<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">251</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>46 Einbürgerungsverfahren.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Anforderungen hinsichtlich der Beachtung der schweizerischen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Rechtsordnung (Erw. 2).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Es ist unverhältnismässig, wenn aufgrund eines eher gering einzustu-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>fenden Mangels bei einem Einbürgerungskriterium ohne Würdigung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>der übrigen Voraussetzungen schematisch die Einbürgerung verwei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gert wird (Erw. 2.4.3.1).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Das Erfordernis der fehlenden Betreibung ist in zeitlicher und auch</b></span><br/> <span class="ft2"><b>qualitativer Hinsicht zu undifferenziert (Erw. 2.4.3.2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 6. Dezember 2010, in Sa-</span><br/> <span class="ft5">chen P. (WBE.2010.261).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Kommission für Justiz des Grossen Rats (JUS) hat im ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtenen Entscheid ausgeführt, die Beachtung der schweizerischen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsordnung verlange auch einen einwandfreien finanziellen Leu-</span><br/> <span class="ft1">mund. Gemäss ihrer Praxis dürften in den letzten drei Jahren vor</span><br/> <span class="ft1">Gesuchseinreichung und auch während des Einbürgerungsverfahrens</span><br/> <span class="ft1">keine Betreibungen angehoben werden. Der Beschwerdeführer sei</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">252</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">daher mit Schreiben des Departements Volkswirtschaft und Inneres</span><br/> <span class="ft1">(DVI) vom 20. Januar 2009 über die diversen Betreibungen und offe-</span><br/> <span class="ft1">nen Verlustscheine informiert worden. In seiner Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft1">29. November 2009 habe er erklärt, dass ihm die Situation leid tue</span><br/> <span class="ft1">und diese aus seiner Sicht aufgrund der nicht korrekt funktionie-</span><br/> <span class="ft1">renden Postzustellung entstanden sei. Unter Würdigung dieser Sach-</span><br/> <span class="ft1">lage sei die JUS der Meinung, dass der Entscheid über die Einbürge-</span><br/> <span class="ft1">rung um zwei Jahre hinausgeschoben werden solle, um dem Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführer die Gelegenheit zu gewähren, sich während dieser</span><br/> <span class="ft1">Zeit zu bewähren, um danach einen einwandfreien finanziellen Leu-</span><br/> <span class="ft1">mund ausweisen zu können.</span><br/> <span class="ft1">2.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer führt aus, es treffe zu, dass es in früherer</span><br/> <span class="ft1">Zeit, offensichtlich jedoch vor dem 1. Januar 2004, zu gegen ihn ge-</span><br/> <span class="ft1">richteten Betreibungen gekommen sei. Der Grund dafür habe darin</span><br/> <span class="ft1">gelegen, dass bei den Zustellungen von Rechnungen und Mahnungen</span><br/> <span class="ft1">postalische Verwechslungen erfolgt seien. Grund für die Betreibun-</span><br/> <span class="ft1">gen sei nicht seine Nachlässigkeit gewesen, vielmehr habe er von</span><br/> <span class="ft1">den Forderungen bzw. Mahnungen keine Ahnung gehabt. In den letz-</span><br/> <span class="ft1">ten fünfeinhalb Jahren sei es nur noch zu einer einzigen Betreibung</span><br/> <span class="ft1">gekommen, offenbar im Zusammenhang mit einem alten Verlust-</span><br/> <span class="ft1">schein. Die entsprechende Forderungssumme sei verhältnismässig</span><br/> <span class="ft1">bescheiden. Zudem habe er die Forderung vollumfänglich bezahlt. Es</span><br/> <span class="ft1">könne somit bei ihm nicht von einem nicht einwandfreien finanziel-</span><br/> <span class="ft1">len Leumund gesprochen werden.</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Die Einbürgerung setzt namentlich einen guten strafrechtlichen</span><br/> <span class="ft1">Leumund voraus. Auch der betreibungsrechtliche Leumund kann im</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit der Beachtung der schweizerischen Rechtsord-</span><br/> <span class="ft1">nung berücksichtigt werden. Von einer Bewerberin oder einem Be-</span><br/> <span class="ft1">werber ist sodann zu erwarten, dass sie oder er sich zu den demo-</span><br/> <span class="ft1">kratischen Institutionen unseres Landes bekennt. Auch das Nicht-</span><br/> <span class="ft1">beachten von zivilrechtlichen Verpflichtungen (z.B. der Verpflich-</span><br/> <span class="ft1">tung zur Zahlung von Unterhaltsbeiträgen oder Alimenten) kann eine</span><br/> <span class="ft1">Verletzung der schweizerischen Rechtsordnung darstellen (Botschaft</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">253</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">vom 21. November 2001 zum Bürgerrecht für junge Ausländerinnen</span><br/> <span class="ft1">und Ausländer und zur Revision des Bürgerrechtsgesetzes, BBl 2002,</span><br/> <span class="ft1">S. 1943; vgl. auch Botschaft vom 26. August 1987 zur Änderung des</span><br/> <span class="ft1">Bürgerrechtsgesetzes, BBl 1987 III, S. 305).</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Bereits aus diesen bundesrätlichen Erläuterungen zur geltenden</span><br/> <span class="ft1">Rechtslage erhellt, dass die Voraussetzung der Beachtung der Rechts-</span><br/> <span class="ft1">ordnung (ebenso wie die Erfüllung dieser Voraussetzung zusammen</span><br/> <span class="ft1">mit den übrigen Voraussetzungen gemäss Art. 14 lit. a., b. und d.</span><br/> <span class="ft1">BüG) eine Gesamtschau verlangt. Es ist danach zu fragen, ob ein Be-</span><br/> <span class="ft1">werber insgesamt gesehen die Grundwerte, auf welchen das schwei-</span><br/> <span class="ft1">zerische Staatswesen beruht, anerkennt und dies auch durch sein Ver-</span><br/> <span class="ft1">halten bezeugt. Dies erfordert zum einen das Fehlen strafrechtlich</span><br/> <span class="ft1">vorwerfbaren Verhaltens, welches auf eine unzureichende Achtung</span><br/> <span class="ft1">der Rechtsordnung schliessen lässt. Darüber hinaus ist im Einbür-</span><br/> <span class="ft1">gerungsverfahren (soweit dies überhaupt möglich ist) zu prüfen, ob</span><br/> <span class="ft1">der Bewerber die verfassungsrechtliche Grundordnung, insbesondere</span><br/> <span class="ft1">die Grundrechte (z.B. Gewaltmonopol des Staates, Gleichheit der</span><br/> <span class="ft1">Geschlechter, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit), die ein demokra-</span><br/> <span class="ft1">tisches Staatswesen auszeichnen, achtet und in seinem privaten All-</span><br/> <span class="ft1">tag (z.B. im Verhalten gegenüber den Behörden, am Arbeitsplatz, in</span><br/> <span class="ft1">der Familie, mit Freunden, etc.) auch tatsächlich lebt. Dazu gehört</span><br/> <span class="ft1">schliesslich auch, dass der Bewerber als Teilnehmer am Wirtschafts-</span><br/> <span class="ft1">leben seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt.</span><br/> <span class="ft1">2.3.3.</span><br/> <span class="ft1">Die Notwendigkeit einer Gesamtschau hinsichtlich des Erfor-</span><br/> <span class="ft1">dernisses der Beachtung der Rechtsordnung (kein ins Gewicht fallen-</span><br/> <span class="ft1">des strafrechtliches Verhalten, erkennbare Achtung der verfassungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Grundordnung, ausreichender finanzieller Leumund) ver-</span><br/> <span class="ft1">langt, selbst wenn bei einem der genannten Kriterien nicht allzu</span><br/> <span class="ft1">schwerwiegende Defizite im Verhalten des Bewerbers zutage treten,</span><br/> <span class="ft1">eine Abwägung mit seinem Verhalten hinsichtlich der anderen Krite-</span><br/> <span class="ft1">rien. Dabei ist der den zuständigen Einbürgerungsbehörden zuste-</span><br/> <span class="ft1">hende Spielraum jedenfalls dann überschritten, wenn eine bloss</span><br/> <span class="ft1">schematische Prüfung anhand eines starren Kriterienkatalogs vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommen und der Bewerber wegen eines in seinem Ausmass nur ge-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">254</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">ringen Nichteinhaltens eines einzelnen Kriteriums bei unzweideutig</span><br/> <span class="ft1">vollständiger Erfüllung der übrigen Kriterien ohne weiteres abge-</span><br/> <span class="ft1">lehnt wird.</span><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Beschwerdeführer hat sich keine strafrechtlich relevanten</span><br/> <span class="ft1">Verfehlungen zuschulde kommen lassen. Gegenüber dem Stadtrat</span><br/> <span class="ft1">wies er sich anlässlich des "Einbürgerungsgesprächs" vom 20. Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 2007 über gute Kenntnisse des Staatsrechts, des Staatssystems</span><br/> <span class="ft1">und der politischen Rechte und Pflichten eines Schweizerbürgers</span><br/> <span class="ft1">aus. Aus den Akten ergeben sich darüber hinaus keine Hinweise</span><br/> <span class="ft1">darauf, dass der Beschwerdeführer die Grundwerte der Bundesver-</span><br/> <span class="ft1">fassung in seinem täglichen Leben nicht beachten würde.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.1.</span><br/> <span class="ft1">In einem Schreiben vom 3. Januar 2006 an die Gemeinderäte</span><br/> <span class="ft1">des Kantons Aargau teilte der Vorsteher des DVI mit, dass die JUS in</span><br/> <span class="ft1">Zukunft für die Behandlung von Gesuchen um Erteilung des Kan-</span><br/> <span class="ft1">tonsbürgerrechts die Einhaltung bestimmter, im Schreiben näher de-</span><br/> <span class="ft1">finierter Voraussetzungen erwarte. Diesem Schreiben, mit dem die</span><br/> <span class="ft1">JUS ihre eigene Praxis offen legte (vgl. dazu auch Protokoll des</span><br/> <span class="ft1">Grossen Rats, 37. Sitzung vom 29. Juni 2010, Votum Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">Hofmann S. 1433), lag eine detaillierte "Checkliste der Prüfungs-</span><br/> <span class="ft1">kriterien für Gemeinden" bei. Gemäss dieser Checkliste verlangt die</span><br/> <span class="ft1">JUS mit Blick auf den finanziellen Leumund, dass (a) keine Betrei-</span><br/> <span class="ft1">bungen in den letzten drei Jahren und während des Verfahrens vorlie-</span><br/> <span class="ft1">gen. Ausserdem dürfen (b) keine unerledigten jüngeren Verlust-</span><br/> <span class="ft1">scheine vorliegen; Verlustscheine, die vor fünf Jahren oder weniger</span><br/> <span class="ft1">ausgestellt worden sind, müssen erledigt sein. Überdies müssen (c)</span><br/> <span class="ft1">alle fälligen Steuern bezahlt sein und dürfen (d) keine fälligen Schul-</span><br/> <span class="ft1">den aus Unterhaltspflicht und Verwandtenunterstützungspflicht be-</span><br/> <span class="ft1">stehen.</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Offene Steuerschulden sowie fällige Schulden aus Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">pflicht und Verwandtenunterstützungspflicht sind beim Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer nicht aktenkundig. Hingegen ergibt sich aus einem in den</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">255</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Akten liegenden Betreibungsregisterauszug vom 12. Januar 2009,</span><br/> <span class="ft1">dass er in den Jahren 1997 bis 1998 insgesamt elfmal betrieben wur-</span><br/> <span class="ft1">de. Eine zwölfte Betreibung durch ein Inkassounternehmen für einen</span><br/> <span class="ft1">Betrag von Fr. 712.70 datiert vom 29. Oktober 2007. Ausserdem</span><br/> <span class="ft1">weist der erwähnte Betreibungsregisterauszug fünf aus dem Jahr</span><br/> <span class="ft1">1998 datierende Verlustscheine über Fr. 33'187.05 als offen aus. Wie</span><br/> <span class="ft1">sich aus einem weiteren Betreibungsregisterauszug vom 15. Mai</span><br/> <span class="ft1">2008 ergibt, bezahlte der Beschwerdeführer im ersten Halbjahr 2008</span><br/> <span class="ft1">die Forderung über Fr. 712.70. Im Laufe des Jahres 2009 beglich er</span><br/> <span class="ft1">auch die offenen Verlustscheine. Gemäss einem dritten Betreibungs-</span><br/> <span class="ft1">registerauszug vom 10. November 2009 bestanden keine offenen</span><br/> <span class="ft1">Forderungen mehr.</span><br/> <span class="ft1">Gemäss Aktenlage erfüllte der Beschwerdeführer damit gemäss</span><br/> <span class="ft1">Checkliste die Erfordernisse des Fehlens offener Steuerschulden (c)</span><br/> <span class="ft1">sowie des Nichtbestehens offener Schulden aus Unterhaltspflicht und</span><br/> <span class="ft1">Verwandtenunterstützungspflicht (d). Ausserdem ergibt sich aus den</span><br/> <span class="ft1">erwähnten Betreibungsregisterauszügen, dass er gemäss Checkliste</span><br/> <span class="ft1">das Erfordernis des Fehlens neuerer (d.h. weniger als fünf Jahre al-</span><br/> <span class="ft1">ter) Verlustscheine erfüllte (b). Einzig das Kriterium des Fehlens von</span><br/> <span class="ft1">Betreibungen innert der letzten drei Jahre (a) hielt der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer nicht ein, da die Betreibungsregisterauszüge eine Betreibung</span><br/> <span class="ft1">vom 29. Oktober 2007 über Fr. 712.70 auswiesen. Diese lag im Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt der Beurteilung durch die JUS rund zweieinhalb Jahre zurück;</span><br/> <span class="ft1">der in Betreibung gesetzte Betrag war im Zeitpunkt der Beurteilung</span><br/> <span class="ft1">durch die JUS seit rund zwei Jahren bezahlt.</span><br/> <span class="ft1">2.4.3.</span><br/> <span class="ft1">2.4.3.1.</span><br/> <span class="ft1">Für den Entscheid darüber, ob das Kantonsbürgerrecht erteilt</span><br/> <span class="ft1">werden kann, ist, wie bereits erwähnt (Erw. 2.3.2.), eine Gesamtwür-</span><br/> <span class="ft1">digung aller für die Einbürgerung verlangten Voraussetzungen vor-</span><br/> <span class="ft1">zunehmen. Dabei ist namentlich für das Erfordernis der Beachtung</span><br/> <span class="ft1">der schweizerischen Rechtsordnung (Art. 14 lit. c BüG) neben dem</span><br/> <span class="ft1">finanziellen Leumund das Fehlen strafrechtlich relevanten Verhaltens</span><br/> <span class="ft1">sowie die Haltung des Gesuchstellers gegenüber der verfassungs-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Grundordnung zu würdigen. Wie bereits erwähnt, ist es</span><br/> <span class="ft1">unverhältnismässig, wenn aufgrund eines eher gering einzustufenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">256</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Mangels bei einem der genannten Kriterien ohne Würdigung der</span><br/> <span class="ft1">übrigen Voraussetzungen schematisch die Einbürgerung verweigert</span><br/> <span class="ft1">wird. Schon unter diesem Gesichtspunkt erweist sich der ange-</span><br/> <span class="ft1">fochtene Entscheid als unverhältnismässig, weil die JUS darin keine</span><br/> <span class="ft1">umfassende Würdigung der Einbürgerungsvoraussetzungen vorge-</span><br/> <span class="ft1">nommen, sondern einfach schematisch wegen eines eher geringfü-</span><br/> <span class="ft1">gigen Mangels im Hinblick auf den finanziellen Leumund die Auf-</span><br/> <span class="ft1">nahme ins Kantonsbürgerrecht verweigert hat.</span><br/> <span class="ft1">2.4.3.2.</span><br/> <span class="ft1">Der Entscheid ist im Übrigen auch bereits allein unter dem Ge-</span><br/> <span class="ft1">sichtspunkt der Würdigung des finanziellen Leumunds des Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdeführers nicht haltbar.</span><br/> <span class="ft1">Dass der Beschwerdeführer drei der in der Checkliste mit Blick</span><br/> <span class="ft1">auf den finanziellen Leumund aufgestellten Erfordernisse erfüllte,</span><br/> <span class="ft1">wurde bereits erwähnt. Das nicht erfüllte Erfordernis der fehlenden</span><br/> <span class="ft1">Betreibung innert drei Jahren gemäss Checkliste ist zudem, wie ge-</span><br/> <span class="ft1">rade der vorliegende Fall zeigt, in zeitlicher und auch qualitativer</span><br/> <span class="ft1">Hinsicht zu undifferenziert. Die Checkliste unterscheidet nämlich in</span><br/> <span class="ft1">qualitativer Hinsicht in keiner Weise danach, ob eine Betreibung zu</span><br/> <span class="ft1">Recht erfolgte oder nicht, ob nur eine Betreibung innert der Dreijah-</span><br/> <span class="ft1">resfrist erfolgte oder mehrere, und wie hoch der in Betreibung ge-</span><br/> <span class="ft1">setzte Betrag war. Es ist gemäss Checkliste auch unerheblich, ob die</span><br/> <span class="ft1">Bewerberin bzw. der Bewerber allfällige Schulden bezahlt oder</span><br/> <span class="ft1">nicht. All diese Umstände sind aber für die Beurteilung des finanziel-</span><br/> <span class="ft1">len Leumunds einer Person von Bedeutung. Allein der Umstand, dass</span><br/> <span class="ft1">eine Person betrieben wurde, genügt nicht für die Annahme eines</span><br/> <span class="ft1">finanziell schlechten Leumunds. Auch für die Würdigung des finan-</span><br/> <span class="ft1">ziellen Leumunds ist eine Gesamtbetrachtung anzustellen. Bei dieser</span><br/> <span class="ft1">muss neben der Anzahl der Betreibungen im "Verdachtszeitraum"</span><br/> <span class="ft1">und deren Höhe auch das Verhalten des Gesuchstellers gewürdigt</span><br/> <span class="ft1">werden. Auch dass ein Bürgerrechtsbewerber - und sei es vor dem</span><br/> <span class="ft1">Hintergrund des laufenden Einbürgerungsverfahrens - einem Teil</span><br/> <span class="ft1">oder all seinen offenen finanziellen Verpflichtungen nachkommt, ist</span><br/> <span class="ft1">von erheblicher Bedeutung.</span><br/> <span class="ft1">Hier sticht ins Auge, dass der Beschwerdeführer seit den aus</span><br/> <span class="ft1">dem Jahr 1998 datierenden Verlustscheinen bis November 2007, d.h.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Einbürgerungen</span> <span class="page_no">257</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">während rund neun Jahren, nicht betrieben wurde und vor der Be-</span><br/> <span class="ft1">handlung seines Gesuchs durch die Subkommission sämtliche den</span><br/> <span class="ft1">Verlustscheinen zugrunde liegenden Forderungen erfüllt hatte. Aus-</span><br/> <span class="ft1">serdem kam es zwar im "Verdachtszeitraum" noch zu einer Betrei-</span><br/> <span class="ft1">bung. Auch den damit in Betreibung gesetzten Betrag bezahlte der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer indessen noch weit vor der Behandlung des Ein-</span><br/> <span class="ft1">bürgerungsgesuchs durch die Subkommission Einbürgerungen bzw.</span><br/> <span class="ft1">die JUS (...). Von einem schlechten finanziellen Leumund, der die</span><br/> <span class="ft1">Verweigerung der Aufnahme ins Kantonsbürgerrecht zu rechtfertigen</span><br/> <span class="ft1">vermöchte, kann bei dieser Sachlage nicht ernsthaft gesprochen</span><br/> <span class="ft1">werden. Auch insoweit erweist sich damit der angefochtene Ent-</span><br/> <span class="ft1">scheid als unverhältnismässig.</span><br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">Diese Erwägungen führen in Gutheissung der Beschwerde zur</span><br/> <span class="ft1">Aufhebung des angefochtenen Entscheids und zur Rückweisung der</span><br/> <span class="ft1">Angelegenheit zur weiteren Behandlung im Sinne der Erwägungen</span><br/> <span class="ft1">an die JUS. Liegen keine neuen Umstände vor, die bei einer Gesamt-</span><br/> <span class="ft1">würdigung aller relevanten Tatsachen gegen eine Aufnahme ins Kan-</span><br/> <span class="ft1">tonsbürgerrecht sprechen, wird die JUS nicht umhin kommen, dem</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer das Kantonsbürgerrecht zu erteilen.</span><br/></div> </div> </body> </html>