<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 77 S.309</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">309</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>77</b></span> <span class="ft2"><b>Legitimation (§ 38 Abs. 1 VRPG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Begriff der formellen Beschwer (Erw. 2/b/aa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Der Baugesuchsteller ist wegen seiner besonderen Nähe zur Sache</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zwingend am Verfahren beteiligt, ebenso der wegen Lärmimmissionen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ins Recht gefasste Eigentümer und Betreiber eines Restaurants</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/b/bb).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 20. Dezember 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen R. AG gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Das Baudepartement stellt auf S. 2 seines Entscheids fest,</span><br/> <span class="ft1">die heutige Beschwerdeführerin habe sich im vorinstanzlichen Ver-</span><br/> <span class="ft1">fahren weder zur Verwaltungsbeschwerde vernehmen lassen noch</span><br/> <span class="ft1">habe sie sich als Partei erklärt; anlässlich der Augenscheinsver-</span><br/> <span class="ft1">handlung vom 4. November 1999 seien ihre Vertreter nochmals über</span><br/> <span class="ft1">die Bedeutung einer mangelnden Parteistellung in Kenntnis gesetzt</span><br/> <span class="ft1">und in der Folge als Auskunftspersonen behandelt worden. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin bestreitet diese Darstellung und begründet aus-</span><br/> <span class="ft1">führlich, warum sie am vorinstanzlichen Verfahren als Partei beteiligt</span><br/> <span class="ft1">war und demzufolge zur Erhebung einer Verwaltungsgerichtsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerde legitimiert ist. Das Baudepartement hält an seiner Version</span><br/> <span class="ft1">fest und ersucht das Verwaltungsgericht, die Frage der Parteistellung</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeführerin zu entscheiden.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Die Beschwerdelegitimation (§ 38 Abs. 1 VRPG) setzt</span><br/> <span class="ft1">neben der materiellen Beschwer (diese ist hier offenkundig gegeben)</span><br/> <span class="ft1">auch eine solche im formellen, prozessualen Sinne voraus. Diese</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">310</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Voraussetzung erfüllt, wer formell richtig am vorinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Verfahren beteiligt, d.h. darin einbezogen war (passive Seite) und</span><br/> <span class="ft1">dort seine Antrags- bzw. (wenn es sich um ein Verwaltungsbe-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeverfahren handelt) seine Beschwerdemöglichkeiten formell</span><br/> <span class="ft1">richtig ausgeschöpft hat (aktive Seite), aber nicht voll durchgedrun-</span><br/> <span class="ft1">gen ist. Deshalb ist auf Rechtsmittel bzw. Begehren von Personen</span><br/> <span class="ft1">nicht einzutreten, welche sich am vorinstanzlichen Verfahren nicht</span><br/> <span class="ft1">beteiligt oder welche dort weniger weitgehende Anträge gestellt ha-</span><br/> <span class="ft1">ben, ausser sie wären zu Unrecht von der Beteiligung ausgeschlossen</span><br/> <span class="ft1">oder erst durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert worden</span><br/> <span class="ft1">(siehe zum Ganzen: AGVE 1987, S. 332 mit Hinweisen; VGE III/53</span><br/> <span class="ft1">vom 21. Juni 2002 [BE.2001.00336] in Sachen B., S. 5; Michael</span><br/> <span class="ft1">Merker, Rechtsmittel, Klage und Normenkontrollverfahren nach dem</span><br/> <span class="ft1">aargauischen Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zu den §§ 38-72 VRPG], Zürich 1998, § 38 N 146).</span><br/> <span class="ft1">bb) Das Baudepartement hat der Beschwerdeführerin nach Ein-</span><br/> <span class="ft1">gang der Verwaltungsbeschwerde von W. und B. mit Verfügung vom</span><br/> <span class="ft1">30. Juni 1999 eröffnet, dass es ihr als betroffene Grundeigentümerin</span><br/> <span class="ft1">freistehe, sich - unter Übernahme eines Kostenrisikos hinsichtlich</span><br/> <span class="ft1">der Verfahrenskosten und der Parteientschädigung - am Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren als Gegenpartei zu beteiligen und innert Frist zur Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde vernehmen zu lassen. Die Beschwerdeführerin hat in der</span><br/> <span class="ft1">Folge keine Vernehmlassung eingereicht. Anlässlich der Augen-</span><br/> <span class="ft1">scheinsverhandlung vom 4. November 1999 wurden die dazu eben-</span><br/> <span class="ft1">falls eingeladenen Vertreter der Beschwerdeführerin von der Vorsit-</span><br/> <span class="ft1">zenden im Rahmen der einleitenden Bemerkungen nochmals darauf</span><br/> <span class="ft1">hingewiesen, "dass sie, wenn sie sich nicht als Partei erklären, keine</span><br/> <span class="ft1">Parteistellung haben und nur als Auskunftspersonen befragt werden".</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeentscheid vom 25.</span> <span class="ft1">Oktober 2000 wurde der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin dann lediglich mitgeteilt.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin macht zu Recht geltend, sie sei im</span><br/> <span class="ft1">vorinstanzlichen Verfahren zwingend als Partei beteiligt gewesen.</span><br/> <span class="ft1">Zwar kann für diese Frage nicht allein massgebend sein, dass jemand</span><br/> <span class="ft1">als Verfügungsadressat ins Recht gefasst worden ist (Merker, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">§ 41 N 19, 24), wie das Beispiel der Baubewilligung zeigt: Ist das</span><br/> <span class="ft1">Baugesuch in Gutheissung einer Einsprache abgewiesen worden, ist</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">311</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Einsprecher zwar neben dem Baugesuchsteller auch Verfügungs-</span><br/> <span class="ft1">adressat, aber im nachfolgenden Beschwerdeverfahren des Bauherrn</span><br/> <span class="ft1">trotzdem nicht zwingend am Verfahren beteiligt. Der Bauherr dage-</span><br/> <span class="ft1">gen ist in seiner Eigenschaft als Baugesuchsteller, d.h. wegen seiner</span><br/> <span class="ft1">besonderen Nähe zur Sache, stets zwingend beteiligt. Im vorliegen-</span><br/> <span class="ft1">den Falle ist die Beschwerdeführerin als Grundeigentümerin und</span><br/> <span class="ft1">Betreiberin des Restaurants "H." in der analogen Situation eines</span><br/> <span class="ft1">Bauherrn, woraus ihre zwingende Beteiligung im vorinstanzlichen</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeverfahren abzuleiten ist. Selbst wenn dem nicht so wäre,</span><br/> <span class="ft1">könnte der Beschwerdeführerin ihr Recht, als Partei am Verfahren</span><br/> <span class="ft1">vor Verwaltungsgericht teilzunehmen, nicht abgesprochen werden.</span><br/> <span class="ft1">Das Baudepartement war unbestrittenermassen verpflichtet, sie über</span><br/> <span class="ft1">die verfahrensrechtliche Situation aufzuklären; es tat dies auch, aber</span><br/> <span class="ft1">unvollständig, wurde doch der Hinweis auf die verfahrensrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Konsequenzen der Nichtbeteiligung (Ausschluss aus dem Rechts-</span><br/> <span class="ft1">mittelverfahren) unterlassen (siehe Merker, a.a.O., § 41 N 33). Dazu</span><br/> <span class="ft1">kommt, dass die Beschwerdeführerin behauptet, beim Baudeparte-</span><br/> <span class="ft1">ment telefonisch eine Erläuterung der erwähnten Rechtsbelehrung</span><br/> <span class="ft1">eingeholt zu haben, was das Baudepartement nicht ausdrücklich be-</span><br/> <span class="ft1">streitet. Ob der Inhalt des Telefonats dem entsprach, was die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin behauptet, bleibt zwar offen, doch muss mangels</span><br/> <span class="ft1">einer entsprechenden Aktennotiz des Baudepartements davon aus-</span><br/> <span class="ft1">gegangen werden, die Version der Beschwerdeführerin treffe zu.</span><br/> <span class="ft1">Auch an der Augenscheinsverhandlung vom 4. November 1999</span><br/> <span class="ft1">wurde im Übrigen keine korrekte Belehrung erteilt. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin erweist sich somit auch in formeller Hinsicht als beschwert.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>