<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2002 64 S.212</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">212</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>64</b></span> <span class="ft2"><b>Sanierung und Betrieb einer Sonderabfallverbrennungsanlage im Bereich</b></span><br/> <span class="ft2"><b>eines belasteten Standorts ("Bauherren-Altlast"; Art. 3 AltlV).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Umweltschutzrechtliche</b></span> <span class="ft2"><b>Vorgaben,</b></span> <span class="ft2"><b>insbesondere</b></span> <span class="ft2"><b>Art.</b></span> <span class="ft2"><b>3</b></span> <span class="ft2"><b>AltlV</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/a/bb).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Störerprinzip</b></span> <span class="ft2"><b>als</b></span> <span class="ft2"><b>Leitlinie</b></span> <span class="ft2"><b>bei</b></span> <span class="ft2"><b>der</b></span> <span class="ft2"><b>Sanierung</b></span> <span class="ft2"><b>von</b></span> <span class="ft2"><b>Altlasten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/a/cc).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">213</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Sanierungsbedürftigkeit der im konkreten Fall vorhandenen Altlas-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ten; bereits getroffene und noch vorgesehene Massnahmen (Erw.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>2/a/dd).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Ausschluss sanierungsbedürftiger Schadstoffquellen innerhalb des</b></span><br/> <span class="ft2"><b>durch das Bauvorhaben betroffenen Bereichs; Relevanz eines von aus-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>serhalb stammenden, durch Abströmung bewirkten Weitertransports</b></span><br/> <span class="ft2"><b>von grundwasserverunreinigenden Schadstoffen (Erw. 2/a/ff).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Vereinbarkeit des "Hand-in-Hand-Prinzips" bei der Sanierung mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 3 AltlV (Erw. 2/a/gg).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 3 AltlV erfasst nicht nur die Bauten und Anlagen im engern</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sinne, sondern auch die darin installierten technischen Einrichtungen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw. 2/a/hh/aaa).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Methoden zur Sanierung des Untergrundes unter einer bestehenden</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Baute (Dekontamination und Sicherung des belasteten Standorts;</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Art. 16 lit. a und b AltlV); Prinzip des nachhaltigen Quellenstopps</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Art. 15 Abs. 1 AltlV); Ausschluss wesentlicher Sanierungserschwe-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungen (Art. 3 lit. b AltlV) (Erw. 2/a/hh/bbb).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 8. März 2002 in Sa-</span><br/> <span class="ft3">chen Gemeinderat Hausen gegen Regierungsrat.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Die Beschwerdegegnerin betrieb bis zum Oktober 1999 auf</span><br/> <span class="ft1">den Parzellen Nrn. 769 und 329 des ehemaligen R.-Areals eine Son-</span><br/> <span class="ft1">derabfallverbrennungsanlage mit einer Ofenleistung von 4 Megawatt</span><br/> <span class="ft1">(MW), einer Ofenkapazität von 1 Tonne pro Stunde und 4'500 jährli-</span><br/> <span class="ft1">chen Betriebsstunden. Die Anlage besteht im Wesentlichen aus dem</span><br/> <span class="ft1">Drehrohrofen, dem Dampfkessel, dem Rauchgaswäscher, dem</span><br/> <span class="ft1">Denox-Katalysator, der Rückstandsbehandlung und verschiedenen</span><br/> <span class="ft1">Abfalllagern. Geplant ist, den Sonderabfallofen in Bezug auf Ab-</span><br/> <span class="ft1">wasser- und Abluftreinigung sowie auf Betriebstechnik zu sanieren</span><br/> <span class="ft1">und zu modernisieren und hernach weiterzubetreiben. Dabei soll -</span><br/> <span class="ft1">bei gleichbleibender Kapazität des Ofens - die Zahl der jährlichen</span><br/> <span class="ft1">Betriebsstunden auf 7'500 erhöht werden; dies würde es ermögli-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">214</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">chen, künftig pro Jahr bis zu 7'500 Tonnen Sonderabfälle in fester,</span><br/> <span class="ft1">flüssiger, gasförmiger oder pastöser Form zu verbrennen. Für die neu</span><br/> <span class="ft1">zu installierenden Anlageteile werden keine neuen Gebäude errichtet;</span><br/> <span class="ft1">das zweiteilige Gebäude (bestehend aus Kessel- und Wäscherhaus)</span><br/> <span class="ft1">der heutigen Sonderabfallverbrennungsanlage bleibt bestehen. Es</span><br/> <span class="ft1">sollen jedoch verschiedene kleinere Bauwerke realisiert werden, die</span><br/> <span class="ft1">sich einerseits aus der Erneuerung und Erweiterung der Rauchgas-</span><br/> <span class="ft1">reinigung und anderseits aus dem neuen Lagerkonzept für die zu</span><br/> <span class="ft1">verbrennenden Abfallstoffe ergeben. So ist geplant, südlich vor dem</span><br/> <span class="ft1">Hauptgebäude (Gebäude Nr. 244, westlicher Trakt) eine neue Beton-</span><br/> <span class="ft1">platte zu errichten, auf welcher der neue Kessel und der neue Elek-</span><br/> <span class="ft1">trofilter sowie die Abfüllstation für die Asche aufgestellt werden sol-</span><br/> <span class="ft1">len. Östlich an das Gebäude, in welchem sich der Wäscher befindet</span><br/> <span class="ft1">(Gebäude Nr. 244, östlicher Trakt), sollen neu die Denoxanlage mit</span><br/> <span class="ft1">Wärmetauscher, der neue Saugzug, der Luftkondensator und die</span><br/> <span class="ft1">Ammoniakanlage anschliessen. Für letztere soll ein kleines Gebäude</span><br/> <span class="ft1">von rund 2,50 m Höhe erstellt werden. Die erwähnten Komponenten</span><br/> <span class="ft1">sollen ebenfalls auf eine neue Betonplatte gestellt werden. Der rissi-</span><br/> <span class="ft1">ge, undichte Vorplatz soll ebenfalls neu versiegelt werden. Die vier</span><br/> <span class="ft1">grösseren Tanks des Tanklagers 2 sollen demontiert und über die be-</span><br/> <span class="ft1">reits heute dicht ausgekleidete Betonwanne der Umfüllstation soll ein</span><br/> <span class="ft1">Stützgestell mit Profilblech und Gitterrost montiert werden, das als</span><br/> <span class="ft1">Abstellfläche für 1'000 l-Container vorgesehen ist. Vor der Umfüll-</span><br/> <span class="ft1">station soll eine armierte Betonplatte eingegossen werden, die auch</span><br/> <span class="ft1">einen Abschnitt des Industriegeleises einschliesst. In das bestehende</span><br/> <span class="ft1">Lagerhaus Süd (Gebäude Nr. 170) sollen Garderoben, ein Aufent-</span><br/> <span class="ft1">haltsraum, eine Werkstatt und ein Büro eingebaut werden. Vom Um-</span><br/> <span class="ft1">schlagplatz bei der Umfüllstation zu den vier Tanks und von den</span><br/> <span class="ft1">Tanks zum Verbrennungsgebäude (Gebäude Nr. 244, westlicher</span><br/> <span class="ft1">Trakt) ist die Verlegung unterirdischer Rohrleitungen, teilweise unter</span><br/> <span class="ft1">dem Industriegeleise hindurch, geplant. Neben diesen baulichen</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen sollen verschiedene Anlageteile revidiert oder neu in-</span><br/> <span class="ft1">stalliert werden; so ist vorgesehen, den Schlackeauffangtrichter</span><br/> <span class="ft1">durch einen Durchfallschacht und den bestehenden Kessel durch ei-</span><br/> <span class="ft1">nen Naturumlauf-Abhitzkessel zu ersetzen, eine Denoxanlage, einen</span><br/> <span class="ft1">neuen Saugzugventilator, einen Elektrofilter für die Rauchgasreini-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">215</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">gung und einen Luftkondensator mit Speisewasserbehälter zu instal-</span><br/> <span class="ft1">lieren, und für die Abwasservorbehandlung sieht das Projekt eine zu-</span><br/> <span class="ft1">sätzliche Fällungsstufe mit Calciumaluminat sowie einen Kiesfilter</span><br/> <span class="ft1">vor. Die baulichen Massnahmen werden gemäss dem Baugesuch</span><br/> <span class="ft1">vom 31. Mai 1995 mit Fr. 840'000.-- veranschlagt, die technischen</span><br/> <span class="ft1">Investitionen</span> <span class="ft1">(Rauchgasreinigung,</span> <span class="ft1">Kessel)</span> <span class="ft1">betragen</span> <span class="ft1">rund</span><br/> <span class="ft1">Fr. 3'000'000.--.</span><br/> <span class="ft1">2. Seinen Antrag auf Verweigerung der Baubewilligung be-</span><br/> <span class="ft1">gründet der Beschwerdeführer mit der Altlastensituation (...).</span><br/> <span class="ft1">a) Altlastensituation.</span><br/> <span class="ft1">aa) Der Regierungsrat hat die Bauherrschaft in Änderung bzw.</span><br/> <span class="ft1">Ergänzung des Baubewilligungsentscheids vom 10. August 1998</span><br/> <span class="ft1">verpflichtet, vor Baubeginn bzw. vor Ausführung von Aushubarbei-</span><br/> <span class="ft1">ten zur Ermittlung der auf dem SAVA-Areal effektiv vorhandenen</span><br/> <span class="ft1">Schadstoffbelastung ergänzende Untersuchungen gemäss dem von</span><br/> <span class="ft1">der Gruner AG ausgearbeiteten Bericht "Vorschlag Sondier- und</span><br/> <span class="ft1">Überwachungsprogramm" vom 1. September 1998 (im Folgenden:</span><br/> <span class="ft1">Bericht Gruner II) sowie der in Ziffer V/2 der hydrogeologischen Ex-</span><br/> <span class="ft1">pertise zur Altlastensituation des Geologischen Büros Dr. Lorenz</span><br/> <span class="ft1">Wyssling AG, Pfaffhausen ZH, vom 1. Dezember 1997 (im Folgen-</span><br/> <span class="ft1">den: Fachbericht Wyssling) aufgeführten Tastbohrung Nr. 505 durch-</span><br/> <span class="ft1">zuführen bzw. durchführen zu lassen und dem Gemeinderat Lupfig</span><br/> <span class="ft1">sowie der Abteilung Umweltschutz des Baudepartements gestützt</span><br/> <span class="ft1">darauf ein Sanierungskonzept mit einer Risikobeurteilung sowie der</span><br/> <span class="ft1">Formulierung von Sanierungszielen vorzulegen. Der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer macht nun geltend, es ziele daneben, im Rahmen des Baube-</span><br/> <span class="ft1">willigungsentscheids den grundsätzlichen Sanierungsbedarf festzu-</span><br/> <span class="ft1">legen und weitere Detailuntersuchungen für den Zeitpunkt nach</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft der Baubewilligung vorzubehalten, zumal der konkrete</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsbedarf zum Teil sogar erst während der Bauphase (Aus-</span><br/> <span class="ft1">hubarbeiten) abschliessend beurteilt werden könne. Die Anwendung</span><br/> <span class="ft1">von Art. 3 der Verordnung über die sanierung von belasteten Stand-</span><br/> <span class="ft1">orten (AltlV; SR 814.680) vom 26. August 1998 dürfe nicht auf</span><br/> <span class="ft1">"bauliche Massnahmen" beschränkt werden. Im Rahmen des Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suchs würden Bauten und Anlagen im Werte von Fr. 17 Millionen</span><br/> <span class="ft1">erstellt, d.h. eine Veränderung im Sinne der AltlV vorgenommen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">216</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ohne dass die Altlastensituation unter den betreffenden Gebäuden</span><br/> <span class="ft1">geklärt werde. An "Aushub" geschehe äusserst wenig, von "Bau-</span><br/> <span class="ft1">grube" könne nicht gesprochen werden. Durch das bewilligte Bau-</span><br/> <span class="ft1">und Investitionsvorhaben werde sehr wohl die spätere Sanierung</span><br/> <span class="ft1">wesentlich erschwert. Zudem reduziere der Regierungsrat die von</span><br/> <span class="ft1">der Geologischen Büro Dr. Lorenz Wyssling AG vorgeschlagenen</span><br/> <span class="ft1">Tastbohrungen auf die Bohrung Nr. 505. Durch unabhängige Fach-</span><br/> <span class="ft1">personen sei ein Gutachten zu erstellen, das zu den differenten</span><br/> <span class="ft1">Standpunkten der Geologischen Büro Dr. Lorenz Wyssling AG ei-</span><br/> <span class="ft1">nerseits, der Gruner AG und der Abteilung Umweltschutz des Bau-</span><br/> <span class="ft1">departements anderseits Stellung nehme. Die vertikale und horizon-</span><br/> <span class="ft1">tale Schadstoffverteilung im Untergrund des SAVA-Areals sei nur</span><br/> <span class="ft1">lückenhaft bekannt, ebenso, was genau, wo und wie zu sanieren sei.</span><br/> <span class="ft1">Der Fachbericht Wyssling werde vom Regierungsrat in seinen</span><br/> <span class="ft1">Hauptaussagen übergangen und der Gruner AG, welche seit vielen</span><br/> <span class="ft1">Jahren für die Beschwerdegegnerin tätig sei, und der Fachinstanz</span><br/> <span class="ft1">unbesehen geglaubt. Das SAVA-Areal als Ganzes sei ein belasteter</span><br/> <span class="ft1">Standort, der durch die Investition von Fr. 17 Millionen verändert,</span><br/> <span class="ft1">aber nicht saniert werde. Die besondere Art des Vorhabens, das weit-</span><br/> <span class="ft1">gehend ohne Erdbewegungen auskomme, mache es notwendig, den</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsbedarf, die Risikoanalyse und die Sanierungsart <i>vor</i></span><br/> <span class="ft1">Erteilung einer Baubewilligung festzulegen. Das zweistufige Verfah-</span><br/> <span class="ft1">ren bringe keinen Fortschritt bezüglich der Sanierung dieser Altlast.</span><br/> <span class="ft1">Hinzu komme, dass die vorgesehenen Versiegelungen betreffend</span><br/> <span class="ft1">Grundwassergefährdung nichts brächten, d.h. der Schutzbrunnenbe-</span><br/> <span class="ft1">trieb verewigt würde. In richtiger Anwendung von Art. 3 AltlV dürfe</span><br/> <span class="ft1">die Anlage nicht verändert werden, da die beabsichtigten Verände-</span><br/> <span class="ft1">rungen eine spätere Sanierung wesentlich erschwerten oder gar</span><br/> <span class="ft1">ausschlössen und im Zuge des Vorhabens keine Sanierung erfolge,</span><br/> <span class="ft1">der Sanierungsbedarf nicht genügend geklärt sei und im Zuge der</span><br/> <span class="ft1">Ausführung des "Bauprojekts" kaum zusätzlich geklärt werden</span><br/> <span class="ft1">könne.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Kantone sorgen dafür, dass Deponien und andere durch</span><br/> <span class="ft1">Abfälle belastete Standorte saniert werden, wenn sie zu schädlichen</span><br/> <span class="ft1">oder lästigen Einwirkungen führen oder die konkrete Gefahr besteht,</span><br/> <span class="ft1">dass solche Einwirkungen entstehen; der Bundesrat kann über die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">217</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sanierungsbedürftigkeit sowie über die Ziele und die Dringlichkeit</span><br/> <span class="ft1">von Sanierungen Vorschriften erlassen (Art. 32c Abs. 1 USG in der</span><br/> <span class="ft1">Fassung vom 21. Dezember 1995). Gestützt auf diese Delegations-</span><br/> <span class="ft1">bestimmung hat der Bundesrat die seit dem 1. Oktober 1998 in Kraft</span><br/> <span class="ft1">stehende Altlasten-Verordnung erlassen. Gemäss Art. 3 AltlV dürfen</span><br/> <span class="ft1">belastete Standorte durch die Erstellung oder Änderung von Bauten</span><br/> <span class="ft1">und Anlagen nur verändert werden, wenn sie nicht sanierungsbe-</span><br/> <span class="ft1">dürftig sind und durch das Vorhaben nicht sanierungsbedürftig wer-</span><br/> <span class="ft1">den (lit. a) oder ihre spätere Sanierung durch das Vorhaben nicht</span><br/> <span class="ft1">wesentlich erschwert wird oder sie, soweit sie durch das Vorhaben</span><br/> <span class="ft1">verändert werden, gleichzeitig saniert werden (lit. b). Für die Be-</span><br/> <span class="ft1">arbeitung belasteter Standorte legt Art. 1 Abs. 2 AltlV die folgenden</span><br/> <span class="ft1">Verfahrensschritte fest: Die Erfassung in einem Kataster (lit. a; Art. 5</span><br/> <span class="ft1">f. AltlV), die Beurteilung der Überwachungs- und Sanierungsbedürf-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit (lit. b; Art. 7 ff. AltlV), die Beurteilung der Ziele und der</span><br/> <span class="ft1">Dringlichkeit der Sanierung (lit. c; Art. 14 f. AltlV) sowie die Fest-</span><br/> <span class="ft1">legung der Untersuchungs-, Überwachungs- und Sanierungsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen (lit. d; Art. 16 ff.).</span><br/> <span class="ft1">cc) Die Sanierung einer Altlast hat im Wesentlichen nach dem</span><br/> <span class="ft1">Störerprinzip zu erfolgen (BGE 121 II 413), d.h. die zur Erhaltung</span><br/> <span class="ft1">oder Wiederherstellung eines ordnungsgemässen Zustands erforder-</span><br/> <span class="ft1">lichen Massnahmen sind von denjenigen Personen zu treffen oder -</span><br/> <span class="ft1">falls die Behörde tätig wird - zu erdulden, welche den polizeiwidri-</span><br/> <span class="ft1">gen Zustand als Verhaltens- oder Zustandsstörer unmittelbar zu ver-</span><br/> <span class="ft1">antworten haben (Pierre Tschannen, Kommentar zum Umwelt-</span><br/> <span class="ft1">schutzgesetz [im Folgenden: Kommentar USG], 2. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">2000, Art. 32c N 22 f.; BGE 121 II 413; 122 II 70 mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Die Untersuchungs-, Überwachungs- und Sanierungsmassnahmen</span><br/> <span class="ft1">sind daher primär vom Inhaber des belasteten Standorts durchzufüh-</span><br/> <span class="ft1">ren (Art. 20 Abs. 1 AltlV; siehe Tschannen, a.a.o., Art. 32c N 25),</span><br/> <span class="ft1">und dies ist hier unbestrittenermassen die R. AG als Grundeigentü-</span><br/> <span class="ft1">merin, Betriebsinhaberin und Verursacherin der umweltgefährdenden</span><br/> <span class="ft1">Boden- und Gewässerbelastungen. Die Beschwerdegegnerin ist</span><br/> <span class="ft1">demgegenüber nicht Störerin in diesem Sinne, da sie den polizei-</span><br/> <span class="ft1">widrigen Zustand nicht verursacht hat; sie kann ausschliesslich nach</span><br/> <span class="ft1">Massgabe von Art. 3 AltlV ins Recht gefasst, d.h. ihr gegenüber</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dürfen nur solche Sanierungsanordnungen getroffen werden, welche</span><br/> <span class="ft1">sich mit ihrem Bauvorhaben begründen lassen (BGE 121 II 415).</span><br/> <span class="ft1">dd) Die Sanierungsbedürftigkeit der auf dem R.-Areal (insge-</span><br/> <span class="ft1">samt etwas über sechs Hektaren) befindlichen Altlasten (schät-</span><br/> <span class="ft1">zungsweise 10 bis 12 t Schadstoffe) ist ausgewiesen, das Problem</span><br/> <span class="ft1">seit vielen Jahren bekannt. Seit anfangs der Siebzigerjahre sind auf</span><br/> <span class="ft1">dem Areal Grundwasserpumpen in Betrieb, die verhindern sollen,</span><br/> <span class="ft1">dass verunreinigtes Grundwasser aus dem Hausener Tal in den -</span><br/> <span class="ft1">durch eine natürliche Grundwasserbarriere abgetrennten - Grund-</span><br/> <span class="ft1">wasserstrom des Birrfelds abströmen bzw. überlaufen kann. Unter</span><br/> <span class="ft1">den Beteiligten besteht Einigkeit darüber, dass trotz des wirksamen</span><br/> <span class="ft1">Schutzbrunnenbetriebs das Schadstoffpotential auf dem R.-Areal</span><br/> <span class="ft1">langfristig entfernt oder zumindest nachhaltig reduziert werden</span><br/> <span class="ft1">muss; nachdem einzelne stark belastete Arealbereiche bereits saniert</span><br/> <span class="ft1">worden sind, soll dies in Bezug auf weitere Abschnitte, insbesondere</span><br/> <span class="ft1">im Bereich der ehemaligen Produktionsanlagen, noch geschehen.</span><br/> <span class="ft1">Vorgesehen ist, im Sinne von Art. 23 AltlV für alle Beteiligten und</span><br/> <span class="ft1">Betroffenen, nebst der R. AG insbesondere auch die Gemeinden</span><br/> <span class="ft1">Hausen und Lupfig, auf einvernehmliche Weise klare Rahmenbedin-</span><br/> <span class="ft1">gungen für die künftige Sanierung und Umnutzung des R.-Areals</span><br/> <span class="ft1">(Untersuchungs-, Überwachungs- und Sanierungsmassnahmen) zu</span><br/> <span class="ft1">schaffen.</span><br/> <span class="ft1">ee) (...)</span><br/> <span class="ft1">ff) Die kantonale Fachstelle vertritt die Auffassung, nach heuti-</span><br/> <span class="ft1">gem Kenntnisstand gebe es für das SAVA-Areal keinen Sanierungs-</span><br/> <span class="ft1">bedarf. Bei den bisher untersuchten Feststoffproben und Bodenluft-</span><br/> <span class="ft1">messungen seien im Untergrund keine sanierungsbedürftigen Schad-</span><br/> <span class="ft1">stoffquellen gefunden worden, von denen eine konkrete Gefahr von</span><br/> <span class="ft1">Einwirkungen auf das Grundwasser ausgehe. Auf dem SAVA-Areal</span><br/> <span class="ft1">seien schon früher im Bereich des ehemaligen Fasslagers, des Tank-</span><br/> <span class="ft1">lagers und der Klärteiche diverse Sanierungsmassnahmen durchge-</span><br/> <span class="ft1">führt und dabei verunreinigtes Material ausgehoben worden. Die</span><br/> <span class="ft1">ergänzenden Sondierungen vom Januar 2000 im Bereich des La-</span><br/> <span class="ft1">gerhauses Süd (ehemalige Klärbecken) hätten ebenfalls gezeigt, dass</span><br/> <span class="ft1">beim Bau dieses Lagerhauses alles verunreinigte Untergrundmaterial</span><br/> <span class="ft1">entfernt und entsorgt worden sei. Die Analyse der Feststoff- und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Grundwasserproben habe keinen Hinweis auf eine sanierungsbe-</span><br/> <span class="ft1">dürftige Schadstoffquelle im Bereich des Lagerhauses Süd ergeben.</span><br/> <span class="ft1">Allfällige unbekannte derartige Quellen innerhalb des SAVA-Areals</span><br/> <span class="ft1">gebe es nach menschlichem Ermessen nicht.</span><br/> <span class="ft1">Der Experte hat diese Beurteilung auf Grund der Vorgaben in</span><br/> <span class="ft1">Art. 9 Abs. 2 AltlV überprüft. Danach ist ein belasteter Standort hin-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich des Grundwasserschutzes sanierungsbedürftig, wenn:</span><br/> <span class="ft5">" a. bei Grundwasserfassungen, die im öffentlichen Interesse liegen,</span><br/> <span class="ft5">vom Standort stammende Stoffe festgestellt werden, die Gewäs-</span><br/> <span class="ft5">ser verunreinigen können;</span><br/> <span class="ft5">b. bei Grundwasser im Gewässerschutzbereich A</span><span class="ft6">u</span><span class="ft5">: im Abstrombe-</span><br/> <span class="ft5">reich unmittelbar beim Standort die Konzentration von Stoffen,</span><br/> <span class="ft5">die vom Standort stammen, die Hälfte eines Konzentrationswerts</span><br/> <span class="ft5">nach Anhang 1 überschreitet;</span><br/> <span class="ft5">c. bei Grundwasser ausserhalb des Gewässerschutzbereichs A</span><span class="ft6">u</span><span class="ft5">: im</span><br/> <span class="ft5">Abstrombereich unmittelbar beim Standort die Konzentration</span><br/> <span class="ft5">von Stoffen, die vom Standort stammen, das Zweifache eines</span><br/> <span class="ft5">Konzentrationswerts nach Anhang 1 überschreitet; oder</span><br/> <span class="ft5">d. er nach Absatz 1 Buchstabe a überwachungsbedürftig ist und we-</span><br/> <span class="ft5">gen eines ungenügenden Rückhalts oder Abbaus von Stoffen, die</span><br/> <span class="ft5">vom Standort stammen, eine konkrete Gefahr einer Verunreini-</span><br/> <span class="ft5">gung des Grundwassers besteht."</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Die kantonale Fachstelle und der Experte sind (...) überein-</span><br/> <span class="ft1">stimmend der Auffassung, dass sanierungsbedürftige Schadstoff-</span><br/> <span class="ft4"><i>quellen</i>, d.h. eigentliche "Verdachtsflächen", innerhalb des SAVA-</span><br/> <span class="ft1">Areals heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausge-</span><br/> <span class="ft1">schlossen werden können, und zwar ohne weitere Untersuchungen</span><br/> <span class="ft1">vor Baubeginn bzw. vor der Ausführung von Aushubarbeiten. Die</span><br/> <span class="ft1">vom Beschwerdeführer aufgeworfene spezielle Frage, wie es sich</span><br/> <span class="ft1">mit der im Fachbericht Wyssling festgestellten Bodenverschmutzung</span><br/> <span class="ft1">durch polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) im Bereich des</span><br/> <span class="ft1">Sondierschlitzes S 6 verhalte, hat der Experte dahingehend beant-</span><br/> <span class="ft1">wortet, dass bisher noch nie aus benachbarten Beprobungsstellen</span><br/> <span class="ft1">PAK-Stoffe im Grundwasser nachgewiesen worden seien, weshalb</span><br/> <span class="ft1">auch insoweit keine "Verdachtsfläche" vorliege. Demgegenüber</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">220</span></div> <div class="page" id="S9"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">weist der Experte auf eine Verschmutzung des Grundwassers durch</span><br/> <span class="ft1">Perchlorethylen im nordöstlichen Bereich des SAVA-Areals hin,</span><br/> <span class="ft1">wobei der erwähnte Schadstoff vermutungsweise infolge entspre-</span><br/> <span class="ft1">chender Abstromverhältnisse von der ehemaligen Fassreinigungs-</span><br/> <span class="ft1">anlage nördlich des SAVA-Areals weitertransportiert worden ist.</span><br/> <span class="ft1">Gegen diese Einschätzungen werden keinerlei Einwände erhoben,</span><br/> <span class="ft1">namentlich auch nicht seitens des Beschwerdeführers und der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdegegnerin. Auch das Verwaltungsgericht sieht hier keinen</span><br/> <span class="ft1">Anlass zu irgendwelchen Zweifeln. Damit steht fest, dass - entgegen</span><br/> <span class="ft1">der Auffassung der Beschwerdegegnerin - ein Anwendungsfall von</span><br/> <span class="ft1">Art. 3 <i>lit. b</i> AltlV vorliegt. Der erwähnte Perchlorethylen-Eintrag</span><br/> <span class="ft1">bildet nämlich fraglos Teil eines belasteten Standorts, so wie dieser</span><br/> <span class="ft1">Begriff in Art. 2 Abs. 1 AltlV umschrieben wird; mit dem dort ver-</span><br/> <span class="ft1">wendeten Kriterium der "beschränkten Ausdehnung" soll eine un-</span><br/> <span class="ft1">nötige Aufblähung des Katasters der belasteten Standorte in dem</span><br/> <span class="ft1">Sinne verhindert werden, dass darin beispielsweise auch vom</span><br/> <span class="ft1">Grundwasserstrom <i>über grössere Distanzen</i> verschleppte Belastun-</span><br/> <span class="ft1">gen erfasst werden müssen (siehe die Vollzugshilfe des BUWAL</span><br/> <span class="ft1">"Erstellung des Katasters der belasteten Standorte", Bern 2001, S. 9).</span><br/> <span class="ft1">Die allfällige spätere Beseitigung der Verschmutzung sodann ist</span><br/> <span class="ft1">klarerweise eine Sanierungsmassnahme. Analoges gilt in Bezug auf</span><br/> <span class="ft1">die organische Bodenbelastung durch Phtalate und Acrylate im</span><br/> <span class="ft1">Schwankungsbereich des Grundwasserspiegels, und zwar unabhän-</span><br/> <span class="ft1">gig davon, ob die Quelle der Verunreinigung im R.-Areal oder - wie</span><br/> <span class="ft1">von der Beschwerdegegnerin vermutet - anderswo liegt. Die Sanie-</span><br/> <span class="ft1">rungsbedürftigkeit im Sinne von Art. 2 Abs. 2 AltlV ist insoweit also</span><br/> <span class="ft1">ausgewiesen, so dass eine Anwendung von Art. 3 <i>lit. a</i> AltlV ausser</span><br/> <span class="ft1">Betracht fällt.</span><br/> <span class="ft1">gg) Die der Beschwerdegegnerin im Hinblick auf die vorhan-</span><br/> <span class="ft1">denen "Bauherren-Altlasten" gemachten Auflagen sollen bewirken,</span><br/> <span class="ft1">dass im Zuge der Realisierung des Bauvorhabens die von diesem</span><br/> <span class="ft1">betroffenen Arealbereiche nachhaltig saniert werden. Das Vorgehen</span><br/> <span class="ft1">richtet sich dabei nach dem "Hand-in-Hand-Prinzip", d.h. die Sanie-</span><br/> <span class="ft1">rungsmassnahmen sollen Hand in Hand mit den Bauarbeiten vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommen werden. Im Einzelnen ist das Vorgehen wie folgt geplant:</span><br/> <span class="ft1">Zunächst soll die im Untergrund des SAVA-Areals effektiv vorhan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">221</span></div> <div class="page" id="S10"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">dene Schadstoffbelastung durch entsprechende Beprobung und</span><br/> <span class="ft1">Analysierung der offenen Flächen der Baugrube ermittelt werden.</span><br/> <span class="ft1">Gestützt auf die so gewonnenen Erkenntnisse hat die Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">gegnerin dann dem Gemeinderat Lupfig und der Abteilung Umwelt-</span><br/> <span class="ft1">schutz des Baudepartements ein Sanierungskonzept mit Risikobe-</span><br/> <span class="ft1">urteilung und Formulierung von Sanierungszielen vorzulegen. Mit</span><br/> <span class="ft1">den Bau- bzw. Aushubarbeiten darf erst nach Festlegung allenfalls</span><br/> <span class="ft1">erforderlicher Sanierungsmassnahmen durch die Abteilung Umwelt-</span><br/> <span class="ft1">schutz begonnen werden; allfällige Sanierungsmassnahmen sind vor</span><br/> <span class="ft1">oder gleichzeitig mit den Bauarbeiten zu realisieren und spätestens</span><br/> <span class="ft1">im Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Verbrennungsanlage fertig-</span><br/> <span class="ft1">zustellen.</span><br/> <span class="ft1">Mit Art. 3 AltlV steht ein solches Vorgehen im Einklang. Fest-</span><br/> <span class="ft1">zuhalten ist zunächst, dass vorgängig der Bau- bzw. Aushubphase</span><br/> <span class="ft1">eine die Anforderungen von Art. 7 AltlV im Wesentlichen erfüllende</span><br/> <span class="ft1">Untersuchung durchgeführt worden ist mit dem Ziel, die zur</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung der Sanierungsbedürftigkeit nötigen Angaben zu erhalten</span><br/> <span class="ft1">und gestützt darauf eine Risikoabschätzung vornehmen zu können.</span><br/> <span class="ft1">In der Realisierungsphase sodann ist das folgende Vorgehen</span><br/> <span class="ft1">angeordnet:</span><br/> <span class="ft5">" 1. Falls beim Aushub Abfälle zum Vorschein kommen, müssen</span><br/> <span class="ft5">diese umweltgerecht entsorgt werden (z.B. in einem Zement-</span><br/> <span class="ft5">werk). Ein dazu notwendiges Detailkonzept mit Analytikpro-</span><br/> <span class="ft5">gramm ist vor Baubeginn auszuarbeiten und durch die Behörden</span><br/> <span class="ft5">genehmigen zu lassen.</span><br/> <span class="ft5">2. Da die Altlastensituation beim vorliegenden Bauvorhaben nicht</span><br/> <span class="ft5">abschliessend beurteilt werden kann, sind die Bauarbeiten durch</span><br/> <span class="ft5">eine unabhängige Altlastenfachperson zu begleiten. Während den</span><br/> <span class="ft5">Bauarbeiten ist der Aushub zu beproben und entsprechend seiner</span><br/> <span class="ft5">Schadstoffbelastung umweltgerecht zu entsorgen (vgl. Auflage</span><br/> <span class="ft5">1). Mit der Altlastenfachperson sind die Bauarbeiten mit dem</span><br/> <span class="ft5">Beprobungs- und Analysenprogramm vor Ort zu koordinieren.</span><br/> <span class="ft5">3. Nach Abschluss der Aushubarbeiten sind die offenen Flächen der</span><br/> <span class="ft5">Baugrube durch Sinnenprüfung zu untersuchen und analytisch</span><br/> <span class="ft5">auf allfällige Schadstoffe zu beproben. Sämtliche Ergebnisse sind</span><br/> <span class="ft5">vor der Abdichtung der Baugrube zu dokumentieren und durch</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">222</span></div> <div class="page" id="S11"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">die zuständigen Behörden zu genehmigen. Dies dient der Bau-</span><br/> <span class="ft5">herrschaft und den Behörden dazu, die Altlastensituation im be-</span><br/> <span class="ft5">troffenen Baugrund zu dokumentieren und allenfalls erforderli-</span><br/> <span class="ft5">che Zusatzmassnahmen zu veranlassen. Mit der Abdich-</span><br/> <span class="ft5">tung/Überbauung darf erst begonnen werden, wenn die entspre-</span><br/> <span class="ft5">chenden Baugruben freigegeben sind."</span><br/> <span class="ft1">Das Verwaltungsgericht ist mit dem Regierungsrat der Mei-</span><br/> <span class="ft1">nung, dass das angestrebte Ziel einer möglichst lückenlosen Infor-</span><br/> <span class="ft1">mationsbeschaffung auf diese Art und Weise erreicht werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Wie aus der Expertise ersichtlich ist, kann der Fachmann bereits</span><br/> <span class="ft1">heute ein fundiertes Urteil über die Sanierungsbedürftigkeit des Un-</span><br/> <span class="ft1">tergrunds innerhalb des SAVA-Areals abgeben. Die verbleibenden</span><br/> <span class="ft1">Unsicherheiten werden im dargelegten Sinne während der Ausfüh-</span><br/> <span class="ft1">rung des Bauvorhabens geklärt. Auch der Experte verweist auf die</span><br/> <span class="ft1">bisherigen Untersuchungen, die gezeigt hätten, dass das Bodenmate-</span><br/> <span class="ft1">rial vorwiegend Inertstoffqualität aufweise. Lokal könne erkennbar</span><br/> <span class="ft1">verunreinigtes Material mit erhöhter organischer Belastung zum</span><br/> <span class="ft1">Vorschein kommen. Die Lage dieser Verunreinigungen sei unbe-</span><br/> <span class="ft1">kannt, ihre typische Ausdehnung aber wahrscheinlich gering. Die</span><br/> <span class="ft1">Resultate weiterer vorgängiger Untersuchungen wären deshalb</span><br/> <span class="ft1">zufällig und brächten kaum neue Erkenntnisse. Das adäquate Vorge-</span><br/> <span class="ft1">hen bestehe deshalb darin, dass eine Fachperson allfällige Aushubar-</span><br/> <span class="ft1">beiten begleite und vor Ort eine Materialtriage durchführe. Die</span><br/> <span class="ft1">einzelnen Fraktionen würden dann repräsentativ beprobt, analysiert</span><br/> <span class="ft1">und anschliessend nach Massgabe der TVA entsorgt. Ferner werde</span><br/> <span class="ft1">das Material am Boden der Aushubgrube untersucht und allenfalls</span><br/> <span class="ft1">über einen Mehraushub entschieden. In Ziffer 2.7.2 der Umweltver-</span><br/> <span class="ft1">träglichkeits-Beurteilung ist all dies bereits vorgeschrieben. Auch</span><br/> <span class="ft1">insoweit bestehen keine Meinungsverschiedenheiten mehr unter den</span><br/> <span class="ft1">Beteiligten. Das gewählte und zum Gegenstand verbindlicher Neben-</span><br/> <span class="ft1">bestimmungen gemachte Vorgehen erweist sich im Übrigen auch un-</span><br/> <span class="ft1">ter dem Gesichtspunkt des Verhältnismässigkeitsprinzips als ange-</span><br/> <span class="ft1">messen (vgl. BGE 121 II 414).</span><br/> <span class="ft1">hh) Zu prüfen ist im Weitern, ob die spätere Sanierung auch</span><br/> <span class="ft1">dort nicht wesentlich erschwert wird, wo Änderungen vorgesehen</span><br/> <span class="ft1">sind, ohne dass ein Aushub erfolgt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">223</span></div> <div class="page" id="S12"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">aaa) In der Interpretation durch den Regierungsrat bezieht sich</span><br/> <span class="ft1">Art. 3 AltlV ausschliesslich auf "bauliche Massnahmen", nicht auch</span><br/> <span class="ft1">auf "reine Investitionen für technische Aufrüstungen". Der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer widersetzt sich dieser Betrachtungsweise mit dem</span><br/> <span class="ft1">Argument, damit, dass die Beschwerdegegnerin technische Ein-</span><br/> <span class="ft1">richtungen im Wert von rund 17 Millionen Franken - effektiv sind es</span><br/> <span class="ft1">rund 15,6 Millionen Franken, wovon rund 7 Millionen Franken auf</span><br/> <span class="ft1">die Abgasreinigung entfallen - über schwer belastetem Grund inves-</span><br/> <span class="ft1">tiere, würden nachfolgende Sanierungsbemühungen ebenfalls er-</span><br/> <span class="ft1">heblich präjudiziert.</span><br/> <span class="ft1">Art. 3 AltlV regelt die Erstellung und Änderung <i>von Bauten und</i></span><br/> <span class="ft4"><i>Anlagen</i> im Bereich belasteter Standorte. Im Sinne von Art. 22</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 RPG sind Bauten und Anlagen jene künstlich geschaffenen</span><br/> <span class="ft1">und auf Dauer angelegten Einrichtungen, die in fester Beziehung</span><br/> <span class="ft1">zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Vorstellung über die</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsordnung zu beeinflussen, sei es, dass sie den Raum äusser-</span><br/> <span class="ft1">lich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt</span><br/> <span class="ft1">beeinträchtigen (BGE 123 II 259 mit Hinweisen). Es kann dahinge-</span><br/> <span class="ft1">stellt bleiben, ob die "technischen Einrichtungen" wie namentlich der</span><br/> <span class="ft1">modernisierte Sonderabfallofen oder die Denoxanlage nicht bereits</span><br/> <span class="ft1">unter diese raumplanungsrechtliche Begriffsbildung fallen. Keinem</span><br/> <span class="ft1">Zweifel unterliegt nämlich, dass die Legaldefinition von Art. 7 Abs.</span><br/> <span class="ft1">7 USG auf sie zutrifft. Anlagen sind danach Bauten, Verkehrswege</span><br/> <span class="ft1">und andere ortsfeste Einrichtungen sowie Terrainveränderungen; den</span><br/> <span class="ft1">Anlagen sind u.a. <i>Geräte</i> und <i>Maschinen</i> gleichgestellt. Die</span><br/> <span class="ft1">Anwendung der AltlV, welche sich wie erwähnt auf Art. 32c Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">USG abstützt, hat selbstverständlich ebenfalls vor diesem Hinter-</span><br/> <span class="ft1">grund zu erfolgen. Dies bedeutet also, dass nicht nur die Bauten und</span><br/> <span class="ft1">Anlagen im engern Sinne, sondern auch alle technischen Einrich-</span><br/> <span class="ft1">tungen, welche in den verschiedenen Gebäuden installiert werden</span><br/> <span class="ft1">sollen, in die Betrachtung und Beurteilung einzubeziehen sind (siehe</span><br/> <span class="ft1">Heribert Rausch, Kommentar USG, Art. 7 N 17; André Schrade,</span><br/> <span class="ft1">Kommentar USG, 16 N 15).</span><br/> <span class="ft1">bbb) aaaa) Der Beschwerdeführer befürchtet, eine spätere Sa-</span><br/> <span class="ft1">nierung der Altlasten auf dem R.-Areal werde daran scheitern, dass</span><br/> <span class="ft1">wegen der hohen Investitionen in technische Einrichtungen die be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">224</span></div> <div class="page" id="S13"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">treffenden Gebäude aus Gründen der Verhältnismässigkeit nicht</span><br/> <span class="ft1">mehr ganz oder teilweise abgebrochen werden können. Der Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat entgegnet, eine Entfernung der Gebäude, unter denen sich</span><br/> <span class="ft1">Altlasten befinden, sei beim heutigen Stand der Technik nicht zwin-</span><br/> <span class="ft1">gend erforderlich; in der Praxis bestünden technische Möglichkeiten,</span><br/> <span class="ft1">welche eine Sanierung des Untergrundes unter einem Gebäude auch</span><br/> <span class="ft1">ohne dessen Abbruch ermöglichten. Auch die Beschwerdegegnerin</span><br/> <span class="ft1">weist darauf hin, dass es heute eine Reihe von Verfahren gebe, die</span><br/> <span class="ft1">eine Verunreinigung durch mobile Stoffe "in situ", d.h. an Ort und</span><br/> <span class="ft1">Stelle ohne Aushub bzw. Materialbewegungen erlaubten; der über-</span><br/> <span class="ft1">wiegende Teil der bisher festgestellten Verunreinigungen auf dem R.-</span><br/> <span class="ft1">Areal sei mobil bzw. könne mobilisiert werden.</span><br/> <span class="ft1">bbbb) Das Ziel der Sanierung muss gemäss Art. 16 AltlV durch</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen erreicht werden, mit denen</span><br/> <span class="ft5">" a. umweltgefährdende Stoffe beseitigt werden (Dekontamination);</span><br/> <span class="ft5">b. die Ausbreitung der umweltgefährdenden Stoffe langfristig ver-</span><br/> <span class="ft5">hindert und überwacht wird (Sicherung); oder</span><br/> <span class="ft5">c. bei Bodenbelastungen die Nutzung eingeschränkt wird (Art. 34</span><br/> <span class="ft5">Abs. 2 USG)."</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Falle stehen nur schadstoffseitige Massnahmen</span><br/> <span class="ft1">zur Diskussion, so dass die (passive) Sanierungsmöglichkeit gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 16 lit. c AltlV ausser Betracht fällt. Zu prüfen ist im Folgenden,</span><br/> <span class="ft1">was für Massnahmen, die "dem Stand der Technik entsprechen"</span><br/> <span class="ft1">(Art. 4 AltlV), zur Verfügung stehen und wie man sich ihre Durch-</span><br/> <span class="ft1">führung konkret vorzustellen hat:</span><br/> <span class="ft1">- Die <i>Dekontamination des belasteten Standorts</i> umfasst</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen, mit denen die umweltgefährdenden Stoffe</span><br/> <span class="ft1">vom Standort beseitigt werden, wie etwa durch Behandlung</span><br/> <span class="ft1">von belastetem Aushub in einer Bodenwäsche oder thermi-</span><br/> <span class="ft1">schen Anlage oder durch Abbau von umweltgefährdenden</span><br/> <span class="ft1">Stoffen mittels mikrobiologischer Methoden (Tschannen,</span><br/> <span class="ft1">a.a.O., Art. 32c N 19). Man unterscheidet dabei "harte" und</span><br/> <span class="ft1">"sanfte" Sanierungsmassnahmen. Zur erstgenannten Kate-</span><br/> <span class="ft1">gorie zählen Verfahren, mit denen die kontaminierten Bo-</span><br/> <span class="ft1">denbestandteile aus dem Boden entfernt oder sonstwie un-</span><br/> <span class="ft1">schädlich gemacht werden. Damit lässt sich die Gefährlich-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">225</span></div> <div class="page" id="S14"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">keit hoch belasteter Böden rasch und zuverlässig beseitigen.</span><br/> <span class="ft1">Nachteile sind im Wesentlichen die relativ hohen Kosten und</span><br/> <span class="ft1">die Entsorgungsproblematik. "Harte" Massnahmen wie</span><br/> <span class="ft1">Bodentausch oder Bodenwäsche kommen daher eher bei</span><br/> <span class="ft1">kleinflächigen Sanierungen zum Zuge, wie namentlich im</span><br/> <span class="ft1">Bereich der Altlasten. Unter den "sanften" Sanierungsmass-</span><br/> <span class="ft1">nahmen sind Methoden zu verstehen, welche an Ort und</span><br/> <span class="ft1">Stelle wirken und die noch vorhandenen ökologischen Qua-</span><br/> <span class="ft1">litäten des belasteten Bodens soweit möglich bewahren; in</span><br/> <span class="ft1">Betracht kommen die Verringerung der für Pflanzen verfüg-</span><br/> <span class="ft1">baren löslichen Schwermetallkonzentration oder die Entgif-</span><br/> <span class="ft1">tung des Bodens durch Anbau schadstoffanreichernder</span><br/> <span class="ft1">Pflanzen. Derartige Massnahmen stehen bei der grossflä-</span><br/> <span class="ft1">chigen Sanierung belasteter Landwirtschaftsböden im Vor-</span><br/> <span class="ft1">dergrund (Tschannen, a.a.O., Art. 34 N 41 f.). In der Voll-</span><br/> <span class="ft1">zugshilfe des BUWAL "Erstellung von Sanierungsprojekten</span><br/> <span class="ft1">für Altlasten" (Bern 2001) werden folgende Dekontaminati-</span><br/> <span class="ft1">onsverfahren aufgeführt (S. 25 f. mit Tab. 2): "Off-site"</span><br/> <span class="ft1">(Auskofferung/Entfernung des Emissionsherdes, externe</span><br/> <span class="ft1">Behandlung und Entsorgung der Rückstände [z.B. Boden-</span><br/> <span class="ft1">wäsche, biologische oder thermische Behandlung, Deponie-</span><br/> <span class="ft1">rung]), "On-site" (Auskofferung des belasteten Materials und</span><br/> <span class="ft1">Behandlung vor Ort [z.B. mit mobilen Anlagen], gegebenen-</span><br/> <span class="ft1">falls Wiederverwendung des behandelten Materials am</span><br/> <span class="ft1">Standort), "In-situ" (Behandlung des Emissionsherdes ohne</span><br/> <span class="ft1">Entfernung oder Aushub des kontaminierten Materials [z.B.</span><br/> <span class="ft1">biologische Verfahren, Bodenluftabsaugung, Abpumpen und</span><br/> <span class="ft1">Behandeln der Schadstoffe, reaktive Wände]).</span><br/> <span class="ft1">- Die <i>Sicherung des belasteten Standorts</i> umfasst Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men, mit denen die Ausbreitung oder Freisetzung der um-</span><br/> <span class="ft1">weltgefährdenden Stoffe langfristig verhindert wird, wie</span><br/> <span class="ft1">etwa durch Versiegelung des Standorts, Einbau unterirdi-</span><br/> <span class="ft1">scher</span> <span class="ft1">Barrieren</span> <span class="ft1">oder</span> <span class="ft1">Umleitung von</span> <span class="ft1">Fliessgewässern</span><br/> <span class="ft1">(Tschannen, a.a.O., Art. 32c N 19). Die erwähnte BUWAL-</span><br/> <span class="ft1">Vollzugshilfe (a.a.O.) erwähnt an Sicherungsmassnahmen</span><br/> <span class="ft1">die vollständige Einkapselung, die Oberflächenabdichtung,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">226</span></div> <div class="page" id="S15"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">die Drainage, die Dichtwand im Grundwasserzu- und -ab-</span><br/> <span class="ft1">strom, die Umleitung des Grundwassers und die Immobili-</span><br/> <span class="ft1">sierung der Abfälle. Solche Massnahmen kommen nur in</span><br/> <span class="ft1">Betracht, wenn der betreffende Standort auf Grund des fort-</span><br/> <span class="ft1">schreitenden Abbaus der Schadstoffe nach spätestens zwei</span><br/> <span class="ft1">Generationen, d.h. nach 40 bis 50 Jahren, ohne weitere</span><br/> <span class="ft1">Überwachungsmassnahmen sich selbst überlassen werden</span><br/> <span class="ft1">kann (z.B. bei Ablagerungen mit abbaubaren Stoffen, gewis-</span><br/> <span class="ft1">sen Kehrichtdeponien usw.). Sicherungsmassnahmen sind</span><br/> <span class="ft1">regelmässig kostengünstiger als die Dekontamination des</span><br/> <span class="ft1">Standorts, auch wenn die Überwachungskosten mit einge-</span><br/> <span class="ft1">rechnet werden (Tschannen, a.a.O., Art. 32c N 19).</span><br/> <span class="ft1">cccc) Ziel der Altlastensanierung ist die Beseitigung der Ein-</span><br/> <span class="ft1">wirkungen oder der konkreten Gefahr solcher Einwirkungen, die zur</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsbedürftigkeit geführt haben (Art. 15 Abs. 1 AltlV). Die</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsziele bzw. die maximal zulässigen Einwirkungen sind auf</span><br/> <span class="ft1">das Schutzgut (Wasser, Boden, Luft) bezogen und schreiben damit</span><br/> <span class="ft1">nicht vor, welche Restkonzentrationen von Schadstoffen an einem</span><br/> <span class="ft1">Standort verbleiben dürfen. Nicht die Kontamination im Untergrund</span><br/> <span class="ft1">selbst, sondern deren Auswirkungen auf die Schutzgüter sind mass-</span><br/> <span class="ft1">gebend. Es gilt das <i>Prinzip des nachhaltigen Quellenstopps</i> (er-</span><br/> <span class="ft1">wähnte BUWAL-Vollzugshilfe, S. 11, 18, 26; siehe auch die Erläute-</span><br/> <span class="ft1">rungen des Eidg. Departements des Innern [EDI] zur AltlV vom Mai</span><br/> <span class="ft1">1997, S. 23)<i>.</i> Demzufolge berücksichtigt die Behörde gemäss Art. 18</span><br/> <span class="ft1">AltlV bei der Beurteilung des vom Pflichtigen auszuarbeitenden</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsprojekts insbesondere:</span><br/> <span class="ft1">" a. die Auswirkungen der Massnahmen auf die Umwelt;</span><br/> <span class="ft1">b. deren langfristige Wirksamkeit;</span><br/> <span class="ft1">c. die Gefährdung der Umwelt durch den belasteten Standort</span><br/> <span class="ft1">vor und nach der Sanierung;</span><br/> <span class="ft1">d. bei nicht vollständiger Dekontamination die Kontrollier-</span><br/> <span class="ft1">barkeit der Massnahmen, die Möglichkeit zur Mängelbehe-</span><br/> <span class="ft1">bung sowie die Sicherstellung der für die vorgesehenen</span><br/> <span class="ft1">Massnahmen erforderlichen Mittel;</span><br/> <span class="ft1">e. ob die Voraussetzungen zum Abweichen vom Sanierungs-</span><br/> <span class="ft1">ziel nach Artikel 15 Absätze 2 und 3 erfüllt sind."</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">227</span></div> <div class="page" id="S16"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Die Auswahl aus einer Vielzahl denkbarer Sanierungsvarianten</span><br/> <span class="ft1">ist eine Optimierungsaufgabe. Es geht darum, die auf den Einzelfall</span><br/> <span class="ft1">bezogene optimale Sanierungsvariante oder optimale Kombination</span><br/> <span class="ft1">von Sanierungsmassnahmen, welche ökologisch sinnvoll, technisch</span><br/> <span class="ft1">realisierbar und finanziell verhältnismässig sind, zu ermitteln (er-</span><br/> <span class="ft1">wähnte BUWAL-Vollzugshilfe, S. 13 f. mit Abb. 3, 20 f., 22 f. mit</span><br/> <span class="ft1">Abb. 5 und Tab. 1). So kann es etwa sinnvoll sein, in Bezug auf das</span><br/> <span class="ft1">Sanierungsziel Erleichterungen zu gewähren, wenn dieses nur mit</span><br/> <span class="ft1">grossem ökologischem Aufwand (z.B. Aushub und Abtransport auf</span><br/> <span class="ft1">eine weit entfernte Deponie) und unverhältnismässigen Kosten</span><br/> <span class="ft1">erreicht werden kann, während eine sanftere Methode (z.B. "in-situ"</span><br/> <span class="ft1">mikrobiologische Sanierung) das Ziel zwar nicht ganz erreichen</span><br/> <span class="ft1">kann, aber trotzdem zu einer wesentlichen Verbesserung der Situa-</span><br/> <span class="ft1">tion führt (erwähnte Erläuterungen des EDI, S. 23, 24).</span><br/> <span class="ft1">dddd) Vor diesem Hintergrund ist nun zu prüfen, ob eine we-</span><br/> <span class="ft1">sentliche Erschwerung einer späteren Sanierung durch das Bauvor-</span><br/> <span class="ft1">haben auch für jene Teile des SAVA-Areals zu verneinen ist, auf</span><br/> <span class="ft1">welchen weder Aushubarbeiten noch eigentliche bauliche Massnah-</span><br/> <span class="ft1">men im bau- und raumplanungsrechtlichen Sinne vorgesehen sind.</span><br/> <span class="ft1">Der Experte verneint diese Frage. Zur festgestellten Perchlorethylen-</span><br/> <span class="ft1">Verschmutzung des Grundwassers (vorne Erw. ff) merkt er an,</span><br/> <span class="ft1">Perchlorethylen in Phase sei schwerer als Wasser und sinke deshalb</span><br/> <span class="ft1">auf den Stauer (= Grund) des Grundwasserstroms ab. Dort ströme es</span><br/> <span class="ft1">mit dem Grundwasser weiter oder sammle sich in Mulden des Stau-</span><br/> <span class="ft1">ers an. Die Sanierung erfolge in der Regel so, dass in den Verschmut-</span><br/> <span class="ft1">zungszonen Bohrungen bis auf den Grundwasserstauer abgeteuft</span><br/> <span class="ft1">würden. Das perchlorethylenhaltige Grundwasser werde dann mit</span><br/> <span class="ft1">Pumpen, welche im Stauerbereich betrieben würden, heraufgepumpt</span><br/> <span class="ft1">und über Aktivkohlefilter gereinigt. Diese Sanierung könne auf ver-</span><br/> <span class="ft1">siegelten Plätzen und innerhalb von Industriegebäuden ohne grossen</span><br/> <span class="ft1">Mehraufwand durchgeführt werden. Sie werde durch das Projekt der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdegegnerin kaum beeinträchtigt. Eine allfällige organische</span><br/> <span class="ft1">Bodenbelastung durch Phtalate und Acrylate im Grundwasserbereich</span><br/> <span class="ft1">(vorne Erw. ff) werde vorzugsweise auf chemisch-biologischem Weg</span><br/> <span class="ft1">erfolgen. Konkret würden in den Verschmutzungszonen rasterhaft</span><br/> <span class="ft1">Bohrungen bis in die verschmutzten Zonen abgeteuft. Durch Injek-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">228</span></div> <div class="page" id="S17"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tion geeigneter Stoffe in den Verschmutzungsbereich werde das für</span><br/> <span class="ft1">einen mikrobiologischen Abbau der fraglichen Verunreinigungen</span><br/> <span class="ft1">optimale Milieu geschaffen. Auch diese Sanierung würde durch das</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben nicht wesentlich beeinträchtigt.</span><br/> <span class="ft1">Auch insoweit werden in den Stellungnahmen der Beteiligten</span><br/> <span class="ft1">keine Gegenpositionen bezogen. Im Besondern schliesst sich der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat Lupfig der Beurteilung der von ihm in der Stellung-</span><br/> <span class="ft1">nahme vom 25. Juni 2001 zusätzlich aufgeworfenen Frage, ob auf</span><br/> <span class="ft1">Grund des heutigen Erkenntnisstandes Verunreinigungen des Unter-</span><br/> <span class="ft1">grundes denkbar sind, die nur durch eine Entfernung des kontami-</span><br/> <span class="ft1">nierten Materials (Aushub) derart beseitigt werden können, dass eine</span><br/> <span class="ft1">Gefährdung des Grundwassers mit Sicherheit ausgeschlossen ist und</span><br/> <span class="ft1">sich Sicherungsmassnahmen erübrigen, durch den Experten an. Nach</span><br/> <span class="ft1">dessen Auffassung sind derartige Szenarien derart unwahrscheinlich,</span><br/> <span class="ft1">dass sie vernachlässigt werden können. Dem Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">leuchten die Darlegungen des Experten ebenfalls ein. Es ist somit</span><br/> <span class="ft1">davon auszugehen, dass eine Sanierung belasteter Standorte</span><br/> <span class="ft1">innerhalb des SAVA-Areals, sollte sie jemals nötig werden, durch das</span><br/> <span class="ft1">Bauvorhaben nicht wesentlich erschwert wird (Art. 3 lit. b AltlV).</span><br/> <span class="ft1">ii) (...)</span><br/> <span class="ft1">kk) Zusammenfassend ist unter dem Titel der Altlastenproble-</span><br/> <span class="ft1">matik festzuhalten, dass das der Beschwerdegegnerin vorgeschrie-</span><br/> <span class="ft1">bene Verfahren den Vorgaben der AltlV genügt, so dass die bean-</span><br/> <span class="ft1">tragte Verweigerung der Baubewilligung insoweit unbegründet ist. In</span><br/> <span class="ft1">diesem Zusammenhang ist auch zu bedenken, dass der Prüfung des</span><br/> <span class="ft1">Umweltverträglichkeitsberichts durch die kantonale Fachstelle der</span><br/> <span class="ft1">Stellenwert einer amtlichen Expertise beizumessen ist; von dieser</span><br/> <span class="ft1">Beurteilung darf nur aus triftigen Gründen abgewichen werden (siehe</span><br/> <span class="ft1">BGE 119 Ib 274 f. mit weiteren Hinweisen; AGVE 1995, S. 376;</span><br/> <span class="ft1">VGE III/116 vom 2. Dezember 1996 [BE.1995.00045] in Sachen S.</span><br/> <span class="ft1">u. M., S. 29 f.), und solche sind hier nicht ersichtlich. Wesentlich ist</span><br/> <span class="ft1">sodann, dass allfällige Sanierungsmassnahmen realisiert sein müssen,</span><br/> <span class="ft1">bevor die neue Verbrennungsanlage in Betrieb genommen wird</span><br/> <span class="ft1">(vorne Erw. gg); die Beschwerdegegnerin hat also alles Interesse</span><br/> <span class="ft1">daran, sich bei der Durchführung dieser Massnahmen kooperativ zu</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2002</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">229</span></div> <div class="page" id="S18"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zeigen. Schliesslich ist die ordnungsgemässe Altlastensanierung</span><br/> <span class="ft1">durch einen Widerrufsvorbehalt abgesichert.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>