B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1217/2013/mel U r t e i l v o m 2 1 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Bendicht Tellenbach, Gerichtsschreiber Patrick Weber. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 22. Januar 2013 / N (…). D-1217/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer die Türkei am (…). Januar 2012 und gelangte am 15. Februar 2012 in die Schweiz, wo er am selben Datum um Asyl nachsuchte. Am 5. März 2012 führte das BFM eine Summarbefragung durch. Die Anhörung fand am 27. Septem- ber 2012 statt. A.b Dabei machte der Beschwerdeführer – ein Kurde aus B._______ – geltend, bis 1996 der PKK logistisch behilflich gewesen zu sein. Von 1997 an habe er andere kurdische Organisationen unterstützt. Seit 1980 bis 1999 sei er wiederholt festgenommen und zweimal inhaftiert worden. Man habe ihm Gehilfens chaft für die Guerilla angelastet. Im Jahr 2007 habe ihn die Polizei als Spitzel engagieren wollen. Er habe sich geweigert und sei geschlagen worden. Er habe regelmässig an Aktivitäten der Barış ve Demokrasi Partisi (BDP) teilgenommen. Mitglied sei er aber nicht gewe - sen. Zwei Cousins seien als Kämpfer in den Bergen gefallen. Im März 2007 beziehungsweise 2011 habe er zusammen mit anderen BDP-Unter- stützern zu Kämpfern in die Berge fahren wollen. Die Soldaten hätten den Aufmarsch indes verhindert. Am 5. Oktober 2011 habe er telefonisch von einer bei ihm zuhause durchgeführten Razzia erfahren. Die Behörden hätten nach ihm gesucht und seinen So hn C._______ festgenommen. Wegen der Fahndung nach ihm sei er nicht nach Hause gegangen und habe sich fortan bei einem Bekannten in D._______ aufgehalten. Ein kontaktierter Anwalt habe ihm erklärt, aktuell nichts zu seinen Gunsten unternehmen zu können. Bei ihm werde im selben Verfahren wie demj e- nigen seines Soh nes C._______ ermittelt. Man laste ihm an, als Gru p- penchef der PKK in Erschei nung getreten zu sein. Die Anklageschrift b e- finde sich beim Gericht in B._______. In der letzten Zeit seien fast alle Mitglieder der BDP inhaftiert worden. In Anbetracht dieser Sachlage habe er sich zur Flucht ins Ausland ent schieden. C._______ sei noch immer in Haft. Von der Schweiz aus habe er erfah ren, dass die Behörden wieder- holt nach ihm gesucht hätten. A.c Der Beschwerdeführer gab ein persönliches Schreiben vom 27. Sep - tember 2012 und ein Dokument der türkischen Behörden – als Beweis- mittel für die geltend gemachte Fahndung – zu den Akten. B. B.a Mit Verfügung vom 22. Januar 2013 – eröffnet am 6. Februar 2013 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings eigen-D-1217/2013 Seite 3 schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz. Die Vorinstanz erwog, die vom Be schwer- deführer erlittenen Inhaftierungen im Jahr 1990 un d von 1997 bis 1999 sowie die Schläge beim polizeilichen Spitzelangebot im Jahr 2007 könn- ten in zeitlicher und sachlicher Hinsicht nicht als kausal für die Flucht im Jahr 2012 an gesehen werden, weshalb ihnen vorliegend keine Asylrele- vanz zukomme. Der von ihm geschilderte Versuch, im Rahmen des Pa r- teiengagements zu Guerillas in den Bergen zu gelangen, habe er in zeitli- cher Hinsicht widersprüchlich dargelegt. Das von ihm eingereichte Dok u- ment der türkischen Behörden – eine Bestätigung der Staatsanwaltschaft B._______ für die Suche nach ihm – weise Ungereimtheiten auf. So kön- ne ihm der Gegenstand des Verfahrens nicht entnommen werden. Zudem sei die Zuständig keit des Gerichts für politische Delikte an sich nicht g e- geben. Ausserdem sei lediglich von einem gerichtlichen Vorführbefehl und nicht von einem eigentlichen Haftbefehl die Rede. Unverständlich sei, dass der Beschwerde führer keine aussagekräftigeren Beweismittel für das angeb lich hängige Verfahren beigebracht hab e, obwohl sich sein Sohn C._______ im gleichen Verfahren in Haft befinde und sich ein A n- walt um die Interessen der Familie kümmere. Der Inhalt des Schreibens des Beschwerdeführers vom 27. September 2012 erwähne einen offen- sichtlich nachgeschobenen Sachver halt. Schliesslich könnten beim B e- schwerdeführer als blossem Sym pathisanten der BDP keine konkreten Anhaltspunkte für begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen bejaht werden. B.b Den Vollzug der Wegweisung erachtete das BFM als zulässig, zumut- bar und mög lich. Der Beschwerdeführer verfüge über eine überdurc h- schnittlich gute Ausbildung und Berufserfahrung in verschiede nen Berei- chen. Die von ihm geführte Bijouterie könne er jederzeit wieder er öffnen. Zudem bestünden soziale Anknüpfungspunkte vor Ort. C. C.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 7. März 2013 beantragte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü gung, die Feststellung sei ner Flüchtlingseigen - schaft und die Asylgewährung, eventualiter die Fest stellung der Unzuläs- sigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Weg weisungsvollzugs ver- bunden mit der vorläu figen Aufnahme in der Schweiz so wie in pro - zessualer Hinsicht den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus - ses. D-1217/2013 Seite 4 C.b Zur Begründung machte er geltend, entgegen der Behauptung der Vorinstanz seien die geltend gemachten Ereignisse bis 2007 durchaus re- levant, da die bereits seit sehr langer Zeit andauernde Verfolgung auch im Ausreisezeitpunkt konkrete Anhaltspunkte für eine asylbeachtliche Ge- fährdung enthalten habe. Der Inhalt des Schreibens vom 27. September 2012 könne nicht als nachgeschoben bezeichnet werden. Der Beschwe r- deführer habe die darin erwähnten Sachverhaltslemente in vor gängiger Verkennung der Verschwiegenheitspflicht der Schwe izer Behör den erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Im weiteren gehe die tü r- kische Regierung auch gegen einfache Mitglieder der BDP rig oros vor – ein Umstand, den das BFM offenbar nicht wahrhaben wolle. Er habe des- halb begründete Furcht, im Falle der Rückkehr in die Türkei er neut fest- genommen und misshandelt zu werden. Vor diesem Hinter grund würde ein Vollzug der Wegweisung gegen die relevanten gesetz lichen Bestim- mungen verstossen. C.c Der Eingabe lagen ein Presseartikel und eine Bestätigung für die Be- dürftigkeit des Beschwerdeführers bei. Die Nachsendung von Beweismit - teln aus dem Heimatland wurde in Aussicht gestellt. D. Mit Zwischenverfügung vom 20. März 2013 verzichtete das Bundesver - waltungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusse s und setzte Frist zur Nachreichung von Beweismitteln an. E. Am 19. April 2013 reichte der Beschwerdeführer ein Beweismittel samt deutschsprachiger Übersetzung nach. Gemäss Begleitschreiben handle es sich beim Dokument um einen Festnahmebefehl im Rahmen eine r KCK (Koma Civakên Kurdistan)-Operation der Behörden vom 5. Oktober 2012. F. Mit Vernehmlassung vom 26. April 2013 beantragte das BFM die Ab wei- sung der Beschwerde. Gemäss amtsinterner Überprüfung handle es sich beim nachgereichten Beweismittel um eine Totalfälschung. G. Am 1. Mai 2013 gewährte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwer- deführer im Rahmen des eingeräumten Replikrechts das rechtliche Gehör D-1217/2013 Seite 5 zu den vom BFM aufgelisteten Fälschungsmerkmalen. Die Vorinstanz habe festgehalten, dass das Dokument bei der Angabe des Tatdatums unbestrittenermassen einen Falscheintrag aufweise. Der Umstand, w o- nach ein derart gravierender Fehler vor der definitiven Ausstel lung des Dokuments und der Richterunterschrift nicht korrigiert wor den sei, könne nicht nachvoll zogen werden . Das für korrekt behaup tete Tatdatum "10.10.2011" mute unwahrscheinlich an , zumal es genau dem Ausste l- lungsdatum des Haftbefehls entsprechen würde. Beim Dokument bestehe unter der Rubrik "Angelastete Straftat" ein weiterer Schreib fehler. Der un- ter der Rubrik "Anwendbares Recht" erwähnte Straftatbe stand (Art. 177 Abs. 3) regle gemäss dem anwendbaren Strafgesetzbuch das "Umherlau- fen lassen von Tieren in gefährdender Weise" . Überdies weise das Do- kument Ungereimtheiten auch in der Rubrik "Fest nahmegrund" auf, und der amtliche Rundstempel wirke nicht authentisch. H. Mit Replik vom 16. Mai 2013 hielt der Beschwerdeführer an der Echtheit des Dokuments fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und is t daher eine Vorinstanz des Bundesver - waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entsche i- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei nes Aus- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh rende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. D-1217/2013 Seite 6 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Flüchtlinge si nd Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner- träglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorb ringen, die in wesentli - chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver - fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Heimatland verlassen zu ha - ben, weil im Rahmen eines KCK-Verfahrens nach ihm gefahndet werde. 4.1 In diesem Zusammenhang hat er zuerst eine Bestätigung der Staat s- anwaltschaft B._______ für die Suche nach ihm eingereicht. Die Vorin -D-1217/2013 Seite 7 stanz hat im angefochtenen Entscheid ausführliche und nachvollziehbare Erwägungen zur fehlenden Beweistauglichkeit des Dokuments gemacht. In der Beschwerdeschrift fehlen Argumente für eine andere Sichtweise, weshalb vollumfänglich auf die substanziierten Darlegungen d es BFM verwiesen werden kann. Der nachgereichte türkische Haftbefehl ist vom BFM im Rahmen des Schriftenwechsels als Fälschung erkannt worden. Auch hier kann auf die ausführlichen und wiederum überzeugenden Au s- führungen verwiesen werden (vgl. Bst. G. vor stehend). In der Replik be - schränkt sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen darauf, die Echt heit des Dokuments nach wie vor bloss zu behaupten, was nach dem Ge - sagten nicht zu überzeugen vermag. Entsprechend ist das Beweismittel als Fälschung gestützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG einzuziehen. 4.2 Nach dem Gesagten konnte der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen, im Zeitpunkt der Ausreise im Heimatland behördlich gesucht und asylrelevant gefährdet zu sein. Dies wie erwähnt zum einen wegen der Untermauerung durch ein untaugliches beziehungsweise ein gefälschtes amtliches Dokument. Zum andern fällt auf, dass seine Darlegungen a n- lässlich der Anhörung wenig Substanz aufweisen und er immer wieder auf die generelle Situation der Kurden vor Ort hinweist (A 16/14 Antwor- ten 31 ff.). Ausserdem fehlen Realkennzeichen in den – vor allem auch betreffend den angeblichen Versuch, im Rahmen eines Massenanlasses zu den Rebellen in die Berge zu gelangen – sehr stereotypen Aussagen. Im persönlichen Schreiben vom 27. September 2012 macht er geltend, der Guerilla junge Kämpfer zugeführt zu haben. Das Vorbringen erscheint aber als offensichtlich nachgeschoben. Sein Hinweis, zuvor noch nicht über die Verschwiegenheitspflicht der Schweizer Behörden im Klaren g e- wesen zu sein, wirkt konstruiert. 4.3 Im Weiteren mag zutreffen, dass er sich auch vor der Ausreise in ei - nem gewissen Ausmass für die BDP einsetzte. Damit könnte durchaus eine gewisse Gefährdung entstehen. Sein Versuch, diese Gefährdung für den Zeitpunkt der Ausreise glaubhaft zu machen, ist aber nach dem G e- sagten misslungen. Zudem gab er an, nicht Mitglied der BDP gewesen zu sein, und vermittelte nicht den Eindruck eines markanten politischen Pro - fils (A 6/11 S. 8: Antwort auf die Frage seiner Funktion; A 16/14 Antworten 65 f .). Entsprechend kann auch in diesem Lichte besehen nicht davon ausgegangen werden, im drohe in der Türkei eine asylrelevante Ge - fährdung. In Anbetracht dieser Einschätzungen ist die vorinstanzliche Sichtweise, wonach die Ereignisse bis 2007 nicht als kausal für die Flucht D-1217/2013 Seite 8 im Jahr 2012 angesehen werden könnten, entgegen den nicht überzeu- genden Beschwerdevorbringen zu teilen. 4.4 Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände folgt, dass der Be - schwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaub - haft machen konnte. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigen schaft zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. An dieser Einschät zung vermögen die weiteren Ausführungen in der Eingabe und der eingereichte Presseartikel mangels Stichhaltigkeit nichts zu ändern. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An spruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge - mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche B e- weisstandard wie bei der Flücht lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen. 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei nem D-1217/2013 Seite 9 Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 A bs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 de s Überein - kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheite n (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigen- der Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh- rers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den A kten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei - ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand - lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäis chen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei - sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmens chliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allge - meine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisung s- vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei nen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. D-1217/2013 Seite 10 6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren. 6.5 6.5.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass die all gemei- ne Lage in der Türkei nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Si - tuation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet ist, aufgrund derer die Zivilbe- völkerung als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste. Der Voll zug der Wegweisung ist unter diesen Umständen nicht generell als un zumut- bar zu bezeichnen (zur Situation in den Provinzen Hakkari und Sirnak vgl. BVGE E-2560/2011 vom 15. März 2013). 6.5.2 Der Beschwerdeführer stammt aus B._______ und verfügt über Be- rufserfahrung in verschiedenen Bereichen. Auch ein gewisser finanziel ler Rückhalt dürfte bestehen . Ausserdem wohnen Angehörige vor Ort (vgl. Bst. B.b vorstehend). Es ist entsprechend nicht davon auszugehen, dass er nach seiner Rückkehr in die Türkei dort in eine exis tenzgefährdende Situation gerät. 6.5.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 6.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine An ordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. D-1217/2013 Seite 11 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insg esamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-1217/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das als gefälscht erkannte Dokument wird gestützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG eingezogen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber Versand: