200 19 847 IV WIS/PES/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 14. Mai 2020 Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin Verwaltungsrichter Jakob, Verwaltungsrichter Furrer Gerichtsschreiber Peter A.________ vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 3. Oktober 2019 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 2 Sachverhalt: A. Im September 2013 erfolgte für die 1996 geborene A.________ (nachfol- gend Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) bei der IV-Stelle Bern (nach- folgend IV-Stelle bzw. Beschwerdegegnerin) eine Anmeldung für Minder- jährige für Massnahmen für die berufliche Eingliederung (vgl. Antwortbeila- ge [AB] 1 – 7). Nach Abklärungen in schulischer und medizinischer Hinsicht (vgl. AB 8 – 14) wurde das Leistungsbegehren von der IV-Stelle mit Mittei- lung vom 4. März 2014 abgewiesen resp. das Verfahren hinsichtlich beruf- licher Massnahmen abgeschlossen, nachdem die mittlerweile volljährige Versicherte erklärt hatte, sich gesund zu fühlen und selbständig ohne Un- terstützung der IV-Stelle eine Lehrstelle suchen zu wollen (AB 15). Im Juni 2018 ging bei der IV-Stelle sodann eine Anmeldung für Erwachse- ne der Versicherten für eine berufliche Integration/Rente ein (AB 16). Nach ersten Abklärungen (AB 25, 28, 31 f.) beauftragte die IV-Stelle nach Rück- sprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; vgl. AB 34 S. 3 f., AB 36) Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer psychiatrischen Abklärung der Versicherten (vgl. AB 40 sowie Gutachten des Dr. med. D.________ vom 29. Dezember 2018 [AB 45.1]). Mit Mitteilung vom 5. März 2019 gewährte die IV-Stelle der Versicherten Integrationsmassnahmen in Form einer Vorbereitung auf eine erstmalige berufliche Ausbildung von 25. Februar bis 4. August 2019 (AB 53). Diese Massnahme ist laut Vorbescheid vom 25. April 2019 aufgrund eines instabi- leren Gesundheitszustands der Versicherten per 8. April 2019 vorzeitig abgebrochen worden (vgl. auch IV-Protokoll [in den Gerichtsakten] S. 7 f.). Gleichzeitig wurde der Versicherten ein Abschluss der beruflichen Einglie- derung in Aussicht gestellt (AB 60). Nachdem niemand Einwände hatte, wurde am 11. Juni 2019 entsprechend verfügt (AB 69). Mit Vorbescheid vom 10. Mai 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten zudem die Abweisung des Leistungsbegehrens hinsichtlich Invalidenrente in Aussicht. Mangels eines Gesundheitsschadens mit invalidisierender Wir-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 3 kung im Rechtssinne bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden- versicherung (AB 61). Am 27. Mai 2019 erhob die Versicherte, vertreten durch B.________, hier- gegen Einwand (AB 67). Nach Aufforderung zur Nachbesserung der Ein- wände vom 30. Mai 2019 (AB 68) wurden diese von Seiten der Versicher- ten, wiederum vertreten durch B.________, mit Eingabe vom 24. Juni 2019 unter Beilage einer Stellungnahme der Spital E.________ AG vom 12. Juni 2019 (AB 70 S. 2 ff.) ergänzt (AB 70). Mit Verfügung vom 3. Oktober 2019 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ihrem Vorbescheid entsprechend ab (AB 71). B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, neu vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________, am 6. November 2019 Beschwer- de mit den Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten. Zudem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt C.________ als amtlicher Anwalt zu gewähren. Unter Kos- ten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Mit Beschwerdeantwort vom 9. Dezember 2019 beantragt die Beschwer- degegnerin die Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 4 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist die Verfügung der IV-Stelle Bern vom 3. Oktober 2019 (AB 71). Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin An- spruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 5 Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden kön- nen auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). Die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, erfolgt gemäss höch- strichterlicher Rechtsprechung anhand eines strukturierten normativen Prü- fungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429). Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeeinträchti- gung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Ge- sundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggrava- tion oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Liegt auch unter dem Ge- sichtspunkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 eine versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikato- ren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksich- tigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreich- baren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Re- gelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardindikato- ren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien „funktionel- ler Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen lassen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Aner- kennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge- sundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi- katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6 S. 308).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 6 2.3Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga- benbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnah- men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier- telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ab- lauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen- dung des 18. Altersjahres folgt. 2.4Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 2.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 7 Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es zunächst, den Gesundheits- zustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erhe- ben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sach- verständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und Gerichte nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitli- chen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich be- gründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Per- son noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195; SVR 2017 IV Nr. 75 S. 231 E. 4.1.1). 2.6Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 2.7Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 8 Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2019 IV Nr. 40 S. 128 E. 3, 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2). 3. 3.1Den medizinischen Akten lässt sich im Wesentlichen Folgendes entnehmen: 3.1.1Im „Arztbericht für Versicherte vor dem 20. Altersjahr“ des Dr. med. F.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 18. De- zember 2013 (AB 13) sind als bei der Versicherten zu stellende Diagnosen eine Adipositas, ein anstrengungsinduziertes Asthma bronchiale sowie ein Verdacht auf Depression genannt. Der Gesundheitszustand der Versicher- ten wirke sich nicht auf den Schulbesuch oder die berufliche Ausbildung aus. Ein Geburtsgebrechen liege nicht vor. Die Möglichkeit einer späteren Eingliederung ins Erwerbsleben lasse sich seines Erachtens durch medizi- nische Massnahmen (als benötigte Therapien sind eine Asthmabehandlung bei Bedarf, eine Ernährungsberatung zur Gewichtsreduktion sowie eine Psychotherapie genannt) wesentlich verbessern (AB 13 S. 5). Seit 2012 bestehe ein behinderungsbedingter Mehraufwand an Hilfeleistung oder persönlicher Überwachung im Vergleich zu einem Nichtbehinderten glei- chen Alters. Er habe die Versicherte am 18. April 2013 letztmals unter- sucht. Bezüglich des Asthmas sei unter Behandlung eine Besserung zu erwarten. Zur psychischen Problematik könne er keine Stellung nehmen (AB 13 S. 6). 3.1.2Laut Austrittsbericht der Spital H.________ AG vom 3. Juli 2017 zur teilstationären Behandlung vom 23. Mai bis 30. Juni 2017 liegen bei der Versicherten als psychiatrische Diagnosen eine emotional instabile Persön- lichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30), ein schädlicher Ge- brauch von Cannabis (ICD-10: F12.1), Probleme durch negative Kind- heitserlebnisse (ICD-10: Z61) sowie andere Probleme in der engeren Be- zugsgruppe, einschliesslich familiärer Umstände (ICD-10: Z63) vor. Bereits die ersten Tage nach Eintritt habe die Versicherte aufgrund psychosomati- scher Beschwerden gefehlt und nach der Hälfte des Aufenthaltes sei es Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 9 erneut zu mehreren Tagen gekommen, an welchen sie nicht erschienen und auch telefonisch kaum erreichbar gewesen sei. Dies habe dazu ge- führt, dass kaum eine Behandlung habe stattfinden und die Therapieziele kaum hätten bearbeitet werden können. Die von ihnen empfohlene statio- näre Behandlung habe die Versicherte abgelehnt. Ebenso eine Anmeldung in der Klinik I.________ (AB 31 S. 2 f.). 3.1.3Gemäss Bericht von Dr. phil. G.________, leitende Psychologin im Zentrum J.________, zur Behandlung der Versicherten vom 27. September 2017 bis 19. Juni (resp. 4. Mai) 2018, bei der IV-Stelle (unvollständig [ohne Seite 6]) eingegangen am 16. August 2018 (AB 32), liegen bei der Versi- cherten als Diagnosen eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus (ICD-10: F60.31), ein schädlicher Gebrauch von Canna- bis (ICD-10: F12.1), Probleme durch negative Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61) sowie andere Probleme in der engeren Bezugsgruppe (ICD-10: Z63) vor. Die Versicherte sei verschiedentlich in therapeutischer Behandlung gewesen und habe die Therapien immer wieder beendet, indem sie sie im Sand habe verlaufen lassen. Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Ich-Störungen oder Gedächtnisstörungen bestünden nicht. Die Versicherte sei jeweils wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen, formalgedanklich geordnet und kohärent bei erhaltender Schwingungsfähigkeit. Im Gespräch sei sie offen und zuge- wandt, gleichzeitig aber leicht misstrauisch und um Kontrolle bemüht ge- wesen. Es bestünden Stimmungsschwankungen sowie eine grosse Hoff- nungs- und Perspektivenlosigkeit und starke Gefühle des Alleinseins. Der Versicherten sei viel Unterstützung in Bezug auf die Wohnsituation und den Aufbau einer beruflichen Perspektive geboten worden. Je konkreter die Angebote jedoch geworden seien und je mehr Einlassen und Engagement diese von der Versicherten verlangt hätten, desto mehr habe sich diese zurückgezogen, indem sie Termine verpasst, sich nicht von den Sitzungen abgemeldet und Aufgaben nicht erledigt habe, bis sie schliesslich nicht mehr erreichbar und ganz abgetaucht gewesen sei. Es scheine ein Muster der Versicherten zu sein, dass sie sich „ausklinke“, sobald der Druck und die Anforderungen an sie zu gross würden. Anschliessend lasse sie eine längere Zeit verstreichen, in der nichts passieren könne, was sie vorwärts bringen könnte (AB 32 S. 4). Der Versicherten sei mindestens 4.2 Stunden Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 10 pro Tag eine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar. Sie brauche viel Unterstützung, damit es überhaupt zur Ausübung einer Tätigkeit kommen könne. Es brauche ein engmaschig begleitetes Setting. Ihr Verhaltensmus- ter, sich immer „auszuklinken“, sobald sich die Situation konkretisieren könnte, stehe einer Eingliederung im Wege (AB 32 S. 6). Die Arbeitsfähig- keit sei vorhanden (AB 32 S. 5). Eine Medikation finde aktuell nicht statt (AB 32 S. 4). 3.1.4Die psychiatrische Begutachtung durch Dr. med. D.________ (AB 45.1) ergab als Diagnosen eine emotional instabile Persönlichkeits- störung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30), einen schädlichen Gebrauch von Cannabis (ICD-10: F12.1), Probleme durch negative Kindheitserlebnis- se (ICD-10: Z61) sowie andere Probleme in der engeren Bezugsgruppe, einschliesslich familiärer Umstände (ICD-10: Z63). Der schädliche Gebrauch von Cannabis könne mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit nicht als selbständiges Krankheitsbild gewertet werden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Cannabiskonsum auf die Grund- erkrankung der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung zurückzuführen sei. Dabei sei zu berücksichtigen, dass von der Beschwerdeführerin ver- sucht werde, die der Persönlichkeitsstörung zu Grunde liegende Sympto- matik, vor allem die starken emotionalen Anspannungen und Stimmungs- schwankungen – wenn auch dysfunktional – über den regelmässigen Kon- sum von Cannabinoiden zu regulieren. Aktuell stünden der Beschwerdefüh- rerin keine erkennbaren funktionalen Bewältigungs- bzw. Regulationsstra- tegien zur Verfügung. Trotz langjährigem Cannabiskonsum seien bisher keine irreversiblen Sucht-Folgeschäden dokumentiert (AB 45.1 S. 28). Hinsichtlich des psychiatrischen Befunds wird die Beschwerdeführerin vom Gutachter als 22-jährige, wache, bewusstseinsklare Patientin in gepflegtem Allgemein- und adipösem Ernährungszustand beschrieben, die zu allen Qualitäten voll orientiert gewesen sei. Aufmerksamkeit und Konzentration seien unbeeinträchtigt gewesen. Merkfähigkeitsstörungen und Störungen des Kurzzeitgedächtnisses hätten keine bestanden. In Bezug auf das Langzeitgedächtnis hätten sich im Hinblick auf die zeitlich exakte Rekon- struktion der Biografie erhebliche Einschränkungen ergeben. Das formale Denken sei flüssig, adäquat und kohärent gewesen. Es hätten sich keine Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 11 Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen, Wahn, Halluzinationen sowie Ich- Störungen ergeben. Ebenso wenig hätten sich pathologische Ängste, Pho- bien oder Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen gefunden. Auch dis- soziative Zustände seien nicht berichtet worden. Die Stimmung habe sich während der Untersuchung normal gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe jedoch über starke Stimmungsschwankungen berichtet, die einerseits ohne erkennbare Auslöser im Tagesverlauf und andererseits von Tag zu Tag auftreten würden. Im Hinblick auf die affektive Modulationsfähigkeit hätten sich während der Exploration keine Auffälligkeiten ergeben. Nach Angaben der Beschwerdeführerin würden regelmässig spontan auftretende, nicht regulierbare starke innere Anspannungen bestehen, die seit ca. zwei Jah- ren des Öfteren zu selbstschädigendem Verhalten (Kratzen) sowie impulsi- ven Gefühlsdurchbrüchen führen würden. Obwohl im Untersuchungszeit- punkt keine Auffälligkeiten in Bezug auf Antrieb, Motivation und Psychomo- torik feststellbar gewesen seien, würden gemäss Beschwerdeführerin in den Phasen von starkem Stimmungsabfall bzw. starker innerer Anspan- nung ein erheblicher Antriebs- und Motivationsverlust bzw. eine ausgepräg- te Lust- und Interesselosigkeit sowie eine ausgeprägte Lethargie resultie- ren. Gelegentlich würden Einschlafstörungen auftreten. Durchschnittlich sei der Schlaf aber normal. Die Beschwerdeführerin habe sich glaubhaft von Suizidalität distanzieren können. Als Grund „nicht zu gehen“ habe sie die Verantwortung für ihre Tiere angegeben (AB 45.1 S. 26). Die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin sei geprägt durch Defizite in der Wahrnehmung eigener emotionaler Zustände (Mentalisierungsdefizit) und deren adäquaten, funktionalen Regulation (Defizit in der Emotionsregulati- on). Die fehlende Fähigkeit, emotionale Zustände zu verbalisieren (mentali- sieren) und diese somit adäquat regulieren zu können, erhöhe die Wahr- scheinlichkeit von impulsiven, unkontrollierten emotionalen Ausbrüchen und selbstschädigendem Verhalten bei innerer Anspannung. Aufgrund der Beziehungs- und Interaktionserfahrungen sei darüber hinaus von einem eher niedrigen Selbstwert, einer niedrigen Selbstwirksamkeit und stark verminderter Frustrationstoleranz auszugehen. Es bestehe ebenfalls ein Defizit, anderen Menschen zu vertrauen bzw. sich auf längerfristige Bezie- hungen einzulassen (Nähe-Distanz-Problem). Zudem bestünden aus der Lebensgeschichte resultierende starke emotionale Schemata, die bei hier-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 12 archischen Anweisungen, ungerechter Behandlung oder nicht nachvoll- ziehbarer Kritik hochautomatisiert starke negative Emotionen (Wut, Ärger) auslösten und zu impulsiven, durch die Beschwerdeführerin nicht kontrol- lierbaren Reaktionen führten. Hinsichtlich Ressourcen dürfe davon ausge- gangen werden, dass die Beschwerdeführerin über eine durchschnittliche Intelligenz und Humor verfüge. Zudem bestünden zahlreiche Interessen, Fähigkeiten und Hobbies: Zeichnen und Gestalten, Zuneigung zu Tieren, Freude am Trainieren von Hunden, Naturverbundenheit, Interesse an IT- Technik. Zudem sei die Beschwerdeführerin, wenn sie sich gesundheitlich stabil gefühlt habe, als mehrheitlich zuverlässig, offen und zugänglich wahrgenommen worden und könne viel Engagement und Motivation auf- bringen, wenn sie sich für eine Aufgabe begeistern könne. Aufgrund des nahezu vollständigen Fehlens eines sozialen Umfelds inklusive der Primär- familie bestehe ausser von professioneller Seite (Sozialdienst) kaum Un- terstützung (AB 45.1 S. 32). Als Voraussetzung für eine positive Entwicklung des Krankheitsverlaufs müsse eine stabile, vertrauensvolle therapeutische Beziehung vorwiegend im ambulanten Setting mit einer regelmässigen Behandlungsfrequenz an- gesehen werden. Im Zentrum der Behandlung sollten dabei die Verbesse- rung der Mentalisierungsfähigkeit (Wahrnehmung und Beschreibung eige- ner emotionaler Zustände) und die Fähigkeit zur Emotionsregulation ste- hen. In den bisherigen Behandlungen habe keine längerfristige stabile the- rapeutische Beziehung etabliert werden können. Aufgrund der Art und Schwere der Erkrankung sei davon auszugehen, dass es sich um einen eher langfristigen Therapieverlauf handeln werde, bei dem die der Persön- lichkeitsstörung zu Grunde liegende Symptomatik sowohl psychopharma- kologisch als auch psychotherapeutisch eher schwer zu beeinflussen sein werde (AB 45.1 S. 33). Die geklagten Symptome und die daraus abgeleiteten Funktionseinschrän- kungen seien konsistent und plausibel und die Untersuchungsergebnisse valide und nachvollziehbar. Die erhobenen, relativ blanden Befunde stün- den nicht im Widerspruch zu dem mindestens seit 2012 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmenden Gesundheitsschaden und den in den Akten dokumentierten Diagnosen. Sie spiegelten vielmehr die Fähigkeiten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 13 und Ressourcen – vor allem auch im zwischenmenschlichen Kontakt – der Beschwerdeführerin wider, wenn ein gesundheitlich stabiler Zustand vorlie- ge. Die von der Beschwerdeführerin beschriebenen, durch sie nicht kontrol- lierbaren starken Stimmungsschwankungen sowie die starken emotionalen Anspannungszustände mit selbstschädigendem Verhalten, impulsiven Durchbrüchen und den Konsequenzen im zwischenmenschlichen Verhal- ten (Beziehungsabbruch, Rückzug) seien in den Akten mehrfach dokumen- tiert. Es ergäben sich somit keine Inkonsistenzen in Bezug auf die von der Beschwerdeführerin beschriebene Symptomatik und die in der Untersu- chungssituation erhobenen Befunde (AB 45.1 S. 33 f.). Gemäss Gutachten müsste eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit inhaltlich den Interessensgebieten der Beschwerdeführerin (Ge- staltung/Zeichnen; Tierhaltung/Tiertraining; IT/Programmierung) entspre- chen, flache hierarchische Strukturen aufweisen, durch eine vertrauens- würdige, berechenbare, wertschätzende Vorgesetzte oder einen vertrau- enswürdigen, berechenbaren, wertschätzenden Vorgesetzten begleitet werden, der Anweisungen bzw. Entscheidungen klar und transparent kommunizieren und logisch begründen könne. Nach einer Einführung müsste die Tätigkeit ein Mindestmass an Selbständigkeit ermöglichen, die Möglichkeit eines zeitweisen Rückzugs (Pausen) beinhalten und es brau- che zumindest zu Beginn eine gewisse Toleranz gegenüber krankheitsbe- dingten Fehlzeiten. Aufgrund der aktuell wiederkehrenden starken Stim- mungsschwankungen und der damit einhergehenden Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie des Antriebs- und Motivationsmangels sei zunächst mit einer Einschränkung der Leistung zu rechnen. Der Um- fang der Leistungseinschränkung sei prognostisch nur schwer zu quantifi- zieren. Es sei davon auszugehen, dass die Leistungseinschränkung hoch- gradig von der Einhaltung der Kriterien einer optimal angepassten Tätigkeit abhängig sein werde, da durch diese die Wahrscheinlichkeit einer Aktivie- rung der bestehenden hochautomatisierten emotionalen Schemata und in der Folge die Leistungseinschränkung reduziert werden könne. Bei Aktivie- rung der Schemata und der daraus resultierenden Konsequenzen in Bezug auf die Symptomatik der Beschwerdeführerin müsse mit einer starken Leis- tungseinschränkung gerechnet werden. Die skizzierten Kriterien einer op- timal angepassten Tätigkeit dürften gemäss psychiatrischem Gutachter am Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 14 ehesten einer geschützten resp. durch die Invalidenversicherung finanzier- ten Ausbildungsstelle entsprechen. Im freien Arbeitsmarkt müsse bei dem bestehenden Gesundheitsschaden bezogen auf ein 100%-Pensum davon ausgegangen werden, dass keine Arbeitsfähigkeit vorliege. Der zeitliche Verlauf der Entwicklung dieser Arbeitsfähigkeit sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt prognostisch nicht einschätzbar, da er von vielen Variablen ab- hänge. Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen noch relevant verbessert werden. Es brauche die Etablierung einer stabilen, ver- trauensvollen therapeutischen Beziehung vorwiegend im ambulanten Set- ting mit einer regelmässigen Behandlungsfrequenz einschliesslich psycho- pharmakologischer Behandlung. Aufgrund der Art und Schwere der Er- krankung sei von einer längeren Behandlungsdauer auszugehen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass Persönlichkeitsstörungen per se therapeutisch nur schwer angegangen werden könnten und eine hohe Veränderungsre- sistenz aufwiesen (AB 45.1 S. 35 f.). 3.1.5Mit Schreiben vom 12. Juni 2019 (AB 70 S. 2 ff.) hielten die Ärzte der Spital E.________ AG, wo sich die Beschwerdeführerin seit dem 22. Mai 2019 in ambulanter psychiatrischer Betreuung befand, als Diagno- sen eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), einen schädlichen Gebrauch von Cannabis (ICD-10: F12.1) sowie Proble- me durch schädliche Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61) fest (AB 70 S. 2). Im Rahmen des Arbeitsversuchs habe die Beschwerdeführerin eine de- pressive Symptomatik mit ausgeprägtem sozialem Rückzug und Antriebs- losigkeit entwickelt. Hinzu kämen Durchschlafstörungen, Morgentiefs und Gedankenkreisen. Diese Symptome erfüllten die Kriterien einer mittelgradig depressiven Episode (ICD-10: F32.1) und hätten zum Arbeitsabbruch ge- führt. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ in der Arbeitssituati- on überfordert gewesen sei, hierdurch eine depressive Symptomatik entwi- ckelt habe und in der Folge den Arbeitsversuch habe abbrechen müssen. Neben der depressiven Symptomatik leide die Beschwerdeführerin unter emotionaler Instabilität mit Stimmungsschwankungen mehrmals täglich von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, unbeständiger launischer Stimmung und emotionalen Durchbrüchen mit Gegenständen schmeissen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 15 Hinzu komme selbstschädigendes Verhalten mit Kratzen bis zum Bluten. Diese Symptome würden einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ entsprechen. Wie der Arbeitsversuch gezeigt habe, sei die Beschwerdeführerin wegen ihrer instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ in der Arbeitssituation überfordert gewesen und habe eine depressive Symptomatik entwickelt. Diese Entwicklung bestätige die in der Vergangenheit mehrmals attestierte Notwendigkeit eines engmaschigen begleitenden Settings, um die Beschwerdeführerin in den Arbeitsprozess zu integrieren (AB 70 S. 2 f.). Im Vorbescheid der Invalidenversicherung sei richtig festgestellt worden, dass eine erhebliche Diskrepanz zwischen der attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit und den Freizeitakti- vitäten der Beschwerdeführerin bestehe. Allerdings liessen die zahlreichen Interessen und Fähigkeiten im privaten Bereich nicht den Schluss zu, dass die Beschwerdeführerin arbeitsfähig sei, denn ein Hauptsymptom der emo- tional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ bestehe darin, dass Personen mit dieser Störung Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen hätten, die nicht unmittelbar belohnt würden, wie dies in einer Arbeitstätigkeit eher auftrete als in freiwillig gewählten Aktivitäten in der Freizeit, bei welchen sich Anforderungen, Dauer und Intensität frei wählen liessen. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin bisher keine regel- mässige Psychotherapie durchgeführt habe, sei wiederum auf die emotio- nal instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ zurückzuführen und nicht auf eine mangelnde Kooperationsfähigkeit. Aktivitäten der Be- schwerdeführerin seien von Impulsivität geprägt. Langfristiges und aufbau- endes Verhalten seien durch die Erkrankung gestört. Erfreulich sei der Um- stand, dass die Beschwerdeführerin gegenwärtig motiviert sei, bei ihnen eine Psychotherapie durchzuführen. Hauptmotiv sei nach glaubhaften An- gaben der Beschwerdeführerin die Wiederaufnahme eines Arbeitsversuchs mit dem Ziel der Arbeitsintegration. In der Therapie bei ihnen sei sie ge- genüber einer medikamentösen Behandlung zur Unterstützung des Errei- chens des Ziels ebenfalls positiv eingestellt. Eine antidepressive Therapie mit Escitalopram sei am 22. Mai 2019 begonnen worden. Hierunter hätten sich die depressiven Symptome bereits gebessert. Auch bezüglich der emotionalen Instabilität wünsche die Beschwerdeführerin eine Medikation. Eine entsprechende Behandlung mit Quetiapin sei vorbesprochen worden und werde voraussichtlich in der nächsten Behandlung vom 16. Juni 2019 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 16 initiiert. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin nun sowohl eine Psy- chotherapie als auch eine medikamentöse Behandlung durchführen möch- te, sei wahrscheinlich durch Therapiefortschritte durch die vorangehenden Therapien wie auch die aktuelle Therapie bedingt und prognostisch positiv zu werten. Zusammenfassend könne angemerkt werden, dass die aktuelle Entwicklung mit dem Arbeitsabbruch die Notwendigkeit einer engmaschi- gen Begleitung in der Arbeitsintegration bestätige. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin sowohl für eine psychiatrische wie auch medika- mentöse Behandlung mit dem Ziel der Arbeitsintegration motiviert sei, sei prognostisch günstig zu werten (AB 70 S. 3). 3.2In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten des Dr. med. D.________ vom 29. Dezember 2018 (AB 45.1). Das Gutachten erfüllt – jedenfalls in diagnostischer Hinsicht - sämtliche der in Erwägung 2.6 hiervor genannten, von der Rechtsprechung an medizinische Expertisen gestellten Anforderungen und erbringt damit hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin vollen Beweis (vgl. E. 2.7 hiervor). Zu keinem anderen Ergebnis führt der Bericht der Spital E.________ AG vom 12. Juni 2019 (AB 70). Die Diagno- sen einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30) sowie eines schädlichen Gebrauchs von Cannabis (ICD- 10: F12.1) werden darin bestätigt. Soweit zusätzlich eine mittelgradige de- pressive Episode diagnostiziert wird, weist die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort zu Recht darauf hin, dass sich die depressiven Sym- ptome gemäss Bericht innerhalb von kurzer Zeit gebessert hätten. Die Be- schwerdeführerin wolle sowohl eine Psychotherapie als auch eine medika- mentöse Behandlung durchführen, was prognostisch positiv zu werten sei. Hinweise dafür, dass diese günstige Prognose im Zeitpunkt der angefoch- tenen Verfügung nicht mehr zutreffend gewesen wäre, bestehen nicht. Wei- ter ist unbestritten und aufgrund der Akten erstellt, dass die Beschwerde- führerin an keinen die Arbeitsfähigkeit einschränkenden somatischen Be- einträchtigungen leidet und über eine durchschnittliche Intelligenz verfügt (vgl. AB 70 S. 2, AB 45.1 S. 28 und 32). Zusammenfassend erweist sich der medizinische Sachverhalt als rechtsgenüglich abgeklärt. Von weiteren medizinischen Abklärungen sind bei dieser Ausgangslage keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten, weshalb auf solche in antizipierter Be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 17 weiswürdigung zu verzichten ist (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). Etwas anderes wird von den Parteien denn auch nicht geltend gemacht. 3.3Gemäss dem psychiatrischen Gutachten vom 29. Dezember 2018 (AB 45.1) ist eine relevante Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Be- schwerdeführerin dann zu erwarten, wenn die Kriterien einer optimal ange- passten Tätigkeit (flache hierarchische Strukturen, vertrauenswürdige, be- rechenbare, wertschätzende Vorgesetzte, welche Anweisungen bzw. Ent- scheidungen klar und transparent kommunizieren und logisch begründen können, Mindestmass an Selbständigkeit, Möglichkeit eines zeitweisen Rückzugs [Pausen], zu Beginn eine gewisse Toleranz gegenüber krank- heitsbedingten Fehlzeiten; vgl. AB 45.1 S. 35 sowie E. 3.1.4 hiervor) nicht eingehalten werden, wobei Dr. med. D.________ den Umfang der von ihm angenommenen Leistungseinschränkung „prognostisch nur schwer“ quanti- fizieren und auch den zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit nicht einschät- zen konnte (AB 45.1 S. 36). Soweit der Gutachter in der Folge den medizi- nisch zu beurteilenden Bereich verlassend insinuiert, dass eine entspre- chend angepasste Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht existieren würde und der Beschwerdeführerin deshalb – anders als die von Septem- ber 2017 bis Mai 2018 behandelnde Psychologin Dr. phil. G.________, welche – wenn auch unter bestimmten Kautelen – immerhin von einer min- destens 50%-igen Arbeitsfähigkeit ausging (vgl. E. 3.1.3 hiervor), bezogen auf den freien Arbeitsmarkt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. AB 45.1 S. 36), kann ihm aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht gefolgt werden. Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu- mutbarerweise erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgegliche- nen Arbeitsmarkt zu ermitteln. Dieser theoretische und abstrakte Begriff dient dazu, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Er umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 18 genkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (BGE 138 V 457 E. 3.1 S. 459; SVR 2019 IV Nr. 21 S. 66 E. 4.2). Ob der ausgeglichene Arbeitsmarkt dem Zumutbarkeitsprofil entsprechende Stellen kennt, ist eine Rechtsfrage (SVR 2010 IV Nr. 39 S. 123). Anders als vom Gutachter in Bezug auf den freien Arbeitsmarkt angenommen, ist davon auszugehen, dass sich auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Stellen finden, die die Kri- terien einer der Behinderung der Beschwerdeführerin optimal angepassten Tätigkeit erfüllen und dass die Beschwerdeführerin ihre guten Ressourcen somit auch wirtschaftlich nutzen kann. Auf die attestierte vollständige Ar- beitsunfähigkeit durch Dr. med. D.________ (AB 45.1 S. 36 Ziff. 8.2.3) kann folglich bereits aus diesem Grund nicht abgestellt werden. 3.4Die psychiatrischen Diagnosen insbesondere einer emotional in- stabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30) so- wie eines schädlichen Gebrauchs von Cannabis (ICD-10: F12.1) sind vor- liegend sachgerecht ausgewiesen und halten auch unter dem Gesichts- punkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 stand (vgl. E. 2.2 hiervor; Hinweise auf ein aggravatorisches Verhalten der Beschwerdeführerin oder eine ähnliche Erscheinung finden sich nicht [vgl. AB 45.1 S. 33]). Zu prüfen bleibt, ob der psychischen Problematik der Beschwerdeführerin in einer gesamthaften Würdigung der massgebenden Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 aus juristischer Sicht eine invalidisierende Wirkung zuerkannt wer- den kann (vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3 S. 54). Diese Beurteilung ist gestützt auf die medizinische Faktenlage und damit auf das in sachverhaltlicher Hinsicht grundsätzlich voll beweiskräftige psychiatrische Gutachten des Dr. med. D.________ vom 29. Dezember 2018 (AB 45.1) wie auch die üb- rigen medizinischen Akten, insbesondere auch den Bericht der Spital E.________ AG vom 12. Juni 2019 (AB 70 S. 2 ff.), vorzunehmen. Daran ändern die Ausführungen in der Beschwerde nichts. 3.4.1Kategorie „funktioneller Schweregrad“ 3.4.1.1Komplex Gesundheitsschädigung Zum Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Sympto- me ist festzuhalten, dass die psychopathologische Befunderhebung vom 2. November 2018 durch den psychiatrischen Gutachter Dr. med. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 19 D.________ keine relevanten Auffälligkeiten ergab (vgl. AB 45.1 S. 26), die gutachterliche Diagnosestellung und die angenommenen Funktionsein- schränkungen mithin im Wesentlichen auf den Schilderungen der Be- schwerdeführerin und deren Angaben und Dokumentation in den Vorakten beruht (vgl. AB 45.1 S. 33 f.). Angesichts der relativ blanden objektiven Befunde anlässlich der psychopathologischen Befunderhebung ist in Über- einstimmung mit der Beschwerdegegnerin eine erhebliche Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde zu verneinen resp. von einem relativ gering ausgeprägten Leiden auszugehen (vgl. Beschwerdeantwort, S. 3). Eine psychiatrische Behandlung lege artis mit optimaler Kooperation wurde von der Beschwerdeführerin erst nach Erhalt des Vorbescheids vom 10. Mai 2019 (AB 61) aufgenommen (vgl. AB 70 S. 2) und hat gemäss Be- richt des behandelnden Arztes bereits zu einer Besserung der Symptome resp. zu Therapiefortschritten und einer entsprechend positiven Prognose geführt (vgl. AB 70 S. 3). Eine Behandlungsresistenz kann folglich klarer- weise verneint werden. Die berufliche Eingliederung im K.________ (AB 53) hat die Beschwerdeführerin trotz grundsätzlicher Zumutbarkeit (vgl. AB 45.1 S. 36, AB 70 S. 3) abgebrochen (AB 69). Auch wenn die Be- schwerdeführerin dies damit begründet, sich nicht in der Lage gefühlt zu haben, die vereinbarten Ziele zu erreichen (vgl. IV-Protokoll [in den Ge- richtsakten] S. 8; siehe auch die retrospektive Stellungnahme der E.________ AG vom 12. Juni 2019 [AB 70 S. 2]), ist dies angesichts der grundsätzlichen Zumutbarkeit der Eingliederungsmassnahme als Indiz für eine nicht invalidisierende Beeinträchtigung zu werten. Eigenständige krankheitswertige Störungen im Sinne von relevanten Ko- morbiditäten zur emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsi- ven Typ (ICD-10: F60.30) sind zu verneinen. Der schädliche Gebrauch von Cannabis kann gemäss Gutachten nicht als selbständiges Krankheitsbild gewertet werden, sondern ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die emotional instabile Persönlichkeitsstörung zurückzuführen und hat bisher keine irreversiblen Sucht-Folgeschäden verursacht. Dass die im Gutachten genannten Z-Diagnosen (Probleme durch negative Kindheitserlebnisse sowie andere Probleme in der engeren Bezugsgruppe, einschliesslich fami- liäre Umstände), die für sich alleine unstrittig keine rechtserheblichen Ge-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 20 sundheitsbeeinträchtigungen darstellen (SVR 2012 IV Nr. 52 S. 188 E. 3.1 und 3.3), der Beschwerdeführerin über die durch sie begünstigte emotional instabile Persönlichkeitsstörung hinaus in relevantem Ausmass Ressour- cen rauben würden, ist gestützt auf das Gutachten zu verneinen, werden diese Diagnosen im Gutachten doch nicht als relevante Komorbiditäten, sondern im Wesentlichen als Erklärung für die Entwicklung der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung der Beschwerdeführerin genannt (vgl. AB 45.1 S. 28 ff.). Zusammenfassend liegen bei der Beschwerdeführerin nach dem Dargelegten weder in somatischer noch psychischer Hinsicht relevante Komorbiditäten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. 3.4.1.2Komplex „Persönlichkeit“ Die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin ist gemäss Gutachten geprägt durch Defizite in der Wahrnehmung eigener emotionaler Zuständen und deren adäquater funktionaler Regulation, was die Wahrscheinlichkeit von impulsiven, unkontrollierten emotionalen Ausbrüchen oder selbstschädi- genden Verhaltens bei innerer Anspannung erhöhe. Darüber hinaus ist gemäss Gutachten von einem eher niedrigen Selbstwert, einer niedrigen Selbstwirksamkeit und einer stark verminderten Frustrationstoleranz aus- zugehen (vgl. AB 45.1 S. 32). Daneben verfügt die Beschwerdeführerin jedoch unstrittig auch über zahlreiche Ressourcen/Fähigkeiten mit vielen Interessen. Sie zeichnet und gestaltet sehr gerne, ist naturverbunden, liebt den Umgang mit Tieren, ist humorvoll und hat eine IT-Affinität (AB 45.1 S. 34). Bei gesundheitlicher Stabilität und vorhandenem Interesse wird sie als zuverlässig, offen, zugänglich, engagiert und motiviert beschrieben (vgl. AB 45.1 S. 34), was klar gegen eine relevante Einschränkung der Leis- tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer optimal angepassten Tätig- keit spricht (vgl. E. 3.3 hiervor). 3.4.1.3Komplex „Sozialer Kontext“ Die Beschwerdeführerin verfügt über einen geregelten Tagesablauf und ist auch an schlechten Tagen in der Lage, ihre Tiere zu versorgen. Sie geht in der Regel mehrere Stunden täglich spazieren, erledigt die Arbeiten im Haushalt, trainiert mit ihrem Hund, trifft jeden Tag eine Nachbarin und erle- digt auch ihre administrativen Angelegenheiten weitgehend alleine Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 21 (AB 45.1 S. 22 f., AB 45.1 S. 31). Sie befindet sich gemäss Gutachten seit September 2018 in einer neuen Beziehung zu einem zur Zeit der Begut- achtung 25-jährigen Mann. Sie fühlt sich nach eigenen Angaben in der Be- ziehung wohl, brauche jedoch auch Abstand. Das Paar würde sich circa zwei- bis dreimal pro Woche treffen (AB 45.1 S. 31). Auch unter Berück- sichtigung der Beurteilung im Gutachten, aufgrund des nahezu vollständi- gen Fehlens eines sozialen Umfelds inklusive der Primärfamilie bestehe ausser von professioneller Seite (Sozialdienst) kaum Unterstützung (AB 45.1 S. 32), sprechen der beschriebene Tagesablauf resp. des Akti- vitätsniveau wie auch die offenbar durchaus vorhandenen sozialen Kontak- te für gute mobilisierbare Ressourcen auch in diesem Bereich. 3.4.2Kategorie „Konsistenz“ Anders als vom Gutachter beurteilt (AB 45.1 S. 33), liegt bei der Beschwer- deführerin nach dem Dargelegten kein konsistentes Bild der Einschränkun- gen des Aktivitätsniveaus in allen Lebensbereichen vor (siehe auch AB 70 S. 3). In ihren Alltags- und Freizeitaktivitäten ist die Beschwerdeführerin praktisch nicht eingeschränkt und ein krankheitsbedingter Leidensdruck ist behandlungs- und eingliederungsanamnestisch nicht ausgewiesen (vgl. E. 3.4.1.1 und 3.4.1.3 hiervor). Zwar hat die Beschwerdeführerin mittlerwei- le eine psychiatrische Behandlung lege artis aufgenommen und scheint diesbezüglich nun auch besser zu kooperieren (vgl. AB 70), dazu kam es jedoch erst, nachdem ihr die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aus- sicht gestellt worden war (AB 61). 3.5In einer gesamthaften Würdigung der massgebenden Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 ist nach dem Dargelegten die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin zu bestätigen, wonach ein invalidisierender Ge- sundheitsschaden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewie- sen ist resp. der psychischen Problematik der Beschwerdeführerin aus rechtlicher Sicht keine invalidisierende Wirkung zuerkannt werden kann. Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 3. Oktober 2019 (AB 71) ist somit nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 22 4. 4.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen und – unter Vorbehalt der unentgeltlichen Rechtspflege – der unterliegenden Be- schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). 4.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]). 4.3Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. 4.3.1Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts- begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun- gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti- gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1). 4.3.2Aufgrund des zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einge- reichten Sozialhilfebudgets (Beschwerdebeilage [BB] 3) ist die Prozessbe- dürftigkeit der Beschwerdeführerin erstellt. Das vorliegende Beschwerde- verfahren war auch nicht als von vornherein aussichtslos zu bezeichnen. Auch war die anwaltliche Verbeiständung im Beschwerdeverfahren ge- rechtfertigt. Damit sind die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege und Verbeiständung im Beschwerdeverfahren erfüllt. Das Gesuch ist somit gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin ist folglich – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizeri- schen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272) – von der Zahlungspflicht betreffend die Verfahrenskosten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 23 zu befreien (Art. 113 VRPG) und ihr ist Rechtsanwalt C.________ als amt- licher Anwalt beizuordnen. 4.4Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts wird der Stundenan- satz amtlicher Anwältinnen und Anwälte gemeinnützig tätiger Rechtsbera- tungsstellen unter Beachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 135 I 1 E. 7.3 S. 3; SVR 2010 IV Nr. 3 S. 6 E. 5.4) auf Fr. 130.-- fest- gesetzt. Dieser allgemeingültige pauschalisierte Stundenansatz wird im konkreten Fall mit dem gebotenen Aufwand multipliziert (vgl. Rundschrei- ben der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung und der Abteilung für französischsprachige Geschäfte des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dezember 2009, abrufbar unter www.justice.be.ch). Die Kostennote von Rechtsanwalt C.________ vom Rechtsdienst B.________ vom 20. Dezember 2019 ist nicht zu beanstanden. Entspre- chend dem geltend gemachten Aufwand von 8.3 Stunden wird das amtliche Honorar von Rechtsanwalt Meier Rhein auf Fr. 1‘079.-- (8.3 h x Fr. 130.--/h), zuzüglich Fr. 70.-- Auslagen und Fr. 88.45 Mehrwertsteuer, somit auf total Fr. 1‘237.45 festgesetzt. Die Beschwerdeführerin hat dem Kanton Bern diese Kosten entsprechend den Voraussetzungen von Art. 123 ZPO nachzuzahlen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt C.________ als amtlicher Anwalt wird gutgeheissen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 14. Mai 2020, IV/19/847, Seite 24 zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Dem amtlichen Anwalt C.________ wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 1‘237.45 (inkl. Ausla- gen und MWSt.) festgesetzte Entschädigung vergütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO. 6. Zu eröffnen (R): - B.________, Rechtsanwalt C.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.