B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7578/2014 U r t e i l v o m 5 . S e p t e m b e r 2 0 1 6 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter David Wenger, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM) (vormals Bundesamt für Migration [BFM]) Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. November 2014 / N (…). E-7578/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tadschike aus Mazar -i-Sharif mit letztem Wohnsitz in Kabul, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 6. Dezember 2010 und gelangte über Pakistan, den Iran, die Türkei, Griechenland und Italien am 13. Februar 2011 in die Schweiz. Am darauffolgenden Tag suchte er im Transitzentrum Altstätten um Gewährung von Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 2. März 2011, der einläss- lichen Anhörung zu den Asylgründen vom 16. Januar 2014 und einer er- gänzenden Anhörung vom 18. November 2014 brachte er im Wesentlichen vor, er habe sich in Mazar-i-Sharif etwa zwei Jahre lang mehrmals wö- chentlich mit dem Nachbarmädchen B._______ heimlich hinter dem Haus getroffen. Er habe seine Freundin heiraten wollen. Deren Familie habe den Antrag aber abgelehnt. Nach einer Weile sei B._______ eines Morgens ohne die Erlaubnis ihrer Familie zu ihm nach Hause gekommen, um ihn zu heiraten. Am Nachmittag seien ihr e Eltern vorbeigekommen, hätte das Mädchen abgeholt und versprochen, bei einem nochmaligen Antrag einer Heirat zuzustimmen. Drei Tage später sei eine Delegation aus seinem Va- ter und einigen Weisen zu B._______‘s Familie gegangen. Deren Eltern hätten nunmehr behauptet, ihre Tochter sei gar nie nach Hause zurückge- kehrt und seine Familie beschuldigt, sie gegen ihren Willen bei sich zu be- halten. In der Folge habe die Familie B._______‘s mehrfach versucht, sein Elternhaus anzugreifen. Da der Druck gewachsen sei, habe er das Haus verlassen und sich bei Verwandten in der Umgebung der Stadt versteckt gehalten. Nach einigen Tagen habe sein Vater ihm geraten, zu Verwandten (Grossvater, Onkel väterlicherseits, Tante mütterlicherseits) nach Kabul zu gehen. Da der Druck auf seine Familie nicht nachgelassen habe, hätten auch seine Eltern das Haus verlassen müssen. Sie seien in ein etwa 20 Kilometer vom bisherigen Wohnsitz entferntes Mietshaus in Mazar-i-Sharif gezogen. In Kabul habe er eine Stelle bei einer (…) übernommen und eines Tages bemerkt, dass die Brüder von B._______, die zu den Mujaheddin gehört hätten, ihn mit dem Auto verfolgt hätten. Auch sei bei seiner Arbeit nach ihm gefragt worden. Zudem seien das Haus seines Grossvaters und jenes seines Onkels väterlicherseits durchsucht worden; dabei sei nach ihm ge- fragt worden. Auf Empfehlung seines Vaters hin habe er eine andere Arbeit E-7578/2014 Seite 3 als (…) bei einer Schule übernommen; dort habe er auch übernachten dür- fen, was d ie Brüder B._______‘s herausgefunden hätten. Ei nes Tages seien zwei von ihnen bewaffnet in die Schule gekommen, um ihn zu ent- führen. Sie hätten ihm eine Kalaschnikow in den Rücken gedrückt und ihn aufgefordert, ihnen zu folgen. Das Schulpersonal sei ihm zu Hilfe gekom- men. Bei einem Handgemenge sei er von den Angreifern die Treppe hin- untergestossen, danach mit einer schweren Rückenv erletzung ins Spital gebracht und operiert worden. Anschliessend habe er sich zunächst bei seinem Grossvater und hernach bei verschiedenen Bekannten und Freun- den aufgehalten. Nach einiger Zeit sei er auf Bitten seiner Mutter für das Fastenfest nach Mazar-i-Sharif gereist. Zwei Tage lange habe er sich in grosser Angst zu Hause aufgehalten. Am dritten Festtag habe er mit seiner Mutter und wei- teren Personen Bekannte in der alten Wohngegend besuchen und an- schliessend nach Kabul zurückkehren wollen. Unterwegs habe seine Mut- ter gemerkt, dass ein Bruder und ein Onkel B._______‘s hinter ihnen ge- fahren seien. Sie (Beschwerdeführer und Mutter) hätten diese vorbeifahren lassen; danach sei er ausgestiegen und mit einem Taxi nach Hause zu- rückgekehrt. Dort habe er einen Anruf von seinem Onkel erhalten, der ihn darüber informiert habe, dass seine Mutter und die übrigen im Auto mitge- fahrenen Verwandten verletzt worden seien; sie seien von den Verwandten B._______‘s angefahren worden, die gedacht hätten, er befinde sich eben- falls im Auto. Anschliessend seien Letztere ausgestiegen und hätten seine Mutter massiv geschlagen. Sie sei noch am Unfallort gestorben. Nach der Beerdigung seiner Mutter sei seine ganze Familie nach Kabul gezogen und er habe gewusst, dass er das Land verlassen müsse. Über das Schicksal B._______‘s habe er nichts in Erfahrung bringen können. Er vermute, dass sie getötet worden sei. Auch nach seiner Ausreise habe seine Familie wegen ihm Probleme ge- habt. Seine Brüder seien in Kabul von Verwandten von B._______ belästigt worden. Sie (Angehörige des Beschwerdeführers) seien mit der jüngeren Schwester nach Herat gegangen. Danach sei sein Onkel gefoltert worden und habe den Aufenthaltsort der Geschwister (des Beschwerdeführers) preisgegeben. Diese seien anschliessend in Herat gesucht worden. Anfang 2013 hätten seine Brüder ihn um Geld für die Ausreise gebeten, das er aber nicht gehabt habe. Seither habe er nichts mehr von ihnen gehört. Sein Vater, der mittlerweile in Pakistan lebe, habe ihm gesagt, dass seine Ge- schwister in den Iran gegangen seien. E-7578/2014 Seite 4 Zum Beweis seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer (alles im Ori- ginal) seine Tazkara, eine Bestätigung seines Arbeitsgebers (Schule) und eine Bestätigung des Spitals , in dem er hospitalisiert gewesen sei , samt einem in Kabul abgestempeltem Umschlag ein. B. Am 21. März 2012 stellte das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich gestützt auf Art. 10 Abs. 2 AsylG den afghanischen Führerschein des Be- schwerdeführers samt Zusatzkarte zu Handen der Vorinstanz sicher. C. Mit Verfügung vom 21. November 2014 – eröffnet am 25. November 2014 – stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings- eigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Dezember 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und be- antragte in materieller Hinsicht die Aufhebung der Verfügung, die Feststel- lung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 110a Abs. 1 AsylG (SR 142.31) und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Mit Instruktionsverfügung vom 20. Januar 2015 hiess das Bundesverwal- tungsgericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung vorbehältlich des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut und verzichtete auf die Erhe- bung des Kostenvorschusses. Das Gesuch um Ansetzung einer Frist zur Beibringung von Beweismitteln aus dem Ausland wurde unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG abgewiesen. F. Am 28. Januar 2015 reichte der Beschwerdeführer eine aktuelle Fürsorge- bestätigung, ein Arbeitszeugnis vom 19. September 2014, eine Kopie der Tazkara seines Vaters, zwei Fotografien seines Vaters zum Beweis von dessen Aufenthalt in Pakistan, einen Vertrag über die Wohnung, die sein E-7578/2014 Seite 5 Vater seit Februar 2014 in Hayatabad miete (Original), einen Ausdruck ei- ner Fotografie seines querschnittgelähmten Onkels mit dessen drei Kin- dern und zwei Umschläge von SKY Net Worldwide Express und DHL zu den Akten. G. Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 setzte das Bundesverwaltungsgericht den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers als amtlichen Rechtsbeistand ein. H. Am 28. April 2015 legte der Beschwerdeführer einen Badge der Sicher- heitsfirma, für die er in Kabul gearbeitet habe (Original), Farbkopien des Reisepasses und eines Rotkreuz -/Rothalbmondausweises seines Onkels und der Tazkara seines Cousins sowie vier Fotografien des Onkels und dessen Familie und einen in Afghanistan gestempelten Briefumschlag ins Recht. I. Mit Verfügung vom 24. Februar 2016 ersuchte das Bundesverwaltungsge- richt die Vorinstanz gestützt auf Art. 57 VwVG um Einreichung einer Ver- nehmlassung. J. Das SEM hielt mit Stellungnahme vom 1. März 2016 – die dem Beschwer- deführer am 2. März 2016 zur Kenntnis gebracht wurde – fest, die Be- schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis- mittel, die eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten, wes- halb vollumfänglich an den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung festgehalten werde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher E-7578/2014 Seite 6 zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist ein- zutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten soziale n Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-7578/2014 Seite 7 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des angefochtenen Entscheids insbesondere aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Insbesondere würden seine Aussagen im Zusammenhang mit den Treffen mit B._______ in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung wider- sprechen und konstruiert wirken. Es sei wirklichkeitsfremd, dass niemand die nur 10 Meter vom Haus e ntfernten Treffen bemerkt haben solle. Vor dem sozio -kulturellen Hintergrund Afghanistans sei auch nicht denkbar, dass ein Mädchen das Elternhaus verlasse, um sich mit ihrem Freund zu treffen. Dies umso weniger, als es sich bei der Familie von B._______ um sehr konservative Leute gehandelt haben solle. Sodann erscheine nicht plausibel, dass die Brüder von B._______ den Beschwerdeführer zu Hause in Mazar-i-Sharif oder bei seinem Grossvater in Kabul nie angetrof- fen hätten und dass er unbemerkt aus dem Auto habe aussteigen können, als er anlässlich des Eid-Festes unterwegs von einem Bruder B._______‘s verfolgt worden sei. Seine Rückkehr nach Mazar-i-Sharif auf Wunsch sei- ner Mutter erscheine ebenfalls unglaubhaft . Insbesondere sei nicht nach- vollziehbar, dass diese geglaubt haben solle, er würde nicht mehr verfolgt, obgleich er 20 Tage zuvor erst aus dem Spital entlassen worden sein wolle, in das er sich nach dem Übergriff durch die Brüder seiner Freundin habe begeben müssen. Ferner habe er in zeitlicher Hinsicht widersprüchliche Angaben gemacht. Bei der BzP habe er angegeben, bis Juli/August 2009 in Mazar-i-Sharif ge- lebt zu haben. Danach hätte er sich bis zum 6. Dezember 2010 in Kabul aufgehalten und von August/September 2009 bis Oktober/November 2009 bei der Sicherheitsfirma gearbeitet. Im Widerspruch dazu habe er bei der Anhörung behauptet, er habe bis Ende 2006 in Mazar -i-Sharif gelebt. Bei der ergänzenden Anhörung habe er angegeben, er habe sich im Juli/ Au- gust 2006 nach Kabul begeben und zwei bis drei Monate nach der Ankunft in Kabul die Stelle bei der Sicherheitsfirma angetreten. Im Weiteren habe er sich bezüglich der Dauer des Aufenthalts in Kabul nach der angeblichen Rückkehr vom Eid-Fest in Mazar-i-Sharif und betreffend einen Besuch bei Verwandten respektive Bekannten in Mazar-i-Sharif widersprochen. Schliesslich habe der Beschwerdeführer bei der ergänzenden Anhörung zum ersten Mal geltend gemacht, es habe sich bei den Brüdern von B._______ um Kommandanten der Mujaheddin gehandelt. Bei den voran-E-7578/2014 Seite 8 gehenden Befragungen habe er hingegen lediglich gesagt, dass sie Ange- hörige der Mujaheddin gewesen seien. Es müsse davon ausgegangen werden, dass er bei der ergänzenden Anhörung versucht habe, seinen Asylgründen nachträglich mehr Gewicht zu verleihen. Seine Erklärung, je- der Mujaheddin sei ein Kommandant, könne nicht gehört werden. Die eingereichten Beweismittel vermöchten diese Einschätzung nicht zu entkräften, da solche Dokumente in Afghanistan leicht käuflich erwerbbar seien und diesen somit nur ein beschränkter Beweiswert zukomme. 4.2 Der Beschwerdeführer hält den Erwägungen de r Vorinstanz im We- sentlichen entgegen, er habe sich mit seiner Freundin jeweils dann treffen können, wenn diese hinter dem Haus habe Wasser holen müssen und wenn sie in sein Elternhaus habe komme n dürfen, um für die Schule zu lernen. Aus seinen Aussagen ergebe sich, dass die "Treffen" teilweise auch nur in einem kurzen Wortwechsel oder einem Blickkontakt bestanden hät- ten. Es sei auch nicht klar, ob nicht doch Nachbarn oder die Mutter von B._______ etwas von den heimlichen Treffen gewusst hätten. Insgesamt sei es nicht unwahrscheinlich, dass er sie in äusserst eingeschränktem Rahmen ungefähr jeden zweiten Tag in irgendeiner Weise gesehen oder kurz mit ihr gesprochen habe, ohne dass die Brüder oder andere männliche Verwandte von B._______ eine unerlaubte Beziehung hätten vermuten können, zumal sie in unmittelbarer Nähe zueinander gewohnt hätten. Es sei auch unverständlich, weshalb die Vorinstanz es als unglaubhaft er- achte, dass er von den Brüdern B._______‘s nie zu Hause oder bei seinem Grossvater angetroffen worden sei; er habe in der fraglichen Zeit bei Be- kannten, Verwandten und zeitweilig auch an seinem Arbeitsplatz Unter- schlupf gefunden. Betreffend die Flucht aus dem Auto habe er anschaulich und widerspruchsfrei ausgeführt, die Verfolger hätten ihn überholt, weshalb es ihm gelungen sei, das Auto zu verlassen und nach Hause zu gehen. Im Übrigen sei verständlich, dass er auf Bitten seiner kranken Mutter zum Eid- Fest in seine Heimat zurückgekehrt sei, obwohl er Angst vor Übergriffen durch die Familie von B._______ gehabt habe. Bei den angeblichen Wi- dersprüchen in seinen Aussagen handle es sich lediglich um Ungenauig- keiten. Die Angabe seines letzten Wohnsitzes in Mazar-i-Sharif habe er irr- tümlich auf den fünften Monat des Jahres 1388 statt 1385 datiert. Zudem handle es sich um Aussagen, die die Asylgründe in keiner Weise tangieren würden und für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen daher irrelevant seien. Wesentlich sei, dass er die flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung, die wiederholten Übergriffe von bewaffneten Personen auf ihn und seine Familie und die Gründe dafür insgesamt glaubhaft und widerspruchsfrei E-7578/2014 Seite 9 geschildert habe. Seine Aussagen enthielten zahlreiche Realkennzeichen, die von der Vorinstanz unberücksichtigt geblieben seien. So habe er etwa das Handgemenge in der Schule unter Nennung der Namen der Peiniger eindrücklich, detailliert und anschaulich geschildert. Auch habe er sich an die exakte Dauer des Spitalaufenthalts erinnern und den Überfall mittels eines Schreibens des Schuldirektors nachweisen können. Das BFM habe dieses Beweismittel offenbar generell als untauglich bewertet, statt den Be- weiswert abzuklären, wozu es aufgrund seiner Untersuchungspflicht ge- mäss Art. 12 VwVG und der Pr axis des E uropäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu Art. 13 EMRK gehalten gewesen wäre. Insgesamt habe die Vorinstanz den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. Zusammenfassend habe er glaubhaft darlegen können, in seinem Heimat- staat wegen seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe an Leib und Leben beziehungsweise in seiner Freiheit gefährdet zu sein. Da- mit erfülle er die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG. Da keine Ausschlussgründe vorliegen würden und ihm keine innerstaatliche Flucht- alternative zur Verfügung stehe, sei ihm Asyl zu gewähren. 5. Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach eingehender Prüfung der Ak- ten zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft zu machen. 5.1 Eine Durchsicht der vorinstanzlichen Befragungsprotokolle ergibt, dass er seine Asylgründe relativ ausführlich darlegte. Seiner Schilderung fehlt es jedoch an inhaltlicher Substanz und Nachvollziehbarkeit. Diesbezüglich kann weitgehend auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Einwände auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, die zutreffende Einschätzung der Vorinstanz umzustossen. Die geltend gemachte Verfol- gung des Beschwerdeführers seitens der Familie des Nachbarmädchens in Mazar-i-Sharif und bis nach Kabul wirkt konstruiert. Auch unter Berück- sichtigung der Ausführungen in der Beschwerdeschrift kann durch das Ge- richt nicht nachvollzogen werden, dass es ihm gelungen sein soll, sich dem Zugriff durch die Brüder seiner Freundin immer wieder zu entziehen. Nicht geglaubt werden kann insbesondere, dass er für diese in Kabul während beinahe vier Jahren – von Mitte 2006 oder Anfang 2007 bis im Mai 2010 anlässlich des angeblichen Übergriffs in der Schule (vgl. A14/18 F7 S. 2 E-7578/2014 Seite 10 und F90-95 S. 10 f.; A17/17 F66 S. 8) – nicht auffindbar gewesen sei, ob- gleich sie ihm mit dem Auto gefolgt seien, an seiner Arbeitsstelle nach ihm gefragt hätten und sogar die Häuser seines Gros svaters und seines On- kels, bei denen er sich zwischenzeitlich aufgehalten habe (vgl. etwa A14/18 F74 S. 9), hätten durchsuchen lassen. Den Vorfall in der Schule, das ein- zige Ereignis bei welchem er in direkten Kontakt mit zwei Brüdern seiner Freundin gekommen sein soll, schilderte der Beschwerdeführer knapp und oberflächlich (vgl. A14/18 F91 ff. S.11 und A17/17 F79 S. 10). Seine dies- bezüglichen Aussagen erwecken nicht den Eindruck, er habe die Situation tatsächlich erlebt. Schliesslich erscheint unrealistis ch, dass ihm die Ver- wandten B._______‘s zur Zeit des Eid-Fests in Mazar-i-Sharif mit dem Auto gefolgt seien und ihn dann einerseits überholt hätten, so dass er unbemerkt habe aussteigen können, während sie andererseits danach das Auto sei- ner Familie angefahren, seine Mutter geschlagen und ihr damit tödliche Verletzungen zugefügt hätten. Zusätzlich gegen die Glaubhaftigkeit der Asylgründe ins Gewicht fallen die Ungereimtheiten in zeitlicher Hinsicht. Aufgrund der mehrfach widersprüch- lichen Aussagen des Beschwerdeführers ist entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift weder von einem einmaligen Irrtum auszugehen noch erscheinen die Abweichungen als irrelevant. Neben den durch das BFM erläuterten Ungereimtheiten fällt weiter auf, dass der Beschwerdefüh- rer bei der ergänzenden Anhörung vorbrachte, er habe Mazar -i-Sharif im fünften Monat 1385 (Juli/August 2006), 10 Tage nach dem Vorbeikommen der Brüder B._______‘s infolge des zweiten Heiratsantrags, verlassen. Da- ran erinnere er sich ganz genau (vgl. A17/17 F59, 66 und 69 f. S. 8 f.). Bei der Anhörung machte er ebenfalls geltend, 10 bis 15 Tage nach dem zwei- ten Antrag nach Kabul gereist zu sein, datierte dies jedoch auf Ende 1385 (ca. Mitte März 2007) (vgl. A14/18 F7 S. 2). Sodann ergeben sich aus den Akten Widersprüche in Bezug auf die Zeit nach dem angeblichen Übergriff auf ihn durch die Brüder seiner Freundin. Bei der BzP gab er, ohne Datie- rung des Vorfalls in der Schule, an, er habe sich nach der Entlassung aus dem Spital einige Zeit im Haus seines Grossvaters in Kabul aufgehalten und sei im sechsten Monat 1389 (August/September 2010) nach Mazar-i- Sharif gegangen, wo seine Mutter nach de r Verfolgung durch die Brüder B._______‘s gestorben sei (vgl. A4/14 Ziff. 15 S. 8 f. und Ziff. 22 S. 11 ). Gemäss den eingereichten Beweismitteln soll der Übergriff an der Schule in Kabul am 29.2.1389 (19. Mai 2010) erfolgt und der Beschwerdeführer am 12.3.1389 (2. Juni 2010) aus dem Spital entlassen worden sein. Nach seinen Aussagen anlässlich der ergänzenden Anhörung will er e twa 20 Tage später, folglich gegen Ende Juni 2010, für das Eid-Fest (traditionelles E-7578/2014 Seite 11 Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan) nach Mazar -i-Sharif zu- rückgekehrt und dort am dritten Festtag mit dem Auto verfolgt worden sein (vgl. A17/17 F81 ff. S. 11). Im Jahr 2010 endete der Ramadan jedoch erst am 9. September 2010 und wurde auch das Fest weltweit erst im An- schluss daran gefeiert (vgl. etwa Dubai News, <http://www.dubai- news.de/ende-des-ramadan-2010/>, besucht am 27. Juli 2016) . Bei der Anhörung bezog sich der Beschwerdeführer schliesslich auf den 9. Monat 1389 (November/Dezember 2010) für seine Rückkehr nach Mazar-i-Sharif (vgl. A14/18 F99 S. 12). Die zeitlichen Abweichungen zwischen seinen Schilderungen bestärken die Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgung. Auch die eingereichten Beweismittel vermögen die Asylvorbringen nicht zu stützen. Einerseits kommt den beigebrachten Dokumenten – wie durch das BFM zutreffend ausgeführt – aufgrund von deren Fälschungsanfälligkeit und Käuflichkeit nur ein geringer Beweiswert zu. Sodann wirft die Bestäti- gung des Schuldirektors Fragen auf, wird i m Briefkopf doch das Erzie- hungsministerium/Erziehungspräsidium der Stadt Kabul genannt, obgleich es sich um eine Privatschule handeln soll (vgl. A14/18 F90 S. 10). Inhaltlich ist dem Dokument zu entnehmen, dass zwei bewaffnete Personen den Be- schwerdeführer in der Schule hätten mitnehmen beziehungsweise ihn von der zweiten Etage nach unten stossen wollen. Das Schreiben vermag die Unglaubhaftigkeitselemente in der Schilderung des Beschwerdeführers je- doch nicht zu entkräften. Aus der Spitalbestätigung ergibt sich sodann le- diglich eine medizinische Behandlung des Beschwerdeführers; über die Gründe spricht sich das Dokument nicht aus (vgl. A14/18 F95 S. 11). Die in den Beweismitteln genannten Daten lassen sich schliesslich – wie be- reits ausgeführt – mit dem zeitlichen Ablauf der durch den Beschwerdefüh- rer geschilderten Ereignisse nicht in Einklang bringen. 5.2 Nach dem Gesagten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkei t (Art. 7 AsylG) nicht genügen. In einer Gesamtbe- trachtung aller Glaubhaftigkeitselemente erscheint die geltend gemachte erlittene respektive im Zeitpunkt der Ausreise drohende Verfolgung seitens der ehemaligen Nachbarsfamilie überwie gend als unglaubhaft. Daraus ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr nach Af- ghanistan aufgrund der geltend gemachten Fluchtgründe mit überwiegen- der Wahrscheinlichkeit keine Gefährdung im Sinne des Asylgesetzes droht. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. E-7578/2014 Seite 12 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz- lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1–4 AuG [SR 142.20]). 7.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Vollzug der Wegweisung nach Mazar-i-Sharif sei gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2011/49) nicht generell unzumut- bar. Bei Vorliegen begünstigender Umstände könne eine Rückkehr dorthin, auch im Sinne einer Aufenthaltsalternative, als zumutbar erkannt werden. Der Beschwerdeführer stamme aus Mazar-i-Sharif und habe eigenen An- gaben zufolge dort gelebt. Er mache zwar geltend, seine Mutter sei umge- bracht worden und sein Vater und seine Geschwister hätten Afghanistan verlassen. Indes habe er unglaubhafte Angaben zur Verfolgungssituation gemacht. Es sei dem BFM nicht möglich, sich in voller Kenntnis der tat- sächlichen persönlichen und familiären Situati on des Beschwerdeführers zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu äussern. Diesem entge- genstehende Hindernisse seien zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen; die Untersuchungspflicht finde ihre Grenzen aber an der Mitwir- kungs- und Wahrheitspflicht. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundes- verwaltungsgerichts sei es nicht Sache der Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen, falls eine Person, wie der Beschwerdeführer, seiner Mitwirkungs - und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nicht nachkomme und die Behörden zu täuschen versuche. Demzufolge erweise sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. E-7578/2014 Seite 13 7.2 Der Beschwerdeführer wendet ein, die Vorinstanz habe die Umstände des Einzelfalls nicht berücksichtigt. Insbesondere habe sie ausser Acht ge- lassen, dass er in Afghanistan über keine männlichen Angehörigen mehr verfüge, womit er im Falle einer Rückkehr bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung vollständig auf sich alleine gestellt wäre. Selbst wenn die Vorinstanz seine Asylvorbringen als unglaubhaft einstufe, sei es nicht zulässig, daraus auf eine Verletzung der parteilichen Verfahrenspflichten zu schliessen. Dies widerspreche der ständigen Praxis, wonach auch bei Unglaubhaftigkeit der Fluchtgründe die Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs gesondert geprüft werde. Vorliegend könne nicht davon ausge- gangen werden, es lägen keine Hinweise auf Wegweisungsvollzugshinder- nisse vor, zumal die Ausführungen betreffend seine Familie nicht als un- glaubhaft beanstandet worden seien. Er habe konkrete und glaubhafte An- gaben zur familiären Situation gemacht und insbesondere darauf hinge- wiesen, dass seine Geschwister in den Iran und sein Vater nach Pakistan ausgewandert seien und dass seine Mutter und sein Grossvater verstorben seien. Zudem werde sein in Kabul lebender Onkel väterlicherseits vom Ro- ten Kreuz betreut. Er habe Dokumente erhältlich gemacht, die dies bestä- tigen würden (vgl. die Eingaben vom 28. Januar und vom 28. April 2015). Im Hinblick auf seinen Heimatstaat würden keine konkre ten Hinweise auf das Vorliegen eines tragfähigen Beziehungsnetzes bestehen. Überdies verfüge er weder über eine Berufsausbildung noch über zählbare Berufs- erfahrung, die ihm die Wiedereingliederung erleichtern könnte. Er habe fer- ner nachweislich Rückenprobleme, die es ihm gemäss ärztlicher Auskunft nicht ermöglichen würden, schwere körperliche Arbeit zu verrichten. Die Sicherheitslage in Kabul habe sich s chliesslich seit etwa Anfang Oktober 2014 verschlechtert (vgl. die Beschwerdeschrift S. 12). Insgesamt müsse davon ausgegangen werden, dass er im Falle einer Rückkehr nach Afgha- nistan in eine persönliche Notlage geraten würde, weshalb der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar sei. Die Vorinstanz habe mit der unterlassenen Berücksichtigung der Um- stände des Ein zelfalls und der fehlenden Prüfung von Wegweisungsvoll- zugshindernissen die Untersuchungspflicht gemäss Art. 12 VwVG und den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV verletzt. Zudem habe sie gegen das Willkürverbot gemäss Art. 9 BV verstossen, indem sie sich von sachfremden Argumenten habe leiten lassen. 7.3 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs fordert, dass die verfügende Be- hörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernst-E-7578/2014 Seite 14 haft prüft und in der Entscheidfindung berücksich tigt, was sich entspre- chend in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzu- schlagen hat (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründungsdichte hat sich dabei nach dem Verfügungsge- genstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des oder der Be- troffenen zu richten, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in rechtlich ge- schützte Interessen eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f.; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2012/21 E. 5.1 [1. Abschnitt] m.w.H.). Die Vorinstanz geht pauschal davon aus, dass der Beschwerdeführer auf- grund der unglaubhaften Asylvorbringen seine Mitwirkungspflicht verletzt und die Behörden zu täuschen versucht habe und verzichtet deshalb auf eine individuelle Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Wie auf Beschwerdeebene zutreffend eingewendet, ist dieses Vorgehen nicht zulässig. Praxisgemäss kann nur auf eine Prüfung der individuellen Zumut- barkeitskriterien verzichtet werden, wenn eine asylsuchende P erson eine sinnvolle Prüfung, ob ihr im Heimat - oder Herkunftsstaat Gefahr im Sinne von Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG droht, verunmöglicht, etwa durch eine Täu- schung über die Identität. Inwieweit der Vorinstanz eine Prüfung der Zu- mutbarkeit verwehrt worden wäre, ergibt sich aus der angefochtenen Ver- fügung nicht und ist nicht ersichtlich, zumal der Beschwerdeführer anläss- lich der vorinstanzlichen Befragungen mehrfach über seine familiäre Situ- ation berichtete. Zudem brachte er auf Beschwerdeebene mehrere Be- weismittel bei, um den Aufenthalt seines Vaters in Pakistan und die Hilfs- bedürftigkeit seines Onkels in Kabul zu belegen. Die Argumentation des BFM erscheint als besonders heikel, weil die Zumutbarkeit des Wegwei- sungsvollzugs nach Afghanistan nur mit grosser Zurückhaltung anzuneh- men ist. In BVGE 2011/7 stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass in Afghanistan – ausser allenfalls in Grossstädten – eine derart schlechte Sicherheitslage und derart schwierige humanitäre Bedingungen bestün- den, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Bezüglich Kabul und Mazar -i-Sharif erachtet es den Wegweisungsvollzug nur dann als zumutbar, wenn sich im Einzelfall erweist, dass die betroffene Person dort über ein tragfähiges soziales Netz im Sinne der strengen Anforderungen gemäss Entscheide und Mitteilun- gen der Schweizerischen Asylrekurskommission (E MARK) 2003 Nr. 10 verfügt (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.8–9.9 und BVGE 2011/49 E. 7.3.5–7.3.8). Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz betreffend die Beurteilung der Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die Begründungspflicht verletzt. E-7578/2014 Seite 15 Eine Heilung dieses Mangels und ein reformatorischer Entscheid durch das Bundesverwaltungsgericht sind nicht angezeigt, zumal neben einer Würdi- gung der Aussagen des Beschwerdeführers und der eingereichten Beweis- mittel allenfalls eine ergänzende Befragung durchzuführen sein wird. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde betreffend die Fest- stellung der Flüchtlingseigenschaft, di e Gewährung von Asyl und die An- ordnung der Wegweisung abzuweisen ist. Betreffend den Vollzug der Weg- weisung ist sie gutzuheissen und die Sache ist – unter Berücksichtigung der auf Beschwerdeebene gemachten Eingaben und eingereichten Be- weismittel – zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist v om hälftigen Obsiegen des Be- schwerdeführers auszugehen. 9.1 Die Kosten des Verfahrens wären somit teilweise dem Beschwerdefüh- rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch angesichts des mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2015 gutgeheisse- nen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu ver- zichten. 9.2 Im Umfang seines Obsiegens ist dem Beschwerdeführer eine ange- messene Parteientschädigung für die ihm aus der Beschwerdeführung er- wachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen (Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte am 28. April 2015 eine Kostennote ein. Demnach beliefen sich seine Be- mühungen auf 9.6 Stunden; der geltend gemachte Stundenansatz liegt bei Fr. 300.–. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe von Fr. 51.40 aufge- führt. Dieser Aufwand erscheint als nicht vollumfänglich notwendig , wes- halb er zu kürzen ist. Ins gesamt ist von einem notwendigen Aufwand von 8.5 Stunden auszugehen. Dem Beschwerdeführer ist daher zu Lasten des SEM eine um d ie Hälfte reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘400.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten. Da dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständu ng ge- währt wurde, sind die ihm im Umfang seines Unterliegens notwendiger- weise erwachsenen Parteikosten durch das Bundesverwaltungsgericht zu E-7578/2014 Seite 16 übernehmen (vgl. Art. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. den Art. 9–14 des Regle- ments vom 21. Februar 2008 über di e Kosten und Entschä digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach Praxis des Gerichts werden amtlich bestellte Anwälte mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis 220.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Dem Beschwerdeführer ist daher zu Lasten des Bundesverwaltungsge- richts ein e um die Hälfte reduzier te Entschädigung von gesamthaft Fr. 1'040.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen, welche dem amtlichen Rechtsvertreter auszurichten ist . Sollte der Beschwerdeführer später zu hinreichenden Mitteln gelangen, ist dieser Betrag dem Bundes- verwaltungsgericht zurückzuerstatten (Art. 65 Abs. 4 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-7578/2014 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung werden aufgehoben und die Sache wird im Sinne der Erwägungen zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückge- wiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1‘400.– zu entrichten. 4. Dem amtlichen Rechtsvertreter wird durch das Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von Fr. 1‘040.– ausgerichtet. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi