Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. September 2014 (725 14 190 / 231) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Leistungseinstellung / Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Yves Thommen, Kan- tonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus Schäfer Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen SUVA , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerd e- gegnerin, vertreten durch Andrea Tarnutzer-Münch, Advokat, Gü- terstrasse 106, 4053 Basel Betreff Leistungen A. Der 1968 geborene A.____ war seit 1. Dezember 20 03 als Schlosser bei der B.____ AG angestellt und durch die Arbeitgeberin be i der Schweizerischen Unfallversiche- rungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versi- chert. Mit “Bagatellunfall-Meldung UVG“ vom 19. Sep tember 2012 und mit Unfallmeldung vom 29. Oktober 2012 liess A.____ der SUVA durch seine Arbeitgeberin einen Unfall melden. Laut den Angaben in den genannten Formularen habe sich d er Versicherte am 22. August 2012 „während der Arbeit an einem Stahlträger gestossen (Rippen-Gegend)“. Wegen anhaltender Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schmerzen suchte A.____ am 1. Oktober 2012 seinen Hausa rzt Dr. med. C.____, Innere Medi- zin und Rheumatologie FMH, auf, der gemäss seinen Angab en im “Arztzeugnis UVG“ vom 6. November 2012 einen „Status nach Kontusion Rippenbo gen rechts basal ventro-lateral, be- lastungsabhängige lokale Schmerzen und Exazerbation b ei Husten bei pulmonalem Infekt“ di- agnostizierte. Nachdem die SUVA dem Versicherten die ge setzlichen Leistungen (Heilkosten, Taggelder) für die Folgen dieses Unfalls erbracht hatt e, schloss sie mit Verfügung vom 4. März 2014 den Fall per 1. Mai 2014 ab und stellte die Ver sicherungsleistungen ein. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, laut kreisärztlicher Beurteilung seien die aktuell bestehen- den Thoraxbeschwerden nicht mehr unfallbedingt, sonde rn ausschliesslich krankhafter Natur. Daran hielt die SUVA auf Einsprache des Versicherten hin mit Einspracheentscheid vom 4. Juni 2014 fest. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ am 23 . Juni 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons gericht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben, es sei der erfolgte Fallabschluss rück- gängig zu machen und es sei die SUVA zur „vollen Koste nübernahme der allfällig folgenden Untersuchungen und Behandlungen bis zur vollständigen Heilung“ zu verpflichten. C. In ihrer Vernehmlassung vom 28. Juli 2014 beantrag te die SUVA, vertreten durch Ad- vokat Andrea Tarnutzer-Münch, die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Eingabe vom 5. September 2014 nahm der Beschwe rdeführer unaufgefordert zur Vernehmlassung der SUVA Stellung. Diese wiederum äusse rte sich am 15. September 2014 zur genannten Eingabe des Beschwerdeführers. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in D.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde des Versicherten vom 23. Juni 2014 ist demnach einzutreten. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versiche- rungsleistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 22. August 2012 zu Recht per 1. Mai 2014 eingestellt hat. 2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei t eilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es ent- sprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entste ht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss U VG setzt - unter anderem - vo- raus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem einge tretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3 .1 mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störun g ein natürlicher Kausalzusammen- hang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanw endende Behörde - die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht - im Rahmen der ihr oblieg enden Beweiswürdigung nach dem im Sozi- alversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegende n Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs- anspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderl ichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des U nfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des fortbestehenden Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfa llfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszusta nd erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustande s auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bede utung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachge wiesen sein. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Bewei slast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicher- ten Person, sondern beim Unfallversicherer. Dieser muss j edoch nicht den Beweis für unfall- fremde Ursachen erbringen. Welche Ursachen ein nach w ie vor geklagtes Leiden hat, ist uner- heblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingt en Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefall en sind. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen , dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei v oller Gesundheit sei (Sozialversiche- rungsrecht - Rechtsprechung [SVR] 2008 UV Nr. 11 S. 35 E. 3.3 mit Hinweisen). Beizufügen ist, dass die Beweislastregel, wonach der Unfallversicherer u nd nicht der Versicherte die Beweis- last für das Dahinfallen der natürlichen Unfallkausalitä t trägt, erst Platz greift, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatze s und der Beweiswürdigung ei- nen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwie gende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). 3.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte - wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin - ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und p flichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismi ttel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So wird zur Frage der beweisrechtlichen Verwertbarkeit der Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen der Grundsatz betont, wonach ein Anstellungsverhältnis dieser Person zum Versicherung sträger alleine nicht schon auf man- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gelnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Diesen Be- richten kommt allerdings nicht derselbe Beweiswert wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten zu, sie sind aber soweit zu berücksichtigen, als auch nicht geringe Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). 4.1 Laut den Angaben im “Arztzeugnis UVG“ vom 6. Novemb er 2012 diagnostizierte Dr. C.____ beim Versicherten anlässlich der Erstbehandlu ng nach dem Unfallereignis einen „Status nach Kontusion Rippenbogen rechts basal ventro- lateral, belastungsabhängige lokale Schmerzen und Exazerbation bei Husten bei pulmonalem I nfekt.“ Auf Grund anhaltender, vor allem belastungsabhängiger lokaler Schmerzen im Bereic h des Rippenbogens rechts suchte der Versicherte Dr. med. E.____, Facharzt für Orthopäd ie und Sportmedizin, auf, der in seinem Bericht vom 4. Februar 2014 als Diagnosen eine Thoraxkon tusion rechts und einen „Verdacht auf posttraumatische Blockierung costovertebral 12,11“ festhielt. In der Folge unterbreitete die Beschwerdegegnerin die medizinischen Akten ihrem Kreisarzt Dr. med. F.____, Facharzt für Chirurgie, und ersuchte ihn, zur Frage der Unfallkau salität der vom Versicherten geklagten Be- schwerden Stellung zu nehmen. In seiner Kurzbeurteilung vom 28. Februar 2014 verneinte der Kreisarzt die Frage, ob der Unfall zu strukturellen, bi ldgebend nachweisbaren Läsionen am Thorax bzw. an den Rippen geführt habe. Die weitere Frage, ob davon ausgegangen werden könne, dass die Unfallfolgen heute mit überwiegender W ahrscheinlichkeit keine Rolle mehr im Beschwerdebild des Versicherten spielen würden, bejahte er, wobei er zur Begründung fest- hielt, dass eineinhalb Jahre nach einer Prellung Beschwerden nicht mehr unfallkausal seien und der status quo sine oder ante längst erreicht sei. 4.2 Mitte März 2014 ging bei der SUVA ein Bericht von Dr. med. G.____ Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, ein. Dieser hatte be im Versicherten anlässlich einer ersten Untersuchung vom 27. Februar 2014 ein posttraumatische s thoraco-vertebro-costales Schmerzsyndrom rechtsbetont bei Status nach Kontusion mit schwerem Stahlträger am 22.08.2012, eine Bewegungskontrolldysfunktion und - im manuell-medizinischen Status - eine „hypomobile untere Thoraxapparatur R sowie Funktionsstö rung des thorako-lumbalen Über- ganges“ diagnostiziert. Anlässlich der nachfolgenden Unte rsuchung vom 14. März 2014 hielt Dr. G.____ in der Krankenakte des Versicherten fest, auf Grund fehlender vorbestehender Be- schwerdesymptomatik und der Patientenaussagen sei davon au szugehen, dass überwiegend wahrscheinlich eine „zusammenhängende Konstellation“ zwisch en dem Unfallereignis und den Beschwerden des Patienten bestehe. 4.3 Da Dr. G.____ in seinem Bericht über die Untersuch ungen vom 27. Februar 2014 und 14. März 2014 einen natürlichen Kausalzusammenhang zwisch en dem Unfallereignis und den vom Versicherten geklagten Thoraxbeschwerden bejahte, bat die Beschwerdegegnerin den Kreisarzt Dr. F.____ um eine nochmalige und ausführliche r begründete Kausalitätsbeurteilung. Diesem Ersuchen kam der Kreisarzt mit Bericht vom 26. März 2014 nach. Darin hielt er fest, bei der von Dr. F.____ gestellten Diagnose eines posttraum atischen thoraco-vertebro-costalen Schmerzsyndroms handle es sich im Prinzip nur um eine Umsch reibung, dass der Patient Schmerzen in den Bereichen Brustkorb, Wirbelsäule und Rippen habe, die Diagnose erkläre Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht jedoch nicht die Ursache der Beschwerden. Soweit Dr. G .____ überdies einen “Status nach Kontusion am 22.08.2012“ festhalte, sei darauf hinzuwe isen, dass Kontusionen (Prellungen) nach allgemeiner ärztlicher Erfahrung nach sechs, spätest ens acht Monaten abgeheilt seien, vor allem, wenn man wie im vorliegenden Fall davon ausg ehen könne, dass durch das Unfall- ereignis keine zusätzlichen strukturellen Läsionen verursacht worden seien. Im Weiteren be- schreibe Dr. G.____ im manuell-medizinischen Status noch eine hypermobile untere Thora- xapertur rechts sowie Funktionsstörungen des thoracolumb alen Übergangs. Beide Befunde seien jedoch nicht bzw. nur möglicherweise als Unfallfolge n anzusehen. Sodann gehe aus dem Dossier hervor, dass die Beschwerden auch sehr wechselhaft gewesen seien, manchmal habe auch völlige Beschwerdefreiheit bestanden. Limitierend e Beschwerden seien beim Ausdauer- sport (Ruderergometer, Fahrrad) aufgetreten. Insgesa mt sei nicht klar, wie diese Symptomatik mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch eine einein halb Jahre zurückliegende Kontusion verursacht werden sollte. In Würdigung aller vorliegen den Informationen komme er zum Schluss, dass eine Kausalität der im Februar 2014 vorha ndenen Beschwerden zum Ereignis vom 22. August 2012 bestenfalls möglich, nicht jedoch überwiegend wahrscheinlich sei. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des medizinischen Sachver- haltes vollumfänglich auf die Ausführungen des Kreisar ztes Dr. F.____ vom 28. Februar 2014 und insbesondere vom 26. März 2014. Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Versicherten im Zeitpunkt, auf den sie die strittige Leistungseinstellung anordnete (1. Mai 2014), keine Unfall- folgen mehr vorlagen, die mit dem erforderlichen Bewe isgrad der überwiegenden Wahrschein- lichkeit auf das Unfallereignis vom 22. August 2012 zur ückgeführt werden konnten. Diese vor- instanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Nach der Rechtsprechung kommt zwar dem Bericht eines versicherungsinternen Arztes nicht dersel be Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten e xterner Fachpersonen oder gar wie ei- nem Gerichtsgutachten, ein solcher Bericht ist aber, wie oben ausgeführt (vgl. E. 3.2 hiervor), soweit zu berücksichtigen, als keine - auch nur geringe - Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 471 E. 4. 7). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Feststellungen von Dr. F.____ zu zweifeln. Es ist vielmehr festzuhalten, dass sich dessen Berichte hinreichend mit den bei den Akten lie genden medizinischen Unterlagen auseinandersetzen und eine schlüssige Kausalitätsbeurteilung vornehmen. 5.2 Was der Versicherte in seiner Beschwerde vorbringt, führt zu keiner anderen Beurtei- lung der strittigen Kausalitätsfrage. Der Beschwerdef ührer beruft sich im Wesentlichen auf die Einschätzung seines behandelnden Arztes Dr. G.____, wel cher im Anschluss an die Untersu- chung vom 14. März 2014 in der Krankenakte festgehalten hatte, überwiegend wahrscheinlich bestehe eine „zusammenhängende Konstellation“ zwischen d em Unfallereignis und den Be- schwerden des Versicherten (vgl. E. 4.2 hiervor). Zur Begr ündung dieser Auffassung verwies Dr. G.____ hauptsächlich auf die Aussagen seines Patien ten und auf eine fehlende vorbeste- hende Beschwerdesymptomatik. Diese Kausalitätsbeurteilun g vermag nun aber nicht zu über- zeugen, läuft sie doch auf die Schlussfolgerung hinaus, dass eine gesundheitliche Schädigung durch den Unfall verursacht gilt, weil sie sich nach dem Unfallereignis manifestiert hat. Die be- treffende Argumentation beruht im Ergebnis auf der Beweisformel "post hoc, ergo propter hoc", nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung bereits deshalb als durch den Unfall Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist (B GE 119 V 341 f. E. 2b/bb). Eine solche Beweiswürdigung erweist sich im unfallversicherungsrechtlichen Bereich aber als unzureichend (vgl. Urteil N. des EVG vom 29. November 2006, U 207/06, E. 2.3). Im Weiteren zieht der Beschwerdeführer den Beweiswert des Berichts von Dr. F.____ mit dem Hinweis in Zweifel, dass dessen Einschätzung lediglich au f einer Beurteilung der Akten und nicht auf einer persönlichen Untersuchung beruhe. Mit d iesem Einwand kann der Beschwerde- führer jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine reine Aktenbeurteilung bzw. ein reines Aktengu tachten nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Bew eiswert zukommen, sofern ein lü- ckenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Aktengut achten sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevanten Befunde mehrfach und o hne wesentlichen Widerspruch be- reits erhoben worden sind, aber die Zuordnung zu eine r Diagnose oder der Kausalzusammen- hang und das Ausmass der Behinderung verschieden bewertet werden. In diesen Fällen kann sehr wohl in einem Aktengutachten das Für und Wider de r verschiedenen Meinungen erwogen und die überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine besti mmte Beurteilung deutlich gemacht werden (Urteil G. des Bundesgerichts vom 27. März 2008, 8C_540/2007, E. 3.2 mit Hinweisen). Eine solche Konstellation liegt hier vor. Der Kreisar zt hatte gestützt auf die vorhandenen medi- zinischen Akten hauptsächlich eine Kausalitätsbeurteilung vorzunehmen, d.h. darüber zu befin- den, ob die vom Versicherten geklagten Thoraxbeschwerden noch auf das Unfallereignis vom 22. August 2012 zurückzuführen waren oder ob diese au f unfallfremden Ursachen beruhten. Bei dieser Fragestellung konnte eine ausschliesslich gestützt auf die Akten erstellte Beurteilung durchaus Klärung bringen. 6. Zusammenfassend ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen für die Folgen des Unfallereign isses vom 22. August 2012 per 1. Mai 2014 eingestellt hat. Die gegen den betreffenden Ein spracheentscheid vom 4. Juni 2014 erho- bene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vo r dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 7.2 Die ausserordentlichen Kosten sind wettzuschlagen; di e obsiegende Beschwerdegeg- nerin ist zwar anwaltlich vertreten, Art. 61 lit. g AT SG schränkt den Anspruch auf eine Partei- entschädigung jedoch ausdrücklich auf die Beschwerde führende Person ein. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht