<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">327</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>I. Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>65 Ausschaffungshaft;</b></span> <span class="ft2"><b>Haftgrund.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Nach einer wegen Verletzung des Beschleunigungsgebots nicht bestätigten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Haft, darf für eine erneute Anordnung einer Ausschaffungshaft nicht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mehr unbesehen auf diejenigen Haftgründe abgestellt werden, die vor der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nicht bestätigten Haft bereits bestanden (E. II./3.2.).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">RekursgerichtimAusländerrecht</span> <span class="page_no">328</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>Wird eine betroffene Person nicht angewiesen, sich dauernd in der ihr zu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>geteilten Unterkunft aufzuhalten, darf ihr nicht vorgeworfen werden, sie</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sei untergetaucht, wenn sie nicht ständig dort übernachtet (E. II./3.3.).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">17. Dezember 2010 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen L.S.</span><br/> <span class="ft3">betreffend Haftüberprüfung (1-HA.2010.146).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft5">II. 3.2. Gegen den Gesuchsgegner wurde bereits am 22. Oktober</span><br/> <span class="ft5">2010 eine Ausschaffungshaft für drei Monate angeordnet. Diese</span><br/> <span class="ft5">wurde durch das Rekursgericht wegen Verletzung des Beschleuni-</span><br/> <span class="ft5">gungsgebots indessen nicht bestätigt. Für die erneute Anordnung ei-</span><br/> <span class="ft5">ner Ausschaffungshaft bedeutet dies, dass nicht mehr unbesehen auf</span><br/> <span class="ft5">die Haftgründe abgestellt werden darf, die vor der nicht bestätigten</span><br/> <span class="ft5">Haft bereits bestanden. Vielmehr sind in der Folge grundsätzlich nur</span><br/> <span class="ft5">noch diejenigen Haftgründe beachtlich, die sich nach einem ent-</span><br/> <span class="ft5">sprechenden Urteil verwirklicht haben. Andernfalls würde das Be-</span><br/> <span class="ft5">schleunigungsgebot seines Gehalts entleert werden, wenn die aus der</span><br/> <span class="ft5">Ausschaffungshaft entlassene Person nach der Haftentlassung durch</span><br/> <span class="ft5">das Migrationsamt gleich wieder in Ausschaffungshaft genommen</span><br/> <span class="ft5">werden könnte.</span><br/> <span class="ft5">[...]</span><br/> <span class="ft5">3.3. Das Migrationsamt wirft dem Gesuchsgegner weiter vor, er</span><br/> <span class="ft5">habe sich nicht in der ihm zugewiesenen Unterkunft aufgehalten,</span><br/> <span class="ft5">weshalb der für ihn auf den 18. November 2010 gebuchte Rückflug</span><br/> <span class="ft5">habe annulliert werden müssen.</span><br/> <span class="ft5">Bei genauer Betrachtung wurde dem Gesuchsgegner zwar am</span><br/> <span class="ft5">25. Oktober 2010 eine Unterkunft in B. zugewiesen. Dem Gesuchs-</span><br/> <span class="ft5">gegner wurde jedoch nicht auferlegt, sich dauernd an dieser Adresse</span><br/> <span class="ft5">aufzuhalten. Dem Gesuchsgegner wurde - anders als allgemein üb-</span><br/> <span class="ft5">lich - auch kein entsprechendes Merkblatt abgegeben und es wurde</span><br/> <span class="ft5">beispielsweise auch keine Eingrenzung auf das Gebiet der Gemeinde</span><br/> <span class="ft5">B. verfügt. Dem Gesuchsgegner kann somit nicht vorgeworfen wer-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">ZwangsmassnahmenimAusländerrecht</span> <span class="page_no">329</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">den, er habe sich nicht in der ihm zugewiesenen Unterkunft aufge-</span><br/> <span class="ft5">halten und sei untergetaucht. Vielmehr gab er anlässlich der mündli-</span><br/> <span class="ft5">chen Verhandlung glaubhaft zu Protokoll, er habe zwar nicht dauernd</span><br/> <span class="ft5">in der Unterkunft übernachtet, jedoch in unmittelbarer Umgebung</span><br/> <span class="ft5">der ihm zugewiesenen Unterkunft bei Privatpersonen genächtigt.</span><br/> <span class="ft5">Gegen ein Untertauchen spricht auch, dass der Gesuchsgegner im</span><br/> <span class="ft5">Nachgang zur polizeilichen Kontrolle vom 12. Dezember 2010</span><br/> <span class="ft5">selbständig am 13. Dezember 2010 beim Migrationsamt erschien.</span><br/> <span class="ft5">Weiter spricht gegen ein Untertauchen, dass der Gesuchsgegner</span><br/> <span class="ft5">glaubhaft versicherte, er sei jederzeit bereit, in sein Heimatland zu-</span><br/> <span class="ft5">rückzukehren, und er sei erstaunt gewesen, dass man ihn im An-</span><br/> <span class="ft5">schluss an seinen Strafvollzug nicht unverzüglich nach Serbien aus-</span><br/> <span class="ft5">geschafft habe.</span><br/> <span class="ft5">[...]</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>