B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-5457/2013 U r t e i l v o m 2 0 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…), Türkei, vertreten durch B._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. August 2013 / N (…). E-5457/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie mit letztem Aufenthalt und Arbeitsort in C._______, verliess die Türkei nach eigenen Angaben am 7. Juli 2013 auf dem Landweg und reiste in die Schweiz, wo er am 12. Juli 2013 , (…), ein Asylgesuch ei n- reichte. Am 16. Juli 2013 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel summarisch zur Person und zu seinen Ausreisegründen (Protokoll: Vor- akten A3/10) befragt. Er reichte dabei seinen türkischen Identitätsausweis (Nüfus Cüzdanı) ein. Am 20. August 2013 fand d ie Anhörung zu den Asylgründen Vorakten (Protokoll: A11/16) in Anwesenheit einer Vertra u- ensperson und der Hilfswerkvertretung statt. Der Beschwerdeführer begründete sein Gesuch damit, dass er als Kurde eine schwierige Situation erlebt habe. Aufgewachsen sei er bei seinen El- tern und mit (…) Geschwistern im Dorf D._______, Landkreis E._______, Provinz F._______. In der Schule sei er wegen der Ethnie, mangelnder Türkischkenntnisse und des Sprechens der kurdischen Sprache vom Lehrer und vom Schulleiter beschimpft und geschlagen worden. Eines Tages hätten ihn Gendarmen in der Schule für Spitzeldienste anzuwerben versucht, was er abgelehnt habe. Deshalb hätten sie ihn wiederholt auf den Posten mitgenommen oder ihren Hund auf ihn losgelassen. Die Gendarmen hätten letztlich bewirkt, dass er die Schule 2010 habe verlas- sen müssen, denn die Schulleitung habe mit ihnen kooperiert. Später hät- ten ihn die Gendarmen noch mehrmals als Spitzel anzuwerben versucht. Für den Weigerungsfall hätten sie ihm mit Festnahme, Folter oder Tötung gedroht. Vor Ablauf der ihm gesetzten Frist für eine Zustimmung zum Spitzeldienst sei er im Jahr 2011 nach C._______ gereist, wo er bis zu seiner Ausreise gearbeitet und bei (…) gewohnt habe. Er habe noch min- destens fünf Male sein Heimatdorf besucht, letztmals etwa vor fünf Mona- ten (etwa Mai 2013). 2012 habe er in C._______ spontan an einer Kund- gebung für die kurdische Sache teilgenommen. Er habe sich vorne beim Demonstrationszug eingereiht, eine Fahne getragen und Siegeszeichen gemacht. Die Polizei sei gegen diese Kundgebung eingeschritten. Er ha- be zwar Stockschläge abbekommen, aber dennoch fliehen können . Aus Furcht vor weiteren Problemen und damit er nicht mit der Zeit psychisch zu Grunde gehe, sei er aus der Türkei ausgereist. Zudem habe er be- fürchtet, keine Arbeit mehr zu erhalten, die sozialversichert sei. E-5457/2013 Seite 3 B. Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 28. August 2013 stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfü lle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. C. Nach erneut gewährter Akteneinsicht vom 11. September 2013 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerde einreichen mit den Anträgen auf Aufhebung der Verfügung vom 28. August 2013 , Anerkennung der Flüchtlingseige n- schaft, Asylgewährung beziehungsweise eventualiter in Feststellung der Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die A n- ordnung der vorläufigen Aufnahme . In formeller Hinsic ht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses . Der Eingabe lagen Kopien der angefochtenen Verfügung und einer Empfangsbestätigung, die Anwaltsvollmacht vom 20. September 2013 und eine Fürsorgebestäti- gung vom 27. September 2013 bei. D. Mit Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2013 wies das Bundesverwa l- tungsgericht das Gesuch um Verzicht auf Kostenvorschuss wegen mu t- masslicher Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab und erhob einen Vor- schuss von Fr. 600.–, welcher am 22. Oktober 2013 geleistet wurde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus - nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs- gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be - schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). E-5457/2013 Seite 4 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der mittlerweile volljährig gewordene Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vori n- stanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung bes onders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezi e- hungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legi- timiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.5 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterl i- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehung s- weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfü h- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen Asyl, sofern keine Asylausschlussgründe i.S. von Art. 50 ff. AsylG vorliegen. Flüchtlinge i.S. von Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelt en namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner- träglichen psychischen Druck bewirken. Nach Lehre und Rechtsprechung (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.) e r- füllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingsei genschaft i.S. von Art. 3 AsylG, wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten E-5457/2013 Seite 5 muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zug e- fügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatl i- chen Schutz erwarten kann. Die im Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Ver- folgungsmotive sind über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann. Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides über deren Bestehen – nicht die- jenige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfo l- gung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation im Heimatstaat zwischen Ausrei se und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen. 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend su b- stanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in v a- gen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nic ht wide r- sprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Ta t- sachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Die asylsuche n- de Person muss persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorb ringen auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abstützt, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen au s- wechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Ve r- fahren zeigt oder d ie nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung impliziert ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden Person. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig über-E-5457/2013 Seite 6 zeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält. Demgegenüber reicht es nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdi- gung der gesamten Aspekte wesentliche un d überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Darstellung des Sachverhalts sprechen. En t- scheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die für die Richtigkeit des dargelegten Sachverhalts sprechenden Gründe überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. 2.3 Das BFM begründete seine ablehnende Haltung im Flüchtlings - und Asylpunkt damit, dass die Angaben des (…) Beschwerdeführers den An- forderungen an die Flüchtlingseigenschaft und die Glaubhaftmachung gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht standhalten würden. So sei er seit drei Jahren nicht mehr zur Schule gegangen, weshalb die während der Schul- zeit von Schuldirektor und Lehrer erhaltenen Schläge für seine Ausreise aus der Türkei nicht kausal gewesen sein könne n. Seine Ausführungen zu den Anwerbungsversuchen zu Spitzeltätigkeiten seien in wesentlichen Punkten zu wenig konkret, detailliert und differenziert dargelegt worden, weshalb er den Eindruck vermittle, das Geschilderte nicht selbst erlebt zu haben. Den wiederholten Aufforderungen des BFM, das Erlebte ausführli- cher zu beschreiben, sei er nicht nachgekommen. Er habe sich unfähig gezeigt, Situationen, Abläufe wesentlicher Ereignisse, ungefähre Zeitve r- hältnisse und sein Verhalten näher zu beschreiben ; beispielsweise, als die Gendarmen das erste Mal zur Schule gekommen seien oder ihren Hund auf ihn gehetzt hätten. Seine Ausführungen seien unsubstanziiert, pauschal und oberflächlich. Er habe nicht nachvollziehbar darlegen kön- nen, weshalb ihn die Behörden als Spitzel hätten engagieren wollen, ha- be er doch als (…)-Jähriger über kein Insiderwissen verfügt. Weiter sei unerklärlich, weshalb ihm trotz massiver Drohungen seitens der Gendar- men nie etwas geschehen sei, und er trotz dieser Probleme wiederholt sein Heimatdorf besucht habe. Mithin sei nicht glaubhaft gemacht, dass ihn die Behörden als Spitzel hätten gewinnen wollen. Weiter habe er trotz Aufforderung die Demonstration im Jahr 2012 und den Polizeiangriff nicht näher beschrieben. Somit erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei abzuweisen. In der Beschwerde wird unter Ausführungen zur politischen Lage in der Türkei beanstandet, das BFM schätze die Angaben de s Beschwerdefüh- rers falsch ein. Sein Asylgesuch genüge den Anforderungen von Art. 3 und 7 AsylG. Er habe keine oberflächlichen oder unglaubhaften Angaben gemacht. Seine Ausführungen zum Druck seitens des Kommandanten des Postens könnten diesen Umstand belegen . Die während der Schu l-E-5457/2013 Seite 7 zeit erlebten Repressalien und Schikanen wegen der Ethnie und die da- maligen Aktionen und Drohungen durch den Kommandanten des Postens hätten ihn zum Abbruch des Schulbesuchs und Ausweichen nach C._______ veranlasst. Vor diesem Hintergrund bestehe ein Kausalzu- sammenhang zwischen den geschilderten Ereignissen im Dorf (Schule, Polizei) und seiner Flucht. Die türkischen Behörden hätten gezielt Kinder für ihre Spitzeldienste ausgewählt, weil diese schneller und leichter an- zuwerben seien. Auch würden junge Spitzel nicht so schnell verdächtigt . Die wiederholten Rückreisen ins Dorf der Eltern seien damit zu erklären, dass seine Familie im Dorf geblieben und er noch ein Kind gewesen sei. Dabei sei er jedes Mal vom Kommandanten unter Druck gesetzt worden. Infolgedessen habe er sich gezwungen gesehen, ins Ausland zu fliehen. Er habe begründete Furcht vor Festnahme und Misshandlung . Er erfülle mithin die Flüchtlingseigenschaft, und es sei ihm Asyl zu gewähren. 3. Vorab ist festzustellen , dass das BFM auf der Basis eines rechtsgen ü- gend festgestellten Sachverhalts entschieden hat, der keiner ergänze n- den Anhörungen oder Abklärungen bedarf. Die zentralen Asylangaben des Beschwerdeführers fielen in den Anh ö- rungen durchwegs vage, oberflächlich, wenig detailliert und wenig diff e- renziert aus. Die Schilderungen zentraler Vorgänge wiesen keine übe r- zeugenden Realkennzeichen auf und seine Antworten auf gezielte Nac h- fragen blieben wiederum ohne die nötige Substanz. S ein eigenes Verhal- ten bei einschneidende n Vorkommnissen wie den Konfrontationen mit dem Lehrer, der Schulleitung oder den Gendarmen erscheint unverbind- lich und konturen arm. Der Beschwerdeführer wusste offensichtlich hin- sichtlich keines einzigen konkreten Vorfalles etwas Fundiertes – zum Vor- fall selber, zum zeitlichen Ablauf, zu den Ursachen und Folgen, zu seinem eigenen Verhalten – zu berichten. Dies gilt auch für seine angebliche Teil- nahme an einer Demonstration in C._______ im Jahr 2012. Bei dieser Sachlage sind die Angaben des Beschwerdeführers zu den Fluchtgründen als unglaubhaft zu bezeichnen, wobei die geltend gemach- ten Nachteile in der Schule als nicht ausreiseentscheidend erscheinen. Die Ausführungen in seiner Rechtsmitteleingabe beschränkten sich im Wesentlichen darauf, die Richtigkeit des geltend gemachten Sachverhalts zu behaupten, ohne in dessen die zutreffenden Ausführungen der Vori n- stanz in der angefochtenen Verfügung im Kern zu entkräften. E-5457/2013 Seite 8 Der Beschwerdeführer hat seinen Angaben zufolge seit 2011 mehrheitlich bei (…) in C._______ gelebt. Er stammt aus einer kinderreichen Familie und hat auf dem ganzen Gebiet der Türkei Verwandte. Mithin kann er sich allfällig lokalen Problemen in seiner Heimatregion bei Bedarf durch eine Wohnsitzverlegung problemlos entziehen. Zusammenfassend ist objektiv nicht nachvollziehbar , weshalb der B e- schwerdeführer eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung in der Türkei haben soll. Das BFM hat das Asylgesuch demnach zu Recht abge- lehnt. 4. 4.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisun g aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 4.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.1 m.w.H.). Die Wegweisung wurde de m- nach zu Recht angeordnet. 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht durchführbar, das heisst unz u- lässig, unzumutbar oder unmöglich, regelt das Bundesamt das Anwese n- heitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Be- züglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt der gle i- che Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 5.2 Der Vollzug ist unzulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesve r- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen E-5457/2013 Seite 9 Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfre i- heiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb- liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, k ann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung vorliegend keine Anwendung finden; seine Rückkehr in die Türkei ist unter diesem Aspekt rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Rück- kehr in der Türke i mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Mensche n- rechte (EGMR) und jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Be- schwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaub- haft machen, dass ihm bei einer Rückschiebung Folter oder unmensc h- liche Behandlung drohen würde (vgl . EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 ff., m.w.H.). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung im Sinne der asyl- und der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 5.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wir d eine konkrete Gefäh r- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor- läufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Es besteht kein Grund anzunehmen, der Beschwerdeführer gerate bei ei- ner Rückkehr in sein Heimatland in eine existenzbedrohende Lage, da dort weder eine allgemeine und landesweite Gewaltsituation besteht, noch die allgemeine Menschenrechtssituation den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen lässt. Einer Rückkehr des (…) Beschwerdeführers stehen keine individuellen Gründe politischer, wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur entgegen. Er wohnte seit 2011 bis zur Ausreise bei (…) in C._______ und ging dort einer Erwerbstätigkeit nach. Er verfügt über ein grösseres Fami-E-5457/2013 Seite 10 lien- und Beziehungsnetz in der ganzen Türkei (Vorakten A3 S. 5) und kann daher zu Verwandten zurückkehren, so dass für ihn in verschied e- nen Regionen der Türkei die Gelegenheit zur Wohnsitznahme besteht . Zudem hat er schon früher auf die Unterstützung dieser Verwandtschaft zählen können, weshalb nicht anzunehmen ist, dass dies künftig anders sein wird. Seine Erfahrungen als (…) oder als Arbeiter im (…) werden ihm den Einstieg ins Erwerbsleben erleichtern . Er machte zwar in der Anh ö- rung diffuse (…gesundheitliche Probleme…) (A11 S. 12 ) geltend. Einer- seits sind diese gesundheitlichen Einschränkungen ärztlich nicht belegt. Anderseits sind sie offenbar nicht von einer Art, dass er sich deswegen in der Schweiz in ärztlich Pflege h ätte begeben müssen oder er nicht hätte arbeiten können. Die von ihm geltend gemachten gesundheitlichen Ei n- schränkungen stehen einem Wegweisungsvollzug somit nicht entgegen. Bei allfälligem Bedarf nach medizinischer Behandlung würden in der Tür- kei entsprechende Einrichtungen mit Fachpersonal zur Verfügung stehen. Angesichts seines Alters, seines offenbar genügend intakten Gesun d- heitszustandes und seiner bisherigen beruflichen Erfahrungen in der Tür- kei ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in seiner Heimat wieder in den Arbeitsmarkt integrieren kann. Ausserdem könnte er sich, falls er lokalen Gegebenheiten ausweichen möchte, an einem ande- ren Ort in der Türkei niederlassen. Soziale oder wirtschaftliche Schwierig- keiten, von de nen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, stellen im Übrigen keine Gefährdung i.S. von Art. 83 Abs. 4 AuG dar. Damit erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumutbar. 5.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständ i- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung a ls möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 5.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht als durchführbar erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und E-5457/2013 Seite 11 vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600. – dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Fe b- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2 ] und Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der am 22. Oktober 2013 einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. (Dispositiv nächste Seite) E-5457/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Der am 22. Oktober 2013 einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: