B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1914/2018 U r t e i l v o m 3 0 . J a n u a r 2 0 2 0 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richterin Constance Leisinger, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, Eritrea, vertreten durch MLaw Sara Lenherr, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. Februar 2018 / N (…). E-1914/2018 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer − ein aus B._______, C._______, stammender eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie − reiste am 11. Mai 2015 in die Schweiz ein und stellte am gleichen Tag im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) D._______ ein Asylgesuch. Am 27. Mai 2015 fand die Kurzbefragung des Beschwerdeführers zur Person (BzP) im EVZ statt und am 15. Februar 2016 wurde die Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) durchgeführt. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er habe im (…) 2000 für den Militärdienst nach Sawa einrücken müssen. I n der Folge sei er der (…) Division zugeteilt worden und sei von 2000 bis 2007 in der Umgebung von E._______ und F._______ und in den Jahren 2007 bis 2012 in G._______ stationiert gewesen; von 2012 bis 2014 habe er in H._______ bei I._______ Militärdienst leisten müssen. Obwohl (…) seiner Brüder im Unabhängigkeitskampf gegen Äthi- opien umgekommen seien, sei er − im Gegensatz zu anderen Personen in vergleichbarer familiärer Situation − nicht vom Militärdienst freigestellt wor- den. Dreimal, das erste Mal im (…) 2001 und das letzte Mal im (…) 2012, seien ihm Urlaube von jeweils einem Monat gewährt worden (Protokoll BzP A8 S. 9), respektive im Jahr 2012 sei ihm ein Urlaub von z wei Monaten ge- währt worden (Protokoll Anhörung A21 S. 6). Er habe die Urlaube aber je- weils eigenmächtig überzogen, um zu Hause in der Landwirtschaft zu ar- beiten und damit seine Familie zu unterstützen. Weil er nicht rechtzeitig zu seiner Militäreinheit zurückgekehrt sei, beziehungsweise weil er seine Rechte eingefordert habe, sei er wiederholt in Haft genommen worden. Im Jahr 2002 sei er für einen Monat, 2004 für drei Wochen, 2010 für zwei Monate und 2011 für zwei Wochen inhaftiert worden. Im (…) 2012 sei er nach seinem Urlaub nicht zu seiner Einheit zurückgekehrt, sondern habe in der Folge das Landwirtschaftsland seiner Familie in J._______ bewirt- schaftet. Die Militärbehörden hätten ihn im Jahr 2013 mehrmals g esucht. Da sie ihn nicht hätten finden können, hätten sie schliesslich im (…) 2014 seine Ehefrau mitgenommen und in K._______ festgehalten. Um ihre Frei- lassung zu erreichen, habe er sich den Behörden zwei Tage später gestellt. Daraufhin sei er während drei Monaten bei seiner Einheit in H._______ in Haft gewesen und habe Strafarbeiten verrichten müssen. Im (…) 2014 sei E-1914/2018 Seite 3 er erneut aus dem Militärdienst desertiert und in sein Heimatdorf zurück- gekehrt. Am 28. Juli 2014 sei er nach L._______ gegangen, wo er bis am 20. September 2014 auf den Feldern gearbeitet habe. Etwa einen Monat und zwanzig Tage später, respektive am 21. September 2014 habe er zu- sammen mit drei andern Personen die Grenze zum Sudan zu Fuss illegal überquert. A.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer nebst Identitätsdokumenten (eritreische Identitätskarte im Original, Eheschein und vier Taufscheine in Kopie) eine Bestätigung der Ableistung des Natio- naldiensts vom 1. November 2001 sowie einen sudanesischen Flüchtlings- ausweis ein. B. Mit Verfügung vom 26. Februar 2018 (eröffnet am 28. Februar 2018) stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. C. Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 29. März 2018 an das Bundes- verwaltungsgericht erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung der Vorinstanz Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und die Vo- rinstanz sei anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die Vorinstanz anzuwe isen, ihn vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Zum Beleg seiner Vor- bringen reichte der Beschwerdeführer drei Fotos aus seiner Militärdienst- zeit, eine Fürsorgebestätigung der Heilsarmee Flüchtlingshilfe vom 28. März 2018 und eine Honorarnote seiner Rechtsvertretung ein. D. Mit Zwischenverfügung vom 10. April 2018 hiess der Instruktionsrichter die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, um unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 AsylG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut und ordnete dem Beschwerdeführer seine bisherige Rechtsvertreterin, E-1914/2018 Seite 4 MLaw Livia Kunz, als amtliche Rechtsbeiständin bei. Ferner wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. E. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Mai 2018 hielt die Vorinstanz an ihrer Ver- fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. F. Mit Instruktionsverfügung vom 7. Mai 2018 gewährte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer das Recht zur Replik Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 9. Mai 2019 erklärte der Be- schwerdeführer den Verzicht auf eine Stellungnahme zur Vernehmlassung der Vorinstanz und verwies vollumfänglich auf die Ausführungen in der Be- schwerdeschrift. G. Mit Eingabe vom 5 . Juli 2018 ersuchte MLaw Livia Kunz um Entbindung von ihrem Amt als unentgeltliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers sowie darum, die ebenfalls bei der (…) tätige MLaw Sara Lenherr sei als amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. H. Mit Zwischenverfügung vom 24 . Juli 2018 entband der Instruktionsrichter MLaw Livia Kunz antragsgemäss von ihrem Amt als amtliche Rechtsbei- ständin und stellte ferner fest, es werde vorderhand keine neue amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche E-1914/2018 Seite 5 Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG: Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung im Wesentlichen Folgendes aus: 3.1.1 Die vom Beschwerdeführer angegebenen biogra fischen Daten würden nicht mit den relevanten Daten seiner Asylbegründung überein- stimmen. So habe er i n seinem Lebenslauf im Rahmen der BzP angege- ben, er sei zwischen 2012 und 2014 Soldat i n H._______ gewesen; im Rahmen der Anhörung habe er aber ausgesagt, er sei nach einem Anfang 2012 gewährten Urlaub nicht mehr zu seiner Truppe zurückgekehrt und habe dann während etwa zwei Jahren in der Landwirtschaft gearbeitet. Un- terschiedliche Angaben habe er auch zur Dauer der ihm mehrmals gewähr- ten Urlaube und zum Ort, an dem er sich den Militärbehörden nach der Festnahme seiner Ehefrau gestellt habe, gemacht; auch der Zeitpunkt, an dem er von seinem Wohnort B._______ nach L._______ aufgebrochen sei, um anschliessend ausser Landes zu fliehen , sei unterschiedlich angege- ben worden. E-1914/2018 Seite 6 3.1.2 Das vom Beschwerdeführer geschilderte Verhalten nach der angeb- lichen Desertion von der Truppe im Jahr 2014 entspreche nicht demjenigen einer Person, die damit rechnen müsse, gesucht zu werden. Angesichts dessen, dass er zuvor bereits mehrmals von den Militärbehörden an sei- nem Wohnort gesucht worden sei, wäre zu erwarten gewesen, dass er baldmöglichst ausgereist wäre. 3.1.3 Die Widersprüche in seinen Angaben betreffend seine Ausreise so- wie seine eher substanzlosen diesbezüglichen Schilderungen würden an der Glaubhaftigkeit der behaupteten illegalen Au sreise zweifeln lassen . Aus diesen Gründen seien die angebliche Desertion des Beschwerdefüh- rers aus dem Nationaldienst sowie die daran anknüpfende illegale Ausreise als unglaubhaft zu qualifizieren. Der eingereichte s udanesische Ausweis vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern, da diese r lediglich als Beleg dafür diene, dass der Inhaber im Sudan registriert worden sei. 3.1.4 Im Weiteren seien den Akten keine konkreten Hinweise dafür zu ent- nehmen, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach E rit- rea mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Bestrafung oder Behandlung drohe. Die blosse Möglichkeit, zwecks Zufüh- rung zu einem militärischen Training allenfalls festgeno mmen zu werden, reiche für die Annahme eines "real risk" nicht aus. Mit seinen unglaubhaften Angaben habe der Besch werdeführer die Prüfung der Frage, ob ein tat- sächliches und unmittelbares Risiko einer Verletzung von Art. 4 EMRK be- stehe, verunmöglicht. Es sei nicht von einer tatsächlichen oder unmittelba- ren Gefahr der Einberufung des Beschwerdeführers in den eritreischen Na- tionaldienst auszugehen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass er vom Nationaldienst suspendiert worden sei oder diesen bereits ordentlich abgeschlossen habe. Darüber hinaus sei festzustellen, dass Art. 4 Abs. 3 Bst. b EMRK Dien stleistungen militärischen Charakters explizit ausklam- mere. 3.1.5 Schliesslich erweise sich der W egweisungsvollzug auch als zumut- bar und möglich. Gemäss aktueller Lageeinschätzung könne im Falle von Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt ausgegangen werden. Aus den Akten würden sich auch keine indi- viduellen Umstände ergeben, die auf eine Existenzbedrohung des B e- schwerdeführers schliessen lassen würden. Er sei gemäss Aktenlage ge- sund und verfüge in Eritrea über ein bedeutendes Familiennetz sowie über landwirtschaftlich nutzbares Land. E-1914/2018 Seite 7 3.2 3.2.1 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seiner Beschwerde aus, eine unv oreingenommene Durchsicht der Akten ergebe, d ass er in den beiden Befragungen übereinstimmend ausgesagt habe, er sei im Jahr 2000 für den Militärdienst rekrutiert worden, danach an verschiedenen Or- ten stati oniert gewesen und schliesslich im Jahr 2014 desertiert. Seine Sachverhaltsdarstellung weise zahlre iche Glaubhaftigkeitselemente auf . Seine Aussagen seien detailliert, in sich schlüssi g und persönlich aus ge- fallen; ferner seien sie kohärent, wiesen keine inhaltlichen Widersprüche auf und seien mit etlichen Realkennzeichen versehen. Er habe die ihm ge- stellten Fragen ohne Zögern beantworten können , und es seien keine wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen erkennbar. 3.2.2 Es sei stossend, dass die Vorinstanz sich in keiner Weise zu dem von ihm im Original ein gereichten Militärausweis geäussert habe. Die Anhö- rung habe lediglich knapp vier Stunden gedauert, und die Hilfswerksvertre- tung habe angemerkt, der S achverhalt sei bezüglich des Militärdiensts nicht gründlich genug abgeklärt worden. Die Feststellung des SEM, seine Ausführungen seien zu wenig ausführlich gewesen, könne ihm somit nicht angelastet werden. Die ihm in der angefochtenen Verfügung vorgeworfe- nen Widersprüche in seinen Aussagen liessen sich nachvollziehbar erklä- ren: Er sei in den Jahren 2012 bis 2014 dem Mil itärdienst effektiv fernge- blieben, formal aber in diesem Zeitraum eigentlich in H._______ stationiert gewesen. Dies sei seinen Ausführungen im Rahmen der Anhörung klar zu entnehmen. Seine in BzP protokollierte Aussage, er habe seinen Wohnort am 21. September 2014 verlassen, stehe nicht im Widerspruch zu seiner Erklärung, er sei im Juli 2014 von seinem Herkunftsort aufgebrochen und habe vor der Ausreise noch während zweier Monate in L._______ gearbei- tet. Ferner sei s einen Aussagen im BzP-Protokoll nicht eindeutig zu ent- nehmen, dass er nur einen einmonatigen Urlaub erhalten habe. Normaler- weise dauere der Urlaub vom Militärdienst einen Monat, er werde aber un- ter bestimmten Umständen auf zwei Monate verlängert. Dies sei bei ihm der Fall gewesen, weil sein damaliger Stationierungsort G._______ weit entfernt von seinem Wohnort gewesen sei. Inwieweit seine Aussagen be- treffend die Verhaftung seiner Ehefrau widersprüchlich seien, habe die Vo- rinstanz nicht genau ausgeführt; sie habe diesen Punkt nicht ausführlich geklärt. Das Gefängnis " M._______" seine r Einheit bef inde sich in N._______. Er sei, nachdem er von der Festnahme seiner Ehefrau erfah- ren habe, dorthin gegangen, um ihre Freilassung zu erreichen, und sei da-E-1914/2018 Seite 8 nach nach H._______ transferiert worden, wo seine Einheit stationiert ge- wesen sei. Der Vo rwurf, sein geschildertes Verhalten nach der Desertion sei nicht nachvollziehbar, müsse zurückgewiesen w erden. Er habe aus Angst, von seiner Einheit gesucht zu werden, jeweils nicht zu Hause über- nachtet, und sei bereits nach einem Monat ausgereist. 3.2.3 Den einzigen von der Vorinstanz ausdrü cklich erwähnten Wider- spruch in seinen Aussagen zu den Ausreiseumständen (Dauer des Aufent- halts in L._______) habe er ausräumen können. Der Vorhalt, seine diesbe- züglichen Angaben seien substanzlos, müsse als blosse Behauptung zu- rückgewiesen werden. Seine Ausführungen seien auch in diesem Punkt ausführlich und glaubhaft. Die ihm vorgeworfenen widersprüchlichen Aus- sagen würden keine wesentlichen Punkte seiner Asylvorbringen betreffen. 3.2.4 Die Vorinstanz habe keine G esamtwürdigung aller Gl aubhaftigkeit- selemente vorgenommen, sondern nur diejenigen Indizien berücksichtigt, welche ihrer Ansicht nach gegen die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sprechen würden. Zudem habe das SEM die herabgesetzten Anforderun- gen an die Glaubhaftigkeit nicht hinreichend berücksichtigt. Die für die Richtigkeit seiner Sachverhaltsdarstellung sprechenden Faktoren würden klar überwiegen. 3.2.5 Im Urteil D-5553/2013 vom 18 . Februar 2015 habe das Bundes - verwaltungsgericht die Praxis der vormaligen Schweizerischen Asylrekurs- kommission (ARK) gestützt, wonach Desertion und Dienstverweigerung in Eritrea als Ausdruck einer oppositionellen Einstellung angesehen und des- wegen eine im Sinne von Art . 3 EMRK als Fo lter geltende Strafe drohe, weshalb Dienstverweigerung und D esertion in Eritrea im Sinne von Art. 3 AsylG asylrechtlich relevant seien. Somit liege eine begründete Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolg ung vor , und er sei als Flüchtling anzu - erkennen. 3.2.6 Im Weiteren habe die Vorinstanz die Prüfung einer drohenden Verlet- zung von Art. 4 EMRK unterlassen. Seine Herkunft aus Eritrea sowie seine illegale Ausreise seien nicht bezweifelt worden. Zudem sei er nach wie vor im dienstpflichtigen Alter. Im Falle einer zwangsweisen Rückführung in sei- nen Heimatstaat würde er somit erneut in den Nationaldienst eingezogen. Dies würde – ungeachtet einer allfälligen Verfolgung vor der Ausreise – eine Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK sowie Art. 3 EMRK darstellen, was die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs zur Folge habe. Allenfalls E-1914/2018 Seite 9 müsse aufgrund der beschriebenen Verhältnisse im Militärdienst die Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt werden. In seinem Fall komme erschwerend dazu, dass er seinen Status mit den eritreischen Be- hörden nicht geregelt habe, namentlich keine Diasporasteuer entrichtet habe. 3.3 Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung namentlich fest, der ein- gereichte militärische Ausweis habe keine massgebliche Beweiswirkung , weil er nur die Absolvierung des Nationaldiensts in den Jahren 2000 bis 2001 bestätige. Die handschriftlichen Angaben (Jahrzahlen und Ortsanga- ben) auf der Rückseite der drei Fotos, auf denen der Beschwerdeführer in Uniform zu sehen sei, hätten keinen Beweiswert. Diese Dokumente könn- ten daher zeitlich nicht eindeutig eingeordnet werde. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozia len Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, d es Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseige nschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-1914/2018 Seite 10 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge - nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan- ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhö- rung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü- che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe- sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus- wechselt, steigert oder unbegründet na chschiebt oder die nötige Mitwir- kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, in: ASYL 2/2015 S. 5). Aussagewidersprüche zwischen den Protokollen der summarischen ersten Befragung und der einlässlichen Anhörung dürfen für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden, wenn klare Angaben bei der Befra- gung zur Person in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von späte- ren Aussagen in der Anhörung zu den Asylgründen diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der Empfangsstelle zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. EMARK 19 93 Nr. 3). E-1914/2018 Seite 11 5.2 5.2.1 Aufgrund der Aktenlage, namentlich der eingereichten Beweismittel, ist als erstellt zu erachten, dass der Beschwerdeführer in Eritrea in der Ver- gangenheit Militärdienst geleistet hat. 5.2.2 Die Frage der Glaubhaftigkeit der geltend ge machten mehrmaligen Arreste wegen Überschreitens der ihm in den Jahren 2002 bis 2011 ge- währten Urlaube kann offengelassen werden, da diesen Strafen jedenfalls keine asylrechtliche Relevanz beigemessen werden kann. E in sachlicher und zeitlicher Kausalzusammenhang mit der Ausreise des Beschwerdefüh- rers ist nicht ersichtlich und wurde auch nicht geltend gemacht ; zudem mangelt es diesen auch an der notwendigen Intensität im Sinne von Art. 3 AsylG (überdies wohl auch an einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol- gungsmotivation gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG). 5.2.3 Erhebliche Zweifel rechtfertigen sich jedoch an den vom Beschwer- deführer geschilderten Ereignissen ab dem Jahr 2012: Zwar gelangt das Gericht im Gegensatz zur Vorinstanz zum Schluss, dass er seine Schilderungen im Zusammenhang mit der vorgebrachten F est- nahme seiner Ehefrau im (…) 2014 und seiner anschliessenden Vorspra- che bei den Behörden weitgehend widerspruchsfrei geschildert hat, und auch die Angaben zu seinem Aufenthaltsort im Zeitraum von 2012 bis 2014 sind nicht gänzlich unvereinbar. Es erscheint aber als unrealistisch, dass der Beschwerdeführer, nachdem er angeblich im (…) 2012 aus einem Urlaub nicht in den Militärdien st zu- rückkehrte, von den Militärbehörden erst im Jahr 2013 gesucht worden sein soll und diese ihn, bis er sich freiwillig gestellt habe, nicht gefunden hätten, obwohl er sich gemäss seiner Darstellung zumindest zeitweise zu Hause aufhielt (mithin an einer Adresse, wo er bei tatsächlich vorhandener Verfol- gungsmotivation der Sicherheitskräfte problemlos hätte ausfindig gemacht werden können). Im Weiteren fällt auf, dass er divergierende Angaben zur Dauer des ihm im Februar 2012 gewährten Urlaubs machte. Während sei- nen Angaben im Rahmen der BzP eindeutig zu entnehmen ist, dass ihm ein Urlaub von einem Monat gewährt worden sei (SEM-Akten A8 S. 9), gab er der Anhörung eine Urlaubsdauer von zwei Monaten an (A21 S. 6 F42). Diesen Widerspruch vermochte der Beschwerdeführer weder auf Vorhalt im Rahmen der Anhörung, noch mit seinen diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerdeeingabe befriedigend zu erklären. E-1914/2018 Seite 12 5.2.4 Anlass zu Zweifeln gibt es auch bei seinen Angaben zur Desertion im (…) 2014 und zur anschliessenden Flucht aus dem Heimatstaat . Seine Ausführungen zum Ablauf der Desertion sind wenig sub stanziiert. Zudem erscheint unplausibel, dass er sich angeblich wiederum zumindest einen Monat unbehelligt zu Hause aufhielt, obwohl zu er warten gewesen wäre, dass er gerade dort von den Behörden gesucht worden wäre. Die Vor- instanz wies ferner zu Recht da rauf hin, dass der Beschwerdeführer ab- weichende Angaben dazu machte, zu welchem Zeitpunkt er seinen Her- kunftsort B._______ verliess. Zweimal gab er zu Protokoll, er habe sich bis zum 21. September 2014 in B._______ aufgehalten (SEM-Akten A8 S. 5 und 7), während er im weiteren Verlauf der BzP sowie bei der Anhörung angab, er habe diesen Ort bereits am 28. Juli 2014 verlassen und sich vor der Ausreise noch während einiger Zeit in L._______ aufgehalten (SEM- Akten A8 S. 9; A21 S. 9 F74 f.). Diesen klaren Widerspruch vermochte er nicht auszuräumen. 5.2.5 Die eingereichten Beweismittel sind nicht geeignet, die vom Be- schwerdeführer geltend gemachte Desertion zu belegen. Der am (…) 2001 ausgestellte Nachweis der Teilnahme am Nationaldienst bestätigt nur die Ableistung des Mil itärdienstes im Zeitraum vom (…) 2000 bis (…), nicht aber, dass der Beschwerdeführer darüber hinaus Militärdienst gleistet hat. Auch den mit der Beschwerdeeingabe eingereichten Fotos kann keine re- levante Beweiswirkung beigemessen werden. Sie lassen in keiner Weise Rückschlüsse auf Ort und Zeitpunkt der Aufnahmen zu. Die auf der Rück- seite der Fotos vermerkten Orts - und Zeitangaben wurden von der Vo- rinstanz zu Recht als reine Parteibehauptungen bewertet. 5.2.6 Schliesslich erscheint es auch vor de m Hintergrund des Alters des Beschwerdeführers von (…) Jahren im Zeitpunkt seiner Ausreise und dem Umstand, dass er nachweislich bereits ab dem Jahr 2000 Militärdienst leis- tete, wahrscheinlich, dass er seine Dienstpflicht erfüllt hat und regulär aus dem Dienst entlassen wurde. Gemäss Erkenntnissen des Gerichts ist von einer grundsätzlich möglichen Dienstentlassung nach 5 bis 10 Jahren aus- zugehen (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.3). 5.2.7 Unter Abwägung aller massgebenden Umstände gelangt das Gericht demnach zum Schluss, dass der Beschwerdeführer ab dem Jahr 2000 Mi- litärdienst geleistet hat und mutmasslich zu einem nicht näher feststellba- ren Zeitpunkt regulär aus der Armee entlassen wurde. Es besteht ferner Grund zur Annahme, dass ihm während des Militärdiensts mehrmals E-1914/2018 Seite 13 Arreststrafen wegen Verstosses gegen die Urlaubsregelung auferlegt wur- den. Hingegen ist die vom Beschwerdeführer behauptete Desertion aus dem Militärdienst im Jahr 2014 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als unglaubhaft zu erachten. 5.3 Mithin ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine asylrechtlich relevante Gefährdung im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea glaubhaft zu machen. 6. 6.1 In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer we- gen seiner illegalen Ausreise aus Eritrea – mithin wegen subjektiver Nach- fluchtgründe – bei einer Rückkehr dorthin befürchten müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. 6.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäs s Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom- men (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.). Als subjektive Nach- fluchtgründe gelten insbesondere das illegale Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht), das Einreichen e ines Asylgesuchs im Ausland oder exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfol- gung begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer wegen illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaates befürchten muss, die bezüglich ihrer Intensität ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (vgl. BVGE 2009/29). 6.3 6.3.1 Gemäss langjähriger früherer Praxis der schweizerischen Asylbehör- den begründete bereits eine (glaubhaft gema chte) illegale Ausreise aus Eritrea ohne Weiteres die Flüchtlingseigenschaft. 6.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Rahmen des Refe- renzurteils D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage, ob Eritreer - innen und Eritreer, die ihr Land illegal verla ssen haben, allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Das Gericht kam da- bei zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht mehr aufrechterhal- ten lasse und vom SEM zwischenzeitlich zu Recht angepasst worden sei. Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von Bedeu- tung, dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora für kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkehren und sich unter ihnen auch Personen befinden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten. Es ist E-1914/2018 Seite 14 mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung droht. Gegen eine bestehende flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr spricht namentlich der Umstand, dass illegal ausge- reiste Personen nach einer gewissen Zeit den Diaspora -Status erhalten könnten, der eine gefahrlose (vorübergehende) Rückkehr ermöglicht. Eine etwaige Bestrafung aufgrund des Umstandes, dass der Status mit den erit- reischen Behörden vor der Rückkehr nicht geregelt worden ist, insbeson- dere wenn die 2% -Steuer nicht entrichtet worden ist, ist sodann nicht auf ein asylrelevantes Motiv (Politmalus) zurückzuführen . Von der begründe- ten Furcht vor intensiven und flüchtlings rechtlich begründeten Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere Faktoren hin- zukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen (vgl. a.a.O. E. 5.1). 6.4 Vorliegend gehen aus den Akten keine solchen Gefährdungsfaktoren hervor, da einerseits – wie vorstehend ausgeführt – die geltend gemachten Vorfluchtgründe nicht glaubhaft gemacht werden konnten und andererseits auch keine anderen Anknüpfungspunkte ersichtlich sin d, welche den Be- schwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten. Allfällige, mehrere Jahre zurücklie- gende Disziplinarstrafen wegen Überziehens der vom Militärdienst ge- währten Urlaube sind diesbezüglich nicht ausreichend (vgl. Urteil des BVGer D-4651/2016 vom 5. Dezember 2019 E. 7.4). Aus diesen Gründen ist der vom Beschwerdeführer vorgebrachten illegalen Ausreise aus sei- nem Heimatstaat praxisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz bei- zumessen. Die Fr age der Glaubhaftigkeit kann demnach offengelassen werden. 6.5 Gemäss dem zitierten Referenzurteil ebenfalls nicht asylrelevant ist die Möglichkeit einer Einziehung in den Nationaldienst nach der Rückkehr ei- nes Asylsuchenden nach Eritrea, da es sich dabei ebenfalls nicht um eine Massnahme handelt, die aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolgt. Ob eine drohende Einziehung in den Nationaldienst unter dem Aspekt von Art. 3 EMRK oder des Verbots der Sklaverei und der Zwangsarbeit gemäss Art. 4 EMRK relevant sein könnte, ist bei der Beurteilung der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu prüfen (vgl. a.a.O. E. 5.1). E-1914/2018 Seite 15 6.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG beziehungs- weise Art. 54 AsylG darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht seine Flücht- lingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). E-1914/2018 Seite 16 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen wer den; Art. 4 EMRK beinhaltet die Verbote der Sklaverei und der Zwangsarbeit. 8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseig enschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/4 vom 10. Juli 2018 mit der Frage befasst, ob der Vollzug der Weg- weisung auch angesichts einer drohenden Einziehung in den eritreischen Nationaldienst als zulässig (Art. 83 Abs . 3 AIG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AIG) qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht nach einer ausführlichen Auswertung der zur Verfügung stehenden Länderinformatio- nen mit den folgenden Erwägungen bejaht. 8.2.3.1 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus- übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse durch den eritreischen Staat bezeichnet werden. Zudem kann, auch wenn der Nationaldien st formal nicht befristet ist und sich teilweise über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen werden, der für die Annahme von Leib- eigenschaft vorausgesetzt wäre. Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Skl averei noch um Leibeigenschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.4). 8.2.3.2 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Na- tionaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht als "übliche Bürgerpflicht" im Sinne von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstan- den werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich als Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die E-1914/2018 Seite 17 Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein- schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim- mung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der ni edri- gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh- rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.5). 8.2.3.3 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Grundsatzurteil mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea aufgrund einer allfälligen illegalen Ausreise eine Inhaftierung und in diesem Zusam- menhang eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnt e. Auch in diesem Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Miss- handlungen und sexuelle Übergriffe nach einer Inhaftierung nicht derart flä- chendeckend sind, dass jede Nationaldienstleistende und jeder National- dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl. a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6). 8.2.3.4 Abschliessend stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst mangels einer hinreichend konkreten Gefährdung auch nicht generell zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG führt (vgl. a.a.O. E. 6.2). 8.2.4 Nach de m Gesagten ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge- richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folter- ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück- schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur- teil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). E-1914/2018 Seite 18 8.2.5 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als un- zulässig erscheinen. 8.2.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig 8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1 Gestützt auf die aktuelle Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Ge walt bezie- hungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig. Die medizinische G rundversorgung, die Ernährungssitua- tion, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz- bedrohung ausgegangen werden, wenn besonde re Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 8.3.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich gemäss Aktenlage um einen gesunden Mann mit Berufserfahrung in der Landwirtschaft sowie einem so- zialen und familiären Beziehungsnetz im Heimatland. Besondere Um- stände, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung ausgegangen wer- den müsste, sind vorliegend keine ersichtlich. 8.3.3 Seit Einreichung der Beschwerde haben sich überdies weitere Ver- besserungen ergeben; namentlich haben Äthiopien und Eritrea jüngst ein E-1914/2018 Seite 19 Friedensabkommen geschlossen (vgl. Neue Zürcher Zeitung, Trotz Frie- densabkommen in Eritrea – Asylpraxis bei Eritreern änd ert sich vorerst nicht, 11. Juli 2018). 8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung nach Eritrea generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist demnach auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, d ass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischen- verfügung vom 10. April 2018 sein Gesuch um unentgeltliche Prozessfüh- rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhalts- punkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither entscheid- relevant verändert hätte, ist von der Auflage von Verfahrenskosten abzu- sehen. 11. Mit der Instruktionsverfügung vom 10. April 2018 wurde auch das Gesuch des Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und ihm sein e vormalige Rechtsvertreterin – MLaw Livia Kunz, wie ihre Nachfolgerin eine Angestellte der (…) – als E-1914/2018 Seite 20 Rechtsbeiständin zugeordnet. Aus der Formulierung der Eingabe vom 5. Juli 2018 ist zu schliessen, dass der Honoraranspruch von der beigeord- neten Rechtsbeiständin an ihre frühere Arbeitgeberin abgetreten worden ist. Demnach ist das Honorar für die notwendigen Aufwendungen im Rah- men dieser amtlichen Verbeiständung der (…) auszurichten. Der in der Kostennote vom 28. März 2018 ausgewiesene Vertretungsaufwand er- scheint als grundsätzlich angemessen, doch wurde das Honorar mit einem Stundenansatz von Fr. 180.– berechnet. Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht für nicht-anwaltliche Vertreterinnen – wie in der Zwischenverfügung vom 10. April 2018 angekündigt – praxisgemäss von einem Ansatz von höchstens Fr. 150.– aus. Demzufolge ist das Honorar (ausgehend vom zeitlichen Vertretungsaufwand gemäss Kostennote sowie des nach deren Einreichung zusätzlich entstandenen Aufwands für die nachträglich erfolgten Eingaben vom 9. Mai 2018 und 5. Juli 2018) auf ins- gesamt Fr. 1800.– (inkl. Auslagen) festzulegen und durch die Gerichts- kasse zu vergüten. (Dispositiv nächste Seite) E-1914/2018 Seite 21 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das Honorar de r amtlichen Rechts verbeiständung wird auf insgesamt Fr. 1800.– bestimmt und der (…) durch die Gerichtskasse vergütet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: