrem Asylverfahren nach dem Fortgang des Beschwerdeführers 2006 bis Ende 2010 bei ihren Eltern in H._______ gelebt und nur die kurze Zeit von Januar bis anfangs Sep- tember 2011 im Haus der Mutter d es Beschwerdeführers in G._______ verbracht (vgl. C3 S. 4 und C11 S. 5 F45). Die zentrale Bezugsperson von C._______ sei die (Verwandte) gewesen. Aufgrund der Aktenlage er- scheint es zwar glaubhaft, dass sich C._______ gegenwärtig in Äthiopien befindet, aber es ist nicht ersichtlich, dass und weshalb ihm eine Rückkehr nach Eritrea nicht möglich wäre. Bei dem Einwand in der Rechtsmittelein- gabe vom 8. Oktober 2019, die Betreuungssituation wäre bei einer Rück- kehr C._______ nach Eritrea aufgrund einer altersbedingten Verschlechte- rung des Gesundheitszustands der (Verwandten) nicht gesichert, handelt es sich um eine unbelegte Behauptung. Zudem ist davon auszugehen, dass C._______ noch über weitere Verwandte in Eritrea verfügt; so habe er laut der Beschwerdeführerin während des Schulbesuchs bei einem On- kel väterlicherseits in F._______ gewohnt (vgl. C11 S. 3 F22 ff. und S. 11 F128). Im Übrigen könnte es C._______ vor wesentliche Integrationsprob- leme stellen, wenn er nun als (…)jähriger Junge fern von seinem gewohn- ten Umfeld in die Schweiz zu seinem Vater, den er abgesehen von zwei oder drei kurzen Besuchen im (…) Altersjahr noch nie persönlich gesehen hat, und zu dem er erst eine Beziehung aufbauen müsste, geholt würde. Auch die Beschwerdeführerin, die sich höchstens wenige Monate im Jahr 2011 im selben Haus in G._______ aufgehalten habe, hat C._______ seit mehr als acht Jahren nicht mehr gesehen. Selbst bei Annahme einer vor der Flucht bestehenden Familiengemeinschaft liegen somit besondere D-5237/2019 Seite 10 Umstände nach Art. 51 Abs. 1 AsylG vor, die gegen eine Familienzusam- menführung in der Schweiz sprechen. Die KRK vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern, da dieses Über- einkommen weder dem Kind noch einem Elternteil ein Recht zur Einreise und zum Aufenthalt in der Schweiz im Sinne einer Familienzusammenfüh- rung gewährt (vgl. Botschaft des Bundesrat s betreffend den Beitritt der Schweiz zur KRK vom 29. Juni 1994 BBl 1994 V 1 ff., bezüglich Art. 10 KRK S. 33 ff. und 73 f.; BGE 126 II 377 E. 5d S. 392 und 124 II 361 E. 3b S. 367). Bei einer Rückkehr nach Eritrea wäre C._______ angesichts der dort lebenden Verwandtschaft nicht auf sich allein gestellt, so dass nicht von einer Gefährdung des Kindswohls gesprochen werden kann. Abschliessend bleibt anzumerken, dass im Verfahren vor den Asylbehör- den weder Art. 8 EMRK noch die Bestimmungen des UNO -Pakts II über bürgerliche und politische Rechte (Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte vom 16. Dezember 1966, SR 0.103.2) ergänzend angewendet werden können, wenn die Voraussetzungen des Familien- asyls gemäss Art. 51 AsylG nicht erfüllt sind (vgl. bspw. Urteile des BVGer D-5588/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 3.2, D-150/2016 vom 25. Oktober 2017 E. 5.3 und D-7400/2015 vom 28. Juni 2017 E. 7.3.1). Die Frage nach einem allfälligen Anspruch auf einen Aufenthalt des Sohnes des Beschwer- deführers in der Schweiz wäre im Rahmen eines ausländerrechtlichen Fa- miliennachzugsverfahrens zu beurteilen, in dem wiederum Art. 8 EMRK Rechnung zu tragen wäre. Unter die sen Umständen ist vorliegend nicht näher auf die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 8. Oktober 2019 zu Art. 8 EMRK einzugehen, da sie an obiger Erkenntnis nichts zu ändern vermögen. 3.4 Zusammenfassend hat das SEM das Gesuch der Besch werdeführen- den um asylrechtliche Familienzusammenführung gemäs s Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG zu Recht abgelehnt und die Einreise von C._______ in die Schweiz nicht bewilligt. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe, insbesondere zur Situation von C._______ in Äthiopien, näher einzugeh en, da sie an der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Dem Beschwerdeführer bleibt es unbenommen, bei den zuständigen kantonalen Behörden ein aus- länderrechtliches Gesuch um Nachzug seines Sohnes zu stellen (vgl. hierzu die vorstehenden Ausführungen unter E. 3.3). D-5237/2019 Seite 11 4. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver- halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh- renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) D-5237/2019 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung der Ver- fahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und das SEM. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr