<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 286</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">286</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>70</b></span> <span class="ft1"><b>Abschreibung eines Darlehens (§ 36 Abs. 2 lit. a StG)</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Geschäftsvermögen oder Privatvermögen</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Steuerrekursgerichtes vom 23. Juni 2011 in Sachen</span><br/> <span class="ft2">E.B. (3-RV.2010.24).</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">3.</span><br/> <span class="ft4">3.1.</span><br/> <span class="ft4">Die Rekurrentin führt als Einzelunternehmung das Altersheim</span><br/> <span class="ft4">X. (selbstständige Erwerbstätigkeit). Im Abschluss 2005 der Einzel-</span><br/> <span class="ft4">unternehmung schrieb die Rekurrentin eine Darlehensforderung von</span><br/> <span class="ft4">CHF 111'494.00 infolge Debitorenverlust auf CHF 0.00 ab. Umstrit-</span><br/> <span class="ft4">ten ist, ob die abgeschriebene Darlehensforderung dem Geschäfts-</span><br/> <span class="ft4">oder dem Privatvermögen der Rekurrentin zuzurechnen ist.</span><br/> <span class="ft4">3.2.</span><br/> <span class="ft4">Die Rekurrentin gewährte der Z. AG, deren Verwaltungsrats-</span><br/> <span class="ft4">mitglieder ihre Söhne A. und B. waren, im Mai 2001 ein Darlehen</span><br/> <span class="ft4">von CHF 50'000.00 mit einem Zinssatz von 5 %. Der Darlehenssaldo</span><br/> <span class="ft4">entwickelte sich bis zur Abschreibung im Jahr 2005 (...) auf</span><br/> <span class="ft4">CHF 111'494.00.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">Im September 2001 war der Z. AG ein weiteres Darlehen von</span><br/> <span class="ft4">CHF 10'000.00 gewährt worden. Dieses wurde von der Rekurrentin</span><br/> <span class="ft4">nicht im Darlehenskonto ausgewiesen. Nach den Angaben der Ver-</span><br/> <span class="ft4">treterin im Einspracheverfahren soll das Darlehen in bar ausgerichtet</span><br/> <span class="ft4">und bereits im Dezember 2001 zurückbezahlt worden sein.</span><br/> <span class="ft4">Möglicherweise sei es über das Konto 5000 Geldtransfer abgewickelt</span><br/> <span class="ft4">worden.</span><br/> <span class="ft4">3.3.</span><br/> <span class="ft4">Mit Verfügung vom 3. April 2006 wurde über die Z. AG vom</span><br/> <span class="ft4">Gerichtspräsidium der Konkurs eröffnet. Mangels Aktiven wurde das</span><br/> <span class="ft4">Konkursverfahren am 11. April 2006 eingestellt und die Gesellschaft</span><br/> <span class="ft4">am 30. August 2006 im Handelsregister gelöscht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">287</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">5.</span><br/> <span class="ft4">5.1.</span><br/> <span class="ft4">Die Rekurrentin trennt grundsätzlich Geschäfts- und Privatver-</span><br/> <span class="ft4">mögen. Zum Privatvermögen zählende Vermögensteile werden expli-</span><br/> <span class="ft4">zit als solche bezeichnet. Das der Z. AG gewährte Darlehen (als</span><br/> <span class="ft4">Kontokorrent im Umlaufvermögen bezeichnet) und die daraus erziel-</span><br/> <span class="ft4">ten Zinserträge wurden ab der Gewährung im Jahre 2001 bis zur Ab-</span><br/> <span class="ft4">schreibung im Jahre 2005 in den Bilanzen und Erfolgsrechnungen</span><br/> <span class="ft4">ausgewiesen. Dementsprechend wurden die Zinserträge als Einkom-</span><br/> <span class="ft4">men aus selbstständiger Tätigkeit besteuert und darauf steuerlich ab-</span><br/> <span class="ft4">zugsfähige AHV-Beiträge entrichtet.</span><br/> <span class="ft4">Wollte man allein auf die buchhalterische Behandlung abstellen,</span><br/> <span class="ft4">müsste demnach von einem Geschäftsdarlehen ausgegangen werden.</span><br/> <span class="ft4">Hingegen ist festzuhalten, dass das ebenfalls im Jahr 2001 gewährte</span><br/> <span class="ft4">Darlehen über CHF 10'000.00 nicht im Darlehenskonto der Z. AG</span><br/> <span class="ft4">aufgeführt worden ist. Gemäss dem eingereichten Darlehensvertrag</span><br/> <span class="ft4">vom 6. September 2001 war dieses Darlehen ebenfalls verzinslich.</span><br/> <span class="ft4">Ein Zinsertrag - wenn auch nur für 94 Tage - wurde ausweislich der</span><br/> <span class="ft4">vorhandenen Akten jedoch nicht ausgewiesen, auch nicht in der</span><br/> <span class="ft4">Steuererklärung 2001. In Bezug auf Darlehen ist keine konsequente</span><br/> <span class="ft4">Handhabung ersichtlich. Hinzu kommt, dass die Darlehenserhöhun-</span><br/> <span class="ft4">gen im Jahr 2002 (Rechnungen über insgesamt CHF 43'328.90) über</span><br/> <span class="ft4">das Privatkonto (Gegenkonto 2110) gebucht worden sind. Auch</span><br/> <span class="ft4">insofern ist die buchhalterische Behandlung nicht einheitlich, stam-</span><br/> <span class="ft4">men die zur Darlehenserhöhung verwendeten Mittel aus dem Privat-</span><br/> <span class="ft4">vermögen.</span><br/> <span class="ft4">5.2.</span><br/> <span class="ft4">Mit der Steuerkommission ist davon auszugehen, dass private</span><br/> <span class="ft4">Motive für die Darlehensgewährung im Vordergrund standen. Es ist</span><br/> <span class="ft4">nicht unüblich - und entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung -,</span><br/> <span class="ft4">dass Eltern ihren Kindern finanziell unter die Arme greifen, wenn</span><br/> <span class="ft4">deren eigene finanziellen Mittel nicht ausreichen. Das gilt analog</span><br/> <span class="ft4">auch dann, wenn ein Darlehen einer im Zeitpunkt der Darlehensge-</span><br/> <span class="ft4">währung bzw. Darlehensaufstockung von den eigenen Söhnen A. und</span><br/> <span class="ft4">B. beherrschten Aktiengesellschaft gewährt wird. Im Zeitpunkt der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">288</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Darlehensgewährung waren A. und B. einzige Mitglieder des Ver-</span><br/> <span class="ft4">waltungsrates der Z. AG, im Zeitpunkt der Darlehensabschreibung</span><br/> <span class="ft4">Sohn A. Die familiäre Verbindung zwischen Darleiherin und den an</span><br/> <span class="ft4">der Darlehensnehmerin beteiligten natürlichen Personen ("nahe-</span><br/> <span class="ft4">stehende Person") ist offensichtlich. Es ist naheliegend, dass das</span><br/> <span class="ft4">Motiv für die Darlehensgewährung in der genannten verwandtschaft-</span><br/> <span class="ft4">lichen Beziehung liegt.</span><br/> <span class="ft4">Dass nicht geschäftliche Motive im Vordergrund standen, zeigt</span><br/> <span class="ft4">sich auch daran, dass das Darlehen ohne jegliche Sicherheiten ausge-</span><br/> <span class="ft4">richtet wurde. Zudem wurden die Darlehenszinsen jeweils nicht be-</span><br/> <span class="ft4">zahlt, sondern regelmässig zur Schuld geschlagen. Dieses Vorgehen</span><br/> <span class="ft4">entspricht nicht kaufmännischen Gebräuchen.</span><br/> <span class="ft4">5.3.</span><br/> <span class="ft4">Ein erkennbarer Nutzen der Darlehensgewährung bestand zwei-</span><br/> <span class="ft4">fellos in der Erzielung eines Vermögensertrages, was jedoch für die</span><br/> <span class="ft4">Einzelfirma wie für die Rekurrentin privat gleichermassen gilt. Dabei</span><br/> <span class="ft4">ist es zutreffend, dass der Zinsertrag im Geschäftsergebnis enthalten</span><br/> <span class="ft4">war und versteuert wurde. Da die Zinsen jedoch nicht bezahlt, son-</span><br/> <span class="ft4">dern lediglich zur Schuld geschlagen wurden, flossen der Rekurren-</span><br/> <span class="ft4">tin keine liquiden Mittel zu. Der behauptete geschäftliche Nutzen ist</span><br/> <span class="ft4">damit wohl nur äusserst gering gewesen. Ein tatsächlicher geschäft-</span><br/> <span class="ft4">licher Nutzen blieb - wie die vorliegend zu beurteilende Abschrei-</span><br/> <span class="ft4">bung zeigt - sogar vollständig aus. Ein geschäftlicher Nutzen lässt</span><br/> <span class="ft4">sich demnach auch aus der Verzinsung nicht ableiten. Gleiches gilt</span><br/> <span class="ft4">für die Bezahlung von AHV-Beiträgen auf den Vermögenserträgen.</span><br/> <span class="ft4">Dadurch reduzierte sich der steuerbare Gewinn. Ein geschäftliches</span><br/> <span class="ft4">Motiv für die Darlehensgewährung kann darin jedoch nicht gesehen</span><br/> <span class="ft4">werden.</span><br/> <span class="ft4">5.4.</span><br/> <span class="ft4">Die Darlehenserhöhungen im Jahr 2002 über insgesamt</span><br/> <span class="ft4">CHF 43'328.90 erfolgten nicht durch Auszahlung eines Betrages an</span><br/> <span class="ft4">die Darlehensnehmerin, sondern durch direkte Bezahlung der gestell-</span><br/> <span class="ft4">ten Rechnungen. Offensichtlich dienten die gewährten Darlehensbe-</span><br/> <span class="ft4">träge somit nicht neuen (eigenen) Investitionen der Darlehensneh-</span><br/> <span class="ft4">merin. Dies deutet klar darauf hin, dass sich die Z. AG damals in</span><br/> <span class="ft4">einer schlechten finanziellen Situation befunden haben muss. Die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">KantonaleSteuern</span> <span class="page_no">289</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Rekurrentin hätte wohl bereits ab diesem Zeitpunkt mit einem Ver-</span><br/> <span class="ft4">lust des Darlehens (im bisher gewährten Umfang) rechnen müssen.</span><br/> <span class="ft4">Dass sie in diesem Zeitpunkt keine Wertberichtigungen (eine Nach-</span><br/> <span class="ft4">holung im Jahr 2005 wäre insoweit aufgrund des Periodizitätsprinzip</span><br/> <span class="ft4">unzulässig gewesen) vorgenommen hat, zeigt wiederum, dass es sich</span><br/> <span class="ft4">nicht um ein geschäftliches Darlehen gehandelt hat. Einem Dritten</span><br/> <span class="ft4">wäre keine Darlehenserhöhung - insbesondere nicht ohne jegliche</span><br/> <span class="ft4">Sicherheiten - gewährt worden. Dies spricht eindeutig für die Dar-</span><br/> <span class="ft4">lehensgewährung aus privaten Motiven.</span><br/> <span class="ft4">(...)</span><br/> <span class="ft4">5.6.</span><br/> <span class="ft4">Insgesamt ist eine geschäftliche Zusammenarbeit zwischen der</span><br/> <span class="ft4">Rekurrentin und der Z. AG, welche eine Darlehensgewährung als</span><br/> <span class="ft4">geschäftlich motiviert erscheinen liesse, nicht zu erkennen und nicht</span><br/> <span class="ft4">glaubhaft.</span><br/> <span class="ft4">Der Steuerkommission ist daher beizupflichten, dass der Nutzen</span><br/> <span class="ft4">des der Z. AG gewährten Darlehens für die Einzelfirma der Rekur-</span><br/> <span class="ft4">rentin nur verschwindend klein gewesen sein kann und die Darle-</span><br/> <span class="ft4">hensgewährung privat motiviert war. Einzig die buchhalterische Be-</span><br/> <span class="ft4">handlung durch die Rekurrentin stellt ein - zu relativierendes - Indiz</span><br/> <span class="ft4">dar, dass das Darlehen zum Geschäftsvermögen zu zählen wäre.</span><br/> <span class="ft4">Demgegenüber fehlt es jedoch offensichtlich an einem relevanten ge-</span><br/> <span class="ft4">schäftlichen Zweck. Die konkreten Umstände der Darlehensgewäh-</span><br/> <span class="ft4">rung sprechen klar gegen ein geschäftliches Darlehen. Es ist von</span><br/> <span class="ft4">einem Privatdarlehen und damit von Privatvermögen auszugehen,</span><br/> <span class="ft4">welches nicht erfolgwirksam abgeschrieben werden durfte.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>