Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. Februar 2016 (735 15 134) ____________________________________________________________________ Berufliche Vorsorge Anspruch auf eine Invalidenrente aus beruflicher Vorsorge; Anwendbarkeit der Regle- mente der Vorsorgeeinrichtung; Bindungswirkung an den IV-Rentenentscheid bejaht. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____, Klägerin , vertreten durch Daniel Altermatt , Rechtsanwalt , Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherungs - Gesellschaft , c/o Allianz, Rechtsdienst PLHRD, Postfach, 8010 Zürich, Beklagte Betreff Forderung A. Die am 29. Juli 1959 geborene A.____ gründete ab 1991 zusammen mit ihrem damali- gen Ehemann verschiedene Unternehmen. Im Jahr 2005 erkrankte ihr damaliger Ehemann, so dass sie geschäftlich auf sich alleine gestellt war. In der Folge verschlechterte sich auch ihr Ge- sundheitszustand. Schliesslich meldete sich A.____ mit Gesuch vom 27. Juni 2011 unter Hin- weis auf eine Depression und Erschöpfungszustände b ei der IV-Stelle Basel-Landschaft (IV- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle) zum Leistungsbezug an. Zwecks Abklärung der gesund heitlichen Verhältnisse veran- lasste die IV-Stelle bei Dr. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten, welches am 13. August 2013 erging. Dr. B.___ _ kam darin zum Schluss, dass die Versicherte zurzeit an einer mittelgradigen, rezidivierenden depressiven Episode leide. Gestützt im Wesentlichen auf diese Abklärung der gesundheitlich en Verhältnisse sprach ihr die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Februar 2014 eine ganze Invalid enrente mit Wirkung ab 1. Februar 2014 zu. Mit Verfügung vom 10. März 2014 wurde der Versicher ten rückwirkend ausserdem eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Januar 2012 bis 31. Januar 2014 zugesprochen. B. Gegen diese beiden Verfügungen der IV-Stelle erho b die Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherung-Gesellschaft (Allianz) am 10. April 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanton sgericht). Sie beantragte, die bei- den Verfügungen seien aufzuheben und die Sache sei zu r Neubeurteilung an die IV-Stelle zu- rückzuweisen. Mit Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Oktob er 2014 wurde die Beschwerde abgewiesen. Zur Begründung hielt das Kantonsgericht z usammenfassend fest, dass das Gut- achten von Dr. B.____ nicht zu beanstanden sei. Bei der bei der Versicherten diagnostizierten depressiven Störung handle es sich nicht um ein Beschwerdebi ld, für welches die Überwind- barkeitsrechtsprechung gelte. Die IV-Stelle habe der Ver sicherten ab 1. Januar 2012 zu Recht eine ganze IV-Rente zugesprochen. Dieses Urteil erwuchs in Rechtskraft. C. Mit Eingabe vom 11. April 2015 erhob A.____, ver treten durch Rechtsanwalt Daniel Al- termatt, beim Kantonsgericht Klage gegen die Allian z mit dem Begehren, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr CHF 28‘795.50 nebst 5% Zins seit Klage inreichung zu bezahlen. Ferner sei festzustellen, dass die Beklagte an die Verfügungen der IV-Stelle vom 5. Februar 2014 sowie 10. März 2010 gebunden sei und ihr gestützt auf diese B indungswirkung aus dem Vorsorgever- trag G 12799/1 eine Invalidenrente von derzeit CHF 7 3‘200.— pro Jahr auszurichten habe. Ausserdem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewi lligen, unter o/e-Kostenfolge zu Las- ten der Beklagten. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Invalidenversi- cherung der Klägerin mit Verfügungen vom 5. Februar 2 014 und vom 10. März 2014 mit Wir- kung ab 1. Januar 2012 eine ganze IV-Rente zugesproche n habe. Da die Klägerin im Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invali dität geführt habe, bei der Beklagten versi- chert gewesen sei, habe sie grundsätzlich Anspruch auf die reglementarischen Leistungen der Beklagten. Diese Leistungen habe die Beklagte denn auc h bis zum 31. Dezember 2014 er- bracht. Seit dem 1. Januar 2015 erbringe sie aber nur noch die obligatorischen Leistungen und verweigere der Klägerin die überobligatorischen Leistungen mit der Begründung, die Rentenzu- sprache der Invalidenversicherung basiere auf einem nicht überzeugenden psychiatrischen Gutachten und einem nicht korrekt vorgenommenen Einkom mensvergleich. Aus diesem Grund sei sie nicht an die IV-Verfügung gebunden. Dies aber s ei unzutreffend. Die erwähnten IV- Verfügungen seien von der Beklagten dazumal vielmehr vor dem Kantonsgericht angefochten worden, und das Kantonsgericht habe in Abweisung der B eschwerde festgehalten, dass auf das nunmehr erneut in Frage gestellte Gutachten von D r. B.____ abgestellt werden könne. Ebenso wenig sei in Frage zu stellen, dass die IV-Stel le den Verdienst der Klägerin bis ins Jahr 2012 beim Einkommensvergleich nicht berücksichtigt habe. D ie Beklagte habe das Urteil des Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Kantonsgerichts vom 16. Oktober 2014 nicht angefochten. Dieses sei rechtskräftig, so dass die Beklagte an dieses Urteil nunmehr gebunden sei. D. Mit Eingabe vom 13. Mai 2015 zog der Rechtsvertreter der Klägerin das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege zurück. E. Die Beklagte schloss mit Klageantwort vom 26. Juni 201 5 auf vollumfängliche Abwei- sung der Klage. Eventualiter sei die Klage abzuweisen, soweit die Klägerin aus dem Vorsorge- vertrag eine IV-Rente gestützt auf einen IV-Grad von 70 % oder mehr fordere. Im Weiteren sei auf das von der Klägerin gestellte Feststellungsbegehre n nicht einzutreten, alles unter o/e- Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen gel tend gemacht, dass Dr. B.____ dazu- mal als einziger Arzt eine zurzeit mittelgradige, rezidivierende depressive Störung diagnostiziert habe, während alle anderen involvierten Fachärzte led iglich eine mittelgradige depressive Epi- sode festgestellt hätten. Ohne diesen Widerspruch zu kläre n habe die IV-Stelle aber auf das Gutachten von Dr. B.____ abgestellt, womit sie ihre Untersuchungspflicht verletzt habe. Im Wei- teren sei nicht nachvollziehbar, weshalb die IV-Stelle d ie gemäss Gutachten indizierten berufli- chen Massnahmen im Sinne einer Schadenminderungsmassnahme nicht eingefordert habe. Es müsse von einer Arbeitsfähigkeit von weit über 20% in der angestammten Tätigkeit und von einer Arbeitsfähigkeit von mehr als 70% in einer ange passten Tätigkeit ausgegangen werden. In der überobligatorischen beruflichen Vorsorge gelte nicht dieselbe Bindungswirkung an die IV- Verfügung wie im obligatorischen Bereich, was sich schon daraus ergebe, dass gemäss dem massgebenden Reglement der Allianz der von der Invaliden versicherung festgestellte IV-Grad die Rentenleistung nach oben begrenze. Doch selbst wenn auch im überobligatorischen Be- reich eine Bindungswirkung anzunehmen wäre, müsste diese als aufgehoben gelten, da die IV- Stelle beim Erlass ihrer Verfügungen den Auszug aus d em individuellen Konto (IK) zur Berech- nung des Valideneinkommens nicht berücksichtigt habe. Dam it seien die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision der IV-Verfügungen gegeben. D as Kantonsgericht habe bei der Überprüfung der dazumal angefochtenen IV-Verfügungen fälschlicherweise festgestellt, dass die IV-Stelle beim Einkommensvergleich auf die Lohnstr ukturerhebung (LSE) abgestellt habe. Damit beruhe auch das kantonsgerichtliche Urteil vom 16. Oktober 2014 auf einer offensichtlich unrichtigen Sachverhaltsfeststellung. Da die Bemessung de r Invalidität durch die Invalidenver- sicherung somit qualifiziert fehlerhaft sei, sei die Bekl agte nicht daran gebunden. Bei der Be- rechnung des IV-Grads habe die IV-Stelle für das Valide neinkommen zu Unrecht auf den von der Versicherten selbst bezogenen Durchschnittslohn der Jah re 2007 bis 2009 abgestellt. Da die Klägerin faktisch selbständig Erwerbende in ihrer Gm bH gewesen sei, hätte vielmehr ein Betätigungsvergleich durchgeführt werden müssen. Das vo n der IV-Stelle veranschlagte Vali- deneinkommen von CHF 167‘467.— sei jedenfalls zu hoch. No ch vor Eintritt des Gesundheits- schadens sei das Geschäft im Jahr 2010 eingebrochen, so dass d ie Klägerin auch ohne Ge- sundheitsschaden das sich bisher ausbezahlte Einkommen nich t mehr hätte erzielen können. Ausserdem sei die Klägerin an noch weiteren Gesellschaft en mit Sitz an derselben Firmenad- resse beteiligt gewesen, so dass Erträge beliebig hätten verbucht und verschoben hätten wer- den können. Es sei offensichtlich, dass der deklarierte AHV -Lohn der Klägerin aufgeblasen worden sei und nicht dem effektiven, branchenüblichen Verdienst entsprochen habe. Dies habe die IV-Stelle nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Klägerin die Hälfte Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Lohns an ihren ehemaligen Ehemann als Mitgesellscha fter habe weiterleiten müssen. Das tatsächlich erzielte AHV-pflichtige Durchschnittseinkommen in den Jahren 2007 bis 2009 belau- fe sich daher auf lediglich CHF 121‘878.—. Auch ohne Ge sundheitsschaden hätte die Klägerin aber künftig höchstens ein Einkommen von CHF 91‘000.— pr o Jahr erzielen können. Im Weite- ren habe die IV-Stelle auch das Invalideneinkommen zu tief bemessen, da sie auf die falsche Tabelle der LSE des Jahres 2010 abgestellt habe. Korr ekterweise hätte auf die Tabelle TA1 Sektor 3 der Branche 58-63 (Information und Kommunik ation) abgestellt werden müssen, so dass ein Invalidenlohn von CHF 58‘732.— resultiere. Dami t ergebe sich ein IV-Grad von 35%, so dass kein Rentenanspruch aus der beruflichen Vorsorge bestehe. Doch selbst wenn man für das Valideneinkommen auf die durchschnittlichen AHV-Ein künfte gemäss IK-Auszug abstellen würde, ergäbe sich ein IV-Grad von lediglich 55% und damit Anspruch nur auf eine halbe Ren- te. Die reglementarische IV-Rente betrage 40% des AHV-Lohns, so dass bei einer halben Ren- te je nach angenommenen AHV-Lohn ein Anspruch auf jährliche Leistungen von CHF 14‘603.- , CHF 18‘300.— oder CHF 29‘206.— bestehe. Angesichts der a b 1. Januar 2015 bereits erbrach- ten Minimalleistungen stehe der Klägerin für den eingeklagten Zeitraum somit überhaupt nichts, allenfalls CHF 1‘345.50 oder höchsten CHF 6‘798.50 zu. Im Übrigen betrage der Zins nicht 5%, sondern belaufe sich dem BVG-Mindestzinssatz entsprechend auf 1,75%. F. Mit Replik vom 13. September 2015 und Duplik vom 28. Oktober 2015 hielten die Par- teien im Wesentlichen an ihren Standpunkten fest. Während die Klägerin auch an ihren Rechts- begehren unverändert festhielt, beantragte die Beklagt e in ihrem Eventualbegehren die Abwei- sung der Klage insofern, soweit die Klägerin aus dem Vorsorgevertrag eine Invalidenrente ge- stützt auf einen IV-Grad von 60% oder mehr fordere. F erner beantragte sie in Bezug auf das Feststellungsbegehren der Klägerin neu eventualiter d ie Abweisung des klägerischen Begeh- rens. Auf die Parteivorbringen ist soweit erforderlich in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Für die vorliegende Streitigkeit über Ansprüche e iner versicherten Person gegenüber einer Vorsorgeeinrichtung ist nach Art. 73 Abs. 1 des Bun desgesetzes über die berufliche Vor- sorge (BVG) vom 25. Juni 1982 und § 54 der Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. De- zember 1993 das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht, zur Beurteilung sachlich zuständig. 1.2 Art. 73 Abs. 3 BVG regelt die örtliche Zuständigke it für die Entscheidung von Streitig- keiten berufsvorsorgerechtlicher Natur. Gerichtsstand ist demnach der schweizerische Sitz oder Wohnsitz der beklagten Partei oder der Ort des Betriebe s, bei dem die versicherte Person an- gestellt worden ist. Die Bestimmung überlässt der jewei ls klagenden Partei die Wahl des Ge- richtsstandes (SVR 2006 BVG Nr. 17 S. 61 E. 2.3, B 93/0 4, mit Hinweisen auf die Doktrin). Die Klägerin war zuletzt bei der Firma C.____ GmbH mit Sitz in D.____ im Kanton Basel- Landschaft tätig, welche sich für die berufliche Vorsor ge der Beklagten angeschlossen hatte. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Damit ist das Kantonsgericht für die Beurteilung der g egen die Beklagte erhobenen Klage auch örtlich zuständig. Auf die im Übrigen formgerecht erhobene Klage ist daher grundsätzlich einzu- treten. 1.3 Die Beklagte wendet vorab in prozessualer Hinsicht ein, auf das Feststellungsbegeh- ren der Klägerin in Ziffer 2 deren Rechtsbegehrens, wonach die Beklagte an die Verfügung vom 5. Februar und vom 10. März 2014 gebunden sei und ge stützt darauf eine jährliche Invaliden- rente von CHF 73‘200.— auszurichten habe, sei mangels Fe ststellungsinteresses nicht einzu- treten. Im Rahmen des Klagverfahrens gemäss Art. 73 BVG gilt d er zivilprozessuale Grundsatz, dass bei der Geltendmachung von Ansprüchen Leistungsklagen vor Feststellungsklagen zu erheben sind. Kann ein Anspruch klageweise erhoben werden, beste ht kein eigenständiger Anspruch auf eine Feststellungsklage und es ist unzulässig, ein en tsprechendes Begehren zu stellen (BGE 128 II 389 E. 2). Ein Feststellungsinteresse wird hingegen dann bejaht, wenn die klagen- de Partei ein schutzwürdiges Interesse an der verlangte n Feststellung hat, dass etwa bestimm- te Rechte oder Pflichten bestehen (vgl. H ANS -ULRICH STAUFFER , Berufliche Vorsorge, Zü- rich/Basel/Genf 2005, Rz 1667 f.). Die Klägerin beans prucht vorliegend gemäss Ziffer 1 ihrer Rechtsbegehren in erster Linie Rentenzahlungen, was im Rahmen eines Leistungsbegehrens ohne weiteres verlangt werden kann. Der Beklagten ist al lerdings zuzustimmen, dass die Fest- stellung gemäss dem klägerischen Rechtsbegehren in Ziffer 2 , wonach die Beklagte an die IV- Verfügungen gebunden sei, lediglich als Vorfrage für das Leistungsbegehren der Klägerin zu prüfen ist und daher – selbst wenn die Frage zu bejahe n wäre – weder eine selbständige Be- deutung haben kann noch Eingang ins Dispositiv des vorli egenden Entscheids finden dürfte. Nicht gefolgt werden kann der Beklagten bei ihrer Argumentation aber in Bezug auf den zweiten Teil des fraglichen Rechtsbegehrens. Dieses entspricht le diglich aufgrund seiner Formulierung einem Feststellungsbegehren. Inhaltlich stellt es insofer n ein Leistungsbegehren dar, als damit die Verpflichtung der Beklagten ebenfalls zur Leistung einer IV-Rente der beruflichen Vorsorge verlangt wird. Nichts anderes anerkennt die Beklagte im Übrigen denn auch selbst, wenn sie in ihrer Duplik davon ausgeht, dass es sich dabei „offensichtlich um ein Leistungsbegehren“ hand- le, das in Ziffer 1 des klägerischen Rechtsbegehrens aufg ehe (vgl. Duplik vom 28. Oktober 2015, S. 3). Es tritt hinzu, dass ein klares Interesse der Klägerin an der gerichtlichen Beurtei- lung des fraglichen Rechtsbegehrens in Ziffer 2 zu bejahe n ist, andernfalls sie im Falle eines Obsiegens für künftig fällig werdende Rentenleistungen keinen Rechtsöffnungstitel besässe und im Falle der Nichtleistung durch die Beklagte diesfalls erneut den Klageweg beschreiten müss- te. Unter diesen Umständen ist ein schutzwürdiges Inter esse aber auch an der Feststellung einer allfälligen Bindungswirkung der Beklagten an die IV-Verfügungen vom 5. Februar und 10. März 2014 zu bejahen. Es kann deshalb auch auf das kl ägerische Rechtsbegehren in Ziffer 2 der Klage eingetreten werden. 2. Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Klägeri n auf eine Invalidenrente aus berufli- cher Vorsorge. Diese begründet ihre Klage im Wesentlichen damit, dass die Beklagte an die mit Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Oktober 2014 rechtskräf tig beurteilten IV-Verfügungen vom 5. Februar und 10. März 2014 gebunden sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.1 Gemäss Rechtsprechung sind die Vorsorgeeinrichtungen an den Entscheid der Invali- denversicherung im Rahmen der obligatorischen Versicherung in grundsätzlicher, zeitlicher und masslicher Hinsicht gebunden (BGE 132 V 74 E. 3.2.2). Di ese Bindungswirkung findet ihre po- sitivrechtliche Grundlage in den Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG, welche an die Regelung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 anknüpfen oder diese übernehmen. Voraussetzung ist, dass die Vorsorgeeinri chtung in das invalidenversiche- rungsrechtliche Verfahren einbezogen wurde, die konkret e Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung entscheidend war und die invali- denversicherungsrechtliche Betrachtungsweise auf Grund ein er gesamthaften Prüfung der Ak- ten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 133 V 67 E. 4.3.2). Letztere Einschränkung wird damit begründet, dass die Invalidenversicherung be i zweifelloser Unrichtigkeit ihres IV- Entscheids gemäss Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial- versicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 von sich aus auf die entsprechende Verfü- gung zurückkommen kann. Praxisgemäss bezieht sich die Bindun gswirkung insbesondere auf den Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit , den Zeitpunkt der Entstehung des Renten- anspruchs bzw. des Beginns der Wartezeit und die Festsetzung des Invaliditätsgrades. Für den weitergehenden (überobligatorischen) Vorsorgebereich gilt die zitierte Bindungswirkung der IV- Rentenzusprechung indessen nur, soweit das Vorsorgereglement vom selben Invaliditätsbegriff wie die Invalidenversicherung ausgeht (BGE 115 V 208 E . 2c; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2009, 9C_689/2008, E. 1.2). 2.2 Im vorliegenden Fall stellt sich die Beklagte auf den Standpunkt, dass sie an die Invali- ditätsbemessung der Invalidenversicherung in grundsätzlich er Hinsicht schon deshalb nicht gebunden sei, weil überobligatorische Leistungen im Streit stünden. Dazu ist festzustellen, dass der von der Beklagten verwendete Invaliditätsbegriff ide ntisch ist mit dem Invaliditätsbegriff der Invalidenversicherung, so dass der soeben zitierten Rech tsprechung zufolge (vgl. oben, Erwä- gung 2.1 a.E. hiervor) auch im überobligatorischen Ber eich eine grundsätzliche Bindungswir- kung der Beklagten an die Entscheide er Invalidenversicheru ng besteht. Gemäss Ziffer 2.6 Ab- satz 1 von Teil 2 der allgemeinen Reglementsbestimmung en des vorliegend anwendbaren Vor- sorgereglements der Beklagten (ARB, Ausgabe Januar 2012) liegt eine Invalidität vor, wenn die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ga nze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit die für die Begründung des Anspruchs auf eine Rente d er Invalidenversicherung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. In Absatz 2 derselben Be stimmung wird die Erwerbsunfähigkeit als der durch medizinisch objektiv feststellbare Beeinträch tigungen der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmö glichkeiten auf dem in Betracht kom- menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt definiert. Gemäss Ziff er 4.3.1 Abs. 3 ARB entspricht der Invaliditätsgrad schliesslich der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachten Er- werbseinbusse. Diese wird durch die Gegenüberstellung des theoretischen Einkommens nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit / Invalidität mit jenem hypothetischen möglichen Einkommen ohne Eintritt dieses Vorsorgefalls ermittelt. Der Grad der Invalidität entspricht dabei maximal dem von der Invalidenversicherung festgestellten IV-Grad im erwerblichen Bereich. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.3 Entgegen der von ihr vertretenen Auffassung ist aufg rund der dargelegten Regle- mentsbestimmungen offensichtlich, dass die Beklagte kei nen von der Invalidenversicherung abweichenden Invaliditätsbegriff anwendet. Die Frage n, die sich in Bezug auf die vorliegend strittige Leistungspflicht der Beklagten stellen, waren im Gegenteil bereits auch für die invali- denversicherungsrechtliche Beurteilung relevant. Die von ihr verwendete Terminologie deckt sich denn auch mit den massgebenden gesetzlichen Bestimmung en, wonach gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 IVG die I nvalidität als eingetreten gilt, wenn die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ga nze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit die für die Begründung des Anspruchs auf eine Leistung der Invalidenversicherung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Ebenso erweist sich die reglementarische Bestimmung der Be- klagten betreffend die Bemessung des IV-Grads mit der in Art. 16 ATSG verwendeten Definition als kongruent. Zumal die Beklagte in Ziffer 4.3.1 Abs. 3 ihrer ARB explizit auf den von der Inva- lidenversicherung festgestellten IV-Grad abstellt, kann ihrer Argumentation daher nicht gefolgt werden (vgl. auch Klagantwort vom 26. Juni 2015, S. 1 8). Daran ändert nichts, dass der Grad der reglementarischen Invalidität gemäss den massgebende n Bestimmungen in Ziffer 4.3.1 Abs. 3 a. E. ARB „höchstens“ dem IV-Grad der Invalidenv ersicherung entspricht. Diese Abwei- chung betrifft die Höhe der von ihr geschuldeten Rentenleistung und nicht etwa den Invaliditäts- begriff, wie er rechtssprechungsgemäss für die Bindungswi rkung auch im überobligatorischen Vorsorgebereich von Relevanz ist. Da das Vorsorgereglement der Beklagten somit vom selben Invaliditätsbegriff wie die Invalidenversicherung ausg eht, gilt die dargelegte Bindungswirkung (vgl. oben, Erwägung 2.2 hiervor) deshalb grundsätzlich a uch für den weitergehenden Vorsor- gebereich. 3.1 Mit den beiden Verfügungen vom 5. Februar 2014 u nd 10. März 2014 sprach die IV- Stelle der Klägerin gestützt im Wesentlichen auf das Gutachten von Dr. B.____ vom 13. August 2013 ab 1. Januar 2012 eine ganze IV-Rente basierend auf einem IV-Grad von 100% in der Zeit vom 1. Januar 2012 bis 8. August 2012 sowie eine m IV-Grad von 73% für die Zeit ab 9. August 2012 zu. Gegen diese Verfügungen hat die Be klagte am 10. April 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht erhoben, welche nach Beiladung der Versicherten und Klägerin im vorste- henden Verfahren mit Urteil des Kantonsgerichts vom 16 . Oktober 2014 (Verfahren 720 14 113 / 249) im Wesentlichen mit der Begründung abgewiesen worden war, dass das Gutachten von Dr. B.____ nicht zu beanstanden sei. Damit wurde übe r den IV-Rentenanspruch der Versicher- ten abschliessend entschieden (vgl. dazu R OMAN SCHNYDER , Rechtsfragen der Invalidenren- tenanpassung in der beruflichen Vorsorge, in: Die Revi sion von Dauerleistungen in der Sozial- versicherung, St. Gallen 1999, S. 165). 3.2 Die Beklagte hat mit Schreiben vom 6. Februar 20 15 bestätigt, dass die Klägerin bis Ende 2014 gestützt auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 1 6. Oktober 2014 sowohl die obli- gatorischen wie auch die überobligatorischen Leistungen in vollem Umfang ausgerichtet erhal- ten hat. Damit muss sie sich die Bindung an die Rentenv erfügungen der IV-Stelle vom 5. Februar und 10. März 2014 grundsätzlich entgegen h alten lassen. Aus den vorliegenden Ak- ten geht hervor, dass die beiden fraglichen IV-Verfügu ngen der Beklagten rechtskonform eröff- net wurden. Als Besonderheit tritt hinzu, dass die Beklag te nicht nur in das Verwaltungsverfah- ren der Invalidenversicherung einbezogen worden war, so ndern gegen die beiden IV- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügungen beim Kantonsgericht dazumal selbst Beschwerde geführt hat. In diesem Sinne ist die Bindungswirkung des Rentenentscheids im invalidenversich erungsrechtlichen Verfahren somit erhöht. Die Beklagte hat bereits dazumal diverse R ügen vorgebracht, die sie nunmehr auch im vorliegend strittigen Verfahren einwendet (vg l. nachfolgende Erwägungen). Das Kan- tonsgericht hat in seinem Urteil vom 16. Oktober 2014 die Beschwerde der Beklagten allerdings vollumfänglich abgewiesen. Die Fragen, die sich in Bez ug auf die vorliegend erneut strittige Leistungspflicht der Beklagten stellen, waren bereits da zumal auch für die invalidenversiche- rungsrechtliche Beurteilung im kantonsgerichtlichen Verfahren relevant. 3.2.1 Die Beklagte geht zutreffend davon aus, dass neue Tatsachen oder Beweismittel, die eine prozessuale Revision rechtfertigen könnten, an sich auch geeignet wären, die Bindungs- wirkung aufzuheben (vgl. Klageantwort vom 26. Juni 2015, S. 7 ad Ziffer 3). Von den zulässigen möglichen, prozessualen Revisionsgründen im Sinne einer erheblichen Tatsache oder eines erheblichen Beweismittels bringt die Beklagte in medizin ischer Hinsicht jedoch nichts Neues vor, dessen Beibringung zuvor nicht bereits möglich gewes en wäre. Sie legt insbesondere kei- nerlei neuerlichen Unterlagen ins Recht, welche entwe der von der IV-Stelle oder im kantonsge- richtlichen Verfahren dazumal unbeachtet geblieben wär en, weil sie einzureichen die Beklagte bisher nicht in der Lage gewesen wäre. Die Beklagte b eruft sich vielmehr erneut auf die bereits im kantonsgerichtlichen Urteil vom 16. Oktober 2014 beu rteilte Einwendung, dass eine Verken- nung der relevanten medizinischen Diagnosen vorliege un d im invalidenversicherungsrechtli- chen Verfahren zu Unrecht angenommen worden sei, dass di e von Dr. B.____ in dessen Gut- achten vom 13. August 2013 diagnostizierte rezidivierende , zurzeit mittelgradige depressive Störung invalidisierend sei. Das Kantonsgericht hat in seinem Urteil vom 16. Oktober 2014 dazu festgehalten, dass dem Gutachten von Dr. B.____ vom 13. August 2013 grundsätzlich voller Beweiswert zuzusprechen sei. Daran ist auch vorliegend f estzuhalten. Unbesehen davon, dass die geltend gemachten Einwände der Beklagten weder d urch eine neue Tatsache noch durch ein neues Beweismittel untermauert werden, genügen sie nicht, die hier interessierenden Fest- stellungen des Kantonsgerichts in seinem Urteil vom 16. Oktober 2014 als offensichtlich unhalt- bar erscheinen zu lassen. In diagnostischer Hinsicht ist im Gegenteil festzustellen, dass sich die von Dr. B.____ dazumal erhobenen Befunde mit den Bef unden decken, zu welchen zuvor be- reits auch die behandelnde Psychiaterin Dr. E.____ in i hren Berichten vom 3. August 2011 und vom 18. Juni 2012 gelangt war (vgl. Beilagen 7 und 9 zu r Klagantwort der Beklagten). Die be- handelnde Psychiaterin bestätigte in ihrem Bericht vom 26. Juli 2012 sodann noch einmal expli- zit die in der Folge von Dr. B.____ erhobene Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episo- de (vgl. Beilage 10 zur Klagantwort). Diese mithin ü bereinstimmend erhobene Diagnose stimmt letztlich auch mit der im Austrittsbericht der Klinik F.__ __ vom 22. November 2012 (vgl. IV- Akten, Dok N° 37) diagnostizierten gegenwärtig mittelschweren depressiven Episode mit soma- tischem Syndrom überein. 3.2.2 In diagnostischer Hinsicht ist in den medizinischen Akten demnach eine umfassende Kongruenz festzustellen. Von einer Verkennung der medi zinischen Grundlagen kann unter die- sen Umständen nicht gesprochen werden. Dies gilt namentlich auch für die Höhe der der Versi- cherten noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Dr. B.____ legte in seinem Gutachten vom 13. August 2013 dar, dass die Explorandin für die ange stammte anspruchsvolle Tätigkeit in lei- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tender Funktion nahezu vollständig arbeitsunfähig sei, f ür einfache, klar strukturierte Verweistä- tigkeiten jedoch weiterhin im Umfang von 70% arbeits fähig sei. Auf diese nachvollziehbare Ein- schätzung hat das Kantonsgericht in Übereinstimmung mit der Stellungnahme des regionalärzt- lichen Dienstes (RAD) vom 22. August 2013 daher zu Recht b ereits in seinem Urteil vom 16. Oktober 2014 abgestellt. Die vorliegend erneut v orgebrachten Einwände der Beklagten än- dern an dieser retrospektiven Betrachtung nichts. Es ist i n diesem Zusammenhang vielmehr daran zu erinnern, dass der begutachtende Experte namen tlich bei der Festsetzung der Ar- beitsunfähigkeit über einen beachtlichen Ermessensspiel raum verfügt (Urteil des Bundesge- richts vom 6. Mai 2015, 8C_779/2014, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Nicht anders verhält es sich in Bezug auf den Einwand der Beklagten, die IV-Stelle habe es versäumt, die Schadenminderungspflicht von der Kläge rin einzufordern. Es kann in dieser Hinsicht auf die Erwägungen im kantonsgerichtlichen Urte il vom 16. Oktober 2014 verwiesen werden (vgl. a.a.O., Erwägungen 7.4.1 ff.). Daran ist ohne weiteres auch im Rahmen des vor- liegenden Verfahrens festzuhalten. Die von der Beklag ten im Kern erneut vertretene Auffas- sung, wonach es die IV-Stelle versäumt habe, die Schaden minderungspflicht der Klägerin ein- zufordern, findet keine Stütze in den Akten. Die Versiche rte befand sich seit 2011 in psychiatri- scher Behandlung bei Dr. E.____, welche sie alle zehn T age zu einer Gesprächstherapie auf- gesucht hat. Überdies wurde die Klägerin dazumal medi kamentös behandelt. Weitere medizini- sche Massnahmen wurden weder aus Sicht der behandelnden P sychiaterin noch von Dr. B.____ als sinnvoll beurteilt (vgl. IV-Akten Dok-N° 46, S. 7). In Bezug auf berufliche Mass- nahmen hielten sowohl der Gutachter als auch der regi onalärztliche Dienst fest, dass zwar das Selbstvertrauen der Versicherten gesteigert werden könnt e. Dass mit der Durchführung berufli- cher Massnahmen tatsächlich auch eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erreichen gewesen wäre, geht in Übereinstimmung mit der Stellun gnahme des RAD aus dem entspre- chenden Gutachten jedoch nicht hervor (vgl. IV-Akten Do k-N° 46, S. 7; IV-Dok 48). Somit steht auch heute noch fest, dass die Versicherte bereits dazuma l optimal behandelt worden war. Ein offensichtlicher Verstoss der Versicherten gegen die Schad enminderungspflicht, welche die vom Kantonsgericht bestätigten Rentenverfügungen der IV-Stelle nachträglich als eindeutig unzutreffend erscheinen lassen würden, kann unter diese n Umständen nicht ausgemacht wer- den. 3.4 Im Weiteren macht die Beklagte geltend, die IV-S telle habe im Rahmen der ursprüngli- chen Abklärung der erwerblichen Verhältnisse und der Be rechnung der massgebenden Ein- kommensverhältnisse der Versicherten fälschlicherweise de ren IK-Auszug nicht beigezogen. Diesen Umstand habe auch das Kantonsgericht im Rahmen der damaligen Beschwerde gegen die beiden IV-Verfügungen vom 5. Februar und 10. Mä rz 2014 übersehen. Dazu ist festzustel- len, dass die IV-Stelle den fraglichen IK-Auszug ursprü nglich sehr wohl eingeholt hat. Es kann diesbezüglich auf die im vorliegenden Verfahren ebenf alls beigezogenen IV-Akten verwiesen werden, welche bereits anlässlich des damaligen Beschwerd everfahrens zusammen mit der Vernehmlassung der IV-Stelle vom 11. Juni 2014 vollständ ig dem Kantonsgericht eingereicht worden waren. Daraus geht hervor, dass die IV-Stelle bereits am 14. Juli 2011 einen IK-Auszug eingeholt hat (vgl. IV-Akten, Dok-N° 7). Wenn die Beklagte nunmehr geltend macht, dass sich gemäss den ihr vorliegenden Akten kein von der IV-Stel le eingeforderter IK-Auszug in den Ak- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten befinde (vgl. Duplik vom 28. Oktober 2015, S. 7), kann ihr daher nicht gefolgt werden. Mög- licherweise hat die Beklagte übersehen, dass die Klägerin früher noch nicht ihren heutigen Fa- miliennamen getragen hat und die IK-Auszüge dazumal noch auf deren frühere Namen gelautet haben. Ein mangelnder Beizug des fraglichen IK-Auszugs und mit ihm die nunmehr vorgebrach- ten Rügen in erwerblicher Hinsicht hätte zudem bereits i m damaligen Beschwerdeverfahren vor Kantonsgericht von der Beklagten geltend gemacht werde n können und müssen. Dies hat die Beklagte dazumal jedoch nachweislich unterlassen (vgl. Be schwerdebegründung der heutigen Beklagten vom 10. April 2014). 3.5 Nicht anders ist in Bezug auf die übrigen Vorbringe n der Beklagten im Zusammenhang mit der Rüge zu entscheiden, dass die Voraussetzungen, die für die Bemessung der dazumal zugesprochenen IV-Rente massgebend sind, gerichtlich nicht a lle überprüft worden seien und die Bemessung der Invalidität deshalb qualifiziert fehl erhaft erfolgt sei. Dem kann nicht gefolgt werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Pflicht zur Begründung eines Entscheids grund- sätzlich nicht verlangt, dass sich die Beschwerdeinstanz mit a llen vorgetragenen Argumenten, Rügen und Einwendungen im Einzelnen auseinandersetzt. Das Gericht darf sich vielmehr auf das für die Entscheidfindung Wesentliche beschränken (BG E 126 I 97 E. 2b S. 102; 124 V 180 E. 1a S. 181; SVR 2001 IV Nr. 17 S. 49, I 582/99 E. 2a). Diesem Grundsatz ist auch in Bezug auf das Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Oktober 2014 Rechnung zu tragen. 3.6 Der Beklagten ist allerdings beizupflichten, dass das Kantonsgericht in seinem Urteil vom 16. Oktober 2014 zu Unrecht festgehalten hat, dass das von der IV-Stelle angenommene Valideneinkommen auf den lohnstatistischen Erhebungen der schweizerischen Lohnstrukturer- hebung (LSE) beruhe. Das Valideneinkommen war von der IV-Stelle vielmehr auf der Basis der Geschäftsabschlüsse der C.____ GmbH der Jahre 2007 bis 200 9 festgelegt worden. Dies än- dert jedoch nichts daran, dass sich die konkrete Berechnung d es massgebenden Validenein- kommens durch die IV-Stelle in deren Verfügungen vom 5 . Februar bzw. 10. März 2014 als nicht offensichtlich unhaltbar erweist. Die Ausführungen der Beklagten vermögen nicht zu bele- gen, dass die IV-Stelle gestützt auf die damals zur Ver fügung stehende Aktenlage in ihren Ver- fügungen vom 5. Februar und 10. März 2014 zu Ergebniss en gelangt wäre, die sich bei retro- spektiver Betrachtung nunmehr als augenfällig falsch erw eisen würden. Vielmehr lässt sich das massgebende Valideneinkommen anhand der von der Beklag ten dazumal angefochtenen Ver- fügungen der IV-Stelle ohne Weiteres nachvollziehen. Es gründet auf den Abklärungen der IV- Stelle zu den von der Versicherten eingereichten Jahresab schlüssen der C.____ GmbH, stützt sich auf den Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 22. Aug ust 2013 und beläuft sich auf der Ba- sis der vom Abklärungsdienst analysierten Geschäftsabschlüsse de r Jahre 2007 bis 2009 auf CHF 167‘467.—. Wenn die Beklagte nunmehr einwendet, dass die Lohnbezüge der Versicher- ten spätestens seit 2010 als übersetzt zu bezeichnen seien (vgl. insbesondere Duplik vom 28. Oktober 2015, S. 10 a. A.), ist festzustellen, dass das Geschäftsergebnis des Jahres 2010 just deshalb nicht bei der Berechnung des durchschnittli chen Valideneinkommens mitberück- sichtigt worden ist, weil es „aufgrund spezieller Umstände massiv von den vorangehenden Er- gebnissen abweicht“ (vgl. Abklärungsbericht vom 22. August 2013, S. 12 ad Ziffer 5.7). Der Rü- ge der Beklagten ist von der IV-Stelle im Rahmen der st rittigen Bemessung des Validenein- kommens mithin im invalidenversicherungsrechtlichen Verfah ren bereits Rechnung getragen Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht worden. Ein Vergleich der in den Geschäftsabschlüssen d eklarierten (noch nicht teuerungsan- gepassten) Löhne gemäss Lohnausweis (Durchschnitt 2007 – 200 9: CHF 165‘368.—) zeigt zudem eine nur sehr geringe Differenz zu dem vom Abklärungsdienst festgestellten und von der IV-Stelle entsprechend übernommenen Valideneinkommen in der Höhe von CHF 167‘467.— auf. Von einer offensichtlichen Unrichtigkeit der Höhe des massgebenden Valideneinkommens kann unter diesen Umständen nicht gesprochen werden. Di es zeigt auch der Blick auf die von der Beklagten in der Duplik vom 28. Oktober 2015 (vgl. a .a.O., S. 13 f.) aufgeworfenen Ein- kommenszahlen anhand des IK-Auszugs der Versicherten (vg l. IV-Akten Dok-N° 7): Ohne Be- rücksichtigung der infolge der Scheidung der Versicherten ausgewiesenen Korrekturen ergibt sich für die Jahre 2007 bis 2009 ein durchschnittliches Jahr eseinkommen von CHF 164‘697.—. Teuerungsangepasst bis zum Zeitpunkt des massgebenden, ers tmaligen Rentenbeginns per 2012 erweist sich diese Verdiensthöhe verglichen mit dem von der IV-Stelle aufgrund der Ab- klärungsergebnisse im Abklärungsbericht vom 22. August 201 3 herangezogenen Validenein- kommen im Umfang von CHF 167‘467.— aber ebenfalls nicht als offensichtlich unrichtig. Darauf ist somit abzustellen. Entgegen den übrigen Ausführung en der Beklagten muss es vorliegend damit sein Bewenden haben. 3.7 Nicht anders ist in Bezug auf das von der IV-Stelle dazumal herangezogene Invaliden- einkommen der Versicherten zu entscheiden. Dieses ist unbestr ittenermassen anhand der LSE 2010 zu bemessen und beläuft sich auf CHF 45‘446.—. E s kann an dieser Stelle an die Erwägungen in den Verfügungen der IV-Stelle vom 5. Februar bzw. 10. März 2014 und im Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Oktober 2014 (vgl. a.a.O., E. 7.3) verwiesen werden. Die Beklagte bringt vor, dass es angesichts der beruflichen Qualifikat ion der Klägerin und ihrer langjährigen Branchenerfahrung als sachgerechter erscheine, das Inval ideneinkommen auf der Basis von schwergewichtig die bisherige berufliche Stellung berücksic htigenden, tabellarischen Ansätzen zu eruieren (vgl. insbesondere Klagantwort vom 26. Juni 2015, S. 15). Es liegt jedoch noch kei- ne offensichtliche Unrichtigkeit vor, nur weil eine and ere Lösung ebenfalls in Betracht fällt, selbst wenn diese als die plausiblere erschiene (Urteil 9C _570/2007 vom 5. März 2008 E. 4.2). Gleiches gilt auch hier. Ob es sich als sachgerechter erwi ese, dem Vorbringen der Beklagten folgend innerhalb des von der IV-Stelle dazumal hera ngezogenen Sektors Dienstleistungen allgemein (Branchen 45-93) lediglich die Branchen Inf ormation und Kommunikation (Branchen 58-63) zu Grunde zu legen, ist eine Frage, welche natur gemäss auch von Ermessenszügen geprägt ist. Jedenfalls erweist es sich nicht als augenf ällig unzutreffend, dass das Kantonsge- richt zusammen mit der IV-Stelle im vorangehenden Ver fahren invalidenversicherungsrechtli- cher Natur auf das etwas breitere Berufsfeld der Dienst leistungsbranche insgesamt abgestellt hat. Lassen sich die beiden Vergleichseinkommen somit zu verlässig ermitteln, ist zugleich ge- sagt, dass auch für eine Anwendung des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens kein Raum besteht. Diese Ansicht scheint denn auch die Beklagte selbst zu vertreten, wenn sie aus- führt, dass sich im Nachhinein nicht mehr zuverlässig eruie ren liesse, welche Ergebnisse bei der Durchführung der ausserordentlichen Bemessungsmethode resultiert hätte (vgl. Klagant- wort vom 26. Juni 2015, S. 17). 3.8 Bei diesem Zwischenergebnis besteht keine Veranlassun g, im vorliegenden Klagever- fahren weitere Abklärungen und Feststellungen zu den ma ssgebenden Vergleichseinkommen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu treffen. Auf die entsprechenden Vorbringen der Bekla gten ist daher nicht weiter einzugehen. Aus der Gegenüberstellung von Validen- und Invalidenei nkommen resultiert auf der Basis der medizinischen Grundlagen von Dr. B.____ für die Zeit ab 9. August 2013 eine Erwerbseinbusse von CHF 122‘024.—. Nach dieser bereits dem Urteil des Ka ntonsgerichts vom 16. Oktober 2014 zu Grunde gelegten Erwerbseinbusse hat sich mangels offensichtlicher Unrichtigkeit auch die Beklagte zu richten. Es kann diesbezüglich auf die en tsprechenden Ausführungen der IV- Stelle in deren Verfügung vom 5. Februar 2014 verwi esen werden. Die Klägerin hat daher seit August 2013 Anspruch auf eine Rente auch der berufliche n Vorsorge auf der Basis der gericht- lich festgestellten Erwerbsunfähigkeit von 73%. Die vo n der Beklagten ab 1. Januar 2015 vor- genommene Reduktion ihrer Leistungen ist daher unrechtmässig. 4.1 Gemäss Ziffer 4.3.1 Abs. 3 ARB richtet sich die Höhe der Leistungen nach dem abge- stuften IV-Grad. Beträgt dieser 70% oder mehr, so werden die vollen Leistungen gewährt (Ziffer 4.3.1 Abs. 4 lit. a ARB). Wird eine versicherte Person arbeitsunfähig bzw. invalid, so werden die Leistungen der Beklagten nach dem letzten, vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit durch den Arbeit- geber gemeldeten Lohn bestimmt (vgl. Ziffer 4.3.1 Ab s. 6 ARB). Als gemeldeter Jahreslohn gilt gemäss Ziffer 2.3.1 ARB der vom Arbeitgeber mitgeteil te jährliche AHV-Lohn der versicherten Person bei Aufnahme in das Vorsorgewerk bzw. am Stichtag. Der gemeldete Jahreslohn gilt für das ganze Versicherungsjahr. Der versicherte Jahreslohn wir d in den besonderen Reglements- bestimmungen (BRB) festgelegt. Er richtet sich gemäss den dort umschriebenen Grunddaten in Ziffer 1.1 BRB nach dem AHV-Jahreslohn und entspricht dem gemeldeten Jahreslohn. Gemäss dem Vorsorgeausweis der Klägerin belief sich der gemel dete Jahreslohn im massgebenden Zeitpunkt vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit der Versi cherten per Ende Dezember 2010 auf CHF 183‘000.— (vgl. Vorsorgeausweis per 1. Januar 2011 , Klagbeilage 3). Bei einem massge- benden IV-Grad von 73% resultiert eine jährliche Inval idenrente im Umfang von CHF 73‘200.— (CHF 183‘000.— x 40%). Die Beklagte vertritt in ihren R echtsschriften indessen die Ansicht, dass es nicht im Belieben des Arbeitgebers stehe, welchen L ohn er der Vorsorgeeinrichtung zu melden habe. Der von der Klägerin tatsächlich erzielte Jahreslohn sei in Wirklichkeit tiefer ge- wesen. Dieser Auffassung ist entgegen zu halten, dass die Beklagte den gemeldeten Jahres- lohn im Umfang von CHF 183‘000.— nicht nur im Rahmen i hrer Vorsorgeausweise per 2010 und 2011 anerkannt, sondern gestützt darauf auch ihre Pr ämien auf der Basis dieses Jahres- lohns bemessen hat. Unabhängig davon, wie hoch der tat sächlich erzielte Jahreslohn ausgefal- len ist, geht es unter diesen Umständen nicht an, für d ie Rentenleistungen nunmehr von einem tieferen Jahreslohn auszugehen gehen. Gestützt auf die massgebenden Reglementsbestim- mungen ist die Beklagte daher auf die von ihr in den V orsorgeausweisen der Versicherten 2010 und 2011 anerkannten Leistungen zu behaften. 4.2 Im Zeitpunkt der Klageanhebung sind vorliegend di e Leistungen von anfangs 2015 bis Ende Juni 2015 fällig gewesen. Dies entspricht einem B etrag von CHF 36‘600.—. Die Beklagte hat für diesen Zeitraum bisher jedoch lediglich CHF 7‘804.50 ausgerichtet (vgl. Klagantwort vom 26. Juni 2015, S. 20), so dass der Klägerin die Differe nz entsprechend Ziffer 1 ihrer Rechtsbe- gehren im Umfang von CHF 28‘795.50 zuzusprechen ist. Für die Zeit ab 1. Juli 2015 ist die Be- klagte sodann zu verpflichten, der Klägerin eine Inva lidenrente im jährlichen Umfang von CHF 73‘200.— auszurichten. Was den geltend gemachten Z insanspruch betrifft, wendet die Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beklagte nun aber ein, dass der Verzugszins nicht 5%, sond ern ihren reglementarischen Best- immungen zufolge dem BVG-Mindestzinssatz entspreche. Dieser Einwand ist korrekt. Auf Inva- lidenleistungen der beruflichen Vorsorge sind Verzugszin sen von 5% geschuldet, sofern das Vorsorge-Reglement keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c). Gemäss Ziffer 4.8.3 Abs. 6 ARB ist bei Verzug ein Zins im Umfang des gesetzli chen BVG-Mindestzinssatzes ge- schuldet. Damit ergibt sich für das Jahr 2015 ein Verzugszin s von 1,75% und für die Zeit ab 1. Januar 2016 ein solcher von 1,25%. Dies führt im Ergebn is dazu, dass die Klage teilweise gut- zuheissen ist und die Beklagte zu verpflichten ist, der Klä gerin für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis 30. Juni 2015 einen Betrag von CHF 28‘795.50 nebs t Verzugszinsen von 1,75% seit Klage- einreichung am 11. April 2015 bis 31. Dezember 2015 u nd von 1,25% ab 1. Januar 2016 zu bezahlen sowie der Klägerin ab 1. Juli 2015 eine In validenrente der beruflichen Vorsorge im Umfang von CHF 73‘200.— pro Jahr auszurichten. 5. Es verbleibt, über die Kosten zu befinden. Gemäss A rt. 73 Abs. 2 BVG und § 20 Abs. 2 VPO sind keine Verfahrenskosten zu erheben. Im Bereich der beruflichen Vorsorge ist die Fra- ge, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Partei im erstinstanzlichen Verfahren An- spruch auf Ersatz der Kosten für die Vertretung hat, im Bundesrecht nicht geregelt (vgl. Art. 73 BVG). Die Verlegung der Parteikosten hat deshalb gru ndsätzlich nach dem massgebenden kantonalen Prozessrecht zu erfolgen. Gemäss § 21 Abs. 1 VPO kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Anwaltes oder einer Anwältin eine angemessene Par- teientschädigung zu Lasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Das Obsiegen beurteilt sich nach Massgabe der vor Kantonsgericht gestellten Recht sbegehren der klagenden Partei. Da die Klägerin mit ihren Anträgen in ihrer Klage vo m 11. April 2015 grossmehrheitlich durch- gedrungen ist, gilt sie als obsiegende Partei. Der Hono rarnote vom 22. Dezember 2015 zufolge beläuft sich der geltend gemachte Aufwand für das vorli egende Klageverfahren auf insgesamt 26,25 Stunden. Dieser Aufwand erscheint angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des doppelten Schriftenwechsels als an gemessen. Ebenfalls nicht zu be- anstanden sind die geltend gemachten Auslagen im Umfang von insgesamt CHF 153.50. Es ergibt sich demnach eine Parteientschädigung zu Lasten der Beklagten in der Höhe von insge- samt CHF 7‘253.20 (26,25 Stunden à CHF 250.— und Ausl agen in der Höhe von CHF 153.50 zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die Samme lstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherungs-Gesellschaft verpflichtet , der Klägerin für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis 30. Juni 2015 einen Be- trag von CHF 28‘795.50 nebst Verzugszinsen von 1,75% sei t 11. April 2015 bis 31. Dezember 2015 und von 1,25% ab 1. Januar 2 016 zu bezahlen sowie der Klägerin ab 1. Juli 2015 eine Inv alidenrente der beruflichen Vorsorge im Umfang von CHF 73‘200.— pro Ja hr auszu- richten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beklagte hat der Klägerin eine Parteientschädi gung in der Höhe von CHF 7‘253.20 (inkl. Auslagen und MWST) zu bezahlen. Gegen dieses Urteil wurde am 19. Mai 2016 Beschwerde beim Bundesgericht erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_361/2016 ). http://www.bl.ch/kantonsgericht