<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">107</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft3">[...]</span><br/> <span class="ft3"><b>17</b></span> <span class="ft3"><b>Berufskosten und Arbeitsweg (§ 35 Abs. 1 lit. a und c StG)</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Beweisanforderungen, wenn berufliche Notwendigkeit der Benützung des</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Privatfahrzeugs geltend gemacht wird</b></span><br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom</span><br/> <span class="ft4">15. September 2017, i.S. B.I. und S.I. gegen KStA (WBE.2017.102)</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">1.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 35 Abs. 1 lit. a StG werden die notwendigen Kosten</span><br/> <span class="ft1">für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte als Berufskosten abge-</span><br/> <span class="ft1">zogen. Steht kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung oder ist</span><br/> <span class="ft1">dessen Benutzung objektiv nicht zumutbar, so können die Kosten des</span><br/> <span class="ft1">privaten Fahrzeugs abgezogen werden (§ 12 ff. StGV i.V.m. Art. 5</span><br/> <span class="ft1">Abs. 3 der Verordnung des EFD über den Abzug der Berufskosten</span><br/> <span class="ft1">unselbständig Erwerbstätiger bei der direkten Bundessteuer vom</span><br/> <span class="ft1">10. Februar 1993 [Berufskostenverordnung] in der Fassung vom</span><br/> <span class="ft1">1. Januar 2007 [AS 2006 4887]).</span><br/> <span class="ft1">1.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach ständiger Praxis der aargauischen Steuerbehörden und</span><br/> <span class="ft1">Gerichte wird objektive Unzumutbarkeit namentlich dann angenom-</span><br/> <span class="ft1">men, wenn die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel für den</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsweg zwar möglich wäre, aber dadurch täglich im Vergleich</span><br/> <span class="ft1">mit der Benützung des privaten Fahrzeugs ein zusätzlicher zeitlicher</span><br/> <span class="ft1">Aufwand von mehr als 60 Minuten entsteht (vgl. Nachweise bei</span><br/> <span class="ft1">P</span><span class="ft4">HILIP</span> <span class="ft1">F</span><span class="ft4">UNK</span><span class="ft1">, in: M</span><span class="ft4">ARIANNE</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft4">LÖTI</span><span class="ft1">-W</span><span class="ft4">EBER</span><span class="ft1">/D</span><span class="ft4">AVE</span> <span class="ft1">S</span><span class="ft4">IEGRIST</span><span class="ft1">/D</span><span class="ft4">IETER</span><br/> <span class="ft1">W</span><span class="ft4">EBER</span> <span class="ft1">[Hrsg.], Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Aufl.,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">108</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Muri/Bern 2015, § 35 N 9). Hier ist nicht umstritten, dass sich für</span><br/> <span class="ft1">den Beschwerdeführer bei Benützung der Park &amp; Ride Variante im</span><br/> <span class="ft1">Vergleich zur Benützung des privaten Fahrzeugs kein zusätzlicher</span><br/> <span class="ft1">Zeitaufwand von mehr als 60 Minuten pro Tag für die Bewältigung</span><br/> <span class="ft1">des Arbeitswegs ergibt.</span><br/> <span class="ft1">1.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer macht indessen geltend, die Benützung</span><br/> <span class="ft1">seines Fahrzeugs sei für die Berufsausübung am Arbeitsplatz not-</span><br/> <span class="ft1">wendig. Deshalb - und nicht weil sich ein unzumutbarer zusätzlicher</span><br/> <span class="ft1">Zeitaufwand bei Benützung öffentlicher Verkehrsmittel für den Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsweg ergebe - erweise sich die tägliche Fahrt von O. an seine Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsstätte in D. als notwendig.</span><br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach der relativ zwingenden Vorschrift von Art. 327a Abs. 1</span><br/> <span class="ft1">OR hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer alle durch die Ausführung</span><br/> <span class="ft1">der Arbeit notwendig entstehenden Auslagen zu ersetzen, bei Arbeit</span><br/> <span class="ft1">an auswärtigen Arbeitsorten auch die für den Unterhalt erforderli-</span><br/> <span class="ft1">chen Aufwendungen. Benützt der Arbeitnehmer im Einverständnis</span><br/> <span class="ft1">mit dem Arbeitgeber für seine Arbeit ein von diesem oder ein von</span><br/> <span class="ft1">ihm selbst gestelltes Motorfahrzeug, so sind ihm die üblichen</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen für dessen Betrieb und Unterhalt nach Massgabe des</span><br/> <span class="ft1">Gebrauchs für die Arbeit zu vergüten (Art. 327b Abs. 1 OR). Auch</span><br/> <span class="ft1">diese Vorschrift, die über Art. 327a Abs. 1 OR hinausgeht, indem sie</span><br/> <span class="ft1">die Vergütung für die Verwendung eines Fahrzeugs vom Einverständ-</span><br/> <span class="ft1">nis des Arbeitgebers und nicht von der Notwendigkeit des Fahrzeug-</span><br/> <span class="ft1">einsatzes für die Arbeitsausführung abhängig macht (vgl. U</span><span class="ft4">LLIN</span><br/> <span class="ft1">S</span><span class="ft4">TREIFF</span><span class="ft1">/A</span><span class="ft4">DRIAN VON</span> <span class="ft1">K</span><span class="ft4">AENEL</span><span class="ft1">/R</span><span class="ft4">OGER</span> <span class="ft1">R</span><span class="ft4">UDOLPH</span><span class="ft1">, Arbeitsvertrag,</span><br/> <span class="ft1">Praxiskommentar zu Art. 319 - 362 OR, 7. Aufl., Zürich 2012,</span><br/> <span class="ft1">Art. 327b N 8), ist relativ zwingend, d.h. es darf von ihr nicht zuun-</span><br/> <span class="ft1">gunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden. Stellt der Arbeitneh-</span><br/> <span class="ft1">mer im Einverständnis mit dem Arbeitgeber selbst ein Motorfahr-</span><br/> <span class="ft1">zeug, d.h. verwendet er sein eigenes Fahrzeug, sind nach der</span><br/> <span class="ft1">dispositiven Vorschrift von Art. 327b Abs. 2 OR ausserdem die</span><br/> <span class="ft1">öffentlichen Abgaben für das Fahrzeug, die Prämien für die Haft-</span><br/> <span class="ft1">pflichtversicherung und eine angemessene Entschädigung für die Ab-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">109</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">nützung des Fahrzeugs nach Massgabe des Gebrauchs für die Arbeit</span><br/> <span class="ft1">zu vergüten.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Behauptet der Steuerpflichtige, er müsse sein Privatauto an den</span><br/> <span class="ft1">Arbeitsplatz mitnehmen und für Geschäftsfahrten zur Verfügung stel-</span><br/> <span class="ft1">len, ist zu prüfen, ob diese Notwendigkeit tatsächlich besteht und es</span><br/> <span class="ft1">dem Steuerpflichtigen nicht zuzumuten ist, für Geschäftszwecke</span><br/> <span class="ft1">öffentliche Verkehrsmittel zu benützen. Die Beweisführung obliegt</span><br/> <span class="ft1">in diesem Punkt dem Steuerpflichtigen, der grundsätzlich den Nach-</span><br/> <span class="ft1">weis steuermindernder Tatsachen erbringen muss (Urteile des</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgerichts vom 23. Januar 2008 [WBE.2007.304] E. 2.2.,</span><br/> <span class="ft1">vom 15. Juli 2009 [WBE.2009.3] E. 3.3. und vom 30. Juni 2015</span><br/> <span class="ft1">[WBE.2015.161] E. 3.3.).</span><br/> <span class="ft1">Dabei ist die Gefahr von "Gefälligkeitsbescheinigungen" des</span><br/> <span class="ft1">Arbeitgebers mit Bezug auf die geschäftliche Notwendigkeit der Ver-</span><br/> <span class="ft1">wendung von Privatfahrzeugen gross: Bescheinigt der Arbeitgeber</span><br/> <span class="ft1">dem Arbeitnehmer generell oder auch schon nur häufig die Notwen-</span><br/> <span class="ft1">digkeit des Gebrauchs und der tatsächlichen Verwendung des Privat-</span><br/> <span class="ft1">fahrzeugs fürs Geschäft, bezahlt daneben aber eine eher bescheidene</span><br/> <span class="ft1">pauschale Spesenentschädigung oder vergütet nur in geringem Um-</span><br/> <span class="ft1">fang effektive Spesen für die Benützung des privaten Fahrzeugs</span><br/> <span class="ft1">durch den Arbeitnehmer, verschafft der Arbeitgeber auf diese Weise</span><br/> <span class="ft1">seinem Arbeitnehmer - ohne dass für ihn selbst Kosten entstehen -</span><br/> <span class="ft1">einen allenfalls erheblichen Steuervorteil, indem der Arbeitnehmer</span><br/> <span class="ft1">die höheren Kosten für die Benützung des Privatfahrzeugs steuerlich</span><br/> <span class="ft1">in Abzug bringen kann. Die Praxis ist daher bei der Gewährung von</span><br/> <span class="ft1">Fahrkostenabzügen im Zusammenhang mit der behaupteten geschäft-</span><br/> <span class="ft1">lichen Verwendung von Privatfahrzeugen zu Recht zurückhaltend. In</span><br/> <span class="ft1">der Regel wird der Arbeitnehmer sowohl die Notwendigkeit</span><br/> <span class="ft1">geschäftsbedingter Fahrten (d.h. dass der Einsatz des Privatwagens</span><br/> <span class="ft1">vom Arbeitgeber angeordnet oder zumindest erwartet wird: Wer aus</span><br/> <span class="ft1">eigenem Antrieb das eigene Fahrzeug benutzt, führt keine berufsnot-</span><br/> <span class="ft1">wendige Fahrt mit dem Privatwagen aus) als auch jede einzelne sol-</span><br/> <span class="ft1">che bedingte Fahrt belegen müssen, will er für die entsprechenden</span><br/> <span class="ft1">Arbeitstage für den Arbeitsweg die Kosten für die Benützung des pri-</span><br/> <span class="ft1">vaten Fahrzeugs zum Abzug bringen (vgl. die bereits angeführten Ur-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">110</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">teile vom 23. Januar 2008 [WBE.2007.304], vom 15. Juli 2009</span><br/> <span class="ft1">[WBE.2009.3] und vom 30. Juni 2015 [WBE.2015.161]).</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">Hier ist schon zweifelhaft, ob überhaupt notwendig berufsbe-</span><br/> <span class="ft1">dingte Fahrten als nachgewiesen gelten können. Der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer hat zwar behauptet, er müsse sein Fahrzeug bei seiner Arbeit ver-</span><br/> <span class="ft1">wenden. Aus seinem Arbeitsvertrag ergibt sich jedoch keine Ver-</span><br/> <span class="ft1">pflichtung zum Einsatz des Privatwagens für geschäftliche Belange.</span><br/> <span class="ft1">Auch aus der Funktionsbeschreibung der Stelle, welche der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer bei seiner Arbeitgeberin bekleidet, ergibt sich zwar,</span><br/> <span class="ft1">dass er bisweilen nicht am Sitz des Unternehmens zum Einsatz</span><br/> <span class="ft1">kommt (vgl. etwa den Hinweis auf die Teilnahme des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers an Informations- und Fachanlässen, auf die Funk-</span><br/> <span class="ft1">tion des Beschwerdeführers als Ansprechperson für Mietliegenschaf-</span><br/> <span class="ft1">ten sowie Botengänge zur Poststelle in D.). Dass der Beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft1">rer von seinem Arbeitgeber jeweils zum Einsatz des privaten Fahr-</span><br/> <span class="ft1">zeugs angehalten wird, ergibt sich aber auch daraus nicht; dies fällt</span><br/> <span class="ft1">umso mehr ins Gewicht als angesichts der Grösse des Unternehmens</span><br/> <span class="ft1">der Arbeitgeberin ohne weiteres davon ausgegangen werden kann,</span><br/> <span class="ft1">dass diese über Geschäftswagen verfügt. Ein Beweis für notwendig</span><br/> <span class="ft1">berufsbedingte Fahrten mit dem eigenen Wagen wird auch durch die</span><br/> <span class="ft1">entsprechenden Bestätigungen der Arbeitgeberin nicht erbracht. In</span><br/> <span class="ft1">diesen wird zwar ausgeführt, der Beschwerdeführer sei dauerhaft auf</span><br/> <span class="ft1">sein privates Fahrzeug angewiesen, um geschäftlich bedingte Fahrten</span><br/> <span class="ft1">zu Geschäftspartnern, Bankinstituten, Firmenliegenschaften, Amts-</span><br/> <span class="ft1">stellen etc. auszuführen. Die Bestätigung datiert aber vom 1. April</span><br/> <span class="ft1">2016 und wurde somit erst im laufenden Rechtsmittelverfahren er-</span><br/> <span class="ft1">stellt. Ungewöhnlich ist dabei auch die Tatsache, dass mit den im</span><br/> <span class="ft1">Einspracheverfahren eingereichten Spesenabrechnungen dannzumal</span><br/> <span class="ft1">lediglich zehn beruflich notwendige Fahrten ausgewiesen worden</span><br/> <span class="ft1">sind und nun im Verfahren vor Verwaltungsgericht rund 100 zusätzli-</span><br/> <span class="ft1">che berufsbedingte Kurzfahrten in der Steuerperiode 2014 stattgefun-</span><br/> <span class="ft1">den haben sollen. Dass die Arbeitgeberin die Verwendung des priva-</span><br/> <span class="ft1">ten Fahrzeugs vorher bereits angeordnet oder zumindest stillschwei-</span><br/> <span class="ft1">gend vorausgesetzt hätte, ergibt sich daraus jedoch nicht. Fehlt es</span><br/> <span class="ft1">aber am Nachweis, dass der Beschwerdeführer und seine Arbeitgebe-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">111</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">rin sich darauf geeinigt haben, dass für ihn der Einsatz seines priva-</span><br/> <span class="ft1">ten Fahrzeugs als Teil der Erfüllung seiner arbeitsvertraglichen</span><br/> <span class="ft1">Pflichten anzusehen ist, so ist nicht erkennbar, inwiefern Fahrten im</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit der Erfüllung seiner arbeitsvertraglichen Pflich-</span><br/> <span class="ft1">ten berufsnotwendig gewesen sein sollen und nicht vielmehr aus pri-</span><br/> <span class="ft1">vaten Gründen der Bequemlichkeit, des Zeitgewinns o.ä. mit dem</span><br/> <span class="ft1">Privatwagen ausgeführt wurden.</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">Selbst wenn für den Nachweis der beruflichen Notwendigkeit</span><br/> <span class="ft1">von Fahrten eines Arbeitnehmers mit seinem Privatwagen ein weni-</span><br/> <span class="ft1">ger strenger Massstab angelegt und angenommen wird, es genüge für</span><br/> <span class="ft1">die Annahme der Berufsnotwendigkeit, wenn der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">nachweise, dass er anlässlich der Erbringung seiner Arbeitsleistung</span><br/> <span class="ft1">seinen Privatwagen tatsächlich eingesetzt habe, so führt dies hier</span><br/> <span class="ft1">doch nicht dazu, dass mehr als die von der Vorinstanz anerkannten</span><br/> <span class="ft1">Fahrkosten anerkannt werden können.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hat anhand seiner Spesenabrechnungen</span><br/> <span class="ft1">vor Vorinstanz nachgewiesen, dass er an neun Tagen zehn beruflich</span><br/> <span class="ft1">bedingte Fahrten ausgeführt hat, wofür er auch von seiner Arbeit-</span><br/> <span class="ft1">geberin entschädigt wurde. Dass er an diesen Tagen sinnvollerweise</span><br/> <span class="ft1">nicht mit Park &amp; Ride den Weg zwischen seiner Wohn- und Arbeits-</span><br/> <span class="ft1">stätte, sondern mit dem Privatwagen zurücklegte, ist aus Sicht der</span><br/> <span class="ft1">steuerlichen Abzugsfähigkeit der betreffenden Kosten nicht zu bean-</span><br/> <span class="ft1">standen.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren geht es aber</span><br/> <span class="ft1">nicht in erster Linie um diese Fahrten. Der Beschwerdeführer macht</span><br/> <span class="ft1">nämlich für alle seine Arbeitstage geltend, er habe jeweils mit dem</span><br/> <span class="ft1">Einverständnis der Arbeitgeberin sein Privatfahrzeug für beruflich</span><br/> <span class="ft1">bedingte Fahrten, vor allem Kurzfahrten, eingesetzt. Deshalb müsse</span><br/> <span class="ft1">ihm steuerlich für alle diese Tage auch die Benützung des Privatfahr-</span><br/> <span class="ft1">zeugs zugestanden bzw. es müssten die entsprechenden Kosten als</span><br/> <span class="ft1">Berufskosten anerkannt werden.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">112</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">2.5.1.</span><br/> <span class="ft1">Im Beschwerdeverfahren hat der Beschwerdeführer nunmehr</span><br/> <span class="ft1">eine Spesenabrechnung für (zusätzliche) 100 Kurzfahrten in der</span><br/> <span class="ft1">Steuerperiode 2014 eingereicht. Damit will er den Nachweis dafür</span><br/> <span class="ft1">erbringen, dass er entsprechende berufsbedingte Fahrten unternahm</span><br/> <span class="ft1">und an den Tagen, an denen er diese ausgeführt hat, auch seinen Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsweg mit dem Privatfahrzeug zurücklegen musste.</span><br/> <span class="ft1">2.5.2.</span><br/> <span class="ft1">Abgesehen davon, dass die erwähnte Abrechnung nachträglich</span><br/> <span class="ft1">erstellt wurde, vermöchte sie von vornherein nur für 100 Arbeitstage</span><br/> <span class="ft1">und nicht etwa für den gesamten Zeitraum der Anstellung im Jahr</span><br/> <span class="ft1">2014 den Nachweis für berufsbedingte Fahrten zu erbringen.</span><br/> <span class="ft1">Hinzu kommt, dass die Spesenabrechnung sich in einer pau-</span><br/> <span class="ft1">schalen Bestätigung von Kurzfahrten erschöpft, ohne dass erkennbar</span><br/> <span class="ft1">wäre, dass es sich tatsächlich um Fahrten im Zusammenhang mit der</span><br/> <span class="ft1">Erfüllung arbeitsvertraglicher Pflichten durch den Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">handelt (Wozu wurden die Fahrten tatsächlich ausgeführt) und</span><br/> <span class="ft1">ausserdem Angaben zu den konkreten Umstände der behaupteten</span><br/> <span class="ft1">Fahrten (Daten der Fahrten; von wo nach wo wurde gefahren) fehlen.</span><br/> <span class="ft1">Die eingereichten Spesenabrechnungen sind damit materiell betrach-</span><br/> <span class="ft1">tet der Ausrichtung von Pauschalspesen ähnlicher als der Abrech-</span><br/> <span class="ft1">nung effektiver Spesen, so dass sie auch deshalb als Nachweis dafür,</span><br/> <span class="ft1">dass tatsächlich entsprechende berufsbedingte Fahrten ausgeführt</span><br/> <span class="ft1">wurden, als untauglich erscheinen.</span><br/> <span class="ft1">Schliesslich rechtfertigt sich der Hinweis, dass, soweit mit der</span><br/> <span class="ft1">im Beschwerdeverfahren eingereichten Spesenabrechnung Kürzest-</span><br/> <span class="ft1">fahrten nachgewiesen werden sollen, ohnehin als fraglich erscheint,</span><br/> <span class="ft1">ob die Ausführung solcher Fahrten dazu führen kann, dass das</span><br/> <span class="ft1">Vorhandensein des privaten Fahrzeugs an der Arbeitsstätte als erfor-</span><br/> <span class="ft1">derlich angesehen wird und damit die Arbeitswegkosten als notwen-</span><br/> <span class="ft1">dig betrachtet werden. Bereits die Vorinstanz hat zutreffend darauf</span><br/> <span class="ft1">hingewiesen, dass die bei Kürzestfahrten zurückgelegten Strecken</span><br/> <span class="ft1">mühelos auch zu Fuss bewältigt werden können. Dagegen bringt der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer zwar vor, bei einem zeitlichen Verlust von ca. 20</span><br/> <span class="ft1">Minuten je Weg/Rückweg liege auf der Hand, dass das Zurücklegen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Steuern</span> <span class="page_no">113</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">der Strecken innerhalb der Gemeinde D. zu Fuss keinesfalls im Sinne</span><br/> <span class="ft1">der Arbeitgeberin sei. Damit ist aber die Notwendigkeit der Benut-</span><br/> <span class="ft1">zung eines privaten Motorfahrzeugs noch nicht dargetan. Sollen Kür-</span><br/> <span class="ft1">zeststrecken möglichst rasch und ökonomisch bewältigt werden, so</span><br/> <span class="ft1">kann, jedenfalls für die weit überwiegende Zahl der Fälle, auf erheb-</span><br/> <span class="ft1">lich kostengünstigere Transportmittel zurückgegriffen werden (Fahr-</span><br/> <span class="ft1">rad, E-Bike, Motorroller), bei deren Einsatz gegenüber dem privaten</span><br/> <span class="ft1">Motorfahrzeug nicht mit einem Zeitverlust zu rechnen ist. Der Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid über den Einsatz entsprechender Transportmittel steht im</span><br/> <span class="ft1">freien Ermessen der Arbeitgeberin und/oder des Beschwerdeführers</span><br/> <span class="ft1">selbst und es ist nicht Sache der Steuerbehörden, die Verwendung</span><br/> <span class="ft1">spezifischer Transportmittel vorzuschreiben. Mit Blick auf die vom</span><br/> <span class="ft1">Gesetzgeber für die Abzugsfähigkeit von Fahrkosten geforderte Not-</span><br/> <span class="ft1">wendigkeit, den Arbeitsweg mit dem privaten Fahrzeug zurücklegen</span><br/> <span class="ft1">zu müssen, ist jedoch festzuhalten, dass der Arbeitnehmer, welcher</span><br/> <span class="ft1">für berufsbedingte Kürzeststrecken sein privates Motorfahrzeug ein-</span><br/> <span class="ft1">setzt, in erster Linie aus privaten Motiven der Bequemlichkeit han-</span><br/> <span class="ft1">delt und nicht etwa deshalb, weil er nur auf diese Weise seine arbeits-</span><br/> <span class="ft1">vertraglichen Pflichten erfüllen könnte. Dementsprechend erweisen</span><br/> <span class="ft1">sich die Kosten für die Zurücklegung des Arbeitswegs, mit dem der</span><br/> <span class="ft1">Privatwagen am Arbeitsort erst verfügbar gemacht wird, nicht als be-</span><br/> <span class="ft1">rufsnotwendig und fällt die Gewährung eines Abzugs für solche</span><br/> <span class="ft1">Kosten ausser Betracht.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>