Entscheid vom 23. August 2012 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Roy Garré, Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia Parteien A., vertreten durch Rechtsanwalt Paul-Lukas Good, Beschwerdeführerin gegen BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH AUS- LIEFERUNG, Beschwerdegegner Gegenstand Auslieferung an Deutschland Auslieferungshaftbefehl (Art. 48 Abs. 2 IRSG) B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer: RH.2012.9 - 2 - Sachverhalt: A. Das sächsische Staatsministerium der Justiz ersuchte die Schweiz mit Schreiben vom 21. Januar 2011 ( act. 3.1), ergänzt am 12. Mai 2011 (act. 3.3) um Auslieferung der deuts chen Staatsangehörigen A. zwecks Auslieferung im Hinblick auf die Vollstreckung einer Ges amtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten gemäss den Urteilen des Amtsgerichts Dresden vom 21. Juli 2006 , 16. Juni 2005 und 7. März 2006 i.V.m. dem Widerrufsbeschluss des Amtsgerichts Dresden vom 30. Se ptember 2009 wegen Betrug, Subventionsbetrug und Veruntreuen von Arbeitsentgelt. Ferner soll eine Freiheitsstrafe von neun Monaten gemäss Urteil des Amtsgerichts Dippoldiswalde vom 5. Dezember 2008 i.V.m. dem Urt eil des Landgerichts Dresden vom 4. August 2009 wegen Betrugs vollstreckt werden. Mit Schreiben vom 20. Juni 2011 ersuchte das sächsische Staatsministerium der Justiz die Schweiz schliesslich noch um Auslief e- rung von A. für den ihr im Haftbefehl des Amtsgerichts Dresden vom 6. Dezember 2010 zur Last gelegten Betrug (act. 3.4). B. Anlässlich der Einvernahme vom 10. November 2011 durch die Staat s- anwaltschaft des Kantons Schwyz erklärte A., mit einer Auslieferung an Deutschland nicht einverstanden zu s ein (act. 3.5 S. 5 f.) . Auf eine Inhaf- tierung wurde vorläufig verzichtet. C. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend " Bundesamt") bewilligte am 14. Februar 2012 die Auslieferung von A. an Deutschland für die dem Auslieferungsersuchen des sächsischen Staats ministeriums der Justiz vom 21. Januar, 12. Mai und 20. Juni 2011 zugrunde liegenden Straftaten (act. 1.2). Dagegen erhob A. Beschwerde bei der hiesigen Beschwerd e- kammer (RR.2012.53). Mit Entscheid vom 20. Juli 2012 verweigerte diese in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Auslieferung von A. für die Straftaten bezüglich Urteil des Amtsgerichts Dresden v om 7. März 2006, Urteil des Amtsgerichts Dippoldiswalde vom 5. Dezember 2008 sowie be- züglich Haftbefehl des Amtsgerichts Dresden vom 6. Dezember 2010 . In Bezug auf die übrigen Straftaten bestätigte die Beschwerdekammer den angefochtenen Auslieferungsentscheid und bewilligte diesbezüglich die Auslieferung von A. Gegen diesen Entscheid vom 20. Juli 2012 erhob A. eine Beschwerde an das Bundesgericht, welche momentan hängig ist (s. RR.2012.53). D. Zur Sicherstellung eines allfälligen Auslieferungsvollzugs erliess das Bun- desamt gegen A. am 25. Juli 2012 einen Auslieferungshaftbefehl (act. 1.2). - 3 - E. Gegen diesen Auslieferungshaftbefehl erhebt A. mit Eingabe vom 29. Juli 2012 Beschwerde. Sie beantragt d essen Aufhebung und die unverzügl i- che Haftentlassung. Eventualiter sei in Aufhebung des Auslieferungshaf t- befehls die Hafterstehungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu prüfen und andere verhältnismässige Massnahmen zur Sicherstellung des Au s- lieferungsvollzugs anzuordnen. Subeventualiter sei eine Sicherheitslei s- tung anzuordnen und die Beschwerdeführerin nach Leistung der Siche r- heit in Freiheit zu entlassen (act. 1 S. 2). Das Bundesamt beantragt in seiner Beschwerdea ntwort vom 6. August 2012 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 3). Mit Schreiben vom 10. August 2012, eingegangen am 13. August 2012, reichte die B e- schwerdeführerin ihre Replik ein (act. 4), worüber das Bundesamt am 14. August 2012 in Kenntnis gesetzt wurde (act. 5). Mit Fax-Mitteilung vom 15. August 2012 (act. 6) übermittelte das Bunde s- amt ein Faxschreiben der Staatsanwaltschaft Schwyz vom 10. August 2012 (act. 6.1) samt Bestätigung der Hafterstehungsfähigkeit der B e- schwerdeführerin durch Dr. med. B. (act. 6.2). Diese Eingabe wurde der Beschwerdeführerin zugestellt und dieser wurde Gelegenheit gegeben, dazu bis am 20. August 2012 Stellung zu nehmen (act. 7). Die Beschwer- deführerin liess sich in der Folge nicht vernehmen. Auf die weiteren Ausf ührungen der Parteien und die eingereichten Unte r- lagen wird, soweit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 1. 1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland sind primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. D ezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1), das zu diesem Übereinkommen am 17. März 1978 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 0.353.12), welchem beide Staaten beigetreten sind, sowie der zwischen der Schw eiz und Deutschland abgeschlossene Zusatzvertrag über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner Anwendung vom 13. November 1969 (Zusat z- vertrag; SR 0.353.913.61) massgebend. Ausserdem gelangen die Besti m- mungen der Art. 59 ff. des Übereinkommens vo m 19. Juni 1990 zur Durch- führung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Sche n- gener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABI. L 239 vom - 4 - 22. September 2000, S. 19 – 62) zur Anwendung (BGE 136 IV 88 E. 3.1), wobei die zwischen den Vertragsparteien ge ltenden weitergehenden B e- stimmungen aufgrund bilateraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 59 Abs. 2 SDÜ). 1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend r egeln, findet auf das Verfahren der Auslieferung und der vorläufigen Auslie fe- rungshaft ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die Veror d- nung vom 24. Februar 1982 über internatio nale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11). Dies gilt auch im Verhältnis zum SDÜ (Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitspri n- zip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE 136 IV 82 E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1 S. 464 und 122 I 140 E. 2 S. 142). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrec h- te (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c). 2. Gegen den Auslieferungshaftbefehl kann innert zehn Tagen seit der schrift- lichen Eröffnung des Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundes- strafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 48 Abs. 2 IRSG i.V.m. Art. 47 IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bunde s [StBOG; SR 173.71] i.V.m. Art. 19 Abs. 1 des Organisationsreglements für das Bundesstrafg e- richt vom 31. August 2010 [BStGerOR; SR 173.713.161 ]). Die mit Eingabe vom 29. Juli 2012 erhobene Beschwerde gegen den Auslieferungshaftbe- fehl vom 25. Juli 2012 wurde fristgerecht eingereicht, weshalb darauf einzu- treten ist. 3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebu nden (Art 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungshaftvoraussetzungen grundsätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich j e- doch nur mit Tat - und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwe rde bilden (Entscheide des Bundess trafgerichts RR.2007.89 vom 20. August 2007, E. 2.4, m.w.H.; RR.2007.34 vom 29. März 2007, E. 3). 4. Die Verhaftung des Beschuldigten währ end des ganzen Auslieferungsve r- fahrens bildet die Regel (BGE 117 IV 359 E. 2a; bestätigt in BGE 130 II 306 E. 2). Eine Aufhebung des Auslieferungshaftbefehls sowie eine Haftentla s- sung rechtfertigen sich nur ausnahmsweise, wenn der Beschuldigte sich voraussichtlich der Auslieferung nicht entzieht und die Strafuntersuchung nicht gefährdet (Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den sogenannten Alib i-- 5 - beweis erbringen und ohne Verzug nachweisen kann, dass er zur Zeit der Tat nicht am Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit . b IRSG), wenn er nicht hafterste- hungsfähig ist oder andere Gründe – z. B. enge und insbesondere familiäre Beziehungen zur Schweiz – vorliegen, welche eine weniger einschneide n- de Massnahme rechtfertigen (Art. 47 Abs. 2 IRSG; Urteil des Bundesg e- richts 1A.1 70/1997 vom 10. Juni 1997, E. 3a, veröffentlicht in Pra 2000 Nr. 94 S. 569), oder wenn sich die Auslieferung als offensichtlich unzulä s- sig erweist (Art. 51 Abs. 1 IRSG). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend (BGE 130 II 306 E. 2.1; 117 IV 359 E. 2a). Of fensichtlich unzulässig kann ein Auslieferungsersuchen sein, wenn ohne jeden Zweifel und ohne weitere Abklärungen ein Ausschlussgrund vorliegt (vgl. BGE 111 IV 108 E. 3a). Im Übrigen sind Vorbringen gegen die Auslieferung als solche oder gegen die Begründetheit des Auslieferungsbegehrens nicht im vorliegenden B e- schwerdeverfahren, sondern im eigentlichen Auslieferungsverfahren zu prüfen (vgl. LAURENT MOREILLON / MICHEL DUPUIS / MIRIAM MAZOV, La pratique judiciaire du Tribunal pénal fédéral, in Journal des Tr ibunaux 2009 IV 111 Nr. 190 und 2008 IV 66 Nr. 322 je m.w.H. auf die Rechtsprechung). Diese Regelung soll es der Schweiz ermöglichen, ihren staatsvertraglichen Auslieferungspflichten nachzukommen. Die ausnahmsweise zu gewähre n- de Haftentlassung ist deshalb an strengere Voraussetzungen gebunden als der Verzicht auf die gewöhnliche Untersuchungshaft in einem Strafverfa h- ren oder die Entlassung aus einer solchen (vgl. BGE 130 II 306 E. 2.2 und 2.3; 111 IV 108 E. 2). Dies gilt auch dann, wenn der Beschuldigte in der Schweiz niedergelassen ist und hier einer ordentlichen Geschäftstätigkeit nachgeht. 5. 5.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet das Vorliegen von Fluchtgefahr. Sie verweist auf die Prognose, welche bis zum 25. Juli 2012 trotz des laufen- den Auslieferungsverf ahrens gelautet habe, sie werde sich der Auslief e- rung nicht entziehen (act. 1 S. 2). Sie stellt sich auf den Standpunkt, es ha- be vor der Entscheidfällung durch das Bundesstrafgericht keine Fluchtge- fahr bestanden; die Fluchtgefahr habe sich durch den Entscheid auch nicht erhöht (act. 4 S. 3). Im Einzelnen führt sie zur Begründung Folgendes an: Sie wolle nicht fli e- hen und sei aufgrund ihres Alters von 56 Jahren wie auch ihrer gesundheit- lichen Situation nicht fähig zu fliehen bzw. unterzutauchen. Sie lebe seit 1,5 Jahren in der Schweiz und gehe hier einer geregelten Arbeit nach. Sie sei dabei, im Rahmen einer Stiftung grössere Projekte aufzubauen und lebe hier unauffällig. Sie sei in der Schweiz gut integriert (act. 1 S. 2). Sie habe seit ihrem Zuzug in die S chweiz das Land nicht mehr verlassen (act. 4 - 6 - S. 3). Sie macht weiter geltend, sie könnte sich durch das Absetzen ins Ausland nicht in eine bessere Position bringen, da die Schweiz von EU - Staaten umgeben sei. Ein Absetzen in entferntere Regionen - so die B e- schwerdeführerin - sei unrealistisch, da sie nur de s Deutschen mächtig sei und auch keinerlei Kontakte in solche entferntere Länder habe. Zudem lebe die Familie der Beschwerdeführerin in Deutschland und pflege mit dieser engen Kontakt, weshalb ein Abtauche n in die Illegalität auch aus diesem Grund undenkbar sei (act. 1 S. 2). Sie sei auch über die Chancen, die B e- willigung einer Auslieferung erfolgreich anzufechten, aufgeklärt worden. Sie wisse, dass diese Chancen gering seien. Folglich sei ihr auch von Anfa ng an bewusst gewesen, dass sie schon lange hätte untertauchen müssen, wenn die Freiheit ihre höchste Priorität gewesen wäre. Aber sie habe dies nicht getan, weil der Kontakt zu ihrer Familie und die Umsetzung ihres Pr o- jekts in Frieden und Freiheit höchste Priorität geniesse. Daraus folge, dass der Beschwerdeentscheid des Bundesstrafgerichts vom 20. Juli 2012 bei ihr nicht plötzlich die Erkenntnis ausgelöst habe, ihr drohe mit hoher Wahr- scheinlichkeit die Auslieferung. Diese Wahrscheinlichkeit habe sie scho n vorher gekannt. Eine Fluchtgefahr sei folglich weiterhin nicht gegeben. Für den Fall, dass das Gericht wider Erwarten von einer Fluchtgefahr au s- gehen sollte, ersucht die Beschwerdeführerin um Anordnung einer Siche r- heitsleistung als mildere und verhältni smässige Massnahme (act. 1 S. 6). Replicando erklärt sie, bereit zu sein, Auskunft zu ihrer finanziellen Situat i- on zu geben, und ersucht im Bedarfs fall um Ansetzung einer Frist hierfür (act. 4 S. 3). 5.2 Die Rechtsprechung des Bundesgerichts ist hinsic htlich der Verneinung von Fluchtgefahr beispielsweise aus familiären Gründen überaus restriktiv und misst der Erfüllung der staatsvertraglichen Auslieferungspflichten im Vergleich zu den Interessen des Verfolgten ausserordentlich grosses G e- wicht bei (vgl. BGE 130 II 306 E. 2 S. 310 ff. m.w.H.; TPF 2008 61 E. 7; Entscheide des Bundesstrafgerichts BH.2005.45 vom 20. Dezember 2005, E. 2.2.2; BH.2005.8 vom 7. April 2005, E. 2.3; RR.2007.72 vom 29. Mai 2007, E. 4.2 und 4.3; RR.2007.174 vom 27. November 2007, E. 5.2; RR.2008.214 vom 16. September 2008, E. 3.2). Bei drohenden, h o- hen Freiheitsstrafen ist eine Fluchtgefahr gemäss der Rechtsprechung in der Regel trotz Niederlassungsbewilligung und familiären Bindungen in der Schweiz gegeben. So wurde beispielsweise di e Möglichkeit einer Verurte i- lung zu einer langen Freiheitsstrafe als ausreichend zur Verweigerung der Haftentlassung betrachtet, obwohl der Verfolgte in diesem Fall über eine Niederlassungsbewilligung verfügte, seit 18 Jahren in der Schweiz wohnte, mit einer Schweizer Bürgerin verheiratet und Vater zweier Kinder im Alter - 7 - von 3 und 8 Jahren war, die beide die schweizerische Nationalität besa s- sen und im Kanton Tessin eingeschult waren (Urteil des Bundesgerichts 8G.45/2001 vom 15. August 2001, E. 3a). Vor dem Hintergrund dieser strengen Rechtsprechung bejahte die Beschwerdekammer des Bunde s- strafgerichts die Fluchtgefahr bei einem Verfolgten, dessen Ehefrau, zwei Kinder im Alter von 7½ und 2½ Jahren sowie weitere Verwandte in der Schweiz lebten (Entscheid des Bu ndesstrafgerichts BH.2005.45 vom 20. Dezember 2005, E. 2.2.2), bei einem Verfolgten, der sich seit 10 Jahren ununterbrochen in der Schweiz aufhielt und hier eine Familie mit vier Ki n- dern im Alter von 1½, 3, 8 und 18 Jahren hatte (Entscheid des Bunde s- strafgerichts BH.2005.8 vom 7. April 2005, E. 2.3) und bei einem Verfol g- ten, der seit seinem 17. Lebensjahr seit 10 Jahren ununterbrochen in der Schweiz lebte und seine Freundin wie auch den Freundeskreis hier hatte (Entscheid des Bundesstrafgerichts BH.2006.4 v om 21. März 2006, E. 2.2.1). Wenn überhaupt, wurde die Haftentlassung eher bei Verfolgten höheren Alters gewährt, z.B. bei einem Solchen im Alter von 65 Jahren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8G.66/2000 vom 5. Dezember 2000, E. 9c ) – was diesen allerdings nicht an einer späteren Flucht hinderte , und 68 Jahren (Urteil des Bundesgerichts G.55/1993 vom 22. Oktober 1993; vgl. auch Entscheid des Bundesstrafgerichts BH.2005.8 vom 7. April 2005, E. 2.3), allerdings nur aufgrund der Leistung einer, gemessen an der finanziel- len Situation des jeweils Betroffenen, beträchtlichen Kaution (CHF 300'000.-- bzw. CHF 1 Mio.; bzgl. Kaution in casu siehe E. 7. 4). 5.3 Nach Eingang des formellen Auslieferungsersuchens vom 21. Januar 2011 und den nachfolgenden Ergänzungen verzichtete das Bundesamt zunächst auf die Verhaftung der Beschwerdeführerin. In der Zwischenzeit bewilligte das Bundesamt mit Auslieferungsentscheid vom 14. Februar 2012 die Au s- lieferung der Beschwerdeführerin für die dem Auslieferungsersuchen des sächsischen Staatsministeriums für Justiz samt Ergänzungen zugrundeli e- genden Straftaten (act. 3.7). Dieser Auslieferungsentscheid wurde am 20. Juli 2012 durch das hiesige Gericht zur Hauptsache bestätigt, wobei die dagegen von der Beschwerdeführerin erhobene Beschwerde a m Bundes- gericht noch hängig ist (RR.2012.53). Im Unterschied zum Beginn des Aus- lieferungsverfahrens ist daher die Möglichkeit, nach Deutschland ausgeli e- fert zu werden, für die Beschwerdeführerin in unmittelbare Nähe gerückt. Es liegt folglich auf der Hand, dass aufgrund des veränderten Verfahren s- standes sich die Fluchtmotivation der Beschwerdeführerin erhöht hat, wel- che, wie das Bundes amt zu Recht hervorhebt (act. 3 S. 4), im Falle einer Auslieferung an Deutschland die Verbüssung einer nicht geringen Fre i- heitsstrafe erwartet. Die von der Beschwerdeführerin dagegen vorgetrage- nen Einwendungen ändern daran nichts: So reiste sie gemäss ihren eige-- 8 - nen Angaben erst vor eineinhalb Jahren in die Schweiz ein, weshalb von einer intensiven Verwurzelung der Beschwerdefüh rerin mit diesem Land nicht gesprochen werden kann. Dies gilt auch dann, wenn sie, wie sie ge l- tend macht (act. 4 S. 3), seither das Land nicht mehr verlassen haben sol l- te. Ihre Familie lebt in Deutschland und über ihre Arbeitstätigkeit in der Schweiz hinaus bestehen hier keine Bindungen. Soweit die Beschwerd e- führerin sich darauf beruft, sie sei aufgrund ihres Alters von 56 Jahren und ihrer gesundheitlichen Situation nicht fähig, zu fliehen bzw. unterzutauchen (act. 1 S. 4), reicht sie nichts ein, was ihre D arstellung stützen würde. Z u- dem ist ihr entgegen zu halten, dass die geltend gemachten Umstände sie an der Einreise in die Schweiz nicht gehindert haben und unter diesem Ge- sichtspunkt betrachtet somit eine Flucht bzw. ein Untertauchen nicht au s- geschlossen werden kann. Ebenso wenig kann in der Tatsache, dass die Schweiz von EU-Staaten umgeben ist, in denen der europäische Haftbefehl gilt, eine ausre ichend abschreckende Wirkung erblickt werden. Nach dem Gesagten ist vorliegend Fluchtgefahr anzunehmen. Diese Fluchtgefahr kann vorliegend nicht durch Ersatzmassnahmen g e- bannt werden. Zwar beantragt die Beschwerdeführerin die Anordnung einer Sicherheitsleistung als mildere und verhältnismässige Massnahme (act. 1 S. 6), nennt jedoch keinen konkreten Betrag, den si e als Kaution anbi eten würde. Sie schlägt weder andere Ersatzmassnahmen vor, noch würden solche in Betracht kommen. Demnach erweist sich die Beschwerde auch insoweit als unbegründet. 6. 6.1 Die Beschwerdeführerin macht in der Beschwerde zudem geltend, sie sei nicht hafterstehungsfähig (act. 1 S. 5) und ihre Inhaftierung verstosse g e- gen Art. 47 Abs. 2 IRSG, weshalb eine mildere Massnahme anzuordnen sei (act. 1 S. 6). Nach der Inhaftierung habe sie ärztlich untersucht werden müssen, weil sie unter Bluthochdruckpr oblemen leide (act. 1 s. 3). Nach Beizug der entsprechenden Akten bzw. Befragung des behandelnden Ar z- tes sei zu prüfen, ob sie hafterstehungsfähig sei (act. 1 S. 6). 6.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nichts einreicht, was ihre angeblich fehlende Hafterstehungsfähigkeit untermauern würde. G e- mäss Abklärungen vom 9. August 2012 durch Dr. med. B. ist die B e- schwerdeführerin hafterstehungsfähig, wobei diese dem untersuchenden Arzt zufolge keine Einwände gegen die attestierte Hafterstehungsfähi gkeit erhebt (act. 6.1). Bei dieser Sachlage erweist sich die Rüge als unbegrü n- det. - 9 - 7. Zusammenfassend ergibt sich, dass vorliegend keine Gründe auszum a- chen sind, welche eine ausnahmsweise Aufhebung der Auslieferungshaft als angezeigt erscheinen lassen. Die Beschwerde erweist sich somit als gesamthaft unbegründet und ist daher abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird Beschwerdeführerin kostenpflich- tig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Für die B e- rechnung der Gerichtsgebühren gelangt das BStKR i.V.m. Art. 63 Abs. 5 VwVG zur Anwendung. Unter Berücksichtigung aller Um stände ist die Ge- richtsgebühr vorliegend auf Fr. 3’000.-- festzusetzen. - 10 - Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt. Bellinzona, 23. August 2012 Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: Zustellung an - Rechtsanwalt Paul-Lukas Good - Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung Rechtsmittelbelehrung Gegen selbständig eröffnete Vor - und Zwischenentscheide ü ber die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren ist die Beschwerde zulässig (Art. 92 Abs. 1 BGG). Diese Entscheide können später nicht mehr angefochten werden (Art. 92 Abs. 2 BGG). Auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen sind andere selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide nicht anfechtbar. Vorbehalten bleiben Beschwerden gegen Entscheide über die Auslieferungshaft sowie über die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegenständen, sofern sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können, oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Entscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Au fwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (vgl. Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG). Ist die Beschwerde gegen einen Vor - oder Zwischenentscheid gemäss Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG nicht zulässig oder wurde von ihr kein Gebrauch gemacht, so sind die betreffenden Vor - und Zwische nentscheide durch Beschwerde gegen den Endentscheid anfechtbar, soweit sie sich auf dessen Inhalt auswirken (Art. 93 Abs. 3 BGG). Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Beschwerde nur zulässig, wenn es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt ( vgl. Art. 84 Abs. 1 BGG ). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die - 11 - Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG). Die Beschwerde ist innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht einzureichen (vgl. Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen sind Vor - und Zwischenentscheide nicht anfechtbar (Art. 93 Abs. 2 Satz 1 BGG).