Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Januar 2017 (715 16 315 / 21) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Beitragszeit, kein genügender Nachweis der Barlohnauszahlung bei arbeitgeberähnlicher Stellung Besetzung Vorsitzende Kantonsrichterin Elisabeth Be rger Götz, Kantonsrichter Markus Mattle, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreibe- rin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, Postfach, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Ablehnung der Anspruchsberechtigung A. Der 1979 geborene A.____ war zuletzt vom 1. Febr uar 2014 bis 12. April 2016 für die B.____ GmbH in C.____ als deren Gesellschafter und Geschäftsführer tätig. Das Arbeitsver- hältnis endete mit einer Kündigung bzw. mit der Ges chäftsaufgabe (gemäss Handelsregister per 18. April 2016). Am 13. April 2016 meldete sich A.____ in seiner Wohngemeinde zur Ar- beitsvermittlung an und stellte am 19. April 2016 A ntrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 13. April 2016. Mit Verfügung Nr. 1079/2016 vom 15. Juni 2016 lehnte die Öffentliche Arbeitslo- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht senkasse die Anspruchsberechtigung des Versicherten unter Hinweis auf die nichterreichte Mindestgrenze des versicherten Verdienstes bzw. des nicht na chgewiesenen Lohnflusses ab. Zur Begründung hielt sie fest, dass A.____ in einer arb eitgeberähnlichen Stellung gestanden habe, der Eintrag im Handelsregister zwischenzeitlich je doch gelöscht worden sei. Indessen habe er den geltend gemachten Lohn bar bezogen und k önne den Lohnfluss weder mit Bank- oder Postbelegen noch durch eine Kombination von ander en Beweismitteln belegen. Er habe auch keine Sozialversicherungsbeiträge in die AHV einbe zahlt. Da der tatsächliche Lohnbezug nicht nachgewiesen sei, müsse der Anspruch auf Arbeitslo senentschädigung wegen Nichterrei- chens der Mindestgrenze des versicherten Verdienstes von Fr. 5 00.– abgelehnt werden. Die vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache wies die Ein spracheinstanz des KIGA Basel- land, Abteilung Öffentliche Arbeitslosenkasse, mit Entschei d vom 15. August 2016 ab. Der gel- tend gemachte Lohnfluss sei nicht genügend belegt, wesh alb der Einsprecher während der Rahmenfrist die Mindestbeitragszeit nicht erfülle. Überdies sei die Mindestgrenze des versicher- ten Verdienstes ebenfalls nicht erreicht. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 15 . September 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Ka ntonsgericht). Darin beantragte er sinngemäss, es sei der angefochtene Einspracheentscheid auf zuheben und festzustellen, dass er Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung habe. Zum Bewe is des geltend gemachten Lohnes legte er der Beschwerde einen Nachdruck der eingereicht en Steuererklärung für das Jahr 2014 bei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 21. November 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochte nen Einspracheentscheids, unter o/e-Kostenfolge. In erster Linie wurde auf die Ausführungen im Einspracheentscheid verwiesen. Ergänzend wurde festgehalten, dass aufgrund der Verlegung der Domiziladresse der GmbH an die Wohnadresse des Beschwerdeführers nicht ausgeschlossen werden könne, dass dieser weiterhin massgeblich auf die Gesellschaft Einfluss nehme und somit eine arbeitgeberähnliche Stellung innehabe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligat orische Arbeitslosenversi- cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Ju ni 1982 in Verbindung mit den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeine n Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Einspracheentschei de aus dem Bereich der Arbeits- losenversicherung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsge richt erhoben werden. Örtlich zuständig ist nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 12 8 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitsl osenversicherung und die Insolvenzent- schädigung (AVIV) vom 31. August 1983 das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht erfüllt. Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Kontrollpflicht im Kanton Ba sel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtli- che Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtl iche Instanz des Kantons Be- schwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Be schwerde zuständig. Auf die im Übri- gen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 15. S eptember 2016 ist demnach einzu- treten. 2.1 Die versicherte Person hat Anspruch auf Arbeitslosenen tschädigung, wenn sie unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfü llung der Beitragszeit befreit ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. e in Verbindung mit Art. 13 und 14 AVIG) . Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitrags- zeit erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit von zwei Jah- ren (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Mona ten eine beitragspflichtige Beschäfti- gung ausgeübt hat (vgl. AVIG-Praxis ALE, Arbeitsmarkt un d Arbeitslosenversicherung [AVIG- Praxis] Rz. B143). 2.2 Art. 13 Abs. 1 AVIG setzt eine beitragspflichtige Beschäftigung voraus. Nach Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG ist für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach dem Bundes- gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 obli- gatorisch versichert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit beitragspflichtig ist, d.h. massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG bezie ht (vgl. BGE 122 V 251 E. 2b mit Hinweisen). Die Beitragspflicht einer versicherten unsel bstständigen Person entsteht mit der Leistung der Arbeit. Beiträge sind indessen erst bei Re alisierung des Lohn- oder Entschädi- gungsanspruchs geschuldet (vgl. BGE 111 V 166 f. E. 4a und b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen des Art. 13 Abs. 1 AVIG de shalb vorausgesetzt, dass die versi- cherte Person effektiv eine beitragspflichtige Beschäfti gung ausgeübt und der Arbeitgeber für diese Beschäftigung tatsächlich auch einen Lohn entricht et hat (vgl. BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 28. Februar 2003, C 127/02, E. 1). Mit dem Erfordernis des Nachweises ef- fektiver Lohnzahlung sollen Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Ar- beitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 2001 Nr. 27 S. 228 E. 4c). 2.3 In BGE 131 V 444 ff. hat das EVG präzisierend festg ehalten, die bisherige Rechtspre- chung sei nicht in dem Sinne zu verstehen, dass eine b eitragspflichtige Beschäftigung über- haupt nur dann zur Bildung von Beitragszeiten führe, wenn und soweit der Nachweis tatsächli- cher Lohnzahlungen erbracht ist. Unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach Art. 8 Abs.1 lit. e AVIG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 AV IG sei die faktische Ausübung einer bei- tragspflichtigen Beschäftigung während der geforderte n Dauer die einzige Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (vgl. BGE 113 V 352 f.). Dem Nachweis tatsächli- cher Lohnzahlung komme deshalb nicht der Sinn einer sel bstständigen Anspruchsvorausset- zung zu, wohl aber jener eines bedeutsamen und in krit ischen Fällen unter Umständen aus- schlaggebenden Indizes für die Ausübung einer beitragspfl ichtigen Beschäftigung (BGE 131 V 453 E. 3.3 in fine). Das im Gesetz zwar nicht ausd rücklich genannte, nach ständiger Rechtsprechung aber massgebliche Erfordernis der genüge nden Überprüfbarkeit der beitrags- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflichtigen Beschäftigung diene der Verhinderung von Mi ssbräuchen (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 29. Dezember 2005, C 258/04, E. 3.2 mit Hin weis). Fehle es am Nachweis einer tat- sächlich ausgeübten unselbstständigen Tätigkeit, sei das An spruchserfordernis nach Art. 8 Abs. 1 lit. e und Art. 13 AVIG nicht gegeben. Dies ge lte auch dann, wenn als Lohn bezeichnete oder auf ein als solches bezeichnetes Lohnkonto erfolgte Zahlungen des Arbeitgebers bestehen würden. Dieser Umstand bilde eben nur, aber immerhin , ein bedeutsames Indiz für eine bei- tragspflichtige Beschäftigung (vgl. BGE 131 V 451 E. 3.2.2). 2.4 In zwei weiteren Urteilen (C 83/06 vom 18. August 2006 und C 111/06 vom 6. März 2007) hat die höchstrichterliche Rechtsprechung schliesslich präzisierend festgehalten, dass der Umstand, dass eine tatsächliche Lohnzahlung nicht hinreichend belegt werden könne, nicht bedeute, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ku rzerhand abzulehnen wäre. Massgebend sei nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes einzig, dass innerhalb der Rahmen- frist für die Beitragszeit eine beitragspflichtige Beschä ftigung während der Mindestdauer von zwölf Monaten rechtsgenüglich dargetan sei. Soweit eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen, der exakt ausbezahlte Lohn jedoch unklar geblieben sei, habe eine Korrektur über den versicherten Verdienst zu erfolgen (vgl. Urteil des EVG vom 18. August 2006, C 83/06, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 451 E. 3.2 .3). Was die Einkommenshöhe betreffe, habe sich die mangelnde Bestimmbarkeit der Lohnhöhe d iesfalls grundsätzlich zu Ungunsten der versicherten Person auszuwirken (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 6. März 2007, C 111/06, E. 3.4). 2.5 Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV -Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnis- sen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässi- gen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeits bedingte Inkonvenienzen darstellen (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Der Verdienst gilt nicht als versichert, wenn er eine Mindestgrenze von monatlich Fr. 500.– nicht erreicht (Art. 23 Abs. 1 Satz 3 AVIG i.V.m. Art. 40 AVIV). Praxis- gemäss ist bei der Ermittlung des versicherten Verdienste s der im Bemessungszeitraum tat- sächlich erzielte Lohn massgebend; eine davon abweichende Lohnabrede zwischen Arbeitge- ber und Arbeitnehmer hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben (BGE 131 V 450 f. E. 3.2.1, mit Hinweisen). Der versicherte Verdienst nach Art. 23 AVIG bildet ein Korrektiv bei allfälligen missbräuchlichen Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, indem grund- sätzlich die tatsächlichen Lohnbezüge im Bemessungszeitraum massgebend sind (BGE 131 V 451 E. 3.2.3 mit Hinweis). Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweichen, rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinbaru ng fiktiver Löhne, welche in Wirklich- keit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (BGE 128 V 190 E. 3a/aa; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2012, 8C_913/2011, E. 3.1; je mit Hinweisen). 2.6 Als Beweis für den tatsächlichen Lohnfluss genügen B elege über entsprechende Zah- lungen auf ein Post- oder Bankkonto, welches auf den Namen des Arbeitnehmers lautet. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohnquittungen sowie Auskünfte von ehemaligen Mitarbei- tern – allenfalls in Form von Zeugenaussagen – in Betr acht. Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlungen bilden Arbeitgeberbescheinigungen und vom Arbeitnehmer unterzeichnete Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Lohnabrechnungen oder AHV-Lohnblätter sowie Steuererklärungen (vgl. BGE 133 V 447 E. 1.2 mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 28. Juli 2004, C 2 50/03, E. 2.1; ARV 2004 Nr. 10 S. 115 ff.; vgl. auch: BARBARA KUPFER BUCHER , Der Nachweis des Lohnflusses als Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, in: Schweizerische Zeitschrift für Sozialversicherung und berufliche Vorsorge [SZS] 2005, S. 138 f.). 2.7 Bei Personen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit eine a rbeitgeberähnliche Stellung innehat- ten, hat die Arbeitslosenkasse näher zu prüfen, ob diese tatsächlich einen Lohn bezogen haben (AVIG-Praxis, Rz. B32 und B146). Lassen sich in Fällen, die weitergehende Abklärungen be- dingen, Bank- oder Postbelege beibringen, ist damit de r Lohnfluss und die Ausübung einer bei- tragspflichtigen Beschäftigung in der Regel nachgewie sen (AVIG-Praxis ALE A1, Rz. B147). Wurde der Lohn bar bezogen, können das bei der Steuerverwaltung mit Lohnausweis deklarier- te Einkommen, Lohnquittungen oder durch ein Treuhand büro geführte Geschäftsbücher in Ver- bindung mit einem entsprechenden individuellen Kontoau szug der AHV als Nachweis für den Lohnbezug akzeptiert werden. Widersprechen die genann ten Beweismittel dem individuellen Kontoauszug der AHV, so ist für die Bestimmung des versic herten Verdienstes vom geringeren Betrag auszugehen. Es ist denkbar, dass die versicherte Person, welche den Lohn bar bezogen hat, durch eine Kombination von anderen Beweismittel n den Lohnfluss nachzuweisen vermag. Der Lohnfluss lässt sich aber zum Beispiel allein durch ei ne Lohnabrechnung, eine Lohnquit- tung, einen Arbeitsvertrag, eine Kündigungsbestätigu ng oder eine Lohnforderungseingabe im Konkurs nicht nachweisen. Solche Dokumente stellen ledigl ich Parteibehauptungen dar, über deren Wahrheitsgehalt niemand ausser der versicherten P erson selbst Angaben machen kann. Ergeben sich aufgrund der eingereichten Belege keine kl aren Rückschlüsse auf die in der frag- lichen Zeit effektiv ausbezahlten Löhne, liegt Beweisl osigkeit zulasten der versicherten Person vor, womit ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung i nfolge fehlender Beitragszeit verneint werden muss. Dem Nachweis des tatsächlich realisierten Lo hnes kommt nicht nur bei der Be- stimmung der Beitragszeit, sondern auch bei der Festset zung der Höhe des versicherten Ver- dienstes entscheidende Bedeutung zu. Ohne genaue Angab en über den Lohnfluss ist es nicht möglich, die Höhe des versicherten Verdienstes zu bestimmen (AVIG-Praxis, Rz. B148). 3.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständ ige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhaltes zu sorgen. Die Verwaltung als verfügen de Instanz und – im Beschwerde- fall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als be wiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat di e rechtsanwendende Behörde ih- ren Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichen des vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Ve rwaltung und Gericht haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von al len möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen). Der Untersuchungs- grundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführ ungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügende n Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach- verhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel grei ft allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsat zes aufgrund einer Beweiswürdi- gung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest di e Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen). 3.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgericht sbeschwerdeverfahren gilt fer- ner der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozial- versicherungsgericht die Beweise frei und somit ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (vgl. R ENÉ RHINOW /H EINRICH KOLLER /C HRISTINA KISS /D ANIELA THURNHERR /D ENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, N. 330, 1001 und 1226). Für das Beschwerdeverfa hren hat dies zur Folge, dass das So- zialversicherungsgericht alle Beweismittel – unabhängig da von, von wem sie stammen – objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver- lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gesta tten. Weiter dürfen die Verwaltung als verfügende Instanz beziehungsweise im Beschwerdefall das G ericht eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überze ugt sind. Im Sozialversiche- rungsrecht ist der Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas A bweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fäll en. Die blosse Möglichkeit eines be- stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Vielmehr ist jener Sachver- haltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen Ge schehensabläufen als die wahrschein- lichste zu würdigen ist (BGE 126 V 360 E. 5b mit weiteren Hinweisen). 4.1 Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwer deführers auf Arbeitslosenent- schädigung und in diesem Zusammenhang, ob der Beschwer deführer die Beitragszeit gemäss Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt hat. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob er innerhalb der massge- benden Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 13. April 2014 bis 12. April 2016 (vgl. Art. 9 Abs. 1 und 3 AVIG) eine beitragspflichtige Beschäftigung von mindestens zwölf Monaten nachweisen kann und – bejahendenfalls – ob der erzielte versicherte Verdienst die Mindestgrenze von mo- natlich Fr. 500.– (vgl. Art. 40 AVIV) erreicht hat. I m Hinblick auf die Beurteilung dieser strittigen Fragen ist zwischen den Parteien insbesondere das Kriterium des Lohnflusses strittig. 4.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt im angefochtenen Einspracheentscheid vom 15. August 2016 und in ihrer Vernehmlassung vom 21. No vember 2016 die Auffassung, dass der Beschwerdeführer den Lohnfluss nicht belegen könne . Zwar lägen eine Arbeitgeberbe- scheinigung vom 19. April 2016 sowie die Lohnabrechnung en für die Zeit von April 2014 bis April 2016 vor. Indessen seien diese Unterlagen alle vom Beschwerdeführer – in seiner Funkti- on als Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunter schrift – selbst unterzeichnet bzw. ausgestellt worden. Die eingereichten Quittungen für den Lohnbezug in bar würden zwar be- tragsmässig den Lohnabrechnungen entsprechen, seien jedo ch chronologisch durchnumme- riert, was für eine nachträgliche Ausstellung spreche. Au sserdem seien sie wiederholt auf Samstage, Sonn- und Feiertage datiert. Auch die Lohnq uittungen seien vom Beschwerdeführer selbst ausgestellt worden und stellten damit reine Parte ibehauptungen mit geringem Beweis- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht wert dar. Die Lohnquittungen würden überdies den An gaben im Auszug des individuellen Kon- tos (IK-Auszug) bei der Ausgleichskasse SVA Basel-Landschaf t widersprechen. Lediglich für das Jahr 2016 würden die Zahlen übereinstimmen, wobei der Beschwerdeführer die Lohndekla- ration gegenüber der Ausgleichskasse erst am 5. Juli 201 6 und damit nach der ablehnenden Verfügung der Öffentlichen Arbeitslosenkasse vom 15. Juni 2016 eingereicht habe. Auch ge- genüber den Steuerbehörden habe der Beschwerdeführer abweichende Angaben gemacht. Überdies handle es sich bei der Steuererklärung ebenfalls um eine Eigendeklaration. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, dass er einen monatlichen Lohn von mindestens Fr. 500.– genügend nachgewiesen habe. Irgendwie habe er seinen Lebensunterhalt ja bestrei- ten müssen. Die eingereichten Belege könnten nicht als blosse Parteibehauptungen abgetan werden. Dass Löhne auch an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen ausbezahlt würden, sei im Gastronomiegewerbe durchaus üblich, da das Untern ehmen gerade auch an solchen Tagen wirtschafte. Auch die Durchnummerierung der Lohn quittungen spreche nicht gegen den Lohnbezug. 4.3 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer vor seine r Arbeitslosigkeit eine arbeitge- berähnliche Stellung innehatte. Als alleiniger Gesel lschafter und Geschäftsführer mit Einzelun- terschrift beherrschte er die B.____ GmbH und war gleic hzeitig Arbeitgeber und Arbeitnehmer. An den Beweis einer beitragspflichtigen Beschäftigung und den Lohnfluss sind deshalb erhöhte Anforderungen zu stellen (vgl. E. 2.7 hiervor). Zum Be leg reichte der Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren Lohnabrechnungen für die Zeit von April 2014 bis April 2016 sowie Lohnquittungen von Februar 2014 bis April 2016 ein. Im Beschwerdeverfahren wurde ausser- dem ein nicht unterzeichneter Nachdruck der Steuererklär ung für das Jahr 2014 beigebracht. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt, kann diese n Dokumenten indes keine aus- schlaggebende Beweiskraft zukommen, da sie allesamt vom Besch werdeführer selbst ausge- stellt wurden und damit als reine Parteibehauptungen anzusehen sind. Objektive Angaben zum behaupteten Lohnfluss, z.B. einen privaten Kontoauszug des Beschwerdeführers, aus dem die Lohneinzahlungen ersichtlich werden, oder eine (von ei nem Treuhänder geführte) Buchhaltung liegen nicht vor. Der Beschwerdeführer erwähnt zwar, da ss „mehrere Angestellte“ seine Anga- ben zur Barauszahlung bestätigen könnten, nennt jedoch keine zu befragenden Zeugen. Es ist ferner unwahrscheinlich, dass diese Angestellten zur Loh nauszahlung und Lohnhöhe des Be- schwerdeführers Angaben machen könnten. Die verschiedene n Angaben des Beschwerdefüh- rers zu den angeblich ausbezahlten Beträgen weisen unte reinander Widersprüche auf. Ausser- dem sind Abweichungen zu den gemäss IK-Auszug deklariert en Beträgen erkennbar, wodurch ihr Beweiswert zusätzlich geschmälert wird. Der Beschwerdeführer vermag die Widersprüche in den deklarierten Beträgen nicht zu erklären. Er bringt lediglich vor, dass er seinen Lebensunter- halt ja auf irgendeine Art habe bestreiten müssen. Die se Frage ist vorliegend aber nicht von Relevanz. Unstimmigkeiten zeigen sich auch sonst in den An gaben des Versicherten: Zwar ist dem Beschwerdeführer beizupflichten, dass eine Lohnzah lung in bar im Gastronomiegewerbe auch an den Wochenenden sowie an Feiertagen erfolgen kann. Eine nachvollziehbare Erklä- rung für die durchnummerierten Lohnquittungen wird j edoch weder vorgebracht noch ist eine solche aus den Akten oder Umständen ersichtlich. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Insgesamt reichte der Beschwerdeführer nach dem Ausg eführten keine Unterlagen ein, die einen Lohnfluss objektiv oder objektivierbar zu beleg en vermögen. Zudem sind die Aussa- gen und Selbstbescheinigungen des Versicherten in Bezug auf den Lohnfluss widersprüchlich. Unter diesen Umständen kann der Beschwerdeführer nicht mit überwiegender Wahrscheinlich- keit darlegen, dass er in den Jahren 2014 bis 2016 währe nd der Rahmenfrist für die Beitrags- zeit eine beitragspflichtige Beschäftigung mit Lohnbezug ausübte. Letztlich muss deshalb auf- grund der vorhandenen Akten Beweislosigkeit angenommen werden. Diese wirkt sich zulasten des anspruchserhebenden Beschwerdeführers aus (vgl. E. 3.1 hiervor). Da überdies aufgrund des Domizilwechsels der Gesellschaft an die Wohnadresse des Beschwerdeführers nach der Übernahme durch den Bruder Zweifel bestehen, ob er sei ne unternehmensbeherrschende und arbeitgeberähnliche Stellung überhaupt definitiv aufg egeben hat, besteht vorliegend ein erhöh- tes Missbrauchspotential. Nach dem Ausgeführten hat die Beschwerdegegnerin einen An- spruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung zu Recht abgelehnt. Die Be- schwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. 5. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor d em kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht