Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. August 2012 (715 11 416 / 233) ____________________________________________________________________ Arbeitslosenversicherung Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Gerichtsschreiber Markus Sch äfer Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Öffentliche Arbeitslosenkasse Baselland , Bahnhofstrasse 32, 4133 Pratteln, Beschwerdegegnerin Betreff Einstellung in der Anspruchsberechtigung A. Der 1963 geborene A.____ war seit 1. Februar 2007 bei der B.____ als “Leiter C.____“ angestellt. Infolge Nichtannahme einer angebotenen Ve rtragsänderung wurde das Arbeitsver- hältnis zwischen A.____ und seiner Arbeitgeberin mit Ver einbarung vom 26./31. Januar 2011 per 30. April 2011 aufgelöst. Am 27. April 2011 meld ete sich A.____ in seiner Wohngemeinde zur Arbeitsvermittlung und am folgenden Tag bei der Ö ffentlichen Arbeitslosenkasse Baselland (im Folgenden: “Kasse“) zum Bezug von Arbeitslosenentschä digung ab 1. Mai 2011 an. Mit Verfügung Nr. 959/2011 vom 27. Mai 2011 stellte die K asse A.____ wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Mai 2011 für 20 Tage in der An spruchsberechtigung ein. Daran hielt die Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kasse auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheen tscheid vom 17. Oktober 2011 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 1 5. November 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, der Einspracheentscheid sei aufzuheben; eventualiter sei die Dauer der Einstellung in der An- spruchberechtigung zu reduzieren. C. Die Kasse beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 13. Februar 2012 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentschei ds vom 17. Oktober 2011; unter o/e Kostenfolge. D. Da A.____ in seiner Beschwerde unter anderem gelte nd gemacht hatte, sein Hausarzt Dr. med. D.____, Innere Medizin FMH, habe ihm geraten, die von der Arbeitgeberin im Rahmen der Änderungskündigung angebotene neue Arbeitsstelle au s gesundheitlichen Gründen nicht anzunehmen, holte das Kantonsgericht am 17. Februar 2012 bei Dr. D.____ eine entsprechen- de amtliche Erkundigung ein. Mit Schreiben vom 24. Fe bruar 2012 beantwortete der Hausarzt die ihm unterbreiteten Fragen. Die Kasse machte mit Ei ngabe vom 4. April 2012 von der Mög- lichkeit Gebrauch, zum Ergebnis dieser amtlichen Erkundigung Stellung zu nehmen. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss den Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gege n Einspracheentscheide der Versicherungsträger Beschwerde beim kantonalen Versicheru ngsgericht erhoben werden. Ört- lich zuständig ist nach Art. 58 Abs. 1 ATSG grundsätzlich d as Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Besch werdeerhebung Wohnsitz hat. Diese Regelung entspricht nun allerdings für den Bereich des Arbeitslosenversicherung nicht der bis vor Inkrafttreten des ATSG geltenden Zuständigkeitsordnun g, weshalb der Bundesrat in Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) vom 25. Juni 1982 ausdrücklich ermächtigt worden ist, die örtli- che Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts in A bweichung von Art. 58 ATSG zu regeln. Nach Art. 128 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) vom 31. August 198 3 richtet sich die Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts für die Beurteilung von Beschwerden gegen Kassenverfü- gungen sinngemäss nach Art. 119 AVIV. Diese Bestimmung e rklärt in Abs. 1 lit. a für die Ar- beitslosenentschädigung den Ort, wo die versicherte Person die Kontrollpflicht erfüllt, als mass- gebend. Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Kont rollpflicht im Kanton Basel-Landschaft erfüllt, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kantons gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassu ngs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsger icht als Versicherungsgericht als einzi- ge gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Eins pracheentscheide der Versiche- rungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachli ch zur Behandlung der vorliegenden Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und f ormgerecht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 15. November 2011 ist demnach einzutreten. 1.2 Nach § 55 Abs. 1 VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung Sozialversi- cherungsrecht des Kantonsgerichts durch Präsidialentscheid St reitigkeiten bis zu einem Streit- wert von 10'000 Franken. Im vorliegenden Fall beläuft sich der Streitwert bei einer Einstellungs- dauer von 20 Tagen und unter Berücksichtigung des Taggel dansatzes des Versicherten von Fr. 321.40 auf Fr. 6'428.--; die Beurteilung der Be schwerde vom 15. November 2011 fällt dem- nach in die Kompetenz der präsidierenden Person der Ab teilung Sozialversicherungsrecht des Kantonsgerichts. 2.1 Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren un d der Sozialversicherungs- prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen, aus eigener Ini tiative und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneinge- schränkt, er wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten de r Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Zu beachten ist j edoch, dass der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriff snotwendig ausschliesst, da es Sache der verfügenden Verwaltungsstelle bzw. des Sozialversicherun gsgerichts ist, für die Zusam- mentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofer n, als im Falle der Beweislosigkeit der Ent- scheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem u nbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller dings erst Platz, wenn es sich als unmög- lich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes a ufgrund einer Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 2.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache erst und nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (vgl. M AX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1978, S. 135). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid n ach dem Beweisgrad der überwie- genden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER /B ARBARA KUPFER BUCHER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht , Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentsch ädigung, 3. Auflage, Zürich 2008, S. 146). Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverh alts genügt den Beweisanforderun- gen nicht. Es ist vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die das Gericht von allen möglichen Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würd igt (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b). 3. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht wegen selbstverschulde- ter Arbeitslosigkeit im Umfang von 20 Tagen in der An spruchsberechtigung eingestellt worden ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person al les Zumutbare unternehmen, um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. K ommt sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann die zuständige Arbeitslosenkasse die Einstellu ng in der Anspruchsberechtigung verfügen (vgl. Art. 30 AVIG). Die Einstellung hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherte Person hät te vermeiden oder vermindern können. Als Verwaltungssanktion ist sie vom Gesetzmässigkeits-, Verhältnismässigkeits- und Verschuldensprinzip beherrscht (vgl. THOMAS NUSSBAUMER , Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, So ziale Sicherheit, 2. Auflage, Ba- sel/Genf/ München 2007, S. 2423, Rz. 822). 4.2 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberech- tigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit liegt dann vor, wenn und soweit der E intritt der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den per sönlichen Umständen und den per- sönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt (vgl. Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 1982 Nr. 4 S. 39). D ie Arbeitslosigkeit gilt unter anderem dann als selbstverschuldet, wenn die versicherte Person da s Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesiche rt war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (vgl. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Dieser Einstellungstatbestand kann nach der Rechtsprechun g auch dann erfüllt sein, wenn die Kündigung vom Arbeitgeber ausgesprochen wird, weil die versicherte Person trotz der ihr gebo- tenen Gelegenheit nicht bereit war, das Arbeitsverhält nis unter geänderten Bedingungen, na- mentlich zu einem tieferen Lohn, weiterzuführen. Auch in einem solchen Fall ist zu untersuchen, ob der versicherten Person ein Verbleiben am bisherigen Arbeitsplatz nicht mehr zuzumuten gewesen ist (Urteil S. des damaligen Eidgenössischen Versi cherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 30. Nove mber 2004, C 151/04, E. 1; ebenso Urteil X. des EVG vom 29. Oktober 2003, C 133/03, E. 2 .2; JACQUELINE CHOPARD , Die Einstel- lung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S . 119). Eine solche Änderungskündi- gung des Arbeitgebers ist einstellungsrechtlich aber nur dann im Lichte von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zu beurteilen, wenn klar feststeht, dass die versich erte Person die diskutierte Vertragsän- derung abgelehnt hat (Urteil M. des Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_872/2011, E. 3.2 mit Hinweisen). 4.3 Gemäss Art. 20 lit. c des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorgani- sation (IAO) über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend: Übereinkommen), das für die Schweiz a m 17. Oktober 1991 in Kraft trat, kann eine Leistung, auf die eine geschützte Person bei Voll- oder Teilzeitarbeitslosigkeit oder Verdienstausfall infolge einer vorübergehenden Arbeit seinstellung ohne Unterbrechung des Beschäftigungsverhältnisses Anspruch gehabt hätte, gekürzt werden, wenn die zuständige Stel- le festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre Be schäftigung ohne triftigen Grund freiwillig aufgegeben hat. Art. 20 lit. c des Übereinkommens ist h inreichend bestimmt und klar, um als Grundlage eines Entscheides im Einzelfall dienen zu könn en; er ist daher direkt anwendbar (vgl. BGE 119 V 177 E. 4b). Materiell verlangt diese V orschrift einerseits, dass der Versicherte seine Beschäftigung freiwillig aufgegeben hat, und and erseits, dass er dafür keinen triftigen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Grund nennen kann. Nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV gilt die Arbeitslosigkeit als selbstverschuldet und liegt im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ein Einstellungsgrund vor, wenn der Versicherte das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass i hm eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihm das Verbleiben an der Arbeitss telle nicht zugemutet werden konnte. Der triftige Grund nach dem Übereinkommen wird im Lan desrecht dahin umschrieben, dass dem Versicherten das Verbleiben nicht zumutbar war. Insof ern sind beide Vorschriften in die- sem Punkt deckungsgleich. Jedenfalls lässt sich nicht sagen, Ar t. 44 Abs. 1 lit. b AVIV sei mit Art. 20 lit. c des Übereinkommens nicht vereinbar. Wohl verlangt Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV des weitern, dass dem Versicherten keine neue Stelle zugesich ert war. Dieser Vorbehalt enthält jedoch nichts, was mit Art. 20 lit. c des Übereinkommens unvereinbar wäre. Denn wenn der Versicherte ein neues Arbeitsverhältnis zugesichert erhält und unmittelbar nach Beendigung des früheren antreten kann, wird er gar nicht arbeit slos. Kann er eine neue Stelle hingegen erst nach einer Übergangszeit antreten, bleibt es bei eine r "von sich aus" vorgenommenen Auflö- sung und damit einer vorübergehend selbstverschuldeten Ar beitslosigkeit, soweit das Verblei- ben am alten Ort zugemutet werden konnte. Nach dem Gesagten ist Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV daher konventionskonform (vgl. BGE 124 V 236 f. E. 3c). 4.4 Wie den Akten entnommen werden kann, hat im vorli egenden Fall die Nichtannahme der angebotenen Vertragsänderung zur Auflösung des Ar beitsverhältnisses und damit zur Ar- beitslosigkeit des Versicherten geführt. Da Art. 44 Ab s. 1 lit. b AVIV - wie hiervor (vgl. E. 4.2) ausgeführt - auch anwendbar ist, wenn der Arbeitgeber die Kündigung ausspricht, weil der Ar- beitnehmer seine Zustimmung zu einer Vertragsänderung verweigert, ist in einem solchen Fall zu untersuchen, ob dem Versicherten eine Annahme der Ve rtragsänderung und ein Weiterfüh- ren des Arbeitsverhältnisses zumindest bis zum Antritt ei ner Anschlussstelle nicht mehr zumut- bar gewesen ist. 5.1 Die Frage nach der Zumutbarkeit des Verbleibens an der bisherigen Arbeitsstelle ist in analoger Anwendung von Art. 16 AVIG zu beurteilen. Da nach gilt eine Arbeit noch als zumut- bar, die den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- und normalarbeitsvertragli- chen Bedingungen entspricht, den Fähigkeiten und dem Gesundheitszustand der arbeitslosen Person angemessen ist und die Wiederbeschäftigung in ihrem Beruf nicht wesentlich erschwert. Das Bundesgericht wendet hinsichtlich der Annahme der Unzumutbarkeit am bisherigen Ar- beitsplatz zu verbleiben, einen strengen Massstab an und schliesst generell subjektive Beweg- gründe von der Zumutbarkeitsprüfung aus (vgl. BGE 124 V 238 E. 4; ARV 1986 Nr. 23 mit Hin- weisen; THOMAS NUSSBAUMER , a.a.O., S. 2428, Rz. 832; JACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116). Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, darf einer ve rsicherten Person zugemutet werden, wenigstens so lange am Arbeitsplatz zu verbleiben, bis sie eine neue Stelle gefunden hat, bzw. ein zumutbares Vertragsänderungsangebot zu akzeptieren u nd das Arbeitsverhältnis bis zur Zusage einer anderen Erwerbstätigkeit weiterzuführen (vgl. J ACQUELINE CHOPARD , a.a.O., S. 116 und 119). 5.2 Laut Art. 16 Abs. 2 lit. f AVIG ist eine Arbeit unzumutbar, die einen Arbeitsweg von mehr als zwei Stunden je für den Hin- und Rückweg notw endig macht und bei welcher für die versicherte Person am Arbeitsort keine angemessene Unterku nft vorhanden ist oder sie bei Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Vorhandensein einer entsprechenden Unterkunft ihre Bet reuungspflicht gegenüber den Ange- hörigen nicht ohne grössere Schwierigkeiten erfüllen kann. Laut Vertragsänderungsangebot der Arbeitgeberin hätte der Versicherte eine neue Stelle in E.____ antreten können. Wie den Aus- führungen der Kasse im angefochtenen Einspracheentsche id zu entnehmen ist, hätte der Be- schwerdeführer jeweils knapp zwei Stunden aufwenden müssen , um mit den öffentlichen Ver- kehrsmitteln von seinem Wohnort an seinen neuen Arbeits ort und von dort weder nach Hause zu gelangen. Die Reisezeit liegt somit an der oberen G renze, aber eben noch innerhalb des Rahmens, den die Rechtsprechung als zumutbar erachtet (Sozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 1999 ALV Nr. 22 S. 54 E. 4b/aa). Im L ichte der vorstehend wiedergegebenen Rechtsprechung und Literatur (vgl. E. 5.1 hiervor), wä re es dem Beschwerdeführer deshalb trotz des unbestrittenermassen langen Arbeitsweges zumut bar gewesen, das Vertragsände- rungsangebot (einstweilen) zu akzeptieren und das Arbe itsverhältnis zumindest bis zur Zusage bzw. bis zum Antritt einer Anschlussstelle weiterzuführen. Im Übrigen hat die Kasse, wie weiter unten zu zeigen sein wird (vgl. E. 6.3 hiernach), den Aspekt des langen Arbeitsweges bei der Festsetzung der Einstellungsdauer zu Gunsten des Beschwerdeführers berücksichtigt. 5.3 Eine Arbeit gilt sodann als unzumutbar, wenn sie dem Gesundheitszustand des Versi- cherten nicht angemessen ist (Art. 16 Abs.2 lit. c AVIG) . Nachdem der Versicherte in seiner Beschwerde unter anderem geltend gemacht hatte, sein Hausarzt Dr. D.____ habe ihm gera- ten, die von der Arbeitgeberin im Rahmen der Änderun gskündigung angebotene neue Arbeits- stelle aus gesundheitlichen Gründen nicht anzunehmen, holte das Kantonsgericht bei Dr. D.____ eine entsprechende amtliche Erkundigung ein. In seinem Antwortschreiben vom 24. Februar 2012 führte der Hausarzt aus, der Versicherte habe ihn am 22. Dezember 2010 mit den Symptomen einer akuten Depression aufgesucht. Anlässl ich der Erstkonsultation habe er einen niedergeschlagenen, depressiven und weinenden Pat ienten vorgefunden. Dieser habe angegeben, nach einer Mobbing- Situation im Betrieb gekündigt worden zu sein. Er habe den Versicherten wegen des akuten depressiven Symptoms krankges chrieben und er habe ihm geraten, an der bisherigen Arbeitsstelle in anderer Fu nktion tätig zu werden. Eine Tätigkeit weitab des Wohnortes habe er angesichts der depressiven Symp tomatik nicht für zumutbar gehalten. In ihrer Stellungnahme vom 4. April 2012 e ntgegnet die Kasse den Antworten des Hausarztes, dass dieser vom Versicherten anlässlich der Erst konsultation offenbar nicht voll- ständig informiert worden sei. So treffe es nicht zu, dass die Arbeitgeberin gegenüber dem Ver- sicherten damals die Kündigung ausgesprochen gehabt habe. Sie habe zwar die Vorausset- zungen für eine Weiterführung des bisherigen Arbeitsverhältnisses als “Leiter C.___“ nicht mehr als gegeben angesehen, im Übrigen sei der Arbeitgeber in aber daran gelegen gewesen, den Versicherten wegen seiner guten fachlichen Qualifikatio n weiterzubeschäftigen. Aus diesem Grund habe sie dem Beschwerdeführer ein Vertragsänder ungsangebot mit einer neuen Ar- beitsstelle unterbreitet. Wenn Dr. D.____ ausführe, er habe dem Versicherten geraten, an der bisherigen Arbeitsstelle in anderer Funktion tätig zu w erden, so sei dies letztlich das, was ihm auch die Arbeitgeberin empfohlen und angeboten habe . Diesen Ausführungen der Kasse ist ebenso beizupflichten wie ihrem weiteren Einwand, w onach es sich als erstaunlich erweise, dass Dr. D.____ einerseits eine Tätigkeit des Patienten weitab des Wohnortes „angesichts der depressiven Symptomatik“ nicht für zumutbar gehalten habe (so das Antwortschreiben vom 24. Februar 2012) und dass er anderseits ab 1. Februar 2011 aber wieder von einer vollständi- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gen Arbeitsfähigkeit des Versicherten ausgegangen sei ( vgl. das ärztliche Zeugnis vom 21. Ja- nuar 2011). Somit kann aber - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - aus den Ant- worten von Dr. D.____ nicht geschlossen werden, dass dem Versicherten die Annahme des Vertragsänderungsangebots seiner Arbeitgeberin aus medi zinischen Gründen nicht zumutbar gewesen sei. 5.4 Als Zwischenergebnis ist demnach festzuhalten, dass die Kasse vorliegend zu Recht von einer selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit des Versicher ten im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV ausgegangen ist. 6. Abschliessend bleibt zu prüfen, ob die durch die Kasse verfügte Einstellung in der An- spruchsberechtigung im Umfang von 20 Tagen angemessen ist. 6.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Gr ad des Verschuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (vgl. Art. 3 0 Abs. 3 AVIG). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wird gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV ab gestuft und beträgt bei leichtem Verschulden 1 bis 15 Tage, bei mittelschwerem Verschulden 16 bis 30 Tage und bei schwerem Verschulden 31 bis 60 Tage. Die Einstellung beginnt am ersten Tag nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, wenn die versicherte Person aus eige nem Verschulden arbeitslos gewor- den ist (Art. 45 Abs. 1 lit. a AVIV). Bei der Bemessung der Einstellungsdauer steht der Kasse ein Ermessen zu, welches sie pflichtgemäss auszuüben hat. N ach § 57 lit. c VPO hat die sozi- alversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts bzw . deren präsidierende Person bei Präsidialentscheiden die angefochtene Verfügung auch auf deren Angemessenheit zu überprü- fen. Sie greift jedoch bei der Beurteilung der von de r Kasse angeordneten Einstellungsdauer praxisgemäss nur mit Zurückhaltung in deren Ermessensspielraum ein. 6.2 Gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV liegt schweres Ver schulden vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeit sstelle ohne Zusicherung einer neu- en Arbeitsstelle aufgegeben hat. Gemäss bundesgerichtlich er Rechtsprechung ist der Bemes- sung der Einstellungsdauer allerdings bei der freiwilli gen Stellenaufgabe nicht zwingend ein schweres Verschulden zu Grunde zu legen. Für die Unterschr eitung des für schweres Ver- schulden vorgesehenen Sanktionsrahmens werden dabei statt e ines entschuldbaren Grundes besondere Umstände des Einzelfalls verlangt (vgl. BGE 130 V 126 E. 3.2). Diese können sich auf die subjektive Situation der betroffenen Person, w ie etwa deren familiäre Situation, Religi- onszugehörigkeit oder gesundheitliche Probleme, oder auf eine objektive Begebenheit beziehen (vgl. Urteil W. des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2009, 8C_829/2009, E. 3.1). 6.3 Vorliegend hat die Kasse das Verhalten des Versichert en zu dessen Gunsten nicht als schweres, sondern lediglich als mittelschweres Verschulden q ualifiziert, was eine Einstellungs- dauer von 16-30 Tagen zur Folge hat. Innerhalb dieses Rahmens hat sie eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 20 Tagen verf ügt. Als verschuldensmindernd hat sie dabei zu Recht die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz (F unktionswechsel), die gesundheitlichen Probleme des Versicherten, den langen Arbeitsweg zur neuen Arbeitsstelle und die mit der Ver- tragsänderung verbundene Lohneinbusse berücksichtigt. Mit ihrer Sanktion hat die Kasse die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht besonderen Umstände des Falles und die persönliche S ituation des Beschwerdeführers hinrei- chend berücksichtigt. Die verfügte Einstellungsdauer erschei nt somit angemessen und es be- steht kein Anlass, in das Ermessen der Arbeitslosenkasse einzugreifen. 7. Aus dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass der angefo chtene Einspracheent- scheid der Kasse vom 17. Oktober 2011 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen erhobene Be- schwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 8. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor de m kantonalen Gericht für die Partei- en kostenlos zu sein hat. Es sind demnach für das vorliegend e Verfahren keine Kosten zu er- heben. Die ausserordentlichen Kosten können wettgeschlagen werden. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Vermerk eines allfälligen Weiterzugs http://www.bl.ch/kantonsgericht