B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-4826/2017 U r t e i l v o m 9 . N o v e m b e r 2 0 1 7 Besetzung Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner; Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. Parteien A._______, geboren am (…), Iran, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 18. August 2017 / N (…). E-4826/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess den Iran gemäss eigenen Angaben am 23. August 2015. Am 9. Juni 2017 suchte er in der Schweiz um Asyl nach. Gleichentags teilte ihm die Vorinstanz mit , er sei per Zufallsprinzip dem Verfahrenszentrum Zürich und damit dem Testbetrieb zugewiesen worden. Am 16. Juni 2017 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum Zürich zur Person befragt (BzP). Am 13. Juli 2017 und am 3. August 2017 hörte ihn die Vorinstanz im Beisein seiner Rechtsvertreterin zu den Asylgründen an. A.b In den Anhörungen machte der Beschwerdeführer im Wesen tlichen geltend, er sei ethnischer Kurde aus B._______, Region C._______. Er habe drei Jahre nach dem Abschluss des Gymnasiums durch den ehema- ligen Schulkollegen D._______ von der Komala -Partei erfahren. Diese Partei habe sein Interesse geweckt. E._______, e in Verwandter von D._______ und langjähriges Mitglied der Komala -Partei, habe ihm und D._______ Weisungen für das Verteilen von Propagandamaterial erteilt. Zweimal monatlich hätten D._______ und er Plakate an Wände geklebt und Parolen darauf geschrieben. Mitte August 2015 habe ihm die Schwes- ter von D._______ von dessen Verhaftung berichtet. Umgehend habe er die SIM-Karte zerstört, sein Telefon ausgeschaltet und sich fortan bei ei- nem Kollegen versteckt. Er habe Angst gehabt, D._______ könnte seinen Namen gegenüber den Behörden bekannt geben. Am folgenden Tag habe er erfahren, dass der iranische Sicherheitsdienst bei ihm zu Hause erschie- nen sei. Dieser habe nicht nur sämtliche Telefone beschlagnahmt und ver- nichtet, sondern auch den Festnetzanschluss unterbunden. Sodann sei der Vater an seiner Stelle abgeführt, verhört und misshandelt worden. Der Va- ter sei freigelassen worden, als der Sicherheitsdienst von seinem Ausland- aufenthalt erfahren habe. Nach längeren Aufenthalten in der Türkei und in Griechenland – er sei in Griechenland mehrere Monate in einem Gefängnis festgehalten worden –, sei er über Italien in die Schweiz gelangt. Nach der Ankunft habe er mit der hier ansässigen Sektion der Komala-Partei Kontakt aufgenommen und an einer Gedenkfeier für getötete beziehungsweise ver- haftete und gefolterte Parteiangehörigen teilgenommen. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer – jeweils im Original – seine Shenasnameh (iranische Personenstandsurkunde) sowie seine Karte Melli (iranische nationale Identitätskarte) und die Kopie eines Schreibens der Partei vom 14. Oktober 2016 sowie mehrere Fotos sein exilpolitisches En- gagement betreffend ein. E-4826/2017 Seite 3 A.c Nachdem die Vorinstanz am 16. August 2017 den Entscheidentwurf dem Beschwerdeführer zur Stellungnahme unterbreitet hatte, antworte die- ser mit Schreiben vom 17. August 2017. Seine Aussagen zu seiner Propa- gandatätigkeit seien nicht allzu detailliert ausgefallen, weil er nicht bei de- ren Planung dabei gewesen sei. Es sei D._______ gewesen, der die Wei- sungen von E._______ erhalten habe. Betreffend die Beschlagnahmung des Telefons würde die Familie gerne eine Bestätigung verfassen, indes getraue sie sich aufgrund des Erlebten nicht. B. Mit Verfügung vom 18. August 2017 stellt e die Vorinstanz fest, der Be- schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge- such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den zuständigen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung. C. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers legte gleichentags ihr Man- dat nieder. D. Mit Eingabe vom 26. August 2017 reichte der Beschwerdeführer beim Bun- desverwaltungsgericht Beschwerde ein. Er beantragt e, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen beziehungsweise die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung festzustellen und er in der Schweiz vorläu- fig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur richtigen und vollstän- digen Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die un- entgeltliche Prozessführung zu gewähren. Mit der Eingabe reichte er Kopien der Bestätigung der Komala-Partei vom 22. August 2017 und zweier Auskünfte der Schweizerischen Flüchtlings- hilfe (SFH, Iran: Illegale Ausreise/Situation von Mitgliedern der PDKI/Poli- tische Aktivitäten im Exil, 16.11.2010; Iran: Behandlung von abgewiesenen Asylsuchenden, 18.08.2011) ein. E. Mit Zwischenverfügung vom 30. August 2017 verzichtete die Instruktions- richterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. E-4826/2017 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei- lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie- gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.2 Aufgrund der Zuweisung des Beschwerdeführers in die Testphase des Verfahrenszentrums in Zürich kommt die Verordnung vom 4. November 2013 über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungs- massnahmen im Asylbereich (TestV, SR 142.318.1) zur Anwendung (Art. 1 und Art. 4 Abs. 1 TestV). 1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh- rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge- reichte Beschwerde (Art. 12b Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 38 TestV und Art. 52 VwVG) ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Gestützt auf Art. 111 a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Einholung einer Vernehmlassung verzichtet. 4. 4.1 Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zuge- hörigkeit zu einer bestimmten sozi alen Gruppe oder wegen ihrer politi- schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün- dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei- bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg- lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die E-4826/2017 Seite 5 Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hi er verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2). 5. 5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. 5.2 Der Beschwerdeführer habe zu den Umständen der politischen Tätig- keiten (Propagandamaterial verteilen, Plakate anbringen, Wände mit Paro- len besprayen ) allgemeine, ausweichende und ste reotype Angaben ge- macht. Auf Nachfrage hin habe er das Gesagte einsilbig und stereotyp wie- derholt, ohne dabei konkreter zu werden. Den Schilderungen fehle es an Aussagekraft, Bild- und Detailreichtum. Die Angaben liessen nicht auf eine Person schliessen, die derart gefährliche Aktionen durchgeführt habe. Weiter habe der Beschwerdeführer vorgebracht, er sei sich der Gefahren der politischen Tätigkeiten bewusst gewesen, denn viele Aktivisten, darun- ter zwei Nachbarn, seien öffentlich erhängt worden. Angesicht dessen er- staune, dass er praktisch keine Vorsichtsmassnahmen ergriffen habe. Da- rauf angesprochen, habe er ausweichend, distanziert und erlebnisarm ge- antwortet. Einerseits habe er angegeben, nicht damit gerechnet zu haben, dass ihm etwas passiere. Andererseits habe er darauf verwiesen, dass er nachts auf dunklen Plätzen unterwegs gewesen sei und es bei keiner Ak- tion besondere Vorkommnisse gegeben habe. Letzteres sei indes ange- sichts der Anzahl von Aktionen innerhalb des geltend gemachten Zeit- raums kaum glaubhaft. Weiter sei nicht nachvollziehbar, dass er sich weder mit D._______ noch mit E._______ über allfällige Gefahren unterhalten und insbesondere keine Absprachen für den Fall einer Verhaftung getrof- fen habe. Insgesamt entstehe der Eindruck, dass der Beschwerdeführer mit den geschilderten Aktionen nichts zu tun habe. E-4826/2017 Seite 6 Ferner seien die angegebenen behördlichen Massnahmen im Rahmen der Hausdurchsuchung (Beschlagnahmung und Vernichtung von Telefonen; Unterbinden von Festnetzanschlüssen) fragwürdig, weil sie nicht polizeili- cher Logik entsprechen würden. Es sei davon auszugehen, dass die Poli- zei die Telefone abhören würde, um an weitere Informationen zu gelangen. 5.3 Weiter stellte die Vorinstanz fest, die vorgebrachten subjektiven Nach- fluchtgründe hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft ge- mäss Art. 3 AsylG nicht stand. Die blosse Mitgliedschaft bei der Komala- Partei in der Schweiz vermöge nicht zu begründen, dass er im Falle der Rückkehr in den Heimatsta at einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt sei. Den Akten seien keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass die irani- schen Behörden von der Mitgliedschaft Kenntnis genommen oder gestützt darauf Massnahmen zum Nachteil des Beschwerdeführers ergriffen hät- ten. In Bezug auf die mit Fotos dokumentierte Gedenkfeier in der Schweiz sei festzuhalten, dass sich die iranischen Behörden bei der Überwachung von exilpolitischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen auf Personen kon- zentrieren würden, die mit ihren politischen Aktivitäten aus der Masse der regimekritischen iranischen Staatsangehörigen hervortreten und als ernst- hafte Bedrohung für das iranische System erscheinen würden. Massge- bend sei nicht die optische Erkennbarkeit oder Individualisierbarkeit , son- dern die öffentliche Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit des Be- treffenden, der Form des Auftritts und des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erweck t habe, dass die Person eine Gefahr für das politische System des Irans dar stelle. Die Teilnahme des Beschwerdeführers an der Gedenkfeier vermöge keine Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung zu begründen. Den Akten seien keine An- haltspunkte zu entnehmen, dass er sich in qualifizierter Weise exilpolitisch betätigt habe und im Iran behördliche Massnahmen gegen ihn eingeleitet worden wären. Der Beschwerdeführer verfüge somit nicht über ein politi- sches Profil, das ihn bei einer Rückkehr in den Iran einer konkreten Ge- fährdung nach Art. 3 AsylG aussetze. 6. 6.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine unvollständige und unrich- tige Abklärung des Sachverhaltes. Zur Begründung führt er aus, er sei nicht in seiner Muttersprache Kurdisch Shikaki angehört worden. Bei der Befragung zur Person gab der Beschwerdeführer als seine Mutter- sprache Kurdisch an und als weitere, fliessend sprechende und für eine Anhörung genügende Sprachen Kurdisch Shakak und Farsi. Die BzP E-4826/2017 Seite 7 wurde in Farsi und die Anhörung in Badini durchgeführt. Badini ist ein Dia- lekt des Kurmandschi (Nordkurdischen), mithin eine Sprache, die der aus dem Nordwesten Irans stammende Beschwerdeführer angibt zu verste- hen. Entsprechend bestätigte er anlässlich beider Befragungen auf Nach- frage hin, den jeweiligen Dolmetscher gut zu verstehen (Akten SEM A11/7 S. 6, A20/15 S. 1 und 15, A25/18 S. 1 und 18). Insoweit kann demnach auch nicht, wie in der Rechtsmitteleingabe vorgebracht wird, von mangeln- den Sprachkenntnissen und einer damit verbundenen gewissen Wortkarg- heit des Beschwerdefüh rers ausgegangen werden. Gegen L etzteres spricht allein die Tatsache, dass die Anhörung insgesamt elf Stunden dau- erte und die Protokolle 33 Seiten umfassen. Sodann stellte die bei der An- hörungen anwesende Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers anlässlich derselben keine Verständigungsschwierigkeiten fest. Vielmehr wurden auf ihre Anregung hin Bemerkungen zur Gestik des Beschwerdeführers ins Protokoll aufgenommen, womit dessen Befinden beziehungsweise Emoti- onen auch festgehalten wurden (Akten SEM A20/15 S. 9, 13). Insgesamt ergeben sich somit keine Anhaltspunkte für Verständigungsschwierigkei- ten. Die Protokolle können dem vorliegenden Entscheid zugrunde gelegt werden. Die Rüge erweist sich als unzutreffend. 6.2 In der Rechtsmitteleingabe wird weiter sinngemäss geltend gemacht, die Vorinstanz habe den Massstab des Glaubhaftmachens nicht richtig an- gewendet und den Beschwerdeführer zu Unrecht nicht als Flüchtling aner- kannt. Damit verletze sie Bundesrecht. Soweit die Vorinstanz erwägt, das Einziehen und Zerstören der Telefone entspreche nicht der polizeilichen Logik, trifft diese Feststellung nicht zu (vgl. U.S. Department of State, Country Reports on Human Rights Prac- tices for 2016: Iran, S. 9). Weitergehend ist die vorinstanzliche Würdigung in Bezug auf das Glaubhaftmachen nicht zu beanstanden. In der angefoch- tenen Verfügung wird einlässlich und nachvollziehbar dargelegt, aus wel- chen Gründen die Vorbringen des Beschwerdeführers allgemein, auswei- chend, stereotyp, distanziert und erlebnisarm sowie ohne persönlichen Be- zug und damit insgesamt nicht glaubhaft sind. Was in der Beschwerde- schrift dagegen vorgebracht wird, ist nicht geeignet, den vorinstanzlichen Schluss in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Namentlich geht der Beschwerdeführer mit seinen Ausführungen nicht auf die von der Vor - instanz im Einzelnen aufgezeigten Unstimmi gkeiten in seinen Aussagen ein. Auch substantiiert er nicht ansatzweise, inwieweit die Berücksichtigung der forensische Aussagepsychologie, der kurdischen Kultur und des Um- standes, dass die Kurden es als ihre Pflicht erachten , für einen eigenen E-4826/2017 Seite 8 Staat zu kämpfen, zu eine m anderen Schluss geführt hätten. Was das Schreiben der Komola Party of Iranian Kurdistan, Abroad Committee vom 22. August 2017 anbelangt, vermag er auch aus diesem nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Das Schreiben , welches vom Auslandkomitee der Partei stammt, bestätigt lediglich in sehr allgemeiner Weise, dass der Be- schwerdeführer in seinem Heimatland die Ideologie der Partei unter die Leute seiner Gemeinde verbreitet habe. Zudem liegt es lediglich in Kopie vor, mithin kommt ihm ohnehin nur ein geringer Beweiswert zu. Schliesslich vermag der Beschwerdeführer auch mit der eingereichten Foto einer be- schrifteten Wand und dem sinngemässen Festhalten, er habe substantiiert, realistisch und plausibel ausgesagt nicht darzutun, inwiefern die Vorinstanz dem Massstab des Glaubhaftmachens nicht richtig angewendet hat . Sol- ches ist auch nicht ersichtlich. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 6.3 Dem Beschwerdeführer ist es demnach nicht gelungen, eine im Zeit- punkt seiner Ausreise aus dem Iran bestehende oder drohende Gefähr- dung seiner Person nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 7. 7.1 Gemäss Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht- gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Massgebend ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behör- den das Verhalten des Asylsuchenden als staat sfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforde- rungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1; BVGE 2009/28 E. 7.1; Referenzurteil des BVGer D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 3.3). 7.2 Es ist notorisch, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitä- ten ihrer Staatsangehörigen im Ausland überwachen und erfassen. Durch den Einsatz moderner Software dürfte es ihnen möglich sein, die im Inter- net vorhandenen Datenmengen nach Stichworten zu durchsuchen. Dem- zufolge bleibt im Einzelfall zu prüfen, ob die in der Schweiz vorgenomme- nen exilpolitischen Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asylrechtlichen E-4826/2017 Seite 9 Sinn nach sich ziehen würden. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge- richts ist davon auszugehen, dass sich die iranischen Sicherheitsdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über die massentypi- schen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hin- aus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, wel- che die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriede- nen herausstechen und als ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen (BVGE 2009/28 E. 7.4.3). 7.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei auch in der Schweiz Mit- glied der Komala-Partei und insoweit politisch aktiv. Dazu führt er i n der Rechtsmitteleingabe aus, er nehme regelmässig an politischen Veranstal- tungen und Demonstrationen sowie Gedenkfeiern teil und setze sich für die Rechte des kurdischen Volkes ein. Als Beleg für sein exilpolitisches Enga- gement gab er eine Bestätigung der Komola Party of Iranian Kudistan, Ab- road Committee vom 22. August 2017 sowie fünf Fotos zu den Akten. Eine Aufnahme zeigt den Beschwerdeführer vor einem Schriftzug. Auf zwei Auf- nahmen ist er mit einer einzelnen, angeblich prominenten, namentlich aber nicht genannten Person in einem Raum anlässlich einer Gedenkfeier zu erkennen. Auf zwei Gruppenfotos anlässlich einer Gedenkfeier ist er in ei- nem Raum beziehungsweise auf einem Platz zu sehen. Keine der Aufnah- men zeigt den Beschwerdeführer bei einer Kundgebung in der Öffentlich- keit. Insoweit stehen diese Aufnahmen nicht in Einklang mit der allgemei- nen Ausführungen im Bestätigungsschreiben der Partei, won ach der Be- schwerdeführer an allen Demonstrationen und Meetings gegen das Irani- sche Regime teilnehme. Vor diesem Hintergrund kann, entgegen den Aus- führungen in der Beschwerde, d as exilpolitische Engagement des Be- schwerdeführers, wenn überhaupt, nur als sehr gering bewertet werden. Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, er hebe sich von der breiten Masse der exilpolitisch tätigen Iraner ab und müsse bei einer Rück- kehr in den Iran Furcht vor asylrelevanter Verfolgung haben. Soweit er das Interesse an künftigen Teilnahmen an Demonstrationen und Versammlun- gen kurdischer Oppositionsparteien ankündigt, vermag er daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Es liegen keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. 7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weder Fluchtgründe noch subjektive Nachfluchtgründe glaubhaft machen oder nachweisen kann. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. E-4826/2017 Seite 10 8. Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg- weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge- such abweist oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent- haltsbewilligung noch ü ber einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange- ordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmung en über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Bezüglich der Geltendma- chung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bun- desverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.). 9.2 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. Da der Beschwerdefü hrer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu- lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver- fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung o der Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er- geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus- schaffung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge- setzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig. E-4826/2017 Seite 11 9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Die allgemeine Lage im Iran ist weder durch Krieg, Bürgerkrieg noch durch eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet. Sodann sind den Akten keine Hinweise auf individuelle, in der Person des Beschwerdeführers lie- gende Vollzugshindernisse zu entnehmen . Er kann bei der Rückkehr an seinen Heimatort auf ein bestehendes Beziehungsnetz zurückgreifen, wel- ches ihn unterstützen kann. Sodann verfügt er nach eigenen Angaben über einen guten Schulabschluss und hat erste berufliche Erfahrungen im (…). Soweit er im Schreiben vom 17. August 2017 gesundheitliche Abklärungen angekündigt hat, hat er bis heute kein ärztliches Attest eingereicht. Es ist demnach davon auszugehen, dass in gesundheitlicher Hinsicht keine Weg- weisungshindernisse vorliegen. Der Vollzug der Wegweisung ist somit zu- mutbar. 9.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Wegweisungsvollzug als möglich zu bezeichnen. Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen iranischen Vertretung die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). 9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 11. 11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen haben dessen Begehren als aussichtslos zu gelten. Damit ist eine der kumulativ zu erfül- lenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht statt- zugeben ist. 11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 –3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die E-4826/2017 Seite 12 Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-4826/2017 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Barbara Balmelli Thomas Hardegger Versand: