<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">89</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Strassenverkehrsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>13 Lange</b></span> <span class="ft2"><b>Verfahrensdauer</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Eine Unterschreitung der gesetzlichen Mindestentzugsdauer ist nach</b></span><br/> <span class="ft2"><b>neuem Recht weder bei einer Verletzung des Anspruchs auf Beur-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>teilung innert angemessener Frist noch bei Vorliegen verminderter</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Zurechnungsfähigkeit zulässig, selbst wenn beide Elemente kumula-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tiv vorliegen würden.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Bei der Beurteilung der Frage, ob der Anspruch auf Beurteilung in-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nert angemessener Frist verletzt ist, ist nach wie vor die sinngemässe</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Anwendung der strafrechtlichen Verjährungsfristen geboten, solange</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht eindeutig einer Behörde ein krasser Verstoss gegen das Be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>schleunigungsgebot vorgeworfen werden muss.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das Ausschöpfen sämtlicher Rechtsmittel soll einem Beschwerdefüh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rer zwar nicht zum Vorwurf gereichen, andererseits soll er daraus</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aber auch keinen Vorteil erzielen können.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 1. Kammer, vom 8. September</span><br/> <span class="ft5">2011 in Sachen B. gegen den Entscheid des Departements Volkswirtschaft und</span><br/> <span class="ft5">Inneres (WBE.2011.164).</span><br/> <br/> <span class="ft5">(Hinweis: Die gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts erhobene Be-</span><br/> <span class="ft5">schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hat das Bundesgericht mit</span><br/> <span class="ft5">Urteil vom 19. März 2012 [1C_486/2011] abgewiesen, soweit es darauf ein-</span><br/> <span class="ft5">getreten ist.)</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">Am 25. Januar 2006 beging B. eine schwere Widerhandlung im</span><br/> <span class="ft7">Sinne von Art. 16c SVG. Am 9. Mai 2006 wurde gegen B. ein Straf-</span><br/> <span class="ft7">befehl erlassen, wogegen er Einsprache beim Gerichtspräsidium X.</span><br/> <span class="ft7">erhob. Gegen das Urteil des Gerichtspräsidiums X. vom 19. Mai</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">90</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">2008 erhob B. Berufung ans Obergericht des Kantons Aargau, wel-</span><br/> <span class="ft7">ches B. mit Urteil vom 19. Juni 2009 schuldig sprach. Eine von B.</span><br/> <span class="ft7">gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 19. Juni</span><br/> <span class="ft7">2009 beim Bundesgericht erhobene Beschwerde in Strafsachen</span><br/> <span class="ft7">wurde mit Urteil vom 26. November 2009 abgewiesen, soweit darauf</span><br/> <span class="ft7">einzutreten war, wodurch das Obergerichtsurteil in Rechtskraft er-</span><br/> <span class="ft7">wuchs. Mit Verfügung vom 3. Juni 2010 entzog das Strassenver-</span><br/> <span class="ft7">kehrsamt B. den Führerausweis für die Dauer von sechs Monaten.</span><br/> <span class="ft7">Am 24. November 2010 hiess das DVI die Beschwerde von B. teil-</span><br/> <span class="ft7">weise gut und verfügte, dass B. der Führerausweis für die Dauer von</span><br/> <span class="ft7">vier Monaten entzogen wird.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">5.</span><br/> <span class="ft7">5.1.</span><br/> <span class="ft7">Der Beschwerdeführer beantragt, es sei auf jegliche Massnahme</span><br/> <span class="ft7">zu verzichten, eventuell sei lediglich eine Verwarnung auszuspre-</span><br/> <span class="ft7">chen. Er bringt zur Begründung mit Verweis auf BGE 120 Ib 504</span><br/> <span class="ft7">vor, dass in besonderen Fällen auch die Mindestentzugsdauer unter-</span><br/> <span class="ft7">schritten werden könne; dies sei nicht nur vorgesehen, wenn seit der</span><br/> <span class="ft7">Tat verhältnismässig lange Zeit verstrichen sei und der Täter sich</span><br/> <span class="ft7">während dieser Zeit wohl verhalten habe, sondern auch wenn der</span><br/> <span class="ft7">Täter vermindert schuldfähig gewesen sei. Die alte Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft7">gelte auch unter dem neuen Recht, weshalb beim Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">zwangsläufig auch die Strafmilderung im Strafverfahren zu einer</span><br/> <span class="ft7">Strafmilderung im Entzugsverfahren führen müsse. Dabei sei zu</span><br/> <span class="ft7">beachten, dass beim Beschwerdeführer nicht nur bezüglich des Ver-</span><br/> <span class="ft7">schuldens ein Fall an der Grenze zur völligen Schuldunfähigkeit</span><br/> <span class="ft7">vorliege, sondern überdies auch eine sehr lange Verfahrensdauer, an</span><br/> <span class="ft7">der der Beschwerdeführer kein Verschulden treffe, und zudem ein</span><br/> <span class="ft7">ausgesprochenes Wohlverhalten des Beschwerdeführers.</span><br/> <span class="ft7">Die Vorinstanz führt diesbezüglich im angefochtenen Entscheid</span><br/> <span class="ft7">unter Hinweis auf diverse neuere Bundesgerichtsentscheide aus, eine</span><br/> <span class="ft7">Unterschreitung der gesetzlich vorgesehenen Mindestentzugsdauer</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">91</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">werde weder von Lehre noch bundesgerichtlicher Rechtsprechung</span><br/> <span class="ft7">gebilligt. Das Bundesgericht habe lediglich offen gelassen, ob bei</span><br/> <span class="ft7">einer schweren Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert</span><br/> <span class="ft7">angemessener Frist ausnahmsweise gänzlich auf eine Massnahme</span><br/> <span class="ft7">verzichtet werden könne. In casu möge die Verfahrensdauer seit dem</span><br/> <span class="ft7">Vorfall als lang erscheinen, es liege jedoch kein derart gravierender</span><br/> <span class="ft7">Verstoss vor, dass ein Verzicht auf den Führerausweisentzug in Frage</span><br/> <span class="ft7">komme.</span><br/> <span class="ft7">5.2.</span><br/> <span class="ft7">Eine Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung</span><br/> <span class="ft7">(SVG und zugehörige Verordnungen) löst zwei verschiedene, pa-</span><br/> <span class="ft7">rallele Verfahren aus: zum einen das Strafverfahren, welches von der</span><br/> <span class="ft7">Strafverfolgungsbehörde des Begehungsortes durchgeführt wird, und</span><br/> <span class="ft7">zum anderen das Administrativverfahren, welches Aufgabe der Ad-</span><br/> <span class="ft7">ministrativbehörde des Wohnsitzkantons ist; diese entscheidet über</span><br/> <span class="ft7">allfällige Administrativmassnahmen (Verwarnung, Entzug etc.). Die</span><br/> <span class="ft7">Administrativbehörde hat grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzu-</span><br/> <span class="ft7">warten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt, soweit der Sach-</span><br/> <span class="ft7">verhalt oder die rechtliche Qualifikation des in Frage stehenden Ver-</span><br/> <span class="ft7">haltens für das Administrativverfahren von Bedeutung ist (BGE 119</span><br/> <span class="ft7">Ib 158, Erw. 2c).</span><br/> <span class="ft7">5.3.</span><br/> <span class="ft7">Nach der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den</span><br/> <span class="ft7">altrechtlichen Administrativmassnahmen konnte die Mindestent-</span><br/> <span class="ft7">zugsdauer unterschritten und allenfalls von der Anordnung einer</span><br/> <span class="ft7">Massnahme abgesehen werden, wenn seit dem massnahmeauslö-</span><br/> <span class="ft7">senden Ereignis verhältnismässig lange Zeit verstrichen war, sich der</span><br/> <span class="ft7">Betroffene während dieser Zeit wohl verhalten hatte und ihn an der</span><br/> <span class="ft7">Verfahrensdauer keine Schuld traf. Wegen des strafähnlichen Cha-</span><br/> <span class="ft7">rakters eines Warnungsentzuges wurden bei der Frage, welche Ver-</span><br/> <span class="ft7">fahrensdauer als übermässig lange zu gelten hat, die strafrechtlichen</span><br/> <span class="ft7">Verjährungsregeln sinngemäss beigezogen, u.a. mit der Begründung,</span><br/> <span class="ft7">es sei stossend, wenn eine volle verwaltungsrechtliche Sanktion mit</span><br/> <span class="ft7">strafähnlichem Charakter angeordnet würde, obwohl das sanktio-</span><br/> <span class="ft7">nierte Verhalten unter strafrechtlichem Gesichtspunkt bereits verjährt</span><br/> <span class="ft7">ist (BGE 127 II 297).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">92</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Das Administrativmassnahmenrecht des Strassenverkehrsge-</span><br/> <span class="ft7">setzes wurde per 1. Januar 2005 verschärft. Gemäss Art. 16 Abs. 3</span><br/> <span class="ft7">Satz 2 SVG darf die Mindestentzugsdauer nun explizit nicht mehr</span><br/> <span class="ft7">unterschritten werden. Ziel der Revision war "eine einheitlichere und</span><br/> <span class="ft7">strengere Ahndung von schweren und wiederholten Widerhandlun-</span><br/> <span class="ft7">gen gegen Strassenverkehrsvorschriften". Die besonderen Umstände</span><br/> <span class="ft7">des Einzelfalls, namentlich der Leumund als Motorfahrzeugführer,</span><br/> <span class="ft7">die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, sowie</span><br/> <span class="ft7">eine allfällige Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert an-</span><br/> <span class="ft7">gemessener Frist sollen neu nur bis zur gesetzlich vorgeschriebenen</span><br/> <span class="ft7">Mindestentzugsdauer berücksichtigt werden können (BGE 135 II</span><br/> <span class="ft7">334, Erw. 2.2, bestätigt im Entscheid des Bundesgerichts vom</span><br/> <span class="ft7">30. November 2010 [1C_445/2010], Erw. 2.3; vgl. auch Philippe</span><br/> <span class="ft7">Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsrecht/Bundesge-</span><br/> <span class="ft7">richtspraxis, Zürich/St. Gallen 2011, S. 81).</span><br/> <span class="ft7">Damit ist die vom Beschwerdeführer angeführte Rechtspre-</span><br/> <span class="ft7">chung in BGE 120 1b 504 als überholt zu betrachten; eine Unter-</span><br/> <span class="ft7">schreitung der gesetzlichen Mindestentzugsdauer ist weder bei eine</span><br/> <span class="ft7">Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist</span><br/> <span class="ft7">noch bei Vorliegen verminderter Zurechungsfähigkeit zulässig, selbst</span><br/> <span class="ft7">wenn beide Elemente kumulativ vorliegen würden.</span><br/> <span class="ft7">5.4.</span><br/> <span class="ft7">Wie hiervor bereits erwähnt, zählt zu den bei der Festsetzung</span><br/> <span class="ft7">der Dauer des Führerausweisentzugs zu berücksichtigenden Umstän-</span><br/> <span class="ft7">den wie unter dem früheren Recht auch die Verletzung des An-</span><br/> <span class="ft7">spruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1</span><br/> <span class="ft7">BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Nach dem eben Ausgeführten kommt die</span><br/> <span class="ft7">Unterschreitung der Mindestentzugsdauer wegen einer Verletzung</span><br/> <span class="ft7">dieses Anspruchs nicht mehr in Betracht. Dies hielt das Bundesge-</span><br/> <span class="ft7">richt auch im vom Beschwerdeführer zitierten Entscheid</span><br/> <span class="ft7">1C_383/2009 vom 30. März 2010 explizit fest (Erw. 3.2). Die Frage,</span><br/> <span class="ft7">ob bei einer schweren Verletzung dieses Anspruchs, der nicht in an-</span><br/> <span class="ft7">derer Weise Rechnung getragen werden kann, ausnahmsweise gänz-</span><br/> <span class="ft7">lich auf eine Massnahme verzichtet werden kann, liess das Bundes-</span><br/> <span class="ft7">gericht offen (BGE 135 II 334, Erw. 2.3; vgl. auch das Urteil des</span><br/> <span class="ft7">Bundesgerichts vom 30. November 2010 [1C_445/2010], Erw. 2.3).</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">93</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">5.5.</span><br/> <span class="ft7">In den neueren bundesgerichtlichen Urteilen, welche sich mit</span><br/> <span class="ft7">der Frage der überlangen Verfahrensdauer zu beschäftigen hatten</span><br/> <span class="ft7">(BGE 135 II 334, Entscheide des Bundesgerichts vom 30. März 2010</span><br/> <span class="ft7">[1C_383/2009] und vom 30. November 2010 [1C_445/2010]), hatte</span><br/> <span class="ft7">das Bundesgericht jeweils Fälle zu beurteilen, in welchen im Vorfeld</span><br/> <span class="ft7">die Mindestentzugsdauer verfügt bzw. bestätigt worden war. Das</span><br/> <span class="ft7">Bundesgericht stellte sich dabei - erstaunlicherweise ohne zu seiner</span><br/> <span class="ft7">bisherigen Rechtsprechung betreffend die sinngemässe Anwendung</span><br/> <span class="ft7">der strafrechtlichen Verjährungsfristen (BGE 127 II 297) Stellung zu</span><br/> <span class="ft7">nehmen - auf den Standpunkt, eine Verfahrensdauer von vier bzw.</span><br/> <span class="ft7">fünf Jahren seit der Widerhandlung sei zu lange; die Mindestent-</span><br/> <span class="ft7">zugsdauer dürfe nicht unterschritten werden; die Verletzung des An-</span><br/> <span class="ft7">spruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist sei jedoch (im</span><br/> <span class="ft7">Dispositiv) ausdrücklich festzustellen, was für den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">eine Form der Wiedergutmachung darstelle (BGE 135 II 334,</span><br/> <span class="ft7">Erw. 3).</span><br/> <span class="ft7">5.6.</span><br/> <span class="ft7">Das Verwaltungsgericht vertritt demgegenüber die Auffassung,</span><br/> <span class="ft7">dass bei der Beurteilung der Frage, ob der Anspruch auf Beurteilung</span><br/> <span class="ft7">innert angemessener Frist verletzt ist, nach wie vor die sinngemässe</span><br/> <span class="ft7">Anwendung der strafrechtlichen Verjährungsfristen (BGE 127 II</span><br/> <span class="ft7">297) geboten ist, solange nicht eindeutig einer Behörde ein krasser</span><br/> <span class="ft7">Verstoss gegen das Beschleunigungsgebot vorgeworfen werden</span><br/> <span class="ft7">muss. Dabei gilt es zu beachten, dass der Anspruch auf Beurteilung</span><br/> <span class="ft7">innert angemessener Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 BV nur dann ver-</span><br/> <span class="ft7">letzt ist, wenn eine Behörde untätig bleibt oder das gebotene Handeln</span><br/> <span class="ft7">über Gebühr hinauszögert. Dies ist dann der Fall, wenn eine Behörde</span><br/> <span class="ft7">den von ihr zu treffenden Entscheid nicht binnen der Frist erlässt,</span><br/> <span class="ft7">welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der Um-</span><br/> <span class="ft7">stände angemessen erscheint. Es braucht somit eine ungebührliche</span><br/> <span class="ft7">Verzögerung, die der Behörde zur Last gelegt werden muss (vgl.</span><br/> <span class="ft7">dazu René A. Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische Verwal-</span><br/> <span class="ft7">tungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel/Frankfurt a.M. 1990,</span><br/> <span class="ft7">Nr. 80 B II, S. 258 mit Hinweisen).</span><br/> <br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">94</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">5.7.</span><br/> <span class="ft7">5.7.1.</span><br/> <span class="ft7">Der dem vorliegenden Fall zugrundeliegende Vorfall ereignete</span><br/> <span class="ft7">sich am 25. Januar 2006. Am 9. Mai 2006 wurde gegen den Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer Strafbefehl erlassen, wogegen der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft7">Einsprache beim Gerichtspräsidium X. erhob. Gegen das Urteil des</span><br/> <span class="ft7">Gerichtspräsidiums X. vom 19. Mai 2008 erhob der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">rer Berufung ans Obergericht des Kantons Aargau, welches den Be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführer mit Urteil vom 19. Juni 2009 schuldig sprach. Das</span><br/> <span class="ft7">Urteil des Bundesgerichts erging am 26. November 2009. Das Stras-</span><br/> <span class="ft7">senverkehrsamt verfügte den Führerausweisentzug am 3. Juni 2010;</span><br/> <span class="ft7">das DVI erliess den angefochtenen Entscheid am 24. November</span><br/> <span class="ft7">2010. Die Verfahrensdauer von der Widerhandlung bis zur Entzugs-</span><br/> <span class="ft7">verfügung des Strassenverkehrsamtes beträgt somit etwas mehr als</span><br/> <span class="ft7">4,5 Jahre; das Verfahren bis zum Entscheid des DVI beträgt noch-</span><br/> <span class="ft7">mals weitere 5 Monate. Seit dem Vorfall vom 25. Januar 2006 sind</span><br/> <span class="ft7">inzwischen insgesamt rund 5,5 Jahre vergangen.</span><br/> <span class="ft7">5.7.2.</span><br/> <span class="ft7">Die lange Verfahrensdauer fällt vorliegend grösstenteils auf das</span><br/> <span class="ft7">Strafverfahren, dauerte doch allein dieses vom Vorfall bis zum Bun-</span><br/> <span class="ft7">desgerichtsentscheid beinahe 4 Jahre. In casu kann jedoch keiner</span><br/> <span class="ft7">involvierten Instanz eine Verletzung des Beschleunigungsgebots</span><br/> <span class="ft7">vorgeworfen werden. Die Verfahrensdauer zog sich einzig deshalb in</span><br/> <span class="ft7">die Länge, weil der Beschwerdeführer sämtliche Rechtsmittel ausge-</span><br/> <span class="ft7">schöpft hat, und weil im Strafverfahren ein psychiatrisches Gutach-</span><br/> <span class="ft7">ten zur Frage der Schuldfähigkeit des Beschwerdeführers eingeholt</span><br/> <span class="ft7">werden musste. Das Ausschöpfen sämtlicher Rechtsmittel soll dem</span><br/> <span class="ft7">Beschwerdeführer zwar nicht zum Vorwurf gereichen (Urteil des</span><br/> <span class="ft7">Bundesgerichts vom 30. März 2010 [1C_383/2009], Erw. 3.4), ande-</span><br/> <span class="ft7">rerseits soll er daraus aber auch keinen Vorteil erzielen können. An-</span><br/> <span class="ft7">dernfalls provozierte man, dass sämtliche Fahrzeuglenker nach einer</span><br/> <span class="ft7">schweren Verkehrsregelverletzung das Strafverfahren bis vor Bun-</span><br/> <span class="ft7">desgericht ziehen, um nachfolgend bei der Festsetzung der Dauer des</span><br/> <span class="ft7">Führerausweisentzugs von der langen Verfahrensdauer profitieren zu</span><br/> <span class="ft7">können. Zudem kann es nicht angehen, von den Administrativbehör-</span><br/> <span class="ft7">den zu verlangen, dass sie das rechtskräftige Strafverfahren abwar-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2012</span> <span class="title">Strassenverkehrsrecht</span> <span class="page_no">95</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">ten, um danach dem Staat eine zu lange Verfahrensdauer vorzuwer-</span><br/> <span class="ft7">fen, einzig weil das Strafverfahren über mehrere Instanzen ging.</span><br/> <span class="ft7">Auch nach der Revision des Strassenverkehrsgesetzes hat der</span><br/> <span class="ft7">Warnungsentzug sodann seinen strafähnlichen Charakter beibehalten.</span><br/> <span class="ft7">In Anbetracht der in BGE 127 II 297 postulierten sinngemässen An-</span><br/> <span class="ft7">wendung der strafrechtlichen Verjährungsfrist von sieben Jahren</span><br/> <span class="ft7">(siehe Erw. 5.3 und 5.6 hiervor; Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB) liegt keine</span><br/> <span class="ft7">überlange Verfahrensdauer vor.</span><br/> <span class="ft7">Zusammenfassend ist im vorliegenden Fall eine Verletzung des</span><br/> <span class="ft7">Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener Frist zu verneinen.</span><br/> <span class="ft7">5.7.3.</span><br/> <span class="ft7">Selbst wenn der Anspruch auf Beurteilung innert angemessener</span><br/> <span class="ft7">Frist verletzt worden wäre, müsste eine allfällige Verletzung des</span><br/> <span class="ft7">Beschleunigungsgebots bei der Festsetzung der Entzugsdauer be-</span><br/> <span class="ft7">rücksichtigt werden (Erw. 5.4), sofern mehr als die Mindestentzugs-</span><br/> <span class="ft7">dauer verfügt worden ist. (...)</span><br/></div> </div> </body> </html>