<h2>SubmittedText<h2><p>Die Diskussionen um die Fertigstellung und den Ausbau des Nationalstrassennetzes haben gezeigt, dass die zeitlichen Dimensionen in diesen Fragen eine ganz entscheidende Bedeutung erhalten. Dies gilt sowohl für die Abschnitte im Mittelland als auch für die Gotthardstrecke und den Gotthardtunnel.</p><p>In absehbarer Zeit steht beim Gotthardtunnel eine Totalsanierung an. Ich bitte deshalb den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Mit welchen Zeiträumen - von der Planung bis zur Realisierung - ist aufgrund der Erfahrung mit bisherigen Projekten im Nationalstrassenbau zu rechnen?</p><p>2 Wann schätzt er (die Beseitigung der verfassungsrechtlichen Hindernisse für den Bau einer zweiten Röhre vorausgesetzt), dass am Gotthard der erste Personenwagen durch die zweite Röhre fahren könnte?</p><p>3. Sieht er eine Möglichkeit, die Totalsanierung mit dem Bau einer zweiten Röhre zu kombinieren?</p><p>4. Wann würde bei diesem Szenario die Kapazität einer vierspurigen Verbindung zwischen Göschenen und Airolo tatsächlich zur Verfügung stehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./2. Der Nationalstrassenbau umfasst von der Planung bis zur Betriebsaufnahme die folgenden wesentlichen Phasen: generelles Projekt, Ausführungsprojekt, Detailprojekt, Ausschreibung und Vergabe sowie Bauarbeiten. Der Zeitaufwand je Schritt und im gesamten Ablauf hängt von der Grösse und der Komplexität des Projektes ab und ist schwierig im Voraus abzuschätzen; das gilt vor allem für allfällige Einsprache- und Beschwerdeverfahren, die von der Projektleitung nicht beeinflussbar sind.</p><p>Was die zweite Gotthardröhre angeht, sind vom generellen Projekt bis zum Baubeginn zwischen sechs und zehn Jahre einzusetzen, die eigentlichen Bauarbeiten samt Einbau der technischen Einrichtungen dauern sechs bis acht Jahre, sodass - um einen ungefähren Mittelwert zu nehmen - von der Planung bis zur Eröffnung fünfzehn Jahre verstreichen.</p><p>Ob überhaupt und wann mit der Planung der zweiten Gotthard-Röhre begonnen werden kann, hängt letztlich von der weiteren Beratung und den Entscheiden des Parlamentes und schliesslich des Volkes über die Avanti-Initiative und deren Gegenvorschlag ab. Der Bundesrat ist somit nicht in der Lage, die Frage 2 zu beantworten.</p><p>3./4. Heute erfolgt der Unterhalt im Tunnel nach dem Prinzip der Vorsorge, d. h., die einzelnen Anlageteile werden aufgrund ihres Alters und ihres Zustandes laufend erneuert. Zur Unterhaltsstrategie gehört, sämtliche Arbeiten im Fahrraum zeitlich zusammenzufassen und während der Nacht auszuführen, der Tunnel wird dann für den Verkehr geschlossen.</p><p>Dieses Vorgehen gewährleistet den Unterhalt für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Für den Ersatz des Belages, der in etwa zehn Jahren anfällt, muss der Tunnel für sieben bis zehn Tage geschlossen werden. Andere Erneuerungsarbeiten, wie z. B. der Ersatz der Zwischendecke, die eine monatelange Schliessung des Tunnels erfordern, stehen erst etwa in 30 Jahren an.</p><p>Aus heutiger Sicht sind der Bau und die Sanierung voneinander zu trennen, zumal der Bau einer zweiten Röhre nicht allein mit der Totalsanierung der ersten Röhre begründet werden könnte; dafür müssten noch andere Elemente hinzukommen (z. B. die Sicherheit, das Verkehrsbedürfnis). Es hängt von den politischen Entscheiden ab, ob überhaupt und gegebenenfalls wann die zweite Gotthard-Röhre gebaut und in Betrieb genommen werden kann.</p><p>Dabei bestehen u. a. folgende Szenarien:</p><p>- Wird die zweite Röhre eröffnet, bevor die Totalsanierung der ersten Röhre ansteht, gibt es schon ab diesem Zeitpunkt eine vierspurige Verbindung.</p><p>- Wird die zweite Röhre so geplant und gebaut, dass die Eröffnung in den zeitlichen Bereich der Totalsanierung der ersten Röhre fällt, dann ist hier eine Kombination insofern ins Auge zu fassen, als die Totalsanierung - soweit sicherheitsmässig vertretbar - hinausgeschoben wird, bis die zweite Röhre in Betrieb geht.</p><p>- Ist die Totalsanierung der ersten Röhre dringend und unaufschiebbar und die zweite Röhre noch nicht gebaut, dann ist der Verkehr anderswohin zu lenken.</p>  Antwort des Bundesrates.