Seite 1 Entscheid vom 4. November 2016 (510 16 64) __________________________________________________ ___________________ Ermessenseinschätzung Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter Dr. L. Schneider, P. Salathe, M. Zeller, Dr. Ph. Spitz, Gerichtsschreiber D. Brügger Parteien A. ____ Rekurrenten gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2011 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2011 vom 25. Juni 2015 wurden die Pflich- tigen zu einem in Kanton Basel-Landschaft steuerbaren Ei nkommen in Höhe von Fr. 119‘306.-- und Vermögen in Höhe von Fr. 17‘395.-- veranlagt. Zu r Begründung verwies die Steuerverwal- tung auf ihr Schreiben vom 21. Oktober 2014, wo dargelegt worden sei, die Pflichtigen seien zur Einreichung einer korrekt ausgefüllten Steuererklärung verpflichtet. Weil dies nicht geschehen sei, habe eine Ermessenseinschätzung vorgenommen werden müssen. 2. Mit Eingabe vom 27. Juli 2015 erhoben die Pflichti gen mit dem Begehren, die Veranla- gung sei unter Berücksichtigung des Doppelbesteuerungsabk ommens vorzunehmen, Einspra- che. Zur Begründung führten sie aus, aus der Erfolgsrechnung gehe hervor, dass der Ehemann einen Verlust von Fr. 22‘038.30 erwirtschaftet habe. Wie die Steuerverwaltung auf ein steuerba- res Einkommen von Fr. 119‘306.-- gekommen sei, könne ni cht nachvollzogen werden. Dassel- be gelte für die Vermögensermittlung. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 20. Juni 2016 wurde di e Einsprache abgewiesen. Zur Begründung führte die Steuerverwaltung aus, der Pfl ichtige sei als selbständigerwerbender B.____ mit festem Geschäftsdomizil in C.____ (Betriebsst ätte) tätig. Er begründe dort ein se- kundäres Steuerdomizil aufgrund wirtschaftlicher Zugehöri gkeit. Die nicht ausgefüllte Steuerer- klärung bzw. die eingereichten Unterlagen hätten kein vollständig transparentes Bild der Steuer- faktoren zugelassen. Aus diesem Grund habe zu einer Erme ssenseinschätzung gegriffen wer- den müssen. Die Erfolgsrechnung habe einen Verlust von Fr. 22‘038.30 und die Bilanz einen anderen Wert ausgewiesen, so dass aufgrund der unklaren Situation auf Erfahrungszahlen, d.h. auf die Zahlen der Vorperiode, mithin Fr. 121‘288.--, abgestellt worden sei. 4. Mit Eingabe vom 20. Juli 2016 erhoben die Pflicht igen mit dem Begehren, es sei der Einsprache-Entscheid aufzuheben und die Sache an die Vor instanz zurückzuweisen mit der Anweisung, die Veranlagung gestützt auf die Erfolgsre chnung vorzunehmen, Rekurs. Zur Be- gründung machten sie geltend, der Ehemann sei nicht bu chführungspflichtig. Er sei nur ver- pflichtet, seine jährlichen Einnahmen (Honorare) abzüg lich der geschäftsbedingten Auslagen, Seite 3 also den jährlichen Gewinn, den Steuerbehörden bekannt zu geben. Der Verlust sei aufgrund seiner mehrmonatigen Büroabwesenheit entstanden. 5. Mit Vernehmlassung vom 10. August 2016 beantragte d ie Steuerverwaltung die Abwei- sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, die Mit wirkungspflichten seien seitens der Rekurrenten vernachlässigt worden, weshalb es zu einzeln festgesetzten ermessensweisen Einkommensfaktoren habe kommen müssen. Man habe Verglei chszahlen anderer B.____ hin- zugezogen, um ein realitätsnahes Einkommen bestimmen zu können. 6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Pa rteien an ihren Begehren fest. Hin- sichtlich der behaupteten Büroabwesenheit gab der Pflichtige auf eine entsprechende Frage an, dass diese von September 2010 bis Mai 2011 gedauert ha be. Angesprochen auf die diversen Bilanzbrüche führte der Rekurrent aus, dass, da er dav on wenig verstehe, seine Sekretärin die Buchhaltung mache. Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren u mstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr überste igt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in fo rmeller Hinsicht an einen Rekurs zu stel- lenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Der Pflichtige hat seinen Wohnsitz und damit das Hau ptsteuerdomizil in Deutschland. Er arbeitet als selbständigerwerbender B.____ in C.____. Damit liegt ein internationaler Sachver- halt mit verschiedenen steuerlichen Anknüpfungspunkten vor. Vorab stellt sich damit die Frage, wo das vom Pflichtigen erzielte Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit zu besteuern ist. Seite 4 a) Die Schweiz hat mit diversen Ländern international e Staatsverträge zur Vermei- dung der Doppelbesteuerung abgeschlossen, die jeweils w eitgehend dem (unverbindlichen) Musterabkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung a uf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen der Organisation für wirtscha ftliche Zusammenarbeit und Ent- wicklung (OECD) entsprechen. Zwischen der Schweiz und Deu tschland ist das Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen vom 11. August 1971 (SR 0.672.913.62, DBA CH-D) massgebend. b) In Art. 14 DBA CH-D sind die Grundsätze der Zustän digkeiten der beiden Staa- ten zur Besteuerung von Einkünften aus selbständiger Erw erbstätigkeit geregelt. Gemäss Abs. 1 können Einkünfte, die eine in einem Vertragsstaa t ansässige Person aus einem freien Beruf oder aus sonstiger selbständiger Tätigkeit ähnliche r Art bezieht, nur in diesem Staat be- steuert werden, es sei denn, dass die Person für die Au sübung ihrer Tätigkeit in dem anderen Vertragsstaat regelmässig über eine feste Einrichtung ve rfügt. Verfügt sie über eine solche fes- te Einrichtung, so können die Einkünfte in dem ander en Staat besteuert werden, jedoch nur insoweit, als sie dieser festen Einrichtung zugerechnet werden können. Gemäss Abs. 2 umfasst der Ausdruck „freier Beruf“ insbesondere die selbständig a usgeübte wissenschaftliche, literari- sche, künstlerische, erzieherische oder unterrichtende Tätigkeit sowie die selbständige Tätigkeit der Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten, Zahn ärzte und Bücherrevisoren. Gemäss Art. 22 Abs. 2 DBA CH-D kann bewegliches Vermögen, das B etriebsvermögen einer Betriebs- stätte eines Unternehmens darstellt oder das zu einer der Ausübung eines freien Berufes die- nenden festen Einrichtung gehört, in dem Vertragsstaat besteuert werden, in dem sich die Be- triebsstätte oder die feste Einrichtung befindet. c) Rechtsprechung und Praxis haben die Voraussetzungen kon kretisiert, wann eine feste Einrichtung vorliegt. Drei Voraussetzungen sind kumu lativ zu erfüllen: Es muss eine kör- perliche Anlage vorhanden sein, die der Ausübung der selbständigen Tätigkeit dient, die Ein- richtung muss auf eine gewisse Dauer angelegt sein und d em Steuerpflichtigen muss die Ver- fügungsgewalt über diese Einrichtung zustehen (vgl. vo n Ah, in: Zweifel/Beusch/Matteotti [Hrsg.], Kommentar zum Internationalen Steuerrecht, Art. 14 OECD-MA N 47, m.w.H.). d) Vorliegend verfügt der Pflichtige in C.____ zur Aus übung seiner selbständigen Erwerbstätigkeit als B.____ unbestrittenermassen über f este Einrichtungen im Sinne des Dop- pelbesteuerungsabkommens und der hiervor zitierten Praxi s. Damit begründet er in C.____ ein Nebensteuerdomizil, wo das dort erzielte Einkommen zu besteuern ist, wobei das steuerbare Seite 5 Gesamteinkommen der Ehegatten satzbestimmend zu berücksichtigen ist. Dasselbe gilt für das Betriebsvermögen, welches in C.____ zu besteuern ist, wob ei auch hier das steuerbare Ge- samtvermögen der Ehegatten satzbestimmend zu berücksichtige n ist. Dass die Steuerverwal- tung die Besteuerung gemäss dem Doppelbesteuerungsabkomm en dem Grundsatz nach kor- rekt vorgenommen hat, ist im vorliegenden Rekursverfahren nicht (mehr) umstritten. 3. Der Beurteilung unterliegt, ob das vom Pflichtigen erzielte Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit von der Steuerverwaltung zu Recht nach pflichtgemässem Ermessen ge- schätzt wurde. a) Gemäss § 101 StG hat der Steuerpflichtige zu Beginn jeder Veranlagungsperio- de sowie bei Eintritt in die Steuerpflicht, eine Ste uererklärung einzureichen. Er hat Einkommen, Vermögen bzw. Ertrag und Kapital sowie gemachte oder e rhaltene Schenkungen mit den schenkenden oder beschenkten Personen anzugeben. Gemeinsa m steuerpflichtige Ehegatten haben eine gemeinsame, von beiden Ehegatten unterzeich nete Steuererklärung einzureichen. Die Einreichung von Kopien der deutschen Steuerdeklara tion ersetzt die hiesigen Mitwirkungs- pflichten nicht (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 2C_837/2014 vom 23. Februar 2015). b) Das gemischte Veranlagungsverfahren kombiniert und koordiniert Mitwirkungs- handlungen der steuerpflichtigen Person und Untersuchun gshandlungen der Einschätzungsbe- hörden. Gemäss dem Mitwirkungsgrundsatz ist die steuerpfli chtige Person verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen und alle für eine korrekt e Veranlagung notwendigen Mitwirkungs- handlungen vorzunehmen. Die Einschätzungsbehörden haben anschliessend im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes den steuerrelevanten Sachverhalt mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Untersuchungsmitteln abzuklären. Diese Verfahre nsmaximen stehen im Unterord- nungsverhältnis zueinander, indem der Mitwirkungsgrundsa tz der Verwirklichung des Untersu- chungsgrundsatzes dient (vgl. Meier in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, § 101 N 1f.). Zur Ermittlung des Sachverhalts räumt das Gesetz der Veranlagungsbehörde verschiedene Untersuchungsmittel ein, wie die Befragung des Steu- erpflichtigen oder Dritter oder die Beweismittel (Urku nden, Bescheinigungen, Geschäftsbücher, Sachverständigengutachten, Amtsbericht, Augenschein, Au skünfte mitwirkungspflichtiger Drit- ter). Grundsätzlich liegt es im Ermessen der Veranlagun gsbehörde, welche Untersuchungs- handlungen sie vornehmen will (vgl. Zweifel in: Kommen tar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Art. 46 StHG N 4b). Seite 6 c) Anlass zu einer Ermessensveranlagung bietet jede nic ht zu beseitigende Unge- wissheit über den Sachverhalt, welche es der Veranlagun gsbehörde verunmöglicht, die Steuer- faktoren oder Teile hiervon, einwandfrei zu ermitteln, und zwar aufgrund zuverlässiger Unterla- gen, d.h. gestützt auf eine beweismässig Abklärung des Sa chverhalts. Denn bei Missachtung von Verfahrenspflichten durch den Steuerpflichtigen ge rät die Veranlagungsbehörde regelmäs- sig in einen Untersuchungsnotstand, der den abklärungsbe dürftigen Sachverhalt als ungewiss erscheinen lässt. Die Ermessensveranlagung wegen Nichterfü llung von Verfahrenspflichten setzt voraus, dass der Steuerpflichtige seine Mitwirkungs pflichten nicht erfüllt hat. Eine Nichter- füllung liegt vor, wenn der Steuerpflichtige die ve rlangte Mitwirkungshandlung überhaupt nicht vornimmt. Eine nicht gehörige Mitwirkung kann des Weite ren darin bestehen, dass der Steuer- pflichtige seine Verfahrensplicht zwar erfüllt, die Erf üllung selber jedoch mangelhaft ist. Eine formell nicht gehörige Erfüllung ist anzunehmen, wenn die Mitwirkungshandlung des Steuer- pflichtigen in ihrer Form nicht vollständig mit der ge forderten Handlung identisch ist, z.B. Abga- be einer nicht unterzeichneten Steuerklärung. Die mat eriell nicht gehörige Erfüllung zeichnet sich dadurch aus, dass die vorgenommene Mitwirkungshandlung qualitativ mangelhaft ist, d.h. mit der verlangten Handlung zwar formell (äusserlich) i dentisch ist, zur Ermittlung des materiell wahren Sachverhalts aber ganz oder teilweise untauglic h ist, z.B. Abgabe einer Steuererklä- rung, worin zu niedrige Einkünfte oder zu hohe Abzüge deklariert sind (vgl. Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, § 19 N 10 ff., m.w.H.). d) Vorliegend wurden die Pflichtigen hinsichtlich der Steuerklärungen der Jahre 2006 bis 2009 seitens der Steuerverwaltung mit Chargé- Schreiben vom 21. Oktober 2014 da- rauf hingewiesen, dass sie als sekundär Steuerpflichtige dazu verpflichtet seien, für jedes Steu- erjahr eine vollumfängliche Steuerklärung einzureichen, die alle Einnahmen und Ausgaben so- wie alle Vermögenswerte im In- und Ausland samt den en tsprechenden Belegen offen lege. Das vorgenannte Schreiben bezog sich zwar nicht direkt au f das vorliegend strittige Steuerjahr. Aus der Formulierung „für jedes Steuerjahr“ musste den Pflichtigen aber klar sein, dass dies nicht nur für die Steuerklärungen der Jahre 2006 bis 2 009, sondern auch für die nachfolgenden Steuerjahre gilt. Trotzdem haben die Pflichtigen im hier strittigen Steuerjahr eine nicht ausgefüll- te und nicht unterzeichnete Steuerklärung eingereicht u nd dieser die Bilanz und Erfolgsrech- nung hinsichtlich der selbständigen Erwerbstätigkeit des Rekurrenten als B.____ in C.____ und die deutschen Steuerunterlagen beigelegt. Damit liegt eine nicht gehörige Erfüllung vor, so dass die Steuerverwaltung zu Recht eine Ermessensveranlagung vorgenommen hat. Seite 7 4. Der Beurteilung unterliegt weiter, ob die Steuer verwaltung das Ermessen pflichtgemäss ausgeübt hat. a) Hat der Steuerpflichtige gemäss Art. 46 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und G emeinden (StHG) vom 14. Dezember 1990 trotz Mahnung seine Verfahrenspflichten nicht erf üllt oder können die Steuerfaktoren mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermi ttelt werden, so nimmt die Veranla- gungsbehörde die Veranlagung nach pflichtgemässem Erme ssen vor. Soweit gemäss § 109 Abs. 5 StG eine genaue Veranlagung aufgrund der vorha ndenen Unterlagen nicht möglich ist, wird sie nach pflichtgemässem Ermessen vorgenommen. Das Ei nkommen ist, soweit möglich, nach Erfahrungszahlen oder nach dem Lebensaufwand des Steuerpflichtigen zu schätzen. b) Bei der Ermessenseinschätzung hat die Steuerbehörde von Amtes wegen alle Unterlagen zu berücksichtigen, die ihr zur Verfügung steh en. Sie hat alle Umstände in Rech- nung zu stellen, von denen sie Kenntnis hat, auch wenn sie möglicherweise nicht in den Akten vermerkt sind; denn die amtliche Veranlagung ist nach pf lichtgemässem Ermessen vorzuneh- men. Der Steuerpflichtige soll möglichst entsprechend seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eingeschätzt werden. Das setzt eine Würdigung der gesamten Verhältnisse voraus. Die Steuer- behörde hat dabei eine vorsichtige Schätzung vorzunehmen , ohne allerdings dazu verpflichtet zu sein, bei der durch das Verhalten des Steuerpflichti gen bedingten Ermessensbetätigung im Zweifelsfall die für diesen günstigste Annahme zu tre ffen: Es soll vermieden werden, dass der- jenige Steuerpflichtige, der für die Möglichkeit der Nachprüfung der von ihm erklärten Verhält- nisse Sorge getragen hat, höhere Steuern zu bezahlen h at als derjenige, bei dem eine solche Nachprüfung aus von ihm zu vertretenden Gründen unmögl ich ist. Die Verletzung von Verfah- renspflichten darf sich nicht lohnen. Soweit als möglich sind die Verhältnisse des Einzelfalles zu würdigen. Namentlich sind allfällige vereinzelt feststehende Tatsachen der Schätzung zugrunde zu legen. Ferner sind allfällige ausreichend abgestützte Schätzungshilfen und Schätzungsme- thoden beizuziehen. Insbesondere können Erfahrungszahle n, Vermögensentwicklung und Le- bensaufwand des Steuerpflichtigen bei der Schätzung be rücksichtigt werden (vgl. Zwei- fel/Casanova, a.a.O., § 19 N 19, m.w.H.). c) Wie hiervor gesehen, liegt es im Ermessen der Vera nlagungsbehörde, welche Untersuchungshandlungen sie vornehmen will. Dass die Ste uerverwaltung vorliegend keine weiteren Unterlagen einverlangt, telefonisch nachgefragt oder die Angelegenheit mit den Pflich- tigen besprochen hat, kann ihr deshalb nicht entgegeng ehalten werden, zumal es bei § 109 Seite 8 Abs. 2 und 3 StG um Kann-Vorschriften handelt, wonach die Steuerverwaltung nicht verpflich- tet, sondern lediglich befugt ist, Abklärungen im hiervor zitierten Sinn vorzunehmen. d) Vorliegend macht die Steuerverwaltung geltend, die Bilanz weiche im Ergebnis von der Erfolgsrechnung ab. Deshalb habe man Vergleichsza hlen anderer B.____ hinzugezo- gen, um ein realitätsnahes Einkommen bestimmen zu können. Um was für Vergleichszahlen es sich handelt, bleibt unklar. Da die Steuerverwaltung e ntgegen ihren Aussagen aber sowieso nicht auf solche Vergleichszahlen, sondern auf die effektiven Zahlen des Pflichtigen, d.h. auf die Zahlen der Vorperiode abgestellt hat, erübrigt sich e ine weitere Auseinandersetzung damit. Somit ist nachstehend auf die von der Steuerverwaltung monierte Abweichung zwischen Bilanz und Erfolgsrechnung einzugehen. e) Vorab stellt sich die Frage, ob der Pflichtige für seine selbständige Erwerbstätig- keit als B.____ aufzeichnungs- oder buchführungspflichtig ist. Für die Ermittlung des Unterneh- mensgewinnes müssen u.a. die allgemeinen gesetzlichen Best immungen der kaufmännischen Buchführung (Art. 957-964 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizeri- schen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht] vom 30. März 1911 [OR] in der im vorliegenden Fall gültigen Fassung), sowie die allgeme in anerkannten Grundsätze der kauf- männischen Buchführung, auf welche in Art. 959 aOR verw iesen wird, herangezogen werden (vgl. Kuhn/Brühlisauer in: Kommentar zum Schweizerischen S teuerrecht I/1, Art. 24 StHG N 14). Nicht alle Selbstständigerwerbenden sind zur Füh rung einer ordnungsgemässen Buch- haltung verpflichtet. Alle Steuerpflichtigen sind jedo ch zu Aufzeichnungen verpflichtet, die eine ordnungsgemässe Ermittlung des steuerbaren Reineinkomme ns gewährleisten. Buchführungs- pflichtig ist, wer verpflichtet ist, seine Firma in das Handelsregister eintragen zu lassen (Art. 957 aOR). Eintragungspflichtig ist, wer ein Handels-, Fabr ikations- oder ein anderes nach kaufmän- nischer Art geführtes Gewerbe betreibt (OR 934 I i.V.m . Art. 52 der Handelsregisterverordnung vom 7. Juni 1937 [HRegV] in der im vorliegenden Fall g ültigen Fassung). Für die Buchfüh- rungspflicht ist nicht der Handelsregistereintrag als sol cher von Bedeutung, sondern die Erfül- lung der Anforderungen an ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe (vgl. Rich- ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A . Zürich 2009, Art. 18 N 122 f.). Nach Art. 52 Abs. 3 aHRegV liegt ein kaufmännisches Unt ernehmen vor, wenn dieses auf eine selbständige, auf Erwerb gerichtete wirtschaftliche Täti gkeit ausgerichtet ist. Bei diesem kann es sich gemäss Art. 53 aHRegV um ein Handelsgewerbe, um ein Fabrikationsgewerbe oder um ein anderes nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe handeln. Von der Eintragungspflicht sind diese Gewerbe dann befreit, wenn die jährliche Ro heinnahme die Summe von Seite 9 Fr. 100'000.-- nicht erreicht (Art. 54 aHRegV). Die freien Berufe unterliegen dem Grundsatz nach nicht der Eintragungspflicht. Bei diesen Berufen steht nämlich die persönliche Beziehung zwischen dem Arzt, Zahnarzt, Ingenieur, Architekten, Anwalt etc. und dem Patienten oder Klien- ten im Vordergrund; dem Angehörigen eines freien Ber ufs wird wegen seiner persönlichen Kenntnisse und Fähigkeiten, weniger wegen seiner finanzi ellen Kreditwürdigkeit vertraut (vgl. BGE vom 21. Januar 2009, 4A_526/2008, E. 4.2). Vorl iegend ist der Pflichtige als B.____ zwar nicht eintragungspflichtig, aber zu Aufzeichnungen verp flichtet, die eine ordnungsgemässe Er- mittlung des steuerbaren Reineinkommens gewährleisten. D ieser Aufzeichnungspflicht ist der Pflichtige denn auch nachgekommen, hat er doch für das hier strittige Steuerjahr eine Erfolgs- rechnung mit Einnahmen und Ausgaben erstellt. Darüber hinaus hat er auch eine Bilanz mit Aktiven und Passiven ins Recht gelegt. f) Wie gesehen, macht die Steuerverwaltung geltend, der Verlust gemäss Erfolgs- rechnung in Höhe von Fr. 22‘038.30 weiche vom Bilanzgewinn ab. Aufgrund der unklaren Situa- tion habe man auf Erfahrungszahlen, d.h. auf die Zah len der Vorperiode abgestellt. Der Rekur- rent hält dafür, der Verlust sei aufgrund seiner mehrmonatigen Büroabwesenheit entstanden. g) Eine Prüfung von Bilanz und Erfolgsrechnung ergibt , dass deren Aussagekraft, insbesondere aufgrund nicht nachvollziehbarer Bilanzbrü che, gering ist. So beläuft sich bei- spielsweise das Eigenkapitalkonto Nr. 2850, Privat A.____ , welches per 31. Dezember 2010 einen Saldo von Fr. 150‘648.67 aufwies, per 1. Januar 2011 auf Fr. 0.--. Weiter ist auf das Ei- genkapitalkonto Nr. 2810, Kapital A.____ zu verweisen, welches per 31. Dezember 2010 einen Saldo von Fr. 0.-- aufwies, per 1. Januar 2011 indes e inen solchen von - Fr. 17‘938.79. Damit können diese Abschlüsse nicht als schlüssig bezeichnet werde n. Auch die heutige Befragung des Pflichtigen konnte die Angelegenheit nicht erhelle n. Daher ist auf Erfahrungszahlen bzw. Schätzungen abzustellen. Dass die Steuerverwaltung dabei von den Vorjahreszahlen ausge- gangen ist, ist dem Grundsatz nach nicht zu bemängeln. Im Vorjahr belief sich das steuerbare Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit des Pflichtig en auf Fr. 33‘164.80 und wurde gemäss Angaben des Rekurrenten, aufgrund seiner Büroab wesenheit von September 2010 bis Mai 2011, innerhalb von 8 Monaten (Januar bis August) e rwirtschaftet, so dass sich sein Ein- kommen auf monatlich Fr. 4‘145.-- (= Fr. 33‘164.80 / 8 Monate) belief. Geht man davon aus, dass der Rekurrent im Jahr 2011 aufgrund seiner geltend gemachten Büroabwesenheit lediglich während 7 Monaten (Juni bis Dezember) gearbeitet hat , ergibt sich ein Einkommen von Fr. 29‘015.-- (= 7 Monate à Fr. 4‘145.--). Aus alled em ergibt sich, dass das steuerbare Einkom- Seite 10 men des Pflichtigen aus selbständiger Erwerbstätigkeit e rmessensweise auf Fr. 30‘000.-- fest- zulegen ist. Der Rekurs ist damit teilweise gutzuheissen. 5. Ausgangsgemäss sind den Rekurrenten reduzierte Verfa hrenskosten aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 des Gesetzes vom 16. Dezember 19 93 über die Verfassungs- und Ver- waltungsprozessordnung [VPO]). Entsprechend dem teilw eisen Obsiegen im Umfang von rund 2/3 werden die Verfahrenskosten auf Fr. 500.-- festgelegt. Seite 11 Demgemäss wird erkannt: ://: 1. Der Rekurs wird im Sinne der Erwägungen teil weise gutgeheissen. 2. Die Steuerverwaltung wird angewiesen, den Einsp rache-Entscheid vom 20. Juni 2016 und die Veranlagungsverfügung vom 25. Juni 2015 dahi ngehend abzuändern, dass in Ziff. 150 (selbständige Erwerbstätigkeit) anstelle des B etrages von Fr. 121‘288.-- neu ein Einkommen von Fr. 30‘000.-- einzusetzen ist. 3. Die Rekurrenten haben reduzierte Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 500.-- (inkl. Aus- lagen von pauschal Fr. 50.--) zu bezahlen, welche mit d em bereits geleisteten Kosten- vorschuss verrechnet werden. Der zu viel bezahlte Kostenvorsch uss von Fr. 1‘000.-- wird ihnen zurückerstattet. 4. Mitteilung an die Rekurrenten (1), die Gemeinde C.____ (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3).