B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7135/2010 U r t e i l v o m 2 6 . N o v e m b e r 2 0 1 2 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiberin Sarah Diack. Parteien A._______, geboren am (…), Bosnien und Herzegowina, vertreten durch Antigone Schobinger, Rechtsanwältin, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwä- gungsentscheid), Verfügung des BFM vom 31. August 2010 / N (…). E-7135/2010 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer , Staatsangehöriger Bosnien -Herzegowinas mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat am 23. Februar 2009 und gelangte am 25. Februar 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nachsuchte. Am 25. März 2009 und am 6. April 2009 wurde er zu seinen Asylgründen angehört. Er machte im Wesentlichen geltend, er sei im Sommer 2007 von einer Person angefragt worden, ob er ins Drogengeschäft einsteigen wolle, un- ter dem Hinweis, dass er dabei von einer anderen Person, einem Inspek - tor, gedeckt werden würde. Er habe dies es Angebot abgelehnt und bei der Polizei Anzeige erstattet. Im daraufhin durchgeführten Verfahren beim kantonalen Gericht in B._______ habe er gegen diese zwei Personen als Zeuge ausgesagt. Jene seien in der Folge zu (…) beziehungsweise (…) Jahren Gefängnisstrafe verurteilt worden. Ein Jahr später habe er gegen den Mafiaboss von B._______, ein en Freund der Inhaftierten , Anzeige erstattet, weil er von dessen Leuten geschlagen worden und von jenem mit dem Tode bedroht worden sei. Der Mafiaboss sei im (…) 2008 in eine Schiesserei verwickelt und dabei verletzt worden. Im anschliessenden Verfahren habe der Mafiaboss bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, der Beschwerdeführer besitze sehr wahrscheinlich Informationen über die Schiesserei und sei vielleicht sogar daran beteiligt gewesen. In der Folge sei er von (…) Gefolgsleuten des Mafiabosses am Arbeitsplatz gesucht worden; sein Arbeitgeber habe ihn zum Schutz des [Arbeitsortes], in wel- chem er gearbeitet habe, entlassen. Im (…) 2009 sei gegen ihn ein Haf t- befehl ausges tellt worden. Er habe Angst, bei einer Rückkehr von den Mafialeuten umgebracht zu werden . Weil er nicht dauernd habe in Angst leben wollen und er gezwungen gewesen sei, ständig die Adresse zu wechseln, habe er sein Heimatland verlassen. B. B.a Mit Verfügung vom 2. Juni 2009 lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 25. Februar 2009 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. E-7135/2010 Seite 3 Zur Begründung führte es aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand, und wo die Aussagen geglaubt würden, fehle es ihnen an Asylrelevanz. B.b Auf die dagegen erhobene Beschwerde vom 1. Juli 2009 trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 3. August 2009 (E-4267/2009) wegen verspäteter Bezahlung des Kostenvorschusses nicht ein, womit die vorinstanzliche Verfügung in Rechtskraft erwuchs. Für den Inhalt des ordentlichen Verfahrens wird auf die Akten verwiesen. Soweit entscheidrelevant, wird nachfolgend in den Erwägungen d arauf Bezug genommen. C. Mit Wiedererwägungsgesuch vom 7. Juni 2010 ersuchte der Beschwe r- deführer die Vorinstanz, ihre Verfügung vom 2. Juni 2009 wieder - erwägungsweise aufzuheben, die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihn in der Schweiz vorläufig auf- zunehmen. Zudem sei der Vollzug der Wegweisung bis zum Entscheid über das vorliegende Gesuch im Sinne einer superprovisorischen Mas s- nahme und in der Folge bis zum Entscheid über das Wiedererwägung s- gesuch im Sinne einer vo rsorglichen Massnahme zu sistieren. Er sei überdies von den Verfahrenskosten zu befreien und ihm sei in der Person des damaligen Rechtsvertreters ein unentgeltliche r Rechtsbeistand zu bestellen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass sich seit Erlass der Verfügung vom 2. Juni 2009 der rechtserhebliche Sachverhalt massgeb - lich verändert habe. Die Veränderung liege darin, dass er im Zeitpunkt des Asylentscheides psychisch angeschlagen gewesen sei, demgegen - über aktuell akut suizidal sei . Aus dem bei der Beschwerde vom 1. Juli 2009 liegenden Bericht der Psychiatrischen [Klinik in D._______] datie- rend vom (…). Juni 2009, gehe hervor, dass er zum damaligen Zeitpunkt keine lebensmüden Gedanken gehegt habe und habe leben wollen. Im aktuellen Bericht des behandelnden Arztes E._______, Facharzt für Ps y- chiatrie und Psychotherapie, D._______, datierend vom (…) Mai 2010 , werde bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnos- tiziert und auf seine akute Suizidalität verwiesen. Ein Wegweisungsvoll- zug erweise sich daher unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Europäischem Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte E-7135/2010 Seite 4 und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und der Recht sprechung des Bundesverwaltungsgerichts (namentlich Urteile D -7122/2006 und E - 4554/2006 zur medizinischen Versorgung in Bosnien ) als unzulässig: Da sich die finanzielle Übernahme der Krankheitskosten im Rahmen der A r- beitslosenkasse in Bosnien-Herzegowina enorm schwierig gestalte, wü r- den viele medizinische Institutionen Vorauszahlungen ver langen. Er kön- ne daher mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht für die Kosten der Psych o- pharmaka und der Psychotherapie aufkommen. Dessen ungeachtet sei der Retraumatisierungsgefahr Rechnung zu tragen, aufgrund derer davon auszugehen sei, dass er bei einer Rückkehr einen Suizidversuch unte r- nehmen würde; a uch der behandelnde Arzt schliesse den Erfolg ei ner Therapie im Falle einer Rückkehr aus. Vor diesem Hintergrund er weise sich ein Wegweisungsvollzug heute als unzulässig oder zumindest als unzumutbar. D. Mit Verfügung vom 31. August 2010 – eröffnet am 1. September 2010 – wies das BFM das Wiedererwägungsgesuch ab, erkannte die Verfügung vom 2. Juni 2009 als rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr in Höhe von Fr. 300. – und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde dagegen komme keine aufschiebende Wirkung zu. Zur Begründung hielt das BFM fest, dass der Beschwerdeführer vor dem ablehnenden Asylentscheid keine gesundheitlichen Gründe gelt end ge - macht habe und auch nicht in einer medizinischen Behandlung gewesen sei. Somit sei davon auszugehen, dass die psychischen Probleme und die Inanspruchnahme einer psychiatrischen Therapie in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ablehnenden Asylentscheid stehen würden. E i- ne depressive Entwicklung mit dem Kreisen um suizidale Handlungen bei Asylsuchenden, deren Asylgesuche abgewiesen worden seien, st ehe ei- nem Wegweisungsvollzug unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 des Bun- desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Au s- länder (AuG, SR 142.20) und Art. 3 EMRK nicht entgegen. Es sei umso wichtiger, dass durch eine sorgfältige Vorbereitung der Ausreise und ein e medizinische Begleitung eine innere Bereitschaft zur Rückkehr aufgebaut werde, damit sich die Symptome nicht zusätzlich verschärfen würden. Was eine allfällige Therapie des Beschwerdeführers betreffe, bestehe ei- ne entsprechende Infrastruktur auc h in Bosnien -Herzegowina. Es lägen daher keine Grün de vor, die die R echtskraft der Verfügung vom 2. Juni 2009 beseiti gen würden, weshalb das Wiedererwägungsgesuch abg e- wiesen werde. E-7135/2010 Seite 5 E. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2010 erhob der Beschwerdeführer – han- delnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Be- schwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegwe i- sungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In formeller Hinsicht beantragte er die auf schiebende Wirkung der Be schwerde, die Anweisung der Vollzugsbehörden im Sinne einer superprovisorischen Massnahme, bis zum Entscheid über das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde von jegli chen Vollzugshan d- lungen abzusehen, und die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Zur Begründung führte er im Kern aus, die Vorinstanz gehe fehl, insofern sie annehme, die Inanspruchnahme einer psychiatrischen Therapie stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ablehnenden Asylent scheid, weil zuvor keine gesundheitlichen Gründe geltend gemacht worden seien. Vielmehr gehe aus dem anlässlich der Erstbefragung eingereichten ärztli- chen Schreiben aus Bosnien-Herzegowina vom (…) Januar 2009 – worin der entsprechende Arzt ihm Beruhigungstabletten verschrie ben habe, weil er unter Angstzuständen gelitten habe – hervor, dass er schon d a- mals Probleme gehabt habe . Von den Befragern auf diese s ärztliche Schreiben angesprochen, habe er dementsprechend entgegnet, die Ver- abreichung der Medikamente hänge mit den fluchtauslösenden Ereigni s- sen zusammen. Auch an der Anhörung habe er davon gespro chen, vor zwei Jahren bei einem Arzt in B._______ gewesen zu sein. Das Arztattest habe er eingereicht, um zu bestätigen, dass er sich in ärztlicher Behan d- lung befinde und Tabletten ein nehme. Doch a uch eine medikamentöse Abfederung der Suizidalität und andere flankierende Massnahmen wä h- rend der Rückfüh rung würden die p osttraumatische Belastungsstörung und die akute Suizidneigung nicht beseitigen. Es handle sich nicht um das Problem einer Gefährdung während der Rückführung , sondern um eine danach fortdauernde Gefährdung. F. Mit Telefax vom 4. Oktober 2010 setzte die zuständige Instruktionsrichte- rin den Vollzug der Wegweisung im Sinne einer provisori schen Mas s- nahme vorsorglich aus. E-7135/2010 Seite 6 G. Mit Zwischenverfügung vom 12. Oktober 2010 verfügte das Bundesve r- waltungsgericht, der Vollzug der Wegweisung werde gestützt auf Art. 112 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ausgesetzt und der Beschwerdeführer könne den Entscheid in der Schweiz abwarten . Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 V wVG wurde abgewiesen, das Gesuch um G e- währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von A rt. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und auf die Erhebung ei- nes Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde der Beschwerd e- führer aufgefordert, di e Erklärung über die Entbindung des ihn beha n- delnden Arztes von der Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden einzureichen. H. Mit Eingabe vom 27. Oktober 2010 reichte der Beschwerdeführer die ent- sprechende Entbindungserklärung ein und verwies auf eine St udie, die die Ansicht des BFM, wonach bei Asylsuchende n allein infolge eines n e- gativen Asylentscheides Symptome einer psychischen Erkrankung auftre- ten würden, widerlege. I. Mit Verfügung vom 10. Februar 2012 forderte das Bundesverwaltungsge - richt den Beschwe rdeführer auf, aktuelle, möglichst ausführliche Zeug - nisse aller ihn behandelnden Ärzte und Therapeuten einzureichen. J. Mit Eingabe vom 16. April 2012 reichte der Beschwerdeführer – handelnd durch seine heutige Rechtsvertreterin – einen Arztbericht von E._______, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, D._______, datierend vom (…) April 2012, zu den Akten. K. Auf die detaillierte Begründung der ursprünglichen vorinstanzlichen Verfü- gung vom 2. Juni 2009, des Wiedererwägungsgesuchs des Beschwerde- führers vom 7. Juni 2010, seiner weiteren Eingaben und auf den Inhalt der vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachstehenden Erwägun gen eing e- gangen. E-7135/2010 Seite 7 Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver waltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausse r bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein solches Auslieferungsersuchen liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss bisheriger Praxis letztinstanzlich auch Beschwerden gegen Verfügungen, in denen das Bundesamt es ablehnt, eine n früheren Entscheid auf Gesuch hin in Wi e- dererwägung zu ziehen. 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ä n- derung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfügende Behörde grundsätzlich kein E-7135/2010 Seite 8 Anspruch besteht. Der Sinn der Wiedererwägung – wie auch der Revision – ist nicht die erneute rechtliche Würdi gung eines bereits hinlänglich e r- stellten und endgültig beurteilten Sachverhalts (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 4 E. 5a S. 24 f.). Es ist unzulässig, ein rechtskräftig abgeschlossenes Verfahren unter dem Titel eines Wiedererwägungsgesuchs faktisch zu wiederholen, indem die rechtliche Beurteilung der verfügenden Behörde (erneut) in Frage gestellt wird; in diesem Fall wird auf das Wiedererwä - gungsgesuch nicht eingetreten. Zudem ist auf ein Wiede rerwägungsge- such nicht einzutreten, wenn zu dessen Begründung lediglich unsubsta n- ziierte Behauptungen aufgestellt werden und aus der Rechtsschrift die tatsächlichen Anhaltspunkte, die auf das Vorliegen eines Wiedererw ä- gungsgrundes hindeuten sollen, nicht ersichtlich sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 25 E. 4.2 S. 227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd S. 156). 3.2 Gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundesge - richts wird jedoch aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) unter bestimmten Voraussetzungen ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwä - gung abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6, mit weiteren Hinweisen). Da - nach hat die zuständige Behörde eine selbst getroffene Verfügung in Wie- dererwägung zu ziehen, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit Eintritt der Rechtskraft – am Tag nach Ablauf der nicht genutzten Rechts- mittelfrist oder durch bestätigendes Urteil der mit Beschwerde angerufe - nen Rechtsmittelinstanz – in wesentlicher Weise verändert hat und mithin eine Anpassung der (ursprünglich fehlerfreien) Verfügung erforderlich ist, ohne dass deren Gegenstand neu beurteilt wird. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Rechtsmitteleingabe vom 1. Oktober 2010 vor, bei Abschluss des ordentlichen Verfahrens sei er be- reits psychisch angeschlagen gewesen, nun sei er jedoch akut suizidal. Er habe daher im (…) 2010 eine psychotherapeutische Behandlung be- gonnen. Aufgrund seiner Suizidalität seien ihm auch Psychophar maka verschrieben worden. Gemäss dem behandelnden Arzt beständen bei ei - ner Psychotherapie gute Chancen, dass der Beschwerdeführer sich im Leben wieder auffangen könne, bei einer Rückkehr sei jedoch die Gefahr einer Retraumatisierung gross. In einer späteren Eingabe des Beschwer- deverfahrens vom 16. April 2012 führt er aus, die Psychotherapie habe E-7135/2010 Seite 9 zwar zu einer Stabilisierung seines psychischen Zustandes geführt, er sei jedoch noch wenig gefestigt, die posttraumatische Belastungsstörung be- stehe nach wie vor und ein Rückfall mit drohender Suizidalität sei bei b e- stimmten Vorkommnissen schnell möglich. Aus diesen Gründen und auch, weil die Finanzierung einer Behandlung in seinem Heimatland für ihn faktisch unmöglich sei, da er wegen der Mafia jede Arbeitsstelle sofort wieder verlieren werde, erweise sich zum heutigen Zeitpunkt eine We g- weisung nach Bosnien -Herzegowina als unzulässig und/oder unzumut- bar. 4.2 Im Wesentlichen bringt der Beschwerdeführer vor, seine gesundheitli- che Situation habe sich seit Abschluss des ordentlichen Verfahrens in vollzugshinderndem Masse verschlechtert. Damit macht er nachträgliche Veränderungen des rechtserheblichen Sachverhalts – und somit Wieder- erwägungsgründe – geltend, die darauf abzielen, d ie ursprünglich fehler- freie, rechtskräftige Verfügung vom 2. Juni 2009 in Bezug auf den Vollzug der Wegweisung nachträglich anzupassen. Nachfolgend ist daher zu pr ü- fen, ob mit Bezug auf die gesundheitliche Verf assung des Be schwerde- führers seit Abschluss d es ordentlichen Verfahrens (seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. August 2009) – eine Änderung einge- treten ist, und – bejahendenfalls – diese Änderung überdies geeignet ist, einen anderen Entscheid in der Frage des Wegweisungsvoll zugs herbei- zuführen. Hierbei ist für das Gericht die Situation heute, zum Zeitpunkt des Entscheids, massgeblich. 5. 5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlic hen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 5.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der ausländischen Person in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Namentlich darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem si e Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom E-7135/2010 Seite 10 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [ FK, SR 0.142.30]). Da die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers bereits rechtskrä f- tig verneint wurde und diese Frage auch nicht Gegenstand des Wiede r- erwägungsverfahrens war , kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Bosnien-Herzegowina ist dem nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folt er und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Pra- xis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder er - niedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Gemäss Rechtsprechung des EGMR können unter sehr aussergewöhnlichen Um - ständen ("very exceptional circumstances") gesundheitliche Probleme un- ter das Refoulement-Verbot von Art. 3 EMRK fallen, wenn im Heimatstaat ausgeprägte unzulängliche medizinische Bedingungen herrschen und wenn mit einer Rückschaffung massive Verstösse gegen die Mensche n- würde, namentlich Massnahmen, die den betroffe nen Menschen seelisch und meist auch körperlich schwer treffen, verbun den sind (vgl. die im U r- teil des Bundesverwaltungsgerichts E-5822/2008 vom 17. Februar 2011 E. 5 mit weiteren Hinweis en zitierte Praxis des EGMR ; vgl. auch BVGE 2009/2 E. 9.1 S. 19 f.; EMARK 2005 Nr. 23 , EMARK 2004 Nr. 6 sowie EMARK 2004 Nr. 7 ). Der Beschwerdeführer macht geltend, ein Wegwei- sungsvollzug nach Bosnien-Herzegowina sei aus gesundheitlichen Grü n- den unzulässig, weil aufgrund der dortigen Bedrohungslage eine Retra u- matisierungsgefahr bestehe und er daher Gefahr laufe, wieder einer Sui- zidalität zu verfallen. Diese Vorbringen vermögen keine solchen ausser- gewöhnlichen Umstände im Sinne der Rechtsprechu ng darzulegen; die gesundheitlichen Probleme sind im Hinblick auf eine allfällige Unzumu t- barkeit des Wegweisungsvollzugs zu würdigen (vgl. dazu unten Erw. 5.3.3), sind aber nicht geeignet, eine Unzulässigkeit des Vollzugs zu b e- gründen. Schliesslich ergeben sich weder aus den Aussagen de s Beschwerdefüh- rers noch aus den A kten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Bosnien -Herzegowina dort mit beachtlicher Wah r- scheinlichkeit in anderweitiger Form einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand lung ausgesetzt wäre. Gemäss Pr a- xis des EGMR sowie jener des U N-Anti-Folterausschusses müsste d er E-7135/2010 Seite 11 Beschwerdeführer eine konkrete Ge fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, wonach ihm im Fall ei ner Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Ka m- mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Diesbezüglich wu r- den – abgesehen vom soeben erwähnten medizinischen Aspekt – weder im Wiedererwägungsgesuch noch i n der Beschwerde neue, wiedererwä- gungsrechtlich relevante Aspekte und Vorbringen geltend gemacht, die sich nach Abschluss des ordentlichen Verfahrens ereignet hätten. Auch die allgemeine Menschen rechtssituation in Bosnien-Herzegowina lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig e r- scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen weiterhin zulässig. 5.3 5.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet s ind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs.7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). Aufgrund der allgemeinen politischen Lage, der M enschenrechtssituation sowie der allgemeinen Lebensumstände in Bosnien -Herzegowina, das mit Beschluss des Bundesrates vom 1. August 2003 zu einem verfo l- gungssicheren Staat ("safe country") erklärt wurde, ist eine Rückkehr des Beschwerdeführers unter dem Aspekt der Gefährdung durch Gewaltsitua- tionen als zumutbar zu erachten. In Bosnien -Herzegowina herrscht keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers angenommen werden müsste. 5.3.2 Den Eingaben des Beschwerdeführers sind sodann keine konkreten Anhaltspunkte dafür zu entneh men, dass sich betreffend eine Rückkehr nach Bosnien -Herzegowina aus individuellen Gründen wirtschaftlicher und sozialer Natur Änderungen ergeben hätten, die ihn in eine existen z-E-7135/2010 Seite 12 bedrohende Situati on bringen würden . Die Vorinstanz hat den Wegwe i- sungsvollzug unter den allgemeinen Kriterien zu Recht als zumutbar e r- achtet: Aus den Akten geht hervor, dass der Vater sowie die Mutter des Beschwerdeführers in B._______ wohnhaft sind (vgl. A1 S. 3). Zudem verfügt der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben über Verwandte in [Drittstaat, Drittstaat] und [Ort in der Schweiz] (vgl. A1 S. 3). Somit ist davon auszugehen, dass er bei einer Rückkeh r auf ein tragfähiges sozia- les Netz vor Ort zurückgreifen und zudem allenfalls auf finanzielle Hilfe seiner Verwandten im Ausland zählen kann. Der Beschwerdeführer hat einen Mittelschulabschluss für [Beruf] und überdies Berufserfahrung als [Beruf] und [Beruf] (vgl. A1 S. 2), womit anzunehmen ist, dass ihm bei ei- ner Rückkehr der Weg für eine berufliche R eintegration geebnet ist . Im Falle von Repressionen Dritter betreffend seine Arbeitsstelle kann sich der Gesuchsteller an die Behörden seines Heimatstaates wenden. Z u- dem ist der Beschwerdeführer jung, was einen zusätzlichen förderlichen Faktor für eine Wiedereingliederung darstellt. Seinen Aussagen zufolge besass er in Bosnien -Herzegowina ein (…) (vgl. A8 S. 5). Er führte aus, er habe das Angebot, Drogen zu v erkaufen abgelehnt, da er das nicht gebraucht habe, weil er gut verdien t habe (vgl. A8 S. 7). Diese A ngaben lassen darauf schliessen, dass sich der Gesuchsteller in seiner Heimat nicht in finanziellen Schwierigkeiten befand. Insgesamt ist nach wie vor davon auszugehen, der Beschwerdeführer bringe alle Voraussetzungen mit, um in der Heimat wieder Fuss zu fassen und aus eigenen Kräften ein Auskommen zu finden. 5.3.3 Zu prüfen bleiben die gesundheitlichen Aspekte: In Bezug auf die geltend gemachte, neu eingetret ene medizinische Notlage ist festzuhal - ten, dass gemäss ständiger Rechtsprechung nur dann auf Unzumutbar - keit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine not- wendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein- trächtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person führt. Da - bei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizinische B e- handlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdi gen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht be - reits dann vor, wenn im Heimat - oder Herkunftsstaat nicht eine dem ho - hen schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21 sowie die weiterhin zutref - fende Praxis von EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). E-7135/2010 Seite 13 Mit Blick auf die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers wies die Vorinstanz in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass entsprechende Therapie - und Behandlungs- möglichkeiten in Bosnien-Herzegowina vorhanden seien, auch wenn di e- se nicht zwingend dem medizinischen Standard der Schweiz entsprechen würden. Im ersten bei den Akten liegenden Arztbericht vom (…) Mai 2010 wurde festgehalten, dass die Wahl de s Medikamentes wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten des Beschwerdeführers stark eingeschränkt sei. Es wurde weiter bemerkt, dass nur ein kleiner Teil der Menschen mit einem Trauma posttraumatische Belastungsstörungen entwickle. Beim Beschwerdeführer seien psycho -soziale Faktoren mitverantwortlich; Ge- walt habe bereits seine Kindheit geprägt und auch als Jugendlicher sei ihm im Zusammenhang mi t der Mafia Gewalt widerfahren. Der Be- schwerdeführer befinde sich aktuell in einem suizidalen Zustand. Gemäss dem neueren Arztbericht von E._______ vom April 2012 wird weiterhin eine p osttraumatische Be lastungsstörung diagnostiziert. Es wird fes t- gehalten, dass seit Übernahme der Behandlungskosten durch die Kra n- kenkasse im (…) 2011 die Gespräche regelmäs sig alle zwei Wochen stattfinden würden. Zu Beginn der Behandlung hätten kathartisch- stützende Gespräche stattgefunden , später sei eine aufdeckende Ps y- chotherapie durchgeführt worden. Seit der regelmässigen Behandlung sei Suizidalität kein Thema mehr. Schlafstörungen mit Albträumen würden bis heute persistieren. Die Ängste des Beschwerdeführers hätten sich unter der Einnahme von Medikamenten auf die Hälfte reduziert. Ein zeitweises Aussetzen der Medikamente sei möglich. Die Symptomatik der Störungen habe insgesamt nachgelassen, der jetzige psychische Zustand müsse j e- doch als wenig gefestigt beurteilt werden. Gewisse Vorkommnisse im Zu- sammenhang mit Gewalt könnten schnell zu einem Rückfall mit Suizidali- tät führen. Die Gefahr einer sol chen Retraumatisierung sei aufgrund der Bedrohungslage in seinem Heimatland besonders gross. Es besteht für das Gericht keine Veranlassung , an der vom behandel n- den Facharzt diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung zu zweifeln. D ie beiden Arztberichte sind detailliert und setzen sich einge - hend mit der Krankheitsgeschichte auseinander . Die ausführliche Anam- nese erfasst die sozialen Umstände und psychosozialen Faktoren, unter denen der Beschwerdeführer aufwuchs (namentlich die Konfrontation mit Ungerechtigkeit, Gewalt und Hilflosig keit) und führt so zu einer nachvoll- ziehbar begründeten Diagnose. E-7135/2010 Seite 14 Indessen muss den jeweiligen Schlussbemerkungen beider Berichte, wo- nach angesichts der Bedrohungslage im Herkunftsstaat für den B e- schwerdeführer eine grosse Retraumatisierungsgefahr bestehe , Folge n- des entgegengehalten werden: Den Schluss, dass der Beschwerdeführer sich bei einer Rückkehr in einer Bedrohungslage befände, zieht der Arzt ausschliesslich aus den Aussagen des Beschwerdeführers, die er in se i- nen Berichten wiedergibt . Im Zentrum stehen dabei die kriminellen M a- chenschaften der Mafia im Heimatland. Die genannten Aussagen sind je- doch anlässlich des ordentlichen Asylverfahrens einer eingehenden Pr ü- fung unterzogen und zu einem grossen Teil als unglaubhaft erachtet wor- den. Namentlich hat die Vorin stanz in ihr em Asylentscheid vom 2. Juni 2009 erwogen, dass die Angaben des Beschwerdeführers teilweise w i- dersprüchlich ausgefallen seien (Behelligungen durch die (…) Mafiamän- ner [vgl. oben Bst. A] einmal beziehungsweise zweimal, Zeitpunkt der Te- lefonanrufe, Motivation der Anzeige sei abgelehntes Drogengeschäft be- ziehungsweise Provokation von Polizisten gewe sen) und in gewissen Punkten der allgemeinen Logik und der Lebenserfahrung widersprochen hätten (er habe gegen die beiden Personen im (…) 2008 vor Gericht aus- gesagt, hingegen sei einer der beiden bereits Ende 2007/ a nfangs 2008 und der andere im (…) 2008 verurteilt worden). Die Angaben zu seinen Beweismitteln seien als Schutzbehauptung zu qualifizieren, so beispiel s- weise, dass die eingereichte Vorladung keine Unterschrift enthalte, weil gesetzesmässig nur eine Kopie mit Stempel erhältlich sei. Den angeblich gegen ihn ausgestellten Haftbefehl habe der Beschwerdeführer nicht ein- reichen können. Im Übrigen habe es sich bei den geltend gemachten Tät- lichkeiten und Drohungen der Mafia um Über griffe Dritter gehandelt, die dem bosnisch -herzegowinischen Staat nicht zu gerechnet werden kön n- ten. Die vom Beschwerdeführ er dargestellten Übergriffe würden Straft a- ten darstellen, die von den heimatlichen Behörden im Rahmen ihrer Mög- lichkeiten verfolgt wür den. Im Ü brigen habe er nicht glaubhaft machen können, von den heimischen Behörden verfolgt zu werden. Das Vorliegen einer Bedrohungslage für den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr wur- de rechtskräftig verneint. Diese Überlegungen sind dem vom Arzt aufge- führten Faktor, der zu einer Retraumatisierung des Beschwerdeführers führen könnte, entgegenzuhalten. Es besteht somit diesbezüglich kein Wegweisungsvollzugshindernis. Das Gericht geht davon aus, dass der schwierigen Situation, wie sie mit einer zwangsweisen Rückkehr verbunden sein kann , im Rahmen der konkreten Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist, und dass nament- lich in Zusammenarbeit mit de m behandelnden Arzt sicherzustellen sein E-7135/2010 Seite 15 wird, dass dem Beschwerdeführer für die Rückkehr die allfällig notwendi - gen Medikamente ausgehändigt werden. Soweit eine weitere psychoth e- rapeutische Behandlung des Gesuchstellers angezeigt scheint, ist darauf hinzuweisen, dass in Bosnien-Herzegowina seit 1995 kontinuierlich Insti- tutionen aufgebaut wurden, die sich auf die Behandlung von psychischen Krankheiten und namentlich posttraumatischen Belastungsstörungen spezialisiert haben . Im vom Beschwerdeführer zi tierten Urteil D - 7122/2006 vom 3. Juni 2008 wurde festgehalten, dass in Bosnien - Herzegowina seit Beendigung des Krieges in den grösse ren Städten zahlreiche Kliniken und Spezialeinrichtungen für die Behand lung trauma- tisierter Menschen aufgebaut und instit utionalisiert worden seien und gängige Behandlungen landesweit ohne Weiteres, komplexe Behandlu n- gen in den grossen Städten vorgenommen werden könnten ; vor allem in Städten würden Einrichtungen sowie Fachpersonal für die Behandlung psychisch Kranker bestehe n. Problematisch sei indessen die chronische Überlastung und angesichts schlecht leistender Krankenkassen die fe h- lende Fi nanzierung (vgl. oben genanntes Urteil Erw. 8.3.5). Der B e- schwerdeführer hat te seinen letzten Wohnsitz in B._______, wo auch seine Elte rn leben . In B._______ ist neben de r landesweit verbreiteten vorwiegend medikamentösen Behand lung psychischer Krankheiten z u- sätzlich auch eine ambulante psychiatrische Behandlung möglich. Dies- bezüglich bestehen zwar lange Wartezeiten, aber n eben den psychiatri- schen Klini ken bieten in Bosnien -Herzegowina auch einige NGO's, die primär in den grossen Städten der Nation (v.a. auch in B._______) tätig sind, qualifizierte Psychotherapien an (vgl. Schweizerische Flüchtlingshil- fe [SFH], "Bosnien -Herzegowina: Behandlung psychischer Erkrankung" vom 30. April 2009). Damit ist davon auszugehen – wenn auch unter I n- kaufnahme gewisser Wartezeiten –, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr Zugang zu einer adäquaten psychiatrischen Behandlung findet. Was die erwähnte, problematische Finanzierung von medizinischen B e- handlungen betrifft, ergibt sich aus den Akten , dass der Beschwerdefü h- rer neben der medizinischen Rückkehrhilfe, die er bei den schweizer i- schen Behörden beantragen kann, auch auf finanzielle Unterstütz ung seiner Verwandtschaft zählen kann. Zudem ist – wie bereits festgehalten – anzunehmen, der Beschwerdeführer finde aufgrund seiner Berufserfah- rung und seines jungen Alters wieder einen Arbeitsplatz. Insgesamt ist davon auszugehen, dass allfällige Behandl ungskosten bei seiner Rüc k- kehr durch die Rückkehrhilfe gedeckt sind, bis er sich soweit reintegriert hat, um aus seinen eigenen Einkünften schöpfen zu können. E-7135/2010 Seite 16 Insoweit unterscheidet sich vorliegende s Verfahren betreffend der Rein - tegrationschancen und Ret raumatisierungsgefahr grundlegend von dem vom Beschwerdeführer zitierten Verfahren E-4554/2006 (Urteil des Bun- desverwaltungsgerichts vom 9. Februar 2009 ). Nach dem Gesagten er- weist sich ein Wegweisungsvollzug de s Beschwerdeführers auch unter dem Aspekt seiner gesundheitlichen Probleme – und somit gesamthaft – weiterhin als zumutbar. 5.4 Schliesslich obliegt es de m Beschwerdeführer, sich bei der zuständi - gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG, BVGE 2008/34 E.12). 5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es de m Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine wiedererwägungsrechtlich relevante Veränderung der Sachlage darzulegen, welche es rechtfertigen würde, die rechtskräf - tige vorinstanzliche Verfügung vom 2. Juni 2009 in Wiedererwägung zu ziehen. Die Vorinstanz hat das Wiedererwägungsgesuch daher zu Recht abgewiesen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt s ich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be - schwerde ist demnach abzuweisen. 7. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wäre n die Kosten dem mi t seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser hat aber im Rahmen der Beschwerdebegehren ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt , we l- ches mit Verfügung vom 12. Oktober 2010 offen gelassen wurde . G e- mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz nach Einre i- chung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Aus den Erwägungen ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer nicht vorgehalten werden kann, seiner B e- schwerde habe es im Zeitpunkt der Beantragung der Gewährung der u n- entgeltlichen Rechtspflege mit Blick auf die Erfolgsaussichten an d er nö- tigen Ernsthaftigkeit gefehlt (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Zudem ist E-7135/2010 Seite 17 er aufgrund der Akten als mittellos zu erachten. Damit sind beide kumula- tiv erforderlichen Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb gu t- zuheissen und der Beschwerdeführer ist von der Pflicht zur Kostentr a- gung zu befreien. Infolgedessen sind ihm trotz seines Unterliegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite) E-7135/2010 Seite 18 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gu t- geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zustän - dige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sarah Diack Versand: