Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 28. Mai 2015 (725 15 61 / 132) ____________________________________________________________________ Unfallversicherungsgesetz Die geklagten psychischen Beschwerden sind nicht adäquat kausal zum Unfallereignis; die somatischen Unfallfolgen führen lediglich zu einer Einschränkung der Arbeitsfähig- keit von 20 % Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- terin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____, Beschwerdeführerin gegen Basler Versicherungen AG , Aeschengraben 21, Postfach , 4002 Basel, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer, Advokat, Güterstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Die 1958 geborene A.____ war seit dem 1. April 2 007 beim X.____ als Teamleiterin Reinigung OP angestellt und in dieser Eigenschaft bei den Basler Versicherungen (nachfolgend BASLER) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit „Schadenmeldung UVG“ vom 30. September 2009 meldete die Arbeitgeberin, d ass A.____ sich am 27. September 2009 an Glassplittern geschnitten habe, nachdem eine Gla svase auf dem Schreibtisch umgefallen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Dabei wurde die Beugesehne und das ulnare Gefässn ervensystem des rechten Daumens durchtrennt. Gemäss Operationsbericht des X.____ vom 1. Ok tober 2009 wurden zunächst sämtliche Strukturen primär genäht. In der Folge wurde n mehrere Eingriffe am verletzten rech- ten Daumen durchgeführt. Nachdem die BASLER nach Ei ngang der Unfallmeldung für die Hei- lungskosten aufgekommen war und Taggeldzahlungen entspre chend der ausgewiesenen Ar- beitsunfähigkeit geleistet hatte, lehnte sie mit Verfü gung vom 19. November 2014 – nach Ge- währung des rechtlichen Gehörs – die Ausrichtung von we iteren Leistungen (Rente, Integritäts- entschädigung und Heilbehandlungen) per 20. November 2014 ab. Daran hielt die BASLER auf Einsprache der Versicherten sowie der Sanitas Krankenkasse hin mit Einspracheentscheid vom 14. Januar 2015 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ mit Schreiben vom 11. Februar 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversich erungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie eine „neutrale Untersuchung“ betreffen d das Ereignis vom 27. September 2009 sowie sinngemäss die Ausrichtung einer Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung. C. In ihrer Vernehmlassung vom 17. März 2015 beantrag ten die Basler Versicherungen die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit . a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 199 3 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 11. F ebruar 2015 ist demnach einzutre- ten. 2. Die Versicherte rügt in formeller Hinsicht zunächst, di e Beschwerdegegnerin habe ihr keine Einsicht in die Arztberichte gewährt, obwohl sie d ie Beschwerdegegnerin darum ersucht habe. Damit macht die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. 2.1 Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeach tet der Erfolgsaussichten der Be- schwerde in der Sache selbst grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (vgl. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht BGE 127 V 437 E. 3d/aa, 126 V 132 E. 2b mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs aber geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor ei ner Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüf en kann. Eine solche Heilung eines Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (vgl. BGE 127 V 437 E. 3d/aa, Urteil des Bundesge- richts vom 4. August 2008, 9C_234/2008, E. 2.1). Allerd ings ist selbst bei einer schwerwiegen- den Verletzung des Gehörsanspruchs von einer Rückweisung de r Sache an die Vorinstanz ab- zusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formali stischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (d er Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer schnellen beförderli chen Beurteilung der Sache nicht zu verein- baren wären (vgl. BGE 133 I 201 E. 2.2, 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis). 2.2 Die Beschwerdeführerin hat das Recht in sie betref fende Akten Einsicht zu nehmen. Wenn ihr dies verwehrt wurde, liegt darin grundsätzlich eine Gehörsverletzung. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren hat sie allerdings von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht und keine Akteneinsicht verlangt. Eine Aufhebung der angefochten en Verfügung verbunden mit der Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zum Erlass einer neuen Verfü- gung würde vorliegend zu einem formalistischen Leerlau f führen. Da die Beschwerdeführerin keine Einsicht in die Akten verlangt hat und das Kantonsge richt die Sach- und Rechtslage um- fassend und mit voller Kognition überprüfen kann, ist von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz abzusehen. 3. Streitig und zu prüfen ist, ob die Versicherte Ans pruch auf die Fortsetzung der Heilbe- handlung und allenfalls auf eine Invalidenrente hat. 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweise r Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am drit- ten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wie dererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der ver sicherten Person. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf eine Invalide nrente, wenn sie infolge des Unfal- les zu mindestens 10 % invalid ist. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesun dheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingl iederungsmassnahmen der Invalidenver- sicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Trifft dies zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung, Taggeldle istungen; Art. 19 Abs. 1 UVG) mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalide nrente und auf eine Integritätsentschädi- gung abzuschliessen (vgl. BGE 134 V 109 E. 3 und 4). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Inva- lidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzu sammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusamm enhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Entsprechend dieser Umschreibung ist für die B ejahung des natürlichen Kausalzu- sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei nige oder unmittelbare Ursache ge- sundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werde n kann, ohne dass auch die eingetre- tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ob zwischen ei- nem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen S törung ein natürlicher Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechts anwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr ob liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin- den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genü gt für die Begründung eines Leis- tungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Um eine Leistungspflicht des Unfallversicherers begrün den zu können, muss zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nur ein natürlicher, son- dern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. N ach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahr ung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eint ritt dieses Erfolges also durch das Ereig- nis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E . 3.2 mit Hinweis). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funkti on einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinweisen ). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem versicherten Ereignis und d er eingetretenen gesund- heitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den v on Doktrin und Praxis entwickelten Re- geln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 3.4 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfol gen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kaus alzusammenhang ergebenden Haf- tung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hi er die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb). Als objektivierbar gelten Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und vo n der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde lediglich auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen Fälle n ein organisches Substrat namhaft ge- macht, welches eine Adäquanzprüfung als nicht erforderlich erscheinen liesse. Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann deshalb von organisc h objektiv ausgewiesenen Un- fallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhob enen Befunde mit apparati- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (für viel e: Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen H inweisen). Diese Untersuchungsmetho- den müssen zudem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 231 ff. mit Hinweisen). 3.5 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit sowie der Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewie- sen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfüg ung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Be- weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdige n. Dies bedeutet, dass das Sozial- versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von we m sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterl agen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf e s bei einander widersprechen- den medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf di e eine und nicht auf die andere medi- zinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eine s Arztberichtes ist demnach ent- scheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge und in der Beur- teilung der medizinischen Situation einleuchtet und o b die Schlussfolgerungen der Expertin o- der des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4. Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerde führerin und der Frage der Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 27. September 2009 und den heute vorliegenden Beschwerden liegen im Wesentlichen folgende medizinischen Unterlagen vor: 4.1 Mit Operationsbericht vom 1. Oktober 2009 diagno stizierte Dr. B.____, Oberärztin am X.____, eine Schnittverletzung über der Grundphalanx des rechten Daumens palmarseits. Zur Operation wurde ausgeführt: Naht der Flexor pollicis longus-Sehne auf Höhe D2 und epineurale Koaptation des ulnaren Daumennervens und Einzelkopfnaht der ulnaren Daumenarterie. 4.2 Mit Bericht vom 12. November 2009 gab Dr. B.____ als Befund unauffällige, reizlose Narbenverhältnisse mit minimer Verhärtung, welche druckin dolent seien, an. Im Bereich des ulnaren Daumens bestehe eine leichte Hyposensibilität, welche bereits rückläufig sei. 4.3 Aus dem Bericht von Dr. B.____ vom 25. Mai 2010 e rgibt sich, dass die Versicherte 14 Tage nach Spaltung des A1 Ringbandes von einer deutlich en Besserung ihrer Schmerzen be- richtet habe. Der Daumen könne nun frei durchbewegt w erden. Nach längerer Arbeit habe sie noch einen ziehenden Schmerz entlang der Flexor polli cis longus-Sehne in den distalen Vor- derarm ziehend. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Mit Operationsbericht vom 11. Februar 2011 hielt D r. C.____, Leitende Ärztin am X.____, nach Operation vom 9. Februar 2011 als Opera tionsdiagnose ein stark schmerzhaftes Neurom bei Status nach Schnittverletzung und Naht des ulnaren Nervens sowie der Beugeseh- ne fest. Betreffend die Operation werden eine Neurol yse des ulnaren Nervens und mehrfache Z-Plastiken angegeben. 4.5 Am 24. Februar 2011 berichtete Dr. B.____, die Patientin sei sehr zufrieden. Die star- ken Schmerzen seien verschwunden. Sie könne den Daumen auch besser abspreizen. Sie nehme noch Dafalgan und Irfen bei Bedarf. 4.6 Mit ärztlichem Bericht UVG vom 9. Juni 2011 führte Dr. B.____ aus, die Patientin habe belastungsabhängig noch Schmerzen im Narbenbereich a m rechten Daumen. Sie habe nach wie vor ein taubes Gefühl an der Daumenkuppe ulnarseit ig. In drei Monaten sei noch einmal eine Kontrolle geplant, ansonsten im Moment keine sp ezielle Behandlung. Der Endzustand werde frühestens in einem Jahr nach der letzten Operation erreicht sein. 4.7 Dr. D.____, FMH Neurologie, hielt in seiner neur ologischen Beurteilung vom 13. Feb- ruar 2012 folgende Diagnose fest: Neuropathie bei wah rscheinlichem Narbenneurom am ulna- ren Daumennerv nach Schnittverletzung im Bereiche des Da umengrundgelenkes am 27. Sep- tember 2009 mit Naht des ulnaren Nervs und der Beugese hne am 28. September 2009 sowie Neurolyse des Nervs und mehrfacher Z-Plastik rechts am 9. F ebruar 2011 sowie Spaltung des Ringbandes ca. sechs Monate nach der Verletzung. Ausserdem wurde ein leicht ausgeprägtes rechtsbetontes Cervicalsyndrom diagnostiziert. In seiner Beu rteilung führte Dr. D.____ aus, es würden sich gewisse Hinweise auf eine mögliche, zusätzliche seelische Überlagerung ergeben. So habe der Referent wiederholt während der Untersuchung den Bereich des Tinel-Phänomens im Daumengrundgelenk berühren können, am Schluss bei der Verabschiedung sogar mit kräfti- gem Händedruck, ohne dass die Explorandin Schmerzen geäu ssert habe. Für eine mögliche seelische Überlagerung spreche auch der Umstand, dass sämtli che Therapien bis anhin nichts geholfen hätten und auch die medikamentösen Behandlu ngen zwar vorübergehend einen sehr guten Effekt gebracht hätten, die Medikamenteneinnah men von der Explorandin aber bereits bei geringen Dosen wegen starken Nebenwirkungen mit Be nommenheitsgefühl hätten abge- brochen werden müssen. Wegen „Depression“ sei die Explo randin zurzeit auch in psychologi- scher Behandlung. Aus neurologischer Sicht bestehe in de r angestammten Tätigkeit als Team- leiterin Reinigung OP eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Bei Tätigkeiten, bei denen die Explorandin selber auch mit der rechten Hand zupacken müsse, bestehe eine Beeinträchtigung von 50 %. Aus neurologischer Sicht sei eine abschliessende Beurteilu ng erst zwei Jahre nach der letzten Operation vom 9. Februar 2011 sinnvoll. 4.8 Dr. B.____ führte in ihrer Beurteilung vom 26. A pril 2012 aus, sie habe mit der Patientin noch einmal operative Möglichkeiten diskutiert, ihr davon aber sehr abgeraten, da man bei jeder Operation eine Verschlimmerung des Zustandes riskiere. Es sei sicher sinnvoll die konservati- ven Behandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen, man könnte auch noch Akkupunktur versu- chen. Die Patientin bleibe als Teamleiterin voll arbeitsfähig. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.9 Aus dem Arztbericht von Dr. E.____, FMH Chirurgie/H andchirurgie, vom 29. Januar 2013 ergibt sich, dass sie die Patientin darüber aufge klärt habe, dass eine Operation technisch natürlich machbar sei. Sie könne aber nicht garantiere n, dass ein operativer Eingriff zu einer Verbesserung der Beschwerdesymptomatik führe. Es könne nach mehrfachen Operationen auch zu einer Verschlechterung der Situation kommen und sie denke, dass die Patientin zum jetzigen Zeitpunkt relativ gut mit den Restbeschwerden kl ar komme. Sie habe die Behandlung abgeschlossen, bei Beschwerden könne sich die Patientin aber jederzeit wieder vorstellen. 4.10 Die Eidgenössische Invalidenversicherung (IV) hat be i der Z.____ AG ein polydiszipli- näres Gutachten (Orthopädie-Traumatologie/Psychiatrie/I nnere Medizin/Neurologie) in Auftrag gegeben, welches am 24. Dezember 2013 erstattet wurde. Darin wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (aus allen Fachgebieten) gestellt: 1. Mittelgradige bis schwere depressive Episode ohne psych otische Symptome (F32.2) 2. Thoraco-lumbovertebrale Schmerzsyndrom mit/bei - rumpfmuskulärem Globaldefizit, Haltungsinsuffizienz - röntgenologisch altersadäquate spondylarthrotische u nd spondylotische Befunde sowie röntgenologisch beschriebene s-förmige thoracolumbale Sk oliose ohne klinisch-funk- tionelle Relevanz 3. Status nach mehrfach operativ behandelter Schnittverl etzung rechter Daumen, einbezüg- lich einer Verletzung der langen Daumenbeugesehne sowi e des ulnaren Daumennervs. Ferner operativ behandelte Tenosynovitis stenosans (Ringb andspaltung), verbliebene Thenaratrophie, neurologisch Verdacht eines erneuten Na rbenneuroms eines sensiblen Palmarastes des Nervus medianus rechts. Die Gutachter kamen zusammenfassend zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicher- ten durch die führende psychiatrische Diagnose einer mit telgradigen bis schweren depressiven Episode vollständig aufgehoben sei. Aus den orthopädisch-somatischen Befunden und Diagno- sen der Wirbelsäule und des Rückens sowie gründend auf Unfallfolgen am rechten Daumen resultiere lediglich eine Minderung der Leistungsfähig keit von 20 % ausgehend von einem vol- len Pensum von 100 %. Die internistischen und neurolog ischen Abklärungen hätten keine wei- teren Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit ergeben. In der Stellungnahme zu den bisherigen Arztberichten wurde ausgeführt, dass im Operationsbe- richt des rechten Daumens vom 1. Oktober 2009 unter ande rem die Naht der verletzten Flexor longus-Sehne und eine epineurale Koaptation dokumenti ert worden sei. Aus orthopädischer Sicht seien weitere operative Revisionen des rechten Da umens vorerst nicht erforderlich. Die neurologische Gutachterin habe den Verdacht eines Narbenneuroms erwähnt. Insofern resultie- re vorerst neurologisch keine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Nach der Ring- bandspaltung am rechten Daumen (Bericht vom 20. April 2010) sei eine vorbestehende Teno- synovitis stenosans vollständig regredient. Die am 31. Augu st 2010 dokumentierte beginnende Arthrose im rechten Daumengrundgelenk komme aktuell klinisch funktionell noch nicht zum Tragen. Die orthopädisch dokumentierten Beschwerden und Befunde im Bereich des rechten Daumens seien – soweit sie in den Berichten vom 8. April 2011 und 26. April 2012 zusammen- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gefasst worden seien – im Kontext mit den Wirbelsäulen- und Rückenproblemen mit der ortho- pädisch dokumentierten Minderung der Leistungsfähigkeit v on 20 % adäquat berücksichtigt. Weiter wurde festgehalten, die orthopädisch gründende n Wirbelsäulen- und Rückenbeschwer- den würden seit Jahren bestehen und die Beschwerden un d Befunde am rechten Daumen seit der Unfallverletzung 2009. Nach umfangreichen operativen Behandlungen am rechten Daumen seien die entsprechenden Beschwerden inzwischen weitgehend regredient. 4.11 Die Vertrauensärztin der Beschwerdegegnerin, Dr. med. F.____, FMH Orthopädische Chirurgie, hielt mit Bericht vom 3. November 2014 fest, weitere Heilbehandlungen würden zu keiner wesentlichen Verbesserung führen. Mit überwieg ender Wahrscheinlichkeit sei der Versi- cherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar. Die V ersicherte sei auch in angepassten und zumutbaren Tätigkeiten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 100 % arbeitsfähig. 5. Den medizinischen Akten kann entnommen werden, dass die Versicherte durch das Unfallereignis Verletzungen an der Hand erlitten hat und später psychische Beschwerden auf- getreten sind. Des Weiteren wurde ein thoraco-lumbove rtebrales Schmerzsyndrom diagnosti- ziert. Aus den ärztlichen Unterlagen ergibt sich weiter, dass von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung der Beschwerden am rechten Daumen erwartet werden kann, mithin der medizinische Endzustand erreicht ist. D ies wird im Übrigen auch von der Be- schwerdeführerin nicht bestritten. Demzufolge ist die E instellung der vorübergehend auszurich- tenden Leistungen (Taggelder und Heilbehandlung nach Art. 10 UVG) per 20. November 2014 nicht zu beanstanden. Eine über den 20. November 2014 hinausgehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin kann nur in Form einer Rente und allenfalls in Form von Leistungen ge- mäss Art. 21 UVG erfolgen. 6. Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob die Beschwerdeführ erin Anspruch auf eine Invali- denrente hat. Die Beschwerdeführerin macht ihre Forder ung auf eine Rente einerseits gestützt auf die somatischen Beschwerden an der Hand und anderer seits gestützt auf die psychischen Beschwerden, welche ihrer Meinung nach Spätfolgen darstellen, geltend. Die Beschwerdegegnerin gelangte im angefochtenen Eins pracheentscheid in Würdigung der medizinischen Unterlagen zum Ergebnis, dass die bei der Versicherten vorliegenden Unfallfol- gen keine rentenbegründende Invalidität zur Folge h ätten und die psychischen Beschwerden nicht auf den Unfall zurückzuführen bzw. nicht unfallkausa l seien, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. 6.1 In Bezug auf die objektivierbaren Unfallfolgen erg ibt sich aus dem Gutachten der Z.____, dass die Beschwerdeführerin aus orthopädisch-somatischer Sicht aufgrund von auch in angepassten Tätigkeiten nicht gänzlich vermeidbaren Beschw erden am Bewegungsapparat zu 20 % in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Die se Einschränkung resultiere aus den Be- funden und Diagnosen der Wirbelsäule und des Rückens sow ie auf Unfallfolgen am rechten Daumen. Wie gross die Einschränkung ist, welche allein a us den Unfallfolgen am rechten Dau- men resultiert, wird nicht ausgeführt, da dies für die Auftraggeberin (IV) nicht von Bedeutung war. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführe rin in weiteren Arztberichten als in Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht ihrer bisherigen Tätigkeit als Gruppenleiterin OP zu 1 00 % arbeitsfähig betrachtet wurde (Be- richte vom 3. November 2014 und 26. April 2012). Das Grundlage dieser Beurteilung bildende Gutachten d er Y.____ ist einleuchtend und nach- vollziehbar. Alle relevanten medizinischen Unterlagen wu rden berücksichtigt und es wurden hinreichende fachärztliche Untersuchungen (Orthopädie- Traumatologie/Psychiatrie/Innere Me- dizin/ Neurologie) durchgeführt, wobei auch die geklag ten Beschwerden berücksichtigt wurden. Die Feststellungen anderer Ärzte wurden ausreichend disku tiert. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion ein und die Schlussfolgerungen sind begründet. E s liegen zudem keine Arztberichte vor, welche von einer weitergehenden Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin ausgehen würden. Damit ist die vorinstanzliche Würdigung des medizinischen Sa chverhalts nicht zu beanstanden. Was die Versicherte vorbringt, ist nicht geeignet, dieses Beweisergebnis in Frage zu stellen. Es ist somit davon auszugehen, dass die heute geklagten Schme rzen nur unwesentlich organi- schen Ursprungs sind. Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass aus somatischer Sicht in Bezug auf die Daumenverletzung in Folge des Unfalls vom 27. September 2009 ledig- lich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von höch stens 20 % besteht. Damit besteht ge- stützt auf die somatischen Unfallfolgen kein Anspruch auf eine unfallversicherungsrechtliche Invalidenrente, da die Beschwerdeführerin lediglich ei n 60 %-Arbeitspensum ausgeübt hat und dieses somit noch um mindestens 20 % steigern könnte. 6.2 Die Beschwerdeführerin vertritt ausserdem die A nsicht, dass die bei ihr nach dem Un- fall aufgetretenen psychischen Beschwerden als Spätfolgen des Unfalls zu qualifizieren sind, weshalb nachfolgend zu prüfen ist, ob die bei der Besch werdeführerin diagnostizierten nicht organischen, sondern psychischen Beschwerden auf das Unfaller eignis vom 27. September 2009 zurückzuführen sind und sie gestützt darauf Anspruch auf Leistungen des Unfallversiche- rers geltend machen kann. Auch diesbezüglich wäre in der Prüfungsabfolge zunächst die natür- liche Kausalität dieser Beeinträchtigungen im Zusammen hang zum fraglichen Ereignis vom 27. September 2009 zu untersuchen. Nach der Rechtsprec hung kann die Frage nach dem na- türlichen Kausalzusammenhang bei psychischen Beschwerden al lerdings in jenen Fällen offen gelassen werden, in welchen der für die Bejahung eine r Leistungspflicht erforderliche adäquate Kausalzusammenhang ohnehin verneint werden muss, was vorli egend – wie die nachstehen- den Ausführungen ergeben – der Fall ist (SVR 1995 U 23 S. 68 E. 3c; ebenso: Urteil des Bun- desgerichts vom 2. Juli 2010, 8C_182/2010, E. 3.2). 6.3 Um eine Leistungspflicht des Unfallversicherers begrün den zu können, muss zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden nicht nur ein natürlicher, son- dern auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. N ach der wiederkehrenden Formu- lierung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat ein Er eignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allge- meinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfo lg von der Art des eingetretenen her- beizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das E reignis allgemein als begünstigt er- scheint (BGE 125 V 461 E. 5a, 123 III 112 E. 3a, 123 V 103 E. 3d und 139 E. 3c, 122 V 416 E. 2a, je mit Hinweisen). Der Voraussetzung des adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE 125 V 46 2 E. 5c, 123 V 102 E. 3b mit Hinwei- sen). Ob bei Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenh anges zwischen dem versicherten Ereignis und der eingetretenen gesundheitlichen Schädi gung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusammenhang besteht, ist e ine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (BGE 112 V 33 E. 1b). 6.4 Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nich t (hinreichend) nachweisbaren Un- fallfolgeschäden, ohne dass die versicherte Person ein S chleudertrauma der HWS oder einen äquivalenten Verletzungsmechanismus erlitten hat, erfol gt die Adäquanzbeurteilung psychi- scher Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entw ickelten Kriterien (vgl. zu den Anforde- rungen an die Objektivierbarkeit von organischen Leiden: nicht publizierte E. 2 des Urteils BGE 135 V 465, in: SVR 2010 UV Nr. 6 S. 25 [8C_216/2009]). 6.5 Nach dieser Rechtsprechung setzt die Bejahung des ad äquaten Kausalzusammen- hangs zwischen einem Unfallereignis und einer anschliessen d einsetzenden psychischen Fehl- entwicklung im Einzelfall voraus, dass dem Unfallereignis für die Entstehung der psychisch be- dingten Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit eine massgebend e Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse Schwere aufweist o der mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. BGE 115 V 141 E. 7 mit Hinweise n). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vo m augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung der Unfälle in drei Gruppen zweckm ässig erscheint: banale bzw. leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (vgl. BGE 115 V 138 E. 6). Während bei leicht en bzw. banalen Unfällen der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel ohne weiteres verneint w erden kann, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse da- von ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall ni cht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen, ist der adäquate Kausalzu sammenhang zwischen Unfall und Folgen bei schweren Unfällen in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung si nd solche Unfälle geeignet, invalidisie- rende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken. Bei Unfäll en aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein ad äquater Kausalzusammenhang be- steht, nicht auf Grund des Unfalls allein schlüssig beantwo rten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte oder indirekte Folge davon erscheinen, in eine G esamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind nach der Rechtsprechung (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/aa) zu nennen: - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verl etzungen, insbesondere ihre erfah- rungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - körperliche Dauerschmerzen; - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er heblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikatio nen; - Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigk eit. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die G esamtwürdigung ist nicht in jedem Fall er- forderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausal- zusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Das trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, der zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich oder sogar als Grenz- fall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Ander seits kann im gesamten mittleren Be- reich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonde rs ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlagge bendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werde n. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Gren zbereich zu den leichten der Unfällen zu- zuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kr iterien in gehäufter oder auffallen- der Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht wird. Diese Würdigung des Unfalls zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung des adäquaten Kausalzusam- menhangs. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach ande ren Ursachen zu forschen, die möglich- erweise die psychische Fehlreaktion mitbegünstigt haben kö nnten (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/bb). 6.6 Mit Blick auf die Adäquanz einer psychischen Überlage rung nach einer erlittenen Ver- letzung ist nicht die Schwere der primären Handverlet zung an sich, sondern ausschliesslich die Unfallschwere des Unfallereignisses zu würdigen. Die Beschw erdeführerin hat sich an einer Glasscherbe geschnitten. Dieser Vorgang ist zweifellos nich t als mittelschwerer, sondern ledig- lich als leichter Unfall zu qualifizieren. Selbst wenn der Unfall als mittelschwer qualifiziert würde, ist festzuhalten, dass die Kriterien nicht in genügende r Weise erfüllt sind, um die Adäquanz zu bejahen. Auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung d arf davon ausgegangen werden, dass dieses Unfallereignis nicht geeignet war, einen erhebli chen psychischen Gesundheitsschaden zu verursachen. Der adäquate Kausalzusammenhang muss daher verneint werden, weshalb die Beschwerdeführerin auch aufgrund der psychischen Unfa llfolgen keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Daran ändert im Übrigen auch der von der Beschwerdefü hrerin erwähnte BGE 96 II 392 ff. nichts. In diesem Entscheid behandelte das Bundesgericht zu m einen die Folgen einer Begeh- rungsneurose und nicht einer Depression. Zum anderen waren die Unfallfolgen im Zusammen- hang mit haftpflichtrechtlichen, also privatrechtlichen, Forderungen zu prüfen, weshalb das Bundesgericht ausdrücklich darauf hinwies, dass das Eidgenö ssische Versicherungsgericht in Bezug auf sozialversicherungsrechtliche Fragen im Zusammen hang mit Begehrungsneurosen eine andere Auffassung vertrete (BGE 96 II 398 E. 2). Dieser Entscheid des Bundesgerichts kann deshalb im vorliegenden Fall nicht als Präjudiz herangezogen werden. 7. Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend , auch die Verweigerung einer Integritätsentschädigung sei durch das Kantonsgericht zu überprüfen. 7.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes- sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfal l eine dauernde erhebliche Schädi- gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrit ät erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. De zember 1982 gilt ein Integritätsscha- den als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganze n Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körp erliche, geistige oder psychische Integ- rität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfäll ig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehre- ren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädig ung nach der gesamten Beeinträchti- gung festgesetzt (Art. 36 Abs. 3 Satz 1 UVV). 7.2 Bei der Bestimmung des Schweregrades einer gesundhe itlichen Beeinträchtigung han- delt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztli- che Mithilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht m öglich, die Beurteilung auf Grund der aktenkundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelassenen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht er wartet werden kann. Die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztlichen Sachverständigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 7.3 Zu Recht verweist die Beschwerdegegnerin in ihrem Einspracheentscheid und in der Vernehmlassung in Bezug auf eine Integritätsentschädigu ng auf die Ausführungen von Dr. D.____ im Gutachten vom 13. Februar 2012. Dort hielt Dr. D.____ fest, dass er während der Untersuchung den Bereich des Tinel-Phänomens im Daumengrundgelenk berühren konnte, am Schluss bei der Verabschiedung sogar mit kräftigem Händ edruck, ohne dass die Explorandin Schmerzen geäussert haben. Es würden sich gewisse Hinweise auf eine mögliche zusätzliche seelische Überlagerung ergeben. Dr. E.____ führte im Arztbericht vom 29. Januar 2013 aus, sie denke, dass die Explorandin mit den Restbeschwerden klar k omme. Im Z.____-Gutachten vom 24. Dezember 2013 wird ausgeführt, nach umfangreichen operativen Behandlungen am rechten Daumen seien die entsprechenden Beschwerden inzwischen w eitgehend regredient. Zu guter Letzt vertritt auch Dr. F.____ im Bericht vom 3. Novemb er 2014 die Auffassung, dass ein Integ- ritätsschaden nicht ausgewiesen sei. Damit kann nach Würdigung der Arztberichte und Gutach- ten nicht von einer dauernden und erheblichen Beeintr ächtigung der Integrität gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG ausgegangen werden. Damit entfällt ein Ans pruch auf eine Integritätsentschädi- gung. 8. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegneri n zu Recht ihre Leistungen ab dem 20. November 2014 eingestellt und den Antrag auf Ausrichtung einer Invalidenrente und einer Integritätsentschädigung abgelehnt hat. Die vorl iegende Beschwerde ist demzufolge ab- zuweisen. 9. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Art. 61 l it. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausse rordentlichen Kosten sind dem Pro- zessausgang entsprechend wettzuschlagen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht