B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-7822/2010 U r t e i l v om 3 0 . O k t o b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richterin Elena Avenati-Carpani, Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa-Haake. Parteien A._______, vertreten durch Oliver Habke, Granziol und Partner Rechtsanwälte und Notare, Bahnhofstrasse 32, 6300 Zug, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Einreisebewilligung. C-7822/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Im August 2010 beantragte A._______, 1982 geborene Staatsangehörige von Marokko, bei der Schweizerischen Botschaft in Rabat ein Schengen- Visum für einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt bei dem im Kanton Zug lebenden B._______. Die Schweizer Vertretung verweigerte ihr die V i- sumerteilung am 25. August 2010 mit der Begründung, dass von ihrem Willen, den Schengen-Raum vor Ablauf des Visums wieder zu verlassen, nicht ausgegangen werden könne. B. Die dagegen erhobene Einsprache der Gesuchstellerin wies die Vorin- stanz – nach kantonalen Abklärungen beim G astgeber – mit Verfügung vom 5. Oktober 2010 ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Gesuchstellerin lebe in einer Region, aus der als Folge der dort herr- schenden Verhältnisse ein nach wie vor starker Zuwanderungsdruck be- stehe. Zudem sei i hren eigenen Angaben zu entn ehmen, dass sie ledig und kinderlos sei und über keine feste Anstellung verfüge. Ihr oblägen somit keine besonderen beruflichen, f amiliären oder gesellschaftlichen Verpflichtungen, die das Risiko einer nicht anstandslosen Wiederausreise als gering erscheinen liessen. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 5. November 2010 beantragt die Beschwer- deführerin zum einen die Feststellung, dass die Ab lehnung ihres Visums- gesuchs rechtswidrig und ungültig sei, zum anderen – sinngemäss – die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung eines Touris- tenvisums. Die Beschwerdeführerin macht geltend, das BFM habe ihre persönlichen, familiären und beruflichen Umstände unrichtig und unvol l- ständig abgeklärt und hieraus die falschen Schlüsse gezogen. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz sei sie nicht ohne feste Anstellung, sondern seit Februar 2010 bei der marokkanischen Filiale der C._______ AG, die ihren Hauptsitz in Zug habe, beschäftigt. Von der lokalen Vertre- tung aus solle – in Zusammenarbeit mit C._______ und dessen Partnerin – der Vertrieb der C._______-Produkte in Marokko und den umliegenden Ländern koordiniert und aufgebaut werden. Während ihres Besuchs in der Schweiz wolle sie, A._______, sich ein Bild von diesem Land m a- chen, nicht zuletzt um danach die Produkte der C._______ AG und deren "Swissness" besser verkaufen und damit selbst effizienter sein zu kö n- nen. Aufgrund ihrer arbeitsvertraglichen Verpflichtungen sei sichergestellt, C-7822/2010 Seite 3 dass sie die Schweiz bzw. den Schengen -Raum fristgerecht verlassen werde. Hierfür spreche auch, dass sie in geregelten familiären Verhältnis- sen mit Mutter, Vater und Geschwistern lebe. Man könne nicht davo n ausgehen, dass sie diese heimatlichen Bindungen zugunsten eines Verbleibs in der Schweiz aufgäbe, zumal sie weder Deutsch, Französisch oder eine andere hier gängige Sprache beherrsche. Letzteres sei auch der Grund dafür, dass während ihres Besuchsaufenthalts die Partnerin ih- res Gastgebers, die aus derselben Region stamme wie sie selbst, als Dolmetscherin fungieren müsse. D. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Dezember 2010 beantragt die Vorin- stanz die Abweisung der Beschwerde . Sie führt insbesondere au s, dass die Darlegungen in der B eschwerdeschrift nicht in Einklang stünden mit den Angaben, die der G astgeber dem z uständigen Migrationsamt des Kantons Zug übermittelt habe. Diesen Unterlagen sei zu entn ehmen, dass A._______ als Touristin einreisen wolle, eine g ute B ekannte des Gastgebers sei und in Marokko für eine Familie in Casablanca arbeite. Grund für die Einladung sei, so der Gastgeber, sein Versprechen gew e- sen, der Beschwerdeführerin einen Teil der Schweiz und ihrer Kultur zu zeigen. E. In der darauffolgenden Replik vom 7. Februar 2011 hält die Beschwerd e- führerin an ihrem bisherigen Vorbringen fest. Sie führt aus, mit dem bean- tragten Touristenvisum sei die Hoffnung verknüpft gewesen, dieses einfa- cher erh alten zu können als die Bewilligung eines Aufenthalts für eine Angestellte. Wenn überhaupt, dann könne ihr bzw. ihrem Gastgeber l e- diglich vorgeworfen werden, ein Touristenvisum beantragt zu haben, ohne den tieferen Gehalt des geplanten Aufenthalts anzugeben. Entscheidend sei jedoch, dass mit diesem Aufenthalt kein direkter beruflicher Zweck verfolgt werde, sondern dass es um eine persönliche Weiterbildung im Sinne eines Verstehens der Schweiz und ihrer Kultur gehe. Zwischen ihr, A._______, und ihrem Gastgeber sei bereits im Januar 2010 ein mündl i- cher Arbeitsvertrag geschlossen worden. Schriftlich fixiert habe man den Arbeitsvertrag erst, als es bei ihrem Visumsgesuch Komplikationen gege- ben habe und man i hre beruflichen Verpflichtungen habe belegen mü s- sen. Dass ihr Gastgeber im Rahmen des Verfahrens ein anderweitiges Arbeitsverhältnis erwähnt h abe, sei zugegebenermassen missverstän d- lich, ändere aber nichts daran, dass das BFM in Bezug auf ihre heimatl i-C-7822/2010 Seite 4 chen Verpflichtungen und ihre Wiederausreise falsche Schlussfolgeru n- gen gezogen habe. F. Auf den weiteren Aktenin halt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG au f- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügung en des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun desverwaltungsgericht en d- gültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, ric h- tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz (Art. 37 VGG). 1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur B e- schwerde berechtigt. Auf ihre frist- und formgerecht eingereichte B e- schwerde ist einzutreten, soweit die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung und die Erteilung eines Visums zu touristischen Z wecken beantragt wird (vgl. Art. 50 und 52 VwVG). Da ihr schutzwürdiges Interesse hiermit gewahrt wird, ist auf das Feststellungsbegehren der Beschwerdeführerin nicht einzutreten. 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden C-7822/2010 Seite 5 (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrech t von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinweis). 3. Die angefochtene Verfügung bezieht sich auf das Visumsgesuch einer marokkanischen Staats angehörigen, die für drei Monate als Touristin in die Schweiz einreisen möchte. Da sich d iese nicht auf die EU/E FTA- Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt ihr Gesuch in den Anwendungsbereich der Schengen -Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen -Besitzstand und die daz ugehörigen gemein- schaftsrechtlichen Rechts akte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsve r- ordnungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen - Assoziierungsabkommen keine abweichenden Best immungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der erwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpf lichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befug nisse insoweit ein, als es einheitliche Vo r- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). C-7822/2010 Seite 6 4.2 Angehörige von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten je Sechsmonatszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku - mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Staatsangehörige gewis- ser Länder benötigen zudem ein Visum (vgl. Verordnung [ EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren - zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie d er Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind ). Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti gen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32] und Art. 2 der Verordnung [EG] Nr. 562/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. März 2010 zur Än- derung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen und der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 in Bezug auf den Verkehr von Personen mit einem Visum für einen längerfristigen Aufen t- halt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1-4]). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Weiterhin dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge - schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesun dheit oder die internationalen Beziehu n- gen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). C-7822/2010 Seite 7 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittsta atsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wie der zu verlassen (vgl. dazu PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsg e- richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und gesuchstellende Personen dementsprechend zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fris t- gerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorges e- hen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einreiseerfor dernis des be- legten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art . 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des n a- tionalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für e r- forderlich, so ist er berechtigt, der dritt staatsangehörigen Person, welche die ord entlichen Einreisevorausset zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V. m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visak o- dex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. M ärz 2001 listet diejenigen Staaten auf, deren Staatsangehörige beim Übe r- schreiten der Aussengrenzen der Schengen Mitgliedstaaten im Besitze eines Visums sein müssen (Abl . L 81 vom 21.03.2001, S. 17; zum voll- ständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV). Da Ma- rokko zu diesen Staaten zählt, unterliegt d ie Gesuchstellerin der Visums- pflicht. 5.2 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz bezweifelt, dass die B e- schwerdeführerin die Schweiz bzw. den Schen gen-Raum wieder a n-C-7822/2010 Seite 8 standslos verlassen würde und dies mit der allgemeinen Lage in ihrem Heimatland und ihren persönlichen Verhältnissen begründet. Zu der somit im Vordergrund stehenden Frage der gesicherten Wiederausreise könn- ten jedoch lediglich Prognosen getroffen werden. 5.3 Stellt man auf die allgemeine Situation im Herkunfts land ab, so kö n- nen Einreisegesuche von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit pol i- tisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen da r- auf hindeuten, dass d eren persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Ein klang steht. Obliegt einer gesuchstellenden Person demgegenüber eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung im Heimatland, so kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die derarti- ge Verpflichtungen nicht haben, das Risiko eines über die bewilligte B e- suchsdauer hinaus dauernden Verbleibs als hoch eingeschätzt werden. 6. 6.1 Die Wirtschaftsstruktur in Marokko, dem Herkunftsland der B e- schwerdeführerin, hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht grundl e- gend verändert. Prägend ist der Landwirtschaftssektor (inkl. Fischerei), in dem beinahe 50% aller Erwe rbstätigen beschäftigt sind und dessen E r- träge stark von meteorologischen Einflüssen abhängen. Er trägt mit rund 13% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Auf die Industrie, davon am wichtigsten die Textilindustrie, entfallen rund 18% des BIP . Mit knapp 40% hat der Dienstleistungssektor, zu dem auch der Tourismus gehört, den Hauptanteil am BIP . Die Arbeitslosigkeit in Marokko ist mit 9,1% (im Jahr 2009) hoch und unter den Jugendlichen noch weitaus höher; die Armut im Land ist dadurch weitverteilt. Die bisher eingeleiteten Reformen der Re- gierung haben sowohl wirtschaftliche als auch soziale Verbesserungen zum Ziel; beschränkte Ressourcen, ineffiziente Bürokratie, Nepo tismus und Korruption erschweren jedoch die Umsetzung (Quelle: Staatssekreta- riat für Wirtschaft, < http://www. seco.admin.ch > Themen > Aussenwir t- schaft > Länderinformationen > Mittlerer Osten und Afrika > Marokko [Stand: 30. Dezember 2011], besucht im Oktober 2012). 6.2 Vor diesem Hintergrund manifestiert sich ein Wunsch nach Auswa n- derung vor allem bei denjenigen, die bereits über ein minimales Bezi e- hungsnetz im Ausland verfügen. Dabei geht es häufig darum, die alle n- falls in der Heimat zurückbleibenden Familienmitglieder vom Ausland her C-7822/2010 Seite 9 zu unterstützen und ihnen sowie sich selbst bes sere Lebensbedingungen zu verschaffen. 7. Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine unverheiratete und kinderlose Frau, die mit Eltern und Geschwistern in einem Haushalt lebt. Ihrem Visumsgesuch zufolge üb t sie keine Berufstätigkeit aus, wohing e- gen ihr Gastgeber in dem am 24. September 2010 unterzeichneten ka n- tonalen Fragebogen ang ab, sie arbeite für eine Familie in Casablanca. Demgegenüber behauptet A._______ im vorliegenden Beschwerde ver- fahren, sie sei seit Februar 2010 bzw. laut mündlicher Vereinbarung sogar seit Januar 2010 in einer neu gegründeten marokkanischen Filiale der C._______ AG angestellt. 7.1 Die insoweit widersprüchlichen Angaben zur ihrer beruflichen Situat i- on versucht die Beschwerdeführerin damit zu erklären, dass ihre Anstel- lung bei der C._______ AG ursprünglich bewusst verschwiegen worden sei, weil man sich so bessere Chancen für die Visumserteilung ausge- rechnet habe. Plausibel ist diese Erklärung kaum. Abgesehen davon liegt es in der Natur der Sache, dass die schriftlichen Fragen zum Visumsge- such wahrheitsgemäss beantwortet werden müssen; nur so kann die mit der ersten Prüfung befasste Auslandsvertretung ihren Entscheid auch auf die tatsächlichen Umstände abstützen. Die Richtigkeit eines solchen En t- scheids kann die gesuchste llende Person nicht dadurch in Frage stellen, dass sie ihre ursprünglichen Angaben widerruft und durch solche ersetzt, die ihr im Rechtsmittelverfahren erfolgversprechender erscheinen. 7.2 Die Behauptung der Beschwerdeführerin, in einer marokkanischen Fi- liale der C._______ AG angestellt zu sein, ist aber auch ansonsten kaum glaubhaft. A._______ selbst bringt vor, der entsprechende Arbeitsvertrag sei zunächst mündlich und erst nachträglich – um im Visumsverfahren ih- re beruflichen Verpflichtungen belegen zu könn en – schriftlich abgefasst worden. Bereits dies deutet auf ein nur fingiertes Arbeitsverhältnis hin; es kommt hinzu, dass der der Beschwerde beigefügte halbseitige Arbeitsver- tag kaum geschäftlichen Gepflogenheiten en tspricht: Der Vertrag wurde zwar vom Gastgeber, CEO der C._______ AG, unterzeichnet, befindet sich allerdings auf eine Blankobogen und enthält lediglich eine vage Au f- gabenbeschreibung. Es erscheint auch als unwahrscheinlich , dass die Beschwerdeführerin, die angeblich den Verkauf von C._______- Produkten übernehmen soll (vgl. S. 5 der Beschwerdeschrift) , hierfür ir- gendwelche Voraussetzungen mitbringt, ist doch die C._______ AG laut C-7822/2010 Seite 10 eigener Website ein Dienstleistungsunternehmen im Telekommunikat i- onsbereich, zu dem auch der Verkauf von Glasfaserprodukten gehört. Zur schulischen und beruflichen Ausbildung der Beschwerdeführerin fehlen Informationen; zudem hat sie selbst b ehauptet, keine der schweizer i- schen Landessprachen sprechen zu können. Dass sie ohne derartige Kenntnisse – dies, obwohl Französisch als Geschäft - und Bildungsspra- che in Marokko verbreitet ist – den Verkauf von anspruchsvollen Produk- ten aus der Schweiz übernehmen kann, ist kaum denkbar . Schliesslich deutet auch der Internetauftritt der C._______ AG nicht auf irgendwelche geschäftlichen Aktivitäten in Marokko hin. 7.3 Ergibt sich aus den bisherigen Ausführungen, dass die Beschwerd e- führerin feste berufliche Verpflichtungen in ihrem Heimatland nur vorg e- täuscht hat, so bestärkt dies erst r echt die Zweifel am tatsächlichen Auf- enthaltszweck bzw. an der von ihr behaupteten Absicht, die Schweiz wi e- der fristgerecht verlassen zu wollen. Dass die 30 -jährige ledi ge B e- schwerdeführerin in Marokko mit ihren Eltern und Geschwistern zusam- menlebt, lässt ebenso wenig den Schluss zu, die dortigen familiären Bin- dungen könnten einem Wunsch nach Auswanderung entgegen stehen. Vielmehr kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie einen Weg sucht, ebenso wie die Lebensgefährtin ihres Gastgebers in der Schweiz bleiben zu können. 8. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Ab s. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle - ments über die Kos ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). C-7822/2010 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit darauf einzutreten ist, abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz – das Amt für Migration des Kantons Zug Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa-Haake Versand: