B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-235/2020 U r t e i l v o m 2 5 . M a i 2 0 2 1 Besetzung Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), Richterin Roswitha Petry, Richter Gérald Bovier, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 12. Dezember 2019 / N (…). D-235/2020 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) 2014 in Richtung Sudan. Über Libyen reiste er weiter nach Italien und gelangte von dort am 15. Februar 2017 im Rahmen des Relo- cation-Programms in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs - und Verfahrenszentrum B._______ um Asyl nachsuchte. A.b Das SEM befragte ihn am 21. Februar 2017 zu seiner Person, seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Gesuchsgründen (Befr agung zur Person [BzP]). Am 21. November 2017 wurde er einlässlich zu seinen Asyl- gründen angehört. A.c Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer zu seiner Identität und seinem persönlichen Hintergrund geltend, er sei eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie und stamme aus C._______ (Sub- zoba D._______, Zoba E._______), wo er am (…) geboren und bis zu sei- ner Ausreise gelebt habe. Er habe die (…) Klasse abgeschlossen, wobei er (…) eine Schulklasse habe wiederholen müssen. Danach habe er auf verschiedenen (…) gearbeitet. Im Jahr 2006 sei er in den Militärdienst nach F._______ eingezogen worden. Dieser Aufforderung sei er jedoch nicht nachgekommen, weshalb er in der Folge am (…) 2007 von Nationaldienst- angehörigen abgeführt und nach G._______ gebracht worden sei. Dort habe er während (…) Monaten eine militärische Grundausbildung absol- viert. In den nachfolgenden Jahren habe er in H._______, I._______, in J._______ (einem Quartier in K._______), auf dem (…) in K._______ und in L._______ (ebenfalls einem Stadtquartier in K._______) seinen Dienst geleistet. Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, er sei am (…) 2013 aus dem Militärdienst desertiert und zunächst zu seinem Vater nach C._______ geflüchtet. Eine Woche später sei er von Militärangehörigen seiner Einheit gesucht worden, wobei er von einem ehemaligen Dienstkollegen telefo- nisch vorgewarnt worden sei. Er habe sich in der Folge (…) Monate lang bei seinem älteren Bruder versteckt. Während dieser Zeit sei er weitere drei bis vier Mal bei seinem Vater zu Hause gesucht worden. Nachdem seine ehemalige Einheit nach M._______ gegangen sei, sei er nicht mehr aufgesucht worden. Am (…) 2014 habe er deshalb seine langjährige Freundin religiös heiraten können. Am (…) 2014 habe er seine Familie ver- lassen und sei mit Hilfe eines Schleppers in den Sudan gereist, wo er sich D-235/2020 Seite 3 knapp (…) Jahre in N._______ aufgehalten habe. Via Libyen sei er mit dem Boot nach Italien und von dort aus schliesslich in die Schweiz gelangt. Nach seiner Ausreise sei seine Frau seinetwegen drei Tage inhaftiert und anschliessend ihrer Rechte beraubt worden. Am (…) sei sein Kind auf die Welt gekommen. (…) 2017 sei seine Frau mit dem gemeinsamen Kind aus Eritrea in den Sudan geflohen. A.d Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh- rer seine eritreische Identitätskarte (im Original), seinen Eheschein (im Ori- ginal), zwei CDs mit Fotos und Videos seiner Hochzeit, eine Kopie des Impfausweises seines Kindes, den Taufschein seines Kindes (im Original), eine Kopie der Identitätskarte seiner Ehefrau sowie eine Kursbestätigung des Verteidigungsministeriums vom (…) 2008 (im Original) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2019 – eröffnet am 14. Dezem- ber 2019 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht- lingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegwei- sung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. C. Mit Eingabe vom 13. Januar 2020 (Poststempel) erhob der Beschwerde- führer – handelnd durch se inen R echtsvertreter – beim Bundesverwal- tungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid. Dabei beantragte er, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuali- ter sei die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Person des un- terzeichnenden Rechtsvertreters. Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll- macht vom 24. Dezember 2019 (im Original), eine Kopie eines ärztlichen Berichts an das SEM von Dr. med. O._______, (…), vom 17. Dezem- ber 2019 sowie eine Kopie eines Terminkärtchens des (…) für den 14. Ja- nuar 2020 bei. D. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte m it Schreiben vom 17. Ja- nuar 2020 den Eingang der Beschwerde. D-235/2020 Seite 4 E. Mit Eingabe vom 4. Februar 2020 liess der Beschwerdeführer dem Gericht eine Fürsorgebestätigung der (…) vom 3. Februar 2020 nachreichen. F. Die Instruktionsrichterin stellte mit Verfügung vom 6. Februar 2020 fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab- warten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses und ordnete dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt MLaw Roman Schuler als amtlicher Rechtsbeistand bei. Ferner machte sie den Be- schwerdeführer – unter Bezugnahme auf die gesetzliche Mitwirkungs- pflicht von Asylsuchenden bei der Ermittlung des Sachverhaltes (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG [SR 142.31]) – darauf aufmerksam, allfällige medizini- sche Vollzugshindernisse laufend und unaufgefordert mit geeigneten ärzt- lichen Berichten zu belegen. G. G.a Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2021 wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. G.b Mit Eingabe vom 25. März 2021 äusserte sich die Vorinstanz zur Be- schwerdeschrift. H. H.a Mit Zwischenverfügung vom 30. März 2021 wurde dem Beschwerde- führer Gelegenheit gegeben, eine Replik einzureichen. H.b Mit Eingabe vom 14. April 2021 nahm der Beschwerdeführer zur vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung. Mit der Replik wurden eine Kopie eines Arztberichts von Dr. med. O._______, (…), vom 4. Juni 2020 sowie eine Honorarnote ins Recht ge- legt. D-235/2020 Seite 5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände- rung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flücht lingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung D-235/2020 Seite 6 des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die ein en unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werde n, wobei die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (vgl. Art. 3 Abs. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vor- bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi- dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweism ittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiede nen Entscheiden dar- gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht subj ektive Nach- fluchtgründe geltend . Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jed och nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgen ommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 4. 4.1 In ihrer abweisenden Verfügung kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Asylrele- vanz gemäss Art. 3 AsylG genügen würden, weshalb sie seine Flüchtlings- eigenschaft nicht anerkannte und das Asylgesuch ablehnte. Zur Begründung führte sie aus, sie bezweifle nicht, dass er zwischen (…) 2007 und (…) 2013 Nationaldienst geleistet habe, demgegenüber D-235/2020 Seite 7 habe er seine Gefährdungslage im Zeitpunkt seiner Ausreise nicht glaub- haft machen können. So habe er in der BzP ausgesagt, dass er das erste Mal etwa eine Woche nach seiner Desertion und das letzte Mal eine Woche vor seiner Ausreise im (…) 2014 in seinem Elternhaus gesucht worden sei, wobei er von seinem Freund P ._______ vorgewarnt worden sei. In der An- hörung habe er demgegenüber behauptet, sein Freund habe Q._______ geheissen und nach seiner Hochzeit anfangs (…) 2014 sei er nicht mehr gesucht worden. Diese Widersprüc he in Bezug auf den Namen seines Freundes und den Zeitpunkt der letzten Suche nach ihm habe er nicht ent- kräften können. Damit seien seine Aussagen in zentralen Punkten der Asylbegründung unglaubhaft. Des Weiteren habe er seine Ausreise aus Eritrea zwar detailliert geschildert, dennoch würden diesbezüglich gewisse Zweifel bestehen. So habe er i n der BzP angegeben, von R._______ via S._______ in den Sudan gelangt zu sein, wohingegen er in der Anhörung ausgesagt habe, von R._______ über T._______ gereist zu sein. Ausser- dem habe er in der BzP erklärt, nach der Überquerung der Grenze in den Sudan zuerst nach U._______ gegangen zu sein, dagegen habe er in der Anhörung den Aufenthalt in U._______ nicht mehr erwähnt. Schliesslich erstaune, dass er während mehrere r Tage mit einer (…) Gruppe zu Fuss gereist sei, statt sich einzeln in unmittelbare Grenznähe zu begeben und von dort innerhalb einiger Stunden ins Ausland zu gelangen. Infolgedessen seien seine Schilderungen der illegalen Ausreise zumindest fragwürdig. Alsdann sei nicht nachvollziehbar, weshalb seine ehemaligen Vorgesetzten ihn vier- oder fünfmal beim Vater gesucht haben sollen, ohne je an einem anderen Ort nach ihm zu fragen, insbesondere da sein Bruder im selben Dorf gelebt habe. Ferner sei unverständlich, weshalb er nicht schon früher ausgereist sei, stattdessen geheiratet und danach mehrere Monate bis im (…) 2014 zu Hause gewohnt habe, obwohl sich in diesem Zeitraum nichts mehr ereignet habe. Damit sei der Anlass seiner Flucht nicht ersichtlich. Überdies sei es überraschend, dass – obwohl er in der freien Erzählung seiner Asylgründe anlässlich der Anhörung die Suche nach ihm gänzlich unerwähnt gelassen habe – später eine Verfolgung gegenüber seiner Ehe- frau eingesetzt haben soll. Sodann seien seine Antworten in Bezug auf den eigentlichen Anlass und Zeitpunkt seiner Desertion am (…) 2013 zurück- haltend und wenig greifbar ausgefallen. Soweit der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, Eritrea verlassen zu haben, weil der dortige Militärdienst kein Ende nehme und er mit der herr- schenden Politik nicht einverstanden sei, würden sich seine Aussagen auf die allgemeine politische Situation in seine m Heimatland beziehen. Inso- fern seien die diesbezüglichen Vorbringen nicht asylrelevant. Alsdann sei D-235/2020 Seite 8 eine asylrelevante (recte: flüchtlingsrechtlich relevante) Verfolgungssitua- tion – unabhängig von deren Glaubhaftigkeit – auch nicht aufgrund der gel- tend gemachten illegalen Ausreise anzunehmen, zumal keine zusätzlichen Faktoren ersichtlich seien, welche ihn in den Augen des eritreischen Re- gimes als missliebige Person erscheinen liessen. Hinsichtlich allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse führte die Vorin- stanz aus, es würden sich aus den Akten keine konkreten Hinweise dafür ergeben, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Eritrea mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Die Prüfung, ob ein tatsächliches und unmittelba- res Risiko einer Verletzung von Art. 4 EMRK bestehe, sei aufgrund seiner unglaubhaften Angaben nicht möglich. So könne nicht ausgeschlossen werden, dass er vom Nationaldienst suspendiert oder daraus entlassen worden sei oder dass er diesen bereits ordentlich abgeschlossen habe. Selbst eine glaubhaft gemachte drohende Einberufung in den eritreischen Nationaldienst stehe der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges nach Eritrea nicht entgegen. Es könne deswegen nicht von einem tatsächlichen und unmittelbaren Risiko einer Rekrutierung und gegebenenfalls zukünfti- gen Verletzung von Art. 4 EMRK ausgegangen werden. Weiter seien we- der allgemeine noch individuelle Gründe ersichtlich, welche den Wegwei- sungsvollzug als unzumutbar erscheinen lassen würden , und der Vollzug sei technisch möglich und praktisch durchführbar. 4.2 In der Rechtsmittelschrift hielt der Beschwerdeführer dem entgegen, er habe sowohl die Desertion aus dem Nationaldienst als auch die illegale Ausreise glaubhaft machen können. Bezüglich der angeblichen Widersprü- che zu den Umständen nach der Desertion führte er aus , er könne sich nicht mehr erklären , weshalb im Bz P-Protokoll festgehalten worden sei, dass die letzte Suche nach ihm eine Woche vor seiner Ausreise erfolgt sein soll. Er sei überzeugt, stets ausgesagt zu haben, in den letzten Monaten vor seiner Ausreise nicht mehr gesucht worden zu sein, was er in der An- hörung mehrfach wiederholt habe. Weiter habe er bei der BzP die Namen "P ._______" und " Q._______" vertauscht, was angesichts dessen, dass die Vorfälle bereits sechs Jahre zurückliegen würden und die Namen sehr ähnlich seien, äusserst wahrscheinlich sei. Da er in der Anhörung angege- ben habe, sich nach seiner Desertion knapp eine Woche lang in seinem Elternhaus aufgehalten zu haben, sei – entgegen der Ansicht des SEM – kein Widerspruch zu seinen Ausführungen in der BzP erkennbar. Den Vor- halt, er habe anlässlich der Befragungen zwei verschiedene Reisewege in den Sudan beschrieben, betreffe den Fluchtweg innerhalb Eritreas und D-235/2020 Seite 9 nicht den Grenzübertritt, weshalb es für die Frage der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise nicht relevant sei, welche innerstaatliche Route er bis zur Grenze genommen habe. Des Weiteren klinge der von der Vorinstanz be- hauptete Widerspruch hinsichtlich seines Aufenthaltes in U._______ kon- struiert und hätte bei präziserem Nachfragen anlässlich der BzP ohne wei- teres vermieden werden können. Bei der Grenzüberquerung habe er sich an die Anweisungen seines Schleppers gehalten, weshalb kaum relevant scheine, ob das SEM sich diese Vorgehenswei se erklären könne oder nicht. Jedenfalls sei es keinesfalls ausgeschlossen, dass auch eine kleine bis mittelgrosse Gruppe unter einem erfahrenen Führer unbemerkt illegal ins Ausland gelangen könne. Zudem habe er die illegale Ausreise ausführ- lich und mit pe rsönlichen Erfahrungen geprägt geschildert. Soweit es für die Vorinstanz nicht einleuchte, weshalb er von seinen ehemaligen Vorge- setzten nicht auch an anderen Orten gesucht word en sei, könne er sich dies ebenfalls nicht erklären. Diese Zusammentreffen habe er aufgrund der Erzählungen seines Vaters lebensnah schildern können. Den einschnei- denden Schritt, Eritrea zu verlassen, habe er – trotz der konkreten Gefahr einer Verhaftung – aus Rücksicht auf seine Nächsten erst einige Zeit nach seiner Desertion gewagt, was stärker für als gegen ihn spreche und aus menschlicher Sicht nachvollziehbar sei. Der Umstand, dass seine Ehefrau nach seiner Ausreise verfolgt worden sei, sei wohl darauf zurückzuführen, dass seine ehemalige Einheit wieder in die nähere Umgebung von C._______ zurückversetzt und damit auch die Suche nach ihm wiederauf- genommen worden sei. Derartige Sanktionen gegen Angehörige seien weit verbreitet. Obwohl er seine innere Motivation für die Desertion eher kurz geschildert habe, erscheine diese im Gesamt kontext seiner Erfahrungen im Dienst real, stimmig und absolut nachvollziehbar. Bezüglich des ge- nauen Zeitpunkts seiner Desertion sei er gar nie danach gefragt worden und habe diesen Aspekt selber auch nicht für besonders wichtig gehalten. Aus seinen verschiedenen Ausführungen in den Befragungen würde sich ein stimmiges Gesamtgefüge ergeben. Für die Glaubhaftigkeit spreche fer- ner, dass er überraschende Umstände geschildert habe, auf welche er selbst keinen Einfluss gehabt habe und die er möglicherweise nich t voll- ständig verstanden habe. Mit Blick auf seine sehr kurze schulische Lauf- bahn sei es sodann höchst unwahrscheinlich, dass er sich derart viele De- tails eines komplexen Sachverhalts merken und sie lebensnah über die gesamte Bundesanhörung stimmig wiedergeben könne, wenn es sich da- bei nicht um selbst Erlebtes handeln würde. Die Vorinstanz habe es ver- nachlässigt, die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen auf Grundlage einer Ge- samtwürdigung zu beurteilen und die Beweisregeln von Art. 7 AsylG insge- samt zu restriktiv gehandhabt. Ihm sei der Nachweis gelungen, dass er in D-235/2020 Seite 10 seinem Heimatland wegen seiner politischen Anschauung, die sich in der Desertion und anschliessenden Landesflucht manifestiert habe, an Leib und Leben sowie in seiner Freiheit gefährdet sei. Seinen Ev entualantrag auf vorläufige Aufnahme begründete der Be- schwerdeführer mit dem Vorhandensein subjektiver Nachfluchtgründe. Er habe beweisen respektive glaubhaft machen können, dass er illegal aus Eritrea ausgereist sei. Die anderslautende neuere Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei angesichts der Lage in Eritrea nicht nach- vollziehbar. Hinzu komme, dass bei ihm – entgegen den Ausführungen der Vorinstanz – weitere Faktoren gegeben seien, die ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen liessen. So sei er bereits (…) Jahre im Nationaldienst gefangen gewesen und dadurch den Behörden und insbesondere seiner Einheit namentlich bekannt sowie in den Akten vermerkt. Weiter sei nachgewiesen worden, dass er seine De- sertion glaubhaft geschildert habe und deshalb als missliebige Person gel- ten dürfte. Der Beschwerdeführer erachtet schliesslich den Wegweisungsvollzug nach Eritrea als unzulässig. Da er die Flüch tlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfülle, stünde eine Weg weisung im Widerspruch zu Art. 33 FK beziehungsweise Art. 5 AsylG und sei dementsprechend nicht mit dem Non-Refoulement-Prinzip vereinbar. Weiter führte er – unter Ver- weis auf verschiedene Berichte – aus, ihm drohe bei einer Rückkehr das ernsthafte Risiko, bereits am Flughafen willkürlich festgenommen, un- menschlich behandelt sowie in anschliessenden Verhören gar gefoltert und danach willkürlich inhaftiert zu werden. Darüber hinaus werde er – als ge- sunder und sich im militärdienstpflichtigen Alter befindlich en Eritreer, wel- cher bereits Dienst geleistet habe und den Behörden mithin namentlich be- kannt sei – bei seiner Rückkehr mit an Sicherheit grenzender Wahrschein- lichkeit wieder in den eritreischen Pflichtdienst einberufen, womit die Ge- fahr einer flagranten Verletzung des Verbots der Zwangsarbeit nach Art. 4 Abs. 2 EMRK und des Folterverbots von Art. 3 EMRK bestehe. Schliess- lich sei der Vollzug der Wegweisung auch als unzumutbar einzuschätzen. Seine Ehefrau und sein Kind würden ebenso wie sein jüngerer Bruder nicht mehr in Eritrea leben. Sein Vater sei bereits um die (…) Jahre alt und dürfte damit kaum mehr in der Lage sein, ihn bei einer allfälligen Wiedereinglie- derung zu unterstützen. Er selber habe nie einen Beruf erlernt und nie ge- arbeitet. Seine im Land verbliebenen Geschwister hätten eigene Familien und mithin ihre eigenen Probleme, so dass er niemanden habe, der ihn D-235/2020 Seite 11 unterstützen könnte. Alsdann habe er derzeit keinen Kontakt zu seiner Fa- milie in Eritrea. Daneben würde er sich in einer medizinischen Notlage be- finden, da er an einer (…) erkrankt und deswegen in Behandlung sei. Die Wegweisung sei daher zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufzuschie- ben. 4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an den Erwägungen der angefochtenen Verfügung vollumfänglich fest. Bezüglich des Gesundheits- zustands des Beschwerdeführers wurde angemerkt, dass der Beschwer- deschrift nicht zu entnehmen sei, seit wann er an (…) leide und ob er dies- bezüglich bereits in Eritrea in medizinischer Behandlung gewesen sei. Dennoch könne gesagt werden, dass das eritreische Gesundheitsministe- rium verschiedene Kampagnen zur Bekämpfung verbreiteter Krankheiten gestartet habe. Unter Bezugnahme auf einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 3. Juni 2019 wurde darauf verwiesen, dass eine adä- quate medizinische Versorgung für seine (…) im Heimatland gewährleistet sei. Eine (Weiter-) Behandlung erweise sich demnach als möglich und zu- mutbar, zumal er aus der Zoba E._______ stamme und das (…)- oder (…)- Spital in K._______ gut erreichen könne. Es sei ihm überdies unbenom- men, medizinische Rückkehrhilfe in Anspruch zu nehmen. 4.4 In seiner Replik entgegnete der Beschwerdeführer , die (…)-Therapie habe in der Zwischenzeit erfolgreich abgeschlossen werden können. Seit- her befinde er sich aber weiterhin in hausärztlicher Behandlung. Bei einer Rückschaffung und damit einhergehender mangelhafter medizinischer Überwachung sei ein Rückfall nicht ausgeschlossen. Auch wenn in Eritrea ein nationales Programm mit kostenloser Abgabe von (…)-Medikamenten bestehen sollte, dürfte er, aufgrund seiner familiären Vorbelastung und Vor- geschichte, kaum effektiven Zugang zu einem solchen haben. Überdies sei – wie bereits in der Beschwerdeschrift ausgeführt – sein Gesundheitszu- stand nur einer von zahlreichen Faktoren, welche zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges führen würden. Abschliessend wurde festgehalten, aufgrund des Eingreifens des eritreischen Militärs im November 2020 in der Tigray-Region und den dort mutmasslich begangenen Verbrechen ge- gen die Menschlichkeit sei die Gefahr einer erneuten Zwangsrekrutierung und/oder Bestrafung gestiegen sei. 5. 5.1 Nach eingehender Prüfung der Akten stellt das Bundesverwaltungsge- richt fest, dass die Einschätzung des SEM, die Vorbringen des Beschwer- deführers seien weder glaubhaft noch asylrelevant, zu bestätigen ist.D-235/2020 Seite 12 5.2 5.2.1 Übereinstimmend mit dem SEM kann vorliegend davon ausgegan- gen werden, dass der Beschwerdeführer in seiner Heimat von (…) 2007 bis (…) 2013 tatsächlich Militärdienst geleistet hat. Seine diesbezüglichen Ausführungen in den Befragungen, insbesondere die Beschreibung seiner militärischen Ausbildung in G._______, seine nachfolgenden Stationierun- gen in H._______, I._______, J._______, am (…) und s chliesslich in L._______ sowie seine Diensttätigkeiten, sind substantiiert, konsistent und plausibel (vgl. SEM-Akten A5, Ziff. 1.17.04 sowie A13, F 52–58, F67 und F73–106). Demgegenüber ist festzuhalten, dass die Schilderungen der De- sertion aus dem Militärdienst und der anschliessenden behördlichen Suche nach ihm sowie die Ausführungen über seinen Aufenthalt bis zu seiner Aus- reise nicht glaubhaft ausfielen. Eine zu restriktive Handhabung der Beweis- regel von Art. 7 AsylG durch die Vorinstanz ist dabei nicht ersichtlich. 5.2.1.1 Der Beschwerdeführer vermochte seine innere Motivation respek- tive die finalen Beweggründe für seine Desertion sowie die Inkaufnahme des miteinhergehenden Risikos nicht konkret und nachvollziehbar darzule- gen. So beantwortete er die entsprechende Frage, wie es dazu gekommen sei, dass er am (…) 2013 seinen Militärdienst beendet habe, zunächst nur ausweichend (vgl. SEM-Akte A13, F107). Auf die erneute Nachfrage er- klärte er dann, die Arbeit sei unerträglich gewesen und er habe sie gehasst. Er habe die ganze Zeit nur Wache halten müssen. Es habe keine Gelegen- heit gegeben, einen anderen Beruf zu erlernen oder auszuüben, und des- halb habe er sich dazu entschieden, nach Hause zu gehen (vgl. SEM- Akte A13, F108). Wann er den einschneidenden Fluchtentschluss gefasst hatte, vermochte er ebenfalls nicht überzeugend darzulegen. Hierzu machte er geltend, die Militärzeit nehme kein Ende und er habe dabei nicht arbeiten dürfen und weder für seine Familie da sein noch seine Kinder grossziehen können. Er hätte kein eigenes Leben haben können (vgl. SEM-Akte A13, F110). Alsdann blieben auch die wesentlichen Um- stände der Desertion zunächst weitestgehend im Dunkeln. Erst auf wieder- holte Ergänzungsfragen bezüglich der Geschehnisse vom (…) 2013 brachte er schliesslich vor, er habe seine Einheit in V._______ an seinem freien Tag verlassen, nachdem er seinen Vorgesetzten, W._______, um Erlaubnis gebeten habe, einen Ausflug in die Stadt machen zu dürfen. Mit dem Bus Nummer (…) sei er dann von der Haltestelle (…) in sein Heimat- dorf C._______ gelangt (vgl. SEM-Akte A13, F112–129). Es stellt sich die Frage, weshalb er diese Ereignisse nicht von sich aus vorgetragen hat, und es entsteht der Eindruck, er habe seine Antworten den gestellten Fragen angepasst. Da der Beschwerdeführer die Desertion aus dem Militärdienst D-235/2020 Seite 13 als fluchtauslösendes Ereignis schilderte, wäre anzunehmen gewesen, dass er selbst nach längerer Zeit noch substantiierte Angaben dazu ma- chen kann. Vor diesem Hintergrund kann nicht gegla ubt werden, dass er aus dem Militärdienst desertiert ist. 5.2.1.2 Des Weiteren bestehen im Zusammenhang mit der Suche nach dem Beschwerdeführer wegen Fernbleibens vom Militärdienst Ungereimt- heiten, welche er nicht aufzulösen vermochte. So ist für das Gericht – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – unverständlich, weshalb seine bei- den ehemaligen Vorgesetzten ihn lediglich im Haus seines Vaters und nicht auch bei seinem älteren Bruder, X._______, aufgesucht haben sollen, wo er sich nach der Desertion bis zur Heirat versteckt gehalten habe. Ange- sichts dessen, dass dieser gemäss Aussagen des Beschwerdeführers (…) war (vgl. SEM-Akte A13, F33), womit den (Militär-) Behörden dessen Ad- resse bekannt sein musste, wäre es wohl ein leichtes gewesen , ihn dort aufzufinden. Stringente Beschwerdeargumente für eine andere Sichtweise fehlen. Vielmehr lässt der Umstand, wonach er sich bis zu seiner Hochzeit im (…) 2014 offenbar weitgehend unbehelligt bei seinem Bruder, welcher ebenfalls in C._______ wohnte, aufhielt, nicht auf eine a sylrelevante Ge- zieltheit der Verfolgung schliessen. Alsdann machte er in den Befragungen zwar übereinstimmend geltend, seine beiden ehemaligen Vorgesetzten, W._______ und Y ._______, hätten ihn erstmals eine Woche nach seiner Desertion bei seinem Vater gesucht (vgl. SEM-Akten A5, Ziff. 7.02 und A13, F114 und F138 f.) und seien anschliessend drei oder vier weitere Male dort vorbeigekommen, um sich nach seinem Aufenthalt zu erkundi- gen (vgl. SEM-Akten A5, Ziff. 7.02 und A13, F107, F140 f., F143, F145 und F178). Demgegenüber vermochte er die einzelnen Erkundigungen der Be- hörden zeitlich nicht näher einzuordnen, was angesichts deren Wichtigkeit nicht nachvollziehbar ist. Zudem fielen seine Angaben betreffend den Zeit- punkt der letzten Durchsuchung widersprüchlich aus. In der BzP machte er geltend, er sei letztmals eine Woche vor seiner Ausreise aus Eritrea ge- sucht worden (vgl. SEM-Akte A5, Ziff. 7.02), wohingegen er anlässlich der Anhörung behauptete, nach seiner Hochzeit nicht mehr von seiner Einheit gesucht worden zu sein, da diese nach M._______ gegangen sei (vgl. SEM-Akte A13, F143–146, F152 und F154). Als er mit diesen unter- schiedlichen Angaben konfrontiert wurde, hielt er daran fest, dass er ge- sucht worden sei, bevor er geheiratet habe (vgl. SEM-Akte A13, F178). In seiner Rechtsmitteleingabe bringt er vor, er wisse nicht mehr, wie diese Protokollierung in der BzP zustande gekommen sei. Damit vermag er keine plausible Erklärung zu seiner Entlastung vorzubringen. Anlässlich der Erst- befragung erklärte er nämlich zweimal, er verstehe den Dolmetscher D-235/2020 Seite 14 "molto bene" (vgl. SEM-Akte A5, Bst. h und Ziff. 9.02). Zudem bestätigte er nach der Rückübersetzung unterschriftlich, das Protokoll sei vollständig und korrekt und würde seinen Aussagen entsprechen (vgl. ebenda S. 10). Nach Durchsicht des Protokolls sind ausserdem keine Anhaltspunkte für Verständigungsschwierigkeiten oder unpräzise oder unvollständige Über- setzungen festzustellen. Auch wenn dem Protokoll der BzP angesichts des summarischen Charakters der Befragung nur ein beschränkter Beweiswert zukommt, dürfen Widersprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen bei der BzP in wesent- lichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der An- hörung diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Be- fürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der BzP zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H sowie Ent- scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3). Folglich muss sich der Beschwerdeführer auf seine Aussagen an der BzP und daraus allenfalls resultierende Unstimmigkeiten behaften lassen. Soweit er in der Anhörung vorbrachte, dass die Suche nach ihm (…) 2014 (vorübergehend) eingestellt worden sei, weil seine Ein- heit zwecks Ausbildung nach M._______ weitergezogen sei (vgl. SEM- Akte A13, F143–146, F152, F154 und F178), erscheint dies wenig wahr- scheinlich. Unter diesen Umständen ist im Übrigen sein Verhalten, direkt nach der Hochzeit vom (…) 2014 wieder an seinen den eritreischen Behör- den bekannten Wohnsitz bei seinem Vater zurückzukehren und sich dort bis zu seiner Ausreise aufzuhalten , nicht einleuchtend , wäre doch zu er- warten gewesen, dass er dort, nach der Rückkehr seiner Einheit, mit einer Verhaftung hätte rechnen müssen. 5.2.1.3 Darüber hinaus fielen seine Ausführungen, wie er nach seiner De- sertion im (…) 2013 bis zu seiner Ausreise im (…) 2014 versteckt in C._______ gelebt haben will, ohne festgenommen worden zu sein, nur sehr vage, allgemein und substanzarm aus. In der BzP führte er aus, er habe während dieser Zeitspanne nichts gemacht. Da er nicht habe arbeiten können, sei er zu Hause geblieben. Er habe ohnehin vorsichtig sein müs- sen, um nicht in eine Razzia zu geraten (vgl. SEM-Akte A5, Ziff. 7.02). Auch in der Anhörung machte er – trotz mehrmaliger Nachfragen – keine weitergehenden Angaben (vgl. SEM-Akte A13, F64–66). Damit erwecken seine Schilderungen nicht den Eindruck einer Person, die tatsächlich in den Fokus der Behörden geraten ist und sich vor diesen verstecken musste. Diese Einschätzung wird durch Ungereimtheiten in Bezug auf die geltend D-235/2020 Seite 15 gemachte Vorwarnung durch seinen Freund bestätigt. Hierzu gab er an- lässlich der BzP zu Protokoll, sein Freund P._______, mit welchem er zu- sammen den Militärdienst geleistet habe, habe sich kurz vor der letzten Suche eine Woche vor seiner Ausreise telefonisch mit seinem Vater in Ver- bindung gesetzt, um ihm mitzuteilten, dass W._______ auf dem Weg zu ihm sei (vgl. SEM-Akte A5, Ziff. 7.02). Dagegen brachte er in der Anhörung vor, er sei von seinem ehemaligen Kollegen Q._______ über die erste Durchsuchung eine Woche nach seiner Desertion informiert w orden, so- dass er sich rechtzeitig bei seinem Bruder habe verstecken können (vgl. SEM-Akte A13, F107, F112, F130 und F139). Als er auf diese Wieder- sprüche angesprochen wurde, wich er den Fragen mehrmals aus, bevor er schliesslich bestätigte, dass Q._______ seinen Vater per Telefon gewarnt hatte, noch bevor er das erste Mal zu Hause von seiner ehemaligen Einheit gesucht worden sei. Dagegen sei P._______ der Name des Freundes, wel- cher ihm geholfen habe, einen Schlepper zu finden (vgl. SEM-Akte A13, F171–178). Obwohl die Namen "P._______" und "Q._______" ähnlich klin- gen, wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer den Namen der Person, welche ihn telefonisch vor den Razzien der Militärbehörden warnte, und denjenigen seines Freundes, welcher ihm den Kontakt zu sei- nem Schlepper ermöglichte, auseinanderhalten kann. Seine Erklärung in der Beschwerdeschrift, wonach es sich um eine simple Verwechslung der Namen gehandelt habe, verfängt nicht. 5.2.1.4 Im Weiteren vermocht e der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen, aus welchen Gründen er als gesuchte Person, welche sich versteckt hielt, bis im (…) 2014 in Eritrea blieb und nicht bereits schon früher ausgereist ist. Während der BzP führte er auf die Frage, weshalb er so lange gewartet habe, bis er schliesslich sein Heimatland verlassen habe, aus, in der An- fangszeit habe er zunächst noch gehofft, dass er in Ruhe gelassen werde, anschliessend habe er Zeit benötigt, um den richtigen Schlepper zu finden (vgl. SEM-Akte A5, Ziff. 7.02). In der Anhörung gab er an, es habe kein be- stimmtes Ereignis gegeben, welches für ihn den Ausschlag dafür gegeben habe, das Land im (…) 2014 zu verlassen (vgl. SEM-Akte A13, F70 f.). Die in der Beschwerdeschrift vorgebrachte Erklärung, wonach er noch etw as Zeit mit seiner Familie habe verbringen wollen, vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Bei einer tatsächlichen Verfolgung durch die eritreischen Mi- litärbehörden wäre zu erwarten gewesen, dass er bereits früher seine Aus- reise organisiert hätte. D-235/2020 Seite 16 5.2.1.5 Ferner machte der Beschwerdeführer geltend, die Ereignisse nach seiner Ausreise aus Eritrea würden für den Wahrheitsgehalt seiner Aussa- gen sprechen. Anlässlich der Anhörung gab er zu Protokoll, nachdem er sein Heimatland verlassen habe, habe seine Frau seinetwegen eine Busse bezahlen müssen und sei für drei Tage inhaftiert worden . Ausserdem sei sie unter Druck gesetzt worden, indem ihr beispielsweise keine Coupons für Grundnahrungsmittel mehr ausgestellt worden seien . Wegen dieser Schwierigkeiten sei sie schliesslich (…) 2017 zusammen mit dem gemein- samen Kind in den Sudan geflüchtet (vgl. SEM-Akte A13, F18–24). Ange- sichts dessen, dass die entsprechenden Vorbringen gänzlich unsubstanti- iert erfolgten (keine Angaben über die Umstände und den Zeitpunkt der Inhaftierung seiner Ehefrau) und auch nicht plausibel erscheint, dass er – obwohl er offenbar stets in Kontakt mit seiner Frau stand – erst Jahre später davon erfahren haben soll, sind die geltend gemachten Schwierig- keiten seiner Ehefrau mit den eritreischen Behörden als blosse Schutzbe- hauptungen zu qualifizieren . Aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Asyl- gründe des Beschwerdeführers ist die darauf beruhende Inhaftierung sei- ner Ehefrau und deren Ausreise aus Eritrea aufgrund behördlicher Prob- leme wegen ihm ohnehin als unglaubhaft einzustufen. 5.2.2 Nach dem Gesagten k önnen die geltend gemachte Desertion des Beschwerdeführers aus dem Militärdienst, die anschliessende Suche nach ihm durch Angehörige des Nationaldienstes sowie seine Aufenthalte bei seinem Vater und seinem Bruder bis zu seiner Ausreise nicht geglaubt wer- den. Dementsprechend vermag er aus seinem Vorbringen, aufgrund seiner Desertion würde er bei einer Rückkehr nach Eritrea umgehend inhaftiert und unverhältnismässig streng bestraft, wobei eine solche Bestrafung als politisch motiviert einzustufen sei, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Es erscheint wahrscheinlicher, dass er vom Militärdienst suspendiert oder im Laufe der Jahre ordentlich entlassen worden ist und danach noch einige Zeit unbehelligt in Eritrea lebte, bevor er im (…) 2014 in den Sudan ging (vgl. diesbezüglich die Urteile des BVGer E-3837/2019 vom 19. Ja- nuar 2021 E. 6.2.5, E-31/2017 vom 2. Oktober 2019 E. 7 und E-2730/2017 vom 21. August 2018 E. 5.1). Es ist folglich nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Ausreisezeitpunkt von den eritreischen Behörden gesucht wurde. Daher ist au ch nicht anzunehmen, dass er im Zeitraum nach Verlassen des Militärdienstes bis zu seiner Ausreise einer asylrele- vanten Verfolgungsgefahr ausgesetzt war. Es liegen somit keine asylrele- vanten Vorfluchtgründe vor. D-235/2020 Seite 17 5.3 5.3.1 In seiner früheren Rechtsprechung ging das Bundesverwaltungsge- richt davon aus, dass bei einer illegalen Ausreise aus Eritrea im Falle einer Rückkehr die Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Bestrafung be- stehe. Im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil pu- bliziert) gelangte das Gericht jedoch zum Schluss, dass die bisherige Pra- xis nicht mehr aufrechterhalten werden könne und die illegale Ausreise al- lein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreiche . Vielmehr bedürfe es hierzu zusätzlicher Anknüpfungspunkte, welch e einen Be- schwerdeführer in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erscheinen liessen und dadurch zu einer flüchtlingsrechtlich rele- vanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. a.a.O. E. 5.1). 5.3.2 Aufgrund dieses Entscheids kann vorliegend – mangels flüchtlings- rechtlicher Relevanz – auf eine eingehende Glaubhaftigkeitsbeurteilung bezüglich der geltend gemachten illegalen Ausreise des Beschwerdefüh- rers verzichtet werden. Selbst bei Annahme einer illegal erfolgten Ausreise lassen sich den Akten keine konkreten Hinweise auf relevante zusätzliche Anknüpfungspunkte für eine Schärfung seines Profils entnehmen. Da er – wie in der vorhergehenden Erwägung dargelegt (vgl. oben E. 5.2) – nicht glaubhaft machen konnte, dass er aus dem Militärdienst deser tiert oder aus anderen Gründen in den Fokus der eritreischen (Militär-) Behörden ge- raten ist, sind – neben einer allenfalls illegalen Ausreise – auch keine an- deren Anknüpfungspunkte ersichtlich, welche ihn in den Augen des Re- gimes als missliebige Personen erscheinen lassen könnten. Der Be- schwerdeführer erfüllt damit die Flüch tlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG auch unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe nicht. 5.3.3 Soweit in der Beschwerde Kritik an dieser neuen Praxis des Bundes- verwaltungsgerichts geübt wird, ist diese zur Kenntnis zu nehmen. Die ent- sprechenden Ausführungen vermögen die gefestigte und koordinierte Rechtsprechung jed och nicht in Frage zu s tellen (vgl. auch unten E. 7.2.3.3). 5.4 Als Auslöser für das Verlassen seines Heimatlandes nannte der B e- schwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren schliesslich auch, dass der Nationaldienst kein Ende n ehme, er keine Freiheiten mehr gehabt habe und mit der herrschenden Politik nicht einverstanden gewesen sei (vgl. SEM-Akten A5, Ziff. 7.01 und A13, F69 ff.). Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgehalten hat (vgl. dort E. II, Ziff. 3 sowie die Zusammenfassung der entsprechenden Ausführungen in E. 4.1 D-235/2020 Seite 18 des vorliegenden Urteils) , stellen Nachteile, welche auf die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Lebensbedingungen in einem Staat zurückzuführen sind, keine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar. 5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass sowohl das Vorliegen von Vor- fluchtgründen im Sinne von Art. 3 AsylG als auch dasjenige von subjekti- ven Nachfluchtgründen gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen ist. Insbeson- dere ist unter Hinweis auf E. 5.1 des Urteil s D-7898/2015 vom 30. Ja- nuar 2017 (vgl. oben E. 5.3.2) festzuhalten, dass einer nach der Rückkehr nach Eritrea erfolgenden (Wieder-) Einziehung des Beschwerdeführers in den Nationaldienst asylrechtlich grundsätzlich keine Bedeutung zukäme, weil sie nicht aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolgen würde. Im Üb- rigen kann auf diesbezüglich weitergehende Erläuterungen schon deshalb verzichtet werden, weil es dem Beschwerdeführer ohnehin nicht gelingt, glaubhaft zu machen, dass ihm im Falle der Rückkehr in sein Heimatland ein Wiedereinzug in den eritreischen Militärd ienst droht (vgl. unten E. 7.2.3). Das SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer- deführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegwe isung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän- der und über die Integration [AIG; SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, D-235/2020 Seite 19 wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 7.2 7.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker- rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent- gegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun- gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus- reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied- rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Art. 4 EMRK beinhal- tet die Verbote der Sklaverei und Leibeigenschaft (Abs. 1) sowie der Zwangs- oder Pflichtarbeit (Abs. 2 und 3). 7.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG im vorliegenden Verfahren keine Anwend ung finden. Seine Rückschaffung in den Heimatstaat ist demnach insofern rechtmässig. 7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh- rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand- lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN -Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei- sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Gros se Kammer 37201/06, §§ 124127 m.w.H.). D-235/2020 Seite 20 Aufgrund des heutigen Alters des Beschwerdeführers kann ein allfälliger (erneuter) Einzug in den Nationaldienst bei seiner Rückkehr nicht ausge- schlossen werden (vgl. zur eritreischen Musterungspraxis auch das Refe- renzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 13.2–13.4 [als Referenzurteil publiziert]). Die Frage kann aber mit Verweis auf die nach- folgenden Erwägungen offenbleiben. 7.2.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Grundsatzurteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 (publiziert als BVGE 2018 VI/4) die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei drohender Einziehung in den eritreischen Nationaldienst unter den Aspekten des Zwangsarbeitsver- bots (Art. 4 Abs. 2 EMRK), des Folterverbots und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK) geklärt. Nach eingehender Quellenanalyse kam es zum Schluss, die Bedingungen im Nationaldienst seien grundsätzlich als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren; durch die Einziehung in den eritreischen Nation aldienst be- stünde gleichwohl nicht das ernsthafte Risiko einer schwerwiegenden Ver- letzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK. Zudem sei nicht erstellt, dass die berich- teten Misshandlungen und sexuellen Übergriffe derart systematisch statt- fänden, dass jede Nationaldien stleistende und jeder Nationaldienstleis- tende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden (vgl. BVGE 2018 IV/4 E. 6.1, insbesondere E. 6.1.5). Weiter ver- neinte es das ernsthafte Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritreischen Nationaldienst (vgl. BVGE 2018 IV/4 E. 6.1.6), da keine hinreichenden Belege dafür existierten, wonach Miss- handlungen und sexuelle Übergriffe im Nationaldienst derart fläch ende- ckend stattfinden würden, dass jede Dienstleistende und jeder Dienstleis- tende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. 7.2.3.2 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den vorliegenden Akten ergeben sich – selbst bei einem Einzug in den Natio- naldienst – Anhaltspunkte für die Annahme, er müsste bei einer freiwilligen Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotene Strafe oder Behandlung be- fürchten. Auch die problematische allgemeine Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt praxisge- mäss nicht als unzulässig erscheinen. D-235/2020 Seite 21 7.2.3.3 Die Referenzurteile des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 und E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 (publiziert als BVGE 2018 VI/4) basie- ren auf einer umfassenden Analyse der aktuellen Quellen im jeweiligen Ur- teilszeitpunkt. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, ihm drohe für den Fall einer (freiwilligen) Rückkehr nach Eritrea Folter und unmenschli- che Behandlung respektive S klaverei und Zwangsarbeit (vgl. hierzu die Ausführungen in der Beschwerde, E. II, Ziff. 4.4.2 und Ziff. 4.4.3), stützt er sich auf Quellen und Rechtsprechung, die ält er datieren. Den Ausführun- gen können keine neuen Erkenntnisse oder Gesichtspunkte entnommen werden, welche eine neuerliche Praxisänderung gebie ten würden ( vgl. auch vorstehend E. 5.3.4). 7.2.4 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwer- deschrift. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich nach dem Gesagten – sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker- rechtlichen Bestimmungen – als zulässig. 7.2.5 Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwaltungs- gericht die Zuläss igkeit des Wegweisungsvollzuges – aufgrund des Feh- lens eines Rückübernahmeabkommens zwischen der Schweiz und Erit- rea – lediglich für fr eiwillige Rückkehrer beurteilt und die Zulässigkeit zwangsweiser Rüc kführungen ausdrücklich offenlä sst (vgl. BVGE 2018 VI/4 E. 6.1.7). 7.3 7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.2 Im bereits zitierten Grundsatzentscheid BVGE 2018 IV/4 kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst nicht generell zur Feststellung der Unzu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führe (a.a.O., E. 6.2.3–6.2.5). Daran vermag auch der Verweis des Beschwerdeführers in der Replik auf die ge- genwärtige Konfliktsituation rund um die äthiopische Provinz Tigray nichts D-235/2020 Seite 22 zu ändern. Eine allfällige Einziehung des Beschwerdeführers in den Natio- naldienst bei einer (freiwilligen) Rückkehr nach Eritrea führt damit nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 7.3.3 Nach aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise ei- ner generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Be- reichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwie- rig; die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zu- gang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfang- reichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevöl- kerung profitiere. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Lan- des muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Faktoren nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit d es Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 7.3.4 Mit der Vorinstanz ist festzustellen, dass sich im Fall des Beschwer- deführers aus den Akten keine individuellen Gründe ergeben, welche einen Wegweisungsvollzug nach Eritrea als unzumutbar erscheinen lassen. Er verfügt unbestrittenermassen über Verwandte in seinem Heimatland (sein Vater, sein Bruder X._______, seine beiden Schwestern Aa._______ und Bb._______ sowie Onkel und Tanten [vgl. SEM-Akten A5, Ziff. 3.01 und A13, F29 und F31–33]). Soweit er vorbrachte zurzeit nicht mehr mit ihnen in Kontakt zu stehen, ist davon auszugehen, dass er diese Kontakte im Hinblick auf seine Rückkehr reaktivieren respektive wieder intensivieren kann. Vor seiner Ausreise lebte er bei seinem Vater, zu welchem er wieder zurückkehren kann. Somit kann davon ausgegangen werden, dass er bei seiner Rückkehr – trotz der mehrjährigen Landesabwesenheit – auf ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz zurückgreifen kann, welches ihn bei seiner sozialen und wirtschaftlichen Wiedereingliederung unterstützen kann. Zwar erlernte er keinen Beruf, gemäss eigenen Angaben arbeitete er nach der Schule aber auf verschiedenen (…) (vgl. SEM-Akte A13, F62). Diese Tätigkeit kann er wiederaufnehmen. Es ist daher nicht davon auszu- gehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in eine existenz-D-235/2020 Seite 23 bedrohende Situation geraten würde. Sodann spricht auch der geltend ge- machte Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht gegen die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Bezüglich seiner (…) ergibt sich aus dem eingereichten Arztbericht vom 4. Juni 2020, dass er die Behandlung bereits im (…) 2020 erfolgreich abschliessen konnte. Das Bundesverwal- tungsgericht geht demnach, selbst bei einem Rückfall, nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in eine lebensbedrohende Situation geraten würde, weil er nicht die notwendige medizinische Versor- gung erhalten könnte. Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung festge- stellt hat, ist davon auszugehen, dass eine adäquate medizinische Versor- gung von (…) für den Beschwerdeführer in Eritrea gewährleistet ist. Dem ärztlichen Bericht ist sodann zu entnehmen, dass er als Nebenwirkung des Medikaments (…) an einer (…) leidet. Zwar brachte er in der Replik vor, seit Abschluss der (…) weiterhin in hausärztlicher Behandlung zu sein, wei- tere Angaben hinsichtlich seines aktuellen Gesundheitszustandes machte der Beschwerdeführer, welcher die entsprechende Substantiierungslast trägt, jedoch nicht. Jedenfalls ist die von der Rechtsprechung für die Unzu- mutbarkeit des Vollzugs geforderte hohe Schwelle der gesundheitlichen Beeinträchtigung aufgrund der Aktenlage nicht erfüllt (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, m.H. auf die Praxis des EGMR). Nötigenfalls kann den Bedürfnissen des Beschwerdeführ ers ferner durch medizinische Rückkehrhilfe Rech- nung getragen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d i.V.m. Art. 75 der Asylver- ordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Diese kann in Form von Beiträgen zur Durchführung einer medizinischen Behandlun g, durch Mitgabe der benötigten Medikamente oder durch Ausrichtung einer Pauschale für medizinische Leistungen gewährt werden. 7.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung so- wohl allgemein als auch in individueller Hinsicht als zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. 7.4 Zwar ist darauf hinzuweisen, dass derzeit die zwangsweise Rückfüh- rung abgewiesener Asylsuchender nach Eritrea zurzeit generell nicht mög- lich ist. Die Möglichkeit der freiwilligen Rückkehr steht jedoch praxisge- mäss der Feststellun g der Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs ent- gegen. Es obliegt daher dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise- dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist folglich auch als möglich zu b e- zeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG). D-235/2020 Seite 24 7.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang mit der Coronavirus -Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet ist, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Bei der Coronavirus-Pandemie handelt es sich, soweit derzeit feststellbar, al- lenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis. Es obliegt somit den kanto- nalen Behörden, der Entwicklung der Situation bei der Wahl des Zeitpunkts des Vollzugs in angemessener Weise Rechnung zu tragen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.). 7.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Wegwei- sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem mit Zwi- schenverfügung vom 6. Februar 2020 das Gesuch um Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutge- heissen worden ist und weiterhin von d er Bedürftigkeit des Beschwerde- führers auszugehen ist, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 9.2 Nachdem der rubrizierte Rechtsvertrete r des Beschwerdeführers mit derselben Verfügung als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet worden ist, ist er für seinen Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu ent- schädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Der Rechtsvertreter hat mit Eingabe vom 14. April 2021 eine Honorarnote eingereicht, mit welcher er Kosten von insgesamt Fr. 3'678.30 geltend macht, ausgehend von einem zeitlichen Aufwand von 11.35 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– sowie Spesen in der Höhe von Fr. 10.30 und einem Mehrwertsteuerzuschlag von Fr. 263.–. Der zeitliche Aufwand erscheint angemessen. Der Stundensatz liegt im Rah- men des amtlichen Mandats praxisgemäss bei Fr. 220.– (vgl. Art. 12 i.V.m. D-235/2020 Seite 25 Art. 10 Abs. 2 VGKE). Bei den A uslagen ist das mit fehlerhaftem Ansatz (0.00 anstatt 5.30) berücksichtigte Porto für die Eingabe der Replik noch nicht enthalten, weshalb die Spesenkosten entsprechend zu erhöhen sind. Dem unentgeltlichen Rechtsbeistand ist deshalb durch das Bundesverwal- tungsgericht ein amtliches Honorar von (gerundet) Fr. 2'706.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) D-235/2020 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dem amtlichen Rechtsbeistand, Rechtsanwalt MLaw Roman Schuler, wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 2'706.– zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Mia Fuchs Kathrin Rohrer Versand: