B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6327/2017 U r t e i l v o m 5 . F e b r u a r 2 0 2 0 Besetzung Richter David R. Wenger (Vorsitz), Richterin Mia Fuchs, Richter Jean-Pierre Monnet; Gerichtsschreiber Michal Koebel. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), und ihre Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle Syrien, vertreten durch Fouad Kermo, Übersetzungs- und Rechtsberatungsbüro im Asylwesen, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 6. Oktober 2017 / N (…). E-6327/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin suchte am 19. Oktober 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich ihrer Befragung zur Person vo m 4. November 2015 machte sie geltend, persönlich keine Probleme gehabt zu haben; sie sei aufgrund der allgemeinen Lage und des Bürgerkriegs ausgereist. Zudem sei ihr Mann von der Yekîneyên Parastina Gel (YPG) zum Wehrdienst auf- geboten worden. Anlässlich der Anhörung vom 27. März 2017 machte sie zudem geltend, ihr Schwager habe sie geschlagen und ihren Mann unter Zwang mitgenommen. Nach zwei tägiger Abwesenheit habe ihr Mann sie kontaktiert, wonach sie gemeinsam geflohen seien. Der Beschwerdeführer suchte am 16. Februar 2017 in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person vom 21. Februar 2017 machte er geltend, er habe bei seiner letzten Rückkehr aus dem Libanon nach Sy- rien festgestellt, dass sich seine Familie der YPG angeschlossen habe. Je- des Mal, wenn er nach Hause gekommen sei, hätten seine Frau und seine Kinder geweint. Seine Frau habe ihm gesagt, dass sie von seinem Bruder geschlagen worden sei en. Es handle sich um seinen Bruder, der in der anderen Partei sei und der ihn gefragt habe, in einem bewaffneten Kampf mitzumachen, was er als Pazifist jedoch abgelehnt habe. Um keine Eska- lation in diesem Konflikt zu riskieren, sei er mit seiner Familie ausgereist. Anlässlich der Anhörung vom 27. März 2017 machte er zudem geltend, von seinem Bruder zu einer zweitägigen Teilnahme an einem bewaffneten Kampf gezwungen worden zu sein. B. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2017 stellte das SEM fest, die Beschwerde- führer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete aufgrund der Un- zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an. C. Mit Schreiben vom 27. März 2017 ersuchten die Beschwerdeführer beim SEM um Akteneinsicht, das der Aufforderung mit Schreiben vom 29. Sep- tember 2017 nachkam. E-6327/2017 Seite 3 D. Mit Eingabe vom 9. November 2017 reichten die Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte n, es sei voll- umfängliche Einsicht in die gesamten A-Akten sowie in die von ihnen ein- gereichten Beweismittel beziehungsweise in den Beweismittelumschlag, Akte B8/3, zu gewähren. Nach Gewährung der Akteneinsicht sei eine Frist zur vollständigen Beschwerdebegründung beziehungsweise zur Einrei- chung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Die angefochtene Verfü- gung des SEM vom 6. Oktober 2017 sei aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung, zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurückzuwei- sen. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und die Flücht- lingseigenschaft festzustellen sowie Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und sie seien als Flüchtlinge anzuerken- nen. In prozessualer Hinsicht sei auf die E rhebung von Verfahrenskosten sowie eines Kostenvorschusses zu verzichten. E. Mit Zwischenverfügung vom 20. November 2017 verzichtete der Instruktionsrichter auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, wies die Vorinstanz an, das Gesuch um Einsicht in die Asylakten nachvollziehbar zu behandeln und setzt e den Beschwerdeführern eine Frist zur Einrei- chung einer Beschwerdeergänzung an, die unbenutzt ablief. F. Mit Schreiben vom 22. November 2017 gewährte das SEM den Beschwer- deführern Akteneinsicht in die nicht bereits mit Schreiben vom 29. Septem- ber 2017 gewährten Aktenstücke. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun- gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und E-6327/2017 Seite 4 entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG, Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführer sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu- treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. 3.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung in Asylsachen auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige oder un- vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.2 Der Wegweisungsvollzug bildet nicht mehr Gegenstand der Be- schwerde, nachdem die Vorinstanz die vorläufige Aufnahme angeordnet hat. 4. Die Beschwerdeführer erheben verschiedene formelle Rügen, die vorab zu prüfen sind, da sie zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen kön- nen. 5. 5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eing reift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei- nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei- zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ- gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe- der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei e inzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1, BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht d er Behörden, die Vorbrin- gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und fristgerechten E-6327/2017 Seite 5 Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit- frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab- gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge- recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen- nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf di e sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor- bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behö rde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur- kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso- nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri- ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor- den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen S achumstände be- rücksichtigt werden ( KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630). Der Amts- grundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG). 6. 6.1 Aus der angefochtenen Verfügung ergeben sich auch nach Prüfung der Akten keine Anhaltspunkte, die den Schluss zuliessen, die Vorinstanz habe irgendeine dieser Pflichten verletzt. Die Rüge, das SEM habe es völlig un- terlassen die eingereichten Beweismittel beziehungsweise das Militärbüch- lein, das Bestätigungsschreiben betreffend Befreiung vom Militärdienst so- wie zahlreiche Fotos zu würdigen, geht ins Leere . So wurden sämtliche Dokumente und Beweismittel im Sachverhalt der angefochtenen Verfü- gung aufgelistet (vgl. angefochtene Verfügung, S. 2) und die Fotografien unter einer eigenen Ziffer in der angefochtenen Verfügung gewürdig t (an- gefochtene Verfügung, S. 5 Ziff. 3). Es trifft zwar zu, dass die Vorinstanz das Militärbüchlein und das Schreiben nur im Sachverhalt explizit er- wähnte. Vor dem Hintergrund des unglaubhaften Sachverhalts (hierzu nachfolgend E. 9) war sie jedoch nicht gehalten, näher auf diese einzuge- hen, sind solche doch für sich alleine nicht geeignet, unglaubhafte Vorbrin- gen in ein glaubhaftes Licht zu rücken. Zudem hat der Beschwerdeführer seine Asylvorbringen weder in der Befragung zur Person noch in der An- hörung auf den Militärdienst oder eine entsprechende Vorladung gestützt. Den Erklärungen des Beschwerdeführers sowie dem Militärbüchlein ist zu E-6327/2017 Seite 6 entnehmen, dass dieser den Militärdienst vollumfänglich geleistet hat und im Jahr 2005 regulär entlassen wurde. Er reichte sogar ein Schreiben ein, das den geleisteten und ordnungsgemäss abgeschlossenen Militärdienst bestätigt (SEM-Akten B8). Eine darauffolgende Vorladung seitens des Re- gierungsmilitärs verneinte der Beschwerdeführer explizit (SEM-Akten B16 S. 5 F36). Die Vollständigkeit seiner Aussagen hat er mündl ich sowie schriftlich bestätigt. Vor diesem Hintergrund war die Vorinstanz nicht ge- halten, weitere Ausführungen zum Militärdienst oder zu einer potentiellen Vorladung zu machen. Es ist somit nicht ersichtlich, inwiefern de n Be- schwerdeführern aufgrund der vom SEM – nicht ausdrücklich – vorgenom- menen Beweiswürdigung ein rechtserheblicher Verfahrensnachteil ent- standen sein sollte. Die Verfügung der Vorinstanz ist im Übrigen – entge- gen den Rügen unerwähnter Details – auch ausreichend begründet, zumal sie sich nicht mit jedem einzelnen Vorbringen auseinandersetzen muss. Dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war, zeigt die Beschwerde selbst. Der Begründungspflicht ist ebenfalls Genüge getan. 6.2 Die Rüge, der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer sei nicht zur An- hörung vorgeladen worden, erweist sich ebenfalls als unbegründet. D as SEM hat mit Schreiben vom 10. März 2017 den damals mandatierten Rechtsvertreter der Beschwerdeführer korrekt sowie rechtzeitig über die bevorstehenden Anhörungen am 27. März 2017 informiert (SEM-Akten B14). Der neu mandatierte Rechtsvertreter hat mit Schreiben, datiert vom 27. März 2017, das SEM über das neue Mandatsverhältnis informiert. Die- ses Schreiben kann frühestens am Tag der Anhörungen verschickt worden sein und ging beim SEM erst drei Tage nach deren Durchführung ein (SEM- Akten B15 [Datum auf Schreiben des neu mandatierten Anwalts: 27. März 2017], B14 [ Eingangsstempel SEM: 30. März 2017 ]). Somit kann der Vorinstanz nicht der Vorwurf gemacht werden, sie habe den neuen Rechts- vertreter nicht vor der Durchführung der Anhörung kontaktiert. Dass die In- formationen betreffend die Anhörungen den Beschwerdeführern zugäng- lich waren, zeigt ihre Anwesenheit an den Anhörungen am 27. März 2017. Im Übrigen war die Vorinstanz aufgrund der Angaben des Beschwerdefüh- rers zu Beginn seiner Anhörung nicht gehalten, diese abzubrechen (SEM- Akten A16 S. 2 F4–6). Sie musste davon ausgehen, dass der ursprünglich mandatierte Rechtsvertreter die Vorladung rechtzeitig erhalten hatte. Es ist nicht Sache des SEM Nachforschungen anzustellen, wenn ein Rechtsver- treter eine korrekt zugestellte Vorladung zur Anhörung unbeantwortet lässt. Es ist im Übrigen davon auszugehen, dass der Rechtsvertreter, an den die Vorladung zu den Anhörungen ging, zu seiner Entlastung und im Interesse E-6327/2017 Seite 7 seiner Klientschaft gehandelt hat und die Akten inklusive Vorladung unver- züglich an den neu mandatierten Rechtsvertreter weiterleitete. Mithin kann davon ausgegangen werden, dass auch dieser rechtzeitig Kenntnis des Anhörungstermins hatte. 6.3 Was die Akteneinsicht anbelangt, wurde den Beschwerdeführern auf- grund ihres Akteneinsichtsgesuchs vom 27. März 2017 mit Schreiben der Vorinstanz vom 29. September 2017 Akteneinsicht gewährt. D er Rechts- vertreter war offensichtlich nicht der Ansicht, die Akten seien unvollständig zugestellt worden, ansonsten er umgehend hätte remonstrieren müssen, was nicht geschehen ist (Urteil BVGer E -1670/2014 vom 14. April 2014 E. 5.4). Da dem Schreiben der Vorinstanz vom 29. September 2017 jedoch nicht zu entnehmen ist, in welche Aktenstücke tatsächlich Einsicht gewährt wurde (SEM -Akten B19), wurde die Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom 20. November 2017 angewiesen, das Gesuch um Akteneinsicht an- tragsgemäss nachvollziehbar zu behandeln. Dieser Aufforderung kam die Vorinstanz mit Schreiben vom 22. November 2017 nach. Hiernach wurde den Beschwerdeführern Frist zur Beschwerdeergänzung angesetzt, die sie unbenutzt verstreichen liessen. Den Beschwerdeführern ist kein prozessu- aler Nachteil erwachsen, weshalb diesbezüglich keine Veranlassung zur Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht. Inwieweit auch die Aktenführungspflicht verletzt worden sein soll, wird weder in der Beschwerde weiter präzisiert, n och ist eine entsprechende Verletzung den Akten zu entnehmen. 6.4 Die Rügen betreffend die rechtsfehlerhafte Sachverhaltsfeststellung sind ebenfalls unbegründet. Es wird gerügt, das SEM habe darauf verzich- tet, die Vorbringen der Beschwerdeführer auf ihre Asylrelevanz zu prüfen. Zudem habe das SEM die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen völlig mangel- haft begründet. Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass nach der gesetzlichen Konzeption bei Asylgesuchen die Gesuchsteller ver- pflichtet sind, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen (vgl. Art. 7 Abs. 1 AsylG). Gelingt es jedoch nicht, auch nur die herabgesetzten Beweisanforderungen der Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft zu erfüllen, ist die Vorinstanz nicht gehalten, die Vorbringen zusätzlich auf ihre Asylrelevanz zu prüfen. Vor dem Hinter- grund der Unglaubhaftigkeit der Fluc htgeschichte ( hierzu nachfolgend E. 9), geht somit die Rüge, die Vorinstanz habe es unterlassen, den gel- tend gemachten Sachverhalt auf Asylrelevanz zu überprüfen, ins Leere (Beschwerde, S. 4). Im Übrigen liegt alleine darin, dass die Vorinstanz aus sachlichen Gründen zu eine r anderen Würdigung der Gesuchvorbr ingen E-6327/2017 Seite 8 gelangt als von den Beschwerdeführern erwartet, keine Verletzung der Un- tersuchungspflicht respektive keine ungenügende oder falsche Sachver- haltsfeststellung. 6.5 Weiter rügen die Beschwerdeführer, die Aussagen im Rahmen der Be- fragung zur Person seien sehr kurz ausgefallen , weshalb ihnen nicht vor- geworfen werden könne, sie hätten gewisse Vorbringen in der Erstbefra- gung nicht erwähnt. Asylsuchende werden grundsätzlich aufgefordert, von sich aus alle wesentlichen Asylgründe bereits in der Erstbefragung zu nen- nen. Es trifft zwar zu, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der damaligen Situation im Em pfangs- und Verfahrenszentrum verkürzt b efragt wurde, was vom SEM korrekt offengelegt wurde (SEM-Akten A3 S. 7 f. Ziff. 7.01). Dennoch zählte sie die wesentlichen Ausreisegründe auf und bestätigte im Anschluss hieran, keine weiteren – nicht genannten – Ausreisegründe zu haben (SEM-Akten A3 S. 8 Ziff. 7.03). Beim Beschwerdeführer wurde hin- gegen eine normale Befragung zur Person durchgeführt. Nach seinem freien Bericht zu seinen Asylgründen und weiteren Fragen hierzu, bestä- tigte auch dieser abschliessend, keine weiteren Gründe für seine Ausreise aus Syrien gehabt zu haben (SEM-Akten B7 S. 8 Ziff. 7.01–7.03). Die Auf- forderung, er solle sich kurz halten, ist seinem Befragungsprotokoll nicht zu entnehmen. Im Übrigen wurden beide Beschwerdeführer zu Beginn ih- rer Befragungen auf die Wahrheits- und Vollständigkeitspflicht hingewie- sen (SEM-Akten B7 S. 2 und A3 S. 2). Vor dem Hintergrund, dass beide Beschwerdeführer anlässlich ihrer Befragung zur Person die Gelegenheit hatten, ihre Flu chtgründe summarisch darzulegen und beide bestätigten, keine weiteren Ausreisegründe zu haben , geht die entsprechende Rüge ins Leere. 6.6 Weil Tat- und Rechtsfragen vom Bundesverwaltungsgericht mit voller Kognition überprüft werden können, kommt dem Willkürverbot im vorlie- genden Verfahren keine eigenständige Bedeutung zu. Jede Verletzung des Willkürverbotes würde zugleich eine Verletzung einer anderen Rechtsnorm darstellen, so dass aus der Verneinung einer solchen Verletzung geschlos- sen werden kann, dass auch Art. 9 BV nicht verletzt ist. Der Beschwerde- führer beruft sich nur in Verbindung mit anderen Bestimmungen auf das Willkürverbot. Vor diesem Hintergru nd enthält sich das Bundesverwal- tungsgericht der Prüfung einer Verletzung von Art. 9 BV. E-6327/2017 Seite 9 7. Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet. Es besteht kein Anlass zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz aufgrund for- meller Mängel. Der entsprechende Beschwerdeantrag ist abzuweisen. Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, sind auch die Beweiswürdigung und die Rechtsanwendung der Vorinstanz nicht zu beanstanden. 8. 8.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 8.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 9. 9.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung im Wesentli- chen zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführer hielten den An- forderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand. Die Vorbringen von Herrn A._______ seien uneinheitlich vorgetragen, nachgesch oben und gestei- gert dargestellt worden, weshalb dem Vorbringen einer erfolgten Zwangs- rekrutierung durch die YPG nicht geglaubt werden könne. Auch die Dar- stellung von Frau B._______ sei nicht geeignet, die Zweifel an der Richtig- keit der Angaben zu beseitige n. Vielmehr fehle es der Erzählung an Ein- zelheiten und Originalität. Die eingereichten Fotos könnten allenfalls ein Engagement der Familie für die kurdischen Widerstandskämpfer belegen, jedoch keine konkreten Hinweise auf die geltend gemachte Zwangsrekru- tierung liefern. E-6327/2017 Seite 10 9.2 Auf Beschwerdeebene wird dem in materieller Hinsicht im Wesentli- chen entgegengehalten, der Beschwerdeführer habe eindeutig vorge- bracht, dass er von seinem Bruder und anderen Mit gliedern der YPG ge- zwungen worden sei, für die YPG zu kämpfen. Da er sich geweigert habe und geflüchtet sei, werde er sowohl von seiner Familie als auch von der YPG verfolgt. Es sei absur d, dass das SEM die Vorbringen zu dieser Zwangsrekrutierung nicht auf ihre Asylrelevanz geprüft habe, da offensicht- lich feststehe, dass der Beschwerdeführer bereits von der YPG rekrutiert worden sei und für diese als Soldat im Einsatz gestanden habe. Zudem werde er von den syrischen Behörden asylrelevant gesucht. Er habe vor- gebracht und durch Beweismittel bestätigt, dass er seinen regu lären Mili- tärdienst geleistet habe. Da er aus Syrien geflüchtet sei – obwohl er in den Reservistendienst hätte einberufen werden können – werde er als Verräter und Dienstverweigerer betrachtet. Zudem gehöre er der kurdischen Ethnie an, entstamme einer oppositionell aktiven Familie und habe bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen Sicherheitskräfte auf sich gezogen. 10. 10.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen der Beschwerdefüh- rer den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist. Es trifft zu, dass die Ausführungen der Be- schwerdeführer zu den zentralen Asylvorbringen nachgeschoben und wi- dersprüchlich sind. Die Beschwerdevorbringen sind nicht geeignet, zu ei- ner von der Vorinstanz abweichenden Betrachtungsweise zu gelangen, zu- mal die Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Erwägungen in materieller Hinsicht nichts Substantielles entgegenhalten und im Wesentlichen ledig- lich am Wahrheitsgehalt der im vorinstanzlichen Verfahren geltend ge- machten Vorbringen festhalten. Es wird im Übrigen oberflächlich wieder- holt, dass der Beschwerdeführer sowohl von den syrischen Behörden, der YPG sowie seiner Familie asylrelevant verfolgt werde und bereits als Sol- dat für die YPG im Einsatz gewesen sei . Die Ausführungen in den Befra- gungen zur Person lassen indessen nicht darauf schliessen, dass der Be- schwerdeführer entsprechenden Einsatz geleistet hat. So brachte er in der Befragung zur Person vor, er habe die Aufforderung seines Bruders – Waf- fen zu tragen und zu kämpfen – abgelehnt, weil er Pazifist sei; anschlies- send sei er ausgereist, um keine Pr obleme mit seinem Bruder aufgrund dieser Verweigerung zu bekommen (SEM-Akten B7 S. 7 Ziff. 7.01). Seine Frau sagte in ihrer Befragung zur Person, ihr Mann sei von der YPG zum E-6327/2017 Seite 11 Wehrdienst aufgeboten worden, was dieser nicht habe wollen (SEM-Akten A3 S. 8 Ziff. 7.01). Auch diese Aussage lässt nicht darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer bereits als Soldat im Einsatz für die YPG gestanden hat. Insoweit in den Anhörungen und auf Beschwerdeebene plötzlich die Zwangsrekrutierung bei der YPG als zentraler Ausreisegrund darges tellt wird, ist diese vielmehr nachgeschoben, mithin unglaubhaft (zur Unglaub- haftigkeit nachgeschobener oder diametral abweichender Asylvorbringen bereits Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs- kommission [EMARK] 1993/3 E. 3 S. 13). Da es sich hierbei um das a us- schlaggebende Fluchtereignis handelt, sind bereits aus diesem Grund auch die anderen Asylvorbringen als unglaubhaft zu betrachten. Die Erklä- rungsversuche zu den Widersprüchen überzeugen weder in der Anhörung noch auf Beschwerde ebene (z. B. SEM-Akten B16 S. 14 F104–106, zur geltend gemachten Kürze der Befragung zur Person vgl. E. 6.5). Hinzu kommt, dass die Schilderung der angeblichen Zwangsrekrutierung in sich unglaubhaft und oberflächlich ausgefallen ist. Der Beschwerdeführer will insbesondere von seinem Bruder nachts unter Zwang zum Kampf mitge- nommen worden sein. Neben der Tatsache, dass dieser wichtige Moment der Zwangsanwendung oberflächlich und auf Nachfragen hin repetitiv aus- gefallen ist, erscheint angesichts der Zwangsrekr utierung namentlich die Flucht aus den Kampfreihen wenig plausibel und wird nicht ausreichend begründet. So will sich der Beschwerdeführer namentlich nach kurzer Zeit in den Kampfreihen bei seinem Bruder persönlich abgemeldet haben und hierauf zu seiner Familie zurückgefahren worden sein. Die Erklärungen hierzu vermögen an der Unglaubhaftigkeit dieser Schilderung nichts zu än- dern (SEM-Akten B16 S. 12 F83). Hinzu kommt, dass die Antworten des Beschwerdeführers auf die ihm mehrmals in der Anhörung explizit gestell- ten Fragen zu den konkreten Kampfhandlungen oberflächlich und auswei- chend ausgefallen sind und nicht von Selbsterlebtem zeugen (SEM-Akten B16 S. 11 f. F80 ff.). Im Übrigen ist festzuhalten, dass eine Zwangsrekru- tierung durch die YPG für sich alleine ohnehin nicht zur Anerkennung als Flüchtling führen würde. Es ist auf die entsprechenden Erwägungen im Re- ferenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D -5329/2014 zu verweisen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D -5329/2014 vom 23. Juni 2015 insb. E. 5.3 [als Referenzurteil publiziert]). Mangels anderweitiger Anhalts- punkte ist davon auszugehen, dass auch im heutigen Kontext zwar Auffor- derungen zur Wahrnehmung der Dienstpflicht ergehen können, eine Wei- gerung jedoch keine flüchtlingsrechtlich relevanten Sankti onen nach sich ziehen würde (statt vieler Urteile des BVGer D -3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.3 und E-4866/2015 vom 18. Mai 2017 insb. E. 5.1.3–5.1.4); hie- ran vermögen die weitschweifigen Beschwerdeausführungen zur YPG-E-6327/2017 Seite 12 Rekrutierung nichts zu ändern. Was d en staatlichen Militärdienst anbe- langt, hat der Beschwerdeführer diesen 2005 regulär abgeschlossen und wurde seither nicht mehr in die syrische Armee aufgeboten (z. B. SEM- Akten B8 [Militärbüchlein und militärisches Bestätigungsschreiben] oder B16 S. 5 F36 f. [Aussage des Beschwerdeführers]). Im Übrigen lassen sich – entgegen der Behauptung auf Beschwerdeebene – den Akten vorliegend keine Anhaltspunkte für gezielte Verfolgungsmassnahmen der syrischen Behörden im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG gegen den Beschwerdeführer entnehmen (BVGE 2015/3 E. 6.7.3, wonach eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zu begründen ver- mag). 10.2 Angesichts der aufgez eigten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, da diese nicht geeignet sind, zu einer anderen rechtlichen Würdigung der Aktenlage zu führen. Es ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführern nicht gelungen ist, einen flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Feststellung der Vorinstanz, die Beschwerdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat die Asylgesu- che zu Recht abgelehnt. 11. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 12. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten de n Beschwerde- führern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie stellen indes ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Da die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben sind, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. E-6327/2017 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird gutgeheissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Michal Koebel