A bteilung III C -661/2006 {T 0/2} U rteil vom 3. M ai 2007 M itw irkung: R ichterin Beutler (Vorsitz); R ichterin Avenati-C arpani; R ichter Vuille; G erichtsschreiberin H aake. X._______, Beschw erdeführerin, vertreten durch R echtsanw alt lic. iur. Stefan G alligani, R uederstrasse 8, 5040 Schöftland, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend W egw eisung. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie aus dem Kosovo stam m ende X._______ reiste im D ezem ber 2001 – ein halbes Jahr nach Vollendung ihres 18. Lebensjahres – im R ahm en des Fam iliennachzugs in die Schw eiz ein, nachdem ihr Vater zuvor ein ent- sprechendes G esuch für seine Ehefrau und seine fünf Kinder gestellt hatte. Ihr w urde daraufhin im Kanton Aargau eine Aufenthaltsbew illigung zum Verbleib bei den Eltern erteilt. Im D ezem ber 2002 verheiratete sie sich w ährend eines U rlaubs in ihrer H eim at m it einem Landsm ann. Am 1. Februar 2003 verliess sie die W oh- nung ihrer Eltern, bezog eine eigene U nterkunft und stellte nachfolgend ein G esuch um Fam iliennachzug für ihren Ehem ann. M it Verfügung vom 15. August 2005 verw eigerte das M igrationsam t des Kantons Aargau die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbew illigung. D ie von X._______ dagegen gerichtete Einsprache an das kantonale R ekursge- richt im Ausländerrecht führte zw ar zur Aufhebung der Verfügung; das Bundesam t für M igration (BFM ) verw eigerte der anstehenden Verlänge- rung der Aufenthaltsbew illigung jedoch am 9. Februar 2005 seine Zustim - m ung. D ie Beschw erde, die X._______ gegen die Zustim m ungsverw eige- rung an das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) richte- te, w urde m it rechtskräftigem Entscheid vom 18. Juli 2006 abgew iesen. B. Aufgrund der verw eigerten Verlängerung der Aufenthaltsbew illigung ver- fügte das BFM am 10. August 2006 die W egw eisung von X._______ und setzte ihr eine Ausreisefrist bis zum 30. Septem ber 2006. C . G egen die W egw eisungsverfügung vom 10. August 2006 erhob X._______ am 6. Septem ber 2006 Beschw erde beim dam als zuständigen EJPD . Sie beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahm e. In verfahrensrechtlicher H insicht stellt sie das Begehren, die der Beschw erde entzogene aufschiebende W irkung w ieder herzustellen. Zur Begründung m acht sie geltend, eine Ausreise sei ihr nicht zum utbar, da sie in der Schw eiz gut integriert sei und sich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befinde. Sie habe sich schon kurz nach der Einreise in der Schw eiz ins Erw erbsleben integriert und verfüge seit dem 18. Septem ber 2002 über eine feste Arbeitsstelle. Ihre W egw eisung tangiere daher in erheblicher W eise auch die Interessen ihres Arbeitgebers. D . M it Verfügung vom 12. Septem ber 2006 verw eigerte die Instruktionsbehör- de die W iederherstellung der aufschiebenden W irkung. E. In ihrer Vernehm lassung vom 16. O ktober 2006 beantragt die Vorinstanz die Abw eisung der Beschw erde. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 3 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VG G genannten Ausnahm en Beschw erden gegen Verfü- gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021), w elche von einer in Art. 33 VG G aufgeführten Behörde erlassen w urden. D arunter fallen die Verfü- gungen des BFM betreffend W egw eisung (Art. 12 Abs. 3 des Bundesge- setzes vom 26. M ärz 1931 über Aufenthalt und N iederlassung der Auslän- der [AN AG , SR 142.20]), w elche vom Bundesverw altungsgericht endgültig beurteilt w erden (Art. 83 lit. c Ziff. 4 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 D as Bundesverw altungsgericht übernim m t, sofern es zuständig ist, die Be- urteilung der beim Inkrafttreten des Verw altungsgerichtsgesetzes bei Eid- genössischen R ekurs- oder Schiedskom m issionen oder bei Beschw erde- diensten der D epartem ente hängigen R echtsm ittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VG G ). G em äss Art. 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw altungsgericht nach dem Vw VG , sow eit dieses G esetz nichts anderes bestim m t. 1.3 Als Verfügungsadressatin ist die Beschw erdeführerin zur Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung legitim iert. Auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde ist deshalb einzutreten (Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 G em äss Artikel 1a AN AG ist eine ausländische Person dann zur Anw esen- heit in der Schw eiz berechtigt, w enn sie über eine Aufenthalts- oder N ie- derlassungsbew illigung verfügt oder nach dem G esetz keiner solchen be- darf (zum Letzteren vgl. Art. 2 AN AG und Art. 1 AN AV). Besitzt sie keine Bew illigung und kann sie sich auch nicht auf ein gesetzliches Bleiberecht berufen, so ist ihr Aufenthalt illegal und sie kann jederzeit zur Ausreise aus der Schw eiz verhalten w erden (vgl. Art. 12 Abs. 1 AN AG , ferner den Tat- bestand des illegalen Aufenthaltes im Sinne von Art. 23 Abs. 1 AN AG , so- w ie: N IC O LAS W ISAR D , Les renvois et leur exécution en droit des étrangers et en droit d’asile, Basel/Frankfurt a.M . 1997, S. 102). 2.2 Abgesehen von der Konstellation, dass von vornherein kein Aufenthalts- recht besteht, ist eine ausländische Person u.a. auch dann zur Ausreise verpflichtet, w enn ihr eine Bew illigung oder die Verlängerung einer solchen verw eigert w urde (Artikel 12 Absatz 3 Satz 1 AN AG ). D ie Behörde be- stim m t in diesem Fall die Ausreisefrist. Ist die Behörde eine kantonale, so hat die ausländische Person aus dem Kanton, ist die Behörde eine eidge- nössische, so hat die Person aus der Schw eiz auszureisen (Artikel 12 Ab- satz 3 Satz 2 und 3 AN AG ). Ein Entschliessungserm essen steht der Be- hörde dabei nicht zu (vgl. dazu N IC O LAS W ISAR D , a.a.O ., S. 130). 2.3 Vor diesem H intergrund ist die W egw eisung kein Eingriff in ein irgendw ie geartetes Anw esenheitsrecht, sondern eine exekutorische M assnahm e zur Beseitigung eines rechtsw idrigen Zustandes (vgl. AN D R EAS ZÜ N D , Beendi- gung der Anw esenheit, Entfernung und Fernhaltung, in: U ebersax/M ünch/ G eiser/Arnold [H rsg.], Ausländerrecht. Ausländerinnen und Ausländer im 4 öffentlichen R echt, Privatrecht, Strafrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, R z. 6.53 m it H inw eisen) und zugleich dessen logische und nicht in Frage zu stellende Konsequenz. D ie W eg- w eisung kann in dieser Konstellation nam entlich nicht dadurch in Frage gestellt w erden, dass die Ausreisepflicht them atisiert w ird, beispielsw eise durch Berufung auf ein überw iegendes privates Interesse am w eiteren Verbleib in der Schw eiz. D erartige Vorbringen sind im kantonalen Bew illi- gungsverfahren oder – nach Verw eigerung der Bew illigung – in dem dafür vorgesehenen R echtsm ittelverfahren geltend zu m achen; vorbehalten blei- ben Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 14a AN AG . 3. D em zufolge bleibt zu prüfen, ob H inderungsgründe für den Vollzug der W egw eisung anzunehm en sind (Art. 14a Abs. 3 und 4 AN AG ) und das zu- ständige Bundesam t deshalb gestützt auf Art. 14a Abs. 1 AN AG die vor- läufige Aufnahm e von X._______ hätte verfügen m üssen (vgl. ALAIN W U R ZBU R G ER , La jurisprudence récente du Tribunal fédéral en m atière de police des étrangers, in: R evue de droit adm inistratif et de droit fiscal [R D AF], Septem ber 1997, S. 306). In diesem Zusam m enhang gilt es da- rauf hinzuw eisen, dass die vorläufige Aufnahm e als Ersatzm assnahm e für den Vollzug der W egw eisung ausgestaltet ist. Sie tritt neben die W egw ei- sung, deren Bestand sie nicht antastet, sondern vielm ehr voraussetzt (BBl 1990 647; W ALTER KÄLIN , G rundriss des Asylverfahrens, Basel/ Frankfurt a.M . 1990, S. 200). Vollzugshindernisse können som it die W egw eisungs- verfügung als solche von vornherein nicht in Frage stellen. 4. 4.1 D er Vollzug der W egw eisung ist nicht m öglich, w enn die ausländische Per- son w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D ritt- staat verbracht w erden kann. Er ist nicht zulässig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz – insbesondere jene der Konvention vom 4. N ovem ber 1950 zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten (EM R K; SR 0.101) und des Abkom m ens vom 28. Juli 1951 über die R echtsstellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30) – einer W eiterreise in den H eim at-, H erkunfts- oder D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für die ausländische Person eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 4.2 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte, die darauf hindeuten w ürden, einer R ückkehr der Beschw erdeführerin stünden technische H in- dernisse im W eg oder es drohe ihr in ihrem H eim atland Verfolgung, Folter oder eine andere Art grausam er und unm enschlicher Behandlung oder Be- strafung (vgl. Art. 1A Ziff. 2 i.V.m . Art. 33 FK sow ie Art. 3 EM R K; vgl. auch Art. 25 Abs. 2 und 3 der Schw eizerischen Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). 4.3 Ebenso w enig lässt das Vorbringen der Beschw erdeführerin darauf schliessen, dass ihre R ückkehr m it einer konkreten G efährdung verbunden und dam it für sie unzum utbar sein könnte. Eine konkrete G efährdung kann bestehen aufgrund einer im H eim atland herrschenden politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgem einer 5 G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie bei- spielsw eise der N ichterhältlichkeit einer notw endigen m edizinischen Be- handlung (vgl. EM AR K 2006 N r. 11 E. 6 S. 118 m it H inw eisen). W irtschaft- liche Schw ierigkeiten, von w elchen die ansässige Bevölkerung regelm äs- sig betroffen ist, w ie W ohnungsnot oder ein schw ieriger Arbeitsm arkt, ver- m ögen keine konkrete G efährdung zu begründen. D agegen ist der Vollzug der W egw eisung nicht zum utbar, w enn sich die ausländische Person im Falle einer zw angsw eisen R ückkehr in ihren H eim atstaat m it beachtlicher W ahrscheinlichkeit einer existenzgefährdenden Situation ausgesetzt sähe (vgl. EM AR K 2005 N r. 12 E. 10.3 S. 114 m it H inw eisen). Eine solche Situation liegt nam entlich dann vor, w enn die w eggew iesene Person un- w iederbringlich in völlige Arm ut gestossen w ürde, dem H unger und som it einer ernsthaften Verschlechterung ihres G esundheitszustandes, der Inva- lidität oder sogar dem Tod ausgeliefert w äre (vgl. EM AR K 2006 N r. 10 E. 5.1 S. 106 m it H inw eisen). D erartige Einw ände w erden von der Beschw erdeführerin nicht erhoben, so dass auch in ihrem Fall der Vollzug der W egw eisung in den Kosovo – w o- von R echtsprechung und Praxis grundsätzlich ausgehen – als zum utbar zu erachten ist. D ie verheiratete Beschw erdeführerin gehört in ihrer H eim at jedenfalls nicht zu den ethnischen M inderheiten und/oder Angehörigen von so genannten vulnerable groups, für die hinsichtlich des W egw eisungs- vollzugs eine Ausnahm e in Betracht gezogen w erden könnte (vgl. hierzu und zum Erfordernis einer Einzelfallabklärung EM AR K 2006 N r. 11 E. 6.2.3 S.122 und N r. 10 E. 5.4 S. 107 f.). 5. D arüberhinaus m acht die Beschw erdeführerin geltend, sie sei in der Schw eiz privat und beruflich gut integriert. W ie bereits erw ähnt, sind diese U m stände indessen grundsätzlich im Aufenthaltsverfahren vorzubringen. Für die Frage der Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzuges ist dagegen gem äss ständiger R echtsprechungspraxis grundsätzlich auf die Situation im H eim atland und nicht auf diejenige im G astland abzustellen (vgl. Entscheid des EJPD vom 5. M ai 1998, publiziert in Verw altungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 62.52 E. 13.2). 6. Abschliessend betrachtet ergeben sich aus den Akten und aus dem Be- schw erdevorbringen keine relevanten Anhaltspunkte, die gegen die Zu- lässigkeit und Zum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs in die H eim at der Beschw erdeführerin sprächen: D em Vollzug ihrer W egw eisung stehen w e- der völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz entgegen, noch w ird das Vorliegen einer konkreten G efährdung im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG glaubhaft gem acht. D ie Beschw erdeführerin hat ihre H eim at im D ezem ber 2001 verlassen und erhielt im R ahm en des Fam iliennachzugs eine Aufent- haltsbew illigung in der Schw eiz. Sie ist w eder gesundheitlich gefährdet oder sonst von einer Krankheit betroffen, deren m edizinische Behandlung im H eim atland nicht gew ährleistet w äre. H inw eise auf ihre angeblich gute Integration in der Schw eiz sind, w as die Zum utbarkeit des W egw eisungs- vollzugs betrifft, jedenfalls unbeachtlich. 7. D ie angefochtene Verfügung ist som it als rechtm ässig zu bestätigen (Art. 49 Vw VG ) und die Beschw erde infolgedessen abzuw eisen.6 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschw erdeführerin die Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 800.-- w erden der Beschw erdeführerin auferlegt. Sie sind durch den am 27. Septem ber 2006 geleisteten Kosten- vorschuss gleicher H öhe gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - der Beschw erdeführerin (eingeschrieben) - der Vorinstanz (eingeschrieben; Akten R ef-N r. 1 907 367 retour) D ie vorsitzende R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: R uth Beutler Barbara H aake Versand am :