200 17 105 IV SCJ/BOC/ARJ Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 1. Mai 2017 Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Ackermann Gerichtsschreiberin Bossert A.________ vertreten durch B.________ Beschwerdeführer gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 22. Dezember 2016 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 2 Sachverhalt: A. Der 1971 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherter bzw. Be- schwerdeführer) meldete sich am 15. März 2016 aufgrund eines seit 2011 bestehenden Nierenleidens bei der Invalidenversicherung zum Leistungs- bezug an (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Beschwerde- gegnerin], Antwortbeilage [AB] 1). Die IVB nahm in der Folge erwerbliche sowie medizinische Abklärungen vor (AB 6 f., 12, 14, 19) und holte eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein (AB 13, 16). Daraufhin stellte die IVB mit Vorbescheid vom 6. September 2016 (AB 21) bei einem Invaliditätsgrad von 20 % die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht. Die beruflichen Massnahmen schloss sie nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 31. Oktober 2016 ab (AB 24, 35). Nachdem der Versicherte, vertreten durch B.________, gegen den Ren- tenvorbescheid Einwände erhoben hatte (AB 26 f., 30, 32, 34), erfolgte am 10. November 2016 eine Untersuchung durch die RAD-Ärztin Dr. med. C.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin (Stellungnahme und Untersuchungsbericht je vom 14. Dezember 2016 [AB 43 f.]). Daraufhin verneinte die IVB mit Verfügung vom 22. Dezember 2016 (AB 45) bei ei- nem Invaliditätsgrad von 20 % den Anspruch auf eine Invalidenrente. B. Dagegen erhob der Versicherte, weiterhin vertreten durch B.________, am 1. Februar 2017 Beschwerde. Er beantragt, unter Aufhebung der angefoch- tenen Verfügung sei ihm eine halbe Rente zu gewähren, eventualiter sei ein externes Gutachten gemäss Art. 44 ATSG in Auftrag zu geben, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Mit Beschwerdeantwort vom 6. März 2017 beantragt die Beschwerdegeg- nerin die Abweisung der Beschwerde. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 3 Am 14. März 2017 reichte der Beschwerdeführer die verlangte Kostennote der Rechtsvertretung und am 28. März 2017 eine Stellungnahme zur Be- schwerdeantwort ein. Letztere wurde der Beschwerdegegnerin mit prozess- leitender Verfügung vom 3. April 2017 zur Kenntnisnahme zugestellt. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Angefochten ist die Verfügung vom 22. Dezember 2016 (AB 45). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 4 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs- unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor- liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun- fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind- bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 2.2Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz- lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 5 und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen- dung des 18. Altersjahres folgt. 2.3Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi- nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa- tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). 2.4Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärzt- liches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichba- ren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165 E. 3.3.2). Soll allerdings ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 6 lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel- lungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Das Gericht wird entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versi- cherungsträger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 142 V 58 E. 5.1 S. 65, 135 V 465 E. 4.4 S. 470 und E. 4.6 S. 471, 122 V 157 E. 1d S. 162). 2.5Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge- ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1). 3. Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen: 3.1Im Bericht des Spitals D.________ vom 12. April 2013 (AB 12) dia- gnostizierten die behandelnden Ärzte eine chronische Nierenerkrankung St. 3a (G3a A2). Sie hielten fest, der Beschwerdeführer berichte über eine störende Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsintoleranz (vorwie- gend bei körperlicher Anstrengung wie arbeitsintensiven Tagen im Beruf, während des Kraft- und Ausdauersports), welche nach Ausschluss behan- delbarer Ursachen auf die eingeschränkte Nierenfunktion zurückgeführt werden könne. Tatsächlich seien Systemanamnese sowie Serumwerte von TSH, Ferritin und Vitaminen unauffällig gewesen. 3.2Dr. med. E.________, Fachärztin für Nephrologie und Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 17. Juni 2015 (AB 7/16 f.) die folgen- den Diagnosen auf:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 7 1. Chronische Nierenerkrankung Stadium G3bA3 nach KDIGO im Rahmen einer IgA-Nephropathie mit fokal segmentaler Glomerulosklerose (FSGS) 2. Arterielle Hypertonie, am ehesten sekundärer Genese im Rahmen der Diagno- se 1 3. Chronisch venöse Insuffizienz Stadium I bds. ED 05/2015 4. Rezidivierende Kopfschmerzen 5. Erektile Dysfunktion Die Ärztin hielt fest, die Nierenfunktion bleibe stabil. Die eGFR liege um 31ml/Min./1.73m2 bei leichter Proteinurie von 0.3 g/Tag ohne Hinweise auf ein aktives Sediment. Erfreulicherweise sei der Blutdruck auch sehr gut kontrolliert, denn die gut kontrollierte Proteinurie und der Blutdruck seien die wichtigsten modifizierbaren Faktoren, welche das renale Outcome günstig beeinflussen könnten. Eine renale Anämie oder ein sekundärer Hyperparathyreodismus seien nicht objektivierbar. Aufgrund der vom Be- schwerdeführer geklagten Müdigkeit und wiederholten Abwesenheit vom Arbeitsplatz werde die Abklärung eines Schlaf-Apnoe-Syndroms empfoh- len. Bevor wirklich gesagt werden könne, dass die Müdigkeit von der ein- geschränkten Nierenfunktion herkomme, müsse primär diese Entität ausgeschlossen werden können. Eine latente Depression sei ebenfalls differentialdiagnostisch in Betracht zu ziehen. Sollten die Müdigkeit und/oder die Leistungsintoleranz persistieren, wäre eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf 80 % sinnvoll, gegebenenfalls müssten arbeitsmedizi- nische Abklärungen eingeleitet werden. Zudem gab Dr. med. E.________ im Bericht vom 19. Dezember 2015 (AB 7/10 f.) an, aufgrund der zunehmenden Leistungsintoleranz und längerer Erholungsbedürftigkeit am Arbeitsplatz sei der Beschwerdeführer aktuell zu 60 % arbeitsfähig, d.h. er arbeite drei Mal pro Woche 3.3Die RAD-Ärztin Dr. med. C.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte am 24. Mai 2016 (AB 16) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine IgA-Nephropathie mit fokaler segmentaler Glomerulosklerose und mesangialer Proliferation, mit chronischer Nierenin- suffizienz Stadium 3a nach KDIGO bei seit 2011 weitgehend stabiler Nie- renfunktion mit GFR-Werten um zirka 30 – 35 ml/min/1.73m 2 (die Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei höchstens gering). Die RAD-Ärztin gab an, der Beschwerdeführer leide seit 2011 an einer Nierenerkrankung, Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 8 welche sich seither nicht relevant verschlechtert habe, auch wenn es kleine Schwankungen in den Werten gebe. Nur kurzzeitige akute Verschlechte- rungen im Rahmen von Infektionen seien aufgetreten, so im Januar 2015 und erneut im März 2016. Da sei der Beschwerdeführer für kurze Zeit zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Daneben werde auch eine Arbeitsunfähig- keit von aktuell 50 % attestiert, die – bei seit 2011 praktisch stabilen Nie- renwerten – nicht wirklich nachvollziehbar sei. Andererseits sei bekannt, dass manchmal bei schlechten Nierenwerten über Müdigkeit geklagt und dann eine Arbeitsunfähigkeit attestiert werde. Allerdings sei eine 50 %-ige Arbeitsunfähigkeit erst im Rahmen einer Blutdialyse üblich. Wenn dann über Müdigkeit geklagt werde, sei allerdings auch nicht logisch, dass … möglich sei, und dass ganze Tage gearbeitet werden könne, aber dann wiederum Tage zur „Erholung“ eingesetzt würden. Gerade dieses Setting spreche viel mehr dafür, dass mit drei Mal einem ganzen Tag Arbeit bzw. … einerseits den Bedürfnissen des Arbeitgebers, andererseits dem langen Arbeitsweg Rechnung getragen worden sei. Dafür spreche auch, dass 2013, als der Arbeitsplatzwechsel bevor gestanden habe, erstmals über vermehrte Müdigkeit geklagt worden (siehe Bericht von 2013) und gleich- zeitig ein Zwischenzeugnis verlangt worden sei. Noch sei aber zu 100 % weiter gearbeitet worden im neuen Setting, hingegen werde im Juni 2015 erstmals von einzelnen Tagen berichtet, an denen der Beschwerdeführer nicht arbeite, was aber auf Überstunden und Ferien gehe. Im Dezember 2015 habe er dann angegeben, er arbeite 60 %, nämlich an nur drei Tagen die Woche, was jedoch im Arbeitgeberbericht nicht erscheine, denn dort werde erst ab März 2016 eine Reduktion der Arbeitszeit angegeben, und zwar auf 50 %, wobei laut Arztberichten gerade im März 2016 die akute vorübergehende Verschlechterung aufgrund eines viralen Infektes erfolgt sei. Bei dieser Konstellation könne den Angaben zur Arbeitsunfähigkeit in den Arztberichten nicht gefolgt werden. Insbesondere spreche gegen eine erhebliche Verschlechterung der Verlauf der Nierenwerte, die seit der Dia- gnosestellung kaum verändert seien. Eine geringe Einschränkung durch etwas mehr Pausenbedarf, also vielleicht im Rahmen von 10 – 20 % (das entspreche bereits ¾ bis 1 ½ Stunden am Tag für Pausen), seien allenfalls im Rahmen eines Ermessens möglich. Eine Einschränkung um 50 % bei einer noch durchaus genügenden Nierenfunktion aber lasse sich nicht me- dizinisch begründen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 9 3.4Dr. med. E.________ führte im Bericht vom 13. September 2016 (Akten des Beschwerdeführers, Beschwerdebeilage [BB] 4) aus, das The- ma der Leistungsintoleranz, Müdigkeit und raschen Erschöpfbarkeit sei schon rasch nach der Diagnosestellung die regelmässige Problematik der nephrologischen Kontrollen gewesen und nicht erst seit 2015 aufgetreten. Der Beschwerdeführer habe früh Kontakt mit seinem Arbeitgeber gesucht, um die möglichen Entlastungen ohne Arbeitszeiteinbusse zu erreichen. Somit sei die Aussage nicht richtig, dass wegen der seit Jahren stabilen Nierenfunktion diese Symptomatik nicht durch die eingeschränkte Nieren- funktion erklärt werden könne. Es sei eher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer alles Mögliche unternommen habe, um die gleiche Leis- tung – trotz eingeschränkter Nierenfunktion – zu erbringen, aber wahr- scheinlich seit 2015 die körperlichen Ressourcen nicht mehr reichten und somit eine weitere physische Dekompensation in Kauf genommen werden müsse. Weiter liege die eGFR (= geschätzte Kreatininclearance, Ausmass der Nierenfunktion) bei zirka 30 – 35 ml/min/1.73m 2 (die Schwankungen seien durch den schwankenden Hydrationszustand des Beschwerdeführers erklärbar). Eine derart eingeschränkte Nierenfunktion bedeute, dass die Nieren verschiedene Funktionen nicht mehr vollständig ausüben könnten. Somit sei die Blutdruckregulation schon seit längerer Zeit gestört im Sinne von erhöhten Blutdruckwerten, weshalb der Beschwerdeführer regelmässig Blutdruckmittel nehmen müsse. Neben der gestörten Blutdruckregulation sei die Entgiftungsfunktion der Niere ebenfalls eingeschränkt. Somit müsse angenommen werden, dass beim Beschwerdeführer die Akkumulation die- ser Toxine zur Leistungsintoleranz, Müdigkeit und raschen Erschöpfbarkeit mit verlängertem Erholungsbedarf führen könne. Die eingeschränkten Nie- renreserven zeigten sich besonders eindrücklich anlässlich der viralen In- fekte, welche jeweils zu einer noch stärkeren Nierenfunktionseinschrän- kung führten und die Nierenfunktion sich nur langsam erhole. 3.5Der Hausarzt Dr. med. F.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt im Bericht vom 21. Oktober 2016 (AB 34/3 f.) fest, der Be- schwerdeführer gebe eine Leistungsintoleranz und permanente starke Mü- digkeit an. Dies lasse sich klinisch nicht objektiveren und nicht klar messen. Als objektive Befunde lägen einzig leichte Unterschenkelödeme und die Nierenfunktionseinschränkung vor. Die geklagten Beschwerden seien Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 10 glaubhaft und mit der bekannten Grunderkrankung vereinbar. Sie liessen sich jedoch nicht durch objektive Untersuchungen beweisen. In der ange- stammten Tätigkeit als … sei der Beschwerdeführer momentan mit einem Arbeitspensum von 50 % an seiner Leistungsgrenze. 3.6Am 10. November 2016 untersuchte die RAD-Ärztin Dr. med. C.________ den Beschwerdeführer und stellte im entsprechenden Unter- suchungsbericht vom 14. Dezember 2016 (AB 44) die folgenden Diagno- sen: Chronische Nierenerkrankung Stadium G3bA3 nach KDIGO im Rahmen einer IgA-Nephropathie mit fokal segmentaler Glomerulosklerose (FSGS) Chronisch venöse Insuffizienz Stadium I Rezidivierende Kopfschmerzen Erektile Dysfunktion Die RAD-Ärztin hielt fest (AB 44/6 f.), rein zeitlich sei nicht nachvollziehbar, warum der Beschwerdeführer, der nun anamnestisch seit 2011 und nach- weislich seit 2013 ungefähr die gleichen Werte bezüglich Nierenfunktion aufweise, plötzlich 2015 oder 2016 einen solchen Leistungsknick haben sollte. Der Verlauf der Erkrankung sei stabil und die Angabe von Müdigkeit und Schlappheit im Verlauf habe keine Parallelität zum effektiven Gesund- heitszustand. Auch lasse sich aus den aktuellen Nierenwerten keine starke Müdigkeit begründen, weder aus der Nierenfunktion selbst noch aus der Hämatologie. Die Hämaturie (ganze Erythrocysten) sei möglicherweise nicht allein durch die Nierenstörung bedingt, hier könnte eine zusätzliche Abklärung sinnvoll sein. Obwohl weder ein Eiweissmangel im Blut noch eine relevante Anämie bestehe, könne aufgrund der Hämaturie und der Proteinurie allenfalls von einer leichten Einschränkung der Leistungsfähig- keit ausgegangen werden. Belegen lasse sich das nicht. Eine Einschrän- kung von 20 % könne postuliert werden, allerdings im Bewusstsein, dass dies eine Schätzung sei, die sich nicht auf harte Fakten stützen könne. Noch weniger allerdings könne sich eine Einschränkung von 50 % auf harte Fakten stützen, auch wenn eine solche von der Nephrologin postuliert wer- de. In den jetzt neu eingereichten Akten mache die Nephrologin keine Ar- beitsunfähigkeit geltend. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 11 3.7In der nach der Untersuchung vom 10. November 2016 zu Handen des Fallmanagements verfassten Stellungnahme vom 14. Dezember 2016 (AB 43) gab die RAD-Ärztin Dr. med. C.________ an, die Nierenfunktion sei seit 2012 stabil, einzelne Werte seien damals sogar ganz leicht schlech- ter gewesen als jetzt, vor allem zu Beginn, unter Behandlung hätten sie dann ganz leicht gebessert. Eine Verschlechterung sei also im Verlauf nicht nachweisbar, seit die Niereninsuffizienz bekannt sei. Zu Beginn, mit sogar ganz leicht schlechteren Nierenwerten, sei der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben oft ins Fitnesscenter gegangen und habe viel Sport ge- macht. Er habe sich damals mit den gleichen Werten keineswegs über Mü- digkeit beklagt. Die Nephrologin schreibe, sie habe dem Hausarzt wegen Müdigkeit eine allfällige Schlafapnoe-Abklärung empfohlen. Daraus könnte man schliessen, dass sie die beklagte Müdigkeit nicht (oder jedenfalls nicht voll) auf das Nierenleiden zurückführe. Sie mache das in ihrem Bericht vom 28. November 2016 auch nicht geltend. Nur Dr. med. F.________, der Hausarzt, mache eine Arbeitsunfähigkeit geltend. Die schlafmedizinische Abklärung habe stattgefunden (gemäss Angaben im Bericht des Anwalts vom 7. Oktober 2016; daraus leite sich so gut wie nie eine Invalidität ab, sondern nur eventuell eine Behandlung). Da auch noch keineswegs eine Transplantation notwendig sei, könne auch nicht von einer relevanten psy- chischen Beeinträchtigung aus einem solchen Grund ausgegangen wer- den. Es liege keine Störung vor, aus welcher eine relevante, die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigende Arbeitsunfähigkeit abzuleiten wäre. Müdigkeit sei ein subjektives Leiden. Je nach Interpretation lasse das Gericht in solchen Fällen eine Anerkennung einer geringen Arbeitsunfähig- keit zu. Diese würde jedoch nicht über 20 % Arbeitsunfähigkeit hinausge- hen. Aufgrund der vorliegenden Akten und Resultate sei auch keine Ursache ersichtlich, um eine Arbeitsunfähigkeit von bis zu 20 % wegen subjektiver Müdigkeit anzunehmen. 4. 4.1Aufgrund der ab August 2015 erstmals attestierten ununterbroche- nen Arbeitsunfähigkeit (AB 7/4) sowie der im März 2016 erfolgten Anmel- dung bei der Beschwerdegegnerin (AB 1) ist ein Rentenanspruch des Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 12 Beschwerdeführers frühestens ab September 2016 zu prüfen (vgl. E. 2.2 hiervor). 4.2Die Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Aktenbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. C.________ vom 24. Mai 2016 (AB 16) sowie die aufgrund einer persönli- chen Untersuchung abgefasste erneute Beurteilung von Dr. med. C.________ vom 14. Dezember 2016 (AB 43 f.). Bei dieser Sachlage ist zu berücksichtigen, dass an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen sind, falls ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut- achtens erledigt werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. E. 2.4 hiervor). 4.3Es ist unbestritten, dass beim Beschwerdeführer im Jahr 2011 die bioptisch gesicherte Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung gestellt wurde (AB 12/3). Weiter ist aufgrund der wiederholten Laboruntersuchun- gen davon auszugehen, dass die Nierenfunktion seither einigermassen stabil ist. Die behandelnde Nephrologin Dr. med. E.________ hat im Be- richt vom 17. Juni 2015 (AB 7/16 f.) eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit auf 80 % als sinnvoll bezeichnet, sollten die Müdigkeit und/oder die Leistungs- intoleranz des Beschwerdeführers anhalten. Am 19. Dezember 2015 hat dann die gleiche Ärztin ausgeführt, der Beschwerdeführer sei aufgrund der zunehmenden Leistungsintoleranz und längeren Erholungsbedürftigkeit aktuell zu 60 % arbeitsfähig (AB 7/10). Die Auffassung der RAD-Ärztin Dr. med. C.________ hat einiges für sich, wonach nicht nachvollziehbar sei, weshalb sich die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers im Verlauf des Jahres 2015 plötzlich massiv ver- schlechtert haben soll, obwohl die Nierenwerte praktisch unverändert ge- blieben sind (vgl. AB 44/6). Auch ihre Erklärung, dass dies mit dem Arbeitsplatzwechsel von … nach … und entsprechend längerem Arbeits- weg seit 2013 (vgl. AB 12/3 und Beschwerde S. 3 lit. B./I./lit. a) zusammen- hängen könne (vgl. AB 16/4), ist nicht von der Hand zu weisen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 13 Andererseits hat die behandelnde Ärztin Dr. med. E.________ im Bericht vom 13. September 2016 (BB 4) ebenfalls nachvollziehbar dargelegt, dass und weshalb der Beschwerdeführer vorerst die gleiche Leistung trotz der eingeschränkten Nierenfunktion zu erbringen versucht habe, aber seit 2015 die körperlichen Ressourcen nicht mehr ausgereicht hätten. Weiter hat sie ausgeführt, dass beim Beschwerdeführer eine stark eingeschränkte Nieren- funktion vorliege, welche zur Folge habe, dass die Nieren verschiedene Funktionen nicht mehr vollständig ausüben könnten. Sodann sei die Blut- druckregulation schon seit längerer Zeit gestört. Die Entgiftungsfunktion der Nieren sei ebenfalls eingeschränkt. Es müsse angenommen werden, dass beim Beschwerdeführer die Akkumulation dieser Toxine zur Leistungsinto- leranz, Müdigkeit und raschen Erschöpfbarkeit mit verlängertem Erho- lungsbedarf führen könne. 4.4 4.4.1Damit medizinische Berichte beweiskräftig sind, müssen sie unter anderem in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden sein (vgl. E. 2.3 hiervor). Der Bericht von Dr. med. E.________ vom 13. September 2016 (BB 4) stand der RAD-Ärztin Dr. med. C.________ bei ihrer Beurteilung vom 14. Dezember 2016 (AB 43 f.) nicht zur Verfügung, es ist fraglich, ob er bei der Beschwerdegegnerin überhaupt eingelangt ist. Mit Eingabe des Beschwerdeführers vom 24. Oktober 2016 (AB 34/1) wird auf eine Stel- lungnahme von Dr. med. E.________ vom 12. Oktober 2016 hingewiesen, welche die Beschwerdegegnerin direkt erhalten habe. Ein Bericht mit die- sem Datum ist indessen nicht aktenkundig bzw. Dr. med. C.________ hielt am 14. Dezember 2016 (AB 44/7) fest, der Bericht von Dr. med. E.________ vom 12. Oktober 2016, der vom Anwalt erwähnt worden sei, sei bei den am 28. November 2016 eingereichten Akten nicht dabei gewe- sen; es könne jedoch darauf verzichtet werden, da bei der Untersuchung im RAD Labor-Untersuchungen vorgenommen worden seien und der Be- schwerdeführer auch sonst untersucht worden sei. Die von Dr. med. E.________ als Beilage zum Schreiben vom 28. November 2016 einge- reichten Unterlagen (AB 42) betreffen alte Berichte aus dem Jahr 2012 sowie die Ergebnisse der kardiologischen Abklärung vom 14. September 2016. Wahrscheinlich handelt es sich beim Bericht vom 12. Oktober 2016 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 14 um die mit der Beschwerde eingereichte Stellungnahme vom 13. Septem- ber 2016 (BB 4), welche ebenfalls nicht aktenkundig war. Der Bericht von Dr. med. E.________ vom 13. September 2016 (BB 4) weckt zumindest gewisse Zweifel an der Beurteilung der – fachfremden – RAD-Ärztin Dr. med. C.________; gleichzeitig steht damit auch fest, dass die Beurteilung von Dr. med. C.________ vom 14. Dezember 2016 (AB 43 f.) nicht in Kenntnis sämtlicher Unterlagen erfolgte. Die Beschwerdegegne- rin hat darauf verzichtet, im Rahmen der Beschwerdeantwort zum Bericht von Dr. med. E.________ vom 13. September 2016 nachträglich Stellung zu nehmen. 4.4.2Hinzu kommt, dass sich auch die Arbeitgeberin des Beschwerdefüh- rers zu dessen Arbeits- und Leistungsfähigkeit mit Stellungnahme vom 28. Juli 2016 geäussert hat (AB 19). Darin gab sie an, der Beschwerdefüh- rer arbeite seit August 1992 als ... in der ... der G.________. Er werde als langjähriger, pflichtbewusster und engagierter Mitarbeiter geschätzt. Im Jahr 2011 sei beim Beschwerdeführer eine chronische Nierenerkrankung diagnostiziert worden, die seine Leistungsfähigkeit ab September 2015 massiv verschlechtert habe. Aufgrund der Symptome seiner Erkrankung seien bezüglich der Arbeitsstelle die nachfolgenden Anpassungen dringend erforderlich gewesen: Bedienung der … mit Sitzmöglichkeit bei Bedarf, vermehrte Pausen und Anpassung der Arbeitspensums zu 50 %, die an drei Tagen mit acht Stunden Präsenzzeit geleistet werden könnten. Die Festlegung eines 50 %-Pensums sei nach einem Arbeitsversuch in Ab- sprache mit den behandelnden Ärzten zu einem 60 %-Pensum erfolgt, wel- ches den Beschwerdeführer aber überfordert habe und er die erforderten Leistungen nicht mehr habe erbringen können. Die Einschätzung einer 80 %-igen Arbeitsfähigkeit sei aus Sicht des Vorgesetzten nicht nachvoll- ziehbar. 4.4.3Da die eben erwähnte Stellungnahme von Seiten der Arbeitgeberin die durch den Bericht von Dr. med. E.________ vom 13. September 2016 (BB 4) an der RAD-ärztlichen Einschätzung geweckten Zweifel (vgl. E. 4.4.1 hiervor) unterstreicht, kann der Versicherungsfall nicht ohne Einho- lung eines externen Gutachtens entschieden werden.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 15 4.5Sodann ist unklar, ob die von Dr. med. E.________ am 17. Juni 2015 (AB 7/16 f.) empfohlene Abklärung eines Schlaf-Apnoe-Syndroms stattgefunden hat; mit Bericht vom 28. November 2016 weist Dr. med. E.________ darauf hin, sie selber habe keine schlafmedizinischen Ab- klärungen veranlasst. Dies habe sie dem Hausarzt empfohlen; es sei ihr nicht bekannt, ob die entsprechenden Abklärungen bereits erfolgt seien (AB 32/1). Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers hielt zwar mit Ein- gabe vom 7. Oktober 2016 (AB 32) fest, der Beschwerdeführer sei offenbar durch das Spital H.________ kardiologisch und schlafmedizinisch abgeklärt worden, entsprechende Unterlagen finden sich in den Akten jedoch nicht und Dr. med. F.________ erwähnt im Bericht vom 21. Oktober 2016 (AB 34/3 f.) nur die kardiologische Abklärung. Es besteht deshalb auch in dieser Beziehung Klärungsbedarf, um beurteilen zu können, ob die vom Be- schwerdeführer geklagte Müdigkeit auf die Nierenerkrankung zurückzu- führen ist oder ob sie andere Gründe hat. Dies umso mehr, als auch die RAD-Ärztin im Untersuchungsbericht vom 14. Dezember 2016 anhand der Urinwerte des Beschwerdeführers in Betracht zog, dass eine Blutungsquel- le ausserhalb der Niere die Ursache für die Müdigkeit sein könnte, und wei- tere Abklärungen für sinnvoll erachtete (AB 44/6 f.). Weiter liegt auch kein Bericht über die im Oktober 2016 aufgenommene psychiatrische Behandlung bei Frau Dr. I.________, Spital J.________, vor (AB 34/5). 4.6Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung gutzuheissen und die Sache an die Beschwer- degegnerin zurückzuweisen zwecks Einholung eines externen Gutachtens und neuer Verfügung über den Leistungsanspruch. 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 16 Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 800.-- ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechts- kraft des Urteils zurückzuerstatten. 5.2Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge- setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit- sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Mit Kostennote vom 14. März 2017 machen B.________ ein Honorar von Fr. 2‘412.50 (9.65 h à Fr. 250.--) zuzüglich Auslagen bzw. Spesen (von 3 %) im Betrag von Fr. 72.40 und Mehrwertsteuer von Fr. 198.80 (8 % von Fr. 2’484.90), total Fr. 2‘683.70, geltend, was nicht zu beanstanden ist. Un- ter Berücksichtigung der zusätzlichen Eingabe vom 28. März 2017 ist die Parteientschädigung pauschal auf Fr. 3‘000.-- (inkl. Auslagen und MWSt.) festzusetzen; diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwer- deführer zu ersetzen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 22. Dezember 2016 aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kos- tenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihm nach Rechtskraft des Urteils zurückerstattet.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Mai 2017, IV/17/105, Seite 17 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 3‘000.-- (inkl. Auslagen und MWSt.), zu er- setzen. 4. Zu eröffnen (R): - B.________ z.H. des Beschwerdeführers - IV-Stelle Bern - K.________ - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.