<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 22 S.83</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">83</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>22 Privatentnahme.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Privatentnahme mittels entsprechender, unzweideutiger, der Steuer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>behörde klar bekannt gegebener Behandlung in der Buchhaltung.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 7. Dezember 2007 in</span><br/> <span class="ft5">Sachen Erben des S. gegen Steuerrekursgericht (WBE.2007.142). Zur Publi-</span><br/> <span class="ft5">kation vorgesehen in StE 2008.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.2./3.2.1. (S. betrieb im Rahmen einer Einzelfirma ein Archi-</span><br/> <span class="ft1">tekturbüro sowie gewerbsmässigen Liegenschaftenhandel.) Bis 1986</span><br/> <span class="ft1">stellte die Liegenschaft x klarerweise Geschäftsvermögen dar.</span><br/> <span class="ft1">S. nahm zwar alle Liegenschaften in seine Buchhaltung auf, doch</span><br/> <span class="ft1">wurden die Privatliegenschaften separat unter eigenem Titel aufge-</span><br/> <span class="ft1">führt und damit unmissverständlich als solche bezeichnet; für diese</span><br/> <span class="ft1">war im Gegensatz zu den Geschäftsliegenschaften kein Buch-, son-</span><br/> <span class="ft1">dern lediglich der Steuerwert angegeben. Die Liegenschaft x figu-</span><br/> <span class="ft1">rierte nicht unter den Privatliegenschaften. Für die Steuerbehörden</span><br/> <span class="ft1">erkennbare Indizien ausserhalb der buchhalterischen Behandlung, die</span><br/> <span class="ft1">für eine Qualifikation als Privatliegenschaft gesprochen hätten, fehl-</span><br/> <span class="ft1">ten, zumal S. ihnen nicht bekannt gegeben hatte, dass er seiner Ehe-</span><br/> <span class="ft1">frau die Nutzniessung an der Liegenschaft zugewendet hatte.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">84</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.2.2. Ab 1987 wurde die Buchhaltung durch T. erstellt. Damit</span><br/> <span class="ft1">verbunden waren Wechsel in der Darstellung. Unter den Aktiven und</span><br/> <span class="ft1">Passiven im Abschluss war die Liegenschaft x nicht mehr enthalten;</span><br/> <span class="ft1">im Liegenschaftsverzeichnis per Ende 1988 figurierte sie unter den</span><br/> <span class="ft1">"privaten Liegenschaften". Aufwand und Ertrag der Geschäftsliegen-</span><br/> <span class="ft1">schaften (ohne Käufe/Verkäufe) wurde im Geschäftsabschluss 1987</span><br/> <span class="ft1">als "ausserordentlicher Aufwand und Ertrag" ausgewiesen, Aufwand</span><br/> <span class="ft1">und Ertrag der Privatliegenschaften (übereinstimmend mit der Auf-</span><br/> <span class="ft1">listung im Liegenschaftsverzeichnis) dagegen unter "Liegenschafts-</span><br/> <span class="ft1">rechnung" (bzw. ab Geschäftsabschluss 1988 unter "private Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaften"), wobei deren Saldo zudem ausdrücklich die Bezeichnung</span><br/> <span class="ft1">"Liegenschaftsgewinn (Privat)" trug. Da mit der Privatentnahme kein</span><br/> <span class="ft1">Buchgewinn erzielt wurde, war in der Buchhaltung nur die Ausbu-</span><br/> <span class="ft1">chung aus dem Geschäftsvermögen, nicht aber ein dabei erzielter</span><br/> <span class="ft1">Kapitalgewinn auszuweisen (die Besteuerung eines Kapitalgewinns</span><br/> <span class="ft1">beruht ausschliesslich auf steuersystematischen Gründen). Somit ist</span><br/> <span class="ft1">festzuhalten, dass sich die buchhalterische Überführung der Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaft x ins Privatvermögen aus den eingereichten Unterlagen mit</span><br/> <span class="ft1">Klarheit ergab. Auch in der Steuererklärung wurde der Wechsel er-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich gemacht, indem der Ertragsüberschuss aus der "Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaftsrechnung" (die sich ausschliesslich auf die Privatliegenschaf-</span><br/> <span class="ft1">ten, einschliesslich Liegenschaft x, bezog) im Unterschied zu vorher</span><br/> <span class="ft1">neu unter Ziff. 8 (Einkünfte aus Liegenschaften) der Steuererklärung</span><br/> <span class="ft1">deklariert wurde.</span><br/> <span class="ft1">Bei der Vorbereitung der Veranlagung prüfte das Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">steueramt erkennbar ("Häkchen", Notizen, Korrekturen) aufgrund</span><br/> <span class="ft1">des Liegenschaftsverzeichnisses die Zu- und Abgänge bei den Lie-</span><br/> <span class="ft1">genschaften sowie deren Steuerwerte; ebenso wurden auf dem Steu-</span><br/> <span class="ft1">ererklärungsformular die einzelnen Positionen der Einkünfte über-</span><br/> <span class="ft1">prüft. Formelle Korrespondenz im Rahmen des Veranlagungsverfah-</span><br/> <span class="ft1">rens ist aus den Akten nicht ersichtlich (was die Behauptung der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer, der neue Buchhalter habe damals die Umbuchung</span><br/> <span class="ft1">ins Privatvermögen mit dem Vorsteher des Gemeindesteueramtes be-</span><br/> <span class="ft1">sprochen, durchaus glaubhaft erscheinen lässt, denn anders wären</span><br/> <span class="ft1">diese erheblichen Änderungen wohl nicht ohne Rückfrage durchge-</span><br/> <span class="ft1">gangen). Es muss daher offen bleiben, aus welchen Gründen der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">85</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Frage, ob sich bei der Privatentnahme der Liegenschaft x ein steuer-</span><br/> <span class="ft1">barer Kapitalgewinn ergeben habe, anscheinend nicht weiter nachge-</span><br/> <span class="ft1">gangen wurde, und mit welcher Überlegung die geänderte Darstel-</span><br/> <span class="ft1">lung der Einkünfte für richtig befunden wurde. Naheliegend ist die</span><br/> <span class="ft1">Annahme, dass die Qualifikation der Liegenschaft x als richtig - oder</span><br/> <span class="ft1">zumindest vertretbar - erachtet wurde, ohne dass die sich auf-</span><br/> <span class="ft1">drängende Konsequenz (Erfassung des Überführungsgewinns [Diffe-</span><br/> <span class="ft1">renz zwischen Verkehrs- und Buchwert] als steuerbares Einkommen)</span><br/> <span class="ft1">erkannt worden wäre.</span><br/> <span class="ft1">Wirtschaftlich lag die Qualifikation als Privatvermögen nahe.</span><br/> <span class="ft1">Die schon 1978 erfolgte Einräumung der lebenslänglichen Nutz-</span><br/> <span class="ft1">niessung zugunsten der Ehefrau machte die Liegenschaft zum Ver-</span><br/> <span class="ft1">kauf unattraktiv und als Anlagevermögen ungeeignet.</span><br/> <span class="ft1">Im jetzigen Einspracheentscheid der Steuerkommission wird</span><br/> <span class="ft1">angedeutet, mit dem Wechsel in der Buchführung sei eine übermässi-</span><br/> <span class="ft1">ge Verschiebung von Liegenschaften ins Privatvermögen einherge-</span><br/> <span class="ft1">gangen. Inwiefern dies relevant sein soll, ist nicht recht ersichtlich.</span><br/> <span class="ft1">Wenn die Steuerkommission die Qualifikation als Geschäftsvermö-</span><br/> <span class="ft1">gen für (weiterhin) zutreffend erachtete, hatte sie die Möglichkeit ei-</span><br/> <span class="ft1">ner entsprechenden Feststellungsverfügung, und andernfalls konnte</span><br/> <span class="ft1">sie an eine Überführung ins Privatvermögen die vorgesehenen steu-</span><br/> <span class="ft1">erlichen Folgen knüpfen.</span><br/> <span class="ft1">3.2.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass 1987 buchhalte-</span><br/> <span class="ft1">risch die Überführung ins Privatvermögen erfolgte, dass S. dies der</span><br/> <span class="ft1">Steuerbehörde klar und unzweideutig bekannt gab, ohne etwas We-</span><br/> <span class="ft1">sentliches zu verschweigen oder zu vertuschen (was beispielsweise</span><br/> <span class="ft1">dann der Fall wäre, wenn buchhalterisch ein Kapitalgewinn hätte</span><br/> <span class="ft1">ausgewiesen werden müssen und dies unterblieben wäre). Die Steu-</span><br/> <span class="ft1">erkommission wäre damals in der Lage und damit auch gehalten ge-</span><br/> <span class="ft1">wesen, den sich aus diesem Sachverhalt ergebenden steuerlichen Ka-</span><br/> <span class="ft1">pitalgewinn zu veranlagen.</span><br/> <span class="ft1">4. Daraus folgt, dass die am 24. März 1998 erfolgte Schenkung</span><br/> <span class="ft1">der Liegenschaft x von S. an seine Ehefrau Privatvermögen betraf</span><br/> <span class="ft1">und deshalb einkommenssteuerrechtlich keine Auswirkungen zei-</span><br/> <span class="ft1">tigte.</span><br/></div> </div> </body> </html>