Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Januar 2022 (720 21 201 / 02) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Invalidenrente; Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Yves Waldmann, Advokat, St. Johanns-Vorstadt 23, Postfach 1328, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.a Die 1967 geborene A.____ meldete sich im August 2 002 unter Hinweis auf Rheuma in Armen und Beinen, Vergesslichkeit, Schulter- und Armschmerzen, Lust- und Freudlosigkeit erst- mals bei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse, welche einen Invaliditäts- grad von 10 % ergab, wies die IV-Stelle mit Verfügun g vom 19. Oktober 2004 einen Rentenan- spruch ab. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom K antonsgericht Basel-Landschaft, Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), mit Urteil vom 23. November 2005 abge- wiesen. Am 12. September 2006 meldete sich die Versiche rte erneut bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. In der Anmeldung wurde geltend gemacht, dass sich der Gesundheitszustand wesentlich verschlechtert habe, sodass nunmehr die Voraus- setzungen für den Bezug einer IV-Rente gegeben seien. Nach Vornahme der erforderlichen Ab- klärungen wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Jan uar 2009 einen Anspruch auf eine IV- Rente gestützt auf einen IV-Grad von 17 % ab. A.b Am 23. September 2014 ging erneut ein Gesuch der Versicherten bei der Invalidenversi- cherung ein. A.____ gab als gesundheitliche Beschwerden chronische Gelenkschmerzen, Ver- spannungen und Arthrose an beiden Kniegelenken an. Zuletzt war A.____ vom 16. Januar 2013 bis 31. Mai 2014 als Shop-Angestellte in einem Pensum zwischen 20 % und 80 % angestellt ge- wesen. Das Arbeitsverhältnis wurde wegen Geschäftsaufgabe gekündigt. Die IV-Stelle klärte in der Folge erneut die erwerblichen und gesundheitliche n Verhältnisse ab. Gestützt auf ein Gut- achten der B.____ AG vom 16. April 2015, welches von d er Krankentaggeldversicherung von A.____ in Auftrag gegeben worden war, verfügte die IV-Stelle am 2. Dezember 2015 die Abwei- sung des Leistungsbegehrens gestützt auf einen IV-Grad von 12 %. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht mit Urteil vom 7. Juli 2016 in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Ab- klärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde. In de r Folge holte die IV-Stelle ein bidiszipli- näres Gutachten bei Dr. med. C.____ (Fachrichtung Rhe umatologie) und bei Dr. med. D.____ (Fachrichtung Psychiatrie) ein. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. Mai 2021 das Leistungsbegehren gestüt zt auf das Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Oktober bzw. 8. Novembe r 2017 und einem errechneten IV- Grad von 25 % erneut ab. B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr . Yves Waldmann, mit Schreiben vom 24. Juni 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht. Darin beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mindestens eine h albe Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung und zur Berechnung des Invaliditätsgrades an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Des Weiteren sei ihr die unent- geltliche Rechtspflege zu bewilligen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 26. Juli 2021 beantragt e die IV-Stelle, dass die Be- schwerde abzuweisen sei. D. Mit Verfügung vom 28. Juli 2021 wurde der Beschwerd eführerin die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Dr. Yves Waldmann als Rechts- vertreter bewilligt. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes ü ber die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrige n frist- und formgerecht eingereichte – Beschwerde der Versicherten vom 24. Juni 2021 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. D ie vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmungen d es IVG und diejenigen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. De- zember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden j eweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2. Streitig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die IV -Stelle das Leistungsbegehren der Be- schwerdeführerin zu Recht abgewiesen hat. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die: a. ihre Er- werbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können; b. während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m indestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nac h dem Grad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine g anze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutb are Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück- sichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Ge- burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verste- hen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltend e somatoforme Schmerzstö- rung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (vg l. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (B GE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti- gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät- zen (BGE 141 V 281 E. 2., E. 3.4-3.6 und 4.1). Gemäss altem Verfahrensstandard (z.B. BGE 130 V 352) eingeholte Gutachten verlieren nicht per se i hren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen s pezifischen Gegebenheiten und den er- hobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abste llen auf die vorhandenen Beweis- grundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). 2.4 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invalidit ätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbin- dung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensv ergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch- führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er werbseinkommen ziffernmässig mög- lichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommens- differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. A llgemeine Methode des Einkommensver- gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen). Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad der Versicherten nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs bemessen, was von der Beschwerdeführerin – zu Recht – nicht be- stritten wird. 3. Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, ob und gegebe- nenfalls in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträch- tigungen arbeitsunfähig ist. 3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und be i der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi- cherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund- lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge- mutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). 3.3.1 So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens e ingeholten Gutachten externer Spe- zialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so- wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi- gen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung voll e Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exp ertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesger ichts vom 6. März 2019, 9C_609/2018, E. 3.2.2). 3.3.2 Zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit d er Berichte und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen wird der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf man gelnde Objektivität und Befangen- heit schliessen lässt (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Diesen Berichten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG (in der bis 31.12.2021 gültigen Fassung) eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfol- gerungen bestehen (BGE 135 V 465 E. 4.7). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3.3 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten d arf und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; U rteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder G erichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (BGE 126 V 353 E. 5b; Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2015, 8C_431/2015, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 5. War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditäts grades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (A rt. 87 Abs. 3 der Verordnung über die In- validenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961), so ist i m Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob mit dem Gesuch im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV glaubhaft gemacht wurde, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat . Nach der Rechtspre- chung sind die bei einem Revisionsfall geltenden Regeln bei einer Neuanmeldung dabei analog anzuwenden (BGE 117 V 198 E. 3a). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, d en Invaliditätsgrad und damit den Renten- anspruch zu beeinflussen. Ein Revisionsgrund ist unter U mständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 130 V 343 E. 3. 5 mit Hinweisen). Im vorliegenden Ver- fahren wurde die Invaliditätsbemessung von der IV-Stelle nach der allgemeinen Methode vorge- nommen, während das letzte rechtskräftig beurteilte Re ntengesuch mit Verfügung vom 23. Ja- nuar 2009 gestützt auf die gemischte Methode abgewiesen wurde. Ein Revisionsgrund ist folglich zu bejahen, weshalb die IV-Stelle zu Recht auf die Neuanmeldung vom 23. September 2014 ein- getreten ist. 6. Zur Beurteilung des medizinischen Sachverhalts liegen im Wesentlichen die folgenden ärztlichen Unterlagen vor: Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Nachdem das Kantonsgericht mit Urteil vom 7. Juli 2016 die Angelegenheit zur Abklä- rung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit a n die Vorinstanz zurückgewiesen hat, gab die IV-Stelle bei den Dres. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und C.____, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, ein bidisziplinä res (rheumatologisch-psychiatrisches) Gutachten in Auftrag. 6.1.1 Im rheumatologischen Teilgutachten vom 7. Oktobe r 2017 erhebt Dr. C.____ als Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine be ginnende mediale Gonarthrose mit begin- nender Femoropatellararthrose beidseits. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit werden eine Fibromyalgie, ein Status nach laparoskopischem proximalem Roux-Y-Magenbypass und Cholezystektomie bei Adipositas WHO initial Grad II I (112 kg, 149 cm, BMI 50,4) am 15.12.2015, eine Hypothyreose, substituiert, sowie eine Arterielle Hypertonie angeführt. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit hält er fest, in der b isherigen Tätigkeit als I.____, d.h. einer rein stehenden Tätigkeit, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, bezogen auf ein Ganztagespensum. In der letzten Tätigkeit als Verkäuferin in einem Sho p mit praktisch rein stehender Tätigkeit be- stehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, bezoge n auf ein Ganztagespensum. Die Ein- schränkung komme durch die Knieproblematik zu Stande, diese werde bei einer rein stehenden oder gehenden Tätigkeit wirksam. Das Profil einer Verweistätigkeit aus rheumatologischer Sicht umschreibt Dr. C.____ wie folgt: Es seien keine Arbeiten im körperlich schweren Bereich möglich, sondern nur Arbeiten im körperlich leichten bis mittelschweren Bereich. Wegen des Knies seien keine Arbeiten repetitiv nur bückend, kauernd, kniend oder in der Hocke möglich. Gelegentliche Arbeiten in diesen Stellungen seien sehr wohl möglich und auch zumutbar. Es sei kein dauerndes Besteigen von Leitern oder Gerüsten möglich. Gelegentliches Besteigen von Leitern oder Gerüs- ten sei hingegen absolut zulässig. Die Gehstrecke sei auf 60 Minuten beschränkt. Wobei er sich hier am objektiven Röntgenbefund orientiere, nicht an den subjektiven Angaben. Für eine körper- lich leichte bis mittelschwere Tätigkeit, welche die obengenannten Restriktionen berücksichtige, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, bezogen auf ein Ganztagespensum. 6.1.2 Im psychiatrischen Teilgutachten vom 8. November 20 17 diagnostiziert Dr. D.____ als Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0) und eine anhaltende som atoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Eine Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wird nicht erhoben. So- wohl in der bisherigen Tätigkeit wie auch in einer Verweistätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %. In der Tätigkeit als Hausfrau bestehe keine Beeinträchtigung. 6.1.3 Im Rahmen ihrer bidisziplinären Konsensbeurteilu ng gelangen die Dres. C.____ und D.____ zum Schluss, seit Jahren bestehe in den angestammten Tätigkeiten als I.____ und Ver- käuferin eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Die Einschrän kung der Arbeitsfähigkeit aus rheuma- tologischer Sicht und aus psychiatrischer Sicht würden sich nicht addieren. In einer leichten bis mittelschweren, angepassten Tätigkeit bestehe aus bidisziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.2 Mit Stellungnahme vom 10. Oktober 2018 empfieh lt Dr. med. E.____, Facharzt Psychi- atrie/Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) , auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ abzustellen. Die Gutachter hätten insbesondere die Standardindikato- ren ausführlich und plausibel Punkt für Punkt erläuter t und auch die vorhandenen Ressourcen beschrieben. 6.3 Dr. med. F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, nennt als Diagnosen mit Aus- wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradig, mit somati- schen Symptomen (ICD-10 F33.11), eine chronische Schmerzkrankheit mit psychischer und so- matischer Komponente, nämlich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und V.a. Rheuma und Gelenksabnützung nach Adipositas-Operation. Im Weiteren wird eine an- dere Belastungsstörung (ICD-10 F43.8) diagnostiziert, we il die Tochter Diabetes Typ I seit dem Kleinkindalter habe. 6.4 Dr. med. G.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, hält in seinem Bericht vom 4. Juni 2020 eine Adipositas WHO Grad III als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest und führt aus, dass die Beschwerdeführerin trotz initialem G ewichtsverlust nach Bypass-Operation immer noch an einer starken Adipositas leide und damit gonarthrotischen Beschwerden. Sie sei stark in ihren alltäglichen Besorgungen eingeschränkt. D er Zustand der Versicherten sei statio- när, die Arbeitsunfähigkeit betrage 100 %. 6.5 Mit Arztbericht vom 24. Juli 2020 nimmt PD Dr. med . H.____, FMH Plastische, Rekon- struktive und Ästhetische Chirurgie, Bezug auf das Oberschenkellifting, das am 12. Februar 2019 durchgeführt worden sei. Er hält fest, dass durch die massive Lipomatose im Bereich der media- nen Kniegelenke und der proximalen medianen Oberschenkel die Beschwerdeführerin weiterhin in der freigehenden Beweglichkeit deutlich eingeschrän kt sei. Sie könne die Fettmassen dieser Beinadipositas nur mit Stützstrumpfhosen einigermassen kon trollieren. Die Versicherte sei als I.____ mit weitgehender stehender Tätigkeit absolut ungeeignet. Die Versicherte könne maximal halbtags als I.____ tätig sein. Für eine Eingliederun g in einem sitzenden Beruf teilzeitig würden die Sprachkenntnisse fehlen. 6.6 Mit Arztbericht vom 26. Januar 2021 nimmt Dr. E.__ __ zu den neuen medizinischen Un- terlagen Stellung und hält fest, dass die von Dr. G.___ _ aufgrund der Adipositas geltend ge- machte 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar sei, weil die Adipositas im Gutachten von Dr. C.____ eingehend untersucht und beschrieben worden sei, ebenso die Gonarthrose beid- seits und die adipöse Struktur der Beine. Diese Gesundhe itsschäden seien im Gutachten von Dr. C.____ bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hinlänglich berücksichtigt worden, indem er eine dauerhafte 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der ang estammten Tätigkeit attestiert habe. Eine massgebende Verschlechterung des Gesundheitszustands sei a us dem Arztbericht von Dr. G.____ nicht zu entnehmen. Auch PD Dr. H.____ halte fest, die Versicherte sei maximal halb- tags arbeitsfähig als I.____. Als Verweistätigkeit erachte dieser einen sitzenden Beruf als sinnvoll. Die von PD Dr. H.____ erwähnten möglichen Probleme wegen fehlender Sprachkenntnisse seien jedoch aus versicherungsmedizinischer Sicht als invalidität sfremd zu beurteilen. Weiter hält Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. E.____ fest, dass die von Dr. F.____ beschriebene rezidivierende depressive Störung, mittel- gradig, sowie die chronische Schmerzkrankheit wie auch die anhaltende somatoforme Schmerz- störung sich nicht unterscheide von der im Gutachten von Dr. D.____ gestellten Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gegenwärtig leichte Episode und anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Eine wesentliche Veränderung gegenüber dem Gutachten sei nicht erkennbar. Ebenso wenig sei eine Veränderung der Befunde feststellbar, auch die psychopharmakologische Behandlung sei unverändert, eine psychiatrische station äre Behandlung sei zwischenzeitlich nicht durchgeführt worden und offenbar auch nicht als erforderlich erachtet worden. 7. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verf ügung vom 19. Mai 2021 bei der Be- urteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten auf die Ergebnisse, zu denen die Gutachter Dres. C.____ und D.____ in ihrem bidisziplinären Gutachten vom 7. Ok- tober bzw. 8. November 2017 gelangten. Sie ging davon aus, dass der Versicherten die Aus- übung einer leidensadaptierten Tätigkeit im Umfang vo n 80 % zumutbar sei. Diese vorinstanzli- che Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben au sgeführt (vgl. E. 3.3.1 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete In- dizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen hier keine vor. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Oktober bzw. 8. November 2017 weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht ver- langt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Ebenso setzt es sich ausreichend mit den vorhandenen ab weichenden ärztlichen Einschätzun- gen auseinander. 7.1.1 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht geeignet, die ausschlaggebende Be- weiskraft des Gutachtens der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Oktober bzw. 8. November 2017 in Frage zu stellen. Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen, der rheumatologische Gutach- ter Dr. C.____ habe in nicht nachvollziehbarer Weise eine Fibromyalgie als Diagnose ohne Ein- fluss auf die Arbeitsfähigkeit angeführt, er weise praktisch sämtliche somatischen Beschwerden dieser Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu. Es liege jedoch eine objektivierte Ge- lenkserkrankung vor. Es überzeuge nicht, wenn Dr. C.___ _ darlege, dass er die im Gutachten von Dr. J.____, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, vom 17. Mai 2004 zuhanden der MEDAS erhobenen Diagnosen eines unspezifischen zervikoverte bralen Schmerzsyndroms und eines lumbovertebralen Schmerzsyndroms nun einfach der Diagnose Fibromyalgie zuordne. Vorweg ist festzuhalten, dass sich Dr. C.____ detaillier t mit den Diagnosen einer Fibromyalgie wie auch einer Gonarthrose auseinandergesetzt hat. Ausse rdem ist darauf hinzuweisen, dass Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. C.____ an verschiedenen Stellen im Gutachten die Gonarthrose als altersentsprechend ein- gestuft hat. Soweit die Beschwerdeführerin auf die Di agnosen von Dr. J.____ aus dem Jahre 2004 hinweist und darauf, dass Dr. C.____ davon abwei che, ist klarzustellen, dass Dr. J.____ damals auch trotz dieser Diagnosen eine 80%ige Arbeits fähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit festgehalten hat. Die 20%ige Einschränkung hat er dama ls lediglich mit der Körperfülle der Be- schwerdeführerin begründet, die mittlerweile durch die Operation aber grösstenteils weggefallen ist. Im Übrigen scheint die Beschwerdeführerin in diese m Zusammenhang zu übersehen, dass der Gutachter Dr. C.____ die mediale Gonarthrose du rchaus als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten, andererseits aber das cervikospondylogene sowie auch das lum- bospondylogene Syndrom unter der Diagnose Fibromyalgie und eben als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt hat. Zur Begründ ung hielt er fest, dass die sich durch diese Diagnosen für eine Verweistätigkeit ergebenden Einschrä nkungen nicht ins Gewicht fallen wür- den. Dies ist durchaus nachvollziehbar. 7.1.2 Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, Dr. C .____ habe zu Unrecht die ausgeprägte Adipositas als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingestuft, insbesondere werde der Tat- sache, dass die Magenbypass-Operation keinen langfristigen Erfolg gebracht habe, nicht Rech- nung getragen. Diesbezüglich weist die IV-Stelle zu Recht darauf hin, dass durch die Operation mit einem Gewichtsverlust von nahezu 50 kg eine massive Verbesserung erreicht werden konnte, so dass gemäss Arztbericht des Spitals K.____ vom 15. Mär z 2017 hinsichtlich der Adipositas keine Einschränkungen mehr zugeordnet werden konnten. Entscheidend ist die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und hier sieht der rheumatologische Gutachter für eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit Berücksichtigung der erwähnten Restriktionen auch von der Adipositas her keine Einschränkungen. Soweit der Hausarzt Dr. G.____ in seinem Bericht vom 4. Juni 2020 die Beschwerdeführerin durch die Adipositas noch als eingeschränkt sieht, geht aus seinem Bericht aber nicht konkret hervor, inwiewei t die Beschwerdeführerin auch in einer angepassten Tätigkeit eingeschränkt sein soll. Damit ist dieser Bericht des Hausarztes nicht ge- eignet, die gutachterliche Einschätzung in Frage zu stellen. 7.1.3 Schliesslich wird als weiterer Einwand angeführt, dass seit der Begutachtung durch Dr. C.____ nun mittlerweile vier Jahre verstrichen seien, so dass aufgrund der von Dr. C.____ diagnostizierten beginnenden medialen Gonarthrose und der beginnenden Femoropatellararth- rose eine Verlaufsbegutachtung angezeigt sei. Diesbezügli ch ist festzuhalten, dass alleine die Tatsache, dass das Gutachten im Zeitpunkt des Verfügung serlasses rund 3 1/2 Jahre alt war, nicht geeignet ist, das Gutachten als nicht verwertbar zu bezeichnen. Dazu und um ein Verlaufs- gutachten als notwendig erscheinen zu lassen, müssten Indizien vorliegen, die eine Verschlech- terung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin nah elegen würden. Solche Indizien sind nicht ersichtlich. So hält auch Dr. G.____ in seinem Bericht vom 4. Juni 2020 keine Ver- schlechterung des Gesundheitszustands fest, sondern beurte ilt diesen als stationär. Auch aus allen anderen Arztberichten ist keine Verschlechterung des Gesundheitszustands ersichtlich. Auf das rheumatologische Gutachten von Dr. C.____ ist folglich abzustellen. 7.2.1 In Bezug auf das psychiatrische Teilgutachten von Dr. D.____ vom 8. November 2017 bringt die Beschwerdeführerin zunächst vor, dass der psyc hiatrische Gutachter die beklagten Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Konzentrations- und Gedächtnisstörungen ohne Testverfahre n verneint habe bzw. festgestellt habe, dass diese nicht hätten objektiviert werden können. Der Gutachter hätte diesbezüglich ein Testverfahren durchführen müssen. Die IV-Stelle hält die sem Einwand unter Verweis auf die RAD-Beurteilung von Dr. E.____ vom 10. Oktober 2018 entgegen, dass der Gutachter die Unter- suchung nach dem sogenannten AMDP-System durchgeführt habe und dies beinhalte eine klini- sche Untersuchung der kognitiven Fähigkeiten. Ein testologischer Beweis, also eine testpsycho- logische Abklärung, sei nicht zwingend, wenn bereits klini sch eine massgebliche kognitive Stö- rung ausgeschlossen werden könne, insbesondere wenn die normalen kognitiven Fähigkeiten mit der Alltagsbewältigung korrelieren würden. Diesbe züglich ist der IV-Stelle zuzustimmen. Dr. D.____ beschreibt auf den Seiten 24 und 25 den psychopathologischen Befund nach AMDP und dies beinhaltet eine klinische Untersuchung der kog nitiven Fähigkeiten. Aus den Qualitäts- leitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Sch weizerischen Gesellschaft für Psy- chiatrie und Psychotherapie (SGPP; Version 16.06.2016 / Korrigenda 17.10.2016) ergibt sich, dass die Verwendung des AMDP-Systems als Standardabklärung definiert wird (Ziffer 4.3.1 der Qualitätsleitlinien). Gemäss den gleichen Richtlinien sind testpsychologische Zusatzuntersuchun- gen nur bei begründeter Indikation zu prüfen, z.B. b ei Verdacht auf neurokognitive Beeinträchti- gungen oder bei schwer objektivierbaren Beschwerden bzw. beklagten Funktionseinbussen (Zif- fer 4.3.2.2 der Qualitätsleitlinien). Solche Gründe f ür eine Zusatzuntersuchung sind vorliegend nicht ersichtlich. Im Übrigen hat auch der behandelnde Psychiater Dr. F.____ in seinem Bericht vom 9. Dezember 2020 das Fehlen einer zusätzlichen Testu ng nicht kritisiert und er erwähnt in diesem Bericht auch keinerlei Konzentrationsstörungen. 7.2.2 Soweit die Einschätzung des psychiatrischen Gutachter s unter Verweis auf die Beurtei- lung von Dr. F.____ bestritten wird, ist festzuhalten, dass Dr. D.____ zum Bericht von Dr. F.____ vom 4. Juli 2017 in seinem Gutachten Stellung nimmt. Dieser Bericht des behandelnden Psychi- aters ist sehr summarisch, so dass nachzuvollziehen ist, dass sich der psychiatrische Gutachter darauf beschränkt, festzuhalten, zu welchen anderen Er gebnissen er im Rahmen seiner klini- schen Abklärung gelangt ist. Auch der nach der Begutacht ung erstellte Bericht von Dr. F.____ vom 9. Dezember 2020 ist sehr summarisch, eine Auseinandersetzung mit dem psychiatrischen Gutachten vom 8. November 2017 ist nicht ersichtlich. Dr. F.____ hält unter anderem fest, die Beschwerdeführerin leide oft unter schlechtem Schlaf, nicht aber unter Schlafapnoe, entspre- chend sei sie "wohl" depressiv. Damit kann keine gesicherte Diagnose einer mittelgradigen de- pressiven Störung begründet werden. Eine Verschlechterung des psychiatrischen Gesundheits- bildes wird von Dr. F.____ nicht geschildert; im Gegenteil, er bewertet den Gesundheitszustand als stationär. Auch die Befunde und die psychopharmakologische Behandlung sind unverändert geblieben. Zudem wurde weder eine stationäre Behandlung durchgeführt noch wurde eine solche als erforderlich erachtet. 7.2.3 Die Beschwerdeführerin bringt ausserdem vor, Dr. D.____ habe klar aktenwidrig festge- halten, dass Dr. G.____ im Arztbericht keine psychiatrisch e Diagnose gestellt habe. In der Tat hat Dr. G.____ unter anderem ein myofasziales Schmerzsyndrom mit Depression diagnostiziert. Er hat in seinem Bericht aber auch festgehalten, dass sich die depressive Verstimmung nach der Magenbypass-Operation gebessert habe. Dass Dr. D.____ die in den Diagnosen von Dr. G.____ am Rande – und ohne Angabe eines ICD-10-Codes – erwäh nte Depression übersehen hat, führt Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht jedoch nicht dazu, dass das Gutachten nicht zu verwerten wäre. Dr. D.____ hat ausserdem selbst eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leich te Episode ICD-10 F33.0), diagnosti- ziert, weshalb diesbezüglich auch keine Differenz zu Dr. G.____ besteht. 7.2.4 Insgesamt ergibt sich, dass auch das psychiatrische Tei lgutachten nachvollziehbar und überzeugend ist. Daran ändert auch nichts, dass zwischen Gutachten und angefochtener Verfü- gung rund 3 ½ Jahre vergangen sind. Aus den vorliegend en Unterlagen sind keine Hinweise ersichtlich, dass sich der psychische Gesundheitszustand seit der Erstellung des Gutachtens vom 7. November 2017 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 19. Mai 2021 verschlechtert hätte. 7.3 Gestützt auf diese Erwägungen ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das bidis- ziplinäre Gutachten der Dres. C.____ und D.____ vom 7. Oktober/8. November 2017 abgestellt hat und daher von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und einer 80%i- gen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen ist. 8.1 Wie bereits weiter oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 h iervor), ist gemäss Art. 16 ATSG der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgr und eines Einkommensvergleichs zu be- stimmen. Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung vom 19. Mai 2021 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Da die Versicherte aktue ll keiner Erwerbstätigkeit nach- geht und sie ihre letzte Stelle aufgrund von invaliditätsfremden Faktoren verloren hatte, ermittelte die IV-Stelle nicht nur das Invaliden-, sondern auch das Valideneinkommen unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (vgl. dazu BGE 126 V 75 E. 3b/bb mit Hinweisen und 12 4 V 321 E. 3b/aa). Dabei gelangte sie anhand der Gegenüberstellung eines Valideneinkommens von Fr. 58'124.-- und des auf der Ba- sis einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit ermittelten zumutbaren Invalideneinkommens von Fr. 43'745.- - zu einem Invaliditätsgrad von 25 %. Gegen diesen von d er Vorinstanz vorgenommenen Ein- kommensvergleich hat die Beschwerdeführerin zu Recht kein e Einwände vorgebracht, weshalb darauf abgestellt werden kann. 8.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass die IV-Stelle in de r angefochtenen Verfügung vom 19. Mai 2021 einen Rentenanspruch der Versicherten zu Re cht abgelehnt hat. Die hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom S treitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnitt- licher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich- tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich a uf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unte rliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Ver- fahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Der Beschwerdeführ erin ist nun allerdings mit Verfügung Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 28. Juli 2021 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 9.2 Entsprechend dem Prozessausgang wird keine Parteient schädigung zugesprochen. Da der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 28. Juli 2021 auch die unentgeltliche Verbeiständung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt worden ist, ist dieser für seine Bemühungen aus der Gerichts- kasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung fü r die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentg eltlicher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat i n seiner Honorarnote vom 14. August 2021 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 8 Stunden geltend gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 56.90. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'215.30 ( 8 Stunden à Fr. 200.-- und Auslagen von Fr. 56.90 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 9.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a A bs. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in d er Höhe von Fr. 2'215.30 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht