Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 9. September 2020 (810 19 303) ____________________________________________________________________ Personalrecht Forderung zur Vergütung von nichtbezogenen Pausen / Pausen als Arbeitszeit Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Hans Furer, Markus Clau- sen, Daniel Häring, Kantonsrichterin Helena Hess, Gerichtsschreiberin Elena Diolaiutti Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin B.____ , Beschwerdeführerin C.____ , Beschwerdeführerin D.____ , Beschwerdeführerin E.____ , Beschwerdeführerin F.____ , Beschwerdeführerin alle vertreten durch Kathrin Bichsel, Advokatin gegen Kantonsspital Baselland , Rechtsabteilung, Mühlemattstrasse 24, 4410 Liestal, Beschwerdegegner Betreff Forderung zur Vergütung von nichtbezogenen Pa usen (Verfügung des Kantonsspitals Baselland vom 31. Oktober 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Von 2011 bis Ende Januar 2016 wurde im Bruderholz -Spital eine neonatologische Überwachungsstation mit 4 bis 6 Betten geführt, welch e eine umfassende Betreuung für Früh- geborene und kranke Neugeborene gewährte. A.____ trat per 1. Februar 2011, B.____, C.____, D.____ und E.____ traten per 1. Mai 2011 un d F.____ trat per 1. April 2012 in die neo- natologische Überwachungsstation ein. Alle sechs sind dipl omierte Pflegefachfrauen mit jahre- langer Erfahrung auf dem Gebiet der Neonatologie, zw ei davon verfügen zudem über den Fachausweis in Intensivpflege. B. Nach etlichen Schreiben und Gesprächen beantragten d ie sechs Pflegefachfrauen, welche spätestens ab dem 29. November 2016 durch Georg Schürmann, Advokat, und spätes- tens ab dem 3. Dezember 2018 durch Kathrin Bichsel, Adv okatin, vertreten waren, beim Kan- tonsspital Baselland mit Schreiben vom 27. September 20 19, dass die Zeit sämtlicher Pausen vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2015 für die Nachtwa chen, Spät- und Wochenenddiens- te, in welchen sie nachweislich alleine auf der Statio n gearbeitet hätten, als Arbeitszeit ange- rechnet werde. C. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2019 wies das Kanton sspital Baselland das Gesuch ab. Im Wesentlichen wurde die Abweisung damit begründ et, dass stets die Möglichkeit bestan- den habe, für die Zeit einer Pause eine Vertretung aus einer anderen Abteilung herbeizuholen. Dem Argument der Gesuchstellerinnen, dass die fachliche Qualifikation der zur Vertretung an- wesenden Mitarbeitenden nicht genügend gewesen sei, könne nicht gefolgt werden. Des Weite- ren wurde ausgeführt, dass die Gesuchstellerinnen das St illzimmer freiwillig als Pausenraum gewählt hätten und es sich dabei nicht um eine Anweisun g von Seiten des Arbeitgebers gehan- delt habe. Das Stillzimmer habe nicht zum üblichen Arb eitsplatz gehört und die Gesuchstelle- rinnen hätten grundsätzlich die Möglichkeit gehabt, dor t - Notfälle vorbehalten - ihre Pausen ungestört zu verbringen. Dies gelte ebenso für die Mitn ahme des Babyphones. Hätten sie - wie vorgegeben - eine Stellvertretung für die Pausenzeiten angefragt, hätten sie ohne Babyphon auch an einem anderen Ort am Standort Bruderholz ihr e Pausen verbringen können. Des Wei- teren hätten die Gesuchstellerinnen die unterbrochenen und damit nicht bezogenen Pausen melden können. Dies sei von ihnen auch gemacht worden, worauf die Pausenzeit nachträglich als Arbeitszeit gutgeschrieben worden sei. D. Mit Eingabe vom 11. November 2019 erhoben die sechs Gesuchstellerinnen beim Kan- tonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrech t (Kantonsgericht), gegen die Verfü- gung vom 31. Oktober 2019 Beschwerde und stellten folgende Rechtsbegehren: "1. Die Verfügung des Kantonsspitals Baselland vom 31. Oktober 2019 sei in Bezug auf die Vergütung von nicht bezogenen Pausen während Nachtwachen, Spät- und Wochenenddiensten aufzuheben und es seien den Beschwerdeführerinnen 1 bis 5 rückwirkend ab 01. Januar 2012, resp. der Beschwerde- führerin 6 ab 01. April 2012, bis und mit Ende Dezem ber 2015 die nicht bezogenen Pausen zu vergü- ten. Demgemäss sei die Beschwerdegegnerin zu verurtei len, der Beschwerdeführerin 1 CHF 2'637.30, der Beschwerdeführerin 2 CHF 4'047.00, der Beschwerdeführerin 3 CHF 4'508.20, der Beschwerdeführerin 4 CHF 7'116.05, der Beschwerdeführerin 5 CHF 3'228.30 sowie der Beschwerde- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht führerin 6 CHF 3'428.20 zu bezahlen zzgl. Zins zu 5 % seit 01. Januar 2016. Eine Mehrforderung wird ausdrücklich vorbehalten. 2. Eventualiter sei festzustellen, dass den Beschwerd eführerinnen 1 bis 5 für den Zeitraum ab 01. Januar 2012, resp. der Beschwerdeführerin 6 ab 01 . April 2012, bis Ende Dezember 2015, wäh- rend welchen sie nachweislich alleine auf der neonatol ogischen Überwachungsstation des Kan- tonsspitales Bruderholz arbeiteten, für die Nachtwachen , Spät- und Wochenenddienste, sämtliche Pausen als Arbeitszeit anzurechnen seien. Die Beschwerd egegnerin sei entsprechend anzuweisen, für die einzelnen Beschwerdeführerinnen die nicht bezog enen Pausen im Zeitraum vom 01. Januar 2012 bis Ende Dezember 2015 zu berechnen und ihnen zuzüg lich 5 % Verzugszins seit 01. Januar 2016 nachzuzahlen. 3. Es sei eine Parteiverhandlung durchzuführen. 4. Unter o/e- Kostenfolge." In der Beschwerdebegründung vom 13. Januar 2020 machte n die Beschwerdeführerinnen gel- tend, die Neugeborenen mit speziellen Bedürfnissen hät ten rund um die Uhr über Monitore von speziell ausgebildetem Pflegefachpersonal überwacht wer den müssen. Im Spätdienst, in der Nacht und den Wochenenddiensten hätten sie sich von niemandem ablösen lassen können, um ihre Verpflegungspausen in Ruhe verbringen zu können, d a die Pflegepersonen der Wochen- bettabteilung nebenan teilweise nicht in Kinderpfleg e ausgebildet gewesen seien und niemand die erforderliche Erfahrung in der Betreuung von Neu geborenen am Monitor besessen habe. Die Mitarbeitenden der neonatologischen Überwachungsst ation hätten somit immer abrufbereit sein müssen, um innert Sekunden am Bett der Neugebore nen stehen zu können. Der ärztliche Leiter der Neonatologie des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) Prof. G.____ habe dies in der E-Mail vom 26. Juli 2016 bestätigt. Der e igentliche Pausenraum sei zu weit weg ge- wesen, um angemessen schnell reagieren zu können, und das Babyphon habe von der Distanz her nicht gereicht. Die Gesuchstellerinnen hätten diese Problematik mehrmals erfolglos an Teamsitzungen gegenüber ihrer Vorgesetzten thematisie rt. Sie beantragten, es seien Dr. H.____, welcher die neonatologische Überwachungsstati on im Kantonsspital Bruderholz geleitet habe, Prof. Dr. G.____ vom UKBB und I.____ vom Schweizer Berufsverband der Pfle- gefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK), Sektion beide r Basel, als Zeugen zu laden. Des Weiteren führten die Beschwerdeführerinnen aus, dass de r Beschwerdegegner letztmals mit Schreiben vom 2. Dezember 2019 einen Verjährungseinred everzicht bis vorläufig 31. Dezem- ber 2020 erteilt habe. E. In seiner Vernehmlassung vom 13. März 2020 beantrag te das Kantonsspital die kos- tenfällige Abweisung der Beschwerde. Zusammengefasst hielt es fest, das Stillzimmer sei durch die Beschwerdeführerinnen selbst als Pausenraum gewählt worden. Ebenso hätten sie selbst entschieden, keine Stellvertretungen für die Pausenzeit heranzuziehen. Selbst wenn der Still- raum als Pausenraum vorgegeben worden wäre, handle es sich bei diesem Raum nicht um den Arbeitsplatz, weshalb auch aus diesem Grund kein Anspr uch auf Bezahlung der Pausen gege- ben wäre. Zudem seien bei entsprechenden Meldungen nicht beziehbare Pausen und unterbro- chene Pausen als Arbeitszeit angerechnet worden. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht F. Mit Präsidialentscheid vom 19. Mai 2020 wurde der Fa ll der Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung überwiesen und als Auskunftsperson Dr. H.____ geladen. G. An der heutigen Parteiverhandlung nehmen teil vo n Seiten der Beschwerdeführerinnen A.____, C.____ und F.____ und deren Rechtsvertreteri n, von Seiten des Beschwerdegegners J.____ als dessen Vertreterin und K.____, Leiterin HR Beratung beim Kantonsspital Baselland, sowie als Auskunftsperson Dr. H.____. Auf ihre Ausführung en wird, soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 i.V.m. § 25 des Spitalgesetzes (Spitalgesetz) vom 17. November 2011 und Ziff. 18.4 Abs. 3 des Gesamtar beitsvertrags Kantonsspital Basel- land/Psychiatrie Baselland (GAV) vom 1. Juli 2015 könne n letztinstanzliche Verfügungen und Entscheide der Organe der kantonalen Spitäler nach de n allgemeinen Bestimmungen über die Verwaltungsrechtspflege beim Kantonsgericht, Abteilun g Verfassungs- und Verwaltungsrecht, angefochten werden. Da die Beschwerdeführerinnen Adre ssatinnen des angefochtenen Ent- scheids sind, ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung haben und die übrigen for- mellen Voraussetzungen gemäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, kann auf die Beschwerde ein- getreten werden. 2. Bei der Beurteilung der Beschwerde ist die Kognitio n des Kantonsgerichts gemäss § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich allfäl- liger Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, U nterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststel lung des Sachverhalts zu überprü- fen bzw. zu prüfen, ob der Beschwerdegegner ein allfä lliges Ermessen rechtsfehlerhaft ausge- übt hat. Die Überprüfung der Angemessenheit dagegen ist dem Kantonsgericht verwehrt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 3. Die Beschwerdeführerinnen waren beim Kantonsspital Baselland angestellt. Nach § 26 Abs. 3 Spitalgesetz richteten sich, solange kein Gesamtarbeitsvertrag im Sinne von § 11 Spital- gesetz abgeschlossen war, jedoch längstens bis vier Jahre a b Inkrafttreten des Spitalgesetzes, die Anstellungsbedingungen nach der basellandschaftlichen Personalgesetzgebung und somit unter anderem nach dem Gesetz über die Arbeitsverhält nisse der Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter des Kantons (Personalgesetz) vom 25. September 1997 und der kantonalen Verordnung zur Arbeitszeit (ArbeitszeitVo) vom 4. Januar 2000. Am 1. Januar 2016 trat der GAV in Kraft. Die Beschwerdeführerinnen machen vor Kantonsgericht die V ergütung von nicht bezogenen Pausen für die Zeit vom 1. Januar 2012 (bzw. 1. Januar 2011; vgl. zum Forderungsbeginn die nachfolgende E. 8.4) bis 31. Dezember 2015 geltend, womit die bis Ende 2015 geltenden Be- stimmungen der basellandschaftlichen Personalgesetzgebung zur Anwendung kommen. Unbe- strittenermassen kommen zudem die Bestimmungen über di e Arbeitszeit und damit auch über die Pausen als Teil der Bestimmungen über den Gesundhe itsschutz des Bundesgesetzes über Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsg esetz, ArG) vom 13. März 1964 zur An- wendung (vgl. zur Anwendbarkeit der Bestimmungen über die Arbeitszeit des ArG für Mitarbei- terinnen und Mitarbeiter der Spitäler: A NDREAS PETRIK , Ist Umkleidezeit Arbeitszeit? in: Pflege- recht 2019, S. 144 ff., S. 145). 4. Strittig ist die Frage, ob sämtliche Pausen, welche die Beschwerdeführerinnen in der Zeit vom 1. Januar 2012 (bzw. 1. Januar 2011) bis 31. Dezember 2015 während der Nachtwa- chen, Spät- und Wochenenddienste geleistet haben und in welchen jeweils nur eine Pflegefach- frau auf der neonatologischen Überwachungsstation am Standort Bruderholz gearbeitet hat, als Arbeitszeit zu gelten haben und zu vergüten sind. Dabei ist festzuhalten, dass unbestrittener- weise die Beschwerdeführerinnen der Vorgesetzten melden konnten, wenn es ihnen nicht mög- lich gewesen war, eine Pause zu beziehen, oder wenn ein e Pause unterbrochen wurde. Diese Pausen wurden alsdann als Arbeitszeit gutgeschrieben. Dies ist auch immer wieder vorgekom- men. 5.1. Nach Art. 15 Abs. 2 ArG gelten die Pausen als Arb eitszeit, wenn die Arbeitnehmer ih- ren Arbeitsplatz nicht verlassen dürfen. Gemäss Art. 18 Abs. 5 der Verordnung 1 zum Arbeits- gesetz (ArGV 1) vom 10. Mai 2000 gilt als Arbeitsplatz im Sinne von Art. 15 Abs. 2 ArG jeder Ort im Betrieb oder ausserhalb des Betriebes, an dem si ch der Arbeitnehmer oder die Arbeit- nehmerin zur Ausführung der ihm bzw. ihr zugewiesenen Arbeit aufzuhalten hat. Nach § 12 ArbeitszeitVo, welcher den Titel "Unbezahlte Pause" trägt, muss bei einer mehr als 7-stündigen Tagesarbeitszeit eine unbezahlte Pause von mindestens 30 Minuten Dauer eingehalten werden (Abs. 1). Wenn der Arbeitsplatz aus betrieblichen Gründ en nicht verlassen werden kann, wird auf Anordnung der Anstellungsbehörde die Pause gemäss A bs. 1 als Arbeitszeit angerechnet (Abs. 2). 5.2. Unter Arbeitsplatz im Sinne von Art. 15 Abs. 2 ArG ist derjenige Ort zu verstehen, an dem der Arbeitnehmer seine gewöhnliche Tätigkeit verri chtet. In der Lehre wird der Standpunkt vertreten, dass der Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz be reits verlasse, soweit eine Pause in einem speziell dafür vorgesehenen Raum abzuhalten sei, selbst wenn sich der Pausenraum im selben Gebäude wie der Arbeitsplatz befinde. Die Verpf lichtung des Arbeitnehmers, seine Pau- sen in einem speziell dafür vorgesehenen Pausenraum zu beziehen, steht damit dem gewöhnli- chen, nicht als Arbeitszeit geltenden Pausenbezug nic ht entgegen. Ebenso wenig muss der Arbeitnehmer das Betriebsgebäude verlassen können, denn die Pausenzeit muss nicht die glei- che Gestaltungs- und Bewegungsfreiheit gewähren, wie die eigentliche Freizeit (ULLIN STREIFF / ADRIAN VON KAENEL /R OGER RUDOLPH , Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR, 7. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, N 9 zu Art. 321 OR ; Urteil des BGer 4A_343/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 4.4 m.w.H.). So hat das Bundesger icht die Beschwerde einer Kassiererin eines Casinos, welche das Casino während der Pausen nich t verlassen durfte und ihre Pause in einem Pausenraum im Casino verbringen musste, mit der Begründung abgewiesen, dass der Pausenraum nicht der gewöhnliche Tätigkeitsort der Besch werdeführerin sei und ein Arbeit- nehmer während der Pausen nicht notwendigerweise auch das Betriebsgebäude müsse verlas- sen können (Urteil des BGer 4A_343/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 4.4). Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.3. Damit eine Pause als Pausenzeit qualifiziert werde n kann, hängt jedoch nicht nur da- von ab, wo diese zu verbringen ist, sondern auch wie di e Pause gestaltet werden kann. Zwar müssen die Pausenzeiten nicht die gleiche Gestaltungsf reiheit gewähren wie die eigentliche Freizeit, jedoch müssen diese in einem gewissen Mass die Mö glichkeit bieten, sie für eigene Belange nutzen zu können. So kam das Bundesgericht bei einem Rettungssanitäter, welcher während seiner 1.5-stündigen Mittagspause gelegentlich bei einem Notruf ausrücken musste, zum Schluss, die Einschränkung wegen der grundsätzlichen Ei nsatzbereitschaft sei nicht der- art, dass der Beschwerdeführer die fragliche Zeit nicht mehr für sich als Pause hätte verbringen können. So habe er insgesamt 1.5 Stunden für die Erhol ung und Verpflegung zur Verfügung gehabt. Er habe einen Mittagsschlaf machen und auch d as Gebäude für Einkäufe und Ähnli- ches verlassen können. Entscheidend sei, dass er jeweils in sgesamt 1.5 Stunden für seine ei- genen Belange wie Verpflegung, Erholung und Besorgu ngen habe nutzen können (Urteil des BGer 4A_528/2008 vom 27. Februar 2009 E. 4.3). So wird auch in der Wegleitung zum Arbeits- gesetz und zu den Verordnungen 1 und 2 des Staatssekre tariats für Wirtschaft (SECO) von Dezember 2020 (nachfolgend: Wegleitung) erklärt, der Zweck der Pausen sei die Erholung, das Ruhen und die Verpflegung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Wegleitung S. 1 zu Art. 15 ArG; S. 1 zu Art. 18 ArgV 1). Nicht als Pausen würden technisch bedingte Arbeitsunter- brüche in den Arbeitsabläufen gelten, die es nicht zula ssen würden, sich auszuruhen, z.B. weil die Zeit zu kurz sei oder die Wiederaufnahme der Arb eit sich nicht vorhersagen lasse (Weglei- tung S. 1 zu Art. 18 ArgV 1). Die Wegleitung führt weiter aus, in den meisten Fällen könne der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin über die Pausen zeit frei verfügen, d.h. der Arbeitsplatz könne verlassen werden. In gewissen Betriebsteilen oder Betrieben sei dies jedoch nicht mög- lich, weil das Eingreifen in einen Arbeitsprozess jederze it möglich sein müsse (z.B. Bereitschaft zum Beheben von Störungen u.a.). Sofern sich die Arbeit nehmer und Arbeitnehmerinnen unter vertretbaren hygienischen Bedingungen ausruhen und verp flegen könnten, gelte die Pause am Arbeitsplatz als gewährt; sie müsse jedoch an die Arbeit szeit angerechnet werden (Wegleitung S. 2 zu Art. 15 Abs. 2 ArG). 5.4. Für die Frage, welches Mass die Einschränkung der Ge staltungsfreiheit bzw. der Erho- lungsmöglichkeit haben muss, damit Pausen als Arbeitszeit und nicht als Freizeit gelten, kön- nen die Überlegungen zur Problematik der ständigen E rreichbarkeit der Arbeitnehmer durch elektronische Geräte herangezogen werden. Immer mehr Ar beitgeber statten ihre Angestellten mit elektronischen Geräten wie Blackberry oder iPhone au s, um so die ständige Erreichbarkeit des Arbeitnehmers und teilweise auch die Verfügbarkei t zur Arbeitsleistung sicherzustellen. Arbeitsmedizin und Arbeitsrecht haben sich mit diesem Phä nomen noch kaum befasst. Im Ar- beitsrecht ergeben sich Konfliktpunkte vor allem zum Arbeit sgesetz, insbesondere zur zulässi- gen Höchstarbeitszeit und zur Nacht- und Sonntagsarbei t, sowie zum Ferienbezug. Zwar sind noch viele Fragen ungeklärt. Dennoch sind in zweierlei Hinsicht Grundaussagen möglich: Ers- tens ist die tatsächliche Einsatzzeit, die Zeit also, wä hrend der ein Arbeitnehmer z.B. einen An- ruf entgegennimmt und ein Gespräch führt, eine E-Mai l liest und beantwortet oder an einer Vi- deokonferenz teilnimmt, sowohl öffentlich- wie privatre chtlich als Arbeitszeit einzustufen. Zwei- tens wird, wenn der Arbeitnehmer sehr häufig aufgrund seiner ständigen Erreichbarkeit durch Anrufe, E-Mails etc. gestört wird, so dass die störungsf reien Zwischenräume derart kurz wer- den, dass sie nicht mehr sinnvoll als Freizeit verwendet werden können, die ganze Bereit- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaftszeit hauptsächlich im Interesse des Arbeitgebers ver bracht und ist damit im vollen Um- fang als Arbeitszeit einzustufen. Solche Ausnahmekonstell ationen vorbehalten, stellt die blosse Bereitschaft zum Abruf, bei der die Zeit im privaten Interesse genutzt werden kann, keine hauptsächlich im Interesse des Arbeitgebers verbrachte Zeit und damit mindestens im öffent- lich-rechtlichen Sinn keine Arbeitszeit dar. In Analogie dazu kann demnach auch die Zeit, in der ein Arbeitnehmer in Bereitschaft auf einen Anruf sein Handy mit sich trägt oder seinen Laptop zur Beantwortung allfälliger E-Mails einschaltet, nicht als Arbeitszeit gelten (S TREIFF /VON KAENEL /R UDOLPH , a.a.O., N 9 zu Art. 321 OR m.w.H.). 5.5. Die obigen Ausführungen erhellen, dass die Pausen nur dann Pausenqualität aufwei- sen, wenn die Arbeitnehmerinnen diese zur Erholung un d Verpflegung nützen können. Daraus lässt sich ableiten, dass eine Pause keinen Erholungswert h at, wenn diese öfters unterbrochen wird oder die Mitarbeitenden während der Pause Über wachungsfunktionen haben, weil diese dann primär im Interesse des Arbeitgebers verbracht wird. 6.1. Um beurteilen zu können, ob die Pausen der Beschwer deführerinnen Pausenqualität aufwiesen, ist folglich zu prüfen, wie sich diese konkret gestalteten. 6.2. Von 2011 bis Ende Januar 2016 wurde im Bruder holzspital eine neonatologische Überwachungsstation geführt, welche alsdann aufgelöst wurde. Es handelte sich um eine Neo- natologieabteilung des Levels II A mit neonataler Sta ndard Care Station mit 4 bis 6 Betten, wo- bei die ärztliche Leitung und Betreuung durch das UKBB wahrgenommen wurde. Patienten wa- ren kranke Säuglinge und Frühgeburten ab der 34. Sch wangerschaftswoche und einem Ge- wicht von 1'800 Gramm. Während der Frühschichten von Montag bis Freitag arbeiteten eine diplomierte Pflegefachfrau und die Stationsleiterin L.____ oder ihre Vertreterin in der Abteilung. Während der ganzen Wochenenden und der Spät- und Nach tschichten der Tage Montag bis Freitag arbeitete jeweils nur eine diplomierte Pfleg efachfrau in der Abteilung. Während der Frühschicht der Tage Montag bis Freitag wurde die dien sthabende Pflegefachfrau durch die Stationsleiterin L.____ oder ihre Vertretung der Abt eilungen Wochenbett und Neonatologie ver- treten. Während der anderen Schichten und am Wochene nde war diese Vertretung nicht vor- handen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerinne n präzisiert, dass Säuglinge ab einem Gewicht von 1'500 Gramm dem Level II A zugerechnet würd en, im Bruderholzspital sei die Grenze jedoch bei einem Gewicht von 1'800 Gramm gezogen worden. 6.3. Die Beschwerdeführerinnen sind allesamt diplomiert e Pflegefachfrauen mit jahrelanger Erfahrung und zum Teil mit Zusatzausbildungen auf d em Gebiet der Neonatologie oder der In- tensivpflege. An der heutigen Verhandlung führt A.__ __ aus, dass eine mehrjährige Erfahrung im neonatologischen Bereich Anstellungsvoraussetzung ge wesen sei. Eine Zusatzausbildung sei nicht verlangt worden. Gemäss Beschwerdegegner seien die Beschwerdeführerinnen zwei- felsohne Mitarbeiterinnen mit langjähriger Erfahrung . Wie aber den Arbeitsverträgen und den Stellenbeschreibungen zu entnehmen sei, so der Beschwer degegner weiter, sei die Anstellung als diplomierte Pflegefachfrau erfolgt. Darüberhinau sgehende Fachausweise und Erfahrungen hätten auch "im Hinblick der Einstufung der Station der Neonatologie in den Level II A keine Voraussetzung für die Anstellungen" dargestellt. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4. Die Beschwerdeführerinnen erklären an der heutig en Verhandlung, dass das Stillzim- mer zwei Zimmer von der Station entfernt gewesen sei. Die Monitore hätten sich im Zimmer der Säuglinge, welche 24 Stunden pro Tag überwacht worde n seien, befunden. Die jeweils dienst- habende Beschwerdeführerin habe nicht ständig alle Mo nitore im Auge behalten können, aber wenn der Monitor Alarm geschlagen habe, habe diese inn ert Sekunden reagieren müssen. Ha- be sich die Pflegefachfrau nicht im Babyzimmer, sondern i m Stillzimmer oder im sich unmittel- bar daneben befindenden Büro aufgehalten, so habe si e den Alarm über das Babyphon, wel- ches sie dann mitgenommen habe, gehört. Die Säuglinge hätten ständig überwacht werden müssen, so seien unter anderem die Atmung, der Herzschlag , die Sauerstoffsättigung ständig überwacht worden. Ein Monitor sei nur so gut, wie er interpretiert werden könne. Es gebe Situa- tionen, in denen der Monitor nicht alarmiere und de nnoch sei der Säugling zu überprüfen. Bei solch kleinen Säuglingen könne sich die Lage innert Sekun den verschlechtern, wenn gewisse Veränderungen auftreten würden. Seien solche Situati onen eingetreten, hätten sie zügig inter- veniert. Habe der Monitor Alarm geschlagen, so hätten sie innert Sekunden springen und dann entscheiden müssen, wie gefährlich die Situation sei und wie schnell zu intervenieren sei. Der Alarm habe 3 oder 4 Mal, aber auch 10 Mal pro Pause schlagen können. Auf jeden Fall habe er mindestens 1 bis 2 Mal pro Pause angegeben. F.____ führt aus, dass sie meistens 3 bis 4 Pati- enten gehabt hätten. Auch C.____ führt aus, dass sich me istens 3 oder 4 Kinder im Säuglings- zimmer befunden hätten. Manchmal seien es auch 4 oder 6 (Überbelegung) gewesen und manchmal auch nur eines oder gar keines. Die Vertreterin des Beschwerdegegners wendet ein, dass die Auslastung der Abteilung gemäss Statistik 63 % b etragen habe. F.____ erklärt, dass wenn ein Kind z.B. an Apnoe gelitten habe, der Alar m 3 bis 4 Mal pro Stunde angeschlagen habe. Auf die Frage, weshalb sie die Intervention ni cht als entschädigungspflichtig gemeldet habe, antwortet sie, dass im Fall, dass der Alarm losgega ngen sei und sie nur 3 bis 4 Minuten beschäftigt gewesen sei, sie von einer Meldung abgeseh en habe. Im Falle, dass sie dann 20 Minuten beschäftigt gewesen sei, habe sie das als entsch ädigungspflichtige Intervention ge- meldet und habe dies begründen müssen. Auf Frage antwo rtet A.____, dass Anfragen auch nachts eingegangen seien, so z.B. wie die Entzündungswe rte seien. Auch ein Arzt habe wäh- rend 24 Stunden interventionsbereit sein müssen. Seien zwei Akutfälle gleichzeitig aufgetreten, habe sie die Abteilung Wochenbett angerufen, diese soll e die Abteilung Anästhesie anrufen, da diese 24 Stunden besetzt und auch für solche Fälle gesc hult gewesen sei. A.____ führt aus, dass die Säuglinge auch nachts alle 3 bis 4 Stunden Nahru ng erhalten hätten, es hätten die Windeln gewechselt werden müssen, sie seien alle 3 bis 4 Stunden beurteilt worden, hätten Medikamenten verabreicht bekommen, seien berührt und stä ndig überprüft worden. Die Be- schwerdeführerinnen hätten auch die Eltern der Säugli nge betreuen müssen. Auf den Einwand der Vertreterin des Beschwerdegegners, dass es keine Inten sivstation gewesen sei, antwortete A.____, dass es aber Risikopatienten gewesen seien und dass manchmal eine Verschlechte- rung in nur einer halben Stunde stattgefunden habe und sie hätten z.B. einen Notkatheter legen oder den Arzt rufen müssen. Auf Frage der Vertreterin des Beschwerdegegners, ob sie im Not- fall selber agiert hätten, antwortet A.____, dass sie eine Notruftafel gehabt hätten, auf welcher notiert gewesen sei, welcher Arzt Schicht habe. Jeder hä tte dort anrufen können, um Hilfe zu holen, ausserdem sei die Abteilung Anästhesie 24 Stunde n besetzt gewesen. Die Beschwerde- führerinnen erklären, dass es sich um sehr fragile und klei ne Säuglinge gehandelt habe, diese Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht könnten anders als Erwachsene nicht mitteilen, wenn e s ihnen nicht gut gehe, weshalb eine Überwachung sehr wichtig gewesen sei. 6.5. Auf den Hinweis eines Richters, der Beschwerdegegner wende ein, die Beschwerde- führerinnen hätten ihre Pausenvertretung selber orga nisieren müssen, antwortet A.____, dass die Stationsleitung die Ablösung organisiert habe. Die Wochenbettstation, in der gesunde Säug- linge gelegen hätten, sei neben der neonatologischen Abteilung gewesen. Die Kolleginnen und Kollegen der Wochenbettstation hätten sie aber nicht ve rtreten wollen. Sie hätten ihre Stations- leitung in den Teamsitzungen zuerst mehrmals im Jahr, da nn 2 Mal pro Jahr auf dieses Prob- lem hingewiesen, aber es habe sich nichts geändert. Es sei jedes Mal ein Thema gewesen und auch ausserhalb der Teamsitzungen hätten sie es gemeldet . Das Argument der Stationsleitung sei gewesen, dass es gegenüber den Pflegefachfrauen der Abteilung Wochenbett ungerecht gewesen wäre, wenn ihnen die Pausen vergütet worden w ären. Aber diese, so die Beschwer- deführerin weiter, hätten sich im Gegensatz zu ihnen problemlos vertreten lassen können. C.____ führt aus, dass sie mehrmals auf diese Problemat ik hingewiesen habe. Sie sei so weit gegangen, während der Pausen nicht mehr auszustempeln. Aber die Zeit sei ihr trotzdem im- mer abgezogen worden. 6.6. Die Beschwerdeführerinnen führen aus, dass die Frü hschicht von 07.00 bis 16.00 Uhr, die Spätschicht von 14.30 bis 23.00 Uhr und die Nachtschicht von 22.00 bis 07.30 Uhr gedauert habe. Die Pause während der Frühschicht habe 45 Minut en und während der Spät- und Nacht- schicht 30 Minuten gedauert. Auf Frage erklärt A.____, dass sie primär während der Über- schneidungen der Arbeitsschichten die Toilette aufgesucht und ansonsten das Babyphon mit- genommen habe. Auf den Hinweis des Gerichts, ob dies nic ht eine inakzeptable Situation ge- wesen sei, ergänzt C.____, dass sie z.B. bewusst wenig get runken habe, um nicht auf die Toi- lette gehen zu müssen. Sei dies unumgänglich gewesen, hab e sie dann die Abteilung Wochen- bett gebeten, dass sie "wenigstens schauen gehen" würden. Die Pflegefachkräfte der Abteilung Wochenbett seien nicht spezialisiert gewesen auf solche Säuglinge. Die Vertreterin des Be- schwerdegegners führt aus, dass das Babyphon während des A ufenthalts auf der Toilette an eine Pflegefachfrau der Abteilung Wochenbett habe gegeben werden können, was doch bedeu- te, dass diese instruiert gewesen seien. A.____ antwort et, dass "sie nur dafür instruiert" gewe- sen seien. Sie hätten das Telefon bedienen können und wenn sie sie gebeten habe, etwas zu holen, hätten sie das machen können. Aber in 4 Jahren s eien die Pflegefachfrauen der Abtei- lung Wochenbett weder von den Beschwerdeführerinnen noch von ihrer Vorgesetzten je instru- iert worden. Auf Frage der Vertreterin des Beschwerde gegners, dass sie laut Stellenbeschrei- bung bei Unterbelegung auch in der Abteilung Wochenbe tt geholfen hätten, antwortet C.____, dass sie geholfen hätten, wenn auf ihrer Station keine Säuglinge stationiert gewesen seien. 6.7. Auf Frage eines Richters, ob die Beschwerdeführeri nnen angewiesen worden seien, eine Vertretung zu organisieren, antwortet K.____, di es sei die Regelung gewesen. Die Be- schwerdeführerinnen hätten die Möglichkeit gehabt, sich durch die Pflegefachfrauen der Abtei- lung Wochenbett vertreten zu lassen. Vielleicht hätten diese das nicht gern gemacht, aber die Beschwerdeführerinnen hätten sie rufen können. Die Ve rtreterin des Beschwerdegegners er- klärt, ihnen sei mitgeteilt worden, die Pflegefachfra uen der Abteilung Wochenbett seien instru- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht iert gewesen, die Beschwerdeführerinnen hätten ihnen die Vertretung aber nicht zugetraut. K.____ führt aus, es finde eine kontinuierliche Überwa chung am Monitor statt, manchmal seien die Beschwerdeführerinnen im Säuglingszimmer bei den M onitoren gewesen, manchmal mit dem Babyphon in einem anderen Raum. Es sei nicht notwendig, dass jemand 24 Stunden beim Monitor sitze. Die Vertreterin des Beschwerdegegners erg änzt, die Kontinuität sei durch die elektrischen Geräte und damit durch die Monitore gegeb en. Diese hätten sich im Säuglings- zimmer befunden. Es sei dann eine fachliche Entscheidung, ob auch eine Person ständig am Bett stehen müsse. Auf Frage des Vizepräsidenten, was ges chehen wäre und wer die Verant- wortung getragen hätte, wenn während der Abwesenheit der Pflegefachfrau der Neonatologie etwas geschehen wäre, antwortet die Vertreterin des B eschwerdegegners, gemäss Aussage der Stationsleitung seien die Pflegefachfrauen der an deren Abteilung angelernt und zur Vertre- tung angewiesen worden. Auf Frage eines Richters, ob e s stimme, dass dieses Problem immer wieder Thema gewesen sei, antwortet K.____, dass sie ni cht wisse, ob dies an den Teamsit- zungen der Fall gewesen sei, wohl sei es so gewesen, aber "nach oben" sei dies nicht als The- ma kommuniziert worden. 6.8. Dr. H.____ erklärt, dass er vom 1. Januar 2012 bi s 31. Dezember 2015 Chefarzt der Frauenklinik Bruderholz gewesen sei. "Sie" hätten die ne onatologische Abteilung aufgebaut. Er kenne das Thema des Vertretungsproblems und der Pausen . Das Gericht weist Dr. H.____ auf die sich in den Akten befindende E-Mail von Prof. Dr. G .____ vom 26. Juli 2016 an die Be- schwerdeführerin B.____ hin. Prof. Dr. G.____ führt i n der E-Mail aus, dass er als ärztlicher Leiter der Neonatologie UKBB bestätige, dass auf der ehemaligen Neugeborenen- und Über- wachungsstation im Kantonsspital Baselland/Standort Brude rholz regelmässig Früh- und Neu- geborene gepflegt worden seien, die aufgrund einer k ardiorespiratorischen Instabilität per Sau- erstoff-Sättigungsmonitor und EKG-Monitor überwacht wo rden seien. Es sei daher notwendig gewesen, dass eine kompetente, in der Reanimation von N eugeborenen geschulte Pflegefach- person jederzeit anwesend oder zumindest kurzfristig (auf Zuruf oder Notruf) abrufbar gewesen sei. Dr. H.____ bestätigt, dass diese Aussage richtig sei . Die Säuglinge seien krank gewesen und es habe eine Pflegende gebraucht. Man habe "nicht weg oder in die Pause" gehen können. Auf die Frage, ob eine kontinuierliche Überwachung not wendig sei, antwortet Dr. H.____, dass sich immer jemand "im Bereich der Säuglinge" habe aufhalten müssen. Auf die Frage, ob es um Sekunden gehe, antwortet Dr. H.____, dass es sich wie u m eine kleine Intensivstation gehan- delt habe, jederzeit etwas hätte passieren können und dies nicht voraussehbar gewesen sei. In der Intensivstation im UKBB müsse sich jemand ständig beim Bettchen aufhalten. Beim Level II A des Bruderholzspitals habe es gereicht, wenn jemand "do rt und in der Nähe" gewesen sei. Auf dem Level des Bruderholzspitals gebe es weniger Alar me als in der Intensivstation, viel- leicht 3 bis 4 pro Woche. Aber wenn ein Kind krank gewe sen sei, habe alle 2 Stunden der Alarm losgehen können. Die Pflegenden aus der Wochenb ettabteilung hätten "weniger vertre- ten", weil die wenigsten von ihnen eine Zusatzausbild ung gehabt hätten. Zudem hätten sie sich die Vertretung nicht zugetraut. Auf die Frage des Ger ichts, ob die Pflegenden der Wochenbett- abteilung auf die Säuglinge hätten schauen können, ant wortet Dr. H.____, dass je nach Anzahl und der Krankheit der Säuglinge eine Vertretung viel leicht möglich gewesen wäre. Der Unter- schied sei, dass in der Wochenbettabteilung gesunde Säuglinge, in der neonatologischen Abtei- lung kranke Säuglinge gelegen hätten. Auf die Frage, wie die Regelung betreffend Pausenver- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht tretung gewesen sei, antwortet Dr. H.____, dass es di esbezüglich immer Diskussionen gege- ben habe. Die Stationsleiterin habe die Vertretung g emacht. Sie habe auch lange in der UKBB gearbeitet. Wenn die Stationsleiterin nicht anwesend gewesen sei, hätten die Pausen nicht oder zumindest nicht richtig wahrgenommen werden können. Auf die Frage des Gerichts, wie die Verantwortlichkeit gewesen wäre, wenn etwas während d er Vertretung durch eine Pflegende der Wochenbettabteilung passiert wäre, antwortet Dr. H.____, mit diesem Problem habe man sich nicht befasst. Die Frage des Gerichts, ob es ein bere chtigter Einwand bzw. eine berechtig- te Weigerung der Pflegenden der Wochenbettabteilung gewesen sei, die Vertretung nicht über- nehmen zu wollen, bejaht Dr. H.____. 7.1. Im vorliegenden Fall kann, wie sich zeigen wird, d ie Frage, ob das Stillzimmer als Ar- beitsplatz zu gelten hat, offengelassen werden. Wesen tlich ist vorliegend vielmehr, ob die Pau- senzeit der Erholung und Verpflegung dienen konnte o der ob sie nicht primär im Interesse des Arbeitgebers verbracht wurde. 7.2. Aus den Rechtsschriften und den heutigen Ausführu ngen geht hervor, dass sowohl die Pflegefachfrauen der Wochenbettabteilung als auch diej enigen der neonatologischen Abteilung über die Ausbildung als diplomierte Pflegefachfrau ve rfügten. Gemäss Arbeitsvertrag und Stel- lenbeschrieb war formell die langjährige Erfahrung ke ine Anstellungsvoraussetzung. Aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerinnen, dass eine mehrj ährige Erfahrung eine Anstellungs- voraussetzung war, und der Tatsache, dass alle Beschwer deführerinnen über diese verfügten, ist jedoch davon auszugehen, dass die Erfahrung de facto eine Anstellungsvoraussetzung war. Gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerinnen, we lche von Dr. H.____ bestätigt wur- den, ist weiter davon auszugehen, dass die Pflegefachfra uen der Wochenbettabteilung es sich nicht zutrauten, die Vertretung der Beschwerdeführerin nen zu übernehmen. Des Weiteren be- stätigt Dr. H.____, dass diese Weigerung durchaus verständ lich und berechtigt war. Auch ist durch die Aussagen der Beschwerdeführerinnen und die Bestätigung von Dr. H.____ genügend erwiesen, dass die Pausenvertretung in der Abteilung im mer wieder ein Thema war. Dass die- ses Thema allenfalls nicht "nach oben" weitergeleitet wu rde, ist möglich, schlussendlich aber nicht von Relevanz. Da die Pflegefachfrauen der neonat ologischen Abteilung hierarchisch auf der gleichen Stufe wie die Pflegefachfrauen der Wochen bettabteilung waren, waren sie wohl nicht befugt, ihre Kolleginnen zur Vertretung zu zwing en, zumal die Weigerung, die Vertretung zu übernehmen, wie dargelegt, aus fachlichen Gründen d urchaus begründet war. Die Be- schwerdeführerinnen machen geltend, die Pflegefachfra uen seien nicht geschult worden, um sie vertreten zu können. Aus den Akten geht nicht hervor , dass und in welchem Rahmen diese Schulung stattgefunden haben soll. Es gibt keine Gründe dafür, diese Aussage der Beschwer- deführerinnen als unglaubhaft zu qualifizieren, zumal gerichtsnotorisch ist, dass im Pflegeberuf die Zeit der Pflegenden sehr knapp ist. Somit ist auch sc hwer nachzuvollziehen, dass eine grössere Anzahl von Pflegenden der Wochenbettabteilung neben der täglichen Arbeit so um- fassend hätte geschult werden können, dass eine fachgerecht e Vertretung hätte verantwortet werden können. Der Beschwerdegegner erklärt in seiner Stellungnahme, die Beschwerdeführe- rinnen hätten gemäss ihrem Stellenbeschrieb die Pflich t, andere Mitarbeitende (Hilfspersonen) während des Schichtdienstes entsprechend ihrer Kompetenz beizuziehen und sie für die Vertre- tung angemessen zu instruieren. Im Stellenbeschrieb steht unter Aufgaben, dass die Stellenin- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht haberin fähig sei, als diplomierte Pflegefachfrau die neonatologische Pflegegruppe während ihres Schichtdienstes zu leiten. Sie sei verantwortlich, Lernende und Hilfspersonal entspre- chend ihren Kompetenzen einzuteilen. Des Weiteren sei sie mitverantwortlich für die Einführung neuer Mitarbeiterinnen und sei mitverantwortlich für die Ausbildung Lernender während ihres Pflegepraktikums. Da die Mitarbeiterinnen der Abteilu ng Wochenbett weder neue Mitarbeiterin- nen noch Lernende waren, waren die Beschwerdeführerin nen nicht zuständig für deren Einfüh- rung bzw. Ausbildung. Sofern man die Mitarbeiterinnen der Abteilung Wochenbett überhaupt als andere Mitarbeitende im Sinne von Hilfspersonen bez eichnen möchte, wären die Beschwerde- führerinnen lediglich befugt gewesen, diese entspreche nd ihren Kompetenzen einzuteilen, und nicht auch diese zu schulen und zur Vertretung zu verpflichten. 7.3. Gemäss Stellenbeschrieb ist einer der drei in fett er Schrift am Anfang formulierten Auf- träge der Pflegefachfrau der neonatologischen Überwac hungsstation derjenige, dass sie die Verantwortung für die fachgerechte Pflege der ihr a nvertrauten Neonaten trägt. Unter dem Titel "Fachspezifische Aufgaben" in der neonatologischen Überw achungsstation steht als zweiter Punkt, die "Kontinuierliche Überwachung der Neugeborenen und bei Bedarf Unterstützung aller Vitalfunktionen". Die Beschwerdeführerinnen schildern, dass in der Regel 3 bis 4 Säuglinge zu überwachen gewesen seien. Der Beschwerdegegner wendet ein, die Abteilung sei gemäss Sta- tistik zu 63 % belegt gewesen. Gemäss angefochtener Verfügung verfügte die Abteilung über "4 - 6" Plätze. Werden als Basis für die Statistik 4 Plätze als 100%ige Auslastung angenommen, ergeben 63 % 2.52 Kinder, bei einer 100%igen Auslast ung bei 5 Plätzen entsprechen 63 % 3.15 Kindern und bei einer 100%igen Auslastung bei 6 Plätzen entsprechen 63 % 3.78 Kindern. Wird vom Mittelwert von 5 Plätzen ausgegangen, so entsp richt eine Auslastung von 63 % 3.15 Kindern. Damit ist die Aussage der Beschwerdeführerinnen, in der Regel hätten sie 3 bis 4 Kin- der zu überwachen gehabt, durchaus realistisch. Im Übrig en war eine kontinuierliche Überwa- chung unabhängig von der Anzahl der anwesenden Neonaten zu gewährleisten. 7.4. Die Beschwerdeführerinnen schildern, dass einerseit s die kontinuierliche Überwachung der Säuglinge nicht lediglich damit habe wahrgenomme n werden können, indem auf einen all- fälligen Alarm reagiert worden wäre. Andererseits erkl ären sie, dass sie in der Regel, auch wenn nur für kurze Zeit, einmal bis mehrmals pro Pause umgehend hätten einschreiten müs- sen. Sie schildern, dass sie selbst das Aufsuchen der Toilet te auf die Überschneidungen bei den Schichtwechseln zu legen versucht oder für diese kurze Zeit eine Pflegende aus der Wo- chenbettabteilung um Hilfe gebeten hätten. Zudem musst e, wie auch im Stellenbeschrieb fest- gehalten wurde, eine kontinuierliche Überwachung der Kinder stattfinden. Wie die Beschwerde- führerinnen glaubhaft darlegen und Dr. H.____ bestätigt, trauten sich die Pflegefachfrauen wohl berechtigterweise nicht, diese kontinuierliche Überwa chung auch nur vertretungsweise für län- ger als einen Gang zur Toilette zu übernehmen. Es ist somit davon auszugehen, dass die Be- schwerdeführerinnen öfters und mehrmals auch während i hrer Pausen Kontrollaufgaben bzw. Überwachungsaufgaben wahrzunehmen hatten und bei Be darf ein unverzügliches Einschreiten notwendig war. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass eine Unterlassung der Beschwerdefüh- rerinnen fatale Folgen hätte haben können, welche n icht in Kauf genommen werden konnten. Aufgrund der heutigen Schilderung der Beschwerdeführe rinnen und der Aussagen von Dr. H.____ kann davon ausgegangen werden, dass die Gestaltungsfreiheit der Beschwerdefüh- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht rerinnen während ihrer Pausen derart eingeschränkt war, dass diese nicht zur Erholung oder zu einer stressfreien Verpflegung genutzt werden konnten . Vielmehr wurden die Pausen im Inte- resse des Arbeitgebers verbracht. Dem Argument des Beschwer degegners, die Beschwerde- führerinnen hätten bei Einsätzen die Entschädigung verlangen können, muss entgegengehalten werden, dass wohl kurze Unterbrechungen an der Tagesor dnung waren und während der nicht unterbrochenen Pausen diese, auch wenn in reduziertem Umfang, dennoch Kontrollaufgaben wahrnehmen mussten, welche nicht entschädigt worden wären. Insofern ist der vorliegende Fall nicht mit dem Fall der Casinokassiererin vergleichbar, da diese ihre Pause zwar in einem be- stimmten Raum, aber ohne arbeitsrechtliche Pflichten, in Ruhe verbringen konnte. Ebenso we- nig ist der vorliegende Fall mit dem Rettungssanitäter zu vergleichen, da dieser, solange er kei- nen Notruf bekam, keine arbeitsrechtlichen Aufgaben hatte. Er hatte überdies nicht regelmässig mehrere Pausenunterbrüche zu erwarten und konnte dami t die Pausen zur Verpflegung und Ruhe und zur Erledigung eigener Belange nutzen. Zud em konnte er das Gebäude für Einkäufe und Ähnliches verlassen. Aufgrund der obigen Ausführu ngen gilt als erwiesen, dass die Be- schwerdeführerinnen in der Regel mehrmals pro Pause arb eitsrechtliche Pflichten erfüllen mussten, sie sich während der Pausenzeit höchstens für wenige Minuten vertreten lassen konn- ten und innert allerkürzester Zeit bei Bedarf bei den Säuglingen sein mussten, so dass alle nicht bezogenen und nicht bereits vergüteten Pausen während der Spät-, Nacht- und Wochenend- dienste als Arbeitszeit zu gelten haben und zu vergüten sind. 8.1. Die Beschwerdeführerinnen verlangen in ihrem erst en Rechtsbegehren an das Kan- tonsgericht genau bezifferte Beträge für die Vergütu ng der nicht bezogenen Pausen ab dem 1. Januar 2012. Sie führen in der Beschwerdebegründu ng aus, dass sie die entsprechenden Zeitausweise dem Beschwerdegegner im Februar 2017 zug estellt hätten. Er habe bislang nie konkret Stellung dazu genommen oder mitgeteilt, dass diese nicht nachvollziehbar seien. Diese würden im Bestreitungsfall zur Edition offeriert. De m Kantonsgericht wurde eine Übersicht der Stundenanzahl der unbezahlten Pausen der Beschwerdefüh rerinnen und eine Zusammenstel- lung der Forderungshöhe mit dem Titel "Lohntabelle 2015 Baselland" eingereicht. 8.2. Der Beschwerdegegner führt in seiner Beschwerdean twort aus, die Beschwerdeführe- rinnen seien wiederholt gebeten worden, ihre Forderu ngen nachvollziehbar zu konkretisieren. Er habe im Februar 2017 diverse Zeitauszüge von den B eschwerdeführerinnen erhalten, "je- doch ohne Hinweise an welchen Daten" eine Pausenverg ütung beantragt worden sei. Stichpro- ben seitens des Beschwerdegegners hätten ergeben, dass nic ht ersichtlich sei, welche Pau- senzeiten geltend gemacht würden. Dem damaligen Rechtsve rtreter der Beschwerdeführerin- nen sei telefonisch mitgeteilt worden, dass die gelten d gemachten Stunden anhand der einge- sandten Zeitauszüge nicht ermittelt werden könnten. Er habe erwidert, dass er seine Mandan- tinnen anfragen würde und diese die entsprechenden Ang aben melden würden. Auch während des Gespräches vom 4. Juli 2017 seien die Forderungen n icht näher konkretisiert worden. In der Folge seien vom Beschwerdegegner weitere Abklärungen gemacht worden. In einem weite- ren Gespräch mit dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführe rinnen am 10. Oktober 2017 sei ihm das Ergebnis der Abklärungen mitgeteilt worden, e inerseits welche Pikettzeiten vergütet würden, andererseits dass keine Vergütung von Pausenzeit en erfolgen werde, da es den Be- schwerdeführerinnen mit Unterstützung von Personal aus anderen Stationen möglich gewesen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht wäre, Pausen zu beziehen. Zudem seien die gemachten Fo rderungen nach wie vor nicht nach- vollziehbar konkretisiert worden. Diese Haltung sei den B eschwerdeführerinnen mit Schreiben vom 29. Mai 2018 nochmals bestätigt worden. 8.3. Im Schreiben des Beschwerdegegners vom 29. Mai 201 8 steht, dass die rückwirkend geforderten Stunden im Detail geprüft worden seien. Der Beschwerdegegner halte fest, dass er alle Pausen, welche nicht hätten bezogen werden könne n und fälschlicherweise nicht als Ar- beitszeit angerechnet worden seien, korrigieren und gu tschreiben würde. Gemäss Aussage der Beschwerdeführerinnen seien solche Fälle von der Vorg esetzten jeweils nachträglich korrigiert worden. Weitere Zeiten, in denen die Pausen nicht hätten bezogen werden können, seien keine mehr gemeldet worden. Die Grundlagen für eine Pauscha lzahlung von Fr. 3'500.-- pro Person sei nicht gegeben, weshalb der Beschwerdegegner an den bis anhin nachvollziehbaren Stun- den der Mitarbeiterinnen festhalten würde. Sollten die Beschwerdeführerinnen weitere nachvoll- ziehbare Stunden melden können, sei der Beschwerdegegner bereit, diese zu prüfen. 8.4. Die Beschwerdeführerinnen haben Zeitauszüge einger eicht. Im einzigen dem Kan- tonsgericht vorliegenden schriftlich festgehaltenen Ei nwand des Beschwerdegegners vom 29. Mai 2018 an die Beschwerdeführerinnen steht, dass weitere nachvollziehbare Stunden ge- meldet werden könnten. Dabei handelt es sich, wird di ese Aussage im Zusammenhang mit den übrigen Ausführungen im Schreiben gesehen, wohl um d ie Stunden, welche die Beschwerde- führerinnen an die Vorgesetzte zwecks Vergütung gemeldet haben bzw. hätten melden können. Es geht vorliegendenfalls aber gerade nicht um diese Pa usen, sondern um alle nicht gemelde- ten Pausen. Auch in der sich in den Akten befindenden Zu sammenstellung des Beschwerde- gegners mit dem Titel "Übersicht Abrufbereitschaft Neo natologie Bh 2011 - 2015" geht es um Pikettdienste, welche geprüft und bestätigt wurden, un d nicht um die nicht bezogenen Pausen. Da der Beschwerdegegner als Arbeitgeber verpflichtet i st, die Arbeitszeiten seiner Mitarbeite- rinnen zu prüfen, und er die eingereichten Zeitauswei se nicht substantiiert bestreitet, kommt das Kantonsgericht zum Schluss, dass auf die geforderten Be träge der Beschwerdeführerinnen gemäss Rechtsbegehren 1 abgestellt werden kann und w ie gefordert auf die Beträge ein Zins von 5 % ab 1. Januar 2016 geschuldet ist. Im Rechtsbegeh ren 1 der Beschwerde an das Kan- tonsgericht wird erklärt, es würden Forderungen ab de m 1. Januar 2012 bzw. 1. April 2012 ge- stellt. Da die Beschwerdeführerinnen im Gesuch an das Ka ntonsspital Forderungen für die Zeit ab 1. Januar 2011 (und nicht erst ab 1. Januar 2012) g estellt haben und die Höhe der Forde- rungen gemäss dem Rechtsbegehren 1 der Beschwerde an d as Kantonsgericht genau der Zu- sammenstellung der Forderungen für die Jahre 2011, 2 012, 2013, 2014 und 2015 (und somit inkl. 2011) entspricht, ist davon auszugehen, dass die Beschw erdeführerinnen ihre Forderun- gen im kantonsgerichtlichen Verfahren gegenüber den be im Kantonsspital geltend gemachten Forderungen nicht einschränken wollten. Vielmehr muss e s sich bei der Jahreszahl (2012 statt 2011) um ein Versehen handeln. Damit ist die Beschwerd e in der für die jeweilige Beschwerde- führerin geltend gemachten Forderungshöhe gemäss Rechtsbegehen 1 der Beschwerde an das Kantonsgericht zuzüglich 5 % Zins ab 1. Januar 2016 gutzu heissen (A.____: Fr. 2'637.30, B.____: Fr. 4'047.00, C.____: Fr. 4'508.20, D.____: Fr. 7'116.05, E.____: Fr. 3'228.30, F.____: Fr. 3'428.20; jeweils zuzüglich 5 % Zins ab 1. Januar 2 016). Da es sich bei den geforderten Beträgen, wie aus der Zusammenstellung "Lohntabelle 2 015 Baselland" (Beilage 41 der Be- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdebegründung an das Kantonsgericht) hervorgeht, um Bruttobeträge handelt, hat der Beschwerdegegner von den verlangten Beträgen die Sozia labzüge und allenfalls die Zulagen zu berechnen und zu entrichten sowie den errechneten N ettolohn (inkl. Zulagen) den Be- schwerdeführerinnen auszuzahlen. 9.1. Es bleibt noch über die Kosten zu entscheiden. G emäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Ver- fahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Ve rfahrenskosten umfassen die Gerichtsge- bühren und die Beweiskosten und werden in der Regel de r unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahre nskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- sind demzufolge dem Beschwerdegegner aufzu erlegen. Der geleistete Kostenvor- schuss in der Höhe von Fr. 1'400.-- ist den Beschwerdeführerinnen zurückzuerstatten. 9.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann f ür den Beizug eines Anwalts bzw. einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung z u Lasten der Gegenpartei zugespro- chen werden. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführeri nnen macht in ihrer Honorarnote vom 11. Juni 2020 ein Honorar in der Höhe von Fr. 6'5 83.33 (26.333 Stunden à Fr. 250.--) und Auslagen in der Höhe von Fr. 960.-- und in derjenigen vom 8. September 2020, welche den Aufwand von 9,66 Stunden für die Zeit ab 23. Juni 202 0 bis und mit heutiger Verhandlung bein- haltet, ein Honorar von Fr. 2'416.67 und Auslagen in der Höhe von Fr. 59.30 (jeweils exklusive Mehrwertsteuer) geltend, was nicht zu beanstanden ist. D er unterliegende Beschwerdegegner hat den Beschwerdeführerinnen damit eine Parteientschä digung in der Höhe von Fr. 10'790.75 (inkl. Auslagen und 7.7 % MWST) auszurichten. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entschei d des Kantonsspitals Baselland vom 31. Oktober 2019 aufgehoben und der Besc hwerdegeg- ner angewiesen, den Beschwerdeführerinnen für die ni cht bezogenen Pausen den Lohn (inkl. Zins) im Sinne der Erwägungen auszurichten. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- gehen zu Lasten des Beschwerdegegners. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'400. -- wird den Beschwerdeführerinnen zurückerstattet. 3. Das Kantonsspital Baselland hat den Beschwerdeführ erinnen eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 10'790.75 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin