A bteilung III C -83/2006 {T 0/2} U rteil vom 12. Juli 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsi- dent); R ichter Trom m er; G erichtsschreiber Segessenm ann. S._______, Beschw erdeführerin, vertreten durch R echtsanw alt Jan D onghi, Bürgi N ägeli R echtsanw älte, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Einreisesperre. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie Beschw erdeführerin, geboren am 19. O ktober 1980, ist thailändische Staatsangehörige. Sie reiste am 20. O ktober 2001 in die Schw eiz ein und heiratete am 26. April 2002 einen Schw eizer Bürger. G estützt auf diese H eirat w urde ihr eine kantonale Aufenthaltsbew illigung erteilt. D ie eheliche G em einschaft w urde im Juni 2002 w ieder aufgegeben. Am 26. August 2004 w urden die Eheleute vom Bezirksgericht D ielsdorf zum G etrenntle- ben berechtigt. B. Am 10. D ezem ber 2004 w iderrief das M igrationsam t des Kantons Zürich die bis am 25. April 2005 gültige Aufenthaltsbew illigung und setzte der Be- schw erdeführerin Frist zum Verlassen des Kantonsgebiets bis zum 28. Februar 2005. In der Folge dehnte die Vorinstanz m it Verfügung vom 27. Januar 2005 die W egw eisung auf kantonalen Antrag hin auf die ganze Schw eiz sow ie das Fürstentum Liechtenstein aus und forderte die Be- schw erdeführerin auf, das besagte G ebiet bis zum 15. M ärz 2005 zu ver- lassen. D iese Verfügung w urde der Beschw erdeführerin am 31. Januar 2005 eröffnet. C . Am 21. M ärz 2006 w urde die Beschw erdeführerin in W allisellen an der Ad- resse ihres neuen Lebensgefährten verhaftet und m it Strafbefehl der Staatsanw altschaft W interthur/U nterland vom gleichen Tag w egen illegalen Verw eilens im Land zu einer bedingten G efängnisstrafe von 90 Tagen ver- urteilt. D . Auf Antrag des Kantons Zürich verfügte die Vorinstanz am 22. M ärz 2006 gegen die Beschw erdeführerin eine zw eijährige Einreisesperre w egen gro- ber Zuw iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche Vorschriften (N ichtbe- folgen einer behördlich angeordneten Ausreisefrist). E. M it Eingabe vom 21. April 2006 erhob die Beschw erdeführerin beim Eidge- nössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) Beschw erde. D arin be- antragt sie, die angefochtene Verfügung sei auf die D auer eines halben Jahres zu reduzieren. In prozessualer H insicht ersuchte sie um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege. F. M it Zw ischenverfügung vom 26. April 2006 w ies das EJPD das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege w egen Aussichtslosigkeit der Beschw erde ab. G . In der Vernehm lassung vom 9. Juni 2006 beantragt die Vorinstanz die Ab- w eisung der Beschw erde. H . D ie eingeräum te R eplikfrist liess die Beschw erdeführerin nach w iederhol- ter Fristverlängerung ungenutzt verstreichen. 3 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden. D arunter fallen gem äss Art. 20 Abs. 1 AN AG die Verfügungen des BFM , die sich auf Art. 13 Abs. 1 AN AG stützen. D as Bundesverw altungsgericht entscheidet endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der am 1. Januar 2007 bei den Eidgenössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei den Beschw erdediensten der D eparte- m ente hängigen R echtsm ittel und w endet das neue Verfahrensrecht an (Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG , sow eit das G esetz nichts anderes bestim m t. 1.3 D ie Beschw erdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfü- gung berührt und hat ein schutzw ürdiges Interesse an deren Änderung (Art. 48 Abs. 1 Vw VG ). Auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist som it einzu- treten (Art. 49 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie eidgenössische Behörde kann, für höchstens drei Jahre, die Einreise- sperre verhängen über Ausländerinnen und Ausländer, die sich grobe oder m ehrfache Zuw iderhandlungen gegen frem denpolizeiliche oder andere ge- setzliche Bestim m ungen und gestützt darauf erlassene behördliche Verfü- gungen haben zuschulden kom m en lassen. W ährend der Einreisesperre ist ausländischen Personen jeder G renzübertritt ohne ausdrückliche Er- m ächtigung der verfügenden Behörde untersagt (Art. 13 Abs. 1 Satz 2 und 3 AN AG ). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer sind unter anderem dann zur Ausreise ver- pflichtet, w enn ihre Bew illigung w iderrufen w ird. D ie Behörde setzt in die- sen Fällen den Tag fest, an dem die Aufenthaltsberechtigung aufhört (Aus- reisefrist). Ist die Behörde eine kantonale, so hat die ausländische Person aus dem Kanton, ist sie eine eidgenössische, so hat sie aus der Schw eiz auszureisen. D ie eidgenössische Behörde kann die Pflicht zur Ausreise aus einem Kanton auf die ganze Schw eiz (und das Fürstentum Liechten- stein) ausdehnen (vgl. Art. 12 Abs. 3 AN AG ).4 2.3 D er illegale Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern stellt praxisge- m äss eine grobe Verletzung frem denpolizeilicher Vorschriften dar (vgl. Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 63.38, E. 13). 3. D ie Beschw erdeführerin bestreitet nicht, dass sie die Schw eiz bis spätes- tens 15. M ärz 2005 hätte verlassen m üssen, nachdem das BFM die kanto- nale W egw eisung auf das ganze G ebiet der Schw eiz ausgedehnt hatte. U nbestritten ist auch, dass sie der entsprechenden Ausreiseaufforderung nicht nachgekom m en ist. Ihr Aufenthalt w ar daher ab diesem Zeitpunkt ille- gal. Sie w urde denn auch m it Strafbefehl der Staatsanw altschaft W inter- thur/U nterland vom 21. M ärz 2006 zu einer bedingten G efängnisstrafe von 90 Tagen verurteilt. In ihrer Beschw erdeeingabe w endet die Beschw erdeführerin lediglich ein, die Festlegung der D auer der Einreisesperre sei von der Vorinstanz rein schem atisch, ohne W ürdigung der konkreten U m stände und dam it w illkürlich vorgenom m en w orden. So sei nicht berücksichtigt w orden, dass sie bezüglich der ihr vorgew orfenen D elikte von allem Anfang an geständig gew esen sei. Sie habe kein G eld gehabt, um die Schw eiz verlassen zu können. Zudem w olle sie sich so schnell w ie m öglich von ihrem bisherigen Ehem ann scheiden lassen und ihren neuen Lebenspartner heiraten. Sollte die Einreisesperre zw ei Jahre dauern, so bedeute dies ein faktisches Eheverbot, da sie w eder sich scheiden lassen noch ihren Verlobten heira- ten könne. Sie habe sich nach dem W iderruf der Aufenthaltsbew illigung in einer für sie unlösbar erscheinenden Situation befunden und diese falsch zu m eistern versucht, w as sie denn auch einsehe und durch die Akzeptanz des Strafbefehls deutlich gem acht habe. D iese Einw ände verm ögen jedoch am U m stand nichts zu ändern, dass der von ihr eingestandene illegale Aufenthalt als grobe Zuw iderhandlung ge- gen frem denpolizeiliche Vorschriften im Sinne von Art. 13 Abs. 1 Satz 2 AN AG zu qualifizieren ist und dass gestützt darauf eine Einreisesperre ver- hängt w erden kann. Sow eit die Beschw erdeführerin ihr Verhalten zu erklä- ren bzw . zu entschuldigen versucht, sind ihre Vorbringen im R ahm en der Prüfung der Verhältnism ässigkeit und Angem essenheit der angeordneten Fernhaltem assnahm e zu w ürdigen. 4. Es bleibt som it zu prüfen, ob die verhängte Einreisesperre als solche so- w ie deren D auer verhältnism ässig und angem essen sind (Art. 49 Bst. a und c Vw VG ). 4.1 W ie bereits erw ähnt, hat die Beschw erdeführerin frem denpolizeiliche Be- stim m ungen grob verletzt. D as generalpräventiv m otivierte öffentliche In- teresse daran, die frem denpolizeiliche O rdnung durch eine konsequente M assnahm enpraxis gegenüber fehlbaren Ausländerinnen und Ausländern zu schützen, ist gew ichtig. Im vorliegenden Fall treten spezialpräventive G ründe hinzu. D ie Beschw erdeführerin m acht zw ar geltend, sich in einer (scheinbaren) N otsituation befunden zu haben. Sie w usste jedoch von Be- ginn w eg um die W iderrechtlichkeit ihres H andelns und verw eilte dennoch bis zu ihrer Verhaftung nach über einem Jahr illegal in der Schw eiz. D ie 5 von ihr vorgebrachten Argum ente, lediglich aus finanzieller N ot ("kein G eld für Flugticket") bzw . aus G ründen der Liebe in der Schw eiz verblieben zu sein, verm ögen ihr Verhalten w eder zu rechtfertigen noch zu entschuldi- gen, zum al es sich dabei lediglich um scheinbare H indernisse handelte. 4.2 Es m ag zw ar zutreffen, dass die angefochtene Verfügung lediglich eine ru- dim entäre Begründung enthält. H ingegen geht daraus unzw eifelhaft her- vor, dass die Vorinstanz bezüglich der D auer der angeordneten Einreise- sperre auf die Strafzum essung und die diesbezüglichen Erw ägungen der Staatsanw altschaft abgestellt hat. D ieses Vorgehen erscheint nicht w illkür- lich. Zudem erscheint die festgesetzte D auer der Einreisesperre auf G rund des relativ langen illegalen Aufenthalts der Beschw erdeführerin in der Schw eiz sow ie des U m stands, dass das BFM die gesetzliche M axim aldau- er der Sperre nach Art. 13 Abs. 1 Satz 2 AN AG nicht ausgeschöpft hat, so- w ohl als verhältnism ässig als auch als angem essen. 4.3 D aran verm ögen auch die geltend gem achten privaten Interessen an der R eduktion der Fernhaltem assnahm e nichts zu ändern, zum al es insbeson- dere nicht zutrifft, dass m it der zw eijährigen Einreisesperre faktisch das W eiterbestehen einer längst sinnentleerten Ehe sow ie ein Eheverbot be- hördlich verfügt w ürde. W eder die D urchführung eines Scheidungs- noch eines Ehevorbereitungsverfahrens setzen die Anw esenheit der Beschw er- deführerin in der Schw eiz zw ingend voraus. W ürde sich die Anw esenheit dennoch als notw endig erw eisen, stünde im Ü brigen die M öglichkeit offen, eine vorübergehende Suspension der verfügten Fernhaltem assnahm e zu beantragen (vgl. Art. 13 Abs. 1 Satz 3 AN AG ). D er Vollständigkeit halber ist schliesslich darauf hinzuw eisen, dass die Einreisesperre von der Vorin- stanz aufzuheben w äre, sobald bzw . sofern der Beschw erdeführerin nach erfolgter Scheidung vom bisherigen Ehegatten und H eirat des aktuellen Lebenspartners der Fam iliennachzug bew illigt w ürde (vgl. U rteil des Bun- desgerichts 2A.141/2002 vom 19. Juli 2002, E. 1.4). 4.4 Bei dieser Sachlage ist die Anordnung der Einreisesperre als solche nicht zu beanstanden und erw eist sich die Beschränkung der M assnahm e auf zw ei Jahre unter Berücksichtigung der ständigen Praxis in vergleichbaren Fällen als verhältnism ässig und angem essen. 5. Aus diesen Erw ägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt; sie ist auch angem essen (Art. 49 Vw VG ). D ie Beschw erde ist daher abzuw eisen. 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschw erdeführerin die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D iese sind auf Fr. 600.- fest- zusetzen (Art. 2 f. des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kos- ten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht [VG KE, SR 173.320.2]) und m it dem am 26. M ai 2006 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher H öhe zu verrechnen.6 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.- w erden der Beschw erdeführerin aufer- legt und m it dem am 26. M ai 2006 geleisteten Kostenvorschuss in gleicher H öhe verrechnet. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten retour) D er Kam m erpräsident: D er G erichtsschreiber: Antonio Im oberdorf Thom as Segessenm ann Versand am :