<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">125</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>20</b></span> <span class="ft2"><b>Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung; Kantonswechsel; sprachliche</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Integration</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft2"><b>Für den Nachweis einer erfolgreichen sprachlichen Integration im</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 77 Abs. 4 lit. b VZAE be-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>darf es nicht zwingend eines Mindestniveaus gemäss Referenzrah-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>men des europäischen Sprachenportfolios (Erw. 4.3.3.2.).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft2"><b>Im konkreten Fall ist von einer erfolgreichen sprachlichen Integra-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tion auszugehen, obwohl nicht nachgewiesen wurde, dass die sprach-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lichen Kenntnisse mindestens dem Referenzniveau A2 des euro-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>päischen Sprachenportfolios entsprechen (Erw. 4.3.3.3.).</b></span><br/> <span class="ft6">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 30. Juni</span><br/> <span class="ft6">2014 in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integration</span><br/> <span class="ft6">(WBE.2012.1033).</span><br/> <span class="ft8"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft10">4.3.3.1.</span><br/> <span class="ft10">Die Vorinstanz begründet die mangelhafte Integration des Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerdeführers schliesslich mit den nicht belegten Deutsch-</span><br/> <span class="ft10">kenntnissen. Der Beschwerdeführer habe lediglich nachweisen kön-</span><br/> <span class="ft10">nen, dass er Deutschkurse gebucht bzw. teilweise besucht habe.</span><br/> <span class="ft10">Indessen fehle ein Zertifikat, welches dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft10">Deutschkenntnisse auf dem Referenzniveau A2 bescheinigt.</span><br/> <span class="ft10">(...)</span><br/> <span class="ft10">4.3.3.2.</span><br/> <span class="ft10">Der Grad der sprachlichen Integration lässt sich in erster Linie</span><br/> <span class="ft10">an den zum Erwerb einer Landessprache getätigten Bemühungen so-</span><br/> <span class="ft10">wie dem Niveau der Sprachkenntnisse messen. Bei der entsprechen-</span><br/> <span class="ft10">den Beurteilung ist den individuellen Verhältnissen (Analphabetis-</span><br/> <span class="ft10">mus, Bildungsstand, Arbeitsauslastung, Betreuungspflichten) jeweils</span><br/> <span class="ft10">Rechnung zu tragen. Weiter sind Nachweise regelmässiger und akti-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">126</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">ver Teilnahme an Sprachkursen, bestandene Sprachtests einer aner-</span><br/> <span class="ft10">kannten Bildungsinstitution oder ein Ausbildungsnachweis bei</span><br/> <span class="ft10">Schulbesuch in der Schweiz von Bedeutung (vgl. Weisung IV. des</span><br/> <span class="ft10">Bundesamts für Migration betreffend Integration, Version 1.1.08,</span><br/> <span class="ft10">Stand 27. März 2013; Ziff. 2.2). Gemäss Rechtsprechung kann</span><br/> <span class="ft10">gegebenenfalls auch auf die konkrete Lebenssituation abgestellt wer-</span><br/> <span class="ft10">den. Ist insgesamt davon auszugehen, dass sich die betroffene Person</span><br/> <span class="ft10">verständlich machen kann und die Sprachkenntnisse in etwa dem so-</span><br/> <span class="ft10">zio-ökonomischen Umfeld entsprechen, in dem sie sich bewegt, ist</span><br/> <span class="ft10">dies zu berücksichtigen (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsge-</span><br/> <span class="ft10">richts vom 22. Dezember 2011 [C-2242/2010], Erw. 11.2, mit weite-</span><br/> <span class="ft10">ren Hinweisen).</span><br/> <span class="ft10">Hinsichtlich der Anforderungen an das Niveau der Sprachkennt-</span><br/> <span class="ft10">nisse findet sich in Art. 77 Abs. 4 lit. b VZAE keine Regelung. Dies</span><br/> <span class="ft10">im Gegensatz zu Art. 62 Abs. 1 lit. b VZAE, gemäss welchem von</span><br/> <span class="ft10">einer erfolgreichen sprachlichen Integration auszugehen ist, wenn für</span><br/> <span class="ft10">die am Wohnort gesprochene Landessprache mindestens das</span><br/> <span class="ft10">Referenzniveau A2 des europäischen Sprachenportfolios nachgewie-</span><br/> <span class="ft10">sen ist, wobei das verlangte Niveau als Mindestvoraussetzung zu ver-</span><br/> <span class="ft10">stehen ist (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Februar</span><br/> <span class="ft10">2014 [C-2652/2012], Erw. 7.2.3). Art. 62 VZAE legt jedoch die</span><br/> <span class="ft10">Voraussetzungen fest, welche für die vorzeitige Erteilung einer Nie-</span><br/> <span class="ft10">derlassungsbewilligung bei erfolgreicher Integration erfüllt sein müs-</span><br/> <span class="ft10">sen (vgl. Art. 34 Abs. 4 AuG). Im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="ft10">AuG wird demgegenüber nicht die Erteilung einer unbefristeten</span><br/> <span class="ft10">Anwesenheitsberechtigung erwogen, sondern lediglich die Verlänge-</span><br/> <span class="ft10">rung einer Aufenthaltsbewilligung. Insofern rechtfertigt es sich nicht,</span><br/> <span class="ft10">die Anforderungen an den Integrationsgrad gleich hoch anzusetzen.</span><br/> <span class="ft10">Dies umso weniger, als gemäss Art. 77 Abs. 4 lit. b VZAE betreffend</span><br/> <span class="ft10">sprachliche Integration lediglich vorausgesetzt wird, dass die be-</span><br/> <span class="ft10">troffene Person den Willen zum Erwerb der am Wohnort gesproche-</span><br/> <span class="ft10">nen Landessprache bekundet. Entsprechend bedarf es im vorliegen-</span><br/> <span class="ft10">den Zusammenhang für eine ausreichende sprachliche Integration</span><br/> <span class="ft10">nicht zwingend einen Nachweis, dass die sprachlichen Kenntnisse</span><br/> <span class="ft10">mindestens dem Referenzniveau A2 entsprechen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Migrationsrecht</span> <span class="page_no">127</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">4.3.3.3.</span><br/> <span class="ft10">Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer trotz mehrfa-</span><br/> <span class="ft10">cher Aufforderung kein anerkanntes Zertifikat eingereicht, welches</span><br/> <span class="ft10">über das Niveau seiner Sprachkenntnisse Aufschluss geben würde.</span><br/> <span class="ft10">Die behaupteten sprachlichen Fähigkeiten sind damit nicht zweifels-</span><br/> <span class="ft10">frei belegt, auch wenn er an mehreren Sprachkursen teilgenommen</span><br/> <span class="ft10">hat.</span><br/> <span class="ft10">Indessen sind auch nachweislich getätigte Bemühungen um eine</span><br/> <span class="ft10">sprachliche Integration zu beachten. In dieser Hinsicht ist relevant,</span><br/> <span class="ft10">dass der Beschwerdeführer zwischen August 2011 und Juli 2012</span><br/> <span class="ft10">insgesamt fünf Sprachkurse gebucht hat (Referenzniveaus A2, B1</span><br/> <span class="ft10">und B2). Den eingereichten Belegen ist zu entnehmen, dass er an 89</span><br/> <span class="ft10">der 150 Lektionen teilgenommen hat. Die vom Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft10">besuchten Lektionen vermittelten fast ausschliesslich Deutsch des</span><br/> <span class="ft10">Referenzniveaus B1 und B2, welches über den lediglich elementaren</span><br/> <span class="ft10">Sprachgebrauch hinausgeht. Allerdings hat der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft10">nur an knapp 60 % der gebuchten Lektionen teilgenommen, was die</span><br/> <span class="ft10">Anzahl der belegten Kurse relativiert. Insgesamt ist mit Blick auf die</span><br/> <span class="ft10">Sprachkurse dennoch ein gewisser Wille zum Erwerb der Landes-</span><br/> <span class="ft10">sprache erkennbar.</span><br/> <span class="ft10">Weiter ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es dem Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerdeführer offenbar ohne nennenswerte Verständigungsprob-</span><br/> <span class="ft10">leme möglich ist, seiner Tätigkeit als Barmitarbeiter nachzugehen</span><br/> <span class="ft10">und sein Arbeitgeber äussert sich positiv über seine Sprachkennt-</span><br/> <span class="ft10">nisse. Auch zuvor waren die sprachlichen Fähigkeiten des</span><br/> <span class="ft10">Beschwerdeführers für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit jeweils</span><br/> <span class="ft10">ausreichend. Es ist daher davon auszugehen, dass sich der Be-</span><br/> <span class="ft10">schwerdeführer seinem gesellschaftlichen und beruflichen Niveau</span><br/> <span class="ft10">entsprechend auf Deutsch verständigen kann.</span><br/> <span class="ft10">Insgesamt hat der Beschwerdeführer zwar keine objektive Be-</span><br/> <span class="ft10">wertung seiner Deutschkennnisse vornehmen lassen. Indessen hat er</span><br/> <span class="ft10">mit der Belegung und mehrheitlich aktiven Teilnahme an Sprachkur-</span><br/> <span class="ft10">sen gewisse Bemühungen zur sprachlichen Integration nachgewie-</span><br/> <span class="ft10">sen. Weiter sind seine sprachlichen Fähigkeiten seit mehreren Jahren</span><br/> <span class="ft10">für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit jeweils ausreichend. Bei</span><br/> <span class="ft10">einer ganzheitlichen Betrachtung ist daher auch in sprachlicher Hin-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2014</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">128</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft10">sicht von einer erfolgreichen Integration im Sinne von Art. 50</span><br/> <span class="ft10">Abs. lit. a AuG auszugehen.</span><br/></div> </div> </body> </html>