<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2019.00411</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=220045&amp;W10_KEY=13013486&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2019.00411</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 12.03.2020</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Widerruf der Niederlassungsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines in der Schweiz geborenen und aufgewachsenen Ausländers der zweiten Generation] Der Beschwerdeführer war wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten (davon 24 bedingt vollziehbar) verurteilt worden. Gutheissung wegen überwiegender privater Interessen am Verbleib in der Schweiz. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> - keine -<br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 4 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>4. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=45529" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2019.00411</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 4. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">12. MÃ¤rz 2020</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sidentin Tamara NÃ¼ssle<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichter Reto HÃ¤ggi Furrer, Verwaltungsrichter Martin Bertschi, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Viviane Eggen­-<br/> berger. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B,</span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung</span></b><b>,</b></p> <span><br/> </span> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">A, ein 1990 in der Schweiz geborener StaatsangehÃ¶riger Nordmazedoniens, reiste am 17. April 1993 erneut in die Schweiz ein, worauf ihm im Familiennachzug die Niederlassungsbewilligung im Kanton ZÃ¼rich erteilt wurde.</p> <p class="Urteilstext">Am 26. Juli 2004, 29. August 2007, 27. Juni und 2. September 2008 wurden von der Jugendanwaltschaft der Bezirke C und D Erziehungsmassnahmen verfÃ¼gt, nachdem A sich der Drohung, des verbotenen Waffentragens im Sinn der Waffengesetzgebung, der mehrfachen Gewaltdarstellung, der Hehlerei sowie des versuchten Diebstahls und des Mitfahrens in einem zum Gebrauch entwendeten Motorfahrzeug fehlbar gemacht hatte. </p> <p class="Urteilstext">Am 12. Dezember 2008 wurde A des Hausfriedensbruchs, des mehrfachen geringfÃ¼gigen Diebstahls sowie der mehrfachen SachbeschÃ¤digung schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 60 TagessÃ¤tzen zu Fr. 30.- und einer Busse von Fr. 300.- belegt.</p> <p class="Urteilstext">Am 30. November 2017 erwirkte A wegen versuchter schwerer KÃ¶rperverletzung, SachbeschÃ¤digung sowie mehrfacher Ãbertretung des BetÃ¤ubungsmittelgesetzes eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 24 Monate bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 2 Jahren, eine Geldstrafe von 60 TagessÃ¤tzen zu Fr. 100.- sowie eine Busse von Fr. 800.-. Aufgrund dessen widerrief das Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich am 30. November 2018 die Niederlassungsbewilligung von A und wies ihn nach VerbÃ¼ssen der Haftstrafe aus der Schweiz weg.</p> <p class="Urteilstext"><b>II.</b></p> <p class="Urteilstext">Die Sicherheitsdirektion wies den hiergegen erhobenen Rekurs am 17. Mai 2019 in der Hauptsache ab, auferlegte A die Verfahrenskosten von Fr. 1'365.- und versagte ihm eine ParteientschÃ¤digung. Sodann entzog sie einer allfÃ¤lligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.</p> <p class="Urteilstext"><b>III.</b></p> <p class="Urteilstext">Mit Beschwerde vom 19. Juni 2019 beantragte A dem Verwaltungsgericht im Wesentlichen, unter EntschÃ¤digungsfolge sei der Rekursentscheid aufzuheben und die Niederlassungsbewilligung nicht zu widerrufen. Das Migrationsamt reichte keine Beschwerdeantwort ein. Die Sicherheitsdirektion verzichtete am 27. Juni 2019 auf eine Vernehmlassung.</p> <p class="Urteilstext">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 24. Juni 2019 wurde der Wegweisungsvollzug von A bis auf Weiteres untersagt und dieser zur Sicherstellung der ihn allenfalls treffenden Verfahrenskosten aufgefordert. Nach GewÃ¤hrung von Ratenzahlungen erfolgte die Sicherstellung fristgerecht. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist fÃ¼r Beschwerden gegen Rekursentscheide der Sicherheitsdirektion Ã¼ber Anordnungen des Migrationsamts betreffend das Aufenthaltsrecht zustÃ¤ndig (§§ 41 ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG, LS 175.2]). </p> <p class="Urteilstext">Weil auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht der BeschwerdefÃ¼hrer um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, die dieser seitens der Vorinstanz entzogen worden war (vgl. § 55 in Verbindung mit § 25 VRG; act. 4 Dispositiv-Ziff. IV letzter Satz). Sofern dem Gesuch nicht bereits mit der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 24. Juni 2019 entsprochen wurde, wird es jedenfalls mit dem heutigen Endentscheid gegenstandslos.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.3 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer beantragt die Einholung verschiedener Beweismittel, die Befragung von Zeugen sowie die AnhÃ¶rung seiner selbst. Wie sich im Folgenden zeigt, ist der Sachverhalt genÃ¼gend erstellt; somit kann darauf verzichtet werden. Anzumerken bleibt, dass es bezÃ¼glich der beantragten Einholung von Dokumenten (Arztzeugnisse die Eltern des BeschwerdefÃ¼hrers betreffend sowie ein Arbeitszeugnis) am mitwirkungspflichtigen BeschwerdefÃ¼hrer gelegen hÃ¤tte, diese einzureichen (Kaspar PlÃ¼ss in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 7 N. 105).</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2">Der Widerruf von Niederlassungsbewilligungen richtet sich grundsÃ¤tzlich nach dem AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20). Dabei ist vorliegend die bis Ende 2018 geltende Gesetzesfassung massgebend, weil in WiderrufsfÃ¤llen auf den Zeitpunkt abzustellen ist, an dem die betroffene Person von der Einleitung eines diesbezÃ¼glichen Verfahrens Kenntnis erhalten hat (vgl. VGr, 19. Dezember 2018, VB.2018.00653, E. 2.1, und 6. MÃ¤rz 2019, VB.2018.00512, E. 2). </p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>Die Niederlassungsbewilligung kann widerrufen werden, wenn der Betroffene zu einer lÃ¤ngerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder gegen ihn eine strafrechtliche Massnahme im Sinn der Art. 59â61 oder des Art. 64 des Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (SR 311.0) angeordnet wurde (Art. 62 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. a AIG). GemÃ¤ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt als lÃ¤ngerfristige Freiheitsstrafe eine solche von mehr als einem Jahr (BGE 135 II 377 E. 4.2, 139 I 145 E. 2.1), wobei unerheblich ist, ob die Strafe bedingt, teilbedingt oder unbedingt zu vollziehen ist (BGr, 13. Februar 2015, 2C_685/2014, E. 4.4 f., und 27. Januar 2010, 2C_515/2009, E. 2.1). </p> <p class="Urteilstext">Das Obergericht des Kantons ZÃ¼rich verurteilte den BeschwerdefÃ¼hrer am 30. November 2017 wegen versuchter schwerer KÃ¶rperverletzung, SachbeschÃ¤digung sowie mehrfacher Ãbertretung des BetÃ¤ubungsmittelgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon 24 Monate bedingt vollziehbar sind bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu einer Geldstrafe von 60 TagessÃ¤tzen zu Fr. 100.- sowie zu einer Busse von Fr. 800.-. Damit hat der BeschwerdefÃ¼hrer den genannten Widerrufsgrund erfÃ¼llt. </p> <p class="MsoNormal"><b><span>3.2 </span></b><span>Das Vorliegen eines </span><span>Widerrufsgrunds</span><span> fÃ¼hrt nicht automatisch zum Widerruf bzw. der NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung. </span><span>Eine solche Massnahme ist nur gerechtfertigt, wenn sie unter BerÃ¼cksichtigung der persÃ¶nlichen und familiÃ¤ren Situation der auslÃ¤ndischen Person als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig erscheint</span><span>. Da sich ein </span><span>AuslÃ¤nder der zweiten Generation auf die Garantie des Privatlebens nach Art. 8 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) berufen kann, ist Ã¼berdies fÃ¼r eine rechtmÃ¤ssige Wegweisung dessen Abs. 2 zu beachten (VGr, 21. November 2018, VB.2018.00448, E. 4.1)</span><span>.</span><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Landes- wie konventionsrechtlich sind hier namentlich die Natur des Fehlverhaltens der betroffenen Person, der Grad ihrer Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihr drohenden Nachteile zu berÃ¼cksichtigen und ist der QualitÃ¤t der sozialen, kulturellen und familiÃ¤ren Beziehungen zum Gast- wie zum Heimatstaat Rechnung zu tragen (vgl. Art. 96 Abs. 1 AIG in der bis Ende Dezember 2018 geltenden Fassung [AS 2007 5496]; </span><span>BGE 139 I 145 E. 2.4, </span><span>135 II 377 E. 4.3</span><span>). </span></p> <p class="Erwgung2">Die Niederlassungsbewilligung einer auslÃ¤ndischen Person, die sich schon seit langer Zeit im Land befindet, soll aus GrÃ¼nden der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit nur mit ZurÃ¼ckhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter bzw. schwerer StraffÃ¤lligkeit ist dies jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn die Betroffenen hier geboren wurden und ihr ganzes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht haben (BGr, 5. Dezember 2019, 2C_772/2019, E. 3.3, und 16. Dezember 2014, 2C_846/2014, E. 2.2; vgl. BGE 139 I 16 E. 2.2.2). Bei schweren Straftaten wiegt das Ã¶ffentliche Interesse an einer Fernhaltung der auslÃ¤ndischen Person regelmÃ¤ssig schwer und muss selbst ein geringes Restrisiko von BeeintrÃ¤chtigungen der dadurch gefÃ¤hrdeten RechtsgÃ¼ter nicht in Kauf genommen werden (BGE 139 I 16 E. 2.2.2, 139 I 31 E. 2.3.2). FÃ¼r Legalprognosen in fremdenpolizeilicher Hinsicht kommt sodann mit Blick auf das im Vordergrund stehende Interesse der Ã¶ffentlichen Ordnung und Sicherheit ein strengerer Beurteilungsmassstab zum Tragen als im strafrechtlichen Sanktionenrecht (BGr, 23. Juli 2012, 2C_1026/2011, E. 4.2). Bei auslÃ¤ndischen Personen, die sich â wie der BeschwerdefÃ¼hrer â nicht auf das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der EuropÃ¤ischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits Ã¼ber die FreizÃ¼gigkeit (SR 0.142.112.681) berufen kÃ¶nnen, muss sodann nicht allein auf die RÃ¼ckfallgefahr bzw. -wahrscheinlichkeit abgestellt, sondern kann auch generalprÃ¤ventiven Ãberlegungen Rechnung getragen werden (BGr, 25. MÃ¤rz 2011, 2C_28/2010, E. 2.3, und 23. Februar 2010, 2C_578/2009, E. 2.4 Abs. 2).</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Ausgangspunkt und Massstab der auslÃ¤nderrechtlichen InteressenabwÃ¤gung<span> ist </span>in erster Linie die Schwere des Verschuldens, das sich in der Dauer der vom Strafgericht<span> verhÃ¤ngten Freiheitsstrafe niederschlÃ¤gt</span> (BGE 129 II 215 E. 3.1; BGr, 23. April 2019, 2C_483/2018, E. 4.4 mit Hinweisen). </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.1 </b>Dem Strafurteil des Obergerichts vom 30. November 2017 lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der BeschwerdefÃ¼hrer attackierte am 31. August 2014 nach einer durchzechten Nacht in einem Bus in ZÃ¼rich einen am Fenster sitzenden Fahrgast mit voller Wucht zweimal mit einer Bierflasche. Der GeschÃ¤digte erlitt dabei Prellungen sowie eine zehn Zentimeter lange und zwei Zentimeter tiefe Schnittwunde an der linken GesichtshÃ¤lfte. Infolge der SchlÃ¤ge wurde auch die Seitenscheibe des Busses beschÃ¤digt. Dem Angriff des BeschwerdefÃ¼hrers war eine Ermahnung des Fahrgastes vorausgegangen, weil Ersterer weibliche FahrgÃ¤ste verbal sexuell belÃ¤stigt hatte. Der Fahrgast hatte ihn gebeten, damit aufzuhÃ¶ren, worauf der BeschwerdefÃ¼hrer ihm ins Gesicht schlug. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.2 </b>Das Obergericht ging von einem erheblichen bis betrÃ¤chtlichen objektiven Tatverschulden aus. Der BeschwerdefÃ¼hrer habe mit Eventualvorsatz gehandelt, und es sei bloss einem Zufall zu verdanken, dass der GeschÃ¤digte nicht schwerer verletzt worden sei. In subjektiver Hinsicht relativierte das Strafgericht das Verschulden des BeschwerdefÃ¼hrers. Es sei zu berÃ¼cksichtigen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer im Zeitpunkt der TatausfÃ¼hrung unter Alkohol- und Kokaineinfluss gestanden habe. Insgesamt wiege das Tatverschulden bei der KÃ¶rperverletzung mittelschwer bis erheblich. Als strafreduzierend wÃ¼rde sich seine aufrichtige Reue erweisen. Der BeschwerdefÃ¼hrer sehe ein, dass seine Tat vÃ¶llig falsch und inakzeptabel sei. Er habe sich nach der Tat (von sich aus) beim Opfer entschuldigt, und dieses habe ihm verziehen. Vorstrafen wÃ¼rden keine vorliegen bis auf die Jugendstrafe vom 12. Dezember 2008, welche nicht zu seinen Lasten zu berÃ¼cksichtigen sei und keinen Einfluss auf die Legalprognose habe bzw. bei der es sich um eine Bagatelle gehandelt habe (kleinere EinbrÃ¼che und Diebstahl sowie SachbeschÃ¤digung). Das Obergericht stellte dem BeschwerdefÃ¼hrer eine gÃ¼nstige Prognose und gewÃ¤hrte ihm den teilbedingten Strafvollzug. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.3 </b>Es besteht aufgrund des Strafmasses sowie der Art des begangenen Delikts (Gewaltdelikt) ein gewichtiges Ã¶ffentliches Interesse an der Wegweisung des BeschwerdefÃ¼hrers. Diesem sind dessen private Interessen gegenÃ¼berzustellen. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.4 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer wurde in der Schweiz geboren und lebt seit seinem dritten Altersjahr ausschliesslich in der Schweiz, mithin seit 27 Jahren. Die Dauer seines Aufenthalts fÃ¤llt bei der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprÃ¼fung demnach deutlich zu seinen Gunsten ins Gewicht (vgl. BGr, 26. Oktober 2018, 2C_779/2017, E. 4.1 mit Hinweis). Der BeschwerdefÃ¼hrer wurde hier sozialisiert. Er ist ledig und gesund. Er spricht Deutsch und Schweizerdeutsch. Er hat hier die obligatorischen Schulen besucht. Seit vier Jahren arbeitet er in Festanstellung bei der Firma E als LÃ¼ftungsmonteur. Er beabsichtigt eigenen Angaben zufolge, die Lehre als LÃ¼ftungsmonteur nachzuholen. Er ist eng verbunden mit seinen Eltern und seinem in der Schweiz lebenden Bruder sowie mit seinen zahlreichen Freunden hier. Sein bester Freund sei Schweizer. Er beabsichtigt, seine hier niedergelassene Verlobte bald zu heiraten. In seiner Freizeit lese, jogge oder schwimme er. Der BeschwerdefÃ¼hrer hat demnach offenkundig ein gewichtiges Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schweiz. Die Schweiz und das hiesige soziale Umfeld verlassen zu mÃ¼ssen, wÃ¼rde den BeschwerdefÃ¼hrer Ã¤usserst hart treffen. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.5 </b>Mit Nordmazedonien verbindet den BeschwerdefÃ¼hrer neben seiner StaatsbÃ¼rgerschaft nur wenig. Er spricht zwar Albanisch, unterhÃ¤lt jedoch keine enge Beziehung zum Heimatland seiner Eltern. Er ist seit Jahren nicht mehr in Mazedonien gewesen und hat offenbar keinen Kontakt zu seinem Ã¤lteren Bruder, welcher dorthin ausgewiesen wurde, oder zu anderen Verwandten in Nordmazedonien. Die soziale Eingliederung des BeschwerdefÃ¼hrers in der Heimat ist aus diesen GrÃ¼nden als gefÃ¤hrdet einzustufen.</p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.6 </b>Die Integration des BeschwerdefÃ¼hrers in der Schweiz ist als durchzogen einzuschÃ¤tzen. Er gab in seiner Jugend wiederholt zu Klagen Anlass, welche Erziehungsmassnahmen nach sich zogen. Das zweite und dritte Sekundarschuljahr besuchte er nach Erziehungsproblemen in einem Schulheim. Anschliessend fand er keine Lehrstelle und arbeitete fÃ¼r verschiedene Arbeitgeber. Sozialhilfe hat er nie bezogen. Allerdings hat er gemÃ¤ss eigenen Angaben Schulden angehÃ¤uft. Am 12. Dezember 2008 wurde er zu einer Jugendstrafe verurteilt. Danach ist er bis zur Tat am 31. August 2014 nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. Weder fÃ¼r die Jugendstrafe noch fÃ¼r die Schulden wurde er jedoch je auslÃ¤nderrechtlich verwarnt. Die das Wegweisungsverfahren auslÃ¶sende Verurteilung ist das einzige Gewaltdelikt, welches er sodann bereits vor mehr als fÃ¼nf Jahre begangen hat. Seither hat er sich weitgehend wohlverhalten und hat Alkohol und Kokain abgeschworen. Das Strafgericht stellte ihm eine gÃ¼nstige Prognose. Er konnte den zu vollziehenden Teil der Haftstrafe vom 19. Februar 2019 bis lÃ¤ngstens am 15. Januar 2020 in Halbgefangenschaft. Der (undatierte) FÃ¼hrungsbericht der Vollzugsanstalt fÃ¤llt positiv aus. Diesem Bericht ist zu entnehmen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer ein einwandfreies Verhalten an den Tag gelegt und sich gut in die Gemeinschaft eingefÃ¼gt habe, sich sogar fÃ¼r einen anderen Mitgefangenen eingesetzt habe. Der BeschwerdefÃ¼hrer habe nie diszipliniert werden mÃ¼ssen. Er sei bereit, an seiner PersÃ¶nlichkeit sowie seiner kriminellen Vergangenheit zu arbeiten. Er habe sich fÃ¼r das deliktsorientierte Interventionsprogramm angemeldet. Dem BeschwerdefÃ¼hrer kann deshalb auch in migrationsrechtlicher Hinsicht eine gÃ¼nstige Prognose gestellt werden: Er bereut seine Tat und ist verÃ¤nderungsbereit. Er arbeitet nunmehr seit vier Jahren beim gleichen Arbeitgeber. Die RÃ¼ckfallgefahr ist deshalb nicht als gross einzustufen, was sich verringernd auf das Ã¶ffentliche Interesse an seiner Entfernung auswirkt. </p> <p class="Erwgung3"><b>3.3.7 </b>Unter WÃ¼rdigung aller UmstÃ¤nde Ã¼berwiegen seine privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz die Ã¶ffentlichen Interessen an seiner Wegweisung. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des BeschwerdefÃ¼hrers erweist sich (gegenwÃ¤rtig) als unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig. Der BeschwerdefÃ¼hrer ist jedoch mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass ein Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung jederzeit mÃ¶glich bleibt, sollte er erneut delinquieren oder durch sein Verhalten einen anderen Widerrufsgrund setzen. Er ist entsprechend auslÃ¤nderrechtlich zu verwarnen. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Urteilstext">AusgangsgemÃ¤ss sind die Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 Satz 1 teilweise in Verbindung mit § 65a Abs. 2 VRG). Desgleichen hat dieser antragsgemÃ¤ss eine angemessene ParteientschÃ¤digung von Fr. 2'000.- fÃ¼r das Rekurs- sowie Fr. 1'500.- fÃ¼r das Beschwerdeverfahren zu bezahlen (§ 17 Abs. 2 lit. a VRG). </p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. </span><span>Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die VerfÃ¼gung des Beschwerdegegners vom </span><span>30. November 2018 </span><span>und Dispositiv-Ziff. I sowie III des Rekursentscheids vom 17. Mai 2019 werden aufgehoben. In AbÃ¤nderung der Dispositiv-Ziff. II des Rekursentscheids werden die Rekurskosten dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Der BeschwerdefÃ¼hrer wird verwarnt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> </span><span>Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> Fr. 95.-- Zustellkosten,<br/> Fr. 2'095.-- Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt. Die vom BeschwerdefÃ¼hrer geleistete Kaution von Fr. 2'070.- wird diesem nach Rechtskraft dieses Urteils zurÃ¼ckerstattet.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, dem BeschwerdefÃ¼hrer fÃ¼r das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren insgesamt eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 3'500.- zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist binnen 30 Tagen ab Zustellung einzureichen beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>