Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. November 2020 (720 20 216 / 294) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Zusprache einer befristeten Rente: Nach der Rechtsprechung ist die Revisionsbestim- mung von Art. 17 Abs. 1 ATSG analog anwendbar, wenn bereits vor Erlass der Renten- verfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung eintritt Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D r. Marco Biaggi, Advo- kat, Advokatur Biaggi, St. Jakobs-Strasse 11, 4002 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1965 geborene, damals als selbständiger Metallb auschlosser tätige A.____ stürzte am 9. Dezember 2003 bei der Arbeit von einer Leiter u nd verletzte sich dabei an der linken Schulter, am linken Unterarm und am linken Knie. Am 3 1. Juli 2004 erlitt A.____ einen weiteren Unfall, als anlässlich der Bundesfeier in X.____ unmittelbar hinter ihm ein Knallkörper explodier- te. Das Knalltrauma löste bei A.____ einen sehr schweren , dekompensierten Tinnitus aus. Am Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Dezember 2005 meldete sich A.____ unter Hinweis au f die Folgen dieser beiden Unfälle bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach jahrelan- gen Abklärungen (unter Beizug der Akten des Unfallversiche rers) ermittelte die IV-Stelle Basel- Landschaft beim Versicherten folgende Invaliditätsgrade: Ab 9. Dezember 2004 (Ablauf des Wartejahres): 100 %, ab 1. Mai 2005: 11 %, ab 8. Nov ember 2006: 72 %, ab 15. Dezember 2010: 100 % und ab 1. Dezember 2011: 72 %. Gestützt auf diese Ergebnisse sprach sie A.____ nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügun g vom 5. Mai 2020 für den Zeitraum vom 1. Dezember 2004 bis 31. Juli 2005 und - erneut - mit Wirkung ab 1. Februar 2007 eine ganze Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Dr. Marco Biaggi, am 2. Juni 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Darin beantragte er, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV- Stelle zu verurteilen, ihm eine ganze Invalidenrente auch für die Zeit vom 1. August 2005 bis und mit 31. Januar 2007 zu gewähren. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zur Neubeur- teilung zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 19. August 2020 beantrag te die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Das Kantonsgericht zog im Hinblick auf die Beurteilun g der Angelegenheit die Akten des Unfallversicherers (betreffend die Unfälle vom 9. Dezember 2003 und 31. Juli 2004) bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde des Versicherten vom 2. Juni 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti- ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach de m Grad der Invalidität wie folgt ab- gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das si e erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervar ianten des Schätzungs- oder Prozent- vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 3.1 Wie eingangs ausgeführt, sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 5. Mai 2020 rückwirkend für den Zeitraum vom 1. Dezember 2004 bis 31. Juli 2005 und ab 1. Februar 2007 eine ganze Rente zu. Streitig und zu prüfen ist vorliegend einzig, ob sie einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers im dazwischenliegende n Zeitraum vom 1. August 2005 bis 31. Januar 2007 zu Recht verneinte. 3.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezüge rin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entspre- chend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede (wesentliche) Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Ren- te, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 144 I 103 E. 2.1). Ein Revisionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person. Dazu gehört nam entlich der Gesundheitszustand (Urteil Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Bundesgerichts vom 13. Oktober 2017, 8C_170/2017, E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist die Revisionsbestimmung von Ar t. 17 Abs. 1 ATSG analog an- wendbar, wenn bereits vor Erlass der Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Ände- rung eintritt. Sie ist mit anderen Worten zu beachte n, wenn die IV-Stelle der versicherten Per- son rückwirkend eine abgestufte oder befristete Rente zuspricht (Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2013, 8C_852/2012, E. 2.3). 3.3 Zu prüfen ist im Folgenden somit, ob sich der Gesund heitszustand und damit einher- gehend die Arbeitsfähigkeit des Versicherten - jeweil s in rentenrelevantem Ausmass - ab Ende April 2005 erheblich verbesserten und später ab November 2006 wieder verschlechterten. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei- teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsv erfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5. Was den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit d es Versicherten im vorliegend strittigen Zeitraum betrifft, lässt sich den medizinischen Akten Folgendes entnehmen: 5.1 Laut dem Gutachten der Academy of Swiss Insurance M edicine (asim) vom 31. De- zember 2016 war der Versicherte aus rheumatologischer Si cht wegen der Folgen der Kniever- letzungen, die er sich anlässlich des ersten Unfallereign isses vom 9. Dezember 2003 zugezo- gen hatte, bis Ende April 2005 vollständig arbeitsunfä hig. Danach könne für die Dauer von sechs Wochen von einer 50 %-igen und anschliessend von ei ner vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit ausgegang en werden (vgl. S. 13 des rheumatoplo- gischen asim-Teilgutachtens). 5.2 Zu beachten ist nun allerdings, dass der Versichert e am 31. Juli 2004 - also noch wäh- rend der wegen der Knieverletzungen bestehenden Arbeitsunfähigkeit - bei einem weiteren Un- fall ein Knalltrauma erlitt, das bei ihm einen sehr schweren, dekompensierten Tinnitus auslöste (vgl. den Bericht von PD Dr. med. B.____, Oberärztin de r Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Spitals C.____, vom 17. Dezember 2004). Die damals involvierte n HNO-Fachärztinnen und -ärzte äus- serten sich nicht zur Frage, ob und in welchem Ausmass sich dieses Knalltrauma bzw. der dadurch ausgelöste Tinnitus auf die Arbeitsfähigkeit de s Versicherten auswirkte. Einzig PD Dr. B.____ hielt in ihrem Bericht vom 22. April 2005 diesbezüglich fest, sie halte eine Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz für sehr wahrscheinlich, wobei dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen würde. 5.3 Im Bericht der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Spitals C.____ vom 8. September 2006 wurde erstmals der Verdacht auf eine Depression geäusser t. In der Folge diagnostizierte Dr. med. D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei m Versicherten am 8. November 2006 aus fachärztlicher Sicht eine "mittelgradige depressive Episode mit traumatisch schwerem Tinnitus". Zur Frage der Arbeitsfähigkeit nahm der b ehandelnde Psychiater im genannten Be- richt (noch) keine Stellung. 5.4 Im Gutachten des Spitals E.____, Klinik für Ohre n-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirur- gie, vom 27. Mai 2010 wurde festgehalten, dass betreff end Tinnitus vor dem Unfall keine dies- bezügliche Symptomatik bekannt gewesen sei. Nach dem Er eignis sei die Wahrnehmung des Tinnitus anfänglich weniger stark störend gewesen, sodas s die Arbeitsfähigkeit anfänglich er- halten geblieben sei. Erst im Verlaufe der Zeit sei es subjektiv zu einer deutlich stärkeren Belas- tung durch den Tinnitus und dem zusätzlichen Auftreten einer Hyperakusis gekommen. Diese sei im Verlaufe so belastend geworden, dass eine vollständ ige Arbeitsunfähigkeit resultiert ha- be. Im Vordergrund stehe aktuell sicher die psychische Problematik, da der Versicherte es nicht geschafft habe, den Tinnitus zu verarbeiten (vgl. S. 7 des Gutachtens). 5.5 Laut Beurteilung der asim-Fachärzte im polydiszipl inären Gutachten vom 31. Dezem- ber 2016 ist die Arbeitsfähigkeit des Versicherten seit dem 8. November 2006, dem Zeitpunkt, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in welchem Dr. D.____ bei seinem Patienten eine depr essive Erkrankung diagnostiziert hat, hauptsächlich durch die psychiatrische Symptomatik eingeschrän kt. Seither sei von einer Rest- arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 30 - 40 % auszugehen, einzig im Zeitraum vom 15. Dezember 2010 (Beginn der Hospitalisierung in der Klinik F.____) bis Ende 2011 habe vorübergehend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden (asim-Gutachten, Ziff. 6.7). 6.1 Die IV-Stelle gelangte in der angefochtenen Ver fügung in Würdigung der medizini- schen Aktenlage zur Auffassung, dass beim Versicherten ab E nde April 2005 keine Gesund- heitsschädigung mehr vorlag, die sich in relevantem Ausma ss auf seine Arbeitsfähigkeit aus- gewirkt hätte. Somit sei unter revisionsrechtlichen Aspek ten ab dem genannten Zeitpunkt von einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustands mit neu einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer leidensadaptierten Tätigkeit auszugehe n. Die Situation habe sich in der Folge erst ab 8. November 2006 wieder verändert, indem mit der dannzumal neu diagnostizierten mit- telgradigen depressiven Störung wieder eine Gesundheit sschädigung vorgelegen habe, die eine dauernde und erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten begründet habe. Ab diesem Zeitpunkt sei noch von einer Restarbeit sfähigkeit des Versicherten in einer angepassten Tätigkeit von 35 % (dem Mittelwert der von den asim-Gutachtern attestierten Restarbeitsfähigkeit "von 30 - 40 %") auszugehen. Dieses Ergebnis der vorinstanzlichen Be- weiswürdigung ist, wie im Folgenden zu zeigen ist, nicht zu beanstanden. 6.2.1 Was die Auswirkungen der im Dezember 2003 erlit tenen Knieverletzungen auf die Ar- beitsfähigkeit betrifft, lassen sich weder den medizinisch en Akten noch den Vorbringen des Be- schwerdeführers Hinweise entnehmen, die Anlass geben w ürden, die Richtigkeit der entspre- chenden, oben wiedergegebenen Beurteilung der asim-Gutachter (vgl. E. 5.1 hiervor) in Zweifel zu ziehen. Somit kann als erstellt gelten, dass es beim Ve rsicherten ab Ende April 2005 hin- sichtlich der im Dezember 2003 erlittenen Knieverletzung en zu einer erheblichen und anhalten- den Verbesserung des Gesundheitszustands und - damit ein hergehend - der Arbeitsfähigkeit gekommen war. 6.2.2 In Bezug auf die Frage, wie sich der durch das K nalltrauma vom 31. Juli 2004 ausge- löste Tinnitus im strittigen Zeitraum auf die Arbeitsfä higkeit des Versicherten auswirkte, lässt sich den damaligen Akten einzig der Hinweis von PD Dr. B. ____ im Bericht vom 22. April 2005 entnehmen, wonach sie eine Rückkehr an den bisherigen - stark lärmbelasteten -Arbeitsplatz für sehr wahrscheinlich halte, wobei dies noch einige Zei t in Anspruch nehmen würde. Darüber hinaus lassen sich den echtzeitlichen medizinischen Akten f ür den hier interessierenden Zeit- raum keine konkreten Aussagen zu einer allfälligen Beein trächtigung der Arbeitsfähigkeit aus HNO-spezifischer Sicht entnehmen. Insbesondere finden sich keine fachärztlichen Angaben zu der im vorliegenden Zusammenhang massgebenden Frage de r Arbeitsfähigkeit in einer (lei- densadaptierten) Verweistätigkeit. Es ist deshalb - mang els echtzeitlicher anderslautender fachärztlicher Einschätzungen - nicht zu beanstanden, wenn die IV-Stelle davon ausging, dass der Versicherte durch den Tinnitus im fraglichen Zeitra um in der Ausübung einer leidensadap- tierten Tätigkeit nicht eingeschränkt war. Diese Auffassung wird im Übrigen ein Stück weit auch durch die - spätere - Aussage im Gutachten des Spitals E.____, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie, vom 27. Mai 2010 bestätigt, wonach die Wahrnehmung des Tinnitus Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach dem Knalltrauma vom 31. Juli 2004 anfänglich weniger stark störend gewesen sei, sodass die Arbeitsfähigkeit anfänglich erhalten geblieben sei. 6.2.3 Von der IV-Stelle wird schliesslich zu Recht nicht i n Frage gestellt, dass der Beschwer- deführer im weiteren Verlauf an einem psychischen Leid en erkrankte, das (wieder) zu einer dauernden und erheblichen Beeinträchtigung seiner Ar beitsfähigkeit führte. Da die betreffende Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung mit traumatisch schwerem Tinnitus erstmals am 8. November 2006 fachärztlich vom behandelnden Psyc hiater Dr. D.____ erhoben worden war, ging die IV-Stelle zu Recht ab diesem Datum von einer unter revisionsrechtlichen Ge- sichtspunkten relevanten Verschlechterung des Gesundheitszu stands mit neu einer Restar- beitsfähigkeit des Versicherten von 35 % aus. 6.3 Die Vorbringen des Versicherten vermögen die Richti gkeit der vorinstanzlichen Be- weiswürdigung nicht in Frage zu stellen. Der Beschwerde führer rügt im Wesentlichen, dass die Rentenaufhebung ab 1. August 2005 unzulässig sei, da im fraglichen Zeitraum kein Revisions- grund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG vorgelegen habe . Insbesondere sei damals keine we- sentliche Veränderung des psychischen Gesundheitszustands ein getreten. Letzterer Einwand trifft zwar zu, der Beschwerdeführer übersieht jedoch, d ass es hinsichtlich der Auswirkungen der im Dezember 2003 erlittenen Knieverletzungen ab Ende April 2005 zu einer erheblichen und anhaltenden Verbesserung seines Gesundheitszustands und - damit einhergehend - der Arbeitsfähigkeit gekommen war. Diese Entwicklung stellt zweifellos einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Im Weiteren weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass er während der strittigen Periode die vollen Taggeldza hlungen des Unfallversicherers erhalten habe. Dies zeige, dass die IV-Stelle zu Unrecht von eine r vollen Arbeitsfähigkeit im fraglichen Zeitraum ausgehe. Mit diesem Einwand kann der Versicherte vorliegend nichts zu seinen Guns- ten ableiten. Wie die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung zutreffend geltend macht, ist die Frage der Arbeitsfähigkeit gestützt auf die (versicherun gs-) medizinischen Einschätzungen der involvierten Fachärztinnen und -ärzte zu beurteilen. All ein mit dem Hinweis, dass ein anderer Versicherer Taggeldzahlungen geleistet hat, können die se fachärztlichen Feststellungen nicht widerlegt werden. 7.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist de r Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim men. In der angefochtenen Ver- fügung vom 5. Mai 2020 nahm die IV-Stelle die erford erlichen Einkommensvergleiche vor. Da- bei setzte sie sowohl das Validen- als auch das Invaliden einkommen zu Recht jeweils unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruktur erhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik fest (vgl. dazu BGE 126 V 75 E. 3b/bb m it Hinweisen und 124 V 321 E. 3b/aa). Auf diese Weise errechnete die IV-Stelle - auf der Basis der gutachterlich attestierten Arbeitsfähig- keitsgrade - ab 9. Dezember 2004 (Ablauf des Wartejahr es) bei einer vollständigen Arbeitsun- fähigkeit einen Invaliditätsgrad von 100 %, ab 1. Mai 2005 bei einer vollständigen Arbeitsfähig- keit in einer angepassten Tätigkeit einen Invaliditätsgr ad von 11 % und ab 8. November 2006 bei einer Arbeitsfähigkeit von 35 % in einer angepasst en Tätigkeit einen Invaliditätsgrad von 72 %. Die entsprechenden Berechnungen der IV-Stelle sind nicht zu beanstanden, sie wurden denn auch vom Versicherten in seiner Beschwerde nicht in Frage gestellt. Unter diesen Um- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht ständen kann hier von weiteren Erörterungen zu den vori nstanzlichen Einkommensvergleichen abgesehen und stattdessen auf die entsprechenden Ausfüh rungen der IV-Stelle in der ange- fochtenen Verfügung vom 5. Mai 2020 verwiesen werden. 7.2 Zu prüfen bleibt, wie sich die für den vorliegen d strittigen Zeitraum ermittelten Invalidi- tätsgrade von 100 % ab 9. Dezember 2004, von 11 % ab 1. Mai 2005 und von 72 % ab 8. No- vember 2006 auf die Höhe sowie den Beginn und die Da uer des Rentenanspruchs des Be- schwerdeführers auswirken. Bei einem Invaliditätsgrad von 100 % hat der Versicherte mit Ab- lauf des Wartejahres ab 1. Dezember 2004 Anspruch auf e ine ganze Rente. Nach Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung ( IVV) vom 17. Januar 1961 ist eine Ver- besserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung ode r Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen wer den kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu b erücksichtigen, nachdem sie ohne wesentli- che Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraus sichtlich weiterhin andauern wird. Nach dem Gesagten liegt beim Versicherten ab 1. Mai 20 05 lediglich noch ein Invaliditätsgrad von 11 % vor. In Berücksichtigung der genannten Bestimmun g besteht der Anspruch auf die ganze Rente noch während dreier Monate seit der einget retenen Verbesserung der Erwerbsfä- higkeit, also noch bis zum 31. Juli 2005. Für den Zeitraum danach besteht kein Rentenanspruch mehr, da der Invaliditätsgrad noch 11 % beträgt und somit unter dem für einen Rentenanspruch mindestens erforderlichen Wert von 40 % liegt. Ab 8. November 2006 beläuft sich der Invalidi- tätsgrad des Versicherten neu auf 72 %, was ihm (wieder) einen Anspruch auf eine ganze Ren- te verschafft. Gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV ist eine Verschl echterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Satz 1). Art. 29 bis IVV ist sinngemäss anwendbar (Satz 2). Vorliegend dauer te die Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit im Februar 2007 mindestens drei Mona te an, womit dem Beschwerdeführer die ganze Rente ab 1. Februar 2007 auszurichten ist. So weit dieser geltend macht, es liege ein Wiederaufleben der Invalidität vor, weshalb ihm die Re nte sofort ab November 2006 und nicht erst drei Monate später wieder gewährt werden müsse, ka nn ihm nicht gefolgt werden. Die von ihm angerufene Bestimmung von Art. 29 bis IVV regelt den Fall, in welchem der Invaliditätsgrad nach Aufhebung der Rente wegen einer auf dasselbe Le iden zurückzuführenden Arbeitsunfä- higkeit erneut ein rentenbegründendes Ausmass erreicht. Dies ist hier nicht der Fall, denn dem Versicherten wurde die ganze Rente aufgrund unterschie dlicher Leiden zugesprochen. Wäh- rend er bis Ende April 2005 wegen der Folgen der Kni everletzungen, die er sich anlässlich des Unfalls vom 9. Dezember 2003 zugezogen hatte, arbeitsunfähig war, ist die Arbeitsfähigkeit seit dem 8. November 2006 nunmehr hauptsächlich durch die p sychiatrische Symptomatik einge- schränkt. 8. Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die IV-Stelle dem Versicherten zu Recht für den Zeitraum vom 1. Dezember 2004 bis 31. Juli 2005 und ab 1. Februar 2007 eine ganze Rente zusprach und gleichzeitig einen Rente nanspruch im dazwischenliegenden Zeitraum vom 1. August 2005 bis 31. Januar 2007 vernein te. Die gegen die betreffende Verfü- gung vom 5. Mai 2020 erhobene Beschwerde erweist sich al s unbegründet, weshalb sie abge- wiesen werden muss. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um d ie Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgel egt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 9.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat der Beschwerdeführ er keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- we rden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht