B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-5149/2011 U r t e i l v o m 2 6 . A p r i l 2 0 1 2 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Daniele Cattaneo, Richter Thomas Wespi; Gerichtsschreiber Daniel Widmer. Parteien A._______, geboren […], Sri Lanka, vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. August 2011 / N […]. D-5149/2011 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge Sri Lanka am 2. Mai 2009 im Besitz eines gefälschten Reisepasses auf dem Luftweg , wobei er über Z._______ nach Y ._______ reiste. Von dort gelangte er nach einem […] Aufenthalt auf dem Landweg illegal in die Schweiz. Am 10. Mai 2009 suchte er in X._______ um Asyl nach. Am 1 3. Mai 2009 fand im dortigen Empfangs-und Verfahrenszentrum (EVZ) eine erste B e- fragung statt. Am 20. Mai 2009 wurde er, ebenfalls im EVZ, durch das Bundesamt in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) angehört. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei sri -lanki- scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in W._______. Er sei während einige r Jahre in V._______ im Vanni-Gebiet wohnhaft gewesen. Dort habe er Probleme mit den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gehabt. Diese hätten ihn im Jahr […] festgenommen und während […] inhaftiert. Im Jahr […] habe er bei ihnen ein […] Trai- ning absolvieren müssen. Im Januar […], als er wieder zu Hause in W._______ gewesen sei, hätten sie seine Mithilfe beim […] verlangt. Im […] hätten sie sein Haus aufgesucht und von ihm verlangt, Mitglied zu werden. Da er dies abgelehnt habe, sei er wieder nach V._______ gegan- gen. Da die LTTE nach ihm gesucht hätten, habe er sich an verschied e- nen Orten aufgehalten, bis er den LTTE […] freiwillig geholfen habe, e i- nen […]. Daraufhin habe er sich auf Schleichwegen nach U._______ be- geben und dort seit […] an einem ihm unbekannten Ort bei […] aufgehal- ten. Er habe sich vo r der sri-lankischen Armee (SLA) gefürchtet, die jede Person mit einem Identitätsausweis aus dem Vanni-Gebiet erschies sen oder ins Gefängnis stecken würde. Am […] hätten ihn Angehörige des Criminal Investigation Departments ( CID) dort gesucht, um ihn zu töten, aber ihm sei die Flucht […] gelungen. Am […] sei er unter Umgehung der Checkpoints nach O._______ gelangt, von wo aus er nach einem […] Aufenthalt seinen Heimatstaat verlassen habe. Für die weiteren Aussagen wird, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die Protokolle bei den Akten verwiesen. B. Mit Verfügung vom 11. August 2011 – eröffnet am 16. August 2011 – stell- te das Bundesamt fest, der Beschwerdeführer er fülle die Flüchtlingse i- genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es D-5149/2011 Seite 3 die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die ge l- tend gemachten Verfolgungsvorbringen genügten weder den Anforderun- gen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft. So sei er nicht in der Lage gewesen, konzise und kohärente Angaben zu seinen Wohnorten zu machen. Auch habe er anlässlich der Befragung im EVZ erklärt, im […] zum letzten Mal Schwierigkeiten mit den LTTE gehabt zu haben, wogegen er gemäss seinen Angaben anlässlich der An hörung vom 20. Mai 2009 von […] bis […] von den LTTE gesucht worden sei und sich deshalb an verschiedenen Orten habe vers tecken müssen; in di e- sem Zusammenhang ergebe seine Aussage, wonach er den LTTE in die- sem Zeitraum – freiwillig und ohne Schwierigkeiten mit ihnen zu beko m- men – beim Bau eines Bunkers mitgeholfen habe, keinen Sinn. Ebenso sinnlos sei seine Behauptung, jede Perso n mit einem Identitätsausweis aus dem R._______-Gebiet werde von den Soldaten der SLA erschossen oder ins Gefängnis gesteckt, abgesehen davon, dass seine Identitätska r- te im Distrikt P ._______ ausgestellt worden sei. Erfahrungswidrig sei, dass er trotz der Behauptung, wonach er am […] in U._______ von Ange- hörigen des CID aufgesucht worden sei, welche beabsichtigt hätten, ihn zu erschiessen, bis zum […] an diesem Ort geblieben sei, wobei er b e- zeichnenderweise nicht w isse, wo genau er in U._______ gewesen sei. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb er wisse, dass diese Personen dem CID angehört hätten und mit welcher Absicht sie zu ihm gekommen sei- en. Dasselbe gelte für die Busfahrt von U._______ nach O._______ unter Umgehung der zahlreichen Checkpoints , wobei erfahrungswidrig sei, dass er während dieser Fahrt als angeblich vom CID gesuchte Person sowohl seinen Identitätsausweis als auch seinen Reisepass auf sich g e- tragen habe. Schliesslich sei en auch seine Reises childerungen unglaub- haft ausgefallen, sei er doch nicht in der Lage gewesen, Angaben über die von ihm von Sri Lanka nach Europa benützten Fluggesellschaften und den Ankunftsort in Y ._______ zu machen. Im Übrigen sei der Krieg zw i- schen der sri-lankischen Regierung und den LTTE mit der Niederlage der Letzteren im Mai 2009 zu Ende gegangen sei. Damit befinde sich das ge- samte Land erstmals seit dem Jahr 1983 wieder unter Regierungskontrol- le. In den Schilderungen des Beschwerdeführers fänden sich keine Hi n- weise dafür, dass die sri-lankischen Behörden zirka zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs ein ernsthaftes Interesse daran haben sollten, g e- rade ihn zu verfolgen. Angesichts seines geringen politischen Profils sei nicht davon auszugehen, dass er zum gegenwärt igen Zeitpunkt mit e r- heblicher Wahrscheinlichkeit von asylrelevanten Schwierigkeiten bedroht sei. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Na-D-5149/2011 Seite 4 mentlich stamme der Beschwerdeführer aus dem Distrikt P ._______, ha- be den weitaus grössten Teil seines Lebens in Sri Lanka verbracht, eine gute Schulbildung genossen, verfüge über Berufserfahrung und könne sich auf ein soziales und familiäres Beziehungsnetz stützen. C. Mit Eingabe vom 15. September 2011 (Datum des Poststempels) an das Bundesverwaltungsgericht beantragte der Be schwerdeführer durch se i- nen Rechtsvertreter unter Kosten - und Ent schädigungsfolge, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren; eve n- tualiter sei das Verfahren an die Vorinstanz zur ergänzenden Sachv er- haltsabklärung und zu neuem Entscheid zurückzuweisen; subeventualiter sei die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und das BFM anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In pro zes- sualer Hinsicht wurden die Gewährung der unentge ltlichen Prozessfü h- rung und Rechtsverbeiständung, eventualiter der Verzicht auf das Erh e- ben eines Kostenvorschusses beantragt. Gleichzeitig wurden ein han d- schriftlicher, korrigierter und ergänzter Sachverhalt in tamilischer Sprache samt Übersetzung, ein Schreiben von B._______ – einem angeblich fr ü- heren Weggefährten bei den LTTE – vom […] sowie eine Fürsorgebestäti- gung zu den Akten gereicht. Darauf sowie a uf die Begründung wird, s o- weit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. D. Mit Zwisc henverfügung vom 22. September 2011 teilte das Bundesve r- waltungsgericht dem Beschwerdeführer mit, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig wurde auf das Erheben eines Kostenvorschusses verzichtet und der Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. D as Gesuch um Gewährung der unen t- geltlichen Rechtsverbeiständung wurde abgewiesen und zur Begründung ausgeführt, d as Beschwerdeverfahren erscheine weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex. E. Mit Vernehmlassung vom 7. März 2012 beantragte das Bundesamt die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte es aus, die Be - schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunkts rechtfertigten, und verwies auf seine Erwägungen, an welchen es festhielt. D-5149/2011 Seite 5 E.a. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 8. März 2012 zur Kenntnis gebracht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht ei ngereicht. Der Beschwerde- führer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt u nd hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art . 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). D-5149/2011 Seite 6 4. 4.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, w e- gen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge- fährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen un- erträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluch t- gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 5. 5.1. In der Beschwerde wird vorweg ein grösstenteils neuer Sachverhalt vorgebracht. So sei der aus W._______, einer zum Distrikt P ._______ ge- hörigen, aber während des Bürgerkriegs von den LTTE kontrollierten und faktisch zum Distrikt T._______ zählenden Ortschaft stammende B e- schwerdeführer der erwähnten Organisation im […] freiwillig als Mitglied beigetreten und habe nach Absolvierung des Trainings bis zu seiner Flucht […] in deren Geheimdienst gewirkt. Wegen der Kriegssituation sei er mit seiner Familie ins Vanni-Gebiet geflüchtet und habe nach der Grundschule bis zum Jahr […] die Mittelschule in S._______ nur vorläufig fortsetzen können. Während der Jahre 1998 und 1999 habe er für die Zeitung "[…]" gearbeitet. Nach dem Beitritt zu den LTTE habe er von […] bis […] ein Kampftraining absolviert. In der Folge sei er dem Gehei m- dienst der LTTE zugeteilt worden und habe bis […] in einem weiteren Training die Spionagetätigkeit erlernt. Daraufhin sei er für einen Spion a- geeinsatz nach U._______ entsandt worden. Diese Tätigkeit habe er vom […] an bis […] ausgeübt. Im Anschluss daran sei er für eine weitere Spio- nageschulung ins R._______ zurückgekehrt und dann für einen Einsatz ins Q._______ entsandt worden. Im […] sei er erneut ins R._______ zu- rückgeholt worden. Nach einem wichtigen Gespräch, zur Zeit des Waffen- stillstandes, sei er na ch P ._______ gesandt worden, wo er die ihm neu D-5149/2011 Seite 7 aufgetragene Arbeit erledigt habe. Am […] sei er wiederum ins R._______ zurückbeordert, und, nach einer […] Zwischenzeit, nach O._______ ent- sandt worden. Während seiner dortigen Arbeit habe er sich […] einen Reisepass besorgt. Anfang […] sei er während der brüchigen Phase des Waffenstillstandes dringend ins R._______ geholt und von dort am Ende des Monats nach U._______ entsandt worden, wo er nach dem Scheitern des Waffenstillstandes und der Schliessung der Autostrasse […] die Zu- sammenarbeit unter einer Verantwortungsperson aufgenommen habe. Anfang des Jahres […] habe die sri-lankische Regierung einen schreckli- chen Kampf gegen das tamilische Volk begonnen und das R._______ ab- geriegelt. Während jener Zei t habe er weiterhin seine Spionagetätigkeit ausgeübt und Kontakte mit Einwohnern des R._______ unterhalten. An- fang des Jahres […] habe er sich für die Spionageabwehr nach N._______ begeben und bis zum […] dort aufgehalten. Ende […] sei er nach U._______ zurückgekehrt. Anfang […] habe er sich aus Spionag e- gründen der Firma […] angeschlossen. Im […] seien einzelne seiner dor- tigen Arbeitskollegen verraten und vom CID für die weitere Befragung nach O._______ mitgenommen worden. Deshalb sei den übrigen befo h- len worden, sich irgendwo in Sicherheit zu bringen. Diesem Befehl gehor- chend seien sie an verschiedene Orte – Q._______, M._______, N._______ und, wie der Beschwerdeführer, nach O._______ – geflüchtet. Kurz vor dem Ende des Krieges habe er seinen Heimatstaat au f einen letzten Befehl hin […] verlassen, woraufhin der Kontakt abgebrochen sei. Diesen Sachverhalt habe er anlässlich der ersten Befragung in seinem erstinstanzlichen Asylverfahren nicht erwähnt, einerseits zur Geheimni s- wahrung für die LTTE, andererseits zum Selbstschutz; einen weiteren wichtigen Grund stelle der damalige Übersetzer C._______ dar, welcher einer Organisation namens […] a ngehöre und sowohl in direktem als auch indirektem Kontakt mit dem sri -lankischen Geheimdienst stehe. Aus diesem Grund hab e er wahrheitswidrig ausgesagt, dass er durch die LTTE gefährdet würde. Nun sei er bereit, im Rahmen einer zweiten Anhö- rung wahrheitsgetreu auszusagen, und ersuche um Durchführung einer solchen (vgl. …). Aufgrund der nun richtiggestellten Vorbringen stelle sich der Sachverhalt ganz anders dar. Der Beschwerdeführer wisse um seine bisherigen Notlügen und bedaure diese , hoffe aber, dass die Beschwe r- deinstanz seine neuen Vorbringen einer Prüfung unterziehe. Er schiebe jene nicht nach, sondern habe für seine Auslassungen ernsthafte Gründe. Er sei gerne bereit, seine Motive im Rahmen einer ergänzenden Anhö- rung zu erläutern und den vorstehenden Sachverhalt mit weiteren Details zu vertiefen (vgl. …). D-5149/2011 Seite 8 Bei den Vorbringen, der anlässlich der Befragung vom 13. Mai 2009 mit- wirkende Dolmetscher C._______ gehöre […] an und stehe in Kontakt zum sri-lankischen Geheimdienst, handelt es sich um durch nichts beleg- te pauschale Behauptungen des Beschwerdeführers, auf die nicht nä her einzugehen ist. Selbst wenn sie zutreffen sollten, wäre e s ihm zu Beginn der Befragung, nachdem er auf seine Rechte und Pflichten hingewiesen worden war, zuzumuten gewesen, allfällige Einwände gegen den Dolme t- scher zu erheben. Spätestens jedoch wäre er anlässlich der Anhörung vom 20. Mai 2009, bei welcher ein anderer Dolmetscher mitwirkte, nach dem Hinweis auf die ihm bereits bei der Erstbefragung erläuterte Ver - schwiegenheits-, Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht verpflichtet gewesen, gestützt auf die Wa hrheits- beziehungsweise die diese beinhaltende Mit- wirkungspflicht, vollständige und wahrheitsgetreue Angaben zum Sac h- verhalt zu machen, umso mehr, als er durch nichts davo n abgehalten wurde. Sodann ist darauf hinzuweisen, dass die erstinstanzliche Verf ü- gung mehr als zwei Jahre nach jener Anhörung erging und sich B._______, welcher in seinem Schreiben […] ausführt, der Beschwerde- führer habe wichtige Arbeit für die LTTE geleistet, gemäss dessen im Be- schwerdeverfahren beigezogenen Asylakten bereits seit […] als Asylsu- chender in der Schweiz aufhielt und […] durch das BFM als Flüchtling vorläufig aufgenommen worden war. Mithin lagen keine äusseren U m- stände (mehr) vor, welche den Beschwerdeführer daran gehindert hätten, seine Sachverhaltsvorbringen pflichtgemäs s vor Abschluss des ersti n- stanzlichen Asylverfahrens wahrheitsgetreu darzulegen. Nach dem Ge- sagten vermag der Beschwerdeführer entgegen den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe keine stichhaltigen Gründe für das verspätete Darle- gen seiner neuen Sachverhaltsvorbringen aufzuzeigen, welche unter di e- sen Umständen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen, weshalb sich auch eine zusätzliche Anhörung erübrigt und der diesbezüg- liche Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zu neuem Entscheid abgelehnt wird. 5.2. In der Rechtsmitteleingabe wird zudem erstmals vorgebracht, der Be- schwerdeführer habe von […] telefonisch erfahren, dass am […] der Poli- zei an seinem Wohnort der Befehl zu seiner Festna hme erteilt worden sei, und er mithin dort gesucht würde; seine […] habe auch ein diesb e- zügliches Schreiben erhalten. Dies habe er bisher nicht vorgebracht, weil er sich in der Schweiz sicher fühle und hier eine gute Lösung für seine Zukunft gesehen habe. Da sich seine Situation jedoch geändert habe, l e- ge er diese Informationen offen (vgl. …). D-5149/2011 Seite 9 Dieser Einwand des Beschwerdeführers ist als unbehelflich zu qualifizi e- ren, zumal er sich zum einen nicht mit den Vorbringen im Zusammenhang mit dem bei der Erstbefr agung mitwirkenden Dolmetscher in Einklang bringen lässt. Der Beschwerdeführer vermag auch keinen anderen Grund zu nennen, welcher ihn davon abgehalten hätte, den Asylbehörden vom erwähnten Vorfall, nachdem er von diesem erfahren hatte, vor Abschluss des e rstinstanzlichen Verfahrens Kenntnis zu geben. Zudem ist nicht nachvollziehbar, weshalb er es unterlassen hat, das angeblich im Besitz seiner [...] befindliche Dokument, mit welchem die Erlaubnis zu seiner Festnahme erteilt worden sei, im Asylverfahren ein zureichen. Unter di e- sen Umständen vermag auch dieses neue Sachverhaltsvorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen. 5.3. Die weitere Überprüfung der Akten ergibt, dass sich die vorinstanzl i- chen Erwägungen, wonach die bisherigen Darlegungen des Beschwerde- führers insbesondere den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht ge- nügen, als zutreffend erweisen (vgl. Bst. B). Die Ausführungen in der B e- schwerde sind nicht geeignet, daran etwas zu ändern, zumal sie sich grösstenteils auf die erstmals in der Rechtsmitteleingabe dargelegten, als überwiegend nicht glaubhaften neuen Sachverhaltsvorbringen betreffend die Spionagetätigkeiten des Beschwerdeführers für die LTTE (vgl. E. 5. 1) stützen. 5.4. Im Weiteren vermögen die Vorbringen des Be schwerdeführers – un- geachtet der Frage ihrer Glaubhaftigkeit – auch den Anforderungen an die Asylrelevanz nicht zu genügen. 5.4.1. Der Krieg zwischen der sri -lankischen Regierung und den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen; die LTTE wurden zerschlagen und das ganze Land befindet sich wieder unter Regierungskontrolle. Seither hat sich die Sicherheitslage in Sri Lanka deutlich stabilisiert; insbesondere ist es zu keinen terroristischen Aktivitäten der LTTE oder ihnen nahe stehen- den Gruppierungen mehr gekommen. Trotz dieser Verbesserung der allgemeinen Lage sind gewisse Personen auch nach Kriegsende noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausg e- setzt. Dies betrifft insbesondere Personen, die enger Verbindungen zu den LTTE verdächtigt werden, politische Dissidenten und Oppositionspoli- tiker, kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende oder Pers o- nen, die als Opfer oder Zeugen schwerer Menschenrechtsverstösse en t- sprechende juristische Schritte einleiteten. D-5149/2011 Seite 10 5.4.2. Wie oben (vgl. E. 5. 1 - 5. 3 vorstehend) aufgezeigt wur de, ve r- mochte der Beschwerdeführer jedoch nicht glaubhaft zu machen, von den sri-lankischen Behörden wegen Spionagetätigkeiten für die LTTE ver- dächtigt zu werden beziehungsweise von dieser Organisation behelligt worden zu sein. Es bestehen daher – entgegen der in der in der Recht s- mitteleingabe (vgl. S. 5 ff.) vertretenen Ansicht – keine Anhaltspunkte da- für, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka zum jetzigen Zeitpunkt eine begründete Furcht vor asylbeachtlicher Ve r- folgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat. 5.5. Nach dem Gesagten erweisen sich die vom Beschwerdeführer ge l- tend gemachten Verfolgungsvorbringen zum einen als überwiegend nicht glaubhaft und zum andern als asyl - beziehungsweise flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Auf grund der v orstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Aus führungen in der Beschwerde einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts ändern können. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine f remdenpolizeili che Aufenthaltsbewilligung noch einen Anspruch auf Erteilung einer sol - chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinwei sen). 7. Ist der Vollzug der Wegweisung ni cht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsver hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf nahme von Auslä n- dern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Aus länder [AuG, SR 142.20]). 7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun - gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän - ders in den Heimat -, Herkunfts - oder in einen Drittstaat e ntgegenste - hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). D-5149/2011 Seite 11 7.1.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus e i- nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Pers onen, die die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG respektive Art. 1A FK er- füllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb- liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG veranker te Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Rückschi e- bungsverbots vorliegend nicht zur Anwendung gelangen. Der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 7.1.2. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention v om 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht. Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Me n- schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Falle einer R ückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Es besteht kein k onkreter Anlass zur Annahme, dem B e- schwerdeführer würde bei einer Rückkehr in sein Heimatland eine me n- schenrechtswidrige Behandlung drohen, zumal es ihm – wie oben unter D-5149/2011 Seite 12 Ziff. 5 der Erwägungen festgehalten wurde – nicht gelungen ist, die Zwei- fel an der Glaubhaftigkeit seiner Verfolgungssituation zu beseitigen. 7.1.3. Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und A usländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat - oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, all- gemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind, Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.; Botschaft zum Bundesg e- setz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 7.2.1. Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Urteil BVGE 2008/2 zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Sri Lanka eine Lageanalyse vor. Gemäss der damals festgelegten Praxis war bei abg e- wiesenen Asylsuchenden tamilischer Ethnie, die aus der Region Colombo oder deren Umgebung stammen, grundsätzlich von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete auszugehen (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.1 S. 20). In die Nord - und Ostprovinzen war der Wegweisungsvoll- zug hingegen unzumutbar (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.6.2 S. 21). 7.2.2. In dem unter BVGE 2011/23 zur Publikation bestimmten Urteil E-6220/2006 vom 27. Oktober 2011 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage nach dem Ende des sri -lankischen Bür- gerkriegs im Mai 2009 eine erneute Beurteilung vorgenommen. In Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist es dabei zur Einschätzung gelangt, dass der Wegweisungsvollzug in das sogenannte "Vanni-Gebiet" weiterhin unzumutbar ist. Für Personen, die aus dem übr i- gen Staatsgebiet stammen und dorthin zurückkehren, ist der Wegwe i- sungsvollzug hingegen grundsätzlich zumutbar (vgl. Urteil E -6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 13.2.1.2 und 13.3). 7.2.3. Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt Jaffna in der Nord- provinz, während [...] angeblich seit im R._______ wohnhaft seien, sich eine […] in L._______ und eine weitere […] ebenfalls noch in Sri Lanka aufhalten würden . Er hat die Mittelschule bis zum Jahr 1995 bezie - hungsweise 1998 besucht. In der Folge sei er als […] beziehungsweise D-5149/2011 Seite 13 […] tätig gewesen und habe – wie erst auf Beschwerdestufe, dabei aber nicht glaubhaft geltend gemacht wurde (vgl. vorstehend E. 5.1. und 5.4.2.) – Spionagetätigkeiten ausgeübt. In den Distrikt Jaffna, in dessen angrenzenden Gebieten der Beschwerdeführer über familiäre und soziale Beziehungsnetze verfügt, ist der Wegweisungsvollzug gemäss den Au s- führungen in Ziff. 7. 2. 2. der Erwägungen grundsätzlich zumutbar. Zudem leidet der noch relativ junge Beschwerdeführer, soweit aktenkundig, an keinen schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträ chtigungen. De m- nach liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat aus individuellen Gründen wir t- schaftlicher oder sozialer Natur in eine existenzbedrohende Situation g e- raten würde. Nach dem Gesagte n kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Auffassung – in ge- nereller und individueller Hinsicht als zumutbar bezeichnet werden. 7.3. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zu ständi- gen Vertretung seines Heimatstaates die für eine Rückkehr not wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.4. Insgesamt ist die du rch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu be s- tätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vo r- läufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 8. Aus dies en Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be schwer- de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem B e- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem sich die Beschwerde jedoch zum Zeitpunkt ihrer Anhängigmachung nicht als aussichtslos erwiesen hat und aufgrund der Aktenlage nach wie vor von der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist das in der Beschwerde vom 1 5. September 2011 gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ( Art. 65 Abs. 1 VwVG) D-5149/2011 Seite 14 gutzuheissen und auf die Auferlegung von Verfahren skosten zu verzic h- ten. (Dispositiv nächste Seite) D-5149/2011 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. In Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung werden dem Beschwerdeführer die Verfahrenskosten erlas- sen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Daniel Widmer Versand: