Abteilung IV D-3980/2006 {T 0/2} U r t e i l v o m 7 . S e p t e m b e r 2 0 0 9 Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Martin Maeder. A._______, geboren (...), und deren Kinder B._______, geboren (...), C._______, geboren (...), Kosovo, alle vertreten durch lic. iur. Isabelle A. Müller, Rechtsanwältin, (...), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Januar 2005 / N (...). B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-3980/2006 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführenden, laut eigener Aussage aus der heuti- gen Republik Kosovo (letzter Wohnsitz in der Ortschaft E._______, heutige Grossgemeinde F._______) stammen de Angehörige der albanischen Volksgruppe, suchten am 7. No vem ber 1998 zusammen mit ihrem Ehemann beziehungsweise Vater, D._______, in der Schweiz um Asyl nach. A.b Mit Verfügung vom 11. August 1999 stellte das damalige Bundes- amt für Flüchtlinge (seit dem 1. Januar 2005 Teil des BFM) für die Be- schwerdeführenden und deren Ehemann beziehungsweise Vater das Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft fest, lehnte infolgedessen die Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Im selben Entscheid ordnete das BFF gestützt auf den Beschluss des Bun desrates vom 7. April 1999 über die gruppenweise vorläufige Auf- nahme bestimmter Personengruppen von jugoslawischen Staatsange- hörigen mit letztem Wohnsitz in der Provinz Kosovo die vorläufige Auf- nahme der Beschwerdeführenden und ihres Ehemannes beziehungs- weise Vaters in der Schweiz an. Die Beschwerdeführenden verzichte- ten auf eine Anfechtung der Verfügung vom 11. August 1999 im Um- fang der die Ablehnung der Asylgesuche, Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung betreffenden Dispositivziffern. A.c Mit Beschluss vom 11. August 1999 hob der Bundesrat die kollek- tive vorläufige Aufnahme von Kriegsvertriebenen aus dem Kosovo per 16. August 1999 auf und setzte die Ausreisefristen für den betroffenen Personenkreis auf den 31. Mai 2000 fest. Gestützt auf diesen Bundes- ratsbeschluss forderte das BFF die Beschwerdeführenden in der Folge auf, die Schweiz bis zum 31. Mai 2000 zu verlassen. A.d Am 17. August 2000 kehrten die Beschwerdeführenden in Beglei- tung ihres Ehemannes beziehungsweise Vaters im Rahmen des Rück- kehrhilfeprogramms nach Kosovo zurück. B. B.a Am 8. Juni 2003 ersuchten die Beschwerdeführenden die schwei- zerischen Behörden erneut um Gewährung des Asyls. Zur Begründung des Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin in der summarischen Be fragung vom 12. Juni 2003 und der einlässlichen Anhörung vom Seite 2D-3980/2006 17. Juni 2003 geltend, sie und die Kinder hätten in Kosovo nicht ein- mal das Nötigste zum Leben gehabt und zuletzt gar Hunger gelitten. Schwierigkeiten mit den Behörden hätten sie hingegen keine gehabt. Nach der Rückkehr aus der Schweiz im August 2000 sei ihnen zu- nächst von den schweizerischen Behörden für die Dauer von vier Mo- naten Wohnraum zur Verfügung gestellt worden. Danach seien sie bei ihrem Vater in G._______ (Gross gemeinde F._______) untergekommen. Eine Unterstützung durch den Schwiegervater sei nicht in Betracht gefallen, weil ihr Ehemann vor der ersten Reise in die Schweiz die ihm vermach te Wohnparzelle wegen einer benötigten Nierenoperation verkauft habe und deswegen von seinem Vater verstossen worden sei. Weil ihr Mann keine Arbeit gefunden habe, seien sie vollständig auf die finanzielle Unterstützung durch ihren invaliden Vater angewiesen gewesen, welcher seinerseits für sich und seine Frau eine monatliche Rente von 64 Euro vom Staat erhalten habe. Das Geld habe bei weitem nicht ausgereicht, so dass ihre Kinder zu wenig zu essen bekom men hätten. Ihrem Mann sei es zusehends schlechter gegangen, weil ihn die Vorstellung, seine Kinder könnten letztlich verhungern, beelendet habe. Vor etwas mehr als zwei Monaten sei ihr Mann plötzlich verschwunden. Seither habe sie keine Nachrichten von ihm. Weil sie ihre Kinder nicht mehr korrekt habe ernähren können und sich erhofft habe, ihren Mann wiederzufinden, habe sie Kosovo am 5. Juni 2003 verlassen und sich mit den Kindern nach Albanien begeben. Dort sei sie auf Umwegen schliesslich auf eine Frau gestossen, welche ihre Weiterreise in die Schweiz organisiert habe. Weil sie keinen Pfennig auf sich getragen habe, habe man ihr den gesamten Schmuck abgenom men. Sie habe nicht das Ziel gehabt, in die Schweiz zurückzukom men und hier wieder Asyl zu beantragen. Vielmehr hätten sich ihre Gedanken permanent um ihren verschwundenen Mann gedreht. Die Dinge hätten sich ohne ihren Willen am Ende so gefügt, dass sie wieder in der Schweiz gelandet sei. B.b Mit Verfügung vom 23. Juni 2003 trat das BFF auf die „Asylge- suche“ der Beschwerdeführenden vom 8. Juni 2003 gestützt auf Art. 18 und Art. 32 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschie- bende Wirkung entzogen. Seite 3D-3980/2006 B.c Die Beschwerdeführenden fochten die Verfügung des BFF vom 23. Juni 2003 mit Beschwerde vom 21. Juli 2003 (Poststempel) in allen Punkten bei der damals zuständigen Schweizerischen Asylrekurskom- mission (ARK) an. B.d Am 1. Oktober 2003 hob das BFF die Verfügung vom 23. Juni 2003 auf und teilte den Beschwerdeführenden mit, das Dossier werde zuständigkeitshalber an die Abteilung Verfahren zum Erlass eines neu- en Entscheides überwiesen. B.e Mit Beschluss vom 6. Oktober 2003 schrieb der zuständige Ein- zelrichter der ARK die Beschwerde vom 21. Juli 2003 als gegen- standslos geworden ab. C. Mit Verfügung vom 14. Januar 2005 - eröffnet am 17. Januar 2005 - trat das BFM auf das Asylgesuch vom 8. Juni 2003 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht ein und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz sowie den Vollzug an. D. Am 21. Januar 2005 (Poststempel) liessen die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin bei der ARK eine Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 14. Januar 2005 einreichen. Darin beantrag- ten sie im Hauptpunkt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Even- tualpunkt stellten sie das Begehren, es sei die Unzumutbarkeit und Un zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihre vorläu- fige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. Mittels Subeventualbegeh- rens ersuchten sie um Wiederaufnahme des mit Beschluss vom 6. Oktober 2003 seitens der ARK als gegenstandslos abgeschriebe- nen Beschwerdeverfahrens. In prozessualer Hinsicht schliesslich be- antragten sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. E. Mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2005 bestätigte der zuständige Instruktionsrichter das den Beschwerdeführenden zukommende Recht auf Anwesenheit in der Schweiz bis zum Abschluss des Beschwerde- verfahrens, verlegte den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Des Weiteren räumte er der Beschwerdeführerin eine bis zum 11. Februar 2005 lau- Seite 4D-3980/2006 fende Frist zur Einreichung eines aktuellen Arztzeugnisses ein und ordnete die anschliessende Überweisung der Akten an die Vorinstanz zur Vernehmlassung an. F. Am 10. Februar 2005 (Poststempel) wurden ein Bericht des Psychia- triezentrums (...) (Ambulanter Psychiatrischer Dienst) vom 8. Februar 2005 und ein nicht datiertes hausärztliches Zeugnis, jeweils die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin betreffend, zum Beschwerdedossier gegeben. Gleichzeitig wurde für den Fall eines positiven Verfahrensausgangs um Aufforderung der Beschwer- deführenden zur Einreichung einer Honorarnote ihrer Rechtsvertreterin nach Abschluss des Instruktionsverfahrens ersucht. G. G.a In seiner Vernehmlassung vom 4. März 2005 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde. G.b Mit verfahrensleitender Verfügung vom 7. März 2005 stellte der In- struktionsrichter der ARK den Beschwerdeführenden eine Kopie der Vernehmlassung des BFM zu und gewährte ihnen das Recht, bis zum 22. März 2005 darauf zu replizieren. G.c In ihrer Replik vom 17. März 2005 nahmen die Beschwerdefüh- renden zu den Argumenten des BFM in der Vernehmlassung Stellung und hielten vollumfänglich an ihren Begehren und Vorbringen fest. Als zusätzliches Beweismittel reichten sie einen weiteren Bericht der die Be schwerdeführerin behandelnden Ärzte des vorerwähnten Psychiatri- schen Dienstes, verfasst am 10. März 2005, zu den Akten. H. H.a Mit Folgeeingabe vom 13. April 2005 reichten die Beschwerdefüh- renden eine Honorarnote ihrer Rechtsvertreterin sowie zwei schuli- sche Kurzberichte vom 17. Februar 2005 und 14. März 2005 betreffend die beiden Kinder C._______ und B._______ ein. H.b Am 13. Juni 2006 ergänzten sie die Beweisunterlagen mit einer Schulbesuchsbestätigung vom 8. Juni 2006 betreffend das Kind C._______ und einer ebensolchen vom 18. Mai 2006 betreffend das Kind B._______. Seite 5D-3980/2006 H.c Mit Folgeeingabe vom 3. Juli 2006 wurden ein weiterer Bericht der die Beschwerdeführerin behandelnden Ärzte des vorerwähnten Psychiatri- schen Dienstes, datierend vom 27. Juni 2006, sowie ein Bericht des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons (...) vom 11. Mai 2006 betreffend das Kind C.______ zu den Akten gegeben. I. Am 1. Januar 2007 übernahm das Bundesverwaltungsgericht das Be- schwerdeverfahren von der ARK. J. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 8. Juli 2008 er- gänzten die Beschwerdeführenden die Begründung ihrer Rechtsbe- gehren. Des Weiteren legten sie eine aktualisierte Honorarnote ihrer Rechtsvertreterin und einen weiteren Bericht des Kinder- und Jugend- psychiatrischen Dienstes des Kantons (...) betreffend das Kind C._______, datierend vom 26. Juni 2006, ins Recht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Als eine der Beschwerdeinstanzen im Verwaltungsverfahren des Bundes (vgl. Art. 47 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 20. De - zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG , sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Unter die Vorinstanzen fallen die in Art. 33 VGG genannten Behörden, zu welchen auch das BFM (Art. 33 Bst. d VGG) zählt. Art. 32 VGG sieht für Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls keine Ausnahme vor, womit die Zuständigkeit des Bun desverwaltungsgerichts als Beschwerdeinstanz im Asylverfahren gegeben ist (Art. 105 AsylG). Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts- gesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110]) bestätigt diese Zuständigkeit und schliesst gleichzeitig die Weiterzugsmöglichkeit an das Bundesgericht aus. Als Folge der so definierten Zuständigkeit (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG) hat das Bundesverwaltungsgericht per 1. Januar 2007 die Beurteilung der Seite 6D-3980/2006 seit dem 21. Januar 2005 bei der ARK hängig gewesenen Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 14. Januar 2005 übernommen (Bst. I hiervor). Diese Beurteilung geschieht nach neuem Verfahrens- recht (vgl. Art. 53 Abs. 2 in fine VGG; Entscheide des Schweizerischen Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2007/11 E. 4.2 S. 119), wobei sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Auf die am 1. Januar 2007 bereits hängig ge- we senen Asylverfahren sind zudem die auf diesen Zeitpunkt bezie- hungsweise am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Bestimmun gen der Asylgesetzänderung vom 16. Dezember 2005 anwendbar (Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 16. Dezember 2005; AS 2006 4767 und 2007 5573). 1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich- tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent- scheid jedoch ungeachtet der erhobenen Rügen grundsätzlich in vol- lem Umfang überprüfen. Es stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG) und es wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt jene Rechtsnormen an- zuwenden, die es als zutreffend erachtet, und ihnen jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.). 2. 2.1 Die vorliegend zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen ei- ne Verfügung, mit welcher das BFM auf das Asylgesuch der Be- schwerdeführenden nicht eingetreten ist (Ziffer 1 des Verfügungsdispo- sitivs). Werden solche Nichteintretensentscheide, mit denen es das Bundes amt ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 bis 35a AsylG), mit Beschwerde angefochten, so ist stets nur zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylge- such nicht eingetreten ist. Kommt die Beschwerdeinstanz zum Schluss, dass das Nichteintreten auf das Asylgesuch zu Unrecht er- folgt ist, so hat sie sich konsequenterweise einer materiellen Prüfung zu enthalten, die angefochtene Nichteintretensverfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuwei- sen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl- rekurskom mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Nicht be- schränkt ist die Beurteilungszuständigkeit des Bundesverwaltungsge- Seite 7D-3980/2006 richts hingegen in der Frage der Wegweisung und deren Vollzugs, weil das Bundesamt sich diesbezüglich auch materiell zur Sache zu äus- sern hatte. 2.2 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor dem Bundes- amt teilgenommen, sind durch die am 14. Januar 2005 ergangene Ver- fügung des BFM berührt und können sich auf ein schutzwürdiges Inte- resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung berufen. Damit sind sie zur Einreichung einer dagegen gerichteten Beschwerde legiti- miert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 VwVG). 2.3 Die Beschwerde wurde innert der bereits zum damaligen Zeit- punkt massgebenden gesetzlichen Frist von fünf Arbeitstagen (vgl. Art. 108a in der Fassung von Ziff. I 2 des Bundesgesetzes vom 19. De - zem ber 2003 über das Entlastungsprogramm 2003, in Kraft ab 1. April 2004 [AS 2004 1633 1647]; heute: Art. 108 Abs. 2 AsylG) in gültiger Form eingereicht (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 Abs. 1 VwVG). Dem- zufolge ist auf die Beschwerde einzutreten. 3. 3.1 Zur Begründung des im Hauptpunkt gestellten Begehrens um Auf- hebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung zur Neubeur- teilung an die Vorinstanz machen die Beschwerdeführenden im Kern eine Verletzung des aus Art. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) fliessenden Prinzips von Treu und Glauben geltend. Konkret wenden sie ein, dass das BFM sich bei der Fällung des Nichteintretensentscheides vom 14. Januar 2005 in verschiedenster Weise widersprüchlich und somit wider Treu und Glau- ben verhalten habe. Das BFM habe den Nichteintretensentscheid 14½ Monate nach dem ersten Nichteintretensentscheid gefällt und damit sowohl die Behandlungsfrist von zehn Arbeitsstagen nach Art. 37 AsylG als auch die Bestimmung von Art. 58 Abs. 2 VwVG missachtet, wonach eine neue Verfügung ohne Verzug zu erlassen und der Be- schwerdeinstanz zur Kenntnis zu bringen sei. Erschwerend komme hinzu, dass die ARK mit Beschluss vom 6. Oktober 2003 die erste Be- schwerde als gegenstandslos abgeschrieben habe, obwohl damals noch gar keine neue Verfügung vorgelegen habe und die nun ange- fochtene neue Verfügung identisch sei mit derjenigen vom 14. Januar 2005 (recte: 23. Juni 2003), welche die Vorinstanz selber vollständig aufgehoben habe. Es stelle sich unter diesen Umständen die Frage, ob das abgeschriebene Beschwerdeverfahren nun nicht automatisch Seite 8D-3980/2006 wieder aufgenommen werden müsse. Die vollständige Aufhebung der ersten Verfügung sei umso unverständlicher, als auch eine nur teilwei- se Aufhebung - etwa hinsichtlich der Wegweisungspunkte - möglich gewesen sei. Das BFM habe jedoch 14½ Monate später wieder den identischen Nichteintretensentscheid mit der gleichen Begründung gefällt. Wenn Art. 37 AsylG nicht nur als Ordnungsfrist, sondern eben auch als Ausfluss des Prinzips von Treu und Glauben angesehen und gleichzeitig berücksichtigt werde, dass die Verfügung vom 14. Januar 2005 in verschiedener Hinsicht auch sonst das Prinzip von Treu und Glauben verletzt habe, rechtfertige sich eine Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur materiell- rechtlichen Beurteilung. 3.2 3.2.1Was den Aspekt der Behandlungsfrist betrifft, so gilt es zunächst zu beachten, dass das Asylgesuch am 8. Juni 2003 eingereicht und die erste Nichteintretensverfügung vom 23. Juni 2003 am 1. Oktober 2003 aufgehoben wurde, mithin vor Inkrafttreten der diversen Ände- rungen im Asylgesetz am 1. April 2004, wie sie im Rahmen des Bun- desgesetzes vom 19. Dezem ber 2003 über das Entlastungsprogramm 2003 eingeführt wurden (vgl. AS 2004 1634 ff., 1847). Auf solche Asyl- gesuche findet entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffas- sung für die Behandlungsfrist noch die alte Vorschrift von Art. 37 AsylG in der Fassung vom 26. Juni 1998 Anwendung (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 19. De zember 2003, AS 2004 1636), der zufolge Nichteintretensentscheide in der Regel in- nerhalb von 20 Arbeitstagen nach der Gesuchstellung zu treffen und sum ma risch zu begründen sind (bei ab dem 1. April 2004 eingereich- ten Asylgesuchen zehn Arbeitstage gemäss Art. 37 in der Fassung vom 19. Dezember 2003, heute zehn Arbeitstage gemäss Art. 37 Abs. 1 AsylG). Nichtsdestotrotz muss das Bundesamt bei Verwirkli- chung der im Gesetz festgelegten Tatbestandsmerkma le auch dann einen Nichteintretensentscheid fällen, wenn die massgebliche Ent- scheidungsfrist (in casu 20 Arbeitstage) unbegründet überschritten und damit dem Gebot der Verfahrensbeschleunigung nicht nachge- kom men wur de. Es handelt sich dabei nämlich um eine so genannte Ordnungs- und nicht um eine Verwirkungsfrist, was sich aus der For- mu lierung, wonach die entsprechende Verfügung "in der Regel" inner- halb der Frist zu treffen ist, ergibt. Somit können Nichteintretensent- scheide auch lange nach Ablauf der gesetzlichen Entscheidungsfrist gefällt werden (betreffend die dazumal geltende Behandlungsfrist von Seite 9D-3980/2006 20 Tagen vgl. EMARK 2002 Nr. 15 E. 5d S. 125 f.), ohne dass allein deswegen Grund zur Kassation bestünde. Wie nachfolgend aufzuzei- gen sein wird, waren im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für ein Nichteintreten auf das zweite Asylgesuch vom 8. Juni 2003 auf der Grundlage von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG klar gegeben. Der Nichtein- tretensentscheid vom 14. Januar 2005 ist somit nicht allein schon we- gen der Missachtung der im AsylG festgeschriebenen Entscheidungs- frist zu beanstanden. Schliesslich hat das Bundesamt den Beschwer- deführenden eine einmo natige Frist für das Verlassen der Schweiz ge- währt und davon abgesehen, einer allfälligen Beschwerde die auf- schiebende Wirkung zu entziehen. Ein Missbrauch oder eine Über- schreitung des Ermessens ist in diesem Zusammenhang nicht erkenn- bar und wird vonseiten der Beschwerdeführenden auch nicht gerügt (vgl. hierzu die gegenteilige Feststellung in EMARK 2002 Nr. 15 E. 5e S. 126 f.). 3.2.2Eine Verpflichtung des Bundesamts, nach der wiedererwägungs- weisen Aufhebung der angefochtenen Verfügung unverzüglich eine neue Verfügung zu erlassen, lässt sich entgegen der Sichtweise der Be schwerdeführenden aus Art. 58 Abs. 2 VwVG nicht herleiten. Der Be schleunigungsgedanke dieser Bestimmung bezieht sich nicht etwa auf den Zeitablauf bis zum Erlass einer neuen Verfügung durch die Vorinstanz, sondern auf das Intervall zwischen dem Erlass einer neu- en Verfügung in Anwendung von Art. 58 Abs. 1 VwVG und deren Mit- teilung an die Parteien und die Beschwerdeinstanz. Der Normzweck ist dabei insbesondere darin zu erblicken, aufseiten der Gegenparteien und der Beschwerdeinstanz unnötigen Aufwand zu vermeiden, da- durch etwa, dass dank der umgehenden Information Gegenparteien im Rahmen ihrer Vernehmlassung bereits auf den Wiedererwägungsent- scheid reagieren können und die Beschwerdinstanz ohne weitere Ver- zögerungen über den weiteren Verfahrensgang entscheiden kann (vgl. AUGUST M ÄCHLER in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal- tungsverfahren, AUER /MÜLLER /SCHINDLER [Hrsg.], Zürich 2008, N. 15 zu Art. 58; ANDREA PFLEIDERER , in: W ALDMANN /W EISSENBERGER , Praxiskommen - tar VwVG, Zürich 2009, Art. 58 N 43). 3.2.3Als unbegründet erweist sich schliesslich auch die Rüge der Ver- letzung des Prinzips von Treu und Glauben. Bei ihrer diesbezüglichen Argumentation verkennen die Beschwerdeführenden, dass die beiden Nichteintretensentscheide vom 23. Juni 2003 und 14. Januar 2005 schon deshalb keine identische Begründung aufweisen, weil sie ge- Seite 10D-3980/2006 stützt auf verschiedene, nicht kongruente Tatbestände gefällt wurden. Während das Bundesamt den Nichteintretensentscheid vom 23. Juni 2003 noch gestützt auf Art. 32 Abs. 1 AsylG wegen Nichterfüllens der Anforderungen an ein Asylgesuch gemäss Art. 18 AsylG getroffen hat- te, erachtete es in der Verfügung vom 14. Januar 2005 die Vorausset- zungen von Art. 18 AsylG als erfüllt und trat auf das mithin vorliegende Asylgesuch in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG nicht ein. Angesichts der in der Beschwerde vom 21. Juli 2003 geltend gemach- ten und insbesondere mit einem Arztbericht vom 4. September 2003 dokumentierten gesundheitlichen Probleme bei der Beschwerdeführe- rin vor dem Hintergrund eines misslungenen Ausschaffungsversuchs ist der Aufhebungsentscheid vom 1. Oktober 2003 in Beziehung zu setzen zu dem in der Praxis der ARK entwickelten weiten Verfolgungs- begriff in seiner ursprünglichen Reichweite, die noch sämtliche Weg- weisungsvollzugshindernisse einschloss (vgl. EMARK 2002 Nr. 5 E. 4a S. 41 f., EMARK 2001 Nr. 5 E. 3b.aa S. 31 f.). Die Präzisierung dieser Praxis in dem Sinne, dass unter dem weiten Verfolgungsbegriff nicht sämtliche Wegweisungsvollzugshindernisse, sondern nur die von Men- schenhand zugefügten - erlittenen oder befürchteten - Nachteile fallen, hatte die ARK erst in einem am 19. September 2003 erlassenen Grundsatzentscheid vorgenommen gehabt, welcher freilich am 1. Ok - tober 2003 noch nicht in der EMARK-Sammlung publiziert worden war (EMARK 2003 Nr. 18). Somit liesse sich berechtigterweise fragen, ob nicht sogar ein wiederum auf Art. 32 Abs. 1 AsylG abgestütztes Nicht- eintreten des Bundesamts auf das Gesuch vom 8. Juni 2003 mit dem Gebot von Treu und Glauben zu vereinbaren gewesen wäre, zumal ja der - unter anderem - auf Art. 18 AsylG anwendbare weite Verfol- gungsbegriff nach dem erwähnten Grundsatzentscheid der ARK nicht von Dritten verursachte gesundheitliche Probleme gerade nicht mehr um fasste. Diese Frage kann jedoch offen bleiben, weil jedenfalls die vom BFM durchgeführte Prüfung des Nichteintretenstatbestandes von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG im Unterschied zu demjenigen von Art. 32 Abs. 1 i.V.m. Art. 18 AsylG entlang dem klassischen - „engen“ - Verfol- gungsbegriff nach der Definition von Art. 3 AsylG, welcher die Wegwei- sungsvollzugshindernisse nicht einschliesst, zu geschehen hat (vgl. BVGE 2008/57 E. 3.3 S. 780). Somit ist nicht einzusehen, inwiefern die Aufhebung des Nichteintretensentscheides vom 23. Juni 2003 und das erneute Nichteintreten auf das Asylgesuch mit Verfügung vom 14. Ja- nuar 2005 ein - dem Prinzip von Treu und Glauben zuwiderlaufendes - widersprüchliches Vorgehen seitens des Bundesamtes darstellen soll- te. Seite 11D-3980/2006 3.3 Aus dem Erwogenen ergibt sich, dass die von den Beschwerde- führenden erhobene Rüge, das Bundesamt habe in verschiedenster Weise ein widersprüchliches Verhalten an den Tag gelegt und dadurch gegen das Prinzip von Treu und Glauben verstossen, sich in allen Punkten als unbegründet erweist. Das daran geknüpfte Begehren, es sei die Verfügung vom 14. Januar 2005 aufzuheben und die Sache zur Neu beurteilung an das Bundesamt zurückzuweisen, ist deshalb abzu- weisen. 4. Gemäss der auf den 1. Januar 2008 geringfügig modifizierten Fassung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG (das Nichteintreten auf ein neues Asyl- gesuch nach dem Rückzug des vorhergehenden Asylgesuchs wird seither als Anwendungsfall der Gesuchseinreichung nach Abschrei- bung eines früheren Gesuchs in Art. 35a AsylG geregelt, vgl. dazu ausführlich BVGE 2008/57) wird auf ein Asylgesuch nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen haben oder während des hängigen Asylverfahrens in den Heimat- oder Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe Hin- weise, dass in der Zwischenzeit Ereignisse eingetreten sind, die geeig- net sind, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Ge- w ährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. Der Nichteintre- tensgrund von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG enthält somit ein formelles (früheres Asylverfahren) und ein materielles Erfordernis (fehlende Hin- weise), welche im Einzelfall beide gleichzeitig erfüllt sein müssen. 4.1 Was das formelle Erfordernis des Erstverfahrens betrifft, so verhält es sich im konkreten Fall so, dass die Beschwerdeführenden bereits am 7. November 1998 gemeinsam mit ihrem Ehemann beziehungs- weise Vater Asylgesuche in der Schweiz eingereicht hatten, welche mit Verfügung des Bundesamtes vom 11. August 1999 - bei gleichzeitiger Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, Wegweisung und Anord- nung der vorläufigen Aufnahme - abgelehnt wurden. Diese Verfügung blieb in der Folge in allen Teilen unangefochten. Damit kann das in Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG statuierte formelle Erfordernis in Gestalt der ersten Variante des in der Schweiz erfolglos durchlaufenen Asyl- verfahrens als gegeben betrachtet werden, weil ein rechtskräftiger Ent- scheid vorliegt, in dem nach einer abschliessenden materiellen Prü- fung das Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Defi- nition von Art. 3 AsylG festgestellt wurde (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 5b S. 7 ff.). Hierbei ist ohne Bedeutung, dass die Beschwerdeführenden Seite 12D-3980/2006 in der Verfügung vom 11. August 1999 als in den Geltungsbereich des Bun desratsbeschlusses vom 7. April 1999 über die gruppenweise vor- läufige Aufnahme bestimmter Personengruppen von jugoslawischen Staatsangehörigen mit letztem Wohnsitz in der Provinz Kosovo fallen- de Personen erachtet und infolgedessen in der Schweiz vorläufig auf- genom men wurden: Die Tatbestandsvariante des erfolglosen Durchlau- fens eines Asylverfahrens setzt nicht voraus, dass das vorangegange- ne Verfahren vollumfänglich rechtskräftig erledigt wurde und damit auch hinsichtlich der Frage der Wegweisung und der Durchführbarkeit des Vollzugs ein für den Asylsuchenden negativer Ausgang eingetre- ten ist (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 5b S. 9). Abgesehen davon hatte die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden nur wenige Tage Be- stand, hob doch der Bundesrat mit Beschluss vom 11. August 1999 die kollektive vorläufige Aufnahme von Kriegvertriebenen aus der Provinz Kosovo per 16. August 1999 wieder auf (vgl. Prozessgeschichte Bst. A.b). Der Vollständigkeit halber bleibt an dieser Stelle anzufügen, dass die Be schwerdeführenden vor Einreichung ihres zweiten Asylgesuchs aus ihrem Heimatstaat in die Schweiz zurückgekehrt sind. Deshalb be- stand seitens des Bundesamts eine Verpflichtung zur Durchführung einer Anhörung im Sinne von Art. 29 und 30 AsylG vor dem Nichtein- tretensentscheid vom 14. Januar 2005 (vgl. Art. 36 Abs. 1 AsylG zwei- ter Satz in der Fassung gemäss Ziff. I 2 des Bundesgesetzes vom 19. De zem ber 2003 über das Entlastungsprogramm 2003 [AS 2004 1633 1647], vgl. heute gleichbedeutend Art. 36 Abs. 1 Bst. b AsylG), welcher dieses auch nachgekommen ist. Aus den unter Erwägung 3.2.3 aufgezeigten Gründen war das Bundesamt hingegen nicht ge- halten, nach dem Aufhebungsentscheid vom 1. Oktober 2003 die Be- schwerdeführerin vor dem Nichteintretensentscheid vom 14. Januar 2005 ein weiteres Mal zu den Gründen ihres erneuten Asylgesuchs anzuhören oder ihr dazu das rechtliche Gehör zu gewähren (vgl. Be- schwerde, S. 7). 4.2 Gleichermassen klar präsentiert sich die Aktenlage in Bezug auf das materielle Erfordernis des Fehlens von Hinweisen auf seither ein- getretene bedeutsame Ereignisse. 4.2.1Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG hat das Bundesamt auch auf ein neues, d.h. nicht erstmaliges Asylgesuch einzutreten und damit ei- ne materielle Prüfung der Flüchtlingseigenschaft vorzunehmen, sobald Seite 13D-3980/2006 sich Hinweise auf in der Zwischenzeit eingetretene Ereignisse erge- ben, die entweder für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft ge- eignet oder für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. Die Relevanz der zwischenzeitlichen Ereignisse im Sinne dieser Bestimmung bemisst sich wie erwähnt nicht nach demselben - weiten - Verfolgungsbegriff wie in Art. 18, Art. 33 Abs. 3 Bst. b, Art. 34 Abs. 1 AsylG und Art. 35 AsylG (vgl. zu den ersten drei Bestimmungen EMARK 2004 Nr. 5 E. 3c.aa S. 35 f., EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3. S. 247); bedeutsam sind vielmehr nur Hinweise auf solche Ereignisse, die sich zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft eignen. Mit ande- ren Worten muss ein engerer Verfolgungsbegriff angewandt werden, und es ist dann auf das Asylgesuch nicht einzutreten, wenn eines der materiellen Elemente des Flüchtlingsbegriffs von Art. 3 AsylG offen- sichtlich nicht erfüllt ist (vgl. BVGE 2008/57 E. 3.3 S. 780; EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.5. S. 18). Innerhalb des so gesteckten Rahmens ist bei der Prüfung des Nichteintretensgrundes von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG sodann ein gegenüber den - ihrerseits im Vergleich zum strikten Beweis bereits erleichterten - Anforderungen des Glaubhaftmachens (vgl. Art. 7 Abs. 2 AsylG) nochmals reduzierter Beweismassstab anzu- wen den. Grundsätzlich ist, sobald in den Akten Hinweise auf flücht- lingsrechtlich oder für die Gewährung vorübergehenden Schutzes im Sinne von Art. 66 ff. AsylG bedeutsame Ereignisse seit dem Abschluss des vorangegangenen Verfahrens zu verzeichnen sind, deren Un- glaubhaftigkeit nicht schon bei erstem Hinsehen festgestellt werden kann, unabhängig von der Tatsache, dass derselben ausländischen Person in der Vergangenheit schon (mindestens) einmal in der Schweiz die Anerkennung als Flüchtling versagt blieb, auf das Asylge- such einzutreten (vgl. BVGE 2008/57 E. 3.3 S. 780; EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3. S. 16 f.). 4.2.2Zur Begründung ihres zweiten Asylgesuchs vom 8. Juni 2003 berief sich die Beschwerdeführerin ausschliesslich auf die schwierigen Lebensumstände nach der Rückkehr in den Kosovo, welche gekenn- zeichnet gewesen seien durch den plötzlichen Wegzug ihres Eheman- nes und des Vaters ihrer beiden Kinder sowie durch die fehlenden ökonomischen Ressourcen. Anhand dessen vermag sie offensichtlich keine erlittenen oder befürchteten Einwirkungen aufzuzeigen, die allenfalls als Gefährdung oder als einen unerträglichen psychischen Druck bewirkende Massnahmen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu würdigen wären. Es zeigt sich demnach mit der erforderlichen Klarheit, dass im zweiten Asylverfahren keine Hinweise auf Ereignisse vorlie- Seite 14D-3980/2006 gen, die nach Abschluss des ersten Asylverfahrens eingetreten und überdies zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft geeignet (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.5 S. 18 zweiter Absatz am Ende; vgl. auch zum Offenlassen der Frage der Haltlosigkeit der Hinweise im Falle von Nachteilen mit geringer Intensität im Anwendungsbereich des weiten Verfolgungsbegriffs EMARK 2005 Nr. 8 E. 4.4 S. 79 f.) oder für die Ge- währung vorübergehenden Schutzes relevant sind. 4.3 Nach dem Ge sagten sind in den Verfolgungsvorbringen der Be- schwerdeführenden, die vor der Einreichung des Asylgesuchs am 8. Juni 2003 hierzulande bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlau- fen hatten, klarerweise keine Hinweise auf zwischenzeitlich eingetre- tene Ereignisse im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu erkennen. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Einwendungen in der Beschwerde und den Folgeeingaben näher einzugehen, da diese nicht geeignet sind, einen anderen Entscheid in der Frage des Nichteintre- tens auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG herbeizuführen. In Würdigung der gesamten Umstände ist alsdann festzustellen, dass die Vorinstanz zu Recht auf das zweite Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist. 5. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.1 Vorliegend hat der Kanton den Beschwerdeführenden keine Auf- enthaltsbewilligung erteilt (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Diese können sich auch nicht auf einen dahingehenden Anspruch berufen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21). Die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus der Schweiz steht so- mit im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen. 5.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De - zember 2005 über Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in einen Dritt- staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann. Er ist nicht zuläs- Seite 15D-3980/2006 sig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterrei- se der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann für Auslän- derinnen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 2 - 4 AuG). Bei der Prüfung der drei genannten Kriterien ist auf die im Entscheid- zeitpunkt bestehenden Verhältnisse abzustellen (EMARK 1997 Nr. 27 E. 4f S. 211). 5.2.1Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug der Wegweisung ins- besondere dann nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende Per- son bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer konkreten Gefähr- dung ausgesetzt wäre. Diese Bestimmung stellt eine Kodifizierung der bisherigen Praxis zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlas- sung der Ausländer (aANAG, BS 1 121) dar (vgl. PETER B OLZLI in M ARC SPESCHA /HANSPETER THÜR /ANDREAS ZÜND /PETER BOLZLI, Kommentar Mi- grationsrecht, Zürich 2008, Nr. 15 zu Art. 83 AuG, mit Hinweisen). Sie wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen angewendet, das heisst bei Aus- länderinnen und Ausländern, die mangels persönlicher Verfolgung we- der die Voraussetzungen der Flüchtlingseigenschaft noch jene des völ- kerrechtlichen Non-Refoulement-Prinzips erfüllen, jedoch wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Heimatstaat zurückkehren können. Im Weiteren findet sie Anwendung auf andere Personen, die nach ihrer Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwen- dige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder - aus objek- tiver Sicht - wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahr scheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen wür- den, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Ge sundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wä ren (vgl. EMARK 1995 Nr. 5 E. 6e S. 47, EMARK 1994 Nr. 20 S. 155 ff., EMARK 1994 Nr. 19 S. 145 ff., EMARK 1994 Nr. 18 S. 139 ff.). 5.2.1.1In Kosovo besteht keine Situation generalisierter Gewalt, die sich noch dazu über das ganze Staatsgebiet oder weite Teile dessel- ben erstrecken würde. Eine gänzlich unsichere, von bewaffneten Kon- Seite 16D-3980/2006 flikten oder perma nent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführenden sich bei einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt sehen würden, besteht mithin nicht. 5.2.1.2In individueller Hinsicht wurde im Rahmen des ersten Be- schwerdeverfahrens aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin wäh- rend eines Ausschaffungsversuchs am 22. Juli 2003 einen (...) erlitt. Nach der somatischen Abklärung und Stabilisierung im Kantonsspital (...) wurde sie zur Betreuung in das Psychiatriezentrum (...) (Klinik [...]) verlegt. Am 1. September 2003 erfolgte eine Verlegung in die psychiatrische Klinik (...) und am 29. Sep tember 2003 schliesslich der Austritt. In den beim Bundesamt eingereichten ärztlichen Berichten vom 26. April 2004 und 13. Mai 2004 wurde bei der Beschwerdeführerin ein (...) diagnostiziert. Gleichzeitig wurde bestätigt, dass die Beschwerdeführerin deswegen in medikamentöser Therapie und stützender Psychotherapie stehe. In der angefochtenen Verfügung würdigte das BFM diese psychischen Probleme sowie von der Beschwerdeführerin geäusserte Selbstmordabsichten nicht als ausreichende Grundlage für die Feststellung der Unzumutbarkeit des Weg weisungsvollzugs, im Wesentlichen mit der Begründung, im Koso- vo seien qualifizierte psychiatrische Institutionen vorhanden, die der Be schwerdeführerin zugänglich seien. Gemäss dem im vorliegenden Be schwerdeverfahren eingereichten Bericht des Psychiatriezentrums (...) (Ambulante Dienste) vom 27. Juni 2006 musste die unter (...) leidende Beschwerdeführerin seit Oktober 2004 nicht mehr hospitali- siert werden und war dank ambulanter psychiatrischer Behandlung (21 Sitzungen im Zeitraum Oktober 2004 bis Juni 2006), Atem- und Entspannungsübungen und medikamentöser Therapie ([...]) in der Lage, sich um ihre beiden Söhne und den Haushalt zu kümmern. Für den Fall eines Abbruchs der Therapie wurde von den verantwortlichen Ärzten eine massive Verschlechterung des psychischen Zustandes mit erhöhter Selbstmordgefahr prognostiziert. Der Eingabe vom 8. Juli 2008 zufolge behalten die im Arztbericht vom 27. Juni 2006 gestellte Diagnose und angezeigte Behandlung ihre volle Gültigkeit. Neben diesen psychischen Problemen bei der Beschwerdeführerin sind auch solche beim jüngeren Sohn C._______ dokumentiert. Nach den eingereichten Berichten des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons (...), von denen der aktuellste am 26. Juni 2008 erstellt wurde, befindet sich C._______ seit dem 3. No vember 2005 in psychotherapeutischer Behandlung wegen (...). Eine Fortsetzung der Seite 17D-3980/2006 Behandlung im Zweiwochenrhythmus wurde im Be richt vom 26. Juni 2006 aus ärztlicher Optik als dringend indiziert bezeichnet. Diesbezüglich ist vorweg klarzustellen, dass Gründe ausschliesslich medizinischer Natur den Wegweisungsvollzug im Allgemeinen nicht als unzumutbar erscheinen lassen, es sei denn, die erforderliche Behand- lung sei wesentlich und im Heimatland nicht erhältlich (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.). Entsprechen ferner die Behandlungsmög- lichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz, so bewirkt dies allein noch nicht die Unzumutbarkeit des Voll- zugs der Wegweisung. Von einer solchen Unzumutbarkeit ist erst dann auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbehand- lung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d S. 50 ff., EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.). Ob unter diesen restri- ktiven Rahmenbedingungen die gesundheitliche Situation der Be- schwerdeführerin und ihres Sohnes C._______ die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu bewirken vermag, erscheint bei erster Be trachtung zweifelhaft. Auf eine abschliessende Klärung dieser Frage kann indes verzichtet werden. Wie sogleich aufzuzeigen sein wird, lie- gen nämlich andere individuelle Gründe vor, die für sich allein genom - men ausreichen, um den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdefüh- renden als unzumutbar erscheinen zu lassen. 5.2.1.3Im Zusammenhang mit der persönlichen Situation der Be- schwerdeführenden fällt nicht zuletzt die lange Anwesenheitsdauer in der Schweiz ins Gewicht. Die Beschwerdeführenden halten sich seit ihrer letzten Einreise im Juni 2003, mithin seit über sechs Jahren, un- unterbrochen in der Schweiz auf. Zuvor hatten sie bereits von Novem- ber 1998 bis August 2000 als Asylbewerber hier geweilt. Die beiden Söhne gelangten im Alter von (...) Jahren beziehungsweise als (...) Kleinkind erstmals in die Schweiz, hielten sich in der Lebensperiode zwischen (...) und (...) Jahren beziehungsweise zwischen (...) und (...) Jahren wieder im Kosovo auf und sind heute (...)- und (...)jährig. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Ge- sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kin- Seite 18D-3980/2006 deswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeu- tung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähig- keit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (ins- besondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prog- nose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letz- terer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hin- blick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologi- scher Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3357/2006 vom 9. Juli 2009 E. 9.3.2, mit einem Hinweis auf die vom Bundesverwaltungsgericht übernom me ne Praxis der ARK in EMARK 2005 Nr. 6 E. 6. S. 55 ff., EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c.ff.ccc S. 260 f., EMARK 1998 Nr. 13 S. 98 f. E. 5e.aa.). Die vorliegend vom Wegweisungsvollzug betroffenen Kinder B._______ und C._______ haben Lebensabschnitte in der Schweiz verbracht, die ihre Persönlichkeit nachhaltig geprägt haben dürften. Gemäss dem eingereichten Schulbericht vom 17. Februar 2005 und der Schulbesuchsbestätigung vom 8. Juni 2006 hat sich C._______ nach anfänglicher Unsicherheit und Verkrampfung mittlerweile sehr gut integriert. Trotz des (...) zeigt er im Unterricht Initiative und wird von den Mitschülern nicht ausgelacht. Auch seinem Bruder B._______ wird im Schulbericht vom 14. März 2005 attestiert, sich in der Klasse schnell eingelebt und von Anfang an die Akzeptanz der Klassenkameraden genossen zu haben. In der Bestätigung vom 18. Mai 2006 wird ihm bescheinigt, dass er sich in der Klasse sehr gut integriert hat, im sozialen Bereich überhaupt keine Probleme bereitet und die deutsche Sprache gut versteht und spricht. Aufgrund des Seite 19D-3980/2006 Fehlens anderweitiger Hinweise ist davon auszugehen, dass die Assimilierung der beiden Kinder seither weiter fortgeschritten ist und sich unterdessen eine Adaptation an tragende Vorstellungen der schweizerischen Kultur und Lebensweise vollzogen hat. Hinweise, wo- nach die Beschwerdeführerin eine derartige Entwicklung zu verhindern versucht hätte, sind nicht aktenkundig. Gerade der Besuch der Schule über einen Zeitraum von sechs Jahren hinweg (B._______) und das sukzessive Erlernen der deutschen Sprache dürfte bei den beiden Kin- dern eine weitreichende Anpassung an die schweizerische Lebenswei- se bewirkt haben, so dass der Zwang zur Trennung vom gewohnten Um feld sich zwangsläufig als schwere Hypothek für ihre individuelle Entwicklung auswirken würde. Im Fall von C._______ kommt als erschwerendes Mo ment hinzu, dass er gemäss dem Arztbericht vom 26. Juni 2008 an einer chronischen Anpassungsstörung leidet. Dadurch dürfte das Risiko einer Überforderung im Falle einer erneuten sozialen Verpflanzung noch erhöht werden. Das Bundesverwaltungs- gericht gelangt deshalb zur Einschätzung, dass eine Rückkehr in den Kosovo für die Kinder B._______ und C._______ zu einer überaus schwierigen Situation führen würde, da der Umgang mit den dort ver- breiteten kulturellen Gepflogenheiten klar in den Hintergrund getreten ist oder eine entsprechende Vertrautheit und persönliche Bindung zu diesem Staat gar weitgehend fehlen; der zu berücksichtigende Aspekt des Kindeswohls spricht demnach für einen weiteren Verbleib von B._______ und C._______ in der Schweiz (vgl. EMARK 2005 Nr. 6 E. 7.1. S. 58 f.). 5.2.1.4Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Aspekte sowie unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Einheit der Familie (vgl. Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 1996 Nr. 18 E. 14e S. 189 f., EMARK 1995 Nr. 24 E. 11 S. 230 ff.) gelangt das Bundesverwaltungs- gericht zum Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung gegenüber den Beschwerdeführerin und ihren beiden Kindern zum heutigen Zeit- punkt als nicht (mehr) zumutbar zu erachten ist. Aus den Akten erge- ben sich ferner keine Hinweise auf ein unbotmässiges Verhalten der Beschwerdeführenden, welches eine nähere Prüfung unter dem Ge- sichtspunkt von Art. 83 Abs. 7 AuG bedingen würde, weshalb die Vor- aussetzungen für eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG gegeben sind. 5.2.2Bei dieser Sachlage entfällt eine Prüfung der Frage, ob der Voll- zug der Wegweisung sich als unzulässig beziehungsweise als unmög- Seite 20D-3980/2006 lich erweist. Die Vollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Un möglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eines von ihnen gege- ben ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrach- ten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz nach den Bestimmun- gen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Urteil des Bundes- verwaltungsgerichts D-3357/2006 vom 9. Juli 2009 E. 9.2; EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f.). Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläu- figen Aufnahme stünde den Beschwerdeführenden wiederum die Be- schwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG). In diesem Verfahren wäre dann der Weg- weisungsvollzug vor dem Hintergrund sämtlicher Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschen- den Verhältnisse zu prüfen. 6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit im Eventualpunkt beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und das BFM anzuweisen, für die Be- schwerdeführenden die vorläufige Aufnahme anzuordnen; im Übrigen ist sie abzuweisen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefoch- tenen Verfügung vom 14. Januar 2005 sind demnach aufzuheben, und das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt der Beschwerdeführenden nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG). 7. 7.1 Im Hinblick auf die Kostenliquidation ist der Ausgang des Verfah- rens im Asylpunkt als teilweises Unterliegen (vgl. Art. 63 Abs. 1, Satz 2 VwVG) zu werten, wobei das Bundesverwaltungsgericht nach seiner Praxis im Asylbeschwerdeverfahren bei Konstellationen wie der vorlie- genden den partiellen Misserfolg mit der Hälfte veranschlagt. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären somit im Prinzip die um die Hälfte zu ermässigenden Kosten den Beschwerdeführenden zu überbinden. Gleichzeitig mit der Beschwerde haben die Beschwerde- führenden jedoch ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG eingereicht, dessen Beurteilung aussteht (vgl. Prozessgeschichte Bst. E). 7.2 Ge mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einreichung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderli- chen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskos- Seite 21D-3980/2006 ten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Aus den hiervor aufgezeigten Gründen kann den Beschwerdeführenden nicht vorgehal- ten werden, ihrer Beschwerde habe es im Zeitpunkt der Beantragung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Blick auf die Erfolgsaussichten an der nötigen Ernsthaftigkeit gefehlt (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Die Beschwerdebegehren erschienen mit anderen Worten bei retrospektiver Betrachtung nicht aussichtslos. Bei den Akten befindet sich eine Bestätigung vom 14. Dezember 2004, gemäss welcher die Be schwerdeführenden durch die (...) im Rahmen der von dieser im Auftrag des Kantons (...) geleisteten wirtschaftlichen Sozialhilfe für Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene finanziell teilunterstützt werden. Hinweise auf eine zwischenzeitliche wesentliche Veränderung ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse wurden seither nicht aktenkundig. Nachdem die Beschwerdeführenden ihren persönlichen Lebensunterhalt nicht vollständig aus eigenen Mitteln bestreiten kön- nen, ist davon auszugehen, dass sie über keine eigenen Ressourcen verfügen, um selber für die Verfahrenskosten aufzukom men. Folge- richtig können sie als prozessual bedürftig im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gelten. Beide kumulativ erforderlichen Bedingungen für die Ge- wäh rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind somit erfüllt. Das darauf abzielende Gesuch ist somit gutzuheissen, und die Beschwerdeführenden sind von der Pflicht zur Kostentragung zu befreien. 7.3 Den Beschwerdeführenden ist - als teilweise obsiegender Partei - für die ihnen im Beschwerdeverfahren erwachsenen notwendigen Kos- ten eine Entschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Diese ist praxisgemäss infolge des Unterliegens im Hauptpunkt um die Hälfte zu kürzen (vgl. Art. 7 Abs. 2 VGKE). Von der Rechtsvertretung wurde eine vom 10. Juli 2008 datierende Honorarnote eingereicht. Darin wird der erfor- derliche Zeitaufwand auf der Basis eines Stundenansatzes von Fr. 161.40 (inkl. MWSt) auf insgesamt 17 Stunden veranschlagt, was dem Umfang und der Komplexität der Streitsache angemessen er- scheint. Die aufgeführten Spesen in der Höhe von insgesamt Fr. 53.80 (inkl. MWSt.) können als verhältnismässig bezeichnet werden (Art. 9 Abs. 1 Bst. b und Art. 11 Abs. 2 VGKE). Neben den Kosten der Vertre- tung machen die Beschwerdeführenden keine weiteren notwendigen Auslagen geltend (Art. 8 VGKE). Das BFM ist demnach anzuweisen, Seite 22D-3980/2006 den Beschwerdeführenden eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1398.80 auszurichten. (Dispositiv nächste Seite Seite 23D-3980/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und das BFM anzuweisen, für die Beschwerdeführenden die vorläufige Aufnah- me anzuordnen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 14. Januar 2005 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, die Be schwerdeführenden vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutgeheissen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteient- schädigung von Fr. 1'398.80 auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an: - die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden (Einschreiben) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie) - das (...) des Kantons (...) ad (...) (in Kopie) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Martin Maeder Versand: Seite 24