Kantonsgericht Schwyz Verfügung vom 3. Dezember 2024 ZK2 2024 71 Mitwirkend Kantonsgerichtspräsident Reto Heizmann, Gerichtsschreiber Mathis Bösch. In Sachen A.________ AG, Berufungsführerin, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, betreffend Organisationsmangel und konkursamtliche Liquidation (Berufung gegen die Verfügung des Einzelrichters am Bezirksgericht Höfe vom 17. September 2024, ZES 2024 464 und ZES 2024 610);- hat der Kantonsgerichtspräsident, nachdem sich ergeben und in Erwägung: 1. Am 17. September 2024 löste der Einzelrichter am Bezirksgericht Höfe die A.________ AG mit Sitz in Freienbach auf und ordnete deren Liquidation durch das Konkursamt Höfe an. „Namens und auftrags der Berufungsklägerin“ erhob Rechtsanwalt B.________ mit Eingabe vom 23. Oktober 2024 beim Kantonsgericht Berufung. Er verlangt, die angefochtene Verfügung sei wegen Nichtigkeit und Gesetzesverletzung vollumfänglich aufzuheben, das Handels- registeramt Schwyz sei anzuweisen, C.________ als Verwaltungsratspräsiden- tin einzutragen und aufgrund der Rücktrittserklärung von D.________ diesen als Verwaltungsrat im Handelsregister zu löschen sowie eventualiter die Frist für die Einreichung der Berufung wiederherzustellen. Mit Noveneingabe vom 30. Oktober 2024 macht er geltend, dass C.________ wegen Nichtbegleichens der Handelsregistergebühren nicht eingetragen worden sei, obwohl ein Eintrag mit nachträglicher Kostenverrechnung möglich gewesen wäre. Das Bezirksge- richt hätte im Wissen um diese Umstände sicherlich nicht die Auflösung der Gesellschaft beschlossen, was vollkommen willkürlich und unverhältnismässig Kantonsgericht Schwyz 2 gewesen wäre (KG-act. 4). Das Handelsregister reichte die Korrespondenz mit dem Rechtsanwalt über den Ablauf des Organisationsmangelverfahrens ein (KG-act. 5). Das Bezirksgericht überwies die Akten mit den Hinweisen auf die Nichteinhaltung der Rechtsmittelfrist und ein Nidwaldner Präjudiz (KG-act. 7; OG NW ZA 24 5 vom 14. August 2024). Der Rechtsanwalt nahm nochmals Stel- lung (KG-act. 9). 2. Die Berufung ist innert 10 Tagen seit Zustellung des begründeten Ent- scheids schriftlich und begründet einzureichen (Art. 311 Abs. 1 i.V.m. Art. 314 Abs. 1 ZPO). Der angefochtene Entscheid wurde der betroffenen Ge- sellschaft mit einem Aktienkapital von Fr. 100’000.00 (KB 1) am 24. September 2024 zugestellt (Vi-act. E 5), weshalb die Berufung vom 23. Oktober 2024 verspätet und auf das Rechtsmittel nicht einzutreten ist. Der angefochtene Entscheid leidet nicht offensichtlich an besonders schweren Män- geln und ist mithin nicht nichtig. Denn der Einzelrichter musste sich nicht beim Handelsregisteramt nach dem Stand des Eintragungsverfahrens erkundigen. Er konnte vielmehr nach Art. 731b Abs. 1 bis Ziff. 1 OR verfahren und unter noch- maliger Androhung der Auflösung der Gesellschaft eine letztmalige Nachfrist zur Mängelbehebung ansetzen (vgl. auch noch unten E. 3.a). Die Verhältnis- mässigkeit der verfügten Gesellschaftsauflösung ist zufolge des Nichteintretens nicht zu beurteilen (mit der obigen Feststellung, dass Nichtigkeit nicht vorliegt). 3. Der Rechtsanwalt macht betreffend den Eventualantrag der Fristwieder- herstellung geltend, die einzige Verwaltungsrätin der Gesellschaft treffe kein Verschulden an der Nichtkenntnisnahme des angefochtenen Entscheids. Die- ser sei durch ein per sofort bzw. am 22. Oktober 2024 aus dem Verwaltungsrat ausgetretenes, gemäss Erklärung vom 21. Oktober 2024 seit dem Frühling psy- chisch nicht gesundes Mitglied (KG-act. 1/3) nicht zur Kenntnis genommen und auch nicht weitergeleitet worden. Deshalb sei die Voraussetzung von Art. 148 ZPO erfüllt und die Berufungsfrist gewahrt. a) Das Gericht kann auf Gesuch einer säumigen Partei eine Nachfrist ge- währen oder zu einem Termin erneut vorladen, wenn die Partei glaubhaft Kantonsgericht Schwyz 3 macht, dass sie kein oder nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 148 Abs. 1 ZPO). Es wird nicht geltend gemacht, dass die nach der An- meldung der Eintragung von C.________ als Verwaltungsratspräsidentin beim Handelsregisteramt erfolgte zweite Aufforderung zur Behebung der Organisati- onsmängel mit letztmaliger Frist bis zum 10. September 2024 (Vi-act. E 4) nicht zur Kenntnis genommen worden sei. Daher ist es nicht nachvollziehbar, dass die Gesellschaft weder beim Handelsregisteramt noch beim Einzelrichter inter- venierte und darauf hinwies, dass die Behebung der Organisationsmängel in die Wege geleitet sei. Vielmehr musste die Gesellschaft nach Ablauf dieser un- benutzten Frist die Zustellung eines Entscheids des Einzelrichters erwarten, so- dass die Nichteinhaltung der Rechtsmittelfrist unter vorliegenden Umständen nicht glaubhaft als bloss leicht verschuldet erscheint. Der Eventualantrag um Wiederherstellung der Berufungsfrist ist mithin abzuweisen. b) Abgesehen davon richtet sich die Klage gegen die Gesellschaft, bei der ein Organisationsmangel besteht. Mithin hat sie die sie betreffenden erhebli- chen Umstände auszuführen, die eine Wiederherstellung rechtfertigen. Die in- terne Nichtweiterleitung des angefochtenen Entscheids an die noch nicht ein- getragene Verwaltungsratspräsidentin bzw. deren Unkenntnis verunmöglichte an sich die rechtzeitige Berufungserhebung der Gesellschaft nicht. Dass der zuständige Verwaltungsrat nicht arbeits- bzw. handlungsfähig gewesen sei, be- legt die Gesellschaft nicht mit Arztzeugnissen o.dgl. (vgl. KG-act. 1/3). Offenge- lassen werden kann, ob der Rechtsanwalt vorliegend durch die nicht namens der Gesellschaft erteilte Vollmacht (KG-act. 1/2) zur Erhebung einer Berufung überhaupt hinreichend ermächtigt ist. 4. Aus diesen Gründen ist auf die Berufung präsidial nicht einzutreten und das als prozessleitende Zwischenfrage für das Nichteintreten zu behandelnde eventuelle Fristwiederherstellungsgesuch abzuweisen (§ 40 Abs. 2 JG). Die (wegen des Nichteintretens reduzierten) Kosten des Berufungsverfahrens sind ausgangsgemäss der Berufungsführerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO);-Kantonsgericht Schwyz 4 verfügt: 1. Auf die Berufung wird in Abweisung des Fristwiederherstellungsgesuchs nicht eingetreten. 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 500.00 werden der Berufungsführerin auferlegt und aus dem geleisteten Vorschuss von Fr. 2’000.00 gedeckt. Der Rest von Fr. 1’500.00 wird der Berufungsführer nach definitiver Erledigung aus der Kantonsgerichtskasse zurückbezahlt. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 72 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden; die Beschwerde- schrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen. Der Streit- wert beträgt Fr. 100’000.00. 4. Zufertigung an den Rechtsvertreter der Berufungsführerin (2/R), das Han- delsregisteramt (1/R) und an die Vorinstanz (1/A) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/R mit den Akten zur weiteren Zufertigung ihrer Verfügung) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü im Dispositiv). Der Kantonsgerichtspräsident Der Gerichtsschreiber Versand 3. Dezember 2024 kau