Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 13. August 2015 (720 14 149 / 193) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Die Wohnform der Versicherten ist mit dem Begriff des Heims im Sinne von Art. 38 Abs. 1 IVV gleichzusetzen. Demnach besteht unter dem Titel der lebenspraktischen Begleitung kein Anspruch auf Hilflosenentschädigung. Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chterin Elisabeth Berger Götz, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Kathrin Bichsel , Adv o- katin, Blumenrain 3, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff Hilflosenentschädigung A.1 Die 1952 geborene A.____ bezieht eine ganze Ren te der Eidgenössischen Invaliden- versicherung (IV). Am 5. Oktober 2009 meldete sie s ich bei der IV zum Bezug einer Hilflo- senentschädigung an. Nach Einholung eines Berichtes ihres Abklärungsdienstes und einer ärzt- lichen Stellungnahme sowie nach Durchführung des Vo rbescheidverfahrens verneinte die IV- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Verfügung vom 18. Mai 2010 einen Anspruch von A.____ auf Hilflosenentschädigung. Ein weiteres Gesuch vom 20. Juli 2011 wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. August 2012 ab. A.2 Am 10. Dezember 2012 beantragte die Versicherte – unter Hinweis auf eine Verschlech- terung des Gesundheitszustandes – eine erneute Prüfung des Anspruchs auf Hilflosenentschä- digung. Nach Abklärung der Verhältnisse und Durchführun g des Vorbescheidverfahrens wies die IV-Stelle einen Anspruch von A.____ auf Hilflosenentschädigung mit Verfügung vom 2. April 2014 abermals ab. Die Versicherte sei weiterhin in keiner alltäglichen Lebensverrichtung auf die Hilfe Dritter angewiesen. Zudem könne aufgrund des Be treuungsaufwands nicht von einem selbstständigen Wohnen ausgegangen werden. Der Aufenthalt in der Organisation B.____ resp. in einer Aussenwohnung derselben sei vielmehr als Wohn form mit Heimstatus zu qualifizieren. Daher entfalle auch ein Anspruch auf lebenspraktische Begleitung. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Kathrin Bichsel, am 22. Mai 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Sie beantragte, in Gutheissung der Beschwerd e sei die Verfügung vom 7. April 2014 aufzuheben und die Angelegenheit für weitere Abkläru ngen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Eventualiter sei ihr rückwirkend ab Juni 2012 eine Hilflo senentschädigung zuzusprechen; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltli- chen Rechtspflege mit Advokatin Bichsel als unentgeltli che Rechtsvertreterin. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass ihr die IV-Stelle d en im Rahmen des Vorbescheidverfah- rens erstellten Bericht des Abklärungsdienstes vom 18. Dezem ber 2013 nicht zugestellt habe. Damit habe sie das rechtliche Gehör verletzt. In materie ller Hinsicht sei sie in der Körperpflege eingeschränkt. Ausserdem lebe sie entgegen der Ansicht de r IV-Stelle nicht in einer Wohnge- meinschaft mit Heimstatus. Als Bewohnerin des „Wohnextern ats“ der Organisation B.____ be- stimme sie eigenständig und selbstbestimmt, wie viel Un terstützung und Betreuung sie von ih- rer Bezugsperson wünsche. Da die IV-Stelle die Verhäl tnisse in Bezug auf die Wohnform und den Gesundheitszustand nicht abgeklärt habe, sei die Ang elegenheit für weitere Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. C. Mit Verfügung vom 26. Mai 2014 wurde der Beschwerd eführerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advo- katin Bichsel als Rechtsvertreterin bewilligt. D. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Juli 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abwei- sung der Beschwerde. Gemäss den Abklärungsberichten vom 13. Dezember 2013 und 4. April 2012 (recte: 26. April 2012) sei die Beschwerdeführerin in keiner der alltäglichen Lebensverrich- tungen eingeschränkt. Die 40 Betreuungsstunden pro Mon at durch das Personal der Organisa- tion B.____ würden gegen ein selbstständiges Wohnen sp rechen. Die Wohnsituation der Be- schwerdeführerin sei als Heim zu qualifizieren, weshalb ke in Anspruch auf lebenspraktische Begleitung bestehe. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht E. Anlässlich des zweiten Schriftenwechsels beantragte A. ____ in ihrer Replik vom 17. Oktober 2014, in Gutheissung der Beschwerde sei ih r eine Hilflosenentschädigung zuzu- sprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit für weite re Abklärungen an die IV-Stelle zurück- zuweisen. Die IV-Stelle verzichtete am 10. Dezember 2014 auf eine Duplik. F. Am 19. Dezember 2014 holte das Kantonsgericht bei d er Leitung der Organisation B.____ eine amtliche Erkundigung ein. Zu deren vom 11. Februar 2015 nahmen die Parteien am 30. März 2015 und 15. April 2015 Stellung. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind vorliegend erfüll t, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 2.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet in formeller H insicht, die IV-Stelle habe es unter- lassen, ihr den im Rahmen des Vorbescheidverfahrens beim Abklärungsdienst eingeholten Be- richt vom 18. Dezember 2013 zur Stellungnahme zuzustell en. Damit habe sie das rechtliche Gehör verletzt. Bei diesem Einwand handelt es sich um eine Rüge formeller Natur. Sollte sich diese als begründet erweisen, kann dies zur Aufhebung de r angefochtenen Verfügung führen, ohne dass die Angelegenheit materiell beurteilt würde . Der betreffende Einwand ist deshalb vorab zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009, 8C_951/2008, E. 3). 2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schwei zerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 haben die Parteien Anspruch au f rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht der betr offenen Person, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizu- bringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblich en Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mit zuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370 f. E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen) . Der Gehörsanspruch im Vorbescheidver- fahren richtet sich nach Art. 57a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 und wird durch Art. 42 des Bundesgesetze s über den Allgemeinen Teil des Sozi- alversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 konkreti siert. Das rechtliche Gehör in die- sem Sinne wurde der Versicherten mit Eröffnung des Vorbescheides gewährt; sie hatte sich am 6. Mai 2013 ausführlich dazu vernehmen lassen können. 2.3 Es ist unbestritten, dass die IV-Stelle der Beschwerde führerin vor Erlass der angefoch- tenen Verfügung vom 2. April 2014 den Bericht des Abkl ärungsdienstes vom 18. Dezember 2013 nicht zur Kenntnis brachte. Damit hat sie das rechtl iche Gehör verletzt, wenn auch nicht derart schwerwiegend, dass eine Rückweisung zu nochmaligem Entscheid unter Einhaltung der verfahrensmässigen Anforderungen gerechtfertigt wäre. Die Rechtsprechung lässt eine Heilung Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht einer nicht schwer wiegenden Gehörsverletzung – wovon im vorliegenden Fall auszugehen ist – dort zu, wo die betroffene Person die Möglichkeit hat, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äus- sern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2009, Art . 42 N 9 f.). Die Beschwerdeführerin konnte sich im vorliegenden Verfahren, in welchem das Kantonsgericht sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann, zum Abklä rungsbericht vom 18. Dezember 2013 äussern, weshalb die Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt erachtet werden kann. 3. Materiell streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Hilflo- senentschädigung. 3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 1 IVG haben Versicherte mit Wohn sitz und gewöhnlichem Auf- enthalt in der Schweiz, die hilflos sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Nach Art. 9 ATSG ist eine Person hilflos, die wegen der Beeinträc htigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf. Als hilflos gilt ebenfalls eine Person, welche zu Hause lebt und wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angew iesen ist. Ist nur die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme eine r Hilflosigkeit mindestens ein An- spruch auf eine Viertelsrente gegeben sein. Ist eine Pe rson lediglich dauernd auf lebensprakti- sche Begleitung angewiesen, so liegt immer eine leichte Hilflosigkeit vor (Art. 42 Abs. 3 IVG). 3.2 Das Gesetz unterscheidet zwischen schwerer, mittelschwe rer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Die Hilflosigkeit gilt als leicht , wenn die versicherte Person trotz der Abga- be von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Leben sverrichtungen regelmässig in erhebli- cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist; einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf; wegen einer schweren Sinnesschädigung oder ein es schweren körperlichen Gebre- chens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistun gen Dritter gesellschaftliche Kon- takte pflegen kann; oder dauernd auf lebenspraktische Beg leitung im Sinne von Art. 38 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961 angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a - e IVV). Die Hilflosigkeit gilt gemäss Ar t. 37 Abs. 2 IVV als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in d en meisten alltäglichen Lebensverrich- tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a); sie in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden Üb erwachung bedarf (lit. b); oder in min- destens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig i n erheblicher Weise die Hilfe Drit- ter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleit ung im Sinne von Art. 38 IVG angewie- sen ist (lit. c). Gemäss Art. 37 Abs. 1 IVV gilt die Hil flosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. 3.3 Nach ständiger Gerichtspraxis sind die folgenden sechs al ltäglichen Lebensverrichtun- gen massgebend: Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen , Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung (im oder ausse r Haus), Kontaktaufnahme (BGE 133 V 463 E. 7.2, 127 V 97 E. 3c, 121 V 90 E. 3; Urteil des Eidgenössischen Versiche- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsgerichts [EVG] vom 1. April 2004, I 815/03, E. 1). Weiter muss die Hilfe Dritter regelmässig und erheblich sein. Der Begriff der Erheblichkeit ist i n Relation zu setzen zum zeitlichen Auf- wand, den die Hilfsperson hat. Die Hilfe ist mithin insbesondere erheblich, wenn die versicherte Person mindestens die Teilfunktion einer einzelnen Leb ensverrichtung überhaupt nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche Art und Weise selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes nicht vornehmen würd e (AHI-Praxis 1996 S. 171 f. E. 3; Zeitschrift für die Ausgleichskassen [ZAK] 1981 S. 3 88 f. E. 2a). Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, wird nach der Re chtsprechung nicht verlangt, dass die versicherte Person bei der Mehrzahl dieser Teilfunkt ionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass sie bei einer dieser Teilfunktion en regelmässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist (BGE 1 21 V 90 E. 3c). In diesem Sinne ist die Hilfe beispielsweise bereits erheblich bei Fortbewegung und Kontaktaufnahme, wenn sich die versicherte Person im oder ausser Haus nicht selbst fortbew egen kann oder wenn sie bei der Kontaktaufnahme Dritthilfe benötigt. Solange durch g eeignete Massnahmen bei einzelnen Le- bensverrichtungen die Selbständigkeit erhalten werden kann, liegt diesbezüglich keine Hilflosig- keit vor (R OBERT ETTLIN , Sozialversicherungsrechtliche Aspekte bei Verlust der S elbstversor- gungsfähigkeit [Selbstversorgungsfähigkeit], in: HAVE 2003, S. 117 und Fn. 8). 3.4 Die Hilflosigkeit ist dauernd, wenn sich der die Hi lflosigkeit begründende Zustand weit- gehend stabilisiert und im Wesentlichen irreversibel i st. Ferner ist die dauerhafte Hilflosigkeit gegeben, wenn sie während eines Jahres ohne Unterbruch bestanden hat und voraussichtlich weiter andauern wird (vgl. BGE 137 V 357 ff. E. 4.1 ff., 105 V 67 E. 2). Das Kriterium der Dau- erhaftigkeit betrifft die Stabilität und Irreversibilität der gesundheitlichen Beeinträchtigung (früher noch unter dem nicht wirtschaftlich zu verstehenden Begr iff "Invalidität" vgl. BGE 137 V 359 E. 4.3, 133 V 45 f. E. 3.4). Die benötigte Hilfe in den alltäglichen Lebensverrichtungen ist regel- mässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt o der eventuell täglich nötig hat. Als erfüllt ist das Erfordernis der Regelmässigkeit jeweils d ann zu betrachten, wenn die Hilfeleis- tungen für die jeweilige Lebensverrichtung in bestimm ten Zeitabständen immer wieder benötigt werden. Dies ist beispielsweise auch zu bejahen bei An fällen, die zuweilen bloss alle zwei bis drei Tage, jedoch unvermittelt und oft auch täglich od er mehrmals täglich erfolgen (Kreisschrei- ben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalid enversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2014, Rz. 8025; ZAK 1986 S. 490 E. 3c). Die lebenspr aktische Begleitung ist regelmässig, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens zwei Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 461 f. E . 6.2; KSIH Rz. 8053). Damit wird eine minimale durchschnittliche Intensität an lebenspraktischer Begleitung normiert. Der Anspruch auf Hilflosenentschädigung soll nach der Wertung des Ge setzgebers nicht bereits bei jeder Form und Dauer der Inanspruchnahme lebenspraktischer Begl eitung gegeben sein, sondern vielmehr einen bestimmten minimalen Schweregrad der H ilflosigkeit voraussetzen, damit eine entsprechende Entschädigung der Invalidenversicherung ger echtfertigt ist (BGE 133 V 362 E. 6.2). 3.5 Sowohl bei der Erarbeitung der Grundlagen für d ie Bemessung der Hilflosigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen als auch bei der Hilf losigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung ist eine enge, sich ergänzend e Zusammenarbeit zwischen Ärzte- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht schaft und Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugebe n, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Le iden eingeschränkt ist. Der Versiche- rungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärunge n vornehmen, wobei bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen und/oder deren Au swirkungen in der Alltagspraxis Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur z ulässig, sondern notwendig sind (BGE 130 V 61 E. 6.1.1). Dies kann vor allem bei Beei nträchtigungen der geistigen oder psy- chischen Gesundheit angezeigt sein, da es für die Abkläru ngsperson regelmässig nur be- schränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Ein- schränkungen zu erkennen (vgl. BGE 133 V 468 E. 11.1.1; vgl. auch: Urteile des Bundesge- richts vom 5. September 2011, 9C_201/2011, E. 2, und vo m 13. Juni 2008, 8C_671/2007, E. 3.2.1; jeweils mit weiteren Hinweisen). Damit dem Abklärungsbericht voller Beweiswert zu- kommt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Al s Berichterstatterin wirkt eine qualifi- zierte Person, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse hat sowie mit den seitens der Medizin gestellten Diagnosen und den sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen vertraut ist. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und deta illiert bezüglich der einzelnen alltägli- chen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erf ordernissen der lebensprakti- schen Begleitung sein. Weiter sind die Angaben der Hilf e leistenden Personen zu berücksichti- gen, wobei divergierende Meinungen im Bericht aufzuze igen sind. Genügt der Bericht über die Abklärung vor Ort den einzelnen rechtsprechungsgemässen Beweisanforderungen, greift das Gericht in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Pe rson nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen (BGE 133 V 468 E. 11.1.1, 130 V 63 E. 6.2). 4.1.1 Die Beschwerdeführerin machte in der Anmeldung zur Ausrichtung einer Hilflosenent- schädigung vom 20. Juli 2011 geltend, dass sie seit Januar 2011 bei der Körperpflege, nament- lich bei der Pedicure, der Manicure, beim Baden und D uschen, sowie bei der Fortbewegung im Freien und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte a uf die Hilfe Dritter angewiesen sei. Zu- dem benötige sie beim täglichen Verabreichen der Medi kamente dauernde medizinisch- pflegerische Hilfe. Auch für die Erledigungen und Kon takte ausserhalb der Wohnung sei eine Begleitung nötig. Im Beiblatt zum Anmeldeformular vo m 8. August 2011 gab die behandelnde Ärztin Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin , an, dass die Angaben der Beschwer- deführerin über die Hilflosigkeit mit ihren medizinischen Feststellungen übereinstimmen würden. Den gesundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin beurteilte sie als besserungsfähig. 4.1.2 Zur Abklärung der Hilflosigkeit holte die Beschwe rdegegnerin einen Bericht ihres Ab- klärungsdienstes ein. Die Abklärung wurde am 4. April 2 012 in der Organisation B.____ durch- geführt. Die mit der Abklärung betraute Person führt e ein Gespräch mit der Beschwerdeführe- rin, deren Beiständin und der Bezugsperson der Organ isation B.____. Aus dem Abklärungsbe- richt vom 26. April 2012 geht hervor, dass die Beschwerde führerin einzig beim Baden und Du- schen auf direkte oder indirekte regelmässige und erhebli che Hilfe angewiesen sei. Die Situati- on habe sich in diesem Bereich in den letzten Monaten verschlechtert. Die Versicherte könne trotz Badewannenbrett und Einstiegshilfe nur an Tagen duschen, an welchen es die Schmerzen zulassen würden, in die Badewanne zu steigen. Dies sei cir ca einmal die Woche der Fall. An den anderen Tagen müsse sie sich am Lavabo waschen. Die G anzkörperwäsche erledige sie mehr schlecht als recht. Es wäre Hilfe beim Duschen notwend ig. Die Versicherte wehre sich Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht jedoch dagegen. Es würde mit der Vermieterin der Woh nung abgeklärt, ob eine bauliche Mass- nahme möglich wäre und anstelle der Badewanne eine Dusche montiert werden könnte. Weiter bedürfe die Versicherte beim Richten der Medikamente H ilfe und die Einnahme müsse kontrol- liert werden. Zudem ist dem Bericht zu entnehmen, dass die Versicherte das Mittagsessen täg- lich in der Organisation B.____ einnehme, was auch eine Isolation verhindere. Vor, nach und während des Essens würden Termine und die Tagesabläufe, Alltagsprobleme, Korresponden- zen und Fragen zur Gesundheit und Hygiene besprochen. Au sserdem würde die Versicherte wöchentlich in ihrer Wohnung besucht und dabei auch d ie anfallenden Hausarbeiten bespro- chen. Sie müsse zwei bis drei Mal pro Woche zur Therapie oder zum Arzt. Auch für den wö- chentlichen Grosseinkauf benötige sie Hilfe. Die Frage, o b die Versicherte wegen gesundheitli- cher Beeinträchtigung dauernd und regelmässig auf eine lebenspraktische Begleitung angewie- sen sei, wurde mit „ja“ und mit „nein“ beantwortet. I nsgesamt sei die Versicherte während rund acht Stunden pro Woche auf Begleitung von Betreuungsper sonen der Organisation B.____ an- gewiesen. Der Aufwand übersteige aber bei weitem das Ausmass, bei welchem noch von ei- nem selbstständigen Wohnen gesprochen werden könne. D ie Versicherte lebe in einer von der Organisation B.____ gemieteten Wohnung zur Untermiet e. Zudem seien ein Begleitvertrag ab- geschlossen und im Jahr 2011 über 400 Begleitstunden abgerechnet worden. Dem beigelegten Begleitvertrag vom 7./9. November 200 9 ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnexternate regelmässig begleitet werden. Die Begleitung würde individuell vereinbart. Nichteinhaltu ng könne zur sofortigen Rückplatzierung ins Stammhaus führen. Die Versicherte sei verpflichtet, täglich ihre Medikamente in der Organi- sation B.____ zu beziehen und das Mittagessen einzunehme n. Das Taschengeld werde wö- chentlich bezogen. Der Grundbedarf betrage monatlich F r. 1‘587.50. Von diesem Betrag wür- den Fr. 237.50 in Reserve genommen. Mit den verbleibenden Fr. 1‘350.-- würde zusammen mit der Bezugsperson ein monatliches Budget erstellt. Die Ve rsicherte erkläre sich mit den Vor- schriften über die Haustierhaltung einverstanden. Bei Nichteinhaltung der Vereinbarungen müs- se der Hund ins Tierheim. 4.2.1 Im Antrag auf Hilflosenentschädigung vom 10. De zember 2012 machte die Versicherte eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend. A m 11. Dezember 2012 bestätigte Dr. C.____ – unter Verweis auf zwei Hospitalisationen im Kantonsspital X.____ vom 8. bis 27. Juni 2012 und vom 2. bis 10. Juli 2012 (Berichte vo m 29. Juni 2012 und 12. Juli 2012) so- wie einem stationären Aufenthalt in der Klinik Y.____ vom 10. Juli bis 30. August 2012 (Bericht vom 26. Juli 2012) –, dass es bei der Versicherten in d en letzten Monaten zu einer psychischen und somatischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen sei. Die Versicherte leide unter verstärkten lumboradikulären Schmerzen und es sei wiederholt zu depressiven Symptomen mit Angstzuständen gekommen. Aus diesem Grund sei die Versicherte in den letz- ten Monaten auf eine intensive Betreuung durch das Pe rsonal der Organisation B.____ ange- wiesen gewesen. So seien regelmässig mindestens einmal wö chentlich Kriseninterventionen erforderlich gewesen. Weiter sei die Versicherte auf Begleitung beim Einkaufen und bei Arztbe- suchen sowie auf Hilfe bei der Pflege sozialer Kontakte angewiesen gewesen. Einmal täglich erfolge die Einnahme einer Mahlzeit in der Organisat ion B.____. Auch bei der Erledigung der finanziellen Verpflichtungen sei die Versicherte auf Hilfe angewiesen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.2 Am 12. März 2013 hielt Dr. med. D.____, Facharz t für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, fest, d ass sich die im Bericht von Dr. C.____ vom 11. Dezember 2012 beschriebene Unterstützungsbedürftigkeit über weite Strecken mit den Angaben im Abklärungsbericht vom 26. April 2012 decken würde. Zwar seien eine vorüberge- hende somatische Verschlechterung und psychische Krisen aufget reten, während derer die Versicherte vermehrt Hilfe benötigt habe. Hinreichende Hinweise auf eine anhaltende Ver- schlechterung des Gesundheitszustandes würden aber nicht vorliegen. Ob die Versicherte nunmehr auch bei der Erledigung der finanziellen Verp flichtungen auf Hilfe angewiesen sei, müsse abgeklärt werden. 4.2.3 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens holte die IV- Stelle einen weiteren Bericht ihres Abklärungsdienstes ein. Die Abklärung wurde am 17. Dezemb er 2013 telefonisch mit der Be- treuerin der Versicherten durchgeführt. Gemäss Bericht vo m 18. Dezember 2013 ist die Versi- cherte in keiner allgemeinen Lebensverrichtungen regelm ässig in erheblicher Weise auf Hilfe Dritter angewiesen. Nach der zwischenzeitlich durchgeführten Operation hätten sich Gefühl und Kraft in den Händen erheblich verbessert. Die Versichert e könne sich heute selbstständig an- und ausziehen. Ebenso wechsle sie die Kleider selbständig und unaufgefordert. Auch beim Es- sen, der Körperpflege und bei der Verrichtung der Not durft bestünde keine Hilfsbedürftigkeit. Mittels Haltegriffen und einem Hocker könne die Versicher te selbstständig in die Badewanne steigen, duschen und die Haare waschen. Sie sei selbstständig mit dem Rollator unterwegs und pflege regelmässig Kontakt mit den Bewohnern der Organ isation B.____, Nachbarn und Ver- wandten. Die Versicherte benötige weiterhin Hilfe beim Richten der Medikamente. Sie verbringe täglich mehrere Stunden alleine in der Wohnung. Es b estünde keine Eigen- oder Fremdgefähr- dung. Insgesamt betrage der Aufwand für die Betreuung der Versicherten durch die Betreu- ungsperson der Organisation B.____ circa 40 Stunden pro Monat. Dieser Aufwand übersteige bei weitem das Ausmass, bei welchem noch von einem selbst ständigen Wohnen gesprochen werden könne. 5.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefo chtenen Verfügung vom 2. April 2014 vollumfänglich auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 12. März 2013 und die Abklärungsberichte vom 26. April 2012 und 18. Dezember 2 013. Sie ging in der Folge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten nicht dauernd verschlechtert habe und sich die im Bericht von Dr. C.____ vom 11. Dezember 201 2 beschriebene Unterstützungsbe- dürftigkeit über weite Strecken mit den Angaben im Ab klärungsbericht vom 26. April 2012 de- cken würde. Ausserdem ging sie davon aus, dass der Aufentha lt in der Organisation B.____ resp. in einer Aussenwohnung desselben als Wohnform mit Heimstatus zu qualifizieren sei, weshalb ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung entfa lle. Demgegenüber stellt sich die Be- schwerdeführerin auf den Standpunkt, dass der erste Abklär ungsbericht vom 26. April 2012 nicht in allen Teilen nachvollziehbar sei und derjenige vom 18. Dezember 2013 nicht vollständig ausgefüllt sei; zudem beruhe dieser Bericht weder auf e iner Abklärung vor Ort noch sei er in ihrem Beisein durchgeführt worden. Folglich seien beide Berichte nicht beweistauglich. Ihre Wohnung werde zwar von der Organisation B.____ angemie tet. Sie befinde sich aber in einer Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Liegenschaft, die ansonsten nicht im Einflussbereich der Organisation B.____ sei. Durch diese Wohnform werde ein Heimeintritt verhindert. 5.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin erf üllen die Abklärungsberichte vom 26. April 2012 und 18. Dezember 2013 alle von der R echtsprechung geforderten Vorausset- zungen (vgl. E. 3.5 hiervor). Unklarheiten über physische u nd psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen in der Alltagspraxis, die weitere Ab klärungen erfordern würden, sind keine ersichtlich. Weiter ist mit der IV-Stelle zu Recht davon auszugehen, dass sich der Gesundheits- zustand der Versicherten nach der Abklärung vor Ort am 4 . April 2012 nicht andauernd ver- schlechtert hatte und sich die im Bericht von Dr. C.____ vom 11. Dezember 2012 beschriebene Unterstützungsbedürftigkeit über weite Strecken mit den Angaben im Abklärungsbericht vom 26. April 2012 deckt. Auch wenn der Bericht vom 18. Deze mber 2013 nicht auf einer (erneuten) Abklärung vor Ort, sondern stattdessen auf einer telefon ischen Unterredung mit der Betreuerin der Beschwerdeführerin beruht, besteht mit Blick auf die bisherigen Abklärungen und vorliegen- den Akten kein Anlass, an den Angaben im Abklärungsber icht vom 13. Dezember 2015 zu zweifeln. Zunächst gibt der aktuelle Abklärungsbericht v om 18. Dezember 2013 die Angaben der Betreuerin der Beschwerdeführerin detailliert wi eder. Da diese mit der persönlichen und gesundheitlichen Lage der Beschwerdeführerin bestens ve rtraut ist, kann davon ausgegangen werden, dass sie die für die Hilfsbedürftigkeit massgebend en Umstände wahrheitsgetreu voll- ständig wiedergab. Schliesslich ist der Berichtstext plausib el ausgefallen; er gibt einen umfas- senden Eindruck über die im Alltag der Versicherten best ehenden, gesundheitlichen Probleme und deren Bewältigung. Eigentliche Widersprüche, die die Beweistauglichkeit des Berichts in Frage stellen könnten, sind entgegen der vorgebrachten A rgumentation der Beschwerdeführe- rin keine auszumachen. Soweit sie geltend macht, bei der Körperpflege eingeschränkt zu sein, ist ihr entgegenzuhalten, dass sie die Hilflosigkeit für diese Lebensverrichtung nicht hinreichend substantiierte und weder im Verwaltungsverfahren noch im Verfahren vor Kantonsgericht ent- sprechende aussagekräftige ärztliche Unterlagen einreich te, die eine benötigte erhebliche Hilfe Dritter hinreichend nachweisen würden. Mangels offensic htlicher Fehleinschätzungen stellen die Abklärungsberichte vom 26. April 2012 und 18. Dez ember 2013 zuverlässige Entscheid- grundlagen dar, weshalb ihnen volle Beweiskraft zukommt. Folglich ist davon auszugehen, dass die Versicherte im Zeitpunkt der Abklärung vom 17. Dezem ber 2013 in keiner alltäglichen Le- bensverrichtung auf Dritthilfe angewiesen ist. 5.3 Nach Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV ist die Hilflosigkeit zu bejahen, wenn die versicherte Per- son einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf (vgl. E. 3.2 hiervor). Praxisgemäss bezieht sich das Erford ernis der Pflege nicht auf die alltägli- chen Lebensverrichtungen. Es handelt sich vielmehr um ein e Art medizinischer oder pflegeri- scher Hilfeleistung, die infolge des physischen oder psychisch en Zustandes der versicherten Person notwendig ist (BGE 106 V 158). Eine Pflege kann aus verschiedenen Gründen aufwän- dig sein. Sie ist es nach einem quantitativen Kriteriu m, wenn sie einen grossen Zeitaufwand erfordert oder besonders hohe Kosten verursacht. In qu alitativer Hinsicht kann sie es sein, wenn die pflegerischen Verrichtungen unter erschwerend en Umständen zu erfolgen haben, so etwa, weil sich die Pflege besonders mühsam gestaltet oder die Hilfeleistung zu aussergewöhn- licher Zeit zu erbringen ist. Im Rahmen von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV ist ein qualifiziertes Mass an Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Betreuung, nämlich eine besonders aufwändige Pflege ver langt. Die in den Abklärungsberich- ten vom 26. April 2012 und 13. Dezember 2013 einzig angeführte Abgabe von Medikamenten erfüllt den Tatbestand von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV of fensichtlich nicht. Er wird denn auch zu Recht nicht geltend gemacht. 5.4.1 Die Beschwerdeführerin ist sodann der Ansicht, dass sie auf lebenspraktische Beglei- tung angewiesen sei. Dies wird von der IV-Stelle im Gru ndsatz zwar nicht bestritten. Sie beruft sich aber auf Art. 38 Abs. 1 IVV, wonach ein Bedarf a n lebenspraktischer Begleitung nur vor- liegt, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eine Heimes lebt. 5.4.2 Gemäss Art. 38 Abs. 1 IVV liegt ein Bedarf an le benspraktischer Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG vor, wenn eine volljährige versich erte Person ausserhalb eines Heims lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson nicht selb- ständig wohnen kann (lit. a), für Verrichtungen und K ontakte ausserhalb der Wohnung auf Be- gleitung einer Drittperson angewiesen ist (lit. b) oder ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Beglei- tung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Abs. 1 erwähnten Situationen erforder- lich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretung s- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen vormundschaftlicher Massnahmen nach Art. 398 bis 419 des Sch weizerischen Zivilgesetzbu- ches (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (Art. 38 Abs. 3 IVV). Nach der Rechtsprechung beinhaltet die lebenspraktische Begleitung weder die (direkte oder indirekte) "Dritthilfe bei den sechs all- täglichen Lebensverrichtungen" noch die Pflege oder Üb erwachung. Vielmehr stellt sie ein zu- sätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 466 E. 9). Ziel der lebensprakti- schen Begleitung ist es zu verhindern, dass Personen schwer v erwahrlosen und/oder in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müssen (KSIH , Rz. 8040), bzw. den Eintritt in eine stationäre Einrichtung nach Möglichkeit hinauszuschieben (B GE 133 V 461 E. 5). Sie ist not- wendig, damit der Alltag selbständig bewältigt werde n kann, und liegt vor, wenn die versicherte Person auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung, Unterstüt zung bei der Bewältigung von Alltagssi- tuationen oder Anleitung zur Erledigung des Haushalts a ngewiesen ist. Bei ausserhäuslichen Verrichtungen ist die lebenspraktische Begleitung notwen dig, damit die versicherte Person in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verricht ungen und Kontakte (Einkaufen, Frei- zeitaktivitäten, Kontakte mit Amtstellen oder Medizinal personen, Coiffeurbesuch, etc.) zu ver- lassen (KSIH Rz. 8050 f.; vgl. BGE 133 V 465 f. E. 8.2 .3). Für einen Anspruch auf lebensprakti- sche Begleitung ist nicht vorausgesetzt, dass die versicherte Person alleine wohnt. Abgesehen davon, dass sie ausserhalb eines Heims wohnen muss (Art. 3 8 Abs. 1 IVV), ist unerheblich, in welcher Umgebung sich die versicherte Person aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder Eltern zählen kann. Die Frage, ob ei ne entsprechende Hilfsbedürftigkeit be- steht, ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Pe rson, zu beurteilen (BGE 133 V 461 E. 5 mit Hinweisen). Nicht erforderlich ist sodann, dass die lebenspraktische Begleitung durch fachlich qualifiziertes oder speziell geschultes Betreuungsp ersonal erbracht wird (KSIH Rz. 8047). 5.4.3.1 Zu prüfen ist, ob die Versicherte im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG und Art. 38 Abs. 1 IVV in einem Heim lebt. Da die Heimdefinition gemäss Art. 35 ter IVV am 1. Januar 2015 und Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht damit nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2. Ap ril 2014 in Kraft getreten ist und das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Fall es grundsätzlich auf den bis zum Zeit- punkt des Erlasses der streitigen Verfügungen eingetre tenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 E. 1b), hat die Prüfung der streitige n Frage, ob vorliegend ein Heimstatus zu bejahen ist, nach den Kriterien gemäss KSIH zu erfolgen . Zwar richten sich Verwaltungswei- sungen, zu welchen auch das KSIH zählt, an die Durchfü hrungsstellen und sind für das Sozial- versicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksich- tigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend- baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugen de Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, R echnung getragen (vgl. BGE 133 V 257 ff. E. 3.2 mit Hinweisen). 5.4.3.2 Nach dem KSIH gilt als Heim jede kollektive Woh nform, die zur Betreuung und/oder Pflege, nicht jedoch zur Heilbehandlung, dient (KSIH , Rz 8005). Eine Wohngemeinschaft mit Heimstatus liegt dann vor, wenn die Wohngemeinschaft unt er der Verantwortung eines Trägers mit einer Leitung sowie allfällig angestelltem Persona l handelt und den Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur Wohnraum zur Miete zur Verfügung gestellt wird, sondern gegen Entgelt darüber hinaus ein weitergehendes Leistungsangebot w ie Verpflegung, Beratung, Betreuung, Pflege, Beschäftigung oder Integration – also solche D ienstleistungen, die in ihrer Art und ihrem Ausmass bei einem Aufenthalt in der eigenen Wohnung e ben nicht zur Verfügung stehen bzw. für deren Organisation die Betroffenen in der eigen en Wohnung selber verantwortlich wären. Auch eine besondere Atmosphäre im Sinne des familiär en Wohnens, Respektieren der Indivi- dualität der betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner sowie grösstmögliche Autonomie inner- halb und ausserhalb der Wohngemeinschaft ändern nichts daran, dass eine solche Wohnge- meinschaft als Heim zu betrachten ist. Massgebend ist, dass ei n für Heime typisches Spektrum an Leistungen erbracht wird, die in der eigenen Wohn ung oder in einer eigentlichen Wohnge- meinschaft nicht (dauernd) gewährleistet sind. Ein Heim liegt demnach vor, wenn eine Struktur vorgegeben ist (z.B.: Heimleitung, angestelltes Personal, etc.), die versicherte Person nicht ver- antwortlich für den Tagesablauf ist, eine Abhängigkeit und/oder ein Unterordnungsverhältnis besteht. Demgegenüber zeichnen sich Wohngemeinschaften o hne Heimstatus durch ihre Selbstorganisation und Eigenverantwortung aus. Im Si nne der Selbstorganisation liegt die Ent- scheidungsbefugnis für alle Aspekte der Organisation, Ve rwaltung und der Wohngemeinschaft in der Eigenverantwortung der betroffenen Bewohnerin nen und Bewohner. Diese regeln, wann und von wem Pflege sowie Betreuung bereitgestellt wi rd, wie Pflege und Betreuung strukturiert sein sollen. Sie regeln die Nachfolge ausscheidender P ersonen und damit, mit wem die Woh- nung geteilt wird, wer diese sauber hält, etc. Wird d ie Wohnung durch eine Trägerschaft zur Verfügung gestellt, welche die Verantwortung für den Betrieb der Wohngemeinschaft über- nimmt, liegt keine Selbstorganisation vor. Diesfalls kann nicht mehr von einer selbstständigen und unabhängigen Gruppe ausgegangen werden, die in allen das Zusammenleben betreffen- den Fragen eigenverantwortlich entscheidet und autono m über ihre Betreuung und die damit zusammenhängenden Fragen bestimmt. Kein Heim liegt u. a. vor, wenn die versicherte Person ihr benötigtes Leistungspaket bezüglich Pflege und Betr euung (Grundpflege und Behandlungs- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht pflege jedoch nicht Überwachung) selbst einkaufen kann ; dies ist dann der Fall, wenn sie bei- spielsweise das leistungserbringende Personal selbst anstellen und entlassen kann, die Selbst- verantwortung und Selbstverwaltung der behinderten Bewohnerinnen und Bewohner soweit wie möglich gewährleistet ist, die versicherte Person die Wo hnverhältnisse selbst wählen (Woh- nungsmiete oder Hauskauf, sowie Einrichten) und gestalten kann (KSIH, Rz. 8005 ff.). 5.4.4 Im Rahmen der amtlichen Erkundigung durch das Ka ntonsgericht hielt die Leitung der Organisation B.____ am 11. Februar 2015 fest, dass die Organisation B.____ als Teil des VSP- Wohnverbundes oberes Baselbiet den Nutzerinnen und Nutze rn der Wohnexternate I oberes Baselbiet als Anlaufstelle in Krisensituationen und na ch Bedarf zur Medikamentenabgabe die- ne. Es könne vereinbart werden, dass ein Teil der Mahlzei ten in der betriebseigenen Kantine eingenommen werden. Es sei jedoch keine der Dienstleistu ngen zwingend in der Organisation B.____ zu beziehen. Mit der Versicherten sei der Bezug gewisser Dienstleistungen individuell vereinbart worden. Die Wohnbegleitung orientiere sich nach einem Konzept und werde den Bedürfnissen der Versicherten angepasst. So werde sie dur chschnittlich einmal die Woche in ihrer Wohnung besucht. Den Nacht-Pikettdienst habe sie bisher kaum beansprucht. Das Team der Wohnexternate stehe regelmässig in telefonischem und persönlichem Kontakt mit der Ver- sicherten; für einzelne Leistungen habe die Versicherte d ie Spitex der Gemeinde Z.____ enga- giert. Die Einnahme der Mahlzeiten im Stammhaus sei n icht Bestandteil des Betreuungskon- zepts der Wohnexternate. Die Versicherte könne eigenver antwortlich und selbstbestimmt ent- scheiden, wo und wann sie ihre Mahlzeiten einnehmen möch te. Verrechnet würden nur die tat- sächlich eingenommenen Mahlzeiten. Das Betriebskonzept f ür die Leistung der Wohnbeglei- tung für Externe gelte für alle Leistungsbezüger. De r Bedarf werde regelmässig besprochen und in der Regel mündlich vereinbart. Die Versicherte sei nicht verpflichtet, die Dienstleistungen der Organisation B.____ zu beziehen; sie könne auch auf das Dienstleistungsangebot verzich- ten resp. externe Dienst- und Betreuungsleistungen nutz en. Die aktuell beanspruchten Betreu- ungsleistungen würden nicht von der Organisation B.____ , sondern von den Wohnexternaten I oberes Baselbiet erbracht. Die Versicherte gestalte ih ren Tagesablauf grundsätzlich selbst. Wenn sie die Mahlzeiten in der betriebseigenen Kantine einnehmen möchte, sei sie – wie jeder andere Gast auch – an Zeitfenster gebunden. Ansonsten würden die Termine mit der Wohnbe- gleitung vorgängig und individuell vereinbart. Weiter würden die Randzeiten (Morgen und Abend und allenfalls die Wochenenden) keinem vorgegeben en Ablauf folgen. Die Versicherte gestalte die Randzeiten und die Wochenenden selber. Sc hliesslich entrichte die Versicherte keine pauschale Entschädigung für Pflege- und Betreuung sleistungen. Vielmehr würden die effektiv beanspruchten Begleitstunden abgerechnet. Zus ätzliche Dienstleistungen wie bei- spielsweise die Mahlzeiten oder die Wohnungsmiete würden separat in Rechnung gestellt. 5.4.5 Die Gesamtwürdigung der vorliegenden Unterlage n ergibt, dass die Wohnform der Versicherten als Heim im Sinne von Art. 42 Abs. 3 IVG un d Art. 38 Abs. 1 IVV zu qualifizieren ist. Zunächst ist die Organisation B.____ eine vom Kant on Basel-Landschaft nach dem Bun- desgesetz über die Institutionen zur Förderung der Ei ngliederung von invaliden Personen (IFEG) vom 6. Oktober 2006 anerkannte Einrichtung (vgl. Bedarfsplanung 2014 bis 2016 der Leistungsangebote der Institutionen für Erwachsene mit Behinderung in den Kantonen Basel- Landschaft und Basel-Stadt). Die Wohnung der Beschwerde führerin gehört zu den Wohnexter- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht naten I oberes Baselbiet, die in der Liste als „andere Institution und Leistungen“ aufgenommen sind. Die Wohnung der Versicherten befindet sich in unmi ttelbarer Nähe zur Organisation B.____. Sie wurde an die Versicherte untervermietet. Nach dem anwendbaren Betriebskonzept der Wohnexternate I oberes Baselbiet stehen die Wohnun gen in der Regel den ehemaligen Nutzerinnen und Nutzern der Organisation B.____ I un d II zur Verfügung. Gefordert werden minimale Wohnkompetenzen und die Bereitschaft, sich an A bmachungen in Bezug auf die Me- dikamentenabgabe und die Verwaltung des Geldes zu halte n. Die Bewohnerinnen und Bewoh- ner werden betreut, wobei die Betreuung in der Rege l zwei Besuche pro Woche in der Woh- nung beinhaltet. Die Erreichbarkeit des Personals ist rund um die Uhr sichergestellt. Angeboten werden täglicher Kontakt, Medikamentenabgabe, Mithilfe bei der Geldverwaltung, Anleitung und Mithilfe bei der Reinigung der Wohnung um beim Einka ufen, Begleitung in Krisen in enger Zu- sammenarbeit mit Ämtern und Behörden, Unterstützung bei der Arbeitssuche oder der Möglich- keit einer adäquaten Beschäftigung, Unterstützung bei d er Suche nach einer nächsten Wohn- form, Erhalten von noch vorhandenen Kontakten, Erhaltun g und Förderung sozialer Kompeten- zen, Erarbeiten von Perspektiven in der Lebensgestaltung , Auseinandersetzung mit der eige- nen Rolle innerhalb der Gruppe, Animation zur sinnvo llen Freizeitgestaltung und persönlichen Bindung, Teilnahme am Angebot der Organisation B.___ _ I und II und Sicherstellung einer an- gemessenen medizinischen Versorgung. Es besteht freie Wahl von Arzt und Therapie. Gemäss Anhang 1 zur Leistungsvereinbarung beinhaltet die Woh nbegleitung für Externe die Begleitung beim individuellen Wohnen in der eigenen Wohnung inkl . Wohntraining, Kooperation und Coaching mit den individuell beteiligten Personen dur ch Bezugspersonen, eine Anlaufstelle im Stammhaus, die Unterstützung in der Suche und Gewinn ung eines externen Angebots zur Ta- gesstruktur. 5.4.6 Auch wenn die Versicherte alleine in ihrer eige nen Wohnung lebt und ihren Alltag grösstenteils selbstständig bewältigt, kann mit Blick auf di e Betreuungsintensität und das Be- treuungsangebot nicht von einem selbstständigen Wohnen ausgegangen werden. Der Versi- cherten wird nicht nur Wohnraum zur Miete zur Verfügun g gestellt, sondern darüber hinaus ge- gen Entgelt ein weitergehendes Leistungsangebot wie V erpflegung, Beratung, Betreuung, Pfle- ge, Beschäftigung oder Integration. Die Wohnbegleitun g orientiert sich vorliegend nach einem Konzept und wird den Bedürfnissen der Versicherten ange passt und der Bezug von Dienstleis- tungen individuell vereinbart. Das Team der Wohnexterna te steht regelmässig in telefonischem und persönlichem Kontakt mit der Versicherten und die Er reichbarkeit des Personals ist rund um die Uhr sichergestellt. Auch wenn der Versicherten gr össtmögliche Autonomie innerhalb und ausserhalb der Wohngemeinschaft gewährt wird und si e nicht gehalten ist, alle angebote- nen Dienstleistungen der Organisation B.____ resp. vom Wohnexternat I oberes Baselbiet zu beziehen, sondern – mit Einschränkungen (vgl. die Verpf lichtungen der Versicherten gemäss Begleitvertrag vom 7./9. November 2009; E. 4.1.2 hiervo r) – weitgehend eigenverantwortlich und selbstbestimmt entscheiden kann, bei wem sie welche Dienstleistungen beziehen und ihren Tagesablauf gestalten will, ändert dies nichts daran, d ass sie in das Betreuungsangebot der Wohnexternate eingebettet ist und vom angestellten Per sonal engmaschig betreut und beraten wird. So kann sie unkompliziert und nach Bedarf auf Dienstleistungen zurückgreifen, die in ihrer Art und ihrem Ausmass bei einem Aufenthalt in der eigenen Wohnung eben nicht zur Verfügung stehen bzw. für deren Organisation die Versicherte in d er eigenen Wohnung selber verantwort- Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht lich wäre. Weiter bedarf die Versicherte täglich Hilfe und Kontrolle beim Richten und der Ein- nahme der Medikamente. Zudem nimmt die Versicherte das Mittagsessen täglich in der Organi- sation B.____ ein, wobei vor, nach und während des Essens Termine und die Tagesabläufe, Alltagsprobleme, Korrespondenzen und Fragen zur Gesun dheit und Hygiene besprochen wer- den. Auch die anfallenden Hausarbeiten werden bespro chen. Die Versicherte wird zudem zwei bis drei Mal die Woche zur Therapie zum Arzt begleitet u nd ist für den wöchentlichen Grossein- kauf auf Hilfe angewiesen. Insgesamt beträgt der Betr euungsaufwand gemäss Abklärungsbe- richt vom 18. Dezember 2013 circa 40 Stunden pro Monat. Bei diesem Aufwand ist eine gewis- se Abhängigkeit der Versicherten vom Betreuungspersonal der Wohnexternate zu bejahen. Bei diesem Betreuungsangebot und dem ausgewiesenen Betreuu ngsaufwand kann daher nicht mehr von einem selbstständigen Wohnen gesprochen werden. Selbst wenn die Versicherte allein in einer Wohnung lebt, ist diese Wohnform mit dem Begriff des Heims im Sinne von Art. 38 Abs. 1 IVV gleichzusetzen. Demnach besteht auch u nter dem Titel der lebensprakti- schen Begleitung kein Anspruch auf Hilflosenentschädigung. 6. Nach dem Gesagten erweist sich der anspruchsverneinende Entscheid als zutreffend, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 7.1 Es bleibt der Entscheid über die Verfahrenskosten. G emäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltung sprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei aufer- legt. Entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Verfah- renskosten zu tragen. Da ihr mit Verfügung vom 26. Mai 2014 die unentgeltliche Prozessfüh- rung bewilligt wurde, gehen die Verfahrenskosten in d er Höhe von Fr. 600.-- zu Lasten der Ge- richtskasse. 7.2.1 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat nur die obsiegend e Beschwerde führende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts rechtfertigt es sich indessen, bei einer Verletzung des rechtlichen Ge hörs durch die Verwaltung mit an- schliessender Heilung der Gehörsverletzung im gerichtlichen Verfahren, diesem Umstand durch Zusprache einer Parteientschädigung Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Februar 2008, 9C_127/2007, und vom 8. November 2 006, I 718/05, E. 5.2). Es ist deshalb aufgrund der in Erwägung 2 hiervor festgestellten Ve rletzung des rechtlichen Gehörs ange- bracht – trotz Unterliegen der Versicherten – die IV-St elle zu verpflichten, der Beschwerdeführe- rin eine reduzierte Parteientschädigung von pauschal sech s Stunden zu bezahlen, wobei ein Stundenansatz von Fr. 250.-- zur Anwendung kommt. Di e Rechtsvertreterin der Versicherten weist in ihrer Honorarnote vom 26. Mai 2015 für das vorliegende Beschwerdeverfahren einen Zeitaufwand von 15,833 Stunden und Auslagen von Fr. 290.50 aus. Zu beachten ist, dass vor- prozessualer Aufwand (Positionen vom 28. März 2014: 30 Minuten und Auslagen von Fr. 7.--) praxisgemäss nicht berücksichtigt werden kann. Folglich bleib t ein Aufwand von 15,333 Stun- den und Auslagen von Fr. 283.50 zu entschädigen. Der B eschwerdeführerin wird nach dem Gesagten für das vorliegende Beschwerdeverfahren eine r eduzierte Parteientschädigung von Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 1‘739.80 (6 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 110.95 [39,13% von Fr. 283.50] zu- züglich 8% MwSt) zu Lasten der IV-Stelle zugesprochen. 7.2.2 Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen. Da der Beschwerde- führerin ebenfalls mit Verfügung vom 26. Mai 2014 di e unentgeltliche Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin bewilligt wurde, ist diese für den verbleibenden Aufwand aus der Gerichtskas- se zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung fü r die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltl icher Verbeiständung Fr. 200.-- pro Stunde. Damit ist der Rechtsvertreterin der Beschwerde führerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘202.30 (9.333 Stunden à Fr. 200.-- und Auslage n von Fr. 172.55 zuzüglich 8% MwSt) aus der Gerichtskasse auszurichten. 7.3 Die Beschwerdeführerin wird ausdrücklich auf § 53a Ab s. 1 des Gesetzes über die Or- ganisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 auf merksam gemacht, wonach eine Par- tei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurd e, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- we rden der Be- schwerdeführerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 1‘739.80 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 4. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten w ettgeschlagen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘202.30 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) aus der Gerichts- kasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht