B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5069/2024 U r t e i l v o m 2 2 . A u g u s t 2 0 2 4 Besetzung Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo, Gerichtsschreiberin Regula Frey. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat - Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG); Verfügung des SEM vom 8. August 2024 / N (…). D-5069/2024 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer suchte am 17. April 2024 in der Schweiz um Asyl nach. B. B.a Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Euro- dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (…) in Griechenland um Asyl ersucht hatte. B.b In Beantwortung des Informationsersuchens des SEM vom 22. April 2024 teilten die griechischen Behörden am 17. Mai 2024 mit, der Be- schwerdeführer sei am 6. März 2024 in Griechenland als Flüchtling aner- kannt worden. Die Aufenthaltsbewilligung sei bis zum 5. März 2027 gültig. C. C.a Das SEM ersuchte die griechischen Behörden am 21. Mai 2024 ge- stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver- fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt- staatsangehöriger (sog. Rückführungsrichtlinie) und das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Re- gierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme des Beschwerdeführers. C.b Griechenland stimmte diesem Ersuchen am 23. Mai 2024 zu. D. Am 30. Mai 2024 wurde dem Beschwerdeführer anlässlich eines persönli- chen Gesprächs das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Nichteintreten- sentscheid und zu seiner Rückführung nach Griechenland gewährt. Er gab dabei zu Protokoll, er habe in Griechenland nicht um Asyl ersucht. Es stimme jedoch, dass er über den Flüchtlingsstatus verfüge. Nach seiner Ankunft in Griechenland sei ihm mitgeteilt worden, dass er seine Fingerab- drücke abzugeben habe, diese würden aber nicht für ein Asylgesuch be- nutzt. Er habe seine Fingerabdrücke abgegeben und später einen positi- ven Asylentscheid erhalten. Nach dem Erhalt des Status sei ihm eine Frist von zwei Tagen zum Verlassen des Camps angesetzt worden, verbunden mit der Drohung, bei Nichteinhaltung gewaltsam aus dem Camp entfernt zu werden. Er habe sich während ungefähr vierzig Tage im Camp in D-5069/2024 Seite 3 Griechenland aufgehalten. Die griechischen Behörden hätten sich nicht um ihn gekümmert und mit NGO’s, Kirchen oder sonstigen Organisationen habe er keinen Kontakt gehabt. Auf dem Luftweg sei er schliesslich in die Schweiz gelangt. Bezüglich der medizinischen Versorgung in Griechenland gab er an , es habe im Camp keine Gesundheitsversorgung gegeben. Er habe sich darum bemüht, sei aber abgewiesen worden. Bezüglich einer möglichen Blutentnahme (nachdem er […] gehabt habe) sei er ständig ver- tröstet worden. Schliesslich sei keine Blutentnahme erfolgt. Seine (…) habe er gemeldet, indessen nach drei bis vier Wochen erk annt, dass er keine Unterstützung erhalten würde, weshalb er auch nicht mehr nachge- fragt habe. In der Schweiz lebe ein Schwager von ihm , von dem er nur wisse, dass er B._______ heisse. Aus dem Dorf wo er herkomme sei es so, wenn eine Frau einen Mann heirate, dann würden diese Personen ein- fach Schwager genannt. Es bestehe kein verwandtschaftliches Verhältnis. Zu seinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen befragt, gab er an, unter Beschwerden am (…) Bein zu leiden. Diese seien die Folge eines in Af- ghanistan erlittenen Unfalls . Er leide unter andauernden Schmerzen und habe deshalb bereits Medic-Help kontaktiert. Sodann leide er unter (…), (…) und (…). E. Am 6. August 2024 unterbreitete die Vorinstanz der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers den Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Am Folge- tag reichte diese ihre Stellungnahme ein. F. Mit Verfügung vom 8. August 2024 – eröffnet am gleichen Tag – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz (nach Griechenland) sowie den Vollzug an. G. Mit Eingabe vom 14. August 2024 erhob der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung. Er beantrag- te, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei an- zuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei ihm die vorläu- fige Aufnahme zu gewähren. Subeventualiter seien spezifische Garantien von den griechischen Behörden einzuholen um eine angebrachte Unter- bringung und medizinische Versorgung sicherzustellen. Eventuali ter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit zu weite- ren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub -D-5069/2024 Seite 4 eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den zuständigen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien (recte: Griechenland) umgehend Obdach, Nahrung, eine adäquate und re- gelmässige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfü- gung stehe. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. Schliesslich sei im Sinne einer vorsorgli- chen Massnahme die aufschiebende Wirkung zu gewähren und die Voll- zugsbehörden anzuweisen, von einer Überstellung nach Griechenland ab- zusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Be- schwerde entschieden habe. Mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht vom 18. Juni 2024 zu den Akten. H. Am 15. August 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein- gang der Beschwerde. I. Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsgericht die vorinstanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). J. Mit Eingabe vom 16. August 2024 reichte der Beschwerdeführer einen Aus- trittsbericht des C._______ sowie ein medizinisches Datenblatt für interne Arztbesuche im Bundesasylzentrum zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). D-5069/2024 Seite 5 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5 Nachdem der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wir- kung zukommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG), ist auf den Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und Anweisung der Vollzugsbehörden, von einer Überstellung bis zum Entscheid über die Beschwerde abzusehen, mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Be urteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung prüft. 4. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei- ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste- hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). D-5069/2024 Seite 6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5. Zur Begründung der Beschwerde wurde im Wesentlichen auf die prekäre Situation in Griechenland bezüglich Unterbringung, Zugang zu Arbeit und zu Sozialleistungen sowie zur Gesundheitsversorgung verwiesen. Der Be- schwerdeführer habe in Griechenland unter desaströsen Bedingungen Asyl erhalten. Nach der Entlassung aus dem Camp sei er obdachlos ge- wesen und die medizinische Hilfeleistung sei ihm verwehrt geblieben. Er gehöre zur Gruppe der besonders vulnerablen Schutzsuchenden. Eine Ausschaffung nach Griechenland widerspreche den zwingenden Bestim- mungen des Völkerrechts. 6. 6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein- getreten, wenn die asylsuchende Person in einen gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in wel- chem sie sich vorher aufgehalten hat. 6.2 Den Akten zufolge wurde der Beschwerde führer in Griechenland als Flüchtling anerkannt; er verfügt über eine gültige griechische Aufenthalts- bewilligung. Mit der Behauptung, kein Asylgesuch gestellt zu haben, ver- mag er dies nicht zu entkräften. Zudem haben die griechischen Behörden seiner Rückübernahme vorbehaltlos zugestimmt. Es ist ohne Weiteres da- von auszugehen, dass er nach Griechenland zurückkehren und sich dort legal aufhalten kann. 6.3 Griechenland ist ein EU -Staat und gilt gemäss einem – bisher nicht revidierten – Beschluss des Bundesrats vo m 14. Dezember 2007 als sicherer Drittstaat im Sinn von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG. 6.4 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die sehr hohe Schwelle für die Feststellung einer Unzulässigkeit, die der EuGH in den in der Beschwerde zitierten Urteilen definiert h at, vorliegend nicht erreicht wird; dieser Aspekt ist gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts bei der Prüfung des Wegweisungsvollzuges zu beurteilen (nachfolgend E. 8.2.2 ff.; vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E - 3427/2021 und E-3431/2021 vom 28. März 2022 E. 10 und 11). D-5069/2024 Seite 7 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän- derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei- lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so r egelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri- gende Behandlung oder Stra fe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. D-5069/2024 Seite 8 8.2.2 Entgegen der Auffassung de s Beschwerdeführers erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland in Beachtung der vorstehend genannten völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig. Bei Griechenland handelt es sich um einen sicheren Drittstaat, in welchem der Beschwerdeführer Schutz vor Rückschiebung im Sinn von Art. 5 Abs. 1 AsylG findet. Das Land ist sodann Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen grundsätzlich nach. Zwar anerkennt das Bundesverwaltungs- gericht, dass die Lebensbedingungen in Griechenland für dort anerkannte Schutzberechtigte in fast allen Bereichen des täglichen Lebens sehr schwierig sind und sich die Alltagsbewältigung beschwerlich gestaltet. Gemäss koordinierter Praxis ist aber nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus eine unangemessene und erniedri- gende Behandlung im Sinn einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde (vgl. das Referenzurteil des BVGer E -3427/2021, E-3431/2021 a.a.O. E. 11.2). 8.2.3 Die Argumentation des Beschwerdeführers, der in der Beschwerde- schrift zitierte Länderbericht sowie der Verweis auf die internationale und europäische Praxis zum Umgang mit Schutzberechtigten in Griechenland fügen den der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zugrunde- liegenden Informationen zur Situation in Griechenland keine neue Dimen- sion hinzu und vermögen an dieser Einschätzung ni chts zu ändern. De m Beschwerdeführer wurde in Griechenland die Flüchtlingseigenschaft zuer- kannt. Er kann sich dort somit auf die Garantien der Qualifikationsrichtlinie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäfti- gung [Art. 26], zu Bi ldung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu medizinischer Versorgung [Art. 30] und zu Wohnraum [Art. 32]), auf die sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Es ist unbe- stritten, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind; den- noch ist nicht von einem "real risk" auszugehen, dass der Beschwerdefüh- rer bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Es obliegt ihm, bei den zuständigen Behör- den seine Rechte geltend zu machen, nötigenfalls mithilfe einer der in Grie- chenland zahlreich vorhandenen Hilfsorganisationen. Bei seinem Vorbrin- gen, er habe in Griechenland keine medizinische Versorgung erhalten und bei einer Rückkehr würde ihm die Obdachlosigkeit drohen, handelt es sich um unbelegte Behauptungen. Die Vorinstanz hat sodann zu Recht festge- halten, dass der Beschwerdeführer Griechenland kurz nach Erhalt des Schutzstatus verlassen hat, weshalb den griechischen Behörden nicht D-5069/2024 Seite 9 pauschal unterstellt werden kann, diese würden ih m als Schutzberechtig- ten allfällig zustehende Leistungen nicht gewähren. Insgesamt vermag der Beschwerdeführer die Annahme der grundsätzlichen Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach Griechenland nicht zu widerlegen. 8.2.4 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen (vgl. BVGE 2011/9 E. 7; Urteil des Europäischen Ge- richtshofs für Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien 13. De- zember 2016, Grosse Kammer 417 38/10, §§ 180–193 m.w.H.). Eine sol- che Situation ist vorliegend offensichtlich nicht gegeben. Die medizinischen Probleme des Beschwerdeführers sind nicht derart gravierend, dass sie bei einer Überstellung nach Griechenland eine ernsthafte, rapide und irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung seiner Lebenserwartung zu er- warten hätte, wie dies für eine Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs aus medizinischen Gründen praxisgemäss gefordert wird. 8.2.5 Es liegen damit keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass d er Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschen- unwürdigen oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt wäre. 8.3 8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.2 Gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG ist eine Wegweisung in einen EU - oder EFTA-Staat vermutungsweise zumutbar. Diese Legalvermutung gilt mit Be- zug auf Griechenland grundsätzlich auch für vulnerable Personen wie bei- spielsweise Menschen, welche an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind; hingegen erachtet das Gericht den Vollzug der Wegweisung von äussert vulnerablen, schutz- berechtigten Personen grundsätzlich als unzumutbar, ausser, es bestün- den besonders begünstigende Umstände, aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden kann (vgl. zum Ganzen das Referenzurteil E -3427/2021, E -3431/2021 a.a.O. E. 11.5.1 und E. 11.5.3). Wird im konkreten Einzelfall festgestellt, dass die Legalvermutung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs D-5069/2024 Seite 10 besteht, hat die betroffene Person die Möglichkeit, diese umzustossen. Dazu hat sie jedoch ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass sie in Griechenland aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaft- licher oder gesu ndheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde. 8.3.3 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung rechtfertigt es sich gestützt auf die Aktenlage nicht, davon auszugehen, dass es sich beim Beschwerdeführer um eine äusserst vulnerable Person handelt. Er ist volljährig und damit nicht mehr in einem per se besonders verletzlichen (ju- gendlichen) Alter. Überdies hat er keine ernsthaften Anhaltspunkte dafür vorgebracht, dass er aufgrund von individuellen Umständen sozialer oder wirtschaftlicher Art bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine existen- zielle Notlage geraten würde. Zwar dürfte er bei einer Rückkehr nach Grie- chenland mit Hindernissen zu kämpfen haben; diese erscheinen bei zu- mutbarer Eigeninitiative jedoch nicht unüberwindbar. Es ist erneut darauf hinzuweisen, dass d er Beschwerdeführer sich als anerkannter Flüchtling auf die Qualifikationsrichtlinie berufen kann und es ih m obliegt, seine Rechte vor Ort bei den zuständigen Behörden geltend zu machen und nö- tigenfalls auf dem Rechtsweg durchzusetzen. 8.3.4 Aus den medizinischen Unterlagen in den erstinstanzlichen Verfah- rensakten geht hervor, dass der Beschwerdeführer unter Schmerzen am (…) leidet (als Folge eines im Alter von […] beziehungsweise […] Jahren erlittenen Unfalls). Sodann wurde beim Beschwerdeführer eine posttrau- matische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert. Eine Ende Juni 2024 beim medizinischen Dienst gemeldete (…) sowie am 18. Juli 2024 beklagte (…) konnten medikamentös behandelt werden . Dem auf Beschwerde- ebene eingereichten Austrittsbericht des C._______ vom 16. August 2024 ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vom 14. bis 16. Au- gust 2024 wegen diagnostizierter (…) (links) hospitalisiert war und medika- mentös behandelt worden ist. Aus dem vorgenannten Bericht geht sodann hervor, dass der Patient in einem guten, afebrilen Zustand entlassen wurde, die antibiotische Therapie fortzuführen sei und die (…) weiterhin zu kühlen und hoch zu lagern seien. Dem Beschwerdeführer wurden folgende Medikamente verschrieben: (…) 100mg, (…) 400mg und (…) 20mg. Die vorgenannten gesundheitlichen Probleme de s Beschwerdeführers sind, ohne diese verharmlosen zu wollen, nicht von einer derartigen Schwere, dass sie der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer in Grie- chenland keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung – beispielsweise zu D-5069/2024 Seite 11 einer psychologischen Behandlung – erhalten sollte. Die erwähnten psy- chischen Probleme sind zwar als nicht unerheblich zu erachten. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist aber davon auszuge- hen, dass eine PTBS in Griechenland behandelt werden kann und entspre- chende Medikamente erhältlich sind (vgl. u.a. Urteile des BVGer E- 4896/2024 vom 12. August 2024 E. 8.3.4 m.w.H. und E-4761/2024 vom 8. August 2024 E. 9.3.5). Zudem haben in lebensbedrohlichen Situationen alle Personen, unabhängig von i hrem rechtlichen Status, in Griechenland Zugang zu Notfallstationen (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E - 3431/2021). Schliesslich ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer die Möglichkeit hat, medizinische Rückkehrhilfe, bei- spielsweise in Form der Mitgabe von Medikamenten oder der Übernahme von Kosten für notwendige Therapien, in Anspruch zu nehmen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Darüber hinaus hat die Vorinstanz bei der Organi- sation des Wegweisungsvollzugs dem aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers Rechnung zu tragen und die zuständigen Behörden vor dem Wegweisungsvollzug über den Gesundheitszustand und eine all- fällig notwendige medizinische Behandlung zu informieren. 8.3.5 Nach dem Gesagten liegen keine konkreten und glaubhaften An- haltspunkte dafür vor, dass d em Beschwerdeführer in Griechenland auf- grund von individuellen Umständen in eine existenzielle Notlage geraten würde. Es ist ih m nicht gelungen, d ie Legalvermutung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs umzustossen. 8.3.6 Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass zur eventualiter beantrag- ten, aber nicht weiter begründeten Rückweisung der Sache zur weiteren Sachverhaltsfeststellung. Dass das SEM die Situation in Griechenland an- ders beurteilt als vom Beschwerdeführer gewünscht, stellt keine mangel- hafte Sachverhaltsfeststellung dar. Ebenso wenig besteht Anlass zur Ein- holung individueller Garantien die adäquate Unterbringung sowie die me- dizinische Versorgung betreffend (vgl. u.a. Urteil des BVGer D-2910/2024 vom 16. Mai 2024 E. 7.5), weshalb der entsprechende, subeventualiter ge- stellte Antrag ebenfalls abzuweisen ist. 8.3.7 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. D-5069/2024 Seite 12 8.4 Nachdem die griechischen Behörden der Überstellung des Beschwer- deführers zugestimmt haben, ist der Vollzug der Wegweisung auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da- rauf einzutreten ist. 10. 10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 10.2 Das Gesuch um Ge währung der unentgeltlichen Prozessführung i st ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorstehenden Erwägun- gen als aussichtslos erwiesen haben (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-5069/2024 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.‒ werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonal e Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Daniela Brüschweiler Regula Frey Versand: