<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 110 S.381</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Entschädigung</span> <span class="page_no">381</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Entschädigung</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>110 Gebäudeversicherung: Feuerschaden (Blitz)</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Wiederherstellung beschädigter Gebäudeteile hat funktionell</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gleichartig und materiell gleichwertig zu erfolgen. Werden bei Gele-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>genheit der Reparatur umfassendere Arbeiten veranlasst, die sub-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stantielle Verbesserungen für den betroffenen Gebäudeteil bringen,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>sind diese vom Gebäudeeigentümer zu bezahlen (Erw. 5.1.).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Die Eigentümerin der durch Blitzschlag beschädigten Sprinkleran-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lage hat die Kosten für die technische Nachrüstung selber zu tragen,</b></span><br/> <span class="ft3"><b>es sei denn, die Instandstellung der Anlage in den vorherigen Zu-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stand ist rechtlich nicht mehr zulässig (Erw. 5.2.1. ff.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span><br/> <span class="ft6">vom 20. Januar 2004 in Sachen W.I. SA gegen AVA.</span><br/> <br/> <span class="ft7"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft8">5.1.</span> <span class="ft8">Schaden ist die Differenz zwischen dem gegenwärti-</span><br/> <span class="ft8">gen Stand des Vermögens des Geschädigten und dem Stand, den das</span><br/> <span class="ft8">Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte. Der Umfang des</span><br/> <span class="ft8">Schadens bildet das Maximum der Ersatzpflicht, der Geschädigte</span><br/> <span class="ft8">soll sich aus einer Schadenregulierung nicht bereichern (Karl Oftin-</span><br/> <span class="ft8">ger, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band I, Allgemeiner Teil,</span><br/> <span class="ft8">4. Auflage, Zürich 1975, S. 54 und 66; A. Kleiner, Das Recht der öf-</span><br/> <span class="ft8">fentlichen Gebäudeversicherungen, aus "Mitteilungen" Jahrgänge</span><br/> <span class="ft8">1978/1979, S. 107). Die Leistung des Versicherers im Versicherungs-</span><br/> <span class="ft8">fall ist dem Grundsatz nach also auf den Sachwert begrenzt. Wird die</span><br/> <span class="ft8">Sache lediglich beschädigt, sind in der Regel die Aufwendungen für</span><br/> <span class="ft8">die Wiedererstellung der Sache zu ersetzen (Alfred Maurer, Schwei-</span><br/> <span class="ft8">zerisches Privatversicherungsrecht, 3. Auflage, Bern 1995, S. 499).</span><br/> <span class="ft8">Der Geschädigte kann zur Wiederherstellung des schadenfreien Zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span> <span class="page_no">382</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">standes Massnahmen ergreifen und so sein Restitutionsinteresse be-</span><br/> <span class="ft8">tätigen, oder aber für die erlittene Werteinbusse eine Kompensation</span><br/> <span class="ft8">in Geld verlangen. Mit der Restitution soll er in dieselbe Lage ge-</span><br/> <span class="ft8">stellt werden, in der er ohne das schädigende Ereignis wäre, während</span><br/> <span class="ft8">die Kompensation darauf abzielt, die im Vermögen eingetretene</span><br/> <span class="ft8">Wertminderung in Geld auszugleichen. Die beiden Werte können er-</span><br/> <span class="ft8">heblich auseinander fallen. Die Kosten einer Sachreparatur liegen</span><br/> <span class="ft8">oftmals über der infolge der Schädigung eingetretenen Wertminde-</span><br/> <span class="ft8">rung. Die Wiederherstellung der beschädigten oder die Beschaffung</span><br/> <span class="ft8">einer gleichwertigen anderen Sache (Restitution) bringt das Vermö-</span><br/> <span class="ft8">gen des Geschädigten nicht nur seinem Wert, sondern auch seiner</span><br/> <span class="ft8">Zusammensetzung nach in den schadenfreien Zustand und wahrt da-</span><br/> <span class="ft8">durch das Integritätsinteresse (Vito Roberto, Schweizerisches Haft-</span><br/> <span class="ft8">pflichtrecht, Zürich 2002, N 674 f.). Bei Sachbeschädigungen sind</span><br/> <span class="ft8">die Reparaturkosten auf die Angemessenheit zu begrenzen. Sofern</span><br/> <span class="ft8">keine besondere Beziehung des Geschädigten zum betroffenen Gut</span><br/> <span class="ft8">vorhanden ist, dürfen bei vertretbaren Sachen die Reparaturkosten</span><br/> <span class="ft8">nicht über die Wiederbeschaffungskosten abzüglich des Restwertes</span><br/> <span class="ft8">hinaus gehen. Der Wiederbeschaffungswert bildet die Obergrenze</span><br/> <span class="ft8">(Roberto, a.a.O., N 679). Führt die Reparatur zu einer Verbesserung,</span><br/> <span class="ft8">so ist dies dem Geschädigten nur zu belasten, wenn er sie ohnehin</span><br/> <span class="ft8">hätte vornehmen lassen (Oftinger, a.a.O., S. 254, FN 504). Dieses</span><br/> <span class="ft8">"Gewinnmitnahmerecht" beschränkt sich selbstverständlich auf den</span><br/> <span class="ft8">schadensbedingt reparaturbedürftigen Teil des Gebäudes. Die Wie-</span><br/> <span class="ft8">derherstellung hat funktionell gleichartig und materiell gleichwertig</span><br/> <span class="ft8">zu erfolgen. Wo bei Gelegenheit der Reparatur umfassendere Arbei-</span><br/> <span class="ft8">ten veranlasst werden, die substantielle Verbesserungen für den be-</span><br/> <span class="ft8">troffenen Gebäudeteil mit sich bringen - zum Beispiel die technische</span><br/> <span class="ft8">Nachrüstung einer Anlage -, sind diese nicht gedeckt. Eine Ausdeh-</span><br/> <span class="ft8">nung auf unbeschädigte Gebäudeteile kann, auch wenn sie mit dem</span><br/> <span class="ft8">beschädigten in einem Zusammenhang stehen (z.B. Küchenkombi-</span><br/> <span class="ft8">nation, wo nur einer von mehreren Einbauschränken beschädigt</span><br/> <span class="ft8">wurde), nur bei sog. Komplementärschäden in Frage kommen (zu</span><br/> <span class="ft8">Abgrenzung und Begriff vgl. OBE SV.95.50004, in Sachen U.L. ge-</span><br/> <span class="ft8">gen AVA, vom 6. November 1996, S. 19 f.).</span><br/> <span class="ft8">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Entschädigung</span> <span class="page_no">383</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">5.2.1.</span> <span class="ft8">Die Parteien sind sich einig darin, dass die Repara-</span><br/> <span class="ft8">turkosten zu entschädigen sind. Umstritten ist einzig, ob der Einbau</span><br/> <span class="ft8">der drei Schieberüberwachungen als Schadenbehebung oder als</span><br/> <span class="ft8">Nachrüstung der Anlage zu qualifizieren ist. Zuerst ist zu klären,</span><br/> <span class="ft8">welche Teile der Sprinkleranlage durch den Blitzschlag beschädigt</span><br/> <span class="ft8">wurden, sodann, ob für die Reparatur dieser Teile der Einbau von</span><br/> <span class="ft8">Schieberüberwachungen zwingend war.</span><br/> <span class="ft8">5.2.2.</span> <span class="ft8">Vor dem Schadenereignis verfügte die Sprinkleran-</span><br/> <span class="ft8">lage über keine Schieberüberwachung, das ist unbestritten (...). Ge-</span><br/> <span class="ft8">mäss H. B., Starkstrominspektor beim AVA, hat der Blitzschlag den</span><br/> <span class="ft8">elektrischen Teil der Anlage beschädigt, welcher Störungen über-</span><br/> <span class="ft8">mittelt und Alarm auslöst (...). In der Offerte der S. AG vom</span><br/> <span class="ft8">11. August 2000 betreffend die Reparaturarbeiten sind folgende zu</span><br/> <span class="ft8">ersetzende Apparate aufgeführt: Sprinkler-Prüfbox, Stromversorgung</span><br/> <span class="ft8">mit zugehöriger Software, Relais-Ausgangs-Print, Dossierhalter und</span><br/> <span class="ft8">Blei-Gel-Akkumulatoren (...). Dagegen ist in der Offerte der C. AG</span><br/> <span class="ft8">vom 23.</span> <span class="ft8">August 2000 betreffend die Schieberüberwachung von</span><br/> <span class="ft8">"notwendigen Arbeiten an der bestehenden Sprinkleranlage" die</span><br/> <span class="ft8">Rede und in der entsprechenden Rechnung vom 20. Oktober 2000</span><br/> <span class="ft8">von "Lieferung und Montage der Sprinkler-Ergänzungen" (...). Die</span><br/> <span class="ft8">Überwachung der Absperrschieber wurde klar erst bei Gelegenheit</span><br/> <span class="ft8">der Reparaturarbeiten eingebaut. Sie wurde also nicht durch den</span><br/> <span class="ft8">Blitzschlag beschädigt. Es stellt sich aber die Frage, ob die Schie-</span><br/> <span class="ft8">berüberwachung zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der An-</span><br/> <span class="ft8">lage nach zeitgemässen Vorgaben notwendig war.</span><br/> <span class="ft8">Die Sprinkleranlage hätte technisch auch ohne die Schie-</span><br/> <span class="ft8">berüberwachung funktioniert, darin stimmen der Zeuge H. M. und</span><br/> <span class="ft8">der Starkstrominspektor H. B. überein (...). Die Schieberüberwa-</span><br/> <span class="ft8">chung kontrolliert den Löschwasserzufluss. Wird ein Zuleitungshahn</span><br/> <span class="ft8">bewegt, lösen die Überwacher Alarm aus. Bis anhin wurden die</span><br/> <span class="ft8">Wasserhähne von Sprinkleranlagen mit Kette und Schloss gesichert,</span><br/> <span class="ft8">jedoch nicht elektronisch überwacht (...). Mit der Schieberüberwa-</span><br/> <span class="ft8">chung wird neu der Wasserzufluss ununterbrochen überwacht. Damit</span><br/> <span class="ft8">bietet die Anlage eine grössere Sicherheit. Fraglich ist daher, ob die</span><br/> <span class="ft8">technisch zwar mögliche Instandstellung der Anlage in den vorheri-</span><br/> <span class="ft8">gen Zustand rechtlich überhaupt noch zulässig ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">5.2.3.</span> <span class="ft8">Gemäss § 100 Abs. 2 der Brandschutzverordnung</span><br/> <span class="ft8">(BSV; SAR 585.111) vom 6. August 1997, in Kraft seit 1. Januar</span><br/> <span class="ft8">1998, sind Sprinkleranlagen, wo es die Betriebssicherheit erfordert,</span><br/> <span class="ft8">auf Störungen in der Löschwasserversorgung zu überwachen. Die</span><br/> <span class="ft8">Nachrüstung alter Anlagen an diese Regelung wird gemäss H. B. erst</span><br/> <span class="ft8">bei einem grösseren Umbau verlangt. Besitzer alter Anlagen können</span><br/> <span class="ft8">ihren Besitzstand wahren (...). Entscheidendes Kriterium für die</span><br/> <span class="ft8">Pflicht zum Einbau von Schieberüberwachern ist laut X. die Erweite-</span><br/> <span class="ft8">rung einer Anlage (...). Demgegenüber wird die Nachrüstung im</span><br/> <span class="ft8">Kanton Zürich nach Angabe von H. M. bereits heute verlangt (...).</span><br/> <span class="ft8">Vorliegend waren lediglich Reparaturarbeiten infolge eines Blitz-</span><br/> <span class="ft8">schlags vorzunehmen. Eine Vergrösserung des Gebäudes mit ent-</span><br/> <span class="ft8">sprechender Anpassung der Sprinkleranlage fand nicht statt. Deshalb</span><br/> <span class="ft8">war der Einbau der Schieberüberwachung - so wünschenswert er aus</span><br/> <span class="ft8">Sicherheitsüberlegungen auch ist - keine Pflicht. Die Kosten für die</span><br/> <span class="ft8">Nachrüstung sind daher von der Eigentümerin selber zu tragen. An-</span><br/> <span class="ft8">zumerken ist, dass diese ja auch dann die Kosten hätte übernehmen</span><br/> <span class="ft8">müssen, wenn sie bei einer späteren Generalrevision oder im Zuge</span><br/> <span class="ft8">einer Erweiterung der Anlage von der AGVA zur Nachrüstung ver-</span><br/> <span class="ft8">pflichtet worden wäre.</span><br/></div> </div> </body> </html>