A bteilung III C -1010/2006 {T 0/2} U rteil vom 11. Juli 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Trom m er und Vuille; G erichtsschreiber M äder. J._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für S._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie 1986 geborene srilankische Staatsangehörige S._______ (nachfol- gend: G esuchstellerin) beantragte am 22. Septem ber 2006 bei der Schw ei- zer Botschaft in C olom bo ein Visum . Als Zw eck daklarierte sie dabei, einer in Bern w ohnhaften Tante (Schw ägerin ihrer M utter) im H inblick auf deren baldige N iederkunft beizustehen und zu helfen. D ie Schw eizerische Vertre- tung verw eigerte eine Erteilung des Visum s form los und leitete das G e- such an das BFM (nachfolgend: Vorinstanz) zur Prüfung und zum form el- len Entscheid w eiter. D abei verm erkte sie unter anderem , der G astgeber habe versucht, das Visum durch Bezahlung eines grösseren G eldbetrages erhältlich zu m achen. B. D ie Vorinstanz w ies das G esuch um Bew illigung der Einreise m it Verfü- gung vom 16. N ovem ber 2006 ab. D ies m it der Begründung, es bestehe nicht genügend G ew ähr für eine anstandslose und fristgerechte W ieder- ausreise der G esuchstellerin. C . M it Eingabe vom 1. D ezem ber 2006 beantragte der Ehem ann der G astge- berin J._______ (nachfolgend: Beschw erdeführer) beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuhe- ben und das Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt sei zu er- teilen. Zur Begründung rügte er sinngem äss, die Vorinstanz gehe zu U n- recht davon aus, die W iederausreise nach dem Besuchsaufenthalt w äre nicht gew ährleistet. D ie G esuchstellerin w erde bei ihm und seiner Fam ilie w ohnen. Er habe für sie eine Versicherung abgeschlossen und w erde für alle Kosten aufkom m en. D . In ihrer Vernehm lassung vom 13. D ezem ber 2006 hält die Vorinstanz an der angefochtenen Verfügung fest und schliesst auf Abw eisung der Be- schw erde. D er G esuchstellerin fehle es an beruflichen und persönlichen Verpflichtungen im H eim atland, w elche G ew ähr für eine fristgerechte W ie- derausreise nach dem Besuchsaufenthalt bieten könnten, und der Be- schw erdeführer habe versucht, das Visum m ittels Bestechung erhältlich zu m achen. E. D er Beschw erdeführer verzichtete auf eine R eplik. F. Auf den w eiteren Akteninhalt und die Vorbringen der Parteien w ird, sow eit rechtserheblich, in den Erw ägungen eingegangen. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Verw eigerung der Einreisebew illi- gung unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und Art. 33 Bst. d des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]).3 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G rich- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Bun- desgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsgerichtsgesetz nichts ande- res bestim m t. 1.3 D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 2. D er Beschw erdeführer ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 3. 3.1 D ie Schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist - vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe - von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung vom 14. Janu- ar 1998 über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern [VEA, SR 142.211]; PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold (H rsg.), Auslän- derrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M . 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La protec- tion de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel/ G enf/M ünchen 2000, S. 24). 3.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (vgl. Art. 1 bis 5 VEA). D ie G e- suchstellerin kann sich auf keine Ausnahm eregelung berufen; sie ist auf- grund ihrer Staatsangehörigkeit visum spflichtig. 3.3 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Art. 1 Abs. 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. G em äss Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA haben sie unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten. D ie Vorinstanz verw eigerte der G esuchstellerin die Erteilung eines solchen Visum s insbesondere m it der Begründung, ihre fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 3.4 3.4.1 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen 4 sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.4.2 D ie W irtschaft Sri Lankas ist 2005 real um 5,3% gew achsen. D as Pro- Kopf-Einkom m en betrug fast 1200 U S-D ollar, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 23,6 M rd. U S-D ollar. Für 2006 w ird erneut ein hohes W irtschafts- w achstum von über 6% erw artet. D urch die restriktive G eldpolitik der Zen- tralbank konnte die Inflationsrate - bei kurzfristigen Ausreissern - im m er w ieder eingedäm m t w erden und soll 2006 unter 10% geblieben sein. D ie Arbeitslosigkeit beträgt seit längerer Zeit ungefähr 8% . D ie w irtschaftliche Entw icklung Sri Lankas w eist allerdings große regionale U nterschiede auf. W irtschaftliches Zentrum ist die R egion rund um C olom bo, die fast die H älfte der gesam ten W irtschaftsleistung erbringt. D ie grundsätzlich erm uti- genden w irtschaftlichen Entw icklungen können allerdings nicht über die Tatsache hinw egtäuschen, dass nach w ie vor breite Bevölkerungsschich- ten von vergleichsw eise schw ierigen ökonom ischen und sozialen Lebens- bedingungen betroffen sind. D ie w ichtigste Einnahm equelle neben dem Tourism us sind die Transferzahlungen der im Ausland lebenden Srilanker (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Stand: N ovem ber 2006). N ach dem erneuten Ausbruch von Käm pfen zw ischen den staatlichen M ili- tärs und der Liberation Tigers of Tam il Eelam (LTTE) an verschiedenen O rten im N orden (Trincom alee, Batticaloa) und O sten (Jaffna) des Landes sow ie in der R egion der H auptstadt C olom bo hat sich die Sicherheitslage in Sri Lanka seit Ende 2006 w ieder verschlechtert. Experten befürchten, dass sich dies m assiv auf die w irtschaftliche Entw icklung ausw irken w ird, zum al ein G rossteil der D evisen aus dem Tourism us resultieren. D er M i- grationsdruck gerade in der jungen Bevölkerung präsentiert sich, w ohl nicht zuletzt aufgrund der ungünstigen Entw icklung im Sicherheitsbereich, ungebrochen. D er Trend zur Ausw anderung zeigt sich erfahrungsgem äss dort besonders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Freunden bereits ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland be- steht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven Zulas- sungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim - m ungen. 3.5 3.5.1 Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solche allgem einen U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einem G esuchsteller bzw . einer G esuchstellerin im H eim atstaat beispielsw eise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durchaus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünsti- gen. U m gekehrt m uss bei G esuchstellern und G esuchstellerinnen, die in 5 ihrer H eim at keine der erw ähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer m öglichen Em igration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfah- rungen das R isiko eines frem denpolizeilich nicht vorschriftsgem ässen Ver- haltens (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch ein- geschätzt w erden. 3.5.2 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine ledige, 21-jährige Frau. Ü ber ihre persönliche und fam iliäre Situation ist nichts näheres bekannt. D ass persönliche Verantw ortlichkeiten oder fam iliäre Bande vorhanden w ären, w elche nachhaltig von einer allfälligen Em igration abhalten könn- ten, ergibt sich w eder aus den Akten, noch w ird solches vom Beschw erde- führer geltend gem acht. 3.5.3 In gleicher W eise kann auch nicht auf w irtschaftliche Verhältnisse ge- schlossen w erden, die G ew ähr für eine R ückkehr ins H eim atland bieten w ürden. D iesbezüglich ist ebenfalls sehr w enig offengelegt w orden. Fest steht, dass die G esuchstellerin keiner Erw erbstätigkeit nachgeht. W ovon sie lebt, ist nicht einsichtig. Im Visum santrag gab sie sich als Studentin aus. Belegt w urde allerdings auch dies nicht. D och selbst w enn zuträfe, dass sie einem Studium nachgeht, liesse sich daraus nichts zugunsten der G esuchstellerin ableiten. D enn es versteht sich von selbst, dass unter den geschilderten w irtschaftlichen und sicherheitspolizeilichen Verhältnissen eine begonnene Ausbildung nicht verlässlich davon abhalten kann, zu em i- grieren. 3.5.4 D ie Vorinstanz durfte unter den gegebenen U m ständen zu R echt davon ausgehen, die fristgerechte W iederausreise der G esuchstellerin sei nicht gew ährleistet (vgl. Art. 14 Abs. 1 i.V.m . Art. 1 Abs. 2 lit. c VEA). Zw ar lässt sich diese Einschätzung nicht zu einer gesicherten Feststellung verdich- ten; sie reicht aber aus, um die Erteilung einer Einreisebew illigung - auf w elche w ie bereits erw ähnt ohnehin kein R echtsanspruch besteht - abzu- lehnen. 3.6 An der R isikoeinschätzung verm ag die Bereitschaft des Beschw erdefüh- rers, besondere G arantien zu leisten, nichts zu ändern. Bei der Abw ägung des R isikos einer nicht fristgerechten W iederausreise sind nicht so sehr die Einstellung oder Absichten des G astgebers, sondern ist in erster Linie das m ögliche Verhalten des G astes selbst von Bedeutung. N ur Letzterer ist in der Lage, hinreichend G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslo- se W iederausreise zu bieten. D er G astgeber kann zw ar für gew isse finan- zielle R isiken G arantie leisten, m angels rechtlicher und faktischer D urch- setzbarkeit nicht aber für ein bestim m tes Verhalten des G astes. 3.7 Vor dem aufgezeigten sachlichen und rechtlichen H intergrund kann offen- bleiben, ob und falls ja, w elchen Einfluss der von der schw eizerischen Ver- tretung erhobene Vorw urf des Bestechungsversuchs auf die R isikoein- schätzung hat. Ebenfalls nicht beantw ortet w erden m uss die Frage, ob der deklarierte Aufenthaltszw eck (U nterstützung und M ithilfe im H aushalt des Beschw erdeführers) als Erw erbstätigkeit einzustufen und dam it vom Vi- sum szw eck nicht gedeckt w äre. 6 3.8 D ie Vorinstanz hat m it der angefochtenen Verfügung kein Bundesrecht verletzt. D er rechtserhebliche Sachverhalt w urde richtig und vollständig festgestellt und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Erm essen pflichtge- m äss und zutreffend ausgeübt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 4. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be- schw erdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R egle- m ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv S. 7)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 21. Februar 2007 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben, Akten 2 255 892 retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: A. Im oberdorf P. M äder Versand am :