Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht vom 12. September 2017 (400 17 155) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Kinderunterhalt Besetzung Präsidentin Christine Baltzer-Bader, Richter Dieter Freiburghaus (Ref.), Richterin Barbara Jermann Richterich; Gerichtsschreiberin Karin Arber Parteien A. ____ (geb. 15. Dezember 2014) gesetzlich vertreten durch seine Mutter F.____, diese vertreten durch Erziehungsbeiständin G.____, diese wiederum vertreten durch Advokatin Angela Gantner, Kaser- nenstrasse 22a, 4410 Liestal, Kläger und Berufungskläger gegen B. ____ Beklagter und Berufungsbeklagter Gegenstand Unterhalt Kind Berufung gegen das Urteil des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 3. Januar 2017 A. Das Kind A.____, geb.15. Dezember 2014, ist der une heliche Sohn des in Deutschland lebenden B.____. Die Kindseltern wohnen nicht mehr zusammen. A.____ ist unter der Obhut seiner Mutter und wohnt mit dieser und seinem Halbb ruder (geb. 2009) zusammen. Er ist durch Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Erziehungsbeiständin vertreten, welche in seinem N amen am 7. Oktober 2015 gegen B.____ am Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost eine Klage betreffend Feststellung des Kinds- verhältnisses und Festlegung der Unterhaltsbeiträge einreichte. In Bezug auf die Unterhaltsbei- träge wurde die Verurteilung des Beklagten zur Bezahlung von monatlichen Unterhaltsbeiträgen an den Kläger nach richterlichem Ermessen beantragt, mi ndestens jedoch von CHF 1‘200.00 bis zum vollendeten 6. Altersjahr, danach von CHF 1‘400. 00 bis zum vollendeten 12. Altersjahr und anschliessend von CHF 1‘600.00 bis zur vollendeten Volljährigkeit, unter Vorbehalt von Art. 277 Abs. 2 ZGB, jeweils zuzüglich Kinderzulagen. Sowohl mit Eingabe vom 8. Januar 2016 als auch an der erstinstanzlichen Instruktionsverhandlung vom 19. Mai 2016 anerkannte der Be- klagte die Vaterschaft zum Kläger. Keine Einigkeit besta nd hinsichtlich der Unterhaltsbeiträge. Dem Beklagten wurde vom Zivilkreisgerichtspräsidenten eine Frist zur Einreichung von Unterla- gen gesetzt. An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung v om 3. Januar 2017 beantragte die Erziehungsbeiständin des Klägers mit einer weiteren Eing abe, es sei das neue Kindesunter- haltsrecht anzuwenden und der Beklagte mit Wirkung ab Dezember 2014 zusätzlich zur Bezah- lung des Betreuungsunterhalts nach richterlichem Ermessen zu verurteilen. Sinngemäss be- gehrte sie für den Barunterhalt die Anwendung der Pr ozentregel, wonach der Unterhaltsbeitrag gegenüber einem einzelnen Kind im Allgemeinen 15% d es Nettoeinkommens des Unterhalts- verpflichteten entsprechen soll. Anlässlich der Hauptverhandlung sagte der Beklagte aus, er sei selbständig im Bereich Maschinenbau auf Stundenbasis täti g. Zum Umfang seiner aktuellen Einkünfte machte er keine Angaben. B. Mit Urteil vom 3. Januar 2017 stellte der Zivilkreisgerichtspräsident Basel-Landschaft Ost das Kindsverhältnis zwischen dem Kläger und dem Beklagten fest und verpflichtete den Beklag- ten mit Wirkung ab 1. Dezember 2014 an die gesetzliche Vertreterin des Klägers (Kindsmutter) bis zur Volljährigkeit des Kindes monatliche und voraus zahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 109.00 zuzüglich allfälliger Kinderzulagen zu bez ahlen, unter Vorbehalt von Art. 277 Abs. 2 ZGB. Im Urteil wurde das Einkommen des Beklagten auf CHF 1‘008.00 pro Monat und vor Steuern beziffert sowie ein monatliches Manko des Kläge rs von CHF 753.00 beim Barunterhalt und von CHF 1‘263.00 beim Betreuungsunterhalt aufgefü hrt. Die Gerichtsgebühr wurde den Parteien je hälftig auferlegt und die Parteikosten w ettgeschlagen, wobei beiden Parteien die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt wurde. C. Mit Eingabe vom 5. Mai 2017 an das Kantonsgericht Base l-Landschaft, Abteilung Zivil- recht, erklärte der Kläger, nunmehr anwaltlich vertret en durch Advokatin Angela Gantner, die Berufung gegen die Ziffer 2 des Urteils vom 3. Januar 2017 (Unterhaltsbeiträge) und beantragte die Abänderung der Unterhaltsbeiträge dahingehend, dass der Berufungsbeklagte (Kindsvater) zu verpflichten sei, ab 1. Dezember 2014 an den Beruf ungskläger (Kind) bis zum Eintritt seiner Volljährigkeit monatliche und vorauszahlbare Unterhaltsb eiträge von CHF 2‘126.40 zuzüglich allfälliger Kinder- und Ausbildungszulagen zu bezahlen, unter Vorbehalt von Art. 277 Abs. 2 ZGB. Eventualiter wurde die Rückweisung an die Vorinstan z zur Neubeurteilung beantragt, un- ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Ber ufungsbeklagten. Der Kläger ersuchte überdies um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfle ge und beantragte die Festsetzung ei- nes vorsorglichen Unterhaltsbeitrags für die Dauer des Verfahrens von mindestens CHF 862.50 (Barunterhalt). Mit der Berufung wurden Lohnabrechnu ngen des Berufungsbeklagten für die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Monate Januar 2016, Februar 2016 und Juni 2016 aus d em Erwerb bei der C.____AG einge- reicht. Es wurde ausgeführt, dieses Arbeitsverhältnis be stehe weiter und es werde für den Fall der Bestreitung eine amtliche Erkundigung bei der C._ ___AG als Beweis beantragt. Auf die Ausführungen in der Berufung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Die Kantonsgerichtspräsidentin setzte dem Berufungsbekl agten mit Verfügung vom 10. Mai 2017 eine Frist von 30 Tagen seit Zustellung zu r Berufungsantwort. Weiter forderte sie ihn auf, innert 10 Tagen ab Zustellung ein Zustelldom izil in der Schweiz zu bezeichnen, unter Hinweis darauf, dass Vorladungen und Entscheide im kan tonalen Amtsblatt mitgeteilt werden können, wenn er dieser Aufforderung nicht nachkomme. D iese Verfügung inklusive Berufungs- schrift wurde dem Berufungsbeklagten am 23. Mai 2017 i n Deutschland rechtshilfeweise durch das Amtsgericht in X.____ zugestellt. E. Mit Verfügung vom 19. Juli 2017 stellte die Kantonsgeri chtspräsidentin fest, dass sich der Berufungsbeklagte innert Frist nicht vernehmen liess. Sie schloss den Schriftenwechsel und holte bei der C.____AG eine amtliche Erkundigung übe r Art, Dauer und Umfang der bisherigen oder laufenden Arbeitsverhältnisse mit dem Berufungsbe klagten ein, mit der Aufforderung, den Arbeitsvertrag samt aller Zusätze sowie sämtliche Lohnausweise dem Gericht einzureichen. Die Kindsmutter wurde angehalten, dem Kantonsgericht weit ere Belege zum aktuellen Unterstüt- zungsentscheid der Sozialhilfe einzureichen. Mit der Ver fügung vom 19. Juli 2017 wurde so- dann der Entscheid aufgrund der Akten angeordnet. F. Die C.____AG bestätigte mit Schreiben vom 24. Juli 20 17, dass der Berufungsbeklagte vom 1. September 2015 bis am 31. März 2017 in ihrer Fi rma angestellt gewesen sei und seit dem 1. April 2017 ein unbefristeter Dienstleistungsvertr ag bestehe, unter Beilage der entspre- chenden Verträge, Lohnausweise, Lohnabrechnungen und Honorarrechnungen. G. Mit Eingabe vom 3. August 2017 reichte die Rechtsvertr eterin des Berufungsklägers die Belege der Kindsmutter zur Sozialhilfeunterstützung und zu den Ausgaben ein. Weiter legte die Rechtsvertreterin ihre Honorarnote samt Leistungsdetail vor. Erwägungen 1. Gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid in einer v ermögensrechtlichen Angelegen- heit kann Berufung erhoben werden, sofern der Streit wert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 beträgt (Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO). Für die Bemessung des Streitwerts ist gemäss Art. 91 ZPO das R echtsbegehren massgeblich, wo- bei bei wiederkehrenden Leistungen gemäss Art. 92 ZPO d er Kapitalwert zu veranschlagen ist. Vorliegend ist die Streitwertgrenze von CHF 10'000.00 angesichts des beantragten Unterhalts- beitrags von monatlich CHF 2‘126.40 bis zur Volljährigkeit des Klägers bei Weitem erreicht. Die Berufung ist innert 30 Tagen seit Zustellung des begrü ndeten Entscheids bzw. seit der nach- träglichen Zustellung der Entscheidbegründung schriftl ich und begründet bei der Rechtsmitte- linstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Die schriftl iche Begründung des angefochtenen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheids wurde der Erziehungsbeiständin des Klägers am 31. März 2017 zugestellt. Die Rechtsmittelfrist begann am 1. April 2017 zu laufen, s tand sodann vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern (Art. 145 Abs. 1 lit. a ZPO) bzw. vom 9. April 2017 bis und mit 23. April 2017 still und endete somit am 15. Mai 2017. Die Rechtsmittelfrist ist durch die Berufung vom 5. Mai 2017 gewahrt. Der Berufungskläger macht einerseits eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz geltend, indem diese die Einkommensverhältnis- se des Berufungsbeklagten unvollständig ermittelt habe, und andererseits eine unrichtige Rechtsanwendung, indem die Vorinstanz auf die Anrechnu ng eines hypothetischen Einkom- mens des Berufungsbeklagten verzichtet habe. Damit macht er zulässige Berufungsgründe im Sinne von Art. 310 ZPO geltend. Da auch die weiteren Formalien eingehalten sind, ist auf die vorliegende Berufung einzutreten. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. c EG ZPO ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beurteil ung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Bezirksgerichte, die nicht im summarische n Verfahren ergangen sind, sach- lich zuständig. 2. Im vorliegenden Verfahren ist der Kindesunterhaltsbei trag zu regeln. Es handelt sich da- bei um einen Kinderbelang in familienrechtlichen Ange legenheiten, für welchen der Untersu- chungs- und Offizialgrundsatz gilt. Das bedeutet, dass das G ericht den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht (uneingeschränkter Untersuchungsgrundsat z) und ohne Bindung an die Par- teianträge entscheidet (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO). D ie Untersuchungsmaxime verpflichtet das Gericht, von sich aus alle entscheidrelevanten Elemente in Betracht zu ziehen und unabhängig von den Parteianträgen Beweise zu erheben. Die Untersuchungsmaxime entbindet die Parteien jedoch nicht von einer aktiven Mitwirkung im Verfahren. Die Untersuchungs- und Offizialmaxime gelangt als allgemeiner Grundsatz in allen Verfahrensst adien zur Anwendung, mithin auch im kantonalen Rechtsmittelverfahren (Botschaft ZPO 7375; B GE 137 III 617, E. 4.5.2; Kantonsge- richt Graubünden, Urteil vom 21.11.2016, ZK1 15 134, E. 2a). Aufgrund der Ausführungen in der Berufung, wonach der Berufungsbeklagte mindestens se it Ende 2015 einer unselbständi- gen Beschäftigung in der Schweiz bei der C.____AG nach gehe, hat das Kantonsgericht eine amtliche Erkundigung bei dieser Firma hinsichtlich der b isherigen oder laufenden Arbeitsver- hältnisse eingeholt. Angesichts des auch im vorliegenden Re chtsmittelverfahren geltenden un- eingeschränkten Untersuchungsgrundsatzes, welcher eine B eweiserhebung gar unabhängig von den Parteianträgen erlaubt, ist die amtliche Erkund igung bzw. die Auskunft der C.____AG vom 24. Juli 2017 inklusive der beigelegten Unterlagen zu berücksichtigen. Dies gilt umso mehr, als es sich bei etlichen der von der C.____AG einge reichten Unterlagen um sogenannte echte Noven handelt, welche erst nach dem vorinstanzlichen Entscheid entstanden sind und daher ohnehin in Anwendung von Art. 317 Abs. 1 ZPO zu berücksichtigen sind und überdies in Verfahren, welche dem Untersuchungsgrundsatz unterliegen, Noven auch im Berufungsverfah- ren bis zur Urteilsberatung vorgebracht werden können ( Botschaft ZPO 7375). Zu berücksichti- gen gilt ebenfalls, dass der Berufungsbeklagte im vorinst anzlichen Verfahren mehrfach aufge- fordert wurde, den Lohnausweis 2015 und aktuelle Lohna brechnungen einzureichen. Er war dieser Aufforderung allerdings nicht nachgekommen. Wäre der Berufungsbeklagte seiner Mit- wirkungspflicht im vorinstanzlichen Verfahren nachgekommen und hätte er die gerichtlich ein- verlangten Unterlagen eingereicht, wären seine Einkom mensverhältnisse bereits bei der Vor- instanz geklärt gewesen. Dass die amtliche Erkundigung i m Rechtsmittelverfahren nunmehr Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht einzuholen war, ist der fehlenden Mitwirkung des Beruf ungsbeklagten im vorinstanzlichen Ver- fahren zuzuschreiben. Es wäre ihm auch offen gestanden, i n einer Berufungsantwort auf die Ausführungen des Berufungsklägers einzugehen und das Ger icht über seine Einkommensver- hältnisse doch noch aufzuklären, was er jedoch einmal mehr unterlassen hat. 3. Die Vorinstanz führte im Urteil vom 3. Januar 2017 aus , der Kindsvater sei als selbständig erwerbender Berater im Bereich Maschinenbau tätig. Man gels Vorliegen von Geschäftsab- schlüssen, bilde der eingereichte Steuerbescheid aus dem Jahr 2015 den einzigen verlässli- chen Anhaltspunkt zur Bestimmung des Einkommens des Kindsvaters. Diesem Steuerbescheid seien Einkünfte von Euro 11‘000.00 zu entnehmen, was bei einem Umrechnungskurs von CHF 1.1 einem Jahreseinkommen von CHF 12‘100.00 bzw. e inem Monatseinkommen von CHF 1‘008.00 entspreche. Gestützt auf die Ausführungen des Kindsvaters anlässlich der Hauptverhandlung ging die Vorinstanz davon aus, dass diese m eine Einkommenssteigerung nicht leichthin möglich sei. Sie erwog, angesichts seine r Ausbildung sei eine Einkommensstei- gerung zwar mittelfristig realistisch, eine unselbständige Anstellung scheine jedoch aufgrund der aktuellen Arbeitsmarktlage nicht ohne Weiteres mögl ich, weshalb von der Anrechnung ei- nes hypothetischen Einkommens abzusehen sei. Der Kindsvater werde jedoch richterlich ange- halten, sich um ein branchenübliches Einkommen zu bemühen und diese Bemühungen gegen- über der Vertreterin des Kindes zu dokumentieren. Dem ermittelten Monatseinkommen von CHF 1‘008.00 stellte die Vorinstanz einen Grundbedarf des Kindsvaters von CHF 899.00 ge- genüber und berechnete dessen Leistungsfähigkeit auf e inen Betrag von CHF 109.00. Die Vor- instanz nahm sodann eine Unterhaltsberechnung nach de m neuen Kindesunterhaltsrecht, wel- ches per 1. Januar 2017 in Kraft trat, vor. Hierfür wu rde der Grundbedarf der Kindsmutter auf CHF 3‘150.00 und jener des Kindes auf CHF 1‘149.40 b erechnet. Als Einkommen setzte die Vorinstanz bei der Kindesmutter CHF 622.20 (Einkommen CHF 331.00 und Prämienverbilligung CHF 291.20) und beim Kind CHF 286.90 (CHF 200.00 Ki nderzulage und CHF 86.90 Prämien- verbilligung) ein. Die Vorinstanz erwog, angesichts des Be darfs des Kindes von CHF 1‘149.40 und dessen Einkünften von CHF 286.90 resultiere ein Fehlbetrag von CHF 862.50, welchen das Kind als Barunterhalt benötige. Zum Betreuungsunterh alt führte die Vorinstanz aus, dieser um- fasse grundsätzlich die Lebenshaltungskosten der betreuend en Person, soweit diese aufgrund der Betreuung nicht selber dafür aufkommen könne. Für die Bemessung sei vom betreibungs- rechtlichen Existenzminimum auszugehen, wobei dieses abhäng ig von den konkreten Verhält- nissen im Einzelfall zu erweitern sei. Aufgrund des Gr undbedarfs der Kindsmutter von CHF 3‘150.00 und deren Einkünften von CHF 622.20 res ultiere eine Unterdeckung von CHF 2‘527.80, welche als Betreuungsunterhalt unter de n Kindern nach Köpfen aufzuteilen sei. Da sich nebst dem Kläger noch ein weiteres zu betreuend es Kind (mit Geburtsjahr 2009) unter der Obhut der Kindsmutter befinde, entfalle bloss die Hälfte des ermittelten Betreuungsunter- halts auf den Kläger. Folglich bezifferte die Vorinstan z den Betreuungsunterhalt für den Kläger auf CHF 1‘263.90. Angesichts des ermittelten Überschusses beim Kindsvater verpflichtete die Vorinstanz diesen zu einem monatlichen Unterhaltsbeitra g von CHF 109.00 für den Barunter- halt und stellte fest, dass kein gebührender Unterhalt sbeitrag habe festgelegt werden können und dem Kind beim Barunterhalt ein Betrag von CHF 75 3.00 und beim Betreuungsunterhalt ein solcher von CHF 1‘263.00 pro Monat fehle. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Der Berufungskläger wehrt sich mit der Berufung nur ge gen die von der Vorinstanz be- rücksichtigte Einkommenssituation des Berufungsbeklagten, ko nkret wird das angerechnete Einkommen von lediglich CHF 1‘008.00 und das Nichtanrec hnen eines hypothetischen Ein- kommens gerügt. Der Berufungskläger stellt sich auf den St andpunkt, der Berufungsbeklagte verdiene monatlich nach Abzug der Quellensteuer netto mindestens CHF 4‘665.30. Angesichts des Grundbedarfs des Berufungsbeklagten von CHF 899.00 resultiere bei diesem ein monatli- cher Überschuss von CHF 3‘766.30, so dass der Berufungsbeklagte ohne Weiteres in der Lage sei, den gebührenden Bar- und Betreuungsunterhalt fü r den Berufungskläger von insgesamt CHF 2‘126.40 zu zahlen. Der Berufungskläger führt exp lizit aus, der dem angefochtenen Ent- scheid durch die Vorinstanz zugrunde gelegte Sachverhalt w erde in weiten Teilen nicht bestrit- ten. Die Vorinstanz habe sowohl die Einkommens- und Fi nanzverhältnisse des Berufungsklä- gers und der Kindsmutter als auch den Grundbedarf beid er Parteien und der Kindsmutter kor- rekt ermittelt. Auch die vorinstanzliche Berechnung des B arunterhaltsanspruchs von CHF 862.50 und des Betreuungsunterhaltsanspruchs von CHF 1‘263.90 sowie die Rückwirkung und Dauer der Unterhaltsbeiträge würden nicht angefochten. 4.2 Da es im vorliegenden Fall um die Festsetzung des Kind erunterhaltsbeitrags geht, gelten gemäss Art. 296 ZPO der Untersuchungs- und der Offizialg rundsatz (siehe Erwägung Ziffer 2 hiervor). Das Kantonsgericht ist nicht an die Parteiant räge gebunden und kann daher auch un- angefochtene Punkte neu beurteilen. Die Vorinstanz ha t den Grundbedarf des Berufungsbe- klagten im Betrag von CHF 899.90 nach Auffassung des Ka ntonsgerichts zu tief berechnet. Auch wenn der Berufungskläger diesen Grundbedarf als korrekt bezeichnet und der Berufungs- beklagte sich dazu mangels Einreichung einer Berufungsan twort nicht äusserte, kann das Kan- tonsgericht den Grundbedarf des Berufungsbeklagten an ders berechnen. Darauf wird zurück- zukommen sein. Ebenso sind im Grundbedarf der Kindsmutt er und des Berufungsklägers ent- sprechend den aktuellen Verhältnissen gewisse Positionen a nzupassen. Insbesondere sind die Mietkosten der Kindsmutter erheblich tiefer als vorinstanzl ich angegeben. Auf die Grundbe- darfsberechnungen wird später zurückgekommen. 5.1 Der Berufungskläger wirft der Vorinstanz eine unvollstä ndige Sachverhaltsfeststellung und einen Verstoss gegen den Untersuchungs- und Offizialgrun dsatz vor. Er führt aus, die Vor- instanz habe den vom Berufungsbeklagten eingereichten Steuerbescheid als einzige Grundlage betrachtet und einzig auf dessen Aussagen an der Hauptve rhandlung abgestützt, obwohl der Berufungsbeklagte trotz mehrfacher Aufforderung keine vollständige Dokumentation seiner Ein- kommens- und Vermögensverhältnisse vorgelegt habe. Die Vor instanz wäre aufgrund der Ver- fahrensmaximen verpflichtet gewesen, mindestens bei eine r kantonalen Ausgleichskasse eine amtliche Erkundigung darüber einzuholen, ob für den Be rufungsbeklagten in der Schweiz Sozi- alversicherungsbeiträge abgeführt würden, zumal der Ber ufungsbeklagte lange Zeit in der Schweiz gewohnt habe und über geschäftliche Beziehungen in der Schweiz verfüge, was ge- richtsnotorisch sei. 5.2 Die Vorinstanz forderte den Berufungsbeklagten wiederh olt auf, den Lohnausweis des Vorjahres und aktuelle Lohnabrechnungen oder Abrechnun gen über Ersatzeinkommen sowie den Buchhaltungsabschluss inkl. Bilanz und Erfolgsrechnung des Jahres 2015 einzureichen. Die Vorinstanz machte ihn mit Verfügung vom 5. Januar 2 016, Ziffer 2, auch auf seine Mitwir- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht kungspflicht aufmerksam und mit Verfügung vom 3. August 2 016 auf die Möglichkeit der Aufer- legung einer Ordnungsbusse, falls er die eingeforderte n Unterlagen nicht einreiche. Die Vor- instanz befragte den Berufungsbeklagten sodann auch zwe imal zu seiner Einkommenssitua- tion, nämlich an der Instruktionsverhandlung vom 19. Ma i 2016 und an der Hauptverhandlung vom 3. Januar 2017. Mangels Angaben durch den Berufung sbeklagten gab es im vor- instanzlichen Verfahren jedoch keine konkreten Hinweise a uf eine Erwerbstätigkeit des Beru- fungsbeklagten in der Schweiz. Auch von Seiten des Berufun gsklägers erfolgten keine entspre- chenden Angaben oder Mutmassungen, welche Anhaltspunkte für weitere Nachforschungen ergeben hätten. Es ist daher fraglich, bei welcher Aus gleichskasse die Vorinstanz überhaupt eine amtliche Erkundigung hätte einholen sollen. Mang els entsprechender Angaben oder Hin- weise kann der Vorinstanz daher kein Vorwurf gemacht w erden, dass sie keine weiteren Nach- forschungen angestellt hat. 6.1 Nunmehr liegt jedoch die vom Kantonsgericht eingehol te amtliche Erkundigung bei der C.____AG vor. Die C.____AG bestätigte in ihrer Auskun ft vom 24. Juli 2017, dass der Beru- fungsbeklagte vom 1. September 2015 bis am 31. März 2017 als Servicetechniker bei ihr ange- stellt war, und dass seit dem 1. April 2017 ein unbefristeter Dienstleistungsvertrag zwischen der Firma D.____, vertreten durch den Berufungsbeklagten, und der C.____AG besteht. Sie reichte dem Kantonsgericht die entsprechenden Unterlagen ein. Gestützt auf die Auskünfte und Unter- lagen der C.____AG ist im Folgenden auf das Einkommen des Berufungsbeklagten einzuge- hen. 6.2 Aus den von der C.____AG eingereichten Lohnausweisen f ür die Jahre 2015 und 2016 sowie den Lohnabrechnungen Januar bis März 2017 geht he rvor, dass nebst dem festen Mo- natslohn unregelmässige Leistungen ausbezahlt wurden wie die Gratifikation oder Sonntagszu- schläge und daher der Lohn nicht immer gleich hoch war. Gemäss Lohnausweis 2015 verdiente der Berufungsbeklagte für die Monate September bis D ezember 2015 netto CHF 24‘621.00, was einem monatlichen Durchschnitt von netto CHF 6‘155.2 5 entspricht. Im Jahr 2016 betrug gemäss Lohnausweis der Nettolohn CHF 73‘415.00, was mon atlich CHF 6‘117.90 entspricht. Nachdem das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einverneh men per 29. März 2017 aufgelöst wurde, erfolgten im April 2017 noch die Auszahlungen des 13. Monatslohns pro rata für das Jahr 2017, der Überstunden, der Gleitzeitstunden sowie der Ferien im Gesamtbetrag von netto CHF 7‘117.65 (nach Abzug der Quellensteuer), so dass da s monatliche Durchschnittseinkom- men für die Monate Januar bis März 2017 beträchtlich hö her war als im Jahr 2016. Angesichts des Lohnausweises 2016, welcher als einziger ein ganzes Jahr dokumentiert, wird für die ganze Zeit der Anstellung bei der C.____AG – d.h. für den Zeitraum von September 2015 bis März 2017 – auf den Lohnausweis 2016 abgestellt und dem Be rufungsbeklagten ein monatlicher Net- tolohn vor Abzug der Quellensteuer von CHF 6‘118.00 (g erundet auf ganze Franken) ange- rechnet. Der Quellensteuerabzug betrug gemäss Lohnauswe is im Jahr 2016 insgesamt CHF 11‘556.00, was einem monatlichen Durchschnitt von CHF 963.00 entspricht. 6.3 Seit dem 1. April 2017 besteht ein unbefristeter Di enstleistungsvertrag zwischen der Fir- ma D.____ (vertreten durch den Berufungsbeklagten) un d der C.____AG. Der entsprechende Dienstleistungsvertrag datiert vom 30. März 2017. Der Berufungsbeklagte ist nunmehr in selb- ständiger Erwerbstätigkeit im Auftragsverhältnis weiter hin bei der C.____AG tätig und stellt im Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Namen der D.____ Rechnung an die C.____AG. Diese leg te ihrer Auskunft vom 24. Juli 2017 die entsprechenden Rechnungen von April bis Juni 2017 be i. Es handelt sich um 13 Rechnun- gen im Gesamtbetrag von CHF 43‘673.70. Werden die in den Rechnungen aufgeführten Fahr- spesen von insgesamt CHF 7‘812.60 sowie die Auslagen für Hotel und öffentliche Verkehrsmit- tel von insgesamt CHF 2‘061.10 abgezogen, verbleibt ein Betrag von CHF 33‘800.00, welcher für die Dienstleistungen im Zeitraum von April bis Juni 2017 von der Firma des Berufungsbe- klagten der C.____AG in Rechnung gestellt wurde. Dies e ntspricht einem monatlichen Durch- schnitt von CHF 11‘266.65. Es kann ohne Weiteres davon au sgegangen werden, dass der Be- rufungsbeklagte angesichts dieser Erträge auch nach Abz ug seines Geschäftsaufwands mit seiner selbständigen Erwerbstätigkeit nicht weniger ve rdient als im Angestelltenverhältnis bei der C.____AG, so dass auch für die Zeit ab April 2017 von einem Einkommen von mindestens netto CHF 6‘118.00 vor Steuern auszugehen ist. Dies gilt umso mehr, als die Fahrkilometer und Reisespesen wie Flug, Zug, Mietwagen, Hotel etc. von de r C.____AG zusätzlich vergütet wer- den (§ 3 des Dienstleistungsvertrages). Das Einkommen des B erufungsbeklagten im selbstän- digen Erwerb dürfte nunmehr sogar höher sein als im An stellungsverhältnis, zumal nicht auszu- schliessen ist, dass der Berufungsbeklagte nebst der C.____A G auch noch für andere Kunden tätig ist. Denn gemäss § 5.1 des Dienstleistungsvertrages vom 30. März 2017 steht es dem Berufungsbeklagten bzw. dessen Firma frei, auch für and ere Unternahmen tätig zu sein, sofern diese nicht mit der C.____AG in Wettbewerb stehen. Se lbst wenn der Berufungsbeklagte aus seinem selbständigen Erwerb weniger verdienen sollte al s im Anstellungsverhältnis, wäre ihm ein hypothetisches Einkommen von netto CHF 6‘118.00 vor Steuern anzurechnen. Denn die Anstellung bei der C.____AG hat gezeigt, dass dem Beru fungskläger das Erzielen dieses Ein- kommens im Anstellungsverhältnis möglich und zumutbar ist. Verdient der Berufungsbeklagte im selbständigen Erwerb weniger, hat er sich wieder um eine Anstellung zu bemühen, da in Bezug zu unmündigen Kindern besonders hohe Anforderu ngen an die Ausnützung der Er- werbskraft zu stellen sind, insbesondere bei wirtschaftlich engen Verhältnissen (BGE 137 III 118 E. 3.1). 6.4 Für die Zeit vor der Anstellung bei der C.____AG p er 1. September 2015 liegen zum Ein- kommen des Berufungsbeklagten der deutsche Steuerbeschei d 2015 und Unterlagen betref- fend Sozialhilfeleistungen des Jobcenters Y.____ in Deu tschland vor, welche der Berufungsbe- klagte bei der Vorinstanz einreichte. Die nunmehr im R echtsmittelverfahren eingeholte amtliche Erkundigung zeigt, dass der Berufungsbeklagte im vorinstan zlichen Verfahren trotz mehrfacher Aufforderung die Unterlagen zu seinem Einkommen nicht einreichte und überdies an den vor- instanzlichen Verhandlungen nicht wahrheitsgemäss antwort ete. Sowohl an der Instruktions- verhandlung vom 19. Mai 2016 als auch an der Hauptverhan dlung vom 3. Januar 2017 sugge- rierte der Berufungsbeklagte, selbständig zu sein und aus seinem selbständigen Erwerb nur ein geringes Einkommen zu erzielen. Dass er während der ge samten Dauer des vorinstanzlichen Verfahrens bei der C.____AG angestellt war, verschwieg e r. An der Instruktionsverhandlung führte er aus, er habe sich anfangs des Jahres (2016) sel bständig gemacht und hoffe, sich und die Kinder irgendeinmal finanziell durchzubringen. Er stellte sich als finanziell schwach dar, ob- wohl er während des ganzen vorinstanzlichen Verfahrens be i der C.____AG ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als CHF 6‘000.00 verdiente. An der Hauptverhandlung vom 3. Januar 2017 verschwieg er sein Anstellungsverhältnis wiederum und führte aus, selbständig Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht im Bereich Maschinenbau tätig zu sein. Die vom Präsident gestellten Fragen zu seinem Ein- kommen und den Fixkosten beantwortete er nicht konkret un d gab nur ausweichende Antwor- ten. Auch zu dem von ihm erwähnten Businessplan machte e r keine genauen Angaben und führte nur aus, er habe diesen nicht umsetzen können. E s sei ihm durch das Jahr einige Zeit nicht möglich gewesen zu arbeiten und es sei das Ziel, w ieder auf den Umsatz zurückzukom- men. Auf die präsidiale Frage zu Krankentaggeldern an twortete der Berufungsbeklagte, es sei- en familiäre und nicht krankheitsbedingte Gründe gewes en, dass er den Umsatz nicht habe generieren können. Es ist offensichtlich, dass der Beru fungsbeklagte wegen seiner 100%-igen Beschäftigung bei der C.____AG in seiner Selbständigke it nicht oder allenfalls nur einge- schränkt arbeiten konnte. Der Berufungsbeklagte erdreiste te sich sodann zu behaupten, er ha- be im ersten und zweiten Quartal 2016 ein Einkommen v on ca. 9‘500.00 Euro erzielt, wovon er auch im restlichen Jahr habe leben müssen, was nicht ohn e fremde Hilfe möglich gewesen sei. Dass er bei der C.____AG während des ganzen Jahres 2016 e in Nettoeinkommen von CHF 73‘415.00 erzielte, verschwieg er wiederum und gab vor, so wenig zu verdienen, dass es nicht einmal für ihn selber gereicht haben soll. Auch d ie Aussage des Berufungsbeklagten, er habe sich die Selbständigkeit nicht ausgesucht, sondern diese sei zur Notwendigkeit geworden, ist angesichts seiner damaligen Anstellung bei der C.___ _AG nicht glaubwürdig. Der Beru- fungsbeklagte hat nebst diesen unwahren Aussagen zudem in Verletzung seiner Mitwirkungs- pflicht die wiederholt von der Vorinstanz eingeforderten Unterlagen zu seinem Einkommen nicht vorgelegt. Vorinstanzlich einverlangt wurden insbesondere der Lohnausweis, die Lohnabrech- nungen oder Abrechnungen über Ersatzeinkommen (Arbeitsl osentaggeld) sowie nach der In- struktionsverhandlung der Buchhaltungsabschluss 2015 inkl. Bilanz und Erfolgsrechnung. In der Eingabe vom 18.10.2016 an die Vorinstanz führte der Be rufungsbeklagte unter dem Titel „aktu- elle Lohnabrechnungen“ aus, solche seien nicht vorhanden, da er seit dem 2. Quartal 2016 frei- beruflich tätig sei. Diese Angabe ist gelogen, wie si ch nun angesichts der Auskunft der C.____AG zeigt. Mit seinem Verhalten hat der Berufungsbeklagte im vorinstanzlichen Verfahren bewusst die Wahrheitsfindung verhindert. Es sind betreffend seine Mitwirkung weder Verweige- rungsgründe ersichtlich, noch wurden solche je geltend gemacht. Der Berufungsbeklagte hat die Mitwirkung unberechtigterweise verweigert, was bei der Beweiswürdigung ebenso zu be- rücksichtigen ist (Art. 164 ZPO), wie auch seine unwahren Angaben. Angesichts der unwahren Aussagen des Berufungsbeklagten und seiner fehlenden Mi twirkung in Zusammenhang mit der Einreichung von Unterlagen, kann auch für das Jahr 2015 nicht davon ausgegangen werden, dass seine Angaben und Unterlagen zum Einkommen vollständig sind und dass der eingereich- te Steuerbescheid 2015 sein ganzes Einkommen darstellt. Denn wie der Berufungsbeklagte an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte, läuft gegen ihn in Deutschland ein Verfahren wegen Sozialhilfebetrugs. Wie aus den Bewilligungen un d den Bescheiden des Jobcenters Y.____ zu entnehmen ist, bezog der Berufungsbeklagte ab 1. März 2014 Sozialhilfeleistungen. Der Bewilligung des Jobcenters Y.____ vom 3. September 2015 ist sodann zu entnehmen, dass bis Ende Februar 2016 Sozialhilfeleistungen an den Berufungsbeklagten bezahlt wurden. Für den hier interessierenden Zeitraum vom 15. Dezembe r 2014 (Geburt des Kindes) bis zum 1. September 2015 (Stellenantritt bei der C.____AG) bezog der Berufungsbeklagte somit Sozi- alhilfeleistungen. Angesichts des in Deutschland laufenden Verfahrens wegen Sozialhilfebe- zugs liegt die Vermutung nahe, dass der Berufungsbeklagte – wie vor dem Zivilkreisgericht Ba- sel-Landschaft Ost – auch vor den deutschen Behörden nich t sein ganzes Einkommen angab Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht und belegte. Offensichtlich gab er auch gegenüber der deutschen Steuerbehörde sein Einkom- men nicht an. Wie dem deutschen Steuerbescheid 2015 un ter den Erläuterungen zur Festset- zung zu entnehmen ist, gab der Berufungsbeklagte keine S teuererklärung ab, weshalb er vom Finanzamt eingeschätzt wurde. Diese schätzte seine Einkünft e aus dem Gewerbebetrieb als Einzelunternehmer auf 11‘000.00 Euro ein. Da es sich l ediglich um eine amtliche Einschätzung handelt, ist nicht auf diese abzustellen. Es liegen versch iedene Anhaltspunkte vor – so die un- wahren Aussagen im vorinstanzlichen Verfahren, das Nichteinreichen der vorinstanzlich einver- langten Unterlagen, das laufende Verfahren wegen Sozi alhilfebetrugs in Deutschland, das Nichteinreichen der Steuererklärung 2015 und die darau s folgende amtliche Einschätzung – welche zeigen, dass weder auf die Aussagen des Berufungsbe klagten noch auf die von ihm vorgelegten Unterlagen abgestellt werden kann. Dass das w ahre Einkommen des Berufungs- beklagten für den Zeitraum vom 15. Dezember 2014 bis zum 1. September 2015 nach wie vor nicht bekannt ist, ist seiner fehlenden Mitwirkung zuzusch reiben. Aufgrund des Verhaltens des Berufungsbeklagten und der eben beschriebenen Anhaltspunkte ist davon auszugehen, dass er nicht nur ab 1. September 2015 viel mehr verdiente als er belegte und suggerierte, sondern auch bereits vor diesem Zeitpunkt. Es wird daher mangel s Belegen auch für die Zeit vor dem 1. September 2015 vom gleichen Nettoeinkommen wie dana ch ausgegangen, das heisst von CHF 6‘118.00 vor Steuern. 6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Berufungsbeklagte n für die Zeit während seiner Anstellung bei der C.____AG vom 1. September 2 015 bis 31. März 2016 angesichts des Lohnausweises 2016 ein jährliches Nettoeinkommen von CHF 73‘415.00 bzw. von monatlich CHF 6‘118.00 vor Steuern angerechnet wird. Für die Z eit vom 15. Dezember 2014 bis zum 31. August 2015 wird mangels Belegen ebenfalls dieses Einkommen eingesetzt. Für die Zeit ab 1. April 2017 kann angesichts der von der C.____AG ein gereichten Rechnungen des Beru- fungsbeklagten bzw. seiner Firma D.____ davon ausgegangen werden, dass das Einkommen des Berufungsbeklagten aus dem Dienstleistungsvertrag mit der C.____AG nicht tiefer ist als während seiner Anstellung, so dass auch ab 1. April 2 017 weiterhin vom gleichen Einkommen auszugehen ist. Folglich wird für die Zeit ab 15. Dezember 2014 immer mit dem gleichen Netto- einkommen des Berufungsbeklagten von monatlich CHF 6‘118.00 vor Steuern gerechnet. 7.1 Um die Leistungsfähigkeit des Berufungsbeklagten zu er mitteln, ist auf dessen Bedarf einzugehen. Die Vorinstanz berechnete diesen auf CHF 899 .00, wobei sie für die Umrechnung von Euro in Schweizerfranken einen Umrechnungskurs von CHF 1.1 anwendete. Sie führte aus, die Lebenshaltungskosten in Deutschland seien tiefer und setzte gestützt auf die Berechnung des Jobcenters Y.____ für den Grundbedarf EUR 399.00 E uro bzw. umgerechnet CHF 440.00 und für die Wohnkosten EUR 360.00 bzw. umgerechnet CHF 396.00 ein. Für die Krankenversi- cherung rechnete die Vorinstanz entsprechend dem Vertrag sauszug zur Krankenversicherung per 20. Juni 2016 Krankenkassenprämien von monatlich EU R 57.00 bzw. umgerechnet CHF 63.00 ein. 7.2 Das Kantonsgericht ist der Auffassung, dass die Vorinsta nz den Grundbedarf des Beru- fungsbeklagten zu tief ansetzte und berechnet diesen dahe r neu, wobei immer auf ganze Fran- kenbeträge (ohne Rappen) gerundet wird. Zum einen wi rd der vorinstanzlich eingesetzte Grundbetrag von CHF 440.00 als zu gering betrachtet. Die tieferen Lebenshaltungskosten in Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Deutschland werden in den hiesigen Unterhaltsberechnung en üblicherweise so berücksichtigt, dass anstelle des Grundbetrags von CHF 1‘200.00 für alleinstehende Personen ein solcher von rund CHF 1‘000.00 eingesetzt wird. Der Betrag von le diglich CHF 440.00 liegt erheblich darun- ter und ist anzupassen. Zum anderen scheint der vorinstanzl ich berücksichtigte Betrag für die Krankenversicherung von lediglich CHF 63.00 angesichts de s in der Berechnung des Jobcen- ters Y.____ berücksichtigen Betrags von EUR 305.95 (= CHF 337.00) ebenfalls zu tief. Die Quellensteuer wird angesichts des Überschusses im vorliegenden Fall im Bedarf eingesetzt und nicht beim Lohn berücksichtigt, obwohl diese effektiv direkt vom Lohn abgezogen wird und eine tiefere Lohnzahlung zur Folge hat. Die Berücksichtigun g der Quellensteuer bzw. eines Steuer- betrags im Bedarf und nicht beim Einkommen rechtfertig t sich vorliegend, weil der Berufungs- beklagte seit 1. April 2017 mit seiner in Deutschland be triebenen Firma selbständig ist und der schweizerischen Quellensteuer nicht mehr unterliegt. Die Quellensteuer betrug gemäss Lohn- ausweis im Jahr 2016 CHF 11‘556.00 bzw. monatlich CHF 963.00. Mit Berücksichtigung dieses Steuerbetrags resultiert ein Bedarf des Berufungsbeklag ten von CHF 2‘696.00 (Grundbetrag von CHF 1‘000.00, Wohnkosten von CHF 396.00, Krankenversicherung von CHF 337.00, Steu- ern von CHF 963.00). 7.3 Der Berufungsbeklagte führte an der vorinstanzlichen Ha uptverhandlung aus, er habe aus seiner geschiedenen Ehe den Sohn E.____. Dieser habe w ährend Teilen des Jahres bei ihm gelebt, so dass er keinen Unterhalt habe bezahlen müs sen, er habe für das Kind aber auch keinen Unterhalt bekommen. Die Vorinstanz liess E.____ i n der Bedarfsberechnung des Beru- fungsbeklagten unberücksichtigt und führte dazu aus, der Berufungsbeklagte habe keine Unter- lagen eingereicht, welche das behauptete Kindsverhältnis belegen würden. Das Kantonsgericht geht aufgrund der bei der Vorinstanz klägerischerseits eingereichten Schreiben einer Nachbarin sowie der Schwester des Berufungsbeklagten zwar davon aus, dass der Berufungsbeklagte nebst dem Berufungskläger noch ein weiteres Kind namens E.____ hat. Allerdings liegen kei- nerlei Unterlagen vor, welche die Obhut von E.____ bei m Berufungsbeklagten oder Unterhalts- zahlungen des Berufungsbeklagten für E.____ belegen, so dass auch im vorliegenden Beru- fungsverfahren keine entsprechenden Auslagen oder Unterha ltszahlungen für E.____ berück- sichtigt werden. 7.4 Wird vom anrechenbaren monatlichen Nettoeinkommen de s Berufungsbeklagten von CHF 6‘118.00 dessen Bedarf von CHF 2‘696.00 (inkl. Be rücksichtigung der Quellensteu- er/Steuer) abgezogen, resultiert ein Überschuss von CHF 3‘422.00. In diesem Umfang ist der Berufungsbeklagte leistungsfähig. 8. Da sich die Leistungsfähigkeit des Berufungsbeklagten an gesichts der Auskunft der C.____AG nunmehr ganz anders präsentiert als noch bei d er Vorinstanz, ist der Unterhaltsbei- trag neu zu berechnen. Seit 1. Januar 2017 ist das revidi erte Kindesunterhaltsrecht, welches auch einen Betreuungsunterhalt vorsieht, in Kraft. Au f Verfahren, die beim Inkrafttreten des neuen Kindesunterhaltsrechts rechtshängig sind, findet d as neue Recht Anwendung (Art. 13c bis Abs 1 SchlT ZGB). Die Vorinstanz hat daher zu Recht den Unterhaltsbeitrag nach den neuen Gesetzesbestimmungen berechnet. Allerdings können die ne uen Gesetzesbestimmungen erst ab dem 1. Januar 2017 wirken, so dass vorliegend die Unte rhaltsbeiträge für die Zeit ab dem 1. Januar 2017 nach dem neuen Recht und für die Zeit bis und mit 31. Dezember 2016 nach Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem bisherigen Recht – ohne Betreuungsunterhalt – zu berechnen sind. Da der Berufungsklä- ger am 15. Dezember 2014 zur Welt kam, sind die Unte rhaltsbeiträge erst ab diesem Tag fest- zulegen und nicht bereits ab 1. Dezember 2014, wie die s die Vorinstanz tat. Es werden folgen- de Phasen für die Unterhaltsberechnung unterschieden: • 15.12.2014 – 31.12.2016: Berechnung nach altem Ki ndesunterhaltsrecht • 01.01.2017 – 31.12.2024: Berechnung nach neuem Ki ndesunterhaltsrecht • 01.01.2025 – 31.12.2026: Berufungskläger ist 10-jähr ig, sein Grundbetrag steigt von CHF 400.00 auf CHF 600.00 • 01.01.2027 – 31.12.2030: Berufungskläger ist 12-jähri g, Kindsmutter muss ihr Arbeitspensum erhöhen • ab 01.01.2031 Berufungskläger ist 16-jährig, kein B etreuungsunterhalt mehr geschuldet 9. Für die erste Phase vom 15. Dezember 2014 bis 31. Dezem ber 2016 ist der Kinderunter- haltsbeitrag nach dem alten Recht festzulegen. Weder d as bisherige noch das geltende Kin- desunterhaltsrecht schreiben eine bestimmte Berechnungsm ethode vor. Unter dem alten Kin- desunterhaltsrecht fanden verschiedene Berechnungsmethoden Anwendung. Eine davon ist die sogenannte Prozentmethode, welche für den Unterhaltsbeitrag auf einen Prozentanteil des Net- toeinkommens des Unterhaltspflichtigen Elternteils abstel lt, wobei dieser Anteil bei einem Kind 15-17% betrug. Wird entsprechend dieser Methode vom anrechenbaren monatlichen Nettoein- kommen des Berufungsklägers von CHF 6‘118.00 ein Anteil von 15% berechnet, entspricht dies einem Unterhaltsbeitrag von CHF 917.70 bzw. von gerund et CHF 920.00. Während der Anstel- lung bei der C.____AG wurde die Quellensteuer direkt vom Lohn abgezogen, so dass dem Be- rufungsbeklagten effektiv ein tieferer Lohn ausbezahlt wurde. Die Prozentmethode stellt aller- dings auf das Nettoeinkommen ab. Bei Unterhaltspflichtigen, welche keiner Quellensteuerpflicht unterliegen, basiert die Prozentmethode auf dem Netto einkommen vor Steuern. Um Kinder von quellensteuerpflichtigen Unterhaltsschuldnern nicht zu benachteiligen, ist daher auch bei diesen vom Nettoeinkommen vor Abzug der Quellensteuer auszugehen, sofern der Unterhaltspflichtige dadurch seinerseits nicht in eine Unterdeckung gerät, wobei die vom Lohn direkt abgezogene Quellensteuer auch im Unterdeckungsfall im Bedarf einz urechnen ist, weil eben der effektiv ausbezahlte und zur Verfügung stehende Lohn aufgrund des direkten Abzugs der Quellensteu- er tiefer ist. Im vorliegenden Fall ist die Quellenste uer im Bedarf des Berufungsbeklagten von CHF 2‘696.00 und somit bei seiner Leistungsfähigkeit b erücksichtigt. Dem Berufungsbeklagten ist es angesichts seiner Leistungsfähigkeit im Umfang von C HF 3‘422.00 (siehe Erwägung 7.4) ohne Weiteres möglich, den Betrag von CHF 920.00 zu be zahlen. Mit diesem Unterhaltsbeitrag ist auch der von der Vorinstanz berechnete Fehlbetrag de s Barbedarfs des Berufungsklägers von CHF 862.50 gedeckt. Folglich ist die Prozentmethode v orliegend eine taugliche Berech- nungsart. Der Berufungsbeklagte ist daher zu verpflichten, für den Zeitraum vom 15. Dezember 2014 bis 31. Dezember 2016 einen monatlichen Unterhal tsbeitrag von CHF 920.00 an den Be- rufungskläger zuzüglich allfälliger Kinderzulagen zu bezahlen. 10.1 Für die Phasen ab 1. Januar 2017 ist der Kinderunte rhaltsbeitrag nach dem revidierten Kindesunterhaltsrecht zu berechnen, welches auch die Betr euung der Kinder mitberücksichtigt. Das neue Recht sieht vor, dass die Eltern gemeinsam, ein j eder nach seinen Kräften, für den Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebührenden Unterhalt des Kindes sorgen und insbesonde re die Kosten von Betreuung, Erzie- hung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen tragen (Art . 276 Abs. 2 ZGB). Das neue Recht schreibt ebenfalls keine bestimmte Berechnungsmethode vor, sondern statuiert lediglich, dass der Unterhaltsbeitrag den Bedürfnissen des Kindes sow ie der Lebensstellung und Leis- tungsfähigkeit der Eltern entsprechen soll und auch der Gewährleistung der Betreuung des Kin- des durch die Eltern oder Dritte dient (Art. 285 Abs. 1 und 2 ZGB). Zu berücksichtigten sind auch das Vermögen und die Einkünfte des Kindes (Art. 2 85 Abs. 1 ZGB). Die Vorinstanz be- rechnete den monatlichen Grundbedarf des Klägers auf CH F 1‘149.40, zog von diesem Betrag die Kinderzulagen von CHF 200.00 und die Prämienverbi lligung der Krankenkasse im Betrag von CHF 86.90 ab und setzte die Differenz von CHF 862. 50 als Barunterhalt fest. Diese Be- rechnungsweise ist im Grundsatz nicht zu beanstanden. Allerdings ist auf die einzelnen Positio- nen in dieser Bedarfsberechnung zurückzukommen. Für den Betreuungsunterhalt stellte die Vorinstanz auf die Unterdeckung der Kindsmutter ab. Sie berechnete hierfür den Grundbedarf der Kindsmutter auf CHF 3‘150.00, subtrahierte vom b erechneten Grundbedarf deren Einkom- men von CHF 331.00 und ihre Prämienverbilligung der K rankenkasse von CHF 291.20 und setzte die Unterdeckung der Kindsmutter im Betrag von CH F 2‘527.80 dem Betreuungsunter- halt für sämtliche Kinder gleich. Da neben dem Kläger auch dessen Halbbruder (Jahrgang 2009) unter der Obhut der Kindsmutter steht, teilte die Vorinstanz den Betreuungsunterhalt dem Kläger zur Hälfte bzw. im Betrag von CHF 1‘263.90 zu. Die Vorinstanz wendete mit dieser Be- rechnungsweise den sogenannten Lebenskostenansatz an. Na ch diesem Bemessungsansatz umfasst der Betreuungsunterhalt grundsätzlich die Lebe nshaltungskosten der betreuenden Person, soweit diese aufgrund der Betreuung nicht selber dafür aufkommen kann. Die Botschaft zum Kindesunterhaltsrecht setzt sich auch mit diesem Ansatz auseinander und führt aus, die Lebenshaltungskosten des betreuenden Elternteils können g rundsätzlich als Richtwert für den Betreuungsunterhalt beigezogen werden (Botschaft Kinde sunterhalt, S. 554, 575 ff.). Die von der Vorinstanz vorgenommene Berechnung nach dem Lebensk ostenansatz stellt daher eine zulässige Berechnungsmethode dar. Weder hat eine Partei diese Berechnungsweise im vorlie- genden Berufungsverfahren gerügt, noch sind für den vor liegenden Fall Gründe ersichtlich, welche gegen die Anwendung dieser Berechnungsmethode s prechen. Folglich ist auch im Be- rufungsverfahren der Betreuungsunterhalt nach dem Lebe nshaltungskostenansatz zu berech- nen. Für die Bemessung der Lebenshaltungskosten kann vom betreibungsrechtlichen Exis- tenzminimum ausgegangen werden, das den konkreten Umstä nden entsprechend anzupassen ist (ALEXANDRA JUNGO / REGINA E. AEBI -MÜLLER / JONAS SCHWEIGHAUSER , Der Betreuungsun- terhalt, in: FamPra 2017, S. 172). Die Vorinstanz hat der Unterhaltsberechnung die betrei- bungsrechtlichen Existenzminima zu Grunde gelegt, was ang esichts der knappen finanziellen Verhältnisse nicht zu beanstanden ist. Allerdings sind einzelne Positionen noch anzupassen. 10.2 Die Vorinstanz berechnete den Grundbedarf des Berufu ngsklägers auf CHF 1‘149.40 (Grundbetrag CHF 400.00, Wohnkostenanteil CHF 662.50 , Krankenkassenprämie CHF 86.90) und dessen Einkommen auf CHF 286.90 (Kinderzulagen CH F 200.00, Prämienverbilligung CHF 86.90). Wie die vom Berufungskläger mit Eingabe vom 3. August 2017 im Berufungsver- fahren eingereichten Unterlagen belegen, beträgt die Wohnungsmiete der Kindsmutter seit dem Umzug per 1. März 2016 lediglich noch CHF 1‘365.00. Die ser neue Mietvertrag wurde im vor- instanzlichen Verfahren unverständlicherweise nicht eing ereicht, sondern lediglich der vormali- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht ge Mietvertrag mit einem Mietzins von CHF 2‘650.00, wesh alb die Vorinstanz in den Grundbe- darfsberechnungen der Kindsmutter und des Berufungskläg ers auf diesen Betrag abstellte. Für die Unterhaltsberechnungen ab 1. Januar 2017 ist nunme hr auf den aktuellen Mietvertrag ab- zustellen. Die Vorinstanz teilte die Mietkosten zur Hälfte der Kindsmutter und zu je einem Viertel dem Berufungskläger und dessen Halbbruder zu. Diese Aufteilung der Mietkosten auf die in der Wohnung gemeinsam lebenden Personen wird von keiner Pa rtei moniert und ist angemessen, so dass sich keine andere Aufteilung aufdrängt. Von den Mietkosten der Kindsmutter von CHF 1‘365.00 ist folglich ein Viertel bzw. gerundet de r Betrag von CHF 341.00 als Wohnkosten im Bedarf des Berufungsklägers einzusetzen. Die Krankenkassenprämie für die Grundversiche- rung des Berufungsklägers beträgt gemäss der aktuellen Versicherungspolice, welche ebenfalls im Berufungsverfahren mit Eingabe vom 3. August 2017 eingereicht wurde, CHF 86.00 und die Prämienverbilligung wird ebenfalls in diesem Umfang g ewährt. Der aktuelle Grundbedarf des Berufungsklägers beträgt angesichts dieser Anpassungen CHF 827.00 (Grundbetrag CHF 400.00, Wohnanteil CHF 341.00, Krankenkassenprämi e für die Grundversicherung CHF 86.00). Nach Abzug seines Einkommens von CHF 286.00 (Kin derzulage CHF 200.00, Prämi- enverbilligung CHF 86.00) verzeichnet der Berufungskläg er ein Manko von CHF 541.00, wel- ches analog zu der vorinstanzlichen Berechnungsweise als Ba runterhalt (gerundet auf CHF 540.00) festzusetzen ist. 10.3 Den Grundbedarf der Kindsmutter bezifferte die Vorin stanz auf CHF 3‘150.00 (Grundbe- trag CHF 1‘350.00, Wohnkostenanteil CHF 1‘325.00, Krankenkassenprämie für die Grundversi- cherung CHF 395.00, Mobilitätskosten CHF 80.00). Die W ohnkosten sind auch bei der Kinds- mutter entsprechend dem aktuellen Mietvertrag anzupasse n. Von ihren Mietkosten von CHF 1‘365.00 ist analog zur vorinstanzlichen Kostenvertei lung die Hälfte bzw. der Betrag von CHF 683.00 als Wohnanteil der beiden Kinder abzuziehe n. Ihre monatliche Prämie für die Grundversicherung der Krankenkasse beträgt aktuell CHF 4 12.00 und wird nunmehr auch in diesem Umfang bevorschusst. Werden diese Anpassungen in der vorinstanzlichen Berechnung vorgenommen, beträgt der Grundbedarf der Kindsmutter CHF 2‘524.00 (Grundbetrag CHF 1‘350.00, Wohnkosten CHF 1‘365.00 abzüglich Antei l der Kinder von CHF 683.00, Kran- kenkassenprämie CHF 412.00, Arbeitsweg CHF 80.00). Nach Abzug des Einkommens der Kindsmutter von CHF 743.00 (Nettoeinkommen von CHF 331 .00, Prämienverbilligung von CHF 412.00) beträgt ihre Unterdeckung CHF 1‘781.00, welche zugleich den Betreuungsunter- halt für die beiden in ihrer Obhut stehenden Kinder darstellt. Entsprechend der vorinstanzlichen Berechnungsweise ist die Hälfte dieser Unterdeckung dem Berufungskläger als Betreuungsun- terhalt zuzusprechen, was gerundet CHF 890.00 entspricht. 10.4 Der Berufungskläger wird am 15. Dezember 2024 10-jähr ig. Sein Grundbetrag erhöht sich dann von CHF 400.00 auf CHF 600.00 und sein Grundbeda rf folglich auf CHF 1‘027.00. Dies hat einen um CHF 200.00 höheren Barbedarf und Barun terhalt zur Folge. Dementsprechend ist der Barunterhalt ab 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2025 auf CHF 740.00 zu erhöhen. 10.5 Die Kindsmutter hat ihr derzeitiges Arbeitspensum späte stens ab 1. Januar 2027, wenn der Berufungskläger 12-jährig ist und in der Schule in die Oberstufe wechselt, auf ca. 50% zu erhöhen. Ab diesem Zeitpunkt ist ihr daher ein Einkom men von rund CHF 2‘000.00 anzurech- nen. Es ist davon auszugehen, dass dann auch die Prämien verbilligung der Krankenkasse tie- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht fer ist, sodass hierfür noch CHF 200.00 einzusetzen sind. Beim Berufungskläger verändert sich der Bedarf dann ebenfalls. Zum einen sind ihm CHF 50. 00 Mobilitätskosten anzurechnen, da aufgrund der eher abgelegenen Wohnlage davon auszugeh en ist, dass er auf öffentliche Ver- kehrsmittel angewiesen ist. Zum anderen sind aufgrund de r Arbeitstätigkeit der Kindsmutter für den Berufungskläger Betreuungskosten wie etwa für Mitta gstisch, Ferienbetreuung etc. anzu- rechnen, welche auf monatlich CHF 500.00 geschätzt wer den. Werden diese Änderungen ein- gesetzt, resultiert beim Berufungskläger ein Barbedarf von CHF 1‘577.00 und sodann nach Ab- zug seines Einkommens von CHF 286.00 ein Barunterhalt von CHF 1‘291.00. Bei der Kinds- mutter ergibt sich angesichts des gleichbleibenden Bedar fs von CHF 2‘524.00 und einem Ein- kommen von CHF 2‘200.00 (Einkommen CHF 2‘000.00, Prämienverbilligung CHF 200.00) eine Unterdeckung von CHF 324.00. Da der Halbbruder des Berufungsklägers dann aufgrund seines Alters keine Betreuung mehr benötigt, ist die ganze Unt erdeckung der Kindsmutter als Betreu- ungsunterhalt allein dem Berufungskläger zuzuweisen und keine Aufteilung nach Köpfen mehr vorzunehmen. Somit sind in der Phase vom 1. Januar 202 7 bis 31. Dezember 2030 der Barun- terhalt auf CHF 1‘291.00 und der Betreuungsunterhalt auf CHF 324.00 festzusetzen. 10.6 Am 15. Dezember 2030 wird der Berufungskläger 16-jäh rig. Ab diesem Zeitpunkt bzw. ab 1. Januar 2031 ist der Kindsmutter eine ihren Unterhal t deckende Arbeitstätigkeit zumutbar, sodass der Betreuungsunterhalt entfällt. Der Berufungskläger benötigt dann auch keine Fremd- betreuung mehr und die entsprechende Position in seinem Bedarf ist wieder zu streichen. Sein Bedarf beträgt dann CHF 1‘077.00 (CHF 600.00 Grundb edarf, CHF 341.00 Wohnanteil, CHF 86.00 Krankenkassenprämie, CHF 50.00 Mobilitätskosten). Nach Abzug des Einkommens von CHF 286.00 resultiert eine Unterdeckung von CHF 791 .00, welche als Barunterhalt (gerun- det auf CHF 790.00) festzulegen ist. 11. Zusammenfassend stellen sich die vom Berufungsbeklagten an den Berufungskläger mo- natlich und im Voraus zu bezahlenden Unterhaltsbeiträge (gerundet) folgendermassen dar (sie- he auch die diesem Entscheid beiliegenden Berechnungsblätter): • 15.12.2014 – 31.12.2016: CHF 920.00 • 01.01.2017 – 31.12.2024: CHF 540.00 Barunterhalt und CHF 890.00 Betreuungs- unterhalt, total CHF 1‘430.00 • 01.01.2025 – 31.12.2026: CHF 740.00 Barunterhalt und CHF 890.00 Betreuungs- unterhalt, total CHF 1‘630.00 • 01.01.2027 – 31.12.2030: CHF 1‘291.00 Barunterhalt und CHF 324.00 Betreuungs- unterhalt, total CHF 1‘615.00 • ab 01.01.2031: CHF 790.00 Barunterhalt Angesichts des Überschusses des Berufungsbeklagten von CHF 3‘4 22.00 verbleiben in Anbe- tracht dieser Unterhaltsbeiträge noch genügend Mittel, mit welchen der Berufungsbeklagte auch allfällige Unterhaltsbeiträge oder Auslagen für seine n Sohn E.____ bezahlen kann. Der Beru- fungskläger berechnet den Überschuss des Berufungsbeklagten auf CHF 3‘766.30 und stellt eine Unterhaltsforderung von CHF 2‘126.40, so dass nach seiner Berechnung dem Berufungs- kläger noch immer ein namhafter Überschuss verbleibt. E ine Partizipation am Überschuss hat der Berufungskläger allerdings nicht geltend gemacht. Eine solche ist vorliegend auch nicht von Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Amtes wegen zu prüfen, zumal der Berufungsbeklagte al lenfalls auch für den Sohn E.____ un- terhaltspflichtig ist und ihm bei einer solchen Unterh altspflicht kaum noch ein Überschuss ver- bleibt, welcher verteilt werden könnte. 12. Die vorstehenden Berechnungen zeigen, dass beim Berufun gskläger angesichts der nunmehr festzulegenden Unterhaltsbeiträge keine Unterdeckung besteht. Folglich ist die Ziffer 4 des angefochtenen Entscheids, in welcher der Betrag festg ehalten wurde, der für den gebüh- renden Unterhalt des Kindes fehlt, ersatzlos aufzuheben. Ebenso ist angesichts des nunmehr dokumentierten Einkommens des Berufungsbeklagten die Z iffer 5 des angefochtenen Ent- scheids, mit welcher der Berufungsbeklagten angehalten wu rde, sich um ein branchenübliches Einkommen zu bemühen und die Vertreterin des Kindes üb er die Bemühungen zu dokumentie- ren, auch ersatzlos aufzuheben. Die in Ziffer 3 des ang efochtenen Entscheids aufgeführte In- dexklausel ist hinsichtlich des festgehaltenen Basiseinkomme ns des Berufungsbeklagten anzu- passen. Anstelle des von der Vorinstanz aufgeführten Basi seinkommens des Berufungsbeklag- ten von CHF 12‘096.00 pro Jahr und vor Steuern, ist nunmehr als Basis das Einkommen des Berufungsbeklagten von CHF 73‘415.00 pro Jahr und vor Steuern festzuhalten. Ansonsten ist die Indexklausel nicht abzuändern. Die vorinstanzliche Koste nverteilung wurde nicht angefoch- ten und es besteht keine Veranlassung, diese von Amtes wegen zu überprüfen. 13.1 Es bleibt über die Verteilung der Prozesskosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus den Gerichtskosten sowie der Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), zu befinden. Massge- bend für die Regelung der Kostenfolgen sind die Bestim mungen der Art. 104 ff. ZPO, die auch im Berufungsverfahren gelten, da das Gesetz für das Recht smittelverfahren keine speziellen Kostenregelungen vorsieht (vgl. S EILER , Die Berufung nach ZPO, Rz. 1560). Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden P artei auferlegt. Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Von diesem Verteilungsgrundsatz kann das Gericht unter gewissen Um- ständen abweichen und die Prozesskosten in Anwendung von A rt. 107 Abs. 1 ZPO nach Er- messen verteilen, so insbesondere in familienrechtlichen Verfahren (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). Sodann können unnötige Prozesskosten in Anwendung von Art. 108 ZPO dem Verursacher auferlegt werden. 13.2 Vorliegend handelt es sich um ein familienrechtliches Ve rfahren, in welchem sich das Kind und der Kindsvater als Parteien gegenüberstehen. Die finanziellen Verhältnisse sind ganz unterschiedlich. Während das Kind (Berufungskläger) kein Kindsvermögen hat und die nunmehr zuzusprechenden Unterhaltsbeiträge nur gerade seinen Gr undbedarf und seine nötige Betreu- ung decken und die Kindsmutter sozialhilfeabhängig ist, verfügt der Berufungsbeklagte auch nach Bezahlung der mit diesem Entscheid zuzusprechenden Unterhaltsbeiträgen von aktuell CHF 1‘430.00 derzeit noch immer über einen Überschuss von knapp CHF 2‘000.00 pro Monat, so dass es angezeigt ist, die Verfahrenskosten in Anwendu ng von Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO dem Berufungsbeklagten aufzuerlegen. Dem Berufungsbeklagten ist überdies anzulasten, dass er aufgrund seiner falschen Aussagen und der fehlenden M itwirkung im vorinstanzlichen Ver- fahren (siehe vorstehende Erwägung Ziffer 6.4) die Wa hrheitsfindung verunmöglichte und der Berufungskläger gezwungen war, die Berufung zu erklären , um die amtliche Erkundigung bei der C.____AG zu beantragen. Die fehlende Mitwirkung des Berufungsbeklagten im vorinstanzli- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Verfahren rechtfertigt es, diesem auch in Anwendun g von Art. 108 ZPO die Kosten des vorliegenden Berufungsverfahrens, bestehend aus der Entsch eidgebühr und der Parteient- schädigung, aufzuerlegen. Die Entscheidgebühr für das Be rufungsverfahren ist in Anwendung von § 9 Abs. 1 i.V. mit § 8 Abs. 1 lit. f Ziff. 4 des G ebührentarifs (SGS 170.31) auf pauschal CHF 2‘000.00 festzusetzen. 13.3 Als Parteientschädigung hat der Berufungsbeklagte dem Berufungskläger die Kosten von dessen berufsmässiger Vertretung zu entschädigen. Die Re chtsvertreterin des Berufungsklä- gers macht mit Honorarnote vom 3. August 2017 ein Honorar von CHF 2‘370.00 geltend, basie- rend auf einem Aufwand von 11.85 Std. à CHF 200.00. Dieser Aufwand ist in Anbetracht der Ausfertigung der 15-seitigen Berufungsschrift sowie der Tatsache, dass die Anwältin im erstin- stanzlichen Verfahren nicht dabei war und sich zuerst in das Dossier einlesen musste, ange- messen. Überdies musste sie sowohl mit der Kindsmutter als a uch mit der Erziehungsbeistän- din korrespondieren, was ebenfalls zu einem höheren Auf wand führt. Für Spesen wird ein Auf- wand von CHF 375.90 geltend gemacht. Hier fällt auf , dass im Leistungsdetail am 5. Mai 2017 unter dem Titel „Versand Berufung“ 102 Kopien à CHF 1.50 aufgeführt sind. Angesichts der Anzahl der Kopien ist von Massenkopien auszugehen, für welche gemäss § 16 Abs. 2 TO ledig- lich ein Ansatz von CHF 0.50 pro Kopie zur Anwendung gel angt, sodass die Auslagen um CHF 102.00 zu kürzen sind. Folglich sind die geltend gemac hten Spesen auf den Betrag von CHF 273.90 zu kürzen. Dementsprechend beträgt die Parteien tschädigung CHF 2‘855.40 (Honorar von CHF 2‘370.00, Auslagen von CHF 273.90 und MWST 8% auf CHF 2‘643.90 = CHF 211.50). Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. I.a) Die Berufung wird teilweise gutgeheissen. Die Ziffer 2 des Urteils des Präsidenten des Zivilkreisg erichts Basel- Landschaft Ost vom 3. Januar 2017 wird aufgehoben und durch folgen- de Ziffer ersetzt: 2. Der Beklagte wird verpflichtet, mit Wirkung ab 15. Dezember 2014 an die gesetzliche Vertreterin des Klägers bis zum Ein tritt seiner Volljährigkeit monatlich und im Voraus folgende Unterh altsbeiträge (jeweils zuzüglich allfälliger Kinderzulagen) zu bezahlen: • 15.12.2014 – 31.12.2016: CHF 920.00 • 01.01.2017 – 31.12.2024: CHF 1‘430.00 (CHF 540.00 Barunterhalt und CHF 890.00 Betreuungsunterhalt) • 01.01.2025 – 31.12.2026: CHF 1‘630.00 (CHF 740.00 Barunterhalt und CHF 890.00 Betreuungsunterhalt) • 01.01.2027 – 31.12.2030: CHF 1‘615.00 (CHF 1‘291.00 Barunterhalt und CHF 324.00 Betreuungsunterhalt) • ab 01.01.2031: CHF 790.00 (Barunterhalt) Art. 277 Abs. 2 ZGB bleibt vorbehalten. I.b) ZiZifferDie Ziffer 3 des Urteils des Präsidenten des Zivilkreisgericht s Basel- Landschaft Ost vom 3. Januar 2017 wird insofern geändert , als die Un- terhaltsbeiträge gemäss Ziffer 2 auf einem Nettoeinkomm en des Pflich- tigen ohne Zulagen von CHF 73‘415.00 pro Jahr und vor Steuern basie- ren. Ansonsten bleibt die Indexklausel gemäss Ziffer 3 d es Urteils des Präsidenten des Zivilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 3. Januar 2017 unverändert bestehen. I.c) Die Ziffern 4 und 5 Urteils des Präsidenten des Zi vilkreisgerichts Basel- Landschaft Ost vom 3. Januar 2017 werden ersatzlos aufgehoben. I.d) Die Ziffern 1, 6 und 7 des Urteils des Präsidenten des Z ivilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 3. Januar 2017 bleiben unveränd ert beste- hen. Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht II. Die Gerichtsgebühr für das Ber ufungsverfahren von CHF 2‘000.00 wird dem Berufungsbeklagten auferlegt. III. Der Berufungsbeklagte hat dem Berufungskläger f ür das Berufungsver- fahren eine Parteientschädigung von CHF 2‘855.40 (inkl . Auslagen von CHF 273.90 und MWST von CHF 211.50) zu bezahlen. Präsidentin Christine Baltzer-Bader Gerichtsschreiberin Karin Arber