B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-1117/2012 law/bah U r t e i l v o m 6 . A u g u s t 2 0 1 3 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Januar 2012 / N (…). D-1117/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._______ ([…]), verliess Sri Lanka eigenen Angaben gemäss am 13. Februar 2009 und suchte am 23. Februar 2009 in der Schweiz um Asyl nach. A.b Bei der Erstbefr agung im Empfangs - und Verfahrenszentrum Kreuz- lingen vom 27. Februar 2009 sagte er aus, er habe von April 2005 bis Ap- ril 2006 als (…) gearbeitet. Aus Angst vor der Armee habe er diese Tätig- keit eingestellt. Diese habe ihn nämlich beschuldigt, zu den Tigern ("Libe- ration Tigers of Tamil Eelam" [LTTE]) zu gehören. Deshalb sei er am 20. April 2006 nach Colombo gegangen, wo er am 26. April 2006 festge- nommen und einen Tag lang auf der Polizeistation festgehalten worden sei. Am folgenden Tag sei er vor Gericht und anschliessend ins Gefängnis gebracht worden. Grund der Festnahme sei ein Anschlag auf General Fonseka gewesen. Er sei verdächtigt worden, damit etwas zu tun zu h a- ben. Am 4. Mai 2006 sei er auf Kaution freigelassen worden. Anschlies- send habe er an verschiedenen Orten gelebt. Er habe Sri Lanka verla s- sen, da er zu Hause immer noch von der Armee gesucht werde, die sage, er solle mit der Arbeit als (...) aufhören. Zum Beleg seiner Aussagen gab der Beschwerdeführer die englische Übersetzung eine s Gerichtsdoku- ments zu den Akten. A.c Am 9. März 2009 wurde der Beschwerdeführer vom BFM zu seinen Asylgründen angehört. Er machte im Wesentlichen geltend, er habe für die Organisation "C._______ " gearbeitet, die in Sri Lanka (…) habe. Nachdem ihm Soldaten gesagt hätten, er dürfe nicht mehr für diese O r- ganisation arbeiten, sei er nach Colombo gegangen. Dort sei er am 26. April 2006 festgenommen worden. Am 4. Mai 2006 sei er wieder fre i- gelassen worden. Im Mai 2007 sei er in B._______ von der Armee fest- genommen, geschlagen und drei Tage lang festgehalten worden. Es sei für ihn in Sri Lanka gefährlich gewesen. Fünf Menschen, die für die C._______ gearbeitet hätten, seien verschollen. In Colombo sei er ve r- haftet worden und auch im Vanni -Gebiet habe er Angst gehabt. Die So l- daten hätten gedacht, dass die Leute, die für C._______ gearbeitet hät- ten, gefährlich seien. Die Organisation werde von den sri -lankischen Be- hörden anerkannt und habe eine Bewilligung für ihre Tätigkeiten gehabt. Eines Tages hätten ihn Soldaten kontrolliert und gesagt, er sei ein Tiger. Es habe an diesem Tag eine Bombenexplosion gegeben und da er mit (…) zu tun gehabt habe, sei er beschuldigt worden. Sein Cousin, der für D-1117/2012 Seite 3 dieselbe Organisation gearbeitet habe, sei verschollen. Die Soldaten hät- ten ihm auch gesagt, dass sie ihn erschiessen würden. Sie hätten ihn beim Kontrollposten täglich überprüft, wenn er zur Arbeit gegangen sei. Nach seiner Freilassung aus der Haft habe er sich am 20. Mai 2006 nochmals bei Gericht melden müssen. Er h abe nicht verstanden, um was es gegangen sei, hätte sich aber am 15. August 2006 erneut vor Gericht melden sollen. B. Mit Verfügung vom 24. Januar 2012 – eröffnet am 26. Januar 2012 – stell- te das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigensc haft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die We g- weisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. C. Mit Eingabe vom 27. Februar 2012 liess der Beschwerdeführer mittels seines Rechtsvertreters gegen diese Verfügung Beschwerde erheben und beantragen, es sei vollständige Akteneinsicht , insbesondere in die eingereichten Beweismittel, zu gewähren. Anschliessend sei ihm eine an- gemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzuse t- zen. Die Verfügung des BFM sei aufzuheben und die Sache zur Festste l- lung des vollständigen und richtigen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Verfügung betreffend Ziffern 4 und 5 aufz u- heben und es sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festz u- stellen. Eventuell sei die Verfügung betreffend Ziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. Vor Gutheissung der Beschwerde sei dem unterzeichneten Anwalt eine angemessene Frist zur Einreichung einer Kostennote anzusetzen. Der Eingabe lagen zahlreich e Beweismittel bei (vgl. Ziffn. 1 -17 S. 17 der B e- schwerde). D. Mit Zwischenverfügung vom 9. März 2012 wies der Instruktionsrichter das BFM an, dem Beschwerdeführer Kopien der (im vorinstanzlichen Verfa h- ren) eingereichten Beweismittel zuzustellen. Der Beschwe rdeführer e r- hielt die Gelegenheit zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung. Zur Einreichung in Aussicht gestellter Beweismittel wurde ihm Frist gesetzt. Der Beschwerdeführer wurde zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 600.– aufgefordert (Frist: 26. März 2012). Der Antrag, dem unterzeich-D-1117/2012 Seite 4 neten Anwalt sei eine angemessene Frist zur Einreichung einer Koste n- note anzusetzen, wurde abgewiesen. E. Das BFM übermittelte dem Beschwerdeführer am 13. März 2012 Kopien der von ihm eingereichten Beweismittel. F. Am 26. März 2012 wurde der erhobene Kostenvorschuss eingezahlt. G. Der Beschwerdeführer reichte am 2. April 2012 eine Beschwerdeergä n- zung ein, in der er sich zum von ihm beim BFM eingereichten Gerichtsdo- kument äusserte. H. Am 16. April 2012 übermittelte der Rechtsvertreter eine Kostennote. I. Mit Eingabe vom 16. April 2012 reichte der Beschwerdeführer drei B e- weismittel ein (vgl. Ziffn. 18-20 S. 3 der Eingabe). J. J.a Der Instruktionsrichter gab dem BFM mit Zwischenverfügung vom 26. April 2012 die Gelegenheit zur Einreichun g einer Vernehmlassung. Dieses beantragte in der Vernehmlassung vom 9. Mai 2012 die Abwe i- sung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer liess in seiner Replik vom 29. Mai 2012 an seinen Anträgen festhalten. Er ersuchte um die Anse t- zung einer Frist zur Einreichung weiterer Beweismittel. Der Eingabe lagen ein weitere s Beweismittel und eine aktualisierte Kostennote bei (vgl. Ziffn. 21 und 22 S. 3 der Eingabe). J.b Der Instruktionsrichter wies das Gesuch um Fristansetzung unter Hin- weis auf Art. 32 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De- zember 1968 (VwVG, SR 172.021) mit Zwischenverfügung vom 1. Juni 2012 ab. K. Der Beschwerdeführer reichte beim Bundesverwaltungsgericht am 6. No- vember 2012 einen Artikel aus der Zeitung Uthayan vom 14. November 2007 mit Übersetzung ein. D-1117/2012 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju- ni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz - würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem auch der erhobe- ne Kostenvorschuss innert angesetzter Frist geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nacht eilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des D-1117/2012 Seite 6 Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträgli chen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlings eigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig be gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM führte zur Begründung seines Asylentscheides aus, die sri- lankische Armee hätte den Beschwerdeführer im Mai 2007 nicht aus der Haft entlassen, wenn sie ihn tatsächlich politischer Aktivitäten für die LTTE verdächtigt hätte. Die Festnahme sei auch mangels Intensität nicht asylbeachtlich, da sie keine konkreten Verfolgungsmassnahmen nach sich gezogen habe; er habe noch fast zwei Jahre unbescholten im He i- matland gelebt. Personenkontrollen hätten darauf abgezielt, die Infiltri e- rung von LTTE-Kämpfern in die Zivilgesellschaft zu unterbinden, was ke i- ne asylrelevante Verfolgungssituation d arstelle. Der Beschwerdeführer verfüge diesbezüglich nicht über ein Profil, das ihn zum heutigen Zei t- punkt aus Sicht der sri -lankischen Behörden verdächtig machen könnte. Hinsichtlich der Festnahme vom April 2006 sei festzuhalten, dass diese im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu einem Attentat erfolgt sei. Da er in einer Lodge gewohnt habe, die sich in der Nähe des Tatorts befu n- den habe, sei es naheliegend, dass die Behörden ihn und andere aus dem Norden stammende Tamilen in Untersuchungshaft genommen und befragt hätten. Die geltend gemachten Festnahmen in den Jahren 2006 und 2007 könnten aufgrund des Zeitablaufs auch nicht mehr als Auslöser für die Flucht betrachtet werden . Den Akten seien keine genügend ko n- kreten Hinweise dafür zu entnehmen, dass der Bes chwerdeführer in Sri Lanka mit erheblicher Wahrscheinlichkeit damit rechnen müsse, seitens heimatlicher Behörden oder Gruppierungen Verfolgungsmassnahmen im Sinn von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. 4.2 4.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei vom BFM letztmals am 9. März 2009 – vor Ende des Bürgerkriegs – an- gehört worden; er hätte aber zwingend zu seiner aktuellen Gefährdung s- situation nach Ende des Bürgerkriegs angehört werden müssen. Mindes-D-1117/2012 Seite 7 tens hätte ihm aber Gelegenheit zur Einreichung einer Stellungnahme ge- boten werden müssen. Sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei diesb e- züglich verletzt worden. Dies führe auch zu einer unvollständigen und u n- richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, da alle Ereigni s- se, die sich in d en vergangenen drei Jahren zugetragen hätten, nicht in die Beurteilung desselben einbezogen worden seien. Auch das durch die Entwicklung in Sri Lanka veränderte Gefährdungsprofil sei nicht abgeklärt worden. Dies rechtfertige die Aufhebung der Verfügung. In diesem Z u- sammenhang sei auf das Verfahren E -6220/2006 zu verweisen, in dem das Bundesverwaltungsgericht angesichts der seit längerer Zeit hängigen Sache angeordnet habe, dass zur aktuellen Situation eine zusätzliche Stellungnahme einzureichen sei. 4.2.2 Die Gefährdung des Beschwerdeführers hänge mit seiner Tätigkeit von Anfang 2005 bis April 2009 (recte: 2006) für C._______ zusammen. Zurzeit des Waffenstillstands seien im Einverständnis mit der sri -lanki- schen Armee und den LTTE (…) worden. Als sich in den Jahren 2005 und 2006 abgezeichnet habe, dass es zu militärischen Auseinandersetzungen kommen werde, hätten die LTTE versucht, (…) zu gelangen. Dies sei den Behörden nicht ver borgen geblieben, die ein Augenmerk auf bei C._______ tätige Angestellte gerichtet hätten. Es habe zu dieser Zeit r e- gelmässig Entlassungen, aber auch Einschüchterungen, Entführungen und Tötungen von Mitarbeitern von C._______ gegeben. Der Beschwe r- deführer habe darauf hingewiesen, dass den Sicherheitskräften in C o- lombo bekannt gewesen sei, d ass er mit (...) zu tun gehabt habe. Es sei bekannt, dass die sri -lankischen Behörden nach Ende des militärischen Konflikts mit de n LTTE eine zweite Stufe der Bekämpfung der LTTE ei n- geleitet hätten. Auch Personen, die mit (...) zu tun gehabt hätten, stünden dabei im Fokus der Behörden. Personen, gegen die allenfalls noch offene Gerichtsverfahren bestünden, würden weiterhin verfolgt. Es ergebe sich, dass frühere Verfahren und Verdächtigungen mit den Veränderungen in Sri Lanka für die Betroffenen heute eine asylrelevante Gefährdungssitua- tion darstellten. Es könne sein, dass ein Verdächtiger sich aufgrund ma n- gelnder Kommunikation innerhalb der Sicherheitskräfte in den Jahren 2007 und 2008 relativ sicher in Sri Lanka habe aufhalten können, heute aber aufgrund früherer Ereignisse mit einer aktuellen Verfolgungssituation konfrontiert sei. Das BFM habe in dieser Hinsicht keinerlei Abklärungen vorgenommen, was sich auch daraus ergebe, dass in den Akten keine Länderberichte oder -informationen lägen und auch nicht e rsichtlich wer- de, dass solche beigezogen worden seien. Dies hätte aber unbedingt g e- schehen müssen. Auch diesbezüglich sei auf das Grundsatzurteil des D-1117/2012 Seite 8 Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 zu verweisen, das in der Verfügung des BFM zwar erwähnt wer de, aber bezogen auf das dort definierte asylrelevante Risikoprofil nicht auf die notwendigen Sachve r- haltsabklärungen im vorliegenden Fall angewandt worden sei. Das BFM habe auch die G efährdungslage für Mitarbeiter von C._______ nicht ab- geklärt. Der Beschwerdeführer habe darauf hingewiesen, dass andere Mitarbeiter dieser Organisation durch Unbekannte entführt und getötet worden seien. C._______ habe wegen des Drucks auf seine Mitarbeiter die Tätigkeit in Sri Lanka beendet und es sei davon auszugehen, dass die Vorfälle dokumentiert worden seien. Das BFM habe bei C._______ in- dessen keine Abklärungen getätigt. 4.2.3 Der Beschwerdeführer sei im Oktober 2009 und am 5. Juni 2010 von paramilitärischen Truppen bei seinen Eltern in B._______ gesucht worden. Bei der zweiten Vorsprache hätten diese erklärt, er werde wegen seiner Tätigkeit für C._______ gesucht. Ein Cousin des Beschwerdefü h- rers, der ebenfalls für C._______ tätig gewesen sei, sei im Jahr 2006 von der Armee festgenommen worden und seither versch ollen. Die Familie des Beschwerdeführers verfüge über erheblichen Reichtum und mache auch heute gute Geschäfte. Vor sechs Monaten seien seine Brüder D._______ und E._______ durch die Behörden verhaftet worden; die Familie habe eine hohe Geldsumme bezahlt, um sie wieder freizub e- kommen. Die Familie befürchte weitere solche Vorkommnisse und lebe sehr zurückgezogen, um dies zu vermeiden. Die anhaltende Suche nach ihm und die Entführungs - oder Festnahmegefahr wegen des Familie n- reichtums seien vom BFM nicht abgeklärt worden, weil er nicht zur aktuel- len Gefährdungslage befragt worden sei. Wäre er nochmals befragt wo r- den, wäre dem BFM auch bewusst geworden, dass er keinerlei wir t- schaftliche Gründe habe, nicht in seine Heimat zurückzukehren. Es wäre auch von zentraler Bedeutung, zu wissen, ob das gegen ihn im Jahr 2006 eingeleitete Verfahren noch bestehe. 4.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gehe davon aus, dass Personen, die nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt worden seien, mit den LTTE in Verbindung zu stehen bzw . gestanden zu sein, einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterlägen. In diesem Zusammenhang sei darauf hi n- zuweisen, dass die sri -lankische Regierung sämtliche (früheren) Unte r- stützer der LTTE bestrafen wolle. Die Stimmung gegen im Ausland leben- de Tamilen sei zudem von Misstrauen geprägt; diese würden von der sri - lankischen Regierung als Verräter und Unterstützer der LTTE abgeste m- pelt. Aktivitäten von im Ausland lebenden Tamilen würden überwacht und D-1117/2012 Seite 9 Informationen über Teilnehmer an Demonstrationen der tamilischen Dias- pora würden an die Behörden weitergeleitet. Sämtliche Einreisende wü r- den am Flughafen mittels eines Warnsystems überprüft. Abgewiesene Asylsuchende würden durch das "Criminal Investigation Department " (CID) genauer überprüft. Dazu stünden zentral ge speicherte Informatio- nen und die "schwarzen Listen" zur Verfügung, die im Zuge des "Scre e- ningprozesses" erstellt worden seien. Für die Dauer der Abklärungen wür- den die Betroffenen inhaftiert. Es seien zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Personen nach ihrer Rückkehr nach Sri Lanka gefol tert worden seien, ohne dass sie eine Verbindung zu den LTTE gehabt hätten. Was mit Personen geschehe, die als jemand mit politischer oder familiärer Ver- bindung zur LTTE eingestuft würden, sei unklar. Es gebe Berichte üb er Festnahmen und Liquidationen von solchen Menschen. Zudem würden Tamilen nach erneuter Niederlassung systematisch registriert; es werde ein Formular mit Namen und Fotografie der Familie angefertigt, das am Wohnort ausgehängt werde. Dies diene auch dazu, ehemalige LTTE-Mit- glieder zu identifizieren. 4.2.5 Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismitteln werde klar, dass gegen ihn während seiner Haft im Jahr 2006 intensiv ermittelt worden sei. Er sei auf Kaution freigelassen worden und habe einen er s- ten Gerichtstermin gewahrt, einem weiteren sei er ferngeblieben. Es sei davon auszugehen, dass das Verfahren noch existiere und er als flüchtig gelte; damit liege ein Risikoprofil vor. Es sei deshalb davon auszugehen, dass er bereits bei einer Einreise nach Sr i Lanka inhaftiert würde. Es sei belegt, dass seine Familie über einen überdurchschnittlichen Reichtum verfüge und zwei seiner Brüder unter Vorwänden festgenommen worden seien; dabei sei es darum gegangen, viel Geld für ihre Freilassung zu e r- pressen. Die F amilie fürchte auch Entführungen durch Paramilitärs und damit verbundene Geldforderungen. Da er durch diese bereits gesucht worden sei, rechne seine Familie damit, dass er noch mehr als die and e- ren Familienmitglieder im Zentrum einer solchen Entführung stünde. 4.2.6 In der Eingabe vom 16. April 2012 wird ausgeführt, die Familie des Cousins des Beschwerdeführers habe es nicht gewagt, im Zusamme n- hang mit dessen Verschwinden mit den Behörden Kontakt aufzunehmen, um Unterlagen dazu zu beschaffen. Die Brüder des Besch werdeführers hätten keine Unterlagen zu ihrer Verhaftung und der erfolgten Geldza h- lung erhalten. Bei C._______ seien Abklärungen nach einer Verfolgung deren Mitarbeiter, die zur fraglichen Zeit mit der (…) beschäftigt gewesen seien, vorzunehmen. Es sei dar auf hinzuweisen, dass sich der B e-D-1117/2012 Seite 10 schwerdeführer seit seiner Einreise in die Schweiz immer wieder an Ve r- anstaltungen der LTTE öffentlich politisch betätigt habe. Dazu w ürden zwei Fotografien eingereicht, auf denen er bei der Teilnahme an einer Kundgebung in F._______ vom (…) 2012 gezeigt w erde. Verschiedene seiner Kollegen, die an dieser Kundgebung teilgenommen hätten, hätten Drohbriefe erhalten. Im Ausland lebende Tamilen würden seitens der sri - lankischen Regierung unter Generalverdacht stehen, Terroristen zu sein. Mit den Drohbriefen seien alle tamilischen Personen anvisiert worden, die sich in irgendeiner Form exilpolitisch betätigt hätten. Die Regierung m a- che keinen Hehl daraus, dass sie Tamilen im Ausland geheimdienstlich überwache. Somit bestehe für ihn auch diesbezüglich eine asylrelevante Verfolgungsgefahr. 4.3 Das BFM führt in seiner Vernehmlassung aus, der Beschwerdeführer habe sich in Sri Lanka politisch nicht betätigt und es sei nicht davon au s- zugehen, dass die heimatlichen Behörden von seinen Aktivitä ten in der Schweiz Kenntnis genommen hätten. Die blosse Teilnahme an niede r- schwelligen Massenveranstaltungen erreichten nicht das Ausmass eines Engagements, welches das Interesse der Behörden wecken könnte. Be- züglich der Rüge des unvollständig abgeklärten Sachverhalts sei festz u- halten, dass es am Beschwerdeführer gelegen hätte, während des Asy l- verfahrens auf allfällige für sein Asylgesuch wichtige Veränderungen der persönlichen Lage hinzuweisen. 4.4 In der Replik wird entgegnet, der Beschwerdeführer habe in Sri Lanka einen Anwalt beauftragt, der ihm in den nächsten Wochen Unterlagen zum Gerichtsverfahren aus dem Jahr 2006 zusenden werde. In einem eingereichten Bericht werde über Menschenrechtsverletzungen an Mita r- beitern von h umanitären Organisationen orientier t. Es werde erwähnt, dass Mitarbeiter von C._______ von den Sicherheitskräften verdächtigt worden seien, de n LTTE anzugehören. Zahlreiche von ihnen seien ve r- schwunden oder getötet worden. Damit werde belegt, dass er aufgrund seiner früheren Tätigkeit der Verbindung zur LTTE verdächtigt werde. Der Beschwerdeführer sei im Jahr 2006 wegen Verdachts der LTTE -Zugehö- rigkeit verhaftet worden und habe für C._______ gearbeitet. Dies trage im Zusammenhang mit seinem exilpolitischen Engagement zu seinem Ris i- koprofil bei. Er sei mit einer Gruppe von Tamilen jeweils nach G._______ gefahren und habe dabei geholfen, Bühnen für Reden aufzustellen und vorzubereiten. In der "(…)" seien auch hochrangige LTTE-Leute dabei. Zu diesen habe er auch privat Kontakt. Es sei auf die Drohbriefe zu verwei-D-1117/2012 Seite 11 sen, die zahlreiche Tamilen erhalten hätten, die bloss an Demons tratio- nen teilgenommen hätten. 5. 5.1 In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht gerügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig abgeklärt, da sie den Beschwerd e- führer letztmals am 9. März 2009 angehört habe. Angesichts des Grun d- satzes, dass die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft stets vor dem Hintergrund der aktuellen Situation erfolgen müsse, hätte er vor Erlass der angefochtenen Verfügung zwingend nochmals zu seiner aktuellen Gefährdungssituation angehört oder es hätte ihm zumindest Gelegenheit zur ergänzenden schriftlichen Stellungnahme zur aktuellen Situation g e- geben werden müssen. 5.2 Bezüglich dieser Rüge ist festzuhalten, dass die Untersuchungspflicht der Behörden ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht eines Gesuchste l- lers findet (vgl. Art. 8 AsylG), der auch die Substanziierungslast trägt (vgl. Art. 7 AsylG). Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerd e- führer nach der Anhörung vom 9. März 2009 bis zum Ergehen der ang e- fochtenen Verfügung das BFM auf aktuelle, für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft allenfalls relevante ihn persönlich betreffende E r- eignisse oder Begebenheiten hingewiesen hätte , weshalb für dieses ke i- ne Veranlassung bestand, d en Beschwerdeführer ergänzend anzuhören. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich die Situation in Sri Lan- ka seit dem Ende des Bürgerkrieges erheblich verändert hat, zumal die Vorinstanz über die Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers j e- derzeit ausreichend informiert ist. Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge, das BFM habe den Sachverhalt unvollständig festgestellt, da es den Beschwerdeführer nicht nochmals angehört habe, als unbegründet. 5.3 Im Beschwerdeverfahren werden weitere Verfahrensmän gel gerügt, die sich insbesondere auf die Erhebung des Sachverhalts durch die Vo r- instanz beziehen. Auf diese Rügen und die damit verbundenen prozessu- alen Anträge ist im Zusammenhang mit der Beurteilung der konkreten Asylvorbringen einzugehen. Vorweg kann an dieser Stelle u nter Hinweis auf die nachfolgenden Erwägungen (vgl. E. 7) festgehalten werden, dass der rechtserhebliche Sachverhalt entgegen der in der Beschwerde vertre- tenen Auffassung vom BFM hinreichend abgeklärt wurde. Der Auffa s- sung, es müssten zu verschiedenen Punkten des Sachverhalts und der sich daraus ergebenden Gefährdung für den Beschwerdeführer zusätzli- che Abklärungen vorgenommen werden, kann nicht gefolgt werden, da D-1117/2012 Seite 12 nicht ersichtlich ist, inwiefern diese geeignet wären, zu einer anderen Ein- schätzung der flüchtlingsrechtlichen Relevanz seiner Vorbringen zu fü h- ren. Die Rüge des Beschwerdeführers, der Sachverhalt sei unvollständig und unrichtig erhoben worden, erweist sich daher als nicht stichhaltig. Die Anträge, es seien w eitere Abklärungen des Sachverhalts vorzunehmen, sind demnach abzuweisen, und es ist festzustellen, dass die in diesem Zusammenhang erhobenen Rügen keinen Anlass geben, die Sache zum Zweck zusätzlicher Sachverhaltserhebungen an die Vorinstanz zurückzu - weisen. Folglich ist das Begehren, die Verfügung des BFM vom 24. Janu- ar 2012 sei aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen, abzuweisen. 6. 6.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesen t- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbeh- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wide r- sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rah men einer Gesamt- würdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). 6.2 Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe sich im April 2006 nach Colombo begeben, nachdem er von Soldaten aufgefordert worden sei, seine Arbeit bei C._______ aufzugeben. Wenige Tage nach seiner Ankunft sei er im Anschluss an einen Anschlag auf Genera l Fonseka zu- sammen mit anderen Personen festgenommen worden. Er sei einem Richter vorgeführt worden, der Untersuchungshaft angeordnet habe. Gut eine Woche nach der Inhaftierung sei er auf Kaution freigelassen worden. D-1117/2012 Seite 13 Zum Beleg dieses Vorbringens gab er be im BFM die Übersetzung eines Gerichtsdokuments ab; beim Bundesverwaltungsgericht reichte er eine Kopie des Originaldokuments ein. Das BFM äusserte keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen und auch das Bundesverwaltung s- gericht erachtet es aufg rund der Aussagen des Beschwerdeführers als glaubhaft, dass er zum geltend gemachten Zeitpunkt festgenommen und inhaftiert wurde. 6.3 Des Weiteren führte der Beschwerdeführer bei der Anhörung aus, er sei im Mai 2007 in B._______ von der Armee festgenommen und drei Ta- ge festgehalten worden; anschliessend sei er bedingungslos frei gelassen worden. Aufgrund der Schilderung dieses Ereignisses wird klar, dass g e- gen ihn nichts vorgelegen haben kann. So seien die Soldaten gegen Abend zu ihm gekommen und hätten ihm sei ne Identitätskarte abgenom- men. Er sei aufgefordert worden, diese am folgenden Tag in einem A r- meecamp abzuholen (vgl. act. A9/18 S. 15). Wäre der Beschwerdeführer damals aufgrund seiner Tätigkeit für C._______ oder des in Colombo eingeleiteten Verfahrens o der vermuteter Verbindungen zu den LTTE konkret gesucht worden, hätten ihn die Soldaten sofort festgenommen und es nicht bei der Aufforderung belassen, er solle sich am folgenden Tag melden. Auch hätten sie ihn nicht "bloss" gefragt, ob er ein "Tiger" sei (vgl. act. A9/18 S. 15), sondern ihm konkrete Vorhaltungen gemacht. Schliesslich wäre er auch nicht bedingungslos freigelassen worden, falls etwas gegen ihn vorgelegen hätte. Aufgrund vorstehender Ausführungen und der diesbezüglich vagen Angaben des Beschw erdeführers, erscheint sein Vorbringen, er sei bei seiner Familie nach Mai 2007 mehrmals von der Armee gesucht worden, nicht glaubhaft. Auch die durch nichts belegte Behauptung im Beschwerdeverfahren, er sei wegen seiner vormaligen Tätigkeit für C._______ in den Jahren 2009 und 2010 von paramilitär i- schen Organisationen gesucht worden, vermag nicht zu überzeugen. Die blosse, zeitlich weit zurückliegende Tätigkeit für C._______, die weiterhin in Sri Lanka tätig ist und über (…) lokale Angestellte b eschäftigt, stellt keinen Grund für eine (behördliche) Suche dar. 6.4 Soweit geltend gemacht wird, die Familie des Beschwerdeführers sei wohlhabend und seine beiden Brüder seien zwecks Erpressung von Geld festgenommen worden, weshalb er einer Risikogruppe angehöre, ist fest- zustellen, dass die Festnahme der Brüder des Beschwerdeführers und die behauptete Lösegeldzahlung entgegen der in der Beschwerde vertr e- tenen Auffassung nicht belegt wird. Mit den Bankauszügen kann weder eine Festnahme des Kontoinhabers (H._______) noch eine Lösegeldzah-D-1117/2012 Seite 14 lung belegt werden und w eitere Beweismittel wurden trotz der entspr e- chenden Ankündigung in der Beschwerde nicht beigebracht. Den für die Monate November und Dezember 2011 auf den Bankauszügen verzeich- neten Kontobewegungen ist lediglich zu entnehmen, dass sich regelmäs- sige Zahlungen und Zahlungseingänge betragsmässig die Waage halten . Die verzeichneten Kontostände am Ende der Monate Oktober/No vem- ber/Dezember 2011 vermögen den Reichtum der Familie indessen nicht zu belegen. Ohnehin ist nicht als erstellt zu erachten, dass ausgerechnet der Beschwerdeführer, der gemäss Akten nicht in einem Familienbetrieb arbeitete, ins Visier von Entführern geraten sollte. 7. 7.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahr scheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (BVGE 2010/57 E. 2.5 S. 827 f., BVGE 2010 44 E. 3.4 S. 620 f.) 7.2 7.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei in seinem Heimatland gefä hrdet gewesen, weil er von 2005 bis am 19. Januar 2006 für die Organisation C._______ gearbeitet habe . Die Soldaten hätten ihn auf dem Ko ntrollposten überprüft, als er jeweils zur Arbeit gegangen sei, er habe seine Militärschuhe ausziehen müssen, da auch diese kontrolliert worden seien (vgl. act. A9/18 S. 10). In diesem Zu- sammenhang gilt es zu beachten, dass die LTTE teilweise offenbar er- folgreich versuchten, über Mitarbeiter von C._______ und anderen Orga- nisationen, die sich auf die (...). So soll (…) aus dem Büro von C._______ Material gestohlen worden sein, was die sri -lankische Armee zur Anor d- nung veranlasst habe, die Ausrüstung und das Material müssten in einer gesicherten Zone gelagert werden . C._______ habe einige seiner Mita r- beiter beschuldigt, am D iebstahl beteiligt gewesen zu sein, und das sri- lankische Armeekommando habe die Organisation (…) aufgefordert, (…) Angestellte zu entlassen (vgl. den Bericht […] S. 54). Das dem B e- schwerdeführer entgegengebrachte Misstrauen der sri -lankischen S i-D-1117/2012 Seite 15 cherheitsbehörden war somit durch Vorkommnisse begründet, die es auch objektiv gesehen als notwendig erscheinen liessen, Kontrollen durchzuführen. Der Beschwerdeführer machte des Weiteren geltend, d ie Soldaten hätten ihn bedroht und ihm vorgeworfen, er gehöre zu den LTTE. Der Aufforderung, seine Arbeit für C._______ einzustellen, sei er gefolgt. Er habe seinen Arbeitgeber angerufen und gesagt, er sei krank. Da er seine Arbeit nicht wieder aufgenommen habe, sei er in zwei Briefen aufgefordert worden, seine Arbeitsklei der und seinen Personalausweis zurückzubringen, was er nicht getan habe. Den Akten kann nicht en t- nommen werden, dass er von den sri -lankischen Sicherheitsbehörden konkret verdächtigt w urde, in den Diebstahl von (…) verwickelt gewesen zu sein; er gehörte offensichtlich auch nicht zu den Mitarbeitern, die auf Geheiss des Armeekommandos entlassen wurden. Er wurde seinen A n- gaben gemäss im April 2006 in Colombo von der Polizei und im Mai 2007 in B._______ von der Armee festgenommen. Hätten die sri -lankischen Sicherheitsbehörden ihn aufgrund seiner (beendeten) Tätigkeit für C._______ bzw. vielmehr aufgrund des Verdachts, er sei zugunsten der LTTE tätig gewesen, zur Rechenschaft ziehen wollen, hätten sie die G e- legenheit da zu gehabt. Da gegen ihn indessen kein Verfahren wegen LTTE-Zugehörigkeit bzw. Kooperation mit den LTTE eingeleitet und er im Mai 2006 auf Kaution bzw. im Mai 2007 bedingungslos freigelassen wur- de, lag gegen ihn aus Sicht der sri -lankischen Behörden nichts vor, das sie zu seiner Verfolgung hätte veranlassen können. 7.2.2 Im Beschwerdeverfahren wird in formeller Hinsicht gerügt, das BFM hätte die Gefährdungslage von Mitarbeitern von C._______ abklären müssen. C._______ habe aufgrund des Druckes auf seine Mitarbeiter die Tätigkeit in Sri Lanka beendet. In diesem Zusammenhang ist festzuha l- ten, dass d er Beschwerdeführer sich bezüglich der konkreten Probleme mit den Soldaten, die ihn aufgefordert hätten, seine Tätigkeit für diese Organisation aufzugeben, offenbar nicht an C._______ wandte, weshalb Abklärungen hinsichtlich der von ihm geltend gemachten persönlichen Bedrohungssituation von vornherein zum Scheitern verurteilt wären. C._______ könnte einzig bestätigen, dass er zeitweise für sie arbeitete, was nicht bestritten ist. Abklärungen bei C._______ über Probleme ande- rer Mitarbeiter erweisen sich schon deshalb als nicht notwendig, weil sie aktenkundig sind (vgl. den Bericht von […]). Aufgrund der zur Verfügung stehenden Informationen kann davon ausgegangen werden, da ss Mitar- beiter von C._______ und anderen Organisationen, die sich mit (…) be- schäftigten, vor und nach dem Wiederaufflammen der bewaffneten Au s- einandersetzungen zwischen der sri-lankischen Armee und den LTTE von D-1117/2012 Seite 16 den Sicherheitskräften beargwöhnt wurden, mit den LTTE zusammenzu- arbeiten. Von einer generellen Verfolgung von Mitarbeitern dieser Organi- sationen kann indessen nicht ausgegangen werden. Dies zeigt sich auch dadurch, dass C._______ entgegen den Ausführungen in der Beschwe r- de weiterhin in Sri Lanka tätig ist, ihre Aktivitäten in diesem Land ausg e- weitet hat und mittlerweile über (…) sri-lankische Mitarbeiter beschäftigt. Da der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen konnte, wegen seiner zurückliegenden Tätigkeiten für C._______ von den sri -lankischen B e- hörden (oder paramilitärischen Gruppierungen) gesucht zu werden, be- stand und besteht kein Anlass, diesbezüglich weitere Abklärungen zu tä- tigen. 7.3 7.3.1 Weiter wird der Standpunkt vertreten, dem Beschwerdeführer drohe bei einer Rückk ehr in seine Heimat die Gefahr asylrechtlich relevanter Verfolgung, weil im April 2006 gegen ihn im Anschluss an ein Attentat auf General Fonseka Ermittlungen eingeleitet worden seien und er sich nach seiner Freilassung auf Kaution nicht mehr bei Gericht g emeldet habe. Am 25. April 2006 wurde in Colombo auf General Fonseka ein Selbstmorda t- tentat verübt, bei dem dieser und zahlreiche andere Personen schwer verletzt und mehrere Menschen getötet wurden. Ein Gericht in Kegalle hat am 23. Oktober 2012 ein LTTE-Mitglied, das die Attentäterin (und wei- tere Attentäter) unterstützt habe, zu einer langjährigen Freiheitsstrafe ver- urteilt (vgl. LTTEwatch Deutschland vom 23. Oktober 2012). Da der B e- schwerdeführer bereits acht Tage nach seiner Festnahme auf Kaution freigelassen wurde, können die Ermittlungen nichts ihn Belastendes erge- ben haben. Hätten die sri -lankischen Behörden ihn verdächtigt, an der Vorbereitung oder Durchführung des Attentats (oder anderer Straftaten) beteiligt gewesen zu sein oder Verbindungen zu den LTTE zu haben, wä- re er mit Sicherheit nicht auf freien Fuss gesetzt worden. Er hielt sich nach seiner Freilassung noch beinahe drei Jahre lang in Sri Lanka auf, ohne dass er im Zusammenhang mit den im April 2006 eingeleiteten E r- mittlungen erneut festgenommen wurde. Übereinstimmend mit dem BFM ist davon auszugehen, dass die Festnahme des Beschwerdeführers an sich sowie das weitere Verfahren – mit Ausnahme der vom Beschwerd e- führer geltend gemachten Misshandlung im Gefängnis – rechtsstaatlich legitim waren, da der Verdacht der Sicherheitsbehörden, die Attentäterin könnte Helfer gehabt haben, die im Kreis der tamilischen Bevölkerung zu suchen waren, naheliegend war. D-1117/2012 Seite 17 7.3.2 Da der Beschwerdeführer nach acht Tagen Untersuchungshaft auf freien Fuss gesetzt wurde und an schliessend noch drei Jahre lang in Sri Lanka verblieb, ohne dass ihm im Zusammenhang mit den gegen ihn ein- geleiteten Ermittlungen weitere Probleme erwuchsen, bestand auf Seiten des BFM kein Anlass, Abklärungen zum Verfahren in Colombo vorzuneh- men. Im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens (vgl. Eingabe vom 29. Mai 2012) wurde im Übrigen angekündigt, der Beschwerdeführer habe einen Anwalt in Colombo mit der Einholung eines aktuellen Auszugs der G e- richtsakten aus dem Jahr 2006 beauftragt, der in den nächst en Wochen eintreffen sollte. Da bis heute keine entsprechenden Dokumente einge- reicht wurden, ist davon auszugehen, die Abklärungen des sri -lankischen Anwalts hätten nichts ergeben, das die These, der Beschwerdeführer könnte bei einer Rückkehr in seine Heimat aufgrund des zurückliegenden Verfahrens in Schwierigkeiten geraten, stützen könnte. Vor diesem Hi n- tergrund besteht auch auf Beschwerdeebene kein Anlass , bezüglich des im Jahr 2006 eingeleiteten Ermittlungsverfahrens Abklärungen in Auftrag zu geben. 7.4 In der Eingabe vom 16. April 2012 wird schliesslich geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe seit seiner Ankunft in der Schweiz mehrmals an von den LTTE organisierten Kundgebungen teilgenommen und beim Vorbereiten von Veranstaltungen mitgeholfen. Es sei davo n auszugehen, dass für ihn dadurch eine zusätzliche asylrelevante Verfolgungsgefahr bestehe. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die schweizerischen Asyl- behörden in konstanter Praxis davon aus gehen, dass Asylgesuchsteller dann das Interesse der heimatlich en Behörden auf sich ziehen können, wenn sie sich durch ihre exilpolitische Tätigkeit in konkreter Weise exp o- nieren. Durch den Hinweis des Beschwerdeführers, er habe immer wi e- der an Kundgebungen teilgenommen, sei zusammen mit einer Gruppe von Tamilen an diese gefahren und habe in der Regel bei deren Vorberei- tung geholfen, wird indessen noch kein profiliertes und exponiertes exi l- politisches Engagement dargetan. Aufgrund der Aktenlage besteht somit kein Anlass zur Annahme, er habe sich persönlich in einer Art und Weise exilpolitisch betätigt, die ihn bei einer Rückkehr in seine Heimat konkret gefährden würde. Somit liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er in Sri Lanka wegen der Beteiligung an exilpolitischen Aktivitäten einer spezi- fischen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt sein könnte. 7.5 Zusammenfassend ergibt sich aufgrund des Gesagten, dass den Asylvorbringen des Beschwerdeführers keine konkreten und stichhaltigen Hinweise zu entnehmen sind, angesichts deren ihm ein Risikoprofil atte s-D-1117/2012 Seite 18 tiert werden könnte, welches ihn zum heutigen Zeitpunkt und unter den derzeit in Sri Lanka herrschenden Bedingungen als in asylrelevanter Wei- se gefährdet erscheinen lässt. An dieser Einschätzung vermögen auch die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel nichts zu ä n- dern. Insbesondere gehört der Beschwerdeführer als abgewiesener Asy l- bewerber tamilischer Ethnie nicht einer Risikogruppe von Personen an, die generell gefährdet wären, bei ihrer Rückkehr der Folter ausgesetzt zu werden. Die jüngsten Berichte (vgl. etwa Country Policy Bulletin Sri Lanka der UK Border Agency vom März 2013; Research Directorate, Immigrat i- on and Refugee Board of Canada vom 12. Februar 2013; http://www.ecoi.net : "Sri Lanka: Treatment of Tamil returnees to Sri Lanka …") lassen diesbezüglich keine anderen Schlüsse zu. Nach Kenntnis des Gerichts handelt es sich bei den bislang registrierten Übergriffen der sri - lankischen Sicherheitsorgane gegenüber tamilischen Rückkehrern nicht um ein allgemeines Phänomen, sondern um Einzelfälle, bei welchen über die Motive der verfolgenden Sicherheitsorgane kaum etwas bekannt ist und die nicht eine Verfolgung aller Rückkehrer wahrscheinlich erscheinen lassen (vgl. statt vieler Urteile E -4098/2011 vom 10. Juli 2013 E. 6.2.4, D-6148/2011 vom 9. Juli 2013 E. 3.4). Dem Beschwerdeführer ist es dem- nach nicht gelungen, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka b e- stehende oder unmittelbar drohende asylrechtlich relevante Verfolgung glaubhaft zu machen. Auch für den heutigen Zeitpunkt kann ihm keine be- gründete Furcht vor Verfolgung im Falle der Rückkehr in die Heimat zuer- kannt werden. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der B e- schwerde und den übrigen Eingaben im Einzelnen einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Das BFM h at zu Recht die Flüch t- lingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2 Der Beschwerdeführer v erfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. auch BVGE 2011/24 E. 10.1 S. 502, EMARK 2001 Nr. 21). D-1117/2012 Seite 19 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011 E. 10.2 S. 502). 9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom- mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, u n- menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da r- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefäh r- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren D-1117/2012 Seite 20 keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Au s- schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwe i- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, mit weiteren Hinweisen). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behand- lung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. NA. v. United Kin g- dom, Application no. 25904/07, Entscheid vom 17. Juli 2008 P .K. v. Den- mark, Application no. 54705/08, Entscheid vom 20. Januar 2011 T.N. v. Denmark, Application no. 20594/08, Entscheid vom 20. Januar 2011 E.G. v. United Kingdom, Application no. 41178/08, Entscheid vom 31. Mai 2011). Der Gerichtshof unterstreicht, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be- handlung; eine entsprechende Risikoeinschätzung müsse vielmehr ve r- schiedene Faktoren in Betracht ziehen, aus denen sich insgesamt im Ein- zelfall schliessen lasse, dass der Betreffe nde ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Befr a- gung ein Interesse. Nachdem der Beschwerdeführer nicht glaubhaft g e- macht hat, dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit de r sri -lankischen Behörden in einem flüchtling s- rechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde aus demselben Grund eine mensche n- rechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.4.2). An dieser Einschätzung ändern auch die diesbezüglichen Vo r- bringen des Beschwerdeführers in der Beschwerdeschrift s owie die dort zitierten und eingereichten Berichte nichts, weshalb es sich erübrigt, we i- ter darauf einzugehen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwe i- sung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Besti m- mungen zulässig. D-1117/2012 Seite 21 9.3.1 Gemäss Art. 83 A bs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Art. 83 Abs. 4 AuG stellt eine Kodif i- zierung der bisherigen Praxis zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Nie- derlassung der Ausländer (ANAG, BS 1 121) dar (vgl. P ETER BOLZLI, in: Marc Spescha/Hanspeter Thür/ Andreas Zünd/Peter Bolzli, Kommentar Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich 2012, Nr. 15 zu Art. 83 AuG). Dieser Praxis zufolge wird au s humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völke r- rechtlicher Pflichten der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung ve r- zichtet, wenn die Rückkehr in den Heimatstaat für die betroffene Person eine konkrete Gefährdung darstellt. Konkret gefährdet sind Personen , wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder infolge persönlicher Gründe wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten, beispielsweise weil s ie dort die notwendige medizin i- sche Versorgung nicht erhalten könnten oder aus objektiver Sicht wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit in völl i- ge und andauernde Armut gestossen würden, dem Hunger und somit e i- ner ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, der Invali- dität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f., BVGE 2009/52 E. 10.1 S. 756 f., BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/28 E. 9.3.1 S. 367). 9.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna, wo er meh r- heitlich zusammen mit seiner Familie lebte (vgl. act. A 1/13 S. 1 f.). Im Distrikt Jaffna herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt, und die polit i- sche Lage ist nicht dermassen angespannt, dass eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1 S. 510). Für Personen, die aus der Nordprovinz stammen sind jedoch die aktuell vorliegenden Lebens - und Wohnverhältnisse abzukl ä- ren und auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hin zu überpr ü- fen, wobei namentlich die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes sowie die konkreten Möglichkeiten der Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation massgebliche Faktoren für die Bejahung der Z u- mutbarkeit der Rückkehr dorthin sind (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1.2 S. 511). An dieser Einschätzung vermögen die vom Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Berichte bezüglich der D-1117/2012 Seite 22 Situation in Sri Lanka nichts zu ändern, da sich ihnen nicht eine wesen t- lich andere Beurteilung der Lage in Sri Lanka entnehmen lässt. Es erü b- rigt sich daher, darauf weiter einzugehen. 9.3.3 Anlässlich der Kurzbefragung gab der Beschwerdeführer zu Proto- koll, sein e Eltern, drei Brüder und eine Schwester lebten in B._______ (act. A 1/13 S. 5). Es liegen keine aktuelleren Erkenntnisse vor, die zur Annahme führten, dass seine Familienangehörigen sich heute nicht mehr im Distrikt Jaffna aufhielten. Somit ist anzunehmen, dass er dort über ein familiäres Beziehungsnetz sowie über eine gesicherte Wohnsit uation ver- fügt. Gemäss eigenen Angaben verfügt er über eine gute Schulbildung und eine Ausbildung als (…). Den Akten sind zudem keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme des Beschwerdeführers zu entnehmen. Auf- grund seiner beruflichen Kenntnisse und seines Beziehungsnetzes ist da- von auszugehen, dass er sich auch nach bald viereinhalbjähriger Abwe- senheit wirtschaftlich und sozial wieder wird integrieren können. Aufgrund der Akten ist nicht anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat in eine existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit nicht als unzumutbar. 9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zus tändi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 - 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM den Vollzug der We g- weisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht in Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist demnach abzuweisen. 11. In der Beschwerde wird geltend gemacht, dem Beschwerdeführer sei vom BFM zwar eine Kopie des Beweismittelverzeichnisses (vgl. act A6/1), nicht aber Kopien der darin enthaltenen Beweismittel zugestellt worden. D-1117/2012 Seite 23 Dem Schreiben des BFM vom 8. Februar 2012, mit dem Akteneinsicht gewährt wurd e, kann nicht entnommen werden, dass es beabsichtigte, die Einsicht in die Akte A6/1 ganz oder teilweise zu verweigern, weshalb es sich bei der Nichtzustellung von Kopien der Beweismittel um ein Ve r- sehen gehandelt haben dürfte. Der Beschwerdeführer reichte die B e- schwerde am 27. Februar 2012 ein und hätte die Möglichkeit gehabt, die versehentlich nicht zugestellten Kopien der Beweismittel vor Beschwerde- erhebung beim BFM nachzufordern. Da er dies nicht getan und stattde s- sen in der Beschwerde auf das Versäumn is des BFM hingewiesen hat, sah sich das Bundesverwaltungsgericht veranlasst, das BFM zur Zuste l- lung der Dokumente aufzufordern und dem Beschwerdeführer eine Nach- frist zur Stellungnahme zu gewähren. Dem Beschwerdeführer ist aus der seitens des BFM versehen tlich nicht umgehend erfolgten Zustellung der Beweismittel somit kein Rechtsnachteil erwachsen. Es besteht mithin kein Grund, welcher die Ermässigung der dem Beschwerdeführer entspr e- chend dem Ausgang des Verfahrens aufzuerlegenden Kosten (Art. 63 Abs. 1 Vw VG) rechtfertigen könnte. Diese sind somit auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den in derselben Höhe g e- leisteten Kostenvorschuss gedeckt und mit diesem zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) D-1117/2012 Seite 24 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Sie sind durch den in derselben Höhe ge leisteten Kostenvo r- schuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand: