<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>III. Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>65</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 81 Abs. 1, Art. 82 und Art. 149 Abs. 2 SchKG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Beruht die durch einen Pfändungsverlustschein ausgewiesene Forderung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>auf einem definitiven Rechtsöffnungstitel, kann gestützt auf den Pfän-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dungsverlustschein weder definitive noch provisorische Rechtsöffnung</b></span><br/> <span class="ft3"><b>erteilt werden.</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 25. Februar</span><br/> <span class="ft4">2014 i.S. Kanton A. et al. gegen A.M.R. (ZSU.2014.20).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft8">4.</span><br/> <span class="ft8">4.1.</span><br/> <span class="ft8">Gemäss der gesetzlichen Regelung ist für eine auf einem defini-</span><br/> <span class="ft8">tiven Rechtsöffnungstitel beruhende Forderung definitive (Art. 81</span><br/> <span class="ft8">Abs. 1 SchKG) und für eine auf einem provisorischen Rechts-</span><br/> <span class="ft8">öffnungstitel beruhende Forderung provisorische (Art. 82 SchKG)</span><br/> <span class="ft8">Rechtsöffnung zu erteilen. Ob definitive oder provisorische Rechts-</span><br/> <span class="ft8">öffnung zu erteilen ist, ist als Rechtsfrage ohne Rücksicht auf die im</span><br/> <span class="ft8">Rechtsöffnungsbegehren beantragte Art der Rechtsöffnung von</span><br/> <span class="ft8">Amtes wegen zu entscheiden (Art. 57 ZPO; AGVE 2005 Nr. 5 S. 35;</span><br/> <span class="ft8">Staehelin, in: Staehelin/Bauer/Staehelin (Hrsg.), Basler Kommentar,</span><br/> <span class="ft8">Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, 2. Aufl. 2010,</span><br/> <span class="ft8">Art. 84 N. 38 ff.; Stücheli, Die Rechtsöffnung, Diss. 2000, S. 126).</span><br/> <span class="ft8">Die provisorische Rechtsöffnung unterscheidet sich von der defini-</span><br/> <span class="ft8">tiven durch die Möglichkeit der Aberkennungsklage (Art. 83 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">SchKG), welche für eine auf einem definitiven Rechtsöffnungstitel</span><br/> <span class="ft8">beruhende Forderung wegen der einer Neubeurteilung der Forderung</span><br/> <span class="ft8">entgegenstehenden Rechtskraft ausgeschlossen ist, sodass die für</span><br/> <span class="ft8">eine solche Forderung erteilte Rechtsöffnung von Gesetzes wegen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Zivilgericht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">notwendig definitiv sein muss. Für eine auf einem definitiven</span><br/> <span class="ft8">Rechtsöffnungstitel beruhende Forderung muss deshalb der für sie</span><br/> <span class="ft8">bestehende definitive Rechtsöffnungstitel vorgelegt werden. Daran</span><br/> <span class="ft8">ändert nichts, wenn für die auf einem definitiven Rechtsöffnungstitel</span><br/> <span class="ft8">beruhende Forderung in einer für sie eingeleiteten früheren Betrei-</span><br/> <span class="ft8">bung ein Pfändungsverlustschein ausgestellt worden ist. Ein solcher</span><br/> <span class="ft8">ist als Ausweis einer für den darin angegebenen Forderungsbetrag</span><br/> <span class="ft8">erfolglos verlaufenen Betreibung und Bestätigung des Bestands die-</span><br/> <span class="ft8">ser Forderung ein provisorischer Rechtsöffnungstitel (Art. 149 Abs. 2</span><br/> <span class="ft8">SchKG), bewirkt indessen keine Neuerung dieser in der erledigten</span><br/> <span class="ft8">Betreibung in Betreibung gesetzten Forderung im Sinn von Art. 116</span><br/> <span class="ft8">OR und zeitigt für diese Forderung keine materiell-rechtlichen</span><br/> <span class="ft8">Wirkungen, weshalb eine zum Zeitpunkt der Ausstellung des Pfän-</span><br/> <span class="ft8">dungsverlustscheins bestehende Schuldurkunde durch diesen nicht</span><br/> <span class="ft8">entkräftet wird. Der Gläubiger kann sich deshalb in der neu</span><br/> <span class="ft8">angehobenen Betreibung neben dem Pfändungsverlustschein auch</span><br/> <span class="ft8">auf die diesem zugrunde liegende Schuldurkunde berufen und ge-</span><br/> <span class="ft8">stützt darauf Rechtsöffnung verlangen (Huber, in: Staehelin/Bauer/</span><br/> <span class="ft8">Staehelin (Hrsg.), Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbe-</span><br/> <span class="ft8">treibung und Konkurs I, 2. Aufl. 2010, Art. 149 N. 41, 44). Dabei ist</span><br/> <span class="ft8">jedoch, wenn die durch den Pfändungsverlustschein ausgewiesene</span><br/> <span class="ft8">Forderung auf einem definitiven Rechtsöffnungstitel beruht, wegen</span><br/> <span class="ft8">der durch diesen ausgeschlossenen Aberkennungsklage nur gestützt</span><br/> <span class="ft8">auf diesen definitive Rechtsöffnung möglich. In einem solchen Fall</span><br/> <span class="ft8">ist der definitive Rechtsöffnungstitel für die nur mögliche definitive</span><br/> <span class="ft8">Rechtsöffnung vorzulegen und der Pfändungsverlustschein nur zur</span><br/> <span class="ft8">Entkräftung der dem Schuldner zur Abwehr der definitiven Rechts-</span><br/> <span class="ft8">öffnung offenstehenden Verjährungseinrede (Art. 81 Abs. 1 SchKG)</span><br/> <span class="ft8">tauglich und einzureichen (ständige Rechtsprechung des Oberge-</span><br/> <span class="ft8">richts; zuletzt Entscheid des Obergerichts ZSU.2012.95 vom 7. Juni</span><br/> <span class="ft8">2012 Erw. 4.2; a.A. Staehelin, a.a.O., Art. 82 N. 163; Stücheli, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft8">S. 394; beide erachten die provisorische Rechtsöffnung gestützt auf</span><br/> <span class="ft8">einen solchen Verlustschein für zulässig).</span><br/> <span class="ft8">4.2.</span><br/> <span class="ft8">Die Kläger haben im Zahlungsbefehl als Rechtsöffnungstitel</span><br/> <span class="ft8">drei Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 21'642.50 genannt und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Schuldbetreibungs- und Konkursrecht</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft8">diese mit dem Rechtsöffnungsbegehren eingereicht. Gestützt auf</span><br/> <span class="ft8">diese Verlustscheine kann aber weder definitive noch provisorische</span><br/> <span class="ft8">Rechtsöffnung erteilt werden, weil die Verlustscheine bloss proviso-</span><br/> <span class="ft8">rische Rechtsöffnungstitel sind (Art. 149 Abs. 2 SchKG), was die</span><br/> <span class="ft8">definitive Rechtsöffnung ausschliesst, die in ihnen verurkundeten</span><br/> <span class="ft8">Forderungen auf definitiven Rechtsöffnungstiteln beruhen, was der</span><br/> <span class="ft8">provisorischen Rechtsöffnung wegen der damit verbundenen Aber-</span><br/> <span class="ft8">kennungsklage entgegensteht. Die Kläger haben ferner vier definitive</span><br/> <span class="ft8">Steuerveranlagungen im Gesamtbetrag von Fr. 19'162.00 vorgelegt,</span><br/> <span class="ft8">wobei die beiden Veranlagungen für 1993/1994 identisch sind.</span><br/> <span class="ft8">Gestützt auf diese definitiven Steuerveranlagungen könnte definitive</span><br/> <span class="ft8">Rechtsöffnung erteilt werden, allerdings nicht in dem in Betreibung</span><br/> <span class="ft8">gesetzten Betrag, für den die Vorinstanz provisorische Rechtsöffnung</span><br/> <span class="ft8">erteilt hat. Die Kläger würden folglich durch einen solchen Entscheid</span><br/> <span class="ft8">des Obergerichts schlechter gestellt, zumal die provisorische</span><br/> <span class="ft8">Rechtsöffnung zur definitiven wird, falls der Beklagte wie behauptet</span><br/> <span class="ft8">keine Aberkennungsklage eingereicht hat (Art. 83 Abs. 3 SchKG;</span><br/> <span class="ft8">Stücheli, a.a.O., S. 394). Zufolge der Geltung der Dispositions-</span><br/> <span class="ft8">maxime ist das Obergericht im Rechtsmittelverfahren aber an den</span><br/> <span class="ft8">Antrag der Kläger gebunden und darf sie nicht schlechter stellen als</span><br/> <span class="ft8">die Vorinstanz (Art. 58 Abs. 1 ZPO; sog. Verbot der reformatio in</span><br/> <span class="ft8">peius; Meier, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2010, S. 510). Die</span><br/> <span class="ft8">Beschwerde ist aus diesen Gründen abzuweisen.</span><br/></div> </div> </body> </html>