Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 22. August 2019 (720 18 330 / 205) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts: Auf das ei ngeholte Verwaltungsgutachten kann abgestellt werden; Die nach dem Verfügungszeitp unkt durchgeführten medizini- schen Untersuchungen können erst im Rahmen einer Ne uanmeldung Berücksichtigung finden. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Beat Her sberger, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Katja Wagner Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch O zan Polatli, Advokat, Advokatur Gysin & Roth, Zeughausplatz 34, Postfach 375, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1965 geborene A.____ meldete sich mit Gesuch vom 14. Dezember 2016 unter Hinweis auf Rückenbeschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse lehnte die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 4. September 2018 nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren den Anspruch auf eine Invalidenrente ab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Ozan Polatli, Advokat, mit Ein- gabe vom 5. Oktober 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 4. September 2019 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verurteilen, ihm die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der Weisung nach vollständiger und korrekter Feststel- lung des Sachverhalts neu zu entscheiden; unter o/e-Kost enfolge. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht beantragte er die unentgeltliche Prozessführung m it Advokat Polatli als Rechtsbeistand. Ferner ersuchte er um Ansetzung einer Nachfrist für e ine ergänzende Begründung seiner Be- schwerde. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor , dass das von der Beschwerdegeg- nerin eingeholte Gutachten aus verschiedenen Gründen n icht beweiskräftig sei. Ferner sei das dem Einkommensvergleich zugrunde gelegte Valideneinkommen zu tief festgesetzt worden. Viel- mehr sei infolge seiner beruflichen Qualifikation und Erfahrung das Kompetenzniveau 3 des Sek- tors Baugewerbe und damit ein Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 7'243.-- zu veranschla- gen. Des Weiteren sei ihm ein leidensbedingter Abzug in der Höhe von 25% zu gewähren. C. Mit prozessleitender Verfügung vom 17. Oktober 2018 bewilligte die instruierende Prä- sidentin des Kantonsgerichts dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Polatli als Rechtsbeistand. Gleichzeitig wurde der An- trag auf Fristerstreckung zur Einreichung einer ergänzenden Beschwerdebegründung unter Ver- weis auf die einschlägigen prozessrechtlichen Bestimmungen abgewiesen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Dezember 2018 schlo ss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. E. In seiner Replik vom 15. Februar 2019 hielt der Besc hwerdeführer vollumfänglich an seinen Anträgen und seinen wesentlichen Begründungen f est. Im Rahmen einer weiteren Ein- gabe vom 27. Mai 2019 stellte er die Einreichung wei terer Unterlagen in Aussicht und ersuchte in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Mit Duplik vom 20. Juni 2019 hielt auch die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest. F. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 25. Juni 2019 wurde der Verfahrensantrag des Beschwerdeführers auf Durchführung einer Parteiverhandlung mit der Begründung abgewiesen, dass der Antrag ein eigentlicher Beweisantrag auf Anhö rung des Beschwerdeführers und nicht ein Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verha ndlung im Sinne der Europäischen Men- schenrechtskonvention (EMRK) sei. Es sei in diesem Zusammenhang ferner zu beachten, dass im Wesentlichen die Diagnosestellung und der Umfang d er dem Beschwerdeführer verbleiben- den Arbeitsfähigkeit strittig seien, womit Fragen im Vordergrund stünden, für deren Beantwortung auf die medizinischen Berichte von Fachärzten abzustelle n sei. Es sei nicht die Aufgabe des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gerichts gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers eine medizinische Beurteilung abzu- geben. Vielmehr seien die entsprechenden Unterlagen ei ner eingehenden Würdigung zu unter- ziehen. G. Mit Schreiben vom 10. Juli 2019 legte der Beschwerd eführer weitere Unterlagen ins Recht. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht und im Weiteren form- und fristge- recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine I nvalidenrente. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 4. September 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterli- chen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). Später eingereichte ärztliche Berichte sind ausnahmsweise zu berücksichtigen, wenn daraus Rückschlüsse auf de n Gesundheitszu- stand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses gezogen werden kö nnen (vgl. BGE 121 V 362 E. 1b in fine). 3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invalidi- tätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem Inva liditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). 3.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 3.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem st rukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksi chtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander- seits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einord- nung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer recht- lich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbr ingen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E . 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 4. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung als mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbar, in Bezug auf bestimmt e Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusammenstel- lung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit za hlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). Gemäss diesen Richtlinien ist den im Rahmen des Verwaltungsver- fahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehen- der Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Ve rsicherten sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen Unterlagen von Relevanz: 6.2 Im Bericht vom 16. April 2016 diagnostizierte Dr. med. B.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, ein Lendenwirbelsyndrom mit einer Spinalkanal stenose L3/4 und eine Gonarthrose rechts. Die Hauptbeschwerden bestünden im Rücken und in den Knien. 6.3 Am 4. Mai 2016 führte Dr. med. C.____, FMH Rheu matologie, aus, dass der Patient über Schmerzen klage, welche nur belastungsabhängig, unter anderem bei der Arbeit, verstärkt seien. Die Schmerzen hätten so Ende 2015 begonnen. Seit ein paar Jahren bestünden auch Knie- schmerzen ventral, links stärker als rechts. Die Prognose der Gonarthrose sei umso schlechter je mehr Körpergewicht der Patient habe. 6.4 In seinem Bericht vom 7. Juni 2016 stellte Dr. med. D.____, FMH Orthopädische Chirur- gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, die Diagnosen eines chronischen Lumboischi- algiesyndroms und einer Osteochondrose L5/S1 mit relativer Spinalkanalstenose L3/4 und L4/5. Der Patient leide seit circa einem halben Jahr unter Schmerzen lumbal, die über den anterolate- ralen Oberschenkel bis in beide Knie ausstrahlen würden. Diese Schmerzen würden sowohl nach längerem Sitzen als auch nach längerem Gehen auftreten. Die Beschwerden des Patienten seien nur zum Teil objektiv nachvollziehbar. Es liege zwar eine Spinalkanal-stenose, insbesondere auf Höhe L4/5, vor, hinsichtlich einer Operationsindikation sei aber noch Zurückhaltung angebracht. Zum einen habe der Patient grosse Angst vor einer Operation, zum anderen seien aufgrund der Arbeitssituation keine guten Voraussetzungen für ein Outcome gegeben. Es sei demnach primär Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Steroid-Infiltration durchzuführen. Da der Patient zunächst noch Urlaub geplant habe, wür- den die Infiltrationen erst danach in die Wege gele itet. Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit müsse aufgrund der objektivierbaren Befunde im MRI eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Bodenleger zuerkannt werden. In einer entsprechend an gepassten Tätigkeit sollte der Patient jedoch mittelfristig mindestens zu 50% arbeitsfähig sein. 6.5 Am 18. August 2016 berichtete Dr. D.____, dass die Beschwerden des Patienten auch nach erfolgtem Urlaub unverändert seien, weshalb die D urchführung einer epiduralen Steroid- Infiltration angezeigt sei. Danach sei eine erneute Sprechstunde zu vereinbaren. Der Patient ma- che einen relativ passiven Eindruck, was aber auch an der Sprachbarriere liegen könne. 6.6 Mit Bericht vom 8. Januar 2017 attestierte Dr. E._ ___ dem Versicherten bei den bekann- ten Diagnosen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Bodenleger sowie mit Verweis auf die Be- richte von Dr. D.____ eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in einer angepassten Tätigkeit. 6.7 Im Gutachten vom 30. November 2017 stellte Dr. med . F.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chroni- sches lumbospondylogenes Syndrom beidseits mit/bei rel ativer Spinalkanalstenose L3/4 und L4/5 bei deutlicher Osteochondrose L4/5 sowie eine medial betonte Gonarthrose beidseits, links- betont, fest. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er eine Adipositas WHO Grad II (BMI 36,9 kg/m). Klinisch sei es nicht möglich, die Schmerzen einer Höhe zuzuordnen. Aufgrund der Anamnese mit klar belastungsabhängigen Schmerzen mi t doch deutlich eingeschränkter Gehstrecke sei zu vermuten, dass hinsichtlich der Spinal kanalstenose entweder die Etage L3/4 oder dann die Etage L4/5 relevant seien. Im aktuellen Röntgen der LWS bestätige sich die doku- mentierte ausgeprägte Osteochondrose L4/L5. Zum einen f änden sich bildgebend nachgewie- sene Befunde, welche mechanische Beschwerden klar nachvoll ziehen lassen würden. Zum an- deren hätten auch gewisse Diskrepanzen zwischen den subjektiven Angaben und den objektiven Befunden ausgemacht werden können, insbesondere sei ei n dauerhaft in Ruhe bereits vorhan- dener Rückenschmerz bei dieser Pathologie schwierig nachzuvollziehen. Auch habe der Explo- rand eine relativ passive Art gezeigt. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte Dr. F.____ aus, dass in der angestammten Tätigkeit als Bodenleger eine vol lständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Es handle sich bei dieser Arbeit um eine körperlich mittelschwere z.T. auch schwere Tätigkeit, wel- che unergonomische Stellungen, kniend und kauernd, umfa sse und mit einer erheblichen Rückenbelastung getätigt werden müsse. Dies sei ihm aufgr und der Rücken- wie auch Kniepa- thologie nicht mehr möglich. Vonseiten des Rückens seien keine Arbeiten nur sitzend, nur ste- hend oder nur gehend, Arbeiten in Zwangsstellungen, wie z.B. dauernd vorgeneigt, repetitiv vorn- über bückend oder dauernd über Kopf möglich. Vonseiten der Knie seien keine Arbeiten nur ge- hend oder nur stehend, kauernd oder repetitiv bückend möglich. Für eine Verweistätigkeit, welche der Explorand vorwiegend sitzend tätigen könne, welche sich im leichten Bereich bewege (kein Heben, Stossen und Ziehen von Lasten über 10kg) und welche die genannten Restriktionen be- züglich Rücken und Knie respektiere, bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- halts und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten vollumfä nglich auf die Ergebnisse, zu denen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. F.____ in seinem Gutachten vom 30. November 2017 gelangt war. Sie ging demzufolge da- von aus, dass dem Versicherten seine angestammte Tätigkeit als Bodenleger nicht mehr zumut- bar sei. Hinsichtlich einer leidensadaptierten, körperlich leichten Tätigkeit bestehe aber eine voll- schichtige Arbeitsfähigkeit. 7.2 Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu bea nstanden. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi gen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. E. 5.3 hiervor mit Hinweis auf BGE 125 V 353 E. 3b/bb). Vorliegend besteht kein Anlass, von den Ergebnissen des zit ierten Gutachtens von Dr. F.____ abzuweichen. Das Gutachten ist umfassend und die dari n dargelegten medizinischen Zusam- menhänge sowie die jeweils vorgenommenen Schlussfolger ungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Der Gutachter hat den Versicherten persönl ich untersucht, eine umfassende Anamnese erhoben und geht einlässlich auf seine Angaben und Beschwerden ein. Er setzt sich zudem fundiert mit den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten auseinander und nimmt zu abweichende Einschätzungen in überzeugender Weise Stellung. 7.3.1 Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen di e ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens nicht in Frage zu stellen. Der Beschwerde führer zweifelt die Beweistauglichkeit des Gutachtens zunächst insofern an, als das der Experti se zugrundeliegende Untersuchungs- gespräch lediglich 60 Minuten gedauert habe und folgl ich nicht ausreiche, um eine verlässliche Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit vornehmen zu können. Diesbe- züglich ist darauf hinzuweisen, dass es praxisgemäss für den Aussagegehalt eines Arztberichtes nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt. Massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts vom 14. Februar 2014, 8C_847/2013, E. 5.1 mit Hinweisen). Wie hiervor dargelegt (vgl. E. 7.2), sind diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt. Zumal keine konkreten Hinweise bestehen, wonach sich die Untersuchungsdauer negativ auf die Qualität des Gutachtens ausgewirkt hätte, erscheint der zeit- lich betriebene Aufwand mit Blick auf das zu beurteilend e Krankheitsbild im Übrigen als ange- messen. 7.3.2 Im Weiteren macht der Beschwerdeführer auf der Grundlage der Berichte von Dr. D.____ vom 27. Juni 2016 und Dr. E.____ vom 8. Ja nuar 2017 geltend, dass in einer ange- passten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50% gegeben sei. In pflichtgemässer Würdi- gung der medizinischen Aktenlage fällt zunächst auf, dass sowohl hinsichtlich der Diagnosen sowie insbesondere auch in Bezug auf die daraus resultierenden funktionellen Einschränkungen keine wesentlich divergierenden Einschätzungen durch die involvierten Fachpersonen auszu- machen sind. Der Gutachter hat zu den vom Beschwerdeführer angerufenen Berichten Stellung genommen und gelangt dabei überzeugend zum Ergebnis, dass das vorliegende Diagnosebild keine weitergehende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu begründen vermag. Seine Ausfüh- rungen stehen sodann im Einklang mit den fachärztlichen Feststellungen von Dr. Hagmann, der bereits am 4. Mai 2016 eine vollständige Arbeitsfähig keit für eine leichte, überwiegend sitzende Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeit attestierte. Demgegenüber lässt sich weder dem Bericht von Dr. D.____ noch dem Be- richt von Dr. E.____ eine nachvollziehbare Begründung für die von ihnen vorgenommenen Ar- beitsunfähigkeitsbeurteilungen entnehmen. Namentlich ist daraus sowie gestützt auf weitere Be- richte nicht ersichtlich, weshalb dem Versicherten eine leichte wechselbelastende Tätigkeit, wel- che die Einschränkungen vonseiten des Rückens und den Knien berücksichtigt, nicht vollschich- tig zumutbar sein soll. Dies umso weniger, als der Beschwerdeführer denn auch keine – nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Asp ekte benennt, welche bei der Begutach- tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären und eine abweichende Beurteilung zu recht- fertigen vermöchten (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. September 2013, 9C_425/2013, E. 4.1 und vom 14. Februar 2011, 8C_642/2012, E. 5.2). Insgesamt vermögen diese Berichte je- denfalls keine hinreichenden Zweifel an der Zuverlässig keit und Schlüssigkeit des Gutachtens von Dr. F.____ zu begründen. 7.3.3 Soweit der Beschwerdeführer die Beweiskraft des G utachtens schliesslich dahingehend in Frage stellt, als er in seiner Eingabe vom 27. Mai 2019 bzw. 10. Juli 2019 eine Verschlechte- rung des Gesundheitszustandes, namentlich aufgrund einer neu eingetretenen Depression, gel- tend macht, kann er aus diesem Umstand nichts zu seinen G unsten ableiten. Er verkennt bei seiner Argumentation, dass ärztliche Berichte, welche auf Untersuchungen gründen, die nach dem Verfügungszeitpunkt erfolgt sind (vgl. E. 2 hiervor ), ausnahmsweise nur dann beachtlich sind, wenn daraus klare Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt der Verfügung gezogen werden können. Die Erstdiagnose der psychischen Beschwer- den erfolgte unbestrittenermassen nach dem Verfügungsze itpunkt. Diese sowie eine damit ver- bundene Verschlechterung des Gesundheitszustandes wären daher erst im Rahmen einer Neu- anmeldung zu würdigen. 7.4 Nach dem Gesagten kann hinsichtlich der Beurteilun g der gesundheitlichen Verhältnisse sowie der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf da s überzeugende Gutachten von Dr. F.____ abgestellt werden. Auf dieser Grundlage ist davon auszugehen, dass dem Beschwerde- führer eine vorwiegend sitzende Tätigkeit, welche sich im körperlich leichten Bereich bewegt, vollschichtig zumutbar ist. 8.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen de r gesundheitlichen Beeinträchti- gung. 8.2 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 4. September 2018 den zur Ermitt- lung des Invaliditätsgrades erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei ermittelte sie sowohl das massgebende Validen- wie auch das zumutbare Invalideneinkommen in Anwen- dung der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE). Grundlage hierfür bil- dete jeweils die Tabelle TA1 der LSE 2014. Anhand des Sektors Baugewerbe, Kompetenzniveau 1, Männer, und damit eines monatlichen Einkommens von Fr. 5’507.--, errechnete die Beschwer- degegnerin unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden und nach Anpassung des Betrags an die branchenübliche Nominallohnentwicklung ein Valideneinkommen in der Höhe von 68'397.--. Das entsprechende Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 66'652.- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht - bestimmte sie gestützt auf den Sektor Total, Kompetenzniveau 1, Männer. Aus der Gegenüber- stellung der Vergleichseinkommen resultierte ein rent enausschliessender Invaliditätsgrad von 3%. 8.3 Der Beschwerdeführer macht im Zusammenhang mit de r konkreten Berechnung gel- tend, für das Valideneinkommen sei mit Blick auf seine jahrzehntelange Erfahrung und die damit verbundene Qualifikation in seinem angestammten Beruf das Kompetenzniveau 3, mithin ein mo- natliches Einkommen von Fr. 7'243.--, heranzuziehen. W ie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt, rechtfertigt sich die Heranziehung eines höheren Kompetenzniveaus für den Fall, dass die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität nich t mehr auf ihren angestammten Beruf zu- rückgreifen kann, rechtsprechungsgemäss nur dann, wenn d er Betroffene über besondere Fer- tigkeiten und Kenntnisse verfügt. Zweifellos war der B eschwerdeführer über einen langen Zeit- raum bei derselben Arbeitsstelle tätig. Dies reicht allein aber nicht aus, um besondere Fertigkeiten und Kenntnisse zu begründen, womit die Festlegung des Valideneinkommens anhand des Kom- petenzniveaus 1 wohl nicht zu beanstanden wäre. Wie es sich damit im Detail verhält, braucht letztlich aber nicht abschliessend beantwortet zu werden, da so oder anders kein rentenbegrün- dender Invaliditätsgrad resultieren kann. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug vorliegend nicht gerechtfertigt ist, da den gesundheitlichen Einschrän- kungen des Beschwerdeführers im Rahmen der Zumutbarkeitsbe urteilung bereits weitgehend Rechnung getragen wurden und hinsichtlich der Restarbeitsfähigkeit eine volle Leistungsfähigkeit ausgewiesen worden ist (vgl. E. 6.7 hiervor). Im Weiteren vermögen das Alter, die fremde Natio- nalität und die damit verbundenen Sprachschwierigkeiten keinen Abzug vom Tabellenlohn zu rechtfertigen, da sich diese Elemente im vorliegend berücksichtigten Anforderungsniveau 1 nicht zusätzlich lohnmindernd auswirken (vgl. Urteile des Bunde sgerichts vom 4. Februar 2009, 9C_939/2008, E. 2.4 und vom 6. März 2009, 9C_492/2008). 9. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Ver fügung der IV-Stelle vom 4. Sep- tember 2019 nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist bei diesem Ergebnis abzuweisen, 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens ei nheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Reg el der unterliegenden Partei in ange- messenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerde führer unterliegende Partei, wes- halb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihm ist allerdings mit verfahrensleitender Ver- fügung vom 17. Oktober 2018 die unentgeltliche Prozessf ührung bewilligt worden, weshalb die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse gehen. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Da dem Beschwerdeführer mit prozessleitender Verfügung vom 17. Oktober 2018 auch die Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht unentgeltliche Verbeiständung mit seinem Rechtsvertret er bewilligt worden ist, hat dessen Ent- schädigung aus der Gerichtskasse zu erfolgen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die An- wältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- ständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der in der Honorarno te vom 10. Juli 2019 für das vorliegende Verfahren geltend gemachte Zeitaufwand von 9 Stunden und 55 Minuten für anwaltliche Bemü- hungen sowie 30 Minuten für die Bemühungen einer Vo lontärin erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Gleiches gilt hinsichtlich der in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von insgesamt Fr. 55.--. Ihm ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'249.15 (9 Stunden und 55 Minuten à Fr. 200.--, 0.5 Stunden à Fr. 100.-- zuzüglich Spesen und Auslagen von Fr. 55.-- sowie 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 10.3 Der Beschwerdeführer wird jedoch ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den dem Beschwer- deführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘249.15 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht