B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1425/2014 U r t e i l v o m 6 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter William Waeber, Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. Parteien A._______, Somalia, und ihre Kinder B._______, Staat unbekannt, C._______, Staat unbekannt, alle vertreten durch lic. iur. Monique Bremi, Beratungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht Schaffhausen, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 25. Februar 2014 / (…). E-1425/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin ist nach eigenen Angaben somalische Staatsan- gehörige, sie gehöre zum Clan der D._______, zur Clanfamilie "E._______" und zum Subclan "F._______". Vor ihrer Ausreise habe sie mit ihrer Familie in G._______ gelebt. Im Jahr 2001 habe sie ihren Eh e- mann geheiratet. Mit den zwei gemeins amen Kindern und ihrer jüngeren Schwester habe sie bei ihrer Mutter gelebt, die seit einem Schlaganfall 2007 halbseitig gelähmt gewesen sei , um diese pflegen zu können . Ihr Ehemann sei im Oktober 2008 bei einem Autounfall ums Leben geko m- men, im gleichen Ja hr sei auch ihr Vater von Unbekannten getötet wo r- den. Wegen der Mittellosigkeit nach dem Tod des Ehegatten, der plötzl i- chen Verarmung der Familie und dem Krieg habe sie Somalia am 5. N o- vember 2008 verlassen, die Kinder seien mit der Schwester und der Mu t- ter im Heimatland verblieben. Nach ihrer Ausreise seien Mutter, Schwe s- ter und Kinder nach Elasha Biyaha im Westen von Mogadischu geflohen. B. Über Djibouti und Frankreich reiste die Beschwerdeführerin in die Schweiz und reichte am 17 . November 2008 im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch ein. Am 2. Dezember 2008 wurde sie dort zur Person befragt, am 16. März 2010 hörte das BFM sie zu ihren Asylgründen an. C. Am (…) wurde das dritte Kind der Beschwerdeführerin geboren. Dieses Kind ist Beschwerdeführer 2 im vorliegenden Verfahren. Die Rechtsvertreterin teilte dem BFM mit Eingabe vom 27. Oktober 2011 mit, die Beschwerdeführerin erziehe dieses Kind alleine und beabsichtige keine Heirat mit dem Vater des Kindes (vgl. act. A18/3). In einem Mail vom 19. November 2012 teilte die Beschwerdeführerin dem BFM mit, sie sei mit dem Vater des Kindes – der die Vaterschaft anerkannt hat (vgl. A16) – religiös verheiratet (A21/2). Der Vater des Kindes ( […]) ist in der Schweiz am (…) vorläufig aufgenommen worden ([…]; vgl. auch B2/13 S. 3); er lebt indessen nicht mit der Beschwerdeführerin zusammen (Woh n- ort in H._______; Wohnort der Beschwerdeführerin in I._______). D. Mit oben erwähnter Eingabe vom 27. Oktober 2011 zeigte die Recht s- vertreterin der Beschwerdeführerin sodann die Mandatsübernahme durch E-1425/2014 Seite 3 Vollmacht an und ersuchte um Verfahrensbeschleunigung (vgl. act. A18/3). Mit Schreiben vom 24. Februar 2012 ersuchte die Beschwerd e- führerin persönlich um Verfahrensbeschleunigung – unter Verweis auf ih- re psychische Verfassung (vgl. act. A19/2). Ein weiteres Gesuch um Ve r- fahrensbeschleunigung reichte die Rechtsvertreterin am 10. August 2012 ein und wies auf den prekären Status der im Heimatland verbliebenen Kinder der Beschwerdeführerin hin ( vgl. act. A20/2) . Am 19. November 2012 wandte sich die Beschwerdeführerin per Mail an das BFM und bat erneut um einen schnellen Entscheid (vgl. act. A21/2). E. Bereits am 14. August 2012 hatte die Rechtsvertreterin für die in Somalia verbliebene Mutter, die jüngere Schwester und die beiden ersten Kinder der Beschwerdeführerin im Rahmen des damals geltenden aArt. 20 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ein Gesuch um Ein- reisebewilligung zur Durchführung des Asylverfahrens gestellt. Diese Ver- fahren sind immer noch hängig ([…]). Im weiteren Verlauf aktualisierte die Rechtsvertreterin gemäss Aufforderung der Vorinstanz wiederholt den Sachverhalt mit verschiedenen Eingaben. Am 18. Februar 2014 informier- te die Rechtsvertreterin, dass die Mutter der Beschwerd eführerin am 20. Dezember 2013 durch die Al -Shabaab Milizen schwer verletzt worden und am 21. Dezember 2013 ihren Schussverletzungen erlegen sei. Sie reichte eine im (...)-Spital von Mogadischu ausgestellte Todesurkunde vom 29. Dezember 2013 zu den Akten. Das Auslandsverfahren der Mut- ter ([…]) wurde infolge dieser Mitteilung am 21. Februar 2014 vom BFM abgeschrieben. F. Am 28. Januar 2014 meldete sich ein weiterer bevollmächtigter Rechts- vertreter beim BFM und erkundigte sich nach dem Stand des Verfahrens. G. Am 18. Februar 2014 ersuchte die erste Rechtsvertreterin erneut um b e- schleunigte Behandlung bis Ende März 2014 und drohte ein Rechtsve r- zögerungsverfahren an. H. Am 25. Februar 2014 erging im Verfahren der Beschwerdeführerin der Entscheid der Vorinstanz. Dieser wurde dem zweiten Rechtsvertreter zu- gestellt. Das BFM verneinte das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung, deren Vollzug E-1425/2014 Seite 4 jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben wurde. Diese Verfügung wurde am 26. Februar 2014 an den zweiten Rechtsvertreter eröffnet. I. Am 12. März 2014 ersuchte die erste Rechtsvertreterin die Vorinstanz um Akteneinsicht, da sie von ihrer Mandantin über die vorläufige Aufnahme informiert worden war. Das BFM orientierte die Rechtsvert reterin am 13. März 2014 telefonisch über das neue Rechtsvertretungsverhältnis (vgl. act. A26/1). J. Am 18. März 2014 ging bei Gericht ein undatiertes Schreiben der B e- schwerdeführerin ein, mit welchem sie sinngemäss den En tscheid der Vorinstanz anfocht. Dieses Schreiben war auch nicht unterschrieben. K. Mit Zwischenverfügung vom 1. April 2014 – zugestellt am 3. April 2014 – brachte das Bundesverwaltungsgericht der ursprünglichen Rechtsvertr e- terin die Verfügung der Vorinstanz zur Kenntnis und forderte die beiden mandatierten Rechtsvertreter auf, eine gemeinsame Zustelladresse g e- mäss Art. 12 Abs. 2 AsylG zu benennen oder andernfalls darüber aufz u- klären, welche bevollmächtigte Rechtsvertretung die Interessen der B e- schwerdeführerin wahrnehmen würde. Das Gericht forderte die Recht s- vertretenden ferner zur Stellungnahme auf , ob das Vertretungsverhältnis auch die noch hängige n Auslandsasylverfahren der Schwester und der Kinder der Beschwerdeführerin umfasse. Mit Schreiben vom 9. April 2014 zeigte der zweite Rechtsvertreter dem Gericht die Niederlegung des Mandats an. L. In seiner Zwischenverfügung vom 11. April 2014 hielt das Bundesverwa l- tungsgericht fest, es gehe davon aus , dass das Vertretungsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer ersten Rechtsvertreterin wei- terhin Bestand habe, dass sich damit die Aufforderung zur Mitteilung g e- mäss Art. 12 Abs. 2 AsylG erledigt habe und Art. 12 Abs. 2 AsylG gelte. Die Vorinstanz habe mit Zustellung an den erst später benannten Rechts- vertreter ihre Verfügung nicht rechtsgenüglich im Sinne des Art. 12 Abs. 2 AsylG eröffnet; die Eröffnung gelte erst mit Zustellung an die zuerst be- nannte Rechtsvertreterin. Da die Zustellung an diese gemäss Rückschein E-1425/2014 Seite 5 am 3. April 201 4 erfolgte, stellte das Gericht den erneuten Fristenlauf ab dem 4. April 2014 fest (Art. 108 Abs. 1 AsylG). M. Am 5. Mai 2014 reichte die Rechtsvertreterin eine Ergänzung zur Laie n- beschwerde der Beschwerdeführerin (vgl. Ziff. J) ein und beantragte die Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz, sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. Eventualiter sei die Unzu- lässigkeit des Vollzugs festzustellen oder die Sache subeventualiter zur hinreichenden Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessu- aler Hinsicht beantragte sie die unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung und ersuchte um Beizug der Akten aus dem Auslandsasylverfahren der Schwester und der beiden ersten Kinder der Beschwerdeführerin. N. Mit Zwischenverfügung vom 12. Mai 2014 gewährte das Gericht die u n- entgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsve r- fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), bestellte die Rechtsvertreterin zur amtlichen Rechtsbeiständ in gemäss Art. 110 a AsylG, bestätigte den Beizug der Akten des Auslandsverfahrens und for- derte die Vorinstanz zur Vernehmlassung auf. O. In der Vernehmlassung vom 20. Mai 2014 hielt das BFM an den Erwä- gungen im erstinstanzlichen Entscheid fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. P. Mit der Replik vom 3. Juni 2014 reichte die Rechtsvertreterin eine ärztl i- che Bestätigung der behandelnden Gynäkologin der Beschwerdeführerin ein, aus welcher hervorgeht, dass an der Beschwerdeführerin im Kindes- alter eine Genitalb eschneidung vorgenommen worden war. Die B e- schwerdeführerin machte geltend, sie leide bis heute unter deren psychi- schen und physischen Auswirkungen (vgl. Beschwerdeakten Ziff. 10). Q. Am (…) 2014 wurde der Sohn C._______ – das vierte Kind der Be- schwerdeführerin (in casu Beschwerdeführer 3) – geboren. Der Vater des Kindes ist bei der heutigen Aktenlage nicht bekannt. Am 1. Juli 2014 teilte E-1425/2014 Seite 6 das BFM der Beschwerdeführerin mit, dass auch das Kind C._______ in die vorläufige Aufnahme einbezogen würde. R. Gleichentags reichte die Rechtsvertreterin eine weitere Eingabe zu den Akten, in welcher sie die Beschwerdevorbringen weiter belegte. Sie reich- te ausserdem einen weiteren Arztbericht vom 20. Juni 2014 betreffend die erlittene Genitalverstümmelung der Beschwerdeführerin sowie eine Ko s- tennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilg e- nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei- se Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG ; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Das (…) Kind C._______ wird in das Verfahren seiner Mutter einb e- zogen. E-1425/2014 Seite 7 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Nach Lehre und R echtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtli - cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so- fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind , respektive zugefügt zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich ka u- sal für die Ausreise aus dem Hei mat- oder Herkunftsstaat und grundsätz- lich auch im Zeitpunkt des Asyl entscheides noch aktuell sein. Zudem muss feststehen, dass die von ei ner Verfolgung bedrohte Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 141 ff., BVGE 2011/51 E. 6 S. 1016 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37, je mit weiteren Hinweisen). Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen. 4. 4.1 In ihrer angefochtenen Verfügung vo m 25. Februar 2014 hat die Vor- instanz fest gehalten, dass die Beschwerdeführerin keine asylrelevanten Vorbringen im Sinne von Art. 3 AsylG geltend gemacht habe; sie habe ihr Heimatland wegen ihrer Mittellosigkeit, der Armut und dem Krieg verla s- sen. Einzig aufgrund einer bürgerkriegsähnlichen Situation werde jedoch nicht Asyl gewährt, ausserdem seie n Befürchtungen, künftig (qua - si)-staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein , nur dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur Annahme bestehe, dass s ich die Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Z u- kunft verwirklichen werde. Ferner eröffne sich für die Beschwerdeführerin angesichts der Lage in Nordsomalia di e Möglichkeit , in einem anderen Landesteil Schutz zu suchen . Angesichts sämtlicher Umstände sei der Vollzug der Wegweisung jedoch unzumutbar und die Beschwerdeführerin vorläufig aufzunehmen. 4.2 In d er Beschwerde ergänzung vom 5. Mai 2014 wu rde ausgeführt, dass sich der Sachverhalt nach dem Entscheid dahingehend aktualisiert E-1425/2014 Seite 8 habe, dass die Mutter der Beschwerdeführerin im Dezember 2013 durch Al-Shabaab-Milizen ermordet worden sei, als sie versucht habe, ihre Tochter und ihren Enkel (die Schwester und den Sohn der Beschwerd e- führerin) vor der Zwangsrekru tierung durch die Al -Shabaab zu schützen. Der Sohn hätte als Kämpfer rekrutiert werden sollen, die Schwester sollte mit einem Milizionär zwangsverheiratet werden. Als die Mutter der B e- schwerdeführerin Tochter und Enkelkinder bei Nachbarn versteckt habe, sei sie von den Milizionären erschossen worden, als diese die Familie er- neut aufgesucht und den Enkel und die Tochter nicht vorgefunden hätten. Aufgrund dieses Sachverhaltes bestehe eine hohe und zielgerichtete G e- fährdung nicht nur für die verbliebenen Familienmitglieder im Heimatland, sondern auch für die Beschwerdeführerin, da diese sich im Falle einer Rückführung ebenfalls vor ihre Kinder stellen würde und bereits in den Anhörungen und der Befragung zur Person betont habe, wie ausweglos die Situation vor ihrer Flucht ge wesen sei. Auch die Beschwerdeführerin selbst liefe Gefahr, bei einem zu erwartenden neuerlichen Rekrutierungs- versuch durch die Al -Shabaab Opfer einer Zwangsverheiratung zu we r- den. Ein weiteres beachtliches Element sei darin zu erblicken, dass die Beschwerdeführerin als Binnenvertriebene und alleinstehende Angehör i- ge eines Minderheiten -Clans im Fall der Rückkehr nach Somalia beso n- ders gefährdet sei, wi e verschiedene Quellen berichteten. Sie und ihre Kinder könnten als Zugehörige dieser Risikogruppe Opfer gezielter Ve r- folgungen werden und litten nicht nur unter der Situation allgemeiner G e- walt. Es könne in diesem Zusammenhang auch nicht vom Vorliegen einer zumutbaren in ländischen Fluchtalternative ausgegangen werden. Da r- über hinaus habe die Beschwerdeführerin weitere ernsth afte Nachteile aufgrund der Tatsache zu befürchten, dass sie a ls Kind infibuliert worden sei, also die schwerste Form der Genitalverstümmelung erlitten habe . Dieser Eingriff entfalte nach Sicht des UNHCR in seiner Schwere und der Dauerhaftigkeit seiner Folgen bereits Asylrelevanz, erschwerend komme im Einzelfall hinzu, dass nach den Geburten im Heimatland jeweils eine Reinfibulation vorgenommen worden sei. Die Beschwerdeführerin hab e inzwischen in der Schweiz ein weiteres Kind zur Welt gebracht (nach Ak- tenlage hat sich der Sachverhalt aktualisiert, am […] wurde in der Schweiz noch ein viertes Kind geboren). I m Falle einer Rückkehr ins Heimatland müsste sie – um sozial anerkannt zu bleiben und sich gege- benenfalls wiederverheiraten zu können – erneut eine solche Reinfibula- tion vornehmen lassen. 4.3 In der Vernehmlassung vom 20. Mai 2014 kommt das BFM zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin die Beschneidung – welche sie an-E-1425/2014 Seite 9 lässlich der BzP und der Anhörung nicht erwähnt habe – bereits in der Vergangenheit erlitten habe , weshalb diesbezüglich keine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung mehr bestehe. In Hinblick auf die Auslandsgesuche der Schwester und der Kinder seien die Abklärungen noch im Gange, es sei jedoch darauf zu verweisen, dass sich die Vorfä lle im Dezember 2013 in einem Ort zugetragen hätt en, aus dem die Al - Shabaab schon längere Zeit vertrieben worden sei, so dass erhebliche Zweifel bestünden, dass die Familienangehörigen noch vor wenigen M o- naten Opfer gezielter Übergriffe geworden sein könnt en. Überdies lasse sich aus diesen angeblichen Übergriffen keine Asylrelevanz für die B e- schwerdeführerin ableiten. 4.4 In der Replik vom 3. Juni 2014 wird argumentiert, dass vorliegend die Gesamtheit aller beachtlichen Faktoren zur Begründung der Flüchtling s- eigenschaft führen müsse (Vorbringen bezüglich schwacher Stellung als verwitweter, intern -vertriebener alleinstehender Frau, die einem niede r- rangigen Clan angehöre und die unter den Folgen der Genitalverstümme- lung leide sowie neue Folgen zu befürchten habe). Die Vorinstanz habe den Sachverhalt nur unvollständig erhoben, beziehungsweise diese Um- stände ungenügend berücksichtigt. Die Rechtsvertreterin verweist auf die Vorbringen in der Eingabe vom 25 . März 2014 beziehungsweise 1. April 2014 im Rahmen des Asyl - und Einreiseverfahrens der ersten beiden Kinder und der Schwester. Dort sei ausgeführt worden, dass es an deren Aufenthaltsort im Lager Elasha Biyaha noch immer zu Kämpfen zwischen Truppen der AMISOM und der somalischen Armee und Al -Shabaab komme und dass die Lage für Frauen in den Flüchtlingslagern in jedem Fall prekär sei, ungeachtet, welche Gruppe gerade herrschen d sei (vgl. act. B10/21 und B11/12, F. 15). In Bezug auf die Würdigung der Vorbri n- gen zur Genitalverstümmelung wird ein Arztb ericht eingereicht und mit Verweis auf eine Bestimmung der entsprechenden EU-Richtlinie bemerkt, dass die Staaten für besonders schutzbedürftige Opfer von geschlecht s- spezifischer Verfolgung eine adäquate psychologische und medizinische Betreuung vorzusehen hätten. In ihrer Eingabe vom 1. Juli 2014 ergänzt die Beschwerdeführerin nochmals ihre Vorbringen und reicht zu deren Beleg ein weiteres Arztzeugnis ein, aus welchem hervorgeht, dass es sich bei der Beschneidung der Beschwerdeführerin um mindestens eine Vorstufe der Infibulation Typ III gehandelt habe. Ferner zitiert die Rechts- vertreterin neuste Berichte zur Situation von binnenvertriebenen allei n- stehenden Frauen in Somalia sowie das Urteil des Bundesverwaltung s- gerichts vom 8. Mai 2014 im Verfahren E-7228/2013 (vgl. Beschwerdeak- ten Ziff. 12). E-1425/2014 Seite 10 5. 5.1 Wie nachfolgend im Einzelnen begründet, macht die Beschwerdefüh- rerin zu Recht eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG geltend . Die Situation der Beschwerdeführerin in Somalia definiert sich massgeblich dadurch, dass sie intern vertrieben ist, dass sie und ihre Kinder in Somalia nicht durch erwachsene männliche Verwandte beschützt werden und dass sie einem Minderheitenclan angehör en. Das Zusammentreffen dieser Faktoren begründet eine Gefährdung im flüch t- lingsrechtlichen Sinne. In der Beschwerde und der ergänzenden Replik wird ausgeführt, dass sie bei einer Rückkehr in ihren Herkunftsstaat ernsthafte Nachteile von einer gewissen Intensität zu befürchten hätt e, weil sie einem Minderheitenclan angehöre und a ls alleinstehende Fr au, die intern vertrieben wurde und die sich nicht auf den Schutz eines männlichen Familienmitglieds berufen könne, besonders gefährdet sei. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sie Op- fer von Menschenrechtsverletzungen werden könnte, insbesondere Opfer von geschlechtsspezifischen Verfolgungshandlungen durch verschi e- denste Akteure. Das Gericht hält diese Befürchtungen aus folgenden Gründen für plausibel: Wie aus den Akten hervorgeht, kann die aus Zent- ralsomalia stammende Beschwerdeführerin seit dem Tod ihres Ehema n- nes und ihres Vaters im Jahr 2008 nicht auf den Schutz eines männlichen Verwandten im Herkunftsstaat zurückgreifen, da ihre bekannten männl i- chen Verwandten (Brüder des verstorbenen Ehemanns) sich im Ausland befinden (vgl. act. A1/11 F. 12, A 15/14 F. 38-43) und die Verwandten der Mutter der Beschwerdeführerin aus Elasha Biyaha vor dem Krieg gefl o- hen sind und der Kontakt abgebrochen ist (vgl. Akten des Auslands asyl- verfahrens, B10/21, Ziff. 11) . Vor ihrer Flucht lebte sie mit ihrer kranken Mutter und der jüngeren Schwester so wie ihren Kindern zusammen. Sie gehört nach eigenen Angaben zu einem Minderheitenclan (vgl. act. A15/14 F. 52-57). Die Beschwerdeführerin ha t die Schule nur zwei Jahre besucht und verfügt über keine rlei Ausbildung (ebenda, F. 78/79). Nach dem Tod des Ehegatten "verteilte" sie vor ihrer Haustüre Gemüse (ebe n- da, F. 73). Aufgrund ihrer Flucht wurde der Familie kein männlicher Ve r- wandter zur Seite gestellt (ebenda, F. 84-86). Nach ihrer Ausreise ist der Rest der Familie nach Elasha Biyaha geflohen und lebt dort in einem La- ger für i ntern Vertriebene (ebenda, F. 63, sowie die Ausführungen in den Auslandsasylverfahren […], […], B7/ 9). Es besteht keine Veranlassung, die Glaubhaftigkeit dieser widerspruchsfrei und kongruent dargestellten Angaben in Zweifel zu ziehen. Auch in der angefochtenen Verfügung des E-1425/2014 Seite 11 BFM und in der Vernehmlassung wurden die Angaben der Beschwerd e- führerin zu ihrer C lanzugehörigkeit und zu ihren Familienverhältnissen nicht bezweifelt. 5.2 Intern Vertriebene (IDP , na ch Schätzungen des UNHCR waren in Somalia im Oktober 2013 893'000 Personen intern vertrieben) werden in Somalia Opfer verschiedenster Menschenrechtsverletzungen, sie sind insbesondere der Macht der Lagermanager oder "Gate -Keeper" in den IDP-Lagern hilflos ausgeliefert, sie leiden ausserdem unter den das G e- biet kontrollierenden Milizen oder Sicherheitskräften, die h äufig auch mit der Regierung zusammen arbeiten (vgl. UNHCR, International Protection Considerations with R egard to people fleeing Southern and Central S o- malia, January 2014, HCR/PC/SOM/14/ 01, Ziff. 6, www.refworld.org/doc- id/52d7fc5f4.html, abgerufen am 03.07.2014, im Weiteren: UNHCR Pro- tection Considerations; vgl. auch die Ausführungen von ALEXANDRA GEI- SER, Somalia: Situation von Intern Vertriebenen, Auskunft der SFH - Länderanalyse vom 25.10.2013, Ziff. 3, mit weiteren Hinweisen). Intern vertriebene Frauen bericht en von Vergewaltigungen durch bewaf f- nete Männer in Uniform, einige wurden als Zugehörige der Regierung s- truppen identifiziert ( Human Rights Watch, Hostage of the Gatekeepers: Abuses against Internally Displaced in Mogadishu, Somalia, 29.03.2013, www.refworld.org.docid/5152c1002.html., zitiert in UNHCR Protection Considerations, Ziff. 6, S. 6). Das UNHCR führt des Weiteren aus, dass der langandauernde Bürgerkrieg und die Vertreibungen die soz ialen Strukturen und Schutzmechanismen in Somalia zerrüttet haben. Die alten Clan-Strukturen – welche ihren Mitgliedern traditionell Sicherheit und Schutz vermittelten – sind geschwächt und stellenweise zusamme n- gebrochen, mit dem Ergebnis, dass insbesonder e im Raum Mogadischu die Kernfamilie das einzig schutzgewährende Element darstellt (vgl. UNHCR Protection Considerations Bst. C, S. 8, mit weiteren Hinweisen). Gerade auf diesen Schutz kann sich die Beschwerdeführerin seit dem Tod ihres Vaters und ihres Ehegatten nicht länger berufen. Ihre Kernfami- lie besteht nur noch aus der jüngeren Schwester und ihren minderjähr i- gen Kindern, ihre kranke Mutter kam im Dezember 2013 ums Leben; es gibt keine erwachsenen männlichen Angehörigen in der Kernfamilie mehr, der Sohn ist erst 14-jährig. 5.3 Auch von ihrem Clan kann sie keinen Schutz erwarten. Grundsätzlich garantieren die Clans in Somalia in gewisser Weise die Sicherheit des/der Einzelnen, jedenfalls dann, wenn die Person zu einem einflussreichen E-1425/2014 Seite 12 Clan gehört und im Clan-dominierten Gebiet lebt (vgl. Internal Displace- ment Monitoring Centre, Somalia: Solutions for IDPs Revealed as Key for Future Peace and Stability in Somalia, 01.10.2013, www.refworld.org- /docid/528c828a4.html, besucht am 02.07.2014). Die Beschwerdeführerin legt dar, dass sie dem D._______-Clan und dem Subclan " F._______" angehört. Dieser Clan sei wenig einflussreich, zudem habe sie schon vor ihrer Flucht nicht im Einflussgebiet ihres Clans gelebt (vgl. act. A15/14 F. 52-57, S . 6). Auch die inzwischen geflüchteten Mitglieder ihrer Familie halten sich nicht im Clan-Gebiet auf, sondern in einem IDP -Lager. Der Danish Immigration Service publizierte im Jahr 2000 einen zum Teil a uf Feldforschung basierenden Bericht zu Minderheiten in Somalia. Darin werden die D._______ als eine Untergruppe der (...) dargestellt. Die D._______ wiederum wurden in die zwei Untergruppen J._______ und F._______ unterteilt, welche ihrerseits wiederum mehrere Untergruppen haben (vgl. Danish Immigration Service, Report on Minority Groups in Somalia 17 to 24 September 2000 , 2000, www.ecoi.net/file_upload - /470_1161683683_-somalianov2000.pdf, abgerufen a m 03.07 .2014). Diese Erkenntnisse decken sich mit den Angaben der Beschwerdeführ e- rin, es besteht kein Anlass, ihre Vorbringen in diesem Punkt für unglaub- haft zu halten . Zum gesellschaftlichen Status der D._______ führt das UNHCR in der Übersetzung seiner Protection Guidelines von 2010 aus: "Minderheitenclans in Süd- und Zentralsomalia sind Ashraf, Midgan, Ban- tu, Bravanese, Bajuni, Rerhamar, Eyalgala, Tumal, Yibir, Gaboye, Hamar Hindi und die Oromos. Diese Minderheitenclans sind gefährdet, da sie keine militärischen Kapazitäten zu ihrer Verteidigung haben und generell nicht vom Schutz durch Warlords oder durch die Milizen von grösseren Clans profitieren. Sie sind daher einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von Vergewaltigungen, Übergriffen und Entführungen zu werden. (…) Binnenvertriebene, welche Angehörige von Minderheitenclans sind, we r- den täglich mit Misshandlungen wie z.B. Tötung, physische Angriffe, Diebstahl und Vergewaltigung konfrontiert, ohne rechtlich dagegen vo r- gehen zu können – sei es durch die formale Justiz oder das gewohnheits- rechtliche Justizsystem – was dazu führt, dass sie praktisch ungestraft misshandelt werden können" (vgl. Richtlinien zur Feststellung des inte r- nationalen Schutzbedarfs somalischer Asylsuchender – Zusammenfas- sende Übersetzung des UNHCR Büro für die Schweiz und Liechtenstein, Juli 2010, nachfolgend: UNHCR Richtlinien 2010, www.unhcr.ch/no_cache/droit/4-informations-sur-des-pays.html?L=1%5C- %22%5C%27&cid=5005&did=7369&sechash=6c5b-30ea; vgl. auch UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs [OCHA], A study on minorities in Somalia, 01.08.2002, E-1425/2014 Seite 13 http://reliefweb.int/report/somalia/study-minorities-somalia; Amnesty I n- ternational, Somalia - Urgent need for effective human rights protection under the new transitional government, 17.03.2005, www.amnesty.org/fr/- library/asset/AFR52/001/-2005/en/c7bb-68ad-d52f-11dd-8a23-d58a49c- 0d652/afr520012005en.pdf, alle abgerufen am 03.07.2014; Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documentation [ACCORD], Clans in Somalia , 15.12.2009, www.ecoi.net- /file_upload/90_1261131016_accord-bericht-clans-in-somalia-ueberar- beitete-neuausgabe-20091215.pdf, abgerufen am 03.07.2014). Ein Bericht der Joint Special Operations University (JSOU, Florida) erwähnte im Dezember 2013: "There is also a variety of equally - or even more - despised minority clans, such as the Ashraf, Tumal, Yibir, and Bantu (though some w ould argue that some of the minority clans are not clans at all as their members are not ethnically Somali). Interestingly enough, a number of the minority clans are from the Samale line, which theoretically makes them ' noble', but that has not been enough to protect them from abuse at the hands of other clans. Only power in the form of a well-armed militia can do that ." ( Joint Special Operations University [JSOU] , Al - Shabaab, 12.2013, http://blogs.uml-.edu/ctss/wp-content/uploads/sites- /7/2014/02/2014-Al-Shabaab_PDF1-pdf, abgerufen am 03.07.2014). Dem Jahresbericht 2013 des U.S. Depart ment of State über "Natio n- al/Racial/Ethnic Minorities" in Somalia ist Folgendes zu en tnehmen: "Mi- nority groups, often lacking armed militias, continued to be disproportio n- ately subjected to killings, torture, rape, kidnapping for ransom, and loo t- ing of land and property with impunity by faction militias and majority clan members. Many minority communities continued to live in deep poverty and to suffer from numerous forms of discrimination and exclusion ." (U.S. Department of State, Country Reports on Human Ri ghts Practices for 2013 – Somalia, 27.02.2014, www.state.gov -/j/drl/rls/hrrpt/humanrights- report/index.htm?-year=2013-dlid=220158, abgerufen am 03.07.2014). Das UNHCR ist deshalb der Ansicht, dass Angehörige von Minderheite n- clans in Süd - und Zentralsomalia (insbesondere die kastenlosen Clans) aufgrund ihrer Ethnie/Rasse gefährdet sind (vgl. UNHCR Protection Con- siderations, Januar 2014, a.a.O., Ziff. III A Nr. 6 , so auch schon UNHCR Richtlinien 2010, a.a.O., IV Bst. B Ziff. 1d, S 9). Angesichts dieser Ausführungen erscheint es als sehr wahrscheinlich , dass die Beschwerdeführerin als Zugehörige des D._______-Clans, Sub- clan "F._______" im Fall einer Rückkehr nach Somalia gefährdet ist, da ihr Clan wenig einflussreich und daher wenig schutzmächtig ist. Erschwe- rend kommt vorliegend hinzu, dass die im Heimatland verbliebenen A n-E-1425/2014 Seite 14 gehörigen der Beschwerdeführerin als IDP nicht im angestammten Clan- gebiet leb en. Die Beschwerdeführerin hat glaubhaft gemacht, dass sie bereits vor ihrer Ausreise nicht im Clan -Gebiet gewohnt hat und ihr Clan auch keine besondere Schutzmacht ausübt. Daher fällt sie in die Risik o- gruppe der Angehörigen eines Minderheitenclans. Dieser Umstand ist ein Risikofaktor, der eine Gefährdung im Sinne des Art. 3 AsylG zu begrün- den vermag. 5.4 Die oben skizzierte Gefährdungss ituation der Beschwerdeführerin verschärft sich noch, weil sie eine alleinstehende, verwitwete Frau ohne erwachsenen männlichen Sch utz ist . Dieser Umstand ist ebenfalls be- deutsam für die Beurteilung der begründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 AsylG. In seinen Protection Considerations vom Januar 2014 bezeichnet das UNHCR ausdrücklich Frauen und Mädchen als Risikogruppe, bei denen im Einzelfall flüchtling srelevante Verfolgung vorliegen kann und deren Einzelfälle deshalb sorgfältig zu prüfen sind (UNHCR Protection Conside- rations, Ziff. III A, Nr. 8). Speziell intern vertriebene weibliche Angehörige von Minderheitenclans – wie die Beschwerdeführerin – sind nach Quel- lenlage besonders gefährdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden : Bereits im Jahr 2007 kam der Danish Immigration Service (DIS) im Bericht nach einer Fact -finding-Mission zum Schluss, dass Frauen dann verletzlich seien, wenn sie keine männlichen Besch ützer hätten: " Female-headed households are amongst the most vulnerable as they are without the pr o- tection of a male. Women in various situations can be vulnerable as they in general are easier targets for abuse and they have few rights in Somali society. Elders and unaccompanied minors are also in vulnerable situ a- tions. People who have experienced loss of the family network will most commonly also lose clan support and will accordingly become vulner a- ble." (vgl. Danish Refugee Council und Danish Immigration Service, Hu- man Rights and Security in Central and Southern Somalia, 8/2007, https://www.nyidanmark.dk/NR/rdonlyres/F382C881-5A67-4605-845F- 953B98E01355/0/somaliarapport_humanrights.pdf, abgerufen am 10.07.2014). Der Bericht belegt mit Aussagen von Akteuren vor Ort, dass zwar nicht alle Frauen in Somalia konkret gefährdet seien, anderes j e- doch für Frauen ohne den Schutz ihres Ehemanns gelte, besonders wenn sie IDP seien und zu einem schwachen Clan oder einer Minderheit gehör- ten (vgl. Danish Immigr ation Service, 2007, ebenda, Ziff. 3.9 Women, S. 32). E-1425/2014 Seite 15 Frauen werden in Somalia häufig Opfer geschlechtsspezifischer Verfo l- gung – besonders schwer betroffen sind intern vertrieb ene Frauen und Mädchen. Täter können Milizionäre wie Armeeangehörige gleicherma s- sen sein (vgl. UN General Assembly, Sexual violence in conflict; Report of the Secretary -General [ A/67/792–S/2013/149], 14.03.2013, www.un.org/ga/search-/view_doc.asp?symbol=S/2013/149, abgerufen am 03.07.2014). Human Rights Watch (HRW) erwähnte im Jahresbericht vom Januar 2014 zu Somalia: " Women and girls face alarming levels of sexual violence throughout the country. Internally displaced women and girls are particularly vulner able to rape by armed men including gover n- ment soldiers and militia members. In January, a displaced woman, who alleged that she was raped by government soldiers, and a journalist who interviewed her were prosecuted in a deeply flawed and politicized judicial process. Security forces have also threatened individuals who have r e- ported rape, and service providers." (vgl. Human Rights Watch, World Report Country Summary 2014 – Somalia vom 21.01.2014, www.hrw.org/world-re-port/2014/countrychapters/somalia, abgerufen am 03.07.2014). Sabahi Online, eine vom United States Africa Command unterstützte Nachrichten -Website, zitierte im Zusammenhang mit dem Human Rights Watch World Report 2014 ein Mitglied des Peace and Human Rights Network (PHRN) in Mogadischu wie folgt: " 'Women are among the people who face the most problems when it comes to human rights violations,' she told Sabahi. 'They suffer rapes and torture and are targeted because of the clans they are from, which are minority clans that have little power within Somalia. Combating this issue will require a huge awareness campaign and meetings to address it'" (Sabahi Online, Human rights record mixed in Somalia, report says , 28.01.2014, http://sabahionline.com/en_GB/articles/hoa/articles/features/2014-/01/28- /feature-02, abgerufen am 03.07.2014). Die Vereinten Nationen berichte- ten von 1700 Vergewaltigungen von IDP -Frauen in Mogadischu im Jahr 2012, wobei die Dunkelziffer höher sein dürfte . Aus Angst vor Stigmatisierungen wü rden viele Vergewaltigungen nicht ang ezeigt (vgl. UN General Assembly, Sexual violence in conflict; Report of the Sec re- tary-General, 14.03.2013, a.a.O.; Internal Displacement Monitoring Ce n- tre, Somalia: Solutions for IDPs revealed as key for futu re peace and sta- bility in Somalia, 01.10.2013 , a.a.O.). Nach Angaben des UN - Menschenrechtsausschusses vom 16. August 2013 sei die Situation von IDP-Frauen, die einer Minderheit angehörten, besonders problematisch, weil sie in Gefahr seien, Opfer von sexuellen Gewaltakten zu werden. In der Regel hätten sie keinen Schutz durch den Clan und müssten sich mit riskanten Strategien das Überleben sichern (UN General Assembly, R e-E-1425/2014 Seite 16 port of the Independent Expert on the situation of human rights in Somalia Shamsul Bari vom 16.08.2014, www.securitycouncil -report.org/atf/cf/%- 7B65BFCF9B-6D27-4E9C-8CD3-CF6E4FF96FF9%7D/A_HRC_24_40.- pdf, abgerufen am 03.07.2014). Prostitution wie auch Zwangsheirat oder Verheiratung junger Mädchen gehören ebenfalls zu den Überlebensstra- tegien der IDP-Frauen (vgl. GEISER, a.a.O., S. 8). Auch europäische Asyl- behörden kommen zu diesem Schluss. Gemäss eines Berichts von Land- info (Norwegen) und dem Danish Immigration Service vom Mai 2013 werden vor allem IDP -Frauen aus Minderheiten -Clans Opfer von Verg e- waltigungen (vgl. Landinfo; Danish Immigration Service, Security and pro- tection in Mogadishu and South -Central Somalia, 05.2013, www.nyidan - mark.dk/NR/-rdonlyres/-6F1A29C6-2F84-40D2-BDE442F6-9897EEC3/0- /security_and_protection_in_somalia_may_2013.pdf, abgerufen am 03.07.2014). Die oben dargelegten Fakten belegen die Vorbringen der Beschwerdefüh- rerin während des Verfahrens. Sie hat – auch unter Berücksichtigung i h- res sehr tiefen Bildungsstandes – glaubhaft vorgetragen, dass sie und ih- re Kinder sowie die übrigen weiblichen Verwandten (Mutter und jüngere Schwester) nach dem Tod der männlichen Versorger (Vater und Ehemann im Jahr 2008) schutz los und gefährdet waren . Auf den Vorhalt, dass sie von dem Geld, das sie von ihrem Schwager aus dem Ausland für die Flucht erhalten hatte (USD 4000,–), in Somalia lange hätte leben können, entgegnete sie, dass sie als Frau dieses Geld nicht hätte behalten kö n- nen. Es wäre ihr geraubt worden, wenn sie es behalten hätte. Es habe viele Räuber dort (vgl. act. A 15/14 F. 49-51). Bereits in der BzP führte die Beschwerdeführerin aus, dass ihr zwar bisher noch nichts passiert sei, die Sicherheitslage aber sehr gefährlich sei (vgl. act. A 1/11 F. 15, S. 6). In der Anhörung führt sie aus, es gebe immer Tote, es gebe immer Krieg und man müsse immer woandershin fliehen (v gl. act. A15/14 F 74). Auch aus den Akten der Auslandsasylverfahren ihrer beiden ersten Kinder und der Schwester geht hervor, dass die Angehörigen der Beschwerdeführe- rin in sehr prekären Verhältnissen in einem Lager leben und in ständiger Furcht sind, von den Milizen zwangsrekrutiert bzw. zur Ehe mit einem Mi- lizionär gezwungen zu werden. Im Auslandsasylgesuch vom 14. August 2012 zitiert die Rechtsvertreterin verschiedene Quellen hinsichtlich der Rekrutierung von Jugendlichen (vgl. act. B2/13 Ziff. B.1.3.1 b, S. 5 f.) und der Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Frauen (ebenda, S. 8 f.). Ein Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2011 dok u- mentiert verschiedene Fälle, in denen es zu Zwangsrekrutierungen von Jugendlichen kam (vgl. Amnesty International, In the line of fire: Somalia’s E-1425/2014 Seite 17 children under attack , 20.07.2011, www.amnesty.org/en/library/asset- /AFR52/001/-2011/en/2b90-b425-0742-4c83-87f0e8fd0b6baa51/-afr520- 01-2011en.pdf, abgerufen am 03.07.2014). Es ist also durchaus möglich, dass der 14-jährige Sohn von den Milizen rekrutiert werden würde – auch er kann sich nicht auf den Schutz eines Clanälteren berufen. Am 3. D e- zember 2013 reichte die Rechtsvertreterin erneut Beweismaterial im Rahmen der laufenden Auslandsasylgesuche ein und be schrieb, ergänzt durch Fotomaterial, die schwierigen Lebensumstände der in Somalia ve r- bliebenen Familienmitglieder (vgl. act. B7/9, Anhang in englischer Spr a- che mit Fotographien). Das Gericht geht davon aus, dass die Beschwe r- deführerin und ihre zwei in der Schweiz geborenen Kleinkinder im Fall ei- ner Rückkehr im heutigen Zeitpunkt in akuter Gefahr wären, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu werden . Relevant ist auch die Ermo r- dung der Mutter der Beschwerdefüh rerin im Dezember 2013 . Diese wur- de gemäss eingereichtem Beweismittel erschossen, was ebenfalls au f- zeigt, dass das in der Beschwerde beschriebene Bedrohungsszenario re- al gegeben ist. Das Gericht geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin sich und ihre Kinder nicht vor Übergriffen schützen könnte. Auch die Erwägungen des BFM in der Vernehmlassung, die Al -Shabaab würden das Gebiet um Elasha Biyaha nicht länger kontrollieren (vgl. B e- schwerdeakten Ziff. 8), vermögen an dieser Einschätzung nichts zu än- dern. Berichten zufolge ist Al -Shabaab in der Gegend immer noch aktiv und stellt eine Gefahr dar. Am 11. August 2012 berichtete das somalische Shabelle Media Network: " Heavily armed militants belonging Al shabab have launched deadly assaults against an army base manned by Somali government troops in Elasha Biyaha, j ust 18 Km south of Mogadishu, Witnesses said." (vgl. Shabelle Media Network, Somalia: Al Shabaab A t- tacks Somali Army Base Outside Mogadishu, 11.08.2012, http://allafrica. - com/stories/20120813-0018.html, abgerufen am 03 .07.2014). In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 2013 kam es in der Nähe von Elasha Biyaha zu Kampfhandlugen zwischen der Al -Shabaab und Regierung s- truppen/AMISOM-Soldaten (vgl. Garowe Online, Somalia: Ten killed in fighting near Mogadishu, 14.10.2013, www.garoweonline.com/artman2/- publish/Somalia_27/Somalia_Ten_killed_in_fighting_near_Mogadishu.sht ml, abgerufen am 02.07.2014; Sabahi Online, Somali troops clash with al- Shabaab near Elasha Biyaha, 15.10.2013, http://sabahionline.com - /en_GB/articles/hoa/articles/newsbriefs/2013/10/15/newsbrief-01, abger u- fen am 03 .07.2014; Harar24, Al Shabab fighters attack Amisom base in Elasha Biyaha last night, 14.10.2013, http://harar24.com-/?p=9055, alle abgerufen am 03 .07.2014). Am 23. Mai 2014 berichtete das Shabelle E-1425/2014 Seite 18 Media Network über einen Anschlag auf einen AMISOM -Konvoi bei Elas- ha Biyaha ( vgl. Shabelle Media Network, AMISOM convoy attacked in IED blast, 23.05.2014, http://shabelle.net/?p=21921, abgerufen am 03.07.2014). Auch das UNHCR kommt in seiner aktuellsten "Position on Returns to Southern and Central Somalia" vom 17. Juni 2014 zum Schluss: "Even where the State has re-established territorial control, local civilian governance, including functioning justice and security structures, will need to be rebu ilt. The situation in these areas is expected to remain fragile for some time. […] Under the present circumstances, UNHCR ur g- es States to refrain from forcibly returning any persons to areas of Sout h- ern and Central Somalia that are affected by military act ion and/or ensu- ing displacement, remain fragile and insecure after recent military action, or remain under control of non -State groups." (vgl. UNHCR, Position on Returns to Southern and Central Somalia, www.refworld.org/docid/ - 53a04d044.html, abgerufen am 03.07.2014). Angesichts dieser Berichte geht das Gericht davon aus, dass die Sicherheitslage in Elasha Biyaha keineswegs entspannt ist und Al -Shabaab noch immer vor Ort aktiv ist. Zu dieser gefährlichen Ausgangslage kommt in casu erschwerend hinzu, dass di e Familie sowohl den gerade machthabenden Sicherheitskräften in Elasha Biyaha als auch den kämpfenden Truppen jeder Couleur und den Mitgliedern der vorherrschenden Clans schutzlos ausgeliefert wäre. 5.5 Nach dem Gesagten hält das Gericht für glaubhaft gemacht , dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer besonderen Verletzlichkeit in konkr e- ter Gefahr ist, Opfer von insbesondere geschlechtsspezifischen Verfo l- gungshandlungen zu werden . Täter können dabei wie oben ausgeführt sowohl staatliche wie nichtstaatliche Ak teure sein. Die Beschwerdeführe- rin kann sich nach dem Tod ihres Gatten und des Vaters gegen diese Be- drohung weder auf den Schutz durch männliche Verwandte noch durch ihren Clan berufen. Auch von den staatlichen Behörden ist kein Schutz zu erwarten: Das U.S. Department of State schrieb im Januar 2014: " Go- vernment efforts and capacity to end violence against women and girls remain extremely limited. Documented cases of rape continued to be widespread throughout the country. Some 30 to 50 per cent of those vic- tims were children ." (U.S. Department of State, Country Reports on H u- man Rights Practices for 2013 – Somalia, 27.02.2014, www.state.gov - /j/drl/rls/hrrpt/human-rightsreport/index.htm?year=2013&-dlid=220158, abgerufen am 03.07 .2014). Diesen Umstand bestätigt auch Abdullahi Hassan Shirwa, der Direktor der Organisation Somali Peace Line mit Sitz in Mogadischu : Die Regierung unternehme nichts, um die Mensche n- rechtssituation von IDP , insbesondere von Frauen, zu verbessern (zitie rt E-1425/2014 Seite 19 nach Sabahi Online, Human Rights record mixed in Somalia, report says, 28.01.2014, a.a.O.). Wie Human Rights Watch berichtet, wurde im Januar 2013 statt des Täters die betroffene Frau vor Gericht gestellt, weil sie se- xuelle Übergriffe durch einen Regierungssoldaten meldete (Human Rights Watch, World Report Country Summary 2014 – Somalia vom 21.01.2014., a.a.O.). Die Organisation berichtet in diesem Zusamme n- hang auch von Entführungen und Vergewaltigungen von Frauen durch die AMISOM-Peacekeeping-Truppen der African Union, welch e der UN - Sicherheitsrat im März 2013 in einer Resolution verurteilte. Im Rahmen der darauf folgenden Aufklärung dieser Verbrechen wurden die Vorwürfe von Seiten der AMISOM -Truppen bestritten, Opfer und Zeugen wurden von Sicherheitskräften der Regierung ein geschüchtert ( Human Rights Watch, World Report Country Summary 2014 – Somalia vom 21.01.2014, a.a.O.). Es ist davon auszugehen, dass der somalische Staat nicht nur nicht schutzfähig, sondern auch nicht schutzwillig ist, wenn es um derarti- ge Übergriffe gegen Frauen und Mädchen geht. Gleiches muss nach den obigen Ausführungen auch für die Mitglieder der Afrikanischen Schut z- truppen im Land gelten. 5.6 Schliesslich ist auch der Umstand zu würdigen, dass die Beschwerde- führerin als Kind in der schwerstmöglichen Form an ihren Genitalien be- schnitten wurde und nach den Geburten ihrer älteren Kinder in Somalia jeweils eine Re -Infibulation vorgenommen wurde. Dieser Umstand wird durch ärztliche Zeugnisse der behandelnden Gynäkologin belegt. Inzwi- schen hat die Beschwerdefüh rerin zwei weitere Kind er in der Schweiz geboren. Gemäss Einschätzungen des UNHCR in seiner Guidance Note on Refugee Claims relating to Female Genital Mutilation (vgl. UN High Commissioner for Refugees [UNHCR], Guidance Note on Refugee Claims relating to f emale Genital Mutilation , Mai 2009, www.refworld.org/docid-/4a0c28492.html, besucht am 03.07.2014) stellt weibliche Genitalverstümmelung eine Form geschlechtsspezifischer G e- walt dar, die sowohl psychisches wie physisches Leiden zur Folge hat und einer asylrelevanten Verfolgung gleichkommt (UNHCR Guidance No- te, ebenda, Ziff. A 7, S. 5). Dies betrifft nach Einschätzung des UNHCR nicht nur diejenigen Frauen und Mädchen, die vor einer noch bevor ste- henden Genitalverstümmelung flüchten, sondern auch Frauen, an denen die Verstümmelung bereits vorgenommen wurde (UNHCR Guidance N o- te, ebenda, Ziff I. 1, S. 4). Diese Einschätzung begründet das UNHCR mit dem Umstand, dass eine Genitalvers tümmelung oft lebenslange schäd i- gende Konsequenzen für die Betroffenen ha be; darüber hinaus liefen die betroffenen Frauen häufig Gefahr, im Lauf e ihres Lebens weiteren For-E-1425/2014 Seite 20 men der Beschneidung unterworfen zu werden, etwa vor einem Eheschluss oder nach einer Geburt (vgl. UNHCR Guidance Note, ebe n- da, Ziff. II 6, S. 5). In diesem Zusammenhang verweist das UNHCR auf die Praxis der sogenannten Reinfibulierung, ein Verfahren, bei dem der Zustand der Infibulierung (Verschluss der Vagina, bis auf ei n kleines Loch, nach Beschneidung der äusseren und inneren Schamlippen) nach einer Geburt wiederhergestellt wird, nachdem die Naht für die Geburt g e- öffnet werden muss te. Um das "jungfräuliche Aussehen" des weiblichen Geschlechtsorgans wieder herzustellen , ist es nach einer Geburt jedoch häufig nötig, noch weiteres Vaginalgewebe zu entfernen, um die neue Naht zu ermöglichen, beziehungsweise das lose Gewebe nach einer G e- burt wieder zu vernähen (vgl. dazu die Ausführungen in Anhang 5: Health complications of female genital mutilation, S. 33, zu den Langzeitfolgen S. 34f., des Joint Statement verschiedener UN-Organisationen zum The- ma Genitalverstümmelung: Eliminating Female Genital Mutilation. An I n- teragency S tatement, Februa r 2008, www.unhcr.org/refworld/ docid- /47c6aa6e2.html, einschliesslich Anhang 2 zur Einordnung der verschi e- denen Formen von Genitalverstümmelung). Nach UN-Angaben sind in Somalia 9 8 Prozent aller Frauen und Mädchen von Genitalverstümm e- lung betroffen (vgl. Eliminating Female Genital Mutilation. An interagency statement , a.a.O., Anhang 3, S. 29 ; Unicef, Towards abandoning female genital mutilation/cutting in Somalia for once and for all, 19.03.2013, www.unicef.org/protection/somalia_68110.html, be sucht am 03.07.2014). Die Beschwerdeführerin wurde als Kind beschnitten, nach den Geburten ihrer älteren Kinder in Somalia wurde jeweils eine Reinfibulation vorg e- nommen. Gemäss dem eingereichten Arztbericht vom 13. Mai 2014 leide die Beschwerdeführerin nach diesen Eingriffen bis heute unter psych i- schen Störungen im Erleben ihrer Sexualität, sie habe Schmerzen auf- grund vaginaler Veränderungen, bei den Untersuchungen komme es häu- fig zu vaginalen Blutungen. Nach den Geburten sei der Heilungsprozess jeweils langwierig verlaufen, die Geburtsverletzungen seien auch deutlich ausgeprägter als im zu erwartenden Rahmen gewesen (vgl. Beilage zur Replik vom 3. Juni 2014, Beschwerdeakten Ziff. 10). Im zweiten Arztb e- richt vom 20. Juni 2014 präzisiert die behandelnde Ä rztin, dass die au s- geprägte Vernarbung die genaue Einteilung des Schweregrades, bezie- hungsweise die Definition des genauen Typs der Beschneidung zwar e r- schwere, allerdings zeige sich aufgrund der ausgeprägten Verwachsu n- gen und Vernarbungen, " dass es sich i m Fall [der Beschwerdeführerin] um mindestens eine Vorstufe der Infibulation entsprechend Typ III gehan- delt haben muss. Dies ist die schwerste Form der weiblichen Genitalb e- schneidung". Erneut weist die Ärztin darauf hin, dass diese "mit erhebli-E-1425/2014 Seite 21 chen gesundh eitlichen und psychischen Problemen [einhergeht]" (vgl. Arztbericht vom 20. Juni 2014, Beilage zur Beweismitteleingabe vom 1. Juli 2014, Beschwerdeakten Ziff. 12). Das Gericht hält es bei dieser Ak- tenlage für erwiesen, dass die Beschwerdeführerin unter den Folgen der erlittenen Genitalverstümmelung dauerhaft leidet. 5.7 Darüber hinaus muss davon ausgegangen werden , dass die B e- schwerdeführerin im Fall einer Rückkehr in ihr Heimatland nach den in der Schweiz erfolgten Geburten erneut eine Reinfibulation vornehmen lassen müsste, ansonsten sie gesellschaftlich nicht länger akzeptiert wäre und auch keinen neuen Ehemann finden könnte. Wie ausgeführt, betrifft die Genitalverstümmelung in Somalia praktisch alle Frauen und Mä d- chen. I n der Regel wird – wie auch bei der Beschwerdeführerin – die schwerste Form, die Infibulation, praktiziert. Zwar ächtet und verbietet die Somalische Verfassung diese Praktik als unmenschlich und erniedrigend, die Bemühungen von internationalen Organisationen und NGOs zur Auf- klärung zeigen aber angesichts der unverändert hohen Prävalenzrate von 98 Prozent offensichtlich kaum Wirkung (U.S. Department of State, Country Reports on Human Rights Practices for 2013 – Somalia, vom 27.02.2014, a.a.O., S. 31 f.). Obwohl nur wenige gesicherte Erkenntnisse zur Verbreitung der Reinfibulation in Somalia vor liegen, stellt ein wissen- schaftlicher Artikel im Jahr 2010 fest: "The prevalence of reinfibulation will not be similar among the different count ries where FGM /C is performed. Reinfibulation will be most prevalent in countries where type III FGM /C is the most practiced type, such as Somalia (98% –100%), Sudan (82%), Djibouti (50%), and Eritrea (34%). Reinfibulation will be less prevalent in other countries where infibulation is not the most commonly practiced type, such as Egypt (9%), Chad, Ethiopia, Kenya, and Nigeria, where i n- fibulation is only performed in certain regions ." (vgl. GAMAL I. SEROUR, The issue of reinfibulation, in: International Journal of Gynecology & O b- stetrics, Vol. 109, Iss. 2, 05.2010, www.sciencedirect.com/science - /article/pii/S002072921000010X, abgerufen am 03.07.2014 ). Laut M e- dienberichten stand im April/Mai 2014 erstmals ein britischer Arzt vor Ge- richt, weil er bei einer Patientin nach der Geburt eine entsprechende Reinfibulation vorgenommen hat ( www.srf.ch/news/international/erster- prozess-wegen-weiblicher-beschneidung-in-grossbritannien vom 16. April 2014, besucht am 03.07.2014). In casu wurde die Beschwerdeführerin nach der Geburt der beiden älte- ren Kinder in Somalia jeweils reinfibuliert. Die Einschätzung der Vori n- stanz in der Vernehmlassung, die Genitalverstümmelung sei vor langer E-1425/2014 Seite 22 Zeit erfolgt und vermöge keine begründete Furcht vor asylrelevanter Ve r- folgung mehr zu begründen, greift zu kurz. Aus Sicht des Gerichts besteht vielmehr ein hohes Risiko , dass die Beschw erdeführerin im Fall einer Rückkehr nach Somalia eine entsprechende Reinfibulation erneut vo r- nehmen lassen müsste, um den dort herrschenden gesellschaftlichen Normen zu entsprechen. Fraglos würde dieser Eingriff in die körperliche Integrität erneut eine intensive, gezielte Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG bedeuten. Würde sich die Beschwerdeführerin diesem Akt, den die gesellschaftliche Konvention von ihr erwartet, verweigern, so würde sie weiterhin und wahrscheinlich dauerhaft in der bereits in E. 5 beschriebenen ausweglosen Situation als alleinstehend schutzlose Mi n- derheitenangehörige verharren müssen, was in ihrer speziellen Situation einer Gefährdung für Leib und Leben gleichkäme. 6. Aufgrund des bisher Gesagten ist für die Beschwerdeführerin eine b e- gründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu bejahen. 6.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht, beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen ( vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9 , BVGE 2010/57 E. 2.5, 2011/50 E. 3.1.1., 2011/51 E. 6.2 ). Wie oben in E. 5.3 – 5.6 dargelegt, würde sich die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihr Herkunfts- land in ei ner Situation konkreter Gefährdung befinden aufgrund des Z u- sammenspiels verschiedener Aspekte, die sich alle auf ihre Situation als alleinstehende, intern vertr iebene Frau und Angehörige eines Minderhei- ten-Clans beziehen und die für sie ernsthafte Nachteile zur Folge haben können. Wie ausgeführt, kann die Beschwerdeführerin weder von anderen Priv a- ten noch vom somalischen Staat Schutz vor den ihr drohenden Verfo l- gungshandlungen erhalten. Aufgrund ihrer persönlichen Vorbringen, aber insbesondere auch auf Grund gefestigter Länderkenntnisse, hält das Ge-E-1425/2014 Seite 23 richt es für erwiesen , dass die Beschwerdeführerin in ihrer spezifischen persönlichen Situation eine durch den Lände rkontext auch objektiv b e- gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat. Die Bedrohung der Beschwerdeführerin ist dabei zweifach: Einerseits ist davon auszugehen, dass sie versuchen würde, ihre Kinder vor Übergrif- fen zu schützen und dadurch gefährdet wäre, andererseits ist sie auch unabhängig von ihrer Mutterrolle gefährdet, als intern Vertriebene Opfer von Misshandlungen und sexueller Gewalt oder einer Zwangsehe zu werden. Schliesslich droht, wie dargelegt, mit grosse r Wahrscheinlichkeit eine weitere genitale Verstümmelung. 6.2 Anders als die Vorinstanz kommt das Gericht zum Schluss, dass die Verfolgung, die der Beschwerdeführerin in ihrer speziellen Situation im Fall einer Rückkehr in ihr Herkunftsland droht, zielgerichtet ist und damit weit über die allgemeinen Folgen des Bürgerkriegs, die jeden treffen kö n- nen und daher nicht asylrelevant sind, hi nausgeht. Diese mit grosser Wahrscheinlichkeit drohende Verfolgung begründet sich dabei nicht nur aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin eine Frau ist, sondern es sind wie oben ausgeführt noch weitere Risikoaspekte zu berücksicht i- gen, die dazu führen, dass sie konkret und zielgerichtet gefährdet ist: Sie gehört zur Gruppe de r intern vertriebenen, alleinstehenden Frauen ohne männlichen Schutz, die einem Minderheitenclan angehör en. Wie ausge- führt ist d as Risiko einer drohenden Verfolgung für Angehörige dieser Personengruppe ungleich viel höher und konkreter, als für den Rest der Bevölkerung. Sie sind besonders gefährdet , Opfer zielgerichteter Verfol- gungshandlungen zu werden und können auf keinen staatlichen Schutz zählen. 6.3 Eine Verfolgung ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn sie aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG beziehungsweise Art. 1A Ziff. 2 des Abkommens vom 28. Juli 19 51 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) genannten Motive erfolgt. Diese Motive sind, über die sprac h- lich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus, so zu verst e- hen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmal e, die un- trennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2013/11, E. 5.1; insbeson- dere zum Verfolgungsmotiv bei frauenspezifischer Verfolgung vgl. EMARK 2006 Nr. 32 E. 8.7.1). Nachdem die Beschwerdeführerin, wie dargelegt, eine Verfolgung insbesondere aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem Minderheitenclan, zumal als intern vertriebene Frau ohne Schutz E-1425/2014 Seite 24 eines erwachsenen männlichen Verwandten, befürchten muss, ist das Vorliegen eines flüchtlingsrelevanten Verfolgungsmotivs zu bejahen. 6.4 Die drohende Verfolgung der Beschwerdeführerin ist aktuell. Aus- gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder b e- gründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asy l- entscheides ist jedoch im Rahmen der Frage nach der Aktualität der Ver- folgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situ a- tion im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentschei d sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu b e- rücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). Die Beschwerdeführerin hat te bereits zu Anfang ihres Asylverfahrens im Jahr 2008 die Gefährdungslage geschildert, in die sie und ihr e Angehöri- gen durch den Verlust der männlichen Beschützer und Versorger nach dem Tod ihres Ehegatten und des Vaters und durch die Vertreibung gera- ten waren, und die sie zur Ausreise bewegt hatte. Die durch den Tod des Gatten entstandene Gefährdungssituatio n war kausal für die Flucht der Beschwerdeführerin, die sich und ihren Familienangehörigen eine sich e- rere Existenz ermöglichen wollte . Obwohl das Asylverfahren mehrere Jahre bis zum erstinstanzlichen Entscheid dauerte, hat sich die Situation nicht verbessert, sondern verschärft, weil die Beschwerdeführerin inzwi- schen erneut Mutter geworden ist und im Fall einer Rückkehr in ihr He r- kunftsland noch für zwei weitere Kinder im Kleinkindalter sorgen müsste. Ausserdem hat sich durch die Geburten in der Schweiz die Gefahr einer erneut drohenden Reinfibulation ergeben. Auch die Mitteilung, dass ihre Mutter von Milizionären erschossen wurde, zeigt, dass die Gefährdung real ist und sich die Situation bis zum heutigen Zeitpunkt nicht verbessert hat. Allgemein kommt das Gericht zum Schluss, dass alle ausgewerteten Quellen nahelegen, dass sich die Situation für intern vertriebene Frauen in Somalia keineswegs verbessert hat, seit die Beschwerdeführerin vor mehr als fünf Jahren das Land verlassen hat. 6.5 Abschliessend ist zu klären, ob die Beschwerdeführerin, wie die Vo r- instanz vorgeschlagen hat, nicht eine staatliche Schutz - oder Fluchtalter- native im Norden des Landes in Anspruch nehmen könnte. Wie festg e- stellt, droht der Beschwerdeführerin sowohl an ihrem letzten Wohnort in Somalia als auch am internen Zufluchtsort ihrer Familienmitglieder asylre-E-1425/2014 Seite 25 levante Verfolgung, vor denen sie der Staat nicht schützen kann. Mit den Voraussetzungen einer internen Fluchtalternative hat sich das Bunde s- verwaltungsgericht in seinem Grundsatzurte il BVGE 2011/51 ausführlich befasst. Die inländische Fluchtalternative fusst auf dem Gedanken , dass der Heimatstaat zwar nicht am Ort der Verfolgung, hingegen in anderen Gebieten seines Territoriums hinlänglichen Schutz vor Verfolgung be zie- hungsweise vor dem Verfolger gewährt (vgl. EMARK 2000 Nr. 15 E. 7b S. 113 f., EMARK 1997 Nr. 12 E. 6b, EMARK 1997 Nr . 14 E. 6b S. 118). Ausschlaggebend ist, dass am Zufluchtsort adäquater Schutz vor Verfo l- gung tatsächlich in Anspruch genommen werden kann. Zu klären ist im Einzelfall, ob im Heimatstaat eine Schutz infrastruktur besteht und der Staat auch gewillt ist, der von Verfolgung betroffenen Person Schutz zu gewähren. Darüber hinaus besteht gemäss BVGE 2011/51 für eine in e i- nem Landesteil von Verfolgung betroffene Person keine die Flüchtlingse i- genschaft ausschliessende innerstaatliche Schutzalternative in einem a n- deren Landesteil, sofern sie dort in eine existenzbedrohende Situation ge- raten würde (BVGE 2011/51 E. 8). Das Bestehen einer innerstaatlichen Alternative zum internationalen Schutz ist daher nur zu bejahen, wenn sie der im anderen Landesteil von Verfolgung betroffenen Person zugänglich ist und sie sich dort legal aufhalten kann und wenn die Schutzalternative individuell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 8.5.2 m.w.H. ; UNHCR- Richtlinie zum inter nationalen Schutz Nr. 4, Interne Flucht - oder Neuan- siedlungsalternative vom 23. Juli 2003, Rz. 10-12). Eine Rückkehr in den Norden des Landes, nach Somaliland oder Punt- land im Sinne einer innerstaatlichen Fluchtalternative , wäre nach gefes- tigter Rechtsprechung nur dann zumutbar, wenn die Beschwerdeführerin über enge Verbindungen zur Region verfügt, die es ihr ermöglichen wü r- den, dort eine Existenzgrundlage aufzubauen, und wenn sie dort mit wi r- kungsvoller Unterstützung des Familienclans rechnen kö nnte (vgl. schon EMARK 2006 Nr. 2 sowie die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D- 4926/2008 vom 06.06.2011 E. 4.3.2 mit w eiteren Hinweisen, D-1186/2011 vom 30.03.2012 E. 7). Den Akten ist kein Hinweis zu en t- nehmen, dass die Beschwerdeführerin über eng e Verbindungen nach Somaliland oder Pun tland verfügt, die es ihr und ihrer Familie ermögl i- chen würden, dort eine neue Existenzgrundlage aufzubauen. Beachtlich ist auch in diesem Zusammen hang ihre Zugehörigkeit zu einem Minder- heitenclan und der Umstand, das s sie ohne männliches Familienmitglied schutzlos ist. Ihre Schutzwürdigkeit begründet sich in ihrer geringwertigen sozialen Stellung als alleinstehende, binnenvertriebene Angehörige einer Minderheit. An diesem Umstand würde sich nichts ändern, wenn sie sic h E-1425/2014 Seite 26 in den Norden des Landes begeben würde. Der Norden Somalias stellt für sie keine innerstaatliche Schutzalternative dar (vgl. BVGE 2011/51). 6.6 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die B e- schwerdeführerin zu Recht eine begründete Furcht vor zi elgerichteter zu- künftiger Verfolgung im Sinne des Art. 3 Abs. 1 AsylG geltend gemacht hat. Als Angehörige eines Minderheitenclans und intern vertriebene Frau ohne Schutz eines erwachsenen männlichen Verwandten ist sie konkret gefährdet, Opfer von (geschlechtsspezifischer) Verfolgung zu werden und ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu sein. Staatlicher Schutz steht der Beschwerdeführerin in Somalia nicht zur Verfügung und es eröffnet sich auch keine interne Schutzalternative in einem anderen Landesteil. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG gegeben sind und d ie Beschwerdeführerin die Flüchtlingseige n- schaft erfüllt. Den Akten sind keinerlei Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung der Vor- instanz aufzuheben und diese anzuweisen, der Beschwerdeführerin in der Schweiz Asyl zu gewähren. 7. Die beiden in der Schweiz geborenen Kinder der Beschwerdeführerin, B._______ und C._______, sind, gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG, in die Flüchtlingseigenschaft einzubeziehen und es ist ihnen ebenfalls Asyl zu gewähren. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 9. Der vertretenen Beschwerdeführe rin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der Kostennote vom 2. Juli 2014 angeführte Aufwand erscheint ang e- messen. Das Gericht spricht den Beschwerdeführenden zulasten der Vor- instanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2020,– (inkl. Ausla- gen) zu (Art. 14 Abs. 2 VGKE). E-1425/2014 Seite 27 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder in der Schweiz als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen Asyl zu gewähren. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2020,– (inkl. Auslagen) auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Susanne Bolz Versand: