Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 4. Dezember 2015 ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Schadenersatz gemäss Art. 52 AHVG; Rechtmässigkeit der Schadenersatzforderung ge- genüber einem Gesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH bejaht Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Schadenersatz A. Die am 6. Juni 2008 im Handelregister eingetrage ne B.____ mit Sitz in X.____ war als beitragspflichtige Arbeitgeberin der Ausgleichskass e Basel-Landschaft (Ausgleichskasse) an- geschlossen. Am 22. Mai 2013 wurde über die Gesells chaft der Konkurs eröffnet und am 6. August 2013 mangels Aktiven eingestellt. Mit Ver fügung vom 26. März 2014 forderte die Ausgleichskasse von A.____ in seiner Eigenschaft al s Gesellschafter und Geschäftsführer der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B.____ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 25'604.50 für unbezahlt gebliebene Sozialversiche- rungsbeiträge einschliesslich Verwaltungskosten, Mahngebü hren, Betreibungskosten und Ver- zugszinsen betreffend die Jahre 2009 bis 2013. Daran hiel t sie auch auf Einsprache des Versi- cherten hin mit Entscheid vom 12. Mai 2015 fest. In der Begründung führte sie aus, dass auf- grund ausstehender Beiträge für die Jahre 2009 - 2013 eine Verletzung der Beitragspflicht vor- liege. Dazu habe es A.____ versäumt, Lohnbescheinigunge n für die Jahre 2012 und 2013 ein- zureichen. Damit habe er auch gegen die Abrechnungspfli cht verstossen. Da die Firma bereits schon Jahre vor der Konkurseröffnung mit den Beitragszah lungen in Verzug gewesen sei und mit Rückstellungen keine Rettung der Gesellschaft habe an genommen werden können, sei die Schadenersatzforderung gegenüber A.____ zu Recht verfügt worden. B. Gegen diesen Entscheid erhob A.____ am 15. Juni 201 5 Beschwerde ans Kantonsge- richt, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Sinngemäss beantragte er die Auf- hebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Die B.___ _ sei nach einem verlorenen Rechtsstreit innert zwei Wochen von Amtes wegen liquidie rt worden. Die Liquidation sei ohne sein Verschulden geschehen und er habe auf die Beitrag szahlung keinen Einfluss mehr neh- men können. Er und der zweite für die Firma tätige G esellschafter hätten im Jahr 2013 keinen Lohn bezogen und sich privat verschuldet, um die Firma zu retten. Zudem habe er entgegen den Vorbringen der Ausgleichskasse die Lohndeklaration f ür das Jahr 2012 eingereicht. Es sei ihm nicht bekannt, dass die Lohnsummenmeldung für das Ja hr 2013 nicht erfolgt sei. Gemäss seinen Erkundigungen betrage der Bruttolohn für 2013 Fr. 5'280.34. Er könne deshalb keine Verletzung seiner Mitwirkungspflicht erkennen. Dazu kom me, dass er bei der Übergabe der Geschäftsakten an den Liquidator unter Strafandrohung habe bestätigen müssen, dass er keine Handlungen für die ehemalige Gesellschaft vornehme. Ausserdem hätte das Guthaben der Ge- sellschaft im Zeitpunkt der Liquidation ausgereicht, um die ausstehenden Sozialversicherungs- beiträge bezahlen zu können. C. In ihrer Vernehmlassung vom 7. September 2015 reduzi erte die Ausgleichskasse die Höhe der Schadenersatzforderung von Fr. 25'604.50 au f Fr. 25'583.25, weil auf dem Beitrags- konto des Beschwerdeführers aus der Rückverteilung der CO2- Abgabe Fr. 21.25 gutgeschrie- ben werden konnte. Im Übrigen hielt sie an der Abweisung der Beschwerde fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All gemeinen Teil des Sozialver- sicherungsrechtes (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Ein spracheentscheide der Versi- cherungsträger Beschwerde erhoben werden. Jeder Kanton bestellt ein Versicherungsgericht als einzige Instanz zur Beurteilung von Beschwerden aus de m Bereich der Sozialversicherung (Art. 57 ATSG). Laut § 54 Abs. 1 lit. a des kantonal en Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist das Kantonsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons zur Beurteilung von Beschw erden gegen Einspracheentschei- de der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG sachlich zuständig. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.2 Nach Art. 52 Abs. 5 AHVG ist in Abweichung von Art. 58 Abs. 1 ATSG für Beschwer- den betreffend Schadenersatzansprüche der Ausgleichskass en das Versicherungsgericht des- jenigen Kantons zuständig, in dem der Arbeitgeber sei nen Wohnsitz hat, beziehungsweise die als Arbeitgeberin auftretende juristische Person ihr stat utarisches Domizil hat, ungeachtet des jeweiligen Wohnsitzes der in Anspruch genommenen Organe . Da die B.____ ihren statutari- schen Sitz in X.____ hatte, ist auch die örtliche Zuständ igkeit des Kantonsgerichts gegeben. Auf die im Übrigen formgerecht und innert Frist erho bene Beschwerde vom 15. Juni 2015 ist folglich einzutreten. 2. Streitig ist, ob der Beschwerdeführer für die Beitr agsausstände der Gesellschaft ge- genüber der Ausgleichskasse haftbar gemacht werden kann. 3.1 Nach Art. 52 Abs. 1 AHVG hat ein Arbeitgeber, wel cher der Versicherung durch ab- sichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) vom 31. Oktober 1947 sch reibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit seinen eigenen Beiträgen der Ausgleichskasse periodisch zu entr ichten hat. Diese werden von der Ausgleichskasse aufgrund der voraussichtlichen Lohnsumme festgesetzt, wobei die Arbeitgeber wesentliche Änderungen der Lohnsumme während des Jahre s zu melden haben. Nach Ablauf einer Abrechnungsperiode, welche jeweils das Kalenderjahr umfasst, nimmt die Ausgleichskas- se aufgrund der Abrechnung der Arbeitgeber den Ausgle ich zwischen den geleisteten Akonto- beiträgen und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen vo r, wobei ausstehende Beiträge innert 30 Tagen ab Rechnungsstellung zu bezahlen sind (Art. 3 6 Abs. 3 und 4 AHVV). Diese Bei- tragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Dazu erklärte das Bundesg ericht wiederholt, dass die Nichterfül- lung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine Missachtu ng von Vorschriften im Sinne von Art. 52 AHVG bedeute und die volle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 111 V 173 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2006, H 26/06, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch MARCO REICHMUTH , Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Diss. Freiburg 2008, Rz. 268 und 504). 3.2 Am 1. Januar 2012 ist Art. 52 AHVG neu gefasst wor den. Dabei wurde der Adressa- tenkreis dieser Bestimmung demjenigen von Art. 754 des B undesgesetzes betreffend die Er- gänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [OR] vom 30. Mär z 1911 formell angepasst. Neu wird in Abs. 2 festgehalten, dass Mitglieder der V erwaltung und alle mit der Geschäftsfüh- rung oder Liquidation befassten Personen subsidiär haf ten, wenn es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person handelt. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwort- lich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch. Di ese neue Bestimmung brachte jedoch in materiell-rechtlicher Hinsicht keine substanziellen Än derungen gegenüber der bis 31. Dezember 2011 gültig gewesenen Normenlage. Die zur altrechtlichen Regelung ergangene Judikatur bleibt deshalb grundsätzlich anwendbar. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Im vorliegenden Fall muss der B.____ insofern eine Missachtung von Vorschriften vor- geworfen werden, als sie ihrer Beitragszahlungspflicht vo m 1. Januar 2009 bis 31. März 2013 unvollständig oder nicht nachkam und der Ausgleichskasse d araus in Höhe der ungedeckt ge- bliebenen Forderung von Fr. 25'604.50 abzüglich der Gu tschrift aus der CO2-Abgabe von Fr. 21.25 ein Schaden entstanden ist. 3.4 Zwischen dem bei der Ausgleichskasse eingetretenen Sc haden und dem pflichtwidri- gen Verhalten des Arbeitgebers muss sodann ein adäquate r Kausalzusammenhang bestehen (BGE 119 V 406 E. 4a). Vorliegend ist offensichtlich, dass die Nichterfüllung der der B.____ als Arbeitgeberin obliegenden Pflicht zur vollständigen Be gleichung der paritätischen Sozialversi- cherungsbeiträge für den bei der Ausgleichskasse entstan denen Schaden kausal ist und dass ein derartiges Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf d er Dinge und der allgemeinen Le- benserfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken. Der adäquate Kausalzu- sammenhang ist somit gegeben. 4.1 Art. 52 Abs. 1 AHVG setzt für die Haftbarkeit des Arbeitgebers voraus, dass die Miss- achtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrl ässiger Weise erfolgt ist. Art. 52 Abs. 1 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung aus öf fentlichem Recht. Sowohl den Ar- beitgeber wie auch das allfällige Arbeitgeberorgan m uss ein Verschulden treffen; verlangt wird somit ein doppeltes oder zweistufiges Verschulden (R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 535). Das Bundes- gericht geht in seiner Praxis allerdings davon aus, dass b ei Verletzung der Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht ein Verschulden des Arbeitgebers grundsätzlich gegeben ist. Lediglich wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlä gigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen, entfällt eine Haftun g (T HOMAS NUSSBAUMER , Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftung des Ver waltungsrates], in: AJP 1996 S. 1077 f. mit Hinweisen auf BGE 108 V 186 E. 1b und ZAK 1985 S. 576 E. 2). In diesem Zu- sammenhang ist zu betonen, dass fehlende finanzielle Mit tel der Gesellschaft für sich allein keinen Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgrund darstel len, da ansonsten die Haftungsvor- schrift von Art. 52 Abs. 1 AHVG weitgehend ihres Gehaltes entleert würde. 4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er die Lo hnsumme für das Jahr 2012 der Ausgleichskasse mitgeteilt habe und ihm nicht bekannt se i, dass diejenige für das Jahr 2013 in Höhe von Fr. 5'280.34 nicht gemeldet worden sei. Es l iege somit keine Verletzung der Abrech- nungspflicht vor. Aus den Akten geht hervor, dass der Besch werdeführer erstmals am 6. Mai 2013 der Ausgleichskasse mitteilte, dass die Lohnsumme für das Jahr 2012 Fr. 35'768.-- betra- ge. Das entsprechende Lohndeklarationsformular wurde jedoch trotz mehrmaliger Aufforderun- gen nie eingereicht. Damit liegt eine Verletzung der Abrechnungspflicht vor. Denn gemäss Art. 36 Abs. 2 AHVV hätte die B.____ der Ausgleichskasse bis zum 30. Januar 2013 mit der Jahres- lohnbescheinigung mitteilen müssen, an welche Arbeitn ehmer im abgelaufenen Jahr 2012 wel- che Löhne ausgerichtet wurden (vgl. dazu R EICHMUTH , a.a.O., Rz. 32). Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach ihm unter Strafandrohung verboten worden sei, im laufenden Kon- kursverfahren für die Firma zu handeln, ändert nichts dar an. Angesichts der Konkurseröffnung am 22. Mai 2013 wäre es der Firma durchaus möglich gewesen, ihren Abrechnungspflichten für das Jahr 2012 Ende Januar 2013 nachzukommen. Was das Abre chnungsjahr 2013 anbelangt, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht so hatte die Firma zwar nach der Konkurseröffnung über ihre Geschäftsbücher keine Dispositi- onsbefugnis mehr. Der Beschwerdeführer hätte jedoch al s Organ der konkursiten Firma ge- stützt auf Art. 8a des Bundesgesetzes über Schuldbetreib ung und Konkurs (SchKG) vom 11. April 1889 im Laufe des Konkursverfahrens Einsicht in die beim Konkursamt befindlichen Ge- schäftsbücher nehmen und den Aufforderungen der Ausglei chskasse vom 14. November 2013 und 31. Januar 2014, die ausgefüllten Lohndeklaration en für die Jahre 2012 und 2013 einzu- reichen, nachkommen können. Dass er die von der Ausgleichska sse verlangten Lohndeklarati- onen trotz Konkurseröffnung melden durfte, kann der Beschwerdeführer nicht ernsthaft in Frage stellen. Im Zweifel wäre es ihm unbenommen gewesen, sich beim Konkursamt über die Recht- mässigkeit solcher Meldungen zu erkundigen. 4.3 Weiter hat sich der Beschwerdeführer eine Verletzu ng der Beitragszahlungspflicht vor- zuwerfen. Gemäss den Akten mussten die geschuldeten Sozialv ersicherungsbeiträge praktisch während der gesamten Dauer der Geschäftstätigkeit der F irma gemahnt und in Betreibung ge- setzt werden. So belegen die von der Ausgleichskasse einge reichten Unterlagen, dass die Fir- ma kurze Zeit nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit unvoll ständig und nur äusserst schlep- pend, d.h. regelmässig nur noch auf Mahnungen und Bet reibungen hin, und in den beiden Jah- ren vor der Konkurseröffnung gar nicht mehr bezahlte (vgl. Konto-Korrentauszug, Abrech- nungsbuchhaltung). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre chung hätte die Firma aber bei fi- nanziellen Schwierigkeiten grundsätzlich nur so viel Lohn a usbezahlen dürfen, als die darauf unmittelbar entstehenden Beitragsforderungen gedeckt g ewesen waren (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]; heute: Bundesg ericht) vom 19. November 2003, H 397/01, E. 6.2.3; SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 21 4 E. 5). Etwas anderes würde einzig gel- ten, wenn die Firma mit der Nichtbezahlung der Sozial versicherungsbeiträge die Existenz des Unternehmens hätte retten können oder wenn sie mindes tens im Zeitpunkt des Entscheides über die Nichtbezahlung - oder besser über die Rückstell ung der Beiträge - aufgrund objektiver Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage dami t hätte rechnen dürfen, die Forderung der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist befriedigen zu können (Urteil des EVG vom 19. No- vember 2003, H 397/01, E. 6.2.3 mit Hinweis auf BGE 1 08 V 188 E. 2, bestätigt in BGE 121 V 243; vgl. auch N USSBAUMER , Haftung des Verwaltungsrates, S. 1078 mit Hinweisen). Die An- nahme einer solchen (Ausnahme-)Situation setzt allerdings das Vorliegen eines konkreten Kon- zeptes voraus, welches detailliert aufzeigt, dass und in w elchem Zeitraum die zurückgestellten Gläubigerforderungen - insbesondere die geschuldeten S ozialversicherungsbeiträge - bezahlt werden können. Die Existenz eines entsprechenden Konzeptes ist vom Beschwerdeführer je- doch weder im Verfahren vor der Ausgleichskasse noch im n unmehrigen gerichtlichen Be- schwerdeverfahren geltend gemacht worden. Vor diesem H intergrund durfte die Firma nicht in guten Treuen davon ausgehen, die Beitragsrückstände inn ert nützlicher Frist begleichen zu können. 4.4 Der Beschwerdeführer bringt zur Entlastung der Firm a vor, dass die B.____ nach einem verlorenen Rechtsstreit innert sehr kurzer Zeit von Amtes wegen liquidiert worden sei. Er habe deshalb auf die Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge keinen Einfluss mehr nehmen können, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch genügend Guthab en für die Bezahlung der ausste- henden Sozialversicherungsbeiträge vorhanden gewesen wäre. Diese Darstellung ist nun aller- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht dings schwerlich mit der Tatsache in Einklang zu bringen , dass das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt wurde (vgl. Verfügung des damaligen Bezirksgerichts Liestal (heute: Zivil- kreisgericht Ost) vom 6. August 2013). Denn das Konkursverf ahren wird mangels Aktiven nur dann eingestellt, wenn nicht genügend Aktiven vorhand en sind, um auch nur die Kosten eines summarischen Konkursverfahrens durchzuführen (vgl. KURT AMONN /F RIDOLIN WALTHER , Grund- riss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, Bern 2008, S. 398). Es ist deshalb davon aus- zugehen, dass zum Zeitpunkt der Liquidation der Firma n icht genügend Mittel zur Bezahlung der geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge zur Verfügung standen. 4.5 Unter den geschilderten Umständen muss mit der Ausgle ichskasse davon ausgegan- gen werden, dass die B.____ hinsichtlich ihrer Abrechn ungs- und Beitragszahlungspflicht ein Verschulden im Umfang grober Fahrlässigkeit trifft, und dass keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, die das fehlerhafte Verhalten als gerechtfertigt erscheinen lassen. Die Haftbarkeit der B.____ als Arbeitgeberin ist daher zu bejahen. 5.1 Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, die im Zeitpunkt der Geltendmachung der Haftung nicht mehr besteht oder infolge Konkurseröffnu ng nicht mehr belangbar ist, so können gegebenenfalls subsidiär die verantwortlichen Organe in Anspruch genommen werden (BGE 123 V 15 E. 5b, 122 V 66 E. 4a, 119 V 405 E. 2, 114 V 219 ff. E. 3). In der Lehre ist ver- schiedentlich eingewendet worden, die Ausdehnung der H aftpflicht auf Organe sei nicht unbe- denklich, da weder die Gesetzesmaterialien noch der Wort laut von Art. 52 AHVG eine solche als begründet erscheinen liessen (ALFRED MAURER , Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Band II, Bern 1981, S. 67; vgl. auch P ETER FORSTMOSER , Die aktienrechtliche Verantwortlich- keit, Zürich 1987, S. 305 f., N 1071). Das Bundesgericht hielt jedoch trotz dieser Kritik an der subsidiären solidarischen Haftbarkeit der Organe eines Arb eitgebers fest (vgl. die grundsätzli- chen Ausführungen in BGE 114 V 219 ff., insbes. E. 3b und c). In BGE 129 V 11 ff. setzte sich das Bundesgericht nochmals ausführlich mit der erwähnt en Kritik auseinander und entschied vor allem unter Hinweis auf die aktuelle Gesetzgebung, welche sich im Rahmen des Erlasses des ATSG und im Zusammenhang mit der 11. AHV-Revision m it der Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG befasste, dass kein Anlass bestehe, von der konstanten Rechtsprechung zur Ar- beitgeber-Organhaftung abzuweichen (BGE 129 V 11 ff . E. 3 mit zahlreichen Hinweisen; vgl. zum Ganzen auch N USSBAUMER , Haftung des Verwaltungsrates, S. 1071 ff., insbesonde re S. 1075 f.). 5.2 Bei der Prüfung der Organhaftung bei der Gesellsch aft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist zu beachten, dass die GmbH grundsätzlich eine dreiteilige Organisation aufweist: Von Gesetzes wegen sind als Organe die Gesellschafterversammlung (Art. 808 ff. OR), die Ge- schäftsführung und Vertretung (durch alle Gesellschafte r [sog. Selbstorganschaft] bzw. durch einzelne Gesellschafter oder durch Dritte [sog. Drittorganschaft], Art. 811 ff. OR) sowie die Kon- trolle (entweder durch die nicht geschäftsführenden Ge sellschafter oder durch eine Kon- rollstelle, Art. 819 OR) vorgesehen. Grundsätzlich sieh t das Gesetz in Art. 811 Abs. 1 OR die Selbstorganschaft vor, d.h. die Geschäftsführung und Ve rtretung erfolgt durch alle Gesellschaf- ter. In dieser Konstellation ist dann auch jeder Gese llschafter zugleich Organ der Gesellschaft Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (ERIC L. DREIFUSS /A NDRÉ E. LEBRECHT , Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Obligati- onenrecht II, Basel/Frankfurt am Main 1994, N 1 und 4 zu Art. 808). 5.3 Gemäss Art. 827 OR gelten für die Verantwortlic hkeit der bei der Gesellschaftsgrün- dung beteiligten und der mit der Geschäftsführung un d der Kontrolle einer GmbH betrauten Personen sowie der Liquidatoren die Bestimmungen über die Aktiengesellschaft analog. Die Kriterien, welche die Rechtsprechung für die Organhaft ung bei der Aktiengesellschaft gebildet hat, lassen sich daher auf die Organe einer GmbH übert ragen (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Das Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG [Schadenersatzverfahren], in: Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 104). Ist demnach eine GmbH als Selbstorganschaft organisiert, herrscht in Bezug auf Art. 52 AHVG Klarheit über die haftbaren Organe. Alle Gesellschafter sind in anal oger Anwendung von Art. 754 OR in Ver- bindung mit Art. 759 Abs. 1 OR sowohl der Gesellschaft als auch den Gesellschaftsgläubigern für den Schaden verantwortlich, den sie durch absichtlich e oder fahrlässige Verletzung der ihnen obliegenden Pflichten verursachen, wobei sie solida risch dafür haften, wenn sie für den gleichen Schaden verantwortlich sind (BGE 114 V 214 E . 3). In den Entscheiden 126 V 237 ff. und AHI-Praxis 2002 S. 172 ff. befasste sich das damalige EVG sodann mit der Verantwortlich- keit von eingesetzten Geschäftsführern einer GmbH (im Sinne der Drittorganschaft nach Art. 812 OR). Es wies darauf hin, dass die Haftungsgrundsätz e bei der AG nicht unbesehen auf die GmbH angewendet werden können. Nach Art. 716 Abs. 2 OR führt der Verwaltungsrat die Ge- schäfte der AG, soweit er diese nicht der Geschäftsführun g übertragen hat. Wesentliche, in Art. 716a OR umschriebene Aufgaben bleiben indessen unübertragbar. Nach der geltenden gesetz- lichen Regelung steht bei der AG somit die Verantwort ung des Verwaltungsrates im Vorder- grund. Demgegenüber können Gesellschafter einer GmbH von Gesetzes wegen die Geschäfts- führung als Ganzes übertragen (Drittorganschaft nach Art. 812 OR). Für auf diese Weise einge- setzte Geschäftsführer gelten die Verantwortlichkeitsvorschr iften von geschäftsführenden Ge- sellschaftern (Art. 812 Abs. 2 OR). Mithin können Geschäf tsführer einer AG, die nicht zugleich Verwaltungsräte sind, nicht mit denjenigen einer GmbH verglichen werden, welche nicht Ge- sellschafter sind. Die Verantwortlichkeit der Geschäftsfü hrung bei der GmbH geht weiter, wes- halb es sich - so die Folgerung des Bundesgerichts - recht fertigt, sie auch der formellen Organ- haftung zu unterstellen (AHI-Praxis 2002 S. 173 E. 3c). 5.4 Dem Internet-Handelsregisterauszug kann entnommen werden, dass der Beschwerde- führer in der B.____ vom 6. Juni 2008 bis zur Löschung der Gesellschaft am 14. November 2013 als Gesellschafter mit einer Stammeinlage von Fr. 7 x 1'000.-- und als Geschäftsführer mit Einzelunterschrift eingetragen war. Der Beschwerdeführe r unterstand damit unstreitig der for- mellen Organhaftung. 6.1 Zu beachten ist, dass nicht jedes der Gesellschaft an zulastende Verschulden auch ein solches ihrer Organe ist. Vielmehr ist abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der juristi- schen Person einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche respektive faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Das damalige EVG betonte in seiner - zur Organ- haftung bei der Aktiengesellschaft entwickelten - Rechtsp rechung regelmässig, dass an die Sorgfaltspflicht der Organe grundsätzlich strenge Anford erungen zu stellen sind (ZAK 1985 Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht S. 620). Im Übrigen ist vom Leitsatz des damaligen EV G auszugehen, welches grobe Fahrläs- sigkeit dann annimmt, "wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen.“ Für das Organ einer Firma ist das Mass der zu verla ngenden Sorgfalt abzustufen, entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen derjenigen Arbeitgeber- kategorie, welcher der Betreffende angehört, üblicherw eise erwartet werden kann und muss (ZAK 1985 S. 260 mit Hinweisen). Ob ein Organ schuldha ft gehandelt hat, hängt demnach ent- scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm übertragen wurden. Dabei kann vereinfachend gesagt werden, dass je kleiner und übe rschaubarer die Tätigkeit einer Fir- ma ist, desto eher davon ausgegangen werden kann, dass die Organe über sämtliche Geschäf- te Bescheid wissen und daher auch Kenntnis davon haben, w enn in Einzelfällen die Abrech- nung über Lohnbeiträge nicht erfolgt ist oder ausstehen de Beitragszahlungen nicht geleistet werden (BGE 108 V 202 E. 3a; Urteil des EVG vom 19. Juli 1996, H 308/95, E. 5a). In diesem Fall wird die Grobfahrlässigkeit regelmässig gegeben sein (BGE 103 V 125; N USSBAUMER , Haf- tung des Verwaltungsrates, S. 1078). 6.2 Bei der B.____ handelte es sich um eine kleine, üb erschaubar organisierte Unterneh- mung mit einfacher Verwaltungsstruktur. Der Beschwerdef ührer und der zweite Gesellschafter waren die einzigen ständigen Arbeitnehmer. Die übrige n Mitarbeiter waren jeweils temporär angestellt (vgl. Lohnmeldungen 2009 und 2010). In Anb etracht dieser Tatsache musste vom Beschwerdeführer aufgrund seiner Funktion als Gesellsch after, Geschäftsführer mit Einzelun- terschrift und Arbeitnehmer der GmbH die Übersicht über alle Belange sowie über sämtliche Geschäfte der Unternehmung verlangt werden. Dazu gehör t insbesondere auch die Kontrolle und Überwachung bezüglich der Einhaltung der Abrechn ungs- und Beitragszahlungspflicht ge- genüber der Ausgleichskasse. 6.3 Der Beschwerdeführer bringt in persönlicher Hinsi cht vor, dass er und der zweite Ge- sellschafter der Firma sich ab 2013 keinen Lohn hätten auszahlen lassen und sich deshalb pri- vat verschuldet hätten, um die Firma zu retten. Dieser E inwand vermag den Beschwerdeführer im vorliegenden Zusammenhang ebenfalls nicht zu entlaste n. Nach der bundesgerichtlichen Praxis stellen das Einschiessen eigener Mittel ins Unterneh men und der Verlust eigener Mittel im Konkurs keine Rechtfertigungsgründe dar, die für sic h allein zur Verneinung der Haftung führen vermöchten (Urteile des EVG vom 5. Oktober 1994, H 87/94, E. 3 und vom 19. Juli 2004, H 26/04, E. 3.2.2). 6.4 Ausser dem vorstehend genannten Einwand bringt de r Beschwerdeführer keine weite- ren Gründe vor, die geeignet wären, die Missachtung der Abrechnungs- und Beitragszahlungs- pflicht als gerechtfertigt oder zumindest als entschu ldbar erscheinen zu lassen. Die Akten ent- halten ebenfalls keine zusätzlichen Anhaltspunkte, die geg en eine Schadenersatzpflicht des Beschwerdeführers sprechen würden. Somit ist dessen Haftung nach Art. 52 AHVG zu bejahen. 7.1 Es bleibt über die Höhe der Schadenssumme zu befind en, welche der Beschwerdefüh- rer der Ausgleichskasse zu ersetzen hat. Vorliegend macht e die Ausgleichskasse in ihrer Ver- fügung vom 26. März 2014 bzw. im angefochtenen Einspra cheentscheid vom 12. Mai 2015 ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht genüber dem Beschwerdeführer eine Schadenersatzforderun g in der Höhe von Fr. 25'604.50 geltend. Diesen Betrag reduzierte sie in ihrer Vernehm lassung vom 7. September 2015 infolge der Gutschrift aus Rückverteilung der CO2-Abgabe um Fr . 21.25, so dass sich die Forderungs- summe neu auf Fr. 25'583.25 beläuft. Diese Summe setzt sich gemäss der detaillierten Aufstel- lung der Ausgleichskasse für die Jahre 2009 bis 2011 aus ausstehenden bundesrechtlichen Sozialversicherungsbeiträgen und für die Zeit von Januar 2012 bis März 2013 aus den ausge- bliebenen Akontozahlungen inkl. Verzugszinsforderungen, Mahngebühren und Betreibungskos- ten zusammen. Der Beschwerdeführer beanstandet die Hö he des von der Ausgleichskasse geltend gemachten Schadenersatzes insofern, als er gelten d macht, dass die von der Aus- gleichskasse angenommene Bruttolohnsumme für das Jahr 20 12 (Fr. 37'099.--) bzw. für das Jahr 2013 (Fr. 9'274.75) effektiv Fr. 35'768.-- (2012) bzw. Fr. 5'280.34 (2013) betrage. 7.2 Der Verwaltungsprozess ist zwar vom Untersuchungsgru ndsatz beherrscht, welcher besagt, dass das Gericht von Amtes wegen für die richtig e und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen hat. Der Untersuc hungsgrundsatz gilt aber nicht uneingeschränkt, sondern wird durch die verschiedenen M itwirkungspflichten der Parteien er- gänzt (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a mit Hinweisen). Dazu gehört auch die Substanziie- rungspflicht, welche beinhaltet, dass die wesentlichen Ta tsachenbehauptungen und -bestreitungen in den Rechtsschriften enthalten sein m üssen (FRITZ GYGI , Bundesverwaltungs- rechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 208). Dementsprechend ist es Sache der Ausgleichskasse, die Schadenersatzforderung soweit zu substanziieren, d ass sie überprüft werden kann. Ander- seits obliegt es im Bestreitungsfall dem Beschwerdeführer darzulegen, weshalb der von der Ausgleichskasse ermittelte Schadensbetrag unzutreffend ist (ZAK 1991 S. 126 E. II/1b). 7.3 Die Rügen des Beschwerdeführers betreffen einzig d ie Abrechnungsjahre 2012 und 2013. Da der Beschwerdeführer weder im Einspracheverfahren noch im vorliegenden Verfahren - trotz mehrmaliger Aufforderung durch die Ausgleichska sse - die von ihm behaupteten effekti- ven Bruttolohnsummen der Jahre 2012 und 2013 belegte, sind seine unsubstanziierten Bestrei- tungen nicht zu berücksichtigen. Gemäss Rechtsprechung genügt es denn auch nicht, pauschal auf die sich beim Konkursamt befindlichen Akten zu verweisen (REICHMUTH , a.a.O., Rz 1084 mit Hinweisen auf Urteile des damaligen EVG vom 14. April 2005, H 258/03, E. 3.3 und vom 14. Februar 2006, H 79/05, E. 3.3). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Ausgleichskas- se auf den Beizug der Konkursakten verzichtete und auf die vorhandenen Unterlagen abstellte. Den Akten lassen sich auch keine Hinweise entnehmen, welche auf eine offensichtliche Unrich- tigkeit der Schadenersatzforderung der Ausgleichkasse hinweisen würden. Gemäss Rechtspre- chung des Bundesgerichts kann bei dieser Sachlage eine d etaillierte Auseinandersetzung mit der Schadenersatzforderung unterbleiben (NUSSBAUMER , Schadenersatzverfahren, S. 119). Der Schaden, für den der Beschwerdeführer nach dem oben G esagten aufzukommen hat, beläuft sich somit unter Berücksichtigung der Gutschrift für die CO 2-Abgabe insgesamt auf Fr. 25'583.25. 7.4 Aus dem Gesagten ergibt sich zusammenfassend, dass die Ausgleichskasse den Be- schwerdeführer zu Recht verpflichtete, ihr Schadenersatz in der Höhe von Fr. 25'583.25 zu be- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht zahlen. Die gegen den Einspracheentscheid vom 12. Mai 20 15 erhobene Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 8. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten des Prozesses können wettgeschlagen werden. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Abweisung der Beschwerde wird festgestellt, dass der Beschwerde- führer der Ausgleichskasse Basel-Landschaft einen Schadener satz in Höhe von Fr. 25'583.25 zu bezahlen hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde vom Beschwerdeführer am 17. März 2016 Beschwerde beim Bundesgericht ( 9C-2010/2016 ) erhoben.