B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-373/2012 U r t e i l v om 1 0 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Lang, Richterin Esther Karpathakis, Gerichtsschreiberin Simona Risi. Parteien A._______, Syrien, vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug); Verfügung des BFM vom 19. Dezember 2011 / N (…). E-373/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, ein Kurde sunnitischen Glaubens mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess seinen Heimatstaat am (…) und gelangte über die Türkei nach Griechenland. Von dort aus reiste er auf dem Luf t- weg in ein ihm unbekanntes Land und mit dem Auto weiter in die Schweiz, wo er am (…) im Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlin- gen um Gewährung von Asyl nachsuchte. Anlässlich der Befragun g zur Person vom (…) und der einlässlichen A n- hörung zu den Asylgründen vom (...) brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe die Schule bis zur 9. Klasse besucht und diese dann abbrechen müssen, um Geld zu verdienen. Seit 2007 habe er als (…) in C._______ gearbeitet. Am (…) habe er gemeinsam mit seinem Ar- beitgeber ein Newrozfest in einem Dorf namens D._______ besucht. Dort habe es Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Arabern gegeben. Die Behörden hätten die Kurden aufgefordert, ihre Sachen zu räumen. Es sei ihnen erlaubt worden zu bleiben, unter der Bedingung, dass die kurdi- sche Fahne abgehängt und die syrische gehisst worden wäre und dass die Fotografien von Abdullah Öcalan ( Führer der türkischen kurdischen Arbeiterpartei [PKK]), Masud Barzani (Präsident der Autonomen Region Kurdistan [KRG] im Nordirak) und Schalal Talabani (Vorsitzender der Pat- riotischen Union Kurdistans [PUK] und Staatspräsident des Irak ) gegen solche von Baschar al-Assad sowie dessen verstorbenem Vater und Bru- der ausgetauscht worden wären. Dagegen habe es Proteste gegeben. In der Folge sei die Situation eskaliert , und es sei zu Schlägereien geko m- men. Die anwesenden Behörde nmitglieder hätten die Polizei gerufen, welche den Kurden gesagt habe, sie sollt en nach Hause gehen. Darau f- hin hätten die Kurden die arabischen Beamten und Polizisten mit Steinen beworfen. Diese hätten Tränengas eingesetzt und mit Feuerwaffen z u- rückgeschossen. Er habe drei Personen sterben sehen. Zudem seien 50 bis 60 Personen verletz t worden. Ein Beamter habe mit ei ner K amera Filmaufnahmen beziehungsweise Fotografien gemacht. Plötzlich habe ein anderer Beamter ihn (Beschwerdeführer) von hinten an de n Händen g e- packt und ihm mit einem Stock auf die Schultern, den Rücken und die Beine geschlagen, bis er zu Boden gefallen sei. Dann habe dieser nach seinem Namen gefragt, ihn zu einem Auto gebracht und dort mit einem Kollegen gesprochen. Irgendwann habe der Beamte seine Hände nicht mehr richtig festgehalten, so dass er sich habe losreissen und im allg e- meinen Chaos habe fliehen können. Aus Angst sei er direkt nach Aleppo E-373/2012 Seite 3 gereist. Von dort aus habe er seinen Arbeitgeber angerufen, welcher ihm geraten habe, nicht zurückzukehren, weil immer wieder Leute festg e- nommen würden. Er (Beschwerdeführer) habe befürchtet, in Gefange n- schaft zu geraten und in einem Keller, ohne Kontakt nach draussen , ein- gesperrt zu werden. Nach einem längeren Aufenthalt bei einem Kollegen seines Bruders sei er mit Hilfe eines Schleppers in die Türkei gelangt. Beim Grenzübertritt habe der Schlepper den Grenzbeamten bestechen müssen, da sein (Beschwerdeführer) Name angeblich auf einer Comp u- terliste gestanden habe. Ob dies tatsächlich zutreffe , wisse er nicht. Spä- ter habe er von seiner Mutter erfahren, dass die Behörden noch im (…) zweimal bei dieser nach ihm gefragt hätten. Seit seiner Einreise in die Schweiz habe er an verschiedenen Demonstrationen in Bern, Zürich und Genf teilgenommen, um sein Land zu unterstützen. B. Am (…) beauftragte das BFM die Schweizerische Botschaft in Damaskus mit Abklärungen hinsichtlich der Staatsangehörigkeit des Beschwerdefüh- rers sowie zu den Umständen von dessen Ausreise und bat um Inform a- tionen darüber, ob und allenfalls weshalb der Beschwerdeführer von den syrischen Behörden gesucht werde. Mit Schreiben vom (…) teilte die Bot- schaft mit, der Beschwerdeführer sei syrischer Staatsbürger und sei am (…) ausgereist. Er werde von den heimatlichen Behörden nicht gesucht. Im Rahmen der Anhörung vom (…) wurde dem Beschwerdeführer dies- bezüglich das rechtliche Gehör gewährt. C. Zum Beweis seiner Identität und seiner Vorbringen reichte der Beschwe r- deführer am (…) und am (…) seine syrische Identitätskarte und ein Schreiben mit Internetlinks betreffend seine Situation in Syrien zu den Ak- ten. D. Mit Verfügung vom 19. Dezember 2011 – eröffnet am 21. Dezember 2011 – lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordne- te die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug erachtete es als un- zumutbar, weshalb es den Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufnahm. E. Der Beschwerdeführer focht die vorinstanzliche Verfügung mit tels Be- schwerde vom 20. Januar 2012 beim Bundesverwaltungsgericht an und E-373/2012 Seite 4 beantragte die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3, die Rückweisung der Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserhebl i- chen Sachverhalts, eventualiter die Gewährung von Asyl, subeventualiter die vorläufige Aufnahme als Flüchtling und subsubeven tualiter die Fes t- stellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In verfahren srechtlicher Hinsicht ersuchte er um Einsicht in die vor- instanzlichen Akten A2/2 (Personalienblatt), A6/1 (Aktennotiz), A7/2 (Auf- trag für eine Knochenanalyse zur Altersbestimmung), A12/1 (Aktennotiz), A17/2 (Botschaftsanfrage), A22/4 (Botschaftsbericht), A24/2 (kantonaler […]), A28/2 (Schreiben des Beschwerdeführers vom […] ) und A29/1 (Ak- tennotiz), eventualiter um Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den g e- nannten Akten und um Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung. Zudem beantragte er die Feststellung der Rechtskraft betreffend die U n- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs, die Darlegung der Vorgehen s- weise bei Botschaftsanfragen in Syrien, eventualiter die Mitteilung, ob dem Gericht die Vorgehensweise bei Botschaftsabklärungen bekannt sei, sowie die Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Kostennote vor Gutheissung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 10. Februar 2012 ersuch- te er sodann um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Ausdrucke seines Fac e- book-Accounts, von diversen Fotografien, von Artikeln von Internetporta- len (T-Online, Zeit Online, Spiegel Online, CNN, Tagesschau.de, Kur d- watch, The New Republic), drei Berichte von Menschenrechtsorganisat i- onen (Amnesty International, Reports without Borders, UK Border Age n- cy) und einen Auszug aus der Geschäftsdatenbank der Bundesversamm- lung Curia Vista zu den Akten. F. Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2012 hiess d as Bundesverwal- tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh- rung gestützt auf Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und lud die Vorinstanz zur Ein- reichung einer Vernehmlassung ein. G. Mit Vernehmlassung vom 6. März 2012 zog das BFM aufgrund der exilpo- litischen Aktivitäten des Beschwerdeführers in Zusammenhang mit der aktuellen Lage in Syrien die angefochtene Verfügung betreffend die Zi f- fern 1 und 4 teilweise in Wiedererwägung. Dazu stellte es fest, in Würd i-E-373/2012 Seite 5 gung aller Umstände erfülle er die Flüchtlingseigenschaft ge mäss Art. 3 AsylG (SR 142.31). Gestützt auf Art. 54 AsylG sei er jedoch von der Gewährung von Asyl auszuschliessen. Die angeordnete Wegweisung sei beizubehalten; der Vollzug erweise sich indes gestützt auf die festgest ell- te Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers als unzulässig. H. Am 16. März 2012 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ei- ne Kostennote zu den Akten. I. Mit Verfügung vom 4. April 2012 lud das Bundesverwaltungsgericht das BFM betreffend die beantragte Akteneinsicht zu einem erneuten Schri f- tenwechsel ein. J. Das BFM brachte m it S tellungnahme vom 19. April 2012 insbesondere vor, dem Rechtsvertreter sei mit Schreiben vom 1. März 2012 nachträg- lich Einsicht in die zur Edition freigegebenen Akten (A17 und A22) g e- währt worden. Im Übrigen werde die Abweisung der Beschwerde bea n- tragt. K. Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2012 wies das Bundesverwaltungs- gericht das Gesuch um Akteneinsich t betreffend die Aktenstücke A6, A7, A12, A24 und A29 (interne und kantonale Akten) ab und hiess dieses betreffend die Aktenstücke A2 und A28 gut. Es stellte dem Beschwerd e- führer Kopien jene r Aktenstücke zu und wies ihn, unter Verzicht auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung, auf die Möglichkeit der Einreichung einer Stellungnahme gestützt auf Art. 32 Abs. 2 VwVG hin. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltu ngsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und E-373/2012 Seite 6 entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde wurde frist - und formgerecht eingereicht. Der B e- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist einzutreten. 2. Die Kognition und die Rüge möglichkeiten richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Nach der wiedererwägungsweisen Feststellung der Flüchtlingseige n- schaft des Beschwerdeführers zufolge subjektiver Nachfluchtgründe ist Gegenstand der vorliegenden Beschwerde einzig noch die Sachverhalts- erhebung und Beurteilung der Vorinstanz betreffend die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft zufolge des Vorhandenseins von Vorfluchtgründen und die Verweigerung des Asyls. Daher erübrigt sich eine Stellungnahme zu den Ausführungen und Beilagen des Beschwe rdeführers betreffend seine exilpolitischen Aktivitäten (vgl. die Beschwerdeschrift Art. 33–49 und die Beilagen 2–21). 4. Der Beschwerdeführer macht eine mehrfache Verletzung von Bunde s- recht und eine unvollständige und unrichtige Sachverhaltse rstellung gel- tend. Solche formellen Rügen sind vorgängig zu behandeln, da sie g e- eignet sein könn en, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 4.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Rüge des Beschwerdeführers betref- fend die Nichtgewährung der Einsicht in bestimmte vorinstanzliche Akten E-373/2012 Seite 7 (vgl. die Beschwerdeanträge 1 und 2 und die Begründung Art. 2 –8) be- reits mit der Zwischenverfügung vom 26. April 2012 abgehandelt wurde, soweit sie nicht bereits mit der nachträglichen Gewährung der Einsicht durch das BFM gegenstandslos geworden war. Die Rügen der Verletzung der Begründungspflicht durch die Nichtbegrün- dung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. die Beschwe r- de Art. 9) sowie die Nichterwähnung der exilpolitische n Tätigkeiten (vgl. die Beschwerde Art. 10f.) sind infolge der Feststellung der Flücht lingsei- genschaft durch das BFM gegenstandslos geworden. 4.2 Im Asylverfahren – wie im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der Un- tersuchungsgrundsatz, das heisst, die Asylbehörde hat den rechtserhebli- chen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie die für das Verfahren erforderlichen Sachve r- haltsunterlagen be schaffen und die relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht und unter dem Blickwi n- kel des rechtlichen Gehörs das Recht, an der Feststellung des Sachve r- halts mitzuwirken (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 und BVGE 2007/21 E. 11.1.3). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs fordert, dass die verfügende B e- hörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berüc ksichtigt, was sich en t- sprechend in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung ni e- derzuschlagen hat (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1 VwVG). D ie Begründungsdichte hat sich dabei nach dem Verf ü- gungsgegenstand, den Verfah rensumständen und den Interessen des oder der Betroffenen zu richten, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in rechtlich geschützte Interessen eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f.; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2012/21 E. 5.1 [1. Abschnitt] m.w.H.). 4.3 Der Beschwerdeführer wendet zunächst ein, das BFM habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör dadurch schwer verletzt, dass es in se i- ner Verfügung mit keinem Wort auf sein Alter und die vorgenommene A l- tersanalyse eingegangen sei. E r sei durch die Vorinstanz als volljährig behandelt worden, und es sei ihm daher keine Vertrauensperson (im Sin- ne von Art. 17 Abs. 3 AsylG ) beigeordnet worden. Sodann hätte die Vo r-E-373/2012 Seite 8 instanz offenlegen müssen, weshalb sie davon ausgegangen sei, dass die syrischen Datenbanken zuverlässige Ergebnisse über ihn liefern könnten, obgleich Unklarheiten betreffend sein tatsächliches Geburtsd a- tum bestanden hatten. Auch dies stelle eine schwere Verletzung des A n- spruchs auf rechtliches Gehör dar. Aus den vorinstan zlichen Akten ergibt sich, dass das BFM nach Vorna h- me einer Handknochenanalyse – zu der es dem Beschwerdeführer am (…) das rechtliche Gehör gewährte (vgl. A11/4) – von dessen Volljährig- keit ausging. Mit der Einreichung seiner Identitätskarte am (…) belegte der Beschwerdeführer jedoch, dass er bei der Einreise noch minderjährig gewesen war. Indes erreichte er die Volljährigkeit noch vor der eingehe n- den Anhörung zu den Asylgründen, anlässlich welcher ihm auch das rechtliche Gehör zur vorgenommen Botschaftsabk lärung gewährt wurde. Damit fällt die sinngemässe Rüge der Verletzung von Verfahrensvo r- schriften mangels Beiordnung einer Vertrauensperson dahin. Im Übrigen ist eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Nichterwähnung der vormaligen Minderjährigkeit des Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung nicht ersichtlich, handelt es sich dabei doch nicht um eine en t- scheidwesentliche Tatsache. Wie dem Beschwerdeführer mit der Einsicht in die Akten A17 und A22 offengelegt wurde, bezog sich das BFM bei sei- ner Botschaftsanfrage sodann auf sein tatsächliches Geburtsdatum. I n- wiefern alleine aufgrund der Anfrage des BFM an die damalige Schweize- rische Vertretung in Damaskus der Anspruch auf rechtliches Gehör ve r- letzt worden sei, ist aus der Beschwerdeschrift sodann nicht erkennbar. 4.4 Der Beschwerdeführer erhebt zahlreiche Einwände betreffend die vor- instanzliche Abklärung bei der Schweizerischen Vertretung in Damaskus. Insbesondere bestreitet er, dass die Botschaftsabklärung legal zustande gekommen sei. Ferner fü hrt er aus, aus dem negativen Ergebnis bezü g- lich einer einzigen Datenbank könne nicht geschlossen werden, dass e i- ne Person nicht verfolgt werde. Ohnehin könne ein entsprechendes Sy s- tem nur positiv bestätigen, dass jemand gesucht werde. Zudem sei davon auszugehen, dass durch die Anfrage objektive Nachfluchtgründe geschaf- fen worden seien und die syrischen Behörden durch die Abklärung Kenntnis bezüglich der Flucht und der Einreichung eines Asylgesuchs e r- langt hätten. Die Botschaftsanfrage sei sodann mangelhaft ausgefallen, da der Sachverhalt nicht einmal ansatzweise geschildert worden sei. Fe r- ner habe das BFM nicht definiert, was es unter "wanted" verstehe. Da überdies nicht geklärt sei, ob es sich bei der Botschaftsantwort um eine Auskunft oder ein Zeugnis von Drittpersonen gemäss Art. 12 Bst. c VwVG E-373/2012 Seite 9 handle, müsse analog zu Herkunftsanalysen der Hintergrund der die A b- klärung tätigen den Person offengelegt werden. Durch die Botschaftsa n- frage sei ausserdem Art. 97 Abs. 1 AsylG verletzt worden, da offensich t- lich sei, dass die Botschaft die syrischen Behörden direkt kontaktiert habe und dadurch eine Gefährdung geschaffen worden sei. Mithin sei zwi n- gend davon auszugehen, dass dem syrischen Geheimdienst über einen Mitarbeiter in der Schweiz Informationen und Kopien bet reffend Bo t- schaftsanfragen im Asylbereich zugekommen seien. Ferner seien seit langem schwerwiegende Fehler und Fehlantworten betreffend die Bo t- schaftsanfragen bekannt. Schliesslich habe das BFM den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör dadur ch verletzt, dass es nicht erwähnt habe, ob in der Botschaftsanfrage konkrete Angaben betreffend den in Syrien zu leistenden Militärdienst gemacht worden seien, was u n- ter Berücksichtigung seines Alters zwingend notwendig gewesen wäre. Für den Fall der Nich taufhebung der angefochtenen Verfügung beantrag- te der Beschwerdeführer die Darlegung der Vorgehensweise betreffend Botschaftsanfragen in Syrien durch das Bundesverwaltungsgericht r e- spektive ersuchte um Mitteilung, ob dem Gericht die Vorgehensweise betreffend Botschaftsabklärungen bekannt sei. In die Botschaftsanfrage wurde dem Beschwerdeführer am 1. März 2012 Einsicht gegeben, so dass ihm mittlerweile bekannt ist, dass das BFM die Schweizerische Vertretung nicht um Abklärungen im Zusammenhang mit dem allenfalls durch ihn zu leistenden Militärdienst gebeten hat. Dazu be- stand indes auch keine Veranlassung, zumal er nicht geltend machte, mit den Militärbehörden Kontakt gehabt zu haben oder zum Dienst einber u- fen worden zu sein. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Allgemeinen keinen Anlass, die Se- riosität der mit der Botschaftsabklärung betrauten Personen in Frage zu stellen. Insbesondere bestehen keine Hinweise auf eine illegale Bescha f- fung der den Beschwerdeführer betreffenden Informationen. Ebensow e- nig ist eine Verletzung von Art. 97 Abs. 1 AsylG ersichtlich. Da es bei Bot- schaftsabklärungen nicht notwendig ist, die durch die Schweizerischen Vertretungen eingesetzten Verbindungsleute über den Kontext, in dem die Fragen gestellt werden, ins Bild zu setzen, kann eine Gefährdung von Personen, deren Daten erhoben werden, weitestgehend ausgeschlossen werden (vgl. das Urteil D-7554/2010 des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Januar 2012 E. 5.7). Eine Gefährdung des Beschwerdeführers au f- grund der Einholung der Bo tschaftsabklärung erscheint mithin als u n- wahrscheinlich. E-373/2012 Seite 10 In Anbetracht der Struktur des (damaligen) syrischen Geheimdienstapp a- rates kön nen sich allenfalls Zweifel daran ergeben, ob Ahndungsmas s- nahmen sämtlicher potenzieller Verfolger wirklich mit hinrei chender Schlüssigkeit abgeklärt werden können beziehungsweise konnten (vgl. dazu SFH, Syrien: Zuverlässigkeit von Bot schaftsabklärungen: "von den Behörden gesucht", Bern, 7. September 2010). Indes hat sich die Vori n- stanz bei der Begründung des angefochte nen Entscheids nicht auf die Botschaftsantwort gestützt, sondern hat einzig mit der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers argumentiert. Auch bei den nach- folgenden Ausführungen zur Glaubhaftigkeit und der Asylrelevanz der Vorbringen des Bes chwerdeführers kann auf eine Berücksichtigung der Botschaftsabklärung verzichtet werden. Da die Ergebnisse der Bo t- schaftsabklärung mithin weder Gegenstand der angefochtenen Verfügung noch des Beschwerdeentscheids sind, erübrigt sich eine weitergehende Auseinandersetzung mit den erhobenen Rügen. 4.5 Der Beschwerdeführer macht ferner eine unvollständige Erhebung des Sachverhalts durch das BFM geltend. In diesem Zusammenhang führt er aus, die Vorinstanz hätte nach Erreichen seiner Volljährigkeit und dem Beginn de r syrischen Revolution eine weitere Botschaftsabklärung durchführen müssen. Zudem hätte sein Gesundheitszustand abgeklärt werden müssen, nachdem die Hilfswerkvertretung anlässlich der Anh ö- rung darauf hingewiesen habe, dass sie eine gesundheitliche Problematik vermute. Diese Rügen erweisen sich ebenfalls als unbegründet. Es ist nicht e r- sichtlich, dass sich die persönliche Gefährdungslage des Beschwerdefüh- rers mit dem Erreichen der Volljährigkeit oder dem Ausbruch des Bürger- krieges in asylrelevanter Hinsicht massgeblich verändert haben sollte. Betreffend die Lage in Syrien seit dem Beginn des Bürgerkrieges wird auf E. 5.4 nachfolgend verwiesen. Das BFM trug diesem Umstand sodann durch die Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung. Die V ornahme einer weiteren Botschaftsabklärung erweist sich vor diesem Hintergrund nicht als notwendig. Für eine Abklärung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers besteht sodann ebenfalls keine Veranlassung, da er weder im vorinstanzlichen Verfahren (insbe- sondere auch nicht unter A26/15 F80 S. 11 , wie in der Beschwerde vo r- gebracht) noch auf Beschwerdeebene gesundheitliche Probleme geltend machte. Überdies obläge es aufgrund der Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) dem Beschwerdeführer, im Bedarfsfall einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren und dem Gericht entsprechende Berichte einzureichen. E-373/2012 Seite 11 4.6 Eine weitere unvollständige Sachverhaltsfeststellung sowie eine Ver- letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör erblickt der Beschwerdefüh- rer in der Nichterwähnung beziehungsweise Nichtwürdigung wesentlicher Vorbringen im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung. Im Einzelnen habe die Vorinstanz die Schläge anlässlich der Verhaftung beim Newro z- fest nicht im Sachverhalt erfasst und sich nicht mit der Suche bei se iner Mutter im Frühjahr (…) befasst. Die Vorinstanz braucht in der Verfügung nicht jedes einzelne, sondern nur die entscheidwesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers zu ne n- nen. Es genügt auch, einzelne Vorbringen einzig im Rahmen der Würd i- gung anzuführen. In der angefochtenen Verfügung beschränkte sich das BFM zwar auf eine relativ knappe Darlegung des rechtserheblichen Sachverhalts. Die wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers – insbesondere die Zwischenfälle anlässlich des Newrozfestes vom (…) – wurden jedoch genannt. Die geltend gemachten Schläge berücksichtigte das BFM im Rahmen der Würdigung (vgl. die angefochtene Verfügung E. I/1. S. 3). Die Nichterwähnung der angeblichen Suche im (…) erscheint angesichts der durch das BFM festgestellten Ungl aubhaftigkeit der Vo r- bringen des Beschwerdeführers nicht von entscheidwesentlicher Bede u- tung. Insgesamt erweist sich die Rüge der unvollständigen und unrichti- gen Sachverhaltsfeststellung somit als unzutreffend. 4.7 Zusammenfassend besteht nach dem Gesagten keine Veranlassung, die Verfügung des BFM vom 19. Dezember 2011 – soweit sie durch die Verfügung des BFM vom 6. März 2012 nicht aufgehoben wurde – aus formellen Gründen aufzuheben und der entsprechende Antrag auf B e- schwerdeebene ist abzuweisen. 5. Es bleibt i m Folgenden zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorfluchtgründe zu Recht als unglaubhaft beurteilt und demzufolge dessen Asylgesuch abgelehnt hat. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder b e- gründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernst- hafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des L e-E-373/2012 Seite 12 bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen ps y- chischen D ruck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). Die Flüchtlingsei- genschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter I n- tensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrs cheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und au f- grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungswe i- se zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft s ind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Bei der Prüfung d er Flüchtlingseigenschaft interessiert zwar in erster Linie die im Zeitpunkt der Ausreise der asylsuchenden Person bestehe n- de Verfolgungssituation. Nach Lehre und Praxis wird jedoch dann auf die Gefährdungslage im Moment des Asylentscheides abgestellt, wen n sich die Lage im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid massge b- lich zu Gunsten oder zu Lasten der asylsuchenden Person verändert hat (vgl. etwa WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.17; zur Relevanz des Zeitpunkts des Entscheides für die Besti m- mung der Flüchtlingseigenschaft ferner Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 6 E. 5, 1995 Nr. 2 E. 3a S. 17). 5.4 Seit der Ausreise des Beschwerdeführers hat sich die politische und menschenrechtliche Lage in Syrien in erheblicher Weise verändert. Im Gefolge der politischen Umwälzungen des sogenannten Arabischen Frühlings in verschiedenen arabischen und nordafri kanischen Staaten wurden in Syrien seit Beginn des Jahres 2011 ebenfalls Forderungen nach demokratischen Reformen laut. Durch das zunehmend gewaltsame Vorgehen des syrischen Regimes gegen eine landesweite Protestwelle mit Hunderten von Todesopfern, der Inh aftierung und Folterung Zehntau- sender von Personen, darunter selbst Kindern (vgl. HRW, Torture Archi-E-373/2012 Seite 13 pelago. Arbitrary Arrests, Torture and Enforced Disappearances in Syria’s Underground Prisons since March 2011, Juli 2012; DIES., Syria: Witne s- ses Corroborate Mass Deaths in Custody Claims, August 2014), folgte ei- ne Eskalation des Konflikts, die schliesslich in einen offenen Bürgerkrieg mündete. Dieser Bürgerkrieg ist zum einen durch die Beteiligung an den Kampfhandlungen einer Vielzahl von Parteien und rival isierenden Grup- pierungen mit unterschiedlicher politischer, ethnischer und religiöser Pr ä- gung gekennzeichnet, die zudem in wechselnden Koalitionen zueinander stehen. Zum anderen ist insbesondere zu beobachten, dass im Konflikt auch gegen die Zivilbevölkerung mit massivster Gewalt und unter Einsatz von Kriegswaffen vorgegangen wird, so mittels Artillerie- und Bombenan- griffen sowie (in der Vergangenheit) sogar der Verwendung von Giftgas . Infolge der das ganze Land erfassenden Kriegshandlungen kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis Juli 2014 mindestens 150'000 Menschen ums Leben, mehr als 2,8 Millionen Menschen sind aus Syrien geflohen, und 6,4 Millionen Menschen gelten als intern vertrieben ( SI- CHERHEITSRAT DER VEREINTEN NATIONEN, Resolution 2165 vom 14. Juli 2014). Sämtliche Bemühungen, eine friedliche Beilegung des Konflikts zu erreichen, sind bislang gescheitert. Über diese kurze Zusammenfassung der wesentlichen Entwicklungen seit März 2011 hinaus lässt sich die Feststellung treffen, dass die Situ ation in Syrien anhaltend instabil und in stetiger Veränderung begriffen ist. Diese Unübersichtlichkeit und Volatilität der Lage führt zu Erschwernissen bei der Behandlung entsprechender Asylverfahren. Trotz der bestehenden Unklarheiten bezüglich der weiteren Entwicklung der relevanten Situation ist dem Bundesverwaltungsgericht als zuständige Instanz aufgetragen, die Fluchtgründe von Asylsuchenden syrischer Herkunft im Rahmen hä n- giger Beschwerdeverfahren abschliessend zu beurteilen. Dabei ist auf die zum heutigen Zeitpunkt gegebene Faktenlage abzustellen. 6. 6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe seine Asylvorbringen vage, unsubstanziiert und oberflächlich geschildert. Er habe weder die Ausschreitungen anlässlich des Newrozfestes noch die darauffolgende kurzzeitige Festnahme und Flucht überzeugend schildern können. Auch auf ausdrückliches Nachfragen hin seien die Ausführungen zu seiner Festnahme und Flucht dünn, stereotyp und repetitiv ausgefallen. So habe er lediglich angefügt, es sei auch Tränengas benutzt worden, er sei a n- lässlich der Festnahme geschlagen worden und er sei freigekommen, als E-373/2012 Seite 14 der Polizist mit seinem Kollegen gesprochen habe. Die Ausführungen des Beschwerdeführers vermöchten in keiner Art und Weise den Eindruck zu vermitteln, er habe das Gesagte tatsächlich erlebt. Sodann habe er bei der Befragung zur Person geltend gemacht, während den Ausschreitu n- gen habe ein Mann mit einer Videokamera Filmaufnahmen gemacht. Bei der Anh örung habe er erst auf Nachfrage vorgebracht, es seien Fotos gemacht worden, er sei jedoch nicht sicher, ob er auch fotografiert wo r- den sei und habe die Sache deshalb nicht erwähnt. Dieser Erklärung s- versuch wirke nachgeschoben und divergiere zudem zu den A ussagen anlässlich der Erstbefragung. Unlogisch und realitätsfremd erscheine z u- dem die Aussage des Beschwerdeführers, es sei ihm nach den Au s- schreitungen und dem Tränengaseinsatz gar nicht in den Sinn geko m- men, zu fliehen. Insgesamt müssten die Asylvorbrin gen als unglaubhaft qualifiziert werden, so dass deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. 6.2 Der Beschwerdeführer hält den Ausführungen des BFM insbesondere entgegen, dieses habe sich im Asylpunkt auf eine willkürliche Begrü n- dung abgestützt. So habe es auf die schwächsten Unglaubhaftigkeit s- elemente, diejenigen der Substanzlosigkeit und der Unlogik, zurückgegrif- fen. Seine Aussagen seien hingegen, insbesondere unter Berücksicht i- gung des Zeitablaufs seit seiner Ausreise, ausgesprochen detailliert und konkret ausgefallen. So umfasse die freie Erzählung zu seinen Asylgrü n- den etwa eine Seite des Anhörungsprotokolls. Entgegen den Ausführu n- gen in der angefochtenen Verfügung habe er detaillierte Aussagen betref- fend seine eigenen Erlebnisse gemacht. Bei der Frage, ob er m it einer Video- oder einer Fotokamera aufgenommen worden sei, handle es sich um einen Nebenschauplatz und nicht um ein wichtiges und fluchtausl ö- sendes Ereignis. Die angebliche Unlogik zwischen dem Tränengaseinsatz und seinem nichtvorhandenen Fluchtwillen s ei konstruiert. Er habe deu t- lich gemacht, dass er nach dem Kontakt mit dem Tränengas erfolglos versucht habe, seine Augen zu reinigen, weshalb er nicht habe fliehen können. Zusammenfassend sei er an einer Newrozfeier, einem polit i- schen kurdischen Anlass, v on den syrischen Behörden festgehalten und in der Folge wiederholt bei seiner Mutter gesucht worden. Daher habe er begründete Furcht, im Fall der Rückkehr nach Syrien bereits bei einer Einreise identifiziert, verhaftet und danach aus politischen und ethnischen Gründen asylrelevant verfolgt zu werden. Entsprechend sei seine Flücht- lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. 7. Nach eingehender Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsg e-E-373/2012 Seite 15 richts zum Schluss, dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdefüh- rers im Ergebnis zu Recht ablehnte. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann zwar die Einschätzung der Vo r- instanz betreffend die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerd e- führers nicht vollumfänglich teilen. Dennoch erweist sich die Beurteilung des BFM keinesfalls als willkürlich. Es fällt auf, dass der Beschwerdefü h- rer die konkreten Vorgänge anlässlich der Newrozfeier nur oberflächlich darzustellen vermochte. Die Teilnahme am Fest erachtet das Gericht zwar nicht als von vornherein unglaubhaft. Die konkreten Schilderungen der Festnahme und Flucht sind jedoch , selbst wenn allenfalls eine kur z- zeitige Festnahme stattgefunden haben mag, als unglaubhaft einzust u- fen. Auf eine eingehende re Auseinandersetzung mit den Aussagen des Beschwerdeführers, den Er wägungen des BFM und den Entgegnungen auf Beschwerdeebene kann indessen verzichtet werden, da sich der gel- tend gemachte fluchtauslösende Vorfall ausserdem als nicht asylrelevant erweist. 7.2 Soweit zu Gunsten des Beschwerdeführers von einer Teilnahme am angeblichen Newrozfest und einer kurzzeitigen Festhaltung ausgegangen wird, ist festzustellen, dass es sich dabei nicht um eine gezielte Aktivität der Behörden gegen ihn handelte, die zudem nicht die Intensität einer asylrelevanten Verfolgung erreichte. So gab der Beschwerdeführer an, es seien anlässlich des Festes viele Personen festgehalten beziehungswe i- se festgenommen worden (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 6). Nach seinen Schilde- rungen ist zwar unklar, ob er aufgrund seiner passiven Anwesenheit (vgl. A1/12 Ziff. 15 S. 7 und A26/15 F45 S. 6f., F57 S. 8) oder aufgrund einer Beteiligung an den Übergriffen auf die Behörden (Werfen von Steinen) von den Beamten geschlagen, festgeha lten und nach dem Namen g e- fragt worden sei (vgl. A26/15 F63 S. 9 ). Indes konnte er nach seiner Be- freiung unbehelligt nach Aleppo reisen und nach einiger Zeit das Land verlassen, ohne noch einmal Probleme bekommen zu haben . Es e r- scheint daher auch nicht als wahrscheinlich, dass ihm im Zeitpunkt seiner Ausreise eine künftige asylrelevante Verfolgung drohte. 7.3 Bei der Befragung zur Person äusserte der Beschwerdeführer, er sei von Aleppo aus mit dem Auto ins Grenzgebiet E._______ und anschlies- send zu Fuss illegal über die syrisch-türkische Grenze gelangt (vgl. A1/12 Ziff. 16 S. 8). Gleichentags führte er gegenüber der Verantwortlichen der International Organization for Migration (IOM) aus, er habe auf Geheiss des Schleppers nicht gesag t, dass er für seine Reise Geld bezahlt habe. E-373/2012 Seite 16 Seine Mutter habe diesem 600 US-Dollar bezahlt, so dass er den Grenz- beamten habe bestechen können. Sein (Beschwerdeführer) Name habe nämlich auf einer Liste im Computer des Grenzbeamten gestanden (vgl. A16/1). Anlässlich der eingehenden Anhörung zu den Asylgründen bestä- tigte er diese Aussage, führte jedoch aus, er wisse nicht, ob sein Name wirklich vermerkt gewesen sei , und er habe sich beim Grenzübertritt E._______ nicht persönlich ausweisen müssen, sondern sei im Taxi geblieben (vgl. A26/15 F34 ff. S. 5). Aus den Aussagen des Beschwerdeführers ergibt sich somit, dass er den offiziellen Grenzübertritt E._______ zwischen Syrien und der Türkei u n- behelligt passieren konn te. Dies spricht – selbst bei Bezahlung ein es Schmiergeldes – gegen ein ernsthaftes Interesse der syrischen Behörden an seiner Person. 7.4 Der Beschwerdeführer führt weiter an, bei den syrischen Behörden bestehe ein Generalverdacht gegen sich im Zeitpunkt des Ausbruchs der Revolution im Ausland befindliche Personen. Im Falle einer Rückkehr wä- re er somit in asylrelevanter Weise gefährdet. Diese Einschätzung wird durch das Bundesverwaltungsgericht nicht geteilt. Es bestehen keine konkreten Hinweise dafür, dass alleine die Tatsache des Auslandsaufent- halts im Zeitpunkt des Ausbruchs der Revolution bei einer Rückkehr zu einer Verfolgung führen würde. 7.5 Aufgrund der möglichen, jedoch nur niederschwelligen Aktivität des Beschwerdeführers – der Teilnahme an einem Newrozfest – und der fo l- genlos gebliebenen kurzzeitigen Festhaltung, wie sie auch zahlreiche a n- dere Teilnehmer erfahren haben dürften, ist mithin nicht davon auszug e- hen, dass ihm im Falle einer Rückkehr mit erheblicher Wahrscheinlichkeit eine asylrelevante Verfolgung drohen würde. Die Aussage, wonach im (…) zweimal bei seiner Familie nach ihm gefragt worden sei, vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Weitere Suchen oder Fragen nach ihm machte er sodann nicht geltend. Auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Entwicklungen in Syrien vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht zur Ei n- schätzung zu führen, es liege aus heutiger Sicht aufgrund von im He r- kunftsstaat vor der Ausreise Erlebtem eine asylrechtlich relevante G e- fährdungssituation vor. E-373/2012 Seite 17 7.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass da s BFM zu Recht zur Beurte i- lung gelangt ist, der Beschwerdeführer habe mit seinen Vorfluchtgründen keine erlittene oder drohende asylrelevante Verfolgung glaubhaft g e- macht, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG). 8.3 Betreffend den Wegweisungsvollzug stellte das BFM in seiner Verf ü- gung vom 6. März 2012 fest, dieser erweise sich als unzulässig, weshalb es die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz ve r- fügte (vgl. die Dispositiv ziffern 3–6). Unter diesen Umständen erübrigen sich weitere Ausführungen zum Vollzug der Wegweisung. 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung – soweit nicht wiedererwägungsweise aufg ehoben – an keinem nach Art. 106 Abs. 1 AsylG rügbaren Mangel leidet . Die Beschwerde ist mithin abzuweisen. 10. Im Laufe des Beschwerdeverfahrens wurde die vorinstanzliche Verfügung durch das BFM teilw eise in Wiedererwägung gezogen, indem es die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers gestützt auf subjektive Nachfluchtgründe feststellte und diesen vorläufig in der Schweiz au f- nahm. Betreffend die formellen Rügen sowie die Gewährung von Asyl wird die Beschwerde abgewiesen. Damit ist von einem hälftigen Obsi e- gen des Beschwerdeführers auszugehen. 10.1 Bei diesem Ergebnis wären dem Beschwerdeführer reduzierte Ve r- fahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Auf deren E r- hebung ist jedoch in Anbetracht der mit Verfügung vom 14. Februar 2012 gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. E-373/2012 Seite 18 10.2 Angesichts des teilweisen Obsiegens ist die Vorinstanz anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 Abs. 2 des Reglements vom 21. Fe b- ruar 2008 üb er die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun - desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die am 16. März 2012 zu den Akten g ereichte Kostennote erscheint als leicht überhöht. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 –13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zu Lasten der Vorinstanz eine um die Hälfte gekürzte Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'000.– (inkl. Auslagen und MwSt) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-373/2012 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos g e- worden ist. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'000.– (inkl. Auslagen und MwSt) auszurichten. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Simona Risi Versand: