Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. August 2020 (725 20 57/190) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Würdigung des medizinischen Sachverhalts; keine Zweifel an der versicherungsinternen Beurteilung; Ermittlung des Valideneinkommens gestützt auf die LSE ist nicht zu bean- standen; Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.___, , Beschwerdeführer, vertreten durch Thomas Biedermann, Rechtsanwalt, Wiesenstrasse 1, Postfach 530, 4902 Langenthal gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A.1 Der 1962 geborene A.____ war seit September 1997 als Maler bei der B.____ AG in X.____ tätig und im Rahmen dieser Anstellung bei de r Schweizerischen Unfallversicherungsan- stalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfälle n versichert. Am 13. November 1998 rutschte A.____ aus und verletzte sich am linken Knie. Nach Eingang der Unfallmeldung kam die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Suva für die Heilungskosten auf und leistete Taggeldza hlungen entsprechend der ausgewiese- nen Arbeitsunfähigkeit (vgl. Fall Nr. XXX). Der Fall wurde Ende April 1999 abgeschlossen. A.2 A.____ arbeitete ab 19. August 2008 im Rahmen ei nes Zwischenverdiensts bei der C.____ AG als Betriebsarbeiter und war wiederum obl igatorisch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 27. November 2008 fiel er von einer Leiter und zog sich eine Verlet- zung am rechten Knie sowie am Rücken zu. Die Suva richte te die gesetzlichen Leistungen bis Ende September 2009 aus (vgl. Fall Nr. YYY). A.3 Der Versicherte war ab dem 1. März 2014 bei der D. ____ GmbH und ab 1. März 2015 bei deren Rechtsnachfolgerin, der E.____ GmbH, als Maler tätig. Im August 2017 meldete er der Suva einen Rückfall zum Unfall vom 13. November 1998, worauf diese erneut die gesetzlichen Leistungen erbrachte. Mit Verfügung vom 17. September 2018 sprach sie dem Versicherten eine Rente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 23 % und eine Integritätsentschädigung bei einer Ein- busse in der Integrität von insgesamt 40 % zu. Die von A.____ hiergegen erhobene Einsprache wies die Suva mit Entscheid vom 19. Dezember 2019 ab. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt T homas Biedermann, am 3. Feb- ruar 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung So zialversicherungsrecht (Kantonsge- richt). Er beantragte, dass der Invaliditätsgrad auf mi ndestens 40 % und die Integritätseinbusse am rechten Knie auf 30 % festzusetzen sei; unter o/e-K ostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass sich die Suva auf unzu reichende medizinische Berichte stütze. Insbesondere könne auf die Zumutbarkeitsbeurtei lung des Kreisarztes Dr. med. F.____, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 17. August 2018, wonach ihm eine leidensangepasste Tätigkeit ganztags zumutbar sei, nicht abgestellt wer- den. Weiter wurde auch der Einkommensvergleich beanstandet und geltend gemacht, dass das Valideneinkommen gestützt auf das zuletzt bei der E.____ GmbH erzielte Einkommen zu berech- nen sei. Zudem sei die Integritätsentschädigung unzutreffend festgelegt worden. C. In ihrer Beschwerdeantwort vom 6. März 2020 beantr agte die Suva die Abweisung der Beschwerde. D. Der Beschwerdeführer nahm mit Replik vom 14. April 2020 zur Beschwerdeantwort der Suva Stellung. Diese duplizierte mit Eingabe vom 13. Mai 2020. Beide Parteien hielten an ihren Anträgen und ihrer Argumentation fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in Y.____, weshalb die örtliche Z uständigkeit des Kantonsgerichts Basel- Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. E s ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 3. Februar 20 20 ist demnach einzutreten. 2. Materiell strittig ist die Höhe der Invalidenrente und die Höhe des Integritätsschadens, aus dem sich die Integritätsentschädigung ableitet. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids vom 19. Dezember 2019 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitli che Grenze der richterlichen Überprü- fungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversi- cherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsun- fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Die Leistungspflicht des Unfall- versicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereigni s und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integritätseinbusse) ein natürlicher (vgl. dazu BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hin- weisen) und ein adäquater (vgl. dazu BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusammenhang besteht. 3.2 Laut Art. 11 der Verordnung über die Unfallversi cherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 werden die Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbest ände dar (Art. 22 UVG; vgl. BGE 127 V 457 E. 4b, 118 V 297 E. 2d). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederauf- flackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicher- weise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes Unfaller eignis an (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2; BGE 118 V 296 E. 2c mit Hinweisen). 3.3 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mi ndestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern de ganze oder teilweise Erwerbsunfähig- keit. Diese wiederum entspricht dem durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Ge- sundheit verursachten und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden gan- zen oder teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli- chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Im Zusammenhang mit der Beurteilung des Rentenans pruchs des Beschwerdeführers ist zunächst zu prüfen, in welchem Ausmass dieser unfallbedingt arbeitsunfähig ist. Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbeitsunfähigkei t die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen oder geistigen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Be- ruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten ( Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Besch werdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch ander e Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Ges undheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen d er versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinisch e These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So kommt beispielsweise Berichten und Gutachten versiche- rungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver sicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welche sich für die Beantwortung der strittigen Fragen als zentral erweisen. 5.2.1 Gemäss Angaben in der Schadenmeldung der Arbeitg eberin vom 16. November 1998 rutschte der Beschwerdeführer am 13. November 1998 an ei ner nassen Fassade aus und ver- letzte sich am linken Knie. Der behandelnde Arzt Dr. med. G.____, FMH Allgemeinmedizin, ver- anlasste eine MRT-Untersuchung im Institut H.____ in X. ____, bei welcher eine Fragmentation des freien Rands des lateralen Meniskushinterhorns sow ie ein kleiner Ventralriss im lateralen Meniskusvorderhorn, ganglionäre Veränderungen im Bereich des lateralen Kollateralbandappa- rats auf Höhe des Tibiaplateaus, eine höhergradige Chondropathia patellae und etwas vermehrte Gelenkflüssigkeit festgestellt wurden (vgl. Bericht vom 25. November 1998). 5.2.2 Der Beschwerdeführer wurde in der Folge am 29. Dezember 1998 im I._____ in X.____ operiert. Gemäss Bericht vom 31. Dezember 1998 wurde di e ausgedehnte laterale Meniskus- ruptur links arthroskopisch behoben, in dem eine partie lle mediale Meniskektomie durchgeführt wurde. 5.2.3 Dr. G.____ teilte der Suva am 23. April 1999 mit, dass der Fall abgeschlossen werden könne und der Beschwerdeführer ab 26. April 1999 wiederum zu 100 % arbeitsfähig sei. 5.3.1 Im Rahmen der Rückfallmeldung zum Unfall vom 1 3. November 1998 reichte der Be- schwerdeführer am 18. August 2017 einen Bericht der J._ ___ AG vom 15. August 2017 ein. Diesem sind als Befunde eine lat eral betonte Pangonarthrose mit tiefen Knorpeldefekten und angrenzender subchondraler Knochenreaktion im lateralen Femurkondylus, eine Ruptur des lateralen Meniskus am Übergang zum Korp us des Hinterhorns, multiple Risse im Korpus und im Vorderhorn, eine mukoide Degenerat ion des medialen Meniskus sowie des vorderen Kreuzbands und polylobulierte Ganglien posterior angrenzend an das Ligamentum pa- tellae zu entnehmen. 5.3.2 Im Sprechstundenbericht des Spitals K.____, vom 8. September 2017 wurden eine late- ralbetonte Gonarthrose des linken Knies, eine beginnende Gonarthrose rechts, ein Diabetes mel- litus und ein lumbovertebrales Syndrom nach Leiterstu rz diagnostiziert. Der Beschwerdeführer sei als Maler und als Maurer zu 100 % arbeitsunfähig. 5.3.3 Gemäss Operationsbericht des Spitals K.____ vom 12. März 2018 wurde dem Be- schwerdeführer am 9. März 2018 am linken Knie eine Teilprothese lateral implantiert. Am 24. Ap- ril 2018 wurde ausgeführt, dass er noch etwas ängstlich s ei, aber keine Schmerzen mehr habe. Die Röntgenaufnahmen seien unauffällig. In einer we iteren Stellungnahme vom 6. Juni 2018 Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wurde festgestellt, dass sich die Beschwerden nunmehr eher auf das rechte Knie bezögen. Links- seitig sei nur noch ein geringgradiger Kniegelenksergu ss erkennbar. Insgesamt zeige sich ein sehr gutes Ergebnis nach lateraler Hemiprothese. Bei zunehmenden rechtsseitigen Kniegelenks- beschwerden sei die Indikation zur Durchführung einer MR T-Untersuchung und anschliessend einer erneuten Vorstellung in der Sprechstunde gegeben. Der Beschwerdeführer sei als Maurer und Tapezierer weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig. Es sei fraglich, ob er mit einer Prothese den angestammten Beruf noch ausüben könne. Wahrscheinlich wäre eine reduzierte Arbeitsfähigkeit im weiteren Verlauf möglich. 5.3.4 Am 4. Juli 2018 fand eine kreisärztliche Untersuch ung statt. Dr. F.____ diagnostizierte in seinem Bericht vom 5. Juli 2018 einen Status nach Sturz mit Meniskusläsion am 13. November 1998, eine arthroskopisch ausgedehnte partielle laterale Meniskektomie des linken Kniegelenks am 29. Dezember 1998 und eine Implantation einer Tei lprothese lateral am linken Knie am 9. März 2018 bei lateralbetonter Gonarthrose. Als Nebendiagnosen nannte Dr. F.____ belastungs- induzierte Beschwerden des linken Kniegelenks, ein geringe s Muskeldefizit am linken Bein und zunehmende Beschwerden am rechten Kniegelenk mit MRT-gesicherter Gonarthrose, sehr wahr- scheinlich natürlich kausal zum Unfallereignis von 2009 (recte: 2008). In seiner Beurteilung gab der Kreisarzt an, dass der postoperative Verlauf nach der Implantation der Teilprothese am linken Knie im März 2018 eventuell etwas zögerlich, insgesam t aber noch angemessen verlaufen sei und sich keine zusätzlichen Massnahmen aufdrängen würden. Die Tätigkeit als Maurer sei dem Beschwerdeführer inskünftig nicht mehr möglich. Selbst wenn das linke Kniegelenk sich im wei- teren Verlauf noch etwas verbessern würde, komme das Problem am rechten Kniegelenk hinzu. Zumutbar sei aber eine leichte, wechselbelastende Tä tigkeit ganztags. Diese Arbeit sollte min- destens 50 % sitzend, nicht kniend, nicht in der Hocke, oh ne Klettern auf Leitern und Gerüsten, nicht auf unebenem Gelände und ohne häufiges Treppensteigen ausgeübt werden können. 5.3.5 Im Sprechstundenbericht des Spitals K.____ vom 19. Juli 2018 wurden in Bezug auf das linke Knie ein Status nach lateraler Teilprothese vom 9. März 2018 mit/bei Status nach Teilmenis- kektomie im Jahr 1998 und nach Arbeitsunfall 1998 genan nt. Am rechten Knie bestünden eine lateralbetonte Pangonarthrose und eine Femoropatell ararthrose mit/bei Status nach Teilmenis- kektomie 2009. Von Seiten des linken Knies sei weiterhin von einem zufriedenstellenden Verlauf mit Restbeschwerden auszugehen. In Bezug auf das rechte K nie sei mit dem Versicherten zu- nächst ein zuwartendes Procedere beschlossen worden. Die Arbeitsunfähigkeit in der ange- stammten Tätigkeit als Maler und Tapezierer betrage 10 0 %. Prinzipiell sei von Seiten der Knie eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei sitzender Tätigkeit zu attestieren. 5.3.6 Am 17. August 2018 führte Dr. F.____ im Zusamme nhang mit der Beurteilung des In- tegritätsschadens aus, dass sich am linken Knie ein Status n ach Meniskusläsion im Jahr 1998 fände, in dessen Folge sich eine Gonarthrose entwickelt habe. Am 9. März 2018 sei auf der linken Seite eine Knieteilprothese lateral implantiert worden. Auf der rechten Seite sei es zu einer aus- gedehnten Meniskusschädigung nach einem Leitersturz im Jahr 2008 gekommen. Es habe sich im weiteren Verlauf auch am rechten Knie eine Arthrose entwickelt, wobei im Jahr 2009 einmalig arthroskopisch eine Teilmeniskektomie vorgenommen worden sei. Am linken Knie zeige sich la- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht teralseitig eine korrekt liegende Teilprothese und medial eine mässige Gonarthrose. In der Bild- gebung vor der Implantation der Knieteilprothese sei lateralseitig eine mässige Gonarthrose am Übergang zur schweren Gonarthrose zu sehen. Am rechten Kniegelenk liege eine Pangonarth- rose mässiger Ausprägung im mittleren Bereich vor. Dr. F.____ schätzte den Integritätsschaden für beide Knie auf 40 %. Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hielt Dr. F.____ ergänzend fest, dass sich diese im Vergleich zur Kreisarztuntersuchung vom 4. Juli 2018 ni cht verändert habe, weshalb er die Zu- mutbarkeitsbeurteilung im Bericht vom 5. Juli 2018 bestätige (vgl. oben E. 5.3.4). In Kenntnis des klinischen Befunds vom Juli 2018 sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Versicherte nur zu 50 % für eine sitzende Tätigkeit einsetzbar sein solle. Arthrosen seien häufig abnutzungsbedingte Er- krankungen. Der Erfahrung nach sei es trotzdem zumutbar, das definierte Tätigkeitsprofil auszu- üben. 5.3.7 Dem Bericht des Spitals K.____ vom 9. November 20 18 ist – zuhanden des Rechtsver- treters des Beschwerdeführers – zu entnehmen, dass der Versicherte Gehstrecken von maximal 30 Minuten bewältigen könne. Das Treppensteigen sei de utlich erschwert. Ausserdem kämen vermehrte Beschwerden am rechten Knie hinzu. Aufgrund der eingeschränkten Belastbarkeit be- stünde eine maximale 50%ige Arbeitsleistung in angepasster (sitzender) Tätigkeit. 5.3.8 Am 30. Januar 2019 hielt das Spital K.____ fest , dass der Versicherte sich knapp ein Jahr postoperativ nach lateraler Hemiprothese auf der linken Seite vorgestellt habe. Es zeige sich eine deutlich verbesserte Schmerzsymptomatik seit dem Ein griff. Rechtsseitig bestünden teil- weise beginnende Beschwerden, welche den Versicherten im Alltag nicht deutlich einschränken würden. Problematisch sei die Wirbelsäulenpathologie. Diesbezüglich berichte der Versicherte über massive Beschwerden. 5.3.9 Dr. F.____ hielt dazu am 7. Februar 2019 fest, dass beim linken Knie aktuell keine Be- handlung angezeigt sei. Betreffend das rechte Knie fände sich eine beginnende Arthrose, welche kausal zum Unfall vom 27. November 2008 sei. Diesbezüglich seien aus medizinischer Sicht ein bis zwei Serien Physiotherapie, Eigenübungen und Schmerzmittel zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit angezeigt. Damit sei auch eine nur sehr geringe Sympto matik des linken Knies abgedeckt. Be- treffend die erwähnte Wirbelsäulenpathologie hielt Dr. F.____ fest, dass diese unfallfremd sei. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen E inspracheentscheid vom 19. Dezember 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in erster Linie auf die Berichte des Kreisarztes Dr. F.____ vom 5. Juli 2018 und 17. August 2018. Sie ging demgemäss davon aus, dass de r Versicherte die angestammte Tätigkeit als Maurer und Maler/Tapezierer nicht mehr ausüben könne. Hingegen seien ihm ange- passte Verweistätigkeiten ganztags zumutbar. Wie bereit s ausgeführt (vgl. E. 4.4 hiervor), sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen , wenn sich der angefochtene Ent- scheid ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unt erlagen stützt. Bereits bei ge- ringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen sind er- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gänzende Abklärungen vorzunehmen. Vorliegend ergibt sich nichts, was Zweifel an der Stichhal- tigkeit der Angaben von Dr. F.____ wecken würde. Die von der Beschwerdegegnerin übernom- menen Ergebnisse der kreisärztlichen Einschätzung beruhen auf einer persönlichen Untersu- chung des Versicherten und auf einem sorgfältigen Studium der vorhandenen medizinischen Ak- ten. Die Beurteilungen von Dr. F.____ erweisen sich sowohl in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge als auch bezüglich der daraus gezogenen S chlussfolgerungen als überzeu- gend, weshalb vollumfänglich darauf abgestellt werden kann. Demnach ist mit der Beschwerde- gegnerin davon auszugehen, dass dem Versicherten trotz des dokumentierten Gelenkschadens am linken Knie eine leichte, wechselbelastende, überwiegend sitzende Tätigkeiten zu 100 % zu- mutbar ist. 6.2.1 Daran vermag die Kritik des Beschwerdeführers an der Beurteilung von Dr. F.____ nichts zu ändern. Entgegen seiner Auffassung ist es nich t die Aufgabe des Kreisarztes, sich zu den konkreten erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen, namentlich zu den aufgrund des Anforderungs- und Belastungsprofils in Betracht fallenden Stellen oder zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu äussern. Er muss den Gesundheitszustand beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerech- ter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subj ektiven Beschwerden die Befunde erheben und gestützt darauf die Diagnose stellen (BGE 140 V 193 E. 3.2). Diesen Anforderungen genügt der Bericht von Dr. F.____ vom 5. Juli 2018 bei weitem. Zudem ist seiner Zumutbarkeits- beurteilung konkret zu entnehmen, welche Tätigkeit der Beschwerdeführer noch ausüben kann. So ist ihm eine leichte, wechselbelastende Arbeit ganztags zumutbar, sofern er diese zu mindes- tens 50 % sitzend, nicht kniend, nicht in der Hocke, ohne Klettern auf Leitern und Gerüsten, nicht auf unebenem Gelände und ohne häufiges Treppensteigen ausüben kann. Angesichts dieses Profils erscheint der Beschwerdeführer – entgegen seine r Auffassung – nicht derart einge- schränkt, dass er auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Stelle mehr findet. Ferner kann nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten gesprochen werden und es ist zu beachten, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbe itsplätze, also Stellen- und Ar- beitsangebote umfasst, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Urteil des Bundesge richts vom 19. Mai 2016, 8C_910/2015, E. 4.2.1 mit weiteren Hinweisen). Wenn der Beschwerdeführer weiter geltend macht, der Kreisarzt beurteile die Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit unbegründet anders als die behandelnden Ärzte des Spitals K.____, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Dr. F.____ wies in seinen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit vom 5. Juli 2018 und 17. August 2018 auf die erhobenen Befunde hin und leitete dara us nachvollziehbar ab, welche Arbeit der Beschwerdeführer trotz gesundheitlicher Beschwerden noch verrichten kann. Dabei kam er – gleich wie die behandelnde Ärzte des Spitals K.____ – zu m Schluss, dass die angestammte Tä- tigkeit nicht mehr zumutbar sei. Eine adaptierte Arbei t erachtete er aber plausibel als zu 100 % möglich. Dabei betonte er in Übereinstimmung mit den Angaben der behandelnden Ärzte vom 9. November 2018, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung vom 4. Juli 2018 angegeben habe, 30 Minuten gehen zu kön nen, bevor er Schmerzen habe. Unter diesen Umständen durfte Dr. F.____ darauf hinweisen, dass es bei solchen Beschwerden erfah- rungsgemäss möglich sei, eine angepasste Tätigkeit ganztags auszuüben. Auch das Bundesge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht richt hielt in einem ähnlich gelagerten Fall fest, es sei nicht einzusehen, weshalb einer versicher- ten Person, die während circa einer halben Stunde ein igermassen gut gehen könne, bevor die Schmerzen im Bereiche des Kniegelenks deutlich stärker würden, eine vorwiegend sitzende, zeit- weise wechselbelastende Tätigkeit nicht vollzeitig zumutbar sein sollte (vgl. Beschwerdeantwort der Suva vom 6. März 2020 mit Hinweis auf Urteil des Bu ndesgerichts vom 19. März 2015, 8C_596/2014, E. 3.1.3). 6.2.2 Die Zumutbarkeitsbeurteilung in den Berichten d es Spitals K.____ überzeugt hingegen nicht. Die behandelnden Ärzte bezeichnen den Beschwerdef ührer in einer adaptierten Tätigkeit als zu 50 % arbeitsfähig, ohne dies näher zu begründen . Im Sprechstundenbericht vom 19. Juli 2018 wurde in Bezug auf das linke Knie von einem zufriedenstellenden Verlauf mit Restbeschwer- den gesprochen und betreffend das rechte Knie wurde ein zuwartendes Procedere beschlossen. Weshalb dem Beschwerdeführer in diesem Fall lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei sitzen- der Tätigkeit möglich sein soll, wird nicht ausgeführt un d ist auch nicht plausibel. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist auch der Stellungnah me des Spitals K.____ vom 9. No- vember 2018 nichts zu entnehmen, was Zweifel an der E inschätzung von Dr. F.____ wecken könnte. Vielmehr wird darin – wie vorstehend bereits e rwähnt – bestätigt, was der Kreisarzt in seinem Bericht vom 5. Juli 2018 anführte und in seiner Zumutbarkeitsbeurteilung berücksichtigte, nämlich, dass der Versicherte Gehstrecken von maximal 30 Minu ten bewältigen könne und das Treppensteigen deutlich erschwert sei. Es oblag daher nicht der Beschwerdegegnerin, beim Spi- tal K.____eine detailliertere Beurteilung einzuholen oder den Beschwerdeführer extern begutach- ten zu lassen, nachdem der Kreisarzt die medizinische Situation überzeugend und beweistauglich dargelegt hatte, zumal sich die behandelnden Ärzte in keinem ihrer Berichte mit der Zumutbar- keitsbeurteilung von Dr. F.____ auseinandergesetzt oder diese konkret beanstandet hatten. In diesem Zusammenhang ist ohnehin zu beachten, dass behandelnde Ärzte – unabhängig davon, ob sie in einem öffentlichen Spital oder einer Privatpraxis tätig sind – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Berichte mit Vorbehalt zu würdigen sind (B GE 135 V 465 E. 4.5). Weiter leuchten die Feststellungen des Kreisarztes auch unter Berücksichtigung des Berichts des Spitals K.____ vom 30. Januar 2019 ein. Demnach zeige sich beim Versicher ten knapp ein Jahr nach lateraler Hemiprothese auf der linken Seite eine deutlich verbesserte Schmerzsymptomatik. Rechtsseitig bestünden teilweise beginnende Beschwerden, welche ihn im Alltag nicht deutlich einschränken würden. Weshalb dem Beschwerdeführer weiterhin eine adaptierte sitzende Tätigkeit lediglich zu 50 % zumutbar sein sollte, ist nicht nachvollziehbar. W enn er letztlich geltend macht, er habe auch Schmerzen beim Sitzen, so fehlen in den vorliege nden Unterlagen sowohl von Seiten der behandelnden Ärzte wie auch des Kreisarztes jegliche Hinweise dafür. Bei dieser Sachlage und der Tatsache, dass sich aus den Akten nichts ergibt, was geeignet wäre, den Beweiswert der Berichte von Dr. F.____ in Frage zu stellen, kann in a ntizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf die beantragt e zusätzliche Abklärung verzichtet und davon ausgegangen werden, dass dem Versicherten angepass te Verweistätigkeiten zu 100 % zumutbar sind. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.1. Strittig ist die Bemessung des Invaliditätsgrads. Uneinigkeit besteht lediglich bezüglich der Ermittlung des Valideneinkommens. Unbestritten ist hingegen die Berechnung des Invaliden- einkommens in Höhe von Fr. 54'140.--. 7.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (vgl. Art. 18 Abs. 2 UVG). Danach ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkomme n, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (lnvalideneinkommen), in Beziehung geset zt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 141 V 15 E. 3.2, 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). Dabei ist in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des frühestmöglichen Ren- tenbeginns abzustellen (vgl. BGE 129 V 222, 128 V 174) , welcher vorliegend unstreitig auf den 1. Oktober 2018 zu liegen kommt. Für den Einkommensverg leich sind demnach die in diesem Zeitpunkt gegebenen Einkommensverhältnisse massgebend. 7.3 Bei der Bestimmung des Valideneinkommens wird in d er Regel am zuletzt erzielten, nö- tigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensen twicklung angepassten Verdienst ange- knüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheits- schaden fortgesetzt worden wäre; Ausnahmen müssen mit übe rwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1). Ist ein konkreter Lohn nicht eruierbar, war die versicherte Person zur Zeit des Unfalls arbeitslos oder hätte sie ihre bisherige Stelle auch ohne den Unfall in der Zeit bis zum Rentenbeginn verloren, können die Zahlen der Schweizerischen Lohnstrukturer- hebung (LSE) des Bundesamts für Statistik (BFS) herangezogen werden (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 28. November 2013, 9C_501/2013 E. 4.2). Um eine berufliche Weiterentwicklung mit einem daraus resultierenden höheren Einkommen berücksichtigen zu können, müssen kon- krete Anhaltspunkte dafür gegeben sein, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruf- licher Aufstieg und ein entsprechend höherer Verdienst tatsächlich realisiert worden wären (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 25. August 2016, 8C_382/2017, E. 2.3.1 und vom 21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1 mit Hinweisen). 7.4 Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. Dezemb er 2019 ermittelte die Be- schwerdegegnerin das Valideneinkommen anhand der LSE u nd errechnete ein Valideneinkom- men von Fr. 69'804.--. Grundlage hierfür bildeten de r statistische Lohn der LSE 2016, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Privater Sektor, Wirtschaftszweig 41-43, Baugewerbe, Kompetenzniveau 1, Spalte Männer, in Höhe von Fr. 5'508.-- pro Monat , basierend auf 40 Wochenstunden. Nach Umrechnung auf die betriebsübliche Wochenarbeitszeit vo n 41.7 Stunden (vgl. betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, herausgegeben vom BFS) und nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung von 0.5 % im Jahr 2017 und 0,8 % im Jahr 2018 x 12 Monate ergibt sich das vorgenannten jährliche Valideneinkommen von Fr. 69'804.--. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.5.1 Der Beschwerdeführer bestreitet dieses Vorgehen und hält dafür, dass das Validenein- kommen nicht anhand der LSE, sondern gestützt auf das zul etzt bei der E.____ GmbH erzielte Einkommen zu berechnen sei, welches Fr. 93'600.-- pro Jah r betragen habe. Entgegen der An- sicht der Beschwerdegegnerin sei die E.____ GmbH nach se inem Wissensstand nicht inaktiv. Ebenso wenig treffe es zu, dass die E.____ GmbH in den Jahren 2013 und 2015 keine Angestell- ten beschäftigt habe. Dies sei sowohl durch seinen Arbe itsvertrag als auch durch seinen Lohn- ausweis für das Jahr 2015 widerlegt. Zudem sei nicht rech tsgenügend nachgewiesen, dass er auch ohne die eingetretenen gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr dort angestellt wäre. 7.5.2 Es trifft zu, dass der Beschwerdeführer bei der E. ____ GmbH ein höheres als das von der Beschwerdegegnerin aufgrund der LSE ermittelte Valideneinkommen erzielte (vgl. Beschwer- debeilagen 7 - 8). Zudem wurde ihm gemäss Angaben im Kündigungsschreiben vom 27. Juli 2018 die Stelle aus gesundheitlichen Gründen gekündigt. Dennoch kann das Validenein- kommen aufgrund der nachfolgenden Erwägungen nicht auf der Basis des zuletzt erzielten Ein- kommens berechnet werden. 7.5.3 Es steht fest, dass die E.____ GmbH seit längere r Zeit finanzielle Schwierigkeiten hatte und dem Beschwerdeführer den Lohn nicht mehr regelmässig ausrichtete. Er selbst weist darauf hin, dass er in der ersten Hälfte des Jahres 2017 von se inen Ersparnissen gelebt habe und von seiner Familie finanziell unterstützt worden sei. Ende Juli 2017 bzw. Ende August 2017 schuldete die E.____ GmbH ihm Lohn in der Höhe von insgesamt Fr . 53'650.-- (vgl. act. 89, Seite 20 und 21, Fall Nr. 07.27287.08.6). Dieser Betrag entsprach mehr als der Hälfte des vertraglich verein- barten Jahreslohns. In der Folge bezahlte sie ihm am 1 9. Oktober 2017 einen Betrag von Fr. 5'000.-- und am 20. Dezember 2017 einen solchen von Fr . 10'000.--, so dass der Beschwerde- führer ihr gegenüber immer noch einen Lohnanspruch in Höhe von Fr. 38'650.-- hatte. Diese For- derung bestand auch im März 2019 (vgl. Konkursandrohung vom XX.XX.XXXX; act. 89, Seite 23, Fall Nr. YYY). Unbestritten steht sodann zu Recht fest, dass sich die Lohnschulden der E.____ GmbH gegenüber dem Beschwerdeführer noch vergrössert hätten, wenn dieser nicht ab 18. Au- gust 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen wäre und ab diesem Zeitpunkt UVG-Taggelder be- zogen hätte. In diesem Zusammenhang verkennt der Beschwe rdeführer aber, dass er im Ge- sundheitsfall ohne diesen Lohnersatz seinen Lebensunter halt nicht mehr hätte finanzieren kön- nen. Er wäre gezwungen gewesen, das Arbeitsverhältnis mit der E.____ GmbH vor Ende Sep- tember 2018 aufzulösen und sich eine neue Beschäftigung zu suchen oder sich bei der Arbeits- losenkasse anzumelden. Dies ist – entgegen seiner Auffassun g – relevant bei der Frage, auf welcher Grundlage das Valideneinkommen zu berechnen ist. Denn wie bereits oben in Erwägung 7.3 festgehalten, können die Tabellenlöhne der LSE herangezogen werden, wenn davon auszu- gehen ist, dass das bisherige Anstellungsverhältnis auch oh ne den Unfall in der Zeit bis zum Rentenbeginn aufgelöst wurde. Davon ist vorliegend mit Blick auf die schwierige finanzielle Situ- ation der Arbeitgeberin auszugehen und dies wird letztlich durch die Aussage des Geschäftsfüh- rers der E.____ GmbH bestätigt. Dieser erklärte gegenüber der Beschwerdegegnerin am 19. Juli 2019, dass die Firma nicht aktiv sei, keine Mitarbeiter beschäftige und auch keine Löhne ausrichte (vgl. Beilage zur Beschwerdeantwort vom 6. März 2020). E s kann mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit davon auszugehen werden, dass diese Situation nicht erst im Sommer 2019 aktuell Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht war, sondern bereits zu einem früheren Zeitpunkt. Denn die Aussage des Geschäftsführers findet ihren Niederschlag auch im IK-Auszug des Beschwerdeführers, welchem zu entnehmen ist, dass die E.____ GmbH bereits seit dem Jahr 2016 keine Sozial versicherungsbeiträge mehr an die Ausgleichskasse abgeliefert hat (vgl. act. 76, Fall Nr. XXX). Gesamthaft ist daher davon auszu- gehen, dass der Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit bei der E.____ GmbH auch ohne Ge- sundheitsschaden im Zeitpunkt des Rentenbeginns nicht mehr ausgeübt hätte. Es ist daher nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin das Valide neinkommen aufgrund der Tabel- lenlöhne der LSE berechnete. 7.5.4 Der Beschwerdeführer moniert weiter, dass – sofe rn bei der Festsetzung des Validen- einkommens die Tabellenlöhne der LSE zur Anwendung gel angen sollten – das Kompetenzni- veau 3 oder 4 der Tabelle TA1 zu berücksichtigen sei. Er begründet dies insbesondere unter Hinweis auf die Tatsache, dass er bei seiner letzten Ar beitgeberin einen massiv höheren als im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Maler- und Gipsergewerbe festgelegten Mindestlohn erzielt habe und ein ausgewiesener Fachmann sei. Hierbei ver kennt der Beschwerdeführer, dass das Kompetenzniveau nicht alleine von der Höhe des ausger ichteten Lohns, sondern insbesondere von der Fähigkeit der versicherten Person in einer Tätigkeit bestimmt wird. Zwar mag ein hohes Einkommen ein Hinweis sein, dass die versicherte Person au ch über besondere Kompetenzen verfügt. Ob für das Kompetenzniveau 4 – wie dies die Be schwerdegegnerin ausführt – ein Uni- versitätsabschluss nötig ist, kann aber offenbleiben. Der LSE ist nämlich zu entnehmen, dass das Kompetenzniveau 4 nur bei Tätigkeiten mit komplexer Problemlösung und Entscheidungsfindung berücksichtigt werden kann, welche ein grosses Fakten- und theoretisches Wissen in einem Spe- zialgebiet voraussetzen. Diese Voraussetzungen erfüllt der Beschwerdeführer nicht. Gemäss sei- nen Angaben im Gesuchformular der Invalidenversicherung vom 5. August 2018 verfügt er über keine Ausbildung. Er gab an, als Maurer, Maler oder T apezierer beschäftigt gewesen zu sein. Den Akten ist auch entgegen seinen Angaben nirgends zu entnehmen, dass er über besondere Qualifikationen verfügt oder in den letzten Jahren in einer leitenden Position beschäftigt war. Das Kompetenzniveau 4 kann daher nicht angewendet werden. Auf der nächsttieferen Stufe des Kom- petenzniveaus 3 werden sodann diejenigen Einkommen eingeordnet, welche in komplexen prak- tischen Tätigkeiten erzielt werden und ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet erfordern. Auch diese Anforderung erfüllt der Beschwerdeführer nicht. Zwar ist zu berücksichtigen, dass gewisse Arbeiten im Tätigkeitsbereich des Beschwerdeführers durchaus ein solides Wissen und eine gute Fachkompetenz erfordern. Ein nicht minder grosser Antei l der anfallenden Arbeiten als Maler, Tapezierer oder Gipser stellen aber keine komplexen Pra xistätigkeiten dar, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen. Auch eine Anwe ndung des Kompetenzniveaus 3 rechtfertigt sich daher nicht. Schliesslich ist auch das Kom petenzniveau 2 trotz der langen Be- rufserfahrung nicht anwendbar. Dagegen spricht die feh lende Berufsausbildung und die Tatsa- che, dass der Beschwerdeführer überwiegend temporär bzw. in Teilzeitstellen beschäftigt war. Dies spricht gegen die vom ihm zwar behauptete, aber nicht mit entsprechenden Arbeitszeugnis- sen belegte besondere Qualifikation als Maler oder Tapezierer. 7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Suva bei de r Ermittlung des Validenein- kommens zurecht auf die LSE 2016 und das Kompetenznivea u 1 abstellte. Das so korrekt be- rechnete Valideneinkommen von Fr. 69'804.-- (vgl. oben E. 7.4) stellte sie dem unbestrittenen Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invalideneinkommen in Höhe von Fr. 54'140.-- gegenüber, woraus ein Invaliditätsgrad von gerun- det 23 % (zur Rundungspraxis des Bundesgerichts: BGE 130 V 121 ff.) resultiert. 8.1 Zu prüfen bleibt die Integritätsentschädigung. Ge mäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versi- cherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsen tschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integ- rität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. De- zember 1982 gilt ein Integritätsschaden als dauernd, wenn er voraussichtlich während des gan- zen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die körperli- che, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2). Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentschädigung in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdiens- tes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG re gelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung der Integri tätsentschädigung die Richtlinien des An- hangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (vgl. BGE 113 V 218 E. 2a, RKUV1988 Nr. U 48 S . 236 E. 2a mit Hinweisen) häufig vor- kommende und typische Schäden prozentual gewichtet. 8.2 Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integrität sschäden entspricht die Entschädi- gung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höc hstbetrages des versicherten Ver- dienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgelei tet (Ziff. 1 Abs. 2 Satz 1). In diesem Zusammenhang hat die Suva in Weiterentwicklung der bund esrätlichen Skala zusätzliche Be- messungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. D iese in den Mitteilungen der Medizini- schen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und er- gänzt in den Mitteilungen Nr. 60, 62 und 66) sind, so weit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (vgl. BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a mit Hinweis). 8.3 Bei der Bestimmung des Schweregrads einer gesundhe itlichen Beeinträchtigung handelt es sich um eine Tatfrage, für deren Beantwortung Verwaltung und Gerichte auf fachärztliche Mit- hilfe angewiesen sind. Dem Gericht ist es nicht möglich, die Beurteilung aufgrund der aktenkun- digen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des in den Tabellen offen gelasse- nen Bemessungsspielraums entsprechende Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizi- nischen Laien eine zuverlässige Zuordnung nicht erwartet werden kann. Die Beurteilung der ein- zelnen Integritätseinbussen obliegt somit den ärztliche n Sachverständigen (vgl. Urteil des Bun- desgerichts vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 8.4 Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer ei ne Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 40 % (je 20 % pro Knie) zu. Sie stützte sich dabei auf die Beurteilung von Dr. F.____ vom 17. August 2018. Dieser schätzte gestützt auf die Suva-Ta- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht belle 5 den Integritätsschaden am linken Knie aufgrund einer mässigen Gonarthrose am Über- gang zur schweren Gonarthrose lateralseitig und einer mässigen Gonarthrose im unteren Bereich auf 20 %. Betreffend das rechte Knie ging er von einer Pangonarthrose mässiger Ausprägung im mittleren Bereich aus, was ebenfalls einem Integritätsscha den von 20 % entspreche. Damit ist die Festsetzung der Integritätsentschädigung durch die Beschwerdegegnerin basierend auf einer Integritätseinbusse von jeweils 20 % pro Knie nachvollzie hbar und begründet. Anhaltspunkte, welche gegen die Richtigkeit der Schätzungsgrundlage s prechen, liegen nicht vor. Zudem ist keine rechtsfehlerhafte Handhabung des Ermessens ersichtlich, weshalb kein Anlass besteht, in den Bemessungsspielraum der Beschwerdegegnerin einzugreifen. Soweit der Beschwerdeführer behauptet, dass am rechten Knie eine mittlere Pangon arthorose am Übergang zur schweren Pangonarthrose vorliege, kann ihm nicht gefolgt werden . Weder der Kreisarzt noch die behan- delnden Ärzte des Spitals K.____ weisen in ihren Berichten auf das Vorliegen einer Pangonartho- rose am Übergang zur schweren Pangonarthrose hin. Zudem trifft es nicht zu, dass Dr. F.____ in seiner Beurteilung von einer absehbaren Verschlimmerung spricht. Er hält vielmehr fest, dass sich am rechten Knie die Arthrose inskünftig noch verschlimmern könnte, wobei er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sage könne, ob dies der Fall sei und wenn ja, zu welcher Ausprägung die Arthrose komme. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb dem Versicherten zu Recht eine auf einer Integri- tätseinbusse von insgesamt 40 % basierende Integritätsentschädigung zugesprochen. Zu erwäh- nen bleibt, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdefü hrer eine ergänzende Entschädi- gung gewähren kann, wenn sich der Integritätsschaden in Zukunft unfallbedingt, erheblich und dauerhaft verschlimmert (vgl. Beschwerdeantwort vom 6. März 2020, Ziffer 5.2). 9. Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Einsp racheentscheid vom 19. Dezember 2019 nicht zu beanstanden ist. Die dageg en erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 10. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erhe- ben. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht