<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 109 S.372</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">372</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>109 Wiederaufnahme des Verfahrens.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Keine Wiederaufnahme des Verfahrens bei Vorliegen von echten</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Noven (Erw. I/3a).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Auf ein Wiederaufnahmebegehren aufgrund unechter Noven ist nur</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dann einzutreten, wenn diese durch die Betroffenen aus entschuld-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>baren Gründen nicht bereits im früheren Verfahren vorgebracht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wurden. In casu liegen keine entschuldbaren Gründe vor</b></span><br/> <span class="ft2"><b>(Erw.</b></span> <span class="ft2"><b>I/3b/cc).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom 7. Mai 2004</span><br/> <span class="ft3">in Sachen R.D. und S.D.-V. betreffend Wiederaufnahmeverfahren</span><br/> <span class="ft3">(BE.2003.00065).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">A. Der Gesuchsteller 1 hielt sich in den Jahren 1987 bis 1990</span><br/> <span class="ft1">jeweils als Saisonnier in der Schweiz auf. Seit dem 30. November</span><br/> <span class="ft1">1990 ist er im Besitz einer Jahresaufenthaltsbewilligung. Seit 1992</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamtes</div> <span class="page_no">373</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">leben auch seine Ehefrau, die Gesuchstellerin 2, und seine inzwi-</span><br/> <span class="ft1">schen volljährigen Kinder in der Schweiz.</span><br/> <span class="ft1">Bis Ende Juli 1994 arbeitete der Gesuchsteller 1 in verschiede-</span><br/> <span class="ft1">nen Unternehmungen; seither ist er aus gesundheitlichen Gründen</span><br/> <span class="ft1">nicht mehr erwerbstätig. Am 3. Juli 1995 meldete der Externe</span><br/> <span class="ft1">Psychiatrische Dienst des Kantons Aargau den Gesuchsteller 1 zum</span><br/> <span class="ft1">Bezug von IV-Leistungen an. Nachdem die Fremdenpolizei (heute</span><br/> <span class="ft1">Migrationsamt) den Gesuchstellern die Aufenthaltsbewilligungen</span><br/> <span class="ft1">während des Verfahrens zur Abklärung der IV-Rentenberechtigung</span><br/> <span class="ft1">des Gesuchstellers 1 immer wieder verlängert hatte, obwohl die Fa-</span><br/> <span class="ft1">milie in finanzieller Hinsicht massiv unterstützt werden musste,</span><br/> <span class="ft1">wurde den Gesuchstellern mit Schreiben der Fremdenpolizei vom</span><br/> <span class="ft1">3. Mai 2000 das rechtliche Gehör betreffend Nichtverlängerung ihrer</span><br/> <span class="ft1">Aufenthaltsbewilligungen gewährt. Am 30. August 2000 verfügte die</span><br/> <span class="ft1">Fremdenpolizei die Nichtverlängerung der Jahresaufenthaltsbewilli-</span><br/> <span class="ft1">gungen der Gesuchsteller sowie ihrer in diesem Zeitpunkt minderjäh-</span><br/> <span class="ft1">rigen Kinder. Die Einsprache der Gesuchsteller gegen die genannte</span><br/> <span class="ft1">Verfügung wurde betreffend die Kinder der Gesuchsteller am</span><br/> <span class="ft1">28. Februar 2001 gutgeheissen, betreffend die Gesuchsteller selbst</span><br/> <span class="ft1">aber abgewiesen.</span><br/> <span class="ft1">Die Gesuchsteller erhoben gegen diesen Einspracheentscheid</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde, worauf das Rekursgericht das damalige Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">verfahren am 10. April 2001 bis zum Entscheid über die IV-Renten-</span><br/> <span class="ft1">berechtigung des Gesuchstellers 1 sistierte. Am 10. Juni 2003 ent-</span><br/> <span class="ft1">schied das Versicherungsgericht des Kantons Aargau, dem Gesuch-</span><br/> <span class="ft1">steller 1 werde mit Wirkung ab 1. Juli 1999 eine halbe IV-Rente und</span><br/> <span class="ft1">dreien seiner Kinder eine halbe Kinderrente zugesprochen. Mit Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung vom 15. August 2003 trat die Sozialversicherungsanstalt des</span><br/> <span class="ft1">Kantons Aargau (SVA) auf den Antrag der Gesuchsteller zum Bezug</span><br/> <span class="ft1">von Ergänzungsleistungen zur IV-Rente wegen Verletzung der Mit-</span><br/> <span class="ft1">wirkungspflichten nicht ein.</span><br/> <span class="ft1">Am 26. September 2003 wies das Rekursgericht in Kenntnis</span><br/> <span class="ft1">des Nichteintretensentscheides der Sozialversicherungsanstalt die</span><br/> <span class="ft1">Beschwerde betreffend die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewil-</span><br/> <span class="ft1">ligungen der Gesuchsteller ab. Zur Begründung führte das Rekursge-</span><br/> <span class="ft1">richt damals aus, die Gesuchsteller erfüllten den Ausweisungstatbe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">374</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">stand der fortgesetzten, erheblichen Fürsorgeabhängigkeit gemäss</span><br/> <span class="ft1">Art. 10 Abs. 1 lit. d des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Nieder-</span><br/> <span class="ft1">lassung der Ausländer (ANAG) vom 26. März 1931. Aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">konkreten Umstände könne auch nicht angenommen werden, dass</span><br/> <span class="ft1">sich ihre wirtschaftliche Situation in Zukunft zum Besseren wende.</span><br/> <span class="ft1">Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erscheine zudem</span><br/> <span class="ft1">verhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">B. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2003 sprach die SVA dem</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsteller rückwirkend ab November 2000 und für die Zukunft</span><br/> <span class="ft1">Ergänzungsleistungen zu, worauf die Gesuchsteller mit Eingabe vom</span><br/> <span class="ft1">19. Dezember 2003 Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens</span><br/> <span class="ft1">stellten.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">I. 1. Ein rechtskräftig erledigtes Verfahren ist bei Vorliegen der</span><br/> <span class="ft1">im Gesetz genannten Voraussetzungen auf Begehren eines Beteilig-</span><br/> <span class="ft1">ten durch die letzte Instanz wiederaufzunehmen (§ 27 des Gesetzes</span><br/> <span class="ft1">über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG] vom 9. Juli 1968). Das</span><br/> <span class="ft1">Rekursgericht hat die Angelegenheit der Gesuchsteller als letzte In-</span><br/> <span class="ft1">stanz entschieden (vgl. Entscheid des Rekursgerichts im Ausländer-</span><br/> <span class="ft1">recht vom 26. September 2003, BE. 2001.00021); dieses rekursge-</span><br/> <span class="ft1">richtliche Urteil ist mit der Zustellung am 29. September 2003 in</span><br/> <span class="ft1">Rechtskraft erwachsen. Die sachliche und die funktionelle Zustän-</span><br/> <span class="ft1">digkeit des Rekursgerichts sind damit gegeben.</span><br/> <span class="ft1">2. Das Wiederaufnahmebegehren ist innert drei Monaten, seit</span><br/> <span class="ft1">der Gesuchsteller vom Wiederaufnahmegrund Kenntnis erhalten hat,</span><br/> <span class="ft1">schriftlich einzureichen (§ 28 VRPG). Die Gesuchsteller stützen ihr</span><br/> <span class="ft1">Gesuch im Wesentlichen auf die Verfügung der SVA vom</span><br/> <span class="ft1">28. Oktober 2003, mit welcher ihnen Ergänzungsleistungen zuge-</span><br/> <span class="ft1">sprochen wurden. Ihr Gesuch selbst datiert vom 19. Dezember 2003</span><br/> <span class="ft1">und ist somit rechtzeitig erfolgt.</span><br/> <span class="ft1">3. Gemäss § 27 lit. a VRPG ist ein Verfahren nur dann wieder-</span><br/> <span class="ft1">aufzunehmen, wenn nachgewiesen wird, dass neue erhebliche Tatsa-</span><br/> <span class="ft1">chen oder Beweismittel vorliegen, die zur Zeit des Erlasses der Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamtes</div> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fügung oder des Entscheides wohl bestanden, den Behörden aber</span><br/> <span class="ft1">nicht bekannt waren. Anlass zur Wiederaufnahme bieten also nur so-</span><br/> <span class="ft1">genannte unechte Noven.</span><br/> <span class="ft1">a) Die Gesuchsteller machen geltend, die SVA habe ihnen mit</span><br/> <span class="ft1">Verfügung vom 28. Oktober 2003 Ergänzungsleistungen rückwir-</span><br/> <span class="ft1">kend ab November 2000 und für die Zukunft zugesprochen. Damit</span><br/> <span class="ft1">lägen eine neue Tatsache und ein neues Beweismittel vor, die erheb-</span><br/> <span class="ft1">lich seien, da sie die wirtschaftliche Situation der Gesuchsteller</span><br/> <span class="ft1">grundlegend veränderten. Zudem hätten sich die Kinder der Gesuch-</span><br/> <span class="ft1">steller mit Schreiben vom 1. Dezember 2003 unterschriftlich ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtet, den Eltern monatlich je CHF 250.-- zu überweisen, damit</span><br/> <span class="ft1">die durch den Bezug von Fürsorgeleistungen entstandenen Schulden</span><br/> <span class="ft1">abgebaut werden könnten.</span><br/> <span class="ft1">Das zur Diskussion stehende Urteil des Rekursgerichts datiert</span><br/> <span class="ft1">vom 26. September 2003; die von den Gesuchstellern eingereichte</span><br/> <span class="ft1">Verfügung der SVA vom 28. Oktober 2003. Die Verfügung der SVA</span><br/> <span class="ft1">ist also jünger als das Urteil des Rekursgerichts; sie bestand mit an-</span><br/> <span class="ft1">deren Worten im Zeitpunkt der Urteilsfällung noch nicht. Insofern</span><br/> <span class="ft1">stellt sie kein unechtes, sondern ein echtes Novum dar und kann des-</span><br/> <span class="ft1">halb aufgrund des klaren Wortlautes von § 27 lit. a VRPG nicht zur</span><br/> <span class="ft1">Wiederaufnahme des Verfahrens führen (vgl. auch AGVE 1986,</span><br/> <span class="ft1">S. 131). Gleiches gilt für die Zusicherung von Unterstützungsleistun-</span><br/> <span class="ft1">gen durch die Kinder der Gesuchsteller, welche vom 1. Dezember</span><br/> <span class="ft1">2003 datiert.</span><br/> <span class="ft1">b) aa) Aufgrund der erst nach dem Urteil des Rekursgerichts er-</span><br/> <span class="ft1">gangenen Verfügung der SVA berücksichtigte das Rekursgericht in</span><br/> <span class="ft1">seinem Urteil vom 26. September 2003 nicht, dass die Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen für den Bezug von Ergänzungsleistungen bereits seit November</span><br/> <span class="ft1">2000 bestanden. Fraglich ist damit, ob ein Wiederaufnahmegrund</span><br/> <span class="ft1">darin zu erblicken ist, dass die Voraussetzungen für den Bezug von</span><br/> <span class="ft1">Ergänzungsleistungen gemäss Verfügung der SVA vom 28. Oktober</span><br/> <span class="ft1">2003 im Zeitpunkt der Urteilsfällung durch das Rekursgericht zwar</span><br/> <span class="ft1">bestanden, behördlicherseits aber noch nicht festgestellt waren. Dies</span><br/> <span class="ft1">ist aus zwei Gründen zu verneinen.</span><br/> <span class="ft1">bb) Einerseits ist die Wiederaufnahme des Verfahrens nur dann</span><br/> <span class="ft1">angezeigt, wenn die vorgebrachten neuen Tatsachen und Beweismit-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tel erheblich, d.h. entscheidrelevant sind (§ 27 lit. a VRPG; vgl. dazu</span><br/> <span class="ft1">Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983,</span><br/> <span class="ft1">S. 263).</span><br/> <span class="ft1">Dass die heute vorliegende Verfügung der SVA vom 28. Okto-</span><br/> <span class="ft1">ber 2003 feststellt, dass die Gesuchsteller im Zeitpunkt des Erlasses</span><br/> <span class="ft1">des Urteils des Rekursgerichts vom 26. September 2003 zum Bezug</span><br/> <span class="ft1">von Ergänzungsleistungen berechtigt waren und ihnen die entspre-</span><br/> <span class="ft1">chenden Leistungen auch zubilligt, ist nicht entscheidrelevant. In</span><br/> <span class="ft1">seinem Urteil vom 26. September 2003 äusserte sich das Rekursge-</span><br/> <span class="ft1">richt nicht zum Anspruch der Gesuchsteller auf Ergänzungsleistun-</span><br/> <span class="ft1">gen. Es erstellte aufgrund der ihm bekannten Umstände und des bis-</span><br/> <span class="ft1">herigen Verhaltens der Gesuchsteller eine Prognose betreffend die</span><br/> <span class="ft1">Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse. Da insbesondere im</span><br/> <span class="ft1">Hinblick auf die Nichteintretensverfügung der SVA vom 15. August</span><br/> <span class="ft1">2003 keine Anzeichen einer künftigen Besserung ersichtlich waren,</span><br/> <span class="ft1">erachtete das Rekursgericht den Ausweisungstatbestand von Art. 10</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. d ANAG als erfüllt. Ob dagegen die Voraussetzungen zum</span><br/> <span class="ft1">Bezug von Ergänzungsleistungen eigentlich erfüllt gewesen wären,</span><br/> <span class="ft1">war für den Ausgang des Verfahrens nicht entscheidend. Der Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid des Rekursgerichts wäre nicht anders ausgefallen, selbst wenn</span><br/> <span class="ft1">das Rekursgericht aufgrund der Akten hätte davon ausgehen können,</span><br/> <span class="ft1">der Gesuchsteller sei zum Bezug von Ergänzungsleistungen berech-</span><br/> <span class="ft1">tigt. Massgebend wäre gewesen, ob der Gesuchsteller seinen An-</span><br/> <span class="ft1">spruch geltend gemacht hatte und nicht, ob grundsätzlich ein An-</span><br/> <span class="ft1">spruch bestand.</span><br/> <span class="ft1">cc) Zur Frage, ob die Gesuchsteller ihren Anspruch auf Ergän-</span><br/> <span class="ft1">zungsleistungen geltend gemacht hatten, ist Folgendes festzuhalten.</span><br/> <span class="ft1">Den Gesuchstellern war aufgrund des früheren Verfahrens bekannt,</span><br/> <span class="ft1">dass ihre finanzielle Lage darüber entscheiden würde, ob ihre Auf-</span><br/> <span class="ft1">enthaltsbewilligungen verlängert werden würden oder nicht. Aus die-</span><br/> <span class="ft1">sem Grund wurde das Verfahren denn auch sistiert, bis der Entscheid</span><br/> <span class="ft1">über die IV-Rentenberechtigung des Gesuchstellers 1 vorlag. Mit</span><br/> <span class="ft1">Verfügung vom 15. August 2003 trat die SVA auf den Antrag der</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsteller auf Ausrichtung von Ergänzungsleistungen nicht ein,</span><br/> <span class="ft1">da die Gesuchsteller ihre Mitwirkungspflichten verletzt hatten, indem</span><br/> <span class="ft1">sie die zur Beurteilung des Antrags notwendigen Unterlagen nicht</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <div class="title">Beschwerden gegen Einspracheentscheide des Migrationsamtes</div> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">eingereicht hatten. Diese dem Rekursgericht ebenfalls zugestellte, im</span><br/> <span class="ft1">Wiederaufnahmegesuch geflissentlich übergangene Verfügung wurde</span><br/> <span class="ft1">den Gesuchstellern zur Kenntnisnahme überlassen, so dass sie den</span><br/> <span class="ft1">Sachverhalt, so wie er sich dem Rekursgericht aufgrund der damals</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Akten präsentierte, kannten. Mit anderen Worten</span><br/> <span class="ft1">wussten die Gesuchsteller, dass das Rekursgericht davon ausging,</span><br/> <span class="ft1">dem Gesuchsteller 1 würden keine Ergänzungsleistungen zugespro-</span><br/> <span class="ft1">chen und sie wussten auch, dass dies für den Ausgang des Verfahrens</span><br/> <span class="ft1">relevant sein könnte.</span><br/> <span class="ft1">Auf ein Wiederaufnahmebegehren ist aber nur dann einzutreten,</span><br/> <span class="ft1">wenn sämtliche Verfahrensvoraussetzungen erfüllt sind. Darunter</span><br/> <span class="ft1">fällt die Prüfung der Zuständigkeit und der Zulässigkeit des Begeh-</span><br/> <span class="ft1">rens (Legitimation, Antrag und Begründung, Fristwahrung), welche</span><br/> <span class="ft1">insbesondere auch diejenige der Subsidiarität des Wiederaufnahme-</span><br/> <span class="ft1">verfahrens gegenüber dem ursprünglichen Verfahren einschliesslich</span><br/> <span class="ft1">der damaligen Rechtsmittelmöglichkeiten mit umfasst. Allgemeine</span><br/> <span class="ft1">Rechtsgrundsätze verlangen, dass der um Wiederaufnahme Nachsu-</span><br/> <span class="ft1">chende keine Rügen vorbringen darf, die er bei Beachtung der zu-</span><br/> <span class="ft1">mutbaren Sorgfalt bereits mit dem einem ordentlichen Rechtsmittel</span><br/> <span class="ft1">hätte erheben können (AGVE 2001, S. 390 mit weiteren Verweisen).</span><br/> <span class="ft1">Selbst wenn Beweismittel und Tatsachen vor der Entscheidfäl-</span><br/> <span class="ft1">lung bereits bestanden, den Behörden im Zeitpunkt ihres Entscheides</span><br/> <span class="ft1">aber nicht bekannt waren und damit im Hinblick auf § 27 lit. a</span><br/> <span class="ft1">VRPG als unechten Noven gelten, rechtfertigt sich eine Wiederauf-</span><br/> <span class="ft1">nahme nur dann, wenn sie entweder dem Gesuchsteller ebenfalls</span><br/> <span class="ft1">nicht bekannt oder diesem nicht zugänglich waren. Mit anderen</span><br/> <span class="ft1">Worten ist auf ein Wiederaufnahmebegehren aufgrund unechter No-</span><br/> <span class="ft1">ven nur dann einzutreten, wenn diese durch den Gesuchsteller aus</span><br/> <span class="ft1">entschuldbaren Gründen nicht bereits im früheren Verfahren vorge-</span><br/> <span class="ft1">bracht wurden (vgl. dazu Gygi, a.a.O).</span><br/> <span class="ft1">Entscheidend ist damit, ob im Zeitpunkt der Urteilsfällung</span><br/> <span class="ft1">durch das Rekursgericht ein Wiedererwägungsverfahren betreffend</span><br/> <span class="ft1">das Gesuch um Zusprechung von Ergänzungsleistungen bei der SVA</span><br/> <span class="ft1">hängig war und weshalb dieses durch das Rekursgericht nicht be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigt wurde. Wann das Wiedererwägungsgesuch bei der SVA</span><br/> <span class="ft1">eingereicht wurde, geht aus den vorliegenden Akten nicht hervor.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">378</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Sollte es erst nach dem 26. September 2003 eingereicht worden sein,</span><br/> <span class="ft1">läge ohnehin ein echtes, hier nicht zu berücksichtigendes Novum vor.</span><br/> <span class="ft1">Haben die Gesuchsteller aber vor dem Erlass des Urteils vom</span><br/> <span class="ft1">26. September 2003 die SVA um eine Wiedererwägung der Verfü-</span><br/> <span class="ft1">gung vom 15. August 2003 angegangen, so haben sie es sich selbst</span><br/> <span class="ft1">zuzuschreiben, dass sie diesen Umstand dem Rekursgericht nicht un-</span><br/> <span class="ft1">verzüglich mitgeteilt haben. Sie wären in diesem Zeitpunkt gehalten</span><br/> <span class="ft1">gewesen, das Gericht zu informieren. Dass sie dies nicht taten, kann</span><br/> <span class="ft1">nicht mit einem Wiederaufnahmeverfahren korrigiert werden. Ein zu</span><br/> <span class="ft1">berücksichtigender Wiederaufnahmegrund liegt damit nicht vor.</span><br/></div> </div> </body> </html>