BRKE II Nr. 52/2001 vom 13. März 2001 in BEZ 2001 Nr. 30 Streitig ist die Nutzung des im Untergeschoss projektierten "Mädchenzimmers". Der Rekurrent bringt hierzu vor, die Vorinstanz behaupte zu Unrecht, die Fenster des Zi m- mers lägen unter dem Erdreich. 6. a) Gemäss § 302 Abs. 2 PBG sind W ohn- und Schlafräume mit Fenstern zu ve r- sehen, die über dem Erdreich liegen, ins Freie führen und in ausreichende m Masse ge- öffnet werden können; die Fensterfläche hat wenigstens einen Zehntel der Bodenfl äche zu betragen. Diese Regelung soll sicher stellen, dass nur solche Räume zu W ohn- und Schlaf- zwecken genutzt werden können, die die Erfordernisse der W ohnhygiene ei nwandfrei erfüllen. Gerade bei Neubauten spielen die wohnhygienischen Reg elungen von §§ 299 ff. PBG eine entscheidende Rolle. Einen Aspekt der W ohnhygiene bildet die genügende Belichtung. Mit den beiden in § 302 Abs. 2 PBG statuierten Erfordernissen hinsic htlich der Dimensionierung und der Situierung/ Au sgestaltung von Fenstern wird der in Abs. 1 der Bestimmung verwendete allgemeine Begriff der "genügenden Belichtung" konkret i- siert. Zum einen hat die Fenste rfläche 10% der Bodenfläche zu betragen (massgebend ist das äussere Lich tmass). Zum anderen müssen die Fenster geöffnet werden können, ins Freie führen und über dem Erdreich liegen. Das Gesetz stellt somit die Vermutung auf, dass Räume, deren Fen ster das nötige Mass aufweisen und über dem Erdreich li e- gen, in der Regel genügend b elichtet werden. Vorausgesetzt wird also, dass der Luf t- raum horizontal (und in einem gewi ssen Umfang auch seitlich) vor den Fenstern nicht verstellt ist und das natürliche Licht ung ehindert einfallen kann. Die Vorschriften über die B efensterung von Räumen sind sodann im Zusamme n- hang mit den Abstandsvorschriften zu sehen, die - unter anderem - ähnliche Ziele ve r- folgen. Auch die Normen über die Grenz - und Gebäudeabstände bezwecken die Scha f- fung von einwandfreien wohnhygienischen Verhält nissen, insbesondere die Gewährlei s- tung einer genüge nden Belichtung von W ohn- und Schlafräumen. Gemäss § 271 PBG hat der Abstand zw ischen Gebäuden, die Grenzabstände einhalten müssen, ohne Rücksicht auf Grundstüc kgrenzen der Summe der beidseitig nötigen Gr enzabstände zu entsprechen. Der kantonale Mindestgrenzabstand beträgt gemäss § 270 Abs. 1 PBG 3.5 m, was einen Mi ndestgebäudeabstand von 7 m ergibt (§ 271 PBG). Durch nachbarliche Vereinbarung kann jedoch u nter Vorbehalt einwandfreier wohnhygienischer und feuer- polizeilicher Verhältnisse ein N äherbaurecht begründet werden (§ 270 Abs. 3 PBG). Bis zu welchem Abstand die W ohnhygiene noch gewährleistet ist und ein gegen ein nahe stehendes Gebäude orientierter, b efensterter Raum genügend belichtet ist, kann nicht- 2 - ohne weiteres abstrakt bestimmt werden. Die Vorschrift impliziert indessen, dass in g e- wissen engen baulichen Situationen selbst die Belichtung von Räumen durch über dem Erdreich liegende Fenster ungenügend sein kann. Nach dem Gesagten ergibt sich ohne wei teres, dass W ohn- und Schlafräume, d e- ren Fenster unter dem Erdreich liegen, nicht ausreichend belichtet sind und den woh n- hygienischen Anforderungen in keinem Fall gerecht werden. b) Vorliegend beträgt die Fensterfläche genau einen Zehntel der Bodenfläche d es Spiel-/Mädchenzimmers. Aus dem Plan Fassaden/Bassin ist ersichtlich, dass die Obe r- kante des Schwimmbades auf die Kote 493.39 m.ü.M zu liegen kommt. Nach diesem Plan überragt diese Kante den oberen Abschluss der Fenster. Der Rand der Bassi n- wand liegt 2.34 m vom Fenster des streitbetroffenen Zimmers entfernt. Am oberen Rand des Bassins schliesst auf der Seite zur Os tfassade des Gebäudes ein ca. 70 cm breiter Weg an. Östlich des Fensters verläuft die 1.50 m lange Stützmauer für den Boden der Pergola. Ca. 50 cm westlich des Fensters schliesst die Aussenwand der Einstellhalle mit deren Fortsetzung für den sich auf der Einstellhalle befindlichen Sitzplatz an. Die beiden Mauern überragen die Oberkante des Fensters um mehr als 1 m. Diese drei W ände be- wirken, dass das Fenster in einen eigentlichen Schacht mündet, der klar im Erdreich liegt. Obwohl der Schacht eine Fläche von 3.00 m x 2.34 m beschlägt, wird die Belic h- tung des Raumes klar eingeschränkt, was durch § 302 Abs. 2 PBG gerade verhindert werden soll. Daran ändert der Umstand nichts, dass die Betonmauer auf der westlichen Seite des Fensters im Bereich des Sitzplatzes durch ein Geländer ersetzt werden soll. Zwar würde daraus eine minimale Verbesserung der Belichtungssituation resultieren; jedoch bliebe das Zim mer immer noch ungenügend belichtet. Zu beachten ist im W eite- ren, dass das Fenster genau die nach § 302 Abs. 2 PBG vorgeschriebene Mindestfl ä- che aufweist und auch in einem über dem Erdreich liegenden Raum die diesbezüglichen wohnhygienischen Erfordernisse nur knapp erfüllt würden; im konkreten Falle vermöchte allerdings auch eine deutliche Ve rgrösserung des Fenster nichts zu ändern. Die Vorinstanz hat damit zur Recht die Umnutzung des "Spielzimmers" in einen Wohn- und Schlafraum ("Mädchenzimmer") verweigert. Ebenfalls untersagt wurde die Nutzung des Zimmers als Arbeitsraum. Gemäss § 302 Abs. 3 PBG genügen für andere als W ohn- und Schlafzwecken dienende Räume künstliche Belichtung und Belüftung, wenn besondere örtliche Ve rhältnisse oder die Zweckbestimmung der Räume es rechtfertigen und durch geeignete technische Ausrü s- tungen einwandfreie Verhältnisse geschaffen werden. Das Spiel -/Mädchenzimmer erfüllt vorliegend die Anforderungen an einen Arbeit sraum und kann ohne weiteres als solcher genutzt werden. Der angefochtene Beschluss ist dahingehend zu berichtigen. Dass das Zimmer nicht missbräuchlich genutzt wird, hat die Vorinstanz durch g e- zielte Nachkontrollen zu überprüfen.