B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4947/2014 U r t e i l v o m 2 9 . J u n i 2 0 1 5 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______ (Beschwerdeführerin 1) B._______ (Beschwerdeführerin 2), Syrien, beide vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführerinnen, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM) (zuvor Bundesamt für Migration [BFM]), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 28. Juli 2014 / N (…). E-4947/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Am 8. Oktober 2012 suchten die Mutter sowie vier Geschwister der Beschwerdeführerin 1 in der Schweiz um Asyl nach (N […] / E-4452/2013 und N […] / E-4431/2013). A.b Mit Verfügungen vom 8. Juli 2013 stellte das BFM fest, die Mutter und die Geschwister der Beschwerdeführerin 1 würden die Flüchtlingseigen- schaft nicht erfüllen, wies die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug erachtete es als unzumutbar und ordnete die vorläufige Aufnahme an. A.c Die Mutter und die Geschwister der Beschwerdeführerin 1 machten mit Eingaben vom 5. August 2013 Beschwerden beim Bundesverwaltungsge- richt anhängig. B. Die Besch werdeführerinnen, Araberinnen mit letztem Wohnsitz in C._______ (Provinz D._______), verliessen ihren Heimatstaat eigenen An- gaben zufolge am 9. September 2013 und reisten drei Tage später von Beirut aus auf dem Luftweg in die Schweiz. Am 17 . September 2013 er- suchten sie gemeinsam mit ihrem Vater beziehungsweise Grossvater E._______ (N […] / E-4943/2014) im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 30. September 2013 und der einlässlichen Anhörung zu den Asylgründen vom 24. Juni 2014 brachte die Beschwerdeführerin 1 im Wesentlichen vor, Ende 2012 sei ihr Ehe- mann während etwa eines Monats inhaftiert gewesen. Nach seiner Entlas- sung seien sie zu ihren Schwiegereltern gezogen. Im Juli 2013 sei ihr Mann von der Al-Nusra Front aus dem Haus der Familie entführt worden. Kurz darauf seien Mitglieder der Al-Nusra in Begleitung ihres Mannes zu ihr nach Hause gekommen und hätten ihr gesagt, dass sie einen von ihnen heiraten beziehungsweise mit ihnen schlafen müsse. Sie habe dies abgelehnt und sei in der Folge weitere Male aufgesucht worden. Dabei sei ihr für den Fall, dass sie die "Heirat" verweigere, mit dem Tod ihrer Tochter gedroht worden. Einmal sei sie weggestossen und getreten worden. Auch seitens des Re- gimes sei sie zweimal aufgesucht worden. Deren Vertreter hätten nach der Entführung ihres Mannes wissen wollen, weshalb er mit der Al-Nusra mit- gegangen sei; zudem hätten sie die Wohnung durchsucht. Eine Woche E-4947/2014 Seite 3 nach dem letzten Besuch der Al -Nusra sei sie mit ihrer Tochter zu ihrem Grossvater gegangen, der für sie die Ausreise organisiert habe. Zum Beweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin 1 ihre Identitäts- karte und einen Auszug aus dem Zivilstandsregister vom 9. Juni 2013 (bei- des im Original) zu den Akten. C. Mit Verfügung vom 28. Juli 2014 – eröffnet am 5. August 2014 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Deren Vollzug erachtete es als unzumutbar, weshalb sie vor- läufig in der Schweiz aufgenommen wurden. Mit Verfügung gleichen Datums wurde auch das Asylgesuch von E._______ abgewiesen, die Wegweisung verfügt und die vorläufige Auf- nahme angeordnet. D. Die Beschwerdeführerinnen erhoben mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 4. September 2014 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten in materieller Hinsicht die Aufhebung der vorinstanzlichen Ver- fügung und die Rückweisung der Sache an das BFM zur vollständigen und richtigen Feststellung des Sachverhalts unter Feststellung des Fortbe- stands der Rechtswirkungen der vorläufigen Aufnahme, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, sub- eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft gestützt auf Nach- fluchtgründe, subsubeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Einsicht in die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens, insbesondere die Akte A14/1 und den internen Antrag betreffend die Anordnung der vorläufi- gen Aufnahme (A18/2), eventualiter um Gewährung des rechtlichen Ge- hörs beziehungsweise eine schriftliche Begründung betreffend den Inhalt der Akten und um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung. E. Mit Zwischenverfügung vom 8. September 2014 setzte das Bundesverwal- tungsgericht den Beschwerdeführerinnen Frist zur Leistung eines Kosten- vorschusses an. F. Die Beschwerdeführerinnen ersuchten mit Eingabe vom 22. September E-4947/2014 Seite 4 2014 unter Einreichung einer Fürsorgebestätigung um Verzicht auf die Er- hebung eines Kostenvorschusses und Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. G. Mit Verfügung vom 24. September 2014 hiess das Bundesverwaltungsge- richt das Gesuch um G ewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung des Kostenvorschusses. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end- gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Da das BFM die Beschwerdeführerinnen wegen unzumutbaren Wegwei- sungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat und die Vollzugshindernisse al- ternativer Natur sind ( vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4), besteht entgegen den Einwänden auf Beschwerdeebene kein schutzwürdiges Interesse an der Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Selbiges gilt betreffend die Rüge, die Vorinstanz habe bei der Beurteilung des Wegwei- sungsvollzugs die Begründungspflicht verletzt, indem sie auf eine individu-E-4947/2014 Seite 5 elle Prüfung verzichtet und den Vollzug zufolge der Sicherheitslage in Sy- rien ausgesetzt habe. Auf die entsprechenden Subeventualanträge bezie- hungsweise Rügen ist daher nicht einzutreten. Im Übrigen ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.4 Über die vorliegende Beschwerde respektive die Beschwerden der El- tern und Geschwister der Beschwerdeführerin 1 wird koordiniert in separa- ten Urteilen gleichen Datums befunden (vgl. die Urteile E -4452/2013 / E- 4943/2014 und E-4431/2013). 2. Die Kognition und die Rügemöglichkeiten richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E.5). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Vorab ist auf das Gesuch der Beschwerdeführerinnen um Akteneinsicht so- wie die Rügen betreffend die Verfahrensführung, die unrichtige und unvoll- ständigen Erhebung des Sachverhalts und die Verletzung des rechtlichen Gehörs einzugehen. 4.1 Die Beschwerdeführerinnen beantragen Eins icht in die vorinstanzli- chen Akten A14/1 und A18/2. Dabei handelt es sich um einen Übermitt- lungszettel des BFM zur Korrespondenz mit dem Bundesverwaltungsge- richt (A14/1) respektive den internen Antrag betreffend die vorläufige Auf- nahme der Beschwerdeführer innen (A18/2). Die erste Akte ist als unwe- sentlich zu qualifizieren, weshalb auf eine Herausgabe zu verzichten ist. Die Einsicht in den internen Antrag betreffend die vorläufige Aufnahme ist ebenfalls abzuweisen. Dem Rechtsvertreter ist aus zahlreichen Verfahren bekannt, dass es sich dabei um ein behördeninternes Dokument handelt, welches der Einsicht grundsätzlich nicht unterliegt. Die Beschwerdebegeh- ren 1–3 sind daher abzuweisen. 4.2 Die Beschwerdeführerin 1 moniert, die Vorinstanz habe den rechtser- heblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig festgestellt und den An- spruch auf rechtliches Gehör ver letzt, weshalb die angefochtene Verfü- gung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung zurückzuweisen sei. E-4947/2014 Seite 6 Insbesondere wird gerügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollstän- dig und unrichtig ermittelt, da die BzP (inklusive Rückübersetzung) lediglich eine Stunde und die Anhörung (inklusive Pause und Rückübersetzung) le- diglich zwei Stunden und 15 Minuten gedauert habe. Eine vertiefte Anhö- rung habe damit nicht stattgefunden. Die Vor instanz habe die Anhörung ausserdem erst ein Jahr nach der Einreichung des Asylgesuchs durchge- führt. Sodann habe sie (Beschwerdeführerin 1) eine geschlechtsspezifi- sche Verfolgung geltend gemacht, weshalb die Anhörung gemäss Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) in einer Frauenrunde hätte stattfinden müssen. Aus den Akten sei nicht ersichtlich, ob diese Voraussetzung erfüllt gewesen sei. Es stehe aber fest, dass die BzP durch einen männlichen Befrager und unter Mitwirkung eines männli- chen Dolmetschers durchgeführt worden sei. Es sei daher willkürlich, wenn das BFM angebliche Widersprüche zwischen Aussagen in Befragungen behaupte, von denen mindestens eine nicht in einer Frauenrunde stattge- funden habe. Ferner habe sie zum Teil die während der Anhörung an sie gerichteten Fragen nicht beziehungsweise nicht richtig verstanden (vgl. insb. A17/13 F24 und F39). Sie verfüge lediglich über eine Schulbildung von sieben Jahren, weshalb die Vorinstanz ihr verständliche Fragen hätte stellen müssen. Es seien ihr zudem viele Fragen gestellt worden, die sie nur mit Ja oder Nein beziehungsweise einer kurzen Antwort habe beant- worten können (vgl. insb. A17/13 F31, 35, 41, 47, 49 und 50). Weiter seien ihr keine konkreten, so ndern sehr allgemeine und offene Fragen gestellt worden (vgl. insb. A17/13 F53, 54 und 69). Mithin habe die Vorinstanz ihre Abklärungspflicht schwerwiegend verletzt und den Sachverhalt mangelhaft abgeklärt. Weitere Abklärungen seitens des BFM wären zwinge nd erfor- derlich gewesen. Ferner habe das BFM in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt, dass ihr von Mitgliedern der Al-Nusra mit dem Tod beziehungsweise mit der Tö- tung ihrer Tochter oder ihres Ehemannes gedroht worden sei. Auch sei nicht erwähnt worden , dass sie sowohl von den syrischen Behörden als auch von Mitgliedern der Al-Nusra unter Druck gesetzt worden sei. Ebenso seien ihre Aussagen, wonach Mitglieder der Al-Nusra sie geschlagen hät- ten, dass sie ihr ihre Tochter aus den Händen gerissen hätten und dass sie sie beobachtet hätten, in der vorinstanzlichen Verfügung unerwähnt geblie- ben. Damit habe die Vorinstanz die Begründungspflicht verletzt. Schliesslich erblickt die Beschwerdeführerin 1 in den erwähnten Verletzun- gen von Rechtsgrundsätzen zusätzlich einen Verstoss gegen den Grund- satz von Treu und Glauben und das Willkürverbot. E-4947/2014 Seite 7 4.3 Aus Art. 29 VwVG ergibt sich die Pflicht der Behörden, Vorbringen von Gesuchstellenden tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid sachgerecht anfechten kann. Sie muss die wesentlichen Überlegungen nennen, von de- nen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor- bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188). 4.3.1 Die Rügen der Beschwerdeführerin 1 hinsichtlich der unrichtigen und unvollständigen Sachverhaltserhebung erweisen sich als unbegründet. In der Dauer der BzP und der Anhörung alleine kann keine unvollständige beziehungsweise unrichtige Ermittlung des Sachverhalts erblickt werden. Die Beschwerdeführerin 1 erhielt anlässlich beider Befragungen die Mög- lichkeit, ihre Asylgründe darzulegen und gab bei der Anhörung, in welcher die Vorbringen ausführlich erhoben wurden, ausdrücklich zu Protokoll, sie habe alles sagen können, was sie für ihr Gesuch als wesentlich erachte (vgl. A17/13 F118 S. 11). Aus der Zeitdauer von neun Monaten zwischen der Einreichung des Asylgesuchs und der Anhörung kann überdies keine Verletzung der Abklärungspflicht abgeleitet werden. Die geltend gemachten Verständnisschwierigkeiten finden keine Abstüt- zung in den Akten. Zwar gab die Beschwerdeführerin 1 einmal an, sie habe eine Frage nicht verstanden (vgl. A17/13 F24 S. 4). Auch stellte sie einige Rückfragen und gab bei der Rückübersetzung an, sie sei bei der Beant- wortung der Frage 75 unkonz entriert gewesen (vgl. A17/13 F14 S. 3, F39 S. 5, F53 S. 6, F111 S. 10 sowie S. 12). Aus dem Protokoll ergibt sich jedoch insgesamt das Bild eines flüssigen Frage-Antwort-Gesprächs zwi- schen der Befragerin und der Beschwerdeführerin, welches nicht auf Ver- ständigungsschwierigkeiten schliessen lässt. Auch im Bericht der Hilfs- werkvertretung wurden keine Kommunikationsstörungen vermerkt (vgl. A17/13 S. 13). Die Beschwerdeführerin 1 ist an dieser Stelle darauf hinzu- weisen, dass die Untersuchungspflicht der Be hörden (vgl. Art. 12 VwVG) ihre Grenze an Mitwirkungspflicht des Asylgesuchstellers findet (vgl. Art. 8 AsylG). Sie hatte anlässlich der Anhörung vom 24. Juni 2014 die Gelegen- heit, ihre Asylgründe frei darzulegen (vgl. A17/13 F12 S. 3), bevor ihr so- wohl of fene als auch konkrete Fragen dazu gestellt wurden. Inwiefern durch dieses Vorgehen der Sachverhalt mangelhaft erhoben worden sein soll, wird nicht hinreichend begründet. Der Beschwerdeführerin 1 wurden E-4947/2014 Seite 8 sodann sämtliche Fragen und Antworten am Ende der Anhörung rücküber- setzt, woraufhin sie zwei Anmerkungen machte. Im Übrigen bestätigte sie ihre Aussagen mit ihrer Unterschrift (A17/13 S. 12), womit sie sich diese entgegenhalten lassen muss. In diesem Zusammenhang ist nicht nachvoll- ziehbar, weshalb sich das BFM aufgrund der Zusammensetzung der Be- fragungsteams im vorliegenden Fall nicht auf Widersprüche in den Aussa- gen der Beschwerdeführerin hätte abstützen dürfen. S chliesslich ist fest- zustellen, dass die Anhörung – wie sich aus den Akten unmissverständlich ergibt – durch eine Befragerin im Beisein einer Dolmetscherin und einer Hilfswerkvertreterin erfolgte (vgl. A17/13 S. 12), womit Art. 6 AsylV 1 Rech- nung getragen wurde. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Protokolle der vorinstanzli- chen Befragungen uneingeschränkt verwertbar sind. 4.3.2 Hinsichtlich der Rüge der Verletzung der Begründungspflicht ist fest- zustellen, dass die Vorinstanz sich in der angefochtenen Verfügung zu den geltend gemachten Schlägen durch die Al-Nusra äusserte, gewisse andere Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 jedoch nicht einzeln erwähnte. Indes schätzte das BFM die geltend gemachten Besuche und die Unterdruckset- zung seitens der Al-Nusra und der syrischen Behörden sowie die Drohun- gen durch die Al -Nusra beziehungsweise die A sylvorbringen als Ganzes als unglaubhaft ein. In einem solchen Fall ist eine Erwähnung sämtlicher Vorbringen einer beschwerdeführenden Person nicht notwendig. Eine Dis- krepanz zwischen den Schilderungen der Beschwerdeführerin 1 und der Darlegung und Würdigung des Sachverhalts durch das BFM, die zu einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen müsste, ist nicht auszu- machen. 4.3.3 Mithin ergeben sich aus der angefochtenen Verfügung keine hinrei- chenden Anhaltspunkte, wonach die Vorinstanz den Sachverhalt unvoll- ständig abgeklärt oder die Grundsä tze von Treu und Glauben oder des rechtlichen Gehörs respektive das Willkürverbot verletzt hätte. Bei dieser Sachlage besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben, weshalb der entsprechende Antrag abzu- weisen ist. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im E-4947/2014 Seite 9 Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le- bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy- chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech- nung zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). Die Flüchtlingseigenschaft ge- mäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsuchende Person nach Lehre und Recht- sprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Ver- folgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatli- che Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Die Vorinstanz begründete den angefochtenen Entscheid dami t, dass die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin 1 unglaubhaft seien. Insbesondere führte sie aus, die Beschwerdeführerin 1 habe sich bei ihrer Schilderung mehrfach in Widersprüche verstrickt. Bei der BzP habe sie an- gegeben, dass Mitglieder der Al -Nusra nach der angeblichen Entführung ihres Ehemannes zu ihr nach Hause gekommen seien, nicht mit ihr gespro- chen hätten und nach kurzer Zeit wieder gegangen seien. Insgesamt sei die Al-Nusra ungefähr viermal vorbeigekommen. Dagegen habe sie bei der Anhörung zu Protokoll gegeben, die Al-Nusra habe bereits beim ersten Auf- tauchen in Anwesenheit ihres Mannes von ihr verlangt, eines der Mitglieder zu heiraten. Zwei Tage nach dem ersten Besuch habe die Al -Nusra sie nochmals aufgesucht, woraufhin sie zu ihrem Grossvater nach F._______ geflüchtet sei. Sie habe somit keine einheitlichen Angaben zu den angeb- lichen Besuchen der Al-Nusra machen können, weshalb ihr diese nicht ge-E-4947/2014 Seite 10 glaubt werden könnten. Bei der Anhörung habe sie sich ausserdem wider- sprüchlich geäussert hinsichtlich ihres Aufenthaltsorts im Zeitpunkt, als sie von der Inhaftierung ihres Ehemannes erfahren habe. Sie habe zunächst angegeben, bei ihrem Grossvater gewesen zu sein und die Aussage an- schliessend korrigiert und vorgebracht, sich an ihrem Wohnort in Damas- kus aufgehalten zu haben. Das Vorbringen, ihr Ehemann sei in Haft gewe- sen, erscheine daher als unglaubhaft. Unabhängig von den erwähnten Ungereimtheiten seien die Schilderungen der Beschwerdeführerin 1 hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung durch die syrischen Behörden und die Al-Nusra unsubstanziiert ausgefal- len. Realitätskennzeichen wie eine detaillierte Schilderung, ein freies asso- ziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie inhaltliche Besonderhei- ten würden ihren Ausführungen gänzlich fehlen. Insbesondere zur Entfüh- rung ihres Ehemannes und dessen Reaktion, zu den Besuchen der Al - Nusra und der Anwesenheit ihrer Schwiegereltern bei diesen Vorfällen habe sie sich vage geäussert. Auch auf mehrfache Nachfrage zu den Be- suchen habe sie stets nur gesagt, sie sei bedroht und zur Heirat mit einem der Mitglieder aufgefordert worden. Ihr Vorbringen, sie sei geschlagen wor- den, habe sie nicht genauer auszuführen vermögen. Schliesslich habe sie sich nicht erinnern können, ob die syrischen Behörden, die nach ih rem Ehemann gefragt hätten, ein- oder zweimal bei ihr gewesen seien. Ohne abschliessende Darlegung der Unglaubhaftigkeitselemente könne der Beschwerdeführerin 1 nach dem Gesagten nicht geglaubt werden, dass ihr Ehemann in Haft gewesen und dass sie von der Al-Nusra und den syrischen Behörden zu Hause aufgesucht worden sei. Aus diesem Grund könne auf die Prüfung der Asylrelevanz verzichtet werden. 6.2 Die Beschwerdeführerin 1 hält den Erwägungen der Vorinstanz im We- sentlichen Folgendes entgegen: Anders als in der angefochtenen Verfügung dargelegt, habe sie bereits bei der BzP ausdrücklich gesagt, dass sie von den Mitgliedern der Al -Nusra bedroht worden sei und dass diese immer wieder gesagt hätten, sie müsse einen von ihnen heiraten, was sie abgelehnt habe. Dies decke sich mit ih- ren Aussagen anlässlich der Anhörung (vgl. A6/11 Ziff. 7.01 S. 7 f. und A17/3 F29 S. 4 und F46 S. 5). Sie sei bei ihrer Schilderung immer bei der gleichen Struktur des Geschehens geblieben und habe das Erlebte konsis- tent vorgebracht. Auch zwischen der bei beiden Befragungen genannten Anzahl der Besuche der Al -Nusra würden keine Widersprü che bestehen. E-4947/2014 Seite 11 Die Al-Nusra sei nach der Entführung ihres Mannes zwei- bis dreimal vor- beigekommen, insgesamt also ungefähr viermal, wie bei der BzP angege- ben. Aus dem Wortlaut ihrer Aussagen ergebe sich schliesslich auch kein Widerspruch hinsichtlich ihres Aufenthaltsortes im Zeitpunkt, als sie von der Inhaftierung ihres Mannes erfahren habe. Sie habe klar ausgesagt, dass sie an ihrem Wohnort von der Inhaftierung ihres Ehemannes erfahren habe und anschliessend zu ihrem Grossvater nach F._______ gegangen sei. Dass sie dies bei der Rückübersetzung richtiggestellt habe, sei der Be- weis für ihre konsistente Schilderung. Die Vorinstanz habe in willkürlicher Art und Weise versucht, die angebliche Unglaubhaftigkeit ihrer Vorbringen mit der Konstruktion von Widersprüchen zu begründen. Im Übrigen habe sie die Entführung ihres Ehemannes und die Besuche durch die Al-Nusra und die syrischen Behörden substanziiert dargelegt. So habe sie gesagt, dass fünf bis sechs Personen der Al-Nusra mit dem Auto gekommen seien und detailliert sowie in sich stimmig beschrieben, wie die Männer ausgesehen und wie sich die Besuche abgespielt hätten. Dass die Reaktion der Familienmitglieder ihres Ehemannes der Vorinstanz nicht lo- gisch erscheine, könne nicht als Anlass für allfällige Zweifel an ihren Aus- sagen genommen werden. Ferner habe sie sehr wohl genaue Ausführun- gen zur Art der Schläge durch die Al-Nusra machen können; diese hätten sie weggestossen und getreten (vgl. A17/13 F55 S. 6). Zudem habe sie die Situation, in welcher sie geschlagen worden sei, detailliert geschildert. Die Besuche durch die syrischen Behörden habe sie ebenfalls detailgetreu be- schrieben und genau angegeben, wie viele Besuche es gewesen seien und wann diese stattgefunden hätten (vgl. A17/13 F 63–68 S. 7). Insgesamt erweise sich die Argumentation des BFM als mit Art. 7 und 9 BV nicht vereinbar. Im Fall der Rückkehr nach Syrien drohe ihr ein erneutes Aufsuchen durch die syrischen Behörden sowie die Al -Nusra, Entführung durch die Al-Nusra, Folter, Hinrichtung oder Verschwindenlassen. Die Vo- raussetzungen der begründeten Furcht vor asylrelevanter Verfolgung seien damit offensichtlich erfüllt, zumal sie aufgrund der massiven Vorverfolgung herabgesetzt seien. Zahlreiche Quellen würde n ausserdem belegen, mit welch systematischer Gewalt das Assad -Regime gegen Oppositionelle vorgehe. Eine Rückführung könne nicht verantwortet werden. Es sei somit ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. 7. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Vorbringen der E-4947/2014 Seite 12 Beschwerdeführerin als unglaubhaft qualifizierte und eine drohende Verfol- gung verneinte. 7.1 Zunächst ist festzustellen, dass den Ausführungen des BFM betreffend den angeblichen Widerspruch in der Schilderung des ersten Besuches der Al-Nusra durch die Beschwerdeführerin 1 nicht zuzustimmen ist. Im Übrigen sind in den Aussagen der Beschwerdeführerin 1 jedoch Wider- sprüche sowohl in Bezug auf die räumliche und zeitliche Einordnung der Besuche der Al-Nusra als auch betreffend die Anzahl der Vorfälle festzu- stellen. So gab sie anlässlich der BzP zunächst an, die Besuche durch die Al-Nusra hätten im Jahr 2013 in Damaskus stattgefunden. Anschliessend brachte sie vor, sie sei bereits im Jahr 2012 zu ihrer Schwiegerfamilie nach C._______ gezogen und die Zwischenfälle mit der Al -Nusra hätten sich dort ereignet (vgl. A17/13 Ziff. 7.01 S. 7 f.). Bei der BzP gab sie ferner an, die Al-Nusra sei im August 2013 bei ihr vorbeigekommen, während sie bei der Anhörung angab, die Vorfälle hätten sich etwa im Juni oder Juli 2013 ereignet (vgl. A6/11 Ziff. 7.01 S. 8 und A17/13 F28 S. 4 und F112 S. 10). Hinsichtlich der widersprüchlichen Anzahl der Besuche wird auf die zutref- fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen (vgl. auch A6/11 Ziff. 7.01 S. 8 und A17/13 F61 S. 6) , der die Beschwerdeführerin 1 auf Beschwerde- ebene keine überzeugende Erklärung entgegensetzt. Eine weitergehende Auseinandersetzung mit den Ausführungen d er Be- schwerdeführerin 1 unter dem Aspekt der Widersprüchlichkeit erübrigt sich aufgrund deren durchgehend oberflächlicher und unsubstanziierter Schil- derung. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die Erwägungen des BFM verwiesen werden. Entgegen der Darlegung in der Beschwerde fällt bei der Durchsicht der Befragungsprotokolle auf, dass sich die Beschwerdeführe- rin 1 zur Entführung ihres Mannes und den darauffolgenden Besuchen sei- tens der Al-Nusra und der syrischen Behörden auch auf mehrfache Nach- fragen hin knapp und nichtssagend äusserte. Die Beschreibung der Mit- glieder der Al-Nusra und der angeblich erlittenen Schläge erfolgte ebenfalls nicht detailgetreu sondern stereotyp. Erst anlässlich der Anhörung machte sie zusätzlich zwei Besuche seitens der syrischen Behörden geltend, über die sie ebenfalls sehr oberflächlich berichtete und die sie zeitlich nur unge- nau mit "15 oder 30 Tage vor (…) (der) Ausreise" einordnete (vgl. A17/13 F65 S. 7). Die Schulbildung der Beschwerdeführerin 1 von sieben Jahren (vgl. A6/11 Ziff. 1.17.04 S. 4) vermag die unsubstanziierte Schilderung nicht zu erklären, handelt es sich doch um die Beschreibung einfacher Vor- gänge, die sie zur Flucht veranlasst haben sollen. Insgesamt erweckt die E-4947/2014 Seite 13 Beschwerdeführerin 1 nicht den Eindruck, sie habe das Geschilderte tat- sächlich erlebt. Mithin erweisen sich ihre Asylgründe als zu wenig begrün- det. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 erweisen sich damit, wie durch die Vorinstanz zutreffend festgestellt, als unglaubhaft, weshalb deren Asyl- relevanz nicht zu prüfen ist. 7.2 Gemäss den vorstehenden Erwägungen konnte die Beschwerdeführe- rin 1 für den Zeitpunkt der Ausreise keine Gründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist j edoch die Situation im Zeitpunkt des Asylent- scheides, so dass nachfolgend das Vorliegen von objektiven und subjekti- ven Nachfluchtgründen zu prüfen ist. Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat im September 2013, nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges . Dieser aktuell herrschende Kon- flikt, in welchem auch gegen die Zivilbevölkerung mit massivster Gewalt und unter Einsatz von Kriegswaffen vorgegangen wird, hat bis Dezember 2014 mindestens 191'000 Menschen das Leben gekostet, mehr als 3,2 Mil- lionen Menschen sind aus Syrien geflohen, und 7,6 Millionen Menschen gelten als intern vertrieben, wobei die Zahl der Flüchtlinge monatlich im Durchschnitt um 100'000 Personen ansteigt. Sämtliche Bemühungen, eine friedliche Beilegung des Konflikts zu erreichen, sind bi slang gescheitert. Darüber hinaus lässt sich die Feststellung treffen, dass die Situation in Sy- rien anhaltend instabil und in stetiger Veränderung begriffen ist. Dabei ist als vollkommen offen zu bezeichnen, in welcher Weise ethnische, religiöse und/oder p olitische Zugehörigkeiten im Rahmen einer künftigen Herr- schaftsordnung eine Rolle spielen werden (vgl. dazu ausführlich das zur Publikation bestimmte Urteil D-5779/2013, vom 25. Februar 2015, E. 5.3.1, 5.3.2 und 5.4.5). 7.2.1 Die Beschwerdeführerin 1 macht geltend, die Flüchtlingseigenschaft bereits aufgrund ihres Status als Asylbewerberin zu erfüllen. In diesem Zu- sammenhang verweist sie auf einen Bericht des Hochkommissariats für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) vom 22. Oktober 2013 (Inter- national Considerations with regard to people fleeing the Syrian Arab Re- public, Update II) und führt aus, dass dem UNHCR zufolge eine asylsu- chende Person aus Syrien weder das Kriterium einer bereits stattgefunde- nen gezielten Verfolgung noch jenes einer Bedrohung durch zukünftige ge- zielte Verfolgung erfüllen müsse, um die Flüchtlingseigenschaft zu erfüllen. E-4947/2014 Seite 14 Die Anforderungen des BFM zur Bejahung einer begründeten und glaub- haften Furcht vor zukünftiger asylrelevanter Verfolgung müssten demnach herabgesetzt werden. Sodann habe es die Vorinstanz unterlassen, sich in der angefochtenen Ver- fügung ausführlich zum Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen zu äussern. Aufgrund ihrer Probleme mit den Behörden in Syrien und ihrer öffentlichen Kritik am syrischen Regime stelle sie für die syrischen Behör- den zweifelsohne eine Oppositi onelle dar. Ihre exilpolitischen Tätigkeiten würden dem syrischen Geheimdienst spätestens im Zeitpunkt der Wieder- einreise bekannt, zumal die Überwachung der syrischen Opposition im Ausland zugenommen habe (vgl. dazu die Beschwerdeschrift S. 26– 30 und 32). Schliesslich drohe ihr im Falle einer Rückkehr asylrelevante Verfolgung von Seiten islamistischer Gruppen. Insbesondere der IS (Islamischer Staat) gehe radikal, erbarmungslos und gezielt gegen di e in seinen Augen Un- gläubigen vor. Ihr mehrjähriger Aufenthalt in einem westlichen Land ver- schärfe ihr Profil als Feindin des Islam zusätzlich (v gl. die Beschwerde- schrift S. 30–33). 7.2.2 Angesichts der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen der Beschwer- deführerin 1 ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Situation nicht davon auszugehen, dass ihr bei einer Rückkehr nach Syrien eine asyl- rechtlich relevante Verfolgung drohen würde. Für eine Verfolgung durch is- lamistische Gruppen im Falle einer Rückkehr bestehen sodann keine hin- reichend konkreten Anhaltspunkte. Die Ausreise aus Syrien und die Stellung eines Asylgesuchs in der Schweiz alleine führen ebenfalls nicht zur Annahme, die Beschwerdeführerinnen hätten bei der Rückkehr in ihr Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlich- keit eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürchten. Zwar ist auf- grund der längeren Landesabwesenheit nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin 1 bei der Wiedereinreise nach Syrien einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzogen würde. Da sie jedoch nicht geltend macht, in der Vergangenheit politisch aktiv gewesen und als Akti- vistin identifiziert worden zu sein, ist – soweit angesichts der Entwicklung in Syrien beurteilbar – nicht anzunehmen, dass die syrischen Behörden sie als staatsgefährdend einstufen würden und sie asylrelevante Massnahmen zu befürchten hätte. E-4947/2014 Seite 15 Schliesslich ist festzuhalten, dass d ie Beschwerdeführerin 1 keine politi- schen Aktivitäten seit der Einreise in die Schweiz geltend macht . Zu wel- chem Anlass und in welchem Ausmass sie öffentlich Kritik geäussert haben will, bringt sie nicht vor. Ohnehin ist davon auszugehen, dass die im Aus- land tätigen syrischen Geheimdienste ihr Augenmerk auf diejenigen Per- sonen richten, welche in exponierter Weise politisch – aus der Sicht der syrischen Behörden – missliebig aufgefallen sind. Es gibt somit keine Hin- weise dafür, dass die Beschwerdeführerin 1 durch den syrischen Staat als Regimegegnerin identifiziert worden wäre. Vor diesem Hintergrund war die Vor instanz nicht gehalten, sich zum Vor- liegen subjektiver Nachfluchtgründe zu äussern. 7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerinnen keine erlittene oder drohende asylrelevante Ve rfolgung glaubhaft gemacht ha- ben. Die Vorinstanz hat daher zu Recht das Besteh en der Flüchtli ngsei- genschaft verneint und die Asylgesuche abgelehnt. 8. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 8.1 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet. 8.2 Aus den vorangegangenen Erwägungen ist nicht etwa zu schliessen, die Beschwerdeführerinnen seien zum heutigen Zeitpunkt in ihrem Heimat- staat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdung ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142 .20) einzuordnen. Der generellen Gefährdung der Beschwerdeführerinnen aufgrund der aktuellen Situation in Syrien wurde durch die Vorinstanz mit der Anordnung der vor- läufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen (vgl. die Dispositivziffern 4–7 der angefochtenen Ver- fügung). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung E-4947/2014 Seite 16 Bundesrecht nicht verletzt und der rechtserhebliche Sachverhalt richtig so- wie vollständig festgestellt worden ist (Art.106 Abs.1 AsylG ). Die Be- schwerde ist daher abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den unterliegenden Beschwerdeführerin nen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist jedoch angesichts des mit Zwischenverfü- gung vom 24. September 2014 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-4947/2014 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu- ständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: