Seite 1 Entscheid vom 24. Februar 2017 (510 16 92) __________________________________________________ ___________________ Einzahlung in ausländische Vorsorgeeinrichtung Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Gerich tsschreiber i.V. R. Araujo Messerli Parteien A.____ , vertreten durch Herr N. Arias/Frau K. Buchmann Cuentax AG , Aeschenvorstadt 55, 4051 Basel Rekurrenten gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2014 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Veranlagungsverfügung vom 25. Februar 2016 wurd en die Pflichtigen zu einem steuerbaren Einkommen von Fr. 347‘662.-- veranlagt und der geltend gemachte Betrag in Höhe von Fr. 4‘858.-- an eine deutsche Vorsorgeeinrichtung gestrichen. 2. Mit Schreiben vom 23. März 2016 erhob der Vertrete r der Pflichtigen Einsprache u.a. mit den Begehren, die Beiträge der Rekurrentin an das Ver sorgungswerk der B.____ in C.____ (Deutschland) im Betrage von Fr. 4‘858.-- ( € 4'048.--) seien als Einkaufsbeiträge in die zweite Säule (obligatorische berufliche Altersvorsorge) anzuerke nnen und zum Abzug zuzulassen. Den Abzug der Einkaufsbeiträge in die zweite Säule b egründete er im Wesentlichen damit, dass die Pflichtige im Rahmen ihrer humanmedizinischen Tä tigkeit im Raume C.____ obligato- risch beim Versorgungswerk der B.____ in C.____ vorsorgeve rsichert worden sei. Obwohl sie heute für das D.____spital in E.____ arbeite, sei sie b ei der genannten Vorsorgeinstitution wei- terhin freiwillig vorsorgeversichert, was gemäss Versorgung sstatut des Versorgungswerks der B.____ in C.____ explizit vorgesehen sei. Gemäss Versicher ungsausweis der Basellandschaft- lichen Pensionskasse weise die Pflichtige per 1. Januar 2015 ein Einkaufspotenzial für die Schliessung von Beitragslücken von Fr. 422'838.15 auf. Das Bundesgericht habe bereits früher die laufenden jährlichen Beiträge an ein bereits vorgängig begründetes deutsches Vorsorgever- hältnis steuerlich zum Abzug zugelassen. Wären die Einkauf sbeiträge infolge ihrer ausländi- schen Herkunft steuerlich nicht absetzbar, wäre dies eine n icht statthafte, indirekte Diskriminie- rung der Pflichtigen gemäss dem Freizügigkeitsabkommen. Das berechnete Alterskapital in Höhe von rund Fr. 110‘000.-- (Fälligkeit der Altersrente: 01.01.2034; monatliche Rente: € 500.--; Umwandlungssatz: 5.8%) liege deutlich unter dem mögliche n Einkaufsbetrag gemäss Vorsor- geausweis der Basellandschaftlichen Pensionskasse, womit Raum für eine zur schweizerischen Altersrente komplementäre deutsche Altersvorsorge gegeb en sei. Mit Ergänzung vom 6. April 2016 führte der Vertreter aus, das bisherige Alterskapit al betrage € 66‘567.--, was unter dem mutmasslichen Alterskapital per Rentenantritt von € 110‘000.-- liege. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 11. Oktober 2016 wies di e Steuerverwaltung die Einspra- che bezüglich der Abzugsfähigkeit der ausländischen Vorso rgebeiträge ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass das Steuergesetz keine Bestimmung kenne, wonach Bei- träge an ausländische Vorsorgeeinrichtungen, welche eine r schweizerischen 2. Säule entspre- Seite 3 chen, abgezogen werden könnten. Solche Beitragszahlungen würden zwar unter dem Aspekt der Gleichbehandlung zum Abzug zugelassen, dies aber nur unter gewissen Bedingungen. Weiter führte sie aus, dass die Pflichtige der betriebl ichen Vorsorgeeinrichtung des D.____spitals, Baselland angeschlossen sei und Risiko- un d Sparprämien in der Schweiz be- zahle, dass es sich bei den fraglichen Beiträgen nicht um E inkaufsbeiträge zur Schliessung früherer Beitragslücken‚ sondern um die laufenden Beit räge handle und dass der erwähnte Bundesgerichtsentscheid nicht auf den Fall der Pflichti gen anwendbar sei. Sie wies darauf hin, dass für Staatsangehörige der Schweiz das Erwerbsortprinzip gelte und dass davon ausgegan- gen werden müsse, dass reglementarische Einkäufe in ausländ ische Vorsorgepläne nach schweizerischem Muster nicht bekannt seien. Sollten solche Einkäufe dennoch möglich sein, wären die Einschränkungen nach schweizerischem Recht sinng emäss anwendbar. Schliesslich liege auch keine Ungleichbehandlung gemäss dem Freizügigkeitsabkommen vor. Da die Pflich- tige bereits bei einer Vorsorgeeinrichtung in der Schwe iz angeschlossen sei, sei es nicht mög- lich, auch die Mitgliederbeiträge (nicht Einkaufsbeiträge) an eine ausländische Vorsorgeeinrich- tung abzuziehen. Dies käme einer Ungleichbehandlung geg enüber Steuerpflichtigen ohne eine ausländische Versicherung gleich. Dass die Pflichtige nicht die Bedingungen für einen Abzug der ausländischen Vorsorgebeiträge erfülle, rechtfertig e keine Steuerbefreiung der zukünftigen Rentenzahlungen. Sie müsse das Risiko von Nachteilen aufgrund von Inkompatibilitäten in Kauf nehmen. 4. Mit Schreiben vom 10. November 2016 erhob der Ver treter Rekurs gegen den Einspra- che-Entscheid vom 11. Oktober 2016. Zur Begründung führ te er u.a. aus, dass mit den Einzah- lungen in die Versorgungseinrichtung die bestehende Vorsorgelücke geschlossen werden solle. Denn die Rekurrentin sei einzig dem schweizerischen Sozial versicherungssystem unterstellt, weswegen sie die ordentlichen Beiträge nur in der Schw eiz entrichten könne und es sich bei den fraglichen Beiträgen nicht um ordentliche Beiträge handeln könne. Die Versorgungseinrich- tung weise aus Schweizer Sicht einen überobligatorischen Charakter auf. Würde es sich hierbei um eine schweizerische Vorsorgeeinrichtung handeln, wären die getätigten Zahlungen problem- los abzugsfähig. Schliesslich gebe es gemäss dem Gesetz und der Literatur für die steuerliche Abzugsfähigkeit keine Unterscheidung zwischen ordentliche n und Einkaufsbeiträgen. Aus- schlaggebend sei allein die Bestätigung der Einkaufsbe iträge der Vorsorgeeinrichtung. Weiter bestand der Vertreter darauf, dass der angegebene Bund esgerichtsentscheid vergleichbar sei. Hingegen sei der von der Steuerverwaltung zitierte Entsc heid des Steuergerichts durch besag- ten Bundesgerichtsentscheid entkräftet worden. Schliesslic h führte der Vertreter aus, dass ge- Seite 4 mäss Einsprache-Entscheid die Beiträge, sofern diese Ei nkaufsbeiträge seien, abzugsfähig seien. Da die Einzahlungen in der berechneten Deckungsl ücke von Fr. 422‘838.-- problemlos Platz hätten, stellen die getätigten Einzahlungen eine valable Einkaufsmöglichkeit dar. 5. Mit Vernehmlassung vom 16. Dezember 2016 beantragt e die Steuerverwaltung die Ab- weisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie u.a. au s, dass gemäss dem Erwerbsort- prinzip die Rekurrentin einzig der Basellandschaftlichen Pensionskasse unterstellt sei. Allfällig vorhandenes Altersguthaben wäre in dieses Vorsorgewerk ei nzubringen, zumindest aber bei der Berechnung der Deckungslücke mitzuberücksichtigen. Vo rsorgelücken können mittels Ein- käufe geschlossen werden, wobei für Kapitalleistungen eine Sperrfrist von 3 Jahren bestehe. Diese Voraussetzungen würden bei dem Versorgungswerk B._ ___ in C.____ nicht erfüllt und die geleisteten Zahlungen können daher nicht abgezogen werden. 6. Mit Schreiben vom 6. Februar 2017 führte der Vertr eter der Pflichtigen aus, dass sich die Steuerverwaltung auf die Entrichtung von ordentlichen Beiträgen in eine Vorsorgeinstitution beziehen würde, obwohl es sich bei den von der Steuerpf lichtigen geleisteten Zahlungen um ratenweise, monatlich bezahlte Einkaufsbeiträge handle , was insbesondere auch dadurch ge- stützt werde, dass diese Zahlungen nur dem Alterskapital zugeschlagen würden. Weiter müsse das allfällig im Ausland vorhandene Altersguthaben an die Deckungslücke in der Schweiz ange- rechnet und bei Einkäufen mitberücksichtigt werden. 7. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Pa rteien an ihren Anträgen fest. Der Präsident des Steuergerichts zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 1 StG werden Rekurse, deren u mstrittener Steuerbetrag wie im Seite 5 vorliegenden Fall Fr. 2'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuerge- richts als Einzelrichter beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten. 2. Vorliegend zu beurteilen ist, ob die von den Pflicht igen getätigten Zahlungen an das Versorgungswerk B.____ in C.____ in Deutschland in der H öhe von Fr. 4‘858.-- als Beiträge / Einkäufe in eine berufliche Vorsorgeeinrichtung vom E inkommen zum Abzug zugelassen wer- den können. 3. Ein Abzug von Beiträgen oder Einkäufen in die beru fliche Vorsorge ist grundsätzlich von nachfolgenden qualifizierten Voraussetzungen abhängig: a) Das Gesetz sieht als Voraussetzungen für den Abzug fo lgende Kaskadenrege- lung vor: Gemäss § 29 Abs. 1 lit. dter StG werden Einl agen, Prämien und Beiträge zum Erwerb von vertraglichen Ansprüchen aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge im Sinne und im Umfang von Art. 82 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlasse- nen- und Invalidenvorsorge vom 25. Juni 1982 (BVG) zum Abzug zugelassen. Art. 5 Abs. 1 BVG regelt weiter, dass dieses Gesetz nur für Personen g ilt, die bei der eidgenössischen Al- ters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) versichert sind. Bei der AHV obligatorisch versi- chert sind laut Art. 1a des Bundesgesetzes über die Alte rs- und Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG) jedoch nur natürliche Per sonen mit Wohnsitz in der Schweiz und solche, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit aus üben. Des Weiteren sieht Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorge- formen vom 13. November 1985 (BVV 3) vor, dass Arbeitn ehmer und Selbständigerwerbende bei den direkten Steuern von Bund, Kantonen und Geme inden ihre Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen von ihrem Einkommen abziehen können. Ab zugsberechtigt sind dabei nicht nur die ordentlichen Beiträge, sondern – unter Vorb ehalt von Art. 205 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 und Art. 79b BVG – auch Beiträge für den Einkauf (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, Zürich 2016, Art. 33 N 81). Seite 6 b) Eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge (2. Säu le) soll zusammen mit der AHV/IV sämtlichen Unselbständigerwerbenden mittels Obligatorium im Erlebensfall die Fortset- zung des gewohnten Lebensstandards in angemessener Weise ermöglichen und setzt sich aus dem obligatorischen (Säule 2a) und dem überobligator ischen Bereich (Säule 2b) zusammen (vgl. Widmer, Die Sozialversicherung in der Schweiz, 17. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2017, S. 9; Riemer/Riemer-Kafka, Das Recht der beruflichen Vorsor ge in der Schweiz, 2. Auflage, Bern 2006, § 1 N 3; BGE 130 I 205, E. 6.2 m.w.H.). Der o bligatorische Bereich der beruflichen Vor- sorge betrifft nur ein bestimmtes Lohnsegment (sog. koor dinierter Lohn), während im überobli- gatorischen Bereich freiwillig ein Lohn über der Oberg renze des koordinierten Lohnes hinaus versichert werden kann (Riemer/Riemer-Kafka, a.a.O. § 1 N 22). Für die Abzugsfähigkeit der einbezahlten Beiträge spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob die berufliche Vorsorge den obliga- torischen oder überobligatorischen Bereich betrifft, sol ange es sich um eine BVG-konforme- Einrichtung handelt. Ausschlaggebend dafür ist das Regel werk der Einrichtung (Hunzi- ker/Mayer-Knobel, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Art. 33 DBG N 23). c) In der Literatur werden als Voraussetzungen für die Abzugsfähigkeit von Vorsor- gebeiträgen, die Unterstellung unter die AHV-Pflicht und die Entrichtung entsprechender Bei- träge genannt. Um Einzahlungen an die 2. Säule steuerlich abziehen zu können wird somit eine AHV-pflichtige Erwerbstätigkeit vorausgesetzt (Wolfgan g Maute/Martin Steiner/Adrian Rufe- ner/Peter Lang, Steuern und Versicherungen, 3. Auflag e, Bern 2011, S. 164; Entscheid des Steuergerichts vom 31. Januar 2014, 510 13 69, E. 2.b). Gemäss Lohnausweis des D.____spitals Baselland vom 13. Februar 2015 arbei- tet und lebt die Pflichtige in der Schweiz und entricht et hier AHV/IV-Beiträge. Sie ist damit einer schweizerischen Vorsorgeeinrichtung unterstellt, an welche sie ordentliche Beiträge leistet. So- mit erfüllt die Rekurrentin die grundsätzlichen Anforderungen um auch Beiträge / Einkäufe in die 2. Säule zu tätigen und steuerlich zum Abzug bringen zu können. 4. Aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit im D.____spi tal Baselland ist die Pflichtige der Ba- sellandschaftlichen Pensionskasse angeschlossen und leistet o rdentliche Beiträge an diese, welche unbestrittenermassen steuerlich abzugsfähig sind . Zusätzlich zu diesen ordentlichen Beiträgen leistet die Pflichtige auch monatliche Zahlungen an das Versorgungswerk der B.____ in C.____ in Deutschland. Seite 7 Es ist somit zu prüfen, ob die zu den ordentlichen Beitr ägen an die Basellandschaftliche Pensionskasse parallel getätigten Zahlungen an das deutsche Versorgungswerk zusätzlich zum Abzug zugelassen werden können. a) Vorgängig ist festzustellen, ob es sich bei den getät igten Zahlungen an das Ver- sorgungswerk in Deutschland um ordentliche Beiträge oder um Einkaufszahlungen handelt. Die Regelmässigkeit der getätigten Zahlungen lässt au f den ersten Blick eher auf das Vorliegen von ordentlichen Beiträgen schliessen. Jedoc h ergeben sich die monatlichen Einzahlungen direkt aus den Statuten des Versorgungswerks B.____ in C.____. So verlangt das Versorgungsstatut von sämtlichen Mitgliedern, dass di e Versorgungsbeiträge monatlich im Nachhinein zu entrichten seien (§ 34 des Versorgungsstatu ts der B.____ in C.____ [Statuten]). Einkäufe anderer Art sind in den Statuten nicht vorges ehen. Ausserdem ist zu beachten, dass die Rekurrentin dadurch, dass sie in der Schweiz wohnha ft und erwerbstätig ist, einzig dem schweizerischen Sozialversicherungssystem unterstellt ist. Folg lich ist es der Pflichtigen gar nicht möglich, ordentliche Beiträge an eine deutsche Vo rsorgeeinrichtung zu entrichten. Jedoch ist gemäss dem Versicherungsausweis der Basellandschaftlichen Pensionskasse vom 27. März 2015 festzustellen, dass die Pflichtige bei dieser Vorsor geeinrichtung eine Vorsorgelücke in Höhe von Fr. 422‘838.15 aufweist. Dies lässt wiederum darauf schliessen, dass das in Deutsch- land geäufnete Kapital des Versorgungswerks der B.____ i n C.____ der Deckung dieser Vor- sorgelücke in der schweizerischen Versorgungseinrichtung d ient, wie wenn ein solches Kapital bei einer vergleichbaren schweizerischen Vorsorgeeinrichtu ng geäufnet worden wäre. Das Kri- terium der monatlichen Einzahlung statt einer einmalig en Einzahlung kann nicht ausschlagge- bend sein. Schliesslich muss es auch möglich sein, Einkäufe in den überobligatorischen Teil einer 2. Säule monatlich zu tätigen. Die Weiterführung der deutschen Vorsorge ist folgli ch als überobligatorischer Teil einer 2. Säule und die getätigten monatlichen Zahlungen als Einkäufe zu qualifizieren. b) Grundsätzlich sind Beiträge, welche der beruflichen Vorsorge dienen, nur inso- fern steuerlich abzugsfähig, als sie an eine schweizerische Vorsorgeeinrichtung geleistet wer- den. Denn die Bestimmungen zur steuerlichen Behandlung der beruflichen Vorsorge im BVG beziehen sich auf registrierte und nicht registrierte Vor sorgeeinrichtungen, die in der Schweiz von der Steuerpflicht befreit sind (Marina Züger/Julia von Ah, in: Zweifel/Beusch/Matteotti [Hrsg] Kommentar zum internationalen Steuerrecht, Art. 18 OECD-MA N 65). In der Literatur und ge- mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung werden Einkäufe in ausländische Vorsorgeeinrich- tungen dennoch aus Gründen der rechtsgleichen Behandl ung zugelassen, wenn die ausländi- Seite 8 sche Vorsorgeeinrichtung mit einer schweizerischen vergleich bar ist, die ausländische Sozial- versicherungseinrichtung anerkannt ist, die geleisteten Bei träge quantitativ im Rahmen des nach schweizerischem Recht zum Abzug zugelassenen sind und die steuerpflichtige Person ausschliesslich dem Sozialversicherungsrecht des ausländischen St aates untersteht (Marina Züger/Julia von Ah, a.a.O., Art. 18 OECD-MA N 66; Bu ndesgerichtsentscheid [BGer] 2C_530/2010 vom 21. März 2011 E. 3.3.1). c) Für die Beurteilung der Vergleichbarkeit des Versor gungswerks der B.____ in C.____ mit einer schweizerischen Vorsorgeeinrichtung ist u .a. massgeblich, ob eine gesetzli- che, statutarische oder reglementarische Verpflichtung zur Leistung der Beiträge besteht, ob die geleisteten Beiträge gebunden sind und ob es sich um e ine kollektive und nicht um eine Einzel- vorsorge handelt, welche zumindest ein Kollektiv von Versich erten vorsieht, deren Zugehörig- keit sich nach objektiven Kriterien richtet. Im Ergebni s darf es sich nicht um eine individuelle Spareinrichtung handeln, sondern es muss sich um eine ber ufliche Vorsorge handeln. Da sich jedoch die Sozialversicherungssysteme der verschiedenen Staa ten naturgemäss unterschei- den, darf für die Beurteilung der Vergleichbarkeit ke in allzu strenger Massstab angewendet werden (zum Ganzen: BGer 2C_530/2010 E. 3.3.1; Hunzike r/Mayer-Knobel, a.a.O., Art. 33 DBG N 23f, 25; Marina Züger/Julia von Ah, a.a.O., Ar t. 18 OECD-MA N 68; Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O. Art. 33 N 71; Wolfgang Maute/Martin Steiner/Adrian Ru- fener/Peter Lang, Steuern und Versicherungen, 3. Auflage, Bern 2011, S. 165). 5. a) Bei dem zu prüfenden Versorgungswerk der B.____ i n C.____ handelt es sich gemäss § 2 der Statuten um ein Versorgungswerk, das die Aufgabe hat, den Mitgliedern der B.____ und ihren Hinterbliebenen Versorgungsleistungen nach Massgabe des Statuts zu ge- währen. Gemäss § 24 f. der Statuten zahlt jedes Mitgl ied – ob Pflichtmitglied oder freiwilliges Mitglied – höchstens den allgemeinen Versorgungsbeitr ag. Gemäss § 8 Abs. 1 der Statuten kann die Mitgliedschaft unter bestimmten Bedingungen f ortgesetzt werden. Wird die Mitglied- schaft freiwillig fortgesetzt, so muss das freiwillige Mi tglied gemäss § 27 der Statuten mindes- tens 1/10 des allgemeinen Versorgungsbeitrags leisten. Z ahlt ein freiwilliges Mitglied die ver- einbarten Versorgungsbeiträge trotz zweimaliger Mahnu ng nicht innerhalb eines Monats, kann das Versorgungswerk die freiwillige Mitgliedschaft gemäss § 8 Abs. 4 der Statuten fristlos kün- digen, womit die freiwillige Mitgliedschaft unwiderruflich erlischt. Das freiwillige Mitglied kann die Mitgliedschaft auch schriftlich mit einer Frist von eine m Monat zum Ende eines Kalenderjahres kündigen (§ 8 Abs. 3 der Statuten). Die verschiedenen L eistungen des Versorgungswerks wer- Seite 9 den in den §§ 9-23 der Statuten definiert. Dabei ha ndelt es sich um eine Berufsunfähigkeitsren- te, eine Altersrente, eine Hinterbliebenenrente, ein en Kinderzuschlag, eine Kapitalabfindung, ein Sterbegeld und Zuschüsse zu Rehabilitationsmassnahme n. Bezüglich der Verwendung des Vermögens des Versorgungswerks wird in § 37 der Statut en festgehalten, dass dies nur zur Bestreitung der Leistungen nach dem Gesetz und diesem Statut verwendet werden darf. Endet die (freiwillige) Mitgliedschaft, ohne dass ein Versorgu ngsfall eintritt, so können die bisherig geleisteten Versorgungsbeiträge an die neue Einrichtun g übergeleitet werden (vgl. § 36 der Statuten). b) Aus den zitierten Bestimmungen der Statuten ergibt sich, dass die zu leistenden Beiträge statutarisch geregelt und die geleisteten Beiträge gebunden sind. Die pflichtige Person kann nicht frei entscheiden, ob und in welcher Höhe sie Beiträge entrichten will. Auch kann ein freiwilliges Mitglied zwar die Mitgliedschaft auf Ende eines Kalenderjahres kündigen, doch se- hen die Statuten dabei keine Möglichkeit vor, das geäuf nete Vermögen zu beziehen. Vielmehr müsste es, gleich der Regelung in der Schweiz, an eine a ndere Vorsorgeeinrichtung übergelei- tet werden. Weiter sehen die Statuten eine Zugehöri gkeit zum Versorgungswerk anhand der Mitgliedschaft der B.____ in C.____ vor, womit der Gru ndsatz der Kollektivität gegeben ist (§ 7 der Statuten). Folglich ergibt sich aus einer Gesamtbetrachtung, dass das Versorgungswerk der B.____ in C.____ mit einer schweizerischen Vorsorgeeinrichtung vergleichbar ist. c) Als nächstes muss die ausländische Vorsorgeeinrichtung an erkannt sein. In der vom Versorgungswerk der B.____ in C.____ für die Pflichtige ausgestellten Bescheinigung vom 3. Februar 2015 bestätigt das Versorgungswerk, dass die ei nbezahlten Versorgungsbeiträge in der Höhe von € 4‘048.44 als Sonderausgaben abzugsfähig sind. Daraus lä sst sich schliessen, dass das Versorgungswerk der B.____ in C.____ in Deutschland anerkannt ist. d) Des Weiteren ist zu prüfen, ob sich die Einkäufe qu antitativ im Rahmen des nach schweizerischem Recht zugelassenen bewegen. Dies bedeutet, dass die Beiträge an eine aus- ländische Versorgungseinrichtung nicht höher sein dürfe n, als die Beiträge, welche für einen den schweizerischen Vorsorgeeinrichtungen unterstellten abziehbar wären (vgl. Marina Zü- ger/Julia von Ah, a.a.O., Art. 18 OECD-MA N 66). An schweizerische Vorsorgeeinrichtungen dürfen Einkäufe bis höchstens zu den reglementarischen Le istungen erfolgen und dienen somit der Schliessung einer allfälligen Deckungslücke (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O. Art. 33 N 82). Vorliegend weist die schweizerische Vorsorgeeinrichtung der Pflichtigen gemäss dem Versicherungsausweis der Basellandschaftlichen Pensionskasse vom 27. März 2015 eine De- Seite 10 ckungslücke von Fr. 422‘838.15 auf. Das von der Pflichtig en geäufnete Alterskapital des Ver- sorgungswerks der B.____ in C.____ beträgt derzeit gemäss Mitgliedschaftsverlauf vom 29. Februar 2016 € 66‘567.80. Somit sind die bisher getätigten Einkäufe tiefer als die zu schlies- sende Deckungslücke und damit quantitativ im Rahmen des nach schweizerischem Recht zu- gelassenen. e) Schliesslich ist das Kriterium der Ausschliesslichkeit zu üb erprüfen. Grundsätz- lich kann eine in der Schweiz ansässige Person Beiträge an eine vergleichbare ausländische Vorsorgeeinrichtung abziehen, soweit die in der Schweiz steuerpflichte Person ausschliesslich dem Sozialversicherungsregime des ausländischen Staates unte rsteht. Das Kriterium der Aus- schliesslichkeit wird von Praxis und Lehre allgemein in dem Sinn verstanden, dass die steuer- pflichtige Person nicht zugleich einer schweizerischen So zialvorsorge unterstellt sein darf und an diese keine Beiträge leistet (vgl. Hunziker/Mayer-Knobe l, a.a.O., Art. 33 DBG N 25; BGer 2C_530/2010 E. 3.3.1 m.w.Verw.). Vorliegend schloss sich die Rekurrentin am 1. März 1994 dem Versorgungswerk der B.____ in C.____ in Deutschland als Pflichtmitglied an. Per 1. November 1995 unterstellte sie sich erstmals dem schweizerischen Sozialversicherungsregime. Seither führte sie ihre deut- sche Vorsorge auf freiwilliger Basis weiter und leistete sowohl bei der deutschen, als auch bei der schweizerischen Einrichtung monatliche Beiträge. Wie anfangs festgehalten ist hier zu be- achten, dass es sich bei den jeweiligen Beiträgen um unt erschiedliche Zahlungen handelt. So leistete die Pflichtige einerseits ordentliche Beiträg e in der Schweiz und andererseits freiwillige überobligatorische Einkäufe in das Versorgungswerk in D eutschland (vgl. E. 4.a). Die Steuer- pflichtige ist somit nicht ausschliesslich dem Sozialversiche rungsregime eines ausländischen Staates, sondern viel mehr ausschliesslich dem schweizerische n unterstellt. Die Einzahlungen an die deutsche Vorsorge erfolgen lediglich auf freiwi lliger Basis und dienen einzig der Schlies- sung der Deckungslücke in der schweizerischen Vorsorge. Sie sind daher so zu betrachten, als ob sie an eine andere schweizerische Vorsorgeeinrichtung entrichtet worden wären. Da somit Beiträge an die schweizerische Vorsorgeeinrichtung gelei stet werden, fällt die fehlende aus- schliessliche Unterstellung unter ein ausländisches Sozialversi cherungsregime trotz Einzahlun- gen in eine ausländische – vorliegend deutsche – Vorsorg eeinrichtung unter Berücksichtigung der gesamten Umstände für die steuerliche Beurteilung der Einzahlung in das deutsche Versor- gungswerk nicht weiter ins Gewicht. f) Zusammenfassend kann folglich festgehalten werden, da ss es sich bei den vor- liegend zu beurteilenden Beiträgen in Höhe von € 4‘048.44 um Zahlungen an eine deutsche Seite 11 Vorsorgeeinrichtung handelt, welche mit einer schweizerischen vergleichbar ist (E. 5.b), an eine in Deutschland anerkannte Vorsorgeeinrichtung geleist et werden (E. 5.c) und die geleisteten Beiträge quantitativ im Rahmen des nach schweizerischem R echt zum Abzug zugelassenen sind (E. 5.d). Dass keine ausschliessliche Unterstellung an eine ausländische Vorsorge vorliegt, kann unberücksichtigt gelassen werden (E. 5.e). Folglich müssen die von der Pflichtigen geleis- teten Zahlungen in der Höhe von umgerechnet Fr. 4‘858 .-- (€ 4‘084.44 * 1.1893 Umrechnungs- kurs) an das Versorgungswerk der B.____ in C.____ aus Grü nden der rechtsgleichen Behand- lung steuerlich zum Abzug zugelassen werden, wie wenn diese an eine schweizerische Vorsor- geeinrichtung getätigt worden wären. 6. Gleiches ergibt sich bei Betrachtung des zwischenstaatlich en (Steuer-)Rechts. So be- sagt Art. 2 des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgen ossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, FZA, SR 0.142.112.671), dass Staatsangehörige von EU-Staaten bzw. der Schweiz, die sich rechtmässig im Hoheitsgebiet ei nes EU-Staates oder der Schweiz aufhalten, bei der Anwendung des Abkommens nicht aufgr und der Staatsangehörigkeit diskri- miniert werden dürfen. Gemäss Art. 9 Abs. 2 von Anhang I FZA geniesst ein Arbeitnehmer, der Staatsangehöriger eines EU-Staates oder der Schweiz i st, im Hoheitsgebiet eines Vertrags- staats die gleichen steuerlichen Vergünstigungen wie die inländischen Arbeitnehmer. Er darf somit weder direkt noch indirekt diskriminiert werden (vgl. BGer 2C_530/2010 E. 3.4.2 m.w.Verw.). Von dem vorliegend zu beurteilenden Sachv erhalt, wonach ein früher begründetes ausländisches Vorsorgeverhältnis in der Schweiz weitergefü hrt werden kann, dürften haupt- sächlich ausländische Staatsangehörige betroffen sein, wori n eine indirekte Diskriminierung liegen kann, wenn Beiträge im Rahmen dieses ausländisch en Vorsorgeverhältnis nicht steuer- lich zum Abzug zugelassen würden. Hätte die Pflichtige schli esslich diese Beiträge an eine ver- gleichbare schweizerische Vorsorgeeinrichtung gezahlt, wär en diese Zahlungen ohne Weiteres steuerlich abzugsfähig gewesen. Der Rekurs erweist sich somit als begründet und ist gutzuheissen. 7. a) Ausgangsgemäss sind den Rekurrenten nach § 130 St G i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Seite 12 b) Nach § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann bei Besch werden in Steuersachen der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Bei zug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Für das Rekursverfahren machte der Vertreter gemäss Honorarnote vom 8. Dezember 2016 für den Zeitraum vom 9. April 2016 bis 30. November 2016 einen Zeitaufwand vo n 7.20 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 260.87 und 20.10 Stunden zu einem Stundensatz vo n Fr. 130.43 geltend, was inkl. Mehrwertsteuer (MwSt.) in Höhe von Fr. 360.-- eine geltend gemachte Parteientschädigung von Fr. 4‘860.-- ergibt. Gemäss Honorarnote vom 13. Februar 2017 macht der Vertreter für den Zeit- raum vom 1. Dezember 2016 bis 13. Februar 2017 einen Z eitaufwand von 0.60 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 217.33 und 3.40 Stunden zu e inem Stundensatz von Fr. 108.71 geltend, was inkl. MwSt. in Höhe von Fr. 40.-- eine g eltend gemachte Parteientschädigung von Fr. 540.-- ergibt. Somit macht der Vertreter insgesam t eine Parteientschädigung von total Fr. 5‘400.-- geltend. Der gerichtlich anerkannte Steuersatz für Steuerberat er und Treuhänder beträgt einheit- lich Fr. 150.-- (vgl. Entscheid des Kantonsgerichts des Ka ntons Basel-Landschaft vom 17. Juni 2009, abgedruckt in: Basellandschaftliche und Baselstädtisc he Steuerpraxis [BStPra], Bd. XIX, S. 559 ff.). Demnach ist das geltend gemachte Honorar zu korrigieren und die 7.2 Stunden der Honorarnote vom 8. Dezember 2016 zu einem Stundensatz von Fr. 150.-- festzusetzen, was Fr. 1‘080.-- ergibt, sowie die 0.60 Stunden der Honorar note vom 13. Februar 2017 zu einem Stun- densatz von Fr. 150.-- zuzulassen, was Fr. 90.-- ergibt. Z usammen mit den 20.10 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 130.43 d.h. von Fr. 2‘621.70 sowie den 3.40 Stunden zu einem Stundensatz von 108.71 d.h. von Fr. 369.60 resultier t ein Honorar vor Mehrwertsteuer von Fr. 4‘161.25. Unter Einbezug der Mehrwertsteuer von 8% i n Höhe von Fr. 332.90 beläuft sich die Parteientschädigung somit insgesamt auf Fr. 4‘494.20. Diese Parteientschädigung ist auf die beiden Parallelverfahren Staats- und direkte Bundessteuer 2014 aufzuteilen, was für das vorlie- gende Verfahren betreffend Staatssteuer eine Parteien tschädigung in Höhe von Fr. 2‘247.10 ergibt. Seite 13 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Der Rekurs wird gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird angewiesen den Betrag von Fr. 4‘858.-- an das Versor- gungswerk der B.____ in C.____ zum Abzug zuzulassen un d demzufolge das steuer- bare Einkommen gemäss Einsprache-Entscheid vom 11. Okt ober 2016 von Fr. 340‘571.-- um Fr. 4‘858.-- auf Fr. 335‘713 zu reduzieren. 3. Es werden keine Kosten erhoben. Der bereits bezahlt e Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 500.-- wird den Rekurrenten zurückerstattet. 4. Die Steuerverwaltung hat den Rekurrenten eine Par teientschädigung in Höhe von Fr. 2‘247.10 (inklusive Auslagen und MwSt.) zu bezahlen. 5. Mitteilung an den Vertreter der Rekurrenten für sich und zhd. der Rekurrenten (2), die Gemeinde F.____ (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3).