<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2002.00113</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=106684&amp;W10_KEY=13013576&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2002.00113</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 12.06.2002</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung aufgrund von psychiatrisch begründeter Abhängigkeit von den niedergelassenen Geschwistern. Übersicht über die Praxis zum Schutzbereich des Familienlebens ausserhalb der Kernfamilie (E.2b/aa). Wegen ihrer schweren psychiatrischen Leiden kann die Beschwerdeführerin nicht für sich sorgen; sie ist auf die psychische und praktische Unterstützung der (niedergelassenen) Geschwister angewiesen. Deshalb ist ein Abhängigkeitsverhältnis und ein Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung aus Art. 8 EMRK zu bejahen (E. 2b/cc-dd). Interessenabwägung: Überwiegen des privaten Interesses an der Bewahrung des sozialen Umfelds in der Schweiz (E.3c) selbst bei allfälliger - nicht belegter - Fürsorgeabhängigkeit (E.3d). Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ABHÃNGIGKEITSVERHÃLTNIS">ABHÃNGIGKEITSVERHÃLTNIS</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: ANWESENHEITSRECHT">ANWESENHEITSRECHT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: AuslÃ¤nderrecht ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FAMILIENLEBEN">FAMILIENLEBEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: FÃRSORGEABHÃNGIGKEIT">FÃRSORGEABHÃNGIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESCHWISTER">GESCHWISTER</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KERNFAMILIE">KERNFAMILIE</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PRIVATLEBEN">PRIVATLEBEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: PSYCHISCHE ERKRANKUNG">PSYCHISCHE ERKRANKUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: Urteile: Staats- und Verfassungsrecht UR: Garantien der EMRK ST: ÃBRIGE GARANTIEN DER EMRK">ÃBRIGE GARANTIEN DER EMRK</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERWANDTE">VERWANDTE</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="gerade">Art. 10 lit. Id ANAG</span><br/><span class="ungerade">Art. 11 lit. III ANAG</span><br/><span class="gerade">Art. 13 lit. I BV</span><br/><span class="ungerade">Art. 14 BV</span><br/><span class="gerade">Art. 8 EMRK</span><br/><span class="ungerade">Art. 12 EMRK</span><br/><span class="gerade">Art. 100 lit. Ib OG</span><br/><span class="ungerade">§ 43 lit. II VRG</span><br/><span class="gerade">§ 43 lit. Ih VRG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">RB 2002 Nr. 31 S. 93</span><br/> </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="Section1"> <p class="Einzug1"><span>I. A, geboren am 21. Januar 1969, StaatsangehÃ¶rige von X, heiratete am 13. Februar 1993 B, welcher die Niederlassungsbewilligung fÃ¼r den Kanton ZÃ¼rich besitzt. Zwei Tage spÃ¤ter reiste sie in die Schweiz ein. Am 23. April 1993 erhielt sie eine Aufenthaltsbewil­li­gung zum Verbleib beim Ehemann. Mit VerfÃ¼gung vom 10. Oktober 1994 wies die Frem­denpolizei des Kan­tons ZÃ¼rich ein Gesuch um VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung ab, weil die Eheleute nicht mehr zusammenwohnten. Mit VerfÃ¼gung vom 22. Februar 1995 wurde A wiedererwÃ¤gungsweise dennoch eine befristete Aufenthaltsbewilligung zum Ver­bleib beim Ehemann erteilt, weil die Eheleute nach DurchfÃ¼hrung eines Ehe­schutzverfah­rens mittlerweile wieder zusammenlebten. Am 3. bzw. 19. April 1995 wurde dem Gesuch von A zum Stellenantritt als Buffettochter ent­sprochen. Seit dem 5. Juli 1997 leben die Ehe­leute unbestrittenermassen ge­trennt voneinander. Dennoch wurde A bis zum 15. MÃ¤rz 2000 immer wieder die Aufenthaltsbewilligung zur Stellensuche bzw. zuletzt zufolge auf­ge­tretener psychiatrischer Erkrankung zum Abwarten eines IV-Rentenentscheids ver­lÃ¤ngert. Die IV-Stelle des Kantons ZÃ¼rich sprach ihr mit VerfÃ¼gung vom 8. Dezember 1999 wegen eines InvaliditÃ¤tsgrades von 100 % eine volle Rente von monatlich Fr. 627.- bzw. 633.- mit Wir­kung ab 1. Januar 1998 bzw. 1. Januar 1999 zu. Mit VerfÃ¼gung vom 12. Dezem­ber 2000 wies die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit des Kantons ZÃ¼rich das Gesuch von A um Ver­­lÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung â unter Ansetzung einer Frist bis 28. Februar 2001 zum Verlassen des zÃ¼rcherischen Kantonsgebiets â mit der BegrÃ¼ndung ab, sie habe seit der Aufgabe der ehelichen Wohngemeinschaft nie eine be­willigte Arbeitsstelle angetreten. Mit der Aufnahme einer ErwerbstÃ¤tigkeit kÃ¶nne nicht ge­rechnet werden, und sie habe vom Ar­beits­amt und von der Ã¶ffentlichen FÃ¼rsorge unter­stÃ¼tzt werden mÃ¼ssen. Die Zulassung fÃ¼r einen erwerbslosen Aufenthalt falle ausser Be­tracht, und ausserdem mÃ¼sse die Ã¤rztliche Be­handlung nicht zwingend im Kanton ZÃ¼rich durchgefÃ¼hrt werden.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>II. Der gegen die VerfÃ¼gung vom 12. Dezember 2000 von A er­hobene Rekurs wurde vom Regierungsrat des Kantons ZÃ¼rich mit Beschluss vom 27. Feb­ruar 2002 abge­wiesen und die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit beauftragt, eine neue Frist zum Ver­lassen des Kantons ZÃ¼rich anzusetzen. Der Regierungsrat erwog, dass A weder gestÃ¼tzt auf einen Staatsvertrag zwischen der Schweiz und X noch gestÃ¼tzt auf Art. 17 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetzes Ã¼ber Aufenthalt und Niederlassung der AuslÃ¤nder vom 26. MÃ¤rz 1931 (ANAG) Anspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung habe. Auch kÃ¶nne sie sich nicht auf Art. 8 Abs. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention, welche das Fa­mi­lienleben schÃ¼tze, berufen, weil sie nicht im Sinn der bundesgerichtlichen Recht­spre­chung in einem AbhÃ¤n­gig­keitsverhÃ¤ltnis zu ihren in der Schweiz lebenden Geschwistern stehe, weshalb vorlie­gend der Entscheid im freien Ermessen gemÃ¤ss Art. 4 ANAG zu tref­fen sei. Der Regie­rungsrat kam zum Schluss, dass die Erstinstanz die VerlÃ¤ngerung der Auf­enthaltsbewil­ligung zu Recht verweigert habe. Er versah den Rekursentscheid mit keiner Rechtsmittel­belehrung.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>III. Trotz fehlender Rechtsmittelbelehrung gelangte A mit Be­schwerde vom 8. April 2002 an das Verwaltungsgericht. Sie liess ausfÃ¼hren, es stehe ihr gestÃ¼tzt sowohl auf Art. 8 EMRK als auch auf die Art. 8, 10, 13 und 14 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) ein Rechtsanspruch auf die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung zu. Mit PrÃ¤sidial­er­lass vom 10. April 2002 wurde dem Gesuch der BeschwerdefÃ¼hrerin, wonach ihr wÃ¤hrend des Beschwerdeverfahrens der Aufenthalt im Kanton ZÃ¼rich zu gestatten sei, dahingehend entsprochen, als verfÃ¼gt wurde, vorÃ¼ber­gehend sei von Entfernungsmassnahmen abzusehen. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Am 10. Mai 2002 ging die Vernehmlassung der Staatskanzlei des Kantons ZÃ¼rich ein mit dem Antrag, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten. Die Direktion fÃ¼r Soziales und Sicherheit verzichtete stillschweigend auf eine Beschwerdeantwort.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Die Kammer zieht in ErwÃ¤gung:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>1. § 43 Abs. 1 lit. h in Verbindung mit Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) gestattet die Beschwerde an das Verwaltungsgericht auf dem Ge­biet der Fremdenpolizei, soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundes­ge­richt offen steht. Das trifft zu fÃ¼r Entscheide Ã¼ber Aufenthalts- und Niederlassungsbewilli­gungen, auf deren Erteilung der oder die auslÃ¤ndische StaatsangehÃ¶rige einen bundes- oder vÃ¶lkerrechtlichen Anspruch hat (Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 des Bundesrechtspflege­ge­set­zes vom 16. Dezember 1943; BGE 126 II 425 E. 1). Die BeschwerdefÃ¼hrerin leitet ihren Aufenhaltsanspruch aus Art. 8 Abs. 1 (und implizit Art. 12) EMRK sowie den gleich­be­deu­tenden Art. 13 Abs. 1 respektive Art. 14 BV ab. Zudem macht sie die Verletzung des Diskriminierungsverbots gemÃ¤ss Art. 8 Abs. 2 BV geltend und beruft sich auf das Recht auf Leben sowie auf das Recht auf kÃ¶rperliche und geistige Unversehrtheit im Sinn von Art. 10 Abs. 1 und 2 BV. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>2. a) Die BeschwerdefÃ¼hrerin macht geltend, der Grund fÃ¼r die gegenwÃ¤rtige Tren­nung von ihrem Ehemann sei insbesondere in ihrer psychischen Erkrankung zu suchen, wes­­halb der Trennung vor allem eheschutzrechtlicher Charakter zukomme. Weiter fÃ¼hrt sie aus: "Wenn der Regierungsrat eine Wiedervereinigung einfach so ohne nÃ¤here BegrÃ¼ndung ausschliesst und darauf gestÃ¼tzt diese mit ehefremden, nÃ¤mlich fremdenpolizeilichen, Mit­teln verunmÃ¶glicht, ist dies als unzulÃ¤ssiger staatlicher Eingriff in die Ehe zu qualifizieren".</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Art. 8 EMRK schÃ¼tzt in der Regel nur eine gelebte Beziehung, welche Voraus­set­zung hier gerade nicht erfÃ¼llt ist (Mark E. Villiger, Handbuch der EuropÃ¤ischen Men­schen­rechtskonvention, 2. A., ZÃ¼rich 1999, N. 571; BGE 122 II 289 E. 1b): Es war nicht die NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, welche die Eheleute A-B an der Wie­dervereinigung hinderte. Sollte es nach der Trennung der Eheleute zu einer Wiederver­eini­gung kommen, so kÃ¶nnten die neuen VerhÃ¤ltnisse dannzumal im Zusammenhang mit der Er­tei­lung einer Aufenthaltsbewilligung entsprechend berÃ¼cksichtigt werden. Vorlie­gend ist aber auf die konkreten VerhÃ¤ltnisse abzustellen, nÃ¤mlich die Tatsache, dass das Ehepaar A-B seit nunmehr fÃ¼nf Jahren getrennt lebt und derzeit keine Anzeichen fÃ¼r eine Wieder­vereinigung bestehen. Somit sind durch den vorinstanzlichen Entscheid â was die eheliche Gemein­schaft angeht â weder Art. 8 (und 12) EMRK noch Art. 13 und 14 BV verletzt. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Weiter behauptet die BeschwerdefÃ¼hrerin unter Hinweis auf Art. 8 EMRK, wel­che Bestimmung das Recht auf Achtung des Familienlebens garantiert, die Wegwei­sung wÃ¼rde zur Trennung von ihren hier lebenden Geschwistern fÃ¼hren, von denen sie emotional und wirtschaftlich stark abhÃ¤ngig sei.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1">aa) GrundsÃ¤tzlich beschrÃ¤nkt sich der Schutzbereich von Art. 8 EMRK nicht auf die Kernfamilie, worunter die Beziehungen zwischen Eltern und ihren minderjÃ¤hrigen Kindern sowie unter Ehegatten fallen. Er erfasst vielmehr die Beziehung zwischen allen nahen Ver­wandten, die in der Familie eine wesentliche Rolle spielen kÃ¶nnen. Als solchermassen er­weitertes Familienleben haben die Organe der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention das VerhÃ¤ltnis zwischen Grosseltern sowie Enkeln und Enkelinnen, zwischen Onkeln und Tanten sowie Nichten und Neffen und insbesondere auch zwischen Geschwistern aner­kannt. Das heisst aber nicht, dass in diesen FÃ¤llen immer ein Anspruch auf fremdenpolizei­liche Bewilligungen fÃ¼r die jeweiligen AngehÃ¶rigen besteht. Beziehungen zu Personen, die nicht der eigentlichen Kernfamilie zuzurechnen sind, werden nach der Rechtsprechung der EMRK-Organe und nach der Literatur regelmÃ¤ssig nur dann vom Schutzbereich der Garan­tie des Familienlebens erfasst, wenn ein qualifiziertes, effektives Familienleben vorliegt, was etwa bei einem gemeinsamen Haushalt, einer finanziellen oder psychischen AbhÃ¤ngig­keit oder anderen, besonders engen, echten und tatsÃ¤chlich gelebten familiÃ¤ren Banden zu­treffen kann (Martina Caroni, Privat- und Familienleben zwischen Menschenrecht und Mi­gration, Berlin 1999, S. 25, 34 f.; Jochen Frowein/Wolfgang Peukert, EuropÃ¤ische Men­schen­­rechtskonvention, 2. A., Kehl u.a. 1996, Art. 8 Rdnr. 16; Philip Grant, La protection de la vie familiale et de la vie privÃ©e en droit des Ã©trangers, Basel u.a. 2000, S. 278; Arthur Haefliger/Frank SchÃ¼rmann, Die EuropÃ¤ische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2. A., Bern 1999, S. 260; Luzius Wildhaber, in: Internationaler Kommentar zur EuropÃ¤­i­schen Menschenrechtskonvention, KÃ¶ln u.a. 1992, Art. 8 Rz. 389, 440). Nach der Recht­sprechung der EMRK-Organe fallen im AuslÃ¤nderrecht â von der Kernfamilie abgesehen â familiÃ¤re Beziehungen nur dann unter den Schutz des Familienlebens, wenn sie Ã¼ber die ge­wÃ¶hnlichen emotionalen Bindun­gen hinausgehen und so eng sind, dass sie "zusÃ¤tzliche Elemente einer AbhÃ¤ngigkeit" aufweisen (Wildhaber, Art. 8 Rz. 353; EKMR, 11. Mai 1994, 23810/94, § 2c, http://hudoc.echr.coe.int [vgl. VPB 58/1994 Nr. 118]; 26. Juni 1996, 31042/96, §§ 1 f., http://hudoc.echr.coe.int [vgl. VPB 61/1997 Nr. 121]; 10. Dezember 1984, DR 40, 196, 198). Laut der Praxis des Bundesgerichts bedeutet dies, dass die um die fremdenpolizeiliche Bewilligung nachsuchende von der hier anwesenheitsberechtigten Person abhÃ¤ngig sein muss (BGr, 14. Mai 2002, 2A.29/2002, E. 3.3, http://www.bger.ch; 26. Juni 2001, 2A.105/2001, E. 4b, http://www.bger.ch; so auch VGr, 24. MÃ¤rz 1999, VB.98.00312, E. 1b/bb; vgl. ferner BGE 120 Ib 257 E. ld; BGE 115 Ib 1 E. 2c). AbhÃ¤n­gig­keit im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt vor, wenn die betroffene Person nicht Ã¼ber die erforderliche SelbstÃ¤ndigkeit verfÃ¼gt, fÃ¼r sich selber zu sor­gen (BGr, 25. Ja­nuar 2001, 2P.20/2001, E. 2b, http://www.bger.ch), was namentlich bei besonderer Betreu­ungsbedÃ¼rftigkeit wegen einer kÃ¶rperlichen oder geistigen Behinderung oder einer schwer­wiegenden Krankheit der Fall sein kann (BGr, 21. MÃ¤rz 2001, 2A.126/2001, E. 3c, http://www.bger.ch). </p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">Im Einzelnen hat die auslÃ¤nderrechtliche Rechtsprechung die Beziehung einer ge­hÃ¶rlosen erwachsenen Tochter zu ihren Eltern unter den Schutz des Familienlebens gestellt (BGE 115 Ib 1 E. 2d), die Anwendbarkeit dieser Garantie aber bei blossen finanziellen Schwierigkeiten, Anpassungsschwierigkeiten, Drogenproblemen oder psychischen Prob­le­men nach der Entlassung aus dem Strafvollzug von im Ausland lebenden erwachsenen Kin­dern verneint (BGr, 19. Oktober 1995, 5. Dezember 1995 und 1. Sep­tember 1995, zitiert in: Giorgio Malinverni/Michel Hottelier, La pratique suisse relative aux droits de l'hom­me 1995, SZIER 1996, S. 415 ff., 446 f.; vgl. auch Grant, S. 372 f.). Bei der Auswei­sung von erwachsenen auslÃ¤ndischen StaatsangehÃ¶rigen der zweiten Generation bejaht das Bundesgericht im Hinblick auf die Trennung von Eltern und Geschwistern, dass die Garan­tie des Privat- und des Familienlebens betroffen sei (BGE 122 II 433 E. 3b mit Hin­weisen auf die Rechtsprechung der EMRK-Organe gemÃ¤ss der Lehre); bei einem im Alter von 12 Jahren im Rahmen des Familiennachzugs eingereisten, mehr als neun Jahre in der Schweiz wohnhaften niedergelassenen AuslÃ¤nder verneinte es einen Eingriff in die Garan­tie des Familienlebens und liess offen, ob die Garantie des Privatlebens betroffen sei (BGE 125 II 521 E. 5). Im Fall der Ausweisung eines 40-jÃ¤hrigen drogenabhÃ¤ngigen und depres­siven Mannes, dessen 20-jÃ¤hrige Tochter verheiratet war, um den sich aber seine mit ihm zu­sammenlebende Mutter kÃ¼mmerte, wurde die Frage, ob das Familienleben berÃ¼hrt sei, vom Bundesgericht und von der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskommission offen gelassen (EKMR, 10. September 1997, Karadeniz, 36335/97, http://hudoc.echr.coe.int [vgl. auch VPB 62/1998 Nr. 115]). Im Fall der Ausweisung einer erwachsenen AuslÃ¤nderin, die ihr minderjÃ¤hriges Kind zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer im gleichen Haushalt leben­den Mutter aufzog, verneinte das Bundesgericht das Vorliegen eines anspruchsbegrÃ¼n­den­den Familienlebens zwischen Grossmutter und Mutter und liess die Frage in Bezug auf das VerhÃ¤ltnis zwischen Grossmutter und Enkel offen (BGr, 15. Oktober 2001, 2A.119/2001, E. 5b/aa+cc, http://www.bger.ch; zum Ganzen VGr, 21. November 2001, VB.2001.00246/ 247,­ E. 3a, http://www.vgrzh.ch/rechtsprechung).</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">bb) Der Aufenthaltsanspruch hÃ¤ngt weiter nach stÃ¤ndiger bundesgerichtlicher Recht­sprechung von der Voraussetzung ab, dass die in der Schweiz ansÃ¤ssigen Familien­an­ge­hÃ¶rigen selber Ã¼ber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfÃ¼gen (BGr, 26. Januar 2001, 2A.36/2001, E. 2c/bb, http://www.bger.ch; BGE 126 II 377 E. 2b). Der EuropÃ¤ische Ge­richts­hof fÃ¼r Menschenrechte scheint die ZulÃ¤ssigkeit dieses Erfordernisses anzuer­kennen (Haefliger/SchÃ¼rmann, S. 262 f.; kritisch Peter Mock, Mesures de police des Ã©trangers et respect de la vie privÃ©e et familiale, ZSR 112/1993 I, S. 95 ff., 104 f.; Villiger, N. 578).</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">cc) Die BeschwerdefÃ¼hrerin leidet seit mehreren Jahren unter anderem an einer nicht nÃ¤her bezeichneten PersÃ¶nlichkeitsstÃ¶rung (wahrscheinlich einer emotional instabilen PersÃ¶nlichkeitsstÃ¶rung vom impulsiven Typ; ICD-10 F60.9 oder F60.30), einer rezidivie­ren­den depressiven, mittelgradigen bis schweren StÃ¶rung (ICD-10 F33.1 und F33.2) sowie einer spezifischen Phobie (BenÃ¼tzung Ã¶ffentlicher Verkehrsmittel; ICD-10 F40.2), welche auch stationÃ¤re Behandlungen in der Klinik Rheinau und der Klinik Hard in Embrach erfor­derten. Die Prognose ist selbst unter Behandlung als eher ungÃ¼nstig einzuschÃ¤tzen. GemÃ¤ss neuerem Ã¤rztlichen Bericht vom 11. Januar 2001 aus der Hand von Dr. med. D, FachÃ¤rztin FMH Innere Medizin und spezialisiert auf Psychosomatische und Psychosoziale Medizin APPM, kann mÃ¶glicherweise lediglich eine Stabilisierung des jetzigen Zustandes gelingen, zumin­dest wenn die BeschwerdefÃ¼hrerin nicht zu einer intensiveren Psychotherapie und re­habi­li­ta­tiven Massnahmen gewonnen werden kann. Weiter ist im Arztbericht festge­hal­ten, die Be­schwerdefÃ¼hrerin werde durch ihre in ZÃ¼rich lebenden Geschwister und deren Familien in­tensiv unterstÃ¼tzt und stehe in fast tÃ¤glichem Kontakt zu ihnen. Die Schwester sei ihr eine GesprÃ¤chspartnerin, wenn sie sich verzweifelt fÃ¼hle. Die Schwester lade sie etwa drei Mal wÃ¶chentlich zum Essen bei sich und ihrer Familie ein, unterstÃ¼tze sie im Haushalt, so beim Putzen, bei der WÃ¤sche, beim Kochen und Einkaufen, welche Verrichtungen die Be­schwer­de­fÃ¼hrerin wegen der oft ausgeprÃ¤gten krankheitsbedingten Antriebslosigkeit oder Ãngste alleine nicht durchfÃ¼hre. Der Bruder begleite die BeschwerdefÃ¼hrerin beim Gang auf die Ãmter und lade sie etwa drei Mal wÃ¶chentlich zu sich und seiner Familie zum Essen ein. Dank der verstÃ¤ndnis­vollen UntersÃ¼tzung durch die Geschwister, welche auch bereit seien, die Stimmungs­schwan­kungen mit AggressivitÃ¤t und ImpulsivitÃ¤t der BeschwerdefÃ¼hrerin zu ertragen, kÃ¶nnten immer wieder Krisen aufgefangen werden. Beim Wegfall des bisheri­gen Betreu­ungsnetzes, an welches die Geschwister einen ganz wesentlichen und unverzicht­baren An­teil leisteten, wÃ¼rde sich der Gesundheitszustand der BeschwerdefÃ¼hrerin mit Si­cherheit stark verschlechtern. Sie wÃ¤re nicht in der Lage, fÃ¼r sich selbst zu sorgen, auch nicht in den alltÃ¤glichen Verrichtungen. Die stets vorhandene latente SuizidalitÃ¤t wÃ¼rde mit Sicherheit akzentuiert, und ihr Leben wÃ¤re akut gefÃ¤hrdet. Weiter ist im Ã¤rztlichen Bericht festgehal­ten, im Gegensatz zu einer durch ein kÃ¶rperliches Leiden bedingten InvaliditÃ¤t sei bei einer psy­chia­trischen Invalidisierung das soziale Umfeld zur Aufrechterhaltung des Gesundheits­zu­standes, auch wenn dieser durch die Erkrankung reduziert sei, Ã¤usserst wesentlich und an einem neuen Wohnort, auch falls dort eine medizinische Versorgung mÃ¶glich wÃ¤re, nicht ohne weiters gewÃ¤hrleistet. Zur Vermeidung einer Verschlechterung des Gesundheitszu­stan­des der BeschwerdefÃ¼hrerin wÃ¼rden die bisherigen Betreuungs­massnahmen durch die Ge­schwister fÃ¼r zwingend notwendig erachtet. </p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">Schon im Arztbericht vom 9. Mai 2000 hatte Frau Dr. med. D darauf hin­gewiesen, aktuell wÃ¼rde eine Trennung der BeschwerdefÃ¼hrerin von ihren jetzigen Bezugs­personen und eine Unterbrechung der Ã¤rztlichen Betreuung die latent vorhandene Suizidali­tÃ¤t aufs Ãusserste verschÃ¤rfen. </p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">Auch aus dem Bericht des Psychiatrie-Zentrums Hard vom 7. Juli 2000 ergibt sich, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin in den Besorgungen des tÃ¤glichen Lebens schwer einge­schrÃ¤nkt ist. Sie sei mit EinschrÃ¤nkungen fÃ¤hig, allein zu leben, sich zu ernÃ¤hren und den Haushalt zu besorgen. Aber beispielsweise dringend notwendige Arztbesuche oder Ã¤hn­liche Besorgungen ausserhalb der Wohnung fÃ¼hre sie nicht ohne Begleitung aus.</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">Im Bericht vom 22. November 1999 hatte Frau Dr. med. D zu Handen der Frem­den­polizei festgehalten, sie habe nicht genÃ¼gend Kenntnisse Ã¼ber die medizinische In­fra­struktur in X. Falls bei einer RÃ¼ckschaffung der BeschwerdefÃ¼hrerin die Ã¤rzt­liche Behand­lung, welche auch eine aufwendige medikamentÃ¶se Therapie beinhalte, nicht wei­tergefÃ¼hrt werden kÃ¶nnte, wÃ¤re mit einer GefÃ¤hrdung des Lebens der BeschwerdefÃ¼hre­rin zu rechnen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wÃ¼rde sie erneut psychisch schwer erkran­ken und wÃ¤re nicht in der Lage, fÃ¼r sich zu sorgen. Die bereits latente SuizidalitÃ¤t kÃ¶nne in eine Selbst­tÃ¶tung mÃ¼nden.</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">dd) Einmal abgesehen von der Frage, ob die medizinische Behandlung auch im Heimatland der BeschwerdefÃ¼hrerin mÃ¶glich wÃ¤re â darauf wird noch zurÃ¼ckzukommen sein â, ist aktenkundig, dass sie gerade wegen ihrer Erkrankung in einem Ã¼ber eine ge­wÃ¶hn­­liche emotionale Bindung hinausgehenden AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis zu ihren hier leben­den Geschwistern steht, welche alle Ã¼ber eine Niederlassungsbewilligung fÃ¼r den Kanton ZÃ¼rich und damit Ã¼ber ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfÃ¼gen. Zwar lebt die Beschwerde­fÃ¼h­rerin allein, ist aber seit Jahren sowohl fÃ¼r die alltÃ¤glichen Besorgungen als auch fÃ¼r die Ge­wÃ¤hrung der erforderlichen Ã¤rztlichen Betreuung auf die UnterstÃ¼tzung und Begleitung durch ihre Geschwister angewiesen, wobei sich diese in die Wahrung dieser aufwendigen Aufgabe teilen. Unter diesen UmstÃ¤nden kann nicht davon ausgegangen werden, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin Ã¼ber die erforderliche SelbstÃ¤ndigkeit verfÃ¼gt, um fÃ¼r sich selber zu sorgen zu kÃ¶nnen. Vielmehr ist sie aufgrund ihrer speziell gearteten Behin­de­rung auf die Hilfe ihrer Geschwister angewiesen. Da die Beschwerde­fÃ¼hrerin insbesondere einer medi­zinisch belegten psychischen Betreuung bedarf, welche durch ihre Geschwis­ter zu einem erheblichen Teil erbracht wird, kann auch nicht davon ausgegangen werden, die von ihnen getÃ¤tigte Betreuung kÃ¶nne ohne weiteres durch andere Personen substituiert werden. Vor­liegend ist ausserdem zu berÃ¼cksichtigen, dass in X die Mutter der BeschwerdefÃ¼hrerin mittlerweile verstorben ist. Unter diesen ausserordentlichen UmstÃ¤nden stellt daher die Verweigerung der Aufent­haltsbewilligung gegenÃ¼ber der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Ein­schrÃ¤nkung des von Art. 8 EMRK geschÃ¼tzten Familienlebens dar.</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">Selbst wenn das VerhÃ¤ltnis zwischen der BeschwerdefÃ¼hrerin und ihren Ge­schwis­tern nicht als "Familienleben" im Sinn der Rechtsprechung qualifiziert werden wollte, be­stÃ¼nde zumindest aufgrund der speziell gearteten Betreuungsaufgabe, welche von den Ge­schwistern wahrgenommen wird, eine besonders intensive private Beziehung, wel­che das Ã¼bliche Mass privater Beziehungen Ã¼bersteigt, was unter den gleichermassen von Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV erfassten Schutz des Privatlebens fiele (vgl. BGE 126 II 377 E. 2c/aa mit Hinweisen). Der Umstand, dass die seit anfangs 1993 in der Schweiz lebende BeschwerdefÃ¼hrerin im Ãbrigen nicht allzu sehr integriert ist â insbe­son­dere geht sie kei­ner Arbeit nach â, kann aufgrund der krankheitsbedingten Situation in diesem Zusammen­hang nicht zu stark gewichtet werden.</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1">Zusammenfassend ergibt sich, dass der BeschwerdefÃ¼hrerin gestÃ¼tzt auf Art. 8 EMRK ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zusteht, wodurch das der zustÃ¤ndigen BehÃ¶rde durch Art. 4 ANAG grundsÃ¤tzlich eingerÃ¤umte freie Ermessen einge­schrÃ¤nkt wird (BGE 120 Ib 16 E. 3a). Es ist daher auf die Beschwerde einzutreten.</p> <p class="Einzug1"> </p> <p class="Einzug1"><span>3. a) Art. 8 Abs. 2 EMRK lÃ¤sst in bestimmten FÃ¤llen einen Eingriff in die Aus­Ã¼bung des Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens zu, namentlich wenn es um die Umsetzung einer restriktiven Politik in Bezug auf den Aufenthalt von auslÃ¤ndischen StaatsangehÃ¶rigen geht. Die GewÃ¤hrung oder Verweigerung einer auf Art. 8 EMRK ge­stÃ¼tzten Aufenthaltsbewilligung muss aufgrund einer umfassenden AbwÃ¤gung aller Ã¶ffent­lichen und privaten Interessen erfolgen (BGE 120 Ib 22 E. 4a).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>b) Theoretisch stellt sich zunÃ¤chst die Frage, ob den Geschwistern der Beschwerde­fÃ¼hrerin zugemutet werden kÃ¶nnte, ihr ins Ausland zu folgen, sofern sie keine Bewilligung erhielte (vgl. BGE 115 Ib 1 E. 3b). Ein solches Unterfangen wÃ¤re aber fÃ¼r die hier nieder­ge­lassenen Geschwister und ihre Familien unzumutbar und braucht daher nicht weiter ge­prÃ¼ft zu werden.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>c) Somit ergibt sich, dass es der BeschwerdefÃ¼hrerin durch die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung verwehrt wÃ¤re, weiterhin die ihr von den Geschwistern effektiv entgegengebrachte physische und insbesondere auch psychische UnterstÃ¼tzung zu bean­spruchen. Ebenso wÃ¤re es ihr verunmÃ¶glicht, die hiesige medizinische Betreuung â vor allem die Begleitung durch Frau Dr. med. D â weiterhin in Anspruch zu nehmen. Abge­sehen davon, dass sich die BeschwerdefÃ¼hrerin teilweise weigert, die erforderliche medi­zin­ische Behandlung in genÃ¼gendem Umfang anzunehmen, ist festzuhalten, dass die Medi­zin eine internationale Wissenschaft ist, weshalb davon auszugehen ist, dass die Beschwer­defÃ¼hrerin grundsÃ¤tzlich auch in ihrer Heimat behandelt werden kÃ¶nnte. Sie stand denn auch im Jahr 1989 erstmals in einer ambulanten psychiatrischen Behandlung in Y. Vorlie­gend geht es aber nicht nur um die Frage, ob die medizinische Versorgung im Heimatland mÃ¶glich ist. Vielmehr geht es darum, ob die Beschwerde­fÃ¼h­rerin aufgrund ihrer Krankheit aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden kann, wobei in diesem Zusammenhang primÃ¤r die Beziehung zu ihren hier lebenden Geschwistern und â allerdings nur sekundÃ¤r â auch die hiesige Ã¤rztliche Begleitung zu berÃ¼cksichtigen sind. Aufgrund des dargelegten Sach­verhalts ergibt sich, dass durch den Wegfall dieser Faktoren (Betreuung durch die Ge­schwis­ter, Ã¤rztliche Begleitung) die BeschwerdefÃ¼hrerin hart ge­troffen wÃ¼rde. Dem steht das Ã¶ffentliche Interesse an der Verweigerung der Aufenthalts­bewilligung gegenÃ¼ber, welches in der Einhaltung einer restriktiven Bewilligungspraxis zur Vermeidung der Ãber­fremdung sowie in der Vermeidung der Belastung der Ã¶ffent­lichen Wohlfahrt besteht. Ent­sprechend kann gemÃ¤ss Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG die aus­lÃ¤ndische Person sogar aus der Schweiz oder aus einem Kanton ausgewiesen werden, wenn sie oder eine Person, fÃ¼r die sie zu sorgen hat, der Ã¶ffentlichen WohltÃ¤tigkeit fortgesetzt und in erheblichem Masse zur Last fÃ¤llt. Im Folgenden sind diese Ã¶ffentlichen und privaten Interessen gegeneinander ab­zu­wÃ¤gen. Nur der VollstÃ¤ndigkeit halber sei darauf hingewie­sen, dass bei der vorzuneh­men­den InteressenabwÃ¤gung die Panik der BeschwerdefÃ¼hrerin vor der BenÃ¼tzung von Verkehrsmitteln nicht entscheidrelevant sein kann, zumal sie trotz ihrer Phobie anerkann­ter­massen schon mehrfach in ihre Heimat verreist ist und ihr zugemutet werden kÃ¶nnte, sich vor Antritt der RÃ¼ckreise medikamentÃ¶s zu behandeln.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>d) aa) Das Ã¶ffentliche Interesse an der Vermeidung der Ãberfremdung wird vorlie­gend durch das Interesse der BeschwerdefÃ¼hrerin, hier leben zu dÃ¼rfen, aus den bereits oben 2b dargelegten GrÃ¼nden nicht aufgewogen, ist sie doch aus gesundheitlichen GrÃ¼nden weitgehend auf die UnterstÃ¼tzung ihrer Geschwister sowie die KontinuitÃ¤t der eingespiel­ten Betreuungssituation angewiesen. </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>bb) Die Ausweisung (oder Heimschaffung; vgl. Art. 11 Abs. 3 Satz 3 ANAG) we­gen BedÃ¼rftigkeit setzt voraus, dass der betreffenden Person die RÃ¼ckkehr in ihren Heimat­staat mÃ¶glich und zumutbar ist (Art. 10 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 3 ANAG). </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Vorliegend ist erstellt, dass das Amt fÃ¼r Jugend- und Sozialhilfe der Stadt ZÃ¼rich ab dem 4. Dezember 1997 vollumfÃ¤nglich fÃ¼r den Lebensunterhalt der BeschwerdefÃ¼hrerin aufgekommen ist. GemÃ¤ss Schreiben des Amts fÃ¼r Jugend- und Sozialhilfe vom 19. Januar 2000 beliefen sich die bisherigen Auslagen auf Fr. 40'657.30. Das Amt fÃ¼hrte dazu aus, dieser Betrag werde mit der am 3. August 1999 gesprochenen vollen IV-Rente und noch zu beantragenden Zusatzleistungen voraussichtlich gedeckt werden. Die Vor­instanz hielt in diesem Zusammenhang fest, aufgrund der nur geringen IV-Rente, welche die Lebenshal­tungs­­kosten der BeschwerdefÃ¼hrerin im Kanton ZÃ¼rich kaum deckten, be­stehe ein erheb­li­ches Risiko fÃ¼r eine fortdauernde FÃ¼rsorgeabhÃ¤ngigkeit. Dass die bisheri­gen Aufwen­dun­gen durch die zugesprochene Rente und noch zu beantragende Zusatz­leistungen "voraus­sichtlich" gedeckt wÃ¼rden, wie das Amt fÃ¼r Jugend- und Sozialhilfe mitteile, Ã¤ndere an der Beurteilung nichts.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Ob eine FÃ¼rsorgeabhÃ¤ngigkeit erheblich im Sinn von Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG ist, muss sich aufgrund der VerhÃ¤ltnisse in der Vergangenheit entscheiden. Was die fort­ge­setzte AbhÃ¤ngigkeit von der Ã¶ffentlichen FÃ¼rsorge angeht, kann es nicht allein darauf an­kom­men, ob im Zeitpunkt des Beschwerdeentscheides UnterstÃ¼tzungsleistungen bezo­gen werden, weil sonst eine Ausweisung oder Heimschaffung mit dem vorÃ¼bergehenden Ver­zicht auf FÃ¼rsorgeleistungen immer verhindert werden kÃ¶nnte. In erster Linie geht es bei der Entfernung einer auslÃ¤ndischen Person wegen BedÃ¼rftigkeit wie erwÃ¤hnt darum, eine zusÃ¤tzliche und damit kÃ¼nftige Belastung der Ã¶ffentlichen Wohlfahrt zu vermeiden. Ob dies der Fall sein wird, lÃ¤sst sich kaum je mit Sicherheit feststellen. Es muss daher auf die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung bei der betroffenen Person abgestellt werden. Dabei ist von den aktuellen VerhÃ¤ltnissen im Zeitpunkt des zu fÃ¤llenden Entscheids auszu­gehen (BGE 119 Ib 1 E. 3a+b).</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Die vom Amt fÃ¼r Jugend- und Sozialhilfe der Stadt ZÃ¼rich fÃ¼r die BeschwerdefÃ¼h­re­rin getÃ¤tigten Auslagen von Fr. 40'657.30 sind zwar erheblich, doch geht das betreffende Amt selber davon aus, dieser Betrag werde mit der (rÃ¼ckwirkend zugesprochenen) IV-Ren­te und den Zusatzleistungen gedeckt. Aus den Akten kann nicht abgeleitet werden, ob diese Summe mittlerweile gedeckt werden konnte beziehungsweise gedeckt werden wird. Somit ist nicht rechtsgenÃ¼gend erstellt, dass die BeschwerdefÃ¼hrerin der Ã¶ffentlichen Wohl­­fahrt tatsÃ¤chlich im Sinn von Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG zur Last gefallen ist oder fallen wird, da auch Angaben zu ihren Lebenshaltungskosten sowie der von den Geschwis­tern geleis­te­ten wirtschaftliche UnterstÃ¼tzung fehlen. Es erÃ¼brigt sich jedoch eine RÃ¼ck­weisung an die Vorinstanz zwecks AbklÃ¤rung dieser Tatbestandselemente, denn gemÃ¤ss Art. 11 Abs. 3 Satz 2 ANAG sollen bei der Ausweisung nach Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG unnÃ¶tige HÃ¤rten vermieden werden. Bei der derzeitigen Situation der BeschwerdefÃ¼hrerin, welche insbeson­dere auf soziale VerÃ¤nderungen nicht adÃ¤quat reagieren kann, wÃ¼rde eine Nichtver­lÃ¤nge­rung der Aufenthaltsbewilligung eine solche unnÃ¶tige HÃ¤rte darstellen, wes­halb von einer solcher Massnahme ohnehin abzusehen ist.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist.</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span>4. ... </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>DemgemÃ¤ss entscheidet die Kammer:</span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug1"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die VerfÃ¼gung der Beschwerdegegnerin vom 12. Dezember 2000 und der vorinstanzliche Beschluss vom 27. Februar 2002 werden aufgehoben. Die Beschwerdegegnerin wird angewiesen, der BeschwerdefÃ¼hrerin eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> <p class="Einzug2"><span>...</span></p> <p class="Einzug2"><span> </span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>