B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2653/2011 U r t e i l v o m 6 . D e z e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Claudia Cotting-Schalch, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), alle Angola, alle vertreten durch Stefan Hery, (…), Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 6. April 2011 / N (…). E-2653/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin , eigenen Angaben zufolge eine ethnische (…) aus Cabinda (Angola), reiste gemäss ihrer Darstellung zusammen mit ih- ren beiden Töchtern am 5. August 2009 von Angola auf dem Landweg nach Kongo Kinshasa und gelangte von dort via Marokko am 29. August 2009 auf dem Luftweg in die Schweiz. Am 1. Septem ber 2009 suchte die Familie in Vallorbe um Asyl nach. Am 4. September 2009 wur den sie ins Transitzentrum Altstätten transferiert, wo am 10. September 2009 die summarische Befragung der Beschwerdeführerin stattfand. Diese führte dabei aus, sie habe in den letzten drei Jahren bis zur Ausreise zusammen mit ihren Kindern und ihrem Lebenspartner (diesen nennt sie in der B e- fragung trotz fehlender Heirat konsequent Ehemann) in der Stadt D._______ gewohnt. Ihren Lebenspartner habe sie im Alter von (…) Jah- ren (mithin zirka im Jahre […]) kennengelernt. Im Jahr (…) habe sie ihr erstes Kind, E._______, und in den Jahren (…) und (…) ihre beiden Töchter B._______ und C._______ geboren. Ihren Vater habe sie nicht gekannt, ihre Mutter habe sie vor zirka 7 Jahren aus den Augen verloren, als diese Angola verlassen habe. Sie habe noch zwei [Geschwister], wel- che sich bei der Mutter befänden. Sowohl ihr Sohn als auch ihr Partner seien zwischenzeitlich ermordet worden . Mit (…) habe sie Kleinhandel betrieben und damit monatlich etwa 300 Dollar verdient , während ihr Partner zu Lebzeiten als Guerillakämpfer beziehungsweise als Anführer tätig gewesen sei. Ausgereist seien sie, weil sie und ihr Partner der Organisation FLEC (Frente de Libertação do Enclave de Cabinda) angehört und deswegen Probleme gehabt hätten. Sie selbst gehöre dieser Organisation a n, seit sie mit ihrem Mann zusammen sei. Sie habe keine Funktion innegehabt, ihr Mann sei (…) gewesen. Ihre Aktivitäten für die FLEC hätten darin b e- standen, ein oder zweimal im Jahr Flugblätter zu verteilen. Am 22. Januar 2009 habe sie sich mit ihrer Familie zu Ha use befunden, als Regierungs- truppen vorbeigekommen seien und sie, ihren Partner und ihren Sohn mitgenommen hätten. Sie seien mit zwei verschiedenen Pick -ups wegge- führt worden. Ihnen seien die Augen verbunden und sie seien in den Ur- wald gebracht worden. Sie sei geschlagen und gefragt worden, ob ihr Partner an einem Überfall auf Regierungstruppen bei F._______ am (…), bei welchem es auf beiden Seiten viele Tote gegeben habe, beteiligt ge- wesen sei. Sie sei von ihrem Sohn getrennt und mit anderen Frauen in einem Container eingesperrt worden. Sie sei täglich geschlagen und auf-E-2653/2011 Seite 3 grund ihrer Beschwerden schliesslich an einen anderen Ort verlegt wo r- den. Am neunten Tag hätten Soldaten versucht, si e zu vergewaltigen. Dank dem Erscheinen des Kommandanten sei es dann nicht dazu g e- kommen. Während dieser Zeit im Urwald habe sie erfahren, dass ihr Mann getötet worden sei. Am 2. Februar 2009 sei sie freigelassen wor- den. Sie habe sich nach Hause begeben un d habe dort feststellen müs- sen, dass all ihre Sachen und auch die Töchter verschwunden gewesen seien. Sie habe die erste Nacht aus Angst in der Garage verbracht und sei dann zum Kollegen ihres Mannes, G._______ gegangen, wo sie auch ihre Töchter wiedergefu nden habe. Sie habe sich in der Folgezeit bei G._______ aufgehalten. Dessen Kollegen hätten am 30. Juli 2009 ihren Sohn tot aufgefunden. Nach der Beerdigung des Sohnes sei sie wieder zu G._______ zurückgegangen, doch habe dieser ihr nahegelegt, noch in der gleichen Nacht den Ort zu verlassen und zu m Kollegen H._______ nach Kongo Kinshasa zu fliehen. Sie seien noch in der selben Nacht auf- gebrochen und nach vier Tagen Fussmarsch an der Grenze in Yema an- gekommen. Nach weiteren Ausreisegründen gefragt, gab die B eschwerdeführerin an, ihr Mann habe sie immer wieder misshandelt und ihr gar einmal gedroht, dass er ihr ein Bein abschlagen würde. Sie habe ihren Mann wiederholt gebeten, die FLEC zu verlassen. Dieser habe ihr aber gesagt, sie wären Verräter, wenn sie das tun würden. Vielleicht habe sie die FLEC -Leute nun gegen sich, da diese dächten, sie hätte den Angriffsplan bei sich. Hinsichtlich ihrer Ausweise führte sie aus, sie habe sich im Jahr 2010 e i- nen Pass ausstellen lassen. Diesen Pass besitze sie heute nicht mehr. Er sei verschwunden, als ihr Haus verwüstet worden sei. Hergereist sei sie mit einem kongolesischen Pass, lautend auf den Namen I._______. Der Pass habe nicht ihr Foto enthalten. Ihr Reisebegleiter, ein Kollege ihres Mannes, habe ihr den Pass wieder abgenommen, da er diesen der Ei- gentümerin habe zurückgeben müssen. Die Beschwerdeführerin wies sich sodann mit einer Identitätskarte sowie einem FLEC-Ausweis aus. Die Identitätskarte habe G._______ für sie beantragt. D ie Beschwerdeführe- rin wurde anlässlich der Befragung darauf hingewiesen, dass es sich bei der Identitätskarte bloss um eine Kopie (in Farbe) handle und diese eine andere als die eingangs angegebene Adresse aufweise. B. Am 16. September 2009 führte das BFM hinsichtli ch der beiden eing e- reichten Ausweise eine Echtheitsanalyse durch. Die Identitätskarte betref-E-2653/2011 Seite 4 fend stellte es Abweichungen von der gebräuchlichen Drucktechnik , das Fehlen von Sicherheitszeichen sowie e ine von den Originalen abwei- chende Typografie fest und kam zum Schluss, dass es sich dabei um e i- ne Fälschung handeln müsse . Hinsichtlich des FLEC -Ausweises führte das BFM aus, es habe diesbezüglich nur wenig Vergleichsmaterial, davon abweichend seien aber jedenfalls die Unterschrift des Präsidenten Nzita Tiago sowie die fehlerhafte Präposition im Parteinamen. C. Am 1. Oktober 2009 wurde die Beschwerdeführerin vom BFM einlässlich zu ihrem Asylgesuch angehört . Dabei wurden ihr einleitend diverse Fra- gen zu ihrer angeblichen Herkunft gestellt, zu welchen sie im Wese ntli- chen das Folgende ausführte. S ie habe sechs bis sieben Jahre in Cabi n- da (Stadt) gewohnt und sei dann vor drei Jahren nach D._______ (Kreis Cabinda) gezogen, wo sie zuvor schon – bis zum Zerwürfnis – mit ihrer Mutter gelebt habe. Als weitere Aufenthaltsorte nannte sie J._______ und K._______. Auf Nachfrage führte sie aus, sie sei vor drei Jahren nach ei- nem Streit mit ihrem Partner nach J._______ gezogen und habe dort während eines Jahres gewohnt und ein bisschen Handel betrieben. Im Jahre 2007 habe sie s ich sodann für sechs Monate bei ihren Kindern in K._______ aufgehalten, welche dort wegen der Unruhen fremdpla tziert gewesen seien. Sie habe die Kinder jeweils nur in den Ferien gesehen. Ihr Partner sei bei der FLEC RENOVADA (…) gewesen. Was das "E" in FLEC bedeute, wisse sie nicht. Sie sei nur Mitglied beziehungsweise Mi t- arbeiterin gewesen und habe hie und da Flugblätter verteilt. Von ihrer Mitgliedschaft habe ihr ganzes Umfeld gewusst. Sie sei aus Angst ausge- reist, nachdem ihr Partner und ihr Sohn getötet worden seien. Sie be- fürchte, dass man hinter ihr her sei, weil sie die Organisation seit längerer Zeit habe verlassen wollen. Sie habe zuvor auch Druck auf ihren Partner ausgeübt. Deshalb seien alle gegen sie gewesen. Am 22. Januar 2009 seien sie, ihr Par tner und ihr Sohn gefangengenommen und in den U r- wald gebracht worden. Sie habe sich bald getrennt von den beiden wi e- dergefunden. Während dieses Aufenthaltes im Urwald habe sie vom Tod ihres Partners erfahren. Hinsichtlich ihres Sohnes habe sie gehofft, w e- nigstens diesen lebend wiederzusehen. Während der Haft sei sie g e- schlagen worden und man habe versucht, sie zu vergewaltigen . Zum Glück sei dann der Chef gekommen und habe die Tat verhindert . Am 2. Februar 2009 sei sie in der Nähe von D._______ freigelassen worden. Sie habe aus Angst fortan bei einem Kollegen ihres Partners, G._______, gewohnt. Am 30. Juli 2009 sei die Leiche ihres Sohnes bei F._______ ge- funden worden. Sie hätten diesen noch am gleichen Tag dort begraben. E-2653/2011 Seite 5 Sie könne nicht sagen, wie weit weg F._______ von D._______ entfernt liege. Sie sei dann weiter nach Yema und schliesslich nach Kinshasa zu einem weiteren Kollegen , H._______, geflohen. Dieser habe ihr einen Pass beschafft, mit welchem sie nach einem Monat via Marokko in die Schweiz gelangt sei. Sie sei von Marokko nonstop in fünfzehn Stunden in die Schweiz geflogen. Für die Ausreise habe sie 4000 Dollar aufgewe n- det, die sie in der Garage versteckt gehabt habe. Sie habe dafür einen auf den Namen L._______ lautenden Pass zum Gebrauch erhalten. Anlässlich der Anhörung wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu ihren Widersprüchen und der Dokumentenanalyse des BFM gewährt. Der Beschwerdeführerin wurde mitgeteilt, dass ihr keine volle Einsicht in den Bericht gewährt werden könne, ihr je doch die wesentl i- chen Fälschungsmerkmale bekannt gegeben w erden könnten. Sie führte dazu aus, sie könne selbst nicht feststellen, ob die Identitätskarte echt sei. Ihr Partner habe diese für sie beantragen lassen , beziehungsweise, ihr Partner habe einen sei ner Kollegen geschickt, damit dieser die Karte für sie beantrage. Die Karte (diese trägt als Ausstelldatum das Jahr 2005) habe sie erhalten, als sie im Jahre 2009 vor der Ausreise bei G._______ gewohnt habe. Der gleiche Kollege habe auch den FLEC -Ausweis bean- tragt. D. Am 4. März 2011 erstellte ein Länderexperte gestützt auf einen soge- nannten Lingua-Auftrag des BFM basierend auf einem mit der Beschwer- deführerin am 2 8. Februar 2011 geführten, vierzigminütige n Telefonge- spräch eine Herkunfts abklärung. Der Experte kam dabei zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin eindeutig aus Angola stamme, dass sie aber ebenso eindeutig nicht in der Region Cabinda sozialisiert worden sei und dort nicht 35 Jahre gelebt habe. Möglicherweise habe sie sich gel e- gentlich besuchshalber dort aufgehalten. Dem Bericht ist konkret zu ent- nehmen, dass die Beschwerdeführerin fehlerhafte Angaben zur Glied e- rung [von] D._______ machte und keine der (…) "comunas" kannte. Ebenso vermochte sie nur ein Quartier [von] D._______ richtig zu nen- nen. Weiter kannte sie die Lokalsprache [von] D._______ sowie den tradi- tionellen Namen der Stadt nicht. Sodann führte der Experte an, die portu- giesische Sprache der Beschwerdeführerin lasse keinerlei Einflüsse lok a- ler Sprachen erkennen, obwohl es sich be i der angeblichen Herkunftsr e- gion um ein vielsprachiges Milieu handle. E-2653/2011 Seite 6 E. Mit Zwischenverfügung vom 9. März 2011 wurde der Beschwerdeführerin das Ergebnis und der wesentliche Inhalt der Herkunftsanalyse vom 4. März 2011 sowie der Werdegang und die Qualifikation des Lingua - Experten zur Kenntnis gebracht. Der Beschwerdeführerin wurde Gel e- genheit eingeräumt, bis zum 20. März 2011 dazu Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wurde ihr Einsicht in die Akten gewährt, soweit diese nich t der Geheimhaltungspflicht (insb. Art. 27 des Verwaltungsverfahrensge- setzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) unterstanden. F. Mit Eingabe vom 15. März 2011 nahm die Beschwerdeführerin zur Zw i- schenverfügung vom 9. März 2011 Stellung. Sie machte geltend, sie habe durchaus einige der Quartiere [von] D._______ zu nennen vermocht. Aus einigen Fehlern dürfe nicht geschlossen werden, dass sie nicht aus C a- binda (D._______) komme. Ihre mangelnden Kenntnisse seien auch auf ihre Lebensumstände, die ihr vom Par tner aufgezwungen worden seien, zurückzuführen. Sie hätten versteckt leben müssen und seien oft umg e- zogen. Deshalb hätten sie die Kinder in eine andere Provinz geschickt. Zudem habe die Kenntnis der Administration der Gegend für sie keinen Vorrang gehabt. Viel wichtiger seien Fragen des täglichen Überlebens. Dass sie keine der traditionellen Sprachen spreche , sei darauf zurückzu- führen, dass ihr Grossvater ein portugiesischer Bürger gewesen sei und niemand der Familie je eine andere Sprache gesprochen habe. Als sie klein gewesen sei, sei es in Angola zudem quasi verboten gewesen, eine andere Sprache als Portugiesisch zu sprechen. Auch in der Schule sei sie gezwungen gewesen, Portugiesisch zu sprechen. Hinsichtlich des Fä l- schungsvorwurfs die Identitätskarte be treffend machte die Beschwerd e- führerin geltend, es sei – wie in Angola üblich – ihr Partner gewesen, der sich um die Papiere gekümmert habe. Sie selbst könne im vorliegenden Ausweis keinen Unterschied zu den früher besessenen Papieren erken- nen. Schliesslich machte die Beschwerdeführerin geltend, sie habe sich nie unter Menschenmengen gemischt, habe stets in Furch t vor Verfol- gung gelebt und ein Nomadendasein geführt. G. Mit Entscheid vom 6. April 2011, eröffnet am 7. April 2011, wies das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder ab und ordnete die Wegweisung der Familie samt Vollzug an. Zur Begründung führte es aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermöchten den Anforderun- gen von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.3 1) E-2653/2011 Seite 7 an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen. Den Wegweisungsvollzug der Familie bezeichnete das BFM sodann als zulässig, zumutbar und mö g- lich. In diesem Zusammenhang verwies es auf die falschen Herkunftsa n- gaben der Beschwerdeführerin und erwog, es sei nicht Sache des BFM, bei Verletzung der Mitwirkungs - und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nach allfälligen Wegweisungshindernissen zu fo r- schen. H. Mit Eingabe vom 9. Mai 2011 an das Bundesverwaltungsgericht erhob die Beschwerdeführerin durch ihre damalige Rechtsvertreterin Beschwerde gegen den Entscheid des BFM. Sie ersuchte das Gericht um Aufhebung der Dispositivpunkte 3 bis 5 der angefochtenen Verfügung. Es sei die Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschus- ses sei zu verzichten. Der Eingabe lag ein Bericht der [Psychiatrische Einrichtung A] vom 6. Mai 2011 bei, welcher betreffend d ie Tochter B._______ als Diagnose eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Zustand nach Kriegstraumatisierung sowie betreffend die Kindsmutter den Verdacht auf eine psychische Störung zum Inhalt hatte. Auf den genauen Inhalt des Berichts wird in den nachstehenden Erw ä- gungen eingegangen. Am 11. Mai 2011 wurde eine Fürsorgebestätigung nachgereicht. I. Mit Instruktionsverfügung vom 16. Mai 2011 stellte die Instruktionsricht e- rin fest, die angefochtene Verfügung sei angesichts der bloss partiellen Anfechtung hinsichtlich der Verneinung des Asyls und der Anordnung der Wegweisung in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des Beschwerdever- fahrens sei einzig die Frage der Rechtmässigkeit des angeordneten Wegweisungsvollzugs. Aufgrund der Aktenlage und der Bedürfti gkeit hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessfü h- rung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. So- dann forderte sie die Beschwerdeführerin auf, den in Aussicht gestellten spezialärztlichen Bericht sowie eine Bestätigung betreffend die in der Be- schwerde geltend gemachte Schwangerschaft der Beschwerdeführerin innert Frist zu den Akten zu reichen. J. Am 31. Mai 2011 reichte die Rechtsvertre tung einen fachärztlichen B e-E-2653/2011 Seite 8 richt der [psychiatrische Einrichtung B], datierend vom selben Tag, sowie einen Bericht des [Spitals], datierend vom 25. Mai 2011, zu den Akten. Hinsichtlich der Tochter B._______ wurde darin bestätigt, dass sich diese wegen einer PTBS in a mbulanter Behandlung der Kinder - und Jugend- psychiatrie befinde. Sodann wurde auch hinsichtlich der Beschwerdefü h- rerin (Mutter) der Verdacht auf eine PTBS geäussert. Dem Bericht des [Spitals] ist schliesslich zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin an einer Eisenmangelanämie sowie einer Ovarialzyste leidet. Hinsichtlich der Zyste werden regelmässige gynäkologische Kontrollen empfohlen; die Anämie sei sodann weiter abzuklären. K. Mit Schreiben vom 26. Januar 2012 wandte sich die Leiterin der Sozialen Dienste der Wohnortgemeinde, welche die Beschwerdef ührerin und ihre Kinder finanziell unterstützt, mit der Bitte um Kontaktnahme an das Bu n- desverwaltungsgericht. Telefonisch teilte die Leiterin der Sozialen Dienste dem Gericht am 9. Februar 2012 dann mit, sie habe die Beschwerde der Familie kürzlich erstmals zu Gesicht bekommen. Die darin angeführte Behauptung, dass die Beschwerdeführerin schwanger sei, sei unrichtig. Weiter machte sie Angaben zur ärztlichen Behandlung und zu den Integ- rationsbemühungen der Kinder . Auf die Ausführungen wird, soweit w e- sentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. L. Am 28. März 2012 reichte die [Rechtsvertretung] eine neue Vollmacht zu den Akten, mit der Begründung, dass die bisherige Rechtsvertreterin nicht mehr für die Beratungsstelle tätig sei. M. Mit Schreiben vom 29. Mai 2012 lud das Gericht das BFM zur Verneh m- lassung ein. N. In ihrer Vernehmlassung vom 11. Juni 2012 hielt die Vorinstanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Zur Be- gründung führte das BFM erneut an, dass die Angabe der Beschwerde- führerin zum fehlenden Beziehungsnetz in Angola eine unbelegte B e- hauptung sei und aufgrund der Akten geschlossen werden müsse, die Beschwerdeführerin versuche über ihre Herkunft und Identität zu tä u- schen. Sodann seien die ärztlichen Berichte hins ichtlich der Diagnoseer- hebung unzureichend. E-2653/2011 Seite 9 O. Mit Eingabe vom 27. Juni 2012 reichte d er Rechtsvertreter eine erste Replik zur Vernehmlassung ein und ersuchte gleichzeitig um Fristerstr e- ckung zum Einreichen eines aktuellen ärztlichen Berichts. Der Eingabe lag ein Schreiben des Verlobten der Beschwerdeführerin vom 27. Juni 2012 bei betreffend seine vergeblichen Bemühungen, anlässlich einer Reise nach Angola ein Identitätspapier für die Beschwerdeführerin erhält- lich zu machen. P. Mit Eingabe vom 25. Juli 2012 ergänzte der Rechtsvertreter seine Stel- lungnahme zur Vernehmlassung. Gleichzeitig reichte er einen weiteren Bericht der [psychiatrische Einrichtung A] vom 12. Juli 2012 sowie eine Honorarrechnung zu den Akten. Auf den fachärztlichen Bericht wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine derartige Si- tuation liegt nicht vor. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das AsylG und das VGG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formge recht eingereicht. Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-E-2653/2011 Seite 10 se Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die vorliegende Beschwerde richtet sich, wie bereits in der Instruktion s- verfügung vom 16. Mai 2011 festgestellt, inhaltlich einzig gegen den Vol l- zug der Wegweisung. Zwar wurde in der Beschwerde auch Dispositi v- punkt 3 (Anordn ung der Wegweisung als solche) angeführt, doch fehlt diesbezüglich jegliche Begründung und konzentriert sich die Eingabe ausschliesslich auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zugs; zudem stellt die Anordnung der Wegweisung die ordentliche Folge der Asylverweigerung dar (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG) und hat die Rechts- vertreterin die Beschränkung auf den Wegweisungsvollzug betreffend nach Erhalt der erwähnten Zwischenverfügung keine Einwände erhoben . Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet daher ausschliesslich die Prüfung der Frage, ob das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. 4. 4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4.2 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Wegwe i- sungsvollzug (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der Vol l- zug als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit d er betroffenen Personen in der Schweiz nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4, 2011/7 E. 8). 4.3 Gemäs Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf E-2653/2011 Seite 11 Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 4.4 Eine Situation, welche angolanische Staatsangehörige heute noch generell als Gewalt - oder de -facto-Flüchtlinge qualifizieren würde, lässt sich nicht bejahen. Nach dem Tod von Jonas Savimbi im Februar 2002 und dem Beginn des Friedensprozesses beruhigte sich die Lage zus e- hends. S eit der Demobilisierung von 110'000 ehemaligen Rebellen zw i- schen 2002 und 2003 sind seither – mit Ausnahme der Provinz Cabinda – keine bewaffneten Gruppen mehr aktiv. Aufgrund des jahrzehntelangen Krieges und der auch nach Beendigung der Kriegshandlungen weiterhin prekären humanitären Situation definierte die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) Risikogruppen, für welche die Rückkehr trotz Verbesserung der sicherheitspolitischen Lage weiterhin als unz u- mutbar z u erachten ist. In Entscheidungen und Mitteilungen der ARK (EMARK) 2004 Nr. 32 hielt die Beschwerdeinstanz letztmals in eine m publizierten Entscheid fest, dass der Wegweisungsvollzug von Angehör i- gen einer "Risikogruppe" – dazu gehörten Personen mit gesundheitlichen Problemen, unbegleitete Minderjährige, Personen mit Kleinkindern, a l- leinstehende Frauen und betagte Personen – grundsätzlich als unzumut- bar zu qualifizieren sei. Ausnahmsweise sei diesen Personengruppen ei- ne Rückkehr nach Angola zuzumuten, wenn sie ihren letzten Wohnsitz in Luanda oder einer leicht zugänglichen Stadt der Provinzen Cunene, Hui- la, Namibe, Benguela, Huambo, Cuanza Sul, Cuanza Norte, Bengo und Zaire hatten und dort über ein Beziehungsnetz beziehungsweise über e i- ne finanzielle Situation zu ihrer Existenzsicherung verfügten. Für Familien mit Kindern unter sechs Jahren und Personen mit schwerwiegenden g e- sundheitlichen Problemen bezeichnete die ARK den Wegweisungsvollzug ausnahmslos als unzumutbar. Es stellt sich nachfolgend vorab die Frage, ob diese Einschätzung heute – acht Jahre später – nach wie vor Gültigkeit beanspruchen kann (vgl. zum Folgenden auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -6319/2009 vom 23. März 2012, E. 7.3 m.w.H.). Wie der nachfolgenden Darstellung zu entnehmen ist, sind in den letzten Jahren nur kleine Fortschritte im Hinblick auf die Verbesserung der humanitären Lage in Angola erfolgt. Zwar hat Angola im letzten Jahrzehnt, vor allem aufgrund der Entwicklung des Erdölsektors, ein markantes Wirtschaftswachstum erfahre n (zwi- schen 2001 und 2010 liegt die durchschnittliche Steigerung des jährlichen E-2653/2011 Seite 12 Bruttosozialproduktes bei 11%). Dennoch hat sich die sozio-ökonomische Situation der allgemeinen Bevölkerung nur marginal verbessert. Angola gehört weltweit zu den Ländern mit der ungerechtesten Verteilung der Mittel. Nach wie vor leben über 50% der Bevölkerung in grosser Armut. In der Hauptstadt Luanda, wo ungefähr fünf Millionen der 19 Millionen zä h- lenden Bevölkerung Angola s angesiedelt sind, leben Dreiviertel der B e- völkerung unter slum -ähnlichen Bedingungen ohne Wasser und Strom ; gute 90 Prozent leben in sogenannten "inappropriate conditions" (The Africa Report, Country Profile: Angola, November 2010, http://www.theafricareport.com/20091123828/south/country-profile- angola.html; abgerufen am 29.11.2012) . Die periurbanen Gebiete Lua n- das verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs von jährlich bis zu 20%. Bezeichnenderweise vermag die Infrastruktur mit der starken Urbanisi e- rung nicht standzuhalten. So fehlt es unter anderem vielerorts an sanit ä- ren Anlagen sowie – vorliegend von besonderem Interesse – an Schulen, ausgebildeten Lehrern und Schulmaterial. Gemäss Schätzungen von Unicef müssten in Angola 9000 Schulen mit je mindestens sech s Schul- zimmern gebaut werden. In manchen ländlichen Gebieten werden Kinder wegen des Mangels an Schulen und Lehrern seit Jahren nicht unterric h- tet. Laut Erhebungen von Unicef beträgt deren Zahl 800'000 Kinder. Um einen der grundsätzlich kostenlosen Grundsc hulplätze zu erhalten, muss unter der Hand oft Geld bezahlt werden. Auch das Schulmaterial muss zuweilen auf dem Markt käuflich erworben werden. Zudem haben nur zir- ka ein Fünftel der Kinder zwischen 12 und 17 Jahren Zugang zur Seku n- darschule ( vgl. UNICEF A ngola, Education in Emergencies and Post - Crisis Transition: 2011 Programme Report, Juni 2012, http://www.educationandtransition.org/wp-content/ uploads/2007/ 04/ 2011_Angola_EEPCT_report.pdf; Unicef, Progress Evaluation of U N- ICEF’s Education in Emergencies and Post -Crisis Transition Programme: Angola Case Study , März 2011, http://www.unicef.org /evaluation/files/ EEPCT-Angola_Case_Study_042011.pdf; The Guardian: Angola is facing a teaching crisis that seems without end , 13.10. 2011, http://www.guardian.co.uk/global-development/2011/oct/13/huila-province- angola-teacher-shortage, alle abgerufen am 29.11.2012 ; US Department of State, Country Reports on Human Rights Practices for 2011: Angola , Mai 2012). Paradoxerweise gehört Luanda-Stadt zu den teuersten Städten der Welt. Die hohen Lebenskosten kontrastieren mit der vorherrschenden Armut. Zwei Drittel der Bevölkerung muss nämlich mit weniger als 2 US -Dollar pro Tag auskommen. Im Mai dieses Jahres lebten nach einer längeren E-2653/2011 Seite 13 Trockenperiode und grossen Ernteausfällen Millionen von Angolas ärm s- ten Haushalten, deren Existenzgrundlage überwiegend die Subsisten z- landwirtschaft bildet, an ungenügendem Zugang zu Nahrungsmitteln. Trotz Bemühungen zum Wiederaufbau der im Bürgerkrieg zerstörten Inf- rastruktur hat zudem nach wie vor die Hälfte der Bevölkerung keinen Zu- gang zu sauberem Trinkwasser . Angola ist weltweit das Land mit der höchsten Zahl von Durchfallerkrankungen (letztere sind bei den unter 5 - jährigen Kindern nebst Malaria die zweithäufigste Todesursache) und wei- teren, auf verschmutztes Wasser zurückführenden Krankheiten wie Cho- lera (vgl. Entscheid E -6319/2009 vom 23. März 2012, E. 7.3 m.w.H.) . Zum Wiederaufbau des Gesundheitswesens, welches während des jah r- zehntelangen Krieges zusammenbrach, ist festzuhalten, dass in den let z- ten Jahren ein positiver Trend, wenn auch auf tiefem Niveau und vorwi e- gend beschränkt auf Luanda, verzeichnet werden konnte. So ist be i- spielsweise die Kindersterblichkeit gesunken ; sie liegt aber mit 16 Pr o- zent immer noch über dem Afrika -Durchschnitt von knapp 12 Prozent. Laut UNICEF ist ein Drittel der Kinder untergewichtig und ein weitere s Drittel chronisch unterernährt. Angola gehört zu den zehn am meisten von Hunger betroffenen Staaten; die Ernährungslage wird als sehr ernst b e- wertet, insbesondere angesichts der diesjährigen Dürre, die halb Angola betraf und als schlimmste Dürre seit Jahren gilt . Obwohl ein Ausbau der medizinischen Infrastruktur im Gange ist, ist weiterhin keine hinreichende Gesundheitsversorgung gewährleistet. Es fehlt an ausreichend Medik a- menten, qualifiziertem und motiviertem Personal sowie an funktionstüc h- tigem medizinischen Gerät. Ohnehin ist der Zugang der Bevölkerung zu medizinischer Versorgung weiterhin minimal und kommen auf einen Arzt rund 10'000 Personen. Während das Land im Jahr 2004 erst über 2 Ps y- chiater verfügte, wurde zwischenzeitlich in Luanda ein Psychiatrisches Hospital gegründet, welches 15 Ärzte (10 davon Fachärz te) beschäftigt und in zwei unterschiedlichen Sektionen täg lich zirka 250 Patienten be- treut. 10 bis 15 weitere Ärzte wären jedoch dringend notwendig, um die Nachfrage zu decken. Erst für das Jahr 2014 ist (in der Stadt Lubango) ein weiteres psychiatrisches Hospital geplant. Eine allgemeine Kranke n- versicherung exis tiert nicht. Behandlungen müssen vollumfänglich von den Patienten bezahlt werden. Für die Behandlung in staatlichen Institut i- onen werden oft illegale Gebühren erhoben und die Behandlung in priv a- ten Kliniken ist für die Mehrheit unerschwinglich (vgl. WHO, World Health Statistics 2012, 2012, http://www.who.int/gho/publications/ world_ health_ statistics/EN_WHS2012_Full.pdf; Christian Michelsen Institute, Health Services in Angola: Availability, quality and utilization, September 2011, S. E-2653/2011 Seite 14 6, http://www.cmi.no/ publications/file/4319-health-services-in-angola.pdf; beide abgerufen am 29.11.2012 ; vgl. zum Ganzen auch: IOM Internatio- nal Organization for Migration, Returning to Angola, Country Information, Latest update on 14 January 2010; Maarten van Klaveren/Kea T ij- dens/Melanie Hughie -Williams/Nuria Ramos Martin und University of Amsterdam, Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies AIAS: An Overview of Women's Work and Employment in Angola, Dezember 2009). In Anbetracht dieser kaum spürbaren Verbesserungen der allgemeinen Lebensumstände der angolanischen Bevölkerung erscheint es dem Bun- desverwaltungsgericht sinnvoll, weiterhin an der eingangs dargelegte n ARK-Praxis betreffend die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Angola festzuhalten und vulnerable Personen ohne gesichertes soziales Auffangnetz nicht nach Angola zurückzuschicken. 4.5 Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich um eine alleinerzi e- hende Mutter (unbestrittenermassen) angolanischer Herkunft im Alter von (…) Jahren und ihre beiden Töchter im Alter von heute (…) und (…) Jah- ren. Ihre Angaben zur Provenienz aus der nach wie vor unruhigen Enkla- ve Cabinda erachtet auch das Bundesverwaltungsgericht angesichts der Aktenlage als nicht glaubhaft (vgl. insbesondere die beide n vom BFM in Auftrag gegebenen , überzeugenden Analysen). An dieser Einschätzung vermag die Stellungnahme des Verlobten der Beschwerdeführerin vom 27. Juni 2012 nichts zu ändern, welcher in seiner Eingabe die Erfolglosig- keit seiner Bemühungen, ein authentisches Identitätsdokument vor Ort zu erhalten, beschrieb. Ungeachtet dessen, dass die Beschwerdeführe rin über die Herkunft aus Cabinda zu täuschen versuchte, um sich daraus Vorteile bezüglich der Beurteilung der Frage des Wegweisungsvollzuges zu erwirken, ist des Weiteren der Frage nachzugehen, ob für die Familie nicht andere Vollzugshindernisse zu bejahen sind. Zwar fällt das jüngste , im Alter von (…) Jahren eingereiste Mädchen nach mehr als dreijähriger Anwesenheit nicht mehr in die Kategorie der klarerweis e wegen Unz u- mutbarkeit aufzunehmenden Kleinkinder. Nichtsdestotrotz sind im Ra h- men des Kindswohls angesichts der bedenklichen und diesjährig akze n- tuierten Nahrungsmittelknappheit und der damit einhergehenden chroni- schen Unterernährung eines Drittels der an golanischen Kinder entspr e- chende Überlegung en zur gesundheitlichen Entwicklun g der Kinder im Falle einer Rückkehr anzustellen, zumal sich diese nach jahrelangem Aufenthalt in der Schweiz an die hiesigen Ernährungs- und Hygienege- wohnheiten angepasst haben dürften. Nebst dem Gesundheitsrisiko für die Kinder ist vorliegend auch fraglich, ob die Kindsmutter angesichts i h-E-2653/2011 Seite 15 rer gesundheitlichen Situation, namentlich der vermuteten psychischen Störung beziehungsweise des Vorliegens einer posttraumatischen Belas- tungsstörung (siehe Arztbericht vom 12. Juli 2012, in welchem sinnge- mäss eine psychiatrische Behandlung der Mutter als dringend notwendig bezeichnet wurde) sowie der organischen Beschwerden (Ovarialzyste, Eisenmangelanämie), überhaupt in der Lage wäre, in einer unter dem Si- cherheitsaspekt zumutbaren Region/Grossstadt Angolas für ihre Kinder aufzukommen. Ob die Beschwerdeführerin entgegen ihren Angaben vor Ort ein soziales Netz vorfände, welches ihr bei der Wiedereingliederung behilflich sein könnte, ist unklar. Angesichts der in jüngster Zeit erneut gesunkenen Lebenserwartung von unter vierzig Jahren ist jedoch zu be- zweifeln, dass die Beschwerdeführerin noch über ihre Eltern verfügt. Als gewichtiger Faktor für die Beurteilung der Zumu tbarkeitsfrage e r- scheint vorliegend weiter der Umstand , dass bei der älteren Tochter B._______ eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wur- de, wobei diese Diagnose im Bericht der [psychiatrischen Einrichtung A] vom 12. Juli 2012 durch die Diagnose einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion erweitert werden musste (letzteres als Reaktion auf die Fortführung des Asylverfahrens). Das Mädchen ist seit dem 23. Dezember 2010 in kinder- und jugend psychiatrischer Behandlung. Laut spezialärztlichem Bericht vom 6. Mai 2011 konnte bei der traumaspezif i- schen Diagnostik das Vorliegen eines klinisch signifikanten Traumas bes- tätigt werden, und ergaben sich Hinweise auf eine Traumatisierung in den Bereichen emotionale Vernachlässig ung, emotionaler Missbrauch und Androhung von körperlicher Gewalt. Der behandelnde Facharzt wies im erwähnten Bericht weiter darauf hin, dass eine stabile Verankerung im All- tag und im famil iären Bezugssystem anzu streben sei. Dem Bericht der [psychiatrischen Einrichtung A] vom 12. Juli 2012 ist sodann weiter zu entnehmen, dass die traumaspezifische Therapie bei B._______ seit En- de 2010 regelmässig und mit Erfolg durchgeführt worden sei, jedoch nach "Wiederaufnahme" (in der Wahrnehmung des Mädchens) des Asylverfah- rens eine deutliche Verschlechterung der Symptomatik eingetreten sei. Die bis dahin gut kompensierten belastenden Erinnerung en seien reakti- viert worden und hätten zu depressiver Verstimmung, Angst vor dem Tod, Schlafstörungen, psychosomatischen Beschw erden mit Schwindel und Appetitminderung und zeitweise latenten Suizidgedanken geführt. Bela s- tend habe auch die psychische Gesundheit der Mutter auf das Kind ei n- gewirkt. Dem Bericht ist abschliessend zu entnehmen, dass aufgrund der Verschlechterung der Kra nkheitssymptomatik eine Fortführung der Ps y- chotherapie als indiziert erachtet wurde. Dass diese Therapie, welche laut E-2653/2011 Seite 16 Akten nur dank der Unterstützung privater Kreise fortgesetzt werden konnte, im Hinblick auf das Kind swohl weitergeführt werden sollte, ste ht für das Gericht ausser Frage. Angesichts der dargestellten , unzureichen- den Kapazitäten bezüglich der psychiatrischen Versorgung sowie der un- geklärten Finanzierungsmöglichkeiten einer Therapie durch die alleine r- ziehende Mutter dürfte quasi auszuschliessen sein, dass B._______ im Heimatland weiter behandelt werden könnte. Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen der zu prüfenden Zumutbarkeitsfrage zum Schluss , dass in Anbetracht der obigen Ausführungen zur Lage in Angola die Zumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs der alleinerziehenden Mutter und ihrer beiden heute (…)- und (…)jährigen Töchter aufgrund der psychischen Erkrankung von Mutter und Tochter B._______, der Therapiebedürftigkeit (mindestens) der Tochter B._______, der zusätzlichen physischen Erkrankung und me- dizinischen Überwachungsnotwendigkeit der Mutter (deren Anämie und Zystenwachstum erforder n laut Arztbericht eine regelmässige Überw a- chung), des anstehenden Gesundheitsrisikos für die Kinder (insbesonde- re angesichts der erfolgten Assimilierung an die hiesigen Hygieneverhält- nisse), der fehlenden schulischen Perspektiven sowie des mit grosser Wahrscheinlichkeit fehlen Beziehungsnetzes nicht gegeben ist. Da den Akten keine Gründe für den Ausschluss von der vorläufigen Au f- nahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG zu entnehmen sind, sind d ie Voraus- setzungen für die Gewährung der vorläufigen Aufnahme gegeben. 5. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die Dispositiv- ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 6. April 2011 sind auf- zuheben. Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführerin und ihr e beiden Kinder wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Angola vorläufig in der Schweiz aufzunehmen (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu e r- heben. 7. Sodann ist de r vertretenen Beschwerdeführerin angesichts ihres Obsi e- gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements E-2653/2011 Seite 17 vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ih r notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechtsvertretung hat eine Kostennote in der Höhe von Fr. 2140. - zu den Akten gereicht. Diese erweist sich sowohl hinsichtlich des Stundenansat- zes von Fr. 200. - als auch des Aufwandes von 10,5 Stunden als ange- messen und mit den geltenden Bestimmungen vereinbar . Die Parteien t- schädigung wird entsprechend auf Fr. 2140.- (inklusive Auslagen) zu Las- ten der Vorinstanz festgesetzt. (Dispositiv nächste Seite) E-2653/2011 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Das BFM wird angewiesen, die B e- schwerdeführerin und ihre beiden Töchter infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Vorinstanz hat de r Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 2140.- (inkl. Auslagen) zu entrichten. 4. Dieses Urteil geht an die Rechtsvertreterin, das BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand: