B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2455/2020 U r t e i l v o m 2 4 . J u n i 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Idris Hajo, c/o Damas, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 8. April 2020 / N (…). D-2455/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Februar 2017 zusammen mit ihrer Mutter B._______ (N […]; vgl. D -2454/2020), gelangte zunächst vi a die Türkei nach Griechenland und reiste sodann am 2. September 2018 in die Schweiz ein. Am 11. Okto- ber 2018 suchte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nach und wurde dort am 16. Oktober 2018 zu ihrer Identität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen be- fragt. Die ausführliche Anhörung zu den Asylgründen fand am 10. Oktober 2019 statt. A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie sei ethnische Kurdin und stamme aus D._______, Distrikt Afrin. Ungefähr Mitte Dezember 2016 oder Anfangs 2017 seien An- gehörige der Yekîneyên Parastina Gel (YPG) respektive der Partiya Karkerên Kurdistanê (PKK) vorbeigekommen und hätten verlangt, dass pro Haushalt zumindest eine Person für sie Militärdienst leiste . Sie und ihre Mutter hätten alleine, ohne männliche Familienmitglieder , gelebt, daher hätten diese Leute befohlen, sie müsse sich ihnen anschliessen. Nach ein paar Tagen seien sie erneut vorbeigekommen und hätten ihr eine Melde- frist von einer respektive zwei Wochen gesetzt. Aus Angst vor einer Rekru- tierung sei sie daraufhin zusammen mit ihrer Mutter zu ihrem ebenfalls in D._______ wohnhaften Onkel M. gezogen, wo sie sich versteckt habe. In der Folge hätten die lokalen Behörden verfügt, dass sie und ihre Mutter nicht mehr ins Dorf respektive nach Afrin zurückkehren könnten. Das frag- liche Dokument sei ihrem Onkel ausgehändigt worden. Aus diesem Grund hätten sie sich zur Ausreise entschieden. Nachdem ihr Onkel die Ausreise organisiert habe, hätten sie im Februar 2017 ihr Heimatland verlassen. Sie befürchte, bei einer Rückkehr von der PKK umgebracht oder in den Kampf geschickt zu werden. Gemäss Auskunft ihres Onkels sei ihr Haus inzwi- schen von Islamisten besetzt. Die Beschwerdeführerin machte ausserdem geltend, ihre insgesamt neun Geschwister (sechs Schwestern, drei Brüder) seien alle schon vor ihr aus Syrien ausgereist. Zwei ihrer Brüder lebten in der Schweiz. Der eine sei aufgrund seiner Krankheit ausgereist, der andere sei aus dem syrischen Militärdienst desertiert. Sie habe deswegen jedoch nie Probleme gehabt. A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver- fahrens einen Auszug aus dem Zivilstandsregister vom 12. Oktober 2016 D-2455/2020 Seite 3 sowie ein Foto eines Dokuments der Justizbehörde des Kantons Afrin vom 17. Januar 2017 (Aufruf zuhanden aller Kontrollposten der Stadt Afrin) ein. B. Mit Verfügung vom 8. April 2020 – eröffnet am 14. April 2020 – stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig ordnete das SEM infolge Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. C. Die Beschwerdeführerin focht diesen Entscheid mit Eingabe an das Bun- desverwaltungsgericht vom 11. Mai 2020 (Datum Poststempel) an. Dabei beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei ihr Asyl zu gewähren, eventuell sei sie als Flüchtling anzuerkennen und vor- läufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Ausserdem wurde beantragt, es sei bei Be- darf eine angemessene Frist zur Nachreichung einer Übersetzung des auf der eingereichten CD befindlichen Fernsehberichts einzuräumen. Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: die angefochtene Verfü- gung, eine Vollmacht vom 27. April 2020, eine Unterstützungsbestätigung vom 22. April 2020 (alles in Kopie) sowie Ausweiskopien der Geschwister der Beschwerdeführerin. Die in der Beschwerde erwähnte Beilage 5 (eine CD) wurde der Beschwerde nicht beigelegt; sie wurde jedoch im Beschwer- deverfahren von B._______ (D-2454/2020) eingereicht und wird im Rah- men des vorliegenden Beschwerdeverfahrens berücksichtigt. D. Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. D-2455/2020 Seite 4 Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beur teilung von Beschwerden gegen Entscheide des SEM, welche in Anwendung des Asylgesetzes ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich in der Re- gel – und so auch vorliegend - endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); f ür das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 A bs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Über offensichtlich unbegründete B eschwerden wird in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei- nes zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli- chen aus, gemäss Rechtsprechung seien die Rekrutierungsbemühungen der YPG mangels hinreichender Intensität und aufgrund des Fehlens eines D-2455/2020 Seite 5 Verfolgungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsylG als nicht asylrelevant zu er- achten (Verweis auf das Referenzurteil des BVGer D -5329/2014 vom 23. Juni 2015). Es sei nicht davon auszugehen, dass die Weigerung, Mili- tärdienst zu leisten, asylrelevante Sanktionen nach sich ziehen würde. Die geltend gemachten Rekrutierungsbemühungen seitens der YPG seien da- her nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführe rin zu begründen. Aufgrund der fehlenden Asylrelevanz könne darauf verzichtet werden, auf die vorhandenen Unglaubhaftigkeitselemente einzugehen. Den beigezogenen Asylakten der beiden Brüder E._______ (vgl. N […]) und F._______ (vgl. N […]) seien sodann keine Hinweise darauf zu ent- nehmen, dass die Beschwerdeführerin ihretwegen einer Reflexverfolgung ausgesetzt sein könnte. Insgesamt sei die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführerin zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. 4.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, der Entscheid der Vorinstanz sei nicht plausibel und beruhe auf realitätsfremden Mutmassungen. Auch das in der Verfügung genannte einschlägige Referenzurteil des Bundesverwal- tungsgerichts stütze sich auf Annahmen und Spekulationen und sei zudem veraltet, insbesondere da sich die Situation ständig verändere. Die Be- schwerdeführerin sei der Aufforderung der kurdischen Behörden, in den Reihen der YPG Militärdienst zu leisten, aus politischer und pazifistischer Überzeugung nicht nachgekommen und ins Ausland geflüchtet. Sie werde deswegen als Oppositionelle und Verräterin betrachtet, ebenso ihre Fami- lienmitglieder. Es drohe ihr eine willkürliche und lebensbedrohliche Verfol- gung. Es sei eine Tatsache, dass die YPG Zwangsrekrutierungen durch- führe, und davon seien auch Frauen und Minderjährige betroffen (Verweis auf Berichte von verschiedenen Organisationen sowie eines Journalisten). Bei einer Weigerung drohten asylrelevante Vergeltungsmassnahmen. Im vorliegenden Fall seien entsprechende Massnahmen bereits ergriffen wor- den: Der Onkel der Beschwerdeführerin, G._______, sei am 2. Dezember 2019 festgenommen worden und werde weiterhin an einem geheimen Ort festgehalten. Der TV-Sender H._______ habe darüber berichtet, dabei sei die Tochter von G._______ interviewt worden (vgl. die im Beschwerdever- fahren der Mutter [D-2545/2020] eingereichte CD). Dem Onkel werde vor- geworfen, der Beschwerdeführerin und ihrer Mutter zur Flucht verholfen zu haben. Wäre die Beschwerdeführerin nicht ausgereist, wäre sie selbst we- gen Dienstverweigerung verhaftet worden. Ferner wird ausgeführt, alle Ge- schwister der Beschwerdeführerin seien ins Ausland geflüchtet und hätten mehrheitlich Asyl erhalten. Die Beschwerdeführerin habe begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung seitens des syris chen Regimes im Zu-D-2455/2020 Seite 6 sammenhang mit ihrem desertierten Bruder (F._______, vgl. N […]), wel- cher in der Schweiz Asyl erhalten habe. Falls sie sich vor der Ausreise in ein vom syrischen Regime kontrolliertes Gebiet begeben hätte, wäre sie schon damals reflexverfolgt worden, und die Gefahr dauere weiterhin an. Angehörige von Deserteuren seien in Syrien systematisch von Reflexver- folgung betroffen. Diese Verfolgung sei politisch motiviert, und es drohten unverhältnismässig hohe Strafen. Dieser Umstand respektive der enge Kausalzusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht sei im Asylent- scheid nicht berücksichtigt worden. Das SEM habe den Sachverhalt un- vollständig festgestellt und die vorgetragenen Asylgründe ungenügend ge- prüft. Es hätte die Angaben der Beschwerdeführerin weiter abklären müs- sen. Die Beschwerdeführerin habe im Zeitpunkt der Ausreise begründete Furcht vor asylrelevanten Nachteilen gehabt. Diese Gefährdung dauere weiterhin an. Sie hätte keine Möglichkeit, sich vor de n Verfolgungsmass- nahmen der kurdischen Behörden sowie den Vergeltungsmassnahmen des syrischen Regimes zu schützen. Eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe nicht. Sie habe die Flüchtlingseigenschaft zumindest glaubhaft ge- macht. Sie sei daher als Flüc htling anzuerkennen, und es sei ihr Asyl zu gewähren. 5. In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht gerügt, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt im Zusammenhang mit der drohenden Re- flexverfolgung unvollständig festgestellt, notwendige Abklärungen unter- lassen und die vorgebrachten Asylgründe und Beweismittel ungenügend geprüft. Dazu ist vorab Folgendes festzustellen: Die Beschwerdeführerin hat im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens keine Reflexverfolgung im Zusammenhang mit ihren Geschwistern, namentlich ihrem Bruder F._______, geltend gemacht. Folglich ist nicht zu beanstanden, dass sich in der vorinstanzlichen Verfügung keine entsprechenden Sachverhaltsfest- stellungen finden. Seiner Abklärungspflicht ist das SEM sodann dadurch nachgekommen, dass es die Asylakten der beiden in der Schweiz wohn- haften Brüder der Beschwerdeführerin von Amtes wegen beigezogen hat. Es ist dabei zum Schluss gekommen, es seien diesen Akten keine Hin- weise darauf zu entnehmen, dass der Beschwerdeführerin im Zusammen- hang mit ihren Brüdern eine Reflexverfolgung drohen könnte. Für weiter- gehende Sachverhaltsabklärungen bestand keine Veranlassung; von Sei- ten der Beschwerdeführerin wird denn auch nicht dargelegt, was genau das SEM näher hätte abklären müssen. Auch für den ebenfa lls nur pau- schal formulierten Vorwurf, das SEM habe seine Prüfungspflicht verletzt, finden sich in den Akten keine Hinweise. Es ist darauf hinzuweisen, dass D-2455/2020 Seite 7 der Umstand, dass die Beschwerdeführerin mit den Erwägungen des SEM inhaltlich nicht einverstanden ist, für sich genommen keine Verletzung der Prüfungspflicht darstellt. Nach dem Gesagten sind die in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen als unbegründet zu erachten. Auf die Stellung eines Kassationsantrags hat die Beschwerdeführerin im Übrigen ohnehin verzichtet. Das Verfahren erweist sich ohne weiteres als spruchreif, und es besteht auch keine Veranlassung, eine Nachfrist zwecks Übersetzung des auf CD eingereichten TV-Berichts einzuräumen. 6. 6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub- haft gemacht werden. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vor- handensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un- glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit- tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 7. 7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlings- eigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt hat. 7.2 Hinsichtlich der geltend gemachten versucht en Zwangsrekrutierung durch die YPG und der in diesem Zusammenhang befürchteten Nachteile ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass dieses Vor- bringen – ungeachtet der Frage seiner Glaubhaftigkeit – nicht asylrelevant ist. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stellt eine Rekrutierung durch die YPG grundsätzlich keine asylbeachtliche Verfol- gung dar, zumal ihr kein Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG zugrunde liegt. Es D-2455/2020 Seite 8 bestehen sodann auch keine Hinweise dafür, dass eine Verweigerung der Dienstpflicht asylrelevante Sanktionen nach sich zieht (vgl. dazu das Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3 [als Referenzurteil pu- bliziert]). Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin selber erklärt, es seien ihr seitens der YPG/PPK keine Nachteile angedroht worden für den Fall, dass sie dem Aufgebot nicht Folge leiste (vgl. A16 F131). Auch das angeblich von der Justizbehörde des Kantons Afrin verfasste Schreiben vom 17. Januar 2017 lässt nicht darauf schliessen, dass der Beschwerde- führerin ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG gedroht haben res- pektive zukünftig drohen könnten. Im Übrigen bestehen ohnehin Zweifel an der Authentizität dieses – lediglich als Kopie eingereichten – Dokuments. Abgesehen davon, dass derartige Dokumente leicht zu fälschen sind, fällt auf, dass es sich zwar angeblich um ein vom Präsidenten der « Justizbe- hörde» des Kantons Afrin ausgestelltes amtliches Dokument handeln soll, dabei jedoch sowohl eine genaue Bezeichnung der Behörde als auch die vollständigen Personalien der Beschwerdeführerin und ihrer Mutter fehlen. Darüber hinaus verstrickte sich die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Frage, wann das Dokument ihrem Onkel zugestellt worden sei und ob sie das Original gesehen habe, in erhebliche Widersprüche (vgl. A6 S. 10, A16 S. 144 f., A16 F160 und 164). 7.3 In der Beschwerde erwähnt die Beschwerdeführerin erstmals, ihr On- kel, welcher ihr bei der Ausreise behilflich gewesen sei, sei deswegen im Dezember 2019 von den kurdischen Behörden verhaftet worden . Dieses Vorbringen ist indessen aus nachfolgenden Gründen als unglaubhaft zu erachten: Zum einen ist es nicht plausibel, dass die Behörden erst rund drei Jahre nach der Ausreise der Beschwerdeführerin deswegen Sanktio- nen gegen den Onkel ergriffen hätten. Zum anderen ist festzustellen, dass die eingereichte Aufnahme einer Nachrichtensendung von H._______ TV offensichtlich nicht geeignet ist glaubhaft zu machen, dass dieser Onkel aufgrund seiner Fluchthilfe zugunsten der Beschwerdeführerin verhaftet wurde. Dem TV-Beitrag ist nämlich zu entnehmen, dass die verhaftete Per- son I._______ (J._______) heisst; die Beschwerdeführerin gab im vo- rinstanzlichen Verfahren dagegen an, der fragliche Onkel , welche ihnen geholfen habe, heisse K._______ (vgl. A6 S. 10). Zudem geht aus dem eingereichten TV-Beitrag nicht hervor, dass J._______ wegen Fluchthilfe verhaftet respektive entführt wurde, und auch die Beschwerdeführerin oder ihre Mutter werden im Beitrag mit keinem Wort erwähnt. In zumindest einer öffentlich zugänglichen Quelle wird vielmehr spekuliert, J._______ sei ent- führt worden, weil der Besitzer einer anderen (…) einen potenziellen Kon-D-2455/2020 Seite 9 kurrenten habe aus dem Weg räumen wollen (vgl. https://www.afri n-leko- lin.[...]). Ferner wurde J._______ offenbar nicht von der YPG, sondern von den Syrian D emocratic Forces (SDF) entführt oder verhaftet . Nach dem Gesagten vermag dieses Vorbringen nicht zu einer anderen Schlussfolge- rung hinsichtlich der Frage der Asylrelevanz des geltend gemachten Rek- rutierungsversuchs durch die YPG zu führen. 7.4 Schliesslich ist auch das Vorliegen einer asylbeachtlichen (Reflex-)Ver- folgung respektive entsprechenden Verfolgungsgefahr im Zusammenhang mit dem bereits im Jahr 2013 aus Syrien ausgereisten Bruder F._______ (N […]) zu verneinen. Die Beschwerdeführerin hat nie geltend gemacht, sie sei vor der Ausreise aus Syrien Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt ge- wesen, weil ihr Bruder aus dem syrischen Militär desertiert und ins Ausland geflüchtet sei. Auf entsprechende Frage hin erklärte sie in der Anhörung sogar ausdrücklich, weder sie noch andere Familienmitglieder hätten des- wegen oder aus anderen Gründen je Probleme mit den syrischen Behör- den gehabt (vgl. A16 F 153 ff.). Es ist daher äusserst unwahrscheinlich, dass sie im Zusammenhang mit der Desertion ihres Bruders bei einer Rückkehr nach Syrien mit einer asylbeachtlichen Reflexverfolgung rech- nen müsste. Dieses Vorbringen ist demnach als nicht asylrelevant zu er- achten. 7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl- gründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entsprechende Verfol- gungsfurcht nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch der Beschwerdeführerin abgelehnt. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schwe iz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). D-2455/2020 Seite 10 9. Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 8. April 2020 infolge Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Beschwer- deführerin in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 11. 11.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen. Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich- ten, ist damit gegenstandslos geworden. 11.2 Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen, da sich aus den vor- stehenden Erwägungen ergibt, dass die Beschwerdebegehren als aus- sichtslos zu erachten waren. 11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) D-2455/2020 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut Versand: