B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-723/2010 U r t e i l v o m 9 . M ä r z 2 0 1 2 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. Parteien A._______, Kamerun, vertreten durch lic.iur. Sabina Sorg, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Januar 2010 / N (…). E-723/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer, ein kamerun i- scher Staatsangehöriger, der Ethnie der Hausa angehörend, seinen He i- matstaat im Januar 2008. Am 21. Juni 2008 reiste er über ihm angeblich unbekannte Länder in die Schweiz ein, wo er am 23. Juni 2008 um Asyl nachsuchte. Anlässlich der Kurzbefragung vom 30. Juni 2008 im Em p- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ und de r Anhörung (in Anwesenheit einer Vertrauensperson) vom 5. Mai 2009 zu den Asylgrü n- den machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er stamme aus einem Dorf in der Nähe der Stadt C._______ (South-West Province), wo er mit seinem Vater gelebt und als (…) gearbeitet habe. Seine Mutter habe er nie gekannt, da sie schon früh verstorben sei. Sein Vater sei das Dorfoberhaupt gewesen und habe dort Land besessen, das er habe verkaufen wollen, was d en Dorfbewohnern nicht gepasst habe. Nachdem der Vater das Land denno ch verkauft habe, hätten die Dorfb e- wohner mit dem neuen Besitzer gestritten, diesen Streit aber verloren. Deshalb hätten sie dem Vater gedroht, ihn und den Beschwerdeführer umzubringen. Eines Nachts seien Dorfbewohner zu ihnen ins Haus g e- kommen, worauf der Beschwerdeführer weggelaufen sei und sich im Wald versteckt habe. Als er zurückgekommen sei, habe er die Leiche sei- nes Vaters gesehen, welche in Brand gesetzt worden sei. Die Dorfbe- wohner hätten auch die beiden Häuser und das (…) des Vaters verbrannt. Danach hätten sie ihn gesucht, um ihn ebenfalls zu töten. Er sei deshalb weggelaufen und habe ein Boot genommen, mit dem er aufs Meer hinaus gerudert sei. Irgendwann habe er ein grosses Schiff angetroffen, welches ihn mitgenommen habe. Als er Land er reicht habe, habe ihm je mand ein Ticket gegeben und gesagt, er solle in einen Zug einsteigen. So sei er in die Schweiz gelangt. B. Mit Verfügung vom 5. Januar 2010 (eröffnet am 7. Januar 2010 ) lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die Vorinstanz b e- gründete den ablehnenden Asylentscheid damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 1 42.31) nicht standhielten. Ausserdem seien seine Vorbringen nicht asylrelevant. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Für die d e-E-723/2010 Seite 3 taillierte Begründung wird, soweit wesentlich, auf die Erwägungen ve r- wiesen. C. Am 8. Februar 2010 erhob der Beschwerdeführer durch seine Recht s- vertreterin Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die Rückweisung der S a- che an die Vorinstanz, eventualiter die Zuerkennung der Flüchtlingse i- genschaft und die Gutheissung des Asylgesuchs, subeventualiter die An- ordnung der vorläufigen Aufnahme sowie in prozessualer Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Mit Zwischenverfügung vom 25. Februar 2010 stellte die Instruktionsrich- terin den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers während des Verfah- rens fest. Gleichzeitig verzichtete sie auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses. E. Am 23. November 2010 reichte der Beschwerdeführer einen medizini- schen Bericht des Psychiatriezentrums D._______, vom 1. Oktober 2010 zu den Akten, gemäss welchem er unter einer (…), leide , und der Ver- dacht auf eine (…) bestehe. F. Mit Eingabe vom 21. Dezember 2010 informierte die Rechtsvertreterin über eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Be- schwerdeführers und reichte einen weiteren Bericht des Psychiatriezen- trums D._______ ein. Darin wird die Diagnose der (…), bestätigt. Weiter hätten sich die Hinweise auf (…) verdichtet. G. Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2012 forderte die Instruktionsrich- terin den Beschwerdeführer auf, innert Frist seinen aktuellen Gesun d- heitszustand beziehungsweise Behandlungsbedarf mittels ärztlichen B e- richten zu belegen. H. Am 8. Februar 2012 reichte der B eschwerdeführer innert erstreckter Frist einen Bericht des Psychiatriezentrums D._______ vom 2. Februar 2012 zu den Akten , gemäss welchem sich sein Gesundheitszustand zune h-E-723/2010 Seite 4 mend stabilisiert habe, wobei nach wie vor von einer psychischen Labilität auszugehen sei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bunde sverwal- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz such t (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3. Die Beschwerd e ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimi ert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-723/2010 Seite 5 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten nament lich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründ et oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1. Die Vorinstanz begründet e ihren ablehnenden Asylentscheid damit, dass die Schilderungen d es Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines Asyl begründenden Sac h- verhalts nicht genügten. So könne er seine Tätigkeit als (…) nicht b e- schreiben und seine Erfahrungen nicht nachvollziehbar schildern. Die r u- dimentären und nicht nachvollziehbaren Angaben zu seiner Haupttätigkeit liessen erste Zweifel an seinen Vorbringen aufkommen. Es gelinge ihm ausserdem nicht, seinen Wohnort zu beschreiben. So wisse er nicht, wie viele Häuser es in seinem Dorf gebe, obwohl er mindestens 15 Jahre dort gewohnt haben wolle. Im Weiteren könne er keine Angaben zur Funktion seines Vaters als Dorfoberhaupt machen, weshalb angenommen werden müsse, dass sein Vater diese Posit ion gar nicht innegehabt habe. Auf- grund dieser unglaubhaften Vorbringen zu seinem Umfeld und seiner Le- benssituation seien auch seine Ausführungen bezüglich Verfolgung, wel-E-723/2010 Seite 6 che sich an seinem Wohnort abgespielt hab en soll, nicht glaubhaft. D ie Aussage, er habe sich nie ausweisen müssen , sei ebenfalls nicht glaub- haft für ein en jungen Mann, der von Kamerun in die Schweiz gereist sei und sich deshalb Gedanken über Ausweise gemacht haben müs se. Wei- ter sei anzufügen, dass es sich bei den geltend gemachten Asylvorbrin- gen um eine Verfolgung durch Privatpersonen handle und nicht um eine staatliche oder vom Staat geduldete Verfolgung. Die Vorbringen seien deshalb nicht asylrelevant , zumal die Behörden in Kamerun schutzfähig und schutzwillig seien. 5.2. In seiner Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer geltend, die Zweifel des BFM an seinen Ausführungen, wonach er (…) gewesen sei, seien unbe rechtigt. So sei zu beachten, dass er noch sehr jung sei , sein Leben lang nichts anderes gemacht h abe, als zu (…), und überdies nie zur Schule gegangen sei. Sein niedriger Bil dungsstand widerspiegle sich auch in seinen Antworten, wie beispielsweise in der Aussage, (…). Da das (…) für ihn eine alltäglich Arbeit gewesen sei, habe diese Tätigkeit nicht viele Einzelschritte beinhaltet, sondern er habe alles automatisch er- ledigt. Das BFM habe es überdies unterlassen, genauer nach den Einzel- schritten zu fragen. Auf die wenigen, detaillierten Fragen des Bundesam- tes habe er jedoch adäquat Auskunft geben können. Die nur rudimentäre Beschreibung seines Wohnortes sei ebenfalls auf seinen tiefen Bildungs- stand zurückzuführen und auf die Tatsache, dass er als (…) sein Dorf nie verlassen habe. Bei d en Angaben zu den fehlenden Identitätspapieren müsse beachtet werden, dass er Kamerun nicht mit der Absicht verlassen habe, in die Schweiz zu gelangen. Er habe sich vor der Tötung seines Va- ters nie Gedanken gemacht bezüglich einer möglichen Ausreise und s o- mit auch nicht bezüglich eines Ausweises. Die Glaubhaftigkeit sei somit vom BFM zu Unrecht verneint worden . Weiter argumentierte der Be- schwerdeführer, bei einer Rückkehr nach Kamerun begründete Furcht vor Verfolgung zu haben, da ihn in seinem Heimatdorf dasselbe Schicksal wie sein Vater ereilen würde. In dem kleinen (…)dorf könne er v on den Behörden keinen effektiven Schutz vor Verfolgung erwarten, und mit einer Strafanzeige würde er sich nur weiteren Verfolgungsmassnahmen aus- setzen. Da er an keinem anderen Ort Kameruns über ein verwandtschaft- liches Netz verfüge, bestehe auch keine zumutbare inländische Fluchta l- ternative. Er erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft, weshalb ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren sei. 5.3. Gemäss dem am 23. November 2010 eingereichten ärztlichen B e- richt vom 1. Oktober 2010 leidet der Beschwerdeführer an einer (…) so-E-723/2010 Seite 7 wie (…). Weiter bestehe der Verdacht auf eine (…). Dem Bericht ist zu entnehmen, dass er dem psychologischen Dienst im August 2010 durch seinen Hausarzt wegen eines (…) Zustandsbildes zugewiesen w orden sei. Dieses sei eine Reaktion auf den negativen Asylentscheid , auf eine Durchsuchung seiner Wohnung durc h die Polizei im (…) 2010 und ein Verfahren bei der Jugendanwaltschaft. Dies habe den Beschwerdeführer stark belastet, und er habe mit (…) auf die Situation reagiert. Die Erinne- rungen an seine Heimat – namentlich der Tod seines Vaters und das An- zünden seines Hauses durch die Dorfbewohner – schienen den B e- schwerdeführer weiterhin sehr zu belasten. Nachdem er sich anfangs gut gefühlt habe in der Schweiz , könne er sich seit dem negativen Asylen t- scheid und der Hausdurchsuchung in der Schule nicht mehr konze ntrie- ren und erbringe schlechte Leistungen. Zur Beruhigung konsumiere er Al- kohol und Cannabis. Falls er in seine Heimat zurückkehren müsse, würde er sich das Leben nehmen. Die Psychologin führte weiter aus, der negati- ve Asylentscheid habe den Beschwerdeführer innerlich aus der Bahn g e- worfen und bislang erfolgreich verdrängte Erinnerungen an traumatische Erlebnisse in seinem Heimatland wieder wachgerufen. Aufgrund der b e- obachtbaren Symptomatik ([…]) müsse die Bedrohung zu Hause als real eingeschätzt werden. Bei einer definitiven Ablehnung des Asylgesuchs sei er als suizidgefährdet einzuschätzen und benötige eine engmaschige Betreuung. In einem weit eren ärztlichen Bericht vom 21. Dezember 2010 bestätigte die Psychologin ihre vormalige Einschätzung nach einer e twas mehr als dreimonatigen Behandlung mit regelmässigen Terminen alle zwei bis drei Wochen. 5.4. Dem auf Anfrage des Bundesverwaltungsgerichts eingereichten ärzt- lichen Bericht vom 2. Februar 2012 ist zu entnehmen, dass sich der G e- sundheitszustand des Beschwerd eführers im Verlauf des Winters 2011 zunehmend stabilisiert habe, so dass auf die regelmässigen Gespräche ab März 2011 vorläufig verzichtet worden sei. Er habe sich immer wieder telefonisch gemeldet, um den Kontakt aufrechtzuerhalten; die Medikation ([…]) sei weitergeführt worden, nun bei Bedarf. Es sei jedoch weiterhin von einer psychischen Labilität des Patienten auszugehen. Er werde schon durch kleine Veränderungen in seinem Alltag – wie beispielsweise einer Veränderung der Wohnsituation in der Asylunter kunft – aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Behandlung sei nach dem letzten Schreiben des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2012 in Form einer r e- gelmässigen (…)medikation und Gesprächen wieder aufgenommen wo r- den und werde weitergeführt, bis der Beschwerdeführer psychisch wieder stabiler sei. An der Diagnose einer (…) müsse, trotz Verbesserung des E-723/2010 Seite 8 Gesundheitszustands in den vergangenen Monaten, festgehalten we r- den. 6. 6.1. Die Vorinstanz hat gesetzes - und praxiskonform erwogen, dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 AsylG nicht genügen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann im Wesentlichen auf die Begründung des Bundesamtes gemäss der Z u- sammenfassung in Erwä gung 5.1 oben und der angefochtenen Verf ü- gung im Detail verwiesen werden. So ist der Einschätzung des BFM zu- zustimmen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers wenig konkret und detailliert ausfielen und somit den Eindruck vermitteln, er habe das Geschilderte nicht selbst erlebt . Er k onnte namentlich keine genauen Auskünfte zu seinem Heimatdorf, zu seiner Tätigkeit als (…) und zur Stel- lung seines Vaters als Dorfoberhaupt geben. Die Beschreibung des Re i- seweges fiel ebenfalls nur rudimentär aus und ist als r ealitätsfremd ein- zustufen. Gesamthaft sind die Vorbringen des Beschwerdeführers anläss- lich der Befragung zur Person und der Anhörung zu den Asylgründen als unglaubhaft zu qualifizieren. Die Beschwerdeschrift enthält keine stichhaltigen Gegenargumente und vermag deshalb keine andere Sichtweise zu begründen. Der niedrige Bi l- dungsstand des Beschwerdeführers – soweit ihm dieser überhaupt g e- glaubt werden kann – vermag sein Unvermögen, seinen Alltag und seine Umgebung zu beschreiben, nicht zu erklären. Gerade wenn er sein L e- ben lang im gleichen Dorf gelebt hätte und täglich der (…) nachgegangen wäre, wäre davon auszugehen, dass er diese Tätigkeit und auch seine Heimat sehr gut gekannt und hätte beschreiben können. 6.2. Bei dieser Sachlage und in Würdigung der gesamten Umstände und Vorbringen des Beschwerdeführers ist zusammenfassend festzustellen, dass dieser keine asylrechtlich rel evante Verfolgung glaubhaft machen konnte und die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingse i- genschaft somit nicht erfüllt. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführun- gen in der Beschwerde und die Ausführungen in den medizinischen B e- richten einzugehen, da diese am Ausgang des Verfahrens nichts zu ä n- dern vermögen . Die Vorinstanz hat demnach das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 7. E-723/2010 Seite 9 7.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord- net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruc h auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9, S. 733). 8. 8.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig - stens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebe r- sax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, E-723/2010 Seite 10 unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.1. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde - führers in de n Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit e i- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behan d- lung ausg esetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weitere n Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation i n Kamerun lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem G e- sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage k onkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1. Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung aus, beim B e- schwerdeführer handle es sich um einen jungen , gesunden Mann, der E-723/2010 Seite 11 sich nach einer Rückführung nach Kamerun bei Bedarf an die heimatl i- chen Behörden wenden könne. Seine Angaben zu seinem Heimatdorf und den Bezugspersonen seien unglaubhaft, weshalb anzunehmen sei, dass er in Kamerun über Verwandt e verfüge. Diese könn ten ihn – falls nötig – bei einer Wiedereingliederung unterstützen. Es würden überdies weder die im Heimatstaat herrschende politische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit einer Rückführung nach Kamerun spre- chen. 8.3.2. In seiner Rechtsmitteleingabe legte der Beschwerdeführer dar, ent- gegen der Ansicht der Vorinstanz erweise sich der Vollzug nicht als z u- mutbar. Auch wenn sich die politische Lage in Kamerun beruhigt habe, so stelle sich die soziökonomische Situation als weiterhin äusserst ange- spannt dar. Armut und insbesondere Korruption seien ernsthafte Probl e- me. Die Rückkehr sei insbesondere für unbegleitete Minderjährige sehr schwierig. Für sie gebe es keinerlei Vorkehrungen für Unterstützung, wenn keine Familie vorhanden sei, die sie a ufnehmen könne . Der B e- schwerdeführer sei sehr jung, verfüge in Kamerun über keine Verwandten und habe keine Bildung genossen, weshalb es für ihn unmöglich sei, sich in seinem Heimatland wirtschaftlich und sozial zu reintegrieren. Bei einer Rückkehr würde e r in eine existenzbedrohende Lage geraten. Der We g- weisungsvollzug erweise sich deshalb als unzumutbar. Im weiteren Ve r- lauf machte der Beschwerdeführer unter Beilage entsprechender Berichte psychische Probleme geltend, welche einem Wegweisungsvollzug entg e- genstehen würden (vgl. E. 5.3. f.). 8.3.3. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen inzwischen (…)- jährigen Mann, der geltend macht, in Kamerun keine Bezugspersonen mehr und überdies psychische Probleme zu haben. Dem BFM ist in se i- nen Erwägungen zuzustimmen, dass dessen Angaben zum Heimatdorf und zu den fehlenden Bezugspersonen unglaubhaft sind und anzune h- men ist, dass er in Kamerun über Familie und Verwandte verfügt. Da er inzwischen volljährig geworden ist, ist die Vereinbarkeit eines Wegwe i- sungsvollzugs mit dem Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) nicht mehr zu prüfen. 8.3.4. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen. Gemäss den medizinischen Berichten leidet dieser an einer (…) und ei- ner (…). Er befand sich deshalb vom 9. September 2010 bis im März 2011 und erneut wieder seit Erhalt der Instruktionsverfügung des Bu n-E-723/2010 Seite 12 desverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2012 in psychologischer Behand- lung, bei Bedarf unterstützt durch (…). Auslöser für die Verschlechterung seines Gesund heitszustandes seien jeweils Kontakte mit dem Gericht, der Beratungsstelle oder der Polizei gewesen. Selbst unter Berücksicht i- gung der psychischen Probleme des Beschwerdefü hrers, welche nicht Abrede gestellt werden sollen, geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass eine Rückkehr nach Kamerun als zumutbar zu erachten ist, ob- schon sich die dortige ökonomische Situation und auch die Gesundheits- versorgung tatsächlich als schwierig darstell en. Die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers sind jedoch nicht derart gravierend, als dass sie die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll zugs zu begründen vermöchten. Aus den eingereichten Arztberichten ist zudem ersichtlich, dass die psychischen Probleme in engem Zusammenhang mit der dr o- henden Ausschaffung aus der Schweiz stehen. Sollten sich beim B e- schwerdeführer heute noch vorhandene oder wiederaufflammende (…) Tendenzen im Falle eines allfälligen zwangsweisen Vollzugs der Wegwei- sung akzentuieren, wäre dem im Rahmen der Rückreisevorbereitung von den Vollzugsbehörden mit geeigneten medikamentösen oder allenfalls psychotherapeutischen Massnahmen entgegenzuwirken, so dass für den Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ernster gesundhe itlicher Sch ä- den ausgeschlossen werden kann. Zudem hat der Beschwerdeführer die Möglichkeit, bei der Vorinstanz medizinische Rückkehrhilfe zu beantr a- gen. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde ist überdies – wie bereits erwähnt – davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Kamerun nicht auf sich alleine gestellt sein wird, sondern, soweit erforder- lich, bei der Reintegration auf die Unterstützung seiner Familie und Ver- wandten zählen können wird. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der We gweisung somit als zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. 8.4. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückke hr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweis ungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). E-723/2010 Seite 13 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Ar t. 63 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt der Beschwerdee inreichung minderjährig, weshalb von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist. Da die Rechtsbegehren ausserdem nicht als aussichtslos im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG bezeichnet we r- den konnten, ist das Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gutzuheissen und von einer Kostenerhebung abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) E-723/2010 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel Versand: