B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-5759/2013 U r t e i l v o m 3 . J a n u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Jean-Daniel Dubey, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. Parteien X._______, vertreten durch Jörg Roth, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-5759/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die aus Thailand stammende Z._______ (geb. 1974; im Folgenden: G e- suchstellerin) beantragte am 27. Mai 2013 bei der Schweizerischen Bo t- schaft in Bangkok ein Schengen -Visum für einen Besuchsaufenthalt von drei Monaten bei X._______ in B._______ (nachfolgend: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) im Kanton Bern . Dem Visumantrag lag ein vom 27. Mai 2013 datiertes Einladungsschreiben des Gastgebers bei. B. Mit Formularentscheid vom 29. Mai 2013 lehnte es die Botschaft ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie machte geltend, der Zweck der Re i- se sei nicht plausibel; auch die fristgerechte Wiederausreise der B e- schwerdeführerin aus dem Schengen-Raum erscheine nicht gesichert. C. Gegen diesen Entscheid erhob der Gastgeber am 21. Juni 2013 Einspra- che bei der Vorinstanz. In der Folge wurden die Gesuchsunterlagen an das BFM übermittelt. Auf dessen Ersuchen hin liess die Migrationsbehö r- de des Kantons Bern einen Fragekatalog an den Beschwerdeführer ric h- ten, den dieser umgehend beantwortete und retournierte. D. Mit Verfügung vom 11. September 2013 wies die Vorinstanz die Einspr a- che ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Gesuchstel- lerin stamme aus einer Region (Nordost -Provinz Maha Sarakham), aus welcher als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht he rr- schenden Verhältnisse der Zuwanderungsdruck nach wie vor stark anhal- te. Vom Druck zur wirtschaftl ichen Existenzsicherung seien dabei häufig Frauen besonders betroffen, die mit ihrem Einkommen oft für die Überle- benschancen ihrer eigenen Haushalte und ganz er Gemeinden sorgen müssten und deren Arbeitsplätze in Zeiten angespannter wirtscha ftlicher Verhältnisse besonders gefährdet seien. Entsprechend habe die wir t- schaftlich motivierte Emigration von Thailänderinnen nach 1997 zug e- nommen. Im Falle der Schweiz w erde diese Tendenz dort noch begün s- tigt, wo bereits ein minimales soziales Beziehungsnetz bestehe. Beson- dere Gewähr für die fristgerechte Wieder ausreise nach einem Besuch s- aufenthalt ergebe sich auch aus den persönlichen Verhältnissen der 39- jährigen Gesuchstellerin nicht. Sie sei geschieden und Mutter von drei Kindern im Alter von 18, 17 und 7 Jahren. Damit habe sie zwar durchaus familiäre Betreuungspflichten, diese seien hingegen angesichts der g e-C-5759/2013 Seite 3 planten langen Auslandabwesenheit und den unterschiedlichen Wohnad- ressen der Gesuchstellerin und ihrer Kinder zu relativieren. Zudem könne nicht als erstellt gelten, dass Z._______ in vorteilhaften wirtschaftlichen Verhältnissen lebe. Sie erfülle damit die Voraussetzungen zur Erteilung des beantragten Visums nicht. E. Mit Beschwerde vom 11. Oktober 2013 beantragt der – inzwischen an- waltlich vertretene – Beschwerdeführer die Aufhebung der vor - instanzlichen Verfügung und die Ausstellung eines Schengen-Visums für seinen Gast mit einer Gültigkeitsdauer von drei Monaten. F. Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 12. November 2013 die Abweisung der Beschwerde. G. Der Beschwerdeführ h ält mit Replik vom 29. November 2013 an seinen beschwerdeweisen gestellten Anträgen fest. H. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. . Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbe - halt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Ve r- fügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG a uf- geführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügun gen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Besuchs - zwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bundesver - waltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichts - gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). C-5759/2013 Seite 4 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 4 8 Abs. 1 VwVG zur Be - schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist - und formgerecht einge - reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er- messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer thailändischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 90tägigen Auf- enthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die bea b- sichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorli e- gende Streitsache in den persönlichen u nd sachlichen Anwendungsb e- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) und sein e Ausführungsverordnung gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r-C-5759/2013 Seite 5 teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundes - gesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli che Vor- aussetzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaa ten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraus- setzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen -Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Martina Caroni / Thomas Gächter / Daniela Thurn herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Auslän derinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Bürger von Drittstaaten dürfen über die Aussengrenzen des Schen - gen-Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen je Sechsm o- natszeitraum einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedokumente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, de ren Staatsange- hörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti gen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristi gen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerte ilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu C-5759/2013 Seite 6 belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Inform a- tionssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffent- liche Gesundheit oder die internationalen Bezie hungen eines Mitglie d- staats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsge richts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswi d- rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt - staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset - zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk - ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Die ses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des aus stellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter den selben Voraus- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). C-5759/2013 Seite 7 5. 5.1 Aufgrund ihrer thailändischen Staatsangehörigkeit unterliegt die G e- suchstellerin der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einre i- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK steht die Frage der gesiche r- ten Wiederausreise im Vordergrund. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gesichert. Zur Ei n- schätzung entsprechender Risiken sind sämtli che Umstände des konkr e- ten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einr eise- gesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befri steten Einreisebewilligung in Ein - klang steht. 6. 6.1 Trotz der grundsätzlich positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Thailand sind dort nach wie vor breite Bevölkerungsschichten von kargen ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen betroffen. Zu berüc k- sichtigen gilt insbesondere, dass die Gesuchstellerin aus der Provinz Ma- ha Sarakham im Nordosten Thailands stammt. Dieses Gebiet gilt im lan- desweiten Vergleich als ärmstes von insgesamt sechs Regionen (vgl. http://www.thaiwebsites.com/thailand-GDP .asp, besucht im Dezember 2013). Wie bereits die Vorinstanz ausgeführt hat, sind in Thailand insb e- sondere Frauen v om Druck zur wirtschaftlichen Existenzsicherung ganz besonders betroffen . Entsprechend hat die wirtschaftlich motivierte Emigration von Thailänderinnen nach 1997 zugenommen (Quelle: Schlussbericht vom 13. Mai 2002 der Kommission des Deutschen Bu n- destags zum Thema Globalisierung der Weltwirtschaft – Heraus- forderungen und Antwor ten, Ziff. 6.2.2.2 S. 317 f., online abrufbar als Bundesdrucksache 14/9200 unter www.bundestag.de > Dokumente > Drucksachen; zu den wirtschaftlichen Eckdaten allgemein vgl. Staatsse k- retariat für Wirtschaft > Themen > Aus senwirtschaft > Länderinformati o- nen > Asien/Ozeanien > Thailand, http://www.seco.admin.ch>, Stand: C-5759/2013 Seite 8 November 2013, besucht im Dezember 2013). Im Falle der Schweiz wird die Tendenz zur Immigration erfahrungsgemäss dort noch begünstigt, wo durch die Anw esenheit von Verwandten , Freunden oder eines Lebens- partners bereits ein minimales soziales Beziehungsnetz besteht. 6.2 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur die erwähnten allg e- meinen Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichts - punkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt ei ner g e- suchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine beson dere be- rufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann die ser Um- stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise be- günstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine b e- sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrecht lich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Ein reise zu einem B e- suchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden. Diese Vorgehensweise – die Berücksichtigung der allgemeinen Situation im Herkunftsland und der persönlichen Lebensumstände – dient gerade der Verhinderung einer pauschalen Beurteilung , welche ergäbe, dass sämtlichen Personen, die aus wirtsch aftlich ungünstigen Verhältnissen stammen, der Wille zur Emigration unter stellt würde (vgl. Beschwerde vom 11. Oktober 2013, S. 6). 7. 7.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 39 -jährige, geschie- dene Mutter dreier Kinder. Beschwerdeweise wird gel tend gemacht, ihre zwei Söhne seien in Bangkok wohnhaft und bereits berufstätig. Die 7-jährige Tochter lebe bei ihren Grosseltern. Entgegen der Meinung der Vorinstanz bestünde hingegen eine enge familiäre Beziehung. Für die Gesuchstellerin sei es denn auch unmöglich, in die Schweiz zu emigri e- ren, zumal in Thailand keine obligatorische Altersvorsorge bestehe und die Kinder sich um ihre Eltern kümmern und sie unterstützen müssten. Die Gesuchstellerin komme diesen Pflichten in regelmässigen Abständen nach. Längerfristig beabsichtige sie auch die Aufnahme ihrer Tochter. Es sei für sie zudem unvorstellbar, ihrem Kind eine schulische Ausbildung ausserhalb Thailand zukommen zu lassen, zumal sie darauf Wert lege, dass bei ihrer Tochter die thailändische Kultur, die Sprache und das buddhistische Wertesystem nicht verloren gehe. Sie pflege zudem einen sehr engen und telefonischen Kontakt zu ihren Söhnen. C-5759/2013 Seite 9 Obwohl die Gesuchstellerin Mutter dreier Kinder ist, kann vorliegend – entgegen den beschwerdeweisen Vorbringen – nicht auf eine starke fami- liäre Einbindung ihrerseits geschlossen werden. Ihre beiden Söhne leben nicht mehr im gleichen Haushalt wie sie und sind durch ihre Berufstäti g- keit finanziell unabhängig. De r enge und telefonische Kontakt mit ihnen kann ohne we iteres auch aus dem Ausland erfolgen. Ebenso ist die 7-jährige Tochter nicht auf die persönliche Betreuung durch die Gesuc h- stellerin angewiesen, lebt diese doch bei ihren Grosseltern und kann folg- lich do rt auch die Schule besuchen , zumal die Gesuchstellerin auf den Besuch einer thailändischen Schule Wert legt. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass d ie in der Beschwerde beschriebenen Pflichten der Gesuchstellerin, sich um die Eltern zu kümmern und sie zu unterstü t- zen, rein finanzieller Natur sind. Jene sind jedoch gerade nicht geeignet, von einer Emigration ins Ausland abzuhalten. Im Gegenteil, ist damit doch oft die Hoffnung verbunden, die Zurückgebliebenen aus dem Ausland so- gar noch effizienter unterstützen zu können. Es sind somit in casu keine persönlichen Verpflichtungen ersichtlich, welche die Gesuchstellerin dar- an hindern könnten, ins Ausland zu emigrieren. Daran kann a uch der le- diglich pauschal vorgebrachte Einwand des Beschwerdeführers nichts ändern, die Gesuchstellerin beabsichtige, die längerfristige Aufnahme i h- rer Tochter (vgl. Beschwerde vom 11. Oktober 2013, S. 5, Replik vom 29. November 2013, S. 3). 7.2 Der Beschwerdeführer macht in wirtschaftlicher Hinsicht geltend, sein Gast sei in Thailand in einem Restaurant im Service angest ellt. Damit verdiene die Gesuchstellerin ihren Lebensunterhalt. Aus dem Umstand, dass sie drei Monate von ihrer Arbeit fernbliebe, könne hingegen nichts abgeleitet werden. Im Gegenteil, spreche doch die Tatsache, dass die Ar- beitgeberin ihre r Angestellten einen längeren Urlaub gestatte, von der Ernsthaftigkeit des Arbeitsvertrags. Die Gesuchstellerin werde von ihrer Arbeitgeberin sehr geschätzt und es sei nicht die Rede von der Auflösung des Arbeitsvertrags, nur weil sie Ferien in der Schweiz verbringe. Ein ille- galer Weiteraufenthalt in der Schweiz würde für die Gesuchstellerin b e- deuten, dass sie ihre Arbeitsstelle in Thailand verlieren würde. Sie würde somit ihre gesamte Existenz aufs Spiel setzen, da sie ohne gültige Au f- enthaltsbewilligung in der Schweiz keine Arbeit finden würde. Diesbezüglich gilt es darauf hinzuweisen, dass in den Akten keine Dok u- mente bezüglich Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses vorzufinden sind. Angaben bezüglich Einkommen fehlen gänzlich. So wurde n weder ein Arbeitsvertrag noch eine Bestätigung der Arbeitgeberin eingereicht. Rep-C-5759/2013 Seite 10 likweise wird geltend gemacht, das Arbeitsverhältnis basiere nicht auf e i- nem schriftlichen Vertrag. Das Arbeitspensum schwanke saisonal und das Salär sei dementsprechend nich t regelmässig gleich hoch. Es könne dem Beschwerdeführer bzw. der Gesuchstellerin nicht zugemutet werden, unverhältnismässige Aufwände zu unternehmen, um Unterlagen einzurei- chen, die nicht existier ten und nachträglich lediglich unter erschwerten Bedingungen beschafft werden könnten. Nicht nachvollziehbar ist aber in diesem Z usammenhang, wieso (zumindest) eine Arbeitsbestätigung bei der Arbeitgeberin so wie konkrete Angaben über das Einkommen (z.B. Aufstellung der monatlichen Einnahmen und Ausgaben , Bank belege usw.) nur unter erschwerten Be dingungen erhält lich gemacht werden können. Von einem unverhältnismässigen Aufwand zur Beschaffung di e- ser Unterlagen kann denn auch keine Rede sein (zur Mitwirkungspflicht im Allgemeinen siehe Art. 13 VwVG sowie Urteil des Bundesverwaltungs- gerichts C-3710/2010 vom 7. Oktober 2010 E. 7.3). Dies spricht gerade nicht für die Ernsthaftigkeit des angeblichen Arbeitsverhältnisses. Kommt hinzu, dass im Visumantrag vom 27. Mai 2013 die Gesuchstellerin lediglich ausführte, sie sei angestellt (Frage 19 ["derzeitige berufliche Tä- tigkeit"]), eine Anschrift des Arbe itsgebers hingegen nicht genannt wurde (vgl. Visumantrag Frage 20 ["Anschrift und Telefonnummer des Arbeit s- gebers"]). Auch aus den weiteren Akten geht der Name und die Ad resse des Arbeitsgebers nicht hervor. L ediglich sehr pauschal wird darauf ver- wiesen, dass die Gesuchstellerin in einem Restaurant arbeite (vgl. Einla- dungsschreiben des Beschwerdefü hrers vom 27. Mai 2013 ; Fragebogen der Einwohnergemeinde B._______). Hinzuweisen gilt es auch auf den Umstand, dass die Schweizerische Vertretung in Bangkok in einer schrift- lichen Stellungnahme an das BFM vom 15. Juli 2013 ausführte, die G e- suchstellerin sei arbeitslos. Vor diesem Hintergrund ist es der Vorinstanz nicht vorzuwerfen, wenn sie davon ausgegangen ist, die Gesuchstellerin lebe zumindest in wirtschaftlich nicht vorteilhaften Verhältnissen. Auf die- ser Grundlage kann die Wiederausreise der Gesuchstellerin nicht als g e- sichert eingestuft werden. 7.3 Vor dem allgemein en und persönlichen Hintergrund durfte die Vori n- stanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für e i- ne fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellerin nach ihrem Besuchsaufenthalt besteht. Zwar lässt sich diese Prognose nicht zu einer gesicherten Feststellung verdichten; sie genügt jedoch, um die Erteilung einer Einreisebewilligung, auf welche ohnehin kein Recht s- anspruch besteht, abzulehnen. C-5759/2013 Seite 11 8. An der Richtigkeit dieser Einschätzung ändert auch die Tatsache nichts, dass der Beschwerdeführer alle Voraussetzungen als Gastgeber erfüllt, seine finanziellen Verhältnisse bis ins Detail dargelegt hat und auch wie- derholt für die fristgerechte Wiederausreise seines Gastes gebürgt hat. Es wird denn auch nicht die Integrität des Beschwe rdeführers in seiner Eigenschaft als Gastgeber in Zweifel gezogen. Indessen sind bei der A b- wägung des Risikos einer nicht fristgerechten Wiederausreise nicht so sehr die Einstellung und die Absichten des Gastgebers, sondern in erster Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Bedeutung. Nur Letz- terer ist in der Lage, hinrei chend Gewähr für eine fristgerechte und a n- standslose Wiederausreise zu bie ten. Der Gastgeber kann , wie dies in casu geschehen ist (vgl. Unterhalts garantie vom 2. September 20 13), le- diglich für gewisse finan zielle Risiken (Ko sten wie Unterkunft, Verpfl e- gung, Arzt, Spital, Rückreise usw.) Garantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimmtes Verhalten des Gastes (vgl. BVGE 2009/ 27 E. 9). Selbst das Vorbringen, es sei ein gemeinsamer Rückflug des Gastgebers und der Gesuchstellerin nach Thailand geplant, ist dafür nicht geeignet (siehe Beschwerde vom 11. Ok- tober 2013, S. 5f). 9. Beschwerdeweise wird ferner geltend gemacht, dem Paa r sei hoch anzu- rechnen, dass es nicht direkt heiraten wolle und stattdessen die Gesuch- stellerin als Touristin in die Schweiz einreisen möchte. Dieses Vorbringen kann jedoch vorliegend nicht berücksichtigt werden, richten sich doch Einreisegesuche zwecks Eh eabschluss nach eigenen Verfahren mit b e- sonderen Zuständigkeiten (vgl. Art. 10 und 17 AuG bzw. Art. 42 AuG; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-6726/2010 vom 18. Januar 2011 E. 9.2). Vorliegend wurde ein Visum für einen befristeten Besuch s- aufenthalt beantragt, weshalb die Erteilung zwingend an eine fristgerec h- te Wiederausreise geknüpft ist. Kann hierfür keine Gewähr geboten wer- den, darf das beantragte Visum nicht erteilt werden. 10. Vor dem aufgezeigten Hintergrund durfte die Vorinstanz demn ach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellerin nach einem Besuch s- aufenthalt besteht. Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wi e- derausreise ist eine zwingende Voraussetzu ng zur Erteilung eines Schengen-Visums nicht erfüllt. Gründe für die Ausstellung eines Visums C-5759/2013 Seite 12 mit räumlich beschränkter Gültigkeit (vgl. dazu Ziffer 4 .5 hiervor) werden nicht vorgebracht und liegen auch nicht vor. 11. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 12. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird der unter liegende Be- schwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 800. - festzusetzen (Art. 1 ff. des Regle ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs gericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-5759/2013 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer- legt und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) – den Migrationsdienst des Kantons Bern Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer Versand: