Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. Mai 2016 (720 15 374) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Invalidenrente aufgrund des polydisziplinären Gerichtsgutachtens verneint; Gesuch um Übernahme der Kosten für ein Parteigutachten im Rahmen der un- entgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung abgelehnt Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Chr istof Enderle, Kantonsrich- ter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1965 geborene A.____ meldete sich am 28. Mai 2009 unter Hinweis auf Kniege- lenksbeschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der erwerblichen und gesundheitliche n Verhältnisse der Versicherten lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. März 2010 einen Anspruch auf eine Invalidenrente mangels Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Renten begründenden Invaliditätsgrades ab. Dagegen er hob die Versicherte Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Mit Schreiben vom 13. Juli 2010 teilte die IV-Stelle mit, dass sie die an gefochtene Verfügung lite pendente zwecks weiterer medizinischer Abklärungen aufgehoben habe. In der Folge schrieb das Kantonsgericht das Verfahren mit Beschluss vom 16. Juli 2010 als gegenstandslos ab. B. Gestützt auf die neuen medizinischen Beurteilungen von Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, vom 3. September 2010 und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Dezember 2010 ermittelte die IV-Stelle in Anwen- dung der allgemeinen Bemessungsmethode einen Invalidit ätsgrad von 30 %. Nach durchge- führtem Vorbescheidsverfahren wies sie mit Verfügung vom 23. Februar 2011 einen Rentenan- spruch der Versicherten ab. Gegen diese Verfügung reicht e Regina Messer, vertreten durch Advokat Daniel Ordàs, am 22. März 2011 beim Kantonsger icht Beschwerde ein. Gestützt auf das polydisziplinäre Gerichtsgutachten der D.____ vom 15 . Februar 2012 bestätigte das Kan- tonsgericht mit seinem Urteil vom 5. Juli 2012 die an gefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 23. Februar 2011. C. Am 14. Januar 2014 meldete sich die Versicherte inf olge Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes erneut bei der IV zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesundheit- lichen und erwerblichen Verhältnisse lehnte die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidver- fahren am 27. Oktober 2015 gestützt auf einen Invalidit ätsgrad von 32 % einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente ab. Dabei stützte sie sich auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. B.____ vom 13. Oktober 2014 und von Dr. med. E. ____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, vom 11. Februar 2015. D. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, nun ve rtreten durch Advokat Daniel Altermatt, am 30. November 2015 Beschwerde ans Kantonsgericht. Sie beantragte, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung auf den frühst möglichen Zeitpunkt eine ganze Invali- denrente auszurichten. Zudem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Zur Be- gründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass das bidi sziplinäre Gutachten von Dr. B.____ und Dr. E.____ nicht mehr aktuell sei und Widersprüche aufweise. E. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. F. Am 4. Januar 2016 bewilligte das Kantonsgericht d er Versicherten die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung. G. Mit Replik vom 16. März 2016 reichte die Versicherte d urch ihren Rechtsvertreter ihre Replik samt Schreiben von Dr. med. F.____, FMH Allgem eine Innere Medizin, G.____, vom 8. Februar 2016 ein. Sie machte geltend, dass gestützt auf die Beurteilung von Dr. F.____ fest- stehe, dass Dr. B.____ die Schulterbeschwerden und die allergologische Problematik in seinem Gutachten vom 13. Oktober 2014 nicht berücksichtigt habe. Zudem ständen die Diagnosen von Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. F.____ in Widerspruch zu denjenigen von Dr. B.____, weshalb nicht auf dessen Beurteilung abgestellt werden könne. H. Die IV-Stelle hielt in ihrer Duplik vom 29. März 20 16 gestützt auf den Bericht des Regi- onalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 23. März 2016 an ih rem Antrag auf Abweisung der Be- schwerde fest. I. Am 2. Mai 2016 liess die Versicherte durch ihren Rech tsvertreter den Bericht des Psy- chiaters Dr. med. H.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapi e, und der behandelnden Psy- chotherapeutin I.____ vom 4. April 2016 einreichen. S ie wies darauf hin, dass es sich gestützt auf diese Beurteilung rechtfertige, eine neue psychiat rische Begutachtung durchzuführen, wel- che zur Frage ihrer Arbeitsfähigkeit Stellung nehme. Ausserdem beantragte sie, die Kosten für diesen Bericht in Höhe von Fr. 300.-- der IV-Stelle au fzuerlegen. Eventualiter seien sie im Rahmen des Anspruchs auf unentgeltliche Prozessführung zu berücksichtigen. J. In ihrer Stellungnahme vom 18. Mai 2016 beantragt e die IV-Stelle weiterhin unter Ver- weis auf den RAD-Bericht vom 13. Mai 2016 die Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Versicherte An- spruch auf eine Invalidenrente hat. 1.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die In- validenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 Versicherte, d ie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass- nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder l ängere Zeit dauernde ganze oder teil- weise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursacht e und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigke it sind Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliess- lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Er- werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2. Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. 2.1 Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die du rch eine Beeinträchtigung der körper- lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, vo lle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbei t zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Ber uf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Widersprechen sich medizinische Berichte, darf da s Gericht den Prozess nicht erledi- gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und d ie Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These a bstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die g eklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begr ündet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Das Kantonsgericht fasste in seinem Urteil vom 5. Juli 2012 (720 11 119) den medizi- nischen Sachverhalt bis zum Zeitpunkt des Vorliegens des Gutachtens der D.____ vom 15. Februar 2012 ausführlich zusammen. Es wird darauf verwiesen (vgl. Erwägungen 3.1 - 3.8). Es werden daher im Folgenden lediglich die wesentlichen nach dem Gutachten der D.____ ver- fassten ärztlichen Berichte aufgeführt. 3.2. Den Berichten von Dr. F.____ vom 8. und 15. Janu ar 2013 ist zu entnehmen, dass bei der Versicherten am 26. September 2012 eine laparskopi sche Schlauchgastrektomie durchge- führt wurde. In der Folge habe sie zwar 28,5 kg abgenommen, leide aber seither unter rezidivie- rendem Erbrechen. Entsprechende Untersuchungen hätten keine organische Ursache gezeigt. Vor der Operation sei die Versicherte wegen der Adipo sitas praktisch gehunfähig gewesen. Jetzt könne sie kurze Strecken in der Wohnung ohne Hilfsmittel gehen. Für Strecken über 10 m benötige sie den Rollstuhl. Auf Empfehlung von Dr. F._ ___ hielt sich die Versicherte vom 8. bis 20. April 2013 in der J.____ auf (vgl. auch Bericht de r J.____ vom 29. April 2013). Gemäss Be- urteilungen von Dr. F.____ vom 16. November 2013 un d 27. Februar 2014 habe der stationäre Aufenthalt in der J.____ keinen anhaltenden Erfolg g ebracht. Die Lebensqualität sei wegen der muskuloskelettalen Schmerzen und des Erbrechens schlechter g eworden. Trotz intensiver er- nährungstechnischer Massnahmen und medikamentöser Therapie halte das rezidivierende Erb- rechen an. Ferner bestehe bei der Versicherten trotz re gelmässiger Einnahme von Aerius eine Wärmeallergie, die zum Teil Atembeschwerden und asthma tische Anfälle verursache. Eine Ab- klärung im K.____ ergab, dass die Versicherte an einer chronischen rezidivierenden Urtikaria und einem Angioödem mit physikalischer Komponente leide. Die von der Versicherten geklagte Essintoleranz von unterschiedlichen Speisen besitze jedoch keine allergische Genese und kön- ne auch nicht auf das Angioödem zurückgeführt werden (Berichte des K.____ vom 15. Juli 2011 und 30. Juli 2013). Weiter beständen durch die massive Gewichtsabnahme erhebliche Hautfal- ten, welche zu einer relevanten Funktionseinschränkung bei der körperlichen Aktivität führten. Am 31. Juli 2014 berichtete Dr. F.____, dass die Versicherte ihr Gewicht halten könne. Sie leide aber weiterhin an einer ausgeprägten Intoleranz für diverse Speisen. Weiter geht aus dem Be- richt des G.____ vom 26. März 2014 hervor, dass die Versich erte am 24. März 2014 wegen Gallensteinen operiert werden musste. 3.3 In psychiatrischer Hinsicht liegt der Bericht von Dr. H. ____ vom 16. Dezember 2014 vor. Darin führte er als Diagnosen eine Adipositas sowi e einen Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und emotional instabilen Anteilen auf. Als psychiatrische Befunde hielt er eine leichte Affektlabilität sowie E in- und Durchschlafstörungen fest. Es falle auf, dass die Versicherte Probleme (mangelnde Körperhyg iene, Geruch aus ihrer Wohnung, Konflikt mit Ehemann) teilweise bagatellisiere oder ne giere und keinen "Eigenanteil" daran se- he. Ausser der konfliktbelastenden Beziehung zu ihrem Ehem ann und einigen oberflächlichen Kontakten scheine sie über keine engen Freundschaften zu verfügen. Aufgrund ihres Überge- wichts und der Schmerzen an den Knien sei die Versicherte in ihrer Mobilität stark einge- schränkt. Da sie über viele Jahre selbstständig gearbeitet habe, sei es unklar, ob sie sich lang- fristig in ein Team integrieren könne. Vermutlich erschwere auch ihre fehlende Einsicht an eige- nen Problemanteilen eine Integration. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.4.1 Gestützt auf die Beurteilungen von Dr. F.____ u nd Dr. H.____ gab die IV-Stelle ein rheumatologisches und psychiatrisches Gutachten bei Dr. B.____ und Dr. E.____ in Auftrag. Dr. B.____ diagnostizierte am 13. Oktober 2014 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine fortge- schrittene Gonarthrose beidseits, rechts mit Einriss des medialen Meniskus im Corpus und Hin- terhorn sowie eine beginnende Handwurzelarthrose (STT -Arthrose) und Rhizarthrose. Die Ver- sicherte sei während der 40-minütigen Anamnese im Rollstuhl gesessen. Dabei hätten sich kei- ne Beeinträchtigungen gezeigt. Desgleichen sei sie be im Ausziehen nicht eingeschränkt gewe- sen. Sie habe im Zimmer frei, wenn auch mit Mühe geh en können. Sie habe sehr schnell er- schöpft gewirkt. Das Achsenorgan zeige eine massive Hyperlor dose lumbal und eine Hyperky- phose der Brustwirbelsäule (BWS). Die Halswirbelsäule (H WS) sei frei beweglich mit Endpha- senschmerzen; die BWS sei um ein Drittel eingeschränkt, wa s für einen Rundrücken normal sei. Die Lendenwirbelsäule (LWS) sei etwa zu 2/3 eingesch ränkt, was für die vorliegend extre- me Hohlkreuzform ebenfalls nicht aussergewöhnlich sei. Z udem zeige sich beim Vornüberbeu- gen ein deutlicher Aufrichteschmerz; eine radikuläre Pr oblematik sei aber nicht vorhanden. Die Kraft sei herabgesetzt und es bestehe eine relative musku läre Insuffizienz in Relation zum Kör- pergewicht. Der Gelenkstatus zeige im Bereich der linken Hand eine Druckdolenz des Dau- mensattelgelenks mit Schmerzangabe. Wie bereits früher seien die Knie weiterhin mit einer Flexion von max. 90° . deutlich eingeschränkt. Zusammenfassend bestehe eine schwere Gon- arthrose mit einer erheblichen Bewegungseinschränkung. Neu seien eine beginnende Rhizarth- rose sowie eine beginnende STT-Arthrose an der linken adominanten Hand, was die Belastbar- keit der linken Hand limitiere. Die übrigen Beschwerd en seien zum grossen Teil auf die relative muskuläre Dekonditionierung zurückzuführen. Es sei Tatsache, dass sehr oft im Rahmen einer Gewichtsreduktion nicht nur Fett, sondern auch Muskulatur abgebaut werde. In der Folge käme es zu zunehmenden Beschwerden am Bewegungsapparat. Dies er Vorgang habe allerdings keinen Einfluss auf eine sitzende Tätigkeit, könne die V ersicherte doch problemlos mehrere Stunden sitzen. Die Wärmeallergie hindere sie nicht da ran, in einem normal beheizten Büro zu arbeiten. So sei es für sie kein Problem gewesen, sich i n seinem Untersuchungszimmer mit einer Raumtemperatur von 23° Grad aufzuhalten. Die f estgestellten Druckdolenzen erklärten sich durch die muskuläre Insuffizienz; eine Fibromyalgie li ege nicht vor. Es sei zu erwarten, dass die Hautlappen kosmetische Folgeoperationen nach sich zögen; dies würde aber die Ar- beitsfähigkeit nur kurzfristig einschränken. Dr. B.____ kam aufgrund dieser Ausführungen zum Schluss, dass die Versicherte in ihrer angestammten Tätig keit als Restaurantangestellte nicht mehr arbeitsfähig sei. Für eine leichte körperliche V erweistätigkeit, bei welcher sie vorwiegend sitzen könne und die Möglichkeit habe, ab und zu die Position zu wechseln und umherzugehen, bestehe ab Gutachtenszeitpunkt eine 80%ige Arbeitsfäh igkeit. Die 20%ige Einschränkung be- gründe sich durch die Arbeitspausen. Dabei könne sie mi t der linken Hand nur noch 7,5 kg he- ben, stossen oder ziehen. Zudem sollte sie nicht repetiti v an dieses Gewicht herangehen müs- sen. Sie sei auch nicht in der Lage, dauernd mit den Armen oder über Schulterhöhe zu arbei- ten. Gelegentliches Arbeiten in diesen Stellungen sei j edoch möglich. Aufgrund der Wärmeur- tikaria könne sie in übermässig geheizten Räumen keine Erwerbsarbeit ausüben. 3.4.2 Dr. E.____ hielt in seinem Gutachten vom 11. Fe bruar 2015 keine psychiatrische Diag- nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Die Anpassungsprobleme bei Veränderun- gen der Lebensumstände beeinflussten die Arbeitsfähigk eit nicht. Es gebe keine Hinweise, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die Versicherte aus psychischen Gründen in der Verrichtu ng ihrer beruflichen Tätigkeiten jemals beeinträchtigt gewesen wäre. Er könne sich der Au ffassung des behandelnden Psychia- ters Dr. H.____ nicht anschliessen, wonach bei der Versi cherten ein Verdacht auf eine kombi- nierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und emotio nalen instabilen Anteilen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehen sollte. Eine Persönl ichkeitsstörung hätte sich im Verlaufe der langjährigen Berufsanamnese bemerkbar machen müssen. Es gebe auch keine Anhaltspunkte für relevante neurotische Störungen oder dissoziative Symp tome. Die Versicherte habe mit ih- rem Übergewicht möglicherweise nicht die Leichtigkeit e iner weniger schweren Person, intime Beziehungen aufzubauen. Möglicherweise habe sie deshalb gewisse Missstände in ihrer Be- ziehung zu ihrem Ehemann, wie z. B. aussereheliche Bezie hungen, länger erduldet als andere. Lägen aber eine regelrechte abhängige Persönlichkeitsstö rung oder akzentuierte, abhängige Persönlichkeitszüge vor, müsste aus den Schilderungen der Versicherten eine viel deutlichere Dynamik herauszuhören sein; dies sei jedoch nicht der Fa ll. Sie wirke einzig etwas unreif und ihr Denken sei einfach strukturiert. Es gebe aber keine Hinweise für relevante neurotische Fehl- entwicklungen. Die Versicherte sei belastet durch ihr Kö rpergewicht. Zudem leide sie an Schmerzen in beiden Kniegelenken und an einer Wärmeal lergie, weshalb sie oft im Rollstuhl unterwegs sei. Sie sei mit diesen veränderten Lebensum ständen zwar nicht optimal zurechtge- kommen, aber doch in einer Weise, dass sie gravierende psyc hische Fehlentwicklungen habe vermeiden können. Sie erfülle auch nicht die Kardinalkr iterien für eine depressive Episode. Die von ihr beschriebene, gelegentlich niedergeschlagene bedrückte Grundstimmung bestehe nicht kontinuierlich. Die Versicherte wirke im Gespräch manchmal weinerlich, was die gewisse Unrei- fe abbilde. Hinweise für eine depressive Grundstimmung ergäben sich aber nicht. So sei auch ihre innerpsychische Vitalität nicht beeinträchtigt. Si e sei deshalb aus psychischer Sicht in ihrer angestammten und in einer Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. 3.5 Nach Vorliegen des Gutachtens von Dr. B.____ und Dr. E.____ vom 13. Oktober 2014/11. Februar 2015 äusserte sich Dr. F.____ am 1. Juli 2015 nochmals zum Gesundheits- zustand der Versicherten. Danach habe mit der Gewichtsabn ahme von rund 75 kg zwar eine Besserung der Mobilität, nicht aber in der Gehfähigkei t erzielt werden können, Im Bericht vom 8. Februar 2016 kam sie zum Schluss, dass die Versicherte aufgrund der Adipositas WHO Grad 3, der chronisch rezidivierenden Urtikaria und dem Angioö dem mit physikalischer Komponente sowie den degenerativen Veränderungen des Bewegungsapparates nur noch körperlich leichte, vorwiegend sitzende Arbeiten im Umfang von 50 % ausfüh ren könne, bei welchen sie die Mög- lichkeit zur Wechselbelastung habe und keine Lasten über 7,5 kg repetitiv heben, stossen und ziehen und nicht dauernd über der Schulterhöhe arbeit en müsse. Zudem seien Arbeiten in übermässig geheizten Räumen, direkter Sonnenkontakt oder Kontakt mit heisser Luft zu ver- meiden. 4.1 Die IV-Stelle ging gestützt auf das bidisziplinäre G utachten von Dr. B.____ und Dr. E.____ vom 13. Oktober 2014/11. Februar 2015 davo n aus, dass die Versicherte in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei. Di ese Auffassung ist nicht zu beanstan- den. Das Gutachten von Dr. B.____ und Dr. E.____ weist weder formale noch inhaltliche Män- gel auf. Es ist für die streitigen Belange umfassend, es beruht auf allseitigen Untersuchungen, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden, es ist in Kenn tnis der Vorakten abgegeben wor- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht den und es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Z usammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und es ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Damit erfüllt es sämtliche rechtsprechungsgemässe Voraussetzungen an ein Gutachten (vgl. E. 2.3 hiervor). 4.2 Die von der Versicherten vorgebrachten Einwände gege n die Zuverlässigkeit der Beur- teilung von Dr. B.____ und Dr. E.____ sind nicht stichh altig. Dr. F.____ führte in ihrem Bericht vom 8. Februar 2016 die gleichen Funktionseinschränkungen und das gleiche Anforderungspro- fil an eine Verweistätigkeit auf wie Dr. B.____. Wäh rend Dr. B.____ davon ausging, dass die Versicherte aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträcht igungen in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei, schloss Dr. F.____ auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Mangels Begründung ihrer Einschätzung kann dieses Ausmass der Arb eitsunfähigkeit nicht nachvollzo- gen werden, weshalb nicht darauf abgestellt werden kan n. Entgegen den Vorbringen der Versi- cherten befasste sich Dr. B.____ ausführlich mit ihrer S chulterproblematik. Seinem Gutachten ist auf Seite 28 zu entnehmen, dass er die Schultern u ntersuchte. In seiner Beurteilung auf Sei- te 31 hielt er fest, diese seien aktiv und passiv frei be weglich, wobei bei der aktiven Bewegung ein Endphasenschmerz bei 160° Grad bestehe. Diese Schmerzen seien auf die muskuläre De- konditionierung zurückzuführen. Diese Ausführungen sind überzeugend und widersprechen auch nicht den Feststellungen von Dr. F.____, führte diese doch die Schulterschmerzen ledig- lich in der Diagnosestellung auf; eine Beurteilung üb er deren Funktionseinschränkungen und deren allfälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkei t fehlt dagegen. Desgleichen setzte sich Dr. B.____ mit den von Dr. F.____ diagnostizierten ch ronischen Lumbalgien und der Ischialgie auseinander. So wies er auf Seite 32 seines Gutachtens d arauf hin, dass die Versicherte nach 2 Minuten Stehen "verkrampft" sei. Dagegen sei es ihr gemäss ihren eigenen Angaben möglich, mehrere Stunden bzw. fast den ganzen Tag im Stuhl zu sitzen. Daraus schloss er, dass keine ossäre oder neurogene Pathologie vorliegen könne. Indem die Versicherte über viele Stunden täglich sitzen könne, seien die von ihr geklagten Schmerzen auf eine muskuläre Insuffizienz zurückzuführen. Diese Schlussfolgerung ist nachvollziehba r und einleuchtend. Was die Wär- meallergie anbelangt, ist es unter den Fachpersonen unbestritten, dass die Versicherte an einer Wärmeurtikaria und an einem Angioödem leidet. In Bez ug auf die diesbezüglichen Auswirkun- gen auf die Arbeitsfähigkeit sind sowohl Dr. B.____ als auch Dr. F.____ einig, dass die Versi- cherte in überheizten Räumen nicht arbeite könne, es ih r aber möglich sei, eine Berufstätigkeit in einem normal beheizten Büro auszuüben. 4.3.1 In psychischer Hinsicht beanstandet die Versicherte, d ass sich Dr. E.____ nicht mit den Beurteilungen der behandelnden Fachpersonen ausein andergesetzt habe. In dieser Hin- sicht ist anzuführen, dass sich Dr. H.____ bzw. die behand elnde Psychotherapeutin I.____ in den Berichten vom 16. Dezember 2014 und vom 4. April 2 016 zum Gesundheitszustand der Versicherten äusserte. In beiden Berichten hielten die Fachpersonen als psychiatrische Diag- nosen die Verdachtsdiagnose einer kombinierten Persönli chkeitsstörung mit abhängigen und emotional instabilen Anteilen fest. In ihrer Stellun gnahme vom 4. April 2016 kritisierten sie zu- dem das Gutachten von Dr. E.____ in mehreren Punkten. Entgegen der Auffassung von Dr. E.____ bestehe bei der Versicherten eine Persönlichk eitsstörung mit dependenten Persön- lichkeitszügen. Während der Paartherapie sei sie nicht in der Lage gewesen, sich an Regeln zu halten. Die Versicherte zeige in den Gesprächen jeweils im Wechsel eine weinerliche, hilflose Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und dann wieder eine sehr dominante, im Gespräch kaum lenkende, fordernde und drohende Seite. Drohungen gegen ihren Ex-Mann setze sie nie um und nehme bereits am nächsten Tag wieder Kontakt zu ihm auf. Gleichzeitig lasse sie Entwe rtungen durch ihren Ex-Mann zu. In die- sen Situationen weine sie und wirke hilflos. In der Ei nzelexploration sei sie sehr angepasst. Trotz ihres grossen Leidensdrucks sei es ihr nicht gelungen , sich aus der destruktiven Bezie- hung mit ihrem Ex-Mann zu lösen. Obwohl die Versicherte getrennt von ihm wohne, gestalte sich ihr Alltag weitgehend rund um ihn (mehrfache Tel efonanrufe, tägliche Kontakte). Das mas- sive Übergewicht sei als Folge einer fehlenden Kompete nz im Umgang mit Spannungssitua- tionen und/oder Frustration zu verstehen. Beim Ausmass des Übergewichts könne dies auch als eine Form der Selbstschädigung angesehen werden. S ie sei zudem nicht zur Introspektion fähig. Ihre Selbstwahrnehmung stehe teilweise in deutl icher Diskrepanz zur Fremdwahrneh- mung. Die Versicherte sei auch keine Geschäftsfrau und ke in Karrieretyp, wie sie gerne vorge- be. So berichte sie über Schulden und Betreibungen. Das stark wechselnde Auftreten, die feh- lenden Kompetenzen im Bereich der Selbstregulation, die fehlende Introspektionsfähigkeit und die mangelhafte Selbsteinschätzung würden deutlich auf emotional instabile Persönlichkeitszü- ge hinweisen. Es werde deshalb die Verdachtsdiagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstö- rung mit abhängigen emotional instabilen Anteilen I CD-10 F.61 gestellt. Aufgrund dieser psy- chiatrischen Diagnose, der Belastung durch das starke Überge wicht, der massiven Einschrän- kungen in der Beweglichkeit und im Bereich des Essens sei die Versicherte nicht mehr arbeits- fähig. 4.3.2 Die Berichte von Dr. H.____ bzw. der Psychotherape utin I.____ vom 16. Dezember 2014 und 4. April 2016 vermögen die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. E.____ vom 11. Feb- ruar 2015 nicht zu schmälern. Es fällt auf, dass ihre o bjektiven Befunde nicht wesentlich von denjenigen von Dr. E.____ abweichen. Die drei Fachperso nen stellten keine wesentlichen in- haltlichen Denkstörungen, Befürchtungen, Zwänge, Sinn estäuschungen oder Ich-Störungen fest. Im Bereich der Affektivität beobachteten sie alle eine gewisse Weinerlichkeit. Dr. H.____ und die behandelnde Psychotherapeutin hielten zudem einen allgemeinen schnell wechselnden Affekt fest, was sie mit der Weinerlichkeit zusammen als l eichte Affektlabilität deuteten. Dem- gegenüber verneinte Dr. E.____ eine Einschränkung der Affektivität, weil es nie zu längerdau- ernden affektlabilen Einbrüchen gekommen sei. Diese B eurteilung überzeugt, weshalb darauf abzustellen ist. Was die von Dr. H.____ und der Psychother apeutin am 4. April 2016 aufgeführ- te Verdachtsdiagnose einer kombinierten Persönlichkeit sstörung anbelangt, fällt auf, dass Dr. H.____ diese bereits vor knapp 1 ½ Jahren in seine m Bericht vom 16. Dezember 2014 fest- hielt. Daraus ist zu schliessen, dass er die Verdachtsdiagno se bis anhin nicht bestätigen konn- te. Bei einer Verdachtsdiagnose handelt es sich um kein e abschliessende Beurteilung, weshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegan gen werden kann, dass die Versi- cherte an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung leid et. Gegen die Diagnose einer Persön- lichkeitsstörung sprechen zudem die einleuchtenden Ausf ührungen von Dr. E.____. So gehe aus der Berufsanamnese der Versicherten nicht hervor, dass sie jemals aus psychischen Grün- den in der Ausübung einer Erwerbstätigkeit beeinträchtigt gewesen sei. Eine Persönlichkeitsstö- rung hätte sich aber im Verlaufe der langjährigen Er werbstätigkeit bemerkbar machen müssen, was hier aber nicht zutreffe. Zu den dependenten Per sönlichkeitszügen der Versicherten äus- serte sich Dr. E.____ dahingehend, dass die enge Bezieh ung zu ihrem Ex-Ehemann nicht von Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Norm einer langdauernden Beziehung abweiche und nicht derart aussergewöhnlich sei, um von akzentuierten abhängigen Persönlichkeitszügen oder g ar einer Persönlichkeitsstörung sprechen zu können (vgl. Seite 27 des Gutachtens). Zur gleichen Beurteilung gelangte auch der RAD-Arzt in seiner Stellungnahme vom 13. Mai 2016. Der RAD-Arzt trug ausserdem dem Um- stand Rechnung, dass die Beobachtungen und die Befunder hebung von Dr. H.____ und der Psychotherapeutin I.____ hauptsächlich während der Paar sitzungen erfolgt seien. Es habe le- diglich eine einzige Einzeluntersuchung stattgefunden. D abei hätten sie festgestellt, dass die Versicherte in der Einzelsitzung ein anderes Verhalten g ezeigt habe als in der Paartherapie. Diese Flexibilität spreche gegen das Vorliegen einer P ersönlichkeitsstörung. Aufgrund der übereinstimmenden Ausführungen von Dr. E.____ und des RAD-Arztes überzeugt die anders- lautende Beurteilung der behandelnden Fachpersonen ni cht. Dazu kommt, dass ihre Berichte aufgrund der Verschiedenheit von Expertise und Therapie mit Vorbehalt zu würdigen sind, ha- ben sie doch als therapeutisch tätige psychiatrische Fachp ersonen ein besonderes Vertrauens- verhältnis zur Versicherten (vgl. dazu Urteil des Bundesge richts vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4). Inwiefern die fehlende Fähigkeit der Versicherten zur Selbstregulation und zur Selbstkri- tik und die mangelhafte Selbsteinschätzung die Arbeits fähigkeit der Versicherten einschränken sollte, geht aus der Beurteilung vom 4. April 2016 ni cht hervor, weshalb darauf nicht weiter ein- zugehen ist. 4.4 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass kein Anlass be steht, vom überzeugenden bidisziplinären Gutachten von Dr. B.____ und Dr. E.___ _ vom 13. Oktober 2014/11. Februar 2015 abzuweichen. Es ist demgemäss davon auszugehen, dass di e Versicherte in einer lei- densangepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist. 5. Der Invaliditätsgrad ist bei erwerbstätigen Versiche rten aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG,). Die IV-Stelle nahm in der angefochtenen Verfügung vom 27. Oktober 2015 zur Ermittlung der Einschränkung der Versicherten im Erwerbsbereich den erforderlichen Einkommensvergleich vor. Dabei ermit telte sie anhand der Gegenüberstel- lung von Validen- und zumutbarem Invalideneinkommen e inen Invaliditätsgrad im Erwerbsbe- reich von 32 %. Die konkrete Berechnung, die von der Ve rsicherten in der vorliegenden Be- schwerde nicht beanstandet wurde, erweist sich als rechtens. Es kann diesbezüglich vollum- fänglich auf die entsprechenden Ausführungen der IV- Stelle in der Verfügung vom 27. Oktober 2015 verwiesen werden. Da der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 32 % unter dem für einen Rentenanspruch mindestens erforderlichen Inval iditätsgrad von 40 % liegt, hat die Versicherte keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Di e von der IV-Stelle verfügte Ablehnung des Rentenanspruchs ist demnach nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeit en um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 des Gesetze s über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 we rden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Versi- cherte unterliegende Partei, weshalb die Verfahrensko sten ihr zu überbinden sind. Der Versi- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten ist nun allerdings mit Verfügung vom 4. Januar 2 016 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahr enskosten vorläufig zu Lasten der Ge- richtskasse. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla- gen. Da der Versicherten die unentgeltliche Verbeiständ ung mit ihrem Rechtsvertreter bewilligt wurde, ist diese für ihre Bemühungen aus der Gerichtsk asse zu entschädigen. Der Rechtsver- treter der Versicherten machte in seiner Honorarnote vo m 2. Mai 2016 für das vorliegende Ver- fahren einen Zeitaufwand von 7 Stunden geltend, was u mfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Dasselbe gilt für die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 110.50. Dem Rechtsvertreter ist deshalb ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'631.35 (7 Stunden à F r. 200.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 110.50 + 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 6.3 Die Versicherte wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 de s Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam gema cht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 6.4.1 Die Versicherte beantragt in ihrer Eingabe vom 2 . Mai 2016, dass die Kosten für den Bericht von Dr. H.____ und der behandelnden Psychothera peutin vom 4. April 2016 in Höhe von Fr. 300.-- der IV-Stelle aufzuerlegen, eventualiter im Rahmen des Anspruchs auf unentgelt- liche Prozessführung zu entschädigen seien. Nach der bun desgerichtlichen Rechtsprechung sind die Kosten eines von einer Partei privat in Auftrag gegebenen Gutachtens unter dem Titel Parteientschädigung zu vergüten (BGE 115 V 62; Urteil des Bundesgerichts vom 20. Februar 2008, 8C_242/2007, E. 4.2). Damit stellen die gelten d gemachten Expertenkosten keine or- dentlichen Verfahrenskosten dar. Eine Entschädigung im Rahmen der unentgeltlichen Prozess- führung ist daher nicht möglich. Unter dem Titel der Parteienschädigung besteht angesichts des Prozessausgangs kein Anspruch auf Vergütung dieser Kosten d urch die IV-Stelle. Allerdings hat die IV-Stelle gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG die Koste n eines von der versicherten Person selbst veranlassten Privatgutachtens zu übernehmen, wenn si ch der medizinische Sachverhalt erst aufgrund des im kantonalen Beschwerdeverfahrens beig ebrachten Untersuchungsergeb- nisses schlüssig feststellen lässt und der IV-Stelle insofern e ine Verletzung der ihr nach dem Untersuchungsgrundsatz obliegenden Pflicht zur rechtsgen üglichen Sachverhaltsabklärung vorzuwerfen ist. Diesfalls besteht ein Entschädigungsanspruch auch dann, wenn die IV-Stelle in der Sache obsiegt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. Februar 2008, 8C_242/2007, mit zahlrei- chen Hinweisen; vgl. auch UELI KIESER , ATSG-Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2015, S. 609). 6.4.2 Vorliegend steht fest, dass der Bericht von Dr. H. ____ und der behandelnden Psycho- therapeutin vom 4. April 2016 zur schlüssigen Feststellung des medizinischen Sachverhalts nicht notwendig war und für das IV-Verfahren keine we sentlichen Erkenntnisse brachte. Unter diesen Umständen können die entsprechenden Kosten nicht der IV-Stelle überbunden werden. Der Antrag auf Auferlegung der Kosten an die IV-Stelle ist daher abzulehnen. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.4.3 Aus dem gleichen Grund können die Expertenkost en unter dem Titel der unentgeltlichen Verbeiständung nicht erstattet werden. Denn Parteigutachten sind nur zu vergüten, wenn sie für die Entscheidfindung unerlässlich waren, was hier aber nicht zutrifft (BGE 115 V 62 E. 5c S. 63; RKUV 2000 Nr. U 362 S. 44 E. 3b, U 360/98, Nr. U 39 5 S. 322 E. 7a, U 160/98; Urteil des Bun- desgerichts vom 5. Januar 2010, 8C_585/2009, E. 3.5). Der Rechtsvertreter der Versicherten hat somit auch im Rahmen der bewilligten unentgeltlichen Verbeiständung keinen Anspruch auf Entschädigung der Kosten für den psychiatrischen Arztbericht vom 4. April 2016. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden der Beschwer- deführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführun g werden die Verfahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligu ng der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'631.35 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. 4. Der Antrag der Versicherten, die Kosten für das Parteigutachten von Dr. med. H.____ und I.____ vom 4. April 2016 in Höh e von Fr. 300.-- seien der IV- Stelle aufzuerlegen oder im Rahmen der unentgeltlich en Prozessführung zu vergüten, wird abgelehnt.