<h2>SubmittedText<h2><p>Die Forschung und Lehre im Bereich der Frauen- und Geschlechterstudien wird in der Schweiz über zwanzig Jahre praktiziert und kann auf eine Fülle von Forschungsbeiträgen und gesellschaftlich wichtigen Ergebnissen (z. B. das abgeschlossene Nationale Forschungsprogramm NFP 35 "Frau in Recht und Gesellschaft") zurückschauen. Dennoch ist Frauen- und Geschlechterforschung in der Schweiz nach wie vor nicht institutionell an den Universitäten und innerhalb der Forschungsinstitutionen verankert. Deshalb weist die Schweiz gegenüber den europäischen Nachbarstaaten einen erheblichen Rückstand auf. Damit ist aber die Kontinuität, die Weiterentwicklung und auch der Anschluss an die internationale Forschung, speziell auch in der Theorieentwicklung, nicht gewährleistet.</p><p>Eine aktuelle Evaluation des Schweizerischen Wissenschaftsrates dokumentiert die bis anhin geleistete Arbeit im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung sowie in der Lehre in der Schweiz. Internationale Expertinnen weisen auf das Ausbaupotential dieses innovativen, auch interdisziplinären Forschungsansatzes in der Schweiz hin. Gemäss dem Urteil dieser Expertinnen ist eine Institutionalisierung auf Grund des Potentiales sinnvoll und für den Anschluss an die internationale "scientific community" notwendig. Daher empfiehlt auch der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme vom 27. Juli 1999 den Hochschulen bzw. deren Trägerschaften, "Geschlechterstudien durch die Schaffung von entsprechenden Lehrstühlen zu institutionalisieren".</p><p>Daher frage ich den Bundesrat an:</p><p>1. Im Aktionsplan der Schweiz über die Gleichstellung von Frau und Mann wird die Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung verschiedentlich gefordert (Kapitel Bildung, Massnahmen 25, 26, 27 und 29).</p><p>Mit welchen Schritten gedenkt er den Forderungen bei den Adressatinnen (Kantone, Hochschulen, Fachhochschulen, Forschungsinstitutionen) Nachachtung zu verschaffen? Welche Massnahmen wurden bereits ergriffen?</p><p>2. In der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie 2000-2003 ist die Förderung von Gender Studies erwähnt. Für die Umsetzung/Realisierung sind keine speziellen Massnahmen oder finanziellen Mittel vorgesehen.</p><p>Welche Mittel stehen ihm zur Verfügung, damit die Absichtserklärung, die Gender Studies zu fördern, in die Tat umgesetzt werden kann. Welche Massnahmen sind dazu vorgesehen?</p><p>3. Die schweizerische Forschungslandschaft wird zurzeit umgestaltet. Der Schweizerische Nationalfonds will neu Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS) einrichten. Diese befinden sich zurzeit in der Phase der Projekteingaben. Davon sollen anschliessend in einer ersten Serie acht NFS ausgewählt werden.</p><p>Erachtet er es als wünschenswert, bei der ersten Serie von acht auszuwählenden Forschungsschwerpunkten ein NFS im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung vorzusehen? Welche diesbezüglichen Schritte werden verfolgt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Auffassung der Fragestellerin wie auch des Wissenschaftsrates, dass eine Institutionalisierung der Geschlechterforschung in der Schweiz notwendig ist, um diesen interdisziplinären, innovativen Bereich von wissenschaftspolitischer Bedeutung auf ein internationales Niveau zu bringen.</p><p>Er ist der Meinung, dass er diesem Anliegen Rechnung trägt, indem er Rahmenbedingungen schafft, welche eine Realisierung der Institutionalisierung erleichtern bzw. ermöglichen. Es ist bereits heute im Rahmen der Schwerpunktprogramme (SPP), NFP und NFS möglich und explizit erwünscht, dass auch Projekte auf den Gebieten der Frauen- und Geschlechterforschung unterstützt werden. Zudem werden im Rahmen der Förderprofessuren Lehrstühle geschaffen, welche unter der Voraussetzung von entsprechenden Anträgen eine Hilfestellung bei der Institutionalisierung dieses Gebietes bieten.</p><p>Falls sich zeigen sollte, dass diese Massnahmen nicht genügen, wird der Bundesrat überprüfen, ob weitergehende Unterstützungen stattfinden sollen und in welcher Form dies erfolgen sollte. Bei einer positiven Antwort wird er dem Parlament konkrete Vorschläge in seiner nächsten Botschaft unterbreiten.</p><p>Zu den einzelnen Fragen:</p><p>1. Die im erwähnten Aktionsplan der Schweiz über die Gleichstellung von Frau und Mann von 1999 vorgeschlagenen Massnahmen auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung werden vom Bundesrat ernst genommen. Er hat innerhalb der SPP, NFS und NFP sowie bei den Förderprofessuren Möglichkeiten geschaffen, Frauen- und Geschlechterforschung zu unterstützen. Zudem sollen durch das Programm "Chancengleichheit von Frau und Mann im universitären Bereich" den Universitäten Sondermittel zur Verfügung gestellt werden. Das Parlament hat ausserdem die Kredite für die Institutionen der Forschungsförderung in den Jahren 2000-2003 explizit mit dem Auftrag ergänzt, im Rahmen ihrer Aufgaben Massnahmen für eine gleichstellungsorientierte Nachwuchspolitik und die Förderung von Gender Studies zu treffen.</p><p>Der ETH-Rat führt unter den wissenschaftspolitischen Zielen auch die Förderung von Chancengleichheit auf. Einen spezifischen Lehrstuhl für Geschlechterforschung gibt es zurzeit nicht.</p><p>Die Fachhochschulen sind heute dabei, ihre Forschung allgemein aufzubauen. Im Rahmen der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie 2000-2003 sind vom Fachhochschulkredit 10 Millionen Franken für die Förderung von Chancengleichheit zwischen Frau und Mann vorgesehen. Eine vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie eingesetzte Arbeitsgruppe ist dabei, einen Aktionsplan mit gezielten Fördermassnahmen zu erarbeiten, worunter eine zur Unterstützung der Geschlechterforschung. Dieser Aktionsplan sollte ab Januar 2000 Fachhochschulprojekte finanziell unterstützen und fachlich begleiten. Er wird im November verabschiedet.</p><p>Direkte Institutionalisierungen an den Universitäten liegen im Kompetenzbereich der Kantone bzw. der Hochschulen. An der Universität Basel gibt es bereits einen Teilzeitlehrstuhl, der dem historischen Institut angegliedert ist. Ein gemeinsamer Nachdiplomlehrgang in Gender Studies wird von den Universitäten Genf und Lausanne bereits seit einigen Jahren durchgeführt. Die Universität Luzern will ein Institut für Frauen- und Geschlechterforschung einrichten. Die Leitung der Universität Zürich schlägt die Schaffung eines Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung vor.</p><p>2. Wie viele Mittel für die Förderung von Gender Studies zur Verfügung stehen, kann in dieser Form nicht beantwortet werden, da diese Antwort direkt von den entsprechenden Anträgen abhängig ist, die innerhalb der Forschungsprogramme unterstützt werden. Bei den Förderprofessuren sind zurzeit die Evaluationen der Anträge im Gange. Bedauerlicherweise ist kein Gesuch auf dem Gebiet von Gender Studies eingereicht worden. Beim SPP "Zukunft Schweiz" laufen zurzeit drei Projekte zum Thema Gender Studies, welche Ende 1999 abgeschlossen werden und u. a. einen Gleichstellungsatlas liefern werden. Für die nächste Runde wurden soeben Gesuche eingereicht - darunter zwei zum Thema Geschlechterforschung. Die Gesuche werden zurzeit von der Expertengruppe evaluiert. Die Entscheide des Forschungsrates des Nationalfonds sind im November zu erwarten. Die Nationalen Forschungsprogramme haben im NFP 35 "Frau in Recht und Gesellschaft" die Thematik behandelt. Weitere NFP auf dem Gebiete der Gender Studies gibt es zurzeit keine, sind jedoch denkbar und möglich.</p><p>3. Unter den Skizzen für NFS befindet sich ein Antrag (von 84 Skizzen insgesamt bzw. 27 im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften) zum Thema Gender Studies. Die wissenschaftliche Qualität dieses Antrages ist dem Bundesrat nicht bekannt, da die Skizzen zurzeit evaluiert werden. Das Resultat der Evaluation sowie die Aufforderung an die ausgewählten Antragsteller zum Einreichen von ausführlichen Gesuchen wird Ende November 1999 bekannt gegeben.</p>  Antwort des Bundesrates.