B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-7016/2017 U r t e i l v o m 1 . M ä r z 2 0 1 9 Besetzung Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Barbara Balmelli, Gerichtsschreiberin Natassia Gili. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, c/o (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 3. November 2017 / N (…). E-7016/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer, syrischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie, reiste am 5. September 2015 in die Schweiz ein und ersuchte am 6. Sep- tember 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl. Am 17. September 2015 wurde er im Rahmen der Befragung zur Per- son (BzP) summarisch und am 30. März 2017 eingehend zu den Asylgrün- den angehört. Zur Begründung seines Asylgesuchs mach te der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er stamme aus C._______, Provinz D._______ und habe während acht Jahren die Schule besucht. Im Jahre 1999 habe er E._______ (geb. am […]) geheiratet, mit der er acht gemeinsame Kinder habe. Während insgesamt 15 beziehungsweise 20 Jahren habe er im Li- banon, beziehungsweise in F._______ und G._______, als (…) für die Firma „H._______“ gearbeitet und sei im Besitz einer jeweils halbjährlich gültigen Aufenthaltsbewilligung gewesen. Diese habe er zuletzt im Jahre 2014 erneuern lassen. Während dieser Zeit sei er all drei bis vier Monate nach Syrien zurückgekehrt und dort jeweils zwei bis drei Wochen bei seiner Familie geblieben. Er habe den Libanon beziehungsweise seinen Heimat- staat verlassen müssen, da er aufgrund der Mitgliedschaft seines mittler- weile verstorbenen Bruders in der Fre ien Syrischen Armee (FSA) in den Fokus des syrischen Regimes geraten sei, wegen seiner Herkunft aus D._______ der Mitgliedschaft beim Islamischen Staat (IS) beziehungs- weise als Terrorist verdächtigt worden sei und daher Probleme mit den His- bollah bekommen habe. Sein Haus in D._______ sei vor etwa zwei Jahren durch Bombardierungen zerstört worden. Wegen der Bombardements habe er s eine Familie bereits drei Jahre zuvor von D._______ nach Da- maskus beziehungsweise in einen Vorort von Damaskus gebracht. Im Au- gust 2015 sei er das letzte Mal aus dem Libanon in seinen Heimatstaat zurückgekehrt und von dort in die Schweiz gereist. Als Beweismittel reichte er eine syrische Identitätskarte, einen syrischen Pass, eine Kopie eines Familienbüchleins sowie Bildmaterial betreffend seinen Bruder, der bei der FSA gewesen sein soll, zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 3. November 2017 (Zustelldatum auf Rückschein fehlt, Poststempel 13. November 2017) stellte die Vorinstanz fest, dass der Be- schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, lehnte sein Asylge-E-7016/2017 Seite 3 such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Wegen Unzu- mutbarkeit wurde der Vollzug der Wegweisung aufgeschoben und der Be- schwerdeführer vorläufig in der Schweiz aufgenommen. C. Gegen die vorinstanzliche Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 12. Dezember 2017 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und be- antragte, ihm sei in Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl in der Schweiz zu gewähren. Eventualiter sei in Zuerkennung der Flüchtlingsei- genschaft die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In formeller Hinsicht wurde die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. D. Mit Zwischenverfügung vom 29. Januar 2018 trat das Bundesverwaltungs- gericht auf die Beschwerde ein, ersuchte den Beschwerdeführer um Ein- reichung einer Fürsorgebestätigung und hiess das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gut. Gleichzeitig wurde das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist eingeladen. E. Mit Eingabe vom 12. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Für- sorgebestätigung vom 6. Februar 2018 nach. F. Mit Vernehmlassung vom 13. Februar 2018 hielt die Vorinstanz mit ergän- zenden Bemerkungen vollumfänglich an ihren Erwägungen fest und bean- tragte die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Schreiben vom 14. Februar 2018 wurde dem Beschwerdeführer Gele- genheit zur Einreichung einer Replik gegeben. Unter Beilage dreier Zei- tungsberichte (Tages-Anzeiger vom 1. Februar 2015, Neue Zürcher Zei- tung (NZZ) vom 21. Februar 2017, Tages -Anzeiger vom 16. Mai 2016) reichte der Beschwerdeführer am 28. Februar 2017 eine Replik ein. H. Am 23. März 2018 reiste die Ehefrau des Beschwerdeführers mit den acht gemeinsamen Kindern mittels eines humanitären Visums in die Schweiz ein und ersuchte für sich und die Kinder um Asyl in der Schweiz. E-7016/2017 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgerich t ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi- ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da- her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschw erde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein- schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un- richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozial en Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, de s Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). E-7016/2017 Seite 5 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich a uf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft - machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hie r verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 4. 4.1 Zur Begründung des Asylentscheids führte die Vorinstanz im Wesentli- chen aus, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers aufgrund von er- heblichen Widersprüchen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit i m Sinne von Art. 7 AsylG nicht standhalten würden. In Bezug auf die geltend gemachten Probleme im Libanon wies das SEM darauf hin, dass für die Beurteilung eines Asylgesuchs Verfolgungsmassnahmen unwesentlich seien, die eine asylsuchende Person ausserhalb des Staates, dessen Staatsangehörigkeit sie besitze, erlitten habe. Hinsichtlich der Zeitspannen der Aufenthalte des Beschwerdeführers im Libanon und in Syrien sowie zu den Umständen der Verfolgung durch die syrische Regierung habe er un- vereinbare Angaben gemacht, so dass grundlegende Zweifel an seinen Vorbringen bestünden. So habe er beispielsweise unterschiedliche Ausfüh- rungen zur Dauer seiner beruflichen Tätigkeit als (…) im Libanon gemacht und habe sich zum aktuellen Aufenthaltsort seiner Familie in Syr ien nicht einheitlich geäussert. Auch betreffend des Zeitpunkts seines letzten Auf- enthaltes in seinem Heimatstaat habe er widersprüchliche Zeiträume ge- nannt, wobei insbesondere das Vorbringen, er habe nach dem Tod seines Bruders vor zwei Jahren nicht mehr (legal) nach Syrien reisen können, mit den übrigen Angaben nicht übereinstimmen könne. Das vorgebrachte zent- rale Ereignis, die syrische Regierung habe ihn verfolgt, zuhause nach ihm gesucht und ihn zu entführen versucht, habe er an der BzP und der Anhö- rung unterschiedlich dargestellt beziehungsweise, was die Entführung be- treffe, eine solche an der Anhörung gar nicht mehr erwähnt. Seine Ausfüh- rungen zur Klärung all dieser Diskrepanzen seien zudem wenig überzeu- gend ausgefallen. Insgesamt sei der Wahrheitsgehalt wesentlicher Vorbrin- gen, die er an der Anhörung abweichend von seinen Ausführungen an der E-7016/2017 Seite 6 BzP geschildert habe, beziehungsweise im Rahmen der Anhörung gänz- lich unerwähnt gelassen habe, zweifelhaft. Es sei zu vermuten, er habe die Verfolgungssituation konstruiert, ohne je persönlich betroffen gewesen zu sein. So handle es sich bei den geltend gemachten Behelligungen durch den IS lediglich um subjektive Befürchtungen und Hörensagen, ohne dass er jemals in Kontakt mit dieser Organisation gestanden hätte. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass sein Bruder Mitglied der FSA gewesen sei. Es sei aber nicht plausibel, dass ihm aus diesem Um- stand asylrelevante Nachteile erwachsen seien. Bei den weiteren, vom Beschwerdeführer geltend gemachten Fluchtgrün- den, wie der unsicheren Lage im Heimatstaat, der Sorge um die Sicherheit seiner Familie sowie den Belästigungen und Kontrollen, handle es sich im Übrigen um allgemeine Nachteile, die im Zusammenhang mit dem bewaff- neten Konflikt in Syrien stünden und alle Staatsangehörigen gleichermas- sen betreffen würden. Es seien keine Hinweise dafür ersichtlich, dass der Beschwerdeführer und seine Familie gezielt und aus einem in Art. 3 AsylG genannten Grund getroffen hätten werden sollen. 4.2 In der Beschwerdeschrift rügt der Be schwerdeführer zunächst, die Vorinstanz habe sein Asylgesuch nicht genügend umfassend und sorgfältig geprüft und habe somit die Pflicht zur vollständigen und richtigen Sachver- haltsprüfung sowie das Willkürverbot verletzt. So sei die BzP sehr kurz aus- gefallen und er habe sich kurz fassen müssen. Er sei oft unterbrochen und auf die Bundesanhörung verwiesen worden, was für Verwirrungen und Un- sicherheiten gesorgt habe. Er hätte das Gefühl gehabt, er stünde unter Zeitdruck. Daher sei er während der BzP sehr nervös, angespannt und ge- stresst gewesen, habe sich kaum konzentrieren und d er Befragung kaum folgen können. Aufgrund seiner Erfahrungen in seinem Heimatstaat habe er Angst vor den Behörden und habe diese Furcht an der BzP nicht über- winden können. Des Weiteren sei er mit den Leistungen der Dolmetscher an den Anhörungen nicht zufrieden. Vor allem an der BzP habe der anwe- sende Dolmetscher einiges falsch bezi ehungsweise unpräzise übersetzt. Es sei an der BzP zu vielen Missverständnissen und einigen Überset- zungsfehlern gekommen. Dies gehe aus dem angefochtenen Asylent- scheid hervor. Mit Verweis auf einen Printmedienartikel der NZZ vom 2. Februar 2015 schloss der Beschwerdeführer ausserdem, dass das Niveau der Dolmetscher im Asylverfahren teilweise bedenklich tief sei und es mit- hin häufig zu unterschiedlichen und fehlerhaften Übersetzungen komme. E-7016/2017 Seite 7 Der Beschwerdeführer machte überdies geltend, e s sei eine Tatsache, dass er sich lediglich durch Flucht der behördlichen Reflexverfolgung habe entziehen können. Das syrische Regime übe bekanntlich Rache an den Angehörigen von Mitgliedern der FSA. Diese würden als Feinde, Verräter und Terroristen gelten und würden sehr brutal bekämpft werden. Aufgrund dessen habe er in grosser Angst um sich und seine Familie gelebt. Wäre er in Syrien geblieben, wäre er verhaftet und durch die syrischen Behörden misshandelt worden. Es gäbe zudem keinen adäquaten Schutz vor staatli- chen Verfolgungsmassnahmen; auch eine innerstaatliche Fluchtalternative sei in seinem Fall nicht gegeben. Zu den gena nnten Widersprüchen führte der Beschwerdeführer in der Rechtmittelschrift sodann aus, dass es sich bei der Dauer seines Erwerbs- aufenthaltes im Libanon nicht um einen krassen Widerspruch, sondern um ein Missverständnis aufgrund der bereits genannten Umstände an der BzP handle. Die Dauer seines Aufenthalts sei falsch verstanden beziehungs- weise falsch interpretiert worden. Dasselbe gelte auch hinsichtlich seiner Ausführungen zum letzten Aufenthalt bei seiner Familie . Seine Aussagen seien entweder nicht korrekt wiedergegeben beziehungsweise falsch ver- standen und interpretiert worden. In Bezug auf den Aufenthalt sort seiner Familie in Syrien seien die geografischen Kenntnisse der Vorinstanz nicht ausreichend, um ihm einen Widerspruch vorwerfen zu können. Zudem sei zwischen der BzP und der Anhörung eine gewisse Zeit vergangen und seine Familie habe ihren Wohnort zwischenzeitlich geändert, was vor dem Hintergrund des gewaltsamen Konfliktes in seinem Heimatstaat durchaus üblich sei. Aufgrund des Umstandes, dass er der Bruder eines getöteten Soldaten der FSA sei, der zudem Syrien auf illegale Weise verlassen habe , sei vorlie- gend eine asylrelevante Verfolgungssituation gegeben. 4.3 In der Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, dass die angeblich durch sprachliche Probl eme zwischen dem Beschwerdeführer und dem Dolmetscher bedingten Widersprüche nicht durch eine ungenaue Überset- zung erklärbar sondern sachlicher Art seien. 4.4 Unter Verweis auf drei Printmedienartikel erwiderte der Beschwerde- führer in der Replik, dass Überset zungsfehler nicht ausgeschlossen wer- den könnten. Insbesondere würden oft Dolmetscher nicht syrischer Her- kunft für die Befragung syrischer Asylsuchender beauftragt, was zu weite- ren sprachlichen Problemen führen würde. E-7016/2017 Seite 8 5. 5.1 Wie sich aus den nachstehenden Erwägu ngen ergibt, hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass die Vorbringen des Beschwerdefüh- rers im Ergebnis den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. 5.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Vorinstanz habe sein Asyl- gesuch nicht genügend umfassend und sorgfältig geprüft und somit die Pflicht zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsprüfung sowie das Will- kürverbot verletzt, ist dazu Folgendes festzuhalten: Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass vorliegend Verfahrensrechte verletzt wurden. Vielmehr betreffen die erhobenen „formellen“ Rügen Fragen der materiellen Würdigung des Vorbringens. Es wird vornehmlich eine inhaltli- che Kritik am vorinstanzlichen Entscheid, insbesonder e an der Einschät- zung der Vorbringen auf ihre Glaubhaftigkeit hin geübt. Die materielle Wür- digung bildet Gegenstand der nachfolgenden Erwägungen. 5.3 Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerde vorbringt, es hätte in der BzP Verständigungsprobleme zwischen ihm und dem anwesenden Dolmetscher gegeben, weshalb es zu Missverständnissen und Überset- zungsfehlern gekommen sei, erscheint diese Rüge als unbegründet, hat er doch in der BzP zweimal erklärt, er würde den Dolmetscher gut verstehen (act. A3/14 S. 2 [h] und F9.02). In den Befragungsprotokollen finden sich denn auch keine Hinweise, wonach entsprechende Verständigungsprob- leme bestanden hätten. Schliesslich wurde dem Beschwerdeführer das Protokoll rückübersetzt und er bestätigte dessen Inhalt unterschriftlich a ls richtig und vollständig (act. A3/14 S. 11). Soweit der Beschwerdeführer ausserdem vorbringt, er sei an der BzP gehalten worden, sich kurz zu fas- sen und er habe das Gefühl gehabt, man stünde unter Zeitdruck, kann dem entgegnet werden, dass die BzP im Dezember 2015 stattgefunden hat und gemäss Zeitangaben im Protokoll fast drei Stunden dauerte, was für eine summarische Befragung eine lange Dauer darstellt. Auch ist aus dem Pro- tokoll nicht ersichtlich, dass auf den Beschwerdeführer in irgendeiner Weise Druck ausgeübt worden wäre. Im Gegenteil hat er an der BzP relativ ausführlich zu seiner Person, dem Reiseweg und den Fluchtgründen Stel- lung nehmen können. Entsprechend können die Protokolle dem vorliegen- den Entscheid zugrunde gelegt werden. 5.4 Des Weiteren ist dem SEM darin zuzustimmen, dass der Beschwerde- führer bezüglich der Dauer seines Erwerbsaufenthaltes im Libanon (act. A3/14 F1.17.05; A15/14 F13), den Behelligungen durch die syrischen E-7016/2017 Seite 9 Behörden (act. A3/14 F7.02; A15/14 F47 ff.) sowie seinem letzten Aufent- halt in Syrien (act. A3/14 F2.01, F2.04 und F7.02; A15/14 F66 und F67) widersprüchliche Aussagen gemacht hat. Um Wiederholungen zu vermei- den, kann auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (angefochtene Verfügung S. 3 f.). Darüber hinaus sind weitere Widersprüche ersichtlich, welche die Glaub- haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers zweifelhaft erscheinen lassen. So gibt er an der BzP , welche am 17. September 2015 stattgefun- den hat, zu Protokoll, sein Bruder, der Mitglied bei der FSA gewesen sein soll, sei vor drei Jahren umgekommen , mithin im Jahre 2012 (act. A3/14 F3.01). An der Anhörung vom 30. März 2017 hingegen brachte er vor, sein Bruder sei vor zwei beziehungsweise zweieinhalb Jahren, also Ende 2014/ Anfang 2015, verstorben (act. A15/14 F54). Zwar räumt er gleichzeitig ein, sich nicht mehr genau an den Todeszeitpunkt seines Bruders erinnern zu können. Eine Diskrepanz von zwei bis drei Jahren in Bezug auf den Tod seines Bruders, dessen Mitgliedschaft bei der FSA und die daraus resultie- rende Reflexverfolgung nach dessen Tod als zentraler Asylgrund vorge- bracht wird, lässt am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen jedoch deutlich zweifeln. Auch was den Aufenthalt seiner Familie im Libanon anbelangt – ob zu Beginn der Revolution während zweier Jahre (act. A15/14 F35) oder nachdem sie D._______ verlassen hätten während eines Jahres (act. A15/14 F7) – sind seine Aussagen unterschiedlich ausgefallen. Zutreffend verweist die Vorinstanz sodann auch auf die wesentlichen Wi- dersprüche betreffend die angeblichen Nachstellungen des syrischen Re- gimes. So führte der Beschwerdeführer aus, die syrische Regierung hätte ihn verfolgt und wiederholt zu Hause nach ihm gesucht. In der Anhörung machte er hierzu geltend, er sei bei diesen Razzien, welche er zeitlich auf den Beginn der syrischen Revolution verortete, nie persönlich anwesend gewesen (A15/14 F50-54). Demgegenüber machte er in der BzP geltend, die Razzien hätten „jeden Tag“ beziehungsweise „immer wieder bis jetzt“ stattgefunden (act. A3/14 F7.02). Letztmals habe er eine solche vier Mo- nate vor der BzP (die im September 2015 stattfand) erlebt. Er sei persön- lich auf Soldaten getroffen, als er seine Familie in Damaskus besucht habe. Mit seiner Einwilligung hätten die Soldaten das Haus auf Waffen durch- sucht und seine hiernach gegangen. Es sei zu keinen weiteren Ereignissen gekommen (act. A3 /14 F7.02). In der BzP machte der Beschwerdeführer sodann geltend, er hätte vom syrischen Regime entführt werden sollen, was dank einer Warnung seines (anderen) Bruders jedoch habe verhindert werden können (act. A3/14 F7.02) – ein Vorbringen, das er, wie bereits von E-7016/2017 Seite 10 der Vorinstanz festgehalten wurde, an der Anhörung gänzlich uner wähnt liess. Die festgestellten Widersprüche vermochte der Beschwerdeführer sodann weder in der Anhörung noch in der Rechtsmitteleingabe zu beseitigen. Ihm ist es mithin nicht gelungen, die von der Vorinstanz aufgezeigten Wider- sprüche aufzuklären. Etwas anderes ergibt sich im Übrigen auch nicht aus den auf Beschwerdeebene als Beweismittel eingereichten Printmedienar- tikeln, die sich mit der allgemeinen Dolmetschertätigkeit im Asylverfahren befassen. Es kann daher darauf verzichtet werden, auf diese weiter einzu- gehen. 5.5 Die Umstände des wesentlichen Fluchtgrundes erschliessen sich we- der durch die Anhörungen noch anhand der Vorbringen auf Beschwerde- ebene. Insgesamt bleibt ungeklärt, aus welchen Gründen, wann und in wel- cher Weise der Beschwerdeführer und seine Fa milie bedroht und verfolgt worden sein sollen. Die diesbezüglichen Ausführungen sind weitestgehend unklar, unpräzise und unplausibel und in keiner Weise schlüssig. Selbst bei wiederholtem Nachfragen durch den Sachbearbeiter und den Hilfswerks- mitarbeiter an der Anhörung konnte der Beschwerdeführer die Unstimmig- keiten und weitere offenen Fragen nicht klären (act. A15/14 F63). 5.6 Der Beschwerdeführer konnte insgesamt nicht glaubhaft machen, dass er wegen der Zugehörigkeit seines Bruders zur FSA verfolgt worden se i. Vor diesem Hintergrund vermag auch der Umstand, dass dieser Bruder möglicherweise der FSA angehörte, für sich alleine keine Asylrelevanz zu entfalten, zumal der Beschwerdeführer und seine Familie bisher offenbar keine asylrelevanten Nachteile im Heimats taat erlitten ha ben und auch keine konkreten Hinweise auf Verfolgungsmassnahmen ersichtlich sind. 5.7 Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf die Bedro- hungslage durch den IS sind nicht asylrelevant, da er eigenen Angaben gemäss nie im persönlichen Kontakt mit dem IS stand sondern diesbezüg- lich allein auf die Tötung eines Cousins mütterlicherseits durch den IS ver- weist. 5.8 Die Vorinstanz führte schliesslich auch zutreffend aus, dass die Situa- tion des Beschwerdeführers im Libanon, wo er sich jahrelang bewilligt zur Erwerbstätigkeit aufgehalten hat, nicht relevant für die Beurteilung des vor- liegenden Gesuchs ist. E-7016/2017 Seite 11 5.9 Im Ergebnis ist es dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten nicht gelungen, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaub- haft zu machen. 6. 6.1 Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie nicht darauf ein, so verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4). Die Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 6.2 Im vorliegenden Fall ist im Übrigen anzumerken, dass sich aus den angestellten Erwägungen nicht der Schluss erg ibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der jüngsten Entwicklungen der Si- tuation in Syrien in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage im Falle des Beschwerdeführers ausschliesslich auf die allgemeine in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurückzu- führen, welche durch die Vorinstanz mit Verfügung vom 3. November 2017 gestützt auf Art. 83 Abs. 4 des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR 142.20) im Rahmen der Anordnung der vorläufigen Auf nahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs berücksichtigt wurde. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu- weisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In Gutheissung des mit der Be- schwerde gestellten Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird jedoch auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet, zumal das Verfahren im Zeitpunkt der Be- schwerdeeinreichung nicht als von vornherein aussichtslos zu bezeichnen war und der Beschwerdeführer durch die am 12. Februar 2018 nachge- reichte Fürsorgebestätigung vom 6. Februar 2018 als bedürftig gilt. E-7016/2017 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Constance Leisinger Natassia Gili Versand: