<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para">[AZA 0] </div> <div class="para">6S.239/2000/odi </div> <div class="para"> </div> <div class="para">KASSATIONSHOF </div> <div class="para">************************* </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Sitzung vom 30. August 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Es wirken mit: Bundesgerichtspräsident Schubarth, </div> <div class="para">Präsident des Kassationshofes, Bundesrichter Schneider, </div> <div class="para">Wiprächtiger, Kolly, Bundesrichterin Escher und Gerichtsschreiber Härri. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">_________ </div> <div class="para"> </div> <div class="para">In Sachen </div> <div class="para">X.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Matthias Brunner, Gartenhofstrasse 15, Zürich, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para">Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Y.________, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Lorenz Schreiber, Stadthausgasse 27, Schaffhausen, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">betreffend </div> <div class="para">versuchte Vergewaltigung, Ausnützung der Notlage, (Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Schaffhausen vom 7. Januar 2000) hat sich ergeben: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen erhob am 27. April 1999 Anklage gegen X.________ wegen versuchter Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung, mehrfacher Ausnützung der Notlage, versuchter Ausnützung der Notlage und mehrfacher sexueller Belästigung gestützt auf folgenden Sachverhalt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Y.________, geboren 1951, arbeitete seit Frühjahr </div> <div class="para">1997 als Aushilfskassiererin auf Abruf bei der </div> <div class="para">Firma Z.________, wobei sie als so genannte </div> <div class="para">Springerin zunächst in den Filialen (...) zum </div> <div class="para">Einsatz kam. Nachdem in diesen drei Filialen für </div> <div class="para">sie keine Einsatzmöglichkeiten mehr bestanden, </div> <div class="para">stimmte Y.________ trotz eines gewissen Unbehagens </div> <div class="para">nach dem ersten Vorstellungsgespräch der ihr </div> <div class="para">angebotenen Versetzung in die Filiale F.________ </div> <div class="para">zu; dies im Bewusstsein, dass sie im Falle eines </div> <div class="para">Stellenverlustes wegen ihres Alters auf dem Arbeitsmarkt </div> <div class="para">nur beschränkte Möglichkeiten hätte, </div> <div class="para">und weil sie dringend auf das Einkommen angewiesen </div> <div class="para">war. Während ihres Einsatzes in der Filiale </div> <div class="para">F.________, wo X.________ als Filialleiter tätig </div> <div class="para">war, kam es zu den nachfolgenden Übergriffen von </div> <div class="para">X.________ gegenüber Y.________: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. In unüblicher Weise wurde Y.________ von </div> <div class="para">X.________, ihrem zukünftigen Vorgesetzten, </div> <div class="para">aufgefordert, sich am 22. August 1997, am </div> <div class="para">Abend nach Ladenschluss, zu einem Vorstellungsgespräch </div> <div class="para">am neuen Arbeitsort einzufinden. </div> <div class="para">Bereits anlässlich dieser Unterredung, die um </div> <div class="para">ca. 18.15 Uhr im Büro von X.________ stattfand, </div> <div class="para">machte dieser Y.________ gegenüber anzügliche </div> <div class="para">Bemerkungen und lud sie mit erkennbar </div> <div class="para">sexuellen Absichten zum Nachtessen bzw. zu einem </div> <div class="para">Glas Wein ein. Auf die Bemerkung von </div> <div class="para">Y.________, sie sei lediglich wegen der Arbeit </div> <div class="para">bzw. wegen des Vorstellungsgespräches gekommen, </div> <div class="para">erklärte ihr X.________, dies könne ja </div> <div class="para">geändert werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2. Am 29. August 1997 sollte Y.________ auf Weisung </div> <div class="para">von X.________ um 19.00 Uhr zu einem </div> <div class="para">zweiten Vorstellungsgespräch in dessen Büro </div> <div class="para">erscheinen, was wiederum ungewöhnlich war. Im </div> <div class="para">Verlaufe des um ca. 18.15 Uhr beginnenden Gespräches </div> <div class="para">griff X.________ der neben ihm sitzenden </div> <div class="para">Y.________ mit seiner rechten Hand an </div> <div class="para">ihr linkes Bein, strich ihr über den Oberschenkel </div> <div class="para">und sagte, er stelle sie nur deshalb </div> <div class="para">ein, weil sie ihm so gut gefalle. Als sich </div> <div class="para">Y.________ gegen diesen Übergriff verwahrte, </div> <div class="para">auf ihr Verlangen hin den Arbeitsplan ausgehändigt </div> <div class="para">erhielt und das Büro verliess, bemerkte </div> <div class="para">X.________ noch: "Aber gäll, mir gönd glich </div> <div class="para">ämol no öppis go trinkä". </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3. Nachdem Y.________ am 1. September 1997 die </div> <div class="para">Arbeit in der Filiale F.________ aufgenommen </div> <div class="para">hatte, begab sie sich am 2. September 1997 </div> <div class="para">nach Ladenschluss zur Abrechnung ihrer Tageseinnahmen </div> <div class="para">ins Büro von X.________, bei welcher </div> <div class="para">Gelegenheit er ihr ans Bein griff und sie aufforderte, </div> <div class="para">mit ihm in den Ausgang zu kommen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4. Am 2. September 1997 sowie an weiteren nicht </div> <div class="para">mehr genau eruierbaren Daten, insbesondere an </div> <div class="para">Montagen, wenn Y.________ mit X.________ alleine </div> <div class="para">im Laden arbeitete, ging X.________ </div> <div class="para">Y.________ mehrmals in die Garderobe nach und </div> <div class="para">erklärte ihr gegenüber, er habe eingekauft und </div> <div class="para">wolle für sie beide kochen. An weiteren nicht </div> <div class="para">mehr genau eruierbaren Daten kam X.________ </div> <div class="para">auch bei Y.________ an der Kasse vorbei, neigte </div> <div class="para">sich in einem unbeobachteten Moment zu ihr </div> <div class="para">und sagte zu ihr: "Gäll bisch hüt z'Obig </div> <div class="para">dihei.. " </div> <div class="para"> </div> <div class="para">5. An einem weiteren nicht mehr genau eruierbaren </div> <div class="para">Datum in der Zeit vom 2. September bis 27. Oktober </div> <div class="para">1997 versuchte X.________, Y.________ im </div> <div class="para">Essraum zu umarmen und zu küssen, wobei es nur </div> <div class="para">deshalb nicht zum Kuss kam, weil Y.________ </div> <div class="para">den Kopf wegdrehte. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">6. Am Montag, den 13. Oktober, oder am Montag, </div> <div class="para">den 20. Oktober 1997, - das genaue Datum ist </div> <div class="para">nicht mehr eruierbar - hielt sich Y.________ </div> <div class="para">nach Ladenschluss zur täglichen Abrechnung im </div> <div class="para">Büro von X.________ auf. Dieser beauftragte </div> <div class="para">sie dabei, eine Flasche Wein, welche er im </div> <div class="para">Tiefkühler des Ladens bereitgestellt hatte, zu </div> <div class="para">holen und gemeinsam mit ihm ein Glas davon zu </div> <div class="para">trinken. Trotz entsprechender Aufforderung </div> <div class="para">trank Y.________ indes keinen Wein, sondern </div> <div class="para">begab sich nach Beendigung der Abrechnung in </div> <div class="para">die Damengarderobe. Kurz nachdem sie die Arbeitsschürze </div> <div class="para">ausgezogen hatte, trat X.________ </div> <div class="para">in den Umkleideraum, packte die mit dem Rücken </div> <div class="para">zu ihm stehende Y.________ von hinten und </div> <div class="para">drehte sie zu sich um. X.________ hatte dabei </div> <div class="para">seine Hose und Unterhose bereits bis zu den </div> <div class="para">Knien heruntergezogen, griff nach der Trikothose </div> <div class="para">von Y.________, zog diese ebenfalls herunter </div> <div class="para">und versuchte, mit seinem Penis in </div> <div class="para">Y.________ einzudringen, wobei er sagte: </div> <div class="para">"Komm, wir machen es miteinander. Es ist doch </div> <div class="para">schön. ". Wegen der heftigen Gegenwehr von </div> <div class="para">Y.________ gelang ihm dies jedoch nicht. Vielmehr </div> <div class="para">kam es zu einem Handgemenge, in dessen </div> <div class="para">Verlauf X.________ die rechte Hand von </div> <div class="para">Y.________ packte, diese an seinen Penis führte </div> <div class="para">und dabei sagte: "Dann machst Du es mir!". </div> <div class="para">Als Y.________ X.________ dann damit drohte, </div> <div class="para">zu schreien und die Polizei zu rufen, liess </div> <div class="para">X.________ von ihr ab, wandte sich zum Lavabo </div> <div class="para">und onanierte dort hinein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.- Am 9. September 1999 stellte das Kantonsgericht Schaffhausen das Strafverfahren wegen mehrfacher sexueller Belästigung (Anklageschrift Ziffer 1 und 4) zufolge Verjährung ein. Es befand X.________ schuldig der versuchten Vergewaltigung, der versuchten sexuellen Nötigung, der mehrfachen Ausnützung der Notlage sowie der versuchten Ausnützung der Notlage und bestrafte ihn mit 18 Monaten Zuchthaus, bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren. Die Zivilklage von Y.________ hiess es im geltend gemachten Betrag von Fr. 12'144.-- (Fr. 7'144.-- Schadenersatz sowie Fr. 5'000.-- Genugtuung) gut. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C.- Die von X.________ dagegen erhobene Berufung wies das Obergericht des Kantons Schaffhausen am 7. Januar 2000 ab. </div> <div class="para">D.- X.________ führt Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das Urteil des Obergerichtes aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">E.- Die Staatsanwaltschaft beantragt unter Verzicht auf Gegenbemerkungen die Abweisung der Beschwerde. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Y.________ hat sich vernehmen lassen mit dem Antrag, die Beschwerde abzuweisen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">F.- Mit heutigem Urteil hat der Kassationshof die in der gleichen Sache eingereichte staatsrechtliche Beschwerde abgewiesen, soweit er darauf eingetreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Bundesgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Die Vorinstanz erachtet in Übereinstimmung mit der ersten Instanz den in der Anklageschrift geschilderten Sachverhalt als erwiesen. In rechtlicher Hinsicht verweist die Vorinstanz auf die ihrer Auffassung nach zutreffenden Erwägungen der ersten Instanz. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Der Beschwerdeführer macht geltend, der Schuldspruch der versuchten Vergewaltigung verletze Bundesrecht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Die erste Instanz führt aus, der Beschwerdeführer habe am 13. oder 20. Oktober 1997 die Beschwerdegegnerin in der Damengarderobe gepackt, wobei er die Hosen bereits unten gehabt habe. Danach habe er versucht, ihr ihre Leggings auszuziehen und mit dem Penis in sie einzudringen, wobei sie sich dagegen gewehrt habe. Es sei ihm deshalb lediglich teilweise gelungen, ihre Leggings auszuziehen, wobei er während der Tathandlung gesagt habe: "Komm, wir machen es miteinander. Es ist doch schön". Damit habe der Beschwerdeführer den Beischlaf mit der Beschwerdegegnerin erzwingen wollen, indem er sie mit Gewalt gepackt und versucht habe, ihre Hosen gegen ihren Willen herunterzuziehen. Sein Verhalten sei unmissverständlich auf die Beischlafshandlung gerichtet gewesen, habe er doch bereits seine Hosen ausgezogen gehabt und der Beschwerdegegnerin gesagt, sie sollen "es miteinander machen". Die Beschwerdegegnerin habe ihm klar gezeigt, dass sie das nicht wolle, indem sie sich dagegen gewehrt habe, dass er ihr die Leggings auszog. Aufgrund der Gegenwehr der Beschwerdegegnerin sei es nicht zum Beischlaf gekommen. Es seien somit nicht alle objektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt. In subjektiver Hinsicht habe der Beschwerdeführer vorsätzlich gehandelt. Es liege ein Versuch der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 in Verbindung mit <span class="artref">Art. 21 StGB</span> vor. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Der Beschwerdeführer wendet ein, sein Verhalten sei nicht darauf gerichtet gewesen, den geleisteten oder erwarteten Widerstand zu brechen. Er habe in dem Moment, als die Beschwerdegegnerin Widerstand geleistet habe, davon Abstand genommen, den Geschlechtsverkehr durchsetzen zu wollen. Der ihm vorgeworfene körperliche Übergriff unterscheide sich nicht wesentlich von jenen körperlichen Einwirkungen, die bei einem einverständlichen Geschlechtsverkehr üblich seien. Damit sei die erforderliche Intensität der Gewalteinwirkung nicht gegeben. </div> <div class="para">Der Versuch, mit einem überraschenden Vorgehen (begleitet von einem verbalen Überredungsversuch) zum Beischlaf mit einer Frau zu gelangen, sei nicht gleichzusetzen mit dem verbrecherischen Einsatz von Zwangsmitteln, die das Ziel hätten, den Widerstand des Opfers zu brechen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Gemäss <span class="artref">Art. 190 Abs. 1 StGB</span> wird wegen Vergewaltigung bestraft, wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Schuldspruch der versuchten Vergewaltigung verletzt kein Bundesrecht. Vorab ist dem Beschwerdeführer entgegenzuhalten, dass die von ihm angewandte Gewalt nicht als "gering" bezeichnet werden kann, hat er die Beschwerdegegnerin doch, nachdem er selber seine Hosen ausgezogen hatte, mit Gewalt gepackt und versucht, ihre Hosen gegen ihren Willen herunterzuziehen, was ihm auch teilweise gelang. Nicht nachvollziehbar ist die Behauptung des Beschwerdeführers, sein Verhalten sei nicht darauf gerichtet gewesen, den geleisteten oder erwarteten Widerstand zu brechen: Das Packen der Beschwerdegegnerin und das Herunterreissen der Hosen (das nur teilweise gelang) hatte zum Ziel, ihren Widerstand zu brechen, um nachher den Geschlechtsverkehr vollziehen zu können. Aus dem Kontext der Ausführungen der ersten Instanz geht zweifellos hervor, dass diese dem Beschwerdeführer vorgeworfen hat, den Widerstand der Beschwerdegegnerin gewaltsam zu überwinden. Damit ist auch gesagt, dass die kantonalen Instanzen kein Bundesrecht verletzt haben, als sie den subjektiven Tatbestand als erfüllt erachtet haben. </div> <div class="para">Auch in diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass aus dem Kontext der Ausführungen der ersten Instanz klar hervorgeht, dass diese davon ausging, der Beschwerdeführer habe mit Gewalt den Widerstand der Beschwerdegegnerin brechen wollen. </div> <div class="para">Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- Der Beschwerdeführer bringt vor, die Verurteilung wegen mehrfacher Ausnützung der Notlage bzw. wegen Versuchs der Ausnützung der Notlage verletze Bundesrecht. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">a) Die erste Instanz führt aus, der Beschwerdeführer habe im Verlaufe des zweiten Gesprächs mit der Beschwerdegegnerin in seinem Büro mit seiner rechten Hand an ihr linkes Bein gegriffen und ihr über den Oberschenkel gestrichen, wobei er gesagt habe, er stelle sie nur ein, weil sie ihm so gut gefalle. Im Weiteren habe er am zweiten Arbeitstag der Beschwerdegegnerin bei der Abrechnung der Kasse an ihr Bein gegriffen und sie aufgefordert, mit ihm in den Ausgang zu kommen. An einem weiteren Datum habe er versucht, die Beschwerdegegnerin im Essraum zu umarmen und zu küssen, wobei ihm dies nur deshalb nicht gelungen sei, weil sie den Kopf weggedreht habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bei der rechtlichen Würdigung führt die erste Instanz aus, das Berühren des Beines und das Streichen über den Oberschenkel beim zweiten Gespräch stelle eine sexuelle Handlung dar, nachdem der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin keinesfalls gut gekannt habe, so dass es sich nicht um ein kollegiales Berühren habe handeln können. Der sexuelle Charakter der Handlung ergebe sich auch daraus, dass der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin gesagt habe, er stelle sie nur an, weil sie ihm gefalle. Im Weiteren erscheine klar, dass die Beschwerdegegnerin das Streicheln der Oberschenkel nicht gewollt und dies lediglich geduldet habe, weil der Beschwerdeführer ihr Chef werden sollte und sie die Arbeit benötigt habe. Er habe vorsätzlich gehandelt. Auch das Berühren des Beines am zweiten Arbeitstag stelle eine sexuelle Handlung dar, nachdem der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin gleichzeitig aufgefordert habe, mit ihm in den Ausgang zu gehen. Ebenso handle es sich beim Versuch des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin zu umarmen und zu küssen, um eine sexuelle Handlung. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Annahme sexueller Handlungen sei bundesrechtswidrig. Sein Verhalten sei bloss dem Bereich des Unanständigen, Unangebrachten und Anstössigen zuzuordnen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Gemäss <span class="artref">Art. 193 Abs. 1 StGB</span> ist wegen Ausnützung der Notlage strafbar, wer eine Person veranlasst, eine sexuelle Handlung vorzunehmen oder zu dulden, indem er eine Notlage oder eine durch ein Arbeitsverhältnis oder eine in anderer Weise begründete Abhängigkeit ausnützt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Nach der Rechtsprechung lassen sich sexuelle Handlungen nach der Eindeutigkeit ihres Sexualbezugs abgrenzen. Keine sexuellen Handlungen sind Verhaltensweisen, die nach ihrem äusseren Erscheinungsbild keinen unmittelbaren sexuellen Bezug aufweisen. Als sexuelle Handlungen gelten hingegen Verhaltensweisen, die für den Aussenstehenden nach ihrem äusseren Erscheinungsbild eindeutig sexualbezogen sind. Bei dieser objektiven Betrachtungsweise bleiben das subjektive Empfinden, die Motive oder die Bedeutung, die das Verhalten für den Täter oder das Opfer hat, ausser Betracht. Eindeutig sexualbezogene Handlungen erfüllen stets den objektiven Tatbestand. Auf die Motive des Täters kommt es nicht an. Schwierigkeiten bietet die dritte Gruppe der so genannten ambivalenten Handlungen, die weder äusserlich neutral noch eindeutig sexualbezogen erscheinen (<a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=29.08.2000&amp;to_date=17.09.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-IV-58%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page58">BGE 125 IV 58</a> E. 3b mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Begriff der sexuellen Handlung kann sich nur auf Verhaltensweisen erstrecken, die im Hinblick auf das geschützte Rechtsgut erheblich sind. Wie das Bundesgericht in <a class="bgeref_id" href="https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=29.08.2000&amp;to_date=17.09.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-IV-58%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page58">BGE 125 IV 58</a> E. 3b zu <span class="artref">Art. 187 StGB</span> unter Hinweis auf Jenny (Kommentar zum schweizerischen Strafrecht, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Besonderer Teil, </div> <div class="para">4. Band, Bern 1997, <span class="artref">Art. 187 N 16</span>) ausführte, wird man in Zweifelsfällen die Erheblichkeit nach den Umständen des Einzelfalles auch relativ bestimmen müssen, so etwa nach dem Alter des Opfers oder dem Altersunterschied zum Täter. </div> <div class="para">Dies gilt insbesondere bei der Beurteilung des sexuellen Charakters von Küssen. Im zu entscheidenden Fall bejahte das Bundesgericht in Würdigung der Umstände eine sexuelle Handlung: Ein 33-jähriger Mann hatte ein 10-jähriges, ihm völlig unbekanntes Mädchen in die hinteren Geschäftsräumlichkeiten gerufen, ihm Schokolade gegeben, es mit den Armen umschlungen, hochgehoben und längere Zeit immer wieder fest an sich gepresst; dabei hatte er es auch mit beiden Händen am Gesäss gefasst, es wiederholt mehrmals auf den Mund geküsst und den Zungenkuss versucht. </div> <div class="para">Das Bundesgericht erwog, es könne weder von flüchtigen Berührungen oder geringfügigen Entgleisungen gesprochen werden noch von "üblichen Küssen und Umarmungen", wie sie in Familien- und Freundschaftskreisen gepflegt werden mögen. Das Verhalten des Mannes gehe auch angesichts der Tatsache, dass ihm das Mädchen völlig unbekannt war, weit über den Ausdruck von Freude und Zuneigung einem Kind gegenüber hinaus. Das Bundesgericht berücksichtigte das Kindesalter des Mädchens, die Altersdifferenz zum Täter, die Dauer und Intensität des Vorgehens sowie den Rückzug in die hinteren Räumlichkeiten (E. 3c). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bereits im unveröffentlichten Urteil vom 9. Dezember 1994 (6S. 534/1994) hatte der Kassationshof hervorgehoben, dass bei der Beurteilung, ob eine sexuelle Handlung gegeben ist, die Umstände des Einzelfalles und die persönlichen Beziehungen der Beteiligten zu berücksichtigen sind (E. 3b und c; vgl. dazu Hans Wiprächtiger, Aktuelle Praxis des Bundesgerichtes zum Sexualstrafrecht, ZStrR 117/1999, S. 122 f.). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im unveröffentlichten Urteil vom 3. Mai 1996 (6S. 779/1995) bejahte der Kassationshof den sexuellen Charakter von Handlungen in Würdigung der Ereignisse, welche den Handlungen vorausgegangen und nachgefolgt waren (E. 1c). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">d) Es ist nicht abstrakt und abschliessend zu beurteilen, ob ein Berühren des Beines und Oberschenkels bzw. der Versuch einer Umarmung und eines Kusses sexuelle Handlungen darstellen. Zu entscheiden ist, ob das unter den hier gegebenen Umständen der Fall ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die dem Beschwerdeführer angelasteten Handlungen dürfen nicht für sich alleine betrachtet werden. Sie sind Teil eines Gesamtgeschehens, das beginnt mit den anzüglichen Bemerkungen beim ersten Vorstellungsgespräch und sich steigert bis zur versuchten Vergewaltigung (die hier ohnehin im Vordergrund steht). Zu berücksichtigen ist das ausgeprägte Abhängigkeitsverhältnis, in dem sich die Beschwerdegegnerin gegenüber dem Beschwerdeführer befand. </div> <div class="para">Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt waren wegen ihres Alters beeinträchtigt; sie hatte finanzielle Schwierigkeiten und war dringend auf die Stelle in der vom Beschwerdeführer geleiteten Filiale angewiesen. Das wusste der Beschwerdeführer und nützte es aus. Die Handlungen erfolgten am Arbeitsplatz, teilweise im Büro des Beschwerdeführers, was diesem erst recht erlaubte, seine Autorität als Chef auszuspielen. Die Beteiligten kannten sich vor dem ersten Vorstellungsgespräch nicht und pflegten keinen lockeren Umgang wie im Freundeskreis. Die Beschwerdegegnerin nahm von Anfang an eine klare Haltung ein und gab dem Beschwerdeführer zu verstehen, dass sie nicht an ihm, sondern nur an der Stelle interessiert war. </div> <div class="para">Dies hielt den Beschwerdeführer nicht vor immer weiter gehenden Zudringlichkeiten ab. Es handelte sich bei seinem Verhalten nicht um eine Ungeschicklichkeit, Unbeholfenheit oder eine einmalige Entgleisung; er ging vielmehr zielgerichtet vor unter Missachtung der Haltung der Beschwerdegegnerin. </div> <div class="para">Die Berührungen am Bein und Oberschenkel waren zudem begleitet von anzüglichen Äusserungen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Würdigt man diese Umstände gesamthaft, verletzt es kein Bundesrecht, wenn die kantonalen Instanzen das Tatbestandsmerkmal der sexuellen Handlung bejaht haben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.- Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Beschwerdeführer die Kosten (<span class="artref">Art. 278 Abs. 1 BStP</span>). Der Beschwerdegegnerin wird eine Entschädigung ausgerichtet. Der Beschwerdeführer hat der Bundesgerichtskasse dafür Ersatz zu leisten (<span class="artref">Art. 278 Abs. 3 BStP</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Bundesgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. </div> <div class="para">3.- Der Beschwerdegegnerin Y.________ wird aus der Bundesgerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- ausgerichtet. Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, der Bundesgerichtskasse dafür Ersatz zu leisten. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">4.- Dieses Urteil wird den Parteien, der Staatsanwaltschaft und dem Obergericht des Kantons Schaffhausen schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para">______________ </div> <div class="para">Lausanne, 30. August 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des Kassationshofes </div> <div class="para">des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS </div> <div class="para">Der Präsident: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html></html>