B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-250/2017 U r t e i l v o m 1 9 . M a i 2 0 1 7 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Yanick Felley, Richterin Christa Luterbacher, Gerichtsschreiberin Denise Eschler. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, B._______, geboren am (…), Eritrea, beide vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Flüchtlingseigenschaft (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 16. Dezember 2016 / N (…). E-250/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess Eritrea eigenen Angaben zufolge mit ih- rem Verlobten C._______ am 10. Oktober 2010 illegal und gelangte von D._______ über E._______, Enda F._______ und G._______ Ika nach Äthiopien, wo beide in einem Flüchtlingslager aufgenommen wurden. Nachdem ihrem Verlobten im Rahmen des Familiennachzuges die Einreise in die Schweiz bewilligt wurde, verblieb die Beschwerdeführerin mehrere Jahre in Äthiopien, bis sie im April 2014 ebenfalls ausreiste und via Sudan, Libyen und Italien am 14. Juni 2014 in die Schwe iz gelangte, wo sie um Asyl nachsuchte. Am 2. Juli 2014 wurde sie vom SEM im Empfangs - und Verfahrens-zentrum (EVZ) Vallorbe zur Person befragt (BzP , A5) und am 17. November 2016 ausführlich zu ihren Asylgründen angehört (A37). Da- bei machte sie im Wesentli chen geltend, ihre Mutter sei Angehörige der Pfingstgemeinde, weshalb sie anlässlich einer Razzia am 6. Juli 2009 (A5 S.8) beziehungsweise Ende 2005 respektive 2006/ 2007 (A37 F89) und 2010 (A37 F104) festgenommen und inhaftiert worden sei. Ihre Mutter sei deswegen bereits zuvor (wiederholt) inhaftiert worden, habe jedoch aus dem Gefängnis H._______ fliehen und sich ins Ausland absetzen können (A5 S.8; A37 F85 -F89). Die Religionszugehörigkeit und die Flucht ihrer Mutter seien der Grund für die Festnahme der Beschwerdeführerin gewe- sen. Nach ihrer zweiten Haftentlassung habe sie zudem ein Militäraufgebot erhalten und hätte nach Wya gebracht werden sollen. Weil sie aber nicht habe Militärdienst leisten wollen, habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Für die weiteren Aussagen wird auf die Befragungsprotokolle und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwie- sen. Der Verlobte der Beschwerdeführerin, C._______, geb. (…) 1995 (N […]) wurde vom SEM mit Verfügung vom 22. Februar 2011 gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtling anerkannt und ihm wurde Asyl gewährt. Am 6(…) kam der Sohn der Beschwerdeführerin, B._______, zur Welt. Das Kind wurde von C._______ anerkannt (A34). Die Beschwerdeführerin reichte eine eritreische Geburtsurkunde in Kopie zu den Akten. B. Das SEM verneinte mit Verfügung vom 16. Dezember 2016 – eröffnet am E-250/2017 Seite 3 20. Dezember 2016 – die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte deren Asylgesuch ab und wies sie aus der Schweiz weg. Der Weg- weisungsvollzug wurde wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufi- gen Aufnahme aufgeschoben. C. Mit Eingabe vom 12. Januar 2017 liess die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Besc hwerde gegen die Verfügung des SEM ein reichen. Darin beantragte sie, die Verfügung der Vorinstanz sei in den Dispositivziffern 1 und 4 aufzuheben, ihr sei die Flüchtlingseigenschaft aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe zuzuerken- nen und sie sei wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Im Weiteren sei der Sohn gemäss Art. 51 Abs. 3 AsylG ebenfalls als Flüchtling anzuerkennen, eventualiter sei die Sache zur er- neuten Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurden die unentgeltliche Rechtspflege und der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie die Bei- ordnung des handelnden Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand beantragt. Zum Nachweis der Bedürftigkeit wurde eine Fürsorgebestätigung der Ge- meinde I._______ vom 10. Januar 2017 zu den Akten gereicht. D. Mit Schreiben vom 16. Januar 2017 bestätigte das Gericht der Beschwer- deführerin den Eingang der Beschwerde. E. Mit Verfügung vom 1. Februar 2017 stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, die Beschwerdeführenden könnten gestützt auf die angeordnete vor- läufige Aufnahme den Entscheid in der Schweiz abwarten, hiess das Ge- such um Gewährung der une ntgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete Ass. iur. Christian Hoffs als amtlichen Rechtsbeistand bei. E-250/2017 Seite 4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwe rde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 1.4 Mit der Beschwerde wird die Überprüfung der Frage der Flüchtlingsei- genschaft infolge subjektiver Nachfluchtgründe und eventualiter eine Rück- weisung der Sache an die Vorinstanz beantragt. Damit ist die vorinstanzli- che Verfügung im Asyl- und im Wegweisungspunkt (vgl. Ziffern 2 und 3 des Verfügungsdispositivs) unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Eben- falls nicht angefochten ist grun dsätzlich die Frage der vorläufigen Auf- nahme in der Schweiz. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfah- rens bildet demnach einzig die Frage, ob der Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft aufgrund der illegalen Ausreise als subjektiver Nachfluchtgrund zuzuerkennen ist. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-250/2017 Seite 5 3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG 4.2 Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden aber als Flüchtlinge vorläufig aufgenom- men. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere das illegale Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht), das Einreichen eines Asylgesuchs im Ausland oder exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Ge- fahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer wegen illegaler Ausreise Sanktionen des Heimatstaa- tes befürchten muss, die bezüglich ihrer Intensität ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (BVGE 2009/29). 4.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 AsylG). Gleiches gilt für die Person, die subjektive Nachfluchtgründe behauptet. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie- gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeson- dere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen respektive massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer- den. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub- haftmachen der Vorbringen in BVGE 2010/57 (E. 2.2 und 2.3) dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis; darauf kann hier verwiesen werden. 5. Zu den geltend gemachten Vorbringen, die Beschwerdeführerin habe Erit- rea illegal verlassen und deswegen bei einer Rückk ehr eine Inhaftierung E-250/2017 Seite 6 zu befürchten, führte das SEM in der angefochtenen Verfügung aus, es lägen keine konkreten Indizien dafür vor, dass sie bei einer Rückkehr ernst- hafte Nachteile zu gewärtigen hätte. Mit dem Verweis auf die aktuellen Län- derkenntnisse sei im Fall von Eritrea die Behandlung von Rückkehrenden hauptsächlich davon abhängig, ob zum einen eine freiwillige oder zwangs- weise Rückkehr erfolge und zum anderen davon, welchen Nationaldienst- Status sie vor ihrer Ausreise hatten. Die illegale Ausreise spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Die Beschwerdeführerin habe weder den Nati- onaldienst verweigert noch sei sie aus diesem desertiert und darüber hin- aus seien die Vorbringen zum angeblichen Militärdienstaufgebot unglaub- haft ausgefallen, so dass sie nicht gegen die eritreische Proclamation on National Service von 1995 verstossen habe. Die Anforderungen an die Feststellung einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung seien nicht erfüllt, so dass diese Vorbringen asylrechtlich unbeachtlich seien. 5.1 Die Beschwerdeführerin moniert, indem sich das SEM im angefochte- nen Entscheid weder zur Glaubhaftigkeit noch über die Konsequenzen der illegalen Ausreise äussere, verletze es seine Begründungspflicht. Die Be- schwerdeführerin habe ihre Flucht und die illegale Ausreise vor allem in der vertieften Anhörung nachvollziehbar sowie mit Details versehen und daher glaubhaft dargelegt. Aufgrund von Verweisen in kürzlich ergangenen Urtei- len des Bundesverwaltungsgerichts auf die gängige Praxis, wonach das illegale Verlassen von Eritrea zur Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft führe, müsse geschlossen werden, dass diese nach wie vor gültig sei und dies unabhängig vom Alter der betroffenen Person. 5.2 Das Bundesverwaltungsgericht ging in seiner bisherigen Rechtspre- chung davon aus, dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund anzusehen sei, weil illegal Ausgereiste bei einer Rück- kehr nach Eritrea mit erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen müssten (vgl. Urteil des BVGer D -3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.3). 5.2.1 Diese Rechtsprechung wurde jüngst aufgegeben. Das Bundesver- waltungsgericht befasste sich im Rahmen des (in seinen beiden Asylabtei- lungen kürzlich koo rdiniert entschiedenen) Urteils D -7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publiziert) mit der Frage, ob Eritreerin- nen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein deswegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. E-250/2017 Seite 7 Das Gericht kam dabei zum Schluss, dass sich die bisherige Praxis nicht mehr habe aufrechterhalten lassen und vom SEM zu Recht angepasst wor- den sei. Für die Entscheidfindung des Gerichts war auch die Tatsache von Bedeutung, dass seit einiger Zeit Personen aus der eritreischen Diaspora für kurze Aufenthalte in ihren Heimatstaat zurückkehren und sich unter ihnen auch Personen befinden, die Eritrea zuvor illegal verlassen hatten. Es sei mithin nicht mehr davon auszugehen, dass einer Person einzig auf- grund ihrer unerlaubten Ausreise aus Eritrea eine flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgung droht. Von der begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich begründeten Nachteilen sei nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere Faktoren hinzuko mmen, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als misslie- bige Person erscheinen lassen (a.a.O., E. 5). Eine asylsuchende Person muss diese zusätzlichen Anknüpfungspunkte nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Im Fall der Beschwerdeführerin sind keine solche n zusätzlichen Gefähr- dungsfaktoren ersichtlich. Wie das SEM zurecht feststellte, machte sie in der Anhörung nicht mehr geltend, zum Militärdienst aufgeboten worden zu sein, obwohl dies in der BzP (nebst der Inhaftierung der Mutter), ein Haupt- vorbringen darstellte (A 5 S.8). Ihre Erklärung, das Militärdienstaufgebot deshalb nicht mehr genannt zu haben, da sie dieses bereits in der BzP vorgebracht habe (A37 F 158-162), überzeugt nicht. Ebenso wenig ihre Ausführungen, sie habe die Frage nach Problemen mit militärischen Be- hörden (A37 F133) darum verneint, weil das Aufgebot nicht von Soldaten, sondern von der Gemeinde ergangen sei (A37 F160). Folglich ist dem SEM beizupflichten, wenn ausgeführt wird, ein Aufgebot für den Nationaldienst erscheine unglaubhaft, weshalb die Beschwerdeführerin nicht als Deser- teurin betrachtet werden könne. Sie verneinte ausserdem allfällige Prob- leme mit den eritreischen Behörden (A37 F132) oder politische Aktivitäten (A37 F132, F134). Vorliegend stellt auch die Glaubenszugehörigkeit keinen derartigen An- knüpfungspunkt dar, da, wie die Vorinstanz zutreffend und hinreichend be- gründend ausführte, ihre angeblich deshalb ergangen en Inhaftierungen nicht glaubhaft erscheinen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann da- her grundsätzlich auf die angefochtene Verfügung verwiesen werden. Zwar gab die Beschwerdeführerin an, wie ihre Mutter Angehörige der Pfingstge- meinde und deshalb in den Fokus eritreischer Sicherheitskräfte geraten zu sein (A5 S.8, A37 F85), schilderte aber in erster Linie stets, was ihrer Mutter oder deren Freundinnen zugestossen war (A37 F85/F86) und dass es den E-250/2017 Seite 8 Sicherheitskräften einzig um den Erhalt eines „Geständnisses“ gegangen sei (A37 F87-88, F91). Auf die Frage, welche Bedeutung dieser Glaube für sie selbst habe, antwortete sie in pauschaler Weise: „Ich habe an dem Glauben nichts Schlechtes gefunden, man treibt sich nicht herum, man spielt nicht, man trinkt nicht. Die Sachen, die man macht, sind, man betet, man liest (…)“ (A37 F97). Danach gefragt, ob es für die Beschwerdeführe- rin nicht gefährlich gewesen sei, nach der Inhaftierung weiterhin mit den Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft zusammen zu sein, führte sie aus „Die Gefahr gibt es, das ist auf jeden Fall so. Sie h aben mir gesagt, dass ich das von meiner Mutter abgeschaut habe, dass ich mich auf den Glau- ben meines Vaters und meiner Grossmutter besinnen sollte (…) Das haben sie zu mir gesagt, sie haben mich dann gehenlassen, die anderen haben sie noch dabehalten (…)“ (A37 F98). Zwischen Ihrer Freilassung und der Ausreise sei sodann nichts Spezielles vorgefallen: „Ja, also es ist nichts passiert, aber es war so, dass sie immer wieder gekommen sind und nach- gefragt haben.“ (A37 F103). Dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Angehörigkeit zur Pfingstgemeinde von den eritreischen Behörden als missliebige Person betrachtet würde und deshalb bei einer Rückkehr flüchtlingsrechtlich begründende Nachteile zu befürchten hätte , ist daher nicht ersichtlich und geht aus den zitierten Aussagen nicht hervor, lag der Fokus der Behörden ihren Aussagen zufolge doch auf ihrer Mutter, wäh- rend ihr selbst lediglich ins Gewissen geredet, sie danach jedoch wieder entlassen wurde. 5.3 Zusammenfassend konnte die Beschwerdeführerin das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen nicht nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint. Wie bereits erwähnt, vermag die illegale Ausreise für sich alleine keine Furcht vor einer zukünftigen flüchtlingsrelevanten Verfolgung zu be- gründen. Die Frage der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise kann daher mangels flüchtlingsrechtlicher Relevanz einer solchen Ausreise offenblei- ben. Die Vorinstanz hat demnach ihre Begründungspflicht nicht verletzt, wenn sie im Fall der Beschwerdeführerin die Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen zur illegalen Ausreise nicht geprüft hat. 5.4 Erfüllt die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht, ist folg- lich das Begehren um Einbezug ihres Sohnes B._______ in die Flüchtlings- eigenschaft ebenfalls abzuweisen. 6. Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht E-250/2017 Seite 9 ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Auf- enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 7.2 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 16 . Dezember 2016 die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden (wegen Unzumutbarkeit) in der Schweiz angeordnet hat und die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs wegen Unzulässigkeit oder Unmöglichkeit. Die vorl äufige Aufnahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in Kraft. 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass. Die Beschwerde ist abzuweisen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer- deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Verfügung vom 1. Februar 2017 gutgeheissen wurde und den Akten keine Hinweise auf eine Veränderung der finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist von einer Kostenauflage abzusehen. 9.2 Der Beschwerdeführerin wurde mit gleicher Verfügung die unentgeltli- che Rechtsverbeiständung i.S. von Art. 110a Abs. 1 AsylG zugesprochen und Ass. iur. Christian Hoffs als unentgeltlicher Rechtsbeistand beigeord- net. E-250/2017 Seite 10 9.3 Das Honorar des Rechtsbeistands ist bei d iesem Verfahrensausgang durch die Gerichtskasse zu vergüten. Der amtliche Rechtsbeistand weist in der Kostennote vom 12. Januar 2017 einen Aufwand von 3.25 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 200. – beziehungsweise – im Falle der Verbeiständung nach Art. 110a AsylG – von Fr. 150. – sowie zusätzliche Auslagen von Fr. 70.–, somit Gesamtkosten von total Fr. 720.– beziehungs- weise, falls er als Rechtsbeistand eingesetzt w erde, von Fr. 557.50 aus. Das Gericht geht bei amtlicher Vertretung durch Anwältinnen und Anwälte in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– und bei anderen Rechtsbeiständinnen und -beiständen von Fr. 100.– bis Fr. 150.– aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der mit Verfügung vom 1. Februar 2017 amtlich eingesetzte Rechtsbeistand ass. iur. Christian Hoffs ist nicht Rechtsanwalt, weshalb der – für diesen Fall – geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 150.– der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts entspricht . Der geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint angemessen. Unter Hinzurechnung der Auslagen von Fr. 70.– ist das Honorar in Anwendung der massgebli- chen Bemessungsfaktoren gemäss Art. 7 ff. VGKE auf insgesamt somit antragsgemäss auf Fr. 557.50 festzusetzen (inkl. Auslagen). Dieser Betrag ist dem amtlich eingesetzten Rechtsbeistand vom Bundesverwaltungsge- richt auszurichten. (Dispositiv nächste Seite) E-250/2017 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben 3. Dem als amtlichen Rechtsbeistand eingesetzten ass. iur. Christian Hoffs wird ein amtliches Honorar von Fr. 557.50 zulasten der Gerichtskasse aus- gerichtet. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Denise Eschler Versand: