B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6137/2017 U r t e i l v o m 3 1 . J a n u a r 2 0 1 8 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Lara Ragonesi. Parteien A._______, geboren am (…), (Beschwerdeführer), B._______, geboren am (…), (Beschwerdeführerin), C._______, geboren am (…), Syrien, alle vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 27. September 2017 / N (…). E-6137/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Juni 2012 oder 2013 (Beschwerdeführer) beziehungsweise im April/Mai 2014 in Richtung Türkei, von wo aus sie in die Schweiz reisten und am 12. Mai 2015 (Beschwerdeführer) beziehungsweise am 17. Okto- ber 2015 (Beschwerdeführerin mit […]) um Asyl nachsuchten. Am 21. Mai 2015 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und Verfahrens- zentrum (EVZ) D._______ zur Person befragt (BzP). Die BzP der Be- schwerdeführerin fand am 3. November 2015 im EVZ E._______ statt. Am 11. Mai 2017 wurden die Beschwerdeführenden vertieft zu ihren Asylgrün- den angehört. B. Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführenden im Wesentlichen geltend, sie seien – aufgrund der Unruhen in Aleppo – zu den Eltern des Beschwerdeführers ins Dorf F._______ gezogen. Das Dorf sei am 10. März 2013 von der Arbeiterpartei Kurdistans (kurdisch: Partiya Karkerên Kurdistan, PKK) angegriffen worden. Bei diesem Angriff habe der Beschwerdeführer seinen Vater verloren und es seien etwa 20 bis 25 junge Männer – unter anderem sein Bruder – mitgenommen worden. Nach die- sem Vorfall habe der Beschwerdeführer die PKK beschimpft, worauf ihm ein Dorfbewohner mitgeteilt habe, er solle das Dorf verlassen, da ihn die PKK ansonsten umbringen werde. Nachdem die Opposition in G._______ demonstriert habe, seien die jungen Männer, darunter auch der Bruder des Beschwerdeführers, freigelassen worden. Dies jedoch mit der Absicht, die jungen Männer später einzeln wieder festzunehmen. Daraufhin s eien Mit- glieder der PKK beim Beschwerdeführer zuhause vorbeigekommen und hätten nach ihm gesucht. Beim zweiten Besuch sei es ihm gelungen, aus dem Dorf zu fliehen. In den Folgemonaten seien die PKK-Mitglieder erneut ins Dorf gekommen und hätten junge Männer gesucht. Dabei seien die Be- schwerdeführerin und ihre Schwiegermutter wiederholt bedroht worden. Anlässlich dieser Besuche sei der Beschwerdeführerin angedroht worden, dass sie rekrutiert werde, wenn ihr Ehemann sich nicht bei der PKK melde. Ihr sei auch unterstellt worden, eine Agentin der türkischen Regierung zu sein, da sie in einer (…) mitgearbeitet habe. Im Rahmen dieser Tätigkeit sei sie in G._______ von der PKK zu einer Befragung vorgeladen worden. Anlässlich dieser Befragung habe man sie aufgeforde rt, die Tätigkeit zu unterlassen. Ihr – im gleichen Dorf lebender – Cousin sei beim Versuch , vor der PKK zu fliehen, getötet worden. E-6137/2017 Seite 3 Die Beschwerdeführenden reichten im vorinstanzlichen Verfahren die syri- sche Identitätskarte und den syrischen Reisepass des Beschwerdeführers und die syrische Identitätskarte der Beschwerdeführerin jeweils im Original ein. Weiter reichten sie diverse Fotografien, welche die Beschwerdeführe- rin bei der (…) zeigen, und der zerstörten Wohnung in Aleppo zu den Ak- ten. C. Mit Verfügung vom 27. September 2017 – eröffnet am 29. September 2017 – hielt das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flücht- lingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz an. Wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs schob es diesen zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. D. Mit Eingabe vom 30. Oktober 2017 erhoben die Beschwerdeführende n durch ihren Rechtsvertreter gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten in materieller Hinsicht, die an- gefochtene Verfügung des SEM vom 27. September 2017 sei aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richt igen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zu r Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewäh- ren, eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten sie, es sei ihnen vollumfängliche Einsicht in die Akten A5/2, A7/1, A18/2, A19/2, A24/3, A31/3, A41/7, A42/1, C5/4, C11/1, C15/2, C22/1 und C28/1 zu gewähren, eventualiter sei ihnen dazu das rechtliche Gehör zu gewäh- ren und nach der Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des recht- lichen Gehörs sei ihnen eine angemessene Frist zur Einreichung einer Be- schwerdeergänzung anzusetzen. Zudem sei auf die Erhebung eines Kos- tenvorschusses zu verzichten und sie seien von der Bezahlung der Verfah- renskosten zu befreien. Der Beschwerde beigelegt waren – unter anderem – diverse Internetaus- drucke betreffend die (…) der Beschwerdeführerin, ein Facebo ok-Aus- druck mit Fotos des Vaters des Beschwerdeführers, Ausdrucke von Y- outube-Videos betreffend Demonstrationen im Dorf, Kartenausschnitte des Dorfes, ein Bericht des UNHCR (Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen) sowie die Bescheinigung betreffend Sozialhilfeab- hängigkeit der Beschwerdeführenden vom 12. Oktober 2017. E-6137/2017 Seite 4 E. Mit Zwischenverfügung vom 8. November 2017 hiess die zuständige In- struktionsrichterin den Antrag auf Akteneinsicht teilweise gut und stellte den Beschwerdeführenden die Akt enstücke A5/2, A7/1, A18/2, A19/2, A24/3, A31/3, A41/7, C5/4 und C22/1 in Kopie zu. Im Übrigen wurde dieser Antrag sowie die Gesuche um Gewährung des rechtlichen Gehörs und Fristansetzung zwecks Beschwerdeergänzung abgewiesen und festge- stellt, dass über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu einem spä- teren Zeitpunkt entschieden werde. Auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses wurde einstweilen verzichtet. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz um Einreichung einer Vernehmlassung ersucht. F. Mit Vernehmlassung vom 14. November hielt das SEM vollumfänglich an der angefochtenen Verfügung fest und brachte zu einzelnen Punkten in der Beschwerde zusätzliche Anmerkungen an. G. Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2017 wurde den Beschwerde- führenden die Vernehmlassung des SEM zugestellt und es wurde ihnen Gelegenheit geboten, eine Replik einzureichen. H. Mit Eingabe vom 30. November 2017 nahmen die Beschwerdeführenden zur Vernehmlassung des SEM fristgerecht Stellung . Der Replik beigelegt waren weitere im Internet veröffen tlichte Berichte betreffend die (…) der Beschwerdeführerin und eine Kopie des Militärdienstbüchleins des Be- schwerdeführers. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-E-6137/2017 Seite 5 ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 2. Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Be - schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 3. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des L ebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken . Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). E-6137/2017 Seite 6 5. Vorab ist auf die in der Beschwerde vorgebrachten formellen Rügen einzu- gehen, wonach das SEM in verschiedener Hi nsicht den Anspruch auf rechtliches Gehör, die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des Sachverhalts sowie die Begründungspflicht verletzt und überdies gegen das Willkürverbot verstossen habe. 5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan- trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent- weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1, BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erschei- nen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander- setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge- listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu E-6137/2017 Seite 7 bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der bi- ometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bilde t einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver- haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach- verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal- tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 5.3 Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, das rechtliche Ge- hör sei dadurch verletzt worden, dass ihnen die Vorinstanz keine Einsicht in die Akten A5/2, A7/1, A18/2, A19/2, A24/3, A31/3, A41/7, A42/1, C5/4, C11/1, C15/2, C22/1 und C28/1 des erstinstanzlichen Asylverfahrens ge- währt habe, ist auf die Würdigung dieser Rüge mittels Zwischenverfügung vom 8. November 2017 durch dieses Gericht zu verweisen. 5.4 Weiter sei der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil einge- reichte Beweismittel vom SEM nicht gewürdigt worden seien (vgl. Art. 12 der Beschwerde), weil nicht festgehalten worden sei, dass der Beschwer- deführer wegen seiner Teilnahme am Newroz -Fest inhaftiert worden sei (vgl. Art. 13 der Beschwerde) und dass er an Demonstrationen gegen die PKK teilgenommen habe (vgl. Art. 15 der Beschwerde) sowie dass Famili- enmitglieder der Beschwerdeführenden von der PKK entführt worden seien (vgl. Art. 17 der Beschwerde) und die syrische Regierung bei der Belage- rung der Stadt durch die PKK involviert gewesen sei (Art. 16 der Be- schwerde). Dass die eingereichten Beweismittel nic ht gewürdigt worden seien, stelle überdies eine Verletzung des Willkürverbots dar (vgl. Art. 12 der Beschwerde). Schliesslich sei vorliegend die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des Sachverhalts verletzt, da weitere Abklärungen und eine er gänzende Anhörung nötig gewesen wären, die Anhörungen mangelhaft ausgefallen seien (vgl. Art. 22-24 und 26 der Beschwerde) und es stelle eine Verletzung der Abklärungspflicht dar, dass das SEM seit Ein- reichung der Asylgesuche der Beschwerdeführenden bis zur Durchführung der Anhörungen mehr zwei Jahre ungenutzt habe verstreichen lassen (vgl. Art. 21 der Beschwerde). E-6137/2017 Seite 8 5.4.1 Die Rügen, wonach die in Erwägung 5.4 genannten Sachverhaltsele- mente (frühere Inhaftierung des Beschwerdeführers, Teilnahme an De- monstrationen, Entführung der Familienmitglieder, Involvierung der syri- schen Regierung) in der angefochtenen Verfügung des SEM unter Miss- achtung des rechtlichen Gehörs nicht erfasst und nicht gewürdigt worden seien, gehen fehl. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung alle im Hinblick auf die Prüfung einer Verfolgungssituation der Beschwerdefüh- renden relevanten Sachverhaltsaspekte aufgeführt und gewürdigt. Diesbe- züglich ist festzuhalten, dass sich die verfügende Behörde nicht ausdrück- lich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichts- punkte beschränken darf (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b). Der Umstand, dass die Vorinstanz nicht jedes einzelne Detail in der Verfügung festgehalten ode r in der Begründung berücksichtigt hat, ist ebenso wenig als Verletzung des rechtlichen Gehörs zu werten wie die Tatsache, dass die Vorinstanz nach einer gesamtheitlichen Würdigung der aktenkundigen Parteivorbringen und der Beweismittel zu einem anderen Sc hluss als die Beschwerdefüh- renden gelangte. Im Übrigen reicht es zur Begründung einer Verletzung des rechtlichen Gehörs selbstredend nicht aus zu behaupten, dass ein- zelne protokollierte Aussagen nicht Eingang in die angefochtene Verfü- gung gefunden hätten. Von Bedeutung wäre vielmehr die konkrete Rele- vanz der unerwähnt gebliebenen Aussagen für die Begründung einer Ver- folgungssituation und für deren Beurteilung. Dies aufzuzeigen unterlassen die Beschwerdeführenden jedoch weitgehend. 5.4.2 Soweit gerügt wird, das SEM habe die von den Beschwerdeführen- den eingereichten Beweismittel nicht gewürdigt, ist festzuhalten, dass sich die Behörde nicht zu Beweismitteln äussern muss, die Unbestrittenes be- legen oder die für den Ausgang des Verfahrens irrelevant sind. Die einge- reichten Dokumente zur (…) der Beschwerdeführerin wurden von der Vo- rinstanz nicht angezweifelt. Vielmehr hielt das SEM fest, dass die geltend gemachten Nachteile (im Zusammenhang mit ebendieser Tätigkeit) den Anforderungen an Art. 3 AsylG nicht zu genügen v ermögen. Damit liegt weder eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör noch eine Ver- letzung des Willkürverbots vor. 5.4.3 Den Beschwerdeführenden wurde anlässlich der Anhörungen vom 11. Mai 2017 Gelegenheit gegeben, die Gründe für ihre Asylgesuche zu benennen (vgl. Akten des Asylverfahrens C24/15, F 37 f. und C27/12, F 39). Dabei konnten sie sich frei äussern, was sowohl die Beschwerde- führerin als auch der Beschwerdeführer taten. Vor Abschluss der Anhörung E-6137/2017 Seite 9 wurden sie sodann gefragt, ob sie alles hätten sagen können, was sie für ihre Asylgesuche als wesentlich erachten würden. Der Beschwerdeführer nahm diese Gelegenheit war und ergänzte seine Ausführungen, die Be- schwerdeführerin gab an, sie habe das Wichtigste gesa gt (vgl. Akten des Asylverfahrens C27/12, F 57 und C24/15, F 64). Das Gericht geht entspre- chend davon aus, dass den Beschwerdeführenden ausreichend Gelegen- heit geboten wurde, ihre Vorbringen umfassend darzulegen. Zwar merkte die Hilfswerkvertretung auf dem Unterschriftenblatt an, der Beschwerde- führer habe teilweise Mühe gehabt, komplizierte Fragen zu verstehen. Sie gab aber auch an, das Fragen vereinfacht und umformuliert wurden (vgl. Akten des Asylverfahrens, C27/12). Aus dem betreffenden Protokoll sind keine konkreten Hinweise auf Schwierigkeiten oder Missverständnisse zu entnehmen, die dem Beschwerdeführer verunmöglicht hätten, seine Asyl- gründe umfassend darzulegen. Sodann hat er im Anschluss an die Anhö- rung die Richtigkeit und Vollständigkeit des rückübersetzten Protokolls un- terschriftlich bestätigt und im Rahmen der Rückübersetzung keine Miss- verständnisse angesprochen. Nach dem Gesagten besteht kein Anlass an- zunehmen, das SEM hätte aufgrund der gegebenen Aktenlage weitere Ab- klärungen beziehungsweise eine ergänzende Anhörung durchführen müs- sen. Die Beschwerdeführenden sind überdies darauf aufmerksam zu ma- chen, dass der blosse und vorliegend substanzlos bleibende Hinweis auf weiteren Abklärungsbedarf keinen Anlass zur Durchführung einer weiteren Anhörung gibt. 5.4.4 Die Tatsache, dass die Beschwerdeführenden erst ungefähr zwei Jahre nach der Asylgesuchstellung zu ihren Asylgründen angehört wurden, könnte allenfalls gegen das Beschleunigungsgebot verstossen, sie führte indessen nicht zu einer unvollständigen oder u nrichtigen Feststellung des Sachverhalts. 5.5 Zusammenfassend erweisen sich die verschiedenen Rügen der Verlet- zung formellen Rechts als unbegründet. Der Antrag, es sei die angefoch- tene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Abklärung und Feststellung des voll ständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist demzufolge abzu- weisen. 6. E-6137/2017 Seite 10 6.1 Das SEM begründete den negativen Asylentsch eid im Wesentlichen dahingehend, der Beschwerdeführer habe von einer Drittperson erfahren, dass Angehörige der PKK ihn umbringen wollten. Dies reiche nicht aus, um von einer begründeten Furcht vor einer asylrelevanten Verfolgung auszu- gehen. Zwar sei er gemäss eigenen Aussagen von den PKK -Mitgliedern bei seiner Mutter zuhause gesucht worden, weitere stichhaltige Anhalts- punkte, die seine Annahme stützen würden, seien aus den Akten aber nicht zu entnehmen. Insbesondere spreche auch die nachträgliche Freilassung seines Bruders gegen diese Annahme. Bei den von der Beschwerdeführe- rin geltend gemachten Verfolgungshandlungen handle es sich – mangels Intensität – nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG. Daran vermöge auch der Umstand, dass ihr Cousin bei einem Fluchtversuch ge- tötet worden sei, nichts zu ändern. Daraus lasse sich nämlich nicht schlies- sen, dass die PKK ihre Drohung, die Beschwerdeführerin zu rekrutieren, in die Tat umgesetzt hätte. Abgesehen von den Drohungen habe sie keine weiteren Eingriffe seitens der PKK geltend gemacht. Es sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigen- schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht erfüllen würden, weshalb bei dieser Sach- lage auf eine Glaubhaftigkeitsprüfung ihrer Vorbringen verzichtet werden könne. 6.2 In der Beschwerde wird vorab an der Glaubhaftigkeit der Ausführungen der Beschwerdeführenden festgehalten und angemerkt, dass sie aufgrund der Demonstrationsteilnahmen und öffentlichen Beschimpfung der PKK durch den Beschwerdeführer sowohl von der PKK als au ch von der syri- schen Regierung verfolgt und im Falle einer Rückkehr erneut ins Visier der syrischen Behörden geraten und gezielt verhaftet, gefoltert, zum Ver- schwinden gebracht oder getötet würden. Das SEM habe nicht erwähnt, dass der Beschwerdeführer von seinem Versteck aus beobachtet habe, wie die PKK-Mitglieder bei seiner Mutter nach ihm gesucht hätten. Er sei zudem anwesend gewesen, als der Dorfbewohner (gleichzeitig auch PKK- Mitglied) gesagt habe, dass die PKK „den Sohn dem Vater anschliessen“ werde (Anmerkung des Gerichts: Auch den Sohn – wie bereits den Vater – umbringen). Dies stelle eine konkrete Drohung dar. Ausserdem rede das SEM den Umstand klein, dass der Cousin des Freundes des Beschwerde- führers einer der Verantwortlichen der Apojis (Anhänger von „Apo“ Öcalan, kurdische Arbeiterpartei) gewesen sei und dieser einen Ordner gehabt habe, in welchem der Beschwerdeführer als gesuchte Person verzeichnet gewesen sei. Auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin mehrmals von der PKK belästigt worden sei , bestätige, dass der Beschwerdeführer E-6137/2017 Seite 11 von der PKK gesucht worden sei. Es müsse zur Feststellung der Flücht- lingseigenschaft auch ausreichen, dass die verfolgte Person über Drittper- sonen von der (glaubhaft gemachten) Verfolgung erfahre. Was die Freilas- sung des Bruders des Beschwerdeführers betreffe, so habe der Beschwer- deführer glaubhaft ausgeführt, dass die Gefangenen erst auf Druck der Gesellschaft aus dem Gefängnis entlassen worden seien , und die Be- schwerdeführerin habe erklärt, dass die PKK vorgehabt hab e, die freige- lassenen Gefangenen wieder zu verhaften. Die Hausbesuche bei der Be- schwerdeführerin würden – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – kon- krete Bedrohungs- und Verfolgungsmassnahmen darstellen und es sei of- fensichtlich, dass die PKK-Anhänger mit den konstanten Drohungsäusse- rungen gegenüber der Beschwerdeführerin und ihrer Schwiegermutter ver- sucht hätten, den Besc hwerdeführer und seinen Bruder zu überzeugen, sich zu stellen. Die PKK hätte die Beschwerdeführerin und ihre (…) mitge- nommen, wenn sie erfahren hätte, dass sich der Beschwerdeführer nicht mehr im Dorf aufhalte. Weiter sei die Beschwerdeführerin bedroht worden, sie solle ihre Tätigkeit für die türkische Hilfsorganisation aufgeben, ansons- ten sie als türkischer Spitzel bestraft würde. Da sie dies jedoch nicht ge- macht habe, werde sie von der PKK in asylrelevanter Weise verfolgt. Das SEM sei überdies gar nicht auf das brutale Vorgehen der PKK bei der Suche nach dem Beschwerdeführer und seinem Bruder eingegangen. Es verkenne, dass die PKK ge zielt gegen die Beschwerdeführenden vorge- gangen und bereits mehrere Familienmitglieder auf dem Gewissen habe. Der Beschwerdeführer werde wegen seiner Dienstverweigerung überdies der Opposition zugeschrieben. Es sei demnach offensichtlich, dass die Be- schwerdeführenden als Regimegegner identifiziert worden seien und dass sie bei einer Rückkehr nach Syrien Massnahmen durch das syrische Re- gime zu erwarten hätten. Dies auch aufgrund der aktuellen Menschen- rechtslage in Syrien und des gestärkten Assad -Regimes. Bei einer Rück- kehr müsse zudem von einem Verhör ausgegangen werden, diese Rück- kehrer-Befragung stelle im Falle der Beschwerdeführenden eine ausseror- dentliche Gefahr dar, da sich das Profil des Beschwerdeführers als kurdi- scher Oppositioneller durch das Einreichen eines Asylgesuchs in der Schweiz noch zusätzlich verschärft habe. 6.3 In seiner Vernehmlassung vom 14. November 2017 äusserte sich das SEM insbesondere zu den formellen Rügen der Beschwerdeführenden, hielt weiter an der fehlenden Intensität ihrer Verfolgungsvorbringen fest und führte aus, dass für die Bejahung der Asylrelevanz einer Verfolgung unter anderem das Erfordernis der Gezieltheit gegeben sein müsse. E-6137/2017 Seite 12 6.4 Die Beschwerdeführenden entgegneten darauf mit Replik vom 30. No- vember 2017, dem SEM sei offensichtlich nicht bewusst, welches Ausmass ihre Verfolgung durch die PKK beziehunsgweise PYD (Demokratische Union, kurdisch: Partiya Yekitîya Demokrat) erreicht habe. Die eingereich- ten Beweismittel würden bestätigen, dass die Beschwerdeführerin für die türkische (…) tätig gewesen sei, und es sei offensichtlich, dass das SEM diese Beweismittel nicht rechtsgenüglich gewürdigt habe. Aufgrund der zahlreichen Berichte werde sie von der PKK als türkischer Spitzel betrach- tet und deshalb asylrelevant verfolgt. Offensichtlich sei die PKK/PYD we- gen ihrer Beziehung zum syrischen Regime gegen die regimekritischen Demonstrationen im Dorf gewesen und habe mit aller Kraft versucht, diese Demonstrationen zu verhindern und die Teilnehmer unter Druck zu setzen. Die frühere elfmonatige Inhaftierung des Beschwerdeführers bestätige ein- deutig, dass dieser schon früh als Regimegegner aufgefallen sei. 7. Aufgrund der Aktenlage geht auch das Gericht – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – davon aus, dass die Vorbringen der Beschwerdeführen- den – ungeachtet einer Glaubhaftigkeitsprüfung – nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzutun. Vorab ist bezüglich der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen der Beschwer- deführenden dennoch anzumerken, dass der Beschwerdeführer anlässlich der BzP angab, er habe sein Heimatland wegen des Bürgerkriegs, der Ar- mut und der Ermordung seines Vaters verlassen. Dies seien alle seine Asylgründe und nebst dem Bürgerkrieg gebe es keine Gründe, die gegen eine Rückkehr nach Syrien sprechen würden. Er habe weder Probleme mit der Armee, Polizei oder Behörden gehabt, noch sei er politisch oder religiös aktiv gewesen (vgl. Akten des Asylverfahrens, A6/15, S. 10 f.). Auch die Beschwerdeführerin führte anlässlich der BzP – auf ihre Gesuchsgrün de angesprochen – aus, sie sei aus Angst um das Leben ihrer (…) und der generellen Situation in ihrem Heimatdorf ausgereist (vgl. Akten des Asyl- verfahrens, C3/11, S. 7). Die Tatsache, dass die Beschwerdeführenden an- lässlich der Anhörungen dann weitaus umf assendere und neue Verfol- gungsvorbringen geltend machten, weckt gewisse Zweifel an der Glaub- haftigkeit ihrer (nachträglichen) Vorbringen. Letztlich kann dies jedoch auf- grund der nachfolgenden Erwägungen offen bleiben. 7.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher E-6137/2017 Seite 13 Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf- gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu werden drohen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit be- achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in abs ehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent- schluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlitten e Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Zu- dem muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. BVGE 2011/51 E. 6 S. 1016 f.; 2008/4 E. 5.2 S. 37, m.w.H.). 7.2 Die in Syrien herrschende politische und menschenrechtliche Lage wurde durch das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen zweier asylrecht- licher Koordinationsentscheide ausführlich gewürdigt (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.2 und Urteil D -5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3 und 5.7.2 m.w.H. [als Referenzurteil publiziert]). Darin bezog sich das Gericht auf eine Vielzahl von Berichten, die belegen, dass die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tat- sächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die sich an regimekritischen De- monstrationen beteiligt haben, sind in grosser Zahl von Verhaftung, Folter und willkürlicher Tötung betroffen. Mit anderen Worten haben Personen, die durch die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte als Gegner des Re- gimes identifiziert werden, eine Behandlung zu erwarten, die einer flücht- lingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleich- kommt. 7.3 Der Beschwerdeführer gab an, er sei von den Apojis gesucht worden, weil er nach der Ermordung seines Vaters mehrfach öffentlich über diese geschimpft und diese beleidigt habe. Ein Dorfbewohner habe ihm darauf- hin gesagt, dass die PKK „den Sohn dem Vater anschliessen“ werde, und er sei zudem anwesend gewesen, als die PKK-Mitglieder bei seiner Mutter nach ihm gesucht hätte n. Schliesslich sei er – das habe ihm sein Freund E-6137/2017 Seite 14 mitgeteilt – in einem Ordner der Apojis als gesuchte Person verzeichnet. Diesbezüglich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer aus diesen Vorbringen nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag, da der Umstand, wonach der Asylsuchende von einer Drittperson erfahren hat, er werde ge- sucht, für die Bejahung einer begründeten Furcht vor Verfolgung nicht ge- nügt (vgl. WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, 1990, S. 144). Auch wenn die PKK-Mitglieder ihn tatsächlich zu Hause aufgesucht haben sollten, so wurden anlässlich dieser Hausbesuche gemäss eigenen Aussa- gen des Beschwerdeführers keine Drohungen ausgesprochen (vgl. Akten des Asylverfahrens, C27/12, F 45, 56). Den vorliegenden Akten sind denn auch kein e hinreichenden Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer gezielt und aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genann- ten asylrelevanten Motive gesucht worden wäre. Die Aussagen der Be- schwerdeführerin, PKK-Mitglieder hätten bei allen Familien im Dorf nach jungen Männern und bei ihnen nicht nur nach dem Beschwerdeführer, son- dern auch nach seinem Bruder gefragt (Akten des Asylverfahrens, C24/15, F 39, 45 f.), zeigen, dass es sich dabei wohl eher um den Versuch handelte, Personen kurdischer Ethnie für ihre Anliegen zu gewinnen, und keine kon- krete Verfolgungssituation vorlag. Daran vermögen auch die angeblichen Aussagen des Dorfbewohners, die PKK werde „den Sohn dem Vater an- schliessen“, nichts zu ändern. Schliesslich wird im Rahmen des Rechtsmit- teleingabe auch vorgebracht, die PKK sei mehrfach ins Dorf der Beschwer- deführenden gekommen, um junge Frauen und Männer mitzunehmen, der Beschwerdeführer und sein Bruder hätten jedoch im letzten Moment flie- hen können (vgl. Beschwerdeschrift, Art. 38, S. 19). Aufgrund der fehlen- den Gezieltheit und Intensität sind die diesbezüglichen Vorbringen des Be- schwerdeführers nicht asylrelevant. 7.4 Aus den Akten der Beschwerdeführenden können keine Anhaltspunkte dafür entnommen werden, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen aktiven Regimekritiker handelt, der Furcht vor staatlicher Verfolgung durch die syrischen Behörden (oder mit den Behörden verbundenen Gruppierun- gen) haben müsste. Allein die Teilnahme an Demonstrationen vermag eine solche Bezeichnung nicht zu rechtfertigen. Im Zuge des arabischen Früh- lings haben tausende Menschen an Demonstrationen teilgenommen. Aus den Akten sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche den Schluss zulies- sen, dass der Beschwerdeführer von den syrischen Behörden aus dieser grossen Masse von Demonstrantinnen und Demonstranten als regimekri- tisch identifiziert word en wäre (vgl. Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.7.2 [als Referenzurteil publiziert]). Der Beschwerde-E-6137/2017 Seite 15 führer gab anlässlich der Befragungen denn auch nicht an, er habe auf- grund seiner Demonstrationsteilnahmen Probleme mit den syrischen Be- hörden gehabt (vgl. Akten des Asylverfahrens, C27/12, F 57). Gemäss ei- genen Aussagen wurde er mit (…) Jahren zwar einmal inhaftiert, dass er nach seiner Entlassung deshalb Nachteile erlitten hätte, wird auch nicht geltend gemacht (vgl. Akten des Asylverfahrens, A6/15, S. 11) . Entspre- chend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer von den Behör- den nicht als aktiver Regimekritiker betrachtet und deshalb keine asylrele- vanten Nachteile zu befürchten hat. Daran vermag auch die mit Eingabe vom 30. November 2017 eingereichte Kopie des Militärdienstbüchleins nichts zu ändern, zumal der Beschwerde- führer im Rahmen des erstinstanzlichen Asylverfahrens zu keinem Zeit- punkt geltend machte, er habe aufgrund einer Wehrdienstverweigerung ir- gendwelche Nachteile erlitten. Sodann wird auch in der Rechtsmittelein- gabe lediglich kurz und nur oberflächlich erwähnt, er werde wegen seiner Dienstverweigerung gesucht. 7.5 Die Beschwerdeführerin gibt an, sie sei aufgrund ihrer Tätigkeit für eine türkische (…) von den PKK -Mitgliedern als türkische Agentin bezeichnet und aufgefordert worden, sich einer Organisation der PKK anzuschliessen beziehungsweise ihre Tätigkeit für die türkische Organisatio n umgehend aufzugeben. Wie die Vorinstanz zutreffend feststellte, fehlt es den diesbe- züglichen Vorbringen an rechtsgenügliche r Intensität, die ein menschen- würdiges Leben im Heimatstaat verunmöglichen. So wurde die Beschwer- deführerin – bei Wahrunterstellung – zwar aufgefordert, ihre Tätigkeit zu unterlassen und in die Organisation der PKK zu wechseln, dabei handelt es sich jedoch nicht um asylrelevante Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG. 7.6 Überdies habe ihr die PKK – wegen ihres Ehemannes – gedroht, sie oder ihre (…) zu rekrutieren beziehungsweise mitzunehmen. Insoweit die Beschwerdeführerin aufgrund der Tätigkeiten ihres Ehemannes implizit das Vorliegen einer Reflexverfolgung geltend macht, ist dies nachfolgend zu prüfen. 7.6.1 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe- nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver- folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re- flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit E-6137/2017 Seite 16 beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeter- weise befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225, unter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [ EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem EMARK 1994 Nr. 17). 7.6.2 Aus den Aussagen der Beschwerdeführerin lässt sich keine begrün- dete Furcht vor Verfolgung aufgrund der Aktivitäten ihres Ehemannes her- leiten. Auch wenn die von ihr geschilderten Behelligungen (Drohungen) un- ter Umständen eine subjektive Furcht vo r künftiger Verfolgung als nach- vollziehbar erscheinen lassen, so sind aus objektiver Sicht zum heutigen Zeitpunkt keine Verfolgungsmassnahmen zu erkennen, zumal, keine ge- zielt gegen die Beschwerdeführerin gerichteten asylbeachtlichen Verfol- gungshandlungen vorliegen. Sodann wurde in der Rechtsmitteleingabe vorgebracht, die PKK hätte die Beschwerdeführerin und ihre (…) mitge- nommen, wenn sie erfahren hätte, dass sich der Beschwerdeführer nicht mehr im Dorf aufhalte. Die Beschwerdeführerin hat im Rahmen ihrer Anhö- rung jedoch selber ausgeführt, dass ihre Schwiegermutter den PKK -Mit- gliedern mitgeteilt habe, dass der Beschwerdeführer und sein Bruder Sy- rien verlassen hätten (vgl. Akten des Asylverfahrens, C24/15, F 47). Über- dies konnte die Beschwerdeführerin auch nicht darlegen, weshalb sie in Zukunft mit Massnahmen zu rechnen hätte, welche bezüglich Intensität über die bisher erlittenen Benachteiligungen hinausgehen würden. 7.7 Schliesslich ist festzuhalten, dass die Ermordung von mehreren Fami- lienangehörigen der Beschwerdeführenden – bei Wahrunterstellung – tra- gisch und auf keinen Fall zu verharmlosen ist. Daraus sind den Beschwer- deführenden jedoch keine asylrelevanten Nachteile erwachsen. 7.8 Gemäss Praxis führen ferner weder eine ill egale Ausreise aus Syrien noch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland zur begründeten Furcht, bei einer Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden. Unter Hinweis auf die obi gen Erwägungen ist auch hier festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Ausreise keiner Verfolgungssitua- tion im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt waren und bei ihnen keine be- sondere Vorbelastung vorliegt. Vor diesem Hintergrund ist das Vor liegen konkreter Indizien für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie BVGE 2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser Hinsicht zu verneinen. Daran ver-E-6137/2017 Seite 17 mag der Umstand nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführenden auf- grund ihrer längeren Landesabwesenheit bei einer Wiedereinreise in Sy- rien wahrscheinlich einer Befragung durch die heimatlichen Behörden un- terzogen würden. Ferner sind sie nicht exilaktivistisch in Erscheinung ge- treten, weshalb auch unter diesem Gesichtspunkt nicht davon auszugehen ist, sie könnten nach einer (hypothetischen) Rückkehr als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. das Referenz- urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3). 7.9 Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind nach dem Gesagten we- der in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. In der an- gefochtenen Verfügung wird einlässlich und zutreffend begründet, weshalb die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an Art. 3 AsylG nicht zu genügen vermögen. Die Vorinstanz hat ihre Asylgesuche daher zu Recht abgelehnt. Es erübrigt sich deshalb, auf die weiteren Vor- bringen in der Rechtsmitteleingabe einzugehen. 8. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder üb er eine ausländer- rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. Im Sinne einer Klarstellung wird abschliessend festgehalten, dass sich aus den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerde- führenden seien zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Sy- rien in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefähr- dungslage ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG einzu- ordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situa- tionen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not- lage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der ak- tuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch das SEM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumut- barkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. E-6137/2017 Seite 18 10. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab- zuweisen. 11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun- desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aus den vorstehenden Er- wägungen ergibt sich jedoch, dass ihre Rechtsbegehren im Beschwerde- zeitpunkt nicht als aussichtslos betrachtet werden konnten. Das Gericht geht aufgrund der eingereichten Fürsorgebestätigung vom 12. Oktober 2017 zudem davon aus, dass die Bes chwerdeführenden bedürftig sind, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutzuheissen ist. Dementsprechend verzichtet das Gericht auf die Erhebung von Verfahrenskosten. Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Endent- scheid gegenstandslos geworden. (Dispositiv nächste Seite) E-6137/2017 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gutge- heissen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Lara Ragonesi Versand: