B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2821/2014 U r t e i l v o m 3 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver- fahren); Verfügung des BFM vom 14. Mai 2014 / N (…). E-2821/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a. Der Beschwerdeführer verliess Eritrea nach eigenen Angaben im Ap- ril 2013. In der Befragung zur Person vom 19. Dezember 2013 gab er an, er sei n ach kurzen Aufenthalten in Sudan und Libyen auf dem Seew eg am 3. Juli 2013 nach Catania respektive im November 2013 nach Lam- pedusa gelangt. Nachdem er sich in Bari und Rom aufgehalten habe, sei er am 10. Dezember 2013 via Mailand in die Schweiz gereist, wo er zwei Tage später im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asyl- gesuch stellte. Er machte geltend, die Situation in Eritrea sei schlecht und er habe nicht einmal seine Familie ernähren können. Von Mai bis Oktober 2011 sei er im Gefängnis gewesen, w eil er sich unerlaubterweise aus dem Militärdienst entfernt habe und nach Hause gegangen sei. Er sei de- sertiert, weil er die Situation in Eritrea endgültig satt habe . Sein B._______ respektive sein C._______ sei seinetwegen verhaftet worden. Für den Fall e iner Rückkehr ins Heimatland erwarte er, für immer im Ge- fängnis zu landen ; sein Leben wäre zerstört. Angesprochen auf die wi- dersprüchliche Ankunft in Italien erklärte er, sich zuerst geirrt zu haben: Er sei im November 2013 in Lampedusa gelandet, wo er sich gegenüber den italienischen Beamten erfolgreich geweigert habe, seine Finge- rabdrücke abzugeben. Daktyloskopische Abklärungen des BFM in der Eurodac-Datenbank ergaben keinen Registrierungsvermerk eines au s- ländischen Staates. Gleichentags wurde ihm das rechtliche Gehör zur Möglichkeit eines Nichteintretensentscheids und einer Überstellung nach Italien gewährt. Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens zur Behandlung des Asylg e- suchs wurde von ihm nicht bestritten. Jedoch machte er geltend, nach Ita- lien nicht zurückgehen zu wollen, denn das dortige Leben sei schwierig . Eher setze er seinem Leben ein Ende als nach Italien zurückzugehen. A.b. Mit Schreiben vom 9. Januar 2014 ersuchte das BFM die zuständige Behörde Italiens unter Hinweis auf den angegebenen Aufenthalt des Be- schwerdeführers um nähere Auskünfte zum Status des Beschwerdefüh- rers. Die italienische Behörde reagierte nicht darauf. Das vom BFM am 12. März 2014 in Anwendung von Art. 13 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Fest- legung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mi t- gliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin -II-VO) an die itali e-E-2821/2014 Seite 3 nischen Behörden gestellt e Ersuchen um Übernahme des Beschwerde- führers (take charge -Verfahren) blieb ebenfalls unbeantwortet. Ausge- hend von der stillschweigenden Zustimmung Italiens zur Behandlung des Asylgesuchs ersuchte das BFM Italien am 15. Mai 2014 um Mitteilung der gewünschten Rückführungsmodalitäten. A.c. Mit Verfügung 14. Mai 2014 – eröffnet am 21. Mai 2014 – trat das BFM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn nach Italien weg, forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den zuständigen Ka n- ton mit dem Vollzug der Wegweisung. Das Bundesamt stellte zudem fest, einer allfälligen Beschwerd e gegen die Verfügung komme keine au f- schiebende Wirkung zu, und händigte de m Beschwerdeführer die edit i- onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. Das BFM stellte fest, dass die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens an Italien übergegangen sei. Es gebe keine Hinweise, dass Italien sich nicht an die EU -Aufnahmerichtlinie oder an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halt en und das Asyl - und We g- weisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. Mit seiner Suiziddro- hung für den Fall seiner Wegweisung nach Italien könne der Beschwerde- führer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es stehe ihm frei, allenfalls me- dizinische Hilfe in der Schweiz oder in Italien in Anspruch zu nehmen. B. Der Beschwerdeführer erhob gegen diese Verfügung am 23. Mai 2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde unter Verwendung eines (für Beschwerden gegen Asylgesuchsabweisungen konzipiertes ) Beschwer - deformulars. Die (im F ormular vorgedruckten) Rechtsbegehren lauten: Aufhebung der angefochtenen Verfügung, Anerkennung der Flüchtling s- eigenschaft und Asylgewährung, Feststellung der Undurchführbarkeit der Wegweisung, Anordnung der vorläufigen Aufnahme, Gewähr ung der u n- entgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf Kostenvorschuss erhe- bung, eventualiter Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung , vor- sorgliche Anweisung der Behörde betreffend Kontaktaufnahme mit den und Datenweitergabe an die Behörden des Heima t- und Herkunftsstaats beziehungsweise Information bei erfolgter Datenweitergabe. Auf Seite 7 der Beschwerde wurde, wiederum im vorgedruckten Teil des Formulars zusätzlich die Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung verlangt, o h- ne allerdings das Gesuch zu begründen und die beizuordnende Person E-2821/2014 Seite 4 zu bezeichnen. Mit der Beschwerde wurde die angefochtene Verfügung eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurte i- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (vgl. Art. 105 AsylG [SR 142.31] , Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung ; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist unter nachstehenden Vorbehalten einzutreten. Nicht einzutreten mangels Anfechtungsgegenstand ist auf die Anträge auf Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung. Soweit der Beschwerdeführer Anträge zum Verfahren stellt – Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, vorsor gliche Anweisung der zuständigen Behörde, die Kontaktaufnahme mit den Behörden des He i- mat- und Herkunftsstaats sowie jegliche Datenweitergabe an dieselben zu unterlassen oder, bei bereits erfolgter Datenweitergabe, darüber in e i- ner separaten Verfügung zu i nformieren –, so ist die Beschwerde ma n- gelhaft, weil es an einer (individualisierten) Begründung fehlt (Art. 52 Abs. 1 VwVG). Eine Aufforderung zur Verbesserung des Mangels (Art. 52 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG; Art. 110 Abs. 1 AsylG) kann allerdings unterbleiben, weil diese Anträge mit dem vorliegenden Endentscheid g e- genstandslos werden beziehungsweise aus prozessökonomischen Grü n- den, da die handschriftlich ins Beschwerdeformular eingefügte B egrün- dung hinsichtlich der Wegweisung nach Italien genügend verständlich ist. 1.4 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters zu behandeln, weil sie sich als offe n- sichtlich unbegründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG). E-2821/2014 Seite 5 2. 2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwe r- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2). 3. 3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyls u- chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl - und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Vorliegend gelangt das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin -Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68]) zur Anwendung. Darauf basierend ist seit dem 1. Januar 2014 in allen Staaten der Europäischen Union die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festl e- gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten- losen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internat ionalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO), anwendbar (Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der Eu- ropäischen Union betreffend die Übernahme der Dublin-III-VO (Weiterent- wicklung des Dublin/Eurodac -Besitzstands) hat der Bundesrat der Eur o- päischen Union mitgeteilt, dass die Schweiz den Inhalt dieses Rechtsakts akzeptiere und in ihre innerstaatliche Rechtsordnung umsetzen werde. Mit Bundesratsbeschluss vom 18. Dezember 2013 wurde festgehalten, die Dublin-III-VO werde ab dem 1. Januar 2014 vorläufig angewendet, mit Ausnahme deren Art. 18 Abs. 2, Art. 27 Abs. 3 und Art. 28. Folglich kommt, gestützt auf das DAA, in der Schweiz ab dem 1. Januar 2014 die Dublin-III-VO zur Anwendung, soweit gemäss Art. 49 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht die Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats nach den Kriterien E-2821/2014 Seite 6 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 (Dublin-II-VO) vorbehalten bleibt. 3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO oder Dublin -III-VO haben die Mi t- gliedstaaten jeden Asylantrag zu prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates stellt, wobei der Antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird. Bei einem Aufnahmeverfahren (take charge) sind dabei die Kriterien in der in Kapitel III der Dublin -II-VO genannten Rangfolge anzuwenden (vgl. Art. 5–14 Dublin-II-VO) und es ist von der Situation zum Zeitpunkt, in dem der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, auszugehen (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin -II-VO). Dies steht im Gegensatz zum Wiederaufnahmeverfahren (take back), bei dem keine – neuerliche – Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin -II-VO stattfindet, sondern ein so lches insbesondere auf den materiellen Zuständigkeitsbestimmun- gen von Art. 16 Abs. 1 Bst. c-e Dublin-II-VO gründet (vgl. CHRISTIAN FILZ- WIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-II-Verordnung: Das Europäische Asylzu- ständigkeitssystem, 3. Aufl., Wien und Graz 2012, Art. 16 K5 S. 129). Somit ist im Aufnahmeverfahren vorab derjenige Mitgliedstaat zuständig, der einem Familienangehörigen das Recht auf Aufenthalt in seiner Eigen- schaft als Flüchtling gewährt hat, sofern die betroffenen Personen dies wünschen (Art. 7 Dublin -II-VO), welches Kriterium den nachfolgend g e- nannten vorgeht (Art. 5 Dublin-II-VO). In zweiter Linie ist der Mitgliedstaat zuständig, der dem Asylbewerber einen gültigen Aufenthaltstitel oder ein gültiges Visum ausgestellt hat, dessen Land -, See- oder Luftgrenze der Asylbewerber aus einem Drittstaat kommend legal oder illegal überschri t- ten hat, oder in welchem der erste Asylantrag gestellt wurde (Art. 5 i.V.m. Art. 8–13 Dublin-II-VO). Weitere Einzelheiten hierzu lassen sich den Ve r- ordnungsbestimmungen entnehmen. 3.3 Das erste in der Eurodac -Datenbank registrierte Asylgesuch im so genannten Schengen-Raum wurde am 12. Dezember 2013 in der Schweiz gestellt. Aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers – namentlich über seine Aufenthalte und die angeblich ve rweigerte Erfassung seiner Person in daktyloskopischer und photographischer Hinsicht in Italien im Juli 2013 in Catania oder im November 2013 auf Lampedusa oder zu einem späteren Zeitpunkt im Flüchtlingslager von Bari – hat das BFM am 9. Januar 2014 E-2821/2014 Seite 7 zu Recht die ita lienischen Behörden um Klärung der Sachlage ersucht und nach der ausgebliebenen Reaktion Italiens und dem Abwarten einer Karenzfrist am 12. März 2014 die italienischen Behörden gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-II-VO um Übernahme des Beschwerdeführers gebe- ten. Mit der Nichtbeantwortung des Übernahmeersuchens innert der in Art. 20 Abs. 1 Bst. b Dublin-II-VO respektive Art. 22 Abs. 1 Dublin -III-VO vorgesehenen Frist haben diese die Zuständigkeit Italiens implizit aner- kannt (Art. 18 Abs. 7 Dublin-II-VO bzw. Art. 18 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO). Damit ist die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer ersucht mit seiner Beschwerde sinngemäss um Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO, was zum Selbsteintritt der Schweiz und zur hiesigen materiellen Beurtei- lung des Antrags auf internationalen Schutz führen würde. Er machte hierzu geltend, die Si tuation in Italien wäre für ihn sehr schwierig. Er a k- zeptiere keine Ausschaffung nach Italien, eher setze er seinem Leben ein Ende; er wolle in der Schweiz bleiben (vgl. A5 S. 9). Die italienischen Be- hörden hätten von ihm weder Fingerabdrücke noch Fotos; er sei direkt in die Schweiz gelangt. (vgl. Beschwerde S. 2). Falls der Beschwerdeführer mit dieser letztgenannten Bemerkung behaupten möchte, er habe sich gar nicht in Italien aufgehalten, wäre dies unglaubhaft, zumal er sich in eklatanten Widerspruch zu seinen bisherigen Aussagen setzen würde. 4.2 Nach Art. 17 Abs. 1 Dublin -III-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch materiell prüfen, auch wenn nach den in der Dublin -III-VO vorgesehenen Kriterien ein anderer Staat zuständig wäre (sog. Selbsteintrittsrecht). Diese Bestimmung ist indessen nicht direkt anwe ndbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen werden (analog zu Art. 3 Abs. 2 Dublin -II-VO: BVGE 2010/45 E. 5). Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, zum Bei- spiel gegen eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer A n- spruch auf Ausübung des Selbsteintrittsrechts. In Frage kommen insb e- sondere das flüchtlingsrechtliche Refoulement -Verbot nach Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie menschenrechtliche Garantien der EMRK, des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO -Pakt II, SR 0.103.2) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand- lung oder Strafe (FoK, SR 0.105). E-2821/2014 Seite 8 Die ins nationale Recht aufgenommene Norm Art. 29a Abs. 3 der Asy l- verordnung 1 vom 1. Februar 2014 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) sieht vor, dass das BFM aus humanitären Gründen ein Gesuch behandeln kann, auch wenn nach den Kriterien der Dublin -II-VO ein a n- derer Staat zuständig wäre. Es handelt sich dabei um eine Kann -Be- stimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (BVGE 2010/45 E. 8.2.2 und BV GE 2011/9 E. 8.1 f.). Nach der am 1. Februar 2014 in Kraft getretenen Asylgesetze s- revision kann in diesem Bereich das Handeln oder Unterlassen des BFM mittels seiner angefochtenen Verfügung nicht (mehr) wegen Unangemes- senheit gerügt werden (vgl. E. 2.1). 4.3 Mithin ist lediglich zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle seiner Überstellung nach Italien Gefahr laufen würde, wegen der dortigen G e- gebenheiten des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen in Schwierigkeiten zu geraten respektive eine Verletzung s einer Grundrech- te zu erleiden. Es obliegt ihm dabei, dem Gericht darzulegen, gestützt auf welche ernsthaften konkreten Hinweise anzunehmen sei, die italienischen Behörden würden in seinem Fall ihre staatsvertraglichen Verpflichtungen nicht respektieren und ihm den notwendigen Schutz verweigern. 4.3.1. Die Ausführungen des Beschwerdeführers vermögen nicht zu überzeugen. Zur Situation in Italien brachte er lediglich eine einzige und bloss pauschale Behauptung vor. Ausser dass er in Italien ein "sehr schwieriges" Leben hätte, war von ihm nichts zu erfahren. Er hat seinen Angaben zufolge kein Asyl gesuch in Italien eingereicht und hat somit auch keine persönlichen Erfahrungen mit dem italienischen Asyl verfah- ren. Die Unterbringung von Asylsuchenden in Italien genügt den Minimal- standards des internationalen Rechts, Art. 3 EMRK wird respektiert und es besteht kein Grund zur Annahme, der Beschwerdeführer werde wegen ungenügender Aufenthaltsbedingungen in Italien in existenzielle Schwie- rigkeiten geraten. 4.3.2. Auch ist in Weiterführung der bisherigen Praxis des Bundesverwal- tungsgerichts nach wie vor von der Vermutung auszugehen, dass Italien die Gebote des flüchtlingsrechtlichen und des menschenrechtlichen Rückschiebeverbots beachtet. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge- richtshofs für Menschenrechte (EGMR) sieht Italien wirksame verfahrens- rechtliche Garantien (inkl. Rekursmöglichkeiten) vor, die eine beschwe r- deführende Person vor einer unmittelbaren Zurückweisung in ihren He r- kunftsstaat, in dem diese riskiert, Folter oder unmenschlicher Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden, schützen. Bei einer E-2821/2014 Seite 9 Überstellung wird von der Prämisse ausgegangen, Italien komme kraft seiner Mitgliedschaft den Verpflichtungen aus der Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 ü ber Mindestnormen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtling s- eigenschaft (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie jenen aus der Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 (sog. Aufnahmerichtlinie), darunter auch de m Refoulement -Verbot, nach (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2). Die Verletzung der erwähnten Richtlinien durch den zuständ i- gen Mitgliedstaat in der Vergangenheit begründet kein selbständiges Recht einer beschwerdeführenden Person auf Anrufung zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts, sondern es bedarf hierzu grundsätzlich des Nachweises eines "real risk" im Sinne der EGMR -Rechtsprechung (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., Art. 3 K11 S. 75), den der Beschwerdeführer nicht erbracht hat. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass ihm bei einer Überstellung nach Italien der Zugang zu einem fairen Asylve r- fahren möglich sein wird und er weder unmenschlicher Behandlung aus- gesetzt noch durch die italienischen Behörden ohne Prüfung seiner Asy l- gründe und unter Missachtung des flüchtlings- oder menschenrechtlichen Non-Refoulement-Gebotes in den Heimat- oder Herkunftsstaat zurückge- schafft würde. 4.3.3. Auch kann nicht erkannt werden, das s Italien in völkerrechtswidr i- ger Weise gegen die Aufnahmerichtlinie verstösst. Der EGMR hat diesbe- züglich festgehalten, dass in Italien kein systematischer Mangel an U n- terstützung und Einrichtungen für Asylsuchende (als eine besonders ve r- letzliche Personengruppe) bestehe, dies obwohl die allgemeine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. Urteil des EGMR vom 2. A pril 2013, Mohammed Hussein und and ere gegen Niederlande und Italien [Beschwerde Nr. 27725/10] , Unzulässigkeitsentscheidung wegen offe n- sichtlicher Unbegründetheit gemäss Art. 35 Abs. 3 EMRK). Die vom Ge- richtshof zitierten Berichte zeigten detailliert eine Struktur von Einrichtu n- gen und Versorgung auf, und in letzter Zeit seien zudem gewisse Verbes- serungen festzustellen. Der Gerichtshof kam zum Schluss, dass die asy l- suchende Person – es handelte sich um eine alleinstehende Frau mit zwei kleinen Kindern – bei einer Rückkehr nach Italien nicht einer ernst- haften und unmittelbar drohenden Gefahr ausgesetzt wäre, in materieller, physischer oder psychischer Hinsicht in eine Notlage zu geraten, die in den Schutzbereich von Art. 3 EMRK fallen würde. Diese Feststellungen lassen für das vorliegende Verf ahren ableiten, dass Rückkehrende, die E-2821/2014 Seite 10 noch nicht in einer entsprechenden Einrichtung aufgenommen wurden, in einem Aufnahmezentrum untergebracht werden können. Überdies steht es dem Beschwerdeführer offen, allfällige Probleme bei der Unterbri n- gung oder bei m Zugang zum Asylverfahren bei den zuständigen italien i- schen Justizbehörden zu rügen. 4.4 Der Beschwerdeführer drohte gegenüber dem BFM im Fall der Durch- führung eines Wegweisungsvollzugs nach Italien mit Suizid , welche Dr o- hung er allerdings im Beschwerdeverfahren nicht wiederholte. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen kann einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen, wenn die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Kran k- heitsstadium und bereits in To desnähe befindet (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.H. auf die Praxis des EGMR ). Dabei handelt es sich um seltene Au s- nahmefälle, in denen sich die Person in einem dermassen schlechten Zu- stand befindet, dass sie nach einer Überstellung mit dem Tod rechnen müsste, und sie dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten kann. Dies trifft für die Situation des offenbar gesunden Beschwerdeführers im Falle seines Wegweisungsvollzugs nach Italien offensicht lich nicht zu. Er hat seine angebliche Suizidalität nicht mittels fachärztlicher Bestätigung (namentlich mittels eines psychiatrischen Gutachtens) belegt, und seine Entgegnung anlässlich der Befragung zur Person, er setze lieber seinem Leben ein Ende, als dass er nach Italien zurückkehre, deutet eher auf ei- ne unüberlegte Drohung als auf eine ernsthafte Verzweiflung oder gar psychische Erkrankung hin. Es handelt sich mithin nicht um eine der ge- sundheitlichen Beeinträchtigungen, die im Hinblick auf ihre Üb erstellung nach Italien von Bedeutung sein könnte n, zumal davon auszugehen ist, er könne im Falle tatsächlich vorliegender psychischer Not noch in der Schweiz oder in Italien adäquate medizinische Hilfe finden. Die schweize- rischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten Verfügung beauf- tragt sind, haben allfälligen bedeutsamen gesundheitlichen Umständen bei einer Überstellung Rechnung zu tragen und die italienischen Behö r- den vorgängig in geeigneter Weise über solche zu informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin -III-VO). Somit könnte selbst eine ernst gemeinte Suizid- drohung praxisgemäss den Wegweisungsvollzug nicht verhindern. 4.5 Zusammenfassend besteht kein konkretes und ernsthaftes Risiko, die Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien würde gegen völke r- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz oder Landesrecht verstossen. Er wird in Italien nicht in Schwierigkeiten existenzieller Art geraten. Es b e- steht daher keine Verpflichtung d er Schweiz zum Selbsteintritt. Aufgrund E-2821/2014 Seite 11 dieser Sachlage erweisen sich die vorinstanzlichen Erwägungen, soweit sie vom Bundesverwaltungsgericht angesichts dessen eingeschränkter Kognition im Asylverfahren überprüft werden dürfen, als zutreffend. Italien ist zur Übernahme des Beschwerdeführers sowie zur Durchführung des vorliegenden Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig. 5. Das BFM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31 a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten, und hat, da der Beschwerde- führer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts - oder Niederlassungsbe- willigung ist, zu Recht in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV1). Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht zu prüfen (vgl. BVGE 2010/45 E. 10). 6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die angefoch- tene Verfügung des BFM ist zu bestätigen. Das Beschwerdeverfahren wird mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, weshalb sich d ie Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung, Anordnung vorsorglicher Massnahmen und Verzicht eines Kostenvo r- schusses als gegenstandslos erweisen. 7. Die Beschwerde ist als aussichtslos zu qualifizieren, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Prozessführung und Rechtsbeistand) ungeachtet der allfälligen, indes nicht belegten Bedür f- tigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen ist. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten von Fr. 600. – dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Fe b- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] und Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) E-2821/2014 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Thomas Hardegger Versand: