Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 29. Mai 2013 (810 2013 192) ____________________________________________________________________ Zivilgesetzbuch Persönlicher Verkehr eines Elternteils bei Fremdplatzierung des Kindes Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsri chter Beat Walther, Markus Clausen, Niklaus Ruckstuhl, Stefan Schulthess , Gerichts- schreiber i.V. Daniel Schaffner Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ , Beschwerdegeg- nerin Betreff Obhutsentzug und Besuchsrechtsregelung von C.__ __ (Beschluss der Vormundschaftsbehörde B.____ vom 10. Oktober 2012) A. Die Ehegatten A.____ und D.____ sind Eltern der T ochter C.____, geboren 2012. Mit Verfügung vom 27. April 2012 hob die Vormundschaftsbeh örde B.____ (Vormundschaftsbehör- de [seit dem 1. Januar 2013 Kindes- und Erwachsenenschut zbehörde B.____]) die elterliche Obhut der Ehegatten über C.____ gestützt auf Art. 310 Abs. 1 des Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 i.V.m. Art. 314a Abs. 1 ZGB vorläuf ig auf und platzierte die Tochter vorü- bergehend im E.____. Hintergrund für dieses Vorgehen bildeten anlässlich einer vorgängigen ärztlichen Untersuchung bei C._____ festgestellte Verle tzungen (starke Vergrösserung von Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fontanelle und Kopfumfang), welche auf ein Schüttelt rauma hindeuteten. In diesem Zusam- menhang wurde von den entsprechend zuständigen Behörd en gegen die Kindseltern überdies ein Strafverfahren eingeleitet. Seit dem 25. Mai 20 12 lebt C.____ bei den Pflegeeltern F.____ und G.____. B. Die Ehegatten wurden am 1. Oktober 2012 durch die Vormundschaftsbehörde angehört. Dabei wurde von den Kindseltern insbesondere der Wun sch zum Ausdruck gebracht, C.____ wöchentlich zweimal (während mindestens einer Stunde bi s eineinhalb Stunden) besuchen zu dürfen. C. Mit Verfügung vom 10. Oktober 2012 platzierte die Vormundschaftsbehörde C.____ de- finitiv bei der Pflegefamilie. Was das Besuchsrecht der Kindseltern anbelangt, so wurde diesen gestützt auf Art. 273 ZGB i.V.m. Art. 274 Abs. 2 ZGB ein begleitetes Besuchsrecht bei C.____ alle zwei Wochen für zwei Stunden eingeräumt. D. Am 25. Oktober 2012 erhoben A.____ und D.____, ver treten durch Alain Joset, Advokat in Liestal, Beschwerde an das Kantonale Vormundschaftsam t gegen die Verfügung der Vor- mundschaftsbehörde vom 10. Oktober 2012. Aufzuheben sei Ziffer 5 des Verfügungsdisposi- tivs, wobei den Kindseltern stattdessen ein begleitetes Besuchsrecht von zwei Tagen pro Wo- che für ein bis zwei Stunden einzuräumen sei. Eventuali ter sei ein wöchentliches Besuchsrecht von zwei Stunden anzuordnen. In der Beschwerdebegründung vom 30. November 2012 wurden im Hinblick auf den durch die Verfügung vom 10. Oktober 2012 festgelegten Umfang des Be- suchsrechts Verletzungen von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfa ssung (BV) vom 18. April 1999, Art. 9 Abs. 3 des UN-Übereinkommens über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989, Art. 273 ZGB sowie Ermessensmissbrauch gerügt. Darüber hinaus erweise sich die in Frage stehende Verfügung der Vormundschaftsbehörde bezüglich der Besuchsrechtsausgestaltung insgesamt als unangemessen. E. Die mit Inkrafttreten des neuen Kindes- und Erwachse nenschutzrechts per 1. Januar 2013 anstelle der nunmehr aufgehobenen Vormundschaftsb ehörde für den vorliegenden Fall zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden B.____ (KESB) nahm mit Schreiben vom 12. Februar 2013 zu der Beschwerde Stellung und beantr agte deren vollumfängliche Abwei- sung. F. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 7. März 2013 w urde der Fall der Kammer des neurechtlich zuständigen Kantonsgerichts Basel-Landschaft , Abteilung Verfassungs- und Ver- waltungsrecht, (Kantonsgericht) zur Beurteilung überwiesen. G. Der Rechtsvertreter der Ehegatten teilte dem Gerich t mit Schreiben vom 8. April 2013 mit, dass sich die Ehegatten zwischenzeitlich voneinander g etrennt hätten und er das Mandat von A.____ per sofort niederlege. H. Anlässlich der Urteilsberatung vom 17. April 2013 en tschied die Kammer, eine Partei- verhandlung durchzuführen, welche am 29. Mai 2013 stat tfand und an welcher D.____, deren Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Rechtsvertreter sowie eine Vertreterin der KESB teilna hmen. A.____ seinerseits blieb der Ver- handlung trotz korrekter Vorladung fern. Im Rahmen der Parteiverhandlung kam zwischen D.____ und der KESB eine Vereinbarung zustande. Das Kantonsgericht nahm in der Folge eine Verfahrensaufteilung vor (Verfahren betreffend den Be schwerdeführer A.____ nunmehr mit der Verfahrensnummer 810 13 192, vorliegendes Verfahren) und schrieb das Verfahren betreffend D.____ mit Beschluss vom 29. Mai 2013 (810 13 21 / 1069) ab. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g: 1.1 Mit Inkrafttreten des neuen Kindes- und Erwachsenen schutzrechts per 1. Januar 2013 findet gemäss Art. 14a des Schlusstitels zum ZGB auf häng ige Verfahren für den Erwachse- nenschutz das neue Verfahrensrecht Anwendung. Diese Best immung muss gestützt auf Art. 314 Abs. 1 ZGB sinngemäss auch für hängige kindesrech tliche Verfahren gelten. Über die noch unter altem Recht erhobene Beschwerde vom 25. Okto ber 2012 ist mithin unter Anwen- dung der neurechtlichen Verfahrensregeln zu entscheiden. 1.2 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden, wob ei dieser Bestimmung über Art. 314 Abs. 1 ZGB auch in kindesrechtlichen Belangen Geltung zukommt. Das neue Recht enthält in den Art. 443 ff. ZGB eine verbindliche bu ndesrechtliche Verfahrensordnung für Fra- gen des Erwachsenenschutzrechts, die Art. 450 ff. ZGB b efassen sich mit dem Verfahren vor der Rechtsmittelinstanz. Art. 450f ZGB behält das kantonale Recht vor (vgl. auch DANIEL STECK , in: Rosch/Büchler/Jakob [Hrsg.], Das neue Erwachsenensch utzrecht, Bern/Luzern/Zürich 2011, N 4 zu Art. 450f). Die Kantone haben somit die Kompe tenz, Verfahrensbestimmungen zu erlas- sen. Der Kanton Basel-Landschaft verweist diesbezüglich in § 66 Abs. 2 des Gesetzes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 auf das Verfahrensrecht nach Art. 450 - 450e ZGB und im Übrigen auf das kantonale Verwaltungsprozessrecht. 1.3 Als zuständige Behörde für Beschwerden gegen Entsche ide der Kindes- und Erwachse- nenschutzbehörde bezeichnet § 66 Abs. 1 EG ZGB das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Also ist die Zuständigkeit des Kant onsgerichts, über die am 25. Oktober 2012 erhobene Beschwerde zu entscheiden, gegeben (vgl. auch § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO] vom 16. Dezember 1993). 1.4 Zur Beschwerde befugt sind gemäss Art. 450 Abs. 2 ZG B die am Verfahren beteiligten Personen, die der betroffenen Person nahestehenden Personen sowie Personen, die ein recht- lich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben. Der Beschwerdeführer ist als Vater der fremdpla tzierten C.____ Verfahrensbeteiligter und als solcher nach Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Bes chwerdeerhebung legitimiert (vgl. DANIEL STECK , in: Büchler/Häfeli/Leuba/Stettler [Hrsg.], FamKomm , Erwachsenenschutz, 2. Auflage, Bern 2010, N 21 zu Art. 450). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen ge- mäss den §§ 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1.5 Dabei ist in formeller Hinsicht noch festzuhalten, da ss nach Art. 450a Abs. 1 ZGB mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (lit. a), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden können. Dem Kantons- gericht kommt bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde somit volle Kognition zu. 2. Der Beschwerdeführer wendet sich zum einen gegen den konkreten Umfang des ihm durch die angefochtene Verfügung zugestandenen Besuchsr echts bei seiner Tochter, indem er eine höhere Kadenz verlangt. Zum anderen wird eine Ve rletzung des rechtlichen Gehörs mo- niert, da die angefochtene Verfügung nicht auf alle durch den Beschwerdeführer vorgängig ein- gebrachten Argumente eingehe. Auf diese Rügen ist in der Folge separat (E. 3.1 ff. sowie E. 4.1 ff.) einzugehen. 3.1 Was zunächst die konkreten Modalitäten der Ausgestal tung des Besuchsrechts anbe- langt, so wurde die Kadenz von zwei Besuchen pro Monat durch die vorliegend angefochtene Verfügung vom 10. Oktober 2012 namentlich damit begrün det, dass einerseits ein solcher Rhythmus generell praxisüblich sei und andererseits bei C. ____ ein erhöhtes Bedürfnis nach Kontinuität und Sicherheit bestehe, welches häufiger stattfindenden elterlichen Besuchen ent- gegenstehe. Der Beschwerdeführer moniert, dass eine verglichen mit d er Regelung in der angefochtenen Verfügung häufigere Kadenz angezeigt sei, damit C.__ __ eine Bindung zu ihm entwickeln kön- ne. Er verweist dabei auf eine Stellungnahme SCHREINERS (JOACHIM SCHREINER , in: Schwenzer [Hrsg.], FamKomm, Scheidung, 2. Auflage, Basel/Genf/M ünchen 2010, N 168 in Anh. Psych.), welcher bei Kindern, die älter sind als sieben Monate, eine Besuchs- und Kontaktregelung be- fürworte, die aus mehreren kürzeren, d.h. zwei- bis dr eistündigen Kontakten pro Woche, beste- he. 3.2.1 Vorab ist eine Bewertung der Ernsthaftigkeit de r durch den Beschwerdeführer vorge- brachten Absicht, C.____ jede Woche besuchen zu wollen, vorzunehmen. Denn beim persönli- chen Verkehr zwischen einem Kind und dem nicht obhutsbe rechtigten Elternteil handelt es sich zwar um ein beidseitig angelegtes Pflichtrecht, dieses i st jedoch nicht zwangsweise durchsetz- bar; im Raum stehen blosse moralische Verpflichtungen ( vgl. ANDREA BÜCHLER /A NNATINA WIRZ in: Schwenzer (Hrsg.) FamKomm Scheidung, 2. Auflage, Basel/Genf/München 2010, N 5 zu Art. 273 ZGB). Dass der persönliche Verkehr im Interesse des Kindes und anhand des Kindes- wohls zu regeln ist (siehe dazu ausführlich unten E. 3.3 .1 ff.), ändert nichts daran, dass eine gerichtliche Ausdehnung des väterlichen Besuchsrechts, wie si e vorliegend verlangt wird, im Lichte des Wesens des Pflichtrechts des persönlichen Verkeh rs in keiner Weise sinnvoll wäre, sollte aufgrund der aktuellen Situation davon auszugehen sein, dass der Beschwerdeführer von einem erweiterten Besuchsrecht keinen Gebrauch machen werde. 3.2.2 Vorliegend ist aufgrund der Gesamtumstände, wi e sie sich seit der Trennung des Be- schwerdeführers von seiner Ehefrau präsentieren, mit grösst er Wahrscheinlichkeit davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführer ein wöchentliches Besuch srecht bei seiner Tochter zum jetzigen Zeitpunkt nicht wahrnehmen würde. Festzuhalte n ist in erster Linie, dass der Be- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht schwerdeführer seit der Trennung von der Kindsmutter a uch die alle zwei Wochen stattfinden- den Besuche bei C.____, wie sie durch die vorliegend angefochtene Verfügung vorgesehen wurden, nicht mehr wahrgenommen hat. Die Vertreterin der KESB gab anlässlich der Parteiver- handlung vom 29. Mai 2013 zu Protokoll, der Beschwerdefü hrer habe C.____ seit April nicht mehr besucht, und auch nie die, telefonischen wie auch schriftlichen, Kontaktversuche seitens der KESB erwidert. Auch die Beiständin H.____ bestäti gte in ihrem Bericht vom 15. Mai 2013, dass der Beschwerdeführer seit der Trennung der Ehegatt en nicht mehr an den vereinbarten Besuchstagen teilnehme. Die Kindsmutter ihrerseits füh rte anlässlich der Parteiverhandlung aus, sie habe nach der Trennung versucht, mit dem Beschw erdeführer Kontakt aufzunehmen, um mit den zuständigen Stellen eine Lösung zu finden, damit er C.____ trotz der Trennung se- hen könne. Der Beschwerdeführer habe aber nicht reagi ert. Auch die Pflegemutter gab anläss- lich der Parteiverhandlung zu Protokoll, der Beschwerd eführer habe C.____ im März dieses Jahres zum letzten Mal besucht. Des Weiteren zeigt der B eschwerdeführer bereits seit Länge- rem keinerlei Interesse mehr am vorliegenden Verfahren. Er war nicht nur für seinen ehemali- gen Rechtsvertreter nicht erreichbar, sodass der Letztgenannte das betreffende Mandat nieder- legte (vgl. das Schreiben vom 8. April 2013), der Beschw erdeführer erschien überdies auch unentschuldigt nicht zur Parteiverhandlung vor dem Kant onsgericht vom 29. Mai 2013. Dies deckt sich auch mit der Aussage des Rechtsvertreters der Kin dsmutter, dass von Anfang an diese die treibende Kraft hinter der verlangten Ausweitung des Besuchsrechts gewesen sei. 3.2.3 Da der Beschwerdeführer aktuell bereits das zweima l monatlich vorgesehene Besuchs- recht nicht wahrnimmt und sich auch an dem betreffende n Verfahren vor dem Kantonsgericht seit der Trennung von seiner Ehefrau nicht mehr betei ligt hat, ist damit zu rechnen, dass er C.____ zum jetzigen Zeitpunkt nicht wöchentlich besuche n würde. Unter solchen Umständen erscheint eine Ausdehnung des Besuchsrechts aktuell als wenig sinnvoll. 3.3.1 Fraglich ist jedoch, ob es im Lichte des Kindeswohl s problematisch ist, es bei einem zweimal monatlichen Besuchsrecht des Beschwerdeführers zu belassen. 3.3.2 Nach Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen d ie elterliche Sorge oder Obhut nicht zukommt, und das Kind gegenseitig Anspruch auf angemessen en persönlichen Verkehr. Dies gilt auch im Falle der Fremdplatzierung eines Kindes be i Pflegeeltern (I NGEBORG SCHWENZER , in: Honsell/Vogt/Geiser (Hrsg.), Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch I, 4. Auflage, Basel 2010, N 8 zu Art. 273). Oberste Richtschnur für die Ausg estaltung des persönlichen Verkehrs bildet das Kindeswohl (Urteil des Bundesgerichts 5C_11 /2006 vom 9. Februar 2007 E. 5.1, BGE 123 III 445, E. 3/b) als grundlegende Maxime des g esamtes Kindesrechts (H EINZ HAUSHEER /T HOMAS GEISER /R EGINA E. AEBI -MÜLLER , Das Familienrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 4. Auflage, Bern 2010, N 15.19). Wann persönlicher Verkehr angemessen ist, bestimmt sich anhand der Umstände des konkreten Einze lfalls (Urteil des Bundesgerichts 5C_11/2006 vom 9. Februar 2007 E. 5.1, BGE 123 III 445, E. 3/b). Was Häufigkeit und Dauer anbelangt, so ist hier – anders als dies der Beschwerde führer unter Hinweis auf die Stellung- nahme S CHREINERS geltend zu machen scheint – eine gewisse Bandbreite der als vertretbar ausgewiesenen Lösungen festzustellen. So ist insbesond ere die Aussage von A NDREA BÜCHLER /A NNATINA WIRZ , a.a.O., N 20 (mit Hinweisen), zu beachten, wonach i n der Deutsch- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht schweiz ein Besuchsrecht von einem Tag oder zwei Halbtage n pro Monat die bei Kindern im Vorschulalter in der Praxis vorherrschende Lösung darstell e. T HOMAS S UTTER -SOMM /F ELIX KOBEL (Familienrecht, Basel 2009, S. 188) bezeichnen für Kinder im Vorschulalter ein Besuchs- recht von ein bis zwei Tagen pro Monat als angemessen. Das Obergericht des Kantons Appen- zell-Ausserrhoden (Urteil vom 29. Juni 2006 [AR GVP 16/ 2004 16/2004 Nr. 3435] E. 2/a) so- dann wies darauf hin, dass das kindliche Zeitgefühl bei der Festlegung der zeitlichen Besuchs- rechtsausgestaltung zu berücksichtigen sei; bei Kleinkindern dürfe keine zu lange Trennung von den Hauptbezugspersonen erfolgen, es dürfe aber auch der Abstand zwischen den Besuchen zwei Wochen nicht überschreiten (siehe im Übrigen ebenso INGEBORG S CHWENZER , a.a.O., N 14). 3.3.3 Die Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs mittel s zweier monatlicher Besuche ist demgemäss nicht nur praxisüblich, sondern sie wird auch v on massgebenden Lehrmeinungen gestützt. Auch unter Berücksichtigung der dem hier zu beu rteilenden Fall zugrunde liegenden Verhältnisse ist nicht ersichtlich, weshalb es gegen das Kindeswohl von C.____ verstossen soll- te, wenn der Beschwerdeführer seine Tochter zweimal monatlich besuchen kann. Insbesondere ist es nicht zu beanstanden, wenn von Seiten der Beschwerd egegnerin angeführt wird, bei C.____ bestehe, zufolge der Fremdplatzierung und der Geschehnisse in der Vergangenheit, ein erhöhtes Bedürfnis nach Kontinuität und Sicherheit. Ei ne wesentliche Herausforderung bei der Umplatzierung eines bald eineinhalbjährigen Kindes lie gt fraglos darin, dass dieses eine Bezie- hung zu den Pflegeeltern aufbauen kann, ohne gleichze itig die Bindungen zu den leiblichen Eltern zu verlieren. Dass dabei insbesondere in der erste n Zeit, im Sinne einer Art Einspielpha- se, dem Bindungsaufbau zu den Pflegeeltern besonderes G ewicht zukommen muss, erscheint plausibel. Zu beachten ist im Übrigen auch, dass sich am Beispiel der Kindsmutter gezeigt hat, dass sie und C.____ in der Vergangenheit durchaus in de r Lage waren, auch im Rahmen von zweimalig monatlich stattfindenden Besuchen eine fundie rte Mutter-Kind-Beziehung aufzubau- en, welche sich namentlich darin widerspiegelt, dass die Besuche gut verlaufen (vgl. insbeson- dere den Bericht der Beiständin H.____ vom 15. Mai 201 3 sowie ferner auch die Aussagen der Pflegemutter anlässlich der Parteiverhandlung) und C. ____ gemäss der Auskunft der Pflege- mutter nunmehr nach den mütterlichen Besuchen auch nich t mehr besonders schlecht schläft. Festzuhalten ist im Übrigen noch, dass – anders als dies de r Beschwerdeführer anlässlich sei- ner Anhörung vor der verfügenden Behörde am 1. Oktober 2012 vorbrachte – der Zweiwochen- rhythmus hinsichtlich des Besuchsrechts als solcher nicht etw a die Möglichkeit einer späteren Rückkehr von C.____ zu den leiblichen Eltern, resp. einem Elternteil, ausschliesst. Nach bun- desgerichtlicher Rechtsprechung müssen Eltern, welche sich trotz einer Fremdplatzierung um den Aufbau und die Pflege einer persönlichen Beziehung zu ihrem Kind bemüht haben, nicht befürchten, dass Art. 310 Abs. 3 ZGB ihnen gegenüber an gerufen wird, wenn sie ihr Kind der- einst einmal wieder selbst betreuen wollen (vgl. Urte il des Bundesgerichts 5C_28/2007 vom 3. April 2007 E. 2.2). Es ist vielmehr der Beschwerdefü hrer selbst, welcher durch seine gegen- wärtige Nichtwahrnehmung der Besuchstermine allfällige Rückkehroptionen gefährdet. Dem- gemäss erweist sich das Besuchsrecht, wie es dem Beschwerdef ührer durch die angefochtene Verfügung vom 10. Oktober 2012 zugestanden wurde, als ko mpatibel mit Art. 273 Abs. 1 ZGB. Nichts anderes kann für die durch den Beschwerdeführer eb enso als verletzt gerügte Bestim- mung von Art. 9 Abs. 3 des UN-Übereinkommens über die Rechte des Kindes gelten: Vorlie- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht gend besteht die Möglichkeit auf regelmässigen persönliche n Kontakt zwischen Vater und Tochter, wie er durch das Übereinkommen verlangt wird. Inwiefern der verfügenden Behörde im Übrigen Ermessensmissbrauch anzulasten sein sollte ist eben so wenig ersichtlich wie die an- gebliche Unangemessenheit der Besuchsrechtsregelung der angefochtenen Verfügung. 3.4 Die Besuchsrechtsregelung der Verfügung vom 10. Oktob er 2012, wonach der Be- schwerdeführer C.____ alle zwei Wochen in Begleitung ei ner Drittperson besuchen darf, ist mithin rechtmässig, die Beschwerde ist diesbezüglich unbegründet. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt sodann eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Er erblickt diese darin, dass die angefochtene Verfügung vom 10. Ok tober 2012 nicht auf seine anlässlich der Anhörung vom 1. Oktober 2012 vorgebrachte Argumentation eingehe, wonach ein wöchent- liches Besuchsrecht bei C.____ deshalb vorzusehen sei, dam it ihn die Tochter als nahe Be- zugsperson wahrnehme, was wiederum Voraussetzung einer eventuellen späteren Rückkehr von C.____ zu den leiblichen Eltern bilde. 4.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV statuierte Anspruch auf r echtliches Gehör beinhaltet nament- lich das Recht auf Begründung von Verfügungen und Entsc heiden (vgl. BGE 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Dieses wird auch in § 9 Abs. 3 der V erfassung des Kantons Basel-Landschaft vom 17. Mai 1984 und auf Gesetzesstufe in § 18 Abs. 1 de s Verwaltungsverfahrensgesetzes Basel-Landschaft vom 13. Juni 1988 gewährleistet. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen tatsächl ich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Aus der Begrü ndung, zu welcher die verfügende resp. entscheidende Behörde verpflichtet ist, soll insbeson dere erhellen, ob die vorgängige An- hörung des Betroffenen nur pro forma erfolgt ist, ode r ob seine Anliegen tatsächlich – ange- messen – geprüft worden sind und auf seine Vorbringen eingegangen und dazu im Sinne eines entscheidungsoffenen Prozesses Stellung genommen worden ist (M ARK VILLIGER , Die Pflicht zur Begründung von Verfügungen, ZBl 1989 S. 160). Dur ch eine angemessene Begründung soll dem Betroffenen und auch der Rechtsmittelinstanz di e Möglichkeit gegeben werden, sich über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft zu geben und allenfalls in Kenntnis der Gründe ein Rechtsmittel zu ergreifen bzw. dieses zu beur teilen. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbestandlich en Behauptung und jedem rechtli- chen Einwand auseinandersetzen muss. Die Behörde ist mit hin nicht verpflichtet, sich zu allen Vorbringen der Parteien zu äussern, vielmehr kann sie si ch auf die für den Entscheid wesentli- chen Gesichtspunkte beschränken. Es genügt, wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die Behörde leiten liess. An die Begründungspflicht werden höhere Anforderungen gestellt, je weiter der den Behörden durch die anwendbaren No rmen eröffnete Entscheidungsspielraum und je komplexer die Sach- und Rechtslage ist (vgl. zum Ga nzen: U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 201 0, N 1706 f. mit Hinweisen, BGE 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b, KG E VV vom 24. Oktober 2007 [810 07 33] E. 5.2). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.3 Die angefochtene Verfügung enthält Ausführungen zur Fixierung der Besuchsrechts- kadenz, diese sind nicht bloss allgemeiner, sondern auch k onkreter Natur, d.h. sie begründen, weshalb es im vorliegenden Fall angezeigt ist, einen el terlichen Besuchsrhythmus von zwei Besuchen monatlich vorzusehen. Erkennbar im Mittelpunkt der Argumentation der Vorinstanz steht das auf dem Kindeswohl (siehe dazu oben E. 3.3.1 f f.) beruhende Argument, bei C.____ bestehe ein erhöhtes Bedürfnis nach Kontinuität und Si cherheit, was wie bereits ausgeführt (oben E. 3.3.2 f.) nicht zu beanstanden ist. Diese massgebende Überlegung für zweimal monat- lich stattfindende Besuche lässt sich wiederum der angefo chtenen Verfügung auch klar ent- nehmen. Vor diesem Hintergrund ist es entbehrlich, ausdr ücklich auf die Vorbringen des Be- schwerdeführers einzugehen, eine etwaige Rückkehr der To chter zu den leiblichen Eltern resp. einem Elternteil dürfe nicht gefährdet werden, denn diese könnte von Vornherein für sich ge- nommen nicht eine vom Kindeswohl abweichende Lösung re chtfertigen. Nur nach Anordnung desjenigen Besuchsrechts, welches vom Kindeswohl geboten ist, könnte überhaupt eine Rück- platzierung geprüft werden. Dementsprechend wurde die Besuchsrechtsregelung durch die an- gefochtene Verfügung unter Zugrundelegung einer korr ekten Argumentation begründet und diese war für den Beschwerdeführer nachvollziehbar, womi t weitere diesbezügliche Ausführun- gen nicht notwendig waren. Auch wenn man im Übrigen – entgegen dem vorgehend Ausgeführ- ten – davon ausgehen sollte, dass die Verfügung vom 10. Oktober 2012 auf die Ausführungen des Beschwerdeführers im Hinblick auf eine potenzielle Rückkehr von C.____ ausdrücklich hät- te eingehen müssen, ist festzuhalten, dass nach der Rech tsprechung eine – nicht besonders schwer wiegende – Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnah msweise als geheilt gelten kann. Dazu muss die betroffene Person die Möglichkeit erhalten, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtsla ge frei überprüfen kann (vgl. BGE 124 V 389 E. 5/a). Diese Voraussetzung wäre mit Durchlaufen des vorliegenden kan- tonsgerichtlichen Verfahrens aufgrund der hier bestehe nden vollen Kognition (siehe oben E. 1.5) erfüllt. 4.4 Demgemäss liegt keine Verletzung des Anspruchs auf r echtliches Gehör vor, die Be- schwerde ist auch bezüglich dieser Rüge unbegründet. 5. Zusammenfassend erweist sich die Besuchsrechtsregelung de r angefochtenen Verfü- gung vom 10. Oktober 2012 als rechtmässig. Es liegen wed er Verstösse gegen das ZGB oder das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes vor no ch Ermessensmissbrauch oder Unangemessenheit. Auch der Anspruch des Beschwerdeführe rs auf rechtliches Gehör wurde durch die Begründung der angefochtenen Verfügung nich t verletzt. Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiber i.V.