<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 39 S.189</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">189</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>39</b></span> <span class="ft2"><b>Gebäudehöhe und Geschossigkeit (gewachsenes Terrain).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>-</b></span> <span class="ft2"><b>Auslegung von § 13 Abs. 2 ABauV (Kodifizierung der bisherigen Pra-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>xis); durch eine formell rechtskräftig bewilligte Terrainveränderung</b></span><br/> <span class="ft2"><b>wird ein neuer, auch für allfällige Neubauten geltender Terrainverlauf</b></span><br/> <span class="ft2"><b>definiert (Erw. 2).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 31. August 2005 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen H. &amp; Co. Immobilien gegen Baudepartement.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">1. Die Beschwerdeführerin plant auf den Parzellen Nrn. 216,</span><br/> <span class="ft1">217 und 218 die Erstellung von vier nach Südwesten ausgerichteten</span><br/> <span class="ft1">Mehrfamilienhäusern (Häuser A, B, C und D). In jedem Haus sind</span><br/> <span class="ft1">eine Wohnung zu 5 ½ Zimmern, vier Wohnungen zu 4 ½ Zimmern</span><br/> <span class="ft1">und zwei Wohnungen zu 3 ½ Zimmern vorgesehen; die Gesamtzahl</span><br/> <span class="ft1">der Wohneinheiten beträgt somit 28. Die Häuser weisen je ein Erdge-</span><br/> <span class="ft1">schoss, ein 1. Obergeschoss und ein Attikageschoss auf und sind mit</span><br/> <span class="ft1">Flachdächern bedeckt. Die Grundrisse sind identisch. Die Fassaden-</span><br/> <span class="ft1">längen betragen 27.74 m bzw. 16.49 m. Im Untergeschoss befindet</span><br/> <span class="ft1">sich eine Sammelgarage mit insgesamt 43 Autoabstellplätzen; die</span><br/> <span class="ft1">Ausfahrtsrampe mündet auf der Höhe des Hauses A in die Chören-</span><br/> <span class="ft1">mattstrasse. Oberirdisch sind neun Autoabstellplätze für Besucher</span><br/> <span class="ft1">vorgesehen.</span><br/> <span class="ft1">2. 2.1. Die Baugrundstücke liegen in der Wohnzone 2-ge-</span><br/> <span class="ft1">schossig (W 2) gemäss dem Bauzonenplan der Gemeinde Berikon</span><br/> <span class="ft1">vom 5. Dezember 1991 / 18. Januar 1994 (letztmals revidiert am</span><br/> <span class="ft1">1. Dezember 1994 / 23. Januar 1996); dort sind maximal zwei</span><br/> <span class="ft1">Vollgeschosse zulässig, und die maximal zulässige Gebäudehöhe</span><br/> <span class="ft1">beträgt in der Ebene 7.0 m und am Hang 7.4 m (Art. 42 der Bau- und</span><br/> <span class="ft1">Nutzungsordnung der Gemeinde Berikon [BNO] mit denselben</span><br/> <span class="ft1">Beschluss- und Genehmigungsdaten wie der Bauzonenplan). In Be-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">190</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zug auf die Geschossigkeit und die Gebäudehöhen hielt das Baude-</span><br/> <span class="ft1">partement Folgendes fest: Das Haus A sei rechtmässig. Die Häuser B</span><br/> <span class="ft1">und C dagegen seien dreigeschossig, weil das unterste Geschoss auf</span><br/> <span class="ft1">weiten Teilen das in den Fassaden- und Schnittplänen als gewachse-</span><br/> <span class="ft1">nes Terrain bezeichnete Gelände vollständig bzw. weitgehend über-</span><br/> <span class="ft1">schreite, und auch zu hoch. Das Haus D wiederum sei dreige-</span><br/> <span class="ft1">schossig, weil an der Nordfassade auf mehr als einem Drittel der</span><br/> <span class="ft1">Fassadenlänge abgegraben werde; auch rage das unterste Geschoss</span><br/> <span class="ft1">mehr als 0.8 m aus dem als gewachsenes Terrain bezeichneten Ge-</span><br/> <span class="ft1">lände, während die Gebäudehöhe bei Zugrundelegung dieses Ter-</span><br/> <span class="ft1">rains in Ordnung sei. Nun sei allerdings nicht vom aktuell bestehen-</span><br/> <span class="ft1">den (und in den Plänen fälschlicherweise als gewachsen bezeichne-</span><br/> <span class="ft1">ten) Terrain auszugehen, sondern von jenem, das vor der im Jahre</span><br/> <span class="ft1">1984 bewilligten Aufschüttung vorgelegen habe. Dies führe dazu,</span><br/> <span class="ft1">dass sich die Abweichungen vom Erlaubten in Bezug auf Geschos-</span><br/> <span class="ft1">sigkeit und Gebäudehöhe noch akzentuierten.</span><br/> <span class="ft1">2.2. Vorab ist somit klarzustellen, welches das hier massge-</span><br/> <span class="ft1">bende gewachsene Terrain ist.</span><br/> <span class="ft1">2.2.1. Über die Messweise bei der Bestimmung der Bauhöhen</span><br/> <span class="ft1">bestimmt § 12 ABauV (in der Fassung vom 12. Juli 2000) Folgendes:</span><br/> <span class="ft5">"</span><span class="ft6"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Die Gebäudehöhe wird vom anschliessenden gewachsenen Terrain</span><br/> <span class="ft5">bis zum Schnitt der Fassade mit der Dachoberfläche (...) gemessen.</span><br/> <span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Die Firsthöhe wird vom anschliessenden gewachsenen Terrain bis</span><br/> <br/> <span class="ft5">zum höchsten Punkt der Dachoberfläche gemessen.</span><br/> <span class="ft6"><sup>3</sup></span><span class="ft5">Am Hang werden Gebäudehöhe, Firsthöhe und Geschosszahl tal-</span><br/> <br/> <span class="ft5">seitig gemessen. (...)"</span><br/> <span class="ft1">Weiter enthält §</span> <span class="ft1">13 ABauV die folgende Definition des</span><br/> <span class="ft1">gewachsenen Terrains:</span><br/> <span class="ft5">"</span><span class="ft6"><sup>1</sup></span><span class="ft5">Das gewachsene Terrain ist der bei Einreichung des Baugesuches</span><br/> <span class="ft5">bestehende Verlauf des Bodens. Kleine Geländeunebenheiten inner-</span><br/> <span class="ft5">halb des Gebäudegrundrisses werden vernachlässigt.</span><br/> <span class="ft6"><sup>2</sup></span><span class="ft5">Auf frühere Verhältnisse ist zurückzugreifen, wenn das Terrain im</span><br/> <br/> <span class="ft5">Hinblick auf das Bauvorhaben verändert worden ist."</span><br/> <span class="ft1">2.2.2. Die Diskussion über die Lage des gewachsenen Terrains</span><br/> <span class="ft1">ist durch die folgende Vorgeschichte ausgelöst worden: Mit Datum</span><br/> <span class="ft1">vom 18. Juli 1983 reichte die Kollektivgesellschaft H. &amp; Co. Immo-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">191</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">bilien ein Baugesuch für eine Terrain-Auffüllung auf der Parzelle IR</span><br/> <span class="ft1">117 ein, und zwar teilweise innerhalb, teilweise ausserhalb des Bau-</span><br/> <span class="ft1">gebiets. Gestützt auf die Teilverfügung der Baugesuchszentrale des</span><br/> <span class="ft1">Baudepartements vom 15. November 1983, wonach der Terrainver-</span><br/> <span class="ft1">änderung ausserhalb des Baugebiets nur zugestimmt wurde, soweit</span><br/> <span class="ft1">sie 1 m ab gewachsenem Terrain nicht überstieg, verlangte der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat mit Beschluss vom 28. November 1983 eine neue Bauein-</span><br/> <span class="ft1">gabe. Diese erfolgte mit Schreiben der Bauherrschaft vom 16. De-</span><br/> <span class="ft1">zember 1983. Einsprachen während der öffentlichen Auflage vom</span><br/> <span class="ft1">5. bis zum 25. Januar 1984 wurden keine erhoben. Mit Beschluss</span><br/> <span class="ft1">vom 6. Februar 1984 erteilte der Gemeinderat die Baubewilligung,</span><br/> <span class="ft1">unter Beifügung u.a. der folgenden Nebenbestimmung:</span><br/> <span class="ft5">"2. Bei künftigen Bauvorhaben im Bereiche der Aufschüttung ist das</span><br/> <span class="ft5">ursprünglich gewachsene Terrain zu berücksichtigen. Der Plan,</span><br/> <span class="ft5">Terrainprofile Mst. 1 : 200 vom 14. Dezember 1983, ist für die Be-</span><br/> <span class="ft5">stimmung des ursprünglich gewachsenen Terrains massgebend."</span><br/> <span class="ft1">In der Folge focht die Bauherrschaft die erwähnte Klausel mit</span><br/> <span class="ft1">folgender Begründung beim Baudepartement an:</span><br/> <span class="ft5">"Die Auflage des Gemeinderates besitzt keine gesetzliche Grundlage.</span><br/> <span class="ft5">Unser Land wurde 'verlocht' wegen des Baues der neuen und</span><br/> <span class="ft5">hochgelegenen Erschliessungsstrasse. Die geplante Auffüllung be-</span><br/> <span class="ft5">zweckt lediglich die Anpassung an das neue Strassenniveau. Sicher</span><br/> <span class="ft5">hat aus diesem Grund auch die Baugesuchszentrale in ihrem Schrei-</span><br/> <span class="ft5">ben vom 15.11.83 (...) der Auffüllung zugestimmt. Wenn man auf-</span><br/> <span class="ft5">füllen darf, so muss doch das neue Niveau für eine neue Überbauung</span><br/> <span class="ft5">gelten. Das alte Niveau wurde durch den Strassenbau überholt."</span><br/> <span class="ft1">Auf ein bei ihm eingereichtes Wiedererwägungsgesuch gleichen</span><br/> <span class="ft1">Inhalts hin beschloss der Gemeinderat am 27. Februar 1984, den Satz</span><br/> <span class="ft1">"Bei künftigen Bauvorhaben im Bereiche der Aufschüttung ist das</span><br/> <span class="ft1">ursprünglich gewachsene Terrain zu berücksichtigen." in Ziffer 2 der</span><br/> <span class="ft1">Verfügung vom 6. Februar 1984 zu streichen. Er begründete dies wie</span><br/> <span class="ft1">folgt:</span><br/> <span class="ft5">"Der Gemeinderat stellt fest, dass lediglich die Terrainauffüllung</span><br/> <span class="ft5">Gegenstand des Gesuches war. Der Gemeinderat hat somit seine Ver-</span><br/> <span class="ft5">fügungsberechtigung überschritten, wenn er bereits in die Verfügung</span><br/> <span class="ft5">zur Terrainauffüllung Dispositionen betreffend künftige Bauvorha-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">192</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">ben aufnimmt. - Er ist deshalb ohne weiteres bereit, auf den Wieder-</span><br/> <span class="ft5">erwägungsantrag einzutreten und den Satz betreffend künftige Bau-</span><br/> <span class="ft5">vorhaben aus Zif. II.2 der Bewilligung vom 6. Februar 1984 zu strei-</span><br/> <span class="ft5">chen.</span><br/> <span class="ft5">Seine im Beschluss vom 6. Februar 1984 enthaltene Meinung be-</span><br/> <span class="ft5">treffend Hochbauten im Bereiche der Aufschüttung ändert er nicht,</span><br/> <span class="ft5">resp. es wird darüber in diesem Verfahren nicht weiter beraten. - So-</span><br/> <span class="ft5">fern die H. &amp; Co. einen verbindlichen Entscheid zur Frage der Ge-</span><br/> <span class="ft5">schosszahl künftiger Bauvorhaben erwirken will, müsste sie ein</span><br/> <span class="ft5">Baugesuch oder zumindest einen Vorentscheid unterbreiten.</span><br/> <span class="ft5">(...)"</span><br/> <span class="ft1">2.2.3. 2.2.3.1. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist</span><br/> <span class="ft1">eine Norm in erster Linie aus sich selbst heraus, d.h. nach Wortlaut,</span><br/> <span class="ft1">Sinn und Zweck und den ihr zu Grunde liegenden Wertungen, aber</span><br/> <span class="ft1">auch nach der Entstehungsgeschichte auszulegen. Auszugehen ist</span><br/> <span class="ft1">vom Wortlaut, doch kann dieser nicht allein massgebend sein. Be-</span><br/> <span class="ft1">sonders wenn der Text unklar ist oder verschiedene Deutungen zu-</span><br/> <span class="ft1">lässt, muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Be-</span><br/> <span class="ft1">rücksichtigung weiterer Auslegungselemente, wie namentlich der</span><br/> <span class="ft1">Entstehungsgeschichte der Norm, ihrem Zweck und ihrem</span><br/> <span class="ft1">Zusammenhang mit andern Bestimmungen (Bundesgericht, in: ZBl</span><br/> <span class="ft1">102/2001, S. 84 und BGE 125 II 152, je mit Hinweisen; siehe auch</span><br/> <span class="ft1">AGVE 2003, S. 191 f.). Nach Massgabe dieser Grundsätze ist auch</span><br/> <span class="ft1">§ 13 ABauV zu deuten.</span><br/> <span class="ft1">2.2.3.2. Schon aus dem Wortlaut der Bestimmung lassen sich</span><br/> <span class="ft1">verschiedene Schlüsse ziehen. Klar ist zunächst, dass Abs. 1 den</span><br/> <span class="ft1">Grundsatz wiedergibt und Abs. 2 einen Sondertatbestand regelt; dies</span><br/> <span class="ft1">spricht für eine eher restriktive Auslegung. Im Weiteren setzt die</span><br/> <span class="ft1">Ausnahmesituation voraus, dass die Terrainveränderung mit einem</span><br/> <span class="ft1">konkreten Baugesuch in Verbindung gebracht werden kann ("[...] im</span><br/> <span class="ft1">Hinblick auf <i>das</i> Bauvorhaben [...]"), d.h. im Zeitpunkt der Terrain-</span><br/> <span class="ft1">veränderung muss sich die Planungsidee so weit verfestigt haben,</span><br/> <span class="ft1">dass die wesentlichen Randbedingungen der in Aussicht genomme-</span><br/> <span class="ft1">nen Baute bekannt sind. Damit scheiden länger zurückliegende</span><br/> <span class="ft1">Terrainveränderungen in aller Regel aus. Ihre Berücksichtigung wäre</span><br/> <span class="ft1">namentlich darum problematisch, weil der ursprüngliche Terrain-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">193</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">verlauf häufig gar nicht mehr zuverlässig rekonstruiert werden</span><br/> <span class="ft1">könnte und es aus naheliegenden Gründen - Zeugen nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">verfügbar, mangelndes Erinnerungsvermögen - auch nicht einfach</span><br/> <span class="ft1">ist, auf längere Zeit zurück eine bestimmte Absicht zu ergründen.</span><br/> <span class="ft1">Unter diesem Aspekt ist also ein enger zeitlicher Zusammenhang</span><br/> <span class="ft1">erforderlich. Auf der andern Seite soll sichergestellt werden, dass der</span><br/> <span class="ft1">Bauherr nicht mittels einer gezielt vorgenommenen Aufschüttung die</span><br/> <span class="ft1">Vorschriften über die Gebäude- und Firsthöhe unterlaufen kann.</span><br/> <span class="ft1">Bereits in einem älteren Urteil hat das Verwaltungsgericht die Sache</span><br/> <span class="ft1">wie folgt auf den Punkt gebracht (siehe AGVE 1984, S. 405 f.):</span><br/> <span class="ft5">"Auch das Gebiet der Gemeinde Fislisbach ist seit Jahrhunderten</span><br/> <span class="ft5">vielfältigst von Menschen verändert worden; der Urzustand ist end-</span><br/> <span class="ft5">gültig verloren. Diskutieren kann man bloss, ob irgendeine be-</span><br/> <span class="ft5">stimmte frühere, historische und damit immer nur relativ natürliche</span><br/> <span class="ft5">Terraingestaltung massgebend sein muss. Im Grundsatz kann dem</span><br/> <span class="ft5">nicht so sein. Dies führte zu völlig unpraktikablen Lösungen. Das</span><br/> <span class="ft5">Ergebnis wäre dem Zufall ausgeliefert, könnte doch kein einheitli-</span><br/> <span class="ft5">cher Zeitpunkt bestimmt und die seitherige Entwicklung oft nicht</span><br/> <span class="ft5">genügend ermittelt werden. Normalerweise muss daher als unterer</span><br/> <span class="ft5">Bezugspunkt der Höhenmessung die effektive Oberfläche des Bau-</span><br/> <span class="ft5">grundstückes angenommen werden, so wie sie sich im Zeitpunkt der</span><br/> <span class="ft5">Erteilung der Baubewilligung präsentiert. Nur dieser tatsächliche</span><br/> <span class="ft5">Ausgangspunkt erlaubt es, den Sinn des Gesetzes zu verwirklichen.</span><br/> <span class="ft5">Es will unter den heutigen Gegebenheiten Licht, Luft und Sonne er-</span><br/> <span class="ft5">möglichen und eine siedlungsgestalterisch befriedigende Über-</span><br/> <span class="ft5">bauung erreichen. Massgebend ist also grundsätzlich nicht irgend ein</span><br/> <span class="ft5">früherer, sondern der heutige Zustand des Terrains, d.h. das Terrain,</span><br/> <span class="ft5">wie es sich darstellt, bevor es der jetzt Bauwillige verändert. Immer-</span><br/> <span class="ft5">hin sind allenfalls Terrainveränderungen, die der Bauherr im Zu-</span><br/> <span class="ft5">sammenhang mit der Vorbereitung eines Baugesuches oder einer</span><br/> <span class="ft5">Überbauung vornimmt, dementsprechend zu berücksichtigen, auch</span><br/> <span class="ft5">wenn sie früher vorgenommen wurden. So soll namentlich verhindert</span><br/> <span class="ft5">werden, dass die Vorschriften über die Gebäudehöhe umgangen</span><br/> <span class="ft5">werden können."</span><br/> <span class="ft1">Es ist offensichtlich, dass es der Wille des Verordnungsgebers</span><br/> <span class="ft1">war, diese Praxis beim Erlass der ABauV zu kodifizieren.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">194</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.2.4. Nach Auffassung des Baudepartements ist auf das alte,</span><br/> <span class="ft1">vor der Aufschüttung vorhandene Terrain abzustellen. Projektver-</span><br/> <span class="ft1">fasser U.H. habe anlässlich der Einspracheverhandlung vom</span><br/> <span class="ft1">22. Oktober 2003 ausgesagt, die Aufschüttung sei vorgenommen</span><br/> <span class="ft1">worden, damit im Hinblick auf eine zukünftige Überbauung die Ge-</span><br/> <span class="ft1">bäude nicht zu tief zu liegen kämen. Den gleichen Schluss legten</span><br/> <span class="ft1">auch die Schreiben der Beschwerdeführerin vom 2. September 1983</span><br/> <span class="ft1">und 28. Februar 1984 sowie die Tatsache nahe, dass sie den gemein-</span><br/> <span class="ft1">derätlichen Beschluss vom 6. Februar 1984 angefochten habe. Die</span><br/> <span class="ft1">Aufschüttung sei nicht in erster Linie erfolgt, um die bestehende</span><br/> <span class="ft1">Senke aufzufüllen. Im nördlichsten Teil des Bauplatzes möge dies</span><br/> <span class="ft1">der Fall gewesen sein, doch im Übrigen habe die Aufschüttung</span><br/> <span class="ft1">hauptsächlich dazu gedient, das Terrain insbesondere bis zur (dama-</span><br/> <span class="ft1">ligen) Bauzonengrenze teilweise massiv anzuheben. Dabei habe es</span><br/> <span class="ft1">sich nicht um eine gleichmässige Anhebung gehandelt, sondern das</span><br/> <span class="ft1">Terrain sei insbesondere bis zum Bauzonenrand mit anschliessender</span><br/> <span class="ft1">Böschung zur Nichtbauzone angehoben worden. Aus der wiederer-</span><br/> <span class="ft1">wägungsweisen Aufhebung von Ziffer 2 des Gemeinderatsbe-</span><br/> <span class="ft1">schlusses vom 6. Februar 1984 im Beschluss vom 27. Februar 1984</span><br/> <span class="ft1">könne die Beschwerdeführerin angesichts der Erwägungen in diesem</span><br/> <span class="ft1">Beschluss nichts zu ihren Gunsten ableiten; es resultiere daraus keine</span><br/> <span class="ft1">Vertrauensgrundlage.</span><br/> <span class="ft1">Es erscheint müssig, im Zusammenhang mit der Festlegung des</span><br/> <span class="ft1">massgebenden gewachsenen Terrains Motivforschung zu betreiben,</span><br/> <span class="ft1">wie dies das Baudepartement tut. Die Terraingestaltung, um welche</span><br/> <span class="ft1">es heute geht, ist am 6. Februar 1984 formell rechtskräftig bewilligt</span><br/> <span class="ft1">worden, und zwar - wenn auch der Wiedererwägungsentscheid vom</span><br/> <span class="ft1">28. November 1984 in Betracht gezogen wird - ohne jeden Vorbehalt</span><br/> <span class="ft1">in Bezug auf das für künftige Überbauungen massgebende</span><br/> <span class="ft1">gewachsene Terrain. Derartigen, rechtlich abgesicherten Terrainver-</span><br/> <span class="ft1">änderungen ist immanent, dass sie einen neuen Terrainverlauf</span><br/> <span class="ft1">definieren, der auch für allfällige Neubauten gilt. Der gemeinderätli-</span><br/> <span class="ft1">chen "reservatio mentalis" im Beschluss vom 28. November 1984</span><br/> <span class="ft1">(siehe vorne Erw. 2.2.2.) kommt keinerlei verbindliche Bedeutung</span><br/> <span class="ft1">zu, weil sie nicht im Beschlussdispositiv enthalten ist (siehe</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1992, S. 351 mit Hinweisen). Überdies hat der Gemeinderat</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">im Baubewilligungsentscheid vom 15. Dezember 2003 bekundet,</span><br/> <span class="ft1">dass er entgegen seinem früheren "obiter dictum" nunmehr der</span><br/> <span class="ft1">Meinung ist, dass der heutige Terrainverlauf als "gewachsenes</span><br/> <span class="ft1">Terrain" zu gelten habe. Er hat dabei richtigerweise auch darauf</span><br/> <span class="ft1">hingewiesen, dass seit nicht weniger als 20 Jahren der gleiche, 1984</span><br/> <span class="ft1">bewilligte Terrainverlauf bestehe. Unbestritten ist schliesslich, dass</span><br/> <span class="ft1">die im Jahre 1984 vorgenommene Terrainaufschüttung nicht mit ei-</span><br/> <span class="ft1">nem konkreten Bauvorhaben auf den Parzellen Nrn. 216, 217 und</span><br/> <span class="ft1">218 zusammenhängt, wenn sich dadurch auch die Chance eröffnete,</span><br/> <span class="ft1">später vom erhöhten Terrain aus zu bauen. Auch unter diesen</span><br/> <span class="ft1">allgemeinen Gesichtspunkten erweist sich der angefochtene</span><br/> <span class="ft1">Entscheid nicht als haltbar (siehe vorne Erw. 2.2.3.2.).</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>