Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 31. Januar 2020 (810 19 272) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Vorsorgliche Änderung von Kindesschutzmassnahmen Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Gerichtsschreiberin Stephanie Schlecht Beteiligte A.____ , Beschwerdeführerin B.____ , Beschwerdeführer beide vertreten durch Angela Gantner, Advokatin, Kasernenstrasse 22a, Postfach 569, 4410 Liestal gegen Kindes - und Erwachsenenschutzbehörde C.____ , Vorinstanz Betreff Vorsorgliche Änderung von Kindesschutzmassnahmen (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde C.____ vom 30. September 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. D.____, geboren 2013, und E.____, geboren 2016, sind die gemeinsamen Kinder der nicht miteinander verheirateten Eltern A.____ und B.____. B. Im Jahr 2016 eröffnete die Kindes- und Erwachsenensch utzbehörde C.____ (KESB) aufgrund einer Gefährdungsmeldung der Kinderschutzgruppe des Universitäts-Kinderspitals ein Kindesschutzverfahren betreffend E.____. Der Gefährdun gsmeldung lässt sich entnehmen, dass E.____ unter Methadonentzug und an einer Darmatr esie leide, welche operativ habe be- handelt werden müssen. Eine von der KESB beauftragte Sozialarbeiterin wurde mit der Prüfung von Kindesschutzmassnahmen beauftragt und empfahl in ihrem Abklärungsbericht, E.____ vor- sorglich bei einer Pflegefamilie zu platzieren. Mit Entscheid vom 30. Juni 2016 entzog die KESB der Kindsmutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht über E.____ und platzierte ihn in einer Pfle- gefamilie, ferner wurde eine Erziehungsbeistandschaft für ihn errichtet und eine Familienbeglei- tung für sechs Monate angeordnet. Die Beiständin erhie lt unter anderen den Auftrag, die Kon- takte zwischen E.____ und den Kindseltern zu regeln. C. Mit superprovisorischem Entscheid vom 9. November 2016 entzog die KESB der allei- ne sorgeberechtigten Kindsmutter das Aufenthaltsbestimmu ngsrecht über ihren Sohn D.____ und platzierte diesen in einem Kinderheim in F.____. Am 14. November 2016 bestätigte die KESB den Entscheid betreffend den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts und die Platzie- rung von D.____ im Kinderheim. Das dagegen erhobene Rechtsmittel blieb erfolglos (vgl. Prä- sidialurteil vom 5. April 2017 [810 16 336]). D. Mit superprovisorischem Entscheid der KESB vom 5. Septem ber 2019 wurde das Be- suchsrecht zwischen den Kindseltern und E.____ per sofort sist iert. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die Besuche für E.____ nach Angabe de r Familienbegleiterin immer schwieri- ger geworden seien und er sich immer mehr weigere, di e Termine wahrzunehmen, was sich darin zeige, dass er nicht aus dem Auto aussteigen wolle . Eine Weiterführung der Besuche sei für E.____ insbesondere auch aufgrund des zugespitzten K onflikts zwischen dem Kindsvater und der Familienbegleiterin, welcher im Rahmen des l etzten Besuchs eskaliert sei, nicht mehr zumutbar. E. Mit Entscheid der KESB vom 30. September 2019 wurde der persönliche Verkehr vor- sorglich wie folgt geregelt: Die Kindseltern haben da s Recht, E.____ wöchentlich abwechselnd, jeweils einzeln, in Absprache mit der Erziehungsbeistän din und der Familienbegleitung G.____ für die Dauer von zwei Stunden in Begleitung zu sehen. Die Regelung wurde bis zum Erlass eines endgültigen Entscheids befristet. Ferner wurde f estgelegt, dass auf Wunsch der Kinder begleitete Treffen der Brüder ohne die Eltern im Ki nderheim H.____ erfolgen könnten, wobei anzustreben sei, dass dies mehrmals pro Jahr erfolge (Di spositiv-Ziffer 1). Ferner stellte die KESB die Anordnung einer Begutachtung in Aussicht und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. F. Dagegen erhoben die Kindseltern, beide vertreten durch Angela Gantner, Advokatin in Liestal, mit Eingabe vom 11. Oktober 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfas- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie bean tragen, es sei die Ziffer 1 des Ent- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht scheids der KESB vom 30. September 2019 unter o/e-Koste nfolge aufzuheben und ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragen sie weiter, es seien die vollständigen Akten der KESB beizuziehen und es sei die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen. G. Mit Entscheid der KESB vom 18. Oktober 2019 wurde ei ne psychologische Abklärung für D.____ und E.____ sowie für die Eltern, soweit e s Kinderbelange betreffen würde, angeord- net. H. Mit Präsidialverfügung vom 15. Oktober 2019 wurde d er Antrag auf Erteilung der auf- schiebenden Wirkung superprovisorisch abgewiesen. I. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2019 reichen die Besch werdeführenden das Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" inklusive Belege ein. J. Am 4. November 2019 lässt sich die Vorinstanz vernehmen und schliesst auf kostenfäl- lige Abweisung der Beschwerde. K. Am 14. November 2019 (Postversand) wurde das Gesuch der Beschwerdeführenden um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt. L. Am 20. November 2019 reichen die Eltern der Beschwer deführerin unaufgefordert eine Eingabe ein. M. Mit Eingabe vom 25. November 2019 reicht die Rechtsv ertreterin der Beschwerdefüh- renden ihre Honorarnote ein. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgese tzbuches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide der Kindes- schutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. § 66 Abs. 1 des Geset- zes über die Einführung des Zivilgesetzbuches (EG ZGB) vom 16. November 2006 erklärt für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide der K indes- und Erwachsenenschutzbe- hörde das Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verw altungsrecht, für zuständig. Der vorliegend angefochtene Entscheid schliesst das Verfahren vor der Vorinstanz nicht ab, son- dern stellt im weiterhin hängigen Verfahren lediglich einen Schritt auf dem Weg zum Endent- scheid über die vorsorgliche Anordnung des Besuchsrechts zwi schen den Kindseltern und E.____ dar. Es handelt sich damit um einen Zwischenentsc heid (vgl. BGE 139 V 42 E. 2.3; BGE 132 III 785 E. 3; R ENÉ RHINOW /HEINRICH KOLLER /CHRISTINA KISS /DANIELA THURNHERR / DENISE BRÜHL -MOSER , Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage, Basel 2014, Rz. 1870). Die Zu- ständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Streitsache liegt deshalb in Anwendung von § 66 Abs. 2 EG ZGB i.V.m. § 1 Abs. 3 lit. f des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungspro- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 bei der präsidie renden Person (vgl. Präsidialurteil vom 11. Februar 2015 [810 14 366] E. 1.2; BLKGE 2010 Nr. 45 E. 1.1). 1.2 Von Bundesrechts wegen anfechtbar sind sämtliche Enden tscheide (Art. 450 Abs. 1 ZGB) sowie Zwischenentscheide über vorsorgliche Massnahmen (Art. 455 Abs. 3 ZGB). Die Anfechtbarkeit von weiteren Zwischenverfügungen richtet sich nach dem kantonalen Recht (Präsidialurteile vom 16. Oktober 2017 [810 17 189] E. 2 und vom 29. Januar 2014 [810 13 353] E. 1.3). Der Entscheid über die vorliegende Änderung der Regelung des persönlichen Verkehrs stellt eine nach Art. 445 Abs. 3 ZGB anfechtbare vorso rgliche Massnahme dar. Gemäss dem kantonalen Prozessrecht sind Zwischenverfügungen unter an derem dann selbständig anfecht- bar, wenn sie vorsorgliche Massnahmen zum Gegenstand hab en (§ 43 Abs. 2 bis lit. f VPO). Die Beschwerde erweist sich somit als zulässig. 1.3 Die Beschwerdeführenden sind die Eltern von E.___ _ und als Adressaten des ange- fochtenen Entscheids im Sinne von Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB zur Beschwerde befugt. Da auch die weiteren formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 2. Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Sachver haltsfeststellung (Ziff. 2) sowie die Unange- messenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der vorlie- genden Beschwerde somit volle Kognition zu. 3.1 Die Beschwerdeführenden machen zunächst geltend, di e Vorinstanz habe weder die für die angeordnete Kindesschutzmassnahme erforderliche akute neue Gefährdung des Kin- deswohls noch die Dringlichkeit hinreichend begründet und damit die ihr obliegende Begrün- dungspflicht verletzt. Aufgrund ihrer formellen Natur ist diese von ihnen erhobene Rüge der Ver- letzung des rechtlichen Gehörs vorweg zu behandeln. 3.2 Dem angefochtenen Entscheid lässt sich zusammenfassend entnehmen, dass die Fa- milienbegleiterin berichtet habe, die begleiteten Be suche würden immer schlechter verlaufen und seien den Kindern nicht mehr zuzumuten. Für E.____ seien die Konflikte mit seinem Bruder sehr belastend und er zeige zwischenzeitlich Widerstände, si ch aus dem Auto und zum Be- suchstreffpunkt zu begeben. Die Konflikte zwischen den El tern würden verschärfend hinzu- kommen. Zudem sei die Anwesenheit des Kindsvaters nicht ko nstant, er komme zu spät oder gar nicht, ohne dies jeweils mitzuteilen. Die Kindsmutter verhalte sich sehr passiv, indem sie auf einer Bank sitze und den Kindern zuschaue. Eine Spielsit uation zwischen den Kindseltern oder einem Elternteil und E.____ komme nicht zustande. Schliesslich suche der Kindsvater vermehrt Streit mit der Familienbegleiterin. Beim letzten Tr effen sei es zu Beleidigungen seitens des Kindsvaters gegenüber der Familienbegleiterin gekommen und er habe die zu respektierende körperliche Distanz nicht mehr eingehalten, sodass der Bes uch ohne Verabschiedung habe abgebrochen werden müssen. Diese negative Haltung des Kindsvaters gegenüber der Fami- lienbegleiterin habe sich auch auf den älteren Sohn üb ertragen, was die Besuchssituation zu- sätzlich erschwere. Weiter führt die KESB in ihrer Begrü ndung an, dass auch die Pflegemutter festgestellt habe, dass die Besuche für E.____ sehr bel astend seien. Darüber hinaus habe die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beiständin mitgeteilt, dass sich die gesundheitliche Sit uation der Kindsmutter nach einem Zu- sammenbruch weiter verschlechtert habe. Aufgrund der R ückmeldungen und der zunehmend belastenden Situation für die Beteiligten, insbesonde re der Überforderungssituation für E.____, wurden vorläufig alternierend stattfindende Besuche zw ischen der Kindsmutter und E.____ resp. dem Kindsvater und E.____ angeordnet. Besuche zwisc hen den Brüdern sollen für diese Übergangszeit im Kinderhaus H.____ durchgeführt werden. 3.3 Die Begründungspflicht der Behörden ist Bestandteil des in Art. 29 Abs. 2 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 verankerten An- spruchs auf rechtliches Gehör und auch ausdrücklich in § 9 Abs. 3 der Verfassung des Kantons Basel-Landschaft (KV) vom 17. Mai 1984 festgeschrieben. Die Begründung eines Entscheids entspricht den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV, w enn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die Tragweite der Entscheidung zu beur teilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Begründungspflicht soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und der betroffenen Person ermögli- chen, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tr agweite des Entscheides ein Bild ma- chen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Üb erlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrück- lich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid we sentlichen Gesichtspunkte beschrän- ken. Umfang und Dichte der Begründung richten sich nach den Umständen (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2; BGE 129 I 232 E. 3.2; Urteil des Kantonsgeri chts, Abteilung Verfassungs- und Verwal- tungsrecht [KGE VV] vom 31. Oktober 2018 [810 17 223] E. 5.2; KGE VV vom 20. Dezember 2017 [810 17 93] E. 5.1; GEROLD STEINMANN , in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], St. Galler Kommentar zur schweizerischen Bundesverfassung, 3. Auflage, Zürich 201 4, N 49 zu Art. 29 BV). Beim Entscheid über die Erteilung einstweiligen Rechtsschutzes geht aufgrund der Dringlichkeit der Sache die Schnelligkeit der Genauigkeit des Entscheids bzw. der Abklärungen vor. An das Ver- fahren und die Begründung gelten nach einhelliger L ehre bei Entscheiden über vorsorgliche Massnahmen tiefere Anforderungen als beim Entscheid im Hauptverfahren: Die zuständige Be- hörde darf sich auf eine summarische Prüfung der Sach- und Rechtslage beschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.397/2005 vom 3. Januar 2006 E. 2.2). 3.4 Den vorliegenden Verfahrensakten lässt sich entnehmen, dass die Vorinstanz die Än- derung der Kindesschutzmassnahmen aufgrund der zunehmend schwierigen Besuchssituation angeordnet hat. Zunächst kann festgehalten werden, dass die Familienbegleiterin als Fachper- son eine Kindswohlgefährdung beobachtete und der letzte Besuch vor Erlass des superproviso- rischen Entscheids vom 5. September 2019 gemäss ihren glaubhaften Schilderungen eskalierte und bedrohliche Züge annahm. Zudem habe auch die Pfl egemutter eine nach den Besuchen emotionale Belastung bei E.____ festgestellt. Ferner habe die Beiständin über eine Verschlech- terung des gesundheitlichen Zustands der Kindsmutter be richtet. Gestützt auf die verschiede- nen und gleichgerichteten Rückmeldungen ist die KESB von einer Kindswohlgefährdung aus- gegangen, welcher es zu begegnen galt, bevor es zu einer weiteren Zuspitzung der Besuchssi- tuation bzw. erneuten Eskalationen kommt. Damit hat die KESB die akute und neue Kindswohl- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gefährdung hinreichend dargelegt. Aufgrund der darge legten angespannten Besuchssituation bestand Handlungsbedarf und die Vorinstanz ist vor diese m Hintergrund von einer Dringlichkeit ausgegangen. Damit ist die Begründung des vorsorglichen Entscheids zwar summarisch aus- gefallen, was aber, wie vorstehend dargelegt (vgl. E. 3.3 hiervor), grundsätzlich zulässig und der Verfahrenssituation angemessen ist. Aufgrund der ge schilderten Veränderungen der Ver- hältnisse stellte die Vorinstanz ferner die Erstellung e ines Gutachtens zur Standortbestimmung in Aussicht. Nach dem Gesagten wurde für die Beschwerdefü hrenden mit der notwendigen Deutlichkeit ersichtlich, von welchen Überlegungen sich die Vorinstanz hat leiten lassen und die Begründung der Vorinstanz vermag den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV zu genügen. 4.1 In einem weiteren Schritt zu prüfen ist, ob die V orinstanz im Kindesschutzverfahren betreffend E.____ das Besuchsrecht zwischen den Kindselte rn und E.____ sowie zwischen E.____ und D.____ zu Recht vorsorglich eingeschränkt hat. Vermerkt sei, dass die auf die kon- krete familiäre Situation zugeschnittene Kindesschutzmassna hme im laufenden Verfahren erst noch zu bestimmen sein wird. 4.2 Die Beschwerdeführenden stellen sich auf den Standpu nkt, dass keine akute oder neue Kindswohlgefährdung vorliege, welche die angeord nete Massnahme rechtfertigen würde. Darüber hinaus sei die erforderliche Dringlichkeit im vorliegenden Fall nicht gegeben. Es sei überdies nicht ersichtlich, inwiefern die neue Regelu ng zu einer Verbesserung der Situation führe, vielmehr dürfte es für E.____ verwirrend sein, wenn er alle Familienmitglieder nur noch einzeln sehen dürfe. Die angeordnete Massnahme sei massiv einschneidend für die Kindseltern und verunmögliche einen gemeinsamen Umgang; zudem gewäh rleiste die Massnahme nicht, dass auch der Kontakt zwischen den Brüdern sichergestellt se i. Vor diesem Hintergrund er- weise sich der angefochtene Entscheid als unverhältnismässig. Die Beschwerdeführenden stel- len die Begleitung der Besuche nicht in Frage, sondern verlangen die Anordnung der bisher gelebten Besuchsregelung im Umfang von einmal pro Woc he für zwei Stunden für alle Fami- lienmitglieder gemeinsam. Die bisherigen Besuche seie n so abgelaufen, dass die Familienbe- gleiterin mit E.____ und die Kindseltern zusammen mi t D.____ zum Treffpunkt gekommen sei- en. 4.3 Gemäss Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Kindes- und E rwachsenenschutzbehörde die geeigneten Massnahmen zum Schutz des Kindes, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder sie dazu ausserstande sind. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde trifft alle für die Dauer des Verfahrens notwendigen Mass- nahmen (Art. 445 Abs. 1 ZGB). Vorsorgliche Massnahmen mü ssen unumgänglich, d.h. so dringlich sein, dass der ordentliche, spätere Entscheid n icht abgewartet werden kann, ohne einen erheblichen Nachteil für die betroffene Person in Kauf zu nehmen (vgl. C HRISTOPH HÄFELI , Grundriss zum Erwachsenenschutzrecht, 2. Auflage, Ber n 2016, Rz. 33.10). Für die Anordnung einer vorsorglichen Massnahme genügt das Bew eismass der Glaubhaftmachung. Die Voraussetzungen für eine vorsorgliche Massnahme mü ssen bei einer summarischen Prü- fung der Sach- und Rechtslage erfüllt sein. Eine Reduktion der Beweisstrenge ist gerechtfertigt, weil der Rechtsschutz schnell gewährt werden soll und "nu r" für einen beschränkten Zeitraum eingeräumt wird. Je einschneidender die vorsorgliche Massnahme und je zweifelhafter der Ver- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht fahrensausgang ist, desto höhere Anforderungen sind aber an die Verhältnismässigkeit der An- ordnung und an die Dringlichkeit zu stellen (vgl. L UCA MARANTA /CHRISTOPH AUER /M ICHÈLE MARTI , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivi lgesetzbuch I, 6. Auflage, Basel 2018, N 11 zu Art. 445 ZGB). 4.4 Materiell-rechtlich beruht die Einschränkung des Bes uchsrechts auf Art. 273 ZGB und Art. 274 Abs. 2 ZGB. Grundsätzlich haben Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind Anspruch auf persö nliche, direkte und private Kontakte. Bei dessen Ausgestaltung steht das Kindeswohl im Vordergrund; allfällige Interessen der Eltern haben zurückzustehen. Welche Ordnung des persönlichen Ver kehrs zwischen Eltern und Kin- dern angemessen ist, lässt sich nicht objektiv und abstrakt u mschreiben, sondern entscheidet sich im konkreten Einzelfall (vgl. Urteil des Bundesgeri chts 5A_288/2019 vom 16. August 2019 E. 5.2). Wird das Wohl des Kindes durch den persönliche n Verkehr gefährdet, kann ihnen das Recht auf persönlichen Verkehr verweigert oder entzogen werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB). Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit wie auch der Sinn und Zweck des persönlichen Verkehrs verbieten indes dessen gänzliche Unterbindung, wenn die befürchteten nachteiligen Auswir- kungen des persönlichen Verkehrs für das Kind durch die An wesenheit einer Drittperson (sog. begleitetes Besuchsrecht) in Grenzen gehalten werd en können (Urteile des Bundesge- richts 5A_401/2014 vom 18. August 2014 E. 3.2.2; 5A_38 1/2011 vom 10. November 2011 E. 4.2.1; 5A_699/2007 vom 26. Februar 2008 E. 2.1). Das begleitete Besuchsrecht bezweckt, der Gefährdung des Kindes wirksam zu begegnen, Krisensi tuationen zu entschärfen und Ängs- te abzubauen sowie Hilfestellungen für eine Verbesseru ng der Beziehungen zum Kind und un- ter den Eltern zu vermitteln (I NGEBORG SCHWENZER /MICHELLE COTTIER , in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], a.a.O., N 26 zu Art. 273 ZGB). 4.5 Die Vorinstanz hat – wenn auch in summarischer Weise – ausgeführt (vgl. E. 3.4 hier- vor), dass die Besuche gemäss der ursprünglich gelebten Re gelung immer schwieriger gewor- den und für E.____ insbesondere aufgrund der Konflikte zwischen den Beschwerdeführenden, aber auch zwischen den Brüdern sowie zwischen der Famili enbegleiterin und dem Kindsvater unzumutbar geworden seien. Darüber hinaus führte die Vorinstanz im Zusammenhang mit der Kindswohlgefährdung auch den Umstand an, dass die Anwe senheit des Kindsvaters nicht kon- stant gewesen sei, er ohne vorgängige Mitteilung zu sp ät oder gar nicht zu den Besuchstermi- nen erscheine. Zudem sei verschärfend hinzugekommen, dass der ältere Sohn – entsprechend der ablehnenden Haltung des Kindsvaters – gegenüber d er Familienbegleiterin negativ einge- stellt sei. Dies zeige sich daran, dass er sich ihr gegenüb er widersetze mit der Begründung, dass sie ihm nichts zu sagen habe, oder er ihr vorwerfe, dass sein Bruder von der Pflegefamilie "geklaut" worden sei. Schliesslich sei die Situation zwisc hen dem Kindsvater und der Familien- begleiterin anlässlich des letzten Besuchs (vor dem Erlass der superprovisorischen Verfügung vom 5. September 2019) eskaliert, sodass der Besuch vorzei tig und ohne Verabschiedung ha- be abgebrochen werden müssen. Vor diesem Hintergrund kann den Beschwerdeführenden nicht gefolgt werden, wenn sie geltend machen, E.____s Wohl sei nicht gefährdet. Vielmehr kann gestützt auf die vorstehenden Ausführungen festge stellt werden, dass die veränderte Be- suchssituation nicht hinnehmbar und eine Weiterführung d er bisherigen Besuche angesichts dieser angespannten Situation nicht mehr zumutbar gewese n ist. Schliesslich kann in Bezug Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf die Kindswohlgefährdung nicht unerwähnt bleiben, dass die Beschwerdeführenden im Rahmen ihrer Beschwerdebegründung selber einräumen, dass die aktuelle Situation sowohl für ihren jüngeren Sohn als auch für die übrigen Beteiligten "nicht optimal" und daher belastend sei. Dass sie diese Belastungssituation auf die verschiedenen Be zugspersonen zurückführen, än- dert an den vorstehenden Ausführungen nichts, sondern bestätigt die Auffassung der Fachper- sonen, dass vorliegend eine Kindswohlgefährdung gegeben war und Handlungsbedarf bestand. 4.6 Die Anordnung einer vorsorglichen Massnahme setzt Drin glichkeit voraus, d.h. es muss sich als notwendig erweisen, die fraglichen Vorkehren sofort zu treffen. Diesbezüglich kann den Verfahrensakten entnommen werden, dass die Bes uche zunehmend schwierig wur- den und die Situation vor Erlass des superprovisorischen Entscheids bereits einmal eskaliert ist. Neben der seitens des Kindsvaters gegenüber der Fami lienbegleiterin ausgesprochenen Belei- digung habe dieser auch die nötige körperliche Distan z ihr gegenüber nicht gewahrt (vgl. Ak- tennotiz der KESB vom 4. September 2019). Anlässlich ih rer Anhörung führte die Familienbe- gleiterin gegenüber der Vorinstanz aus, dass sie die Besuche im bisherigen Rahmen nicht mehr verantworten könne, weil sie aus ihrer Sicht den Kinde rn nicht mehr zuzumuten seien (vgl. Ak- tennotiz der KESB vom 10. September 2019). Die Vorin stanz ist gestützt auf diese Einschät- zung der Fachperson zu Recht davon ausgegangen, dass die Anpassung der Modalitäten des Besuchsrechts umgehend zu erfolgen hat, um weitere Eska lationen zu vermeiden. Nach dem Gesagten kann der Auffassung der Beschwerdeführenden, damit hätte bis zum Abschluss des zwischenzeitlich in Auftrag gegebenen Gutachtens zugewart et werden können, nicht gefolgt werden. Damit ist die Dringlichkeit der vorliegenden vorsorglichen Änderung der Kindesschutz- massnahmen gegeben. 4.7 Schliesslich ist erforderlich, dass die Abwägung der verschiedenen Interessen den Ausschlag für den einstweiligen Rechtsschutz gibt und di eser verhältnismässig erscheint. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist gerade im vorliegen den Zusammenhang besonders zu beachten, denn durch eine vorsorgliche Massnahme können Fakten im Hinblick auf den End- entscheid geschaffen werden. Der Gesetzgeber hat expli zit festgehalten, dass vorsorgliche Massnahmen erforderlich zu sein haben (Art. 445 Abs. 1 ZG B). Die weiteren Kriterien der Ver- hältnismässigkeit – die Geeignetheit und die Zumutbarke it – werden zwar nicht ausdrücklich erwähnt; selbstredend sind aber auch diese Aspekte zu b eachten (vgl. MARANTA /AUER /MARTI , a.a.O., N 10 zu Art. 445 ZGB). Das vorliegend angeor dnete Besuchsrecht wurde vorläufig, d.h. bis zu einem definitiven Entscheid, angeordnet und soll weitere Eskalationen im Rahmen der Besuchssituation verhindern bzw. die angespannte Situat ion entschärfen, sodass der persönli- che Verkehr zwischen den Eltern und E.____ während des l aufenden Verfahrens fortgeführt werden kann und nicht gänzlich eingestellt werden muss. Es darf mit der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass die vorsorglich angeordnete Besu chsrechtsregelung geeignet ist, eine Entspannung der Konflikte und eine Verbesserung der innerfamiliären Beziehungen her- beizuführen. Es wurde bereits ausgeführt, dass die Erfo rderlichkeit des verfügten Besuchs- rechts zu bejahen ist (E. 4.6 hiervor). Zu berücksichtige n ist schliesslich, dass die Kontakte in der Familie seit dem Jahr 2016 im Rahmen von (begle iteten) Besuchen stattgefunden haben. Der persönliche Verkehr war somit seit längerer Zeit d eutlich eingeschränkt. Wie erwähnt, wen- den sich die Beschwerdeführenden nicht gegen das beglei tete Besuchsrecht und verlangen Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht auch keine ausgedehnteren Besuche, sondern beantragen , dass die bisherige und einge- schränkte Besuchsregelung angeordnet wird. Angesichts dies er Umstände sowie der zeitlichen Begrenzung der verfügten Massnahme kann diese nicht a ls besonders einschneidend beurteilt werden. Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass die Verhältnismässigkeit des vorinstanzlichen Entscheids über das angeordnete Besuchsrecht zu bejahen ist. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde. 5.1 Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kan tonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsgebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Die Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 800.-- sind vorliegend den Beschwerdefüh- renden je zur Hälfte, d.h. zu je Fr. 400.--, aufzue rlegen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gerichtskasse. 5.2 Als unterliegende Partei haben die Beschwerdeführ enden keinen Anspruch auf Partei- entschädigung (vgl. § 21 Abs. 1 VPO). Die Parteikosten si nd demzufolge wettzuschlagen. Zu- folge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung ist der Rechtsvertreterin der Beschwerde- führenden ein Honorar aus der Gerichtskasse auszurichten. Bei unentgeltlicher Verbeiständung beträgt das Honorar nach § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für Anwältinnen und Anwälte [TO] vom 17. November 2003 Fr. 200.-- pro Stunde. In ihrer H onorarnote vom 25. November 2019 weist die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden einen Auf wand von 7.39 Stunden à Fr. 200.-- sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 313.40 zuzüglich 7.7% MWST aus, was nicht zu beanstan- den ist. Demzufolge ist ihr ein Honorar in der Höhe v on Fr. 1'929.35 aus der Gerichtskasse auszurichten. 5.3 Die Beschwerdeführenden werden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie zur Nachzahlung der in diesem Verfahren infolge Bewillig ung der unentgeltlichen Rechtspflege der Gerichtskasse belasteten Kosten verpflichtet sind, sobald si e dazu in der Lage sind (§ 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte [ Gerichtsorganisationsgesetz, GOG] vom 22. Februar 2001). Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden den Beschwer- deführenden je zur Hälfte, d.h. im Umfang von je Fr. 400.--, auferlegt und gehen zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessf ührung zulasten der Gerichtskasse. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechts- vertreterin der Beschwerdeführenden ein Honorar in de r Höhe von Fr. 1'929.35 (inkl. Auslagen und 7.7% MWST) aus der Ge richtskasse ausgerichtet. Vizepräsident Gerichtsschreiberin