Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 15. Mai 2014 (720 14 82 / 116) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Fehlendes Vorbescheidverfahren: Verletzung des rechtlichen Gehörs in casu verneint / Bei einer Neuanmeldung zum Rentenbezug hat die versicherte Person glaubhaft zu ma- chen, dass sich der Grad der Invalidität in anspruchserheblicher Weise geändert hat Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Raffaella Biaggi, Advo- katin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene, bei der Gemeinde B.____ und b ei der C.____ AG stundenweise als Reinigungsangestellte tätige A.____ hatte sich am 18. Mai 2010 unter Hinweis auf eine Tu- morerkrankung am rechten Arm bei der Eidgenössische n Invalidenversicherung (IV) zum Leis- tungsbezug angemeldet. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landschaft die gesundheitlichen und die erwerblichen Verhältnisse der Versicherten abgeklär t hatte, ermittelte sie ab 1. Juli 2006 einen Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Invaliditätsgrad von 50 % und ab 1. Mai 2010 einen sol chen von 15 %. Gestützt auf diese Er- gebnisse lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. Januar 2012 einen Anspruch von A.____ auf eine IV-Rente wegen verspäteter Anmeldung ab. Zu r Begründung wies sie darauf hin, dass das Wartejahr per 1. Juli 2006 abgelaufen sei. Der Re ntenanspruch entstehe jedoch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Lei stungsanspruchs. Die Anmel- dung der Versicherten sei am 19. Mai 2010 eingegangen , sodass Rentenleistungen frühestens ab 1. November 2010 ausgerichtet werden könnten. Da jedoch seit Mai 2010 lediglich noch ein IV-Grad von 15 % bestehe, habe die Versicherte keinen An spruch auf eine Rente. Diese Verfü- gung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 4. November 2013 meldete sich A.____ bei der IV-S telle erneut zum Leistungsbezug an. Der Neuanmeldung legte sie einen Bericht von PD Dr. me d. D.____, Leitender Arzt, Spital E.____, vom 18. Oktober 2013 bei. Nachdem die IV-Stel le beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) beider Basel eine Stellungnahme hierzu eingehol t hatte, wies sie die Versicherte mit Schreiben vom 8. November 2013 darauf hin, dass die er neute Prüfung einer bereits früher ab- gelehnten Leistung nur möglich sei, wenn die Gesuch stell ende Person glaubhaft darlege, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit dem ursprünglichen Entscheid in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert hätten. Dies sei vorliegend nicht der Fall, würden doch mit dem Gesuch vom 4. November 2013 und dem beigelegten Bericht von PD Dr. D.____ keine neuen Tatsachen geltend gemacht. Die IV-Stelle forderte die Versicherte deshalb auf, bis 9. Dezember 2013 durch die Einreichung weiterer Unterlagen darzule gen, dass sich ihr Gesundheitszustand in einer für den Anspruch massgeblichen Weise verändert habe; andernfalls könne man auf das Leistungsbegehren nicht eintreten. Nachdem A.____ inne rt der ihr eingeräumten Frist auf die- ses Schreiben der IV-Stelle nicht reagiert hatte, trat diese mit Verfügung vom 10. Februar 2014 auf das neue Leistungsbegehren von A.____ mit der Begr ündung nicht ein, die Versicherte ha- be mit ihrem Gesuch und dem eingereichten Bericht nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der am 17. Januar 2012 ver fügten Ablehnung ihres Leistungs- begehrens in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert hätten. B. Gegen diese Verfügung erhob Advokatin Raffaella B iaggi namens und im Auftrag von A.____ am 7. März 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angef ochtene Verfügung aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verurteilen, das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 4. Novem- ber 2013 zu prüfen; unter o/e-Kostenfolge. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. März 2014 beantragt e die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. D. Am 24. März 2014 reichte der Hausarzt der Versicherte n, Dr. med. F.____, Allgemein- medizin FMH, der IV-Stelle zusätzliche medizinische Unterl agen ein, welche diese am 7. April 2014 zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht weiter leitete. Mit Eingabe vom 10. April 2014 machte die IV-Stelle von der ihr eingeräumten Möglichke it Gebrauch, zu diesen zusätzlichen Berichten Stellung zu nehmen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formgerecht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 7. März 2014 ist demnach einzutreten. 2.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet in formeller H insicht, dass es die IV-Stelle unter- lassen habe, vor dem Verfügungserlass das Vorbescheidverfa hren durchzuführen. Bei diesem Einwand handelt es sich um eine Rüge formeller Natur. Sollte sich diese als begründet erwei- sen, kann dies zur Aufhebung der angefochtenen Verfügun g führen, ohne dass die Angelegen- heit materiell beurteilt würde. Der betreffende Einwand ist darum vorab zu prüfen (vgl. Urteil W. des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). 2.2 Laut Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Entscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug o der die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit (Satz 1). Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 ATSG (Satz 2), wobei sie gemäss Art. 73 ter Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17 . Januar 1961 Einwände zum Vorbe- scheid innerhalb einer Frist von 30 Tagen vorbringen kann. 2.3 Vorliegend kann die Beschwerdeführerin mit dem H inweis auf die genannten Bestim- mungen nichts zu ihren Gunsten ableiten. Wie den Akten entnommen werden kann, gelangte die IV-Stelle nach Eingang der Neuanmeldung der Versi cherten vom 4. November 2013 zur Auffassung, dass deren Angaben im Gesuch bzw. der beige legte Bericht des PD Dr. D.____ nicht ausreichen würden, um eine seit der letzten Ableh nung des Rentenanspruchs eingetrete- ne anspruchserhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsfähigkeit glaubhaft zu machen. Die IV-Stelle forderte die Versic herte deshalb mit Schreiben vom 8. November 2013 auf, bis 9. Dezember 2013 durch die Einreichung weiterer Unterlagen darzu- legen, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse in einer fü r den Anspruch massgeblichen Weise verändert hätten; gleichzeitig teilte sie ihr mit, das s man andernfalls auf das neue Leistungsbe- gehren nicht eintreten könne. Der geschilderte Verfahr ensablauf zeigt, dass die IV-Stelle die Versicherte mit dem Schreiben vom 8. November 2013 vo rgängig über den voraussichtlichen (Nichteintretens-) Entscheid in Kenntnis gesetzt hat und ihr gleichzeitig das rechtliche Gehör gewährt hat, indem sie ihr die Möglichkeit eingeräumt hat, sich innert einer Frist von 30 Tagen dazu zu äussern bzw. zusätzliche medizinische Unterlagen einz ureichen. Mit diesem Vorgehen der IV-Stelle ist aber dem Sinn und Zweck des Art. 57a Abs. 1 IVG entsprochen worden. Das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht betreffende Schreiben vom 8. November 2013 ist zwar nic ht explizit als "Vorbescheid" bezeich- net worden, dieser Umstand allein rechtfertigt es aber nicht, die anschliessend erlassene Verfü- gung vom 10. Februar 2014 aus formellen Gründen aufzuheben. Es kann deshalb im Ergebnis - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - nicht von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs vor Erlass des vorgesehenen Entscheides gesprochen werden. 3.1 Wurde ein Rentenanspruch der versicherten Person w egen eines zu geringen Invalidi- tätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 4 der V erordnung über die Invalidenversiche- rung (IVV) vom 17. Januar 1961 eine Neuanmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 erfüllt sind. Danach ist von der versicherten Person im Ge- such glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invaliditä t in einer für den Anspruch erhebli- chen Weise geändert hat. Gelingt ihr dies nicht, so wi rd auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 IVV soll verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher beg ründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1). Die Rechtskraft der früheren Verfügung steht einer neuen Prü- fung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat. Die Verwaltung verfügt bei der Beurtei lung der Eintretensvoraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So wird sie zu berücksichtigen h aben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und an die Gla ubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe Anforderungen stellen (Urteil B. des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen; BGE 109 V 114 E. 2b). 3.2 Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdin gs herabgesetzte Anforde- rungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozi- alversicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspu nkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei e ingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich i st eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalid enrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil B. des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substantielle Ansatzpunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darz ulegen. Wie das Bundesgericht im Entscheid 130 V 64 ff. bekräftigt hat, spielt der Unt ersuchungsgrundsatz, wonach die Verwal- tung von Amtes wegen für die richtige und vollständig e Abklärung des rechtserheblichen Sach- verhaltes zu sorgen hat (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen), insoweit nicht. Wird in der Neuanmeldung bloss auf ergänzende Be weismittel, insbesondere Arztberich- te, hingewiesen, die noch beigebracht würden oder vo n der Verwaltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person nach der Rechtsprechung eine angemessene Frist zur Einreichung der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweismittel anzusetzen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenen- falls auf Nichteintreten zu erkennen sei (BGE 130 V 68 f. E. 5.2.5 mit Hinweisen). Wenn die der Neuanmeldung beiliegenden ärztliche Berichte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist es der Verwaltung zwar unbenommen, entsprechende Erhebungen anzustellen oder bei der versicherten Person Belege nachzufordern, eine Verpflichtung der IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben (analog zu BGE 130 V 64 ff.) besteht indessen nur, we nn den - für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden - Arztberichten konkrete H inweise entnommen werden können, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen er stellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt. Im Übrigen bedeutet eine blosse Abklärung dur ch die Verwaltung, so das Einholen ei- nes einfachen Arztberichtes, allein noch kein materielles Eintreten auf die Neuanmeldung (Urteil B. des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 3.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (vgl. BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff . E. 3.2.3). Vorliegend wurde ein Renten- anspruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 17. Januar 2012 verneint. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den ta tsächlichen Verhältnissen erfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neuanmeldung rechtfertigt, durch V ergleich des Sachverhalts, wie er im Zeit- punkt der Rentenverfügung vom 17. Januar 2012 bestande n hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 10. Februar 2014. 4.1 Wie eingangs geschildert, hatte sich die Versicherte im Mai 2010 bei der IV zum Leis- tungsbezug angemeldet. Nach Vornahme der erforderliche n Abklärungen lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. Januar 2012 einen Rentenanspru ch der Versicherten für die Zeit ab 1. November 2010 - dem Datum des frühestmöglichen Rentenbeginns - mit der Begründung ab, dass bei der Invaliditätsgrad ab 1. Mai 2010 noch 15 % betrage. Die IV-Stelle stützte sich da- mals bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhaltes i m Wesentlichen auf ein Gutachten des Dr. med. G.____, Rheumatologie FMH, vom 24. März 2 011. Darin hatte dieser als Diagno- sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einen St atus nach Tumorresektion eines perios- talen Desmoids an der rechten Ulna am 22.04.2008 mit Resektion im Gesunden mit/bei Rezidiv des Tumors mit geringfügiger Grössenprogredienz (MRI 19. 02.2009 und MRI 25.01.2010), ei- nen Status nach Radiatio vom 12.11.2009 bis 21.12.2009 am rechten Unterarm mit gesamt 56Gy, eine Befundkonstanz des periostalen Tumorrezidivs (MRI 14.09.2010) und eine Grössen- regredienz des periostalen Rezidivs (MRI 14.02.2011) festg ehalten. In Bezug auf die Arbeitsfä- higkeit vertrat Dr. G.____ damals die Auffassung, dass der Versicherten in der angestammten Tätigkeit ab Frühjahr 2010 eine Arbeitsfähigkeit von 75 % attestiert werden könne. Bei dieser Einschätzung sei bereits eine Leistungsminderung von 25 % für vermehrte Pausen berücksich- tigt. In einer wechselbelastenden, den Status nach Tumo rresektion am rechten Unterarm be- rücksichtigenden Tätigkeit, bestehe ab Frühjahr 2010 eine Arbeitsfähigkeit von 90 bis 100 %, Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht wobei darauf geachtet werden sollte, dass die Tätigkei t - wenn möglich - nicht mit repetitiver Pro- und Supinationsbewegung des rechten Unterarmes einhergehe. 4.2 Im Zuge ihrer Neuanmeldung vom 4. November 2013 reichte die Versicherte einen Bericht von PD Dr. D.____ vom 18. Oktober 2013 ein. D arin diagnostizierte dieser einen Status nach Tumorresektion eines periostalen Desmoids an der rec hten Ulna am 22. April 2008 mit Resektion im Gesunden mit/bei (1) Rezidiv mit geringfüg iger Grössenprogredienz bis August 2009, (2) Status nach Radiatio vom 12.11.2009 bis 21. 12.2009 am rechten Unterarm mit ge- samt 56Gy sowie (3) aktuell Kribbelparästhesien im Versorgungsgebiet des ramsus superficialis des Nervus radialis seit Dezember 2012. In seiner Beurtei lung führte er sodann aus, dass er- freulicherweise aus onkologischer Sicht keine Befundprogr edienz zu verzeichnen sei und von daher auch keine Indikation bezüglich eines weiteren ope rativen Eingriffs bestehe. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sollte die IV-Stelle nochmals mi ttels eines Gutachtens die entsprechende Einschränkung festlegen. Die Patientin werde ein entsp rechendes Begehren stellen. Aus onko- logischer/orthopädischer Sicht sei eine erneute Kontrol le mit vorgängigem MRI in einem Jahr angezeigt. Im Laufe des vorliegenden Beschwerdeverfahr ens reichte Dr. F.____, der Hausarzt der Versicherten, zusätzliche medizinische Unterlagen ein. Darunter befindet sich ein Bericht von Prof. Dr. med. H.____, Neurologie FMH, vom 1. Februar 2013 über eine Ende Januar 2013 erfolgte neurologische Untersuchung der Versicherten. D er genannte Facharzt hält darin fest, dass im Vergleich zu seiner Voruntersuchung im März 2009 be i Beklopfen der Narbe neu auch an den Fingern II und III ein positives Tinelzeichen mi t Elektrisieren und vermehrtem Kribbeln auslösbar sei und dass neu nun auch an diesen Fingern dor sal eine leichtgradige Hypalgesie vorliege. 4.3 Die Versicherte ist der Auffassung, dass in Anbetrac ht der von PD Dr. D.____ und Prof. Dr. H.____ beschriebenen, im Dezember 2012 neu auch an den Fingern II und III aufge- tretenen Sensibilitätsstörungen/Kribbelparästhesien eine massgebende, seit der Rentenverfü- gung vom 17. Januar 2012 eingetretene Verschlechterung d es Gesundheitszustandes hinrei- chend erstellt sei und die IV-Stelle demzufolge auf ihr e Neuanmeldung hätte eintreten müssen. Dieser Auffassung kann jedoch nicht beigepflichtet wer den. Wie die IV-Stelle gestützt auf die Beurteilungen der RAD-Ärztin Dr. med. I.____, Fachärzt in für Physikalische und Rehabilitative Medizin, vom 7. November 2013 und 17. März 2014 zu Recht festhält, sind bei der Versicherten solche Sensibilitätsstörungen schon früher in den Berichte n von Dr. F.____ vom 2. September 2010 und von Prof. Dr. H.____ vom 31 März 2009 dokumentiert worden. Auf diese in den medi- zinischen Vorakten festgehaltenen Sensibilitätsstörungen h at denn auch Dr. G.____ in seinem Gutachten vom 24. März 2011 hingewiesen (vgl. etwa S. 8 des Gutachtens, oben). Zudem hat Dr. G.____ explizit erwähnt, dass die Versicherte in ih ren Angaben zur aktuellen Situation über ein “Kribbeln und Ameisen“ im rechten Daumen und im r echten Mittefinger klage (S. 8 und 13 f. des Gutachtens). Diese Hinweise des Gutachters machen deu tlich, dass diesem die betreffen- den Sensibilitätsstörungen - entgegen der Auffassung d er Beschwerdeführerin - durchaus be- kannt gewesen sind und er sie bei der damaligen Einschä tzung der Arbeitsfähigkeit (mit-) be- rücksichtigt hat. Zu keiner anderen Beurteilung der Ange legenheit führt sodann der nachge- reichte Bericht von Prof. Dr. H.____ vom 1. Februar 201 3. Darin weist dieser zwar darauf hin, dass im Vergleich zu seiner Voruntersuchung im März 2009 be i Beklopfen der Narbe neu auch Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht an den Fingern II und III ein positives Tinelzeichen mi t Elektrisieren und vermehrtem Kribbeln auslösbar sei und dass neu nun auch an diesen Fingern dor sal eine leichtgradige Hypalgesie vorliege. Diese neu erhobenen, zusätzlichen Befunde wirke n sich jedoch - wenn überhaupt - offenbar nur in sehr geringem Masse auf den Gesundheitsz ustand und insbesondere auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus. So gibt denn au ch PD Dr. D.____ in seinem der Neuan- meldung beigelegten Bericht vom 18. Oktober 2013 an, dass die Beschwerden der Versicherten weiterhin gleich geblieben seien und dass diese ihren Beruf als Raumpflegerin ohne grössere Probleme im bisherigen Umfang ausüben könne. Unter diesen Umständen ist die IV-Stelle aber zu Recht zum Ergebnis gelangt, dass die von der Versiche rten eingereichten medizinischen Unterlagen nicht ausreichen, um eine seit der letzten Ablehnung des Rentenanspruchs einge- tretene anspruchserhebliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes und ihrer Arb eits- fähigkeit glaubhaft zu machen. 4.4 Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerd eführerin schliesslich aus dem Umstand, dass die IV-Stelle nach Eingang der Neuanmeld ung von sich aus beim RAD zwei kurze Stellungnahmen (vom 7. November 2013 und 17. Mä rz 2014) zum Bericht von PD Dr. D.____ eingeholt hat. Wie oben aufgezeigt (vgl . E. 3.3 hiervor), stellt nach der bundes- gerichtlichen Rechtsprechung die Vornahme blosser Abklär ungen durch die Verwaltung - wie etwa das Einholen eines einfachen Arztberichtes oder ei ner kurzen Stellungnahme des RAD - allein noch kein materielles Eintreten auf ein neues L eistungsbegehren dar (Urteil B. des Bun- desgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3). 4.5 A us dem Gesagten folgt zusammenfassend, dass die IV-Stell e auf die Neuanmeldung der Versicherten vom 4. November 2013 zu Recht nicht ei ngetreten ist. Die gegen die betref- fende Verfügung der IV-Stelle vom 10. Februar 2014 erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskos- ten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf 600 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschw erdeführerin unterliegende Par- tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 5.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht