<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 46 S.175</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">175</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VI. Kantonale Steuern</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>46</b></span> <span class="ft2"><b>Einkommen. Massgeblicher Zeitpunkt der Einkommenserzielung bzw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>des Zufliessens von Einkommen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Verkauf von Geschäftsvermögen. Der Erlös fliesst grundsätzlich mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dem Erwerb der Forderung zu. Ausnahmen bei unsicherer Forderung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>und wenn die Buchführung, von den Steuerbehörden anerkannt, nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der "Ist-Methode" erfolgt (Erw. 2/a,b).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Die "Misch-Methode" liegt näher bei der "Soll-Methode" als bei der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>"Ist-Methode" und rechtfertigt keine Ausnahme vom Grundsatz, dass</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schon der Forderungserwerb einkommensbildend ist (Erw. 2/d).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 28. November 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen H.P. gegen Entscheid des Steuerrekursgerichts.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">2. a) Gemäss § 22 StG ist das gesamte Einkommen jeder Art</span><br/> <span class="ft5">steuerbar. Darunter fallen auch Gewinne aus der Veräusserung von</span><br/> <span class="ft5">Geschäftsvermögen (Abs. 1 lit. b). Die steuerliche Abrechnung er-</span><br/> <span class="ft5">folgt, wenn ein Wirtschaftsgut endgültig aus dem Geschäftsvermö-</span><br/> <span class="ft5">gen ausscheidet, sei dies durch Verkauf oder durch Überführung ins</span><br/> <span class="ft5">Privatvermögen (Walter Koch, in: Kommentar zum Aargauer Steuer-</span><br/> <span class="ft5">gesetz, Muri/BE 1991, § 22 N 227).</span><br/> <span class="ft5">b) aa) Das Gesetz gibt keine Auskunft darüber, wann dem Steu-</span><br/> <span class="ft5">erpflichtigen Einkünfte zugeflossen sind. In Rechtsprechung und</span><br/> <span class="ft5">Lehre hat sich der Grundsatz herausgebildet, dass ein Einkommen</span><br/> <span class="ft5">dann als erzielt gilt, wenn der Steuerpflichtige Leistungen verein-</span><br/> <span class="ft5">nahmt oder auf solche einen festen Rechtsanspruch erwirbt, über den</span><br/> <span class="ft5">er auch tatsächlich verfügen kann. In der Regel wird bereits der For-</span><br/> <span class="ft5">derungserwerb als einkommensbildend betrachtet. Vorausgesetzt ist</span><br/> <span class="ft5">also ein abgeschlossener Rechtserwerb, der Forderungs- oder Eigen-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">176</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">tumserwerb sein kann, während eine blosse Anwartschaft oder der</span><br/> <span class="ft5">Erwerb einer bedingten Forderung nicht genügen. Von diesem</span><br/> <span class="ft5">Grundsatz wird abgewichen, wenn die Forderung unsicher ist, so</span><br/> <span class="ft5">wenn ein Kaufpreisschuldner zahlungsunfähig oder nicht zahlungs-</span><br/> <span class="ft5">willig ist. In solchen Fällen wird die Realisierung des Einkommens</span><br/> <span class="ft5">erst mit der Erfüllung des Anspruchs angenommen (StE 2000,</span><br/> <span class="ft5">B 23.41 Nr. 3, Erw. 2/a; B 72.13.1 Nr. 2 Erw. 2/b/ff; AGVE 1976,</span><br/> <span class="ft5">S. 168 ff.; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, Therwil/Basel</span><br/> <span class="ft5">2001, Art. 16 N 18, 21 f.; Markus Reich, in: Kommentar zum</span><br/> <span class="ft5">schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2a [DBG], Basel/Genf/München</span><br/> <span class="ft5">2000, Art. 16 N 34 ff., je mit weiteren Hinweisen).</span><br/> <span class="ft5">Auf den Erlös aus der Veräusserung von Grundstücken entsteht</span><br/> <span class="ft5">in der Regel mit Vertragsabschluss ein fester Anspruch. Dieser stellt</span><br/> <span class="ft5">den steuerbaren Einkommenszugang dar. Aus diesem Grund hängt</span><br/> <span class="ft5">die Besteuerung nicht von der Vertragserfüllung, d.h. der Eigen-</span><br/> <span class="ft5">tumsübertragung mittels Eintragung der Handänderung im Grund-</span><br/> <span class="ft5">buch ab. Massgeblich ist vielmehr der Zeitpunkt der öffentlichen</span><br/> <span class="ft5">Beurkundung, die gemäss Art. 216 Abs. 1 OR beim Grundstückkauf</span><br/> <span class="ft5">den Vertragsschluss erst gültig macht (StE 1992, B 21.2 Nr. 6,</span><br/> <span class="ft5">Erw. 3/b = ASA 61/1992-93, S. 669; Locher, a.a.O., Art. 18 N 75,</span><br/> <span class="ft5">86). Die Fälligkeit der Gegenleistung spielt dabei keine Rolle,</span><br/> <span class="ft5">ebenso wenig wie der Zeitpunkt des Übergangs von Nutzen und</span><br/> <span class="ft5">Schaden (vgl. zum Ganzen VGE II/11 vom 3. Februar 1998 in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen J.J., S. 5 f.).</span><br/> <span class="ft5">bb) Der Forderungserwerb ist dann nicht massgebend, wenn ein</span><br/> <span class="ft5">freierwerbender Steuerpflichtiger in seinen Büchern nur die Kassen-</span><br/> <span class="ft5">eingänge aufzeichnet und die Steuerbehörden diese sog. "Ist-Me-</span><br/> <span class="ft5">thode" akzeptieren. In diesen Fällen wird auf den Zeitpunkt der Bu-</span><br/> <span class="ft5">chung des Zahlungseinganges abgestellt (StE 2000, B 23.41 Nr. 3,</span><br/> <span class="ft5">Erw. 2/a mit Hinweisen; Locher, a.a.O., Art. 18 N 70; Reich, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft5">Art. 16 N 36, Art. 18 N 23).</span><br/> <span class="ft5">c) Mit der am 21. Dezember 1998 erfolgten öffentlichen Beur-</span><br/> <span class="ft5">kundung des Kaufvertrags entstand dem Beschwerdeführer ein obli-</span><br/> <span class="ft5">gatorischer Anspruch gegen den Käufer auf Bezahlung des Kauf-</span><br/> <span class="ft5">preises. Damit erwuchs ihm nach dem Gesagten ein fester Rechtsan-</span><br/> <span class="ft5">spruch, ungeachtet der auf den 4. Januar 1999 festgelegten Fälligkeit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">177</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">und dem auf den Zeitpunkt des Grundbucheintrags fixierten Über-</span><br/> <span class="ft5">gang von Nutzen und Schaden. (...) Es bestehen keine Anzeichen</span><br/> <span class="ft5">dafür, dass es sich um eine unsichere Forderung handelte.</span><br/> <span class="ft5">d) Während nach der "Ist-Methode" die Ermittlung des Ge-</span><br/> <span class="ft5">schäftsergebnisses durch Abrechnung nach den vereinnahmten Ent-</span><br/> <span class="ft5">gelten erfolgt (erfasst werden alle Zahlungseingänge und -ausgänge)</span><br/> <span class="ft5">und die Bilanzierung der ausstehenden Forderungen entfällt, werden</span><br/> <span class="ft5">bei der "Soll-Methode" alle Forderungen (unter Einschluss der Gut-</span><br/> <span class="ft5">haben am Ende des Jahres) zum Einkommen gerechnet, die während</span><br/> <span class="ft5">des Geschäftsjahres fakturiert worden sind, und die angefangenen</span><br/> <span class="ft5">Arbeiten am Ende des Rechnungsjahres in ein Inventar aufgenom-</span><br/> <span class="ft5">men. Eine Mischform dieser beiden Methoden ("Misch-Methode")</span><br/> <span class="ft5">erfasst Einnahmen und Ausgaben auf Grund der Zahlungen im Be-</span><br/> <span class="ft5">messungszeitraum; die Veränderungen der Debitoren und der an-</span><br/> <span class="ft5">gefangenen Arbeiten werden nicht einzeln und exakt erfasst, aber</span><br/> <span class="ft5">Ende Jahr auf Grund einer Schätzung erfolgswirksam berücksichtigt</span><br/> <span class="ft5">(Koch, a.a.O., § 22 N 73a ff.; Locher, a.a.O., Art. 18 N 63 ff.; vgl.</span><br/> <span class="ft5">auch StE 2000, B 23.41 Nr. 3).</span><br/> <span class="ft5">Gemäss den Jahresabschlüssen der letzten Jahre wurden in den</span><br/> <span class="ft5">Konten 6000 und 6200 die Honorarerträge aus der Geschäftstätigkeit</span><br/> <span class="ft5">nach Massgabe der Zahlungseingänge erfasst, dazu aber in Konto</span><br/> <span class="ft5">1050 stets Debitorenguthaben verbucht und ... die angefangenen</span><br/> <span class="ft5">Arbeiten in Konto 1080 jeweils auf Ende Jahr bewertet. Damit wurde</span><br/> <span class="ft5">entgegen der in der Beschwerde aufgestellten Behauptung nicht ein-</span><br/> <span class="ft5">heitlich nach Zahlungseingängen und -ausgängen verbucht, sondern</span><br/> <span class="ft5">das Geschäftsergebnis vielmehr auf Grund der "Misch-Methode" er-</span><br/> <span class="ft5">fasst. Diese liegt näher bei der "Soll-Methode" (nur dass die Abgren-</span><br/> <span class="ft5">zung bezüglich der Debitorenguthaben und des Werts der angefange-</span><br/> <span class="ft5">nen Arbeiten nicht exakt, sondern mittels Schätzung erfolgt), wes-</span><br/> <span class="ft5">halb sich die Beschwerdeführer für den ausserordentlichen Ertrag aus</span><br/> <span class="ft5">dem Grundstückverkauf nicht auf die "Ist-Methode" berufen können,</span><br/> <span class="ft5">zumal selbst bei der reinen "Ist-Methode" Korrekturen im Einzelfall</span><br/> <span class="ft5">nötig sind, wenn die damit eröffneten Möglichkeiten zur Erlangung</span><br/> <span class="ft5">materiell nicht gerechtfertigter Steuerersparnisse eingesetzt werden</span><br/> <span class="ft5">(Koch, a.a.O., § 22 N 73c).</span><br/></div> </div> </body> </html>