<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2003 123 S.512</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">512</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>123 Umweltverträglichkeit einer Mobilfunkantennenanlage.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die NISV regelt die vorsorgliche Emissionsbegrenzung abschlies-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>send; bei Einhaltung der Grenzwerte der NISV darf der Gemeinde-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rat die Baubewilligung nicht gestützt auf Art. 12 Abs. 2 USG verwei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gern (Erw. 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Entscheid des Regierungsrates vom 18. Februar 2003 in Sachen Swisscom</span><br/> <span class="ft5">Mobile AG, Olten, gegen Gemeinderat S.</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Die Beschwerdegegner und -gegnerinnen anerkennen, dass</span><br/> <span class="ft1">die von der Beschwerdeführerin geplante Umrüstung der bestehen-</span><br/> <span class="ft1">den Mobilfunkantenne den geltenden Rechtsnormen entspreche. Je-</span><br/> <span class="ft1">doch sei ungeachtet der rechtlichen Rahmenbedingungen beim Bau</span><br/> <span class="ft1">von Mobilfunkanlagen den Bedenken der betroffenen Bevölkerung</span><br/> <span class="ft1">vor gesundheitsschädigenden Strahlungen Rechnung zu tragen. Der</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat S. begründet seinen ablehnenden Entscheid im Wesent-</span><br/> <span class="ft1">lichen damit, dass trotz Einhaltung der Voraussetzungen der Verord-</span><br/> <span class="ft1">nung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) vom</span><br/> <span class="ft1">23. Dezember 1999 eine Gesundheitsgefährdung infolge des Betriebs</span><br/> <span class="ft1">einer Mobilfunksendeanlage nicht ausgeschlossen werden könne. Es</span><br/> <span class="ft1">sei jedenfalls wissenschaftlich nicht bewiesen, dass gesundheitliche</span><br/> <span class="ft1">Langzeitschäden für Mensch und Umwelt ausgeschlossen werden</span><br/> <span class="ft1">können. Daher sei die geplante Anlage der Beschwerdeführerin</span><br/> <span class="ft1">gestützt auf §</span> <span class="ft1">51 Abs. 1 und 2 BNO (Verbot übermässiger</span><br/> <span class="ft1">Einwirkungen) nicht zu bewilligen.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Die fragliche Parzelle X liegt gemäss kommunalem Zo-</span><br/> <span class="ft1">nenplan in der Kernzone und das fragliche Gebäude grenzt südseitig</span><br/> <span class="ft1">direkt an den eingedolten Dorfbach. Die äquivalent abgestrahlte</span><br/> <span class="ft1">Sendeleistung der umgerüsteten Sendeanlage beträgt bei drei Sen-</span><br/> <span class="ft1">dern 900, bei weiteren drei 1200 und bei den verbleibenden drei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">513</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sendern 800 Watt. Die Sender werden im 935-MHz-, im 1835-MHz-</span><br/> <span class="ft1">und im 2110/2170 MHz-Frequenzband betrieben. Sie werden zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen rund 32 m und 34 m über dem Terrain montiert. Der nächst-</span><br/> <span class="ft1">gelegene Ort mit empfindlicher Nutzung befindet sich im horizonta-</span><br/> <span class="ft1">len Abstand von ungefähr 37 m von den Sendeanlagen entfernt.</span><br/> <span class="ft1">bb) (...)</span><br/> <span class="ft1">Nach dem Gesagten erfüllt die geplante Sendeanlage der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin die Bewilligungsvoraussetzungen gemäss NISV.</span><br/> <span class="ft1">Die vorgeschriebenen Grenzwerte werden an den kritischen Orten,</span><br/> <span class="ft1">insbesondere bei den benachbarten Gebäuden, eingehalten.</span><br/> <span class="ft1">Diese Ausführungen werden denn auch von keiner der betei-</span><br/> <span class="ft1">ligten Parteien in Zweifel gezogen und auch für den Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">besteht kein Anlass, von der Auffassung der Abteilung für Umwelt</span><br/> <span class="ft1">abzuweichen.</span><br/> <span class="ft1">c) Das Bundesgericht hat in einem neueren Entscheid (BGE 126</span><br/> <span class="ft1">II 399 ff.) entschieden, dass Art. 4 NISV die vorsorgliche Emissions-</span><br/> <span class="ft1">begrenzung abschliessend regle und die rechtsanwendenden Behör-</span><br/> <span class="ft1">den im Einzelfall nicht gestützt auf Art. 12 Abs. 2 USG eine noch</span><br/> <span class="ft1">weitergehende Begrenzung verlangen können (BGE a.a.O., E. 3 c).</span><br/> <span class="ft1">Im Übrigen sei die in der NISV geregelte vorsorgliche Emissionsbe-</span><br/> <span class="ft1">grenzung bundesrechtskonform (BGE a.a.O., E. 4).</span><br/> <span class="ft1">Nach dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung, von der abzu-</span><br/> <span class="ft1">weichen für den Regierungsrat kein Anlass besteht, ist es dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat S. verwehrt, gestützt auf § 51 Abs. 1 und 2 BNO die Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung für die Umrüstung der Mobilfunkanlage wegen vermu-</span><br/> <span class="ft1">teten gesundheitsschädigenden Auswirkungen zu verweigern, wenn</span><br/> <span class="ft1">die nach der NISV massgebenden Anlage- und Immissionsgrenz-</span><br/> <span class="ft1">werte eingehalten werden. Den Beschwerdegegnern und -gegnerin-</span><br/> <span class="ft1">nen bleibt es aber unbenommen, mit ihren demokratischen Mitwir-</span><br/> <span class="ft1">kungsrechten eine Änderung der geltenden, von ihnen aber als für</span><br/> <span class="ft1">den Gesundheitsschutz ungenügend empfundenen Rechtsnormen an-</span><br/> <span class="ft1">zustreben; im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens besteht da-</span><br/> <span class="ft1">für jedoch kein Raum.</span><br/> <span class="ft1">d) Nach dem hievor Gesagten kann die Baubewilligung auch</span><br/> <span class="ft1">nicht unter der Auflage erteilt werden, dass ein Feldversuch mit allen</span><br/> <span class="ft1">von der Baute betroffenen Einwohnern und Einwohnerinnen in S.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2003</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">514</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">über drei Jahre durchzuführen sei, um die potentiell schädlichen</span><br/> <span class="ft1">und/oder lästigen Einwirkungen der Anlage auf Mensch und Tier</span><br/> <span class="ft1">zweifelsfrei abzuklären. Diese Auflage käme einer befristeten Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung gleich, für die keine Rechtsgrundlage besteht. Die Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführerin hat einen Anspruch auf Erteilung einer Baubewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung ohne Auflagen und Bedingungen, wenn alle im Einzelfall</span><br/> <span class="ft1">massgebenden Normen eingehalten werden; denn andere als die ge-</span><br/> <span class="ft1">setzlich vorgesehenen Voraussetzungen dürfen bei der Erteilung der</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligung keine Rolle spielen (Walter Haller/Peter Karlen,</span><br/> <span class="ft1">Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht, Band I, 3. Auflage, Zürich</span><br/> <span class="ft1">1999, N 509 f.). Für die Verknüpfung einer Baubewilligung mit einer</span><br/> <span class="ft1">Auflage, wie sie die Beschwerdegegner und -gegnerinnen fordern,</span><br/> <span class="ft1">fehlt eine entsprechende gesetzliche Grundlage.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">(Dieser Entscheid wurde vom Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">vollumfänglich bestätigt. Das Urteil des Verwaltungsgerichtes wurde</span><br/> <span class="ft1">an das Bundesgericht weitergezogen; dessen Entscheid ist noch</span><br/> <span class="ft1">ausstehend.)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>