B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2930/2009 U r t e i l v o m 3 . M a i 2 0 1 2 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, geboren am (…), Äthiopien, vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. April 2009 / N (…). E-2930/2009 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Die Beschwerdeführerin suchte am 18. Dezember 2007 in der Schweiz um Asyl nach. Am 4. Januar 2008 wurde sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel erstmals befragt. Das BFM hörte sie am 3. April 2008 zu den Asylg ründen an. Im Wesentlichen machte die Beschwerd e- führerin geltend, sie stamme aus Addis Abeba. I hr Vater sei Angehöriger des Derge-Regimes gewesen und habe eine hochrangige Funktion in der B._______ innegehabt. Nach dem Fall des Derge -Regimes im Jahre 1991 sei ihr Vater verschwunden. In der Folge hätten sich zwei Männer des Sicherheitsdienstes der Kebele bis 1993 wiederholt bei der Mutter nach dem Aufenthaltsort des Vaters erkundigt. Dabei sei sie – die B e- schwerdeführerin – einmal von den Männern mitgenom men und sexuell belästigt worden. Während ihrer Ausbildung am C._______ habe sie sich einer neu entstehenden Studentenbewegung angeschlossen. Thema der Bewegung sei insbesondere die freie Meinungsäusserung gewesen. Sie habe an drei Vers ammlungen teilgenommen und bei Gelegenheit Mitstu- denten über die Bewegung informiert. Am 12. Juli 1999 sei sie zusammen mit etwa sieben anderen Studenten inhaftiert und ins D._______ Gefäng- nis überführt worden. Nach mehreren Wochen sei sie gegen Bezahlung einer Kaution freigelassen worden, ohne den Grund ihrer Inhaftierung je erfahren zu haben und ohne je befragt worden zu sein. Im September 1999 beziehungsweise 2000 habe sie Äthiopien verlassen und sich nach Dubai begeben, wo sie zunächst als E._______, dann in F._______ ge- arbeitet habe. In Dubai habe sie einen Schweizer kennen gelernt , we l- chen sie am (…) in der Schweiz geheiratet habe. In der Folge sei ihr von den zuständigen Behörden des Kantons G._______ eine Aufenthaltsbe- willigung B e rteilt worden. Im August 2007 habe ihr Mann die Scheidung eingereicht und sei in die H._______ ausgereist. Daraufhin sei ih r von den zuständigen Behörden mitgeteilt worden, dass ihre bis am 3. März 2008 gültige Aufenthaltsbewilligung B nicht mehr verlängert werde und sie die Schweiz zu verlassen habe. Ende Dezember 2007 sei sie nach Dubai gereist, wobei ihr die Einreise verweigert worden sei. Deshalb , und weil sie nicht nach Äthiopien habe zurückkehren können, sei sie zurück in der Schweiz gereist und habe ein Asylgesuch eingereicht. A.b. Mit Schreiben von 21. November 2008 teilte der Rechtsvertreter des Ehemannes der Beschwerdeführerin dem BFM unter Beilage entspr e- chender Flugbelege mit, die Beschwerdeführerin habe im Januar 2007 für drei Wochen ihre Familie in Addis A beba besucht. Vor diesem Hinte r-E-2930/2009 Seite 3 grund hörte das BFM die Beschwerdeführerin am 19. Dezember 2008 im Rahmen weiterer Abklärungen nochmals an und gewährte ihr dabei das rechtliche Gehör zur Reise nach Addis Abeba . Anlässlich der Befragung bestätigte die Beschw erdeführerin ihre Reise nach Äthiopien. Zur ihrem Reisepass führte sie aus, diesen habe sie anlässlich der Rück kehr von Dubai in die Schweiz am Flughafen verloren. Weiter gab sie an, im A u- gust 2007 sei sie Mitglied der Partei KINIJIT (CUDP) Support Organisati- on SO-Schweiz (KSOS) geworden. Bisher habe sie an zwei Kundgebu n- gen teilgenommen und einige Mitgliederformulare verteilt. A.c. Mit Schreiben vom 14. Januar 2009 reichte der Ehemann der B e- schwerdeführerin Kopien ihrer Reisepässe ein (Reisepass […], ausg e- stellt am […], gültig bis am […], Reisepass […], ausgestellt am […], gültig bis am […]; verlängert am 19. Februar 2004, gültig bis am 19. Februar 2006; verlängert am 13. Dezember 2005, gültig bis am 12. Dezember 2010). A.d. Mit Schreiben vom 19. Januar 2009 teilte d ie Beschwerdeführerin mit, sie sei Mitglied der KINIJIT. Sie gehöre dem mittleren Kader der O r- ganisation an und arbeite eng mit der Führung zusammen. Als Beweis- mittel reichte sie mehrere Fotographien in Kopie ein. B. Mit Verfügung vom 7. April 2009 stellte das BFM fest, die Beschwerdefüh- rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 6. Mai 2009 reicht e die Beschwerdeführerin beim Bu n- desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragt, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben. Es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu erteilen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumi n- dest die Unzumutbarkeit des Vollzugs der We gweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht beantragt die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltliche Prozessfü h- rung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Mit Zwischenverfügung vom 2 2. Mai 2009 hiess die damals zuständige Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen E-2930/2009 Seite 4 Rechtspflege gut und verzichtete antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E. Das BFM beantragt in der Vernehmlassung vom 26. Mai 2009 die Abwei- sung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asyl- gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142 .31]). Die Beschwerdeführe- rin ist als Verfügungsadressat in zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 52 VwVG und Art. 108 Abs. 1 AsylG) ist einzutreten. 2. Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf Verletzung von Bundesrecht, unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Gemäss Art. 7 AsylG muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht. Die Flüchtlingse i- genschaft ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begrü n- det oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden. E-2930/2009 Seite 5 4. 4.1. Die Vorinstanz lehnt das Asylgesuch ab, da die Vorbringen der B e- schwerdeführerin die Voraussetzungen zur Anerkennung als Flüchtling gemäss Art. 3 AsylG nicht erfüllten. In ihrer Begründung bedauert die Vor- instanz vorweg das Verschwinden des Vaters der Beschwerdeführerin. Weiter stellt sie fest, zum gegenwärtigen Zeitpunkt würden keine Anhalts- punkte vorliegen, wonach der Beschwerdeführerin Verfolgungsmassnah- men drohen könnten. Nach dem Verschwinden des Vaters habe die B e- schwerdeführerin ihre Schulausbildung und die Ausbildung zur I._______ absolvieren können. Was ihr politisches Engagement vor der Ausreise und die damit in Zusammenhang stehende Inhaftierung anbelange, so habe sie diesbezüglich vage und insbesondere bezüglich der Dauer der Inhaftierung widerspr üchlich ausgesagt. Ferner habe sie zwecks Heirat heimatliche Dokumente beschaffen können und im Januar 2007 ihre F a- milie für drei Wochen in Addis Abeba besucht. Hätte sie indes tatsächlich ernsthafte Probleme mit den heimatlichen Behör den zu gewärtigen g e- habt, wären ihr die heimatlichen Dokumente nicht zugestellt worden und hätte sie bei ihrer Heimreise mit Sicherheit Schwierigkeiten mit den B e- hörden gehabt. Zu den exilpolitischen Aktivitäten stellt die Vorinstanz weiter fest, es b e- stehe kein Anlass zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus Äthiopien als regimekritische Person ins Blickfeld der he i- matlichen Behörden geraten und entsprechend registriert worden sei. Den Akten könnten keine Hinweise entnommen werden, dass die äthiopi- schen Behörden von der Mitgliedschaft der Beschwerdeführerin bei der KINIJIT überhaupt Kenntnis genommen oder gar Massnahmen gegen sie eingeleitet hätten. Die äthiopischen Behörden hätten nur dann ein Int e- resse an der Identifizierung einer Person, wenn deren Aktivitäten als kon- krete Bedrohung für das politische System wahrgenommen würden. Vo r- liegend würden keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich die B e- schwerdeführerin in dieser besonderen Art und Weise betätigt und exp o- niert hätte. Sie gehöre mit Sicherheit nicht zur Zielgruppe des "harte n Kerns" von aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland. 4.2. In der Rechtsmitteleingabe macht die Beschwerdeführerin geltend, die Vorinstanz habe sie zu Unrecht nicht als Flüchtling anerkannt. Bei e i- ner Rückkehr nach Äthiopien sei sie in asylrelevanter Weise gefährdet. 4.2.1. Die Beschwerdeführerin führt an, ihr Vater sei im Jahre 1990 ve r- schwunden. In der Folge sei die Familie wiederholt bis ins Jahr 1993 von E-2930/2009 Seite 6 Unbekannten nach dem Aufenthaltsort des Vaters gef ragt worden. In An- betracht dieser zeitlichen Verhältnisse hat die Vorinstanz entg egen der Ansicht der Beschwerdeführerin zu Recht festgestellt, dass der B e- schwerdeführerin vor der Ausreise (1999 beziehungsweise 2000) über Jahre hinweg nichts Nachteiliges w iderfahren ist. Namentlich konnte die Beschwerdeführerin ohne Probleme die Schule besuchen und sich zur I._______ ausbilden lassen. Dies wäre ihr zweifellos nicht möglich gew e- sen, wäre sie seitens der heimatlichen Behörden in asylrelevanter Weise verfolgt worden. Zur Klärung der widersprüchlichen Angaben betreffend das Ausreisejahr verweist die Beschwerdeführerin auf die notorisch falschen Übersetzu n- gen der äthiopischen Jahreszahlen durch die Dolmetscher . Mit dieser blossen Behauptung erklärt die Beschwerdeführerin indes nicht, inwiefern der Dolmetscher falsch übersetzt haben soll. Sodann ist kaum davon auszugehen, dass der Dolmetscher im Verlaufe der Erstbefragung gleich an verschiedenen Stellen und mehrmals dieselbe Jahreszahl falsch übe r- setzt hat (vgl. A 1/11, Ziff. 3 viermal, Ziff. 16 zweimal). Schliesslich hätte die Beschwerdeführerin anlässlich der Rückübersetzung feststellen mü s- sen, dass die Jahreszahlen falsch übersetzt wurden. Indes hat sie keine Korrekturen angebracht, vielmehr das Protokoll untersc hriftlich als richtig anerkannt. Demnach vermag die Beschwerdeführerin aus diesem Hi n- weis nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Weiter hat die Vorinstanz richti- gerweise festgestellt, dass die Angaben der Beschwerdeführerin zur ih- rem Engagement für die von ih r in keiner Weise näher umschriebenen Studentenorganisation sowie ihrer damit in Zusammenhang stehend In- haftierung sehr vage und allgemein ausgefallen sind . Namentlich enthal- ten die diesbezüglichen Schilderungen der Beschwerdeführerin keine An- zeichen persönlicher Betroffenheit, was angesichts der Umstände und der Dauer der Festnahme mehr als erstaunt. Weitergehend erübrigt es sich auf die Ausführungen in der Rechtsmi t- teleingabe zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin einzugehen. Tatsache ist, dass sich die Beschwerdeführerin nach dem Verlassen ihres Heimatlandes zweimal einen neuen Reisepass durch die äthiopischen Behörden ausstellen liess beziehungsweise ihren ersten Pass durch die äthiopischen Behörden mehrmals verlängern liess (vgl . vorstehend unter A.c). Sodann reiste sie im Jahre 2007 im Besitze ihres Reisepasses legal nach Äthiopien und hielt sich dort während drei W o- chen bei ihrer Familie auf. Hätte die Beschwerdeführerin indes tatsächlich und ernsthaft eine Verfolgung durch die heimatlichen Behörden befürc h-E-2930/2009 Seite 7 tet, hätte sie sich kaum mit den heimatlichen Behörden in Kontakt g e- setzt, um ihren Pass verlängern zu lassen beziehungsweise sich einen neuen Reisepass ausstellen lassen . Darüber hinaus wäre sie wohl kaum freiwillig und ohne äusseren Zwang in ihren Heimatstaat zurückgekehrt. Diesbezüglich ist sodann festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin o f- fensichtlich legal und ohne Probleme über den Flughafen von Addis Ab e- ba in ihren Heimatstaat einreisen und sich während drei Wochen ohne behördliche Behelligungen bei ihrer Familie aufhalten konnte. Vor diesem Hintergrund sind der von der Beschwerdeführerin i n der Rechtsmittelein- gabe geäusserten Befürchtung, anlässlich einer Einreise in ihr Heima t- land aufgrund eines Datenabgleichs umgehend als Staatsfeind erkannt zu wer den, offensichtlich jede Grundlage entzogen. Aufgrund dieser Sachlage erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Rechtsmit- teleingabe einzugehen. 4.2.2. Die geltend gemachten Vorfluchtgründe sind somit nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Die Vorinstanz hat das Asylg e- such der Beschwerdeführerin – soweit die Vorfluchtgründe betreffend – demnach zu Recht abgelehnt. 4.3. Nach Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen keine Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Au sreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder w e- gen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 wurden. 4.4. Die Beschwerdeführerin macht geltend, entgegen der vorinstanz - lichen Ansicht erfülle sie aufgrund ihres politischen Engagement s bei der KINIJIT Schweiz die Flüchtlingseigenschaft im Sinne subjektiver Nac h- fluchtgründe. 4.4.1. Vorweg ist nochmals festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus Äthiopien im Jahre 1999 beziehungsweise 2000, wenn überhaupt, so lediglich in einem absolut unbeachtlichen Ausmass politisch aktiv war. Sodann ist entgegen der Ansicht der Beschwerdefü h- rerin das seinerzeitige politische Engagement ihres Vater , welches heute über 20 Jahre zurückliegt, vorliegend ohne Belang. Zu den politischen Aktiv itäten in der Schweiz ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin am 4. Oktober 2007, am 1 6. Mai 2008 und am 14. Januar 2009 je an einer Kundgebung teilgenommen hat (vgl. A24/14). Diese drei Teilnahmen innerhalb von rund eineinhalb Jahren sind die ein-E-2930/2009 Seite 8 zigen exilpolitischen Aktivitäten der Beschwerdeführerin in der Schweiz. Anderslautende Hinweise sind ihrem Asyldossier nicht zu entnehmen. Jedenfalls hat die durch einen Rechtsanwalt vertretene Beschwerdefü h- rerin bis heute – im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) – kei- ne weiteren Dokumente im Zusammenhang mit ihrem politischen Enga- gement in der Schweiz zu den Akten gegeben. Demnach war die Be- schwerdeführerin seit über drei Jahren nicht mehr exilpolitisch aktiv , mit- hin kann nicht auf ein intensiv es, wahrnehmbares exilpolitisches Eng a- gement geschlossen werden. Zudem ist aus den eingereichten Bildern nicht ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin seinerzeit anlässlich einer der Kundgebungen besonders und über das Mass der gewöhnl i- chen Teilnehmern hinaus exponiert oder gar eine Führungsposition inn e- gehabt hätte. Die Beschwerdeführerin weist demnach kein besonderes beachtenswertes politisches Profil auf , welches sie als engagierte, expo- nierte oder gar staatsgefährdende exilpolitische Aktivis tin erscheinen liess. 4.4.2. Dem Verhalten der Beschwerdeführerin liegen somit keine für das Asylverfahren relevanten subjektiven Nachfluchtgründe zugrunde. 4.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführer in weder Vorfluchtgründe noch subjektive Nachfluchtgründe glaubhaft m a- chen oder nachweisen konnte. An dieser Schlussfolgerung vermögen die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nichts zu ändern. Die Vorinstanz hat das Asyl gesuch der Beschwerdeführerin demnach zu Recht abgelehnt. 5. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin ver- fügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht verfügt. E-2930/2009 Seite 9 7. 7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 7.2. Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da der Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht zukommt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Z u- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 der Bu n- desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]); Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihe i- ten [EMRK, SR 0.101]. Weder aus den Aussage der Beschwerdeführerin noch aus den Akten er- geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der W egweisung ist demnach sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.3. Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situation en wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 7.3.1. Gemäss konstanter Rechtsprechung ist der Vollzug der Wegwe i- sung nach Äthiopien im Sinne der vorgenannten Bestimmung zumutbar. Die allgemeine Lage ist in Äthiopien ist weder durch Krieg, Bürgerkrieg noch durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, aufgrund derer die Zivilbevölkerung allgemein als konkret gefährdet bezeichnet E-2930/2009 Seite 10 werden müsste (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -2097/2008 vom 7. Juli 2011). Der vorgenannte Entscheid des Gerichts äussert sich auch ausführlich zur Situation alleinstehender Frauen in Äthiopien. Namentlich wird fest- gehalten, dass nicht verheiratete, alleinlebende Frauen von der Gesel l- schaft – auch der städtischen – nicht akzeptiert werden. Insbesondere geht die Gesellschaft davon aus, dass die Frauen auf der Suche nach sexuellen Abenteuern sind. Für alleinstehende Frauen ist es daher schwierig, ohne Hilfe von Bekannten eine Wohnung zu finden. So dann liegt die Arbeitslos igkeit von Frau en in Addis Abeba zwischen 40 und 55%. Eine höhere Schulbildung, ein Leben in der Stadt und das Verf ü- gung über finanzielle Mittel erhöht indes die Möglichkeit einer selbständi- gen Erwerbstätigkeit. Weiter wird im vorgenannten Entscheid festg ehalten, dass in Äthiopien in den letzten Jahren ein wirtschaftlicher Boom mit zeitweilig zweistelligen Wachstumsraten zu verzeichnen war, von welchem vorab die urbane Mit- telschicht profitiert hat , und dass Addis Abeba bessere Arbeits - und Ein- kommensmöglichkeiten bietet als andere Städte oder ländliche Regionen. 7.3.2. Die Beschwerdeführerin ist (…) in Addis Abeba geboren und hat dort bis zu ihrer Ausreise zusammen mit ihrer Mutter sowie ihrem Bruder und ihrer Schwester gelebt, mithin rund (…) Jahre. Es ist daher davon auszugehen, dass sie mit den dortigen Lebensgewohnheiten und Tradit i- onen nach wie vor vertraut ist. Sodann leben ihre Mutter, der Bruder und die Schwester der Beschwerdeführerin nach wie vor in Addis Abeba. Was den Bruder anbelangt, so will sie dess en Aufenthaltsort nicht kennen. I n- des steht der Bruder laut den Aussagen der Beschwerdeführerin in Kon- takt mit der Mutter und be sucht diese regelmässig, so auch anlässlich des Aufenthalts der Beschwerdeführerin bei ihrer Mutter im Jahre 2007 (vgl. A20/9, S. 7). Ferner leben weitere Verwandte der Beschwerdeführe- rin in J._______ (vgl. A10/14, S. 4) , mit welchen die Beschwerdeführerin offenbar auch in Kontakt steht, besuchte sie diese doch anlässlich ihres Aufenthalts im Jahre 2007 (vgl. 20/9 S. 3). Die Beschwerdeführerin ver- fügt demnach in Äthiopien, insbesondere in der Grossstadt Addis Abeba, aber auch in der Stadt J._______ über ein bestehendes soziales Bezi e- hungsnetz, auf welches sie bei einer Rückkehr zurückgreifen kann. Auch ist davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Addis Abeba im Haus der Mutter, in welchem sie bis zu ihrer Ausreise mit ihren Geschwis- tern lebte, Aufnahme finden wird. Weiter verfügt die Beschwerdeführerin E-2930/2009 Seite 11 unbestrittenermassen über eine höhere Ausbildung. Sie hat während 14 Jahren die Schule besucht und ist ausgebildete I._______. Zudem hat sie im Ausland, zunächst in Dubai als E._______ und F._______, und hier in der Schweiz ebenfalls als F._______ und in K._______ gearbeitet. In An- betracht der vorstehen d dargelegten wirtschaftlichen Situation ist davon auszugehen, dass die über eine gute Ausbildung und vielfältige Berufse r- fahrungen verfügende Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Grossstadt Addis Abeba oder der Stadt J._______ eine Anstellung finden wird und eine neue Existenz aufbauen kann, allenfalls auch mit Unte r- stützung ihrer Verwandten oder Bekannten. 7.3.3. Trotz der schwierigen Lebensumstände für alleinstehende Frauen geht das Gericht im Falle der Beschwerdeführerin angesichts ihrer pe r- sönlichen Voraussetzungen somit davon aus, dass es ihr als alleinst e- hende Frau, auch nach einer langjährigen Landesabwesenheit , möglich und zumutbar ist, sich sowohl sozial als auch wirtschaftlich in ihrem He i- matland wieder zu integrieren. Der Vollzug der Wegweisung ist daher als zumutbar zu erachten. 7.4. Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen Vertr e- tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedok u- mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 - 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mö g- lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bu n- desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist abzuweisen. 9. Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2009 hat die damals zuständige I n- struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen. Entsprechend sind der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-2930/2009 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Willisegger Barbara Balmelli Versand: