<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">375</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>V. Waffenrecht</b></span><br/> <span class="ft3"><b>80</b></span> <span class="ft3"><b>Art. 2 Abs. 1, 8 Abs. 1, 26 Abs. 1 und 29 Abs. 1 lit. a WG</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Waffenerwerbsschein; Verknüpfung mit einer Auflage betreffend</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Waffenaufbewahrung</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Waffenerwerbsscheine lassen sich grundsätzlich mit Auflagen oder</b></span><br/> <span class="ft3"><b>anderen Nebenbestimmungen verknüpfen; dabei können etwa Aufla-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gen betreffend Waffenaufbewahrung auch auf bereits im Besitz der</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gesuchstellenden Person stehende Waffen ausgeweitet werden.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Bei Gefährdungssituationen im nahen räumlichen und/oder persönli-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Umfeld der gesuchstellenden Person sind soweit möglich mil-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dere Sicherungsmassnahmen als eine Waffenaufbewahrung ausser-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>halb des betroffenen Umfelds anzuordnen.</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Polizeiliche Waffen bleiben von rein waffenrechtlichen Anordnungen</b></span><br/> <span class="ft3"><b>ausgenommen. Insbesondere über die Aufbewahrung von polizeili-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>chen Waffen befindet alleine die gemäss Polizeirecht jeweils zustän-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>dige Polizeibehörde, d.h. hinsichtlich Waffen auswärtiger Polizeibe-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hörden im Kanton Aargau die zuständige ausserkantonale Polizeibe-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>hörde.</b></span><br/> <span class="ft5">Aus dem Entscheid des Regierungsrats vom 16. August 2017 i.S. S.S.-B.</span><br/> <span class="ft5">gegen die Verfügung der Fachstelle SIWAS der Kantonspolizei Aargau</span><br/> <span class="ft5">(RRB Nr. 2017-000840).</span><br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft7">3. Waffenerwerbsschein und Nebenbestimmungen</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">3.2 Zulässigkeit von Nebenbestimmungen</span><br/> <span class="ft7">Aufgrund der vorstehend dargelegten Rechtsnatur des Waffen-</span><br/> <span class="ft7">erwerbsscheins ist entgegen der Meinung der beschwerdeführenden</span><br/> <span class="ft7">Person auch von keiner Bedingungs- und Auflagenfeindlichkeit der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">376</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">zugrundeliegenden polizeilichen Bewilligung auszugehen. Vielmehr</span><br/> <span class="ft7">dienen derartige Nebenbestimmungen dazu, die durch eine Verfü-</span><br/> <span class="ft7">gung begründeten verwaltungsrechtlichen Pflichten und Rechte ent-</span><br/> <span class="ft7">sprechend den konkreten Umständen auszugestalten, um den Beson-</span><br/> <span class="ft7">derheiten des Einzelfalls besser gerecht zu werden. Eine bedeutende</span><br/> <span class="ft7">Rolle spielen die Nebenbestimmungen somit insbesondere bei der</span><br/> <span class="ft7">Erteilung von Bewilligungen. Nebenbestimmungen sind gerechtfer-</span><br/> <span class="ft7">tigt, falls die Bewilligung verweigert werden könnte, wenn sie ohne</span><br/> <span class="ft7">Auflagen oder Bedingungen erlassen werden müsste. Auf diese</span><br/> <span class="ft7">Weise dient die Verbindung einer Verfügung mit einer Nebenbestim-</span><br/> <span class="ft7">mung dem Verhältnismässigkeitsprinzip: Eine Bewilligung wird</span><br/> <span class="ft7">nicht verweigert, sondern es wird stattdessen die mildere Massnahme</span><br/> <span class="ft7">- Erteilung einer Bewilligung in Verbindung mit einer Nebenbestim-</span><br/> <span class="ft7">mung - angeordnet, sofern dies das Gesetzmässigkeitsprinzip zulässt</span><br/> <span class="ft7">(U</span><span class="ft5">LRICH</span> <span class="ft7">H</span><span class="ft5">ÄFELIN</span><span class="ft7">/G</span><span class="ft5">EORG</span> <span class="ft7">M</span><span class="ft5">ÜLLER</span><span class="ft7">/F</span><span class="ft5">ELIX</span> <span class="ft7">U</span><span class="ft5">HLMANN</span><span class="ft7">, Allgemeines</span><br/> <span class="ft7">Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N. 906 f.).</span><br/> <span class="ft7">Entgegen der Ansicht der beschwerdeführenden Person lässt</span><br/> <span class="ft7">sich die Bewilligung zum konkret nachgesuchten Waffenerwerb</span><br/> <span class="ft7">nicht nur mit fortwirkenden Nebenbestimmungen verbinden. Erge-</span><br/> <span class="ft7">ben sich bei der Prüfung des konkreten Waffenerwerbsgesuchs Um-</span><br/> <span class="ft7">stände, die einen entsprechenden Anordnungsbedarf auch für wei-</span><br/> <span class="ft7">tere, bereits im Besitz der gesuchstellenden Person stehende Waffen</span><br/> <span class="ft7">begründen, lassen sich die vorgesehenen Nebenbestimmungen auch</span><br/> <span class="ft7">auf diese Waffen ausweiten. Das konkrete Waffenerwerbsgesuch bil-</span><br/> <span class="ft7">det diesbezüglich nur den auslösenden Anlass. Dies bringt mit sich,</span><br/> <span class="ft7">dass im Rahmen der konkret nachgesuchten Bewilligung dieselben</span><br/> <span class="ft7">Umstände auch für weitere Waffen berücksichtigt werden können,</span><br/> <span class="ft7">die bei früheren Waffenerwerben noch nicht bekannt waren bezie-</span><br/> <span class="ft7">hungsweise in ihrer grundsätzlichen Bedeutung für den Waffenbesitz</span><br/> <span class="ft7">noch nicht berücksichtigt wurden. Eine entsprechende Ausweitung</span><br/> <span class="ft7">der angeordneten Nebenbestimmungen ist somit nicht nur möglich,</span><br/> <span class="ft7">sondern je nach Umständen geradezu zwingend.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/> <span class="ft7">4. Konkrete Auflage betreffend Waffenaufbewahrung</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">377</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">4.2.2</span><br/> <span class="ft7">Mit Art. 26 des Bundesgesetzes über Waffen, Waffenzubehör</span><br/> <span class="ft7">und Munition (Waffengesetz, WG) vom 20. Juni 1997 hat der Ge-</span><br/> <span class="ft7">setzgeber ausdrücklich Sorgfaltspflichten für Waffenbesitzende sta-</span><br/> <span class="ft7">tuiert. Demgemäss sind Waffen, wesentliche Waffenbestandteile,</span><br/> <span class="ft7">Waffenzubehör, Munition und Munitionsbestandteile sorgfältig</span><br/> <span class="ft7">aufzubewahren und vor dem Zugriff unberechtigter Dritter zu schüt-</span><br/> <span class="ft7">zen (Abs. 1). Der Gesetzgeber hat allerdings davon abgesehen, das</span><br/> <span class="ft7">erforderliche Mass der Sorgfalt allgemein zu definieren oder Vorkeh-</span><br/> <span class="ft7">rungen zu nennen, mit welchen die beiden genannten gesetzlichen</span><br/> <span class="ft7">Anforderungen zu erfüllen sind. Eine eigentliche rechtsatzmässige</span><br/> <span class="ft7">Spezifizierung besteht denn auch nur für Seriefeuerwaffen und für zu</span><br/> <span class="ft7">halbautomatischen Feuerwaffen umgebaute Seriefeuerwaffen, deren</span><br/> <span class="ft7">Verschlüsse getrennt von der übrigen Waffe verschlossen aufzube-</span><br/> <span class="ft7">wahren sind (Art. 47 Abs. 1 der Verordnung über Waffen, Waffen-</span><br/> <span class="ft7">zubehör und Munition, Waffenverordnung, WV, vom 2. Juli 2008).</span><br/> <span class="ft7">Im Falle der Erteilung einer Ausnahmebewilligung für verbotene</span><br/> <span class="ft7">Waffen kann die Bewilligungsbehörde überdies ausdrücklich Aufla-</span><br/> <span class="ft7">gen machen, so auch bezüglich der Aufbewahrung; dies folgt aus der</span><br/> <span class="ft7">Kontrollbestimmung gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. a WG. All diese</span><br/> <span class="ft7">Bestimmungen widerspiegeln den in Art. 1 Abs. 1 WG formulierten</span><br/> <span class="ft7">Zweck der Bekämpfung des Waffenmissbrauchs. Dementsprechend</span><br/> <span class="ft7">ist auch der Besitz Regelungsgegenstand des Gesetzes (Art. 1 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">WG in der seit 12. Dezember 2008 geltenden Fassung). Dabei spielt</span><br/> <span class="ft7">die Regelung zur sorgfältigen Aufbewahrung eine zentrale Rolle.</span><br/> <span class="ft7">Eine unsorgfältige und gesetzeswidrige Aufbewahrung erleichtert</span><br/> <span class="ft7">den Übergang von der legalen zur illegalen Waffe. Aufbewahrungs-</span><br/> <span class="ft7">mängel tangieren insbesondere die waffenrechtlichen Erwerbs-</span><br/> <span class="ft7">voraussetzungen nach Art. 8 ff. WG. Dies legt nahe, den Auf-</span><br/> <span class="ft7">bewahrungspflichten eine nicht bloss marginale Bedeutung, sondern</span><br/> <span class="ft7">ein besonderes Gewicht einzuräumen (BGE 6B_884/2013 vom</span><br/> <span class="ft7">9. Oktober 2014, Erw. 3.3.2).</span><br/> <span class="ft7">Waffenbesitzende haben demzufolge grundsätzlich abhängig</span><br/> <span class="ft7">von ihrer persönlichen Wohn- und Beziehungssituation sowie den</span><br/> <span class="ft7">konkreten örtlichen Gegebenheiten sicherzustellen, dass ihre Waffen</span><br/> <span class="ft7">in Relation zu ihrer konkreten Situation sicher aufbewahrt und vor</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">378</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">dem Zugriff unberechtigter Dritter geschützt sind: Damit sind für</span><br/> <span class="ft7">Waffenbesitzende mit Kindern im Haushalt beziehungsweise in einer</span><br/> <span class="ft7">Wohngemeinschaft oder mit psychisch angeschlagenen Hausgenos-</span><br/> <span class="ft7">sinnen und -genossen andere und strengere Sorgfaltsmassstäbe anzu-</span><br/> <span class="ft7">wenden als für alleine lebende Personen in einem Einzelhaushalt</span><br/> <span class="ft7">ohne nähere persönliche Beziehungen. Jede Konstellation ist somit</span><br/> <span class="ft7">als Einzelfall zu beurteilen, so dass auch individuell über Art und</span><br/> <span class="ft7">Mass der erforderlichen Sorgfalt zu entscheiden ist (S</span><span class="ft5">TEFAN</span> <span class="ft7">M</span><span class="ft5">IORI</span><span class="ft7">,</span><br/> <span class="ft7">Waffenrecht in der Praxis der Strafverfolgung; in: Sicherheit &amp;</span><br/> <span class="ft7">Recht, 1/2017, Ziffer II. 3.8).</span><br/> <span class="ft7">4.2.3</span><br/> <span class="ft7">Von den vorbeschriebenen waffenrechtlichen Regelungen aus-</span><br/> <span class="ft7">genommen bleiben grundsätzlich die in Art. 2 WG vorbehaltenen Be-</span><br/> <span class="ft7">reiche. So sind gemäss Art. 2 Abs. 1 WG insbesondere die Polizeibe-</span><br/> <span class="ft7">hörden ausdrücklich vom Anwendungsbereich des Waffengesetzes</span><br/> <span class="ft7">ausgeschlossen. Als Polizeibehörden sind alle Organe, welche durch</span><br/> <span class="ft7">Gesetz mit der Erfüllung polizeilicher Aufgaben betraut sind, zu ver-</span><br/> <span class="ft7">stehen (Kantons- und Stadtpolizei, Bahnpolizei usw.). Dieser Vorbe-</span><br/> <span class="ft7">halt bedeutet allerdings nicht, dass das Waffengesetz auf Angehörige</span><br/> <span class="ft7">der Polizeibehörden überhaupt keine Wirkung haben könnte. Viel-</span><br/> <span class="ft7">mehr soll das Waffengesetz gemäss der bundesrätlichen Botschaft</span><br/> <span class="ft7">zum Waffengesetz vom 24. Januar 1996 für Angehörige der</span><br/> <span class="ft7">Polizeibehörden Anwendung finden, sofern es sich um eine Waffen-</span><br/> <span class="ft7">verwendung zu privaten Zwecken handelt (vgl. BBl 1996 I S. 1057).</span><br/> <span class="ft7">Grundsätzlich sind für den Polizeibereich jedoch die diesbezüglichen</span><br/> <span class="ft7">Spezialbestimmungen anwendbar, wodurch das Waffengesetz keine</span><br/> <span class="ft7">Geltung erlangt, es sei denn, das Polizeirecht verweise ausdrücklich</span><br/> <span class="ft7">darauf.</span><br/> <span class="ft7">Für die im vorliegenden Verfahren interessierende Frage der</span><br/> <span class="ft7">Waffenaufbewahrung hat dies zur Konsequenz, dass zwischen den</span><br/> <span class="ft7">privaten Waffen sowie den Waffen als Bestandteile der persönlichen</span><br/> <span class="ft7">Ausrüstung der Polizeiangehörigen (kurz: den polizeilichen Waffen)</span><br/> <span class="ft7">zu unterscheiden ist. So sind je nach Rechtsnatur der betroffenen</span><br/> <span class="ft7">Waffen verschiedene Zuständigkeiten und Verfahren zu berücksich-</span><br/> <span class="ft7">tigen. Während der Entscheid über die Aufbewahrung von Waffen im</span><br/> <span class="ft7">Geltungsbereich des Waffengesetzes im Kanton Aargau in den Zu-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">379</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">ständigkeitsbereich des aargauischen Polizeikommandos fällt, ist ab-</span><br/> <span class="ft7">weichend hievon in Bezug auf polizeiliche Waffen abzuklären, ob es</span><br/> <span class="ft7">sich um Waffen aargauischer oder auswärtiger Polizeibehörden han-</span><br/> <span class="ft7">delt. Während über die Aufbewahrung von Waffen der aargauischen</span><br/> <span class="ft7">Polizeibehörden im Kanton Aargau die hierfür zuständige Stelle der</span><br/> <span class="ft7">aargauischen Polizeibehörden zu entscheiden hat, bleibt hinsichtlich</span><br/> <span class="ft7">der Aufbewahrung von Waffen auswärtiger Polizeibehörden im Kan-</span><br/> <span class="ft7">ton Aargau grundsätzlich die jeweilige ausserkantonale Polizeibe-</span><br/> <span class="ft7">hörde zuständig. Demgemäss ist für die in einem konkreten Fall zu</span><br/> <span class="ft7">regelnde Waffenaufbewahrung jeweils bei der betreffenden ausser-</span><br/> <span class="ft7">kantonalen Polizeibehörde der Antrag zu stellen, über die Aufbewah-</span><br/> <span class="ft7">rung der ausserkantonalen Polizeiwaffe zu befinden.</span><br/> <span class="ft7">4.3 Konkrete Beurteilung</span><br/> <span class="ft7">4.3.1</span><br/> <span class="ft7">Gemäss den vorstehenden Ausführungen zu den rechtlich</span><br/> <span class="ft7">zulässigen Aufbewahrungsauflagen ist es der Fachstelle Sicherheits-</span><br/> <span class="ft7">dienste Waffen und Sprengmittel (SIWAS) als Bewilligungsbehörde</span><br/> <span class="ft7">grundsätzlich zugestanden, im Rahmen der von ihr beurteilten</span><br/> <span class="ft7">Waffenerwerbsbewilligung auch über entsprechende Nebenbestim-</span><br/> <span class="ft7">mungen zu befinden. Die von ihr vorliegend vorgenommene Ver-</span><br/> <span class="ft7">knüpfung zwischen der erteilten Waffenerwerbsbewilligung und der</span><br/> <span class="ft7">zusätzlich angeordneten Aufbewahrungsauflage erweist sich auch als</span><br/> <span class="ft7">sachlich kohärent, hätte die nachgesuchte Bewilligung aufgrund der</span><br/> <span class="ft7">vorliegenden Gefährdungssituation im Haushalt der beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">renden Person ansonsten gar nicht erteilt werden können. Zwar ha-</span><br/> <span class="ft7">ben sich bei der beschwerdeführenden Person selber keine Hinde-</span><br/> <span class="ft7">rungsgründe für den Waffenbesitz feststellen lassen. Entgegen der</span><br/> <span class="ft7">Meinung der beschwerdeführenden Person hat aufgrund der nach wie</span><br/> <span class="ft7">vor in Frage stehenden Waffenbesitzfähigkeit des Ehepartners (...)</span><br/> <span class="ft7">jedoch ein ausreichender Anlass für eine die öffentliche und persön-</span><br/> <span class="ft7">liche Sicherheit gewährleistende Anordnung bestanden. Dies gilt ins-</span><br/> <span class="ft7">besondere, da das Gewaltpotential des Ehepartners aufgrund der</span><br/> <span class="ft7">nicht durchgeführten psychiatrischen Begutachtung bisher nicht ab-</span><br/> <span class="ft7">schliessend geklärt werden konnte. (...)</span><br/> <span class="ft7">Angesichts der bestehenden Lebens- und Wohngemeinschaft</span><br/> <span class="ft7">lässt sich das beim Ehepartner der beschwerdeführenden Person er-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">380</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">kannte Gefährdungspotenzial auch nicht - wie behauptet - einfach</span><br/> <span class="ft7">auf diesen und seine Waffen eingrenzen. Die sehr grosse persönliche</span><br/> <span class="ft7">und räumliche Nähe zum Ehepartner macht es vielmehr notwendig,</span><br/> <span class="ft7">dass auch die Waffen der beschwerdeführenden Person, und zwar</span><br/> <span class="ft7">grundsätzlich sämtliche, möglichst aus dessen unmittelbaren Herr-</span><br/> <span class="ft7">schaftsbereich entfernt werden. Mit einer die Waffenaufbewahrung</span><br/> <span class="ft7">betreffenden Auflage kann dies zweifellos für alle Betroffenen am</span><br/> <span class="ft7">einfachsten gewährleistet werden. Aus Sicht der gefährdeten Sicher-</span><br/> <span class="ft7">heit erweist sich eine derartige Aufbewahrungsauflage somit als das</span><br/> <span class="ft7">geeignete Mittel. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verlangt</span><br/> <span class="ft7">allerdings, dass die zu treffenden Anordnungen stets auch auf das er-</span><br/> <span class="ft7">forderliche Mass beschränkt bleiben. Gemäss einem neuen Entscheid</span><br/> <span class="ft7">vom 12. Juni 2017 betreffend eine analoge Wohn- sowie Ge-</span><br/> <span class="ft7">fährdungssituation erachtete es das Verwaltungsgericht sogar als an-</span><br/> <span class="ft7">gemessen, die Auflage zu erteilen, dass keine Waffen im gemeinsa-</span><br/> <span class="ft7">men Haushalt aufbewahrt werden dürfen und dem Lebenspartner zu-</span><br/> <span class="ft7">dem der Zugriff zu verwehren sei. Aufgrund der besonderen Situa-</span><br/> <span class="ft7">tion im vorliegenden Fall erachtet der Regierungsrat eine Waffenauf-</span><br/> <span class="ft7">bewahrung ausserhalb des gemeinsamen Haushalts vorliegend je-</span><br/> <span class="ft7">doch als nicht zwingend erforderlich, wird der beschwerdeführenden</span><br/> <span class="ft7">Person doch gerade keine von ihr selber ausgehende Gefährdung der</span><br/> <span class="ft7">Sicherheit vorgeworfen und lässt sich das mit dem Verbot ange-</span><br/> <span class="ft7">strebte Ziel (vorübergehend sollen keine Waffen in den Herr-</span><br/> <span class="ft7">schaftsbereich des Ehepartners der beschwerdeführenden Person ge-</span><br/> <span class="ft7">langen) auch mit einer milderen Massnahme erreichen. Dementspre-</span><br/> <span class="ft7">chend lässt es sich rechtlich nicht beanstanden, wenn von der be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführenden Person als Angehörige einer Kantonspolizei ver-</span><br/> <span class="ft7">langt wird, innerhalb des gemeinsamen Haushalts für eine sichere</span><br/> <span class="ft7">und vor allem zugriffsfreie Waffenaufbewahrung zu sorgen. Die im</span><br/> <span class="ft7">angefochtenen Entscheid enthaltene Anordnung, sämtliche Waffen</span><br/> <span class="ft7">der beschwerdeführenden Person in einem abschliessbaren Waffen-</span><br/> <span class="ft7">schrank aufzubewahren, sowie die ergänzende Verpflichtung, dafür</span><br/> <span class="ft7">besorgt zu sein, dass der Ehepartner zu diesem Waffenschrank keinen</span><br/> <span class="ft7">Zugriff habe, vermag der Anforderung an eine erforderliche Mass-</span><br/> <span class="ft7">nahme somit zu genügen. Gemäss der Fachstelle SIWAS ist eine si-</span><br/> <span class="ft7">chere Aufbewahrung von Waffen letztlich auch nur in einem ab-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">381</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">schliessbaren Schrank möglich. Insbesondere Waffenschränke eignen</span><br/> <span class="ft7">sich nämlich besonders gut als Diebstahlsschutz und zum Schutz vor</span><br/> <span class="ft7">dem unbefugten Zugriff durch Drittpersonen, insbesondere auch in</span><br/> <span class="ft7">Bezug auf Mitbewohnerinnen und Mitbewohner im selben Haushalt</span><br/> <span class="ft7">(...). Überdies entspricht die angeordnete Waffenaufbewahrung of-</span><br/> <span class="ft7">fenbar auch den bisherigen Verhältnissen, gibt die beschwerdefüh-</span><br/> <span class="ft7">rende Person doch selber an, ihre Waffen schon heute in einem mit</span><br/> <span class="ft7">Zahlenschloss versehenen Waffenschrank aufzubewahren, um Unbe-</span><br/> <span class="ft7">rechtigten einen Zugriff auf die Waffen zu verunmöglichen (...).</span><br/> <span class="ft7">Nach dem Gesagten ist die Beschwerde (...) auch insoweit ab-</span><br/> <span class="ft7">zuweisen, als damit verlangt wird, die streitgegenständliche Auflage</span><br/> <span class="ft7">als solche wegen fehlender gesetzlicher Grundlage beziehungsweise</span><br/> <span class="ft7">wegen fehlendem Anordnungsgrund aufzuheben.</span><br/> <span class="ft7">4.3.2</span><br/> <span class="ft7">Ist nach den vorstehenden Ausführungen die verfügte Auf-</span><br/> <span class="ft7">bewahrungsauflage als grundsätzlich rechtmässig einzustufen, ver-</span><br/> <span class="ft7">hält es sich indessen anders, soweit in die betreffende Auflage auch</span><br/> <span class="ft7">die Dienstwaffe der beschwerdeführenden Person einbezogen wird.</span><br/> <span class="ft7">Zwar ist es nachvollziehbar, dass die Fachstelle SIWAS versuchte,</span><br/> <span class="ft7">mit dem Einbezug der Polizeiwaffe dem Sicherheitsfaktor vorliegend</span><br/> <span class="ft7">umfassend Rechnung zu tragen. Wie die Fachstelle SIWAS selber</span><br/> <span class="ft7">(...) zutreffend feststellt, erfolgte deren Beschaffung jedoch nicht</span><br/> <span class="ft7">nach der Waffengesetzgebung, sondern beruht auf den Bestimmun-</span><br/> <span class="ft7">gen und Reglementen der Kantonspolizei X (...). Das Tragen der</span><br/> <span class="ft7">Dienstwaffe zum privaten Wohnort und die Aufbewahrung aus-</span><br/> <span class="ft7">serhalb des Arbeitskantons sei denn auch durch einen Entscheid des</span><br/> <span class="ft7">Polizeikommandanten gutgeheissen worden und werde durch die</span><br/> <span class="ft7">Kantonspolizei Aargau toleriert. Gemäss den vorstehenden allgemei-</span><br/> <span class="ft7">nen Ausführungen bleibt für die vorliegend fragliche Dienstwaffe</span><br/> <span class="ft7">und deren sichere Aufbewahrung (insbesondere ausserhalb des Herr-</span><br/> <span class="ft7">schaftsbereichs des Ehepartners) somit grundsätzlich weiterhin die</span><br/> <span class="ft7">Polizeibehörde des Kantons X zuständig. Die Dienstwaffe der be-</span><br/> <span class="ft7">schwerdeführenden Person ist somit - wie (...) verlangt - von der</span><br/> <span class="ft7">angeordneten Aufbewahrungsauflage auszunehmen. Gleichzeitig ist</span><br/> <span class="ft7">beim Polizeikommando des Kantons X jedoch der Antrag zu stellen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">382</span></div> <div class="page" id="S8"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">über eine der vorliegenden Situation angemessene Aufbewahrung der</span><br/> <span class="ft7">ausserkantonalen Polizeiwaffe zu befinden.</span><br/> <span class="ft7">Nach dem Gesagten ist die Beschwerde (...) insoweit gut-</span><br/> <span class="ft7">zuheissen, als die Dienstwaffe aus der streitgegenständlichen Auflage</span><br/> <span class="ft7">herausgelöst und der Entscheid über eine der vorliegenden Situation</span><br/> <span class="ft7">angemessene Aufbewahrung der hierfür zuständigen Kantonspolizei</span><br/> <span class="ft7">X überlassen wird.</span><br/> <span class="ft7">(...)</span><br/></div> </div> </body> </html>