B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-3318/2014 U r t e i l v o m 1 4 . N o v e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien A._______, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken in Bezug auf B._______. C-3318/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Am 28. Februar 2014 beantragte der aus der Republik Kosovo stammen- de B._______ (geb. 1932, im Folgenden: Gesuchsteller/Eingeladener) bei der Schweizerischen Botschaft in Pristina ein S chengen-Visum für die Dauer von 90 Tagen. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab er an, sei- ne im Kanton Bern wohnhafte Enkel in A._______ (im Folgenden: Gas t- geberin bzw. Beschwerdeführerin) und deren Familie besuchen zu wo l- len. Diese hatte bereits am 18. Februar 2014 ein entsprechende s Einla- dungsschreiben – für einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt ihres Grossvaters – an die Schweizer Botschaft gerichtet. B. Mit Formularentscheid vom 3. März 2014 lehnte es die Schweizer Vertre- tung in Pristina ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete ihre Haltung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die fris t- gerechte Wiederausreise de s Eingeladenen aus dem Schengen -Raum nach Ablauf des Visums. Zudem fehlten Nachweise und Belege zur F i- nanzierung der Reise und des Aufenthalts in der Schweiz. Gegen diesen Entscheid erhob die G astgeberin mit Eingabe vom 13. März 2014 beim Bundesamt für Migration (BFM) Einsprache. C. Nachdem der Migrationsdienst des Kantons Bern bei der Gastgeberin er- gänzende Auskünfte eingeholt und an das BFM weitergeleitet hatte, wies die Vorinstanz die Einsprache am 3. Juni 2014 ab. Dabei teilte sie die Einschätzung der Schweizerischen Auslandvertretung, wonach die a n- standslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufen t- halt nicht als hinreichend gesichert betrachtet werden könne. Der G e- suchsteller lebe in einer Region, a us welcher als Folge der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. Im Weitern seien aus den persönlichen und familiären Verhältnissen des verwitweten Gesuchstellers keine Umstände ersich t- lich, die besondere Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise bieten könnten, zumal sämtliche Familienangehörigen im Ausland lebten. D. Mit Rechtsmitteleingabe vom 10. Juni bzw. 26. Juni 2014 beantragt die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des g e-C-3318/2014 Seite 3 wünschten Besuchervisums an den Gesuchsteller. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, es verstehe sich von selbst, dass ihr mittlerweile 82-jähriger Grossvater nicht in die Schweiz kommen werde, um Arbeit zu suchen. Im Weitern versichert sie, dass der Eingeladene nach seinem Besuchsaufenthalt anstandslos in sein Heimatland zurückkehren werde. E. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Juli 2014 spricht sich die Vorinstanz für die Abweisung der Beschwerde aus. Laut den Angaben der Beschwerde- führerin hätten die engsten Familienangehörige n des Eingeladenen – seine Kinder – allesamt den Kosovo verlassen und bef änden sich in der Schweiz. In Anbetracht der Lebensumstände im Heimatland des allein stehenden und verwit weten Gesuchstellers erscheine dessen bisheriger Lebensmittelpunkt im Kosovo nach Ansicht des BFM nicht geeignet, ihn verlässlich davon abzuhalten, den Entscheid für eine Emigration zu fällen. F. Mit verfahrensleitender Anordnung vom 23. Juli 2014 wurde der Be- schwerdeführerin die Möglichkeit gewährt, zur Vernehmlassung der Vo r- instanz Stellung zu nehmen. Die hierfür gesetzte Frist blieb ungenutzt. G. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufg e- führten Behörde erlassen wur den. Darunter fallen u.a. Verfü gungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen -Visums zu Be - suchszwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun - desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich - tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). C-3318/2014 Seite 4 1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur B e- schwerde berechtigt. Auf die frist - und formgerecht eingereichte B e- schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er - messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts - erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde - verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 3. Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eine s kosovarischen Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 90 -tägigen Auf- enthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich d er Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beab - sichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorli e- gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe - reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemein schaftsrechtlichen Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungs bestimmungen gelangen nur soweit zur Anwe n- dung, als die Schengen -Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf E r- teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht verpflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vg l. Botschaft zum Bundes gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1). Das Schengen -Recht schränkt die nationa l- staatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitli che Voraussetzungen C-3318/2014 Seite 5 für Einreise und V isum aufstellt und die Mitgliedstaa ten verpflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt jedoch auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen - Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedok u- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Fer ner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengre n- zen im Besitz eines Visums sein müs sen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gült i- gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfr is- tigen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerte i- lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Par laments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die U m- stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausre i- chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a-c der Verordnung [EG] Nr . 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nac h- folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, in: Stämpflis Han d- kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländer innen und Ausländer, 2010, Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausg e- schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentlic he Gesundheit oder die internationalen Beziehu n-C-3318/2014 Seite 6 gen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristge- recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer- ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). D ie Behörden haben daher zu prüfen und drit t- staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswi d- rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi- cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusamme n- hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Auf enthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgeno m- men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund intern a- tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drit t- staatsangehörigen Person, welche die ordentli chen Einreisevorausse t- zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschrän k- ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art . 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Vorau s- setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung des beantragten Schenge n- Visums mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wiede r- ausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert. 5.2 Wie oben erwähnt, unterliegt d er Gesuchsteller als k osovarischer Staatsangehöriger der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einre i- sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK stehen die Fragen nach dem C-3318/2014 Seite 7 Zweck des geplanten Aufenthalts und nach der gesicherten Wiederaus- reise im Vordergrund. Dazu lassen sich in der Regel ke ine gesicherten Feststellungen, sondern nur Prognosen treffen. Dabei sind alle Umstände des Einzelfalles zu würdigen. Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise können sich auch aus der allgeme i- nen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers erg e- ben. Namentlich bei Einreisegesuchen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich ungünstigen Verhält nissen rechtfertigt sich eine kritische Prüfung bzw. eine strenge Praxis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht (vgl. Urteile des BVGer C -3777/2012 vom 28. Januar 2013 E. 5.2 sowie C-4142/2010 vom 15. August 2011 E. 7.2). 5.3 Dass im Heimatland des Gesuchstellers grosse Teile der Bevölkerung von wirtschaftlich ungünstigen Verhältnissen betroffen sind, kann nicht in Abrede gestellt werden. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) je Einwohner im Kosovo lag 2013 nach Schätzung des Internatio nalen Währungsfonds (IWF) bei 2'794 Euro, das BIP insgesamt bei etwas über 5 Mrd. Euro. Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan. Die Einkommen s- verhältnisse bewegen sich auf konstant tiefem Niveau (das monatliche Durchschnittseinkommen lag 2011 b ei ca. 300 Euro) und die Hälfte aller Einwohner lebt an oder unter der Armutsgrenze. Überweisungen aus dem Ausland stellen eine wichtige Einkommensquelle und damit einen bede u- tenden Wirtschaftsfaktor dar (Quellen: Deutsches Auswärtiges Amt, www.auswaertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinforma- tionen > Kosovo > Wirtschaftspolitik, Stand: September 2014; UNDP K o- sovo Human Development Report 201 4, www.kosovo.undp.org > R e- search & Publications > Human Development > Kosovo Human Dev e- lopment Report 2014, beide Websites besucht im Oktober 2014; vgl. auch Urteil des BVGer C-2108/2012 vom 26. März 2014 E. 5.3 m.H.). Auf entsprechend hohem Niveau bewegt si ch der Anteil derer, die sich zur Emigration entschliessen. Besteht im Ausland bereits ein soziales Be- ziehungsnetz von Verwandten oder Freunden, so begünstigt dies die Tendenz, sich dort unter besseren Lebensbedingungen eine (neue) Exi s- tenz aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist es naheliegend, dass Fam i- lienangehörige oftmals versuchen, auch ihre Eltern oder Grosseltern, für welche sie sich verantwortlich fühlen, in die Schweiz nachzuziehen. Dies insbesondere dann, wenn diese – altersbedingt ohne berufliche Verpflich-C-3318/2014 Seite 8 tungen – alleine im Heimatstaat zurückbleiben und/oder aus gesundheitli- chen Gründen nicht mehr für sich selbst sorgen können. 5.4 Bei der Risikoanalyse sind aber nicht nur solch allgemeine Umstände und Erfahrungen, sondern auch, wie oben ausgeführt, sämtliche Ge- sichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dies die Prognose für eine anstands lose Wiederausreise begünstigen (vgl. Urteil des BVGer C-2785/2012 vom 17. Juli 2013 E. 6.4). Andererseits muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Ver pflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) als hoch eing e- schätzt werden. 6. 6.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen 82 -jährigen, verwitwe- ten Mann, der im eigenen Haus im Kosovo leben soll und offenbar noch nie ins Ausland gereist ist. Zu den f amiliären Verhältnissen wurden von den Beteiligten weder im Gesuchsverfahren noch auf Beschwerdeebene nähere Angaben gemacht , sondern lediglich angeführt, der eingeladene Grossvater sei unabhängig. Gemäss den (unwidersprochen gebliebenen) Feststellungen der Schweizer Vertretung in Pristina lebt der Eingeladene allein im Kosovo (vgl. auch die vom Gesuchsteller zuhanden der Visum s- behörden unterzeichnete Erklärung vom 5. Februar 2014 ["Declaration on joint household"]), wonach keine weiteren Familienangehörigen im selben Haushalt lebten). Es sind daher keine sozialen oder familiären Verpflic h- tungen ersichtlich, welche besondere Gewähr für eine Rückkehr des G e- suchstellers ins Heimatland bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situati o- nen angespannter wirtschaftlicher und/oder politischer Verhältnisse selbst zurückbleibende nahe Angehörige regelmässig nicht verlässlich davon abhalten können, den Entscheid für eine Emigration zu fällen. Zudem dürfte der Gesuchsteller – als Rentner – kaum in wirtschaftlich günstigen Verhältnissen leben, die das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederau s- reise nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz entscheidend hera b- setzen könnte. Die Schweizerische Botschaft in Pristina hielt diesbezüg- lich fest, der Eingeladene habe keinen Nachweis über seine finanziellen Mittel erbringen können. 6.2 Demgegenüber verfügt d er Gesuchsteller mit seinen hierzulande lebenden Angehörigen, bei denen es sich um seine Grosskinder ha n-C-3318/2014 Seite 9 deln dürfte, über enge Bezugspersonen in der Schweiz (vgl. Stell ung- nahme der Beschwerdeführerin vom 16. April 2014). In diesem Z u- sammenhang gilt es insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen, dass offenbar sämtliche Familienangehörige des Gesuchstellers ihr Heimatland definitiv verlassen haben und in die Schweiz (oder in a n- dere Länder Westeuropas) übersiedelt sind, woraus auf einen konkr e- ten Migrationswillen im nächsten Umfeld de s Eingeladenen ge - schlossen werden kann. Vor diesem Hintergrund müssen die Be - teuerungen auf Beschwerdeebene, die ser werde die Schweiz nach seinem dreimonatigen Besuc hsaufenthalt fristgerecht wie der ver - lassen, als nicht ausschlaggebend bezeich net werden. 6.3 Nicht zuletzt altersbedingte gesundheitliche Probleme, aber auch die misslichen Verhältnisse im Heimat land bergen ein erhöhtes Risiko in s ich, d er seit letzten Dezember verwitwete Gesuchsteller könnte nach ei nem mehrmonatigen Aufenthalt in der Schweiz geneigt sein, den Lebens abend doch noch im Umfeld seiner in der Schweiz lebe n- den nächsten Angehö rigen zu verbringen oder sich über die be - antragte Visumsdauer hinaus hierzulande aufzuhalten. Insofern kön n- ten gewisse Fest setzungstendenzen bestehen und demzufolge b e- gründete Zweifel am deklarierten Aufenthaltszweck (Besuchsaufen t- halt; vgl. Art. 16 i.V.m. Art. 12 Abs. 2 Bst. c in fine VEV) bere chtigt sein. 6.4 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vo r- instanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise des Eingeladenen nach einem Besuchsaufenthalt best eht. An dieser Ei n- schätzung vermögen auch die gegenteiligen Zusicherungen der Gas t- geberin und Beschwerdeführerin nichts zu ändern. Als solche kann sie mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsa ufenthalt, nicht aber für ein b e- stimmtes Tun oder Unterlassen ihre s Gastes einstehen (vgl. in diesem Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Der (durchaus verständliche) Wunsch der Beschwerdeführerin, ihrem im Kosovo lebenden Grossv a- ter das Lebensumfeld in der Sc hweiz zeigen zu können, hat somit in den Hintergrund zu treten. 7. 7.1 Bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Vi- sums mit räumlich beschränkter Gültigkeit vorliegen (vgl. E. 4.5). Ein so l- ches kann – wie erwähnt – erteilt werden, wenn e in Mitgliedstaat es aus C-3318/2014 Seite 10 humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder au f- grund internationaler Verpflichtungen für erforderlich hält. Die damit ei n- hergehende Abweichung von den allgemeinen Einreisevoraussetzungen erfordert eine sorgfältig e Abwägung der sich gegenüberstehenden Int e- ressen, die nicht leichthin zur Erteilung eines auf nationales Hoheitsgebiet beschränkten Visums führen darf (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1). 7.2 Zwar stellt der persönliche Kontakt zwischen dem Eingeladen und der Gastgeberin und ihrer Familie eine grundsätzlich unter den Schutz von Art. 8 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV fallende familiäre Beziehung dar, auch wenn es sich nicht um die sog. "Kernfamilie" (Eltern und ihre mi n- derjährigen Kinder) handelt. Das vermag jedoch zu kein em anderen R e- sultat zu führen. Denn nur Beeinträchtigungen des Familienlebens von gewisser Mindestschwere stellen rechtfertigungsbedürftige Eingriffe in die genannten Garantien dar. Ob diese Mindestschwere im vorliegenden Fall erreicht wird, erscheint unte r den gegebenen Umständen als fraglich ; immerhin wäre der hierzulande eingebürgerten Beschwerdeführerin auch eine Reise in ihr ursprüngliches Heimatland zuzumuten, was ebenso für die übrigen, in der Schweiz lebenden Grosskinder des Gesuchstellers gelten muss, welche alle zumindest über eine Niederlassungsbewilligung verfügen. Doch auch wenn dem so sein sollte, handelte es sich nur um einen eher untergeordneten Eingriff in das Familienleben, der durch die auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interessen gerechtfertigt ist (Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 36 BV; vgl. Urteil des BGer 2C_190/2011 vom 23. November 2011 E. 4.3.1 sowie Urteil des BVGer C -1821/2014 vom 2. Juli 2014 E. 8.1). 7.3 Die geltend gemachten privaten Interessen rechtfertigen solcherma s- sen auch nicht, ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit auszuste l- len. 8. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beansta nden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh- rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). C-3318/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 900. - werden der Beschwerdeführerin au f- erlegt. Sie sind durch den am 10. Juli 2014 geleisteten Kos tenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] zurück) – den Migrationsdienst des Kantons Bern Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: