Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 4. September 2018 (420 18 218) ____________________________________________________________________ Schuldbetreibung- und Konkursrecht Konkursrecht: Die Konkursverwaltung hat einen Antrag eines Konkursgläubigers auf Abtretung stets zurückzuweisen, wenn die Abtretung eine Benachteiligung der Masse nach sich ziehen würde. Prüfung im Einzelfall bei beantragter Abtretung an eine dem Konkursgläubiger nahe stehende Person. Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richterin Barbara Jermann Richterich (Ref.), Richter Dieter Freiburghaus; Aktuar Rageth Clavadetscher Parteien A. ____ Holding AG , vertreten durch Advokat Christoph Grether, Lautengartenstrasse 7, Postfach 123, 4010 Basel, Beschwerdeführerin gegen Konkursamt Basel -Landschaft , Eichenweg 12, Postfach , 4410 Liestal , Beschwerdegegner A. ___ AG in Konkursliquidation , Berstelstrasse 24, 4422 Arisdorf, vertreten durch Konkursamt Basel-Landschaft, Eichenweg 12, Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin Gegenstand Betreibungsrechtliche Beschwerde Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 2. Juni 2016 eröffnete der Zivilkreisger ichtspräsident Basel-Landschaft Ost den Konkurs über die A. ____ AG mit Sitz X. ____. Mi t Zirkularbeschluss vom 1. Juni 2018 be- antragte das Konkursamt Basel-Landschaft den Konkursgläu bigern den Verzicht auf Durchset- zung von allfälligen Regressforderungen und bestehender Debitorenforderungen der Konkur- sitin sowie auf Weiterführung eines Forderungsstreits m it einer Konkursgläubigerin unter Ein- räumung der Möglichkeit zur Abtretung gemäss Art. 260 SchKG. Konkret wurde seitens der Konkursverwaltung unter anderem Antrag an die Gläubige rschaft zur Zirkularbeschlussfassung gestellt, auf eine Durchsetzung allfälliger Verantwortlichkeitsansprüche im Sinne von Art. 754 ff. OR gegenüber den Organen der Konkursitin (Verwaltungsr at und Revisionsstelle) zu verzich- ten. Nach Auswertung der bestehenden Unterlagen und g emäss den Einvernahmen, so die Begründung des Konkursamtes, bestehe allenfalls im Kontext mit einer rechnungslegungsrecht- lich nicht aufgeführten Solidarschuldverpflichtung eine Pflichtverletzung der Organe. Mit Blick auf den zu erwartenden Aufwand zeitlicher und finanziel ler Art und dem damit verbundenen Kostenrisiko werde beantragt, von einer Durchsetzung die ser Ansprüche zugunsten der Kon- kursmasse abzusehen. Mit Bezugnahme auf allfällige paulia nische Anfechtungsansprüche und weitere Ansprüchen hinsichtlich der vor Konkurseröffnu ng getätigten Rechtsgeschäfte gemäss Art. 285 ff. SchKG bestehe aus der Sicht der Konkursver waltung nach Prüfung der Sachlage angesichts des anfallenden Kostenrisikos und der damit e inher gehenden Gefahr einer Divi- dendenminderung sowie unter Hinweis auf die zweijährig e Verwirkungsfrist gemäss Art. 292 SchKG ebenfalls kein offenkundiger Handlungsbedarf, was zur Beantragung des Verzichts auf Weiterverfolgung solcher Ansprüche führe. Nebst dem bea ntragten Verzicht auf Durchsetzung der genannten Ansprüche wurde den Konkursgläubigern mit besagtem Beschluss die Gelegen- heit zur Antragstellung auf Abtretung im Sinne von A rt. 260 SchKG eingeräumt. Die A. ____ Holding AG, vertreten durch Advokat Christoph Grether , machte von dieser Möglichkeit mit Be- gehren an das Konkursamt vom 18. Juni 2018 Gebrauch und beantragte die Abtretung der Ver- antwortlichkeitsansprüche sowie der paulianischen Anfecht ungsansprüche und weiterer An- sprüche hinsichtlich der vor Konkurseröffnung getätigten Rechtsgeschäfte. Das Konkursamt wies das Gesuch um Abtretung der Verantwortlichkeitsanspr üche mit Verfügung vom 17. Juli 2018 ab und begründete seinen Entscheid mit einer bestehenden Interessenkollision, zumal der Verwaltungsratspräsident der A. ____ Holding AG, Herr B. ____, bei der Konkursitin als Verwal- tungsrat fungiert habe. Zu den Anträgen der A. ____ Holding AG auf Abtretung der pauliani- schen Anfechtungsansprüche und weiterer Ansprüche hinsich tlich der vor Konkurseröffnung getätigten Rechtsgeschäfte äusserte sich das Konkursamt in besagter Verfügung hingegen nicht. B. Mit Eingabe vom 19. Juli 2018 erhebt die A. ____ Holding AG (nachstehend Beschwerde- führerin), vertreten durch Advokat Christoph Grether, so wohl gegen das Konkursamt Basel- Landschaft als auch gegen die A. ____ AG in Konkursliqui dation (nachstehend Konkursitin), vertreten durch das Konkursamt, Beschwerde bei der Aufsicht sbehörde Schuldbetreibung und Konkurs Basel-Landschaft. Sie beantragt, es sei in Guthe issung der vorliegenden Beschwerde die Verfügung des Konkursamtes Basel-Landschaft vom 17. Juli 2018, insoweit sie die Durch- setzung von Verantwortlichkeitsansprüchen gegenüber der Revisionsstelle der A. ____ AG in Konkursliquidation zum Gegenstand habe, im Sinne von Zif fer 4. a) und b) der Beschwerdebe- gründung aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsf olge zu Lasten der Beschwerdegeg- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht ner in solidarischer Verbindung. Zur Begründung wird i m Wesentlichen angeführt, die Be- schwerdeführerin sei im Kollokationsplan als Gläubigerin mit einer Forderung von mindestens CHF 130‘401.00 zugelassen worden. Beim ablehnenden Abt retungsentscheid vom 17. Juli 2018 habe das Konkursamt übersehen, dass die Verantwortli chkeitsansprüche gegenüber den Organen der Konkursitin sich nicht nur auf die Mitglied er des Verwaltungsrates beziehen wür- den, sondern auch auf die Revisionsstelle. Mit Bezug auf die Revisionsstelle bestehe kein Inte- ressenkonflikt, weswegen die Verfügung in der Weise aufz uheben sei, dass der Beschwerde- führerin die Verantwortlichkeitsansprüche gegenüber der Revisionsstelle gemäss Art. 260 SchKG abzutreten seien, so dass die Beschwerdeführerin di ese Ansprüche auf eigene Rech- nung geltend machen könne. Zur beantragten Abtretung der paulianischen Ansprüche etc. äussere sich die angefochtene Verfügung nicht. Ein Int eressenkonflikt bestehe in diesem Zu- sammenhang ebenso wenig, wie ein anderer Hinderungsg rund, weshalb diese Ansprüche der Beschwerdeführerin zur weiteren Geltendmachung gestüt zt auf Art. 260 SchKG zur Verfügung zu stellen seien. C. In seiner Vernehmlassung vom 3. August 2018 beantragt das Konkursamt Basel- Landschaft, die Beschwerde sei abzuweisen. Es begründet seinen Antrag dahingehend, dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin nichts am Best and eines Interessenkonflikts ändern würden, welcher sich aufgrund der persönlichen Verbin dung von Herrn B. ____ zu den beiden Gesellschaften sowie aus der Firmenstruktur ergebe. Die Konkursitin sei eine Tochtergesell- schaft der Beschwerdeführerin. Demnach würde eine Abtret ung von Verantwortlichkeitsansprü- chen und auch von paulianischen Anfechtungsansprüchen der Konkursitin an die Beschwerde- führerin per se einen Interessenkonflikt vermuten lassen, d a eine Muttergesellschaft grundsätz- lich im Interesse ihrer Tochtergesellschaft handle e cont rario. Diese Vermutung liege umso nä- her, wenn natürliche Personen sowohl im Verwaltungsrat der einen als auch der anderen Ge- sellschaft vertreten seien. D. Mit Verfügung vom 9. August 2018 wurde der Schriften wechsel geschlossen und die Zir- kulation der Akten bei der Aufsichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs angeordnet. Erwägungen 1. Mit Ausnahme der Fälle, in