<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"> <html> <head> <title>RBOG 2008 Nr. 33</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="Eintritt der Zustellfiktion bei postlagernd adressierten Sendungen" name="description"/> <link href="../css/style.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> <link href="../css/style_print.css" media="print" rel="stylesheet" type="text/css"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="content-type"/> </head> <body bgcolor="#ffffff" leftmargin="0" marginheight="0" marginwidth="0" topmargin="0"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td colspan="3"><img height="10" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> </tr> <tr> <td width="10"><img height="1" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> <td class="navbaum">RBOG 2008 Nr. 33</td> <td width="10"><img height="1" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> </tr> <tr> <td colspan="3"><img height="15" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> </tr> <tr> <td height="1" width="10"><img height="1" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> <td height="1"><hr noshade="" size="1"/></td> <td width="10"><img height="1" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> </tr> <tr> <td colspan="3"><img height="15" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> </tr> <tr> <td width="10"><img height="1" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> <td><p> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Word.Document" name="ProgId"/> <meta content="Microsoft Word 11" name="Generator"/> <meta content="Microsoft Word 11" name="Originator"/></p> <p><span><strong>Eintritt der Zustellfiktion bei postlagernd adressierten Sendungen </strong></span></p><table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"><tr><td><img border="0" height="10" src="../images/abst1.gif" width="1"/></td></tr></table><p><span>(§ 58 ZPO)</span></p> <hr/> <p><span> 1. Mit Verfügung vom 27. November 2007 wies die Vorinstanz den Rekurrenten aus den von ihm gemieteten Räumen aus. Vom Rekurrenten war stets nur die Adresse "Postlagernd" in A bekannt. Der Rekurrent erhob am 27. Dezember 2007 Rekurs. Auch in der Rekursschrift gab er wieder die Adresse "Postlagernd" in A an.</span></p> <div> <p><span> 2. a) Wird bei Postzustellung eine eingeschriebene Postsendung vom Empfänger nicht entgegengenommen, wird ihm eine Abholungseinladung in den Briefkasten gelegt, und es gilt die siebentägige postalische Abholfrist gemäss den Geschäftsbedingungen der Post<font size="2"><a href="#_ftn1" name="_ftnref1" title=""> <font color="#339933">[1]</font></a>. An dieser Regelung hat sich durch die Anpassungen der postalischen Vorschriften (Aufhebung der Verordnung über den Postverkehr und Regelung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen), die insoweit gleichlautend geblieben sind, nichts geändert<a href="#_ftn2" name="_ftnref2" title=""><font color="#339933">[2]</font></a>. Eine nicht abgeholte, eingeschrieben zugestellte Gerichtsurkunde gilt – sofern sie nicht früher abgeholt wird – als am letzten Tag der Abholfrist zugestellt, falls der Adressat mit der Zustellung rechnen musste<a href="#_ftn3" name="_ftnref3" title=""><font color="#339933">[3]</font></a>. Der Adressat hat mit der Zustellung zu rechnen, wenn ein Prozessrechtsverhältnis begründet ist, denn Prozessbeteiligte haben dafür zu sorgen, dass Urkunden und Entscheide, welche das Verfahren betreffen, ihnen auch zugestellt werden können<a href="#_ftn4" name="_ftnref4" title=""><font color="#339933">[4]</font></a>, indem ihnen im Fall ihrer Abwesenheit die Sendungen nachgeschickt werden, oder indem sie ein Zustelldomizil und einen Zustellungsbevollmächtigten bezeichnen<a href="#_ftn5" name="_ftnref5" title=""><font color="#339933">[5]</font></a>; diese Praxis ist im Hinblick auf die Rechtssicherheit und den geordneten Gang des Gerichtsverfahrens unumgänglich und basiert letztlich auf dem Grundsatz von Treu und Glauben<a href="#_ftn6" name="_ftnref6" title=""><font color="#339933">[6]</font></a>. Voraussetzung ist aber stets, dass der Betroffene weiss oder wissen muss, dass ein Prozessrechtsverhältnis besteht: Wer hingegen selbst ein Verfahren in Gang setzt (wie etwa ein Rechtsmittelverfahren), muss auch mit entsprechenden Zustellungen rechnen<a href="#_ftn7" name="_ftnref7" title=""><font color="#339933">[7]</font></a>. Für die Berechnung der siebentägigen Abholfrist zählen Sonn- und Feiertage mit, wobei die Fristen mit dem der ersten Vorweisung oder dem der Bereitstellung folgenden Tag beginnen; fällt der letzte Tag der Frist auf einen Samstag, Sonntag oder auf einen am Ort der Aufbewahrung anerkannten Feiertag, endigt die Frist am nächsten Werktag<a href="#_ftn8" name="_ftnref8" title=""><font color="#339933">[8]</font></a>. Einem Rückbehalteauftrag an die Post geht mit Bezug auf den Fristenlauf jede Relevanz ab<a href="#_ftn9" name="_ftnref9" title=""><font color="#339933">[9]</font></a>: Wer die Post beauftragt, an ihn adressierte Postsendungen einschliesslich Abholungseinladungen für eingeschriebene Sendungen zurückzubehalten, kann weder der Zustellfiktion nach sieben Tagen entgehen noch irgendwelche Fristen hinausschieben; ein nicht abgeholter Einschreibebrief gilt bei Rückbehalteaufträgen als am siebten Tag seit Empfang der Sendung beim Bestimmungspostamt zugestellt<a href="#_ftn10" name="_ftnref10" title=""><font color="#339933">[10]</font></a>; dasselbe gilt sinngemäss für andere Vereinbarungen des Empfängers mit der Post<a href="#_ftn11" name="_ftnref11" title=""><font color="#339933">[11]</font></a>.</font></span></p> <p> <font size="2"> b) Nach der in BGE 111 V 99 publizierten Praxis gelten <span>postlagernd adressierte Briefsendungen in jenem Zeitpunkt als zugestellt, in welchem sie auf der Post abgeholt werden; geschieht dies nicht innert der Aufbewahrungsfrist von einem Monat, so gilt die Sendung als am letzten Tag dieser Frist zugestellt. Abweichend von dieser Praxis erkannte das Bundesgericht in einem nicht veröffentlichten Urteil aus dem Jahr 2000<a href="#_ftn12" name="_ftnref12" title=""><span><span><span><font color="#339933">[12]</font></span></span></span></a>, bei postlagernden Sendungen betrage die Frist für den Eintritt der Zustellungsfiktion nicht dreissig, sondern wie bei Postfach- beziehungsweise Briefkastenzustellungen sieben Tage. Es stützte sich dabei auf den publizierten Entscheid BGE 113 Ib 89 f. In BGE 127 III 173 sodann warf die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts die Frage auf, ob mit Bezug auf Postlagersendungen in Analogie zu der bei Briefkasten- und Postfachzustellungen geltenden Übung die Sendung als am letzten Tag einer Frist von sieben Tagen ab Eingang bei der Bestimmungspoststelle zugestellt gelten kann. Es liess diese Frage allerdings offen, da sich die Zustellung des Zahlungsbefehls im konkreten Fall als nichtig erwies. In einem weiteren Fall schliesslich hielt das Bundesgericht fest, die Praxis, wonach für postlagernde Sendungen eine Abholfrist von sieben Tagen gelte, sei unter dem Gesichtspunkt der Willkür grundsätzlich nicht zu beanstanden<a href="#_ftn13" name="_ftnref13" title=""><span><span><span><font color="#339933">[13]</font></span></span></span></a>.</span></font></p> </div> <p><font size="2"><span> c) Mit Rücksicht auf diese Rechtsprechung erweist sich der Rekurs als offensichtlich verspätet, so dass darauf nicht einzutreten ist.</span></font></p> <p><font size="2">Obergericht, 17. Januar 2008, ZR.2008.1</font></p> <div><font size="2"><hr align="left" size="1" width="33%"/> </font> <div id="ftn1"> <div><a href="#_ftnref1" name="_ftn1" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[1]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> Vgl. www.post.ch</font></div> </div> <div id="ftn2"> <div><a href="#_ftnref2" name="_ftn2" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[2]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> <span> BGE 127 I 34; ARGVP 1999 Nr. 2179</span></font></div> </div> <div id="ftn3"> <div><a href="#_ftnref3" name="_ftn3" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[3]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> <span> <a href="http://ogbuch.tg.ch/html/4E8653AF-D7FD-43EA-82EFA9743CF055A5.html">RBOG 2001 Nr. 38</a> S. 204 f., 1993 Nr. 40, 1987 Nr. 45; BGE 127 I 34, 123 III 493, 117 III 4, 116 Ia 92</span></font></div> </div> <div id="ftn4"> <div><a href="#_ftnref4" name="_ftn4" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[4]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> <a href="http://ogbuch.tg.ch/html/4E8653AF-D7FD-43EA-82EFA9743CF055A5.html">RBOG 2001 Nr. 38</a> S. 205; OGE vom 25. Oktober 2000, SBR.2000.28, S. 7</font></div> </div> <div id="ftn5"> <div><a href="#_ftnref5" name="_ftn5" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[5]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> <span> PKG 1998 Nr. 35, 1986 Nr. 33</span></font></div> </div> <div id="ftn6"> <div><a href="#_ftnref6" name="_ftn6" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[6]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> <span> BGE 116 Ia 92; vgl. BGE 122 I 142 f.; BJM 2000 S. 244</span></font></div> </div> <div id="ftn7"> <div><a href="#_ftnref7" name="_ftn7" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[7]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> BJM 2000 S. 245; vgl. PKG 1986 Nr. 33</font></div> </div> <div id="ftn8"> <div><a href="#_ftnref8" name="_ftn8" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[8]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> RBOG 1993 Nr. 40; zu streng: BGE 127 I 35</font></div> </div> <div id="ftn9"> <div><a href="#_ftnref9" name="_ftn9" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[9]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> PKG 1983 Nr. 32 und 1980 Nr. 18</font></div> </div> <div id="ftn10"> <div><a href="#_ftnref10" name="_ftn10" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[10]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> RBOG 1985 Nr. 13; BGE 123 III 492 f.</font></div> </div> <div id="ftn11"> <div><a href="#_ftnref11" name="_ftn11" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[11]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> BGE 127 I 35</font></div> </div> <div id="ftn12"> <div><a href="#_ftnref12" name="_ftn12" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[12]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> BGE vom 24. Juli 2000, 1P.369/2000, Erw. 1b</font></div> </div> <div id="ftn13"> <div><a href="#_ftnref13" name="_ftn13" title=""><span><span><span><span><font color="#339933">[13]</font></span></span></span></span></a><font size="2"> BGE vom 20. Januar 2006, 5P.425/2005, Erw. 3.2</font></div> </div> </div> <p> </p><table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"><tr><td><img border="0" height="10" src="../images/abst1.gif" width="1"/></td></tr></table></td> <td width="10"><img height="1" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> </tr> <tr> <td colspan="3"><img height="15" src="../images/abstandhalter.gif" width="10"/></td> </tr> </table> </body> </html>