<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">469</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>97</b></span> <span class="ft2"><b>Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AuG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Auch Ausländerinnen und Ausländer, die sich auf das Freizügigkeitsab-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>kommen berufen können, dürfen ausländerrechtlich verwarnt werden.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Die Verwarnung ist keine Massnahme im Sinne von Art. 5 Anhang I des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Freizügigkeitsabkommens. Soll zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>in das Recht auf Einreise und Aufenthalt eingegriffen werden, wäre der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Fall unter Zugrundelegung aller massgeblichen Bestimmungen des Frei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zügigkeitsabkommens eingehend zu prüfen.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">470</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Aus dem Einspracheentscheid des Departements Volkswirtschaft und Inne-</span><br/> <span class="ft3">res, Migrationsamt Kanton Aargau, vom 22. November 2010 in Sachen L.</span><br/> <span class="ft3">(2010.082)</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1</span><br/> <span class="ft1">Der Einsprecher kann sich als deutscher Staatsangehöriger auf</span><br/> <span class="ft1">das Freizügigkeitsabkommen (FZA) berufen. Ihm steht demnach ein</span><br/> <span class="ft1">Recht auf Aufenthalt zu einer unselbständigen Erwerbstätigkeit, ein</span><br/> <span class="ft1">Recht auf Niederlassung als Selbständiger und - unter bestimmten</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen - ein Recht auf Aufenthalt ohne Ausübung einer</span><br/> <span class="ft1">Erwerbstätigkeit zu (vgl. BGE 135 II 267). Diese Rechte gelten indes</span><br/> <span class="ft1">nicht uneingeschränkt. Sie dürfen durch Massnahmen, die aus Grün-</span><br/> <span class="ft1">den der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfer-</span><br/> <span class="ft1">tigt sind, eingeschränkt werden (Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA).</span><br/> <span class="ft1">Massgebend sind die Richtlinien 64/221/EWG, 72/194/EWG und</span><br/> <span class="ft1">75/35/EWG (Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA; die Richtlinien wurden in</span><br/> <span class="ft1">der neuen Richtlinie 2004/38 zusammengeführt, welche aber für das</span><br/> <span class="ft1">FZA vorderhand nicht massgeblich ist), welche diese Begriffe allge-</span><br/> <span class="ft1">mein umschreiben, sowie die vom EuGH dazu entwickelte Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung. Sind die in dieser Richtlinie festgelegten und von der</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung des EuGH weiterentwickelten Voraussetzungen er-</span><br/> <span class="ft1">füllt, können auch gegenüber EG-/EFTA-Staatsangehörigen und</span><br/> <span class="ft1">Drittstaatsangehörigen, die sich auf das FZA berufen können, Entfer-</span><br/> <span class="ft1">nungs- und Fernhaltemassnahmen nach den Bestimmungen des Aus-</span><br/> <span class="ft1">ländergesetzes ergriffen werden (Weisungen des Bundesamts für Mi-</span><br/> <span class="ft1">gration über die schrittweise Einführung des freien Personenver-</span><br/> <span class="ft1">kehrs, Version 01.06.09, Ziff. 12.1). Damit steht das FZA einer Ver-</span><br/> <span class="ft1">warnung des Einsprechers nicht grundsätzlich entgegen.</span><br/> <span class="ft1">2.2</span><br/> <span class="ft1">Sodann sind Massnahmen im Sinne der Richtlinie 64/221 EWG</span><br/> <span class="ft1">und damit im Sinne von Art. 5 Anhang I FZA nur Handlungen, die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Ausländerrecht</span> <span class="page_no">471</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">das Recht auf freie Einreise und Aufenthalt berühren (vgl.</span><br/> <span class="ft1">BGE 129 II 221), was bei einer Verwarnung gerade nicht der Fall ist.</span><br/> <span class="ft1">Ungeachtet der nationalen Rechtsnormen, welche für eine Verwar-</span><br/> <span class="ft1">nung nach Art. 96 Abs. 2 AuG erfüllt sein müssen, stellt diese nur die</span><br/> <span class="ft1">Androhung einer Massnahme dar. Sie ergeht, soweit eine Massnah-</span><br/> <span class="ft1">me selbst noch nicht verhältnismässig erscheint, sich aber abzeich-</span><br/> <span class="ft1">net, dass auch diese Voraussetzung erfüllt sein wird, wenn die betrof-</span><br/> <span class="ft1">fene Person ihr Verhalten nicht ändert (Benjamin Schindler in: Marti-</span><br/> <span class="ft1">na Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurnherr, Handkommentar</span><br/> <span class="ft1">zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern</span><br/> <span class="ft1">2010, Art. 96, Rz 19, S. 886). Die Verwarnung ist mithin keine Mass-</span><br/> <span class="ft1">nahme im Sinne des FZA. Soll zu einem späteren Zeitpunkt tat-</span><br/> <span class="ft1">sächlich in das Recht auf Einreise und Aufenthalt eingegriffen wer-</span><br/> <span class="ft1">den, wäre der Fall unter Zugrundelegung aller massgeblichen Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmungen des FZA eingehend zu prüfen.</span><br/></div> </div> </body> </html>