B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3315/2015 mel U r t e i l v o m 2 7 . J u l i 2 0 1 7 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. Parteien A.________, geboren am (…), und das Kind B.________, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration; BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des SEM vom 24. April 2015 / N (…). D-3315/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Aus den Akten geht hervor, dass der Vater der Beschwerdeführerin – C.________, ein Staatsangehöriger von Eritrea – am 15. April 2011 in der Schweiz um die Gewä hrung von Asyl nachsucht e. Noch während hängi- gem Asylgesuch teilte dieser dem BFM mit Schreiben vom (…) 2012 mit, seine Ehefrau und die vier gemeinsamen Kinder seien am (…) 2012 aus Eritrea geflohen, wobei das jüngste Kind ums Leben gekommen sei. Seine Ehefrau und drei Kinder befänden sich im Sudan. Mit Verfügung des BFM vom 2. April 2012 wurde der Vater der Beschwerdeführerin als Flüchtling anerkannt und ihm wurde Asyl in der Schweiz gewährt. B. Am 7. Mai 2012 liess der Vater der Beschwerdeführerin ein Gesuch um Familienzusammenführung im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG für seine Ehefrau D.________ und die Kinder A.________ (die Beschwerdeführe- rin), E.________ und F.________ stellen. In seiner Eingabe führte er unter anderem aus, die derzeitige Adresse seiner Ehefrau und Kinder laute G.________, Khartum, Sudan. Diesem Gesuch wurde innert Wochenfrist entsprochen, indem das BFM mit Verfügung vom 11. Mai 2012 die schwei- zerische Botschaft in Khartum anwies, den von C.________ benannten An- gehörigen Einreisevisa auszustellen. Mit Verfügung vom 12. Juni 2012 ent- sprach das BFM sodann einem Gesuch um Übernahme der Einreisekos- ten. C. Am 12. September 2012 reisten die Mutter und die zwei jüngeren Ge- schwister der Beschwerdeführerin vom Sudan in die Schweiz ein, jedoch nicht die Beschwerdeführerin. Zu diesem Umstand führte die Mutter im Rahmen ihres Asylverfahrens anlässlich der Befragung zur Person vom 20. September 2012 aus, ihre Tochter A._______ sei im Sudan verschleppt worden. Wie sie erst viel später erfahren habe, befinde sich ihre Tochter jetzt in Eritrea in Haft. Der Grund dafür sei ihr aber nicht bekannt. Auf Nach- frage hin führte die Mutter der Beschwerdeführerin im Weiteren aus, zur Entführung sei es im Flüchtlingslager Shagarab gekommen. Dort gebe es einen Staudamm und dort sei ihre Tochter zusammen mit einer Freundin verschleppt worden, als sie im Freien ihre Notdurft habe verrichten wollen. D. Am 18. Juli 2013 liess der Vater der Beschwerdeführerin das BFM über den für ihn zuständigen Sozialdienst darum ersuchen, die seiner Tochter D-3315/2015 Seite 3 A._______ gewährte Einreisebewilligung wieder zu aktivieren. Dabei führte er aus, seine Tochter habe nicht mit seiner Ehefrau und den beiden ande- ren Kindern in die Schweiz einreisen können, weil sie im Sudan durch das Militär von Eritrea in die Heimat zurückgeführt und dort inhaftiert worden sei. Nun habe seine Tochter Eritrea wieder verlassen und sie befinde sich in einem Flüchtlingslager in Äthiopien . Diesem Gesuch wurde entspro- chen, indem das SEM am 24. Oktober 2013 die ursprüngliche Einreisebe- willigung änderte und die schweizerische Botschaft in Addis Abeba anwies, der Beschwerdeführerin ein Einreisevisum zu erteilen. E. Im Rahmen ihres Asylverfahrens führte die Mutter der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung zu den Gesuchsgründen vom 22. Januar 2014 auf Nachfrage hin aus, ihre Tochter A._______ sei am Tag zuvor in die Schweiz eingereist, sie habe aber noch keine Zeit gehabt, um mit ihr über deren Probleme zu sprechen. A._______ habe aber viele schlimme Sachen über sich ergehen lassen müssen. An anderer Stelle wiederholte sie das Vor- bringen, A._______ sei im Sudan verschleppt worden . Weitere Angaben dazu machte sie nicht. F. Mit Verfügung des SEM vom 16. Oktober 2014 wurden die Mutter und die beiden jüngeren Geschwister der Beschwerdeführerin in das dem Vater der Beschwerdeführerin gewährte Asyl miteinbezogen (vgl. dazu Art. 51 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]). Im Rahmen dieses Entscheides hatte das Staatssek- retariat vorgängig die Gesuchsvorbringen der Mutter als überwiegend un- glaubhaft erkannt und festgestellt, sie und ihre beiden Kinder würden die Flüchtlingseigenschaft nicht originär erfüllen. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. G. Die damals noch minderjährige Beschwerdeführerin ersuchte am 21. Ja- nuar 201 4 um die Gewährung von Asyl in der Schweiz , worauf sie am 30. Januar 2014 vom BFM zu ihrer Person, zu ihrem Reiseweg und sum- marisch zu ihr en Gesuchsgründen befragt wurde (vgl. act. C5: Protokoll der Befragung zur Person). Anschliessend wurde sie für den weiteren Auf- enthalt während des Verfahrens dem Wohnkanton ihrer Eltern zugewiesen. Ein Jahr später, am 17. Februar 2015, wurde die mittlerweile volljährig ge- wordene Beschwerdeführerin vom SEM zu ihre n Gesuchsgründen ange- hört (vgl. act. C16: Protokoll der Anhörung). D-3315/2015 Seite 4 Im Rahmen der Befragung zur Person und der ein Jahr später erfolgten Anhörung brachte die Beschwerdeführerin vorab das Folgende vor: Sie habe ihre Kindheit überwiegend getrennt von ihrer Familie verbracht, in- dem sie bei ihren Grosseltern väterlicherseits in H._______ aufgewachsen sei, wo sie noch bis zu ihrer endgültigen Ausreise aus Eritrea am (…) 2013 gelebt habe. So habe sie ihren Vater, welcher Eritrea schon 2008 verlassen habe, letztmals 2006 gesehen, als er einen Urlaub vom Militärdienst gehabt habe. Auch ihre Mutter habe sie nur selten gesehen, da diese in I._______ gearbeitet habe. Sie sei in H._______ noch zur Schule gegangen, als ihr Vater der Familie von der Schweiz aus mitgeteilt habe, dass sie Eritrea verlassen sollten. In der Folge sei sie am (…) 2012 mit ihrer Mutter von Eritrea in den Sudan ausgereist . Nach ihrer Ankunft im Sudan hätten sie sich zuerst nach Kassala begeben, wo nach einer Woche Aufenthalt ihr jüngstes Geschwister an Malaria gestorben sei. Im (…) 2012 hätten sie sich von Kassala in das Flüchtlingslager Shagarab begeben. Dort sei sie zwei Wochen später mit einem anderen Mädchen aus dem Flüchtlingslager entführt und nach Eritrea zurückgebracht worden . Im Rahmen der Befra- gung zur Person gab sie in diesem Zusammenhang auf Nachfrage hin an, die Verschleppung habe im (…) 2012 stattgefunden, von wem sie ver- schleppt worden sei, wisse sie aber nicht, sie habe diese Personen nicht gekannt. Im Übrigen bestätigte die Beschwerdeführerin, dass sie bis (…) 2012 nie Probleme mit den heimatlichen Behörden gehabt habe. Zum weiteren Verlauf der Ereignisse führte die Beschwerdeführerin so- dann das Folgende aus: Schon am Tag nach ihrer Entführung aus Sha- garab sei sie von J._______ (eine eritreische Stadt, rund […] Kilometer östlich der sudanesischen Flüchtlingslager von Shagarab gelegen) zur (…) Polizeiwache in I._______ gebracht worden, wo sie während zwei Wo- chen in Haft gewesen sei. Danach sei sie nach K._______ gebracht wor- den, wo sie noch einen weiteren Monat respektive noch zwei weitere Wo- chen in Haft verbracht habe. Anschliessend sei sie nach L._______ verlegt worden, wo sie bis (…) 2012 festgehalten worden sei. Anschliessend sei sie von dort nach M._______ in die dreimonatige militärische Grundausbil- dung geschickt worden, welche sie zusammen mit rund 130 anderen Mäd- chen absolviert habe . Nachdem sie die Grundausbildung (…) beendet habe, habe ihr keine weitere Bestrafung mehr gedroht und sie sei als nor- male Soldatin zum Dienst in der Militärverwaltung an ihrem Heimatort H._______ eingeteilt worden. Dort habe sie in der Regel Büroarbeiten er- ledigt, gelegentlich habe sie auch vor dem Eingang der Militärverwaltung einige Stunden Wache stehen müssen. Wenn sie nachts Dienst gehabt D-3315/2015 Seite 5 habe oder auch auf Anweisung hin, habe sie in der Kaserne schlafen müs- sen. Ansonsten habe sie aber zuhause an ihrem bisherigen Wohnort bei ihrer Grossmutter schlafen können. Sie habe das Soldatinnen-Sein jedoch innerlich abgelehnt, weshalb sie nach (…) Monaten einen erneuten Ausrei- seversuch unternommen habe, respektive während dieser Zeit sei sie von ihren Eltern in der Schweiz dazu angehalten worden, sich für eine Kontakt- nahme durch einen Schlepper und eine anschliessende Ausreise bereitzu- halten. (…) 2013 sei sie vom Schlepper kontaktiert worden, worauf sie von N._______ auf dem Landweg einen erneuten Ausreiseversuch unternom- men habe. Bei diesem Versuch sei jedoch i hre Gruppe in der Nähe von O._______ aufgegriffen worden, worauf sie verhaftet und über P ._______, Q._______ und R._______ zu ihrer Einheit nach L._______ zurückge- bracht worden sei. In L._______ sei in der Folge von ihren militärischen Vorgesetzten entschieden worden, dass sie aufgrund ihres erneuten Fluchtversuches für zwei Jahre ins Gefängnis komme. Diese Anweisung habe sie mitunterschreiben müssen. Im Verlauf der folgenden Zeit habe sich jedoch ihr körperlicher und psychischer Gesundheitszustand zuneh- mend verschlechtert, bis ihr von ihrer Einheit eine Verlegung in eine Klinik erlaubt worden sei. Diese Erlaubnis sei von ihrem Vorgesetzten aber mit der Bedingung einer Bürgenstellung verknüpft worden. Ihre Grossmutter habe sich daher um einen Bürgen bemühen müssen, welchen sie schliess- lich in der Person eines Verwandten gefunden habe. Dieser sei Geschäfts- mann und habe für sie eine Bürgschaft über 50‘000 Nakfa akzeptiert, wo- rauf sie Ende (…) von ihrer Grossmutter ins Spital von H._______ habe gebracht werden dürfen. Sie sei jedoch nur drei Tage in diesem Spital ge- blieben und danach nach I._______ gegangen, wo sie von einem Verwand- ten abgeholt worden sei . Das Spital habe sie verlassen , da der behan- delnde Arzt ihre Erkrankung gegenüber der Grossmutter als nicht schwer taxiert habe und ihr von daher eine Rückkehr ins Gefängnis gedroht habe. Da sie aufgrund der gestellten Bürgschaft nicht bewacht worden sei, habe sie nicht etwa fliehen müssen, sondern sie habe das Spital einfach verlas- sen können. In der Folge habe sie sich bei Verwandten in I._______ res- pektive in S._______ (ein Vorort von I._______) versteckt gehalten, bis von ihren Eltern ein Fluchthelfer organisiert worden sei. Am (…) 2013 sei sie von I._______ nach J._______ gefahren, wo sie im Quartier T._______ den Fluchthelfer getroffen habe. Am (…) 2013 sei sie von diesem mit einer Gruppe in die Nähe von U._______ gebracht worden, von wo sie durch die Wüste und über den Fluss Mereb nach Äthiopien gelangt seien. Dort seien sie von den äthiopischen Behörden aufgegriffen und in ein Flüchtlingslager überstellt worden. D-3315/2015 Seite 6 Nach ihrer Ausreise sei ihr von ihrer Grossmutter berichtet worden, dass die Behörden von der Grossmutter die Bezahlung des Bürgschaftsbetra- ges und einer zusätzlichen Busse von 50‘000 Nakfa gefordert hätten. Ihre Grossmutter habe zunächst darauf hingewiesen, dass sie diesen Betrag nicht zahlen könne. Als die Behörden jedoch dem Bürgen mit dem Entzug seiner Geschäftslizenz gedroht hätten, sei die Zahlung von einem Ver- wandten in den USA finanziert worden. H. Die Vorinstanz lehnte mit Verfügung vom 24. April 2015 (eröffnet am 29. April 2015), das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab. Sie erfülle je- doch die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG (vgl. a.a.O., Ziff. 1 und 2 des Dispositivs), weshalb wegen derzeitiger Unzuläs- sigkeit des Wegweisungsvollzuges die Wegweisung nicht vollzogen, son- dern zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf geschoben werde (vgl. a.a.O., Ziff. 3 ff. des Dispositivs) . Zur Begründung dieses Entscheides führte das SEM zur Hauptsache aus, die Vorbringen der Beschwerdefüh- rerin über ihre angebliche Entführung aus dem Sudan und die angeblich erlittene Rückschaffung nach Eritrea, über die angeblich in Eritrea erlittene Haft und insbesondere über die angeblich durchlebte militärische Grund- ausbildung und schliesslich über ihre angebliche Flucht aus einer Klinik seien unglaubhaft. In dieser Hinsicht sei aufgrund von Widersprüchen und mangels hinreichender Substanziierung von einem Sachverhaltskonstrukt auszugehen, womit die Gesuchsv orbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand hielten. Auf der anderen Seite gelangte das SEM zum Schluss, die Beschwerdeführerin habe auf- grund der im (…) 2012 mit ihrer Mutter und i hren Geschwistern erfolgten, illegalen Ausreise aus Eritrea begründete Furcht, im Falle einer Rückkehr in die Heimat ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft erfülle. Da sie die Flüchtlingseigenschaft einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise und damit nur aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe erfülle, sei sie nach Art. 54 AsylG von einer Asylgewährung auszuschliessen, jedoch als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Auf die Ents cheidbegründung wird weiter – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan- gen. I. Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 21. Mai 2015 – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – Beschwerde, wobei sie in ihrer D-3315/2015 Seite 7 Eingabe zur Hauptsache die Gewährung von Asyl beantragte und in pro- zessualer Hinsicht um Erlass der Verfahrenskosten sowie um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht ersuchte. Im Rahmen ihrer Beschwerdebe- gründung machte sie geltend, vom SE M sei in Verletzung des Untersu- chungsgrundsatzes keine Gesamtwürdigung der für und gegen sie spre- chenden Sachverhaltsmomente vorgenommen worden, sondern es seien vom Staatssekretariat in unzulässiger Weise alle Glaubwürdigkeitsele- mente ihres Sachverhaltsvortrages ausgeklammert worden. Gleichzeitig stütze das SEM seinen Schluss betreffend die Unglaubhaftigkeit ihrer Vor- bringen tatsächlich auf einen einzigen Punkt, nämlich den Umstand, dass sie im Rahmen der Befragung zur Person vorgebracht habe, sie habe in K._______ vier Wochen im Gefängnis verbracht, obwohl es tatsächlich nur zwei Wochen gewesen seien, wie von ihr im Rahmen der Anhörung erklärt und bestätigt. Mit Ausnahme dieses Punktes seien jedoch ihre Angaben und Ausführungen anlässlich der Befragung und im Rahmen der Anhörung widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar ausgefallen und von daher sehr wohl glaubhaft. Schliesslich seien allfällige Missverständnisse aus der Befragung im Rahmen der Anhörung ausgeräumt worden, was als solches dem Sinn und Zweck der Anhöru ng entspreche. Mit der Beschwerde reichte die Beschwerdeführerin als neues Beweismittel im Original und in- klusive Übersetzung eine Quittung über einen Betrag von 50‘000 Nakfa datierend vom (…) 2013 ein, zusammen mit dem Originalbeleg einer inter- nationalen Kuriersendung von Eritrea in die Schweiz vom (…) 2015. Dazu führte sie im Wesentlichen aus, mit dieser Quittung sei belegt, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise dem Verteidigungsministerium unterstanden habe, sie in Haft gewesen sei und der von ihr bezeich nete Bürge eine Zahlung an ihre Militäreinheit habe leisten müssen. Im Rahmen ihrer weiteren Aus- führungen erklärte die Beschwerdeführerin ihre Sachverhaltsschilderun- gen nicht nur als glaubhaft, sondern auch als asylrelevant. Auf die diesbe- züglichen Vorbringen wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Er- wägungen zurückgekommen. J. Mit Zwischenverfügung vom 4. Juni 2015 wurde dem Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) entsprochen, auf das Erheben eines Kostenvorschusses (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) an- tragsgemäss verzichtet und das SEM zum Schriftenwechsel eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG). D-3315/2015 Seite 8 K. In ihrer Vernehmlassung vom 24. Juni 2015 hielt die Vorinstanz an der an- gefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwer- de. Dabei hielt das SEM im Wesentlichen dafür, von der Beschwerdefüh- rerin sei nicht schlüssig erklärt worden, weshalb sie im Rahmen der Anhö- rung wesentlich abweichende Angaben von ihren Angaben im Rahmen der Befragung zur Person gemacht habe. In der angefochtenen Verfügung sei zudem ausführlich begründet worden, weshalb die Vorbringen der Be- schwerdeführerin über ihre angebliche Rückführung nach Eritrea und die damit verbundene geltend gemachte Verfolgung nicht glaubhaft sei. Abge- sehen davon habe die Beschwerdeführerin nie geltend gemacht, vor ihrer Ausreise im (…) 2012 jemals ein Aufgebot für den Militärdienst erhalten oder in direktem Kontakt mit den eritreischen Behörden gestanden zu ha- ben. Zu der mit der Beschwerde vorgelegten Kopie einer Zahlungsquittung (recte: Original) sei schliesslich festzuhalten, dass dem Staatssekretariat keine Fälle bekannt seien, in welchen für die Bezahlung des Bussgeldes respektive der Kaution von 50‘000 Nakfa ein Beleg durch die eritreischen Behörden ausgestellt worden wäre. L. In ihrer Replikeingabe vom 13. Juli 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Beschwerdevorbringen vollumfänglich fest. Den vorinstanzlichen Ausführungen zu dem von ihr vorgelegten Beweismittel hielt sie entgegen, dem SEM sollte aus anderen Verfahren sehr wohl bekannt sein, dass von den eritreischen Behörden entsprechende Zahlungsquittungen ausgestellt würden. M. Am (…) 2016 gebar die Beschwerdeführerin in V._______ (Kanton W._______) das Kind B.________. N. Am 16. November 2016 entsprach das SEM einem Gesuch der Beschwer- deführerin um Bewilligung eines Wechsels vom Kanton X._______ in den Kanton W._______ im Sinne des Familiennachzuges zu ihrem Partner und dem Vater ihres Kindes. D-3315/2015 Seite 9 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie- gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG). 1.3 Im Geltungsbereich des Asylgesetzes kann mit Beschwerde die Verlet- zung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4 Auf die frist- und formgerechte Eingabe der legitimierten Beschwerde- führerin ist einzutreten (vgl. Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs.1 VwVG). 1.5 Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist allein die Frage, ob die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft bereits im Zeitpunkt der Ausreise erfüllte, beziehungsweise, ob die geltend gemachten Prob- leme mit den heimatlichen Behörden glaubhaft und als asylrechtlich rele- vant zu qualifizieren sind. 1.6 Das in der Schweiz geborene Kind der Beschwerdeführerin ist in das vorliegende Verfahren miteinzubeziehen. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Fl üchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). D-3315/2015 Seite 10 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehen- den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefäls chte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. In der Beschwerdeschrift wird zunächst gerügt, das SEM habe seine Un- tersuchungspflicht sowie die Begründungspflicht verletzt, indem einerseits anlässlich der Befragung der Sachverhalt nicht genügend erforscht worden sei und andererseits, in der Begründung der Verfügung nicht genügend auf Elemente eingegangen worden sei, die für die Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen sprechen würden. Diese Rügen finden keine Stütze, zumal der Be- schwerdeführerin anlässlich der Befragung genügend Gelegenheit gebo- ten worden war, ihre Fluchtgründe darzulegen. Hinweise darauf, dass nicht genügend nachgefragt wurde, finden sich keine. Auch in der Verfügung fin- det eine genügende Auseinandersetzung mit den Vorbringen d er Be- schwerdeführerin statt, zumal auf die wesentlichen Aspekte ihrer Fluchtge- schichte eingegangen wurde. 4. 4.1 Im Rahmen der angefochtenen Verfügung gelangt das SEM zum Schluss, aufgrund von Widersprüchen in den aktenkundigen Angaben und mangels hinreichen der Substanziierung der Gesuchsvorbringen sei der Sachverhaltsvortrag der Beschwerdeführerin als Konstrukt zu erkennen. Zur Stützung dieses Schlusses verweist das Staatssekretariat zunächst D-3315/2015 Seite 11 auf die Eingabe von C.________ vom (…) 2012 (vgl. oben, Bst. A) , laut welcher sich die Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt bereits in Khar- tum und nicht etwa in einem Flüchtlingslager befunden habe. Von daher beständen erste Zweifel an den Angaben der Beschwerdeführerin und diese würden durch einen weiteren Widerspruch verstärkt, nämlich den Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin betreffend die Dauer der gel- tend gemachten Haft in K._______ widersprochen habe, indem sie anläss- lich der Befragung zur Person von einem Monat und ihm Rahmen der An- hörung von lediglich zwei Wochen berichtet habe. Diesen Widerspruch habe sie im Rahmen der Anhörung nicht überzeugend erklären können. Ausschlaggebend sei indes, dass die Beschwerdeführerin die behauptete Rückführung aus dem Sudan nach Eritrea, die beiden geltend gemachten Inhaftierungen, die absolvierte militärische G rundausbildung und ihre an- gebliche Flucht aus der Klinik (…) 2013 nicht habe überzeugend schildern können. Zu detaillier ten, nachvollziehbaren und somit substanziierten Schilderungen sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen, son- dern bloss zu stereotypen Angaben ohne Detail- und persönlichem Erinne- rungsreichtum. So habe sie auf Frage hin weder ihre Entführer benen nen können noch nähere Angaben zu den Umständen ihrer verschiedenen Haftzeiten machen können. Auch zur militärischen Grundausbildung in M._______ habe sie keine substanziierten Angaben gemacht, indem sie weder den Inhalt der Ausbildung noch ihre spätere Einteilung habe plausi- bel benennen können. Genauer als mit KS (…) habe sie ihre Einheit nicht bezeichnen können. Ebenso habe sie ihre Funktion als „Wache“ nicht be- schreiben können. Letztlich nicht nachvollziehbar seien die Gründe, wes- halb man die Beschwerdeführerin (…) 2013 in einen Klinik gebracht habe, von wo ihr schliesslich die Flucht gelungen sei. Diese Ausführungen und Schlüsse werden von der Beschwerdeführerin im Rahmen der Beschwerde unter Hinweis auf ihre detaillierten Angaben und Ausführungen anlässlich der Befragung zur Person und im Rahmen der Anhörung als nicht haltbar erklärt. Verwiesen wird auch auf das Original einer angeblichen Zahlungsquittung aus der Heimat, womit die vorge- brachte Stellung eines Bürgen zur Ermöglichung des Spitalbesuchs belegt sei. 4.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge- gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder D-3315/2015 Seite 12 nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent- liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick- sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesent- lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilde rung der dargelegten Vor- kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte- nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrekt heit, Originalität, hinrei- chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch- lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei- lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele- mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub- stanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist ein e Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor- bringen zwar möglich ist, aber in Wür digung der gesamten Aspekte we- sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver- haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5. 5.1 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin insgesamt nicht gelungen ist, eine asylrechtlich relevante Verfolgungssitu- ation im Zeitpunkt der Ausreise, mithin das angeblich ausreiserelevante Grundereignis – den Militärdienst und die vorgebrachte Desertion – glaub- haft zu machen. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin wirken weitge- hend konstruiert und es ergibt sich nicht der Eindruck, die Beschwerdefüh- rer habe die wesentlichen Ereignisse, insbesondere die Einberufung in den Militärdienst, die Bestrafung im Rahmen des Dienstes und die Desertion, in der von ihr vorgebrachten Art und Weise selbst erlebt. 5.2 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sie nicht in der Lage war, die angebliche Entführung aus dem Flüchtlingslager Shagarab substanziiert zu schildern. Die entsprechenden Erzählungen erfolgen äusserst detailarm und ohne jegliche Realkennzeichen oder Gefühlsregungen. Es ist sich im- merhin vor Augen zu führen, dass die damals (…)-jährige Beschwerdefüh- rerin angeblich zusammen mit ihrer Familie auf die Ausreise in die Schweiz wartete, die unmittelbar bevorstand. So waren zu diesem Zeitpunkt die Ausreisevisa bereits ausgestellt. Eine Entführung der eritreischen Sicher- heitskräfte aus dem Flüchtlingslager stellt ein derart einschneidendes Er-D-3315/2015 Seite 13 eignis dar, dass dies von der Beschwerdeführerin hätte eingehend geschil- dert werden müssen. Dies umso mehr, als ihr in Eritrea ernsthafte Nach- teile drohen mussten, wäre sie tatsächlich im Sudan aufgegriffen worden. Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass dieses Vorbringen realen Er- lebnissen entspricht. Der Vortrag zu ihrer Entführung und den anschlies- senden Haftorten mit genauen Zeit - und Datumsangaben macht vielmehr den Eindruck, die entsprechenden Vorbringen seien erlernt worden. Hinzu kommt, dass der Vater den Aufenthaltsort der Familie anders darstellte und die diesbezüglichen Ausführungen in der Beschwerde nicht zu überzeugen vermögen. Hinzu kommt, dass nicht recht nachvollziehbar ist, weshalb sich die Familie von ihrem wochenlangen Aufenthaltsort in Kassala bei Ver- wandten (…) nach Shagarab begeben haben soll, obwohl zu diesem Zeit- punkt die Einreisebewilligung in die Schweiz bereits erteilt worden war. Da die Entführung der Ausgangspunkt ihrer weiteren Fluchtgründe im Zusam- menhang mit dem angeblich geleisteten Nationaldienst war, sind diese ers- ten Zweifel entsprechend gewichtig. 5.3 Vor allem aber fällt in Bezug auf die Berichte bezüglich des Einzugs in den Militärdienst auf, dass die Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar darlegen kann, worin ihre militärische Ausbildung bestanden ha ben soll und womit sie im Anschluss an diese Ausbildung in der Verwaltung be- schäftigt gewesen sei. Zur angeblichen militärischen Ausbildung führt sie einzig aus, sie habe dort körperliches Training erhalten und den Richtungs- wechsel mit Gam-Fit und Man-Fit erlernt. Sonst hätten sie nichts gelernt . Auch die Beschreibung des angeblichen Tagesablaufs erscheint äusserst stereotyp. Insgesamt ergeben sich nicht genügend Details oder Realkenn- zeichen, um von einem tatsächlichen Erlebnis ausgehen zu können. Die Benennung der Einheit als KS (…) (Enda …) wirft ebenso gewisse Fragen auf. Auf ihre anschliessende Tätigkeit für die Militärverwaltung angespro- chen, gibt sie an, sie sei im Büro gewesen und habe die Liste geschrieben, über die Leute, die geflohen waren und das Land illegal verlassen hatten. Manchmal sei sie auch als Wächterin vor dem Ausgang eingeteilt worden. Diese Beschreibung ist ausgesprochen substanzarm, wenn man bedenkt, dass sie die entsprechenden Aufgaben während (…) Monaten ausgeführt haben will. Weder ihre Motivation für einen erneuten Ausreiseversuch noch deren Organisation vermag sie sodann nachvollziehbar darzulegen, ob- wohl sie sich der Gefahr, die sich daraus ergab, offensichtlich hätte be- wusst sein müssen. So habe ihr der Schlepper gesagt, sie müsse nach N._______ kommen, was für eine Soldatin im Dienst in H._______ bereits verboten sein dürfte. Wie sie dorthin gelangt sei, erwähnt sie jedoch mit D-3315/2015 Seite 14 keinem Wort. Das gleiche gilt für die Reise nach J._______ nach ihrer De- sertion. Insbesondere auch die Aussage, sie habe innerlich nicht akzeptiert Soldatin zu sein, widerspricht dem späteren Vorbringen, sie habe eigentlich ihr letztes Schuljahr in Sawa absolvieren wollen, um dann zu sehen, w ie es weitergehe. Schliesslich erscheinen auch die Schilderung en der Haft- bedingungen äusserst rudimentär, so sei das Schlimmste gewesen, was sie erlebt habe, dass sie stets zur Eile angetrieben worden seien und es überall schmutzig gewesen sei. Diese Darstellung vermag sich kaum mit den Berichten von Haftanstalten in Eritrea in Einklang zu bringen. So ver- mag auch nicht zu überzeugen, dass die Beschwerdeführerin allein wegen ihres schlechten psychischen Zustandes, sie habe dauernd geweint, aus dem Gefängnis in eine Klinik überwiesen worden sei, wo sodann innert weniger Tage festgestellt worden sei, die Situation sei nicht sehr schlimm und sie müsse zurück ins Gefängnis. Bereits dieser Ablauf der Ereignisse ist äusserst zweifelhaft und dies wird auch darin bestätigt, dass die Be- schwerdeführer angibt, in der Folge nicht bewacht worden zu sein und ein- fach die Klinik verlassen zu haben . Insgesamt kann damit nicht geglaubt werden, die Beschwerdeführerin sei im Zeitpunkt der Ausreise im Militär- dienst gestanden und in der dargelegten Art und Weise desertiert. 5.4 Zwar ist mit der B eschwerdeführerin darin einig zu gehen, dass ihre Darlegungen bezüglich der angeblich erlittenen Haft in zeitlicher und örtli- cher Hinsicht kaum wesentliche Widersprüche aufweisen, was angesichts der vielen Einzelereignisse bemerkenswert scheint. Ausserdem lassen sich die Angaben mit den geographischen Gegebenheiten vor Ort in Ein- klang bringen. Solche Abläufe können aber ohne weiteres erlernt werden, weshalb allein diese Übereinstimmung noch nicht zur Glaubhaftigkeit zu führen vermag. Auch ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin auf Nachfrage hin zu einzelnen Detailbeschreibungen in der Lage war. So hat sie beispielsweise berichtet, wann und wo während der Haft Verwandten- besuche möglich waren und an welchen Orten die Häftlinge beispielsweise für die Verwaltung Dienste wie Kochen verrichten mussten. Diesbezüglich ist aber darauf hinzuweisen, dass solche Berichte nicht überprüft werden können und im Übrigen in Eritrea häufig gehört worden sein dürften, wes- halb die Nacherzählung einzelner Details möglich erscheint. 5.5 Nach Abwägung der Elemente, die für die Glaubhaftigkeit sprechen und denjenigen, die dagegen sprechen ist i nsgesamt mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass die Beschwerdeführerin die wesentlichen Flucht- gründe in der vorgebrachten Form nicht glaubhaft machen konnte. Es kann ihr damit nicht geglaubt werden, dass die Entführung aus dem Sudan, der D-3315/2015 Seite 15 anschliessende Einzug in den Nationaldienst und die Flucht aus der Klinik im Sinne einer Desertion den Tatsachen entsprechen. Damit kann nicht von einer asylrechtlich relevanten Verfolgungssituation im Zeitpunkt der Aus- reise ausgegangen werden. 5.6 An dieser Qualifikation vermag auch die eingereichte angebliche Zah- lungsquittung der eritreischen Militärverwaltungsbehörden nichts zu än- dern. Zunächst kann deren Echtheit nicht überprüft werden, zumal in Über- einstimmung mit der Vorinstanz festzustellen ist, dass solche Bestätigun- gen nicht regelmässig eingereicht werden. Diese Bestätigung erstaunt aber vorliegend insbesondere auch deshalb, weil es das einzige Dokument ist, dass die Beschwerdeführerin in der Lage war vorzulegen. Andere Do- kumente, wie Passierscheine oder Zuteilung in die Verwaltungseinheit, oder anderes, das in irgendeiner Weise mit einem Militärdienst in Verbin- dung gebracht werden könnte, ve rmag sie hingegen nicht vorzulegen. Auch dieses Beweismittel vermag daher insgesamt die Unglaubhaftigkeit- selemente in Bezug auf den Einzug in den Militärdienst sowie die geltend gemachte Desertion aus dem Nationaldienst nicht aufzuwiegen (Art. 33 Abs. 1 VwVG). 6. Nach dem Gesagten ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, den Kern ihrer Vorfluchtgründe glaubhaft zu machen und die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. Die von der Vori nstanz festgestellte Flüchtlingseigenschaft ist nicht Prozessgegenstand. 7. 7.1 Nach der Ablehnung des Asylgesuches hat das SEM zu Recht auch die Wegweisung aus der Schweiz verfügt (Art. 44 [erster Satz] AsylG; vgl. fer- ner BVGE 2013/37 E. 4.4 m.w.H.). 7.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zum utbar oder nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.3 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 24. April 2015 die vorläu- fige Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz als Flüchtling ange- ordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zuläs- sigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. Die vor- läufige Aufnahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in Kraft. D-3315/2015 Seite 16 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist da- her abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde- führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem ihr Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung mit Verfügung vom 4. Juni 2015 gutgeheissen wurde und den Akten keine Hinweise auf ein e Verän- derung der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist von einer Kos- tenauflage abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) D-3315/2015 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer Versand: