B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung VI F-4077/2025 U r t e i l v o m 25 . J u n i 2 0 2 5 Besetzung Einzelrichterin Susanne Genner, mit Zustimmung von Richterin Aileen Truttmann; Gerichtsschreiberin Margerita Socha. Parteien 1. A.________, geboren am (...), 2. B.________, geboren am (...), und deren Kinder 3. C.________, geboren am (...), 4. D.________, geboren am (...), 5. E.________, geboren am (...), 6. F.________, geboren am (...), alle Syrien, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM vom 30. Mai 2025 / N (…). F-4077/2025 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden ersuchten am 22. April 2025 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Euro- dac) ergab, dass sie bereits am 11. April 2025 in Kroatien um Asyl ersucht hatten. B. Am 1. Mai 2025 ersuchte die Vorinstanz die kroatischen Behörden um Wie- deraufnahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt- staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An- trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin -III-VO). Die kroati- schen Behörden hiessen das Ersuchen am 7. Mai 2025 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. C. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen des Dublin -Ge- sprächs zur Zuständigkeit Kroatiens am 5. Mai 2025 trat die Vorinstanz mit Verfügung vom 30. Mai 2025 – eröffnet am 2. Juni 2025 – auf die Asylge- suche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete ihre Überstellung nach Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Be- schwerdefrist zu verlassen. D. Am 5. Juni 2025 erhoben die Beschwerdeführenden beim Bundesverwal- tungsgericht Beschwerde und beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventu- aliter sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den zuständigen Be- hörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien umgehend Obdach, Nahrung, eine adäquate und regelmässige medizinische sowie psychologische Behandlung sichergestellt werde. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Der Beschwerde sei im Sinne vorsorglicher Massnahmen die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Kroa -F-4077/2025 Seite 3 tien, abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden habe. E. Am 6. Juni 2025 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori- schen Vollzugstopp gestützt auf Art. 56 VwVG an. F. Am 23. Juni 2025 leitete die Vorinstanz eine E-Mail des Beschwerdefüh- rers, eingegangen am 20. Juni 2025 , an das Bundesverwaltungsgerich t weiter. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Behandlung der Beschwerde zuständig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 31 ff. VGG) und die Sachur- teilsvoraussetzungen sind erfüllt, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari- scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 2. 2.1 Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin- III-VO grundsätzlich Kroatien für die Behandlung der Asylgesuche der Be- schwerdeführenden zuständig ist, dass das kroatische Asylsystem recht- sprechungsgemäss keine systemischen Mängel aufweist, aufgrund derer die Zuständigkeit gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf die Schweiz über- ginge (vgl. Urteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 [als Referenzurteil pu- bliziert] E. 9.5), und dass vorliegend keine völkerrechtlichen Vollzugshin- dernisse ersichtlich sind, welche die Schweiz zu einem Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichten würden. Dabei hat sie die Vorbrin- gen der Beschwerdeführenden im Hinblick auf d ie geltend gemachte schlechte Behandlung seitens der kroatischen Behörden (Aufgriff, Ab- nahme der Fingerabdrücke unter Zwang sowie fehlender Zugang zu einer Unterkunft und gesundheitlicher Versorgung), das Kindswoh l sowie die F-4077/2025 Seite 4 gesundheitlichen Leiden insbesondere des jüngsten Kindes berücksichtigt und rechtsprechungskonform gewürdigt. Darüber hinaus hat die Vorinstanz in rechtsfehlerfreier Ausübung des ihr nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zukommenden Ermessens von einem Selbsteintritt der Schweiz abgesehen. Sie ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG ihre Wegwei- sung nach Kroatien angeordnet. Zur näheren Begründung wird auf die aus- führlichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen. 2.2 Was die Beschwerdeführenden auf Rechtsmittelebene vorbringen, ver- mag nichts an der Richtigkeit der angefochtenen Verfügung zu ändern. Die von ihnen geltend gemachten gesundheitlichen Probleme (psychische Lei- den, Schmerzen in der Schulter, Albträume, Autismus) sind nicht derart gravierend, dass gestützt auf Art. 3 EMRK von einer Überstellung nach Kroatien abgesehen werden müsste. Nichtsdestotrotz ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infra- struktur verfügt. Der von den Beschwerdeführenden wiedergegebene Be- richt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom Februar 2025 zur Aufnahmesituation in Kroatien und zu gewaltvollen Rückführungen (Ket- tenabschiebungen) sowie die geltend gemachten Erlebnisse vermögen keine systemischen Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu belegen. Für eine Änderung der Rechtsprechung (zu den Voraussetzun- gen: BGE 147 V 342 E. 5.5.1 m.w.H.) besteht in Würdigung der vo n den Beschwerdeführenden gemachten Äusserungen keine Veranlassung. Es ist demnach davon auszugehen, dass G esuchstellende, welche gestützt auf die Dublin-III-VO nach Kroatien überstellt werden, Zugang zum dorti- gen Asylverfahren erhalten und Kroatien die Sicherheit überstellter Perso- nen garantiert und deren Rechte gemäss dem internationalen Recht ein- hält (siehe E. 2.1 hiervor). Auch das von den Beschwerdeführenden einge- leitete Strafverfahren gegen die kroatischen Behörden vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 2.3 Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass die sinngemäss erhobene Rüge de r Beschwerdeführenden, wonach die Vor instanz ihre Untersuchungspflicht in Bezug auf die Situation in Kroatien sowie den ge- sicherten Zugang zu einer Unterkunft und medizinischer Betreuung verletzt habe, unbegründet ist. So wurde der Sachverhalt durch die Vorinstanz ge- nügend festgestellt. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist abzuweisen. F-4077/2025 Seite 5 2.4 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Praxis davon aus, dass die schweizerischen Behörden bei den kroatischen Behörden in der Regel keine individuellen Zusicherungen bezüglich des Zugangs zu adäquater Unterbringung, Betreuung und medizinischer Versorgung einzuholen ha- ben (vgl. Referenzurteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 E. 12). Das ent- sprechende Subeventualbegehren ist ebenfalls abzuweisen. 3. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden (Art. 106 AsylG) und die Beschwerde ist abzuweisen. 4. Mit vorliegendem Urteil fällt der am 6. Juni 2025 angeordnete Vollzugs- stopp dahin. 5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den unter liegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge- samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs- gericht [VGKE, SR173.320.2]). 6. Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). (Dispositiv nächste Seite). F-4077/2025 Seite 6 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die Vorinstanz und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Susanne Genner Margerita Socha Versand: