Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 14. August 2018 (400 18 144) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Vorsorgliche Massnahmen im Ehescheidungsverfahren: Unterhaltsbeitrag bei sehr guten Verhältnissen Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien A. ____ , vertreten durch Advokatin Dr. Caroline Cron, Elisabethenstrasse 15, Postfach 430, 4010 Basel, Kläger und Berufungsbeklagter gegen B. ____ , vertreten durch Advokat Vincenzo Falanga, St. Jakobs-Strasse 11, Post- fach 249, 4010 Basel, Beklagte und Berufungsklägerin Gegenstand Vorsorgliche Massnahmen / Ehescheidung Berufung gegen die Verfügung des a.o. Präsidenten des Zivilkreisge- richts Basel-Landschaft West vom 16. April 2018 A. Im vorangegangenen Eheschutzverfahren Nr. 120 15 29 57 zwischen den Ehegatten A.____ und B.____ vor dem Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West fällte die Gerichtspräsiden- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht tin am 14. Januar 2016 den Eheschutzentscheid. Mit der Dispositiv-Ziffer 4 dieses Entscheids wurde der Ehemann bei seiner Bereitschaft behaftet, d er Ehefrau ab Januar 2016 monatliche Unterhaltsbeiträge von CHF 8‘600.00 zu bezahlen. Mit der Dispositiv-Ziffer 5 wurde die Ehefrau verpflichtet, den Erwerb ihrer Deutschkenntnisse voranzut reiben und sich intensiv um eine Ar- beitsstelle zu bemühen. In der Dispositiv-Ziffer 6 wurde sodann vorgesehen, dass die Unter- haltsbeiträge bis zum Ablauf der zweijährigen Trennung sfrist, d.h. bis Ende Juli 2017, bezahlt werden sollen. B. Am 28. August 2017 reichte der Ehemann am Zivilkreisge richt Basel-Landschaft West die Scheidungsklage ein und stellte den Verfahrensantrag, es sei festzustellen, dass ab 1. August 2017 kein Unterhaltsbeitrag an die Ehefrau mehr gesc huldet sei. Die Ehefrau verlangte die Ab- weisung dieses Verfahrensantrags und beantragte für die Dauer des Scheidungsverfahrens einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 15‘940.0 0, eventualiter von CHF 8‘600.00. Sie führte aus, sie sei aufgrund einer mittelschweren Depressi on und einer seronegativen Polyarth- ritis arbeitsunfähig. Ihre Erwerbsaussichten seien zudem in Bezug auf den angemessenen Un- terhalt in Anbetracht des exorbitant hohen Einkommens des Ehemannes nicht wesentlich. Mit Verfügung vom 16. April 2018 legte der a.o. Zivilkreisg erichtspräsident den vom Ehemann an die Ehefrau für die Dauer des Scheidungsverfahrens zu b ezahlenden Unterhaltsbeitrag bis En- de August 2018 auf CHF 8‘600.00 fest und ab 1. Septem ber 2018 auf CHF 1‘800.00. In der Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Ehe frau habe sich seit dem Eheschutzent- scheid vom 14. Januar 2016 nicht ernsthaft darum bemüht , ihre Deutschkenntnisse zu verbes- sern und eine Arbeitsstelle zu finden. Die geltend gem achte Depression stelle keine wesentli- che Veränderung der Verhältnisse dar, da die Ehefrau nach eigenen Angaben bereits vor der damaligen Eheschutzverhandlung an einer psychischen Erkranku ng gelitten habe und sie nicht dargelegt habe, dass sich diese Krankheit seither verschl echtert haben soll. Die Polyarthritis falle als Grund für ihr Säumnis für die Periode vom 14 . Januar 2016 bis zum Diagnosezeitpunkt vom 6. September 2017 ohnehin ausser Betracht. Der Zi vilkreisgerichtspräsident räumte der Ehefrau eine Frist von vier Monaten zur Regelung ihre r Verhältnisse ein und rechnete ihr ab 1. September 2018 ein hypothetisches Einkommen von CHF 3‘000.00 an. Den Bedarf der Ehe- frau berechnete er mit der einstufig-konkreten Method e auf CHF 4‘798.00 bzw. den Fehlbetrag auf CHF 1‘800.00. C. Mit Eingabe vom 30. April 2018 an das Kantonsgericht Ba sel-Landschaft, Abteilung Zivil- recht, liess die Ehefrau die Berufung gegen die Verfüg ung vom 16. April 2018 erklären mit dem Antrag, die Verfügung vom 1. August 2017 sei aufzuhebe n und der monatliche Unterhaltsbei- trag sei für die Dauer des Scheidungsverfahrens bzw. vom 1 . August 2017 bis zum Eintritt der Rechtskraft des Scheidungsurteils auf CHF 8‘600.00 festzu legen. Am 2. Mai 2018 wurde sei- tens der Berufungsklägerin die Berufungsschrift noch ein mal eingereicht und in einem Begleit- schreiben ausgeführt, die Berufungsschrift vom 30. April 2018 enthalte Flüchtigkeitsfehler, wes- halb die gleiche Berufungsschrift ohne Flüchtigkeitsfehler noch einmal eingereicht werde. D. Nach Eingang des Kostenvorschusses wurde mit Verfügung vo m 18. Mai 2018 die korri- gierte Version der Berufungsschrift dem Ehemann zur Ber ufungsantwort zugestellt. Mit Beru- fungsantwort vom 1. Juni 2018 beantragte der Ehemann die Abweisung der Berufung. Ebenfalls Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit Eingabe vom 1. Juni 2018 reichte die Ehefrau de n psychiatrischen Arztbericht der Universi- tären Psychiatrischen Kliniken Basel vom 1. Juni 2018 ein. E. Mit Verfügung vom 4. Juni 2018 wurde dem Ehemann die Berufung vom 30. April 2018 mit Flüchtigkeitsfehlern sowie das Begleitschreiben vom 2 . Mai 2018 zur Kenntnisnahme zuge- stellt mit dem Hinweis, dass dem Ehemann irrtümlicherwei se mit der Verfügung vom 18. Mai 2018 lediglich die am 2. Mai 2018 eingereichte Berufung vom 30. April 2018 ohne Flüchtigkeits- fehler zugestellt worden sei. Mit Stellungnahme vom 15. Juni 2018 führte der Ehemann aus, die am 2. Mai 2018 abgegebene Berufungsschrift sei nach Ablauf der zehntägigen Berufungsschrift und somit verspätet erfolgt, weshalb auf diese nicht ei nzutreten sei, eventualiter sei die Beru- fung abzuweisen. Die Ehefrau hielt in der Replik vom 1 8. Juni 2018 an ihren Rechtsbegehren fest. Mit Eingabe vom 20. Juni 2018 reichte die Ehefra u sodann eine unaufgeforderte Stellung- nahme zur Eingabe des Ehemannes vom 15. Juni 2018 ein. Auf die Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften des Berufungsverfahrens wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. F. Mit Verfügung vom 19. Juni 2018 schloss die Kantonsgeri chtspräsidentin den Schriften- wechsel und ordnete, nachdem sich innert Frist keine de r Parteien gegenteilig geäussert hatte, den Entscheid aufgrund der Akten an. Erwägungen 1.1 Der Entscheid des Scheidungsgerichts über vorsorgliche Massnahm en ist gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO mit Berufung anfechtbar, wobei in vermögensrechtlichen Angelegen- heiten die Berufung nur zulässig ist, wenn der Streitwert der zuletzt aufrecht erhaltenen Rechts- begehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Bei wiederkehrenden Leis- tungen wie Unterhaltsbeiträgen gilt der Kapitalwert als Streitwert. Bei der Vorinstanz vertrat der Ehemann die Auffassung, keinen Unterhaltsbeitrag meh r zu schulden, wogegen die Ehefrau einen monatlichen Unterhaltbeitrag von CHF 15‘940.00 beantragte. Der erforderliche Streitwert gemäss Art. 308 Abs. 2 ZPO wird daher zweifellos erreich t. Das Berufungsverfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen ist ein summarisches Verfahren (Art. 248 lit. d ZPO), weshalb die Berufung gemäss Art. 311 Abs. 1 i.V. mit Art. 314 Abs. 1 ZPO innert zehn Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheides beziehungsweise seit der nacht räglichen Zustellung der Ent- scheidbegründung schriftlich und begründet einzureichen ist. In den vorliegenden Akten befin- det sich keine Bescheinigung, wann der angefochtene Entsche id dem Rechtsvertreter der Ehe- frau zugestellt wurde. Dem eingereichten Couvert lässt sich entnehmen, dass der Entscheid am 17. April 2018 abgeschickt wurde. Es kann daher ohne We iteres auf die Ausführung des Rechtsvertreters der Berufungsklägerin abgestellt werden, wonach ihm der Entscheid am 18. April 2018 zugestellt worden sei. Die Rechtsmittelf rist lief somit bis zum Montag, den 30. April 2018 (Art. 142 Abs. 3 ZPO) und ist für die gleichentags auf der Post aufgegebene Be- rufung eingehalten. Zuständig für die Beurteilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsi- dien der Zivilkreisgerichte Basel-Landschaft, welche im summ arischen Verfahren ergangen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind, ist gemäss § 5 Abs. 1 lit. a EG ZPO das Präsidium der Abteilung Zivilrecht des Kantonsge- richts. 1.2 Am 2. Mai 2018 reichte der Rechtsvertreter der Beruf ungsklägerin die Berufungsschrift vom 30. April 2018 erneut ein und führte in seinem Be gleitschreiben vom 2. Mai 2018 aus, es werde die gleiche Berufungsschrift noch einmal ohne Fl üchtigkeitsfehler eingereicht. Diese ver- besserte Berufungsschrift wurde am 2. Mai 2018 persönlich am Kantonsgericht abgegeben und somit erst nach Ablauf der 10-tägigen Berufungsschrift e ingereicht, so dass auf diese Eingabe mangels Einhaltung der Berufungsfrist nicht einzutrete n bzw. diese korrigierte Version nicht zu beachten ist. 1.3 Mit der Berufung vom 30. April 2018 bzw. der ersten Ei ngabe, abgeschickt am 30. April 2018, wurde die Berufung betreffend die Verfügung vom 16. April 2018 erklärt und beantragt, es sei die Verfügung des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft W est vom 1. August 2017 aufzuhe- ben (Rechtsbegehren Ziffer 1) und es sei der Berufungs beklagte zu verpflichten, der Beru- fungsklägerin für die Dauer des Scheidungsverfahrens einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 8‘600.00 zu bezahlen (Rechtsbegehren Ziffer 2). A ls Beilage 1 wurde in der Berufungs- schrift die Verfügung vom 19. April 2018 erwähnt und a ls Beilage sodann die Verfügung vom 16. April 2018 mit der Bezeichnung „Beilage Nr. 1“ e ingereicht. Es stellt sich die Frage, ob das Rechtsbegehren Ziffer 1, wonach die Verfügung vom 1. August 2017 aufzuheben sei, den for- mellen Anforderungen genügt, da Anfechtungsobjekt die Verfügung vom 16. April 2018 ist. Die Berufungsanträge sind so zu formulieren, dass sie bei der Gutheissung der Berufung zum Urteil erhoben werden können (I.W. HUNGERBÜHLER / M. BUCHER , in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N 16 zu Art. 311). Werden die Anforderungen an die Rechtsmittelanträge nicht eingehalten, ist auf die Berufung nicht einzutreten. Die Rechtsfolge des Nichteintretens steht jedoch unter dem Vorbehalt des überspitzten Formalismus. So ist auf eine Berufung mit formell mangelhaften Rechtsbegehren ausnahmsweise einzutreten, wenn sich aus d er Begründung, allenfalls in Ver- bindung mit dem angefochtenen Entscheid, ergibt, was d er Berufungskläger in der Sache ver- langt (BGE 137 III 617, E. 6.2; Bger 4A_700/2012 vom 30. April 2013, E. 1.1). In der ersten Version der Berufung vom 30. April 2018 ist auf der F rontseite im Rubrum als Betreff die Verfü- gung vom 16. April 2018 aufgeführt und diese wird m it den Beilagen auch eingereicht. In der Berufungsbegründung wird sodann auf verschiedene Ziffe rn der Begründung der Verfügung vom 16. April 2018 Bezug genommen. Es geht aus der Beru fung damit hervor, dass die Verfü- gung vom 16. April 2018 angefochten wird und es sich im Rechtsbegehren Ziffer 1, wonach die Verfügung vom 1. August 2017 aufzuheben sei, um einen offensichtlichen Verschrieb handelt und es heissen müsste, die Verfügung vom 16. April 2018 sei aufzuheben. Dieser Verschrieb im Rechtsbegehren Ziffer 1 vermag angesichts des Verbots des überspitzten Formalismus kein Nichteintreten zu begründen und schadet der Berufungsklägerin folglich nicht. Da sich die Beru- fung vom 30. April 2018 sodann hinreichend mit dem angefochtenen Entscheid auseinander- setzt, sind die formellen Anforderungen erfüllt und au f die Berufung, in der ersten Version (per Post am 30. April 2018 abgeschickt), ist einzutreten. 2. Im Berufungsverfahren werden gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO neue Tatsachen und Be- weismittel nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vo rgebracht werden (lit. a) und trotz Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebr acht werden konnten (lit. b). Denn das Novenrecht darf nicht dazu führen, allfällige Versäumnisse bei der Vorinstanz nachzuholen. Die Berufungsklägerin reichte im Berufungsverfahren mit Eingabe vom 1. Juni 2018 den Arztbe- richt der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (nac hfolgend UPK Basel) vom 1. Juni 2018 ein. Der Berufungsbeklagte führte zu diesem Arztb ericht in seiner Eingabe vom 15. Juni 2018 aus, die Berufungsklägerin habe nicht begründet, weshalb ihr bisher nicht möglich gewe- sen sein soll, für ihre behauptete Erkrankung den nöt igen Beweis zu erbringen. Der Arztbericht vom 1. Juni 2018 habe keinen Beweiswert und sei daher a us dem Recht zu weisen. Die Beru- fungsklägerin ist entsprechend dem genannten Arztbericht e rst seit dem 3. Mai 2018 Patientin in der UPK Basel und der Arztbericht datiert folglich ebenfalls erst nach dem angefochtenen Entscheid vom 16. April 2018. Es handelt sich somit bei d iesem Arztbericht um ein neues Do- kument, welches im erstinstanzlichen Verfahren noch nicht existierte und dort noch nicht einge- reicht werden konnte. Der Arztbericht vom 1. Juni 201 8 wurde zudem ohne Verzug gleichen- tags der Berufungsinstanz eingereicht. Folglich ist dieser Arztbericht als echtes Novum im Beru- fungsverfahren zuzulassen. Auf die Frage, ob dem Arztber icht Beweiswert zukommt bzw. wie der Arztbericht zu würdigen ist, ist noch zurückzukommen. 3. Die Vorinstanz ging in einem ersten Schritt auf das Ehe schutzverfahren Nr. 120 15 2957 bzw. die Aussagen der Parteien anlässlich der damaligen Eheschutzverhandlung vom 14. Ja- nuar 2016 ein und führte aus, die Parteien hätten sic h damals auf einen monatlichen Unter- haltsbeitrag von CHF 8‘600.00 geeinigt. Hinsichtlich der Dauer des Unterhaltsbeitrags habe die Eheschutzrichterin damals zwei Varianten vorgeschlagen. Die Parteien hätten sich auf die erste Variante geeinigt, wonach sich die Ehefrau verpflichte , ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und sich intensiv zu bemühen, eine Arbeitsstelle zu finden und dem Ehemann eine entspre- chende Mitteilung zu machen, und weiter festgehalten w erden könne, dass der Unterhaltsbei- trag mit Einreichung des Scheidungsbegehrens inkl. Ant rag auf Aufhebung des Unterhaltsbei- trags enden werde. Die Ehefrau habe damals ausführen lassen, es sollte ihr möglich sein, bald eine Arbeit zu finden. Die Vorinstanz stellte sodann fes t, die Ehefrau habe sich entgegen ihren Verpflichtungen nicht ernsthaft darum bemüht, ihre D eutschkenntnisse zu verbessern und eine Arbeitsstelle zu finden. Die geltend gemachte Depression liess die Vorinstanz als Begründung für die Säumnisse der Ehefrau nicht gelten, da die De pression bereits bei der damaligen Ehe- schutzverhandlung vorgelegen sei und somit keine wesentli che Veränderung der Verhältnisse darstelle. Die von der Ehefrau geltend gemachte Polyar thritis berücksichtigte die Vorinstanz zwar als neue wesentliche Tatsache hinsichtlich von Arbeitsunfähigkeiten im Zeitraum zwischen September 2017 bis Februar 2018, sie führte jedoch aus, aufgrund der Ehegeschichte und der im Eheschutzverfahren abgegebenen Zusagen könne die Ehe frau nicht auf den Fortbestand der bisherigen Unterhaltsregelung für die Dauer des Sc heidungsverfahrens geschützt werden. Vielmehr habe der Ehemann davon ausgehen dürfen, dass sich die Ehefrau an den abgegebe- nen Zusicherungen messen lasse. Auch aus dem hohen Einkomm en des Ehemannes alleine könne die Ehefrau keinen Anspruch auf eine Fortführun g der bisherigen Regelung ableiten, sondern sie habe im Rahmen ihrer Möglichkeiten selber f ür ihren Unterhalt zu sorgen. Die Vor- instanz gewährte der Ehefrau ein Übergangsfrist von vier Monaten und rechnete ihr ab 1. Sep- tember 2018 ein hypothetisches Einkommen von CHF 3‘000 .00 an. Den Bedarf der Ehefrau bezifferte die Vorinstanz in Anwendung der einstufig-k onkreten Methode auf monatlich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 4‘798.00. Den Fehlbetrag von gerundet CHF 1‘800. 00 legte sie als monatlichen Unter- haltsbeitrag fest, welchen der Ehemann der Ehefrau ab 1. September 2018 zu leisten habe. 4. Die Ehefrau macht geltend, sie sei „entwurzelte Venez uelanerin“, verfüge über keine Be- rufserfahrung, spreche kaum Deutsch, sei depressiv und wegen ihrer Arthritis auch nicht in der Lage, körperlich anstrengende Arbeiten auszuführen. Sie sei aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, ihre Lebenshaltungskosten zu erwirtsch aften. Sie könne auch nicht an ihren damaligen Aussagen im Eheschutzverfahren gemessen werden, weil sie damals aufgrund ihrer Depressionserkrankung nicht in der Lage gewesen sei, ein e zutreffende Prognose abzugeben. Die damalige Aussage der Ehefrau, sie könne sicher bald eine Arbeitsstelle finden, sei nicht realistisch gewesen, gründe auf einem Grundlagenirrtum und sei einseitig unverbindlich. De- pressive Menschen hätten keinen Antrieb und könnten sich i n akuten Phasen weder bewerben noch aktiv werden. Es könne der Ehefrau auch kein hypothe tisches Einkommen angerechnet werden, solange sie depressiv sei. Weder dies habe die V orinstanz berücksichtigt, noch dass es der Ehefrau nach einer 10-jährigen Ehedauer mit h ohem Lebensstandard unmöglich sei, innert 1,5 Jahren Fuss in der Schweiz zu fassen. Zuvor sei eine Assimilation der Ehefrau wegen der ständigen Wohnortswechsel aufgrund der beruflichen T ätigkeit des Ehemannes nicht mög- lich gewesen. Die Ehefrau beziffert ihren Bedarf auf monatlich CHF 15‘940.00. In der Replik ergänzte die Ehefrau, sie sei im Jahre 2001, als sich die Ehegatten kennengelernt hätten, erst 16 Jahre alt und minderjährig gewesen, während der Ehemann 35 Jahre alt gewesen sei. Die Verlobung sei im Jahr 2002 erfolgt und die Heirat i m Jahr 2005. Die Ehegatten hätten von An- fang an einen gemeinsamen Lebensplan gehabt, dessen R ealisierung sich nach dem viel älte- ren Ehemann gerichtet habe, welcher als erfahrener un d erfolgreicher Mann mit guter Anstel- lung im Leben gestanden sei. Die Ehefrau habe sich a uf ihn verlassen und der Ehemann habe gegenüber der jungen Ehegattin eine besondere Verant wortlichkeitsstellung inne gehabt. Auf- grund dieser besonderen Umstände sei bereits auf die Ze it der Verlobung und somit auf eine 13 Jahre dauernde und lebensprägende Ehe abzustellen. 5. Der Ehemann stellt sich dagegen auf den Standpunkt, es h andle sich um eine kinderlose Kurzehe, weshalb der Unterhaltsanspruch der Ehefrau n ur für kurze Zeit bestehe. Die Ehefrau wohne seit 2013 in der Schweiz und es wäre ihr möglich g ewesen, ihre Deutschkenntnisse massiv zu verbessern. Sie habe sich jedoch nicht darum bemüh t und das selber zu verantwor- ten. Sie habe ein Diplom als Montessori-Lehrerin und kö nne mit dieser Ausbildung eine Anstel- lung finden, auch ohne gute Deutschkenntnisse. Die Ehe frau habe sich im Eheschutzverfahren verpflichtet, sich intensiv um eine Arbeitsstelle zu bemühe n, jedoch keine Suchbemühungen nachgewiesen. Die von der Ehefrau geltend gemachten g esundheitlichen Beeinträchtigungen seien weder hinreichend belegt noch glaubhaft gemacht. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sei der Ehefrau möglich und zumutbar und die Vorinstan z habe der Ehefrau insgesamt einen Zeitraum von 12 Monaten eingeräumt, um eine Arbeitsst elle zu finden, was angemessen sei. Die Ehefrau könne einer 100%-igen Erwerbstätigkeit n achgehen und ein Einkommen von CHF 6‘000.00 bis 7‘000.00 erwirtschaften. 6. Vorab ist auf das Eheschutzverfahren Nr. 120 15 2957 ein zugehen, zumal die Vorinstanz auf die Ausführungen der Ehefrau im damaligen Eheschu tzverfahren abstellte bzw. prüfte, ob Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht sich die Verhältnisse seither verändert haben. Im Ehesch utzentscheid vom 14. Januar 2016 wurde in den Ziffern 4 bis 6 des Dispositivs der Unterhaltsbeitrag folgendermassen geregelt: 4. Der Ehemann wird bei seiner Bereitschaft behaftet, der Ehefrau ab Januar 2016 monat- liche und monatlich vorauszahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 8‘600.00 zu bezahlen, wobei die vom Ehemann für Januar 2016 bereits bezahlt en CHF 2‘000.00 angerechnet werden. 5. Die Ehefrau verpflichtet sich, den Erwerb ihrer Deut schkenntnisse voranzutreiben und sich intensiv zu bemühen, eine Arbeit zu finden und dem Ehemann umgehend mitzutei- len, sobald sie eine Arbeitsstelle gefunden hat. 6. Es ist vorgesehen, dass die Unterhaltsbeiträge gemäss Z iffer 4 voraussichtlich bis zum Ablauf der 2-jährigen Trennungsfrist, d.h. bis Ende Juli 2017, bezahlt werden sollen. Gemäss der Dispositiv-Ziffer 5 ist die Ehefrau verpflicht et, ihre Deutschkenntnisse zu verbes- sern, sich intensiv um eine Arbeitsstelle zu bemühen und den Ehemann zu informieren, sobald sie eine Arbeitsstelle gefunden hat. Es ist dagegen nich t festgehalten, dass der Unterhaltsbei- trag wegfallen soll, falls die Ehefrau diesen Verpfl ichtungen nicht nachkommt oder nicht nach- kommen kann. Auch Ziffer 6 ist nicht zu entnehmen, dass de r Unterhaltsbeitrag nur bis Ende Juli 2017 zu bezahlen ist. Vielmehr ist lediglich vorgesehen , dass die Unterhaltsbeiträge vor- aussichtlich bis Ende Juli 2017 bezahlt werden sollen. Diese Form ulierungen sind zu ungenau und zu unklar formuliert, als dass daraus abgeleitet werd en könnte, was gilt, wenn die Ehefrau keine Arbeitsstelle findet oder wenn sie sich nicht hinre ichend um eine solche bemüht. Auch aus dem Protokoll der Eheaudienz vom 14. Januar 2016, S eite 5, lässt sich nichts Eindeutiges entnehmen. Die Gerichtspräsidentin führte aus, entwede r gebe es ein klares Ende für den Un- terhaltsbeitrag oder man vereinbare, dass nach einem oder eineinhalb Jahren eine Reduktion des Unterhaltsbeitrags stattfinde. Bis dann bestehe ein Scheidungsanspruch und die Ehefrau müsse sich intensiv um eine passende Arbeit bemüht haben, andernfalls das Risiko bestehe, dass sie dann keinen Unterhaltsanspruch mehr habe. Die da malige Rechtsvertreterin der Ehe- frau führte daraufhin aus, es sollte der Ehefrau möglich sein, bald eine Arbeit zu finden, so dass der Unterhaltsbeitrag dann reduziert werden könne. D ie Gerichtspräsidentin schlug daraufhin zwei Varianten vor, nämlich als Variante 1), dass sich die Ehefrau verpflichtet, ihre Deutsch- kenntnisse zu verbessern, sich intensiv um Arbeit zu bemühen und den Ehemann über das Finden einer Arbeitsstelle zu informieren. Der Unterha lt würde so nicht befristet und zusätzlich könne festgehalten werden, dass der Unterhalt für die E hefrau mit Einreichung des Schei- dungsbegehrens inkl. Antrag auf Aufhebung des Unterha ltsbeitrags enden werde, oder als Va- riante 2) die Befristung des Unterhaltsbeitrags auf 1,5 Jahre. Die Parteien einigten sich auf Va- riante 1). Weder aus dem Dispositiv des Eheschutzentscheid s vom 14. Januar 2016 noch aus dem Protokoll der Eheschutzaudienz geht klar hervor, ob der Unterhaltsbeitrag befristet werden soll und was gelten soll, wenn die Ehefrau bis zum Ablauf der zweijährigen Trennungsfrist keine Stelle findet, ob selbstverschuldet oder nicht. Ebenso wird nicht ausgeführt, wie der mit Ehe- schutzentscheid vom 14. Januar 2016 gesprochene Unterhalt sbeitrag von CHF 8‘600.00 be- rechnet wurde. Da dem Eheschutzentscheid und dem Verhan dlungsprotokoll vom 14. Januar 2016 die Erwägungen zur Höhe und zur Dauer des festge legten Unterhaltsbeitrags nicht klar Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht genug zu entnehmen sind, kann im vorliegenden Fall auc h nicht auf veränderte Verhältnisse abgestellt werden. Vielmehr ist der Unterhaltsbeitrag gestützt auf die aktuellen Verhältnisse neu zu beurteilen. 7. Da die Ehe seit der Heirat vom 15. Dezember 2005 (die Ehefrau war damals 20-jährig) bis zur Trennung am 1. August 2015 rund 9,5 Jahre gedauert hat, die Ehegatten noch immer ver- heiratet sind, die Ehegatten während ihrer Ehe mehre re Wohnortswechsel in verschiedene Länder aufgrund der Arbeitstätigkeit des Ehemannes vorna hmen und die Ehefrau während der Ehe nicht arbeitete, kann den Ausführungen des Ehem annes, es sei grundsätzlich kein Unter- haltsbeitrag mehr geschuldet, nicht gefolgt werden. Die Ehefrau kann nicht einfach an die vor- ehelichen Verhältnisse anknüpfen und sie konnte sich aufgru nd der verschiedenen Wohnorts- wechsel während des Zusammenlebens auch beruflich nicht e tablieren. Die eheliche Unter- haltspflicht des Ehemannes endet daher nicht bereits n ach der dreijährigen Trennungszeit, sondern dauert aktuell noch an. Die Vorinstanz war eben falls nicht der Auffassung, dass der Unterhaltsbeitrag grundsätzlich weggefallen ist, sond ern sprach der Ehefrau für die Dauer des Scheidungsverfahrens einen Unterhaltsbeitrag zu. Es gilt nunmehr auf die Höhe des Unter- haltsbeitrags einzugehen. 8. Die Vorinstanz rechnete der Ehefrau ab 1. September 20 18 ein hypothetisches Einkom- men von CHF 3‘000.00 an. Es gilt zu prüfen, ob und in welcher Höhe der Ehefrau ein hypotheti- sches Einkommen anzurechnen ist. 8.1 Die Ehefrau stellt sich auf den Standpunkt, sie sei aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeitsfähig. Hinsichtlich ihrer Depression reichte sie im Berufungsverfahren als Novum den Arztbericht vom 1. Juni 2018 der UPK Basel ein. Dieser B ericht bestätigt, dass die Ehefrau seit dem 3. Mai 2018 in der UPK stationär behandelt wird und führt eingangs unter Diagnosen eine schwere Episode mit psychotischen Symptomen und eine seron egative Polyarthritis auf. Der Bericht enthält sodann im Grossen und Ganzen die Aussage n und Schilderungen der Ehefrau, welche vom Ehemann allerdings bestritten werden. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass eine Behandlung mit einem interdisziplinären, multimodalen Therapieprogramm (Medikation, Ge- spräche, Ergotherapie, Bewegungstherapie, Musiktherapie, Tanztherapie, Energiemanage- ment, Fitness und sozialdienstlicher Betreuung) erfolgte. Die Schlafstörungen wurden medika- mentös behandelt. Dies gilt auch für die Angst- und Verfolgungsstörungen, durch deren Medika- tion das Verfolgungserleben verschwunden sei und sich die Stimmung und Antrieb verbessert hätten. Aus dem Bericht folgt, dass die Ehefrau zum Zeit punkt des Berichts vom 1. Juni 2018 mit verschiedenen Medikamenten therapiert wurde und dass auch die von Frau Dr. C.____ ver- schriebene antirheumatische Therapie fortgeführt werden soll. Der Bericht enthält keinerlei Aus- führungen zur Arbeitsfähigkeit der Ehefrau und keine Prognosen. Es liegen daher keine An- haltspunkte für eine Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau w egen ihrer Depression vor. Vielmehr be- sagt der Bericht, dass sich die Stimmung und der Antrieb der Ehefrau durch die Medikation ver- bessert haben. Mangels anderweitigen ärztlichen Ausführungen ist davon auszugehen, dass es der Ehefrau mit Hilfe der Medikation auch trotz der Depression möglich ist zu arbeiten. Auf den Bericht vom 10. Januar 2018 von D.____ aus X.____ (Beil age 21 zur Eingabe der Ehefrau vom 26.02.2018 im vorinstanzlichen Verfahren) kann nicht abg estellt werden, da einerseits unbe- kannt ist, ob es sich überhaupt um eine anerkannte Psycholo gin handelt, und da andererseits Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Bericht vor der Medikation durch die UPK Basel erfol gte und dieser daher ohnehin nichts über die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau mit Hilfe der Medikation aussagen kann. Was die von der Ehefrau eingewendete Arthritis betrifft, enthalten die Berichte der Hirslanden Klinik Birshof (Bei- lage 22 zur Eingabe der Ehefrau vom 26.02.2018 im vor instanzlichen Verfahren) keinerlei Aus- sagen hinsichtlich einer Arbeitsunfähigkeit. Es ist folglich weder aufgrund der geltend gemach- ten Depression noch der Arthritis eine Arbeitsunfähigke it der Ehefrau belegt, sodass von deren Arbeitsfähigkeit auszugehen ist. 8.2 Es ist unbestritten, dass die Ehefrau ein Diplom als Mon tessori-Lehrerin hat und dass sie während des Zusammenlebens nicht erwerbstätig war. Kei ne der Parteien behauptet, dass die Ehefrau überhaupt jemals auf ihrem Beruf gearbeitet hat. Für die Anrechnung eines hypotheti- schen Einkommens stellt sich daher die Frage des zumutba ren und möglichen Einstiegs der Ehefrau in das Erwerbsleben. Es ist gibt keinen Grund, weshalb der Ehefrau eine Arbeitstätig- keit nicht zumutbar sein sollte. Da sie keine Kinder hat, welche sie betreut, kann sie grundsätz- lich einer 100%-igen Arbeit nachgehen. Dass der Kinderwunsch der Ehegatten nicht erfüllt wur- de, spielt keine Rolle, so dass auf die entsprechenden A usführungen der Ehefrau nicht weiter einzugehen ist. Das Argument der Ehefrau, das Einkommen des Ehemannes sei derart hoch, dass ein Unterhaltsbeitrag an sie gar nicht ins Gewicht falle, ist unbehelflich, da die Ehefrau aufgrund des Prinzips des clean break nicht darauf vertrauen darf, dass sie nunmehr zeitlebens durch ihren Ehemann finanziert wird. Vielmehr hat sie sich bereits jetzt um den Berufseinstieg zu kümmern, um später einmal für sich selber aufkommen zu können. Die Ehefrau ist 33-jährig und es kann aufgrund ihres Alters ohne Weiteres davon a usgegangen werden, dass der Ein- stieg in das Berufsleben auch ohne Berufserfahrung mög lich ist. Mit der Ausbildung als Mont- essori-Lehrerin kann sie beispielsweise die Kinderbetreuun g in Familien und Tagesstätten übernehmen. Im Raum Basel gibt es auch viele spanisch sprechende Familien, welche an einer Kinderbetreuung durch eine spanisch sprechende Betreueri n interessiert sind. Mit dem Diplom als Montessori-Lehrerin ist der Ehefrau auch möglich, als Assistentin in einer Montessori-Schule zu arbeiten oder allenfalls zuerst mit einem Praktikum in einer Montessori-Schule zu starten und dabei gleichzeitig ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbesse rn. Es kann nicht davon ausge- gangen werden, dass die Ehefrau sofort eine voll beza hlte 100%-Stelle findet. Eventuell muss sie zuerst mit einer Teilzeit-Stelle oder mit einem Pr aktikum beginnen und kann erst allmählich ihr Pensum und ihr Einkommen erhöhen. Im Durchschnitt s ollte es ihr jedoch möglich sein, für die Dauer des Scheidungsverfahrens künftig ein durchsch nittliches Einkommen von CHF 3‘000.00 zu erzielen. Da die Ehefrau bereits seit dem Eheschutzentscheid vom 14. Januar 2016 weiss, dass sie sich um eine Arbeitsstelle bemühen muss u nd ihr die Vorinstanz mit der hier angefochtenen Verfügung vom 16. April 2018 wied erum eine Übergangsfrist von rund vier- einhalb Monaten zugestand, ist der Ehefrau ab 1. Sept ember 2018 ein hypothetisches Ein- kommen von CHF 3‘000.00 anzurechnen, wie dies bereits die Vorinstanz tat. 9. Die Vorinstanz berechnete den Unterhaltsbeitrag mittel s der einstufig-konkreten Methode und rechnete im Bedarf der Ehefrau aufgrund des hohe n Lebensstandards den doppelten Grundbetrag ein. Die Ehefrau macht mit Verweis auf d en doppelten Grundbetrag in ihrer Beru- fung geltend, diese Berechnungsweise sei nicht nachvollzi ehbar und es sei die Berechnung mittels konkreter Methode anzuwenden. Was die Ehefrau d amit genau meint, ist weder sub- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht stantiiert noch nachvollziehbar, zumal die Ehefrau in ih rer Bedarfsberechnung für die Position Essen, Kleider und div. selber ebenfalls einen pauschalen Betrag von CHF 3‘500.00 einsetzt, ohne diese Kosten zu belegen. Angesichts der komfortablen Einkommensverhältnisse des Ehemannes (sein Nettoeinkommen betrug im Jahr 2016 ge mäss Lohnausweis CHF 601‘858.00) ist die Anwendung der einstufig-konkre ten Methode für den vorliegenden Fall angebracht. Da es um den Unterhaltsbeitrag für das Ehe scheidungsverfahren geht, dessen Bezahlung sich auf die Dauer des Ehescheidungsverfahrens u nd somit auf eine absehbare Dauer beschränkt, und überdies das summarische Verfahren Anwendung findet, ist es trotz Anwendung der einstufig-konkreten Berechnungsmethode angebracht, mit Pauschalisierungen zu operieren. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz nicht alle Auslagen, wel- che üblicherweise im Grundbetrag enthalten sind, einzeln in die Bedarfsberechnung aufnahm, sondern mit dem Grundbetrag operierte. Das Kantonsgericht wendet daher im vorliegenden Fall ebenfalls die einstufig-konkrete Methode mit Pauschalisie rungen an. Im Nachfolgenden ist auf die einzelnen Positionen der Bedarfsberechnung einzugehen. Es wird darauf hingewiesen, dass mittels Rundungen nur ganze Frankenbeträge, ohne Rappen, eingerechnet werden. 10. Die Ehefrau beziffert ihren Grundbedarf auf CHF 15‘9 40.00 mit folgenden Positionen: Ei- genmietwert CHF 4‘375.00, Kosten Immobilie CHF 830.0 0, Essen und Kleider CHF 3‘500.00, Steuern CHF 1‘000.00, Telefonkosten CHF 200.00, Fitn ess CHF 100.00, Krankheitskosten CHF 1‘700.00, Fremdsprachenkurse CHF 750.00, Elektrizi tät CHF 100.00, Fernsehgebühren Billag CHF 40.00, Versicherung PKW CHF 130.00, Nummer nschild PKW CHF 40.00, Steuern PKW CHF 40.00, Anschaffungskosten Computer CHF 140.00, Anschaffungskosten PKW CHF 400.00, Zusatzkosten PKW CHF 500.00, Haushaltgerät e CHF 75.00, Kosten Treuhänder CHF 20.00, Ausgaben Visa CHF 2‘000.00. Die Vorinstanz b erechnete den Grundbedarf der Ehefrau dagegen auf insgesamt CHF 4‘798.00 (Grundbetr ag CHF 2‘400.00 [doppelter Grund- betrag aufgrund des hohen Lebensstandards], Hypothekarz ins CHF 830.00, Nebenkosten CHF 200.00, Krankenkasse CHF 438.00, Selbstbehalt CHF 50.00, U-Abo CHF 80.00, Steuern CHF 800.00). 10.1 Mit dem Grundbetrag sind gemäss den Richtlinien der K onferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten der Schweiz für die Berechnung des betreib ungsrechtlichen Existenzmini- mums namentlich die Auslagen für Nahrung, Kleidung und Wäsche, Körper- und Gesundheits- pflege, Unterhalt der Wohnungseinrichtungen, Beleuchtu ng und Kochstrom abgedeckt. Die Ehefrau macht diese Kosten in einzelnen Positionen geltend. Wie bereits ausgeführt ist es nicht zu beanstanden, mit dem Grundbetrag als Pauschale zu oper ieren und nicht sämtliche im Grundbetrag enthaltenen Positionen einzeln zu berücksicht igen. Allerdings ist das Kantonsge- richtspräsidium der Auffassung, dass angesichts des komfortab len Einkommens des Eheman- nes und des gemeinsam gelebten hohen Lebensstandards der dreifache Grundbetrag ange- messen ist, ausmachend CHF 3‘600.00. Dieser Betrag erlaubt es der Ehefrau, auch Sprachkur- se, Fitness, Ferien und Freizeit zu finanzieren. Mit de m dreifachen Grundbetrag sind die von der Ehefrau einzeln aufgeführten Positionen Essen/Kleid er, Telefon, Fitness, Sprachkurse, Elektrizität, Fernsehgebühren, Anschaffungskosten Computer, Haushaltgeräte, Treuhänder und Ausgaben Visa abgegolten. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Die Ehefrau führt in ihrer Bedarfsberechnung den Ei genmietwert von CHF 4‘375.00 auf, ohne auszuführen, weshalb diese Position zu berücksichtigen sei. Beim Eigenmietwert handelt es sich um einen Steuerwert, welcher sich auf die Steuer last auswirkt und nicht effektiv zu be- zahlen ist. Der Eigenmietwert findet daher auch nie Eingang in Grundbedarfsberechnungen und es ist nicht nachvollziehbar, weshalb dieser Wert im vorlie genden Fall Berücksichtigung finden sollte. Der Eigenmietwert ist folglich im Grundbedarf der Ehefrau nicht einzurechnen. 10.3 Die Ehefrau führt unter der Position Kosten Immobil ie den Betrag von CHF 830.00 auf. Allerdings hat die Ehefrau ihre Wohnkosten nicht bele gt, insbesondere reichte sie keine Hypo- thekarzinsabrechnungen ein. Die geltend gemachten Wohnkosten von CHF 830.00 sind jedoch keineswegs übersetzt, so dass ohne Weiteres auf diese Kos ten und die von der Vorinstanz an- gerechneten Nebenkosten von CHF 200.00 abgestellt werden kann. 10.4 Die Ehefrau macht Krankheitskosten von insgesamt CHF 1‘700.00 geltend, ohne die Krankenkassenprämien separat auszuscheiden. Angesichts des g ehobenen Lebensstandards sind bei der Ehefrau betreffend Krankenkassenprämien praxisgemäss sowohl die Prämie für die Grundversicherung als auch jene für die Zusatzversicherung e inzurechnen. Die Prämie der Grundversicherung beträgt CHF 438.00 und jene für die Zusatzversicherung CHF 130.80, so dass die Summe von gerundet CHF 569.00 einzusetzen ist. Betreffend Krankheitskosten liegt die Zusammenstellung der Krankenkasse für die Beteiligung der Ehefrau an den Kosten im Jahr 2017 im Gesamtbetrag von CHF 2‘015.70 vor, was monatli ch gerundet CHF 168.00 entspricht und in diesem Betrag einzurechnen ist. Die Belege für die Therapien bei der Psychologin Dr. E.____ datieren aus dem Jahr 2016. Es ist nicht ersichtlich , dass die Ehefrau diese Therapie noch immer besucht, so dass hierfür keine Kosten einzure chnen sind. Dies gilt umso mehr, als die Ehefrau nunmehr bei der UPK Basel in Therapie i st und davon auszugehen ist, dass diese Kosten im Gegensatz zu den Kosten bei Dr. E.____ von de r Krankenkasse übernommen wer- den (siehe zu den Prämien und den Krankheitskosten die Beilagen 4 der Eingabe der Ehefrau an die Vorinstanz vom 28. Februar 2018). 10.5 Die Vorinstanz rechnete der Ehefrau für ein U-Abo den Betrag von CHF 80.00 an. Die Ehefrau macht dagegen Autokosten im Gesamtbetrag von CHF 1‘110.00 für Versicherung, Nummernschild, Steuern, Anschaffungskosten und Zusatzkost en geltend. Aufgrund des geho- benen Lebensstandards der Parteien während des ehelichen Zusammenlebens ist es ange- messen, der Ehefrau ein Auto zuzugestehen. Allerdings sind die hierfür geltend gemachten Kosten von monatlich CHF 1‘110.00 zu hoch, zumal die Ehefrau keine langen Strecken mit dem Auto für berufliche Zwecke bewältigen muss. Praxisgemäss w erden für ein Auto Kosten von CHF 300.00 bis CHF 500.00 eingesetzt. Im vorliegenden F all ist angesichts des gehobenen ehelichen Lebensstandards der obere Ansatz von CHF 500.00 angemessen. 10.6 Für die Steuern setzte die Vorinstanz den Betrag von CHF 800.00 ein. Da der Ehefrau im vorliegenden Berufungsverfahren ein höherer Bedarf als im vorinstanzlichen Verfahren zuge- standen wird, ist auch der Steuerbetrag zu erhöhen. Die ser wird auf CHF 1‘000.00 geschätzt, so wie von der Ehefrau angegeben. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.7 Der monatliche Bedarf der Ehefrau stellt sich entspreche nd der vorstehenden Ausführun- gen folgendermassen dar: Grundbetrag CHF 3‘600.00 (dreifacher Grundbetra g) Wohnkosten CHF 830.00 Nebenkosten CHF 200.00 Krankenkassenprämien (KVG und VVG) CHF 569.00 Arzt-/ Krankheitskosten CHF 168.00 Auto CHF 500.00 Steuern CHF 1‘000.00 Grundbedarf CHF 6’867.00 Bei einem gebührenden Bedarf von gerundet CHF 7‘000 .00 und einem anrechenbaren hypo- thetischen Einkommen ab 1. September 2018 von etwa CHF 3‘000.00 resultiert ein monatlicher Fehlbetrag der Ehefrau von CHF 4‘000.00, welcher vom Ehemann ab 1. September 2018 an die Ehefrau als Unterhaltsbeitrag für die weitere Da uer des Scheidungsverfahrens zu bezahlen ist. Der von der Vorinstanz zugesprochene Unterhaltsbe itrag von CHF 8‘600.00 für die Zeit bis Ende August 2018 ist nicht abzuändern, da der Ehemann s einerseits keine Berufung gegen die Verfügung vom 16. April 2018 erhoben hat und angesicht s des Verbots der reformatio in peius dieser Unterhaltsbeitrag nicht zuungunsten der Ehefrau abänderbar ist. Ziffer 5 des Ehe- schutzentscheids vom 14. Januar 2016 ist insofern obsolet geworden, als der Ehefrau nunmehr ein hypothetisches Einkommen angerechnet wird. 11. Es bleibt über die Verteilung der Prozesskosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus den Gerichtskosten sowie der Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), zu befinden. Massge- bend für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestim mungen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Berufungsverfahren gelten, da das Gesetz für das Recht smittelverfahren keine speziellen Kostenregelungen vorsieht (vgl. S EILER , Die Berufung nach ZPO, Rz. 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden P artei auferlegt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Von diesem Verteilungsgrundsatz kann das Gericht unter gewissen Um- ständen abweichen und die Prozesskosten nach Ermessen verte ilen (Art. 107 ZPO). Entspre- chend den vorstehenden Erwägungen dringt die Ehefrau mit ihrer Berufung teilweise durch. In Anwendung von Art. 106 Abs. 2 ZPO sowie unter Berücksicht igung, dass es sich um eine Ehe- sache handelt, werden die Gerichtskosten den Parteien je hälftig auferlegt und jede Partei hat für ihre eigenen Parteikosten aufzukommen. Die Entsche idgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 li t. a des Gebührentarifs (SGS 170.31) auf pauschal CHF 2‘000.00 festzusetzen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. In teilweiser Gutheissung der Berufung wird Ziffer 1 der Verfügung des a.o. Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft West vom 16. April 2018 aufgehoben und durch folgenden Entscheid ersetzt: "1. In Abänderung der Ziffern 4 bis 6 des Entscheids de r Gerichtspräsi- dentin des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft West vom 14. Januar 2016 wird der Kläger verpflichtet, der Beklagten für d ie Dauer des Scheidungsverfahrens einen monatlichen und monatlich vora u s- zahlbaren Unterhaltsbeitrag von CHF 8‘600.00 bis Ende August 2018 und danach ab 1. September 2018 von CHF 4‘000. 00 zu b e- zahlen.“ II. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren von CHF 2‘000.00 wird beiden Parteien je zur Hälfte auferlegt. III. Jede Partei hat für ihre eigenen Parteikosten a ufzukommen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin Karin Arber