<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 56 S.235</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">235</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>56 Weitgehend</b></span> <span class="ft2"><b>überbautes</b></span> <span class="ft2"><b>Gebiet</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Der Begriff des weitgehend überbauten Gebietes ist parzellenüber-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>greifend und gebietsbezogen zu verstehen.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Sehr stark genutzte Erschliessungsanlagen können zusammen mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>umliegenden Gebäuden einen Siedlungszusammenhang begründen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 27. August 2003, 4. Kammer, in</span><br/> <span class="ft3">Sachen H. gegen den Grossen Rat und den Regierungsrat</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. c) Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. X und der unüberbaute Teil der Parzelle Nr. Y zum weitgehend</span><br/> <span class="ft1">überbauten Gebiet gemäss Art. 15 lit. a RPG gehören. Sie würden</span><br/> <span class="ft1">eine Fläche von total rund 0.9 ha umfassen und seien auf drei Seiten</span><br/> <span class="ft1">von der Bauzone WG3, als welche auch die O.-strasse ausgeschieden</span><br/> <span class="ft1">sei, umschlossen. Eine Baulücke sei nach der bundesgerichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung bei einer Grösse der fraglichen unüberbauten Fläche</span><br/> <span class="ft1">von weniger als etwa 1.4 ha anzunehmen.</span><br/> <span class="ft1">aa) Der Begriff des "weitgehend überbauten Landes" gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 15 lit. a RPG umfasst im Wesentlichen den geschlossenen Sied-</span><br/> <span class="ft1">lungsbereich und eigentliche Baulücken innerhalb dieses Bereichs</span><br/> <span class="ft1">(Bundesgericht, in: ZBl 103/2002, S.</span> <span class="ft1">659 f. mit Hinweisen;</span><br/> <span class="ft1">BGE 122 II 462; AGVE 1997, S. 272; Felix Jost, Grösse und Lage</span><br/> <span class="ft1">von Bauzonen, Diss. Zürich 2000; S. 102). Gleich verhält es sich mit</span><br/> <span class="ft1">dem Begriff des weitgehend überbauten Gebiets im Sinne von</span><br/> <span class="ft1">Art. 36 Abs. 3 RPG (Alexandre Flückiger und Alexander Ruch in:</span><br/> <span class="ft1">Heinz Aemisegger/Alfred Kuttler/Pierre Moor/Alexander Ruch</span><br/> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1999, Art. 15 N 58 ff. und Art. 36 N 26). Baulücken sind</span><br/> <span class="ft1">einzelne unüberbaute Parzellen, die unmittelbar an das überbaute</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">236</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Land grenzen, in der Regel bereits erschlossen sind und eine relativ</span><br/> <span class="ft1">geringe Fläche aufweisen. Die Nutzung der Baulücke wird</span><br/> <span class="ft1">vorwiegend von der sie umgebenden Überbauung geprägt: Das</span><br/> <span class="ft1">unüberbaute Land muss also zum geschlossenen Siedlungsbereich</span><br/> <span class="ft1">gehören, an der Siedlungsqualität teilhaben und von der bestehenden</span><br/> <span class="ft1">Überbauung so stark geprägt sein, dass sinnvollerweise nur ihre</span><br/> <span class="ft1">Aufnahme in die Bauzone in Frage kommt. Dazu zählen auch</span><br/> <span class="ft1">Baulücken von untergeordneter Bedeutung. Der Begriff der</span><br/> <span class="ft1">"weitgehenden Überbauung" ist somit nach der Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft1">gebietsbezogen, parzellenübergreifend zu verstehen. Der vorhandene</span><br/> <span class="ft1">Zustand auf einem Grundstück ist in seiner Gesamtheit und im</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit den Verhältnissen auf benachbarten Parzellen zu</span><br/> <span class="ft1">betrachten. Der Siedlungscharakter ist vor allem auf Grund der</span><br/> <span class="ft1">örtlichen Nähe der Häuser sowie der vorhandenen Infrastruktur</span><br/> <span class="ft1">feststellbar. Dagegen sind peripher gelegene Gebiete, selbst wenn</span><br/> <span class="ft1">dort schon eine gewisse Bautätigkeit eingesetzt hat, sowie unüber-</span><br/> <span class="ft1">baute Flächen, denen im Verhältnis zu dem sie umgebenden Land</span><br/> <span class="ft1">eine eigenständige Bedeutung zukommt, nicht als weitgehend über-</span><br/> <span class="ft1">bautes Gebiet zu betrachten. Grössere Baulücken in besiedeltem Ge-</span><br/> <span class="ft1">biet dienen der Auflockerung der Siedlungsstrukturen und der Erhö-</span><br/> <span class="ft1">hung der Wohnqualität durch Grünflächen (vgl. Art. 1 Abs. 2 lit. b</span><br/> <span class="ft1">und Art. 3 Abs. 3 lit. e RPG). Sie werden nicht von der sie umgeben-</span><br/> <span class="ft1">den Überbauung geprägt, sondern haben eine eigenständige Funktion</span><br/> <span class="ft1">(BGE 121 II 424 f. mit zahlreichen Hinweisen). Eine weitgehende</span><br/> <span class="ft1">Überbauung ist eine effektiv bewohnte und benutzte Häusergruppe,</span><br/> <span class="ft1">die zudem von derartiger Qualität ist, dass sie sinnvollerweise nur</span><br/> <span class="ft1">der Bauzone zugeteilt werden kann. Nur die in eine Bauzone gehö-</span><br/> <span class="ft1">renden Bauten, d.h. diejenigen des allgemeinen Siedlungszusam-</span><br/> <span class="ft1">menhangs, sind bei der Beurteilung, ob bereits eine weitgehende</span><br/> <span class="ft1">Überbauung besteht, zu berücksichtigen. Landwirtschaftliche und</span><br/> <span class="ft1">andere, primär für die Freilandnutzung bestimmte Bauten, geben in</span><br/> <span class="ft1">der Regel kein oder nur ein wenig gewichtiges Argument für die</span><br/> <span class="ft1">Zuteilung zur Bauzone ab (VGE IV/8 vom 15.</span> <span class="ft1">April 2003</span><br/> <span class="ft1">[BE.2002.00119] in Sachen S., S. 13 f.; BGE 116 Ia 201; BGE 113</span><br/> <span class="ft1">Ia 450 ff.).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Planungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">237</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Beurteilung ist nach dieser Rechtsprechung nicht nur nach</span><br/> <span class="ft1">rein quantitativen Kriterien, sondern unter Berücksichtigung der Art</span><br/> <span class="ft1">der Umgebung, dem Verhältnis der nicht überbauten Fläche und den</span><br/> <span class="ft1">sie umgebenden, überbauten Gebieten sowie der Nutzungsmöglich-</span><br/> <span class="ft1">keiten vorzunehmen. Der Siedlungszusammenhang kann auch bei</span><br/> <span class="ft1">peripheren Gebieten nicht zum vornherein verneint werden (siehe</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1997 S. 272 ff.; BGE 122 II 332 f.).</span><br/> <span class="ft1">bb) Das umstrittene Gebiet mit einer Fläche von ca. 0.9 ha wird</span><br/> <span class="ft1">im Norden durch die als WG3 ausgeschiedene O.-strasse begrenzt.</span><br/> <span class="ft1">Jenseits der O.-strasse in der Spezialzone "G." mit landwirtschaftli-</span><br/> <span class="ft1">cher Nutzung befinden sich der Landwirtschaftsbetrieb der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin, ein Einfamilienhaus mit ausschliesslicher Wohn-</span><br/> <span class="ft1">nutzung und die Hofgebäude eines weiteren Landwirtschaftsbetrie-</span><br/> <span class="ft1">bes. Hinter den erwähnten Gebäuden steigt der in der Landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftszone liegende Hang steil an. Die Parzelle Nr. X stösst im</span><br/> <span class="ft1">Westen an die Verbindung zwischen L.- und O.-strasse (Knoten G.)</span><br/> <span class="ft1">und ein Autocenter in der WG3. Die im östlichen Drittel der Parzelle</span><br/> <span class="ft1">Nr. Y liegende Reithalle befindet sich ebenfalls in der WG3. Auf der</span><br/> <span class="ft1">östlich anschliessenden Parzelle Nr. Z befindet sich das alte Gebäude</span><br/> <span class="ft1">einer Autogarage ebenfalls in der WG3. Im Süden grenzen die um-</span><br/> <span class="ft1">strittenen Parzellen an den schmalen, unüberbauten Ausläufer der</span><br/> <span class="ft1">Parzelle Nr. W in der Spezialzone "G.", auf welcher ein Landwirt-</span><br/> <span class="ft1">schaftsbetrieb steht. Unmittelbar angrenzend an die Parzelle Nr. W</span><br/> <span class="ft1">folgt die stark befahrene L.-strasse.</span><br/> <span class="ft1">cc) Weder das allein stehende Einfamilienhaus mit seiner aus-</span><br/> <span class="ft1">schliesslichen Wohnnutzung noch die aus Darstellungsgründen der</span><br/> <span class="ft1">WG3 zugewiesene O.-strasse können für sich alleine einen Sied-</span><br/> <span class="ft1">lungszusammenhang gegen Norden begründen. Auch die bestehen-</span><br/> <span class="ft1">den drei landwirtschaftlich genutzten Hofgebäude geben kein ge-</span><br/> <span class="ft1">wichtiges Argument für die Zuteilung einer Parzelle zur Bauzone ab</span><br/> <span class="ft1">(siehe vorne, Erw. aa). Bei einer gesamtheitlichen Betrachtung des</span><br/> <span class="ft1">betroffenen Schildes fällt jedoch auf, dass die umstrittene, relativ</span><br/> <span class="ft1">kleine, freie Fläche von den sie umgebenden, grossen Bauten, insbe-</span><br/> <span class="ft1">sondere vom Autocenter im Westen sowie von der Reithalle und der</span><br/> <span class="ft1">Autogarage im Osten stark geprägt ist. Dieser Eindruck wird durch</span><br/> <span class="ft1">die enge Begrenzung des Schildes durch die O.-strasse und die sehr</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">238</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">stark befahrene L.-strasse noch verstärkt. Zusammen mit dem Wohn-</span><br/> <span class="ft1">haus, dem auf der Nordseite relativ steil ansteigenden Hang und den</span><br/> <span class="ft1">drei landwirtschaftlichen Wohngebäuden ist im konkreten Fall von</span><br/> <span class="ft1">einer weitgehenden Überbauung auszugehen. Die unüberbaute Flä-</span><br/> <span class="ft1">che von lediglich 0.9 ha hat in ihrer Umgebung zwischen den Ge-</span><br/> <span class="ft1">bäuden der WG3 und den beiden Strassen keinen eigenständigen</span><br/> <span class="ft1">Charakter mehr und wird als Lücke in mehrheitlich überbautem</span><br/> <span class="ft1">Gebiet wahrgenommen. Eine sinnvolle landwirtschaftliche Nutzung</span><br/> <span class="ft1">der umstrittenen Parzellen ist auf Grund der Kleinheit des Schildes</span><br/> <span class="ft1">(0.9 ha) und der engen Begrenzung durch die stark befahrenen Stras-</span><br/> <span class="ft1">sen kaum mehr möglich, weshalb sich eine Zuweisung der umstritte-</span><br/> <span class="ft1">nen Parzellen zur Bauzone geradezu aufdrängt.</span><br/></div> </div> </body> </html>