STEUERREKURSKOMMISSION I DES KANTONS ZÜRICH 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 Entscheid 19. Mai 2010 Mitwirkend: Vizepräsident Michael Ochsner, Mitglied Anton Tobler, Ersatzmitglied Hans Heinrich Knüsli und Sekretärin Barbara Müller In Sachen A, Rekurrent/ Beschwerdeführer, vertreten durch Alltax AG Region Zürich, Kirchgasse 50, 8706 Meilen, diese vertreten durch RA Dr.iur. Roman J. Sieber, Meng Säuberli, Rechtsanwälte, Nordstrasse 19, 8006 Zürich, gegen 1. S t a at Z üri c h, Rekursgegner, 2. S c hw ei zeri s ch e Ei d ge no ss en sc haf t , Beschwerdegegnerin, vertreten durch das kant. Steueramt, Division Bau, Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich, betreffend Einschätzung 2007 und Direkte Bundessteuer 2007 - 2 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 hat sich ergeben: A. A (nachfolgend der Pflichtige) trennte sich Mitte Juli 2007 von seiner Eh e- frau und lebt seither von dieser und den drei gemeinsamen Kindern getrennt. In der Folge leistete er bis Ende Jahr Unterhaltsbe iträge von total Fr. 40'813. -. Mit Vereinba- rung vom Juni 2008 verpflichtete er sich, insgesamt jeweils einen monatlichen Unter- haltsbeitrag von Fr. 9'500.- zu bezahlen; ferner wurde für den Zei traum vom 1. August 2007 bis zum 30. Juni 2008 eine Nachzahlung von Fr. 30'000.- vereinbart. In der Steuererklärung 2007 machte der Pflichtige Unterhaltsbeiträge von in s- gesamt Fr. 70'813. - geltend; hiervon entfielen Fr. 30'000. - auf die vor der Trennung erbrachten Naturalleistungen . Mit Einschätzungs -/Veranlagungsvorschlägen vom 20. Mai 2009 rechnete der Steuerkommissär die Unterhaltsbeiträge Fr. 30'000.- auf mit der Begründung, der Lebensbedarf vom 1. Januar bis zur Trennung Mitte Juli 2007 sei nicht abzugsfähig. Der Pflichtige widersetzte sich dem, worauf ihn der Steuerko mmis- sär nach Durchfüh rung einer Unte rsuchung am 24. Juli 2009 unter Beibehaltung der erwähnten Aufrechnung für die Staats - und Gemeindesteuern 2007 mit einem steue r- baren Einkommen von Fr. 212'300. - und einem steu erbaren Vermögen von Fr. 771'000.- einschätzte. Am gleichen Tag erging der gleich begründete Hinweis direk- te Bunde ssteuer mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 213'000. -. Die Schlus s- rechnung/Veranlagungsverfügung wurde am 21. August 2009 versandt. B. Hiergegen liess der Pflichtige am 16. /17. August 2009 Einsprache erheben und beantragen, die Unte rhaltsbeiträge für das erste Halbjahr von Fr. 30'000. - zum Abzug zuzulassen. Das kantonale Steueramt wies die Einsprachen am 26. Oktober 2009 ab. C. Mit Rekurs bzw. Beschwerde vom 25. November 2009 liess der Pflicht ige beantragen, ihn mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 212'300. - und einem satz- bestimmenden Einkommen von Fr. 140'200. - einzuschätzen. In der Begrü ndung hielt er fest, dass nunmehr nur noch eine Korrektur des satzbestimmenden, nicht mehr des steuerbaren Einkommens beantragt werde. Aufgrund der gesetzlichen Ordnung könne - 3 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 nicht beanstandet werden, dass er für das gesamte Steuerjahr separat und zum Grundtarif eingeschätzt werde. Die etwas grobschlächtige gesetzliche Regelung laufe aber dann dem Grundsatz d er Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähi g- keit zuwider, wenn bei einer Trennung im Lauf des Jahres ein Ehegatte in der Phase des gemeinsamen Familienhaushaltes den Unterhalt der Familie bestreite, der Verhe i- ratetentarif aber ausgeschlossen sei, weil gemäss den einschlägigen gesetzlichen Re- gelungen auf die Verhältnisse am Ende des Jahres abgestellt werde. Dieser Missstand könnte dadurch beseitigt werden, dass die noch während des Zusammenlebens geleis- teten Unterhalts zahlungen abgezogen werden kö nnen, wie in der Einsprache bea n- tragt. Eine andere Möglichkeit bestehe darin, die Grundsätze bei unterjähriger Steue r- pflicht sinngemäss anzuwenden und die Unterhaltsbeiträge für das satzbestimmende Einkommen auf das gesamte Jahr umzurechnen. Die aus der ge ltenden Regelung re- sultierende Diskrepanz zwischen Steuertarif und tatsächlicher Lebenssituation bei Ehescheidungen verstosse in gravierender Weise gegen den Grundsatz der Besteu e- rung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und könne nicht einfach hin genom- men werden. Im Übrigen sei auch die in der Trennungsvereinbarung enthaltene Nac h- zahlung von Fr. 30'000.- anteilsmässig satzbestimmend zu berücksichtigen. Das kantonale Steueramt schloss am 10. Dezember 2009 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Rekurskommission zieht in Erwägung: 1. a) Das steuerbare Einkommen bemisst sich nach den Einkünften in der Steuerperiode (Art. 210 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG; Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmoni- sierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990, StHG; § 50 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1957, StG). Das Einkommen der Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, wird ohne Rüc k- sicht auf den Güterstand zusammengerechnet (Art. 9 Abs. 1 DBG; § 7 Abs. 1 StG). Bei Scheidung, rechtlicher oder tatsächlicher Trennung wird für die ganze Steuerperiode jeder Ehegatte separat veranlagt (Art. 5 Abs. 2 der Verordnung über die zeitliche B e-- 4 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 messung de r direkten Bundessteuer bei natürlichen Personen vom 16. September 1992; § 52 Abs. 3 StG). Von den Einkünften werden die Unterhaltsbeiträge an den geschiedenen, g e- richtlich oder tatsächlich getrennt lebenden Ehegatten sowie die Unterhaltsbe iträge an einen Elternteil für die unter dessen elterlicher Gewalt stehenden Kinder, nicht jedoch Leistungen in Erfüllung anderer familienrechtlicher Unterhalts - oder Unterstützung s- pflichten abgezogen (Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG; § 31 Abs. 1 lit. c StG in Ausführung von Art. 9 Abs. 2 lit. c StHG). Bei Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetren nter Ehe leben, sind solche Leistungen nicht abzugsfähig, da es sich um Lebenshaltung s- kosten handelt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 33 N 48 ff . DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmon i- sierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 31 N 49 ff. StG). Sowohl das DBG als auch das StG unterscheiden einen Grundtarif und e inen Verheiratetentarif (Art. 214 Abs. 1 und 2 DBG; § 35 Abs. 1 und 2 StG). Der Verheirate- tentarif gilt für Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, sowie für alleinstehende Steuerpflichtige, die mit Kindern oder unterstützungsbedürftigen Personen im gleichen Haushalt leben und de ren Unterhalt sie zur Hauptsache bestre i- ten. Der Verheiratetentarif zeichnet sich durch einen gegenüber dem Grundtarif erwe i- terten Nullbereich sowie einen höheren Schwellenbetrag zur Maximalprogression aus. Hintergrund für die Regelung ist das Bestreben, d ie Steuerbelastung von in rech tlich und tatsächlich ungetrennter Ehe lebenden Paaren im Ver gleich zu alleinstehenden Steuerpflichtigen angemessen zu ermässigen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 214 N 14 DBG und § 35 N 2 StG). Damit soll u.a. ein Ausgleich für die Faktorenaddition bei Ehepaaren gemäss § 3 Abs. 3 StG geschaffen werden. Für die Bestimmung des a n- wendbaren Steuertarifs sind die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode massgebend (§ 35 Abs. 3 StG; bei der direkten Bundessteuer fehlt eine ausdrück liche Regelung, da der diesen Grundsatz enthaltende Art. 213 Abs. 2 DBG sich nur auf die Sozialabzüge bezieht; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 214 N 15 f. DBG und § 35 N 15 StG). b) Der Pflichtige ist entsprechend dieser Regelung aufgrund der Trennun g Mitte Juli 2007 für die Steuerperiode 2007 allein zum Grundtarif ei ngeschätzt worden und konnte nur die effektiv nach dem Trennungsdatum geleisteten Unterhalt sbeiträge abziehen. Die Übereinstimmung der Einschätzung bzw. Veranlagung mit den obg e- nannten Bestimmungen wird von ihm denn auch nicht bestritten. - 5 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 2. Der Pflichtige erblickt in dieser Regelung einen Verstoss gegen den Verfa s- sungsgrundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. a) Nach Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) ist bei der Ausgestaltung der Steuern u.a. der Grundsatz der Besteuerung nach der wir t- schaftlichen Leistungsfähigkeit z u beachten. Nach diesem soll jede Person entspr e- chend der ihr zur Verfügung stehenden Mittel an die Finanzaufwendungen des Staates beitragen (BGE 133 I 206 = ASA 76, 406 = StE 2007 A 21.16 Nr. 10 = StR 2007, 653; Vallender/Wiederkehr, in: Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender, Die Schweize- rische Bundesverfassung, 2. A., 2008, Art. 127 N 17, beide auch zum Folgenden). In der Doktrin ist heute weitgehend anerkannt, dass d er Grundsatz ein sachgerec htes und grundlegendes Prinzip der direkten Steuern darstellt und einem allgemeinen Rechtsbewusstsein entspricht. Für den Bereich der Steuer vom Einkommen lässt sich dem Leistungsfähigkeitsprinzip unmittelbar entnehmen, dass Personen und Persone n- gruppen gleicher Einkommensschicht gleich viel Steuern zu bezahlen haben (so g e- nannte horizontale Steuergerechtigkeit). Personen mit verschieden hohen Einkommen sind unterschiedlich zu belasten. Es darf somit nicht sein, dass jemand mit niedrigem Einkommen gleich viel Steuern zahlen muss wie jemand mit hohem Einkommen (verti- kale Steuergerechtigkeit). Erst recht kann nicht verlangt werden, dass j emand Steuern zahlt, obschon er dazu nicht in der Lage ist. Das Prinzip ist bereits mit diesen drei Grundregeln geeignet, zur Steuergerechtigkeit beizutragen, und zwar sowohl in hor i- zontaler wie auch in vertikaler Richtung. Im horizontalen Verhältnis verlangt das Prinzip nach der bundesge richtlichen Rechtsprechung allerdings nicht eine absolut gleiche Besteuerung bei gleicher wir t- schaftlicher Leistungsfähigkeit (Vallender/Wiederkehr, Art. 127 N 20 ). Namentlich aus Gründen der Praktikabilität sowie der im Steuerrecht unausweichlichen Pauschalierung und Schematisierung können hier gewisse Abstriche begründet sein. In solchen Fällen genügt es, wenn die gesetzliche Regelung nicht in genereller Weise zu einer wesen t- lich stärkeren Bela stung oder systematischen Benachteiligung bestimmter Gruppen von Steuerpflichtigen führt. b) Je später im Jahr eine Trennung von Ehegatten erfolgt, desto mehr en t- spricht der Grundtarif beim getrennt lebenden und zu Unterhaltsleistungen verpflicht e- ten Steuerpflichtigen nicht mehr der bei dessen Anwendung sonst typi scherweise herr- schenden Situation. Trennen sich die Ehegatten nämlich erst nahe dem Ja hresende, - 6 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 haben sie beinahe das gesamte Jahr unter denselben wirtschaftlichen Verhältnissen gelebt wie sie bei der gemeinsamen Besteuerung mit Verheiratetentarif bestehen. Dies führt indessen nicht in jedem Fall zu einer Schlechterstellung der Ste uerpflichtigen. Eine höhere steuerliche Belastung tritt vielmehr nur bei Steuerpflichtigen ein, welche zu Unterhaltsleistungen verpflichtet sind und zuvor das Familieneinkommen pr aktisch al- lein bestritten haben, da sich bei ihnen die Höhe des steuerbaren Einkommens nicht wesentlich ändert, aber der strengere Tarif zur Anwendung gelangt. Bei Doppelverdi e- ner-Ehepaaren führt die getrennte Besteuerung in der Regel zu einer geringeren S teu- erlast. Als Zwischenergebnis ist aber festzuhalten, dass die Regelung in gewissen Situationen tatsächlich zu einer unterschiedlichen Steuerbelastung bei gleichen wir t- schaftlichen Verhältnissen führen kann. c) Der Pflichtige beantragt die Korrektur mittels einer Aufteilung der Steuerfak- toren, indem die effektiv geleisteten Unterhaltsbeiträge für die Satzbestimmung auf das Jahr hochgerechnet und abgezogen werden. Selbst wenn die Steuerrekurskommission zum Schluss käme, die bestehende Regelung stehe im Widerspruch zum Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, könnte sie d iesem An- trag jedoch nicht entsprechen, darf sie doch von der vom Bundesgesetzgeber getroffe- nen Regelung nicht abweichen: Gemäss Art. 191 BV sind Bundesge setze und Völkerrecht für die rechtsa n- wendenden Behörden bindend. Dies betrifft hier zum einen die Regelung, dass Unte r- haltsleistungen erst nach Aufhebung des gemeinsamen Haushalts abzug sfähig sind (Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG, Art. 9 Abs. 2 lit. c StHG). Zu m anderen ist aber auch das Bemessungssystem bundesrechtlich geregelt. Im geltenden System der Postnumeran- dobesteuerung mit einjähriger Gegenwartsbemessung bemisst sich das steue rbare Einkommen nach den Einkünften in der Steuerperiode selbst (Art. 210 Abs. 1 DBG bzw. Art. 64 Abs. 1 StHG). Der Steuerbemessung wird damit stets das effektiv in der Steuerperiode erzielte Einkommen zugrunde gelegt. Änderungen in den wirtschaftl i- chen oder persönlichen Verhältnissen während der Steuerperiode führen nicht zu einer Aufteilung der Steuerfaktoren (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 210 N 1 ff . DBG; Markus Reich, Die zeitliche Bemessung bei den natürlichen Personen, ASA 61, 334, auch zum Folgenden; der s., Steuerrecht, 2009, S. 382). Ausnahmen sind in den G e- setzen ausdrü cklich geregelt: So ist e ine Aufteilung in steuerbares und satzbesti m- mendes Einkommen vorgesehen in Art. 209 Abs. 3 DBG und Art. 63 Abs. 3 StHG für die dort explizit genannten Fälle der unterjährigen Steuerpflicht, ferner in den Sonder-- 7 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 fällen von Art. 37 und 38 DBG sowie im Bereich der interkantonale n bzw. internationa- len Ausscheidung. Im Weitern hat die Bundessteuer -Rekurskommission mit Entscheid vom 11. Juli 2002 aufgrund einer Gesetzeslücke eine Aufteilung der Faktoren beim überlebenden Ehegatten verlangt (StE 2003 B 65.21 Nr. 1). Im Übrigen finden ke ine Aufteilungen der Steuerfaktoren statt. Mithin stellt die Nichtaufteilung in steuerb a- res/satzbestimmendes Einkommen bei Trennung einen Wesenszug der Postnumera n- dobesteuerung mit Gegenwartsbemessung dar und beruht damit auf einer abschlie s- senden bundesgesetzlichen Regelung, und zwar sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch bei den Staats - und Gemeindesteuern. Es ist der Steuerrekur skommission daher verwehrt, hier eine Faktorenaufteilung einzuführen. d) Fragen könnte sich nur noch, ob – analog zum erwähnten Fall der Bundes- steuer- Rekurskommission vom 11. Juli 2002 (StE 2003 B 65.21 Nr. 1) – eine Geset- zeslücke besteht. aa) Eine echte Gesetzeslücke liegt nach der Rechtsprechung des Bundesg e- richts dann vor, wenn das Gesetz eine sich u nvermeidlich stellende Frage über das Ausmass der Besteuerung nach seinem Wortlaut nur scheinbar beantwortet, in Tat und Wahrheit indessen offen lässt, wenn der Gesetzgeber also etwas zu regeln unterlassen hat, das er hätte r egeln sollen, u nd dem Gesetz weder nach seinem Wortlaut noch nach dem durch Auslegung zu ermittelnden Inhalt eine Vorschrift entnommen we rden kann (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, VB zu Art. 109 - 121 N 34 DBG und VB zu §§ 119 - 131 N 33 StG, auch zum Folge nden). Von einer unechten oder rechtspolit i- schen Lücke ist demgegenüber die Rede, wenn dem Gesetz zwar eine Antwort , aber keine befriedigende, zu entnehmen ist, namentlich, wenn die vom klaren Wortlaut g e- forderte Subsumtion eines Sach verhalts in der Rechts anwendung teleologisch als u n- haltbar erscheint. Wenn das Gesetz eine echte Lücke aufweist, so verstösst es nicht gegen das Legalitäts prinzip, sondern gebietet es dieses geradezu , die Lücke durch eine Gesetzesergänzung zu schliessen, sofern sich diese im Er gebnis zugunsten des Steuerpflichtigen auswirkt. Unec hte Lücken zu korrigieren ist dem Rechtsanwender nach traditioneller Auffassung dagegen grundsätzlich verwehrt. bb) Mit Bezug auf die Aufteilung in steuerbares und satzbestimmendes Ei n- kommen ist auf d ie vorstehenden Ausführungen zur Postnumerandobesteuerung mit Gegenwartsbemessung zu verweisen. Ergänzend ist anzufügen, dass bei der Reg e- lung der Pränumerandobesteuerung eine Zwischeneinschätzung bei Trennung au s-- 8 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 drücklich vorgesehen ist (Art. 45 lit. a DB G; Art. 17 lit. a StHG). Daraus ist zu schlie s- sen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Trennung dem Gesetzgeber bei Leg i- ferierung allgemein bewusst waren und der Verzicht auf eine Regelung im System der Postnumerandobesteuerung analog wie bei unterj ähriger Steuerpflicht kein Vers ehen ist. e) Im Kern handelt es sich zudem beim vom Pflichtigen gerügten Umstand weniger um ein Problem der Steuerfaktoren als um ein Problem des anwendbaren T a- rifs und des dabei geltenden Stichtagsprinzips, indem für die gesamte Steuerperiode auf die Verhältnisse an einem Tag, vorliegend am Ende des Jahres, abgestellt wird. Diesbezüglich ist vorab festzuhalten, dass sich die Regelung in Bezug auf den anwendbaren Tarif bei der direkten Bundessteuer nicht aus dem DBG ergi bt, sondern gemäss Art. 213 Abs. 2 DBG aus der Wesensverwandtschaft mit der Regelung bei den Sozialabzügen abgeleitet wird (Ivo P. Baumgartner, Kommentar zum Schweizer ischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 36 N 36d , m.w.H.). Im kantonalen Recht sind die Tarife von der bundesrechtlich geregelten Harmonisierung ausgenommen (Art. 129 Abs. 2 BV; Art. 1 Abs. 3 StHG). Insgesamt beruhen damit die T arife nicht auf einem formellen Bundesgesetz und greift damit Art. 191 BV nicht. Das Stichtagprinzip stel lt eine Vereinfachung im Rahmen des Steuervollzugs dar, indem Veränderu ngen in den persönlichen Verhältnissen nicht laufend, sondern grundsätzlich nur einmal in der Steuerperiode berücksichtigt werden (Bos shard/Boss- hard/Lüdin, Sozialabzüge und Steuertarif e im schweizerischen Steuerrecht, 2000, S. 110 f.). Diese Zielsetzung würde systemwidrig durchbrochen, wenn wiederum Ta t- bestände eingeführt würden, welche entsprechend dem früheren System der Pränume- randobesteuerung mit Zwischeneinschätzungen zeitraubende und komplizierte Abkl ä- rungen verlangen würden. Dem Stichtagprinzip liegt eine Gesamtbetrachtung zugrun - de, bei der in Kauf genommen wird, dass im Einzelfall eine steuerliche Bevorz ugung oder Benachteiligung eines Steuerpflichtigen eintreten kann. Entschei dend ist, dass – soweit eine absolut korrekte Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistung sfähigkeit nicht erreicht werden kann – es im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung g e- nügt, wenn die Regelung nicht in genereller Weise zu Ungerechtigkeiten führt. Eine Lösung seines Problems über den Tarif wird vom Pflichtigen indessen nicht beantragt. Dies zu Recht, denn zum einen kann nicht von einer systematischen - 9 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 Benachteiligung von Steuerpflichtigen gesprochen werden, da die negativen Effekte bei Doppe lverdienerehepaaren bereits wieder aufgefangen werden und diese unter Umständen mit der bisherigen Regelung sogar besser fahren. Mitunter hängt das E r- gebnis zudem ausgeprägt von der jeweiligen Situation der Steuerpflichtigen ab. Eine generelle Lösung, die allen Verhältnissen gerecht wird, ist damit schlechterdings nicht möglich. Zum anderen würde ein Abstellen etwa auf die Verhältnisse am Anfang des Jahres nur für den Tarif allein ebenfalls zu Verzerrungen führen. Dies ist offenkundig in Bezug auf den Pflic htigen. Da die Trennung in der Mitte des Jahres erfolgte, würde zwar der Verheiratetentarif den Verhältnissen in der ersten Jahreshälfte besser en t- sprechen; hingegen würde für die zweite Jahreshälfte eine übermässige Steuerentla s- tung resultieren, da er dor t Unterhaltsabzüge mit dem Verheiratetentarif kumulieren könnte. Mithin würde sich dasselbe Problem mit umgekehrten Vorzeichen ste llen. Bei Doppelverdiener-Ehepaaren oder bei Trennung spät im Jahr würden sich zudem e r- hebliche steuerliche Vorteile ergeben. Ausserdem hätte dies eine Diskrepanz zu r Re- gelung bei den Sozialabzügen zur Folge, bei welchen auf die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode abzustellen ist (Art. 213 Abs. 2 DBG; § 34 Abs. 2 StG). Unter diesen Umständen liegen gewichtige Argumente dafür v or, auch für die Bestimmung des T a- rifs den Stichtag auf das Jahresende zu legen. 3. Der Pflichtige beantragt für den nach dem Gesagten nicht gegebenen Fall der Faktorenaufteilung, dass auch die erst mit der Trennungsvereinbarung vom 9./11. Juni 2008 f estgesetzte Nachzahlung von Fr. 30'000.- für den Zeitraum vom 1. August 2007 bis zum 30. Juni 2008 beim satzbestimmenden Einkommen berüc k- sichtigt werde. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der auf 2007 entfalle n- de Teilbetrag vom Steuerkommissär in der angefochtenen Einschätzung zu Recht nicht zum Abzug zugelassen worden ist, da von einem steuerlichen Abfluss erst in der Ste u- erperiode 2008 auszugehen ist. Für die Bestimmung des Zeitpunkts des Abflusses von Unterhaltsleistungen ist in der Regel auf die Entstehung der Forderung bzw. auf deren Fälligkeit abzustellen (Richner/Fr ei/Kaufmann/Meuter, Art. 210 N 9 7 DBG und § 50 N 79 StG). Nachdem die Nachzahlung erst im Juni 2008 vereinbart worden ist, hat ein entsprechender Anspruch 2007 noch gar nic ht bestanden, und erfolgte in dieser Steuerperiode auch noch kein steuerlicher Abfluss. Die Nachzahlung ist deshalb bei der Einschätzung für diese Steuerperiode noch nicht zu berücksichtigen. - 10 - 1 ST.2009.316 1 DB.2009.195 4. Gestützt auf diese Erwägungen sind der Rekurs und die Bes chwerde ab- zuweisen. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten dem Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG). Die Zusprechung der beantragten Par- teientschädigung an den Pflichtigen kommt bei diesem Aus gang nicht in Betracht (§ 152 StG in Verbindung mit § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegeg esetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997 bzw. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundes- gesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968). Demgemäss erkennt die Rekurskommission: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Beschwerde wird abgewiesen. […]