denen das Gesetz den Weg d er gerichtlichen Klage vor- schreibt, kann gegen jede Verfügung eines Betreibungs- o der Konkursamtes bei der Aufsichts- behörde über Schuldbetreibung und Konkurs wegen Gesetze sverletzung oder Unangemessen- heit Beschwerde geführt werden. Die Beschwerde gemäss Art. 17 Abs. 2 SchKG ist innert zehn Tagen seit Kenntnisnahme der Verfügung durch den Beschwerdeführer einzureichen. Die ange- fochtene Verfügung des Konkursamtes, mit welcher das Ges uch der Beschwerdeführerin um Abtretung von Verantwortlichkeitsansprüchen gemäss Art. 260 SchKG abgewiesen wurde, da- tiert vom 17. Juli 2018. Die vorliegende Beschwerde vom 19. Juli 2018, welche gleichentags bei der Schweizerischen Post zum Versand aufgegeben wurde, ist somit zweifellos rechtzeitig er- folgt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung des Konkursamts betreffend die Abtre- tung von Rechtsansprüchen der Konkursmasse nach Art. 260 SchKG. Nach der bundesgericht- lichen Rechtsprechung ist es nicht Sache des Sachrichters, sondern der Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs, die Abtretungsverfügung der Konkursverwaltung auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen (BGE 132 III 342 E. 2.2.1 mit Nachweisen; P ETER , in: BlSchK 2013, S. 84 f.). Gerügt wird eine falsche Anwendung von Art. 260 SchKG, was einer Beschwer- de nach Art. 17 SchKG zugänglich ist. Die sachliche Zuständigkeit der Dreierkammer der Abtei- lung Zivilrecht des Kantonsgerichts zur Behandlung der A ngelegenheit ergibt sich aus § 6 Abs. 1 lit. b EG SchKG. 3. Als weitere Prozess- bzw. Rechtsmittelvoraussetzung hat jede r Beschwerde ein schutz- würdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefochtenen Verfügung zugrunde zu liegen (Art. 20a Abs. 4 SchKG i.V.m. § 31 Abs. 1 li. a VwVG). Der Bestand eines Rechts- schutzinteresses prüft die Aufsichtsbehörde von Amtes wegen . Mangelt es an einer solchen Beschwerdebefugnis, tritt die Aufsichtsbehörde auf eine Beschwerde nach Art. 17 SchKG nicht ein. Zur Beschwerde legitimiert ist, wer durch die an gefochtene Verfügung eines Voll- streckungsorgans in seinen rechtlichen oder zumindest tat sächlichen Interessen betroffen und dadurch beschwert ist und deshalb ein schutzwürdiges Intere sse an der Aufhebung oder Abän- derung der Verfügung hat (vgl. COMETTA /M ÖCKLI , in: BSK SchKG I, 2. Aufl., Basel 2010, Art. 17 N 40). Dies ist der Fall, wenn die rechtliche oder tat sächliche Stellung des Beschwerdeführers im Vollstreckungsverfahren durch den Ausgang des Beschwerde verfahrens unmittelbar beein- flusst werden kann. Gemäss Rechtsbegehren der Eingabe vom 19. Juli 2018 be antragt die Beschwerdeführerin, es sei in Gutheissung der vorliegenden Beschwerde die Verfügung des Konkursamtes vom 17. Juli 2018, insoweit sie die Durchsetzung von Verantwortlichke itsansprüchen gegenüber der Revisi- onsstelle der A. ____ AG in Konkursliquidation zum Gegenstand habe, im Sinne von Ziffer 4. a) und b) aufzuheben. Unter Ziffer 4 b) der Beschwerdeb egründung wird – hier ohne Einschrän- kung auf Ansprüche gegenüber der Revisionsstelle – die Z ulassung der Abtretung von pauliani- schen Anfechtungsansprüchen und weiteren Ansprüchen aus Beg ünstigungshandlungen ge- mäss Art. 285 ff. SchKG verlangt, zumal das Konkursamt in diesem Zusammenhang keinen Entscheid über das betreffende Gesuch der Beschwerdefüh rerin gefällt habe und bei der Be- schwerdeführerin durch die Abtretung kein Interessenkonflikt entstehe. Dass das Konkursamt in der angefochtenen Verfügung über das Abtretungsgesuch zu den Anfechtungsansprüchen nach Art. 285 ff. SchKG nicht entschieden hat, ist zwar zutreffend. Soweit die Beschwerdeführe- rin nun beschwerdeweise um Gutheissung desselben ersucht, ist auf ihre Beschwerde unab- hängig von der Beurteilung der Frage nach einer allfälligen Interessenkollision nicht einzutreten. Gemäss Art. 292 Ziff. 2 SchKG verjährt das Anfechtungsrecht des nach Massgabe von Art. 260 SchKG berechtigten Konkursgläubigers (Art. 285 Abs. 2 Zi ff. 2 SchKG) innert zwei Jahren seit Konkurseröffnung. Im vorliegenden Fall wurde der Konkur s über die A. ____ AG mit Wirkung per 2. Juni 2016, 15:20 Uhr, eröffnet (Urteil des Zivi lkreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom 2. Juni 2016 im Verfahren Nr. 160 16 1156 II) , weshalb allfällige Ansprüche nach den Art. 285 ff. SchKG mangels rechtzeitiger Geltendmachung bereits zum Zeitpunkt der Einrei- chung des Abtretungsgesuchs der Beschwerdeführerin am 1 8. Juni 2018 verjährt waren und somit auch nicht mehr durchsetzbar sind. Der Beschwerdefüh rerin fehlt deshalb vorliegend das Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsschutzinteresse an einem Entscheid der Beschwerdeinstanz über die Abtretbarkeit allfäl- liger Ansprüche aus Begünstigungshandlungen, deren Durch setzung nicht mehr möglich ist, was zum Nichteintreten auf die Beschwerde in diesem Punkt führt. 4. Gemäss Art. 20a Abs. 3 in Verbindung mit § 15 Abs. 1 Vw VG hat eine Beschwerde nach Art. 17 SchKG ein klar umschriebenes Rechtsbegehren zu e nthalten. Der Beschwerdeantrag muss entweder auf Aufhebung bzw. Änderung der angefocht enen Verfügung oder auf Vornah- me einer betreibungsrechtlichen Massnahme gerichtet sein (Art. 21 SchKG). Der Antrag kann sich auch durch Auslegung der Eingabe, namentlich deren B egründung, ergeben. Im vorliegen- den Fall lässt sich der Beschwerde vom 19. Juli 2018 mit Bezug auf die Abtretung der Anfech- tungsansprüche gemäss Art. 285 ff. SchKG kein Antrag ent nehmen. Vielmehr ist das Rechts- begehren darauf beschränkt, die angefochtene Verfügung „im Sinne von Ziffer 4. a) und b)“ auf- zuheben, „insoweit sie die Verantwortlichkeitsansprüche g egenüber der Revisionsstelle der A. ____ AG in Konkursliquidation zum Gegenstand hat“. In der Beschwerdebegründung werden indessen unter Ziffer 4 b) ausschliesslich Ausführungen zu r Abtretbarkeit von Ansprüchen nach Art. 285 ff. SchKG gemacht, ohne einen Konnex zu Veran twortlichkeitsansprüchen der Revisi- onsstelle herzustellen. Zumal es der Beschwerde demnach m it Bezug auf die Abtretung von paulianischen Ansprüchen sowie anderen Ansprüchen aus Begünstigungshandlungen im Sinne von Art. 285 ff SchKG an einem klaren und widerspruchs freien Antrag mangelt, wäre auf die Beschwerde auch bei bestehendem Rechtsschutzinteresse der Beschwerdeführerin in diesem Punkt nicht einzutreten. 5. Auf das Begehren um Aufhebung der angefochtenen Ve rfügung und Abtretung von allfäl- ligen Verantwortlichkeitsansprüchen, insoweit sie gegenüb er der Revisionsstelle der A. ____ AG in Konkursliquidation bestehen, ist hingegen einzut reten, da die Beschwerde vom 19. Juli 2018 in diesem Zusammenhang sämtlichen formellen Erfordernissen genügt. 6. Gemäss Art. 260 Abs. 1 SchKG ist jeder kollozierte Konkur sgläubiger berechtigt, die Ab- tretung derjenigen Rechtsansprüche der Masse zu verlangen, auf deren Geltendmachung die Gesamtheit der Gläubiger verzichtet. Die Abtretung nach Art. 260 SchKG bewirkt keine Abtre- tung im zivilrechtlichen Sinne von Art. 164 ff. OR, sondern verleiht dem Abtretungsgläubiger ein Prozessführungsrecht mit Anspruch auf Vorausbefriedigu ng aus dem erzielten Erlös (BGE 122 III 176 E. 6f). Die Abtretung ist eine Prozessvollm acht zur Prozessführung auf eigene Rechnung und Gefahr, aber mit der Verpflichtung zur R echnungsablage. Daraus folgt unter anderem, dass der prozessierende Gläubiger den Anspruch nicht weiter abtreten kann, sondern selbst verfolgen muss (BGE 109 III 27 E. 1). Nicht legit imiert, die Abtretung zu verlangen, ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein Konkursglä ubiger, gegen den sich der abzu- tretende Anspruch richtet. Eine derartige Abtretung wäre nichtig, weil sie die Geltendmachung des Anspruchs illusorisch machen würde (BGer 7B.18/2006 vom 24. April 2006 E. 3.1; B ERTI , Basler Kommentar SchKG, 2. Aufl. 2010, Art. 260 SchKG N 30; B AUER , Basler Kommentar SchKG, Ergänzungsband zur 2. Auflage, Art. 260 SchKG ad N 30; AMONN /W ALTHER , Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 9. Aufl. 2013, § 47 Rz. 50). Inwiefern die Konkurs- verwaltung auch einer anderen Person als dem Schuldner selber die Abtretung einer Forderung verweigern kann, ist bis heute nicht höchstrichterlich geklärt. In der Literatur sowie gemäss kan- tonaler Rechtsprechung wird postuliert, dass nicht nur ein em kollozierten Konkursgläubiger kei- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne Vermögensrechte abgetreten werden dürfen, deren S chuldner er selber ist, sondern dies – in Anwendung von Art. 2 ZGB – auch für diesem nahes tehende Personen gelten muss (BERTI , Basler Kommentar SchKG, 2. Aufl. 2010, Art. 260 Sch KG N 30; in diesem Sinne auch Urteil des Obergericht des Kantons Thurgau [OGer TG] vom 16. November 2011 [= RBOG 2011 Nr. 19] E. 2a) dd); publ. in BlSchK 2013, S. 79 ff.); Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zürich HG120129 vom 20. August 2012 E. 5.4). Die Auf sichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs Basel-Landschaft teilt diese Ansicht, wonach in A nwendung von Art. 260 SchKG das Abtretungsverbot auf gegenüber dem Schuldner nahestehe nde Personen auszudehnen ist. Die Konkursverwaltung hat einen Antrag eines Konkursgläubigers auf Abtretung stets zurückzuwei- sen, wenn die Abtretung eine Benachteiligung der Masse nach sich ziehen würde (Entscheid der Aufsichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs Basel- Landschaft vom 6. Februar 2018 [420 17 371] E. 3 mit Hinweis auf OGer TG a.a.O.). 7.1 Das Konkursamt Basel-Landschaft begründet seinen abschläg igen Entscheid zum Ge- such der Beschwerdeführerin auf Abtretung von Verantwort lichkeitsansprüchen gegenüber den Organen der Konkursitin mit einer Interessenkollision, welche sich zum einen aus der Doppel- funktion von Herrn B. ____ in beiden Gesellschaften e rgeben würde. So firmiere Herr B. ____ für die Beschwerdeführerin als Verwaltungsratspräsident, während er bei der failliten A. ____ AG in Liquidation Mitglied des Verwaltungsrats sei. Zum andern gründe der Interessenkonflikt in der Struktur der genannten Gesellschaften. Die Konkursit in sei eine Tochtergesellschaft der Beschwerdeführerin. Es sei deshalb davon auszugehen, da ss die Beschwerdeführerin als Mut- tergesellschaft der Konkursitin stets in deren Interesse handeln würde. 7.2 Die Beschwerdeführerin ist zweifellos legitimiert, gemäs s Art. 260 SchKG die Abtretung von Verantwortlichkeitsansprüchen zu verlangen, da sie im Kollokationsplan der Konkursitin Nr. XXXXXXXX als Konkursgläubigerin mit einer Forder ung von CHF 130‘401.00 zugelassen wurde. 7.3 Feststeht auch, dass die beschwerdeführende Konkursgläub igerin als Aktiengesellschaft mit den potenziellen Schuldnern der in Frage stehende n Verantwortlichkeitsansprüche, sprich den Organen der Konkursitin, nicht identisch ist. Aufgr und des persönlichen Tätigkeitsfelds von Herrn B. ____ gemäss den Handelsregistereinträgen beid er Gesellschaften, einerseits als Ver- waltungsratspräsident bei der Beschwerdeführerin, andererseits als Verwaltungsrat der Konkur- sitin, ist eine Interessenkollision bei Abtretung von V erantwortlichkeitsansprüchen gegenüber dem Verwaltungsrat der Konkursitin an die Beschwerdefüh rerin naheliegend und eine Benach- teiligung der Konkursmasse im Sinne der zitierten Rechtsp rechung nicht ausgeschlossen. Das Konkursamt leitet aus diesem Umstand gemäss Beschwerdevern ehmlassung ohne konkrete Begründung auch eine Interessenkollision bei der Beschwe rdeführerin für die Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber der Revisionsstelle ab. Die Aufsichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs vermag sich dieser Ansicht nicht anzuschliessen. Entgeg en der Beurteilung durch die Konkursverwaltung erscheint die Übertragung der Prozessf ührungsbefugnis auf die Beschwer- deführerin für die Durchsetzung allfälliger Verantwo rtlichkeitsansprüche gegenüber der Revisi- onsstelle im Sinne von Art. 260 SchKG, wie mit vorlieg ender Beschwerde ausschliesslich bean- tragt, nicht von vornherein mit einem Interessenkonflikt zw ischen der Konkursgläubigerin und der beklagten Partei im Verantwortlichkeitsprozess behaftet. Wie dem Handelsregister des Kan- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tons Basel-Landschaft zu entnehmen ist, hat die Beschwerd eführerin mit Opting-Out-Erklärung vom 18. Juli 2016 auf die eingeschränkte Revision verzichtet (Art. 727a OR), während für die Konkursitin die C. ____ AG, mit Sitz in Y. ____, als Re visionsstelle eingesetzt ist, so dass eine strukturell bedingte Interessenkollision ausscheidet. Offe ngelassen werden kann sodann, ob anders zu entscheiden gewesen wäre, wenn beide Gesellsch aften die nämliche Treuhänderin als Revisionsstelle mandatiert hätten. Auch aus dem der A ufsichtsbehörde Schuldbetreibung und Konkurs bekannten Sachverhalt, welcher für die geri chtliche Prüfung von allfälligen Ver- antwortlichkeitsansprüchen der genannten Revisionsstelle re levant sein könnte, lässt sich bei der Beschwerdeführerin kein Interessenkonflikt erblicken . Nach Angaben der Konkursverwal- tung im Zirkularbeschluss vom 1. Juni 2018 sei unter Verantwortlichkeitsaspekten ein pflichtwid- riges Zuwarten mit einer Überschuldunganzeige an das G ericht (Art. 725a OR) gestützt auf fol- genden Sachverhalt prüfenswert: Die Konkursitin soll im Zusammenhang mit einer Hypothek der D. ____ AG für das Customer Center eine Solidarsch uldverpflichtung im Umfang von CHF 13.5 Mio. eingegangen sein, wobei diese im März 2 014 begründete Solidarschuld weder im Anhang der Jahresrechnung 2014 noch im Anhang der Ja hresrechnung 2015 erwähnt wor- den sei. Ebenso wenig seien Rückstellungen gebildet word en, welche aufgrund der Bewer- tungssituation des Customer Centers allenfalls notwendig geworden seien. Gemäss einer Email der Revisionsstelle an die Konkursitin vom 16. November 20 15 sei festgehalten worden, dass per 31. Dezember 2014 weder eine Solidarschuld noch so nst irgendeine Eventualverbindlich- keit bestehen würde, die im Anhang offengelegt werden müsste. Die Aufsichtsbehörde Schuld- betreibung und Konkurs hat die Einschätzung der rechtli chen Relevanz des geschilderten Sachverhalts durch die Konkursverwaltung im vorliegenden Beschwerdeentscheid nicht zu be- urteilen. Zu berücksichtigen gilt es jedoch, dass bei bestehender offensichtlicher Überschuldung einer Gesellschaft auch die Revisionsstelle zur Benachricht igung des Gerichts verpflichtet ist, sofern der Verwaltungsrat untätig bleibt (Art. 729c O R). Daraus folgt, dass allfällige Verantwort- lichkeitsansprüche gegenüber der Revisionsstelle aus unter lassener Überschuldungsanzeige unabhängig vom Fehlverhalten des Verwaltungsrates denkb ar sind. Dass in einem gegen die Revisionsstelle geführten Verantwortlichkeitsprozess Pflichtve rletzungen anderer Organe zu Tage treten könnten, ist indessen nicht auszuschliessen. Wie der vorliegend mit Beschwerde angefochtenen Verfügung zu entnehmen ist, hat ein wei terer Konkursgläubiger bezüglich allfäl- liger Verantwortlichkeitsansprüche gegenüber der Revi sionsstelle ein Abtretungsbegehren ge- sellt. Erwirken mehrere Gläubiger die Abtretung gemäss Art. 260 SchKG, bilden diese eine sog. uneigentliche notwendige Streitgenossenschaft (zum G anzen: B ERTI , Basler Kommentar SchKG, 2. Aufl. 2010, Art. 260 SchKG N 57 mit Hinwei s auf die bundesgerichtliche Rechtspre- chung). Im vorliegenden Fall kann sich die von Herrn B. ____ besetzte Doppelrolle und die da- mit verbundene Interessenlage bei der Prozessführung gegen die Revisionsstelle für den ande- ren Konkursgläubiger erschwerend auswirken. Dass die Durchsetzung bestehender Verantwort- lichkeitsansprüche gegenüber der Revisionsstelle jedoch unm öglich wäre, ist indessen nicht anzunehmen. Zumal die Abtretung gemäss Art. 260 SchKG nach bundesgerichtlicher Recht- sprechung nur zu verweigern ist, wenn eine Durchsetzung d es fraglichen Anspruchs illusorisch erscheint, hätte das Konkursamt das Abtretungsgesuch der Beschwerdeführerin bezüglich all- fälliger Verantwortlichkeitsansprüche gegenüber der Revisionsstelle nicht abweisen dürfen. Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass die Behauptun g des Konkursamtes, ein Interessen- konflikt ergebe sich aus dem Umstand, dass die Beschwerdef ührerin als Muttergesellschaft Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht stets die Interessen der konkursiten Tochtergesellschaft wa hre, unbegründet geblieben ist. Da im vorliegenden Fall aus den Akten keine Anhaltspunkte für eine solche Annahme ersichtlich sind und aufgrund der im Kollokationsverfahren angemeldeten Forderung ein starkes Eigeninte- resse der Beschwerdeführerin erkennbar ist, muss eine Inte ressenkollision aufgrund der Fir- menstruktur allein verneint werden. Zusammenfassend erweist sich das Rechtsmittel somit und soweit es die verweigerte Abtretung von Verantwortlichkei tsansprüchen gegenüber der Revisi- onsstelle zum Gegenstand hat, als begründet, weshalb die Beschwerde in diesem Punkt gutzu- heissen ist. Das Konkursamt ist deshalb anzuweisen, eine neue Verfügung zu erlassen und der Beschwerdeführerin diese Ansprüche unter Fristansetzung zur Geltendmachung zusammen mit allfälligen weiteren Konkursgläubigern gestützt auf Art. 260 SchKG abzutreten. 8. Für das Beschwerdeverfahren werden gemäss Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5 SchKG keine Kosten erhoben. Nach Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG wird im Beschwe rdeverfahren nach Art. 17 SchKG auch keine Parteientschädigung zugesprochen. Demnach wird erkannt: ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, soweit dara uf eingetreten werden kann. Demgemäss wird die Verfügung vom 17. Juli 2018 im Konk urs Nr. XXXXXXX teilweise aufgehoben unter Anweisung der Zivilrechts- verwaltung Basel-Landschaft, Konkursamt, gegenüber der Beschwerde- führerin eine neue Verfügung zu erlassen, mit welcher der A. ____ Hol- ding AG als Konkursgläubigerin gestützt auf Art. 260 Sc hKG allfällige Verantwortlichkeitsansprüche gegenüber der Revisionsstell e der kon- kursiten A. ____ AG in Liq., der C. ____ AG, unter Fristansetzung zur Geltendmachung zusammen mit allfälligen anderen Konkur sgläubigern abzutreten sind. 2. Es werden keine Kosten erhoben. Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Ausrichtung einer Parteient- schädigung wird abgewiesen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Aktuar Rageth Clavadetscher