Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 19. September 2016 (745 16 140 / 240) ____________________________________________________________________ Ergänzungsleistungen Prüfung der Vergütung von zahnärztlichen Behandlungskosten in Anwendung der KVG- Kriterien der Einfachheit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit: vertrauenszahnärztli- che Stellungnahmen genügen den Beweisanforderungen klar nicht, weshalb die Be- schwerde gutgeheissen wird und die Angelegenheit zu neuen Abklärungen an die Aus- gleichskasse zurückgewiesen wird Besetzung Präsident Andreas Brunner, Gerichtsschrei berin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Seniorenzentrum C.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch B.____, wiederum vertreten durch Bruno Muggli, Advokat, Hauptstrasse 53, Postfach 564, 4127 Birsfelden gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Vergütung von Krankheitskosten A. A.____, geboren 1931, ist AHV-Rentenbezügerin un d lebt im Seniorenzentrum C.____. Am 23. Dezember 2015 löste sich während des Mittage ssens ein Implantat, worauf die implan- tatgetragene Totalprothese des Unterkiefers nicht mehr eingesetzt werden konnte. Ein Arzt, der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht zufällig anwesend war, versorgte die blutende Wunde. Tags darauf fand die Befundaufnahme in der Zahnarztpraxis D.____ durch Dr. med. dent. E.____ statt. Am 27. Dezember 2015 wurden vier Implantate eingesetzt, weitere Konsultationen er folgten am 28. und am 29. Dezember 2015. In der Folge liess A.____ durch ihren Ehemann un d Beistand B.____ am 7. Januar 2016 der Ausgleichskasse Basel-Landschaft (Kasse) die Rechnung für die bereits durchgeführte Zahnbehandlung im (Rest-)Betrag von Fr. 64.80 zur Kost enübernahme einreichen. Aus der gleichentags zugestellten Rechnungsübersicht vom 30. Deze mber 2015 geht hervor, dass die gesamte Behandlung – unter Berücksichtigung eines Rabat ts von 5 % aufgrund der Barbezah- lung – Fr. 10‘153.75 kostete. Mit Eingang vom 28. Janu ar 2015 reichte die Versicherte eine von Dr. E.____ nachträglich erstellte Kostenschätzung vom 25. Januar 2016 ein. Die neu erstellte Kostenschätzung beinhaltete nur noch zwei Implantate un d wurde mit Fr. 4‘736.25 veran- schlagt. Die anderen beiden Implantate wurden der Besch werdeführerin separat in Rechnung gestellt und von dieser privat bezahlt. Nach Prüfung d er medizinischen Verhältnisse und Einho- lung einer Stellungnahme bei ihrem Vertrauenszahnarzt Dr. med. dent. F.____ lehnte die Kasse mit Verfügung vom 4. Februar 2016 die Kostenübernahm e ab. In der Begründung führte sie aus, dass die Behandlung nicht einfach, wirtschaftlich un d zweckmässig sei. Eine gegen diese Verfügung am 19. Februar 2016 erhobene Einsprache hi ess die Kasse mit Entscheid vom 5. April 2016 teilweise gut und erstattete der Versicherten gestützt auf die nachträglich eingereich- te Kostenschätzung vom 25. Januar 2016 einen Betrag von Fr. 65.10 für die Kontrolluntersu- chung. B. Am 2. Mai 2016 liess A.____, vertreten durch ihren Ehemann B.____, dieser wiederum vertreten durch Bruno Muggli, Advokat, beim Kantonsger icht Basel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Kasse vom 5. April 2016 einreichen und unter o/e-Kostenfolg e beantragen, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und es sei die Beschwerde gegnerin zu verpflichten, der Be- schwerdeführerin den Betrag von Fr. 4‘671.15 nebst Zin s zu 5 % seit 29. Dezember 2015 zu bezahlen. Mit Eingabe vom 4. Mai 2016 teilte die Be schwerdeführerin dem Gericht den Namen des beim Zahnvorfall anwesenden Arztes mit. C. Die Kasse schloss in ihrer Vernehmlassung vom 20. Mai 2 016 auf Abweisung der Be- schwerde. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Der Präsident zieht i n E r w ä g u n g : 1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde eingetreten werden kann. Anzumerken bleibt, dass der Streitwert u nter Fr. 10'000.-- liegt. Gestützt auf § 55 Abs. 1 der Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung ( VPO) vom 16. Dezember 1993 ist die vorliegende Streitigkeit demnach präsidial zu entscheiden. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten für die bei der Beschwerdeführerin durchgeführte zahnärztliche Behandlung zu übernehmen hat. 3.1 Im Rahmen der Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hi nterlassenen- und Invalidenversi- cherung sind die vergütbaren Krankheits- und Behinderung skosten – worunter auch zahnärztli- che Behandlungen fallen – gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Inval idenversicherung (ELG) vom 19. März 1965 durch die Kantone zu bezeichnen (Art. 14 Abs. 2 ELG). Sie können die Vergü- tung auf im Rahmen einer wirtschaftlichen und zweckmässigen Leistungserbringung erforderli- che Ausgaben beschränken (Art. 14 Abs. 2 ELG). 3.2 Der Kanton Basel-Landschaft hat in dem per 1. Jan uar 2008 in Kraft getretenen § 2c des kantonalen Ergänzungsleistungsgesetzes zur AHV und IV vom 15. Februar 1973 (kELG) die Beschränkung auf die wirtschaftlichen und zweckmässigen Leistungen vorgenommen (Abs. 2). Die Bezeichnung der übernahmefähigen Krankheits- und Behinderungskosten hat er an den Regierungsrat delegiert (Abs. 1). Gestützt auf diese D elegationsnorm hat der Regierungsrat in § 14 Abs. 1 der kantonalen Verordnung zum Ergänzungsle istungsgesetz zur AHV und IV vom 18. Dezember 2007 (kELV) festgehalten, dass die Kosten fü r einfache, wirtschaftliche und zweckmässige Zahnbehandlungen vergütet werden. Für die Ve rgütung sind der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherungstarif (UV/MV/IV-Tarif) über d ie Honorierung zahnärztlicher Leistun- gen und der UV/MV/IV-Tarif für zahntechnische Arbeiten massgebend (Abs. 2). Liegen die Kos- ten einer Zahnbehandlung inklusive Laborkosten voraussich tlich höher als Fr. 3‘000.--, so ist der EL-Stelle vor der Behandlung ein Kostenvoranschlag einzureichen (Abs. 3). Wird eine Be- handlung von über Fr. 3‘000.-- ohne genehmigten Koste nvoranschlag durchgeführt, werden grundsätzlich höchstens Fr. 3‘000.-- vergütet. Allerdings kann bei einer Zahnbehandlung ohne vorgängige Einreichung eines Kostenvoranschlages der Vergü tungsanspruch nicht ohne weite- res auf max. Fr. 3‘000.-- beschränkt werden, sondern es g ilt die widerlegbare Vermutung, dass eine einfache, wirtschaftliche und zweckmässige Massnahme nicht mehr als Fr. 3‘000.-- gekos- tet hätte. Erbringt die versicherte Person den Beweis der für das Tatbestandsmerkmal der Ein- fachheit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit der Massnahme erheblichen Tatsachen, sind die gesamten Kosten im Rahmen der verfügbaren Quote durch die Ergänzungsleistung zu übernehmen (BGE 131 V 26 E. 5). Gemäss Abs. 4 sind sodan n Kostenvoranschläge und Rechnungen entsprechend den Tarifpositionen nach UV/M V/IV-Tarif einzureichen. Mit dieser Bestimmung wurde die bis 31. Dezember 2007 gültige en tsprechende Bundesregelung von Art. 8 der Verordnung über die Vergütung von Krankh eits- und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen (ELKV) vom 29. Dezember 1997 im We sentlichen übernommen. Es ist daher von einer im Vergleich zu den bis 31. Dezember 2 007 gültigen bundesrechtlichen Best- immungen in Art. 8 ELKV inhaltlich grundsätzlich unverä nderten Regelung auszugehen, wes- halb auch die bisherige Rechtsprechung zu Art. 8 ELKV in Bezug auf die seit dem 1. Januar 2008 gültigen kantonalen Bestimmungen zur Vergütung der Zahnbehandlungskosten weiterhin Gültigkeit hat (vgl. auch E RWIN CARIGIET /U WE KOCH , Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2., überarbeitete und ergänzte Aufl., Zürich 2009, S. 207). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.3 Die Vergütung notwendiger Zahnbehandlungskosten durch die Ergänzungsleistungen ist somit an die Gebote der Einfachheit, Wirtschaftlich keit und Zweckmässigkeit gebunden (BGE 131 V 263). Nach der Rechtsprechung handelt es sic h hierbei um eine an den entspre- chenden krankenversicherungsrechtlichen Leistungsvoraussetzun gen orientierte Betrach- tungsweise, weshalb das Erfordernis der Einfachheit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit im Bereich der Ergänzungsleistungen gleich zu verstehen ist wie die entsprechende Leistungsvo- raussetzung im Bereich der Krankenversicherung (Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_648/2009, E. 3.1). Unter Einfachheit versteh t man eine Behandlung mit geringem finanziellem Aufwand, welche die Funktionsfähigkeit er hält oder wieder herstellt. Wirtschaftlich ist eine Behandlung mit günstiger Langzeitprognose un d tiefen Nachsorgekosten oder guter Ausbaubarkeit sowie geringem Risiko für Komplikationen. Zweckmässigkeit ist gegeben, wenn die Behandlung den Bedarf der Patientin bzw. des Pati enten in funktioneller Hinsicht erfüllt (UWE KOCH , Nicht gedeckte Zahnarztkosten – wer bezahlt? Ergänzungs- und Sozialhilfeleistun- gen, in: Der Zahnarztpatient – sozialversicherungsrechtli che und sozialhilferechtliche Fragen, Hrsg: Gabriela Riemer-Kafka, Zürich 2008, S. 81). In den Plan- und Behandlungsempfehlungen (Empfehlungen für Standards von Zahnbehandlungen im Bereich Ergänzungsleistungen, Sozi- alhilfe und Asylwesen [Richtlinien]) der Vereinigung de r Kantonszahnärzte und Kantonszahn- ärztinnen der Schweiz (VKZS) wird ausführlich geregelt, wie diese Begriffe im Einzelnen auszu- legen sind (vgl. zur Gültigkeit und Anwendbarkeit dies er Richtlinien: Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2014, 9C_576/2013, E. 3.3.3). 3.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass nach Rechtspre chung und Lehre der in ver- schiedenen Sozialversicherungszweigen gültige Grundsatz der A ustauschbefugnis auch für die Vergütung von Zahnbehandlungskosten durch die Ergänzung sleistung gilt. Die Austauschbe- fugnis sagt hier, dass die leistungsberechtigte Person dor t, wo eine Behandlung zwar zweck- mässig, aber nicht einfach und wirtschaftlich ist, immerhi n Anspruch auf die Vergütung derjeni- gen Kosten hat, die bei der Wahl einer einfachen und wirtschaftlichen Behandlungsmethode angefallen wären (Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2006, P 59/05). 4.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht sind die folgenden G rundsätze hervorzuheben: Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren wird vom Untersuchun gsgrundsatz beherrscht. Dabei haben die Verwaltung und das Gericht den rechtserhebl ichen Sachverhalt von Amtes wegen, aus eigener Initiative und ohne Bindung an die Vorbri ngen oder Beweisanträge der Parteien abzuklären und festzustellen (BGE 117 V 263 E. 3b). Aus der Untersuchungsmaxime folgt auch das Prinzip der freien Beweiswürdigung, wonach das Gericht an keine förmlichen Beweisregeln gebunden ist. Das gesamte Beweismaterial ist unvoreingen ommen und sorgfältig auf dessen Stichhaltigkeit zu prüfen (T HOMAS LOCHER /T HOMAS GÄCHTER , Grundriss des Sozialversiche- rungsrechts, 4., vollständig überarbeitete Auflage, Bern 2014, S. 548). 4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwer defall das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind (MAX KUMMER , Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Auflage, Bern 1984, S. 134 f.). Im Sozialversiche- rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Ge setz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich keit zu fällen. Die blosse Möglichkeit Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht eines bestimmten Sachverhaltes genügt den Beweisanforde rungen nicht. Das Gericht hat viel- mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b). 4.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichte s ist entscheidend, ob der Be- richt für die streitigen Belange umfassend ist, auf all seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor akten (Anamnese) abgegeben wor- den ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhä nge und in der Beurteilung der medi- zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolge rungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 5.1 Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtene n Einspracheentscheid auf den Standpunkt, dass nur die Kosten der Befundaufnahme vom 2 4. Dezember 2015 (Tarifposten 4000) im Betrag von Fr. 65.10 zu übernehmen seien. Di e Behandlung an und für sich sei nicht als einfach, wirtschaftlich und zweckmässig zu bezeichnen. Sie verwies dabei pauschal auf die Stellungnahme ihres Vertrauenszahnarztes Dr. F.____. 5.2 In der Beschwerde wird gerügt, dass Dr. F.____ nich t begründet habe, weshalb es sich nicht um eine einfache, wirtschaftliche und zweckmässige Beh andlung handle. Daher sei der Entscheid der Beschwerdegegnerin willkürlich. Die Behan dlung sei notwendig gewesen, selbst wenn sie die von der Praxis entwickelten, offenbar einschr änkenden Bedingungen möglichwei- se nicht erfülle. Sie sei situationsgerecht gewesen und habe das Ziel gehabt, die Kaufähigkeit mit einer optimalen Prothesenhaftung wiederherzustel len. Die Behandlung sei auch wirtschaft- lich gewesen, indem eine günstige Langzeitprognose er stellt werden könne und Nachfolgekos- ten vermieden würden. Die Beschwerdeführerin habe sei t 12 Jahren eine Implantatsprothese, die den Knochenabbau bis zu Cawood Kl. V verhindert h abe. Die Zweckmässigkeit stehe auch ausser Frage, da es um die Erhaltung der Kaufähigkeit gegangen sei und zudem durch den optimalen Gegenbiss ein weiterer Knochenabbau verlangsamt werde. 6.1 Zur Beurteilung der umstrittenen Fragen liegen d ie folgenden zahnärztlichen Unterla- gen vor: 6.2 Der behandelnde Zahnarzt Dr. E.____ beantragt m it seiner Kostenschätzung vom 25. Januar 2016 die Übernahme von zwei Implantaten. Im Er gänzungsblatt „Behandlungsplan“ hält er fest, dass die Patientin zwei Implantate verloren habe. Einen Prothesenhalt verneinte er auf- grund einer Kieferkammatrophie. Eine Orthopantomogr aphie (Panoramaaufnahme des gesam- ten Kieferbereichs [OPT]) sei wegen Wirbelsäulenverkrümm ung nicht möglich gewesen. Die Prothese sei ohne Halt, es bestünden zwei alte Dalbomat rizen. Als therapeutische Sofortmass- nahme habe eine Implantation interforaminal gemacht werden müssen, zwei weitere seien pri- vat bezahlt worden. 6.3 Dr. F.____ gibt in seinem Schreiben vom 29. Janua r 2016 nach Prüfung der Rechnung vom 30. Dezember 2015 folgenden Kommentar ab: „Es handelt sich um eine umfangreiche pro- thetische Versorgung mit vier Implantaten und Knochenau fbau im zahnlosen Unterkiefer. Da- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach wurden die Halteelemente in die bestehende Pro these eingebaut. Die Behandlung kann nicht als einfach, wirtschaftlich und zweckmässig bezeichnet werden. Die Bedingungen von § 14 Ziff. 1 der Verordnung zum Ergänzungsleistungsgesetz z ur AHV und IV vom 18. Dezember 2007 sind nicht erfüllt“. Er empfehle daher, die Kosten nicht zu übernehmen. Mit Schreiben vom 26. Februar 2016 hält er nach erneuter Prüfung der Rechnung ausserdem fest, dass die Ver- sorgung des Unterkiefers mit vier Implantaten keine einf ache, wirtschaftliche oder zweckmässi- ge Lösung sei und nicht den VKZS-Behandlungsempfehlun gen entspreche. Die Kostenüber- nahme sei daher abzulehnen. Mit weiterem Schreiben vo m 15. März 2016 hält Dr. F.____ nach Prüfung des nachträglich eingereichten, auf zwei Implan taten basierenden Kostenvoranschla- ges vom 25. Januar 2016 fest, dass eine Kontrolluntersu chung mit OPT veranschlagt worden sei. Danach seien im Unterkiefer zwei Implantate gesetzt und die dazugehörigen Halteelemente in die bestehende Prothese eingebaut worden. Bei den eingereichten Unterlagen handle es sich um einen Proforma-Kostenvoranschlag für eine Behandlun g, welche in erweiterter Form (mit insgesamt vier Implantaten) bereits durchgeführt worden sei. Die dazugehörige Rechnung habe er bereits beurteilt. Die Behandlung sei nicht einfach , wirtschaftlich und zweckmässig und die Bedingungen gemäss § 14 Ziff. 1 kELV seien nicht erfüll t. Die Vertrauenszahnärztinnen und Vertrauenszahnärzte des Kantons Basel-Landschaft hätten zu sammen mit der Kantonszahn- ärztin im Dezember 2013 beschlossen, zwei interforamina le Implantate zu bewilligen, wenn die Kauunfähigkeit mit der Totalprothese attestiert werde und wenn der Abbau des Unterkiefers die Cawood Klasse V erreicht habe. Diese Cawood Klasse sei hier nicht erreicht. Daher empfehle er, nur die Kosten für die Kontrolluntersuchung im Betrag von Fr. 65.10 zu übernehmen. 7.1 Gestützt auf die zahnärztlichen Unterlagen ist zunäc hst festzuhalten, dass die Rech- nung von Dr. E.____ die Grenze von Fr. 3‘000.-- übe rsteigt, weshalb eigentlich zunächst ein Kostenvoranschlag bei der Beschwerdegegnerin einzureichen gewesen wäre. Damit ist aber für den vorliegenden Fall noch nichts entschieden. Denn wi e in Erwägung 3.2 hiervor dargelegt, können Behandlungen, die einfach, wirtschaftlich und zweckm ässig sind, auch ohne vorgängig eingereichten Kostenvoranschlag vergütet werden. Die R echnung von Dr. E.____ vom 25. Ja- nuar 2016 ist somit anhand dieser drei Kriterien zu überprüfen. 7.2 Wie vom Versicherungsgericht St. Gallen in einem ähn lich gelagerten Urteil zutreffend beschrieben, besteht die besondere materielle Schwierigkeit in der vorliegenden Angelegenheit – wie in den meisten sozialversicherungsrechtlichen Verfahr en – darin, dass letztlich Nichtme- diziner einen Entscheid zu treffen haben, der unter an derem medizinische Tatsachen zu würdi- gen hat (Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2 4. Februar 2012, EL 2011/33, E. 3). Dieses Problem wird durch den Beizug eines medizinischen S achverständigen zu lösen ver- sucht. Dieser gibt eine fachliche, objektive Einschätzun g über die zur Diskussion stehenden Fragen ab; Verwaltung und Gericht stützen ihren Entsch eid auf diese Einschätzung ab, sofern sie plausibel und nachvollziehbar erscheint und kein Anla ss für Zweifel besteht (vgl. dazu Er- wägung 4.3 hiervor). 7.3 Vorliegend steht fest, dass sich das bestehende Impla ntat löste und damit die beste- hende Unterkieferprothese nicht mehr haftete. Weiter steht fest, dass dieser Zustand rasch zahnärztlich behoben werden musste. Aus der Sicht eines Ni chtmediziners scheint es sich des- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht halb um eine Notfallbehandlung zur Schmerzbefreiung und zur Erhaltung der Kaufähigkeit ge- handelt zu haben. Die Notwendigkeit der raschen Beha ndlung wird denn auch von der Be- schwerdegegnerin und ihrem Vertrauenszahnarzt nicht ange zweifelt. Umstritten ist hingegen die Art der Versorgung der Beschwerdeführerin. Dr. F.____ hält fest, dass die Massnahme nicht dem Erfor dernis der Zweckmässigkeit entspro- chen habe. Woraus er den Schluss zieht, dass die von Dr. E .____ gewählte Behandlung den Bedarf der Beschwerdeführerin in funktioneller Hinsicht nicht erfüllte, ist nicht ersichtlich. So legt er nicht dar, was der Behandlungsbedarf der Beschwerdefü hrerin war und wie man diesen zweckmässiger abdecken hätte können. Um nachvollziehen zu könne n, weshalb die Behand- lung dem Bedarf der Beschwerdeführerin nicht optimal entsprach, hätte der Vertrauenszahnarzt unter Hinweis auf die Richtlinien der VKZS eine konkret e individuelle Behandlungsalternative aufzeigen müssen. Ein pauschaler Hinweis auf die Empfehlungen der VKZS oder auf eine nicht publizierte Vereinbarung der kantonalen Zahnärztinnen und Zahnärzte mit der Kantonszahnärz- tin genügt jedenfalls nicht. Somit kann zum jetzigen Z eitpunkt nicht festgestellt werden, ob sich die Beschwerdeführerin einer zweckmässigen Behandlung unterzog. Dr. F.____ stellt weiter fest, dass die gewählte Behand lung nicht dem Erfordernis der Einfach- heit entsprochen habe. Er legt aber nicht dar, worauf er seine Schlussfolgerung abstützt und weshalb er zum Schluss kommt, dass es sich um eine Behandlun g handelte, die mit (zu) gros- sem finanziellem Aufwand die Funktionsfähigkeit wieder herstellte. Er unterlässt zudem, in Be- zug auf die einzelnen Positionen des Kostenvoranschlages e ine Beurteilung abzugeben, son- dern begnügt sich vielmehr mit allgemeinen Aussagen. So äussert er sich beispielsweise nicht zu den Diagnosekosten. Des Weiteren legt er nicht dar, inwiefern die vorgeno mmene Massnahme keine gute Langzeit- prognose hat und weshalb mit hohen Nachsorgekosten zu rechnen ist. Deshalb ist seine Beur- teilung, dass die Behandlung nicht wirtschaftlich war, ebenfalls nicht nachvollziehbar. In diesem Zusammenhang hätte er sodann die konkreten Kosten einer alternativen zweckmässigen Be- handlung – unter Hinweis auf die anwendbaren Tarifpo sitionen – auflisten müssen. Denn nur so kann überprüft werden, ob für den Fall, dass die Beha ndlung der Beschwerdeführerin zwar als zweckmässig, nicht aber als wirtschaftlich und einfach eracht et wird, aufgrund der Austausch- befugnis von der Beschwerdegegnerin ein Teil der angefa llenen Behandlungskosten zu über- nehmen ist. 7.4 Aufgrund dieser vielfältigen Unklarheiten kann die Schlussfolgerung von Dr. F.____, wonach es sich bei der Zahnbehandlung vom 24. bis 29. De zember 2015 nicht um eine einfa- che, wirtschaftliche und zweckmässige Lösung handle und eine Übernahme – auch keine teil- weise – nicht in Frage komme, nicht als plausibel begrü ndet bezeichnet werden. Mithin ist diese fehlende Nachvollziehbarkeit auch darauf zurückzuführen, d ass die Stellungnahmen von Dr. F.____ in ihrer Knappheit fast nicht zu überbieten sind . Der Einschätzung von Dr. F.____ ist daher der Beweiswert abzusprechen, weshalb zur Beurteil ung der vorliegend streitigen Fragen nicht darauf abgestellt werden kann. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. In der vorliegenden Angelegenheit besteht somit we iterer Abklärungsbedarf. Die Be- schwerdegegnerin, an welche die Sache zurückzuweisen ist, w ird in einem ersten Schritt die in der vorstehenden Erwägung dargelegten Unklarheiten dur ch Einholen einer Neubeurteilung im Sinne der vorstehenden Ausführungen durch einen ander en Zahnarzt oder eine andere Zahn- ärztin, die ausserhalb der Verwaltung stehen, beheben zu lassen haben. Der beauftragte Zahn- arzt bzw. die Zahnärztin wird dabei seine bzw. ihre Schl ussfolgerungen explizit unter Bezug- nahme auf die Empfehlungen der VKZS zu begründen hab en und allenfalls noch fehlende In- formationen beim behandelnden Zahnarzt Dr. E.____ ei nzufordern haben. Hernach wird die Beschwerdegegnerin erneut darüber zu verfügen haben, o b ein Anspruch auf Vergütung der gesamten Kosten der Behandlung von Fr. 4‘736.25 besteht. Sollten die Voraussetzungen von § 14 Abs. 1 kVEL nicht gegeben sein, und sollte die begu tachtende zahnärztliche Fachperson aber zum Schluss kommen, dass die Behandlung von Dr. E.__ __ für die Beschwerdeführerin zweckmässig war, so wird die Beschwerdegegnerin zu prüfen h aben, ob gestützt auf die Aus- tauschbefugnis Anspruch auf diejenigen Kosten bestehen, die bei der Wahl einer einfachen und wirtschaftlichen Behandlungsmethose angefallen wären. Von der Erstellung eines gerichtlichen Gutachtens, wie es von der Beschwerdeführerin beantragt w urde, wird abgesehen. Die Einho- lung aussagekräftiger medizinischer Entscheidgrundlagen ist gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG pri- mär Aufgabe der Verwaltung. In diesem Sinne wird die Beschwerde gutgeheissen und der an- gefochtene Einspracheentscheid vom 5. April 2016 wird aufgehoben. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Beim Entschei d über die Verlegung der Verfah- rens- und der Parteikosten ist grundsätzlich auf den Proz essausgang abzustellen. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt jedoch, dass das Verfahren vor dem kantonal en Gericht für die Parteien kos- tenlos zu sein hat, weshalb keine Verfahrenskosten zu erh eben sind. Was die ausserordentli- chen Kosten betrifft, ist die Beschwerdeführerin mit ihrem Rechtsbegehren durchgedrungen. Es rechtfertigt sich daher, ihr die volle Parteientschädigun g zu gewähren (Art. 61 lit. g ATSG). In seiner Honorarnote vom 7. Juni 2016 hat der Rechtsvertr eter der Beschwerdeführerin einen Zeitaufwand von sechs Stunden geltend gemacht, was sich umfangmässig in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen erweist. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen von Fr. 108.30. Der Beschwerde- führerin ist deshalb eine Parteientschädigung von insg esamt Fr. 1‘542.60 (sechs Stunden à Fr. 220.-- plus Auslagen von Fr. 108.30 zuzüglich 8 % Me hrwertsteuer) zu Lasten der Be- schwerdegegnerin zuzusprechen. 10. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtliche n Angelegenheiten an das Bundesge- richt zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschli essen. Selbständig eröffnete Zwi- schenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit B eschwerde in öffentlich-rechtlichen An- gelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gut heissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 A bs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesge- richtlichen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versiche- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht rungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuver fügung nicht um einen Endent- scheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Ar t. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materiell e Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 E. 4.2). Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerd e in öffentlich-rechtlichen Angele- genheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 9 3 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzun- gen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bunde sgericht. Die nachstehende Rechts- mittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefoch- tene Einspracheentscheid vom 5. April 2016 aufgehoben wird und die Angelegenheit zur erneuten Abklärung im Sinne der Erw ägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegne rin zu- rückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 1‘542.60 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu entrichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht