Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. September 2012 (720 12 33 / 250) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente zu Recht abgelehnt, Statuswechsel verneint, Anwendung der gemischten Me- thode bestätigt, Berechnung des Valideneinkommens, Beweiswürdigung des Haushalts- abklärungsberichts Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Michael G uex, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch André Baur, Advokat, Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1964, meldete sich mit Gesuch vom 29. November 2005 (Eingang bei der IV-Stelle Basel-Landschaft [IV-Stelle] am 6. Deze mber 2005) unter Hinweis auf ein im Jahr 1998 bei einem Autounfall erlittenes Schleudertrauma bei der Eidgenössischen Invalidenversi- cherung (IV) zum Leistungsbezug an und beantragte die Au srichtung einer Rente. In der Folge klärte die IV-Stelle die gesundheitlichen, erwerblich en und hauswirtschaftlichen Verhältnisse ab Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und lehnte mit Verfügung vom 6. März 2008 nach Durchfüh rung des Vorbescheidverfahrens einen Rentenanspruch ab. Dabei gelangte sie in Anwen dung der gemischten Bemessungsme- thode mit den Anteilen Erwerb und Haushalt von je 50 % zu einem unter der Erheblichkeits- grenze von 40 % liegenden IV-Grad von 16 %. Eine ge gen diese Verfügung erhobene Be- schwerde leitete die IV-Stelle mit dem Einverständnis d es Rechtsvertreters von A.____, Advo- kat André Baur, Basel, nicht an das Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht) weiter. Stattdessen zog sie die angefochtene Verfügung in Wieder- erwägung, um den Sachverhalt weiter abzuklären. Nach Du rchführung der zusätzlichen Abklä- rungen und des Vorbescheidverfahrens bestätigte die IV-S telle mit Verfügung vom 23. Dezem- ber 2011 die Rentenablehnung. Dabei ging sie in Anwe ndung der gemischten Bemessungsme- thode mit den Anteilen Haushalt und Erwerb von je 50 % ab Dezember 2004 bzw. mit den An- teilen Haushalt 30 % und Erwerb 70 % ab August 2008 davon aus, dass ab Dezember 2004 ein IV-Grad von 20 % und ab August 2008 ein IV-Grad von 33 % bestanden habe. B. Dagegen erhob A.____, wiederum vertreten durch Advo kat André Baur, mit Eingabe vom 1. Februar 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Sozialver- sicherungsrecht, und stellte die folgenden Rechtsbegehren: In Gutheissung der Beschwerde sei die angefochtene Verfügung vom 23. Dezember 2011 aufzu heben und die Beschwerdegegne- rin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin spätestens rückwirkend ab 1. Juli 2008 eine Viertelsrente mit den entsprechenden Kinderrenten aus zurichten. Ferner sei die Beschwerde- gegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin ab 1 . Oktober 2011 eine Dreiviertelsrente auszurichten. Eventualiter werde die Einholung eines ge richtlichen Gutachtens zur Abklärung der medizinisch-theoretischen Einschränkung der Beschwerdef ührerin im Haushalt beantragt. Weiter seien die Ansprüche spätestens seit dem 1. Oktober 2010 mit 5 % p.a. zu verzinsen. Alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. C. Mit Vernehmlassung vom 4. April 2012 beantragte di e Beschwerdegegnerin die Abwei- sung der Beschwerde. D. Nachdem die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 7. Mai 2012 um Einräumung eines Replikrechts ersucht hatte, reichte sie mit Eingabe vom 8. Juni 2012 ihre Replik ein und hielt darin an den mit Beschwerde vom 1. Februar 2012 vorgetragenen Rechtsbegehren fest. E. Mit Duplik vom 10. August 2012 beantragte die Beschwe rdegegnerin wiederum die Ab- weisung der Beschwerde. Auf die in den Schriften vorgebrachten Begründungen der Parteien wird – soweit für die Be- gründung notwendig – in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 1. Februar 2012 ist demnach einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwerd eführerin ab dem 1. Juli 2008 Anspruch auf eine Viertelsrente und ab dem 1. Oktober 2011 Anspruch auf eine Dreiviertelsren- te hat. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstät igen Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, welche in ein em Aufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigke it nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in wel- chem Masse sie behindert sind, sich im bisherigen Aufgabenb ereich zu betätigen (Betätigungs- vergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig si nd oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit bzw. der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen u nd der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte M ethode der Invaliditätsbemes- sung; Art. 28a IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Inva- liditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Er werbstätige zu bemessen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 3.5.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Rent en für die Zukunft zu erhöhen, her- abzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgra d in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wese ntliche Änderung in den tatsächli- chen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsg rad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Rechtsprechung anerkennt als Revisionsgrun d namentlich die erhebliche Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes; eine Rente kann ferner auch revidiert werden, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich gebliebenen Gesundheitsschadens erheblich verändert haben (vgl. BGE 109 V 116 E. 3b mit Hinweisen, vgl. zum Ganzen: UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, S. 228 ff.). 3.5.2 Ob eine anspruchserhebliche Tatsachenänderung ei ngetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der urs prünglichen Rentenverfügung bestan- den hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisio nsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2 mit Hinweis). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung ei ner anspruchserheblichen Änderung bildet nach der Rechtsprechung die letzte (der versicherten Per son eröffnete) rechtskräftige Verfü- gung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rente nanspruchs mit rechtskonformer Sach- verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eine s Einkommensvergleichs (bei An- haltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen A uswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4, S. 114). 3.5.3 Wird der versicherten Person rückwirkend eine abge stufte und/oder befristete Rente zugesprochen, d.h. wird ihr gleichzeitig eine Rente zug esprochen und diese revisionsweise herauf- oder herabgesetzt und/oder aufgehoben, so sind die vorstehend genannten, für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG) analog anzuwenden (BGE 131 V 164, 125 V 413 E. 2d). 4.1 Zu prüfen ist in einem ersten Schritt die Statusfr age. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin in der vorliegend angefochtenen Verfügung als Teilerwerbstätige eingestuft und den Invaliditätsgrad – auch nach dem 1. Juli 2011 – anhand der gemischten Methode be- messen. Bei der Festlegung der Anteile der Erwerbs- und der Haushaltstätigkeit ist sie davon Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundhe itliche Beeinträchtigung bis August 2008 einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 % und da nach einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 70 % nachgegangen wäre. Die verbleibenden 50 % bzw . 30 % der Gesamttätigkeit seien der Haushaltsführung zuzuordnen. Dabei habe sie sich auf die konkreten Umständen sowie auf die Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushalt sabklärungen im Jahr 2007 und 2010 gestützt. Diesen zufolge hätte die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ab August 2002 zu 50 % und ab August 2008 zu 70 % gearbeitet. Aus dies en Gründen sei nicht zu beanstan- den, dass auch über das Jahr 2011 hinaus die gemischte Me thode angewendet und von einer Aufteilung von 70 % Erwerb und 30 % Haushalt ausgegangen worden sei. 4.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe- messung führt –, ergibt sich nach konstanter Rechtsprechun g des Bundesgerichts aus der Prü- fung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umst änden täte, wenn keine gesundheitli- che Beeinträchtigung bestünde. Bei im Haushalt tätige n versicherten Personen im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbl ichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkei- ten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 23. Dezember 2011) entwickelt ha ben, wobei für die hypothetische An- nahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs- recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c, 117 V 194 E. 3b, je mit Hinweisen; Urteil des Eidgenössischen Versiche- rungsgerichts [EVG, heute Schweizerisches Bundesgericht, Sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. November 2002, I 58/02, E. 1.2). Die blosse Mögl ichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat j ener Sachverhaltsdarstellung zu fol- gen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als di e wahrscheinlichste würdigt (BGE 115 V 142 E. 8b mit zahlreichen weiteren Hinweisen; T HOMAS LOCHER , Grundriss des Sozial- versicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, S. 451 f.). 4.3.1 Im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigk eit gab die Beschwerdeführerin am 12. Februar 2007 zur Auskunft, dass sie seit August 2002 ohne gesundheitliche Einschränkungen 20 Std./Woche (50 %) arbeiten würde. Bis Juli 2002 h ätte sie 13.5 Std./Woche (33.75 %) gear- beitet. Als Begründung gab sie an, dass sie bei vollständi ger Gesundheit ab Einschulung des jüngeren Sohnes im August 2002 ihr Arbeitspensum aus finanziellen und persönlichen Gründen auf 50 % (rund 20 Wochenstunden) erhöht hätte (IV-Akt e 39 S. 2/3). Eine Erhöhung des Pen- sums wäre erst im August 2002 möglich gewesen, weil im Kindergarten keine fixen Blockzeiten bestanden hätten. Sie habe deshalb nur 11 Wochenstunde n erwerbstätig sein können. In der restlichen Zeit hätte sie sich ihren beiden Söhnen, dem Familienhund, dem Zier- und Nutzgar- ten, den anderen anfallenden Haushaltsarbeiten sowie i hren Hobbies gewidmet. Diese Anga- ben wurden von der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann am 14. März 2007 unterschriftlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestätigt. Im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit gestützt auf die Abklärung vom 17. September 2010, dessen Inhalt die Beschwerdeführerin un d ihr Ehemann am 25. September 2010 unterschriftlich bestätigt haben, wird festgehalten, dass sie im Gesundheitsfall seit August 2008 28 Std./Woche (70 %) arbeiten würde (IV-Akte 98) . Bis Juli 2008 hätte sie 20 Std./Woche (50 %) gearbeitet. Sie hätte bei vollständiger Gesundheit ab Schulübertritt des jüngeren Sohnes in die Weiterbildungsschule im August 2008 ihr hypothet isches Arbeitspensum von 50 % auf 70 % erhöht. Dies wäre vorwiegend aus finanziellen Grü nden erfolgt. Die beiden Söhne seien sehr selbständig und benötigten im Vergleich zu früher weniger Betreuung. In der ihr verblei- benden Zeit würde sie sich ohne ihre gesundheitliche Ein schränkung dem Familienhund, den Söhnen, der anfallenden Garten- und Hausarbeit sowie ihren Hobbies widmen. 4.3.2 Ein Statuswechsel wird nur vorgenommen, wenn tri ftige Gründen vorliegen und wenn bei eindeutiger hypothetischer Sachlage ein Festhalten an der bisherigen Methode missbräuch- lich wäre. Neben den Angaben der Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren, sie würde im Gesundheitsfall seit dem 1. Juli 2011 zu 1 00 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen, liegen keine Indizien vor, die klarerweise auf eine hyp othetische Erhöhung der Erwerbstätigkeit hinweisen. In der Anmeldung zum Bezug von IV-Leistunge n vom 29. November 2005 hat die Beschwerdeführerin zwar vermerkt, dass es ihr Ziel gewesen sei, eine 100 % Stelle anzutreten, sobald die Kinder die Primarschule verlassen hätten. Die se Anmerkung alleine lässt die Beibe- haltung der gemischten Methode aber noch nicht als rechtsm issbräuchlich erscheinen. Die Be- schwerdeführer hat nicht, wie behauptet, immer wieder konsequent darauf hingewiesen, dass sie per 1. Juli 2011 im Gesundheitsfall ein 100 % Pen sum ausgeübt hätte. So hat sie insbeson- dere – entgegen ihrer Anmerkung in der IV-Anmeldung – anlässlich der Haushaltsabklärung vom 17. September 2010 angegeben, dass sie ab Beendigu ng der Primarschule ihrer Söhne per August 2008 im Gesundheitsfall ihr Pensum von 50 % auf 70 % erhöht hätte (IV-Akte 98, S.2/2). Weiter spricht gegen eine Erhöhung per 1. Ju li 2011, dass die Beschwerdeführerin bei beiden Haushaltsabklärungen angegeben hat, dass sie sich in der verbleibenden Zeit ihren Söhnen, dem Familienhund, der anfallenden Garten- u nd Hausarbeit und den Hobbies widmen würde. Diese Freizeitaktivitäten lassen eine vollschichtig e Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall als eher unwahrscheinlich erscheinen, selbst wenn man die besondere Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin berücksichtigt, die sich an einer h ohen körperlichen und beruflichen Leistung orientiert. Dass sie diese Tätigkeiten im Gesund heitsfall von einer Drittperson hätte erledigen lassen, wurde von der Beschwerdeführerin und i hrem Ehemann anlässlich der Abklä- rungsgespräche nicht erwähnt. Weiter spricht der Umstan d, dass sich die Verhältnisse zwi- schen Herbst 2010 und Sommer 2011 nicht wesentlich verän dert haben, gegen eine Erhöhung auf ein volles Pensum im Gesundheitsfall per Juli 2011. Die beiden Söhne der Beschwerdefüh- rerin – im Zeitpunkt der Haushaltsabklärung bald 17- jährig und 14-jährig – sind gemäss eigenen Angaben bereits zu diesem Zeitpunkt sehr selbständig gewe sen und haben im Vergleich zu früher weniger Betreuung gebraucht. Ebenfalls hat in dieser Zeitspanne betreffend die häusli- che Umgebung, den Familienhund sowie die Berufstätigke it des Ehemannes keine wesentliche Entwicklung stattgefunden, die eine Steigerung des Arbe itspensums auf 100 % als überwie- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gend wahrscheinliche und logische Entwicklung erscheinen l assen würde. Entscheidend ist schliesslich auch der zeitliche Faktor. Nachdem die letzte H aushaltsabklärung im September 2010 stattgefunden hat, wäre es naheliegend gewesen, dass die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen hätte, dass sie ihre Arbeitstätigkeit im G esundheitsfall per Juli 2011 von 70 % auf 100 % gesteigert hätte, zumal es sich um eine erheblic he hypothetische Veränderung gehan- delt hätte, die absehbar gewesen wäre. Anlässlich der Gesuchseinreichung war es ihr auch möglich, auf diesen Umstand bereits hinzuweisen. Dass die Beschwerdeführerin falsch ver- standen worden wäre beziehungsweise sie die Fragen falsc h verstanden hätte, wird ebenfalls nicht vorgebracht. In diesem Zusammenhang kann der Besch werdeführerin auch insoweit nicht gefolgt werden, als sie die Auffassung vertritt, die B eschwerdegegnerin habe es unterlassen, sie zur Weiterentwicklung ihrer hypothetischen Karrierepl anung zu befragen, was zu einer Ver- letzung von Art. 43 ATSG geführt habe. Ob die Sachbea rbeiterin bzw. der Sachbearbeiter grundsätzlich die Pflicht hat, anlässlich der Haushaltsabklä rung auch Fragen zur hypotheti- schen Karriereplanung zu stellen, kann hier offen gelass en werden. Denn im vorliegend Fall oblag der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Mitwirkun gspflicht die Aufgabe, auf diesen we- sentlichen Umstand, der im Gesundheitsfall in naher Zukunft eingetroffen wäre, hinzuweisen. 4.3.3 Es besteht daher kein Anlass, von den Selbstangaben der Beschwerdeführerin anläss- lich der Haushaltsabklärung vom September 2010 abzuweic hen. Mit Blick auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung entwickelt haben, ist aus den vorgenannten Gründen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, d ass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung bis August 2008 einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 % und danach einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 70 % nachgegangen wäre. Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den IV -Grad auch nach dem 1. Juli 2011 anhand der gemischten Methode ermittelt hat und einen Statuswechsel abgelehnt hat. 5.1 Im Zusammenhang mit der Ermittlung der Einschränk ung im Erwerbsbereich ist zu- nächst zu klären, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Ar beitsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Die ärztlichen Stellungnahmen b ilden in diesem Zusammenhang eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbark eit, also der Frage, welche anderen Er- werbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbei t von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden könne n (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes eine r versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 5.2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilu ng des streitigen Rechtsanspruchs ges- tatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen den medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wü rdigen und die Gründe an- zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die ande re medizinische These abstellt. Hinsicht- lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Be- lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen ber uht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilun g der medizinischen Situation ein- leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin od er des Experten begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit w eder die Herkunft eines Beweismit- tels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Au ftrag gegebenen Stellungnahme als Be- richt oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Dennoch erachtet es die Recht- sprechung des Bundesgerichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweis- würdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammens tellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Bemessun g der Arbeitsunfähigkeit im er- werblichen Bereich im Wesentlichen auf das neurologische Gutachten von Dr. med. B.____, Facharzt für Neurologie FMH, vom 1. März 2010, und das p sychiatrische Gutachten von Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 30. Mä rz 2009, sowie die interdisziplinäre gutachterliche Stellungnahme der beiden Fachärzte vom 1 4. Februar 2010 bzw. vom 16. Feb- ruar 2010 (vgl. Gutachten von Dr. B.____ vom 1. März 2010, S. 29 ff. [IV-Akte 83, S. 28/30]). Gemäss gutachterlicher Beurteilung leidet die Beschwerdef ührerin mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.11 nach ICD-10) im Rahmen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer chronisch-depressiven Störung sowie dem Status nac h HWS-Distorsionstrauma im Jahr 1998 im Rahmen eines Heckkollisionsunfalles, einem Panik- Syndrom, einem leichten Thorako- lumbovertebralsyndrom bei leichter Wirbelsäulenfehlhaltung sowie einem leichten Karpaltunnel- syndrom, das aktuell abgeklungen sei. In ihrer interdiszipl inären Beurteilung kommen die bei- den Fachärzte zum Schluss, dass die Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Tätigkeitsbereich als Raumpflegerin sowohl aus psychiatrischer Sicht als auch aus somatisch-neurologischer Sicht bei 50 % liegen würde. Die Arbeitsunfähigkeit für ei ne optimal angepasste Verweistätigkeit betrage aus psychiatrischer Sicht 50 %, aus somatisch-neuro logischer Sicht 25 %. Bezüglich des Anforderungsprofils bei einer Verweistätigkeit sei zu berücksichtigen, dass das Heben von schweren Lasten, länger andauerndes Staubsaugen oder Sc hrubben, längere Arbeiten in ge- bückter oder monotoner Haltung, Arbeiten über Schulter höhe und jegliche schwere Tätigkeiten auszuschliessen seien. Fenster putzen sei kurzzeitig möglich (Gutachten von Dr. Stöckli, S. 27). Ausserdem sei die Explorandin am Arbeitsplatz vor über höhten Lärm- und Lichtemissionen, Kälte und visueller Überreizung zu schützen. Insgesamt sei davon auszugehen, dass für die Tätigkeit als Raumpflegerin eine Arbeitsunfähigkeit vo n 67 % und für eine optimal angepasste Verweistätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 55 % - 60 % bestehe, je nach Grad der Anpassung. Denkbar als Verweistätigkeiten seien die Kinderhorttätigkeit, Überwachungsarbeiten und leichte angepasste Verwaltungstätigkeiten. 5.3.2 In Anwendung der in Erwägung 5.2.3 hiervor dar gelegten Rechtsprechung zur Beweis- würdigung von im Rahmen des Verwaltungsverfahrens einge holten Gutachten externer Spezi- alärztinnen und -ärzte ist vorliegend auf das zuverlässige und schlüssige Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ abzustellen. Die Einschätzung der Höhe der Arbeitsfähigkeit im Teil- bereich Erwerb, die Dr. B.____ und Dr. C.____ vorge nommen haben, wird von der Beschwer- deführerin denn auch nicht bestritten. Es ist daher in Übereinstimmung mit den Parteien davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin aus interdisziplin ärer Sicht die Ausübung einer leichteren, wechselbelastenden Tätigkeit, unter Vermeid ung von überhöhten Lärm- und Lichtemissionen, im Umfang von 40 % - 45 % zugemutet werden kann. 6.1 Zu prüfen ist in einem nächsten Schritt, wie sich d ie eingeschränkte Arbeitsfähigkeit auf die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt. Wie bereits oben ausgeführt (vgl. Erwä- gung 3.2 hiervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invalidi tätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. 6.2.1 Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entsch eidend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt des Renten- beginns tatsächlich verdienen würde, wenn sie nicht inva lid geworden wäre (Urteil des Bundes- gerichts vom 16. Dezember 2012, 8C_600/2012, E. 4.1.1 ). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel von der Tätigkeit, welche die versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausgeübt hat, auszugehen ist (Urteil des Bundes- gerichts vom 26. November 2002, I 491/01, E. 2.3.1). E ntscheidend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde , und nicht, was sie bestenfalls Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht verdienen könnte. Es geht um die Frage, was die versichert e Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände zu erwarten geha bt hätte. Der hypothetischen Ein- kommensermittlung sind die gleichen persönlichen, familiären und beruflichen Voraussetzungen zu Grunde zu legen, wie sie vor Eintritt der Invalidität vorhanden waren und wie sie mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit bis zum Verfügungserlass anged auert hätten. Dabei ist unter Umständen auch die berufliche Weiterentwicklung mit zu b erücksichtigen, die eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte, wenn konkrete Anh altspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person einen beruflichen Aufstieg und ein e ntsprechend höheres Einkommen tat- sächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworde n wäre. Im Rahmen der erstmaligen Rentenzusprechung genügen blosse Absichtserklärungen der versicherten Person nicht, um eine nicht weiter konkretisierte berufliche Veränderun g anzunehmen und das Valideneinkom- men auf einen entsprechend angepassten Wert festzusetzen. Vielmehr muss die Absicht, beruf- lich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte kun dgetan worden sein (Urteil des Bun- desgerichts vom 14. April 2008, 8C_664/2007, E. 6.1). Im Übrigen besteht die Vermutung, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit auch die künftige gewesen wäre. 6.2.2 In Bezug auf die Ermittlung des Valideneinkomm ens hat die Beschwerdegegnerin ihren Berechnungen die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohn strukturerhebung (LSE) des Bun- desamtes für Statistik aus den Jahren 2004 und 2008, T abelle TA1, Persönliche Dienstleistun- gen, Anforderungsniveau 3 des Arbeitsplatzes, Spalte Frauen, zugrunde gelegt. Sie ging davon aus, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit der Beschwerdef ührerin diejenige als Reinigungskraft sei. Die Beschwerdeführerin rügt diesbezüglich, dass nich t davon ausgegangen werden könne, dass sie als gesunde Person weiterhin im Reinigungsgewerb e gearbeitet hätte. Bereits vor der Geburt ihres zweiten Sohnes habe sie am 1. April 1995 d ie Betreuung des Kinderhorts der Fir- ma D.____ in Z.____ übernommen. Dort habe sie samstags zwar gewisse Reinigungsarbeiten erledigt. Die Kinderbetreuung sei aber die Hauptleist ung gewesen und habe mehr Zeit in An- spruch genommen als die Reinigungsarbeiten. Zudem habe sie diese beiden Tätigkeiten nur übernommen, weil in diesen Tätigkeiten eine ihren Bedürfnissen als Mutter angepasste zeitliche Arbeitseinteilung möglich gewesen sei. Mit dem Wegfa ll dieser einschränkenden Parameter wäre sie wieder zu einer besser bezahlten Arbeit zurückge kehrt, weshalb bei der Berechnung des Valideneinkommens auf die LSE 2004, TA1, privater Sektor, verarbeitendes Gewerbe In- dustrie, Bereiche 15-37, Anforderungsniveau 4, Frauen, hätte abgestellt werden müssen. 6.2.3 Die Beschwerdeführerin arbeitete nach Abschluss d er Lehre als Coiffeuse. Nachdem sie diesen Beruf aufgrund einer Allergie hatte aufge ben müssen, arbeitete sie als Betriebsmi- tarbeiterin in einem 100 % Pensum. Nachdem sie bei di eser Tätigkeit wiederum mit Allergien auslösenden Chemikalien in Berührung kam, musste sie die A rbeitstelle kündigen. Danach ar- beitete sie bis zur Geburt ihres ersten Kindes als Betri ebsmitarbeiterin im Maschinenbau. Ein- einhalb Jahre nach der Geburt des ersten Sohnes begann sie am 1. April 1995 in der Firma D.____ als Reinigungskraft (samstags zwei Stunden) und später zusätzlich als Kinderbetreuerin im Hort (zwei bis zweieinhalb Stunden) zu arbeiten (vgl. dazu die Angaben der Beschwerdefüh- rerin gegenüber Dr. C.____ im Gutachten vom 30. März 2 009, S. 10 [IV-Akte 76, S. 10/21]). Vom 21. Juli 1998 bis 31. Mai 2003 arbeitete sie ausser dem bei der Firma E.____ als Reini- gungskraft (vgl. Fragebogen Arbeitgeber vom 12. Januar 2006, IV-Akte 9). Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2.4 Aus den Akten geht hervor, dass sich die Beschwerdef ührerin anlässlich der Geburt des ersten Kindes bewusst dafür entschieden hat, ihre bish erige Berufstätigkeit ganz auf- zugeben und sich ausschliesslich der Kinderbetreuung und de r Haushaltstätigkeit zu widmen. Weiter zeigt sich, dass sie vor ihrem Unfall im Jahr 1998 bereits während rund drei Jahren im Rahmen von zwei Teilzeitpensen als Kinderhortbetreuerin und als Reinigungskraft gearbeitet hat. Sie hat diese beiden Arbeitsstellen, die gewöhnl ich eher tief entlöhnt werden, freiwillig an- genommen, da sie die Arbeitszeiten als Reinigungskraft a uf die Randzeiten legen konnte und bei ihrer Tätigkeit im Kinderhort die eigenen Kinder sogar zur Arbeit hat mitnehmen können. Die Betreuung der Kinder konnte somit sicher gestellt werd en. Die Beschwerdeführerin hat sich daher auch zu einer Zeit, als ihre Arbeitsfähigkeit no ch nicht beeinträchtigt gewesen ist, über mehrere Jahre hinweg mit einem geringeren Einkommen begnügt. Dass sich die Beschwerde- führerin bereits während der Tätigkeit als Reinigungskr aft und als Kinderhortbetreuerin gezielt nach anderen besser entlöhnten Beschäftigungen umgescha ut hätte, wird nicht geltend ge- macht. Wie vorstehend ausgeführt, hat sich die Einkommense rmittlung jeweils so konkret wie möglich an der vor Eintritt des Gesundheitsschadens ausgeü bten Tätigkeit zu orientieren. Nachdem die Beschwerdeführerin seit dem 1. April 1995 Tätigkeiten im Bereich "Persönliche Dienstleistungen" ausübt, und es ausser ihren im vorlieg enden Beschwerdeverfahren vorge- brachten Absichtserklärungen keine konkreten Hinweise dara uf gibt, dass sie zu einer besser bezahlten Tätigkeit gewechselt hätte, besteht kein Anl ass, um von der letzten, vor dem Unfall ausgeübten Tätigkeit abzuweichen. Auch aufgrund des be ruflichen Werdegangs ergeben sich keine zwingenden Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführe rin im Gesundheitsfall ab 2002 eine besser bezahlte Tätigkeit ausgeübt hätte. 6.2.5 Die Beschwerdeführerin hat vor Eintritt der Inval idität Erwerbstätigkeiten ausgeübt, die dem Sektor “Persönliche Dienstleistungen“ zuzuordnen sin d. Aus diesem Grund kann nicht auf die Löhne der LSE Tabellen 2004, TA1, privater Sektor , verarbeitendes Gewerbe Industrie, Be- reiche 15-37, Anforderungsniveau 4 abgestellt werden. Die Beschwerdegegnerin ist für die Be- rechnung des Valideneinkommens zu Recht von den Tätigke iten als Kinderhortbetreuerin und Reinigungskraft ausgegangen und hat korrekterweise auf den Bereich “Persönliche Dienstleis- tungen“ der LSE abgestellt (vgl. auch Urteil des Bunde sgerichts vom 28. August 2008, 8C_373/2008, E. 5.2.1). 6.3.1 Die Beschwerdeführerin hätte daher im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbe- ginns im Jahr 2004 bei einem Beschäftigungsgrad von 50 % als Gesunde ein Jahreseinkom- men von Fr. 21'692.-- erzielen können. Grundlage daf ür bildet die LSE 2004, Tabelle TA1, Per- sönliche Dienstleistungen, Anforderungsniveau 3 des Arbeitsplatzes, Spalte Frauen, Fr. 3'468.-- basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Umrechnung auf di e betriebsübliche wöchentliche Ar- beitszeit von 41.7 Stunden (vgl. "Die Volkswirtschaft", Au sg. 3-2007, S. 90, Tabelle B9.2) x 12 Monate ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 43'385.- -. Umgerechnet auf ein Arbeitspen- sum von 50 % ergibt sich das vorstehend erwähnte Jahreseinkommen. 6.3.2 Nach Eintritt der erheblichen Änderung in Bezug auf die Aufteilung zwischen Erwerb und Haushalt per August 2008 hätte die Beschwerdeführe rin als Gesunde bei einem Beschäfti- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht gungsgrad von 70 % in einer Tätigkeit als Reinigungskra ft oder als Kinderbetreuerin ein Jah- reseinkommen von Fr. 30'416.-- erzielen können. Grund lage hierfür ist die LSE 2008, Tabelle TA1, Privater Sektor, persönliche Dienstleistungen, Anfo rderungsniveau des Arbeitsplatzes 3, Spalte Frauen, Fr. 3'465.-- monatlich, basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Umrechnung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.8 Stunden (vgl. "Die Volkswirtschaft", Ausg. 10-2009, S. 90, Tabelle B9.2) x 12 Monate ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 43'451.--. Angepasst auf ein Arbeitspensum von 70 % ergibt sich das vor stehend erwähnte Jahresein- kommen. 6.4.1 In Bezug auf das Invalideneinkommen ist die Beschwe rdegegnerin zur Auffassung ge- langt, dass der Beschwerdeführerin die Ausübung einer le ichteren, angepassten Tätigkeit im Umfang von 42.5 % zumutbar sei und sie deshalb gestützt au f die LSE 2004 im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns ein Invalideneinkommen von Fr. 18'584.-- erzielen könnte. Grundlage dafür bilden die LSE 2004, Tabelle TA1, P rivater Sektor, Anforderungsniveau 4, Spalte Frauen, Total, Fr. 3'893.-- monatlich, basiere nd auf 40 Wochenstunden. Nach Umrech- nung auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden (vgl. "Die Volkswirt- schaft", Ausg. 3-2007, S. 90, Tabelle B9.2) x 12 Monat e ergibt sich ein jährliches Invalidenein- kommen von Fr. 48'585.--. Angepasst an das zumutbare Pe nsum von 42.5 % ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 20'648.--. 6.4.2 Von dem auf diese Weise erhobenen statistischen Wert sind praxisgemäss verschiede- ne Abzüge zulässig. Im Entscheid BGE 126 V 75 ff. hat das Bundesgericht seine Rechtspre- chung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und w eiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtli- chen persönlichen und beruflichen Umständen des konkrete n Einzelfalles abhängt (leidensbe- dingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/ Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermesse n gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksic htigung aller jeweils in Betracht fal- lenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Perso n wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der gesamt- haft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behör de ihr Ermessen an die Stelle desjeni- gen der Vorinstanz setzt. 6.4.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin für die i nvaliditätsbedingte Beeinträchtigung einen Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 10 % vorg enommen. In diesem Zusammen- hang weist die Beschwerdeführerin zu Recht darauf hin, dass nicht zwischen psychischen und physischen Einschränkungen unterschieden werden darf. Es kan n ihr aber insoweit nicht ge- folgt werden, als sie die Erhöhung des leidensbedingte n Abzugs auf 15 % geltend macht und Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht dabei auf die von Dr. Stöckli in seinem Teilgutachten aus neurologisch-somatischer Sicht fest- gestellten Einschränkungen verweist. Es ergibt sich schlüssig aus den Darlegungen von Dr. Stöckli auf Seite 27 des Gutachtens, dass er die Arbe itsfähigkeit in Folge der somatisch- neurologischen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin , die er in seiner Beurteilung ("Fol- gende Tätigkeiten sind theoretisch möglich und zumutbar ") einzeln aufgelistet hat, als reduziert einschätzt. Diese Einschränkungen, insbesondere auch de r erhöhte Zeitbedarf von 20 % und die vermehrten Pausen, wurden daher sowohl von ihm b ei der Festsetzung der Restarbeitsfä- higkeit (50 % sowie 75 % als Kinderhortbetreuerin und in optimal angepassten Verweistätigkei- ten) als auch von beiden Fachärzten anlässlich ihrer Konsensbesprechung in der eingeschränk- ten Belastung von 55 % - 60 % bereits mitberücksichtigt. Dies bedeutet, dass es keine weiteren Einschränkungen gibt, die zu einem Lohnnachteil führen könnten; ansonsten würde derselbe Aspekt zweimal berücksichtigt werden. In Anbetracht der persönlichen und beruflichen Situation der Beschwerdeführerin erweist sich der gesamthaft zu schätzende Abzug von 10 % als ange- messen. Demzufolge beläuft sich das massgebende Invalidenei nkommen nach Berücksichti- gung des leidensbedingten Abzuges von 10 % im Zeitpu nkt des frühest möglichen Rentenbe- ginns im Jahr 2004 auf Fr. 18'584.-- (Fr. 20'648.-- x 90%). 6.4.4 Nach Eintritt der erheblichen Veränderung im A ugust 2008 könnte der Beschwerdefüh- rerin gemäss gutachterlicher Einschätzung weiterhin eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 42.5 % zugemutet werden. Gestützt auf die LSE 2008, P rivater Sektor, Total, Anforderungsni- veau 4, Spalte Frauen, Fr. 4'116.-- monatlich, basier end auf 40 Wochenstunden, umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41. 6 Stunden (vgl. "Die Volkswirtschaft", Ausg. 10-2009, S. 90, Tabelle B 9.2) x 12 Monate un d unter Berücksichtigung eines leidensbe- dingten Abzugs von 10 % und des zumutbaren Pensums von 42.5 % ergibt sich ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 19'648.--. 6.5 Setzt man im Einkommensvergleich diese Invalideneinko mmen von Fr. 18'584.-- (vor August 2008) bzw. von Fr. 19'648.-- (ab August 2008) de m jeweiligen Valideneinkommen von Fr. 21'692.-- (vor August 2008) bzw. von Fr. 30'416.- - (ab August 2008) gegenüber, so ergibt dies ab Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns i m Jahr 2004 ein ungewichteter IV- Grad von 14.33 % und ab August 2008 ungewichtet ein IV-Grad von 35.40%. Nach Massgabe der zeitlichen Beanspruchung im Erwerbsbereich von 50 % bzw. von 70 % resultiert somit ein IV-Grad gewichtet von 7.16% (0.5 x 14.33%) ab mögliche m Rentenbeginn und von 24.78 % (0.7 x 35.40) ab August 2008. 7.1 Streitig ist schliesslich die Einschränkung im Haushalt sbereich. Zur Ermittlung der Ein- schränkung im Haushaltsbereich hat die Beschwerdegegnerin am 12. Februar 2007 und am 17. September 2010 Haushaltsabklärungen getätigt (vgl . Berichte vom 19. Februar 2007 [IV- Akte 38] und vom 20. Oktober 2010 [IV-Akte 97]). Gestützt darauf ist sie bei der Invaliditätsbe- messung von einer Einschränkung im Haushalt ungewichtet vo n 25.75 % ausgegangen. Die Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerdeführerin bestreitet den Beweiswert der Abklärungsberichte und den Umfang der der Beschwerdeführerin und den Familienmitgliedern auferlegten Schadenminderungspflicht. 7.2.1 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsber eich bedarf es im Regelfall einer Ab- klärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich des Beweiswertes des Abklärungsberichts sind – analog zur Rechtsprechung zur Beweiskraft von Ar ztberichten (BGE 134 V 232 E. 5.1) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Ein Haushaltsabkl ärungsbericht ist beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird, we lche Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der Beeinträchtigungen und Beh inderungen hat, die sich aus den me- dizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berück- sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteilig ten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Be- richtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angem essen detailliert bezüglich der ein- zelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (vgl. AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2; Urtei l des Bundesgerichts vom 22. April 2010, 9C_90/2010, E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern d er Bericht eine zuverlässige Entschei- dungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsper- son nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlich keiten) vorliegen. Das gebietet insbe- sondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklär ungsperson näher am konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgerichts vom 18. August 2008, 8C_107/2008, E. 3.2.1 mit Hinweisen; BGE 128 V 93 f. E. 4). Rechtspre- chungsgemäss bedarf es des Beizugs einer ärztlichen Fachperso n, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltsführung unter dem Gesichtswinke l der Zumutbarkeit zu äussern hat, nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdig en Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urtei l des Bundesgerichts vom 28. Juli 2008, 9C_49/2008, E. 5.1 mit weiteren Hinweisen) und bei psychischen Leiden (Urteil des Bun- desgerichts vom 13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1 mit Hinweisen). 7.2.2 Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erst er Linie auf die Ermittlung des Aus- masses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten. Seine grundsätzliche Massgeb- lichkeit ist darum, auch wenn die erwähnten Anforderun gen erfüllt sind, praxisgemäss einge- schränkt, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet (vgl. AHI 2001 S. 162 E. 3d mit Hinweis). Im Urteil vom 23. Dezember 2003, I 311/03, hat das EVG seine Rechtsprechung zur Bemessung der Invalidität von ganz od er teilweise im Haushalt tätigen Personen, welche an einem psychischen Gesundheitsschaden l eiden, präzisiert. Danach bildet die Abklärung im Haushalt auch hier grundsätzlich ein g eeignetes Mittel zur Invaliditätsbemes- sung im Aufgabenbereich. Im Falle eines Widerspruchs zwisch en den Ergebnissen der Abklä- rung vor Ort und den fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist den ärztlichen Stellungnahmen in der Regel mehr Ge- wicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabkl ärung (Urteil des Bundesgerichts vom 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2). Diese prin zipielle Gewichtung hat ihren Grund Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht darin, dass es für die Abklärungsperson regelmässig nur besc hränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschrän kungen zu erkennen. Für die Rechtsanwendung im konkreten Fall bedeutet dies, dass nac h Massgabe der Kriterien, die von der Rechtsprechung entwickelt worden sind, der Beweiswert sowohl der medizinischen Unter- lagen (BGE 125 V 352 E. 3) als auch des Haushaltabklärun gsberichts zu beurteilen ist. Liegen gleichermassen beweiskräftige Stellungnahmen vor, muss gep rüft werden, ob die gemachten Aussagen vereinbar sind oder einander widersprechen. Be stehen Divergenzen zwischen den Ergebnissen der Haushaltsabklärung und den ärztlichen Fe ststellungen zur Fähigkeit der versi- cherten Person, ihre Haushaltstätigkeiten trotz des psychisc hen Leidens noch verrichten zu können, ist der medizinischen Einschätzung prinzipiell h öheres Gewicht beizumessen (vgl. Ur- teile des Bundesgerichts vom 28. Februar 2007, I 373/06, E. 4.3.2 und vom 6. September 2004, I 249/04, E. 5.1.1) 7.2.3 Weiter gilt es zu berücksichtigen, dass im Zusammenh ang mit den Einschränkungen im Haushalt nicht die medizinisch-theoretische Arbeitsunfäh igkeit ausschlaggebend ist, sondern wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen B etätigung konkret auswirkt (Urteil des Bundesgerichts vom 31. März 2011, 9C_121/2011, E. 3.1.1 mit Hinweisen). Dabei ist die im Sozialversicherungsrecht jeder versicherten Person obliege nde Schadenminderungspflicht auch bei der Bemessung der Invalidität im Haushalt in die Bemessung mit ein zu beziehen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gew isse Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Fa milienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Hausha lt tätigen Personen nur insoweit angenom- men werden, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüll t werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige verrichtet we rden, denen dadurch nachgewiesener- massen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismä ssige Belastung entsteht. Die im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei einer Hausfrau od er einem Hausmann zu berücksichti- gende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familie ngemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären (BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 25. März 2010, 9C_39/2010, E. 4.3.2). 7.3.1 Der zuständige Sachbearbeiter der Beschwerdegegner in, eine qualifizierte Fachperson, führte die Haushaltsabklärungen an Ort und Stelle dur ch. Er hat dabei unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geklagten Leiden, Behi nderungen und der ärztlichen Diagno- sen sowie der Familiengrösse, der Wohnverhältnisse, der technischen Einrichtungen und der örtlichen Lage eine Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich von ungewich- tet 22.5 % bzw. von 25.75 % festgestellt. Die vom Sachbe arbeiter verfassten Berichte befassen sich umfassend mit den einzelnen Haushaltsbereichen und d eren prozentualen Gewichtung und umschreiben die zu verrichtenden Tätigkeiten sowie d ie an Ort und Stelle festgestellten Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Einschränkungen in diesen Bereichen. Bei den jeweiligen Positionen im Abklärungsbericht wur- den die Einschränkungen der Beschwerdeführerin aufgrun d der Nackenschmerzen, des Schwindels oder der bestehenden Verlangsamung berücksichti gt und die entsprechende pro- zentuale Einschränkung nachvollziehbar begründet (vgl. da zu auch die Stellungnahme der Ab- klärungsperson vom 30. März 2011, IV-Akte 104). Ebenso wi rd in den Berichten auf Verände- rungen in den Verhältnissen hingewiesen (z.B. auf den Arbeitsortswechsel des Ehemannes) und deren Auswirkungen berücksichtigt. Die Berichte sind da her hinsichtlich des festgestellten Sachverhalts schlüssig und nachvollziehbar begründet. Es sind keine besonderen Umstände gegeben, welche die Abklärungsberichte als mangelhaft od er ungeeignet erscheinen lassen würden; vielmehr entsprechen diese den an sie gestellte n Anforderungen, so dass für die Ent- scheidfindung grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. 7.3.2 Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, ver mag die Beweiskraft nicht in Zweifel zu ziehen. Insbesondere der Umstand, dass von den medizin ischen Gutachtern für berufliche Reinigungsarbeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 67 % gen annt wird, im Haushalt aber unter der Position "Reinigungsarbeiten" (Wohnungspflege) ledig lich eine Einschränkung von 30 % be- rechnet wurde, schränkt die Beweiskraft der Abklärungsberichte nicht ein. Vorliegend kann zwi- schen der Einschätzung der Fachperson und der Beurteilung der Ärzte kein wesentlicher Unter- schied ausgemacht werden. Die Gutachter Dr. B.____ und Dr. C.____ halten in ihrer gemein- samen Stellungnahme vom 14. Februar 2010 bzw. vom 16. Februar 2010 ausdrücklich und in Kenntnis des Umstands, dass der Abklärungsbericht vom 19. Fe bruar 2007 auf dem Gutachten von Dr. med. F.____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psych otherapie, vom 22. November 2006 (IV-Akte 27), und dem Gutachten von Dr. B.____ vom 19. Juni 2006 (IV-Akte 20), basier- te, fest, dass sie sich der Beurteilung der Haushaltsabklär ung vom 19. Februar 2007 anschlies- sen können. Ein diesbezüglicher Irrtum kann ausgeschlo ssen werden, weil Dr. B.____ die Be- schwerdeführerin in den letzten Jahren mehrmals untersuch t und abgeklärt hat und mit ihrem Gesundheitszustand und dessen Entwicklung bestens vertraut w ar. Aus diesem Grund kann nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführeri n im privaten Bereich der Wohnungs- pflege und der Ernährung vollständig eingeschränkt ist. Dies wurde anlässlich der Haushaltsab- klärung von der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann denn auch gar nicht geltend gemacht. Zwar trifft es zu, dass Dr. C.____ und Dr. B.____ in Fr age stellen, ob der vermehrte Zeitauf- wand genügend berücksichtigt worden sei. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschwer- deführerin die Putzarbeiten zu Hause im Unterschied zur beruflichen Ausübung der Reinigungs- tätigkeit selber organisieren kann und ihr bei der Be sorgung des eigenen Haushalts in der Re- gel ein gewisser Spielraum für die Einteilung sowie di e Ausführung der Arbeit offen steht. Sie muss aufgrund ihrer Schadensminderungspflicht Verhaltensw eisen entwickeln, welche die Auswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bere ich reduzieren und die ihr eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltsarbeiten ermöglichen. Kann sie wegen ihrer Beeinträchtigungen gewisse Haushaltsarb eiten nur mühsam und mit viel höhe- rem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie i hre Arbeit entsprechend gliedern. Dass das Gutachten die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführer in für berufliche Reinigungsarbeiten Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf lediglich 33 % veranschlagt, lässt somit nicht per se auf eine mangelhafte Erhebung der Behinderung im Haushalt im Rahmen der Abklärungsberich te schliessen. Ausschlaggebend für die Feststellung der Behinderung Nichterwerbstätiger im anerkannten Aufgabenbereich ist nicht die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit, sondern w ie sich der Gesundheitszustand in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt, was vorlieg end durch die Abklärung an Ort und Stelle im Haushalt der Beschwerdeführerin in korrekter Weise erhoben worden ist. 7.3.3 Auch die Beurteilung der Abklärungsperson bezügli ch der zumutbaren Hilfe der Famili- enmitglieder und der Organisation der Arbeiten durch die Beschwerdeführerin selbst erscheinen plausibel und nachvollziehbar begründet. Wie bereits dargelegt, geht die im Rahmen der Invali- ditätsbemessung zu berücksichtigende Mithilfe von Familie nangehörigen weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstü tzung. Aus diesem Grund darf die Mithilfe des Ehemannes insbesondere bei der Wohnun gspflege und die der beiden Söhne bei gewissen Arbeiten wie dem Kochen oder der Pflege der Wäsche erwartet werden. Eine Be- lastung der Familienmitglieder, die über das übliche M ass hinausgehen würde, liegt nicht vor. Auch der Umstand, dass der Ehemann der Beschwerdeführer in seit Juli 2009 unter der Woche nach X.____ zur Arbeit pendelt, wurde von der Abklärun gsperson in angemessener Weise be- rücksichtigt, indem ihm ab diesem Zeitpunkt ein geringerer Umfang an Mithilfe zugemutet wurde (Abklärungsbericht vom 20. Oktober 2010, S. 4 ff.). 7.4 Insgesamt stellen die beiden Abklärungsberichte daher eine zuverlässige Entschei- dungsgrundlage dar. Fehleinschätzungen oder Anhaltspun kte für die Unrichtigkeit der Abklä- rungsresultate sind keine ersichtlich. Für ein Eingreifen des Gerichts in den vorinstanzlichen Ermessensentscheid besteht demnach kein Anlass. Auf weiter e Abklärungen zur Einschrän- kung im Haushalt kann verzichtet werden. Soweit die Besch werdegegnerin daher festgestellt hat, dass sich nach Massgabe der zeitlichen Beanspruchung i m Haushaltsbereich somit im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns ungewicht et ein IV-Grad von 12.88 % (0.50 x 25.75 %) bzw. ab August 2008 ein IV-Grad ungewichtet von 7.73 % (0.3 x 25.75 %) ergebe, ist daran nichts auszusetzen. 8. Die invaliditätsbedingte Einschränkung der Beschwerd eführerin beziffert sich nach dem Gesagten im Erwerbsbereich im Zeitpunkt des frühest mögl ichen Rentenbeginns mit 7.16 % und ab August 2008 mit 24.78 % (vgl. Erwägung 6.5 hie rvor) und im Haushaltsbereich im Zeit- punkt des frühest möglichen Rentenbeginns mit 12.88 % u nd ab August 2008 mit 7.73 % (vgl. Erwägung 7.4 hiervor). Dies ergibt insgesamt einen ren tenausschliessenden IV-Grad von rund 20 % (12.88 % + 7.16 %) ab 1. Dezember 2004 und von 33 % (7.73 % + 24.78 %) ab August 2008 (zur Rundungspraxis vgl. BGE 130 V 121 ff.). Die angefochtene Verfügung vom 23. De- zember 2011, mit welcher ein Rentenanspruch der Beschwer deführerin abgelehnt wurde, ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die dagegen gerichtete Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Gemäss den Änderungen des IVG vom 1. Juli 2006 ist d as Beschwerdeverfahren vor kantonalem Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig (vgl. Art. 69 Abs. 1 un d 1 bis IVG). Nach § 20 Abs. 3 VPO wer- den die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegen den Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens h at die Beschwerdeführerin die Ver- fahrenskosten zu tragen. Diese werden auf Fr. 600.-- f estgesetzt und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Die ausserordentlich en Kosten sind dem Prozessaus- gang entsprechend wettzuschlagen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht