<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 135 S.563</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Entschädigung</span> <span class="page_no">563</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Entschädigung</b></span><br/> <br/> <span class="ft2"><b>135</b></span> <span class="ft2"><b>Gebäudeversicherung: Überschwemmungsschaden</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Voraussetzungen</b></span> <span class="ft2"><b>für</b></span> <span class="ft2"><b>das</b></span> <span class="ft2"><b>Vorliegen</b></span> <span class="ft2"><b>eines</b></span> <span class="ft2"><b>ausserodentlichen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Regenereignisses, das geeignet ist, den Kausalzusammenhang zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>unterbrechen (Erw. 5.3.1. ff.)</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus einem Entscheid der Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span><br/> <span class="ft4">vom 19. März 2002 in Sachen L. und R. gegen AVA.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">5.3.1. Damit der Überschwemmungsschaden als direkte Folge</span><br/> <span class="ft6">des Regenereignisses gesehen werden kann, muss die Bauherrschaft</span><br/> <span class="ft6">weiter das ihr Zumutbare unternommen haben, einen solchen Scha-</span><br/> <span class="ft6">den zu verhindern (...). Die Abgrenzung der Zumutbarkeit erfolgt</span><br/> <span class="ft6">zwischen ungünstigen (grösseren) und ausserordentlichen (katastro-</span><br/> <span class="ft6">phalen) Ereignissen (vgl. Richard Sinniger, Der Starkniederschlag</span><br/> <span class="ft6">und seine Auswirkung auf Planung und Ausführung, in: Baurecht</span><br/> <span class="ft6">[BR] 1993 S. 86). Ausserordentliche Ereignisse sind unvorhersehbar</span><br/> <span class="ft6">und wegen ihrer Wucht unabwendbar, mithin nicht auf menschliche</span><br/> <span class="ft6">Handlungen oder Unterlassungen zurückzuführen und auch keiner</span><br/> <span class="ft6">Person zurechenbar (Pierre Widmer, in: Peter Münch/Thomas Geiser</span><br/> <span class="ft6">[Hrsg.], Schaden-Haftung-Versicherung, Basel 1999, S. 49). Die</span><br/> <span class="ft6">hydrologischen Betrachtungen kennen keine definierte, mit Zahlen-</span><br/> <span class="ft6">werten berechenbare Grenze zwischen ungünstigem und ausser-</span><br/> <span class="ft6">ordentlichem Niederschlag, womit eigentlich auch eine messbare</span><br/> <span class="ft6">Abgrenzung zwischen diesen fehlt. Auch der Gutachter M. G. be-</span><br/> <span class="ft6">stätigte an der Abschlussverhandlung, dass es keine klaren Kriterien</span><br/> <span class="ft6">zur Abgrenzung zwischen ungünstigen und ausserordentlichen</span><br/> <span class="ft6">Ereignissen gibt (...). Damit nun ein Niederschlag als ausser-</span><br/> <span class="ft6">ordentlich zuverlässiger beurteilt werden kann, muss dem Ereignis</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Oberschätzungsbehörde nach Versicherungsgesetz</span> <span class="page_no">564</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">der Charakter des Besonderen anhaften. Die Kriterien für die</span><br/> <span class="ft6">Qualifizierung eines Niederschlagsereignisses als "ausserordentlich"</span><br/> <span class="ft6">müssen nach einem strengen Massstab erfolgen (Sinniger, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft6">S. 86).</span><br/> <span class="ft6">5.3.2. Für die Unterscheidung zwischen ungünstigen und aus-</span><br/> <span class="ft6">serordentlichen Regenereignissen kommt der Wahrscheinlichkeit des</span><br/> <span class="ft6">Eintretens, der sogenannten Wiederkehrperiode, eine entscheidende</span><br/> <span class="ft6">Rolle zu. Da die Entwässerungsmassnahmen nicht auf beliebig hohe</span><br/> <span class="ft6">Starkregenszenarien - von Starkregen wird bei einer Tagesnieder-</span><br/> <span class="ft6">schlagsmenge von über 25 mm gesprochen - ausgelegt werden kön-</span><br/> <span class="ft6">nen, muss ein sogenanntes "Schutzziel" definiert werden, innerhalb</span><br/> <span class="ft6">dessen die Entwässerung funktionsfähig sein muss, wobei die örtli-</span><br/> <span class="ft6">chen Bedingungen und die möglichen Schadensauswirkungen zu</span><br/> <span class="ft6">berücksichtigen sind. Für die Strassen- und Platzentwässerung sind</span><br/> <span class="ft6">als "Schutzziel" nach den Regeln der Baukunst Starkregenereignisse</span><br/> <span class="ft6">mit 5- bis 10jähriger Wiederkehrperiode zu berücksichtigen (...).</span><br/> <span class="ft6">5.3.3. Vom 18. - 21. Februar 1999 ist eine Niederschlagsmenge</span><br/> <span class="ft6">von 127,5 mm gefallen, welche 13% der jährlichen Niederschlags-</span><br/> <span class="ft6">menge im Gebiet R. entspricht. Dieser Starkregen hat zu sehr</span><br/> <span class="ft6">schneller Abflussbildung bzw. auch zu Vernässungen oder seichter</span><br/> <span class="ft6">Überflutung von Wiesen und Feldern geführt, da der Boden in jener</span><br/> <span class="ft6">Zeit durch die Schneeschmelze bereits gesättigt gewesen war. Durch</span><br/> <span class="ft6">das Schmelzwasser hat sich auch der regenwasserbedingte Abfluss</span><br/> <span class="ft6">verstärkt (...). Insgesamt liegt gemäss dem Gutachter M. G. ein hy-</span><br/> <span class="ft6">drologisches Ereignis vor, das wegen des kombinierten Auftretens</span><br/> <span class="ft6">von Starkregen, Schneeschmelze und gesättigtem Boden eine Wie-</span><br/> <span class="ft6">derkehrperiode von 30-50 Jahre aufweist (...).</span><br/> <span class="ft6">Dieser Schluss wird zusätzlich durch die vom AVA eingereichte</span><br/> <span class="ft6">Aufstellung der in der Gegend von R. durch die Niederschläge von</span><br/> <span class="ft6">Ende Februar 1999 verursachten Schäden (...) erhärtet. Aus ihr ist</span><br/> <span class="ft6">ersichtlich, dass durch das Ereignis vom 19./20. Februar 1999 neben</span><br/> <span class="ft6">den Streitliegenschaften eine Reihe weiterer Liegenschaften durch</span><br/> <span class="ft6">Hochwasser oder Überschwemmungen geschädigt wurden. Somit ist</span><br/> <span class="ft6">ohne weiteres nachvollziehbar, dass es sich bei diesem Regenereignis</span><br/> <span class="ft6">kaum um ein alltägliches gehandelt hat.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Entschädigung</span> <span class="page_no">565</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">5.3.4. Wie ausgeführt (Erw. 5.3.2.) muss die Entwässerung einer</span><br/> <span class="ft6">Liegenschaft, damit sie den Regeln der Baukunst genügt, auf eine</span><br/> <span class="ft6">Wiederkehrperiode von 5 - 10 Jahren ausgelegt sein. Damit ist auch</span><br/> <span class="ft6">die Grenze zwischen einem ungünstigen und einem ausserordentli-</span><br/> <span class="ft6">chen Starkregenereignis bestimmt. Dementsprechend ist bei einer</span><br/> <span class="ft6">Wiederkehrperiode wie vorliegend von 30-50 Jahren von einem aus-</span><br/> <span class="ft6">serordentlichen Starkregenereignis auszugehen, auf welches die</span><br/> <span class="ft6">Entwässerung nicht ausgerichtet sein muss.</span><br/></div> </div> </body> </html>