JAAC70.70 Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 24. Mai 2005 i.S. A.A.G., Tunesien, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 8 Art. 51 al. 1 et 4 LAsi. Art. 8 CEDH. Asile familial. Regroupement avec un conjoint réfugié ayant obtenu l’asile. Séparation par la fuite. 1. Un regroupement familial selon l’art. 51 al. 4 LAsi suppose une communauté de vie préexistante, interrompue par la fuite. 2. Si la famille du réfugié au bénéfice de l’asile n’a pas été séparée par la fuite, l’examen du regroupement familial et des éventuels droits découlant de l’art. 8 CEDH ressortit aux autorités de police des étrangers. Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG. Art. 8 EMRK. Familienasyl. Nachzug des Ehegatten eines asylberechtigten Flüchtlings. Trennung durch Flucht. 1. Eine Familienvereinigung im Rahmen von Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt eine vorbestandene, durch die Flucht getrennte Lebensgemeinschaft voraus. 2. Wurde die Familie des asylberechtigten Flüchtlings nicht durch die Flucht getrennt, sind die ausländerrechtlichen Behörden zur Prüfung der Familienvereinigung und allfälliger Rechtsansprüche aus Art. 8 EMRK zuständig. 1Art. 51 cpv. 1 e 4 LAsi. Art. 8 CEDU. Asilo accordato a famiglie. Ricongiungimento con il coniuge rifugiato posto al beneficio dell’asilo. Separazione in seguito alla fuga. 1. Il ricongiungimento familiare di cui all’art. 51 cpv. 4 LAsi presuppone che la comunione di vita sia stata interrotta in seguito alla fuga. 2. Se la famiglia del rifugiato posto al beneficio dell’asilo non è stata separata in seguito alla fuga, incombe alle autorità competenti in materia di polizia degli stranieri d’esaminare la questione del ricongiungimento familiare e dell’esistenza d’eventuali diritti derivanti dall’art. 8 CEDU. ZusammenfassungdesSachverhalts: DerBeschwerdeführerwurdeam23. Juli2004durchdasBundesamtfür Flüchtlinge(BFF;heute: BundesamtfürMigration)alsFlüchtlinganerkannt, gleichzeitigwurdeihmAsylerteilt. DasMigrationsamtdesKantonsZürich erteilteihminderFolgeeinefremdenpolizeilicheAufenthaltsbewilligung. Am27. September2004teiltederBeschwerdeführerdemBFFmit,erseiseit dem4. September2004verheiratet,undersuchteumEinbezugderEhefrauin dasFamilienasyl. DasBFFverweigertemitVerfügungvom27. Oktober2004die EinreisebewilligungundwiesdasGesuchumEinbezugderEhefrauindie FlüchtlingseigenschaftdesBeschwerdeführersab. DieseVerfügungliessderBeschwerdeführerdurchseineVertreterinbeider SchweizerischenAsylrekurskommission(ARK)anfechtenunddieAufhebung derangefochtenenVerfügungunddieErteilungvonFamilienasylbeantragen. DieVorinstanzhieltinihrerVernehmlassungvom21. Januar2005anihrer VerfügungfestundbeantragtedieAbweisungderBeschwerde. DieARKweistdieBeschwerdeab. AusdenErwägungen: 3. EhegattenvonFlüchtlingenundihreminderjährigenKinderwerdenals FlüchtlingeanerkanntunderhaltenAsyl,sofernkeinebesonderenUmstände dagegensprechen(Art. 51Abs. 1desAsylgesetzesvom26. Juni1998[AsylG], SR142.31). WurdendiesolcherartanspruchsberechtigtenPersonendurch dieFluchtgetrenntundbefindensiesichimAusland,soistihreEinreiseauf Gesuchhinzubewilligen(Art. 51Abs. 4AsylG). 3.1. DerBeschwerdeführerreichteeinentunesischenEhescheinein, gemässwelchemeram4. September2004durchdenZivilstandsbeamten vonMetlaouimitN.T.verheiratetwurde. DieFragederGültigkeitder EheschliessungvonN.T.mitdemBeschwerdeführernachtunesischemRecht istsomitimvorliegendenVerfahrenerstellt. ObaberdieEheschliessung auchnachSchweizerRechtrechtsgültigist,warbislangwederGegenstand eineskantonalenzivilstandsamtlichenVerfahrens,nocherfolgteeinePrüfung ineinemkantonalenfremdenpolizeilichenVerfahrenimHinblickaufeine 2AufenthaltsbewilligungimRahmendesFamiliennachzuges. DieARKmuss sichineinemsolchenFallimSinneeinerVorfrageüberdieGültigkeitderEhe aussprechen,soferndieBeantwortungdieserFragefürdieUrteilsfindung notwendigist[...]. 3.2. DieVorinstanzhatsichbeiderBegründungihrerabweisenden Verfügungdaraufberufen,derBeschwerdeführerhabevorVerlassenseines HeimatlandesmitseinerEhefraukeinefamiliäreGemeinschaftbegründet, weshalbdiebeidennichtdurchdieFluchtgetrenntwordenseienundder EhefraudieEinreiseindieSchweizzuverweigernsei. SeitdemInkrafttretendesneuenRechtsam1. Oktober1999regeltArt. 51AsylGunterdemRandtitel«Familienasyl»alljeneSachverhalte,die zuvorentwedervonArt. 3Abs. 3desAsylgesetzesvom5. Oktober1979 (AsylGvon1979,AS19801718;EinbezugindieFlüchtlingseigenschaft) odervonArt. 7AsylGvon1979(Familienvereinigung)erfasstworden waren. MateriellrechtlichwurdendiebishergeltendenBestimmungennicht grundlegendverändert. EinewesentlicheNeuerungistimmerhindarinzu erblicken,dassdieTrennungdannnichtmehrdurchdieFluchtverursacht wordenseinmuss,wenndieFamilienangehörigendesFlüchtlingsbereitsin derSchweizweilen(vgl. Art. 51Abs. 1,2und4AsylG).FüralleübrigenFälle derAsylgewährungauffamiliärerBasisjedoch-soauchfürdenvorliegenden Fall,wodieEhefraudesBeschwerdeführersnochinTunesienweilt-bleiben diedurchdieARKinihrerRechtsprechungentwickeltenVoraussetzungen bestehen. DemnachbleibtimFallevoninderHeimat(oderineinemDrittstaat) zurückgebliebenenEhegattenundminderjährigenKindern,unbesehender engenFamilienbande,füreineGewährungdesFamilienasylsnamentlich erforderlich,dasssiemitdeminderSchweizanerkanntenFlüchtlingim MomentderFluchtineinemgemeinsamenHaushaltzusammengelebthaben, eineWiederherstellungdieserGemeinschaftgleichzeitigunentbehrlich istundinderSchweizauchtatsächlichangestrebtwird(vgl. zumGanzen EntscheidungenundMitteilungenderSchweizerischenAsylrekurskommission [EMARK]2000Nr. 11,E.3aundb,S.88f.). WiedieVorinstanzinihremEntscheidzuRechtfeststellt,istdenAsylakten desBeschwerdeführersankeinerStellezuentnehmen,dassermitseiner späterenEhefraubereitsimZeitpunktvorseinerFluchtausTunesieneine eheähnlicheGemeinschaft,welchegemässPraxisderARKgenügenwürde (vgl. EMARK1993Nr. 24,E.7und8,S.162ff. = VPB58.28),gebildethat. Inder Beschwerdeschriftwirddazuausgeführt,derBeschwerdeführerhabeeine mehrjährigeBeziehungzuseinerspäterenEhefraugepflegt,dochhättensie diese-auchgegenüberihrenFamilien-völliggeheimgehalten. AneineHeirat unddieGründungeinerFamilieseiangesichtsseinerVerfolgungssituation nichtzudenkengewesen,underhabeerstnachseinerAnkunftinder Schweizdamitbeginnenkönnen,dieHeiratmitseinerheimlichenVerlobten vorzubereiten. DasErforderniseinervorbestandenenLebensgemeinschaft,welchedurch dieFluchtgetrenntwordenist,istmithinanerkannterweisenichterfüllt. InderBeschwerdewirdsinngemässgeltendgemacht,einefaktische VerhinderungderAufnahmederehelichenGemeinschaftseistossend unddieGesetzesbestimmungvonArt. 51Abs. 4AsylGstellefürdiejenigen 3Flüchtlinge,deneneineAufnahmederEhegemeinschaftimHeimatland verunmöglichtwar,eineschmerzhafteUngerechtigkeitdar. Obvonden heutigenEhegatteninderTatschonzurZeit,alsderBeschwerdeführer nochinTunesiengeweilthat,dieEheschliessungbeabsichtigtwar,aberzur VermeidungweitererGefährdungnichtrealisiertwordenist,kannheute nichtmehrabgeklärtwerden. Dochselbstwenndemsowäre,könntensich dieschweizerischenAsylbehörden-auchwennsiedasStossendeander Situationdurchauserkennen-nichtüberdenklarenWortlautdesGesetzes, welchesvonEhegattenspricht,diedurchdieFluchtgetrenntwordensind, unddiePraxis,diezummindesteneinevonKonkubinatspartnerngebildete Lebensgemeinschaftvoraussetzt,hinwegsetzen. In casu sindsomitnichtdieAsyl‑,sonderndieMigrationsbehördenzuständig, denFamiliennachzugundallfälligeRechtsansprücheausArt. 8der Konventionvom4. November1950zumSchutzederMenschenrechteund Grundfreiheiten(EMRK,SR0.101)zuprüfen. DadieAufenthaltsbewilligung desBeschwerdeführersaufeinemgefestigtenRechtsanspruchberuht (Flüchtlingseigenschaft),stehtihmderRechtswegbiszumSchweizerischen Bundesgerichtoffen. DasBundesamthatsomitdieEinreisederEhefraudesBeschwerdeführers undihrenEinbezuginsFamilienasylzuRechtunterVerweisaufArt. 51Abs. 4 AsylGverweigert. DamitbrauchtdieVorfrageüberdieGültigkeitderEhenicht beantwortetzuwerden. 4Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 70.70 - Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 24. Mai 2005 i.S. A.A.G., Tunesien, auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 8 In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2006 Année Anno Band 70 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 007 409 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.