B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1717/2020 U r t e i l v o m 1 6 . F e b r u a r 2 0 2 3 Besetzung Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), Richterin Chrystel Tornare Villanueva, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Anna Wildt. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, vertreten durch MLaw Nora Maria Riss, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 26. Februar 2020 / N (…). E-1717/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer – ein iranischer Staatsangehöriger, persischer Eth- nie – reiste eigenen Angaben zufolge im März 2016 illegal über die Türkei, nach Griechenland und Ungarn, wo er inhaftiert und geschlagen worden sei. Am 2. September 2016 reiste er eigenen Angaben zufolge in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Am 7. September 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt, am 24. Juli 2018 wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Zu seinem persönlichen Hintergrund machte er geltend, er sei in B._______ geboren und habe ab 1991 beziehungsweise 1995 in C._______ gelebt. Nach der Matura habe er ein Semester lang (…) stu- diert. Er habe selbständig (…) gearbeitet. Zu seinen Gesuchsgründen brachte er vor, eine Bekannte habe ihm bei einer Kunstausstellung eine Frau arabischer Ethnie namens M. vorgestellt, die aus einer streng religiösen sunnitischen Familie stamme und sehr schüchtern gewesen sei. Nachdem er über die gemeinsame Bekannte mit M. am Telefon habe sprechen können und ihr heimlich ein Telefon gekauft habe, sei sie mit ihm eine Beziehung eingegangen, welche etwas mehr als ein Jahr gedauert habe . Sie habe ihm erzählt, dass sie zum Christentum konvertiert sei. Seine Mutter habe für ihn bei ihren Verwandten mehrmals um ihre Hand angehalten, doch hätten jene einer Heirat nicht zugestimmt, da sie ihren Cousin H. hätte heiraten sollen. Danach sei er mit M. noch eine Weile zusammengeblieben, bis sie ihn plötzlich angerufen und ihm mitge- teilt habe, dass ihre Verwandten von ihr hätten wissen wollen, woher sie ihn kenne, sie das Zimmer nicht mehr verlassen dürfe und Angst habe. Er habe ihr versprochen, sie zu retten. Eine Woche oder einen Monat danach habe ihn M.’s Cousin H. auf der Strasse mitnehmen wollen, ihn mit einer Waffe bedroht und ihm bei einem Handgemenge versehentlich (…). Dabei sei auch sein Handy entwendet worden, auf welchem Fotos von M. und Informationen über das Christentu m gespeichert gewesen seien, welche er ihr geschickt habe. In derselben Nacht sei ein Polizist zu ihm ins Spital gekommen und habe eine Anzeige gegen unbekannt aufgenommen. Da- nach habe er sich im Spital in D._______ behandeln lassen, wo eine Tante von ihm lebe. In dieser Zeit seien die Scheiben des Hauses seiner Familie eingeschlagen worden. Im Wei teren habe ihm sein Vater erzählt, wegen ihm seien zwischen August und September 2015 Beamte vorbeigekom- men und hätten einen Haftbefehl dabeigehabt. Ihm werde in einer Anzeige E-1717/2020 Seite 3 vorgeworfen, dass er M. zu einem Glaubenswechsel überredet habe, um eine sexuelle Beziehung mit ihr zu führen . Danach habe er sich drei bis sechs Monate bei einem Kollegen seines Vaters in E._______ aufgehalten. Sein Vater habe schliesslich entschieden, dass er ausreisen solle. Danach sei sein Vater wegen ihm herzkrank geworden. Anfang 2018 habe jemand die Scheiben des Autos seiner Familie eingeschlagen, wodurch sein Vater am Auge verletzt worden sei. Sein Vater habe mit der Polizei über die Vor- fälle gesprochen, hinter dene n M.’s Familie gesteckt habe . D ie Familie habe sich verpflichtet, sie nicht mehr zu belästigen. Seine Familie werde aber nach wie vor belästigt. Er wisse nicht, wie es seiner Freundin M. gehe, da ihre Familie ihr das Handy weggenommen habe. Nach seiner Ausreise hätten die Behörden nochmals bei ihm zuhause nach ihm ges ucht. In der Schweiz habe er auf Facebook Drohnachrichten erhalten. In Griechenland sei er zum Christentum konvertiert. In der Schweiz besuche er die Kirche und eine Bibelschule. Zur Stützung seiner Angaben reichte der Beschwerdeführer seine Identi- tätskarte, Fotos von Verletzungen, einen Taufschein in Kopie sowie eine Teilnahmebestätigung einer Bibelschule in Kopie zu den Akten. Mit Schreiben vom 19. Februar 2020 erteilte der Beschwerdeführer auf- grund einer Instruktion des SEM vom 20. Januar 2020 weitere Auskünfte zur Dauer seiner Beziehung mit M. und reichte einen medizinischen Bericht der F._______ vom 7. Februar 2020 zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 26. Februar 2020 verneinte die Vorinstanz die Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehn te sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 25. März 2020 liess der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfü- gung sei aufzuheben und zur erneuten Abklärung des Sachverhalts sowie Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren, subeventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen und als solcher vorläufig aufzunehmen, subsubeventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbar- keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er sei vorläufig aufzuneh- men. Im Weiteren seien ihm die vollständigen Akten, insbesondere die Ak-E-1717/2020 Seite 4 tenstücke 12/3, 18/2, 27 beziehungsweise 28, 30/3, 31, 33/6 und 34/5 zu- zustellen. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, ihm sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und seine Rechts- vertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Vorinstanz. Zur Stützung seiner Angaben reichte er einen Screenshot einer Drohnach- richt auf Facebook, die Mitteilung der Löschung des Accounts, Bestätigun- gen der Teilnahme am (…), Schreiben der reformierten Kirche G._______, Bestätigungsschreiben von H._______, Bestätigungen von 32 Privatperso- nen über seine Konversion zum Christentum und das Magazin I._______, welches Abbildungen von ihm enthält, ein. D. Mit Zwischenverfügung vom 17. April 2020 hiess die Instruktionsr ichterin die Gesuche um unentgeltliche Prozessfü hrung und Verbeiständung vor- behältlich der Einreichung einer Fürsorgebestätigung gut , ersuchte das SEM, dem Beschwerdeführer Akteneinsicht zu gewähren, und setzte Frist zur Einreichung einer allfälligen Beschwerdeergänzung an. E. Mit Schreiben vom 21. April 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Für- sorgebestätigung sowie zwei Schreiben zur Bestätigung des weiteren Be- suchs der (…) ein. F. Mit Eingabe vom 20. Juli 2020 äusserte sich der Beschwerdeführer zum Aktenstück 33/6 (seine Eingabe im Vorverfahren vom 19. Februar 2020) und reichte seine Taufurkunde im Original zu den Akten. G. Mit Vernehmlassung vom 6. Oktober 2022 hielt das SEM an der angefoch- tenen Verfügung fest und äusserte sich zu den auf Beschwerdeebene ein- gereichten Beweismitteln. H. Mit Replik vom 1. November 2022 hielt der Beschwerdeführer an seinen Beschwerdebegehren fest. I. Mit Eingabe vom 28. November 2022, welche beim BVGer erst am 26. Ja- nuar 2023 einging, reichte der Beschwerdeführer ein Diplom der E-1717/2020 Seite 5 J._______ vom 25. Juli 2021 sowie ein Schreiben der reformierten Kirche K._______ vom 9. Juni 2022 ein. J. Mit Eingabe vom 16. Januar 2023 reichte der Beschwerdeführer einen Zwi- schenbericht der F._______ vom 14. Dezember 2022 zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen E-1717/2020 Seite 6 richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Der Beschwerdeführer begehrt in der Hauptsache die Rückweisung des Verfahrens, mit der Begründung, die Vorinstanz habe den Sachverhalt ungenügend festgestellt. Das SEM habe seine Aussagen nicht im Sinne einer Gesamtbetrachtung gewürdigt und es unterlassen, seine psychische Belastung zu berücksichtigen. In der Verfügung werde er mit Widersprü- chen konfrontiert, zu denen er sich nicht habe vorgängig äussern können. Auch die Erwägungen zur Konversion seien nicht nachvollziehbar, basier- ten auf reinen Ver mutungen und liessen sich nicht aus einem veralteten Protokoll ableiten. Auch die nicht mehr aktuellen Feststellungen zur medi- zinischen Versorgung im Iran seien ta tsachenwidrig, weshalb die Sache zur erneuten Beurteilung zurückzuweisen sei. 3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent- scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwa ltungsverfahren und Verwaltungsrechts- pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VwVG) gilt nicht uneingeschränkt, sondern findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG; vgl. CHRIS- TOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kom- mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. Zü- rich/St. Gallen 2019, Rz. 9 f. zu Art. 12). Im AsylG wird die Mitwirkungs- pflicht spezialgesetzlich in Art. 8 statuiert. Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein- zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die V orbrin- gen tatsächlich zu hören (Art. 30-31 VwVG), ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen (Art. 32 VwVG). Die Be- gründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht (Art. 35 VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung E-1717/2020 Seite 7 mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein- zelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 3.3 Nach Durchsicht der Beschwerdevorbringen und der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass keine Gründe für eine Rückweisung der Sache vorliegen. Der Einwand des Beschwerdeführers, die fehlende Substanzi- iertheit seiner Aussagen sei auf seine psychische Belastung durch das Er- lebte zurückzuführen, vermag nicht zu überzeugen. Zwar geht aus dem Anhörungsprotokoll hervor, dass der Beschwerdeführer bei F ragen nach seiner Familie häufig weinte. Es deutet aber nichts darauf hin, dass seine psychische Verfassung derart beeinträchtigt war, dass er nicht in der Lage gewesen wäre, seine wesentlichen Asylgründe adäquat vorzubringen. Der Beschwerdeführer hält in der Beschwerde eingangs denn auch fest, dass das SEM seine Vorbringen in der angefochtenen Verfügung im Wesentli- chen korrekt wiedergegeben habe (vgl. Beschwerdeschrift S. 2). Zur Rüge, es fehle eine Gesamtbetrachtung seiner Aussagen beziehungsweise seien im Entscheid keine Angaben zu seinen Gunsten gewertet worden, ist fest- zuhalten, dass der blosse Umstand, dass er die Beurteilung durch die Vor- instanz nicht teilt, noch keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Ge- hör oder der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechts- erheblichen Sachverhalts darstellt. Auch der Einwand, er habe in der An- hörung keine Gelegenheit erhalten, vereinzelte Unglaubhaftigkeitsele- mente zu widerlegen – wie etwa die von ihm genannten verschiedenen Daten zum Herzinfarkt des Vaters – rechtfertigt vorliegend keine Kassation. Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, weshalb das SEM seine Vorbringen für unglaubhaft befunden hat und auf welche seiner Aussagen es sich da bei gestützt hat. Der Beschwerdeführer konnte dagegen sach- gerecht Beschwerde führen. Der Standpunkt des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe in der Anhörung nicht in ausreichender Weise Rückfragen gestellt, findet keine Grundlage in den Akten. Das SEM hat ihn zu seinen Asylgründen einlässlich angehört und mehrmals um Präzisierungen sowie Erklärungen gebeten, welche insbesondere die wesentlichen Punkte sei- nes Asylgesuchs betroffen haben (vgl. A26 F51 -F52 zu seinen konkreten Ausreisegründen, A26 F59 -F68 zur geltend gemachte n Strafverfolgung). Im Weiteren ist auch nicht ersichtlich, weshalb die Feststellung des SEM, er habe jene Vorkommnisse nicht glaubhaft zu machen vermocht , die er nur vom Hörensagen kenne (wie etwa die geltend gemachte Strafverfol- gung), zu einer erneuten Abklärung führen soll. Das SEM hat ihn im Vor- verfahren mehrmals eingeladen, Belege beizubringen (etwa zum angeblich laufenden Strafverfahren), was er jedoch nicht getan hat . Hingegen kann E-1717/2020 Seite 8 die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung im Punkt der Kon- version mittlerweile als gegenstandslos betrachtet werden, weil der Be- schwerdeführer nach Erlass der angefochtenen Verfügung Dokumente und Bestätigungen über seine Glaubensausübung vorgelegt hat, woraufhin es die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung ausser Streit gestellt hat, dass er sich in ein em freikirchlichen Umfeld bewegt . Die Kritik, die medizinisc he Lageeinschätzung sei veraltet, betrifft schliesslich die Würdigung des me- dizinischen Sachverhalts in Bezug auf verfügbare Länderinformationen und damit eine materielle Frage. Das SEM hat sich auf bekannte Behand- lungsmöglichkeiten im Iran gestützt und in Bezug auf ein spezielles Leiden ein medizinisches Consulting zu den Akten genommen. 3.4 Zusammenfassend ist das Hauptbegehren auf Rückweisung der Sa- che wegen formeller Mängel als unbegründet abzuweisen. D as SEM hat den Sachverhalt rechtsgenüglich erstellt und es ist auch keine Gehörsver- letzung ersichtlich. Das SEM hat die Vorbringen und Beweismittel entge- gengenommen, überprüft und gewürdigt. Dass der Beschwerdeführer mit den Schlussfolgerungen des SEM nicht einverstanden ist, stellt keinen Grund für eine Kassation dar, sondern ist eine Frage der materiellen Beur- teilung. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihre r politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freihei t sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfäl schte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-1717/2020 Seite 9 5. 5.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass die Asylvor- bringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an das Glaubhaftma- chen nach Art. 7 AsylG nicht genügten. Zwar sei nicht zu verkennen, dass er sich in einer psychisch angeschlagenen Verfassung befinde, doch lies- sen sich die Widersprüche und unsubstanziierten Elemente in seinen Aus- sagen nicht darauf zurückführen. Er habe auf die gestellten Fragen in BzP und Anhörung adäquat reagiert, bei Verständigungsproblemen Rückfragen gestellt und inhaltlich stimmend geantwortet. Diese Einschätzung werde dadurch unterstützt, dass er seine Ausreise – im Gegensatz zu seinen Asyl- vorbringen – minutiös und mit vielen Einzelheiten beschrieben habe. Er habe widersprüchliche Angaben zur Dauer der Beziehung zu M. ge- macht. Laut BzP habe diese ungefähr zwei oder drei Jahre gedauert, in der Anhörung habe er zunächst zweimal gesagt, die Beziehung habe etwas mehr als ein Jahr gedauert. Auf Vorhalt habe er gesagt, diese Aussagen hätten sich auf die Dauer der Beziehung vor dem Heiratsantrag bezogen; nachdem seine Mutter diesen gestellt habe, sei er noch eine Weile mit M. zusammen gewesen, was ungefähr zwei Jahre ausmache. Demgegenüber habe er in seiner Eingabe vom 19. Februar 2020 angegeben, dass die Be- ziehung etwa im September 2012 begonnen habe und er im Monat Esfand 1393 (20. Februar – 20. März 2015) zum letzten Mal mit M. in telefoni- schem Kontakt gewesen sei. Den Zeitpunkt des letzten Telefonanrufs habe er in der Anhörung zeitlich ungefähr eine Woche vor H.’s Angriff eingeord- net, bei dem er verletzt worden sei, wobei er aber den Vorfall mit H. auf den Monat Ordibehescht 1394 (21. April – 21. Mai 2015) datiert habe. Nach seinen Angaben im Schreiben vom 19. F ebruar 2020 wäre er dann aber mit seiner Freundin mindestens einen Monat vor dem Vorfall und nicht le- diglich eine Woche davor zum letzten Mal in Kontakt gestanden. Auch hin- sichtlich seiner Angaben zu den Aufenthalten in D._______ und E._______ seien zeitliche Divergenzen ersichtlich (BzP: 4 -5 Monate; Anhörung: 5 -6 Monate). Diese Feststellung sei nicht durch seine Ergänzung an der Anhö- rung, der Aufenthalt in D._______ hätte auch einen Monat kürzer oder län- ger dauern können, umzustossen. Die Begründung der Anzeige gegen ihn, er habe seine Freundin zum Chris- tentum überzeugen wollen, in der Absicht, mit ihr eine sexuelle Beziehung einzugehen, sei befremdlich. Auch sei unlogisch, dass er sich gegen die- sen Vorwurf nicht verteidigt habe, da die Nötigung zur Konversion unwahr gewesen sei. Darauf angesprochen habe er ausweichend geantwortet und gesagt, dass nicht die Polizei, sondern die Familie von M. das Problem E-1717/2020 Seite 10 gewesen sei. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass er, nachdem er eine (…)verletzung erlitten habe, Anz eige gegen unbekannt erstattet habe. Seine Erklärung, er habe den Behörden nicht sagen wollen, dass er mit seiner Freundin geschlafen habe, sei nicht logisch, da er die Behörden in diesem Punkt nicht hätte aufklären müssen. Auch habe er trotz Aufforde- rung, Dokumente vorzulegen, seine Angabe, er sei in der Schweiz auf Facebook bedroht worden, nicht belegt. Seine Aussagen in Bezug auf die Geschehnisse nach dem Vorfall mit H. beziehungsweise nach seiner Ausreise seien unsubstanziiert geblieben. Er habe wiederholt vorgebracht, dass seine Familie von M.’s Familie belästigt werde, welche die Belästigungen indirekt fortführe, selbst nachdem sein Vater zur Polizei gegangen sei. Anstatt konkret darzulegen, was passiert sei, habe er Mutmassungen darüber geäussert. Auch habe er den Z eit- punkt des Herzinfarkts seines Vaters widersprüchlich angegeben (einmal zwischen dem Vorfall und der Ausreise und einmal im Jahr 2017, nach der Ausreise). Er habe nicht konkret dargelegt, was sein Vater mit der Polizei hinsichtlich der Belästigungen unternommen habe. Er wisse auch nicht, wann genau die Behörden ein zweites Mal wegen ihm zuhause vorbeige- kommen seien. Da er nach wie vor mit seiner Familie in Kontakt stehe, wäre aufgrund seines Bildungsstands zu erwarten gewesen, dass er sich darüber hätte ins Bild setzen lassen können. Seine Angaben, er habe sei- ner Familie Leid zugefügt und wolle sie schonen, seien nicht nachvollzieh- bar. Auch seine Angaben, sein Vater wolle ihm wegen seiner psychischen Verfassung Dinge verheimlichen, biete keine Auflösung für die substanzlo- sen Elemente. Schliesslich sei auch die angeblich von seinem Vater ange- ordnete Ausreise – ohne dass jemand von seiner Familie mit ihm darüber gesprochen hätte – nicht nachvollziehbar. So habe er ein en fortschrittli- chen, liberalen familiären Hintergrund, seine Geschwister hätten studiert, seine Mutter habe für ihn um die Hand einer ethnischen Araberin angehal- ten. Es sei nicht verständlich, dass er die vom Vater angeordnete Ausreise über sich habe ergehen lassen, ohne vorher mit seiner Familie andere Lö- sungsansätze zu diskutieren. Nicht nachvollziehbar sei auch, dass er nicht wisse, was mit M. passiert sei und ob sie noch am Leben sei. Es wäre vielmehr zu erwarten, dass er alles unternommen hätte, um etwas über sie in Erfahrung zu bringen, etwa habe er M. über deren Freundin kennenge- lernt, die ihm wohlgesonnen sei. Insgesamt würden die Aussagen in meh- reren Punkten nicht die Qualität aufweisen, welche zu erwarten wäre, wenn eine Person mit seinen individuellen Fähigkeiten ein solches Ereignis unter den geltend gemachten Ums tänden tatsächlich erlebt hätte. Im Weiteren E-1717/2020 Seite 11 sei auch ein Strukturbruch zwischen den substanzlosen Aussagen zu sei- nen Vorfluchtgründen und den gehaltvollen Schilderungen seiner Ausreise zu erkennen. Es erübrige sich, auf weitere Elemente wie etwa die unsub- stanziierten Aussagen zum Glaubenswechsel von M. einzugehen. Auch die eingereichten Beweismittel eigneten sich nicht, die vorgebrachte Bedro- hung durch M.’s Familie und die Behörden zu belegen. Die dokumentierten psychischen Leiden liessen nicht auf die zugrundeliegende Ursache schliessen. Auch sein Vorbringen zum Glaubenswechsel vermöge keine Asylrelevanz zu entfalten. Selbst unter Annahme der Glaubhaftigkeit der Konversion sei nicht von einer automatischen Verfolgung durch die Behörden bei Rück- kehr auszugehen. Niemand im Iran wisse, dass er konvertiert sei. Auch gehe er nur alleine zur Kirche, weil er ni cht gesehen werden wolle, und habe Vorsichtsmassnahmen zur Geheimhaltung de s Glaubenswechsels getroffen. 5.2 Demgegenüber führt der Beschwerdeführer aus, die Qualität von Aus- sagen über traumatisierende Ereignisse sei nicht mit den Aussagen über die Ausreise zu vergleichen, weshalb die Glaubhaftigkeitsprüfung in die- sem Punkt nicht nachvollziehbar sei. Das SEM habe ihm auch zu Unrecht vermeintlich widersprüchliche zeitliche Angaben vorgehalten. An der BzP habe er gesagt, seit zwei oder drei Jahren eine Liebesbeziehung zu führen, was auch der Dauer vom Zeitpunkt der BzP an zur ückgerechnet entspro- chen habe. In der Beschwerdeergänzung führt er weiter aus, der Wider- spruch, dass er statt einer Woche einen Monat angegeben habe, welcher zwischen der letzten Kontaktaufnahme mit M. und dem Vorfall mit H. ver- gangen sei, sei nur marginal, zumal er diese Angabe fünf Jahre nach dem Vorfall gemacht habe. Bezüglich der Dauer der Aufenthalte in D._______ und E._______ habe er jeweils spontan angegeben, dass er sich nicht ganz sicher sei, und jeweils «ca.» oder «ungefähr» hinzugefügt. Insgesamt sei aber der Kern des Vorbringens gleichgeblieben und es sei nicht nach- vollziehbar, weshalb ihm das SEM solche Ungenauigkeiten vorhalte. Das SEM habe Erwägungen zur Plausibilität angebracht, ohne den Län- derkontext zu berücksichtigen. Im Lichte der verfügbaren Länderberichte zu Konvertiten im Iran sei aber die von M.’s Familie erstattete Anzeige ge- gen ihn wegen Nötigung zur Konversion, um mit M. eine sexuelle Bezie- hung zu führen, plausibel, da ein Glaubenswechsel als Annäherung an den Westen interpretiert werde, wo alles erlaubt sei. Die Anzeige entspreche dem Bild, welches muslimische, religiöse Menschen im Iran von Christen E-1717/2020 Seite 12 und insbesondere von Konvertiten hätten. Auch sei absolut nachvol lzieh- bar, dass er nach dem Vorfall mit H. lediglich Anzeige gegen unbekannt erstattet habe, da er befürchtet habe, dass dann seine sexuelle Beziehung zu M. bekannt oder angezeigt worden wäre. Zum Vorwurf, er hätte zur Dro- hung auf Facebook keine Nachweise v orzulegen vermocht, sei festzuhal- ten, dass er den Account zwar bereits gel öscht, nachträglich aber einen Screenshot der Drohung auf seinem Handy gefunden habe, welchen er mit der Beschwerdeschrift als Beweismit tel einreiche. Übersetzt enthalte der Screenshot im Wesentlichen eine Morddrohung von jener Person, die ihm (…). Bezüglich des Vorhalts der Unsubstanziiertheit seiner Vorbringen über die Belästigungen durch M.’s Familie sei darauf hinzuweisen, dass er bei Aus- sagen über seine Familie immer habe weinen müssen und das Thema für ihn emotional sehr belastend sei. Das SEM habe auch nicht nachgefragt, was genau mit den Belästigungen gemeint gewesen sei. Mit «indirekt» habe er gemeint, dass seine Familie nach dem Gang zur Polizei insbeson- dere telefonisch weiterhin bedroht worden sei. Der Vater habe zudem auf der Strasse das Gefühl gehabt, von unbekannten Personen mit dem Auto verfolgt worden zu sein, sich aber nicht getraut, diese anzusprechen. Zum Widerspruch bezüglich des Zeitpunktes des Herzinfarktes sei festzuhalten, dass sein Vater zwei Herzinfarkte erlitten habe. Auch habe er dargelegt, was die Polizei unternommen habe: Es sei zu einer Kontaktaufnahme mit M.’s Familie gekommen, mit der Bitte, die Belästigungen einzustellen. Da die Polizei nicht mehr unternommen habe, sei auch nicht klar, was er dazu weiter hätte sagen sollen. Auch habe er davon nur durch seine Familie er- fahren und sei nicht selber dabei gewesen. Vom zweiten Besuch durch die Polizei habe er nur durch seinen Vater erfahren, der ihm gesagt habe, dass die Behörden der Ansicht seien, dass er M. sexuell missbraucht und zum Christentum missioniert habe. Dies sei auch in Zusammenhang damit zu sehen, dass er ihr über das Handy Informationen über das Christentum geschickt habe, wie er bereits in der Anhörung gesagt habe. Die Behörden seien wieder gegangen, nachdem der Vater erklärt habe, nicht zu wissen, wo er sei. Zum Vorwurf des schonenden Umgangs mit seiner Familie sei festzuhalten, dass solche Plausibilitätserwägungen nur mit Vorsicht zu ge- niessen seien und insbesondere nichts mit dem Bildungsstand zu tun hät- ten. Er habe mehrmals gesagt, dass der Kontakt mit seiner Familie für ihn sehr schwierig und belastend sei. Auch im Hinblick auf seinen Gesund- heitszustand sei nachvollziehbar, dass wede r er noch seine Familie den Austausch über solche belastenden Dinge pflegen wollten. Auch sei ver- ständlich, dass er ausgereist sei, weil dies sein Vater entschieden habe, E-1717/2020 Seite 13 nachdem ihn die Situation vor der Ausreise überfordert habe und es ihm nicht gutgegangen sei. Es sei auch nicht richtig, dass er nicht alles in seiner Macht Stehende getan habe, um mit M. in Verbindung zu treten. Seit dem Vorfall mit H. (bei welchem ihm das Handy weggenommen worden sei) habe er keinen Zugriff auf seine gespeicherten Nummern. Er habe seinen Nachnamen auf Facebook angegebe n, damit M. ihn finden könne, und habe die sozialen Netzwerke nach ihr oder ihrer Freundin durchforstet. Der Strukturbruch zwischen den Aussagen sei auf die emotionale Belastung zurückzuführen. Dies sei etwa der Fall bei der Erzählung über seine Fami- lie und bei der Erzählun g darüber, was M. passiert sei ( im Vergleich zu weniger belastenden Schilderungen, etwa über die Ausreise oder darüber, wie er M. kennengelernt habe). Soweit ihm das SEM vorhalte, er habe keine behördlichen Dokumente vor- zulegen vermocht, sei darauf hinzuweisen, dass Personen, die im Iran ge- sucht würden, meist keine schriftlichen Dokumente erhalten würden. Wie sich aus Länderinformationen ergebe, würde man erst bei einer Verurtei- lung Dokumente erhalten, alles andere müsse schriftlich beantragt werden. Der ärztliche Bericht, in welchem ihm eine (…) diagnostiziert werde, sei ein Indiz, welches bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen sei. Das SEM beurteile seine Aussagen zum Glaubenswechsel von M. zu Un- recht als substanzlos. Es sei festzuhalten, dass ihm dazu nur drei Frage n gestellt worden seien und M. bereits Christin gewesen sei, bevor er sie kennengelernt habe. Es sei auch nicht klar, was er hierzu noch hätte aus- führen sollen. Sie habe ihm geschildert, was der Glaube für sie bedeute, und ihn gefragt, ob das für ihn ein Problem sei. Es bleibe unklar, was an dieser Aussage des Beschwerdeführers unsubstanziiert sei. Schliesslich sei auch seine Konversion, welche erst nach der Ausreis e stattgefunden habe, als glaubhaft einzustufen. Er habe sich unstrittig in Griechenland taufen lassen. Er sei in mehreren Freikirchen aktiv. Bezüglich der strittigen Asylrelevanz seiner Konversion sei auf die Rechtsprechung zu verweisen, nach der eine Ver heimlichung bei Rückkehr unerträglichen psychischen Druck auslöse. Er sei sehr aktiv in der freikirchlichen Ge- meinde und könne dies durch zahlreiche Beweismittel belegen. Auch kenne er viele Personen aus dem christlichen Umfeld. Da ihn aber bereits die Verfolger vor seiner Ausreise fälschlich einer Konversion bezichtigt hät- ten, sei ihm Asyl zu gewähren – und zwar unabhängig davon, ob er die zugeschriebene Eigenschaft tatsächlich besitze. E-1717/2020 Seite 14 5.3 In der Vernehmlassung hält das SEM daran fest, dass er widersprüch- liche Angaben zur Dauer der Beziehung gemacht habe. In seiner Eingabe vom 19. Februar 2020 habe er geltend gemacht, er führe seit September 2012 eine Beziehung mit M., was hinsichtlich der Behauptung in der Be- schwerde, er habe vom Datum der BzP zurückgerechnet, einem Zeitraum von weit mehr als zwei bis drei Jahren entsprechen würde. Soweit der Be- schwerdeführer vorbringt, dass nicht explizit nachgefragt worden sei, sei er auf seine Mitwirkungspflicht hinzuweisen. Zudem sei er bezüglich der Be- lästigungen gegenü ber seiner Familie mehrfach und eingehend befragt worden. Zum vorgelegten Screenshot der Drohnachricht sei festzuhalten, dass er ein halbes Jahr nach deren Eintreffen dazu befragt und im Rahmen der Instruktion aufgefordert worden sei, Belege einzureichen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er den Beleg erst auf Beschwerdeebene und noch dazu als Screenshot einreiche. Weder sein Name noch der Absender der Nachricht seien darauf erkennbar. Es sei auch nicht klar, wer hin ter diesen Drohungen stehe, da sich jedermann in sozialen Medien ein belie- biges Profil unter falschem Namen zulegen könne. Der Screenshot eigne sich nicht, eine Verfolgung durch iranische Behörden glaubhaft zu machen. Aufgrund der Vorbringen zu seinen Aktivitäten in der Freikirche sei festzu- halten, dass er sich in einem christlichen Umfeld bewege. Dennoch handle es sich um interne Anlässe der Gemeinschaft wie Treffpunkte, Feste, Got- tesdienste, eine Bibelschule und einen Deutschkurs. Es sei daher nicht von einer missionarischen Tätigkeit oder einem in exponierter Weise ausgeleb- ten Glauben auszugehen, mit dem er ins Visier der iranischen Behör den gelangen könne. 5.4 In der Replik führt der Beschwerdeführer ergänzend aus, er habe die Dauer der Beziehung mit M. nicht von der BzP an zurückgerechnet, son- dern ab dem Zeitpunkt, zu dem er von ihrer Familie verfolgt worden sei. Er habe angegeben, ca. im Mai 2015 eine (…)verletzung erlitten zu haben. Rechne man zwei bis drei Jahre zurück, erhalte man den Beziehungsan- fang im Jahr 2012/2013, was mit der schriftlichen Eingabe vom 19. Februar 2020 übereinstimme. Damit sei der Widerspruch als aufgelöst zu betrach- ten. Derzeit sei zwar der Kontakt zu seiner Familie schwierig, weil im Iran die Kommunikation auf dem Internet gesperrt sei. Zuletzt habe ihm aber seine Familie vor vier Monaten berichtet, dass sie nach wie vor durch M.’s Familie bedroht werde. Kurz vor dem letzten Kontakt sei Feuer vor dem Hauseingang gelegt worden und seine Schwester habe mehrmals be- merkt, dass sie auf der Strasse verfolgt worden sei. Sie seien fest davon überzeugt, dass dies Einschüchterungsversuche von M. ’s Familie seien. E-1717/2020 Seite 15 Die Screenshots der Drohung, welche er eingereicht habe, seien zumin- dest als weiteres Indiz zu berücksichtigen. Soweit die Vorinstanz davon ausgehe, er stehe nicht als Konvertit im Visier der Behörden, sei nochmals darauf hinzuweisen, dass er bereits wegen einer angeblich missionierenden Tätigkeit angezeigt und von de n Behör- den verfolgt worden sei. Es sei auch davon auszugehen, dass er aufgrund seines langen Auslandsaufenthalts bei Rückkehr g enauer überprüft und die später erfolgte Konversion den Behörden bekannt werden würde. So- weit die Vorinstanz davon ausgehe, dass die Konversion und Aktivitäten an internen christlichen Anlässen nicht dazu führen könnten, ins Visier der ira- nischen Behörden zu geraten, sei auf Länderinformationen von Open Doors hinzuweisen, wonach sow ohl christlich konvertierte Gruppenleiter als auch deren Mitglieder verhafte t und zu Freiheitsstrafen verurteilt wor- den seien. Auch die US Commission on International Religious Freedom (USCIRF) halte fest, dass konvertierte Christen in Haft seien. Da er derzeit (…) in einer Kirche arbeite, stehe er der Kirche noch näher. Das tägliche Verschweigen und Verleugnen intimer Überzeugungen bei Rückkehr in den Herkunftsstaat stelle einen unerträglichen psychischen Druck dar, weshalb es unzulässig wäre, von ihm zu verlangen, seinen Glauben im Iran zu verbergen. Im Kontext der neuen politischen Entwicklungen im Iran sei zudem festzuhalten, dass die aktuelle Protestwelle von der Regierung als ausländische Verschwörung aus Israel und den USA dargelegt wird. Da die christliche Konversionsbewegung als westliche Bewegung und die Konver- titen gemäss USCIRF teils als Zionistisches Netzwerk dargestellt würden, sei davon auszugehen, dass deren Verfolgung im aktuellen Kontext zuneh- men könnte, weshalb die aktuellen Entwicklun gen zu berücksichtigen seien. Zudem habe er sich an Demonstrationen zur Solidarität mit den ira- nischen Protesten vom 1. Oktober 2022 und vom 24. September 2022 in K._______ beteiligt. Da die Demonstrierenden vom iranischen Sicherheits- dienst beobachtet würden, könnten Teilnehmende bei Rückkehr ins Visier der Behörden geraten. 6. 6.1 Im Ergebnis ist nach Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers in den wesentlichen Punkten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen. E-1717/2020 Seite 16 6.2 Zwar konnte er Angaben dazu machen, wie er anlässlich einer Ausstel- lung eine Frau namens M. kennengelernt habe. Auch hat er die Stichhal- tigkeit einzelner Argumente, welche das SEM zur Begründung de r Verfü- gung herangezogen hat, nicht zu Unrecht angezweifelt. Dies betrifft etwa das Abstützen auf Plausibilitätserwägungen zur Frage, wie Familien im Iran Anzeigen gegen aussereheliche Beziehungen begründen könnten. Im Weiteren ist auch seine Erklärung, dass sein Vater mittlerweile zwei Herz- infarkte erlitten habe, möglich. Auch leuchtet die Erklärung ein, er habe in der Anhörung zunächst die Dauer der Bekanntschaft mit M. nur deshalb mit etwas über einem Jahr angegeben, weil er sich auf den Zeitraum bis zum Heiratsantrag beziehungsweise zum Beginn der Probleme mit M. ’s Familie bezogen habe. Aus dem Protokoll geht hervor, dass er bereits in der freien Erzählung kurz nach Angabe der Beziehungsdauer sagte, dass sie dann hätten heiraten woll en (A26 F48). Insgesamt hält die Vorinstanz aber zutreffend fest, dass seine Aussagen zur Frage, nach welchen Aus- wegen er mit seiner Familie gesucht habe, ausweichend geblieben sind und auch seine passive Haltung in Bezug auf den Entscheid über seine Ausreise nicht nachvollziehbar ist. Den Angaben zu den Sicherheitsmass- nahmen gegenüber M. ’s Familie, welche sein Vater mit der Polizei nach seiner Ausreise getroffen habe, ist zwar kein entscheidwesentliches Ge- wicht beizumessen, da er die Vorkommnisse, hätten sie sich tatsäc hlich ereignet, nicht persönlich miterlebt hätte und somit nicht aus eigener erleb- nisgeprägter Erinnerung hätte wiedergeben können. Es fällt aber auf, dass er vor dem Hintergrund seiner geäusserten Befürchtung, durch die Straf- verfolgungsbehörden gesucht zu werden, offenbar wenig Interesse daran zeigt, ob und inwiefern im Iran ein allfälliges Verfahren gegen ihn geführt wird, obwohl er in der Anhörung noch angegeben hat, sich danach erkun- digen zu wollen (A26 F67). Sein fehlendes Interesse daran ist auch ange- sichts seiner Angaben, nach seiner Ausreise aus dem Iran seien Beamte erneut bei ihm zuhause erschienen, nicht nachvollziehbar. Es ist festzuhal- ten, dass der Beschwerdeführer auch auf Beschwerdeebene keine straf- rechtlichen Unterlagen oder überprüfbare diesbezügliche Informationen durch seinen Vater oder andere Familienangehörige allenfalls über einen Rechtsanwalt im Iran beigebracht hat, was bei ernsthaftem Interesse der iranischen Behörden an seiner Person eigentlich zu erwarten wäre. Wie in anderen Asylverfahren auch, liegt es am Beschwerdeführer, substanzielle Auskünfte zu erteilen. Er substanziiert in keiner Weise, welche Strafverfol- gungsbehörde überhaupt zuständig beziehungsweise ob und wo ein Ver- fahren hängig sei. Die in der Beschwerde geäusserten Mutmassungen, es könnte vielleicht ein Revolutionsgericht zuständig sein, welches allenfalls ohnehin keine Dokumente herausgeben könne, reichen hierfür nicht aus. E-1717/2020 Seite 17 Auch konnte er die widersprüchlichen Angaben zur Dauer zwischen dem letzten Kontakt mit M. und dem Vorfall mit H. nicht aufklären. Das SEM führt zutreffend aus, dass der Zeitraum gemäss seiner schriftlichen Erklä- rung vom 20. Februar 2020 statt einer Woche über einen Monat betragen haben müsste. Dabei handelt es sich – entgegen der Ansicht des Be- schwerdeführers – nicht um ein unwesentliches Detail beziehungsweise einen marginalen Widerspruch. Seinen Aussagen zufolge hat das Aufflie- gen der Beziehung zu M. und der Konflikt mit H. , bei welchem ihm sein Handy mit den Bildern und Informationen über das Christentum abhanden- gekommen sei, zur Anzeige gegen ihn geführt, welche ursächlich für seine Ausreise gewesen sei . In diesem Punkt hat er selbst eine nachträgliche Korrektur im Anhörungsprotokoll angebracht und präzisiert, dass ihn M. in der Woche vor dem Vorfall mit H. zum letzten Mal kontaktiert habe (A26 F84). Deshalb leuchtet die Erklärung in der Beschwerde nicht ein, er sei aufgrund der verstrichenen Zeitdauer oder der psychischen Belastung nicht zu gen auen Angaben in der Lage . Eher ist anzunehmen, dass sich jemand in seiner Situation an die konkreten Umstände erinnern und den Zeitrahmen vom letzten, angeblich verängstigten Telefonanruf von M. bis zur Eskalation des Konflikts gleichbleibend einordnen kann. Er führt denn auch aus, dass er ihr am Telefon versprochen habe, sie zu retten, was ihn unter erheblichen Druck gesetzt haben müsste, zu handeln . Da ihm dies offenbar nicht möglich war , verwundert es, warum er dann die Zeitdauer bis zur Eskalation mit H. um mehrere Wochen länger in Erinnerung behal- ten würde, als sie tatsächlich gewesen sein kann. Die Zweifel an den Angaben des Beschwerdeführers erhärten sich auf- grund seiner vagen Angaben zur Konversion von M. und passen nicht zu seiner Aussage, sie hätten zwei Jahre lang eine Beziehung gepflegt . Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass seine Angaben Details vermissen las- sen. Da er später selber konvertiert ist, verwundert es, dass er gegenüber dem SEM trotz dreimaliger Nachfrage keine substanziellen Angaben zur Glaubensausübung seiner Freundin machen konnte (A26 F85 -F87). Er schildert lediglich, dass sie ihm mitgeteilt habe, konvertiert zu sein, ohne weitere Beobachtungen oder im Nachhinein zumindest eigene Gedanken- gänge dazu anzubringen, etwa darüber, wie es ihr überhaupt gelingen konnte oder könnte, sich einer Kirche anzuschliessen, nachdem sie nur unter Vorwänden das Haus verlassen durfte . Es ist dabei – wie vom Be- schwerdeführer zutreffend geltend gemacht – für das Glaubhaftmachen nicht erforderlich, über traumatische Ereignisse zu beri chten. Dennoch wäre von ihm zu erwarten, dass er über detailliertere Beobachtungen und Gedanken zur Glaubensausübung berichten könnte, nachdem er seinen E-1717/2020 Seite 18 Angaben zufolge zwei Jahre lang eine Beziehung zu einer streng religiös erzogenen Sunnitin geführt habe, die heimlich konvertiert sei. Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass er – ausser Internetrecherchen – keine Mög- lichkeit habe, Erkundigungen zu M. einzuholen, zumal er angegeben hat, dass jene Bekannte, die sie einander vorgestellt und später M. als Vorwand für die Treffen mit ihm gedient habe, an der Uni seiner Schwester (…) stu- diert habe. Die Erklärung, er habe niemand fragen können, weil er sein Handy beziehungsweise Telefonnummern verloren habe, leuchtet daher wenig ein. Auch hält das SEM seine ausgesprochen passive Haltung in Bezug auf die Planung und den Entscheid über seine Ausreise zu Recht angesichts seine s Bildungsstands und familiären Hintergrunds für nicht nachvollziehbar, weist er doch in anderen persönlichen Belangen eine grosse Selbstständigkeit auf (etwa in Bezug auf seinen Glaubenswechsel, vgl. A26 F100); es handelte sich dabei immer um seine eigenen Entschei- dungen, bei deren Umsetzung er sich von seiner Familie allenfalls unter- stützen liess (etwa in Bezug auf seinen Heiratswunsch , das Studium und die Berufswahl). 6.3 An diesem Ergebnis vermögen die übrigen Beweismittel, wie der ein- gereichte Arztbericht, in welchem ihm (…) diagnostiziert wird, die Fotos von einer (…) (vgl. A26 F3) und der Screenshot mit Drohungen nichts zu än- dern. Der Standpunkt des SEM, dass er damit die Bedrohung durch M.’s Familie und die Anzeige gegen ihn nicht zu belegen v ermag, ist nicht zu beanstanden, nachdem seine Aussagen zu seinen Vorfluchtgründen einer Glaubhaftigkeitsprüfung nicht standhalten. 6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen des Be- schwerdeführers zu seinen V orfluchtgründen nicht die Anforderungen an das Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 7 AsylG erfüllen. 7. Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen- schaft aufgrund des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt. Er macht geltend, er sei zum Christentum konvertiert und übe den Glauben aktiv aus. Im Weiteren sei er exilpolitisch aktiv und müsse deshalb bei einer Rückkehr in den Iran mit flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung rechnen. 7.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Hei matland eine Gefährdungssituation geschaffen worden sei, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Solche begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 E-1717/2020 Seite 19 AsylG, führen aber zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Massgeblich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsuchenden Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei der Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung ge- mäss Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und Art. 7 AsylG). 7.2 Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, führt der Übertritt zum Christen- tum für sich alleine betrachtet zu keiner (individuellen) staatlichen Verfol- gung im Iran. Eine Verfolgung durch den iranischen Staat kommt erst dann zum Tragen, wenn der Glaubenswechsel bekannt wird und zugleich Aktivi- täten der Konvertiten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Die Glaubensänderung vermag die Aufmerksamkeit der iranischen Behörden auf sich zu ziehen, wenn sie im Ausland aktiv und nach aussen hin sichtbar praktiziert wird und im Einzelfall davon ausge- gangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen ak- tiven, allenfalls missionarische Züge annehmenden Glaubensausübung er- fährt (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4). Diese Beurteilung hat nach wie vor ihre Gültigkeit (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D -3319/2020 vom 3. Septem- ber 2021 E. 6.3). Der Beschwerdeführer hat sich nach seiner Ausreise taufen lassen und ist in der Schweiz in einer Freikirche aktiv. Die eingereichten Unterlagen zei- gen zwar, dass er sich in christlichen Kreisen bewegt und an deren Aktivi- täten teilnimmt. Eine besondere Exponierung oder missionierende Tätig- keit, welche das Interesse der iranischen Behörden wecken könnte, da sie dies als Angriff auf das Regime verstehen könnten, ergibt sich daraus aber nicht. Selbst die Abbildung seiner Person in einem Magazin, welches ihn namentlich nicht nennt, führt nicht zum Schluss, dass ihn die Behörden identifiziert hätten. Es ist auch nicht ersichtlich, dass sein Glaubenswech- sel bekannt geworden wäre, zumal er selbst anführt, niemanden im Iran darüber in Kenntnis gesetzt zu haben (A26 F100). Abgesehen davon ist darauf hinzuweisen, dass die private Ausübung des christlichen Glaubens im Iran grundsätzlich möglich ist (vgl. Urteil des BVGer E -6349/2019 vom 29. Juni 2021 E. 7.4.1 m.w.H.). Aus den Akten ergibt sich auch nicht, dass das aktive Missionieren für den Beschwerdeführer ein zentrales Element E-1717/2020 Seite 20 seiner religiösen Identität darstellen würde, weshalb im Falle einer Rück- kehr in den Iran insgesamt nicht von einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG auszugehen ist . W ie bereits er- wähnt, hat er die Bedrohung durch M.’s Familie beziehungsweise ein an- geblich eingeleitetes Strafverfahren, in welchem ihm missionarische Tätig- keiten vorgeworfen würden, nicht glaubhaft zu machen vermocht, weshalb sich diesbezüglich Ausführungen zur flüchtlingsrechtlichen Relevanz erüb- rigen. 7.3 Die replikweise geltend gemachten Teilnahmen an zwei Demonstratio- nen in der Schweiz, welche er als einfacher Teilnehmer besucht habe, las- sen ebenfalls keine besondere Exponierung oder qualifizierte exilpolitische Betätigung erkennen. Eine diesbezügliche Identifizierung oder Verfolgung durch die iranischen Behörden ist daher als unwahrscheinlich zu bewerten. 7.4 Insgesamt ist somit nicht davon auszugehen, dass die iranischen Be- hörden den Beschwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran aufgrund der Konversion zum Christentum beziehungsweise wegen seinen Teilnahmen an zwei Demonstrationen verfolgen würden. Der Beschwerde- führer erfüllt damit auch nicht die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG). 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, E-1717/2020 Seite 21 wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn vö lkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per- sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den A kten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäische n Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch liche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, eine konkrete E-1717/2020 Seite 22 Gefährdung glaubhaft zu machen. Die allgemeine Menschenrechtssitua- tion im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt trotz der behördlichen Repression gegen aktuelle Protestbewegungen ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen (vgl. E-3086/2022 vom 13. Okto- ber 2022 E. 9.3, D-3286/2020 vom 19. Oktober 2022 E. 12.2). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 9.4.1 Die im Iran herrschende allgemeine Lage zeichnet sich nicht durch eine Situation allgemeiner Gewalt aus, obwohl die Staatsordnung als tota- litär zu bezeichnen, die Bevölkerung sicherheitspolizeilicher Überwachung ausgesetzt und die allgemeine Situation somit in verschiedener Hinsicht problematisch ist. Trotz dieser Tatsachen wird der Vollzug von Wegwei- sungen abgewiesener iranischer Asylsuchender nach der diesbezüglich konstanten Praxis grundsätzlich als zumutbar erachtet (vgl. u.a. E-3086/2022 vom 13. Oktober 2022 E. 9.4 m.H.). 9.4.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, der Wegweisungsvollzug sei unzu- mutbar, da aufgrund der Sanktionen gegen den Iran und der Corona-Pan- demie nicht davon ausgegangen werden könne, dass sein (…) und seine psychischen Leiden im Iran behandelbar seien. Das SEM habe auch un- genügende Informationen zur Behandelbarkeit des (…) eingeholt, da das Consulting medizinische Leistungen in E._______ betreffe und keinerlei Auskunft über den Zugang und die Kosten gebe. Gemäss den ärztlichen Berichten vom 7. Februar 2020 und vom 14. De- zember 2022 leidet der Beschwerdeführer an (…). Er befindet sich in teil- stationärer Behandlung und psychiatrischer Einzeltherapie L._______. Me- dikamentös wird er mit Psychopharmaka sowie (…) behandelt sowie inter- nistisch vom Hausarzt betreut. Im Iran ist nach Erkenntnissen des Ger ichts die Behandlung psychiatri- scher Erkrankungen und Traumata grundsätzlich sichergestellt (vgl. statt E-1717/2020 Seite 23 vieler E-3922/2022 vom 28. September 2022 E. 9.3.2) . Aufgrund der Co- vid-19 Pandemie hat das Gesundheitsministerium gemeinsam mit der WHO Massnahmen ergriffen, damit der Zugang und die Kontinuität der Leistungen gewährleistet sind (vgl. WHO Regional office for the Eastern Mediterranean, Islamic Republic of Iran, Mental health response plan in the context of Covid -19, https://www.emro.who.int/iran/priority -areas/mental- health-and-substance-abuse.html, zuletzt besucht am 18.11.2022). Wie dem Arztbericht vom 7. Februar 2020 zu entnehmen ist, lässt der Be- schwerdeführer sein (…) in der Schw eiz medikamentös behandeln . Er nimmt das Medikament (…), welches (…) enthält; eine Dose à 100 Stück kostet Fr. 14.60 (vgl. Arzneimittel -Kompendium https://compen- dium.ch/(…), abgerufen am 28. November 2022). Einem kürzlich im Eas- tern Mediterranean Health Journal (EMHJ) veröffentlichten Artikel zur Situ- ation von Medizinstudentinnen und -studenten während der Covid-19 Pan- demie in Teheran lässt sich entnehmen, dass (…), woraus zu schliessen ist, dass das Medikament auch im Iran verfügbar ist (vgl. AFSANEH SOLTANI/ NOOSHA SAMIEEFAR/ MEISAM AKHLAGHDOUST, Changes in lifestyle behavi- our and dietary patterns in Iranian medical students during COVID-19 lock- down, in: EMHJ 11/8/2022, https://www.emro.who.int/in -press/rese- arch/changes-in-lifestyle-behaviour-and-dietary-patterns-in-iranian-medi- cal-students-during-covid-19-lockdown.html, abgerufen am 28. November 2022). Aus dem Consulting -Bericht geht hervor, dass eine fachärztliche Konsultation bei (…) in E._______ möglich ist. Soweit der Beschwerdefüh- rer diesbezügliche Kosten geltend macht, ist ihm entgegenzuhalten, dass er auch vor seiner Ausreise auf Initiative seines Vaters operative Eingriffe (…) in einer von seinem Wohnort entfernten Privatklinik vornehmen lassen konnte, weshalb auch bezüglich der Kosten einer Behandlung mit (…) von entsprechender Unterstützung ausgegangen werden darf. Zudem kann der Beschwerdeführer beim SEM bei Bedarf ein Gesuch um medizinische Rückkehrhilfe stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG und Art. 75 der Asylver- ordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2; SR 142.312]). Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, dass die Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat zu einer raschen und lebensgefähr- denden Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes führen wird. 9.4.3 Der Beschwerdeführer ist jung, verfügt über eine Schulbildung sowie über Berufserfahrung als (…). Seine Familie ist weiterhin im Iran wohnhaft. Sein Vater, (…) und ein Kollege seines Vaters haben ihn vor seiner Aus- reise während der Inanspruchnahme medizinischer Behandlungen in einer E-1717/2020 Seite 24 Privatklinik beziehungsweise während eines monatelangen Aufenthalts in E._______ unterstützt, weshalb von einem sozialen Netz im Iran auszuge- hen ist, das ihm bei der Integration behilflich sein wird. 9.4.4 Nach dem Gesagten bestehen insgesamt keine konkreten Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den Iran in eine existenzielle Notlage geraten wird. Damit erweist sich der Wegweisungs- vollzug als zumutbar. 9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 9.6 Demnach hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zu- lässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). An diesem Ergebnis vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers in der Eingabe vom 16. Januar 2023 nichts zu ändern. Darin wird erstmals auf unsubstan- ziierte Weise unter Verweis auf einen Bericht der F._______ vom 14. De- zember 2022 beantragt, wegen einer Beziehung zu einer angeblich schwangeren ukrainischen Frau mit S-Status sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Der Beschwerdeführer beruft sich in diesem Zusammenhang auf Art. 8 EMRK und die Kinderrechtskonvention. Personen, deren Anwesenheit rechtlich nicht geregelt ist beziehungsweise die allenfalls über kein (gefestigtes) Aufenthaltsrecht verfügen, können sich nur in Ausnahmefällen auf Art. 8 Abs. 1 EMRK berufen (vgl. BGE 138 I 246 E. 3.3.1 und 137 I 113 E. 6.1, je m.w.H.). Dies wurde von der Rechtspre- chung namentlich bei einer über viele Jahre hinweg verlängerten Aufent- haltsbewilligung bejaht (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2 f.) oder im Fall von vor- läufig aufgenommenen Flüchtlingen, bei denen eine Aufhebung ihres rechtlichen Status in absehbarer Zukunft nicht anzunehmen ist (vgl. BVGE 2017 VII/4 E. 6.3 ff.). Ob Eingriffe ins Familienleben durch aufenthaltsbe- endende Massnahmen gerechtfertigt sind, beurteilt sich aufgrund einer In- teressenabwägung, bei der die spezielle Situation der Betroffenen den öf- fentlichen Interessen gegenüberzustellen ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 4.4; BVGE 2017 VII/4 E. 6.3; vgl. auch Urteil des BVGer E -4581/2013 vom 9. Juli 2014 E. 5.3.2). Ebenfalls als Faktor in Betracht zu ziehen ist nament- lich, ob der Betroffene bei der Begründung des Familienlebens wissen E-1717/2020 Seite 25 musste, dass sein Aufenthaltsstatus nicht gesichert ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 4.4 mit Hinweisen). Gemäss Rechtsprechung des EGMR ist unter an- derem der Zeitpunkt massgeblich, in welchem die unter Art. 8 EMRK fal- lende Beziehung begründet wurde. Wurde das Familienleben zu ein em Zeitpunkt aufgenommen, in welchem der Aufenthaltsstatus einer der betei- ligten Personen prekär war, ist eine Verletzung von Art. 8 EMRK durch eine ausländerrechtliche Wegweisungsmassnahme nur in Ausnahmefällen an- zunehmen (Urteil des BVGer E-1882/2019 vom 22. Oktober 2020 E. 4.5.3 m.H. auf die Rechtsprechung des EGMR). Ungeachtet der Frage, ob die Partnerin des Beschwerdeführers angesichts ihres S -Status überhaupt über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz verfügt, ist festzuhalten, dass er im heutigen Zeitpunkt keinen po- tenziellen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz geltend zu machen ver- mag. Aus dem beigelegten Bericht der F._______ vom 14. Dezember 2022 geht lediglich hervor, der Beschwerdeführer habe dort angegeben, eine Beziehung zu einer Ukrainerin zu unterhalten, die «sich aktuell in Schwan- gerschaft bei mutmasslicher Vaterschaft des Patienten [befinde]». Dem Be- richt lässt sich aber weder entnehmen, ob es sich dabei um eine nahe, echte und tatsächlich gelebte beziehungsweise schützenswerte familiäre Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK handelt, noch wird damit die Vater- schaft des Beschwerdeführers belegt. Unter diesen Umständen vermag der Beschwerdeführer im heutigen Zeitpunkt weder aus Art. 8 EMRK noch aus der Kinderrechtskonvention etwas zu seinen Gunsten abzuleiten. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischenver- fügung vom 17. April 2020 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutgeheissen wurde und nach wie vor von der Mittellosigkeit des Be- schwerdeführers auszugehen ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 11.2 Der mit Zwischenverfügung vom 17. April 2020 beigeordneten amtli- chen Rechtsbeiständin ist ein Honorar auszurichten (vg l. für d ie Grund- sätze der Bemessung Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über E-1717/2020 Seite 26 die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie hat keine Kostennote eingereicht. Der notwen- dige Aufwand lässt sich aber anhand der Akten zuverlässig schätzen und wird in Anwendung der massgeblichen Bemessungsfaktoren auf Fr. 2'000.– festgesetzt (inkl. Auslagen und allfälligem Mehrwertsteuerzu- schlag). (Dispositiv nächste Seite) E-1717/2020 Seite 27 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Der amtlichen Rechtsbeiständin, MLaw Nora Maria Riss, wird zulasten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 2'000.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Roswitha Petry Anna Wildt Versand: