<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 3] </div> <div class="para">9X.1/1999/bue </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> B U N D E S S T R A F G E R I C H T </div> <div class="para"> *********************************** </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>7. Juli 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesrichter Wiprächtiger, Präsident des </div> <div class="para">Bundesstrafgerichts, Bundesrichter Leu, Betschart, </div> <div class="para">Féraud, Bianchi und Gerichtsschreiber Monn. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Schweizerische Bundesanwaltschaft</u>, vertreten durch den </div> <div class="para">stellvertretenden Bundesanwalt Dr. Felix Bänziger, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Issac B e n t a l</u>, geb. 10. Juli 1954, israelischer </div> <div class="para">Staatsangehöriger, Arluzorov 61, Tel Aviv/Israel, </div> <div class="para">Angehöriger des israelischen Geheimdienstes Mossad </div> <div class="para">(wahre Personalien nicht bekannt), </div> <div class="para"> </div> <div class="para">alias </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Jacob T r a c k</u>, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Angeklagter, vertreten durch Fürsprecher </div> <div class="para">Ralph M. Zloczower, Effingerstrasse 4a, Bern, sowie </div> <div class="para">Professor Dr. Stefan Trechsel, Rabbentalstrasse 65, Bern, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para"> verbotene Handlungen für einen fremden Staat etc. </div> <div class="para"> hat das B u n d e s s t r a f g e r i c h t </div> <div class="para"> auf Grund der vom 3. bis 7. Juli 2000 </div> <div class="para"> im Bundesgerichtsgebäude in Lausanne </div> <div class="para"> durchgeführten Hauptverhandlung </div> <div class="para"> <u>festgestellt : </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>A.- </u> </div> <div class="para"> Der israelische Staatsangehörige Issac Bental </div> <div class="para">(dessen wahrer Name und dessen Personalien nicht bekannt </div> <div class="para">sind) reiste am 26. Januar 1998 im Auftrag des israeli- </div> <div class="para">schen Geheimdienstes Mossad unter dem Namen Jacob Track </div> <div class="para">von Israel nach Bern. Geplant war eine Abhöraktion gegen </div> <div class="para">den angeblich zusammen mit seiner Ehefrau in einem Mehr- </div> <div class="para">familienhaus an der Wabersackerstrasse 27 in Köniz wohn- </div> <div class="para">haften und in der Schweiz eingebürgerten Libanesen </div> <div class="para">Abdallah El-Zein, von dem angenommen wurde, er habe mit </div> <div class="para">dem internationalen Terrorismus und insbesondere mit der </div> <div class="para">"Hizbollah" zu tun; der Mossad wollte Informationen über </div> <div class="para">die entsprechenden Aktivitäten des Abdallah El-Zein und </div> <div class="para">seiner Verbündeten erhalten. Issac Bental war zusammen </div> <div class="para">mit Dan Shifrin, Shely Ravlin und einem unbekannt ge- </div> <div class="para">bliebenen "4. Mann", die getrennt von ihm in die Schweiz </div> <div class="para">einreisten, beauftragt, die Oertlichkeiten zu rekognos- </div> <div class="para">zieren und die Abhörinstallation vorzubereiten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 1998 </div> <div class="para">nahm Issac Bental im Hotel Bahnhof-Süd in Bümpliz vom </div> <div class="para">"4. Mann" ein speziell angefertigtes Gerät entgegen, mit </div> <div class="para">dem gemessen werden konnte, ob ein Telefonanschluss </div> <div class="para">aktiviert sei oder nicht. Zusammen mit Dan Shifrin und </div> <div class="para">Shely Ravlin drang er mittels eines von Dan Shifrin </div> <div class="para">mitgebrachten Nachschlüssels in das Haus an der Waber- </div> <div class="para">sackerstrasse ein. Dort wurden die Wohnung und der </div> <div class="para">Telefonanschluss des Abdallah El-Zein ausgekundschaftet </div> <div class="para">und im Kellerraum Vorbereitungen getroffen, um später </div> <div class="para">eine Holzlatte herstellen zu können, in welche die Ab- </div> <div class="para">höranlage eingebaut werden sollte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Nachdem Issac Bental vermutlich am 29. Januar </div> <div class="para">1998 die Schweiz unter dem Namen Jacob Track wieder </div> <div class="para">verlassen hatte, reiste er am 17. Februar 1998 unter </div> <div class="para">dem Falschnamen Bental erneut von Tel Aviv via Wien </div> <div class="para">nach Bern, um zusammen mit Dan Shifrin, Shely Ravlin, </div> <div class="para">Ron Metzer, Daniela Tefler sowie einem unbekannten </div> <div class="para">"6. Mann", die getrennt von ihm in die Schweiz reisten, </div> <div class="para">die Abhöranlage an der Wabersackerstrasse zu montieren. </div> <div class="para">Vor seiner Abreise in die Schweiz war ihm in einem Büro </div> <div class="para">des Mossad in Israel der vom Mossad präparierte Holz- </div> <div class="para">balken mit dem technischen Einbau gezeigt worden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Am Nachmittag des 18. Februar 1998 kontrol- </div> <div class="para">lierte Issac Bental zusammen mit Dan Shifrin und Shely </div> <div class="para">Ravlin sowie in Anwesenheit von Ron Metzer und Daniela </div> <div class="para">Tefler im Hotel Sternen in Köniz beim "6. Mann" die von </div> <div class="para">diesem mitgebrachten Tatwerkzeuge und den präparierten </div> <div class="para">Holzbalken. Kurz nach Mitternacht fuhren die Beteiligten </div> <div class="para">- mit Ausnahme des "6. Mannes" - an den Tatort. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Dan Shifrin und Shely Ravlin öffneten dort mit </div> <div class="para">einem Nachschlüssel die Haustüre. Sie betraten zusammen </div> <div class="para">mit Issac Bental das Gebäude, begaben sich in den Kel- </div> <div class="para">lerraum und installierten die Abhöranlage, während Ron </div> <div class="para">Metzer und Daniela Tefler vor der Wabersackerstrasse 27 </div> <div class="para">in einem Auto für die Aussensicherung verantwortlich </div> <div class="para">waren und mit der Gruppe im Keller in Funkkontakt stan- </div> <div class="para">den. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Als die Abhöranlage bereits funktionsfähig war, </div> <div class="para">aber noch bevor die Installationsarbeiten endgültig </div> <div class="para">abgeschlossen werden konnten, nahm die Berner Kantons- </div> <div class="para">polizei alle Beteiligten fest. Im Verlaufe des Morgens </div> <div class="para">wurden Dan Shifrin, Shely Ravlin, Ron Metzer und Daniela </div> <div class="para">Tefler wieder entlassen. Issac Bental blieb in Unter- </div> <div class="para">suchungshaft. Nachdem der israelische Staat eine Kaution </div> <div class="para">von drei Millionen Franken geleistet hatte, wurde Issac </div> <div class="para">Bental am 25. April 1998 aus der Haft entlassen. Er </div> <div class="para">reiste am selben Tag unter Aufsicht der schweizerischen </div> <div class="para">Behörden aus der Schweiz aus. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>B.- </u> </div> <div class="para"> Der Bundesrat beschloss am 1. April 1998 ge- </div> <div class="para">stützt auf <span class="artref"><artref id="CH/312.0/110/2" type="start"></artref>Art. 105 und 110 Abs. 2 BStP</span><artref id="CH/312.0/105" type="end"></artref> sowie Art. 302 </div> <div class="para">Ziff. 1, 340 Ziff. 1 al 7 und 344 Ziff. 1 StGB, die </div> <div class="para">Ermächtigung zur Strafverfolgung des Issac Bental wegen </div> <div class="para">verbotener Handlungen für einen fremden Staat, politi- </div> <div class="para">schen Nachrichtendienstes und Nachrichtendienstes gegen </div> <div class="para">fremde Staaten werde erteilt; das Verfahren betreffend </div> <div class="para">alle in Frage stehenden strafbaren Handlungen werde auf </div> <div class="para">eidgenössischer Ebene geführt; die (damalige) Bundes- </div> <div class="para">anwältin werde beauftragt, beim eidgenössischen Unter- </div> <div class="para">suchungsrichter gestützt auf <span class="artref">Art. 108 BStP</span> die Eröffnung </div> <div class="para">der Voruntersuchung zu beantragen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Gestützt darauf beantragte die damalige Bundes- </div> <div class="para">anwältin am 15. April 1998 bei der eidgenössischen </div> <div class="para">Untersuchungsrichterin, es sei in Bezug auf Issac Bental </div> <div class="para">die eidgenössische Voruntersuchung betreffend alle ihm </div> <div class="para">vorgeworfenen Delikte durchzuführen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Am 22. April 1998 verfügte die eidgenössische </div> <div class="para">Untersuchungsrichterin, es werde gegen Issac Bental eine </div> <div class="para">Voruntersuchung gemäss <span class="artref">Art. 108 ff. BStP</span> eröffnet be- </div> <div class="para">treffend verbotene Handlungen für einen fremden Staat </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 271 StGB</span>), politischen Nachrichtendienst (<span class="artref">Art. 272 </span></div> <div class="para">StGB), Nachrichtendienst gegen fremde Staaten (<span class="artref">Art. 301 </span></div> <div class="para">StGB) sowie weitere der kantonalen Gerichtsbarkeit un- </div> <div class="para">terstehende Delikte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Anklagekammer des Bundesgerichts erkannte </div> <div class="para">am 1. Februar 1999, Abdallah El-Zein sei im vorliegenden </div> <div class="para">Verfahren jedenfalls teilweise als Geschädigter im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 34 BStP</span> zu betrachten (8G.86/1998). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>C.- </u> </div> <div class="para"> Gestützt auf den Schlussbericht der eidgenössi- </div> <div class="para">schen Untersuchungsrichterin erhob die Bundesanwalt- </div> <div class="para">schaft am 13. September 1999 Anklage gegen Issac Bental </div> <div class="para">alias Jacob Track wegen verbotener Handlungen für einen </div> <div class="para">fremden Staat gemäss <span class="artref">Art. 271 Ziff. 1 Abs. 1 StGB</span>, poli- </div> <div class="para">tischen Nachrichtendienstes gemäss <span class="artref">Art. 272 Ziff. 1 </span></div> <div class="para">Abs. 1 StGB, versuchten Abhörens und Aufnehmens fremder </div> <div class="para">Gespräche gemäss Art. 179bis Abs. 1 in Verbindung mit </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 21 StGB</span> sowie wiederholten Gebrauchs verfälschter </div> <div class="para">ausländischer Ausweise gemäss Art. 252 in Verbindung mit </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 255 StGB</span>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> In Anwendung von <span class="artref">Art. 128 ff. BStP</span> liess die </div> <div class="para">Anklagekammer des Bundesgerichts die Anklage mit Be- </div> <div class="para">schluss vom 4. November 1999 zu. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>D.- </u> </div> <div class="para"> Die Bundesanwaltschaft teilte der eidgenössi- </div> <div class="para">schen Untersuchungsrichterin mit Schreiben vom 16. Sep- </div> <div class="para">tember 1999 in Anwendung von <span class="artref">Art. 120 Abs. 1 BStP</span> mit, </div> <div class="para">sie trete von der Strafverfolgung bezüglich Nachrichten- </div> <div class="para">dienst gegen fremde Staaten, Hausfriedensbruch, Ehrver- </div> <div class="para">letzung (im Zusammenhang mit einer protokollarischen </div> <div class="para">Aussage des Angeklagten) und Sachbeschädigung zurück. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die eidgenössische Untersuchungsrichterin ver- </div> <div class="para">fügte am 30. Mai 2000, die Voruntersuchung werde betref- </div> <div class="para">fend Nachrichtendienst gegen fremde Staaten, Hausfrie- </div> <div class="para">densbruch, Ehrverletzung und Sachbeschädigung einge- </div> <div class="para">stellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>E.- </u> </div> <div class="para"> Am 18. Mai 2000 liess Fürsprecher R.M. Zloczo- </div> <div class="para">wer namens des Angeklagten Issac Bental dem Bundesstraf- </div> <div class="para">gericht eine Vereinbarung zwischen dem Angeklagten und </div> <div class="para">dem Geschädigten Abdallah El-Zein zugehen. Sie hat fol- </div> <div class="para">genden Wortlaut: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1. Herr El-Zein zieht den Strafantrag wegen </div> <div class="para">versuchten Abhörens und Aufnehmens fremder Gespräche zu- </div> <div class="para">rück. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2. Die Gerichtskosten bezahlt Herr Bental. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3. Ueber die aussergerichtliche Erledigung ver- </div> <div class="para">einbaren die Parteien Stillschweigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Ebenfalls am 18. Mai 2000 bestätigte Für- </div> <div class="para">sprecherin Eva Saluz im Namen von Abdallah El-Zein, dass </div> <div class="para">der Strafantrag wegen versuchten Abhörens und Aufnehmens </div> <div class="para">fremder Gespräche zurückgezogen werde. Fürsprecherin Eva </div> <div class="para">Saluz teilte weiter mit, die Parteien hätten zudem be- </div> <div class="para">züglich des Zivilpunktes ebenfalls eine aussergericht- </div> <div class="para">liche Einigung getroffen; über deren Inhalt sei Still- </div> <div class="para">schweigen vereinbart worden; damit sei auch der Zivil- </div> <div class="para">punkt erledigt, und Abdallah El-Zein werde nicht mehr </div> <div class="para">als Geschädigter am Bundesstrafprozess teilnehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>F.- </u> </div> <div class="para"> Die Hauptverhandlung vor dem Bundesstrafgericht </div> <div class="para">fand vom 3. bis zum 7. Juli 2000 statt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> a) Der <u>Bundesanwalt</u> stellt folgende Anträge: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> "1. Der Angeklagte sei schuldig zu sprechen </div> <div class="para">wegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> - verbotener Handlungen für einen fremden Staat </div> <div class="para">im Sinne von <span class="artref">Art. 271 Ziff. 1 StGB</span> in der Form des </div> <div class="para">schweren Falles </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> - politischen Nachrichtendienstes im Sinne von </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 272 Ziff. 1 StGB</span> und </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> - Fälschung von Ausweisen im Sinne von <span class="artref">Art. 252 </span></div> <div class="para">StGB, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> - eventuell zusätzlich Widerhandlung gegen das </div> <div class="para">Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Aus- </div> <div class="para">länder im Sinne von dessen Art. 23 Abs. 1. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2. Er sei mit einer Zuchthausstrafe von fünf- </div> <div class="para">zehn Monaten, unter Anrechnung von 65 Tagen Unter- </div> <div class="para">suchungshaft, und einer Busse von 5'000 Franken zu </div> <div class="para">bestrafen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3. Er sei für zehn Jahre des Landes zu verwei- </div> <div class="para">sen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4. Die auf der Liste "A" aufgeführten Gegen- </div> <div class="para">stände seien einzuziehen und diejenigen auf der Liste </div> <div class="para">"B" zu archivieren; die übrigen beschlagnahmten Gegen- </div> <div class="para">stände gemäss Liste "C" seien dem Angeklagten zuhanden </div> <div class="para">der Berechtigten auszuhändigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 5. Der Angeklagte habe die gesamten Verfahrens- </div> <div class="para">kosten, darunter die Auslagen der Bundesanwaltschaft und </div> <div class="para">der Eidgenössischen Untersuchungsrichterin, zu bezah- </div> <div class="para">len." </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Fürsprecher <u>Zloczower</u> stellt namens des </div> <div class="para">Angeklagten Issac Bental folgende Anträge: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> "1. Das Verfahren gegen Issac Bental wegen </div> <div class="para"> <u>versuchten Abhörens und Aufnehmens fremder Gespräche</u> sei </div> <div class="para">infolge Rückzugs des Strafantrags einzustellen. Die in </div> <div class="para">diesem Zusammenhang entstandenen Verfahrenskosten seien </div> <div class="para">dem Angeklagten aufzuerlegen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2. Es sei weiter Issac Bental </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>freizusprechen </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> von den Anschuldigungen <u>verbotener Handlungen</u> </div> <div class="para"> <u>für einen fremden Staat</u>, des <u>politischen Nachrichten</u> - </div> <div class="para"> <u>dienstes</u> und des <u>wiederholten Gebrauchs verfälschter</u> </div> <div class="para"> <u>ausländischer Ausweise</u>, unter Zuerkennung einer angemes- </div> <div class="para">senen Entschädigung und unter Auferlegung der Verfah- </div> <div class="para">renskosten an den Bund. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 3. Die gemäss Anklageschrift sichergestellten </div> <div class="para">Gegenstände seien einzuziehen und in Anwendung von </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 58 Abs. 2 StGB</span> zu vernichten, soweit sie nicht dem </div> <div class="para">Angeklagten zurückgegeben werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4. Es sei in Anwendung von <span class="artref">Art. 57 BStP</span> die </div> <div class="para">Freigabe der geleisteten Sicherheit von CHF 3 Mio. </div> <div class="para">zuzüglich Zinsen zu verfügen." </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Bundesstrafgericht hat erwogen </u> </div> <div class="para">: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> "Issac Bental" (dessen wahrer Name und dessen </div> <div class="para">Personalien nicht bekannt sind) wurde am 25. April 1998 </div> <div class="para">aus der Untersuchungshaft entlassen und reiste am selben </div> <div class="para">Tag aus der Schweiz aus. Die israelischen Behörden </div> <div class="para">sicherten zu, er werde für die Verhandlung vor Bundes- </div> <div class="para">strafgericht wieder in die Schweiz kommen. Vor Gericht </div> <div class="para">steht eine Person, die eigens für den Prozess in die </div> <div class="para">Schweiz eingereist ist und behauptet, mit derjenigen </div> <div class="para">Person identisch zu sein, die sich 1998 als "Issac </div> <div class="para">Bental" in Untersuchungshaft befand. Die Person hat </div> <div class="para">ihren richtigen Namen und ihre wahren Personalien auch </div> <div class="para">an der Verhandlung, als sie vom Präsidenten danach ge- </div> <div class="para">fragt wurde, nicht preisgegeben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Strafbar ist, wer in den anerkannten Formen von </div> <div class="para">Täterschaft und Teilnahme eine Tat begangen hat, die das </div> <div class="para">Gesetz mit Strafe bedroht. Verurteilt werden kann aus- </div> <div class="para">schliesslich diejenige Person, welche die Tat, die ihr </div> <div class="para">vorgeworfen wird, <u>selber</u> begangen hat. Derjenige, der </div> <div class="para">die Tat - derer er angeklagt ist - begangen haben soll, </div> <div class="para">muss mit demjenigen, der vor Gericht gestellt wird, </div> <div class="para">identisch sein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Zur Frage, ob die als "Issac Bental" vor Bun- </div> <div class="para">desstrafgericht stehende Person mit derjenigen Person </div> <div class="para">identisch ist, die die im vorliegenden Verfahren zu </div> <div class="para">beurteilenden Straftaten begangen haben soll, haben in </div> <div class="para">der Hauptverhandlung drei Zeugen ausgesagt. Max Sturzen- </div> <div class="para">egger, der als Kommissär der Bundespolizei bei den Er- </div> <div class="para">mittlungen und bei Transporten des Angeschuldigten dabei </div> <div class="para">war, hat bekräftigt, es handle sich "ohne Zweifel" um </div> <div class="para">dieselbe Person. Christian Scholer, der bei der Bundes- </div> <div class="para">polizei an mindestens zwölf Einvernahmen mitgewirkt hat, </div> <div class="para">bestätigte ebenfalls "eindeutig", die Personen seien </div> <div class="para">identisch. Schliesslich wurde "Issac Bental" auch vom </div> <div class="para">Polizeibeamten Rudolf Leuenberger, der bei der Verhaf- </div> <div class="para">tung des Angeschuldigten dabei war, erkannt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Nachdem drei Polizeibeamte, die in derartigen </div> <div class="para">Belangen erfahren sind, "Issac Bental" mit Bestimmtheit </div> <div class="para">erkannt haben, steht die Identität der vor Gericht ste- </div> <div class="para">henden Person mit derjenigen, der die angeklagten Straf- </div> <div class="para">taten zur Last gelegt werden, fest. Weiterer Beweismass- </div> <div class="para">nahmen zu dieser Frage bedarf es nicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> Im Verfahren vor Bundesstrafgericht werden die </div> <div class="para">Urkunden, die für den Entscheid wesentlich sind, verle- </div> <div class="para">sen (<span class="artref">Art. 164 Abs. 1 BStP</span>). Die Parteien können auf das </div> <div class="para">Verlesen von Beweisurkunden verzichten ( <u>Franz Stämpfli</u>, </div> <div class="para">Das Bundesgesetz über die Bundesstrafrechtspflege vom </div> <div class="para">15. Juni 1934, Bern 1935, <span class="artref">Art. 164 N 1</span> mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Verteidigung beantragte an der Verhandlung, </div> <div class="para">es seien die gesamten Akten der Voruntersuchung zu den </div> <div class="para">Akten des gerichtlichen Verfahrens zu erkennen und es </div> <div class="para">sei auf deren Verlesen zu verzichten. Der Bundesanwalt </div> <div class="para">schloss sich diesem Antrag unter der Voraussetzung an, </div> <div class="para">dass darunter nicht nur die Akten der Untersuchungs- </div> <div class="para">richterin, sondern die gesamten Akten zu verstehen </div> <div class="para">seien. Die Verteidigung widersetzte sich dieser Präzi- </div> <div class="para">sierung nicht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Das Gericht beschloss, sämtliche Akten, die </div> <div class="para">vorlägen, würden zur Kenntnis genommen und auf deren </div> <div class="para">Verlesen werde verzichtet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> Erhebt der Bundesanwalt im Laufe der Hauptver- </div> <div class="para">handlung noch wegen einer anderen Tat des Angeklagten </div> <div class="para">Anklage, so kann das Bundesstrafgericht mit Zustimmung </div> <div class="para">des Angeklagten zugleich auch diese Tat beurteilen, wenn </div> <div class="para">es zuständig ist (<span class="artref">Art. 165 BStP</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> In der Anklageschrift wird dem Angeklagten </div> <div class="para">unter anderem vorgeworfen, er sei insgesamt dreimal mit </div> <div class="para">zwei mit unwahren (falschen) Angaben versehenen israeli- </div> <div class="para">schen Pässen in die Schweiz ein- bzw. aus ihr ausgereist </div> <div class="para">(Anklageschrift S. 6). In der Hauptverhandlung gab der </div> <div class="para">Angeklagte zu Protokoll, er habe die Pässe überdies </div> <div class="para">insgesamt fünfmal innerhalb der Schweiz verwendet. Der </div> <div class="para">Bundesanwalt hat die Anklage in Bezug auf diesen Sach- </div> <div class="para">verhalt an der Hauptverhandlung ergänzt (schriftliche </div> <div class="para">"Ausdehnung der Anklage" vom 4. Juli 2000). Die Ver- </div> <div class="para">teidigung war damit einverstanden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para"> Ueberzeugt sich der Bundesanwalt im Laufe der </div> <div class="para">Hauptverhandlung, dass die Tat ein anderes Vergehen </div> <div class="para">darstellt, als er angenommen hatte, so kann er die An- </div> <div class="para">klage berichtigen. Das Gericht gibt den anderen Parteien </div> <div class="para">Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Es setzt die Verhand- </div> <div class="para">lungen von Amtes wegen oder auf Antrag aus, wenn die </div> <div class="para">Anklage oder die Verteidigung nach seinem Ermessen eine </div> <div class="para">weitere Vorbereitung erfordert (<span class="artref">Art. 166 BStP</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Bundesanwalt erklärte an der Hauptverhand- </div> <div class="para">lung und zwei Tage vor den Plädoyers, die Anklage erwäh- </div> <div class="para">ne das Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung </div> <div class="para">der Ausländer vom 26. März 1931 (ANAG; SR 142.20) nicht; </div> <div class="para">der Bundesanwalt werde diesen Aspekt des Falles im Plä- </div> <div class="para">doyer eventualiter vorbringen und erwähne dies frühzei- </div> <div class="para">tig, damit die Verteidigung genügend Zeit habe, sich </div> <div class="para">darauf vorzubereiten. Die Verteidigung nahm davon Kennt- </div> <div class="para">nis und erklärte, genügend Zeit für die entsprechende </div> <div class="para">Vorbereitung des Plädoyers zu haben. Unter diesen Um- </div> <div class="para">ständen musste die Verhandlung wegen dieses Punktes </div> <div class="para">nicht ausgesetzt werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>5.- </u> </div> <div class="para"> Wer ein fremdes nichtöffentliches Gespräch, </div> <div class="para">ohne die Einwilligung aller daran Beteiligten, mit einem </div> <div class="para">Abhörgerät abhört oder auf einen Tonträger aufnimmt, </div> <div class="para">wird, auf Antrag, mit Gefängnis oder mit Busse bestraft </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 179bis Abs. 1 StGB</span>). Führt der Täter, nachdem er </div> <div class="para">mit der Ausführung des Vergehens begonnen hat, die </div> <div class="para">strafbare Tätigkeit nicht zu Ende, so kann er milder </div> <div class="para">bestraft werden (<span class="artref">Art. 21 Abs. 1 StGB</span>). Der Bundesanwalt </div> <div class="para">hat unter anderem wegen dieser Straftat Anklage erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Tat ist nur auf Antrag des Geschädigten </div> <div class="para">strafbar. Abdallah El-Zein hat den Strafantrag, den er </div> <div class="para">ursprünglich gestellt hatte, nach der Anklageerhebung, </div> <div class="para">aber noch vor Durchführung der Hauptverhandlung zurück- </div> <div class="para">gezogen (Eingabe seiner Vertreterin vom 18. Mai 2000). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Beurteilung des Sachverhaltes ist bei die- </div> <div class="para">ser Sachlage aus prozessrechtlichen Gründen unzulässig, </div> <div class="para">weshalb das Verfahren in Anwendung von <span class="artref">Art. 168 Abs. 2 </span></div> <div class="para">BStP in diesem Punkt einzustellen ist. Eine Ausscheidung </div> <div class="para">der diesen Anklagevorwurf betreffenden Kosten ist schon </div> <div class="para">deshalb nicht notwendig, weil der Angeklagte gemäss der </div> <div class="para">von ihm mit Abdallah El-Zein getroffenen Vereinbarung </div> <div class="para">vom 15. Mai 2000 die daraus entstandenen Gerichtskosten </div> <div class="para">bezahlt (Schreiben der Verteidigung des Angeklagten vom </div> <div class="para">18. Mai 2000). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>6.- </u> </div> <div class="para"> a) Wer auf schweizerischem Gebiet ohne Bewilli- </div> <div class="para">gung für einen fremden Staat Handlungen vornimmt, die </div> <div class="para">einer Behörde oder einem Beamten zukommen, wer solche </div> <div class="para">Handlungen für eine ausländische Partei oder eine andere </div> <div class="para">Organisation des Auslandes vornimmt, wer solchen Hand- </div> <div class="para">lungen Vorschub leistet, wird mit Gefängnis, in schweren </div> <div class="para">Fällen mit Zuchthaus bestraft (<span class="artref">Art. 271 Ziff. 1 StGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Dem Angeklagten wird vom Bundesanwalt als </div> <div class="para">schwerer Fall (Plädoyer S. 13 und 53) vorgeworfen, er </div> <div class="para">habe als Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes </div> <div class="para">Mossad und in dessen Auftrag auf schweizerischem Gebiet </div> <div class="para">ohne Bewilligung für den Staat Israel durch die Instal- </div> <div class="para">lation einer Anlage zwecks Abhörung eines Telefon- </div> <div class="para">anschlusses Handlungen, d.h. eine Zwangsmassnahme, </div> <div class="para">vorgenommen, die einer schweizerischen Behörde oder </div> <div class="para">einem schweizerischen Beamten zugekommen wären (Anklage- </div> <div class="para">schrift S. 2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte hat den Sachverhalt an der </div> <div class="para">Hauptverhandlung eingestanden. Er lässt indessen die </div> <div class="para">rechtliche Würdigung durch den Bundesanwalt bestreiten </div> <div class="para">und beantragt einen Freispruch. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Es besteht insoweit Einigkeit darüber, dass </div> <div class="para">der Angeklagte auf schweizerischem Gebiet ohne Bewilli- </div> <div class="para">gung für einen fremden Staat eine Anlage, die der Ab- </div> <div class="para">hörung eines Telefonanschlusses dienen sollte, instal- </div> <div class="para">liert und damit "Handlungen" im Sinne von <span class="artref">Art. 271 StGB</span> </div> <div class="para">vorgenommen hat (Plädoyer Prof. Trechsel S. 1). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Verteidigung macht geltend, es habe sich </div> <div class="para">dabei nicht um Handlungen gehandelt, die - wie das Ge- </div> <div class="para">setz es verlangt - "einer Behörde oder einem Beamten </div> <div class="para">zukommen". Zu beurteilen sei eine "Nacht- und Nebel- </div> <div class="para">aktion", mit der ohne den geringsten Anschein von </div> <div class="para">Amtlichkeit eine fremde Telefonleitung angezapft werden </div> <div class="para">sollte. Dies erfülle den Tatbestand nicht, denn nur </div> <div class="para">dann, wenn jemand sich anmasse, in der Schweiz mit </div> <div class="para">staatlicher (aber ausländischer) Autorität zu handeln, </div> <div class="para">und sich auf diese Amtsgewalt berufe, verletze er die </div> <div class="para">durch <span class="artref">Art. 271 StGB</span> geschützte schweizerische Gebiets- </div> <div class="para">hoheit. Der Angeklagte habe demgegenüber nicht wie ein </div> <div class="para">Behördenmitglied oder ein Beamter gehandelt, sondern </div> <div class="para">"wie ein kleiner Krimineller" (Plädoyer Prof. Trechsel </div> <div class="para">S. 2 - 5). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Nach Lehre und Rechtsprechung ist eine einer </div> <div class="para">Behörde oder einem Beamten zukommende Handlung im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 271 StGB</span> jede Handlung, die für sich betrach- </div> <div class="para">tet, d.h. nach ihrem Wesen und Zweck, sich als Amts- </div> <div class="para">tätigkeit charakterisiert; entscheidend ist, ob sie </div> <div class="para">ihrer Natur nach amtlichen Charakter trägt (BGE 114 IV </div> <div class="para">126 E. 2b mit Hinweisen). Nicht erforderlich ist, dass </div> <div class="para">derjenige, der die Handlung ausführt, Zwang ausüben kann </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-IV-126%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page126">BGE 114 IV 126</a> E. 2d). Beispielsweise sind Beweis- </div> <div class="para">erhebungen durch die mündliche Befragung von Augen- bzw. </div> <div class="para">Ohrenzeugen nach schweizerischem Recht und schweizeri- </div> <div class="para">scher Rechtsauffassung dem Richter, einer Untersuchungs- </div> <div class="para">oder Anklagebehörde vorbehalten; solchen Einvernahmen </div> <div class="para">für die Zwecke eines gerichtlichen Verfahrens kommt </div> <div class="para">ihrer Natur nach amtlicher Charakter zu (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-IV-126%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page126">BGE 114 IV 126</a> </div> <div class="para">E. 2c). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Dasselbe gilt für die Ueberwachung des Telefon- </div> <div class="para">verkehrs. Eine solche Telefonüberwachung kann z.B. ge- </div> <div class="para">mäss dem Bundesgesetz über die Bundesstrafrechtspflege </div> <div class="para">(BStP) durch den eidgenössischen Untersuchungsrichter </div> <div class="para">angeordnet und in der Folge durch den Präsidenten der </div> <div class="para">Anklagekammer des Bundesgerichts bewilligt werden </div> <div class="para">(<span class="artref"><artref id="CH/312.0/66" type="start"></artref>Art. 66 - 66quinquies BStP</span><artref id="CH/312.0/66^quinquies" type="end"></artref>; vgl. auch Art. 400bis </div> <div class="para">StGB). Das Verfahren ist gegenüber dem Betroffenen </div> <div class="para">geheim (<span class="artref">Art. 66quater Abs. 1 BStP</span>), und die Ueber- </div> <div class="para">wachung wird ihm erst nach deren Abschluss eröffnet </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 66quinquies Abs. 1 BStP</span>). Der besondere Charakter </div> <div class="para">solcher technischer Ueberwachungsmassnahmen und der </div> <div class="para">Unterschied zu anderen Eingriffen in die Freiheitsrechte </div> <div class="para">der Betroffenen liegt darin, "dass hier heimlich in die </div> <div class="para">Privatsphäre hineingehorcht wird" ( <u>Niklaus Schmid</u>, Die </div> <div class="para">nachträgliche Mitteilung von technischen Ueberwachungs- </div> <div class="para">massnahmen im Strafprozess, insbesondere bei der Ueber- </div> <div class="para">wachung des Telefonverkehrs, SJZ 82/1986, S. 37). Bei </div> <div class="para">der Telefonüberwachung handelt es sich um eine staatlich </div> <div class="para">angeordnete und an gewisse Voraussetzungen gebundene </div> <div class="para">geheime Aktion, die dem Betroffenen, um ihren Zweck </div> <div class="para">nicht von vornherein zu vereiteln, erst nach ihrem </div> <div class="para">Abschluss zur Kenntnis gebracht werden kann. Der Einwand </div> <div class="para">der Verteidigung, der Angeklagte habe sich nicht "auf </div> <div class="para">die Amtsgewalt berufen", verkennt, dass die Telefon- </div> <div class="para">überwachung grundsätzlich geheim durchgeführt wird. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte ist ein Mitarbeiter des israeli- </div> <div class="para">schen Geheimdienstes und wurde von diesem beauftragt, in </div> <div class="para">der Schweiz bei einer Privatperson eine Anlage zu mon- </div> <div class="para">tieren, die es ermöglicht, die Gespräche der Privatper- </div> <div class="para">son abzuhören und den israelischen Geheimdienst darüber </div> <div class="para">zu informieren. Zu beurteilen ist somit eine "amtliche" </div> <div class="para">- und nicht etwa eine private - Telefonabhöraktion. In- </div> <div class="para">soweit geht der Hinweis der Verteidigung auf den "Pri- </div> <div class="para">vaten", der sich "dieses Recht herausnimmt" (Plädoyer </div> <div class="para">Prof. Trechsel S. 3), an der Sache vorbei. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Verteidigung beruft sich auf ein Urteil des </div> <div class="para">Militärkassationsgerichtes vom 2. Mai 1944 (vgl. RStrS </div> <div class="para">1944 Nr. 178). Dieser Entscheid betraf Erkundigungen, </div> <div class="para">die zwar Gegenstand einer Amtshandlungen sein können </div> <div class="para">(wie z.B. das blosse "Ausspähen" einer Person durch die </div> <div class="para">Polizei), die aber "auch jedem Privaten erlaubt (sind), </div> <div class="para">der bloss aus Neugier, zum Zwecke der Erstattung einer </div> <div class="para">Anzeige oder aus ähnlichen Beweggründen... handelt". </div> <div class="para">Das Militärkassationsgericht kam zu Recht zum Schluss, </div> <div class="para">solche - grundsätzlich erlaubte - Handlungen stellten </div> <div class="para">gegebenenfalls politischen Nachrichtendienst dar, seien </div> <div class="para">aber keine verbotenen Handlungen für einen fremden </div> <div class="para">Staat. Im vorliegenden Fall geht es demgegenüber um </div> <div class="para">"Erkundigungen", die über das grundsätzlich erlaubte </div> <div class="para">"Ausspähen" hinausgehen und die nur der zuständigen </div> <div class="para">schweizerischen Behörde oder dem zuständigen schweizeri- </div> <div class="para">schen Beamten zukommen. </div> <div class="para"> Ob im vorliegenden Fall schliesslich die Vor- </div> <div class="para">aussetzungen einer amtlichen Telefonüberwachung gegeben </div> <div class="para">gewesen wären und auch die schweizerischen Behörden bei </div> <div class="para">Kenntnis der Angelegenheit eine solche angeordnet hät- </div> <div class="para">ten, muss nicht geprüft werden, denn entscheidend ist, </div> <div class="para">wie der Bundesanwalt zu Recht ausführt (Plädoyer S. 5), </div> <div class="para">dass der ganze Bereich der Telefonüberwachung in der </div> <div class="para">Schweiz den Behörden vorbehalten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte masste sich eine Tätigkeit an, </div> <div class="para">die ihrer Natur nach amtlichen Charakter trägt, und ist </div> <div class="para">deshalb im Sinne von <span class="artref">Art. 271 Ziff. 1 StGB</span> schuldig zu </div> <div class="para">sprechen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Der Bundesanwalt beantragt, der Angeklagte </div> <div class="para">sei wegen eines schweren Falles zu verurteilen. Bei </div> <div class="para">einem schweren Fall verschiebt sich der obere Strafrah- </div> <div class="para">men von drei Jahren Gefängnis (<span class="artref">Art. 36 StGB</span>) auf zwanzig </div> <div class="para">Jahre Zuchthaus (<span class="artref">Art. 35 StGB</span>). Der schwere Fall darf </div> <div class="para">deshalb nur mit Zurückhaltung bejaht werden (BGE 117 IV </div> <div class="para">314 E. 2d/aa und bb; <u>Martin Schubarth</u>, Qualifizierter </div> <div class="para">Tatbestand und Strafzumessung in der neueren Rechtspre- </div> <div class="para">chung des Bundesgerichts, BJM 1992, S. 59). Vorliegend </div> <div class="para">geht es objektiv zwar um eine schwerwiegende Souveräni- </div> <div class="para">tätsverletzung, aber es muss beim Angeklagten, der nur </div> <div class="para">ein ausführendes Organ höherer Stellen war, kein </div> <div class="para">Schuldspruch wegen eines schweren Falles erfolgen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>7.- </u> </div> <div class="para"> a) Wer im Interesse eines fremden Staates oder </div> <div class="para">einer ausländischen Partei oder einer anderen Organisa- </div> <div class="para">tion des Auslandes zum Nachteil der Schweiz oder ihrer </div> <div class="para">Angehörigen, Einwohner oder Organisationen politischen </div> <div class="para">Nachrichtendienst betreibt oder einen solchen Dienst </div> <div class="para">einrichtet, wer für solche Dienste anwirbt oder ihnen </div> <div class="para">Vorschub leistet, wird mit Gefängnis bestraft (<span class="artref">Art. 272 </span></div> <div class="para">Ziff. 1 StGB). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Dem Angeklagten wird vom Bundesanwalt vorgewor- </div> <div class="para">fen, er habe im Interesse des Staates Israel zum Nach- </div> <div class="para">teil von schweizerischen Angehörigen und Einwohnern </div> <div class="para">mittels Montage einer Tarneinrichtung samt Abhöranlage </div> <div class="para">einen politischen Nachrichtendienst eingerichtet und </div> <div class="para">dadurch die schweizerische Gebietshoheit verletzt (An- </div> <div class="para">klageschrift S. 4). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte hat den Sachverhalt an der </div> <div class="para">Hauptverhandlung eingestanden. Er lässt indessen die </div> <div class="para">rechtliche Würdigung durch den Bundesanwalt bestreiten </div> <div class="para">und beantragt einen Freispruch. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Zunächst ist festzuhalten, dass zwischen den </div> <div class="para"><span class="artref"><artref id="CH/311.0/271" type="start"></artref>Art. 271 und 272 StGB</span><artref id="CH/311.0/272" type="end"></artref> Konkurrenz besteht, weil <span class="artref">Art. 271 </span></div> <div class="para">StGB "den verpönten Gehalt der Handlung nicht abgilt" </div> <div class="para">( <u>Stefan Trechsel</u>, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurz- </div> <div class="para">kommentar, 2. Aufl., Zürich 1997, <span class="artref">Art. 271 N 12</span>). Beide </div> <div class="para">Bestimmungen schützen als Staatsschutzdelikte zwar in </div> <div class="para">erster Linie die schweizerische Gebietshoheit bzw. die </div> <div class="para">Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz. Durch </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 272 StGB</span>, der ein Handeln "zum Nachteil der Schweiz </div> <div class="para">oder ihrer Angehörigen, Einwohner oder Organisationen" </div> <div class="para">verlangt, werden jedoch überdies Einzelpersonen ge- </div> <div class="para">schützt. Im vorliegenden Fall handelte der Angeklagte </div> <div class="para">zum Nachteil solcher Einzelpersonen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Es besteht insoweit Einigkeit darüber, als </div> <div class="para">der Angeklagte im Interesse eines fremden Staates zum </div> <div class="para">Nachteil eines Angehörigen und Einwohners der Schweiz </div> <div class="para">handelte. Ebenfalls unbestritten ist, dass es um das Be- </div> <div class="para">schaffen von Nachrichten ging, die nicht allgemein be- </div> <div class="para">kannt sind (Plädoyer Prof. Trechsel S. 6). </div> <div class="para"> Politischen Nachrichtendienst betreibt unter </div> <div class="para">anderem, wer "politische" Nachrichten (dazu unten </div> <div class="para">lit. d) auskundschaftet, wer sie weitergibt oder wer die </div> <div class="para">Voraussetzungen schafft, dass solche Nachrichten ausge- </div> <div class="para">kundschaftet und weitergegeben werden können (vgl. <u>Jörg</u> </div> <div class="para"> <u>Rehberg</u>, Strafrecht IV, Delikte gegen die Allgemeinheit, </div> <div class="para">2. Aufl., Zürich 1996, S. 228 f.). Zur Erfüllung des </div> <div class="para">Tatbestandes genügt eine einzelne Handlung jedenfalls </div> <div class="para">dann, wenn sie sich auf eine organisierte Nachrichten- </div> <div class="para">tätigkeit bezieht ( <u>Trechsel</u>, a.a.O., N 4 vor Art. 272 </div> <div class="para">mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Täter im vorliegenden Fall haben - als </div> <div class="para">Mitarbeiter des Mossad, also einer grossen Organisation </div> <div class="para">- eine Abhöranlage eingerichtet, die nach der Aussage </div> <div class="para">des Zeugen Viktor Rüfenacht "recht raffiniert" war und </div> <div class="para">es ermöglichen sollte, die Telefongespräche einer Person </div> <div class="para">zu bespitzeln und den israelischen Behörden zugänglich </div> <div class="para">zu machen. Ihr Verhalten ist ohne weiteres als nach- </div> <div class="para">richtendienstliche Tätigkeit - und zwar als vollendete, </div> <div class="para">nicht etwa bloss versuchte (vgl. <u>Rehberg</u>, a.a.O., </div> <div class="para">S. 229) - einzustufen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Die Verteidigung macht geltend, es sei den </div> <div class="para">Tätern nicht um "politische" Nachrichten gegangen. In- </div> <div class="para">formationen über Einzelpersonen könnten dann einen poli- </div> <div class="para">tischen Inhalt haben, wenn es um die politische Einstel- </div> <div class="para">lung dieser Leute gehe. Im vorliegenden Fall sei es </div> <div class="para">nicht die politische Einstellung Abdallah El-Zeins gewe- </div> <div class="para">sen, die das Interesse des Mossad geweckt habe. Das Ziel </div> <div class="para">der Aktion habe darin gelegen, Auskünfte über die Pla- </div> <div class="para">nung von Attentaten zu gewinnen. Beim Terrorismus aber </div> <div class="para">"hört die Politik auf, wenn man diesem Begriff überhaupt </div> <div class="para">noch Konturen lassen will" (Plädoyer Prof. Trechsel </div> <div class="para">S. 6/7). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Verteidigung verweist zur Begründung ihrer </div> <div class="para">Auffassung auf das Bundesgesetz über internationale </div> <div class="para">Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. März 1981 (IRSG; SR </div> <div class="para">351.1). In <span class="artref">Art. 3 Abs. 1 IRSG</span> wird unter anderem festge- </div> <div class="para">halten, dass einem Rechtshilfeersuchen aus dem Ausland </div> <div class="para">nicht entsprochen wird, "wenn Gegenstand des Verfahrens </div> <div class="para">eine Tat ist, die nach schweizerischer Auffassung vor- </div> <div class="para">wiegend politischen Charakter hat"; Abs. 2 desselben </div> <div class="para">Artikels bestimmt, dass die "Einrede des politischen </div> <div class="para">Charakters" unter anderem dann "keinesfalls berücksich- </div> <div class="para">tigt" wird, wenn die Tat "besonders verwerflich er- </div> <div class="para">scheint, weil der Täter zur Erpressung oder Nötigung </div> <div class="para">Freiheit, Leib oder Leben von Menschen in Gefahr brachte </div> <div class="para">oder zu bringen drohte, namentlich durch Entführung von </div> <div class="para">Flugzeugen, Geiselnahme oder Benützung von Massenver- </div> <div class="para">nichtungsmitteln" (lit. b). In <span class="artref">Art. 3 Abs. 2 IRSG</span> ist </div> <div class="para">also geregelt, unter welchen Umständen es in einem </div> <div class="para">Rechtshilfeverfahren von vornherein ausgeschlossen ist, </div> <div class="para">sich darauf zu berufen, dass die Taten, derentwegen die </div> <div class="para">Rechtshilfe verlangt wird, einen politischen Charakter </div> <div class="para">hätten. Dies hat mit der Frage, ob eine Nachricht, die </div> <div class="para">für einen anderen Staat beschafft wird, einen politi- </div> <div class="para">schen Inhalt gemäss <span class="artref">Art. 272 StGB</span> hat, nichts zu tun. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Was eine Nachricht politischen Inhalts ist, </div> <div class="para">richtet sich nach der Auffassung des Empfängers (BGE </div> <div class="para">80 IV 71 E. 4a S. 84). Von vornherein davon ausgeschlos- </div> <div class="para">sen sind nur Meldungen, die - und dies kann im Einzel- </div> <div class="para">fall schwer zu beurteilen sein - rein private Angelegen- </div> <div class="para">heiten betreffen (vgl. <u>Ernst Lohner</u>, Der verbotene Nach- </div> <div class="para">richtendienst, ZStrR 83/1967 S. 33). Praktisch besonders </div> <div class="para">bedeutsam ist das Beschaffen von Informationen über Ein- </div> <div class="para">zelpersonen, und gerade in diesem Bereich ist der Rahmen </div> <div class="para">des Begriffs "politisch" weit gezogen worden ( <u>Lohner</u>, </div> <div class="para">a.a.O.; <u>Trechsel</u>, a.a.O., <span class="artref">Art. 272 N 5</span> mit Hinweisen). </div> <div class="para">Das Bundesgericht erkannte z.B. 1948, die Mitteilung, </div> <div class="para">ein Deutscher und drei Franzosen aus dem Maquis pflegten </div> <div class="para">einen bestimmten Minister zu besuchen, habe dem deut- </div> <div class="para">schen Nachrichtendienst erlaubt, Schlüsse auf die poli- </div> <div class="para">tische Tätigkeit dieser Personen zu ziehen, und sei </div> <div class="para">deshalb politischen Inhalts (<span class="bgeref_err">BGE 74 IV 199</span> S. 201 f.); </div> <div class="para">anzumerken ist, dass der Maquis für die Deutschen eine </div> <div class="para">"terroristische Organisation" war. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Für die Israeli ist es offensichtlich von Be- </div> <div class="para">deutung zu wissen, ob eine Person, die Bürger eines </div> <div class="para">anderen Staates ist oder sich dort aufhält, mit einer </div> <div class="para">terroristischen Organisation sympathisiert, eventuell </div> <div class="para">deren Mitglied ist oder sogar als deren Sympathisantin </div> <div class="para">oder deren Mitglied terroristische Aktivitäten gegen </div> <div class="para">Israel oder dessen Bürger plant oder vorbereitet. Dass </div> <div class="para">derartige Informationen politischen Charakter haben, </div> <div class="para">steht ausser Frage. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte ist des politischen </div> <div class="para">Nachrichtendienstes im Sinne von <span class="artref">Art. 272 Ziff. 1 StGB</span> </div> <div class="para">schuldig zu sprechen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>8.- </u> </div> <div class="para"> a) aa) Wer in der Absicht, sich oder einem </div> <div class="para">anderen das Fortkommen zu erleichtern, Ausweisschriften, </div> <div class="para">Zeugnisse, Bescheinigungen fälscht oder verfälscht, eine </div> <div class="para">Schrift dieser Art zur Täuschung gebraucht, oder echte, </div> <div class="para">nicht für ihn bestimmte Schriften dieser Art zur Täu- </div> <div class="para">schung missbraucht, wird mit Gefängnis oder mit Busse </div> <div class="para">bestraft (<span class="artref">Art. 252 StGB</span>). Diese Strafbestimmung findet </div> <div class="para">auch Anwendung auf Urkunden des Auslandes (<span class="artref">Art. 255 StGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Wer falsche fremdenpolizeiliche Ausweispapiere </div> <div class="para">herstellt oder echte verfälscht, sowie wer solche wis- </div> <div class="para">sentlich gebraucht oder verschafft, wer wissentlich </div> <div class="para">echte, aber ihm nicht zustehende Ausweispapiere verwen- </div> <div class="para">det, wer echte Ausweispapiere Unberechtigten zum Ge- </div> <div class="para">brauch überlässt, wer rechtswidrig das Land betritt oder </div> <div class="para">darin verweilt, wer im In- oder Ausland die rechtswidri- </div> <div class="para">ge Ein- oder Ausreise oder das rechtswidrige Verweilen </div> <div class="para">im Land erleichtert oder vorbereiten hilft, wird mit </div> <div class="para">Gefängnis bis zu sechs Monaten (gegebenenfalls zuzüglich </div> <div class="para">oder nur mit einer Busse) bestraft (<span class="artref">Art. 23 Abs. 1 </span></div> <div class="para">ANAG). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> bb) Dem Angeklagten wird vom Bundesanwalt vor- </div> <div class="para">geworfen, er habe in der Absicht, sich das Fortkommen zu </div> <div class="para">erleichtern, wiederholt verfälschte Ausweisschriften </div> <div class="para">(israelische Pässe) lautend auf Jacob Track und Issac </div> <div class="para">Bental zur Täuschung in der Schweiz gebraucht (Anklage- </div> <div class="para">schrift S. 5). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Er sei insgesamt dreimal mit zwei mit unwahren </div> <div class="para">(falschen) Angaben versehenen israelischen Pässen in die </div> <div class="para">Schweiz ein- bzw. aus ihr ausgereist. Zudem habe er den </div> <div class="para">auf "Jacob Track" lautenden Pass am 26. Januar 1998 (a) </div> <div class="para">gegenüber dem Personal einer unbekannt gebliebenen Fir- </div> <div class="para">ma, angeblich im oder beim Flughafen Zürich, bei der </div> <div class="para">Anmietung eines Fahrzeugs sowie (b) gegenüber dem Perso- </div> <div class="para">nal des Hotels Ambassador in Bern bei der Einschreibung </div> <div class="para">als Hotelgast zur Täuschung über seine Identität ge- </div> <div class="para">braucht. Weiter habe er den auf "Issac Bental" lautenden </div> <div class="para">Pass am 17. Februar 1998 (a) gegenüber dem Personal der </div> <div class="para">Firma AVIS in Kloten-Flughafen bei der Anmietung eines </div> <div class="para">Opel Vectra sowie (b) gegenüber dem Personal des Hotels </div> <div class="para">Bahnhof-Süd in Bümpliz zur Täuschung über seine Identi- </div> <div class="para">tät gebraucht. Denselben auf "Issac Bental" lautenden </div> <div class="para">Pass habe er schliesslich am frühen Morgen des 19. Feb- </div> <div class="para">ruar 1998 in der Liegenschaft Wabersackerstrasse 27 in </div> <div class="para">Köniz gegenüber der Berner Kantonspolizei zur Täuschung </div> <div class="para">über seine Identität gebraucht (Ausdehnung der Anklage </div> <div class="para">vom 4. Juli 2000 S. 2/3). </div> <div class="para"> cc) Der Angeklagte hat den Sachverhalt an der </div> <div class="para">Hauptverhandlung eingestanden. Er lässt indessen die </div> <div class="para">rechtliche Würdigung durch den Bundesanwalt bestreiten </div> <div class="para">und beantragt einen Freispruch. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Es besteht insoweit Einigkeit darüber, dass </div> <div class="para">der Angeklagte insgesamt dreimal mit zwei mit unwahren </div> <div class="para">(falschen) Angaben versehenen israelischen Ausweis- </div> <div class="para">schriften im Sinne von Art. 252 in Verbindung mit </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 255 StGB</span> in die Schweiz ein- bzw. aus ihr ausge- </div> <div class="para">reist ist und dass er die Ausweisschriften überdies </div> <div class="para">insgesamt fünfmal innerhalb der Schweiz verwendet hat. </div> <div class="para">Unter den Begriff der Ausweisschriften fallen Urkunden, </div> <div class="para">welche die Identität einer Person bekräftigen, z.B. der </div> <div class="para">Pass ( <u>Trechsel</u>, a.a.O., <span class="artref">Art. 252 N 2</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Die vom Angeklagten verwendeten Pässe gaben </div> <div class="para">zwar nicht seine wahre Identität wieder, aber es handel- </div> <div class="para">te sich um echte Pässe, die mit dem unwahren Inhalt von </div> <div class="para">den zuständigen israelischen Behörden ausgestellt worden </div> <div class="para">sind. Da die Pässe echt waren, kann von vornherein nur </div> <div class="para">Falschbeurkundung in Frage kommen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-IV-61%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page61">BGE 123 IV 61</a> </div> <div class="para">E. 5b S. 64). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Verteidigung rügt, der Bundesanwalt habe </div> <div class="para">den Angeklagten wegen Gebrauchs "verfälschter" ausländi- </div> <div class="para">scher Ausweise angeklagt. Eine "verfälschte" Urkunde </div> <div class="para">aber sei nicht mehr echt, und nirgends in der Anklage- </div> <div class="para">schrift werde auch nur behauptet, der Angeklagte habe </div> <div class="para">Ausweise verwendet, die Gegenstand einer unerlaubten </div> <div class="para">Veränderung gewesen seien (Plädoyer Prof. Trechsel </div> <div class="para">S. 8/9). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Es trifft zu, dass die Anklageschrift in diesem </div> <div class="para">Punkt nicht ganz glücklich formuliert ist. In der Ueber- </div> <div class="para">schrift zu Anklageziffer 4 wird dem Angeklagten vor- </div> <div class="para">geworfen, er habe sich des wiederholten Gebrauchs </div> <div class="para">"verfälschter" ausländischer Ausweise schuldig gemacht </div> <div class="para">(Anklageschrift S. 5). Bei der Darstellung des dem An- </div> <div class="para">geklagten zur Last gelegten Sachverhalts schreibt der </div> <div class="para">Bundesanwalt jedoch wörtlich: Der Angeklagte habe sich </div> <div class="para">schuldig gemacht, "indem er... mit einem echten, mit </div> <div class="para">unwahren (falschen) Angaben versehenen israelischen Pass </div> <div class="para">-. lautend auf Jacob Track... in die Schweiz einreiste </div> <div class="para">und diese... wiederum verliess... sowie... mit einem </div> <div class="para">anderen echten, mit unwahren (falschen) Angaben versehe- </div> <div class="para">nen israelischen Pass, lautend auf Issac Bental... in </div> <div class="para">die Schweiz einreiste" (Anklageschrift S. 5/6; ebenso im </div> <div class="para">Wesentlichen in der Ausdehnung der Anklage vom 4. Juli </div> <div class="para">2000 S. 2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Bei der Formulierung des angeklagten Sachver- </div> <div class="para">haltes hat der Bundesanwalt die Tatbestandsvariante der </div> <div class="para">Falschbeurkundung hinreichend erfasst. Der Angeklagte </div> <div class="para">konnte genau erkennen, "welches historische Ereignis, </div> <div class="para">welcher Lebensvorgang, welche Handlung... Gegenstand </div> <div class="para">der Beurteilung bilden soll, und welches Delikt, welcher </div> <div class="para">strafrechtliche Tatbestand in dieser Handlung zu finden </div> <div class="para">sei" (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IV-348%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page348">BGE 120 IV 348</a> E. 3c S. 355), und er konnte sich </div> <div class="para">gegen den ihm gemachten Vorwurf verteidigen. Eine Ver- </div> <div class="para">letzung des Akkusationsprinzips liegt nicht vor. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> d) Die Verteidigung macht geltend, das StGB </div> <div class="para">erfasse den ungewöhnlichen Fall nicht, dass jemand einen </div> <div class="para">echten, durchaus für ihn bestimmten Ausweis benütze, der </div> <div class="para">inhaltlich unrichtig sei (Plädoyer Prof. Trechsel S. 9). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Rechtsprechung hat erkannt, dass <span class="artref">Art. 252 </span></div> <div class="para">StGB die Falschbeurkundung zwar nicht erwähnt, diese </div> <div class="para">aber dennoch darunter fällt (<span class="bgeref_err">BGE 70 IV 169</span> E. 2). Jeden- </div> <div class="para">falls im Ergebnis erscheint diese Rechtsprechung als </div> <div class="para">vernünftig (vgl. <u>Günter Stratenwerth</u>, Schweizerisches </div> <div class="para">Strafrecht, Besonderer Teil II: Straftaten gegen Gemein- </div> <div class="para">interessen, 4. Aufl., Bern 1995, <span class="artref">§ 37 N 5</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte hat, indem er echte, aber in- </div> <div class="para">haltlich unwahre Ausweisschriften zur Täuschung miss- </div> <div class="para">brauchte, den Tatbestand von <span class="artref">Art. 252 StGB</span> in objektiver </div> <div class="para">Hinsicht erfüllt. Daran ändert nichts, dass die Ausweis- </div> <div class="para">schriften durch die zuständige Stelle in Israel aus- </div> <div class="para">gestellt worden sind, denn entscheidend ist nur, dass </div> <div class="para">die Ausweisschriften - was der Angeklagte wusste - </div> <div class="para">inhaltlich unwahr waren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> e) Der subjektive Tatbestand erfordert neben </div> <div class="para">dem Vorsatz, der ohne weiteres zu bejahen ist, die Ab- </div> <div class="para">sicht, "sich oder einem anderen das Fortkommen zu er- </div> <div class="para">leichtern". Das Fortkommen wird von der Rechtsprechung </div> <div class="para">in einem weiten Sinn als "Verbesserung der persönlichen </div> <div class="para">Lage" verstanden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F98-IV-55%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page55">BGE 98 IV 55</a> E. 2 S. 59). Das ent- </div> <div class="para">spricht den romanischen Gesetzestexten, die den Ausdruck </div> <div class="para">"dans le dessein d'améliorer la situation" bzw. "al fine </div> <div class="para">di migliorare la situazione" verwenden. So handelt z.B. </div> <div class="para">in der Absicht, sich "das Fortkommen zu erleichtern", </div> <div class="para">wer Arztrezepte (die ebenfalls unter <span class="artref">Art. 252 StGB</span> fal- </div> <div class="para">len) fälscht, um ein bestimmtes Medikament in der von </div> <div class="para">ihm gewünschten Menge und über den von ihm selber be- </div> <div class="para">stimmten Zeitraum ohne weiteres und insbesondere ohne </div> <div class="para">Gang zum Arzt zu erhalten (Urteil des Bundesgerichts vom </div> <div class="para">26. Juni 1996). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte verwendete die Pässe zweimal bei </div> <div class="para">der Einreise in die Schweiz und einmal bei der Ausreise </div> <div class="para">aus unserem Land, bei der Anmietung zweier Fahrzeuge und </div> <div class="para">bei der Einschreibung in zwei Hotels. Der Gebrauch der </div> <div class="para">Pässe setzte ihn in die Lage, in der Schweiz seiner </div> <div class="para">Tätigkeit nachzugehen. Zudem verwendete er den einen der </div> <div class="para">Pässe am Morgen des 19. Februar 1998 in der Liegenschaft </div> <div class="para">Wabersackerstrasse 27 in Köniz gegenüber der Berner </div> <div class="para">Kantonspolizei, um - wie der Bundesanwalt feststellt - </div> <div class="para">"sich noch einmal durchschummeln zu können" (Plädoyer </div> <div class="para">S. 23). Es ging ihm also darum, sich das Fortkommen zu </div> <div class="para">erleichtern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte hat auch den subjektiven Tat- </div> <div class="para">bestand erfüllt und ist deshalb der Fälschung von Aus- </div> <div class="para">weisen im Sinne von Art. 252 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 255 </span></div> <div class="para">StGB schuldig zu sprechen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> f) Der Bundesanwalt beantragt, eventuell sei </div> <div class="para">der Angeklagte zusätzlich der Widerhandlung gegen </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 23 Abs. 1 ANAG</span> schuldig zu sprechen. Diese Be- </div> <div class="para">stimmung ist anwendbar, wenn der Täter ausschliesslich </div> <div class="para">aus fremdenpolizeilichen Motiven handelt (BGE 117 IV </div> <div class="para">170). Dies trifft auf den Angeklagten nicht zu, der die </div> <div class="para">Pässe bei der Anmietung von Fahrzeugen und der Ein- </div> <div class="para">schreibung in Hotels und somit deshalb verwendet hat, um </div> <div class="para">in der Schweiz seiner Tätigkeit nachgehen zu können. Die </div> <div class="para">Umgehung fremdenpolizeilicher Vorschriften stand für ihn </div> <div class="para">nicht im Vordergrund. Ein Schuldspruch wegen Widerhand- </div> <div class="para">lung gegen <span class="artref">Art. 23 ANAG</span> fällt deshalb ausser Betracht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>9.- </u> </div> <div class="para"> a) Die Verteidigung macht geltend, selbst wenn </div> <div class="para">der Angeklagte die Tatbestände erfüllt hätte, fehle es </div> <div class="para">an einem Verschulden. Der Angeklagte sei von seinen </div> <div class="para">Auftraggebern dahingehend orientiert worden, dass durch </div> <div class="para">die Abhöraktion Nachrichten über die Planung terroristi- </div> <div class="para">scher Anschläge eingeholt werden sollten. Von diesem </div> <div class="para">"Faktum" sei der Angeklagte ausgegangen. Die Aktion habe </div> <div class="para">der Abwendung einer Gefahr gedient, die "möglicherweise" </div> <div class="para">eine unmittelbare gewesen sei. Die Gefährdung von Leib </div> <div class="para">und Leben, die - angeblich - von Abdallah El-Zein und </div> <div class="para">namentlich von der Hizbollah ausgegangen sei, sei in den </div> <div class="para">Augen des Mossad und auch für den Angeklagten völlig </div> <div class="para">real gewesen. Der Angeklagte habe sich "schlimmsten- </div> <div class="para">falls" in einem Sachverhaltsirrtum nach <span class="artref">Art. 19 StGB</span> </div> <div class="para">befunden, und es liege mindestens ein Putativnotstand </div> <div class="para">vor. Damit fehle es an der Schuld und müsse ein Frei- </div> <div class="para">spruch "auf der ganzen Linie" erfolgen (Plädoyer </div> <div class="para">Prof. Trechsel S. 10/11). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Eine Tat bleibt straflos, wenn jemand sie </div> <div class="para">begeht, um sein Gut, namentlich Leben, Leib, Freiheit, </div> <div class="para">Ehre, Vermögen, aus einer unmittelbaren, nicht anders </div> <div class="para">abwendbaren Gefahr zu erretten, und wenn die Gefahr vom </div> <div class="para">Täter nicht verschuldet ist und ihm den Umständen nach </div> <div class="para">nicht zugemutet werden konnte, das gefährdete Gut preis- </div> <div class="para">zugeben (<span class="artref">Art. 34 Ziff. 1 Abs. 1 StGB</span>). Die Tat, die </div> <div class="para">jemand begeht, um das Gut eines anderen, namentlich </div> <div class="para">Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Vermögen, aus einer un- </div> <div class="para">mittelbaren, nicht anders abwendbaren Gefahr zu er- </div> <div class="para">retten, ist ebenfalls straflos (<span class="artref">Art. 34 Ziff. 2 Satz 1 </span></div> <div class="para">StGB). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Voraussetzung eines Notstands gemäss <span class="artref">Art. 34 </span></div> <div class="para">StGB ist, dass die Gefahr eine <u>unmittelbare</u> ist. Eine </div> <div class="para">Gefahr ist dann unmittelbar, wenn sie aktuell und kon- </div> <div class="para">kret ist (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-IV-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 122 IV 1</a> E. 3a). Bei einer andauernden und </div> <div class="para">permanenten Gefahr ist der Begriff der Unmittelbarkeit </div> <div class="para">allerdings etwas weiter auszulegen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-IV-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 122 IV 1</a> </div> <div class="para">E. 3b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Im vorliegenden Fall war eine aktuelle und </div> <div class="para">konkrete Gefahr im Sinne von <span class="artref">Art. 34 StGB</span> nicht gegeben. </div> <div class="para">Es ging dem Angeklagten um die Beschaffung von Informa- </div> <div class="para">tionen darüber, ob Abdallah El-Zein <u>künftige</u> Terrorakte </div> <div class="para">plane. Die Aktion bezweckte, <u>frühzeitig</u> Anzeichen für </div> <div class="para">terroristische Anschläge gegen israelische und jüdische </div> <div class="para">Personen und Einrichtungen zu erkennen, um sie zu ver- </div> <div class="para">hindern (Eingabe der Verteidigung an das Bundesgericht </div> <div class="para">vom 20. Januar 2000 S. 2). Man wollte "eine Antenne </div> <div class="para">ausfahren", mit welcher Nachrichten über die <u>Planung</u> </div> <div class="para">terroristischer Anschläge eingeholt werden sollten </div> <div class="para">(Plädoyer Prof. Trechsel S. 10). Der Bundesanwalt hat </div> <div class="para">zutreffend ausgeführt, zwar könne von einer abstrakten </div> <div class="para">Gefährdung israelischer Interessen gesprochen werden; </div> <div class="para">eine unmittelbare Gefährdung, die anders als durch die </div> <div class="para">Abhöraktion nicht abzuwenden gewesen wäre, sei jedoch </div> <div class="para">nicht ersichtlich (Plädoyer S. 32). Einzuräumen ist, </div> <div class="para">dass die allgemeine Gefahrenlage für Israel als erhöht </div> <div class="para">bewertet werden darf. Dies ist im Zusammenhang mit dem </div> <div class="para">Notstand gemäss <span class="artref">Art. 34 StGB</span> aber nicht ausschlaggebend; </div> <div class="para">entscheidend ist einzig, wie die schweizerische Gesetz- </div> <div class="para">gebung und die schweizerische Rechtsprechung die Un- </div> <div class="para">mittelbarkeit im Sinne von <span class="artref">Art. 34 StGB</span> definieren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Ist die Unmittelbarkeit der Gefahr zu ver- </div> <div class="para">neinen, müssen die weiteren Voraussetzungen eines </div> <div class="para">Notstandes im Sinne von <span class="artref">Art. 34 StGB</span> nicht geprüft </div> <div class="para">werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> c) Der vom Angeklagten geltend gemachte </div> <div class="para">Putativnotstand liegt dann vor, wenn der Täter irr- </div> <div class="para">tümlich annimmt, die Voraussetzungen eines Notstandes </div> <div class="para">seien gegeben. Dann ist er gemäss <span class="artref">Art. 19 StGB</span> nach </div> <div class="para">seiner Vorstellung zu beurteilen (vgl. <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-IV-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">BGE 122 IV 1</a> </div> <div class="para">E. 2b und dortige Hinweise; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-IV-49%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page49">125 IV 49</a> E. 2; <u>Günter</u> </div> <div class="para"> <u>Stratenwerth</u>, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner </div> <div class="para">Teil I: Die Straftat, 2. Aufl., Bern 1996, <span class="artref">§ 11 N 84</span> </div> <div class="para">ff.; vgl. auch <u>Joachim Hirsch</u>, StGB, Leipziger Kommen- </div> <div class="para">tar, 11. Aufl., Berlin 1994, <span class="artref">§ 35 N 74</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Entgegen der Auffassung des Angeklagten kann in </div> <div class="para">seinem Fall von einem Putativnotstand nicht die Rede </div> <div class="para">sein. Den Akten und den Aussagen des Angeklagten ist </div> <div class="para">nirgends zu entnehmen, dass dieser die Absicht gehabt </div> <div class="para">hätte, eine unmittelbare Gefahr abzuwehren. Dies aber </div> <div class="para">wäre zur Annahme eines Putativnotstandes erforderlich. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">V. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>10.- </u> </div> <div class="para"> a) Gemäss <span class="artref">Art. 63 StGB</span> misst der Richter die </div> <div class="para">Strafe nach dem Verschulden des Täters zu; er berück- </div> <div class="para">sichtigt dabei die Beweggründe, das Vorleben und die </div> <div class="para">persönlichen Verhältnisse des Schuldigen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte wird schuldig gesprochen der </div> <div class="para">verbotenen Handlungen für einen fremden Staat im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 271 Ziff. 1 StGB</span>, des politischen Nachrichten- </div> <div class="para">dienstes im Sinne von <span class="artref">Art. 272 Ziff. 1 StGB</span> sowie der </div> <div class="para">Fälschung von Ausweisen im Sinne von <span class="artref">Art. 252 StGB</span>. Hat </div> <div class="para">der Täter durch eine oder mehrere Handlungen mehrere </div> <div class="para">Freiheitsstrafen verwirkt, so verurteilt ihn der Richter </div> <div class="para">gemäss <span class="artref">Art. 68 Ziff. 1 Abs. 1 StGB</span> zu der Strafe der </div> <div class="para">schwersten Tat und erhöht deren Dauer angemessen; er </div> <div class="para">kann jedoch das höchste Mass der angedrohten Strafe </div> <div class="para">nicht um mehr als die Hälfte erhöhen; dabei ist er an </div> <div class="para">das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden. Im </div> <div class="para">vorliegenden Fall ist bei allen Tatbeständen, deren der </div> <div class="para">Angeklagte sich schuldig gemacht hat, die Strafdrohung </div> <div class="para">Gefängnis von drei Tagen bis zu drei Jahren (<span class="artref">Art. 36 </span></div> <div class="para">StGB). Bei der Fälschung von Ausweisen ist es zudem </div> <div class="para">möglich, eine Busse auszusprechen. Da der Richter an das </div> <div class="para">gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden ist, liegt </div> <div class="para">der obere Strafrahmen im vorliegenden Fall bei drei </div> <div class="para">Jahren Gefängnis (die abweichende Feststellung in der </div> <div class="para">Kurzbegründung des vorliegenden Entscheids ist ein Ver- </div> <div class="para">sehen; vgl. <u>Trechsel</u>, a.a.O., <span class="artref">Art. 68 N 13</span>; <u>Straten</u> - </div> <div class="para"> <u>werth</u>, Allgemeiner Teil I, a.a.O., <span class="artref">§ 19 N 27</span>; <u>Jörg Reh</u> - </div> <div class="para"> <u>berg</u>, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 6. Aufl., </div> <div class="para">Zürich 1994, S. 70 f.; <u>Hans Schultz</u>, Einführung in den </div> <div class="para">allgemeinen Teil des Strafrechts, 4. Aufl., Bern 1982, </div> <div class="para">S. 81; <u>Paul Logoz</u>, Commentaire du Code Pénal Suisse, </div> <div class="para">Partie Générale, 2. Aufl., Neuchâtel 1976, S. 369; <u>Vital</u> </div> <div class="para"> <u>Schwander</u>, Das Schweizerische Strafgesetzbuch, 2. Aufl., </div> <div class="para">Zürich 1952, S. 203; <u>Thormann/von Overbeck</u>, Schweizeri- </div> <div class="para">sches Strafgesetzbuch, Allgemeiner Teil, Zürich 1940, </div> <div class="para">S. 223 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Einen ersten Anhaltspunkt bei der </div> <div class="para">Strafzumessung bildet der Antrag des Bundesanwalts, der </div> <div class="para">eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten und eine Busse von </div> <div class="para">Fr. 5'000.-- als angemessen erachtet (allerdings unter </div> <div class="para">der Annahme eines schweren Falles im Sinne von <span class="artref">Art. 271 </span></div> <div class="para">StGB). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Weiter ist auf einen anderen vom Bundesstraf- </div> <div class="para">gericht am 5. November 1997 beurteilten Fall hinzuwei- </div> <div class="para">sen. Die beiden damaligen Angeklagten wurden des poli- </div> <div class="para">tischen Nachrichtendienstes sowie der Verletzung des </div> <div class="para">Amtsgeheimnisses (bzw. der Beihilfe dazu) schuldig </div> <div class="para">gesprochen und zu 18 bzw. 15 Monaten Gefängnis ver- </div> <div class="para">urteilt. Dieses Strafmass wurde als angemessen erachtet, </div> <div class="para">obwohl - im Gegensatz zum heute zu prüfenden Fall - </div> <div class="para">mehrere Geschädigte erheblich gefährdet worden waren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Wie bereits in E. I/1 ausgeführt, hat der </div> <div class="para">Angeklagte seinen wahren Namen und seine Personalien </div> <div class="para">auch vor Gericht nicht preisgegeben. Ueber sein Vorleben </div> <div class="para">und seine persönlichen Verhältnisse ist fast nichts </div> <div class="para">bekannt. Er ist in den Mossad eingetreten, weil er nach </div> <div class="para">seinen Angaben in der Hauptverhandlung "seinem Land </div> <div class="para">helfen" wollte; er hat ebenfalls nach seinen Angaben nie </div> <div class="para">bei einer Aktion mitgewirkt, bei der Menschen verletzt </div> <div class="para">oder gar getötet worden wären; er ist nach wie vor beim </div> <div class="para">Mossad beschäftigt und befindet sich zurzeit in einer </div> <div class="para">Weiterbildung zum Master of Business Administration. Er </div> <div class="para">ist nach seinen Angaben in der Hauptverhandlung nicht </div> <div class="para">vorbestraft, was von den israelischen Behörden bestätigt </div> <div class="para">worden ist (Schreiben des Generalstaatsanwaltes vom </div> <div class="para">10. Juni 1998). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Dem Angeklagten ist ein beträchtliches Ver- </div> <div class="para">schulden zur Last zu legen, auch wenn dem Unternehmen </div> <div class="para">letztlich kein Erfolg beschieden war. Er hat zusammen </div> <div class="para">mit den anderen Beteiligten und im Auftrag des israeli- </div> <div class="para">schen Geheimdienstes Mossad die Gebietshoheit und die </div> <div class="para">Souveränität der Schweiz in unverfrorener und nicht zu </div> <div class="para">duldender Weise verletzt und die Voraussetzung für die </div> <div class="para">Ausforschung eines Angehörigen der Schweiz zu schaffen </div> <div class="para">versucht. Zusätzlich hat er zur Erreichung seines Zieles </div> <div class="para">ein Urkundendelikt begangen. Der Angeklagte war ein </div> <div class="para">echtes, vollwertiges Mitglied des Agententeams und nicht </div> <div class="para">bloss eine untergeordnete Hilfskraft. Immerhin ist zu </div> <div class="para">seinen Gunsten zu berücksichtigen, dass er in eine Be- </div> <div class="para">fehlsstruktur eingebunden war, die ihm im vorliegenden </div> <div class="para">Fall wohl wenig Entscheidungsfreiheit liess und die </div> <div class="para">Ablehnung des Auftrages schwierig gemacht hätte. Weiter </div> <div class="para">ist erheblich strafmindernd in Rechnung zu stellen, dass </div> <div class="para">er glaubte, durch sein Vorgehen werde von seinem Heimat- </div> <div class="para">staat Israel oder von dessen Einwohnern oder von anderen </div> <div class="para">jüdischen Personen eine - wenn auch nicht unmittelbar </div> <div class="para">drohende - Gefahr abgewendet. Schliesslich spricht für </div> <div class="para">ihn, dass er vollumfänglich geständig ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> In Berücksichtigung dieser Umstände ist eine </div> <div class="para">Sanktion auszusprechen, die etwas unter dem Antrag des </div> <div class="para">Bundesanwalts liegt. Angemessen erscheint eine Strafe </div> <div class="para">von zwölf Monaten Gefängnis. Auf eine Busse kann ver- </div> <div class="para">zichtet werden, weil der Angeklagte nicht aus finan- </div> <div class="para">ziellen Motiven gehandelt hat. Die ausgestandene Unter- </div> <div class="para">suchungshaft ist in Anwendung von <span class="artref">Art. 69 StGB</span> anzurech- </div> <div class="para">nen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>11.- </u> </div> <div class="para"> a) Gemäss <span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB</span> kann der </div> <div class="para">Richter den Vollzug einer Freiheitsstrafe von nicht mehr </div> <div class="para">als 18 Monaten aufschieben, wenn Vorleben und Charakter </div> <div class="para">des Verurteilten erwarten lassen, er werde schon durch </div> <div class="para">eine bedingte Strafe von weiteren Delikten abgehalten. </div> <div class="para">Der Richter hat also eine Prognose über das zukünftige </div> <div class="para">Verhalten des Täters anzustellen. In die Beurteilung </div> <div class="para">miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das </div> <div class="para">Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, </div> <div class="para">die gültige Schlüsse über den Charakter des Täters und </div> <div class="para">die Aussichten seiner Bewährung zulassen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=8&amp;from_date=30.06.2000&amp;to_date=19.07.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IV-97%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page97">BGE 118 IV 97</a> </div> <div class="para">E. 2b). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Ueber den Angeklagten ist wenig bekannt. </div> <div class="para">Zunächst ist - wie schon gesagt - darauf abzustellen, </div> <div class="para">dass er nicht vorbestraft ist. Der israelische General- </div> <div class="para">staatsanwalt hat zudem zugesichert, dass der Angeklagte </div> <div class="para">in der Schweiz keine Pflichten für den Staat Israel mehr </div> <div class="para">wahrnehmen wird (Schreiben vom 28. Juni 2000). Der Bun- </div> <div class="para">desanwalt weist allerdings zu Recht darauf hin, dass </div> <div class="para">jemandem nicht schon deshalb eine günstige Prognose </div> <div class="para">gestellt werden kann, weil er verspricht, künftig <u>in der</u> </div> <div class="para"> <u>Schweiz</u> nicht mehr straffällig zu werden (Plädoyer </div> <div class="para">S. 51). Die Prognose muss das Verhalten in der Schweiz </div> <div class="para">und im Ausland betreffen. Immerhin bildet sich der An- </div> <div class="para">geklagte zurzeit weiter, und die neue Ausbildung lässt </div> <div class="para">es als möglich erscheinen, dass er in Zukunft eher im </div> <div class="para">administrativen Bereich eingesetzt werden wird. Ins- </div> <div class="para">gesamt kann ihm insbesondere deshalb, weil er zum ersten </div> <div class="para">Mal straffällig geworden ist, eine günstige Prognose </div> <div class="para">gestellt und damit der bedingte Strafvollzug gewährt </div> <div class="para">werden. Die Probezeit ist auf zwei Jahre festzusetzen </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 Abs. 3 StGB</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> In diesem Zusammenhang kann im Uebrigen ergän- </div> <div class="para">zend darauf hingewiesen werden, dass in dem vom Bundes- </div> <div class="para">strafgericht am 5. November 1997 beurteilten Fall von </div> <div class="para">politischem Nachrichtendienst beiden Angeklagten (auch </div> <div class="para">dem ausländischen) der bedingte Strafvollzug gewährt </div> <div class="para">wurde. Selbst die damalige Bundesanwältin hatte einen </div> <div class="para">entsprechenden Antrag gestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>12.- </u> </div> <div class="para"> a) Gemäss <span class="artref">Art. 55 Abs. 1 StGB</span> kann der Richter </div> <div class="para">den Ausländer, der zu Zuchthaus oder Gefängnis ver- </div> <div class="para">urteilt wird, für drei bis 15 Jahre aus dem Gebiet der </div> <div class="para">Schweiz verweisen. Die Landesverweisung ist Nebenstrafe </div> <div class="para">und Sicherungsmassnahme zugleich. Obwohl der zweite </div> <div class="para">Gesichtspunkt im Vordergrund steht, verlangt ihre Eigen- </div> <div class="para">schaft als Nebenstrafe, dass sie in Anwendung von </div> <div class="para"><span class="artref">Art. 63 StGB</span> festgesetzt wird. Sie bemisst sich folglich </div> <div class="para">unter diesem Gesichtswinkel nach dem Verschulden des </div> <div class="para">Täters, nach seinen Beweggründen, dem Vorleben und </div> <div class="para">seinen persönlichen Verhältnissen. Damit ist jedoch der </div> <div class="para">Sicherungszweck der Landesverweisung nicht ausgeschal- </div> <div class="para">tet. Es ist Sache des Richters, im Einzelfall dem Straf- </div> <div class="para">und dem Sicherungszweck Rechnung zu tragen. Zwischen der </div> <div class="para">Dauer der Haupt- und jener der Nebenstrafe wird dabei in </div> <div class="para">der Regel eine gewisse Uebereinstimmung bestehen (BGE </div> <div class="para">123 IV 107 E. 1 und 3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Der Angeklagte hat als Ausländer gegen die </div> <div class="para">Hoheitsrechte und die Souveränität der Schweiz verstos- </div> <div class="para">sen. Gerade diese Art von Delikten lässt die Anordnung </div> <div class="para">einer Landesverweisung als unumgänglich erscheinen. </div> <div class="para"> Der Bundesanwalt beantragt, der Angeklagte sei </div> <div class="para">für zehn Jahre des Landes zu verweisen. Auch hier er- </div> <div class="para">scheint eine Sanktion als angemessen, die unter dem </div> <div class="para">Antrag des Bundesanwalts liegt. Zum Verschulden und den </div> <div class="para">persönlichen Verhältnissen des Angeklagten kann auf das </div> <div class="para">bei der Strafzumessung Gesagte verwiesen werden. Die </div> <div class="para">Dauer der Landesverweisung ist auf fünf Jahre festzuset- </div> <div class="para">zen. Damit ist dem Sicherungsbedürfnis der Schweiz hin- </div> <div class="para">reichend Rechnung getragen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Der bedingte Vollzug einer Nebenstrafe ist </div> <div class="para">unter den gleichen Voraussetzungen, die bei einer Frei- </div> <div class="para">heitsstrafe verlangt werden, möglich (<span class="artref">Art. 41 Ziff. 1 </span></div> <div class="para">Abs. 1 StGB). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Im vorliegenden Fall ist der bedingte Vollzug </div> <div class="para">der Landesverweisung zu verweigern, da der Angeklagte </div> <div class="para">ausschliesslich zur Begehung der Straftaten in die </div> <div class="para">Schweiz gekommen ist und keinerlei Beziehungen zu </div> <div class="para">unserem Land hat. Er hat sich dem entsprechenden Antrag </div> <div class="para">des Bundesanwalts denn auch nicht widersetzt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">VI. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>13.- </u> </div> <div class="para"> Der Bundesanwalt hat in Bezug auf die im Zu- </div> <div class="para">sammenhang mit dem vorliegenden Fall beschlagnahmten </div> <div class="para">Gegenstände und Beweismittel drei Listen erstellt. Liste </div> <div class="para">A enthält die Gegenstände, die gemäss <span class="artref">Art. 58 Abs. 1 </span></div> <div class="para">StGB eingezogen werden sollen (z.B. als Position 58 den </div> <div class="para">Holzbalken mit der eingebauten Abhöranlage); Liste B </div> <div class="para">umfasst die Gegenstände, die bei den Akten zu belassen </div> <div class="para">seien (z.B. als Position 17 das Flugticket Tel Aviv </div> <div class="para">- Wien - Zürich - Tel Aviv, das der Angeklagte bei </div> <div class="para">seiner zweiten Einreise in die Schweiz verwendet hat); </div> <div class="para">und Liste C nennt die Gegenstände, die an den Angeklag- </div> <div class="para">ten zu Handen der Berechtigten herausgegeben werden </div> <div class="para">sollen (z.B. als Position 47 eine Sonnenbrille und ein </div> <div class="para">Brillenetui). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Die Verteidigung widersetzt sich der Einzie- </div> <div class="para">hung nicht, beantragt aber, es sei für die eingezogenen </div> <div class="para">Gegenstände gemäss <span class="artref">Art. 58 Abs. 2 StGB</span> die Vernichtung </div> <div class="para">anzuordnen, denn es sei zu befürchten, dass "die 'recht </div> <div class="para">raffinierte' Bastelarbeit... in falsche Hände geraten </div> <div class="para">und dann wirklich illegal eingesetzt werden könnte" </div> <div class="para">(Plädoyer Prof. Trechsel S. 11/12). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> Für diese Befürchtung besteht kein Anlass. Die </div> <div class="para">in Liste A aufgeführten Gegenstände werden nach Eintritt </div> <div class="para">der Rechtskraft des Urteils (vgl. <span class="artref">Art. 239 Abs. 1 BStP</span>) </div> <div class="para">dem Bundesanwalt übergeben, und dieser wird dafür sor- </div> <div class="para">gen, dass Unberechtigte darauf keinen Zugriff haben. </div> <div class="para">Folglich ist so zu entscheiden, wie der Bundesanwalt es </div> <div class="para">beantragt hat. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>14.- </u> </div> <div class="para"> a) Bei diesem Ausgang sind die Kosten des </div> <div class="para">Verfahrens dem Angeklagten aufzuerlegen (<span class="artref">Art. 172 Abs. 1 </span></div> <div class="para">BStP). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Das israelische Finanzministerium ist damit </div> <div class="para">einverstanden, dass die Kosten aus der vom israelischen </div> <div class="para">Staat geleisteten Kaution bezogen werden (Bestätigung </div> <div class="para">vom 23. April 1998). Nach Abzug dieser Kosten ist der </div> <div class="para">Rest der Kaution dem Berechtigten herauszugeben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Aus diesen Gründen hat das Bundesstrafgericht </u> </div> <div class="para"> <u>e r k a n n t : </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>1.- </u> </div> <div class="para"> a) Issac Bental wird schuldig gesprochen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> - der verbotenen Handlungen für einen fremden </div> <div class="para">Staat im Sinne von <span class="artref">Art. 271 Ziff. 1 StGB</span>, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> - des politischen Nachrichtendienstes im Sinne </div> <div class="para">von <span class="artref">Art. 272 Ziff. 1 StGB</span>, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> - der Fälschung von Ausweisen im Sinne von </div> <div class="para">Art. 252 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 255 StGB</span>. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Das Verfahren wegen versuchten Abhörens und </div> <div class="para">Aufnehmens fremder Gespräche wird infolge Rückzugs des </div> <div class="para">Strafantrags eingestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>2.- </u> </div> <div class="para"> a) Issac Bental wird bestraft mit 12 Monaten </div> <div class="para">Gefängnis, abzüglich 65 Tage erstandener Untersuchungs- </div> <div class="para">haft. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Freiheitsstrafe wird bedingt aufgescho- </div> <div class="para">ben bei einer Probezeit von zwei Jahren. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>3.- </u> </div> <div class="para"> Issac Bental wird für die Dauer von fünf Jahren </div> <div class="para">des Landes verwiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>4.- </u> </div> <div class="para"> a) Die beschlagnahmten Gegenstände und Beweis- </div> <div class="para">mittel gemäss Liste A und Liste B der Bundesanwaltschaft </div> <div class="para">werden zu Handen des Bundes eingezogen bzw. bei den </div> <div class="para">Akten belassen. </div> <div class="para"> b) Die übrigen beschlagnahmten Gegenstände </div> <div class="para">werden nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils Issac </div> <div class="para">Bental zu Handen der Berechtigten herausgegeben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>5.- </u> </div> <div class="para"> a) Die Kosten von Fr. 100'000.-- werden Issac </div> <div class="para">Bental auferlegt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> b) Die Bundesgerichtskasse wird angewiesen, die </div> <div class="para">geleistete Kaution samt Zinsen nach Abzug der Kosten dem </div> <div class="para">Berechtigten herauszugeben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">--------- </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen nach der Zu- </div> <div class="para">stellung des begründeten Entscheides beim Präsidenten </div> <div class="para">des ausserordentlichen Kassationshofes des Bundesge- </div> <div class="para">richts wegen der in <span class="artref">Art. 220 BStP</span> umschriebenen Gründe </div> <div class="para">Nichtigkeitsbeschwerde eingereicht werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 7. Juli 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des BUNDESSTRAFGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>