<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2021.00475</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=222235&amp;W10_KEY=13013467&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2021.00475</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 31.03.2022</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">4. Abteilung/4. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Dieser Entscheid ist rechtskrÃ¤ftig.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>[Der Beschwerdeführer, ein 1980 geborener nigerianischer Staatsangehöriger, erhielt eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau, die Schweizer Bürgerin ist. Nachdem er an Schizophrenie erkrankte, griff er seine Ehefrau an und befindet sich nun auf Anordnung des Strafgerichts in einer stationären Massnahme] Die eheliche Gemeinschaft bestand weniger als drei Jahre (E. 3.3). Angesichts einer relevanten Rückfallgefahr ist von einem gewichtigen öffentlichen Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers auszugehen (E. 5.6). Der Beschwerdeführer leidet an einer schweren Form einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, die seit 15 Jahren im Kern therapieresistent ist. Würde die Krankheit des Beschwerdeführers nicht weiterbehandelt, käme es zu einer Gefährdung von sich selber und anderen Personen, Gewaltdelikte im sozialen Umfeld wären wahrscheinlich (E. 5.8). Eine zuverlässige psychiatrische Versorgung des Beschwerdeführers ist in Nigeria nicht realistisch. Die soziale Wiedereingliederung in Nigeria ist stark gefährdet. Aus diesem Grund überwiegen die privaten Interessen des Beschwerdeführers an einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz, zumal er bei engmaschiger Betreuung eine geringe Gefahr für die Gesellschaft darstellt (E. 5.9). Gutheissung.</b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: Urteile: Verwaltungsrecht UR: AuslÃ¤nderrecht ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SCHIZOPHRENIE">SCHIZOPHRENIE</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: STATIONÃRE MASSNAHME">STATIONÃRE MASSNAHME</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEITSPRÃFUNG">VERHÃLTNISMÃSSIGKEITSPRÃFUNG</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG</span><br/><span class="gerade">Art. 62 AIG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>4. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Bild 1" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=56690" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2021.00475</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 4. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">31. MÃ¤rz 2022</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sidentin Tamara NÃ¼ssle<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichter Marco Donatsch, Verwaltungsrichter Reto HÃ¤ggi Furrer, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiber Elias Ritzi. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer, </span></b></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>betreffend NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung</span></b><b>,</b></p> <span><br/> </span> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b> </b></p> <p class="Urteilstext"><b>I.</b></p> <p class="Urteilstext">A, ein 1980 geborener StaatsangehÃ¶riger Nigerias, reiste am 12. August 2002 in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Das Bundesamt fÃ¼r FlÃ¼chtlinge wies das Gesuch am 30. August 2002 ab und A aus der Schweiz weg. Am 30. April 2004 heiratete er in C die Schweizerin D und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung. 2004 kam die gemeinsame Tochter E zur Welt. </p> <p class="Urteilstext">Am 1. September 2006 wurde A verhaftet und anschliessend in Sicherheitshaft genommen, nachdem er in der Nacht zuvor seine Frau mit Messerstichen verletzt hatte. Am 22. August 2007 stellte das Bezirksgericht C fest, dass A den Tatbestand der versuchten schweren KÃ¶rperverletzung erfÃ¼llt habe, das Strafverfahren indes zufolge vollstÃ¤ndiger SchuldunfÃ¤higkeit einzustellen sei und ordnete eine stationÃ¤re Massnahme zur Behandlung der gutachterlich diagnostizierten paranoiden Schizophrenie gestÃ¼tzt auf Art. 59 Abs. 1 des Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) an. Dasselbe Strafgericht verlÃ¤ngerte die stationÃ¤re Massnahme am 3. Juli 2012 und 20. Juni 2018 je um weitere fÃ¼nf Jahre bis zum 19. August 2022. A hatte am 3. MÃ¤rz 2008 den Massnahmenvollzug in der psychiatrischen Klinik F angetreten; seit dem 15. September 2015 befindet er sich in der Pension G in H. </p> <p class="Urteilstext">Bereits im Februar 2008 wurde A eine volle IV-Rente zugesprochen. Am 29. Juni 2009 war die Ehe mit D geschieden und dieser die alleinige elterliche Sorge fÃ¼r E Ã¼bertragen worden. Der Scheidungsrichter hatte A ein begleitetes Besuchsrecht eingerÃ¤umt.</p> <p class="Urteilstext">Am 23. November 2010 hat das Migrationsamt As Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlÃ¤ngert und ihn per Massnahmenende aus der Schweiz weggewiesen. Die Sicherheitsdirektion hat einen dagegen erhobenen Rekurs am 25. Oktober 2012 teilweise gutgeheissen, weil mit dem migrationsrechtlichen Entscheid zuzuwarten sei bis das Ende des Vollzugs der stationÃ¤ren therapeutischen Massnahme absehbar sein werde. </p> <p class="Urteilstext">Ab dem 13. April 2018 prÃ¼fte das Migrationsamt die Wegweisung erneut. Am 1. MÃ¤rz 2021 verfÃ¼gte es As Wegweisung aus der Schweiz, sobald er die Massnahme beendet haben werde, und verlÃ¤ngerte seine Aufenthaltsbewilligung nicht mehr.</p> <p class="Urteilstext"><b>II.</b></p> <p class="Urteilstext">Die Sicherheitsdirektion wies den hiergegen erhobenen Rekurs As am 3. Juni 2021 ab, wies ihn unverzÃ¼glich nach der Entlassung aus dem Massnahmenvollzug aus der Schweiz weg, auferlegte ihm die Rekurskosten, welche sie jedoch zufolge GewÃ¤hrung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Kantonskasse nahm, und versagte ihm eine ParteientschÃ¤digung. Rechtsanwalt B entschÃ¤digte sie mit Fr. 2'159.15 fÃ¼r seinen Aufwand als unentgeltlichen Rechtsbeistand. </p> <p class="Urteilstext"><b>III.</b></p> <p class="Urteilstext">A beantragte dem Verwaltungsgericht mit Beschwerde vom 5. Juli 2021, unter EntschÃ¤digungsfolge sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlÃ¤ngern, ihm fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 2'449.95 zuzusprechen und die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen. Er ersuchte sodann um unentgeltliche Rechtspflege.</p> <p class="Urteilstext">Die AbteilungsprÃ¤sidentin untersagte am 7. Juli 2021 As Wegweisungsvollzug bis auf Weiteres. Die Sicherheitsdirektion verzichtete am 13. Juli 2021 auf eine Vernehmlassung. Das Migrationsamt reichte keine Beschwerdeantwort ein, jedoch am 22. September 2021 die VerfÃ¼gung des Amtes fÃ¼r Justizvollzug und Wiedereingliederung (JuWe) vom 13. September 2021, mit welcher eine bedingte Entlassung aus der stationÃ¤ren Massnahme abgelehnt wurde. Am 15. MÃ¤rz 2022 reichte der Rechtsvertreter dem Gericht eine aktualisierte Honorarnote ein.</p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>1.1 </b>Das Verwaltungsgericht ist fÃ¼r Beschwerden gegen Rekursentscheide der Sicherheitsdirektion Ã¼ber Anordnungen des Migrationsamts betreffend das Aufenthaltsrecht nach §§ 41 ff. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) zustÃ¤ndig. Weil auch die Ã¼brigen Prozessvoraussetzungen erfÃ¼llt sind, ist auf die Beschwerde einzu­treten.</p> <p class="Erwgung2"><b>1.2 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer ersucht, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. Sofern dem Gesuch nicht bereits mit der PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 7. Juli 2021 entsprochen wurde, wird es jedenfalls mit dem heutigen Endentscheid gegenstandslos.</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2">Die Erteilung bzw. der Widerruf von Aufenthaltstiteln richtet sich nach dem AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetz vom 16. Dezember 2005 (AIG, SR 142.20), soweit keine anderen Bestimmungen des Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene vÃ¶lkerrechtliche VertrÃ¤ge zur Anwendung kommen (Art. 2 Abs. 1 AIG). Dabei ist hier die aktuelle Gesetzesfassung massgeblich, denn mit Bezug auf das intertemporale Recht ist massgebend, wann die betroffene Person Ã¼ber das Verfahren in Kenntnis gesetzt wurde (BGr, 11. November 2010, 2C_445/2010, E. 2, und 27. Mai 2010, 2C_837/2009, E. 1; VGr, 3. Dezember 2020, VB.2020.00305, E. 2.1.2). Das im 2010 angestrengte Wegweisungsverfahren war mit dem Rekursentscheid vom 25. Oktober 2012 abgeschlossen worden. Das Migrationsamt hat zwar am 13. April 2018 noch unter altem Recht eine erneute ÃberprÃ¼fung des Aufenthaltsrechts des BeschwerdefÃ¼hrers in Angriff genommen, allerdings wurde der BeschwerdefÃ¼hrer erst mit der GewÃ¤hrung des rechtlichen GehÃ¶rs Anfang des Jahres 2021 Ã¼ber die beabsichtigte Wegweisung in Kenntnis gesetzt. Damit ist vorliegend das aktuell geltende AIG anwendbar.</p> <p class="Erwgung2">Entgegen der Beschwerde wÃ¼rde es aber hier fÃ¼r das ErfÃ¼llen eines Widerrufsgrunds ohnehin keine Rolle spielen, welche Fassung des AuslÃ¤ndergesetzes anwendbar ist, denn auch nach dem AuG und dem ANAG setzte der Widerruf der Bewilligung alternativ entweder die Verurteilung zu einer lÃ¤ngerfristigen Freiheitsstrafe oder die Anordnung einer strafrechtlichen Massnahme voraus (BGr, 26. MÃ¤rz 2018, 2C_401/2017, E. 4.3; BGE 125 II 521 E. 3).</p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>3.1 </b>GemÃ¤ss Art. 42 Abs. 1 AIG haben auslÃ¤ndische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung und VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Nach AuflÃ¶sung der Ehegemeinschaft hat der auslÃ¤ndische Ehegatte gemÃ¤ss Art. 50 Abs. 1 AIG weiterhin Anspruch auf VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AIG, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfÃ¼llt sind (lit. a) oder wichtige persÃ¶nliche GrÃ¼nde einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Entscheidend ist bei Letzterem, ob die persÃ¶nliche, berufliche und familiÃ¤re Eingliederung der betroffenen auslÃ¤ndischen Person bei einer RÃ¼ckkehr in ihre Heimat als stark gefÃ¤hrdet zu gelten hÃ¤tte, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wÃ¤re und â aus welchen GrÃ¼nden auch immer â vorgezogen wÃ¼rde (BGE 137 II 345 E. 3.2.3). </p> <p class="Erwgung2"><b>3.2 </b>Diese nachehelichen AnsprÃ¼che erlÃ¶schen gemÃ¤ss Art. 51 Abs. 2 lit. b AIG, wenn WiderrufsgrÃ¼nde nach Art. 62 AIG vorliegen. GemÃ¤ss Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden, wenn eine auslÃ¤ndische Person zu einer lÃ¤ngerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafrechtliche Massnahme angeordnet wurde. Der BeschwerdefÃ¼hrer erfÃ¼llt mit seiner Verurteilung zu einer stationÃ¤ren Massnahme zufolge versuchter schwerer KÃ¶rperverletzung den Widerrufsgrund gemÃ¤ss Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG.</p> <p class="Erwgung2"><b>3.3 </b>Die am 30. April 2004 geschlossene, aufenthaltsvermittelnde Ehe des BeschwerdefÃ¼hrers wurde am 29. Juni 2009 geschieden. Die eheliche Gemeinschaft wurde spÃ¤testens seit dem 1. September 2006 nicht mehr gelebt, wobei die Ehe bereits seit Sommer 2006, nach dem Ausbruch der schizophrenen Erkrankung des BeschwerdefÃ¼hrers ungefÃ¤hr ab Anfang 2006, belastet war. Die Dreijahresfrist ist unbestritten nicht erreicht. Zu prÃ¼fen ist im Folgenden, ob wichtige persÃ¶nliche GrÃ¼nde einen weiteren Aufenthalt des BeschwerdefÃ¼hrers in der Schweiz erforderlich machen und wenn ja, ob die NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung aufgrund der Verurteilung des BeschwerdefÃ¼hrers zu einer stationÃ¤ren Massnahme zufolge versuchter schwerer KÃ¶rperverletzung dennoch angezeigt ist.</p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Ein persÃ¶nlicher, nachehelicher HÃ¤rtefall gemÃ¤ss Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 AIG setzt aufgrund der gesamten UmstÃ¤nde eine erhebliche IntensitÃ¤t der Konsequenzen fÃ¼r das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss. Der blosse Umstand, dass das Gesundheits- oder Sozialversicherungswesen in einem anderen Staat nicht mit jenem in der Schweiz vergleichbar ist und die hiesige medizinische Versorgung einem hÃ¶heren Standard entspricht, hat jedoch nicht bereits die Unzumutbarkeit einer RÃ¼ckkehr in die frÃ¼heren VerhÃ¤ltnisse zur Folge (BGE 139 II 393, E. 6). Im Gegensatz zur Ermessensbewilligung nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG ist aber hier nicht das Ã¶ffentliche Interesse an einer restriktiven Einwanderungspolitik massgeblich, sondern allein, wie sich die Pflicht des AuslÃ¤nders, die Schweiz verlassen zu mÃ¼ssen, nach der gescheiterten Ehe auf seine persÃ¶nliche Situation auswirkt (BGE 137 II 345 E. 3.2.1). <span>Die in Art. 31 Abs. 1 </span>der Verordnung vom 24. Oktober 2007 Ã¼ber Zulassung, Aufenthalt und ErwerbstÃ¤tigkeit (VZAE, SR 142.201) <span>erwÃ¤hnten Gesichtspunkte kÃ¶nnen bei der entsprechenden Wertung gleichwohl eine Rolle spielen, so etwa der Grad der Integration, die Respektierung der Rechtsordnung, die FamilienverhÃ¤ltnisse, die finanziellen UmstÃ¤nde, die Dauer der Anwesenheit oder der Gesundheitszustand des bzw. der Betroffenen. Bei der Beurteilung der wichtigen persÃ¶nlichen GrÃ¼nde sind deshalb sÃ¤mtliche Aspekte des Einzelfalls zu berÃ¼cksichtigen.</span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>Das Vorliegen eines Widerrufsgrunds nach Art. 62 AIG fÃ¼hrt nicht automatisch zur Wegweisung. Die Verweigerung der VerlÃ¤ngerung einer Aufenthaltsbewilligung erfordert eine Interessenab­wÃ¤gung nach Art. 96 Abs. 1 AIG. Eine Wegweisung kann nur erfolgen, wenn sie unter BerÃ¼cksichtigung der persÃ¶nlichen und familiÃ¤ren Situation der auslÃ¤ndischen Person als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig erscheint, wobei bei einem grundsÃ¤tzlichen Anwesenheitsanspruch nach Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 AIG der GefÃ¤hrdung der sozialen Wiedereingliederung besondere Beachtung zu schenken ist. Die InteressenabwÃ¤gung kann jedoch in einem "Schritt" erfolgen. </p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Bei schweren Straftaten â namentlich solchen, die sich gegen die kÃ¶rperliche, psychische und sexuelle Integri­tÃ¤t richten oder diese gefÃ¤hrden â besteht regelmÃ¤ssig ein wesentliches Ã¶ffentliches Interesse daran, die Anwesenheit einer auslÃ¤ndischen Person zu beenden, die hochwertige RechtsgÃ¼ter verletzt oder in Gefahr gebracht hat bzw. sich von straf- und auslÃ¤nderrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lÃ¤sst und damit zeigt, dass sie auch kÃ¼nftig nicht gewillt und/oder fÃ¤hig erscheint, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten (BGr, 27. August 2015, 2C_644/2015, E. 3.2.3 mit Hinweisen). Der Grad der fortbestehenden Bedrohung ist grundsÃ¤tzlich aufgrund des bisherigen Verhaltens abzuschÃ¤tzen. Die entsprechende Gefahr setzt nicht voraus, dass eine StraftÃ¤terin bzw. ein StraftÃ¤ter mit Sicherheit wieder delinquieren wird; ebenso wenig wird umgekehrt verlangt, dass Ã¼berhaupt kein Restrisiko mehr besteht (BGr, 10. Januar 2019, 2C_314/2018, E. 3.2.2). Je schwerer die zu befÃ¼rchtende bzw. vernÃ¼nftigerweise absehbare Rechtsguts­verletzung wiegt, umso weniger ist die MÃ¶glichkeit eines RÃ¼ckfalls auslÃ¤nderrechtlich hinzunehmen (vgl. BGE 139 II 121 E. 5.3, 136 II 5 E. 4.2). </p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b>Zu berÃ¼cksichtigen ist dabei auch die spezifische Situation von StraftÃ¤terinnen und -tÃ¤tern, die â wie hier â aufgrund einer Geisteskrankheit eine stationÃ¤re Massnahme angetreten haben. Solche strafrechtlichen Massnahmen haben keine feste LÃ¤nge; die Entlassung aus dem Massnahmenvollzug erfolgt, wenn das Ziel der Massnahme erreicht ist oder nicht mehr erreicht werden kann (vgl. VGr, 23. Juli 2020, VB.2019.00636, E. 3.3.3). Das sonst ausschlaggebende Element der "LÃ¤ngerfristigkeit" der Strafe kommt damit nur begrenzt zum Tragen. Nebst anderen Elementen (lange Aufenthaltsdauer, Delinquenz als junger Erwachsener usw.) sind daher in einer solchen Situation im Rahmen der InteressenabwÃ¤gung auch eine gute Legalprognose sowie eine positive Entwicklung im Massnahmenvollzug zu berÃ¼cksichtigen, das heisst, eine allenfalls durch den Massnahmenvollzug erreichte positive PersÃ¶nlichkeitsentwicklung ist auch im auslÃ¤nderrechtlichen Verfahren relevant, weshalb entsprechenden Therapie- und Vollzugsberichten im Hinblick auf die Wegweisung eine eigenstÃ¤ndige Rolle zukommt (BGr, 10. Januar 2019, 2C_314/2018, E. 3.3; VGr, 12. MÃ¤rz 2020, VB.2020.00074, E. 4.2; VGr, 23. Juli 2020, VB.2019.00636, E. 3.3.1 ff.). </p> <p class="Erwgung2"><b>4.5 </b>Das heisst jedoch nicht, dass die MigrationsbehÃ¶rde vor dem Entscheid Ã¼ber den weiteren Aufenthalt den Massnahmenvollzug in jedem Fall abwarten muss (BGE 137 II 233 E. 5.2.3 f.; BGr, 21. September 2018, 2C_144/2018, E. 5.3). GemÃ¤ss Art. 70 Abs. 1 VZAE bleibt im Fall eines Straf- oder Massnahmenvollzugs die bisherige auslÃ¤nderrechtliche Bewilligung bis zur Entlassung aus dem Straf- oder Massnahmenvollzug gÃ¼ltig. GemÃ¤ss Abs. 2 dieser Bestimmung ist das AnwesenheitsverhÃ¤ltnis spÃ¤testens auf den Zeitpunkt der Entlassung neu zu regeln. Das Bundesgericht hielt dazu fest, dass auf eine vernÃ¼nftige zeitliche Distanz zwischen der das Aufenthaltsrecht betreffenden VerfÃ¼gung und der Entlassung aus dem Vollzug geachtet werden soll (BGE 131 II 329). Ein Zuwarten mit auslÃ¤nderrechtlichen Massnahmen bis zum Ende des Massnahmenvollzugs sei (nur) dann angezeigt, wenn die Entwicklung fÃ¼r den Entscheid massgeblich sein kÃ¶nne (BGE 137 II 233 E. 5.2.3; VGr, 23. Juli 2020, VB.2019.00636, E. 3.3.2 ff.; vgl. auch BGr, 26. MÃ¤rz 2018, 2C_401/2017).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.6 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer befindet sich seit dem 3. MÃ¤rz 2008 zur Behandlung seiner psychischen StÃ¶rung ununterbrochen im Massnahmenvollzug. Der Beschwerdegegner prÃ¼fte bereits 2010 die Wegweisung, wartete dann nach dem Rekursentscheid vom Oktober 2012 jedoch zu und verfÃ¼gte erst im 2021 erneut, nachdem die Massnahme bereits zweimal verlÃ¤ngert worden war und das JuWe am 21. September 2020 zu erkennen gab, dass eine weitere VerlÃ¤ngerung Ã¼ber das Jahr 2022 hinaus nicht sicher sei. Es liegt damit ein hinreichender zeitlicher Abstand zwischen dem Vollzug der stationÃ¤ren Massnahme seit 2008 und der am 1. MÃ¤rz 2021 ergangenen WegweisungsverfÃ¼gung vor. Die Entlassung aus dem Massnahmenvollzug ist damit nicht abzuwarten.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>GemÃ¤ss dem Urteil des Bezirksgerichts C vom 22. August 2007 wurde das Strafverfahren wegen versuchter schwerer KÃ¶rperverletzung gegen den BeschwerdefÃ¼hrer eingestellt und eine stationÃ¤re therapeutische Massnahme zur Behandlung nach Art. 59 StGB angeordnet. Der BeschwerdefÃ¼hrer war in der Nacht vom 1. September 2006 in Gegenwart seiner Tochter und Stieftochter mit zwei Messern auf seine damalige Ehefrau losgegangen und hatte sie verletzt. Nur durch das Eingreifen eines Nachbarn konnte Schlimmeres verhindert werden. Das Strafgericht ging von einer vollumfÃ¤nglichen SchuldunfÃ¤higkeit des BeschwerdefÃ¼hrers aus, da dieser sich gemÃ¤ss dem forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. med. I vom 27. Februar 2007 zum Tatzeitpunkt in einem psychotischen Wahn aufgrund einer akuten AusprÃ¤gung einer schweren paranoiden Schizophrenie befunden habe. </p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer befindet sich seit der Tat in Haft und seit dem 3. MÃ¤rz 2008, mithin seit 14 Jahren, im bereits zweimal verlÃ¤ngerten stationÃ¤ren Massnahmenvollzug in einem hoch strukturierten Behandlungssetting. Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. J vom 15. MÃ¤rz 2018 bestÃ¤tigte die Diagnose der chronisch paranoiden Schizophrenie der Gutachterin von 2007. GemÃ¤ss seiner EinschÃ¤tzung waren bisher auch hÃ¶here Dosen an Neuroleptika nicht in der Lage, die wahnhafte Problematik (GrÃ¶ssen- und Vergiftungswahn) merklich zu beeinflussen. Es sei nur eine Restabilisierung erreicht worden, sodass die wahnhaften Inhalte unter Medikation und den geschÃ¼tzten Betreuungsbedingungen nicht mehr handlungsrelevant zum Tragen kommen wÃ¼rden. Der Versuch seit 2008 im Rahmen der stationÃ¤ren Massnahme, auch psychotherapeutisch wahnhaft bedingte Denkverzerrungen zu bearbeiten, einen hÃ¶heren RealitÃ¤tsbezug zu erzielen und auch eine konkrete Deliktsbearbeitung durchzufÃ¼hren, sei nachhaltig gescheitert. Krankheitseinsicht, Problembewusstsein, Medikamentencompliance sowie rÃ¼ckfallprÃ¤ventives Wissen liessen sich nicht internalisieren, wodurch die Legalprognose durch die Schizophrenie stark belastet sei. Der BeschwerdefÃ¼hrer reagiere auf Medikamentensenkungen und -verÃ¤nderungen mit Psychosen. Nur unter geschÃ¼tzten, professionell betreuten Bedingungen und stressarmer Alltagsstrukturierung sowie bei Sicherstellung der Medikamenteneinnahme liege eine gÃ¼nstige Prognose vor. Hingegen bestehe ohne deliktprÃ¤ventive Einbettung in Freiheit eine ausgeprÃ¤gte RÃ¼ckfallgefahr fÃ¼r erneute Gewalthandlungen. Die Behandlung der Schizophrenie des BeschwerdefÃ¼hrers mÃ¼sse lebenslang erfolgen. </p> <p class="Erwgung2">Der Gutachter Dr. J empfahl aus diesen GrÃ¼nden die WeiterfÃ¼hrung der stationÃ¤ren Massnahme, welche er weiterhin als geeignet und notwendig erachtete. Zwar wÃ¤ren nÃ¤chste Lockerungsschritte denkbar, jedoch sperre sich der BeschwerdefÃ¼hrer und fordere die komplette Freiheit. Liefere dafÃ¼r aber keine realistischen Zukunftsperspektiven, sondern verweise auf seine wahnhaft verzerrten PlÃ¤ne und sei derzeit unfÃ¤hig, in einem weniger strukturierten Rahmen zu leben. Denn auch in seiner Freizeit ziehe er sich zurÃ¼ck und bleibe beschÃ¤ftigt mit seinen Wahninhalten, indem er vermeintlich chiffrierte Botschaften im italienischen Fernsehen suche. Die Aussicht, in Freiheit auf freiwilliger Basis Therapie und Medikation adÃ¤quat fortzufÃ¼hren, sei nicht gegeben. Auch eine ambulante Massnahme sei nicht zu empfehlen, nachdem medikamentÃ¶se und psychotherapeutische AnsÃ¤tze bereits ausgereizt seien, sei die Bedeutung der Sicherstellung der Medikamenteneinnahme und des stabilisierenden Betreuungssettings als hoch einzustufen. </p> <p class="Erwgung2"><b>5.3 </b>GestÃ¼tzt auf dieses Gutachten verlÃ¤ngerte das Bezirksgericht C mit Beschluss vom 20. Juni 2018 die stationÃ¤re Massnahme bis am 19. August 2022, das dagegen erhobene Rechtsmittel wurde am 25. September 2018 vom Obergericht abgewiesen. Das Bundesgericht trat am 15. November 2018 auf eine dagegen erhobene Beschwerde nicht ein (6B_1071/2018).</p> <p class="Erwgung2"><b>5.4 </b>Aus den Akten ergibt sich zur seitherigen Entwicklung Folgendes: Dem Bericht der Pension G vom 30. Januar 2019 ist zu entnehmen, dass der BeschwerdefÃ¼hrer auch unter Medikation weiterhin ein wahnhaftes Erleben zeige, daraus jedoch fÃ¼r den Alltag keine deliktrelevanten Handlungsimpulse resultieren wÃ¼rden. Sein Freizeitverhalten habe sich verbessert, zwar verfolge er immer noch auslÃ¤ndische Radio- und Fernsehsendungen und glaube dadurch Botschaften zu empfangen, er interessiere sich nun aber auch fÃ¼r Kultur und besuche Theatervorstellungen. Er habe keine MÃ¼he, die Regeln und Auflagen der Institution sowie die Tagesstruktur einzuhalten. Der BeschwerdefÃ¼hrer zeige eine imponierte psychische StabilitÃ¤t. Durch die fehlende Krankheitseinsicht gelinge es ihm jedoch nicht, eine Verbindung zwischen seiner Erkrankung und allfÃ¤lligen Delikten bzw. sozialen Problemsituationen zu erkennen. Aus dem Jahresbericht der psychiatrischen Klinik K vom 27. Mai 2019 geht hervor, dass der BeschwerdefÃ¼hrer sich gut im offenen Setting der Pension G eingelebt habe. Er nehme seine Umgebung zunehmend positiver und ihm freundlich gesinnter war. Er sei jedoch zunehmend ungeduldig und wolle endlich an die Wallstreet gehen, da dort alle Akteure (Weltbank, UNO usw.) auf ihn warten wÃ¼rden und ihn in seiner Aufgabe, die Welt gerechter zu machen und zu retten, unterstÃ¼tzen wÃ¼rden. Insgesamt sei der Behandlungsverlauf und Gesundheitszustand als unverÃ¤ndert zu bewerten. Das komplexe Wahnsystem sei grundsÃ¤tzlich omniprÃ¤sent. Wenn er beispielsweise einen Theaterbesuch mache, gehe er davon aus, dass das StÃ¼ck nur fÃ¼r ihn aufgefÃ¼hrt werde und die Leute auf dem Heimweg ihm zujubeln wÃ¼rden. In der Medikation sehe der BeschwerdefÃ¼hrer weiterhin keinen Sinn und er mÃ¶chte diese komplett absetzen. Der BeschwerdefÃ¼hrer nehme die Symptome seiner Krankheit als berauschend und lebenserfÃ¼llend wahr. Er bleibe in seiner Wahnwelt gefangen, in welcher er sich als einflussreichen Staatsmann und allseits beliebten Politiker wahrnehme. Die aktuelle Situation erklÃ¤re er sich als feindliches Gebaren des Schweizer Staates, welcher ihn blockieren wolle. Es gebe erst sehr wenige positive Anzeichen, dass er "das beeinflussende System" weniger feindlich wahrnehme. Vor dem Hintergrund der dauerhaft bestehenden erheblichen psychiatrischen Erkrankung sei eine Zukunft ohne extrinsische Kontrolle und Begleitung kaum vorstellbar und wÃ¼rde schnell zu Konflikten mit der Aussenwelt fÃ¼hren. Das Wahnsystem sei weiterhin unbeeinflussbar und es fehle vollstÃ¤ndig an Krankheitseinsicht. Am 3. Juni 2019 lehnte das JuWe daraufhin eine bedingte Entlassung aus der Massnahme ab. </p> <p class="Erwgung2"><b>5.5 </b>Dem Bericht der Pension G vom 15. Juni 2020 ist zu entnehmen, dass sich seit dem letzten Bericht keine VerÃ¤nderungen in Bezug auf die MassnahmefÃ¤higkeit und -willigkeit ergeben hÃ¤tten. Der BeschwerdefÃ¼hrer lebe weiterhin in seinem Wahnsystem und habe keine Krankheitseinsicht und keine intrinsische Medikamentencompliance. Er fÃ¼hle sich ungerecht behandelt und unschuldig eingesperrt, obwohl er die Welt retten mÃ¼sste. Die psychiatrische Klinik K schloss sich in ihrem Jahresbericht vom 16. Juni 2020 den EinschÃ¤tzungen der Verantwortlichen des Wohnheims an. Die Einbildung sei weiterhin nicht beeinflussbar und es bestehe keine Krankheitseinsicht. Es mÃ¼sse im Rahmen der VerlÃ¤ngerung der Massnahme weiterhin versucht werden, eine lÃ¤ngerfristige Akzeptanz der aktuellen Lebenssituation durch den BeschwerdefÃ¼hrer zu erarbeiten. Eine bedingte Entlassung aus der stationÃ¤ren Massnahme lehnte das JuWe am 24. Juli 2020 wiederum ab. Eine solche wurde mit VerfÃ¼gung vom 13. September 2021 zuletzt wiederum abgewiesen.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.6 </b>Wenn die Vorinstanzen mit Blick auf diese Evaluationen von einer relevanten RÃ¼ckfallgefahr bzw. einem gewichtigen Ã¶ffentlichen Interesse an der Wegweisung des BeschwerdefÃ¼hrers ausgehen, liegt darin keine Rechtsverletzung. Die bisherigen Therapien zeigen offenbar keinen wirklichen Erfolg und es kann auch keine positive Entwicklung in Aussicht gestellt werden. Das Ã¶ffentliche Interesse an der Wegweisung des BeschwerdefÃ¼hrers ist ausgewiesen. Dieses kann nur durch entsprechend gewichtige private Interessen aufgewogen werden.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.7 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer reiste im Alter von 22 Jahren in die Schweiz ein und hÃ¤lt sich hier seit 20 Jahren auf; aus der langen Anwesenheit ergibt sich ein gewichtiges Interesse an einem Verbleib in der Schweiz. Die lange Aufenthaltsdauer ist allerdings auf den Massnahmenvollzug zurÃ¼ckzufÃ¼hren und deshalb zu relativieren. Er hat sein Heimatland letztmals im August 2005 fÃ¼r drei Wochen besucht. In Nigeria leben acht oder neun Geschwister sowie zahlreiche weitere Verwandte im Gebiet L. Mit den Geschwistern steht er monatlich in telefonischem Kontakt. Seine Mutter, mit welcher er aus der Massnahme auch telefonischen Kontakt gepflegt hatte, ist zwischenzeitlich verstorben. Seitens seiner Verwandtschaft besteht offenbar kein VerstÃ¤ndnis fÃ¼r seine Situation. Der BeschwerdefÃ¼hrer hat in Nigeria 12 Jahre die Primar- und Sekundarschule besucht und anschliessend wÃ¤hrend zweier Jahre Wirtschaft studiert. Das Studium habe er aus finanziellen GrÃ¼nden abbrechen mÃ¼ssen, als sein Vater im Jahr 2000 gestorben sei. Grundeigentum in Nigeria besitzt er eigenen Angaben zufolge nicht. Aufgrund der langen Heimatabwesenheit und des letztmaligen Besuchs dort vor 17 Jahren ist von einer nicht nur leichten Heimatentfremdung auszugehen. Allerdings hielt der BeschwerdefÃ¼hrer den Kontakt zu seinen dort lebenden nÃ¤chsten Verwandten immer aufrecht, sodass davon auszugehen ist, dass er sich dort â bei Ausklammerung seiner Krankheit â grundsÃ¤tzlich wieder zurechtfinden kÃ¶nnte und ihn seine Geschwister in der sozialen und wirtschaftlichen Reintegration unterstÃ¼tzen wÃ¼rden.</p> <p class="Urteilstext">In der Schweiz hat der BeschwerdefÃ¼hrer zunÃ¤chst Sprachunterricht und einen Computerkurs besucht. Von 2004 bis 2005 hat er im Restaurant M als KÃ¼chenhilfe gearbeitet. Nach der KÃ¼ndigung im August 2005 hat er sich gemÃ¤ss Aussagen seiner ehemaligen Ehefrau stark um Arbeit bemÃ¼ht und sich wÃ¤hrend der Arbeitslosigkeit um die Tochter und Stieftochter und den Haushalt gekÃ¼mmert sowie den FÃ¼hrerschein gemacht. Ab Sommer 2005 bis zum Ausbruch der Erkrankung hat der BeschwerdefÃ¼hrer nur noch kÃ¼rzere ArbeitseinsÃ¤tze geleistet. Er bezieht seit 2008 eine volle IV-Rente. Sprachlich ist der BeschwerdefÃ¼hrer integriert. Zur Tochter und Stieftochter hatte er bis zur Tat eine enge Beziehung. Seit 2009 unterhÃ¤lt der BeschwerdefÃ¼hrer wieder einen regelmÃ¤ssigen Kontakt (mittels begleiteter Besuche) zu seiner nunmehr fast volljÃ¤hrigen Tochter. Seit 2020 kommunizieren die Tochter und der BeschwerdefÃ¼hrer auch ausserhalb der monatlichen persÃ¶nlichen Treffen mittels Telekommunikation. In einem Schreiben vom 20. Juni 2021 erwÃ¤hnte der BeschwerdefÃ¼hrer zwei Freunde. Andere direkte enge(re) Bezugspersonen hat der BeschwerdefÃ¼hrer in der Schweiz nicht. Aus familiÃ¤ren und sozialen Banden ergibt sich somit kein erhebliches privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz. Die Beziehung zur erwachsenen Tochter kÃ¶nnte auch von Nigeria aus gelebt werden. Da der BeschwerdefÃ¼hrer jedoch invalid ist und seine Rente ihm mangels Sozialversicherungsabkommen mit Nigeria nicht dorthin ausbezahlt wÃ¼rde, besteht ein sehr gewichtiges wirtschaftliches Interesse des BeschwerdefÃ¼hrers am weiteren Verbleib in der Schweiz.</p> <p class="Erwgung2"><b>5.8 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer leidet an einer schweren Form einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, die seit 15 Jahren im Kern therapieresistent ist. WÃ¼rde die Krankheit des BeschwerdefÃ¼hrers nicht weiterbehandelt werden, gehen die oben zitierten Experten einhellig davon aus, dass das Funktionieren des BeschwerdefÃ¼hrers, wie es in einem stabilisierenden Setting mit Medikation vorhanden ist, rasch zusammenbrechen und es sehr bald zu einer psychotischen Entgleisung kommen wÃ¼rde. Es wÃ¼rde dann in einem stark dynamisierenden Wahngeschehen mit paranoider Verarbeitung zu einer GefÃ¤hrdung von sich selber und anderen Personen kommen, Gewaltdelikte im sozialen Umfeld wÃ¤ren wahrscheinlich. Es ist sodann auch nicht vorstellbar, dass der BeschwerdefÃ¼hrer sein Alltagsleben selbstÃ¤ndig organisieren kann. Am 21. September 2020 hielt das JuWe gegenÃ¼ber dem Migrationsamt fest, dass der BeschwerdefÃ¼hrer dauerhaft auf ein strukturiertes, unterstÃ¼tzendes Setting angewiesen sei, unabhÃ¤ngig davon, ob er in der Schweiz verbleiben kÃ¶nne oder in sein Heimatland weggewiesen wÃ¼rde. </p> <p class="Erwgung2">Einem vom Migrationsamt beim SEM eingeholten medizinischen Consulting mit dem Titel "Nigeria: chronische paranoide Schizophrenie mit dominierendem Wahnsystem sowie weiteren, somatischen Leiden" vom 5. Januar 2021 ist zu entnehmen, dass in Nigeria auf psychiatrische Erkrankungen spezialisierte KrankenhÃ¤user bzw. Krankenabteilungen vorhanden seien. In diesen SpitÃ¤lern bestehe die MÃ¶glichkeit, psychotische Patienten zwangseinzuweisen und langdauernd, stationÃ¤r zu behandeln. Ebenso seien Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie erhÃ¤ltlich. Eine psychiatrische Behandlung im Rahmen eines betreuten Wohnens sei auf privater Basis mÃ¶glich. Allerdings hat gemÃ¤ss dem Anhang dieses Berichts die grosse Mehrheit der Nigerianerinnen und Nigerianer aus finanziellen GrÃ¼nden keinen Zugang zu einer (staatlichen) medizinischen Behandlung, da nur Personen, welche im formellen Sektor arbeiten, krankenversichert sind. Psychiatrische Behandlungen werden sodann grundsÃ¤tzlich ambulant angeboten. Eine stationÃ¤re Aufnahme von Mittellosen werde hÃ¶chstens in einer akuten Phase vorgenommen. Auch die Schweizerische FlÃ¼chtlingshilfe (SFH) schreibt in ihrem LÃ¤nderbericht betreffend die Behandlung von psychischen Erkrankungen in Nigeria vom 10. November 2017 (abrufbar auf www.fluechtlingshilfe.ch, besucht am 17. MÃ¤rz 2022), dass arme und arbeitslose Personen keinen Zugang zur staatlichen Krankenversicherung hÃ¤tten (S. 4 f.). Das SFH geht gar davon aus, dass psychiatrische Behandlungen, insbesondere Medikamente dafÃ¼r, generell nicht vom staatlichen Versicherungsschutz gedeckt seien, weil psychische Erkrankungen stigmatisiert wÃ¼rden (S. 8, 10). Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie seien sehr teuer in Nigeria (S. 10 f.; vgl. auch SFH-LÃ¤nderbericht "Nigeria: Behandlung von Schizoprenie, Asthma bronchiale Hepatitis B" vom 18. Januar 2010, S. 2). Wegen der hohen Kosten einer professionellen und medikamentÃ¶sen Behandlung einer psychischen Erkrankung sowie aus Unwissen wÃ¼rden deshalb psychisch erkrankte Personen von ihren Familienmitgliedern zu spirituellen oder traditionellen Heilern oder in sogenannte Gebetslager gebracht, wo sie oft an BÃ¤umen angekettet wÃ¼rden oder sie anderen Misshandlungen ausgesetzt seien (S. 9). </p> <p class="Erwgung2"><b>5.9 </b>Da der BeschwerdefÃ¼hrer nicht in der Lage ist, seinen Alltag selbstÃ¤ndig zu bewÃ¤ltigen und ihm seine IV-Rente nicht nach Nigeria Ã¼berwiesen wÃ¼rde, wÃ¤re es ihm nicht mÃ¶glich, ein Einkommen in Nigeria zu generieren, welches ihm den Zugang zum Gesundheitssystem ermÃ¶glichen kÃ¶nnte. Zwar verfÃ¼gt der BeschwerdefÃ¼hrer Ã¼ber zahlreiche Verwandte in Nigeria, allerdings reicht mangels Krankheitseinsicht des BeschwerdefÃ¼hrers dessen familiÃ¤re Betreuung nicht aus, um seine Schizophrenie "in Schach" zu halten. Vielmehr besteht gar fÃ¼r FamilienangehÃ¶rige die grÃ¶sste Gefahr, Teil seines Wahns und Gewaltopfer zu werden. Da seine Familie sodann weder VerstÃ¤ndnis fÃ¼r seine Krankheit aufbringt noch Ã¼ber das Geld fÃ¼r eine professionelle Behandlung in einem strukturierten Umfeld verfÃ¼gt, den BeschwerdefÃ¼hrer seit 17 Jahren nicht mehr gesehen und ihn auch noch nie krank erlebt hat sowie dieser sich nicht freiwillig behandeln lassen wÃ¼rde, ist in Nigeria eine zuverlÃ¤ssige psychiatrische Versorgung des BeschwerdefÃ¼hrers nicht realistisch. Die soziale und wirtschaftliche Reintegration in die nigerianische Gesellschaft ist deshalb als sehr stark gefÃ¤hrdet einzustufen, nachdem der BeschwerdefÃ¼hrer bei einer Wegweisung nicht auf ein professionelles Umfeld zÃ¤hlen kÃ¶nnte und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit psychotisch entgleisen wÃ¼rde. Der BeschwerdefÃ¼hrer hat damit einen Anspruch auf VerlÃ¤ngerung seiner Aufenthaltsbewilligung gestÃ¼tzt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG. </p> <p class="Erwgung2">Die dargelegten gewichtigen privaten Interessen des BeschwerdefÃ¼hrers an einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz Ã¼berwiegen die Ã¶ffentlichen Interessen, zumal der BeschwerdefÃ¼hrer bei engmaschiger Betreuung eine geringe Gefahr fÃ¼r die Gesellschaft darstellt, und vor allem finanzielle Interessen der Schweiz fÃ¼r eine Wegweisung sprechen. Die Wegweisung erweist sich als unverhÃ¤ltnismÃ¤ssig und damit rechtswidrig. Die Aufenthaltsbewilligung des BeschwerdefÃ¼hrers ist zu verlÃ¤ngern. </p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>6.1 </b>Bei diesem Ergebnis kann offenbleiben, ob der BeschwerdefÃ¼hrer auch einen Anspruch aus Art. 8 EMRK ableiten kann. </p> <p class="Erwgung2"><b><span>6.2 </span></b>Ebenso erÃ¼brigt sich bei diesem Ausgang eine RÃ¼ckweisung zur AbklÃ¤rung, ob eine Wegweisung des BeschwerdefÃ¼hrers zu dessen unmenschlicher Behandlung im Sinn von Art. 3 EMRK und Art. 25 Abs. 3 BV in Nigeria fÃ¼hren wÃ¼rde (BGr, 13. August 2018, 2D_14/2018, E. 4; BGr, 20. November 2017, 2C_136/2017, E. 5.2.1 ff.; BGr, 26. MÃ¤rz 2018, 2C_401/2017, E. 5.5 f.; Fanny de Weck/Stephanie Motz, Die Relevanz von Krankheit oder Behinderung fÃ¼r die FlÃ¼chtlingseigenschaft und fÃ¼r das Refoulement-Verbot gemÃ¤ss Art. 3 EMRK, in: Asyl 3/17, S. 9 ff.) und ob er gemÃ¤ss Art. 83 Abs. 4 AIG vorlÃ¤ufig aufzunehmen wÃ¤re (BVGr, 26. Februar 2018, E-4760/2016, E. 6.2.2 ff.; BVGr, 27. MÃ¤rz 2018, F-838/2017; BVGr, 22. August 2012, D-5708/2010; BVGr, 19. Dezember 2013, D-4612/2009, E. 4.2.3; VGr, 23. Januar 2020, VB.2019.00564, E. 7). Das Migrationsamt hat zwar einen allgemeinen Amtsbericht beim SEM eingeholt, hat es jedoch unterlassen, <span>aufgrund der konkreten UmstÃ¤nde des Falls die spezifische Gesundheitsgefahr in Nigeria fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer (durch die Schweizer Botschaft vor Ort) abklÃ¤ren zu lassen, obwohl angesichts des AusgefÃ¼hrten eine Misshandlung des BeschwerdefÃ¼hrers oder eine dramatische gesundheitliche Verschlechterung bei einer RÃ¼ckfÃ¼hrung als "real risk" erscheinen und eine</span> Entlassung in eine unstrukturierte Umgebung gemÃ¤ss den Fachberichten nicht zu verantworten ist.</p> <p class="Erwgung1"><b>7. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>7.1 </b>Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Dispositiv-Ziff. I und II des vor­instanzlichen Entscheids vom 3. Juni 2021 und die VerfÃ¼gung des Beschwerdegegners vom 1. MÃ¤rz 2021 sind aufzuheben, und der Beschwerdegegner ist anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung des BeschwerdefÃ¼hrers zu verlÃ¤ngern.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.2 </b>Der BeschwerdefÃ¼hrer erscheint sowohl im vorinstanzlichen Verfahren als auch vor Verwaltungsgericht als Ã¼berwiegend obsiegend, weshalb die Kosten des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens ausgangsgemÃ¤ss dem Beschwerdegegner aufzuerlegen sind (§ 13 Abs. 2 Satz 1 in Ver­bindung mit § 65a Abs. 2 VRG) und dieser zu verpflichten ist, dem BeschwerdefÃ¼hrer fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 2'000.- und fÃ¼r das Beschwerdeverfahren von Fr. 1'500.- (je zuzÃ¼glich Mehrwertsteuer) zu bezahlen (§ 17 Abs. 2 lit. a VRG). Die ParteientschÃ¤digungen sind direkt dem Rechtsvertreter des BeschwerdefÃ¼hrers auszurichten und an dessen EntschÃ¤digung als unentgeltlichen Rechtsbeistand anzurechnen. </p> <p class="Erwgung2">Damit werden die Gesuche des BeschwerdefÃ¼hrers um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung fÃ¼r das Rekurs- und Beschwerdeverfahren gegenstandslos. </p> <p class="Erwgung2">Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung fÃ¼r das Beschwerdeverfahren ist angesichts der ausgewiesenen Mittellosigkeit des BeschwerdefÃ¼hrers und unter BerÃ¼cksichtigung des Verfahrensausgangs gutzuheissen (§ 16 Abs. 1 f. VRG). Demnach ist dem BeschwerdefÃ¼hrer in der Person seines Rechtsvertreters ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.</p> <p class="Erwgung2">GemÃ¤ss § 9 Abs. 1 der GebÃ¼hrenverordnung des Verwaltungsgerichts vom 3. Juli 2018 (LS 175.252) wird der unentgeltlichen Rechtsvertretung der notwendige Zeitaufwand nach den StundenansÃ¤tzen des Obergerichts fÃ¼r die amtliche Verteidigung entschÃ¤digt, wobei die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses berÃ¼cksichtigt und Barauslagen separat entschÃ¤digt werden. Die EntschÃ¤digung betrÃ¤gt nach § 3 der Verordnung Ã¼ber die AnwaltsgebÃ¼hren vom 8. September 2010 (LS 215.3) seit dem 1. Januar 2015 in der Regel Fr. 220.- pro Stunde.</p> <p class="Erwgung2">Der Rechtsvertreter des BeschwerdefÃ¼hrers macht einen Aufwand von insgesamt 11 Stunden und 40 Minuten sowie Auslagen im Betrag von Fr. 35.80 geltend. <span>Der geltend gemachte Aufwand ist angemessen.</span></p> <p class="Erwgung2">Unter Anrechnung der ParteientschÃ¤digung ist der Rechtsvertreter des BeschwerdefÃ¼hrers demnach fÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Verfahren mit insgesamt Fr. 1'187.36 (inklusive Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschÃ¤digen.</p> <p class="Erwgung2"><b>7.3 </b>Es gilt den BeschwerdefÃ¼hrer auf § 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 16 Abs. 4 VRG aufmerksam zu machen, wonach eine Partei, der unentgeltliche Rechtsvertretung gewÃ¤hrt wurde, Nachzahlung leisten muss, sobald sie dazu in der Lage ist. Der Anspruch des Kantons verjÃ¤hrt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens.</p> <p class="Erwgung1"><b>8. </b> </p> <p class="Urteilstext"><span>Zur Rechtsmittelbelehrung des nachstehenden Dispositivs ist Folgendes zu erlÃ¤utern: Soweit ein Anwesenheitsanspruch des BeschwerdefÃ¼hrers geltend gemacht wird, ist die Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) zulÃ¤ssig (BGr, 5. September 2016, 2C_1151/2015, E. 1). Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde gemÃ¤ss Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</span></p> <p class="Einzug1"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Dispositiv-Ziff. I und II des Entscheids der Sicherheitsdirektion vom 3. Juni 2021 und die VerfÃ¼gung des Beschwerdegegners vom 1. MÃ¤rz 2021 werden aufgehoben. Der Beschwerdegegner wird angewiesen, die Aufenthaltsbewilligung des BeschwerdefÃ¼hrers zu verlÃ¤ngern.</span></p> <p class="Einzug2"><span>In AbÃ¤nderung von Dispositiv-Ziff. III des Entscheids der Sicherheitsdirektion </span><span>vom 3. Juni 2021 </span><span>werden die Rekurskosten dem Beschwerdegegner auferlegt und wird das Gesuch um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung als gegenstandslos geworden abgeschrieben. </span></p> <p class="Einzug2"><span>In AbÃ¤nderung von Dispositiv-Ziff. IV und V des Entscheids der Sicherheitsdirektion </span><span>vom 3. Juni 2021 </span><span>ist der Beschwerdegegner zu verpflichten, Rechtsanwalt B fÃ¼r das Rekursverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 2'154.- (inklusive Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Diese ParteientschÃ¤digung ist an die EntschÃ¤digung als unentgeltlicher Rechtsvertreter anzurechnen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>2. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'500.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'570.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner auferlegt.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. </span><span>Das Gesuch um unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung fÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Ver­fahren wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben, jenes um unentgeltliche Rechtsvertretung gutgeheissen und Rechtsanwalt B dem BeschwerdefÃ¼hrer als unentgeltlicher Rechtsvertreter beigegeben.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, Rechtsanwalt B fÃ¼r das Beschwerdeverfahren eine ParteientschÃ¤digung von Fr. 1'615.50 (inklusive Mehrwertsteuer) zu bezahlen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Rechtsanwalt B wird unter Anrechnung der ParteientschÃ¤digung fÃ¼r das Beschwerdeverfahren mit Fr. </span><span>1'187.35 (inklusive Mehrwertsteuer) entschÃ¤digt. </span><span>Die Nachzahlungspflicht des BeschwerdefÃ¼hrers bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Gegen dieses Urteil kann im Sinn der ErwÃ¤gungen Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>