B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3128/2018 U r t e i l v o m 1 4 . N o v e m b e r 2 0 1 8 Besetzung Einzelrichterin Constance Leisinger, mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima; Gerichtsschreiberin Arta Rapaj. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 24. April 2018 / N (…). E-3128/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 23. August 2016 in Italien ein Asylge- such ein. Im Rahmen des Relocation-Programms reiste er am 22. Februar 2017 in die Schweiz ein. Am 27. Februar 2017 fand die Befragung zur Per- son (BzP) statt. Am 19. April 2018 wurde der Beschwerdeführer eingehend zu seinen Fluchtgründen angehört. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei in B._______, Zoba De- bub, geboren und aufgewachsen. Nach Abschluss der 12. Schulklasse in Sawa habe er ab September 2010 an einem College in C._______ Mathe- matik studiert. Aufgrund gesundheitlicher Probleme (Gelbfieber) sei er im Jahr 2012 gezwungen gewesen, das Studium abzubrechen. Nach seiner Genesung habe er im Februar 2013 das Studium wieder aufnehmen wol- len. Dies sei ihm jedoch verwehrt worden, weil ihm vorgeworfen worden sei, dem College unerlaubt ferngeblieben zu sein. Er habe deswegen im Februar 2013 ein erstes und im April 2013 ein zweites Schreiben von der Verwaltung erhalten, wonach er aufgefordert worden sei, sich bei den Be- hörden zwecks Einzug in den Militärdienst zu melden. Diesen Aufforderun- gen habe er keine Folge geleistet und sich fortan versteckt gehalten. Nach- dem seine Mutter verhaftet worden sei, habe er sich den Behörden gestellt, worauf er festgenommen worden sei. Bei einem Gefangenentransport sei es ihm bereits nach einem Tag respektive nach zwei Tagen gelungen, die Flucht zu ergreifen. Er habe sich fortan wieder versteckt gehalten . Nach- dem die Behörden nicht aufgehört hätten, weiterhin nach ihm zu suchen, sei er im September 2015 in Richtung Sudan illegal aus Eritrea ausgereist und über Libyen nach Italien gelangt. Als Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer Kopien der Identitäts- und Einwohnerkarte seiner Mutter und seines Taufscheines zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 24. April 2018 – eröffnet am 26. April 2018 – wies das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wobei es die Abweisung hauptsächlich damit begründete, dem Beschwerdeführer sei es nicht ge- lungen, die Verhaftung, die anschliessende Fluc ht und die Verfolgung durch die eritreischen Behörden im Sinne von Art. 7 AsylG (SR 142.31) glaubhaft zu machen. Das SEM ordnete die Wegweisung des Beschwer- deführers aus der Schweiz sowie den Vollzug an. E-3128/2018 Seite 3 C. Mit Faxeingabe vom 24. Mai 2018 ersuchte der vom Be schwerdeführer mandatierte Rechtsvertreter das SEM um Einsicht in die Relocation-Akten. D. Gegen den Entscheid des SEM vom 24. April 2018 erhob der Beschwer- deführer, handelnd durch seinen Rechtsvertreter, mit Eingabe vom 28. Mai 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei beantragte er, die vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Sa- che zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und zur Neubeurteilung an die Vorinstan z zurückzuweisen; eventualiter sei die Flüchtlingseigen- schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren; subeventualiter sei die vor- läufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. In prozessualer Hinsicht er- suchte er um Offenlegung der vollständigen Relocation-Akten, um Gewäh- rung der unentgeltlichen Prozessführung , um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung des bevollmächtigen Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. Im Rahmen der Beschwer- debegründung ersuchte er schliesslich daru m, die Asylverfahrensakten seines in der Schweiz lebenden Cousins beizuziehen. Der Beschwerdeeingabe lag unter anderem ein Schreiben des Vereins „FRW Interkultureller Dialog“ vom 18. April 2018 (in Kopie), eine Bestäti- gung der Sozialhilfeabhängigkeit vom 30. April 2018 und eine Kostennote des Rechtsvertreters bei. E. Mit Schreiben vom 28. Mai 2018 gewährte das SEM dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers Einsicht in die Relocation-Akten. F. Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2018 hiess die zuständige Instrukt i- onsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzich- tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Be- schwerdeführer in der Person von lic.iur. Tarig Hassan einen amtlichen Rechtsbeisand bei. Gleichzeitig wurde das SEM einge laden, sich innert Frist vernehmen zu lassen. Hinsichtlich des Gesuches um Offenlegung der Relocation-Akten hielt die Instruktionsrichterin fest, dem Akteneinsichtsge- such sei zwischenzeitlich entsprochen worden, weshalb darüber nicht mehr zu befinden sei. E-3128/2018 Seite 4 G. Mit Eingabe vom 25. Juni 2018 liess sich das SEM zur Beschwerdeeingabe vernehmen. Dazu nahm der Beschwerdeführer mit Replik vom 12. Juli 2018 Stellung und reichte zusätzlich einen Kurzbericht der an der Anhö- rung vom 19. April 2018 anwesenden Hilfswerkvertretung vom 25. April 2018 sowie eine aktualisierte Kostennote zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend E-3128/2018 Seite 5 aufgezeigt, handelt es sich vor liegend um eine solche, weshalb der Be- schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe vorab gel- tend, das SEM habe sein rechtliches Gehör verletzt und den Sachverhalt unvollständig festgestellt. Er beantragt zur Hauptsache die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Neubeur- teilung. Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, die Übersetzung und Protokollführung an der Anhörung seien mange lhaft gewesen, wes- halb die (von der Vorinstanz festgestellten) Ungereimtheiten in seinen Aus- sagen nicht alleine ihm zuzuschreiben seien. Hierzu verweist er auf das Unterschriftenblatt des an der Anhörung anwesenden Hilfswerkvertreters. Weiter führt er aus, es habe an der Anhörung ein schlechtes Befragungs- klima geherrscht. Es sei ihm keine Zeit eingeräumt worden, seine Flucht- gründe frei und umfassend zu schildern. Der Befrager sei auch äusserst harsch vorgegangen. Er habe ihn mehrmals scharf angefahren und ihn be- reits nach wenigen Fragen zur Sache mit angeblichen Ungereimtheiten konfrontiert, bevor er Ausführungen zur gesamten Fluchtgeschichte habe machen können. Allgemein habe er kaum Gelegenheit gehabt, seine Asyl- gründe ausführlich und in eigenen Worten vorzutragen. Die ihm gestellten Fragen seien sodann oft suggestiv und wertend gewesen. Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal- tungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 4.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG ) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 Vw VG). Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst diverse Teilgehalte – unter anderem auch das Recht auf Anhörung –, deren Auslegung anhand der drei Hauptfunktionen des rechtlichen Gehörs vorzunehmen ist: Richtige Wahrheits- und Rechtsfindung, persönlichkeit sbezogenes Mitwirkungs- recht des Einzelnen und Schranke staatlichen Machtmissbrauchs (vgl. SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundes- gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008, Rz. 8 zu Art. 29; E-3128/2018 Seite 6 WALDMANN/BICKEL, in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenber- ger [Hrsg.], 2016, 2. Aufl., Rz. 20 ff. zu Art. 29). Der Anspruch auf rechtli- ches Gehör ist formeller Natur, dessen Verletzung, ungeachtet der Erfolg- saussichten in der Sache selbst, in der Regel zur Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung führt. 4.3 Das in Art. 30 VwVG verbriefte Recht auf Anhörung umfasst das Recht auf Orientierung und Äusserung und ist bei der Ermittlung des rechtser- heblichen Sachverhalts von herausragender Bedeutung. Darin einge- schlossen ist das Recht des Einzelnen zu allen Fragen Stellung zu neh- men, und der Anspruch, dass sich die verfügende Behörde mit den vorge- brachten Argumenten auseinandersetzt. Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG gilt der Grundsatz, dass die Behörde die Parteien anhört, bevor sie verfügt. Die asylsuchende Person hat im Asylverfahren im Sinne von Art. 29 Abs. 1 AsylG grundsätzlich das Recht, wenigstens einmal mündlich ihre Asyl- gründe vorzubringen und umfassend darzulegen. Damit trägt das Asylge- setz dem Umstand Rechnung, dass den Angaben der asylsuchenden Per- son bei der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts entscheidende Bedeutung zukommen. Nötigenfalls hat das SEM für die Anhörung einen Dolmetscher beizuziehen (Art. 29 Abs. 1bis AsylG). Das bei der Anhörung zu erstellende Protokoll soll alle Fragen und Antworten wortgetreu wieder- geben (Art. 29 Abs. 3 AsylG); es wird nach der Anhörung rückübersetzt und ist von den Beteiligten zu unterzeichnen. Die asylsuchende Person ist vor der Rückübersetzung darauf hinzuweisen, dass sie auf allfällige Überset- zungs- oder Protokollfehler aufmerksam zu machen hat. 4.4 Die Anhörung stellt demnach nicht nur ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der asylsuchenden Person und einen Teilgehalt des rechtlichen Gehörs dar, sondern dient auch der materiellen Sachverhalts- abklärung, die im Asylverfahren grundsätzlich von Amtes wegen durchzu- führen ist ( Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG gerügt werden. "Unrichtig" ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sach- verhalt zugrunde gelegt wurde. "Unvollständig" ist die Sachverhaltsfeststel- lung, wenn di e Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. dazu SCHINDLER, in: Auer/ Müller/Schindler [Hrsg.] , Kommentar zum VwVG, E-3128/2018 Seite 7 2008, Rz. 28 zu Art. 49). Ihre Grenze findet die Untersuchungspflicht aller- dings in der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Zu- sammenfassend kann die Anhörung als die wichtigste Grundlage für den Entscheid im Asylverfahren bezeichnet werden, weshalb gerade auch an- gesichts der hochrangigen Rechtsgüter (u.a. Leib und Leben), strenge An- forderungen an deren Qualität zu stellen sind (vgl. zum Ganzen BVGE 2007/30 E. 5.5). 4.5 Im vorliegend zu beurteilenden Fall wurde der Beschwerdeführer am 19. April 2018 durch einen Sachbearbeiter des SEM mithilfe eines Dolmet- schers gestützt auf Art. 29 Abs. 1 AsylG vertieft zu seinen Asylgründen an- gehört, wobei zur Protokollierung eine Hilfsperson beigezogen wurde. Da- neben war ein Hilfswerkvertreter von der Caritas Schweiz anwesend. Auf dem Unterschriftenblatt, welches dem Anhörungsprotokoll beiliegt (act. A9/15, letzte Seite), vermerkte der anwesende Hilfswerkvertreter, dass die Deutschkenntnisse des beigezogenen Dolmetschers ungenügend gewesen seien. Die von ihm auf Deutsch formulierten Sätze seien oft un- vollständig und/oder grammatikalisch nicht korrekt gewesen. Der Sachbe- arbeiter und der Protokollführer hätten deshalb oft nachfragen müssen. Weiter merkte der Hilfswerkvertreter an, dass der Protokollführer sehr lang- sam gewesen sei. Dies habe den Austausch zwischen dem Sachbearbeiter und dem Beschwerdeführer stark gebremst. Bei der Rückübersetzung habe der Sachbearbeiter eine grosse Anzahl inhaltlicher und grammatika- lischer Korrekturen am Protokoll anbring en müssen. Im Kurzbericht vom 25. April 2018, welchen der Beschwerdeführer mit seiner Replikeingabe zu den Beschwerdeakten gereicht hat, w urden die anlässlich der Anhörung gemachten Beobachtungen und Wahrnehmungen vom Hilfswerkvertreter nochmals bekräftigt (Beschwerdeakten, act. 6, Beilage 2, S. 1). Zusätzlich wurde angemerkt, dass der Dolmetscher – obwohl er durch die Hilfswerk- vertretung während der Anhörung und in der Pause darauf hingewiesen worden sei – meist zu schnell geredet habe, was zu Schwierigkeiten beim Protokollieren der Aussagen geführt habe. Der Protokollführer sei ohnehin nicht in der Lage gewesen, mehr als einen Satz auf einmal zu notieren. Das Protokoll, welches durch den Protokollführer überarbeitet worden sei, habe inhaltliche und grammatikalische Fehler, die zu unklaren oder fal- schen Aussagen geführt hätten, enthalten. Es hätten auf fast jeder Seite Korrekturen angebracht werden müssen. Die Anhörung sei durch die Fra- gen des Protokollführers immer wieder unterbrochen worden, was zu einer angespannten Atmosphäre geführt habe. Schliesslich wurde angemerkt, E-3128/2018 Seite 8 dass die Rückübersetzung aufgrund der Fehler im Protokoll anstrengend gewesen sei. 4.6 Den Feststellungen der Hilfswerkvertretung und den Einwänden des Beschwerdeführers hält das SEM in seiner Vernehmlassung im Wesentli- chen entgegen, es handle sich beim beigezogenen Dolmetscher um eine bewährte Fachkraft, welche bisher keinen Anlass zu Beanstandungen ge- geben habe. Hingegen räumt das SEM ein, dass die Kritik des Hilfswerk- vertreters an d er Leistung des Protokollführers korrekt sei. Gleichwohl müsse das Protokoll als korrekt bezeichnet werden, nachdem der Be- schwerdeführer im Rahmen der Rückübersetzung keine Korrekturen ver- langt und die Richtigkeit des Protokolls unterschriftlich bestätigt habe. Un- zutreffend sei, dass an der Anhörung ein schlechtes Befragungsklima ge- herrscht habe. 4.7 Nach Durchsicht der Akten sieht sich das Gericht vorliegend nicht dazu veranlasst, an der Korrektheit der Feststellungen des Hilfswerkvertreters zu zweifeln. Zwar ist ganz allgemein festzuhalten, dass die Vertretungen der Hilfswerke im Interesse der asylsuchenden Personen an den Anhörun- gen teilnehmen. Gleichwohl handelt es sich bei ihnen um unabhängige und neutrale Beobachter, welche unter anderem einen geordneten und fairen Ablauf der Befragungen sicherstellen. Nachdem das SEM auf Vernehmlas- sungsstufe selbst eingeräumt hat, dass die geäusserte Kritik am Protokoll- führer berechtigt sei, muss vorliegend davon ausgegangen werden, dass die geäusserte Kritik hinsichtlich der Leistung des Dolmetschers ebenfalls korrekt ist. Es kann im konkreten Fall deshalb – auch wenn der Beschwer- deführer sowohl zu Beginn als auch am Ende der Anhörung auf Nachfrage hin erklärte, dass er den Dolmetscher gut verstehe beziehungsweise ver- standen habe (act. A9/15, F1, F86) – nicht ausgeschlossen werden, dass es während der Anhörung und der Rückübersetzung zu falschen und/oder unvollständigen Übersetzungen kam. Aufgrund der ständigen Unterbre- chungen des Redeflusses während der Befragung, welche sowohl auf die Leistung des Dolmetschers als auch auf diejenige des Protokollführers zu- rückzuführen waren, muss vorliegend angenommen werden, dass es dem Beschwerdeführer unter diesen Umständen nicht möglich war, seine Asyl- gründe frei und umfassend vorzutr agen. Eine Durchsicht des Anhörungs- protokolls bestätigt sodann den Einwand des Beschwerdeführers, wonach die Anhörung von Beginn weg von einem zumindest misstrauischem Klima geprägt war (vgl. dazu act. A9/15, F4F6, F26, F36), was für eine richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts nicht för- derlich ist. Auch finden sich im Protokoll unnötige Suggestivfragen (vgl. E-3128/2018 Seite 9 act. A9/15, F34, F36). Im Übrigen ist bezüglich des Anhörungsprotokolls zu bemängeln, dass das SEM die bestehenden und von ihr eingeräumten Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Protokollführer im Protokoll selbst mit keinem Wort erwähnt hat, womit die Vollständigkeit und die Kor- rektheit des Protokolls schon deshalb in Frage zu stellen ist. Unter den gegeben Umständen wäre das SEM gehalten gewesen, die Anhörung zu unterbrechen und diese unter Beizug eines anderen Dolmetschers und Protokollführers erneut durchzuführen. Es erscheint vor diesem Hinter- grund stossend, gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers anläss- lich der eingehenden Anhörung von der Unglaubhaftigkeit seiner Verfol- gungsvorbringen auszugehen, zumal nicht klar ist, ob seine aus dem An- hörungsprotokoll hervorgehenden Schilderungen tatsächlich widersprüch- lich waren oder ob diese lediglich aufgrund der Ü bersetzungs- und Proto- kollierungsschwierigkeiten dergestalt daherkommen. 4.8 Es ist nach dem Gesagten festzustellen, dass der Anspruch des Be- schwerdeführers, seine Asylvorbringen ausführlich und umfassend – auch in freier Schilderung – darzulegen, verletzt, mithin auch eine der Haupt- funktionen des rechtlichen Gehörs, nämlich die richtige Wahrheits - und Rechtsfindung, unterminiert wurde. Nachdem der Anhörung bei der Ermitt- lung des rechtserheblichen Sachverhalts eine herausragende Bedeutung zukommt, ist aufgrund des Gesagten anzumerken, dass im vorliegenden Verfahren der Sachverhalt nur unvollständig festgestellt und damit der Un- tersuchungsgrundsatz im Sinne von Art. 12 VwVG verletzt wurde, weshalb sich auch die diesbezügliche Rüge als begründet erweist (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Mit Blick auf die erwähnte formelle Natur des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist eine Heilung vorliegend ausgeschlossen. Der Ent- scheid des SEM ist folglich aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das SE M zurückzuweisen. Das Anhörungs- protokoll vom 19. April 2018 (act. A9/15) ist aus dem Recht zu weisen und das SEM anzuweisen, erneut eine Anhörung im Sinne von Art. 29 AsylG durchzuführen. 4.9 Nachdem der Beschwerdeführer in seiner Replikeingabe weiter vor- bringt, das SEM habe ihm nach wie vor keine umfassende Einsicht in die Relocation-Akten gewährt, ist das SEM gleichzeitig anzuweisen, das Ge- such des Beschwerdeführers vom 24. Mai 2018 (act. A17/2) erneut und korrekt zu behandeln, zumal dem Schreiben de s SEM vom 28. Mai 2018 nicht zu entnehmen ist, welche Akten zugestellt beziehungsweise nicht of- fen gelegt wurden. E-3128/2018 Seite 10 5. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als mit ihr die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Die Sache ist zur erneuten Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vor instanz zu- rückzuweisen. 6. 6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 6.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i .V.m. mit Art. 37 VGG kann die Be- schwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen not- wendigen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine (aktualisierte) Kostennote zu den Akten gereicht. Diese w eist einen Vertretungsaufwand von insge- samt 15.45 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.  auf. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) ist der zur Anwendung gebrachte Stundenansatz bei Fr. 300.– zu belassen. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint indes im Verhältnis zu anderen Verfahren gleichen Umfangs zu hoch, weshalb das Honorar auf pauschal Fr. 3‘000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zu kürzen ist. Die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘000.– auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-3128/2018 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte- nen Verfügung beantragt wird. 2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das SEM zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 3‘000. auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Arta Rapaj