KGE (Kassationsbehörde) vom 26. November 2008 i.S. X. c. Y. (Nichtigkeits- klage) Nichtigkeitsklage : Rechtsmittelfrist (Art. 227 ZPO); Begründungs- und Substan- ziierungspflicht (Art. 228 Abs. 3 und Art. 229 Abs. 2 ZPO) – Nichtigkeitsklagen gegen Entscheide über Eheschutzmassnahmen oder unent- geltlichen Rechtsbeistand sind innert 10 Tagen einzureichen (E. 1). – Auch im Fall einer Verbindung zweier Nichtigkeitsklagen genügt es nicht, zur Begründung der einen Nichtigkeitsklage auf die andere Rechtsschrift zu verwei- sen (E. 2). Pourvoi en nullité : délai de recours (art. 227 CPC); devoir d’alléguer et de moti- ver (art. 228 al. 3 et 229 al. 2 CPC) – Les pourvois en nullité contre les décisions de mesures de protection de l’union conjugale ou d’assistance judiciaire doivent être déposés dans les 10 jours (consid. 1). – Même en cas de connexité entre deux pourvois en nullité, il ne suffit pas, à titre de motivation de l’un des pourvois, de renvoyer à l’autre écriture de recours (consid. 2). 138 RVJ / ZWR 2009RVJ / ZWR 2009 139 Aus den Erwägungen 1. Entscheide des Bezirksrichters über Eheschutzmassnahmen sind mit Nichtigkeitsklage beim Kantonsgericht innert 10 Tagen anfecht- bar (Art. 294 i.V .m. Art. 23 Abs. 3 ZPO; ZWR 2005 S. 127). Desgleichen verhält es sich mit Entscheide des Bezirksrichters betreffend unentgelt- lichen Rechtsbeistand (Art. 226 Abs. 2 lit. a ZPO i.V .m. Art. 12 Abs. 2 Satz 1 VGAR, Art. 23 Abs. 3, Art. 227 Abs. 2 ZPO; ZWR 2001 S. 179 E. 1a, 1999 S. 254 E. 1a/aa; vgl. auch Gapany, Assistance judiciaire et administrative dans le canton du Valais, in: ZWR 2000 S. 140). Antragsgemäss werden die beiden Nichtigkeitsklagen verbunden, da es bei beiden um das Ein- kommen und den Bedarf des Nichtigkeitsklägers geht. Ist das Kantons- gericht die Kassationsbehörde, kann gemäss Art. 227bis ZPO (in Kraft seit 1. Juli 2007) ein Einzelrichter in der Sache entscheiden. 2. a) Gemäss Art. 228 Abs. 1 ZPO (in der Fassung vom 1. Januar 2007; vgl. Art. VI Abs. 3 des Dekrets betreffend die Änderung der kan- tonalen Gesetzgebung im Zivilverfahren zur Anpassung an das Bundes- gesetz über das Bundesgericht) hat die Kassationsbehörde volle Kognitionsbefugnis, wenn die Verletzung eines verfahrensrechtlichen Grundsatzes, d.h. nach der Praxis des Kantonsgerichts des kantonalen Zivilprozessrechts im weiteren Sinne (ZWR 2004 S. 133) gerügt wird und in anderen vom Gesetz vorgesehenen Fällen. Art. 12 Abs. 2 Satz 2 VGAR sieht nun vor, dass bei Nichtigkeitsklagen über den unentgeltli- chen Rechtsbeistand das Kantonsgericht über volle Kognitionsbefug- nis verfügt. Diese Regel bezieht sich nicht nur auf die Rechtsanwen- dung, sondern auch auf die Feststellung des Sachverhalts. Da die Nich- tigkeitsklage indessen kassatorischen und nicht appellatorischen Cha- rakter hat (vgl. Art. 234 Abs. 1 Satz 1 und 3 ZPO), prüft das Kantonsge- richt nur die in der Nichtigkeitsklage vorgebrachten Rügen (ZWR 2001 S. 179 E. 1b, 1995 S. 111 E. 2, 1993 S. 247 E. 1b, 1992 S. 221 E. 1b), die nach Art. 228 Abs. 3 ZPO - ungeachtet der Kognitionsbefugnis - hinrei- chend substanziiert werden müssen. b) Die Nichtigkeitsklage betreffend den unentgeltlichen Rechtsbei- stand erfüllt diese Anforderungen nicht. Auch im Fall einer Verbindung zweier Nichtigkeitsklagen genügt es nicht, zur Begründung der einen Nichtigkeitsklage auf die andere Rechtsschrift zu verweisen, umso weniger bei unterschiedlicher Kognitionsbefugnis, was der Nichtig- keitskläger, der sich auch hier auf Willkür beruft, offensichtlich über- sieht. Substanziierte Rügen fehlen, weshalb auf diese Nichtigkeitsklage nicht einzutreten ist.