A bteilung III C -1098/2006 {T 0/2} U rteil vom 14. Juni 2007 M itw irkung: R ichter Trom m er (Vorsitz); R ichterin Avenati-C arpani und R ichter Vaudan; G erichtsschreiber Birgelen. J._______, Beschw erdeführer, vertreten durch E._______ gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend A usstellung eines R ückreisevisum s B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D er Beschw erdeführer, ein 1985 geborener irakischer Staatsangehöriger kurdischer Abstam m ung, gelangte im N ovem ber 2002 in die Schw eiz und stellte hier ein Asylgesuch. Anlässlich den Befragungen zu diesem G esuch (am 19. N ovem ber 2002 und 24. Januar 2003) gab er an, er sei in D ohuk aufgew achsen, w o seine Eltern, zw ei Brüder und vier Schw estern nach w ie vor leben w ürden. Ab 1999 sei er in M osul als Autom echaniker im Betrieb eines O nkels beschäftigt gew esen. Am 12. O ktober 2002 habe sein Vater einen Autounfall verursacht, bei dem ein M itglied eines anderen Stam m es getötet w orden sei. W eil die Angehörigen des O pfers eine finanzielle W ie- dergutm achung abgelehnt hätten und an seinem Vater oder an ihm die Blutrache vollziehen w ollten, sei er am 1. N ovem ber 2002 aus dem Irak geflüchtet und auf direktem W eg in die Schw eiz gekom m en. Abklärungen des dam aligen Bundesam tes für Flüchtlinge (heute Bundesam t für M igrati- on [BFM ]) ergaben in der Folge, dass der Beschw erdeführer im O ktober 2001 in D eutschland unter teilw eise anderen Personalien ein Asylgesuch eingereicht hatte, w elches am 13. N ovem ber 2002 abgelehnt w orden w ar. Seit Ende Septem ber 2002 galt er dort als verschw unden. M it diesen Er- kenntnissen konfrontiert, bestätigte der Beschw erdeführer den Sachverhalt in einer schriftlichen Stellungnahm e vom 6. August 2004 w eitestgehend und fügte an, er habe bei seinem Asylantrag in D eutschland die w ahren Fluchtgründe nicht angeben können, w eil er sich vor R epressalien gefürch- tet habe; in D eutschland w ürden sehr viele Kurden leben. D as Bundesam t trat in der Folge auf das Asylgesuch nicht ein und ordnete die W egw eisung aus der Schw eiz und deren Vollzug an. Im R ahm en des anschliessend durch den Beschw erdeführer angehobenen Beschw erde- verfahrens kam das Bundesam t am 24. N ovem ber 2005 auf seine Verfü- gung zurück und nahm das Asylverfahren w ieder auf. M it Verfügung vom 3. D ezem ber 2005 schliesslich lehnte das Bundesam t das Asylgesuch w e- gen fehlender G laubw ürdigkeit ab und ordnete aberm als die W egw eisung aus der Schw eiz an. D er Vollzug der W egw eisung w urde jedoch w egen U nzum utbarkeit zu G unsten einer vorläufigen Aufnahm e vorerst aufge- schoben. B. Am 25. August 2006 beantragte der Beschw erdeführer über das M igrati- onsam t des Kantons Zürich unter Vorlage eines am Vortag ausgestellten neuen heim atlichen R eisepasses ein R ückreisevisum . Als G rund für die beabsichtigte Auslandreise verm erkte er im schriftlichen Antrag, er habe seine Eltern seit nunm ehr acht Jahren nicht m ehr gesehen und w olle sie im Septem ber 2006 für fünfzehn Tage in Syrien besuchen. D as M igrations- am t überw ies dieses G esuch zur w eiteren Behandlung an das BFM (nach- folgend: Vorinstanz). C . M it Verfügung vom 29. August 2006 verw eigerte die Vorinstanz die Aus- stellung eines R ückreisevisum s. Ein solches Visum könne nur unter den Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 der Verordnung vom 27. O ktober 2004 über die Ausstellung von R eisedokum enten für ausländische Personen 3 (R D V, SR 143.5) erteilt w erden. D er vom G esuchsteller angegebene Zw eck erfülle keinen der in besagter Verordnungsnorm festgelegten R eise- gründe. D . G egen diese Verfügung liess der Beschw erdeführer beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) am 20. Septem ber 2006 durch sei- ne Arbeitgeberin Beschw erde erheben. D arin beantragt er, die verw eigern- de Verfügung sei aufzuheben und das R ückreisevisum sei auszustellen. Zur Begründung m acht er sinngem äss geltend, die Verfügung der Vorin- stanz sei nicht angem essen. Er sei beruflich und sozial gut integriert und leide unter der Trennung von seiner Fam ilie. Letztere habe er im Alter von dreizehn Jahren verlassen und den jüngsten, fünfjährigen Bruder kenne er nur von Telefongesprächen. Es dürfe nicht sein, dass jem andem , der w ie er grossen W illen und C harakter zeige, sich in der Schw eiz korrekt verhal- te und arbeite, ein W iedersehen m it der Fam ilie verw eigert w erde, zum al er die R eise selber finanzieren w ürde. D er Beschw erde w urden m ehrere Arbeitszeugnisse beigelegt. E. In ihrer Vernehm lassung vom 6. O ktober 2006 hält die Vorinstanz an der angefochtenen Verfügung fest und beantragt die Abw eisung der Be- schw erde. D ie Vernehm lassung w urde dem Beschw erdeführer zur Kennt- nis gebracht und der Schriftenw echsel für beendet erklärt. F. M it Eingaben vom 15. M ärz bzw . 31. M ai 2007 liess der Beschw erdeführer nochm als betonen, dass er unter der Trennung von der Fam ilie sehr leide und deshalb sogar psychologische Betreuung in Anspruch nehm en m üsse. Es sei von grosser Bedeutung, dass er seine Angehörigen in der Türkei oder in Syrien besuchen könnte. D en Schreiben w aren w eitere U nterlagen beigelegt. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des Bundesam tes für M igration (BFM ) betreffend Verw eige- rung der Ausstellung eines R ückreisevisum s unterliegen der Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer [AN AG , SR 142.20] i.V.m . Art. 31 und 33 lit. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverw altungsgericht [VG G , SR 173.32]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t die Beurteilung der beim In- krafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei Eidge- nössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ). 1.3 G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), sow eit das Verw altungsge-4 richtsgesetz nichts anderes bestim m t. D as Bundesverw altungsgericht ent- scheidet endgültig (U rteile des Bundesgerichts 2A.56/2002 vom 14. Juni 2002, E. 1.3, und 2A.483/2005 vom 18. August 2005, E. 2.2; Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 lit. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschw erdeführung legitim iert (Art. 48 Vw VG ); auf die frist- und form gerecht eingereichte Be- schw erde ist einzutreten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 G em äss Art. 5 Abs. 1 R D V w ird einer schutzbedürftigen, vorläufig aufge- nom m enen oder asylsuchenden Person für die Vorbereitung der Ausreise oder für die definitive Ausreise in einen D rittstaat ein Identitätsausw eis m it oder ohne R ückreisevisum ausgestellt, sofern die Einreisevoraussetzun- gen des Zielstaates erfüllt sind. 2.2 Abgesehen von dieser speziellen Konstellation w ird dem gleichen Perso- nenkreis (Schutzbedürftige, vorläufig Aufgenom m ene oder Asylsuchende) ein Identitätsausw eis m it R ückreisevisum ausgestellt, w enn Schriftenlosig- keit besteht und eine der unter Art. 5 Abs. 2 R D V abschliessend aufge- zählten Voraussetzungen erfüllt ist, d.h. bei schw erer Krankheit oder Tod von Fam ilienangehörigen (Bst. a), zur Erledigung von w ichtigen und unauf- schiebbaren höchstpersönlichen Angelegenheiten (Bst. b) oder zum Zw eck von grenzüberschreitenden Schulausflügen (Bst. c). Als Fam ilienangehöri- ge im Sinne von Abs. 2 Bst. a gelten Eltern, G eschw ister, Ehegatten und Kinder. D en Ehegatten gleichgestellt sind die eingetragenen Partnerinnen und Partner sow ie die in dauernder eheähnlicher G em einschaft zusam - m enlebenden Personen (Art. 5 Abs. 3 R D V). Besitzt eine vorläufig aufge- nom m ene Person ein R eisedokum ent ihres H eim at- oder H erkunftsstaates, so w ird ihr aus den in Abs. 2 genannten G ründen ein R ückreisevisum aus- gestellt. (Art. 5 Abs. 4 R D V). 2.3 D ie restriktiven Voraussetzungen für die Ausstellung eines R ückreisevi- sum s an vorläufig aufgenom m ene Personen hängen m it dem provisori- schen C harakter der vorläufigen Aufnahm e zusam m en, die dem G rundsatz nach als Ersatzm assnahm e für einen m om entan nicht durchführbaren W egw eisungsvollzug ausgestaltet ist. Zw ar kann eine vorläufige Aufnahm e faktisch zu einem D auerzustand w erden oder von Anfang an als ein darauf ausgerichteter "Im m igrationsentscheid" konzipiert sein. Solchen Konstella- tionen w urde jedoch in der R D V w eder durch einen spezifischen Tatbe- stand, noch durch entsprechend w eite unbestim m te R echtsbegriffe oder Erm essensspielräum e R echnung getragen. Ein R ückreisevisum darf daher auch dem Personenkreis der vorläufig Aufgenom m enen nur dann ausge- stellt w erden, w enn die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 R D V erfüllt sind. 3. 3.1 D er Beschw erdeführer begründet sein Begehren um Ausstellung eines R ückreisevisum s m it dem W unsch, seine Eltern und G eschw ister in Syrien 5 oder in der Türkei zu besuchen. 3.2 D er angeführte R eisegrund kann offensichtlich unter keine der in Art. 5 Abs. 2 R D V abschliessend aufgezählten Abgabevoraussetzungen subsu- m iert w erden: W eder liegt eine schw ere Krankheit eines Fam ilienangehöri- gen vor (Bst. a), noch kann die Ausstellung des gew ünschten R ückreisevi- sum s m it der Erledigung von w ichtigen und unaufschiebbaren höchstper- sönlichen Angelegenheiten begründet w erden (Bst. b). Letztere Bestim - m ung kann nicht als Auffangtatbestand für Verhältnisse dienen, in denen die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 2 Bst. a nicht erfüllt sind. U nter w ich- tigen und unaufschiebbaren höchstpersönlichen und dam it vertretungs- feindlichen Angelegenheiten sind beispielsw eise die Anm eldung eines R entenanspruchs, der Abschluss eines Erbvertrages, das Ablegen bzw . Abnehm en einer Prüfung oder die Einvernahm e als Zeuge zu verstehen. 3.3 Zw ar ist es nachvollziehbar, dass der Beschw erdeführer seine Eltern und G eschw ister nach längerer Zeit w ieder einm al sehen m öchte. D ennoch lässt Art. 5 Abs. 2 R D V keinen R aum für die Erteilung des gew ünschten R ückreisevisum s. Insbesondere haben der angeführte gute Leum und des Beschw erdeführers, seine gute Integration, seine schlechte psychische Verfassung aufgrund des G etrenntseins von seinen Eltern sow ie die Tatsa- che, dass er die R eise selber finanzieren w ürde, bei der Beurteilung der Ausstellung eines R ückreisevisum s unbeachtlich zu bleiben, sind doch die Ausstellungsgründe in Art. 5 Abs. 2 R D V klar und abschliessend form uliert und lassen keinen R aum für behördliches Erm essen. 3.4 D essen unbesehen könnte auch nicht ohne w eiteres davon ausgegangen w erden, dass die vom Beschw erdeführer geltend gem achte Interessenlage in allen Teilen der W ahrheit entspricht. D ie Vorinstanz hat seinen Vorbrin- gen im Asylverfahren - w ie bereits dargelegt - die G laubw ürdigkeit abge- sprochen, nachdem er sich im Zeitpunkt der behaupteten fluchtauslösen- den Ereignisse nachw eislich nicht in seinem H eim atland, sondern in D eutschland aufgehalten und dort ebenfalls ein Asylgesuch gestellt hatte, w elches er abw eichend begründete. In seiner Stellungnahm e zu diesen Er- kenntnissen beschränkte sich der Beschw erdeführer darauf, seine Vorbrin- gen gegenüber den Schw eizerischen Asylbehörden als richtig zu bestäti- gen, ohne die angeblich fluchtauslösenden Ereignisse und die Flucht selbst neu zu datieren. N icht zuletzt durch sein eigenes täuschendes Ver- halten hat der Beschw erdeführer auch dazu beigetragen, dass sich das Asylverfahren in die Länge zog. D ie vorläufige Aufnahm e w urde erstm als im O ktober 2005 verfügt. Vor dem H intergrund der fehlenden G laubw ürdig- keit gilt auch festzuhalten, dass sich der Beschw erdeführer m it keinem W ort dazu äusserte, ob seine Fam ilie den Irak ebenfalls definitiv verlassen hat oder dies nur für die D auer des beabsichtigten Besuchs tun w ürde und w o letztendlich die Begegnung stattfinden sollte. 4. Aus den vorstehenden Erw ägungen ergibt sich som it, dass die angefochte- ne Verfügung im Ergebnis Bundesrecht nicht verletzt (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 5. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens w ird der unterliegende Be-6 schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 lit. b des R eg- lem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]). (D ispositiv S. 7)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erde- führer auferlegt. Sie sind durch den am 2. O ktober 2006 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten N 440 584 zurück) D er vorsitzende R ichter: D er G erichtsschreiber: A. Trom m er L. Birgelen Versand am :