Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 17. Januar 2013 (735 11 239 / 5) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Bemessung der Altersrente Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Michael Guex, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____, Kläger, vertreten durch Gertrud Bau d, Advokatin, Rüme- linsplatz 14, Postfach, 4001 Basel gegen B____AG , Beklagte, vertreten durch Estelle Keller Leuthardt, Advo- katin, Hirschgässlein 11, Postfach 257, 4010 Basel B.____ Vorsorgestiftung , Beklagte, vertreten durch Estelle Keller Leuthardt, Advokatin, Hirschgässlein 11, Postfach 257, 4010 Basel Betreff Altersrente A. Der 1944 geborene A.____ war bis zu seiner Pensioni erung als Arbeitnehmer der B____AG im Rahmen der obligatorischen beruflichen Vors orge bei der B.____ Pensionskasse versichert. Im Hinblick auf die Beendigung des Arbeitsver hältnisses hielt die B____AG mit Schreiben vom 11. November 2008 unter anderem fest, A._ ___ habe das aufgelaufene Ferien- guthaben vor der Pensionierung zum grösstmöglichen Teil a bzubauen. Ein verbleibendes Fe- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht rienguthaben werde als AHV- und PK-pflichtige Gehalts-Sonderzahlung geleistet. Ferner wurde A.____ für die Monate November und Dezember 2009 au f Honorarbasis ein Pensum von 40% als Assistent des Verwaltungsrates der B____AG in Aussicht g estellt. Am 18. August 2009 schlossen A.____ und die B____AG zur abschliessenden Regelu ng aller Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis eine Austrittsvereinbarung. Darin wur den unter anderem eine ausserordentli- che Zahlung von Fr. 60'000.--, bestehend aus einer Fe rienentschädigung zufolge nicht bezoge- ner Ferien seit Oktober 2004 bis 20. Oktober 2009 vom Fr. 47'939.15 (119 Tage à Fr. 402.85), einer Sonderzahlung zufolge des im Schreiben vom 11. N ovember 2008 erwähnten, jedoch nicht zustande gekommenen Auftrags als Assistent des Verwal tungsrates von Fr. 8'016.75 und einer Kulanzzahlung (Rundungsdifferenz bis Fr. 60'000.- -) von Fr. 4'044.10 vereinbart. Weiter wurde festgehalten, dass die Ferienentschädigung und di e Sonderzahlung in Form eine Ge- haltszahlung ausbezahlt und auf Wunsch von A.____ nach d en gesetzlichen Bedingungen in die Vorsorgestiftung einbezahlt würden. Dabei würden die Nachzahlung und die ordentlichen Beiträge, die seitens des Arbeitnehmers entstehen, zu se inen Lasten mit der definitiven Schlussabrechnung im Oktober 2009 in Abzug gebracht. B. Mit der Lohnabrechnung für den Monat Oktober 2009 zahlte die B____AG die vereinbar- te Summe von Fr. 60'000.-- abzüglich AHV- und ALV-Be iträge A.____ direkt aus. In der Folge überwies dieser der B.____ Pensionskasse einen Betrag von Fr. 60'000.--. Mit Schreiben vom 27. Januar 2010 wurde A.____ mitgeteilt, dass er bere its zu den maximalen Leistungen einge- kauft sei. Es liege keine Vereinbarung vor, welche die Einzahlung von Fr. 60'000.-- begründen würde. Der Betrag werde ihm deshalb zurückerstattet. C. Am 5. Juli 2011 erhob A.____, vertreten durch Advoka tin Gertrud Baud, beim Kantons- gericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht ), Klage gegen die B.____ Vorsor- gestiftung und die B____AG. Er beantragte, (1) die B .____ Vorsorgestiftung sei zu verurteilen, ihm ab November 2009 eine Altersrente unter Einrechnu ng der von der B____AG mit ihm ver- einbarten Einmal-Lohnzahlung von Fr. 60'000.-- brutt o und unter Berücksichtigung der verein- barten Einmal-Zahlung auszurichten, unter Anwendung ei nes Verzugszinssatzes von 5% auf die Differenzbeträge für die bereits verfallenen Renten; (2) eventualiter sei (2a) die B____AG zu verurteilen, die Pensionskassenbeiträge vom Betrag von Fr. 60'000.-- brutto, der mit dem Okto- berlohn 2009 bezahlt worden sei, an die B.____ Vorsor gestiftung zu bezahlen, (2b) die B____AG zu verurteilen, den nach Zahlung von Ziff. 2 a verbliebenen Nettobetrag nach Abzug der AHV/ALV-Prämien und seiner Pensionskassenbeiträge a n die B.____ Vorsorgeeinrichtung zu bezahlen, (2c) die B.____ Vorsorgestiftung zu verurte ilen, ab November 2009 die nach Voll- zug von Ziff. 2a und Ziff. 2b resultierende Altersrente zu entrichten, unter Anwendung eines Verzugszinssatzes von 5% auf die Differenzbeträge für die bereits verfallenen Renten, (2d) die B.____ Vorsorgestiftung zu verurteilen, den Vollzug den nach Vollzug der Ziff. 2a bis 2c gege- benenfalls verbliebenen Nettobetrag an ihn zu bezahlen oder ihm für eine allfällige Nachbelas- tung Rechnung zu stellen; (3) unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung führte er im Wesentli- chen an, dass es sich beim Betrag von Fr. 60'000.-- um ei nen pensionskassenrelevanten Lohn handle. D. Die B.____ Vorsorgeeinrichtung und die B____AG, ver treten durch Advokatin Estelle Keller Leuthardt, beantragten in ihrer Klagantwort vom 20. September 2011 die Abweisung der Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Klage; unter o/e- Kostenfolge. In der Begründung fü hrten sie im Wesentlichen aus, dass die ausserordentliche Zahlung von Fr. 60'000.-- vorsorgerechtlich nicht relevant sei. E. Im zweiten Schriftenwechsel (Replik vom 23. Dezember 2011; Duplik vom 2. April 2012) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. F. Anlässlich der Parteiverhandlung vom 13. September 2 012, an welcher der Kläger und Dr. C.____, D____AG (Revisionsgesellschaft der B____AG), als Auskunftsperson befragt wur- den, schlossen die Parteien einen Vergleich mit Widerrufsvorbehalt ab. G. Nachdem der Vergleich seitens des Klägers am 25. Septe mber 2012 widerrufen wurde, wurde der Fall dem Kantonsgericht zur Beurteilung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Beruf liche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vom 25. Juni 1982 ist zur B eurteilung von Streitigkeiten zwischen Vorsorgeeinrichtungen und Versicherten über Versicherungsleistungen der schweizerische Sitz oder Wohnsitz der Beklagten oder der Ort des Betriebes, in welchem die versicherte Person angestellt wurde, zuständig. Der Sitz der Beklagten lie gt im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts gestützt auf Art. 73 Abs. 3 BVG zu bejahen ist. Im Kanton Basel-Landschaft liegt die sachliche Zuständigkeit zur Beurteilung derartiger Streitig- keiten gemäss § 54 Abs. 1 lit. h des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beim Kantonsgericht. Dieses ist demnach sachlich und örtlich zur Beurteilung der Klage vom 5. Juli 2011 zust ändig. Auf die den weiteren formellen Erfordernissen entsprechende Klage ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist, ob bei der Bemessung d er Altersrente die zwischen dem Klä- ger und der B____AG am 18. August 2009 vereinbarte Zahlung von Fr. 60'000.-- zu berücksich- tigen ist. Unbestritten ist, dass der Kläger seit dem Jah r 2000 zu den maximalen Leistungen eingekauft ist. 3.1 Auf die Altersleistungen, die Gegenstand des vorli egenden Verfahrens bilden, sind ne- ben den bundesrechtlichen Regelungen das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Vorsorgereg- lement der B.____ Vorsorgestiftung anwendbar. Nach dessen Art. 4.1 Ziff. 1 hat die versicherte Person nach dem Erreichen des Rücktrittsalters Anspruch auf eine lebenslängliche Altersrente nach Massgabe ihres Eintrittsalters, allfällig eingekauf ter Rentenprozente (Versicherungsjahre) und ihres versicherten Lohnes. Die Höhe der Altersrente bemisst sich in Prozenten des versi- cherten Lohnes bezogen auf das tatsächliche bzw. eingekaufte Eintrittsalter nach einer im Reg- element aufgeführten Tabelle (Art. 4.2). Nach Art. 2.5 Ziff. 1 des Reglements ist für die Festset- zung der Beiträge und der Leistungsansprüche der versic herte Lohn massgebend. Dieser be- rechnet sich nach dem effektiven Jahreslohn, reduziert um e inen Koordinationsbetrag. Gemäss Ziff. 2 bestimmt der Stiftungsrat im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber die Berechnungsmodali- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht täten für den effektiven Jahreslohn. Am 1. Januar 2005 beträgt dieser 13,5 Monatsbetreffnisse ohne Kinder- oder Sonderzulagen. Der Koordinationsb etrag entspricht 20% des effektiven Jah- reslohnes plus 40% der maximalen jährlichen AHV-Altersren te; der Koordinationsbetrag ent- spricht jedoch im Maximum der maximalen jährlichen AHV-A ltersrente (am 1. Januar 2005 Fr. 25'800.--). Die minimale Unter- resp. maximale Ob ergrenze für den versicherten Lohn wird vom Stiftungsrat festgelegt und beträgt per 1. Januar 2005 Fr. 14'200.-- resp. Fr. 162'000.--. 3.2 Die Rechtsbeziehungen zwischen versichertem Arbeitnehm er und privater Vorsorgeein- richtung werden im Bereich der weitergehenden berufli chen Vorsorge durch den Vorsorgever- trag geregelt. Auf diesen von Lehre und Rechtsprechung den Verträgen sui generis zugeordne- ten Vertrag ist der Allgemeine Teil des Obligationenr echts anwendbar (Art. 1-183 OR). Regle- mente privater Vorsorgeeinrichtungen als vorformulier ter Inhalt des Vorsorgevertrages sind demnach nach dem Vertrauensprinzip auszulegen. Dabei sind jedoch die den Allgemeinen Ver- sicherungsbedingungen innewohnenden Besonderheiten zu beachten, namentlich die so ge- nannten Unklarheits- und Ungewöhnlichkeitsregeln. Nach d iesen Auslegungsgrundsätzen gilt es, ausgehend vom Wortlaut und unter Berücksichtigung de s Zusammenhanges, in dem eine streitige Bestimmung innerhalb des Reglements als Ganzes steht, den objektiven Vertragswil- len zu ermitteln, den die Parteien mutmasslich gehabt h aben. Dabei hat das Gericht zu berück- sichtigen, was sachgerecht ist, weil nicht angenommen werd en kann, dass die Parteien eine unvernünftige Lösung gewollt haben. Nach konstanter Re chtsprechung sind indes mehrdeutige Wendungen in vorformulierten Vertragsbedingungen im Z weifel zu Lasten ihres Verfassers auszulegen (BGE 138 V 176 E. 6; 131 V 27 E. 2.2). 4. Streitig ist der in Art. 2.5 Ziff. 2 des Reglement s verwendete Begriff des "effektiven Jah- reslohnes". Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, da ss darunter der effektiv ausbezahlte Jahreslohn zu verstehen und dieser mit dem AHV-Lohn gleichzusetzen sei. Dies gehe auch aus seinem Vorsorgeausweis, gültig ab 1. Januar 2009, hervo r. Darin werde der AHV-Lohn als Be- messungsgrundlage aufgeführt. Demgegenüber sei der im Voraus definierte Jahreslohn nicht massgebend. Die Verarbeitung von nachträglich bezahlten Leistungen seien pensionskassen- technisch kein Problem. Die B____AG habe nicht bezogene Überstunden und/oder Feriengut- haben regelmässig rückwirkend als AHV-pflichtigen Lohn un d damit als pensionskassenrele- vant abgerechnet. Da gemäss der Lohnabrechnung für den Monat Oktober 2009 - in Überein- stimmung mit der Austrittsvereinbarung vom 18. August 2009 - auch auf die Summe von Fr. 60'000.-- AHV-Beiträge abgerechnet worden seien, habe diese Summe als "effektiver Lohn" Auswirkungen auf die Bemessung der Pensionskassenrente. Di e Beklagten hielten demgegen- über fest, dass gemäss dem Wortlaut der reglementarischen Vorgaben einzig der reguläre Mo- natslohn vorsorgerechtlich relevant sei. Die ausserordent liche Zahlung von Fr. 60'000.-- sei unabhängig vom Monatslohn erfolgt und im Sinne des Vor sorgereglements als nicht rentenbil- dende Sonderzulage zu qualifizieren. 5.1 Zu prüfen ist, ob die ausserordentliche Zahlung vo n Fr. 60'000.-- zum "effektiven Jahres- lohn" zu zählen ist. Dabei ist zunächst darauf hinzuweisen , dass die zwischen dem Kläger und der B____AG getroffene Austrittsvereinbarung vom 18. August 2009, wonach die Feriengutha- ben und die Sonderzahlung in Form einer Gehaltszahlung entrichtet und nach den gesetzlichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bedingungen in die Vorsorgestiftung eingebracht würden, für die B.____ Vorsorgestiftung recht- lich nicht bindend ist. Dies gilt umso mehr, als die Vor sorgestiftung nicht Vertragspartei war und in der Vereinbarung ausdrücklich darauf hingewiesen wurd e, dass die ausserordentliche Zah- lung "nach den gesetzlichen Bedingungen" in die Vorsor gestiftung einbezahlt werde. Das Rechtsverhältnis zwischen der B.____ Vorsorgestiftung und dem Kläger wird demnach einzig durch die gesetzliche Ordnung und das Reglement der Vor sorgestiftung bestimmt. Weiter ist festzustellen, dass die Ausführungen der Parteien betre ffend die Finanzierung einer höheren Altersrente nachvollziehbar dargelegt sind und sich darau s keine gesicherten Erkenntnisse er- geben. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen und nach Befragung der Auskunftsperson Dr. C.____ erweist sich auch das Vorbringen des Klägers, wonach die B____AG nicht bezoge- ne Überstunden und/oder Ferienguthaben regelmässig rückw irkend als AHV-pflichtigen Lohn und damit als pensionskassenrelevant abgerechnet habe, als nicht hinreichend gesichert. Unter diesen Umständen lässt sich aus diesen Vorbringen nichts zu Gunsten des Klägers ableiten. 5.2 Gemäss dem einschlägigen Art. 2.5 Ziff. 2 des Regl ements bilden 13,5 Monatsbetreff- nisse den effektiven Jahreslohn, wobei Kinder- oder Sond erzulagen nicht einzurechnen sind. Der Begriff "Sonderzulagen" ist reglementarisch zwar n icht explizit definiert. Dem Wortlaut von Art. 2.5 Ziff. 2 zufolge und unter Berücksichtigung des Z usammenhanges, in dem die Bestim- mung steht, dürften darunter vernünftigerweise nebst a nderweitigen Zulagen (z.B. Familien-, Ausbildungs-, Heirats- oder Geburtszulagen) etwa auch so nstige, nicht zum Erwerbseinkom- men zu zählende Entschädigungen oder aber freiwillige Leistungen der Arbeitsgeberin zu ver- stehen sein. Welche Leistungen der Arbeitgeberin an Arbeitnehmende effektiv unter den Begriff "Sonderzulagen" fallen, braucht indes, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, nicht abschliessend beurteilt zu werden. 5.3 Soweit der Kläger gestützt auf die Austrittsvereinb arung vom 18. August 2009 davon ausgeht, dass die im Oktober 2009 ausgerichtete Sonderz ahlung von Fr. 60'000.-- vollumfänglich als AHV-pflichtige Gehaltszahlung in den effektiven Jahreslohn einzurechnen ist, kann ihm nicht gefolgt werden. Weder die darin vereinb arte Sonderzahlung von Fr. 8'016.75 noch die Kulanzzahlung (Rundungsdifferenz) von Fr. 4'0 44.10 stellen AHV-pflichtiges Einkom- men aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit gemäss Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 19 47 dar. Als freiwillige Leistungen der Arbeitgeberin sind sie den "Sonderzulagen" zuzuordnen und deshalb nicht in den effektiven Jahreslohn einzurechnen. Daran ändert auch der Umstand n ichts, dass die Arbeitgeberin bei der Auszahlung dieser Leistungen Sozialversicherungsbeiträge abgerechnet hat. 5.4 Zu prüfen bleibt die Anrechenbarkeit der Entschädi gung zufolge nicht bezogener Ferien in Höhe von Fr. 47'939.15. Dabei ist zunächst festzustellen, dass die Abgeltung nicht bezogener Ferien nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zulässig i st (vgl. Art. 329d Abs. 2 OR) und Ferienentschädigungen AHV-pflichtige Lohnbestandteile darstellen (vgl. Art. 7 lit. o AHVV). Derartige Abgeltung sind weder als "Zulagen" zu quali fizieren noch stellen sie eine freiwillige Leistung der Arbeitsgeberin dar. Unter Berücksichtigung, dass die in Art. 2.5 Ziff. 2 des Regle- ments verwendeten Begriffe des "effektiven Jahreslohnes" und der "Sonderzulage" ausle- gungsbedürftig sind und mehrdeutige Wendungen in vorf ormulierten Vertragsbedingungen im Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zweifel zu Lasten ihres Verfassers auszulegen sind (vgl. E . 3.2 hiervor), erscheint es sachge- recht, die Abgeltung des rechtlich geschuldeten Anspruch s aus dem Arbeitsverhältnis nicht un- ter den Begriff "Sonderzulage" zu subsumieren. Daraus folgt aber, dass die Ferienentschädigung bei der Bemessung des versicherten Lohnes grundsätzlich zu berücksichtigen ist. Fraglich ist, in welc hem Umfang die Entschädigung in den massgebenden Verdienst einzurechnen ist. Dem Schreiben der B____AG vom 11. November 2008 zufolge wurde der Kläger aufgefordert, das seit Ja hren aufgelaufene Ferienguthaben vor der Pensionierung zum grösstmöglichen Teil abzubauen. So wurde bei verbleibendem Beschäf- tigungsgrad das Arbeitspensum ab 1. November 2008 auf 80%, ab 1. Januar 2009 auf 60% und ab 1. April 2009 auf 40% beschränkt. Unter diesen Umst änden lässt sich aber der effektive Fe- rienanspruch im massgebenden Jahr 2009 nicht eindeutig bestimmen und es erscheint sachge- recht, bei der Bemessung des massgebenden Verdienstes zu Gunsten des Klägers einen Fünf- tel der vereinbarten Ferienentschädigung für den Zei traum Oktober 2004 bis 20. Oktober 2009 in der Höhe von Fr. 9'587.85 (Fr. 47'939.15 : 5) zu berücksichtigen. Mit Blick auf den im Vorsor- geausweis per 1. Januar 2009 ausgewiesenen und zu Recht unbestrittenen versicherten Ver- dienst von Fr. 90'927.-- resultiert demnach bei eine m massgebenden Jahresverdienst von Fr. 100'514.85 (Fr. 90'927.-- + Fr. 9'587.85) eine jährliche Altersrente von Fr. 60'308.90 (Fr. 100'514.85 x 60% [vgl. Art. 4.2 Ziffer 1]). 6. Der Kläger verlangt einen Verzugszins von 5% auf die Differenzbeträge für die bereits verfallenen Renten. Im Bereich der beruflichen Vorsorg e anerkennt die Rechtsprechung die Pflicht zur Entrichtung von Verzugszinsen bei einer versp äteten Überweisung unter anderem auch von Renten (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruf- lichen Vorsorge, 1996, S. 27). Dieser beträgt grundsät zlich 5%. Der Beginn der Zinspflicht rich- tet sich mangels anderweitiger Bestimmungen in den mass gebenden Reglementen nach den obligationenrechtlichen Regeln, wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst vom Tag der Anhebung der Betreibung o der der gerichtlichen Klage an Ver- zugszinsen zu bezahlen hat (vgl. BGE 119 V 133 E. 4). Im vorliegenden Fall bestehen im an- wendbaren Reglement 2005 keinerlei Bestimmungen zur V erzugszinspflicht von Rentenleistun- gen. Der Kläger hat am 5. Juli 2011 Klage beim Kanto nsgericht erhoben; somit schuldet die B.____ Vorsorgeeinrichtung ab diesem Zeitpunkt einen Verzugszins von 5% auf die Differenz- beträge der bereits verfallenen Renten. 7. Nach dem Gesagten ist die Klage teilweise gutzuhei ssen und die B.____ Vorsorgestif- tung zu verpflichten, dem Kläger ab November 2009, au fgrund eines effektiven Jahreslohnes von Fr. 100'514.85, eine jährliche Altersrente von Fr. 60'308.90 zu bezahlen. Demnach ist sie anzuweisen, auf die abgegoltenen Ferienansprüche für die Jahre 2004 bis 2009 von insgesamt Fr. 47'939.15 die ordentlichen Beiträge zu erheben u nd die durch die Erhöhung des versicher- ten Verdienstes ausgelöste Nachzahlung zu berechnen. Her nach ist der Arbeitnehmeranteil zusammen mit den vorgenannten Beiträgen von dem "parkie rten" Betrag von Fr. 60'000.-- ab- zuziehen. Ein allfälliger Restbetrag ist dem Kläger zur ückzuerstatten. Auf die Differenzbeträge für die bereits verfallenen Renten hat die Vorsorgeei nrichtung seit 5. Juli 2011 einen Verzugs- zins von 5% zu bezahlen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1 Gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG ist das Verfahren vor den kantonalen Versicherungsgerich- ten in der Regel kostenlos. Es sind deshalb keine Verfahrenskosten zu erheben. 7.2 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat der t eilweise obsiegende Kläger ge- stützt auf § 21 Abs. 1 VPO Anspruch auf eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenparteien. Da der Kläger mit seinen Begehren inso fern durchgedrungen ist, als der mass- gebende Jahresverdienst um rund einen Sechstel der einge klagten Fr. 60'000.-- angehoben wurde, rechtfertigt es sich, dem Kläger eine Parteientschädigung in der Höhe von einem Sechs- tel der eingereichten Honorarnoten seiner Rechtsvertre terin zuzusprechen. Die Rechtsvertrete- rin des Klägers hat in ihren Honorarnoten vom 2. Novemb er 2010, 15. April 2011, 5. Juli 2011, 23. Dezember 2011, 2. April 2012, 25. Juni 2012 und 10. Dezember 2012 einen Aufwand von insgesamt 84,85 Stunden und Auslagen in der Höhe von F r. 707.-- ausgewiesen. Zunächst ist festzustellen, dass der vorprozessuale Aufwand (Honorarnot en vom 2. November 2010 und 15. April 2011) nicht zu entschädigen ist. Zwar sind die Bemühungen betreffend das Erstellen der Klage (Honorarnote vom 5. Juli 2011) bei der Beme ssung der ausserordentlichen Kosten grundsätzlich zu berücksichtigen. Mit Blick auf ähnlich gela gerte Fälle erweist sich aber der nach Einreichung der Klage geltend gemachte Aufwand als zu hoch, weshalb eine angemesse- ne Kürzung der geltend gemachten Kosten vorzunehmen ist . Angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des Aktenumfangs ist i m vorliegenden Fall ein Aufwand von 46,45 Stunden und Auslagen von Fr. 446.-- (Honorar noten vom 23. Dezember 2011, 2. April 2012, 25. Juni 2012 und 10. Dezember 2012) angemessen. Damit ergibt sich bei einem praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 250.-- eine dem Kl äger zu bezahlende Parteientschä- digung von Fr. 2'170.55 (46,45 Stunden à 250.-- zuzügl ich Auslagen von Fr. 446.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer x 1/6). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die B .____ Vorsorgestiftung verpflichtet, dem Kläger ab November 2009, aufgrund e ines effektiven Jahreslohnes von Fr. 100'514.85, eine jährliche Altersre nte von Fr. 60'308.90 zuzüglich 5% Zins auf die Differenzbeträ ge der bereits verfallenen Renten seit 5. Juli 2011 zu bezahlen. 2. Die B.____ Vorsorgestiftung erhebt auf den abgego ltenen Ferienan- sprüchen für die Jahre 2004 bis 2009 von insgesamt Fr. 47'939.15 die ordentlichen Beiträge, berechnet die durch die Erhöhu ng des versi- cherten Verdienstes gemäss Ziffer 1 ausgelöste Nachzahlu ng und zieht den Arbeitnehmeranteil zusammen mit den vorgenann ten Beiträ- gen vom Betrag von Fr. 60'000.-- ab. Ein allfälliger Restbetrag ist dem Kläger zurückzuerstatten. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Die B.____ Vorsorgestiftung hat dem Kläger für da s vorliegende Ver- fahren eine Parteientschädigung von Fr. 2'170.55 (inkl . Auslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht