B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2821/2016 mel U r t e i l v o m 3 1 . A u g u s t 2 0 1 7 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Esther Marti, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______, geboren am (…), China (Volksrepublik), vertreten durch Fürsprecher Peter Weibel, Advokaturbüro, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 1. April 2016 / N_________ D-2821/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer ersuchte ohne Einreichung von Identitätsdokumen- ten am 11. November 2013 in der Schweiz um Asyl. B. Er wurde am 5. Dezember 2013 zu seiner Person sowie summarisch zum Reiseweg und den Gesuchsgründen befragt. Eine erste eingehende Anhö- rung fand am 4. August 2014, eine ergänzende am 26. Mai 2015 statt. C. Am 10. November 2015 führte die Fachstelle LINGUA des SEM eine Ana- lyse der landeskundlich -kulturellen Ken ntnisse (“Lingua -Alltagswissens- evaluation“) durch. Im Bericht vom 1. Dezember 2015 wurde erläutert, aus welchen Gründen von einer geringen Wahrscheinlichkeit der Sozialisation des Beschwerdeführers in der von ihm angegebenen Region in Tibet aus- zugehen sei. D. Mit Schreiben vom 15. Januar 2016 gewährte das SEM dem Beschwerde- führer das rechtliche Gehör zu den Ergebnissen der Herkunftsanalyse. E. Mit Schreiben seines Rechtsvertreters vom 2. Februar 2016 nahm der Be- schwerdeführer Stellung. F. Mit – am 6. April 2016 eröffneter – Verfügung vom 1. April 2016 lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an, wobei der Wegweisungsvoll- zug nach China ausdrücklich ausgeschlossen wurde. G. Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechts- vertreter vom 6. Mai 2016 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er bean- tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In pro- zessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art 110a Abs. 1 AsylG er- sucht. D-2821/2016 Seite 3 H. Mit Zwischenverfügung vom 24. Juni 2016 wurden die Gesuche um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG gutgeheissen. I. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2016 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. J. Mit Replik vom 8. August 2016 nahm der Rechtsvertreter zur Argumenta- tion der Vorinstanz Stellung. K. Mit Eingabe vom 13. Februar 2017 reichte der Rechtsvertreter ein Bestäti- gungsschreiben eines Onkels des Beschwerdeführers namens B.______ im Original samt Übersetzung und eine Kostennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur D-2821/2016 Seite 4 Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er chi- nesischer Staatsbürger tibetischer Ethnie sei und aus dem Dorf C.______, Gemeinde D._______, Bezirk E.______, Präfektur F._______ (Tibet) stamme, wobei er vom achten Lebensjahr an als Mönch im Kloster G.______, Gemeinde H._______, gelebt habe. Im Kloster hätten er und ein anderer Mönch – wie bereits zuvor andere, in der Folge fes tgenom- mene Mönche – die chinesische Flagge angezündet, worauf ihr Lehrer ihnen zuerst zur Flucht geraten und danach auch dazu verholfen habe. Mit einem von ihrem Lehrer organisierten Auto seien sie zu einem Transport- wagen gefahren und mit diesem nach I._______ gelangt. Dort hätten sie D-2821/2016 Seite 5 mit Hilfe eines Schleppers den Grenzfluss nach Nepal überquert. Nach mo- natelangem Aufenthalt in Nepal sei er auf Anraten seines Lehrers und mit dessen finanzieller Unterstützung schliesslich in die Schweiz gelangt, wäh- rend sein Mönchsbruder in Nepal geblieben sei. 4.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, das Herkunftsgutachten durch eine sachverständige Person habe ergeben, dass die Hauptsoziali- sation des Beschwerdeführers im Bezirkskreis E.______, F._______ zu bezweifeln sei. Zwar habe der Beschwerdeführer jeweils den tibetischen Namen für einen Fluss, einen See, einen berühmten Berg und mehrere Ortschaften nennen können. Indessen seien die Angaben des Beschwer- deführers zum Schulwesen, zu Identitätsdokumenten sowie zu Einkäufen nicht zutreffend gewesen. Auch habe der Beschwerdeführer die chinesi- sche Bezeichnung für einen berühmten Berg in der angegebenen Her- kunftsregion nicht nennen können. Im Weiteren hätten die Angaben des Beschwerdeführers, obwohl die Eltern in der L andwirtschaft tätig seien, auch in diesem Bereich mehrheitlich nicht den dem Sachverständigen be- kannten Gegebenheiten entsprochen. Auch wenn der Beschwerdeführer als Mönch möglicherweise etwas weniger Kontakt mit der Aussenwelt ge- habt hätte, sei nicht mit so vielen Wissenslücken zu rechnen. Schliesslich habe der Beschwerdeführer unzutreffende Angaben zu sei nem angebli- chen Leben im Kloster gemacht und keine Kenntnisse über andere Klöster derselben Tradition gehabt. Aus diesen Gründen sei die sachverständige Person zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer sehr wahr- scheinlich nicht wie angegeben im Gebiet E._______, F._______, Tibet, sondern in einer exilpolitischen Gemeinde ausserhalb der Volkrepublik China sozialisiert worden sei. Die nicht überzeugenden Entgegnungen im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur Lingua-Analyse seien nicht geeignet, das fundierte Ergebnis des Gutachtens in Frage zu stellen. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer, trotz Aufforderung, ohne plausib- len Grund bis heute keine Identität sdokumente eingereicht. Auch sei die Schilderung des Reiseweges teils unsubstanziiert, teils realitätsfremd aus- gefallen. Schliesslich sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die geltend gemachte Verfolgungssituation im Heimatstaat glaubhaft darzule- gen. So erwecke die Schilderung der Vorkommnisse mangels hinreichen- der Substanziierung nicht den Eindruck von tatsächlich Erlebtem und sei teils widersprüchlich ausgefallen. Beispielsweise habe der Beschwerde- führer unterschiedliche Angaben zur Anzahl der vorha ndenen Überwa- chungskameras und dem Zeitpunkt der durchgeführten Verbrennungsak- tion gemacht. Im Weiteren sei vor dem Hintergrund des kleinräumigen D-2821/2016 Seite 6 Klosters nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nichts von der Verbrennung der Flagge und der anschliessenden Festnahme mitbekom- men habe. Auch sei die Angabe des Beschwerdeführers, dass die vier Mönche erst am Tag nach ihrer Tat verhaftet worden seien, angesichts der bestehenden Videoüberwachung des Klosters unglaubhaft. Auch das Vor- gehen des Beschwerdeführers, trotz der zuvor erfolgten Verhaftung seiner Mönchsbrüder nach seiner eigenen Verbrennungsaktion keine Vorsichts- massnahmen getroffen zu haben, erscheine realitätsfremd. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer nicht in Tibet sozialisiert worden sei. Vielmehr bestehe Grund zur An- nahme, er habe vor seiner Reise in die Schweiz in der exiltibetischen Diaspora gelebt. Gemäss geltender Praxis würden somit keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bis- herigen Aufenthaltsort sprechen. 4.3 Auf Beschwerdeebene wurde diesen Erwägungen entgegengehalten, die Kenntnisse des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner lokalen Umge- bung könnten aufgrund seines Aufenthaltes im Kloster nicht denjenigen ei- nes jungen Tibeters, der bei seiner Familie im Dorf aufgewachsen sei, ent- sprechen. Im Weiteren sei es aufgrund der blossen Zusammenfassung der Beurteilung durch die sachverständige Person nicht möglich, zu dieser de- tailliert Stellung zu beziehen und abzuschätze n, ob die beurteilende Per- son überhaupt über die erforderlichen Kenntnisse verfüge, um die Angaben des Beschwerdeführers korrekt einschätzen zu können. Eine sprachliche Analyse wäre geeignet, die Sozialisierung des Beschwerdeführers nach- zuweisen und es sei nicht nachvollziehbar, warum das SEM eine solche nicht in Auftrag gegeben habe. Im Weiteren sei aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführer nahezu sein ganzes Leben im Kloster ver- bracht habe, durchaus nachvollziehbar, dass diesem keine Identitätspa- piere ausgestellt worden seien. Der Beschwerdeführer habe bisher vergeb- lich versucht, Kontakt zum Kloster aufzunehmen. Wie dem beiliegenden Bestätigungsschreiben des Tibet-Büros zu entnehmen sei, bestünden sei- tens der Vertretung des Dalai Lama beziehungsweise der tibetischen Exil- Regierung kein e Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer aus Tibet stamme. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer entgegen der Einschät- zung der Vorinstanz den Flucht- und Reiseweg durchaus substanziiert ge- schildert. Was die angeblichen widersprüchlichen Angaben hinsichtlich der Anzahl der vorhandenen Überwachungskameras betreffe, so habe der Be- schwerdeführer bei der ersten Befragung von zwei Kameras gesprochen, D-2821/2016 Seite 7 aber zwei Kamerastando rte gemeint. Der Beschwerdeführer erfülle auf- grund seiner Erlebnisse in Tibet die Flüchtlingseigenschaft und ihm sei Asyl zu gewähren. Zumindest sei er aufgrund seiner illegalen Ausreise aus Tibet als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 4.4 In ihrer Vernehmlassung wies die Vorinstanz darauf hin, dass das mit der Beschwerdeschrift eingereichte Schreiben des Tibet-Büros lediglich die ethnische Herkunft des Beschwerdeführers bestätige, woran das SEM nie gezweifelt habe. 4.5 In seiner Replik wiederholte der Rechtsvertr eter seinen impliziten An- trag, zum Nachweis der geltend gemachten Sozialisierung des Beschwer- deführers eine sprachliche Analyse (bezeichnet als Lingua-Analyse) durch- zuführen und reichte mit Eingabe vom 13. Februar 2017 ein Bestätigungs- schreiben eines Onkels des Beschwerdeführers namens B.______ im Ori- ginal samt Übersetzung ein, worin dieser unter anderem die Richtigkeit des angegebenen Geburtsortes des Beschwerdeführers bestätigt. 5. 5.1 Das SEM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abge- lehnt. Im BVGE 2014/12 präzisierte das Gericht seine Praxis nach EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsbe achtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestän- den. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein tibeti- scher Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Ab- klärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien inne- habe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlings- eigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 5.2 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass der Be- schwerdeführer seine wahre Herkunft zu verschleiern versucht. Dabei kann zur Hauptsache auf die “Lingua-Alltagswissensevaluation“ (vgl. BVGE 2015/10) verwiesen werden. Eine solche durch die Fachstelle Lin- gua in Auftrag gegebene und durch amtsexterne Sachverständige erstellte Analyse beschränkt sich – anders als die herkömmlichen Lingua-Analysen D-2821/2016 Seite 8 mit zusätzlich linguistischer Komponente – auf landeskundlich-kulturelle Elemente und ist vergleichbar mit einer Lingua-Analyse im herkömmlichen Sinn (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1). Eine solche Lingua -Analyse stellt zwar kein Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine schriftliche Auskunft einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG) dar. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist ihr jedoch erhöhter Beweis- wert beizumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34). Dies ist vorliegend zu bejahen. Die vorgenommene Analyse ist fundiert und mit einer überzeugenden so- wie ausgewogenen Begründung versehen, die zu keinen Beanstandungen Anlass gibt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation des Sachver- ständigen keine Zweifel, weshalb der vorliegenden Herkunftsanalyse nach den erwähnten Kriterien erhöhter Beweiswert zugemessen und von ih rer inhaltlichen Richtigkeit und Vollständigkeit ausgegangen wird. Weder die Ausführungen in der Stellungnahme vom 2. Februar 2016 noch in der Be- schwerdeschrift sind geeignet, die Erkenntnisse der sachverständigen Per- son in Zweifel zu ziehen. Insbesondere ist hinsichtlich des Vorhaltes in der Beschwerde, es sei schwierig abzuschätzen, ob die beurteilende Person überhaupt über die erforderlichen Kenntnisse verfüge, festzuhalten, dass das SEM im Rahmen des rechtlichen Gehörs dem Beschwerdeführer Her- kunft, Dauer und Zeitraum des Aufenthalts der sachverst ändigen Person im umstrittenen Herkunftsgebiet sowie deren Werdegang, auf den sich ihre Sachkompetenz abstützt, zur Kenntnis gebracht und damit die Anforderun- gen an das rechtliche Gehör (vgl. EMARK 1998 Nr. 34) erfüllt hat. Auch der pauschale Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer nahezu sein gan- zes Leben im Kloster ver bracht habe, vermag die teils fehlenden Kennt- nisse und die teils unzutreffenden Angaben des Beschwerdeführers nicht plausibel zu erklären, zumal auch die Schilderung des Lebens im Kloster Lücken aufweist. Was das eingereichte Bestätigungsschreiben des Tibet- Büros in Genf vom 26. April 2016 betrifft, so ist darauf hinzuweisen, dass darin lediglich die – vom SEM nicht bestrittene – tibetische Herkunft des Beschwerdeführers bestätigt wird. Im Weiteren ist vor dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen und der naheliegenden Möglichkeit, dass es sich um ein Gefälligkeitsschreiben handelt, die Beweiskraft des mit Ein- gabe vom 13. Februar 2017 e ingereichten Bestätigungsschreibens eines Onkels des Beschwerdeführers namens B.______ als gering einzustufen. Aufgrund der klaren Aktenlage ist das implizit geäusserte Ersuchen des D-2821/2016 Seite 9 Rechtsvertreters in der Beschwerde, mit dem Beschwerdeführer eine Sprachanalyse durchzuführen, mangels Notwendigkeit abzuweisen. Die vorgenommene Einschätzung, dass der Beschwerdeführer seine Her- kunft verschleiert, wird durch d ie unglaubhafte Schilderung der Verfol- gungsvorbringen bestärkt. So weisen die diesbezüglichen A ngaben Un- stimmigkeiten auf, wobei hierzu auf die Ausführungen der Vorinstanz ver- wiesen werden kann, welche in der Beschwerde nicht entkräftet werden können. Schliesslich ist auch die Schilderung der geltend gemachten ille- galen Ausreise und der nachfolgenden Reise in die Schweiz realitätsfremd, stereotyp und oberflächlich ausgefallen. 5.3 In Übereinstimmung mit dem SEM ist somit festzustellen, dass der Be- schwerdeführer über seine Herkunft täuschende Angaben gemacht hat. In Anwendung der in BVGE 2014/12 E. 5.10 e ntwickelten Rechtsprechung hat das BFM daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde- führers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). D-2821/2016 Seite 10 7.2 Unter Hinweis auf die in Erwägung 6.1 skizzierte Rechtsprechung ist der Vollzug der Wegweisung für zulässig, zumutbar und möglich zu erach- ten. 7.3 Da der Beschwerdeführer unbestrittenermassen tibetisc her Ethnie ist und dadurch auch die Möglichkeit nicht auszuschliessen ist, dass er die chinesische Staatsangehörigkeit besitzt, ist vorliegend der Wegweisungs- vollzug nach China – in Übereinstimmung mit dem Dispositiv der angefoch- tenen Verfügung – auszuschliessen, da ihm dort gegebenenfalls eine Re- foulement-Verletzung droht. Denn diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staats bürgerschaft besitzen, haben in Bezug auf China zumindest subjektive Nachfluchtgründe, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet wer- den und – wiederum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfül- len (vgl. BVGE 2009/29). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Mit Zwischenverfügung vom 24. Juni 2016 wurden die Gesuch e um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und der amtlichen Verbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 AsylG gutgeheissen. Dem Beschwerdeführer wurde der im Rubrum ge- nannte Rechtsanwalt als amtlicher Rechtsbeistand bestellt. Da der Be- schwerdeführer gemäss den vorliegenden Akten aktuell nach wie vor nicht erwerbstätig ist, kann davon ausgegangen werden, dass er prozessual be- dürftig ist. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben. 9.2 Da dem Beschwerdeführer sein Rechtsvertreter als amtlicher Beistand bestellt wurde, ist diesem ein Honorar auszurichten. Aufgrund der ange- messen erscheinenden Kostennote vom 13. Februar 2017 ist dem Rechts- vertreter ein amtliches Honorar von Fr. 2‘600.– (inkl. Auslagen und Mehr- wertsteuer) zulasten der Gerichtskasse zuzusprechen (vgl. Art. 12 und Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). (Dispositiv nächste Seite) D-2821/2016 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho- norar von Fr. 2‘600.– entrichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: