B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-1592/2013 U r t e i l v o m 2 3 . O k t o b e r 2 0 1 3 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter François Badoud, Richter Daniel Willisegger, Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. Parteien A._______, Äthiopien, c/o Schweizerische Vertretung in Khartum/Sudan, Beschwerdeführer gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Ver- fügung des BFM vom 15. Oktober 2012 / N (…). E-1592/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. Mit englischsprachiger, nicht unterzeichneter Eingabe ("Questionnaire for Asylum Procedure"), die am 28. März 2011 bei der Botschaft einging, wandte sich der Beschwerdeführer an die Schweiz erische Botschaft in Khartum, Sudan, und ersuchte um Asyl in der Schweiz. Er machte dabei im Wesentlichen geltend, er sei in Äthiopien aus polit i- schen Gründen im B._______ Gefängnis inhaftiert gewesen. Am 20/5/2002 (äthiopische Zeitrechnung) sei er aus dem Gefängnis geflohen und habe sich in den Sudan begeben, um Asyl zu erhalten. Dieser Eingabe wurde die Kopie eines fremdsprachigen Ausweises be i- gelegt. B. Mit Schreiben vom 30. Juli 2012 setzte das BFM den Beschwerdeführer darüber in Kenntnis, dass die Schweizerische Botschaft in Khartum aus Kapazitätsgründen keine Befragung durchführen könne, weswegen ihn das Bundesamt – unter Hinweis auf seine Pflicht, bei der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) – auffordere, sein Gesuch mit einer schriftlichen Stel- lungnahme zu ergänzen. C. Der Beschwerdeführer ergänzte seine bisher geltend gemachten Vorbrin- gen mit einer eigenhändig unterzeichneten, englischsprachigen Eingabe, welche am 23. August 2012 bei der Botschaft einging. Als Beilage reichte er einen von der sudanesischen Regierung und dem United Nations High Commissioner for Refugees ( UNHCR) ausgestellten Flüchtlingsausweis (in laminierter Kopieform) sowie zwei weitere, fremdsprachige Ausweis e (in Kopie) zu den Akten. Ergänzend machte er insbesondere geltend, er stamme aus C._______, Äthiopien und habe zuletzt auch dort gewohnt. Von 2003 bis 2004 habe er an einem College studiert. Er sei verheiratet. Seine Ehefrau und sein Kind lebten nach wie vor in C._______. Er habe weder in der Schweiz noch in einem anderen Drittland Verwandte. Er sei in Äthiopien Mitglied der Coalition for Unity and Democracy ( CUD) gewesen. Er sei wegen seiner politischen Tätigkeit gefoltert, entführt u nd festgenommen worden. Er sei v om 2. Juni 2005 bis zum 28. April 2010 wegen seiner Mitglie d-E-1592/2013 Seite 3 schaft bei der CUD inhaftiert gewesen. Nach seiner Flucht aus dem G e- fängnis am 28. April 2010 habe er sich nach Addis Abeba begeben. Er habe Äthiopien illegal verla ssen. Er sei vom Commissioner for Refugee (COR) respektive vom UNHCR dem Flüchtlingscamp in Shegerab zug e- wiesen worden, wo er sich vom (…) Juli 2010 bis zum (…) November 2011 aufgehalten habe. Dieser Lageraufenthalt habe für ihn keine daue r- hafte Lösung dar gestellt, weshalb er das Lager verlassen und sich nach Khartum begeben habe. In Khartum lebe er bei einem engen Freund und sei völlig abhängig von fremder Unterstützung. Er könne sich im Sudan nicht frei bewegen und habe kein Recht, arbeiten zu gehen. Er b efürchte, aufgrund des Auslieferungsabkommens zwischen Äthiopien und Sudan deportiert zu werden und könne sich deshalb nicht länger im Sudan au f- halten. D. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2012 – eröffnet am 1 0. Februar 2013 – verweigerte das BFM dem Beschwerdef ührer die Einreise in die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. Das Bundesamt begründete die Verweigerung der Einreise in die Schweiz und die Ablehnung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers im Wesentlichen damit, es könne aufgrund des vollständig erstell ten Sach- verhalts davon ausgegangen werden, dass keine unmittel bare Gefäh r- dung vor liege, die seine Einreise in die Schweiz notwendig erscheinen lasse. Zwar würden die Schilderungen des Beschwerdeführers darauf schliessen lassen, dass er ernstzunehmende Sch wierigkeiten mit den äthiopischen Behörden habe. Es sei daher zu prüfen, ob einer Asylg e- währung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe, wonach einer Person das Asyl verweigert werden könne, wenn ihr zugemutet werde n könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Der Beschwerdeführer sei eigenen Angaben zufolge vom UNHCR als Flüchtling anerkannt und registriert worden. Vo n Ende Juli 2010 bis November 2011 habe er sich im Flüchtlingslager Sh e- gerab aufgehal ten. Laut Berichten des UNHCR würden sich zahlreiche äthiopische und eritreische Flüchtlinge im Sudan aufhalten. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verkennen, dass die Lage vor Ort für diese Men- schen, wie auch für den Beschwerdeführer, nicht einfach sei. Dennoch würden keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme bestehen, dass ein weiterer Verbleib des Beschwerdeführers im Sudan nicht zumutbar oder möglich wäre. Flüchtlinge im Sudan, die vom UNHCR registriert worden seien, seien einem Flüchtlingslager zu geteilt worden, wo sie sich E-1592/2013 Seite 4 aufhalten könnten und die nötige Versorgung erhalten würden. Der B e- schwerdeführer verfüge nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land. Es sei ih m aber zumutbar, wieder in das ihm zugewiesene Flüchtlingslager zurückzukehren, sollte seine Situation tatsächlich kritisch sein. Die Befürchtung des Beschwerdeführers, nach Äthiopien ve r- schleppt zu werden, sei unbegründet. Aufgrund der aktuellen Lage sei keine akute Gefährdung ersichtlich. Zudem lebe der Beschwerdeführer seit mehr als zwei Jahren ohne Kontakt zu den äthiopischen Behörden und halte sich unbehelligt im Sudan auf. Gemäss gesicherten Erkenntnis- sen sei das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Äthiopier, die im Sudan vom COR oder UNHCR als Flüchtlinge a ufgenommen seien, gering. Somit drohe dem Beschwerdeführer kaum Deportationsgefahr. Zudem könne dieser beim UNHCR Schutz beantragen. Das Leben in Khartum sei für äthiopische Flüchtlinge nicht einfach. Ange- sichts seines l angjährigen Aufenthalts im Sudan kö nne jedoch davon ausgegangen werden, dass die Hürden für e ine zumutbare Existenz in Khartum nicht unüberwindbar seien. Die schwierige Lebens situation r e- spektive humanitäre Überlegungen stellten keinen Grund für eine Einre i- sebewilligung dar. Im Sudan lebe eine grosse äthiopische Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weitgehend Unterstützung biete. Zudem weise der Beschwerdeführer keine besondere Beziehung s- nähe zur Schweiz auf. Er bedürfe de s zusätzlichen subsidiären Schutzes der Schweiz nicht und es sei ihm zumutbar, im Sudan zu verbleiben. E. Das BFM leitete eine vom Beschwerdeführer unterzeichnete, englisch- sprachige Eingabe vom 27. Februar 2013 (Eingang bei der Botschaft in Khartum am 3. März 2013) an das Bundesverwaltungsgericht weit er, mit welcher dieser gegen den vorinstanzlichen Entscheid beim Gericht B e- schwerde erhob und sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des BFM sowie die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Asylgewährung beantragte. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er sei im Heimatland politisch verfolgt worden. Weil er die CUD unterstützt h a- be, sei er fünf Jahre lang inhaftiert und dabei befragt und gefoltert wo r- den. Er habe Menschenrechtsverletzungen erlitten, habe insbesondere keinen Zugang zu Bildung und Arbeit erhalten. Er werde in Äthiopien wei- terhin gesucht; kürzlich sei seine Ehefrau seinetwegen festgenommen und nach seinem Aufenthaltsort verhört worden. Im Flüchtlingslager She-E-1592/2013 Seite 5 gerab habe er auch in Unsicherheit gelebt, nachdem es dort zu Entfüh- rungen gekommen sei und Personen verschwunden seien. Zudem sei im Flüchtlingscamp keine zureichende Versorgung vorhanden. Im Weiteren befürchte er, aufgrund des Auslieferungsabkommens zwischen Äthiopien und Sudan deportiert zu werden, nachdem dies in der Vergangenheit e i- nigen äthiopischen Flüchtlingen widerfahren sei und diese beiden Staaten bei der Suche nach politisch Oppositionellen zusammenarbeiten würden. Er sei im Sudan nicht vom COR als Flüchtling anerkannt worden und sei auch kein UNHC R-Mandatsflüchtling. CUD -Mitglieder seien wiederholt verhaftet worden. In Khartum könne er keiner Arbeit nachgehen. Am 24. September 2012 sei er von zwei ihm unbekannten Männern verhaftet und zum Verlassen des Landes aufgefordert worden. Zur Stützung seiner Beschwerdevorbringen reichte der Beschwerdeführer vier englischsprachige Dokumente in Kopie ("UNHCR concern at refugee kidnappings, disappearances in eastern Sudan" vom 25. Januar 2013; Sudan Tribune: "Sudan accused of fresh crackdown on Ethiopian opp o- nents" vom 26. Februar 2012 und "Opposition criticises Ethiopia -Sudan extradition agreement" vom 22. Mai 2012 sowie "German Federal Parli a- ment; The Parliamentary Faction Alliance 90/The Greens : Human Rights Violations in Ethiopia" vom 27. Oktober 2011) zu den Akten. F. In der Vernehmlassung vom 23. April 2013 beantragt e das BFM die A b- weisung der Beschwerde. Ergänzend führte das Bundesamt aus, der B e- schwerdeführer habe wegen seiner früheren Aktivitäten für die CUD keine gezielte Verfolgung respektive Deportation nach Äthiopien zu befürchten. Er sei vom UNHCR als Flüchtling registriert und könne daher auf de ssen Schutz zählen, sollte er beispielsweise nach einer Razzia Gefahr laufen, deportiert zu werden. Es sei bekannt, dass der Sudan Äthiopier in ihr Heimatland deportiere, doch handle es sich hauptsächlich um illegal a n- sässige Ausländer. Auch durch das "Extradition Agreement" vom 17. Mai 2012 lasse sich keine erhöhte Deportationsgefahr für den Beschwerd e- führer vermuten, denn die CUD, für die dieser aktiv gewesen sei, sei heu- te eine legale Partei. G. Mit Instruktionsverfügung vom 30. April 2013 wurde dem Beschwerdefüh- rer die Möglichkeit eingeräumt, innert 20 Tagen ab Erhalt der Verfügung eine Replikeingabe einzureichen. E-1592/2013 Seite 6 Gemäss Empfangsbescheinigung hat der Beschwerdeführer am 26. Mai 2013 bestätigt, diese Instruktionsverfügung erhalten zu haben. Bis zum heutigen Urteilsdatum hat der Beschwerdeführer auf die Einreichung e i- ner Replikeingabe verzichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört z u den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver - waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht einge reicht (vgl. Art. 21 VwVG letzter Teilsatz). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung beso n- ders berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung b e- ziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. 1.3 Die Beschwerde ist in englischer Sprache und somit nicht in einer Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann indessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss ve r- zichtet werden, da der Eingabe des Beschwerdeführers genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind und ohne Weiteres – die zu beurteilende Sachlage ist rechtsge - nüglich erstellt – darüber befunden werden kann. 1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). E-1592/2013 Seite 7 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. Mit der Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 – von der Bundesversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft getreten – ist die Möglichkeit der Einreichung eines Asylgesuches aus dem Ausland weggefallen (vgl. AS 2012 5359). Das vorliegende Ur- teil, welches ein Asylgesuch aus dem Ausland nach altem Recht zum Gegenstand hat, ergeht daher gestützt auf die Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012, wonach für Asylgesuche, die im Aus- land vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung des Gesetzes gelten. Wird demnach im vorliegenden Beschwerdeverfahren auf das AsylG oder Verordnungstexte verwiesen, bezieht sich dies stets auf die bisherige Fassung der entsprechenden Be- stimmungen. 4. 4.1 Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei ei - ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Be - richt an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 A sylG). Die schweizeri- sche Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Be- fragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asy l- gründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Die schwei - zerische Vertretung überweist dem Bundesamt das Befragungsprotokoll oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienliche Unter la- gen und einen ergänzenden Bericht, der ihre Beurteilung des Asylg e- suchs enthält (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1). 4.2 Vorliegend sah sich die Botschaft in Khartum nicht in der Lage, eine persönliche Anhörung des Beschwerdeführers durchzuführen. Das BFM begründete diesen Verzicht in der Verfügung vom 15. Oktober 2012 mit dem begrenzten Personalbestand der Botschaft sowie den fehlenden E-1592/2013 Seite 8 Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich. Das Bundesamt ersuchte den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 30. Jul i 2012 um Einreichung einer ergänzenden Stellungnahme zwecks Vervol l- ständigung des rechtserheblichen Sachverhaltes. Der Beschwerdeführer nahm in der Folge mit Eingabe vom 23. August 2012 (Eingang bei der Botschaft in Khartum) ausführlich zu den gestellten Fragen Stellung und machte persönliche, auf ihn konkret bezogene Angaben. Vorliegend e r- hielt der Beschwerdeführer somit rechtsgenügend Gelegenheit, seine Asylgründe darzulegen und bei der Erhebung und Ergänzung des mas s- gebenden Sachverhalts mitzuwirken. Die Schweizerische Botschaft verzichtete darauf, in einem ergänzenden Bericht ihre Beurteilung des Asylgesuchs darzulegen, und überwies die Unterlagen dem BFM ohne Kommentar. 5. Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Nach Art. 20 Abs. 2 AsylG be- willigt das Bundesamt einer asylsuchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihr nicht zugemutet wer- den kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein ande- res Land auszureisen (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.2; BVGE 2011/10 E. 3). Bei diesem Entscheid sind die Vorauss etzungen zur Erteilung einer Ei n- reisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei den B e- hörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Personen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei- zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130; 2004 Nr. 20 E. 3.b ), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet we r- den kann (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3, mit weiteren Hinweisen). Hält sich eine asylsuchende Person bereits in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon auszugehen, die betreffende Pe r- son habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzunehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl in Bezug auf die E-1592/2013 Seite 9 Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch auf die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu prü - fen, ob di e asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung g e- funden hat oder erlangen kann, was in der Regel zur Ablehnung des Asyl- gesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führt. In jedem Fall sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtna hme in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit einer all - fälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Bei dieser Abwägung bildet die besondere Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz ein zentrales, wenn auch nicht das einzige Kriterium (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, mit weiteren Hinweisen). Zu berücksichtigen sind ausse r- dem die Beziehungsnähe zum Drittstaat (oder zu anderen Staaten) sowie die voraussichtlichen Eingliederungs - und Assimilationsmöglichkeiten in der Schweiz beziehungsweise im Drittstaat (oder in anderen Staaten). A l- lein die Tatsache, dass die asylsuchende Person keine besondere Bezi e- hungsnähe zur Schweiz hat, ist deshalb für die Ablehnung des Asylges u- ches nicht ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2.f S. 131 f.). Hält sich die asylsuchende Person in einem Drittstaat auf, ist die Einreise in die Schweiz beispielsweise zu bewilligen, wenn der Drittstaat keine hin- reichende Gewähr für ein ordentliches Asylverfahren bietet und eine A b- schiebung in den Heima tstaat nicht ausgeschlossen erscheint, auch wenn eine Beziehungsnähe der asylsuchenden Person zur Schweiz fehlt (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt der Umstand, dass eine Beziehungsnähe zur Schweiz namentlich aufgrund von hier ansässigen nahen Familienangehörigen gegeben ist, nicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung, wenn aufgrund einer Abwägung mit anderen Kriterien der Verbleib im Drittstaat objektiv als zumutbar zu erachten ist. 6. 6.1 Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach eingehender Prüfung der Akten in Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass die geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers nicht a priori unglaubhaft erscheinen und darauf schliessen lassen, dass er in seinem Heimatstaat Äthiopien ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den heimat- lichen Behörden gehabt hat. Ob er bei einer allfälligen Rückkehr nach Äthiopien einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung ausgesetzt sein könnte, kann vorliegend dennoch offengelassen werden, da er den zusätzlichen Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht benö- tigt, weil es ihm – wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird – trotz der E-1592/2013 Seite 10 zugestandenermassen nicht einfachen Bedingungen für äthiopische Flüchtlinge im Sudan zuzumuten ist, im Zufluchtsland Sudan zu verble i- ben. 6.2 Der Beschwerdeführer befindet sich eigenen Angaben zufolge seit Ende Juli 2010 im Sudan (Ende Juli 2010 bis November 2011 im Flüch t- lingslager Shegerab, seither Aufenthalt in Khartum). Aufgrund der Ang a- ben in seinem schriftlichen Asylgesuch, seinen ergänzenden Ausführu n- gen vom 23. August 2012 und des eingereichten Flüchtlingsausweises ist davon auszugehen, dass er durch das UNHCR im Sudan als Flüchtling registriert worden ist. Folglich verfügt er über die erforderliche temporäre Bewilligung, um sich im Sudan aufhalten zu können, und geniesst wei t- gehend Schutz vor einer Abschiebung in sein Heimatland Äthi opien. Mit diesem Schutz ist allerdings nicht ein freies Aufenthaltsrecht für das ga n- ze Land verbunden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der B e- schwerdeführer im Sudan Schutz gefunden und die Möglichkeit hat, sich in das ihm zugewiesene Flüchtlingslager Shegerab zurückzugeben, s o- fern er einen weiteren Aufenthalt in der Region Khartum nicht mehr in Be- tracht zieht. 6.3 6.3.1 Die Situation für Flüchtlinge im Sudan ist – wie schon das BFM festgehalten hat – nicht einfach. Sudan verfolgt eine sogenannte "e n- campment policy", wonach As ylsuchende und Flüchtlinge gehalten sind, sich in einem der zwölf Flüchtlingslager aufzuhalten. Die sudanesischen Behörden beschränken die Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge durch di e- se "encampment policy" und durch die gesetzlich vorgeseh ene Bestr a- fung von Flüchtlingen, welche die Flüchtlingslager verlassen. Trotz dieser Einschränkung leben – gemäss Schätzungen des UNHCR vom Nove m- ber 2010 – rund 40'000 Flüchtlinge in Khartum. Die sudanesischen B e- hörden haben bisher keine einheitliche Praxi s entwickelt, wie sie mit di e- sen städtischen Flüchtlingen umgehen. Das UNHCR rechnet fürs Jahr 2013 im Sudan mit 5'000 Flüchtlingen und 3'300 Asylsuchenden aus Äthiopien (zum Vergleich: UNHCR rechnet mit 115'000 Flüchtlingen und 2'600 Asylsuchenden aus Eri trea; vgl zum Ganzen ausführlich Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E -3273/2013 vom 22. Juli 2013, E. 7.2, m.w.H.). 6.3.2 Was die Gefahr einer Deportation betrifft, ist die Einschätzung des BFM, eine solche könne vorliegend verneint werden, zu bestätigen. Zwar E-1592/2013 Seite 11 sind in der Tat verschiedentlich Berichte von Deportationen äthiopischer Flüchtlinge bekannt geworden, und es kann angesichts der guten Bezi e- hungen zwischen dem Sudan und Äthiopien nicht generell ausgeschlo s- sen werden, dass Deportationen von Äthiopiern in ihr Heimatland stattfin- den (vgl. auch hierzu Urteil E -3273/2013 vom 22. Juli 2013, E. 7.3, m.w.H.). Indessen bestehen keine konkreten Anhaltpunkte dafür, dass solche D e- portationen systematisch oder grossflächig durchgeführt würden. Im S u- dan als Flüchtlinge registrierte beziehungsweise anerkannte Flüchtlinge werden in der Regel nicht in ihr Heimatland zurückgeführt. Verhaftungen von in Khartum lebenden Flüchtlinge kommen zwar vor. Diese Festna h- men erfolgen jedoch, nachdem sich diese Flüchtlinge ge mäss sudanesi- schem Gesetz in den Flüchtlingslagern aufzuhalten haben und sich ihr dortiges Aufenthaltsrecht nicht aufs ganze Land, namentlich nicht auf den Grossraum Khartum, erstreckt. Das im Mai 2012 von Sudan und Äthiopien unterzeichnete Abkommen "Ethiopia-Sudan Extradition Agreement" regelt sodann den Austausch von Gefangenen, damit den Gesuchten verunmöglicht wird, sich im j e- weils anderen Staat zu verstecken. Den heute verfügbaren Quellen sind keine Informationen zu entnehmen, wonach basierend auf dies em A b- kommen äthiopische Flüchtlinge aus dem Sudan deportiert würden (vgl. Urteil E-3273/2013 vom 22. Juli 2013, E. 7.3, m.w.H.). 6.3.3 Es liegen nach dem Gesagten keine Informationen vor, die darauf schliessen liessen, dass die sudanesische Behörden in der jüng eren Ver- gangenheit flächendeckende oder systematische Deportationen von äth i- opischen Flüchtlingen aus den Flüchtlingslagern nach Äthiopien vorg e- nommen hätten oder solche konkret für die Zukunft in Betracht ziehen würden. 6.4 Der Beschwerdeführer muss auch ang esichts seiner Mitgliedschaft bei der CUD nicht mit einem erhöhten Deportationsrisiko rechnen. Die CUD ist beim National Electoral Board (NEBE) in Äthiopien registriert und somit eine legale Partei (vgl. Bericht D -A-CH Fact Finding Mission Äthi o- pien/Somaliland 2010 , Seite n 44ff. und 63 , http://www.ejpd.admin.ch /content/dam/data/migration/laenderinformationen/herkunftslaenderinform ationen/afrika/eth/ETH-ber-factfindingmission-d.pdf, abgerufen am 08.07.2013). E-1592/2013 Seite 12 Im Ergebnis ist daher dem BFM zuzustimmen, wonach beim Beschwe r- deführer als im Sudan vom UNHCR registrierten Flüchtling die Gefahr e i- ner Deportation nach Äthiopien als gering einzustufen ist. Die vom B e- schwerdeführer geltend gemachte diesbezügliche Befürchtung stellt d a- her keine Grundlage für eine Einreisebewilligung in die Schweiz dar. 6.5 Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Furcht vor En t- führung aus den Flüchtlingslagern im Osten Sudans anbelangt, so ist Folgendes festzuhalten: Gut dokumentiert sind verschiedene Fälle von Entführungen von eritrei- schen Flüchtlingen im Sudan. Allerdings ist dabei jeweils die Rede von Eritreern, nicht Äthiopiern (vgl. UNHCR, UNHCR concern at refugee ki d- nappings, disappearances in eastern Sudan , 25.01.2013, http://www.unhcr.org-/510275a19.html, abgerufen am 16 .05.2013). In e i- nem weiteren UNHCR -Bericht werden ausschliesslich Flüchtlinge aus Eritrea erwähnt, welche von Entführungen betroffen seien ( UNHCR, Re- fugees and the Rashaida : Human smuggling and trafficking from Eritrea to Sudan and Egypt , März 2013, http://reliefweb.int/sites/relief- web.int/files/resources/human%20smuggling%20and%20trafficking%20fr om%20Eritrea%20to%20Sudan%20and%20Egypt.pdf, abgerufen am 08.07.2013). Auch Reuters AlertNet hat von Entführungen von Flüchtli n- gen berichtet, wobei es sich jeweils um eritreische Flüchtlingen gehandelt hat (vgl. Reuters Alertnet, Traffickers attacking Eritrean refugees in Sudan - rights groups, 31.01.2013, http://www.trust.org/alertnet/news/traffickers- attacking-eritre-an-refugees-in-sudan-rights-groups, abge rufen am 08.07.2013). Schliesslich werden auch im SFH -Bericht vom 5. April 2013 einzig eritreische Staatsangehörige erwähnt, die von Entführungen aus sudanesischen und äthiopischen Flüchtlingslagern betroffen seien (Schweizerische Flüchtlingshilfe, Eritrea: Entführungen, Erpressungen, Organhandel, 05.07.2012, abgerufen am 08.07.2013). Aufgrund der verfügbaren Unterlagen muss z usammenfassend festg e- stellt werden, dass keine konkrete Grundlage für die Annahme besteht, dass äthiopische Flüchtlinge befürchten müssten, aus einem sudanes i- schen Flüchtlingslager entführt oder verschleppt zu werden. 6.6 Es ist nicht in Abrede zu stellen , dass die Lebensbedingungen in Khartum generell, und somit auch für den Beschwerdeführer, schwierig sind. Dennoch ist nicht anzunehmen, dass der im Sudan alleine lebende Beschwerdeführer den Lebensunterhalt für sich alleine nicht mehr wird E-1592/2013 Seite 13 bestreiten können. Eigenen Angaben zufolge lebt er bereits seit Juli 2010 im Sudan. Seit seinem Wegzug aus dem Flüchtlingslager Shegarab im November 2011 lebt er bei einem engen Freund in Khartum und wird un- ter anderem von diesem unterstützt, was die Bestreitung seines täglichen Lebensunterhaltes anbelangt . Das Bundesverwaltungsgericht erkennt keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer inskünf- tig nicht mehr mit der Unterstützung seines Freundes und allenfalls der in Khartum lebenden äthiopischen Diaspora rechnen kann. Sollte der B e- schwerdeführer einen weiteren Aufenthalt in Khartum nicht mehr in B e- tracht ziehen, hat er die Möglichkeit, sich wieder in das ihm zugewiesene Flüchtlingslager in Shegerab zu begeben, wo er mit Schutz und einer ausreichenden Versorgung rechnen kann. Schliesslich ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer über keine in der Schweiz lebenden Angeh ö- rigen verfügt. 6.7 Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es für den Beschwerdefüh rer objektiv nicht unzumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Ve r- folgungsgefahr in seinem Heimatstaat Äthiopien bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch zu nehmen. Eine Schutzgewährun g durch die Schweiz er scheint somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen U m- stände, welche mit dem Aufenthalt des Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen Status als vom UNHCR registrierte r Flüchtling verbun- den sind, nicht erforderlich. Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM zu Recht und mit zutreffender Begründung feststellte, eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von Art. 52 Abs. 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist. Unter diesen Umständen hat das Bundesamt zu Recht die Erteilung der Einre i- sebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgelehnt. 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die B e- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs- ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, E-1592/2013 Seite 14 SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung der Verfahren skosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite) E-1592/2013 Seite 15 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die schweize- rische Vertretung in Khartum. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Sandra Bodenmann Versand: