B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung I A-4711/2012 U r t e i l v o m 9 . A p r i l 2 0 1 3 Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, Richter Daniel Riedo, Gerichtsschreiberin Iris Widmer. Parteien X._______ AG, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Eigerstrasse 65, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Stempelabgabe auf Versicherungsprämien. A-4711/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die X._______ AG (Abgabepflichtige) ist ein der Aufsicht des Bundes un- terstellter Versicherer im Sinne von Art. 21 des Bundesgesetzes vom 27. Juni 1973 über die Stempelabgabe (StG, SR 641.10). B. Im Mai und Juli 2011 kontrollierte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) bei der Abgabepflichtigen die Deklarationen der Jahre 2006 bis 2011. Die ESTV stellte fest, dass die Abgabepflichtige bei "Rentenversi- cherungen mit Rückgewähr die aufgelaufenen Überschüsse … für eine lebenslängliche, garantierte und erhöhte rückkaufsfähige Rente (Langl e- berisiko)" verwende (vgl. act. 8, Revisionsbericht vom 13. Juli 2011, Ziffer 1.3). Die ESTV war der Auffassung, dass d ie Verwendung des Übe r- schusses zur Finanzierung der Rentenerhöhung eine "Einmalprämie" darstelle, die der Stempelabgabe unterliege und forderte die entspr e- chenden Abgaben und die darauf entfallenden Verzugszinse nach. Die Abgabepflichtige war mit dieser Nachforderung nicht einverstanden und verlangte eine Begründung in der Form einer anfechtbaren Verf ü- gung. Sie stellte die Begleichung der Nachforderung zwecks Vermeidung weiterer Verzugszinse und ausdrücklich unter Vorbehalt einer allfälligen Anfechtung in Aussicht (vgl. act. 9, Schreiben der Abgabepflichtigen an die ESTV vom 4. August 2011). C. Am 27. Oktober 2011 entschied die ESTV, die Abgabepflichtige habe zu Recht Stempelabgaben in der Höhe von Fr. … entrichtet. Ihr werde au s- serdem ein Verzugszins von 5% seit Fälligkeit der Abgabebeträge in Rechnung gestellt. Gegen diesen Entscheid erhob die Abgabepflichtige Einsprache bei der ESTV, welche am 10. Juli 2012 abgewiesen wurde. Die ESTV stellte fest, die Abgabepflichtige habe zu Recht Stempelabgaben in der Höhe von Fr. … und Verzugszinse von insgesamt Fr. … bezahlt. D. Mit Beschwerde vom 11. September 2012 gelangte die Abgabepflichtige (Beschwerdeführerin) ans Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt (Zi f- fer 1) die Aufhebung des Einspracheentscheids der ESTV (Vorinstanz). Die Vorinstanz sei zu verpflichten, ihr die unter Vorbehalt entrichteten Ab-A-4711/2012 Seite 3 gaben in der Höhe von Fr. … zuzüglich Verzugszinse zurückzuerstatten (Ziffer 2). Zudem sei die Vorinstanz zu verpflichten, der Beschwerdeführe- rin die unter Vorbehalt entrichteten Verzugszinse in der Höhe von Fr. … zuzüglich Vergütungszins zurückzuerstatten (Ziffer 3); unter Kosten - und Entschädigungsfolge, zuzüglich Parteikosten im Rahmen des Einspr a- cheverfahrens in der Höhe von Fr. 6'007.50 (Ziffer 4). Am 8. November 2012 schliesst die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Auf die weiteren Begründungen in den Eingaben an das Bundesverwa l- tungsgericht wird – soweit erforderlich – im Rahmen der Erwägu ngen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesve r- waltungsgericht Beschwerden gegen Verfügun gen nach Art. 5 des Bun- desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor. Die ESTV ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Somit ist das Bundesverwal tungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einz u- treten. 2. 2.1 Die Stempelabgabe ist eine so genannte Rechtsverkehrssteuer. Sie wird auf bestimmten, im Gesetz definierten Vorgängen erhoben (statt vie- ler: THOMAS JAUSSI/ROLAND SCHWEIGHAUSER/MARKUS PFIRTER, Die eidg. Stempelabgaben, Muri/Bern 2007, S. 16). Die Zahlung von Versiche - rungsprämien gegen Quittung ist ein solcher Vorgang, für den das Gesetz die Besteuerung vorsieht (Art. 1 Abs. 1 Bst. c StG; so genannter Ver - sicherungsstempel). Für die Festsetzung der Abgaben ist der wirkliche Inhalt der Urkunden oder Rechtsvorgänge massgebend, weshalb die von den Beteiligten ge brauchten unrichtigen Bezeichnungen und Ausdruck s- weisen nicht in Betracht fallen (Art. 27 Abs. 1 StG). Dem Versicherungs-A-4711/2012 Seite 4 stempel unterliegen unter anderem bestimmte Personenversicherungen sowie Sach- und Vermögensversicherungen (vgl. THOMAS JAUSSI/PIERRE- OLIVIER GEHRIGER, in: Martin Zweifel/Peter Athanas/Maja Bauer -Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bd. II/3: Bundes- gesetz über die Stem pelabgaben, Basel/Genf/München 2006 [nachfo l- gend: Kom StG], Vor Art. 21-26 N 9). Eine Lebensversicherung, wie sie hier strittig ist, wird zu den sog. Personenversicherungen gezählt ( JAUS- SI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 22 N 12). 2.2 Der Versicherungsvertrag wird im StG nicht definiert. Der (privatrecht- liche) Versicherungsvertrag ist ein Vertrag, bei dem die eine Partei, der Versicherer, der anderen Partei, dem Versicherungsnehmer, gegen B e- zahlung eines Entgelts, der Prämie, eine Vermögensleistung für den Fall verspricht, dass ein Gegenstand durch ein Gefahren ereignis betroffen wird (JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 21 N 10; JAUSSI/SCHWEIG- HAUSER/PFIRTER, a.a.O., S. 62; GERHARD STOESSEL, in: Heinrich Ho n- sell/Nedim Peter Vogt/Anton K. Schnyder [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bundesgesetz über d en Versicherungsver- trag [VGG], Basel 2001, Allgemeine Einleitung N 14 ff., 19 ; PETER LANG, Die private Rentenversicherung der Säule 3b im Einkommens - und Ver- mögenssteuerrecht, Basel 2010, S. 26 ; zum Begriff der Versicherung vgl. auch BGE 114 Ib 244 E. 4a [bestätigt in BGE 131 I 223 E. 4.7], 107 Ib 56 E. 1b; Entscheid der Eidgenössische n Steuerrekurskommission [SRK] 1995-16 vom 29. April 1996 E. 2a mit Hinweisen ; JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 21 N 9). 2.3 2.3.1 Gegenstand der Abgabe ist aber nicht der jeweilige Versicherungs- vertrag als solcher, sondern die Prämienzahlung für die Versicherung, die zum inländischen Bestand eines der Aufsicht des Bundes unterstellten oder eines inländischen öffentlich -rechtlichen Versi cherers gehör t (vgl. Art. 21 Bst. a StG). Die Beantwortung der Frage, ob eine Prämienzahlung für eine Versicherung vorliegt, ist in aller Regel unproblematisch. Es b e- darf eines Versicherungsvertrags (vgl. E. 2. 2) zwischen einem Versiche- rungsnehmer und einem Versicherer, auf dessen Grundlage sich die Pflicht ergibt, eine Prämie zu zahlen. Hierfür verspricht der Versicherer die vertraglich vereinbarte Leistung (vgl. HEINI RÜDISÜHLI, in: Xavier Ober- son/Pascal Hinny, [Hrsg.], StG, Kommentar Stempelabgaben, Zürich/Ba - sel/Genf 2006, Art. 21 N 3). Die Prämie entspricht dabei dem "Preis", den der Versicherungsnehmer dafür entrichtet, dass der Versicherer im Sch a- denfall die vereinbarte Leistung erbringt (vgl. JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, A-4711/2012 Seite 5 Art. 21 N 17, 28; vgl. DANIEL JUNGO/WOLFGANG MAUTE, Lebensversiche- rungen und Steuern, Bern 2003, S. 25). Sollte sich dagegen ein vertragli- ches Verhältnis z.B. als reines Sparprodukt zeigen, dass überhaupt keine Risikodeckung enthält, kann nicht mehr von einer Versicherung, resp. von einer Versicherungsprämie als Preis ge sprochen werden (vgl. JAUS- SI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 21 N 28). 2.3.2 Als Prämienarten kommen bei Lebensversicherungen sowohl die sog. Einmalprämie als auch die periodische Prämienzahlung zum Tragen (JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 22 N 18). Was als nicht periodische Prämienzahlung – und somit als Einmalprämie – im Sinne des Versich e- rungsstempels gilt, definiert Art. 26 b Abs. 2 der Verordnung vom 3. D e- zember 1973 über die Stempelabgabe n [StV, SR 641.101]; vgl. dazu ein- gehend JAUSSI/GEHRIGER, K om StG, Art. 22 N 25 ff.). Periodische Pr ä- mien liegen vor, wenn der Prämienschuldner während der ganzen Ve r- tragslaufzeit jährlich eine im Wesentlichen gleich hohe Prämie bezahlt (vgl. Art. 26b Abs. 1 StV). Bei einer Einmalprämie leistet grundsätzlich der Prämienschuldner ungeachtet der versicherten Risiken und der Ve r- tragsdauer die für den Vertrag benötigte Prämie mit einer einmaligen Zah- lung (JAUSSI/GEHRIGER, Kom StG, Art. 22 N 18). 2.3.3 Die Abgabeforderung entsteht im Zeitpunkt der Zahlung der Prämie. Massgebend ist das konkrete Verfügungsgeschäft, d.h. das wirklich E r- brachte, in Verbindung mit dem diesem zu Grunde liegenden Verpflic h- tungsgeschäft, d.h. dem entsprechenden Versicherungsvertrag (vgl. E. 2.2). Wird die geschuldete Leistung erbracht (Verfügungsgeschäft) und handelt es sich um eine Prämie für eine abgabepflichtige Versicherung (Verpflichtungsgeschäft), so ist dadurch die steuerbare Leistung erbracht worden und die Abgabeforderung entstanden ( JAUSSI/GEHRIG, a.a.O., Art. 23 N 6). Da die Abgabeforderu ng mit der Zahlung der Prämie entsteht, sind der Zeitpunkt der Rechnungsstellung oder die Fälligkeit der geschuldeten Prämie unerheblich. Ebenso unerheblich ist, wie die Prämie bezahlt wird, ob diese in bar ausbezahlt, per Giro überwiesen, bloss gutgeschri eben, verrechnet oder auf sonstige Art erbracht wird. Massgeblich ist also nicht die Art der Entrichtung, sondern dass die Prämie entrichtet wird, mithin ein Verfügungsgeschäft vorliegt (JAUSSI/GEHRIGER, a.a.O., Art. 23 N 7). 2.4 A-4711/2012 Seite 6 2.4.1 Kapital bildende Lebensversicherungsverträge zeichnen sich in der Regel durch eine äusserst lange Vertragsdauer aus, die nicht selten 25 Jahre oder mehr beträgt. Gleichzeitig wird die Höhe der Prämie zu B e- ginn für die gesamte Laufzeit des Vertrages festgesetzt sowie garantiert und kann während der Vertragsdauer weder einseitig angepasst noch abgeändert werden. Ausserdem unterliegen die Grundlagen der Pr ä- mienkalkulation erheblichen Risiken, die sich namentlich aus den hohen Aktienanteilen (die Versicherer legen ihr Vermögen u.a. in Aktien an) auf dem Kapitalmarkt ergeben können. Der Versicherer ist daher bereits aus kaufmännischen Gründen gezwungen, die Prämie äusserst vorsichtig zu berechnen (vgl. ANDREA PFLEIDERER, Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung, Basel 2006, S. 1, 17; vgl. JUNGO/MAUTE, a.a.O. , S. 27 f., 29 f.; vgl. Botschaft vom 7. September 2011 zur Totalrevision des Versicherungsvertragsgesetzes [VVG], BBl 2011 7705 ff., 7798 f.). 2.4.2 Die Versicherungsgesellschaften berechnen deshalb in ihren Pr ä- mien "Sic herheitszuschläge" ein. Da die verlangten Prämien vorsorglich also bereits höher ausfallen als der mutmassliche Risiko - und Kostenbe- darf, haben die Gesellschaften die "Überschussbeteiligung" eingeführt. Dieses Institut erlaubt den Lebensversicherungsgesell schaften einerseits eine vorsichtige Prämienkalkulation, die ihre Solvenz sichert, andererseits lassen sich dadurch aber auch Nachteile für die Versicherungsnehmer vermeiden (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 2, 19). Gemäss der Aufsichtsb e- hörde der Versicherunge n, der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA; vgl. Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Dezember 2004 betreffend die Aufsicht über Versicherungsunternehmen [ Versicherungs- aufsichtsgesetz, VAG, SR 961.01]), dient die Überschussbeteiligung dem Zweck, die Versicherungsnehmer an den erwirtschafteten Überschüssen teilhaben zu lassen (vgl. Rundschreiben der FINMA 2008/40 vom 20. No- vember 2008, Rz. 130). Die Überschussbeteiligung ist folglich als eine Besonderheit der Prämienkalkulation in der K apitallebensversicherung zu betrachten (PFLEIDERER, a.a.O., S. 85; zu den historischen Hintergründen der auf dem Genossenschaftsgedanke basierenden Überschussbeteili- gung, dieselbe, S. 7 ff. ). PFLEIDERER bezeichnet die Überschussbeteili- gung als "Rückvergütung von aus Sicherheitsgründen überhöhten Pr ä- mienbeiträgen" ( PFLEIDERER, a.a.O., S. 13). MAUTE, STEINER, RUFENER und LANG betonen, dass die Überschussbeteiligung "keine Versich e- rungsleistung" sei. Vielmehr handle es sich um eine "nachträgliche Tei l- rückerstattung der Prämie wegen günstigem Schadens - und Kostenver- lauf. Die Überschussbeteiligung wird entweder jährlich mit der zu leiste n- den Prämie verrechnet oder auf einem Überschusskonto angesammelt " A-4711/2012 Seite 7 (WOLFGANG MAUTE/MARTIN STEINER/ADRIAN RUFENER/PETER LANG, Steu- ern und Versicherungen 3. Aufl., Muri 2011, S. 289, vgl. auch S. 363). In den Gesetzen lässt sich allerdings keine direkte Anspruchsgrundlage für die Überschussbeteiligung finden (vgl. zu Rechtsgrundlagen die Über- schussbeteiligung betreffend E. 2.4.5) . Ei n Überschussanspruch hängt von einer entsprechenden Zusage einer Versicherungsgesellschaft ab (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 55). Wurde eine Überschussbeteiligung j e- doch vereinbart, bildet sie eine einklagbare, vertragliche Nebenleistungs- pflicht (PFLEIDERER, a.a.O., S. 85). 2.4.3 Die "Quellen" der Überschussbeteiligung werden in der Regel fo l- gendermassen eingeteilt: (1) Zinsüberschuss, (2) Risikoüberschuss und (3) Kostenüberschuss. Der Zinsüberschuss entspricht der Differenz zwischen dem rechnungs- mässig verwendeten Zinssatz ( technischer Zins; vgl. E . 2.4.5 ) und dem von der Versicherungsgesellschaft tatsächlich erwirtschafteten Ertrag (vgl. JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 30; Berufsbildungsverband der Versich e- rungswirtschaft VBV [Hrsg.], Lebensversicherung – aktuell, 2. Aufl., Z ü- rich 2001 [nachfolgend: Lebensversicherung], S. 108). Der jährliche E r- trag der Kapitalanlagen einer Versicherungsunternehmung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen (Zinsertrag aus Obligationen, Div i- denden, Mietzinseinnahmen etc.). Die Wertver änderungen der Kapitalan- lagen für die Überschussbeteiligung zu bewerten , ist schwierig, weil infol- ge von Kurs - und Preisschwankungen auch Verluste entstehen können. Allgemeingültige Regeln, wie diesen Schwan kungen Rechnung getragen werden soll, gibt es keine. Ziel der Lebensversicherer ist es aber, ko n- stante Geschäftsergebnisse auszuweisen, weshalb sie Bewertungsm e- thoden anwenden, die Ertragsschwankungen weitgehend "glätten" (vgl. Lebensversicherung, a.a.O., S. 108). Der Risikoüberschuss resultiert aus der Differenz zwischen der gesamten entstandenen Schadenssumme im Berichtsjahr und der Summe der Risikoprämien aus dem ganzen Bestand im selben Jahr. Er entsteht durch die vorsichtige Kalkulation der Ster b- lichkeit. Beim Risiko "Langlebigkeit" (welches zu den typischen Versiche- rungsrisiken zählt, vgl. statt vieler: MARKUS KRÄHENBÜHL, Schweizer L e- bensversicherung – Von der Risiko -Transformation zur Risiko - Intermediation; Beiträge zur Erfassung, Bewertung und Verbriefung des Renten-Langleberisikos in einer Lebe nsversicherung, Zürich 2009, in s- bes. zur Definition des Langleberisikos, S. 82) werden trotz entsprechend angepasster Renten -Sterbetafeln kaum Überschüsse erzielt (vgl. Le-A-4711/2012 Seite 8 bensversicherung, a.a.O., S. 109; vgl. auch JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 30 , die bei den L eibrenten von einer "eher angespannten Situation" spre- chen, vgl. auch S. 138 ). Ein Kostenüberschuss entsteht, falls die eing e- rechneten Kosten höher sind als die effektiv verursachten. Der Koste n- überschuss wird in Abschluss -, Inkasso - und Verwaltungskostenü ber- schuss unterteilt. Die eingerechneten Kosten sind in der Regel aber zu niedrig angesetzt, und somit entstehen im Kostenbereich üblicherweise Verluste (vgl. Lebensversicherung, a.a.O., S. 109; vgl. JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 30; vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 25). Zusammenfassend lässt sich festhalten: "Die Überschüsse sind umso grösser, je erfolgreicher die Kapitalanlagepolitik des jeweiligen Versich e- rungsunternehmens ist, je weniger Versicherungsfälle bei den Versiche r- ten eintreten und je sparsamer in der jew eiligen Unternehmung gewir t- schaftet wird" (MAUTE/STEINER/RUFENER/LANG, a.a.O., S. 362). 2.4.4 Anzumerken ist vor diesem Hintergrund, dass Entstehung und Höhe des Überschussanspruchs vom Eintritt eines zukünftigen ungewissen E r- eignisses abhängt, nämlich davon, ob überhaupt ein Überschuss erzielt wird. Es handelt sich deshalb um eine bedingte Forderung (vgl. PFLEIDE- RER, a.a.O., S. 107, mit weiteren Hinweisen auf die Lehre ). Der Eintritt der Bedingung hängt dabei nicht vom blossen Willen der Vertragsparteien ab. Es handelt sich somit nicht um eine sog. potestative Bedingung (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 108). Auch der Überschussplan bzw. die darin festgehaltene Höhe der Überschussbeteiligung hängt wiederum nicht nur von den Leistungen der Versicherungsgesellschaften a b, sondern es spielen vornehmlich zufällige Kriterien, wie z.B. die Sterblichkeit oder die Marktentwicklung (vgl. E. 2.4.3), eine entscheidende Rolle. Da der Übe r- schuss sowohl von Zufallsbedingungen, als auch vom Verdienst der Ve r- sicherungsgesellschaft abhängt, liegt eine sog. gemischte Bedingung vor, die ausserdem suspensiv bedingt ist, da der Überschuss vom am Ende des Jahres festgestellten Erfolg abhängt (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 109 f., mit weiteren Hinweisen). 2.4.5 Verschiedene Erlasse befassen sich mit der Überschussbeteiligung (vgl. hierzu auch die vorgesehenen Änderungen gemäss Botschaft zur Totalrevision des VVG, a.a.O., BBl 2011 7798). Für den vorliegenden Fall sei auf folgende Regelungen des VAG sowie der Verordnung vom 9. No- vember 2005 über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunter- nehmen (Aufsichtsverordnung, AVO, SR 961.011) hingewiesen: A-4711/2012 Seite 9 Für Versicherungsunternehmen, welche die direkte Einzel- oder Kollektiv- lebensversicherung betreiben und Lebensversicherungsverträge mit Zinsgarantie erfüllen müssen, erlässt der Bundesrat Vorschriften zur B e- stimmung des maximalen technischen Zinssatzes (Art. 36 Abs. 1 VAG). Die Versicherungsunternehmen haben den Versicherten jährlich eine nachvollziehbare Abrechnung über die Überschussbeteiligung – so sie denn vertraglich vereinbart wurde (vgl. E. 2.4.2) – abzugeben. Aus dieser muss insbesondere hervorgehen, auf welchen Grundlagen die Übe r- schüsse berechnet und nach welchen Grundsätzen sie verteilt wurden (Art. 36 Abs. 2 VAG). Der Bundesrat kann für die se Versicherungsunter- nehmen Vorschriften erlassen über: die Art und Weise, wie die Informat i- onen, die aus der Abrechnung hervorgehen müs sen, auszuweisen sind; die Grundlagen der Berechnung der Überschüsse; die Grundlagen und das Ausmass der Verteilung der Über schüsse (Art. 36 Abs. 3 Bst. a -c VAG). Art. 120 AVO verpflichtet Versicherungsunternehmen, welche die Lebens- versicherung betreiben, für die Tarifierung von Verträgen risikogerechte biometrische und kapitalmarktbedingte Grundlagen und Berechnungsm e- thoden zu verwenden und die Tarifgrundlagen jährlich zu überprüfen. Gemäss Art. 136 Abs. 1 AVO bilden die Versicherungsunternehmen für den Teil ausserhalb der beruflichen Vorsorge einen Überschussfonds. Der Überschussfonds ist eine versicherungstechnische Bilanzposition zur Be- reitstellung der den Versicherungsnehme nden zustehenden Überschuss- anteile. Im Überschussfonds wird der dem Versichertenkollektiv zugewi e- sene Teil des erwirtschafteten Jahresüberschusses thesauriert (Art. 136 Abs. 2 AVO). Jährlich sind dem Überschussfonds mindestens 20 Prozent der darin angesammelten Überschüsse zu entnehmen und den Versiche- rungsnehmenden zuzuteilen (Art. 136 Abs. 3 AVO). Die Überschusszutei- lung ist nach anerkannten versicherungsmathematischen Methoden und unter Vermeidung missbräuchlicher Ungleichbehandlungen vorzunehmen (Art. 137 Abs. 1 AVO). Sobald die Überschussanteile den einzelnen Ver- sicherungsnehmenden zugeteilt sind, gelten sie als geschuldet. Sie s ind den Anspruchsberechtigten entsprechend den vertraglichen Rege lungen auszuschütten oder, falls die verzinsliche Ansammlung der Überschus s- anteile vereinbart wurde, in einer eigens dafür geschaffenen versich e- rungstechnischen Bilanzposition auszuweisen (Art. 137 Abs. 2 AVO). A-4711/2012 Seite 10 3. 3.1 Im vorliegenden Fall steht eine "Rentenversicherung mit Rückgewähr" zur Diskussion ; ein Versicherungsprodukt, das – sofern hier relevant – wie folgt ausgestaltet ist: Gemäss Art. … der allgemeinen Bedingungen für die "sofort beginnende und abrufbare Leibrente gegen Einmalprämie" (Ausgabe …, act. 4; nach- folgend: AVB …) gibt die Lebensversicherung Anspruch auf lebenslängl i- che periodisch wiederkehrende Leistungen (Rente [nachfolgend auch als Grundrente bezeichnet] ). Die Auszahlung erfolgt per sofort oder nach Vereinbarung. Die Grund rente wird so lange ausbezahlt, als die vers i- cherte Person am jeweiligen Fälligkeitstag lebt (Art. … AVB ...). Gemäss Art. … AVB ... ist die Versicherung an den Rechnungsüberschüssen der Beschwerdeführerin beteiligt. Die Überschussanteile werden periodisch neu festgesetzt und nach einem mit dem Bundesamt für Privatversich e- rungen (heute: FINMA) vereinbarten Plan den einzelnen Verträgen zug e- wiesen [der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Über- schusspläne seit Inkrafttreten der Revision des VAG per 2006 nicht mehr genehmigungspflichtig sind, vgl. dazu etwa PFLEIDERER, a.a.O., S. 156 ]. Bei Renten auf Abruf werden die Überschüsse bis zum Rentenbezug auf einem Konto angesammelt und verzinst. Die Zuweisungen erfolgen j e- weils zu Beginn eines Versicherungsjahres, erstmals zu Beginn des zwei- ten Versicherungsjahres. Die Höhe der ersten Zuweisung ist vom Ei n- gangsdatum der Prämie abhängig. Beim Bezug der ersten Rente kann der Versicherungsnehmer sich die angesammelten Überschüsse auszah- len lassen oder d amit eine Rentenerhöhung beantragen. Für die Renten- erhöhung kommt der zum Zeitpunkt der Erhöhung gültige Tarif zu Anwen- dung. Während der Rentenzahldauer wird der Überschuss in Form von zusätzlichen Renten ausbezahlt (Art. … AVB ...). 3.2 Die versicherte Person hat also bei Beginn der Rentenzahlungen die Wahl, ob sie sich das Guthaben, welches sich auf ihrem Überschuss - Sparkonto allenfalls angesammelt hat, auszahlen lassen oder damit eine lebenslängliche Rentenerhöhung finanzieren will. Die s ist dem Grunde nach unbestritten. Strittig ist aber, ob die Wahl der "Umwandlung" des Überschusses in eine Rentenerhöhung (auch als "Verrentung" bezeic h- net) eine Prämienzahlung darstellt, die die Stempelsteuer auslöst. 3.2.1 Die Vorinstanz hält dafür, dass au f dem Überschussanteil , sofern der Versicherungsnehmer die Rentenerhöhung beantrage, die Stempe l- steuer zu erheben sei, weil die Beschwerdeführerin diesfalls eine zusätz-A-4711/2012 Seite 11 liche, über den ursprünglich vereinbarten Vertrag hinaus gehende Versi- cherungsleistung erbringe. Das Risiko bestehe darin, dass die versicherte Person lange lebe; die Beschwerdeführerin trage somit das Langleberis i- ko. Eine neue Leistung bei einer Versicherungsgesellschaft könne aber immer nur mit einer Prämie eingekauft werden. Dabei spiele es keine Rol- le, ob die Prämienzahlung durch aufgelaufene Überschüsse – die sowie- so dem Versicherungsnehmer gehören würden – oder anderweitig erfo l- ge. Die Überschussverwendung in Form des Erwerbs einer "zusätzlichen rückkaufsfähigen einmalprämienfinanzierten Rente" stelle eine Prämie n- zahlung dar. Dabei finde eine Verrechnung des Überschussguthabens mit der Prämienzahlung statt. 3.2.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet die Auffassung der Vorinstanz. Bei der Auszahlung der Überschüsse in Form der Rentenerhöhung liege kein nochmaliges Verfügungsgeschäft des Kunden zur Beschwerdeführe- rin hin vor. Es fehle folglich ein Abgabeobjekt und für die Erhebung der Stempelsteuer gebe es keine gesetzliche Grundlage. Ausserdem werde durch das Vorgehen der Vorinstanz der Vertrag unzulässigerweise in Ein- zelteile zerlegt, was der bundesgerichtliche Rechtsprechung widerspr e- che. Gemäss dieser Rechtsprechung folge das Überschusskapital stets dem gleichen steuerlichen Schicksal wie das Grundkapital. Mit der Ei n- malprämie bei Abschluss de r Leibrente seien sämtliche künftige Leistu n- gen und Risiken des betroffenen Vertrages bezahlt worden, auch die Auszahlung der Überschüsse in Rentenform. Somit sei auf sämtlichen Leistungen auch die Stempelsteuer bereits bezahlt worden. Das Risiko des gesam ten Leibrentenvertrages sei von Beginn weg einberechnet worden und es würden keine neu en Risik en übernommen. Die aufg e- schobene Altersrente werde als einheitliches Risiko eingerichtet. Die Ver- rentung der Überschüsse bei Rentenbeginn sei demnach als nachträgli- che Korrektur zu betrachten . Sämtliche Parameter seien bei Ve rtrags- schluss zumindest vereinbart gewesen. Wäre der tatsächliche Verlauf der Parameter für die Zukunft nämlich schon bekannt gewesen, hätte bereits zu diesem Zeitpunkt eine höhere Rentenleistu ng berechnet werden kö n- nen. Es sei vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar, dass die b e- reits bei Vertragsschluss verstempelten Prämienanteile, welche später als Überschuss in Rentenform ausbezahlt würden, nochmals "verstempelt" würden. Ausserdem scheitere eine Verrechnung daran, dass die Vorau s- setzungen hierzu nicht erfüllt seien. 3.3 Abgabeobjekt der Stempelsteuer ist die Prämienzahlung für eine Ve r- sicherung. Ob die Vorinstanz die Stempelabgabe zu Recht erhoben hat, A-4711/2012 Seite 12 hängt also davon ab, ob ein Vertragsverhältnis (vgl. E. 2.2) vorliegt, das den Schutz vor einem Risiko zum Inhalt hat. Ein hierfür allenfalls entspre- chend geleistetes Entgelt würde dann den "Preis" bzw. die Prämie für die Risikoübernahme darstellen (vgl. E. 2.3.1). 3.3.1 Der diskutierte Versicherungsvertrag räumt der versicherten Person zunächst einmal das Recht auf eine lebenslängliche Rente ein (vgl. E. 3.1). Rentenversicherungen der vorliegenden Art dienen dazu, sich gegen die Folgen des Alters zu schützen. Das versicherte Risiko ist somit das Alter bzw. die Langlebigkeit (vgl. statt vieler: JUNGO/MAUTE, a.a.O., S. 25 f.). Wie gesehen (vgl. E. 3.1) , räumt der Vertrag der versicherten Person vertraglich einen Anspruch am Rechnungsüberschuss der B e- schwerdeführerin ein. Die versicherte Person hat die Möglichkeit, den an- gesammelten Überschuss bei Beginn der Rentenzahlungen für eine Ren- tenerhöhung zu verwenden. Anzumerken ist, dass es sich beim Übe r- schussanspruch aber um eine sog. gemischt bedingte Forde rung handelt (vgl. E. 2.4.4) und seine Entstehung und Höhe von Zufälligkeiten a b- hängt. Folglich ist bei Vertragsschluss ungewiss, ob überhaupt die Rente erhöht werden kann und wie hoch diese Rentenerhöhung allenfalls aus- fällt. Eine Rentenerhöhung wird vorliegend denn auch nicht von Anfang an betragsmässig beziffert und garantiert, sondern erst anhand des e r- zielten Überschusses berechnet. 3.3.2 Der vorliegende Versicherungsvertrag verpflichtet die Beschwerd e- führerin für den Fall, dass sich die Bedingung erfüllt hat, d.h. ein Über- schuss entstanden ist (vgl. E. 3.3.1), und die versicherte Person die Aus- zahlung in Form einer Rentenerhöhung gewählt hat, die erhöhte Rente – wie die (Grund-)Rente – lebenslänglich zu leisten (vgl. E. 3. 1). Dies hat für die Beschwerdeführerin die folgende Konsequenz: Wird die versicher- te Person älter , als im Durchschnitt veran schlagt, wird die von der B e- schwerdeführerin zu leistende überschussfinanzierte Rentenerhöhung ih- rer Summe nach insgesamt über den Wert der aufgelaufenen Überschüs- se hinaus gehen . Die Beschwerdeführerin verpflichtet sich somit nicht, "lediglich" den angesparten Überschuss mittels periodischer Rentenleis- tung – also in Raten – auszuzahlen. Vielmehr geht die Beschwerdeführe- rin mit der lebenslänglich auszurichtenden Rentenerhöhung eine weiter- gehende Verpflichtung ein: Sie nimmt ein zusätzliches Risiko auf sich , nämlich das sog. "Langleberisiko", d.h. das Risiko, dass die erzielten und für die zusätzlichen, lebenslangen Renten verwendeten Überschussbetei- ligungen infolge Langlebigkeit der versicherten Person kleiner sind als die tatsächlich auszurichtenden erhöhten Rentenleistungen . Mit anderen A-4711/2012 Seite 13 Worten ist es – entgegen den Ausführungen der Be schwerdeführerin – nicht bloss eine "nachträgliche Korrektur" der "vorsichtig" berechneten "Relation Prämien und Leistungen" . Vielmehr geht die Verrentung der Überschüsse bei Rentenbeginn über eine "Rückvergütung von aus S i- cherheitsgründen überhöhten Prämienbeiträgen" (E. 2.4.2) hinaus. Inso- fern ist die Formulierung, bei der Wahl der Rentenerhöhung werde das Überschussguthaben in Rentenform ausbezahl t, ungenau, weil – wie ausgeführt – die zu leistenden Renten über das angesparte Überschus s- guthaben hinaus gehen können. Mit der Wahl der Verrentung (vgl. E. 3.2) erhält die versicherte Person folglich eine zusätzliche Deckung. Die Lehre ist ebenfalls der Auffassung, dass der Kunde bei der Verrentung des Überschussanteils eine "zusätzli- che Deckung" erhalte, und die "Leistung erhöht" werde (vgl. JUN- GO/MAUTE, a.a.O., S. 31; Lebensversicherung, a.a.O., S. 114). 3.3.3 Eine solche zusätzliche Versicherung wird aber nicht ohne Gegen- leistung der versicherten Person ausgerichtet. Um die lebenslänglich ga- rantierte Rente zu erlangen bzw. zu finanzieren , wird der angesparte Überschuss verwendet, welcher in diese m Zeitpunkt zum Entgelt für die Versicherungsleistung wird. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsge- richts sieht die Vorinstanz die Prämienzahlung – in Form der Einmalpr ä- mie – deshalb zu Recht in der Hingabe des angesparten Überschusses. Die Zahlung erfolgt e dabei – wie die Vorinstanz ebenfalls zu Recht au s- geführt hat – durch Verrechnung des Überschusses mit der Prämie n- schuld, was eine mögliche Form der Zahlung der Prämie darstellt (vgl. E. 2.3.3): Wenn zwei Personen einander Geldsummen oder andere Lei s- tungen, die ihrem Gegenstande nach gleichartig sind, schulden, so kann jede ihre Schuld, insofern beide Forderungen fällig sind, mit ihrer Ford e- rung verrechnen (Art. 120 Abs. 1 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]). Die Beschwerdeführerin hat den Überschuss , bei dem es sich um eine einklagbare Nebenle istungspflicht handelt (vgl. E. 2.4.2), vertraglich zugesichert. Sobald die Überschussanteile den ei n- zelnen Versicherungsnehmenden zugeteilt sind, gelten sie gemäss AVO als geschuldet (vgl. E. 2.4.5). Die Beschwerdeführerin schuldet der versi- cherten Person den vertraglich zugesicherten Überschuss, und die versi- cherte Person schul det der Beschwerdeführerin die Prämie für die Ren- tenerhöhung. Im Zeitpunkt der ersten Renten zahlung waren die gege n- seitig geschuldeten Forderungen fällig (vgl. Art. … i.V.m. Art. … AVB ...) und wurden verrechnet. A-4711/2012 Seite 14 4. Es bleibt, auf die übrigen Einwände der Beschwerdeführerin einzugehen, sofern diese nicht bereits explizit oder implizit widerlegt sind. 4.1 4.1.1 Die Beschwerdeführerin trägt vor, bei der Verrentung der Übe r- schüsse finde kein Verfügungsgeschäft von der versicherten Person hin zur Beschwerdeführerin statt, weshalb es an einem Abgabeobjekt fehle (vgl. auch E. 3.2.2). 4.1.2 Mit diesem Argument bestreitet die Beschwerdeführerin primär das Vorliegen ei ner Prämienzahlung. Sie richtet sich damit auch gegen das Vorliegen der Voraussetzungen der Verrechnung. Wie eben aufgezeigt wurde (E. 3.3.3), liegt in der verrechnungsweisen Hingabe des angespa r- ten Überschusses die Prämienzahlung und damit das für die Entstehung der Stempelsteuer massgebliche Verfügungsgeschäft (vgl. E. 2.3.3). 4.2 4.2.1 Die Beschwerdeführerin argumentiert, der Versicherungsvertrag sei eine "nicht aufteilbare Einheit". Unter Verweis auf BGE 130 I 205 trägt sie vor, durch das Vorgehen der Vorinstanz werde der Versicherungsvertrag unzulässigerweise in Einzelteile zerlegt, was der bundesgerichtliche n Rechtsprechung widerspreche (vgl. auch E. 3.2.2). 4.2.2 4.2.2.1 Zunächst einmal ist das Argument der "Einheit des Vertrages " rechtlich ei nzuordnen. Die Diskussion über die "Einheit des Vertrages" steht im Zusammenhang mit der rechtsdogmatischen Qualifikation der vertraglich vereinbarten Überschussbeteiligung. Dabei geht es um die Frage, ob die Kapitallebensversicherung in sich in verschiedene Verträge aufzuteilen sei . Zahlreiche Autoren befürworten eine solche Aufteilung (sog. "Theorie der Doppelnatur "). D emnach bilde n der Lebensversiche- rungsvertrag einen selbständigen Renten - oder Sparvertrag , der neben dem eigentlichen Versicherungsvertrag abgeschlossen wird und für den der Versicherungsnehmer gesondert eine Prämie zu entrichten hat (zum Ganzen ausführlich PFLEIDERER, a.a.O., S. 60 f.). Die Annahme verschie- dener eigenständiger Verträge böte – so PFLEIDERER – den Vorteil, dass sich die Sicherheitszuschläge separat behandeln liessen und dadurch e i- ne Trennung der dem Unternehmen zustehenden Ergebnisse und der den Versicherten zustehenden Anteile möglich würde, wobei den Vers i- cherungsgesellschaften allein die Überschüsse aus der Geschäftsbeso r-A-4711/2012 Seite 15 gungstätigkeit als solcher zustünden. PFLEIDERER kritisiert an dieser B e- trachtungsweise allerdings, dass eine umfangmässige Zuordnung der verschiedenen Prämienbestandteile – Dienstleistung, Risiko und Sparbei- trag – während der gesamten Vertragsdauer nicht ei ndeutig vorgenom- men werden könne. Die Prämienzahlungspflicht stehe der Leistung des Versicherers vielmehr gesamthaft gegenüber und sei daher einheitlich zu betrachten, so dass kein selbständiger Betrag für die Überschussbeteil i- gung abgespalten werden könne (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 62 f.). Der überwiegende Teil der Lehre geht deshalb davon aus, dass die Kapitall e- bensversicherung mit Beteiligung am Überschuss wirtschaftlich und rechtlich ein "einheitliches und umfassendes Vertragsverhältnis" darstellt. Die Überschussbeteiligung "erweitert die das Vertragsverhältnis charakte- risierende Hauptleistungspflicht in der Kapitallebensversicherung um e i- nen Anspruch auf Überschuss" und kann als "Ausfluss des Versich e- rungsvertrages selbst betrachtet" werden (vgl. PFLEIDERER, a.a.O., S. 65). Zusammengefasst befasst sich die Frage nach der Einheit des Vertrages mit dem Verhältnis von "Überschussbeteiligung" (eine Nebenleistung des Versicherers) und "Prämie" (eine Leistung der versicherten Person) . Die rechtsdogmatische Qualifikation des Überschusses gibt hier zu keinen weiteren Diskussionen Anlass und die Beschwerdeführerin behauptet auch nicht eine Verletzung der "Einheit des Vertrages" in diesem eben dargelegten Sinne. 4.2.2.2 Im von der Beschwerdeführerin unter dem Stichwort "Einheit des Vertrages" angerufenen BGE 130 I 205 entschied das Bundesgericht, dass es "grundsätzlich unzulässig" sei, eine als Ganzes rückkaufsfähige Versicherungspolice in ihre rückkaufsfähigen und nicht rückkaufsfähigen Einzelteile zu zerlegen, um sie dann entsprechend zu besteuern (E. 7.6.5). Leistungen aus Gewinnbeteiligungen (Überschussbeteiligun- gen, Bonus) teilten das steuerliche Schicksal der zu Grunde liegenden Versicherungsleistung (E. 7.6.6). Das Bundesgericht äussert sich hier a l- so stichwortartig zusammengefasst zur steuerlichen Behandlung von "Versicherungsleistung und Überschussbeteiligung" (beides Leistungen des Versicherers) im Falle ihrer Auszahlung an die versicherte Person und damit zu einer and eren Fragestellung als unter E. 4.2.2.1 erläutert (dort ging es um das Verhältnis "Überschussbeteiligung und Prämie" ). Das Bundesgericht spricht denn im angerufenen Urteil auch nie von der "Einheit des Vertrages". A-4711/2012 Seite 16 Indem sich d ie Beschwerdeführerin auf diese Rechtsprechung beruft, übersieht sie dabei zum einen, dass die Vorinstanz gar keine Zerlegung in rück kaufsfähige und nicht rückkaufsfähige Einzelteile vornimmt , so dass der vorliegende Fall mit der vom Bundesgericht beurteilten Konste l- lation von Vornherein nicht vergleichbar ist . Zum anderen verkennt die Beschwerdeführerin, dass das genannte Urteil die Behandlung von Versi- cherungsleistungen im Bereich der Einkommenssteuer zum Inhalt hat. Die Stempelabgabe ist demgegenüber eine Kapitalverkehrssteuer (vgl. E. 2.1), welche sich als indirekte Steuer in ihrer rechtlichen Ausgestaltung wesentlich von der Einkommenssteuer unterscheidet . Sie erfasst nicht – wie bei der Einkommensbesteuerung – Einkünfte aus Versicherungen bzw. Versicherungsleistungen, sondern Vorgänge des Kapitalver kehrs, hier die Bezahlung von Versicherungsprämien. Der vom Bundesgericht aufgestellte Grundsatz, wonach Überschussbeteiligungen das steuerliche Schicksal der zu Grunde liegenden Versicherungsleistung teilen, ist im Lichte des Einkommenssteu errechts zu beurteilen und kann nicht unb e- sehen auf das Rechtsgebiet der Stempelsteuern übertragen werden. Wie wiederholt erwähnt, wurde der angesparte Überschuss, der selber im Üb- rigen keine Versicherungsleistung ist (vgl. E. 2.4.2), dazu verwendet, um eine Rentenerhöhung zu finanzieren. Der Überschuss ist zu diesem Zei t- punkt (in einer logischen Sekunde) tatsächlich und rechtlich nicht mehr Überschuss, sondern bildet Entgelt für die Versicherungsleistung (in Form der Rentenerhöhung). Die Anwendung des Grundsat zes, wonach Über- schussbeteiligung und Versicherungsleistung dasselbe steuerliche Schicksal teilen sollen, ergibt bei dieser Sachlage gar keinen Sinn. Wenn die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang argumentiert, dass "auf dem Grundkapital bei Auszahlung in Rentenfor m … kein Stempel" anfalle, weshalb auch "bei Auszahlung des Überschusskapitals in Re n- tenform kein Stempel" anfallen dürfe, vermischt sie (vermutlich) einko m- mens- mit stempelsteuerrechtlichen Überlegungen und übersieht dabei, dass die Vorinstanz die Stempel abgabe nicht "auf den in Rentenform ausbezahlten Überschüssen" (zur Ungenauigkeit dieser Formulierung vgl. bereits E. 3.3.2) erhoben hat, sondern auf der Prämienzahlung für den "Einkauf" der Rentenerhöhung, wobei die Höhe des angesparten Über- schussguthabens als Bemessungsgrundlage diente. 4.3 4.3.1 Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin vor, m it der Einmalpr ä- mie bei Abschluss der Leibrente seien sämtliche künftige Leistungen und Risiken des betroffenen Vertrages bezahlt worden – auch die Auszahlung der Überschüsse in Rentenform (vgl. auch E. 3.2.2). Anhand modellhafter A-4711/2012 Seite 17 Berechnungen der "Stempelsteuer unter Beachtung der aufsichtsrechtl i- chen Vorgaben auf Grund des Zwangs zur vorsichtigen Kalkulation der Prämie, womit ein Teil der Prämien als Grundkapital i n Rentenform au s- bezahlt und ein Teil der Prämie als Überschusskapital in Rentenform aus- bezahlt wird" sowie der "Stempelsteuer ohne Beachtung der aufsicht s- rechtlichen Vorgaben betreffend Überschuss - und Grundkapital (Modell ohne Sicherheitsmargen und ohne Überschusskapital)" will sie aufzeigen, dass eine einmalige Erhebung des Versicherungsstempels bei Vertrag s- schluss zu einer gerechten und in sich stimmigen Besteuerung führe. Im Modell "ohne Sicherheitsmargen und ohne Überschusskapital" wird der in der modellhaften Berechnung als real angenommener Marktzins "von An- fang weitergegeben" und dem zu verrentenden Kapital zugeschlagen. Im Modell "unter Beachtung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben" wird das Überschussguthaben aus der Differenz zwischen dem technische n Zins und dem als real angenommenen Marktzins gebildet und separat ausge- wiesenen. Basierend auf diesen Berechnungen versucht sie darzulegen , dass eine Besteuerung des Überschusskapitals im Modell "unter Beac h- tung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben" im Vergleich zum "Modell ohne Überschusskapital und ohne Sicherheitsmargen" , wo der "Marktzins von Anfang weitergegeben werde", zu einer abgaberechtlichen "Mehrbelas- tung" führe. 4.3.2 Hinsichtlich der Modellberechnungen ist mit der Vorinstanz festz u- halten, dass nur der konkrete Fall zu beurteilen ist und nicht Vergleiche mit hypothetischen Konstellationen anzustellen sind, die nicht dem ge l- tenden Recht entsprechen und deren steuerrechtliche Beurteilung folglich gänzlich unklar ist. In diesem Sinne ist vorliegend einzig zu beurteilen, welche stempelsteuerrechtlichen Folgen sich ergeben, wenn – wie hier – angesparte Überschussguthaben dazu verwendet werden, eine Renten- erhöhung zu finanzieren. Dass die Beschwerdeführerin bestrebt sein dürf- te, die Risiken einer gegebenenfalls zu leistenden Rentenerhöhung bei ihren Rentenberechnungen von Anfang an zu berücksichtigen bzw. zu minimieren, liegt gleichsam im "Wesen" des Versicherungsgeschäfts bzw. gehört zur sorgfältigen Planung und Erhaltung der Solvenz des Versiche- rungsunternehmens. Die Entstehung und die Höhe von Überschüssen ist jedoch trotz aller Vorsicht und Umsicht mit Unsicherheiten belastet und kann nicht mit absoluter Gewissheit voraus gesehen werden (E. 2.4.2, 2.4.3). Die Beteiligten wissen bei Vertragsabschluss nicht mit letzter S i- cherheit, ob überhaupt und gegebenenfalls in welcher Höhe ein Übe r- schuss entsteht, hängt doch ein solcher nicht allein vom Willen des Versi- cherungsunternehmens ab (vgl. E. 2.4.4, gemischt bedingte Forde rung). A-4711/2012 Seite 18 Die Beschwerdeführerin garantiert der versicherten Person denn auch weder, dass eine Rentenerhöhung erfolgen wird, noch beziffert sie deren Höhe (vgl. E. 3.1.1). Erst bei Beginn der Rentenzahlung wird eine allfäll i- ge Rentenerhöhung auf der Basis der tatsächlich erzielten Überschüsse anhand des zum Zeitpunkt der Erhöhung gültigen Tarifs (vgl. E. 3.1) be- rechnet. Es ist vor diesem Hintergrund deshalb nicht einzusehen, dass mit der Prämienzahlung bei Vertragsschluss sämtliche Leistungen "ein- gekauft" worden sein sollen , wie die Beschwerdeführerin b ehauptet. An dem Umstand, dass bei Vertragsschluss kein Überschuss und damit kei- ne Rentenerhöhung garantiert werden, zeigt sich vielmehr erneut deut- lich, dass die Verwendung des angefallenen Überschussgutha bens fü r die Finanzierung einer lebenslänglich garantierte n Rentenerhöhung die Prämienzahlung für eine zusätzliche Leistung darstellt. 5. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Die Verfahrenskos- ten vor dem Bundesverwaltungsgericht, welche auf CHF ….-- festgesetzt werden, sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Eine Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario) . Für die Zuspr e- chung einer Entschädigung für das Einspracheverfahren bleibt von vor n- herein bereits aus diesem Grund kein Raum. (Dispositiv nächste Seite) A-4711/2012 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von CHF ….-- werden der Beschwerdeführerin auf- erlegt. Sie werden mit dem von ihr in gleicher Höhe geleisteten Kosten- vorschuss verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. …; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Beusch Iris Widmer Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rech tsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthal ten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: