B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4185/2019 U r t e i l v o m 1 7 . D e z e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Barbara Balmelli, Richter Yanick Felley Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch MLaw Sebastiaan van der Werff, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (Mehrfachgesuch); Verfügung des SEM vom 18. Juli 2019 / N (…). D-4185/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reichte am 28. Oktober 2015 in der Schweiz ein erstes Asylgesuch ein. Dieses begründete er damit, dass er an Kundge- bungen für die Rechte von Tamilen und für vermisste Personen teilgenom- men habe und unter dem Vorwurf, ein Unterstützer der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu sein, von den Behörden verfolgt worden sei. Zudem sei er in der Schweiz exilpolitisch aktiv. B. Mit Verfügung vom 23. Juni 2017 stellte das SEM fest, dass der Beschwer- deführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Das SEM begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Fluchtgründe des Beschwerdeführers nicht glaubhaft seien und er kein Ri- sikoprofil erfülle. C. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4295/2017 vom 9. Januar 2019 abgewie- sen. D. Am 19. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer ein neues Asylgesuch ein. Darin machte er im Wesentlichen geltend, dass sich die Bedrohungs- lage für Tamilen und Oppositionelle in Sri Lanka insbesondere aufgrund der Ernennung eines neuen Armeechefs und einer Neuausrichtung der Drogenpolitik, welche als Vorwand für ein behördliches Vorgehen gegen Tamilen genutzt werde, verschärft habe. Zudem verwies er erneut auf sein exilpolitisches Engagement und machte geltend, dass er sich aufgrund der erlittenen Folterungen in einem desolaten Gesundheitszustand befinde. Als Beweismittel reichte er im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens einen Datenträger mit zahlreichen Unterlagen zur Situation in Sri Lanka, ein Foto, welches ihn an einer Demonstration im Jahre 2018 in B._______ zeige und einen ärztlichen Bericht des psychiatrischen Zentrums C._______ vom 26. Februar 2019 ein. D-4185/2019 Seite 3 E. Mit Verfügung vom 18. Juli 2019 (Eröffnung am 26. Juli 2019) stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er- füllt, lehnte sein Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung sowie den Voll- zug an und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–. F. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts- vertreters vom 19. August 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er be- antragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustel- len und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sa- che zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro- zessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung und amtlichen Rechtsverbeiständung sowie Edition der vorinstanzli- chen Akten ersucht. Der Beschwerde lagen ein Schreiben eines sri -lankischen Priesters vom (…) 2019, ein Ausdruck der Reisehinweise des Eidgenössischen Departe- ments für auswärtige Angelegenheiten ( EDA) für Sri Lanka vom 27. Mai 2019, zwei Presseartikel über die Situation in Sri Lanka, ein Schreiben der Human Rights Commission of Sri Lanka vom (…) 2019 und ein Arztbericht vom (…) 2019 bei. G. Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2019 wies der damals zuständige Instruktionsrichter die Vorinstanz an, die vorinstanzlichen Akten zu edieren, und gab dem Beschwerdeführer die Möglichkeit, eine Beschwerdeergän- zung nachzureichen. Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, den in der Beschwerdeschrift erwähnte Haftbefehl, einen aktuellen Arztbericht und eine Bestätigung seiner prozessualen Bedürftigkeit nachzureichen. H. Am 11. September 2019 reichte der Beschwerdeführer ei ne Fürsorgebe- stätigung ein. I. Mit Eingabe vom 30. September 2019 ergänzte der Beschwerdeführer seine Beschwerdeeingabe und reichte einen sri-lankischen Haftbefehl vom (…) 2016, samt amtlich beglaubigter Übersetzung, eine Terminbestätigung D-4185/2019 Seite 4 des psychiatrischen Zentrums C._______ und Fotos einer Demonstration in B._______ vom (…) 2018 ein. J. Am 16. Oktober 2019 wurde ein Schreiben einer sri -lankischen Anwältin vom (…) 2019 nachgereicht. K. Am 21. Oktober 2019 wurde ein ärztlicher Bericht des psychiatrischen Zentrums D._______ vom (…) 2019 ins Recht gelegt. L. Mit Zwischenverfügung vom 28. Oktober 2019 wies der damals zuständige Instruktionsrichter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung gut, während dasjenige um amtliche Rechtsverbeiständung abgewiesen wurde. M. Mit Vernehmlassung vom 6. November 2019 äusserte sich das SEM zur Beschwerde, worauf der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 11. Dezem- ber 2019 replizierte. Mit der Replik wurden sieben Presseartikel aus dem Jahre 2019 zur Lage in Sri Lanka eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-4185/2019 Seite 5 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde i st frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehen- den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen D-4185/2019 Seite 6 Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass im Asylgesuch zum überwiegenden Teil Sachverhalte angerufen würden, welche sich im Jahre 2018 oder davor ereignet hätten. So werde hinsichtlich der Zuspitzung der Bedrohungslage auf Medienberichte aus dem Jahre 2018 und davor hin- gewiesen und wiederholt auf das exilpolitische Wirken im Jahre 2018 ver- wiesen. Das Bundesverwaltungsgericht habe sein Urteil vom 9. Januar 2019 in Kenntnis der allgemeinen Lage und des exilpolitischen Wirkens im Jahre 2018 gefällt. Auf diese Vorbringen müsse daher nicht weiter einge- gangen werden. Betreffend die Befürchtungen im Zusammenhang mit der neuen Drogenpolitik und der Ernennung Silvas zum zweithöchsten Militär sei zu bemerken, dass sowohl das SEM wie auch das Bundesverwaltungs- gericht im ersten Asylverfahren festgestellt hätten, dass der Beschwerde- führer keine Vorverfolgung habe glaubhaft machen können und er kein Ri- sikoprofil aufweise, welches ihn in den Fokus der Behörden rücken könnte. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr verfolgt werde, auch nicht mit Hilfe einer vorgeschobenen Drogenpolitik oder Auf- grund der Ernennung Silvas. Hinsichtlich des Vorbringens, aufgrund der Folterungen vom (…) 2015 in einem desolaten Gesundheitszustand zu sein, sei zu bemerken, dass da- von auszugehen sei, das Bundesverwaltungsgericht habe sein Urteil in Kenntnis des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers gefällt. Das Gericht halte in seinem Urteil fest, dass keine Hinweise auf eine gesund- heitliche Beeinträchtigung bestünden, da der Beschwerdeführer in der Be- fragung zur Person angegeben habe, dass er gesund sei. Im Arztbericht vom (…) 2019 werde erwähnt, dass der Beschwerdeführer gefoltert wor- den sei. Es sei aber anzunehmen, dass diese Anamnese allein auf seinen Aussagen beruhe. Eine Verfolgung in Sri Lanka sei jedoch rechtskräftig für unglaubhaft befunden worden. Die im Arztbericht erwähnte Angst vor einer erneuten Folter führe daher nicht zur Annahme der Flüchtlingseigenschaft. Der Umstand, dass gemäss Bericht eine Abklärung einer Traumatisierung angezeigt sei, heisse noch nicht, dass eine solche auch tatsächlich vor- liege. Die Angabe im Bericht, wonach er sich aufgrund der Ablehnung des Asylgesuchs und im Rahmen des vorliegenden Verfahrens an einen Allge- meinmediziner gewendet habe, lasse den Schluss zu, dass er sich einzig D-4185/2019 Seite 7 zum Zweck der Schaffung eines Vollzugshindernisses in Behandlung be- geben habe. Dass es gemäss seinen Angaben im etablierten sri-lanki- schen Gesundheitssystem zu längeren Wartezeiten kommen könne, be- gründe kein Vollzugshindernis, da es – wie im Arztbericht selbst ausgeführt – auch in der Schweiz am Platzangebot zur Abklärung und Behandlung mangle. 4.2 In der Beschwerdeschrift wurde diesen Ausführungen entgegnet, dass sich die Lage in Sri Lanka verschärft habe und es sei, insbesondere auf- grund der anstehenden Präsidentschaftswahl, bei welcher Gotabaya Raja- paksa, der für die Verfolgung von Regierungskritikern und die Vernichtung der LTTE verantwortlich gewesen sei, gute Chancen habe, von einer wei- teren Verschlechterung der Sicherheitslage für den Beschwerdeführer aus- zugehen. Auch das EDA rate aufgrund der Sicherheitslage von Reisen nach Sri Lanka ab. Der Beschwerdeführer sei in Sri Lanka verfolgt worden und es liege ein Haftbefehl gegen ihn vor. Seine Eltern würden regelmässig von unbekann- ten Personen besucht, welche sich nach ihm erkundigen würden. Sie wür- den eingeschüchtert, bedroht und das Haus werde überwacht, weshalb sein Vater eine Beschwerde bei d er Human Rights Commission of Sri Lanka eingereicht habe. Sein Bruder sei bereits verhaftet und gefoltert wor- den, weshalb er untergetaucht sei. In einem Schreiben eines Priesters werde die Verfolgung der Familie bestätigt. Der Beschwerdeführer sei wegen der erlittenen Folterungen gesundheitlich erheblich angeschlagen. 4.3 In der Beschwerdeergänzung wurde angefügt, dass am (…) 2016 und somit nach der Ausreise des Beschwerdeführers ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden sei, welcher im Zusammenhang mit seinem politischen Engagement in Sri Lanka und der Schweiz stehe. Dieser stimme zeitlich mit seinen Schilderungen überein, wonach er im März 2016 zuhause ge- sucht worden sei. Es sei ferner anzunehmen, dass seine Teilnahme an ei- ner Demonstration in der Schweiz vom (…) 2016 behördlich registriert und er daraufhin am (…) 2016 zur Verhaftung ausgeschrieben worden sei. Er habe in der Schweiz in den vergangenen Jahren an diversen Protestaktio- nen teilgenommen und sich öffentlich als LTTE -Sympathisant gezeigt. Er habe Kleider mit einschlägiger Symbolik getragen, beim Dekorieren mitge- holfen, Fahnen getragen und Reden gehalten. Es sei anzunehmen, dass D-4185/2019 Seite 8 die sri-lankischen Sicherheitsbehörden ihn bereits im Visier gehabt hätten und seine exilpolitischen Aktivitäten umso genauer verfolgen würden. Im aktuellen Arztbericht werde eine stationäre Behandlung und vertiefte Abklärung in einem auf Traumatisierung spezialisierten Zentrum als drin- gend indiziert erachtet. 4.4 In der Vernehmlassung fügte das SEM an, dass der eingereichte Haft- befehl als "Original" bezeichnet werde. In Sri Lanka werde das Original ei- nes Haftbefehls jedoch in den Gerichtsakten aufbewahrt und dem Ange- klagten nie ausgehändigt. Zudem werde ein Haftbefehl mit einem Vermerk auf der Rückseite an das Gericht zurückg esandt, falls die Polizei heraus- finde, dass sich die gesuchte Person im Ausland befinde. Bezeichnender- weise führe der Beschwerdeführer nicht aus, wie er in den Besitz des Haft- befehls gekommen sei. Nur schon deshalb müsse dieser als Totalfälschung bezeichnet werden. Es stelle sich weiter die Frage, wieso er erst jetzt, drei- einhalb Jahre nach Ausstellung des Dokuments von dessen Existenz Kenntnis erlangt habe. Auf dem Haftbefehl sei zudem vermerkt, dass er aufgrund einer Nichtteilnahme an gerichtlichen Vorlad ungen ausgestellt worden sei. Um welche Vorladungen es sich handle, werde aber weder in der Eingabe noch im Haftbefehl erwähnt. Bezeichnenderweise habe der Beschwerdeführer in den Befragungen wie auch in den früheren Rechts- schriften keine Vorladung erwähnt. Daher und in Anbetracht des desolaten Zustands Sri Lankas, welcher vom Beschwerdeführer regelmässig hervor- gehoben werde und der weit verbreiteten Korruption entfalte der Haftbefehl keine Beweiskraft. Das Schreiben des Priesters beziehe sich einzig auf E reignisse vor der Ausreise, welche bereits mit Urteil des B undesverwaltungsgerichts vom 9. Januar 2019 für unglaubhaft befunden worden seien. Es bleibe ferner offen, woher der Priester die im Schreiben dargelegten I nformationen habe. 4.5 In der Replik wendete der Beschwerdeführer ein, dass der Haftbefehl mit viel Engagement über eine Anwältin in Sri Lanka habe erhältlich ge- macht werden können. Dieser habe erst jetzt beschafft werden könne, da er und seine Familie die Unterlagen nicht selber hätten herausverlang en können, und es auch für die kürzlich eingeschaltete Anwältin sehr gefähr- lich gewesen sei respektive sei, entsprechende Nachforschungen anzu- stellen, und seine Familie bei solchen Recherchen Repressalien zu be- fürchten hätte. Die gerichtlichen Vorladungen seien bisher nicht erwähnt D-4185/2019 Seite 9 worden, da er davon schlicht keine Kenntnis gehabt habe. Er habe aber sehr wohl immer wieder betont, dass die Behörden ihn suchen würden, und man dabei mehrmals bei ihm zuhause gewesen sei. Da er bereits im Jahre 2015 ausgereist sei, habe er erst unlängst Kenntnis vom Haftbefehl erhal- ten. Wie im Schreiben der Anwältin bestätigt, werde unter der Fallnummer (…) ein Verfahren gegen ihn geführt, wobei ihm Unterstützung und Mit- gliedschaft bei den LTTE, Mitwirkung bei öffentlichen Kampagnen für Ter- roristen und Förderung terroristischer Aktivitäten mit Hilfe von ausländi- schen LTTE-Mitgliedern vorgeworfen werde. Der Haftbefehl stehe somit wohl im Zusammenhang mit seinen exilpolitischen Aktivitäten seit 2016. Der mit offiziellem Siegel der sri-lankischen Regierung versehene Haftbe- fehl sei sogar wegen Nichterscheinens zu gerichtlichen Vorladungen erlas- sen worden. Von einer Totalfälschung könne mitnichten die Rede sein, selbst wenn ein Vermerk auf der Rückseite fehlen sollte. Dieser könnte auch deshalb fehlen, weil bei der Prozedur etwas anders gelaufen sei, als vom SEM angenommen. Er habe bislang vergeblich versucht, die Fallak- ten über seine Anwältin erhältlich zu machen. Insbesondere nachdem die Kontrolle des Militärs und der Polizei zugenommen hätten, werde dies nicht mehr möglich sein. Sollte an den Ausführungen gezweifelt werden, müss- ten die Fallakten amtshilfeweise eingeholt werden. Im Schreiben des Priesters würden die von ihm bereits gemachten Ausfüh- rungen bestätigt, und es sei sehr wohl tauglich, die Umstände weiter unter Beweis zu stellen. Ferner habe sich die Lage in Sri Lanka weiter zugespitzt. So hätten kürzlich ein ranghoher Polizeibeamter, welcher gegen den neuen Staatspräsiden- ten ermittelt habe, in die Schweiz flüchten müssen und eine schweizerische Botschaftsmitarbeiterin sei auf offener Strasse entführt worden. Zudem sei ein Mitglied der Eelam People Democratic Party (EPDP) als neuer Minister eingesetzt worden. Die EPDP kontrolliere insbesondere d ie Nordprovinz und habe den Herkunftsort des Beschwerdeführers fest im Griff. Genau mit dieser Partei habe er massive Probleme gehabt und sei von dessen Mit- gliedern bedroht worden. Dies sei auch der Grund, weshalb der unterge- tauchte Bruder unlängst nach E._______ geflüchtet sei. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer begründete sein neues Asylgesuch im Wesent- lichen damit, dass sich die Lage in Sri Lanka aufgrund jüngster allgemeiner Entwicklungen verschärft habe, weswegen er bei einer Rückkehr gefährdet wäre. D-4185/2019 Seite 10 5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Vielmehr ist anhand bestimmter Risikofaktoren eine individuelle Prüfung vorzunehmen. Die Lageeinschät- zung ist auch im Lichte aktueller Entwicklungen in Sri Lanka, insbesondere der Präsidentschaftswahl weiterhin gültig. Zum heutigen Zeitpunkt gibt es keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persön- licher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht (vgl. Urteil des BVGer D-6808/2019 vom 19. Mai 2020 E. 6.3 m.w.H.). Dies ist vorliegend zu ver- neinen. 5.3 Nebst der veränderten allgemeinen Lage in Sri Lanka wies der Be- schwerdeführer unter Einreichung von Fotos einer Demonstrationsteil- nahme im (…) 2018 in B._______ auf sein exilpolitisches Wirken hin, und es wurde geltend gemacht, dass sein in einem Arztbericht dokumentierter Gesundheitszustand belege, dass er im (…) 2015 gefoltert worden sei. Bei der Demonstrationsteilnahme handelt es sich um einen Sachverhalt, wel- cher sich vor Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4295/2017 vom 9. Januar 2019 ereignet hat. Mit der Berufung auf den in den Arztberichten vom (…) 2019 und (…) 2019 dokumentierten Gesundheitszustand wurde geltend gemacht, dass die Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Fluchtgründe unzutreffend sei. Dieses Beweismittel bezieht sich folglich ebenfalls auf einen bereits vor Abschluss des ordentl ichen Verfahrens ereigneten Sachverhalt. Gleich verhält es sich mit den erst auf Beschwerdeebene eingereichten Schreiben eines Priesters vom (…) 2019, welches die Verfolgung des Beschwerde- führers vor seiner Ausreise bestätigt. Ebenfalls erst auf Beschwerdeebene eingereicht wurde ein Haftbefehl aus dem Jahre 2016 sowie ein damit zu- sammenhängendes Schreiben einer Anwältin vom (…) 2019. Auch diese beiden Dokumente beziehen sich auf den Zeitraum vor Abschluss des or- dentlichen Asylverfahrens und folglich auf ein e bereits rechtskräftig beur- teilte Verfolgung. Diese Vorbringen fallen grundsätzlich nicht unter den Prozessgegenstand eines Mehrfachgesuchs. Vielmehr handelt es sich dabei um Revisions- gründe, weil damit eine ursprüngliche Fehlerhaftigkeit der Verfügung des D-4185/2019 Seite 11 SEM vom 23. Juni 2017 respektive des Urteils des Bundesverwaltungsge- richts D-4295/2017 vom 9. Januar 2019 geltend gemacht wird (vgl. zu den Grundsätzen der Revision KARIN SCHERRER REBER, in: Waldmann/Weis- senberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, N 27 zu Art. 66 VwVG). 5.4 Wurde das ordentliche Asylverfahren durch ein Urteil des Bundesver- waltungsgerichts abgeschlossen, ist nach Art. 45 VGG in Verbindung mit Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG grundsätzlich das Gericht für die Beurteilung der Revisionsgründe zuständig (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 m.w.H), es sei denn, es werden Beweismittel als Revisionsgründe angerufen, welche erst nach dem mit Revision angefochtenen Beschwerdeentscheid entstanden sind. Im letzteren Fall sind die Revisionsgrü nde in einem Wiedererwä- gungsverfahren gemäss Art. 111b Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 1 Bst. a VwVG beim SEM geltend zu machen (vgl. BVGE 2013/22 E. 13.1). 5.5 Der Beschwerdeführer beruft sich auf eine Demonstrationsteilnahme im Jahre 2018 und reicht dazu mehrere Fotos ein, womit eine neue Tatsa- che sowie neue Beweismittel nach Art. 45 VGG in Verbindung mit Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG geltend gemacht werden, zumal die Tatsache wie auch die Beweismittel vor Abschluss des ordentlichen Verfahrens entsta nden sind. Ferner beruft er sich auf einen Haftbefehl aus dem Jahre 2016, aus wel- ches sich ergebe, dass gegen ihn ein Verfahren in Sri Lanka hängig sei . Dieses Vorbringen beschlägt sowohl eine neue, bisher nicht bekannte Tat- sache als auch ein neues , bisher nicht greifbares B eweismittel, welche beide vor Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens entstanden sind. Es handelt sich somit ebenfalls um einen Revisionsgrund nach Art. 45 VGG in Verbindung mit Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG. Das Schreiben der Anwältin vom (…) 2019 beschlägt zwar ebenso diese neue, vorbestandene Tatsache, ist aber gleichzeitig ein Beweismittel, wel- ches erst nach Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens entstanden ist. Trotz des Umstandes, dass es sich um ein erst nachträglich entstandenes Beweismittel handelt, rechtfertigt es sich, dieses als Revisionsgrund nach Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG anzusehen, zumal es sich auf eine vorbestan- dene und bisher unbekannte Tatsache bezieht. D-4185/2019 Seite 12 Gleiches gilt für das Bestätigungsschreiben der Human Rights C ommis- sion vom (…) 2019. Auch dieses ist nach dem Urteil entstanden, bezieht sich aber auf einen Sachverhalt, welcher sich vor dem Urteilszeitpunkt er- eignet hat. Anders verhält es sich mit den Arztberichten und dem Schreiben des Pries- ters. Diese erst nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens entstandenen Beweismittel beziehen sich lediglich auf Tatsachen, welche im ordentlichen Verfahren bereits vorgebracht, jedoch für unglaubh aft befunden worden sind. Diese Schreiben können folglich keinen Revisionsgrund nach Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG darstellen, sondern wären vielmehr beim SEM im Rah- men eines Wiedererwägungsgesuchs gemäss Art. 111 b Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 66 Abs. 1 Bst. a VwVG einzubringen. 5.6 Vorliegend kann auf eine formelle Entgege nahme der Vorbringen als Revisionsgesuch durch das Gericht (Fotos der Demonstration, Haftbefehl, Schreiben der Anwältin sowie Bestätigung der Human Rights Commission) respektive eine Überweisung an das SEM zur Prüfung als Wiedererwä- gungsgesuch (Arztberichte und Schreiben des Priesters) unterbleiben, zu- mal sich in den Rechtsschriften weder revisionsspezifische Ausführungen noch entsprechende Anträge finden. Ausserdem hat sich die Vorinstanz – sei es im Rahmen der vorinstanzlichen Verfügung, sei es im Rahmen der Vernehmlassung – jedenfalls mit den in seine Zuständigkeit fallenden Re- visionsgründen materiell auseinandergesetzt und damit ist dem Beschwer- deführer durch die mangelnde Differenzierung zwischen Mehrfachgesuch und qualifiziertem Wiedererwägu ngsgesuch beziehungsweise unter dem Aspekt der Revision zu prüfende Vorbringen kein Nachteil erwachsen. 5.7 Sowohl gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG als auch gemäss Art. 66 Abs. 1 Bst. a VwVG müssen die neu angerufenen Tatsachen oder Beweis- mittel aus entschuldbaren Gründen bisher nicht einbringbar gewesen sein. Ferner müssen sie erheblich, das heisst geeignet sein, die tatbeständliche Grundlage des Entscheides zu ändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einem anderen, für den Beschwerdeführer günst igeren Er- gebnis zu führen (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 306 ff. Rz. 5.47 ff.). 5.7.1 Hinsichtlich der Demonstrationsteilnahme wie auch der Fotos erklärt der Beschwerdeführer nicht, wieso er diese nicht bereits im ordentlichen Verfahren geltend machen beziehungsweise einreichen konnte , weshalb D-4185/2019 Seite 13 die Entschuldbarkeit zu verneinen ist. Ebenfalls zu verneinen ist die Erheb- lichkeit dieser Fotos, zumal ihnen kein exponiertes Wirken entnommen werden kann, weshalb sich daraus – unter Hinweis auf die Ausführungen im Urteil D-4295/2017 vom 9. Januar 2019 E. 6.2.4 keine Gefährdung ab- leiten lässt. 5.7.2 Hinsichtlich des durch den Haftbefehl belegten hängigen Verfahrens bringt der Beschwerdeführer vor, dass er erst jüngst davon erfahren habe. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, dass er respektive seine Eltern anläss- lich der angeblichen mehrmaligen behördlichen Suche nach seiner Person nicht von einem seit 2016 hängigen Verfahren respektive einem ausste- henden Haftbefehl erfahren hätten, respektive dies bei zumutbaren Nach- forschungen hätten in Erfahrung bringen können, und ihnen gleichzei tig auch die im Haftbefehl erwähnte Gerichtsvorladung entgangen ist. Die Ent- schuldbarkeit der späten Beibringung ist folglich zu verneinen. Der Tatsa- che beziehungsweise dem Haftbefehl ist jedoch auch die Erheblichkeit ab- zusprechen. Bereits der Umstand, dass der Beschwerdeführer dieses Vor- bringen erst jetzt einbringt , erweckt den Eindruck, dass es sich dabei um eine nachgeschobene und unglaubhafte Behauptung handelt. Hinsichtlich des Haftbefehls weist das SEM zudem zu Recht auf Auffälligkeiten hin, welche auf eine Fälschung hindeuten, weswegen dem Dokument ein nur sehr beschränkter Beweiswert beigemessen werden kann. Beim Schrei- ben der Anwältin, welches aufgrund des möglichen Gefälligkeitscharakters ohnehin nur einen geringen Beweiswert zu entfalten vermag, f ällt zudem auf, dass der Name im Briefkopf wohl einen Tippfehler aufweist, zumal er nicht demjenigen im Stempel entspricht. Ein solcher Tippfehler ist in einem offiziellen Schreiben einer Anwältin ungewöhnlich. Ferner ist nicht ersicht- lich, wieso es dem Beschwerdeführer zwar gelang, das Original eines Haft- befehls, welches üblicherweise stets in den Gerichtsakten verbleibt, erhält- lich zu machen, es ihm gleichzeitig aber nicht möglich sein soll, weitere Prozessakten beizubringen. Es ist an dieser Stelle daher auch nicht Auf- gabe der Asylbehörden, zu versuchen, diese Dokumente von Amtes wegen beizubringen, weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen ist. 5.7.3 Bezüglich der neu vorgebrachten Tatsache, dass sich der Vater des Beschwerdeführers in den Jahren 2016 und 20 18 an die Human Rights Commission gewendet habe, wird vom Beschwerdeführer ebenfalls nicht erklärt, wieso er nicht in der Lage gewesen sei, diese Tatsache wie auch ein entsprechendes Bestätigungsschreiben bereits im ordentlichen Verfah- ren geltend zu machen , weshalb keine Entschuldbarkeit vorliegt. Zu ver-D-4185/2019 Seite 14 neinen ist darüber hinaus auch die Erheblichkeit. Zum einen ist das Schrei- ben – wenn überhaupt – ohnehin nur geeignet zu beweisen, dass bei der Human Rights Commission entsprechende Anzeigen eingereicht word en sind, ohne sich jedoch zu deren Begründetheit zu äussern. Zum anderen fällt auf, dass der Vater gemäss dem Schreiben bereits am (…) 2016 eine erste Anzeige eingereicht habe, nachdem sein Sohn von unbekannten Per- sonen gesucht worden sei, wohingegen der Beschwerdeführer angab, dass er erst im (…) 2016, folglich zwei Monate später, zuhause gesucht worden sei. 5.7.4 Betreffend die Arztberichte wird nicht ausgeführt, weshalb der Be- schwerdeführer einen solchen respektive seinen angeblich desolaten Ge- sundheitszustand nicht bereits im ordentlichen Verfahren hätte einbringen können, womit die Entschuldbarkeit zu verneinen ist. Das Beweismittel ist darüber hinaus als nicht erheblich zu bezeichnen . Dazu ist zu bemerken, dass zwar jede Foltererfahrung ein traumatisches Erlebnis darstellt, nicht aber jede Folterung zwingend zu einem psychischen Leiden, insbesondere zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen muss. Viel- mehr hängt dies von der psychischen und sozialen Stabilität des Opfers sowie von seiner kulturellen Einbettung ab. Umgekehrt muss auch nicht jedes festgestellte Erscheinungsbild einer seelischen Traumatisierung auf Folter und menschenrechtswidriger Behandlung in einem Verfolgungskon- text beruhen. Für das Vorliegen entsprechender Symptome kann es auch andere Ursachen wie Unfälle, Naturkatastrophen, Entwurzelungsprozesse, innerfamiliäre Spannungen (schwere Erkrankungen oder Tod von Famili- enmitgliedern) geben ( WILHELM TREIBER, Flüchtlingstraumatisierung im Schnittfeld zwischen Justiz und Medizin, in: ZAR 2002, S. 286). Diese Fest- stellungen betreffend PTBS haben umso mehr für mildere Formen psychi- scher Störungen wie die vorliegend diagnostizierte Depression zu gelten, zumal deren Katalog an möglichen Ursachen im Vergleich zur PTBS we- sentlich breiter ist. Die fachärztlich diagnostizierten Depressionen bilden somit für sich allein keinen Beweis für die behaupteten Fluchtgründe (vgl. BVGE 2015/11 E. 7.2). 5.7.5 Hinsichtlich der Entschuldbarkeit der Nichtbeibringung des Schrei- bens des Priesters im ordentlichen Verfahren schweigt sich die Beschwer- deschrift aus und es ist auch nicht ohne Weiteres ersichtlich, wieso dieses erst jetzt eingereicht werden konnte, zumal der Priester ausführt, die Fami- lie seit Jahren gut zu kennen. Auch diese verspätete Beibringung ist folglich nicht entschuldbar. Dem Schreiben ist ferner nicht zu entnehmen, auf wel-D-4185/2019 Seite 15 chen Wahrnehmungen die Bestätigungen beruhen, und es kann angenom- men werden, dass sich diese ausschliesslich auf Erzählungen des Be- schwerdeführers respektive seiner Familienangehörigen stützen. Auch hier ist schliesslich auf den möglichen Gefälligkeitscharakter hinzuweisen, wes- halb dem Dokument ein sehr geringer Beweiswert zukommt und die revisi- onsrechtliche Erheblichkeit zu verneinen ist. 5.8 Zusammenfassend ist fest zuhalten, dass das SEM das Mehrfachge- such des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt hat. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung n icht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund D-4185/2019 Seite 16 nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be - schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka. Es besteht keinerlei Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heu- tigen Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer auswirken. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-D-4185/2019 Seite 17 grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.5 Das SEM begründete seine Verfügung in diesem Punkt damit, dass in Sri Lanka keine Situation wie Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeine Gewalt herrsche. Der Beschwerdeführer habe vor seiner Ausreise in der Nord- be- ziehungsweise der Ostprovinz Sri Lankas gelebt. Der Vollzug dorthin sei zumutbar, wenn das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien bejaht werden könne. Um Wiederholungen zu vermeiden sei auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4295/2017 vom 9. Januar 2019 zu verwei- sen. Inwiefern sich das in diesem Urteil angeführte Beziehungsnetz – wie im Mehrfachgesuch behauptet – in ein inexistentes tragfähiges Netzwerk verwandelt haben sollte, bleibe mangels Erläuterung im Gesu ch unklar. Bezüglich allfälliger Gesundheitsprobleme könne auf den Arztbericht vom (…) 2019 verwiesen werden, welcher von einem etablierten Gesundheits- system in Sri Lanka spreche. Ferner könne auf die Möglichkeit medizini- scher Rückkehrhilfe hingewiesen werden. Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein, dass die gesundheitliche Ver- sorgung in Sri Lanka unzureichend sei. Einerseits könne die benötigte Be- handlungsqualität nicht sichergestellt werden. Anderseits sei das Gesund- heitssystem überlaufen, geeignete Psychiater seien rar, und es sei mit lan- gen Wartezeiten zu rechnen. Eine umgehende Behandlung sei aber zwin- gend erforderlich, damit sich die Selbstmordgedanken nicht weiter konkre- tisieren und sich die gesundheitliche Situation verschlechtern würde. Im Arztbericht vom (…) 2019 werde bestätigt, dass sich seine gesundheitliche Situation verschlechtert habe, er dringend behandelt werden müsse und in der Schweiz weiteren gesundheitlichen Untersuchungen zu unterwerfen sei. Namentlich werde darauf hingewi esen, dass eine zwangsweise Aus- schaffung eine Verschlimmerung der psychischen Probleme hervorrufen würde, welche seine Gesundheit erheblich gefährden würde. 7.6 Die medizinischen Probleme stehen der Zumutbarkeit des Vollzugs nicht entgegen. Der Arztbericht vom (…) 2019 attestiert dem Beschwerde- führer eine mittelgradig depressive Episode (ICD: 10 F32.1). Gemäss Rechtsprechung in Bezug auf psychische Beschwerden kann nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatstaat nicht zur Verfü- gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden D-4185/2019 Seite 18 Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes führt. Dabei wird als wesent- lich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, wel- che zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut not- wendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat nicht eine dem schweizerischen Standard entspre- chende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2). Es ist davon auszugehen, dass die psychischen Beschwerden des Be- schwerdeführers in Sri Lanka adäquat behandelbar sind (vgl. zur Behan- delbarkeit psychischer Leiden [insb. PTBS] Urteil des BVGer D-7355/2016 vom 11. Februar 2019 E. 11.5.2 m.w.H.). Zudem könnte allfälligen Behand- lungsbedürfnissen auch durch die medizinische Rückkehrhilfe Rechnung getragen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverord- nung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Dass die dortige Be- handlung möglicherweise nicht dem schweizerischen Standard entspricht, ist – wie bereits erwähnt – unerheblich. Im Übrigen ist das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien unter Hin- weis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4295/2017 vo m 9. Januar 2019 E.8.3 zu bejahen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 7.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-D-4185/2019 Seite 19 führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit Zwischen- verfügung vom 28. Oktober 2019 die unentgeltliche Prozess führung ge- währt wurde, sind keine Kosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-4185/2019 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Linus Sonderegger Versand: