Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 9. Januar 2020 (720 17 351 / 02) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweiskraft der Aktenbeurteilung durch den RAD; Durchführung von Eingliederungs- massnahmen vor Zusprache einer befristeten Rente Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin i.V. Esther Zäch Parteien A. ____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Daniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1956 geborene A.____ war seit dem Jahr 1995 b ei der B.____ AG als Mitarbeiter Lager und Spedition arbeitstätig. Am 4. Februar 2015 verunfallte er bei der Arbeit, wobei er seinen rechten Fuss zwischen zwei Staplern einklemmte. Er war zunä chst zu 100 %, später zu 50 % arbeitsunfähig. Mit Gesuch vom 24. August 2015 (Eingang) meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbe zug an. Während der Genesungsphase erlitt er am 22. Dezember 2015 einen Herzinfarkt, welcher wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % zur Folge hatte. Die Suva, bei der er obligat orisch unfallversichert war, entrichtete die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesetzlichen Leistungen, wobei sie diese mit Verfügung vom 23. Mai 2016 per 13. Juni 2016 ein- stellte. Sie begründete die Leistungseinstellung dami t, dass die bestehenden Beschwerden am rechten Fuss/Fussgelenk nicht mehr unfallbedingt, sonder n ausschliesslich krankhafter Natur seien. Am 27. Juni 2016 kündigte die Arbeitgeberin de m Versicherten die Arbeitsstelle per 31. Dezember 2016. Am 1. Oktober 2015 fand zwischen der IV-Stelle und dem Versicherten ein Gespräch betreffend Assessment und Eingliederungsplan statt. Die IV-Stelle t eilte ihm am 22. Januar 2016 mit, die Eingliederungsmassnahmen seien abgeschlossen und das Dossier werde zur Prüfung etwaiger Ansprüche weitergeleitet. Mit Verfügung vom 18. September 2017 sprach sie nach durchgeführ- tem Vorbescheidverfahren dem Versicherten für die ersten drei Monate nach Ablauf des Warte- jahres, also ab dem 1. Februar 2016, eine Dreiviertelsrente und ab dem 1. Mai 2016 eine bis zum 31. August 2016 befristete ganze Rente zu. Weiter wurde eine Verrechnung von zu Unrecht be- zogenen Leistungen der Ehefrau des Versicherten in der Höhe von Fr. 8'800.-- vorgenommen. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, mit Eingabe vom 18. Oktober 2017 Beschwerde beim Kanto nsgericht Basel-Landschaft, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und stellt e die Rechtsbegehren, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 18. September 2017 sei aufzu heben und es sei ihm auf den frü- hestmöglichen Zeitpunkt eine ganze Rente zuzusprechen. Z udem stellte er den Verfahrensan- trag, es sei ihm Frist zur Einreichung einer ergänzenden Beschwerdebegründung zu gewähren. In der ergänzenden Beschwerdebegründung vom 20. Novem ber 2017 stellte der Beschwerde- führer zusätzlich den Verfahrensantrag, das Verfahren sei bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens betreffend Rückforderung von Rentenleistungen zugunsten seiner Ehefrau zu sistie- ren. C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 8. Dezember 2 017 wurde diesem Antrag statt- gegeben und das Verfahren sistiert. Nachdem die Ausgleichskasse Basel-Landschaft die Rück- forderung gegen die Ehefrau des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 11. Juni 2019 erlassen hatte, wurde die Verfahrenssistierung vom Kantonsgericht mit Verfügung vom 8. Juli 2019 aufge- hoben. D. Mit Vernehmlassung vom 9. August 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin betref- fend den materiellen Rentenanspruch die Abweisung der Beschwerde. Hinsichtlich des Verrech- nungsverzichts könne gestützt auf die Stellungnahme der Ausgleichskasse Basel-Landschaft dem Antrag des Beschwerdeführers gefolgt werden. E. Mit Eingabe vom 4. November 2019 hielt der Beschw erdeführer an seinem Standpunkt fest und machte geltend, die Beschwerdegegnerin sei auf dem Verzicht der Verrechnung zu be- haften. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akt en wird – soweit für die Beurteilung not- wendig – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und fo rmgerecht erhobene Beschwerde vom 18. Oktober 2017 ist demnach einzutreten. 2. Vorab ist auf die in der angefochtenen Verfügung e nthaltene Verrechnung von zu Un- recht bezogenen Leistungen der Ehefrau des Beschwerdefü hrers in der Höhe von Fr. 8'800.-- einzugehen. Die Ausgleichskasse Basel-Landschaft führte diesbezüglich in ihrer Stellungnahme vom 30. Juli 2019 aus, die Verrechnung der Rückforderung mit der Nachzahlung auf der IV-Rente des Ehegatten in der Höhe von Fr. 8'800.-- sollte e rlassen werden, worauf die Beschwerdegeg- nerin in der Vernehmlassung vom 9. August 2019 eine Gutheissung in diesem Punkt beantragte. Aufgrund dieser Entwicklung des Sachverhalts kann somit diesem Begehren des Beschwerde- führers stattgegeben werden. Auf die Verrechnung der Rentenleistungen ist zu verzichten. 3. Zu prüfen bleibt der Antrag des Beschwerdeführers, es sei ihm auf den frühestmöglichen Zeitpunkt eine ganze Rente zuzusprechen. 4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 4.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 4.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 4.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs, BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 135 E. 2a und b). 4.5 Die Rentenhöhe schliesslich ist sowohl vom Ausmass der na ch Ablauf der Wartezeit weiterhin bestehenden Erwerbsunfähigkeit als auch von e inem entsprechend hohen Grad der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des vorang egangenen Jahres abhängig. Die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ab- lauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit müssen somit kumulativ und in der für die ein- zelnen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im ent- sprechenden Umfang zugesprochen werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 5. Mai 2011, 9C_996/2010, E. 7.1, BGE 121 V 264 E. 6b/cc, 105 V 15 6 E. 2c/d). Somit kommt eine ganze Rente erst in Betracht, wenn der Versicherte während eines Jahres durchschnittlich mindestens zu 70 % arbeitsunfähig gewesen und weiterhin wenigstens im gleichen Umfang invalid im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG ist (Urteile des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 9C_659/2015, E. 3.1 und vom 2. Dezember 2008, 9C_718/2008, E. 4.1.1). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 133 E. 2 , 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.3 Die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der me- dizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfüg ung. Sie setzen die für die In- validenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktion elle Leistungsfähigkeit der versi- cherten Person fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu- üben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durchführen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Do- kumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten n icht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.4.2, Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.1). 5.4 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hinsicht- lich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der an gefochtene Entscheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD-Berichte gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen . In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergän- zende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7, zum Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weite- ren Hinweisen). 5.5 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4) lä sst nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anl ass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei- ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewü rdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 6.1 Bei der Würdigung des vorliegenden medizinischen S achverhalts sind insbesondere die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 6.2 In der ambulanten Behandlung vom 4. Februar 201 5 im Spital C.____, Interdisziplinäre Notfallstation, wurde beim Versicherten ein Hämatom na ch Direktkontusion über der Tibialis posterior Sehne rechts diagnostiziert. Nach der Röntgenuntersuchung zeigten sich kein Hinweis für eine Fraktur, jedoch Weichteilverkalkungen im Berei ch des Malleolus medialis mit diskreten degenerativen Veränderungen des Os naviculare. 6.3 In der Nachkontrolle vom 16. Februar 2015 im Spit al C.____ stellte Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe gungsapparates, einen stark ge- schwollenen Fuss mit einem Hämatom medial und lateral unter den Malleoli fest. Der Bandappa- rat sei aufgrund der Schmerzen nicht konklusiv beurteilba r. Die Beweglichkeit im OSG (Oberes Sprunggelenk) sei schmerzbedingt eingeschränkt mit Plant arflexion/Dorsalextension 15/0/10°. Die Durchblutung, Motorik und Sensibilität seien peripher intakt. 6.4 Beim Kontrolltermin im Spital C.___ vom 16. Mär z 2015 stellte Dr. med. E.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein wenig geschwollenes OSG rechts fest. Das Hämatom medial und lateral unter dem Malleolus sei abgeheilt und der Bandapparat stabil. Die Beweglichkeit im OSG liege bei dseits bei 15/0/10°, Plantarflexion/Dor- salextension seien symmetrisch. Vollbelastung und Gang seien möglich. Über der Ferse bestehe eine Druckdolenz. Ansonsten liege ein unauffälliger Fussstatus vor. 6.5 In der Sprechstunde vom 4. Mai 2015 im Spital C._ ___ diagnostizierte Dr. E.____ eine Fasciitis plantaris rechts mit/bei einem Quetschtrauma des OSG rechts vom 4. Februar 2015 so- wie eine chronische Lumboischialgie ohne sensomotorische D efizite. Das Gangbild sei hinkfrei und flüssig. Am rechten Fuss liege keine Rötung, Schwel lung oder Überwärmung vor. Es liege eine Druckdolenz im Bereich der Insertion der Plantarfa szie im Tuber calcanei vor, welche sich durch eine Dorsalextension der Zehen verstärke. Die Bew eglichkeit des OSG sei gut und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schmerzfrei mit Dorsalextension/Plantarflexion 20/0/30°. Die Durchblutung und Sensibilität seien intakt. 6.6 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 15. Ju ni 2015 stellte Dr. med. F.____, FMH Chirurgie, fest, dass knapp vier Monate nach dem Un fallereignis noch eine unspezifische Druckschmerzhaftigkeit im Bereich des rechten Rückfusses medial und lateral sowie eine exqui- site Druckdolenz im Bereich der Insertion der Plantarfascie am Tuber calcanei bei freier OSG- und USG-Beweglichkeit vorliege. Die klinischen Beschwerden könnten im Sinne einer posttrau- matischen Fasciitis plantaris sowie Residualbeschwerden nach einem Einklemmungstrauma des rechten Fusses zwischen zwei Gabelstaplern gedeutet werden . Die Arbeitsfähigkeit in ange- stammter Tätigkeit als Lagermitarbeiter gemäss Tätigke itsprofil vom 24. März 2015 liege bei 50 %. Eine weitere Steigerung auf 100 % sei nach Ablauf der nächsten vier Wochen zu erwarten. 6.7 Am 17. August 2015 fand eine weitere Sprechstunde im Spital C.____ bei Dr. D.____ statt. Dieser stellte ein hinkfreies und flüssiges Gangb ild fest. Am rechten Fuss gebe es keine Rötung, Schwellung oder Überwärmung. Eine Druckdolenz liege medialseitig im Bereich der Ferse sowie im Verlauf der Plantarfaszie des rechten Fusses vor. Im Bereich des OSG und Vor- fusses gebe es keine Druckschmerzen. Die Achillessehne und de r Gastrocnemius-Komplex seien deutlich verkürzt. Ansonsten sei der Fussstatus unauffällig. 6.8 Anlässlich einer MRT vom 2. November 2015 stellte Dr. med. G.____, FMH Radiologie, weitgehend reizlose Verhältnisse im Ansatz der plantaren Faszie am Calcaneus und auch keinen sichtbaren Fersensporn fest. Es bestehe eine initiale Arthrose im Grosszehengrundgelenk sowie fibroostotische Veränderungen im Ansatz der sonst unauffälligen intakten Achillessehne. 6.9 Im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung vom 23. November 2015 ging Dr. F.____ von einer zumindest teilkausalen Verursachung der Plant arfasziitis durch das Quetschtrauma vom 4. Februar 2015 aus. Aufgrund der langen Arbeits unfähigkeitsdauer bzw. der Teilarbeitsfä- higkeit von 50 % bat er die Klinik H.____, den Versicherten zu einer Reha-Triage aufzubieten. 6.10 Im Dezember 2015 erlitt der Versicherte einen He rzinfarkt, weswegen er vom 21. De- zember 2015 bis 27. Dezember 2015 im Spital I.____ hos pitalisiert war. Dr. med. J.____, FMH Intensivmedizin und Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte im Austrittsbericht vom 7. Januar 2016 als Hauptdiagnose ein NSTEMI bei koronarer 3-Gefässerkrankung. Im Verlauf sei der Ver- sicherte mit niedrigdosiertem Paracetamol beschwerdefrei gewesen und habe problemlos mobi- lisiert werden können. Bei im Verlauf normokardem Her zrhythmus sei niedrig-dosiert ein Beta- blocker begonnen worden. Die im Verlauf passager angestiegenen Entzündungsparameter seien im Rahmen der zweimaligen Katheterintervention und de s Stentings interpretiert worden. Die Kontrollechokardiographie habe einen unauffälligen Befund gezeigt. Daraufhin absolvierte der Versicherte vom 18. Januar 2016 bis 21. März 2016 eine ambulante kardiale Rehabilitation in der Praxis K.____. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.11 Anlässlich einer Sprechstunde im Spital C.____ am 24. Februar 2016 stellte Dr. D.____ ein hinkfreies und flüssiges Gangbild im Barfussgang fest . Im rechten Fuss im Bereich des An- satzes der Plantarfaszie bestehe noch immer eine Druckdolenz und die Gastro-cnemius Musku- latur sei verkürzt. Ansonsten sei die Untersuchung des Fusses unauffällig gewesen. 6.12 Mit Austrittsbericht vom 27. April 2016 orientiert e die Klinik H.____ über den stationären Aufenthalt, den der Versicherte vom 23. März 2016 bis 2 7. April 2016 in der genannten Klinik absolviert hatte. Sie diagnostizierte ein Quetschtrauma des rechten OSG mit Hämatom über der Tibialis poterior Sehne, eine chronische Lumboischialgie ohne sensomotorisches Defizit (unfall- fremd) sowie eine koronare 3-Gefässerkrankung mit Bela stungsdyspnoe NYHA II und AP CCS 2. Bezüglich der Zumutbarkeit für die berufliche Tä tigkeit als Speditionsmitarbeiter wurde aus unfallkausaler Sicht festgehalten, dass eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe, sofern keine schweren Lasten gehoben werden müssten. Es wurden eine Arbeitsun fähigkeit von 50 % ab 2. Mai 2016, 25 % ab 23. Mai 2016 und 0 % ab 13. Juni 2016 attest iert. Für andere berufliche Tätigkeiten wurde ausgeführt, dass hinsichtlich des rechten Fusses nur wechselbelastende Tätigkeiten mög- lich seien. Das Stehen und Gehen sei am Stück maximal 1,5 Stunden möglich. Längere Arbeiten in der Hocke sowie häufiges Treppen und/oder Leitern st eigen seien nicht zumutbar. Unter zu- sätzlicher Berücksichtigung unfallfremder Probleme (LWS-Beschwerden auf der Basis von dege- nerativen Veränderungen) erscheine mindestens eine leich te bis mittelschwere Tätigkeit ohne Arbeit in länger dauernd vorgeneigter und/oder verdrehter Position zumutbar. 6.13 Im Bericht vom 8. November 2016 (Eingang) hielt Dr. med. L.____, FMH Kardiologie und Allgemeinde Innere Medizin, fest, die koronare 3-Gefässerkrankung sei eine Diagnose ohne Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Zudem sei die Prognose gut. 6.14 Am 28. Februar 2017 stellte der RAD-Arzt Dr. med . M.____, FMH Arbeitsmedizin, im Wesentlichen dieselben Diagnosen wie im Austrittsbericht der Klinik H.____ vom 27. April 2016. Auch in Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit stellte er a uf diesen Bericht ab, indem er dem Versi- cherten in seiner angestammten Tätigkeit als Mitarbeiter Lager und Spedition eine Arbeitsunfä- higkeit ab 2. Mai 2016 von 50 %, ab 23. Mai 2016 von 25 % und ab 13. Juni 2016 von 0 % attes- tierte. Gemäss dem leidensangepassten Anforderungsprofil sei der Versicherte zu 100 % arbeits- fähig für körperlich leichte bis mittelschwere wechselbelastende rückenadaptierte Arbeiten ohne längere Arbeiten in der Hocke, ohne häufiges Treppensteigen oder häufiges Besteigen von Lei- tern und Gerüsten, ohne längeres Vorneüberbeugen, ohn e längere Rumpfzwangshaltungen, ohne länger dauernde Rumpfdrehungen sowie maximal 1,5 Stunden Gehen/Stehen am Stück. Schliesslich hielt Dr. M.____ fest, dass auch die unfal lunabhängigen Diagnosen im Belastungs- profil berücksichtigt worden seien. Die Einschätzung der Klinik H.____ könne übernommen wer- den. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht erforderlich. 6.15 Nachdem der damalige Vertreter des Beschwerdeführ ers bemängelt hatte, dass zu we- nig abgeklärt worden sei, nahm Dr. M.____ am 10. Augu st 2017 erneut Stellung. Er führte aus, der RAD habe in seiner Beurteilung vom 28. Februar 20 17 die in Bezug auf das Herz und die Fuss- und Rückenproblematik völlig ausreichenden Untersuchungen und die Abschlussberichte der Praxis K.____ sowie der Klinik H.____ gewürdigt un d die Beurteilungen der behandelnden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ärzte übernommen, weil diese durch die Befundlage er klärbar und nachvollziehbar gewesen seien. Es gebe zudem keinen Hinweis, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit dem 13. Juni 2016 verschlechtert hätte. Ein Bericht von Dr. L.____ vom Oktober 2016 belege überdies einen gleich gebliebenen kardialen Zustand. 7.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegn erin den medizinischen Sachverhalt genügend abgeklärt hat. 7.2 Die Beschwerdegegnerin hält in der angefochtenen Verfügung vom 18. September 2017 fest, die medizinischen Abklärungen seien ausreichend. Sie stützt sich insbesondere auf die Ab- schlussberichte der Praxis K.____ sowie der Klinik H.____. Diese seien im RAD-Bericht vom 28. Februar 2017 gewürdigt und die Beurteilungen de r behandelnden Ärzte übernommen wor- den. Es sei kein Hinweis oder Nachweis vorgebracht worden, welcher eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit dem 13. Juni 2016 belegen würde. Zudem belege Dr. L.____ als Kar- diologe in seinem Bericht vom Oktober 2016 einen gleich gebliebenen kardialen Zustand. 7.3 Der Beschwerdeführer bringt hingegen in seiner B eschwerde vom 18. Oktober 2017 so- wie der Beschwerdebegründung vom 20. November 2017 diesbezüglich vor, der Gesundheitszu- stand habe sich nach dem 31. August 2016 nicht verbessert. Die Beschwerdegegnerin habe kei- nerlei medizinische Begutachtung angeordnet. Die Ermittlung der Arbeitsfähigkeit basiere einzig auf einer Aktenbeurteilung durch den RAD. Zudem bezieh e sich der RAD im Wesentlichen auf den Austrittsbericht der Klinik H.____. Der dortige Aufenthalt des Beschwerdeführers sei jedoch einzig wegen der unfallbedingten Verletzung des rechte n Fusses erfolgt. Die anderen gesund- heitlichen Probleme stünden in keinem Zusammenhang mit dem Unfall und hätten dementspre- chend durch die Suva nicht berücksichtigt werden müssen. Der grösste Teil der gesundheitlichen Beschwerden sei nie gutachterlich beurteilt worden. Unter diesen Umständen sei eine reine Ak- tenbeurteilung durch den RAD unzulässig. Der medizinische Sachverhalt erweise sich somit als ungenügend abgeklärt, weshalb ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten anzuordnen sei. 7.4 Wie in Erwägung 5.4 hiervor erwähnt, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderung zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne die Einho lung eines externen Gutachtens entschie- den werden soll. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprec hung ist jedoch auch eine reine Ak- tenbeurteilung nicht an sich als unzuverlässig zu beurtei len. Der reinen Aktenbeurteilung kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Ak- tenbeurteilungen sind insbesondere dann von Belang, w enn die relevanten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diagnose oder das Ausmass der Behinderung verschieden be wertet werden. In diesen Fällen kann in einer Aktenbeurteilung das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Es sind al- lerdings bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässi gkeit und Schlüssigkeit der (versiche- rungs-)ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Solche Zweifel liegen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht im vorliegenden Fall nicht vor. Es liegen keine dem RA D-Bericht vom 28. Februar 2017 wider- sprechenden ärztlichen Berichte vor. Entgegen der Auffassu ng des Beschwerdeführers werden in diesem Bericht – sowie in der Beurteilung der Klin ik H.____ – die unfallfremden Befunde auf- gelistet und gewürdigt. Bezüglich der Einschätzungen du rch die Klinik H.____ ist zu beachten, dass diese aufgrund eines mehr als 1-monatigen Aufent halts vom 23. März 2016 bis 27. April 2016 und aufgrund eigener Untersuchungen erfolgten. Die Beurteilung durch Dr. M.____ erweist sich somit als umfassend. Ferner weist sie weder formale no ch inhaltliche Mängel auf, berück- sichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Si- tuation ein und nimmt insbesondere eine hinreichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Ver- sicherten vor. 7.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschw erdegegnerin auf den RAD- Bericht bzw. die Einschätzung der Suva abstellen durfte und nicht verpflichtet war, weitere medi- zinische Abklärungen vorzunehmen. 8.1 Im Weiteren ist streitig und zu prüfen, ob die Be schwerdegegnerin dem Beschwerdefüh- rer für die Zeit vom 1. Februar 2016 bis 30. April 2016 zu Recht eine Dreiviertelsrente – und nicht, wie vom Beschwerdeführer begehrt, eine ganze Rente – zu gesprochen hat. 8.2 Der Beschwerdeführer verweist diesbezüglich auf da s Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2013, 8C_690/2012, und führt aus, dass es sich vorliegend um eine erstmalige Renten- festsetzung handle und deshalb Art. 88a Abs. 2 IVV nicht zur Anwendung gelangen könne. 8.3 Die Beschwerdegegnerin bringt hiergegen vor, nach Ablauf des Wartejahres könne eine ganze Rente nur dann zugesprochen werden, wenn die du rchschnittliche Arbeitsunfähigkeit für das abgelaufene Wartejahr mindestens 70 % betragen habe und weiterhin eine Erwerbsunfähig- keit von mindestens gleichem Ausmass bestehe. 8.4 Wie in Erwägung 4.5 hiervor ausgeführt, müssen ge mäss bundesgerichtlicher Recht- sprechung die durchschnittliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Wartezeit bestehende Erwerbsunfähigkeit kumulativ und in der für die einzel- nen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entspre- chenden Umfang zugesprochen werden kann. Dies bedeutet, dass im vorliegenden Fall im War- tejahr eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von min destens 70 % vorliegen müsste, damit eine ganze Rente zugesprochen werden könnte. Die Beschwerdegegnerin ging von einer durch- schnittlichen Arbeitsunfähigkeit im Wartejahr von 65 % a us. Sie hat die Berechnung zwar nicht offengelegt, jedoch erscheint diese – mit Verweis auf die Aufstellung der Arbeitsunfähigkeit im RAD-Bericht vom 27. Februar 2017 – als nachvollziehbar. Überdies wurde diese Berechnung vom Beschwerdeführer nicht weiter bestritten. Der Versich erte hat folglich ab 1. Februar 2016 keinen Anspruch auf eine ganze Rente. 8.5 Das Argument des Beschwerdeführers, dass Art. 88a Ab s. 2 IVV nicht zur Anwendung gelangen könne, überzeugt nicht. Zwar wird im Urteil d es Bundesgerichts vom 4. März 2013, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8C_690/2012, E. 3.2 festgehalten, dass Art. 88a Abs. 2 IVV bei der erstmaligen Rentenfestset- zung nicht zur Anwendung gelange. Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine erstmalige Rentenfestsetzung. Damit ab dem 1. Februar 2016 eine ganze Rente zugesprochen werden könnte, müsste jedoch wie bereits erwähnt im Wartejahr eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70 % vorliegen. Diese Voraussetzung ist in diesem Fall nicht erfüllt. 8.6 Somit ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer für die Zeit vom 1. Februar 2016 bis 30. April 2016 lediglich einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. 9.1 Schliesslich wird gegen den Einkommensvergleich eing ewendet, dass die Beschwerde- gegnerin einen zu tiefen leidensbedingten Abzug vom Invalideneinkommen vorgenommen habe. Das Valideneinkommen wird nicht bestritten. Es ergeben sich aus den Akten überdies keine Hin- weise, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre. Somit erübrigt sich eine detaillierte Auseinandersetzung mit der durch die Beschwerdegegnerin festgelegten Höhe des Valideneinkommens. 9.2 Zu prüfen bleibt die Höhe des Invalideneinkommen s. Die Beschwerdegegnerin ermittelte in der angefochtenen Verfügung das Invalideneinkommen gestützt auf die Tabelle TA1, Privater Sektor, Total, Kompetenzniveau 1, Spalte Männer der S chweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2014. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeits- zeit errechnete sie ein Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 66'453.--. Diese Berechnung bestreitet der Beschwerdeführer nicht und es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine andere Berech- nung vorzunehmen wäre. Einzig streitig und zu prüfen i st somit die Höhe des leidensbedingten Abzuges, welchen die Beschwerdegegnerin ab dem 2. Mai 2016 auf 10 % und ab dem 23. Mai 2016 auf 5 % festsetzte. 9.3 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rech- nung getragen werden, dass persönliche und berufliche M erkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti- gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und die versicherte Person je nach Ausprägung deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeits- markt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfol g verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht über- steigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2, 126 V 75 E. 5b/bb-cc). Die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, körperlich schwere Arbeit zu verrichten, führt nicht automatisch zu einer weiteren Verminderung des hypothetischen Invalidenlohn s, da der Tabellenlohn gemäss der LSE-Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tä- tigkeiten umfasst (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts vo m 7. August 2017, 8C_381/2017, E. 4.2.2). 9.4 Der Beschwerdeführer bringt diesbezüglich vor, der l eidensbedingte Abzug von 10 % ab 2. Mai 2016 bzw. 5 % ab 23. Mai 2016 sei zu tief. Insb esondere sei zu berücksichtigen, dass er Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch im Rahmen der angeblich noch bestehenden Restarbeitsfähigkeit für eine Vielzahl von Tä- tigkeiten, die sich im statistischen Lohn abbilden würden, vollständig arbeitsunfähig sei. 9.5 Die Beschwerdegegnerin entgegnet, der gewährte le idensbedingte Abzug berücksich- tige in erster Linie den gemäss den LSE-Tabellen zu gew ährenden Abzug, wenn nur noch Teil- zeitarbeit ausgeübt werden könne. Nachdem sich das zumutbare Pensum per 23. Mai 2016 auf 75 % gesteigert habe, rechtfertige sich auch eine Redu zierung des leidensbedingten Abzuges. Dass dem Beschwerdeführer nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar seien, recht- fertige keinen zusätzlichen leidensbedingten Abzug. 9.6 Gemäss dem leidensangepassten Anforderungsprofil im RAD-Bericht vom 28. Februar 2017 ist der Versicherte zu 100 % arbeitsfähig für körp erlich leichte bis mittelschwere wechsel- belastende rückenadaptierte Arbeiten (vgl. für das ausführliche Anforderungsprofil E. 6.14). Das ärztlich umschriebene Anforderungsprofil schränkt seine Einsatzmöglichkeiten im niedrigsten An- forderungsprofil 1 nur mässig ein. Wie bereits hiervor i n E. 9.3 erwähnt, führt die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer Ver- minderung des hypothetischen Invalidenlohns. Sonstige Umst ände, welche einen weiteren Ab- zug rechtfertigen würden, sind nicht ersichtlich. Unter gebotener gesamthafter Berücksichtigung aller Aspekte erscheint ein Abzug von 10 % bzw. 5 %, wi e ihn die Beschwerdegegnerin vorge- nommen hat, daher als angemessen. 10.1 Schliesslich ist die Frage zu klären, ob die wieder gewonnene Arbeitsfähigkeit direkt ver- wertbar ist oder ob Eingliederungsmassnahmen angezeigt sind. 10.2 Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz all gemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern. Von den Versicherten können jedoch nur Vorkehren ver- langt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenhei- ten des Einzelfalls zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a). Nach der Rechtsprechung sind bei Per- sonen, deren Rente revisions- oder wiedererwägungsweise herabgesetzt oder aufgehoben wer- den soll, nach mindestens 15 Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Le istungspotential mittels Eigenan- strengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten (BGE 141 V 5 E. 4.1, Urteile des Bundes- gerichts vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 6.3 mit we iteren Hinweisen und vom 26. April 2011, 9C_228/2010, E. 3.3). Dies gilt auch, wenn zeitgleich mit der Rentenzusprache über deren Befristung und/oder Abstufung befunden wird (BGE 145 V 209 E. 5.4). Ausnahmen vom Grund- satz der Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liege n namentlich vor, wenn die langjährige Abstinenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründ e zurückzuführen ist, die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen L eben integriert ist oder über beson- ders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhalts- punkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit ent sprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integ rieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person i n der Lage ist, das medizinisch-theore- tisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotential auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 6.3 mit weite- ren Hinweisen). Entzieht oder widersetzt sich die versich erte Person Eingliederungsmassnah- men, können ihr die Leistungen gekürzt oder verweigert werden. Vorausgesetzt ist immerhin, dass die IV-Stelle zuvor ein Mahn- und Bedenkzeitverfahr en durchgeführt hat (Art. 21 Abs. 4 ATSG i.V.m. Art. 7b IVG, Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3.5). 10.3 Die Beschwerdegegnerin prüfte nach dem Unfall d es Beschwerdeführers Eingliede- rungsmassnahmen. Am 1. Oktober 2015 fand zwischen der IV-S telle und dem Versicherten ein Gespräch betreffend Assessment und Eingliederungsplan statt . Nachdem der Versicherte am 22. Dezember 2015 einen Herzinfarkt erlitten hatte, war er bis auf weiteres zu 100 % arbeitsun- fähig und Eingliederungsmassnahmen konnten demzufolge nicht eingeleitet werden. In der Folge teilte die IV-Stelle ihm mit Bericht vom 22. Januar 2016 mit, dass die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen seien und das Dossier zur Prüfung etwaiger Ansprüche weitergeleitet werde. Am 18. September 2017 wurde die Verfügung betreffend die befristete Zusprache einer Rente erlas- sen. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass nach der kardialen Rehabilitation und dem stationä- ren Aufenthalt in der Klinik H.____ vor der befristet en Rentenzusprache erneut Eingliederungs- massnahmen durchgeführt worden sind oder der Versichert e sich zumutbaren Eingliederungs- massnahmen entzogen oder widersetzt hat. 10.4 Das Bundesgericht lässt offen, ob der Zeitpunkt der Verfügung selbst, derjenige der da- rin verfügten Rentenabstufung bzw. -aufhebung oder jener des Feststehens der entsprechenden medizinischen Zumutbarkeit als massgeblicher Zeitpunkt f ür die Ermittlung des Eckwerts des 55. Altersjahres gelten soll (BGE 145 V 209 E. 5.4). Im vorliegenden Fall kann dies ebenfalls offenbleiben, da der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2011 das 55. Altersjahr zurückgelegt hat, womit er die Schwelle in jedem Fall überschritten hat . Des Weiteren sind keine konkreten An- haltspunkte ersichtlich, welche den Schluss zuliessen, er könne sich trotz seines fortgeschritte- nen Alters ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsl eben integrieren. Im vorliegenden Fall wurde zeitgleich mit der Rentenzusprache über deren Befristung und Abstufung befunden. Nach der jüngsten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 145 V 209, E. 5.4, Urteil des Bundesge- richts vom 16. Oktober 2019, 9C_574/2019, E. 3.2) sind auch in einem solchen Fall – bei Erfüllen der weiteren Voraussetzungen – vorgängig Eingliederung smassnahmen durchzuführen. Die Rentenbefristung auf Ende August 2016 war somit unzulä ssig. Es obliegt der Beschwerdegeg- nerin, die beruflichen Eingliederungsmassnahmen wieder aufzunehmen und anschliessend er- neut über den Rentenanspruch zu entscheiden (vgl. Urte ile des Bundesgerichts vom 6. Juni 2019, 8C_119/2019, E. 3.2, vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 6.4 und vom 30. Oktober 2017, 9C_525/2017, E. 3.6 und 3.7). Bis dahin hat der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf Aus- richtung der IV-Rente. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen. 11.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art . 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwer- deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung od er die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens- aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrah- mens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin unterliegende Partei. Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- werden somit ihr auferlegt, und der geleistete Kostenvor- schuss ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. 11.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in sei- ner Honorarnote vom 22. November 2019 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 8,25 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbe tracht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Die Be mühungen sind zu dem in Sozialversi- cherungsprozessen praxisgemäss für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stun- denansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Diesen Stunde nansatz hat denn der Rechtsvertreter in seiner Honorarnote auch ausgewiesen. Ebenfalls nicht zu beanstanden sind die Auslagen von Fr. 98.--. Dem Beschwerdeführer ist deshalb eine Parteientschädigung gemäss seiner Honorar- note in der Höhe von Fr. 2'326.80 (8,25 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 98.-- zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die Verrechnung der Rentenleistungen wie auch die Befristung der Rent e aufgehoben werden und die Angelegenheit zur Durchführung von Ein gliederungs- massnahmen an die IV-Stelle Basel-Landschaft zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdefü hrer eine Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 2'326.80 (inkl. Ausla gen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.