Kassationsgericht des Kantons Zürich Kass.-Nr. AA080192/U/ys Mitwirkende: der Kassationsrichter Moritz K uhn, Präsident, die Kassationsrich- terin Sylvia Frei, der Kassationsrichter Paul Baumgartner, die Kassationsrichterin Yvona Griesser und der Kassationsrichter Matthias Brunner sowie der Generalsekretär Viktor Lieber Zirkulationsbeschluss vom 22. Dezember 2009 in Sachen X. , … …, Kläger, Appellant und Beschwerdeführer vertreten durch Rechtsanwalt … … gegen Y. AG , …, Beklagte, Appellatin und Beschwerdegegnerin betreffend Forderung Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil der I. Zivilkammer des Ober- gerichts des Kantons Zürich vom 18. November 2008 (LB080033/U) - 2 - Das Gericht hat in Erwägung gezogen: I. 1. Der Beschwerdeführer klagte vor Be zirksgericht Bülach gegen die Be- schwerdegegnerin auf Zahlung von Fr. 18'079.75 nebst Zins sowie Fr. 3'450.-- nebst Zins. Mit Urteil vom 12. März 2008 wies das Gericht die Klage ab. Dagegen appellierte der Beschwerdeführer an das Obergericht, welches die Klage mit Urteil vom 18. November 2008 ebenfalls abwies (KG act. 2). 2. Mit Eingabe an das Kass ationsgericht vom 20. Dezember 2008 (Post- stempel 23. Dezember 2008) erhob der Beschwerdeführer persönlich "Rekurs" gegen das Urteil vom 18. November 2008 u nd beantragte damit sinngemäss des- sen Aufhebung und die Guthei ssung seiner Klage (KG act. 1a). Mit Eingabe vom 19. Dezember 2008 (ebenfalls Poststempel 23. Dezember 2008) reichte er so- dann eine in italienischer Sprache ve rfasste Beschwerdebegründung ein (KG act. 1b). Mit Schreiben vom 29. Dezember 2008 (KG act. 5) wurde der Beschwerde- führer darauf hingewiesen, dass auf seine vorliegend en Eingaben mangels Erfül- lung der formellen Voraussetzungen einer Beschwerdeschrift voraussichtlich nicht werde eingetreten werden können, dass es ihm aber innert der noch bis 19. Ja- nuar 2009 laufenden Beschwerd efrist freistehe, seine Beschwerde zu ergänzen. Am 19. Januar 2009 überbrachte der Beschwerdeführ er eine deutsche Überset- zung seiner Eingabe vom 19. Dezember 2008 (KG act. 10). 3. Mit Eingabe vom 29. Januar 2009 reicht e RA lic.iur. ______ namens des Beschwerdeführers eine begr ündete Nichtigkeitsbeschwerde ein mit den Anträ- gen um Wiederherstellung der mittlerweil e abgelaufenen Beschwe rdefrist sowie Aufhebung des Urteils vom 18. November 2008 und Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz (KG act. 11 S. 2). - 3 - Die Vorinstanz hat auf Vernehmlassung zur Beschwerde verzichtet (KG act. 15). Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Eingabe vom 3. März 2009 Abwei- sung des Gesuchs um Fristwiederherstell ung bzw. (für den Fall der Fristwieder- herstellung) vollumfängliche Abweisung der Beschwerde (KG act. 17). Die Be- schwerdeantwort wurde dem Beschwerdef ührer zur Kenntnisnahme zugestellt (KG act. 18). II. 1. Der Beschwerdeführer zeichnete im Jahre 1986 bei der (damaligen) Z. AG eine Kassenobligation über Fr. 25'000.--, welche in sein Depot beigefügt wur- de. Anfangs der 90er Jahre kam es zu einer Umwandlung der zuvor in Wertpapie- ren verbrieften Kassenobligationen in We rtrechte; im Falle des Beschwerdefüh- rers wurde ein neues Wertpapier ausgeferti gt, wobei zwischen den Parteien strei- tig ist, ob dieses Papier dem Beschwe rdeführer ausgehändigt wurde. Der Be- schwerdeführer macht geltend, die Kass enobligation sei ihm von der Beschwer- degegnerin nie übergeben worden und seine Unterschrift auf der entsprechenden Quittung vom 5. Februar 1991 sei gefälsch t worden. Seine Forderung setzt sich aus Verzugszinsen, Kosten des Kraftlos erklärungsverfahrens sowie pauschalem "Rechtsberatungsschaden" zusammen (vgl. Urteil S. 4, Ziff. 2.1). Die Vorinstanz kam im angefochtenen Urteil (in Übereinstimmung mit der ersten Instanz) gestützt auf das erstinstanzliche Beweisverfahren zum Schluss, der Beschwerdeführer habe die Kassenobligation am 5. Februar 1991 ausgehän- digt erhalten, wie sich aus der Fotokopie der entsprechenden Quittung ergebe. Insbesondere stehe auch fest, dass die Z. AG ihn benachricht igt habe, sie halte die Obligation bereit, und zudem habe der Beschwerdeführer die Zinsbetreffnisse für 1991 und 1992 bezogen. Er habe weiter über Jahre nicht beanstandet, dass die Obligation auf seinen Depotauszügen nicht aufgeführt wurde. Damit erscheine die Annahme, die Unterschrift auf der Qu ittung sei gefälscht worden, als so un-- 4 - wahrscheinlich, dass keine ernsthaften Zweifel an der Sachdarstellung der Be- schwerdegegnerin mehr beständen (Urteil S. 14). 2. Weder die persönliche Eingabe des Beschwerdeführers vom 20. Dezem- ber 2008 noch die am 19. Januar 2009 von ihm persönlich überbrachte Eingabe genügen den gesetzlichen Anfo rderungen gemäss § 288 Ziff. 3 an eine Nichtig- keitsbeschwerde. Der Besch werdeführer wiederholt darin seinen bereits vor den Vorinstanzen eingenommenen Standpunkt, ohne aber dort, wo er auf einzelne Ur- teilspassagen Bezug nimmt, anhand der Akten konkret darzulegen, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung aktenwidrig oder willkürlich sein soll. Somit kann auf diesen – rechtzeitigen – Teil der Beschwerde mangels Erfüllung der formellen Begründungsanforderungen nicht eingetreten werden. 3. Weiter stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdef ührer im Hinblick auf die nach Ablauf der Beschwerdefrist eingereichte Beschwerdebegründung von RA ______ die Beschwerdefrist wiederhergestellt werden kann. 3.1 Eine versäumte Frist kann auf Antr ag der säumigen Partei wiederherge- stellt werden, bei grobem Verschulden j edoch nur mit Einwilligung der Gegenpar- tei (§ 199 Abs. 1 GVG). Da die Beschwe rdegegnerin sich der Fristwiederherstel- lung widersetzt, kommt eine solche nur in Frage, wenn den Beschwerdeführer le- diglich ein leichtes Verschulden an der Säumnis trifft. 3.2 Zur Begründung des Gesuchs lässt der Beschwerdef ührer ausführen (Beschwerde S. 3/4), er habe zunächst zw ei als Rekurs bezeichnete Eingaben vom 19. bzw. 20. Dezember 2008 beim Kassationsgericht eingereicht, worauf er darauf hingewiesen worden sei, diese genügten voraussichtlich den formellen An- forderungen an eine Nichtigkeitsbeschwerd e nicht, er habe jedoch noch bis 19. Januar 2009 Zeit für eine Verbesserung. Der Beschwerdeführer sei insbesondere aus sprachlichen Gründen persönlich nich t in der Lage gewe sen, eine den ge- setzlichen Anforderungen genügende Beschwer deschrift zu verfassen, und der ihn bislang unterstützende Anwalt habe ih m nicht weiter zur Verfügung gestan- den. Nach Erhalt des erwähnten Schrei bens habe der Besch werdeführer mit grossem Einsatz versucht, einen Anwalt für das Kassationsverfahren zu finden - 5 - und habe bei insgesamt acht (namentlich genannten) Anwältinnen bzw. Anwälten angefragt, überall jedoch ohne Erfolg, sei es wegen Interessenkollision oder we- gen Arbeitsüberlastung. Schl iesslich habe er am 19. Januar 2009, dem Tag des Fristablaufs, mit dem ihn nunmehr ve rtretenden Anwalt K ontakt aufgenommen. Dieser habe einige Zeit für das Aktenstudium, ein erstes Instruktionsgespräch und das anschliessende Verfassen der Beschwerdebegründung benötigt. Dass der Beschwerdeführer auf anwaltliche Ver beiständung angewiesen war, um das Ver- fahren gehörig zu führen, ergebe sich aus den von ihm persönlich verfassten Ein- gaben, die den gesetzlichen Anforderungen nicht genügten, wie auch aus der Na- tur des Beschwerdeverfahrens, welches nu r spezifische Rügen zulasse, zu deren Formulierung der Beschwerdeführer alleine aber nicht in der Lage gewesen sei. Aufgrund all dieser Umstände treffe i hn – so der Beschwerdeführer – an der Säumnis somit nur ein leichtes Verschulden. 3.3 Nach Auffassung der Beschwerdegegne rin trifft den Beschwerdeführer demgegenüber ein schweres Verschulden (KG act. 17 S. 2). Zunächst treffe nicht zu, dass er auf den Beizug eines Anwalt s angewiesen gewesen sei, nachdem er vor den Vorinstanzen ohne anwaltliche Ve rtretung aufgetreten und auch in der Lage gewesen sei, sowohl im mündlichen wie auch im schriftlichem Verkehr mit den Gerichten seinen Standpunkt zu vertreten. Auch vor Kassationsgericht sei er in der Lage gewesen, seine zunächst in italienischer Sprache verfasste Eingabe innert der Beschwerdefrist in Deutsch einzureichen. Im Übrigen – so die Be- schwerdegegnerin – habe der Beschwerdeführer innert laufender Beschwerdefrist genügend Zeit gehabt, um einen Vertreter zu finden. 3.4 Ob der Beschwerdeführer wegen mangelnder Sprachkenntnisse auf den Beizug eines Anwalts angewiesen war, k ann offen bleiben. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer al s juristischer Laie wegen der Beson- derheit des Kassationsverfahrens für die Verfassung einer den gesetzlichen An- forderungen genügenden Beschwerdeschrift gr undsätzlich auf anwaltliche Hilfe angewiesen war. Wenn er dabei aber zunächst drei Wochen (nämlich vom 28. November bis zum 19./20. Dezember 2008) untätig zuwartete, um erstmals kurz vor Weihnachten aktiv zu werden, indem er eine (in formeller Hinsicht ungenü-- 6 - gende) Eingabe an die Kassationsinstanz rich tete, gereicht ihm bereits dies zum erheblichen Verschulden. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang weiter, dass dem Be- schwerdeführer als Folge der Gerichtsferien (20. Dezember bis 8. Januar) faktisch eine Frist von mehr als sieben Wochen (52 Tage), also nahezu das Doppelte der üblichen gesetzlichen Frist von 30 Tagen, fü r die Einreichung einer begründeten Nichtigkeitsbeschwerde zur Verfügung st and. Gerade der Umstand, dass er im Zeitpunkt des Erhalts des angefochtenen Urteils offenbar keinen anwaltlichen Bei- stand (mehr) genoss, hätte es sich für ihn aufdrängen müssen, im Hinblick auf ei- nen allfälligen Weiterzug nach erfolgter Zustellung des Urteils unverzüglich das Notwendige vorzukehren, d.h. sich um anwaltliche Verbeiständung zu bemühen; dass er dies getan habe, macht er nicht geltend. Unter diesen Umständen kann das Verschulden des Beschwerdeführers an der eingetretenen Säumnis aus ob- jektiver Sicht jedenfalls nicht mehr als leicht bezeichnet werden. Der Beschwerde- führer durfte auch nicht einfach davon aus gehen, er sei ohne anwaltliche Verbei- ständung in der Lage, eine den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Nich- tigkeitsbeschwerde zu begründen, nachdem er bereits vor den Vorinstanzen an- waltliche Hilfe in Anspruch genommen habe. Schliesslich macht er nicht geltend, er habe sich bereits unmittelbar nach Erhalt des Schreibens vom 29. Dezember 2008 (also bereits in den ersten Tagen des Monats Januar) intensiv um anwaltli- che Verbeiständung bemüht; dass es ihm erst am letzten Tag der Frist (nachdem insgesamt drei weitere Wochen verstric hen waren) gelang, einen solchen zu fin- den, geht somit zu seinen Lasten. Dies führt zur Abweisung des Gesuch s um Wiederherst ellung der Be- schwerdefrist. 4. Zusammenfassend kann somit auf die Beschwerde insgesamt nicht ein- getreten werden. 5. Ausgangsgemäss wird der Beschwe rdeführer für das Kassationsverfah- ren kosten- und entschädigungspflichtig. Hi nsichtlich der Bemessung der Pro-- 7 - zessentschädigung kann auf S. 15 Ziff. 7. 2 des angefochtenen Urteils verwiesen werden. 6. Gegen diesen Entscheid ist die Beschwerde in Zivilsachen mangels Errei- chung der ordentlichen Streit wertgrenze nur unter den Voraussetzungen von Art. 85 Abs. 2 BGG zulässig; andernfalls wäre die subsidiäre Verfassungsbeschwerde zulässig. Darüber hätte gegebenenfalls das Bundesgericht zu entscheiden. Das Gericht beschliesst: 1. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederherstellung der Beschwer- defrist wird abgewiesen. 2. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten 3. Die Gerichtsgebühr für das Kassati onsverfahren wird festgesetzt auf Fr. 2'800.--. 4. Die Kosten des Kassa tionsverfahrens werden dem Beschwerdeführer aufer- legt. 5. Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, der Beschwerdegegnerin für das Kassationsverfahren eine Prozessentsch ädigung von Fr. 1'000.-- (inkl. MWST) zu entrichten. 6. Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 90 ff. BGG innert 30 Tagen nach dessen Empfang schriftlich durch eine Art. 42 BGG entsprechende Eingabe Beschwerde gemäss Art. 72 ff. BGG, allenfalls subsidiäre Verfassungsbeschwe rde gemäss Art. 113 ff. BGG an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, erhoben werden. Der Streitwert beträgt ca. Fr. 21'500.--. - 8 - Sodann läuft die Frist von 30 Tagen zur Anfechtung des Urteils des Oberge- richts vom 18. November 2008 mit Be schwerde bzw. subsidiärer Verfas- sungsbeschwerde beim Bundesgericht neu ab Empfang de s vorliegenden Entscheides (Art. 100 Abs. 1 und 6 BGG). Hinsichtlich des Fristenlaufes gelten die Art. 44 ff. BGG. 7. Schriftliche Mitteilung an die Partei en, an die II. Zivilkammer des Oberge- richts des Kantons Zürich und an die I. Abteilung des Bezirksgerichts Bülach (CG060012), je gegen Empfangsschein. ______________________________________ KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Der Generalsekretär: