<h2>SubmittedText<h2><p>Die Geothermie mit einer Bohrtiefe von 3 bis 5 Kilometern wird aufgrund der in Basel und St. Gallen ausgelösten Erdbeben kritisch beurteilt. Eine andere Form der Tiefengeothermie stellt die direkte Nutzung der Wärme aus dem Gestein in einer Tiefe von 5 bis 10 Kilometern dar. Dieses Potenzial soll sich gemäss Konzepten der Schweizer Firma Swiss Geo Power AG (www.swissgeopower.ch) für die Produktion von Strom (Bandenergie) und Wärme eignen. Zu diesem Zweck sollen eine innovative, grosskalibrige Bohrtechnologie (50 Zentimeter Durchmesser) und das Prinzip der Erdsonde zum Einsatz kommen. Mit dieser Technik werden kein "Fündigkeitsrisiko", tiefere Kosten als bei bisherigen Verfahren und eine kostengünstige Produktion versprochen. Deshalb taucht immer wieder das Anliegen auf, diese Bohrtechnologie weiter zu entwickeln und auch in Tiefen von 5 bis 10 Kilometern zu testen.</p><p>Vor diesem Hintergrund stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat das erschliessbare Potenzial zur Nutzung der Wärme des Gesteins in einer Tiefe von 5 bis 10 Kilometern für die Wärme-Strom-Produktion?</p><p>2. Könnte die Nutzung dieses Potenzials für die dezentrale Produktion von Wärme und Strom zu vergleichsweise tiefen Kosten wesentlich zu einer sicheren, nachhaltigen und CO2-armen Energieversorgung der Schweiz beitragen?</p><p>3. Welche Möglichkeiten und Instrumente sieht er zur Unterstützung der Bohrtechnologie in Tiefen von 5 bis 10 Kilometern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Ohne Zweifel ist das theoretische Potenzial für die Wärme- und Strombereitstellung aus der Geothermie ausserordentlich gross. Der Bundesrat verweist an dieser Stelle auf den erst kürzlich publizierten Bericht "Energy from the Earth: Deep Geothermal as a Resource for the Future?", herausgegeben von Stefan Hirschberg (Paul-Scherrer-Institut, PSI), Stefan Wiemer (ETH Zürich) und Peter Burgherr (PSI) im Auftrag des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) der Akademien der Wissenschaften. Der Bericht behandelt die Situation der Tiefengeothermie der Schweiz und illustriert, dass mit einer Abkühlung um 20 Grad Celsius einer rund 150 Grad Celsius heissen, 1,5 Kilometer mächtigen Gesteinsschicht in einer Tiefe von 4 bis 5,5 Kilometern rund 600 000 Terawattstunden an geothermischer Energie bereitgestellt werden könnten. Erweiterte man das Potenzial auf die Gesteinsschichten von 5 bis 10 Kilometern, so käme noch ein Vielfaches dazu. Als massgebende Technologie werden petrothermale Systeme betrachtet, wenn sie erfolgreich demonstriert und zuverlässig einsetzbar gemacht würden. Das erschliessbare Potenzial wurde in derselben Studie mit rund 800 Terawattstunden elektrisch und einer rund zehnfach grösseren Menge an Wärmepotenzial angegeben.</p><p>2. Die dazu notwendige Technologie ist in der Schweiz noch nicht genügend ausgereift und hat daher auch noch nicht den Weg in die Wirtschaftlichkeit demonstriert. Die Wirtschaftlichkeit würde begünstigt, wenn neben Strom auch Wärme verkauft werden könnte. Die obenerwähnte TA-Swiss-Studie schätzt, dass ohne Wärmeabsatz die durchschnittlichen Gestehungskosten rund 36 Rappen pro Kilowattstunden (Bandbreite von 14-69 Rappen pro Kilowattstunden) betragen, wenn jährlich rund 200 Terawattstunden Strom produziert würden. Könnte zusätzlich Wärme zu 7 Rappen pro Kilowattstunde verkauft werden, so würde die Bandbreite der effektiven Stromgestehungskosten, welche durch den gleichzeitigen Wärmeabsatz begünstigt würden, auf 6 bis 31 Rappen pro Kilowattstunde mit einem Mittelwert von 14 Rappen pro Kilowattstunde absinken. Es könnten rund 450 Terawattstunden Strom jährlich mit dem entsprechenden zehnfachen Wärmeabsatz bereitgestellt werden. Die absetzbare Wärme würde den Wärmebedarf der Schweiz bei Weitem überschreiten und könnte somit einen signifikanten Beitrag zur Deckung der Nachfrage leisten.</p><p>3. Weitere Forschung, Pilotprojekte und Demonstrationen sind notwendig, damit sich das Potenzial dieser Technologien entfalten kann. Die Erstellung eines Bohrlochs für den Transport der Wärme aus der Tiefe für die Nutzung auf der Erdoberfläche ist unumgänglich und stellt den Hauptkostentreiber dar. Der Reifegrad diverser Bohrtechnologien ist sehr unterschiedlich. Konventionelle Bohrtechnologien, die das Gestein im Bohrloch durch die Aufbringung von mechanischen Lasten zerkleinern, sind momentan die am besten einsetzbare Technologie. Andere Bohrtechnologien sind in einem Frühstadium ihrer Forschung und Entwicklung und können heute in der Praxis noch nicht zuverlässig und routinemässig eingesetzt werden.</p><p>Um diese und eine Vielzahl anderer Energietechnologien zu fördern, stellt der Bund für die Jahre 2013 bis 2016 im Rahmen des Aktionsplans "Koordinierte Energieforschung Schweiz" insgesamt 202 Millionen Franken zur Verfügung, wobei ein Anteil an das Schweizerische Kompetenzzentrum für die Energieforschung im Bereich Strombereitstellung (SCCER Supply of Electricity) fliesst, welches die Forschungsthemen um die Tiefengeothermie allgemein und im Speziellen auch Bohrtechnologien behandelt. Hinzu kommen die regulären Projektmittel, die über den Schweizerischen Nationalfonds (SNF), die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) und über die Ressortforschung und das Pilot- und Demonstrationsprogramm des Bundesamtes für Energie (BFE) kompetitiv eingeworben werden können.</p>  Antwort des Bundesrates.