Kantonsgericht Schwyz Urteil vom 29. Juni 2021 STK 2021 3 Mitwirkend Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Kantonsrichter lic. iur. Walter Züger, Reto Fedrizzi, Bettina Krienbühl und Dr. Stephan Zurfluh, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch, a.o. Gerichtsschreiberin MLaw Célestine Rupp. In Sachen A.________, Beschuldigter und Berufungsführer, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, gegen 1. Staatsanwaltschaft, 3. Abteilung, Postfach 128, 8832 Wollerau, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________, 2. D.________, Privatkläger und Berufungsgegner, betreffend Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Landesverweisung (Berufung gegen das Urteil des kantonalen Strafgerichts vom 30. Oktober 2020, SGO 2020 19);- hat die Strafkammer,Kantonsgericht Schwyz 2 nachdem sich ergeben: A. A.________ wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, am 16. Sep- tember 2019 in Lachen gegen D.________ gewalttätig geworden zu sein. Nach einem im Berufungsverfahren unbestrittenen Einbruch in das Asylantenzimmer von D.________ (Anklageziffer I/1) soll er ihn in Lachen laut Anklage vom 8. April 2020 wie folgt angegriffen und verletzt haben (Ziff. II/2 schwere Körperverletzung evtl. Versuch, Ziff. II/3 versuchte schwere Körper- verletzung, Ziff. II/4 einfache Körperverletzung und Ziff. II/5 versuchte einfache Körperverletzung): Am 16. September 2019, um ca. 18.00 Uhr, begab sich der Beschuldigte mit einem Fahrrad an die Bahnhofstrasse in 8853 Lachen, wo er auf der Höhe Restaurant Pöstli - Acrevis Bank auf seinen Bekannten, D.________, traf. Er begab sich auf den Gehsteig zu D.________, liess das Fahrrad fallen und ging auf D.________ zu. Der Beschuldigte ergriff D.________ und schlug ihm mit seiner Stirn gegen dessen Nase (5) und versuchte zudem mit den Fäusten D.________ zu schlagen, welche Schläge D.________ jedoch mit seinen Armen abwehren konnte. D.________ ging in der Folge einige Schritte zurück. Der Beschuldigte behändigte daraufhin aus seiner rechten Hosentasche mit seiner rechten Hand ein spitz zulaufendes Messer mit einer Klingenlänge von ca. 8-10 Zentimetern und führte damit eine Schnittbewegung gegen den Kopf von D.________ aus und traf mit dem Messer dabei die linke Wan- ge von D.________. Der Beschuldigte holte erneut aus, wiederholte die Schnittbewegung und traf den zurückweichenden D.________ mit dem Messer an dessen Nase (2). Anschliessend führte der Beschuldigte fron- tal mehrere Stichbewegungen (mindestens vier bis fünf) mit dem Messer gegen den Oberkörper von D.________ aus. D.________, der mit einem Abstand von ca. 50 Zentimetern vom Beschuldigten entfernt war, wich aufgrund der Stichbewegungen durch den Beschuldigten immer wieder zurück, weshalb der Beschuldigte den Oberkörper von D.________ mit dem Messer verfehlte. Bei einer Stichbewegung traf der Beschuldigte hingegen die Vorderseite des linken Oberschenkels von D.________ (3). Im Anschluss an diese Stichbewegungen trat der Beschuldigte mit sei- nem Knie zwischen die Beine von D.________ (4). Durch das verbale Einschreiten eines Passanten, liess der Beschuldigte von D.________ ab, ergriff sein Fahrrad und begab sich in Richtung Lachen Zentrum. D.________ erlitt durch den Schlag mit der Stirn auf seine Nase eine Schwellung des Nasenbeins, durch die Schnittbewegungen gegen sein Gesicht eine 7 Zentimeter lange und zwischen 1 bis 3 Millimeter tiefe Schnittverletzung über seinem linken Jochbein, eine kleine Schnittverlet- zung an seinem linken Nasenflügel, durch eine der Stichbewegungen ei-Kantonsgericht Schwyz 3 ne ca. 1 Zentimeter lange und 5 Millimeter tiefe Schnittverletzung an der Vorderseite seines linken Oberschenkels sowie durch den Tritt mit dem Knie zwischen seine Beine blaue Flecken und Schmerzen in seinem Ge- nitalbereich. Die Schnittverletzung im Gesicht hinterliess eine Narbe, welche das Gesicht von D.________ arg und bleibend entstellt. Eventua- liter hinterliess die Schnittverletzung im Gesicht eine Narbe, die das Ge- sicht von D.________ nicht arg entstellt. Der Beschuldigte wusste dabei und nahm zumindest billigend in Kauf, dass: ein Schlag mit der eigenen Stirn gegen die Nase von D.________ einen Nasenbeinbruch oder andere Knochenbrüche im Gesicht oder schmerz- hafte Blutergüsse im Gesicht hätte verursachen können (5), zwei Schnittbewegungen gegen den Kopf von D.________ mit einem Messer Schnittverletzungen im Gesicht verursachen konnten eventualiter hätten verursachen können, die eine erhebliche Entstellung des Gesichts zur Folge hatten eventualiter gehabt hätten (2), mehrere Stichbewegungen mit einem Messer mit einer ca. 8-10 Zentime- ter langen, spitz zulaufenden Klinge gegen den Oberkörper von D.________ geeignet waren, diesem lebensgefährliche Verletzungen oder die Verstümmelung oder das Unbrauchbarmachen von wichtigen Organen im Oberkörper zu verursachen (3), ein Tritt mit dem Knie zwischen die Beine von D.________ schmerzhafte Blutergüsse im Genitalbereich verursachen konnte (4) und handelte dementsprechend. B. Laut Gutachten vom 7. Februar 2020 litt der Beschuldigte zur Tatzeit an einer psychischen Störung, einer akuten schwer ausgeprägten paranoiden Schizophrenie, welche seine Schuldfähigkeit schwer verminderte (U-act. 11.4.020 S. 35). Es besteht eine Rückfallgefahr für Körperverletzungs- delikte von mittlerer Wahrscheinlichkeit (zwischen 25 und 50 % in fünf Jahren bzw. 7 und 31 % innerhalb von 7 respektive 10 Jahren, ebd. S. 35 f.). Nur eine stationäre Behandlung ist geeignet, der Gefahr weiterer Straftaten zu begeg- nen (ebd. S. 36 unten). Seit dem 24. März 2020 befindet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Massnahmenvollzug (U-act. 4.1.053; Vi-act. 1). C. Das kantonale Strafgericht erkannte den Beschuldigten mit Urteil vom 30. Oktober 2020 des Hausfriedensbruchs (Ziff. 1.a), der mehrfachen versuch- ten schweren Körperverletzung (Ziff. 1.b: Messerschnitte im Gesicht und Kantonsgericht Schwyz 4 Stichbewegungen gegen den Oberkörper mit Stichverletzung linker Ober- schenkel gemäss Anklageziff. II/2 und 3) und der versuchten einfachen Kör- perverletzung (Ziff. 1.c: Schlag mit der Stirn gegen die Nase gemäss Anklage- ziff. 5) zum Nachteil von D.________ schuldig. Im Übrigen sprach es ihn frei (Ziff. 2: Vorwurf der einfachen Körperverletzung durch Tritt zwischen die Beine gemäss Anklageziff. II/4). Der Beschuldigte wurde mit einer unbedingten Frei- heitsstrafe von sieben Monaten, unter Anrechnung von 191 Tagen Untersu- chungshaft bestraft (Ziff. 3 f.). Zudem wurde eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB angeordnet, unter Anrechnung von 220 Tagen vorzeitigen Massnahmenvollzugs (Ziff. 5). Ausserdem wurde er für die Dauer von fünf Jahren des Landes verwiesen (Ziff. 6 f.). D. Mit rechtzeitig angemeldeter und erklärter Berufung vom 23. Februar 2021 beantragte der Beschuldigte dem Kantonsgericht, Ziff. 1, 3-7 und 10 auf- zuheben und stattdessen ihn wegen versuchter einfacher Körperverletzung sowie wegen Hausfriedensbruchs schuldig zu sprechen und mit einer beding- ten Freiheitsstrafe von höchstens vier Monaten zu bestrafen. Es sei eine am- bulante therapeutische Massnahme anzuordnen und er deswegen aus der stationären Massnahme zu entlassen. Von der Landesverweisung sei abzu- sehen. Die Verfahrenskosten seien umfassend auf den Staat zu nehmen (KG-act. 4). Ausserdem seien auf eine Massnahme alle Tage des bisherigen vorzeitigen Massnahmenvollzugs anzurechnen (KG-act. 5). Die Gegenpartei- en erklärten keine Anschlussberufung. E. Die behandelnde Klinik berichtete am 12. April 2021 zusammenfassend, dass sich der Beschuldigte kooperativ zeige und die stationäre Massnahme akzeptiere. Sie schlug Lockerungen des Massnahmevollzugs vor (KG-act. 10/1), welche bewilligt wurden (KG-act. 11 ff.). Die Klinik erstattete am 25. Mai 2021 einen weiteren Verlaufsbericht und bewertete die Massnah- mefähigkeit und -willigkeit des Beschuldigten als gut und empfahl die Fort- führung der Massnahme nach Art. 59 StGB im stationär-forensischen Setting. Kantonsgericht Schwyz 5 Sie konnte jedoch zufolge unvollständigen Durchlaufs des Stufenkonzepts und mangelnder hinreichender Belastungserprobung einer bedingten Entlassung noch nicht zustimmen (KG-act. 18/1). In unaufgeforderter Eingabe vom 11. Juni 2021 ersuchte die Ehefrau des Beschuldigten darum, von der Lan- desverweisung abzusehen (KG-act. 20). F. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte sich bei seiner in Anwesenheit eines Übersetzers durchgeführten Befragung mit der Fortsetzung der stationären Massnahme einverstanden. Der Verteidiger stellte den abgeänderten Antrag, sein Mandant sei nicht wegen versuchter, sondern vollendeter einfacher Körperverletzung schuldig zu sprechen und zog den Antrag auf die Anordnung einer ambulanten Massnahme zurück. Im Übrigen hielt er an den Anträgen der Berufungserklärung fest. Die Staatsanwaltschaft verlangte die kostenfällige Abweisung der Berufung;- und in Erwägung: 1. Im Schuldpunkt bleibt das angefochtene Urteil im Berufungsverfahren in tatsächlicher Hinsicht im Wesentlichen unbestritten. Der Einsatz eines spitzen Gegenstandes wird nicht infrage gestellt, sondern nur, ob es sich dabei um ein Messer handelte. Der Messerangriff ist jedoch aufgrund der Verletzungsbilder und durch mehrere Zeugen bewiesen, wie die Vorinstanz zutreffend ausführte (angef. Urteil E. I/3.2.2, Art. 82 Abs. 4 StPO). Damit setzt sich die Verteidigung im Berufungsverfahren nicht weiter auseinander, sondern führt aus, dass Ge- genstand der Berufung die rechtliche Qualifikation der körperlichen Attacken sei. Sie geht davon aus, dass sich der Beschuldigte nur eines einfachen Kör- perverletzungsdelikts schuldig gemacht habe. Nach der Vorinstanz soll dage- gen der Beschuldigte durch den Schlag mit der Stirn gegen die Nase eine ein- fache Körperverletzung und mit nicht nur gegen das Gesicht, sondern danach Kantonsgericht Schwyz 6 auch noch gegen den Oberkörper ausgeführten Messerstichbewegungen mehrfach eine schwere Körperverletzung zu begehen versucht haben. a) Nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz den Stirnschlag und den Messerangriff als verschiedene Handlungen betrachtete. Indes sind vorlie- gend die Messerstiche nicht in mehrere Handlungen aufzuteilen und mehrfach zu verurteilen. Vielmehr scheinen sie auf dem einheitlichen Entschluss des Beschuldigten zu beruhen, den Privatkläger mit dem Messer anzugreifen. Mit- hin liegt eine natürliche Handlungseinheit vor (vgl. dazu etwa STK 2019 8 vom 28. April 2020 = voraussichtlich EGV-SZ 2020 A 4.5 E. 2 m.H.; auch Trech- sel/Thommen, PK, 3. A. 2017, Art. 49 StGB N 3 m.H.). Dass der Erfolg eines solchen Messerangriffs gegen das Gesicht und den Oberkörper in einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und 2 StGB liegen könnte – nämlich ein Mensch lebensgefährlich oder im Gesicht arg und blei- bend entstellend verletzt werden könnte –, stellte das Strafgericht in objektiver Hinsicht zu Recht fest (angf. Urteil E. I/3.4.2 f.) und wird im Berufungsverfah- ren nur im Subjektiven kritisiert (vgl. unten lit. b). Der Versuch der schweren Körperverletzung mit dem Messer konsumiert die durch das Messer verur- sachten und insoweit auch im Eventualstandpunkt zu Recht nicht angeklagten vollendeten einfachen Körperverletzungen, indes nicht die versuchte einfache Körperverletzung mit dem Stirnschlag, da Letztere eine Handlung von selbständiger Bedeutung war (vgl. etwa BGE 137 IV 113 E. 1.4.2). b) Soweit der Verteidiger ausführt, angesichts der diagnostizierten parano- iden Schizophrenie sei im Subjektiven nicht nachzuweisen, dass dem Be- schuldigten ein derartiger Erfolg wirklich bewusst war, weil er kein Gefühl dafür gehabt habe, was er mache (vgl. dazu auch etwa U-act. 10.2.010 Nr. 6), kann ihm nicht gefolgt werden. Der Stirnschlag und insbesondere der danach erfolgte Griff zu einem Messer sind progressive Reaktionen, welche die Wahrnehmung des Geschehens durch den Beschuldigten und entschlosse- nes, d.h. vorsätzliches Handeln indizieren. Der Beschuldigte führte mit dem Kantonsgericht Schwyz 7 Messer Stichbewegungen gegen das Gesicht und den Oberkörper aus, um den Privatkläger zu verletzen. Insoweit hält der Staatsanwalt zutreffend dafür, vom objektiven sei auf den subjektiven Tatbestand zu schliessen. Seine Handlungen zeigen, dass dem Beschuldigten der Tatablauf einschliesslich der Verletzungsfolgen real bewusst gewesen sein musste. Die rasche und adäquate Reaktion ist laut Gutachten nicht von vorrangig wahnhaftem Erle- ben, sondern von einer psychotisch erheblich geminderten Steuerungsfähig- keit bestimmt gewesen (vgl. U-act. 11.4.020 S. 31 f. unten zitiert in E. 2.b): Zufolge der akuten Psychose war der Beschuldigte nur noch schwer vermin- dert fähig, sich gemäss grundsätzlich erhaltener Einsicht des Unrechts der Tat zu verhalten. Aus diesen Gründen ist der Beschuldigte zusätzlich zum rechtskräftigen Schuldspruch des Hausfriedensbruchs wegen einer versuchten einfachen (Stirnschlag) und einer versuchten schweren Körperverletzung (Angriff mit dem Messer) schuldig zu sprechen. 2. Das Gericht misst die Strafe unter Berücksichtigung des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse sowie der Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters nach dessen Verschulden zu, welches nach der Schwere der Ver- letzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflich- keit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt wird, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 StGB). War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Ge- richt die Strafe und es können Massnahmen getroffen werden (Art. 19 Abs. 2 und 3 StGB). Die Strafe ist grundsätzlich nach Art. 48a StGB nach dem Grad der Verminderung herabzusetzen (Donatsch, OFK, 20. A. 2018, Art. 19 StGB N 12). In vorliegendem Fall ist der gutachterlich festgestellten schweren Ver- minderung der Schuldfähigkeit zur Tatzeit angesichts der diagnostizierten pa-Kantonsgericht Schwyz 8 ranoiden Schizophrenie unabhängig von anderen Verschuldenskomponenten und Begrifflichkeiten der Strafmilderung bzw. -minderung vollumfänglich Rech- nung zu tragen (dazu vgl. Trechsel/Thommen, PK, 3. A. 2017, Art. 48a StGB N 2 zu BGE 136 IV 55 und m.w.H.); denn aufgrund derer Symptome war der Beschuldigte nur schwer vermindert fähig, gemäss seiner erhaltenen Einsicht in das Unrecht der Taten zu handeln (U-act. 11.4.020 S. 35 Ziff. 2.2). Ihm war dies viel schwerer gefallen, als einer Person ohne diesen Defekt (vgl. Bom- mer/Dittmann, BSK, 4. A. 2019, Art. 19 StGB N 55 ff. und 76 i.V.m. N 11 m.H.). Die schwer verminderte Schuldfähigkeit nimmt hier mithin bei der Straf- zumessung eine vorrangige Stellung ein. Sie wird durch die weiteren Strafmil- derungsgründe von Art. 48 StGB nurmehr „verfeinert“ (Bommer/Dittmann, ebd. N 76 in fine). Namentlich ist der Versuch als Strafmilderungsgrund min- destens strafmindernd zu berücksichtigen (Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB, Donatsch, a.a.O., Art. 22 StGB N 10; Wiprächtiger/Keller, BSK, 4. A. 2019, Art. 48a StGB N 26). a) Die vorinstanzliche Wahl einer Freiheitsstrafe für alle Delikte ist im Beru- fungsverfahren unbestritten geblieben und ist insoweit nicht zu beanstanden, als alle Taten in einem Zusammenhang zu betrachten sind, weil der Beschul- digte bei allen in seiner Freiheit nach der erhaltenen Einsicht zu handeln krankhaft schwerwiegend eingeschränkt war (dazu unten lit. c) und deshalb sich einer Massnahme unterziehen muss (lit. f). b) Zutreffend geht das Strafgericht in Bezug auf die Schwere der Tat davon aus, dass es sich bei dem Angriff mit dem Messer um eine nicht mehr als leicht zu qualifizierende schwere Körperverletzung handelte, welche zu le- bensgefährlichen Verletzungen hätte führen können (vgl. oben E. 1). Unter Einbezug der Tatsache, dass die Verletzungen des Privatklägers nicht schwer ausfielen, weil es beim Versuch blieb, den die Vorinstanz mithin verschulden- smindernd berücksichtigte, stellte sie ein mittelschweres Verschulden fest. Dieser Strafzumessung kann gefolgt werden, wobei hier die nicht nachvoll-Kantonsgericht Schwyz 9 ziehbaren Beweggründe des Beschuldigten (vgl. angef. Urteil E. II/4.3) nicht als Aspekt der verminderten Schuldfähigkeit, sondern im Rahmen der Frage nach den Gründen des Versuchsabbruchs zu beurteilen sind. Ob es nur we- gen Zufalls bzw. der Rufe von Drittpersonen bei einfachen Körperverletzungen blieb, ist unklar. Nicht auszuschliessen ist, dass der Beschuldigte den Angriff freiwillig abbrach, war doch seine Steuerungsfähigkeit nicht vollumfänglich aufgehoben (vgl. oben E. 1 und weiter dazu noch unten lit. c). Dies ist zu sei- nen Gunsten umso mehr zu würdigen, als das Opfer sich doch dem Eindruck nicht verschloss, der als verrückt bzw. komisch oder nicht normal bezeichnete Beschuldigte habe nicht nur wegen den Leuten, sondern angesichts des Bluts von ihm abgelassen (U-act. 10.2.001 Nr. 29 und 32, U-act. 10.2.009 Rn 101 ff., 222 ff. und 305 ff.). Anzulasten bleibt dem Beschuldigten indes, nach dem Stirnschlag noch das Messer gezogen und sich nicht nur mit einer Stichbewe- gung begnügt, sondern dieses mehrmals, bis Blut floss, in Richtung Gesicht und Oberkörper des Privatklägers geführt zu haben. Daraus resultierte bei einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren (Art. 122 StGB) ab- gesehen von der schweren Verminderung der Schuldfähigkeit eine dem objek- tiven Verschulden angemessene Freiheitsstrafe von gegen zwei Jahren. Die- se Strafe ist für den einfachen Körperverletzungsversuch durch den ein erheb- liches Gewaltpotential in sich bergenden Stirnschlag um maximal ein halbes Jahr zu erhöhen. Dagegen erscheint der Hausfriedensbruch (Art. 186 StGB) leicht verschuldet und vergleichsweise vernachlässigbar. Der Beschuldigte holte erst nach erfolglosen Anfragen beim Privatkläger, ihm seine Kleider he- rauszugeben, eigenmächtig seine Sachen aus dessen Zimmer. Insgesamt ist deshalb eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten angemessen. c) Das Gutachten beschreibt das subjektive Steuerungsvermögen des Be- schuldigten zur Tatzeit folgendermassen (U-act. 11.4.020 S. 31 f. ohne Fuss- noten): Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, haben gegenüber der All- gemeinbevölkerung ein sieben- bis zehnfach erhöhtes Risiko, eine Ge-Kantonsgericht Schwyz 10 walttat zu begehen. Besonders risikoträchtig ist dabei die Entwicklung ei- nes Symptombündels, das als „Threat/Control – Override (TCO)“ in der forensischen Literatur Verbreitung gefunden hat. Gemeint ist mit TCO das unmittelbare Erleben von Bedrohung und Ausgeliefertsein und die beginnende Überwältigung in der akuten Psychose. Es sind dies Erfah- rungen einer existenziellen Bedrohung, die den Kranken dazu bringen, sich gegen vermeintliche Widersacher zu wehren, wobei es massgeblich darum geht, den subjektiv quälend erlebten Beeinflussungen zu entge- hen. Gefördert durch Schlafmangel, Cannabiskonsum und die belastende Le- benssituation mit dem Verlust Halt gebender Strukturen war es bei dem Expl. im Tatvorfeld zu einer neuerlichen Exazerbation der psychotischen Symptomatik gekommen. Schon in früheren Phasen der psychotischen Exazerbation waren von ihm insbesondere Personen aus dem engsten Umfeld (Schwiegervater, Ehefrau, Chef) in wahnhaftes Erleben einge- bunden und als feindlich und bedrohlich wahrgenommen worden, was mit Drohungen seinerseits beantwortet worden war. Eine entsprechende Entwicklung zeichnete sich nun in Bezug auf D.________ ab, der in den Wochen vor der Tat zu einer relativ zentralen Bezugsperson für den Expl. geworden war. Folgt man den Angaben des Expl., beobachtete er in die- ser Zeit D.________ zunehmend misstrauisch, stellte ihn auf die Probe, sah sich von ihm bestohlen und schliesslich – vermutlich bestätigt durch akustische Halluzinationen – mit dem Tode bedroht. Die Abholung seiner Habseligkeiten imponiert als ein eigentlich konstruktiver Versuch, sich dieser Bedrohung zu entziehen. Zugleich verhielt sich der Expl. aber am Tattag so auffällig – aus psychiatrischer Sicht psychomotorisch gespannt – dass D.________ intuitiv Abstand zu wahren und die Situation zu ent- zerren versuchte, was den Expl. aber wiederum in seinem Misstrauen bestätigte und schliesslich zu seinem Eindringen in das Zimmer von D.________ und zum Entwenden seiner eigenen Habseligkeiten veran- lasste. Die Abläufe des Aufeinandertreffens von D.________ und dem Expl. am späten Nachmittag des Tattages entsprechen einer aus dem Ruder ge- laufenen Auseinandersetzung, wobei der Expl. frühzeitig ein gefährliches Werkzeug, ein Messer, oder wie er selber sagt, einen Dosenverschluss, zum Einsatz brachte und D.________ damit verletzte. Das Verhalten des Expl. bei dieser Auseinandersetzung imponiert überschiessend. Am ehesten kommen darin die erhöhte Beeindruckbarkeit eines paranoiden Psychotikers und die zunehmende Affektspannung des Tattages zum Tragen, ohne dass aber ersichtlich ist, dass das Tatgeschehen motivati- onal von vorrangig wahnhaftem Erleben (etwa im Sinne einer TCO- Symptomatik oder von kompensatorischen Gewalt- und Rachefantasien) bestimmt gewesen ist. Die Tathandlung gegenüber D.________ er- scheint (…) von einer erheblich geminderten situationalen Steuerungs- fähigkeit bestimmt gewesen zu sein, die durch die akute Psychose be- dingt war. Eine vollständige Aufhebung der Steuerungsfähigkeit ist aber aus den Abläufen – der raschen, adäquaten Reaktion des Expl. auf Um- welteinflüsse, dem relativ schlüssigen Nachtatverhalten – nicht abzulei- ten. Zusammenfassend erscheint bei erhaltener Einsichtsfähigkeit das Kantonsgericht Schwyz 11 Steuerungsvermögen des Expl. im Tatzeitpunkt aus forensisch- psychiatrischer Sicht im Hinblick auf das vorgeworfene Körperverlet- zungsdelikt als erheblich gemindert, aber nicht aufgehoben. Diese Ausführungen der Gutachterin bestätigen eine schwere Einschränkung des inneren Freiraums zur willentlichen Steuerung einer grundsätzlich nach dem äusseren Ablauf dem Beschuldigten einsichtigen Tat. Sie sind überzeu- gend und unbestritten. d) Bei der schweren Verminderung der Schuldfähigkeit erscheint daher die von der Vorinstanz unter Einbezug der weiteren, sich untereinander ausglei- chenden Täterkomponenten (angef. Urteil E. II/4.7) festgelegte Freiheitsstrafe von sieben Monaten im Ergebnis für alle Schuldpunkte gerechtfertigt. Weitere Strafmilderungsgründe bleiben angesichts dieser erheblichen Herabsetzung der Strafe wegen der schwer verminderten Schuldfähigkeit ohne weitere Aus- wirkungen. e) Angesichts der krankheitsbedingten schlechten Legalprognose sowie des durch das Gutachten (U-act. 11.4.020 S. 35 Ziff. 3) als auch durch den im Berufungsverfahren eingereichten Verlaufsbericht ausgewiesenen stationären Therapiebedarfs, ist die Freiheitsstrafe unbedingt auszusprechen. In der Beru- fungsbegründung werden die diesbezüglichen zutreffenden weiteren Erwä- gungen der Vorinstanz nicht infrage gestellt, weshalb darauf verwiesen wer- den kann (angef. Urteil E. II/4.9). Da selbst die vollzogene Strafe angesichts der schweren psychischen Störung des Beschuldigten die Rückfallgefahr nicht zu bannen vermag (Art. 56 Abs. 1 StGB), ist eine Massnahme erforderlich (vgl. noch unten kurz lit. f), deren Dauer auf die Freiheitsstrafe angerechnet wird (Art. 57 Abs. 3 StGB). f) Nach dem Rückzug des Antrags, die erstinstanzlich stationär angeord- nete Massnahme in eine ambulante umzuwandeln, braucht hier auf die im Gutachten empfohlene stationäre Massnahme (U-act. 11.4.02 S. 36 f. Ziff. 4) nicht weiter eingegangen zu werden (vgl. dazu einlässlich angef. Urteil E. III). Kantonsgericht Schwyz 12 Die Notwendigkeit der Fortführung des bislang 463 Tage dauernden statio- nären vorzeitigen Massnahmenvollzugs ergibt sich aus dem aktuellen Ver- laufsbericht vom 25. Mai 2021 (KG-act. 18/1 S. 8 Ziff. 7) und der Beschuldigte erklärt sich damit im Berufungsverfahren anders als noch vor der Vorinstanz einverstanden (BVP S. 6 Nr. 4 ff.). 3. Nach Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB verweist das Gericht den wegen schwe- rer Körperverletzung verurteilten Ausländer unabhängig von der Höhe der Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz. Eine Mindeststrafe sieht das Gesetz nicht vor. Die Landesverweisung muss bei sämtlichen Täterschafts- und Teil- nahmeformen sowie bei der versuchten Begehung (BGE 144 IV 168 E. 1.4.1) ausgesprochen werden, wobei irrelevant bleibt, ob der Ausländer zu einer unbedingten Strafe verurteilt oder der Vollzug der Strafe bedingt oder teilbe- dingt aufgeschoben wird (BGer 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.4 m.H.). Ausnahmsweise kann in einem schweren persönlichen Härtefall von der Landesverweisung abgesehen werden, wenn die öffentlichen Interessen daran gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a Abs. 2 StGB). Je gravierender das Delikt und mithin die ausgesprochene Strafe ist, desto höher hat das persönliche Interesse am Verbleib in der Schweiz für die ausnahmsweise Annahme eines Härtefalles zu sein (Heimgartner, OFK, 20. A. 2018, Art. 66a StGB N 6). Die Landesverweisung ist eine eigenständige strafrechtliche Massnahme ohne jede migrationsrechtliche Komponente. Zur kriteriengeleiteten Prüfung des Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB ist der Kriterienkatalog der Be- stimmung über den "schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAV; SR 142.201) nicht unbesehen heranzuziehen, da die ausländerrechtlichen Härtefälle nicht exakt jenen des Strafrechts entspre- chen; es sind die strafrechtlichen Aspekte zu berücksichtigen wie die Re- sozialisierungschancen und Elemente des Verschuldens (BGer 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.4 f. m.H.; Schlegel, HK, 4. A. 2020, Art. 66a StGB Kantonsgericht Schwyz 13 N 10). Nach der gesetzlichen Systematik ist die obligatorische Landesverwei- sung anzuordnen, wenn die Katalogtaten einen Schweregrad erreichen, so dass die Landesverweisung zur Wahrung der inneren Sicherheit notwendig erscheint. Diese Beurteilung lässt sich strafrechtlich nur in der Weise vorneh- men, dass massgebend auf die verschuldensmässige Natur und Schwere der Tatbegehung, die sich darin manifestierende Gefährlichkeit des Täters für die öffentliche Sicherheit und auf die Legalprognose abgestellt wird (BGer 6B_742/2019 vom 23. Juni 2020 E. 1.1.2 m.H.). Dem Gericht wird die Möglichkeit eingeräumt, ermessensweise auf die Landesverweisung zu ver- zichten, wenn diese aufgrund der Tatumstände und insbesondere wegen der geringen Schuld bzw. verminderten Schuldfähigkeit des Täters unverhältnis- mässig wäre (Zurbrügg/Hruschka, BSK, 4. A. 2019, Art. 66a StGB N 131 ff. m.H.) resp. das Verschulden in einem erheblichen Missverhältnis zur Konse- quenz der Landesverweisung steht (Vetterli, AK, Art. 66a StGB N 31). Die Landesverweisung wird erst nach dem Vollzug von unbedingten Strafen und freiheitsentziehenden Massnahmen vollzogen (Art. 66c Abs. 2 und 3 StGB). Davon ausgehend, dass weder die psychische Störung noch die schwer ver- minderte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt einen Härtefall begründende Fak- toren seien (angef. Urteil E. IV/5.5), verneinte die Vorinstanz das Vorliegen eines persönlichen Härtefalles und verwies den Verurteilten für fünf Jahre des Landes. Indes ist wie gezeigt nach der Rechtsprechung eben nicht davon auszugehen, dass die krankheitshalber schwer verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten von Vornherein kein einen Härtefall begründender Faktor sein kann. Daran anschliessend bleibt Folgendes zu erwägen: a) Der Beschuldigte ist weder ein in der Schweiz aufgewachsener Auslän- der der zweiten Generation noch lebt er lange gut integriert in der Schweiz. Sein persönliches Interesse am Verbleib in der Schweiz besteht vorab in der Beziehung zu seinen Kindern, welche während seines C-Aufenthalts seit 2012 in seiner Ehe mit einer Schweizerin, von welcher er seit 2019 getrennt lebt, Kantonsgericht Schwyz 14 geboren wurden (2012 und 2015; vgl. dazu angef. Urteil E. IV/5.1-5.4). Inso- weit könnte der Vorinstanz gefolgt werden, dass kein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt. b) Darüber hinaus kann jedoch ein Härtefall nicht ohne Weiteres mit der Begründung der Vorinstanz verworfen werden, dass der Beschuldigte in den letzten Jahren seine in der Obhut seiner Frau stehenden Kinder nur spora- disch sah, was auch bei einem fünfjährigen Landesverweis weiterhin realisier- bar sei (ebd. insbes. E. 5.6). Das erscheint konventionalrechtlich (Art. 8 EMRK) fragwürdig, weil die Stabilität des familiären Zusammenlebens in der Vergangenheit zufolge der Krankheit des Beschuldigten tangiert wurde. Nicht nur die hier zu beurteilenden Straftaten, sondern auch die Vorstrafen und die vorangehenden Beziehungsprobleme zu seiner Frau und mithin auch die Tat- sache, dass der Beschuldigte seine Kinder nur sporadisch sah, gründen wie seine Suizidialität im Wesentlichen in seiner psychischen Störung (vgl. beige- zogene Akten; U-act. 11.4.020 S. 8 ff., 18 ff. und 28 ff., insbes. zusammenfas- send S. 30; Vi-act. 17 Verlaufsbericht vom 20. Oktober 2020). Unter diesen Umständen muss die Schuld des Beschuldigten nicht nur hinsichtlich der ihm vorgeworfenen Straftaten, sondern auch bezüglich der Beeinträchtigungen des Familienlebens in den letzten Jahren stark relativiert werden. Unter diesen Umständen erscheint die von der Vorinstanz angeordnete Landesverweisung unverhältnismässig (vgl. auch Zurbrügg/Hruschka, a.a.O., Art. 66a StGB N 103 ff. und 133 f.). c) Der Fall ist zudem insbesondere auch aus der Perspektive der ihren Vater verlierenden Kinder (9- und 6-jährig) zu betrachten (ebd. E. 1.3.2 f.), welche seit des vorzeitigen Massnahmenvollzugs wieder regelmässigen Kon- takt mit dem Beschuldigten haben. Der Beschuldigte erwartet, erfolgreich the- rapiert aus der Klinik entlassen zu seiner Familie zurückzukehren (dazu vgl. KG-act. 20; BVP S. 4 f. Nr. 12 ff. und Ergänzungsfragen). Laut Therapie- bericht wird der Kontakt zur Familie positiv beurteilt (KG-act. 18/1). Es ist der Kantonsgericht Schwyz 15 Ehefrau als Schweizerin und den in der inzwischen über achtjährigen Ehe in der Schweiz geborenen Kindern nicht zumutbar, dem Beschuldigten nach der Entlassung nach Ägypten zu folgen, wo – was die Staatsanwaltschaft nicht bestreitet – die geeignete Medikamentation des Beschuldigten kaum sicher- gestellt sein wird (dazu vgl. auch Schlegel, ebd. N 12 namentlich auch hin- sichtlich medizinischer Umstände). Die Gutachterin attestiert dem Beschuldig- ten, trotz der Störung nachdrücklich Anstrengungen gezeigt zu haben, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und zum Familienunterhalt beizutragen. Er scheine eine enge emotionale Beziehung zu den Kindern zu haben und zu versuchen, sich ihnen gegenüber verantwortlich zu zeigen. Jenseits der krankheitsbedingten Eskalationen zeichne sich zusammenfassend eine recht hohe Normen- und Werteorientiertheit ab (U-act. 11.4.020 S. 31). Das Aufein- andertreffen der Beteiligten am Tattag entspreche einer aus dem Ruder gelau- fenen Auseinandersetzung (ebd. S. 32; vgl. oben E. 2.c insgesamt). Ange- sichts dessen erscheinen die Erwartungen des Beschuldigten und die Hoff- nungen der Ehefrau auf ein geordnetes Familienleben nach der Entlassung aus dem Massnahmenvollzug (vgl. oben lit. b) bzw. auf gute Beziehungen der Kinder zu ihrem Vater zurzeit nicht unbegründet zu sein. d) Das Gericht, das die Landesverweisung anordnet, hat die Verhältnis- mässigkeit zum Zeitpunkt der Anordnung zu überprüfen (BGer 6B_1136/2019 vom 2. Juli 2020 E. 4.4 m.H. auf BGE 145 IV 455 E. 9.4). Das bedeutet jedoch entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht, dass die abschätzba- ren Entwicklungen des Gesundheitszustands des Beschuldigten nicht in die Güterabwägung des Härtefalls Eingang finden können. Vielmehr sind neben der schwer verminderten Schuldfähigkeit (vgl. vor lit. a) auch die positiven Aussichten auf soziale Wiedereingliederung des Täters (vgl. oben lit. c; BGer 6B_780/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.3.1 m.H.; Zurbrügg/Hruschka, ebd. N 101) bei der Beurteilung zu berücksichtigen. Der Gesundheitszustand des Beschuldigten spricht umso mehr für ein Absehen von der Landesverwei- sung, als er gemäss Gutachten wie gesagt (oben lit. c) grundsätzlich normativ Kantonsgericht Schwyz 16 ansprechbar ist (U-act. 11.4.020 S. 31) und erfolgreich stationär therapiert werden kann (ebd. S. 36 Ziff. 4.2 und oben E. 2.d). Unter diesen Umständen scheint zusammenfassend aktuell das Verschulden des Beschuldigten an der in schwer verminderter Schuldfähigkeit begangenen Anlasstat in einem erheb- lichen Missverhältnis zur Konsequenz einer Landesverweisung zu stehen, zumal – auch hinsichtlich einer nicht obligatorischen Landesverweisung (Art. 66abis StGB) – nicht ersichtlich ist, inwiefern eine solche nach dem Mass- nahmenvollzug zur Wahrung der inneren Sicherheit notwendig wäre. 4. Aus diesen Gründen ist in teilweiser Gutheissung der Berufung im Schuldpunkt nicht auf mehrfache, sondern einmal versuchte schwere Körper- verletzung zu erkennen und von der Landesverweisung abzusehen. Im Übri- gen ist die Berufung abzuweisen, wobei neben dem Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs auch die erstinstanzlichen Entscheide über die Zivilforde- rungen und Beschlagnahmen unangefochten blieben und nur deklarative Auf- nahme ins Berufungsurteil finden. Der Beschuldigte obsiegt mithin mit seinem hauptsächlichen Berufungsgrund (Landesverweisung), weshalb ihm die Kos- ten des Berufungsverfahrens nur zu einem Drittel aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO). Dagegen wurde er in den angeklagten Sachverhalten verurteilt, weshalb die vollumfängliche erstinstanzliche Kostenauflage trotz des kaum Aufwand verursachenden Freispruchs bezüglich des Tritts zwischen die Beine als Teil des zusammenhängenden Geschehens, abgesehen davon, dass die- se nicht begründet angefochten wurde, nicht zu beanstanden ist (Art. 426 Abs. 1 StPO). Der amtliche Verteidiger ist unter entsprechenden Rückzah- lungsvorbehalten durch den Kanton zu entschädigen (§§ 2, 6 und 13 Geb- TRA);-Kantonsgericht Schwyz 17 erkannt: In teilweiser Gutheissung der Berufung wird das angefochtene Urteil aufgeho- ben und stattessen folgendes Urteil gefällt: 1. Der Beschuldigte wird folgender zum Nachteil von D.________ am 16. September 2019 begangener Taten schuldig gesprochen: a) des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, b) der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und 2 StGB i.V.m Art. 22 Abs. 1 StGB, und der c) der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB. Im Übrigen wird der Beschuldigte freigesprochen. 2. Der Beschuldigte wird mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten, unter Anrechnung von 191 Tagen Untersuchungshaft, bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. 3. Für den Beschuldigten wird eine stationäre therapeutische Behandlung im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB angeordnet. An die stationäre Mass- nahme werden 463 Tage vorzeitiger Massnahmevollzug angerechnet. 4. Zivilforderungen: a) Die Genugtuungsforderung von D.________ im Betrag von Fr. 10‘000.00 wird teilweise gutgeheissen und A.________ wird verpflichtet, D.________ den Betrag von Fr. 500.00 zu bezahlen.Kantonsgericht Schwyz 18 b) Auf die Zivilforderung des Sozialdienstes Altendorf wird nicht ein- getreten. 5. Beschlagnahmen: a) Der mit Herausgabeverfügung der kantonalen Staatsanwaltschaft vom 19. September 2019 von der E.________ AG, Filiale Lachen, 8853 Lachen, eingeforderte USB-Stick mit aufgezeichnetem Au- dio- und Videomaterial wird bei den Untersuchungsakten belas- sen. b) Die Asservate F.________, lagernd bei der Kantonspolizei Schwyz, Kriminaltechnischer Dienst, unter der Akten-Nr. "Verbr. xx", werden der Kantonspolizei Schwyz zur Vernichtung überlas- sen. c) Die Asservate: G.________, lagernd bei der Kantonspolizei Schwyz, Kriminaltechnischer Dienst, unter der Akten-Nr. "Verbr. xx", werden der Kantonspolizei Schwyz zur Vernichtung überlas- sen. d) Die asservierten Gegenstände H.________ (Hemd, blau/weiss ge- streift, Grösse L, mit blutverdächtigen Anhaftungen; Hose, schwa- rz, Grösse 36/34, mit blutverdächtigen Anhaftungen; 1 Paar Schu- he, grau/braun, Grösse unbekannt, mit blutverdächtigen Anhaftun- gen), lagernd bei der Kantonspolizei Schwyz, Kriminaltechnischer Dienst, unter der Akten-Nr. "Verbr. xx", werden D.________ durch die Kantonspolizei herausgegeben.Kantonsgericht Schwyz 19 e) Die Asservate I.________, lagernd bei der Kantonspolizei Schwyz, Kriminaltechnischer Dienst, unter der Akten-Nr. "Verbr. xx", wer- den der Kantonspolizei Schwyz zur Vernichtung überlassen. f) Die asservierten Gegenstände J.________ (1 Paar Schuhe, grau, Grösse 46; Pullover, grau, Grösse XL; Trägershirt, grau, Grösse unbekannt, mit blutverdächtigen Anhaftungen; Hose, grau, Grösse L, mit blutverdächtigen Anhaftungen [Gesäss hinten rechts]), la- gernd bei der Kantonspolizei Schwyz, Kriminaltechnischer Dienst, unter der Akten-Nr. "Verbr. xx", werden A.________ durch die Kantonspolizei herausgegeben. 6. Die erstinstanzlichen Kosten des Verfahrens, bestehend aus den Unter- suchungs- und Anklagekosten von Fr. 33'278.60 und den Gerichtskos- ten (inkl. Gerichtsgebühr) von Fr. 8'220.00, total Fr. 41‘498.60, sowie die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 3‘500.00 (exkl. Kosten der Übersetzung von Fr. 240.00) werden erstinstanzlich vollumfänglich und zweitinstanzlich zu einem Drittel dem Beschuldigten auferlegt, im Übri- gen gehen sie zu Lasten des Staates. 7. Der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt B.________ wird aus der Staats- kasse erstinstanzlich mit Fr. 7'391.85 (inkl. Auslagen und MWST Fr. 15‘391.85 abzgl. Fr. 8‘000.00 Akontozahlung) und zweitinstanzlich aus der Kantonsgerichtskasse mit Fr. 4‘902.35 (inkl. Auslagen und MWST) entschädigt. Vorbehalten bleibt die Rückzahlungspflicht des Be- schuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO erstinstanzlich im vollen Umfang und zweitinstanzlich zu einem Drittel (Fr. 1'634.10). 8. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsa-Kantonsgericht Schwyz 20 chen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Be- schwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. 9. Zufertigung an den amtlichen Verteidiger (2/R), die Staatsanwaltschaft (1/A an die 3. Abteilung und 1/R an die Amtsleitung/Zentraler Dienst), den Privatkläger (1/R) und die Vorinstanz (1/ü) sowie nach definitiver Er- ledigung an die Vorinstanz (1/ES, unter Rückgabe der Akten), das Amt für Justizvollzug (1/R, zum Inkasso und Vollzug samt DNA- Löschungsformular zur Erledigung inkl. Meldung an die Staatsanwalt- schaft), die KOST (mit Formular), die Kantonspolizei Schwyz (1/R, be- tr. Ziff. 5), das Amt für Migration (1/R) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv). Namens der Strafkammer Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin Der Gerichtsschreiber Versand 16. Juli 2021 kau