Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. August 2020 (725 20 144 / 204) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Mangels Versicherungsdeckung besteht kein Anspruch des Beschwerdeführers auf Leis- tungen der Ersatzkasse UVG Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter in Susanne Afheldt, Kantonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Marco Albrecht, Advokat, Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz gegen Ersatzkasse UVG , Postfach , 8010 Zürich , Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Mit Unfallmeldung vom 19./21. September 2017 ori entierte B.____ als Inhaber der Einzel- firma C.____ die Ersatzkasse UVG darüber, dass sich sein f rüherer Mitarbeiter A.____ bei ei- nem Verkehrsunfall am 2. Februar 2017 Verletzungen an der Schulter und der Wirbelsäule zu- gezogen habe. Die Ersatzkasse UVG verneinte nach weitere n Abklärungen mit Verfügung vom 9. Februar 2018 eine Leistungspflicht im Zusammenhang mit diesem Unfallereignis. Begrün- dend hielt sie fest, es sei nicht hinreichend erstellt, dass zwischen B.____ und A.____ ein Ar- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht beitsverhältnis bestanden habe. Daran hielt sie auf Ein sprache hin fest (Einspracheentscheid vom 9. März 2020). B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokat Mar co Albrecht, am 8. April 2020 Be- schwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilun g Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschw erde sei der Einspracheentscheid vom 9. März 2020 aufzuheben und es sei festzustellen, dass d ie Ersatzkasse UVG leistungspflichtig sei. Zudem sei ihm sowohl im Einsprache- als auch im Besch werdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen; unter o/e-Kostenfolge. Zu r Begründung brachte er im Wesentli- chen vor, dass seine Arbeitnehmereigenschaft aufgrund d er vorhandenen Akten ausgewiesen sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2020 schloss die Er satzkasse UVG auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 11. Mai 2020 wurde der Fall de m urteilenden Dreiergericht zur Beurtei- lung überwiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dess en Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes üb er die Verfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsge- richt als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerd en gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 8. April 2020 ist demnach einzutreten. 2.1 Nach Art. 1a Abs. 1 UVG sind die in der Schweiz be schäftigten Arbeitnehmer obligato- risch nach den Bestimmungen des UVG versichert. Als Arbeitnehmer gemäss dieser Gesetzes- bestimmung gilt nach Art. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vom 20. De- zember 1982, wer eine unselbstständige Erwerbstätigkeit im Sinne der Bundesgesetzgebung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) au sübt. Die Rechtsprechung hat im Sinne leitender Grundsätze als Arbeitnehmer gemäss UVG bezeichnet, wer um des Erwerbs oder der Ausbildung willen für einen Arbeitgeber, me hr oder weniger untergeordnet, dauernd oder vorübergehend tätig ist, ohne hiebei ein eigene s wirtschaftliches Risiko tragen zu müssen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht (BGE 115 V 55 E. 2d). Im Regelfall besteht zwischen Arb eitnehmer und Arbeitgeber ein Ar- beitsvertrag gemäss Art. 319 ff. des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches, Fünfter Teil: Obligationenrecht ( OR) vom 30. März 1911 oder ein öf- fentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis. Sind solche Recht sverhältnisse gegeben, besteht kaum Zweifel, dass es sich um einen Arbeitnehmer nach UVG handelt. Das Vorhandensein eines Arbeitsvertrags wird jedoch für die Annahme der Versicherteneigenschaft gemäss Art. 1a Abs. 1 UVG nicht vorausgesetzt. Liegt weder ein Arbeitsve rtrag noch ein öffentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis vor, gilt es unter Würdigung der wirtschaftlichen Umstände in ihrer Ge- samtheit zu beurteilen, ob die Arbeitnehmereigenschaft gegeben ist. Entscheidend für die Beja- hung der Arbeitnehmereigenschaft nach Art. 1a UVG ist, ob geleistete Arbeit, ein Unterord- nungsverhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vorliegen (BGE 115 V 55 E. 2d; vgl. auch Urteile vom 18. Sept ember 2019, 8C_500/2018, E. 3, und vom 22. September 2014, 8C_183/2014, E. 7.1). Für die V ersicherungsunterstellung ist grundsätz- lich die Bejahung eines Lohnanspruchs relevant. Einer tatsächlichen Lohnauszahlung bedarf es hingegen nicht (L AURA MANZ /M ILENA GROB , in: Frésard-Fellay/ Leuzinger/Pärli [Hrsg.], Basler Kommentar zum Unfallversicherungsgesetz, N 8 zu Art. 1a UVG). 2.2 Die Versicherung beginnt an dem Tag, an dem der A rbeitnehmer aufgrund der Anstel- lung die Arbeit antritt oder hätte antreten sollen, in jedem Fall aber im Zeitpunkt, da er sich auf den Weg zur Arbeit begibt (Art. 3 Abs. 1 UVG). Sie en det mit dem 30. Tag nach dem Tage, an dem der Anspruch auf mindestens den halben Lohn aufhört (Art. 3 Abs. 2 UVG). 2.3 Ausserhalb des Tätigkeitsbereichs der Schweizerischen U nfallversicherungsanstalt (Suva; vgl. Art. 66 UVG) sorgt der Arbeitgeber dafür, dass seine Arbeitnehmer bei einem Versi- cherer, welcher die obligatorische Unfallversicherung be treibt, versichert sind (Art. 69 UVG). Ist ein Arbeitnehmer, der dem Obligatorium untersteht, b ei einem Unfall nicht versichert, so ge- währt ihm die Ersatzkasse die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Art. 59 Abs. 3 UVG; siehe auch Art. 73 Abs. 1 UVG). 3.1 Der im Sozialversicherungsprozess geltende Untersuchun gsgrundsatz schliesst die Be- weislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwend ig aus, da es – unter Vorbehalt der Mitwirkungspflichten der versicherten Person (Art. 43 Abs. 3 ATSG) – Sache des Sozialversi- cherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle ) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Re- gel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Bew eislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen geblie benen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es si ch als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürd igung einen Sachverhalt zu ermit- teln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen). 3.2 Das Kantonsgericht besitzt in Sozialversicherungssachen d ie vollständige Überprü- fungsbefugnis und ist in der Beweiswürdigung frei (§ 57 VPO in Verbindung mit Art. 61 Satz 1 ATSG; Art. 61 lit. c ATSG). Die Verwaltung als verfüg ende Instanz und – im Beschwerdefall – Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht das Gericht dürfen eine Tatsache sodann nur dann als b ewiesen annehmen, wenn sie von ih- rem Bestehen überzeugt sind (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_552/2008, E. 2 mit Hinweis). Im Sozialversicherungsrecht hat das Geri cht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Bewei sgrad der überwiegenden Wahr- scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines besti mmten Sachverhalts genügt den Be- weisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jene r Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen). 4. Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer zu jene m Personenkreis gehört, für des- sen Versicherung nicht die Suva zuständig ist. Zudem steht fest, dass B.____ keine Versiche- rung abgeschlossen hat. Streitig ist indes, ob der Besch werdeführer als Arbeitnehmer zu quali- fizieren und damit gemäss Art. 1a UVG gegen die Folgen des Unfalls vom 2. Februar 2017 ob- ligatorisch versichert ist. 5. Der rechtserhebliche Sachverhalt stellt sich wie folg t dar: Am 19. September 2017 zeigte B.____ der Beschwerdegegnerin den Unfall des Beschwerd eführers vom 2. Februar 2017 an. Sodann informierte er sie am 20. September 2017 darü ber, dass er über keine gesetzliche Un- fallversicherung verfüge, da er (normalerweise) kein Perso nal beschäftige. Er habe den Be- schwerdeführer ausnahmsweise angestellt, da er selbst im Ja nuar 2017 krank gewesen sei. Eine entsprechende Anmeldung bei der AHV sei erfolgt, eine Unfallversicherung habe er aber nicht abgeschlossen. In der Unfallmeldung vom 21. September 2017 gab B.____ weiter an, den Beschwerdeführer im Rahmen eines befristeten Arbeitsver trags ab 1. Januar 2017 im Umfang von 20 Wochenarbeitsstunden und einem Monatslohn von Fr. 2‘432.-- angestellt zu haben. Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin hin konkretisierte er i n einem undatierten Schreiben (Ein- gang bei der Beschwerdegegnerin am 11. Dezember 2017) , er habe den Beschwerdeführer in der Zeit vom 1. bis 31. Januar 2017 angestellt, da er die Agentur während seiner krankheitsbe- dingten Arbeitsunfähigkeit nicht habe schliessen wollen. Dieser habe Kunden konsultiert, Anrufe entgegengenommen und administrative Aufgaben erledig t. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag sei nicht abgeschlossen worden. Am 20. März 2018 bestätigte di e Ausgleichskasse Y.____, die Lohnmeldung der Einzelfirma C.____ erhalten zu haben . Die Beiträge seien für A.____ abge- rechnet worden. Am 22. Januar 2019 forderte der die B eschwerdegegnerin beratende Recht- anwalt D.____ B.____ auf, weitere Belege (etwa Gesch äftsunterlagen, Kundennamen) beizu- bringen, aus welchen ersichtlich sei, dass der Beschwerdefü hrer für ihn tätig gewesen sei. Die- sem Ansinnen kam B.____ jedoch nicht nach. Bei den Akten liegen ferner zwei Lohnabrechnungen für den Monat Januar 2017 mit unter- schiedlichen Daten und Briefköpfen. Beide Lohnabrechnung en führen einen Bruttolohn von Fr. 2‘432.-- auf. Während auf der Lohnabrechnung vo m 31. Januar 2017 handschriftlich „bar erhalten“ notiert ist, wird die Überweisungsart in derjenigen vom 1. Februar 2017 mit einem ma- schinengeschriebenen „bar“ vermerkt. Beide Lohnabrechnung en enthalten die Unterschrift des Beschwerdeführers. Weiter wird im Lohnausweis 2017 vom 6. Februar 2018 für den Zeitraum vom 1. bis 31. Januar 2017 ein Lohn von Fr. 2‘432.-- b escheinigt. Ferner liegt ein Kontoauszug des Geschäftskontos der C.____ für den Monat Januar 2017 vo r. Darin sind am 19. Januar Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2017 eine Gutschrift der E.____ von Fr. 850.--, am 24. Januar 2017 eine Gutschrift der F.____ von Fr. 1‘650.50 und am 26. Januar 2017 eine Gutschrif t der G.____ von Fr. 588.30 aufgeführt und jeweils mit dem (nachträglich angebrachten) Verme rk „Provision Kunde von A.____“ resp. „Kunde A.____“ gekennzeichnet. Die Gutschrift vom 19. Januar 2017 enthält überdies die Mit- teilung „Provvigioni, H.____“. Schliesslich ergibt sich au s der Lohnmeldung für das Jahr 2017, dass B.____ im Zeitraum vom 1. bis 31. Dezember 2017 d er Ausgleichskasse insgesamt vier Arbeitnehmende meldete, worunter sich auch der Beschwerd eführer befand. Weitere Belege seitens des Beschwerdeführers erfolgten nicht. 6.1 Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen E ntscheid vom 9. März 2020 ihre Leistungspflicht mit der Begründung, es sei dem Beschwe rdeführer nicht gelungen, den Nach- weis zu erbringen, im Monat Januar 2017 für die C.___ _ im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses Arbeit geleistet zu haben. Demgegenüber stellt sich dies er auf den Standpunkt, dass seine Ar- beitnehmereigenschaft aufgrund der vorhandenen Akten ausgewiesen sei. 6.2 Vorab ist festzuhalten, dass kein schriftlicher Arbei tsvertrag vorliegt, weshalb es unter Würdigung der wirtschaftlichen Umstände in ihrer Gesam theit zu beurteilen gilt, ob die Arbeit- nehmereigenschaft des Beschwerdeführers gegeben ist. Dies ist – wie unter E. 2.1 hiervor dar- gelegt – zu bejahen, wenn mit überwiegender Wahrschein lichkeit davon auszugehen ist, dass geleistete Arbeit, ein Unterordnungsverhältnis und di e Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form zu bejahen sind. Zwar sprechen die Lohnabrechnungen für den Monat Januar 2017, der Lohnausweis für das Jahr 2017 und die Lohnme ldung für das Jahr 2017, worin im Monat Januar 2017 übereinstimmend ein AHV-pflichtige r Bruttoverdienst des Beschwerdefüh- rers von Fr. 2‘432.-- bescheinigt wurde, für seinen Loh nanspruch. Aufgrund der eingereichten Unterlagen bestehen aber dennoch ernsthafte Zweifel an dessen Sachverhaltsdarstellung. So liegen für den Monat Januar 2017 zwei Versionen von Lohnabrechnungen mit unterschiedlichen Daten, Briefköpfen und Vermerken vor, was ungewöhnli ch ist und Fragen aufwirft. Zudem fehlt auf den Lohnabrechnungen die Angabe, wann der Lohn ausbezahlt wurde. Damit erweisen sich die Lohnabrechnungen als wenig zuverlässig, weshalb sie ke ine geeigneten Entscheidgrundla- gen darstellen. Da die Salärzahlung den Angaben des Be schwerdeführers zufolge bar erfolgte, was im heutigen Geschäftsverkehr eher ungewöhnlich erschei nt, liegen sodann auch keine Bank- oder Postbelege vor, die den Lohn in der angegeb enen Höhe hinreichend belegen wür- den. Die Deklaration gegenüber der Ausgleichskasse resp. d eren Bestätigung vom 20. März 2018, wonach Lohnbeiträge zugunsten des Beschwerdefüh rers abgerechnet worden seien, ist ebenfalls kein sicherer Nachweis für einen Lohnanspruch, da die AHV-Durchführungsstellen die gemeldeten Löhne aus Praktikabilitätsgründen ohne näh ere Prüfung von Amtes wegen den jeweiligen Individuellen Konten (IK) gutschreiben. Ein e eingehende Prüfung der Lohnmeldun- gen erfolgt gegebenenfalls im Rahmen von Arbeitgeberk ontrollen oder im Zusammenhang mit IK-Berichtigungen, was hier aber nicht der Fall war. W eiter enthalten die Akten keine Einsatz- pläne, Arbeitsrapporte oder sonstige Belege, die den Arbeitseinsatz des Beschwerdeführers belegen würden. B.____ war trotz Aufforderung des ber atenden Rechtsanwalts der Beschwer- degegnerin nicht Willens oder in der Lage, plausible Angaben über das Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer zu machen. Vor diesem Hintergrun d lässt sich auch aus dem Lohnaus- weis 2017 vom 6. Februar 2018 nichts zu Gunsten des Beschwe rdeführers ableiten. Schliess- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich ist nicht ersichtlich, inwiefern mit dem von ihm ein gereichten Auszug aus dem Geschäfts- konto der C.____ für den Monat Januar 2017 seine Arbeitnehmereigenschaft dargetan sein soll. Die Vermerke bei den Gutschriften am 19., 24. und 26. Januar 2017 „Provision Kunde von A.____“ resp. „Kunde A.____“ lassen jedenfalls keine g esicherten Rückschlüsse auf ein allfälli- ges Arbeitsverhältnis zu. Vielmehr kommen aufgrund de r behaupteten Arbeitsaufnahme ab 1. Januar 2017 und mit Blick auf die Gegebenheiten im üblichen Geschäftsverkehr Zweifel auf, dass die im Kontoauszug des Monats Januar 2017 gekennzei chneten Provisionszahlungen tatsächlich mit der Arbeit des Beschwerdeführers zusammen hängen. Überdies erschliesst sich die Aussage des Beschwerdeführers nicht, wonach er Herrn I.____ (oder die E.____) für B.____ habe akquirieren können und die Gutschrift von Fr . 850.-- vom 19. Januar 2017 in die- sem Zusammenhang stehe. Dies gilt umso mehr, als die en tsprechende Gutschrift mit „Provvi- gioni, H.____“ gekennzeichnet ist. Folglich können au ch aus dem vorliegenden Kontoauszug keine sicheren Erkenntnisse zu Gunsten des Beschwerdeführers gewonnen werden. Insgesamt sind seine Angaben und jene von B.____ zweifelhaft, wesh alb nicht unbesehen darauf abge- stellt werden kann. Zudem liegt nichts vor, was das be hauptete Arbeitsverhältnis als überwie- gend wahrscheinlich erscheinen lassen würde. 6.3 Die vom Beschwerdeführer beantragte Befragung der Herren B.____ und I.____ (Inha- ber der E.____) sowie die amtlichen Erkundigungen bei der F.____AG und der G.____ erachtet das Gericht aufgrund der Aktenlage im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung als nicht ziel- führend. B.____ war trotz Aufforderung der Beschwerde gegnerin nicht in der Lage, plausible Angaben über das Arbeitsverhältnis zwischen ihm und dem Beschwerdeführer zu machen, weshalb im Rahmen einer Zeugeneinvernahme nicht mit ne uen sachdienlichen Angaben und entsprechenden Erkenntnissen zu rechnen wäre. Auch ein e Befragung von Herrn I.____ als Zeuge erscheint nicht sinnvoll, wären doch davon kaum neu e Erkenntnisse zu erwarten, zumal der massgebende Sachverhalt mehr als dreieinhalb Jahr zu rückliegt. Mit Blick auf sein eigenes Interesse an einem Beweismittel ist zudem fraglich, wesh alb der Beschwerdeführer diesen Zeugen erst im Beschwerdeverfahren benennt, obwohl er spätestens seit der Verfügung vom 9. Februar 2018 wusste, dass die Beschwerdegegnerin den von ihm geschilderten Sachverhalt anzweifelt. Gleiches gilt für die beantragten amtlichen Erkundigungen der F.____AG und der G.____. Der Beschwerdeführer macht auch nicht geltend, erfolglos versucht zu haben, ein- schlägige Dokumente zu beschaffen. Bei dieser Sachlage be steht für das Gericht kein Anlass für die beantragten Beweismassnahmen, weshalb in anti zipierter Beweiswürdigung (vgl. hierzu BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweis) darauf verzichtet werden kann. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen , und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im Rahmen diese s verfassungsmässigen An- spruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsa- che erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemä sser Beweiswürdigung zur Überzeu- gung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, ka nn auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. 6.4 Nach dem Gesagten ist es zwar möglich, aber nicht in dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdefüh- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rer im Monat Januar 2017 eine unselbständige Tätigkeit ausübte. Auch im vorliegenden Verfah- ren bringt der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer n ichts vor, was seinen Standpunkt plau- sibel erscheinen liesse. Es ist somit mit der Beschwerdeg egnerin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Januar 2017 überwiegend wahrschein lich nicht Arbeitnehmer war. Man- gels Versicherungsdeckung besteht somit kein Anspruch des Be schwerdeführers auf Leistun- gen der Beschwerdegegnerin. Der angefochtene Einsprache entscheid vom 9. März 2020 er- weist sich in diesem Punkt als rechtens. 7.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin den Antrag des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung im Ein spracheverfahren zu Recht mangels Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung abgewiesen hat. 7.2 Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellenden Person im Sozialversiche- rungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewi lligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Kumulative Voraussetzungen für die unentgeltliche Verb eiständung sind Bedürftigkeit, Nicht- aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren sowie sachliche Gebot enheit der Vertretung (BGE 132 V 200 E. 4.1). Bei den Voraussetzungen der fi nanziellen Bedürftigkeit und der feh- lenden Aussichtslosigkeit ist keine strengere Prüfung als im Gerichtsverfahren angebracht (vgl. UELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 37 Rz. 43). Demgegenüber ist die Voraussetzung der Erforderlichkeit der Vertretung für das Verwaltungs- verfahren strenger zu prüfen als im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 lit. f ATSG (vgl. Urtei- le des Bundesgerichts vom 7. April 2017, 8C_669/2016, E . 2.1, vom 10. April 2015, 8C_48/2015, E. 4.1, publ. in: ARV 2015 S. 161, und vom 24. Januar 2006, I 812/05, E. 4.3). Eine Rechtsprechung, die darauf hinausliefe, in praktisch allen oder den meisten Verwaltungs- verfahren die Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretu ng zu bejahen oder diese unter den glei- chen Voraussetzungen wie im Beschwerdeverfahren zu gewähr en, stände im Widerspruch zur gesetzlichen Regelung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2018, 8C_240/2018, E. 3.2). 7.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren namentlich mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz gilt, die Versicherungstr äger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserhebliche n Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Obje ktivität, Neutralität und Gesetzesge- bundenheit zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG, vgl. da zu BGE 136 V 377 E. 4.1.1), nur in Aus- nahmefällen zu bejahen. Die Geltung des Untersuchungsgr undsatzes rechtfertigt somit einen strengen Massstab, schliesst aber die sachliche Gebotenheit der unentgeltlichen Verbeistän- dung nicht grundsätzlich aus (BGE 130 I 180 E. 3.2, 125 V 32 E. 4b). Es müssen sich schwieri- ge Fragen rechtlicher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu berücksichtigen sind die konkreten Umstände des Einzelfalls, Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie weitere Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der K omplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch bei der versicherten Person liegende Gründe in Betracht, etwa ihre Fähigkeit, sich im Verfahren zu rechtzufinden. Massgebend ist dabei auch die Frage, ob die Vertretung durch einen Sozialarbei ter bzw. eine Sozialarbeiterin oder durch Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen in Frage kommt (BGE 132 V 200, E. 4.1; Urtei- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht le des Bundesgerichts vom 7. April 2017, 8C_669/2016, E. 2.1, vom 7. Juli 2016, 8C_676/2015, E. 7.1, nicht publ. in BGE 142 V 342, vom 14. Juni 20 17, 9C_ 680/2016, E. 4.1.1, vom 6. April 2017, 9C_29/2017, E. 1 und vom 23. Februar 2016, 8C_ 931/2015, E. 3, publ. in: SVR 2016 IV Nr. 17 S. 50; vgl. auch K IESER , a.a.O., Art. 37 Rz. 37 ff.). Falls ein besonders starke r Eingriff in die Rechtsstellung der versicherten Person droht, ist die Verbeiständung grundsätzlich geboten, andernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls b esondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller a uf sich alleine gestellt nicht gewach- sen ist (BGE 132 V 200 f. E. 4.1, 125 V 35 f. E. 4b; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 10. April 2015, 8C_48/2015, E. 2.2 und vom 22. Febr uar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2; je mit Hinweisen). 7.4 Materiell strittig war die Frage, ob der Beschwer deführer im Januar 2017 in einem Ar- beitsverhältnis stand. Dabei hatte er einspracheweise e inzig die tatsächlichen Gegebenheiten (etwa Einsatzpläne oder Bestätigungen allfälliger Kun dschaft oder Mitarbeitenden) darlegen müssen, die das behauptete Arbeitsverhältnis im Monat Jan uar 2017 hätten glaubhaft erschei- nen lassen. Dieser Nachweis wäre ihm ohne weiteres mögl ich gewesen, weshalb er dazu kei- ner anwaltlichen Vertretung bedurfte. Dies gilt vorl iegend umso mehr, als die Verfügung vom 9. Februar 2018 ausreichend begründet und verständlich ist. Beachtet man zusätzlich, dass an die Notwendigkeit bzw. die sachliche Gebotenheit (der anwaltlichen Vertretung) aufgrund der in diesem Verfahren geltenden Offizialmaxime strenge Vorau ssetzungen zu stellen sind (vgl. E. 7.2 hiervor), ist diese im vorliegenden Fall auch dann abzulehnen, wenn die Verneinung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die fina nzielle Situation des Beschwerdefüh- rers zweifellos von Bedeutung war. Demnach ist nicht zu be anstanden, dass die Vorinstanz die Notwendigkeit einer Rechtsvertretung im Einspracheverfah ren als nicht notwendig erachtete. Damit erübrigt sich eine Prüfung der weiteren Vorauss etzungen (Bedürftig- keit/Aussichtslosigkeit). Es ist daher im Ergebnis festzustell en, dass der Beschwerdeführer kei- nen Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung im Eins pracheverfahren hat. Auch in diesem Punkt ist die Beschwerde abzuweisen. 8.1 Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahr ens zu befinden. 8.2 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Par- teien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorlie gende Verfahren keine Kosten zu er- heben. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG). 8.3.1 Abschliessend bleibt über den Antrag des Beschwerde führers zu befinden, es sei ihm für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Verb eiständung mit seinem Rechtsvertreter zu bewilligen. Gemäss Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG wird de r Beschwerde führenden Person, wo die Verhältnisse es rechtfertigen, ein unentgeltlicher Rech tsbeistand bewilligt. Praxisgemäss ist die unentgeltliche Verbeiständung im kantonalen Beschwerd everfahren zu gewähren, wenn der Prozess nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, die Par tei bedürftig und die anwaltliche Ver- beiständung notwendig oder doch geboten ist, wobei die Anforderungen an die Notwendigkeit weniger streng sind als im Verwaltungsverfahren (KIESER , a.a.O., Art. 61 Rz. 186 ff. mit Hinwei- sen auf die Rechtsprechung). Diese Voraussetzungen sind v orliegend zu bejahen: Die Bedürf- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht tigkeit des Versicherten ist gestützt auf die eingereicht en Unterlagen gegeben, die Beschwerde kann nicht als offensichtlich aussichtslos bezeichnet werden und die anwaltliche Vertretung war geboten. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltli che Verbeiständung im vorliegen- den Verfahren ist demnach zu bewilligen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältin- nen und Anwälte (TO) vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbei- ständung Fr. 200.-- pro Stunde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in seiner Hono- rarnote vom 25. Mai 2020 für das vorliegende Verfahr en einen Zeitaufwand von 6 Stunden und 45 Minuten geltend gemacht, was in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechts- fragen nicht zu beanstanden ist. Hinzu kommen Auslagen in der Höhe von Fr. 20.40. Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist demnach ein Honor ar in der Höhe von Fr. 1'475.90 (6,75 Stunden à Fr. 200.-- + Auslagen von Fr. 20.40 zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten. 8.3.2 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständun g wird dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 1’475.90 (inkl. Auslagen und 7,7 % Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht