<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 33 S.112</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>33 Kanalisationsanschlussgebühr.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Rechtsnatur der Kanalisationsanschlussgebühr (Erw. 3.3).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Die Gebühr bei Ersatzbauten muss (weitgehend) gleich geregelt wer-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>den wie bei Um- und Erweiterungsbauten (Erw. 3.6).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">BGE vom 1. September 2003 (2P.78/2003) in Sachen Stadt Baden/A. AG</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 28. Novem-</span><br/> <span class="ft1">ber 2002 (s. AGVE 2002, S. 163 ff.) erhob die Stadt Baden</span><br/> <span class="ft1">staatsrechtliche Beschwerde.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.3 Nach Auffassung des Verwaltungsgerichts handelt es sich</span><br/> <span class="ft1">bei der "Kanalisationsanschlussgebühr des aargauischen Rechts"</span><br/> <span class="ft1">nicht um eine Gebühr im rechtstechnischen Sinne, welche das Ent-</span><br/> <span class="ft1">gelt für die Inanspruchnahme der Verwaltung bzw. für die Benützung</span><br/> <span class="ft1">einer öffentlichen Einrichtung darstellt, sondern um eine Vorzugslast,</span><br/> <span class="ft1">welche den besonderen wirtschaftlichen Vorteil, der dem Eigentümer</span><br/> <span class="ft1">aus der Entwässerung seines Grundstückes (als eine der Vorausset-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">113</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zungen für die Überbaubarkeit) erwächst, abgelten soll (E. II/3, S. 10</span><br/> <span class="ft1">des angefochtenen Entscheids mit Hinweis auf AGVE 1984,</span><br/> <span class="ft1">S. 271 f.; vgl. auch ZBl 89/1988, S. 206). Eine klassische Gebühr sei</span><br/> <span class="ft1">dagegen die von den Eigentümern periodisch erhobene Benüt-</span><br/> <span class="ft1">zungsgebühr. Diese Auffassung wird von der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">nicht, jedenfalls nicht explizit, in Frage gestellt. Nach den Vorgaben</span><br/> <span class="ft1">des eidgenössischen und kantonalen Rechts könnten die hier</span><br/> <span class="ft1">fraglichen einmaligen Abgaben sowohl als Gebühr als auch als</span><br/> <span class="ft1">Vorzugslast (Beitrag) ausgestaltet sein (vgl. Art. 60a des Bundes-</span><br/> <span class="ft1">gesetzes über den Schutz der Gewässer [GSchG; SR 814.20] vom</span><br/> <span class="ft1">24. Januar 1991 - "mit Gebühren oder andern Abgaben" - sowie § 34</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 BauG/AG, wonach die Gemeinden für die Abwasserbe-</span><br/> <span class="ft1">seitigung Vorzugslasten erheben "können" und, soweit zur Deckung</span><br/> <span class="ft1">der Kosten notwendig, Gebühren erheben müssen; vgl. Ernst</span><br/> <span class="ft1">Kistler/René Müller, Baugesetz des Kantons Aargau, 2. Aufl.,</span><br/> <span class="ft1">Lenzburg 2002, § 34 N 9). Dass die vorliegende Abgabe nicht schon</span><br/> <span class="ft1">bei der Bereitstellung der öffentlichen Kanalisation bzw. mit der</span><br/> <span class="ft1">gewährten Anschlussmöglichkeit, sondern erst mit Erteilung der</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung, d.h. bei unmittelbar bevorstehender tatsächlicher</span><br/> <span class="ft1">Inanspruchnahme der Abwasseranlagen geschuldet ist (§ 41 AR),</span><br/> <span class="ft1">spricht eher für die Einstufung der Abgabe als eigentliche</span><br/> <span class="ft1">Anschlussgebühr (vgl. etwa BGE 106 Ia 241 E. 3b S. 242 f.; Urteil</span><br/> <span class="ft1">2P.121/2001 vom 18. August 2001, E. 2b; Ulrich Häfelin/Georg</span><br/> <span class="ft1">Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002,</span><br/> <span class="ft1">Rz.</span> <span class="ft1">2650; René A. Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel/Frankfurt a.M.</span><br/> <span class="ft1">1990, Nr. 111 B Ib bzw. Nr. 110 B VII), ebenso der Umstand, dass</span><br/> <span class="ft1">die Abgabe nicht nach der (maximal) möglichen, sondern gemäss der</span><br/> <span class="ft1">tatsächlichen Nutzung des Grundstückes berechnet wird. Im Übrigen</span><br/> <span class="ft1">kann auch für die Bemessung von Gebühren auf das Ausmass des</span><br/> <span class="ft1">dem Pflichtigen erwachsenden Vorteils abgestellt werden (vgl. BGE</span><br/> <span class="ft1">109 Ib 308 E. 5b S. 314; 101 Ib 462 E. 3b S. 467; 97 I 193 E. 6</span><br/> <span class="ft1">S. 204). Die Frage der Rechtsnatur der streitigen Kausalabgabe ist</span><br/> <span class="ft1">jedoch, wie sich zeigen wird, für den vorliegenden Streitfall nicht</span><br/> <span class="ft1">ausschlaggebend.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">114</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">3.6 Die vom Grundeigentümer zur Finanzierung der Abwas-</span><br/> <span class="ft1">serentsorgung neben den periodischen Benützungsgebühren zu ent-</span><br/> <span class="ft1">richtenden einmaligen Abgaben, welche vorab die Investitionsausga-</span><br/> <span class="ft1">ben decken sollen, können als Vorzugslast (Mehrwertbeitrag) oder</span><br/> <span class="ft1">als Anschlussgebühr konzipiert sein. Die Vorzugslast ist im Allge-</span><br/> <span class="ft1">meinen bereits dann geschuldet, wenn die öffentliche Anlage fertig</span><br/> <span class="ft1">gestellt ist und dem Grundeigentümer für den Anschluss einer allfäl-</span><br/> <span class="ft1">ligen Baute zur Verfügung steht: der abzugeltende Sondervorteil wird</span><br/> <span class="ft1">abstrakt, d.h. nach der möglichen Nutzung des Grundstückes, be-</span><br/> <span class="ft1">stimmt. Die Anschlussgebühr (welche auch zusätzlich zu Mehrwert-</span><br/> <span class="ft1">beiträgen erhoben werden kann) will dagegen den tatsächlichen An-</span><br/> <span class="ft1">schluss an das öffentliche Netz, den "Einkauf" in dieses, abgelten; sie</span><br/> <span class="ft1">bestimmt sich regelmässig nach Art und Grösse der errichteten</span><br/> <span class="ft1">Baute. Die vorliegend streitige Abgabe erfüllt, wie dargelegt, im</span><br/> <span class="ft1">Wesentlichen die Merkmale einer Anschlussgebühr. Die im Abwas-</span><br/> <span class="ft1">serreglement von 1989 vorgesehenen Bemessungskriterien (Brand-</span><br/> <span class="ft1">versicherungswert, Grösse der Hartflächen) berücksichtigen einer-</span><br/> <span class="ft1">seits das Interesse des Grundeigentümers, welches im Wert der ange-</span><br/> <span class="ft1">schlossenen Baute zum Ausdruck kommt, und tragen andererseits,</span><br/> <span class="ft1">durch Abstellen auf die Hartflächen, bereits auch der Menge des</span><br/> <span class="ft1">anfallenden Meteorwassers Rechnung, wie dies das in Art. 60a</span><br/> <span class="ft1">GSchG verankerte Verursacherprinzip verlangt, welches seine Wir-</span><br/> <span class="ft1">kung im Übrigen insbesondere bei den periodischen Benützungsge-</span><br/> <span class="ft1">bühren entfaltet. Die Auffassung des Verwaltungsgerichts, wonach</span><br/> <span class="ft1">für eine derartig konzipierte Anschlussgebühr zwischen Um- und</span><br/> <span class="ft1">Erweiterungsbauten einerseits und Ersatzbauten andererseits kein</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlicher Unterschied gemacht werden darf, lässt sich verfas-</span><br/> <span class="ft1">sungsrechtlich nicht beanstanden. Wenn bei Um- und Erweiterungs-</span><br/> <span class="ft1">bauten nur der bauliche Mehrwert der veränderten Baute sowie die</span><br/> <span class="ft1">zusätzlich geschaffene Hartfläche durch eine ergänzende Anschluss-</span><br/> <span class="ft1">gebühr erfasst wird, muss diese Betrachtungsweise konsequenter-</span><br/> <span class="ft1">weise auch für Ersatzbauten gelten. Das drängt sich bis zu einem</span><br/> <span class="ft1">gewissen Grad schon aus praktischen Gründen auf, da zwischen Um-</span><br/> <span class="ft1">und Erweiterungsbauten und eigentlichen Ersatzbauten keine scharfe</span><br/> <span class="ft1">Trennung gemacht werden kann. Bei Um- und Erweiterungsbauten</span><br/> <span class="ft1">kann die neu geschaffene Bausubstanz wert- und volumenmässig</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Abgaben</span> <span class="page_no">115</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">neben der verbliebenen Altsubstanz derart dominieren, dass der Vor-</span><br/> <span class="ft1">gang baulich und wirtschaftlich der Erstellung einer Ersatzbaute</span><br/> <span class="ft1">gleich- oder nahekommt. Das Reglement macht in dieser Hinsicht</span><br/> <span class="ft1">keinerlei Differenzierung und es stellt auch nicht darauf ab, aus wel-</span><br/> <span class="ft1">chem Grunde eine Baute abgebrochen wird und wie lange sie be-</span><br/> <span class="ft1">standen hat. Während Um- und Erweiterungsbauten, unabhängig</span><br/> <span class="ft1">vom Verhältnis der alten zur neuen Bausubstanz, gemäss § 40 AR</span><br/> <span class="ft1">nur für die zusätzlich geschaffenen Grössen mit einer Anschlussge-</span><br/> <span class="ft1">bühr belastet werden, schreibt § 43 AR für Ersatzbauten, unabhängig</span><br/> <span class="ft1">von der Grösse der abgebrochenen Altbaute und auch unabhängig</span><br/> <span class="ft1">vom Grund des Abbruches, gleich wie für erstmals angeschlossene</span><br/> <span class="ft1">Neubauten die Erhebung der vollen Anschlussgebühr vor. Die Er-</span><br/> <span class="ft1">richtung einer Ersatzbaute würde sogar die volle Anschlussgebühr</span><br/> <span class="ft1">neu auslösen, wenn sie für die Abwasseranlage eine geringere Belas-</span><br/> <span class="ft1">tung darstellen würde als die beseitigte Altbaute; im Gegensatz dazu</span><br/> <span class="ft1">gewährt § 40 Abs. 3 AR bei Umbauten, die zu einer Reduktion der</span><br/> <span class="ft1">Hartfläche führen, sogar die Rückerstattung der Anschlussgebühren.</span><br/> <span class="ft1">Wenn das Verwaltungsgericht in der unterschiedlichen Berechnung</span><br/> <span class="ft1">der Anschlussgebühr bei Um- und Erweiterungsbauten einerseits und</span><br/> <span class="ft1">Ersatzbauten andererseits einen Verstoss gegen das Gleichbehand-</span><br/> <span class="ft1">lungsgebot erblickte und der Regelung von § 43 AR die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">versagte, lässt sich dies verfassungsrechtlich nicht beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">Auch in der Lehre wird postuliert, dass Ersatzbauten bezüglich der</span><br/> <span class="ft1">Anschlussgebühr wie Umbauten zu behandeln seien bzw. dass ledig-</span><br/> <span class="ft1">lich für die Differenz gegenüber dem früheren Zustand eine Zusatz-</span><br/> <span class="ft1">gebühr zu erheben sei (Werner Spring/Rudolf Stüdeli, Die Finanzie-</span><br/> <span class="ft1">rung kommunaler Abwasseranlagen, Schriftenfolge Nr. 41/Schwei-</span><br/> <span class="ft1">zerische Vereinigung für Landesplanung, Bern 1985, S. 51; Peter</span><br/> <span class="ft1">Karlen, Die Erhebung von Abwasserabgaben aus rechtlicher Sicht,</span><br/> <span class="ft1">in: URP 1999 S. 568, mit Hinweisen; vgl. auch das Urteil des</span><br/> <span class="ft1">bernischen Verwaltungsgerichts vom 7. April 1998, in: BVR 1998</span><br/> <span class="ft1">S. 465 f.). Dass das Bundesgericht in einem unveröffentlichten Urteil</span><br/> <span class="ft1">vom 31. Mai 1994 (2P.161/1992) es als nicht willkürlich erachtet</span><br/> <span class="ft1">hatte, die Errichtung von zwei Mietshäusern mit unterirdischen</span><br/> <span class="ft1">Parkplätzen, die anstelle von drei abgebrochenen, 1914 erbauten</span><br/> <span class="ft1">Gebäuden auf einer neu parzellierten Fläche erstellt wurden, für die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">116</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Bemessung der Anschlussgebühr wie eine Neubaute und nicht wie</span><br/> <span class="ft1">eine blosse Umbaute oder Erweiterung zu behandeln, steht dieser</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung nicht entgegen (vgl. zu diesem Urteil Karlen, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">S. 568). Es wird weder behauptet noch dargetan, dass im vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Fall zwischen der beseitigten Altbaute und der Ersatzbaute be-</span><br/> <span class="ft1">züglich Alter und Nutzungszweck eine ähnliche Diskrepanz bestan-</span><br/> <span class="ft1">den habe. Das von der Gemeinde herangezogene Kriterium des Le-</span><br/> <span class="ft1">bensalters einer Baute findet im fraglichen Reglement, wie das Ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgericht ohne Willkür annehmen konnte, keine Grundlage.</span><br/> <span class="ft1">An diesem Ergebnis würde sich auch nichts ändern, wenn die</span><br/> <span class="ft1">hier fragliche Abgabe gemäss der Auffassung des Verwaltungsge-</span><br/> <span class="ft1">richts als Vorzugslast einzustufen wäre. Es läge auch in diesem Fall</span><br/> <span class="ft1">bezüglich der finanziellen Folgen von Umbauten und Ersatzbauten</span><br/> <span class="ft1">eine rechtsungleiche Behandlung vor.</span><br/> <span class="ft1">3.7 Dass auch Gemeinden, deren Gebiet weitgehend überbaut</span><br/> <span class="ft1">ist und in denen vermehrt nur noch Umbauten und Ersatzbauten ent-</span><br/> <span class="ft1">stehen, auf Abgaben zur Finanzierung der Erneuerung ihrer Abwas-</span><br/> <span class="ft1">seranlagen angewiesen sind, steht ausser Frage. Soweit die öffentli-</span><br/> <span class="ft1">che Abwasseranlage neu erstellt oder in einer allen Liegenschaften</span><br/> <span class="ft1">zugute kommenden Weise ausgebaut wird, können zusätzliche An-</span><br/> <span class="ft1">schlussgebühren generell auch für bereits angeschlossene Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaften erhoben werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.45/2003</span><br/> <span class="ft1">vom 28. August 2003, E. 5.3). Im Übrigen verbleibt der Gemeinde</span><br/> <span class="ft1">die Möglichkeit, auch für Umbauten und Ersatzbauten nach einem</span><br/> <span class="ft1">den heutigen Finanzbedürfnissen entsprechenden Satz ergänzende</span><br/> <span class="ft1">Anschlussgebühren zu erheben; sie hat sich bei der Erfassung solcher</span><br/> <span class="ft1">Tatbestände aber an die Schranken der Rechtsgleichheit zu halten.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>