. B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1367/2008 U r t e i l v o m 1 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Tu-Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), Kosovo, vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. Januar 2008 / N (…). E-1367/2008 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin – eine zum Zeitpunkt der Ausreise serbische Staatsangehörige albanischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ (Kosovo) – hat eigenen Angaben zufolge ihren Heimatstaat am 1. Januar 2008 verlassen und reiste mit einem Schlepper über ihr unbekannte Lä n- der mit einem Kombi am 3. Januar 2008 in die Schweiz ein . Gleichentags reichte sie beim Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch ein, wo sie am 7. Januar 2008 zu ihrer Person und summa- risch zu ihren Ausreisegründen befragt bzw. am 21. Januar 2008 einläss- lich zu ihren Asylgründen angehört wurde. A.b Ihr Asylgesuch begr ündete sie im Wesentlichen wie f olgt: Sie habe sich von (…) bis Ende (…) mit ihrer Famil ie als Asylsuchende in D._______ aufgehalten. Ihre Eltern hätten sich nach der Rückkehr in den Kosovo scheiden lassen, und sie habe seither keinen Kontakt mehr zu ihnen. Ihr Vater lebe irgendwo in Europa, ihre zwei Brüder in E._______ und i hre Mutter in F._______. Dank der finanziellen Unterstützung ihrer Grossmutter väterlicherseits, welche vor zwei Jahren gestorben sei, habe sie von (…) bis 15. Februar (…) an der Universität in F._______ (Fächer) studieren können. Im Sommer (…) habe sie in D._______ während dreier Monate (Juli bis September) einen Ferienjob gehabt. Nach ihrer Rückkehr habe sie ihr Onkel väterlicherseits, bei dem sie seit dem Tod ihrer Gros s- mutter gelebt habe, mit dem Einverständnis ihres Vaters zwangsweise mit einem Mann (G._______) aus B._______ verheiraten wollen. Dieser h a- be sich das Recht genommen, sie zu malträtieren und zu erniedrigen. Ende Oktober (…) – beim vierten Treffen – habe er sie unter dem Vo r- wand, er wolle sie seiner Familie vorstellen, zu sich nach Hause gelockt, wo er sie dann vergewaltigt habe. Da die Beschwerdeführerin Jungfrau gewesen sei, habe diese Tat sie vollkommen zerstört. Sie sei in der Folge von Ende Oktober bis Ende Dezember bis zu zwei Mal pro Woche von G._______ vergewaltigt worden, habe in der Folge mas siv an Gewicht verloren und habe immer noch Alpträume davon. Sie habe sich nicht ge t- raut, bei der Polizei Anzeige zu erstatten, sondern habe nur noch daran gedacht, irgendwie von G._______ wegzukommen. Ihre Familie habe ihr zu verstehen gegeben, dass sie v on ihnen keine Hilfe zu erwarten habe, da G._______ ihr zukünftiger Mann sei, und sie sich deshalb nicht zu be- klagen habe . Niemand von ihrer Familie habe sie unterstützen wollen . Insbesondere ihr Onkel väterlicherseits habe sie mit der im Sommer (…) geplanten Hochzeit loswerden wollen. Als er gefürchtet habe, sie könne vorher fliehen, habe er ihren Pass gestohlen. Einzig einer Freundin habe E-1367/2008 Seite 3 sie sich anvertrauen können. Diese ha be ihr dann die Hälfte des Geldes für die Flucht besorgt – die andere Hälfte habe sie mit ihren Ersparnissen gezahlt – und die ganze Reise organisiert. B. B.a Das BFM stellte mit Verfügung vom 31. Januar 2008 (Eröffnungsda- tum gleichentags) fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingse i- genschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig wurde der Kanton Zürich mit dem Vol l- zug der Wegweisung beauftragt. B.b Zur Begründung seines Entscheides führte das Bundesamt im We- sentlichen aus, die Aussagen der Beschwerdeführerin seien insgesamt unsubtantiiert, undetail liert, realitätsfremd und teilweise widersprüchlich gewesen, weshalb der Beschwerdeführerin nicht geglaubt werden könne, das Vorgebrachte selbst und in der geschilderten Art erlebt zu haben. Ihre Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Auf die ausführliche Begründung wird, soweit entschei d- wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. C. Die Beschwerdeführerin liess gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom 29. Februar 2008 (Poststempel) durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde erheben und beantr agen, der vorinstanzliche Entscheid vom 31. Januar 2008 sei aufzuheben und es sei ihr Asyl zu gewähren oder jedenfalls die Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Evenutualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs fes tzustellen, und die vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. In verf ahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Verzicht auf die Erhebung des Kostenvorschusses und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersucht. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen einge- gangen. D. Mit Verfügung vom 7. März 2008 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wu r- de die Beschwerdeführerin eingeladen, ein ärztliches Zeugnis sowie eine ärztliche Entbindungserklärung von der Schweigepflicht einzureichen. E-1367/2008 Seite 4 E. Die behandelnde Ärztin reichte am 19. April 2008 beim Bundesverwa l- tungsgericht einen ärztlichen Bericht vom 18. April 2008 die Beschwerde- führerin betreffend ein. Danach stehe sie seit dem 6. Februar 2008 bei ihr in regelmässiger hausärztlicher und psychiatrischer Behandlung. Sie di- agnostizierte aufgrund der geschilderten Ereignisse, der nach der Verge- waltigung erstmals aufgetreten en Beschwerden und der von ihr beob- achtbaren Sy mptome klar eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Ferner wurde darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin eine intensive psychotherapeutische Betreuung durch eine in Ps y- chotraumatologie erfahrene Psychotherapeutin benötige. Die voraussicht- liche Therapiedauer werde auf 1 bis 2 Jahre geschätzt. Ohne fachther a- peutische Behandlung sei die Gefahr einer Chronifizierung der schweren Beeinträchtigung mit immer wieder auftretender Suizidalität gross. F. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juni 2008 führte die Vorinstanz aus , dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Stand punktes rechtferti- gen könnten; sie würde aber trotzdem – insbesondere die neu auf B e- schwerdeebene geltend gemachten psychischen Probleme der B e- schwerdeführerin betreffend – zu einigen B emerkungen Anlass ge ben. Auf diese wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eing e- gangen. G. Dazu nahm die Beschwerdeführerin mit Einreichung der Replik vom 30. Juni 2008 Stellung. Auf die entsprechenden Ausführungen wird, s o- weit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. H. Das Bundesverwaltungsgericht forderte die Beschwerdeführerin mit Ve r- fügung vom 17. August 2012 auf, bis zum 31. August 2012 ihre Fürsorge- abhängigkeit – soweit noch vorhanden – mittels geeigneter Urkunden zu belegen, ansonsten davon ausgegangen werde, dass sie nicht mehr b e- dürftig sei. Die Beschwerdeführerin reichte keinen entsprechenden Beleg ein. E-1367/2008 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgeric ht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des A sylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flü chtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder E-1367/2008 Seite 6 begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte ode r ver- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbring en des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richti g- keit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwi e- gen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [ehemaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5a). Eine wesentliche Vor- aussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist e i- ne die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkom m- nisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Ver- folgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilde- rung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanti- iertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sac h- verhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vo r- bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte w e- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachve r- haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.3). E-1367/2008 Seite 7 4. 4.1 Die Vorinstanz begründete die Unglaubhaftigkeit de r letztlich fluch t- auslösenden Ereignisse – die vom Onkel der Beschwerdeführerin mit Einverständnis ihres Vaters vorgesehene Zwangsheirat mit G._______, die über zwei Monate dauernden sexuellen Übergriffe durch G._______ bzw. das diesbezügliche Abseitsstehen ihrer gesamten Familie – vorab damit, dass die Schilderungen der Beschwerdeführerin durchwegs ko n- struiert und stereotyp wirkten. Ihren Äusserungen mangle es zudem in vieler Hinsicht an Sub stanz und Logik. So sei das Vorbringen, sie sei zwei Monate lang mit G._______ in sein Haus mitgegangen (A12/19 S. 9), wo er sie jedes Ma l vergewaltigt haben soll , nicht nachvollziehbar. Es könne ihr insbesondere nicht g e- glaubt werden, dass sie in diesen zwei Monaten keinerlei Anstreng ungen unternommen habe, sich den Übergriffen von G._______ zu entziehen (vgl. A12/19 S. 9). Die Beschwerdeführerin könne ihr Verhalten auch nicht begreiflich begründen. Ihre pauschale Erklärung, sie habe nichts dagegen unternehmen können, um sich vor den s exuellen Übergriffen von G._______ zu schützen (A12/19 S. 11), sei wenig überzeugend, zumal es sich bei ihr um eine gebildete, junge Frau mit Studienabschluss und Au s- landserfahrung handle, und sie über eine gewisse Eigenständigkeit und ein gutes Bildungsni veau verfüge. Schon allein vor diesem Hintergrund sei es realitätsfremd, dass sie sich über mehrere Monate widerstandslos den sexuellen Übergriffen seitens G._______ ausgesetzt haben solle. Die Beschwerdeführerin habe das vollständige Unterlassen von Vorkehrun- gen, diesen Übergriffen vorzubeugen bzw. diese anzuzeigen, indes ledig- lich pauschal erklären können; so z.B., dass sie daran gedacht habe, eine Anzeige zu erstatten, aber nicht gehofft habe, dass es etwas bringen würde (A12/19 S. 12) bzw., dass si e sich nicht getraut habe, G._______ anzuzeigen (A1/10 S. 5). Diese Aussagen seien zu wenig substanziiert und würden ihr realitätsfremdes Verhalten nicht zu begründen vermögen. Dass sie lediglich mit einer Freundin über die geltend gemachten Vo r- kommnisse gesprochen haben wolle, und als Lösung ihres Problems nur die Ausreise "in Betracht gekommen sei " (A12/19 S. 12) , sei nicht ve r- ständlich. Diese Feststellungen würden darauf hindeuten, dass die B e- schwerdeführerin sich nicht in der geltend gemachten Zwangslag e befun- den habe. Überdies sei es für eine , in einem traditionellen Umfeld lebe n- de Frau nicht denkbar, mit einem Mann ohne Begleitung von Familiena n- gehörigen auszugehen oder mit ihm alleine nach Hause zu gehen. Die Tradition lasse nämlich keine andere Form der Beziehung zu als die Ehe. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe keine andere Wahl E-1367/2008 Seite 8 gehabt, als G._______ zu treffen und mit ihm mitzugehen (A12/19 S. 7), stehe im Widerspruch zu den dort herrschenden traditionellen Gepfl o- genheiten und sei vor diesem Hintergrund nicht haltbar. Dass der Onkel nichts zu ihrem Schutz unternommen und die Vergewaltigung durch G._______ sogar geduldet haben soll, sei vor dem kulturellem Hinte r- grund, aus dem die Beschwerdeführerin stamme, ebenso wenig vorstel l- bar. Sexuelle Gewalt gegenüber einem weiblichen Familienmitglied werde immer mit der Ehre des für sie zuständigen Mannes (Ehemann, Vater, andere männliche Verwandte) in Verbindung gebracht. Da die Beschwe r- deführerin unter der Obhut ihres Onkels gestanden sei, habe er ihr auch Schutz geschuldet. Ein sexueller Übergriff hätte die denkbar schwerste Verletzung der Ehre des Onkels bedeutet und auch eine Reaktion von ihm gefordert. Dass ihr Onkel lediglich gesagt haben solle, dass sie eine Frau sei, als sie ihm von den Ve rgewaltigungen erzählt habe (A12/19 S. 10), sei unter diesem Gesichtspunkt kaum denkbar. Ferner vermöge die Beschwerdeführerin die angeblich erlittenen Verg e- waltigungen nicht überzeugend zu schildern. Ihre diesbezüglichen Au s- sagen würden trotz mehrmaligen Nachfragens lediglich stereotyp bleiben. Ihre Antworten würden durchgängig berichthafte und triviale Aussagen wie beispielsweise, dass sie Schmerzen geh abt und geweint habe, oder dass G._______ sich dabei gut gefühlt habe, sich dann angezogen und sie nach Hause gebracht habe, beinhalten. Ihre Aussagen seien durc h- wegs flach und monoton, und individuelle Einzelheiten, wie sie jedem e r- lebten Vorgang eigen seien, würden gänzlich fehlen. Im Übrigen seien ihre Ausführungen zu ihren familiären Verhältnissen zum Teil widersprechend und unsubstanziiert. So gebe sie beispielsweise anlässlich der Kurzbefragung zu Protokoll, ihre Mutter würde in F._______ und ihr Vater würde irgendwo in Europa leben, sie wi sse nicht wo (A1/10 S. 3 und 4). In der Anhörung habe sie fern er angegeben, sie habe ihrer Mutter die Vergewaltigung nicht anvertrauen können, da sie mit dieser seit der Scheidung ihrer Eltern vor sechs Jahren keinen Ko n- takt mehr habe. Sie wisse auch nicht, ob die Mutter tatsächlich in F._______ lebe (A1/10 S.10 und 11). Im Widerspruch zu diesen Auss a- gen enthalte die von der Beschwerdeführerin mitgeführte Agenda die Te- lefonnummern ihrer Eltern. Auf Vorhalt hin habe sich die Beschwerdefü h- rerin versucht herauszureden und behauptet, ihre Mutter würde den H ö- rer auflegen, wenn die Beschwerdeführerin sie anrufe (A12/19 S. 15). Dass sie nicht habe wissen wollen, wo ihr Vater lebe, sei ebenfalls nicht glaubhaft. Die Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe niemanden ge-E-1367/2008 Seite 9 habt, an den sie sich hätte wenden können, sei angesichts d er zahlrei- chen in der Agenda aufgeführten Telefonnummern von Verwandten und Bekannten höchst zweifelhaft (A12/19 S. 15 bis 17). Schliesslich seien auch die Ausführungen zu ihrer geltend gemachten Ausreise – wonach sie über ihr unbekannte Länder, ohne jemal s kontrolliert worden zu sein, in die Schweiz gelangt sei – äusserst vage und wenig glaubhaft (A1/10 S. 6 und 7; A12/19 S. 14 und 15). Es sei deshalb dahingestellt, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich im September (…) von D._______ aus in ihren Heimatstaat zurückgereist sei. 4.2 Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene mit Hinweis auf eine entsprechende Analyse der Schweizerischen Flücht- lingshilfe (SFH) geltend, die Position der Frau sei im Kosovo nach Traditi- on niedriger als diejenige de s Mannes. Sie gehöre lebenslang der He r- kunftsfamilie und die Entscheidungsgewalt liege im Allgemeinen bei den Männern. Selbst erwerbstätige und als emanzipiert geltende Frauen wü r- den zu Hause die Rollenverteilung und die traditionellen Verhaltensregeln für die weiblichen Familienmitglieder einhalten. Ledige, junge Frauen könnten sich kaum vor drohender Gewalt schützen. Insbe sondere (aber nicht nur) Frauen aus ländlichen Regionen würden sich davor scheuen, erlittene Gewalt anzuzeigen. Die Frauen hätten Angst davor, alle ihre Rechte zu verlieren und keinen Ort mehr zu haben, wo sie schliesslich hingehen könnten. Bei sexueller Gewalt müsste n sich Frauen oft alleine bei der Polizei oder vor Gericht behaupten und sähen sich Druckvers u- chen oder Drohungen seitens des Täters oder seiner Familie ausgesetzt (vgl. RAINER MATTERN, Kosovo – Bedeutung der Tradition im heutigen Kosovo, SFH, Bern, 24. November 2004 , S. 6 und 14 ). Die Beschwerde- führerin habe folglich keine Chance gehabt, sich gegen ihre n Onkel und Vater durchzusetzen. Sie habe anlässlich der Anhörung klar ausgesagt, dass sie sich diesbezüglich nicht habe weigern können. Der von ihrer Familie ausgesuchte G._______ sei sehr traditionell gewesen und habe sie als seinen Besitz betrachtet. Wi e oben beschrieben, sei es für eine junge, alleinstehende Frau im Kosovo, auch wenn sie gut ausgebildet sei, kaum möglich, sich gegen Befehle oder Vorhaben von männlichen Fam i- lienmitgliedern zu wehren. Für den Onkel sei es klar gewesen, dass die Beschwerdeführerin G._______ heiraten werde; es sei nun im Kosovo kaum vorstellbar, dass eine junge Frau den für sie vorgesehenen Verlo b- ten wegen sexueller Gewalt bei der Polizei anzeige. Dem vorinstanzl i- chen Vorhalt – es sei eigenartig, dass sie G._______ jeweils habe allein treffen können, da dies gegen die Traditionen verstosse – hielt sie entge- gen, dass die baldige Heirat der beiden jungen Leute für den Onkel und E-1367/2008 Seite 10 für die Familie von G._______ eine beschlossene Sache gewesen sei. Beim ersten Treffen sei der Onkel dabei gewesen. Danach seien die Be i- den in den Augen der Familien verlobt gewesen. Der Onkel habe sie lo s- werden wollen und sei deshalb überhaupt nicht an ihren Problemen int e- ressiert gewesen. Er sei froh gewesen, einen jungen Mann gefunden zu haben, der sei ne Nichte habe heiraten wollen. Aufgrund dieses Hinte r- grundes habe die Beschwerdeführerin keine Hilfe von ihrer Familie erwar- ten können. G._______ sei nicht als ein Aussenstehender, sondern als der zukünftige Ehemann der Beschwerdeführerin betrachtet worden. Die sexuelle Gewalt, die sie durch G._______ erlitten habe, sei für die B e- schwerdeführerin traumatisierend gewesen. Sie habe sich völlig hilflos gefühlt. Trotz der vielen Telefonnummern in ihrer Agenda habe sie mit Ausnahme ihrer engsten Freundin, welche ihr zur Flucht verholfen habe, niemandem vertrauen können. Ferner sei es für die Beschwerdeführerin äusserst schwierig, Hilfe von staatlicher Seite zu erhalten. Sie habe als junge Frau ohne die Einwilligung der männlichen Verwandten keine Mög- lichkeit gehabt in die Stadt zu ziehen, um sich der Heirat mit G._______ zu entziehen. Weil die Heirat beschlossene Sache gewesen sei, hätte aufgrund des traditionellen Umfeldes eine Anzeige bei der Polizei wegen sexueller Gewalt durch ihren zukünftigen Ehemann n ichts gebracht. Die häusliche Gewalt im Kosovo habe markant zugenommen und stelle ein gewaltiges Problem dar, denn sie werde als familieninterne Angelegenheit wahrgenommen. Auch wenn die Familie der Beschwerdeführerin von den sexuellen Übergriffen erfahren hätte, wäre sie wohl nur gezwungen wo r- den, G._______ so schnell wie möglich zu heiraten. 4.3 Dem hielt die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 10. Juni 2008 entgegen, die Beschwerdeführerin stütze sich in ihrer Argumentation zu einem grossen Teil auf die im Kosovo herrschende Tradition ab. Ang e- sichts der fehlenden Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen könne sie aber da r- aus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Gerade vor dem geltend gemac h- ten traditionellen Hintergrund sei das dargestellte Verhalten des Onkels der Beschwerdeführerin nicht denkbar. Für den Onkel hätte es nämlich eine grosse Schande bedeutet, wenn er zugelassen hätte, dass die B e- schwerdeführerin mit G._______ vor der Hochzeit – auch wenn sie ve r- lobt gewesen seien – allein zu diesem nach Hause gehen wü rde, erst recht, wenn es zu sexuellen Übergriffen gekommen wäre. Der Argumen- tation der Beschwerdeführerin, dass sie von ihrer Familie gezwungen worden wäre, G._______ so schnell wie möglich zu heiraten, wenn ihre Familie von den sexuellen Übergriffen erfah ren hätte (Beschwerdeschrift S. 9), sei entgegenzuhalten, dass sie gemäss ihren eigenen Angaben i h-E-1367/2008 Seite 11 ren Onkel über die Vergewaltigung informiert habe (vgl. A12/19 S. 9), so dass diese Darlegung der Beschwerdeführerin ins Leere laufe. Ferner werde die in der Beschwerdeschrift dargestellte, restriktive Sichtweise über die im Kosovo herrschenden Traditionen der seit dem Ende des Krieges Mitte 1999 einsetzende n Entwicklung nicht gerecht. Die Grun d- feste der "patriarchalischen" Traditionen seien am zerbröckeln, und tradi- tionelle Tabus würden zunehmend gebrochen. Zudem seien als Folge des Krieges verschiedene Frauengruppen entstanden, und es finde über bisher weitgehend tabuisierte Aspekte der Frauenfrage – wie Vergewalti- gungen oder häusliche Gewalt – zunehmend ein öffentlicher Diskurs statt. Der in der Beschwerdeschrift vertreten en Auffassung, wonach Gewalt als eine familieninterne Angelegenheit wahrgenommen werde, sei entgege n- zuhalten, dass die kosovo-albanische Gesellschaft immer mehr bereit sei, sich dem Problem der häuslichen Gewalt zu stellen und Frauen zu unter- stützen, anstatt zu stigmatisieren und auszugrenzen. Die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin betreffend bemerkte die Vorinstanz, es seien zum Zeitpunkt ihrer Verfügung vom 31. Januar 2008 aufgrund der Aktenlage keine Hinweise vorgelegen, der Wegwe i- sungsvollzug erscheine wegen einer allfälligen Traumatisierung der B e- schwerdeführerin aus medizinischer Sicht als unzumutbar. Auch wenn das BFM die Diagnose des Arztberichts vom 18. April 2008 nicht in Frage stelle, so gelte es zu beachten, dass eine Psychiaterin zwar prüfen kö n- ne, ob die von einer Explorandin geschilderten Beschwerden und die e r- hobenen Befunde mit der Diagnose einer posttraumatischen Belastung s- störung vereinbar seien. Zur Tatsache eines st attgefundenen Traumas könne sie ohne Vorliegen von spezifisch somatisch -rechtsmedizinischen Befunden und Sachverhalten jedoch keine Stellung nehmen. Bei der grossen Variabilität menschlichen Verhaltens und Erlebens seien dem Nachweis einer kausalen Beziehung enge Grenzen gesetzt, und ohne e i- nen konkreten Sachverhalt seien aus psychiatrischer Sicht die genauen Ursachen eines Traumas nicht mit zumindest überwiegender Wahrschein- lichkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG feststellbar. Zudem müsse nicht jedes Kra nkheitsbild einer PTBS auf einem schwerwiegenden traumat i- schen Ereignis wie z.B. einer Vergewaltigung beruhen. Die Symptomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung könne auch als Reaktion auf eine nicht besonders extreme Belastung auftreten, wie beisp ielsweise in- terfamiliäre Spannungen oder Erkrankungen von Familienmitgliedern. Aufgrund des Arztberichts vom 18. April 2008 könne somit nicht mit über- wiegender Wahrscheinlichkeit darauf geschlossen werden, dass die g e-E-1367/2008 Seite 12 sundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin tatsächlich von den gel- tend gemachten Ereignissen abzuleiten seien. Ferner könne die Beschwerdeführerin ihre Erkrankung auch im Kosovo behandeln lassen. Zwar seien die Behandlungsmöglichkeiten bei psych i- schen Krankheiten, insbesondere PTBS, dort w eniger gut. Insgesamt sei noch von einer schwachen Grundversorgung im psychiatrischen Bereich auszugehen. Aufgrund internationaler Hilfe verbessere sich das Gesun d- heitssystem im Kosovo jedoch zusehends. Gemäss Kenntnissen des BFM würden praktisch alle inte rnationalen Organisationen im Kosovo psychologische und psychiatrische Unterstützungsprogramme anbieten. In diesem Zusammenhang sei auf die in grösseren Ortschaften vorha n- denen ambulanten Community Mental Health Centers (CM HC) zu ve r- weisen, in denen unter anderem Gesprächstherapien angeboten würden. Eine psychotherapeutische Behandlung (ein - bis zweimonatliche ther a- peutische Sitzungen, stützende Gespräche), sei auch in der neuropsych i- atrischen Abteilung der Universitätsklinik in F._______ oder in privaten Strukturen in F._______ möglich. Generell könnten leichte bis mitte l- schwere psychosoziale Krankheiten auf dieser Abteilung adäquat beha n- delt werden. Sollte kurzfristig eine Krisenintervention notwendig sein, w ä- re das auf der – dieser Abteilung angeschlossenen – "Care Unit" der Uni- versität in F._______ (ICPU) ebenfalls möglich. Die Schweiz habe seit 2001 sukzessive begonnen, psychiatrische Gemeindepflegezentren und geschützte Wohnungen für psychisch Kranke zu errichten. Im Jahr 2005 sei der Neubau der ICPU in F._______ eingeweiht worden. Diese Aktivitä- ten im Umfang von rund 5 Mio. Franken seien im Rahmen der Rückkeh r- hilfe des BFM erfolgt. Sie würden im Einzelfall darauf abzielen, adäquate Bedingungen für eine Reintegration von Rückkehrenden mit gesundheitl i- chen Problemen zu schaffen. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) – in Zusammenarbeit mit dem BFM – setze sich seit Jahren im Kosovo für psychische Gesundheitspflege und für die Ausbildung von Psychiatri e- pflegepersonal ein. Weitere Partner seien das kosovari sche Gesun d- heitsministerium und die Psychiatrische Universitätsklinik Basel. Die ps y- chotherapeutische Behandlung sei in staatlichen Strukturen weitgehend gratis, in privaten kostenpflichtig. Zudem seien auch die benötigten Med i- kamente alle verfügbar. Angesichts des Umstandes, dass die Beschwe r- deführerin während ihres Studiums nach F._______ gependelt sei, wäre es ihr zuzumuten, von den dortigen, spezialisierten Behandlungsstrukt u- ren Gebrauch zu machen. E-1367/2008 Seite 13 4.4 Dem liess die Beschwerdeführerin in ihrer Replik vom 30 . Juni 2008 lediglich entgegenhalten, bei einer Rückkehr in den Kosovo und in ihr f a- miliäres Umfeld würde eine Retraumatisierung erfolgen. Sie erhalte neu eine psycho-traumatologische Therapie, sei häufig krank und könne ohne Tabletten nicht leben. Im Weiteren wurde auf den Arztbericht vom 18. Ap- ril 2008 und auf die Ausführungen in der Beschwerde vom 29. Februar 2008 verwiesen. 5. 5.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass es den Aussagen der Beschwerdeführerin tatsächlich tei l- weise an Logik und Substantiiertheit mangelt. Zur Vermeidung von Wi e- derholungen ist auf die diesbezüglich zutreffenden Feststellungen der Vorinstanz zu verweisen (vgl. E. 4.1 oben). Wird, wie auf Beschwerd e- ebene gefordert (vgl. E. 4.2 oben), zudem die albanische Tradition – de- ren Bedeutung für die heutige Gesellschaft im Kosov o auch von der Vo r- instanz nicht bestritten wird – berücksichtigt, so kann das von der B e- schwerdeführerin vorgetragene eigene bzw. das Verhalten ihrer Fami lie nicht auf Anhieb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben b e- trachtet werden. So erscheint insbesondere das angegebene Verhalten des Onkels, welcher die Beschwerdeführerin G._______ zugeführt haben soll, bzw. der anderen männlichen Mitglieder ihrer Familie unter dem As- pekt der "Ehre" ungewöhnlich. So sei die Ehre der Frau Bestandteil der Ehre des Mannes, d.h. seine Ehre hänge unmittelbar von dem Verhalten der ihm anvertrauten Ehefrauen, S chwestern, Töchter ab (Virgini tät, Treue, Schamhaftigkeit). Er schulde ihnen Schutz. Übergriffe auf die Frauen würden nach diesem Konzept die denkbar schwerste V erletzung der Ehre des Mannes bedeuten (vgl. RAINER MATTERN, a.O.O., S. 9). Ferner erscheint das beschriebene, äusserst passive Verhalten der B e- schwerdeführerin über einen Zeitraum von zwei Monaten angesichts des Umstandes, dass sie im Zeit punkt der geltend gemachten Vorfälle (…) Jahre alt war, bereits ein Studium abgeschlossen und drei Monate al- leine in D._______ gelebt sowie gearbeitet haben will , eher ausserge- wöhnlich. Indes gilt es zu berücksichtigen, dass bei der Glaubhaftigkeit s- prüfung eine Gesam tbeurteilung aller wesentlicher Elemente vorzune h- men ist und ein reduziertes Beweismass, welches durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers lässt, gilt (vgl. E. 3.2 oben). 5.2 So lässt sich das Verhalten der Beschwerdeführerin durchaus damit erklären, dass die Umstände der ersten Vergewaltigung – sie sei noch E-1367/2008 Seite 14 Jungfrau gewesen, weshalb die Tat sie vollkommen zerstört habe (vgl. A1/10 S. 5) – und die danach unterbliebene Unterstützung ihrer F a- milie sie vollkommen traumatisiert zurückgelassen haben. So attestiert der Arztbericht vom 18. April 2008 bei der Beschwerde führerin eine en t- sprechende posttraumatische Belastungsstörung. Hierzu muss festgehal- ten werden, dass Ausführungen von Fachärzten, soweit sie sich zur U r- sächlichkeit der festgestellten Krankheitsbilder äussern, notgedrungen a l- leine auf die Schilderungen der jeweiligen Gesuchstellenden abstützen. Damit finden die Einwände der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 10. Juni 2008 zum begrenzten Beweiswert des Arztberichts die Ursäc h- lichkeit der PTBS betreffend durchaus ihre Geltung (vgl. E. 4.3 oben). In- des gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin – entgegen den Feststellungen der Vorinstanz (vgl. E. 4.1 oben) – die angeblich erlit- tenen Übergriffe und ihre innere Gefühlslage durchaus in detaillierte r Weise geschildert hat (vgl. A12/19 S. 8 ff.) und auch anlässlich der Befra- gung bzw. Anhörung entsprechende Emotionen zeigte (vgl. "GS weint" in A1/10 S. 5 und A12/19 S. 6, 8 und 10), was in der Regel für die persönli- che Glaubwürdigkeit einer Person spricht. Zudem legt sie auf Beschwe r- deebene nochmals plausibel dar, weshalb vorliegend der für sie "veran t- wortliche" Onkel kein Interesse daran hatte, sie vor dem designierten Ehemann zu schützen (vgl. E. 4.2 oben). Zudem kann das Bundesverwal- tungsgericht keinen Widerspruch entdecken zwischen der Aussage der Beschwerdeführerin, sie pflege keinen Kontakt mehr mit ihren Eltern und verfüge über keinerlei Vertrauenspersonen, und der Tatsache, dass ihre eingereichte Agenda eine Telefonliste von Verwandten (inklusive der E l- tern) und Bekannten enthält (vgl. E. 4.1). Ihren Angaben zufolge habe sie diese Telefonnummern aus der Agenda ihres Onkels abgeschrieben (vgl. A12/19 S. 15). Zumindest belegt das Führen einer solchen Liste a l- lein nicht, dass sie mit diesen Personen tatsächlich auch in Kontakt stand und genügend Vertrauen zu ihnen hatte, um mit ihnen über die erlebten Vergewaltigungen zu sprechen bzw., dass die aufgeführten Personen der Beschwerdeführerin in der vorgebrachten Notlage zur Seite gestanden wären. 5.3 Nach einer Gesamtwürdigung erachtet das Bundesverwaltungsgericht es deshalb als glaubhaft gemacht, dass sexuelle Übergriffe auf die B e- schwerdeführerin stattgefunden haben. Ob diese in der geschilderten Art und Weise bzw. ob sie mit Zustimmung oder Duldung durch die Familie der Beschwerdeführerin erfolgt sind, kann letztlich offen bleiben, denn die diesbezüglichen Vorbringen sind – wie nachfolgend aufgezeigt wird – als nicht asylrelevant zu erachten. E-1367/2008 Seite 15 6. 6.1 Nach Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingseigen- schaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmoti- ve drohen oder zugefügt worden sein (vgl. W. STÖCKLI, §11 Asyl, in: U e- bersax/Rudin/Hug Yar/Geiser (Hrsg.), Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, S. 521 – 588, S. 525 ff.). Nach der sogenannten Schutztheorie (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 S. 180) kann eine Verfolgungshandlung im Si n- ne von Art. 3 AsylG von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren ausg e- hen. Danach ist nichtstaatliche Verfolgung als Verfolg ung im Sinne des Asylgesetzes zu erachten, wenn der Staat unfähig oder nicht willens ist, Schutz vor besagter Verfolgung zu bieten. Es ist dabei nicht eine fakt i- sche Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von nichtstaatl i- cher Verfolgung bedrohten Person zu verlangen, weil es keinem Staat ge- lingen kann, die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger j e- derzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktio- nierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht , wobei in erster Linie an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts- und Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfo l- gung ermöglicht. Die Inanspruchnahme dieses Schutzsystems muss der betroffenen Person zudem objektiv zug änglich und individuell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter Berücksicht i- gung des länderspezifischen Kontexts zu beurteilen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.2 S. 202f.; EMARK 2006 Nr. 32 E. 6.1 S. 340 f.). Die Ane r- kennung der Flüchtlingseigenschaft setzt ferner voraus, dass die betro f- fene Person einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und nicht in e i- nem anderen Teil ihres Heimatstaates um effektiven Schutz nachsuchen kann (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.3.1. f. S. 203 mit w eiteren Hinwei- sen). 6.2 Da im vorliegenden Fall die sexuellen Übergriffe gemäss Angaben der Beschwerdeführerin angeblich durch den ihr zugedachten, zukünftigen Ehemann erfolgten, mithin von einer Privatperson ausgingen, kann deren asylrechtliche Relevanz – vorausgesetzt die andern Voraussetzungen von Art. 3 AsylG sind erfüllt – nur bejaht werden, wenn die Behörden im entsprechenden Staat um Schutz ersucht wurden und diese einen so l- chen nicht zur Verfügung stellten. E-1367/2008 Seite 16 6.2.1 Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsge richts gingen im Kosovo die bisher zuständigen Behörden – im Rahmen ihrer Möglichke i- ten – systematisch gegen Bedrohungen und Übergriffe Dritter vor. Ins o- weit kann bis zum heutigen Zeitpunkt faktisch von einem präventiven und konkreten Schutzwillen und eine r weitgehenden Schutzfähigkeit der im Kosovo tätigen nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden, n a- mentlich der UNMIK (Interimsverwaltung der Vereinten Nationen im K o- sovo) sowie der KPS (Kosovo Police Services) ausgegangen werden (zur Frage der Sch utzgewährung durch internationale Organisationen im K o- sovo vgl. BVGE 2007/31 E. 5.3 S. 380, EMARK 2002 Nrn. 8 und 21). Am 17. Februar 2008 hat sich der Kosovo als ein von Serbien unabhä n- giger Staat erklärt. In der Folge haben zahlreiche Staaten der Europä i- schen Union (EU) den Kosovo als von Serbien unabhängigen Staat ane r- kannt. Die Schweiz tat dies am 27. Februar 2008. Bereits Ende März 2008 hat sie diplomatische sowie konsularische Beziehungen mit dem neuen Staat aufgenommen, namentlich in Prishtina eine Schweizerische Vertretung eröffnet. Zudem wurde der Kosovo vom Bundesrat mit B e- schluss vom 6. März 2009 – der am 1. April 2009 in Kraft getreten ist – als verfolgungssicherer Staat ("Safe Country") gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet. Im Rahmen de r periodischen Überprüfung (vgl. Art. 6a Abs. 3 AsylG) ist die schweizerische Regierung darauf bisher nicht zurückgekommen. Die Bezeichnung eines Landes als "Safe Country" b e- inhaltet die Regelvermutung, dass asylrelevante staatliche Verfolgung nicht stattf inde und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet sei. Hierbei handelt es sich um eine relative Verfolgungssicherheit, we l- che im Einzelfall auf Grund konkreter und substanziierter Hinweise u m- gestossen werden kann. 6.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass Frauen im K o- sovo bei der Durchsetzung ihrer Rechte im Allgemeinen und in Bezug auf den Schutz vor drohender Gewalt im Besonderen nach wie vor auf Schwierigkeiten stossen. Die SFH -Analyse, auf welche die Beschwerd e- führerin verweist (vgl. E. 4.2 oben), konstatiert, dass Frauen sich davor scheuen würden, erlittene Gewalt anzuzeigen, weil es an der Vertrautheit mit den staatlichen Institutionen mangelt oder, weil sie Angst davor hät- ten, einen innerfamiliären Konflikt nach aussen zu tragen. Zudem fehle es an rechtlichem und polizeilichem Schutz für Opfer, die aus Angst vor wei- teren Übergriffen auf Anzeigen verzichten würden (vgl. hierzu RAINER MATTERN, a.a.O., S. 14). Die Beschwerdeführerin brachte hierzu im We- sentlichen vor, dass aufgrund ihres traditionellen Umfeldes eine Anzeige E-1367/2008 Seite 17 bei der Polizei wegen sexueller Gewalt durch ihren zukünftigen Ehemann nichts gebracht hätte, da häusliche Gewalt als familieninterne Angel e- genheit wahrgenommen werde, und folglich staatlich nicht ge ahndet wer- de (vgl. die weiteren Ausführungen in E. 4.2 oben). Hierzu ist festzuste l- len, dass die vorgelegte SFH -Analyse aus dem Jahre 2004 stammt, seit- her indessen – neben den bereits oben beschriebenen allgemeinen Er- weiterungen des staatlichen Schutzapparates (vgl. E. 6.2.1) – auch Fort- schritte in der staatlichen Ahndung von häuslicher bzw. sexueller Gewalt gegen Frauen erzielt wurden. So ist Vergewaltigung ein Straftatbestand mit einer Strafandrohung von zwei bis zehn Jahren. Auch häusliche G e- walt wird mit einer Strafdrohung von sechs Monaten bis zu sechs Jahren geahndet. Die Probleme lagen und liegen nach wie vor in der Durchse t- zung der Gesetze, weil Frauen aus Furcht vor gesellschaftlicher Ächtung und familiär er Loyalität auf eine Anzeige verzichten würden (vgl. US Departement of State, Country Report on Human Rights Practices for 2011 – Kosovo, Mai 2012, S. 21 – 23, einsehbar unter: http://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/humanrightsreport/index.htm?dynamic_l oad_id=186368#wrapper, besucht am 5. Juli 2012; NORA NIMANI MUSA, Kosovo's Battered Wives Still Suffer in Silence, in: Balkan Insight, 5. Mai 2010). Die Angaben der Beschwerdeführerin, sie habe die staatlichen Strafverfolgungsbehörden aus Angst vor privater Stigmatisierung bzw. aus Resignation nicht um Schutz er sucht, sind vor diesem Hintergrund durchaus nachvollziehbar. Indes hat das diesbezüglich e Versäumnis der Beschwerdeführerin dazu geführt, dass sie damit nicht belegen kann, dass sie sich im vorliegende n Fall trotz einer Strafanzeige der konkreten Gefahr weiterer (oder zukünftiger) sexueller Übergriffe ausgesetzt hätte. Vielmehr muss der Beschwerdeführerin entgegengehalten werden, dass es im Kosovo staatliche und private Institutionen gibt, wel che ihr entspre- chende Hilfe und Unterstützung hätten anbieten können (vgl. US Depa r- tement of State, a.a.O. , S. 21 – 23; NORA NIMANI MUSA, a.a.O.). Im E r- gebnis sind die Vorbringen der Beschwerdeführerin also nicht geeignet, die vermutete Verfolgungssicherheit im Kosovo zu entkräften. 6.2.3 Es ist demnach im vorliegenden Fall vom Schutzwillen und der weitgehenden Schutzfähigkeit der kosovarischen Behörden auszugehen und die asylrechtliche Relevanz der geltend gemachten Übergriffe kann somit nicht bejaht werden. 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es de r Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich relevante Verfolgung glaubhaft zu machen. Somit ist die angefochtene Verfügung vom 31. Januar 2008 in-E-1367/2008 Seite 18 soweit zu bestätigen, als die Vorinstanz gestützt auf Art. 7 und Art. 3 AsylG das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerd e- führerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt hat. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a. EMARK 2001 Nr. 21). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisu ngshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen. 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). E-1367/2008 Seite 19 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrec hte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da r- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlings rechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nac hzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvol l- zug zum heutigen Zeitpunkt n icht als unzulässig erschei nen, da der K o- sovo wie ausgeführt als "Safe Country" gilt. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völke r- rechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e-E-1367/2008 Seite 20 fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Ar t. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.4.1 Im Kosovo herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb in konstanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit des Wegweisung s- vollzugs ausgegangen wird. 8.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nic ht, dass eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Kosovo nicht einfach sein wird. Indes muss berücksichtigt werden, dass die (…)-jährige Beschwerdeführerin gut ausgebildet (abgeschlossenes (Fach)studium) und in den letzten 3½ Jahren hier in der Schweiz als (Beruf) tätig gewesen ist. Diese Faktoren (Jugend, Mehrsprachigkeit, Arbeitserfahrung im Ausland) begünstigen den Aufbau einer wirtschaftlichen Lebensgrundlage im Kosovo . Ferner kann den Aussagen der Beschwerdeführerin – selbst unter der Annahme, dass tatsächlich ein Bruch mit der Herkunftsfamilie väterlicherseits auf- grund der oben geschilderten Ereignisse stattgefunden hat – keine plau- sible Erklärung entnommen werden, weshalb die in F._______ lebende Mutter keinen Kontakt mit ihr pflegen wolle. Es ist deshalb davon auszu- gehen, dass die Mutter ihr bei einer Rückkehr in F._______ zumindest in Bezug auf den Wohnraum Unterstützung wird zukommen lassen. Hin- sichtlich der geltend gemachten Gesundheitsprobleme der Beschwerd e- führerin ist darauf hinzuweisen, dass aufgrund gesundheitlicher Probleme eines abgewiesenen Asylbewerbers nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung e r- achtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz ab- solut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist. Wenn die notwe n- dige Behandlung im Heimat - oder Herkunftsstaat s ichergestellt ist, so ist der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu beurteilen (vgl. GABRIELLE STEFFEN, Droit aux soins et rationnement, Bern 2002, S. 81 f. und 87; EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). In diesem Sinne hat die Vorinstanz zu Recht in der Vernehm lassung vom 10. Juni 2008 darauf hingewiesen, dass die Behandlung der geltend gemachten psychischen Erkrankung der Beschwerdeführerin auch im Kosovo durchgeführt wer den könne (vgl. E. 4.3 oben). Zudem kann davon ausgegangen werden, dass die im E-1367/2008 Seite 21 Arztbericht vom 18. April 2008 diagnostizierte PTBS sich in den letzten vier Jahren in erheblichem Masse zurückgebildet hat. Die Therapiedauer wurde damals namentlich auf ein bis zwei Jahre geschätzt und die B e- schwerdeführerin hat seither auch keine Verschlechterung ihres medizini- schen Zustandes geltend gemacht, ansonsten sie wohl kaum einer r e- gelmässigen Arbeit hätte nachgehen können. Au s diesem Grunde wurde auch auf das Einholen eines aktuellen Arztberichts verzichtet. 8.4.3 Zusammenfassend bestehen keine Gründe für die Annahme, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in den Kosovo aus individue l- len Gründen wirtschaftlicher, sozialer o der medizinischer Natur in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. Nach dem Gesagten e r- weist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegwe i- sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Der Beschwerdeführerin wurde mit Instruktionsverfügung vom 7. März 2008 die unentgeltliche Prozessführung unter Vorbehalt der Veränderung ihrer finanziellen Lage gewährt. Zum jetzigen Zeitpunkt kann davon au s- gegangen werden, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr als bedürftig gilt (vgl. Prozessgeschichte Bst. H), weshalb die Bedingungen für die u n- entgeltliche Prozessführung nicht mehr bestehen und die damalige die s- bezügliche Gutheissung wiedererwägungsweise aufzuheben ist. Aufgrund der Veränderung ihrer finanziellen Lage und b ei diesem Au s- gang des Verfahrens sind die Kosten deshalb der Beschwerdeführerin E-1367/2008 Seite 22 aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600. - festzu- setzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE , SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-1367/2008 Seite 23 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. - werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Guns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu-Binh Truong Versand: