<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2008 66 S.338</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">338</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"> <p><br/> <span class="ft1">[...]</span></p> <p><br/> <span class="ft3"><b>66 Abzüge vom Reineinkommen; Kosten des Liegenschaftsunterhalts;</b></span><br/> <span class="ft3"><b>anschaffungsnahe Aufwendungen/Dumont-Praxis (§ 39 Abs. 2 StG).</b></span><br/> <span class="ft4">-</span> <span class="ft3"><b>Vorgehensweise bei Unterhaltskosten innerhalb der ersten 5 Jahre</b></span><br/> <span class="ft3"><b>nach Erwerb einer Liegenschaft.</b></span><br/> <br/> <span class="ft6">24. Juli 2008 in Sachen U.R., 3-RV.2007.145</span><br/> <br/> <span class="ft2"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1.</span><br/> <span class="ft1">Bei Liegenschaften im Privatvermögen können die Unterhalts-</span><br/> <span class="ft1">kosten, die Versicherungsprämien und die Kosten der Verwaltung</span><br/> <span class="ft1">durch Dritte abgezogen werden (§ 39 Abs. 2 Satz 1 StG). Als Kosten</span><br/> <span class="ft1">für den Unterhalt von Liegenschaften gelten bloss die werterhal-</span><br/></p> </div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">339</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tenden Aufwendungen (§ 24 Abs. 1 StGV). Den Unterhaltskosten</span><br/> <span class="ft1">sind Investitionen gleichgestellt, die dem Energiesparen und dem</span><br/> <span class="ft1">Umweltschutz dienen, soweit sie bei der direkten Bundessteuer</span><br/> <span class="ft1">abziehbar sind (§ 39 Abs. 2 Satz 2 StG).</span><br/> <span class="ft1">Die Unterhaltskosten können vollumfänglich auch von der</span><br/> <span class="ft1">neuen Eigentümerin oder vom neuen Eigentümer geltend gemacht</span><br/> <span class="ft1">werden, sofern die Liegenschaft nicht in vernachlässigtem Zustand</span><br/> <span class="ft1">erworben wurde (§ 39 Abs. 3 StG). Als vernachlässigt gilt eine Lie-</span><br/> <span class="ft1">genschaft, wenn die in grösseren Zeitabständen (15 und mehr Jahre)</span><br/> <span class="ft1">anfallenden Unterhaltsarbeiten unterblieben sind und erst durch die</span><br/> <span class="ft1">neue Eigentümerin oder den neuen Eigentümer ausgeführt werden</span><br/> <span class="ft1">(§ 24 Abs. 2 StGV). Bei einer vernachlässigten Liegenschaft kann</span><br/> <span class="ft1">die neue Eigentümerin oder der neue Eigentümer innert 5 Jahren seit</span><br/> <span class="ft1">dem Erwerb nur die den Unterhaltskosten gleichgestellten Investi-</span><br/> <span class="ft1">tionskosten nach Massgabe von § 39 Abs. 2 des Gesetzes abziehen</span><br/> <span class="ft1">(§ 24 Abs. 3 StGV).</span><br/> <span class="ft1">3.2.</span><br/> <span class="ft1">Gestützt auf ein Urteil des aargauischen Verwaltungsgerichts</span><br/> <span class="ft1">vom 18. September 2006 hat das Steueramt des Kantons Aargau am</span><br/> <span class="ft1">28. Februar 2007 das Merkblatt "Liegenschaftsunterhalt" betreffend</span><br/> <span class="ft1">anschaffungsnahe Aufwendungen (Dumont-Praxis) angepasst. Da-</span><br/> <span class="ft1">nach wird in einem ersten Schritt anhand einer Gesamtbetrachtung</span><br/> <span class="ft1">beurteilt, ob es sich bei einer vom Steuerpflichtigen kürzlich erwor-</span><br/> <span class="ft1">benen und in der Folge unterhaltenen Liegenschaft um eine vernach-</span><br/> <span class="ft1">lässigte Liegenschaft handelt. Gemäss dem Merkblatt liegt eine ver-</span><br/> <span class="ft1">nachlässigte Liegenschaft vor, wenn die "Nettosumme aller in Rech-</span><br/> <span class="ft1">nung gestellten Positionen, ohne Investitionsanteile" innert 5 Jahren</span><br/> <span class="ft1">nach dem Kauf 25 % des Kaufpreises übersteigt. In diesem Fall sind</span><br/> <span class="ft1">einzig die Kosten für energiesparende Massnahmen zu 50 % sowie</span><br/> <span class="ft1">die periodisch, in der Regel einmal jährlich, anfallenden Kosten</span><br/> <span class="ft1">abzugsfähig. Das Steuerrekursgericht hat diese Praxis mit RGE vom</span><br/> <span class="ft1">24. April 2008 in Sachen J. + I.S. als angemessen qualifiziert.</span><br/> <span class="ft1">Sofern es sich um eine nicht vernachlässigte Liegenschaft han-</span><br/> <span class="ft1">delt, ist eine Einzelbetrachtung anzuwenden. Dabei gelten die Kosten</span><br/> <span class="ft1">für alle Bauteile mit einer Normalgebrauchsdauer bis und mit 15</span><br/> <span class="ft1">Jahren als abzugsberechtigte Instandhaltungskosten. Für Bauteile mit</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2008</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">340</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">einer Normalgebrauchsdauer von über 15 Jahren ist zwischen den</span><br/> <span class="ft1">normalen Instandstellungsarbeiten einerseits und den Wiederinstand-</span><br/> <span class="ft1">stellungsarbeiten und überfälligen Ersatzanschaffungen anderseits zu</span><br/> <span class="ft1">unterscheiden (§ 24 Abs. 2 StGV; vgl. Merkblatt "Liegenschaftsun-</span><br/> <span class="ft1">terhalt", Ziff. 5).</span><br/> <span class="ft1">Im Rahmen der Einzelbetrachtung ist auch die Frage zu prüfen,</span><br/> <span class="ft1">ob allenfalls Baumängel behoben wurden (vgl. dazu erläuternd</span><br/> <span class="ft1">Merkblatt "Liegenschaftsunterhalt", Ziff. 3.7).</span><br/> <span class="ft1">3.3.</span><br/> <span class="ft1">Sowohl nach der bundesgerichtlichen als auch nach der ver-</span><br/> <span class="ft1">waltungsgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. StE 2007 B 24.4 Nr. 75</span><br/> <span class="ft1">und VGE vom 7. Dezember 2000 in Sachen D.H.) ist eine neue Pra-</span><br/> <span class="ft1">xis sofort auf alle noch hängigen Verfahren anzuwenden. Es wird</span><br/> <span class="ft1">nicht unterschieden, ob sich die neue Praxis zu Gunsten oder zu Las-</span><br/> <span class="ft1">ten eines Steuerpflichtigen auswirkt.</span><br/> <span class="ft1">Der vorliegende Fall ist somit unter Anwendung der dargelegten</span><br/> <span class="ft1">(neuen) Grundsätze zur Dumont-Praxis zu beurteilen (RGE vom</span><br/> <span class="ft1">24. April 2008 in Sachen J. + I.S.).</span><br/> <span class="ft1">4.</span><br/> <span class="ft1">4.1.</span><br/> <span class="ft1">Weil nach der neuen Praxis eine vernachlässigte Liegenschaft</span><br/> <span class="ft1">dann vorliegt, wenn deren Erwerber in den ersten 5 Jahren 25 % des</span><br/> <span class="ft1">Kaufpreises für den Unterhalt dieser Liegenschaft aufwendet, können</span><br/> <span class="ft1">die Kantons- und Gemeindesteuern 2001 und folgende grundsätzlich</span><br/> <span class="ft1">erst nach Ablauf der 5-Jahresfrist definitiv veranlagt werden, es sei</span><br/> <span class="ft1">denn, es stehe aufgrund der vom Rekurrenten eingereichten Unterla-</span><br/> <span class="ft1">gen bereits vorher fest, dass (nach Ausscheidung der Investitionsan-</span><br/> <span class="ft1">teile) die 25 % des Kaufpreises der Liegenschaft überschritten wur-</span><br/> <span class="ft1">den.</span><br/></div> </div> </body> </html>