B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-608/2020 U r t e i l v o m 3 0 . S e p t e m b e r 2 0 2 0 Besetzung Richter Michael Peterli (Vorsitz), Richter Daniel Stufetti, Richterin Viktoria Helfenstein, Gerichtsschreiberin Sandra Tibis. Parteien A._______, (Italien), Zustelladresse: c/o B._______, Beschwerdeführerin, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Vorinstanz. Gegenstand Invalidenversicherung, Ausstandsbegehren, Verfügung vom 17. Dezember 2019. C-608/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die am (…) 1972 geborene, ledige schweizerische Staatsangehörige A._______ bezieht seit 1. Juni 2013 eine ganze Rente der schweizeri- schen Invalidenversicherung . Per 22. Juli 2016 ist A._______ aus der Schweiz weggezogen und lebt seither in Italien (vgl. IV-act. 85); die Akten wurden zuständigkeitshalber an die IV -Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) überwiesen (vgl. IV-act. 87). A.b Mit Schreiben vom 6. Juni 2017 (IV -act. 98) informier te die IVSTA A._______ darüber, dass sie eine Rentenrevision einleiten müsse und des- halb ärztliche Berichte aus dem Zeitraum 20. Oktober 2015 bis heute be- nötige. Da die eingereichten Berichte keine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustandes zuliesse n, schlug Dr. med. C._______, Facharzt für Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie beim Regionalen Ärztli- chen Dienst (RAD), mit Bericht vom 1. Mai 2018 (IV-act. 125) vor, ein psy- chiatrisches Gutachten in der Schweiz erstellen zu lassen. A.c Mit Schreiben vom 24. Mai 2018 (IV -act. 129) gab die IVSTA A._______ bekannt, dass beabsichtigt sei, ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. D._______ einzuholen. Die IVSTA gab A._______ Gelegen- heit, innert 10 Tagen eventuelle Zusatzfragen für den Gutachter einzu- reichen. Ferner wies die IVSTA A._______ darauf hin, dass allfällige Ein- wände oder triftige Verweigerungs- oder Ablehnungsgründe gegen die Gut- achterperson ebenfalls innert 10 Tagen nach Erhalt des Schreibens mitzu- teilen seien. A.d Mit Schreiben vom 24. Juli 2018 ( IV-act. 144) teilte die IVSTA A._______ den Begutachtungstermin vom 24. Oktober 2018 in der Praxis von Dr. med. D._______ mit. Die Begutachtung konnte am 24. Oktober 2018 wie geplant durchgeführt werden (vgl. IV-act. 151 f.) und der Gutach- ter stellte der IVSTA am 9. Januar 2019 das in Auftrag gegebene Gutachten zu (IV-act. 159). A.e Mit Vorbescheid vom 12. Februar 2019 (IV-act. 163) teilte die IVSTA A._______ mit, es bestehe kein Anspruch mehr auf eine Rente. A.f Mit Eingabe vom 8. April 2019 (IV-act. 171) erhob A._______, vertreten durch B._______, Einwand gegen den Vorbescheid und ersuchte um Ak-C-608/2020 Seite 3 teneinsicht sowie um eine Fristverlängerung für eine detaillierte Begrün- dung. Innert erstreckter Frist und nach Akteneinsicht begründete A._______ ihren Einwand mit Eingab e vom 29. April 2019 (IV -act. 175). Nebst der Kritik an der – ihrer Ansicht nach – unzutreffenden Beurteilung des Gesundheitszustands äusserte sich A._______ auch zur Person des Gutachters. Sie führte aus, dieser habe sie nach der Begutachtung gefragt, ob sie ihn nicht mehr kenne. Dies habe sie verneint. Später habe sie sich erinnert, dass sich Dr. med. D._______ einst bei ihrem damaligen Arbeit- geber als Vertrauensarzt beworben habe und sie , die die Rekrutierung durchführte, einem anderen Bewerber den Vorzug gegeben habe. A.g Mit Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019 (IV-act. 194) wies die IVSTA dieses Ausstandsbegehren ab. Zur Begründung führte sie aus, es lägen vorliegend keine Anhaltspunkte vor, dass der Gutachter befangen sei oder das Gutachten nicht neutral und sachlich abgefasst worden sei. Im Übrigen sei der Einwand verspätet, da A._______ den Ausstandsgrund nicht unverzüglich nach der Begutachtung , sondern erst nach Erhalt des Vorbescheids geltend gemacht habe. B. B.a Gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2019 erhob A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 30. Januar 2020 (BVGer-act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht . Sie bean- tragte die Aufhebung der angefochtenen Zwischenverfügung und die An- ordnung eines neuen Gutachtens durch einen anderen Gutachter. Zur Be- gründung führte sie aus, es könne sein, dass sie im Rahmen ihrer früheren beruflichen Tätigkeit die Gefühle von Dr. med. D._______ verletzt und er sich durch sie ungerecht behandelt gefühlt habe. Aus seinem Gutachten gehe hervor, dass die Testauswertungen zum Teil erheblich von den sub- jektiven Einschätzungen des Gutachters abwichen, was kaum erklärbar sei. Der Gutachter bescheinige ihr eine volle Arbeitsfähigkeit in der bishe- rigen Tätigkeit, obwohl sie sich mehrfach in stationärer Behandlung befun- den habe und – gemäss Einschätzung der italienischen Psychiaterin – so- gar im Jahr 2018, also wenig vor dem fraglichen Gutachten, hätte sein sol- len. B.b Am 5. März 2020 ist der mit Zwischenverfügung vom 11. Februar 2020 (BVGer-act. 2) ein verlangte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen. C-608/2020 Seite 4 B.c Mit Vernehmlassung vom 23. April 2020 (BVGer-act. 7) beantragte die IVSTA die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, es lägen keine objektiven Anhaltspunkte dafür vor, dass der Gutachter befan- gen sein könnte, auch werde kein persönliches Interesse des Gutachters an der zu beurteilenden Sache geltend gemacht. Ein Ausstandsgrund liesse sich auch im Verhalten des Gutachters nicht erblicken, da sich das umfassende Gutachten in sachlicher Weise ausschliesslich mit fachmedi- zinischen Fragen befasse und sich auf die medizinische Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin beschränke. Der individu- elle Eindruck der Beschwerdeführerin reiche nicht, um den Anschein der Befangenheit des Gutachters zu begründen. Schliesslich habe die Be- schwerdeführerin den Ausstandsgrund verspätet geltend gemacht, wes- halb ein allfälliger Anspruch verwirkt sei. B.d Die Beschwerdeführerin liess sich nicht mehr vernehmen (vgl. BVGer- act. 9 und 10). B.e Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Be- weismittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nach- folgenden Erwägungen einzugehen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern wie hier keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört auch die IVSTA (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Das Bundesverwaltungs- gericht ist somit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal- tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt. Indes findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. d bis VwVG keine Anwen- dung in Sozialversicherungssachen, soweit das ATSG (SR 830.1) anwend- bar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. C-608/2020 Seite 5 1.3 1.3.1 Anfechtungsobjekt ist vorliegend ein als Zwischenverfügung bezeich- netes Schreiben der Vorinstanz vom 17. Dezember 2019, mit welchem die Vorinstanz das Ausstands begehren der Beschwerdeführerin gegen den Gutachter Dr. med. D._______ abgelehnt hat. 1.3.2 Gegen selbständig eröffnete Zwischenverfügungen über die Zustän- digkeit und über Ausstandsbegehren ist die Beschwerde zulässig (Art. 45 Abs. 1 VwVG). Die Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019 ist daher als eine an- fechtbare Zwischenverfügung im Sinne von Art. 45 Abs. 1 VwVG zu be- trachten und die dagegen erhobene Beschwerde ist somit zulässig. 1.3.3 Die Beschwerdeführerin kann durch das Bundesverwaltungsgericht nur Rechtsverhältnisse überprüfen beziehungsweise beurteilen lassen, zu denen die zuständige Behörde vorgängig und verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Gegenstand des Beschwerdeverfah- rens kann deshalb nur sein, was Gegenstand des vorinstanzlichen Verfah- rens war oder bei richtiger Rechtsanwendung hätte sein sollen. Fragen, über welche die verfügende Behörde nicht entschieden hat, dürfen somit grundsätzlich im Beschwerdeverfahren nicht beurteilt werden (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2013, S. 29 f. Rz. 2.7 f. und BGE 125 V 413 E. 2a). Soweit die Beschwerdeführerin vorliegend beantragt, das Gutachten könne nicht berücksichtigt werden, da die Testergebnisse stark von der subjektiven Sicht des Gutachters abwichen, das Gutachten insgesamt nicht schlüssig sei und «gänzlich an der Realität vorbeigehe», gehen die Anträge über das in der Verfügung geregelte Rechtsverhältnis (Beurteilung des Ausstandsgesuchs) hinaus. Deshalb ist im vorliegenden Beschwerde- verfahren darauf nicht einzutreten. 1.4 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom- men. Sie ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, so dass sie im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist. C-608/2020 Seite 6 1.5 Da die Beschwerde im Übrigen frist - und formgerecht (Art. 60 Abs. 1 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und auch der Kostenvor- schuss fristgerecht bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten (vgl. aber E. 1.3.3 hiervor). 2. 2.1 Die Beschwerdeführerin kann im Rahmen des Beschwerdeverfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemes- senheit rügen (Art. 49 VwVG). 2.2 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeit punkt des Erlasses des streitigen En tscheides eingetretenen Sach verhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seit- her verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal- tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). 3. Im vorliegenden Verfahren ist streitig, ob die Vorinstanz zu Recht das Aus- standsbegehren der Beschwerdeführerin, das sie gegen den Gutachter Dr. med. D._______ gestellt hat, abgelehnt hat. 3.1 3.1.1 Zu unterscheiden ist zwischen Einwendungen formeller und Einwen- dungen materieller Natur. Dabei zählen die gesetzlichen Ausstandsgründe (vgl. Art. 10 VwVG und Art. 36 Abs. 1 ATSG) zu den Einwendungen formel- ler Natur, weil sie geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Sachverständigen zu erwecken. Einwendungen materieller Natur können sich zwar ebenfalls gegen die Person des Gutachters richten. Sie beschla- gen jedoch nicht dessen Unparteilichkeit. Oft sind sie von der Sorge getra- gen, das Gutachten könne mangelhaft ausfallen oder jedenfalls nicht im Sinne der zu begutachtenden Person. Solche Einwendungen sind in der Regel mit dem Entscheid in der Sache im Rahmen der Beweiswürdigung zu behandeln. So hat beispielsweise die Frage, aus welcher medizinischen Fachrichtung ein Gutachten einzuholen ist, nichts mit Ausstandsgründen, sondern mit der Beweiswürdigung zu tun (BGE 132 V 93 E. 6.5). C-608/2020 Seite 7 Gemäss Art. 36 Abs. 1 ATSG treten Personen, die Entscheidungen über Rechte und Pflichten zu treffen oder vorzubereiten haben in Ausstand, wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse haben oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnten. Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgese- hen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorlie- gen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsäch- lich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subje k- tive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss viel- mehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die er- hebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungs- recht zukommt, ist an die Unparteilichkeit d es Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1 mit Hinweis auf BGE 120 V 364 E. 3). 3.1.2 Es ist vorliegend unbestritten, dass sich der Gutachter, Dr. med. D._______, einst bei der früheren Arbeitgeberin der Beschwerde- führerin um eine Anste llung als Vertrauensarzt beworben hat. Die Be- schwerdeführerin war damals als Mitglied der Direktion in der Funktion Ab- teilungsleiterin Leistungssupport tätig (vgl. IV-act. 110). Im Auswahlverfah- ren hat die Beschwerdeführerin einem anderen Bewerber den Vorzug ge- geben; die Bewerbung von Dr. med. D._______ wurde nicht berücksichtigt. Im Rahmen der vorliegend fraglichen Begutachtung hat der Gutachter die Beschwerdeführerin, wie diese vorbringt, am Ende der Begutachtung ge- fragt, ob sie ihn nicht mehr kenne. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie i n jenem Moment nicht wusste, wer der Gutachter war. Erst als dieser sie über die Umstände der früheren Begegnung aufklärte, erinnerte sich die Beschwerdeführerin angeblich daran, dass sie ihm bereits früher in einem anderen Kontext begegnet war. Die Beschwerdeführerin führte aus, sie könne sich vorstellen, dass sie durch die Nichtberücksichtigung damals tatsächlich die Gefühle des Gutachters verletzt und dieser sich un- gerecht behandelt gefühlt haben könnte. C-608/2020 Seite 8 Die Vorinstanz machte dagegen geltend, im Verhalten des Gutachters sei kein Ausstandsgrund zu erblicken. Das umfassende, von ihm erstellte Gut- achten befasse sich in sachlicher Weise ausschliesslich mit fachmedizini- schen Fragen und beschränke sich auf die mediz inische Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin gebe lediglich ihren persönlichen Eindruck wieder, was zur Begründung ei- nes Anscheins der Befangenheit nicht ausreiche. Damit ein Ausstandsgrund angenommen werden k ann, ist erforderlich, dass der begutachtenden Person ein persönliches Interesse an der Sache unterstellt werden kann, das den Anschein der Befangenheit zur Folge hat. Dies wäre namentlich dann der Fall, wenn der Gutachter ein rechtliches oder tatsächliches Interesse am Verfahrensausgang hätte oder er persön- lich, zum Beispiel durch Verwandtschaft zur begutachtenden Person , be- troffen wäre. Es ist vorliegend nicht auszuschliessen, dass der Gutachter enttäuscht war, dass es mit der Anstellung bei der Arbeitgeb erin der Be- schwerdeführerin nicht geklappt hat. Dennoch sind keine besonderen Vor- kommnisse bekannt, die darauf hindeuten, dass es sich bei dieser Absage um ein Ereignis gehandelt hat, welches einen Einfluss auf die korrekte und unabhängige Ausübung der Gutachtertätigkeit haben könnte. So ist denn auch aus dem Gutachten in keiner Weise erkennbar, dass der Gutachter der Beschwerdeführerin schlecht gesinnt gewesen wäre. Das Gutachten beinhaltet keine unsachlichen Bemerkungen, die den Verdacht der Befan- genheit des Gutachters aufkommen lassen könnte. Für den Fall, dass der Gutachter sie tatsächlich auf die frühere Begegnung hingewiesen hat, wie von der Beschwerdeführerin behauptet wird, muss aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben den Gutachter erst später wiedererkannte, geschlossen werden, dass damals im Bewerbungspro- zess nichts Ausserordentliches vorgefallen war und die beiden somit kein Ereignis verbindet, welches im heutigen Zeitpunkt einen Einfluss auf die neutrale Ausübung der Gutachtertätigkeit haben könnte. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass beim Gutachter ein formeller Ausstandsgrund vorliegt. Selbst wenn jedoch ein solcher vorliegen sollte, wäre dies – wie nachfolgend darzulegen sein wird – im jetzigen Zeitpunkt unbeachtlich. 3.2 3.2.1 Das Vorliegen von Ausstandsgründen muss von Amtes wegen be- achtet werden. Dennoch liegt es aber nahe, dass eine Partei das Bestehen solcher Gründe möglichst frühzeitig geltend macht (zu dieser Obliegenheit C-608/2020 Seite 9 vgl. BGE 132 V 106 f.). Andernfalls kann ein er entsprechenden Einwen- dung der Grundsatz von Treu und Glauben entgegengehalten werden (vgl. BGE 121 I 229 f). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Aus- stands- und Befangenheitsgründe umgehend geltend zu machen, das heisst grundsätzlich sobald di e betroffene Person Kenntnis von den ent- sprechenden Tatsachen erhält. Wer den Mangel nicht unverzüglich vor- bringt, wenn er davon Kenntnis erhält, sondern sich stillschweigend auf ein Verfahren einlässt, verwirkt den Anspruch auf spätere Anrufung der ver- meintlich verletzten Ausstandsbestimmung. Unverzüglich bedeutet ein Geltendmachen binnen maximal sechs bis sieben Tagen; ein zwei- bis drei- wöchiges Zuwarten ist bereits unzulässig (vgl. Urteil des BGer 8C_41/2019 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Wird eine Frist zur Erhebung allfälliger Rü- gen betreffend Ausstand angesetzt, kann einer solchen Frist nur der Cha- rakter einer Ordnungsfrist zukommen; es kann sich nicht um eine Verwir- kungsfrist handeln (vgl. BGE 112 V 210; zum Ganzen: UELI KIESER, ATSG- Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 36, Rz. 21). 3.2.2 Im hier zu beurteilenden Fall hatte die IVSTA die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 24. Mai 2018 (IV-act. 129) informiert, dass die Begut- achtung bei Dr. med. D._______ stattfinden wird und sie die Möglichkeit habe, innert 10 Tagen seit Erhalt des Schreibens «allfällige Einwände oder triftige Verweigerungs- oder Ablehnungsgründe gegen die oben aufgeführ- ten begutachtenden Personen» zu erheben. Mit Schreiben vom 24. Juli 2018 gab die IVSTA der Beschwerdeführerin den definitiven Begutach- tungstermin (24. Oktober 2018) sowie den Namen des Gutachters bekannt (vgl. A.d. hiervor). Die Beschwerdeführerin hätte somit explizit die Möglich- keit gehabt, im Vorfeld der Begutachtung Ausstandsgründe gegen den Gut- achter geltend zu machen, was sie jedoch unterlassen hat. Die Beschwer- deführerin erschien zum vereinbarten Begutachtungstermin und erhob auch dort keine Einwände. Aus den Akten ist ersichtlich, dass sich die Be- schwerdeführerin nach Durchführung dieser Begutachtung wegen eine r Frage zu den Reisespesen telefonisch am 20. November 2018 bei der Vo- rinstanz gemeldet hat (vgl. IV -act. 158). In Bezug auf das Gutachten machte sie keine Bemerkungen und gegen den Gutachter brachte sie ebenso wenig Einwände vor. Am 25. Februar 2019 (vgl. IV-act. 164) mel- dete sich die Beschwerdeführerin erneut telefonisch bei der IVSTA und er- kundigte sich nach dem Stand der Dinge. Am 11. März 2019 informierte der Vertreter der Beschwerdeführerin, B._______, die IVSTA telefonisch dar- über, dass die Beschwerd eführerin Berichte bei ihren Ärzten angefordert habe und dann Einwand gegen den Vorbescheid erheben möchte (vgl. IV- act. 168). Am 21. März 2019 wandte sich der Vertreter erneut telefonisch C-608/2020 Seite 10 und am 8. April 2019 schriftlich an die IVSTA und erhob Einwand und be- antragte im Wesentlichen die Zusendung des Gutachtens und eine Frist- verlängerung zur Begründung des Einwands (vgl. IV-act. 169 und 171). Mit Schreiben vom 29. April 2019 (IV -act. 175) begründete die Beschwerde- führerin, vertreten durch B._______, ihren E inwand und erhob insbeson- dere auch die hier zu beurteilenden Ausstandsgründe gegen den Gutach- ter. 3.2.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die ihr mit Schreiben vom 24. Mai 2018 angesetzte zehntägige Frist zur Erhe- bung von Einwänden u nbenutzt hat verstreichen lassen, da sich die Be- schwerdeführerin – wie sie glaubhaft ausführt – nicht mehr an den Gutach- ter erinnern konnte. Dieses Verhalten hat keine Konsequenzen, da es sich bei der angesetzten Frist nicht um eine Verwirkungsfrist handel t (vgl. E. 3.2.1 hiervor). Der IVSTA ist überdies kein Vorwurf in Bezug auf die Aus- wahl des Gutachters zu machen, da sie vom Umstand, dass der Gutachter die Beschwerdeführerin kannte, nichts wusste. Eine Berücksichtigung des Ausstandsgrunds vom Amtes wegen kam somit nicht in Frage. In Anwen- dung der vorgenannten Rechtsprechung und Grundsätze ist indes davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin umgehend nach Kenntnis des Ausstandsgrundes hätte reagieren müssen. Gemäss der Schilderung der Beschwerdeführerin hat sie vom Ausstandsgrund am Tag der Begutach- tung Kenntnis erhalten, als sie der Gutachter auf den Umstand, dass sie sich bereits früher begegnet waren, hingewiesen hat. Zwischen der Begut- achtung am 24. Oktober 2018 und dem Tag, als sie den Ausstandsgrund erstmals geltend machte (Begründung des Einwands mit Schreiben vom 29. April 2019) waren somit rund sechs Monate vergangen. Ein solches Zuwarten widerspricht dem Grundsatz von Treu und Glauben und verdient keinen Rechtsschutz. Deshalb ist das Ausstandsbegehren – wie die Vor- instanz zu Recht festgestellt hat – abzuweisen. Der Vollständigkeit halber bleibt allerdings festzuhalten, dass damit nichts über die Qualität des Gutachtens gesagt wurde und die von der Beschwer- deführerin im Zusammenhang mit den Schlussfolgerungen des Gutach- tens vorgebrachten materiellen Rügen im Rahmen des Rentenentscheids und einer allfällig dagegen zu erhebenden Beschwerde zu prüfen wären (vgl. E. 1.3.3 hiervor). Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Dezember 2019 ist somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. C-608/2020 Seite 11 4. Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par- teientschädigung. 4.1 Die Verfahrenskosten sind bei Streitigkeiten um die Be willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen nach dem Verfahrensaufwand und un- abhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 -1'000 Franken festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Die Verfahrenskosten werden in der Regel der un- terliegenden Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Für das vorliegende Verfahren sind die Verfahrenskosten auf Fr. 800.- fest- zusetzen und der Beschwerdeführerin als unterlegene Partei aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.- ist zur Bezahlung der Verfah- renskosten zu verwenden. 4.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Be gehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und ver hältnismässig hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbe- hörde hat die IVSTA jedoch keinen Anspruch auf Partei entschädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf Parteient- schädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). C-608/2020 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.- wird zur Bezahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Einschreiben) – das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Peterli Sandra Tibis C-608/2020 Seite 13 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, Schweizerhofquai 6, 6 004 Luzern, Beschwerde in öffentlich - rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Hän den hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: