<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2005.00586</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=205685&amp;W10_KEY=13013562&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2005.00586</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 01.03.2006</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Aufenthaltsbewilligung (Familiennachzug)</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Der beantragte Nachzug der fast 16-jährigen Tochter, die zu ihrem Vater eine vorrangige familiäre Beziehung unterhält und deren Mutter sich weigert, sie weiterhin zu betreuen, wird gutgeheissen. Für das Zuwarten von sechs Jahren bis zur Gesuchstellung bestehen nachvollziehbare Gründe. Erhebliche Integrationsprobleme sind nicht zu erwarten, da die Tochter bis zu ihrem 6. Lebensjahr in der Schweiz gelebt und danach jeweils fünf Monate im Jahr bei ihrem Vater in der Schweiz verbracht hat und deutsch spricht. Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FAMILIENNACHZUG">FAMILIENNACHZUG</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESCHIEDEN">GESCHIEDEN</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: NOTWENDIGKEIT DES NACHZUGS">NOTWENDIGKEIT DES NACHZUGS</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHWEIZER ELTERNTEIL">SCHWEIZER ELTERNTEIL</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VORRANGIGKEIT">VORRANGIGKEIT</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 17 Abs. II ANAG</span><br/><span class="gerade">Art. 13 BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 8 EMRK</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><span>A, geboren 1944, ursprÃ¼nglich tÃ¼rkischer StaatsangehÃ¶riger, hÃ¤lt sich seit 1967 als Journalist und Verlagsvertreter einer tÃ¼rkischen Zeitung in der Schweiz auf. Seit dem 18. Juni 2002 besitzt er die Schweizer StaatsbÃ¼rgerschaft. </span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Im MÃ¤rz 1988 heiratete er die ebenfalls aus der TÃ¼rkei stammende D und lebte mit ihr in der Schweiz in ehelicher Gemeinschaft. Aus dieser Ehe ging eine Tochter, B, geboren 1991 in X, hervor. Am 1. September 1997 kehrte die Ehefrau und Mutter zusammen mit B in die TÃ¼rkei zurÃ¼ck.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Die Ehe wurde am 25. Dezember 2002 geschieden und das Sorgerecht fÃ¼r die Tochter dem Vater zugesprochen.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>Am 10. Dezember 2003 stellte A bei der Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit (Migra­tionsamt) das Gesuch um Nachzug seiner Tochter B. Die Direktion wies das Gesuch am 18. Mai 2004 ab. </span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>II. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Einen dagegen eingereichten Rekurs wies der Regierungsrat am 9. November 2005 ab; im Wesentlichen mit der BegrÃ¼ndung, es fehle an der Notwendigkeit eines Nachzugs. </span></p> <p class="Sachverhalt1"><b><span>III. </span></b><span> </span></p> <p class="Urteilstext"><span>Dagegen erhob A am 13. Dezember 2005 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragte, der Entscheid des Regierungsrats sei aufzuheben und die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit sei anzuweisen, B die Einreise in die Schweiz zum Verbleib bei ihrem Vater zu bewilligen; unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen fÃ¼r das vorinstanzliche und das verwaltungsgerichtliche Verfahren.</span></p> <p class="Sachverhalt2"><span>WÃ¤hrend sich die beschwerdebeklagte Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit nicht vernehmen liess, beantragte die Staatskanzlei namens des Regierungsrats dem Verwaltungsgericht, die Beschwerde sei abzuweisen.</span></p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>GestÃ¼tzt auf § 43 Abs. 1 lit. h in Verbindung mit Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) ist die Beschwerde an das Verwaltungsgericht auf dem Gebiet der Fremdenpolizei zulÃ¤ssig, soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offen steht. Dies trifft zu fÃ¼r Entscheide Ã¼ber Aufenthalts- und Nieder­lassungsbewilligungen, auf deren Erteilung der oder die auslÃ¤ndische StaatsangehÃ¶rige einen bundes- oder vÃ¶lkerrechtlichen Anspruch hat (Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943; BGE 128 II 145 E. 1.1.1). </p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Nach Art. 4 des Bundesgesetzes Ã¼ber Aufenthalt und Niederlassung der AuslÃ¤nder vom 26. MÃ¤rz 1931 (ANAG) entscheidet die BehÃ¶rde im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und der VertrÃ¤ge mit dem Ausland nach freiem Ermessen Ã¼ber die Bewilligung von Niederlassung und Aufenthalt. Die auslÃ¤ndische Person hat somit keinen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz, sofern sie sich nicht auf eine Sondernorm des Landesrechts oder eines Staatsvertrags stÃ¼tzen kann. </p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Im schweizerischen Recht besteht keine Bestimmung, welche garantiert, dass hier lebende schweizerische Elternteile ihre im Ausland lebenden Kinder mit auslÃ¤ndischer StaatsangehÃ¶rigkeit zu sich nachziehen kÃ¶nnen. Indessen ist der fÃ¼r niedergelassene auslÃ¤ndische Personen geltende Rechtsanspruch von Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG analog fÃ¼r FamiliennachzugsfÃ¤lle auslÃ¤ndischer Kinder von schweizerischen StaatsangehÃ¶rigen anwendbar erklÃ¤rt worden (BGE 118 Ib 156 E. 1b). Nach dieser Vorschrift haben ledige Kinder unter 18 Jahren grundsÃ¤tzlich Anspruch auf Einbezug in die Niederlassungsbewilligung, wenn sie mit ihren Eltern zusammenwohnen. Damit besteht fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer, welcher schweizerischer StaatsangehÃ¶riger ist, grundsÃ¤tzlich ein Rechtsanspruch gestÃ¼tzt auf Art. 17 Abs. 2 ANAG. Weil nach der Rechtsprechung (BGE 129 II 11 E. 2) fÃ¼r die Altersgrenze auf den Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs abzustellen ist, und in diesem Zeitpunkt, 10. Dezember 2003, die Tochter noch nicht volljÃ¤hrig war, fÃ¼hrt diese Rechtslage dazu, dass das Verwaltungsgericht auf die Beschwerde einzutreten hat. Ob sich der grundsÃ¤tzlich mÃ¶gliche Rechtsanspruch aufgrund der konkreten UmstÃ¤nde durchsetzen lÃ¤sst, ist dabei Gegenstand der nachfolgenden materiellen ErwÃ¤gungen (BGE 128 II 145 E. 1.1.5).</p> <p class="Erwgung2"><b>1.4 </b>Bei dieser Gelegenheit wird das Gericht auch die BeschwerdeantrÃ¤ge gestÃ¼tzt auf die Anspruchsgrundlagen von Art. 8 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention vom 4. November 1950 (EMRK) sowie Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) zu Ã¼berprÃ¼fen haben, da die Tochter des BeschwerdefÃ¼hrers auch heute noch nicht volljÃ¤hrig ist (BGE 129 II 11 E. 2). Beide Normen gewÃ¤hrleisten die Achtung des Privat- und Familienlebens und kÃ¶nnen bewirken, dass die Verweigerung einer Anwesenheitsbewilligung in der Schweiz sich als konventions- oder verfassungswidrig erweist. </p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>2.1 </b>Zweck des Familiennachzugs gemÃ¤ss Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG ist es, das familiÃ¤re Zusammenleben zu ermÃ¶glichen. Der Nachzug von gemeinsamen minderjÃ¤hrigen Kindern durch beide niedergelassenen Elternteile zusammen ist dabei grundsÃ¤tzlich jederzeit zulÃ¤ssig, vorbehalten bleibt einzig das Rechtsmissbrauchsverbot (BGE 129 II 11 E. 3.1.2). Sind die Eltern hingegen voneinander getrennt oder geschieden und hÃ¤lt sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere im Ausland auf, kann es nicht um eine ZusammenfÃ¼hrung der Gesamtfamilie gehen. In solchen FÃ¤llen besteht kein bedingungsloser Anspruch auf Nachzug der Kinder und ist Art. 17 Abs. 2 ANAG gemÃ¤ss Rechtsprechung des Bundesgerichts nur analog anwendbar (BGE 125 II 585 E. 2c). Unter BerÃ¼cksichtigung nicht nur des Wunschs des nachzugswilligen Elternteils, sondern auch des Kindswohls, bedarf es diesfalls einer vorrangigen familiÃ¤ren Beziehung der Kinder zum in der Schweiz lebenden Elternteil. Insgesamt muss die WÃ¼rdigung der gesamten UmstÃ¤nde zum Schluss fÃ¼hren, dass die nachzuziehenden Kinder zum hier lebenden Elternteil in engerer Beziehung stehen. Bei der Beurteilung der vorrangigen familiÃ¤ren Beziehung sind nicht nur die Beziehungen der Kinder zum in der Heimat verbliebenen Elternteil massgebend, sondern sind auch ihre Beziehungen zu weiteren Betreuungspersonen in Betracht zu ziehen (BGE 125 II 585 E. 2a und c; BGE 129 II 11 E. 3.1). Dabei stellt die (zivilrechtliche) Regelung des Sorgerechts nur ein Indiz, nicht jedoch das alleinige Kriterium dar. In diesem Sinn ist in erster Linie auf die bisherigen BetreuungsverhÃ¤ltnisse abzustellen. </p> <p class="Erwgung2">Neben der vorrangigen Beziehung ist zusÃ¤tzlich erforderlich, dass sich der Familiennachzug zur Pflege dieser Beziehung und im Hinblick auf die BetreuungsbedÃ¼rftigkeit des Kindes als notwendig erweist. Dabei sind insbesondere die bisherigen BetreuungsverhÃ¤ltnisse und diesbezÃ¼glich eingetretene Ãnderungen zu berÃ¼cksichtigen. Die stichhaltigen GrÃ¼nde fÃ¼r eine Ãnderung der Betreuungssituation dÃ¼rfen nicht leichthin bejaht werden, sind doch an den Nachweis der fehlenden BetreuungsmÃ¶glichkeiten in der Heimat umso hÃ¶here Anforderungen zu stellen, je Ã¤lter das Kind ist beziehungsweise je grÃ¶sser die ihm in der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten sind (BGE 129 II 11 E. 3.3.2; BGr, 19. April 2005, 2A.111/2005, E. 1.2, www.bger.ch). </p> <p class="Erwgung2"><b>2.2 </b>Die Verweigerung des Familiennachzugs lÃ¤sst sich jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprÃ¼nglich selbst freiwillig herbeigefÃ¼hrt worden ist, fÃ¼r die Ãnderung der bisherigen VerhÃ¤ltnisse keine Ã¼berwiegenden familiÃ¤ren Interessen bestehen beziehungsweise sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die FortfÃ¼hrung und Pflege der bisherigen familiÃ¤ren Beziehungen nicht behÃ¶rdlich verhindert wird (BGE 129 II 249 E. 2.1). Das Alter der nachzuziehenden Kinder ist insofern zu beachten, als sich die Frage des Nachzugs eines freiwillig im Heimatland zurÃ¼ckgelassenen und jahrelang dort gebliebenen Kindes zum allein in der Schweiz lebenden Elternteil letztlich nur dann Ã¼berhaupt ernsthaft stellen kann, wenn es zum Zeitpunkt der Gesuchstellung noch lÃ¤ngst nicht 18 Jahre alt ist (BGr, 19. April 2005, 2A.111/2005, E. 1.2, www.bger.ch).</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Der Regierungsrat hat befunden, dass es vorliegend an beweiskrÃ¤ftigen Anhaltspunkten dafÃ¼r fehle, dass das Kindeswohl gefÃ¤hrdet sei, wenn B weiterhin in der TÃ¼rkei bei ihrer Mutter verbleibe. Insbesondere ergebe sich aus dem Scheidungsurteil nicht, weshalb dem BeschwerdefÃ¼hrer das Sorgerecht zugeteilt worden sei. Die Mutter habe zwar einen neuen Partner, welcher B nicht wolle und auch von B nicht akzeptiert werde. Doch habe die Mutter ebenfalls ausgesagt, es bestehe ein normales Mutter-Kind-VerhÃ¤ltnis. Das sehr enge VerhÃ¤ltnis zwischen Vater und Tochter und der Umstand, dass die Mutter sehr positiv zur Ãbersiedlung von B zu ihrem Vater stehe, sowie auch die Angaben von B, wonach sie ihrem Vater nÃ¤her stehe und lieber bei ihm leben wÃ¼rde, seien als rechtsgenÃ¼glicher Nachweis einer Notwendigkeit im Sinne der Rechtsprechung fÃ¼r eine Umgestaltung der BetreuungsverhÃ¤ltnisse nicht geeignet. Es fehle zudem an einer sachlich nachvollziehbaren BegrÃ¼ndung, weshalb das Gesuch nicht frÃ¼her gestellt worden sei oder der Vater sich in den 90er Jahren nicht darum bemÃ¼ht habe, dass die Niederlassungsbewilligung seiner Tochter nicht erlÃ¶sche. Schliesslich kÃ¶nne B den Vater weiterhin in der Schweiz besuchen beziehungsweise der Vater seine Tochter in der TÃ¼rkei.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>In der Beschwerde wird bestritten, dass der tÃ¼rkische Sorgerechtsentscheid gegen das Kindeswohl getroffen worden sei. Die Eltern von B hÃ¤tten sich darauf geeinigt, dass das Sorgerecht dem Vater zugeteilt werden solle. Unter diesen UmstÃ¤nden habe sich eine BegrÃ¼ndung durch das Gericht erÃ¼brigt. Da B mit ihrem Vater leben wolle, sei dem Kindeswohl entsprochen worden. Denn sowohl gemÃ¤ss Art. 12 Abs. 1 des Ãbereinkommens Ã¼ber die Rechte der Kinder vom 20. November 1989 (UNO-Kinderrechtskonvention, KRK) als auch nach schweizerischem Recht seien die WÃ¼nsche der Kinder zu beachten, soweit keine dagegen sprechenden Anhaltspunkte vorliegen wÃ¼rden. Diese seien vorliegend nicht ersichtlich, da das VerhÃ¤ltnis zwischen Tochter und Vater insbesondere wegen der jÃ¤hrlichen mehrmonatigen gegenseitigen Besuche sehr eng sei und der BeschwerdefÃ¼hrer von Nachbarn und Lehrpersonen seiner Tochter in der Schweiz als liebevoller und respektvoller Vater beschrieben werde. Sodann wird geltend gemacht, dass sich die BetreuungsverhÃ¤ltnisse von B in der TÃ¼rkei seit dem Regierungsratsentscheid erheblich verschlechtert hÃ¤tten, indem die Mutter B nicht mehr betreuen wolle und B deshalb provisorisch bei einer Tante leben mÃ¼sse. Sie habe deshalb auch nicht wieder in ihre bisherige Schule zurÃ¼ckkehren kÃ¶nnen. Aus diesen GrÃ¼nden sei die Integrationsproblematik in der TÃ¼rkei als grÃ¶sser zu gewichten als diejenige in der Schweiz bei dem ihr sehr verbundenen Vater, wo sie ihre ersten knapp sieben Lebensjahre und danach alle Schulferien verbracht habe. B kÃ¶nne gut deutsch und habe in der Nachbarschaft der Wohnung ihres Vaters Freunde gefunden und nehme bei ihren Besuchen regelmÃ¤ssig am Sozialleben in der Schweiz teil. In der TÃ¼rkei mÃ¼sse sie sich aufgrund der verÃ¤nderten BetreuungsverhÃ¤ltnisse ebenfalls in einem neuen Quartier und in einer neuen Schule zurechtfinden und werde nicht mehr von ihrer bisherigen Bezugsperson, der Mutter, betreut, sondern vorÃ¼bergehend von ihrer Tante. Unter diesen UmstÃ¤nden werde dem Kindeswohl mehr entsprochen, wenn B bei ihrem Vater leben kÃ¶nne. Der Vater kÃ¶nne zudem seiner Verantwortung in finanzieller und erzieherischer Hinsicht vollstÃ¤ndig nachkommen, indem er seine Arbeitszeiten frei einteilen kÃ¶nne und zuhause arbeite. Eine angemessene Familienwohnung stehe auch zur VerfÃ¼gung.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist aufgerufen, letztinstanzliche Anordnungen von VerwaltungsbehÃ¶rden auf allfÃ¤llige Rechtsverletzungen zu Ã¼berprÃ¼fen (§ 41 und 50 Abs. 1 und 2 VRG). Es ist nicht befugt, aus OpportunitÃ¤tsgrÃ¼nden sein Ermessen an die Stelle desjenigen der VerwaltungsbehÃ¶rde zu setzen, solange diese ihr Ermessen nicht missbraucht oder Ã¼berschreitet (§ 50 Abs. 2 lit. c VRG).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Unbestritten ist vorliegend zu Recht, dass die Beziehung zwischen dem BeschwerdefÃ¼hrer und seiner Tochter sehr eng ist. B ist in der Schweiz geboren und lebte, bis sie 6½ Jahre alt war, zusammen mit ihrem Vater und ihrer Mutter in der Schweiz. Danach, als es Probleme in der Ehe der Eltern gab und die Mutter mit B in die TÃ¼rkei zurÃ¼ckkehrte, unterhielt der BeschwerdefÃ¼hrer trotz der rÃ¤umlichen Distanz den Kontakt zu seiner Tochter in einer IntensitÃ¤t, die Ã¼ber das Ã¼bliche Mass hinausgeht. GemÃ¤ss Ã¼bereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten hat B ihren Vater jedes Jahr wÃ¤hrend den Schulferien fÃ¼r lÃ¤ngere Zeit besucht, d.h. insgesamt war sie durchschnittlich fÃ¼nf Monate pro Jahr bei ihrem Vater in der Schweiz, und der Vater sie an den schweizerischen Feiertagen in der TÃ¼rkei besucht. Die beiden Elternteile haben die Tochter somit nach ihrer Trennung beinahe gleich hÃ¤ufig betreut. Die Nachbarn des Vaters und die Schweizer Lehrerin von B beschreiben die Beziehung zwischen dem BeschwerdefÃ¼hrer und seiner Tochter als eng, liebevoll und respektvoll. Unter diesen UmstÃ¤nden ist davon auszugehen, dass B zu ihrem Vater zumindest in gleich enger Beziehung steht wie zu ihrer Mutter. BerÃ¼cksichtigt man weiter, dass B seit ihrer unfreiwilligen RÃ¼ckkehr in die TÃ¼rkei nach dem abschlÃ¤gigen Regierungsratsentscheid nicht mehr bei ihrer Mutter, sondern bei ihrer Tante lebt, da ihre Mutter sich weigert, B weiterzubetreuen, fÃ¼hrt die WÃ¼rdigung der gesamten UmstÃ¤nde zum Schluss, dass der BeschwerdefÃ¼hrer fÃ¼r seine Tochter (inzwischen) die Hauptbezugsperson ist. Das Kriterium der vorrangigen familiÃ¤ren Beziehung zum in der Schweiz lebenden Elternteil erweist sich damit vorliegend als erfÃ¼llt.</p> <p class="Urteilstext">Wie in der Beschwerdeschrift glaubhaft dargestellt wird, haben sich die BetreuungsverhÃ¤ltnisse von B in der TÃ¼rkei seit dem Regierungsratsentscheid verschlechtert. Die Mutter lehnt es ab, B weiterhin Obhut und Pflege zu gewÃ¤hren, sodass B von ihrer Tante betreut werden muss. Das hatte zur Folge, dass B nicht nur ihre Mutter als Bezugsperson verloren hat, sondern ebenso die gewohnte Umgebung, indem sie in einen anderen Stadtteil von Y umziehen musste und eine andere Schule besuchen muss. Ihre Tante beabsichtigt zudem in nÃ¤chster Zeit, nach der Pensionierung des Onkels, nach Z Ã¼berzusiedeln. Da B nicht mehr bei ihrer Mutter leben kann sowie die Betreuung durch die Tante nur provisorisch ist, erweist sich ein Nachzug von B zu ihrem Vater angesichts des Kindeswohls als notwendig. Es ist dem zwar fast 16-jÃ¤hrigen, aber noch weitgehend auf psychische Betreuung angewiesenen, MÃ¤dchen nicht zuzumuten, neu bei einer ihr wenig vertrauten Tante zu leben, wenn sie zu ihrem Vater eine vorrangige Beziehung unterhÃ¤lt. </p> <p class="Urteilstext">Wenn der BeschwerdefÃ¼hrer seit der Ausreise von B 1997 bis zum Nachzugsbegehren im Jahre 2003 sechs Jahre hat verstreichen lassen, kann daraus nicht der Schluss gezogen werden, dem Vater gehe es nicht vordergrÃ¼ndig um das Zusammenleben mit seiner Tochter. Es erscheint nachvollziehbar, dass sich ein zerrÃ¼ttetes Ehepaar mit einer traditionellen Rollenverteilung darauf einigt, dass die damals 6½ Jahre alte Tochter ihrer Mutter (vorerst) in die TÃ¼rkei folgen (auch um die tÃ¼rkische Sprache richtig zu lernen) und der Vater sie nur in den Schulferien zu sich nehmen wÃ¼rde. Dass diese BetreuungsverhÃ¤ltnisse anschliessend entgegen den anfÃ¤nglichen PlÃ¤nen des Paares, wonach eine RÃ¼ckkehr von Mutter und Tochter zum Ehemann und Vater nach zwei Jahren geplant war, beibehalten wurden, nachdem die Mutter nicht zu ihrem Ehemann zurÃ¼ckkehren wollte und die Tochter in der TÃ¼rkei inzwischen die Schule besuchte, kann ebenfalls als von einem vollerwerbstÃ¤tigen Vater als verstÃ¤ndliche AbwÃ¤gung des Kindeswohls und des Wunsches nach Zusammenleben mit seiner Tochter gesehen werden. Nachdem die Ehe im Dezember 2002 geschieden, dem Vater das Sorgerecht Ã¼bertragen wurde, die Tochter die obligatorische Schulzeit beendet haben wÃ¼rde, als 15-jÃ¤hrige relativ selbstÃ¤ndig war und der Vater seine Arbeitszeiten inzwischen flexibel einteilen konnte und sich zuhause ein BÃ¼ro eingerichtet hatte, erfolgte der Entscheid fÃ¼r den Nachzug im Jahre 2003 zu einem nachvollziehbaren Zeitpunkt. Mit anderen Worten gibt es vorliegend gute GrÃ¼nde, aus denen die Teilfamiliengemeinschaft in der Schweiz erst nach Jahren hergestellt werden soll.</p> <p class="Urteilstext">Dass neben der Absicht des Zusammenlebens als Teilfamilie auch Vorstellungen zur ausserfamiliÃ¤ren Zukunft (Ausbildungs- und BerufsmÃ¶glichkeiten) von B bei der Gesuchstellung eine Rolle gespielt haben kÃ¶nnten, lÃ¤sst das Gesuch entgegen der Ansicht des Migrationsamtes ebenso wenig als rechtsmissbrÃ¤uchlich erscheinen. Denn die RÃ¼ckkehr eines Kindes zu seinem Vater in die Schweiz fÃ¼hrt unabhÃ¤ngig von den Motiven aufgrund des GefÃ¤lles im Lebensstandard zwischen der Schweiz und der TÃ¼rkei fast zwingend zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Vorliegend bestehen jedoch keinerlei Hinweise dafÃ¼r, dass der BeschwerdefÃ¼hrer die familiÃ¤re Vereinigung mit seiner Tochter als Motiv vor andere Absichten schiebt. Zumal die Tochter des BeschwerdefÃ¼hrers beabsichtigt, das Gymnasium zu besuchen. Eine gleichwertige Ausbildung wÃ¼rde sie vermutlich an der von ihr besuchten Privatschule in Y auch erhalten. </p> <p class="Urteilstext">Schliesslich spricht auch das Ã¶ffentliche Interesse nicht gegen einen Nachzug von B in die Schweiz, denn es sind keine grossen Integrationsprobleme zu erwarten. B kann sich aufgrund des Deutschunterrichts in der TÃ¼rkei, des Besuchs eines dreimonatigen Sprachkurses in Deutschland im Sommer 2005 und der jÃ¤hrlichen mehrmonatigen Aufenthalte bei ihrem Vater in der deutschen Sprache verstÃ¤ndigen und kennt die hiesigen VerhÃ¤ltnisse. Zu berÃ¼cksichtigen ist ferner, dass der Vater seit 1967 ununterbrochen in der Schweiz lebt und hier â wie die Schreiben der Nachbarn belegen â integriert ist.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Weil ein Rechtsanspruch auf Familiennachzug bereits gestÃ¼tzt auf Art. 17 Abs. 2 ANAG zum Durchbruch gelangt, muss nicht geprÃ¼ft werden, ob ein solcher auch gestÃ¼tzt auf Art. 8 Abs. 1 EMRK verwirklicht wÃ¤re. Die Beschwerde ist vollumfÃ¤nglich gutzuheissen.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Urteilstext">Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 70 VRG), welche den BeschwerdefÃ¼hrer, der auf einen Rechtsbeistand angewiesen war, angemessen fÃ¼r die Umtriebe zu entschÃ¤digen hat (§ 17 Abs. 2 lit. a und b VRG). In Aufhebung des Regierungsratsentscheids werden die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens der Beschwerdegegnerin auferlegt, welche den BeschwerdefÃ¼hrer auch fÃ¼r dieses Verfahren angemessen zu entschÃ¤digen hat.</p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss </span><span><a id="Text25"></a>entscheidet</span><span> </span><span>die Kammer</span><span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Beschwerdegegnerin wird eingeladen, der Tochter des BeschwerdefÃ¼hrers die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die Rekurskosten werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 60.-- Zustellungskosten,<br/> Fr. 2'060.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Gerichtskosten werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem BeschwerdefÃ¼hrer fÃ¼r das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von insgesamt Fr. 3'500.- (Mehrwertsteuer inbegriffen) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben werden.</span></p> <p class="Urteilstext">7. Mitteilung an â¦</p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>