<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 30 S.97</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Kostenverteilung zwischen jur. Personen des öffentlichen Rechts</div> <span class="page_no">97</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Kostenverteilung zwischen jur. Personen des</b></span><br/> <span class="ft1"><b>öffentlichen Rechts</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>30</b></span> <span class="ft3"><b>Beteiligung der Gemeinden an den Kosten des Regionalverkehrs.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Rechtsgleichheit in der Gesetzgebung (Erw. 2)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Abweichen vom Legalitätsprinzip im Härtefall gemäss § 13 ÖVD</b></span><br/> <span class="ft3"><b>(Einzelfallgerechtigkeit) ? (Erw. 3)</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 18. Mai 2000 in</span><br/> <span class="ft4">Sachen Einwohnergemeinde Suhr gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">Gestützt auf ÖVG und ÖVD verfügte der Regierungsrat für die</span><br/> <span class="ft6">Gemeinde Suhr den zu leistenden Gemeindebeitrag an die Kosten</span><br/> <span class="ft6">des öffentlichen Regionalverkehrs. Die Gemeinde Suhr zweifelte</span><br/> <span class="ft6">nicht an der Richtigkeit der Berechnung, beantragte aber mit Ver-</span><br/> <span class="ft6">waltungsgerichtsbeschwerde, die Bahnfahren ab Suhr seien zwar</span><br/> <span class="ft6">dreifach zu zählen, aber nur zu 50 % anzurechen.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">2. a) Die Einwohnergemeinde Suhr macht geltend, die undiffe-</span><br/> <span class="ft6">renzierte Anwendung der Bestimmungen des ÖVD führe unter Be-</span><br/> <span class="ft6">rücksichtigung des Umstandes, dass rund die Hälfte der Wohnbevöl-</span><br/> <span class="ft6">kerung im Aarauer Feld Wohnsitz habe und damit aus den Bahnab-</span><br/> <span class="ft6">fahrten absolut keinen Nutzen ziehe, sowie mit Blick auf die Tatsa-</span><br/> <span class="ft6">che, dass drei Verkehrsträger dieselben und im Übrigen ungenügen-</span><br/> <span class="ft6">den Leistungen erbrächten, zu einem für die Einwohnergemeinde</span><br/> <span class="ft6">Suhr stossenden Ergebnis und zu einer ungerechtfertigten Benach-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">98</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">teiligung gegenüber den anderen Gemeinden, insbesondere B., A.</span><br/> <span class="ft6">und W. Damit wird sinngemäss der Einwand erhoben, die Regelung</span><br/> <span class="ft6">im ÖVD wirke sich zumindest für die Einwohnergemeinde Suhr</span><br/> <span class="ft6">rechtsungleich aus.</span><br/> <span class="ft6">b) Das Rechtsgleichheitsgebot gilt in der Schweiz seit jeher un-</span><br/> <span class="ft6">bestritten für Rechtssetzung und Rechtsanwendung (Georg Müller,</span><br/> <span class="ft6">in: Kommentar zur Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge-</span><br/> <span class="ft6">nossenschaft, Basel, Zürich, Bern 1991 [Kommentar BV], Art. 4</span><br/> <span class="ft6">Rz. 30; Arthur Haefliger, Alle Schweizer sind vor dem Gesetze</span><br/> <span class="ft6">gleich, Bern 1985, S. 60 f.). Ein Erlass verletzt den Grundsatz der</span><br/> <span class="ft6">Rechtsgleichheit und damit Art. 8 Abs. 1 BV, wenn er rechtliche</span><br/> <span class="ft6">Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den zu</span><br/> <span class="ft6">regelnden Verhältnissen nicht ersichtlich ist, oder Unterscheidungen</span><br/> <span class="ft6">unterlässt, die sich aufgrund der Verhältnisse aufdrängen. Die</span><br/> <span class="ft6">Rechtsgleichheit ist verletzt, wenn Gleiches nicht nach Massgabe</span><br/> <span class="ft6">seiner Gleichheit gleich oder Ungleiches nicht nach Massgabe seiner</span><br/> <span class="ft6">Ungleichheit ungleich behandelt wird; vorausgesetzt ist, dass sich</span><br/> <span class="ft6">der unbegründete Unterschied oder die unbegründete Gleichstellung</span><br/> <span class="ft6">auf eine wesentliche Tatsache bezieht. Die Frage, ob für eine recht-</span><br/> <span class="ft6">liche Unterscheidung ein vernünftiger Grund in den zu regelnden</span><br/> <span class="ft6">Verhältnissen ersichtlich ist, kann zu verschiedenen Zeiten verschie-</span><br/> <span class="ft6">den beantwortet werden je nach den herrschenden Anschauungen</span><br/> <span class="ft6">und Zeitverhältnissen. Dem Gesetzgeber bleibt im Rahmen dieser</span><br/> <span class="ft6">Grundsätze und des Willkürverbots ein weiter Spielraum der Gestal-</span><br/> <span class="ft6">tungsfreiheit (BGE 124 II 213; 121 I 104; 118 IV 195; Müller, Kom-</span><br/> <span class="ft6">mentar BV, a.a.O., Art. 4 Rz. 32).</span><br/> <span class="ft6">c) Das Bundeseisenbahngesetz (EBG) vom 20. Dezember 1957</span><br/> <span class="ft6">in Verbindung mit der Verordnung über Abgeltungen, Darlehen und</span><br/> <span class="ft6">Finanzhilfen nach Eisenbahngesetz (Abgeltungsverordnung, ADFV)</span><br/> <span class="ft6">vom 18. Dezember 1995 sowie der Verordnung über die Anteile der</span><br/> <span class="ft6">Kantone an die Abgeltungen und Finanzhilfen im Regionalverkehr</span><br/> <span class="ft6">(KAV) vom 18. Dezember 1995 hat einen massgeblichen Einfluss</span><br/> <span class="ft6">auf die Gesetzgebung der Kantone im Bereich des öffentlichen Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Kostenverteilung zwischen jur. Personen des öffentlichen Rechts</div> <span class="page_no">99</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">kehrs, da Lastenverschiebungen zuungunsten der Kantone vorge-</span><br/> <span class="ft6">nommen und Subventionsvoraussetzungen normiert wurden.</span><br/> <span class="ft6">- Der Kanton Aargau hat gestützt auf die bundesrechtlichen</span><br/> <span class="ft6">Vorgaben mit Änderung des ÖVG vom 5. März 1996 die</span><br/> <span class="ft6">Grundsätze der Kostenverteilung im öffentlichen Verkehr wie</span><br/> <span class="ft6">folgt geregelt:</span><br/> <span class="ft6">- Die Gemeinden beteiligen sich an den Aufwendungen des</span><br/> <span class="ft6">Kantons für den Regionalverkehr - mit Ausnahme der Son-</span><br/> <span class="ft6">derleistung - im Umfang von bis zu einem Drittel (Gemeinde-</span><br/> <span class="ft6">anteil, § 5 Abs. 2 ÖVG).</span><br/> <span class="ft6">- Der Gemeindeanteil wird nach dem Kriterium der Verkehrsbe-</span><br/> <span class="ft6">dienung und der Einwohnerzahl unter den Gemeinden aufge-</span><br/> <span class="ft6">teilt (§ 5 Abs. 2 ÖVG).</span><br/> <span class="ft6">- Sonderleistungen des Regionalverkehrs werden speziell gere-</span><br/> <span class="ft6">gelt (§ 5 Abs. 2 und 3 ÖVG).</span><br/> <span class="ft6">- Im Agglomerationsverkehr übernimmt der Kanton einen Anteil</span><br/> <span class="ft6">von 20 bis 35 % der anerkannten ungedeckten Betriebskosten</span><br/> <span class="ft6">(§ 6 Abs. 3 ÖVG).</span><br/> <span class="ft6">- Der Grosse Rat bestimmt die Höhe der Beteiligung der Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinde am Regionalverkehr sowie des Kantons im Agglome-</span><br/> <span class="ft6">rationsverkehr in einem Dekret (§§ 5 Abs. 3, 6 Abs. 3 und 8</span><br/> <span class="ft6">ÖVG).</span><br/> <span class="ft6">(Vgl. dazu Botschaft des Regierungsrates des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft6">an den Grossen Rat betreffend das Dekret über die Beteiligung von</span><br/> <span class="ft6">Kanton und Gemeinden an den Kosten des Öffentlichen Verkehrs</span><br/> <span class="ft6">[ÖVD] vom 18. Dezember 1996 [im Folgenden: Botschaft ÖVD]).</span><br/> <span class="ft6">Das ÖVG nennt als massgebliche Faktoren für die Bestimmung</span><br/> <span class="ft6">des Beitrags einer Gemeinde an die Kosten des Regionalverkehrs die</span><br/> <span class="ft6">Verkehrsbedienung sowie die Einwohnerzahl (§ 5 Abs. 2 ÖVG).</span><br/> <span class="ft6">Bedienungsfaktor und Einwohnerfaktor stellen die rechnerischen</span><br/> <span class="ft6">Grössen dar, um den Beitragssatz einer Gemeinde zu bestimmen. Der</span><br/> <span class="ft6">Bedienungsfaktor entspricht der Anzahl Kursabfahrten aus einer Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinde, bezogen auf einen festgelegten Zeitraum; gezählt wird die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">100</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Abfahrt eines Kurses aus der Gemeinde, nicht etwa die Zahl der</span><br/> <span class="ft6">Abfahrten von einzelnen Haltestellen. Da Zentrumsgemeinden oder</span><br/> <span class="ft6">Gemeinden mit Knotenfunktion in der Regel eine überdurchschnittli-</span><br/> <span class="ft6">che Anzahl an Kursabfahrten aufweisen, von denen aber in starkem</span><br/> <span class="ft6">Ausmass auch andere Gemeinden profitieren, wurde bei der Konkre-</span><br/> <span class="ft6">tisierung der Vorgaben des ÖVG in § 9 Abs. 1 ÖVD ein Dämpfungs-</span><br/> <span class="ft6">faktor eingeführt, der gewährleisten soll, dass die steigende Anzahl</span><br/> <span class="ft6">an Kursabfahrten die Verteilzahl nicht linear erhöht, sondern die</span><br/> <span class="ft6">Belastung der Gemeinden mit steigendem Angebot degressiv verläuft</span><br/> <span class="ft6">(eine 10fache Erhöhung der Abfahrten erhöht den Bedienungsfaktor</span><br/> <span class="ft6">nicht um 10, sondern bloss um den Faktor 4; vgl. § 9 Abs. 4 ÖVD).</span><br/> <span class="ft6">Dasselbe gilt sinngemäss für den Einwohnerfaktor, welcher</span><br/> <span class="ft6">sicherstellen soll, dass die Einwohnerzahl nicht direkt als Quotient</span><br/> <span class="ft6">übernommen, sondern um den Faktor p gedämpft wird (§ 11 ÖVD).</span><br/> <span class="ft6">Die Einführung von Dämpfungsfaktoren und vor allem deren Ge-</span><br/> <span class="ft6">wichtung wurde in der Verkehrskommission gestützt auf Berech-</span><br/> <span class="ft6">nungsvarianten des Baudepartements, Abteilung Verkehr, im Zu-</span><br/> <span class="ft6">sammenhang mit der Erarbeitung des ÖVD eingehend diskutiert</span><br/> <span class="ft6">(vgl. Protokoll der Verkehrskommission des Grossen Rates vom</span><br/> <span class="ft6">14. Dezember 1995, S. 158 ff.); dabei war klar, dass eine Verteilregel</span><br/> <span class="ft6">immer zu gewissen Pauschalierungen führt und kaum je die einzig</span><br/> <span class="ft6">richtige sein kann (vgl. Protokoll der Verkehrskommission des Gros-</span><br/> <span class="ft6">sen Rates vom 14. Dezember 1995, S. 158, Votum Howald). Der</span><br/> <span class="ft6">Gesetzgeber hat sich trotzdem auf die heute gültige Fassung geeinigt</span><br/> <span class="ft6">in der Meinung, damit möglichst rechtsgleich legiferiert zu haben.</span><br/> <span class="ft6">c) Die beiden Kenngrössen Einwohnerfaktor und Bedienungs-</span><br/> <span class="ft6">faktor sind grundsätzlich geeignete Kriterien, um die Beteiligung der</span><br/> <span class="ft6">einzelnen Gemeinden am Gemeindeanteil von 16 % der Gesamt-</span><br/> <span class="ft6">kosten zu berechnen. Die Einwohnerzahl berücksichtigt den poten-</span><br/> <span class="ft6">ziellen Kundenkreis und ist damit Ausdruck der Inanspruchnahme</span><br/> <span class="ft6">öffentlicher Verkehrsmittel; der Bedienungsfaktor berücksichtigt das</span><br/> <span class="ft6">Angebot, welches der Bevölkerung der betreffenden Gemeinde auch</span><br/> <span class="ft6">tatsächlich zur Verfügung steht. Im Vergleich zu Beteiligungen, die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Kostenverteilung zwischen jur. Personen des öffentlichen Rechts</div> <span class="page_no">101</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">sich an der Finanzkraft der Gemeinde orientieren (vgl. die Regelun-</span><br/> <span class="ft6">gen in den Kantonen Zürich, Luzern und Bern in Anhang 3 zu den</span><br/> <span class="ft6">"Vorstellungen der Abteilung Verkehr" zum Vorentwurf des Dekrets</span><br/> <span class="ft6">über die Beteiligung von Kanton und Gemeinden an den Kosten des</span><br/> <span class="ft6">öffentlichen Verkehrs vom 24. November 1995), hat der Kanton Aar-</span><br/> <span class="ft6">gau eine sachbezogenere und rechtsgleichere Lösung gewählt. Dabei</span><br/> <span class="ft6">ist unbestritten, dass einzelne Gemeinden wegen ihrer Knoten-</span><br/> <span class="ft6">punktfunktion oder wegen grosser Einwohnerzahl unter Umständen</span><br/> <span class="ft6">stärker belastet werden als angemessen. Dem hat der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft6">mit der Einführung von Dämpfungsmechanismen aber ausreichend</span><br/> <span class="ft6">Rechnung getragen. Gerade die Dämpfungsfaktoren führen im Fall</span><br/> <span class="ft6">der Einwohnergemeinde S. zu einer spürbaren Entlastung, weil</span><br/> <span class="ft6">sowohl die Einwohnerzahl als auch die Anzahl gewichteter Abfahr-</span><br/> <span class="ft6">ten deutlich über dem kantonalen Mittel liegen. Es kann mithin nicht</span><br/> <span class="ft6">davon ausgegangen werden, dass den Berechnungskriterien keine</span><br/> <span class="ft6">sachlichen Unterscheidungsmerkmale zugrunde liegen. Wie der Re-</span><br/> <span class="ft6">gierungsrat in seiner Vernehmlassung zutreffend ausführt, hat der</span><br/> <span class="ft6">Gesetzgeber im ÖVD eine sehr detaillierte Regelung zur Beteiligung</span><br/> <span class="ft6">der Gemeinden an den Kosten des öffentlichen Verkehrs erlassen und</span><br/> <span class="ft6">dabei die Interessenlage der Gemeinden bestmöglich, d.h. nach ob-</span><br/> <span class="ft6">jektivierbaren Kriterien wie Kursabfahrten und Qualität der Ver-</span><br/> <span class="ft6">kehrsmittel (3-facher Gewichtung von Bahnen gegenüber Bussen)</span><br/> <span class="ft6">berücksichtigt und zudem durch die Einführung der Dämpfungsex-</span><br/> <span class="ft6">ponenten q und p, welche den sinkenden Grenzwert des Nutzens mit</span><br/> <span class="ft6">steigender Anzahl Bedienungshalte öffentlicher Verkehrsmittel sowie</span><br/> <span class="ft6">die erhebliche Mehrbelastung durch zunehmende Bevölkerungszah-</span><br/> <span class="ft6">len reflektiert, berücksichtigt. Dem Standortnachteil einzelner poten-</span><br/> <span class="ft6">tieller Kunden des öffentlichen Verkehrs bei grossen Gemeinden</span><br/> <span class="ft6">wurde damit ebenfalls Rechnung getragen. Diese Kriterien erweisen</span><br/> <span class="ft6">sich, wie dargelegt, als sachbezogen. Die §§ 8 und 9 ÖVD, welche</span><br/> <span class="ft6">die Verteilzahl und den Bedienungsfaktor bestimmen, stellen damit</span><br/> <span class="ft6">eine vertretbare gesetzgeberische Lösung dar, welche die wesentli-</span><br/> <span class="ft6">chen Kriterien zur Bestimmung des angefochtenen Gemeindeanteils</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">102</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">beinhalten. Berücksichtigt man zudem, dass im Gesetz immer auch</span><br/> <span class="ft6">gewisse pauschalisierende Lösungen getroffen werden dürfen, kann</span><br/> <span class="ft6">nicht gesagt werden, das ÖVD erweise sich unter dem Gesichtspunkt</span><br/> <span class="ft6">des Gebots der rechtsgleichen Rechtsetzung als verfassungswidrig.</span><br/> <span class="ft6">d) Zusammenfassend ist damit festzustellen, dass die im ÖVD</span><br/> <span class="ft6">getroffene Regelung vor der Pflicht zur rechtsgenüglichen Rechtset-</span><br/> <span class="ft6">zung standhält und anwendbar ist.</span><br/> <span class="ft6">Dass die Anwendung der Bestimmung selbst keinen Raum für</span><br/> <span class="ft6">Auslegung im Sinne der Einwohnergemeinde Suhr zulässt (Anrech-</span><br/> <span class="ft6">nung der Bahnfahrten lediglich zu 50 %), ist gestützt auf den Geset-</span><br/> <span class="ft6">zestext klar und wird von der Einwohnergemeinde Suhr denn auch</span><br/> <span class="ft6">nicht bestritten.</span><br/> <span class="ft6">3. a) Die Einwohnergemeinde Suhr macht in der Hauptsache</span><br/> <span class="ft6">geltend, die Hälfte ihrer Einwohner wohne im Gebiet Aarauer Feld</span><br/> <span class="ft6">und habe daher keinen Nutzen von der Bahnstation der SBB und der</span><br/> <span class="ft6">WSB; im Übrigen sei die Einwohnergemeinde Suhr nicht bereit, für</span><br/> <span class="ft6">ein ungenügendes Angebot dreifach belastet zu werden, zumal aus</span><br/> <span class="ft6">dem Bereich des Bahnhofs SBB praktisch zur gleichen Zeit drei Ver-</span><br/> <span class="ft6">kehrsträger nach Aarau zirkulierten. Damit vertritt sie die Auffas-</span><br/> <span class="ft6">sung, die Anwendung des ÖVG und des ÖVD führe im Fall der Ge-</span><br/> <span class="ft6">meinde Suhr zu einem Ergebnis, welches der Gesetzgeber nicht ge-</span><br/> <span class="ft6">wollt habe.</span><br/> <span class="ft6">b) aa) Der Grundsatz der Gesetzmässigkeit, das sogenannte Le-</span><br/> <span class="ft6">galitätsprinzip, hat zu seinem Hauptanliegen, alle Verwaltungstätig-</span><br/> <span class="ft6">keit an das Gesetz zu binden. In diesem Sinne bestimmt bereits Art. 5</span><br/> <span class="ft6">Abs. 1 BV, dass Grundlage und Schranke sämtlichen staatlichen</span><br/> <span class="ft6">Handelns das Recht ist. Alles Verwaltungshandeln ist nur gestützt auf</span><br/> <span class="ft6">das Gesetz zulässig. Dieses Prinzip hat enorme rechtsstaatliche Be-</span><br/> <span class="ft6">deutung, insbesondere bei der Gewährleistung von Rechtssicherheit,</span><br/> <span class="ft6">Rechtsgleichheit sowie beim Schutz der Freiheit des Individuums vor</span><br/> <span class="ft6">staatlichen Eingriffen. Es erfüllt aber auch eine wesentliche Funktion</span><br/> <span class="ft6">bei der demokratischen Legitimation des Verwaltungshandelns</span><br/> <span class="ft6">(Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwal-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Kostenverteilung zwischen jur. Personen des öffentlichen Rechts</div> <span class="page_no">103</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">tungsrechts, 3. Auflage, Zürich 1998, N 296 ff.).</span><br/> <span class="ft6">Im Rahmen des Legalitätsprinzips erlässt nun der Gesetzgeber</span><br/> <span class="ft6">Vorschriften, die auf den Normalfall zugeschnitten sind. Es ist weder</span><br/> <span class="ft6">möglich noch überhaupt sinnvoll, sämtliche besonders gelagerten</span><br/> <span class="ft6">Situationen legislatorisch genau zu erfassen. Um Härtefälle zu ver-</span><br/> <span class="ft6">meiden, welche die gesetzliche Regelung mit sich bringen kann, darf</span><br/> <span class="ft6">der Gesetzgeber die rechtsanwendenden Organe ermächtigen, davon</span><br/> <span class="ft6">aus Gründen der Billigkeit (Einzelfallgerechtigkeit) ausnahmsweise</span><br/> <span class="ft6">abzuweichen. Eine entsprechende Ausnahmebewilligung darf indes-</span><br/> <span class="ft6">sen im Einzelfall grundsätzlich nur dann erteilt werden, wenn erstens</span><br/> <span class="ft6">dafür eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage besteht, zweitens die</span><br/> <span class="ft6">vom Gesetz verlangte Ausnahmesituation tatsächlich vorliegt und</span><br/> <span class="ft6">drittens der Gesetzeszweck und die öffentlichen Interessen die gehö-</span><br/> <span class="ft6">rige Beachtung finden. Wenn das Gesetz selbst Abweichungen von</span><br/> <span class="ft6">einer bestimmten Norm nicht zulässt, darf die fragliche Regel ange-</span><br/> <span class="ft6">sichts der strengen Geltung des Legalitätsprinzips nur dann bewusst</span><br/> <span class="ft6">durchbrochen werden, wenn im Einzelfall die Anwendung der ge-</span><br/> <span class="ft6">setzlichen Bestimmung zu einem ausserhalb des Willens des Gesetz-</span><br/> <span class="ft6">gebers liegenden Ergebnis führen würde, zu einem Ergebnis also, das</span><br/> <span class="ft6">der Gesetzgeber so nicht gewollt haben kann (Häfelin/Müller, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">N 1970 ff.; Fritz Gygi, Verwaltungsrecht, Bern 1986, S. 85 ff.).</span><br/> <span class="ft6">bb) Eine solche Regelung hat der Gesetzgeber in § 13 ÖVD ge-</span><br/> <span class="ft6">troffen. Danach kann der Regierungsrat den Gemeindebeitrag ange-</span><br/> <span class="ft6">messen herabsetzen, wenn ausserordentliche Umstände zu einer un-</span><br/> <span class="ft6">verhältnismässigen Belastung der betroffenen Gemeinde führen.</span><br/> <span class="ft6">Aus den Materialien ist ersichtlich, was der Gesetzgeber unter</span><br/> <span class="ft6">ausserordentlichen Umständen, die zu einer unverhältnismässigen</span><br/> <span class="ft6">Belastung führen, verstanden wissen wollte. Zunächst müssen die</span><br/> <span class="ft6">beiden in § 13 ÖVD genannten Kriterien kumulativ vorliegen. Aus-</span><br/> <span class="ft6">serordentliche Umstände können insbesondere in der geografischen</span><br/> <span class="ft6">Lage begründet sein (Botschaft ÖVD, S. 28). Wie dargelegt, ist die</span><br/> <span class="ft6">geografische Lage der Einwohnergemeinde Suhr in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft6">Erreichbarkeit der Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel keines-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">104</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">wegs so, dass Ausserordentlichkeit vorliegt. Wie der Regierungsrat</span><br/> <span class="ft6">zutreffend ausführt, liegen auch die äussersten Wohnhäuser in er-</span><br/> <span class="ft6">reichbarer Distanz zum öffentlichen Verkehr (nämlich etwas über</span><br/> <span class="ft6">1 km); es kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Ge-</span><br/> <span class="ft6">setzgeber bei Erlass des ÖVD an Situationen wie in der Gemeinde</span><br/> <span class="ft6">Suhr nicht gedacht hat. Nur nebenbei sei erwähnt, dass die Berück-</span><br/> <span class="ft6">sichtigung der Argumentationen der Einwohnergemeinde Suhr dazu</span><br/> <span class="ft6">führen würde, dass zahlreiche aargauische Gemeinden mit derselben</span><br/> <span class="ft6">Begründung eine Anpassung der Kostenverteilung verlangen könn-</span><br/> <span class="ft6">ten, was zur Unanwendbarkeit der gesamten Regelung führen</span><br/> <span class="ft6">müsste. Genau dies ist aber nicht der Sinn einer Ausnahmeklausel.</span><br/> <span class="ft6">Die weiteren, von der Einwohnergemeinde Suhr vorgebrachten</span><br/> <span class="ft6">Ausnahmetatbestände (mehrere Verkehrsträger, ungenügendes An-</span><br/> <span class="ft6">gebot) können ebenfalls nicht zur Anwendung von § 13 ÖVD führen.</span><br/> <span class="ft6">So wurde mit dem Dämpfungsfaktor q (§ 9 Abs. 1 ÖVD) auf eine</span><br/> <span class="ft6">Mehrzahl von Bedienungshalten Rücksicht genommen und das un-</span><br/> <span class="ft6">genügende Angebot führt ohnehin zu keiner (Mehr-)Belastung.</span><br/> <span class="ft6">Damit erübrigt sich im Grundsatz die Prüfung, ob durch die</span><br/> <span class="ft6">ausserordentliche Situation eine unverhältnismässige finanzielle</span><br/> <span class="ft6">Belastung der Einwohnergemeinde Suhr herbeigeführt wird, was</span><br/> <span class="ft6">Anwendungsvoraussetzung von § 13 ÖVD ist. Der Vollständigkeit</span><br/> <span class="ft6">halber sei erwähnt, dass gestützt auf die Botschaft ÖVD (S. 28) und</span><br/> <span class="ft6">die Beratungen der Verkehrskommission des Grossen Rates zum</span><br/> <span class="ft6">ÖVD (Protokoll der Verkehrskommission vom 24. Januar 1997,</span><br/> <span class="ft6">S. 237, 245 f.) eine Belastung von rund 1.5% der Steuerkraft der</span><br/> <span class="ft6">betreffenden Gemeinde vorliegen müsste, damit Unverhältnismäs-</span><br/> <span class="ft6">sigkeit im Sinn der Ausnahmebestimmung vorliegt. Gestützt auf die</span><br/> <span class="ft6">unwidersprochen gebliebene Darstellung des Regierungsrates, wo-</span><br/> <span class="ft6">nach die Belastung der Einwohnergemeinde Suhr aus der Beteiligung</span><br/> <span class="ft6">an den Kosten des öffentlichen Verkehrs einen geringeren Anteil der</span><br/> <span class="ft6">Steuerkraft beträgt, ist das kumulativ erforderliche zweite Kriterium</span><br/> <span class="ft6">für das Vorliegen eines Härtefalles nicht gegeben.</span><br/> <span class="ft6">Das Verwaltungsgericht erkennt die für die Einwohnergemeinde</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <div class="title">Kostenverteilung zwischen jur. Personen des öffentlichen Rechts</div> <span class="page_no">105</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Suhr letztlich unbefriedigende Situation im Bereich des öffentlichen</span><br/> <span class="ft6">Verkehrs. Allerdings kann diese Bereinigung nicht über die Ausnah-</span><br/> <span class="ft6">meklausel des ÖVD herbeigeführt werden.</span><br/> <span class="ft6">4. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbe-</span><br/> <span class="ft6">gründet, weshalb sie abzuweisen ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>