<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd"> <html lang="en" xml:lang="en" xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head><meta charset="utf-8"/> <title>Verwaltungsgericht des Kantons ZÃ¼rich: VB.2020.00348</title> <link href="/findinfo/stylesheets/main.css" rel="stylesheet" type="text/css"/> </head> <body> <!-- HEADER --> <table> <tr> <td colspan="5"> <table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="submenu_sel" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/standard.htm">Standard Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/xhtmltemplates/advanced.htm">Erweiterte Suche</a></td> <td> | </td> <td class="submenu" nowrap="nowrap"><a href="/findinfo/help/index.htm">Hilfe</a></td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- /HEADER --> <br/> <!-- ZUM ERSTEN TREFFER --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br/><br/> </td> <td align="right"> <a href="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getDocument&amp;cSprache=GER&amp;nF30_KEY=220752&amp;W10_KEY=13013479&amp;nTrefferzeile=1&amp;Template=standard/results/printviewdocument.fiw" target="_blank"><img align="bottom" alt="" src="/findinfo/images/icons/drucken.gif" title="Druckansicht"/><span> </span>Druckansicht</a> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /ZUM ERSTEN TREFFER --> <!-- Metadaten --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <table cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td nowrap="nowrap" width="180"><b>GeschÃ¤ftsnummer: </b></td> <td><b>VB.2020.00348</b></td> <td width="100%"> </td> </tr> <tr> <td>Entscheidart und -datum: </td> <td colspan="4">Endentscheid vom 11.11.2020</td> </tr> <tr> <td>SpruchkÃ¶rper: </td> <td colspan="4">2. Abteilung/2. Kammer</td> </tr> <tr> <td>Weiterzug: </td> <td colspan="4">Das Bundesgericht hat eine Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen diesen Entscheid am 20.08.2021 gutgeheissen, den Entscheid aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an das Verwaltungsgericht zurÃ¼ckgewiesen.</td> </tr> <tr> <td>Rechtsgebiet: </td> <td colspan="4">AuslÃ¤nderrecht</td> </tr> <tr> <td><b>Betreff: </b><br/><br/></td> <td colspan="4"><b>Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung</b><br/><br/></td> </tr> <tr> <td colspan="5"><br/><b>Widerruf der Aufenthaltsbewilligung; Rückkehr in den Kongo. [Der Beschwerdeführer stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und lebt seit 33 Jahren in der Schweiz. Seit 20 Jahren ist er praktisch durchgehend von der öffentlichen Fürsorge abhängig und konnte sich in beruflicher Hinsicht nicht integrieren.] Nach Art. 33 Abs. 3 AIG kann eine Aufenthaltsbewilligung verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AIG vorliegen. Aufgrund des langjährigen Bezugs von Sozialhilfegeldern in immenser Höhe erfüllt der Beschwerdeführer den Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG (E. 4.3). Bei der Verhältnismässigkeit des Widerrufs ist insbesondere ein allfälliges Verschulden der Sozialhilfeabhängigkeit zu berücksichtigen (E. 4.4). Aus dem beruflichen Werdegang und der Krankheitsgeschichte des Beschwerdeführers ergibt sich, dass dieser in den vergangenen 20 Jahren primär Kurzeinsätze für Arbeitsvermittlungsunternehmen leistete und nur wenige Monate einer existenzsichernden Tätigkeit nachging. Selbst unter Miteinbezug seiner jahrelangen gesundheitlichen Schwierigkeiten ist nicht zu ergründen, weshalb er die letzten 33 Jahre nicht nutzte, um sich beruflich zu qualifizieren oder weiterzubilden. Trotz zahlreicher belegter Arbeitsbemühungen erscheint die Sozialhilfeabhängigkeit als überwiegend selbstverschuldet (E. 4.5). Zu berücksichtigen sind sodann die privaten Interessen des Beschwerdeführers am weiteren Verbleib in der Schweiz, insbesondere die lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz. Der Beschwerdeführer ist hier sozial integriert. In seinem Heimatland hat er trotz fehlender familiärer Bindungen aber nach wie vor kollegiale Kontakte und führte auch auf selbständiger Basis von 2009 bis 2015 eine Boutique. Ferner spricht der Beschwerdeführer zwei Landsprachen (Lingala und Französisch) (E. 4.6.1). Bei der beruflichen Wiedereingliederung im Kongo sind neben seinem Alter (57 Jahre) auch seine gesundheitlichen Probleme hinderlich (E. 4.6.2). Zur Verhältnismässigkeitsprüfung gehört ferner auch die Prüfung der Frage, welche Zustände der Betroffene im Heimatstaat oder einem Drittstaat antreffen würde, und ob ihm im Hinblick hierauf eine Rückkehr zumutbar erscheint (E. 4.7.1). Das Bundesverwaltungsgericht hielt im Referenzurteil E-731/2016 zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Kongo (Kinshasa) fest, dass die sozioökonomische Lage im Allgemeinen und in Kinshasa im Besonderen prekär sei. Vor dem Hintergrund der Lage in der Demokratischen Republik Kongo erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Rückkehr von Personen grundsätzlich nur als zumutbar, wenn der letzte Wohnsitz der betroffenen Person in Kinshasa oder einer anderen, über einen Flughafen verfügenden Stadt im Westen des Lands war, oder wenn die Person in einer dieser Städte über ein gefestigtes Beziehungsnetz verfügt. In aller Regel erscheine der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, wenn die zurückführende Person Kinder in ihrer Begleitung hat, für mehrere Kinder verantwortlich ist, sich bereits in einem vorangeschrittenen Alter oder in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befindet oder wenn es sich bei ihr um eine alleinstehende, nicht über ein soziales oder familiäres Netz verfügende Frau handelt. Der Beschwerdeführer stammt aus Kinshasa. Ferner führte er dort während sechs Jahren eine Boutique. Eine derartige Tätigkeit ist ohne ein gewisses soziales Netz offensichtlich nicht möglich. Dem Beschwerdeführer ist es zumutbar, dieses bei seiner Rückkehr wieder zu aktivieren und â trotz seines fortgeschrittenen Alters â auch wieder in gleicher oder ähnlicher Art erwerbstätig zu sein. Der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung erweist sich insgesamt als verhältnismässig. Gewährung uP/URB. Abweisung. </b></td> </tr> </table> </td> <td> </td> <td align="right" class="stiwos" nowrap="nowrap" rowspan="6" width="203"> <table cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%"> <tr> <td>Stichworte:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUFENTHALTSBEWILLIGUNG">AUFENTHALTSBEWILLIGUNG</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: AUFENTHALTSDAUER">AUFENTHALTSDAUER</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: BERUFLICHE INTEGRATION">BERUFLICHE INTEGRATION</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO">DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: GESUNDHEITSPROBLEME">GESUNDHEITSPROBLEME</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KINSHASA">KINSHASA</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: KONGO">KONGO</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SELBSTVERSCHULDEN">SELBSTVERSCHULDEN</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: SOZIALHILFEABHÃNGIGKEIT">SOZIALHILFEABHÃNGIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: UNZUMUTBARKEIT">UNZUMUTBARKEIT</acronym></span><br/><span class="ungerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT">VERHÃLTNISMÃSSIGKEIT</acronym></span><br/><span class="gerade"><acronym title="HR: - UR: - ST: WIDERRUFSGRUND">WIDERRUFSGRUND</acronym></span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Rechtsnormen:</td> </tr> <tr> <td> <span class="ungerade">Art. 33 Abs. I AIG</span><br/><span class="gerade">Art. 62 Abs. I lit. e AIG</span><br/> </td> </tr> <tr><td height="2px"></td></tr> <tr> <td>Publikationen:</td> </tr> <tr> <td> - keine - </td> </tr> <tr> <td>Gewichtung:<br/> (1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)</td> </tr> <tr> <td> Gewichtung: 3 </td> </tr> </table> </td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Metadaten --> <!-- Dokument --> <table width="100%"> <tr> <td width="20"> </td> <td> <br><br/> <div class="WordSection1"> <table border="1" cellpadding="0" cellspacing="0" class="MsoNormalTable" width="0"> <tr> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span>Verwaltungsgericht</span></p> <p class="Kopf1"><span>des Kantons ZÃ¼rich</span></p> <p class="Kopf1"><span>2. Abteilung</span></p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"> </p> </td> <td valign="top"> <p class="Kopf1"><span><img alt="" height="78" id="Grafik 2" src="/cgi-bin/nph-omniscgi.exe?OmnisPlatform=WINDOWS&amp;WebServerUrl=&amp;WebServerScript=/cgi-bin/nph-omniscgi.exe&amp;OmnisLibrary=JURISWEB&amp;OmnisClass=rtFindinfoWebHtmlService&amp;OmnisServer=JURISWEB,127.0.0.1:7000&amp;Parametername=WWW&amp;Schema=ZH_VG_WEB&amp;Source=&amp;Aufruf=getImage&amp;nF38_KEY=49124" width="123"/></span></p> </td> </tr> </table> <p class="MsoNormal">VB.2020.00348</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><b><span>Urteil</span></b></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="Zwischentitel"> </p> <p class="MsoNormal"><span>der 2. Kammer</span></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">vom <a id="VF_DAT_ENTSCHEID">11. November 2020</a></p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">Mitwirkend: AbteilungsprÃ¤sident Andreas Frei<span> (Vorsitz)</span>, Verwaltungsrichterin Silvia Hunziker, Verwaltungsrichterin Viviane Sobotich, <a id="TN_AUTOTEXT_RICHTER"></a><a id="TN_AUTOTEXT_GS"></a>Gerichtsschreiberin Jsabelle Mayer. </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal">In Sachen</p> <p class="MsoNormal"> </p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>A, vertreten durch RA B, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>BeschwerdefÃ¼hrer,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Zwischentitel">gegen</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span>Migrationsamt des Kantons ZÃ¼rich, </span></p> <p class="MsoNormal"><b><span>Beschwerdegegner,</span></b><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="MsoNormal"><b>betreffend VerlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung,</b></p> <p class="Zwischentitel">hat sich ergeben: </p> <p class="Sachverhalt1"><b>I. </b> </p> <p class="Sachverhalt2"><b>A. </b>A, geboren am â¦ 1963, StaatsangehÃ¶riger der Demokratischen Republik Kongo (Kinshasa), reiste am 17. September 1987 in die Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Mit VerfÃ¼gung vom 11. MÃ¤rz 1988 wurde das Asylgesuch abgewiesen; hiergegen ergriff A ein Rechtsmittel. GestÃ¼tzt auf die am â¦ 1989 geschlossene Ehe mit der Schweizerin C wurde A am 22. Januar 1990 eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. In der Folge zog A die Beschwerde gegen den Asylentscheid zurÃ¼ck, worauf das Verfahren als durch RÃ¼ckzug erledigt abgeschrieben wurde. Am 15. September 1993 wurde die Ehe geschieden. Die Aufenthaltsbewilligung wurde A verlÃ¤ngert, zuletzt bis 3. November 2018. A ist Vater von fÃ¼nf Kindern (D, geboren 1976; E, geboren 1976; F, geboren 1983; G, geboren 1993; H, geboren 1996).</p> <p class="Sachverhalt2"><b>B. </b>Seit dem 1. April 2000 wird A von der Ã¶ffentlichen FÃ¼rsorge unterstÃ¼tzt. Der bezogene Betrag belief sich per 11. Februar 2020 auf Fr. 619'122.20. Mit VerfÃ¼gung vom 16. April 2015 verwarnte das Migrationsamt A wegen dessen Sozialhilfebezugs und stellte ihm die NichtverlÃ¤ngerung bzw. den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung in Aussicht fÃ¼r den Fall, dass er weiterhin von der Sozialhilfe unterstÃ¼tzt werden mÃ¼sse. Am 2. Februar 2016 und 9. Januar 2018 wies das Migrationsamt A erneut auf die Folgen des Bezugs von Sozialhilfe hin. Am 25. Oktober 2018 stellte A ein Gesuch um VerlÃ¤ngerung seiner Aufenthaltsbewilligung. Das Migrationsamt wies dieses mit VerfÃ¼gung vom 2. Juli 2019 ab und wies A aus der Schweiz weg. Zum Verlassen der Schweiz setzte es ihm Frist bis 2. Oktober 2019. </p> <p class="Sachverhalt1"><b>II. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Einen hiergegen erhobenen Rekurs wies die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion mit Entscheid vom 23. April 2020 ab. Dabei setzte diese A eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz bis 23. Juli 2020.</p> <p class="Sachverhalt1"><b>III. </b> </p> <p class="Sachverhalt2">Mit Beschwerde vom 25. Mai 2020 beantragte A (nachfolgend: der BeschwerdefÃ¼hrer) dem Verwaltungsgericht, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und das Migrationsamt anzuweisen, seine Aufenthaltsbewilligung zu verlÃ¤ngern. Eventualiter sei das Migrationsamt anzuweisen, beim Staatssekretariat fÃ¼r Migration (SEM) die vorlÃ¤ufige Aufnahme zu beantragen. Zudem ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands in der Person von Rechtsanwalt B; alles unter Kosten- und EntschÃ¤digungsfolgen. </p> <p class="Sachverhalt2">WÃ¤hrend die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion auf Vernehmlassung verzichtete, ging keine Beschwerdeantwort des Migrationsamts ein.</p> <p class="Sachverhalt2">Mit verschiedenen Eingaben reichte der BeschwerdefÃ¼hrer weitere Unterlagen ein, so u.<span> </span>a. einen Einsatzvertrag bei der I SA sowie seine Lohnabrechnungen fÃ¼r Juni bis August 2020. Mit Eingabe vom 14. August 2020 teilte der BeschwerdefÃ¼hrer mit, er habe sich unterdessen von der Sozialhilfe lÃ¶sen kÃ¶nnen. Ferner reichte Rechtsanwalt B seine Honorarnote fÃ¼r das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren ein. </p> <p class="Sachverhalt2">Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 21. Juli 2020 ersuchte der AbteilungsprÃ¤sident des Verwaltungsgerichts das SEM um Zustellung der Asylakten des BeschwerdefÃ¼hrers. Mit PrÃ¤sidialverfÃ¼gung vom 8. September 2020 wurden die Asylakten den Parteien zur freigestellten Stellungnahme zugestellt und der BeschwerdefÃ¼hrer aufgefordert, zu den im Verfahren bisher nicht erwÃ¤hnten Kindern D und E und deren Verbleib bzw. Wohnort Stellung zu nehmen. Mit Schreiben vom 21. September 2020 teilte der BeschwerdefÃ¼hrer dem Verwaltungsgericht mit, sein ArbeitsverhÃ¤ltnis sei auf den 28. August 2020 aufgelÃ¶st worden. Aufgrund dessen halte er am Gesuch um unentgeltliche RechtsverbeistÃ¤ndung fest. Ferner teilte er mit, er wisse nicht, was aus den am ... 1976 geborenen Zwillingen geworden sei und wisse nicht einmal, ob sie noch am Leben seien. </p> <p class="Einzug1"><span>Die Kammer</span><span> erwÃ¤gt:</span></p> <p class="Erwgung1"><b>1. </b> </p> <p class="Erwgung2">Mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht kÃ¶nnen Rechtsverletzungen und die unrichtige oder ungenÃ¼gende Feststellung des Sachverhalts gerÃ¼gt werden, nicht aber die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (§ 20 Abs. 1 in Verbindung mit § 50 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).</p> <p class="Erwgung1"><b>2. </b> </p> <p class="Erwgung2">Da die eheliche Gemeinschaft mit einer Schweizerin weniger als fÃ¼nf Jahre gelebt und noch vor Inkrafttreten des damaligen AuslÃ¤ndergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG, heute: AuslÃ¤nder- und Integrationsgesetz [AIG]) geschieden wurde, hat der BeschwerdefÃ¼hrer weder gestÃ¼tzt auf die Bestimmungen des bis Ende 2007 massgebenden Bundesgesetzes Ã¼ber Aufenthalt und Niederlassung der AuslÃ¤nder vom 26. MÃ¤rz 1931 (ANAG) noch gestÃ¼tzt auf Art. 42 Abs. 1 und 3 AIG bzw. Art. 50 Abs. 1 AIG (jeweils in der bis 31. Dezember 2018 gÃ¼ltigen Fassung) Anspruch auf Erteilung der Niederlassungsbewilligung oder VerlÃ¤ngerung seiner Aufenthaltsbewilligung (vgl. BGr, 23. Mai 2018, 2C_340/2018, E. 2.3; BGr, 19. Juli 2011, 2C_124/2011, E. 4 mit Hinweisen; VGr, 2. MÃ¤rz 2018, VB.2017.00791, E. 3.1 [nicht auf www.vgr.zh.ch verÃ¶ffentlicht]). </p> <p class="Erwgung1"><b>3. </b> </p> <p class="Erwgung2">Der BeschwerdefÃ¼hrer macht aufgrund seiner langen Aufenthaltsdauer von rund 33 Jahren in der Schweiz einen Aufenthaltsanspruch gestÃ¼tzt auf das Recht auf Privatleben nach Art. 8 Ziff. 1 der EuropÃ¤ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) sowie Art. 13 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) geltend. Darauf kann sich berufen, wer besonders intensive, Ã¼ber eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen zum ausserfamiliÃ¤ren bzw. ausserhÃ¤uslichen Bereich vorweisen kann (BGE 130 II 281 E. 3.2.1), wobei nach einer rund zehnjÃ¤hrigen Aufenthaltsdauer regelmÃ¤ssig von so engen sozialen Beziehungen in der Schweiz ausgegangen werden kann, dass es fÃ¼r eine Aufenthaltsbeendigung besonderer GrÃ¼nde bedarf, beispielsweise wenn die Integration trotz der langen Aufenthaltsdauer zu wÃ¼nschen Ã¼brig lÃ¤sst (BGE 144 I 266 E. 3.4 und 3.8 f. sowie BGr, 17. September 2018, 2C_441/2018, E. 1.3.1). So vermag insbesondere auch die jahrelange schuldhafte SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit Eingriffe in die konventions- und verfassungsmÃ¤ssig geschÃ¼tzten Beziehungen zu legitimieren (BGr, 15. Juni 2018, 2C_1064/2017, E. 6.3). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, lÃ¤sst die Integration des BeschwerdefÃ¼hrers trotz seiner langjÃ¤hrigen Aufenthaltsdauer aufgrund seines jahrelangen Sozialhilfebezugs zu wÃ¼nschen Ã¼brig, weshalb er aus dem Recht auf Achtung des Privatlebens nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. </p> <p class="Erwgung1"><b>4. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>4.1 </b>Nach Art. 33 Abs. 3 AIG kann eine Aufenthaltsbewilligung verlÃ¤ngert werden, wenn keine WiderrufsgrÃ¼nde gemÃ¤ss Art. 62 Abs. 1 AIG vorliegen. Die VerlÃ¤ngerung einer Aufenthaltsbewilligung liegt bei auslÃ¤ndischen Personen, die keinen Aufenthaltsanspruch haben, im pflichtgemÃ¤ssen Ermessen der AuslÃ¤nderbehÃ¶rden (Tamara NÃ¼ssle in: Martina Caroni/Thomas GÃ¤chter/Daniela Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz Ã¼ber die AuslÃ¤nderinnen und AuslÃ¤nder [AuG], Bern 2010, Art. 33 N. 33; Peter Bolzli in: Marc Spescha et al., Migrationsrecht, 5. A., ZÃ¼rich 2019, Art. 33 AIG N. 7). In solche Ermessensentscheide kann das Verwaltungsgericht nur eingreifen, wenn ein qualifizierter Ermessensfehler vorliegt, insbesondere wenn der Entscheid sich von sachfremden Motiven leiten lÃ¤sst (vgl. Marco Donatsch in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons ZÃ¼rich [VRG], 3. A., ZÃ¼rich etc. 2014 [VRG-Kommentar], § 50 N. 25 ff.).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.2 </b>GemÃ¤ss Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG kann die zustÃ¤ndige BehÃ¶rde Bewilligungen, ausgenommen Niederlassungsbewilligungen, widerrufen, wenn die AuslÃ¤nderin oder der AuslÃ¤nder oder eine Person, fÃ¼r die er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Diesen Widerrufsgrund erfÃ¼llt, wer erheblich und dauerhaft von Sozialhilfe abhÃ¤ngig ist, wobei indes diese Voraussetzungen weniger streng zu handhaben sind als beim Widerruf einer Niederlassungsbewilligung (vgl. BGr, 3. Juli 2014, 2C_877/2013, E. 3.2.1; VGr, 13. Februar 2020, VB.2019.00595, E. 2.2). Nach der Rechtsprechung muss konkret die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen FÃ¼rsorgeabhÃ¤ngigkeit bestehen; blosse finanzielle Bedenken genÃ¼gen nicht (vgl. BGr, 14. Oktober 2019, 2C_234/2019, E. 5.1). Neben den bisherigen und den aktuellen VerhÃ¤ltnissen ist auch die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf lÃ¤ngere Sicht abzuwÃ¤gen. Ein Widerruf soll in Betracht kommen, wenn eine Person hohe finanzielle UnterstÃ¼tzungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie in Zukunft fÃ¼r ihren Lebensunterhalt sorgen wird (BGE 122 II 1 E. 3c; BGr, 23. Januar 2019, 2C_953/2018, E. 3.1; BGr, 16. November 2018, 2C_13/2018, E. 3.2). Ob der Widerrufsgrund des Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG erfÃ¼llt ist, wird objektiv bzw. ohne RÃ¼cksicht auf ein allfÃ¤lliges Verschulden des Sozialhilfebezugs beurteilt; massgeblich sind die HÃ¶he der ausgerichteten BeitrÃ¤ge und die prognostische Beurteilung, ob in absehbarer Zeit eine AblÃ¶sung von der Sozialhilfe erfolgen kann (BGr, 16. November 2018, 2C_13/2018, E. 3.4).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.3 </b>Die SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit des BeschwerdefÃ¼hrers dauert bereits zwanzig Jahre an. Die bezogenen UnterstÃ¼tzungsleistungen sind immens (insgesamt Fr. 619'122.20). Im Zeitraum vom 31. Oktober 2018 bis 11. Februar 2020 war die UnterstÃ¼tzung durch die Ã¶ffentliche FÃ¼rsorge indessen nur noch marginal (Fr. 731.95). Die Vorinstanz fÃ¼hrte diesen bescheidenen Zuwachs zutreffend auf den bis zum Ablauf der Rahmenfrist am 15. Januar 2020 erfolgten Bezug von Arbeitslosentaggeldern zurÃ¼ck. Angesichts des bisher bezogenen Betrags und der sehr langen Dauer der SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit ist der Widerrufsgrund gemÃ¤ss Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG erfÃ¼llt. Insbesondere liegt auch die Gefahr der kÃ¼nftigen FÃ¼rsorgeabhÃ¤ngigkeit vor: Zwar konnte der BeschwerdefÃ¼hrer am 8. Juni 2020 eine unbefristete Stelle bei der I SA (im Personalverleih, vermittelt durch die J AG) als Produktionsmitarbeiter â¦ zu einem 80%-Pensum bei einem Stundenlohn von Fr. 25.45 (brutto, exkl. Sonderzulagen) antreten. Dadurch hat er sich gemÃ¤ss Schreiben vom 14. August 2020 offenbar von der Sozialhilfe lÃ¶sen kÃ¶nnen; ein entsprechender Beleg wurde jedoch nicht eingereicht. Ohnehin kÃ¤me einer erst wÃ¤hrend des Verfahrens erfolgten LoslÃ¶sung nur untergeordnete Bedeutung zu (vgl. BGr, 16. Juli 2015, 2C_900/2014, E. 2.4.4; VGr, 2. MÃ¤rz 2018, VB.2017.00791, E. 4.3 [nicht auf www.vgr.zh.ch verÃ¶ffentlicht]). Da der BeschwerdefÃ¼hrer die Stelle als Produktionsmitarbeiter bereits per 28. August 2020 wieder verlor und nun auf Arbeitssuche ist und sich erneut beim RAV angemeldet hat, kann ihm keine positive Prognose hinsichtlich der dauerhaften LoslÃ¶sung von der Sozialhilfe gestellt werden. Dies gilt vorliegend umso mehr, als der BeschwerdefÃ¼hrer in der Vergangenheit nie im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen konnte: Wohl konnte er zahlreiche kleinere ArbeitseinsÃ¤tze leisten und im Juli 2019 eine unbefristete Arbeitsstelle (30%-Pensum bei der K AG als Reinigungskraft bei â¦) antreten, welche er aber bereits Ende August 2019 wieder verlor. Ob sich der BeschwerdefÃ¼hrer aufgrund der fehlenden Aufenthaltsbewilligung, seines Alters und seiner Krankheitsgeschichte nicht entsprechend in den Arbeitsmarkt habe integrieren kÃ¶nnen, wie er vorbringt, ist unter dem Aspekt der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit zu prÃ¼fen und fÃ¼hrt nicht zum Dahinfallen des Widerrufsgrunds von Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG (vgl. BGr, 16. November 2018, 2C_13/2018, E. 3.2).</p> <p class="Erwgung2"><b>4.4 </b><span>Das Vorliegen eines Widerrufsgrunds fÃ¼hrt nicht zwingend zum Widerruf bzw. zur NichtverlÃ¤ngerung der Aufenthaltsbewilligung. Im Rahmen der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsabwÃ¤gung (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 AIG; Art. 8 Ziff. 2 EMRK) ist insbesondere zu prÃ¼fen, ob die auslÃ¤ndische Person ihre SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit verschuldet hat (BGr, 31. Oktober 2019, 2C_13/2019, E. 4.2.1; BGr, 9. August 2019, 2C_291/2019, E. 4.1). Ferner sind fÃ¼r die Beurteilung, </span>ob eine auf Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG gestÃ¼tzte aufenthaltsbeendende Massnahme verhÃ¤ltnismÃ¤ssig sei, namentlich die Schwere des Verschuldens der SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit, der Grad der Integration und die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die der betroffenen Person und ihrer Familie drohenden Nachteile zu berÃ¼cksichtigen. Zu beachten ist sodann die QualitÃ¤t der sozialen, kulturellen und familiÃ¤ren Beziehungen sowohl im Gast- als auch im Herkunftsland (BGr, 17. Januar 2020, 2C_709/2019, E. 4 Abs. 2 mit Hinweisen). Es ist eine AbwÃ¤gung zwischen den Ã¶ffentlichen Interessen an der aufenthaltsbeendenden Massnahme und den persÃ¶nlichen Interessen der auslÃ¤ndischen Person an einem Verbleib in der Schweiz vorzunehmen.</p> <p class="Erwgung2"><b>4.5 </b>Um ein mÃ¶gliches Verschulden der SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit zu beurteilen, ist auf den beruflichen Werdegang und die Krankheitsgeschichte des BeschwerdefÃ¼hrers nÃ¤her einzugehen: Aus den Akten ergibt sich, dass der BeschwerdefÃ¼hrer vor seinem Bezug von Sozialhilfe von 1993â1995 und ab Oktober 1996â1999 arbeitslos war und auch Arbeitslosentaggelder bezog. Einzig von Februar bis Oktober 1996 ging der BeschwerdefÃ¼hrer einer existenzsichernden Arbeit nach. WÃ¤hrend seiner Arbeitslosigkeit wurde er von der sozialen Arbeitsvermittlung L in M fÃ¼r kurzfristige Stunden- und TageseinsÃ¤tze als Hilfsarbeiter vermittelt und war im Jahr 1999 fÃ¼r â¦ als Aushilfschauffeur tÃ¤tig. Von Juni bis Oktober 2001 war er fÃ¼r die N AG als Aushilfe tÃ¤tig. Von 2002-2008 war er wieder fÃ¼r die Arbeitsvermittlung L in M als Umzugs- und Lagerarbeiter sowie als Reinigungsmitarbeiter tÃ¤tig, wobei er im Jahr 2003 keine AuftrÃ¤ge fÃ¼r die Arbeitsvermittlung L ausfÃ¼hrte. In seinem VerlÃ¤ngerungsgesuch fÃ¼r die Aufenthaltsbewilligung vom 13. Oktober 2008 gab der BeschwerdefÃ¼hrer an, zu 100 % arbeitsunfÃ¤hig zu sein. GemÃ¤ss Schreiben seines Arztes Dr.<span> </span>med. O vom 1. November 2008 wurde der BeschwerdefÃ¼hrer wegen Schmerzen an beiden Knien und am RÃ¼cken, wegen erhÃ¶hten Leberwerten, SchilddrÃ¼senunterfunktion, ThalassÃ¤mie und psychischen Problemen (Panikattacken, Depression, Agoraphobie) behandelt. Zudem litt der BeschwerdefÃ¼hrer an einer chronischen MuskelentzÃ¼ndung. Der BeschwerdefÃ¼hrer meldete sich am 7. April 2008 bei der IV an. Am 13. November 2010 gab Dr.<span> </span>med. O an, der BeschwerdefÃ¼hrer sei seit vier Jahren wegen Krankheit zu 100 % arbeitsunfÃ¤hig. Mit VerfÃ¼gung vom 5. Februar 2011 wies die SVA ZÃ¼rich, IV-Stelle, das Leistungsbegehren des BeschwerdefÃ¼hrers ab. Das Sozialversicherungsgericht bestÃ¤tigte diesen Entscheid mit Urteil vom 31. Januar 2013 (IV.2011.00236) und attestierte dem BeschwerdefÃ¼hrer eine 100%-ige ArbeitsfÃ¤higkeit. Dabei beurteilte es die folgenden Diagnosen: </p> <p class="MsoListParagraphCxSpFirst">1.<span> </span>Nicht nÃ¤her spezifizierbares generalisiertes Schmerzsyndrom </p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">2.<span> </span>Generalisierte AngststÃ¶rung mit phobischen Anteilen</p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">3.<span> </span>Unklare ErhÃ¶hung der Transaminasen bei sonographisch normaler Leberstruktur, Status nach Hepatitis B Infektion</p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">4.<span> </span>Homozygote alpha-ThalassÃ¤mie ohne symptomatische AnÃ¤mie</p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">5.<span> </span>Adipositas Grad I</p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">6.<span> </span>Chronische abdominelle Beschwerden ohne nachweisbaren pathologischen Organbefund, am ehesten im Sinne eines Reizdarmsyndroms</p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">7.<span> </span>Allergische Diathese mit Nahrungsmittelallergie auf Sellerie, Apfel und Banane, Rhinitis allergica</p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">8.<span> </span>Substituierte latente Hypothyreose</p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">9.<span> </span>Substituierte 25-OH Vitamin D-3 Hypovitaminose </p> <p class="MsoListParagraphCxSpMiddle">10.<span> </span>Lipomatie beidseits</p> <p class="MsoListParagraphCxSpLast">11.<span> </span>Fibrosierende Alopezie mit selektivem Haarschwund</p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Urteilstext">GemÃ¤ss Schreiben vom 5. November 2013 von Dr.<span> </span>med. O kÃ¶nne der BeschwerdefÃ¼hrer nach wie vor keiner AktivitÃ¤t nachgehen. In seinen VerlÃ¤ngerungsgesuchen fÃ¼r die Aufenthaltsbewilligungen vom 22. Oktober 2013 und 18. Oktober 2014 gab der BeschwerdefÃ¼hrer an, er sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfÃ¤hig. Der Hausarzt Dr.<span> </span>med. O bestÃ¤tigte mit Schreiben vom 28. Oktober 2014 die bisherigen Leiden des BeschwerdefÃ¼hrers. Im Jahr 2015 verbesserte sich die gesundheitliche Situation des BeschwerdefÃ¼hrers und er war gemÃ¤ss VerlÃ¤ngerungsgesuch vom 27. Oktober 2015 wieder auf Stellensuche. Mit Schreiben vom 21. Dezember 2015 teilte das Sozialamt M dem Migrationsamt dagegen wieder mit, der BeschwerdefÃ¼hrer sei psychisch und physisch stark eingeschrÃ¤nkt und kÃ¶nne nicht arbeiten. Die Gesundheit lasse keine Erwerbsintegrationsmassnahmen zu. Kurz zuvor, am 21. November 2015, informierte Dr.<span> </span>med. O das Migrationsamt Ã¼ber eine erfreuliche Verbesserung des Gesundheitszustands des BeschwerdefÃ¼hrers und die Wiederaufnahme der Stellensuche. Von November 2015 bis Dezember 2017 war der BeschwerdefÃ¼hrer temporÃ¤r angestellt bei der P AG (Einsatz beim â¦). Anschliessend arbeitete er von Juni 2019 bis August 2019 zu 30 % fÃ¼r die K AG. Im August und im September 2019 leistete er je einen eintÃ¤gigen Einsatz bei der Firma Q. GemÃ¤ss eigenen Angaben ist er seit 2020 wieder zu 80 % arbeitsfÃ¤hig. Im Juni 2020 konnte er bei der I SA (im Personalverleih, vermittelt durch J AG) im Bereich â¦ eine unbefristete Stelle zu einem 80%-Pensum antreten; diese Stelle verlor er bereits per 28. August 2020 wieder.</p> <p class="Urteilstext">Die Krankheits- und Arbeitshistorie des BeschwerdefÃ¼hrers lÃ¤sst sich wie folgt summieren: Der BeschwerdefÃ¼hrer leistete in den vergangenen zwanzig Jahren primÃ¤r KurzeinsÃ¤tze fÃ¼r Arbeitsvermittlungsunternehmen. WÃ¤hrend seines bald 33-jÃ¤hrigen Aufenthalts ging er nur wenige Monate einer existenzsichernden TÃ¤tigkeit nach. Erst unter dem Druck des auslÃ¤nderrechtlichen Verfahrens trat er im Juni 2020 die 80%-Stelle bei der I SA (im Personalverleih, vermittelt durch die J AG) an, die er nach kÃ¼rzester Zeit wieder verlor. Als Grund fÃ¼r seine Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung gibt der BeschwerdefÃ¼hrer primÃ¤r gesundheitliche GrÃ¼nde an, insbesondere in den Jahren 2008â2015. Indessen plagen ihn die Leiden gemÃ¤ss Angaben in der Beschwerde nicht erst seit 2008; ab 2006 und insbesondere ab 2008 hÃ¤tten sie sich lediglich in dem Masse akzentuiert, dass an fortgesetzte ArbeitstÃ¤tigkeit nicht zu denken gewesen sei. Dagegen ging die IV im Jahr 2011 (bestÃ¤tigt durch das Sozialversicherungsgericht im Jahr 2013) davon aus, die Leiden des BeschwerdefÃ¼hrers hÃ¤tten keinen Einfluss auf seine ArbeitsfÃ¤higkeit. Es ist dem BeschwerdefÃ¼hrer zuzugestehen, dass seine gesundheitlichen Beschwerden im Bewerbungsprozess sicherlich hinderlich waren. Indessen hat der BeschwerdefÃ¼hrer just in der Zeitspanne, in welcher er eine vollumfÃ¤ngliche ArbeitsunfÃ¤higkeit behauptete, gemÃ¤ss seinem Lebenslauf in den Jahren 2009 bis 2015 als SelbstÃ¤ndigerwerbender eine Boutique in der Demokratischen Republik Kongo betrieben und war deren Inhaber. Dabei hÃ¤tten seine Aufgaben im Beraten und Verkaufen von Kleidung, Verkaufen verschiedener Rohmaterialien und FÃ¼hren des Betriebs bestanden. Damit setzt sich der BeschwerdefÃ¼hrer hinsichtlich des Einflusses seiner gesundheitlichen Probleme auf seine ArbeitsfÃ¤higkeit in Widerspruch. Zugute zu halten ist ihm, dass er immer wieder Initiative zeigte, eine Arbeit zu finden. Indessen ist nicht zu ergrÃ¼nden, weshalb er die letzten 33 Jahre â selbst unter Miteinbezug seiner jahrelangen gesundheitlichen Schwierigkeiten â nicht nutzte, um sich beruflich zu qualifizieren oder weiterzubilden. Die Ausbildung als â¦ im Kongo in den Jahren 1980â1983 reichte offenkundig nicht aus, um im Schweizer Arbeitsmarkt nachhaltig Fuss zu fassen. Ebenso bemÃ¼hte er sich nicht weiter um sprachliche Integration, obwohl er selbst davon ausgeht, die deutsche Sprache nicht sehr gut zu beherrschen. Der BeschwerdefÃ¼hrer macht weiter die Faktoren fehlende Aufenthaltsbewilligung und Alter fÃ¼r die Schwierigkeiten beim Berufseinstieg verantwortlich. Wohl spielt der Faktor Alter beim 57-jÃ¤hrigen BeschwerdefÃ¼hrer auf dem Arbeitsmarkt heute eine Rolle. Indessen besteht die unstete Erwerbssituation seit Jahrzehnten. Ferner existiert die Ungewissheit mit Bezug auf den auslÃ¤nderrechtlichen Aufenthaltsstatus erst seit rund zwei Jahren; zuvor war dem BeschwerdefÃ¼hrer die Aufenthaltsbewilligung stets (zuletzt bis November 2018) verlÃ¤ngert worden. Insgesamt erscheint die SozialhilfeabhÃ¤ngigkeit trotz zahlreicher belegter ArbeitsbemÃ¼hungen des BeschwerdefÃ¼hrers als Ã¼berwiegend selbstverschuldet. </p> <p class="Urteilstext"><span>Angesichts der </span>Dauer<span> sowie der HÃ¶he der bezogenen Sozialhilfeleistungen liegt ein erhebliches Ã¶ffentliches Interesse an der Wegweisung des BeschwerdefÃ¼hrers vor. </span></p> <p class="MsoNormal"><span> </span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.6 </b>Fraglich ist, ob sich die Wegweisung des BeschwerdefÃ¼hrers auch unter BerÃ¼cksichtigung seiner privaten Interessen und der Ã¼brigen UmstÃ¤nde als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig erweist. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.6.1 </span></b>Ins Gewicht fÃ¤llt zunÃ¤chst die sehr lange Aufenthaltsdauer des BeschwerdefÃ¼hrers in der Schweiz von bald 33 Jahren. Auch spricht der BeschwerdefÃ¼hrer Deutsch, wenn auch nach eigener EinschÃ¤tzung nicht sehr gut. Der auf Deutsch durchgefÃ¼hrten polizeilichen Befragung vom 14. Mai 2019 konnte er zumindest folgen. Trotz langer Anwesenheitsdauer verkehrt er gemÃ¤ss Befragung vom 14. Mai 2019 primÃ¤r mit Landsleuten, welche fÃ¼r ihn auch SolidaritÃ¤tsschreiben verfassten (siehe SolidaritÃ¤tsschreiben von â¦, â¦, â¦). Indessen engagierte sich auch der Pfarrer der Kirche M fÃ¼r den BeschwerdefÃ¼hrer, welcher Teil der Kirchengemeinde sei. Die Pfarrei sei sogar ein StÃ¼ck weit dessen Familie. Auch eine Mitarbeiterin des Restaurants â¦, wo der BeschwerdefÃ¼hrer seit vielen Jahren regelmÃ¤ssig verkehrt, beschreibt den BeschwerdefÃ¼hrer als sehr sympathischen Menschen. Insgesamt darf daher â trotz vorwiegend engerem Kontakt mit Landsleuten â von einer gelungenen sozialen Integration in der Schweiz ausgegangen werden. Auch in strafrechtlicher Hinsicht hat sich der BeschwerdefÃ¼hrer grundsÃ¤tzlich wohlverhalten. Dem Strafbefehl vom 10. Juni 2020 wegen Ungehorsams im Betreibungsverfahren, welcher eine Busse von Fr. 300.- zur Folge hatte, kommt untergeordnete Bedeutung zu. Die Verurteilung wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz (30 Tage GefÃ¤ngnis bedingt) im Jahr 1999 liegt weit zurÃ¼ck und ist nur der VollstÃ¤ndigkeit halber aufzufÃ¼hren. In wirtschaftlicher Hinsicht vermochte sich der BeschwerdefÃ¼hrer jedoch nicht zu integrieren: Neben seinem langjÃ¤hrigen erheblichen Sozialhilfebezug weist der BeschwerdefÃ¼hrer auch 16 Verlustscheine in der HÃ¶he von insgesamt Fr. 35'294.80 auf. In beruflicher Hinsicht konnte der BeschwerdefÃ¼hrer wÃ¤hrend 33 Jahren nicht Fuss fassen. Die letzte Anstellung per Juni 2020 mÃ¼ndete bereits zwei Monate spÃ¤ter in einer KÃ¼ndigung. Was die FamilienverhÃ¤ltnisse anbelangt, so weiss der BeschwerdefÃ¼hrer Ã¼<span>ber den Verbleib der 1976 geborenen ZwillingstÃ¶chter nichts; folglich besteht kein Kontakt. Weitere Kinder leben in V (eine Tochter mit ihrem Kind), </span>in W (ein Sohn mit seinen beiden Kindern) und in Deutschland (jÃ¼ngste Tochter). Zu diesen Kindern pflegt er nur sporadischen Kontakt. Ein <span>besonderes AbhÃ¤ngigkeitsverhÃ¤ltnis im Sinn von Art. 8 EMRK zwischen dem BeschwerdefÃ¼hrer und seinen in der Schweiz lebenden erwachsenen Kindern, welches seine Anwesenheit in der Schweiz erforderlich machen wÃ¼rde, ist somit von Vornherein nicht ersichtlich (vgl. dazu BGr, 9. August 2016, 2C_218/2016, E. 3.3.2). Die gelegentlichen Kontakte liessen sich auch von seinem Heimatland aufrechterhalten. </span>Mit Blick auf den Kongo ist festzuhalten, dass der BeschwerdefÃ¼hrer dort Ã¼ber keine Familie mehr verfÃ¼gt. Seine Eltern und seine Schwestern sind lÃ¤ngst verstorben. Er gibt aber an, dort noch Kollegen zu haben. Eine gewisse Vernetzung im Heimatland dÃ¼rfte somit noch vorhanden sein. Zudem fÃ¼hrte der BeschwerdefÃ¼hrer wÃ¤hrend sechs Jahren (bis 2015) eine Boutique in der Demokratischen Republik Kongo. Auch spricht der BeschwerdefÃ¼hrer Lingala und FranzÃ¶sisch, offizielle Amtssprachen der Demokratischen Republik Kongo. Lingala ist denn auch seine Muttersprache. </p> <p class="Erwgung3"><b><span>4.6.2 </span></b>Bei der beruflichen Wiedereingliederung sind neben seinem Alter insbesondere seine gesundheitlichen Probleme hinderlich: Derzeit kÃ¤mpft er mit einem RÃ¼ckfall betreffend psychische Probleme (AngststÃ¶rung, Agoraphobie) und muss zweimal pro Woche in die Therapie zu Dr.<span> </span>med. O. Weiter nimmt er laut Befragung vom 14. Mai 2019 tÃ¤glich die Medikamente â¦ ein. GemÃ¤ss medizinischem Consulting des Staatssekretariats fÃ¼r Migration (SEM) vom 11. September 2019, welches mit Blick auf den BeschwerdefÃ¼hrer â wohl vom Migrationsamt â in Auftrag gegeben wurde, sind die Medikamente im Kongo (Kinshasa) grundsÃ¤tzlich erhÃ¤ltlich. Dies wird vom BeschwerdefÃ¼hrer nicht infrage gestellt. Fraglich sei aber die ZuverlÃ¤ssigkeit von Nachschub, die ErhÃ¤ltlichkeit ausserhalb der Hauptstadt oder der Preis der Medikamente. Zwar mÃ¼sse er aktuell nicht dringend notwendige Ã¤rztliche Behandlungen aufgrund akuter Probleme in Anspruch nehmen. Doch sei nicht absehbar, wie sich seine gesundheitliche Situation mittel- oder langfristig weiterentwickle. Liegen im Fall einer RÃ¼ckreise aufgrund einer medizinischen Notlage im Heimatstaat Anzeichen fÃ¼r eine konkrete GefÃ¤hrdung des Betroffenen vor, so sind bei der InteressenabwÃ¤gung Elemente zu berÃ¼cksichtigen, welche auch bei der PrÃ¼fung der Unzumutbarkeit eines Vollzugs einer Wegweisung zur Anwendung gelangen kÃ¶nnen (Art. 83 Abs. 4 AIG; BGE 137 II 305 E. 3.2; BGr, 2. Februar 2016, 2C_120/2015, E. 3.2 f. mit weiteren Hinweisen). <span>Dabei sind nur gravierende medizinische FÃ¤lle unter die Bestimmung zu subsumieren, namentlich schwere kÃ¶rperliche oder psychische Leiden (vgl. Bolzli, Art. 83 N. 27). Es geht dabei um lebensnotwendige medizinische Hilfe, ohne die eine erhebliche Verschlechterung der Gesundheitslage eintreten wÃ¼rde. Die Behandlung muss zur GewÃ¤hrleistung einer menschenwÃ¼rdigen Existenz dringend geboten sein. Es kommt dabei nicht nur auf die objektive VerfÃ¼gbarkeit der notwendigen Behandlung und Medikamente an. Es ist vielmehr aufgrund des konkreten Einzelfalls zu prÃ¼fen, ob diese fÃ¼r die betroffene Person auch effektiv erhÃ¤ltlich sind (VGr, 24. Oktober 2018, VB.2018.00327, E. 5.3.1.1 mit Hinweisen). TatsÃ¤chlich weist die medizinische Versorgung in Kongo nach wie vor zahlreiche LÃ¼cken auf. Ein Krankenversicherungssystem existiert im Kongo nicht, weshalb Patienten fÃ¼r die Behandlungskosten stark auf familiÃ¤re UnterstÃ¼tzung angewiesen sind (vgl. BVGr, 29. MÃ¤rz 2016, D-1682/2015, E. 8.1). Wohl befindet sich der BeschwerdefÃ¼hrer damit in einem gesundheitlich angeschlagenen Zustand, indessen sind seine gesundheitlichen Probleme nicht als schwere kÃ¶rperliche oder psychische Leiden zu qualifizieren, sodass bei einer RÃ¼ckkehr nicht mit einer erheblichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands zu rechnen ist. Dass sich sein Gesundheitszustand <i>in Zukunft</i> allenfalls wieder verschlechtern kÃ¶nnte, begrÃ¼ndet fÃ¼r sich keine Unzumutbarkeit der RÃ¼ckkehr. Zudem sind die Medikamente, die er <i>aktuell</i> bedarf, auch im Kongo (Kinshasa) verfÃ¼gbar, fÃ¼r deren Finanzierung er fÃ¼r die Dauer von maximal sechs Monaten medizinische RÃ¼ckkehrhilfe beantragen kÃ¶nnte (Art. 60 Abs. 3 lit. c AIG in Verbindung mit Art. 93 Abs. 1 lit. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG] und Art. 75 der Asylverordnung 2 Ã¼ber Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [AsylV 2], siehe dazu BVGr, 28. Oktober 2011, E-5776/2008, E. 7.3.3). </span></p> <p class="Erwgung2"><b>4.7 </b> </p> <p class="Erwgung3"><b>4.7.1 </b>Zur VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeitsprÃ¼fung gehÃ¶rt ferner auch die PrÃ¼fung der Frage, welche ZustÃ¤nde der Betroffene im Heimatstaat oder einem Drittstaat antreffen wÃ¼rde, und ob ihm im Hinblick hierauf eine RÃ¼ckkehr zumutbar erscheint. Als Grundsatz ist davon auszugehen, dass dem Betroffenen aus der RÃ¼ckkehrpflicht in der Regel kein ernstlicher Nachteil erwÃ¤chst, soweit sie mit der Heimat nicht ausschliesslich noch die StaatsbÃ¼rgerschaft verbindet. Der Heimatstaat kann jedoch in kurz- oder lÃ¤ngerfristiger Hinsicht mit wirtschaftlichen, sozialpolitischen oder umweltrelevanten Problemen konfrontiert sein, die sich, je nach Ausmass, unterschiedlich stark auf die LebensumstÃ¤nde des Betroffenen auswirken kÃ¶nnen. Diese Auswirkungen sind nach stÃ¤ndiger Rechtsprechung in die InteressenabwÃ¤gung miteinzubeziehen. Bestehen auf Grund eines (BÃ¼rger-)Kriegs, einer Situation allgemeiner Gewalt oder einer medizinischen Notlage im Heimatstaat im Fall einer RÃ¼ckreise Anzeichen fÃ¼r eine konkrete GefÃ¤hrdung des Betroffenen, so enthalten die bei der InteressenabwÃ¤gung zu berÃ¼cksichtigenden Kriterien â wie bereits unter E. 4.6.2 erwÃ¤hnt â Elemente, welche auch bei der PrÃ¼fung der Unzumutbarkeit eines Vollzugs einer Wegweisung zur Anwendung gelangen kÃ¶nnen (Art. 83 Abs. 4 AIG; BGE 137 II 305 E. 3.2; BGr, 6. MÃ¤rz 2018, 2C_740/2017, E. 5.2.1; BGr, 2. Februar 2016, 2C_120/2015, E. 3.2 f. mit weiteren Hinweisen). Die zustÃ¤ndige MigrationsbehÃ¶rde hat die entsprechenden AbklÃ¤rungen vorzunehmen oder vornehmen zu lassen; sie kann die Problematik nicht in das Vollzugsverfahren der Wegweisung verschieben (BGr, 8. Januar 2018, 2C_396/2017, E. 7.6).</p> <p class="Erwgung3"><b>4.7.2 </b>Das Bundesverwaltungsgericht hielt in einem Referenzurteil vom 20. Februar 2017 (E-731/2016, E. 7.3) zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in den Kongo (Kinshasa) fest, dass die sozioÃ¶konomische Lage im Allgemeinen und in Kinshasa im Besonderen prekÃ¤r ist. Vor dem Hintergrund der Lage in der Demokratischen Republik Kongo erachtet das Bundesverwaltungsgericht die RÃ¼ckkehr von Personen grundsÃ¤tzlich nur als zumutbar, wenn der letzte Wohnsitz der betroffenen Person in Kinshasa oder einer anderen, Ã¼ber einen Flughafen verfÃ¼genden Stadt im Westen des Lands war, oder wenn die Person in einer dieser StÃ¤dte Ã¼ber ein gefestigtes Beziehungsnetz verfÃ¼gt. Trotz Vorliegens der vorstehend genannten Kriterien erscheine der Vollzug der Wegweisung jedoch â nach sorgfÃ¤ltiger PrÃ¼fung und AbwÃ¤gung der individuellen UmstÃ¤nde â in aller Regel nicht zumutbar, wenn die zurÃ¼ckfÃ¼hrende Person Kinder in ihrer Begleitung hat, fÃ¼r mehrere Kinder verantwortlich ist, sich bereits in einem vorangeschrittenen Alter oder in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befindet oder wenn es sich bei ihr um eine alleinstehende, nicht Ã¼ber ein soziales oder familiÃ¤res Netz verfÃ¼gende Frau handelt (vgl. auch BVGr, 6. April 2020, E-1480/2020, E. 8.4.1; BVGr, 7. Mai 2018, D-4980/2016, E. 8.4.3 mit weiteren Hinweisen; BVGr, 31. MÃ¤rz 2017, D-2834/2016, E. 5.3.2; VGr, 24. Oktober 2018, VB.2018.00327, E. 5.3.1.2). </p> <p class="Erwgung3">Vorliegend ist der BeschwerdefÃ¼hrer in Kinshasa geboren und wurde dort sozialisiert: So besuchte er dort die Schulen. Ebenfalls in Kinshasa besuchte er die Schule â¦. Seine Familie (Eltern und Schwestern) waren ebenfalls dort wohnhaft. Bis zum Verlassen seines Heimatlands arbeitete er in Kinshasa, weshalb angenommen werden kann, dass dort auch sein letzter Wohnort in der Demokratischen Republik Kongo war und er Ã¼ber ein Beziehungsnetz in bzw. um Kinshasa verfÃ¼gt. Entgegen seiner Darstellung im Beschwerdeverfahren hat der BeschwerdefÃ¼hrer offensichtlich die Beziehungen zu seinem Heimatland weiter gepflegt: Seinem bei den Akten liegenden Lebenslauf ist zu entnehmen, dass er 2009 bis 2015 selbstÃ¤ndig erwerbender Inhaber und Betreiber einer Boutique in der demokratischen Republik Kongo war. Konkret fÃ¼hrt er aus, diesen Betrieb in der fraglichen Zeit gefÃ¼hrt zu haben und verschiedene Rohmaterialien und Kleider verkauft zu haben. Eine derartige, sechs Jahre umfassende TÃ¤tigkeit ist ohne ein gewisses soziales Netz offensichtlich nicht mÃ¶glich. Dem BeschwerdefÃ¼hrer ist es damit zumutbar, dieses bei seiner RÃ¼ckkehr wieder zu aktivieren und â trotz seines fortgeschrittenen Alters â auch wieder in gleicher oder Ã¤hnlicher Art erwerbstÃ¤tig zu sein.</p> <p class="Erwgung3">Zusammenfassend liegt ein sehr hohes Ã¶ffentliches Interesse an der Wegweisung des allein lebenden BeschwerdefÃ¼hrers aufgrund seines immensen Sozialhilfebezugs vor, von welchem sich der BeschwerdefÃ¼hrer auch nicht mehr lÃ¶sen wird. Das Gericht verkennt nicht, dass die privaten Interessen des BeschwerdefÃ¼hrers am weiteren Verbleib in der Schweiz vor allem angesichts seines langjÃ¤hrigen Aufenthalts ebenfalls sehr gross sind. Kontakte in die Schweiz kann der BeschwerdefÃ¼hrer indessen Ã¼ber die modernen Kommunikationsmittel aufrechterhalten. Nicht wesentlich ins Gewicht fallen bei der PrÃ¼fung der VerhÃ¤ltnismÃ¤ssigkeit die Gesundheitsbeschwerden des BeschwerdefÃ¼hrers (vgl. E. 4.6.2). Insbesondere aufgrund der noch vor fÃ¼nf Jahren im Heimatland ausgeÃ¼bten selbstÃ¤ndigen ErwerbstÃ¤tigkeit erachtet das Gericht die RÃ¼ckkehr des BeschwerdefÃ¼hrers noch als verhÃ¤ltnismÃ¤ssig. </p> <p class="Erwgung3">Nach dem Gesagten liegen auch keine Vollzugshindernisse vor (Art. 83 AIG).</p> <p class="Erwgung3">Die Beschwerde ist daher abzuweisen.</p> <p class="Erwgung1"><b>5. </b> </p> <p class="Erwgung2"><b>5.1 </b>Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Rekurs- und Beschwerdeverfahrens dem BeschwerdefÃ¼hrer aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 65a VRG) und hat dieser keinen Anspruch auf eine ParteientschÃ¤digung (§ 17 Abs. 2 VRG). </p> <p class="Erwgung2"><b>5.2 </b>FÃ¼r das verwaltungsgerichtliche Verfahren beantragt der BeschwerdefÃ¼hrer die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung und die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands. </p> <p class="Erwgung3">Nach § 16 Abs. 1 VRG ist Privaten, welchen die nÃ¶tigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erscheinen, auf entsprechendes Ersuchen die Bezahlung von Verfahrenskosten und KostenvorschÃ¼ssen zu erlassen. Sie haben nach Abs. 2 derselben Bestimmung Anspruch auf die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands, wenn sie nicht in der Lage sind, ihre Rechte im Verfahren selbst zu wahren. Von der Mittellosigkeit des BeschwerdefÃ¼hrers kann ausgegangen werden. Die Beschwerde erwies sich insbesondere aufgrund der langen Aufenthaltsdauer nicht als offensichtlich aussichtslos. Demzufolge ist ihm die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung zu bewilligen. Ebenso war der Beizug eines Rechtsbeistands gerechtfertigt und ist Rechtsanwalt B fÃ¼r das Beschwerdeverfahren als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. In seiner Honorarnote fÃ¼r das Beschwerdeverfahren vom 14. August 2020 weist Rechtsanwalt B einen Aufwand von 7,95 Stunden aus, was als angemessen erscheint. Die Honorarnote ist insoweit zu kÃ¼rzen als nur ein Stundenansatz von Fr. 220.- statt Fr. 250.- in Anschlag zu bringen ist (vgl. § 3 der Verordnung Ã¼ber die AnwaltsgebÃ¼hren vom 8. September 2010 [AnwGebV]). Dies ergibt eine EntschÃ¤digung von insgesamt Fr. 1'900.- (Barauslagen und Mehrwertsteuern inbegriffen). </p> <p class="Erwgung1"><b>6. </b> </p> <p class="Urteilstext">Der vorliegende Entscheid kann mit Beschwerde in Ã¶ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten nach Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) angefochten werden, soweit ein Rechtsanspruch auf eine fremdenpolizeiliche Bewilligung geltend gemacht wird. Ansonsten steht die subsidiÃ¤re Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG offen. Werden beide Rechtsmittel ergriffen, hat dies in der gleichen Rechtsschrift zu geschehen (Art. 119 Abs. 1 BGG).</p> <p class="MsoNormal"><span>DemgemÃ¤ss erkennt <span>die Kammer</span>:</span></p> <p class="Einzug2"><span>1. Dem BeschwerdefÃ¼hrer wird fÃ¼r das Beschwerdeverfahren </span><span>die unentgeltliche ProzessfÃ¼hrung gewÃ¤hrt und in der Person von Rechtsanwalt B ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.</span></p> <p class="MsoNormal"><span>2. Die Beschwerde wird abgewiesen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>3. Die GerichtsgebÃ¼hr wird festgesetzt auf <br/> Fr. 2'000.--; die Ã¼brigen Kosten betragen:<br/> <u>Fr. 70.--</u> Zustellkosten,<br/> <u>Fr. 2'070.--</u> Total der Kosten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>4. </span><span>Die Gerichtskosten werden dem BeschwerdefÃ¼hrer auferlegt, jedoch einstweilen zufolge GewÃ¤hrung der unentgeltlichen ProzessfÃ¼hrung auf die Gerichtskasse genommen. Die Nachzahlungspflicht des BeschwerdefÃ¼hrers nach § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>5. Eine ParteientschÃ¤digung wird nicht zugesprochen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>6. Rechtsanwalt B </span><span>wird fÃ¼r das Beschwerdeverfahren mit Fr. 1'900.- (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschÃ¤digt. Die Nachzahlungspflicht des BeschwerdefÃ¼hrers gemÃ¤ss § 16 Abs. 4 VRG bleibt vorbehalten.</span></p> <p class="Einzug2"><span>7. Gegen dieses Urteil kann Beschwerde im Sinn der ErwÃ¤gungen erhoben werden. Die Beschwerde ist </span><span>innert</span><span> 30 Tagen, von der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.</span></p> <p class="Einzug2"><span>8. Mitteilung an â¦</span></p> </div> <br/><br/> </br></td> <td width="20"> </td> </tr> </table> <!-- /Dokument --> <!-- FOOTER --> <p class="fusszeile"></p> <!-- /FOOTER --> </body> </html>