<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="last-modified"> <meta content="Mon, 09 Nov 2020 06:59:10 CET" http-equiv="date"/> <meta content="AGVE 2019 - Band 21" name="description"/> <title>AGVE 2019 - Band 21</title> </meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Enteignungsrecht</span> <span class="page_no">153</span> </div> <div class="page" id="S153"> <div role="main"> <span class="text"><b>VI. Enteignungsrecht </b></span><br/> <span class="text"></span><br/> <span class="text"><b>21 </b> <b>Formelle Enteignung; Behandlung der Einwendungen (§§ 152 ff. BauG)</b></span><br/> <span class="text">Grundsätzlich hat das Spezialverwaltungsgericht alle unerledigten Ein-</span><br/> <span class="text">wendungen gegen die Enteignung an den Regierungsrat zu überweisen;</span><br/> <span class="text">auf unzulässige Einwendungen i.S.v. § 152 Abs. 1 lit. a BauG ist nicht ein-</span><br/> <span class="text">zutreten. </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 27. März</span><br/> <span class="text">2019, in Sachen A. und Mitbeteiligte gegen Einwohnergemeinde B.</span><br/> <span class="text">(WBE.2018.227).</span><br/> <br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen: </i></span><br/> <br/> <span class="text">2.</span><br/> <span class="text">Innerhalb der Auflagefrist der Enteignungsunterlagen sind beim</span><br/> <span class="text">Gemeinderat zuhanden des SKE Einwendungen gegen die Enteig-</span><br/> <span class="text">nung anzumelden. Anträge die bereits mit Einwendungen gegen den</span><br/> <span class="text">Nutzungsplan oder das Bauprojekt hätten gestellt werden können,</span><br/> <span class="text">sind unzulässig (§ 152 Abs. 1 lit. a BauG). Das SKE oder der Abtei-</span><br/> <span class="text">lungspräsident versucht, eine Einigung zwischen Enteigner und Ent-</span><br/> <span class="text">eigneten über die Einwendungen gegen die Enteignung herbeizufüh-</span><br/> <span class="text">ren (§ 153 Abs. 1 BauG). Gelingt keine Einigung hat der</span><br/> <span class="text">Regierungsrat über die unerledigten Einwendungen zu entscheiden</span><br/> <span class="text">(§ 154 Abs. 1 BauG).</span><br/> <span class="text">3.</span><br/> <span class="text">3.1. (...)</span><br/> <span class="text">3.2. (...)</span><br/> <span class="text">3.3.</span><br/> <span class="text">Das SKE verzichtete auf eine Überweisung an den Regierungs-</span><br/> <span class="text">rat und wies die Einwendung ab. Sowohl im angefochtenen Ent-</span><br/> <span class="text">scheid als auch in seiner Beschwerdeantwort verweist es auf seine</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2019</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">154</span> </div> <div class="page" id="S154"> <div role="main"> <span class="text">langjährige Praxis, wonach es die Verpflichtung, eine Einigungsver-</span><br/> <span class="text">handlung auch über die Einwendungen gegen die Enteignung durch-</span><br/> <span class="text">zuführen (§ 153 BauG), stets als Kompetenz verstanden habe, die be-</span><br/> <span class="text">treffenden Begehren mit aller Zurückhaltung einer rechtlichen</span><br/> <span class="text">Grundprüfung zu unterziehen und ein klares Ergebnis ausnahms-</span><br/> <span class="text">weise direkt in einem Entscheid festzuhalten ([...] AGVE 2013,</span><br/> <span class="text">S. 441; AGVE 1996, S. 447 f.).</span><br/> <span class="text">3.4.</span><br/> <span class="text">Der Wortlaut von § 154 Abs. 1 BauG deckt sich nicht mit der</span><br/> <span class="text">Praxis der Vorinstanz. Eine entsprechende Entscheidkompetenz fehlt</span><br/> <span class="text">im Gesetz. Allerdings bestimmt § 152 Abs. 1 lit. a BauG ausdrück-</span><br/> <span class="text">lich, dass Einwendungen, die bereits gegen den Nutzungsplan oder</span><br/> <span class="text">das Bauprojekt hätten gestellt werden können, unzulässig sind. Ob</span><br/> <span class="text">eine solche Einwendung vorliegt, muss das SKE im Hinblick auf die</span><br/> <span class="text">durchzuführende Einigungsverhandlung prüfen. Insofern liegt es</span><br/> <span class="text">nahe, dass das SKE in einem Prozessentscheid auf die unzulässige</span><br/> <span class="text">Einwendung nicht eintritt, anstatt die unter § 152 Abs. 1 lit. a BauG</span><br/> <span class="text">fallende unzulässige Einwendung an den Regierungsrat weiterzulei-</span><br/> <span class="text">ten. Sowohl der Prozessentscheid des SKE als auch derjenige des</span><br/> <span class="text">Regierungsrats sind vor Verwaltungsgericht anfechtbar, womit den</span><br/> <span class="text">Beschwerdeführern kein Nachteil zukommt. Der Verfahrensfehler</span><br/> <span class="text">wurde denn auch von den Beschwerdeführern nicht gerügt. Grund-</span><br/> <span class="text">sätzlich sind zwar alle unerledigten Einwendungen gegen die Ent-</span><br/> <span class="text">eignung an den Regierungsrat zu überweisen. Dass das SKE im vor-</span><br/> <span class="text">liegenden eindeutigen Fall die in § 152 Abs. 1 lit. a BauG klar um-</span><br/> <span class="text">schriebene Unzulässigkeit festgestellt und auf eine Weiterleitung der</span><br/> <span class="text">Einwendung verzichtet hat, ist im Ergebnis jedoch nicht zu bean-</span><br/> <span class="text">standen.</span><br/> <span class="text">Klar ist, dass das SKE einzig die Frage prüfen durfte, ob die</span><br/> <span class="text">Einwendung bereits mit Einwendungen gegen den Erschliessungs-</span><br/> <span class="text">plan hätte vorgebracht werden können. Mit anderen Worten durfte es</span><br/> <span class="text">einzig die Einwendung auf ihre Zulässigkeit i.S.v. § 152 Abs. 1 lit. a</span><br/> <span class="text">BauG hin beurteilen. Erweist sich die Einwendung als unzulässig, ist</span><br/> <span class="text">darauf nicht einzutreten. Die <i>materielle</i> Beurteilung bzw. die Abwei-</span><br/> <span class="text">sung der Einwendung lag jedoch nicht in seiner Zuständigkeit.</span><br/> </div> </div> </body> </html>