Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 2024 I/1 BVGE / ATAF / DTAF I 1 2024 I/1 Auszug aus dem Urteil der Abteilung II i.S. X. gegen Bundesamt für Zivildienst B-294/2024 vom 8. Mai 2024 Zivildienst. Dienstverschiebung. Abbruch Ersteinsatz. Dauer Ersatz- dienst nach rechtmässig abgebrochenem Ersteinsatz. Legalitäts - prinzip. Art. 20, Art. 23 ZDG. Art. 38 Abs. 3, Art. 43 Abs. 3 ZDV . 1. Aus Art. 38 Abs. 3 Bst. a ZDV , wonach eine zivildienstpflichtige Person, welche eine Rekrutenschule bestanden hat, einen Erstein- satz von 54 Tagen zu leisten hat, lässt sich nicht die Pflicht ablei - ten, dass bei einem rechtmässigen Abbruch dieses Ersteinsatzes die gesamte Einsatzdauer , das heisst ohne Berücksichtigung der bereits geleisteten Einsatztage, zu wiederholen ist (E. 4.2 und 5.1). 2. Nach der vorinstanzlichen Praxis muss bei rechtmässig abgebro- chenen Ersteinsätzen die gesamte Einsatzdauer wiederholt werden, wenn die zivildienstpflichtige Person nicht mindestens 80 Prozent der Einsatztage des Ersteinsatzes geleistet hat . Diese Praxis stützt sich im entsch eidenden Punkt weder auf eine zivil - dienstrechtliche Regelung noch auf einen Analogieschluss zur Regelung für die Rekrutenschule (E. 5.2). Mangels gesetzlicher Grundlage ist das Legalitätsprinzip verletzt (E. 5.1 und 6.4). Service civil. Report de service. Interruption de la première période d'affectation. Durée du service civil de remplacement après inter - ruption justifiée de la première période d'affectation. Principe de la légalité. Art. 20, art. 23 LSC. Art. 38 al. 3, art. 43 al. 3 OSCi. 1. L'art. 38 al. 3 let. a OSCi, selon lequel toute personne astreinte au service civil ayant accompli l'école de recrues effectue une pre- mière affectation de 54 jours, n'implique pas l'obligation , en cas d'interruption justifiée de cette première affectation, de répéter la durée totale de l'affectation sans tenir compte des jours d'affecta - tion déjà effectués (consid. 4.2 et 5.1). 2. Selon la pratique de l'autorité inférieure, en cas d 'interruption justifiée de la première affectation, la personne astreinte qui n'a 2024 I/1 Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 2 I BVGE / ATAF / DTAF pas accompli au moins 80 pour cent de la première affectation au service civil doit répéter la durée totale de l'affectation. Sur ce point, cette pratique ne se fonde ni sur la réglementation du service civil ni sur un raisonnement par analogie avec la réglementation de l'école de recrues (consid. 5.2). En l'absence de base légale, il y a violation du principe de la légalité (consid. 5.1 et 6.4). Servizio civile. Differimento del servizio. Interruzione del primo im - piego. Durata del servizio sostitutivo dopo l 'interruzione giustificata del primo periodo d'impiego. Principio della legalità. Art. 20, art. 23 LSC. Art. 38 cpv. 3, art. 43 cpv. 3 OSCi. 1. Dall'art. 38 cpv. 3 lett. a OSCi, secondo cui una persona soggetta al servizio civile che ha adempiuto una scuola reclute deve prestare un primo periodo d'impiego che dura almeno 54 giorni, non deriva l'obbligo, in caso di interruzione giustificata di tale primo impiego, di ripetere l'intera durata dello stesso, ossia senza tener conto dei giorni di impiego già prestati (consid. 4.2 e 5.1). 2. Secondo la prassi dell 'autorità inferiore, in caso di interruzion e giustificata di un primo impiego occorre ripetere l'intera durata dello stesso se la persona soggetta al servizio civile non ha prestato almeno l '80 per cento dei giorni del primo impiego. Su questo aspetto detta prassi non si basa né su una normativa in materia di servizio civile , né su una deduzione per analogia fondata sulla regolamentazione per la scuola reclute (consid. 5.2). In mancanza di una base legale, vi è violazione del principio d ella legalità (consid. 5.1 e 6.4). Nach Absolvierung der Rekru tenschule und von drei Wiederholungskur - sen wurde der Beschwerdeführer zum Zivildienst zugelassen. Der Beschwerdeführer trat am 3. Juli 2023 seinen 54-tägigen Ersteinsatz im Zivildienst an. Zwischenzeitlich wurde ihm bekannt, dass er im Rah - men seines Studiums drei Prüfungen nicht bestanden habe und diese im August 2023 wiederholen müsse. Am 31. Juli 2023 teilte die V orinstanz dem Beschwerdeführer mit dem Einverständnis des Einsatzbetriebs telefo- nisch mit, dass er den Einsatz nach 29 geleisteten Diensttagen in Anbe - tracht der für ihn wichtigen Lernzeit per sofort abbrechen könne. Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 2024 I/1 BVGE / ATAF / DTAF I 3 Mit Verfügung vom 3. August 2023 genehmigte die V orinstanz sein Ge- such um Dienstverschiebung und bekräftigte den Abbruch des Erstein- satzes per 31. Juli 2023. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass er den Ersteinsatz von mindestens 54 Tagen nicht erfüllt habe und dieser somit im Jahr 2024 neu geplant werden müsse. Am 8. Oktober 2023 reichte der Beschwerdeführer ein zweites Dienstver- schiebungsgesuch ein, da er plane, ein halbjähriges Praktikum zu absolvie- ren, was mit einem Zivildiensteinsatz von 54 Tagen nicht vereinbar sei. Das zweite Dienstverschiebungsgesuch wies die V orinstanz mit Verfügung vom 29. November 2023 unter anderem mit der Begründ ung ab, dass der Beschwerdeführer seinen Ersteinsatz in vollem Umfang zu wiederholen habe und hierfür in den Semesterferien im Sommer hinreichend Zeit habe. Mit Eingabe vom 12. Januar 2024 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bu ndesverwaltungsgericht. Der Beschwerdeführer beantragte, es sei die Verfügung der V orinstanz vom 29. November 2023 aufzuheben und es sei festzuhalten, dass er den am 31. Juli 2023 abgebrochenen Ersteinsatz im Jahr 2024 vollenden müsse und für maximal 26 Einsatztage zu verpflichten sei. Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer insbesondere vor, es fehle an einer gesetzli- chen Grundlage, welche verbiete, einen rechtmässig abgebrochenen Erst - einsatz zu vollenden. Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. Aus den Erwägungen: 3. 3.1 V orliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seinen 54- tägigen Ersteinsatz nach 29 geleisteten Diensttagen am 31. Juli 2023 rechtmässig abbrach. In seiner Beschwerde vom 12. Januar 2024 stellt der Beschwerdeführer das Rechtsbegehren, er sei für maximal 26 Einsatztage im Zeitraum zwischen 1. Juli 2024 und 11. August 2024 zu verpflichten ([…]). Er ficht damit die Verfügung vom 29. November 2024 nur so weit an, als er zur Wiederholung des gesamten Erst einsatzes von 54 Dienst- tagen aufgefordert wird ([…]). 3.2 Streitig ist demnach, ob gestützt auf Art. 20 des Zivildienstgeset- zes vom 6. Oktober 1995 ( ZDG, SR 824.0) in Verbindung mit Art. 38 Abs. 3 der Zivildienstverordnung vom 11. September 1996 ( ZDV, SR 2024 I/1 Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 4 I BVGE / ATAF / DTAF 824.01) nach einem rechtmässigen Abbruch des Ersteinsatzes nach 29 ge- leisteten Diensttagen der gesamte Ersteinsatz von 54 Diensttagen wieder- holt werden muss. 3.3 Der Beschwerdeführer beanstandet, im Gesetz wie in der Verord- nung fehle eine explizite Regelung, wie mit abgebrochenen Ersteinsätzen umzugehen sei. Auch aus den Materialien sei nichts Entsprechendes zu entnehmen ([…]). Insbesondere sei die rechtliche Lage einer vorgängigen Fraktionierung eines Einsatzes zu unterscheiden von einem nachträglichen rechtmässig verfügten Abbruch ([…]). Ratio legis der Mindestdauern und der längeren Ersteinsätze sei zum einen, dass vernünftig lange Ersteinsätze den Einsatzbetrieben entgegenkommen würden, sowie zum anderen, dass die gesamte Dienstpflicht innerhalb d er vorgesehenen Dauer erfüllt wer - den könne, wofür in Bezug auf den Beschwerdeführer mit noch verblei - benden 84 Tagen kein Risiko bestehe ([…]). Folglich müsse ein berechtigt abgebrochener Ersteinsatz vollendet werden können. Eine Wiederholung des gesamten Einsatzes sei nur nötig, wenn die Einsatztage des abgebro - chenen Einsatzes nicht anrechenbar wären. Dazu sehe Art. 43 Abs. 3 ZDV vor, dass auch rückwirkend ein Abbruch verfügt werden könne. Art . 29 ZDV bestimme zudem, dass ein ersatzweise geleisteter Einsatz zusammen mit dem abgebrochenen als ein einziger Einsatz gelte. Dies müsse analog auch gelten, wenn die Resttage des abgebrochenen Einsatzes nicht mehr im selben Jahr geleistet würden ( […]). Auch leuchte nicht ein, weshalb beim Militärdienst eine abgebrochene Rekrutenschule oder auch ein abge- brochener Beförderungsdienst vollendet werden könne, was niemand ernsthaft infrage stelle, es sich beim zivilen Ersatzdienst aber anders ver - halten solle ([…]). Für eine behauptete Praxis der V orinstanz, wonach der Ersteinsatz (trotz Abbruchs) als bestanden zu qualifizieren sei, wenn min- destens 80 Prozent der aufgebotenen Diensttage angerechnet worden seien, fehle es an einer gesetzlichen Grundlage, mithin sei das Legalitäts - prinzip verletzt (Art. 5 i.V .m. Art. 164 BV […]). 3.4 Die V orinstanz entgegnet, Art. 38 Abs. 3 ZDV sei mit der Teilre- vision der ZDV am 1. Februar 2011 eingeführt worden. Ziel dieser und weiterer Ergänzungen der ZDV sei es gewesen, die Attraktivität des Zivil- dienstes gegenüber dem Militärdienst zu reduzieren. Diese Wirkung würde entfallen, wenn der Ersteinsatz gemäss Art. 38 Abs. 3 ZDV beliebig auf - geteilt werden könne ( […]). Während Art. 38 Abs. 3 ZDV nicht vorsehe, dass ein 54 -tägiger Ersteinsatz aufgeteilt werden könne, sei eine so lche Aufteilung hingegen beim langen Einsatz von mindestens 180 Tagen ge- mäss Art. 37 ZDV vorgesehen. Entsprechend folge die V orinstanz dieser Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 2024 I/1 BVGE / ATAF / DTAF I 5 Auffassung in ihrer langjährigen, bewährten Praxis, nach der ein Erstein - satz nach Art. 38 Abs. 3 ZDV dann als bestanden gelte, wenn mindestens 80 Prozent der aufgebotenen Diensttage an die Erfüllung der ordentlichen Zivildienstleistungen angerechnet worden seien. Der Beschwerdeführer habe vorliegend vor dem Abbruch 29 anrechenbare Diensttage geleistet, das entsprech e lediglich zwei Tagen mehr als der Hälfte der verfügten 54 Tage und erreiche die Schwelle von 80 Prozent nicht annähernd . Die Verpflichtung, einen erneuten Ersteinsatz von 54 Tagen zu leisten, erschei- ne daher im Lichte der erwähnten Praxis und des Normzwecks im vorlie- genden Fall als erforderlich. Der Gesetzgeber habe dem Bundesrat mit der Delegationsnorm von Art. 20 ZDG die Kompetenz eingeräumt, die Min - destdauer und die zeitliche Abfolge der Einsätze zu regeln. In Art. 21 Abs. 1 ZDG sei bereits auf Gesetzesstufe festgelegt, dass der erste Einsatz spätestens in dem Jahr, das der rechtskräfti gen Zulassung folgt, zu begin - nen sei. Die in Art. 38 Abs. 3 ZDV getroffene Regelung, die präzisierend festhalte, dass der Ersteinsatz mindestens 54 Tage zu dauern habe, sei von der Delegationsnorm ohne Weiteres gedeckt. Diese Verordnungsbestim - mung könne hinsichtlich der Eingriffsschwere insoweit nicht mit dem per 1. Juli 2016 (meint: als Folge des Urteils BVGE 2014/50) aufgehobenen Art. 36a ZDV verglichen werden, als dieser die Pflicht zum Durchdienen im Zivildienst vorsah ([…]). V or diesem Hintergrund sei auch der V orwurf des Beschwerdeführers, die Praxis der V orinstanz würde das Legalitäts- prinzip verletzen, nicht nachvollziehbar. Die Praxis berücksichtige den Willen des Verordnungsgebers und genüge dem Verhältnismässigkeits - prinzip, indem Zivildienstleistende, deren 54 -tägiger Ersteinsatz nach Leistung eines Grossteils der verfügten Diensttage rechtmässig abgebro - chen wurde, nicht nochmals von vorne beginnen müssten ([…]). 3.5 Das Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) stützt die Argumenta- tion der V orinstanz, wonach Art. 38 Abs. 3 Bst. a ZDV keine Teilung des Ersteinsatzes vorsehe. Der Bundesrat habe diese Teilung im Sinne eines qualifizierten Schweigens bewusst nicht geregelt, da die Leistung des Erst- einsatzes von mindestens 54 Tagen Dauer am Stück zu erfolgen habe. Falls der Ersteinsatz abgebrochen werde, so habe die zivildienstpflichtige Per - son den Ersteinsatz grundsätzlich in gesamter Länge zu wiederholen, so - weit es sich nicht nur um ein paar fehlende Diensttage handle ([…]). 2024 I/1 Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 6 I BVGE / ATAF / DTAF 4. 4.1 In Bezug auf die Möglichkeit zur vorgängigen Fraktionierung eines Einsatzes ist festzustellen, dass der lange Einsatz v on mindestens 180 Tagen für zivildienstpflichtige Personen, die keine Rekrutenschule be- standen haben, ohne zusätzliche Begründung in zwei Teilen geleistet wer- den kann (Art . 20 ZDG i.V .m. Art. 37 Abs. 3 ZDV). In Bezug auf zivil - dienstpflichtige Personen, die bereits eine Rekrutenschule absolviert haben, regelt Art. 38 Abs. 3 ZDV nicht explizit, ob diese ihren Ersteinsatz von mindestens 54 Tagen Dauer (Art. 38 Abs. 3 Bst. a ZDV) ebenfalls in zwei Teilen leisten können. 4.2 Mit Blick auf den Militärdienst gilt, dass Militärdienstpflichtige ihre Rekrutenschule grundsätzlich ohne Unterbruch in der vollen Dauer gemäss dem öffentlichen militärischen Aufgebot zu leisten haben. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann die Rekrutenschule einmal unterbro- chen (fraktioniert) und somit in zwei Teilen absolviert werden, wobei hier- zu kein Anspruch besteht (Art . 49 des Militärgesetzes vom 3 . Februar 1995 [MG, SR 510.10] i.V .m. Art. 57 Abs. 1 der Verordnung vom 22. No- vember 2017 über die Militärdienstpflicht [VMDP, SR 512.21]). Wieder- holungskurse können gemäss Art. 58 Abs . 2 Bst . a und b VMDP bei Vorliegen besonderer Ausbildungsbedürfnisse in mehrere Teile aufgeteilt werden. Somit sind zivildienstpflichtige Personen in Bezug auf den langen Einsatz von 180 Tagen im Vergleich zu militärdienstpflichtigen Personen leicht bessergestellt, was sich wohl mit der längeren Einsatzdauer rechtfertigt. Hingegen herrscht für den Militär- wie auch den Zivildienst ansonsten der Grundsatz vor, dass die Fraktionierung unerwünscht und damit der Einsatz am Stück ohne Unterbrüche zu leisten ist. V or diesem Hintergrund ist die Argumentation von V orinstanz und Generalsekretariat VBS insoweit nach- vollziehbar, als diese geltend machen, im Unterschied zum langen Einsatz von 180 Tagen könne der Ersteinsatz von 54 Tagen gemäss Art. 38 Abs. 3 Bst. a ZDV mangels expliziter Bestimmung im ZDG oder ZDV e contrario im Sinne eines qualifizierten Schweigens nicht geplant aufgeteilt bezie- hungsweise fraktioniert werden ([…]). Die Frage, ob insoweit tatsächlich ein qualifiziertes Schweigen vorliegt, kann indessen offenbleiben. 5. Im vorliegenden Fall beantragt der Beschwerdeführer indessen keine vor- gängige Fraktionierung seines Ersteinsatzes; vielmehr trat er den 54 -tägi- gen Ersteinsatz unbestrittenermassen mit der Absicht an, die Gesamtdauer am Stück zu leisten . Als er nachträglich erfuhr, dass er drei Prüfungen Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 2024 I/1 BVGE / ATAF / DTAF I 7 nicht bestanden hatte, entschied er sich zum Abbruch, der seitens der V or- instanz bewilligt beziehungsweise genehmigt wurde (vgl. E. 3.1 hiervor). Es geht somit einzig um die Frage, ob nach einem bewilligten Abbruch des Ersteinsatzes nur die fehlenden Tage zu leisten sind oder der ganze Erstein- satz zu wiederholen ist. 5.1 Die V orinstanz wie das Generalsekretariat des VBS schliessen aus der fehlenden Regelung zur Fraktionierung in Art. 38 Abs. 3 ZDV , dass auch nach einem nachträglichen, rechtmässigen Abbruch bei Nichtbe- stehen des Ersteinsatzes von 54 Tagen der gesamte Ersteinsatz wiederholt werden muss ([…]). Dieser Schluss greift jedoch zu kurz. Aus dem soeben festgestellten Konzept, dass eine geplante Fraktionierung nicht gewollt ist, ergibt sich nicht mit gleicher Selbstverständlichkeit, dass auch nach recht- mässigem Abbruch der Dienst im Ergebnis nicht so aufgeteilt werden kann, dass – jedenfalls für den vorliegenden Fall, in welchem die Hälfte der Diensttage bereits geleistet worden ist – nicht nochmals ein voller Erst- einsatz zu leisten ist. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass ein Abbruch des Einsatzes zwar rüc kwirkend verfügt werden kann (Art. 43 Abs. 3 ZDV), aber jedenfalls gemäss Art. 23 Abs. 1 ZDG wichtige Gründe voraussetzt. Der Abbruch hat durch die V ollzugsstelle in Form einer beschwerdefähigen Verfügung zu erfolgen (Art . 23 Abs. 2 ZDG). Dies ist ein deut licher Unterschied zur Fraktionierung. In Bezug auf den 54-tägigen Ersteinsatz regelt Art. 38 Abs. 3 ZDV lediglich den Zeitpunkt des Beginns und Bst. a bestimmt die Mindestdauer von 54 Tagen. Weder aus dem Zeitpunkt des Beginns noch aus der Mindestdauer lä sst sich je - doch ableiten, ob nach einem bewilligten Abbruch dennoch der gesamte Ersteinsatz zu wiederholen ist. Folglich enthalten weder das ZDG noch die ZDV eine gesetzliche Grundlage , wie im Zivildienst mit abgebrochenen (Erst-)Einsätzen umzugehen sei. Auch in den Botschaften vom 22. Juni 1994 zum Bundesgesetz über den zivilen Ersatzdienst (Zivildienstgesetz, ZDG; BBl 1994 III 1609, 1673 ff.) sowie vom 21. September 2001 zur Änderung des Bundesgesetzes über den zivilen Ersatzdienst (BBl 2001 6127, 6188) fehlen entsprechende Ausführungen. 5.2 Der Vergleich mit dem Militärdienst ergibt, dass diesbezüglich explizite gesetzliche Regelungen zu den Folgen des Abbruchs vorhanden sind. Militärdienstpflichtige, die mindestens 80 Prozent der vollen Dauer der Rekrutenschule geleistet haben und mindestens als genügend qualifi - ziert wurden, haben die Rekrutenschule bestanden (Art. 49 MG i.V .m. Art. 57 Abs. 2 VMDP). Militärdienstpflichtige, welche die Rekru ten- schule nicht bestanden haben, werden auf den nächstmöglichen Zeit - 2024 I/1 Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 8 I BVGE / ATAF / DTAF punkt für den Rest der Dauer aufgeboten (Art. 49 MG i.V .m. Art. 57 Abs. 3 VMDP). In Bezug auf die Praxis der V orinstanz, wonach ein Ersteinsatz dann als bestanden gelte, wenn mindestens 80 Prozent der aufgebotenen Diensttage an die Erfüllung der ordentlichen Zivildienstleistungen angerechnet wor - den seien, wendet die V orinstanz Art. 57 Abs. 2 VMDP wohl insoweit ana- log an, als Militärdienstpflichtige, die mindestens 80 Prozent der volle n Dauer der Rekrutenschule geleistet haben, die Rekrutenschule bestanden haben. Damit scheint die V orinstanz von einer gewissen Vergleichbarkeit zwischen Ersteinsatz und Rekrutenschule auszugehen. Hingegen folgt die V orinstanz in Bezug auf den Zivildienst nicht der Lösung des MG, wonach Militärdienstpflichtige, welche die Rekrutenschule nicht bestanden haben, nur für den Rest der Dauer aufgeboten werden (Art. 49 MG i.V .m. Art. 57 Abs. 3 VMDP). Auch das Generalsekretariat des VBS spricht sich gegen eine analoge Anwendung von Art. 57 Abs. 3 VMDP aus ([…]). 5.3 Im Gesetz besteht eine Lücke, wenn eine Regelung unvollständig ist, weil sie jede Antwort auf die sich stellende Rechtsfrage schuldig bleibt. Hat der Gesetzgeber eine Rechtsfrage nicht übersehen, sondern st ill- schweigend – im negativen Sinn – mitentschieden (qualifiziertes Schwei- gen), bleibt kein Raum für richterliche Lückenfüllung. Eine echte Geset - zeslücke, die vom Gericht zu füllen ist, liegt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts vor, wenn der Gesetzgeber etwas zu regeln unterlassen hat, was er hätte regeln sollen, und dem Gesetz diesbezüglich weder nach sei - nem Wortlaut noch nach dem durch Auslegung zu ermittelnden Rechtssinn eine V orschrift entnommen werden kann (BGE 148 V 397 E. 6.2.1; 141 IV 298 E. 1.3.1 m.H.). V orliegend liegt in Bezug auf die Frage, wie im Zivildienst mit abgebro- chenen (Erst-)Einsätzen von 54 Tagen umzugehen sei, jedenfalls entgegen der Auffassung der V orinstanz kein qualifiziertes Schweigen vor, welches eine echte Lücke au sschliessen würde (vgl. TSCHANNEN/MÜLLER/KERN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl. 2022, Rz. 576). Ob in Bezug auf die Rechtslage nach bewilligtem Abbruch vorliegend mit Blick auf die Möglichkeit des Analogieschlusses zur gesetzlichen Lösung im Militär - dienst eine echte Lücke vorliegt, kann aufgrund der nachfolgenden Aus - führungen letztlich offenbleiben. 5.4 Aufgrund des soeben Gesagten stellt sich die fallentscheidende Frage, ob die V orinstanz mit ihrer für die zivildienstpflichtige Person unvorteilhaften u nd verglichen mit einer militär dienstpflichtigen Person Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 2024 I/1 BVGE / ATAF / DTAF I 9 strengeren Praxis mangels gesetzlicher Grundlage gegen das Legalitäts - prinzip verstösst. 6. 6.1 Das Recht bildet Grundlage und Schranke staatlichen Handelns (Art. 5 Abs. 1 BV). Diese Verfassungsnorm statuie rt den V orbehalt und den V orrang des Rechtssatzes. Ersterer verlangt insbesondere, dass sich behördliche Akte auf eine hinreichend bestimmte generell-abstrakte Norm stützen. Letzterer, dass sich rechtsanwendende Organe an das geltende Recht halten und rech tsetzende Organe die Normenhierarchie beachten. Durch den V orbehalt des Rechtssatzes sollen die Rechtssicherheit im Sin- ne der V orhersehbarkeit sowie die Rechtsgleichheit verwirklicht werden (vgl. BGE 131 II 13 E. 6.3 ff.; BVGE 2021 IV/5 E. 6.1; Urteile des BVGer B-1897/2022 vom 15 . September 2022 E. 5.1; B -5117/2016 vom 30. Januar 2019 E. 4.1; BENJAMIN SCHINDLER, in: St. Galler Kommentar, Die schweizerische Bundesverfassung, 4. Aufl. 2023, Art. 5 N. 18 ff.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8 . Aufl. 2020, Rz. 325, 338 ff.). Art. 164 Abs. 1 BV bestimmt, dass auf Bundes - ebene alle wichtigen rechtsetzenden Bestimmungen in der Form des Bun- desgesetzes zu erlassen sind. Als massgebliche Kriterien zur Umschrei - bung der Wichtigkeit im Sinne des materiellen Gesetzesvorbehalts gelten namentlich die Intensität des Eingriffs, die Zahl der von der Regelung be- troffenen Personen, die finanzielle Bedeutung und die Akzeptanz der Massnahmen (BVGE 2014/50 E. 4.3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 354 ff.). 6.2 Es steht fest, dass mit der Teilrevision der ZDV im Jahr 2011 sowie weiteren Ergänzungen der ZDV unter anderem die Attraktivität des Zivildienstes gegenüber dem Militärdienst reduziert werden sollte (vgl. dazu Erläuternder Bericht zur Rev ision des Zivildienstgesetzes vom 2. August 2013, Ziffer 1.1.3, S. 5). Unabhängig davon darf gemäss stän - diger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts eine zivildienst - pflichtige Person nicht bessergestellt werden als eine militärdienstpflich - tige Person (Urteile des BVGer B -5180/2021 vom 23 . März 2022 E. 3.1; B-6183/2017 vom 19. April 2018 E. 3.3). Aus dieser Rechtsprechung darf jedoch nicht geschlossen werden, dass eine zivildienstpflichtige Person stets und ohne gesetzliche Grundlage schlechter zu s tellen wäre als eine militärdienstpflichtige Person. Möglicherweise ist der Beschwerdeführer als zivildienstpflichtige Person gegenüber einem Militärdienstpflichtigen insoweit privilegiert, als er den Ersteinsatz erst im Kalenderjahr, das der 2024 I/1 Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 10 I BVGE / ATAF / DTAF rechtskräftigen Zulassung zum Zivildienst folgt , beginnen muss und zu - dem seinen Zivildiensteinsatz zum für ihn günstigsten Zeitpunkt leisten kann ([…]). Dieser potenzielle V orteil kann jedoch nicht pauschal rechtfer- tigen, dass im Falle einer Pflicht zur Wiederholung des gesamten Einsatzes nach rechtmässigem Abbruch des Ersteinsatzes eine zivildienstpflichtige Person gegenüber einer militärdienstpflichtigen Person Nachteile erleidet, ohne dass hierfür eine gesetzliche Grundlage besteht. 6.3 Mit Urteil BVGE 2014/50 hatte da s Bundesverwaltungsgericht die unterbruchsfreie Leistung des Zivildienstes für militärische Durch - diener gestützt auf aArt. 36a ZDV zu beurteilen. Es erwog, die unselbst - ständige Verordnungsnorm von aArt. 36a ZDV sei gesetzeswidrig, weil sich diese Regelung nicht auf eine hinreichende formell-gesetzliche Dele- gationsnorm stütze (E. 5.8). Die Verordnungsregelung, wonach Zivil - dienstleistende, die im Zeitpunkt ihrer Anmeldung zum Zivildienst als Durchdiener geme ldet waren, einen unterbruchsfreien Zivildiensteinsatz zu leisten haben, wurde daher die Anwendung versagt (E. 5.9). Im Nach- gang zu diesem Urteil ist aArt. 36a ZDV mit Wirkung per 1 . Juli 2016 aufgehoben worden (AS 2016 1 897). Auch in BVGE 2022 I/4 (insb. E. 4.2.2) sowie in seinen Urteilen B -4297/2021 vom 11 . Januar 2022, B-2474/2019 vom 23. September 2019 sowie B -3356/2014 vom 17 . Au- gust 2015 stützte sich das Bundesverwaltungsgericht in Bezug auf die Wahl des Durchdienermodells namentlich auf die in BVGE 2014/50 ent- wickelte Argumentation. 6.4 V orliegend wirkt sich die Praxis der V orinstanz, wonach analog zum Militärdienst nach Leistung von 80 Prozent der Einsatztage der Erst- einsatz als bestanden gilt, im Vergleich zum reinen Wortlaut der ZDV positiv auf die Rechtsposition der zivildienstpflichtigen Person aus, da sie eine Erleichterung darstellt. Hingegen greift die Pflicht zur Wiederholung des vollständigen Ersteinsatzes nach einem Abbruch respektive bei Nicht- bestehen negativ in die Rechtsposition des Besc hwerdeführers ein, da sie ihm im Vergleich zum naheliegenden Analogieschluss zu den diesbezüg - lich für den Militärdienst geltenden Regeln zusätzliche Pflichten auferlegt. In diesem Sinne müsste sich die Pflicht zur Wiederholung des vollständi - gen Einsatzes jedenfalls auf eine materiell-gesetzliche Grundlage, also zu- mindest auf eine entsprechende explizite Regelung in der ZDV , stützen. Anders als in der erwähnten Rechtsprechung zu aArt. 36a ZDV zur Wahl des Durchdienermodells gründet die Pflicht zur Wiederh olung des voll - ständigen Ersteinsatzes nach einem rechtmässigen Abbruch jedoch auf keinerlei gesetzlicher Grundlage (weder auf Stufe ZDV als Verordnung Zivildienst. Dauer Ersatzdienst 2024 I/1 BVGE / ATAF / DTAF I 11 noch auf Stufe ZDG als formelles Gesetz). Daher kann – wie der Be - schwerdeführer zutreffend feststellt ( […]) – offenbleiben, ob eine solche Verschärfung gegenüber dem Militärdienst in Art. 38 Abs. 3 ZDV analog zu aArt. 36a ZDV auch als unselbst ständige Verordnungsnorm gesetzes- widrig wäre, wenn sich diese Regelung nicht auf eine hinreichende formell-gesetzliche Delegationsnorm stützt (vgl. dazu BVGE 2014/50 E. 4.4). Folglich kann vorliegend mangels gesetzlicher Grundlage die Ein- griffsschwere keine Rolle spielen. Diese müsste hingegen berücksichtigt werden in Bezug auf die Frage, ob die Schlechterstellung von zivildienst- pflichtigen Personen im Sinne einer Pflicht zur Wiederholung des vollstän- digen Einsatzes gestützt auf eine unselbst ständige Verordnungsnorm aus- reichend wäre. Diese Frage stellt sich im konkreten Fall jedoch nicht.