Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 24. April 2013 (840 13 133) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Fürsorgerische Unterbringung / Verlängerung der Massnahme Besetzung Abteilungs-Vizepräsident Bruno Gutzwiller, Ka ntonsrichter Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Beat Walther , Ge- richtsschreiberin Julia Kempfert Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdegeg- nerin Betreff Fürsorgerische Unterbringung / Verlängerung de r Massnahme A. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KES B), im Rahmen des Pikett- dienstes vertreten durch die Kindes- und Erwachsenensch utzbehörde C.____, ordnete mit Ver- fügung vom 22. Februar 2013 eine vorsorgliche fürsorgerische Unterbringung (FU) an und wies A.____, geboren 1938, für längstens 6 Wochen in die K linik für Psychiatrie und Psychotherapie (KPP) in Liestal ein. Die Verfügung erging gestützt a uf ein Einweisungszeugnis von Dr. med. D.____, aufgebotener Notfallpsychiater, vom 22. Februa r 2013. Die Verfügung der KESB hielt Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zur gesundheitlichen Situation von A.____ fest, dass ein e Einschränkung der situativen Orien- tierung vorliege und er eine Persönlichkeitsstörung aufw eise, welche bedrohlich und fremdge- fährdend sei. In der gegenwärtigen Verfassung benöti ge A.____ eine stationäre psychiatrische Behandlung und Betreuung im geschützten Rahmen. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____ mit Schreiben vom 27. Februar 2013 Beschwer- de beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Ver fassungs- und Verwaltungsrecht (Kan- tonsgericht). In der Folge beauftragte das Kantonsge richt am 1. März 2013 med. pract E.____, Assistenzarzt der Psychiatrie Baselland, Ambulato rien und Tageskliniken (AUT), einen schriftlichen Bericht über den aktuellen Gesundheitszustan d von A.____ zu erstellen. Mit Urteil vom 7. März 2013 wurde die Beschwerde abgewiesen. C. Mit Schreiben vom 26. März 2013 beantragten Dr. me d. F.____, Leitender Arzt, med. pract G.____, Oberärztin, und H.____, Assistenzarzt , der KPP die Verlängerung der für- sorgerischen Unterbringung von A.____. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass A.____ keine Einsicht in die Notwendigkeit der Ver beiständung oder der Behandlung sei- ner psychischen und körperlichen Krankheiten zeige. Er ve rweigere darum die Medikation und weitere medizinische und pflegerische Massnahmen, was lebe nsgefährlich werden könnte. A.____ verweigere z.B. Blutzucker-Messungen sowie die Einn ahme von Antidiabetikum und Antihypertensiva. Die KESB folgte dieser Empfehlung und entschied am 4. April 2013, dass A.____ aufgrund seines Schwächezustandes und der stationär en Behandlungsbedürftigkeit sowie den weiteren erfüllten Kriterien im Rahmen der FU für den Zeitraum von sechs Monaten, bis zum 4. Oktober 2013, in der KPP Liestal zurückbehalten werde. D. Mit Eingabe vom 10. April 2013 erhob A.____ gege n den Entscheid der KESB vom 4. April 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Land schaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), und beantragt sinng emäss die Aufhebung des angefochte- nen Entscheids. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 16 . April 2013 wurde I.____, Assis- tenzarzt der Psychiatrie Baselland, AUT, als Sachverständig er für das vorliegende Verfahren ernannt. Mit Gutachten vom 22. April 2013 nahmen Dr. med. J.____, Oberarzt, und I.____, As- sistenzarzt, Psychiatrie Baselland, AUT, Stellung zur aktu ellen gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers. E. In der Vernehmlassung vom 19. April 2013 hielt die KESB an ihrem Entscheid vom 4. April 2013 fest und beantragt sinngemäss die Abweisu ng der Beschwerde. Die KESB ver- weist dabei auf ein Gespräch vom 3. April 2013, bei w elchem sich A.____ absolut uneinsichtig in Bezug auf seine mentalen Beeinträchtigungen gezeigt habe. F. An der heutigen Verhandlung nehmen A.____, welche r von einer Pflegefachfrau der KPP begleitet wird, Vertreter der KESB, sowie I.____ als Sachverständiger teil. Die Parteien halten an ihren Anträgen fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1. Die Zuständigkeit für die Anordnung einer FU im Si nne von Art. 426 des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 liegt gemäss Art. 428 Abs. 1 i.V.m. Art. 442 Abs. 1 ZGB sowie § 62 Abs. 2 i.V.m. § 78 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 30. Mai 1911 bei der Kindes- und Erwachse- nenschutzbehörde B.____. Gegen deren Verfügungen und Entscheide kann gemäss Art. 439 ZGB i.V.m. § 66 Abs. 1 bzw. § 84 Abs. 1 lit. b EG ZGB beim Kantonsgericht Beschwerde erho- ben werden. Das Kantonsgericht ist somit für die Beurte ilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Art. 439 Abs. 1 ZGB räumt dem Betroffenen o der einer ihm nahe stehenden Person für den Fall einer ärztlich angeordneten Unterbringun g die Möglichkeit ein, innerhalb von zehn Tagen nach der Mitteilung des Entscheides beim zuständige n Gericht Beschwerde zu erheben. Als von der FU direkt Betroffener ist A.____ ohne Weite res zur Beschwerdeerhebung legiti- miert. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erho bene Beschwerde ist einzutreten. Bei der Überprüfung der Beschwerde verfügt das Kantonsgericht ü ber volle Kognition, womit auch die Unangemessenheit von Verfügungen über die fürsorgerische Freiheitsentziehung rügbar ist (Art. 450a Abs. 1 ZGB) 2.1 Nach Art. 426 Abs. 1 ZGB kann eine Person, die an einer psychischen Störung oder an geistiger Behinderung leidet oder schwer verwahrlost ist, in einer geeigneten Einrichtung unter- gebracht werden, wenn die nötige Behandlung oder Bet reuung nicht anders erfolgen kann. Die gesetzliche Formulierung beinhaltet somit drei Voraussetzungen für die Anordnung der FU: Ers- tens einen in der Person des oder der Betroffenen li egenden Grund im Sinne eines Schwäche- zustandes, zweitens die Notwendigkeit einer Behandlung oder Betreuung und drittens den Grundsatz der Verhältnismässigkeit. Auch muss die Einweisu ng in eine geeignete Einrichtung erfolgen, da dieses Kriterium auch als Voraussetzung für die Zulässigkeit der FU gilt (T HOMAS GEISER /M ARIO ETZENSBERGER , Art. 426 ZGB, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Komm entar Erwachsenenschutz, Art. 360 - 456 ZGB, Art. 14, 14a Sch lT ZGB, Basel 2012). Des Weiteren muss gemäss Art. 426 Abs. 2 ZGB beim Entscheid, ob eine Un terbringung angezeigt ist, auch die Belastung und der Schutz von Angehörigen und Dritten berücksichtigt werden. 2.2 Die möglichen Schwächezustände, welche die Anordnu ng einer FU grundsätzlich zu rechtfertigen vermögen, werden in Art. 426 Abs. 1 ZGB abschliessend genannt und müssen in beweiskräftiger Weise ärztlich festgestellt worden sein. So darf eine Person unter anderem we- gen einer psychischen Störung in einer geeigneten Einri chtung untergebracht oder zurückbe- halten werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorg e nicht anders erwiesen werden kann. Der Begriff der psychischen Störung ist aus der Medizin übernommen und entspricht der Klassi- fikation der WHO. Damit von einer psychischen Störung ge sprochen werden kann, muss nicht nur ein Krankheitsbild vorliegen; dieses muss zudem er hebliche Auswirkungen auf das soziale Funktionieren des Patienten haben. Entscheidend ist insbe sondere, ob die betroffene Person ihre Entscheidungsfreiheit bewahrt hat und am sozialen Leben teilhaben kann (G EI- SER /E TZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB, N 15). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Der Schwächezustand allein vermag eine FU nun aber nie zu rechtfertigen. Vielmehr verlangt Art. 426 Abs. 1 ZGB weiter, dass die betroffe ne Person aufgrund ihres Schwächezu- standes einer Behandlung oder Betreuung bedarf. Die Einweisung in eine Einrichtung darf so- mit nicht nur der blossen Freiheitsentziehung und damit dem Schutz der Öffentlichkeit dienen. Das primäre Ziel liegt in der Gewährung der persönlic hen Fürsorge (C HRISTOF BERNHART , Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel 2011 , N 348) Fürsorgebedürftig ist ein Mensch, wenn er auch nur für kurze Zeit im persönlichen Bereich nicht mehr für sich selbst sor- gen kann und Hilfe benötigt, um eine durch den Schwäche zustand bedingte ernsthafte Gefähr- dung seines psychischen und/oder physischen Wohls abzuwenden (BARBARA CAVIEZEL -JOST , Die materiellen Voraussetzungen der fürsorgerischen Fre iheitsentziehung, Stans 1988, S. 272 f.). 2.4 In der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung ist d ie Notwendigkeit der persönlichen Fürsorge als Bedingung für die Anordnung der FU bei G efahr in Verzug konkretisiert worden. So wird verlangt, dass neben der Fürsorgebedürftigkeit stets auch das akute Risiko einer Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegen muss (vgl. Ent scheid des Verwaltungsgerichtspräsi- denten [VGE] vom 10. Dezember 1985 i.S. X., in: Base llandschaftliche Verwaltungsgerichtsent- scheide [BLVGE] 1985, S. 55 ff.; bestätigt in VGE vom 7 . Juli 2000 i.S. L.). Auch eine Selbst- oder Fremdgefährdung allein vermag eine FU noch nicht zu begründen, ist indes bei Vorliegen eines Schwächezustandes sowie der Beachtung der Verhäl tnismässigkeit ein Indiz für die Be- jahung der Fürsorgebedürftigkeit. In den meisten Fäl len, in denen es darum geht, eine Gefahr für das Leben der betroffenen Person oder Dritter abz uwenden, wird die Fürsorgebedürftigkeit erfüllt sein (C HRISTOF BERNHART , a.a.O., N 386). Doch darf eine Einrichtungseinweisun g nur dann erfolgen, wenn feststeht, dass der betroffenen Per son nur durch diese Einweisung der erforderliche, notwendige Schutz geboten werden kann, mithin eine besondere Schutzbedürf- tigkeit vorliegt, welche eine Einweisung erfordert (G EISER , a.a.O., Art. 426 ZGB, N 8 ff.). Ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine Anstal tseinweisung wegen Selbst- oder Fremdgefährdung gegen den Willen des Patienten selbst dann zulässig sein, wenn im Zeitpunkt der gerichtlichen Beurteilung der FU auf Grund der B ehandlung in der Klinik gar keine Gefähr- dung besteht. Eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung kann also auch dann gegeben sein, wenn diese erst mit der Entlassung verwirklicht würde (U rteil des Bundesgerichts vom 4. Juli 2002, 5C.141/2002). 3.1 Wird eine Person gegen ihren Willen in einer Ei nrichtung untergebracht oder darin zu- rückbehalten, so stellt dies einen Eingriff in das Grund recht der persönlichen Freiheit im Sinne der Bewegungsfreiheit gemäss Art. 10 Abs. 2 der Bunde sverfassung (BV) vom 18. April 1999 dar, bei dem der Grundsatz der Verhältnismässigkeit der Massnahme zu beachten ist (JÖRG PAUL MÜLLER /MARKUS SCHEFER , Grundrechte in der Schweiz, 4. Auflage, Bern 2008, S. 83). Dieser Grundsatz ergibt sich gemäss Art. 36 Abs. 3 BV unmittelbar aus der Verfassung und darüber hinaus auch aus Art. 8 Ziff. 2 der Konven tion zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention , EMRK) vom 4. November 1950 (CAVIEZEL -JOST , a.a.O., S. 319 ff.; J OCHEN FROWEIN /W OLFGANG PEUKERT , Europäische Men- schenrechtskonvention, 3. Auflage, Kehl u.a. 2009, Vor b. zu Art. 8 – 11 EMRK, N 13 ff.). Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit gilt wie im ganzen Vor mundschaftsrecht auch im Bereich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht der FU (G EISER /E TZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB, N 22ff.; C HRISTOF BERNHART , a.a.O., N 314ff.; BGE 114 II 217 E. 5 zu aArt. 397a ff. ZGB). 3.2 Weiter muss eine Einrichtung gemäss Art. 426 Abs. 1 ZGB für den Vollzug geeignet sein. Der Begriff der Einrichtung ist weit auszulegen (Botschaft Erwachsenenschutz 7062). Eine Einrichtung ist grundsätzlich nur dann geeignet, wenn si e über die Organisation und die perso- nellen Kapazitäten verfügt, um der eingewiesenen Per son die Pflege und Fürsorge zu erbrin- gen, die diese im Wesentlichen benötigt (BGE 114 II 218 f. E. 7 zu aArt. 397a ff. ZGB; G EI- SER /E TZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB, N 35ff.; C HRISTOF BERNHART , a.a.O., N 413ff.). Die einweisende Stelle hat im Einzelnen zu prüfen, ob d as Betreuungs- und Therapieangebot der entsprechenden Einrichtung mit den spezifischen Bedürfn issen der betroffenen Person und dem Ziel der FU übereinstimmt (GEISER /E TZENSBERGER , a.a.O., Art. 426 ZGB, N 37; BGE 112 II 492 zu aArt. 397a Abs. 1 ZGB). 4.1 Dr. med. J.____ und I.____ bestätigten in ihrem Gutachten vom 22. April 2013, dass der Beschwerdeführer an einer narzisstischen Persönlichkeit sstörung (ICD-10 F60.8) leide. Zu- dem habe durch die Befunde einer diagnostischen Bildgebung (MRI) die Diagnose der Demenz gestellt werden können. Diese Befunde würden dafür spre chen, dass nicht nur eine vaskuläre (gefässbedingte) Komponente an der Entstehung der Dem enz beteiligt sei, sondern auch eine Globalatrophie (Untergang von Nervenzellen), sodass mögli cherweise alternativ zur Diagnose der vaskulären Demenz die Diagnose einer gemischten De menz von Alzheimer und vaskulä- rem Typ (ICD-10 F00.2) vorliege. Die bisher durchgefüh rten Tests zur groben Abschätzung der kognitiven Beeinträchtigung (durch MMS und Uhrentest) würden für eine mittelgradige kognitive Beeinträchtigung, insbesondere der Exekutivfunktionen, sprechen. Der Zustand des Beschwer- deführers habe sich seit der Einweisung in die KPP am 22. Februar 2013 nur wenig verändert. Er zeige sich weiterhin nicht krankheits- und behandlungs einsichtig. Es mussten jedoch keine Zwangsmassnahmen mehr durchgeführt werden. Der Beschwer deführer zeige sich aber wei- terhin ausgeprägt reizbar und verbal aggressiv. Mit der teilweisen Weigerung des Beschwerde- führers, Medikamente gegen Hypertonie und Diabetes mel litus einzunehmen, setze er seine Gesundheit einer hohen Gefahr aus. Es könne zu potenzie ll lebensbedrohlichen Blutdruckkri- sen oder einem hyperglykämischen Koma kommen, was schnelles medizinisches Einschreiten erfordern würde. Das Risiko eines Schlaganfalls sei ebenfalls als hoch anzusehen. In Bezug auf diese medizinischen Risiken sei der Beschwerdeführer auf H ilfestellung und Schutz angewie- sen. Aufgrund der genannten psychischen Störung sei er nicht in der Lage, für sich selbst diese nötige Fürsorge zu tragen. 4.2 Anlässlich seiner Befragung im Rahmen der heutigen Parteiverhandlung erklärt der Sachverständige, I.____, dass er den Beschwerdeführer le tztmals bei der Begutachtung am 17. April 2013 in der KPP gesehen habe. Seiner Ansich t nach habe sich der Beschwerdeführer seit diesem Zusammentreffen bis zur heutigen Parteiver handlung nicht geändert, er verhalte sich genau gleich wie bei der Begutachtung und könne a uch heute bei der Befragung keine genauen Angaben zu seinen Häusern, seinem Vermögen, seinen Bezugspersonen und seiner Wohnsituation machen und bleibe immer vage und unbes timmt. Seine Stimmung und Zugäng- lichkeit hänge sehr stark von der Tagesform ab. Die im Gutachten gestellten Diagnosen seien Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach wie vor gegeben und das MRI habe beim Beschwerdef ührer eine Schrumpfung der Hirn- masse aufgezeigt. Der Beschwerdeführer sei in der KPP d urch verbal aggressives Verhalten gegenüber Mitpatienten und Pflegepersonal aufgefalle n. Aufgrund seiner somatischen Erkran- kungen (Diabetes und Hypertonie) müsse die Medikamentenei nnahme kontrolliert und über- wacht werden, da er seine Medikamente nicht regelmässig einnehme. Bevor ein Austritt aus der Klinik möglich sei, müsse unbedingt ein dahingehendes Se tting etabliert werden. Bisher habe der Beschwerdeführer jegliche Vorschläge für eine vert retbare Anschlusslösung zurückgewie- sen. 4.3 Der Beschwerdeführer führt an der heutigen Parte iverhandlung aus, dass er nicht wis- se, wie lange er schon in der KPP sei, es gehe ihm in d er Klinik nicht gut. Er nehme keine Psy- chopharmaka, diese würden abhängig machen. Die Medikam ente gegen Diabetes und Blut- hochdruck würde er jedoch regelmässig einnehmen. Er füh le sich gesund und wolle nach Hau- se. Er habe eine Gouvernante, diese würde sich um ihn k ümmern. Zudem habe er auch Freun- dinnen, welche ihm helfen würden; einen Spitexdienst würde er darum nicht benötigen. Mit ei- nem Bekannten, welchen er in der KPP kennengelernt h abe, werde er in eine Liegenschaft an der X.____strasse in K.____ ziehen. Aus seinem alten Hau s sei der Beschwerdeführer ausge- zogen, da ihm ein 13-Zimmer Haus viel zu gross geworden sei. Er habe veranlasst, dass das Haus versteigert werde. Zu der Einweisung in die KPP sei es gekommen, weil er Geld von der Verwaltung seiner Liegenschaften haben wollte und dab ei laut geworden sei und in der Folge die Polizei gerufen wurde, welche ihn mitgenommen hab e. Bis zu diesem Vorfall sei er jedoch noch nie in der Klinik gewesen. Der Beschwerdeführer würde nach wie vor arbeiten; er erstelle Baugutachten und mache Schatzungen. Er habe keine Schu lden; er besitze 600 Wohnungen und ein Hotel in K.____; sein Vermögen belaufe sich au f 12 Millionen Franken und er müsse etwa 4 Millionen Franken abgeben, dies sei aber kein P roblem. Den Beistand, welcher sich um seine Finanzen habe kümmern wollen, habe er wegschicken müssen; dieser sei peinlich gewe- sen. Seine Kinder hätten ihn in diese Situation gebra cht und er werde sie betreiben, da sie ihm noch Geld schulden würden. Er müsse sofort aus der Klinik raus, um zu arbeiten. 5.1 Im Gutachten des behandelnden Arztes, med. pract E._ ___, Assistenzarzt der KPP, vom 6. März 2013 wurde beim Beschwerdeführer eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und eine vaskuläre Demenz diagnostiziert. Ausserdem seien ein e arterielle Hypertonie sowie ein Diabetes mellitus Typ II bekannt. Diese Diagnose deckt si ch mit derjenigen des gerichtlich be- stellten Sachverständigen I.____. Damit steht gestützt auf die fachärztlichen Aussagen fest, dass der Beschwerdeführer an einer psychischen Störung le idet und dass damit ein fürsorgeri- scher Grund im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB vorliegt. 5.2 Eine erste stationäre psychiatrische Einweisung aufgru nd verbaler Aggressionen bis hin zu Todesdrohungen fand am 29. Oktober 2012 statt, w obei sich der Beschwerdeführer auf- grund fehlender Krankheits- und Behandlungseinsicht wi dersetzte und am 6. November 2012 die Klinik wieder verliess. Am 22. Februar 2013 wurde d er Beschwerdeführer erneut in die KPP eingewiesen, wobei der Verdacht auf eine Persönlichkeit sstörung mit bedrohlichem und fremd- gefährdendem Auftreten diagnostiziert wurde. Auch im R ahmen dieser Einweisung fehlte es dem Beschwerdeführer an einer Krankheits- und Behandlu ngseinsicht, was eine deutliche Ge- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht fährdung für sein leibliches Wohl darstellt. Aus den fa chärztlichen Stellungnahmen geht hervor, dass sich an dieser Problematik bis zum heutigen Zeitpunkt nichts Grundlegendes verändert hat. I.____ führt in seinem Gutachten vom 22. April 20 13 explizit aus, dass sich der Zustand des Beschwerdeführers seit der Einweisung am 22. Februa r 2013 nur wenig verändert habe und aufgrund der fehlenden Krankheitseinsicht und der realitätsfernen Problemsicht die nötige Fürsorge nur mit einer FU erbracht werden könne. Die Fürsorgebedürftigkeit des Beschwerde- führers i.S.v. Art. 426 Abs. 1 ZGB ist demzufolge gegeben. 5.3 Im Moment besteht beim Beschwerdeführer – solange er sich in der KPP aufhält – keine akute Selbst- oder Fremdgefährdung. Wie vorstehend dar gelegt, sind in Ausnahmefällen aber Situationen denkbar, in denen es ausreicht, wenn sich d ie akute Selbst- oder Fremdgefährdung erst mit der Entlassung verwirklichen würde. 5.4 Der Beschwerdeführer ist derzeit zum zweiten Mal in der KPP hospitalisiert. Die erste Einweisung erfolgte am 29. Oktober 2012 und am 6. N ovember 2012 verliess der Beschwerde- führer die Klinik wieder. Am 22. Februar 2013 kam es sodann bereits zur zweiten Einweisung in die KPP und am 26. März 2013 wurde von der Klinik die Verlängerung der Massnahme bean- tragt. Zur Begründung des Antrags führten Dr. med. F.____, Leitender Arzt, med. pract. G.____, Oberärztin, und H.____, Assistenzarzt der KPP, aus, der Beschwerdeführer zeige keine Ein- sicht in die Notwendigkeit der Behandlung seiner psychischen und körperlichen Krankheiten. Er verweigere aus diesem Grund die Medikation und weitere pflegerische Massnahmen, was le- bensgefährlich werden könnte; er verweigere z.B. Blutz ucker-Messungen sowie die Einnahme von Antidiabetikum und Antihypertensiva, obwohl dies für ihn lebensnotwenig sei. Diese Prob- lematik sei zudem auch bei der ersten Hospitalisation am 29. Oktober 2012 vorgelegen. Es scheine somit sehr wahrscheinlich, dass bei einer sofortigen Entlassung erneut eine Gefähr- dungssituation eintreten und diese zu einer erneuten g esundheitlichen Destabilisierung führen könnte. I.____ führt in seinem Gutachten vom 22. April 2013 aus, der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, seine Lebenssituation adäquat zu beu rteilen und als Folge der psychischen Störung könne er für sich selbst die nötige Fürsorge nich t tragen. Demnach besteht beim Be- schwerdeführer auch zum aktuellen Zeitpunkt zumindest di e Gefahr einer akuten Selbstgefähr- dung, welche sich bei einer sofortigen Entlassung aus de r KPP mit grösster Wahrscheinlichkeit realisieren würde. 6.1 Es stellt sich nun die Frage, ob Art und Ausmass der aus medizinischer Sicht begründe- ten Behandlungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers die Fortführung der vorliegend strittigen FU rechtmässig erscheinen lassen oder aber im Sinne der V erhältnismässigkeit auch eine we- niger einschneidende Massnahme möglich wäre. 6.2 Die KESB führt anlässlich der heutigen Parteiverha ndlung aus, es bestehe noch keine annehmbare Anschlusslösung und der Beschwerdeführer habe jegliche Hilfeleistungen bisher abgelehnt. Die Kinder des Beschwerdeführers hätten zwisc henzeitlich auch einen Antrag auf eine Beistandschaft für den Beschwerdeführer gestellt, welcher bearbeitet werde. Die Konten des Beschwerdeführers seien gesperrt; er erhalte keine Leistungen aus der Pensionskasse und Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht lebe zur Zeit von der AHV. Vor einer Entlassung müssten eine tragfähige Anschlusslösung so- wie das Gesuch um Beistandschaft geprüft und beurteilt werden. 6.3 Anlässlich der Parteibefragung bekräftigt der Besch werdeführer wiederholt, dass er sei- ne Medikamente gegen die Diabetes und den Bluthochdr uck regelmässig einnehme, da er wis- se, dass ein nachlässiger Umgang mit diesen Medikamenten f ür ihn lebensbedrohlich sein könnte oder er allenfalls Gliedmassen amputieren müsste. Die Pflegefachfrau der KPP, welche den Beschwerdeführer in der Klinik betreut, äussert sich dahingehend, dass der Beschwerde- führer seit ungefähr zwei Wochen seine Medikamente für die somatischen Erkrankungen re- gelmässig einnehmen würde. Sie sei jedoch nicht immer auf der Abteilung des Beschwerdefüh- rers und könne daher nur für die Zeit ihrer Anwesenheit Angaben machen. 6.4 Aufgrund der hiervor dargelegten Umstände und ärzt lichen Stellungnahmen kommt zur- zeit nur eine stationäre Behandlung in Frage. Ambulan te Massnahmen sind zum jetzigen Zeit- punkt nicht zweckdienlich, zumal anzunehmen ist, dass sich de r Beschwerdeführer diesen ent- ziehen bzw. diese abbrechen würde, da er die Notwendig keit einer ganzheitlichen Behandlung nicht einsieht. Zum jetzigen Zeitpunkt fehlt ein tragfä higes Beziehungs- und Betreuungsnetz. Zudem sind die finanzielle Situation sowie die Wohnmög lichkeit des Beschwerdeführers noch unklar. Gemäss den ärztlichen Stellungnahmen sind derzei t die Voraussetzungen für eine am- bulante Betreuung noch nicht erfüllt. Vor dem Hinterg rund der bisherigen Krankengeschichte erscheint es nachvollziehbar, dass im Moment nur mit Hilf e einer stationären Behandlung des Beschwerdeführers eine gesundheitliche Stabilisierung realisiert werden kann. Wie vorstehend festgestellt wurde, kann im jetzigen Zeitpunkt eine aku te Selbstgefährdung ausgeschlossen werden. Die Anordnung bzw. Weiterführung der FU erwe ist sich unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit aber trotzdem als gerechtfertigt, we il beim Beschwerdeführer nach einhel- ligen fachärztlichen Aussagen im Falle einer Entlassung aus der Massnahme mit grosser Wahrscheinlichkeit mit einem erneuten Rückfall und eine r akuten Selbstgefährdung zu rechnen ist, was wieder eine Anstaltseinweisung bzw. eine Hospital isation nötig machen würde. In An- betracht der Auswirkungen einer erneuten Gefährdungssitu ation auf die Gesundheit des Be- schwerdeführers muss die mit einer Aufrechterhaltung der FU verbundene Einschränkung sei- ner persönlichen Freiheit im Resultat als weniger belast end bezeichnet werden, als es der mit einer Entlassung verbundene Rückfall sein würde. 6.5 Zusätzlich als verhältnismässig erscheint eine FU nur, wenn mit ihr das angestrebte Ziel überhaupt erreicht werden kann. Sie soll in erst er Linie der Wiedererlangung der Selbstän- digkeit und der Eigenverantwortung dienen. Ist eine Besserung des Zustandes ausgeschlossen, muss sie wenigstens die notwendige persönliche Betreuung ermöglichen, um der betroffenen Person ein menschenwürdiges Leben zu sichern. Unter Berü cksichtigung der Aussagen des Beschwerdeführers und der Ausführungen der Pflegefach frau der KPP anlässlich der heutigen Parteiverhandlung muss festgestellt werden, dass sich ei ne zeitlich unbeschränkte Unterbrin- gung des Beschwerdeführers in einer geschlossenen Einrich tung unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit als nicht mehr vertretbar erweist. Da s geschilderte Bewusstsein des Be- schwerdeführers zumindest in Bezug auf seine Medikation zur Behandlung der somatischen Beschwerden sowie einer möglichen Anschlusslösung unter Be istandschaft und Spitexleistun- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen stellt, berücksichtigt man auch die kleinen, aber glau bhaften Verbesserungen, welche sich bezüglich der Fürsorgebedürftigkeit des Beschwerdeführ ers ergeben haben, eine geeignete, realistische und vor allem weniger einschneidende und so mit mildere Massnahme zur Errei- chung des Zieles der optimalen Betreuung des Beschwerdefü hrers dar. Sie setzt jedoch zwin- gend eine erfolgreiche Etablierung des erwähnten Set tings voraus, für welche dem Personal der KPP sowie der KESB genügend Zeit einzuräumen ist und welche unbedingt in stationärem Rahmen stattzufinden hat. Die Abwägung der Interessen ergibt somit klar, dass die Weiterfüh- rung der Massnahme, d.h. die zeitlich unbefristete Verlä ngerung der FU durch die KESB, zum Verfügungszeitpunkt rechtmässig war, sich allerdings unter Berücksichtigung der heutigen Situ- ation des Beschwerdeführers als unverhältnismässig erweis t, da eine mildere Massnahme in Form eines entsprechenden ambulanten Settings, welches n och in stationärem Rahmen in der KPP einzurichten ist, zur Verfügung steht. 6.6 Abschliessend ist die Eignung der KPP als Einrichtu ng für den Vollzug der gegenüber dem Beschwerdeführer angeordneten FU zu prüfen. Bezügl ich dieser Frage ist gerichtsnoto- risch, dass die KPP über genügend ausgebildetes psychiatri sches Ärzte- und Pflegepersonal verfügt, welches in der Lage ist, den Beschwerdeführer zu betreuen und zu überwachen. Die KPP kann eine optimale, engmaschige Betreuung de s Beschwerdeführers unter Klinikbe- dingungen gewährleisten und verfügt insbesondere auch üb er das notwendige Fachpersonal und die nötigen Mittel und Kontakte, um das erforderl iche anschliessende Setting rasch und effizient einzurichten. Damit steht für das Kantonsgericht fest, dass die KPP für die stationäre Behandlung des Beschwerdeführers bzw. für die Erweisung der notwendigen Fürsorge im Rah- men der FU durchaus geeignet ist. 7. Die Beschwerde ist folglich teilweise gutzuheissen und die fürsorgerische Unterbrin- gung im Sinne der Erwägungen bis spätestens 30. Juni 2013 zu befristen. 8. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO werden im verwaltungsgerichtl ichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich Verfahrenskosten erhoben. Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich, auf die Erhe- bung von Gerichtsgebühren zu verzichten. Allfällige Koste n für ärztliche Berichte oder Gutach- ten gehen zulasten des Beschwerdeführers und werden separ at verlegt. Die Parteikosten wer- den wettgeschlagen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und d ie fürsorgerische Unterbringung von A.____ im Sinne der Erwägungen bis spätestens 30. Juni 2013 befristet. 2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. Allfällige K osten für ärztliche Berichte oder Gutachten gehen zulasten des Beschwerdefü hrers und werden separat verlegt. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin