<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 72 S.337</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">337</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>72</b></span> <span class="ft1"><b>Begriff der Variante (Erw. 2a/aa).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Eine den Anforderungen entsprechende, zulässige Variante ist gleich</b></span><br/> <span class="ft1"><b>zu behandeln wie die übrigen Angebote; der Anbieter hat Anspruch</b></span><br/> <span class="ft1"><b>darauf, dass sich die Vergabestelle mit seiner Variante sachlich aus-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>einandersetzt (Erw. 2/a/bb).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Beim Entscheid, ob einer Variante der Zuschlag erteilt oder auf der</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Amtslösung beharrt wird, kommt der Vergabestelle ein grosser Er-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>messensspielraum zu (Erw. 2/a/cc).</b></span><br/> <span class="ft1"><b>- Es ist Sache des Anbieters, seine Unternehmervariante so detailliert</b></span><br/> <span class="ft1"><b>auszuarbeiten und ausgereift zu formulieren, dass allfällige Kosten-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>vorteile bzw. entstehende Mehrkosten für die Vergabestelle ersichtlich</b></span><br/> <span class="ft1"><b>sind (Erw. 2/a/dd).</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 8. Juni 2001 in Sachen</span><br/> <span class="ft2">Bietergemeinschaft A. AG und Mitbet. gegen die Verfügung der Stadt A.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">2. a) Den Anbietenden steht es frei, Offerten für Varianten und</span><br/> <span class="ft4">Teilangebote einzureichen (§ 16 Abs. 1 SubmD). Die Vergabestelle</span><br/> <span class="ft4">bezeichnet in den Ausschreibungsunterlagen die Mindestanforderun-</span><br/> <span class="ft4">gen an Varianten und Teilangebote (§ 16 Abs. 2 SubmD).</span><br/> <span class="ft4">aa) In der Baubranche wird als Variante üblicherweise jeder Of-</span><br/> <span class="ft4">fertvorschlag bezeichnet, der inhaltlich von der ausgeschriebenen</span><br/> <span class="ft4">Bauleistung abweicht. Bei der Projektvariante offeriert ein Unter-</span><br/> <span class="ft4">nehmer die Werkausführung mit einer Projektierung, die von den</span><br/> <span class="ft4">ausgeschriebenen Planunterlagen ganz oder teilweise abweicht. Bei</span><br/> <span class="ft4">einer Ausführungsvariante bietet ein Unternehmer die Ausführung in</span><br/> <span class="ft4">einer Art und Weise an, die sich von den Ausschreibungsunterlagen</span><br/> <span class="ft4">(z.B. bezüglich Baumethode, Konstruktionsart, Reihenfolge der Ar-</span><br/> <span class="ft4">beiten) unterscheidet. Keine Unternehmervariante liegt vor, wenn ein</span><br/> <span class="ft4">Anbieter lediglich eine von den Ausschreibungsunterlagen abwei-</span><br/> <span class="ft4">chende Vergütungsart (z.B. Pauschal- statt Einheitspreise) vorschlägt</span><br/> <span class="ft4">(vgl. zum Ganzen: Roland Hürlimann, Unternehmervarianten - Risi-</span><br/> <span class="ft4">ken und Problembereiche, in: Baurecht 1996, S. 3 f.; ferner VGE</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">III/64 vom 11. Mai 1998 [BE.98.00116] in Sachen H. AG, S. 10 f.;</span><br/> <span class="ft4">Verwaltungsgericht Zug, in: Baurecht 2000, S. 62).</span><br/> <span class="ft4">bb) Varianten, die submissionswidrig sind, weil sie eine oder</span><br/> <span class="ft4">mehrere Anforderungen verletzen, die im Rahmen des konkreten</span><br/> <span class="ft4">Submissionsverfahrens für die Angebote oder deren Einreichung</span><br/> <span class="ft4">gelten, scheidet die Vergabestelle berechtigterweise vom Wettbewerb</span><br/> <span class="ft4">aus. Der Anbieter einer den Anforderungen entsprechenden, zulässi-</span><br/> <span class="ft4">gen Variante hat jedoch einen Anspruch darauf, dass seine Variante</span><br/> <span class="ft4">bei der Beurteilung der Frage, welches Angebot den Zuschlag erhal-</span><br/> <span class="ft4">ten soll, in das Verfahren einbezogen und gleich behandelt wird wie</span><br/> <span class="ft4">die übrigen Angebote, d. h. die Vergabestelle hat sich sachlich damit</span><br/> <span class="ft4">auseinanderzusetzen. Das "wirtschaftlich günstigste Angebot" kann</span><br/> <span class="ft4">somit durchaus auch ein Angebot mit Variante sein (vgl. Peter</span><br/> <span class="ft4">Gauch, Der Werkvertrag, 4. Auflage, Zürich 1996, Rz. 461; ders.,</span><br/> <span class="ft4">Vergabeverfahren und Vergabegrundsätze nach dem neuen Vergabe-</span><br/> <span class="ft4">recht des Bundes, in: Baurecht 1996, S. 103; ders., Anmerkung zu</span><br/> <span class="ft4">zwei Entscheiden des Regierungsrats des Kantons Schwyz vom</span><br/> <span class="ft4">21. Juni 1994 und 29. August 1995, in: Baurecht 1997, S. 52; ferner</span><br/> <span class="ft4">Hürlimann, a.a.O., S. 3).</span><br/> <span class="ft4">cc) Nicht unproblematisch ist im Einzelfall die Abgrenzung, ob</span><br/> <span class="ft4">überhaupt noch eine Variante (des Grundangebots) oder etwas völlig</span><br/> <span class="ft4">Anderes angeboten wird. Auch wird die Vergleichbarkeit der Ange-</span><br/> <span class="ft4">bote zunehmend erschwert, je weiter sich eine Variante vom Grund-</span><br/> <span class="ft4">angebot bzw. vom Leistungsverzeichnis entfernt. Diese Nachteile hat</span><br/> <span class="ft4">- wie der Regierungsrat des Kantons Schwyz zutreffend ausgeführt</span><br/> <span class="ft4">hat (Baurecht 1997, S. 52) - der Anbieter einer Variante mitzutragen:</span><br/> <span class="ft5">"Er muss es akzeptieren, dass primär die Vergebungsinstanz die erfor-</span><br/> <span class="ft5">derliche Bewertung trifft und in Grenz- und Übergangsfragen auch zu</span><br/> <span class="ft5">seinen Ungunsten entscheiden kann. Die Folgen der Nichtbeweisbar-</span><br/> <span class="ft5">keit von Tatsachen bzw. der nicht ohne übermässigen Aufwand zu</span><br/> <span class="ft5">führenden Beweise hat zu tragen, wer eine Variante einreicht. Ihm ist</span><br/> <span class="ft5">dies eher zuzumuten als demjenigen, der sich an das Leistungsver-</span><br/> <span class="ft5">zeichnis hält".</span><br/> <span class="ft4">Aus § 15 Abs. 3 der Vergaberichtlinien (VRöB) aufgrund der</span><br/> <span class="ft4">Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswe-</span><br/> <span class="ft4">sen (IVöB) vom 1. Dezember 1995 ergibt sich, dass die Variante dem</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Submissionen</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Amtsvorschlag bezüglich der technischen Spezifikationen gleich-</span><br/> <span class="ft4">wertig sein sollte, wobei die Gleichwertigkeit von der Anbieterin</span><br/> <span class="ft4">oder dem Anbieter der Variante zu beweisen ist (Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft4">Zug, in: Baurecht 2000, S. 62; vgl. auch Verwaltungsgericht Luzern,</span><br/> <span class="ft4">in: LGVE 1999, S. 221 f.). Beim Entscheid, ob sie einer Variante den</span><br/> <span class="ft4">Zuschlag erteilen oder ob sie auf der von ihr erarbeiteten Amtslösung</span><br/> <span class="ft4">beharren will, kommt der Vergabestelle jedenfalls ein grosser Ermes-</span><br/> <span class="ft4">sensspielraum zu, und sie ist nicht verpflichtet, irgendwelche Risiken</span><br/> <span class="ft4">in Kauf zu nehmen (vgl. VGE III/81 vom 3. Oktober 1997</span><br/> <span class="ft4">[BE.97.00216] in Sachen W. AG, S. 13; III/155 vom 15. Dezember</span><br/> <span class="ft4">2000 [BE.97.00372] in Sachen ARGE Argovia A1, S. 39 f.).</span><br/> <span class="ft4">dd) Schliesslich muss es auch Sache des Anbieters sein, seine</span><br/> <span class="ft4">Unternehmervariante so detailliert auszuarbeiten und ausgereift zu</span><br/> <span class="ft4">formulieren, dass allfällige Kostenvorteile bzw. entstehende Mehr-</span><br/> <span class="ft4">kosten für die Vergabestelle klar ersichtlich sind. Es kann nicht ihre</span><br/> <span class="ft4">Aufgabe sein, unvollständig eingereichte Unternehmervarianten</span><br/> <span class="ft4">selbst soweit entwickeln zu müssen, bis die Kostenvorteile bzw.</span><br/> <span class="ft4">-nachteile in Zahlenform zum Ausdruck kommen (erwähnter VGE in</span><br/> <span class="ft4">Sachen ARGE Argovia A1, S. 40).</span><br/></div> </div> </body> </html>