Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. Juli 2020 (720 19 372 / 172) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Hilfsmittel in Form insbesondere von Unterschenkelorthesen. Zweitversorgung mittels eines zusätzlichen Paars Silikon-Orthesen fraglich. Rückweisung zur ergänzenden Sach- verhaltsabklärung. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführerin gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Hilfsmittel A. Die 1982 geborene A.____ leidet an einer inkomple tten Paraplegie nach postoperativ bedingter Myelopathie bei partiellem Arteria-spinalis -Syndrom und Teilaufrichtung der Adoles- zentenskoliose auf Höhe BWK 12 bis LKW 4, an einer ne urogenen Knick-Senkfuss- und Fuss- heber- sowie Senkerparese beidseits sowie an einer neu rogenen Krallenzehenhaltung beid- seits. In der Vergangenheit sprach ihr die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) deshalb bereits diverse Leistungen in Form von medizinischen Massnahmen, Hi lfsmitteln, einer befristeten IV- Rente und beruflichen Massnahmen zu. Unter anderem wur de gemäss Mitteilung der IV-Stelle Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 13. Dezember 2018 eine Kostengutsprache für Orthe sen und orthopädische Spezialschu- he bis Ende Oktober 2023 verlängert. Dabei hielt die I V-Stelle fest, dass sich der Anspruch le- diglich auf ein Orthesen-Paar erstrecke, in begründete n Einzelfällen jedoch auch eine zweite Garnitur bewilligt werden könne. In der Folge überna hm die IV-Stelle die gemäss Kostenvoran- schlag der Firma B.____ GmbH vom 22. November 2018 an fallenden Kosten für ein Paar Car- bon-Unterschenkelorthesen im Umfang von Fr. 2'946.15 . Ebenfalls verlängerte sie am 13. De- zember 2018 ihre bereits zuvor ergangene Kostengutsprache für orthopädische Spezialschuhe bis Ende Oktober 2023. Am 4. April 2019 verlängerte sie schliesslich auch ihre frühere Kosten- gutsprache für orthopädische Änderungen und Schuhzurichtungen an Konfektionsschuhen bzw. an orthopädischen Spezialschuhen. B. Mit Rezept der C.____ vom 16. November 2018 und Ko stenvoranschlag der B.____ GmbH vom 22. November 2018 hatte die Versicherte bereit s zuvor ein zusätzliches Paar Or- thesen aus Silikon beantragt. Nach durchgeführtem Vorb escheidverfahren verneinte die IV- Stelle mit Verfügung vom 24. Oktober 2019 den Anspruch auf eine Kostenübernahme für ein zweites Orthesen-Paar mit der Begründung, dass die Versicherte mit den bereits ausgelieferten Hilfsmitteln im Alltag genügend gut versorgt sei. C. Hiergegen erhob die Versicherte am 8. November 201 9 Beschwerde beim Kantonsge- richt des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversic herungsrecht (Kantonsgericht), und beantragte sinngemäss, die Verfügung der IV-Stelle vom 24. Oktober 2019 sei aufzuheben, und die IV-Stelle sei zu verpflichten, auch die Kosten fü r die beantragten Silikon-Orthesen zu über- nehmen. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen gel tend, dass die versicherungsmedizi- nische Beurteilung der IV-Stelle unzutreffend sei. Darin sei erwähnt worden, dass keine Stolper- und Sturzereignisse auftreten würden. Gerade letzte Wo che sei sie jedoch erneut schwer ge- stürzt. Auch sei sie in den vergangenen Jahren sowohl m it als auch ohne Künzlischuhe bereits mehrfach gestürzt. Der letzte Sturz sei im Haus ohne d as Tragen von Künzlischuhen erfolgt. Ihre Beinschienen seien unflexibel und für die Verricht ung des Haushalts sowie für die Kinder- betreuung ungeeignet. Im Winter und bei schlechter W itterung müsse sie jedes Mal, wenn sie von draussen ins Haus trete, ihre Künzlischuhe reinigen, a ndernfalls im ganzen Haus der Schmutz verteilt werde. Die beantragten Silikon-Orthesen seien daher eine einfache und zweckmässige Versorgung, keineswegs aber ein Luxusartikel. D. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 27. Januar 2020 auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie zusammenfassend vor , dass die Hilfsmittelversor- gung seit Jahren mittels Künzlischuhen samt Einlagen sowi e nur einem Paar Unterschenkel- Fussheber-Orthesen erfolgt sei. Gemäss den medizinischen U nterlagen stürze die Versicherte nur noch selten, rund einmal im Jahr. In der Regel se i sie mit den Künzlischuhen gut versorgt. Auch wenn es in der Vergangenheit vereinzelt zu Stürze n gekommen sei, habe aus ärztlicher Sicht bisher keine Veranlassung bestanden, andere oder zusätzliche Orthesen zu verordnen. Den Angaben der Behandler zufolge seien die Silikon-Or thesen zur Prophylaxe und zur Stabili- sation beim Barfussgehen verordnet worden, da die Versich erte berichtet habe, im Sommer beim Barfussgehen oder im Schwimmbad mit den Sprungge lenken öfters umgeknickt zu sein. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eine wirtschaftliche, einfache und zweckmässige Versorgung s ei damit jedoch nicht mehr ver- bunden. E. Mit Replik vom 3. März 2020 hielt die Beschwerdeführ erin an ihren Rechtsbegehren fest. Die IV-Stelle ihrerseits hielt mit Duplik vom 31. Mär z 2020 an der Abweisung der Beschwerde fest. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 des Bundesgesetzes über die Invalidenve rsicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kan n gegen Verfügungen der IV- Stelle beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle i nnert 30 Tagen Beschwerde erhoben werden. Sachlich zuständig zur Beurteilung der Beschwe rde ist im Kanton Basel-Landschaft gemäss § 54 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsgericht, Abteil ung Sozialversicherungsrecht. Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person d er Abteilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts über Streitigkeiten bis zu einem Strei twert von CHF 20'000.--. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin die von der B. ____ GmbH veranschlagten Kosten in der Höhe von Fr. 4'604.05 für ein zusätzliches Paar Silikon -Unterschenkelorthesen samt einherge- hender Modellanfertigung zu übernehmen hat. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Be- schwerde ist damit einzutreten und die Angelegenheit ist präsidial zu entscheiden. 2.1 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versic herte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 lit. d IVG Anspruch auf die Abga be von Hilfsmitteln. Dieser Anspruch bezieht sich gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG auf jene Hilfsmit tel, deren sie für die Ausübung der Er- werbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbe reich, für die Schulung, die Ausbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedürfen. Kosten für Zahnprothesen, Brillen und Schuheinlagen werden nur übernommen, wenn diese Hilfsmittel eine wesentliche Ergän- zung medizinischer Eingliederungsmassnahmen bilden. Des Weiteren hat die versicherte Per- son, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegu ng, für die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte b edarf, gemäss Art. 21 Abs. 2 IVG unab- hängig von einer allfälligen Erwerbstätigkeit im Rahm en einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf Hilfsmittel. 2.2 Der Bundesrat hat in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 die ihm durch Art. 21 Abs. 2 und 4 IV G übertragene Befugnis, einschliesslich derjenigen zum Erlass näherer Bestimmungen über Beiträge an die Kosten invaliditätsbedingter Anpassungen von Geräten und Immobilien, an das Eidge nössische Departement des Innern delegiert, welches die Verordnung über die Abgabe v on Hilfsmitteln durch die Invalidenversi- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherung (HVI) vom 29. November 1976 erlassen hat. Gem äss deren Art. 2 besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmitt el, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für d ie Selbstsorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die mit (*) bezeichneten Hilfsmittel beste ht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabe nbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutr effenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2; BGE 122 V 212 E. 2a). Ziffer 2 des Anhangs zur HVI regelt die Kategorie der Orthesen und führt unter Zi ffer 2.01 insbesondere auch Beinorthesen auf. Hierzu gehören insbesondere die Heidelberg- (BGE 108 V 8) und die Thomas-Schiene (EVGE 1963 144). Keine Beinorthesen sind hingegen Stützstrümpfe (SVR 2004 IV 38 121). Auf eine bestimmte Art von Orthese besteht nur dann Anspru ch, wenn diese bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft entspricht (Urteil des Bundes gerichts 9C_812/2010 vom 12. Juli 2011, E. 3.2 f.). In Anwendung von Ziff. 2.01 Anhang HVI werden Beinorthesen gemäss Tarifvertrag mit dem Schweizerischen Verband der Ortho pädie-Techniker vergütet. Ziff. 2.01 Anhang ist nicht mit (*) bezeichnet. 2.3 Auch die in Ziffer 2.01 statuierte Hilfsmittelver sorgung unterliegt den allgemeinen An- spruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erf orderlichkeit, Eingliederungs- wirksamkeit; vgl. BGE 122 V 212 E. 2c). Anspruch auf ein Hilfsmittel besteht demnach nur in einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung (A rt. 21 Abs. 3 IVG, Art. 2 Abs. 4 HVI, Urteil des Bundesgerichts 8C_34/2011 vom 13. Sep tember 2011 E. 3.2). Die IV ist im Be- reich der Hilfsmittel mithin keine umfassende Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidi- tät verursachten Kosten abdecken will. Das Gesetz will d ie Eingliederung lediglich soweit si- cherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber au ch genügend ist. Nach der Rechtspre- chung bezieht sich die Notwendigkeit des Hilfsmittels dabe i stets auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte Person lebt (BGE 135 I 161 E. 5 .1). Sie hat in der Regel deshalb stets nur Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Mass- nahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständ en bestmöglichen Vorkehren, und es kommen nur Hilfsmittel mit einem optimalen Preis-Leist ungsverhältnis in Betracht (Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 9. März 201 7, IV.2015.01082, E. 6.2). Schliesslich muss auch der voraussichtliche Erfolg einer Eing liederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten stehen (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2014, 9C_886/2013, E. 2.3 mit Hinweisen). Eine Einglieder ungsmassnahme muss mit anderen Wor- ten unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzel- falles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebt en Eingliederungsziel stehen (BGE 129 V 68 E. 1.1.1). Gemäss Ziffer 2.01 des Kreissc hreibens über die Abgabe von Hilfs- mitteln durch die Invalidenversicherung (KMHI, in der a ktuellen Fassung vom 1. Januar 2020) hat eine steh- bzw. gehunfähige Person somit nur dann Anspruch eine Orthese, wenn diese einen gesetzlich geschützten Zweck (Selbstsorge, selbständige Fortbewegung, Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt) erfüllt. 3.1 Die IV-Stelle stellt sich in der angefochtenen Ver fügung und in ihrer Vernehmlassung auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeführerin mit den Künzlischuhen sowie einem Paar Orthesen ausreichend versorgt sei. Die Beschwerdeführerin vertritt die gegenteilige Auffassung. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sie begründet dies in erster Linie mit einem letzthin erlittenen Sturz, welcher sich ohne das Tra- gen von Künzlischuhen ereignet habe. Ausserdem verweist sie auf ihre im Vorbescheidverfah- ren vorgebrachten Einwände, wonach ihr die zur Verfügung stehende Carbon-Orthese zwar das Gehen und das Autofahren ermögliche, aber im Haushalt , zum Kochen und für die Kinderbe- treuung ungeeignet sei, weil sie wegen Bruchgefahr weder knien noch in die Hocke gehen kön- ne. Ausserdem müsse sie im Winter sowie bei schlechter Witterung jedes Mal, wenn sie von draussen ins Haus komme, ihre Künzlischuhe reinigen, and ernfalls der Schmutz im ganzen Haus verteilt werde. Die beantragten Silikon-Orthesen seien daher keinesfalls ein Luxusartikel. 3.2 Bei dem vorliegend zur Beurteilung stehenden zweit en Orthesen-Paar aus Silikon han- delt es sich unter Vorbehalt bewährter Erkenntnis der m edizinischen Wissenschaft zweifellos um eine geeignete Hilfsmittelversorgung (Urteil des Bu ndesgerichts 9C_812/2010 vom 12. Juli 2011, E. 3.2 f.). Damit ist aber noch nichts darüber ge sagt, ob die strittige Zweitversorgung auch eine einfache, zweckmässige und wirtschaftliche Hilfsmittelversorgung darstellt. Umstritten ist insbesondere deren Notwendigkeit. Soweit die IV-Ste lle in diesem Zusammenhang auf das neurologische Fachgutachten des Spitals D.____ vom 30. Janu ar 2007 verweist (IV-Dok 95), kann ihr zunächst nicht gefolgt werden. Daraus geht zwar hervor, dass die Versicherte nur noch selten stürze (a.a.O., S. 7). Wie die Beschwerdeführer in in ihrer Replik jedoch zu Recht darauf hinweist, kann alleine schon deshalb nicht auf diese üb er zehn Jahre alte Erkenntnis abgestellt werden, weil sie mittlerweile Mutter zweier 2013 und 2017 geborener Kinder geworden ist und sich damit ihre Wohn- und Alltagssituation massgebend ver ändert hat. Hingegen ist der IV- Stelle beizupflichten, dass die Versicherte mit ihren Carbon-Orthesen und den ebenfalls verord- neten Künzlischuhen in der Regel grundsätzlich gut versor gt ist. So ist dem Arztbericht der C.____ vom 30. Dezember 2011 und vom 14. April 2015 z u entnehmen, dass sie hinsichtlich ihrer Rückenschmerzen beschwerdefrei (IV-Dok 118, Ziffer 1.4) und ihre Gehstrecke nicht we- sentlich limitiert sei, sondern im Gegenteil sogar klei nere Wanderungen möglich seien (IV-Dok 118, Ziffer 1.4). Obschon die Versicherte gemäss Arztbericht der C.____ vom 27. März 2019 im Sommer beim Barfussgehen oder im Schwimmbad des Öfteren mit den Sprunggelenken umge- knickt sei (IV-Dok 201), scheint die bisherige Versorgung in Form der verordneten Künzlischuhe und Carbon-Orthesen an sich jedenfalls bisher keinen An lass zu Beanstandungen gegeben zu haben. Wenn die behandelnden Ärzte der C.____ in diesem Bericht die Zweitversorgung mittels eines Paars Silicon-Orthesen mit der Prophylaxe und der Stabilisation beim Barfussgehen unter anderem im Schwimmbad begründet haben, vermag diese I ndikation alleine deshalb keine Er- forderlichkeit im Sinne des Gesetzes zu begründen. Es ist zwar verständlich, dass die Versi- cherte den Wunsch hat, mit ihren Kindern barfuss ein Frei- oder Hallenbad zu besuchen. Zumal die Beschwerdeführerin aber nicht behauptet hat, dass ei n Schwimmbadbesuch mittels der be- reits verordneten Carbon-Orthesen – wenn auch allenfal ls umständlich – unzumutbar oder gar unmöglich wäre, lässt sich hinsichtlich alltäglicher Funktionseinschränkungen damit aber entge- gen der von der B.____ GmbH vertretenen Auffassung no ch keine einfache und zweckmässige Zweitversorgung begründen (Schreiben der B.____ GmbH v om 1. Februar 2020, Beilage 2 zur Replik). Nichts Anderes gilt hinsichtlich des Umstands, dass e s in der Vergangenheit offenbar wieder zu vereinzelten Sturzereignissen gekommen ist. Diese Stürze haben sich aber beim Bar- fuss gehen und weder beim Tragen der bisher verordneten Carbon-Orthese oder der Künz- lischuhe ereignet (Bestätigung von Dr. med. E.____, FMH Allgemeine Medizin, vom 12. Februar Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2019, Beilage 1 zur Replik). Ausserdem geht aus dieser hausärztlichen Bestätigung gerade keine Indikation für ein zweites Orthesen-Paar aus Sil icon hervor. Die Tatsache, dass sich die dokumentierten Stürze offenbar beim Barfuss gehen ere ignet haben, vermag jedenfalls noch nicht zu begründen, die bisherige Hilfsmittelversorgung mittels Künzlischuhen sowie insbeson- dere auch mit der vorhandenen Carbon-Orthese wäre unzweckmässig oder gar ungenügend. 3.3 Die Vorinstanz und auch das Gericht anerkennen, da ss die Versorgung der Versicher- ten mit Unterschenkelorthesen aus medizinischer Sicht generell erforderlich ist. Für die Beurtei- lung der Frage, ob die Versicherte Anspruch auf Kosteng utsprache für ein zweites Paar Unter- schenkelorthesen aus Silikon besitzt, ist jedoch nicht nur ausschlaggebend, ob für das bean- tragte Hilfsmittel eine medizinische Notwendigkeit best eht, sondern ob mit diesem einer der gesetzlich statuierten Zwecke (Fortbewegung, Kontakt mit der Umwelt oder Selbstsorge) er- reicht werden kann. Hintergrund bildet der Umstand, da ss für den Anspruch auf ein bestimmtes Hilfsmittel gemäss Art. 21 Abs. 2 IVG stets ein entspre chendes Bedürfnis vorausgesetzt wird. Diese Bedingung ist rechtsprechungsgemäss unter anderem nicht nur dann erfüllt, wenn der versicherten Person nicht zugemutet werden kann, ohne d en beanspruchten Gegenstand sich fortzubewegen, sondern auch dann, wenn es ihr nicht zumut bar ist, für sich zu sorgen (Urteil des Bundesgerichts 8C_531/2009, vom 23. Oktober 2009, E. 4.2). Gleiches muss gelten, wenn es der Versicherten ohne entsprechende Hilfsmittel nicht oder nur unter deutlich erschwerten Bedingungen zugemutet werden kann, im Haushalt für i hre betreuungspflichtigen Kinder zu sorgen. Wie es sich damit verhält, lässt sich gestützt auf die vorliegende Aktenlage nun aber nicht abschliessend beantworten. Zentral ist insbesondere die Frage, ob die bisher verordneten Carbon-Orthesen den haushalterischen Ansprüchen der Ver sicherten im Alltag genügen. Den Einwänden in der Beschwerde ist in diesem Zusammenhan g zu entnehmen, dass die bisheri- gen Orthesen zwar das Gehen und das Autofahren ermöglich en würden, im Haushalt, zum Ko- chen und für die Kinderbetreuung jedoch ungeeignet sei en, weil die Versicherte wegen Bruch- gefahr der Schienen weder knien noch in die Hocke gehen könne. Auch dem Arztzeugnis der C.____ vom 26. Februar 2020 ist zu entnehmen, dass eine Zweitversorgung mittels den flexib- leren Silicon-Orthesen nebst einer Stabilisierung es off enbar erst ermöglichen, überhaupt in die Hocke oder in die Knie zu gehen. Dies sei mit den steifen Carbon-Orthesen nämlich kaum mög- lich. In der Tat ist es notorisch, dass für die Verrichtun g des alltäglichen Haushalts diverse Tä- tigkeiten auch im Knien und in der Hocke unumgänglich si nd. Dass eine solche Körperhaltung bei steifen Carbon-Orthesen – wenn überhaupt – nur sc hwer einzunehmen ist, erscheint nach- vollziehbar. Den vor Ort zuletzt Ende Juni 2018 erhobenen Verhältnissen im Haushalt lässt sich zwar entnehmen, dass die Versicherte einzig bei der Pfleg e und der Betreuung ihrer zwei klei- nen Kinder und hier lediglich im Umfang von 5% einge schränkt ist (Abklärungsbericht Haushalt vom 29. Juni 2018, IV-Dok 179). Wie es sich dabei abe r mit Blick auf die hier interessierende Frage verhält, ob es ihr möglich ist, mit der bisherige n Hilfsmittelversorgung auch in die Hocke gehen zu können, bleibt ungeklärt. Ebenso unklar und let ztlich unbeantwortet geblieben ist, ob es der Versicherten alternativ zuzumuten ist, den ganzen Tag und insbesondere in den Som- mermonaten in den geschlossenen Künzlischuhen herumzulauf en, welche sie teilweise bereits auch im Aussenbereich trägt. Aus den Feststellungen d es Abklärungsdienstes geht sodann hervor, dass die Beschwerdeführerin offenbar nicht in der Lage ist, bei einer akut gefährlichen Situation rasch genug zu reagieren, um allfällige Ge fahren von ihren zwei kleinen und aktiven Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kindern abzuwenden. Ob diese Herausforderungen mitt els den bisher verordneten Hilfsmitteln oder einzig mittels einer Zweitversorgung durch ein Paa r Silikon-Orthesen zu bewältigen ist, lässt sich gestützt auf die vorliegende Aktenlage ebenfalls nicht beantworten. Eine ergänzende Klärung dieser Fragen erweist sich mit Blick auf die konkrete Situation, in welcher die versicher- te Person mittlerweile lebt (BGE 135 I 161 E. 5.1), als unerlässlich. 4. Zusammenfassend greift die Sichtweise der IV-Stelle zu kurz. Nicht zuletzt auch mit Blick auf den bereits in der Kostengutsprache der IV-St elle vom 13. Dezember 2018 (IV-Dok 187) statuierten Vorbehalt, wonach eine zweite Orthese n-Garnitur in begründeten Einzelfällen bewilligt werden kann, bleibt insgesamt nur ungenügen d abgeklärt, ob die Versicherte mit den bisher ausgelieferten Hilfsmitteln entsprechend ihren Funktionseinschränkungen insbesondere bei der Verrichtung im Haushalt tatsächlich ausreichend versorgt ist. In Anbetracht der darge- legten Unzulänglichkeiten bedarf die Angelegenheit bei diesem Ergebnis zusätzlicher Abklärun- gen in Form einer ergänzenden Erhebung der haushalterischen Verhältnisse vor Ort. 5. Im Entscheid 137 V 210 ff. hat das Bundesgericht die bisherige ständige Rechtspre- chung, wonach das kantonale Gericht prinzipiell die fre ie Wahl hatte, bei festgestellter Abklä- rungsbedürftigkeit die Sache an den Versicherungsträger zurückzuweisen oder aber selber zur Herstellung der Spruchreife zu schreiten, geändert. Es h at erkannt, dass die Beschwer- deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten einzuhole n hat und eine Rückweisung an die IV- Stelle nur noch in Ausnahmefällen erfolgen soll. Da es Aufgabe der Verwaltung und nicht der Beschwerdeinstanz ist, für eine erstmalige vollständige Erhebung des massgebenden Sachver- haltes besorgt zu sein, liegt ein solcher Ausnahmefall et wa vor, wenn ein relevanter Aspekt des medizinischen Sachverhaltes durch die Verwaltung nicht rechtsgenügend abgeklärt worden ist. Gleiches gilt, wenn sich die Verwaltung auf Unterlagen stützt, welche die medizinische Situation der versicherten Person nur unzureichend wiedergeben. B eide Punkte sind nach dem vorste- hend Gesagten auch hier gegeben. Die angefochtene Ver fügung vom 24. Oktober 2019 ist demnach aufzuheben, und die Angelegenheit ist an die IV-Stelle zurückzuweisen. Diese wird die Frage, ob die Versicherte mit den bisher ausgeliefe rten Hilfsmitteln insbesondere bei der Verrichtung ihres Haushalts im Alltag tatsächlich ausreichend versorgt ist, innert nützlicher Frist durch eine ergänzende Abklärung der haushalterischen Verhältnisse vor Ort abzuklären haben. Gestützt auf die Ergebnisse dieser Aktenergänzung wird si e anschliessend über den Anspruch auf die beantragte Zweitversorgung mittels Silicon-Orthesen neu zu befinden haben. Die vorlie- gende Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 6.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund- sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Hebt das Kanton sgericht eine angefochtene Ver- fügung auf und weist es die Angelegenheit zur ergänzen den Abklärung und zur neuen Beurtei- lung an die Verwaltung zurück, gilt in prozessualer Hinsicht die Beschwerde führende Partei als (vollständig) obsiegende und die IV-Stelle als unterlie gende Partei (BGE 137 V 61 f. E. 2.1 f.; BGE 132 V 235 E. 6.2, jeweils mit Hinweisen). 6.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In ca su hat deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Die K osten werden nach dem Verfahrensauf- wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittl icher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtig ung des bundesrechtlichen Kosten- rahmens einheitlich auf Fr. 400.-- fest. Die ordentli chen Kosten von Fr. 400.-- werden somit der IV-Stelle auferlegt und der von ihr geleistete Koste nvorschuss wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 6.3 Eine Parteientschädigung ist bei der anwaltlich ni cht vertretenen Beschwerdeführerin keine auszurichten. 7.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzuma chenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rück- weisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage ( z.B. eine von mehreren materiellrechtli- chen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 7.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn ein e Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 24. Oktob er 2019 auf- gehoben und die Angelegenheit zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an di e Beschwer- degegnerin zurückgewiesen wird. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- we rden der Be- schwerdegegnerin auferlegt. Der Beschwerdeführerin wir d der bezahl- te Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- zurückerstattet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet.