<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">195</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">[...]</span><br/> <span class="ft4"><b>36</b></span> <span class="ft4"><b>Sozialhilfe; Existenzsicherung bei der Kürzung gebundener Auslagen</b></span><br/> <span class="ft4"><b>Die Anordnung, wonach nachträglich abgerechnete Wohnnebenkosten</b></span><br/> <span class="ft4"><b>nicht durch die Sozialhilfe übernommen werden, verstösst bei gleichzeiti-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>ger Kürzung des Grundbedarfs auf das Niveau der Existenzsicherung ge-</b></span><br/> <span class="ft4"><b>gen § 15 Abs. 2 SPV.</b></span><br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 28. August</span><br/> <span class="ft2">2017, i.S. A. gegen Gemeinderat B. und Departement Gesundheit und So-</span><br/> <span class="ft2">ziales (WBE.2017.178)</span><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">Gemäss § 15 Abs. 2 Satz 2 SPV darf die Grenze der Existenz-</span><br/> <span class="ft1">sicherung auch bei der Kürzung gebundener Ausgaben, wie zum Bei-</span><br/> <span class="ft1">spiel Wohnungsmiete oder Versicherungsprämien, nicht unterschrit-</span><br/> <span class="ft1">ten werden (vgl. AGVE 2008, S. 265). Damit stellt sich die Frage, ob</span><br/> <span class="ft1">dadurch, dass der Beschwerdeführer die Wohnnebenkosten über den</span><br/> <span class="ft1">Grundbedarf finanzieren muss, in seine Existenzsicherung eingegrif-</span><br/> <span class="ft1">fen wird. § 10 Abs. 1 SPV erklärt die SKOS-Richtlinien für die Be-</span><br/> <span class="ft1">messung der materiellen Hilfe als grundsätzlich verbindlich. Danach</span><br/> <span class="ft1">ist der Wohnungsmietzins anzurechnen, soweit er im ortsüblichen</span><br/> <span class="ft1">Rahmen liegt. Ebenfalls anzurechnen sind die vertraglich vereinbar-</span><br/> <span class="ft1">ten Wohnnebenkosten (SKOS-Richtlinien, Kap. B.3, in der bis</span><br/> <span class="ft1">31. Dezember 2016 verbindlichen Fassung, d.h. mit den bis 1. Juli</span><br/> <span class="ft1">2004 ergangenen Änderungen). Nach der verwaltungsgerichtlichen</span><br/> <span class="ft1">Rechtsprechung gilt für die Übernahme von Wohnkosten, wie für</span><br/> <span class="ft1">alle Auslagen, der Effektivitätsgrundsatz, weshalb nur tatsächlich an-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2017</span> <span class="title">Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">196</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">fallende Wohnkosten zu berücksichtigen sind (VGE vom 15. Sep-</span><br/> <span class="ft1">tember 2015 [WBE.2015.248], Erw. II/3.4; vom 1. Juni 2015</span><br/> <span class="ft1">[WBE.2015.101], Erw. II/2.4 f.). Soweit die Nebenkosten durch die</span><br/> <span class="ft1">Mietzinszahlung abgegolten sind, werden sie ohne Weiteres von § 15</span><br/> <span class="ft1">Abs. 2 SPV erfasst. Zu Akontozahlungen hat das Verwaltungsgericht</span><br/> <span class="ft1">neuerlich erwogen, mit der Nachzahlung von Wohnnebenkosten ent-</span><br/> <span class="ft1">sprechend der ordnungsgemäss erstellten jährlichen Abrechnung er-</span><br/> <span class="ft1">fülle der Mieter seine ursprüngliche Pflicht zur Übernahme der</span><br/> <span class="ft1">Nebenkosten, eine Vertragsänderung sei damit nicht verbunden.</span><br/> <span class="ft1">Nachzahlungsforderungen seien nach Vorliegen der Nebenkostenab-</span><br/> <span class="ft1">rechnung und unter Berücksichtigung geleisteter Akontozahlungen</span><br/> <span class="ft1">bestimm- und erfüllbar (vgl. VGE vom 27. Oktober 2016</span><br/> <span class="ft1">[WBE.2016.325], Erw. II/4 und 5.2 = AGVE 2016, S. 236 ff.). Damit</span><br/> <span class="ft1">stellen auch nachzuzahlende Nebenkosten gebundene Ausgaben im</span><br/> <span class="ft1">Sinne von § 15 Abs. 2 SPV dar. Es ist nicht einsichtig, mit dem Miet-</span><br/> <span class="ft1">zins abgegoltene oder bevorschusste Nebenkosten anders zu behan-</span><br/> <span class="ft1">deln als Nachzahlungen.</span><br/> <span class="ft1">Die Anordnung, dass nachträglich geltend gemachte Neben-</span><br/> <span class="ft1">kosten nicht übernommen werden, verstösst bei gleichzeitiger Kür-</span><br/> <span class="ft1">zung des Grundbedarfs auf das Niveau der Existenzsicherung gegen</span><br/> <span class="ft1">§ 15 Abs. 2 SPV. Vertraglich geschuldete Nebenkosten müssten dies-</span><br/> <span class="ft1">falls über den Grundbedarf finanziert werden.</span><br/></div> </div> </body> </html>