B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6855/2019 U r t e i l v o m 2 0 . M a i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Walter Lang, Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Christian Wyss, Advokaturbüro, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 21. November 2019 / N (…). D-6855/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, e in sri -lanki- scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, aus der Nordprovinz stam- mend, am 30. November 2015 auf dem Luftweg sein Heimatland. Am 10. Mai 2016 reiste er in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asyl- gesuch. Am 19. Mai 2016 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) in B._______ zu seiner Person, seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 10. Juli 2018 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt. B. B.a Der Beschwerdeführer legte hinsichtlich seines Lebenslaufs dar, er sei in C._______ aufgewachsen, habe dort bis 2004 und danach erneut von 2010 bis zu seiner Ausreise gelebt. Nachdem er zehn Schuljahre absolviert habe, habe er zuerst für die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam), da- nach für private Personen als Bus- und Lastwagenfahrer gearbeitet. Nach dem Krieg habe er mit verschiedenen Arbeiten Geld verdienen und sich ein eigenes Haus bauen können. 2010 habe er geheiratet. Seine Ehefrau und sein 2011 geborener Sohn würden in Sri Lanka leben. B.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe 2004 erstmals für die politische Abteilung der LTTE im Camp (…) als Fahrer gearbeitet. Er habe Rebellen, verschiedene Waren und Lebensmittel an die Front transportiert und vorwiegend mit dem (…)-Regiment der LTTE zu tun gehabt. Mitte 2006 habe er ein vierzigtägi- ges B asistraining absolvieren müssen . Da sein Bruder bereits bei den LTTE gewesen und 1995 als Märtyrer gestorben sei, sei er selber nicht als Kämpfer in den Krieg eingezogen worden. Er habe jedoch geholfen, Stütz- punkte einzurichten und Kämpfer mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Mitte März 2009 sei die Gegend, wo er sich aufgehalten habe , angegriffen und bombardiert worden. Eine der abgeworfenen Bomben habe ihn schwer am Oberschenkel verletzt. In der Folge sei er ins Spital in D._______ gebracht worden. Mitte Mai 2009 habe das Militär die Gegend um zingelt und die zivile Bevölkerung sei von den LTTE-Angehörigen separiert worden. Man habe ihm nicht nachweisen können, dass er ein Mitglied der LTTE gewe- sen sei, da er dies konsequent abgestritten habe. Danach sei er während D-6855/2019 Seite 3 ungefähr eines Jahres im Flüchtlingscamp in D._______ in Vavuniya ge- wesen, um danach zu seiner Mutter ins Heimatdorf zurückzukehren. Dort habe er ungefähr vier Monate später geheiratet , da er gehört habe, dass Verheiratete keine Probleme mit den sri-lankischen Behörden bekommen würden. Bis 2013 habe er ein ruhiges Leben führen und ein Haus finanzieren kön- nen. Danach hätten die Sicherheitskräfte auch in seiner Wohnregion ein Büro eingerichtet. In der Folge sei er auf den Polizeiposten in E._______ vorgeladen und von Mitarbeitern des Criminal Investigation Departements (CID) befragt worden. Während des Verhörs habe man ihm unterstellt, er sei ein ehemaliges Mitgliedglied der LTTE und habe nicht am Rehabilitati- onsprogramm teilgenommen. Ausserdem sei er weiterhin für die LTTE tä- tig. Dabei habe ein Offizier ihn mit einer Holzstange angegriffen und ihn dabei am rechten Arm verletzt. Danach habe man ihn freigelassen und i n der Folge sei er unter Beobachtung gestanden. Z wei Mal seien Beamte des CID zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn bedroht. Im Frühling 2014 sei einmal ein Armeeangehöriger vorbeigekommen. Im Mai 2015 sei ein ehemaliger Mitstreiter der LTTE namens F._______ bei ihm zu Hause aufgetaucht, welcher zwischenzeitlich für das CID gearbeitet habe. Dieser habe ihn dazu drängen wollen, zuzugeben, dass er früher auch bei den LTTE gewesen sei. Am nächsten Tag seien andere Mitarbeiter des CID gekommen und hätten das Haus durchsucht. Er sei bei der Arbeit gewesen und habe von diesem Vorfall durch seine Ehefrau erfahren. Daraufhin habe er ernsthafte Furcht vor einer Verhaftung und insbesondere vor einem möglichen Verrat durch F._______ gehabt. Zwei oder drei Tage später sei er deshalb bei einem Cousin untergetaucht und danach bei weiteren Ver- wandten in G._______, bevor er mithilfe eines Schleppers Ende November 2015 ausgereist sei. Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel ins Rech: Identitäts- karte, temporäre Identitätskarte (ausgestellt im September 2009), ein Schreiben des Northern Provincial Council vom 17. Mai 2016, eine Kopie des Todesscheins seines als Märtyrer gefallenen Bruders inklusive Über- setzung, seine sowie die Geburtsurkunden seiner Ehefrau und seines Soh- nes, den Eheschein und verschiedene Internetauszüge seinen gefallenen Bruder betreffend, sowie einen Operationsbericht des (…) vom 28. März 2017 ins Recht. Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D-6855/2019 Seite 4 C. Mit Verfügung vom 21. November 2019 – eröffnet am 22. November 2019 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeit ig ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz an un d verfügte den Vollzug der Wegwei- sung. D. Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Dezember 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsge- richt an und beantragte, die Verfü gung der Vorinstanz sei aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren . Als Even- tualantrag stellte er das Begehren, er sei aufgrund von Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. In pro- zessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter beantragte er die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand gemäss aArt. 110a Bst. a und Abs. 3 AsylG (SR 142.31). Der Beschwerde wurden folgende Beweismittel beigelegt: eine Fürsorge- bestätigung, datiert vom 11. Dezember 2019 (Beilage 4), diverse Bestäti- gungsschreiben (Beilagen 5 bis 14), sowie Auszüge von zwei Pressearti- keln (Beilagen 15 und 16) und verschiedene Fotos. E. Mit Zwischenverfügung vom 7. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und erhob keinen Kostenvorschuss. Fürspre- cher Christian Wyss wurde antragsgemäss als amtliche r Rechtsbeistand beigeordnet. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert der ihm gesetzten Frist die angekündigten Beweismittel einzureichen. F. Mit Eingabe vom 15. Januar 2020 wurden folgende Beweismittel ins Recht gelegt: Eine Vorladung des CID Nord -Ost, eine Kopie eines Zustellungs- umschlags, verschiedene Übersetzungen und die Originale verschiedener, bereits eingereichter Beilagen. D-6855/2019 Seite 5 G. Die Vorinstanz nahm mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2020 zur Be- schwerde Stellung. H. Mit Eingabe vom 2. März 2020 replizierte der Beschwerdeführer und legte dieser weitere Beweismittel, unter anderem einen Arztbericht vom 28. Feb- ruar 2020 sowie eine Kostennote bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. D-6855/2019 Seite 6 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26, E.5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rass e, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken, Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Vorinstanz kam in ihrer Verfügung zum Schluss, den Ausführungen des Beschwerdeführers, er sei erst ab 2013 als ehemaliges Mitglied der LTTE gesucht worden, könne nicht geglaubt werden. Das angebliche Ver- folgungsinteresse der sri-lankischen Behörden an ihm sei fiktiv, zumal ver- schiedenen Quellen zufolge die Militärpräsenz und somit das Interesse an Verfolgungen in seiner Wohnregion vor allem vor 2013 sehr hoch gewesen sei, daraufhin abgenommen habe und die Anzahl der Teilnehmenden an Rehabilitationsprogrammen im Jahr 2015 bis auf eine geringe Zahl von 60 Personen gesunken sei. Diese Angaben stünden seinen Schilderungen, er habe von 2010 bis 2013 keine Probleme mit den Behörden gehabt, entge- gen. Auch hätten grundsätzlich nur Mitglieder des militärischen Flügels der LTTE an einem Rehabilitationsprogramm teilnehmen müssen und nicht auch die zivile Bevölkerung. Sodann sei es zu Widersprüchen gekommen, indem er während der BzP dargelegt habe, von einer Person beobachtet und zu Hause mit Fragen bedrängt worden zu sein, um in der Anhörung zu erörtern, ein, respektive zwei Mitarbeiter des CID seien zwei Mal bei ihm zu Hause gewesen. Er habe diese Widersprüche auf Vorhalt hin weder D-6855/2019 Seite 7 aufzulösen vermögen, noch habe er die se Ereignisse zeitlich einordnen können. Weiter falle auf, dass seine Ausführungen zu den Befragungen im Gegensatz zu seinen ansonsten detaillierten Ausführungen zum Bürger- kriegsgeschehen, eher substanzlos und ohne Realkennzeichen ausgefal- len seien. Auch hinsichtlich F._______ sei es zu Unklarheiten gekommen. So habe er protokollieren lassen, nicht zu wissen, woher F._______ seine Wohnadresse kenne, obwohl es zu erwarten gewesen wäre, dass sie wäh- rend der gemeinsamen Zeit bei den LTTE miteinander gesprochen und auch persönliche Informationen, wie etwa den Wohnort, untereinander ausgetauscht hätten. Sodann erstaune es, dass er sich nach dem Besuch von F._______ sicher gewesen se i, dass man ihn verhaften würde , und dennoch einige Tage im Dorf geblieben sei. Es wäre zu erwarten gewesen, dass er unverzüglich geflohen wäre. Schliesslich sei es bezüglich seines Untertauchens zu zeitlichen Unstimmigkeiten gekommen. Zu den eingereichten Beweismitteln sei anzufügen, dass diese keine asyl- rechtlich relevante Verfolgung des Beschwerdeführers belegen könnten , selbst wenn sein Bruder als Märtyrer gestorben sei. Dasselbe gelte für das Bestätigungsschreiben des Northern Provincial Councils vom 17. Mai 2016, welches zudem teilweise inhaltlich von seinen eigenen A ussagen abweiche. Sodann bestehe kein Kausalzusammenhang zwischen den von ihm vorgebrachten Erlebnissen und seiner Ausreise, zumal er sich nach Kriegsende noch sechs Jahre in Sri Lanka aufgehalten habe. 4.2 Der Beschwerdeführer monierte, für die Beurteilung der Flüchtlingsei- genschaft sei massgebend, ob er tatsächlich während dreier Jahre Mitglied bei den LTTE gewesen sei und als solches am Krieg teilgenommen habe. Die diversen Beweismittel respektive Schreiben verschiedener ehemaliger Kameraden, würden die von ihm geschilderten Aktivitäten bei den LTTE, seine Kriegsverletzung, den Heldentod seines Bruders, dem Entgehen des Rehabilitationsprogramms und die erneute Suche nach ihm durch die sri - lankischen Sicherheitskräfte bestätigen. Insbesondere müssten die ver- fassten Schreiben der inzwischen nach Europa geflüchteten ehemaligen Kameraden überprüft werden. Sod ann treffe die vorinstanzliche Behaup- tung, er habe zwischen 2010 und 2013 keine Probleme gehabt, nicht zu, vielmehr habe er protokollieren lassen, man habe ihn kontrolliert, jedoch bis 2013 in Ruhe gelassen, w eil er verheiratet gewesen sei. E rst danach sei es zu ernsthaften Problemen gekommen. Di e Situation habe sich seit dem Auftauchen von F._______ jedoch grundlegend verändert, da dieser seine vor den Behörden verheimlichte Vergangenheit gekannt habe. Er D-6855/2019 Seite 8 habe annehmen müssen, von ihm verraten und danach in ein Rehabilitati- onsprogramm gebracht zu werden. Des Weiteren sei anzufügen, dass es nicht richtig sei, dass lediglich ehe- malige Frontkämpfer der LTTE einem Rehabilitationsprogramm unterzo- gen worden seien, zumal der Prevention of Terrorism Act (PTA) nach wie vor in Kraft sei, weshalb alle LTTE-Leute mit Entführung, Festnahmen und Folter rechnen müssten . Seine Schilderungen zu den Befragungen vom CID seien präzise und detailliert ausgefallen, und um die Substanz der diesbezüglichen Aussagen zu erhöhen, hätte die Vorinstanz Rückfragen dazu stellen müssen. Auch sei in diesem Zusammenhang darauf hinzuwei- sen, dass bei der Übersetzung oftmals die farbigen Details verloren gehen würden. Sodann würde die eingereichte Bestätigung vom 17. Mai 2016 des Northern Provincial Councils die damalige Lage in der Region bestätigen. Mit den der Beschwerde beigelegten weiteren zahlreichen Schreiben seien seine Fluchtgründe genügend untermauert. Ferner gelte es anzuerkennen, dass die LTTE immer noch als terroristische Organisation betrachtet werde und die Verfolgung v on potentiellen oder ehemaligen Mitgliedern immer noch Realität sei, welche mit Folter oder gar Tötungen einhergehe. Insgesamt habe er glaubhaft darlegen können, we- gen seiner LTTE-Vergangenheit vom CID gesucht worden zu sein. Dass er rechtzeitig habe die Flucht ergreifen können, schliesse nicht aus, dass er keine berechtigte Furcht vor einer Verfolgung im Heimatland habe. 4.3 In ihrer Vernehmlassung äusserte sich die Vorinstanz zu den neu ins Recht gelegten Bestätigungsschreiben dahingehend, dass diese als Gefäl- ligkeitsschreiben betrachtet werden müssten und demenspreche nd kaum beweiskräftig seien. Auch die eingereichten Fotos, welche die Suche der Militärbehörden nach dem Beschwerdeführer belegen sollten, würden ins- zeniert wirken und hätten keinen ausreich enden Beweiswert. Die einge- reichte Vorladung des CID Nord-Ost vom 3. November 2018 (Beilage 17) erweise sich aufgrund einiger Mängel als Fälschung. Es fehle der Briefkopf und der oben angeführte Behördenname wirke unrealistisch. Weiter ent- halte der Text Fehler und sei nicht verständlich. Überdies erstaune es, dass der Beschwerdeführer die im Schreiben erwähnte Vorladung vom 12. Mai 2015 nicht erwähnt habe. Sodann sei es wenig wahrscheinlich, dass ihn die Behörden erst dreieinhalb Jahren nach dieser Vorladung wegen seines Fernbleibens vorgeladen haben sollen. Ausserdem sei es nicht nachvoll- ziehbar, weshalb er diese Vorladung erst ein Jahr nach deren Ausstellung eingereicht habe. In Bezug auf die verschärfte Gefährdungslage nach den D-6855/2019 Seite 9 Wahlen und einem Vorfall auf der Schweizer Botschaft im November 2019 sei zu ergänzen, dass verschiedenen Quellen zufolge die Gefährdungs- lage für ganze Volksgruppen , einer kollektiven Verfolgung ausgesetzt seien, nicht vorhanden sei. Um eine Verfolgungsgefahr in diesem Zusam- menhang annehmen zu können, sei ein persönlicher Bezug der asylsu- chenden Person zu diesen Ereignissen respektive dessen Folgen eine not- wendige Voraussetzung. 4.4 In der Replik wurde dem entgegengehalten, dass es sich bei den ein- gereichten Schreiben um keine Gefälligkeitsschreiben handle, da die meis- ten Verfasser mit dem Beschwerdeführer nicht verwandt seien und dem- entsprechend kein persönliches Interesse an einer Art Gefälligkeit aufwei- sen würden. B ei Bedarf könnten diese auch persönlich befragt werden. Hinsichtlich der von der Vorinstanz erwähnten Zweifel zur Vorladung des CID vom 3. November 2018 sei zu bemerken, dass er bei seiner Anhörung, welche im Juli 2018 stattgefunden habe, noch nichts von der betreffenden Vorladung habe wissen können, da diese er st im November 2018 ausge- stellt worden sei. Ausserdem komme es öfters vor, dass das CID keinen Briefkopf verwende, auch würden Schreiben in englischer Sprache ver- fasst, vor allem wenn die betroffene Person Tamilisch spreche und der Ab- sender dieser Sprache nicht mächtig sei. Dass es dabei zu Fehlern komme, sei nachvollziehbar. Betreffend die generelle Lage in Sri Lanka wurde auf einen Bericht der SFH verwiesen (Beilage 34). Aus diesem gehe hervor, dass die Gefährdung ehemaliger Mitglieder der LTTE seit November 2019 zugenommen habe, weshalb eine Wegweisung des Beschwerdeführers unzulässig sei. Au ch aus medizinischer Sicht erscheine ein Vollzug der Wegweisung unzumut- bar, zumal er regelmässige Behandlungen wegen seiner psychischen Problemen benötige. 5. 5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl- suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver- fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im D-6855/2019 Seite 10 Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit- wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch- stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge- richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma- chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbrin gen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar- stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel- len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 5.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen- schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, da ss die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs- weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach- teile müssen gezi elt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan- desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.). 5.3 Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus- reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk- licht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr- scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hin- reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und da- mit den Entschluss zur Flucht hervor rufen würden. Dabei hat die Beurtei- lung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfol- gen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Er- lebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu er- gänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, D-6855/2019 Seite 11 hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2). 5.4 Einleitend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Kriegsgeschehen gegen Ende des Kriegs im Jahr 2009 äusserst lebhaft, detailreich sowie mit zahl- reichen Realkennzeichen, nebensächlichen Erwähnungen und persönli- chen Empfindungen gekennzeichnet ausgefallen und dementsprechend als glaubhaft zu qualifizieren sind (vgl. act. A14/17, F27 -28). Dies wurde denn auch von der Vorinstanz nicht explizit bezweifelt. Sodann überzeugen auch seine Erklärungen zu seiner Tätigkeit als Fahrer bei den LTTE , ob- wohl diese etwas knapper als die Schilderungen zum Kriegsgeschehen ausgefallen sind. Er thematisierte, wie er 2004 nach einem Lehrgang als Fahrer bei den LTTE eingestellt worden war. Aus persönlicher Perspektive schilderte er weiter, ihnen hauptsächlich wegen der damals herrschenden Armut beigetreten zu sein und gedacht zu haben, nach seinem Schulab- schluss Geld verdienen zu müssen. Da die damalige allgemeine Meinung gewesen sei, die LTTE sei die Regierung, weil sie alles beherrscht hätten, seien sie die massgebenden Arbeitgeber gewesen. Daneben äusserte er sich in etwas knapper Weise über sein Basistraining und situierte dieses in zeitlicher Hinsicht. Er beschrieb ohne Übertreibungen seine dortigen Tätig- keiten und stellte explizit klar, dass er nicht zum Kampf eingesetzt worden sei, sondern sich lediglich um den Transport von Personen und verschie- denen Waren gekümmert, sowie teilweise geholfen habe, Stützpunkte auf- zubauen (vgl. act. A14/17, F14-26, F36; A4/12, F7.01). Insgesamt ist davon auszugehen, dass seine Tätigkeiten für die LTTE zwar als glaubhaft zu werten sind, j edoch ist aufgrund der nachfolgenden Erwägungen von ei- nem mangelnden Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behör- den auszugehen, zumal er dieses nicht glaubhaft darzulegen vermochte. 5.5 Die geltend gemachten Observierungen sowie die drei Befragungen zwischen 2013 und 2015 wirken – in Übereinstimmung mit der Einschät- zung der Vorinstanz – eher substanz- und inhaltslos dargelegt. Dennoch kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer – wie von ihm dargelegt – beobachtet und befragt worden war. Im Bericht «Lagebild Fokus Sri Lanka von 2016» wird ausgeführt, dass die Präsenz der Armee im Norden und Osten von Sri Lanka bis 2014, in der Nordprovinz bis 2016 stark gewesen und auch die zivile Bevölkerung streng überwacht worden sei. Oftmals seien die Bewohner dazu verpflichtet worden, sich re- gelmässig bei den Sicherheitsbehörden zu melden. Ab 2015 habe sich die Lage etwas entspannt und es käme seither selten vor, dass jemand noch D-6855/2019 Seite 12 bei den Behörden vorsprechen müsse (vgl. Staatssekretariat für Migration [SEM], Focus Sri Lanka – Lagebild, 05.07.2016, LKA-lagebild-2016-d.pdf, Punkt 3.1 und 4.8, abgerufen am 28. April 2021). Es ist davon auszugehen, dass es sich bei den Schilderungen des Beschwerdeführers um in dieser Zeitspanne typische und allgemeine Überwachungsmassnahmen han- delte, unter welchen die breite Zivilbevölkerung litt. Seine einmalige Befra- gung auf dem Polizeiposten in E._______ durch den CID im Jahr 2013 ist insofern als glaubhaft zu erachten, als dass er diese detailliert schilderte, einen Gesprächsausschnitt in der direkten Rede wieder gab und in an- schaulicher Weise erwähnte , wie es zu einem Übergriff mit einer H olz- stange gegen ihn gekommen ist. Obwohl der einmalige körperliche Über- griff gegen ihn bedauerlich ist, ist kein ausgeprägtes Interesse am Be- schwerdeführer erkennbar, zumal er ansonsten nicht lediglich aufgrund der Anwesenheit seiner Ehefrau und seines Kindes bereits nach kurzer Zeit wieder entlassen worden wäre (vgl. act. A14/17, F53, F59). Hätte ein tat- sächlicher Verdacht gegen ihn bestanden, wäre anzunehmen gewesen, dass ernsthaftere Massnahmen gegen ihn ergriffen worden wären. Die da- rauffolgenden Observierungen durch die beiden Mitarbeitenden des CID, welche zudem auch das ganze Dorf beobachtet haben sollen , ereigneten sich innerhalb einer Zeitspanne von zwei Jahren und seine Probleme mit den Behörden beschränkten sich auf insgesamt weitere drei Befragungen. Zudem gilt es anzumerken, dass er lediglich in oder vor seinem Haus a n- gesprochen und ausgefragt, jedoch seit 2013 nicht mehr behördlich vorge- laden wurde. Die Annahme, dass kein besonderes Interesse an ihm be- standen haben kann, wird dadurch verstärkt, dass das CID über seine ei- gene Tätigkeit bei den LTTE und über den Märtyrertod seines Bruders in- formiert war und er dennoch keine weiteren Konsequenzen erlitt (vgl. act. A14/14, F53, F59, F67-71, F90, F92). 5.6 Des Weiteren vermögen die Schilderungen des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit dem Auftauchen von F._______ nicht zu überzeugen und wirken angesichts seiner ansonsten reichhaltigen Erzählungen auffal- lend vage, detailarm und emotionslos. So fehlt es seinen diesbezüglichen Ausführungen etwa an Realkennzeichen, nebensächlichen Bemerkungen oder einer Wiedergabe des geführten Gesprächs. In diesem Zusammen- hang ist es ausserdem nicht nachvollziehbar, weshalb er sich nach dem Besuch von F._______ vor einer Festnahme gefürchtet haben soll, zumal das CID bereits über s eine Tätigkeiten bei den LTTE informiert war und auch die Dorfbewohner über seine Aktivitäten im Bilde gewesen seien (vgl. act. A14/17, F72, F75-76, F78, F90). D-6855/2019 Seite 13 5.7 Die eingereichten Beweismittel, insbesondere die Bestätigungsschrei- ben sowie die Fotos vermögen nach dem Gesagten keine begründete Furcht vor behördlicher Verfolgung zu belegen. Vielmehr weisen einige der Bestätigungsschreiben teilweise sogar en tgegengesetzte Aussagen zu denjenigen des Beschwerdeführers auf, indem etwa bezeugt wird, dass er Soldat gewesen sei, im Krieg gekämpft habe oder dass er sich unter Zwang den LTTE habe anschliessen mü ssen (vgl. Beilagen 19, 22, 31). Die Be- stätigungsschreiben sind demensprechend nicht geeignet, eine allfällige Verfolgung oder eine Mitgliedschaft bei den LTTE beziehungsweise Teil- nahme an Kampfhandlungen zu belegen, zumal er solche auch nie be- hauptet hat. Vielmehr sind diese Schreiben aufgrund ihrer Kontroversität der Glaubhaftigkeit eher abträglich. Dasselbe ist bezüglich des Schreibens der Northern Provincil Councils vom 17. Mai 2016 und desjenigen des Par- lamentsmitglieds des Vanni-Distrikts vom 9. Dezember 2019 festzustellen (Beilage 29), wonach der Beschwerdeführer von den Geheimdiensten der Armee schwerer Folter unterzogen worden sein soll, obwohl er in seinen Asylvorbringen keine schweren Foltervorwürfe erhoben hat. Sodann dürfte es sich bei der Vorladung des CID vom 3. November 2018 aus zweierlei Gründen nicht um ein echtes Dokument handeln. Einerseits verfügt diese über keinen Briefkopf, keinen Stempel und keine Auskunft über die Funk- tion der unterschreibenden Person, was Anlass zu Zweifeln an dessen Au- thentizität gibt. Das Argument des Beschwerdeführers, dass das CID oft- mals keinen Briefk opf verwende und Schreiben teil weise in englischer Sprache verfasst würde, vor al lem wenn die betroffene Person T amilisch spreche und der Absender dieser Sprache nicht mächtig sei, überzeugt nicht. Anderseits ist es nicht kohärent, dass er sich gemäss dieser Vorla- dung bereits am 12. Mai 2015 hätte bei dieser Behörde melden sollen, dies jedoch anlässlich seiner Anhörung mit keinem Wort erwähnte , obwohl er darüber hätte informiert sein sollen, zumal er erst Ende November 2015 aus Sri Lanka ausgereist ist . Überdies erscheint es nicht schlüssig, wes- halb die Behörde nach dem er d er Vorladung keine Folge geleistet hat, mehr als drei Jahre damit zugewartet haben soll, ihn erneut vorzuladen. 5.8 Angesichts der vorangehenden Erwägungen ist zwar davon auszuge- hen, dass der Beschwerdeführer verschiedenen Kontrollmassnahmen durch die sri-lankischen Behörden ausgesetzt war. Nach einer Abwägung der glaubhaften gegenüber den unglaubhaften Elementen kommt das Ge- richt jedoch zum Schluss, dass die unglaubhaften Elemente überwiegen und er nicht überzeugend hat darlegen können, dass ein behördliches Ver- folgungsinteresse an ihm bestanden hat . Dementsprechend ist auch die D-6855/2019 Seite 14 von ihm behauptete Furcht vor einem Rehabilitationsprogramm unbegrün- det und somit auch die Frage, ob gewöhnliche ehemalige Mitglieder der LTTE ebenso an einem solchen teilnehmen müssen. Seine geltend ge- machten Behelligungen durch die sri -lankischen Behörden erreichen die Intensität ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG nicht. 6. 6.1 Weiter bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer über ein erhöhtes Risikoprofil verfügt und ihm bei einer Wiedereinreise ins Heimatland eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Nachfluchtgründen droht oder dro- hen könnte. 6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien (vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri- sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf- tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han- delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli- chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil- nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie- gen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor- derlichen Identitätspapiere nach Sri L anka einreisen wollen, die zwangs- weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sogenannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernst- haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri- lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den ta- milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). D-6855/2019 Seite 15 6.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi- denten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa -Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential- candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März 2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema- ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge- gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun- gen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: W orld Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru- der Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Cha- mal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusam- men zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents- brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753, abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische oder religiöse Min- derheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalis- tinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Perso- nen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Am 5. August 2020 fanden Parla- mentswahlen statt mit dem Resultat, dass der Rajapaksa-Clan seine Macht in Sri Lanka ausweiteten konnte (vgl. Sri Lanka: Rajapaksa -Clan weitet seine Macht weiter aus [nzz.ch] vom 7. August 2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu- gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E -1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein- zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen D-6855/2019 Seite 16 zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive den Parla- mentswahlen vom August 2020 sowie deren Folgen besteht. 6.4 Der Beschwerdeführer konnte nicht glaubhaft d arlegen, wegen seiner zivilen Tätigkeiten bei den LTTE zwischen den Jahren 2004 und 2009 ernsthaften Nachteilen im Heimatland ausgesetzt gewesen zu sein (vgl. E.5.8). Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er befürchtete, mit dem Auftauchen von F._______, welcher angeblich seine Vergangenheit bei den LTTE bezeugen könnte, zumal den Behörden sowohl seine Arbeit bei den LTTE ebenso bekannt war, wie auch die Tatsache, dass sein Bru- der als Märtyrer starb (vgl. act. 14717, F59, F79, F90). Ein konkretes Ver- folgungsinteresse im Falle der Wiedereinreise lässt sich daraus nicht ab- leiten. Auch konnte er nicht ausführen, inwiefern seine Ehefrau in Sri Lanka Probleme mit den Behörden hatte. Die einzige Erklärung hierzu in der BzP, dass sie sich deshalb an den Northern Provincial Council gewandt habe, lässt noch nicht auf eine Verfolgung schliessen (vgl. act. A4/12, F7.03). Auch aus den eingereichten Fotos von einem Besuch der Behörden bei seiner Ehefrau und seinem Sohn geht nicht hervor, dass der Beschwerde- führer gesucht worden wäre. Die weiteren Vorfälle nach seiner Ausreise, wie das (erneute) Observieren seines Hauses und der einmalige Besuch des Militärs lässt ebenfalls nicht auf ein konkretes Interesse der sri -lanki- schen Behörden an ihm schliessen (vgl. act. A14/17, F84). Weitere Suchen nach ihm machte er nicht geltend. Sodann reiste er legal mit seinem eige- nen Pass aus (vgl. act. A14/17, F97). Schliesslich hat er angegeben, sich in der Schweiz nie politisch betätigt zu haben (vgl. act. A14/17, F1.01). Wei- tere risikobegründende Faktoren machte der Beschwerdeführer nicht gel- tend. Vor diesem Hintergrund ist nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner ehemaligen Arbeit bei den LTTE oder wegen Familienver- bindungen von den sri-lankischen Behörden verdächtigt wird, zu den Per- sonen zu gehören, welche bestrebt sind, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen. D as Vorhandensein eines Risikoprofils ist zu verneinen. Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer n icht gelungen ist glaubhaft vorzubringen, dass ihm bei einer Rückkehr eine Gefahr vor einer asylbegründeten Verfolgung drohen würde. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver- neint und sein Asylgesuch abgelehnt. D-6855/2019 Seite 17 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweis ung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. 8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtling seigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts- stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand de r Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement schützt nur Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem D-6855/2019 Seite 18 Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich w eder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei- ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124– 127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä- ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08; T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P .K. gegen Däne- mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannie n vom 17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge- gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Be- schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann- ten «Background Check» (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er per sönlich gefährdet wäre. D-6855/2019 Seite 19 8.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.6 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge- walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen de r sri-lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzur- teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D -3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei- sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie- gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan- densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so- wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 8.7 Der Beschwerdeführer stammt aus C._______ in der Nordprovinz, wo auch seine Ehefrau, sein inzwischen zehnjähriger Sohn, drei Geschwister und seine Mutter leben. Im selben Dorf besitzt er ein eigenes Haus, in wel- chem seine Ehefrau und sein Sohn wohnen, und um welche sich sein Bru- der seit seiner Ausreise kümmert, da es diesem (finanziell) gut gehe (vgl. act. A14/17, F45, F51). Somit ist im Heimatland sowohl ein enges familiä- res Netz als auch eine geregelte Wohnsituation vorhanden. Der Beschwer- deführer verfügt über eine zehnjährige Schulbildung und über langjährige Berufserfahrung als Fahrer verschiedener Arten von Fahrzeugen. Es ist davon auszugehen, dass ihm mithilfe seiner Familie die Reintegration, auch aus beruflicher und finanzieller Sicht, in Sri Lanka gelingen wird. 8.8 Aus dem Arztbericht von 28. Februar 2020 geht hervor, dass der Be- schwerdeführer unter Schlafstörungen und t eilweise suizidalen Phasen leide. Es wurde eine sequentielle Traumatisierung diagnostiziert, welche supportiv angegangen werde. Dass er auf Medikamente oder eine spezi- elle Behandlung angewiesen wäre, geht aus dem Bericht nicht hervor. Der Ansicht des behandelnden Arztes, dass keine Möglichkeit im Heimatland D-6855/2019 Seite 20 bestünde, eine entsprechende Behandlung wahrzunehmen, kann nicht beigepflichtet werden. Dem Länderinformationsblatt der International Organization for Migration (IOM) vom Juni 2014 ist zu entnehmen, dass Sri Lanka grosse Fortschritte bei der medizinischen Versorgung erzielt hat und die Investitionen ins Ge- sundheitswesen zugenommen haben. In jeder grösseren Stadt gebe es staatliche Krankenhäuser, welche zahlreiche Behandlungsmethoden an- bieten könnten. Die medizinischen Dienstleistungen seien in der Regel kostenlos. Zusätzlich gebe es sehr viele sehr gut ausgestattete Privatklini- ken. Diese seien jedoch in der Regel teuer (International Organization for Migration (IOM), Länderinformationsblatt – Sri Lanka, 06.2014, < http://www.bamf.de/SharedDocs/MILo-DB/DE/Rueckkehrfoerderung/La- enderinformationen/Informationsblaetter/cfs_sri-lanka-dl_de.pdf;jsessio- nid=129A642CCB742AC2E7B0C0A694A8FCFB.1_cid294?__blob=publi- cationFile >, abgerufen am 19. März 2021). Ferner befinden sich in Sri Lanka 23 Spitäler mit psychiatrischen Abteilungen zur stationären Betreu- ung und über 300 Kliniken für ambulante Behandlungen psychisch kranker Patienten (Ministry of Health, Nutrition and Indigenous Medicine Sri Lanka, Annual Health Bulletin 2014, published in 2016, < http://www.health.gov.lk/moh_final/english/public/elfinder/files/publica- tions/AHB/AHB2014.pdf >, abgerufen am 3. Mai 2021). Die geltend ge- machten psychischen Probleme des Beschwerdeführers können demnach auch in Sri Lanka behandelt werden. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich deshalb auch im Hinblick auf seine psychischen Beschwerden als zu- mutbar. 8.9 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 8.10 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi- gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei- sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 8.11 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). D-6855/2019 Seite 21 9. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1 -3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 7. Januar 2020 gutgeheissen wurde und weiterhin von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 11. Die Honorarnote vom 2. März 2020 weist einen Aufwand von zehn Stunden aus. Ausgehend von diesem angemessen erscheinenden Zeita ufwand, dem geltend gemachten Stundensatz von Fr. 200.– und den aufgeführten Auslagen ist das zulasten der Gerichtskasse auszurichtende amtliche Ho- norar antragsgemäss auf Fr. 2’342.– (inklusive Auslagen und Mehrwert- steuerzuschlag) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) D-6855/2019 Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsvertreter wird zulasten der Gerichtskasse ein amtli- ches Honorar von Fr. 2’342.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Nina Spälti Giannakitsas Martina von Wattenwyl Versand: