B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-4636/2015 U r t e i l v o m 1 8 . A p r i l 2 0 1 6 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richter Martin Kayser, Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien A._______, Beschwerdeführerin, gegen Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Schengen-Visum zu Besuchszwecken. C-4636/2015 Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1953 geborene sri-lankische Staatsangehörige B._______ (im Folgen- den: Gesuchstellerin b zw. Gast) und ihr 1952 geborener Ehemann C._______ (im Folgenden: Gesuchsteller bzw. Gast) beantragten am 20. April 2015 bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo je ein Schen- gen-Visum für einen knapp dreimonatigen Besuchsaufenthalt bei ihrer Tochter A._______ (im Folgenden: Gastgeber in beziehungsweise Be- schwerdeführerin) im Kanton Aargau (Akten der Vorinstanz [nachfolgend SEM act.] 5/113 ff.; 5/32 ff.). B. In einem Einladungsschreiben vom 1. April 2015 bestätigte n die Gastge- berin und ihr Ehemann gegenüber der Schweizer Vertretung, dass sie die Gesuchsteller - ihre Eltern bzw. Schwiegereltern - während drei Monaten bei sich zu Besuch haben möchten (SEM act. 1/1). C. Mit Formularentscheid vom 21. April 2015 (eröffnet am 24. April 2015) lehnte es die schweizerische Vertretung ab, die gewünschten Visa auszu- stellen. Sie begründete ihre Haltung mit der ihrer Auffassung nach fehlen- den Gewähr für die fristgerechte Wi ederausreise der Gesuchsteller aus dem Schengen-Raum nach einem Besuchsaufenthalt (SEM act. 5/107 f.). D. Gegen diesen Entscheid erhob der Ehemann der Gastgeberin am 27. April 2015 Einsprache bei der Vorinstanz. Zur Begründung führte er aus, seine Schwiegermutter sei bereits im Jahr 2009 schon mal hier gewesen und habe das Land pflichtbewusst wieder verlassen. Es sei ihm ein Anliegen, dass seine Schwiegereltern zu ihnen kommen und den Alltag über mehrere Wochen mit ihnen geniessen können. Der finanzielle Aufwand , seine Schwiegereltern in Sri La nka zu besuchen, wäre wesentlich höher (2 Er- wachsene und drei Kinder). Seine Familie würde in einem Doppeleinfami- lienhaus wohnen und ihre Nachbarin sei zugleich seine Schwägerin. Die Schwiegereltern würden somit ihre beiden Töchter und fünf Enkel besu- chen können (SEM act. 1/2). E. Nachdem das Amt für Migration des Kantons Aargau bei den Gastgebern ergänzende Auskünfte eingeholt (SEM act. 6/115 f. insb. 121) und an die Vorinstanz weiter geleitet hatte, wies diese die Einsprache mit Verfügung C-4636/2015 Seite 3 vom 29. Juni 2015 ab (SEM act. 8/126 ff.). Dabei teilte sie die Einschätzung der schweizerischen Auslandvertretung, wonach die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise der Gesuchsteller nach einem Aufenthalt im Schengen-Raum nicht als gesichert betrachtet werden könne. Die Gesuch- steller würden aus einer Region (Sarasalai North/Jaffna District) stammen, aus der als Folge der dort insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht herr- schenden Verhältnisse ein starker Zuwanderungsdruck nach wie vor fest- zustellen sei. Insbesondere sei die soziokulturelle Situation Sri Lankas noch immer durch den – mit Unterbrechungen – 26 Jahre währenden und erst im Mai 2009 beendeten Bürgerkri eg geprägt. Der tamilische Norden und Osten des Landes seien in ihrer Entwicklung zurückgeworfen und beim wirtschaftlichen Wiederaufbau sowohl auf erhebliche Hilfe der eigenen Re- gierung als auch auf internationale Unterstützung angewiesen. Vor diesem Hintergrund bestehe erfahrungsgemäss häufig der Wunsch zur Auswan- derung, welcher sich bei einer Vielzahl von M enschen manifestiere. Ein bestehendes soziales Beziehungsnetz im Ausland sei ein wichtiges Ele- ment, das den Auswanderungswillen noch akzentuieren könne. In den persönlichen Verhältnissen der Gesuchsteller seien keine Um- stände in Form besonderer Verpflicht ungen zu erkennen, die das grund- sätzlich anzunehmende Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise entscheidend relativieren könnten. Die Gesuchsteller seien 63 bzw. 61 Jahre alt. Ihre drei erwachsenen Kinder würden alle in der Schweiz leben. Aus den Unterlagen würden keine näheren Angaben zu weiter bestehen- den familiären Verhältnissen oder besonderen Betreuungsaufgaben her- vorgehen. Die Gesuchsteller seien selbständige Reisbauern. Ihre persön- liche finanzielle Situation möge wohl für sri-lankische Verhältnisse gut sein, jedoch sicherlich auch nicht überdurchschnittlich. Insgesamt könne vorlie- gend nicht von gefestigten wirtschaftlichen Verhältnissen ausgegangen werden, die nachhaltig von einer allfälligen Emigration abzuhalten ver- möchten. Dies gelte umso mehr, als s ie von der Gastgeberin jährlich mit ca. Fr. 700.- unterstützt würden. F. Dagegen gelangte die Gastgeberin mit Beschwerde vom 28. Juli 2015 an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte die Aufhebung der vo- rinstanzlichen Verfügung und die Ausstellung der gewünschten Visa . Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, sie möchte gerne ihre Eltern zu sich auf Besuch einladen. Sie und ihr Ehemann sowie ihre drei Kinder seien in der Schweiz gut integriert und eingebürgert. Ihre Eltern würden in C-4636/2015 Seite 4 Chavakachcheri ihr Vermögen verwalten und in Sarasalai seien sie land- wirtschaftlich tätig. Sie würden mit ihren Geschwistern zusammenleben. Ihre Mutter sei bereits einmal in der Schweiz gewesen. Nun würden ihre Eltern sie gerne gemeinsam besuchen kommen und in der Schweiz Ferien machen. Sie möchte gerne mit ihren Geschwistern und Eltern ein Familien- fest feiern. Während des Bürgerkrieges hätten sie ihre Eltern finanziell un- terstützt. Mittlerweile würden diese aber mit ihrer landwirtschaftlichen Tä- tigkeit genug verdienen und hätten auch Erspartes. Sie garantiere eine an- standslose und fristgerechte Ausreise ihrer Eltern. Zusammen mit der Beschwerde reichte die Beschwerdeführerin unter an- derem Bankauszüge der Bank of Ceylon und der People's Bank in Chava- kachcheri zu den Akten. G. Die Vorinstanz beantragt e in ihrer Vernehmlassung vom 4. September 2015 die Abweisung der Beschwerde und führte im Wesentlichen aus, die Gesuchsteller seien selbständige Reisbauern. Es gehe dabei um "ein ei- genes Arbeitsverhältnis", das entsprechend flexibel ausgestaltet sei und die Gesuchsteller nicht in normalem Masse binden dürfte. Zudem könne ein solches Anstellungsverhältnis nur schon angesichts des zwischen der Schweiz und Sri Lanka bestehenden Lohngefälles, der in Sri Lanka ver- gleichsweise schlechten sozialen Absicherung und der unterschiedlichen Lebensqualität nicht ernsthaft daran hindern, den Entschluss zu einer Emigration zu fassen. Abgesehen davon lasse der Umstand, dass von ihnen gleich eine dreimonatig e Landesabwesenheit geplant sei, nicht da- rauf schliessen, ihre Präsenz sei für ihren Betrieb unverzichtbar. Aufgrund der Aktenlage sei davon auszugehen, die Führung des Betriebs könne durchaus für längere Zeit auf andere Weise sichergestellt werden. Vor die- sem Hintergrund sowie angesichts des vorgesehenen dreimonatigen Aus- landaufenthalts, der von der Gastgeberin und ihrem Ehemann finanziert werden müsse, sei nicht anzunehmen, die Gesuchsteller würden tatsäch- lich über eine massgebliche berufliche Verankerung verfügen, welche die Gefahr eines Verbleibens in der S chweiz bzw. im Schengen -Raum, über den deklarierten Zeitraum hinaus, als unwahrscheinlich erscheinen liesse. H. Mit Replik vom 5. Oktober 2015 bekräftigte die Beschwerdeführerin erneut, dass ihre Eltern mit ihrem landwirtschaftlichen Erwerb ein genügend hohes Einkommen erzielen würden, um für sich selbst zu sorgen. Auch hätten sie Geld gespart. Alle Geschwister sowie mehrere Verwandte und Bekannte C-4636/2015 Seite 5 ihrer Eltern würden in Sri Lanka in deren Nähe leben. Die Beschwerdefüh- rerin reichte unter anderem Auszüge des Grundbuchamts betreffend Land- eigentum ihrer Eltern, eine Schätzung ihrer Liegenschaft und ihres Landei- gentums, Bankauszüge der Bank of Ceylon und der People's Bank sowie eine notariell beglaubigte Erklärung ihrer Eltern, dass sie die Schweiz frist- gerecht verlassen sowie die Reisekosten selbst übernehmen würden , zu den Akten. I. Am 23. Oktober 2015 führte die Vorinstanz duplikweise aus, den Bestäti- gungen der Bank of Ceylon und der People's Bank vom 14. September 2015 sei zu entnehmen, dass die Bankkonten der Gesuchsteller zu jenem Zeitpunkt insgesamt Ersparnisse von umgerechnet ca. Fr. 24'474.- aufwei- sen würden. Gemäss einem Beleg vom 3. April 2015 werde das Haus und das Land der Gesuchsteller auf RS. 30 Mio. (Fr. 207'101.-) geschätzt. Ohne einen detaillierten Auszug aller Ein- und Auszahlungen über einen gewis- sen Zeitraum hinweg könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass es sich hierbei allenfalls um einen externen Unterstützungsbeitrag handle. Auch vorhandene Ersparnisse wären kaum geeignet eine Wiederausreise als wahrscheinlicher erscheinen zu lassen, zumal gemeinhin einem Trans- fer ins Ausland nichts im Wege stehe. Nichts anderes ergebe sich im Zu- sammenhang mit dem Eigentum der Gesuchsteller. Insbesondere müssten die Gesuchsteller für die Betreuung ihres Hauses und Landbesitzes nicht vor Ort sein und konnten sich von ihren Verwandten vertreten lassen. Ge- mäss den persönlichen Einreisegesuchen vom 16. April 2015 würden die Reise- und die Lebenshaltungskos ten während des Aufenthaltes in der Schweiz durch die Gastgeber getragen. Dies spreche nicht für eine gesi- cherte finanzielle Situation der Gesuchsteller. Der Besuchsaufenthalt der Gesuchstellerin in der Schweiz im Jahr 2009 liege bereits mehrere Jahre zurück bzw. sei sie damals ohne ihren Ehemann in die Schweiz gereist. J. In ihrer Eingabe vom 4. November 2015 führte die Beschwerdeführerin er- gänzend aus, dass sie ihren Eltern jährlich Fr. 700. - schenke. Sie über- weise diesen Betrag freiwillig und unregelmässig . Ihre Eltern seien nicht von ihrer Hilfe abhängig. Sie würden selbst ein genügend hohes Einkom- men erzielen. Sie möchte, dass ihre Kinder die Beziehung zu ihren Gross- eltern aufrecht erhalten können. Es sei unmöglich für längere Zeit der Schule fern zu bleiben bzw. Ferien zu nehmen. C-4636/2015 Seite 6 K. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun- gen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des SEM betreffend Schengen-Visa sind beim Bundes- verwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Gastgeberin und vom Einsprecher be- vollmächtigt zur Beschwerde berechtigt (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 1.3 In der vorliegenden Angelegenheit entscheidet das Bundesverwal- tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 2. Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes- sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli- chen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantona le Behörde als Be- schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdever- fahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be- schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis- sen oder abweisen. Massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Ver- hältnisse zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 3. Der angefochtenen Verfügung liegen die Gesuche von zwei sri-lankischen Staatsangehörigen um Erteilung je eines Visums für einen dreimonatigen Aufenthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich die Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen k önnen und die be- absichtigte Aufenthaltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorlie -C-4636/2015 Seite 7 gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe- reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand und die dazuge hörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun- gen enthalten (vgl. Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG). 4. Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im Anwendungsbereich der vorerwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt: 4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei- lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge- setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen -Recht schränkt die nationalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraus- setzungen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten ver- pflichtet, die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset- zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5; a.M. PHILIPP EGLI / TOBIAS D. MEYER, in: Caroni / Gächter / Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän- der, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.). 4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen- Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit- raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku- mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, de- ren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengrenzen im Besitz ei- nes Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsan- gehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti- tels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfristigen Aufenthalt ver- fügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom C-4636/2015 Seite 8 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über ei- nen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Perso- nen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105/1 vom 13.04.2006], Art. 4 VEV). 4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um - stände ihres beabsichti gten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei - chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a–c der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Ra- tes vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfol- gend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den Schengen -Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako- dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O. Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener Informati- onssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats dar- stellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK). 4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen -Raums fristgerecht wie- der zu verlassen (vgl. dazu EGLI / MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; ferner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederaus- reise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammenhangs zum Einrei- seerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK). 4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom - men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen -Raum geltendes C-4636/2015 Seite 9 "einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären Grün- den, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der drittstaatsangehö- rigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset zungen nicht er- füllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig (Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraussetzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den Aussengrenzen gestat- tet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK). 5. 5.1 Aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit unterliegen die Gesuchsteller der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG] Nr. 539/2001 [ABl. L 81 vom 21.03.2001; zum vollständigen Q uellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV]). Bei der Prüfung der Ei nreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. Eine solche erachtet die Vorinstanz aufgrund der allgemeinen Situation im Heimatland und der persönlichen Verhältnisse der Gesuchstellerin als nicht genügend gesichert. Zur Einschätzung entsprechender Risiken sind sämt- liche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen. 5.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung einer Gewähr für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland bzw. in der Herkunftsregion der Besucherin oder des Be- suchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise un- günstigen Verhältnissen können ein Indiz dafür sein, dass die persönliche Interessenlage nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Ein- reisebewilligung in Einklang steht. 5.3 5.3.1 Seit Ende des langjährigen Bürgerkriegs im Jahr 2009 hat sich die Sicherheitslage in Sri Lanka zwar stabilisiert. Die Menschenrechtslage aber ist nach wie vor prekär und die politische Situation kann noch nicht als stabil eingestuft werden. In wirtschaftlicher Hinsicht gilt Sri Lanka ge- mäss Weltbank-Klassifikation als «Lower Middle Income Country»; im als Wohlstandsindikator zu berücksichtigenden UN -Index der men schlichen Entwicklung (HDI) 2015 belegt Sri Lanka die Position 73 von 187 Ländern. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 201 5 81,1 Mrd. US D (3 .92 C-4636/2015 Seite 10 USD/Kopf). Dies stellt gegenüber dem V orjahr ein reales Wachstum von 2,9% dar. Die Arbeitslosigkeit liegt bei ca. 4,2%, ist also relativ tief, wobei freilich – wie bei den Einkommen – ein erhebliches Stadt/Land -Gefälle existiert. Etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung des Landes ist auf die Re- gion um Colombo konzentriert. Namentlich bei der Landbevölkerung ist da- gegen Armut weiterhin verbreitet. Für die vorwiegend tamilische Bevölke- rung im Norden des Landes (inkl. Halbinsel Jaffna , wo die Gesuchs teller leben) kommt hinzu, dass die öffentliche Gesundheitsversorgung dürftig ist und viele Kliniken nur über rudimentäre Behandlungsmöglichkeiten verfü- gen. All diese Umstände führen zu einer anhaltend hohen Emigration (Quellen: Webseite des deutschen Ausw ärtigen Amtes: www.auswaerti- ges-amt.de, Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Sri Lanka > Wirtschaft, Stand: Februar 2016, besucht im März 2016 sowie Urteil des BVGer C-6274/2014 vom 11. Februar 2016 E. 5.3.1 m.H.). 5.3.2 In Anbetracht dieser Umstände ist grundsätzlich nicht zu beanstan- den, dass die Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederaus- reise allgemein als hoch einschätzt. Das Risiko ist insofern zu bekräftigen, als die Bereitschaft, das Land auf Dauer zu verlassen, durch bereits i m Ausland lebende nahe Verwandte erfahrungsgemäss begünstigt werden kann. 5.3.3 Bei der Risikoanalyse sind neben allgemeinen Umständen und Er- fahrungen sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalls zu berück- sichtigen. In beweisrechtlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass ein Visum nur erteilt werden darf, wenn keine begründeten Zweifel an der Absicht der Ge- suchsteller bestehen, den Schengen-Raum vor Ablauf des Visums zu ver- lassen (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.3.1 je m.H). 6. 6.1 Bei den Gesuchsteller n handelt es sich um eine 62-jährige Frau und deren 63-jährigen Ehemann. Ihre drei Kinder (zwei Töchter und ein Sohn) halten sich alle in der Schweiz auf (SEM act. 5/93). Gemäss den Auskünf- ten der Beschwerdeführerin leben die Gesuchsteller im eigenen Haus. Es kann demnach nicht davon ausgegangen werden, im persönlichen oder familiären Umfeld der Gäste seien Verpflichtungen oder gar Abhängigkei- ten vorhanden, die besondere Gewähr für eine Rückkehr ins Heimatland bieten könnten. Dass gemäss der Beschwerdeführer in alle Geschwister der Gesuchsteller und mehrere Verwandte sowie Bekannte in deren Nähe C-4636/2015 Seite 11 leben würden, ändert nichts an dieser Annahme. So ist weder aus den Ak- ten ersichtlich noch wurde dargetan, dass aufgrund ihrer familiären oder freundschaftlichen Beziehungen irgendwelche Verpflichtungen bestünden. 6.2 Den Akten kann entnommen werden, dass die Gesuchsteller selbstän- dige Reisbauern sind. Gemäss z wei Auszügen der Bank of Ceylon in Chavakachcheri für die Periode 16. Juli 2014 bis 16. Juli 2015, welche auf den Namen des Gesuchstellers lauten, betrugen die Depositen zusammen Rs (= Währungssymbol = LRK) 1,5 Mio. (entspricht rund USD 10'370.-; vgl. BVGer-act. 1 Beilage A3 ). Bei derselben Bank besass der Gesuchsteller am 14. September 2015 ein Guthaben von Rs 1'676'375.20 (entspricht rund USD 11'600.-; BVGer-act. 10 Beilage A4). Auf einem Konto bei der People's Bank in Chavakachcheri besassen die Gesuchsteller am 14. Sep- tember 2015 ein Deposit in der Höhe von Rs 1 Mio und ein weiteres Depo- sit von Rs 850'000.-. Das Sparguthaben au f dieser Bank beträt Rs 18'867.03 (entspricht zusammen rund USD 12'900.-; BVGer-act. 10 Bei- lage A5). Des Weiteren kann den Akten entnommen werden, dass die Gesuchsteller seit dem 6. Mai 2013 Land im Wert von LKR 500'000.- besitzen (entspricht rund USD 3'460.-; BVGer-act. 10 Beilage A1). Seit dem 18. April 2013 sind sie im Besitz von einem Landstück im Wert von Rs 25'000. - (USD 172; SEM-act. 5/46). Zudem besitzen sie seit dem 25. Juni 1975 Land im Wert von LRK 2'000.- (entspricht rund USD 14.-; BVGer-act. 10 Beilage A2). Ihr Land und Haus sollen laut einer Schätzung einen Marktwert von Rs 30 Mio. (USD 207'350.-) haben (BVGer-act. 10 Beilage A3). Angesichts eines durchschnittlichen Jahreseinkommens von USD 3'460.- in Sri Lanka (The World Bank, Data, GNI per capita, Atlas method (current US$), Sri Lanka, < http://data.worldbank.org/indicator/NY .GNP .PCAP .CD > abgerufen im März 2016 ), verfügen die Gesuchsteller mit rund USD 34'870.- (Deposite, Sparguthaben) über ein beachtliches Vermögen. Es entspricht rund 10 durchschnittlichen Jahreseinkommen in Sri Lanka. Zu- sätzlich werden ihr Haus und die Landstücke auf rund USD 207'350.- ge- schätzt. Ein regelmässig generiertes Erwerbseinkommen lässt dieses Ver- mögen jedoch nicht zu. Nur auf dieser monetären Grundlage kann die Wie- derausreise der Gesuchsteller nicht als gesichert eingestuft werden. Zu- dem schenkt die Beschwerdeführerin den Gesuchstellern jedes Jahr Fr. 700.-, was nicht gerade für ein gesichertes Erwerbseinkommen spricht, auch wenn s ie dies freiwillig tut . Ebenso der Umstand, dass die Aufent- haltskosten in der Schweiz nicht von den Gesuchstellern selbst getragen C-4636/2015 Seite 12 werden, sondern bei einem Besuch finanziell vollständig von der Be- schwerdeführerin abhängig sein würden , spricht gegen das Bild von gut situierten Gästen (SEM-act. 7/122; 5/30 und 111). Überdies scheinen die Gesuchsteller für ihre Farm abkömmlich zu sein. So soll während ihrer drei- monatigen Abwesenheit ein Bruder die Reisfelder unterhalten und verwal- ten (BVG er act. 10 Beilage AA) . Demzufolge obliegen ihnen wohl auch keine zwingenden beruflichen Verpflichtungen. Die Gewähr für eine frist- gerechte Wiederausreise wurde auch insoweit nicht belegt. 6.3 Insgesamt betrachtet, sind somit weder in den familiären oder gesell- schaftlichen noch beruflichen und damit wirtschaftlichen Verhältnissen der Gesuchsteller Besonderheiten erkennbar, die eine Emigration als unwahr- scheinlich erachten lassen. 7. Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund (insbesondere der un- vollständigen Darlegung der wirtsch aftlichen Situation) durfte die Vor- instanz demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der Gesuchsteller nach einem Besuchsaufenthalt besteht. 8. An der Richtigkeit dieser Einschätzung ändert au ch die Tatsache nichts, dass die Beschwerdeführerin über einen guten Leu mund verfügt. Die In- tegrität der Beschwerdeführerin in ihrer Eigenschaft als Gastgeberin wird denn in keiner Weise in Zweifel gezogen. Indessen sind bei der Abwägung des Risikos einer nicht fristgerechten Wiederausreise nicht so sehr die Ein- stellung und die Ab sichten des Gastgebers, sondern in erster Linie das mögliche Verhalten der eingeladenen Personen selbst von Bedeutung. Nur Letztere sind in der Lage, hinrei chend Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise zu bie ten. Denn in ihrer Eigenschaft als Gastgeberin kann die Beschwerdeführerin zwar für gewisse finanzielle Ri- siken (Lebensunterhaltskosten während des Besuchsaufenthaltes, allfällig ungedeckte Kosten für Unfall oder Krankheit sowie Rückreisekosten) Ga- rantie leisten, nicht aber – mangels rechtlicher und fakti scher Durchsetz- barkeit – für ein bestimmtes Verhalten der Gäste (vgl. dazu BVGE 2009/27 E. 9). C-4636/2015 Seite 13 9. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültig- keit (vgl. E. 4.5) wurden von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht und ergeben sich auch sonst nicht aus den Akten. 10. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene V erfü- gung sich im Lichte von Art. 49 VwVG als rechtmässig erweist. Die Be- schwerde ist daher abzuweisen. 11. Entsprechend dem Ausgang de s Verfahrens sind die Kosten der Be- schwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun- gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite) C-4636/2015 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin aufer- legt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Ref-Nr. […] und […]) – das Migrationsamt des Kantons Aargau Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Versand: