Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 7. September 2022 (810 22 29) ____________________________________________________________________ Ausländerrecht Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung / Nichterreichen der dreijährigen Dauer der ehelichen Gemeinschaft / Zeitpunkt der Auflösung der Ehege- meinschaft Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Marku s Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl , Kantonsrichterin Ana Dettwiler, Gerichts- schreiber i.V. Marco Belser Beteiligte A.____ , vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat gegen Regierungsrat des Kantons Basel -Landschaft , Vorinstanz Betreff Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz (RRB Nr. 249 vom 8. Februar 2022) A. Der 1981 geborene A.____ ist ägyptischer Staatsbürg er und heiratete am 7. Juni 2015 in Kairo die 1978 geborene Schweizerin B.____. Am 28 . November 2015 reiste A.____ in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Mit Eingabe vom 13. November 2018 reichte B.____ e in Eheschutzbegehren ein, wo- raufhin das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost mit Ur teil vom 21. März 2019 das beantragte Getrenntleben der Ehegatten per 1. November 2018 bewilligte. C. Am 12. November 2020 gewährte das Amt für Migratio n und Bürgerrecht des Kantons Basel-Landschaft (AFMB) A.____ das rechtliche Gehör zum beabsichtigten Widerruf bzw. zur Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und zur W egweisung aus der Schweiz. A.____ reichte am 18. Dezember 2020 seine Stellungnahme ein. D. Mit Verfügung vom 7. Juli 2021 verlängerte das AFMB die Aufenthaltsbewilligung von A.____ nicht mehr und wies ihn per 31. August 2021 aus der Schweiz weg. E. Gegen die vorgenannte Verfügung erhob A.____, nun mehr immer vertreten durch Dr. Nicolas Roulet, Advokat in Basel, am 15. Juli 2021 Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat) und beantragte die Aufhebung der Verfügung sowie die Bewilligung seines Aufenthalts im Kanton Basel-Landschaft. F. Mit Beschluss (RRB) Nr. 249 vom 8. Februar 2022 wies der Regierungsrat die Be- schwerde ab. G. Mit Eingabe vom 9. Februar 2022 reichte A.____ ge gen den RRB Nr. 249 vom 8. Februar 2022 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassu ngs- und Verwaltungsrecht (Kantons- gericht), Beschwerde ein. Er beantragt die Aufhebung d es vorinstanzlichen Beschlusses und die Bewilligung seines Aufenthalts im Kanton Basel-Lan dschaft sowie die Gewährung der un- entgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung. Zur Begründung führt der Beschwerdeführer zusammengefasst an, das eheliche Zusammenleben habe mehr a ls drei Jahre gedauert und er erfülle die Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerin- nen und Ausländer und über die Integration (AIG) vom 16. Dezember 2005 vollumfänglich, weshalb er gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG Anspr uch auf Beibehaltung und Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung habe. H. In seiner Vernehmlassung vom 29. April 2022 beantra gt der Regierungsrat unter Ver- weis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die kostenfällige Abweisung der Be- schwerde. I. Mit Präsidialverfügung vom 12. Mai 2022 wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung abgewiesen. J. Mit Eingabe vom 23. Mai 2022 erhebt der Beschwerde führer Einsprache gegen die Verfügung vom 12. Mai 2022 bzw. ersucht er um Wiedererwägung der Verfügung. K. Mit Verfügung vom 8. Juni 2022 wurde die Einsprache vom 23. Mai 2022 an die Kam- mer überwiesen und festgehalten, dass darüber zusammen mi t der Hauptsache entschieden werde. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht L. Am 23. Juni 2022 reichte der Rechtsvertreter des Be schwerdeführers seine Honorar- note ein. M. Mit Eingabe vom 30. Juni 2022 teilte der Beschwerd eführer mit, dass er anfangs Ju- ni 2022 eine Arbeitsstelle bei der US-amerikanischen Botschaft in Bern angetreten habe. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess- ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügu ngen und Entscheide des Regie- rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kan tonsgericht zulässig. Da weder ein Ausschlusstatbestand nach § 44 VPO noch ein spezialgesetzl icher Ausschlusstatbestand vor- liegt, ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichts zur B eurteilung der vorliegenden Angelegenheit gegeben. Der Beschwerdeführer ist durch den angefochte nen Entscheid berührt und hat dies- bezüglich ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebun g, womit er gestützt auf § 47 Abs. 1 lit. a VPO zur Beschwerde legitimiert ist. Die weiteren Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt. Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nach § 45 Abs. 1 lit. a und b VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Festste llung des Sachverhalts gerügt wer- den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kanton sgericht dagegen – abgesehen von hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 2. Vorliegend ist zu prüfen, ob die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Be- schwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 3.1 Nach der Auflösung der Ehe oder der Familiengemei nschaft besteht der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlänge rung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 50 Abs. 1 AIG weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfüllt sin d (lit. a) oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Die Voraussetzungen nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG müssen kumulativ erfüllt sein (BGE 140 II 289 E. 3.5.3, 3.8). 3.2 Für die Berechnung der dreijährigen Frist gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG ist gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung auf die in der Schweiz gelebte Ehegemeinschaft abzustellen; im Ausland gelebte Ehezeiten werden nicht an die massgebliche Dauer angerech- net (BGE 136 II 113 E. 3.3). Die Ehegemeinschaft im S inne von Art. 50 Abs. 1 lit a AIG setzt voraus, dass die eheliche Beziehung tatsächlich gelebt wir d und ein gegenseitiger Ehewille be- steht (vgl. BGE 138 II 289 E. 2). Die Frist von drei Ja hren gilt absolut; es besteht kein Anspruch auf Verlängerung der Bewilligung, selbst wenn die Fr ist nur um wenige Wochen oder Tage ver- passt wird (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.1.3 mit Hinweisen) . Mehrere aufeinanderfolgende Ehege- meinschaften von kürzerer Dauer können nicht zusammengerec hnet werden (vgl. BGE Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 140 I 289 E. 3.1 ff.). Bei der Berechnung der Dauer der ehelichen Gemeinschaft ist im Wesent- lichen auf die Dauer der nach aussen wahrnehmbaren eh elichen Wohngemeinschaft abzustel- len (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.1.2). Dieser Grundsatz kommt einerseits infolge Rechtsmissbrau- ches dann nicht zur Anwendung, wenn die Ehepartner nur noch zum Schein zusammenwohnen (vgl. Art. 51 Abs. 2 lit. a AIG; BGE 136 II 113 E. 3. 2). Andererseits ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts insbesondere auch dann davon abzuweichen, wenn aufgrund der besonde- ren Umstände des Einzelfalls anzunehmen ist, dass nur mehr eine faktische Wohngemeinschaft vorliegt, d.h. die eheliche Beziehung trotz eines (fortd auernden) gemeinsamen Wohnsitzes nicht mehr gelebt wird und der Ehewille mindestens ei nes Ehegatten erloschen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_939/2018 vom 24. September 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). 3.3 Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 li t. b AIG ("nachehelicher Härtefall") können namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder d er Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliede- rung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG). Mit der Aufnahme wichti- ger persönlicher Gründe, die einen weiteren Aufentha lt in der Schweiz erforderlich machen, sollen in Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls nacheheliche ausländerrechtliche Härtefälle infolge der Auflösung der ehelichen Gemei nschaft vermieden werden (vgl. M ARC SPESCHA , in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Komme ntar Migrationsrecht, 5. Auflage, Zürich 2019, N 11 zu Art. 50 AIG). Die A ufzählung wichtiger persönlicher Gründe in Art. 50 Abs. 2 AIG ist nicht abschliessend und jeder der dort genannten Gründe kann für sich allein als wichtiger Grund für eine Aufenthaltsbewill igung genügen (vgl. S PESCHA , a.a.O., N 25 zu Art. 50 AIG). 4.1 Das AFMB und die Vorinstanz kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer und B.____ zwar mehr als drei Jahre zusammengewohnt hätten . Allerdings habe B.____ am 13. November 2018 ein Eheschutzbegehren eingereicht u nd um Bewilligung des Getrenntle- bens ersucht. Dabei habe sie ausgeführt, die Ehe sei se it dem 1. November 2018 definitiv ge- scheitert, nachdem es bereits zuvor zu ehelichen Probleme n gekommen sei. Der Ehewille der Ehefrau sei somit am 1. November 2018 bzw. 13. November 2018 erloschen und die Ehege- meinschaft des Beschwerdeführers habe weniger als drei Jah re gedauert, weshalb sich dieser nicht auf eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung berufen könne. 4.2 Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass die Ehe formell mehr als drei Jahre gedauert habe und er bi s zum 1. Januar 2019 in der gemeinsamen Wohnung verblieben sei, womit bis zu diesem Zeitpunkt von einer Ehegemeinschaft ausgegan- gen werden müsse. Das per 1. November 2018 gerichtlich angeordnete Getrenntleben sei un- erheblich. Dass sich Ehegatten bereits vor Einreichung ei nes Gesuchs um Bewilligung des Ge- trenntlebens auseinanderleben würden, sei normal. Er habe die Trennung nicht gewollt und bis zuletzt die Hoffnung gehabt, die Beziehung mit seiner Ehefrau aufrecht erhalten zu können. Er habe vom Ansinnen seiner Ehefrau, das Getrenntleben bewilligt zu erhalten, nichts gewusst und noch vor Durchführung einer entsprechenden Eheschutzve rhandlung eine eigene Woh- nung gefunden. Es könne ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden, er würde sich rechtsmiss- bräuchlich auf ein dreijähriges Zusammenleben berufen und hätte die Frist durch sein eigenes Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht trölerisches Verhalten zur Einhaltung gebracht, nachdem er nach dem Eheschutzgesuch seiner Ehefrau vom 13. November 2018 noch so lange in der eh elichen Wohnung gewohnt habe, bis er eine neue Wohnung gefunden habe. Getrennte Schla fzimmer seien zudem auch in nicht vollständig zerrütteten Familien nicht unüblich. Der Um stand, dass die Ehe zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung noch nicht geschieden gewesen sei, z eige auf, dass der Ehewille der Ehegatten offensichtlich nicht vollständig erloschen sei. Neben der erforderlichen dreijährigen Ehegemeinschaft sei er überdies auch erfolgreich integriert, weshalb er Anspruch auf Verlänge- rung seiner Aufenthaltsbewilligung habe. 4.3 Der Beschwerdeführer und B.____ heirateten am 7. Juni 2015 in Ägypten. Unbestritte- nermassen reiste der Beschwerdeführer am 28. November 2 015 in die Schweiz ein und zog in die gemeinsame Wohnung mit seiner Ehefrau. Ebenfalls unbestritten ist, dass B.____ am 13. November 2018 ein Eheschutzgesuch um Bewilligung de s Getrenntlebens mit Wirkung per 1. November 2018 stellte. Gemäss den Ausführungen des Be schwerdeführers ist dieser bis zum 1. Januar 2019 in der ehelichen Wohnung gebliebe n, bevor er in eine neue Wohnung zog. Soweit der Beschwerdeführer sich in dieser Hinsicht dara uf beruft, der Trennungsprozess der Parteien sei in ordentlichen zeitlichen Bahnen verlau fen und es sei weder rechtsmissbräuchlich zum Schein zusammengelebt noch einzig eine faktische Wohng emeinschaft aufrechterhalten worden, ist er an die oben (vgl. E. 3.2) und zudem au ch im angefochtenen Entscheid erwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung zu erinnern, wonach der Rechtsmissbrauchsvorbehalt ge- rade nicht die einzige Schranke für eine Anrechnung de s Zusammenwohnens der Ehegatten bildet. Demnach kann auf die nach aussen wahrnehmbare eheliche Wohngemeinschaft nicht abgestellt werden, wenn die eheliche Beziehung trotz ei nes gemeinsamen Wohnsitzes nicht mehr gelebt wird und der Ehewille mindestens eines E hegatten erloschen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_939/2018 vom 24. September 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). Ein Rechtsmiss- brauch wird dem Beschwerdeführer denn auch weder vom A FMB noch von der Vorinstanz vor- geworfen. Hingegen haben das AFMB und die Vorinstanz a ngenommen, die Ehegemeinschaft zwischen dem Beschwerdeführer und B.____ habe nur bis zum 1. November 2018 (Beginn des bewilligten Getrenntlebens) bzw. 13. November 2018 (Ei nreichung Eheschutzbegehren um Be- willigung des Getrenntlebens durch B.____) bestanden. Diese ist mit Blick auf die Rechtspre- chung des Bundesgerichts, wonach die Ehegemeinschaft voraussetzt, dass die eheliche Bezie- hung tatsächlich gelebt werde sowie ein gegenseitiger Ehewille bestehe (vgl. BGE 138 II 289 E. 2), und bei einem richterlich angeordneten Getrenn tleben normalerweise nicht davon ausge- gangen werden könne, dass die eheliche Gemeinschaft noch g elebt werde (vgl. Urteil des Bun- desgerichts 2C_375/2020 vom 24. Juli 2020 E. 2.2.5), n icht zu beanstanden. Insofern ist es vorliegend entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht relevant, dass dieser bis zum 1. Januar 2019 in der gemeinsamen Wohnung verblieben ist und die nach aussen wahrnehm- bare eheliche Wohngemeinschaft damit länger als drei Jahre gedauert hat. Entscheidend ist vielmehr die vom Bundesgericht angeführte Innensicht de r Ehegemeinschaft und in diesem Zusammenhang, dass der Ehewille von B.____ am 1. Novem ber 2018, spätestens jedoch am 13. November 2018, erloschen ist und die eheliche Beziehung seit diesem Zeitpunkt nicht mehr gelebt wurde. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Dass die eheliche Beziehung seit der Einreichung des Eheschutzgesuchs nicht mehr gelebt worden und der Ehewille der Ehefrau erloschen ist, ergibt sich im Übrigen auch aufgrund der vorhandenen Akten. So führte B.____ im Rahmen de r Beantwortung diverser Fragen des AFMB mit Schreiben vom 28. Januar 2019 etwa aus, dass di e Scheidung vorgesehen sei und eine Wiederaufnahme der Ehe für sie auf keinen Fall i n Frage komme. Wäre die eheliche Be- ziehung seit der Einreichung des Eheschutzgesuchs tatsächlich noch gelebt worden, hätte sich B.____ nur zwei Monate danach nicht derart geäussert. I m Rahmen des vom AFMB gewährten rechtlichen Gehörs hielt B.____ sodann an diesen Aussage n fest und bemerkte, die Beziehung sei bereits seit längerem nicht mehr zu retten gewesen u nd sie habe seit der Trennung keinen Kontakt mehr zum Beschwerdeführer. Im Weiteren kann den Akten entnommen werden, dass die Beziehung bereits zu früheren Zeitpunkten von Prob lemen geprägt war. Der Beschwerde- führer führt im vorinstanzlichen und vorliegenden Beschw erdeverfahren in den Beschwerdebe- gründungen diesbezüglich aus, es habe Probleme in der B eziehung gegeben, welche auf den Verlust des gemeinsamen Sohnes bei der Geburt und die Frustrationen seitens seiner Ehefrau zurückgehen würden. Ebenfalls räumt er darin ein, dass d ie Ehegatten getrennte Schlafzimmer gehabt hätten, B.____ betreffend das Gesuch um Bewill igung und Regelung des Getrenntle- bens einen Anwalt betraut habe und die Ehegatten sich bereits davor auseinandergelebt hätten. Es ist somit davon auszugehen, dass der Ehewille der Ehef rau des Beschwerdeführers seit dem 1. November 2018 bzw. 13. November 2018 erloschen i st und die Ehegemeinschaft seit- her nicht mehr gelebt wurde, womit die Ehegemeinschaf t seit diesem Zeitpunkt als aufgelöst gilt. Beweise, die auf das Gegenteil schliessen lassen, bri ngt der Beschwerdeführer nicht sub- stantiiert begründet vor. In diesem Zusammenhang ist e s – entgegen der Meinung des Be- schwerdeführers – auch nicht relevant, dass dieser eine Trennung gar nicht gewollt und bis zu- letzt gehofft habe, die Beziehung mit seiner Ehefrau r etten zu können. Wie an vorangehender Stelle bereits ausgeführt, kommt es gemäss dem Bundesger icht nicht auf den Ehewillen beider Ehegatten an, sondern genügt es, wenn der Ehewille e ines Ehegatten erloschen ist (vgl. oben E. 3.2). Im Übrigen wurde die Ehe mit Urteil des Zi vilkreisgerichts Basel-Landschaft Ost vom 24. März 2022 inzwischen rechtskräftig geschieden. 4.5 Den bisherigen Ausführungen nach steht fest, dass di e Ehegemeinschaft zwischen dem Beschwerdeführer und B.____ im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG vom 28. November 2015 bis zum 1. November 2018 bzw. 13. November 2018 g edauert hat und die gesetzliche Frist von drei Jahren somit nicht erreicht wurde. Da fü r den Anspruch auf Erteilung und Verlän- gerung der Aufenthaltsbewilligung neben der Dreijahr esfrist das ebenfalls in Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG enthaltene Kriterium der ausreichenden Integrati on kumulativ erfüllt sein muss, erübrigt sich damit eine diesbezügliche Prüfung und hat die Vorin stanz zu Recht auf eine solche ver- zichtet. 5.1 Das AFMB und die Vorinstanz kamen weiter zum Schluss, es liege kein nachehelicher Härtefall vor. Die berufliche, wirtschaftliche und kul turelle Wiedereingliederung des Beschwer- deführers in Ägypten sei nicht gefährdet und er habe noch Verwandte dort, welche ihn unter- stützen könnten. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Einen wichtigen persönlichen Grund im Sinne von A rt. 50 Abs. 1 lit. b AIG und damit einen nachehelichen Härtefall macht der Beschwerdefü hrer in seiner Beschwerde zu Recht nicht geltend. Als wichtiger persönlicher Grund käme vor liegend einzig die Gefährdung der so- zialen Wiedereingliederung im Herkunftsland (vgl. Art. 50 Abs. 2 AIG) in Frage. Eine solche ist jedoch nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer hat gemäs s eigenen Aussagen im Rahmen sei- nes rechtlichen Gehörs vom 18. Dezember 2020 ausgefüh rt, er habe Geschwister sowie ein paar Freunde in Ägypten, mit denen er hin und wieder Kontakt habe. Der Beschwerdeführer reiste erst im Alter von 34 Jahren in die Schweiz ein un d hat damit den grössten und lebens- prägendsten Teil seines Lebens in seinem Heimatland ver bracht. Er spricht zudem die arabi- sche Sprache und hat vor seiner Einreise in die Schweiz in seinem Heimatland im Touris- mussektor als Reiseleiter und Rezeptionist gearbeitet. Angesichts dieser Ausgangslage er- scheint die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland nicht stark gefährdet und der Be- schwerdeführer hat auch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit . b AIG keinen Anspruch auf eine Verlän- gerung der Aufenthaltsbewilligung. 6.1 Der verfügte Widerruf der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und seine damit verbundene Wegweisung aus der Schweiz müssen schlie sslich den Anforderungen an die Verhältnismässigkeit genügen. Eine Verwaltungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig ist und der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen steht, die dem Privaten auferlegt wurden (vgl. U LRICH HÄFELIN /G EORG MÜLLER /F ELIX UHLMANN , Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Auflage, Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 514 ff.). Vorliegend ist die Nichtver- längerung der Aufenthaltsbewilligung samt Wegweisung geeignet, die fremdenpolizeilichen Zie- le bzw. öffentlichen Interessen – das Verlassen der Schwei z, wenn der Aufenthaltszweck von Ausländern weggefallen ist und keine Ausnahmen vorlieg en – zu verwirklichen. Sodann ist die Massnahme zur Erreichung dieser Ziele erforderlich. Es bleibt somit im Rahmen einer Interes- senabwägung näher zu prüfen, ob die öffentlichen die p rivaten Interessen des Beschwerdefüh- rers überwiegen. 6.2 Der Regierungsrat führte in dieser Hinsicht aus, d er Beschwerdeführer sei im Alter von 34 Jahren in die Schweiz eingereist und lebe seit etwas mehr als sechs Jahren hier. Den gröss- ten und lebensprägendsten Teil seines Lebens habe er in seinem Heimatland verbracht, in wel- chem auch seine Geschwister und ein paar Freunde leben würden. Er habe sodann sein Hei- matland seit seiner Einreise in die Schweiz mehrmals besu cht. Der Beschwerdeführer habe in der Schweiz zwar soziale Kontakte, welche sich zu seinen Gu nsten aussprächen, jedoch keine Familienangehörigen. Von einer Verwurzelung in der h iesigen Gesellschaft könne nicht ausge- gangen werden. Seine berufliche Situation gestalte si ch insgesamt positiv, wobei es sich bei ihm aber nicht um eine unentbehrliche Fachkraft auf de m Arbeitsmarkt in der Schweiz handle. Ebenfalls zu seinen Gunsten würden seine Deutschkenntniss e sprechen sowie die Tatsachen, dass er weder verschuldet sei noch Sozialhilfe bezogen hab e. Zu seinen Ungunsten erscheine die strafrechtliche Verurteilung wegen grober Verletzu ng der Verkehrsregeln. Dem vom Be- schwerdeführer angeführten Vorbringen, er könne bei ei nem Widerruf der Aufenthaltsbewilli- gung und einer Wegweisung das Grab seines Sohnes nic ht mehr besuchen, entgegnete der Regierungsrat, der Beschwerdeführer habe mit seinem So hn nie in einer Familiengemeinschaft Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelebt und demzufolge auch keine nahe tatsächliche Bezie hung aufbauen können. Die Pflege des Andenkens an seinen Sohn könne auch in anderer Weise erfolgen. 6.3 Die regierungsrätlichen Ausführungen sind nicht zu beanstanden. Der Beschwerdefüh- rer ist mit den kulturellen und gesellschaftlichen Gegeb enheiten in seinem Heimatland vertraut. Die relativ kurze Aufenthaltsdauer in der Schweiz kann n icht entscheidend zu seinen Gunsten ins Gewicht fallen. In der Schweiz sind zudem keine verti eften sozialen und gesellschaftlichen Beziehungen ersichtlich, wobei dies vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht wird. Die von ihm vorgebrachte Pflege des Andenkens an seinen So hn ist zwar nachvollziehbar, kann aber auch von seinem Heimatland aus wahrgenommen werden. Diesbezüglich bleibt es dem Beschwerdeführer sodann möglich, im Rahmen eines ( visumpflichtigen) kurzfristigen Auf- enthalts in die Schweiz zu reisen. Wirtschaftlich ist ihm zugute zu halten, dass er keine Sozial- hilfe bezogen und die meiste Zeit seines Aufenthalts in der Schweiz über temporäre Arbeitsein- sätze geleistet hat. Mit seiner Arbeit übt er jedoch kei ne besonders qualifizierte Tätigkeit aus, die aus Sicht der Gesamtwirtschaft oder des Arbeitsmarkts e ine Verlängerung der Aufenthalts- bewilligung gebieten würde. Insgesamt ist der Beschwe rdeführer in der Schweiz nicht beson- ders stark verwurzelt. Eine Rückkehr in sein Heimatland ist ihm demnach zumutbar. Daran än- dert auch nichts, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vo m 30. Juni 2022 zur Kenntnis bringt, er habe eine Arbeitsstelle bei der US-amerikan ischen Botschaft in Bern angetreten. Der Beschwerdeführer hat in seiner Heimat eine dreijährig e Ausbildung zum Bedienen von mecha- nischen Maschinen absolviert und jahrelang in der Tourismu sbranche gearbeitet. Es ist ihm deshalb zumutbar, in seinem Heimatland innert überschau barer Frist eine geeignete Arbeits- stelle zu finden. Vorliegend überwiegen die öffentlich en Interessen an einer Wegweisung des Beschwerdeführers dessen private Interessen an einem weit eren Verbleib in der Schweiz. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung aus der Schweiz erweisen sich somit als verhältnismässig. 6.4 Nach dem Gesagten erfolgten der Widerruf der Auf enthaltsbewilligung und die damit verbundene Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht, wesh alb die Beschwerde in der Hauptsache abzuweisen ist. 7.1 Zu prüfen bleibt die Einsprache des Beschwerdeführ ers vom 23. Mai 2022 gegen die Präsidialverfügung vom 12. Mai 2022, mit welcher sein Gesuch um Bewilligung der unentgeltli- chen Prozessführung und Verbeiständung im vorliegenden Verfahren mangels Vorliegen von Mittellosigkeit abgewiesen wurde. Der Beschwerdeführer gab in den am 16. März 2022 einge- reichten Unterlagen zum Gesuch um unentgeltliche Rechtsp flege an, er sei derzeit arbeitslos gemeldet, im Zwischenverdienst tätig und beziehe monatl ich rund Fr. 3'000.-- netto. Die in der Präsidialverfügung vom 12. Mai 2022 vorgenommene Bedarfsberechnung stützte sich auf diese Angaben und kam in Anbetracht des resultierenden Übersch usses in der Höhe von Fr. 418.95 zum Schluss, dass die Voraussetzung der Mittellosigkeit ni cht gegeben sei. In seiner Einspra- che vom 23. Mai 2022 führt der Beschwerdeführer aus, sein e Arbeitssituation habe sich entge- gen den Ausführungen im Schreiben vom 16. März 2022 e rheblich geändert und er arbeite seit dem 16. Mai 2022 ohne festes Pensum auf Stundenbasis in einem Stundenlohn von Fr. 24.90. Er habe einzig im April 2022 annähernd Fr. 3'000.-- verdient. Im März 2022 habe er von der Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitslosenkasse nur Fr. 2'300.-- und im Februar 2022 g ar nichts ausbezahlt bekommen. Sein Durchschnittseinkommen in den letzten Monaten habe somit erheblich weniger als die in der Präsidialverfügung angenommenen Fr. 3'000.-- betragen, womit seine Bedürftigkeit belegt sei. 7.2 Die vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen zeigen, dass sich seine Einkünfte zwischenzeitlich erheblich verringert haben und er somit n unmehr bedürftig erscheint. Neben der Bedürftigkeit sind vorliegend auch die übrigen Vor aussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege erfüllt, weshalb die Einsprache des Beschw erdeführers gutzuheissen und ihm die unentgeltliche Rechtspflege (vgl. § 22 VPO) zu gewähren ist. 8.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Vor- liegend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1 '200.-- dem unterliegenden Beschwer- deführer aufzuerlegen. Da dem Beschwerdeführer die une ntgeltliche Prozessführung bewilligt wird, sind die Verfahrenskosten auf die Gerichtskasse zu nehmen (§ 22 Abs. 1 VPO). 8.2 Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Ans pruch auf eine Parteientschädi- gung (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). Infolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. In der Honorarnote vom 23. Juni 2022 macht der Rechtsvertrete r einen Aufwand von 5 ½ Stunden geltend, was nicht zu beanstanden ist. Bei einem Stun denansatz von Fr. 200.-- (vgl. § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003) und Auslagen in der Höhe von Fr. 238.60 ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers somit ein Honorar von Fr. 1'441.65 (inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entrichten. 8.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich darauf hingew iesen, dass er zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in de r Lage ist (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Einsprache des Beschwerdeführers wird gutgeheiss en und dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän- dung bewilligt. 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- werden dem Be- schwerdeführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der une ntgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der G erichts- kasse. 4. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge B ewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird dem Rechtsvertrete r des Be- schwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1'441. 65 (inkl. Aus- lagen und 7.7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entrichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiber i.V. Gegen diesen Entscheid wurde am 15. Dezember 2022 Beschwerde beim Bundesgericht (Ver- fahrensnummer 2C_1031/2022) erhoben.