B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4213/2013 U r t e i l v o m 6 . O k t o b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Bendicht Tellenbach, Richterin Muriel Beck Kadima; Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. Parteien A._______, Iran, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Wegweisungsvollzug (2. Asylver- fahren); Verfügung des BFM vom 21. Juni 2013 / N (…). E-4213/2013 Seite 2 Sachverhalt: I. A. Der Beschwerdeführer reichte am 26. Mai 2008 sein erstes Asylgesuch in der Schweiz ein. Am 2. Juni 2008 wurde er im Empfangs - und Verfah- renszentrum (EVZ) Kreuzlingen summarisch befragt. A m 11. Juni 2008 folgte eine einlässliche und am 2. April 2009 eine ergänzende Anhörung durch das BFM. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, wegen seiner politischen Aktivitäten im Iran verfolgt zu werden. B. Mit Verfügung des BFM vom 30. Juni 2009 wurde das Asylgesuch abg e- lehnt und die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug ange- ordnet. C. Die gegen die vorinstanzliche Verfügung erhobene Beschwerde vom 29. Juli 2009 wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgericht vom 10. Mai 2011 (E-4842/2009) abgewiesen. II. D. Der Beschwerdeführer reichte, vertreten durch seinen Rechtsanwalt, am 13. Juli 2011 sein zweites Asylgesuch in der Schweiz ein und beantragte die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme; eventu aliter sei die Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Dabei wurden subjektive Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 des Asylge- setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) geltend gemacht, da der Beschwerdeführer seine bereits im Heimatstaat ausgeübten politischen Aktivitäten im Exil weitergeführt und in den vergangenen Jahren intens i- viert habe. Zur Stützung des zweiten Asylgesuches wurden folgende Beweismittel eingereicht (jeweils in Kopie):  Bestätigungsschreiben von (…) "Organisation of Revolutionary Workers of Iran" (ORWI), ausgestellt am (…) Mai 2011; E-4213/2013 Seite 3  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publiziert am (…) Mai 2011, mit deutschsprachi- ger Übersetzung;  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publiziert am (…) Mai 2011, mit deutschsprachi- ger Übersetzung;  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publiziert am (…) Februar 2011, mit deutsc h- sprachiger Übersetzung;  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publiziert am (…) Juli 2010, mit deutschsprachi- ger Übersetzung;  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publiziert am (…) Oktober 2009, mit deutsc h- sprachiger Übersetzung;  Eintrag vom (…) Mai 2011 des Beschwerdeführers auf gozares h- gar.com, Online-Petition für mehr Demokratie im Iran;  diverse Fotos des Beschwerdeführers an einer Demonstration in Zürich zur Freilassung von politischen Gefangenen im Iran;  Brief des Vaters des Beschwerdeführers zur Gefährdungslage im Iran, verfasst am (…) Oktober 2009, mit deutschsprachiger Übe r- setzung. E. Der Rechtsvertreter wandte sich mit Schreiben vom 22. März 2012 an das BFM und ersuchte um eine Bestätigung des Eingangs des Asylgesu- ches vom 13. Juli 2011 , da er bis dato keine Rückmeldung des BFM e r- halten habe. Dem Schreiben wurde sodann folgende neue Beweismittel beigelegt:  regimekritischer Online-Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publiziert am (…) Oktober 2011, mit deutsc h- sprachiger Übersetzung; E-4213/2013 Seite 4  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publiziert am (…) Januar 2012 , mit deutsc h- sprachiger Übersetzung. Weiter wurde auf den persönlichen Web -Blog des Beschwerdeführers "(…)" hingewiesen, worin er regelmässig die Ereigniss e im Iran kritisch kommentiere. F. Mit Schreiben vom 12. April 2012 bestätigte das BFM antragsgemäss den Eingang des Asylgesuches. G. Mit Eingabe vom 30. Januar 2013 reichte der Rechtsvertreter folgende zusätzlichen Beweismittel zum Verfahren:  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publiziert am (…) Juni 2012, mit deutschspr a- chiger Übersetzung ("[…]");  regimekritischer Online -Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publiziert am (…) Oktober 2012, mit deutsc h- sprachiger Übersetzung ("[…]");  Auszug vom (…) Dezember 2012 aus dem Web -Blog (blog- ger.com) des Beschwerdeführers mit Besucherstatistik;  Online-Zeitungsartikel "Sattar Beh eshti: Iran parliament to probe blogger death", publiziert am 11. November 2012 von 'BBC NEWS Middle East';  Wikipedia-Eintrag über Sattar Beheshti, Ausdruck vom 30. Januar 2013;  Blog-Beitrag des Beschwerdeführers auf (…) zum Foltertod von Blogger Sattar Beheshti, publiziert am (…) November 2012. Weiter wurde mit Verweis auf internationale Lageberichte und Urteile auf die verschärfte Menschenrechtslage im Iran hingewiesen. Insbesondere seien iranische Internet-Aktivisten unter ständiger Beobachtung der iran i- schen "Cyber -Army", eine r durch die iranische Regierung eingesetzte n militärischen Spezialeinheit. Selbst niederrangige und mutmassliche "o p-E-4213/2013 Seite 5 portunistische" Demonstrationsteilnehmer sowie Personen, die sich in i r- gend eine r Weise gegen das Regime aussprechen würden, seien Ziel staatlicher Überwachungs - und Repressionsmassnahmen ( zitierte En t- scheide: EGMR, S.F. and Others gegen Schweden, Urteil vom 15. Mai 2012, Beschwerde Nr. 52077/10; Upper Trib unal [Immigration an Asylum Chamber] des Vereinigten Königreichs, Urteil vom 1. Februar 2011 , CG [2011] UKUT 36 [IAC]; EGMR, R.C. gegen Schweden, Urteil vom 9. März 2010, Beschwerde Nr. 41827/07). H. Am 11. Juni 2013 führte das BFM eine erneute Anhörung des Beschwe r- deführers durch, um ihn zu seinen neuen Gesuchsgründen ausführlich zu befragen. Der Beschwerdeführer machte geltend, seit Oktober 2009 im Internet exilpolitisch aktiv zu sein. Seither seien neun seiner Artikel im I n- ternet publiziert worden. Daneben habe er an einer Online - Unterschriftensammlung gegen die Wahlen 2013 teilgenommen , betreibe einen eigenen Web-Blog und sei Sympathisant des linken Arbeitervereins 'Organisation of Revolutionary Workers of Iran' (ORWI; […]). Sein Ziel sei es, sein Volk über die Wahrheit zu informieren und aufzuzeigen, dass die islamische Regierung ein diktatorisches und anti -demokratisches Regime sei ([…]). Aufgrund seiner politischen Gesinnung und entsprechenden Ak- tivitäten bestehe seines Erachtens die Gefahr, bei einer Rückkehr i n den Iran verhaftet und gefoltert zu werden ([…]). Der Beschwerdeführer reichte zudem folgende neuen Beweismittel in persischer Sprache zu seinen Internet-Aktivitäten zum Verfahren:  Eintrag des Beschwerdeführers auf gozareshgaran1.wordpress. com, Online-Unterschriftensammlung für den Boykott der Wahlen 2013, publiziert am (…) Juni 2013;  Blog-Beiträge des Beschwerdeführers ([…] und blogger.com) aus dem Zeitraum zwischen (…) Februar 2013 bis (…) Juni 2013;  Besucherstatistik vom 10. Juni 2013 des Blogs des Beschwerde- führers (blogger.com). I. Mit Verfügung vom 21. Juni 2013 – zugestellt am 24. Juni 2013 – lehnte das BFM das zweite Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung des B e- schwerdeführers aus der Schweiz an und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Die Vorinstanz hielt in ihrer ab-E-4213/2013 Seite 6 lehnenden Verfügung im Wesentlichen fest, die Vorbringen des B e- schwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Auf die genaue Entscheidbegründung wird in den nachfolgenden Erwägungen zurück gekommen (E. 7). J. Der Rechtsvertreter erhob mit Eingabe vom 24. Juli 2013 (Datum Pos t- stempel) namens und im Auftrag des Beschwerdeführers Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen diese Verfügung und beantragte, diese sei aufzuheben, der Beschwerdeführer sei als Flüchtling anzue r- kennen und es sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren; eventual i- ter sei die Unzulässigkeit bzw. die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll- zuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In formeller Hinsicht wurde um Einsicht in die Verfahrensakten seit Einreichung des neuen Asylgesuchs und um anschliessende Ansetzung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergän zung ersucht . Auf die Beschwerde- begründung wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen (E. 3 und 7). Mit der Beschwerde wurden folgende neuen Beweismittel eingereicht:  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publi- ziert am (…) Juni 2013, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]");  Blog-Einträge des Beschwerdeführers vom (…) Mai 2011, (…) Mai 2011 und (…) Mai 2011;  Google-Suchresultate vom 9. Juli 2013 bei Eingabe des Namens des Beschwerdeführers;  Blogger-Profil des Beschwerdeführers, Ausdruck vom 9. Juli 2013;  Besucherstatistik zum Web -Blog des Beschwerdeführers (Seite n- aufrufe nach Ländern), für den Zeitraum Mai 2007 bis Juli 2013;  Schreiben vom (…) Juni 2013 von (…) der "Organisation of Revo- lutionary Workers of Iran" (ORWI). E-4213/2013 Seite 7 K. Mit Verfügung vom 25. Juli 2013 bestätigte das Bundesverwaltungsge- richt den Eingang der Beschwerde und hielt fest, dass der Beschwerde- führer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. L. Mit Instruktionsverfügung vom 7. August 2013 wurde dem Beschwerd e- führer antragsgemäss Gelegenheit geboten, zur inzwischen erfolgten Ak- teneinsicht (Schreiben und Aktenherausgabe des BFM vom 31. Juli 2013) eine Beschwerdeergänzung einzureichen . Zudem wurde er aufgefordert, einen Kostenvorschuss zu leisten, ansonsten auf d ie Beschwerde nicht eingetreten würde. M. Mit Zahlung vom 10. August 2013 wurde der geforderte Kostenvorschuss fristgerecht an die Gerichtskasse überwiesen. N. Mit Eingabe vom 21. August 2013 wurde eine Beschwerdeergänzung eingereicht. Darin wird gerügt, das B FM habe die verschiedenen Online - Beiträge des Beschwerdeführers zu wenig berücksichtigt und sei in der Anhörung nur rudimentär auf diese eingegangen. Ferner werde in der Verfügung des BFM fälschlicherweise angegeben, der Beschwerdeführer betreibe seit Febr uar 2013 einen Web -Blog, da dieser an der Anhörung ausdrücklich angab, seit Mai 2011 einen solchen zu führen und dies auch aus den eingereichten Beweismi ttel hervorgehe. Das BFM scheine die- sen Aspekt im Rahmen seiner Sachverhaltsprüfung vernachlässigt zu ha- ben. Der Rechtsvertreter nutzte gleichzeitig die Gelegenheit, folgende neuen Beweismittel zu den Akten zu reichen:  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publi- ziert am (…) August 2013, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]");  Blog-Einträge des Bes chwerdeführers vom (…) Juli 2013, (…) August, (…) August, (…) August 2013 und (…) August 2013;  Besucherstatistik zum Web -Blog des Beschwerdeführers (Seite n- aufrufe nach Ländern), für den Zeitraum Mai 2007 bis August 2013. E-4213/2013 Seite 8 O. Mit Instruktionsverfügung vom 23. August 2013 wurde die Vorinstanz un- ter Beilegung der gesamten Verfahrensakten gebeten, eine Vernehmlas- sung zur Beschwerde einzureichen. P. Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 29. August 2013 fest, dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfert i- gen könnten. Sie hielt vollumfänglich an ihren Erwägungen fest und bean- tragte die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 30. August 2013 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltung s- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Zif f. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus- nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 E-4213/2013 Seite 9 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. 2.1 Seit dem 1. Februar 2014 ist eine neue Fassung d es Asylgesetzes (Änderungen vom 14. Dezember 2012) in Kraft, die unter anderem auch neue Bestimmungen zu Mehrfachgesuchen (insb. Art. 111 c AsylG) en t- hält. 2.2 Auf das vorliegende Verfahren findet indessen aufgrund der Hängi g- keit des vorliegenden Verfahrens im Zeitpunkt des Inkrafttretens des revi- dierten Asylgesetzes (Einreichung des zweiten Asylgesuches am 13. Juli 2011) das bisherige Recht Anwendung (vgl. Abs. 2 der Übergangsb e- stimmungen zur Änderung des Asylgesetzes vom 14. Dezember 2012). 2.3 Die zulässigen Rügen und die Kognition des Bundesverwaltungsge- richts richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. Der Rechtsvertreter stellte in seiner Beschwerdeeingabe vom 24. Juli 2013 in formeller Hinsicht ein Gesuch um Einsicht in die Verfahrensakten seit Einreichung des zweiten Asylgesuchs. Im Anschluss an die Aktenein- sicht sei ihm eine Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen. Zur B e- gründung führte er aus, er habe das BFM mit Gesuch vom 9. Juli 2013 gebeten, Einsicht in die von ihm noch nicht bekannten Akten, insbesonde- re das Anhörungsprotokoll vom 11. Juni 2013, zu gewähren. Bis dato sei- en aber die Akten nicht zugestellt worden. Gemäss Aktenlage hat das BFM mit Schreiben vom 31. Juli 2013 die b e- antragten Aktenstücke herausgegeben. Somit wurde dem entspreche n- den Akteneinsichtsgesuch inzwischen stattgegeben. Dies wurde auch in der Instruktionsverfügung des Gerichts vom 7. August 2013 festgehalten und dem Beschwerdeführer nach Einsicht der Akten Gelegenheit zur Be- schwerdeergänzung geboten. Die formelle Rüge des Rechtsvertre ters erweist sich demnach als gegenstandslos. 4. E-4213/2013 Seite 10 In Bezug auf die geltend gemachte Gefährdung des Beschwerdeführers ist zunächst festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil E-4842/2009 vom 10. Mai 2011 festgehalten hat, dass es dem B e- schwerdeführer nicht gelungen sei, für den Zeitpunkt der Ausreise Verfol- gungsgründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Der Beschwerdeführer macht im vorliegenden Verfahren sodann auch keine Vorfluchtgründe geltend, welche im Übrigen im Rahmen einer Revision zu behandeln gewesen wären. Den Akten sind ferner keinerlei Hinweise auf objektive Nachfluchtgründe – äussere Umstände, auf we l- che die asylsuchende Person keinen Einfluss nehmen konnte, und wel- che zur drohenden Verfolgung füh ren – zu entnehmen. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden demnach lediglich die subjek- tiven Nachfluchtgründe (vgl. Erwägung D. und Beschwerde vom 24. Juli 2013, S. 3 f.). 5. 5.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllen Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ih- rer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten soz i- alen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten n a- mentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5.3 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG ist nicht allein die Situation im Zeitpunkt der Ausreise, so n- dern insbesondere auch die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides. So ist gegebenenfalls auch eine asylsu chende Person als Flüchtling a n- zuerkennen, die erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise – auf- grund objektiver oder subjektiver Nachfluchtgründe – im Falle einer E-4213/2013 Seite 11 Rückkehr in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat in flüchtlingsrechtlich rele- vanter Weise verfolgt würde. Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asyls u- chende Person erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat - oder He r- kunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise – insbesonde- re durch politische Exil aktivitäten – eine Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüch t- linge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f., BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizer i- schen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10, je m.w.H.). 6. Die Vorinstanz hielt in ihrer ablehnenden Verfügung im Wesentlichen fest, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten exilpolitischen Aktivi- täten nicht geeignet seien, ein ernsthaftes Vorgehen der iranischen B e- hörden gegen den Beschwerdeführer zu bewirken, zumal keine Anhalt s- punkte über eingeleitete Massnahmen vonseiten der iranischen Behörden bestünden. Die Aktivitäten des Beschwerdeführers, namentlich die Unter- stützung der Organisation ORWI, die im Internet veröffentlichten Artikel, der Web -Blog, die Unterzeichnung von zwei Unterschriftensammlungen und die Demonstrationsteilnahme im Juli 2009, vermöchten keine konkre- te Gefährdung im Fall einer Rückkehr in den Iran zu begründen. Dabei sei festzuhalten, dass eine sehr hohe Zahl von IranerInnen regimekrit i- sche Web-Blogs betreibe. Es sei deshalb nicht davon auszugehen , dass der iranische Staat jeden einzelnen registrieren könne. An dieser Fes t- stellung vermöchten auch die eingereichten Beweismittel zu den exilpol i- tischen Aktivitäten nichts zu ändern, zumal sie keinen Hinweis auf die gel- tend gemachte Verfolgung enthielten. Auch der eingereichte Brief des Va- ters verfüge über keine Be weiskraft und sei als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren. 7. 7.1 In der gegen den Entscheid des BFM erhobene n Beschwerde hielt der Rechtsvertreter unter Verweis auf die A kten des ersten Asylverfa h- rens ausdrücklich fest, dass der Beschwerdeführer bereits vor seiner Aus- reise von der geltend gemachten politischen Haltung und Gesinnung überzeugt gewesen sei und sich in regierungskritischen Kreisen bewegt habe. Ausserdem sei laut Bundesverwaltungsgericht nicht auszuschlie s-E-4213/2013 Seite 12 sen gewesen, dass er seiner Überzeugung A usdruck verliehen habe, i n- dem er sich politisch betätigt habe (vgl. Urteil E-4842/2009 vom 10. Mai 2011, S. 6). In der Schweiz habe er bisher keine Gruppierung gefunden, welche seine strikte Ablehnung jeglicher Gewalt teile, weshalb er sich auch nicht den bestehenden Organisationen angeschlossen habe. 7.2 Den Erwägungen der Vorinstanz hielt der Rechtsvertreter entgegen, gemäss verschiedenen Lageberichten würden exilpolitische Aktivitäten (Internet, Mobilfunkverbindungen, internationale Kommunikationsdienste sowie ausländische Websites und E -Mails) im Iran durch ein umfassen- des und ausgeklügeltes staatliches Überwachungssystem kontrollier t (ADRIAN SCHUSTER, Iran: Ausstieg aus der Basij, Schweizerische Flücht- lingshilfe SFH [Hrsg.], 25. Januar 2013, S. 6; Jahresbericht von FREEDOM HOUSE, Freedom on the Net 2012, Iran, September 2012 , <http://www.freedomhouse.org/report/freedom-net/2012/iran; MOHAMMED REZA KAZEMI, Iranische Internet -Polizei: Überwachen, zensieren, to t- schlagen, 21. Dezember 2012, http://www.spiegel. de/netzwelt/web/ internet-ueberwachung-in-iran-a-874161.html>). Hierzu wurde erneut auf das EGMR Urteil S.F. and Others gegen Schweden (Beschwerde Nr. 52077/10) verwiesen, wonach regimkritische IranerInnen im In- und Aus- land mittels einer "Cyber Unit" überwacht würden. 7.3 Der Beschwerdeführer habe sodann regimekritische Artikel auf b e- kannten Internetplattformen namens iran -emrooz.net sowie news.gooya.com veröffentlicht. Auf diesen Seiten erscheine der B e- schwerdeführer mit Namen und Foto. Überdies genies se sein persönl i- cher Web-Blog grosse Beachtung im Internet. Dies zeige die Anzahl der Seitenaufrufe in der Höhe von 14'683 Mal in Deutschland. Aufgrund des blockierten Zugangs über einen Server im Iran würden zahlreiche im Iran wohnhafte IranerInnen auf deutsche Server zugreifen. Es sei somit davon auszugehen, dass die asylpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers den iranischen Behörden bekannt seien. 7.4 Der EGMR halte es für erwiesen, dass auch Regimekritiker, welche keine konkrete Bedrohung für das politische System darstellen, Opfer von Verfolgung durch die iranischen Behörden werden können ( EGMR, S.F. and Others gegen Schweden, Urteil vom 15. Mai 2012, Beschwerde Nr. 52077/10; zit. "The Court notes that it is not only the leaders of political organizations or other high -profile persons who are detained but that a n- yone who demonstrates or in any way opposes the current regime may be at risk of bein g detained and ill-treated or tortured."). Weiter habe der E-4213/2013 Seite 13 iranische Generalstaatsanwalt Gholam -Hossein Mohseni-Eje'e im Febr u- ar 2011 gedroht, dass Iraner, welche ausserhalb des Landes "Verbr e- chen" oder "Aktivitäten" gegen die nationale Sicherheit begangen hätte n, gerichtlich verfolgt würden. Selbst rückkehrende IranerInnen, die weder im Iran noch im Ausland politisch aktiv gewesen seien, würden befragt und würden in erster Linie als Unterstützer der Opposition betrachtet . Ira- nische Internet-Aktivisten würden in jüngerer Zeit besonders hart bestraft. Gemäss Online-Artikel von Mohammad Reza Kazemi auf Spiegel -Online seien in den vergange nen zwei Jahren H underte von Bloggern verhaftet worden, wovon vier im Jahr 2012 zum Tode verurteilt worden seien. 7.5 Angesichts der dargelegten Informationen verfüge der Beschwerd e- führer über ein ausgeprägtes politisches Profil und es drohe bei seiner Rückkehr asylrelevante Verfolgung. Die iranischen Behörden hätten im Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz nicht nur dann ein Interesse an der Identifizierung von Personen, wenn deren Aktivitäten eine konkrete Bedrohung für das politische System darstellen würden, sondern es seien auch Personen mit niedrigerem Profil und opportunistischen Aktivisten betroffen. 8. 8.1 Gemäss Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts riskieren ir a- nische Asylsuchende, welche sich in der Schweiz exilpolitisch betätigen, bei einer allfälligen Ausschaffung in ihr Heimatland eine strafrechtliche Verfolgung wegen staatsfeindlicher Aktivitäten . Allerdings geht das Bu n- desverwaltungsgericht davon aus, dass die iranischen Sicherheitsbehö r- den durchaus in der Lage sind, zwischen politisch engagierten Iranern, die das Regime zu gefährden vermö gen, und Exilaktivisten, die es ger a- dezu darauf anlegen, sich durch ihre Aktionen bekannt zu machen, zu un- terscheiden. Einfache Mitglieder in Exilorganisationen von im Iran verb o- tenen oppositionellen Parteien, Teilnehmer von Veranstaltungen dieser Organisationen, welche lediglich die dabei üblichen Plakate tragen und Parolen rufen, sowie Teilnehmer von sonstigen regimekritischen Vera n- staltungen oder Personen, die Büchertische be treuen und Informations - und Propagandamaterial in Fussgängerzonen verteilen, dürften damit keiner allgemeinen Verfolgungsgefahr unterliegen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). 8.2 Es ist allgemein bekannt, dass die iranischen Behörden die polit i- schen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland überwachen und erfassen. Durch Einsatz moderner Software dürfte es den iranischen B e-E-4213/2013 Seite 14 hörden gegebenenfalls auch möglich sein, die im Internet vorhandenen riesigen Datenmengen nach Stichworten zu durchsuchen. Demzufolge bleibt im Einzelfall zu prüfen, ob die in der Schweiz vorgenommenen exi l- politischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit übe r- wiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nach teile im asylrechtlichen Sinn nach sich ziehen würden. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungs- gerichts ist dabei davon auszugehen, dass sich die iranischen Gehei m- dienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über die ma s- sentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Pr o- teste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen ha- ben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Un- zufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährlichen R e- gimegegner erscheinen lassen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). 8.3 Somit sind für die Einschätzung de r Verfolgungsgefahr weniger die Unterstützung einer exilpolitischen Organisation, die Teilnahme an r e- gimekritischen Demonstrationen und das hierbei übliche Tragen von Pl a- katen und Rufen von Parolen, sondern eher bestimmte exponierte Positi- onen (z.B. Vorsitzende/r einer Exilgruppe) oder Formen von Aktionen (z.B. gewaltsamer Protest) von Bedeutung. Massgebend ist dabei nicht Individualisierbarkeit, sondern eine derartige Exponiertheit in der Öffen t- lichkeit, die den Eindruck erweckt, dass der As ylsuchende zu einer G e- fahr für den Bestand des Mullah -Regimes wird. Es darf vorausgesetzt werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten, die mit ihren A k- tionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht zu erhöhen versuchen, zu unterscheiden vermögen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3). 8.4 8.4.1 Gemäss Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -4842/2009 vom 10. Mai 2011 war der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise weder als staatsgefährdender Politaktivist registriert noch bestehen anderweitige Hinweise, dass er die Aufmerksamkeit der iranischen Behörden in rel e- vantem Ausmass auf sich gezo gen hätte (siehe oben E. 4). Es bleibt demnach zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund seiner Aktivitäten im Internet und seines Engagements für die "Organisation of Revolutiona- ry Workers of Iran" (ORWI) eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten hat. 8.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die diversen Online -Artikel des Beschwerdeführers auf deren Verf ügbarkeit im Internet und Inhalt g e-E-4213/2013 Seite 15 richtsintern überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass sämtliche als B e- weismittel eingereichte n Online-Artikel der Internetplattformen iran- emrooz.net und news.gooya.com nicht mehr abrufbar sind und auch nicht in den jeweiligen bis mehrere Jahre zurückreichenden Online-Archiven zu finden s ind. Weiter erga b die inhaltliche Untersuchung der Texte, dass diese aus älteren Publikationen anderer Autoren entstammen. Es sind dies insbesondere:  Online-Artikel des Beschwerdeführer s auf iran_emrooz.net, publ i- ziert am (…) August 2013, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel setzt sich zusammen aus zwei Antworten e i- nes Interviews aus der französischsprachigen Online -Zeitschrift l'Humanité, das die Zeitschrift mit Aza r Majedi, dem in England exilierten Präsident en der kommunistischen Arbeiterpartei Iran, am 17. Juni 2013 führte (L'Humanité, Iran. "Rohani comme les au- tres candidats a été désigné pour préserver le régime islamique et sa législation", 17.06.2013, http://www.humanite.fr/monde/iran- rohani-ete-designe -pour-preserver-le-regime-i-543943, besucht am 18. September 2014); das Interview wurde am 19. Juni 2013 in persischer Übersetzung auf dem unabhängigen – von Reform- journalisten und Menschenrechtsaktivisten im Iran und im Exil b e- triebenen – Online-Magazin roozonline.com veröffentlicht ("Rohani ist für de n Schutz des Systems designiert" , 19.06.2013, <http://www.roozonline.com/persian/news/newsitem/archive/2013/j une/19/article/-ed81b93605.html>, besucht am 18. September 2014);  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publ i- ziert am (…) Juni 2012, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel setzt sich zusammen aus einem Beitrag, der am 19. Juni 2012 auf irangreenvoice.com veröffentlicht wurde ("40 Studenten verbringen ihre Lektion anstatt in der Klasse im G e- fängnis", 19.06.2012, <http://www.irangreenvoice.com/article/ 2012/jun/18/24008>, besucht am 18. September 2014 ) sowie e i- nem Auszug eines am 6. November 2012 von Hussain Ba qirza- deh auf iran-emrooz.net publizierten Artikels ("Wo steht Ahmad i- nedschad beim endgültigen Zu sammenbruch?", 06.11.2012 , <http://www.iran-emrooz.net/index.php/politic/more/41790/>, be- sucht am 18. September 2014); E-4213/2013 Seite 16  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publi- ziert am (…) Januar 2012, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel stammt vom iranisch en Journalisten Milad Rezwani und wurde am 25. Dezember 2011 auf roozonl i- ne.com publiziert ( 25.12.2011, <http://www.roozonline.com /persian/news/newsitem/archive/2011/december/25/article/800- 2.html>, besucht am 18. September 2014);  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publ i- ziert am (…) Oktober 2011, mit deutschsprachiger Überset zung ("[…]"); dieser Artikel wurde bereits am 5. Oktober 2011 ohne Nennung eines Autors auf roozonline.com publiziert ("Wer ist Ahmadineschad?",05.10.2011,http://www.roozonline.com/persian /archive/opinion//archive/2011/october/05/article/b513627b81. html, besucht am 18. September 2014);  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publi- ziert am (…) Mai 2011, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel wurde bereits am 4. No vember 2010 von Parinaz Rabati auf roozonline.com veröffentlicht ("Ich spreche aus der absoluten Dunkelheit",04.11.2010,<http://www.roozonline.com /persian/news/newsitem/article/-36ea34d5b5.html>, besucht am 18. September 2014);  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publ i- ziert am (…) Mai 2011, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel wurde bereits am 17. Juni 2010 von Farzam Fariyad auf roozonline.com publiziert ( "Antwort für d ie Un - wissenden", 17.06.2010, <http://www. roozonline.com/persian /news/newsitem/archive/2010/june/17/article/-c3d6aade52.html>, besucht am 18. September 2014);  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publ i- ziert am (…) Februar 2011, mit d eutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel wurde bereits am 18. Februar 2010 von N a- hid Pilwar auf roozonline.com unter einem anderem Titel publiziert ("31 Jahre kulturlose Politik" , 18.02.2010, <http://www. roozonli- ne.com/persian/news/newsitem/article/31-5.html>, besucht am 18. September 2014); E-4213/2013 Seite 17  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf news.gooya.com, publi- ziert am (…) Juli 2010, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel wurde am 21. Juli 2010 – somit gleichentags – von Noshabeh Amiri, einer in Frankreich lebenden Journalistin , auf roozonline.com veröffentlicht ( "Der T ag an dem der 'Herr' Imam wurde" , 21.07.2010, <http://www.roozonline.com/english/ news3/newsitem/article/5a28e04410.html>, besucht am 18. Se p- tember 2014);  Online-Artikel des Beschwerdeführers auf iran_emrooz.net, publ i- ziert am (…) Oktober 2009, mit deutschsprachiger Übersetzung ("[…]"); dieser Artikel wurde bereits am 12. Oktober 2009 vom ir a- nischen Journalisten Farahmand Alipour auf roozonline.com veröf- fentlicht ( "Von der religiösen zur militärisc hen Herrschaft" , 12.10.2009, <http://www.roozonline.com/persian/news/newsitem/ article/d3af76d6c8.html>, besucht am 18. September 2014); Die vorstehenden Erkenntnisse der Gerichts lassen somit aufgrund ihrer Klarheit den Schlus s zu, dass die Mehrheit der vo m Beschwerdeführer unter eigenem Namen eingereichten Online-Artikel in Wahrheit nicht von ihm selber verfasst wurden, sondern von Artikeln anderer Autoren aus dem Internet kopiert wurden. Von einer engagierten persönlichen Me i- nungskundgabe als Regimegegner – wie dies der Beschwerdeführer in seinen Vorbringen darstellte – kann somit offenkundig nicht die Rede sein. Der Beschwerdeführer hat durch die Verwendung fremder regim e- kritischer Beiträge v ielmehr vergeblich versucht, seine Behauptung, er exponiere sich exilpolitisch und werde deshalb verfolgt, zu stützen. Das missbräuchliche Verhalten des Beschwerdeführers beeinträchtigt seine persönliche Glaubwürdigkeit und damit verbunden die Glaubhaftigkeit seiner exilpolitischen Aktivitäten (insb. Online-Artikel und Blog -Beiträge) als Ganzes auf erhebliche Weise. Ebenso fällt auf, dass der Beschwerde- führer zwischen 2009 und 2011, d.h. bis zum abschlägigen Gerichtsurteil, viel weniger politisch aktiv war als danach. Die Gesamtheit dieser Um- stände erweckt den Eindruck, dass der Beschwerdeführer zwecks Erwi r- ken eines Bleiberechts sein exilpolitisches Engagement aufnahm resp. in- tensivierte und nicht aufgrund einer ausgeprägten politischen Überze u- gung handelte. Zweifelhaft ist im Weiteren, ob die fraglichen Artikel – die dem Gericht in Papierform vorliegen – überhaupt je im Internet publiziert worden sind, da diese auf keiner der angeführten Internetplattformen aufzufinden sind. E-4213/2013 Seite 18 8.4.3 Hinsichtlich der Führung eines pe rsönlichen Blogs kann nach den vorstehenden Erkenntnissen – und im Übrigen unter Verweis auf die diesbezüglichen zutreffenden Erwägungen des vorinstanzlichen En t- scheids – nicht von einer Tätigkeit gesprochen werden, die unter Be o- bachtung der iranischen Regierung stünde und bei Rückkehr in den He i- matstaat eine Verfolgungsgefahr des Beschwerdeführers zur Folge hätte. Alleine die hohe Besucherzahl des Web-Blogs stellt noch kein Indiz einer Gefährdung dar, zumal diese Zahl anhand wiederholter Mausklicks durch denselben Computerbenutzer auf einfache Weise in die Höhe getrieben werden kann. 8.4.4 Ferner sind die als Beweismittel eingereichten Fotos betreffend se i- ner Teilnahme an einer Kundgebung in Zürich nicht geeignet, ein weite r- gehendes Engagement des Beschwerdeführe rs aufzuzeigen. So ist den Bildern nicht zu entnehmen, dass er sich anlässlich dieser Veranstaltu n- gen besonders und über das Mass der anderen Kundgebungsteilnehmer hinaus exponiert oder eine auffällige Funktion wahrgenommen hätte. Ausserdem ist auch nicht davon auszugehen, dass die iranischen Behö r- den anhand derartiger Fotos den Beschwerdeführer identifizieren kön n- ten. Auch die Unterstützung der Arbeiterpartei ORWI und deren Bestät i- gungsschreiben vermögen nicht eine besonders aktive politische Tätigkeit glaubhaft zu machen, die bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Ver- folgung zur Folge hätte. Sodann kommt dem Schreiben seines Vaters vom 1. Oktober 2009 – wie dies die Vorinstanz bereits zutreffend beurteil- te – nur geringer Beweiswert zu, da es sich hier ohne weiteres um ein Gefälligkeitsschreiben zu Gunsten des Beschwerdeführers handeln könn- te. Anlässlich der Befragung führte der Beschwerdeführer zudem aus, es gehe seiner Fami lie gut, jedoch seien die iranischen Behörden zweimal vor dem Haus seiner Eltern erschienen. Weshalb und auf welche Weise die Behörden nach dem Beschwerdeführer fahndeten, konnte er nicht substantiiert darlegen ([…]). Damit ist davon auszugehen, dass die Fami- lie des Beschwerdeführers ein normales Leben führen kann und insb e- sondere nicht wegen des Beschwerdeführers behördlichen Behelligungen ausgesetzt ist. 8.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es dem Beschwerd e- führer nicht gelungen ist, ein besonders aktives und ernsthaftes exilpoliti- sches Engagement glaubhaft zu machen , weshalb nicht darauf zu schliessen ist, er habe ein besonderes Interesse der iranischen Behörden auf sich gezogen. Im Übrigen sind keine Strafverfahren oder andere b e-E-4213/2013 Seite 19 hördlichen Massnahmen des iranischen Staats gegen den Beschwerd e- führer aktenkundig. 8.6 Aus den vorst ehenden Erwägungen ergibt sich, dass die geltend g e- machten Nachfluchtgründe das erforderliche Mass an Intensität einer asylrelevanten Verfolgung im Sinne Art. 3 und 7 AsylG nicht zu erfüllen vermögen, weshalb das Vorliegen einer begründeten Furcht vor Verf ol- gung zu verneinen ist. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch entsprechend abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 Ausländergesetz [AuG, SR 142.20]). 10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän - ders in den Heimat -, Herkunfts - oder in einen Drittstaat entgegenst e- hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK er- füllen. E-4213/2013 Seite 20 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb- liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzi p des flüchtlingsrechtlichen Rückschi e- bungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vollzug der Wegweisung in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 10.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder ern iedrigen- der Strafe oder Behandlung droht. Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausg e- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Me n- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefährdung ("real risk") na chweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Falle einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, m.w.H.). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Es besteht kein konkreter Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer wü r- de bei einer Rückkehr in sein Heimatland eine menschenrechtswidrige Behandlung drohen, zumal es ihm nicht gelungen ist, eine aktuelle Ve r- folgungssituation darzutun. 10.2.3 Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, all- gemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewä hren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748; 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). E-4213/2013 Seite 21 Im Falle des Beschwerdeführers sprechen jedoch weder die im Iran her r- schenden allgemeinen Lebensumstände noch seine persönlichen Ve r- hältnisse gegen eine Rückkehr in die Heimat. Der Beschwerdeführer stammt aus der Hauptstadt Teheran, wo seine Eltern und drei Geschwis- ter wohnhaft sind . Ihnen gehe es eigenen Aussagen zufolge gut ( […]). Der Beschwerdeführer habe nach Absolvierung der zwölften Schulklasse bis zu seiner Ausreise während ca. neun Jahren als selbständiger Schneider gearbeitet ([…]). Ferner leidet er gemäss Aktenlage auch nicht an gesundheitlichen Problemen, die eine Rückkehr unzumutbar machen würden. Demnach liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der B e- schwerdeführer in seine m Heimatstaat aus individuellen Gründen wir t- schaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedr o- hende Situation geraten würde. Nach dem Gesag ten erweist sich der Vollzug der Wegweisung für den Beschwerdeführer als zumutbar. 10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung seines Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 10.5 Insgesamt hat das Bundesamt den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Na ch dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG). 11. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie volls tändig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 12. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Verfahrens in Höhe von Fr. 600. - dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG, Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Diese sind mit dem am 10. August 2013 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. (Dispositiv nächste Seite) E-4213/2013 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 600 .- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvo r- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Lhazom Pünkang Versand: