B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2926/2013 U r t e i l v o m 15 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Martin Zoller, Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. Parteien A._______, geboren (…), dessen Ehefrau B._______, geboren (…), und deren Kind C._______, geboren (…), Eritrea, c/o Schweizerische Vertretung in Khartum, Sudan, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 24. September 2012 / N (…). D-2926/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit undatierter Eingabe an die Schweizerische Botschaft in Khartum (nachfolgend: die Botschaft), registriert durch die Botschaft am 19. Januar 2011, ersuchte der Beschwerdeführer A._______ für sich, seine Ehefrau, die Beschwerdeführerin B._______, und das gemeinsame Kind sinnge- mäss um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um Gewährung von Asyl. Zur Begründung wurde hauptsächlich ausgeführt, der Beschwerdeführer sei nach Abschluss des elften Schuljahres gezwungen worden, die militä- rische Schule in Sawa zu absolvieren. Dort sei er inhaftiert, gefoltert und eingeschüchtert worden. Parallel zu seiner militärischen Ausbildung habe er 2004 die Prüfung für die Aufnahme ins College machen können, die er zum Glück mit Erfolg bestanden habe, so dass er eine höhere Ausbildung in Angriff habe nehmen können. Seiner heutigen Ehefrau sei die Aufnah- me ins College ebenfalls gelungen. Als Frau habe sie in Sawa sehr geli t- ten und sei in besorgniserregendem gesundheitliche m Zustand von dort zurückgekehrt. Das Leben im Coll ege sei für sie genau so hart gewesen wie im Ausbildungslager in Sawa. Ihr Studium hätten sie unterbrechen müssen, um an verschiedenen Orten für die Regierung zu arbeiten. Sie hätten heiraten wollen, was ihnen jedoc h verweigert worden sei. Am 31. Mai 2009 hätten sie sich religiös trauen lassen. Am 1. März 2010 sei die damals schwangere Beschwerdeführerin an den Arbeitsort des B e- schwerdeführers gereist. Dieser Ort habe sich in der Nähe der Grenze zum Sudan befunden. Von dort aus seien sie zu Fuss nach Kassala, Su- dan, geflohen. Im Flüchtlingslager seien die Bedingungen schlecht gewe- sen (ungenügende Nahrung, Ausbildung, Arbeit und Sicherheit). Sie seien deshalb illegal, d.h. ohne die dafür nötige Bewilligung für Flüchtlinge, nach Khartum gereist. Dort hab e die Beschwerdeführerin ihr Kind geb o- ren. Nebst dem Umstand, dass sie als Christen zur religiö sen Minderheit gehörten und benachteiligt würden , würden sie in Khartum sozial, emoti- onal und psychisch un ter der dort vorherrschenden schlechten Situation leiden. Sie ersuchten daher die Schweiz um Hilfe. Der Eingabe lagen Kopien von verschiedenen Dokumenten (Ausbi l- dungsbestätigungen, Arbeitszeugnisse und Identitätsausweise) bei. B. Mit Schreiben vom 28. Februar 2 011 teilte das BFM den Beschwerdefüh- renden mit, d as UNHCR registriere ungeachtet ihrer Fluchtgründe alle D-2926/2013 Seite 3 Eritreer, die im Sudan Schutz suchen würden, weise sie einem Flüch t- lingslager zu und sei mit den sudanesischen Behörden für die Grundve r- sorgung be sorgt. Das BFM erachte deshalb den Verbleib im Sudan a ls zumutbar und lehne in der Regel die Asylgesuche solcher Personen ab. Diese restriktive Praxis sei durch das Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden. Eine summarische Prüfung ihrer geltend gemachten Gründe ze i- ge, dass die Chancen, eine Bewilligung zur Einreise in die Schweiz zu erhalten, gering seien. Falls sie dennoch am Asylgesuch festhalte n wür- den, hätten sie dies bis am 28. März 2011 mitzuteilen, andernfalls das Gesuch als gegenstandslos geworden abgeschrieben werde. C. Mit Schreiben vom 20. März 2011 bekundeten die Beschwerdeführenden ihr Interesse an der Fortsetzung ihres Asylverfahrens. Ergänzend wurde ausgeführt, dass sie sich im Sudan im Flüchtlingslager D._______ auf- gehalten hätten. Die Grundversorgung sei dort nicht gewährleistet gew e- sen, sie hätten sich nicht frei bewegen und nicht arbeiten können. Es ha- be die Gefahr bestanden, von eritreischen Spionen gekidnappt zu we r- den. In Khartum seien sie ohne Geld, hätten keine Arbeitsbewilligung und sie würden die Sprache nicht verstehen. Die Beschwerdef ührerin habe einzig als Hausangestellte arbeiten können. Ihre Versuche, sich an das UN-Büro (recte: UNHCR) zu wenden, seien erfolglos geblieben. Ein in der Schweiz wohnhafter Freund habe sie schliesslich über die Möglichkeit der Hilfe durch die Botschaft informiert. D. Mit Schreiben vom 6. Juni 2011 teilte das BFM den Beschwerdeführe n- den mit, dass es der Botschaft aus sicherheitstechnischen, strukturellen und kapazitätsmässigen Gründen nicht möglich sei, eine Befragung vor Ort durchzuführen. Aus diesem Grund wurden sie aufgefordert, zur Ve r- vollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts au f schriftlichem Weg bis zum 6. Juli 2011 verschiedene Fragen zu ihrem Aufenthalt in Eritr ea und im Sudan zu beantworten, ansonsten das Gesuch als gegenstand s- los geworden abgeschrieben werde. E. Mit Eingabe an die Botschaft vom 30. Juni 2011 nahmen die Beschwerde- führenden zu den vom BFM gestellten Fragen Stellung und führten in s- besondere aus, der Beschwerdeführer habe von Juli 2001 bis Dezember 2001 ein militärisches Training in Sawa absolviert und unter militärischer Führung von Dezember 2002 bis Januar 2005 in der Logistikindustrie ge-D-2926/2013 Seite 4 arbeitet. Von Mai 2005 bis Mai 2008 habe er sein Studium in Sozialwi s- senschaften im (…)-College fortgesetzt. Zuletzt habe er in E._______, Eritrea, als von der Regierung beauftragter Lehrer gearbeitet. Administr a- tiv sei er direkt dem Militär unterstellt gewesen. Von E._______ sei er in den Sudan geflohen. Im Sudan generiere er kein regelmässiges Ei n- kommen, da er dort nur ab und zu Gelegenheitsarb eiten verrichte. In der Schweiz habe er keine Verwandten, aber zwei Freunde. Enge Freunde der Beschwerdeführerin würden ebenfalls in der Schweiz leben. Ihrer Eingabe legten die Beschwerdeführenden Kopien von verschied e- nen Dokumenten (sudanesische Flüchtlingsausweise, Identitätsausweise, Registrationsbelege des UNHCR, Geburtsurkunden und Ausbildungsbe- lege) bei. F. Mit Schreiben vom 5. Mai 2012 (Eingan g Botschaft: 6. Mai 2012) bat d er Beschwerdeführer um Auskunft über den Stand des Asylverfahrens. Die- se Bitte wiederholte er mit E-Mail an das BFM vom 21. März 2013. G. In seiner E-Mail-Antwort an d en Beschwerdeführer vom 27. März 2013 teilte das BFM mit, dass der Asylentscheid am 24. September 2012 an die Botschaft gesandt worden sei, weshalb er sich zwecks Erhalt dessel- ben an die Botschaft wenden solle. H. In erwähnter Verfügung vom 24. September 2012 – eröffnet am 10. April 2013 – verweigerte das BFM den Beschwerdeführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche ab. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, es sei zwar darauf zu schliessen, dass die Beschwerdeführenden ernstzunehmende Schwie- rigkeiten mit den heimatlichen Behörden hätten. Einer allfälligen Asylg e- währung durch die Schweiz stehe indes der Asylausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) entgegen. Danach könne einer Person das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Au f- nahme zu bemühen. Gemäss Berichten des UNHCR würden sich zah l- reiche eritreische Flüchtlinge und Asylbewerber im Sudan befinden. Die Lage vor Ort sei für diese, so auch für die Beschwerdeführenden, nicht einfach. Dennoch bestünden keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass D-2926/2013 Seite 5 ihnen ein weiterer Verbleib im Sudan nicht zu mutbar oder möglich wäre. Flüchtlinge, die vom UNHCR registriert und einem Flüchtlingslager zug e- teilt worden seien, hätten sich in diesem aufzuhalten und würden dort die nötige Versorgung erhalten. Sie würden nicht über ein freies Aufenthalt s- recht für das ganze Land verfügen. Sollte ihre Situation tatsächlich kr i- tisch sein, so könnten sich die Beschwerdeführenden b eim UNHCR um Schutz bemühen. Ihre Befürchtung, nach Eritrea zurückgeschafft zu we r- den, sei unbegründet. Das Risiko einer Deportation oder Verschl eppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt worden seien, sei gering. Das UNHCR registriere vor Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flüchtlingslager melden würden, unabhängig davon, we s- halb sie Eritrea verlassen hätten. Konk rete Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden nach Eritrea zurückgeschafft wer den könnten, lä- gen nicht vor. Sie verfügten über kein geeignetes Risikoprofil, welches ei- ne Verschleppung nach Eritrea objektiv begründen könne. Sie könn ten auch nicht g laubhaft darlegen, persönlich faktisch und unmittelbar b e- droht zu sein , unter Verletzung des Non -Refoulement-Prinzips nach Eri t- rea zurückgeschafft zu werden. Da sie den Flüchtlingsstatus durch das UNHCR erhalten hätten oder erwerben könn ten, könnten sie sich jeder- zeit bei einer Vertretung des UNHCR im Sudan melden. Das UNHCR h a- be den Sudan an seine Verpflichtungen aus der von ihm unterzeichneten Flüchtlingskonvention erinnert. Das Leben in Khartum sei zwar nicht ei n- fach. Angesichts des längeren Aufenthaltes im Sudan könne jedoch d a- von ausgegangen werden, dass die Hürden für eine zumutbare Existenz nicht unüberwindbar seien, auch wenn sie nur Gelegenheitsarbeiten fi n- den würden und ihre Bewegungs- und Religionsfreiheit eingeschränkt sei. Im Sudan lebe zudem eine grosse eritreische Diaspora, welche in Not ge- ratene Landsleute weitgehend unterstütze. Im Weiteren sei zwar nicht zum Vornherein auszuschliessen, dass sie wegen ihrer Religionszugehö- rigkeit im Sudan gewisse Schwierigkeiten haben könnten. Eine Mehrheit bekenne sich zum Islam sunnitischer Richtung. Christen würden unte r- schiedlichen Schätzungen zufolge 5 -10% der Gesamtbevölkerung au s- machen. In den Städten würden sich nebst kleineren Gemeinden altei n- gesessener, häufig orthodoxer bzw. mit Rom unierter Kirchen auch zahl- reiche Christen unterschiedlicher Konfessionen befinden. Die im Juli 2005 unterzeichnete Übergangsverfassung für den Sudan garantiere – ebenso wie die vorherige Verfassung von 1998 – Religionsfreiheit. Die christl i- chen Gemeinschaften seien grunds ätzlich anerkannt. Weihnachten und Ostern (auch das orthodoxe Osterfest) seien staatliche Feiertage. Chris t- liche Kirchen dürften sich nach dem Gesetz bei Seelsorge, Ausbildung, Schulen, Kindergärten und sozialen Einrichtungen frei betätigen. Nach D-2926/2013 Seite 6 der Schaffung der Regierung der Nationalen Einheit im Juli 2005 gehöre ein Vizepräsident Sudans dem Christentum an. Unter den Mitgliedern der Regierung würden sich mehrere Christen befinden. Es herrsche demnach im Sudan keine allgemeine und staatliche Unterdrückung oder Verfolgung von Christen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführenden seit längerem im Sudan lebten, ohne dass es zu konkreten Vorfällen g e- kommen sei, könne nicht von einer ernsthaften oder drohenden Verfo l- gungsabsicht ausgegangen werden. In Khartum gebe es zudem offizielle Kirchen ihrer Glaubensrichtung, an welche sie sich wenden könnten. Schliesslich stellte sich das BFM auf den Standpunkt, obwohl die B e- schwerdeführenden mit ihren in der Schweiz lebenden Freunden über ei- nen Anknüpfungspunkt zur Schweiz verfüg ten, sei dieser nicht derart g e- wichtig, als dass eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG dazu führen würde, dass es gerade die Schweiz sei, die den erforderlichen Schutz zu gewähren habe. Alleine die Anwesenheit der Freunde bedeute noch keine enge Bin dung. Die Beschwerdeführe n- den benötigten daher den subsidiären Schutz der Schweiz im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht. I. Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 8. Mai 2013 (Eingang Botschaft) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Dabei beantragten sie sinngemäss die Aufhebung der ange- fochtenen Verfügung, die Bewilligung zur Einreise in die Schweiz und die Gutheissung ihrer Asylgesuche. In ihrer Rechtsmittelschrift hielten sie im Wesentlichen an ihren bisherigen Ausführungen fest und argumentierten zu sätzlich, auch jene Flüchtlinge, die sich seit langem legal in Khartum aufhalten würden, hätten Angst und das Flüchtlingslager , in dem sie sich ursprünglich aufgehalten hätten, werde bald geschlossen und nach Umgurgur verlegt, wo man ebenfalls keinen Schutz geniesse. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge-D-2926/2013 Seite 7 hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltun gsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus - nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Das vorliegende Verfahren wird gestützt auf die Übergangsbesti m- mung zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. Septemb er 2012 (in Kraft getreten am 29. September 2012) durchgeführt, wonach für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in der bisherigen Fassung des Asylgesetzes Geltung haben. 1.4 Die Beschwerde ist in englischer Sprache und damit nicht in einer Amtssprache des Bundes (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 33a VwVG und Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen - schaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) abgefasst. Indes weist die Ein - gabe keine Unklarheiten auf. Sie enthält sinngemässe Begehren und eine rechtsgenügliche Begründung. Praxisgemäss ist daher auf die Einholung einer Übersetzung in eine Amtssprache zu verzichten (vgl. statt viele r Ur- teil des Bundesverwaltungsgerichts E -5509/2011 vom 22. November 2011). 1.5 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführen - den haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonde rs berührt und haben ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungs weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti miert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige D-2926/2013 Seite 8 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Die Abteilungen des Bundes verwaltungsgerichts entscheiden in der R e- gel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchfüh- rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss alt Art. 19 AsylG im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (alt Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Ver- fahrens bei der Vertretung im Ausland sieht Art. 10 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrens fragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass mit der asylsuchenden Per son in der Regel eine Befragung durc h- geführt wird (Art. 10 Abs. 1 AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Ver tretung auf gefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). 4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in Aus legung die ser Bestimmu n- gen in BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmög lichkeit einer Befr a- gung aus organisatorischen oder kapazitätsmä ssigen Gründen bei der jeweiligen Vertretung, aus faktischen Hindernis sen im betreffenden Land oder aus bei der asylsuchenden Person lie genden persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.2 und 5.3). Da die Befragung der Sachverhaltserstellung sowie der Ge währung des rechtlichen Gehörs dient (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asyl suchende Person bei gegebe- ner Unmöglichkeit einer Befragung un ter Hinweis auf ihre Mitwirkung s- pflicht in einem individualisierten Schrei ben mittels konkreter F ragen auf- zufordern, ihre Asylgründe schrift lich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in aller Regel nicht zu g e- nügen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.4). 4.3 Allerdings kann sich eine Befragung be ziehungsweise ei ne schriftl i- che Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sach verhalt bereits au f- grund des eingereichten Asylgesuchs als erstellt erscheint; der asyls u- chenden Person ist aber diesfalls immer hin im Sinne des rechtlichen G e- hörs die Gelegenheit zu geben, sich zum Verzicht auf eine Befragung und zu einem abzusehenden negativen Ent scheid zumindest schriftlich zu äussern (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in je -D-2926/2013 Seite 9 dem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung in der Ver fügung über das Asylgesuch zu begründen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7). 4.4 Im vorliegenden Fall ist der Verzicht auf eine persönliche Befragung der Beschwerdeführenden durch die vom BFM im Schreiben vom 6. Juni 2011 begrenzten Personalressourcen und fehlenden Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich sachlich begründet. In ih- ren Schreiben vom 19. Januar 2011 und 20. März 2011 (vgl. act. A1/13 und A4/2) schilderten die Beschwerdeführenden zudem bereits ziemlich ausführlich ihre Ausreisegründe aus Eritrea und ihre Situation im Sudan. Die im erwähnten Schreiben des Bundesamts enthaltenen zusätzlichen Fragestellungen decken sodann sämtliche weiteren für die Beurteilung des von den Beschwerdeführenden schriftlich eingereichten Asylgesu- ches aus dem Ausland notwendigen Aspekte ab. Sie wurden von den Be- schwerdeführenden sodann mit Eingabe vom 30. Juni 2 011 (vgl. act. A6/15) genügend beantwortet. Der entscheidwesentliche Sachverhalt ist damit in genügender Weise erstellt. 5. 5.1 Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Ge fahr für Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG glaubhaft gemacht wird (alt Art. 20 Abs. 3 AsylG) – das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung – oder aber, wenn für die Dauer der näheren Abkl ärung des Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint ( alt Art. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl – und damit die Einreise in die Schweiz – ist ihr zu verweigern, wenn keine Hin- weise auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemü - hen (alt Art. 52 Abs. 2 AsylG). 5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG wird eine ausländische Person als Flücht- ling anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie z u- letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschau- ungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründet e Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mas s- nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den D-2926/2013 Seite 10 frauenspezifischen Fluchtgründen ist R echnung zu tragen. (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 5.3 Die Beschwerdeführenden machen eine eigene Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m. alt Art. 20 AsylG geltend, indem sie hauptsächlich vorbringen, der Beschwerdeführer sei während der Militära usbildung in Sawa gefoltert worden und die Beschwerdeführerin von dort in einem b e- drohlichen Gesundheitszustand zurückgekehrt. Danach hätten sie unter militärischer Befehlsgewalt das College besucht, das Studium jedoch u n- terbrechen müssen, um – stets unter der Unterstellung durch das Militär – für verschiedene Ministerien an verschiedenen Orten zu arbeiten. Im März seien sie schliesslich in den Sudan geflohen (vgl. act. A1/13 S. 1 f., act. A4/2 S. 1 f., act. A6/15 S. 1 f. ). Das BFM hält in der angefochtenen Verfügung, ohne auf diese Vorbringen näher einzugehen , fest, die Au s- führungen liessen darauf schlies sen, dass die Beschwerdeführenden in Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden gehabt hätten. Die Vorinstanz geht mithin implizit vom Vorliegen einer Ge- fährdung der Beschwerdeführerenden im Sinne von Art. 3 AsylG im Zei t- punkt der Ausreise aus Eritrea in den Sudan aus, bejaht bei der a n- schliessenden Prüfung des Asylausschlussgrundes von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG jedoch die Zumutbarkeit ihres Verbleibs im Sudan. 5.4 Die soeben dargelegten Asylgründe erscheinen prima facie nicht als unglaubhaft. Da die Beschwerdeführenden gemäss ihren Angaben im Zeitpunkt ihrer Fluch t in den Sudan unter militärischer Führung standen, ist daher nicht auszuschliessen, dass die eritreischen Behörden dieses Verhalten als Desertion und damit als regimefeindlich erachten und ihnen deshalb eine – aus politisch motivierten Gründen – unverhältnismässig hohe Strafe drohen könnte (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2006 Nr. 3, vgl. auch Schweizerische Flüchtlingshilfe, Eritrea, Update vom Februar 2010, ALE- XANDRA GEISER, Bern, 8. Februar 2010, S. 4 ). Bei einer Rückkehr nach Eritrea bestünde daher die Möglichkeit, dass sie e rnsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt sein könnte n und ihnen in der Folge in Anwendung von Art. 2 AsylG Asyl zu gewähren wäre. Vo r- ausgesetzt, ihr weiterer Verbleib im Sudan ist als unzumutbar im Sinne von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG zu erachten, wäre ihnen daher die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. 5.5 Nach alt Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland befindet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden D-2926/2013 Seite 11 kann, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwendung von alt Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu pr ü- fen, ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es ge- rade die Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung er- forderlichen Schutz gewähren soll. Dabei sind namentlich die Bezi e- hungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch e i- nen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die prakt i- sche Möglichkeit und objektive Zumutbarke it der anderweitigen Schut z- suche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmög- lichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3. S. 126 und E. 5.1 S. 128, vgl. auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 vom 14. September 2011 E. 7.1). 5.6 Die Beschwerdeführenden halten sich in einem Drittstaat – dem Su- dan – auf. Die dortige Situation für Flüchtlinge ist – wie schon das BFM festhält und von den Beschwerdeführenden im Wesentlichen geltend g e- macht wird – generell sicherlich nicht einfach. Die vom UNHCR registrier- ten Flüchtlinge sind gehalten, sich in einem UNHCR -Flüchtlingslager auf- zuhalten. Sie verfügen im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht, sondern bedürfen ausser halb der Lager besonderer Reise - respektive Aufenthaltsbewilligungen. Auch die Ausübung einer Arbeit ist in aller R e- gel nur mittels entsprechender Bewilligung zugänglich. Viele anerkannte eritreische Flüchtlinge halten sich nicht in Flüchtlingslagern, sondern ill e- gal in Khartum auf, wo sie versu chen, einer Arbeit nachzugehen. Dort kam es in der Vergangenheit in vereinzelten Fällen zu Entführungen von eritreischen Flüchtlingen beziehungsweise zu Deportationen von eritre i- schen Flüchtlingen nach Eritrea. Nichtsdestotrotz ist gemäss gesicherten Erkenntnissen das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Eri t- reer, die im Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt sind, gering, da die sudanesischen Behörden zwar tatsächlich teilweise eritreische Asy l- suchende sowie Flüchtlinge deportieren, diese Rüc kführungen indessen nicht flächendeckend erfolgen (vgl. etwa Urteile des Bundesverwaltung s- gerichts D-513/2013 vom 15. Mai 2013 E. 4.6, E -4417/2011 vom 9. Feb- ruar 2012 E. 6.5.3, D -5745/2011 vom 10. Januar 2012 E. 6.1). Anhalts- punkte dafür, dass die Beschwe rdeführenden in Khartum ernsthaft eine Deportation zu befürchten hätte n, indem sie etwa infolge qualifizierter r e- gimekritischer Tätigkeiten ein erhöhtes Risikoprofil aufweisen wü rden, lassen sich den Akten jedoch nicht entnehmen. Sie sind ausserdem ihren Vorbringen zufolge im Sudan vom UNHCR registriert und einem Flüch t- lingscamp zugewie sen worden, halten sich aber seit geraumer Zeit in Khartum auf (vgl. act. A1/13 S. 1 f., act. 4/2 S. 1 f., act. A6/15 S. 1 f.) . D-2926/2013 Seite 12 Auch wenn sich die Situation für eine junge eritreische Familie in Khartum als schwierig erweisen mag, lässt sich aus den Angaben der Beschwer- deführenden schliessen, dass sie dort zumindest über eine Unterkunft verfügen und – wenn auch in beschei denem Rahmen – zunächst unter Mithilfe der Tätigkeit de r Beschwerdeführerin als Hausangestellte und nunmehr durch die Gelegenheitsarbeiten des Beschwerdeführers als Ta- gelöhner ein Einkommen erwirtschaften können , welches im Vergleich zum Einkommen einer sudanesischen Person mit vergleichbarer Tätigkeit nicht unterdurchschnittlich erscheint (vgl. act. A6/15 S. 2) . Sollten die f i- nanziellen Mittel – wie von den Beschwerdeführenden moniert – zur De- ckung ihres Existenzbedarfs nicht ge nügen, könnten sie e iner allfälligen Versorgungsnotlage dadurch entgehen, dass sie sich erneut an das UNHCR wenden und sich einem Flüchtlingslager zuteilen lassen würden . Auch wenn anerkanntermassen die Situation in den Lagern teils prekär ist, kann dennoch davon ausgegangen werden, dass zumindest die Grundversorgung dort gewährleistet ist. Dem Gericht ist denn auch nicht bekannt, dass – wie durch die Beschwerdeführenden eingewendet – das Lager D._______ geschlossen werden soll. Angesichts ihres über dreijäh- rigen Aufenthaltes im Sudan ist zudem auf eine gewisse Beziehungsnähe zu diesem Staat zu schliessen. Den Akten zufolge weisen sie demgegen- über zur Schweiz keine enge Bindung auf. Der einzige, nicht überwi e- gend gewichtige Anknüpfungspunkt sind die in der Schweiz wohnhaften Bekannten der Beschwerdefüh renden, mit denen sie lediglich eine Freundschaft verbindet. Die Beschwerdeführenden benötigen somit den subsidiären Schutz der Schweiz gemäss alt Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht. Der weitere Verbleib im Sudan ist zumutbar. 5.7 An dieser Einschätzung vermag auch der Umstand, dass die B e- schwerdeführenden Christen sind, nichts zu ändern. Wie vom BFM zutref- fend erwogen, ist im Sudan die Religionsfreiheit in der Verfassung vera n- kert und es wird keine Gruppenverfolgung von Christen betrieben. Etwa 5 - 10% der Gesamtbevölkerung im Sudan sind Christen. Die c hristlichen Gemeinschaften sind grundsätzlich an erkannt und die christlichen Ki r- chen dürfen sich nach dem Gesetz bei Seelsorge, Ausbildung, Schulen, Kindergärten und sozialen Einrichtungen frei betätigen. Zwar können ver- einzelte Dis kriminierungen von Chr isten im Sudan – vor allem in den mehrheitlich von Muslimen bewohnten Regionen – vorkommen. Substan- ziierte Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden als Ausländer einer erhöhten Gefahr einer solchen Diskriminierung ausgesetzt gewesen wären respektive eine solche konkret zu befürchten hätte n, liegen nicht vor. D-2926/2013 Seite 13 5.8 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es den Beschwerde füh- renden nicht gelungen ist, Gründe darzutun, aus welchen die Zumut - barkeit ihres weiteren Aufenthalts im Sudan zu verneinen wäre. Es erüb- rigt sich bei dieser Sachlage, auf die weiteren Vorbringen und die eing e- reichten Dokumente einzugehen. Das BFM hat demnach den Beschwe r- deführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz verweigert bezi e- hungsweise die Asylgesuche abgelehnt. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.– grundsätzlich den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG, Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aus verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen auf deren Erhebung zu verzichten (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 6 Bst. b VGKE). (Dispositiv nächste Seite) D-2926/2013 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die schweizerische Ver- tretung im Sudan und das BFM. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Thomas Wespi Claudia Jorns Morgenegg Versand: