B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4842/2021 U r t e i l v o m 2 0 . J a n u a r 2 0 2 2 Besetzung Richterin Chiara Piras (Vorsitz), Richterin Constance Leisinger, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Iran vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Rechtsverzögerung im erstinstanzlichen Asylverfahren (N […]). D-4842/2021 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer ) reiste am 6. Okto- ber 2019 in die Schweiz ein und suchte am 14. Oktober 2019 um Asyl nach. Er wurde in der Folge dem Bundesasylzentrum (BAZ) R egion (…) zugewiesen. A.b Am 18. Oktober 2019 fand seine Befragung zur Person (BzP) und am 23. Oktober 2019 das persönliche Dublin-Gespräch gemäss Art. 5 der Ver- ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim- mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats- angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) statt. Am 18. Dezember 2019 und am 14. Januar 2020 wurde er vom Staatssek- retariat für Migration (SEM) zu seinen Asylgründen angehört. Der Be- schwerdeführer reichte diverse Beweismittel ein. A.c Mit Verfügung vom 28. Januar 2020 wurde das Asylverfahren des Be- schwerdeführers ins erweiterte Verfahren überführt und tags darauf wurde er dem Kanton B._______ zugewiesen. B. B.a Mit Schreiben vom 15. Juli 2020 zeigte die rubrizierte Rechtsvertrete- rin der Vorinstanz – unter Beilage der Vollmacht – ihre Mandatsübernahme an. Des Weiteren brachte sie ergänzende Vorbringen zu den Anhörungen vor und ersuchte gleichzeitig um Akteneinsicht in allfällige amtliche Über- setzungen der eingereichten Beweismittel sowie um Einsicht in die Akten des Untersuchungsverfahrens vor Entscheidfällung. B.b In der Folge gewährte das SEM dem Beschwerdeführer Akteneinsicht und übermittelte die Kopien der editionspflichtigen Akten am 25. Septem- ber 2020 an dessen Rechtsvertreterin. C. C.a Mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 ersuchte die Rechtsvertreterin das SEM erneut um Mitteilung, ob die vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen vollumfänglich oder zumindest teilweise übersetzt w orden seien, da diese den übermittelten Verfahrensakten nicht beiliegen würden. Sollten allfällige amtliche Übersetzungen vorhanden sein, wurde darum er- sucht, diese dem Beschwerdeführer ebenfalls noch zukommen zu lassen. D-4842/2021 Seite 3 Gleichzeitig wurden zusätzliche Beweismittel zu den Akten gereicht sowie der Beizug des Dossiers des Bruders des Beschwerdeführers, welcher im Jahr 2015 in der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden sei, angeregt. C.b Das SEM liess dieses Schreiben unbeantwortet. Aus den vorinstanzli- chen Akten ist allerdings ersichtlich, dass es die nachgereichten Beweis- mittel am 27. Oktober 2020 übersetzen liess (vgl. SEM-Akte (…)-39/15). D. D.a Mit Schreiben vom 27. April 2021 erkundigte sich der Beschwerdefüh- rer – wiederum handelnd durch seine Rechtsvertreterin – nach dem Ver- fahrensstand und erklärte, dass aufgrund der Übermittlung der Verfahren- sakten am 25. September 2020 davon ausgegangen werde, dass das Dos- sier entscheidreif sei. Mit Verweis auf das Beschleunigungsgebot wurde des Weiteren darum ersucht, umgehend über das Gesuch zu befinden. D.b Das SEM teilte dem Beschwerdeführer daraufhin mit Schreiben vom 21. Mai 2021 mit, aufgrund der aktuell hohen Arbeitslast und der durch die Covid-19-Pandemie auferlegten Einschränkungen habe bisher kein Ent- scheid ergehen können. Es sei nicht möglich, auf ein bestimmtes Datum hin einen Entscheid in Aussicht zu stellen, als Orientierung für einen allfäl- ligen Entscheid werde jedoch vorläufig der Monat Juni 2021 angestrebt. Der Beschwerdeführer werde jedenfalls darum gebeten, sich noch etwas zu gedulden. E. E.a Mit Eingabe vom 26. Juli 2021 liess der Beschwerdeführer einen USB- Stick ins Recht legen und ersuchte erneut um prioritäre Behandlung seines Gesuchs. E.b Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass die Vorinstanz auf dieses Schreiben in erkennbarer Weise reagierte , indessen geht daraus hervor, dass sie den Inhalt der Video-Aufzeichnung am 4. August 2021 zusam- menfassen und übersetzen liess (vgl. SEM-Akte (…)-41/2). F. F.a Mit Eingabe vom 13. September 2021 gelangte der vertretene Be- schwerdeführer ein weiteres Mal an das SEM und ersuchte – unter Bezug- nahme auf die Priorisierungsgesuche vom 27. April 2021 und vom 26. Juli 2021 sowie mit Hinweis auf das seit knapp zwei Jahren hängige Verfahren – umgehend über das Gesuch zu befinden. Für den Fall, dass in den nächsten 30 Tagen kein Entscheid ergehen sollte, sei ihm detailliert D-4842/2021 Seite 4 darzulegen, welche konkreten Verfahrensschritte beziehungsweise weite- ren Abklärungen seit der Zuweisung ins erweiterte Verfahren ergangen und ob aktuell solche noch hängig seien. Gleichzeitig drohte er – mit Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -5724/2020 vom 15. De- zember 2020 – an, bei weiterer Untätigkeit mit einer Rechtsverzögerungs- beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zu gelangen. F.b Die Vorinstanz informierte in ihrem Schreiben vom 20. Septem- ber 2021 darüber, dass der zuständige Sachbearbeiter aufgrund seiner Teilnahme an einem Projekt des European Asylum Support Office (EASO) bis Dezember 2021 abwesend sein werde . Ausserdem könnten aufgrund der hohen Arbeitsbelastungen im erweiterten Verfahren, wobei auch eine interne Prioritätenordnung zur Verfahrenserledigung zu beachten sei, und der starken Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie keine verbind- lichen Aussagen zur genauen Dauer des Verfahrens gemacht werden. G. Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 2. November 2021 (Datum Poststempel: 3. November 2021) liess der Beschwerdeführer durch die rubrizierte Rechtsvertreterin eine Rechtsverzögerungs- respek- tive Rechtsverweigerungsbeschwerde einreichen und beantragte in mate- rieller Hinsicht, die Vorinstanz sei anzuweisen, umgehend mitzuteilen, wie der aktuelle Stand des Verfahrens sei, welche Abklärungen in Gange seien beziehungsweise welche Abklärungen noch konkr et vorgenommen wer- den müssten. Weiter sei das Asylgesuch zeitnah – innerhalb von vier Wo- chen ab Kenntnisnahme der Beschwerde – einem Entscheid zuzuführen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Mit dem Schreiben wurden Kopien der Vollmacht vom 15. Juli 2020 sowie der Substitutionsvollmacht vom 8. September 2020 zu den Akten gereicht. H. Mit Schreiben vom 4. November 2021 bestätigte das Bundesverwaltungs- gericht den Eingang der Beschwerde. I. Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2021 hiess die zuständige In- struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-D-4842/2021 Seite 5 ses. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rec htsverbeistän- dung wies sie dagegen ab. Ferner lud sie die Vorinstanz ein, sich innert Frist zur Beschwerde vernehmen zu lassen. J. Mit Eingabe vom 30. November 2021 reichte das SEM seine Vernehmlas- sung ein. K. Die Instruktionsrichterin liess der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers das Doppel der Vernehmlassung mit Zwischenverfügung vom 3. Dezem- ber 2021 zur Stellungnahme zukommen. L. In der Replik vom 14. Dezember 2021 (Datum Poststempel: 17. Dezem- ber 2021; Posteingang BVGer: 20. Dezember 2021) nahm der Beschwer- deführer zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung, wobei er an seinen Anträgen festhielt und um Gutheissung der Beschwerde ersuchte. Der Eingabe lag eine Liste der bisherigen Aufwendungen bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge- richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge- richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- setzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfechtba- ren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu- ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch MARKUS MÜLLER/PETER BIERI, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER [Hrsg.], Kom- mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 19 zu Art. 46a VwVG). D-4842/2021 Seite 6 Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig . Da weder vom Beschwerdeführer vorgebracht wird, das SEM verweigere den Erlass einer Verfügung, noch das Verhalten des SEM einen solchen Schluss zulässt, ist die v orliegende Beschwerde allein unter dem Aspekt einer allfälligen Rechtsverzögerung zu prüfen. 1.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, dass bei der zuständigen Be hörde zuvor ein Begehren um Erlass einer Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han- deln und der ansprechenden Person na ch Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.). Vorliegend stellte d er Beschwerdeführer am 14. Oktober 2019 in der Schweiz ein Asylgesuch. Über dieses hat die Vorinstanz – gemäss der ge- setzlichen Behandlungsfrist für das erweiterte Asylverfahren innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss der Vorbereitungsphase (Art. 37 Abs. 3 und Art. 26 Abs. 1 AsylG) – in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden. Eine solche ist bis anhin nicht ergangen. Der Beschwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert. 1.3 1.3.1 Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grund- sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Den- noch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im Belieben der beschwerdeführenden Person. Der Grundsatz von Treu und Glauben bildet hier eine Grenze. Die beschwerdeführende Person muss zudem dar- legen, dass sie zur Zeit der Beschwer deerhebung ein schutzwürdiges – mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzö- gerten Amtshandlun g respektive der Feststellung einer entsprechen den Rechtsverzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsger icht, 2. Aufl., 2013, Rz. 5.23). 1.3.2 Der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ist vorliegend nicht zu bean- standen. Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vor- nahme der allenfalls verzögerten Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsa- che, dass die Vorinstanz bislang nicht in der Sache entschieden hat, aus dem rechtstaatlichen und dem spezialgesetzlichen Anspruch auf beförder- liche Behandlung sowie aus dem in den diversen bei den Akten liegenden D-4842/2021 Seite 7 Eingaben zum Ausdruck gebrachten Interesse an einer prioritären und schnellen Entscheidung. 1.4 Auf die formgerecht (Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Rechtsverzö- gerungsbeschwerde ist damit einzutreten. 1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts beschränkt sic h vorliegend auf die Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist es die Sa- che mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht dazu befugt, sich dazu zu äussern, wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte aus- fallen sollen, da es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle der untätig gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instan- zenzug verkürzt und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten ver- letzt würden (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.). 3. 3.1 Eine Rechtsverweigerung liegt vor, wenn sich eine Behörde weigert, eine Verfügung zu erlassen, obwohl sie dazu aufgrund der einschlägigen Rechtsnormen verpflichtet wäre. 3.2 Rechtsverzögerung ist eine abgeschwächte Form der Rechtsverweige- rung. Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nic ht (wie bei einer formellen Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objek- tiv noch als angemessen erscheint (vgl. Urteil des BVGer F-4238/2016 E. 2.2 m.w.H.). Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 der Bundesver- fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). Danach hat jede Person unter anderem Anspruch auf eine Beur- teilung ihrer Sache innert angemessener Frist (sog. Beschleunigungsge- bot). Diese Verfassungsgarantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird für die Feststellung einer Rechtsver- zögerung nicht vorausgesetzt (vgl. Urteil des BVGer E-1808/2020 E. 3.3 D-4842/2021 Seite 8 m.w.H.). Deshalb ist auch dann von einer Verletzung des Rechtsverzöge- rungsverbots auszugehen, wenn sie wegen Personalmangels oder Arbeits- überlastung nicht innert angemessener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 190 E. 5c). Spezifische spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Beurteilung der Angemessenheit der Ver- fahrensdauer zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen auch Urteil des BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2 m.w.H.). 3.3 Die Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität der Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Behörden, die Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie einzelfallspezifische Entscheidungsabläufe (vgl. hierzu BGE 130 I 312 E. 5.1 und 5.2 m.w.H.). 4. 4.1 Zur Begründung seiner Rechtsmittelanträge machte der Beschwerde- führer geltend, es liege einerseits eine Rechtsverzögerung vor, da sich das Asylverfahren und die Entscheidung über den Flüchtlingsschutz trotz des neuen, beschleunigten Asylverfahrens nun bereits zwei Jahre dahinziehe. Diese lange Verfahrensdauer sei objektiv nicht erklärbar, zumal das SEM nach dem Zuweisungsentscheid vom 28. Januar 2020 offenbar keine wei- teren Verfahrensschritte unternommen habe. Weil dem Akteneinsichtsge- such seiner Rechtsvertretung vom 15. Juli 2020 zugestimmt worden sei, habe er – da ein solches grundsätzlich erst nach A bschluss des Untersu- chungsverfahrens gewährt wird – davon ausgehen können, dass zeitnah ein Entscheid ergehen würde. Andererseits sei auch in Anbetracht des Un- tätigbleibens der Vorinstanz seit der Zuweis ung ins erweitere Verfahren von einer Rechtsverzögeru ng auszugehen. Eine viermonatige Abwesen- heit des zuständigen SEM-Mitarbeiters sei dabei kein Grund, um nicht über ein Asylgesuch zu befinden, könne doch ein Dossier in einem solchen Fall der Stellvertretung übertragen werden, wie dies auch auf Seiten der Rechtsvertretung erwartet werden würde. 4.2 Die Vorinstanz wies in ihrer Vernehmlassung zunächst darauf hin, dass der Beschwerdeführer mit seiner Eingabe vom 27. Juli 2021 neue Beweis- mittel eingereicht habe, womit das Instruktionsverfahren wieder habe auf- genommen werden müssen. Ferner sei den Umständen der Covid-19-Pan- demiesituation, welche auch Auswirkungen auf die Verfahrensdauer habe, Rechnung zu tragen. Hinzu komme, dass der zuständige Sachbearbeiter D-4842/2021 Seite 9 aufgrund seiner Teilnahme an einer EASO-Mission, welche den schweize- rischen Asylbehörden wertvolle und nützliche Informationen für die Be- handlung der Asylgesuche in der Schweiz liefere, von September bis De- zember 2021 abwesend sei . Da der Beschwerdeführer erst kürzlich wei- tere Asylgründe vorgebracht habe, erscheine es jedoch legitim, dessen Rückkehr abzuwarten. 4.3 In der Replik brachte der Beschwerdeführer vor, nach Gewährung der Akteneinsicht Ende September 2020 habe er davon ausgehen müssen und können, dass das Instruktionsverfahren abgeschlossen und damit das Dossier entscheidreif sei. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb nicht be- reits zu diesem Zeitpunkt oder früher ein Entscheid ergangen sei. Des Wei- teren sei angesichts der vorliegenden Aktenlage selbst dann nicht mit ei- nem raschen Entscheid zu rechnen, wenn die Bearbeitung des Gesuchs – wie das SEM in seiner Vernehmlassung in Aussicht gestellt habe – im Januar 2022 wiederaufgenommen werde. Alsdann sei die Teilnahme der Schweiz an EASO-Missionen zweifellos nützlich, eine solche habe jedoch für den zu beurteilenden Fall keine Bedeutung und dürfe daher keinen Ein- fluss auf die Verfahrensdauer haben. Ferner könne die Pandemie nicht ge- nerell als verfahrens - respektive entscheidhemmend und damit als Ent- schuldigungsgrund dienen, zumal bereits andere ebenfalls komplexe Dos- siers rascher hätten entschieden werden können. Schliesslich sei der Vor- halt, der Beschwerdeführer habe mit seinen weiteren Eingaben selber zur Verlängerung des Verfahrens beigetragen nicht fair, da er aufgrund der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht gehalten sei, das SEM fortlaufend über ver- fahrensrelevante neue Tatsachen zu informieren und etwaige Beweismittel einzureichen. 5. 5.1 Vorab ist festzuhalten, dass es für das Bundesverwaltungsgericht an- gesichts der durch die Covid -19-Pandemie verursachten Komplikationen, auf die das SEM in seinen Schreiben vom 21. Mai 2021 und 20. Septem- ber 2021 sowie in seiner Vernehmlassung vom 30. November 2021 hin- wies, nicht nur nachvollziehbar sondern auch unvermeidbar ist, dass ge- wisse Verfahren zurzeit nicht innerhalb der kurzen Behandlungsfristen von Art. 37 AsylG abgeschlossen werden könne n, insbesondere dann, wenn – wie im vorliegenden Fall – noch weitere Abklärungs- oder Instruktions- massnahmen erforderlich sind (vgl. hierzu Urteil des BVGer E -3553/2021 E. 4.1.1). Dennoch kann nicht schon aus diesem Grund von einer gerecht- fertigten Verfahrensverzögerung ausgegangen werden. Insbesondere der geltend gemachte Personalmangel rechtfertigt eine Verzögerung nic ht D-4842/2021 Seite 10 (vgl. BGE 138 II 513 E 6.4 m.w.H.). Die viermonatige Abwesenheit des zu- ständigen Sachbearbeiters des SEM aufgrund seiner Teilnahme an einer EASO-Mission von September bis Dezember 2021 vermag eine Verzöge- rung zwar zu erklären, nicht jedoch zu rechtfertigen. 5.2 5.2.1 Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, als das Verfahren in der Tat b ereits seit relativ langer Zeit – nunmehr über mehr als zwei Jahre – hängig ist. Bei der Beurteilung des Vorliegens einer Rechtsverzö- gerung erscheint es nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts jedoch nicht angezeigt, alleine auf die Gesamtdauer des Verfahrens abzustellen, zumal es sich bei den in Art. 37 AsylG formulierten Fristen (im erweiterten Verfahren [Art. 26d AsylG] sind Entscheide innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss der Vorbereitungsphase zu treffen) um Ordnungsfristen handelt (vgl. hierzu Botschaft des Bundesrates zur Änderung des Asylge- setzes vom 26. Mai 2010, BBl 2010 S. 4455 ff., insbesondere S. 4496). Entscheidend ist vielmehr, dass di e Verfahrensverzögerung – zumindest im heutigen Zeitpunkt – nicht auf ein ungerechtfertigtes Untätigbleiben des SEM zurückzuführen ist. 5.2.2 Nach Einreichung seines Asylgesuchs am 14. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer am 18. Oktober 2019 summarisch befragt (vgl. SEM-Akte (…)-11/7), am 23. Oktober 2019 erfolgte das persönliche Dub- lin-Gespräch (vgl. SEM-Akte (…)-12/2) und am 18. Dezember 2019 sowie am 14. Januar 2020 wurde er einlässlich zu seinen Asylgründen angehört (vgl. SEM-Akten (…)-17/23 und (…)-18/23). Am 28. Januar 2020 wies das SEM das Asylgesuch mit der Begründung, es bedürfe in Bezug auf die zu den Akten gereichten Dokumente weiterer Abklärungen, dem erweiterten Verfahren zu (vgl. SEM-Akte (…)-25/2). Obwohl das SEM offenbar nicht von einem abschliessend erstellten Sachverhalt ausging und noch weitere Verfahrenshandlungen als notwendig erachtete, ist aus den Akten nicht er- sichtlich, dass seitens der Vorinstanz zu diesem Zeitpunkt weitere Schritte unternommen wurden, um das Verfahren der Spruchreife zuzuführen. Of- fenbar blieb das Verfahren über einen längeren Zeitraum unbearbeitet. Für diese Zeitspanne könnte denn auch allenfalls von einer Verschleppung des Verfahrens gesprochen werden. Allerdings hat der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt keine Rech tsverzögerungsbeschwerde erhoben (vgl. auch Urteil des BVGer E -5765/2019 vom 9. Dezember 2019 E. 5.3). Vielmehr ergänzte er – handelnd durch seine neu mandatierte Rechtsver- treterin – mit Eingabe vom 15. Juli 2020 seine bisherigen Vorbringen und D-4842/2021 Seite 11 ersuchte um Edition allfälliger amtlicher Übersetzungen der bisher einge- reichten Beweismittel sowie um Einsicht in alle verfahrensrelevanten Akten nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens und vor Entscheideröffnung (vgl. SEM-Akte (…)-32/5). In der Folge liess das SEM der Rechtsvertrete- rin mit Schreiben vom 25. September 2020 Kopien der editionspflichtigen Akten zukommen (vgl. SEM-Akten (…)-33/1 und (…)-34/1). Mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer zusätzliche Beweis- mittel ins Recht und machte beliebt, das D ossier seines in der Schweiz wohnhaften Bruders, C._______, welcher im Jahr 2015 als Flüchtling an- erkannt worden sei, beizuziehen (vgl. SEM-Akte (…)-35/36). Den vorinstanzlichen Akten ist zu entnehmen, dass das SEM die nachgereich- ten Beweismittel am 27. Oktober 2020 übersetzen liess (vgl. SEM-Akte (…)-39/5). Anschliessend liess es zwar bis zur Beantwortung der Verfah- rensstandsanfrage vom 27. April 2021 am 21. Mai 2021, wobei dem Be- schwerdeführer ein Abschluss des Verfahrens im Juni 2021 in Aussicht ge- stellt wurde (vgl. SEM-Akte (…)-37/1), wiederum mehrere Monate verstrei- chen, ohne dass weitere Abklärungshandlungen vorgenommen wurden. Eine zügigere Fortführung des Verfahrens wäre zwar wünschenswert ge- wesen, dennoch erreicht die Nichtweiterbea rbeitung während dieser Zeit im vorliegenden Fall nicht die notwendige Schwelle, um von einer unrecht- mässigen Verzögerung auszugehen. Sodann ist zu beachten und ergibt sich aus den vorliegenden Akten, dass die Vorinstanz das vom Beschwer- deführer am 26. Juli 2021 mit einem USB-Stick zu den Akten gereichte Vi- deo am 4. August 2021 ebenfalls zusammenfassen und übersetzen liess (vgl. SEM-Akte (…)-41/2). Ihr kann somit insgesamt nicht vorgehalten wer- den, dass sie untätig geblieben ist, obschon das Verfahren teilw eise nur schleppend voranging und der Beschwerdeführer aus unerklärlichen Grün- den nicht laufend über die getätigten (amtsinternen) Instruktionsmassnah- men (insbesondere die Übersetzung der von ihm eingereichten Beweismit- tel) in Kenntnis gesetzt wurde . Alsdann ist der Vorinstanz beizupflichten, dass sich die Wiederaufnahme des Untersuchungsverfahrens aus den konkreten Umständen, namentlich den nachgereichten Beweismitteleinga- ben, rechtfertigen lässt. Soweit der Beschwerdeführer argumentierte, dass er aufgrund der ihm Ende September 2020 gewährten Akteneinsicht davon ausgehen durfte, das Verfahren sei entscheidreif, ist entgegen zu halten, dass er sowohl mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 als auch mit derjenigen vom 26. Juli 2021 weitere Beweismittel zu den Akten reichte, weshalb er annehmen musste, dass das Instruktionsverfahren wiedereröffnet wurde. In Anbetracht der neu vorgelegten Beweismittel, welche zu würdigen sind, weist das Asylverfahren des Beschwerdeführers denn auch in sachverhalt- licher Hinsicht eine gewisse Komplexität auf, welche vertiefte Abklärungen D-4842/2021 Seite 12 als gerechtfertigt erscheinen lässt (vgl. dazu BGE 130 I 312 E. 5.1). Vor diesem Hintergrund war die fehlende Entscheidreife des Verfahrens und damit die Unmöglichkeit eines umgehenden Entscheiderlasses für den Be- schwerdeführer im Zeitpunkt der Erhebung der Rechtsverzögerungsbe- schwerde am 2. November 2021 ersichtlich. 5.3 Zusammenfassend dauert das Asylverfahrens tatsächlich nunmehr be- reits über zwei Jahre. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erscheint bei einer Gesamtbetrachtung die bisherige Behandlungsdauer des Asylge- suchs des Beschwerdeführers vom 14. Oktober 2019 jedoch insgesamt als gerechtfertigt, da – insbesondere weil die Anhörungen sehr ausführlich ausgefallen sind und der Beschwerdeführer im Laufe des erstinstanzlichen Verfahrens weitere Beweismittel nachreichte – von einem umfangreichen Sachverhalt auszugehen ist, der mittels weiterer Instruktionsmassnahmen noch zu vervollständigen ist. Es ist damit in der vorliegenden Konstellation nicht zu schliessen, das SEM hätte im Zeitpunkt der Erhebung der Rechts- verzögerungsbeschwerde vom 2. November 2021 den Erlass eines Ent- scheids unrechtmässig verzögert. Eine Verletzung des Beschleunigungs- gebots gemäss Art. 29 Abs. 1 BV ist jedenfalls nicht zu erblicken. 6. Aufgrund des Gesagten erweist sich die Rüge der Rechtsverzögerung im Zeitpunkt ihrer Erhebung am 2. November 2021 als nicht begründet, wes- halb die Beschwerde abzuweisen ist. Die vorinstanzlichen Akten gehen zur zeitnahen Fortführung des Asylverfahrens an das SEM zurück. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Da indes mit Zwischenverfü- gung vom 16. November 2021 das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und weiterhin von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Angesichts des Verfahrensausgangs ist keine Parteientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG). D-4842/2021 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Chiara Piras Kathrin Rohrer Versand: