B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-867/2016 U r t e i l v o m 1 3 . N o v e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Regula Schenker Senn, Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, amtlich verbeiständet durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 11. Januar 2016 / N (…). E-867/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer gelangte am (…) Juli 2014 in die Schweiz und stellte am 14. Juli 2014 ein Asylgesuch. Am 5. August 2014 wurde im Emp- fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt, und am 16. September 2015 fand die einlässliche An- hörung zu seinen Asylgründen statt. A.b Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei Tigriner aus C._______; die Eltern seien katholischen Glaubens, er selber habe sich im Jahr (…) der Pfingstgemeinde angeschlossen. Er habe die ersten elf Schuljahre in C._______ besucht, bevor er im September (…) nach J._______ gebracht worden sei. Dort hätte er das 12. Schuljahr absolvie- ren sollen. Jedoch sei damals zwischen Eritrea und Äthiopien erneut der Krieg ausgebrochen, weshalb man ihn während sechs Monaten militärisch ausgebildet und danach in den Krieg geschickt habe. Im (…), nach Ende der zweiten Invasion, habe er in J._______ eine (…)-Ausbildung erhalten, und nach Beruhigung der Lage sei er nach D._______ verlegt worden. Dort habe er Feldarbeiten verrichtet. Er sei nachfolgend noch in E._______, in F._______ und in G._______ stationiert gewesen. Im (…) 2009 sei er fest- genommen und zunächst in H._______ in einem Gefängnis der Geheim- polizei namens "(…)" in Haft gewesen, bevor er im (…) 2010 nach I._______ verlegt worden sei. Er sei bis zu seiner Flucht in I._______ in- haftiert gewesen. Im (…) 2013 oder (…) 2014 sei ihm die Flucht gelungen. Er sei zunächst nach C._______ und danach in den Sudan und von dort über die Türkei, Griechenland und Italien in die Schweiz gereist. Hier habe er erfahren, dass der Vater wegen ihm eine Woche lang inhaftiert gewesen sei. A.c Zum Beleg reichte der Beschwerdeführer e ine Kopie einer Identitäts- karte ER (…), eine Identitätskarte im Original ER (…) und eine Fotografie zu den vorinstanzlichen Akten. B. Mit (am Folgetag eröffneter) Verfügung vom 11. Januar 2016 stellte das SEM fest, die Vorbringen seien weder glaubhaft noch vermöchten sie den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG zu genügen. Als Folge davon lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwer- deführers ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. E-867/2016 Seite 3 C. Mit E ingabe seines Rechtsvert reters an das Bundesverwaltungsgericht vom 11. Februar 2016 reichte der Beschwerdeführer gegen die Verfügung des SEM Beschwerde ein. E r beantragte die Aufhebung der vorinstanzli- chen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigensc haft und die Gewährung des Asyls; eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuord- nen, subeventualiter sei die Sa che zur rechtsgenüglichen Sachverhalts - abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hin- sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG, um Beigabe eines amtlichen Rechtsbei- stands nach Art. 110a Abs. 1 AsylG (SR 142.31) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. D. Der Instruktionsrichter hiess mit Verfügung vom 18. Februar 2016 die Ge- suche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Befrei- ung von der Kostenvorschusspflicht gut und setzte den Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand ein. Mit gleicher Verfügung wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen. E. Das SEM hielt in seiner ausführlichen Stellungnahme vom 4. März 2016 (innert erstreckter Frist) vollumfänglich an seinen Erwägungen fest. F. Mit Replik vom 24. März 2016 nahm der Beschwerdeführer zur vorinstanz- lichen Vernehmlassung Stellung, hielt seinerseits an seinen Anträgen fest und liess eine Kostennote des amtlichen Rechtsbeistands zu den Akten reichen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet E-867/2016 Seite 4 auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Ausliefe- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gilt namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner- träglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-867/2016 Seite 5 4. 4.1 Das SEM führte aus, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Asylgründe seien in wesentlichen Punkten nicht glaubhaft. 4.1.1 So habe er hinsichtlich der angeblichen Inhaftierung in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht widersprüchliche Aussagen gemacht. Die dazu im Rahmen des mündlich gewährten rechtlichen Gehörs eingebrachten Erklä- rungen seien als unbehelflich einzustufen. Die hier bestehenden Zweifel würden durch weitere Ungereimtheiten in den Aussagen bestätigt. So sei das geschilderte Verhalten der Geheimpolizei, in deren Gefängnis er ein Jahr verbracht haben solle, realitätsfremd – insbesondere wäre zu erwar- ten, dass eine solche Behörde die Häftlinge ausführlichen Verhören unter- ziehe. Zudem würden seine Schilderungen der Haftumstände nicht den Eindruck von real erlebten, einschneidenden und belastenden Ereignissen vermitteln. Entsprechend habe der Beschwerdeführer die Flucht aus dem Gefängnis in I._______ inhaltlich und zeitlich widersprüchlich und unsub- stanziiert dargelegt. Insgesamt sei daher nicht glaubhaft, dass der B e- schwerdeführer in Eritrea während Jahren inhaftiert gewesen und aus der Haft geflüchtet sei. 4.1.2 Weiter habe der Beschwerdeführer die angeblich illegale Ausreise aus Eritrea auffallend widersprüchlich geschildert. Seine diesbezüglichen Angaben seien sowohl hinsichtlich Route und Reiseart als auch in zeitlicher Hinsicht unterschiedlich ausgefallen. Es könne insgesamt vor diesem Hin- tergrund nicht geglaubt werden, dass er auf diese geltend gemachte Weise illegal aus Eritrea ausgereist sei. Vielmehr sei der Schluss zu ziehen, dass er Eritrea legal und in Besitz eines Reisepasses – den er den schweizeri- schen Asylbehörden vorenthalte – verlassen habe. 4.1.3 Vor dem Hintergrund des Gesagten sei dem Vorbringen der Boden entzogen, der Vater sei nach der Ausreise des Beschwerdeführers festge- nommen worden, zumal der Beschwerdeführer über den diesbezüglichen Zeitraum keine Angaben habe machen können. Ausserdem scheine reali- tätsfremd, dass der Beschwerdeführer von dieser Festnahme erst im (…) 2014 erfahren haben wolle, habe er doch bereits im (…) 2013 respektive (…) 2014 Eritrea verlassen. 4.1.4 Letztlich sei zu bezweifeln, dass der Beschwerdeführer der Pfingst- gemeinde angehöre und deswegen in Eritrea Probleme bekommen habe. So habe er einerseits nicht glaubhaft machen können, deswegen behörd-E-867/2016 Seite 6 licher Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein; andererseits wäre zu erwar- ten gewesen, dass er Problem e aus religiösen Gründe bereits zu Beginn des Asylverfahrens in der BzP geltend gemacht hätte, was jedoch nicht der Fall sei. Sodann erscheine wenig w ahrscheinlich, dass er der Pfingstge- meinde angehöre, während die Eltern römisch -katholischen Glaubens seien. Schlussendlich se i die Schilderung nicht überzeugend, wie er als (…)-Jähriger zu dieser Glaubensgemeinschaft gestossen sein wolle; seine Ausführungen, wie er den Glauben in der Gemeinschaft gelebt habe, wür- den stereotyp wirken und auch sonst keine Realitätskennzeichen aufwei- sen. 4.1.5 Die Ausführungen des Beschwerdeführers würden im Übrigen auch den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten. Der geschilderte Einzug in den Militärdienst im (…) stelle keine Verletzung einer gemäss Art. 3 AsylG geschützten Eigenschaft dar, da es dem Recht eines jeden Staates entspreche, eine Armee zu unterhalten und dazu Sol- daten zu rekrutieren. Daran ändere der Umstand nichts, dass der National- dienst in Eritrea mehrere Jahre dauern könne. Es stelle sich weiter die Frage, ob der Beschwerdeführer mit seiner Aus- reise gegen heimatliche Gesetze oder Bestimmungen verstossen habe. In casu könne nicht geglaubt werden, dass der Beschwerdeführer in Haft ge- wesen, aus dieser geflüchtet und illegal ausgereist sei, mithin sei von einer legalen Ausreise auszugehen. Auch vor dem Hintergrund der sehr restrik- tiven Ausreisebestimmungen Eritreas sei davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer als grundsätzlich militärdienstpflichtige Person Militär- dienst geleistet habe, wobei vorliegend der zwingende Schluss zu ziehen sei, dass er nach mehreren Dienstjahren aus der Armee entlassen worden und ihm eine Ausreise aus Eritrea erlaubt worden sei. Der genaue Zeit- punkt der Entlassung aus dem Militärdienst könne jedoch nicht ermittelt werden, da der Beschwerdeführer in dieser Hinsicht seiner Wahrheits- und Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sei. Di esem Aspekt komme je- doch letztlich keine entscheidwesentliche Bedeutung zu. Denn es sei ins- gesamt anzunehmen, er habe den Heimatstaat legal verlassen, womit auch nicht anzunehmen sei, er werde bei einer Rückkehr nach Eritrea we- gen Verletzung militärstrafrechtlicher Bestimmungen oder wegen illegaler Ausreise zur Rechenschaft gezogen. Eine Furcht vor Verfolgung erscheine damit unbegründet. E-867/2016 Seite 7 4.2 Auf Beschwerdeebene wird insbesondere die Feststellung des SEM gerügt, wonach der Beschw erdeführer unglaubhafte Angaben gemacht habe. 4.2.1 Die Vorinstanz habe in ihrem Entscheid zwar auf zahlreiche Unge- reimtheiten zwischen den in der BzP und der Anhörung protokollierten Aus- sagen hingewiesen. Indessen sei festzuhalten, dass die BzP "offensichtlich gravierende Mängel" aufweise: 4.2.2 So habe der Beschwerdeführer am festgelegten Tag über acht Stun- den lang auf seine Erstbefragung warten müssen. Das lange Warten habe seine Nervosität gesteigert, was die Situation der Befragung er schwert habe. Zudem sei die Befragung mit nur einer Stunde und fünfzehn Minuten äusserst kurz ausgefallen. Diese Umstände würden die Vermutung auf- kommen lassen, "dass die Befragung grundsätzlich unsorgfältig angegan- gen" worden sei, zumal auch die Befragungsweise als solche zu Kritik An- lass gebe. So seien im Zusammenhang mit dem Zivilstand suggestiv for- mulierte Fragen gestellt worden, was nicht zulässig sei. Bei Durchsicht des Protokolls der BzP dränge sich auch die Frage auf, ob die Angaben insbe- sondere hinsichtlich der illegalen Ausr eise allein dem Beschwerdeführer zugerechnet werden könnten. In der Replik wird an dieser Auffassung fest- gehalten und ausgeführt, namentlich angesichts der hohen Rechtsgüter, die auf dem Spiel stünden, dürfe nicht von einer Verwertbarkeit des BzP- Protokolls ausgegangen werden. Zudem bestehe der Beschwerdeführer darauf, dass er den Inhaftierungsgrund – das Lesen der Bibel – auch bei der BzP genannt, aber zur Antwort erhalten habe, es sei unmöglich, des- wegen so lange inhaftiert zu werde n. Aufgrund der geschilderten unsorg- fältigen Vorgehensweise sei daher nicht auszuschliessen, dass diese Aus- sage nicht Eingang ins Protokoll gefunden habe; ausserdem habe er be- reits bei der BzP seine Religionszugehörigkeit genannt. 4.2.3 Für die Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen werde daher auf die Aussagen der Anhörung abgestellt. 4.2.4 Die Einberufung im Jahr (…) nach J._______, die militärische Ausbil- dung und Abberufung in den Krieg, die Herkunft des Beschwerdeführers aus Eritrea und seine Ausreise würden vom SEM nicht angezweifel t. So- weit die Vorinstanz bezweifle, dass die Ausreise illegal erfolgt sei, handle es sich um reine Mutmassungen. Ebenso spekulativ und nicht belegt sei die Argumentation des SEM, der Beschwerdeführer sei wohl aus dem Na- tionaldienst entlassen worden. So hab e auch der Beschwerdeführer zu E-867/2016 Seite 8 Protokoll gegeben, dass Entlassungen selbst bei langjährigen Armeeange- hörigen nicht praktiziert würden, was auch künftig wohl so bleibe. Der Be- schwerde-führer befinde sich im wehrdienstpflichtigen Alter und sei bester Gesundheit; damit sei er wehrdienstpflichtig, wobei er sich dem Wehrdienst entzogen habe. Zudem sei er ein erfahrener und gut ausgebildeter Milita- rist, weshalb es nicht im Interesse des eritreischen Militärs liegen könne, ihn aus dem Dienst zu entlassen. Ferner würden keine Hinweise auf spe- zielle Regierungstreue des Beschwerdeführers vorliegen, die eine Entlas- sung aus dem Mil itärdienst und eine Ausreisebewilligung allenfalls recht- fertigen könnten. 4.2.5 Was die Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinde betreffe, sei darauf h in- zuweisen, dass auch seine ältere Schwester dieser Gemeinschaft ange- höre. Somit sei nicht erstaunlich, dass der Beschwerdeführer sich im jun- gen Alter ebenfalls dieser Religion angeschlossen habe, und es könne da- von ausgegangen werden, dass er mit der Pfin gstgemeinde bereits ver- traut gewesen sei, als ihn ein Missionar auf der Strasse angesprochen habe. Die Tatsache, dass seine Schwester auch der Pfingstgemeinde an- gehöre, habe ihn wohl im Entschluss zu k onvertieren bestärkt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz seien sodann die Schilderungen, wie er sei- nen Glauben gelebt habe "äusserst detailliert" ausgefallen. 4.2.6 Die im Zusammenhang mit seinem Glauben erfolgte Inhaftierung sei auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Verfolgungssituation der Ange- hörigen der Pfingstgemeinde plausibel. Dies gehe aus verschiedenen offi- ziellen Berichten hervor, beispielsweise einem UK Home Office Bericht vom 20. Oktober 2014 (Country Information and Guidance – Eritrea: Religious Groups). Voraussetzung für eine staatliche Verfolgung sei, dass die staatlichen Behörden über die religiöse Gesinnung der betroffenen Per- son informiert seien. Es sei glaubhaft, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr wegen seiner Religion verfolgt würde. 4.2.7 Insgesamt sei – auch im Licht der Rechtsprechung des Bundes - verwaltungsgerichts – in einer Gesamtbetrachtung der Aussagen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen insbesondere im Hinblick auf die illegale Ausreise und die Desertation zu bejahen. Vor dem Hintergrund der Tatsa- che, dass der Beschwerdeführer sich im (…) 2014 durch die illegale Aus- reise der Wehrdienstpflicht entzogen habe , müsse er gemäss der Recht- sprechung in Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweize- rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006/3 mit einer unverhältnismäs-E-867/2016 Seite 9 sig strengen Strafe im Sinn eines absoluten Malus rechnen, was flücht- lingsrechtlich relevant sei. Durch die illegale Ausreise, die vom Regime als politische Aussage wahrgenommen werde, sei er im Heimatland gefährdet. Gemäss Praxis der schweizerischen Asylbehörden – zu erwähnen sei bei- spielsweise das Urteil BVGer D-4876/2007 vom 29. September 2010 – be- gründe eine illegale Ausreise aus Eritrea bereits die Flüchtlingseigenschaft. Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen würden, seien zwar vom Asyl ausgeschlossen, würden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Gestützt auf die einschränkende Fest- stellung in Art. 3 Abs. 4 AsylG sei dabei vorliegend vom Erfüllen der Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers auszugehen, und es sei ihm man- gels Vorliegens von Asylausschlussgründen das Asyl zu gewähren. 5. 5.1 Hinsichtlich der Frage de s Glaubhaftmachens der Asylgründe ist be- züglich der nachhaltigen Kritik an der BzP vorweg Folgendes festzuhalten: 5.1.1 Die Vorinstanz hat zu diesem Punkt in ihrer Vernehmlassung vom 4. März 2016 ausführlich Stellung genommen und nicht bestritten, dass es bis zur Durchführung der Erstbefragung des Beschwerdeführers offenbar zu einer längeren Wartezeit gekommen ist. Es ist durchaus nachvollzieh- bar, dass sich das lange Warten auf das subjektive Befinden des Be- schwerdeführers ausgewirkt und ihn zusätzlich angespannt hat. Entgegen der in Beschwerde und Replik vertretenen Auffassung kommt indessen das Bundesverwaltungsgericht nicht zum Schluss, die Befragung sei bereits dadurch von vornherein nicht verwertbar. Dies gilt auch vor dem Hinter- grund der in diesem Zusammenhang protokollierten Fragen/Antworten zum Zivilstand des Beschwerde führers. Allein aus dieser Passage kann – sofern sie überhaupt als "suggestiv" zu beurteilen wäre – nicht auf ein gesamthaft unsorgfältig erstelltes Befragungsprotokoll geschlossen wer- den. Die für die Beurteilung des allfälligen Vorliegens flüchtlingsrelevanter Gründe bedeutsamen Fragen sind wertfrei und sachlich formuliert worden. Dabei konnte der Beschwerdeführer zunächst frei seine Fluchtgründe vor- bringen (vgl. Protokoll BzP Ziff. 7.01). Seine Schilderung begann mit der Beschreibung, wie er im (…) 2009 von Soldaten festgenommen und ins Gefängnis „(…)“ gebracht worden sei. In freier Erzählung fügte er danach an: "Dies ohne zu wissen, warum ich festgenommen wurde " (vgl. a.a.O.). Diese klare Aussage im Protokoll kann kaum durch eine suggestive Frage- stellung provoziert worden und deswegen unrichtig sein. Dem Beschwer- deführer wurde weiterfolgend die Gelegenheit gegeben, sich hier zu kon- kreter zu äussern ("Haben Sie im Lauf Ihres Gefängnisaufenthaltes jemals E-867/2016 Seite 10 herausgefunden, warum man sie inhaftiert hat? ") Auch hier erwähnte der Beschwerdeführer mit keinem Wort, dass die Festnahme im Zusammen- hang mit seiner Religionszugehörigkeit gestanden habe. Vielmehr liess er festhalten: "Ich habe […] mehrere Male nach dem Grund meiner Fest- nahme gefragt, aber ich erhielt keine Antwort. Deshalb habe ich beschlos- sen, zu fliehen." (vgl. a.a.O.). Vor dem Hintergrund dieser klaren Antworten ist den Mutmassungen im Rechtsmittel zu widersprechen, wonach diese Erstbefragung unsorgfältig durchgeführt, unter Umständen nicht vollstän- dig übersetzt worden und damit insgesamt nicht verwertbar sei. Dass die Vorinstanz im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung die protokollierten Aus- sagen der BzP mit einbezogen hat, ist unter den gegebenen Umständen nicht zu beanstanden. Wie nachfolgend aufgezeigt wird, divergieren diese ersten Aussagen in wesentlichen Teilen der Asylbegründung von denjeni- gen in der einlässlichen Anhörung. 5.1.2 Der Beschwerdeführer gibt an, Angehöriger der Pfingstgemeinde zu sein. In der BzP hat er diesen Umstand einzig im Zusammenhang mit der Erhebung der Personalien erwähnt (vgl. Protokoll BzP Ziff. 1.13). Dass dies zu Verfolgungsmassnahmen geführt habe, hat er in der BzP nicht geltend gemacht. Erst in der Anhörung führte er neu aus, er sei im (…) 2009 ver- haftet worden, weil er im Militärdienst die Bibel gelesen und von einem Of- fizier dabei erwischt worden sei; er (Beschwerdeführer) habe hierbei offen- gelegt, der Pfingstgemeinde anzugehören, und dies habe zu seiner Inhaf- tierung geführt (vgl. Protokoll Anhörung F./A. 57). Er sei vom Offizier noch gefragt worden, ob er seine Religion oder die Bibel aufgeb e, was er ver- neint habe ; daraufhin sei er ohne Befragung eingesperrt worden. Nach etwa einer Woche im Gefängnis der Geheimpolizei sei ihm auf Nachfrage nochmals gesagt worden, wenn er sich von seinem Glauben lossage, käme er frei (vgl. a.a.O. F./A. 58 und 62). Diese zweiten Aussagen weichen deutlich von denjenigen der Erstbefragung ab. Folglich bestehen erhebli- che Zweifel an der geltend gemachten Festnahme und anschliessenden mehrjährigen Inhaftierung. 5.1.3 Die Frage, ob der Beschwerdeführer überhaupt der Pfingstgemeinde angehört hat, muss bei dieser Sachlage letztlich nicht abschliessend ge- prüft werden. Es sei lediglich am Rand angemerkt, dass die Begründung der von der Vorinstanz in diesem Zusammenhang formulierten Zweifel (vgl. Verfügung S. 5 f.) einen überze ugenden Eindruck hinterl ässt und im Übrigen dadurch bestätigt zu werden scheint, dass die in der Schweiz le- bende Schwester des Beschwerdeführers – entgegen seiner Angabe in E-867/2016 Seite 11 der Anhörung ( vgl. dort a.a.O. F./A. 85) und im Rechtsmittel ( vgl. Be- schwerde S. 7) – in ihren vom Gericht beigezogenen Akten (N […]) festhal- ten liess, sie gehöre der römisch-katholischen Kirche an. 5.1.4 Die bestehenden Zweifel werden durch weitere zahlreiche Unge- reimtheiten und Widersprüche in den Aussagen bekräftigt. So hat der Be- schwerdeführer anfänglich angegeben, ihm sei im (…) 2013 die Flucht aus dem Gefängnis in I._______ gelungen, als er mit Mitgefangenen an den Fluss habe gehen können, um sich zu waschen. Er sei mit vielen anderen weggerannt, einige seien erwischt worden, andere nicht. Er sei eine Woche in C._______ geblieben und danach ausgereist (vgl. Protokoll BzP Ziff. 7.01). Demgegenüber führte er später aus, er sei im (…) 2014 aus der Haft geflohen. Auf die zeitlichen Ungereimtheiten aufmerksam gemacht, führte er neu aus, ihm sei im (…) 2014 die Flucht aus I._______ gelungen und im (…) 2014 sei er aus C._______ weggegangen. Aus I._______ habe er weglaufen können, als sie im Auftrag der Behörden eine Unterkunft für Rekruten hätten bauen sollen. Sie hätten Holz schneiden sollen. Plötzlich seien viele Leute weggerannt, und auch er habe diese Gelegenheit genutzt und sei entlang des Flusses (…) geflohen (vgl. Protokoll Anhörung F./A. 38 ff.). Diese Schilderungen unterscheiden sich sowohl in zeitlicher als auch in inhaltlicher Hinsicht signifikant voneinander. 5.1.5 Hinzu kommt, dass die Schilderungen der Festnahme als solche und der folgenden Gefängnisaufenthalte in ihrem Gehalt unrealistisch und nicht substanziiert ausgefallen sind, wie dies die Vorinstanz in ihrer Verfügung (vgl. dort S. 4 f.) zutreffend ausgeführt hat. 5.1.6 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer weder gelungen, eine mehrjährige Inhaftierung noch eine Flucht aus der Haft glaubhaft dar- zulegen. 5.1.7 Auffällig sind auch die Ungereimtheiten in Bezug auf die eingereich- ten Identitätsausweise: Der Beschwerdeführer hat im EVZ die Kopie eines Identitätsausweises (Nr. ER […] mit Ausstelljahr […]) eingereicht und er- klärt, das Original sei be i den Eltern in C._______ und er könne dieses kommen lassen (vgl. Protokoll BzP ZIFF. 4/4.03 und 4.07). Bei der Anhö- rung legte der Beschwerdeführer dar, die alte ID sei im Jahr (…) verbrannt, er habe eine neue als Ersatz erhalten, die er nun im Original (Nr. ER […]) einreiche (vgl. Protokoll Anhörung F./A. 17 ff.). Nicht erklären konnte de r Beschwerdeführer dabei, wie die erste ID das Ausstelljahr (…) aufweisen könne, wenn sie angeblich vier Jahre zuvor verbrannt sei (vgl. a.a.O.). E-867/2016 Seite 12 Schliesslich ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb er in der Erstbefragung noch festhalten liess, das Origin al dieses Ausweises sei bei den Eltern, dabei aber dessen Zerstörung unerwähnt liess. 5.1.8 Nach dem Gesagten ist in einem Zwischenergebnis Folgendes fest- zuhalten: Es erscheint als glaubhaft, dass der Beschwerdeführer in Eritrea im Jahr (…) zwar zum Militärdienst eingezogen worden ist und damit Nati- onaldienst geleistet hat. Jedoch sind die weiteren Vorbringen in Bezug auf seine Inhaftierung während des Militärdienstes (wegen angeblichen Le- sens der Bibel und Bekanntwerdens seiner Zugehörigkeit zur Pfingstge- meinde) und zu seiner Flucht aus der Haft und der damit verbundenen Desertion als unglaubhaft zu qualifizieren. Vor diesem Hintergrund ist – entgegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Ansicht – davon auszu- gehen, dass der Beschwerdeführer mit hoher Wahrscheinlichkeit nach 15 oder 16 Jahren regulär aus dem Militärdienst entlassen worden ist und sich diesem nicht wie behauptet unerlaubt entzogen hat. 5.1.9 Es ist nachfolgend zu prüfen, ob der Beschwerd eführer illegal aus Eritrea ausgereist ist, mithin aus diesem Grund die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. In diesem Zusammenhang ist auf das Urteil BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert) hinzuweisen. Darin ge- langte das Bundesve rwaltungsgericht zum Schluss, dass die bisherige Praxis der schweizerischen Asylbehörden, wonach eine illegale Ausreise bereits zur Flüchtlingseigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhalten wer- den könne. Im Referenzurteil wurde weiter festgestellt, dass das Risiko einer in asylre- levanter Weise erfolgenden Bestrafung bei einer Rückkehr nur dann anzu- nehmen sei, wenn zur vorangegangenen illegalen Ausreise weitere Fakto- ren hinzukämen, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritre- ischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen würden. Mit Bezug auf den Beschwerdeführer sind keine solchen zusätzlichen risi- kobegründenden Faktoren ersichtlich. Nach den obigen Ausführungen ist davon auszugehen, dass er in Eritrea den Nationaldienst geleistet hat und dabei ordentlich aus dem Dienst entlassen worden, mithin diesem nicht unerlaubt ferngeblieben ist. Er kann daher nicht als Deserteur oder Dienst- verweigerer betrachtet werden. Dass der Beschwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes als missliebig e Person erscheinen könnte, ist ebenfalls nicht ersichtlich. E-867/2016 Seite 13 5.1.10 Zwei Geschwister des Beschwerdeführers sind in der Schweiz als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen worden (der Bruder [N (…)] wegen sei- ner Desertion aus der eritreischen Armee im Jahr 2006; die in E. 5.1.3 er- wähnte Schwester [N (…)] gestützt auf die oben erwähnte vormalige Praxis der schweizerischen Asylbehörden zur illegalen Ausreise aus Eritrea , de- ren Änderung mit dem erwähnten Urteil BVGer D-7898/2015 vom 30. Ja- nuar 2017 letztinstanzlich bestätigt wurde). Diese Umstände vermögen mit Bezug auf die Frage einer Gefährdung des Beschwerdeführers im Heimat- staat umso weniger zu einer anderen Einschätzung zu führen, als die Ge- schwister Eritrea bereits viele Jahre vor dem Beschwerdeführer verlassen hatten und er nicht geltend gemacht hat, deswegen seitens der Behörden irgendwelche Probleme erhalten zu haben. 5.1.11 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Das SEM hat das Asylgesuch folg- lich zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegw eisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.1.1 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und an dernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). E-867/2016 Seite 14 7.1.2 Dabei kommen ausschliesslich Bestimmungen des Ausländergeset- zes zur Anwendung, weshalb sich die Kognition der Beschwerdeinstanz entsprechend der Bestimmungen dieses Gesetzes bestimmt. Gemäss Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 VwVG umfassen die zulässigen Rügen die Verletzung des Bundesrechts, die unrichtige und unvollständige Feststel- lung des Sachverhalts sowie die Unangemessenheit (vgl. dazu ausführlich BVGE 2014/26 E. 5). 7.1.3 Gemäss der im Juni 2016 durch das SEM geänderte n Praxis – die vom Bundesverwaltungsgericht, wie oben erwähnt, geschützt wurde (vgl. Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017) – müssen eritreische Personen alleine aufgrund ihrer illegalen Ausreise nicht mehr mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung rechnen. Gewisse (asylrechtlich nicht relevante) Nachteile von Seiten des eritreischen Staates sind jedoch gerade auch im Zusammenhang mit der Dienstpflicht nicht auszuschlies- sen (vgl. a.a.O. E. 5.1). Gestützt auf diese Feststellung führte das Bundes- verwaltungsgericht in einem weiteren Referenzurteil BVGer D-2311/2017 vom 17. August 2017 eine aktualisierte, umfassende Lageanalyse durch (vgl. Referenzurteil D-2311/2017 E. 10 ff.), welche nachfolgend für die Prü- fung der Zulässigkeit und Zumutbarkeit der Wegweisung des Beschwerde- führers heranzuziehen ist. 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeine r Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 7.2.1 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. E-867/2016 Seite 15 7.2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ( EGMR) müsste der Be- schwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaub- haft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch- liche Behandlung drohen würde. 7.2.3 Im Referenzurteil vom 17. August 2017 (vgl. dort E. 12) wird in einer umfassenden Prüfung der allgemeinen Dienstpflicht in Eritrea die Frage einer bestehenden grundsätzlichen Gefahr des Einzugs in den National- dienst für einen heimkehrenden, eritreischen Staatsangehörigen grund- sätzlich verneint. Vielmehr gelte es zwischen verschiedenen Personen- gruppen zu unterscheiden. So sei bei Personen, die vor V ollendung des 18. Altersjahres aus Eritrea ausgereist seien, davon auszugehen, dass sie bei einer Rück kehr einge- zogen würden. Dabei sei eine vorgängig e Haftstrafe nicht auszuschlies- sen, indessen sei wohl nicht von ei ner systematischen Inhaftierung all er Rückkehrenden dieser Altersgruppe auszugehen, zumal diese ihr Verhält- nis zum Staat oft durch Bezahlung der 2% -Steuer und durch Unterzeich- nung eines Reuebriefes geregelt hätten, in dem die Nicht-Absolvierung des Nationaldienstes bereut und das Einverständnis zu einer allfälligen Bestra- fung ausgedrückt werde (vgl. a.a.O. E. 13.2 mit Hinweis insbes. auf D-7898/2015 E. 4.11). Nicht abschliessend geprüft wurde in diesem Zu- sammenhang die Frage, ob für die beschriebenen Personengruppen an- gesichts der eventuell droh enden Haft und des Einzugs in den National- dienst die Gefahr einer unmenschlichen Behandlung nach Art. 3 EMRK be- ziehungsweise eine Verletzung des Verbotes der Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestehe (vgl. Referenzurteil D -2311/2017 vom 17. August 2017 E. 13.2). Bei Personen, die – wie der Beschwerdeführer – ihre Dienstpflicht erfüllt hätten, präsentiere sich die Gefährdungssituation in einem anderen Licht: So sei erstens davon auszugehen, dass es durchaus regelmässig zu Ent- lassungen aus dem Dienst komme. Zweitens stelle sich bei Personen, die erst mit Mitte 20 oder älter Eritrea verlassen hätten regelmässig die Frage, ob sie den Dienst geleistet hätten, wobei das Bundesverwaltungsgericht mit der Vorinstanz davon ausgehe, dass von einer grundsätzlich möglichen E-867/2016 Seite 16 Entlassung nach 5 bis 10 Dienstjahren auszugehen sei. V or diesem Hin- tergrund hätten Personen, die erst nach Dienstleistung ausgereist seien, weder mit einer Haftstrafe wegen Nichtleistens ihrer Dienstpflicht noch mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten Einziehung in den Dienst zu rechnen (vgl. a.a.O. E. 13.3). 7.2.4 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen Mann von knapp (…) Jahren. Aus Eritrea ausgereist ist er im Alter von (…) oder (…) Jahren (auch das Ausreisedatum blieb widersprüchlich, vgl. oben E. 5.1.4). Ge- mäss seinen Aussagen war er von (...) bis zur Ausreise, demnach 15 oder 16 Jahre lang im Nationaldienst. Dass er aus dem Dienst desertiert ist, erscheint, wie vorgängig ausgeführt, nicht glaubhaft. Vielmehr ist nach dem oben Gesagten davon auszugehen, dass er regulär aus dem Dienst entlassen wurde. Nach dem oben Gesagten ist folglich nicht damit zu rech- nen, dass er bei einer Rückkehr nach Eritrea wegen Missachtung seiner Dienstpflicht inhaftiert oder wieder in den Nationaldienst eingezogen würde (vgl. a.a.O. E. 13.3). 7.2.5 Demnach ist nicht davon au szugehen, der Beschwerdeführer wäre für den Fall einer Ausschaffung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus- gesetzt. 7.2.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich als zulässig. 7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1 In diesem Zusammenhang wird im erwähnten Referenzurteil D-2311/2016 (vgl. E. 15 und 16) die generelle politische und wirtschaftliche Situation in Eritrea beleuchtet. Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen ist der Schluss zu ziehen, dass in Eritrea weiterhin nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise ei- ner generellen Unzumutbarkeit des Wegweisun gsvollzugs nach Eritrea ausgegangen werden kann. Aus den im Gesetz genannten Gefährdungs- situationen ergibt sich, dass nicht beliebige Nachteile oder Schwierigkeiten die Annahme einer konkreten Gefährdung im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG E-867/2016 Seite 17 rechtfertigen, sondern ausschliesslich Gefahren für Leib und Leben. Eine konkrete Gefährdung liegt folglich im Allgemeinen nicht schon deshalb vor, weil die wirtschaftliche Situation und damit die allgemeinen Lebensbedin- gungen im Heimatstaat schwierig sind und dort beispielsweise Wohnungs- not oder hohe Arbeitslosigkeit herrschen (vgl. BVGE 2014/26, E. 7.6). 7.3.2 Seit der Lagebeurteilung in EMARK 2005 Nr. 12, in welchem Urteil die humanitäre Situation in Eritrea in der Folge der jahrzehntelangen krie- gerischen Auseinandersetzungen, den damit zusammenhängenden inter- nen Vertreibungen und Neuansiedlungen sowie einer langjährigen Dürre als desolat beschrieben wurde, haben sich die Lebensbedingungen in ei- nigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwierig. D ie medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit vielen Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevölkerung profitiert. Auch die Situation in Bezug auf die anhaltende Überwachung der Bevölkerung vermag nicht zur Unzumutbarkeit des Weg- weisungsvollzugs zu führen. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz- bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bleibt im Einzelfall zu prüfen. 7.3.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich gemäss seinen Angaben um einen gesunden Mann. Besondere Umstände, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden müsste, ergeben sich aus den Akten nicht, zumal er in Eritrea bei seiner Rückkehr – namentlich mit seinen Eltern – ein familiäres Beziehungsnetz vorfinden wird, das ihn bei der Rein- tegration unterstützen kann. 7.3.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit auch als zumutbar. 7.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass zwar derzeit zwangsweise Rückführungen nach Eritrea nicht durchführbar sind. Die nach wie vor be- stehende Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinn von Art. 83 Abs. 2 AuG entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführe r, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rück- kehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG E-867/2016 Seite 18 und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegwei- sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Beschwerde ge- stellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wurde jedoch mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2016 gutgeheissen, wes- halb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 9.2 Mit g leicher Zwischenverfügung wurde dem Beschwerdeführer die amtliche Rechtvertretung bewilligt. In der mit der Replik eingereichten Kos- tennote wird ein zeitlicher Vertretungsaufwand von mehr als 14 Honorar- stunden ausgewiesen (davon fast 10 Stunden allein für das Erstellen der Beschwerde), was den konkreten Verfahrensumständen nicht angemes- sen erscheint. Unter Reduktion des zeitlichen Aufwands auf 12 Stunden sowie Anwendung des praxisgemässen Stundenansatzes von maximal 150 Franken (bei nicht -anwaltlicher Verbeiständung) ist das Honorar auf insgesamt Fr. 1960.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteueranteil) fest- zulegen. (Dispositiv nächste Seite) E-867/2016 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand wird vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von Fr. 1960.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Markus König Eveline Chastonay