<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2007 13 S.59</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">59</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>13</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 6, 13, 16, 49 BVG; § 25 des Reglements der Aargauischen Pensions-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kasse</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Obwohl im Obligatoriumsbereich der beruflichen Vorsorge eine Versiche-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>rungs- und damit Beitragspflicht bis zur Vollendung des 65. Altersjahres</b></span><br/> <span class="ft3"><b>vorgesehen ist, ist es zulässig, reglementarisch das ordentliche Rentenal-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ter auf 63 Jahre festzulegen und bei Weiterbeschäftigung des Versicher-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ten den Arbeitgeber von der Beitragspflicht zu befreien. Dies sofern die</b></span><br/> <span class="ft3"><b>reglementarischen Leistungen vor dem Günstigkeitsprinzip standhalten</b></span><br/> <span class="ft3"><b>und die Leistungen nach BVG-Obligatorium übersteigen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts, 3. Kammer vom 18. Septem-</span><br/> <span class="ft4">ber 2007 in Sachen B.St. gegen Aargauische Pensionskasse APK und Kanton</span><br/> <span class="ft4">Aargau.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">4.4.</span><br/> <span class="ft6">Die Versicherungsbedingungen der Aargauischen Pensionskasse</span><br/> <span class="ft6">APK (Beklagte 1) sehen für die Entstehung des Anspruchs auf</span><br/> <span class="ft6">Altersleistungen das vollendete 63. Altersjahr vor (§ 25 Abs. 2 VB).</span><br/> <span class="ft6">Ab diesem Zeitpunkt entfällt die Beitragspflicht (§ 25 Abs. 5 Satz 1</span><br/> <span class="ft6">VB und § 2 Abs. 3 VB). Dementsprechend besteht eine Abweichung</span><br/> <span class="ft6">der reglementarischen von den gesetzlichen Bestimmungen. Wäh-</span><br/> <span class="ft6">rend Art. 13 Abs. 1 lit. a BVG das 65. Altersjahr für den Leistungsan-</span><br/> <span class="ft6">spruch festlegt und bis dahin Altersgutschriften in Lohnprozenten be-</span><br/> <span class="ft6">stimmt (Art. 16 BVG), sieht die Beklagte 1 als eine im Leistungspri-</span><br/> <span class="ft6">mat organisierte Vorsorgeeinrichtung die Ausrichtung einer vollen</span><br/> <span class="ft6">Altersrente und das Ende der Beitragszahlungen ab einem früheren</span><br/> <span class="ft6">Zeitpunkt vor. Zu prüfen ist daher, ob in den abweichenden Regle-</span><br/> <span class="ft6">mentsbestimmungen eine Gesetzverletzung zu erblicken ist.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">60</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">4.5.</span><br/> <span class="ft6">Gestützt auf § 25 VB ist die Finanzierung der Beklagten 1 auf</span><br/> <span class="ft6">das vollendete 63. Altersjahr ausgerichtet. In diesem Zeitpunkt ist</span><br/> <span class="ft6">das notwendige Deckungskapital zur Ausrichtung der vollen regle-</span><br/> <span class="ft6">mentarischen Altersleistung für die Versicherten geäufnet. Erfolgt</span><br/> <span class="ft6">nun kein Altersrücktritt im Alter von 63 Jahren, so werden keine</span><br/> <span class="ft6">weiteren Beiträge mehr abgeführt, da die maximale reglementarische</span><br/> <span class="ft6">Leistung bereits erreicht ist. Indes stellt sich die Frage, ob zumindest</span><br/> <span class="ft6">für den Obligatoriumsbereich das Altersguthaben entsprechend den</span><br/> <span class="ft6">gesetzlichen Bestimmungen und abweichend vom Vorsorgeregle-</span><br/> <span class="ft6">ment weiter aufgebaut werden muss. Aufgrund des Charakters des</span><br/> <span class="ft6">BVG als Minimalgesetz mit Mindestvorschriften ist dies aber zu ver-</span><br/> <span class="ft6">neinen, solange die reglementarischen Leistungen vor dem Günstig-</span><br/> <span class="ft6">keitsprinzip standhalten und die Leistungen nach BVG-Obligatorium</span><br/> <span class="ft6">übersteigen (Art. 6 und 49 BVG). Es muss mittels Schattenrechnung</span><br/> <span class="ft6">ermittelt werden, ob das reglementarisch erworbene Altersguthaben</span><br/> <span class="ft6">höher als das BVG-Altersguthaben im Alter von 65 Jahren ist, wel-</span><br/> <span class="ft6">ches gestützt auf den gesetzlich koordinierten Lohn und unter</span><br/> <span class="ft6">Anwendung der in Art. 16 BVG enthaltenen Beitragsstaffelung er-</span><br/> <span class="ft6">zielt worden wäre (vgl. dazu ausführlich: Hans-Ulrich Stauffer, Obli-</span><br/> <span class="ft6">gatorium und Überobligatorium, in: Schaffhauser/Stauffer [Hrsg.],</span><br/> <span class="ft6">Berufliche Vorsorge 2006, Aktuelle Fragen, Lösungen und Perspekti-</span><br/> <span class="ft6">ven, St. Gallen 2006). Da vorliegend der Vergleich der reglementari-</span><br/> <span class="ft6">schen Altersleistungen im Alter von 63 Jahren mit den Leistungen</span><br/> <span class="ft6">gemäss BVG-Obligatorium im Alter von 65 Jahren deutlich höhere</span><br/> <span class="ft6">reglementarische Altersleistungen ergibt (vgl. Leistungsblatt per</span><br/> <span class="ft6">30. November 2006 [Klageantwortbeilage 2 der Beklagten 1] sowie</span><br/> <span class="ft6">Berechnungsblatt der obligatorischen BVG-Altersleistungen [Klage-</span><br/> <span class="ft6">antwortbeilage 3 der Beklagten 1]), ist folglich in der Nichtentrich-</span><br/> <span class="ft6">tung von Beiträgen ab dem 63. Altersjahr keine Gesetzesverletzung</span><br/> <span class="ft6">zu erblicken. In Beachtung des Günstigkeitsprinzips und der Tatsa-</span><br/> <span class="ft6">che, dass die Vorsorgeeinrichtungen im Rahmen der BVG-Bestim-</span><br/> <span class="ft6">mungen in der Gestaltung der Leistungen, der Finanzierung und der</span><br/> <span class="ft6">Organisation frei sind (Art. 49 BVG), wird durch das Vorsorgeregle-</span><br/> <span class="ft6">ment der Beklagten 1 den Mindestvorschriften des BVG genüge ge-</span><br/> <span class="ft6">tan. Dafür spricht weiter, dass die Beklagte 1 als Leistungsprimats-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2007</span> <span class="title">Versicherungsgericht</span> <span class="page_no">61</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">kasse ihre Finanzierung auf das kollektive Äquivalenzprinzip aus-</span><br/> <span class="ft6">richtet. Somit entsprechen die Altersleistungen nicht notwendiger-</span><br/> <span class="ft6">weise den individuell geleisteten Beiträgen. Das Gleichgewicht zwi-</span><br/> <span class="ft6">schen Leistungen und Beiträgen wird vielmehr im Rahmen des</span><br/> <span class="ft6">jeweiligen versicherten Kollektivs hergestellt. Eine Weiterentrich-</span><br/> <span class="ft6">tung der Beiträge hätte keine höheren Altersleistungen zur Folge,</span><br/> <span class="ft6">sondern wäre als Solidaritätsleistung gegenüber jüngeren Versi-</span><br/> <span class="ft6">cherten zu betrachten. Unter diesem Blickwinkel macht eine regle-</span><br/> <span class="ft6">mentswidrige Weiterentrichtung der Beiträge für den Kläger keinen</span><br/> <span class="ft6">Sinn. Die von ihm vorgebrachte steuerliche Mehrbelastung wird</span><br/> <span class="ft6">durch den höheren Nettolohn ausgeglichen. Schliesslich stellt auch</span><br/> <span class="ft6">eine allfällige Steuerbegünstigung keine Leistung gemäss BVG dar,</span><br/> <span class="ft6">weshalb die entfallenden Abzüge nicht als Verstoss gegen das Obli-</span><br/> <span class="ft6">gatorium gewertet werden können (BGE 121 V 107 Erw. 4c).</span><br/> <span class="ft6">4.6.</span><br/> <span class="ft6">Zusammengefasst hat der Beklagte 2 ab vollendetem 63. Alters-</span><br/> <span class="ft6">jahr des Klägers zu Recht keine BVG-Arbeitgeber- und Arbeitneh-</span><br/> <span class="ft6">merbeiträge an die Beklagte 1 entrichtet. Das Vorgehen der Beklag-</span><br/> <span class="ft6">ten erweist sich weder als willkürlich, noch als rechtswidrig.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>