B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3713/2013 U r t e i l v o m 3 . D e z e m b e r 2 0 1 3 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richter Thomas Wespi, Richter Jean-Pierre Monnet, Gerichtsschreiber Jonas Tschan. Parteien A._______, geboren (…), und seine Ehefrau B._______, geboren (…), Jemen, vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt, Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 23. Mai 2013 / N (…). E-3713/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge den Heima t- staat am 10. Juli 2011 und gelangte am 12. Juli 2011 in die Schweiz; zwei Tage später suchte er um Asyl nach. Die Befragung zur Person (BzP) er- folgte am 20. Juli 2011 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B a- sel. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er geltend, er habe in Süd - Jemen an friedlichen Demonstrationen teilgenommen. Am (…) habe er sich der Al -Tajamua Al -Dimokrati Al -Janoubi (TAJ) angeschlossen. Die Polizei habe das herausgefunden und ihm am (…) eine Vorladung z u- kommen lassen. Sein Vater habe ihm in der Folge geraten, das Land zu verlassen, da es zu gefährlich sei. Im Übrigen sei er anlässlich von De- monstrationen (…) verhaftet worden. B. Die Beschwerdeführerin verliess Jemen am 7. April 2012 und gelangte am 8. April 2012 in die Schweiz ; zwei Tage später suchte sie um Asyl nach. Die BzP erfolgte am 25. April 2012 im EVZ Basel. Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie vor, es herrsche in ihrem Heimatland Krieg. Ihr Mann habe Probleme bekommen, weil er sich poli- tisch engagiert habe . Sie sei in die Schweiz gekommen, um mit ihm z u- sammenzuleben, sie selber habe keine Probleme gehabt. C. Am 21. Mai 2013 wurde mit den Beschwerdeführenden die direkte Bu n- desanhörung durchgeführt . Sie reichten da bei zahlreiche Beweismittel ein, welche die geltend gemachten Asylgründe belegen sollen. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Ak ten verwiesen. Das BFM verzichtete auf weitere Abklärungen. D. Das B undesamt stellte mit Verfügung vom 23. Mai 2013 fest, die Be- schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg weisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. E-3713/2013 Seite 3 E. Mit Eingabe vom 26. Juni 2013 liessen die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erh e- ben. In materieller Hinsicht beantragten sie, die angefoc htene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur vollständigen und richtigen Abkl ä- rung des rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen; eventualiter sei ihnen Asyl zu gewähren bezi e- hungsweise sei die Flüchtlingseigenschaft oder die Unzulässigkeit r e- spektive die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Akteneinsicht, ausserdem sei i h- nen nachfolgend eine angemessene Frist zur Einreichung einer B e- schwerdeergänzung anzusetzen. F. Mit Zwischenverfügung vom 3. Juli 2013 stellte der Instruktionsrichter fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Er gewährte ihnen Einsicht in die entsprechenden Akten und gab ihnen die Gelegenheit, eine Beschwerdeergänzung einzu- reichen. Sie wurden aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss zu Gunsten der Gerichtskasse einzuzahlen. G. Die Beschwerdeführenden ersuchten m it Eingabe vom 10. Juli 2013 um die Gewährung der unentg eltlichen Prozessführung. Gleichzeitig reichten sie eine Fürsorgebestätigung der Stadt C._______ zu den Akten. H. Sie nahmen die Gelegenheit zur Einreichung einer Beschwerdeergä n- zung mit Eingabe vom 18. Juli 2013 wahr. Zudem gaben sie weitere Be- weismittel zur Situation in Jemen zu den Akten. I. Das Bundesverwaltungsgericht hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Verfügung vom 23. Juli 2013 gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. J. In seiner Vernehmlassung vom 7. August 2013 hielt das BFM an seinen Erwägungen im angefochtenen Entscheid fest; es würden keine neuen und erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorliegen, welche eine Ä n- derung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. E-3713/2013 Seite 4 K. Mit Eingabe vom 4. November 2013 reichte der Beschwerdeführer erneut Beweismittel betreffend seine exilpolitischen Tätigkeiten zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge- hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Au s- nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwa l- tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden B e- schwerde und entscheidet auf dem Gebi et des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes- gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Be- schwerde ist einzutreten. 2. Mit Bes chwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). E-3713/2013 Seite 5 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtling en grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen erns thaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben häl t. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das BFM hielt zur Begründung seines ablehnenden Entscheids fest, der Beschwerdeführer habe sich in zentralen Bereichen seiner Asylvo r- bringen in Widersprüche und Ungereimtheiten verstrickt. So habe er be i- spielsweise bei der B zP ausgeführt, er sei jeweils aus der Haft entlassen worden, weil die Sippen Druck auf die Polizei ausgeübt hätten. Anlässlich der Anhörung habe er hingegen ausgeführt, er sei bei der (…) Inhaftie- rung von einer terroristischen Organisation befreit worden. Für die Ei n- schätzung, wonach es ihm nicht gelinge, eine asylrelevante Verfolgung geltend zu machen, spreche auch die Tatsache, dass er Jemen mit se i- nem eigenen Pass über den Flughafe n in Sanaa verlassen habe , woran auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern vermö chten. Bei der Vorladung und den Haftbestätigungen handle es sich um Dokumente, welche nicht fälschungssicher und in Jemen leicht käuflich erwerbbar se i- en. Die beiden Belege bezüglich der Haft seien interne polizeiliche Ko r- respondenzen; es sei nicht nachvollzie hbar, wie der Beschwerdeführer in deren Besitz ge kommen sei. Bezüglich der Zeitungsartikel hält das B un- desamt fest, dass diese lediglich die damalige Verhaftung belegen wü r- den, jedoch keine daraus resultierende asylrelevante Verfolgung. Bei den weiteren Beweismitteln handle es sich um Gefälligkeitsschreiben oder um Dokumente, welche sich nicht auf den Beschwerdeführer selber beziehen würden. E-3713/2013 Seite 6 Exilpolitische Aktivitäten könnten nur dann im Sinne von Nachfluchtgrü n- den zur Flüchtlingseigenschaft führen, wenn davon ausgegangen werden müsse, dass diese im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit übe r- wiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Massnahmen für den Betroff e- nen zur Folge hätten. Zwar gehe das B FM davon aus, dass der jemenit i- sche Staat Oppositi onelle im Exil beobachte . Jedoch dürfte dieser nur dann Interesse an der namentlichen Identifizierung einer Person haben, wenn deren Aktivitäten über den Rahmen massentypischer und niedrig profilierter Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinausgehen und den Asylsuchenden als ernsthaften und g efährlichen Regimegegner e r- scheinen lassen würde n. Dies sei beim Beschwerdeführer nicht der Fall. Seine Tätigkeiten seien vergleichbar mit denjenigen einer Vielzahl von Jemeniten im Exil und würden sich nicht davon abheben. Da die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen würden, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden. Ferner würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihnen im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verbotene Stra- fe oder Behandlung drohe. Sodann erweise sich der Vollzug der Wegwei- sung als zumutbar. Eine dauerh afte, echte Beruhigung des innen politi- schen Konflikts sei zwar nach wie vor nicht gesichert , zudem würden die Beschwerdeführenden aus der Provinz D._______ stammen, wo es i m- mer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und der extremistischen Gruppierung Ansar Al Sharia komme. Aber es sei ihnen möglich, sich in der Provinz E._______ niederzulassen, schliesslich gehe aus den Akten hervor, dass der Stamm des Beschwe rdeführers dort über grossen Einfluss verfüge. 4.2 In der Rechtsmitteleingabe und in der Beschwerdeergänzung wird diesen Ausführungen entgegengehalten, das Bundesamt habe sich in der angefochtenen Verfügung auf die Nennung weniger willkürlicher und kon- struierter Unglaubhaftigkeitsmerkmale beschränkt. Gleichzeitig habe es die eingereichten Beweismittel in pauschaler Weise als nicht relevant b e- zeichnet. Sodann hätte es sich dazu äussern müssen, ob eine erneute Verhaftung wiederum einen Politmalus zur Folge hä tte. Es stehe fest, dass das BFM den Anspruch auf rechtliches Gehör in schwerwiegender Weise verletzt habe. Ausserdem hätte eine Botschaftsabklärung und an- schliessend eine erneute Befragung durchgeführt werden müssen. E-3713/2013 Seite 7 Aufgrund der Situation in der Provinz D._______ sei die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin sehr genau zu prüfen . Weiter sei zu prüfen, ob ausserhalb dieser Provinz eine Wohnsitzalterna- tive bestehe. Unter Verletzung der Begründungspflicht habe sich das Bundesamt nicht mit der entscheidenden Frage auseinandergesetzt, ob und wohin der Wegweisungsvollzug zumutbar sei. Es sei in diesem Z u- sammenhang auch auf die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin hinzuweisen. Das B FM hätte zwingend weitere Abklärungen betreffend die Wohnsituation der Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr treffen müssen. Die Argumente in der angefochtenen Verfügung seien teilweise willkürlich. Hinsichtlich der Ausreise mit dem eigenen Pass sei es schlicht willkürlich zu behaupten, es widerspräche der tatsächlichen Gefährdung einer Pe r- son, wenn diese mit Hilfe eines Schleppers über den Flughafen von S a- naa das Land verlasse. Vielmehr bestehe gerade der Sinn und Zweck des Beizugs eines Schleppers unt er Benützung wichtige r Beziehungen gegen Bezahlung darin, dass eine Ausreise auf einem Weg möglich sei, der ansonsten verschlossen wäre. Weiter sei betreffend die angeblich internen polizeilichen Korresponde n- zen festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nie behauptet habe, diese im Zeitpunkt der Haft erhalten zu haben . Vielmehr sei es seinem Vater gelungen, diese Dokumente zu beschaffen. Es sei keineswegs unglau b- haft, dass es diesem im Nachhinein gelungen sei n soll, die entsprechen- den Unterlagen erhältlich zu machen, auch wenn es sich dabei angeblich um interne Dokumente handle. Für den Fall, dass das Vorliegen einer asylrelevanten Verfolgung im Zei t- punkt der Flucht aus Jemen verneint werden sollte, wäre eine asylrel e- vante Verfolgung im heutigen Zeitpunkt zu b ejahen. Der Beschwerdefüh- rer habe sich in der Schweiz intensiv für die Bewegung für die Unabhä n- gigkeit Südjemens eingesetzt. Er sei diesbezüglich an zahlreichen D e- monstrationen öffentlich in Erscheinung getreten. Ausserdem handle es sich bei ihm um eine Person, welche in den Augen der jemenitischen Be- hörden dem Regime sehr wohl gefährlich werden könne. 5. 5.1 Die Beschwerdeführenden beantragen, die angefochtene Verfügung sei wegen Verletzung formellen Rechts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung, eventuell zur Feststellung des vollständigen und richtigen E-3713/2013 Seite 8 rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung, an d ie Vorin- stanz zurückzuweisen. Die in diesem Zusammenhang erhobenen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie geeignet wären, eine Kassati on der ang e- fochtenen Verfügung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 2004 Nr. 38 und EMARK 1994 Nr. 1 ; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, m.w.H.). 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ande r- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechts stellung des Einzelnen ei n- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor E r- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Bewe i- se beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen B e- weisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher B e- weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah- ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 5.3 Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vo r- bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entschei d- findung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form - und frist- gerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der ko n- kreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebene n- falls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz d ie wesentlichen Übe r- legungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begrü n- dung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188). 5.4 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, eine Verle t- zung desselben führt deshalb grundsätzlich – das heisst ungeachtet der materiellen Auswirkungen – zur Aufhebung des daraufhin ergangenen Entscheides (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f., BVGE 2008/14 E. 4.1 E-3713/2013 Seite 9 S. 185, BVGE 2007/30 E. 8.2 S. 371). Die Heilung von Gehörsverletzu n- gen aus prozessökonomischen Gründen ist auf Beschwerdeebene mö g- lich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall die freie Überprüfungsbefugnis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwe n- dung zukommt sowie die festgestellte Verletzung nicht besonders schwerwiegender Natur ist und die fehlende Entscheidreife durch die B e- schwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f.). 5.5 In der Rechtsmittelschrift wird unter anderem vorgebracht, das BFM habe die eingereichten Beweismi ttel in pauschaler und standard isierter Weise als nicht relevant bezeichnet. Weiter habe es sich nicht mit der entscheidenden Frage auseinandergesetzt, ob und wohin der Wegwe i- sungsvollzug zumutbar sei. 5.5.1 Der Beschwerdeführer reichte anlässlich des erstinstanzlichen Ver- fahrens zahlreiche Beweismittel zu den Akten, welche seine Asylvorbri n- gen belegen sollen. So liegen beispielsweise ein Bestätigungsschreiben der TAJ vom (…), eine behördliche Vorladung vom (…), Bestätigungen der Haft und mehrere Zeitungsartikel vor. In der angefochtenen Verf ü- gung führt das BFM dazu aus, es handle sich entweder um Gefälligkeit s- schreiben oder um nicht relevante Dokumente b eziehungsweise um sol- che, welche nicht fälschungssicher und in Jemen leicht käuflich erwer b- bar seien. Auch wenn es beispielsweise den Tatsachen entsprechen mag, dass Beweismittel in anderen Ländern – so auch in Jemen – leicht käuf- lich erwerbbar sind und dies im Rahmen einer Gesamtwürdigung mitz u- berücksichtigen ist, verletzt die pauschale Argumentation des Bundesam- tes angesichts der Vielzahl der eingereichten Beweismittel vorliegend die Begründungspflicht; andernfalls wäre es einem Asylsuchenden kaum möglich, seine Vorbringen mittels entsprechender Dokumente zu bel e- gen. 5.5.2 In der Provinz D._______, aus welcher die Beschwerdeführenden stammen, präsentiert sich die Situation folgendermassen: Im Jahre 2011 hatte der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh Teile der Armee aus dem Süden abgezogen und an konfliktreicheren Orten eingesetzt. In der Folge konnten Mitglieder der "Al Kaida auf der arabischen Halbinsel" und der ihr nahestehenden extremistischen Gruppierung "Ansar al Sharia" ab Mai 2011 die Kontrolle über mehrere Städte in D._______ und der Nach- barprovinz F._______ übernehmen. Nach dem Rücktritt des Präsidenten E-3713/2013 Seite 10 im November 2011 fanden im Februar 2012 Wahlen statt, bei denen Abdrabur Mansour Hadi als Übergangspräsident bestätigt wurde. Im Sommer 2012 gelang es dem jemenitischen Militär mit Unterstützung von Stammeskämpfern und amerikanischen Drohnenan griffen, die Kontrolle über eine Reihe strategischer Stellungen in den Provinzen D._______ und F._______ zurückzugewinnen. Die Situation hat sich dort seit der er- folgreichen Offensive zwar verbessert , und die extremistischen Gruppi e- rungen haben über keine Stadt im Süden mehr die Kontrolle inne. Berich- ten zufolge ist die humanitäre Situation in der Provinz D._______ jedoch nach wie vor prekär und die Sicherheitslage instabil ( vgl. Internal displa- cement monitioring centre: Internal displacement continues amid multiple crisis vom 17.12.2012). Des Weiteren brachen im Februar 2013 erneut Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Extremisten in der Provinz D._______ aus. In Anbetracht dieser Umstände ist die Annahme des BFM, die Beschwer- deführenden könnten, sollte sic h die Situation in ihrer Heimatprovinz D._______ weiter zuspitzen, nach E._______ gehen, nicht rechtsg e- nüglich. In der Beschwerde wird zu Recht darauf hingewiesen, das Bun- desamt hätte weitere Abklärungen betreffend die Wohnsituation der B e- schwerdeführenden im Falle einer Rückkehr treffen müssen. Der ange- fochtene vorinstanzliche Entscheid basiert weitestgehend auf Mutma s- sungen und verletzt die dem BFM obliegende Pflicht zur Abklä rung des Sachverhaltes gemäss Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, da sie den rechtserheblichen Sachverhalt nicht rich- tig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen und die Sache zur Feststell ung des recht s- erheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63. Abs. 1 und 2 VwVG). 7.2 Den Beschwerdeführenden ist angesichts des Obsiegens im B e- schwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG für die Ko s- ten der Vertretung und allfällige weitere notwendige Auslagen eine Pa r- teientschädigung zuzusprechen (vgl. auch Art. 7 des Reglements vom E-3713/2013 Seite 11 11. Dezember 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung, welche sich aufgrund der Aktenlage und in Berücksichtigung der massgebenden B e- messungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auch ohne (nicht vorliegend e) Honorarnote hinreichend zuverlässig ab schätzen lässt, ist auf Fr. 15 00.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite) E-3713/2013 Seite 12 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung des BFM vom 23. Mai 2013 wird aufgehoben und die S a- che im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz z u- rückgewiesen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM hat den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bun- desverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1500.– auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwe rdeführenden, das BFM und an G._______. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Jonas Tschan Versand: