B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung II Postfach CH-9023 St. Gallen Telefon +41 (0)58 465 25 60 Fax +41 (0)58 465 29 80 www.bundesverwaltungsgericht.ch Geschäfts-Nr. B-4199/2021 sce/grb/fem Z w i s c h e n e n t s c h e i d v o m 9 . N o v e m b e r 2 0 2 1 Besetzung Richterin Eva Schneeberger (Vorsitz), Richter Ronald Flury, Richter Christian Winiger, Gerichtsschreiberin Beatrice Grubenmann, In der Beschwerdesache Parteien X._______ AG, vertreten durch lic. iur. Lorenzo Marazzotta, Rechtsanwalt, Beschwerdeführerin, gegen Eidgenössische Technische Hochschule Zürich ETH, Abteilung Immobilien, Vergabestelle, Gegenstand Öffentliches Beschaffungswesen, Projekt "7000.0849.EE_OAT_Mieterausbau Andreasturm_BKP 377.1_Elementwände", SIMAP-Meldungsnummer 1215887, SIMAP-Projekt-ID 223624, B-4199/2021 Seite 2 stellt das Bundesverwaltungsgericht fest: A. Am 8. Juli 2021 schrieb die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, Abteilung Immobilien (im Folgenden: Vergabestelle), auf der Inter- netplattform Simap (Informationssystem über das öffentliche Beschaf- fungswesen in der Schweiz) einen Lieferauftrag unter dem Projekttitel "7000.0849.EE_OAT_Mieterausbau Andreasturm_BKP 377.1_Element- wände" im offenen Verfahren aus (Meldungsnummer 1207235; Projekt-ID 223624). Der Auftrag betrifft den I nnenausbau der Mietfläche 14. -21. OG (moderne Büroarbeitsplätze und Sitzungszimmer) im Andreasturm an zent- ralem Arbeitsort des Departem ents Informatik in Zürich Oerli kon (Aus- schreibung, Ziff. 2.6). Der Auftrag sollte am 1. September 2021 beginnen und am 30. Juni 2022 enden (Ausschreibung, Ziff. 2.8). Die Angebote wa- ren bis zum 17. August 2021 einzureichen (Ausschreibung, Ziff. 1.4). B. In der Folge gingen zwei Angebote ein, wovon eines das Angebot der X._______ AG (im Folgenden: Beschwerdeführerin) war. C. Mit Schreiben vom 27. August 2021 teilte die Vergabestelle der Beschwer- deführerin mit, dass ihr Angebot vom Verfahren ausgeschlossen werde, da es in Position 1.3 (Elementwand Vollwand) eine Wandstärke von 100 mm anstelle der ausgeschriebenen 125 mm vorsehe und daher als Unterneh- mervariante einzustufen sei. Gemäss den Submissionsbestimmungen (Teil A / Ziff. 2.11) seien keine Varianten zugelassen. D. Am 27. August 2021 erteilte die Vergabestelle der Y ._______ AG (im Fol- genden: Zuschlagsempfängerin) den Zuschla g zum Preis von Fr. 1'505'851.25 (exkl. MWST) und teilte dies der Zuschlagsempfängerin mit Schreiben vom 30. August 2021 mit. E. Die Vergabestelle veröffentlichte die Zuschlagsverfügung am 31. August 2021 auf der Internetplattform SIMAP (Meldungsnummer 1215 887). Zur Begründung führte sie aus, ausschlaggebend für den Zuschlag an die Firma Y ._______ AG sei die beste Bewertung in den genannten Zuschlags- kriterien gewesen. Insgesamt habe es das vorteilhafteste Angebot darge- stellt (SIMAP-Zuschlagsverfügung, Ziff. 3.2 f.). B-4199/2021 Seite 3 F. Die Beschwerdeführerin wandte sich mit Schreiben vom 16. September 2021 an die Vergabestelle und ersuchte sie, ihren Entscheid in Wiederer- wägung zu ziehen. Sie habe das preisgünstigste Angebot eingereicht. Sie könne die Position 1.3 (Elementwand Vollwand) standardgemäss mit der Wandstärke 100 mm oder 125 mm anbieten und wolle im Rahmen eines mündlichen Debriefings darlegen, dass auf ihren Ausschluss zurückzu- kommen sei. G. Mit Schreiben vom 17. September 2021 wies die Vergabestelle darauf hin, dass sie in der Ausschreibung in Position 1.3 explizit eine Wandstärke von 125 mm verlangt habe. Diese bautechnische Vorgabe habe die Beschwer- deführerin nicht erfüllt. Nachträglich könne die Vergabestelle aus Gründen der Gleichbehandlung aller Anbieter keine Angebote mehr entgegen neh- men und auch nicht den erfolgten Zuschlag zurücknehmen. Die Ausschrei- bung sei von keiner Partei innert Rechtsmittelfrist angefochten worden. H. Mit E -Mail vom 20. September 2021 teilte die Beschwerdeführerin der Vergabestelle mit, dass sie Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht habe und an einer mündlichen Besprechung interessiert sei. I. Am 23. September 2021 fand ein Debriefing bei der Vergabestelle statt. J. Gegen die SIMAP -Zuschlagsverfügung vom 31. August 2021 erhebt die Beschwerdeführerin am 20. September 2021 Beschwerde beim Bundes- verwaltungsgericht. Sie beantragt, der Ausschlussentscheid der Vergabe- stelle vom 27. August 2021 und der am 31. August 2021 auf SIMAP publi- zierte Zuschlagsentscheid der Vergabestelle seien aufzuheben und die Vergabestelle sei anzuweisen, den Zuschlag der Beschwerdeführerin zu erteilen. Eventualiter sei festzustellen, dass der verfügte Ausschluss der Beschwerdeführerin und die Zuschlagserteilung an die Mitbeteiligte bun- desrechtswidrig seien, und es sei der Beschwerdeführerin nach Ermessen des Bundesverwaltungsgerichts Schadenersatz zuzusprechen. In pro- zessualer Hinsicht beantragt sie, der Beschwerde sei superprovisorisch die aufschiebende Wirkung zu erteilen und der Vergabestelle sei demgemäss zu verbieten, mit der Mitbeteiligten den Vertrag betreffend die zu beschaf-B-4199/2021 Seite 4 fenden Elementwände abzuschliessen, und es sei nach Anhörung der üb- rigen Verfahrensbeteiligten die Gewährung der aufschiebenden Wirkung zu bestätigen. Weiter beantragt die Beschwerdeführerin, es sei ihr Einsicht in die Akten des Vergabeverfahrens zu gewähren. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, aufgrund von Wi- dersprüchen in der Ausschreibung und den Ausschreibungsunterlagen und mit Blick auf den Grundsatz der Nichtdiskriminierung von Anbietenden könne es nicht angehen, eine geringfügige funktional b eziehungsweise technisch begründete Abweichung vom Baubeschrieb als unzulässige Va- riante zu qualifizieren. Mit einer Ausnahme entspreche das Angebot der Beschwerdeführerin vollumfänglich dem Leistungsverzeichnis bezie- hungsweise Baubeschrieb. Die zu beschaffende Leistung gemäss Angebot optimiere lediglich die zu beschaffende Leistung, ohne dass eine andere Art der Leistungserfüllung vorliege. Der Wanddicke komme keine eigen- ständige Funktion zu, weshalb es widersinnig sei, für die drei Element- wände gemäss den Pos itionen 1.1 -1.3 unterschiedliche Wanddicken zu verlangen. Die Beschwerdeführerin habe in ihrem Angebot das System SP 100 mit einer Wandstärke von 100 mm offeriert, da diese Elementwa nd einen Schalldämmwert von 51dB aufweise. Es handle sich hierbei nicht um eine Variante, sondern um ein technisch, funktional und optisch optimales Angebot, in welchem von den Anforderungen in der Ausschreibung in kei- ner Weise abgewichen werde. Die Beschwerdeführerin beanstandet überdies, dass auch das Angebot der Zuschlagsempfängerin vom Leistungsverzeichnis beziehungsweise Bau- beschrieb abweiche. Bei der Elementwand Position 1.2 und Position 1.3 dürfe eine Stossfuge von 2-3 mm sichtbar sein. Die Systemwand der Zu- schlagsempfängerin weise indessen eine Fugenausbildung von 6 mm auf. Die Vergabestelle verstosse damit gegen das Gleichbehandlungsgebot und das spezifische vergaberechtliche Diskriminierungsverbot. Es sei rechtswidrig, das Angebot der Beschwerdeführerin auszuschliessen und der Mitbeteiligten den Zuschlag zu erteilen, obschon auch deren Angebot vom Leistungsverzeichnis beziehungsweise Baubeschrieb abweiche. K. Mit superprovisorischer Verfügung vom 21. September 2021 ordnete die Instruktionsrichterin an, dass bis zum Entscheid des Bundesverwal tungs- gerichts über den Antrag betreffend Erteilung der aufschiebenden Wirkung B-4199/2021 Seite 5 alle Vollzugsvorkehrungen, welche den Ausgang des hängigen Beschwer- deverfahrens präjudizieren könnten, namentlich der Vertragsabschluss mit der Zuschlagsempfängerin, zu unterbleiben hätten. L. Mit Stellungnahme vom 30. September 2021 beantragt die Vergabestelle, der Antrag der Beschwerdeführerin auf Erteilung der aufschiebenden Wir- kung sei abzuweisen, die Beschwerde vom 20. September 2021 sei abzu- weisen und der Zuschlag vom 31. August 2021 sei zu bestätigen. Die Vergabestelle legt dar, die Beschwerde sei aussichtslos, weshalb die aufschiebende Wirkung nicht zu gewähren sei. Im L eistungsverzeichnis sei explizit vermerkt gewesen, dass der Aus- schreibungstext und sämtliche auf den beil iegenden Plänen dargestellten Abmessungen und Ausführungsdetails zwingend einzuhalten seien. Die Beschwerdeführerin habe ihr Angebot mit einer Abweichung in der Ab- messung von 100 mm Wandstärke anstelle der verlangten 125 mm einge- reicht. Die Abweichung in den Abmessungen entspreche nicht der techni- schen Spezifikation der Ausschreibung. Deshalb sei sie gezwungen gewe- sen, die Beschwerdeführerin vom Verfahren auszuschliessen. Sie habe das Angebot auch nicht als Unternehmervariante entgegennehmen kön- nen, da Varianten gemäss Ausschreibung ausgeschlossen seien und die Beschwerdeführerin kein ausschreibungskonformes Grundangebot mit 125 mm Wandstärke eingereicht habe. Daher sei auch eine Bereinigung des Angebots mit der Beschwerdeführerin von vornherein nicht möglich gewesen. Auch eine Nachfrage wäre nicht zulässig gewesen. M. Die Zuschlagsempfängerin liess sich innert der ihr gesetzten Frist nicht ver- nehmen und beantragte nicht, als Beschwerdegegnerin am Beschwerde- verfahren teilzunehmen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gegenstand des vorliegenden Zwischenentscheids ist der Antrag der Be- schwerdeführerin auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung. B-4199/2021 Seite 6 1.1 Am 1. Januar 2021 traten das total revidierte Bundesgesetz vom 21. Juni 2019 über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB, SR 172.056.1), die dazugehörende Verordnung vom 12. Februar 2020 über das öffentliche Beschaffungswesen (VöB, SR 172.056.11) sowie das revi- dierte WTO-Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen vom 15. April 1994 (Government Procurement Agreement [GPA; SR 0.632.231.422], Fassung gemäss Ziff. 1 des Protokolls vom 30. März 2012 [im Folgenden: GPA 2012], BBl 2017 2175 ff.) in Kraft. Gemäss der in Art. 62 BöB enthaltenen Übergangsbestimmung werden Vergabeverfahren, die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes eingeleitet wurden, nach bisherigem Recht zu Ende geführt. Vorliegend wurde das Vergabeverfahren mit Ausschreibung vom 8. Juli 2021 eingeleitet, weshalb das revidierte Beschaffungsrecht anzuwenden ist. 1.2 Ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der anhängig ge- machten Beschwerde zuständig, so entscheidet es auch über Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung (vgl. Art. 54 BöB). Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beu rteilung von Be- schwerden gegen die Erteilung eines Zuschlags, der in den Anwendungs- bereich des BöB fällt (vgl. Art. 52 Abs. 1 i.V.m. Art. 53 Abs. 1 Bst. e BöB). Das BöB erfasst nur Beschaffungen, welche dem GPA 2012 unterstellt sind (BVGE 2008/48 E. 2.1 mit Hinweisen "Areal - und Gebäudeüberwachung PSI"). Das BöB ist anwendbar, wenn die Auftraggeberin dem Gesetz un- tersteht (Art. 4 BöB), wenn der Beschaffungsgegenstand sachlich erfasst ist (Art. 8 BöB), der geschätzte Wert des zu vergebenden öffentlichen Auf- trages den entsprechenden Schwellenwert von Art. 8 Abs. 4 BöB i.V.m. Art. 16 BöB i.V.m. Anhang 4 erreicht und keiner der Ausnahmetatbestände von Art. 10 BöB gegeben ist. 1.2.1 Die Vergabestelle untersteht als Teileinheit der allgemeinen Bundes- verwaltung dem BöB (Art. 4 Abs. 1 Bst. a BöB). 1.2.2 Die Vergabestelle geht in Ziffer 1. 8 der Ausschreibung v om 8. Juli 2021 von einem " Bauauftrag" aus. Art. 8 Abs. 4 BöB sieht vor, dass im Staatsvertragsbereich die Leistungen nach Massgabe der Anhänge 1 -3 dem BöB unterstehen, soweit sie den Schwellenwert nach Anhang 4 Ziffer 1 erreichen. Der Schwellenwert für Bauleistungen (Gesamtwert) beträgt 8.7 Mio. Fr. (Ziff. 1.1 Anhang 4 zum BöB). Gemischte Aufträge setzen sich B-4199/2021 Seite 7 aus unterschiedlichen Leistungen zusammen und bilden ein Gesam tge- schäft. Die Qualifikation des Gesamtgeschäfts folgt der finanziell überwie- genden Leistung. Leistungen dürfen nicht mit der Absicht oder Wirkung ge- mischt oder gebündelt werden, die Bestimmungen dieses Gesetzes zu um- gehen (Art. 8 Abs. 3 BöB). Erreicht der Gesamtwert mehrerer Bauleistun- gen nach Anhang 1 Ziffer 1 für die Realisierung eines Bauwerks den Schwellenwert des Staatsvertragsbereichs, so finden die Bestimmungen dieses Gesetzes für Beschaffungen im Staatsvertragsbereich Anwendung. Erreichen jedoch die Werte der einzelnen Leistungen nicht zwei Millionen Franken und überschreitet der Wert dieser Leistungen zusammengerech- net nicht 20 Prozent des Gesamtwerts des Bauwerks, so finden für diese Leistungen die Bestimmungen für Beschaffungen ausserhalb des Sta ats- vertragsbereichs Anwendung (Bagatellklausel) (Art. 16 Abs. 4 BöB). Im vorliegenden Fall beträgt der Zuschlagspreis Fr. 1'505'851.25 (exkl. MWST), weshalb davon auszugehen ist, dass der geschätzte Wert des in Frage stehenden Auftrags unter dem Schwe llenwert für Bauleistungen (8.7 Mio. Fr.), aber über dem Schwel lenwert für Lieferaufträge (Fr. 230'000.–) liegt (Art. 8 Abs. 4 BöB i.V.m. Anhang 4 Ziff. 1.1 zum BöB). Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, bei gemischten Aufträgen gelte, dass derjenige Schwellenwert einschlägig sei, der den ge- wichtigsten Auftragsteil betreffe. Die vorliegende Beschaffung müsse da- her wegen der Lieferung der Elementwände als Lieferauftrag qualifiziert werden. Gemäss den Ausführungen der Vergabestelle liegen die Gesamtprojekt- kosten bei rund 16 Mio. Fr., verteilt auf total 30 Submissionen mit Werten von Fr. 20'000.– bis 1.6 Mio. Fr. Die Frage, ob die vorliegende Beschaffung als Lieferung oder als Bauleis- tung einzustufen ist, kann daher offengelassen werden, da der massgebli- che Schwellenwert auf jeden Fall erreicht ist. 1.2.3 Da auch kein Ausnahmetatbestand im Sinne von Art. 10 BöB vorliegt, fällt die vorliegend angefochtene Beschaffung in den sachlichen Anwen- dungsbereich des BöB. 1.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vor- liegenden Streitsache zuständig. B-4199/2021 Seite 8 2. Über das Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung im Rahmen der Anfechtung eines Zuschlags ents cheidet das Bundesverwaltungsge- richt gemäss ständiger Praxis in Dreierbesetzung (Zwischenentscheid des BVGer B-3402/2009 vom 2. Juli 2009, auszugsweise publiziert in BVGE 2009/19 E. 1.2, m.H.; dazu PETER GALLI/ANDRÉ MOSER/ELISABETH LANG/MARC STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl. 2013, Rz. 1340 m.H.). 3. Das Verfahren vor de m Bundesverwaltungsgericht bestimmt sich nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das BöB und das Verwaltungsgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) nichts anderes bestimmen (Art. 55 BöB und Art. 37 VGG). 4. Im Unterschied zu Art. 55 Abs. 1 VwVG sieht Art. 54 Abs. 1 BöB vor, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen keine aufschiebende Wirkung zu- kommt. Demnach kann diese vom Bundesverwaltungsgericht nur auf Ge- such hin erteilt werden (Art. 54 Abs. 2 BöB). Das revidierte BöB nennt die Kriterien, welche für die Frage der Gewäh- rung oder Verweigerung der aufschiebenden Wirkung zu berücksichtigen sind: Das Bundesverwaltungsgericht kann einer Beschwerde bei einem Auftrag im Staatsvertragsbereich auf Gesuch hin die aufschiebende Wir- kung gewähren, wenn die Beschwerde als ausreichend begründet er- scheint und keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen (Art. 54 Abs. 2 BöB). Gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zum aBöB können die Grundsätze übe rnommen werden, die Rechtspre- chung und Lehre zur Anwendung von Art. 55 VwVG entwickelt haben. Da- nach ist anhand einer Interessenabwägung zu prüfen, ob die Gründe, die für eine sofortige Vollstreckbarkeit sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können (BGE 129 II 286 E. 3; Zwischenentscheid des BVGer B -6837/2010 vom 16. November 2010 E. 2.1 m.H. "Lüftung Belchentunnel"). Dass der Gesetzgeber im BöB den Suspensiveffekt in Abweichung zum VwVG nicht von Gesetzes wegen ge- währte, zeigt, dass er sich der Bedeutung dieser Anordnung im Submissi- onsrecht bewusst war und eine individuelle Prüfung dieser Frage als not- wendig erachtete, nicht aber, dass er diesen nur ausnahmsweise gewährt haben wollte (vgl. zum Ganzen den Zwisc henentscheid des BVGer B-4199/2021 Seite 9 B-3402/2009 vom 2. Juli 2009, auszugsweise publiziert in BVGE 2009/19 E. 2.1 m.H. "Microsoft"). Liegt ein Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung vor, so ist im Sinne einer prima -facie-Würdigung der materiellen Rechtslage in einem ersten Schritt zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden Akten davon auszu- gehen ist, dass die Beschwerde offensichtlich unbegründet ist. Ist dies der Fall, ist die aufschiebende Wirkung von vornherein nicht zu gewähren. Werden der Beschwerde hingegen Erfolgschancen zuerkannt oder beste- hen darüber Zweifel, so ist über das Begehren um aufschiebende Wirkung aufgrund der erwähnten Interessenabwägung zu befinden. In die Abwä- gung einzubeziehen sind nach der ständigen Praxis der Eidgenössischen Rekurskommission für das öffentliche Beschaffungswesen (BRK), die sich das Bundesverwaltungsgericht mit dem Entscheid BVGE 2007/13 "Vermessung Durchmesserlinie" (E. 2.2) im Grundsatz zu eigen gemacht hat, einerseits die Interessen der Beschwerdeführerin an der Aufrechte r- haltung der Möglichkeit, den Zuschlag zu erhalten, wobei zugleich ein ge- wichtiges öffentliches Interesse an der Gewährung effektiven Rechtsschut- zes besteht (Zwischenentscheid des BVGer B-6177/2008 vom 20. Oktober 2008 E. 2 "Hörgeräte"). Diesen gegenüber stehen die öffentlichen Interes- sen, die die Auftraggeberin wahrzunehmen hat. So wird in der GATT-Bot- schaft 2 vom 19. September 1994 namentlich festgehalten, gegen den au- tomatischen Suspensiveffekt spreche die Gefahr von Verzögerungen und erheblichen Mehrkosten (BBl 1994 IV 950 ff., insbes. S. 1197; vgl. auch S. 1199; vgl. zum Ganzen den Zwischenentscheid des BVGer B - 3402/2009 vom 2. Juli 2009, auszugsweise publiziert in BVGE 2009/19 E. 2.1 "Microsoft"). Entsprechend hält das Bundesgericht im Rahmen der Aus- legung von Art. 17 Abs. 2 der Interkantonalen Vereinbarung über das öf- fentliche Beschaffungswesen vom 15. März 2001 (aIVöB) – heute Art. 54 Abs. 2 der revidierten IVöB vom 15. November 2019 (in Kraft seit 1. Juli 2021) – fest, dass dem öffentlichen Interesse an einer möglichst raschen Umsetzung des Vergabeentscheides von vornherein ein erhebliches Ge- wicht zukommt (Urteil des BGer 2P .103/2006 vom 29. Mai 2006 E. 4.2.1 m.H.; in diesem Sinne auch BVGE 2008/7 E. 3.3 "Prestations de planifica- tion à Grolley/FR"). Auch allfällige Interessen Dritter, namentlich der übri- gen an einem Beschaffungsgeschäft Beteiligten, sind nach der ständigen Praxis zu berücksichtigen. Ausgangspunkt muss dabei – insbesondere auch in Anbetracht der Zielsetzung von Art. XX Ziff. 2 und 7 Bst . a GPA 1994 beziehungsweise von Art. XVIII Ziff. 1 und Ziff. 7 Bst. a GPA 2012 – die Gewährung eines effektiven Rechtsschutzes und die Verhinderung von Zuständen sein, welche das Rechtsmittel illusorisch werden lassen (BVGE B-4199/2021 Seite 10 2007/13 E. 2.2 m.H. "Vermessung Durchmesserlinie"; GALLI/MO- SER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 1341). Ein Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist nicht nur dann abzuweisen, wenn die Beschwerde materiell als offensichtlich unbegründet erscheint, sondern auch, wenn die Beschwerde prima facie deshalb keine Erfolgsaussichten hat, weil aller Voraussicht nach darauf nicht eingetreten werden kann (Zwischenentscheid des BVGer B -562/2015 vom 21. April 2015 E. 4.1 "Support Software ORMA"). 5. Die Vergabestelle macht zu Recht nicht geltend, dass auf die Beschwerde aller Voraussicht nach nicht eingetreten werden könne: 5.1 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 5.1.1 Die Beschwerdeführerin ist formell beschwert, denn sie hat am Ver- fahren vor der Vergabestelle teilgenommen, und sie ist durch die angefoch- tene Verfügung auch offensichtlich besonders berührt, weil der Zuschlag nicht ihr erteilt wurde. 5.1.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt der Umstand, dass jemand am Offertverfahren teilgenommen hat und nicht berücksich- tigt worden ist, nicht, um die Legitimation zu bejahen. Der unterlegene An- bieter ist zur Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht nur legitimiert, wenn er eine reelle Chance besitzt, den Zuschlag selber zu erhalten (BGE 141 II 14 E. 4 ff. "Monte Ceneri"). Die Frage, ob der Beschwerdeführer eine derartige reelle Chance besitzt, ist aufgrund der von ihm gestellten Anträge und vorgebrachten Rügen zu beantworten. Ob die entsprechenden Rügen begründet sind, ist insofern sowohl Gegenstand der materiellen Beurteilung als auch bereits vorfrage- weise von Bedeutung für das Vorliegen der Prozessvoraussetzungen (BGE 141 II 14 E. 5.1 "Monte Ceneri"; 137 II 313 E. 3.3.3 "Microsoft"). Für derartige doppelrelevante Sachverhalte gilt, dass es im Stadium der Prü- fung der Eintretensvoraussetzungen genügt, wenn der Beschwerdeführer glaubhaft macht ("mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit geltend macht", "rende vraisemblable"), dass seine Aussichten, nach einer Aufhebung der B-4199/2021 Seite 11 angefochtenen Verfügung den Zuschlag zu erhalten, intakt sind (BGE 141 II 14 E. 5.1 m.H. "Monte Ceneri"). 5.1.3 Im vorliegenden Fall macht die Beschwerdeführerin geltend, der Aus- schluss ihrer Offerte, weil sie bei Position 1.3 (Elementwand Vollwand) eine Wandstärke von 100 mm anstelle der ausgeschriebenen 125 mm angebo- ten habe, sei unverhältnismässig gewesen. Da die Vergabestelle ihr Ange- bot nicht bewertet hat, ist die Punkt zahl, die ihre Offerte erhalten hätte, nicht bekannt. Die Beschwerdeführerin weist indessen darauf hin, dass die Zuschlagsempfängerin zu einem Preis von Fr. 1'505'851.25 (exkl. MSWT) offeriert habe, die Beschwerdeführerin dagegen zu einem Preis von Fr. 1'488'553 (exkl. MWST). Der Preis werde bei den Zuschlagskriterien mit 70 % gewichtet. Würde das Gericht der Auffass ung der Beschwerde- führerin folgen, dass ihre Offerte zu Unrecht ausgeschlossen worden sei, wäre daher prima facie nicht auszuschliessen, dass sie reelle Chancen auf einen Zuschlag hätte. 5.1.4 Hinzu kommt, dass a uch ein ausgeschlossener Anbieter legitimiert sein kann, einen Zuschlag anzufechten. Dies gilt jedenfalls dann, wenn er die Eignung des Zuschlagsempfängers und einzigen anderen Anbieters bestreitet, weil bei einem Ausschluss auch dieser Offerte die Aufhebung des ganzen Verfahrens und eine Neuausschreibung des Auftrags erfolgen könnte, was ihm allenfalls die Möglichkeit eines neuen Angebots eröffnen würde. Auch wenn der ausgeschlossene Anbieter keinen direkten Zuschlag an sich selbst, sondern lediglich eine Neuausschreibung erwirken könnte, gilt dieses Interesse als schutzwürdig. Der Anspruch eines ausgeschlosse- nen Anbieters auf gerichtliche Prüfung der Frage, ob nicht auch der einzige andere Anbieter hätte ausgeschlossen werden müssen, darf daher nicht vereitelt werden, indem ihm die Legitimation abgesprochen wird (BGE 141 II 14 E. 4.7 "Monte Ceneri", vgl. auch Urteile des EuGH vom 4. Juli 2013 C-100/12 Fastweb und vom 5. April 2016 C-689/13 PFE; Urteile des BVGer B-4637/2016 vom 17. März 2017 E. 1.2 "Tunnelreinigung Gotthard-Basis- tunnel" und B-6366/2020 vom 9. Juni 2021 E. 1.5.4 "Erneuerung Weissen- steintunnel"). Im vorliegenden Fall liegt in Bezug auf die Ev entualvorbringen der Be- schwerdeführerin eine derartige Konstellation vor. Die Beschwerdeführerin rügt, auch das Angebot der Zuschlagsempfängerin weiche vom Leistungs- verzeichnis ab. Gemäss Leistungsverzeichnis dürfe bei der Elementwand Position 1.2 und Position 1.3 eine Stossfuge von höchstens 2-3 mm sicht-B-4199/2021 Seite 12 bar sein, doch weise die Systemwand der Zuschlagsempfängerin eine Fu- genausbildung von 6 mm auf. Es sei rechtswidrig, das Angebot der Be- schwerdeführerin auszuschliessen, nicht aber dasjenige der Zuschlags- empfängerin, obschon auch deren Angebot vom Leistungsverzeichnis be- ziehungsweise Baubeschrieb abweiche. Würde die Beschwerdeführerin mit ihrer Rüge durchdringen, dass die Vergabestelle gegen das Gleich behandlungsgebot verstossen habe, in- dem sie die Offerte d er Beschwerdeführerin, nicht aber diejenige der Zu- schlagsempfängerin ausgeschlossen habe, obwohl auch Letztere nicht alle technischen Spezifikationen eingehalten habe, so könnte sie zumindest ei- nen Abbruch und eine mögliche Neuausschreibung erwirken. 5.1.5 Prima facie sind daher keine Gründe ersichtlich, die gegen die Legi- timation der Beschwerdeführerin sprechen würden. 5.2 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 56 Abs. 1 BöB und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und der Kostenvorschuss wurde rechtzei- tig bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). 5.3 Prima facie ist daher davon auszugehen, dass die Eintretensvoraus- setzungen gegeben sind. 6. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vergabestelle habe ihr Angebot zu Un- recht als unzulässige Variante eingestuft und vom Verfahren ausgeschlos- sen. Angesichts von Widersprüchen in der Ausschreibung und den Ausschrei- bungsunterlagen und mit Blick auf den Grundsatz der Nichtdiskriminierung von Anbietenden könne es nicht angehen, eine geringfügige funktional be- ziehungsweise technisch begründete Abweichung vom Baubeschrieb als unzulässige Variante zu qualifizieren. Mit einer Ausnahme entspreche das Angebot der Beschwerdeführerin vollumfänglich dem Leistungsverzeichnis beziehungsweise Baubeschrieb. Der Wanddicke komme keine eigenstän- dige Funktion zu, weshalb es widersinnig sei, für die drei Elementwände gemäss den Positionen 1.1 -1.3 unterschiedliche Wanddicken zu verlan- gen. Aus technischer Sicht gebe es bezüglich Anschlusswerke keinen Grund, zwei verschiedene Wandstärken auszuschreiben. Vielmehr werde dadurch die für Elementwände typische vollumfängliche Flexibilität unter- laufen. Sie habe in ihrem Angebot das System SP 100 mit einer einheitli-B-4199/2021 Seite 13 chen Wandstärke von 100 mm offeriert, da diese Elementwand den ver- langten Schalldämmwert von 51dB aufweise. Es handle sich daher nicht um eine Variante, sondern um ein technisch, funktional und optisch opti- males Angebot, in welchem von den Anforderungen in der Ausschreibung in keiner Weise abgewichen werde. Die Beschwerdeführerin rügt, auch das Angebot der Zuschlagsempfänge- rin weiche vom Leistungsverzeichnis bzw. Baubeschrieb ab. Bei der Ele- mentwand Position 1.2 und Position 1.3 dürfe eine Stossfuge von 2-3 mm sichtbar sein. Die Systemwand der Zuschlagsempfängerin weise indessen eine Fugenausbildung von 6 mm auf. Die Vergabestelle verstosse gegen das Gleichbehandlungsgebot und das spezifische vergaberechtliche Dis- kriminierungsverbot, wenn sie das Angebot der Beschwerdeführerin auf- grund einer Abweichung vom Leistungsverzeichnis ausschliesse, nicht aber dasjenige der Zuschlagsempfängerin, das ebenfalls davon abweiche. Die Vergabestelle macht dagegen geltend, im Leistungsverzeichnis sei ex- plizit vermerkt gewesen, dass der Ausschreibungstext und sämtliche auf den beiliegenden Plänen dargestellten Abmessungen und Ausführungsde- tails zwingend einzuhalten seien. Das Angebot der Beschwerdeführerin enthalte eine Abweichung von diesen Abmessungen. Gemäss den techni- schen Spezifikationen sei vorgesehen gewesen, dass die Trennwände zwi- schen zwei Büros eine Wandstärke von 125 mm aufweisen müssten (LV Pos. 1.3), diejenigen zum Korridor und offener Bürofläche dagegen eine Wandstärke von 100 mm (LV Pos. 1.1 und 1.2). Die Beschwerdeführerin habe indessen auch für die Position 1.3 eine Wandstärke von 100 mm an- stelle der verlangten 125 mm vorgesehen. Diese Abweichung in den Ab- messungen entspreche nicht der technischen Spezifikation der Ausschrei- bung, weshalb sie gezwungen gewesen sei, das Angebot der Beschwer- deführerin vom Verfahren auszuschliessen. Sie habe das Angebot auch nicht als Unternehmervariante entgegennehmen können, da Varianten ge- mäss Ausschreibung nicht zulässig seien und die Beschwerdeführerin kein ausschreibungskonformes Grundangebot mit 125 mm Wandstärke einge- reicht habe. Daher sei auch eine Bereinigung des Angebots mi t der Be- schwerdeführerin von vornherein nicht möglich und eine Nachfrage bei der Beschwerdeführerin wäre nicht zulässig gewesen. Was die Stossfugen betreffe, so weiche auch die Offerte der Beschwerde- führerin diesbezüglich vom Leistungsverzeichnis ab, den n sie biete eine Stossfuge von 5 mm an. Die ausgeschriebenen Stossfugen seien aber rein ästhetische Zielvorgaben und könnten bei überwiegenden konstruktiven B-4199/2021 Seite 14 Begründungen angepasst werden. Gegen das Gleichbehandlungsgebot würde die Vergabestelle nur verstossen, wenn sie die technische Vorgabe von 125 mm Wandstärke nicht berücksichtigen und das Angebot der Be- schwerdeführerin mit 100 mm Wandstärke zulassen würde, denn eine dün- nere Wand sei günstiger und auch die Zuschlagsempfängerin hätte eine dünnere Wand zu einem günstigeren Preis als dem Zuschlagspreis anbie- ten können. 6.1 Die Auftraggeberin bezeichnet in der Ausschreibung oder in den Aus- schreibungsunterlagen die erforderlichen technischen Spezifikationen. Diese legen die Merkmale des Beschaffungsgegenstands wi e Funktion, Leistung, Qualität, Sicherheit und Abmessungen oder Produktionsverfah- ren fest und regeln die Anforderungen an Kennzeichnung und Verpackung (Art. 30 Abs. 1 BöB). Die Ausschreibungsunterlagen haben unter anderem Aufschluss über den Gegenstand der Beschaffung, einschliesslich techni- scher Spezifikationen und Konformitätsbescheinigungen, Pläne, Zeichnun- gen und notwendige Instruktionen sowie Angaben zur nachgefragten Menge zu geben (Art. 36 Bst. b BöB). Die Auftraggeberin beschreibt die Anforderungen an die Leistung, insbesondere deren technische Spezifika- tionen nach Art. 30 BöB so ausführlich und klar wie nötig (Art. 7 Abs. 1 VöB). Der Leistungsbeschrieb (Beschreibung des Beschaffungsgege n- standes) enthält alle notwendigen Anforderungen an den Leistungsgegen- stand und bildet zusammen mit den technischen Spezifikationen (Formu- lierung der Detailanforderungen) das Kernstück der Ausschreibung (HANS RUDOLF TRÜEB, in: Oesch/Weber/Zäch [Hrsg.], Wettbewerbsrecht II, Kom- mentar, 2011, Art. 12 BöB N. 1 f., Art. 18 BöB N. 13 f.; BARBARA OECHS- LIN/THOMAS LOCHER, in: Trüeb [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizeri- schen Beschaffungsrecht, 2020, Art. 30 BöB N. 7 f.). Produktanforderun- gen sind – soweit sich aus der Ausschreibung nichts anderes ergibt – ab- solute Kriterien. Ihre Nichterfüllung führt grundsätzlich zur Nichtberücksich- tigung des Angebots (Zwischenentschei d des BVGer B -6295/2017 vom 18. Juni 2018 E. 4.7 "Produkte zur Aussenreinigung"; OECHSLIN/LOCHER, in: Trüeb [Hrsg.], Handkommentar 2020, a.a.O., Art. 30 N. 7 f.). 6.2 Im v orliegenden Fall verwies die Ausschreibung bezüglich aller Zu- schlagskriterien pauschal auf die Ausschreibungsunterlagen (Ziff. 2.10). Die Ausschreibungsunterlagen enthalten eine allgemeine Vorgabe, dass der Ausschreibungstext wie sämtliche auf den beiliegenden Plänen darge- stellten Abmessungen und Ausführungsdetails etc. zwingend einzuhalten seien. Es sei die exakt beschriebene Ausführung anzubieten. Auf allfällige B-4199/2021 Seite 15 Änderungen und Ergänzungen dazu sei ausdrücklich hinzuweisen. Abwei- chende Angebote müssten nicht berücksichtigt werden (Leistungsverzeich- nis, S. 2 "Allgemein"). 6.3 Die umstrittene Position 1 ist im Leistungsverzeichnis "Gewerk: 377.1 Element-Trennwände" wie folgt definiert: "Pos. 1 Elementwand System Pos. 1.1 Elementwand Doppelverglasung Glas-Systemwand, Wanddicke 100 mm; (…) Schalldämmwert mind. (Rw+C) >=44dB (Laborwert); (…) Pos. 1.2 Elementwand Vollwand Systemwand, Wanddicke 100 mm; (…) Stossfuge sichtbar 2-3 mm; Schalldämmwert mind. (Rw+C) >=44dB (Laborwert); (…) Pos. 1.3 Elementwand Vollwand Systemwand, Wanddicke 125 mm; (…) Stossfuge sichtbar 2-3 mm; Schalldämmwert mind. (Rw+C) >=50dB (Laborwert); (…)" 6.4 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin bei der Position 1.3 eine Wandstärke von 100 mm angeboten hat und nicht von 125 mm, wie es gefordert war (vgl. Offerte der Beschwerdeführerin, Leistungsverzeich- nis vom 16. August 2021). Unbestritten ist aber auch, dass sowohl die Be- schwerdeführerin wie auch die Zuschlagsempfänger in die in Position 1.2 und 1.3 verlangte Anforderung "Stossfuge sichtbar 2-3 mm" nicht eingehal- ten haben. 6.5 Die Vergabestelle vertritt die Auffassung, sie sei aufgrund der Abwei- chung zur technischen Spezifikation gezwungen gewesen, die Offerte der Beschwerdeführerin vom Verfahren auszuschliessen. B-4199/2021 Seite 16 Die massgebliche Formulierung in den Ausschreibungsunterlagen lautet indessen dahingehend, dass abweichende Angebote nicht berücksichtigt werden "müssten". Wenn die Beschwerdeführerin daher sinngemäss argumentiert, die Verga- bestelle sei keineswegs gezwungen gewesen, wegen jeder Abweichung vom Leistungsverzeichnis eine Offerte auszuschliessen, so erscheint ihre Auffassung prima facie nicht als offensichtlich haltlos. 6.6 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass dem Kriterium der Wand- stärke aus funktionaler Sicht keine selbständige Bedeutung zukomme, so- lange der Schalldämmwert eingehalten sei. Die Vergabestelle führt diesbezüglich lediglich aus, in der Ausschreibung sei bei Wänden mit akustisch höheren Anforderungen eine Konstruktions- stärke von 125 mm geplant gewesen. Bereits in der Phase Bauprojekt seien für alle Wandtypen spezifische Schalldämmwerte vorgegeben wor- den. Die Wände zwischen zwei Büros müssten den besseren Schallschutz erfüllen als beispielsweise Wände vom Büro zum Korridor. Prüfberichte be- ziehungsweise Schalldämmwertkurven verschiedener Hersteller hätten gezeigt, dass die Wandstärke 125 mm deutlich bessere Werte als die Wandstärke 100 mm erziele. Insbesondere bei hohen Frequenzen schneide die dünnere Wand schlechter ab. Die gegenüber 100 mm Wand- stärke zusätzlichen 25 mm Dämmstoff seien hier eine entscheidende Ver- besserung. Dass die Beschwerdeführerin auch mit ihrer dünneren Wand den verlangten Schalldämmwert effektiv einhält, bestreitet die Vergabe- stelle indessen nicht. 6.7 Bezüglich der durch beide Anbieter nicht eingehaltenen Vorgabe be- züglich der Stossfugen macht die Vergabestelle geltend, dabei handle es sich um rein ästhetische Zielvorgaben, die bei überwiegenden konstrukti- ven Begründungen angepasst werden könnten. Sie legt indessen nicht dar, dass die Zuschlagsempfängerin derartige überwiegende konstruktive Be- gründungen vorgebracht habe. 6.8 Die Vergabestelle hat somit bisher nicht nachvollziehbar dargelegt, dass sie aus sachlichen Gründen bezüglich der Wan dstärke auf der Ein- haltung des Leistungsverzeichnisses insistiert, im Fall der Stossfugen aber darauf verzichtet hat. 6.9 Prima facie erscheint die Rüge der Beschwerdeführerin, die Vergabe- stelle habe mit dem Ausschluss ihrer Offerte und dem Nichtausschluss der B-4199/2021 Seite 17 Offerte der Zuschlagsempfängerin den Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt, daher nicht zum vorneherein als haltlos. 7. Zusammenfassend erscheint demnach die Beschwerde nicht als offen- sichtlich unbegründet. 8. Erweist sich eine Beschwerde prima facie nicht als offensichtlich unbegrün- det, so ist im Prinzip in einem nächsten Schritt abzuwägen, ob die Interes- sen der Vergabestelle an ei ner sofortigen Vollstreckung gewichtiger sind als das Interesse der Beschwerdeführerin, dass ihre Chance auf einen Zu- schlag durch die Gewährung der aufschiebenden Wirkung gewahrt werde. Dabei ist es grundsätzlich Sache der Vergabestelle, allfällige gravie rende Folgen einer Verzögerung, welche die Nichterteilung der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde begründen sollen, substantiiert darzulegen (vgl. GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 1328; Zwischenentscheid des BVGer B-998/2014 vom 26. Oktober 2014 E. 7.2 "Datentransport BIT I"). 9. Im vorliegenden Fall macht die Vergabestelle geltend, sie bezahle für die Mietfläche seit dem 1. Februar 2020 einen monatlichen Bruttomietzins von rund Fr. 260'000.–. Mit einem Verzug durch die Beschwerde könnten wei- tere bauliche Leistungen an den Nebengewerken nicht ausgeführt, son- dern müssten hinausgeschoben werden, was dazu führe, dass gewisse Leistungen zeitlich zusammen erfolgen würden. Es werde einen "Stau" von gleichzeitig auszuführenden Leistungen wie Montage Elementwände, inte- grierte Elektroinstallationen, AV-Technik, Folierung von Glaswänden etc. geben. Die Beschwerdeführerin stellt sich dagegen auf den Standpunkt, es seien keine öffentlichen Interessen ersichtlich, welche der Erteilung der aufschie- benden Wirkung entgegenstehen könnten, namentlich bestehe keine zeit- liche Dringlichkeit. Bei einer prima facie-Beurteilung müsse von einer aus- reichenden Begründetheit der Beschwerde ausgegangen werden. Der rechtswidrige Ausschluss der Beschwerdeführerin habe zur Folge, da ss die Vergabestelle nicht das preisgünstigste Angebot berücksichtige, obschon der Preis mit 70% gewichtet werde. B-4199/2021 Seite 18 9.1 Grundsätzlich gilt, dass eine Vergabestelle den Umstand, dass gegen den Zuschlag ein Rechtsmittel ergriffen werden kann, welchem gegebe- nenfalls die aufschiebende Wirkung erteilt wird, bei sorgfältiger Disponie- rung bereits in ihre Planung einzubeziehen und die Termine, die eingehal- ten werden müssen, entsprechend anzusetzen hat ( GALLI/MO- SER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 1328 und Rz. 1346 f.). Dements prechend hat etwa auch das Bundesgericht mit Urteil 2C_339/2010 vom 11. Juni 2010 (E. 3.2) erkannt, dass der Dringlichkeit im zu beurteilenden Fall nur ein beschränktes Gewicht zukomme, da die Kantonsregierung den Zu- schlag erst spät erteilt habe. Auch das Bundesverwaltungsgericht hat einer Vergabestelle mit Zwischenentscheid B -891/2009 vom 23. März 2009 (E. 4.1) "Kurierdienst BAG I" vorgehalten, sie habe einen allfälligen zeitli- chen Engpass selbst zu vertreten. 9.2 Nicht jedes Beschleunigungsinteresse der Vergabestelle ist als so drin- gend einzustufen, dass es zur Abweisung der aufschiebenden Wirkung führen müsste. Vielmehr hat die Auftraggeberin den Umstand, dass gegen den Zuschlag ein Rechtsmittel ergriffen werden kann, dem gegebenenfalls die aufschiebende Wirkung erteilt wird, bei sorgfältiger Disponierung be- reits in ihre Planung einzubeziehen und die Termine, die eingehalten wer- den müssen, entsprechend anzusetzen. Beschaffungsgeschäfte samt Durchführung des eigentlichen Submissionsverfahrens und eines all fälli- gen Rechtsmittelverfahrens sind demnach nach Möglichkeit so langfristig zu planen, dass grundsätzlich keine Dringlichkeit eintreten kann (Urteil des BGer 2C_339/2010 vom 11. Juni 2010 E. 3.2; Zwischenentscheide des BVGer B-4958/2013 vom 23. Oktober 20 13 E. 5.3 "Projektcontrollingsys- tem AlpTransit" und B-891/2009 vom 23. März 2009 E. 4.1 "Kurierdienst BAG I"). Aber auch eine selbstverschuldete Dringlichkeit kann nicht dazu führen, dass sich der Richter daran gehindert sieht, einer Beschwerde zur Vermeidung substantiiert dargelegter gravierender Folgen einer Verzöge- rung im Einzelfall nicht gleichwohl die aufschiebende Wirkung zu versagen (zum Ganzen G ALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 1328 mit Hinwei- sen). Dabei ist es grundsätzlich Sache der Vergabestelle, allfällige gravie- rende Folgen einer Verzögerung, welche die Nichterteilung der aufschie- benden Wirkung einer Beschwerde begründen sollen, substantiiert darzu- legen (Zwischenentscheid des BVGer B-998/2014 vom 26. Oktober 2014 E. 7.2 "Datentransport BIT"). 9.3 Im vorliegenden Fall weist die Vergabestelle zwar darauf hin, dass im Falle, dass die beantragte aufschiebende Wirkung gewährt würde, infolge B-4199/2021 Seite 19 des verzögerten Einbaus der Elementwände auch weitere bauliche Leis- tungen wie die Elektroinstallationen oder die Folierung von Glaswänden hinausgeschoben werden müsste n und es diesfalls zu einem Stau kom- men würde. Dieses Problem ist indessen als selbstverschuldet einzustu- fen, da die Vergabestelle unbestrittenermassen den Ablauf ohne Zeitreser- ven für ein mögliches Rechtsmittelverfahren geplant hat. Besonders gravierende Auswirkungen der Verzögerung, welche es aus Gründen des öffentlichen Interessens rechtfertigen würden , trotz Selbst- verschuldens der Vergabestelle die aufschiebende Wirkung nicht zu ge- währen, sind nicht ersichtlich. 9.4 Das öffentliche Interesse an einer sofortigen Vollstreckung der Zu- schlagsverfügung erscheint daher nicht als gewichtiger als das Interesse der Beschwerdeführerin, dass ihre Chance auf einen Zuschlag durch die Gewährung der aufschiebenden Wirkung gewahrt werde. 10. Dem Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung ist daher statt- zugeben. 11. Die weitergehende Behandlung des Akteneinsichtsgesuchs der Beschwer- deführerin kann daher auf das Hauptverfahren verschoben werden. 12. Über die Kosten des vorliegenden Zwischenentscheides wird mit dem En- dentscheid zu befinden sein. B-4199/2021 Seite 20 Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Erteilung der aufschiebenden Wir- kung wird gutgeheissen. 2. Über die Kosten des vorliegenden Zwischenentscheides wird mit dem Endentscheid befunden werden. 3. Diese Verfügung geht an: – die Beschwerdeführerin (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde) – die Vergabestelle (Ref.-Nr. SIMAP-Projekt-ID 223624; Gerichts- urkunde) – die Zuschlagsempfängerin (Auszug; A-Post) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Eva Schneeberger Beatrice Grubenmann B-4199/2021 Seite 21 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange- legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110] ), soweit er einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken kann (Art. 93 Abs. 1 Bst. a BGG) und sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (Art. 83 Bst. f Ziff. 2 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätes- tens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu des- sen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplo- matischen oder konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufa ssen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismit- tel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizule- gen (vgl. Art. 42 BGG). Versand: 10. November 2021