Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Oktober 2021 (725 21 95 / 277) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Keine Zweifel an der medizinischen Beurteilung der Kreisärztin; Adäquater Kausalzusam- menhang zwischen den im Zeitpunkt des Fallabschlusses vorhandenen psychischen Ge- sundheitsbeeinträchtigungen und dem erlittenen Unfall in Anwendung der sogenannten Psycho-Praxis zu Recht verneint; Einstellung der gesetzlichen Leistungen erfolgte zu- recht. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Deborah Büttel , Rechts- anwältin, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung , Postfach 4358 , 6002 Luzern , Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A.1 A.___ arbeitet seit dem Oktober 19XX als Innendekor ateur/Wohnberater bei der Firma B.___ AG. Am 8. März 2019 wurde er, als er sich mit dem Velo auf dem Heimweg befand, von einem Auto angefahren. Dabei zog er sich eine Commoti o cerebri, eine Lungenkontusion links Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht und eine laterale Claviculafraktur links zu. Für diesen Unfall erbrachte die zuständige Schweize- rische Unfallversicherungsanstalt (Suva) die gesetzlichen Leistungen. A.2 Am 21. Februar 2020 erlitt der Versicherte einen weiteren Unfall, als er beim Absteigen von seinem Velo am Pedal hängen blieb und auf die linke Schulter stürzte. Dabei zog er sich eine dislozierte laterale Claviculafraktur zu. Die Suva richtete auch für dieses Ereignis die gesetzlichen Leistungen aus. A.3 Mit Verfügung vom 17. Juni 2020 teilte die Suva mi t, die Abklärungen hätten ergeben, dass sich die noch geklagten Beschwerden aus dem Unfallereignis vom 8. März 2019 organisch nicht mehr ausreichend erklären lassen würden. Zudem sei auch die Adäquanz zu verneinen, weshalb die bisherigen Versicherungsleistungen für diesen Unfall per Ende Juni 2020 eingestellt würden. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Suva am 9. Februar 2021 ab. B. Dagegen richtet sich die vorliegende Beschwerde, welc he A.____, vertreten durch Rechtsanwältin Deborah Büttel, am 11. März 2021 beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht (Kantonsgericht), erhob. Er beantragte, e s sei der Einspracheentscheid vom 9. Februar 2021 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetz- lichen Leistungen betreffend das Unfallereignis vom 8. März 2019 auszurichten und ihm eine Rente von 60 % zuzusprechen. Eventualiter sei ein gericht liches medizinisches Gutachten bei einer neutralen Stelle einzuholen. Subeventualiter sei die Streitsache an die Beschwerdegegne- rin zurückzuweisen und diese zu verpflichten, ein medizini sches Gutachten bei einer neutralen Stelle einzuholen und es sei nach Vorliegen dieses Gutachtens neu über den Leistungsanspruch zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass er weiterhin an objektivierbaren Folgen des Unfalls vom 8. März 2019 leide. Die Suva habe ihren Entscheid zudem auf unzureichende medizinische Unterlage n gestützt. Insbesondere könne nicht auf die versicherungsinternen Beurteilungen der K reisärztin Dr. med. C.____, FMH Allge- meine Innere Medizin, abgestellt werden. C. In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. März 2021 schloss di e Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetz es über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdee rhebung ihren Wohnsitz hat. Der Be- schwerdeführer wohnt im Kanton Basel-Landschaft, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Kan- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht tonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versi- cherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kant ons Beschwerden gegen Einsprache- entscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 ATSG . Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht ein- gereichte Beschwerde vom 11. März 2021 ist einzutreten. 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistu ngspflicht für das Unfallereignis vom 8. März 2019 zu Recht per 30. Juni 2020 verneint hat. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des vorliegend angefochtenen Einsprach eentscheids vom 9. Februar 2021 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterli- chen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1 mit Hinweis). 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewä hren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähig- keit 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arb eitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch auf Taggeld gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit de r Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähig- keit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Der Rentenanspruch entsteht sodann, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besse- rung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfällige Ein- gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlo ssen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt unter anderem voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetret enen Schaden (Krankheit, Arbeits- unfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigung) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1). Ursachen im Sinne des natürli chen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene E rfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre- chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natü rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmi ttelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körper- liche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Stö- rung entfiele (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweise n). Ob zwischen einem schädigenden Er- eignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli- chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3.1 Eine weitere Voraussetzung für die Leistungspfli cht des Unfallversicherers bildet das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhangs. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweis). Ob bei Vorliegen eines natürli- chen Kausalzusammenhangs zwischen dem versicherten Ereignis u nd der eingetretenen ge- sundheitlichen Schädigung auch der erforderliche adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalzusam- menhang besteht, ist eine Rechtsfrage, die nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln vom Gericht zu beurteilen ist (vgl. BGE 112 V 30 E. 1b). 3.3.2 Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfall folgen spielt die Adäquanz als recht- liche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/bb). Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht (hinreichen d) nachweisbaren Unfallfolgeschäden. Hier bedarf es einer besonderen Adäquanzprüfung. Dabei ist vom augenfälligen Geschehensab- lauf auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfall bezogene Kriterien einzubeziehen. Ge- mäss der für psychische Fehlentwicklungen nach Unfall erarb eiteten sog. Psycho-Praxis (vgl. BGE 115 V 133) werden diese Adäquanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft, während nach der bei Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen der HWS sowie Schä- del-Hirntraumen anwendbaren sog. Schleudertrauma-Pra xis auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird (zum Ganzen: BGE 134 V 109 E. 2.1 mit Hinweisen). Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen wird erst dann gesprochen, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgeben den Abklärungen bestätigt werden (für viele: Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 8 C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hin- weisen). Diese Untersuchungsmethoden müssen wissenschaftlich anerkannt sein (vgl. BGE 134 V 231 mit Hinweisen). Alleine die grundsätzliche Geeignetheit eines Ereignisses, zu einer Verlet- zung zu führen, reicht nicht, um diese als organisch obje ktiv ausgewiesen zu betrachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. September 2011, 8C_310/2011, E. 4.5.1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterlage n angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 115 V 133 E. 2, 114 V 310 E. 3c, 105 V 156 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellun gnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht verrichtet werden können (vgl. ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditäts- schätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der So- zialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversi cherungsgericht alle relevanten Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entschei dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgeg eben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch- tet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlagge- bend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut- achten (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2 001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exp ertise sprechen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.4.1 Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliesslich auf versicherungsin- terne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Mai 2019, 9C_143/2019, E. 4.1 mit Hinweisen). 4.4.2 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten od er Ärztinnen darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrecht- liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aus- sagen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedlich e Natur von Behandlungsauftrag der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte bzw. (Fach)Ärztinnen einerseits und von Begutachtungsauf- trag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten oder Expertinnen anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des Eidgenössischen Versicherungs gerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu neh- men, wenn die behandelnde Ärzteschaft zu anderslautenden Einschätzungen gelangt. Vorbehal- ten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte bzw. Ärztinnen wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entsprin- gende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutach tung unerkannt oder ungewürdigt ge- blieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 5. Das Administrativverfahren wie auch der kantonale S ozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von Amtes wege n für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinrei- chende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo m 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Unter- suchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln , dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2019, 9C_57/2019, E. 3.2). 6.1 Für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts si nd vorliegend im Wesentlichen folgende Berichte zu berücksichtigen: 6.2 Im Austrittsbericht des Spitals D.____, Klinik für E. ____, vom 13. März 2019, wo sich der Beschwerdeführer nach seinem Unfall vom 8. bis 10. März 2019 stationär aufgehalten hatte, wur- den als Diagnosen eine Commotio cerebri, eine Lungenkontusion links und eine laterale Clavicu- lafraktur links genannt. Es habe für das Ereignis sowohl antero- wie retrograd eine Amnesie be- standen. Der Beschwerdeführer sei zunächst bei einem G lasgow Coma Scale [GCS]-Wert von 14 autopsychisch und örtlich, aber zeitlich nur teilweise o rientiert gewesen, die Pupillen hätten aber prompt und konsensuell auf Licht reagiert und die Herztöne seien rein sowie rhythmisch gewesen. In der Beurteilung wurde ausgeführt, dass die initial bestehende zeitliche Desorientie- rung zeitnah regredient gewesen sei. Die Überwachung sei ansonsten komplett unauffällig aus- gefallen. In der neurologischen Untersuchung sei eine A nisokorie aufgefallen, welche seit einer Bestrahlung bei einem Status nach einem Tonsillenkarzinom rechts bekannt sei. Ansonsten seien keine klinischen Befunde erkennbar gewesen. In der initial durchgeführten Computertomographie (CT) hätten sich keine Hinweise für eine intrakraniell e Blutung/Ischämie oder eine Schädelfrak- tur/Fraktur der Halswirbelsäule (HWS) gezeigt. Allerdings habe sich der Verdacht auf eine laterale linksseitige Claviculafraktur bestätigt. Ausserdem habe eine Lungenkontusion links bei ansonsten fehlenden weiteren Traumafolgen zur Darstellung gebracht werden können. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.3 Am 23. Juli 2019 berichtete das Spital D.____, K linik für F.____, dass in Bezug auf den Schultergürtel links reizlose Narbenverhältnisse und eine residuelle Druckdolenz über der latera- len Clavicula bestünden. Zudem läge noch eine Kapselsteif e vor, die weiterhin mit Physio- und Wassertherapie behandelt werde. Weiter wurde auf eine limitierte Gedächtnisleistung bei Status nach Commotio cerebri hingewiesen. Der Versicherte sei auch im Hinblick auf die Konzentrati- onsschwäche weiterhin zu 50 % arbeitsunfähig. 6.4 Dr. C.____ führte am 4. September 2019 aus, dass wegen der festgestellten Kapsel- steife aktuell keine kreisärztliche Untersuchung angezeigt sei. Der Verlauf sei offensichtlich protrahiert und bedürfe sicherlich noch einiger Zeit. Als strukturell objektivierbare Schadenfolge könne die Claviculafraktur links genannt werden. 6.5 Dem Bericht des Spitals D.____, Klinik für F.____ , vom 16. September 2019 ist zu ent- nehmen, dass der Versicherte rund 6 Monate nach Fraktur versorgung von Seiten der Schulter zufrieden sei. Überkopfbewegungen seien noch mühsam und eingeschränkt, jedoch würde er subjektiv von den physiotherapeutischen Massnahmen profitieren. Nebenbefundlich werde über eine Sensibilitätsstörung der rechten Gesichtshälfte berichtet, welche bereits nach der Tonsillen- operation erstmalig aufgetreten sei und welche sich durch den Sturz verschlimmert habe. Zudem bestünden eine anhaltende Müdigkeit, eine Schläfrigke it und Konzentrationsstörungen nach Commotio cerebri, welche die Arbeit als Innendekorateur/Wohnberater massiv erschweren wür- den. Aus rein schulterorthopädischer Sicht könne der Versicherte aber wieder zu 100 % arbeiten. Aufgrund des anhaltenden postkommotionellen Syndroms bleibe die Arbeitsfähigkeit jedoch ein- geschränkt. Diesbezüglich sei eine allfällige neurologische Weiterabklärung in die Wege zu leiten. 6.6 Am 18. Oktober 2019 fand im Auftrag des Hausarztes Dr. med. G.____, FMH Allgemeinmedizin, ein neurologisches Konsilium bei Dr. med. H.____, FMH Neurologie, statt. Dieser diagnostizierte ein Schädel-Hirntrauma Grad I am 8. Oktober (recte März) 2019 nach Velounfall und einen Status nach Plattenepithelkarzi nom der Tonsille rechts. In der Beurteilung hielt Dr. H.____ fest, dass beim Versicherten nach einem Velounfall mit Sturz auf den Kopf eine antero- und eine retrograde Amnesie bestanden habe. Es lägen eine Reduktion der Leistungsfä- higkeit, eine vermehrte Müdigkeit, holokraniell drückend e Kopfschmerzen vom Spannungstyp und typische Zeichen eines Schädel-Hirntraumas Grad I vor. Erfreulicherweise seien aber sowohl das CT als auch die aktuelle Magnetresonanztomografie ( MRT) ohne Nachweis substantieller Schäden am Gehirn. Die klinische Untersuchung sei unauff ällig. Bei subjektiv unverändertem Verlauf ohne Besserungstendenz der Leistungsminderung werde eine neuropsychologische Ab- klärung in der Klinik I.____ empfohlen. 6.7 Der Beschwerdeführer wurde in der Folge am 9. De zember 2019 in der Klinik I.____ neuropsychologisch untersucht. Im Bericht vom 5. Februar 2020 wurden eine leichte neurokog- nitive Störung mit deutlich reduzierter kognitiver Belastbarkeit sowie mittelschwerer kognitiver und motorischer Fatigue und ein Status nach Schädel-Hirntrauma Grad I am 8. Oktober (recte März) 2019 nach Velounfall, eigenanamnestisch Amnesie für zwei Tage, genannt. Gemäss MRT vom 23. Oktober 2019 lägen keine Blutung, keine posttraum atischen gliotischen Veränderungen, keine Subduralhämatome, keine sulcale Hämosiderose und keine Hinweise auf Shearing injuries Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vor. Im Rahmen der ausführlichen neuropsychologischen Unt ersuchung hätten sich leichte bis mittelschwere Auffälligkeiten in Teilbereichen der Auf merksamkeit, im verbal-episodischen Ge- dächtnis, bei der Visuokonstruktion und in Teilbereichen der Exekutivfunktionen objektivieren las- sen. Anamnestisch bestünden anhaltende Gedächtnisschwierigkeiten infolge des Unfalls sowie deutliche planerische Schwierigkeiten und Konzentration sprobleme. Das Testprofil bestätige diese Ausfälle. Weiter bestehe eine erhöhte Reizbarke it, ein vermehrter Rückzug und eine ver- stärkte Müdigkeit. Obwohl die bildgebenden Befunde ohne Nachweis substantieller Schäden oder Shearing injuries geblieben seien, müssten die Befunde im Sinne einer leichten neurokognitiven Störung als Folge des erlittenen Schädel-Hirntraumas gesehen werden, da sich keine Hinweise auf eine anderweitige Ursache erkennen lassen würden. Ei ne Steigerung des Arbeitspensums sei aktuell nicht sinnvoll. Gestützt auf diesen Bericht der Klinik I.____ bestätigte der Hausarzt Dr. G.____ eine Arbeitsunfähigkeit von 60 %. 6.8 Am 8. März 2020 unterzog sich der Beschwerdeführer ei ner neurootologischen Stand- ortbestimmung im Spital J.____, Klinik für K.____. Im Bericht vom 13. März 2020 wurden ein Schädel-Hirntrauma Grad I nach Velounfall am 8. März 2019, eine leichte Presbyakusis beidseits und ein Status nach Plattenepithelkarzinom der Tonsille rechts (Erstdiagnose 04/2017) mit Status nach Operation und anschliessender Radio-/Chemotherapie im Jahr 2017 genannt. In der Beur- teilung wurde ausgeführt, dass sich nach eingehender Un tersuchung keine Hinweise für eine peripher vestibuläre Funktionsstörung gezeigt hätten. Mit einem zweitgradigen Spontannystag- mus nach rechts mit Downbeat-Komponente sowie einer schlechten Fixationssuppression in der Kalorik hätten sich jedoch ebenso wie im 3Dv-KIT diskrete zentrale Zeichen präsentiert. Aus die- sem Grund werde – sofern nicht bereits erfolgt – eine neurologische Untersuchung empfohlen. 6.9 In ihrer kreisärztlichen Beurteilung vom 2. Juni 20 20 führte Dr. C.____ aus, dass sich der Beschwerdeführer am 8. März 2019 bei einem Veloun fall eine dislozierte laterale Clavicula- fraktur links (adominant) zugezogen habe. Zudem habe er auch ein Schädelhirn-Trauma Grad I ohne objektivierbare strukturelle Läsionen im Gehirn erl itten. Gemäss der letzten Kontrolle im Spital D.____, Klinik für F.____, vom 10. September 2019 sei die betroffene Schulter aus ortho- pädischer Sicht soweit hergestellt gewesen, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei. Es bestünden aber anhaltende Beschwerden bezüglich des neurokognitiven Zustands. Dazu führte die Kreisärztin am 10. Juni 2020 aus, dass neur opsychologische Untersuchungen eine leichte neurokognitive Störung gezeigt hätten, welche eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit nicht möglich machen würde. Dr. C.____ kam aus versicherungsmedizinischer Sicht bezüglich der lin- ken (adominanten) Schulter respektive der Clavicula zum S chluss, dass der medizinische End- zustand erreicht sei. In Bezug auf das erlittene Schäde l-Hirntrauma Grad I, ohne nachweisbare strukturell objektivierbare Läsionen, sei gemäss Suva-Pra xis das anhaltende Beschwerdebild zum jetzigen Zeitpunkt als nicht mehr unfallkausal einzustufen. 6.10 Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. G.____, b erichtete am 2. Juli 2020, dass der Unfall mit grosser Wahrscheinlichkeit die Ursache für den jetzigen Zustand darstelle. 7.1 Die Suva stützte sich im angefochtenen Einspracheent scheid vom 9. Februar 2021 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts und der zu mutbaren Arbeitsfähigkeit in erster Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Linie auf die Berichte von Dr. C.____ vom 2. und 10. Juni 2020. Sie ging demzufolge davon aus, dass in Bezug auf die Verletzung an der linken Schulte r der Endzustand erreicht sei und keine organischen Unfallfolgen mehr vorliegen würden. Dieses Ergebnis der vorinstanzlichen Beweis- würdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.5.1 hiervor), kommt nach der Rechtsprechung den Berichten beratender Ärzte bzw. Ärztinnen des Versicherungsträgers zwar nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. Ein solcher Bericht ist aber soweit zu berücksichtigen, als keine – auch nur geringe – Zweif el an der Richtigkeit seiner Schlussfol- gerungen bestehen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.7). Vorliegend besteht kein Anlass, an der Richtig- keit der Feststellungen von Dr. C.____ zu zweifeln. Es ist vielmehr festzuhalten, dass sie sich einlässlich und umfassend mit den bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinan- dergesetzt und die Unfallkausalität schlüssig verneint hat. Dr. C.____ führte unter Berücksichti- gung der ausführlichen bildgebenden Abklärungen und der bis dahin ergangenen orthopädischen und neurologischen Berichte einleuchtend und nachvollziehbar aus, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Leistungseinstellung nicht mehr an organisch nachweisbaren traumatischen Be- schwerden litt. Ihre Einschätzung der medizinischen Situa tion erscheint widerspruchsfrei und schlüssig und lässt sich auf die von den Fachärzten erhobenen Befunde stützen. Demnach steht fest, dass der Beschwerdeführer die linke Schulter bere its seit 16. September 2019 wieder voll belasten konnte (vgl. Bericht des Spitals D.____, Klini k für F.____, vom 16. September 2019, vorstehend E. 6.5) und eine Leistungseinstellung per Ende Juni 2021 daher nicht zu beanstanden ist. Auch in Bezug auf das beim Unfall vom 8. März 2019 erlittene Schädel-Hirntrauma Grad I ist der Beurteilung der Kreisärztin zu folgen und davon auszugehen, dass sich organische Beein- trächtigungen nicht nachweisen lassen. Sie stützte sich dab ei auf die eingeholten Berichte und die bildgebenden Unterlagen des Spitals D.____, Klini k für E.____, Dr. H.____ sowie der Klinik I.____, welchen übereinstimmend weder eine Verletzung des Gehirns noch des Schädels noch des Neurocraniums zu entnehmen sind. Zu beachten ist ferner, dass weder der geklagte Schwin- del noch die Augenprobleme objektiviert werden konnten, ergaben die dazu durchgeführten neu- rologischen, neurootologischen sowie die ophtalmologisc hen Untersuchung doch keine organi- sche Ursache. Zwar ist dazu festzustellen, dass die Kreisärz tin keine eigenen Untersuchungen vorgenommen oder in die Wege geleitet hat. Solche waren aber aufgrund der übereinstimmenden und nachvollziehbaren Berichte des Spitals D., von Dr. H.____ und der Klinik I.____ nicht erfor- derlich. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Kreisärztin in Bezug auf das Schädel-Hirntrauma Grad I festgestellt hat, dass keine organisch nachweisbaren Schädigungen objektiviert werden konnten. Ihre Schlussfolgerungen si nd schlüssig und nachvollziehbar, wes- halb die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid auf die Beurteilungen ihrer Kreisärztin Dr. C.____ abstützen durfte. 7.2.1 Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, ist n icht geeignet, die Einschätzungen von Dr. C.____ in Zweifel zu ziehen. 7.2.2 Soweit er geltend macht, dass der Kreisärztin als Fachärztin der Allgemeinen Inneren Medizin die Fachkompetenz für die Beurteilung der strit tigen medizinischen Fragen fehle, kann ihm nicht gefolgt werden. Dr. C.____ orientierte sich – wie bereits erwähnt – in ihrer Beurteilung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht an den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten der behandelnden Ortho- päden des Spitals D.____, des Neurologen Dr. H.____ und der Ärzteschaft der Klinik I.____. Diese Berichte sind umfassend und werden auch vom Beschwerdeführer nicht konkret kritisiert. Er kann deshalb aus dieser Argumentation nichts zu seinen Gunsten ableiten. 7.2.3 Wenn der Beschwerdeführer weiter unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2015, 9C_335, E. 4.2.2, moniert, dass bei orthopädischen Beschwerdebildern die klinische und nicht die bildgebende Untersuchung die fei nste Prüfung darstelle und eine blosse Aktenbeurteilung ungenügend sei, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Das Bundesgericht führte in der genannten Fundstelle aus, dass bei Gesundheitsschäden im Bereich der Orthopädie eine Diagnose des Funktionsausfalls, d.h. eine qualita tive und quantitative Analyse der Funkti- onsstörung des Bewegungsapparats und seiner Folgen für die versicherte Person, von zentraler Bedeutung ist. So seien etwa bei den Bewegungsprüfungen nicht die Winkelgrade ausschlagge- bend, sondern die Brauchbarkeit eines Gelenks, die prakt ische Leistungsfähigkeit bzw. die Be- hinderung im täglichen Leben. Aus orthopädischer Sicht ist dem Bericht des Spitals D.____, Klinik F.____, vom 16. September 2019 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bezüglich der lin- ken Schulter trotz gewisser Einschränkungen wieder vollständig arbeitsfähig sei. Diese Einschät- zung bezog sich nicht nur auf die bildgebenden Unterla gen, sondern auch auf eine persönliche Untersuchung des Beschwerdeführers. 7.2.4 Weiter legt der Beschwerdeführer nicht substant iiert dar, dass er beim Sturz mit dem Velo eine strukturelle Verletzung des Hirns, des Schädels oder des Neurokraniums erlitten hat. Er weist lediglich auf die Untersuchungen in der Klini k I.____ hin und moniert, er erbringe auf- grund der Testergebnisse mittelschwere bis teilweise schwere kognitive Minderleistungen. Diese leichte neurokognitive Störung müsse als Folge des erlit tenen Schädel-Hirntraumas gesehen werden, da sich keine Hinweise auf eine anderweitige Ursache erkennen lassen würden. Es sei demnach diesbezüglich von objektivierbaren Befunden auszug ehen. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Gemäss konstanter Rechtsprechung d es Bundesgerichts ist nämlich die neuropsychologische Testuntersuchung allein nicht ausreichend, um die Kausalitätsfrage eines Beschwerdebilds selbstständig und abschliessend zu beantwor ten (vgl. Urteil des Bundesge- richts vom 28. November 2018, 8C_636/2018, E. 4.2 mit H inweisen). Daran ist auch im vorlie- genden Fall festzuhalten. Auch wenn aufgrund der neuropsychologischen Untersuchungen kog- nitive Einschränkungen erhoben werden konnten, ändert dies nichts an der Tatsache, dass diese alleine – ohne organisch nachweisbare strukturelle Unfallfolgen – nicht zur Bejahung des natürli- chen Kausalzusammenhangs führen können (vgl. E. 3.3.2 hi ervor mit Hinweisen). Mit der Be- schwerdegegnerin – auf deren nachvollziehbare Angaben in der Vernehmlassung vom 29. März 2021 (S. 3) verwiesen werden kann – ist weiter festzuste llen, dass das vom Beschwerdeführer zur Untermauerung seines Standpunkts zitierte Urteil des Bundesgerichts vom 10. Januar 2011, 8C_892/2010, keinen anderen Schluss zulässt, lag diesem doch ein nicht mit dem vorliegenden Fall vergleichbarer Sachverhalt zugrunde. Unter diesen Umständen ist der Nachweis eines Kau- salzusammenhangs zwischen den neuropsychologischen Beschwerd en und dem versicherten Ereignis im dafür erforderlichen Beweisgrad der überwi egenden Wahrscheinlichkeit nicht er- bracht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 20 18, 8C_636/2018, E. 4.2). Daran ändert auch der Bericht des Hausarztes Dr. G.____ vom 2. Juli 2020 nichts. Er bringt vor, dass Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht die kognitiven Beschwerden mit grosser Wahrscheinlichkei t auf das Unfallereignis vom 8. März 2019 zurückzuführen seien. Auch er nennt aber keine objektiven Befunde, aus welchen mit über- wiegenden Wahrscheinlichkeit geschlossen werden könnte, dass sie auf den Unfall vom 8. März 2019 zurückzuführen sind. Da Dr. G.____ zudem keine Aspekte nennt, die in den vorgenannten Berichten nicht bereits erwähnt und bei der Beurteilun g berücksichtigt worden sind, erübrigen sich dazu weitere Ausführungen (vgl. oben E. 4.5.2). 8.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen steht fest, da ss der natürliche Kausalzusam- menhang zwischen dem Unfall vom 8. März 2019 und den weiterhin geklagten neuropsychologi- schen Beschwerden zu verneinen ist. Unter diesen Umständen würde sich eine Prüfung des für die Bejahung der Leistungspflicht ebenfalls erforderlichen adäquaten Kausalzusammenhangs er- übrigen (vgl. E. 3.3). 8.2.1 Zu beachten ist aber, dass selbst wenn der natürli che Kausalzusammenhang zu bejahen und eine Adäquanzprüfung durchzuführen wäre, dies nich t zu einem für den Beschwerdeführer vorteilhafteren Ergebnis führen würde, wie nachfolgend aufzuzeigen ist. 8.2.2 Im vorliegenden Fall hat die Beurteilung der A däquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden unbestritten nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kri- terien zu erfolgen (sog. Psycho-Praxis; vgl. zu den Anford erungen an die Objektivierbarkeit von organischen Leiden: nicht publizierte E. 2 des Urteils B GE 135 V 465, in: SVR 2010 UV Nr. 6 S. 25 [8C_216/2009]). Demnach ist für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwi- schen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwe re aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S . 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus- gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende E inteilung vorgenommen wurde: ba- nale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischenliegende mittlere Bereich (vgl. BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2). 8.2.3 Bei Unfällen – wie dem vorliegenden – aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, wel- che unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise in- direkte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Krite- rien sind zu nennen: - besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; - die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verle tzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen au szulösen; - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; - körperliche Dauerschmerzen; Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht - ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er heblich verschlimmert; - schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikatio nen; - Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigke it (vgl. BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/aa). 8.2.4 Weiter ist zu berücksichtigen, dass für die Bejahung der Adäquanz nicht in jedem Fall der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung erforderlich ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 N r. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Handelt es sich – wie vorliegend – um einen Unfall im mittleren Bereich, müsste von den in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien mithin entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Form erfüllt sein oder es hätten mindestens deren drei in gehäufter Form vorzuliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Dezember 2012, 8C_684/2012, E.4.2 mit Hinweisen). 8.2.5 Bei der Prüfung der Adäquanzkriterien nach der P sycho-Praxis sind zudem die Folgen der organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen (vgl. ANDRÉ NABOLD , in: Kommentar zum Schweizerischen Sozialversicherungsrech t, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG; Hürzeler/Kieser, Hrsg.], 2018, N. 70 zu Art. 6 UVG; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2014, 8C_899/2013, E. 5.1 mit Hinweisen). 9.1 Die Prüfung der Adäquanz ist bei Anwendung der P sycho-Praxis in jenem Zeitpunkt vor- zunehmen, in dem von der Fortsetzung der auf die soma tischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszusta nds mehr erwartet werden kann (vgl. BGE 134 V 106 E. 6.1). Dieser Zeitpunkt wurde im vorliegenden Fall auf Ende Juni 2020 festgesetzt, was auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird. 9.2.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob vorliegend ein e inzelnes Kriterium in besonders ausgepräg- ter Form erfüllt ist oder mindestens drei in gehäufter Form vorliegen (vgl. vorstehend E. 8.2.4): 9.2.2 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleit umstände oder besonderen Eindrück- lichkeit des Unfalls ist objektiv und nicht aufgrund des su bjektiven Empfindens bzw. des Angst- gefühls der versicherten Person zu beurteilen (vgl. R UMO -JUNGO ALEXANDRA , HOLZER ANDRÉ PIERRE , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, 4. Aufl., Z ürich 2012, S. 69). Dabei ist zu berücksichtigen, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, was aber noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2008, 8C_39/2008, E. 5. 2). Den vorliegenden Akten ist in Bezug auf den Unfall vom 8. März 2019 zu entnehmen, da ss der Beschwerdeführer mit dem Fahrrad auf dem Heimweg war, als er von einem Auto angefahren wurde. In der Folge kam er zu Fall. Dieser Sachverhalt weist weder besonders dramat ische Begleitumstände auf noch ist er besonders eindrücklich im Sinne der Rechtsprechung, weshal b dieses Kriterium nicht erfüllt ist. Auch die beim Unfall erlittenen Verletzungen (Commot io cerebri, Lungenkontusion links und la- terale Claviculafraktur links) sind nicht derart schwer oder von besonderer Art, dass sie geeignet wären, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Die Krit erien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung und der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen er- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht heblich verschlimmert haben, sind ebenso wenig erfüllt wie jenes des schwierigen Heilungsver- laufs und erheblicher Komplikationen. Beim zuletzt genannten Kriterium ist ohnehin zu beachten, dass nur Gründe berücksichtigt werden können, welche die H eilung als solche beeinträchtigen. Dazu zählen aber weder die Einnahme von Medikamenten noch die Durchführung verschiedener Therapien. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapie keine Beschwerde- freiheit erreicht werden konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2009, 8C_116/2009, E. 4.5). Das zuletzt zu prüfende Kriterium des Grads und der Dauer der physisch bedingten Ar- beitsunfähigkeit bezieht sich nicht allein auf das Leistungsvermögen im angestammten Beruf (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juni 2018, 8C_803/2017, E. 3.7 mit Hinweisen). Gemäss Be- richt des Spitals D.____, Klinik für F.____, vom 16. Sep tember 2019 war der Beschwerdeführer aus rein schulterorthopädischer Sicht ab diesem Zeitpunk t wieder zu 100% arbeitsfähig. Damit war der Beschwerdeführer aber aufgrund der strukturell nachweisbaren Verletzungen an der lin- ken Schulter während rund 6 Monaten arbeitsunfähig. Dieser Zeitrahmen genügt nach der Recht- sprechung des Bundesgerichts nicht, um das Kriterium der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu bejahen (vgl. dazu Urteil vom 26. Juni 2009, 8C_116/2006, E. 4.6). 9.3 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass keines de r von der Rechtsprechung für die Bejahung der Adäquanz verlangten Kriterien erfül lt ist. Damit steht der psychische Gesund- heitsschaden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit i n adäquatem Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 8. März 2019. 10. Bei dieser Sachlage drängen sich weitere medizinische Abklärungen in Form eines exter- nen versicherungsmedizinischen Gutachtens, wie sie der Beschw erdeführer verlangt, nicht auf, weshalb davon abgesehen werden kann. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und – als Korrelat – d ie Pflicht der Behörde zur Beweisab- nahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die Entscheidung d er Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Un- terlagen ein zuverlässiges Bild des relevanten Sachverhalts ergeben und dieser demnach hinrei- chend abgeklärt ist, kann auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbun- dene antizipierte Beweiswürdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zu- lässig (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). 11. Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Ein spracheentscheid vom 9. Februar 2020 nicht zu beanstanden ist. Die dagegen e rhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 12. Nach Art. 61 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistu ngen kosten- pflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das UVG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Eine Partei- entschädigung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens nicht zugesprochen. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht