Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. Januar 2012 (725 11 392 / 12) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Verweigerung von Rentenleistungen wegen Suizidversuch bzw. absichtlich herbeigeführ- ten körperlichen Schädigungen Besetzung Präsidentin Eva Meuli Ziegler, Kantonsrichter Christof Enderle, Kan- tonsrichter Michael Guex, Gerichtsschreiber Marc Stalder Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Lic. jur. Pius Buch- mann, Rechtsanwalt, Sonnenplatz 1, Postfach, 6020 Emmenbrücke 2 gegen SUVA , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Die am 12. Oktober 1980 geborene A.____ bezog seit dem 22. Juni 2010 Taggelder der Ar- beitslosenversicherung und war deshalb bei der SUVA obli gatorisch gegen die Folgen von Un- fällen versichert. B. Anlässlich einer Reise in die ehemalige Heimat Serbi en geriet A.____ am 25. Juli 2010 wäh- rend einer Autofahrt, bei welcher sie auf dem Rücksitz sa ss, in Streit mit ihrem Ehemann, wel- cher das Auto lenkte. Nachdem sie bereits zuvor einmal ang edroht hatte, das fahrende Auto zu verlassen, der Ehemann jedoch noch rechtzeitig in einer Bushaltestelle anhalten konnte, öffnete A.____ zu einem späteren Zeitpunkt die Schiebetüre de s fahrenden Autos. In der Folge stürzte Seite 2 sie aus dem Auto, welches zu diesem Zeitpunkt noch eine Geschwindigkeit von ca. 50-60 km/h aufwies. Dabei zog sie sich unter anderem erhebliche Kopfverletzungen zu. C. Am 5. August 2010 meldete die Arbeitslosenkasse X.____ den Vorfall der SUVA. Diese lehn- te mit Verfügung vom 19. Oktober 2010 die Ausrichtung von Versicherungsleistungen gestützt auf Art. 2 Abs. 1 UVG ab, da A.____ die Gesundheitssch ädigung absichtlich herbeigeführt ha- be. D. Gegen diese Verfügung erhob A.____ , damals vertret en durch Advokatin Kathrin Wüthrich, am 15. November 2010 Einsprache. E. Nachdem die SUVA A.____ im Rahmen des Einspracheverfa hrens am 30. Juni 2011 durch Dr. med. B.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe rapie, psychiatrisch hatte untersuchen lassen, wies sie die Einsprache mit Einspracheentscheid vom 26. September 2011 ab. F. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____ (Beschw erdeführerin), mittlerweile vertre- ten durch Rechtsanwalt Pius Buchmann, am 28. Oktober 2011 Beschwerde an das Kantonsge- richt Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (K antonsgericht), und begehrte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Zudem sei die SUVA anzuweisen, der Beschwerde- führerin im Zusammenhang mit dem Unfall vom 25. Juli 2010 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere sei für den Zeitraum ab dem 25. Juli 2010 ein Taggeld zu entrichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die SUVA zurückzuweisen, unter o/e- Kostenfolge. G. Mit Vernehmlassung vom 21. November 2011 begehrte di e SUVA die Abweisung der Be- schwerde. Sollte das Kantonsgericht jedoch der Beurtei lung der SUVA nicht folgen, so wäre zu prüfen, ob nicht eine Leistungskürzung infolge Wagnisses oder einer grobfahrlässigen Hand- lungsweise zu verfügen sei. Zudem sei der Antrag auf Kostenauflage an sie SUVA abzuweisen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, dessen Be stimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in Z.____, weshalb die ör tliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich Seite 3 zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die - im Übrigen frist- und formge- recht erhobene - Beschwerde der Versicherten vom 28. Oktober 2011 ist demnach einzutreten. 2. Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer i n der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Die Leistungspflicht des Unfall- versicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereigni s und dem eingetretenen Schaden (Invalidität, Integritätseinbusse) ein natürliche r (vgl. dazu BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) und ein adäquater (vgl. dazu BGE 129 V 18 1 E. 3.2 mit Hinweis) Kausalzusam- menhang besteht. 3. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die SUVA für das Ereignis vom 25. Juli 2010, bei welchem die Beschwerdeführerin aus einem fahrenden Auto sprang, leistungspflichtig ist oder nicht. 4.1 Die Beschwerdeführerin rügt zunächst eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Ge- hör, da die SUVA stets von einem Suizid ausgegangen sei und sich nicht mit der Möglichkeit befasst habe, dass allenfalls kein Suizidversuch vorgelegen habe. Aufgrund dessen habe sich die SUVA in keinerlei Weise mit der Argumentation d er Beschwerdeführerin auseinanderge- setzt. Die SUVA hält hingegen dafür, dass die Beweggrü nde, welche zum Einspracheentscheid geführt hätten, aus dem Entscheid hervorgingen, weshalb keine Gehörsverletzung vorliege. 4.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV hat jede Person Anspruch au f rechtliches Gehör. Ein Bestandteil dieses Anspruchs stellt die Begründungpflicht dar. Hierfür ist es notwendig, dass die verfügende Behörde wenigstens kurz die Überlegungen, von welchen sie sich hat leiten lassen und auf welche sie die Verfügung stützt, nennt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht lichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid we sentlichen Gesichtspunkte beschrän- ken (BGE 126 V 75, E. 5dd; BGE 124 V 180, E. 1a). 4.3 In der Tat geht die SUVA in ihrem Einspracheent scheid vom 26. September 2011 entgegen der Auffassung der Bescherwerdeführerin von einem Suizid versuch aus. Der Umstand, dass die SUVA nicht im von der Beschwerdeführerin gewünschten Ausmass auf deren Argumentati- on eingeht, stellt an sich jedoch keine Gehörsverletzung d ar. Es handelt sich dabei einzig um eine andere Interpretation der medizinischen Unterlage n, welche zu einer abweichenden recht- lichen Einschätzung führt. Die SUVA begründet diese Int erpretation einlässlich und die Motive, welche zum abweisenden Entscheid geführt haben, sind ausreichend klar in der angefochtenen Verfügung dargelegt. Der Beschwerdeführerin war es fo lglich ohne Weiteres möglich, aufgrund der Ausführungen im angefochtenen Entscheid zu erkenne n, von welchen Überlegungen sich die SUVA hat leiten lassen, weshalb keine Gehörsverletz ung erkennbar ist. Ohnehin verfügt das Kantonsgericht im vorliegenden Verfahren über umfa ssende Kognition, so dass sowohl die Argumentation der Beschwerdeführerin als auch diejeni ge der SUVA einer vollumfänglichen Prüfung unterzogen werden kann. 5.1.1 Aus materieller Sicht geht die SUVA im Einsprach eentscheid vom 26. September 2011 grundsätzlich davon aus, dass sich die Beschwerdeführerin i n Selbsttötungsabsicht aus dem Seite 4 Fahrzeug stürzte, weshalb in Anwendung von Art. 37 Abs. 1 UVG keine Versicherungsleistun- gen zu entrichten seien. Dabei stützt sich die SUVA auf den Bericht vom 4. August 2011 zur psychiatrischen Untersuchung vom 30. Juni 2011 vom Versicherungspsychiatrischen Dienst der SUVA, Dr. med. B.____, Facharzt für Psychiatrie und Psyc hotherapie. Darin wird ausgeführt, dass ein demonstrativer Suizidversuch denkbar sei. Selbige s lässt sich auch aus der Überset- zung der Bestätigung der Polizeistation Y.____ (Serbien ) vom 12. August 2010 entnehmen, wonach den Polizeibeamten ein Selbstmordversuch gemeldet worden sei. 5.1.2 Die Beschwerdeführerin hingegen argumentiert da hingehend, dass es sich beim Hinaus- springen aus dem fahrenden Fahrzeug nicht um einen Selb sttötungsversuch sondern vielmehr um eine unüberlegte Kurzschlussreaktion gehandelt habe. D ie Beschwerdeführerin habe sich nie umbringen wollen, dies habe auch der Ehemann bei der Besprechung auf der SUVA- Agentur am 6. August 2010 angegeben. Zudem bestätige auch Dr. med. C.____, FMH Psychi- atrie und Psychotherapie, im ärztlichen Zeugnis vom 6. D ezember 2010, dass der Unfall vom 25. Juni 2010 nicht in suizidaler Absicht geschehen sei. Ü berdies könne auch aus dem Bericht von Dr. B.____ nicht entnommen werden, dass sich die Ver sicherte beim Sprung aus dem Fahrzeug habe töten wollen, so werde darin ein überl egter Suizidversuch ausdrücklich weitge- hend ausgeschlossen. 5.1.3 Aus dem Bericht von Dr. B.____ vom 4. August 2011 geht tatsächlich hervor, dass ein demonstrativer Suizidversuch denkbar sei. Hingegen führt er ebenfalls aus, dass sich weder für einen demonstrativen noch für einen überlegten Versuc h eine sichere Entscheidung treffen liesse. Die diagnostisch zu erkennende Belastungsreaktion (F 43.0) habe bloss möglicherweise in einem Suizidversuch gemündet. Die Angaben in der Be stätigung der Polizeistation Y.____ schliesslich beruhen offenbar nicht auf einer tatsächlichen Aussage der Beschwerdeführerin. So kann auch dem Austrittsbericht des klinischen Zentrums Ser biens, welcher den Akten in über- setzter Version vorliegt, entnommen werden, dass nähere A ngaben und Umstände, wie die Verletzung entstanden sei, nicht vorlägen. Ebenfalls se i unbekannt, welche Dynamik des Be- wusstseins zum Unfall geführt habe. Die Patientin könne die Umstände nicht rekonstruieren. Dies deckt sich mit den Angaben der Beschwerdeführerin sowie ihres Mannes, wonach sie sich den Sprung nicht erklären könne, jedoch nicht in suizidaler Absicht gehandelt habe. 5.1.4 Im Falle einer Selbsttötung ist aufgrund der Ma cht des Selbsterhaltungstriebes in der Re- gel von einer natürlichen Vermutung der Unfreiwillig keit einer solchen Tat und damit vom Vor- liegen eines Unfalles auszugehen, wenn Zweifel bestehen, ob der Tod einer Versicherten durch Unfall oder Suizid herbeigeführt worden ist. Dass sie willentlich aus dem Leben scheiden wollte, darf daher nur dann als nachgewiesen gelten, wenn gew ichtige Indizien jede andere den Um- ständen angemessene Deutung ausschliessen. Deshalb ist in solchen Fällen zunächst von der durch den Selbsterhaltungstrieb gegebenen Vermutung a uszugehen, es liege keine versuchte Selbsttötung vor, und sodann zu fragen, ob überzeugend e Umstände vorliegen, die diese Ver- mutung widerlegen (SVZ 68 2000 S. 201, U 182/96; RK UV 1996 Nr. U 247 S. 172 E. 2b; Urteil 8C_663/2009 E. 2.3; Urteil 8C_256/2010 E. 3.2.2). 5.1.5 Derart überzeugende Umstände, welche gemäss bund esgerichtlicher Rechtsprechung vorausgesetzt werden, liegen in vorliegendem Fall nich t vor. Auch wenn es nach Aussage von Dr. B.____ möglich ist, dass sich die Beschwerdeführerin m it dem Sprung aus dem fahrenden Seite 5 Auto das Leben nehmen wollte, so sprechen die übrigen Umstände, die konsistenten Aussagen der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes wie auch de r Bericht von Dr. C.____ eher dage- gen. Jedenfalls reichen die Anhaltspunkte nicht aus, um die Vermutung der Unfreiwilligkeit zu widerlegen, weshalb davon auszugehen ist, dass die Beschw erdeführerin beim Sprung aus dem Fahrzeug nicht in suizidaler Absicht handelte. Die Anwendung von Art. 37 Abs. 1 UVG aufgrund eines Suizidversuchs gemäss den Ausführungen der SUVA ist demnach ausge- schlossen. 5.2.1 Art. 37 Abs. 1 UVG sieht die Möglichkeit der Verw eigerung von Rentenleistungen aller- dings nicht nur im Suizidfall vor, sondern ebenfalls fü r den Fall, dass sich jemand eine körperli- che Schädigung absichtlich zugefügt hat. Es geht jedoch b ereits aus dem Gesetzeswortlaut hervor, dass sich der Vorsatz sowohl auf die zur Verletzung führende Handlung als auch auf die Zufügung der Verletzung an sich beziehen muss. Im Gegen satz zu der Annahme der SUVA in Ziff. 2.2 ihrer Vernehmlassung vom 21. November 2011 genügt gerade nicht alleine, dass sich die Beschwerdeführerin in (eventual-)vorsätzlicher Weis e aus dem Fahrzeug stürzte, vielmehr muss sich der Vorsatz auch auf das Zufügen der Verletzung an sich beziehen. 5.2.2 Bei Fragen des Vorsatzes stellt sich regelmässig die Frage der Abgrenzung von Eventu- alvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit. Was das Vorliegen eines Eventualvorsatzes anbelangt, lässt sich ein solcher nicht bereits daraus ableiten, dass de r Versicherten die Möglichkeit eines Schadenseintritts bewusst war. Das entsprechende Wissen und Bewusstsein bildet vielmehr das massgebende Kriterium für die Unterscheidung zwischen bewusster und unbewusster Fahrlässigkeit. Eventualvorsatz liegt dann vor, wenn jemand den Eintritt des Erfolgs für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er oder sie den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt (vgl. Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB), sich mit ihm abfindet , mag er auch unerwünscht sein. Sowohl eventualvorsätzlich als auch bewusst fahrlässig Handelnde w issen um die Möglichkeit des Er- folgseintritts. Unterschiede bestehen jedoch beim Will ensmoment. Die bewusst fahrlässig han- delnde Person vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihr als möglich vorausgesehene Erfolg nicht eintreten werde. Demgegenü ber nimmt, wer eventualvorsätzlich handelt, den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab (vgl. die strafrechtliche Rechtsprechung: BGE 13 3 IV 9 E. 4.1 S. 16 mit Hinweis). Even- tualvorsatz ist auch bei gefährlichen Handlungen nur mi t Zurückhaltung anzunehmen (vgl. zur Problematik im Strafrecht Analyse der Rechtsprechung de s Bundesgerichtes, AJP 2008 S. 519 ff., 526 Ziff. 30; vgl. zum Ganzen Urteil 8C_504/2007 E. 5.3.2). 5.2.3 Im Gegensatz zu Fällen der Selbsttötung, in wel chen die Unfreiwilligkeit der Schädigung vermutet wird (vgl. E. 5.1.4 hievor), ist bei einer Se lbstschädigung nach konstanter Praxis des Bundesgerichts von der üblichen Beweislast sowie dem im So zialversicherungsrecht üblichen Beweismass auszugehen. Folglich hat die leistungsansprechen de Person das Vorliegen eines Unfalls und damit einhergehend die Unfreiwilligkeit der Schädigung mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beweisen (vgl. Urteil 8C_256/2010 E. 3.2.1 f.). 5.2.4 Die Beschwerdeführerin gibt an, sich der genauen Umstände des Sprungs aus dem Fahr- zeug nicht mehr bewusst zu sein. Aus den vorliegenden Ber ichten von Dr. C.____ vom 6. Dezember 2010 und vom 14. Mai 2011 geht hervor, dass es sich bei dem Sprung um eine Kurzschlusshandlung gehandelt habe. Im Bericht vom 6. Dezem ber 2010 wird zudem ausge- Seite 6 führt, die Beschwerdeführerin sei zum Unfallzeitpunkt ni cht urteilsfähig gewesen. Dr. B.____ führt in seinem Gutachten vom 4. August 2011 zwar aus, dass nicht mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit von einer Urteilsunfähigkeit zum Unfallzeit punkt auszugehen sei, auch er geht jedoch von einer akuten Belastungssituation aus, welche in einer Affekthandlung gemündet habe. 5.2.5 Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass die Beschwerdefü hrerin gemäss Bericht von Dr. B.____ an einer agoraphobischen Störung leidet. Die Befürchtung, dass ein sofort nützbarer Fluchtweg fehlt, ist eines der Schlüsselsymptome dieser Störung. Aufgrund dessen erscheint es plausibel, dass die Beschwerdeführerin in dieser eingeen gten Situation im fahrenden Fahrzeug und aufgrund des Streits mit ihrem Ehemann, im Sinne einer Kurzschlussreaktion die Autotür öffnete und heraussprang. Unabhängig davon, ob sie da mit bezwecken wollte, dass ihr Mann das Fahrzeug wie beim ersten Versuch stoppt oder ob sie m it dieser Aktion einfach nur aus der für sie unerträglichen Situation flüchten wollte, kan n aufgrund der Affekthandlung nicht davon ausgegangen werden, dass sie sich überhaupt über die Fol gen ihrer Handlung Gedanken machte. Folglich kann sie die dabei resultierenden Verl etzungen auch nicht billigend in Kauf genommen haben, was zur Annahme eines Eventualvorsatzes n otwendig wäre. Aufgrund des- sen handelte die Beschwerdeführerin im Hinblick auf die Folgen ihres Sprunges höchstens be- wusst fahrlässig. 5.2.6 Da Eventualvorsatz zu verneinen ist, erübrigt sich eine nähere Prüfung der Frage, ob ein solcher als absichtliche Herbeiführung des Gesundheitsscha dens im Sinne von Art. 37 Abs. 1 UVG zu betrachten wäre. In der Lehre wird der Einbezug des Eventualvorsatzes zum Teil abge- lehnt (Alfred MAURER , Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 174 Fn. 351; Alexandra RUMO -JUNGO , Die Leistungskürzung oder -verweigerung gemäss Art. 37 -39 UVG, Diss. Freiburg 1993, S. 113, mit weiteren Hinwe isen), zum Teil befürwortet (Alfred BÜHLER , Der Unfallbegriff, in: Alfred Koller (Hrsg.), Haft pflicht- und Versicherungsrechtstagung 1995, St. Gallen 1995, S. 195 ff., 211, mit weitere n Hinweisen; vgl. auch Urteil U 276/01 vom 14. Februar 2002, E. 4; Urteil 8C_504/2007 E. 5.4). 6. Zusammengefasst kann die Leistung somit nicht gestützt auf Art. 37 Abs. 1 UVG verweigert werden, da weder ein Suizidversuch noch eine beabsichtig te Körperschädigung vorliegt. Zu prüfen wird jedoch sein, ob die Beschwerdeführerin gro bfahrlässig gemäss Art. 37 Abs. 2 UVG gehandelt hat, was eine Leistungskürzung zur Folge haben könnte. Ebenfalls zu prüfen ist, ob allenfalls ein Wagnis im Sinne von Art. 39 in Verbindu ng mit Art. 50 Abs. 1 UVV vorliegt, was ebenfalls eine Kürzung oder gar eine Verweigerung de r Versicherungsleistung zur Folge haben kann. Da diese Möglichkeiten der Leistungsreduktion oder -verweigerung jedoch nicht Inhalt des angefochtenen Einspracheentscheids sind und sich die P arteien folglich nicht damit ausei- nandergesetzt haben, kann das Kantonsgericht darüber in vorliegendem Verfahren nicht ent- scheiden. Der Fall ist folglich an die SUVA zurückzuweisen , um den Leistungsanspruch festzu- legen. 7.1 Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Seite 7 7.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Als Obsiegen im Sinne der gena nnten Bestimmung gilt grundsätzlich auch die Rückweisung der Angelegenheit an den Versicher ungsträger zur weiteren Abklärung (BGE 132 V 235 E. 6.2 mit Hinweisen). Überdies entspr icht diese Rückweisung dem Eventual- antrag der Beschwerdeführerin. Dem Ausgang des Verfahre ns entsprechend ist der Beschwer- deführerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten d er SUVA zuzusprechen. Der Rechts- vertreter der Beschwerdeführerin führt in seiner Honor arnote vom 24. Juni 2011 einen Zeitauf- wand von insgesamt 7 Stunden auf. Dieser Aufwand erwe ist sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen praxisgemäss für durchschni ttliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 250 Franken zu entschädigen . Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 12.--. Der Beschwerdeführerin ist folglich eine Parteientschädigung von Fr. 1'902.95 (7 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 12.-- zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der SUVA zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid der SUVA vom 26. September 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zur Festsetzung des Leistungsanspruchs im Sin ne der Erwägungen an die SUVA zurückgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die SUVA hat der Beschwerdeführerin eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 1'902.95 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertst euer) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid hat die SUVA am 26. März 2012 beim Bundesgericht Beschwerde erhoben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 8C_271/2012 ). http://www.bl.ch/kantonsgericht