Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. Juni 2016 (725 16 64 / 154) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Vorliegend besteht keine medizinisch gesicherte Grundlage, um einen Tinnitus als kör- perliches Leiden zu betrachten oder ihn (zwingend) einer organischen Ursache zuzuord- nen. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter in Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Habshagstrasse 8c , 4153 Reinach BL , Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann, Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Der 1977 geborene A.____ arbeitete seit dem 1. M ai 2013 als Serviceangestellter bei der B.____ in Zürich und war in dieser Eigenschaft gegen die Folgen von Berufs- und Nichtbe- rufsunfällen bei der Schweizerischen Unfallversiche rungsanstalt (SUVA) versichert. Mit „Scha- denmeldung UVG“ vom 23. Juni 2014 meldete die Arbeitgeberin, dass A.____ am 14. Juni 2014 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht beim Gleitschirmfliegen verunfallt sei und sich dabei am Rücken beidseits und an den Fussge- lenken beidseits Verletzungen zugezogen habe. Die SUVA anerkannte das Unfallereignis und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Anlässlich einer Besprechung vom 21. Januar 2015 mit de m Case Manager der SUVA gab A.____ an, sein Tinnitus habe sich verstärkt. Nachdem A.___ _ am 2. Februar 2015 während einer kreisärztlichen Untersuchung angegeben hatte, zusät zlich würden gelegentlich Nacken- schmerzen und Tinnitusgeräusche auftreten, reichte er am 19. August 2015 das ausgefüllte Formular für Hörschädigungen ein, woraufhin am 24. Au gust 2015 eine ärztliche Beurteilung der Gehörschädigung erfolgte. Mit Verfügung vom 15. September 2015 verneinte die SUVA ihre Leistungspflicht für die geltend gemachte Hörschädigung, da diese nicht in einem überwi egend wahrscheinlichen Zusammen- hang zum Unfallereignis stehe. Daran hielt die SUVA au f Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 21. Januar 2016 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, vert reten durch Advokat Jan Herr- mann, mit Schreiben vom 24. Februar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, der Einspracheentscheid sei aufzu- heben und die Streitsache an die SUVA zurückzuweisen un d diese zu verpflichten, weitere Ab- klärungen zu tätigen und danach neu zu verfügen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 6. April 2016 beantrag te die SUVA die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich der Wohnsitz des Versicherten in C. ____, weshalb die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungstr äger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden B eschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht – erhobene Beschwerde v om 24. Februar 2016 ist demnach ein- zutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Versicherte Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung hat bzw. ob die Beschwer- degegnerin weitere Abklärungen zu tätigen hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod de r versicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Inva lidenrente, wenn sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid ist. Der Rente nanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Be sserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und a llfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem R entenbeginn fallen die Heilbe- handlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung d er körperlichen, geistigen oder psychi- schen Integrität, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 UVG An spruch auf eine angemessene Integri- tätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente f estgesetzt oder, falls kein Rentenan- spruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). 2.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt vorau s, dass zwischen dem versicher- ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit , Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integri- tätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteh t (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursa- chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind al le Umstände, ohne deren Vor- handensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetr eten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer den kann. Entsprechend dieser Umschrei- bung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenh angs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund heitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingung en die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetrete ne gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen eine m schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusamme nhang besteht, ist eine Tatfrage, wo- rüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rah- men der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu b efinden hat. Die blosse Möglichkeit ei- nes Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leist ungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Um die Leistungspflicht des Unfallversicherers bejahen zu können, muss zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nich t nur ein natürlicher, sondern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Nach der Rechtspr echung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es n ach dem gewöhnlichen Lauf der Din- ge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich g eeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hi nweis). Der Voraussetzung des adäqua- ten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen). Ob bei V orliegen eines natürlichen Kausalzu- sammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und der eing etretenen gesundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechts erhebliche Kausalzusammenhang be- steht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Ge- richt zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenha ng ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürli- chen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb). 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rec htsanwendende Behörde regel- mässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärzt innen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicher ungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind ( BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BG E 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 4. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdef ührers und der Frage der Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 14. Juni 2014 und den heute geklagten Ohrenprob- lemen (Tinnitus) liegen im Wesentlichen folgende Unterlagen vor: 4.1 Im Operationsbericht von Dr. med. D.____, E.___ _, vom 18. Juni 2014 sind als Diag- nosen aufgeführt: Talusfraktur posteriorer Anteil Fuss rechts und Calcaneusfraktur Fuss links. In einem weiteren Operationsbericht von PD Dr. med. F.____, E.____, vom 20. Juni 2014 ist als weitere Diagnosen eine instabile LWK-Fraktur aufgeführt. 4.2 Anlässlich einer Besprechung vom 21. Januar 2015 mit dem Case Manager der SUVA gab A.____ an, dass die Schmerzen im Rücken und im Nacken bereich zugenommen hätten und dies auch zu einer Verstärkung des Tinnitus geführt habe. 4.3 In der kreisärztlichen Untersuchung vom 2. Februar 2 015 führte der Beschwerdeführer aus, dass es ihm vonseiten der Füsse sehr gut gehe. Im Rücken habe er noch ein störendes Gefühl und zusätzlich gelegentlich Nackenschmerzen und Tinn itusgeräusche rechtsbetont. Kreisärztlich ist wegen der vermehrten Tinnitusbeschwerd en eine Verlaufskontrolle bei der Hausärztin und gegebenenfalls eine HNO-ärztliche Abklär ung empfohlen worden. Es wurde weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im angestamm ten Beruf attestiert, weil schwere Ge- genstände gehoben werden müssten und er bei der Arbeit auf Leitern steigen müsste. 4.4 In der Besprechung mit dem Case Manager vom 11. Mä rz 2015 gab der Beschwerde- führer an, dass sich der Tinnitus weiter verstärkt habe, und dass am 2. März 2015 eine Konsul- tation bei Dr. med. G.____, FMH Oto-Rhino-Laryngologie, stattgefunden habe. 4.5 Dr. G.____ diagnostizierte am 29. März 2015 einen Tinnitus im Rahmen zervikogener Verspannungszustände. Eine Hörschädigung konnte er gemäss Tonaudiogramm vom 2. März 2015 nicht feststellen. 4.6 Gemäss neurologischem Konsilium vom 17. April 2015 von Dr. med. H.____, FMH Neurologie, berichtete der Beschwerdeführer über einen Tinnitus, der seit 3-4 Monaten ver- stärkt sei und grundsätzlich seit 20 Jahren, seit einem Knalltrauma, bestehe. 4.7 Am 15. August 2015 berichtete der Versicherte darüb er, dass die Hörschädigung seit ungefähr Januar 2015 bestehe nach Knacken in der Halswirbelsäule in Form eines Pfeifftons im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rechten Ohr, vorher habe er seit ungefähr 20 Jahren unt er Ohrensausen beidseits gelitten. Er habe Ohrensausen seit der Kindheit und auch eine Mit telohrentzündung durchgemacht. Eine Gehirnerschütterung habe er bei einem Snowbordunfall erlitten. Er habe auch einen Schiess- oder Explosionsschaden erlitten und zwar am Arbeitsplat z, beim 1. August-Feuerwerk und an Silvester. In der Freizeit sei er Lärmbelastungen ausges etzt durch Musik, Konzert und Fas- nacht. 4.8 Die SUVA-Ärztin Dr. med. I.____, FMH Oto-Rhino-L aryngologie, gab am 24. August 2015 an, dass beim Gleitschirmabsturz ein Kopfaufprall m it Schädel-Hirn-Trauma nicht stattge- funden habe. Die Hörschwelle zeige gemäss Rein-Ton-Aud iogramm vom 2. März 2015 beid- seits Werte im Normbereich. Es liege keine Lärmschwerhörig keit vor und der Tinnitus könne folglich nicht in einem überwiegend kausalen Zusammenha ng mit dem Unfallereignis vom 14. Juni 2014 gesehen werden. Am 19. November 2015 hielt Dr. I.____ an ihrer Einschä tzung fest. Der Hörverlust betrage rechtsseitig 4 % und linksseitig 1 %, dies bedeute Norma lhörigkeit. Eine Tinnitusanalyse sei nicht vorgenommen worden. Dies erkläre sich durch die Ger ingfügigkeit der Beschwerden. Die zeitliche Latenz zwischen Unfallereignis und dem ersten A uftreten der Beschwerden – bei schon seit ungefähr 20 Jahren vorhandenem Tinnitus beids eits, rechtsbetont – sei eng zu fas- sen. Dies bedeute, dass eine initiale Symptomatik mit sch merzhafter Muskelverspannung, Na- ckenschmerzen, eingeschränkter Kopfbeweglichkeit innerha lb von 24 bis spätestens 48 Stun- den eingetreten sein müsse. Latenzen von Wochen, hier eine Latenz von Monaten, seien nicht zu belegen. Es existiere keine Brückensymptomatik. Erstmali g werde der Tinnitus im Januar 2015 erwähnt. Bis zu diesem Zeitpunkt habe der Versichert e diesbezüglich keine Beschwerden angegeben, was darauf schliessen lasse, dass der Tinnitus n ach dem Unfall bis zum Januar 2015 so bestanden habe, wie er bereits seit 20 Jahren realisiert werde, also nicht störend. Da- rum könne kein überwiegend kausaler Zusammenhang zwischen Unfall und Tinnitus festgestellt werden. So gebe der Versicherte im Fragebogen vom 15. August 2015 an, dass er an keiner Hörverminderung leide. Dies bedeute, dass diese leichte Hochtoneinbusse doch seit dem Knall- trauma vor ca. 20 Jahren bestehen müsse, sonst hätte de r Versicherte direkt nach dem Unfall Hörbeschwerden angegeben. Die Kosten für eine ausführ liche Tinnitusdiagnostik müssten folg- lich zu Lasten der Krankenkasse gehen. 4.9 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 29. F ebruar 2016 und damit nach Erlass des Einspracheentscheids führte der Beschwerdeführe r aus, der Tinnitus werde immer schlimmer und fange jetzt auch an, sich auf der linken Se ite bemerkbar zu machen. Weiter gab er an, er könne schlecht schlafen und seine Lebensqualität sei Null. 5. In der medizinischen Lehre wird als Tinnitus ein rege lmässiges, mehr oder weniger dauerndes, in einem Ohr oder beiden Ohren lokalisiertes diffus im Kopf empfundenes Geräusch definiert. Tinnitus wird auch als akustische Wahrnehmung bezeichnet, welche keinen externen akustischen Quellen zugeordnet werden kann. Tinnitus wi rd auch als subjektiver Höreindruck, der nicht auf der Stimulation durch einen äusseren Sch allreiz beruht, aber als solcher empfun- den wird, erklärt. Das Bundesgericht hat in seiner Rechtsprechung (BGE 138 V 248 ff.) gestützt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die medizinische Literatur eine Unterscheidung zwischen objektivem und subjektivem Tinni- tus vorgenommen. Der objektive Tinnitus bezeichnet ein Ohrgeräusch, welches aufgrund patho- logisch-anatomischer Veränderungen entsteht und grundsät zlich auch für Aussenstehende – allenfalls mit technischen Hilfsmitteln – hörbar wird. Meist handelt es sich um gefässreiche Missbildungen, Tumore oder um muskulär bedingte Schall geräusche. Der subjektive Tinnitus wird einzig durch den Betroffenen gehört und stellt die weitaus häufigste Form dar. Eine weitere Umschreibung des Tinnitus geht dahin, dass dieser eine a uditorische Empfindung ist, die ohne äussere akustische oder elektrische Reizung entsteht und di e keinen subjektiven Informations- gehalt hat. Die genannten Definitionen unterscheiden sich bei genauer Betrachtung lediglich in begrifflicher, nicht aber in inhaltlicher Hinsicht. 5.1 Das Bundesgericht war in seiner früheren Rechtspre chung davon ausgegangen, beim Tinnitus handle es sich um ein körperliches Leiden, dessen eigentliche Ursache in einem klei- neren oder grösseren Innenohrschaden zu suchen sei und l eitete daraus ab, dass bei gegebe- nem natürlichem Kausalzusammenhang zum Unfall der adäq uate Kausalzusammenhang ohne besondere Prüfung bejaht werden könne (vgl. Urteil de s Bundesgerichts vom 6. Oktober 2003, U 116/03, E. 2.1). Gestützt auf die oben dargelegten medizinischen Lehrmeinungen gelangte das Bundesgericht in BGE 138 V 256 E. 5.8.3 zum Schluss, dass an der Annahme, Tinnitus sei ein körperliches Leiden oder zumindest (zwingend) auf ein e körperliche Ursache zurückzufüh- ren, nicht festgehalten werden könne. Ausserdem hat da s Bundesgericht darauf hingewiesen, dass in der medizinischen Lehre Einigkeit darüber bestehe, dass jedenfalls ein subjektiver Tin- nitus nicht objektiv gemessen werden könne. Alle Unters uchungen würden nur auf eine „Ver- gleichbarkeit“ abzielen. Dabei seien die Kooperation d es Patienten und seine volle Subjektivität im Mittelpunkt. Die Einstufung eines Tinnitus innerhal b gebräuchlicher Raster mit drei bis vier Schweregraden erfolge nicht aufgrund audiometrischer oder anderer Messungen, sondern nach der subjektiv empfundenen Beeinträchtigung. Dementsprechend würden die Schweregrade des Tinnitus den subjektiven Leidensdruck wiedergeben und müssten nicht mit irgendwelchen Tinni- tusparametern wie der subjektiven Lautheit oder mit au diologischen Messungen korrelieren. Der nur so bestimmbare Schweregrad könne demgemäss keine verlässlichen Rückschlüsse auf eine organische Unfallfolge als Ursache des Tinnitus bieten. 5.2 Im vorliegend zu beurteilenden Fall sind keine Anh altspunkte gegeben, die für das Vor- liegen eines objektiven Tinnitus sprechen würden. Aus d en medizinischen Akten ist kein Kopf- anprall mit Schädelhirntrauma ersichtlich. Die Behaupt ung des Beschwerdeführers, dass beim Absturz ein Kopfaufprall stattgefunden habe, lässt sich d emnach nicht erhärten. Aufgrund der Verletzungen an Füssen und Rücken ist klar, dass der Versicherte zuerst mit den Füssen voran auf den Boden gestürzt ist. Etwas anderes lässt sich weder aus der Unfallschilderung noch aus den medizinischen Akten zur Spitalbehandlung entnehmen. Am Kopf sind keine Verletzungen dokumentiert und vom Versicherten sind auch keine solche n Verletzungen geltend gemacht worden. Die im vorliegenden Verfahren angeführten K ratzer am Helm müssen nicht vom Ab- sturz stammen, d.h sie können früher oder später, beispie lsweise auch beim Transport, ent- standen sein. Ob ein objektiver Tinnitus allenfalls zu e inem früheren Zeitpunkt, als Folge eines Knalltraumas oder der Mittelohrentzündung entstanden ist, ist nicht von Relevanz, da vorlie- gend Leistungen der Unfallversicherung infolge des Glei tschirmunfalls vom 14. Juni 2014 zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht beurteilen sind. In diesem Zusammenhang steht ledigli ch eine Verstärkung der Beschwerden durch den Unfall zur Frage. Diesbezüglich ist zu berücksicht igen, dass der Beschwerdeführer erstmals über sechs Monate nach dem Unfall den Tinnitus beziehungsweise die Verstärkung des vorbestehenden Tinnitus erwähnt hat, und dass unbest ritten ist, dass er vor Januar 2015, also in der unmittelbaren Zeit nach dem Unfall, keine Verschlimmerung gehabt hat. Die HNO- Abklärungen haben Hörwerte im Normalbereich ergeben und Dr. G.____ hat es nicht als not- wendig erachtet, weitere Abklärungen zu veranlassen. 5.3 Vorliegend besteht keine medizinisch gesicherte Grun dlage, um einen Tinnitus als kör- perliches Leiden zu betrachten oder ihn (zwingend) einer organischen Ursache zuzuordnen. Auch lässt sich nicht vom Schweregrad eines Tinnitus auf ei ne organische Unfallfolge als Ursa- che schliessen. Wenn ein unfallbedingter organisch objekt iv ausgewiesener Gesundheitsscha- den fehlt, welcher den Tinnitus zu erklären vermöchte, ka nn der adäquate Kausalzusammen- hang zum Unfall nicht ohne besondere Prüfung bejaht werden. Ergibt diese Prüfung, dass die Adäquanz zu verneinen ist, kann die Frage, ob ein natü rlicher Kausalzusammenhang besteht, offen bleiben. Würde beim Versicherten eine Tinnitusanalyse gemacht und ein bestimmter Schweregrad eru- iert, könnten daraus mit Blick auf die mangelnde Möglich keit der Objektivierung des Tinnitus keine Rückschlüsse für eine allfällige Leistungspflicht d er Unfallversicherung gewonnen wer- den. Nach dem oben Dargelegten vermag die vom Beschwer deführer verlangte Tinnitusanaly- se, die bis jetzt unterblieben ist, keinerlei weitere A ufschlüsse über den Kausalzusammenhang zu geben, so dass darauf verzichtet werden kann. 5.4 Die Beurteilung von Dr. I.____, wonach der Kausal zusammenhang zwischen verstärk- tem Tinnitus und Unfallereignis mit Blick auf die grosse Latenzzeit (über 6 Monate) und ohne Brückensymptomatik nicht als überwiegend wahrscheinlich gelt en könne, ist überzeugend und lässt keine Zweifel zu. Damit ist schon die Voraussetzung d es natürlichen Kausalzusammen- hangs zu verneinen. 6.1 Der Beschwerdeführer macht ausserdem eine Verletzung der Untersuchungspflicht der SUVA geltend, da keine Tinnitusanalyse stattgefunden ha be. Mit der Einholung einer zweiten Stellungnahme im Rahmen des Einspracheverfahrens ist die SUVA ihrer Untersuchungspflicht genügend nachgekommen. Zur Einholung eines externen Gu tachtens ist die SUVA – wie be- reits dargelegt – nicht verpflichtet gewesen, da die vo rliegenden Unterlagen eine Beurteilung der Angelegenheit erlauben. 6.2 Zudem bringt der Beschwerdeführer vor, die SUVA ha be das rechtliche Gehör verletzt, indem sie bei Dr. I.____ im Rahmen des Einspracheverf ahrens eine zweite Stellungnahme ein- geholt habe ohne ihn vorgängig darüber zu informiere n und ihm die Gelegenheit zu geben, Er- gänzungsfragen zu stellen. Vorliegend kann die Frage, ob eine Verletzung des rec htlichen Gehörs vorliegt, offen gelassen werden. Eine allfällige Verletzung würde nicht derart schwer wiegen, dass der Mangel von Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht vornherein unheilbar wäre (vgl. BGE 125 V 368 E. 4c/aa S. 371 mit Hinweis). Vorliegend müss- te demzufolge eine Gehörsverletzung, falls sie denn zu bejahen wäre, als geheilt gelten. 7. Gestützt auf die obigen Ausführungen ist festzuhalte n, dass die SUVA die Kausalität zwischen dem Unfallereignis und den geklagten Tinnitusbeschwerden sowie die Vornahme wei- terer diesbezüglicher Abklärungen zu Recht abgelehnt hat . Die Beschwerde ist demzufolge ab- zuweisen. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für da s vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht