200 19 284 IV KOJ/LUB/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 20. August 2019 Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiber Lüthi A.________ vertreten durch B.________ vertreten durch C.________, Rechtsanwalt D.________, Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 13. März 2019 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1967 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) meldete sich im Mai 2013 unter Hinweis auf eine Depression mit Konzen- trationsproblemen, Erschöpfung, Gewichtsverlust, Ängsten und Schwindel sowie eine posttraumatische Belastungsstörung und Nackenschmerzen nach einer Bandscheibenoperation bei der Eidgenössischen Invalidenver- sicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV [act. II] 6). Die IV- Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) tätigte erwerbliche sowie me- dizinische Erhebungen und verneinte mit Verfügung vom 10. Oktober 2014 (act. II 56) gestützt im Wesentlichen auf ein polydisziplinäres (internistisch, neurologisch, orthopädisch, psychiatrisch) Gutachten der MEDAS E.________ vom 18. Juni 2014 (act. II 50.1) einen Anspruch auf IV- Leistungen. Auf eine hiergegen erhobene Beschwerde (act. II 64) trat das Verwaltungsgericht des Kantons Bern (Verwaltungsgericht) mit Urteil vom 5. Januar 2015, IV/2014/1089 (act. II 66), nicht ein. B. Im Juni 2015 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. Als gesundheitliche Beeinträchtigung erwähnte sie starke Nackenschmer- zen (act. II 70). Die IVB liess die Versicherte durch die MEDAS F.________ psychiatrisch-orthopädisch begutachten (Gutachten vom 13. Februar 2017; act. II 114.1) und holte bei ihrem Abklärungsdienst einen Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb vom 12. Juni 2017 (act. II 118 S. 2 ff.) ein. Nach durchge- führtem Vorbescheidverfahren (act. II 119) lehnte die IVB mit Verfügung vom 1. September 2017 (act. II 123) einen Anspruch auf Leistungen der IV ab. Auf Beschwerde hin (act. II 125) hob sie die Verfügung wiedererwä- gungsweise auf und stellte weitere Abklärungen in Aussicht (act. II 132), worauf das betreffende Beschwerdeverfahren mit Prozessurteil des Verwal- tungsgerichts vom 28. November 2017, IV/2017/858 (act. II 133), vom Ge- schäftsverzeichnis abgeschrieben wurde.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 3 In der Folge veranlasste die IVB – auf Empfehlung des Regionalen Ärztli- chen Dienstes (RAD; act. II 152) – eine polydisziplinäre Begutachtung in den Fachrichtungen Psychiatrie, Neuropsychologie, Neurologie, Orthopä- die/Traumatologie und Allgemeine Innere Medizin durch die MEDAS G.________ (Gutachten vom 12. Dezember 2018, inkl. Teilgutachten; act. II 175.1-175.6). Mit Vorbescheid vom 24. Januar 2019 (act. II 176) stellte die IVB der Versicherten die Verneinung eines Rentenanspruchs bei einem Invaliditätsgrad von 30 % in Aussicht (act. II 176). Nach erhobenem Einwand (act. II 180) verfügte sie am 13. März 2019 (act. II 182) dem in Aussicht Gestellten entsprechend. C. Mit Eingabe vom 9. April 2019 erhob die Versicherte, vertreten durch die Beiständin B.________, vertreten durch C.________, Rechtsanwalt D.________, Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom 13. März 2019 sei aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen. Gleichzeitig stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt D.________ als amtlicher Anwalt. Mit Zuschrift vom 30. April 2019 reichte die Beschwerdeführerin einen Be- richt der behandelnden Psychiaterin vom 12. April 2019 (Akten der Be- schwerdeführerin [act. I] 6) ein. In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2019 schliesst die Beschwerde- gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 3. Juni 2019 hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut unter Beiordnung von Rechtsanwalt D.________ als amtlicher Anwalt.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 4 Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 13. März 2019 (act. II 182). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführe- rin auf eine Rente der IV. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 5 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. 2.3Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, so ist darin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität oder der Hilflosigkeit oder die Höhe des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwands oder Hilfebedarfs des Versicherten in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenver- sicherung [IVV; SR 831.201]). Wurde eine Rente, eine Hilflosenentschädi- gung oder ein Assistenzbeitrag wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades, wegen fehlender Hilflosigkeit oder weil aufgrund des zu geringen Hilfebe- darfs kein Anspruch auf einen Assistenzbeitrag entsteht, verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzung nach Abs. 2 erfüllt ist (Art. 87 Abs. 3 IVV, vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5.3 S. 351). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen wer- den kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 6 sollten (SVR 2014 IV Nr. 33 S. 121 E. 2). Diese Eintretensvoraussetzung soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1 S. 112). Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsgesuch ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali- ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der Invali- ditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän- derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) Invali- dität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1). Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuanmeldungsver- fahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG – durch Ver- gleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen Beur- teilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b). Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Rentenan- spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berück- sichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggeben- den Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditäts- schätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1). 2.4Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha- ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 7 beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg- lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 3. 3.1Die Verwaltung ist auf die Neuanmeldung (datiert) vom 9. Juni 2015 (act. II 70) eingetreten und hat den Leistungsanspruch materiell geprüft, womit die Eintretensfrage vom Gericht nicht zu beurteilen ist (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Indes ist zu prüfen, ob im massgebenden Vergleichszeit- raum zwischen der leistungsabweisenden Verfügung vom 10. Oktober 2014 (act. II 56) und der Verfügung vom 13. März 2019 (act. II 182) eine Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die geeig- net ist, den Invaliditätsgrad in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise zu beeinflussen (vgl. E. 2.3 hiervor). Hierbei nicht massgebend ist die Verfügung vom 1. September 2017 (act. II 123), da die Beschwerde- gegnerin diese auf Beschwerde hin (act. II 125) wiedererwägungsweise aufgehoben hat (act. II 132). 3.2Die Verfügung vom 10. Oktober 2014 (act. II 56) basierte in medizi- nischer Hinsicht massgeblich auf dem polydisziplinären Gutachten der MEDAS E.________ vom 18. Juni 2014 (act. II 50.1). Darin wurden (aus allgemein-internistischer, orthopädischer und psychiatrischer Sicht) ein (polyvalenter) Analgetika-Fehlgebrauch (inkl. Opioid), ein leichtgradiges Untergewicht (17.9 kg/m2), eine Spondylodese C6/7 mit gutem objektivem operativem Ergebnis (März 2012), eine Dysthymie (ICD-10 F34.1) und ein aktenkundig schädlicher Alkoholgebrauch (ICD-10 F10.1) diagnostiziert (act. II 51.1 S. 14, 26, 33). Aus neurologischer Sicht bestehe kein ausrei- chender Anhalt für eine behinderungsrelevante Läsion am zentralen oder peripheren Nervensystem, der Wirbelsäule sowie der paravertebralen Strukturen (act. II 50.1 S. 18). Die Gutachter gelangten in der Konsensbe- urteilung zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der zuletzt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 8 ausgeübten sowie jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder auch einer ande- ren, körperlich leichten bis mittelschweren, wechselbelastend oder über- wiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts ohne häufige Überkopfarbeit sei mit 100 % einzuschätzen (Pensum und Rende- ment 100 %). Somatischerseits liege aufgrund des zervikalen postoperati- ven Zustands eine dauerhafte qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit vor (Ausschluss von körperlich schwerer Arbeit und von Tätigkeiten mit häufiger Reklinationshaltung des Kopfes/Überkopfarbeiten). Psychiatri- scherseits sei keine gravierende Depressivität zu erheben gewesen, so dass eine eigenständige psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit nicht zu attestieren sei. Die klinische Präsentation der Versicherten sei recht uneinheitlich gewesen, in der internistischen Untersuchung durch promi- nentes Klagen und auch Weinen geprägt, was in den übrigen Untersu- chungen nicht oder nicht in einer vergleichbaren Ausprägung zu beobach- ten gewesen sei. Auch habe sich kein konsistentes, reproduzierbares und in den klinischen Befunden objektivierbares Korrelat der zervikalen Schmerzen gefunden. Ein bewusstseinsnaher demonstrativer Störungsan- teil bleibe also zu berücksichtigen (act. II 50.1 S. 35). 3.3Für die Zeit zwischen der Verfügung vom 10. Oktober 2014 (act. II 56) und der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 13. März 2019 (act. II 182) präsentiert sich der Sachverhalt im Wesentlichen wie folgt: 3.3.1Im bidisziplinären (psychiatrisch-orthopädischen) Gutachten der MEDAS F.________ vom 13. Februar 2017 (act. II 114.1) wurden als Dia- gnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches zervikozepha- les Schmerzsyndrom ohne ausstrahlende Symptomatik (ICD-10 M53.0) und Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen durch Alkohol, gegenwärtig nicht abstinent bzw. anhaltender Alkoholgebrauch, aber übermässiger Al- koholkonsum nicht erwiesen (ICD-10 F10.71), genannt. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41; S. 20). Zusammenfassend re- sultiere aus bidisziplinärer Sicht in leichten bis intermittierend mittelschwe- ren, adaptierten Tätigkeiten, so auch in den gelernten oder zuletzt durchge- führten, eine 75 %-ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Das Pensum könne Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 9 vollschichtig umgesetzt werden mit erhöhtem Pausenbedarf und leicht re- duziertem Rendement. Diese Einschätzung könne über die Zeit gemittelt seit Januar 2013 bestätigt werden. Im Haushalt sei bei freier Zeiteinteilung, da sich die psychiatrische Einschränkung kaum auswirke, von einer Ein- schränkung von unter 10 % auszugehen (act. II 114.1 S. 21 f.). 3.3.2Die Behandler der psychiatrischen Dienste H.________ hielten im Bericht vom 17. bzw. 26. Januar 2018 (act. II 138, 144) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0) und einen chronischen Nackenschmerz bei Störung nach Anterior- Cervikal-Fusion (ACIF)-Stabilisierung C6/7 (März 2012) bei Störung nach Schleudertrauma nach Autounfall fest. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Störung nach viraler Cerebellitis, eine Störung nach schädlichem Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1) und eine 14mm grosse Pinealiszyste ohne Krankheitswert (S. 2). 3.3.3Im Austrittsbericht des Spitals I.________ vom 1. Februar 2018 (act. II 148) wurde eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.01) und eine chronische Schmerzstörung (ICD-10 F45.41) diagnostiziert (act. II 148 S. 2). Die Patientin möchte wieder in den Arbeitsprozess einsteigen. Dafür brauche es viel Unterstützung sowie ein Leistungsfähigkeitstraining in ei- nem geschützten Rahmen (act. II 148 S. 3). 3.3.4Die RAD-Ärztin Dr. med. J.________, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapie, legte am 4. Juni 2018 dar, dass die psych- iatrische diagnostische Einordnung klärungsbedürftig sei. Durchgängig ver- bleibe es bei der Diagnose einer psychischen und Verhaltensstörung durch Alkohol, deren aktueller Status ebenfalls nicht geklärt sei. Es bedürfe un- bedingt der neurokognitiven Objektivierung der hierfür hauptsächlich ver- antwortlichen kognitiven Defizite. Differenzialdiagnostisch müsste bei der unklaren psychiatrischen Situation auch die Information einer im Jahre 2002 abgelaufenen viralen Cerebellitis mit in die Diskussion einbezogen werden. Eine mitbestimmende hirnorganische Genese und damit eine mul- tifaktorielle Bedingtheit der Symptomatik sei nach der jetzigen Dossierlage nicht auszuschliessen. Es werde daher eine polydisziplinäre Begutachtung in den Fachgebieten Psychiatrie, Neuropsychologie und Neurologie als indiziert erachtet (act. II 151 S. 4).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 10 Am 5. Juni 2018 empfahl die RAD-Ärztin Dr. med. K.________, Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine entspre- chende Begutachtung mit der zusätzlichen Fachdisziplin Orthopädie (act. II 152 S. 6). 3.3.5Am 29. Oktober 2018 führte die behandelnde Dr. med. L.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, zu Handen der Gutachter der MEDAS G.________ aus – nachdem sie im Erstkonsultationsbericht vom 6. Februar 2018 (act. II 175.7 S. 4 f.) den Verdacht auf eine psychoti- sche Störung unklarer Ätiologie, differenzialdiagnostisch Spätschizophre- nie, geäussert hatte –, im Spital I.________ und im psychiatrischen Dienste H.________ sei eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0) diagnosti- ziert worden. Im Hinblick auf die Belastbarkeit könne derzeit noch keine abschliessende Beurteilung erfolgen. Aktuell scheine sie aber begrenzter, als die Patientin sich dies wünsche. Die Patientin sei für eine berufliche Wiedereingliederung maximal motiviert, ob ihre Ressourcen hierfür aus- reichten, sei derzeit aber nicht abschätzbar und müsse vorläufig angezwei- felt werden (act. II 175.7 S. 6 f.). 3.3.6Im Gutachten der MEDAS G.________ vom 12. Dezember 2018 (act. II 175.1) wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine paranoi- de Schizophrenie, unter Neuroleptikabehandlung ohne produktiv- psychotische Symptomatik (ICD-10 F20.0) mit Störungen aufmerksam- keitsabhängiger kognitiver Leistungen am ehesten im Rahmen einer psy- chischen Störung, und ein chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom diagnostiziert. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) wurden eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), ein schädlicher Konsum von Alkohol (ICD-10 F10.1), ein chronischer Nacken- und Kopfschmerz ohne Anhaltspunkte weder für eine Myelopathie noch für eine radikuläre Reiz- bzw. Ausfallsymptomatik, ein chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom, ein Status nach Cerebelli- tis 2002, abgeheilt ohne Residuen, eine Dyslipidämie, Verdacht auf Vit- amin-B12-Mangel und Übergewicht ([BMI] 28.2 kg/m 2) diagnostiziert (act. II 175.1 S. 6). Auf psychiatrischem Fachgebiet zeige sich das Bild ei- ner paranoiden Schizophrenie unter Neuroleptikabehandlung mit einer ni- vellierten Affektregulation, einer Antriebsstörung und einem Verlust des Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 11 psychoenergetischen Potenzials sowie leichten kognitiven Einbussen, wel- che auch neuropsychologischerseits bestätigt worden seien. Neurologisch hätten sich keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit erkennen lassen. Es ergäben sich insbesondere auch keine Hinweise auf eine Li- quorzirkulationsstörung nach einer 2002 durchgemachten Cerebellitis. Auch aus orthopädisch-traumatologischer Sicht sei die Versicherte in der Lage, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unter Berücksichtigung einzel- ner qualitativer Einschränkungen im Belastbarkeitsprofil auszuüben. Inter- nistischerseits ergäben sich keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeits- fähigkeit (act. II 175.1 S. 5). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage 70 % (integral betrachtet). Seit dem Gutachten vom 13. Februar 2017 sei eine wesentliche Veränderung dahingehend eingetreten, als dass im Zuge der mittlerweile gesicherten psychotischen Störung eine Zunahme der kognitiven und affektiven Symptome ausgewiesen sei. Es sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit seit Juni 2017 (Diagnosesicherung des psychiatrischen Dienstes H.________) mit lediglich 70 % einzuschät- zen sei. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 % (integral betrachtet). Gesamthaft sei eine ähnliche Tätigkeit (wie die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als ... im …) sechs Stunden täglich, mög- lichst aufgeteilt in zwei Blöcken zu jeweils drei Stunden mit zwischenzeitli- cher Möglichkeit, sich zu erholen, zumutbar. Angesichts der Alkoholpro- blematik sollte diese Tätigkeit jedoch nicht unter einem leichten Zugang zu Alkohol durchgeführt werden (act. II 175.1 S. 8). 3.3.7Am 12. April 2019 berichtete die behandelnde Psychiaterin Dr. med. L.________ dem Rechtsvertreter der Versicherten, die Patientin leide an einer „late-onset“ Schizophrenie (ICD-10 F20.0) und muskulo- skelettalen Beschwerden im Bereich der HWS/oberen BWS und im Schul- terbereich. Aktuell bestehe eine leichte depressive Symptomatik mit Ge- dankenkreisen (act. I 6 S. 1). Die Patientin wolle unbedingt arbeiten, sie strebe eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt an. Bis jetzt sei trotz aller Bemühungen ein Arbeitspensum quantitativ unter 50 % realisiert worden, dabei bestünden im Hinblick auf Belastbarkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ermüdbarkeit objektivierbare Einschränkungen auf Arbeitstempo, -quantität sowie -effizienz und konstanter Leistung, sodass für die Patientin wechsel- belastende Tätigkeiten zur Verfügung gestellt werden müssten. Die derzei-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 12 tige Arbeitsleistung sei daher mit einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeits- markt keinesfalls vergleichbar. Die Patientin benötige zudem eine ihren körperlichen Beschwerden angepasste Arbeit, die ihr wechselbelastende Körperhaltung ermögliche, damit sie durch die ansonsten exazerbierende Schmerzsymptomatik nicht noch schneller ermüde. Die von der IV postu- lierte Arbeits(un-)fähigkeit stehe daher in erheblichem Gegensatz und das Ergebnis deren Begutachtung sowie die Verfügung seien nicht nachvoll- ziehbar (act. I 6 S. 2). 3.4Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus- schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b bb S. 353). Eine von anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung vermag die Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine ei- genständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsver- fahren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 13 3.5Das Gutachten der MEDAS G._______ vom 12. Dezember 2018 (inkl. Teilgutachten; act. II 175.1-175.6) erfüllt die Anforderungen an die Beweiskraft eines ärztlichen Berichts. Die darin enthaltenen Feststellungen beruhen auf eigenen Abklärungen, sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden getroffen worden. Die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin erfolgte unter Einbezug sämtlicher hier relevanten medizinischen Fachdisziplinen und beruht auf einer interdisziplinären Konsensbesprechung. Die gestellten Diagnosen sind nachvollziehbar begründet und die gutachterlich beurteilte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit, die seit spätestens Juni 2017 gelte (act. II 175.1 S. 9), ist einleuchtend und schlüssig. Demnach besteht für körperlich leichte bis mittelschwere Tätig- keiten (welche wechselweise im Stehen, Sitz und Laufen erfolgen, mit der Möglichkeit der eigen gewählten Position) einfacher geistiger Art mit gerin- gen Verantwortungsgraden, möglichst weisungsgebunden und ohne Anfor- derungen an die eigene Entscheidungsfähigkeit, eine Arbeitsfähigkeit von 70 %. Permanente Gerüst- und Leitertätigkeiten, Zwangshaltungen für die Wirbelsäule, insbesondere für die Halswirbelsäule, sowie permanente Überkopfarbeit können nicht verrichtet werden (act. II 175.1 S. 7 f. Ziff. 4.5 und 4.8). Die gutachterlichen Ausführungen werden von der Beschwerde- führerin denn auch – zu Recht – nicht bestritten (vgl. Beschwerde S. 4 ff. Ziff. 3 und 4). Mit der Beschwerdegegnerin ist festzuhalten, dass auch die im Beschwerdeverfahren eingereichte Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin Dr. med. L.________ vom 12. April 2019 (act. I 6) keine wich- tigen Aspekte zu benennen vermag, die im Rahmen der Begutachtung un- erkannt oder ungewürdigt geblieben wären (SVR 2017 IV Nr. 49 S. 148 E. 5.5, 2008 IV Nr. 15 S. 44 E. 2.2.1). Ausserdem ist, was namentlich deren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit anbelangt, der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte bzw. behandelnde Spezialärzte mit- unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels- fällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3, Entscheid des Eidgenössi- schen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht {BGer}] vom 20. März 2006, I 655/05, E. 5.4).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 14 Ferner hat der psychiatrische Gutachter der MEDAS G.________ überzeu- gend dargelegt, dass sich das psychiatrische Zustandsbild seit der Begut- achtung der MEDAS F.________(im Februar 2017; act. II 114.1) wesentlich verändert bzw. verschlechtert hat, namentlich dass im Zuge der mittlerweile gesicherten psychotischen Störung eine Zunahme der kognitiven und affek- tiven Symptome eingetreten ist (act. II 175.2 S. 15 f.). Im Gegensatz zum psychiatrischen Gutachter der MEDAS E.________, welcher keine ei- genständige psychiatrische Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte (act. II 50.1 S. 33-35), stellte der Experte der MEDAS G.________ als neue Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine paranoide Schizophrenie, un- ter Neuroleptikabehandlung ohne produktiv-psychotische Symptomatik (ICD-10 F20.0) mit Störungen aufmerksamkeitsabhängiger kognitiver Leis- tungen am ehesten im Rahmen einer psychischen Störung (act. II 175.2 S. 13). Insoweit ist das SMAB-Gutachten auch unter revisionsrechtlichem Blickwinkel beweiskräftig (vgl. Entscheid des BGer vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2, publ. in SVR 2012 IV Nr. 18 S. 81) und es kann dar- auf abgestellt werden. Ausgehend vom erwähnten gutachtlichen Zumutbar- keitsprofil ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin damit allseitig frei zu prüfen (vgl. E. 2.3 hiervor). 4. Was den Status betrifft (Ausmass der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall), nahm die Beschwerdegegnerin an, die Beschwerdeführerin wäre im hypo- thetischen Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig (act. II 182 S. 1 f.). Die- ser Status wird ebenfalls nicht bestritten und ist gestützt auf die Angaben im Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb vom 12. Juni 2017 (act. II 118 S. 2 ff.) zutreffend. Es besteht kein Anlass hiervon abzuweichen: Nament- lich erscheint der Status aufgrund der Scheidung vom Ehemann und unter Berücksichtigung des Alters der 1997 und 1999 geborenen Kinder (act. II 6 S. 1 f., act. II 118 S. 3), welche beim Vater leben (act. II 175.2 S. 7), nach- vollziehbar und schlüssig.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 15 5. 5.1Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein- kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede- rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein- kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). 5.2Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung rea- lisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte gemäss Tabellenlohn nach den vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mit- berücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele- vanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110; Entscheid des EVG vom 30. Oktober 2002, I 517/02, E. 1.2). 5.3Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen wer- den (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 16 zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch- schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei- nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein- schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be- schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein- kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo- bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medi- zinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (SVR 2018 IV Nr. 45 S. 145 E. 2.2). 5.4Die Beschwerdegegnerin hat den Einkommensvergleich dergestalt vorgenommen, dass sie das Validen- und das Invalideneinkommen auf der Grundlage desselben Tabellenlohns gemäss LSE 2016, Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2016, Frauen, Totalwert, Kompetenzniveau 1 (Fr. 4‘363.--; Einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art), bestimmt hat (act. II 182 S. 1 f.). 5.4.1Hinsichtlich des Valideneinkommens macht die Beschwerdeführerin geltend, auch wenn die Arbeitsaufgabe vorerst familiär bedingt gewesen sei, liege die Tatsache, dass sie aktuell nicht mehr (qualifiziert) arbeiten könne, in der gesundheitlichen Einschränkung begründet. Ohne gesund- heitliche Einschränkungen wäre sie wieder in einer qualifizierten Tätigkeit im Rahmen der Administration/Informatik tätig (Beschwerde S. 4 f. Ziff. 3). Nachdem die Beschwerdeführerin 1985 eine Lehre als ... und 1987 eine Lehre als … erfolgreich abgeschlossen hatte (act. II 9 S. 9), erwarb sie zwi- schen Oktober 1990 und Juli 1991 berufsbegleitend ein ... (act. II 9 S. 5 f.) und war bis März 2003 bei der M.________ AG tätig, wo sie vorwiegend administrative Arbeiten ausführte (act. II 9 S. 3). Danach war sie bis März Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 17 2010 aus familiären, mithin invaliditätsfremden Gründen nicht erwerbstätig, was sie beschwerdeweise selbst bestätigt (Beschwerde S. 4 Ziff. 3). Nach der Wiederaufnahme ihrer Erwerbstätigkeit im Jahr 2010 hatte sie nie eine qualifizierte Tätigkeit im Rahmen der Administration/Informatik inne, son- dern übte wenig qualifizierte Tätigkeiten aus. So arbeitete sie bei der N.________ AG (April bis Dezember 2010) und bei der O.________ AG (Januar bis Juli 2011) im ... bzw. als ... und bei der P.________ GmbH … im Zeitungsvertrieb (September 2016) sowie der Q.________ SA im ... (Ok- tober 2016). Zudem gab die Beschwerdeführerin gegenüber der Ab- klärungsfachperson an, ein ... (2013/2014) betrieben zu haben und im … (...; 2014) tätig gewesen zu sein (act. II 9 S. 2, act. II 11 S. 3, act. II 12, act. II 116 S. 2, act. II 118 S. 4). Nach dem Dargelegten enthalten die Akten keine hinreichenden Anhalts- punkte für die Annahme, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall in einer qualifizierten Tätigkeit im Rahmen der Administration/Informatik tätig wäre. Vielmehr ist aufgrund der Erwerbsbiographie nach der familiär bedingten Erwerbsaufgabe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 138 V 218 E. 6 S. 221; 144 V 427 E. 3.2 S. 430) davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin einfache Tätigkeiten ausüben wür- de. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Verwaltung für die Ermittlung des Valideneinkommens auf die LSE 2016, Total des Kompetenzniveaus 1, abgestellt hat. 5.4.2Was die Festsetzung des Invalideneinkommens anbelangt, wird von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten, dass dabei auf Hilfstätig- keiten abzustellen ist (Beschwerde S. 5 Ziff. 4). Die Beschwerdeführerin hat keine Verweistätigkeit im zumutbaren Rahmen aufgenommen und mit Blick auf das medizinische Zumutbarkeitsprofil sind ihr körperlich leichte bis mit- telschwere Tätigkeiten zumutbar (vgl. E. 3.5 hiervor), womit dem Invaliden- einkommen praxisgemäss die Tabelle TA1 und der darin enthaltene Total- wert zugrunde zu legen ist (vgl. Entscheid des BGer vom 11. Januar 2018, 9C_621/2017, E. 2.3.1). Die Beschwerdeführerin fordert jedoch einen lei- densbedingten Abzug vom Tabellenlohn wegen der Aufteilung der Arbeits- zeit in zwei Blöcke und der zu berücksichtigenden Kriterien „einfache geis- tige Arbeit, keine Verantwortung, eingeschränkte Konfliktfähigkeit, kein Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 18 Zeitdruck, Erholungsmöglichkeit, eingeschränkte körperliche Belastbarkeit etc.“ (vgl. Beschwerde. S. 5 f. Ziff. 4). Ein Abzug vom Tabellenlohn ist nicht geboten. Bei Zumutbarkeit von leich- ten und mittelschweren Tätigkeiten ist grundsätzlich auch bei einge- schränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der Ta- bellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl solcher Tätigkeiten umfasst (vgl. Entscheid des BGer vom 30. Mai 2011, 9C_187/2011, E. 4.2.1). Den behinderungsbedingten Einschränkungen (act. II 175.1 S. 7) trägt vorliegend das medizinisch-theoretische Zumutbarkeitsprofil mit einer Minderung der Arbeitsfähigkeit von 30 % (act. II 175.1 S. 8) genügend Rechnung. Nach ständiger Rechtsprechung können gesundheitliche Ein- schränkungen, die bereits bei der Beurteilung des medizinischen Zumut- barkeitsprofils enthalten sind, nicht zusätzlich in die Bemessung des lei- densbedingten Abzuges einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunktes führen (Entscheid des BGer vom 18. Januar 2018, 8C_552/2017, E. 5.3.1). Die Teilzeittätigkeit rechtfertigt ebenfalls keinen Abzug, da bei teilzeitlich angestellten Frauen das Kriterium des re- duzierten Beschäftigungsgrades von vornherein kaum ins Gewicht fällt (Entscheid des BGer vom 30. November 2012, 8C_712/2012, E. 4.2.2). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass das hier massgebliche Zumutbar- keitsprofil (vgl. E. 3.4 hiervor) nicht derart eng formuliert ist, dass eine ent- sprechende Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich wäre, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Ar- beitgebers möglich wäre (vgl. SVR 2011 IV Nr. 6 S. 18 E. 4.2.4, 2008 IV Nr. 62 S. 205 E. 5.2). 5.5Es resultiert damit ein Invaliditätsgrad von 30 %, da der Invaliditäts- grad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit (hier 30 %; vgl. E. 3.5 hiervor) unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (hier 0 %) entspricht, wenn Validen- und Invalideneinkommen aufgrund des gleichen Tabellen- lohns bestimmt werden (SVR 2018 UV Nr. 29 S. 103 E. 5.2). Folglich be- steht kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (vgl. E. 2.2 hiervor). Die angefochtene Verfügung vom 13. März 2019 (act. II 182) ist damit nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 19 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre- chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah- lung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Zufolge der mit Verfügung vom 3. Juni 2019 bewilligten unentgeltlichen Rechtspflege ist die Beschwerde- führerin jedoch – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – von der Zahlungspflicht der Verfahrens- kosten befreit. 6.2Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). 6.3Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiord- nung von Rechtsanwalt D.________ bleibt dessen amtliches Honorar fest- zulegen. Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts wird der Stundenansatz amtli- cher Anwältinnen und Anwälte gemeinnützig tätiger Rechtsberatungsstellen unter Beachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 135 I 1 E. 7.3 S. 3; SVR 2010 IV Nr. 3 S. 6 E. 5.4) auf Fr. 130.-- festgesetzt. Dieser allgemeingültige pauschalisierte Stundenansatz wird im konkreten Fall mit dem gebotenen Aufwand multipliziert (vgl. Rundschreiben der Sozialversi- cherungsrechtlichen Abteilung und der Abteilung für französischsprachige Geschäfte des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dezember 2009, abrufbar unter www.justice.be.ch).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 20 Mit Kostennote vom 11. Juni 2019 macht Rechtsanwalt D.________ einen Aufwand von 6.4 Stunden sowie Auslagen von Fr. 77.20 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Dementsprechend wird das amtliche Honorar auf Fr. 832.-- (6.4 Stunden x Fr. 130.--), zuzüglich Auslagen von Fr. 77.20 so- wie die Mehrwertsteuer von Fr. 70.-- (7.7 % auf Fr. 909.20), somit total auf Fr. 979.20 festgesetzt und Rechtsanwalt D.________ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse vergütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach- zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Rechtsanwalt D.________ wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 979.20 festgesetzte Ent- schädigung (inkl. Auslagen und MWSt.) vergütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Aug. 2019, IV/19/284, Seite 21 5. Zu eröffnen (R): - C.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.