Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 26. März 2015 (720 14 277) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Anspruch auf eine Dreiviertelsrente in Anwendung der gemischten Methode; Verwertung der Restarbeitsfähigkeit von 25 % verneint Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Mar kus Mattle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Kathrin Bichsel, Advo- katin, Blumenrain 3, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1973 geborene A.____ war zuletzt vom 19. Apr il 1999 bis 31. März 2011 bei der B.____ in X.____ als Betriebsarbeiterin tätig. Zuer st arbeitete sie in einem 100%igen und ab 1. April 2009 in einem 50%igen Arbeitspensum. Am 14 . Dezember 2010 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Depression und eine Angststörung bei der Eidgenössischen Invalidenversiche- rung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abkläru ng der gesundheitlichen, erwerblichen und hauswirtschaftlichen Verhältnisse ermittelte di e IV-Stelle Basel-Landschaft bei der Versi- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht cherten in Anwendung der gemischten Bemessungsmethode mit den Anteilen 50 % Haushalts- und 50 % Erwerbstätigkeit einen Invaliditätsgrad von 44 %. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach ihr die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfa hren mit Verfügung vom 23. Juli 2014 eine Viertelsrente inkl. zwei Kinderrenten ab 1. Juli 2011 zu. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokatin Kathrin Bich sel namens und im Auftrag von A.____ am 15. September 2014 Beschwerde ans Kantonsger icht, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es se i die angefochtene Verfügung vom 23. Juli 2014 aufzuheben und es sei der Beschwerdeführeri n rückwirkend ab 1. Juli 2011 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Zudem sei der Beschwer deführerin die unentgeltliche Pro- zessführung und die unentgeltliche Rechtspflege zu bewi lligen; alles unter o/e-Kostenfolge. In der Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die gemischte Methode zu Unrecht angewandt worden sei, da die Versicherte bei voller Gesu ndheit zu 100 % erwerbstätig wäre. Ausserdem sei sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Beei nträchtigungen zu 100 % arbeitsunfä- hig. Überdies sei die von Dr. med. C.____, FMH Psychiatr ie und Psychotherapie, attestierte 20%ige Arbeitsfähigkeit nicht verwertbar. C. In ihrer Vernehmlassung vom 3. November 2011 beantr agte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 26. November 2014 wies das Gericht das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltli chen Verbeiständung infolge fehlender prozessualer Bedürftigkeit ab. E. Zur Vervollständigung der Unterlagen zog das Gericht am 19. Januar 2015 die Akten der D.____ bei. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 15. September 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittli ch mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähig keit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in e inem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 2.3 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussicht lich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kan n im IV-Bereich Folge von Geburtsge- brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG) . Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psych ischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleib ende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allg emeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlieg ens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträc htigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem E rwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer d urch eine psychische Gesundheitsbeein- trächtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es al so nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielm ehr, ob anzunehmen ist, die Verwer- tung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nich t mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar für die Gesellschaft untragbar (BG E 127 V 298 E. 4c in fine und 102 V 165). 3.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem G rad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 3.3 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufga benbereich (z.B. Haushalt) tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht z ugemutet werden kann, wird für die Be- messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (B etätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 IVG). 3.4 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sin d oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird f ür diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbe reich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs- tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen un d der Invaliditätsgrad in beiden Berei- chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt de r Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus- schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu beme ssen (Art. 27 bis der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). 4.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitwei lig erwerbstätig oder als nichter- werbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträcht igung bestünde. Entscheidend ist so- mit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versiche rten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 507 E. 3.3 mit Hinweisen; Urteil des Bund esgerichts vom 17. Juli 2012, 9C_335/2012, E. 3.1). Bei im Haushalt tätigen Versiche rten im Besonderen sind die persönli- chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältniss e ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil- dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabunge n zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung (hier: 23. Juli 2014) entwickelt haben, wobei für di e hypothetische Annahme einer im Gesund- heitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweis- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338 E. 3.2, 125 V 150 E. 2c, je mit Hinweisen). 4.2 In der angefochtenen Verfügung vom 23. Juli 2014 ermittelte die IV-Stelle den Invalidi- tätsgrad der Versicherten in Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung. Dabei ist sie davon ausgegangen, dass die Versicherte als Gesunde zu 50 % einer ausserhäus- lichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde und zu 50 % im Haushalt beschäftigt wäre. Die IV- Stelle wies zur Begründung der von ihr getroffenen Met hodenwahl und der Festlegung der An- teile der Erwerbstätigkeit und der Haushalttätigkeit darauf hin, dass die Versicherte anlässlich der Haushaltsabklärung vor Ort am 13. Juni 2013 angegeben habe, sie würde ohne gesundheit- liche Einschränkungen heute in einem Pensum von 50 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Abklärungsperson habe die Ausgangslage und die hypothetisc he Situation bezüglich Erwerbs im Gesundheitsfall mit der Versicherten eingehend besp rochen. Im Nachgang werde der Fra- gebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit mit den be sprochenen Angaben der versicherten Person zur Stellungnahme und Unterschrift zugestellt. Die Versicherte habe diesen am 17. Juni 2013 zugestellten Fragenbogen am 16. Juli 2013 unterschr iftlich bestätigt. Sie habe somit ge- nügend Zeit gehabt, die Darstellung zu studieren und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen. Im Übrigen habe die Versicherte gegenüber der D.____ dargelegt, dass sie bei einem 50%igen Arbeitspensum die Kinderbetreuung mit ihrem Mann au fteilen würde. Sie würde dann wieder am Wochenende oder nur am Abend arbeiten. Die Wieder aufnahme eines Vollzeitpensums sei dabei zu keinem Zeitpunkt thematisiert worden. In der vo rliegenden Beschwerde macht die Versicherte diesbezüglich geltend, dass sie im Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit angegeben habe, dass sie ab 2001 - neben der Erfüllun g ihrer familiären Aufgaben und der damaligen Betreuung von einem gesunden und einem schw er erkrankten Kind - das Pensum aus finanziellen Gründen auf 100 % erhöht habe. Selbs t als sie im November 2008 ihr drittes Kind geboren habe, sei sie noch zu 100 % erwerbstätig gewesen. Ab 2009 habe sie das Pen- sum aus gesundheitlichen Gründen auf 50 % reduziert. Daz u komme, dass sie über keine sehr guten Deutschkenntnisse verfüge, so dass fraglich sei, ob sie die Frage nach dem Umfang der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall anlässlich der Abklärung richtig verstanden habe. 4.3 Dem Fragebogen zur Ermittlung der Erwerbstätigkeit ist zu entnehmen, dass die Versi- cherte bei der B.____ zu Beginn ihrer Anstellung im Ap ril 1999 zuerst in einem Umfang von 80 % und dann ab 2001 von 100 % gearbeitet habe. Ab April 2009 habe sie das Pensum aus gesundheitlichen Gründen auf 50 % reduziert, weil die depressiven Symptome, an welchen sie seit dem Tod der 11-jährigen Tochter im 2007 leide, zu genommen hätten. Auf die Frage "Wie viele Stunden würden Sie heute ohne gesundheitlichen Einschränkungen beruflich tätig sein?" wurde notiert, dass die Versicherte seit November 2009 bei einer branchenüblichen Wochenar- beitszeit von 42 Stunden entsprechend einem 50%-Pens um 21 Stunden pro Woche arbeiten würde. In der Begründung wurde ausgeführt, dass die V ersicherte einer vollzeitlichen Tätigkeit nachgegangen sei, als ihre beiden Kinder 2 und 6 Jahre alt gewesen seien. Dabei habe sie vorwiegend nachmittags und abends gearbeitet. Da ihr Ehemann seine Tätigkeit als Bäckerhilfe vom frühen Morgen bis frühen Nachmittag ausgeübt habe, habe er sich um die Kinder kümmern können, wenn sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei . Als ihre Tochter im Jahr 2007 ge- storben sei, habe sie gedacht, dass ein weiteres Kind ihr e gesundheitlichen Probleme lösen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht könne. Sie habe dann im folgenden Jahr ihr drittes Kin d geboren. Heute sei sie der Ansicht, dass sie keinen weiteren Kinderwunsch gehabt hätte, wenn die verstorbene Tochter noch leben würde. Ohne die Geburt des dritten Kindes hätte sie we iter vollzeitlich eventuell leicht reduziert gearbeitet. Aktuell könne sie nur noch zu 50 % arbeiten . Dieses Protokoll wurde ihr mit Schrei- ben vom 17. Juni 2013 zugestellt. Am 16. Juli 2013 best ätigte sie mit ihrer Unterschrift dessen Richtigkeit. 4.4 Aufgrund dieser Erhebungen kann der von der Versiche rten vertretene Standpunkt, wo- nach sie im Gesundheitsfall aus finanziellen Gründen zu 100 % erwerbstätig sein würde, nicht gefolgt werden. Die umfangreichen und detailliert er hobenen Abklärungsergebnisse vor Ort er- weisen sich als schlüssig und legen nachvollziehbar dar, dass die Versicherte zum hier mass- gebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses (= Juli 2014) zu 50 % arbeiten würde. Es ist zu berücksichtigen, dass die Versicherte die anlässlich der Abkl ärung vom 13. Juni 2013 von der Abklärungsperson protokollierten Aussagen weder als falsch noch als unvollständig bestritt. Die erhobenen Verhältnisse geben denn auch keinen Anlass, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln. Damit ist die Versicherte bei ihren spontanen Aussagen der soge nannten ersten Stunde zu behaften (vgl. dazu BGE 121 V 45 E. 2a S. 47). Gemäss bundesgeri chtlicher Rechtsprechung sind die ersten, intuitiven Angaben regelmässig als glaubhafter e inzustufen als im Nachgang dazu ge- machte, widersprechende Aussagen. Letztere bedingen eine kritische Würdigung, können sie doch - bewusst oder unbewusst - von nachträglichen Überl egungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein (vgl. Urteil des Bunde sgerichts vom 11. März 2015, 8C_741/2014, E. 4.2). Die erst nachträglich von ihrer Rechtsvertreterin eingebrachten Vorbrin- gen, sie würde heute im Gesundheitsfall zu 100 % erwe rbstätig sein, sind nicht glaubwürdig bzw. nachvollziehbar begründet. Der Verweis der Rechtsver treterin auf mangelnde Deutsch- kenntnisse vermag an der Beweiskraft der damaligen Anga ben der Versicherten nichts zu än- dern, zumal die Einwände nicht näher substantiiert und ausserdem aus den Akten hervorgeht, dass die Versicherte verständlich und ausreichend deutsch spricht (vgl. dazu Bericht der E.____ vom 6. Oktober 2010, Ziffer 3). Auch den übrig en medizinischen Berichten und Gutach- ten sind keine Hinweise zu entnehmen, dass die Versicherte über ungenügende Deutschkennt- nisse verfügt. Die Frage, wie viele Stunden sie heute o hne gesundheitliche Einschränkungen beruflich tätig wäre, konnte ihr daher keine Verstän digungsschwierigkeiten bereiten. Aus ihren Angaben, dass sie ihr vollzeitliches Arbeitspensum im April 2009 aus gesundheitlichen Gründen auf 50 % reduziert habe, kann sie desgleichen nichts zu ih ren Gunsten ableiten. Denn für die Statusfrage sind die Verhältnisse im Juli 2014 massgebend. Im Zeitpunkt der Abklärung im Juni 2013 gab die Versicherte unmissverständlich an, dass sie im Gesundheitsfall lediglich 50 % arbeiten würde. Diese Äusserungen sind auch deshalb gl aubhaft, weil sich die Lebenssituation der Versicherten im Vergleich zur derjenigen vor der Pe nsumreduktion im Jahr 2009 dahinge- hend entwickelte, als sie seit der Geburt ihres zweiten Sohnes im März 2010 anstelle von zwei nun drei Kinder, eines davon ein Kleinkind, zu betreu en hat. Anhaltspunkte, dass sich die Ver- hältnisse seit der Abklärung massgeblich veränderten, sind nicht ersichtlich und werden auch nicht geltend gemacht. Es gibt keine Gründe, die vorlie gend gegen die Anwendung der ge- mischten Methode sprechen würden. Es ist somit davon auszugeh en, dass sie im Juli 2014 ohne Gesundheitsschaden einer Erwerbstätigkeit im Umfa ng von 50 % nachgehen würde. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss hat die IV-Stelle zu Recht in Anwendung der gemischten Methode die Anteile der Erwerbstätigkeit mit 50 % und der Haushaltstätigkeit mit 50 % gewichtet. 5. Weiter zu prüfen ist, in welchem Ausmass die Versicherte aufgrund ihrer gesundheitli- chen Beeinträchtigungen in ihrer Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in we lchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Fra ge, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheiden d, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erö rterung der Befunde zu schlüssigen Er- gebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Bew eiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszu standes und zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten Berichte der E.____ vom 6. Oktober 2010, von Dr. med. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht F.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie vom 8. November 2010 und 23. März 2011 sowie die Akten der D.____ ein. Im Auftrag der D.____ begu tachtete Dr. C.____ die Versicherte. In seinem Gutachten vom 3. Dezember 2010 hielt er als Dia gnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfä- higkeit eine mittelgradig ausgeprägte ängstlich-depressiv e Episode mit somatischem Syndrom fest. Die Versicherte zeige eine gedrückt-depressive Verstimm ung und eine ängstlich-besorgte, verunsicherte, in der affektiven Modulationsfähigkeit deutlich verminderte, zum depressiven Pol verschobene Stimmungslage. Der Antrieb sei deutlich einge schränkt, Mimik und Gestik seien wenig mitschwingend. Formalgedanklich zeigten sich eine le ichte Verlangsamung, eine leichte Neigung zum Grübeln, eine deutliche Einengung auf die Befürchtungen um die Kinder und In- suffizienzgefühle. Auf der psychisch-geistigen Ebene sei di e Leistungsfähigkeit durch die affek- tiven, psychomotorischen, formalgedanklichen und vegetative n Symptome deutlich beeinträch- tigt. In psychiatrisch-körperlicher Hinsicht bestehe eine au sgeprägte Störung der Vitalgefühle, welche ebenfalls die Leistungsfähigkeit vermindere. Im Hinblick auf die soziale Interaktion sei die Versicherte durch die ängstlich-vermeidende Erlebn isausrichtung und einem entsprechen- den Vermeidungsverhalten deutlich eingeschränkt. In der freien Wirtschaft bestehe gegenwärtig keine Arbeitsfähigkeit. Als nichtmedizinische Probleme, w elche die Arbeitsfähigkeit beeinfluss- ten, seien die ungewisse berufliche Zukunft und die Meh rfachbelastung (Haushalt, Kinder und Arbeit) zu nennen. Im Gutachten vom 29. Juni 2011 hiel t er im Wesentlichen an seinen im Vor- gutachten gestellten Diagnosen und an seiner Zumutbarke itsbeurteilung fest. Im Vergleich zum Gutachten vom 3. Dezember 2010 habe sich der gesundheitliche Zustand der Versicherten we- der verbessert noch verschlechtert. Die psychosozialen Fakto ren wie Mehrfachbelastung, Haushalt, zwei kleine Kinder und Arbeit beeinflussten d en Behandlungs- und Heilungsverlauf weiterhin ungünstig. Ein zusätzlicher, die Arbeitsfähig keit beeinflussender Faktor stelle das lau- fende versicherungsrechtliche Verfahren dar. 6.2 Da die genannten Unterlagen nach Auffassung der IV -Stelle keine abschliessende Beur- teilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkei t der Versicherten zuliessen, ent- schloss sie sich, zur weiteren Abklärung des medizinischen Sach verhaltes bei Dr. C.____ ein psychiatrisches Verlaufsgutachten in Auftrag zu geben, welche s dieser am 6. April 2012 erstat- tete. In seinem fachärztlichen Gutachten diagnostizierte Dr. C.____ mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisierte Angststörung und eine anhaltend depressive Episode, ge- genwärtig mittelgradiger Ausprägung mit somatischem Syn drom. Im Verlauf schwanke der Schweregrad ohne zwischenzeitliche Remission zwischen mittel - und schwergradig. Die Symp- tome wie depressive Verstimmung, Freudlosigkeit, Interesse nminderung, ausgeprägter An- triebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit, Verminderung der Konzentration, der Aufmerksamkeit, des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens, Gefühl von Schuld und Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Schlafstörungen, ver minderter Appetit, mangelnde emotionale Reagibilität auf sonst freudige Ereignisse, morgendliches Stimmungstief, Libidover- lust und psychomotorische Unruhe erfüllten die Kriterien für die Diagnose einer mittelgradig depressiven Episode mit somatischem Syndrom. Die von der Versicherten geschilderten Symp- tome wie körperliche Unruhe, Schwindelgefühle, Nervosi tät, Konzentrationsprobleme, Alltags- vergesslichkeit, vegetative Übererregbarkeit, Reizmagenbesch werden und Durchschlafstörun- gen seien typisch für eine generalisierte Angststörung. Die Versicherte leide zudem an einer relevanten komorbiden psychischen Störung von erheblicher S chwere, Intensität, Ausprägung Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Dauer in Form einer depressiven Entwicklung. Dazu be stehe ein bedeutsamer sozialer Rückzug. Trotz adäquater psychiatrisch-psychotherapeutischer B ehandlung zeigten sich nur geringe Fortschritte. Beeinträchtigt seien die Affekt- und Impulssteuerung sowie das Selbst- wertgefühl. Die eingeschränkten Ich-Funktionen äusserten sich in einer verminderten Flexibili- tät, einer Entscheidungsschwäche, einer Verminderung d er Durchhaltefähigkeit sowie der Selbstbehauptungs- und Kontaktfähigkeit zu Dritten. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versi- cherten eine entsprechende Willensanstrengung zur Übe rwindung ihrer Beschwerden deutlich erschwert, wenn sie nicht sogar weitgehend verunmöglicht sei. Es bestehe aus diesen Gründen eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkei t in der freien Wirtschaft. Invaliditätsfremde Faktoren wie Arbeitsplatzverlust, ungewisse berufliche Z ukunft, sekundärer Krankheitsgewinn, Dekonditionierung, passive Heilungserwartung, subjektive Krankheits- und Insuffizienzüberzeu- gung sowie das laufende versicherungsrechtliche Verfahren seien dabei berücksichtigt und von invaliditätsbedingten Befunden abgegrenzt worden. Si e seien deshalb nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer Tätigkeit eingeflossen. 6.3 In seinem Ergänzungsgutachten vom 7. Februar 2013 h ielt Dr. C.____, nachdem er sich mit den Einwänden der RAD-Ärztin Dr. med. G.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. Stellungnahmen vom 11. Juli 2012 und 18. Dezember 2 012), auseinander gesetzt hatte, an seinen bisherigen Diagnosen und seiner Begründung fes t. Er erklärte, dass die Versicherte an Befürchtungen wie Sorge über zukünftiges Unglück, Nervositä t, Konzentrationsschwierigkeiten, an einer motorischen Spannung (Unruhe, Spannungskopfschm erzen, Zittern, Unfähigkeit, sich zu entspannen) und an vegetativer Übererregbarkeit (Be nommenheit, Schwitzen, Oberbauch- beschwerden, Schwindel, Mundtrockenheit etc.) leide, we shalb die Kriterien für die Diagnose einer generalisierten Angststörung erfüllt seien. Da di ese die Arbeitsfähigkeit beeinflusse, habe er keinen Anlass, von seiner Zumutbarkeitsbeurteilung abzuweichen. 6.4 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ver fügung vom 23. Juli 2014 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse, zu denen Dr. C.____ in seinem psychiat rischen Gutachten vom 6. April 2012 und seiner ergänzenden Stellungnahme vom 7. Feb ruar 2013 gelangte. Sie ging demzu- folge davon aus, dass der Versicherten die Ausübung ei ner Hilfsarbeit im Umfang von 20 % zumutbar sei. Diese Beurteilung der Vorinstanz ist nich t zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 5.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltun gsverfahrens eingeholten Gutachten ex- terner Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund einge hender Beobachtungen und Untersu- chungen sowie nach Einsicht der Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indi- zien liegen hier keine vor. Der Gutachter untersuchte die Versicherte eingehend und umfas- send, er ging in seinem ausführlichen Fachgutachten einlässlich auf deren Beschwerden ein, er setzte sich mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander und er ver- mittelte so ein umfassendes Bild über den Gesundheitszus tand der Versicherten. Die Kritik, welche die Versicherte in inhaltlicher Hinsicht am Gutach ten von Dr. C.____ anbringt, ist nicht geeignet, dessen ausschlaggebende Beweiskraft in Frage zu stellen. Es trifft zwar zu, dass er in den gegenüber der Krankenkasse erstatteten Gutachten vom 3. Dezember 2010 und 29. Juni Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2011 der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit f ür jegliche Arbeiten attestierte, im Gut- achten vom 6. April 2012 jedoch zum Schluss kam, dass eine 20%ige Restarbeitsfähigkeit vor- liege. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versi cherten seit der Erstbegutach- tung im Jahr 2010 stellte er aber nicht fest. Die Erhö hung der Arbeitsfähigkeit lässt sich jedoch dadurch erklären, dass Dr. C.____ in den ersten beiden Gutachten zuhanden des Taggeldver- sicherers in seiner Zumutbarkeitsbeurteilung invaliditä tsfremde Faktoren berücksichtigte. So führte er als "nicht medizinische Probleme" die ungewisse berufliche Zukunft, die Mehrfachbe- lastung Haushalt/Kinder/Arbeit (vgl. Gutachten vom 3. Dezember 2010 Ziffer 2b) und später zusätzlich das laufende versicherungsrechtliche Verfahren (vgl . Gutachten vom 29. Juni 2011 Ziffer 2b) an, welche die Arbeitsfähigkeit der Versi cherten beeinträchtigten. Da solche Ge- sichtspunkte (insbesondere psychosoziale und/oder soziokulture lle Belastungsfaktoren) vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt unbeachtlich sind, liess er diese zu Recht bei der Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigke it in seinem Gutachten vom 6. April 2012 zu Handen der IV-Stelle unberücksichtigt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 13. Dezember 2013, 8C_33/2013, E. 4.2.3 mit Hinweis auf BGE 130 V 352 E. 2.2.5). Im Hin- blick auf die von ihm genannten Faktoren (Arbeitsplatzver lust, ungewisse berufliche Zukunft, sekundärer Krankheitsgewinn infolge Unterstützung durch d ie Familie, Dekonditionierung, pas- sive Heilungserwartung, subjektive Krankheits- und Insuff izienzüberzeugung und laufendes versicherungsrechtliches Verfahren) ist nicht zu beanstanden, dass er diesen bei seiner Zumut- barkeitsbeurteilung im Umfang von 20 % Rechnung trug. 7.1 Es ist zu prüfen, ob die Versicherte ihre Restarbeit sfähigkeit von 20 % auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt wirtschaftlich verwerten kann. Be im ausgeglichenen Arbeitsmarkt han- delt es sich um eine theoretische Grösse, so dass nicht le ichthin angenommen werden kann, die verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar (U rteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2013, 8C_724/2012, E. 4.3). Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes beinhaltet nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner Strukt ur her einen Fächer verschiedenarti- ger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellek- tuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4 mit Hinweisen). Er umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsan- gebote, bei welchen behinderte Personen mit einem sozi alen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts vo m 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Dabei darf jedoch nicht von re alitätsfremden Einsatzmöglichkeiten aus- gegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von Art. 16 ATSG gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög- lich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nich t kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeit gebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwer- ten oder nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der versicherte n Person auf einem ausgeglichenen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtig ung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Ur- teil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen). Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folg en, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, b eruflicher Werdegang oder Anwend- barkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Berei ch sein (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3 mit Hinweisen). 7.2 Nach der Beurteilung im hier massgebenden Gutachte n von Dr. C.____ vom 6. April 2012 besteht für die bisherige, aber auch für Verweistätigkeiten, eine Arbeitsfähigkeit von 20 %. Zu beachten ist aber, dass Dr. C.____ der Ansicht ist, dass "keine relevante Arbeitsfähigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft" bestehe (vgl. Kapitel VI, Ziffer 5 des Gutachtens). Aufgrund dieser Formulierung ist davon auszugehen, dass er von keiner verwertbaren Restar- beitsfähigkeit ausgeht. Von Bedeutung ist auch, dass der Gutachter berufliche Massnahmen unter anderem aufgrund der deutlichen psychischen Instab ilität nicht als angezeigt erachtet. Daraus ist zu schliessen, dass die Versicherte nicht über ei n genügend innerpsychisches Gleichgewicht verfügt, um sich beruflichen Massnahmen zu unterziehen. Damit fehlt es ihr aber auch an der für die Verwertung ihrer Restarbeitsfähig keit erforderlichen Belastbarkeit. Dazu kommt, dass die deutlich ausgeprägte ständige Angst der Versicherten um ihre Kinder und die damit verbundene mangelhafte Flexibilität von einem po tentiellen Arbeitgeber eine lange und schwierige Einarbeitungszeit mit hohem Betreuungsaufwa nd erfordern würde. Zudem ist ihre Kontaktfähigkeit zu Dritten deutlich vermindert, so dass von vornherein sämtliche Tätigkeiten mit zwischenmenschlichen Interaktionen ausgeschlossen sind. D arüber hinaus verfügt sie über einen sehr geringen Ausbildungsstand (5 Jahre Schule, ke ine Ausbildung). Eine Gesamtbe- trachtung der genannten Einschränkungen und Belastungsf aktoren ergibt, dass Tätigkeiten im ausgeglichenen Arbeitsmarkt für die Versicherte kaum vorhanden sind und ihr das Finden einer Stelle nur unter nicht realistischem Entgegenkommen ei nes durchschnittlichen Arbeitgebers möglich ist. Damit ist die Restarbeitsfähigkeit der Ver sicherten nicht mehr verwertbar. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkei t, liegt eine vollständige Erwerbsunfä- higkeit vor (Urteil des Bundesgerichts, vom 21. August 200 6, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hinweisen). Demzufolge beträgt der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich 100 %. 8.1 Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsbere ich gab die IV-Stelle eine Haus- haltsabklärung in Auftrag. Die Abklärung vor Ort ergab gemäss Bericht vom 17. Juli 2013 eine Einschränkung von 18,5 %. Dieses Ergebnis wurde von der Ve rsicherten im Vorbescheidsver- fahren beanstandet. Die IV-Stelle berücksichtigte die E inwände der Versicherten und stellte in ihrer Verfügung schliesslich eine Einschränkung im Haush alt von insgesamt 23,9 % fest. Diese Einschränkung wurde von der Versicherten im vorliegenden Verfahren zu Recht nicht mehr in Frage gestellt. Der Bericht erweist sich im Lichte der höchstrichterlichen Rechtsprechung zum Beweiswert der Haushaltsabklärungsberichte als überzeugend , wurde er doch in Kenntnis der örtlichen, räumlichen und persönlichen Gegebenheiten er stellt und trägt den Einschränkungen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherten angemessen und detailliert sowie unt er Bezugnahme auf die dem Ehemann im Rahmen der Schadenminderungspflicht zumutbare Mitarbeit angemessen Rechnung. 8.2 In Anwendung der gemischten Methode der Invalidit ätsbemessung ergibt sich in Be- rücksichtigung der zeitlichen Beanspruchung von 50 % im E rwerbs- und von 50 % im Haus- haltsbereich bei einer Einschränkung im Haushaltsberei ch von 11,95 % (0,50 x 23,9 %) und einer solchen im Erwerbsbereich von 50 % (0,50 x 100 %) insgesamt ein Invaliditätsgrad in der Höhe von 62 % gerundet (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121 ff.). Damit hat die Versi- cherte ab 1. Juli 2011 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Die Beschwerde ist demgemäss gut- zuheissen. 9.1 Abschliessend bleibt über die Kosten des Verfahrens z u befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeite n um die Bewilligung oder die Ver- weigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicher ungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 Satz 2 VPO werden die Verfahrenskosten in de r Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-St elle unterliegende Partei, weshalb sie grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hätte. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinst anzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Aufgrund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unter liegens nicht für die Verfahrenskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegende n Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 60 0.-- ist der Beschwerdeführerin demnach zurückzuerstatten. 9.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens en tsprechend ist der Beschwerdefüh- rerin deshalb eine angemessene Parteientschädigung zuzu sprechen. Deren Rechtsvertreterin machte in ihrer Honorarnote vom 12. Februar 2015 eine n Zeitaufwand von insgesamt 14 Stun- den und 55 Minuten geltend, was sich umfangmässig als an gemessen erweist. Die Bemühun- gen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäs s für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Ausl agen von Fr. 313.--. Damit ist der Be- schwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe vo n Fr. 4'365.55 (14 Stunden und 55 Minuten à Fr. 250.-- inkl. Auslagen von Fr. 313.-- und 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV- Stelle zuzusprechen. Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 23. Juli 2014 aufg ehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin mit Wirku ng ab 1. Juli 2011 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 4'365.55 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.