B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3776/2014 U r t e i l v o m 4 . S e p t e m b e r 2 0 1 4 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Sylvie Cossy, Richter Thomas Wespi, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren (…), B._______, geboren (…), C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), E._______, geboren (…), F._______, geboren (…), G._______, geboren (…), Afghanistan, (…), Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisung); Verfügung des BFM vom 4. Juni 2014 / N (…). D-3776/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Sohn der Beschwerdeführenden, H._______, kam am 6. Mai 2012 am Flughafen Zürich an und st ellte dort am folgenden Tag ein Asyl- gesuch. A.b Am 10. Mai 2012 wurde er vom BFM am Flughafen im Beisein der ihm beigeordneten Vertrauensperson zu seinen Asylgründen befragt. Er gab an, er sei einige Monate nach seiner Geburt von Afghanistan in den Iran gezogen. Dort sei er aufgrund seiner Herkunft und seiner Religion er- niedrigt worden. Seine Eltern hielten sich zurzeit in Griechenland auf. Sei- ne Familie habe dort ein Asylgesuch gestellt und er habe einen roten Aus- weis erhalten. Sie lebten seit vier Jahren in Griechenland und hätten noch keinen Asylentscheid erhalten. Sein Vater habe in Afghanistan Feinde, zwei Onkel seien umgebracht worden und seine Grosseltern seien g e- storben, als ihr Haus von einer Rakete getroffen worden sei. Sein Vater sei einige Monate später angeschossen worden, wonach er mit der Fami- lie in den Iran gegangen sei. A.c Das BFM bewilligte H._______ am 14. Mai 2012 die Einreise in die Schweiz. B. B.a Die Beschwerdeführenden stellten bei der schweizerischen Botschaft in Griechenland am 19. Juni 2012 für sich und ihre drei minderjährigen Kinder ein Gesuch um Familiennachzug zu ihrem in der Schweiz weile n- den Sohn H._______. B.b Mit Verfügung vom 8. Oktober 2012 bewilligte das BFM den B e- schwerdeführenden und ihren drei Kindern die Einreise in die Schweiz. C. C.a Am 1. Dezember 2012 reisten die Beschwerdeführenden, Tadschiken mit letztem Wohnsitz im Heimatland in Kabul, in die Schweiz ein, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. C.b Bei der Befragung zur Person (BzP) vom 14. Dezember 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten sagte d er Beschwerdefüh- rer, er habe Afghanistan im Jahr 1997 verlassen und sei seither nicht mehr dorthin zurückgekehrt. Bis zirka im September 2008 habe er im Iran gelebt. Sie hätten über Ausländerausweise verfügt, die sie alle sechs Mo-D-3776/2014 Seite 3 nate hätten verlängern lassen müssen. Man habe nach einem Erlass ihre Ausweise eingezogen und habe sie aufgefordert, sich neue Ausweise ausstellen zu lassen. Sie hätten trotz Bezahlung der Gebühr keine Au s- wiese erhalten und sein Arbeitgeber sei mit Strafe bedroht worden, falls er ihn weiterhin illegal beschäftige. Im Oktober 2008 sei er mit seiner F a- milie nach Griechenland gelangt. 1993 seien seine Eltern beim Einschlag einer Rakete in ihr Haus umgekommen. 1995 seien zwei seiner Brüder am selben Tag ermordet worden. Da er in Afghanistan Militärdienst geleis- tet habe, hätten die Mudjahedin verlangt, dass er bei ihnen diene. Nach- dem er abgelehnt habe, seien seine beiden Brüder ermordet worden. Sie hätten ihn zu Hause aufgesucht und auf ihn geschossen , als er geflohen sei. Er sei am Bein getroffen worden und anschliessend zwei Wochen im Spital gewesen. In gesundheitlicher Hinsicht schilderte der Beschwerd e- führer, er leide unter Herzproblemen, seit einer seiner Brüder in Athen bei einem Unfall ums Leben gekommen sei. Aufgrund der Einnahme von Tab- letten habe er während seines Aufenthalts in Griechenland fast alle Zä h- ne verloren. C.c Die Beschwerdeführerin gab bei der BzP vom 14. Dezember 2012, die im Empfangs - und Verfahrenszentrum Altstätten durchgeführt wurd e, an, sie habe Afghanistan verlassen, weil die Mudjahedin ihren Ehemann hätten ermorden wollen. Den Iran habe sie verlassen, weil sie sich vor e i- ner Festnahme und einer Deportation nach Afghanistan gefürchtet habe. C.d Mit Schreiben vom 11. Juni 2013 liessen die Beschwerdeführenden durch ihre damalige Rechtsvertreterin mitteilen, der Beschwerdeführer habe sich ab dem 22. April 2013 stationär in der Psychiatrischen Klinik (…) aufgehalten. Dem Schreiben lag ein Bericht der Psychiatrischen Dienste I._______ vom 17. Mai 2013 bei. Am 14. November 2013 wurde ein weiterer den Beschwerdeführer betreffender Bericht der Psychiatr i- schen Dienste I._______ vom 11. November 2013 übermittelt. C.e Am 30. Mai 2014 hörte das BFM die Beschwerdeführenden zu ihren Asylgründen an. C.e.a Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, zwei sei- ner Brüder seien unter dem Regime von Najibullah höhere Offiziere g e- wesen. Er habe Militärdienst geleistet und in einem (…) gearbeitet. Sie – seine Brüder und er – seien über seinen Vater aufgefordert worden, auf Seiten der Mudjahedin gegen die "Russen" zu kämpfen. Seine Brüder hätten nach der Machtergreifung durch die Mudjahedin ihre Offiziersste l-D-3776/2014 Seite 4 lung verloren und seien von den Truppen von J._______ (nachfolgend J._______) getötet worden. Man habe ih nen vorgeworfen, sie seien Kommunisten. Zirka ein Jahr nach dem Tod seiner Brüder hätten die Mu- djahedin von J._______ ihr Haus überfallen; als er geflohen sei, sei er am Bein angeschossen worden. Ein Nachbar habe ihm Unterschlupf gewährt und ein Bruder habe ihn in ein Spital gebracht, wo er zwölf Tage gewesen sei. Man habe einen Schlepper organisiert, der ihn in den Iran gebracht habe. Die Gruppe von J._______ sei in K._______ an der Macht; sie h a- be dort die Ländereien seiner Familie konfisziert. Sein Schwiegervater habe von J._______-Gefolgsleuten einen Brief erhalten, in dem dem B e- schwerdeführer und seinem Bruder mit dem Tod gedroht worden sei. C.e.b Die Beschwerdeführerin sagte aus, sie habe in der Heimat keine Probleme gehabt. Sie habe wegen ihre s Ehemannes ausreisen müssen. Als ihr Haus überfallen worden sei, sei sie von einem der Angreifer mit dem Gewehr bedroht und aufgefordert worden, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Nach dem Überfall auf das Haus sei sie zu ihrem Va- ter gegangen. C.e.c Der Sohn der Beschwerdeführenden, L._______, gab unter ande- rem an, sein Vater könne nicht nach Afghanistan zurückkehren. Er selbst ersuche um Asyl, um eine bessere Zukunft zu haben. C.e.d Der Sohn der Beschwerdeführenden, M._______, sagte unter an- derem aus, er sei nie in Afghanistan gewesen. Er wisse nichts von den Problemen, die sein Vater in der Heimat gehabt habe. C.f Die Beschwerdeführenden gaben in Griechenland ausgefertigte Arz t- berichte, die den Beschwerdeführer betreffen, zu den Akten (act. B26). D. Mit Verfügung vom 4. Juni 2014 – eröffnet am folgenden Tag – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Zugleich verfügte es ihre Wegwe i- sung aus der Schweiz. Da es den Vollzug der Wegweisung als zurzeit un- zumutbar einstufte, ordnete es die vorläufige Aufnahme der Beschwerd e- führenden an. E. Die Beschwerdeführenden beantragten mit Eingabe an das Bundesve r- waltungsgericht vom 2. Juli 2014 (Poststempel 7. Juli 2014) die Aufhe- bung der ang efochtenen Verfügung hinsichtlich der Ablehnung des Asy l-D-3776/2014 Seite 5 gesuchs und der Anordnung der vorläufigen Aufnahme. Es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und auf die Erhebu ng eines Kostenvorschusses zu verzichten. Der Eingabe lagen zwei Bestätigungen der Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführenden vom 2. Juli 2014 bei. F. Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltl i- chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs . 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2014 gut. Die Akten überwies er zur Vernehmlassung an das BFM. G. Am 23. Juli 2014 wurde den Beschwerdeführenden der Sohn N._______ geboren. H. Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 24. Juli 2014 die Ab- weisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht brachte den Beschwerdeführenden die Vernehmlassung am 25. Juli 2014 zur Kenn t- nis. I. Das BFM teilte den Beschwerdeführenden am 7. August 2014 mit, die Verfügung über die Wegweisung und die vorläufige Aufnahm e gelte auch für ihren in der Schweiz geborenen Sohn N._______. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde un d entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d D-3776/2014 Seite 6 Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwer- deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3 Der nach Erlass der angefochtenen Verfügung geborene Sohn N._______ ist in das Beschwerdeverfahren mit einzubeziehen. 2. 2.1 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbes timmungen zur Änderung vom 14. Dezember 2012 des Asylgesetzes gilt für die im Zeitpunkt des Inkraf t- tretens der Änderung vom 14. Dezember 2012 dieses Gesetzes hängigen Verfahren mit Ausnahme der Absätze 2–4 das neue Recht. 2.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flü chtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i-D-3776/2014 Seite 7 chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder m assgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 4.1.1 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass aufgrund der glaubhaften Ausführungen zum Überfall auf das Haus des Beschwerd e- führers davon auszugehen sei, dass er Opfer eines Übergriffs geworden sei. Es könne indessen nicht geglaubt werden, dass J._______ dahinter gesteckt habe, da seine Schilderungen widersprüchlich und unsubstanz i- iert ausgefallen seien. So habe der Beschwerdeführer nicht übereinstim- mend geschildert, ob er nachträglich Anspruch auf die konfiszierten Lä n- dereien erhoben habe. Zuerst habe er gesagt, er habe nichts machen können, da er sonst getötet worden wäre. Darauf hingewiesen, dass J._______ somit keinen Grund mehr gehabt hätte, gegen ihn vorzuge- hen, habe er geltend gemacht, er habe Anspruch auf die Ländereien e r- hoben. Er habe auch zum Zeitpunkt, zu dem die Ländereien konfisziert worden seien, widersprüchliche Angaben gemacht. Bei der Anhörung h a- be er gesagt, dies sei geschehen, nachdem er sich geweigert habe, für die Gruppe von J._______ zu kämpfen (1988) . Zu einem späteren Zei t- punkt in der Anhörung habe er angegeben, die Ländereien seien 1981 beschlagnahmt worden. Er hätte die Felder wieder bewirtschaften kö n- nen, falls er sich der Gruppe von J._______ angeschlossen hätte. 4.1.2 Die Beschwerdeführerin habe ausgesagt, der Beschwerdeführer sei einmal nach seiner Hochzeit bedroht worden, während dem der B e- schwerdeführer angegeben habe, nach 1989 keinerlei Kontakt mehr mit J._______ gehabt zu haben und nach seiner Hochzeit nicht mehr bedroht worden zu sein. 4.1.3 Schliesslich habe der Beschwerdeführer unterschiedliche Angaben dazu gemacht, wie er im Iran erfahren habe, dass sein Schwiegervater ein gegen ihn gerichtetes Drohschreiben erhalten habe. Zuerst habe er gesagt, er habe dies von der Beschwerdeführerin erfahren, danach habe er behauptet, er habe es direkt vom Schwiegervater erfahren. 4.1.4 Das BFM schliesse eine Urheberschaft von J._______ für den Übergriff auf das Haus der Beschwerdeführenden aus. Da in Kabul 1996 eine bürgerkriegsähnliche Situation bestanden habe, könne davon au s- gegangen werden, dass der Übergriff darin begründet gelegen habe. Dies D-3776/2014 Seite 8 vermöge indessen nicht eine Anerkennung als Flüchtling zu begründen. Angesichts der langen Abwesenheitsdaue r sei davon auszugehen, dass eine allfällig bestandene Verfolgungssituation heute nicht mehr existiere. Somit hätten die Beschwerdeführenden keine begründete Furcht vor Ve r- folgung. 4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Erlebnisse der B e- schwerdeführenden in Afghanistan lägen etliche Jahre zurück, so dass sie sich nicht mehr an Details erinnern könnten. Zudem sei der B e- schwerdeführer daran erkrankt, er habe sich schon in Griechenland in psychiatrische Behandlung begeben müssen. Die Medikamente, die er einnehmen müsse, beeinträchtigten sein Erinnerungsvermögen. Ausser J._______ habe seine Familie keine Feind e gehabt, und dieser habe die ganze Familie zerstören wollen. Sein Schwiegervater halte sich zurzeit in Pakistan auf und habe versprochen, den Drohb rief zu senden, wenn er sich wieder in Afghanistan aufhalte. Entgegen der Auffassung des BFM bestehe für die Beschwerdeführenden noch immer die konkrete Gefahr, von J._______ verfolgt und getötet zu werden. 5. 5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchende n grundsätzlich dann, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesen t- lichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbe h- ren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wider- sprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbri n- gen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesam t- würdigung die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.). D-3776/2014 Seite 9 5.2 Der Beschwerdeführer machte geltend, seine Familie sei mit der Mud- jahedin-Gruppe von J._______ verfeindet gewesen, weil seine Brüder und er nicht auf deren Seite hätten kämpfen wollen. Seine Eltern seien 1993 bei einem Raketeneinschuss in ihr Haus getötet worden, zwei se i- ner Brüder seien von d en Mudjahedin von J._______ 1995 ermordet worden. Der Beschwerdeführer konnte indessen keine konkreten Ang a- ben zu den Urhebern dieser Taten machen. Seinen Angaben gemäss wurden seine Brüder und er im Jahr 1989 indirekt aufgefordert, auf Seiten der Mudjahed in zu kämpfen. Da sie sich geweigert hätten, habe J._______ die Ländereien des Vaters des Beschwerdeführers beschla g- nahmt, der sich danach nicht mehr nach K._______ gewagt habe. D a- nach hätten sie zu dieser Gruppe keinen Kontakt mehr gehabt (act. A23/15 S. 7 f.). Die Frage, weshalb er wisse, dass seine Brüder von J._______-Truppen getötet worden seien, beantwortete er dahingehend, dass sie keine anderen Feinde gehabt hätten (act. A23/15 S. 8). Auch seine Auffassung, die J._______-Truppen seien für den Tod seiner Eltern verantwortlich, da diese deren Haus unter Beschuss genommen hätten, begründete er einzig damit, dass sie ausser diesen Truppen keine and e- ren Feinde gehabt hätten (act. A23/15 S. 9). Der Beschwerdeführer über- sieht dabei, dass verschiedene Urheber für die Übergriffe auf seine A n- gehörigen in Frage kommen könnten, da in Afghanistan Bürgerkrieg herrschte und zahlreiche Menschen ums Leben kamen, ohne einer g e- zielten Verfolgung ausgesetzt gewesen zu sein. Seinen Angaben gemäss habe seine Familie bereits seit dem Jahr 1981 ihre Felder nicht mehr bestellen können (act. A23/15 S. 10). Abgesehen davon, dass der B e- schwerdeführer sich widersprüchlich dazu äusserte, ob seine Familie je versucht habe, wieder in den Besitz der Ländereien zu kommen (act. A23/15 S. 10 f.), gab er an, dass dies nach dem Fall des Regimes Naji- bullah im Jahr 1991 nicht mehr möglich gewesen sei, weshalb seine Vermutung, J._______ habe verhindern wollen, dass seine Familie die Ländereien wieder für sich beanspruche (act. A23/15 S. 10), nicht zu überzeugen vermag. Da der Beschwerdeführer keine Anhaltspunkte dafür geben kann, dass die Truppen von J._______ das Haus seiner Eltern ge- zielt beschossen hätten, kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass J._______ hinter dem Angriff stand, zumal damals nicht nur das Haus der Eltern, sondern die Stadt Kabul b e- schossen wurde (act. A23/15 S. 10). Das Haus der Eltern kann demnach durchaus zufällig getroffen worden sein, zumal nicht auf der Hand liegt, dass die für J._______ ungefährlichen Eltern Jahre nach der Beschla g- nahmung des Landes durch Beschuss mit Raketen hätten umgebracht werden sollen. Da der Beschwerdeführer auch für die Urheberschaft der D-3776/2014 Seite 10 Ermordung seiner beiden Brüder im Jahr 1995 keine konkreten Hin weise hat, kann auch in dieser Hinsicht nicht von einer gezielten Tat von J._______ ausgegangen werden. Seine Brüder können als ehemalige Of- fiziere des Najibullah-Regimes zahlreiche Feinde gehabt haben, sollte de- ren ehemalige Stellung in der Armee überhaup t Grund für ihre Tötung gewesen sein. Auch der Überfall auf das Haus des Beschwerdeführers im Jahr 1997 kann nicht unbesehen der Gruppe von J._______ zugeschrie- ben werden, da der Beschwerdeführer keine konkreten Hinweise auf die Urheberschaft geben konnte. Der Umstand, dass er sich keine andere Urheberschaft vorstellen kann, genügt indessen nicht für die Annahme, die Gruppe von J._______ habe über Jahre hinweg versucht, die Familie des Beschwerdeführers auszulöschen, weil seine Brüder und er sich im Jahr 1989 nicht dazu bereit erklärt hätten, auf deren Seiten in den Kampf zu ziehen. 5.3 Der Beschwerdeführer machte bei der Anhörung geltend, sein Schwiegervater habe von den J._______-Gefolgsleuten einen Drohbrief erhalten, in dem gestanden habe, sein Bruder und er würden getötet werden. Abgesehen von den vom BFM festgehaltenen Ungereimtheiten in den entsprechenden Aussagen (vgl. angefochtene Verfügung S. 4), e r- scheint es nicht nachvollziehbar, weshalb die Leute von J._______, die gemäss den Aussagen des Beschwerdef ührers mehrmals ohne Vorwa r- nung zugeschlagen hätten, seinem Schwiegervater einen Drohbrief g e- schickt haben sollten, zumal sie offenbar davon ausgingen, sein Bruder und er seien nicht mehr greifbar. Insofern der Beschwerdeführer darauf hinweist, sein Schwiegervater befinde sich zurzeit in Pakistan und werde den Drohbrief, der sich in Afghanistan befinde, in die Schweiz übermitteln, wenn er wieder in die Heimat gehe, ist festzuhalten, dass sich ein Zuwa r- ten auf die Einreichung des Briefes erübrigt. Abgesehen davon, dass er keinerlei zeitliche Angaben hinsichtlich der Möglichkeit des Einreichens macht, könnte diesem Brief kein massgeblicher Beweiswert zuerkannt werden, da sich die Urheberschaft solcher Briefe nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ermitteln lässt. 5.4 Insoweit die Beschwerdeführenden ausführen, sie könnten sich au f- grund des Zeitablaufs nicht an Details erinnern und aufgrund der psych i- schen Erkrankung des Beschwerdeführers sei sein Erinnerungs - und Denkvermögen beeinträchtigt, ist festzuhalten, dass die Ungereimtheiten in ihren Aussagen nicht nur Details beschlagen. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer keine konkreten Angaben zur Täterschaft der Übergrif- fe auf seine Familienangehörigen und ihn machen konnte, sondern sich D-3776/2014 Seite 11 einfach keine andere Täterschaft als die Gruppe von J._______ vorstellen kann, kann nicht auf sein beeinträchtigtes Erinnerungs - und Denkvermö- gen zurückgeführt werden, zumal er sich in anderer Hinsicht durchaus übereinstimmend zu weit zurückliegenden Handlungsabläufen äusserte. 5.5 Zusammenfassend zieht das Bundesverwaltungsgericht in Überei n- stimmung mit dem BFM den Schluss, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine derartige Feindschaft zwischen seiner Familie und J._______ glaubhaft zu machen, die eine andere Urhebe rschaft der Übergriffe auf seine Familie als überwiegend unwahrscheinlich ersche i- nen liesse. 6. 6.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteili- gung als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als re a- listisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 141 ff.; 2010/57 E. 2.5 S. 827 f.; 2010/44 E. 3.4 S. 620 f.). 6.2 Die im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erli t- tenen Nachteile stellen praxisgemäss keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes dar, soweit sie nicht auf der Absicht beruhen, einen Me n- schen aus einem der in Art. 3 AsylG abschliessend erwähnten Gründe zu treffen. Das Bundesverwaltungsgericht geht in Übereinstimmung mit dem BFM davon aus, dass die Übergriffe auf Familienangehörige des B e- schwerdeführers nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit den Tru p- pen von J._______ zugeschrieben werden können. Auch der Überfall auf das Haus des Beschwerdeführers, der letztlich zu seiner Ausreise aus dem Heimatland führte, vermag diese Würdigung nicht umzustossen. Da davon auszugehen ist, der Überfall auf das Haus des Beschwerdeführers sei im Rahmen der in weiten Gebieten Afghanistans im damaligen (und auch heutigen) Zeitpunkt herrschenden allgemeinen Gewalt erfolgt, ma n- gelt es an der für die asylrechtliche Relevanz notwendigen Gezieltheit der ihm zugefügten Nachteile. D-3776/2014 Seite 12 6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kö n- nen, weshalb die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlings- eigenschaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführun- gen in der Beschwerde im Einzelnen einzugehen, da sie an der Würd i- gung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. Die Vor- instanz hat die Asylgesuche der B eschwerdeführenden zu Recht abg e- lehnt. 7. 7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa- milie (Art. 44 AsylG). 7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrech t- liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. 9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwische n- verfügung vom 11. Juli 2014 die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den Voraussetzungen dazu nichts geändert hat, sind keine Kosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-3776/2014 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand: