Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 25. März 2015 (810 14 218) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Widerruf der Niederlassungsbewilligung Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, K antonsrichter Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess, Beat Walther , Gerichtsschreiber Martin Michel Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Eliane Dörr , Advokatin gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Beschwerdegegner Betreff Widerruf der Niederlassungsbewilligung, Weg weisung und Abweisung des Gesuchs um Familiennachzug (RRB Nr. 1044 vom 8. Juli 2014) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Der – inzwischen in der Schweiz niedergelassene – koso varische Staatsangehörige A.____, geboren am 13. Juni 1985, reiste am 19. Janu ar 1995 gemeinsam mit seiner Mutter sowie seinen Geschwistern im Rahmen des Familiennachzugs zu seinem Vater in die Schweiz ein. B. Aufgrund einer leichten Intelligenzminderung (ICD -10: F70), einer Sprachbehinderung (starke Stotterproblematik; ICD-10: F98.5) sowie einer Entwicklungsstörung erhält A.____ seit Juli 2003 eine volle IV-Rente. Mit Beschluss vom 23. Juni 2 005 errichtete die Vormundschafts- behörde B.____ – auf Begehren von A.____ – eine Beist andschaft zur Wahrung seiner persön- lichen und finanziellen Interessen. C. Seit seiner Einreise in die Schweiz ist A.____ mehr fach jugendstrafrechtlich und straf- rechtlich in Erscheinung getreten. Die letzten Delikte beging A.____ im Jahr 2008 (vgl. Anklage- schrift der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 21. Januar 2009, worin ihm gewerbs- und ban- denmässiger Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung, mehrf acher Hausfriedensbruch sowie mehrfacher versuchter Hausfriedensbruch vorgeworfen wurde). D. Am 6. August 2009 heiratete A.____ die am 18. Feb ruar 1990 geborene Landsfrau C.____. E. Am 8. Oktober 2009 verwarnte das Amt für Migration Basel-Landschaft (AfM) A.____ aufgrund seiner Verurteilungen sowie aufgrund von B etreibungen und offenen Verlustscheinen in gesamthafter Höhe von rund Fr. 19'000.--. Ferner machte das AfM den Beschwerdeführer darauf aufmerksam, dass der Widerruf seiner Niederlassun gsbewilligung (unter anderem dann) geprüft würde, sollte das Strafgericht Basel-Stadt die in der Anklageschrift vom 21. Januar 2009 genannten Delikte bestätigen. F. Das Strafgericht Basel-Stadt verurteilte A.____ am 15. Dezember 2009 erstinstanzlich wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie mehrfachen versuchten Hausfri edensbruchs zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. G. Am 11. April 2012 stellte A.____ ein Gesuch um Fam iliennachzug seiner Ehefrau sowie des gemeinsamen Sohns D.____, geboren am 22. Oktob er 2010. Das AfM sistierte das Familiennachzugsbegehren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Strafurteils. H. Mit Urteil vom 26. Oktober 2012 bestätigte das Ap pellationsgericht Basel-Stadt das erstinstanzliche Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 15. Dezember 2009 im Schuldpunkt Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht und verurteilte A.____ zu zwölf Monaten, davon sechs Monate bedingt, unter Auferlegung einer Probezeit von drei Jahren. I. Mit Schreiben vom 12. August 2013 teilte das AfM A .____ mit, angesichts der Vielzahl an Delikten sowie der letzten Verurteilung zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe gehe man von einer schwerwiegenden Gefährdung respektive von einem schwerwi egenden Verstoss gegen die öf- fentliche Sicherheit und Ordnung aus. Deshalb erwäge ma n den Widerruf der Niederlassungs- bewilligung und die Wegweisung aus der Schweiz. Unter diesen Umständen würde auch das Gesuch um Familiennachzug abgewiesen. J. Am 23. September 2013 zog A.____ sein Gesuch um Fam iliennachzug seiner Ehefrau sowie des Sohns zurück. K. Am 23. Januar 2014 widerrief das AfM die Niederla ssungsbewilligung von A.____. Zugleich wies das AfM das Gesuch um Familiennachzug ab und wies A.____ aus der Schweiz weg. L. Dagegen erhob A.____ beim Regierungsrat des Kanton s Basel-Landschaft (Regie- rungsrat) Beschwerde. Dieser wies mit Regierungsratsbeschlu ss (RRB) Nr. 1044 vom 8. Juli 2014 die Beschwerde ab und entschied, dass A.____ die Sch weiz spätestens 30 Tage nach Rechtskraft des Beschlusses zu verlassen habe. Die Verfahrensko sten in der Höhe von Fr. 400.00 auferlegte der Regierungsrat dem Beschwerdeführer. M. Mit Eingabe vom 21. Juli 2014 führt A.____, vertr eten durch Eliane Dörr, Advokatin in Liestal, dagegen Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteil ung Verfassungs- und Verwaltungs- recht (Kantonsgericht), mit den Rechtsbegehren, es sei in Gutheissung der vorliegenden Beschwerde der Entscheid des Regierungsrats vom 8. Juli 2 014 vollumfänglich aufzuheben. Demzufolge sei ihm die Niederlassungsbewilligung zu belassen und von einer Wegweisung ab- zusehen, eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter o/e-Kostenfolge, wobei dem Beschwerdeführer sowohl für das vorinstanzliche Verfahren (wie bereits vor dem Regierungsrat beantragt) als auch für das Verfahren vor Kantonsgericht die unentgeltliche Pro zessführung und Verbeiständung zu bewilligen sei. N. Am 18. September 2014 wies das Kantonsgericht das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung ab. O. Mit Vernehmlassung vom 24. November 2014 beantragt d er Regierungsrat die Be- schwerde unter Kostenfolge abzuweisen. Gutzuheissen sei di e Beschwerde in Bezug auf den Antrag, dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Re chtspflege für das Verfahren vor dem Regierungsrat zu gewähren, weil die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt gewesen wären. Der Antrag sei übersehen worden. P. Am 2. Dezember 2014 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung überwiesen. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Q. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurden d er Beschwerdeführer und sein Beistand E.____ befragt. Der Beschwerdeführer anerkannt e, dass er das Familiennachzugs- gesuch zurückgezogen hatte und dass insoweit auf seine Beschwerde nicht eingetreten werden könne. Im Übrigen hielten die Parteien an den schriftlich gestellten Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1. Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügungen und Entscheide des Regierungs- rats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kanton sgericht zulässig. Da weder ein Aus- schlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzlicher Ausschlusstatbestand vorliegen, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur Beurteilung der Angelegenheit gegeben. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nach § 45 Abs . 1 lit. a und b VPO Rechtsver- letzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung o der Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung de s Sachverhalts gerügt werden. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht da gegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 li t. c VPO e contrario). 1.2. Soweit der Beschwerdeführer die Gutheissung des Fa miliennachzugsgesuchs für seine Ehefrau und den gemeinsamen Sohn beantragt, ka nn – wie der Beschwerdeführer an- lässlich der Parteiverhandlung anerkannt hat – auf die Beschwerde nicht eingetreten werden, da der Beschwerdeführer am 23. September 2013 sein Gesu ch um Familiennachzug zurück- gezogen hat und somit einzig noch der Widerruf seiner N iederlassungsbewilligung Streit- und Verfahrensgegenstand ist. 2.1. Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid zusa mmengefasst aus, der Beschwerdeführer sei seit seiner Einreise in die Schwe iz in konstanter Regelmässigkeit straf- rechtlich in Erscheinung getreten und auch entsprechend verurteilt worden. Das negative Ver- halten des Beschwerdeführers ziehe sich wie ein roter Fad en seit seiner Jugendzeit bis 2008 durch dessen Leben und zuletzt habe der Beschwerdeführer in einem Zeitraum von nur fünfein- halb Wochen 22 Einbruchdiebstähle (bzw. Versuche) in Gebä ude und Fahrzeuge zusammen mit zwei Kollegen begangen. Unter diesen Umständen sei von einem schwerwiegenden Ver- stoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung auszug ehen. Der Beschwerdeführer habe gezeigt, dass er nicht bereit sei, die hier geltende Ordnung zu respektieren, woran auch die Tat- sache nichts ändere, dass sich der Beschwerdeführer seit sei ner Verwarnung im Jahr 2009 nichts mehr habe zu Schulden kommen lassen. Der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (Au sländergesetz, AuG) vom 16. Dezember 2005 sei damit erfüllt. Entgegen der Da rstellung des Beschwerdeführers mache eine Verwarnung nicht nur dann Sinn, wenn (noch) eine Steuerungsmöglichkeit des Betroffenen bestehe, sondern auch um den Betroffenen darauf hinzuwe isen, dass die Überprüfung der Nie- derlassungsbewilligung vom Ausgang des hängigen Verfah rens abhängig sei. In diesem Fall Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht bestehe ein weiterer Zweck der Verwarnung darin, den B etroffenen für die Dauer des Verfah- rens von weiteren Strafen abzuhalten. Selbst wenn der Betroffene, so wie vorliegend geschehen, nach ergangener Verwarnung nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, habe dies nicht zur Folge, dass eine Massnahme in Form ein er Wegweisung per se unverhält- nismässig sei. In beruflicher Hinsicht sei festzuhalten, d ass der Beschwerdeführer über keinen Berufsabschluss verfüge und eine volle IV-Rente erhalte. Erst seit dem 1. März 2012 arbeite er im F.____ (80%-Pensum) und erhalte dafür einen Monat slohn von Fr. 390.--. Die Wegweisung aus der Schweiz würde den Beschwerdeführer insofern empfi ndlich treffen, als er dadurch seine IV-Rente verlieren würde. Es bestünden nach wie vor intakte Kontakte zu seinem Heimat- land, wo ein Bruder, weitere Verwandte und insbeson dere die Ehefrau und ihr gemeinsamer Sohn lebten. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligu ng und die Wegweisung seien auch unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit nicht zu beanstanden. 2.2. Der Beschwerdeführer anerkennt, dass er in der lä nger zurückliegenden Vergangen- heit mehrmals strafrechtlich in Erscheinung getreten se i, wobei es sich bei den verübten Straf- taten zu einem grossen Teil um geringfügige Verstösse ge gen des Strassenverkehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958 gehandelt habe. Im Jahr 2007 sei er wegen Drohung, Beschim- pfung und Tätlichkeit zu 160 Stunden gemeinnütziger A rbeit verurteilt worden. Aufgrund von im März und April 2008 begangener Taten sei sodann im Jah r 2008 das Strafverfahren eröffnet worden, was das AfM veranlasst habe, am 8. Oktober 2009 e ine Verwarnung zu erlassen. Er habe in der Zwischenzeit per 30. April 2014 seine Stra fe in der Form des Electronic Monitoring angetreten. Dem Bericht des Amtes für Justizvollzug lasse si ch entnehmen, dass er sich im Vollzug ordentlich verhalte und alle Vorgaben vorbild lich einhalte. Er befinde sich weiterhin in regelmässiger psychiatrischer Behandlung und sei nun seit ü ber sechs Jahren nicht mehr straf- rechtlich in Erscheinung getreten. Er habe sich aufgrund der Verwarnung dazu entschlossen, sein Verhalten künftig zu ändern. Zudem habe er berei ts nach den Taten im März/April 2008 und vor der Verwarnung sein Verhalten geändert und sei deliktfrei geblieben. Damit habe er gezeigt, dass er nicht nur willens, sondern auch fähig se i, die hier geltende Rechtsordnung zu respektieren. Es sei nicht sachgerecht, wenn die Vorinstanz in ihrer Verwarnung die angedrohte Massnahme vom Ausgang eines hängigen Verfahrens abhängi g mache. Auf dieses Verfahren könne er keinen Einfluss mehr nehmen. Er bemühe sich auch aktiv, trotz seiner finanziellen engen Situation seine noch vorhandenen Schulden konti nuierlich zu tilgen; die Abzahlungen erfolgten in kleinen Beträgen von Fr. 250.-- pro Mona t. Dies könne sein Beistand ohne weiteres bestätigen. Die 80%-ige Stelle bei der Institution F.____ bereite ihm grosse Freude. Die gesam- te Familie (Eltern, drei Brüder und die Schwester), zu denen er ein enges Verhältnis pflege, würden auch in B.____ wohnen. Vorliegend sei kein W iderrufsgrund gegeben und der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung seien unverhältnismässig. 2.3.1. Ist eine ausländerrechtliche Massnahme begründet, aber den Umständen nicht ange- messen, so kann die betroffene Ausländerin oder der bet roffene Ausländer unter Androhung der Massnahme verwarnt werden (Art. 96 Abs. 2 AuG). M it der Verwarnung, welche in Form einer beschwerdefähigen, d.h. schriftlichen und begrün deten, Verfügung zu ergehen hat, kann der Vollzug der gesetzlich vorgesehenen Massnahmen für d en Fall eines weiteren Fehlverhal- tens angedroht werden (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän-Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der vom 8. März 2002, 02.024, Bundesblatt [BBl] 2002 S. 3823). Die Androhung oder Verwar- nung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 AuG ist die Folge vo n rechtlich relevanten Verfehlungen des Ausländers und soll diesen künftig zu Wohlverhalten anhalten bzw. ihn auf die möglichen recht- lichen Folgen erneuter Verfehlungen aufmerksam machen ( ANDREAS ZÜND /L ADINA ARQUINT HILL , in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 8.36). Sie ermöglicht den Behörden, das Fehlverhalten festzustellen bzw. ein erwünschtes Verhalten im Wiederholungs- oder U nterlassungsfall durchzusetzen. Ziel der Verwarnung ist es, den betroffenen Ausländer zu ein er Änderung seines Verhaltens zu ver- anlassen. Sie muss klar darlegen, was vom Ausländer erwa rtet wird (vgl. Urteil des Bundesge- richts [2A.692/2006] vom 1. Februar 2007 E. 3.1. zum früher in Art. 16 Abs. 3 Satz 3 der Vollzie- hungsverordnung zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Ni ederlassung der Ausländer [aANAV] vom 1. März 1949 für die Ausweisung verankerte n Grundsatz der Androhung). Die Verwarnung bedingt, dass die betroffene Person die Mög lichkeit hat, durch eine Verhaltensän- derung die (erst) angedrohte Massnahme noch abzuwenden . Gelingt die Verhaltensänderung nicht, so kommt es grundsätzlich zu den für den Fall der Missachtung der verfügten Bedingun- gen angedrohten Folgen, ansonsten die fragliche Massnah me ihres Sinnes entleert würde. Dennoch genügt nicht jedes noch so geringe Delikt, welch es nach einer Verwarnung begangen wurde, für einen späteren Bewilligungswiderruf. Der Widerrufsgrund ist aber erfüllt, wenn den Anordnungen in der Verwarnung nicht Folge geleistet wurde, auch wenn dieses Verhalten für sich allein keinen Widerrufsgrund darstellen würde. Im Rahmen der erneuten Verhältnismässig- keitsprüfung ist alsdann eine Gesamtwürdigung vorzunehm en, wobei sowohl dasjenige Verhal- ten, das der Verwarnung zugrunde lag, wie auch das dar an anschliessende zu beurteilen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts [2C_844/2013] vom 6. März 2014 E. 4.2. mit Hinweisen). 2.3.2. Die Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG ist nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung eine eigenständige ausländerrechtliche Massnahme, welche das Verfahren mit einer weniger einschneidenden Folge als dem Widerruf oder d er Nichtverlängerung der Bewilligung abschliesst. Sie bildet einen Endentscheid. Die Massnahme g reift in die Rechtsstellung der be- troffenen Person ein; sie schwächt deren Anwesenheitsr echt, da sie bei späteren ausländer- rechtlichen Entscheiden mitberücksichtigt werden kann (Inte ressenabwägung im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenr echte und Grundfreiheiten [EMRK] vom 4. November 1950 bzw. von Art. 62 und 63 AuG; erf olgreiche Integration bei Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG usw.; vgl. ausführlich zur Anfechtbarkeit der artiger Belehrungen, Mahnungen bzw. Androhungen: B ERNHARD WALDMANN in: Marcel Alexander Niggli/Peter Uebersax/Hans Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Bundesgerichtsgesetz, 2. Auflage, Basel 2011, Art. 82 N 10, mit Hinweisen). Das entsprechende kantonal letztinstanzliche Gerichtsurteil kann deshalb beim Bundesgericht mit Beschwerde in öffentlich-rechtli chen Angelegenheiten angefochten werden, soweit dieses Rechtsmittel auch gegen die ange drohte Massnahme selber offen steht (vgl. Urteil des Bundesgerichts [2C_114/2012] vom 26. Mär z 2013 E. 1.1., mit Hinweisen). Demgemäss ist die Verwarnung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 AuG mit einer Rechtsmittelbeleh- rung zu versehen. 3.1. Auch wenn die – nach Inkrafttreten des AuG erlasse ne – per Einschreiben versandte Verfügung des AfM vom 8. Oktober 2009 fälschlicherweise keine Rechtsmittelbelehrung enthielt Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht (zur Anfechtbarkeit der Verwarnung nach Art. 96 Abs. 2 AuG: siehe zuvor E. 2.3.2.), handelte es sich dabei – wie von den Vorinstanzen im Übrigen auch nicht bestritten wird – um eine Ver- warnung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 AuG. Mit der Verw arnung setzte das AfM den Beschwer- deführer unter anderem in Kenntnis, dass es den Widerru f der Niederlassungsbewilligung prüfen werde, sofern das Gericht am 10. Dezember 2009 d ie in der Anklageschrift vom 21. Januar 2009 aufgelisteten Delikte bestätigen sollte , oder sofern er erneut straffällig werden sollte respektive Taten bekannt würden, von denen das A fM bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Kenntnis gehabt habe oder die nicht genügend erstellt seien. Indem das AfM am 8. Okto- ber 2009 anstelle eines Widerrufs der Niederlassungsbewi lligung lediglich eine Verwarnung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 AuG verfügt hatte, zeigte es a uf, dass es eine derartige ausländer- rechtliche Massnahme zwar für begründet hielt, diese aber aus Gründen der Verhältnismäs- sigkeit nicht als angemessen erachtete. 3.2. Wurde – wie hier am 8. Oktober 2009 – bereits e ine ausländerrechtliche Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AuG) ausgesprochen, ist entscheidend, ob die ausländische Person danach ihr Verhalten geändert hat. Dies ist beim Beschwerdeführer offensichtlich der Fall. Die Tatsache, dass das erstinstanzliche Strafurteil des Strafgerichts Ba sel-Stadt vom 15. Dezember 2009 und die Bestätigung desselben durch das Appellationsgericht Basel-Stadt am 26. Oktober 2012 erst nach dem Erlass der Verwarnung ergangen sind, können ni cht als Missachtung der Verwar- nung betrachtet werden, da der Beschwerdeführer die der Verurteilung zugrunde liegenden Taten bereits zuvor (im März/April 2008) begangen hatt e. Seit dem April 2008 und damit auch seit dem Erlass der Verwarnung ist der Beschwerdeführer strafrechtlich nicht mehr in Erschei- nung getreten, dies nachdem er zuvor – wie der Regier ungsrat im angefochtenen Entscheid ausführte – in konstanter Regelmässigkeit in Erscheinung getreten war. Daraus erhellt, dass die Verwarnung beim Beschwerdeführer in Bezug auf die Begehung von Straftaten die gewünschte Verhaltensänderung bewirken konnte und der Beschwerdefü hrer die ihm eingeräumte letzte Chance genutzt hat, um sein Verhalten zu ändern. Ergänzend bleibt anzumerken, dass das AfM unzulässigerweise in der Verwarnung den Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung auch davon abhängig gemacht hat, dass das Strafgericht die i n der Anklageschrift vom 21. Januar 2009 genannten Delikte bestätigen wird. Dies widerspric ht – wie dargelegt – dem Zweck der Verwarnung, dass die betroffene Person die Möglichkeit haben soll, durch eine Verhaltensände- rung die angedrohte Massnahme noch abzuwenden zu können. 3.3. Auch das weitere Verhalten des Beschwerdeführers sei t der Verwarnung spricht im Übrigen nicht zu seinen Ungunsten, sodass nicht ersichtli ch ist, weshalb ein Widerruf der Nie- derlassungsbewilligung nun verhältnismässig geworden sein könnte. Der Beschwerdeführer konnte sich zwischenzeitlich in der Schweiz zunehmend gut int egrieren, er ist reumütig und hat aus seinen Fehlern gelernt, was sein langjähriger Beista nd sowohl mit Schreiben vom 20. März 2014 als auch anlässlich der heutigen Befragung bestäti gen konnte. Der Beschwerdeführer arbeitet seit dem 1. März 2012 mit einem Pensum von 8 0% im geschützten Rahmen in der Institution F.____, die sich für die Integration von Menschen mit einer geistigen Beeinträch- tigung einsetzt. Dort hat er sich einwandfrei integrier t und er respektiert die Regeln. Auch sein Verhalten gegenüber den Vorgesetzten ist immer korrekt (Arbeitszeugnis vom 8. August 2014). Auf eigenen Antrieb hin hat der Beschwerdeführer zude m in Zusammenarbeit mit dem ihn in Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht finanzieller Hinsicht betreuenden Beistand einen Abzahlungsplan für die bestehenden Schulden erstellt, welcher vorsieht, dass der Beschwerdeführer monatlich Fr. 250.-- für die Tilgung seiner Schulden verwendet. Seit Juli/August 2013 leistet der Beschwerdeführer erwiesenermassen die monatlichen Rückzahlungen in der Höhe von Fr. 250.--. 4. Zusammenfassend sind somit keine Gründe ersichtlich, wel che den Widerruf der Nie- derlassungsbewilligung rechtfertigen könnten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen ist, soweit darauf eingetreten werden kann, und der Entscheid bet reffend Widerruf der Niederlassungs- bewilligung aufgehoben wird. 5.1. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Ka ntonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmas s auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Den Vorinstanzen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (§ 20 Abs. 3 und 4 VPO). Dement- sprechend sind im vorliegenden Verfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. 5.2. Nach § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei- zug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene P arteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Dem Verfahrensausga ng entsprechend ist der Rechtsver- treterin des Beschwerdeführers eine Parteientschädigung zuzusprechen. Ausgehend von der Honorarnote vom 12. Januar 2015 erscheint ein Aufwand (inkl. Hauptverhandlung) von 4 Stun- den à Fr. 250.-- sowie 22,5 Stunden à Fr. 200.-- als angemessen. Dem Beschwerdeführer ist demzufolge eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr . 6'205.90 (inkl. Auslagen und 8 % MWSt) zulasten des Regierungsrats zuzusprechen. Bezüglich der Neuverlegung der Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens ist die Angelegenheit an den Regierungsrat zurückzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf eingetreten werden kann, wird in Gutheissung der Beschwerde der Entscheid des Regierungsrats Nr. 1044 vom 8. Juli 2014 betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung aufgehoben. 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Koste n des vorinstanzli- chen Verfahrens an den Regierungsrat zurückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben und der gel eistete Kosten- vorschuss in der Höhe von Fr. 2'100.-- wird dem Beschwerde führer zurückerstattet. 4. Der Regierungsrat hat dem Beschwerdeführer eine re duzierte Partei- entschädigung in der Höhe von Fr. 6‘205.90 (inkl. Ausl agen und 8% MWSt) zu bezahlen. Präsidentin Gerichtsschreiber