B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4868/2013 U r t e i l v o m 2 8 . F e b r u a r 2 0 1 4 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), sowie die Kinder B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), Russland, alle vertreten durch Laura Rossi, Fürsprecherin, Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 31. Juli 2013 / N (…). D-4868/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden, russische Staatsangehörige tschetscheni- scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in E._______, verliessen ihr Heima t- land eigenen Angaben zufolge im Oktober 2007 zusammen mit der Eh e- frau beziehungsweise Mutter (D-4872/2013) sowie dem ältesten Sohn beziehungsweise Bruder. Bei ihrer Einreise n ach Polen wurden sie a n- gehalten, worauf sie Asylgesuche einreichten. Nach zweijährigem Aufent- halt in Polen reiste die ganze Familie am 22. Oktober 2009 in die Schweiz ein, wo alle Familienmitglieder gleichentags um Asyl nachsuchten. B. Die Beschwerdeführende n – ausgenommen die Tochter D._______ – wurden am 29. Oktober 2009 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) F._______ zur Person befragt und es wurde ihnen das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Polen gewährt. Mit Verfügung vom 22. Januar 2010 traf das BFM im Rahmen eines Dub- lin-Verfahrens einen Nichteintretensentscheid und verfügte die Wegwe i- sung nach Polen. Gegen diesen Entscheid liessen die Beschwerdefü h- renden durch ihren (damaligen) Rechtsvertreter am 3. Februar 2010 B e- schwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben. Mit Urteil D-650/2010 vom 10. Februar 2010 wurde die Beschwerde abgewiesen. Gleichzeitig wurde das BFM – insbesondere im Hinblick auf den damaligen stationä- ren Aufenthalt der Mutter/Ehefrau im Psychiatriezentrum G._______ – angewiesen, bei der Überstellung notwendig erscheinende medizinische Begleitmassnahmen sicherzustellen. C. Im Rahmen des (gescheiterten) Überstellungsversuchs der Beschwerde- führenden (ohne die Ehefrau bzw. Mutter) wurde A._______ (nachfolgend Beschwerdeführer 1) am 6. April 2010 zunächst im Spital H._______ und hernach im Spital beziehungsweise Psychiatriezentrum G._______ be- handelt. Die drei damals minderjährigen Kinder wurden an ihren früheren Aufenthaltsort zurückgebracht. Der älteste, volljährige Sohn wurde schliesslich am (…) 2010 – ohne weitere Familienangehörige – nach Po- len überstellt. D. Mit Eingabe vom 16. Juni 2010 liess der Beschwerdeführer 1 beim Bu n- desamt ein Wiedererwägungsgesuch einreichen. Mit Zwischenverfügung D-4868/2013 Seite 3 vom 30. Juni 2010 wurde der Beschwerdeführer 1 vom BFM aufgefordert, einen Gebührenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– zu leisten, ansons- ten auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten werde. Der Vo r- schuss wurde am 9. Juli 2010 bezahlt. E. Mit Verfügung vom 3. September 2010 te ilte das BFM den Beschwerd e- führenden mit, der Entscheid vom 22. Januar 2010 werde aufgehoben und das nationale Asylverfahren (der Eltern sowie der drei damals mi n- derjährigen Kinder) werde wieder aufgenommen. Überdies hielt die Vo r- instanz fest, der im Wiede rerwägungsverfahren geleistete Gebührenvo r- schuss werde zurückerstattet. F. Die Beschwerdeführenden – ausgenommen die Toch ter – wurden am 23. August 2011 vom Bundesamt zu ihren Asylgründen angehört. Dabei machten sie im Wesentlichen geltend, der Beschwerdefüh rer 1 habe sich – nachdem er zwei Jahre in der russischen Armee gedient habe – im ers- ten Tschetschenienkrieg den Rebellen angeschlossen. In der Folge habe er sich nur noch selten bei seiner Familie – welche von 1999 bis 2004 in Inguschetien und hernach in E._______ gelebt habe – aufgehalten. Im Jahr 2006 seien, als der Beschwerdeführer 1 seine Familie besucht habe, nachts unbekannte Personen in die Wohnung eingedrungen und hätten ihn vor den Augen der Familie zusammengeschlagen. Danach habe sich die Familie zur Ausreise entschlossen. G. Mit Anfrage (per E -Mail) vom 9. September 2011 ersuchte das BFM die polnischen Behörden um Auskunft zum dort durchgeführten Asylverfa h- ren. In der Folge übermittelten die polnischen Behörden diverse Dok u- mentkopien, insbesondere ein Befragungsprotokoll des Beschwerdefü h- rers 1 vom 16. April 2008. H. Mit Schreiben vom 12. Dezember 2012 orientierte das BFM die B e- schwerdeführenden über das Abklärungsergebnis bei den polnischen Be- hörden und räumte ihnen Frist zur Stellungnahme ein. Mit Eingabe vom 21. Dezember 2012 machten die Beschwerdeführenden von ihrem Äu s- serungsrecht Gebrauch. D-4868/2013 Seite 4 I. Am 17. Juli 2013 erliess das BFM seinen Endentscheid bezüglich der Asylgesuche und adressierte diesen an den Beschwerdeführer 1 und se i- ne Ehefrau. Auf Interve ntion des Rechtsvertreters vom 25. Juli 2013 e r- liess das BFM am 31. Juli 2013 einen neuen Entscheid (mit dem Vermerk "Ersetzt unseren Entscheid vom 17. Juli 2013") und adressierte diesen an den Rechtsvertreter. Die Zustellung erfolgte am 3. August 2013. Das Bundesamt hielt in seinem Entscheid fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht , und lehnte die Asylgesuche ab. Es wies die Beschwerdeführenden aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung führte das BFM zusammenge- fasst aus, die Vorbringen der Beschwerdeführenden wiesen alles in allem eindeutige Kennzeichen einer konstruierten Verfolgungsgeschichte auf und erweckten insgesamt den Eindruck, sie hätten bei ihren Schilderu n- gen nicht auf Erinnerungen a n tatsächliche Begebenheiten zurückgreifen können, sondern lediglich versucht, ihre angebliche Verfolgungssituation in allgemein bekannte Umstände in ihrem Heimatland einzubetten, ohne davon betroffen gewesen zu sein . Ihren Schilderungen könne folglich nicht geglaubt werden. An dieser Einschätzung vermöchten die eing e- reichten Beweismittel nichts zu ändern. Die Vorbringen der Beschwerd e- führenden – den Beschwerdeführer 1 sowie die Kinder betreffend – hiel- ten somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemä ss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Den Wegweisungsvollzug erachtete das Bundesamt als zulässig, zumutbar und möglich. J. Mit Eingabe vom 30. August 2013 an das Bundesverwaltungsgericht er- hoben die Beschwerdeführenden gegen den Entscheid des BFM vom 31. Juli 2013 durch ihre (neu mandatierte) Rechtsvertreterin Beschwerde. Sie beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Sache sei an die Vorinstanz zurück- und diese anzuweisen, aktuelle Arztberichte einzuholen und in Kenntnis der Berichte eine neue Verfügung zu erla s- sen, die Vorinstanz sei anzuweisen, eine korrekte Anhörung durchzufü h- ren, unter Offenlegung der relevanten Unterlagen an die Hilfswerkvert re- tung sowie unter Beiziehung eines Dolmetschers aus dem Kaukasus, die Tochter D._______ sei anzuhören, eventualiter seien die Beschwerdefüh- renden als Flüchtlinge anzuerkennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren, subeventualiter sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu- stellen und die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme der B e-D-4868/2013 Seite 5 schwerdeführenden anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht e r- suchten sie um Koordination mit dem separaten (Beschwerde -)Verfahren der Ehefrau und Mutter, um A nweisung der Vollzugsbehörden im Sinne einer vorsorglichen Massnahme, die Weitergabe der Daten des B e- schwerdeführers 1 an den Heimatstaat bis zum Entscheid über die B e- schwerde zu sistieren, im Falle der Nichtstattgabe dieses Begehrens sei die Vorinstanz vo r einer allfälligen Abweisung der Beschwerde anzuwe i- sen, eine eventuell bereits erfolgte Datenweitergabe an den Heimatstaat dem Beschwerdeführer 1 offenzulegen und diesem dazu das rechtliche Gehör im Hinblick auf objektive Nachfluchtgründe zu gewähren. Schliess- lich beantragten die Beschwerdeführenden, es sei ihnen die unentgeltl i- che Rechtspflege (unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung) zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzic h- ten. Als Beilagen zur Beschwerdeschrift reic hten die Beschwerdeführenden diverse Dokumente, unter anderem auch verschiedene medizinische U n- terlagen, ein. Auf die Begründung der Beschwerdebegehren sowie die eingereichten Beweismittel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. K. Am 5. September 2013 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführenden den Eingang der Beschwerde. L. Mit Eingabe vom 17. September 2013 reichte die Rechtsvertreterin Schulzeugnisse der Tochter zu den Akten. M. Der Instrukti onsrichter teilte den Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 1. Oktober 2013 mit, sie dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig verfügte er, über das Gesuch um Gewäh- rung der unentgeltlichen Rechtspflege in Sinne von Art. 65 Ab s. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden, auf die Erh e- bung eines Kostenvorschusses werde verzichtet und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG werde abgewiesen. Überdies wurde die Vorinstanz zur Einre i- chung einer Vernehmlassung eingeladen und festgehalten, über die we i-D-4868/2013 Seite 6 teren Beschwerdeanträge werde zu einem späteren Zeitpunkt entschi e- den. N. Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2013 hielt das BFM an seiner Ve r- fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Ve r- nehmlassung wurden den Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bunde sverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, au sser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügun g besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Mit Urteil gleichen Datums ergeht das Urteil der Ehefrau und der Mu t- ter (D-4872/2013), weshalb dem Antrag auf Koordination Rechnung g e- tragen wird. D-4868/2013 Seite 7 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung im Asylbereich aus den in Art. 106 AsylG vorgesehenen Gründen. 3. Die Beschwerdeführenden machen zunächst geltend, das BFM habe ver- schiedene Verfahrensfehler begangen. Diese formellen Rügen sind vorab zu behandeln, da sie geeignet sein können, ein e Kassation der vor - instanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilu n- gen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERT- SCHI, Verwaltungsverfahren und Ve rwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz. 548 ff., mit weiteren Hinweisen). 3.1 Die Beschwerdeführenden wenden als erstes ein, die Hilfswerkvertre- tung sei bei der Anhörung des Beschwerdeführers 1 nicht richtig dok u- mentiert worden. Sie argume ntieren, für die Wahrnehmung der Rolle der Hilfswerkvertretung sei es unabdingbar, dass diese sich vor der Anhörung bereits mit dem Asylgesuch und den Fluchtgründen vertraut machen kön- ne. Dafür sei einerseits erforderlich, dass sie Einsicht in die bisherig en Protokolle habe. Gebe es anderseits weitere Verfahrensschritte (Verf ü- gung, Beschwerde, Beschwerdeentscheid, Wiedererwägungsgesuch) , müsse die Hilfswerkvertretung darüber ins Bild gesetzt werden, da sie sonst nicht, wie gesetzlich vorgesehen, an der Anhörung teilnehmen kön- ne. Gemäss Art. 30 AsylG beobachte die Hilfswerkvertretung die Anh ö- rung nicht nur, sonder n sie könne auch ergänzende Fragen stellen la s- sen, weitere Abklärungen anregen und allfällige Einwendungen zum Pr o- tokoll anbringen. Vorliegend seien gemäss Unterschriftenblatt des Prot o- kolls der Hilfswerkvertretung die notwendigen Unterlagen vorenthalten worden, sie habe der Anhörung nicht folgen und ihre gesetzlich vorges e- hene Rolle nicht wahrnehmen können. Die angefochtene Verfügung sei deshalb aufz uheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, eine erneute Anhörung des Beschwerdeführers 1 unter Offenlegung der relevanten Unterlagen durchzuführen. Die Beschwerdeführenden übers ehen bei ihrer Argumentation , dass Art. 26 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ausdrücklich regelt, welche Dokumente den Hilfswerkvertretu n- gen auszuhändigen sind, indem die Bestimmung festhält, die Vertretung der Hilfswerke habe die Möglichkeit, in der Regel zwei Stunden vor der Anhörung vom Inhalt de r bereits erstellten Befragungs - oder Anhörungs-D-4868/2013 Seite 8 protokolle Kenntnis zu nehmen. Auf ein weitergehendes Akteneinsicht s- recht besteht kein Anspruch , zumal der Hilfswerkvertretung keine Parte i- rechte zukomm en (Art. 30 Abs. 4 AsylG). Bei der Durchsicht des Anh ö- rungsprotokolls (Akten BFM B 28/10) ergibt sich überdies keinerlei A n- haltspunkt, weshalb die Hilfswerkvertretung der Anhörung und den vom Beschwerdeführer 1 vorgetragenen Asylgründen nicht hätte folgen kö n- nen. Entsprechend es wird denn auch weder im Unterschriftenblatt der Hilfswerkvertretung vom 23. August 2011 ( B 28/10 letzte Seite) noch in dem auf Beschwerdeebene eingereichten Zusatzblatt zum Kurzbericht (Beschwerdebeilage 4) konkret dargelegt. Es wird von der Hilfswerkve r- tretung nicht ansatzweise aufgeze igt, inwiefern die gefällten Entscheide im früheren Dublin -Verfahren sowie das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers 1 für ihre Aufgabenerfüllung von Relevanz gewesen wären. Es ist daran zu erinnern, dass es nicht Sache der Hilfswerkvertr e- tung ist, d as gesamte Asylverfahren zu beurteilen. Hinzu kommt – dies sei nur am Rande angemerkt – dass der damalige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 1 der fraglichen Anhörung ebenfalls beiwohnte. Zwar bedeutet dies nicht, dass gar keine Hilfswerkvertretung beiz uziehen g e- wesen wäre, doch erscheint der Einwand der Beschwerdeführenden vor diesem Hintergrund doch eher stossend. 3.2 Im Weiteren bemängeln die Beschwerdeführenden, dass anlässlich der Anhörung des Beschwerdeführers 1 kein aus dem Kaukasus, sondern ein aus M oskau stammender Dolmetscher für die Übersetzung besorgt gewesen sei, obschon der Beschwerdeführer 1 vorgängig zur Anhörung einen entsprechenden Wunsch geäussert habe. Er habe nämlich anläs s- lich der Summarbefragung im EVZ F._______ schlechte Erfahrungen mit einer russischen Dolmetscherin gemacht. Gemäss Art. 29 Abs. 1bis AsylG zieht das BFM bei der Anhörung zu den Asylgründen nötigenfalls eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher bei. Die Asylsuchenden können sich von einer Vertreterin oder einem Vertr e- ter und einer Dolmetscherin oder einem Dolmetscher ihrer Wahl, die se l- ber nicht Asylsuchende sind, begleiten lassen (Art. 29 Abs. 2 AsylG). Aus dieser Bestimmung folgt, dass es dem – nota bene anwaltlich vertretenen – Beschwerdeführer 1 freigestanden hätte, ei nen aus dem Kaukasus stammenden Dolmetscher beizuziehen. Hingegen war das Bundesamt nicht verpflichtet, dem Wunsch des Beschwerdeführers 1 zu entsprechen. Dies umso mehr, als es sich bei dem anlässlich der Anhörung anwese n- den Dolmetscher nicht um die gleiche Person handelte wie anlässlich der Befragung im EVZ und dem damaligen Befragungsprotokoll keine Ei n-D-4868/2013 Seite 9 wendungen gegen die übersetzende Person entnommen werden können. Schliesslich werden hinsichtlich der tatsächlich erfolgten Übersetzung so- dann auch keine Vorbehalte vorgetragen. Die Kritik der Beschwerdefü h- renden erweist sich damit als unbegründet. 3.3 Sodann wenden die Beschwerdeführenden ein, gemäss Art. 12 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK; SR 0.107) hätte die Tochter D._______ von der Vorinstanz ang e- hört werden müssen. Sie sei im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entsche i- des (…) Jahre alt gewesen und es seien keine Gründe ersichtlich, we s- halb sie nicht urteilsfähig gewesen sein sollte. Die angefochtene Verf ü- gung müsse auf gehoben und das BFM angewiesen werden, D._______ vor Erlass einer neuen Verfügung anzuhören. Auch dieser Einwand der Beschwerdeführenden geht fehl. Wie vom Bun- desverwaltungsgericht in BVGE 2012/31 E. 5 ausführlich dargelegt, b e- steht in ausländerrechtlichen Verfahren gemäss bundesgerichtlicher Pr a- xis – unter Beachtung von Art. 12 KRK – kein vorbehaltloser Anspruch auf persönliche Anhörung von Kindern, eine Anhörung in angemessener Wei- se genügt. Als angemessen ist dabei auch die Anhörung eines Vertreters beziehungsweise der Eltern des Kindes zu betrachten, sofern sich die In- teressen von Eltern und Kindern decken. Dies ist vorliegend der Fall, mit- hin verfolgen alle Familienangehörigen dasselbe Ziel, nämlich als Flüch t- linge anerkannt zu werden und Asyl zu erhal ten, zumindest aber in der Schweiz vorläufig aufgenommen zu werden. Es ist somit davon auszug e- hen, dass die Eltern in ihren Anhörungen auch den Standpunkt von D._______ in angemessener Weise vertraten und vertreten konnten , auch wenn eine persönlich Anhöru ng von D._______ auch denkbar g e- wesen wäre. Zudem ist anzumerken, dass es D._______, deren Eltern und der Rechtsvertretung freigestanden hätte, beim BFM eine Anhörung von D._______ zu beantragen. Solches ist jedoch aus den Akten nicht ersichtlich und wurde auf Beschwerdeebene auch nicht vorgetragen. Überdies ist auch nicht davon auszugehen, die bei der Ausreise aus dem Heimatland gut (…)-jährige Tochter hätte sich in relevanter Weise zu den geltend gemachten Verfolgungsgründen äussern können. 3.4 Schliesslich rügen die Beschwerdeführenden eine Verletzung des Un- tersuchungsgrundsatzes, indem es das BFM trotz Kenntnis des mehrm o- natigen Aufenthalts des Beschwerdeführers 1 im Psychiatriezentrum G._______ unterlassen habe, vor Erlass der angefochtenen Verfügung aktuelle Arztberichte einzufordern. D-4868/2013 Seite 10 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserhebl ichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die recht- lich relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber B e- weis führen (beispielsweise durch die Einholung eines Gutachtens). Di e- ser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). Für die asylsuchende Person bringt dies insbesondere mit sich, dass sie der Behörde alle Gründe mitzuteilen hat, die für die Asylgewä h- rung oder für den Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung relevant sein könnten. Ferner ergibt sich aus Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG, dass der Asyl- suchende allfällige Beweismittel vollständig bezeichnen und sie unve r- züglich einreichen oder, soweit dies zumutbar erscheint, sich darum b e- mühen muss, sie innerhalb einer angemessenen Frist zu beschaffen (vgl. BVGE 2007/21 E. 11.1.3). Auf Beschwerdeebene wird kein Grund aufg e- führt, weshalb es dem – anwaltlich vertretenen – Beschwerdeführer 1 nicht zuzumuten gewesen wäre, entsprechende ärztliche Unterlagen ei n- zureichen. Es genügt nicht, die Ein - beziehungsweise Nachreichung von Beweismitteln anzubieten (vgl. BVGE 2007/21 E. 11.1.5). Ebenso wenig vermag die Beschwerdeführenden zu entlasten, dass ihr (damaliger) Rechtsvertreter in der Eingabe vom 21. Dezember 2012 (vgl. Akten BFM B 33/4 S. 4) ausführte, falls nötig, werde man neue psychiatrische Zw i- schenzeugnisse nachreichen. Der Entscheid, welche Beweismittel einz u- reichen sind, lie gt – jedenfalls bei anwaltlich vertretenen Asylsuchenden und soweit keine anderslautende behördliche Aufforderung erfolgt – bei den Asylsuchenden beziehungsweise deren Rechtsvertretung. Es liegt damit vorliegend keine Verletzung d es Untersuchungsgrundsatze s vor, weshalb der Antrag auf Rückweisung abzuweisen ist. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Rel igion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten n amentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). D-4868/2013 Seite 11 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschö p- fen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wide r- sprechen. Darüber hinaus müssen Gesuchstellende persönlich glau b- würdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrücken oder bewusst falsch darstellen, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechseln, steigern oder unbegründet nachschieben oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigern. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Rau m für gewisse Ein- wände und Zweifel an den Vorbringen einer gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachve r- haltsdarstellung sprechen, im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller El e- mente (übereinstimmende Angaben b ezüglich des vorgebrachten Sac h- verhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Vorbringen, persönliche Glaubwürdigkeit) überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 5. 5.1 Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Beschwe r- deführer 1 habe gegenüber den polnischen Behörden angegeben, nicht an Kampfhandlungen teilgenommen und von 1993 bis 2003 in Kalmykien beziehungsweise Inguschetien gelebt zu haben, von 2003 bis zur Ausre i- se 2007 habe er in E._______ gelebt und dort im Baugewerbe gearbeitet. Anlässlich der Befragung im EVZ habe er hingegen erklärt, er habe zu Beginn des ersten Krieges in Tschetschenien an Kampfhandlungen tei l- genommen. Im Gegensatz zu den Angaben in Polen sowie im EVZ habe der Beschwerdeführer 1 im Rahmen seiner Anhörung ausgeführt, er habe seit Kriegsausbruch 1994 keinen festen Wohnsitz mehr gehabt, da er bis zur Ausreise aus Tschetschenien im Jahr 2007 an militä rischen Ausei- nandersetzungen teilgenommen habe. Diese sachlichen Diskrepanzen in den Aussagen des Beschwerdeführers 1 seien weder mit der Leistung der angeblich bösartig eingestellten Dolmetscherinnen im EVZ und in P o- len, noch mit einem angeblichen Schockz ustand des Beschwerdeführers 1 zu erklären. Überdies seien dem Protokoll der Befragung im EVZ keine Beanstandungen zu entnehmen. Sodann seien auch keine nachvollzie h- baren Gründe ersichtlich, weshalb er gegenüber den polnischen Behö r-D-4868/2013 Seite 12 den seine tatsächlichen Ausreisegründe hätte verheimlichen müssen. Dannzumal habe er nämlich vor allem die Sorge um die Zukunft seiner Kinder in den Vordergrund seiner Ausführungen gestellt. Widersprüchl i- che Angaben habe der Beschwerdeführer auch dazu gemacht, ob und wann er festgenommen und geschlagen worden sei. Zudem habe er den für die Ausreise der Familie angeblich ausschlaggebenden Vorfall kaum substanziieren können. Erst anlässlich der Bundesanhörung habe der Beschwerdeführer 1 sodann erwähnt, dass er wegen seiner früheren Tä- tigkeit im Militärdienst vom Geheimdienst gesucht worden sei. Das erst im späteren Verlauf des Asylverfahrens geschilderte zentrale Vorbringen sei als nachgeschoben zu qualifizieren. Zudem könne nicht geglaubt werden, dass der russische Inlandgeheimdiens t (FSB), dessen äusserst repress i- ve Vorgehensweise bekannt sei, den Beschwerdeführer 1 anlässlich der behaupteten Razzia nicht sogleich festgenommen hätte. Alles in allem kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers 1 eindeutig e Kennzeichen einer konstruierten Verfo l- gungsgeschichte aufweisen würden und insgesamt nicht den Eindruck erweckten, er habe bei den Schilderungen auf Erinnerungen an tatsächl i- che Begebenheiten zurückgreifen können, sondern lediglich versucht, seine angebl iche Verfolgungssituation in allgemein bekannte Umstände im Heimatland einzubetten. Die Schilderungen seien nicht glaubhaft, woran die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern vermöchten. Da die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand hielten, müsse ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden. 5.2 Die Beschwerdeführenden machen auf Beschwerdeebene zunächst geltend, die Vorinstanz habe sich zum hauptsächlichen Fluchtgrund der Beschwerdeführenden, dass der Beschwerdeführe r 1 nämlich von 1983 bis 1985 in einer Geheimabteilung der Sowjetarmee im Grade eines U n- teroffiziers gedient habe, überhaupt nicht geäussert. Aus diesem Grund hätte der Beschwerdeführer 1 das Land nicht ohne ausdrückliche Erlau b- nis des Militärministeriums verlassen dürfen. Er kenne Geheimbefehle und habe nach der Absolvierung seines Dienstes unterschreiben müssen, dass er diese militärischen Geheimnisse niemals weitergeben werde. Da- zu komme der Vorwurf, der Beschwerdeführer 1 habe sein militärisches Spezialwissen den tschetschenischen Rebellen zur Verfügung gestellt. Im Falle einer Rückkehr wäre der Beschwerdeführer 1 stark gefährdet, von den russischen Behörden kontrolliert, inhaftiert und asylrelevant verfolgt zu werden. Er habe während seiner Anhörung übe r diesen Fluchtgrund sprechen wollen, dies sei ihm aber aufgrund der Anwesenheit des Do l-D-4868/2013 Seite 13 metschers aus Russland schwergefallen. Aus Angst vor Repressalien ha- be er auch keine Details erwähnt. Auch könnte bereits der Umstand, dass der Beschwerdeführer 1 den s chweizerischen Asylbehörden sein Militä r- büchlein abgegeben habe, zu Repressalien führen. Zu den vorinstanzlichen Erwägungen lassen die Beschwerdeführenden einwenden, vor dem Hintergrund der psychischen Belastung des B e- schwerdeführers 1 vermöge es nicht zu erstaunen, dass er sich nicht an den genauen Zeitpunkt der erlittenen Übergriffe habe erinnern können. Zu den verschiedenen Wohnorten sei anzumerken, dass der Beschwerd e- führer 1 im Krieg gewesen und zwischen seiner Familie und den Rebellen hin- und hergependelt sei, während seine Ehefrau und die Kinder zeitwei- se als Flüchtlinge in Inguschetien, zeitweise bei den Eltern des B e- schwerdeführers 1 gelebt hätten. Ab 2004 habe sich die Familie in E._______ aufgehalten, sei dort aber nie offiziell registriert gewes en. Die von der Vorinstanz vorgebrachten Widersprüche und Unglaubhaftigkeit s- elemente erwiesen sich bei näherem Hinsehen als leicht erklärbar. 5.3 Die Kritik der Beschwerdeführenden erweist sich als nicht stichhaltig. Dabei kann zunächst auf die nach Ansicht de s Bundesverwaltungsg e- richts zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwi e- sen werden. Soweit der Beschwerdeführer 1 sodann auf seine Zeit bei der Sowjetarmee und das darauffolgende Engagement für die tsch e- tschenischen Rebellen hinweist, so ist mit der Vorinstanz davon ausz u- gehen, eine entsprechende Gefährdung sei nicht glaubhaft gemacht. Handelte es sich beim Beschwerdeführer 1 tatsächlich um den von ihm behaupteten Geheimnisträger, welcher Informationen an die tschetsch e- nischen Rebellen wei tergegeben hat, wäre er spätestens anlässlich der Razzia im Jahr 2006 respektive 2007 festgenommen und zur Verantwor- tung gezogen worden. Da dies offensichtlich nicht der Fall war, kann heu- te – bald 30 Jahr e nach dem Austritt des Beschwerdeführers 1 aus der Armee – umso weniger von einer weiterbestehenden Verfolgungsgefahr im Falle der Rückkehr ausgegangen werden. Nicht zu überzeugen vermag sodann der Einwand, der Beschwerdeführer 1 habe sich aufgrund seiner psychischen Schwierigkeiten nicht an das Jahr d es angeblichen Überfalls erinnern können, zumal dieses Ereignis fluchtauslösend gewesen sein soll. Im Weiteren ändert die auf Beschwer- deebene erneut vorgetragene Wohnsituation nichts daran, dass der B e- schwerdeführer 1 gegenüber den polnischen Behörden abwe ichende An- gaben machte. D-4868/2013 Seite 14 5.4 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass das Bundesamt die Verfo l- gungsvorbringen der Beschwerdeführenden zutreffend als den Anford e- rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend beu r- teilt, die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abgewiesen hat. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9, mit weiteren Hinweisen). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim mungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2 Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Wegwe i- sungsvollzug (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alte r- nativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug als undurch- führbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit der betroffenen Pe r- son in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Au f- nahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung – aus den nachfolgend aufgezeigten Gründen – als unzumutbar erweist, ist auf eine Er örterung der beiden andern Vo r- aussetzungen eines rechtmässigen Wegweisungsvollzugs zu verzichten. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Neben den im Gesetz be i- spielhaft aufgezählten Faktoren können namentlich auch die Bee inträch- tigung des Kind eswohls bei minderjährigen Gesuchstellern oder eine D-4868/2013 Seite 15 Kombination von Faktoren wie Alter, Beeinträchtigung der Gesundheit, fehlendes Beziehungsnetz, keine ausreichenden wirtschaftlichen Pe r- spektiven etc. von Bedeutung sein, immer voraus gesetzt, dass sie zu e i- ner konkreten Gefährdung führen. Wird eine solche festgestellt, ist unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslä n- der vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.4 7.4.1 Das BFM führte zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvol l- zugs im Wesentlichen aus, die Sicherheitslage in Tschetschenien habe sich in den letzten Jahren kontinuierlich und nachhaltig verbessert. Es herrsche heute keine Situation allgem einer Gewalt mehr und parallel zur Stabilisierung der Sicherheit habe sich auch die Menschenrechtslage deutlich verbessert. Nach Einschätzung der UNO und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bestehe heute in Tschetschenien auch keine humanitäre Krise mehr. Die medizinische Grundversorgung sei mitt- lerweile gewährleistet. Die Rückkehr von abgewiesenen Asylsuchenden nach Tschetschenien sei daher grundsätzlich zumutbar. Zudem würden im vorliegenden Fall auch keine individuellen Gründe gegen die Z umut- barkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen. Angesichts der zuletzt ei n- gegangenen Arztberichte aus dem Jahr 2010 sei davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers 1 und seiner Ehefrau erheblich gebessert oder zumindest stabilisiert habe. Hinsichtlich der angesprochenen Gesundheitsprobleme sei generell auf deren grun d- sätzliche Behandelbarkeit im Heimatland hinzuweisen, wo die notwendige medizinische Infrastruktur vorhanden und für die Beschwerdeführenden ohne Weiteres zugänglich sei. Zu der gemäss Arztberichten vorhandenen latenten Suizidalität sei festzuhalten, dass diese auf eine punktuelle Drucksituation und nicht auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen sei. Es sei nicht aussergewöhnlich, dass sich bei abgewiesenen Asyls u- chenden eine depressive Entwicklung bemerkbar mache, sie Zukunft s- ängste oder gar Depressionen entwickelten . Indessen stehe dieses Ph ä- nomen dem Wegweisungsvollzug weder unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG noch unter jenem von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten (EMRK, SR 0.101) entgegen. Es könne nicht hingenommen werden, dass weggewiesene Ausländer es in der Hand hätten, sich durch Ber u- fung auf eine tatsächliche oder vermeintliche Suizidgefahr ei n Aufen t- haltsrecht in der Schweiz zu sichern. Im Falle erneuter suizidaler Tenden- zen im Zusammenhang mit der bevorstehenden Rückkehr könnten diese D-4868/2013 Seite 16 bis zum Übertritt in heimatstaatliche Betreuungsstrukturen medikamentös beziehungsweise allenfalls mit einer adäquaten medizinischen Begleitung während der Rückführung begegnet werden. In Tschetschenien könnten psychische Erkrankungen behandelt werden und es sei den Beschwerde- führenden unter diesen Voraussetzungen zuzumuten, sowohl für die B e- handlung der somatisc hen als auch der psychischen Probleme allenfalls die in ihrem Heimatland zur Verfügung stehenden Institutionen in A n- spruch zu nehmen. Sodann ergäben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden – insbesondere auch die (…), (…) und (…) Jahre alten Kinder – im Falle der Rückkehr in ihr Heimatland aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine Existenz bedrohende Situation geraten würden. Die heute teilweise bereits volljährigen Kinder seien in Tsch e- tschenien geboren worden und hätten den grössten Teil ihres Lebens dort verbracht und damit ihre Sozialisation weitgehend in Tschetschenien e r- fahren. Angesichts des verhältnismässig kurzen Aufenthaltes in der Schweiz sei nicht von einer weitgehenden Assimilierung an die schweize- rische Kultur und Lebensweise auszugehen. Einem erfolgreichen Einstieg der Kinder ins Berufsleben stehe, nicht zuletzt angesichts ihrer in der Schweiz erworbenen Kenntnisse, nichts entgegen. Es seien auch keine Gründe ersichtlich, die gegen eine erfolgreiche Eingliederung der minde r- jährigen Tochter ins Schulsystem des Heimatlandes sprechen würden. Demnach sei vorliegend die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung als zumutbar zu erachten. Ausserdem sei der Vollzug t echnisch möglich und praktisch durchführbar. 7.4.2 Die Beschwerdeführenden verweisen dagegen in der Beschwerd e- schrift zunächst auf den Gesundheitszustand und die Behandlungsb e- dürftigkeit aller Beschwerdeführenden. Nach dem gescheiterten brutalen Ausschaffungsversuch nach Polen sei der Beschwerdeführer 1 während fünf Monaten in stationärer Behandlung und nach seinem Austritt bis im April 2013 in ambulanter psychiatrischer Behandlung (Sprechstunde für Migranten) gewesen. Diese Behandlung habe trotz unverändert schl ech- tem Gesundheitszustand abgebrochen werden müssen, weil der zustä n- dige Arzt die Klinik verlassen habe. Der Beschwerdeführer 1 sollte die Psychotherapie jedoch bald wieder aufnehmen können. Auch die drei Kinder seien in psychiatrisch -psychotherapeutischer Behandlung, die Tochter seit Februar 2013, der Sohn B._______ seit Mai 2013 und der Sohn C._______ seit Juli 2013. Gemäss Auskunft des IKRK Protection Departments in E._______ bestehe in Tschetschenien sowie in E._______ im Speziellen kein Behandlungszentrum oder Spital, das eine D-4868/2013 Seite 17 Behandlung von PTSD anbiete, höchstens Personen mit akuten psych i- schen Erkrankungen könnten ambulant behandelt werden. Jedoch wü r- den die Behandlungsmöglichkeiten sogar in solchen Fällen als begrenzt beurteilt. Betreffend die Tochter müsse festgestellt werden, dass es auch gemäss dem vom BFM zitierten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (E- 4413/2011) in E._______ keine spezialisierte Kinder - und Jugendpsychi- atrie gebe. Mangels adäquater Behandlung würde die Rückkehr bei der Tochter angesichts der PTSD -Symptomatik zum sicheren Suizid führen. Hinzu komme, dass eine minimale psychiatrische Versorgung keine l ü- ckenlose, adäquate Behandlung darstelle. Im Weiteren sei die Frage zu stellen, wie es den Beschwerdeführenden angesichts der best enfalls not- dürftig behandelten psychischen Erkrankungen gelingen sollte, wirtschaft- lich Fuss zu fassen, um ihren Alltag und die notwendige psychiatrische Behandlung finanzieren zu können. Angesichts der Tatsache, dass alle Familienmitglieder psychisch schw er belastet und (akut) suizidal seien, müssten alle Familienmitglieder Zugang zur notwendigen psychiatrischen Versorgung haben. Es könne zudem nicht davon ausgegangen werden, dass sie einander gegenseitig bei einer Rückkehr wirtschaftlich unterstü t- zen könn ten. Aufgrund der medizinischen Wegweisungsvollzugshinde r- nisse sei auch das wirtschaftliche Fortkommen in Frage gestellt. Bei einer Rückkehr würden die Beschwerdeführenden sowohl aus medizinischen und in der Folge davon auch aus sozialen Gründen in eine ex istenzielle Notlage geraten. Unter dem Titel "Kindeswohl" lassen die Beschwerdeführenden vorbri n- gen, die Vorinstanz habe es unterlassen, bei der Prüfung der Zumutba r- keit des Wegweisungsvollzugs das Kindeswohl mit einzubeziehen. Die Tochter sei bei der Flu cht aus Tschetschenien erst (…) Jahre alt gew e- sen, bei der Einreise in die Schweiz (…) Jahre. Heute besuche sie das 10. Schuljahr und verfüge über sehr gute Noten. Im Sommer 2014 sollte sie eine Lehrstelle antreten können. Sie habe folglich die entscheidenden Ausbildungsjahre in der Schweiz verbracht und die berufliche Integration stehe unmittelbar bevor. Zudem dürfe der medizinische Aspekt nicht missachtet werden. Das Kindeswohl spreche vorliegend aufgrund der ausserordentlichen Integration der Tochter und ihrer Behandlungsbedürf- tigkeit in einer auf Kinder - und Jugendpsychiatrie spezialisierten Institut i- on gegen den Vollzug der Wegweisung. Sodann wird in der Beschwerdeschrift auf die ausserordentlich gute I n- tegration der Söhne B._______ und C._______ hingewiesen. D-4868/2013 Seite 18 8. 8.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 2009/52) herrscht heute in Tschetschenien keine Situation allg e- meiner Gewalt mehr und der Wegweisungsvollzug dorthin wird in der R e- gel als zumutbar erachtet. Diese – von der Vorinstanz zutreffend wieder- gegebene und von den Beschwerdeführenden unbestritten gebliebene – Einschätzung hat nach wie vor Gültigkeit, auch wenn sich die Sicherheits- lage in Tschetschenien weiterhin instabil präsentiert und Mensche n- rechtsverletzungen vorkommen. Immerhin ist in den letzten Jahren ein Rückgang bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen russischen und tschetschenischen Sicherheitskräften auf der einen und bewaffneten O p- positionsgruppen auf der anderen Seite zu verzeichnen. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden ist unter dem Sicherheitsaspekt gemäss ge l- tender Praxis demnach grundsätzlich als zumutbar zu bezeichnen. Zu prüfen sind daher die weiteren, in der Beschwerde gegen eine Rückkehr der Familie angeführten Gründe. 8.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat s ich im Urteil E -4413/2011 vom 4. Juli 2013 – auf welches sich sowohl die Vorinstanz wie auch die B e- schwerdeführenden beziehen – ausführlich mit der Frage der medizin i- schen Versorgung in Tschetschenien auseinandergesetzt. Dabei führte das Gericht aus, grund sätzlich sei der Wiederaufbau auch im Gesun d- heitswesen mittlerweile weit fortgeschritten. Insgesamt habe es 2011 in Tschetschenien über 350 medizinische Einrichtungen, wie Bezirks - und Republiks-Krankenhäuser und Ambulatorien gehabt. In E._______ fän- den si ch auch spezialisierte Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser für psychisch Kranke. Zwar herrsche kriegsbedingt noch immer ein Mangel an qualifiziertem medizinischem Personal, was man jedoch durch Ausbi l- dungsmassnahmen, aber auch durch Anwerben von Fachkräften aus an- deren Teilen Russlands und aus dem Ausland zu verbessern versuche. Das Gericht kam sodann zum Schluss, entsprechend den massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen könnten Patienten insbesondere die folge n- den Dienste kostenlos in Anspruch nehmen: psyc hiatrische Notfallhilfe, Unterstützung bei der psychia trischen Prophylaxe und Rehabilitation in Ambulanzen und Kliniken, sämtliche Formen psychiatrische r Untersu- chung, Bestimmung zeitweiliger Unzurechnungsfähigkeit, soziale Unte r- stützung und Beschäftigung von Menschen mit psychischen Störungen, Vormundschaftsprobleme, Rechtshilfe in psychiatrischen Kliniken oder Psychiatrische Unterstützung im Falle von Notfällen. Zudem wurde auf D-4868/2013 Seite 19 die Möglichkeit der grundsätzlich kostenfreien Behandlung in einem "Psy- choneurologischen Dispanser" hingewiesen, einer speziellen Gesun d- heitseinrichtung, welche die Hauptform der ausserhalb eines Spitals a n- gesiedelten psychiatrischen Dienste darstelle. Diese Einrichtung sei tei l- weise von Medikamenten- und Personalmangel betroffen. Daneben stün- den in Tschetschenien weitere Gesundheitseinrichtungen für die Behand- lung von psychischen Krankheiten zur Verfügung und es bestehe sodann die Möglichkeit, zur Behandlung in eine andere russische Stadt zu reisen. 8.2.1 Aus den eingereichten Arzt berichten ergibt sich, dass der B e- schwerdeführer 1 nach dem gescheiterten Ausschaffungsversuch im Mai 2010 bis zum 20. Oktober 2010 in stationärer Behandlung war, überwi e- gend im Psychiatriezentrum G._______. In der Folge begab er sich in ambulante Behandlu ng bei den Universitären Psychiatrischen Dienste H._______ (UPD), Sprechstunde für Migranten, welche bis im April 2013 weitergeführt wurde. Gemäss Abschlussbericht vom 11. April 2013 ergab sich das Ende der Behandlung durch den Weggang des behandelnden Therapeuten und da die Nachbetreuung nur über eine Wiederanmeldung mit Warteliste erfolgen könne (Beschwerdebeilage act. 7). Hinsichtlich der Stimmung des Beschwerdeführers 1 wird angegeben, er fühle sich unter starkem Druck. Zum Psychostatus wird aufgeführte, es bestehe weiter ei- ne starke Grübelneigung, der Affekt sei deutlich niedergestimmt, dysph o- risch. Weiter wird vermerkt, die Schmerzsymptomatik sei unverändert stark beziehungsweise werde durch Wetterwechsel verstärkt wahrg e- nommen, bei den Schmerzen im li nken Kniegelenk zeige sich ein schwankender Tagesverlauf, überdies leide der Beschwerdeführer 1 fast täglich an Kopfschmerzen. Über die Häufigkeit der Therapiesitzungen ge- ben die eingereichten Unterlagen keine Auskunft. Am 26. Juli 2013 me l- dete sich der Be schwerdeführer 1 in Begleitung eines Sohnes beim un i- versitären Notfallzentrum und verlangte nach einer erneuten Psychoth e- rapie. Nach dem er Auskünfte ohne Beizug eines Dolmetschers verwe i- gerte und ihm der sofortige Beginn einer Psychotherapie nicht zuges i- chert werden konnte, verliess er hochgespannt und gereizt die Notfall - Konsultation. Auf Beschwerdeebene wurden sodann ärztliche Berichte bezüglich aller drei Kinder eingereicht. Daraus ergibt sich, dass sich der Sohn B._______ sei Ende Mai 2013 in psychiatri sch-psychothera- peutischer Behandlung befindet. Nach vier ambulanten Konsultationen bestehe der hochgradige Verdacht auf eine Traumafolgestörung . Es b e- stünden Symptome einer komplexen posttraumatischen Belastungsst ö- rung ohne aktuell die Diagnosekriterien nach ICD-10 zu erfüllen. Differen- tialdiagnostisch müsse auch an eine Persönlichkeitsveränderung nach D-4868/2013 Seite 20 Extrembelastung gedacht werden. Dem ärztlichen Bericht betreffend den Sohn C._______ vom 25. Juli 2013 (Beschwerdebeilage 10) lässt sich entnehmen, dass die ser am 23. Juli 2013 einen Ersttermin beim UPD wahrnahm. Als Diagnose wird aufgeführt: mittelgradige depressive Episo- de, Albträume und Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung. Hinsichtlich der Tochter D._______ wird schliesslich in der entspreche n- den Stellungnahme (Beschwerdebeilage 11) ausgeführt, sie sei im Fe b- ruar 2013 wegen akuter Suizidalität beim UPD, Kinder - und Jugendpsy- chiatrie, vorstellig geworden. Seither sei sie in ambulanter kinder - und ju- gendpsychiatrischer Behandlung. Um die Symptome der Posttraumat i- schen Belastungsstörung zu bewältigen, sei D._______ auf eine adäqua- te psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung angewiesen. 8.2.2 Vor dem Hintergrund der vorstehenden Ausführungen kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Bes chwerdeführenden in ihrem Heimatland sowohl hinsichtlich der somatischen Beschwerden des Beschwerdeführers 1 als auch der psychischen Erkrankungen med i- zinisch versorgt werden könnten. Dies zwar nicht in dem in der Schweiz zur Verfügung stehenden Rahmen, im merhin aber im Rahmen einer ele- mentaren Grundversorgung. Insofern erscheint die Rückkehr der B e- schwerdeführenden in ihren Heimatstaat allein angesichts der geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht als unzumutbar. Zudem hat das Bundesamt zutreffend auf die Möglichkeit der psychia t- risch-psychologischen Begleitung vor und während der Rückkehr hing e- wiesen. 8.3 Das BFM äussert sich nicht dazu, wohin die Beschwerdeführenden konkret zurückkehren könnten. Ebenso wenig sind der angefochtenen Verfügung Angaben über ein allfälliges noch bestehendes Beziehung s- netz der Beschwer deführenden in ihrem Heimatland zu entnehmen. Das Bundesamt führte aber aus, der Beschwerdeführer 1 verfüge über ma n- nigfaltige berufliche Erfahrungen in verschiedenen Gebieten und s eine Ehefrau könne sich als ausgebildete (…) um eine Arbeitsstelle im Heimat- land bemühen. Der Beschwerdeführer 1 gab anlässlich der summar i- schen Befragung vom 29. Oktober 2009 an, sein Vater sei verstorben, seine Mutter und ein Bruder lebten in I._______, ein Bruder lebe in E._______ (A 1/9 S. 3). Dem Anhörungsprotokoll vom 23. August 2011 lassen sich diesbezüglich keine Angaben entnehmen. Die Ehefrau des Beschwerdeführers 1 führte anlässlich ihrer Summarbefragung aus, ihr Vater sowie sechs Geschwister lebt en in I._______, eine Schwester in J._______ (vgl. A 2/9 S. 3). Auch ihrem Anhörungsprotokoll lassen sich D-4868/2013 Seite 21 keine aktuellen Angaben entnehmen , ausser dass kein Kontakt zu den Verwandten in Tschetschenien bestehe (vgl. B 27/16 S. 3). Diesbezüglich erscheint zumindest fraglich, inwiefern die Beschwerdeführenden bei e i- ner Rückkehr auf Unterstützung von Verwandten zurückgreifen könnten. Hinsichtlich der beruflichen Perspektiven erachtet das Gericht die v o- rinstanzlichen Annahmen sodann als wenig realistisch. Dabei ist insb e- sondere zu beachten, dass sowohl der Beschwerdeführer 1 als auch se i- ne Ehefrau gesundheitlich angeschlagen sind. Zudem verfügt die Ehefrau ausser einem Praktikum vor der Geburt ihrer Kinder über keine Berufser- fahrung (vgl. B 27/16 S. 3). Der Besc hwerdeführer 1 war sodann seit mehreren Jahren nicht mehr im tschetschenischen Arbeitsmarkt tätig, in der Schweiz war er – soweit ersichtlich – nie erwerbstätig. Angesichts der wirtschaftlichen Situation in Tschetschenien erscheint die Reintegration der Be schwerdeführenden in den tschetschenischen Arbeitsmarkt (vgl. VERONIKA RÜDISSER, Russische Föderation/Tschetschenische Republik, in: Länderinformation n°15, Österreichischer Integrationsfonds, Wien 2012, S. 24) zwar nicht unmöglich, unter den vorerwähnten Umständen aber zweifellos schwierig. 8.4 Schliesslich ist die Situation der noch minderjährigen Tochter sowie ihrer Brüder zu berücksichtigen. Dass sich dabei (nur) noch die Tochter auf das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0. 107; KRK) berufen kann, ist zwar richtig, bedeutet jedoch nicht, dass die Lage der zwischenzeitlich volljährig gewordenen Söhne völlig ausser Acht gelassen werden kann , was die Vorinstanz im Übrigen auch nicht getan hat. Die (heute) jungen Erwachsenen haben ihr Heimat- land im Oktober 2007 und damit im Alter von (…), (…) und (…) Jahren verlassen. Dass ihre Schulbildung dabei allein schon wegen der sprachl i- chen Neuorientierungen – zunächst polnisch, danach deutsch – gelitten hat, versteht sich von selbst. Sodann gilt es zu bedenken, dass Kinder beziehungsweise Jugendliche im Teenageralter, im Gegensatz zu Klei n- kindern, wohl immer mehr Beziehungen ausserhalb der Kernfamilie au f- bauen, mithin die Kontakte ausserhalb der Familie an Bedeu tung und Gewicht gewinnen. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass sich die beschwerdeführenden jungen Erwachsenen während sehr prägenden Jahren in der Schweiz aufgehalten haben, auch wenn es "erst" im Herbst 2014 fünf Jahre sein werden. Es sind den Akten sodann auch keine Hi n- weise darauf zu entnehmen, dass sich die Tochter und ihre Brüder in der Schweiz nicht assimiliert hätten. An der Beachtung dieses Umstandes ändert nichts, dass das Gericht dem vorliegend geltend gemachten Au s-D-4868/2013 Seite 22 mass an Integration der Beschwerdeführenden von Gesetzes wegen kei- ne Rechnung tragen kann (vgl. Art. 14 AsylG). 8.5 In Berücksichtigung aller entscheidwesentlichen Umstände gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Kombination der vorerwähnten Faktoren zur Annahme der Unzumutbarkeit des Weg wei- sungsvollzuges führt. Die Beschwerde ist teilweise gutzuheissen und das BFM ist anzuweisen, die Beschwerdeführenden vorläufig aufzunehmen. 9. Mit vorliegendem Urteil wird das Rechtsbegehren 8 der Beschwerde g e- genstandslos, weshalb sich Ausführungen dazu erübrigen. 10. 10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens – das Bundesverwaltungsge- richt geht bei der vorliegenden Konstellation von einem hälftigen Durc h- dringen aus – wären die reduzierten Verfahrenskosten von Fr. 300. – den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art . 63 Abs. 1 VwVG). Da vo r- liegend die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt sind – die B e- schwerdebegehren (im Vollzugspunkt) können nicht als aussichtslos b e- trachtet werden und die Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden ist belegt – ist das entsprechende Gesuch gutzuheissen. Es sind somit keine Ver- fahrenskosten aufzuerlegen. 10.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschä digung für ihr erwachsene, notwendige Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschäd i- gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In der Kostennote der Rechtsvertreterin vom 30. August 2013 wird ein Total von Fr. 4571.20 ausgewiesen. Parteikosten sind dann als notwendig zu erachten, wenn sie zur sachgerechten und wirksamen Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung unerlässlich erscheinen. Vorliegend ist der Au f- wand der Beschwerde bezüglich der formellen Rügen jedoch als unnötig zu erachten (vgl. E. 3 vorstehend). In Berücksichtigung des teilweisen Obsiegens ist den Beschwerdeführenden eine reduzierte, auf insgesamt Fr. 1800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzende, von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) D-4868/2013 Seite 23 D-4868/2013 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit sie den Vollzugspunkt betrifft, gutgeheissen; im Übrigen wird sie abgewiesen. Die Ziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 31. Juli 2013 werden aufgehoben. 2. Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden im Sinne der E r- wägungen vorläufig aufzunehmen. 3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. 4. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteient- schädigung von Fr. 1800.– auszurichten. 6. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die z u- ständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand: