<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 19" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 19</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">234</span> </div> <div class="page" id="S234"> <span class="text"><b>19 </b> <b>Schutzumfang in einer Altstadtzone</b></span><br/> <span class="text">Auslegung kommunaler Vorschriften im Hinblick auf den Schutzumfang</span><br/> <span class="text">in einer Altstadtzone. Im Anwendungsfall fehlt es an einer klaren gesetz-</span><br/> <span class="text">lichen Grundlage, die es dem Stadtrat erlaubt, bei inneren Umbauten von</span><br/> <span class="text">Gebäuden in den Altstadtzonen Bauvorgaben anzuordnen. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 24. Oktober</span><br/> <span class="text">2018, in Sachen A. AG gegen Stadtrat X. und Departement Bau, Verkehr und</span><br/> <span class="text">Umwelt (WBE.2018.160).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">1.</span><br/> <span class="text">Die Parzelle Nr. yyy befindet sich in der Altstadt von X. (...).</span><br/> <span class="text">Das auf dieser Parzelle befindliche Gebäude Nr. zzz liegt in der Alt-</span><br/> <span class="text">stadtzone (grösstenteils in der Altstadtzone Ab; vgl. Nutzungsplan</span><br/> <span class="text">[...]). Das Haus ist Teil der Häuserzeile an der Verzweigung (...). Vor-</span><br/> <span class="text">gesehen bzw. bereits vollendet sind der Einbau von Dachlukarnen</span><br/> <span class="text">und Ochsenaugen, Fassadenänderungen sowie innere Umbauten. Im</span><br/> <span class="text">Keller, im EG und teilweise im 1. OG soll das Haus in ein</span><br/> <span class="text">Bistro/Café/Bar umgenutzt werden. In der nordöstlichen Gebäude-</span><br/> <span class="text">ecke ist deshalb der Einbau eines 0.8 x 1.0 m (gemäss Vorinstanz)</span><br/> <span class="text">grossen Warenlifts (nachfolgend: Kleingüteraufzug) geplant. Dieser</span><br/> <span class="text">soll vom Keller ins EG und weiter ins 1. OG (Küche) führen. Die für</span><br/> <span class="text">den Kleingüteraufzug erforderlichen Durchbrüche der Geschoss-</span><br/> <span class="text">decken sind heute bereits vorhanden, wobei unbestritten ist, dass die</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführerin diese Durchbrüche (unabhängig von deren</span><br/> <span class="text">vorbestehenden Grösse) zumindest auf die für den Einbau erforder-</span><br/> <span class="text">lichen Abmessungen erweitert hat.</span><br/> <span class="text">Streitgegenstand vor Verwaltungsgericht bildet einzig die Frage,</span><br/> <span class="text">ob der Kleingüteraufzug (inkl. der dafür erforderlichen Durchbrüche)</span><br/> <span class="text">bewilligt werden kann.</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">235</span> </div> <div class="page" id="S235"> <div role="main"> <span class="text">2. (...)</span><br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">3.1.</span><br/> <span class="text">Ausgangspukt der Auslegung eines Rechtssatzes bildet der</span><br/> <span class="text">Wortlaut der Bestimmung (grammatikalisches Element; BGE 143 I</span><br/> <span class="text">277; 142 V 404 f.). Ist der Wortlaut der Bestimmung klar, d.h.</span><br/> <span class="text">eindeutig und unmissverständlich, darf davon nur abgewichen wer-</span><br/> <span class="text">den, wenn triftiger Grund für die Annahme besteht, der Wortlaut</span><br/> <span class="text">ziele am wahren Sinn der Regelung vorbei. Anlass für eine solche</span><br/> <span class="text">Annahme können die Entstehungsgeschichte der Bestimmung (histo-</span><br/> <span class="text">risches Element), ihr Zweck (teleologisches Element) oder der Zu-</span><br/> <span class="text">sammenhang mit andern Vorschriften (systematisches Element) ge-</span><br/> <span class="text">ben (BGE 143 I 277; 142 I 138). Nur für den Fall, dass der Wortlaut</span><br/> <span class="text">der Bestimmung unklar bzw. nicht restlos klar ist und verschiedene</span><br/> <span class="text">Interpretationen möglich bleiben, muss nach der wahren Tragweite</span><br/> <span class="text">der Bestimmung gesucht werden. Dabei sind alle anerkannten Ausle-</span><br/> <span class="text">gungselemente zu berücksichtigen (pragmatischer Methodenpluralis-</span><br/> <span class="text">mus; BGE 143 I 277; 142 I 138). Auch eine solche Auslegung findet</span><br/> <span class="text">ihre Grenzen aber am klaren Wortlaut und Sinn einer Gesetzes-</span><br/> <span class="text">bestimmung, indem der eindeutige Wortsinn nicht zugunsten einer</span><br/> <span class="text">solchen Interpretation beiseitegeschoben werden darf (BGE 143 I</span><br/> <span class="text">277; 141 V 225).</span><br/> <span class="text">Steht die Anwendung und Auslegung kommunaler Bestim-</span><br/> <span class="text">mungen in Frage, darf die Gemeinde im Rahmen ihres Ermessens-</span><br/> <span class="text">spielraums den verfassungsrechtlichen Schutz beanspruchen, der ihr</span><br/> <span class="text">gestützt auf die Gemeindeautonomie zusteht (§ 106 Abs. 1 KV). Die</span><br/> <span class="text">Rechtsmittelinstanzen haben sich deshalb bei der Überprüfung</span><br/> <span class="text">kommunaler Entscheide insbesondere dort zurückzuhalten, wo eine</span><br/> <span class="text">Regelung unbestimmt ist und verschiedene Auslegungsergebnisse</span><br/> <span class="text">rechtlich vertretbar erscheinen. Sie sind diesfalls gehalten, das</span><br/> <span class="text">Ergebnis der gemeinderätlichen Rechtsauslegung zu respektieren und</span><br/> <span class="text">nicht ohne Not ihre eigene Rechtsauffassung an die Stelle der</span><br/> <span class="text">gemeinderätlichen zu setzen (BGE 115 Ia 118 f. = Pra 78/1989,</span><br/> <span class="text">S. 796 f.; AGVE 2015, S. 174; 2010, S. 441, 447, 451; 2008, S. 164;</span><br/> <span class="text">2006, S. 187 f.; 2003, S. 190). Die Autonomie der Gemeinde-</span><br/> <span class="text">behörden hat jedoch insbesondere dort ihre Grenzen, wo sich eine</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">236</span> </div> <div class="page" id="S236"> <div role="main"> <span class="text">Auslegung mit dem Wortlaut sowie mit dem Sinn und Zweck des</span><br/> <span class="text">Gesetzes nicht mehr vereinbaren lässt (vgl. AGVE 2015, S. 174;</span><br/> <span class="text">2006, S. 188; 2005, S. 152; 2003, S. 190). Räumt eine Norm der</span><br/> <span class="text">rechtsanwendenden Behörde Ermessen ein, ist die Gemeindebehörde</span><br/> <span class="text">bei der Ermessensbetätigung ausserdem an die Verfassung, insbeson-</span><br/> <span class="text">dere an das Rechtsgleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip</span><br/> <span class="text">und an die Pflicht zur Wahrung öffentlicher Interessen gebunden</span><br/> <span class="text">(AGVE 2015, S. 174 f.; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX</span><br/> <span class="text">UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage,</span><br/> <span class="text">Zürich/St. Gallen 2016, Rz. 409).</span><br/> <span class="text">3.2.</span><br/> <span class="text">3.2.1.</span><br/> <span class="text">§ 33 BNO definiert die (kommunalen) Schutzobjekte: Als sol-</span><br/> <span class="text">che gelten alle Objekte gemäss §§ 34 - 39 BNO sowie alle Gebäude</span><br/> <span class="text">in den Altstadtzonen und im Kernbereich Bäderzone (§ 33 BNO). Da</span><br/> <span class="text">die hier betroffene Liegenschaft in den Altstadtzonen liegt (Erw. 1),</span><br/> <span class="text">handelt es sich somit um ein (kommunales) Schutzobjekt. Von einem</span><br/> <span class="text">Baudenkmal i.S.v. § 39 BNO - welches ebenfalls als (kommunale)</span><br/> <span class="text">Schutzobjekte sind - kann dagegen nicht gesprochen werden (vgl.</span><br/> <span class="text">Nutzungsplan [...] sowie Anhang III zur BNO). Ebenso wenig steht</span><br/> <span class="text">die Liegenschaft unter kantonalem Denkmalschutz (vgl. Nutzungs-</span><br/> <span class="text">plan [...]).</span><br/> <span class="text">Der projektierte Einbau des Kleingüteraufzugs steht im Zusam-</span><br/> <span class="text">menhang mit dem Umbau (und der teilweisen Umnutzung) des Alt-</span><br/> <span class="text">stadthauses (Gebäude Nr. zzz). Es handelt sich um bauliche Mass-</span><br/> <span class="text">nahmen ausschliesslich im Inneren des Gebäudes. Den Vorschriften</span><br/> <span class="text">in § 13 Abs. 2, 3 und 4 BNO lässt sich dagegen entnehmen, dass es</span><br/> <span class="text">hier um den Erhalt des Orts- bzw. Stadtbilds sowie um den Erhalt der</span><br/> <span class="text">Struktur der Altstadt geht: Die Altstadt ist in ihrem Gesamtbild und</span><br/> <span class="text">ihrer Struktur zu erhalten. Bauten Freiräume und stadtbildprägende</span><br/> <span class="text">Elemente mit kulturgeschichtlicher, architektonischer oder städte-</span><br/> <span class="text">baulicher Bedeutung sind in ihrem Bestand zu sichern (Abs. 2).</span><br/> <span class="text">Bauliche Massnahmen sind zulässig, wenn sie den Charakter des</span><br/> <span class="text">historisch gewachsenen Stadtbilds wahren und die schützenswerten</span><br/> <span class="text">Bestandteile der inneren Struktur erhalten. Sie müssen sich bezüglich</span><br/> <span class="text">Ausmassen, Gestaltung, Materialien und Farbgebung gut in die</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">237</span> </div> <div class="page" id="S237"> <div role="main"> <span class="text">bestehende Bebauung einfügen (Abs. 3). Für bauliche Massnahmen</span><br/> <span class="text">gilt ergänzend das Altstadtreglement (Abs. 4). Dieses befasst sich mit</span><br/> <span class="text">Dächern und Dachgeschossen (Trauf- und Firstlinien, Dachneigun-</span><br/> <span class="text">gen; Dacheindeckungen und Spenglerarbeiten; Dachaufbauten;</span><br/> <span class="text">Dachterrassen und -einschnitte; Ausbau Dachgeschosse) sowie mit</span><br/> <span class="text">Fassaden (Fenster; Fensterläden und Storen; Schaufenster, Schau-</span><br/> <span class="text">und Briefkästen; Anbauten) (vgl. Altstadtreglement). Die § 13</span><br/> <span class="text">Abs. 2, 3 und 4 BNO sowie das Altstadtreglement beziehen sich</span><br/> <span class="text">somit schon nach dem Wortlaut auf das historisch gewachsene</span><br/> <span class="text">Stadtbild und die Struktur der Altstadt. Ein Objekt soll in die Altstadt</span><br/> <span class="text">passen. Was die Gebäude anbelangt, betrifft dies mithin ihr Äusseres.</span><br/> <span class="text">§ 13 Abs. 3 BNO hält in einem Satzteil zwar fest, dass die</span><br/> <span class="text">schützenswerten Bestandteile der inneren Struktur zu erhalten</span><br/> <span class="text">seien; diese Formulierung ist jedoch im Kontext mit der Altstadt</span><br/> <span class="text">bzw. mit dem historisch gewachsenen Stadtbild zu sehen, auf dessen</span><br/> <span class="text">Charakter im selben Satz gleich zuvor explizit Bezug genommen</span><br/> <span class="text">wird (siehe oben). Zudem wird im nachfolgenden Satz ergänzt, dass</span><br/> <span class="text">sich die baulichen Massnahmen bezüglich Ausmassen, Gestaltung,</span><br/> <span class="text">Materialien und Farbgebung gut in die bestehende Bebauung einfü-</span><br/> <span class="text">gen müssen (siehe oben), womit ebenfalls nur das Stadtbild der Alt-</span><br/> <span class="text">stadt gemeint sein kann. Von der Struktur spricht im Übrigen auch</span><br/> <span class="text">§ 13 Abs. 2 BNO, wobei nach dem klaren Wortlaut auch dort die</span><br/> <span class="text">Struktur der Altstadt gemeint ist.</span><br/> <span class="text">§ 13 Abs. 5 BNO hält sodann fest, dass betreffend Unterhalt</span><br/> <span class="text">und Abbruch § 39 Abs. 1 und 4 BNO gelten. Altstadtgebäude dürfen</span><br/> <span class="text">somit grundsätzlich nicht beseitigt oder beeinträchtigt werden. Der</span><br/> <span class="text">Stadtrat kann Ausnahmen vom Beseitigungs- oder Beeinträch-</span><br/> <span class="text">tigungsverbot bewilligen, wenn wichtige Gründe dies rechtfertigen</span><br/> <span class="text">(vgl. § 13 Abs. 5 i.V.m. § 39 Abs. 1 BNO). Die Bausubstanz von</span><br/> <span class="text">Altstadtgebäuden ist zudem so zu unterhalten, dass ihr Wert erhalten</span><br/> <span class="text">bleibt. Unterhalt und Pflege sind grundsätzlich Sache der Eigentümer</span><br/> <span class="text">(§ 13 Abs. 5 i.V.m. § 39 Abs. 4 BNO). Was den vorliegenden Fall</span><br/> <span class="text">anbelangt, so geht es indes weder um Fragen des Unterhalts noch</span><br/> <span class="text">um den Abbruch eines Altstadtgebäudes. Zur Beurteilung stehen</span><br/> <span class="text">vielmehr bauliche Massnahmen (Einbau eines Kleingüteraufzugs) im</span><br/> <span class="text">Zusammenhang mit einem inneren Umbau (und einer teilweisen</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">238</span> </div> <div class="page" id="S238"> <div role="main"> <span class="text">Umnutzung). Bei einem (kommunalen) Baudenkmal wäre dieses</span><br/> <span class="text">Vorhaben wohl nach Massgabe von § 39 Abs. 3 BNO zu beurteilen,</span><br/> <span class="text">welche Bestimmung besagt, dass Bauvorhaben, insbesondere Um-</span><br/> <span class="text">und Ergänzungsbauten, wärmetechnische Sanierungen, Renova-</span><br/> <span class="text">tionen sowie Umnutzungen, die Charakteristiken des Baudenkmals</span><br/> <span class="text">erhalten müssen (§ 39 Abs. 3 BNO). Bezüglich der Altstadtzonen -</span><br/> <span class="text">um die es vorliegend geht - fehlt es jedoch an einer rechtsgenüg-</span><br/> <span class="text">lichen Vorschrift bzw. gesetzlichen Grundlage, welche bei Bau-</span><br/> <span class="text">vorhaben (wie z.B. Umbauten) und Umnutzungen die Altstadt-</span><br/> <span class="text">gebäude auch im Inneren schützen würde. Dies ist ein Unterschied</span><br/> <span class="text">zu den (kommunalen) Baudenkmälern. Letztere unterstehen einem</span><br/> <span class="text">höheren Schutzumfang, was sich auch darin äussert, dass die ein-</span><br/> <span class="text">zelnen Baudenkmäler im Nutzungsplan eingetragen und im An-</span><br/> <span class="text">hang III zur BNO aufgelistet sind und die Objekte im Verzeichnis der</span><br/> <span class="text">Baudenkmäler konkret beschrieben werden (vgl. auch § 39 Abs. 1</span><br/> <span class="text">und 2 BNO).</span><br/> <span class="text">Der unterschiedliche Schutzumfang spiegelt sich im Übrigen</span><br/> <span class="text">auch in den Vorschriften zur Bewilligungspflicht wider: Während in</span><br/> <span class="text">den Altstadtzonen nebst der Bewilligungspflicht nach Bundesrecht</span><br/> <span class="text">und kantonalem Recht (vgl. § 83 Abs. 1 BNO) nur die in § 83 Abs. 2</span><br/> <span class="text">lit. a BNO bezeichneten Vorkehren am Äusseren - Fassadenrenova-</span><br/> <span class="text">tionen, wie insbesondere die Änderung von Dacheindeckungen, das</span><br/> <span class="text">Ersetzen und der Einbau von Fenstern, Türen und Fensterläden,</span><br/> <span class="text">Spenglerarbeiten sowie Fassadenanstriche; Beschriftungen, Aussen-</span><br/> <span class="text">beleuchtungen und Fassadenreklamen; Sonnenstoren - zusätzlich</span><br/> <span class="text">bewilligungspflichtig sind (§ 83 Abs. 2 lit. a BNO), sind bei Bau-</span><br/> <span class="text">denkmälern über die in § 83 Abs. 2 lit. a BNO festgehaltenen</span><br/> <span class="text">Vorkehren (am Äusseren) hinaus auch alle baulichen Massnahmen</span><br/> <span class="text">im Inneren bewilligungspflichtig (§ 83 Abs. 2 lit. c BNO). Auch</span><br/> <span class="text">darin zeigt sich, dass der Schutzumfang und das öffentliche Interesse</span><br/> <span class="text">an einer behördlichen Kontrolle im Inneren von Baudenkmälern hö-</span><br/> <span class="text">her ist als bei Gebäuden in der Altstadtzone, für welche § 83 Abs. 2</span><br/> <span class="text">lit. c BNO nicht gilt.</span><br/> <span class="text">Demgemäss besteht in den Altstadtzonen keine gesetzliche</span><br/> <span class="text">Grundlage, welche bei Bauvorhaben (wie z.B. Umbauten) und Um-</span><br/> <span class="text">nutzungen auch das Innere der Gebäude spezifisch schützen würde.</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">239</span> </div> <div class="page" id="S239"> <div role="main"> <span class="text">3.2.2.</span><br/> <span class="text">Soweit der Stadtrat eine entsprechende Grundlage aus § 13</span><br/> <span class="text">Abs. 2 und 3 BNO ablesen will, kann ihm nicht gefolgt werden. Er</span><br/> <span class="text">zitiert bereits falsch, wenn er ausführt, die rechtliche Grundlage liege</span><br/> <span class="text">in § 13 Abs. 2 BNO begründet, wonach Altstadthäuser in ihrem Ge-</span><br/> <span class="text">samtbild und ihrer Struktur zu erhalten sind . § 13 Abs. 2 Satz 1</span><br/> <span class="text">BNO lautet nicht so, sondern Die Altstadt ist in ihrem Gesamtbild</span><br/> <span class="text">und ihrer Struktur zu erhalten. . Weiter ist die vom Stadtrat aus § 13</span><br/> <span class="text">Abs. 3 BNO zitierte Formulierung Bauliche Massnahmen sind u.a.</span><br/> <span class="text">unter Erhalt der schützenswerten Bauteile der inneren Struktur zuläs-</span><br/> <span class="text">sig - worauf er dann von einem inneren und äusseren Substanz-</span><br/> <span class="text">schutz spricht - aus dem Zusammenhang gerissen. Die Formulie-</span><br/> <span class="text">rung, dass die schützenswerten Bestandteile der inneren Struktur</span><br/> <span class="text">zu erhalten sind, ist, wie dargelegt (Erw. 3.2.1), im Kontext mit der</span><br/> <span class="text">Altstadt bzw. dem historisch gewachsenen Stadtbild zu verstehen</span><br/> <span class="text">und betrifft somit nicht das Innere der einzelnen Gebäude, worauf im</span><br/> <span class="text">Übrigen auch die Vorinstanz hinweist.</span><br/> <span class="text">Im Weiteren kann aber auch der Vorinstanz nicht gefolgt wer-</span><br/> <span class="text">den, welche die gesetzliche Grundlage für den Schutzumfang der</span><br/> <span class="text">kommunalen Einschätzung in § 39 Abs. 1 und 4 BNO sieht. § 13</span><br/> <span class="text">Abs. 5 BNO verweist bezüglich Unterhalt und Abbruch auf die</span><br/> <span class="text">§§ 39 Abs. 1 und 4 BNO. Wie dargelegt geht es im konkreten Fall</span><br/> <span class="text">aber um bauliche Massnahmen im Zusammenhang mit einem Umbau</span><br/> <span class="text">(und späterer teilweiser Umnutzung) und nicht um Unterhalt oder</span><br/> <span class="text">den Abbruch des Altstadtgebäudes. Für Gebäude in den Altstadt-</span><br/> <span class="text">zonen besteht keine Vorschrift bzw. gesetzliche Grundlage, welche</span><br/> <span class="text">bei Bauvorhaben (wie z.B. Umbauten) und Umnutzungen auch das</span><br/> <span class="text">Innere der Gebäude schützen würde (siehe bereits Erw. 3.2.1). Unzu-</span><br/> <span class="text">treffend ist sodann der Hinweis der Vorinstanz, wonach bei Gebäu-</span><br/> <span class="text">den in der Altstadtzone eine explizit statuierte Bewilligungspflicht</span><br/> <span class="text">auch für innere Umbauten bestehe. Eine Bewilligungspflicht für alle</span><br/> <span class="text">baulichen Massnahmen im Inneren besteht nur für Baudenkmäler,</span><br/> <span class="text">nicht jedoch für Gebäude in der Altstadtzone (Erw. 3.2.1; § 83 Abs. 2</span><br/> <span class="text">lit. c und a BNO). Die explizit statuierte Bewilligungspflicht</span><br/> <span class="text">spricht somit nicht für, sondern gegen die Auslegung der Vorinstan-</span><br/> <span class="text">zen. Ebenfalls nicht weiter hilft, dass die kantonale Denkmalpflege</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">240</span> </div> <div class="page" id="S240"> <div role="main"> <span class="text">zur Unterstützung beigezogen werden kann (§ 82 Abs. 3 Satz 3</span><br/> <span class="text">BNO). In den Altstadtzonen kann diese Unterstützung von Bedeu-</span><br/> <span class="text">tung sein, weil es um den Schutz des historisch gewachsenen Stadt-</span><br/> <span class="text">bilds sowie der Struktur der Altstadt geht. Ausserdem befinden sich</span><br/> <span class="text">in den Altstadtzonen zahlreiche (kantonale) Denkmalschutzobjekte</span><br/> <span class="text">(vgl. Nutzungsplan [...]).</span><br/> <span class="text">Insgesamt lässt sich die Ansicht des Stadtrats zum kommunalen</span><br/> <span class="text">Schutzumfang von § 13 BNO somit auch unter Berücksichtigung der</span><br/> <span class="text">Gemeindeautonomie (vgl. Erw. 3.1) nicht halten. Die Auslegung des</span><br/> <span class="text">Stadtrats ist rechtsfehlerhaft, ebenso wenig überzeugt die Argumen-</span><br/> <span class="text">tation der Vorinstanz.</span><br/> <span class="text">3.3.</span><br/> <span class="text">Nach dem Gesagten fehlt es an einer klaren gesetzlichen Grund-</span><br/> <span class="text">lage, die es dem Stadtrat erlaubt, bei inneren Umbauten von Gebäu-</span><br/> <span class="text">den in den Altstadtzonen Bauvorgaben anzuordnen. Die von den</span><br/> <span class="text">Vorinstanzen herangezogenen § 13 BNO und (§ 13 Abs. 4 i.V.m.)</span><br/> <span class="text">§ 39 Abs. 1 und 4 BNO genügen nicht, um dem Einbau des geplan-</span><br/> <span class="text">ten Kleingüteraufzugs im Inneren des Gebäudes (inkl. dafür erforder-</span><br/> <span class="text">liche Durchbrüche Keller/EG sowie EG/1. OG) die Baubewilligung</span><br/> <span class="text">zu versagen. Wollte die Stadt in den Altstadtzonen (auch) das Innere</span><br/> <span class="text">der Gebäude absichern bzw. besonders schützen, so wäre im Hin-</span><br/> <span class="text">blick darauf eine entsprechende gesetzliche Grundlage zu schaffen.</span><br/> <span class="text">Schutzvorschriften stellen einen Eingriff in die Eigentumsgarantie</span><br/> <span class="text">dar, weshalb sie einer klaren gesetzlichen Grundlage bedürfen (vgl.</span><br/> <span class="text">Art. 36 Abs. 1 sowie Art. 26 BV; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,</span><br/> <span class="text">a.a.O., Rz. 2344 ff.).</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>