<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 108 S.498</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">498</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">[...]</span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>108 Gemeindeversammlung; die Versammlungsteilnehmenden können nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Absetzung eines angekündigten Verhandlungsgegenstandes beschlies-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres, Gemeindeabtei-</span><br/> <span class="ft3">lung, vom 7. Februar 2008 in Sachen B. gegen die Einwohnergemeinde Y.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Gemeinderecht</span> <span class="page_no">499</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Die Stimmberechtigten haben an der Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">die Absetzung bzw. die Streichung eines Verhandlungsgegenstandes</span><br/> <span class="ft1">von der Traktandenliste beschlossen. Es stellt sich damit die Frage</span><br/> <span class="ft1">nach der Zulässigkeit dieses Absetzungsbeschlusses.</span><br/> <span class="ft1">a) Die Gemeindeversammlung wird ordentlicherweise durch</span><br/> <span class="ft1">den Gemeinderat einberufen (vgl. § 22 des Gesetzes über die Ein-</span><br/> <span class="ft1">wohnergemeinden [GG] vom 19. Dezember 1978). Die Befugnis, die</span><br/> <span class="ft1">Traktandenliste für die Gemeindeversammlung festzulegen, steht</span><br/> <span class="ft1">ebenfalls dem Gemeinderat zu (§ 23 Abs. 1 GG). Existieren für die</span><br/> <span class="ft1">Behandlung bestimmter Aufgaben keine zwingenden Vorschriften</span><br/> <span class="ft1">und sind bestimmte Gegenstände auch nicht gestützt auf das schrift-</span><br/> <span class="ft1">liche Begehren eines Zehntels der Stimmberechtigten (§ 22 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">GG) oder aufgrund des Vorschlagsrechtes in der Gemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung (§ 28 GG) an die Hand zu nehmen, so liegt es im freien</span><br/> <span class="ft1">Ermessen des Gemeinderates zu entscheiden, ob, zu welchem Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt und unter welchen Rahmenbedingungen die Versammlung mit</span><br/> <span class="ft1">einem in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Geschäft befasst</span><br/> <span class="ft1">werden soll (AGVE 1979, S. 429 f.). Das heisst, hinsichtlich des</span><br/> <span class="ft1">sachlichen Umfanges der Traktandenliste steht der Versammlung</span><br/> <span class="ft1">kein eigentliches Antragsrecht zu. Aus diesem Grund existiert in den</span><br/> <span class="ft1">einschlägigen Gesetzen auch keine Vorschrift, welche von den Vor-</span><br/> <span class="ft1">sitzenden verlangen würde, die Traktandenliste vor dem Beginn der</span><br/> <span class="ft1">Versammlung zur Diskussion zu stellen. Wenn dies trotzdem getan</span><br/> <span class="ft1">wird, so steht einem solchen Vorgehen indessen kein Hindernis im</span><br/> <span class="ft1">Wege. Allerdings kann es nicht darum gehen, die Traktandenliste</span><br/> <span class="ft1">materiell zu bereinigen. Das Interventionsrecht der Stimmberechtig-</span><br/> <span class="ft1">ten ist vielmehr auf die rechtliche Möglichkeit beschränkt, mittels</span><br/> <span class="ft1">Ordnungsantrages die Reihenfolge der Traktanden zu ändern</span><br/> <span class="ft1">(AGVE 1990, S. 414 ff.; 2000, S. 530 f.; Andreas Baumann,</span><br/> <span class="ft1">Aargauisches Gemeinderecht, 3. Auflage, Zürich 2005, S. 468 f.).</span><br/> <span class="ft1">b) Es steht ausser Frage und wird vom Gemeinderat auch nicht</span><br/> <span class="ft1">bestritten, dass im vorliegenden Fall der Streichungsantrag unzuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig war und über einen solchen nicht hätte abgestimmt werden dür-</span><br/> <span class="ft1">fen. Der Gemeinderat macht allerdings geltend, de facto habe eine</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">500</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">materielle Behandlung des Traktandums stattgefunden, und es liege</span><br/> <span class="ft1">lediglich eine untergeordnete Verfahrensverletzung vor (nämlich die</span><br/> <span class="ft1">vorgezogene materielle Behandlung ohne formellen Beschluss, die</span><br/> <span class="ft1">Reihenfolge der Traktanden zu ändern). Das Abstimmungsergebnis</span><br/> <span class="ft1">drücke den wirklichen Willen der Stimmberechtigten in ihrer ableh-</span><br/> <span class="ft1">nenden Haltung zum Baurechtsvertrag T. aus.</span><br/> <span class="ft1">Die Argumentation des Gemeinderates verfängt nicht. Wie sich</span><br/> <span class="ft1">aus dem Auszug aus dem Protokoll der Einwohnergemeindever-</span><br/> <span class="ft1">sammlung eindeutig ergibt, hat der Versammlungsleiter ausdrücklich</span><br/> <span class="ft1">darauf hingewiesen, dass nicht über die Vorlage als solche, sondern</span><br/> <span class="ft1">nur über die Absetzung des Traktandums diskutiert und abgestimmt</span><br/> <span class="ft1">werde. Auch unmittelbar vor der Beschlussfassung wurde dies vom</span><br/> <span class="ft1">Versammlungsleiter noch einmal herausgestellt. Nachdem somit eine</span><br/> <span class="ft1">Umdeutung des Absetzungsbeschlusses im Sinne der gemeinderätli-</span><br/> <span class="ft1">chen Auffassung in einen materiellen Beschluss über den Baurechts-</span><br/> <span class="ft1">vertrag ausgeschlossen ist, bleibt im Ergebnis festzuhalten, dass ein-</span><br/> <span class="ft1">zig über einen unzulässigen (Streichungs-)Antrag abgestimmt wurde.</span><br/> <span class="ft1">Infolgedessen ist der Beschluss aufzuheben.</span><br/></div> </div> </body> </html>