Abteilung III C-3174/2008 {T 0/2} U r t e i l v o m 8 . J u n i 2 0 0 9 Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiber Daniel Brand. K._______, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Verweigerung der Einreisebewilligung in Bezug auf I._______. B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandC-3174/2008 Sachverhalt: A. Die aus Thailand stammende I._______ (geb. 1966, nachfolgend: Gesuchstellerin bzw. Eingeladene) beantragte am 30. Januar 2008 bei der Schweizerischen Botschaft in Bangkok die Erteilung eines Einreisevisums für die Dauer von drei Monaten. Als Zweck der be- absichtigten Reise gab sie in einem Begleitschreiben gleichen Datums an, ihren im Kanton Bern wohnhaften Freund, den Schweizerbürger K._______ (nachfolgend: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) besu- chen zu wollen. Nach formloser Verweigerung übermittelte die Schweizerische Vertre- tung das Gesuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz. Gleichzeitig wies sie unter anderem darauf hin, die Eingeladene sei geschieden und verfüge über keine feste Anstellung. Ihren Freund habe sie in einem (Nacht-)Lokal kennen gelernt, in welchem sie als Bardame gearbeitet habe. B. Nachdem die Migrationsbehörde des Kantons Bern beim Gastgeber weitere Abklärungen vorgenommen und – mit negativer Stellungnah- me – an das BFM weitergeleitet hatte, wies die Vorinstanz das Einrei- segesuch mit Verfügung vom 17. April 2008 ab. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, es bestünde nicht genügend Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt. Erfah- rungsgemäss würden insbesondere Touristen- und Besuchervisa im- mer wieder von Personen, welche sich hier dauerhaft aufhalten möch- ten, für eine erleichterte Einreise in die Schweiz missbraucht. Die Ge- suchstellerin stamme aus einer Region, aus welcher der Zuwande- rungsdruck als Folge der dort herrschenden wirtschaftlichen und so- ziokulturellen Verhältnisse bekanntermassen nach wie vor stark anhal- te. Ihr selbst oblägen weder zwingende berufliche oder gesellschaftli- che Verpflichtungen noch familiäre Verantwortlichkeiten, die gegebe- nenfalls Gewähr für eine fristgerechte Rückkehr bieten könnten. C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 10. Mai bzw. 29. Mai 2008 beantragt der Be schwerdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des gewünschten Besuchervisums. Zur Begründung macht er, unter Hinweis auf die eingereichten Beweismittel, sinnge- Seite 2C-3174/2008 mäss geltend, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, die Wieder- ausreise der Gesuchstellerin nach einem Besuchsaufenthalt wäre nicht gesichert, lebe doch seine Freundin, die seit über zehn Jahren von ihrem thailändischen Ehemann geschieden sei, mit ihrem Sohn bei ihren Eltern in Hausgemeinschaft. Zusammen mit diesen bewirt- schafte sie als Reisbäuerin und Rinderzüchterin einen mittelgrossen Landwirtschaftsbetrieb. Ihr Sohn besuche in Udon Thani ein Internat, absolviere eine Ausbildung als KV-Lehrling und kehre jeweils an den Wochenenden sowie in den Schulferien nach Hause zurück. Ihre Auf- gaben auf dem elterlichen Betrieb sowie ihre Verantwortung in der Fa- milie machten eine Rückkehr der Eingeladenen nach Thailand absolut zwingend. Es treffe zu, dass er seine Freundin in einem Touristenort kennen gelernt habe. Es sei üblich, dass Frauen und Männer aus der Region Udon Thani während der dreimonatigen Trockenzeit in den Touristenzentren arbeiten würden. Die Gesuchstellerin habe jedoch nicht in einem Bar-, sondern in einem Hotelbetrieb gearbeitet. Der Be- schwerdeführer weist schliesslich darauf hin, in casu handle es sich nicht um eine kurze, oberflächliche Ferienbekanntschaft, sondern um eine über Jahre gewachsene, ernsthafte Beziehung. D. Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 4. Juli 2008 auf Abweisung der Beschwerde und führt im Weitern aus, die geltend ge- machten Verpflichtungen in Familie und elterlichem Landwirtschaftsbe- trieb hielten die Gesuchstellerin offensichtlich nicht davon ab, für volle drei Monate in die Schweiz reisen zu wollen. Überdies lebe der Be- schwerdeführer seit gut einem Jahr getrennt von seiner thailändischen Ehefrau, welche 1999 ebenfalls mit einem Besuchervisum in die Schweiz eingereist sei. E. Mit Replik vom 8. August 2008 hält der Beschwerdeführer vollumfäng- lich an seinen Begehren fest und wendet im Wesentlichen ein, es sei ungerecht und diskriminierend, dass beispielsweise Brasilianer, ob arm oder reich, problemlos ein Einreisevisum erhielten, währenddem Personen aus Thailand ein solches verweigert werde, bloss weil sie aus einer "armen" Gegend stammten. Zudem sei es kaum im Interesse der (Schweizer-)Behörden, dass vorerst eine Eheschliessung in Thai- land erfolgen müsse, um eine Einreisebewilligung zu erhalten. Seite 3C-3174/2008 F. Auf den weiteren Akteneinhalt wird, sofern rechtserheblich, in den Er- wägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht – un- ter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen – Beschwer- den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De - zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wur- den. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM betreffend Verweige- rung der Einreisebewilligung, welche vom Bundesverwaltungsgericht endgültig beurteilt werden (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsge- setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be- schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts- erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be- schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge- mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge- bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent- scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur- teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003). Seite 4C-3174/2008 3. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie alle anderen Staa- ten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Auslän- dern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Ver- pflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189). 4. Der Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Genehmigung und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU über die Assoziierung an Schengen und an Dublin (SR 362) wurde in der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 angenommen. Die entsprechenden Assoziierungsabkommen (darunter das Abkom- men vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenos- senschaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemein- schaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, An- wendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 de- finitiv in Kraft getreten. Durch die Übernahme des Schengen-Besitz- standes wurden im Bundesgesetz vom 16. De zember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) entsprechende An- passungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestim- mungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun- gen enthält). Im Weiteren ist die Verordnung vom 24. Oktober 2007 über das Einreise- und Visumverfahren (VEV, AS 2007 5537) total revi- diert worden (vgl. Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204]). Art. 57 VEV sieht vor, dass hängige Verfahren nach dem neuen, übergeordneten (Schen- gen-)Recht fortgeführt werden. 5. 5.1 Bezüglich der Einreisevoraussetzungen für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung (EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (Schengener Grenzkodex [SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein- Seite 5C-3174/2008 reisevoraussetzungen für Drittstaatsangehörige. Diese benötigen zur Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys- tem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli- che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied- staats darstellen (Bst. d und e). 5.2 Die Einreisevoraussetzungen gemäss Schengener Grenzkodex entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge- planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle ei- nes nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederausrei- se Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im natio- nalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Wi- derspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüberge- henden Aufenthaltszwecks stellt nämlich zugleich eine Absichtserklä- rung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent- haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je- weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf- enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne äussert sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die diplomatischen Missionen und die konsularischen Vertretungen, die von Berufskonsularbeamten geleitet werden (GKI, ABl. C 326 vom 22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI verlangt hinsichtlich des Entscheids über den Visumsantrag die Ein- schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An- tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit Hilfe eines zu Touristik-, Studien-, Geschäfts- bzw. zu Familienbe- suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie- derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10). Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele- ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf- gelistet. Seite 6C-3174/2008 5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist somit festzuhalten, dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder- ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 6. Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi- sumspflicht von Drittstaatsangehörigen vor. Die Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I und II, welche jeweils eine Liste von Drittländern enthalten. In An- hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni- gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be- freit sind. Als Staatsangehörige von Thailand unterliegt die Gesuch- stellerin damit der Visumspflicht. 7. 7.1 Zur Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu lassen sich in der Re- gel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Voraussagen machen. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 7.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Lage im Herkunftsland der Besuche- rin oder des Besuchers ergeben. Die Gesuchstellerin stammt aus Thailand. Die Wirtschaft dieses Lan- des hat sich zwar nach der Asienkrise von 1997/98 überraschend schnell erholt. Das Wachstum des Bruttoinlandproduktes zog von 2001 (2.2 %) bis 2003 (7.1 %) respektive 2004 (6.3 %) stark an. In den Jah- ren 2005 bis 2007 verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum jedoch mit einer Wachstumsrate von 4.5 %, 5.1 % und 4.8 %, was auf die in- nenpolitische Unsicherheit, aufkommende Gewalt in den vier süd- lichsten Provinzen des Landes und Auswirkungen des verheerenden Tsunami von 2004 zurückzuführen ist (Quelle: U.S. Departement of State, <http://www.state.gov>, Travel > Countries and Regions > Back- ground Notes > Thailand, Stand: Januar 2009, besucht im Mai 2009). Seite 7C-3174/2008 Die grundsätzlich ermutigende wirtschaftliche Entwicklung kann aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass nach wie vor breite Be- völkerungsschichten von vergleichsweise schwierigen ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen betroffen sind. Das Bruttoinlandpro- dukt (BIP) pro Kopf betrug im Jahre 2007 nur gerade USD 3'732, im Jahr 2008 schätzungsweise USD 4'099 (Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, <http://www.seco.admin.ch>, Themen > Aussenwirt- schaft > Länderinformationen > Asien/Ozeanien > Thailand, Stand: März 2009, besucht im Mai 2009). Angaben zur im Nordosten Thailands und nahe der Grenze zu Laos liegenden Provinz Udon Thani, aus welcher die Gesuchstellerin stammt, können dem Thailand Human Development Report 2007, der vom United Nations Development Programme (UNDP) erstellt wird, entnommen werden. Um den Stand der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der verschiedenen Provinzen Thailands aufzuzeigen, wer- den im Human Achievement Index die Entwicklungsaspekte Gesund- heit, Ausbildung, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Lebensraum, Familien- und Gemein schaftsleben, Transport und Kommunikation sowie Mitwir- kung in verschiedene – von "sehr hoch" bis "sehr tief" reichende – Ka- tegorien eingeteilt. Bezüglich Udon Thani sind die meisten der genann- ten Bereiche auf einem tiefen Niveau angesiedelt, unter ihnen auch der Entwicklungsaspekt Einkommen. Ein Grund dafür dürfte im hohen Anteil ländlicher Bevölkerung liegen, einer Bevölkerungsgruppe, wel- che in der Regel weniger verdient als Personen, die in den Städten le- ben (vgl. Thailand Human Development Report 2007 auf der Website des United Nations Development Programme (UNDP), Human Development Reports > Reports > National Reports > Thailand, <http://www.undp.org>, Stand November 2007, besucht im Mai 2009). Rund die Hälfte der Fläche der Provinz Udon Thani ist landwirtschaft- lich genutzt. Der Landwirtschaftssektor bietet jedoch lediglich eine be- grenzte Anzahl Arbeitsplätze; für viele bleibt deshalb nur die Emigrati- on, weshalb auch Udon Thani zu den Auswanderungsprovinzen Thai- lands gehört. Auf nationaler Ebene emigrierten im Jahr 2006 ungefähr zwei Millionen Menschen aus den ländlichen Gebieten (vgl. Bangkok Post, The hardships of economic migration, 28. Dezember 2008). 7.3 Der Beschwerdeführer bestreitet denn auch nicht, dass seine Freundin aus einer ärmeren Region Thailands stammt, bezeichnet es jedoch als diskriminierend, wenn nur auf dieses Kriterium abgestellt werde. Überdies sei es ungerecht, wenn beispielsweise brasilianische Seite 8C-3174/2008 Staatsangehörige offenbar ungeachtet ihrer Einkommenssituation problemlos ein Einreisevisum erhielten. Dem letztgenannten Argument ist entgegen zu halten, dass brasiliani- sche Staatsangehörige für einen höchstens dreimonatigen Besuchs- aufenthalt im Schengenraum keines Visums bedürfen (vgl. Anhang II der erwähnten Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001) und daher nicht zum Vergleich herangezogen werden können. Hingegen ist dem Beschwerdeführer insofern beizupflichten, als es in der Tat zu schematisch und nicht haltbar wäre, generell und ohne spe- zifische Anhaltspunkte, ausschliesslich aufgrund der politischen und/oder wirtschaftlichen Situation im Heimatland auf eine nicht hinrei- chend gesicherte Wiederausreise zu schliessen. Im Rahmen einer Ge- samtwürdigung können jedoch aus der allgemeinen Lage im Her- kunftsland und der Zuwanderungssituation Anhaltspunkte zur Beurtei- lung der fristgerechten Wiederausreise gewonnen werden. So können insbesondere Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen darauf hindeuten, dass die persönliche In- teressenlage in solchen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht. 7.4 Neben solchen allgemeinen Umständen und Erfahrungen sind bei der Risikoanalyse auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles in Betracht zu ziehen. Obliegt einem Gesuchsteller bzw. einer Gesuchstellerin im Heimatstaat beispielsweise eine besondere berufli- che, gesellschaftliche oder familiäre Verpflichtung, kann dieser Um- stand durchaus die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine der erwähnten Verpflichtungen haben, die sie von einer möglichen Emigration abhalten könnten, aufgrund entsprechender Erfahrungen das Risiko eines fremdenpolizeilich nicht vorschriftsgemässen Verhal- tens (nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch ein- geschätzt werden. 8. 8.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 43-jährige, ge- schiedene Frau, welche zusammen mit ihren Eltern – und zeitweise auch mit ihrem Sohn – in Hausgemeinschaft lebt. Obwohl sie damit insbesondere gegenüber ihrem Sohn, der sich offenbar noch in Ausbil- dung befindet, gewisse Pflichten haben dürfte, kann von einer beson- Seite 9C-3174/2008 deren familiären Verantwortung in casu nicht gesprochen werden. Der Umstand, dass nicht bloss ein Aufenthalt in der Schweiz von einigen Wochen, sondern gleich von drei Monaten angestrebt wird, lässt nicht ohne weiteres darauf schliessen, die Präsenz der Gesuchstellerin sei für die Belange ihrer Familie unverzichtbar; aufgrund der Aktenlage ist eher davon auszugehen, die von ihr geleistete Unterstützung und Be- treuung des Sohnes, welcher sich ohnehin während der Woche in ei- nem Internat befindet, könne durchaus für längere Zeit auch auf ande- re Weise sichergestellt werden. Im Übrigen zeigt die Erfahrung, dass zurückbleibende Familienmitglieder gerade in Situationen angespann- ter wirtschaftlicher Verhältnisse nicht verlässlich davon abhalten kön- nen, den Entschluss für eine Emigration zu fällen. Im Gegenteil, der Entscheid kann dabei von der Hoffnung getragen sein, die Zurückge- bliebenen aus dem Ausland wirtschaftlich effizienter unterstützen oder gegebenenfalls später nachziehen zu können. 8.2 Die wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen sich die Gesuchstelle- rin befindet, lassen ebenfalls nicht auf eine günstige Prognose bezüg- lich einer gesicherten Wiederausreise schliessen. So soll sie auf dem Landwirtschaftsbetrieb ihrer Eltern mithelfen und jeweils während der dreimonatigen Trockenzeit einer nicht näher bezeichneten (befristeten) Erwerbstätigkeit in einem Hotelbetrieb in einer Touristenregion Thai- lands nachgehen. Nicht anzunehmen ist, dass sich aus dem fraglichen Gutsbetrieb – auch für lokale Verhältnisse – ein gutes Einkommen er- wirtschaften lässt, wies doch der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 5. November 2007 gegenüber der Schweizervertretung darauf hin, er unterstütze seine Freundin mit monatlichen Geldbeiträgen, da- mit sie und ihre Familie mehr Geld zum Leben hätten. Vor diesem Hin- tergrund müssen die Beteuerungen auf Beschwerdeebene, wonach genügend Garantien für eine fristgerechte Wiederausreise vorhanden seien, als nicht ausschlaggebend bezeichnet werden. Im Übrigen heg- te auch die Schweizerische Vertretung in Bangkok, welche mit den so- zialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen im Herkunftsstaat der Gesuchstellerin gut vertraut ist und sich somit durchaus ein Bild der Einreisewilligen machen kann, grosse Bedenken bezüglich der an- standslosen Wiederausreise und verweigerte formlos die Einreisebe- willigung. Für die Rüge des Beschwerdeführers, wonach die Schwei- zervertretung bei der Entgegennahme und Behandlung des Einreise- gesuches nicht korrekt gehandelt habe, ergeben sich aus den Akten keine Hinweise. Seite 10C-3174/2008 8.3 Vor dem aufgezeigten persönlichen und allgemeinen Hintergrund durfte die Vorinstanz daher zu Recht davon ausgehen, die Wiederaus- reise der Gesuchstellerin sei im Sinne der massgeblichen Bestimmun- gen nicht gesichert. An der Richtigkeit dieser Einschätzung ändert auch die Tatsache nichts, dass der Beschwerdeführer die rechtzeitige Rückkehr seiner Freundin zugesichert hat, denn eine solche Garantie ist trotz bester und ehrlicher Absichten nicht möglich bzw. rechtlich nicht durchsetzbar. Gastgeber können zwar für gewisse finanzielle Ri- siken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber – mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit – für ein bestimm- tes Verhalten ihrer Gäste garantieren (vgl. anstelle vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-2618/2008 vom 26. Februar 2009 E. 11 und C-8300/2007 vom 19. November 2008 E. 5.3). Der (durchaus ver- ständliche) Wunsch des Beschwerdeführers, der eingeladenen Freun- din sein Lebensumfeld in der Schweiz zeigen zu können, hat demnach in den Hintergrund zu treten. Auch die weiteren Ausführungen auf Be- schwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer von der Vorinstanz ab- weichenden rechtlichen Würdigung zu gelangen. 9. Aus den dargelegten Gründen ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das öffentliche Interesse sowie die Beachtung der gel- tenden Bestimmungen entsprechend gewichtete und der Gesuchstel- lerin die Einreise verweigerte. Die angefochtene Verfügung verletzt kein Bundesrecht. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde richtig und vollständig festgestellt, und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Er- messen pflichtgemäss und zutreffend gehandhabt (Art. 49 VwVG). Die Be schwerde ist demzufolge abzuweisen. 10. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird der unterliegende Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfah- renskosten sind auf Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). Dispositiv Seite 12 Seite 11C-3174/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Sie werden mit dem am 30. Mai 2008 geleisteten Kostenvor- schuss verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: - den Beschwerdeführer (Einschreiben) - die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. [...] retour) - den Migrationsdienst des Kantons Bern Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand: Seite 12