B. Gerichtsentscheide 3523 100 möglicherweise im Zuständigkeitsbereich ihrer Subun ternehmer ge - macht worden sind. Abschliessend kann festgestellt werden, dass der An geklagten kein Organisationsverschulden gemäss Art. 102 nStGB vorgeworfen werden kann. Entsprechend ist sie auch in materiell er Hinsicht von der Anklage freizusprechen. KGP, 20.03.2008 2.3 Zivilprozess 3523 Mietvertrag. Sachliche Zuständigkeit. Zur Beurteilung der Anfe chtung eines vor der Schlichtungsstelle für Miet - und Pachtverhältnisse geschlossenen Vergleichs wegen Willensmängeln ist d er Einzelrichter des Kantonsgerichts als ordentlicher Richter zustän dig (Art. 8 Ziff. 1ter ZPO). Sachverhalt: Mit schriftlichem Vertrag (vom Beklagten unterzeich net am 1. Okto- ber 2007) vermietete der Beklagte dem Kläger in B. ein möbliertes Zimmer. Als Mietbeginn legten die Parteien den 1. O ktober 2007 fest. Der Mietzins betrug Fr. 1'100. -- pro Monat. Am 31. März 2008 sprach der Beklagte unter Verwendung des amtlichen Formula rs die Kündigung des Mietverhältnisses per Ende April 2008 aus. Mit Eingabe vom 19. April 2008 (Postaufgabe) wandte sic h der Kläger an die Schlichtungsstelle für Miet - und Pachtverhältnisse des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Am 30. April 2008 fand die Schlichtungs- verhandlung in Trogen statt. Dabei schlossen die Pa rteien den folgenden Vergleich: "Das Mietverhältnis wird einma lig bis 5.5.2008 erstreckt, sofern der Kläger Vorauskasse leistet un d den Zahlungs - rückstand von Fr. 140.00 bezahlt." Gestützt auf die sen Vergleich schrieb die Schlichtungsstelle das Verfahren am 30. April 2008 zufolge Vergleichs als erledigt ab. 100B. Gerichtsentscheide 3523 101 Aus den Erwägungen: Einer näheren Prüfung zu unterziehen ist die sachli che Zuständigkeit. Gestützt auf Art. 8 Ziff. 1ter der ZPO ist der Einzelrichter des Kantonsgerichts – ohne Streitwertbegrenzung – zuständig für Streitigkeiten aus der Miete von Wohn - und Geschäfts - räumen. Der Einzelrichter des Kantonsgerichts ist a ber nicht etwa Rechtsmittelinstanz gegenüber Entscheiden der Schli chtungsstelle: Diese Zuständigkeit liegt ordentlicherweise beim Ei nzelrichter des Obergerichts (Art. 14 Ziff. 1bis ZPO) oder ausserordentlicherweise bei der Justizaufsichtskommission (Art. 280 ZPO). Im vorliegenden Fall hat die Schlichtungsstelle gestützt auf einen Vergl eich einen Abschreibungsbeschluss erlassen. Der Kläger ficht d en Vergleich wegen Willensmängeln an. Zu fragen ist, ob diese An fechtung im Rahmen eines Rechtsmittels erfolgen müsste (und kön nte) oder ob die Streitsache dem ordentlichen Richter, eben dem Einzelrichter des Kantonsgerichts, zu unterbreiten ist. Higi (Zürcher Kommentar, N 52 zu Art. 274e; vgl. auch Lachat/Stoll/Brunner, Das Mietrecht für die Praxis, 4. A., Zürich 1999, S. 76 ff.) ist der Auff assung, eine Einigung vor der Schlichtungsstelle führe zum Ausschluss des Klageweges. Demgegenüber ist das Kantonsgericht St. Gallen der Meinung, es sei der ordentliche Richter anzurufen, wenn im Rahmen d er Prüfung der Gültigkeit eines Vergleichs über die Anwendbarkeit von privat - rechtlichen Vorschriften zu entscheiden sei (GVP SG 1999 Nr. 47, S. 128. Im gleichen Sinne auch das Kantonsgericht G raubünden: PKG 2001 Nr. 7, S. 55 ff.). Die vom Kantonsgericht St. Gallen gelieferte Begründung, auf die an dieser Stelle ver wiesen wird, überzeugt. Im vorliegenden Fall steht deshalb der W eg an den ordentlichen Richter offen. Mithin ist die sachlich e Zuständigkeit des Einzelrichters des Kantonsgerichts zu bejahen. KGP, 23.06.2008 101