<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 94 S.433</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">433</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>94</b></span> <span class="ft3"><b>Anstellung bei der Fachhochschule Nordwestschweiz. Kündigung.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Vertragliche Streitigkeiten sind von der Beschwerdekommission der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Fachhochschule im Klageverfahren zu beurteilen; der Entscheid</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kann mittels Appellation an das Personalrekursgericht weitergezo-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen werden (Erw. I/2, 3). Diese Regelung gilt auch nach Inkrafttreten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>des Gesamtarbeitsvertrages (Erw. II/8).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Will der Arbeitgeber aufgrund eines mangelnden Vertrauensver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hältnisses kündigen, so hängt es vom Mass des Vertrauensverlustes</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ab, ob auf die Ansetzung einer Bewährungszeit verzichtet werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>darf oder nicht (Erw. II/4).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Kostenverlegung bei Streitigkeiten aus Anstellungen bei der Fach-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hochschule Nordwestschweiz (Erw. III).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Personalrekursgerichts vom 3. Juli 2008 in Sachen</span><br/> <span class="ft6">B. gegen Fachhochschule Nordwestschweiz (2-BE.2007.5).</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">I/2.</span><br/> <span class="ft8">2.1. Gemäss § 33 Abs. 3 Staatsvertrag FHNW gilt "für das Ver-</span><br/> <span class="ft8">fahren" das Recht des Kantons Aargau. Aufgrund der Systematik</span><br/> <span class="ft8">(vgl. insbesondere die Marginale "Beschwerdekommission") liesse</span><br/> <span class="ft8">sich argumentieren, die Bestimmung beziehe sich nur auf das Verfah-</span><br/> <span class="ft8">ren vor der Beschwerdekommission. Aus dem Gesamtzusammen-</span><br/> <span class="ft8">hang muss jedoch geschlossen werden, dass das aargauische Recht</span><br/> <span class="ft8">auch in Bezug auf das Verfahren vor dem Personalrekursgericht zur</span><br/> <span class="ft8">Anwendung kommt; es ist nicht einsehbar, welches Recht sonst rele-</span><br/> <span class="ft8">vant sein sollte.</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">434</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">2.2. Massgebend für das Verfahren bei personalrechtlichen</span><br/> <span class="ft8">Streitigkeiten im Kanton Aargau sind vorab das Personalgesetz und</span><br/> <span class="ft8">dessen Folgeerlasse. Danach sind alle Streitigkeiten zunächst der</span><br/> <span class="ft8">Schlichtungskommission vorzulegen, welche eine Empfehlung ab-</span><br/> <span class="ft8">gibt (§ 37 Abs. 2 PersG). Bei Streitigkeiten aus einem Vertragsver-</span><br/> <span class="ft8">hältnis kann in der Folge direkt Klage beim Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft8">erhoben werden (§ 39 PersG). Liegt der Streitigkeit eine Verfügung</span><br/> <span class="ft8">zugrunde, ist zunächst eine verwaltungsinterne (§ 38 PersG) und an-</span><br/> <span class="ft8">schliessend eine verwaltungsexterne Beschwerde ans Personalre-</span><br/> <span class="ft8">kursgericht (§ 40 PersG) möglich.</span><br/> <span class="ft8">Soweit das Personalgesetz keine abweichenden Bestimmungen</span><br/> <span class="ft8">vorsieht, sind für die Organisation und das Verfahren vor dem Perso-</span><br/> <span class="ft8">nalrekursgericht die für das Verwaltungsgericht geltenden Bestim-</span><br/> <span class="ft8">mungen anwendbar (§ 42 Abs. 2 PersG). Gemäss § 67 VRPG kom-</span><br/> <span class="ft8">men im verwaltungsgerichtlichen Klageverfahren die Bestimmungen</span><br/> <span class="ft8">der ZPO sinngemäss zur Anwendung, soweit §§ 60 - 66 VRPG keine</span><br/> <span class="ft8">anderslautende Vorschrift enthalten.</span><br/> <span class="ft8">2.3. Trotz des erwähnten Verweises in § 33 Abs. 3 Staatsvertrag</span><br/> <span class="ft8">FHNW lässt sich das aargauische Verfahrensrecht nicht tel quel auf</span><br/> <span class="ft8">personalrechtliche Streitigkeiten zwischen der Fachhochschule und</span><br/> <span class="ft8">ihren Mitarbeitenden anwenden. Insbesondere fehlt in Bezug auf die</span><br/> <span class="ft8">Fachhochschule eine Schlichtungskommission im Sinne von § 37</span><br/> <span class="ft8">PersG; § 33 Abs. 4 Staatsvertrag FHNW bestimmt ausdrücklich, dass</span><br/> <span class="ft8">die Beschwerdekommission "entscheidet" (und nicht bloss eine</span><br/> <span class="ft8">Empfehlung abgibt). Daraus folgt, dass es in Bezug auf die Fach-</span><br/> <span class="ft8">hochschule entgegen dem Rechtsmittelweg gemäss § 37 ff. PersG</span><br/> <span class="ft8">nicht nur bei Streitigkeiten aufgrund einer Verfügung, sondern auch</span><br/> <span class="ft8">bei Streitigkeiten aus einem Vertrag je eine erste und eine zweite In-</span><br/> <span class="ft8">stanz mit Entscheidkompetenz gibt. Demgegenüber fehlt in beiden</span><br/> <span class="ft8">Fällen eine lediglich vermittelnde bzw. auf den Erlass einer Empfeh-</span><br/> <span class="ft8">lung beschränkte Behörde (vgl. zusätzlich Erw. II/8 hiernach).</span><br/> <span class="ft8">2.4. Die Konstellation, wonach bei öffentlichrechtlichen Strei-</span><br/> <span class="ft8">tigkeiten ein Klageverfahren mit einer unteren und einer oberen In-</span><br/> <span class="ft8">stanz durchgeführt wird, ist nicht nur dem aargauischen Personal-</span><br/> <span class="ft8">recht, sondern generell der aargauischen Verwaltungsrechtspflege</span><br/> <span class="ft8">fremd. Eine diesbezügliche Regelung fehlt sowohl in § 37 ff. PersG</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">435</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">als auch in § 60 ff. VRPG. Gestützt auf die obigen Ausführungen</span><br/> <span class="ft8">gelangen folglich die Bestimmungen des Zivilrechtspflegegesetzes</span><br/> <span class="ft8">analog zur Anwendung. Dies betrifft vorab §§ 317 ff. ZPO: Fällt die</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdekommission auf eine Klage hin einen Entscheid und wird</span><br/> <span class="ft8">dieser an das Personalrekursgericht weitergezogen, so handelt es sich</span><br/> <span class="ft8">folglich um eine Appellation (im Gegensatz zur Beschwerde bei</span><br/> <span class="ft8">Streitigkeiten aus einer Verfügung).</span><br/> <span class="ft8">3.</span><br/> <span class="ft8">3.1. Grundsätzlich werden die Anstellungsbedingungen zwi-</span><br/> <span class="ft8">schen der Appellationsbeklagten und ihren Angestellten in einem</span><br/> <span class="ft8">öffentlich-rechtlichen Gesamtarbeitsvertrag festgelegt (§ 13 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">Staatsvertrag FHNW). Einigen sich die Parteien nicht rechtzeitig auf</span><br/> <span class="ft8">einen Gesamtarbeitsvertrag, erlässt der Fachhochschulrat provisori-</span><br/> <span class="ft8">sche Vorschriften für die Ausgestaltung der Arbeitsverträge (§ 13</span><br/> <span class="ft8">Abs. 3 Staatsvertrag FHNW). Übergangsrechtlich bestimmt § 34</span><br/> <span class="ft8">Abs. 8 Staatsvertrag FHNW Folgendes:</span><br/> <span class="ft10">"Ist die Ausfertigung neuer Arbeitsverträge für die Mitarbeitenden der</span><br/> <span class="ft10">FHNW bis zum Gründungstermin der FHNW nicht möglich, gelten die zu</span><br/> <span class="ft10">diesem Zeitpunkt bestehenden Arbeitsverträge (...) bis zu dem von den</span><br/> <span class="ft10">Regierungen gemeinsam festgelegten Termin weiter. Neu eintretende Mitar-</span><br/> <span class="ft10">beitende werden nach den bisher am Arbeitsort geltenden Bedingungen</span><br/> <span class="ft10">angestellt."</span><br/> <span class="ft8">Zum Anstellungsbeginn des Appellanten (1. Januar 2006) war</span><br/> <span class="ft8">weder der Gesamtarbeitsvertrag in Kraft (vgl. Ziffer 1.6 des Gesamt-</span><br/> <span class="ft8">arbeitsvertrags FHNW) noch lagen provisorische Vorschriften im</span><br/> <span class="ft8">Sinne von § 13 Abs. 3 Staatsvertrag FHNW vor. Massgebend für die</span><br/> <span class="ft8">materielle Beurteilung der umstrittenen Kündigung und damit auch</span><br/> <span class="ft8">für die Frage, ob in concreto eine Streitigkeit aus Verfügung oder</span><br/> <span class="ft8">eine Streitigkeit aus Vertrag vorliegt, ist folglich der Anstellungsver-</span><br/> <span class="ft8">trag zwischen der Appellationsbeklagten und dem Appellanten vom</span><br/> <span class="ft8">20. Dezember 2005. Der Anstellungsvertrag verweist zusätzlich auf</span><br/> <span class="ft8">das Personalgesetz und dessen Folgeerlasse.</span><br/> <span class="ft8">3.2. Der Anstellungsvertrag enthält keine Angaben darüber, ob</span><br/> <span class="ft8">die Kündigung eines Anstellungsverhältnisses durch die Appellati-</span><br/> <span class="ft8">onsbeklagte mittels Verfügung oder mittels vertraglicher Erklärung</span><br/> <span class="ft8">erfolgt. Aus § 48 PLV ergibt sich indessen, dass die Kündigung</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">436</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">durch die Anstellungsbehörde keine Verfügung, sondern eine ver-</span><br/> <span class="ft8">tragliche Erklärung darstellt. Die Lösung entspricht dem Grundsatz,</span><br/> <span class="ft8">dass durch Verfügung begründete Anstellungsverhältnisse mittels</span><br/> <span class="ft8">Verfügung, durch Vertrag begründete Anstellungsverhältnisse mittels</span><br/> <span class="ft8">vertraglicher Erklärung beendet werden (vgl. PRGE vom 25. Mai</span><br/> <span class="ft8">2007 in Sachen P.M., Erw. I/2.2; PRGE vom 2. März 2006 in Sachen</span><br/> <span class="ft8">P.E., Erw. I/3.1; PRGE vom 9. Dezember 2002 in Sachen B.H.,</span><br/> <span class="ft8">Erw. I/2/a/bb; je mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft8">3.3. Gestützt darauf, dass die umstrittene Kündigung vom</span><br/> <span class="ft8">13. Juli 2006 eine vertragliche Erklärung darstellt, ist die vorliegende</span><br/> <span class="ft8">Streitsache im Klageverfahren zu beurteilen. Das gegen den Ent-</span><br/> <span class="ft8">scheid der Beschwerdekommission vom 21. März 2007 erhobene</span><br/> <span class="ft8">Rechtsmittel bildet demzufolge eine Appellation (vgl. Erw. 2.3).</span><br/> <span class="ft8">II/4.</span><br/> <span class="ft8">4.1. Zur Begründung der umstrittenen Kündigung wurde im</span><br/> <span class="ft8">Weiteren ausgeführt, dass der Appellant "im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft8">Erarbeitung des Kommunikationskonzepts FHNW das Vertrauen als</span><br/> <span class="ft8">Kommunikationsverantwortlicher FHNW sowohl beim Fachhoch-</span><br/> <span class="ft8">schulrat, wie bei der Direktion und auch gegenüber dem Direk-</span><br/> <span class="ft8">tionspräsidenten leider verloren" habe.</span><br/> <span class="ft8">4.2. Ein mangelndes Vertrauensverhältnis kann einen sachlichen</span><br/> <span class="ft8">Kündigungsgrund darstellen, wenn die Motive für den geltend ge-</span><br/> <span class="ft8">machten Vertrauensverlust auch für Dritte objektiv nachvollziehbar</span><br/> <span class="ft8">sind (Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom</span><br/> <span class="ft8">21. März 2006, Erw. 5/c). Auch das Verwaltungsgericht des Kantons</span><br/> <span class="ft8">Zürichs geht davon aus, dass eine tiefgreifende Störung des Vertrau-</span><br/> <span class="ft8">ens einen hinreichenden Grund für eine Kündigung darstellt. Der</span><br/> <span class="ft8">Wunsch, sich von einem schwierigen Mitarbeiter zu trennen, kann</span><br/> <span class="ft8">ein sachlicher Grund für eine Kündigung sein (Entscheid des Verwal-</span><br/> <span class="ft8">tungsgerichts des Kantons Zürich [VGE ZH] vom 14. März 2001,</span><br/> <span class="ft8">PB.2000.00029, Erw.</span> <span class="ft8">8b/bb; VGE</span> <span class="ft8">ZH vom 28.</span> <span class="ft8">Februar 2001,</span><br/> <span class="ft8">PB.2000.00027, Erw. 7b). Der Vertrauensverlust muss jedoch durch</span><br/> <span class="ft8">Verhaltensweisen der entlassenen Person begründet sein, die ihn für</span><br/> <span class="ft8">Dritte als nachvollziehbar erscheinen lassen, weshalb er zu untersu-</span><br/> <span class="ft8">chen und zu gewichten ist (VPB 65.14, Erw. 5/b; VGE ZH vom</span><br/> <span class="ft8">14. März 2001, PB.2000.00029, Erw. 8/b). Vorbehalten bleiben stets</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">437</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">das Verbot des Rechtsmissbrauchs, der Grundsatz von Treu und</span><br/> <span class="ft8">Glauben und das Verhältnismässigkeitsprinzip. Insofern sind bei ei-</span><br/> <span class="ft8">ner Kündigung aufgrund von Konflikten zwischen Vorgesetzten und</span><br/> <span class="ft8">Untergebenen die Ursachen der Spannungen jedenfalls von Bedeu-</span><br/> <span class="ft8">tung (VGE ZH vom 6. Juli 2005, PB.2005.00013, Erw. 3.2; vgl. zum</span><br/> <span class="ft8">Ganzen: PRGE vom 28. April 2008 in Sachen R.B., Erw. II/4.2;</span><br/> <span class="ft8">PRGE vom 30. Mai 2008 in Sachen L.M., Erw. 4.1).</span><br/> <span class="ft8">4.3.</span><br/> <span class="ft8">4.3.1. Ein Vertrauensverlust beruht in der Regel auf unbefriedi-</span><br/> <span class="ft8">gendem Verhalten und/oder mangelhafter Leistung (als Beispiel für</span><br/> <span class="ft8">einen Ausnahmefall vgl. PRGE vom 28. April 2008 in Sachen R.B.).</span><br/> <span class="ft8">Fraglich mag erscheinen, ob die so hervorgerufene Störung des Ver-</span><br/> <span class="ft8">trauensverhältnisses unter § 10 Abs. 1 lit. c PersG zu subsumieren ist</span><br/> <span class="ft8">("Mängel in der Leistung oder im Verhalten") oder einen eigenständi-</span><br/> <span class="ft8">gen, in der beispielhaften Aufzählung von § 10 Abs. 1 lit. a - d PersG</span><br/> <span class="ft8">nicht ausdrücklich erwähnten Kündigungsgrund darstellt. Die Unter-</span><br/> <span class="ft8">scheidung erscheint insofern bedeutsam, als eine Kündigung gestützt</span><br/> <span class="ft8">auf § 10 Abs. 1 lit. c PersG nach dem ausdrücklichen Gesetzeswort-</span><br/> <span class="ft8">laut voraussetzt, dass sich die Mängel in der Leistung oder im Ver-</span><br/> <span class="ft8">halten trotz schriftlicher Mahnung während der angesetzten Bewäh-</span><br/> <span class="ft8">rungszeit fortsetzen. In Bezug auf alle anderen Kündigungsgründe</span><br/> <span class="ft8">(also insbesondere auch diejenigen, welche in § 10 Abs. 1 PersG</span><br/> <span class="ft8">nicht namentlich genannt sind) fehlt eine entsprechende explizite</span><br/> <span class="ft8">Vorschrift (vgl. hierzu sowie zur ganzen Erw. 4.3: PRGE vom</span><br/> <span class="ft8">30. Mai 2008 in Sachen L.M., Erw. 4.2 und 4.3).</span><br/> <span class="ft8">4.3.2. Wie gesehen (vgl. Erw. 2 in fine) ist beim Vorliegen sach-</span><br/> <span class="ft8">licher Kündigungsgründe stets zu prüfen, ob nicht auch mildere</span><br/> <span class="ft8">Massnahmen zum Ziel führen würden bzw. ob sich die Kündigung</span><br/> <span class="ft8">aufgrund einer Abwägung sämtlicher auf dem Spiel stehenden Anlie-</span><br/> <span class="ft8">gen rechtfertigen lässt. Selbst wenn - im Gegensatz zu § 10 Abs. 1</span><br/> <span class="ft8">lit. c PersG - die Ansetzung einer Bewährungsfrist nicht explizit</span><br/> <span class="ft8">vorgesehen ist, muss folglich ihre Anordnung im Sinne einer milde-</span><br/> <span class="ft8">ren Massnahme stets geprüft werden. Dies gilt - unabhängig von der</span><br/> <span class="ft8">konkreten Ursache - auch bei einer Störung des Vertrauensverhältnis-</span><br/> <span class="ft8">ses. Ist die Störung als leicht zu qualifizieren, dürfte sich regelmässig</span><br/> <span class="ft8">die Ansetzung einer Bewährungsfrist (oder einer anderen gegenüber</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">438</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">der Kündigung milderen Massnahme) aufdrängen; wiegt sie demge-</span><br/> <span class="ft8">genüber schwer, kann die Anstellungsbehörde kaum je dazu ver-</span><br/> <span class="ft8">pflichtet werden, vor der Kündigung eine Bewährungsfrist anzuset-</span><br/> <span class="ft8">zen.</span><br/> <span class="ft8">4.3.3. Umgekehrt erweist sich der Wortlaut von § 10 Abs. 1 lit. c</span><br/> <span class="ft8">PersG insofern als zu eng, als sich daraus ableiten lässt, dass bei</span><br/> <span class="ft8">Mängeln in der Leistung oder im Verhalten vor einer Kündigung</span><br/> <span class="ft8">stets eine Mahnung sowie die Ansetzung einer Bewährungszeit erfol-</span><br/> <span class="ft8">gen müssen. Tatsächlich sind Ausnahmefälle denkbar, bei welchen</span><br/> <span class="ft8">ein Fehlverhalten oder eine Fehlleistung derart gravierend ist, dass</span><br/> <span class="ft8">unabhängig von einer Mahnung und der Ansetzung einer Bewäh-</span><br/> <span class="ft8">rungsfrist das Vertrauensverhältnis als schwer gestört angesehen</span><br/> <span class="ft8">werden muss. Demzufolge ist es möglich, dass ein Fehlverhalten</span><br/> <span class="ft8">bzw. eine Fehlleistung ohne Mahnung und ohne Ansetzung einer</span><br/> <span class="ft8">Bewährungsfrist zu einer gerechtfertigten ordentlichen Kündigung</span><br/> <span class="ft8">(infolge Vertrauensverlust) führen kann (vgl. VGE</span> <span class="ft8">ZH vom</span><br/> <span class="ft8">21. Dezember 2005, PB.2005.00034, Erw. 5).</span><br/> <span class="ft8">4.3.4. Aus den dargestellten Überlegungen erhellt, dass letztlich</span><br/> <span class="ft8">offen bleiben kann, ob die durch ein bestimmtes Verhalten bzw. eine</span><br/> <span class="ft8">bestimmte Leistung eines Mitarbeiters bzw. einer Mitarbeiterin ver-</span><br/> <span class="ft8">ursachte Beeinträchtigung des Vertrauensverhältnisses als Kündi-</span><br/> <span class="ft8">gung gestützt auf § 10 Abs. 1 lit. c PersG oder als Kündigung "sui</span><br/> <span class="ft8">generis" (d.h. als Kündigung gemäss § 10 Abs. 1 Ingress PersG) zu</span><br/> <span class="ft8">verstehen ist. Letztlich hängt es vom Mass des Vertrauensverlustes</span><br/> <span class="ft8">ab, ob auf die Ansetzung einer Bewährungsfrist verzichtet werden</span><br/> <span class="ft8">darf oder nicht.</span><br/> <span class="ft8">Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass eine mangelhafte</span><br/> <span class="ft8">Leistung bzw. ein mangelhaftes Verhalten nicht leichthin in eine</span><br/> <span class="ft8">schwere Verletzung des Vertrauensverhältnisses umgedeutet werden</span><br/> <span class="ft8">darf. Ansonsten würde die besondere Schutzvorschrift von § 10</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 lit. c PersG - die Mahnung mit Ansetzung einer Bewährungs-</span><br/> <span class="ft8">frist - umgangen. Tatsächlich muss - für Dritte nachvollziehbar - für</span><br/> <span class="ft8">die Anstellungsbehörde die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer</span><br/> <span class="ft8">aufgrund des Vorgefallenen in seiner Funktion nicht mehr tragbar</span><br/> <span class="ft8">sein, damit ohne vorgängige mildere Massnahme direkt die Kündi-</span><br/> <span class="ft8">gung ausgesprochen werden darf (vgl. zum Ganzen VGE ZH vom</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">439</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">21. Dezember 2005, PB.2005.00034, Erw. 5.2). Bei der Prüfung, ob</span><br/> <span class="ft8">eine Bewährungsfrist angesetzt werden muss oder nicht, ist nament-</span><br/> <span class="ft8">lich auch darauf abzustellen, ob ein positives Verhalten in dieser Zeit</span><br/> <span class="ft8">überhaupt geeignet wäre, das Vertrauensverhältnis wieder ins Lot zu</span><br/> <span class="ft8">bringen.</span><br/> <span class="ft8">8.</span><br/> <span class="ft8">8.1. Im vorliegenden Fall ist der Gesamtarbeitsvertrag FHNW</span><br/> <span class="ft8">noch nicht anwendbar, da er erst per 1. Januar 2007 in Kraft trat. Im</span><br/> <span class="ft8">Hinblick auf künftige Rechtsmittelverfahren erscheint es indessen</span><br/> <span class="ft8">angezeigt, im Folgenden auf Ziffer 15.2 GAV FHNW einzugehen.</span><br/> <span class="ft8">Die Bestimmung lautet wie folgt:</span><br/> <span class="ft10">"Die Mitarbeitenden können für alle Entscheide der Arbeitgeberin eine</span><br/> <span class="ft10">beschwerdefähige Verfügung (mit Rechtsmittelbelehrung und Fristanset-</span><br/> <span class="ft10">zung gemäss den Bestimmungen des Kantons Aargau, ausgestellt durch die</span><br/> <span class="ft10">Direktorin, den Direktor und den/die Leiter/in Personal) verlangen, nach-</span><br/> <span class="ft10">dem sie das Ausspracherecht gemäss Ziffer 11.5 ausgeübt haben und auch</span><br/> <span class="ft10">der freiwillige Beizug der MOM [= Mitwirkungsorganisation Mitarbei-</span><br/> <span class="ft10">tende] oder von Vertreter/innen der vertragsschliessenden Personalverbände</span><br/> <span class="ft10">zu keiner Einigung geführt hat. Gegen diese Verfügung ist eine Beschwerde</span><br/> <span class="ft10">an die FHNW-Beschwerdekommission möglich (...)."</span><br/> <span class="ft8">8.2. Es ist umstritten, ob im Zusammenhang mit Dienstverhält-</span><br/> <span class="ft8">nissen, welche durch Vertrag begründet worden sind, dem Gemein-</span><br/> <span class="ft8">wesen die Kompetenz zukommt, eine Angelegenheit durch Verfü-</span><br/> <span class="ft8">gung zu regeln. Einerseits wird die Auffassung vertreten, dass auch</span><br/> <span class="ft8">dort, wo ein Rechtsverhältnis zulässigerweise durch öffentlichrecht-</span><br/> <span class="ft8">lichen Vertrag geregelt wurde, nicht ohne weiteres auf eine mangeln-</span><br/> <span class="ft8">de Verfügungsbefugnis geschlossen werden darf. Anderseits wird in</span><br/> <span class="ft8">einer solchen Verfügungsbefugnis ein Widerspruch zur Rechtsnatur</span><br/> <span class="ft8">des Vertrages als Mittel der einvernehmlichen Regelung von Rechts-</span><br/> <span class="ft8">beziehungen zwischen gleichgestellten Parteien gesehen (vgl. dazu</span><br/> <span class="ft8">und zum Folgenden: AGVE 2002, S. 585 ff., Erw. I/3/a mit Hinwei-</span><br/> <span class="ft8">sen).</span><br/> <span class="ft8">Soweit es um den Rechtsschutz geht, eröffnet bei Vertragsver-</span><br/> <span class="ft8">hältnissen die Klage das funktionsgerechtere Verfahren: Das Klage-</span><br/> <span class="ft8">verfahren stellt die Parteien entsprechend ihrer Stellung als gleichge-</span><br/> <span class="ft8">stellte Vertragspartner auf dieselbe Ebene; es verleiht anders als das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">440</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Anfechtungsverfahren dem Gemeinwesen nicht das Recht, seine</span><br/> <span class="ft8">Prozesssituation durch den Erlass einer Verfügung zu verbessern.</span><br/> <span class="ft8">Das Personalgesetz stellt neben der gerichtlichen Beschwerde (§ 40)</span><br/> <span class="ft8">ausdrücklich die gerichtliche Klage (§ 39) zur Verfügung. Aufgrund</span><br/> <span class="ft8">dieser Konzeption sowie der erwähnten dogmatischen Überlegungen</span><br/> <span class="ft8">erscheint es folgerichtig, bei Streitigkeiten aus vertraglichen An-</span><br/> <span class="ft8">stellungsverhältnissen grundsätzlich nur den Klageweg zuzulassen</span><br/> <span class="ft8">bzw. dem Gemeinwesen keine Verfügungskompetenz zuzugestehen.</span><br/> <span class="ft8">Der Klageweg würde seiner Funktion weitgehend beraubt, wenn ent-</span><br/> <span class="ft8">sprechende Streitigkeiten auch einseitig durch Verfügung entschie-</span><br/> <span class="ft8">den und so generell zum Gegenstand von Anfechtungsverfahren ge-</span><br/> <span class="ft8">macht werden könnten. Schliesslich ist wesentlich, dass die Gemein-</span><br/> <span class="ft8">wesen mit der Einführung der vertraglichen Begründung öffentlich-</span><br/> <span class="ft8">rechtlicher Dienstverhältnisse regelmässig die materiellrechtliche</span><br/> <span class="ft8">Flexibilisierung und Angleichung an das private Arbeitsrecht anstre-</span><br/> <span class="ft8">ben. In verfahrensmässiger Hinsicht bedeutet dies konsequenterwei-</span><br/> <span class="ft8">se, dass mit der Klage ein Verfahren zur Verfügung zu stellen ist, das</span><br/> <span class="ft8">den Parteien die Initiative zur Durchsetzung ihrer Ansprüche über-</span><br/> <span class="ft8">lässt und in weiten Teilen dem in privatrechtlichen Arbeitsstreitig-</span><br/> <span class="ft8">keiten zu beschreitenden Zivilprozess entspricht.</span><br/> <span class="ft8">Gestützt auf die dargestellten Erwägungen sind nach der Praxis</span><br/> <span class="ft8">des Personalrekursgerichts Streitigkeiten aus einem öffentlichrechtli-</span><br/> <span class="ft8">chen Anstellungsvertrag stets im Klageverfahren abzuwandeln. Eine</span><br/> <span class="ft8">Ausnahme besteht nur dort, wo der Anstellungsbehörde ausdrücklich</span><br/> <span class="ft8">eine Verfügungsbefugnis eingeräumt wird.</span><br/> <span class="ft8">8.3. § 13 Abs. 1 Staatsvertrag FHNW bestimmt, dass die Anstel-</span><br/> <span class="ft8">lungsverhältnisse mit den Mitarbeitenden der FHNW durch öffent-</span><br/> <span class="ft8">lich-rechtliche Verträge geregelt werden. Gemäss § 13 Abs. 2 Staats-</span><br/> <span class="ft8">vertrag FHNW werden die "Anstellungsbedingungen" in einem öf-</span><br/> <span class="ft8">fentlich-rechtlichen Gesamtarbeitsvertrag festgelegt. § 33 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">Staatsvertrag FHNW schreibt vor, dass bei allfälligen Streitigkeiten</span><br/> <span class="ft8">das Verfahrensrecht des Kantons Aargau gilt.</span><br/> <span class="ft8">Aus dem Staatsvertrag FHNW ergibt sich, dass der Inhalt des</span><br/> <span class="ft8">Gesamtarbeitsvertrages auf die Regelung der "Anstellungsbedingun-</span><br/> <span class="ft8">gen" beschränkt ist. Unter diesem Begriff ist die inhaltliche Ausge-</span><br/> <span class="ft8">staltung des Anstellungsverhältnisses zu verstehen, nicht aber das</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">441</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">Rechtsschutzverfahren bei allfälligen Streitigkeiten. Dies gilt umso</span><br/> <span class="ft8">mehr, als dieses Verfahren bereits im Staatsvertrag FHNW geregelt</span><br/> <span class="ft8">wird, indem er festlegt, dass die Anstellungen mittels öffentlich-</span><br/> <span class="ft8">rechtlichen Vertrags erfolgen und dass das aargauische Verfahrens-</span><br/> <span class="ft8">recht zur Anwendung kommt.</span><br/> <span class="ft8">Somit ergibt sich, dass Ziffer 15.2 des Gesamtarbeitsvertrags</span><br/> <span class="ft8">den Staatsvertrag FHNW verletzt, indem er bestimmt, dass bei allen</span><br/> <span class="ft8">Streitigkeiten eine beschwerdefähige Verfügung verlangt und an-</span><br/> <span class="ft8">schliessend der Beschwerdeweg beschritten werden könne. Zum ei-</span><br/> <span class="ft8">nen geht diese Regelung über den Begriff der "Anstellungsbedingun-</span><br/> <span class="ft8">gen" gemäss § 13 Abs. 2 Staatsvertrag FHNW hinaus. Zum andern</span><br/> <span class="ft8">wird durch den Staatsvertrag FHNW in Verbindung mit der Praxis</span><br/> <span class="ft8">des Personalrekursgerichts (vgl. Erw. 8.2 hiervor) bereits hinlänglich</span><br/> <span class="ft8">festgelegt, dass grundsätzlich stets das Klageverfahren (und nicht das</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeverfahren) anwendbar ist. Offen bleiben kann im vorlie-</span><br/> <span class="ft8">genden Zusammenhang, ob über den Verweis auf das aargauische</span><br/> <span class="ft8">Verfahrensrecht § 48 Abs. 1 PLV zur Anwendung gelangt und somit</span><br/> <span class="ft8">namentlich der Lohn mittels Verfügung festgesetzt werden kann.</span><br/> <span class="ft8">Eine Kündigung, wie sie in concreto umstritten ist, fällt jedenfalls</span><br/> <span class="ft8">nicht unter den Anwendungsbereich von § 48 Abs. 1 PLV.</span><br/> <span class="ft8">8.4. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Ziffer 15.2</span><br/> <span class="ft8">GAV FHNW nur insoweit anwendbar ist, als vor Anrufung der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdekommission ein FHNW-internes Einigungsverfahren durch-</span><br/> <span class="ft8">geführt wird; dieses endet jedoch (abgesehen allenfalls von den Fäl-</span><br/> <span class="ft8">len gemäss § 48 Abs. 1 PLV) nicht mittels Verfügung, sondern mit-</span><br/> <span class="ft8">tels einer vertraglichen Erklärung seitens des Direktors/der Direkto-</span><br/> <span class="ft8">rin und des Leiters/der Leiterin Personal. Dagegen kann Klage bei</span><br/> <span class="ft8">der Beschwerdekommission und anschliessend Appellation beim</span><br/> <span class="ft8">Personalrekursgericht erhoben werden (andere Meinung: Gabriella</span><br/> <span class="ft8">Matefi, Das Verfahren vor der Beschwerdekommission der Fach-</span><br/> <span class="ft8">hochschule Nordwestschweiz (FHNW), publiziert in: Michael Leu-</span><br/> <span class="ft8">pold/David Rüetschi/Demian Stauber/Meinrad Vetter [Hrsg.], Der</span><br/> <span class="ft8">Weg zum Recht [Festschrift Alfred Bühler], Zürich 2008, S. 301 ff.,</span><br/> <span class="ft8">Rz. 5.2).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Personalrekursgericht</span> <span class="page_no">442</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">III/1.</span><br/> <span class="ft8">1.1. Gestützt auf den Verweis in § 33 Abs. 3 Staatsvertrag</span><br/> <span class="ft8">FHNW kommen grundsätzlich auch in Bezug auf die Kostenverle-</span><br/> <span class="ft8">gung die Bestimmungen des aargauischen Rechts zur Anwendung.</span><br/> <span class="ft8">Fraglich ist, was dies konkret in Bezug auf das Verfahren vor der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdekommission bedeutet: Soll sie gleich behandelt werden wie</span><br/> <span class="ft8">die Schlichtungskommission nach § 37 PersG, obwohl diese nur</span><br/> <span class="ft8">Empfehlungen abgibt, oder sind allenfalls andere Kostenregelungen</span><br/> <span class="ft8">analog heranzuziehen?</span><br/> <span class="ft8">1.2. Im Kanton Aargau ist das Verwaltungsverfahren in erster</span><br/> <span class="ft8">Instanz unter Vorbehalt besonderer Bestimmungen unentgeltlich</span><br/> <span class="ft8">(§ 33 Abs. 1 VRPG). In den verwaltungsgerichtlichen Beschwerde-</span><br/> <span class="ft8">und Klageverfahren sind demgegenüber in der Regel dem Unterlie-</span><br/> <span class="ft8">genden die Kosten aufzuerlegen; obsiegt keine Partei vollständig,</span><br/> <span class="ft8">werden die Kosten verhältnismässig verteilt (§ 33 Abs. 2 VPRG bzgl.</span><br/> <span class="ft8">Beschwerdeverfahren; § 37 VRPG in Verbindung mit § 112 ZPO</span><br/> <span class="ft8">bzgl. Klageverfahren). Der Obsiegende hat Anspruch auf eine ange-</span><br/> <span class="ft8">messene Parteientschädigung (§ 36 VRPG bzgl. Beschwerdeverfah-</span><br/> <span class="ft8">ren; § 37 VRPG in Verbindung mit § 112 ZPO bzgl. Klageverfah-</span><br/> <span class="ft8">ren). Bei Personalstreitigkeiten auferlegt die Schlichtungskommis-</span><br/> <span class="ft8">sion als empfehlende Instanz weder Verfahrens- noch Parteikosten;</span><br/> <span class="ft8">im Übrigen gelten die erwähnten allgemeinen Bestimmungen (vgl.</span><br/> <span class="ft8">§ 41 PersG).</span><br/> <span class="ft8">Bei privatrechtlichen Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis</span><br/> <span class="ft8">dürfen bundesrechtlich bis zu einem Streitwert von Fr. 30'000.-- we-</span><br/> <span class="ft8">der Gebühren noch Auslagen des Gerichts auferlegt werden (Art. 343</span><br/> <span class="ft8">Abs. 3 OR). Demgegenüber ist nicht ausgeschlossen, dass der unter-</span><br/> <span class="ft8">liegenden Partei eine Prozessentschädigung an die Gegenpartei auf-</span><br/> <span class="ft8">erlegt wird. Diesbezüglich sind die kantonalen Regelungen und Prak-</span><br/> <span class="ft8">tiken sehr unterschiedlich (Ullin Streiff/Adrian von Kaenel, Der</span><br/> <span class="ft8">Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR, 6. Auflage,</span><br/> <span class="ft8">Zürich/Basel/Genf 2006, Art. 343 N 12). Im Kanton Aargau wird in</span><br/> <span class="ft8">Arbeitsrechtsstreitigkeiten bis zu einem Streitwert von Fr. 20'000.--</span><br/> <span class="ft8">nur bei mutwilliger Prozessführung eine Entschädigung zugespro-</span><br/> <span class="ft8">chen (§ 369 Abs. 1 ZPO).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Auflösung Anstellungsverhältnis</span> <span class="page_no">443</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">1.3. Vorab ist wesentlich, dass der Unterschied zwischen der Be-</span><br/> <span class="ft8">schwerdekommission gemäss Staatsvertrag FHNW und der Schlich-</span><br/> <span class="ft8">tungskommission gemäss aargauischem Personalrecht nicht überbe-</span><br/> <span class="ft8">wertet werden darf. Beide Kommissionen bilden je die erste Rechts-</span><br/> <span class="ft8">schutzinstanz. Zudem darf zwar die Schlichtungskommission keine</span><br/> <span class="ft8">Entscheide fällen, doch kommt ihrer Empfehlung faktisch ein gros-</span><br/> <span class="ft8">ses Gewicht zu. Beide Gründe sprechen dafür, die Beschwerdekom-</span><br/> <span class="ft8">mission in Bezug auf die Kostenfrage gleich zu behandeln wie die</span><br/> <span class="ft8">Schlichtungskommission und demzufolge weder Verfahrenskosten</span><br/> <span class="ft8">zu erheben noch Parteientschädigungen zuzusprechen. Für diese Lö-</span><br/> <span class="ft8">sung spricht auch, dass sich aus dem Staatsvertrag kein Anhaltspunkt</span><br/> <span class="ft8">dafür ergibt, dass die Vertragsparteien die allgemeinen Kosten-</span><br/> <span class="ft8">regelungen von § 33 ff. VRPG oder die nach Streitwert differenzierte</span><br/> <span class="ft8">Kostenregelung für zivilrechtliche Arbeitsstreitigkeiten hätten über-</span><br/> <span class="ft8">nehmen wollen.</span><br/> <span class="ft8">Zusammenfassend ergibt sich, dass es sich nicht beanstanden</span><br/> <span class="ft8">lässt, dass die Beschwerdekommission keine Verfahrenskosten erho-</span><br/> <span class="ft8">ben bzw. keine Parteientschädigungen zugesprochen hat. Auch in</span><br/> <span class="ft8">diesem Punkt besteht für das Personalrekursgericht kein Anlass kor-</span><br/> <span class="ft8">rigierend einzugreifen.</span><br/> <span class="ft8">2. In Bezug auf das Verfahren vor dem Personalrekursgericht</span><br/> <span class="ft8">lässt sich die Kostenregelung, welche für aargauische Personalstrei-</span><br/> <span class="ft8">tigkeiten gilt (vgl. Erw. 1.1 hiervor), gestützt auf den Verweis in § 33</span><br/> <span class="ft8">Abs. 3 Staatsvertrag FHNW ohne weiteres übernehmen. Gemäss</span><br/> <span class="ft8">§ 41 PersG in Verbindung mit § 37 VRPG kommen im Klageverfah-</span><br/> <span class="ft8">ren die entsprechenden Bestimmungen der Zivilprozessordnung zur</span><br/> <span class="ft8">Anwendung.</span><br/> <span class="ft8">(...).</span><br/> <span class="ft8">3. In Bezug auf künftige Klageverfahren ist wesentlich, dass das</span><br/> <span class="ft8">in Ziffer 15.2 GAV FHNW vorgesehene FHNW-interne Einigungs-</span><br/> <span class="ft8">verfahren nichts daran ändert, dass die Beschwerdekommission als</span><br/> <span class="ft8">erste Instanz entscheidet (vgl. Erw. II/8 hiervor) und sie demzufolge</span><br/> <span class="ft8">keine Verfahrenskosten auferlegen bzw. keine Partekostenentschä-</span><br/> <span class="ft8">digungen zusprechen darf (vgl. Erw. 1 hiervor; andere Meinung:</span><br/> <span class="ft8">Matefi, a.a.O., Rz. 15).</span><br/></div> </div> </body> </html>