<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 20 S.71</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Strafprozessrecht</span> <span class="page_no">71</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>V. Strafprozessrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft3"><b>20</b></span> <span class="ft3"><b>§ 52 Abs. 1 Satz 2 StPO.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>Entscheide der Strafverfolgungsbehörden können nur dann dem Ermitt-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>lungs- und Untersuchungsverfahren zugerechnet werden und damit unter</b></span><br/> <span class="ft3"><b>§ 52 Abs. 1 Satz 2 StPO fallen, wenn sie tatsächlich auch in diesen Ver-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>fahren ergangen sind. Das Entschädigungsverfahren nach § 140 Abs. 3</b></span><br/> <span class="ft3"><b>StPO gehört eindeutig nicht mehr zur Untersuchung, sondern ist ein</b></span><br/> <span class="ft3"><b>daran anschliessendes eigenes Verfahren. Im Entschädigungsverfahren</b></span><br/> <span class="ft3"><b>gelten demnach die Gerichtsferien (Änderung der Rechtsprechung).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Aus dem Entscheid des Obergerichts, Beschwerdekammer in Strafsachen,</span><br/> <span class="ft4">vom 7. September 2000 i.S. Staatsanwaltschaft ca. B.G.M.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft6">1. a) Die Staatsanwaltschaft verweist in ihrem Entscheid auf</span><br/> <span class="ft6">AGVE 1990 Nr. 27, wo ausgeführt wird, sämtliche Entscheide der</span><br/> <span class="ft6">Strafverfolgungsbehörden (Staatsanwaltschaft, Bezirksämter, gericht-</span><br/> <span class="ft6">liche Polizei und Gemeindepolizei im Dienste der gerichtlichen Poli-</span><br/> <span class="ft6">zei) würden als im Ermittlungs- und Untersuchungsverfahren erlas-</span><br/> <span class="ft6">sen gelten, bzw. seien diesen zuzuordnen, weshalb nach dem klaren</span><br/> <span class="ft6">Wortlaut von § 52 Abs. 1 Satz 2 StPO keine Gerichtsferien gelten</span><br/> <span class="ft6">würden. Dies sei auch deshalb der Fall, weil solche Entscheidungen</span><br/> <span class="ft6">keine Entscheide des Gerichts im gerichtlichen Verfahren seien, für</span><br/> <span class="ft6">welche die ZPO in der Regelung des Fristenlaufs die Gerichtsferien</span><br/> <span class="ft6">vorsehe. § 52 StPO lasse demnach die Gerichtsferien nur für die</span><br/> <span class="ft6">Anfechtung von Entscheiden des Richters in gerichtlichen Verfahren</span><br/> <span class="ft6">zu. Es könne an der bisherigen Rechtsprechung, die für Beschwerden</span><br/> <span class="ft6">gegen Entschädigungsentscheide und Einstellungsverfügungen der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">72</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft6">Staatsanwaltschaft die Gerichtsferien habe gelten lassen (AGVE</span><br/> <span class="ft6">1972 Nr. 44, 1975 Nr. 44), nicht festgehalten werden.</span><br/> <span class="ft6">b) Die Auffassung, sämtliche Entscheidungen der Strafverfol-</span><br/> <span class="ft6">gungsbehörden hätten als im Ermittlungs- und Untersuchungsverfah-</span><br/> <span class="ft6">ren erlassen zu gelten, und die Geltung der Gerichtsferien sei auch</span><br/> <span class="ft6">im Strafprozess nur bei Entscheiden des Gerichts in gerichtlichen</span><br/> <span class="ft6">Verfahren vorgesehen, ist nicht in allen Teilen richtig. Auf der einen</span><br/> <span class="ft6">Seite können die Entscheide der Strafverfolgungsbehörden nur dann</span><br/> <span class="ft6">dem Ermittlungs- oder Untersuchungsverfahren zugerechnet werden</span><br/> <span class="ft6">und damit unter § 52 Abs. 1 Satz 2 StPO fallen, wenn sie tatsächlich</span><br/> <span class="ft6">auch im Ermittlungs- oder Untersuchungsverfahren ergangen sind.</span><br/> <span class="ft6">Auf der anderen Seite werden in § 52 Abs. 1 Satz 2 StPO die Ge-</span><br/> <span class="ft6">richtsferien nur im Ermittlungs- und Untersuchungsverfahren sowie</span><br/> <span class="ft6">in Haftfällen ausgeschlossen, und deren Geltung nicht auf das ge-</span><br/> <span class="ft6">richtliche Verfahren beschränkt. Das Obergericht hat denn auch fest-</span><br/> <span class="ft6">gehalten, dass die 20-tägige Einsprachefrist im Strafbefehlsverfahren</span><br/> <span class="ft6">während der Gerichtsferien still stehe (Entscheid der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft6">kammer vom 6. April 1994 i.S. W.A.M., S. 3 Erw. 1; vom 3. April</span><br/> <span class="ft6">1997 i.S. R.G., S. 3 Erw. 1).</span><br/> <span class="ft6">Währenddem die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft</span><br/> <span class="ft6">die Untersuchung beendet und folglich im Sinne von § 52 Abs. 1</span><br/> <span class="ft6">Satz 2 StPO noch dem Untersuchungsverfahren zugerechnet werden</span><br/> <span class="ft6">kann, auch wenn es sich um keine eigentliche Untersuchungshand-</span><br/> <span class="ft6">lung mehr handelt, so gehört das Entschädigungsverfahren nach</span><br/> <span class="ft6">§ 140 Abs. 3 StPO eindeutig nicht mehr zur Untersuchung, sondern</span><br/> <span class="ft6">ist ein daran anschliessendes eigenes Verfahren. An der Auffassung</span><br/> <span class="ft6">von AGVE 1990 Nr. 27, auch in einem solchen Entschädigungsver-</span><br/> <span class="ft6">fahren würden keine Gerichtsferien gelten, kann demnach nicht fest-</span><br/> <span class="ft6">gehalten werden.</span><br/></div> </div> </body> </html>