<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA 7] </div> <div class="para">U 55/99 Vr </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III. Kammer </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Schön, Bundesrichterin Widmer und Bundesrichter </div> <div class="para">Ursprung; Gerichtsschreiberin Keel Baumann </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Urteil vom 11. Juli 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1. A.________, 1944, </div> <div class="para">2. B.________, 1976, </div> <div class="para">3. C.________, 1979, vertreten durch ihre Mutter </div> <div class="para">A.________, </div> <div class="para">Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher Eric Blindenbacher, </div> <div class="para">Laupenstrasse 19, 3001 Bern, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, Fluhmattstrasse </div> <div class="para">1, 6004 Luzern, Beschwerdegegnerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Bern </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">A.- Der 1945 geborene D.________ arbeitete als leitender </div> <div class="para">Angestellter bei der E.________ AG und war in dieser </div> <div class="para">Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt </div> <div class="para">(SUVA) gegen Unfälle versichert. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Wegen psychischer Probleme befand er sich ab 1. September </div> <div class="para">1994 bei Dr. med. J.________, Psychiatrie und </div> <div class="para">Psychotherapie FMH, in Behandlung, wobei dieser die Diagnose </div> <div class="para">einer neurotischen Depression bei einer anankastischen </div> <div class="para">Persönlichkeit stellte. Vom 10. Dezember 1995 bis 6. Januar </div> <div class="para">1996 hielt sich D.________ wegen einer Erschöpfungsdepression </div> <div class="para">in der Psychosomatischen Abteilung der Klinik für </div> <div class="para">medizinische Rehabilitation auf. Nach seiner Entlassung </div> <div class="para">konnte er die Arbeit bei der E.________ AG wieder zu 50 % </div> <div class="para">aufnehmen. </div> <div class="para">Am 2. Februar 1996 wurde D.________ von seiner Ehefrau, </div> <div class="para">A.________, frühmorgens tot in der Waschküche des </div> <div class="para">Wohnhauses gefunden; er hatte sich mit seiner Armeepistole </div> <div class="para">erschossen. Auf dem Schreibtisch im Büro hinterliess er </div> <div class="para">eine kurze Abschiedsnotiz. Bereits wenige Tage zuvor </div> <div class="para">(30. Januar 1996) hatte die Ehefrau in seinem Büro einen </div> <div class="para">Abschiedsbrief entdeckt, welchen sie, nachdem sie die </div> <div class="para">Angelegenheit in der Familie besprochen hatten, gemeinsam </div> <div class="para">verbrannten, worauf sich D.________ deutlich besser zu </div> <div class="para">fühlen schien. </div> <div class="para">Die SUVA holte bei Dr. med. J.________ einen Bericht </div> <div class="para">vom 19. Februar 1996 ein, zu welchem Dr. med. I.________, </div> <div class="para">Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Ärzteteam Unfallmedizin </div> <div class="para">der SUVA, am 14. Mai 1996 Stellung nahm. Mit Verfügung vom </div> <div class="para">29. Mai 1996 lehnte sie die Zusprechung von Versicherungsleistungen </div> <div class="para">mit Ausnahme der Bestattungskosten ab mit der </div> <div class="para">Begründung, es könne nicht davon ausgegangen werden, dass </div> <div class="para">D.________ im Zeitpunkt des Suizides vollständig urteilsunfähig </div> <div class="para">gewesen sei. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid </div> <div class="para">vom 27. Februar 1997 fest. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">B.- A.________ und die Kinder B.________ (geb. 1976) </div> <div class="para">und C.________ (geb. 1979) liessen Beschwerde führen mit </div> <div class="para">dem Rechtsbegehren, die Sache sei an die Verwaltung zurückzuweisen </div> <div class="para">zur Ergänzung des Sachverhaltes und Festsetzung </div> <div class="para">der Leistungen. Eventualiter sei die Verfügung vom 29. Mai </div> <div class="para">1996 aufzuheben und die SUVA zu verpflichten, die gesetzlichen </div> <div class="para">Leistungen zu erbringen. </div> <div class="para">Im Verlaufe des Verfahrens einigten sich die Parteien </div> <div class="para">auf die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens bei PD </div> <div class="para">Dr. med. M.________, Oberarzt an der Psychiatrischen </div> <div class="para">Poliklinik des Spitals X.________, welches dieser am </div> <div class="para">28. Oktober 1997 erstattete. Die SUVA unterbreitete das </div> <div class="para">Gutachten mit verschiedenen Fragen Prof. Dr. med. </div> <div class="para">Y.________, alt Direktor der Psychiatrischen Poliklinik im </div> <div class="para">Spital Z.________, welcher am 12. Februar 1998 Stellung </div> <div class="para">nahm. Hierauf hob das Verwaltungsgericht des Kantons Bern </div> <div class="para">die bis zum Vorliegen des Gutachtens verfügte Verfahrenssistierung </div> <div class="para">auf, forderte die SUVA auf, eine Beschwerdeantwort </div> <div class="para">einzureichen, und ordnete anschliessend einen zweiten </div> <div class="para">Schriftenwechsel an. Mit Entscheid vom 8. Januar 1999 wies </div> <div class="para">es die Beschwerde ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde lassen </div> <div class="para">A.________ sowie B.________ und C.________ beantragen, der </div> <div class="para">angefochtene Entscheid sowie der Einspracheentscheid seien </div> <div class="para">aufzuheben und die SUVA sei zu verpflichten, die gesetzlichen </div> <div class="para">Leistungen zu erbringen. </div> <div class="para">Während die SUVA auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para">schliesst, lässt sich das Bundesamt für </div> <div class="para">Sozialversicherung nicht vernehmen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">1.- a) Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen </div> <div class="para">Unfallversicherung setzt grundsätzlich das Vorliegen </div> <div class="para">eines Berufsunfalls, Nichtberufsunfalls oder einer Berufskrankheit </div> <div class="para">voraus (<span class="artref">Art. 6 UVG</span>). Als Unfall gilt die plötzliche, </div> <div class="para">nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen </div> <div class="para">äusseren Faktors auf den menschlichen Körper </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 9 Abs. 1 UVV</span>). Hat der Versicherte den Gesundheitsschaden </div> <div class="para">oder den Tod absichtlich herbeigeführt, so besteht </div> <div class="para">gemäss <span class="artref">Art. 37 Abs. 1 UVG</span> mit Ausnahme der Bestattungskosten </div> <div class="para">kein Anspruch auf Versicherungsleistungen. Indessen </div> <div class="para">findet <span class="artref">Art. 37 Abs. 1 UVG</span> keine Anwendung, wenn der Versicherte </div> <div class="para">zur Zeit der Tat ohne Verschulden gänzlich unfähig </div> <div class="para">war, vernunftgemäss zu handeln (<span class="artref">Art. 48 UVV</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Nach der Rechtsprechung muss der Leistungsansprecher, </div> <div class="para">da er das Vorliegen eines Unfalles zu beweisen hat, </div> <div class="para">auch die Unfreiwilligkeit der Schädigung und - bei Suizid - </div> <div class="para">die Urteilsunfähigkeit nach <span class="artref">Art. 16 ZGB</span> zur Zeit der Tat </div> <div class="para">nachweisen (RKUV 1996 Nr. U 247 S. 171 Erw. 2a, 1988 </div> <div class="para">Nr. U 55 S. 362 Erw. 1b; nicht veröffentlichtes Urteil I. </div> <div class="para">vom 24. September 1999, U 54/99, Erw. 4a/bb). Den Parteien </div> <div class="para">obliegt jedoch in dem von der Untersuchungsmaxime beherrschten </div> <div class="para">Sozialversicherungsprozess keine subjektive </div> <div class="para">Beweislast im Sinne von <span class="artref">Art. 8 ZGB</span>. Eine Beweislast besteht </div> <div class="para">im Sozialversicherungsprozess nur in dem Sinne, dass im </div> <div class="para">Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener </div> <div class="para">Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt </div> <div class="para">Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift </div> <div class="para">allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, </div> <div class="para">im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung </div> <div class="para">einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest </div> <div class="para">die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu </div> <div class="para">entsprechen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-261%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page264">BGE 117 V 264</a> Erw. 3b mit Hinweisen). </div> <div class="para">Weil die Frage der Urteilsfähigkeit aufgrund von inneren </div> <div class="para">Tatsachen (innerseelische Abläufe) zur Zeit einer bestimmten </div> <div class="para">Handlung zu beurteilen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F113-V-61%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page63">BGE 113 V 63</a> unten) und </div> <div class="para">ein strikter Beweis nach der Natur der Sache ausgeschlossen </div> <div class="para">ist, dürfen an den Nachweis der Urteilsunfähigkeit keine </div> <div class="para">strengen Anforderungen gestellt werden. Der Beweis der Urteilsunfähigkeit </div> <div class="para">gilt als geleistet, wenn eine durch übermächtige </div> <div class="para">Triebe gesteuerte Suizidhandlung als wahrscheinlicher </div> <div class="para">erscheint als ein noch in erheblichem Mass vernunftgemässes </div> <div class="para">und willentliches Handeln (RKUV 1996 Nr. U 267 </div> <div class="para">S. 311 Erw. 2c; nicht veröffentlichtes Urteil H. vom 1. Juli </div> <div class="para">1993, U 136/92, Erw. 6b, welches - wie in RKUV 1996 </div> <div class="para">Nr. U 267 S. 311 Erw. 2d ausdrücklich festgehalten wird - </div> <div class="para">an der bisherigen Rechtsprechung nichts geändert hat). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Aufgabe des medizinischen Experten ist es, den </div> <div class="para">Geisteszustand des Untersuchten möglichst genau zu beschreiben </div> <div class="para">und aufzuzeigen, ob und in welchem Masse sein </div> <div class="para">geistiges Vermögen bei der fraglichen Handlung versagt hat. </div> <div class="para">Welche rechtlichen Schlüsse aus dem Ergebnis der medizinischen </div> <div class="para">Begutachtung zu ziehen sind, entscheidet der Richter </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F98-IA-324%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page325">BGE 98 Ia 325</a> Erw. 3 mit Hinweisen; Bucher, Berner Kommentar, </div> <div class="para">N 151 zu <span class="artref">Art. 16 ZGB</span>; vgl. auch <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F114-V-310%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page314">BGE 114 V 314</a> Erw. 3c </div> <div class="para">und 112 V 32; nicht veröffentlichtes Urteil H. vom 1. Juli </div> <div class="para">1993, U 136/92, Erw. 6b). </div> <div class="para">Im Rahmen der Würdigung der medizinischen Unterlagen </div> <div class="para">weicht der Richter bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende </div> <div class="para">Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten </div> <div class="para">ab, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit </div> <div class="para">zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten </div> <div class="para">Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen </div> <div class="para">kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich </div> <div class="para">ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten </div> <div class="para">in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen </div> <div class="para">gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner </div> <div class="para">gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen </div> <div class="para">anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug </div> <div class="para">erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in </div> <div class="para">Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch </div> <div class="para">einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne </div> <div class="para">Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende </div> <div class="para">Schlussfolgerungen zieht (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=5&amp;from_date=25.06.2001&amp;to_date=14.07.2001&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-351%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page352">BGE 125 V 352</a> Erw. 3b/aa; </div> <div class="para">RKUV 2000 Nr. U 377 S. 185 Erw. 4a). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">2.- a) Der behandelnde Psychiater Dr. med. J.________ </div> <div class="para">führte in seinem Bericht vom 19. Februar 1996 aus, dass </div> <div class="para">sich bei D.________ der typisch wechselhafte Verlauf einer </div> <div class="para">neurotischen Depression gezeigt habe. Er habe vor allem </div> <div class="para">unter Schlafstörungen gelitten, die dann jeweils massive </div> <div class="para">Ängste ausgelöst hätten, den täglichen Anforderungen nicht </div> <div class="para">mehr zu genügen. Nach einem wegen Verschlechterung seines </div> <div class="para">Zustandes erforderlich gewordenen vierwöchigen Aufenthalt </div> <div class="para">in der Rehabilitationsklinik (Diagnose: Erschöpfungsdepression) </div> <div class="para">habe sich D.________ allerdings wieder gut </div> <div class="para">zurecht gefunden. Mit einem Suizid habe er nicht gerechnet; </div> <div class="para">die Handlung müsse aus einem plötzlich einschiessenden, </div> <div class="para">unkontrollierbaren Impuls heraus erfolgt sein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Nach Auffassung des Dr. med. I.________ vom Ärzteteam </div> <div class="para">Unfallmedizin der SUVA handle es sich bei letzterer </div> <div class="para">Aussage des Dr. med. J.________ um einen bloss spekulativen </div> <div class="para">Rückschluss aus der Tat allein, dessen Richtigkeit sich </div> <div class="para">durch nichts belegen lasse. Einzig aus dem Umstand, dass </div> <div class="para">eine Handlung im Affekt ausgeführt werde, dürfe nicht geschlossen </div> <div class="para">werden, das Motiv oder der Impuls, der dazu führte, </div> <div class="para">müsse unkontrollierbar gewesen sein. Aufgrund der Akten </div> <div class="para">liessen sich keine äusseren so genannt vernünftigen Tatmotive </div> <div class="para">ausmachen, d.h. Beweggründe, die dem durchschnittlich </div> <div class="para">besonnenen Laien einfühlend verstehbar machen könnten, </div> <div class="para">dass ein Mitmensch sich aus ihnen heraus zur Selbsttötung </div> <div class="para">entschliessen könnte, wie z.B. finanzielle Überschuldung. </div> <div class="para">Andere, im eigentlichen Sinne psychotische Symptome wie </div> <div class="para">Wahn, Halluzinationen, Raptus, seien ebenfalls nicht nachweisbar. </div> <div class="para">Höchst unwahrscheinlich scheine anhand der Akten </div> <div class="para">ferner eine Explosivreaktion im Sinne einer eigentlichen </div> <div class="para">Geisteskrankheit bzw. schweren Störung des Bewusstseins. </div> <div class="para">D.________ habe bereits Tage vor dem Suizid einen ersten </div> <div class="para">und unmittelbar vor der Tat einen zweiten Abschiedsbrief </div> <div class="para">verfasst; die ihn belastenden Probleme seien ihm seit </div> <div class="para">längerem bekannt gewesen. Von einem blitzartigen Durchbruch </div> <div class="para">in eine Handlung ohne jegliche innerpsychische Verarbeitung </div> <div class="para">könne deshalb nicht die Rede sein (Stellungnahme vom </div> <div class="para">14. Mai 1996). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) PD Dr. med. M.________ geht in seinem Gutachten vom </div> <div class="para">28. Oktober 1997 davon aus, dass D.________ wenige Tage, </div> <div class="para">nachdem er in einer akuten depressiven Krise den ersten Abschiedsbrief </div> <div class="para">geschrieben habe, erneut in einen angstbetonten </div> <div class="para">Krisenzustand geraten sei. Im daraufhin verfassten Abschiedsbrief </div> <div class="para">komme zum Ausdruck, dass die Unterstützung, </div> <div class="para">die er durch seine Familie erfahren habe, nicht genügend </div> <div class="para">habe helfen können, und dass er sich als Versager gefühlt </div> <div class="para">habe. Er habe keine Zweifel daran, dass D.________ zu </div> <div class="para">diesem Zeitpunkt noch in der Lage gewesen sei, die Situation </div> <div class="para">bzw. die Zukunft realistisch abzuschätzen. Er habe offenbar </div> <div class="para">nur noch den Suizid als Ausweg gesehen. Aus der Literatur </div> <div class="para">sei bekannt, dass ein Zusammenhang bestehe zwischen </div> <div class="para">Panikstörungen und suizidalen Handlungen. In einer Angstkrise </div> <div class="para">sei der Mensch nicht mehr in der Lage, seine Situation </div> <div class="para">realistisch einzuschätzen. Es müsse angenommen werden, </div> <div class="para">dass D.________ zur Zeit der Tat gänzlich unfähig gewesen </div> <div class="para">sei, vernunftgemäss zu handeln. Grund dafür sei nicht allein </div> <div class="para">die - in der Symptomatik zwischen schwer und leicht </div> <div class="para">wechselnde - depressive Erkrankung, sondern eine akute Verschlechterung </div> <div class="para">des Zustandes im Sinne einer Angstkrise. Es </div> <div class="para">liege keine Geisteskrankheit im Sinne einer Psychose, sondern </div> <div class="para">ein Raptus vor, d.h. ein plötzlich einschiessender Erregungszustand, </div> <div class="para">der als Geisteskrankheit im Rechtssinne zu </div> <div class="para">gelten habe. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">d) In seiner Stellungnahme vom 12. Februar 1998 führte </div> <div class="para">Prof. Dr. med. Y.________ aus, was an Informationen effektiv </div> <div class="para">vorhanden sei, spreche dagegen, dass D.________ in </div> <div class="para">einem depressiven Raptus - in der Psychiatrie allgemein als </div> <div class="para">ein blind triebhafter Erregungszustand auf dem Boden einer </div> <div class="para">schweren Depression verstanden - Suizid begangen habe. </div> <div class="para">D.________ habe sich am Todestag anscheinend leise aus </div> <div class="para">seinem Bett erhoben, sodass seine Frau nicht erwacht sei, </div> <div class="para">sich in sein Büro begeben, die Abschiedsnotiz geschrieben, </div> <div class="para">die Pistole geholt und geladen. Dieser überlegte Handlungsablauf </div> <div class="para">widerspreche vollständig dem in der Psychiatrie üblichen </div> <div class="para">Begriff des Raptus, d.h. einem blind triebhaften, </div> <div class="para">als psychotisch zu bezeichnenden Verhalten. Zwar sei richtig, </div> <div class="para">dass Depressionen oft mit einer Angstsymptomatik verbunden </div> <div class="para">seien. Für die vorliegende Beurteilung sei jedoch </div> <div class="para">nicht wichtig, ob überhaupt Angst im Zeitpunkt des Suizids </div> <div class="para">erlebt worden sei, sondern ob diese Angst ein psychotisches </div> <div class="para">Ausmass gehabt habe. Dies könne nur angenommen werden, wenn </div> <div class="para">mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein psychopathologischer </div> <div class="para">Zustand nachgewiesen sei, was nur der Fall wäre, wenn </div> <div class="para">Sinnestäuschungen, Wahn, depressiver Stupor, raptusartige </div> <div class="para">Erregung oder eine schwere Störung des Bewusstseins den </div> <div class="para">Suizidenten beherrscht hätten. Dafür gäbe es vorliegend </div> <div class="para">keine Hinweise. D.________ sei am Morgen des 2. Februar </div> <div class="para">1996 zwar depressiv und hoffnungslos gewesen, doch spreche </div> <div class="para">nichts dafür, dass er blind triebhaft und in panischer </div> <div class="para">Angst gehandelt habe. Aus psychiatrischer Sicht könne deshalb </div> <div class="para">nicht der Schluss gezogen werden, es habe vollständige </div> <div class="para">Urteilsunfähigkeit bestanden. Die Annahme des Raptus sei </div> <div class="para">völlig unbelegt; die subjektive Meinung des PD Dr. med. </div> <div class="para">M.________ basiere nicht auf den vorhandenen psychiatrischen </div> <div class="para">Fakten, sondern auf einem Vorurteil, der dem Aussenstehenden </div> <div class="para">unerklärliche Suizid müsse in einem psychischen </div> <div class="para">Ausnahmezustand erfolgt sein. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">3.- a) Die Vorinstanz gelangte zum Ergebnis, dass die </div> <div class="para">Aktenlage mit Prof. Dr. med. Y.________ einzig den Schluss </div> <div class="para">zulasse, D.________ sei am Todestag zwar depressiv und </div> <div class="para">hoffnungslos gewesen, habe aber weder blind noch triebhaft </div> <div class="para">noch in panischer Angst gehandelt, was bedeute, dass bei </div> <div class="para">ihm im Tatzeitpunkt ein Minimum an Besinnungsfähigkeit zur </div> <div class="para">kritischen, bewussten Steuerung der innerseelischen Vorgänge </div> <div class="para">vorhanden gewesen sei. Demgegenüber spekuliere PD Dr. </div> <div class="para">med. M.________ über mögliche innerseelische Vorgänge; </div> <div class="para">namentlich führe er nicht aus, worauf sich die Annahme </div> <div class="para">stütze, dass D.________ sich im Zeitpunkt der Tat in einem </div> <div class="para">akuten psychischen Ausnahmezustand befunden habe, welcher </div> <div class="para">einem akuten Angstzustand auf dem Boden der depressiven </div> <div class="para">Entwicklung bzw. einem Raptus entspreche. Eine akute Angstkrise </div> <div class="para">als Tatauslöser sei jedenfalls aktenmässig anhand der </div> <div class="para">Vorgeschichte nicht belegt; abgesehen davon erachte PD Dr. </div> <div class="para">med. M.________ selbst - ebenso wie Dr. med. J.________ - </div> <div class="para">eine psychotische Episode nicht als erwiesen. Belegt sei </div> <div class="para">mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur, dass D.________ </div> <div class="para">von grossen Ängsten geplagt worden sei, doch lasse sich </div> <div class="para">daraus nicht auf eine jegliche Urteilsfähigkeit ausschliessende </div> <div class="para">Angstkrise im Tatzeitpunkt schliessen. </div> <div class="para">Ein weiteres Indiz für diese Annahme bilde der zweite </div> <div class="para">Abschiedsbrief, welcher unmittelbar vor der Tathandlung </div> <div class="para">verfasst und weder vom Formalen noch vom Inhalt her auf einen </div> <div class="para">psychotischen Zustand hinweisend, einen klaren Entschluss </div> <div class="para">aufgrund einer rational ohne weiteres nachvollziehbaren </div> <div class="para">Feststellung manifestiere, die gegen eine panikartige </div> <div class="para">Kurzschlussreaktion spreche; im Gegenteil, sie weise auf </div> <div class="para">eine überlegte, in den Suizid mündende Handlung hin. </div> <div class="para">D.________ habe mehrmals Suizidgedanken geäussert; er sei </div> <div class="para">sich offensichtlich bewusst gewesen, dass er seinen nachweislich </div> <div class="para">hohen Ansprüchen nicht mehr genügte und habe daraus </div> <div class="para">die Konsequenzen gezogen. Dabei habe er geradezu auf </div> <div class="para">der Tathandlung bestanden: wohl habe er sich einmal davon </div> <div class="para">abhalten lassen; den zweiten Anlauf habe er jedoch so eingerichtet, </div> <div class="para">dass er unfehlbar sein Ziel erreichte. Dies </div> <div class="para">spreche klarerweise für ein auf ein bestimmtes Ziel gerichtetes </div> <div class="para">Handeln, von welchem er letztlich offensichtlich </div> <div class="para">nicht abzubringen gewesen sei. Dass er den Suizid vernunftgemäss </div> <div class="para">gewollt habe, sei jedenfalls wahrscheinlicher als </div> <div class="para">die Annahme, die Tat beruhe auf einem durch übermächtige </div> <div class="para">Triebe gesteuerten Vorgang. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">b) Der im angefochtenen Entscheid vertretenen Auffassung </div> <div class="para">ist beizupflichten. Gestützt auf die von den Ärzten </div> <div class="para">beschriebenen psychopathologischen Zusammenhänge ist mit </div> <div class="para">der Vorinstanz (und der SUVA) davon auszugehen, dass ein </div> <div class="para">psychischer Ausnahmezustand im Sinne eines Raptus, auf welchen </div> <div class="para">PD Dr. med. M.________ und Dr. med. J.________ letztlich </div> <div class="para">aus der Unsinnigkeit und Unerklärbarkeit der Tat </div> <div class="para">schliessen, nicht die erforderliche Wahrscheinlichkeit für </div> <div class="para">sich hat. Insofern sind die kritischen Bemerkungen des </div> <div class="para">Prof. Dr. med. Y.________ vom 12. Februar 1998, namentlich </div> <div class="para">seine Ausführungen zum Gutachten des PD Dr. med. M.________ </div> <div class="para">vom 28. Oktober 1997, überzeugend. Soweit der von Prof. Dr. </div> <div class="para">med. Y.________ (nur) als "anscheinend" geschilderte Geschehensablauf </div> <div class="para">am fraglichen Morgen in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para">als willkürlich bemängelt wird, ist darauf </div> <div class="para">hinzuweisen, das dieser seine Grundlage in den wesentlichen </div> <div class="para">Punkten (abgesehen vom Laden der Pistole) in den </div> <div class="para">Schilderungen der Ehefrau des Verstorbenen hat. </div> <div class="para">Nach der Rechtsprechung schliesst planmässiges und </div> <div class="para">vernünftiges Handeln in den letzten Tagen und unmittelbar </div> <div class="para">vor dem Suizid völlige Urteilsunfähigkeit im Zeitpunkt der </div> <div class="para">Tat nicht aus (RKUV 1996 Nr. U 267 S. 311 Erw. 2d; nicht </div> <div class="para">veröffentlichtes Urteil H. vom 1. Juli 1993, U 136/92, </div> <div class="para">Erw. 5b). Im vorliegenden Fall sind aus der Zeit vor dem </div> <div class="para">Suizid in verschiedener Hinsicht vernünftige und planmässige </div> <div class="para">Handlungen ersichtlich. Dabei fällt auf, dass D.________ </div> <div class="para">schon ca. einen Monat vor dem Tod von Suizid gesprochen hat </div> <div class="para">(im Gutachten des PD Dr. med. M.________ vom 28. Oktober </div> <div class="para">1997 wiedergegebene, von der Witwe diesem Arzt gegenüber </div> <div class="para">gemachte Aussage); einige Tage zuvor hat er sodann einen </div> <div class="para">ersten Abschiedsbrief geschrieben. Aus diesen Indizien </div> <div class="para">schliesst die Vorinstanz, entgegen der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde </div> <div class="para">vertretenen Auffassung, zu Recht auf eine </div> <div class="para">überlegte, eine panikartige Kurzschlusshandlung ausschliessende </div> <div class="para">und in den Suizid mündende Handlung, um aus </div> <div class="para">dem beruflichen und dem vermeintlichen finanziellen Dilemma </div> <div class="para">herauszukommen. Dass sie dabei vom bei PD Dr. med. </div> <div class="para">M.________ eingeholten Gutachten, auf dessen Einholung sich </div> <div class="para">die Parteien im vorinstanzlichen Verfahren geeinigt haben, </div> <div class="para">abgewichen ist, ist nicht zu beanstanden. Zwar hat die Einschätzung </div> <div class="para">des PD Dr. med. M.________, auch wenn sie nicht </div> <div class="para">als förmliches Gerichtsgutachten erstattet worden ist, erhöhte </div> <div class="para">Beweiskraft. Vorliegend rechtfertigte es sich aber, </div> <div class="para">von seiner Expertise abzuweichen, weil deren Schlüssigkeit </div> <div class="para">nach dem Gesagten durch die ihr widersprechende und überzeugende </div> <div class="para">Stellungnahme des Prof. Dr. med. Y.________ in </div> <div class="para">Frage gestellt wurde (vgl. Erw. 1c hievor). </div> <div class="para"> </div> <div class="para">c) Ist demnach bei D.________, wie SUVA und Vorinstanz </div> <div class="para">zutreffend erkannt haben, ein noch in erheblichem Masse </div> <div class="para">vernunftgemässes und willentliches Handeln wahrscheinlicher </div> <div class="para">als Handeln im Zustand voller Urteilsunfähigkeit, muss ein </div> <div class="para">Unfall verneint werden. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht </div> <div class="para">des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche </div> <div class="para">Abteilung, und dem Bundesamt für Sozialversicherung </div> <div class="para">zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 11. Juli 2001 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der III. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: </div> </div></body></html>