<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 82 S.345</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">345</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>82</b></span> <span class="ft2"><b>Arbeitsgemeinschaften.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Unzulässige Schlechterbewertung von Arbeitsgemeinschaften.</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">346</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 3. Dezember 2002 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen ARGE I. und Mitb. gegen Gemeinderat Niederwil.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">5. b) aa) Die Beschwerdeführerinnen haben beim Gesichtspunkt</span><br/> <span class="ft1">"Interdisziplinarität ('alle Medien in einer Hand')", der im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">der Qualitätsbeurteilung beim Teilkriterium "Unternehmen, Or-</span><br/> <span class="ft1">ganigramm" bewertet wurde, keine Punkte erhalten, weil sie als Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsgemeinschaft aufgetreten sind. Begründet wird dieser "ARGE-</span><br/> <span class="ft1">Abzug" damit, dass der Vergabebehörde bei der Zusammenarbeit ein</span><br/> <span class="ft1">grösserer Aufwand entstehe. Bei Projekten wie dem vorliegenden</span><br/> <span class="ft1">seien sehr viele Kontakte auf Sachbearbeiterebene nötig; die</span><br/> <span class="ft1">Besprechungen auf Projektleitungsstufe dienten mehr den Organi-</span><br/> <span class="ft1">sations- und Administrationsproblemen und den Grundsatzfragen wie</span><br/> <span class="ft1">System- und Datenbankkonfiguration, einheitliche Darstellung auf</span><br/> <span class="ft1">den Plänen, Datensicherung und -verwaltung. Bei der Eingabe der</span><br/> <span class="ft1">Daten ab den vorhandenen Unterlagen entstünden viele Fragen, die</span><br/> <span class="ft1">der Sachbearbeiter der einzelnen Medien oder Themen direkt mit den</span><br/> <span class="ft1">Verantwortlichen der Gemeinde besprechen und klären müsse, ohne</span><br/> <span class="ft1">dass der Projektleiter benötigt werde. Trotz Einsatz der modernen</span><br/> <span class="ft1">Kommunikations- und Projektmanagementmittel könne nicht alles</span><br/> <span class="ft1">ohne persönlichen Kontakt abgewickelt werden. Je grösser die</span><br/> <span class="ft1">Anzahl der Beteiligten an einem Projekt sei, desto grösser werde der</span><br/> <span class="ft1">Aufwand auf der Seite der ausschreibenden Stelle. Die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">gegnerin weist daraufhin, dass sie im Gegensatz zu den Beschwer-</span><br/> <span class="ft1">deführerinnen in der Lage sei, sämtliche Bereiche des Projekts</span><br/> <span class="ft1">zentral an einem Ort zu erbringen. Dies sei bei der Projektrealisie-</span><br/> <span class="ft1">rung insofern von Vorteil als es weniger Ansprechstellen gebe und</span><br/> <span class="ft1">deshalb ein geringerer Aufwand für die Auftraggeberin entstehe. An-</span><br/> <span class="ft1">gesichts des Umstandes, dass die Interdisziplinarität bei der Projekt-</span><br/> <span class="ft1">realisierung objektive Vorteile habe, liege keine Diskriminierung von</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsgemeinschaften vor.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerinnen erachten den Abzug als submissi-</span><br/> <span class="ft1">onsrechtlich falsch und sachlich unbegründet bzw. unsachgemäss.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">347</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Den Vergabebehörden stehe es frei, Arbeitsgemeinschaften nicht</span><br/> <span class="ft1">zuzulassen. Würden sie zugelassen, so dürften sie nicht allein des-</span><br/> <span class="ft1">wegen schlechter bewertet werden, zumindest dann nicht, wenn ein</span><br/> <span class="ft1">solcher ARGE-Abzug in den Submissionsunterlagen nicht aus-</span><br/> <span class="ft1">drücklich angekündigt werde. Andernfalls werde gegen das Diskri-</span><br/> <span class="ft1">minierungsverbot verstossen. Die Beschwerdeführerinnen machen</span><br/> <span class="ft1">geltend, hätten sie um den Abzug gewusst, so wäre die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führerin 1 keine Arbeitsgemeinschaft mit der Beschwerdeführerin 2</span><br/> <span class="ft1">eingegangen, sondern hätte (wahrscheinlich von dieser) die erfor-</span><br/> <span class="ft1">derlichen Arbeitskräfte für die Datenerfassung zugemietet. Unzuläs-</span><br/> <span class="ft1">sig sei es überdies, den Arbeitsgemeinschaften quasi im Sinne eines</span><br/> <span class="ft1">Naturgesetzes eine ineffiziente Arbeitsweise zu unterstellen. Der</span><br/> <span class="ft1">Zusammenschluss zu einer Arbeitsgemeinschaft führe nicht zu einer</span><br/> <span class="ft1">Erschwerung der Kommunikation zwischen Vergabestelle und Auf-</span><br/> <span class="ft1">tragnehmer. Im Organigramm der Beschwerdeführerinnen sei nur ein</span><br/> <span class="ft1">Projektleiter (mit den nötigen Stellvertretern) vorgesehen.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die im Hinblick auf den auszuführenden Auftrag vorgese-</span><br/> <span class="ft1">hene Projektorganisation und der Personaleinsatz sind im Grundsatz</span><br/> <span class="ft1">sachgerechte Gesichtspunkte, welche die Vergabebehörde bei der</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung der Qualität bewerten darf. Dass sich bei den einzelnen</span><br/> <span class="ft1">Angeboten Unterschiede in Bezug auf die vorgesehene Organisation</span><br/> <span class="ft1">ergeben, liegt auf der Hand. Bezüglich dessen, was sie im konkreten</span><br/> <span class="ft1">Fall als zweckmässig(st)e Organisation ansieht, kommt der Vergabe-</span><br/> <span class="ft1">behörde ein weiter, vom Verwaltungsgericht zu respektierender</span><br/> <span class="ft1">Ermessensspielraum zu. Indessen muss die Ermessensausübung in</span><br/> <span class="ft1">sachlich haltbarer und nachvollziehbarer Weise erfolgen. Die Verga-</span><br/> <span class="ft1">bebehörde ist berechtigt, in den Ausschreibungsunterlagen die Bil-</span><br/> <span class="ft1">dung von Arbeitsgemeinschaften ausdrücklich auszuschliessen, wenn</span><br/> <span class="ft1">sie solche im konkreten Fall als unzweckmässig erachtet (§ 11 Abs. 3</span><br/> <span class="ft1">SubmD). Unterlässt sie dies, so sind Arbeitsgemeinschaften zulässig.</span><br/> <span class="ft1">Dabei muss jedes Mitglied die Bedingungen der §§ 3 und 10 SubmD</span><br/> <span class="ft1">erfüllen (§ 11 Abs. 3 Satz 2 SubmD). Die zugelassenen Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsgemeinschaften sind gleich zu behandeln wie die übrigen An-</span><br/> <span class="ft1">bieter. Dies folgt aus § 1 SubmD und dies schliesst es aus, Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">gemeinschaften ungeachtet ihrer konkreten Organisation im Einzel-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">348</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fall generell und von vornherein schlechter zu bewerten als Einzel-</span><br/> <span class="ft1">unternehmen.</span><br/> <span class="ft1">Der Gemeinderat argumentiert, je grösser die Anzahl der Betei-</span><br/> <span class="ft1">ligten am Projekt sei, desto grösser werde der Aufwand bei der aus-</span><br/> <span class="ft1">schreibenden Stelle. Bei der Eingabe der Daten ab den vorhandenen</span><br/> <span class="ft1">Unterlagen entstünden viele Frage, die der Sachbearbeiter der ein-</span><br/> <span class="ft1">zelnen Medien oder Themen direkt mit den Verantwortlichen der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde besprechen und klären müsse, ohne dass der Projektleiter</span><br/> <span class="ft1">benötigt werde. Es seien persönliche Kontakte notwendig. Ob und in</span><br/> <span class="ft1">welchem Umfang derartige direkte Kontakte zwischen den Sachbe-</span><br/> <span class="ft1">arbeitern auf Auftragnehmer und Auftraggeber tatsächlich stattfinden</span><br/> <span class="ft1">und erforderlich sind (die Beschwerdeführerinnen bestreiten dies),</span><br/> <span class="ft1">kann offen bleiben. Diese Problematik stellt sich in gleicher Weise</span><br/> <span class="ft1">bei Arbeitsgemeinschaften und Einzelunternehmen. Auch die Anzahl</span><br/> <span class="ft1">der an einem Projekt Beteiligten hängt nicht von der Organisati-</span><br/> <span class="ft1">onsform ab. Wesentlich erscheint, dass die Zuständigkeiten und</span><br/> <span class="ft1">Verantwortlichkeiten in Bezug auf die Ausführung des Auftrags klar</span><br/> <span class="ft1">festgelegt sind, und die Auftraggeberin erkennen kann, wer ihre An-</span><br/> <span class="ft1">sprechpartner sind. Diesen Anforderungen entspricht die Organisa-</span><br/> <span class="ft1">tion der Beschwerdeführerinnen. Aus ihrer Offerte, welche die in</span><br/> <span class="ft1">Ziff. 6.1 (Projektorganisation und Personaleinsatz) des Pflichtenhefts</span><br/> <span class="ft1">verlangten Angaben, namentlich die bei Arbeitsgemeinschaften</span><br/> <span class="ft1">verlangte kurze Beschreibung der Kompetenzregelung und der</span><br/> <span class="ft1">Verantwortlichkeiten enthält, geht hervor, dass die Aufgabenteilung</span><br/> <span class="ft1">so vorgesehen ist, dass die I. AG die Bereiche Elektrizität und Zivil-</span><br/> <span class="ft1">schutz bearbeiten und sämtliche Vermessungs- und Ortungsarbeiten</span><br/> <span class="ft1">durchführen sollte. Dem Organigramm ist in Bezug auf die Projekt-</span><br/> <span class="ft1">organisation zu entnehmen, dass die Projektleitung Netzinformati-</span><br/> <span class="ft1">onssystem bei B. (I. AG) liegt. Stellvertreter des Projektleiters sind I.</span><br/> <span class="ft1">(I. AG) und F. (B. AG). Die zuständigen Mitarbeiter für die Bereiche</span><br/> <span class="ft1">Elektrizität/Zivilschutz,</span> <span class="ft1">Wasser</span> <span class="ft1">und</span> <span class="ft1">Abwasser/GEP</span> <span class="ft1">werden</span><br/> <span class="ft1">namentlich aufgeführt. Die Vergabebehörde begründet ihr Vorgehen,</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführerinnen beim Teilkriterium "Interdisziplinarität"</span><br/> <span class="ft1">keine Punkte zu vergeben, denn auch nicht mit einer unzweckmäs-</span><br/> <span class="ft1">sigen Organisation oder Kompetenzregelung, sondern allein und</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich damit, dass die Beschwerdeführerinnen als Arbeits-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">349</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gemeinschaft auftreten. Dies ist unzulässig. Demgemäss sind die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerinnen beim Gesichtspunkt</span> <span class="ft1">"Interdisziplinarität</span><br/> <span class="ft1">('alle Medien in einer Hand')" des Teilkriteriums "Unternehmen,</span><br/> <span class="ft1">Organigramm" mit zwei Punkten zu bewerten.</span><br/></div> </div> </body> </html>