Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 21. Januar 2020 (460 2018 309) ____________________________________________________________________ Strafrecht Raub etc. Besetzung Vizepräsident Markus Mattle, Richterin Helena Hess (Ref.), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiberin Olivia Reber Parteien Staatsanwaltschaft Basel -Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde A.____ , Privatkläger gegen B.____ , vertreten durch Advokat Silvio Bürgi, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Raub etc. Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 23. Juli 2018 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft v om 23. Juli 2018 wurde B.____ des Raubes schuldig erklärt und zu einer unbedin gten Freiheitsstrafe von 9 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft vom 27. September 2016 bis zum 30. September 2016 von insgesamt 3 Tagen, verurteilt (Ziff. 1). Hingegen wurde B.____ von der Anklage der Freiheitsberaubung freigesprochen (Ziff. 2). Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 2‘735.50 und einer pauschalen Gerichtsgebühr von Fr. 1‘500.--, wurden B.____ in Anwendung von Art. 4 26 Abs. 1 StPO zu 2/3 und dem Staat zu 1/3 auferlegt (Ziff. 3). Das Honorar der amtlichen Ve rteidigung in Höhe von insgesamt Fr. 3‘058.25 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) wurde unter Vorbehalt der Rückzah- lungsverpflichtung von B.____ nach Art. 135 Abs. 4 StP O aus der Gerichtskasse entrichtet (Ziff. 4). B. B.____ meldete nach der Eröffnung des Urteilsdispositi vs beim Strafgericht Basel- Landschaft Berufung an. C. Am 12. Oktober 2018 erklärte B.____, vertreten durch Ad vokat Silvio Bürgi, beim Kan- tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nach folgend Kantonsgericht), Berufung und beantragte, das erstinstanzliche Urteil sei insofern abzuä ndern, als der Berufungskläger im An- klagepunkt 1 vom Vorwurf des Raubes vollumfänglich und k ostenlos freizusprechen sei. Die Berufung richte sich auch gegen die Strafzumessung, di e Modalitäten des Vollzugs sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der Berufungskläger beantragte ferner, es sei der Verteidi- gung zu gestatten, allfällige Beweisanträge erst anläs slich der schriftlichen Berufungsbegrün- dung zu formulieren. Schliesslich beantragte er die am tliche Verteidigung mit Advokat Silvio Bürgi für das Berufungsverfahren. D. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (nachfolgend St aatsanwaltschaft) reichte am 16. Oktober 2018 ihre Stellungnahme ein und stellte weder einen Antrag auf Nichteintreten noch erklärte sie die Anschlussberufung. Sie beantragte die Abweisung der Berufung und die vollumfängliche Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. Weiter erachte sie einen persönlichen Auftritt an der Berufungsverhandlung als nicht erforde rlich, weshalb sie nicht um Vorladung zur Verhandlung ersuche. Hingegen beantragte die Staatsanwaltschaft, es sei das Gesuch um Ge- währung der amtlichen Verteidigung für das Berufungsv erfahren abzuweisen. Ausserdem er- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht suchte sie um Gewährung des rechtlichen Gehörs zu einer al lfälligen schriftlichen Berufungs- begründung. E. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2018 wies das verfahren sleitende Präsidium des Kantonsgerichts das Gesuch des Berufungsklägers um Gewähru ng der amtlichen Verteidigung ab. F. Nachdem der Berufungskläger am 14. Januar 2019 beim Bu ndesgericht Beschwerde in Strafsachen betreffend die Ablehnung der amtlichen Verteidigung eingereicht hatte, hiess das Bundesgericht diese mit Urteil vom 4. April 2019 gut, hob die Dispositiv Ziffer 2 der Verfügung des Präsidenten des Kantonsgerichts vom 12. Dezember 2018 a uf und bewilligte dem Be- schwerdeführer die amtliche Verteidigung mit Advokat Silvio Bürgi für das Berufungsverfahren. G. Mit Eingabe vom 8. Juli 2019 reichte der Berufungskläge r beim Kantonsgericht die Be- rufungsbegründung ein und beantragte, Ziff. 1 des Ur teils des Strafgerichtspräsidiums vom 23. Juli 2018 sei insofern aufzuheben und abzuändern, a ls der Berufungskläger von der Ankla- ge des Raubes vollumfänglich und kostenlos freizusprech en sei (Ziff. 1). Eventualiter sei Ziff. 1 des besagten Urteils aufzuheben und das Verfahren zur StPO-konformen Durchführung respek- tive zur Führung eines gemeinsamen Verfahrens gegen den Berufungskläger und die Mitbe- schuldigten an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen (Ziff. 2). Ziff. 3 des Urteils des Strafge- richtspräsidiums vom 23. Juli 2018 sei insofern aufzuheben und abzuändern, als die Kosten des Vorverfahrens sowie die Gerichtsgebühr vollumfänglich zu Lasten des Staates zu verlegen sei- en (Ziff. 3). Weiter sei Ziff. 4 insofern aufzuheben und abzuändern, als von einer Rückerstat- tungspflicht für die Kosten der amtlichen Verteidigung im Umfang von 2/3 abzusehen sei (Ziff. 4); dies alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Staates. Schliesslich sei dem Beru- fungskläger für das Berufungsverfahren die amtliche Ver teidigung mit Advokat Silvio Bürgi zu bewilligen (Ziff. 5). Im Rahmen der Begründung bean tragte der Berufungskläger ferner, die von der Vorinstanz im Rahmen der Beweiswürdigung als Bela stungszeugen aufgeführten C.____, D.____ und E.____ seien zweitinstanzlich als Auskunftsperso nen zu befragen, damit der Beru- fungskläger seinen Konfrontationsanspruch wahrnehmen könne. Überdies werde die Befragung von F.____ beantragt. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht H. Die Staatsanwaltschaft reichte am 6. August 2019 ihre Berufungsantwort ein und bean- tragte die vollumfängliche Abweisung der Berufung. I. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 14. August 2019 hiess das Kantonsgericht das Beweisbegehren des Berufungsklägers, wonach C.____, D.__ __, E.____ und F.____ vor Kan- tonsgericht zu befragen seien, gut. Ob die genannte n Personen in der prozessualen Stellung des Zeugen oder der Auskunftsperson befragt würden, w erde anlässlich der kantonsgerichtli- chen Hauptverhandlung entschieden. Mit derselben Verfü gung schloss das verfahrensleitende Präsidium des Kantonsgerichts den Schriftenwechsel. Der Berufungskläger habe vor Kantons- gericht persönlich aufzutreten. Das persönliche Erscheinen des Privatklägers vor dem Beru- fungsgericht werde in sein freies Ermessen gestellt. Die Staatsanwaltschaft werde von der Teil- nahme an der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung dispensiert. J. An der kantonsgerichtlichen Berufungsverhandlung erschei nen der Beschuldigte und sein amtlicher Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft wur de mit Verfügung vom 14. August 2019 vom Erscheinen zur Berufungsverhandlung dispensiert. Als Ze ugen resp. Auskunftspersonen erscheinen D.____, E.____ und F.____. C.____ erscheint trotz Vorladung nicht. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerisc hen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rech tsverletzungen, die unvollstän- dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefoch tenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsger icht innert 20 Tagen seit der Zustel- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 23. Juli 2018 angefochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Der Beschuldigte und Berufungskläger mel- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht dete nach Eröffnung des Urteilsdispositivs beim Strafgeri cht Berufung an und reichte am 12. Oktober 2018 seine Berufungserklärung beim Kantonsg ericht ein. Damit hat er die Rechts- mittelfrist gewahrt und ist seiner Erklärungspflicht na chgekommen. Die Zuständigkeit der Drei- erkammer des Kantonsgerichts als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einfüh- rungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (E G StPO, SGS 250). Die Berufung des Beschuldigten erfüllt somit sämtliche Formalien, weshalb auf diese einzutreten ist. II. Materielles 1. Allgemeines 1.1 Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsger icht das erstinstanzliche Ur- teil nur in den angefochtenen Punkten. Aufgrund der T atsache, wonach im vorliegenden Fall nur der Beschuldigte Berufung erklärt hat, darf das Kan tonsgericht in Anbetracht des Verbots der "reformatio in peius“ das vorinstanzliche Urteil nu r entweder bestätigen oder zu Gunsten des Beschuldigten mildern, hingegen nicht verschärfen (Art. 391 Abs. 2 StPO). Konkret bean- standet der Beschuldigte den Schuldspruch wegen Raubes, die Strafzumessung sowie die Kos- tenfolgen; insbesondere die Rückerstattungspflicht für die Kosten der amtlichen Verteidigung. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO bilden im vorliegend en Berufungsverfahren somit nur die vorgängig genannten Punkte Gegenstand der richterlichen Überprüfung. 1.2 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urtei- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seine r aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft se in Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprec hen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Bew eise. Massgebend ist allein deren Stichhaltigkeit (C HRISTOF RIEDO /G ERHARD FIOLKA /M ARCEL ALEXANDER NIGGLI , Strafprozess- recht, 2011, Rz. 234; T HOMAS HOFER , Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 1 01) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte un d Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Bes chuldigte unschuldig ist. Als Beweis- würdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrich ter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erkl ären darf, wenn bei objektiver Be- trachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungs- regel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer mög- lich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werde n kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um so lche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher E rmessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). 1.3 Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittel- instanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigun g des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittel- verfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). 2. Beweis- resp. Verfahrensanträge 2.1 Im Rahmen der Berufungsbegründung vom 8. Juli 2019 hat der Beschuldigte bean- tragt, dass die von der Vorinstanz im Rahmen der Beweiswü rdigung als Belastungszeugen auf- geführten C.____, D.____ und E.____ zweitinstanzlich al s Auskunftspersonen befragt würden, damit er seinen Konfrontationsanspruch wahrnehmen könne . Überdies hat er die Befragung von F.____ beantragt. Mit Verfügung vom 14. August 20 19 hat die Verfahrensleitung des Kan- tonsgerichts das Beweisbegehren des Berufungsklägers, wo nach C.____, D.____, E.____ so- wie F.____ vor Kantonsgericht zu befragen seien, gutgeheissen. Ob die genannten Personen in der prozessualen Stellung des Zeugen oder der Auskunftsp erson befragt würden, werde an- lässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung entschieden. Das Bundesgericht hat sich im Leitentscheid BGE 144 IV 9 7 mit der Frage auseinandergesetzt, ob eine Person, die in einem getrennt geführten Verfahren rechtskräftig verurteilt wurde, im spä- teren Verfahren gegen einen Tatbeteiligten zum glei chen Sachverhalt Zeugnis ablegen kann. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nachdem sich das Bundesgericht eingehend mit der Rechtspre chung, der Lehre und den an- wendbaren Gesetzesbestimmungen auseinandergesetzt hatte, hat es zusammenfassend fest- gehalten, dass eine Person, die in einem getrennten Ve rfahren für die abzuklärende Tat oder eine damit in Zusammenhang stehende Straftat rechtskräf tig verurteilt wurde, grundsätzlich in analoger Anwendung von Art. 162 ff. StPO als Zeuge od er Zeugin einzuvernehmen ist. Beste- hen jedoch im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die einzuvernehmende Person über ihre Verurteilung hinaus (vgl. jedoch Art. 11 StPO) als T äterin oder Teilnehmerin der abzuklärenden oder einer konnexen Straftat nicht ausgeschlossen werden kann, so ist sie gestützt auf Art. 178 lit. d StPO als Auskunftsperson einzuvernehmen. Der Ent scheid über die Rolle der einzuver- nehmenden Person richtet sich nach der Sach- und Rechtsla ge im Einvernahmezeitpunkt (vgl. zum Ganzen BGE 144 IV 97 mit vielen weiteren Hinweisen). Das Kantonsgericht hat im Rahmen der Berufungsverhandl ung entschieden, C.____ sowie D.____ und E.____ in der prozessualen Stellung als Zeu gen, F.____ hingegen als Auskunfts- person einzuvernehmen. Das Kantonsgericht hat bei der Juge ndanwaltschaft Basel-Landschaft telefonisch in Erfahrung bringen können, dass sowohl in Bezug auf D.____ als auch in Bezug auf E.____ im Jahr 2017 jeweils eine Nichtanhandnahmeverfügung ergangen ist. Ihre Verfahren sind durch die Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft und da mit getrennt vom Verfahren des Beschuldigten geführt und rechtskräftig abgeschlossen wor den, weshalb das Schutzbedürfnis dieser beiden einzuvernehmenden Personen entfällt und sie im vorliegenden Verfahren als Zeugen nach Art. 162 StPO einzuvernehmen sind. C.____ ist gemäss telefonischer Auskunft der Staatsanwaltschaft rechtskräftig schuldig gesproche n worden. Auch sein Verfahren ist be- kanntlich getrennt geführt worden, weshalb auch er al s Zeuge nach Art. 162 StPO einzuver- nehmen ist. Anders sieht es in Bezug auf F.____ aus. Aus den Akten ist zwar ersichtlich, dass gegen ihn ein rechtskräftiger Strafbefehl vorliegt. Sein Verfahren ist aber zusammen mit demje- nigen des Beschuldigten geführt worden. Da sich der obg enannte Leitentscheid des Bundesge- richts lediglich zu Personen äussert, die im getrennten Verfahren bereits rechtskräftig beurteilt worden sind, ist F.____ im Zweifel als Auskunftsperson nach Art. 178 StPO einzuvernehmen. 2.2 Nachdem C.____ trotz Vorladung nicht zur Berufungsverhan dlung erschienen ist, stellt der Beschuldigte den Antrag, das Verfahren auszusetzen. Dieser Antrag ist jedoch aus nachfol- genden Gründen abzuweisen: Die Aussagen von C.____ sin d für die vorinstanzliche Verurtei- lung des Beschuldigten nicht von ausschlaggebender Bedeut ung gewesen. Die Verurteilung des Beschuldigten beruht nicht im Wesentlichen auf den Aussagen von C.____. Da C.____ den Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschuldigten gar nicht belastet, mithin kein "Belastun gszeuge" ist, stellt sich die Frage, ob überhaupt ein Konfrontationsanspruch besteht. Es komm t hinzu, dass C.____ im Rahmen des Berufungsverfahrens wohl ohnehin nichts Neues mehr au sgesagt hätte, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die vorliegend zu beurteilende T at mittlerweile bereits dreieinhalb Jahre zurückliegt. Mit der Staatsanwaltschaft ist ausserdem festzuhalten, dass zwar in jedem Fall ver- sucht werden muss, die Konfrontation durchzuführen. Gelingt eine solche jedoch nicht, sind die Aussagen bei nebensächlichen Belastungen auch ohne Kon frontation verwertbar. Dies gilt ins- besondere dann, wenn es nicht die Behörden zu vertr eten haben, dass der Anspruch nicht mehr erfüllt werden kann. Der Antrag auf Aussetzung d er Verhandlung ist jedenfalls abzuwei- sen. 3. Eventualantrag auf Rückweisung des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft zur StPO-konformen Durchführung respektive zur Führung e ines gemeinsamen Verfahrens gegen den Berufungskläger und die Mitbeschuldigten 3.1 Grundsatz der Verfahrenseinheit 3.1.1 Der Beschuldigte macht in seiner Berufungsbegründung vom 8. Juli 2019 geltend, dass die Strafverfahren gegen die Mitbeschuldigten separat geführt worden seien. Gemäss den Aus- führungen der Staatsanwaltschaft im Schlussbericht vom 25. Januar 2018 sei das Verfahren gegen F.____ rechtskräftig mit Strafbefehl erledigt, das Verfahren gegen die zur Tatzeit minder- jährigen D.____ und E.____ von der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft und das Verfahren von C.____ von einer anderen Staatsanwältin geführt w orden. Somit seien die Verfahren ent- gegen den gesetzlichen Vorgaben von Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO nicht gemeinsam geführt wor- den, was von der Verteidigung anlässlich der erstinstanzli chen Hauptverhandlung auch gerügt worden sei. Die Vorinstanz habe sich mit der im erstinsta nzlichen Verfahren seitens der Vertei- digung vorgetragenen Rüge im angefochtenen Urteil üb erhaupt nicht auseinandergesetzt, was einer Verletzung der Begründungspflicht gemäss Art. 81 StPO resp. einem Verstoss gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV gleichkomme. Liesse sich noch darüber streiten, ob eine Abtrennung d er Verfahren der beiden zur Tatzeit minderjährigen D.____ und E.____ aus sachlichen Gründ en angezeigt sei, sei dies bei F.____ und C.____ erkennbar nicht der Fall. Die Staatsanwalt schaft führe keinerlei sachliche Gründe für eine Verfahrenstrennung ins Feld. Weshalb das Ve rfahren von C.____ deshalb separat ge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht führt worden sei, weil es sich bei ihm um einen Haftfa ll gehandelt habe, bleibe schleierhaft. Es sei jedenfalls nicht nachvollziehbar, inwiefern die gemeinsame Führung des Verfahrens zu einer nicht hinnehmbaren Verzögerung des Verfahrens von C.___ _ geführt hätte, zumal diesem ge- mäss Staatsanwaltschaft ohnehin noch diverse weitere Del ikte zur Last gelegt worden seien und ein "schnellerer" Verfahrensabschluss als beim Beschuldi gten nicht zu erwarten gewesen sei. Hinzu komme, dass weder die Staatsanwaltschaft noch d as erstinstanzliche Gericht die Verfahren des Beschuldigten, von C.____ und F.____ formell korrekt getrennt hätten. Die Tren- nung eines gemeinsam zu führenden Strafverfahrens au s sachlichen Gründen gemäss Art. 30 StPO, mit welcher eine Einschränkung des rechtlichen Gehörs und der Verlust der Parteiöffent- lichkeit einhergingen, wäre formell zu verfügen gewesen. Nur in diesem Fall wäre der Angeklag- te vollständig im Bilde darüber gewesen, dass die Stra fverfahren entgegen den gesetzlichen Vorgaben getrennt geführt würden, und hätte man ihm die wirksame Möglichkeit eingeräumt, sich dagegen mittels Beschwerde zur Wehr zu setzen. Soll te das Gericht nicht die Vorausset- zungen für einen vollumfänglichen Freispruch als gegeben erachten, müsste deshalb zwingend eine Rückweisung des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft zur gemeinsamen Anklage gegen B.____, C.____ und F.____ verfügt werden. 3.1.2 Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer Berufungsantwort vom 6. August 2019 demgegen- über aus, das Verfahren des Beschuldigten sei nie zusammen mit den Verfahren gegen C.____ und die jugendlichen Mittäter geführt, sondern von d iesen seit Beginn getrennt worden. Somit sei auch keine anfechtbare Verfügung betreffend Verfa hrenstrennung zu erlassen gewesen. Dass das Verfahren von jenem gegen C.____ getrennt ge führt worden sei, sei jederzeit trans- parent und der damaligen Verteidigung bekannt gewese n. Diese habe dagegen keine Einwän- de erhoben und auch nicht um eine Feststellungsverfügun g ersucht. Eine Verletzung des Grundsatzes der Verfahrenseinheit wäre noch während de s Vorverfahrens zu rügen gewesen. Das Verfahren des Beschuldigten sei weiter sehr wohl gem einsam mit jenem von F.____ ge- führt worden, da hier kein sachlicher Grund zur Verfah renstrennung bestanden habe. Lediglich die Beurteilung sei nicht gemeinsam erfolgt. Es sei nicht einzusehen, weshalb einem Beschul- digten am Ende eines gemeinsam geführten Verfahrens die kostengünstige Erledigung des Verfahrens mittels Strafbefehls verwehrt werden müsse, w enn bei einem andern Beschuldigten ein Strafbefehl aus formellen Gründen nicht möglich se i. Hätte F.____ den Strafbefehl nicht akzeptiert, wäre gemeinsam Anklage erhoben worden. Weit er führt die Staatsanwaltschaft aus, im Herbst 2016 sei einerseits sicherzustellen gewesen, dass der Haftfall von C.____ möglichst Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht schnell zur Anklage gebracht werden könne. Andererseits sei es aufgrund der Vielzahl der Fälle auch denkbar gewesen, dass sich die Anklage gegen C.____ erheblich verzögern werde, womit wiederum das Beschleunigungsgebot gegen den Beschuldig ten und F.____ verletzt worden wäre. Sachliche Gründe zur getrennten Führung der Ver fahren hätten vorgelegen. Ausserdem sei der Strafbefehl gegen F.____ rechtskräftig. 3.1.3 Im vorliegenden Fall ist keine Verletzung des Grundsatze s der Verfahrenseinheit nach Art. 29 StPO ersichtlich. Die Staatsanwaltschaft und die Gerichte können aus sachlichen Grün- den Strafverfahren trennen oder vereinen. In casu hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Beru- fungsantwort vom 6. August 2019 solche sachlichen Gründe nachvollziehbar und schlüssig dargelegt. Das Verfahren gegen F.____ ist nicht getr ennt geführt, sondern lediglich getrennt abgeschlossen worden. Gegen F.____ ist ein Strafbefehl erlassen worden, welcher unange- fochten in Rechtskraft erwachsen ist. Hingegen ist gegen d en Beschuldigten Anklage beim Strafgericht erhoben worden. Bei D.____ und E.____ handelt es sich um zum Tatzeitpunkt Min- derjährige, weshalb ihre Verfahren zuständigkeitshalber von der Jugendanwaltschaft Basel- Landschaft durchgeführt resp. nicht an Hand genommen worden sind. Zu guter Letzt ist das Verfahren des Beschuldigten von demjenigen von C.____ getrennt worden, da diesem diverse Straftaten zur Last gelegt worden sind und er sich ausser dem in Haft befunden hat, weshalb sein Verfahren vordringlich durchgeführt werden musste (A rt. 5 Abs. 2 StPO). Ferner ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte eine angebliche Verlet zung der Verfahrenseinheit früher hätte geltend machen können. Es war ihm bekannt, dass di e Verfahren getrennt geführt wer- den. 3.2 Teilnahmerechte 3.2.1 Der Beschuldigte bringt in seiner Berufungsbegründung vom 8. Juli 2019 des Weiteren vor, seine Teilnahmerechte seien verletzt worden. Die e hemalige Verteidigerin des Beschuldig- ten habe die Teilnahmerechte für sich und ihren Mandanten mit Schreiben vom 4. Oktober 2016 angemeldet. Der Angeklagte sei erstmals nach seiner Ve rhaftung am 28. September 2016 da- rauf aufmerksam gemacht worden, dass gegen ihn ein Stra fverfahren eröffnet worden sei. An den Einvernahmen vor dem 28. September 2016 habe er demnach aufgrund der Verfahrensge- schichte keinerlei Möglichkeit gehabt, Teilnahmerechte a nzumelden, geltend zu machen und auszuüben. Somit habe er an den Einvernahmen des Privat klägers vom 27. August 2016, von Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht C.____ vom 29. August 2016, des Privatklägers vom 23. September 2016 sowie von C.____ vom 26. September 2016 nicht teilnehmen können, wesha lb diese Einvernahmen zumindest nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertet werden dürfte n. Betreffend die Einvernahme von F.____ vom 8. Dezember 2016 sei zu konstatieren, dass diese Rechtsanwältin Martina Horni offenbar mit Faxmeldung vom 5. Dezember 2016 angezeig t worden sei. Die Voraussetzungen für die Ausnahmebestimmung von Art. 203 StPO seien vorl iegend erkennbar nicht erfüllt gewe- sen. Ferner seien involvierte Rechtsanwälte zur Festlegung eines Verhandlungstermins vor- gängig zu kontaktieren und nicht drei Tage vor einer Ein vernahme ohne Vorankündigung vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Frage könne aller dings ohnehin offen gelassen werden, denn wäre der Termin der Einvernahme korrekt angezei gt resp. mit der ehemaligen Verteidi- gung abgesprochen worden und hätte man nicht zu Unrech t ihren Antrag auf amtliche Verteidi- gung abgewiesen, wäre das Teilnahmerecht zweifelsohne wahrgenommen worden. Vor diesem Hintergrund könne auch die Einvernahme von F.____ vom 8. Dezember 2016 nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertet werden. An den Einvernahmen von E.____ vom 27. Dezember 2016, von D.____ vom 19. Januar 2017 von C.____ vom 1 5. März 2017 sowie an der Konfron- tationseinvernahme von C.____ mit D.____ vom 19. April 2017 seien dem Beschuldigten keine Teilnahmerechte eingeräumt worden und in den Akten f inde sich auch kein Nachweis, wonach ihm diese Termine vorgängig korrekt angezeigt worden w ären. Auch hier müsse die Rechtsfol- ge von Art. 147 Abs. 4 StPO greifen. Zu Lasten des Besc huldigten verwertbar seien nach dem Gesagten einzig die Einvernahmen des Angeklagten selber so wie jene von G.____ vom 7. Ok- tober 2016, von H.____ vom 7. Oktober 2016, von I.__ __ vom 15. November 2016 sowie die anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung vor den Schra nken durchgeführten Befragungen. Der Auffassung der Vorinstanz, welche in einem Satz lap idar festhalte, dass alle Aussagen verwertbar seien, könne nicht ansatzweise gefolgt werden. Überdies sei der Konfrontationsanspruch des Beschuldigten tangiert. Die Vorinstanz habe sel- ber einräumen müssen, dass als objektives Beweismittel l ediglich ein Video der Überwa- chungskamera vor dem Bankomaten der J.____ in X.____ vo rliege und ansonsten nur die Aus- sagen der Beteiligten zur Verfügung stünden. Demnach m üsse mit Blick auf das angeklagte Kerngeschehen von einer Aussage-gegen-Aussage-Konstellat ion ausgegangen werden. In ei- ner derartigen Konstellation könne ein Schuldspruch höchstens dann erfolgen, wenn ein Gericht über jeden Zweifel erhabene, detaillierte und glaub hafte Aussagen des Belastungszeugen ver- füge. In diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeu tung sei die Tatsache, dass wäh- rend des gesamten Verfahrens kein Konfrontationsanspruc h gegenüber C.____, E.____ und Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht D.____ gewährt worden sei. Für die Ermittlung des re levanten Sachverhalts nehme die Vor- instanz wiederkehrend auf Depositionen dieser drei Personen Bezug. 3.2.2 Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer Berufungsantwor t vom 6. August 2019 zu den Teilnahmerechten aus, bei vor der Eröffnung des Verf ahrens gegen den Beschuldigten erfolg- ten Einvernahmen existiere kein Teilnahmerecht. Dies b etreffe die Einvernahme des Privatklä- gers vom 27. August 2016 und von C.____ vom 29. August 2 016, da das Verfahren gegen den Beschuldigten erst am 14. September 2016 eröffnet wor den sei. Diese Einvernahmen seien somit ohne Weiteres verwertbar, vorbehältlich der Wahr ung des Konfrontationsanspruchs. Die Einvernahmen des Privatklägers vom 23. September 2016 und von C.____ vom 26. September 2016 hätten im Verfahren gegen C.____ und nicht im getrennt geführten Verfahren gegen den Beschuldigten und F.____ stattgefunden. Bei getrennt geführten Verfahren bestünden keine Teilnahmerechte, weshalb auch kein Ausschluss zu verfügen gewesen sei. Die Einvernahme von F.____ sei der damaligen Verteidigung des Beschuldigten angezeigt worden. Entgegen der Behauptung des Beschuldigten bestehe kein Anspruch auf eine bestimmte Form der Mitteilung, auch eine kurzfristige Ankündigung wenige Stunden vor her genüge, wenn die Verteidigung die Rechte prinzipiell ausüben könne. Von einer Verletzung des Konfrontationsanspruchs könne nur die Rede sein, wenn trotz gestell- tem Antrag auf Konfrontation eine solche unzulässigerw eise unterlassen und trotzdem auf die belastenden Aussagen abgestellt werde. Der Beschuldigte beantrage nun neu und soweit er- sichtlich erstmalig im Berufungsverfahren die Konfrontati on mit C.____, D.____ und E.____ sowie erneut F.____. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung werde diese Konfronta- tion vor den Schranken des Kantonsgerichts erforderlich s ein, und zwar auch dann, wenn die belastende Aussage keinen wesentlichen Beweis oder nur e in Glied in einer Indizienkette dar- stelle. Gelinge eine Konfrontation nicht, seien diese bei nebensächlichen Belastungen auch ohne Konfrontation verwertbar. 3.2.3 Im vorliegenden Verfahren bzw. spätestens im Berufungsver fahren ist den Teilnahme- rechten des Beschuldigten Genüge getan worden. Vorab i st darauf hinzuweisen, dass die Teil- nahme lediglich im eigenen, nicht aber in getrennt geführten Verfahren gewährleistet sein muss. Die Teilnahmerechte bestehen erst ab Eröffnung des ei genen Strafverfahrens. Die nach Art. 147 Abs. 1 StPO zur Teilnahme berechtigten Part eien sind die beschuldigte Person, die Privatklägerschaft und – im Haupt- und Rechtsmittelverfa hren – die Staatsanwaltschaft. Das Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Teilnahmerecht steht allen Verfahrensbeteiligten zu, die im jeweiligen Verfahren Parteistellung haben (WOLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 147 N 3). Viele Einvernahmen, bei welchen der Beschuldigte seine Teilna hmerechte als verletzt betrachtet, sind bereits aus diesem Grund verwertbar. In den Verfahren gegen C.____, D.____ und E.____ hatte der Beschuldigte keine Parteistellung inne. Nur das Verfahren gegen F.____ ist zusam- men mit demjenigen gegen den Beschuldigten geführt wo rden. Was die Einvernahme von F.____ vom 8. Dezember 2016 anbelangt, ist festzuhalten , dass die Mitteilung an den Beschul- digten per Fax vom 5. Dezember 2016 ausreicht, zumal ih m nur ein Teilnahmerecht zugestan- den ist und ihn keine Erscheinungspflicht getroffen hat. Die effektive Ausübungsmöglichkeit des Teilnahmerechts erfordert insbesondere die recht-, d. h. frühzeitige Orientierung auch der bloss anwesenheitsberechtigten Personen (JONAS WEBER , Basler Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 201 N 2). Nach Art. 202 Abs. 1 lit. a StPO wer den Vorladungen im Vorverfahren mindes- tens drei Tage vor der Verfahrenshandlung zugestellt. Dies gilt für die Zustellung an die vorge- ladene Person, weshalb eine Mitteilung an eine nur t eilnahmeberechtigte Person drei Tage vor der Einvernahme ebenfalls rechtzeitig sein muss. Auch di e Mitteilung per Fax ist ausreichend, da sogar die vorzuladende Person in dringenden Fälle n per E-Mail oder per Telefax informiert werden kann (ULRICH WEDER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Auflage 2014, Art. 201 N 19). Dies muss wiederum erst recht für die Mitteilung an eine bl oss teilnahmeberechtigte Person gelten, die keine Pflicht zum Erscheinen trifft. Schliesslich ist d arauf hinzuweisen, dass die Parteien keinen zwingenden Anspruch darauf haben, dass der Term in der Beweisabnahme mit ihnen abgesprochen wird (WOLFGANG WOHLERS , Zürcher Kommentar StPO, Art. 147 N 7). Alle vier vom Beschuldigten bezeichneten Personen sind se inem Antrag entsprechend zur Be- rufungsverhandlung vorgeladen worden. Abgesehen von C. ____ sind alle erschienen und vor Kantonsgericht befragt worden. Wie bereits erwähnt, i st die Aussage von C.____ entbehrlich resp. für die Verurteilung des Beschuldigten nicht von B edeutung. Dass der Beschuldigte nicht mit C.____ konfrontiert worden ist, spielt unter diesen Umständen keine Rolle. Während F.____ sowohl vor Strafgericht als auch vor Berufungsgericht Au ssagen gemacht hat, sind D.____ und E.____ erst im Berufungsverfahren befragt worden. Ein e allfällige Verletzung des Konfrontati- onsanspruchs des Beschuldigten in Bezug auf D.____ un d E.____ gilt jedoch als im vorliegen- den Verfahren geheilt. 3.3 Demzufolge ist der Eventualantrag des Berufungsklägers auf Rückweisung des Verfah- rens an die Staatsanwaltschaft zur StPO-konformen Durchfü hrung respektive zur Führung ei- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht nes gemeinsamen Verfahrens gegen den Berufungskläger un d die Mitbeschuldigten abzuwei- sen. 4. Hauptantrag auf Aufhebung des Schuldspruchs wege n Raubes 4.1 Drohung und Tätlichkeiten An dieser Stelle ist vorab festzuhalten, dass der Beschul digte sowohl zugegeben hat, dem Pri- vatkläger vor dem Bankomaten eine Ohrfeige verpasst sow ie diesem gedroht zu haben. Die Ohrfeige ist ausserdem zusätzlich auf dem Video der Über wachungskamera der J.____ X.____ aufgezeichnet. Auch im vorliegenden Berufungsverfahren bestreitet der Beschuldigte die Dro- hungen und Tätlichkeiten gegenüber dem Privatkläger ni cht. Insofern erübrigen sich weitere Ausführungen in Bezug auf die Ohrfeige und die Drohu ngen und es ist diesbezüglich gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich auf die korrekten tatsächlichen Erwägungen des Strafge- richtspräsidiums zu verweisen (vgl. Urteil des Strafgeri chtspräsidiums vom 23. Juli 2018, E. I, 2.4, 2.5 und 3.2). 4.2 Durchsuchung und Wegnahme von Geld, Zigaretten und Portemonnaie 4.2.1 Der Beschuldigte macht in Bezug auf die angebliche Durch suchung des Privatklägers und die Wegnahme von Geld etc. in seiner Berufungsb egründung vom 8. Juli 2018 geltend, dass keinerlei objektive Beweise existieren würden. Der Beschuldigte habe stets bestritten, den Privatkläger durchsucht resp. ausgeraubt und Geld von ihm genommen zu haben. Die Aussa- gen des Beschuldigten seien dabei widerspruchsfrei und bereits vor dem Hintergrund glaubhaft, dass er sich in anderen Punkten selber von Anfang an nicht unwesentlich belastet habe. In den Erwägungen der Vorinstanz würden jegliche Aus führungen zur Beurteilung der Glaub- haftigkeit resp. der inhaltlichen Qualität der Aussagen des Privatklägers und von F.____ fehlen. Eine eigentliche Realkennzeichenanalyse werde nicht einma l rudimentär vorgenommen, schon gar nicht lege artis. Ausserdem sei unberücksichtigt gelassen worden, dass der Beschuldigte betreffend die Durchsuchung des Privatklägers vor dem Str afgericht erheblich entlastet worden sei und beide Auskunftspersonen unabhängig voneinander zu Protokoll gegeben hätten, dass der Beschuldigte den Privatkläger weder kontrolliert n och durchsucht habe, sondern dies viel- mehr durch C.____ erfolgt sei. Der Schuldspruch wegen Raubs verletze den strafprozessualen Grundsatz "in dubio pro reo" in krasser Art und Weise, zumal der Schuldspruch von der Vor- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht instanz praktisch ausnahmslos auf nicht verwertbare Aussag en gestützt werde. Die Ausgangs- frage, die man sich bei Würdigung der einzelnen Beweism ittel stellen müsse, sei jene, ob sich der Anklagesachverhalt durch die angeblichen Beweismitte l positiv "beyond reasonable doubt" belegen lasse. Bei korrekter Beweiswürdigung sei zu Gunsten des Beschuldigten einzig erstellt, dass sich dieser anlässlich der Durchsuchung des Privatkläge rs durch C.____ in der Nähe auf- gehalten haben müsse, selber jedoch nicht handgreifli ch geworden sei und den Privatkläger auch nicht zum Widerstand unfähig gemacht habe. Der Vor fall am Bahnhof sei vielmehr eine Auseinandersetzung zwischen C.____ und dem Privatkläger g ewesen. Die Tatsache, dass der Beschuldigte offenbar zum Schluss des Vorfalls eine Zigar ette an sich genommen habe, lasse ihn keinesfalls als Hauptbeteiligter eines Raubs dastehen. 4.2.2 Die Staatsanwaltschaft macht demgegenüber in ihrer Ber ufungsantwort vom 6. August 2019 geltend, aufgrund der verwertbaren Aussagen sei er stellt, dass der Beschuldigte Gewalt gegen sein Opfer ausgeübt resp. angedroht und somit d as Opfer widerstandsunfähig gemacht habe. Für die Erfüllung des Tatbestandes des Raubs sei es irrelevant, welcher Wert der Ver- mögensgegenstand habe, der dem Opfer weggenommen werde, und sei es auch nur eine Ziga- rette im Wert von einigen Rappen. Die Privilegierung der Geringfügigkeit gelte explizit nicht bei Raub. Der Beschuldigte habe in dieser Tatphase gewal tsam die Ausgangslage dafür geschaf- fen, dass der Mittäter C.____ das Portemonnaie des Opfers habe behändigen können. 4.2.3 Hinsichtlich der Durchsuchung des Privatklägers sowie der We gnahme von Geld etc. ist gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO grundsätzlich auf die tatsächlichen Ausführungen des Vor- derrichters zu verweisen (vgl. Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 23. Juli 2018, E. I, 2.2 und 3.3). Nachfolgend sind lediglich einige Punkte hervorzuh eben, welche die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach C.____ und der Beschuldigte gemein same Sache bezüglich der Durchsu- chung des Privatklägers und der darauffolgenden Wegnahme dessen Eigentums gemacht ha- ben, bekräftigen. In der Einvernahme vom 27. August 2016 hat der Priva tkläger ausgeführt, beim Treffpunkt in der Allee in X.____ hätten sie etwa eine Viertelstun de auf C.____ gewartet. Als dieser aufge- taucht sei, habe er alle Anwesenden ausser ihn begrü sst. Ihn habe er direkt gefragt, ob er Geld dabeihabe. Er habe gesagt, dass er nur Fr. 90.-- bei si ch trage. Deswegen habe "C.____" (C.____) ihm eine Ohrfeige gegeben. Anschliessend habe "B.____" (der Beschuldigte) ihn durchsucht. Er habe seine Säcke leeren müssen. Dann hätten sie ihm alles weggenommen und Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht gesagt, wenn er eine Auszahlung am Bankomaten gemacht h abe, würde er seine Sachen wie- der zurückbekommen (Akten S. 425). Auch in der Einvernah me vom 23. September 2016 hat der Privatkläger diesbezüglich ausgesagt, er habe bei d er Allee alle seine Taschen leeren und sich auf die Treppe legen müssen. Dann sei er von "B.____" ordentlich durchsucht worden, und dann seien sie zur Bank gelaufen (Akten S. 469). H.____ hat in seiner Einvernahme vom 7. Oktober 2016 zu den Differenzen in der Allee ange- geben, dass "B.____" sonst immer korrekt gewesen sei. Auf die Frage hin, warum "B.____" an diesem Tag nicht korrekt gewesen sei, hat er ausgeführt, er sei korrekt gewesen, er habe nichts gemacht. Er kenne nicht alles, es sei um Geld gegangen (Akten S. 581). F.____ hat in seiner Einvernahme vom 8. Dezember 201 6 ausgesagt, in der Allee hätten der Privatkläger, "B.____", D.____, die Freundin von "B._ ___", E.____ und vielleicht noch K.____ auf "C.____" gewartet. Der Privatkläger sei nicht festge halten worden, aber dieser "B.____" habe schon geschaut, dass der Privatkläger nicht davongehe n könne. Wenn dieser gegangen wäre, wären wohl alle auf ihn losgegangen. Nach rund 10 oder 20 Minuten sei "C.____" ge- kommen und dann sei es losgegangen. Sie hätten ihm alles abgenommen und dann sei das mit der Bank geschehen. "C.____" und "B.____" hätten dem Privatkläger alles abgenommen; das Gras, andere Sachen und sogar den Kugelschreiber. "L.__ __" und dieser "B.____" hätten ihn "ausgesackt". Hauptsächlich habe sich beim Aussacken aber "B. ____" beteiligt, aber alles auf Anweisung von "C.____" (Akten S. 619). E.____ hat in seiner Einvernahme vom 27. Dezember 2016 auf die Frage hin, wer in der Allee der Wortführer gewesen sei, gesagt: "B.____ war Wortführer" (Akten S. 653). Die Aussagen des Privatklägers sind von Beginn an widerspr uchsfrei und werden ausserdem von den in der Allee anwesenden Personen weitgehend be kräftigt. D.____ und E.____ haben das Kerngeschehen ebenfalls bestätigt, wobei E.____ sogar angegeben hat, dass der Beschul- digte in der Allee der Wortführer gewesen sei. F.__ __ hat ausgesagt, dass der Beschuldigte den Privatkläger in der Allee "ausgesackt" habe. H.____ hat angegeben, dass es bei der Ausei- nandersetzung in der Allee um Geld gegangen sei. 4.3 Versuchter Geldbezug am Bankomaten 4.3.1 In seiner Berufungsbegründung vom 8. Juli 2019 bringt der Beschuldigte vor, als einzi- ges objektives Beweismittel liege ein Video der Überw achungskamera vor dem Bankomaten Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht der J.____ X.____ vor, auf welchem zu sehen sei, wie der Beschuldigte dem Privatkläger eine Ohrfeige verpasse. Auch hinsichtlich des Vorfalls beim Bankomaten müsse sich die Vorinstanz vorhalten lassen, dass sie im Urteil auf nicht verwertbare Beweismittel abstelle. Beweisrechtlich sei nicht erstellt, dass der Beschuldigte den Auftrag geh abt habe, für C.____ Fr. 1'000.-- erhält- lich zu machen und vor dem Bankomaten der Wortführer g ewesen sei. Dagegen spreche der Umstand, dass nicht der Beschuldigte, sondern F.____ die B ankkarte des Privatklägers in den Bankomaten geschoben haben soll. Überdies liessen sich d ie Depositionen des Beschuldigten, wonach er aus einem gänzlich anderen Motiv "Stress" mit dem Privatkläger gehabt, sich des- wegen auch beim Bankomaten aufgehalten und dem Privat kläger schliesslich eine Ohrfeige verpasst habe, nicht widerlegen. Die Vorinstanz sei nich t in der Lage darzulegen, weshalb die Aussagen des Beschuldigten nicht überzeugend wären, zum al das von ihm geäusserte Motiv von I.____ in der Einvernahme vom 15. November 2016 in direkt bestätigt worden sei und of- fenbar auch die Vorinstanz in Betracht ziehe, dass es we gen Nacktfotos zum Streit gekommen sein könnte. Schlussendlich begnüge sich die Vorinstanz auch in diesem Sachverhaltsabschnitt damit, eine banale Plausibilitätsprüfung durchzuführen und die Depositionen des Beschuldigten in globo zu verwerfen. Namentlich habe es die Vorinstanz auch in diesem Sachverhaltskomplex unterlassen, eine Beurteilung der Glaubhaftigkeit de r Aussagen der angeblichen Belastungs- zeugen vorzunehmen. Vor dem Hintergrund, dass ohnehin einzig nicht verwertbare Aussagen aus dem Vorverfahren herangezogen würden, erübrige es si ch, die Rüge zu vertiefen. Keine Basis für einen Schuldspruch könnten im Übrigen die Au ssagen des Privatklägers anlässlich der Hauptverhandlung vom 23. Juli 2018 bilden, zumal dieser seine Aussagen immer wieder geändert und angepasst habe und von dem die Vorinstanz sage, dass er offensichtlich zu Über- treibungen neige. 4.3.2 In ihrer Berufungsantwort vom 6. August 2019 macht die Staatsanwaltschaft demge- genüber geltend, die Ohrfeige sei während des versucht en Bargeldbezuges erfolgt und damit würden die beiden Handlungen ganz offensichtlich zusamm enhängen. Dass der Beschuldigte aus persönlichem Ärger resp. Beziehungsfrust eine Ohrfeig e ausgeteilt habe, sei per se nicht unvorstellbar, wohl aber am fraglichen Ort und zum fraglichen Zeitpunkt: Der Beschuldigte hätte sein Opfer irgendwann und irgendwo malträtieren könne n, wenn es ihm nur um persönlichen Zwist gegangen wäre, und nicht etwa unmittelbar vor ei nem Bankomaten während des Bar- geldbezugs, wo der Beschuldigte mit der Videoüberwachu ng des Tatorts und damit der Auf- zeichnung seiner Tat habe rechnen müssen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3.3 Auch hier ist grundsätzlich gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO auf die tatsächlichen Aus- führungen des Strafgerichtspräsidiums zu verweisen (vgl. Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 23. Juli 2018, E. I, 2.3 und 3.3). Wiederum sind e inige Punkte anzuführen, welche für die Schlussfolgerung der Vorinstanz sprechen, wonach C.____ und der Beschuldigte auch bezüg- lich des versuchten Geldbezuges gemeinsame Sache gemacht haben. In der Einvernahme vom 27. August 2016 hat der Privatkläger ausgeführt, "B.____", zwei Kolle- gen und er seien von der Allee zum Bankomaten der J.__ __ X.____ gegangen, um Geld abzu- heben. Auf dem Weg habe er ("B.____") ihm noch zwei weitere Ohrfeigen geschlagen. "B.____" habe seine Karte in den Bankomaten gesteckt und den Co de wissen wollen. Da er am Tag zu- vor dreimal den falschen Code eingegeben habe, habe es nicht funktioniert. Daraufhin habe der Beschuldigte ihm weitere Ohrfeigen vor dem Bankomaten gegeben (Akten S. 425). F.____ hat in seiner Einvernahme vom 8. Dezember 2016 angegeben, "C.____" habe gesagt, sie sollten mit dem Privatkläger zum Bankomaten gehen. Der andere mit dem Bart, er wisse nicht mehr wie dieser Typ heisse, habe die Aufgabe geha bt, zu kontrollieren, dass der Privat- kläger den richtigen Code eingebe und "C.____" das Gel d bringe. Vor diesem Geldautomaten und schon vorher habe der Privatkläger mehrfach "Chläp per", also gute "Chläpper", erhalten. Der Privatkläger habe Angst gehabt, das habe man gesehe n. Er habe schnell geatmet und ge- weint (Akten S. 609 f.). "C.____" habe "B.____" mit dem Privatkläger zur Bank geschickt. Sie seien mitgegangen, weil sie danach weitergewollt hätt en, nicht um sich zu bereichern. Vor der Bank habe der Privatkläger von "B.____" einen "fetten Chläpper erhalten". Er (F.____) habe geschaut, dass er nicht noch mehr Ohrfeigen bekomme. Er w isse nicht mehr, wer die Karte in den Geldautomaten gesteckt habe. Es könne aber gut se in, dass er das gewesen sei. Er wisse es nicht mehr. Der Privatkläger habe ihm wirklich leidget an, er habe immer "tränige" Augen ge- habt (Akten S. 619). D.____ hat in seiner Einvernahme vom 19. Januar 2017 angegeben, dass der Privatkläger von "C.____" an den Geldautomaten geschickt worden sei. "C.____" habe den Privatkläger mit dem Beschuldigten an den Geldautomaten geschickt (Akten S. 6 75). Auf die Frage hin, wer bei die- ser Geschichte Wortführer gewesen sei, hat D.____ geant wortet, in der Allee "C.____" und beim Geldautomaten der Beschuldigte. Im Polizeilichen Ermittlungsbericht vom 3. Oktober 2016 ist unter anderem festgehalten worden, dass im Smartphone des Beschuldigten eine WhatsApp Nachr icht von seiner Ex-Freundin vom Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 26. August 2016, 12.28 Uhr, habe gefunden werden könn en. In dieser Nachricht teile die Ex- Freundin dem Beschuldigten mit, dass C.____ das Geld vo m Privatkläger noch immer nicht erhalten habe und er die Telefonanrufe nicht entgege nnehme. Dass C.____ das Geld am Vor- tag aber bereits erhalten hätte, sei eingangs im Beri cht erwähnt worden. Dem Telefon des Pri- vatklägers habe entnommen werden können, dass C.____ am 26. August 2016 am späteren Vormittag rund fünfmal versucht haben dürfte, den Pri vatkläger zu kontaktieren. Nachdem die- ser auf die Anrufe nicht reagiert habe, sei es durch e ine andere Rufnummer über Mittag zu wei- teren zehn Anrufversuchen gekommen. Die Rufnummer sei i m Telefon des Privatklägers aus- schliesslich am Tattag des 26. August 2016 aufgetaucht und dürfte im Zusammenhang mit den Anrufversuchen von C.____ stehen (Akten S. 399). Im Rahmen der Befragung vor Kantonsgericht hat der Be schuldigte sodann auf die Frage hin, warum er mit zur Bank gegangen sei, geantwortet, dass C .____ viele Leute kenne. Er habe Paranoia gehabt, dass er ihm nachher Probleme mache. Und er habe das mit dem Privatkläger regeln wollen. Auf Nachfrage des Vizepräsidenten hin, ob also C.____ gewollt habe, dass er zur Bank gehe, hat der Beschuldigte gesagt: "Ja so ungefähr. Kann man so sagen." Wenn er nicht gegangen wäre, wäre C.____ entweder auf ihn losgegan gen oder er hätte das herumerzählt. C.____ schlage schnell zu (Protokoll Berufungsverhandlun g, S. 8). Auf die Frage hin, ob er Angst vor C.____ habe, hat der Beschuldigte gesagt, C. ____ sei Haupttäter, habe seinen Ein- fluss, kenne viele Leute von der Strasse und man wolle mit diesen keine Probleme haben. Die würden einen dann schlagen. Auf Nachfrage hin, ob er a lso Angst vor C.____ gehabt habe und eine eigene Angelegenheit habe regeln müssen, hat de r Beschuldigte gemeint, dass sich das gerade habe verbinden lassen. Er habe gewusst, dass der P rivatkläger Schulden habe (Proto- koll Berufungsverhandlung, S. 9). Selbst der Beschuldigt e hat damit bestätigt, dass er von C.____ mit dem Privatkläger zur J.____ geschickt worden ist. 5. Rechtliche Würdigung In Bezug auf das Rechtliche ist gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich auf die vor- instanzlichen Ausführungen zu verweisen (vgl. Urteil de s Strafgerichtspräsidiums vom 23. Juli 2018, E. II), zumal die rechtliche Qualifikation nicht angefochten ist und die diesbezüglichen Erwägungen des Vorderrichters korrekt sind. Der Beschuldigte hat sich im Ergebnis der Tätlich- keit, der Drohung sowie des Raubes in Mittäterschaft schul dig gemacht. Da jedoch sowohl die Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätlichkeit als auch die Drohung im Tatbestand des Raub es aufgehen, werden sie konsumiert, weshalb der Beschuldigte allein für Raub zu bestrafen ist. 6. Strafzumessung 6.1 Der Beschuldigte macht in seiner Berufungsbegründung vom 8. Juli 2019 geltend, dass die Verhängung einer unbedingten Freiheitsstrafe in d er Höhe von 9 Monaten nicht mehr als schuldangemessen erachtet werden könne. 6.2 Die Staatsanwaltschaft führt diesbezüglich in ihrer Ber ufungsantwort vom 8. Juli 2019 aus, die Mindeststrafe bei Raub betrage 6 Monate Frei heitsstrafe. Der Beschuldigte sei nur we- nige Monate vor der nun zu beurteilenden Tat zu ein er unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten verurteilt worden, wobei es sich nicht um d ie erste Vorstrafe gehandelt habe, der Rückfall sei zudem einschlägig. Besonders günstige Umstände für den bedingten Vollzug seien nicht ersichtlich, wobei der Staatsanwaltschaft die aktue lle persönliche Situation nicht bekannt sei. Die Freiheitsstrafe könne in Halbgefangenschaft od er eventuell im Electronic Monitoring vollzogen werden, sodass eine solche Strafe den Beschuldigten nicht aus seinem neuen Leben – wenn er ein solches haben sollte – herausreissen würde . Besonders günstige Umstände wä- ren nur denkbar, wenn der Beschuldigte sein Leben unterdessen um 180° geändert habe, wozu keine Anhaltspunkte bestünden. Die vom Strafgerichtspräsi dium verhängte unbedingte Frei- heitsstrafe sei somit verschuldensangemessen. 6.3 In Bezug auf die Strafzumessung ist gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO grundsätzlich auf die sorgfältigen und korrekten vorinstanzlichen Ausführu ngen zu verweisen (vgl. Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 23. Juli 2018, E. III), won ach im Ergebnis eine unbedingte Frei- heitsstrafe von neun Monaten als tat- und schuldangemes sen erscheint. Nachfolgend ist ledig- lich auf einige Umstände einzugehen, die sich erst nach d em erstinstanzlichen Urteil ergeben haben. Das Urteil des Vorderrichters datiert vom 23. Juli 2018 u nd das vorliegende Urteil vom 21. Januar 2020. Die vergleichsweise lange Verfahrensd auer bis zum zweitinstanzlichen Urteil gründet auf dem Umstand, dass die Verfahrensleitung des Kantonsgerichts dem Beschuldigten die amtliche Verteidigung zunächst nicht gewährt hat. Nachdem der Berufungskläger am 14. Januar 2019 beim Bundesgericht Beschwerde in Straf sachen betreffend die Ablehnung der Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht amtlichen Verteidigung eingereicht hatte, hiess das Bun desgericht diese mit Urteil vom 4. April 2019 gut. Die Dispositiv Ziffer 2 der Verfügung des Prä sidenten des Kantonsgerichts vom 12. Dezember 2018 wurde aufgehoben und dem Beschwerde führer die amtliche Verteidigung mit Advokat Silvio Bürgi für das Berufungsverfahren be willigt. Vor diesem Hintergrund ist von der von der Vorinstanz korrekt festgesetzten Freiheitsstr afe von 9 Monaten ein weiterer Monat in Abzug zu bringen. Im Ergebnis resultiert demnach eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten. Der anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichten B escheinigung der Ausgleichskasse Basel-Stadt vom 6. Dezember 2019 ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte eine ganze Invali- denrente von monatlich Fr. 1'580.-- erhält. Aus dem S chreiben vom 17. Januar 2020 des Wohnbegleiters HEKS ist ersichtlich, dass dieser den Beschu ldigten einmal pro Woche be- sucht, und sich der Beschuldigte kooperativ zeige und auf gutem Weg sei. Aus dem aktuellen Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister geht hervor, dass gegen den Beschuldigten drei weitere Strafuntersuchungen, namentlich wegen Vergewaltigung und Wider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (19. Mai 2018), Beschimpfung (28. Februar 2019) sowie Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch (17 . Juli 2019), im Kanton Basel- Stadt laufen. Auch wenn während der Strafuntersuchunge n die Unschuldsvermutung (Art. 10 Abs. 1 StPO) gilt, zeigt sich dennoch, dass der Beschuldig te auch nach seiner bedingten Ent- lassung aus dem Strafvollzug vom 26. August 2017 sowie n ach dem Urteil der Vorinstanz vom 23. Juli 2018 strafrechtlich auffällig geworden ist. Seit dem Urteil des Vorderrichters vom 23. Juli 2018 ist keine erhebliche Verbesserung einge- treten. Der Beschuldigte hatte bereits im Rahmen der Verhandlung vor Strafgericht eine Woh- nung sowie Bewährungs- und Suchthilfe. Die einzige ob jektivierte Veränderung seit dem erstin- stanzlichen Urteil ist der Umstand, dass der Berufungskläger nunmehr eine ganze Invalidenren- te bezieht. Ein bedingter Vollzug der Freiheitsstrafe ko mmt daher nicht in Frage, zumal noch immer keine besonders günstigen Umstände vorliegen. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der Beschuldi gte zu einer unbedingten Frei- heitsstrafe von 8 Monaten zu verurteilen ist. 7. Kosten vor Strafgericht Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wen n sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz die Verfahrenskosten im Umfang von 2/3 dem Beschuldigten und im Umfang von 1/3 dem Staat auferlegt, da der Beschuldig te von der Anklage der Freiheitsberau- bung freigesprochen wurde, der Hauptaufwand der Ermit tlungen jedoch auf den Raub gerichtet gewesen ist. Da der Schuldspruch wegen Raubes im Berufun gsverfahren nicht aufgehoben wurde, rechtfertigt es sich nicht, die Kostenregelung des erstinstanzlichen Verfahrens zu än- dern; sie ist vielmehr zu bestätigen (vgl. Urteil des Str afgerichtspräsidiums vom 23. Juli 2018 E. V sowie Dispositiv Ziffer 3). Dasselbe gilt für die Kosten der amtlichen Verteidigung, wonach der Beschuldigte zur Rückzahlung von 2/3 verpflichtet ist (vgl. Urteil des Strafgerichtspräsidi- ums vom 23. Juli 2018 E. VI sowie Dispositiv Ziffer 4). III. Kosten vor Kantonsgericht 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die K osten des Rechtsmittelverfah- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder d ie das Rechtsmittel zurückzieht. Die Beru- fung des Beschuldigten ist zwar mit vorliegendem Urteil teilweise gutgeheissen, das Urteil der Vorinstanz aber fast vollumfänglich bestätigt worden. Ei nzig abgeändert wurde die Dauer der unbedingten Freiheitsstrafe, wobei lediglich ein Monat weniger auszusprechen ist als noch vor dem Vorderrichter. Dementsprechend gehen die Verfahr enskosten des Kantonsgerichts in der Höhe von Fr. 10'600.--, bestehend aus eine Gerichtsgebü hr von Fr. 10'500.-- (§ 12 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) sowie Auslagen von Fr. 100. --, zu Lasten des Beschuldigten. 2. Mit Urteil vom 4. April 2019 hat das Bundesgericht die Dispositiv Ziffer 2 der Verfügung des Präsidenten des Kantonsgerichts vom 12. Dezember 2018 a ufgehoben und dem Be- schwerdeführer die amtliche Verteidigung mit Advokat Sil vio Bürgi für das Berufungsverfahren bewilligt. Die Honorarnote von Advokat Silvio Bürgi vom 20. Januar 2020, mit welcher er einen Aufwand von 15,6667 Stunden à Fr. 200.-- sowie Auslage n von Fr. 71.60 geltend macht, ist nicht zu beanstanden. Hinzu kommt der Aufwand für die Berufungsverhandlung, weshalb ins- gesamt ein Zeitaufwand von 20 Stunden zu entschädigen ist. Dem amtlichen Verteidiger, Advo- kat Silvio Bürgi, ist für das Berufungsverfahren ein Hon orar in der Höhe von Fr. 4'071.60 (inkl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (Fr. 313.50), so mit insgesamt Fr. 4'385.10, aus der Gerichtskasse auszurichten. Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung de r amtlichen Verteidigung an den Kanton sowie zur Erstattung der Differenz zwischen der a mtlichen Entschädigung und dem vol- len Honorar an die Verteidigung verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er- lauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Land schaft vom 23. Juli 2018, auszugsweise lautend: "1. B.____ wird des Raubes schuldig erklärt und verur teilt zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 9 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft vo m 27.09.2016 bis zum 30.09.2016 von insgesamt 3 Tagen, in Anwendung von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Art. 4 0 StGB so- wie Art. 51 StGB. 2. B.____ wird von der Anklage der Freiheitsberaub ung freigespro- chen. 3. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorverfah- rens von CHF 2‘735.50 und einer pauschalen Gerichtsgebühr von CHF 1‘500.00. B.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 2/3 der Ver- fahrenskosten. 1/3 der Verfahrenskosten geht zu Lasten d es Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil ver- langt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche Gebühr auf CHF 750.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 4. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt CHF 3‘058.25 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) wird unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von B.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO aus der Gerichtskasse entrichtet. B.____ ist, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau- ben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen V erteidi- gung im Umfang von 2/3 zurückzuzahlen und der amtliche n Ver- teidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschäd igung und dem vollen Honorar im Umfang von 2/3 zu erstatten (Art. 135 Abs. 4 lit. a und lit. b StPO)." Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigt en in der Dispositiv-Ziffer 1 wie folgt geändert: 1. B.____ wird des Raubes schuldig erklärt und ver urteilt zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten , unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft vo m 27.09.2016 bis zum 30.09.2016 von insgesamt 3 Tagen, in Anwendung von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Art. 4 0 StGB so- wie Art. 51 StGB. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichtspräsidiums bestätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von Fr. 10'600.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr . 10'500.-- sowie Ausla- gen von Fr. 100.--, gehen zu Lasten des Beschuldigten. Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Silvio Bürgi, wird für das Berufungsver- fahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 4'071.60 (in kl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (Fr. 313.50), somit insgesamt Fr. 4'385.10, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung an den Kanton sowie zur Erstattung der D ifferenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar an die Verteidigung ver- pflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse e rlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). III. Mitteilungen (…) Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vizepräsident Markus Mattle Gerichtsschreiberin Olivia Reber Gegen diesen Entscheid ist Beschwerde beim Bundesgericht erhoben worden (6B_712/2020 ).