B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i ch t T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T ri b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T ri b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-2043/2023 Mit U r t e i l v o m 2 4 . A p r i l 2 0 2 3 Besetzung Einzelrichter David R. Wenger, mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler, Gerichtsschreiber Matthias Neumann Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch MLaw Dimitri Witzig, Rechtsschutz für Asyl- suchende, Bundesasylzentrum, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (sicherer Drittstaat); Verfügung des SEM vom 5. April 2023 / (…). E-2043/2023 Seite 2 Sachverhalt: A. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat- staat im Juni 2016 und reiste nach Griechenland. Er ersuchte die Schwei- zer Behörden am 24. Dezember 2022 um Gewährung von Asyl. B. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck -Datenbank (Zentralein- heit Eurodac) ergab, dass er am (…) in Griechenland um Asyl nachgesucht hatte und ihm am (…) von diesem S taat internationaler Schutz gewährt worden war. C. Die Vorinstanz ersuchte die griechischen Behörden am 11. Januar 2023 um Rückübernahme des Beschwerdeführers. D. Die griechischen Behörden hiessen dieses Gesuch am 16. Januar 2023 gut. Sie erklärten gegenüber d er Vorinstanz, der Beschwerdeführer ver- füge seit dem 30. Mai 2017 über den Flüchtlingsstatus und seit dem (…) über eine Aufenthaltsbewilligung, die bis zum (…) gültig sei. E. Mit Schreiben vom 19. Januar 2023 gewährte die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretens- entscheid und einer Wegweisung nach Griechenland, wobei sie ihn insbe- sondere um Beantwortung von bestimmten Fragen ersuchte. F. Am 30. Januar 2023 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zuge- wiesene Rechtsvertretung. G. Mit Schreiben vom 31. Januar 2023 nahm der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung schriftlich Stellung zu den von der Vorinstanz ge- stellten Fragen. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, dass er nach Gewährung des Flüchtlingsstatus in Griechenland keinerlei Unterstützung erhalten habe. Nachdem er die Asylunterkunft habe verlassen müssen, sei er jeweils in her untergekommenen Häusern untergekommen. Eine Arbeit habe er nicht finden können und er sei Opfer von ausländerfe indlichen E-2043/2023 Seite 3 Übergriffen geworden. Er habe sich erfolglos an staatliche wie nichtstaatli- che Organisationen gewandt, um Unterstützung zu erhalten. Gesundheit- lich leide er an Herzproblemen und hohem Blutdruck sowie Problemen mit seinen Augen. Psychisch sei er e benfalls stark belastet und finde nachts kaum Schlaf. Es sei ihm trotz intensiver jahrelanger Bemühungen nicht ge- lungen, in Griechenland eine Zukunftsperspektive aufzubauen. Er habe weder eine geregelte Arbeit noch eine Unterkunft finden können. Sodann sei ihm die medizinische Versorgung verweigert worden. Die psychischen und physischen Beschwerden seien aktuell noch in Abklärung, weshalb der medizinische Sachverhalt noch nicht erstellt sei. Eine Wegweisung nach Griechenland sei im jetzigen Zeitpunkt unzumu tbar, weil er dort in eine existentielle Notlage geraten würde. Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Stellungnahme vier Arztberichte zu den Akten. H. Die Vorinstanz unterbreitete dem Beschwerdeführer am 3. April 2023 den Entscheidentwurf zur Stellungnahme. I. Der Beschwerdeführe reichte der Vorinstanz am 3. April 2023 einen Arzt- bericht, datierend vom 3. April 2023, zu den Akten. J. Der Beschwerdeführer nahm durch seine Rechtsvertretung am 4. April 2023 Stellung zum Entscheidentwurf. Er machte im Wesentlichen geltend, aufgrund der dokumentierten gesundheitlichen Beschwerden handle es sich bei ihm um eine äusserst vulnerable Person im Sinne der Rechtspre- chung des Bundesverwaltungsgerichts. Aufgrund dessen sei davon auszu- gehen, dass er bei einer Wegweisung nach Griechenland erneut und dau- erhaft in eine existentielle Notlage geraden würde, die er nicht aus eigener Kraft abwenden könnte. K. Mit Verfügung vom 5. April 2023 – gleichentags eröffnet – trat die Vorin- stanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ei n, wies ihn aus der Schweiz weg, beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug und händigte ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. E-2043/2023 Seite 4 L. Mit Eingabe vom 11. April 2023 erhob der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung gegen d iese Verfügung Beschwerde beim Bundesver- waltungsgericht. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzu- heben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihn aufgrund der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit der Wegweisung in der Schweiz vorläu- fig aufzunehmen; eventualiter sei die angefochtene Verfügung zur vollstän- digen Feststellung des Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den griechischen Behörden individuelle Garantien betreffend die adäquate Un- terbringung und die soziale Unterstützung zur Deckung der elementaren Grundbedürfnisse einzuholen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltli- che Prozessführung zu gewähren und insbesondere von der Erhebung ei- nes Kostenvorschusses abzusehen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be- handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei- det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor- liegend – endgültig (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des Ausländer- rechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und die Be- schwerdeschrift wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs . 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 2. Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht- lich unbegründet, weshalb über diese im Verfahren einzelrichterlicher Zu- ständigkeit mit Zustimmung eines z weiten Richters oder einer zweiten E-2043/2023 Seite 5 Richterin ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari- scher Begründung zu entscheiden ist (vgl. Art. 111 Bst. e sowie Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 3. 3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer- deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Ein schränkung prüft. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige Feststellung des Sach- verhalts. Er macht geltend, er befinde sich aktuell in einem stationären Auf- enthalt bei den B._______. Es sei noch kein Abklärungs- beziehungsweise Austrittsbericht mit einer aktuellen und präzisen psychiatrischen Diagnose und dem weiteren Prozedere vorhanden. Es habe bis jetzt noch keine ver- tiefte psychiatrische Abklärung stattfinden können. 4.2 Die formelle Rüge ist unbegründet. Die Vorinstanz ging in den Erwä- gungen der angefochtenen Verfügung umfassend auf die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers ein, wobei sie sämtliche ihr vorliegenden ärztlichen Berichte berücksichtigte, namentlich auch den Bericht zur Erst- konsultation bei den B._______ vom (…). In diesem Bericht diagnostizie- ren die behandelnden Ärzte beim Beschwerdeführer eine schwere depres- sive Episode ohne psychotische Symptome und eine Posttraumatische Be- lastungsstörung (vgl. SEM-eAkten, […]). Weiter zeigte die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung Kenntnis davon, dass der Beschwerdeführer im März 2023 drei weitere Konsultationen bei den PDAG wahrgenommen hat und zudem ein weiterer Termin geplant sei. Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz – im Sinne einer antizipierten Beweis würdigung – in der angefochtenen Verfügung zum Schluss kommt, dass nicht davon aus- zugehen sei, in naher Zukunft würde eine derart schwerwiegende Diag- nose gestellt werden, welche die Einschätzung der Zulässigkeit und Zu-E-2043/2023 Seite 6 mutbarkeit der Wegweisung nach Griechenland erschüttern könnte. Im Üb- rigen zeigt der Be schwerdeführer auch unter Berücksichtigung des nun- mehr stationären Aufenthalts nicht substantiiert auf, inwiefern vom zu er- wartenden (psychiatrischen) Abschlussbericht neue, für die Beurteilung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit der Wegweisung rele- vante Informationen zu erwarten sind, zumal die PDAG bereits anlässlich der Erstkonsultation eine Diagnose vorgenommen haben. Nach dem Ge- sagten ist der medizinische Sachverhalt als genügend erstellt zu betrach- ten. Es besteht kein Anlass für eine Rückweisung der Sache an die Vo- rinstanz zwecks weiterer Sachverhaltsabklärungen. Der (Eventual-) Antrag ist abzuweisen. 5. 5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu- chende in einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG). 5.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung auf dieser Grund- lage einen Nichteintretensentscheid erlassen und die Wegweisung nach Griechenland verfügt. Dies ist nicht zu beanstanden, da es sich (1.) bei Griechenland um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt (gemäss Beschluss des Bundesrates vom 14. De- zember 2007; in Kraft seit dem 1. Januar 2008), sich der Beschwerdeführer (2.) bis anhin dort aufgehalten hat und er (3.) auch weiterhin in diesen Staat zurückkehren kann, nachdem sich Griechenland ausdrücklich zu seiner Wiederaufnahme bereit erklärt hat. Damit sind die drei Grundvorausset- zungen für einen Entscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt. Der Beschwerdeführer hat nichts Substan tielles eingebracht, was geeignet wäre, die gesetzliche Vermutung seiner Sicherheit in Griechenland (im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG) zu erschüttern. 5.3 Damit ist die Vorinstanz zu Recht und mit zutreffender Begründung – auf die anstelle einer Wiederholung verwiesen werden kann (Art. 111a Abs. 2 AsylG) – auf das Asylgesuch nicht eingetreten. 6. 6.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegweisung nach Griechenland entgegenstehen (im Sinne von Art. 44 [zweiter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2–4 AIG [SR 142.20]). E-2043/2023 Seite 7 6.2 Der Beschwerdeführer macht zusammengefasst geltend, seine beson- dere Verletzlichkeit mit Blick auf den Wegweisungsvollzug ergebe sich da- raus, dass er körperlich stark lädiert sei, unter anhaltenden Schmerzen, einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer schweren Depres- sion leide. Deshalb sei er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit sei jedoch eine zwingende Voraussetzung für das Überleben in Griechenland. Weiter hindere seine ge sundheitliche Verfas- sung ihn daran, bei den griechischen Behörden die ihm zustehenden Leis- tungen einzufordern. Ausserdem verfüge er über keine Sprachkenntnisse und soziale Kontakte in Griechenland. Der Teufelskreis von Armut, Verelen- dung, Obdachlosigkeit i n Verbindung mit seiner krankheitsbedingten Ar- beitsunfähigkeit würden unweigerlich zu einer dauerhaften schweren Not- lage führen. 6.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 6.4 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge- mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be- weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 6.5 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter- reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenste- hen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Auslän der unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Beim Vollzug von Wegweisungen in Mit- gliedstaaten der Europäischen Union, wie Griechenland, besteht eine gesetzliche Vermutung der Zumutbarkeit (Art. 83 Abs. 5 Satz 2 AIG), die praxisgemäss im Einzelfall widerlegbar ist. E-2043/2023 Seite 8 6.5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre- chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen- land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz- lich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der jeder Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und ernied- rigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Trotz existierender Schwachstellen kann nicht von einem dysfunk- tionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote existie- ren in Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen, wenn auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und diese bisher vor allem von internationalen Akteuren in Zusammenarbeit mit der lokalen Zi- vilgesellschaft erbracht und finanziert werden. Es ist unbestritten, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind; dennoch ist im heuti- gen Zeitpunkt nicht von einem «real risk» auszugehen, dass der Beschwer- deführer bei einer Rückkehr nach Griechenland einer menschenrechtswid- rigen Behandlung ausgesetzt wäre. 6.5.2 Mit Bezug auf die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers ist Folgendes festzuhalten: Gemäss Praxis des EGMR kann der Vollzug der Wegweisung einer Person mit gesundheitlichen Proble men einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz ausser- gewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili gegen Bel- gien vom 13. Dezember 2016, 41738/10, § 183). 6.5.3 Zunächst kann in Bezug auf die dokumentierten gesundheitliche n Beschwerden des Beschwerdeführers zwecks Vermeidung von Wiederho- lungen auf die Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfü- gung verwiesen werden. Zusammenfassend wurde beim Beschwerdefüh- rer eine (…), eine posttraumatische Belastungsstörung und ei ne schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome diagnostiziert. Gemäss eigenen Angaben in der Beschwerdeschrift habe sich sein psychischer Zu- stand seit Erhalt des Nichteintretensentscheids erneut verschlechtert und er befinde sich aktuell stationä r in psychiatrischer Behandlung in den PDAG. 6.5.4 Der aktuelle Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist bedau- ernswert. Von einem derart gravierenden Krankheitsbild, welches die An- nahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne der zitierten Rechtsprechung rechtfertigen würde, kann allerdings nicht ausgegangen E-2043/2023 Seite 9 werden. Eine Destabilisierung des Beschwerdeführers durch eine Über- stellung nach Griechenland ist zwar nicht auszuschliessen. Durch eine engmaschige psychologische und auch medikamentöse Betreuung im Rahmen der Vollzugsvorbereitungen und Durchführung wird seinem Ge- sundheitszustand aber angemessen Rechnung getragen werden können. 6.5.5 Nach dem Gesagten liegen keine konkreten Hinweise vor, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr nach Griechenland einer un- menschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zu- lässig. 6.6 Betreffend die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung ist folgen- des festzustellen: 6.6.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, ist Griechenland an die Qua- lifikationsrichtlinie gebunden. Auch wenn eine adäquate Eingliederung des Beschwerdeführers in die sozialen Strukturen Griechenland s als Person mit internationalem Schutzstatus mit nicht zu verkennenden Erschwernis- sen verbunden ist, vermögen seine Vorbringen die hohen Anforderungen an eine konkrete Gefährdung nicht zu erfüllen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen 25-jährigen Mann, welcher bereits mehr als fünf Jahre in Griechenland gelebt hat. Aufgrund der Dauer seines bi sherigen Aufenthalts dürfte er mit den dortigen Verhältnissen und Gegebenheiten vertraut sein. Vor diesem Hintergrund darf auch unter Berücksichtigung seiner psychischen Beschwerden von ihm erwartet werden, sich bei Unter- stützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die erfor- derliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Nichtregie- rungsorganisationen (NGO) können ihm in dieser Hinsicht behilflich sein, zumal sie ihn gemäss eigenen Angaben bereits nach seiner Ankunft mit medizinischer Versorgung und Lebensmitteln unterstützt haben. Die Anga- ben des Beschwerdeführers betreffend die angebliche Verweigerung von Unterstützungsleistungen sind insgesamt – wie im Übrigen sämtliche sei- ner Ausführungen zum Aufenthalt in Griechenland - vage ausgefallen. Er gab lediglich an, er habe mehrmals bei Ärzten um medizinische Unterstüt- zung ersucht, insbesondere wegen starken Zahnschmerzen. Ihm habe aber niemand helfen wollen (vgl. SEM -eAkten, […]). Er legt indes nicht dar, dass er aktiv gegen die angebliche Verweigerung von Unterstützungs- leistungen vorgegangen ist oder diese sogar auf dem Rechtsweg eingefor- dert hat. Dabei überzeugt das Argument in der Beschwerdeschrift nicht, wonach seine gesundheitliche Verfassung ihn daran gehindert hat, die ihm E-2043/2023 Seite 10 zustehenden Leistungen einzufordern. Wie erwähnt kann es ihm – auch unter Berücksichtigung seiner psychischen Beschwerden – zugemutet werden, sich zu diesem Zweck an Dritte, namentlich NGO oder Privatper- sonen, zu wenden. Angesichts des langjährigen Aufenthalts i n Griechen- land ist überdies zu erwarten, dass er zumindest über Grundkenntnisse der griechischen Sprache verfügt und sich im Alltag, notfalls mit Hilfsmitteln oder über Drittpersonen, verständigen können sollte. 6.6.2 In Bezug auf den Gesundheitszustand des Bes chwerdeführers ist festzuhalten, dass gemäss konstanter Praxis aus medizinischen Gründen nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu schliessen ist, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Zielstaat nicht zur Ver- fügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Person füh- ren würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medi- zinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men- schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jeden- falls noch nicht vor, wenn im Zielstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3; 2009/52 E. 10.1; 2009/51 E. 5.5; 2 009/28 E. 9.3.1; 2009/2 E. 9.3.2). 6.6.3 Die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers, namentlich seine psychische Verfassung, sind zwar nicht zu unterschätzen. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde sind sie aber nicht als schwerwiegende Erkrankung im Sinne des Referenzurteils E-3427/2021, E-3431/2021 ein- zustufen. Beim Beschwerdeführer handelt es sich mithin nicht um eine be- sonders vulnerable Person, für welche sich der Vollzug der Wegweisung grundsätzlich als unzumutbar erweisen würde. Er verfügt in Griechenland über den Schutzstatus und ist im Besitz einer bis am 14. Juni 2023 gülti- gen, griechischen Aufenthaltsbewilligung. Es ist weder dargetan noch er- sichtlich, inwiefern es ihm bei einer Rückkehr nicht möglich sein sollte, Zu- gang zum griechischen G esundheits- und Versicherungswesen zu erhal- ten. Sodann haben in lebensbedrohlichen Situationen alle Personen, un- abhängig von ihrem rechtlichen Status, in Griechenland Zugang zu Notfall- stationen (vgl. Referenzurteil E. 9.8.2). Bei dieser Sachlage besteht ke in Anlass zur Einholung individueller Garantien betreffend adäquate Unter- bringung und Zugang zu medizinischer Versorgung (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-319/2021 vom 27. Januar 2021 E. 5.5 m.H.). E-2043/2023 Seite 11 6.6.4 Dass ein unausweichlich bevorstehender Wegweisungsvol lzug bei den damit konfrontierten ausländischen Personen zu einer nicht unerheb- lichen psychischen Belastung führt, ist nachvollziehbar. Vorliegend könnte für die Zeit vor und während der Rückreise nach Griechenland einer allfäl- ligen zeitweiligen Verschlech terung des psychischen Zustandes des Be- schwerdeführers medikamentös und mit einer persönlichen Betreuung be- gegnet werden. Die mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragten schwei- zerischen Behörden werden sodann die griechischen Behörden über die besonderen medizinischen Bedürfnisse des Beschwerdeführers informie- ren und diesen Umständen bei der Bestimmung geeigneter Vollzugsmoda- litäten Rechnung zu tragen haben. Der Beschwerdeführer ist seinerseits gehalten, bei der Vorbereitung seiner Rückkehr mit den Vollzugsbehörden zu kooperieren. Es steht ihm zudem frei, von den Möglichkeiten der Rück- kehrhilfe Gebrauch zu machen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar. 6.7 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch als möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG), nachdem die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben. 6.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegwei sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt , den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so- wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 8. 8.1 Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos ge- worden. 8.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeich- nen waren. E-2043/2023 Seite 12 8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde- führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) E-2043/2023 Seite 13 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: David R. Wenger Matthias Neumann Versand: