ALV 200 2024 702 KOJ/PES/STA Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil des Einzelrichters vom 3. April 2025 Verwaltungsrichter Kölliker Gerichtsschreiber Peter A.________ Beschwerdeführerin gegen Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern Beschwerdegegner betreffend Einspracheentscheid vom 18. September 2024 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -2- Sachverhalt: A. A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) bezog vom 1. Juli 2022 bis 31. Mai 2023 Leistungen der Arbeitslosenversicherung (Akten des Amts für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern [AVA bzw. Beschwerdegegner], Dossier Arbeitslosenkasse … [act. II] 110, 114 f., 118, 131, 134, 138, 141, 145, 151, 156, 161). Nachdem das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO der Arbeitslosenkasse Anfang 2024 gemeldet hatte, dass im individuellen Konto der Versicherten bei der Ausgleichskasse für die Zeit des Arbeitslosenentschädigungsbezugs auch Beiträge aus einem Arbeitsverhältnis abgerechnet wurden (vgl. act. II 105 ff.), prüfte die Ar- beitslosenkasse einen eventuellen Doppelbezug (act. II 61 ff.). Aufgrund des ihr neu bekannt gewordenen Arbeitsverhältnisses der Versicherten im massgebenden Zeitraum korrigierte die Arbeitslosenkasse in der Folge den versicherten Verdienst und die Arbeitslosenentschädigungsabrechnungen (vgl. act. II 27 ff. und 46 ff.) und forderte gestützt hierauf mit Verfügung vom 24. Juli 2024 (act. II 43 ff.) Fr. 5'470.40 der ausbezahlten Leistungen als unrechtmässig bezogen zurück. Die dagegen erhobene Einsprache der Versicherten vom 15. August 2024 (act. II 34) hiess das AVA (Rechts- dienst) mit Entscheid vom 18. September 2024 (act. II 6 ff.) insoweit teil- weise gut, als es den Rückforderungsbetrag auf Fr. 5'440.55 reduzierte. Soweit weitergehend wies es die Einsprache ab und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung (act. II 10). B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte am 18. Oktober 2024 (Datum der Postaufgabe) Beschwerde mit den Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, auf eine Rückforderung sei zu verzichten und allfällige Leistungen seien entsprechend dem gesetzlichen Anspruch auszurichten. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -3- Mit Beschwerdeantwort vom 14. November 2024 schloss der Beschwerde- gegner auf teilweise Gutheissung der Beschwerde. Der versicherte Ver- dienst sei von Fr. 1'462.-- auf Fr. 1'504.-- zu erhöhen, wodurch sich der Rückforderungsbetrag auf Fr. 5'115.15 reduziere. Die Beschwerdeführerin erhielt in der Folge Gelegenheit zur allfälligen Stel- lungnahme, wovon sie keinen Gebrauch machte. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 der Verordnung vom 31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmun- gen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -4- 1.2Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid des Beschwer- degegners vom 18. September 2024 (act. II 6 ff.). Streitig und zu prüfen ist die Rückforderung von Arbeitslosenentschädigung für die Zeit von Juli 2022 bis Mai 2023 im Umfang von total Fr. 5'440.55. 1.3Der Streitwert liegt mit Fr. 5'440.55 unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat, wer unter anderem ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 8 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 10 AVIG) und einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 8 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 11 AVIG). Als ganz arbeitslos gilt, wer in keinem Arbeitsverhält- nis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht (Art. 10 Abs. 1 AVIG). Als teilweise arbeitslos gilt, wer in keinem Arbeitsverhältnis steht und lediglich eine Teilzeitbeschäftigung sucht (Art. 10 Abs. 2 lit. a AVIG) oder eine Teil- zeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder eine weitere Teilzeitbeschäfti- gung sucht (Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG). Nach Art. 11 Abs. 1 AVIG ist der Arbeitsausfall anrechenbar, wenn er einen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinander folgende volle Arbeitstage dauert. 2.2Als Zwischenverdienst gilt jedes Einkommen aus unselbstständiger oder selbstständiger Erwerbstätigkeit, das die arbeitslose Person innerhalb einer Kontrollperiode erzielt (Art. 24 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Auch die von Teilarbeitslosen im Sinne von Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG weiterhin ausgeübte teilzeitliche Tätigkeit ist als Zwischenverdienst zu qualifizieren (BGE 150 V 235 E. 4.2 S. 237,141 V 426 E. 5.1 S. 430, 127 V 479 E. 2 S. 480; ARV 2011 S. 162 E. 3). Die versicherte Person hat Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls (Art. 24 Abs. 1 Satz 2 AVIG). Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwischen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -5- mindestens aber dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem versicherten Verdienst. Ein Nebenverdienst (Art. 23 Abs. 3 AVIG; vgl. E. 2.3 hiernach) bleibt unberücksichtigt (Art. 24 Abs. 3 AVIG). 2.3Als versicherter Verdienst gilt laut Art. 23 Abs. 1 AVIG der massge- bende Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 20. De- zember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) i.V.m. Art. 7 der Verordnung vom 31. Oktober 1947 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101), der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnis- sen normalerweise erzielt wurde. Darin eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeitsbedingte Inkonvenienzen darstellen (BGE 144 V 195 E. 4.1 S. 198). Nicht versichert ist ein Nebenverdienst. Als solcher gilt jeder Verdienst, den ein Versicherter ausserhalb seiner normalen Arbeitszeit als Arbeitnehmer oder ausserhalb des ordentlichen Rahmens seiner selbstständigen Er- werbstätigkeit erzielt (Art. 23 Abs. 3 AVIG). 2.4Für die Anmeldung und zur Abklärung des Anspruches auf Leistun- gen geben die Versicherungsträger unentgeltlich Formulare ab, die vom Ansprecher oder seinem Arbeitgeber und allenfalls vom behandelnden Arzt vollständig und wahrheitsgetreu auszufüllen und dem zuständigen Versi- cherungsträger zuzustellen sind (Art. 29 Abs. 2 ATSG). 2.5 2.5.1Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 95 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG). 2.5.2Zu Unrecht bezogene Geldleistungen, die auf einer formell rechts- kräftigen Verfügung beruhen, können, unabhängig davon, ob die zur Rück- forderung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder formlos verfügt wor- den sind, nur zurückgefordert werden, wenn entweder die für die Wieder- erwägung (wegen zweifelloser Unrichtigkeit und erheblicher Bedeutung der Berichtigung; Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder die für die prozessuale Revision (wegen vorbestandener neuer Tatsachen oder Beweismittel; Art. 53 Abs. 1 ATSG) bestehenden Voraussetzungen erfüllt sind (BGE 150 V 89 E. 3.1.4 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -6- S. 95, 142 V 259 E. 3.2 S. 260, 130 V 318 E. 5.2 S. 320; SVR 2019 UV Nr. 3 S. 9, 8C_121/2017 E. 3.1). 2.5.3Der Rückforderungsanspruch erlischt drei Jahre, nachdem die Ver- sicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre seit der Auszahlung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstat- tungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massge- bend (Art. 25 Abs. 2 ATSG). 3. 3.1Aufgrund der Akten erstellt und zwischen den Parteien unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin vom 1. Juli 2022 bis 31. Mai 2023 Leis- tungen der Arbeitslosenversicherung bezogen (act. II 110, 114 f., 118, 131, 134, 138, 141, 145, 151, 156, 161) und dabei ihre (auch) in dieser Zeit er- brachte Erwerbstätigkeit bei der B.________ (act. II 65-103, 107) nicht an- gegeben hat (act. II 112, 117, 130, 133, 136, 140, 144, 149, 153, 160, 175, 223 f.; Beschwerde S. 2). Sie hat damit ihre Auskunfts- und Meldepflicht (vgl. E. 2.4 hiervor) verletzt: Mit dem Formular "Antrag auf Arbeitslosenent- schädigung" (act. II 222 ff.) wurde die Beschwerdeführerin unter Punkt 29 zum Tätigkeitsnachweis der letzten zwei Jahre aufgefordert und in Punkt 12 explizit gefragt, ob sie gegenwärtig noch ein Einkommen aus selbst- ständiger oder unselbstständiger Erwerbstätigkeit erziele. Trotzdem hat es die Beschwerdeführerin unterlassen, ihre seit 1. Juli 2019 und über den Zeitraum der Arbeitslosigkeit von 1. Juli 2022 bis 31. Mai 2023 hinaus be- standene Erwerbstätigkeit bei der B.________ anzugeben. Hierzu wäre sie selbst dann verpflichtet gewesen, wenn es sich dabei um einen nicht versi- cherten Nebenverdienst im Sinne von Art. 23 Abs. 3 AVIG gehandelt hätte, der gemäss Art. 24 Abs. 3 AVIG bei der Berechnung des Zwischenver- dienstes unberücksichtigt bliebe, zumal die diesbezügliche rechtliche Quali- fikation der Verwaltung obliegt (ARV 2017 S. 233; BARBARA KUPFER BU- CHER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl. 2019, Art. 23 S. 173). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -7- Beim bei der B.________ erzielten Erwerbseinkommen handelt es sich unstrittig um versicherten Verdienst und nicht um einen nicht versicherten Nebenerwerb im Sinne von Art. 23 Abs. 3 AVIG, zumal die Beschwerdefüh- rerin diese Erwerbstätigkeit nicht über eine Vollzeitstelle hinausgehend (zusätzlich) ausgeübt hat (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 8C_654/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 5.2; vgl. THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosen- versicherung, in: ULRICH MEYER [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwal- tungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 2377 N. 368) und das dort erzielte Einkommen auch nicht als unbeachtlicher "Kleinstverdienst" qualifiziert werden kann (vgl. KUPFER BUCHER, a.a.O., Art. 23 S. 173). Dies bedeutet, dass das bei der B.________ erzielte Er- werbseinkommen einerseits bei der Berechnung des versicherten Ver- dienstes zu berücksichtigen und andererseits in der Zeit der Arbeitslosigkeit als Zwischenverdienst anzurechnen ist. Etwas anderes wird denn auch beschwerdeweise nicht geltend gemacht. 3.2Die Zusprache der Arbeitslosenentschädigung für die Kontrollperi- oden Juli 2022 bis Mai 2023 erfolgte mittels Taggeldabrechnungen (vgl. act. II 110, 115, 118, 131, 134, 138, 141, 145, 151, 156, 161). Diese form- losen Mitteilungen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft, weshalb eine Rückforderung nur unter den Voraussetzungen der prozessualen Revision respektive der Wiedererwägung möglich ist (Art. 53 Abs. 1 f. ATSG; vgl. E. 2.5.2 hiervor). Die Arbeitslosenkasse erhielt erst im Rahmen der Mel- dung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO (act. II 105 ff.) und den daraufhin getätigten weitergehenden Abklärungen (act. II 61 ff.) Kenntnis von der Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin bei der B.________ und insbesondere des dafür erhaltenen massgebenden Lohnes. Indem die Ar- beitslosenkasse hiervon erst nachträglich, mithin nach der erfolgten Zu- sprache der Arbeitslosenentschädigung, erfuhr, besteht in diesem Umfang ohne weiteres eine die prozessuale Revision begründende neue Tatsache (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bun- desgericht] C 85/04 vom 11. Oktober 2004 E. 1.3); vorliegend sind aber auch die Voraussetzungen der Wiedererwägung erfüllt. Aufgrund der vor der Meldung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO (act. II 105 ff.) und den daraufhin getätigten weitergehenden Abklärungen (act. II 61 ff.) feh- lenden Kenntnis der Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin bei der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -8- B.________ hat die Verwaltung einerseits den versicherten Verdienst da- mals falsch berechnet und andererseits das Einkommen bei der B.________ in den Taggeldabrechnungen nicht als Zwischenverdienst berücksichtigt und so zu hohe Leistungen ausbezahlt. Die Ausrichtung der Taggelder war damit im Umfang der nicht berücksichtigten Tätigkeit bei der B.________ zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Be- deutung. Die Arbeitslosenkasse durfte nach dem Dargelegten auf die – ohne Einbe- zug der Erwerbstätigkeit bei der B.________ erfolgten – Leistungsabrech- nungen zurückkommen und diese unter Berücksichtigung des betreffenden Einkommens nachträglich korrigieren. 3.3Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, ihr sei nicht bewusst gewesen, dass sie bei der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenent- schädigung auch ihre seit 1. Juli 2019 und über den Zeitraum der Arbeits- losigkeit von 1. Juli 2022 bis 31. Mai 2023 hinaus bestandene Erwerbs- tätigkeit bei der B.________ hätte angeben müssen, ist festzuhalten, dass sich diese Pflicht ohne weiteres sowohl aus dem Formular "Antrag auf Ar- beitslosenentschädigung" (act. II 222 ff.; vgl. E. 3.1 hiervor) als auch aus den von der Beschwerdeführerin ausgefüllten Formularen "Angaben der Versicherten Person für den Monat" ergibt, in denen explizit vermerkt ist, dass der Kasse unbedingt jede Arbeit zu melden ist, die während des Be- zugs von Arbeitslosenentschädigung ausgeführt wird (siehe act. II 111, 116, 129, 132, 135, 139, 143, 148, 152, 159, 174). Auf die diesbezügliche Meldepflicht wurde die Beschwerdeführerin seitens der Arbeitslosenkasse durch ein allgemeines Informationsblatt (Beilage zum Schreiben vom 31. Mai 2022 [act. II 215 ff.]) sowie mit den genannten Formularen aus- drücklich hingewiesen, weshalb sie sich nicht auf eine fehlende/ mangelhafte Information der Verwaltung berufen kann. Da die Beschwerde- führerin in Verletzung ihrer Meldepflicht der Arbeitslosenkasse jeden Hin- weis darauf, dass sie nebst dem verlorenen Arbeitsverhältnis noch eine weitere unselbstständige Erwerbstätigkeit ausübte, schuldig blieb (ihre Erwerbstätigkeit bei der B.________ findet nicht einmal in ihrem Lebenslauf [in den Verfahrensakten] Erwähnung), bestand für die Arbeitslosenkasse kein Anlass, die Beschwerdeführerin hinsichtlich Vermittlungsgrad bei einer Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -9- (ihr nicht bekannten) fortbestehenden Teilerwerbstätigkeit speziell aufzu- klären und zu beraten. Die Arbeitslosenkasse hat nach dem Dargelegten keine behördliche Auskunft unterlassen, welche gesetzlich vorgeschrieben oder nach den Umständen geboten war. Mit Blick hierauf kann die Be- schwerdeführerin aus Vertrauensschutz (BGE 149 V 203 E. 5.1 S. 214, 143 V 341 E. 5.2.1 S. 346) nichts zu ihren Gunsten ableiten. 3.4Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurde zu Recht festgestellt, dass bei der Korrektur der Leistungsabrechnungen als Zwischenverdienst der Kontrollperiode Oktober 2022 irrtümlicherweise Fr. 636.05 statt der tatsächlich erzielten Fr. 785.70 angerechnet wurden (act. II 54 i.V.m. act. II 61 und act. II 65) und dass die Kontrollperiode März 2023 nur teilwei- se abgerechnet war (act. II 49 i.V.m. act. II 124 ff.). Diese Fehler wurden mit dem Einspracheentscheid vom 18. September 2024 (act. II 6 ff.) korri- giert (siehe act. II 8 f. sowie act. II 11 f.). Mit Beschwerdeantwort vom 14. November 2024 weist der Beschwerdegegner im vorliegenden Verfah- ren zugunsten der Beschwerdeführerin daraufhin, dass bei Erlass der Rückforderung im System bei einem durchschnittlichen Verdienst von Fr. 2'468.85 (resp. gerundet Fr. 2'469.--) pro Monat irrtümlicherweise der falsche Beschäftigungsgrad erfasst worden sei (50.68 statt 49.26 Prozent; vgl. Beschwerdeantwort S. 5 Ziff. 5), was aufgrund der Akten zu bestätigen ist (act. II 27 i.V.m. act. II 17 f., act. II 11 f. und act. II 47 ff.). Entsprechend erhöht sich der versicherte Verdienst in Übereinstimmung mit dem Be- schwerdegegner von Fr. 1'462.-- auf Fr. 1'504.-- (Fr. 2'469.-- / 49.26 % Be- schäftigungsgrad x 30 % Vermittlungsgrad). Für eine rückwirkende Anpas- sung des Vermittlungsgrades abweichend von den echtzeitlich sowohl ge- genüber der Arbeitslosenkasse als auch dem RAV gemachten Angaben der Beschwerdeführerin eines Vermittlungsgrades von 30 % (siehe act. II 222 Punkt 3 und act. II 230 oben) bleibt – angesichts der dem echtzeitlich angegebenen tiefen Vermittlungsgrad entsprechend bloss geringfügigen Arbeitsbemühungen während der Arbeitslosigkeit (siehe die Nachweise der persönlichen Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin in den Verfah- rensakten) und damit abweichend von den echtzeitlichen Gegebenheiten allein im Hinblick auf die Berechnung der Rückforderung – vorliegend kein Raum. Aus dem von der Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang angeführten Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -10- 1. November 2022 (VBE.2022.26) kann die Beschwerdeführerin nichts wei- teres zu ihren Gunsten ableiten, zumal sie selber auf Ausführungen dazu verzichtet und das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau für das vorliegend urteilende Verwaltungsgericht des Kantons Bern ohnehin nicht verbindlich ist. Damit erübrigen sich auch Weiterungen zu den beste- henden Unterschieden im Sachverhalt. 3.5Bei einem versicherten Verdienst von nach dem Dargelegten Fr. 1'504.-- (vgl. E. 3.4 hiervor) resultiert unter Anrechnung der in den Kon- trollperioden Juli 2022 bis Mai 2023 bei der B.________ erzielten Zwi- schenverdienste ein Rückforderungsbetrag von Fr. 5'115.15 (für die Kon- trollperioden Juli 2022 bis Februar 2023 und die Kontrollperioden April und Mai 2023 Rückforderungsbeträge von Fr. 264.75 [Juli 2022], Fr. 596.75 [August 2022], Fr. 361.75 [September 2022], Fr. 595.10 [Oktober 2022], Fr. 468.10 [November 2022], Fr. 534.55 [Dezember 2022], Fr. 596.20 [Ja- nuar 2023], Fr. 466.60 [Februar 2023], Fr. 466.60 [April 2023] und Fr. 791.30 [Mai 2023] sowie für die Kontrollperiode März 2023 eine Nach- zahlung von Fr. 26.55; vgl. die Berechnung in der Beschwerdeantwort S. 6). Die Arbeitslosenkasse erhielt erst im Rahmen der Meldung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO (act. II 105 ff.) und den daraufhin getätigten weitergehenden Abklärungen (act. II 61 ff.), mithin im April 2024, Kenntnis vom Rückforderungsanspruch aufgrund des von der Beschwerde- führerin bei der B.________ erzielten Verdienstes. Da es um Leistungen ab Juli 2022 geht und die Arbeitslosenkasse die Rückforderung im Juli 2024 verfügt hat (act. II 43 ff. i.V.m. act. II 58 ff.), sind sowohl die dreijährige rela- tive Verwirkungsfrist ab Kenntnis des Rückforderungsanspruchs als auch die absolute fünfjährige Verwirkungsfrist ab der Auszahlung der einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 2 ATSG; vgl. E. 2.5.3 hiervor) ohne weiteres ge- wahrt. Der Rückforderungsanspruch ist mithin nicht verwirkt. 3.6Nach dem Dargelegten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwer- de der angefochtene Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 18. September 2024 (act. II 6 ff.) insoweit abzuändern, als die Rückforde- rung auf Fr. 5'115.15 zu reduzieren ist. Im Übrigen ist die Beschwerde ab- zuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -11- 4. 4.1In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. f bis ATSG (Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 4.2Trotz ihres teilweisen Obsiegens hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da der Aufwand zur Wahrung ihrer Interessen vorliegend den Rahmen dessen nicht überschritten hat, was der Einzelne üblicher- und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat (vgl. BGE 127 V 205 E. 4b S. 207). Demnach entscheidet der Einzelrichter: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Ein- spracheentscheid des Amts für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst, vom 18. September 2024 insoweit abgeändert, als die Rückforderung auf Fr. 5'115.15 reduziert wird. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien- tschädigung zugesprochen. 3. Zu eröffnen (R): - A.________ - Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst - Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. April 2025, ALV 200 2024 702 -12- Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.