Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 20. Juni 2013 (720 12 380 / 134) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Posttraumatische Belastungsstörung, Bemessung der Invalidität Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgnaz Jer mann, Kantonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. med. C.____ gegen IV-Stelle Basel-Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1965 geborene A.____ war vom 1. Januar 2004 bi s 31. Dezember 2010 bei der Fir- ma B.____ als Köchin angestellt. Am 30. August 2010 (Eingang) meldete sie sich unter Hinweis auf eine schwere Depression bei der Eidgenössischen Invalid enversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nachdem die IV-Stelle Basel-Landsch aft (IV-Stelle) die gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse abgeklärt hatte, ermittelte sie bei der Versicherten einen IV-Grad von 45%. Gestützt auf dieses Ergebnis sprach sie A.____ nach Durchführung des Vorbe- scheidverfahrens mit Verfügung vom 6. November 2012 rückwirkend ab 1. April 2011 eine Vier- telsrente zu. Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Hiergegen erhob A.____, vertreten durch die behan delnde Ärztin Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am 7. Dezember 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). In d er verbesserten Beschwerdeeingabe vom 22. Dezember 2012 beantragte sie die Zusprechung ein er ganzen Rente. Die Beschwerde begründete sie im Wesentlichen damit, dass die angefochte ne Verfügung auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. C. In ihrer Vernehmlassung vom 18. Januar 2013 schloss d ie IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 14. F ebruar 2013; Duplik vom 7. März 2013) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten. 2. Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Be schwerdeführerin. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefocht enen Verfügung vom 6. November 2012 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechu ngsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2). 3. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bun desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 d ie voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geistigen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Kran kheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutbar- erweise noch verrichtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen) 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu w ürdigen und die Gründe an4zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die a ndere medizinische These abstellt. Hin- sichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c) 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Eidgenössisch en Versicherungsgerichts (EVG, heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung en) mit dem Grundsatz der freien Be- weiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Fo rmen medizinischer Berichte und Gut- achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustelle n (vgl. die ausführlichen Zusammenstel- lungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Ve rwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche au fgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Beri cht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Z uverlässigkeit der Expertise spre- chen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Diese im Bereich der Unfallversiche- rung entwickelten Grundsätze finden für das IV-Verwaltu ngsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteile des EVG vom 9. August 2000, I 437/99 und I 57 5/99, E. 4b/bb). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der E rfahrungstatsache Rechnung tragen, Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtlic he Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussag en. Bei der Abschätzung des Beweis- werts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswür digung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und um- fassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft w ertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Beha ndlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini- schen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; U rteil des EVG I 506/00 vom 13. Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsg utachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die beh andelnden Ärzte zu anderslauten- den Einschätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf- drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der B egutachtung unerkannt oder unge- würdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25 . Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen) 4.4 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperli- che Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von A rt. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen gute n Willens, die verbleibende Leistungs- fähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Ford erbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt (BGE 102 V 165; AHI-Praxis 2001 S. 22 8 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 5. Für die Beurteilung des vorliegenden Falles sind im Wesentlichen die folgenden medi- zinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 5.1 Die Versicherte war vom 8. April 2010 bis 2. Juni 2010 in der Klinik D.____ hospitali- siert. Im Austrittsbericht vom 23. Juni 2010 wurden ein e mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), andere physische ode r psychische Belastungen im Zusammenhang mit der Arbeit (ICD-10 Z56.6) und ein M angel an Entspannung und Freizeit (ICD-10 Z73.2) diagnostiziert. 5.2 Im Bericht vom 15. Dezember 2010 diagnostizierte D r. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine mittelschwere agitierte depre ssive Störung mit somatischem Syn- drom. Die Versicherte sei seit der Hospitalisation in der Klinik D.____ durchgehend und bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig. 5.3 Im Abschluss- und Verlaufsbericht der Klinik D.____ vo m 11. Juli 2011 wurden eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom ( ICD-10 F32.11), differentialdia- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht gnostisch ein Verdacht auf eine posttraumatische Belastun gsstörung (ICD-10 F43.1), eine an- dauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0), eine andere physi- sche oder psychische Belastung im Zusammenhang mit der Arbe it (ICD-10 Z56.6) und ein Mangel an Entspannung und Freizeit (ICD-10 Z73.2) diagnostiziert. 5.4 Die IV-Stelle beauftragte das Begutachtungszentru m F.____ mit einem polydis- ziplinären Gutachten. Am 9. März 2012 wurden mit Einfl uss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidi- vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit Regressions- tendenz (ICD-10 F33.1), eine Facettengelenksarthrose C 4/5, C5/6, C6/7 rechts sowie C7/TH1 beidseits und ein Status nach Facettengelenksinfiltrati on C7/Th1 diagnostiziert. Ohne Auswir- kung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine anhalte nde somatoforme Schmerzstörung mit Selbstlimitierung und Behinderungsüberzeugung (ICD-1 0 F45.4), Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 F63.0) und ein Status nach Pro blemen verbunden mit der sozialen Umgebung (ICD-10 Z60.8), bei Status nach Flucht aus de m Kosovo im Jahr 1999. Aus ortho- pädischer Sicht würden Hinweise für eine schmerzbedingte S chonhaltung der rechten oberen Extremität infolge Nacken- und Schulterschmerzen fehlen . Zudem seien weder sensomotori- sche Ausfälle noch eine relevante Muskelatrophie oder ei ne relevante Schonhaltung der rech- ten Hand festzustellen. Eine Einschränkung der Arbeits fähigkeit ergebe sich somit lediglich aus den bildgebend feststellbaren degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS) in dem Sinne, dass repetitive Überkopfarbeiten, das Heben und Tragen schwerer Lasten sowie Tätig- keiten in absturzgefährdeter Position vermieden werden sollten. Für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten sei die Versicherte jedoch vollumfänglich ei nsetzbar. Aus psychiatrischer Sicht be- stünde affektiv eine deutlich depressive Symptomatik, wobei die Versicherte auch ein selbstlimi- tierendes Verhalten angenommen habe. Mit ihrer fatal istischen Einstellung und der fixierten Überzeugung, dass sie nicht mehr aus diesem Zustand befrei t werden könne, sei eine Verbes- serung der Depressivität kaum möglich. Die zuletzt ausgeüb te Tätigkeit als Köchin sei der Ver- sicherten wegen der Hektik nur noch zu 50% zumutbar, angepasste Tätigkeiten seien ihr jedoch im Umfang von fünf Stunden pro Tag möglich. Aus gesamt medizinischer Sicht sei eine Arbeit im Umgang von 60% zumutbar. 5.5 In seiner Stellungnahme vom 9. Januar 2013 zu den Ausführungen in der Beschwer- debegründung vom 22. Dezember 2012 hielt Dr. med. G. ____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, Regionaler ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, im Wesentlichen fest, dass die Versi- cherte zwar schwer belastende Lebensereignisse aufweise, nach der verlässlichen Beurteilung im Gutachten des Begutachtungszentrums F.____ die Kardi nalskriterien für eine posttraumati- sche Belastungsstörung aber nicht erfüllt seien. Dr. C.___ _ bringe keine neuen medizinischen Aspekte, Befunde oder Argumente vor, die im Gutachten nicht erwähnt oder berücksichtigt wor- den seien. Insgesamt sei die Beurteilung des psychiatrische n Gutachters des Begutachtungs- zentrums F.____ vollständig und sie berücksichtige die Ein schätzungen der behandelnden Ärz- te hinreichend. 6.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Ve rfügung vom 6. November 2012 bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf das polydisziplinäre Gutachten des Begutachtungszentrums F.____ vom 9. März 2012. Sie ging Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht in der Folge davon aus, dass der Versicherten die bisher ige Tätigkeit als Köchin zu 50% und angepasste Tätigkeiten im Umfang von 60% zumutbar seien. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ei ngeholten Gutachten externer Spezi- alärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beob achtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei de r Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertisen sprechen. Solche Indizien liegen nicht vor. Die Beurteilung im Gutachten des Begutachtu ngszentrums F.____ beruht auf einge- henden Untersuchungen der Versicherten und berücksichtigt die übrigen bei den Akten liegen- den medizinischen Berichte. Zudem gingen die Gutachter auf die Beschwerden der Versicher- ten ein und vermitteln ein hinreichendes Bild über d eren Gesundheitszustand. Es wird deutlich, dass die Versicherte in somatischer Hinsicht bildgebend fest stellbar degenerative Veränderun- gen der HWS und aus psychiatrischer Sicht eine deutlich dep ressive Symptomatik aufweist, die eine verminderte Leistungsfähigkeit zur Folge haben. Vor diesem Hintergrund ist auch die fach- ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehba r begründet und es ist davon auszu- gehen, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen T ätigkeit zu 50% arbeitsfähig ist. Ange- passte Tätigkeiten sind ihr im Umfang von 60% zumutbar. Die Beurteilung im Gutachten des Begutachtungszentrums F.____ ist sowohl in der Darlegun g der medizinischen Zusammenhän- ge als auch bezüglich der daraus gezogenen Schlussfolgerun gen überzeugend. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle bei der Beurteilung der medizinischen Sachlage darauf abgestellt hat. 6.2 Soweit die Beschwerdeführerin dagegen einwendet, der psychiatrische Gutachter habe bei seiner Beurteilung die in den Vorakten diagnosti zierte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) weder berücksichtigt noch die Symptome e xploriert und zudem den Migrations- hintergrund mit den verschiedenen vulnaerablen Phasen nicht berücksichtigt, kann ihr nicht gefolgt werden. Das Gutachten enthält eine ausführli che Anamnese, in welcher festgehalten wurde, dass die Versicherte weder schwerwiegende direkte G räueltaten habe mit ansehen müssen noch direkt in Kriegshandlungen verwickelt gewesen sei. Zudem sind die Albträume der Versicherten, die aufkommenden Bilder der Flucht sowie der Migrationshintergrund hinrei- chend erfasst. Nach einlässlicher Auseinandersetzung mit der festgestellten Symptomatik und den Einschätzungen der behandelnden Ärzte ist der psych iatrische Gutachter aber zur über- zeugenden Auffassung gelangt, dass die Beschwerdeführeri n zwar einen erheblichen psychi- schen Gesundheitsschaden aufweist. Mit Blick auf die gestellten Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erachtete er aber - entgegen de r Ansicht der behandelnden Psychiaterin - die Kriterien für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung als nicht erfüllt. Zum selben Schluss kommt auch der RAD-Arzt Dr. G.____ in sein er ebenfalls nachvollziehbaren Stellungnahme vom 9. Januar 2013. Wenn die Beschwerdef ührerin weiter vorbringt, die durch- geführten Integrationsmassnahmen seien gescheitert, ist darauf hinzuweisen, dass der psychi- atrische Gutachter bei der Beschwerdeführerin eine Selbs tlimitierung und Behinderungsüber- zeugung festgestellt hat. Unter diesen Umständen vermag sie aus der Tatsache, dass die Integ- rationsmassnahmen gescheitert sind, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Abgesehen davon, dass rechtsprechungsgemäss der Erfahrungstatsache Rechnung zu t ragen ist, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche V ertrauensstellung in Zweifelsfällen eher Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen, benennt Dr. C.____ in ihren Berichten und Rechtsschriften keine Aspekte, die im Rahmen der Begu tachtung unerkannt oder unge- würdigt geblieben wären. Demnach ist der Bestand einer die Arbeitsfähigkeit einschränkenden posttraumatischen Belastungsstörung nicht rechtsgenüglich erstellt und die Vorbringen der Be- schwerdeführerin vermögen die ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens des Begutach- tungszentrums F.____ nicht in Zweifel zu ziehen. 7. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkomme n, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 E. 2a und b). 7.1.1 Bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielba ren Einkommens (Valideneinkommen) ist entscheidend, was die versicherte Person im massgeben den Zeitpunkt nach dem Beweis- grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkre t wie möglich zu erfolgen. Massge- bend ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer ber uflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Weiterentwicklung, soweit hiefür hinreichend konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu erwarten gehabt hä tte (BGE 96 V 29; ZAK 1985 S. 635 E. 3a sowie RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b). Da im Gesundheitsfall erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit in der Regel weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr . U 168 S. 101 E. 3b am Ende; vgl. auch ZAK 1990 S. 519 E. 3c). 7.1.2 Die IV-Stelle ermittelte das Valideneinkommen gestützt auf die Angaben der ehemali- gen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin im "Fragebogen Arbeitgeber" vom 14. Oktober 2010. Ausgehend von einem Jahresverdienst von Fr. 57'200.-- i m Jahr 2010 und unter Berücksichti- gung einer Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2011 von 1% ging sie davon aus, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden ein Einkomm en von Fr. 57'772.-- (Fr. 57'200 x 101%) erzielen würde. Das von der Beschwerdegegnerin er mittelte Valideneinkommen ist zu Recht nicht beanstandet worden. 7.2.1 Dass die IV-Stelle für die Bestimmung des Invalide neinkommens auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bunde samtes für Statistik abgestellt hat, hat die Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten. Lau t Tabelle TA1, belief sich der Zentral- wert für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben ( Anforderungsniveau 4) beschäftigten Frau- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht en im privaten Sektor im Jahre 2010 auf Fr. 4'225.-- (LSE 2010, Total privater Sektor). Zu be- rücksichtigen ist, dass der ermittelte Tabellenlohn auf einer einheitlichen Arbeitszeit von 40 Wo- chenstunden beruht und für das Jahr 2010 auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,6 Stunden (vgl. "Die Volkswirtschaft" 3-2013, Seite 90, Tabelle B9.2) umzurechnen ist. Unter Be- rücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2011 resultiert ein hypothetisches Ein- kommen von rund Fr. 53'225.-- (Fr. 4'225.-- : 40 x 41 ,6 x 12 x 101%). Unter Berücksichtigung der noch vorhandenen Restarbeitsfähigkeit von 60% resu ltiert demnach ein Invalideneinkom- men von rund Fr. 31'953.-- (Fr. 53'225.-- x 60%). 7.2.2 Von dem auf diese Weise erhobenen statistischen Wert sind praxisgemäss verschiede- ne Abzüge zulässig. Im Entscheid BGE 126 V 75 ff. hat das Bundesgericht seine Rechtspre- chung zu den Abzügen vom Tabellenlohn bereinigt und w eiterentwickelt. Dabei hat es betont, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtli- chen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles abhängt (leidensbe- dingte Einschränkung, Lebensalter, Anzahl Dienstjahre, Nationalität/ Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach pflichtgemässem Ermesse n gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksic htigung aller jeweils in Betracht fal- lenden Merkmale letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 126 V 80 E. 5b). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Perso n wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der gesamt- haft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behör de ihr Ermessen an die Stelle desjeni- gen der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzi- pien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zwe ckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetätigung der Vorinstanz eingegriffen werden, muss sich das Ge- richt demnach auf Gegebenheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensaus- übung als näher liegend erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis, Entscheid des EVG vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 7.2.3 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 6.1 hiervor), ist d ie Versicherte im Rahmen eines Vollpen- sums zu 60% arbeitsfähig. Die Leistungsminderung ist dabe i hauptsächlich auf die vorhande- nen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen zurückzuführe n. Nach der bundesgerichtli- chen Rechtsprechung rechtfertigt der Umstand, dass eine gr undsätzlich vollzeitlich arbeitsfähi- ge versicherte Person gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, an sich kei- nen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2011, 9C_582/2011, E. 3.1). Vorliegend hat die IV-Stelle der Beschwerde führerin in der angefochtenen Verfügung denn auch keinen solchen Abzug gewährt. Dadurch hat sie aber die konkreten Fallumstände nur unzureichend berücksichtigt. Die Versicherte ist nämlich nicht nur durch die erwähnten psy- chischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, sondern zusätzlich auch durch somatische Leiden eingeschränkt. Aufgrund dieser Einschränkungen kann sie gemäss dem Gutachten des Begut- achtungszentrums F.____ vom 9. März 2012 nur für körperli ch leichte, wechselnd belastende Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Tätigkeiten ohne repetitive Überkopfarbeiten und ohne Heben und Tragen von schweren Lasten eingesetzt werden. Überdies sind Tätigkeiten in absturzgefährdeten Positionen sowie mit Hektik verbundene Arbeiten zu vermeiden. Dies bringt zum einen einen individuellen Nachteil mit sich, welcher darin besteht, dass die Beschwerdeführerin auf d em Arbeitsmarkt in Konkurrenz mit Mitbewerbern ohne physische Einschränkungen benachteilig t ist. Durch die körperlichen Ein- schränkungen wird es ihr schwer fallen, ihre Restarbeitsf ähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar- beitsmarkt erwerblich umzusetzen. Eine Stellensuchende mi t einer Häufung von gesundheitli- chen Beeinträchtigungen, die ihre Einsetzbarkeit einschrä nken, vermag beruflich zumeist nur dann Fuss zu fassen, wenn ihr ein neuer Arbeitgeber zu e inem für diesen günstigen, das heisst tiefen Lohn einstellen kann (vgl. Urteil des EVG vom 5. September 2006, I 447/06, E. 3.2.2). Dieser Nachteil ist bei der Bemessung des Invalideneinkomm ens durch die Vornahme eines leidensbedingten Abzuges auszugleichen. Unter den geschi lderten Umständen rechtfertigt es sich deshalb, der Beschwerdeführerin einen Abzug vom Tabellenlohn von 10% zu gewähren. 7.2.4 Kürzt man den oben (E. 7.2.1 hiervor) ermittel ten Tabellenlohn von Fr. 31'953.-- um 10%, so ergibt dies für die Beschwerdeführerin ein massg ebendes Invalideneinkommen von rund Fr. 28'758.-- (Fr. 31'953.-- x 90%). 7.3 Stellt man im Einkommensvergleich dieses Invalidenein kommen von Fr. 28'758.-- dem oben (vgl. E. 7.1.2 hiervor) ermittelten Valideneinkom men von Fr. 57'772.-- gegenüber, so re- sultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 29’014.--, was einen Invaliditätsgrad der Versi- cherten von 50,22%, bzw. gerundet von 50% (vgl. zur Run dungspraxis: BGE 130 V 121 ff.) er- gibt. Bei einem IV-Grad von 50% hat die Beschwerdefüh rerin Anspruch auf eine halbe Rente. Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen. 8. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die IV-Stelle als unter- liegende Partei grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tr agen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO d en Vorinstanzen - vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO - keine Ver fahrenskosten auferlegt werden. Auf- grund dieser Bestimmung hat die IV-Stelle als Vorinstanz trotz Unterliegens nicht für die Verfah- renskosten aufzukommen. Dies hat zur Folge, dass für den vorliegenden Prozess keine Verfah- renskosten erhoben werden. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. Die ausserordentli chen Kosten sind bei der nicht an- waltlich vertretenen Beschwerdeführerin wettzuschlagen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6. November 2012 aufgehoben und es wird festgestellt, d ass die Be- schwerdeführerin mit Wirkung ab 1. April 2011 Anspruch auf eine hal- be Rente der Invalidenversicherung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht