<h2>SubmittedText<h2><p>Würde der Bundesrat ein gezielteres Testen von sexuell übertragbaren Viruskrankheiten (STI) als zielführende Strategie unterstützen? Sollte der Bundesrat dieses Vorgehen nicht in Betracht ziehen, welche Strategie wäre dann zielführend?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Sexuell übertragbare Infektionen (STI, sexually transmitted infections) werden sowohl durch Viren (Humanes Immunschwäche-Virus, Hepatitis-B-Virus) als auch durch Bakterien (insbesondere die Erreger der Syphilis, der Gonorrhö, der Chlamydiose) verursacht. Hepatitis C ist dagegen eine Viruskrankheit, die nur selten sexuell übertragen wird.</p><p>Für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen befürwortet der Bundesrat das von der Interpellantin geforderte gezielte Testen. Diese Strategie ist im Nationalen Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen 2011-2017 (NPHS) ausdrücklich enthalten: Angehörige der Zielgruppen der Achse 2 (Männer, die mit Männern Sex haben; Sexworker und Sexworkerinnen; Migranten und Migrantinnen aus Endemieländern; intravenös Drogenkonsumierende und Menschen im Straf- und Massnahmenvollzug) sollen sich regelmässig auf HIV und andere STI untersuchen lassen, wobei Testzeitpunkt und -häufigkeit vom individuellen sexuellen Verhalten (Partnerzahl, Kondomgebrauch, andere Schutzstrategien) mitbestimmt werden sollten. Diese Strategie wurde vom Bundesrat beschlossen, ist anerkannt und wird teilweise umgesetzt. Die dafür notwendigen Laboruntersuchungen sind teilweise sehr teuer. Sie werden bei medizinischer Indikation zwar von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) übernommen, unterliegen aber Selbstbehalt und Franchise.</p><p>Wir gehen davon aus, dass viele Menschen, die sich gezielt testen lassen sollten, jung und gesund sind und eine hohe Franchise abgeschlossen haben, um von den Prämienrabatten zu profitieren. Weil in diesem Fall die gesamten Untersuchungskosten zu ihren Lasten gehen, ist damit zu rechnen, dass sie sich häufig gegen die Durchführung der medizinisch indizierten und ärztlich empfohlenen Untersuchungen entscheiden. Dies ist nicht nur zum Nachteil für ihre eigene Gesundheit, sondern auch zum Nachteil für die öffentliche Gesundheit und zum Nachteil für die Prämienzahler. Werden Infektionen nicht erkannt, haben sie Spätfolgen für die betroffene Person, und die Behandlung kann komplexer werden. Auch werden nichtdiagnostizierte Infektionen weitergegeben. Beide Umstände dürften Mehrkosten zulasten der OKP verursachen.</p><p>Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus kann kosteneffektiv durch eine Impfung vorgebeugt werden. Die Impfung wird seit 1998 allen Jugendlichen empfohlen. Zudem werden Schwangere auf das Hepatitis-B-Virus getestet, um bei positivem Befund das Neugeborene zu immunisieren. Darüber hinaus ist die Impfung allen Menschen mit erhöhtem Risiko des Kontaktes mit einer das Hepatitis-B-Virus tragenden Person empfohlen (z. B. medizinisches, zahnärztliches und pflegendes Personal, Drogenkonsumierende und ihre Betreuenden, Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Sexworkerinnen, Dialysepatienten usw). Durch die Verankerung der Hepatitis-B-Impfung in den Schweizerischen Impfempfehlungen konnte bereits eine derart breite Impfabdeckung erzielt werden, dass Neuerkrankungen an Hepatitis B rückläufig sind und dieser Trend auch in Zukunft anhalten wird.</p><p>Das Hepatitis-C-Virus dagegen ist nur in seltenen Fällen sexuell übertragbar. Die Hauptübertragung erfolgte früher über medizinische Eingriffe, bevor Blut und Blutprodukte auf das Hepatitis-C-Virus getestet werden konnten, und heute noch innerhalb der Gruppe der intravenös Drogenkonsumierenden. Für das gezielte Testen auf Hepatitis C bestehen bereits Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit und des Netzwerkes von Hepatitis-Fachspezialisten (SEVHep). Die neuesten Empfehlungen sind 2013 in der Fachzeitschrift "Swiss Medical Weekly" erschienen. Das gezielte Testen ist bei den Hauptrisikogruppen (ehemals oder aktuell Drogenkonsumierende; Menschen, die bis Ende der Achtzigerjahre ein Organ oder eine Bluttransfusion erhalten haben; Dialysepatienten; Kinder von infizierten Müttern; Gesundheitspersonal nach Exposition mit infiziertem Blut) empfohlen. Diese Empfehlungen werden periodisch überprüft und mit internationalen Empfehlungen abgeglichen. Die Nützlichkeit einer gezielten Testempfehlung für die Jahrgänge 1955 bis 1975 ist gegenwärtig in Evaluation.</p><p>2. Der Bundesrat hat das gezielte Testen auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen als zielführende Strategie im NPHS verankert. Er unterstützt das gezielte Testen auch bei anderen übertragbaren Viruskrankheiten wie Hepatitis C. Der Bundesrat ist deshalb der Ansicht, dass das Anliegen der Interpellantin bereits heute weitgehend erfüllt ist.</p>  Antwort des Bundesrates.