BRKE II Nr. 52/2003 vom 8. April 2003 in BEZ 2003 Nr. 31 6. c) Die zu beurteilende Streitfrage lautet, ob und inwieweit zwischen einem Bastel- und einem Fitnessraum in einem Untergeschoss ein Unterschied mit Bezug auf die Anrechenbarkeit dieses Gebäudeabschnitts an die Geschosszahl bestehe. Die Vo r- instanz geht offenkundig davon aus, dass Bastelräume in Untergeschossen, weil dort nicht ausnützung srelevant (§ 255 PBG), auch hinsichtlich der Frage nach der G e- schosszahl (§ 276 Abs. 1 PBG) unbeachtlich seien. Diese Auffassung ist unzutreffend. Bei Bastelräumen handelt es sich um eine Nutzweise, welche zu einer gemäss 255 Abs. 1 PBG anrechenbaren Fläche führt («dem W ohnen, Arbeiten oder sonst dem da u- ernden Aufenthalt von Menschen dienende oder hierfür verwendbare Räume» ) und da- her grundsätzlich ausnützungsrelevant ist. Dies erhellt daraus, dass die Allgemeine Bauverordnung in der Fassung vom 22. Juni 1977 (nachfolgend aABV) Bastelräume in Dach- und Untergeschossen (bis zu einer bestimmten Grösse) ausdrücklich als nicht a n die Ausnützung s ziffer anrechenbar erklärte (§ 10 Abs. 3 lit. c aABV). Zu dieser Reg e- lung hätte kein Anlass bestanden, wenn Bastelräume zum vornherein als nicht ausnü t- zungsrelevant anzusehen g ewesen wären. Die damals statuierte Einschränkung («in Dach- und Untergeschossen») macht auch klar, dass Bastelräume in Vollgeschossen an die Ausnützungsziffer anreche nbar waren und dies auch weiterhin sind. Das geltende Recht hat hieran nichts geändert. Der Umstand, dass die Allgemeine Bauverordnung in der derzeit gültigen Fassung vom 1. J anuar 1999 eine mit § 10 Abs. 3 lit. c aABV ve r- gleichbare Regelung nicht (mehr) enthält, e rklärt sich ausschliesslich damit, dass a n- lässlich der am 1. September 1991 erfolgten Rev ision des Planungs - und Baugesetzes Nutzflächen in Dac h- und Untergeschossen (mit einer hier nicht interessierenden Ei n- schränkung) von der Anrechenbarkeit an die Ausnützungszi ffer befreit worden sind. Damit wurde die Regelung in § 10 Abs. 3 lit. c aABV obsolet. d) Untergeschosse stellen nach § 276 Abs. 1 PBG anrechenbare Gebäudea b- schnitte (u.a.) dann dar, wenn sie W ohn-, Schlaf - oder Arbeitsräume enthalten. Damit sind weitgehend dieselben Räumlichkeiten angesprochen, deren Flächen auch zur A n- rechenbarkeit an die Ausnützungsziffer führen. Ist daher ein Raum bzw . dessen Bewer- bung an die Ausnü tzungsziffer anrechenbar, so führt dies in der Regel auch dazu, dass die Anrechenbarkeit an die Geschosszahl gegeben ist. Das Verwaltungsgericht hat en t- schieden, dass die in § 276 Abs. 1 PBG genannten «W ohn-, Schlaf- und Arbeitsräume» nicht einschränkend aufgefasst werden dürften (BEZ 1995 Nr. 3). Als W ohnen und A r- beiten hätten vielmehr «alle Bewe rbungen zu gelten, die im weitesten Sinne als rau m- gebundene Erscheinungsformen dieser zwei Grundtypen menschlicher Lebensentfa l- tung verstanden werden könnten». Der Benü tzungsdauer komme nur eine untergeor d- nete Bedeutung zu; ausschlaggebend sei, ob ein Raum - wie etwa ein Keller, ein Mag a- zin u.ä. - seiner Art nach praktisch unabhängig von der Anwesenheit irgendwelcher Pe r- sonen einen Sac hzweck erfülle, oder ob er (ausschliesslich oder neben der genannten - 2 - Funktion) für die Ausübung menschlicher Tätigkeiten und damit für den Aufenthalt von Menschen bestimmt sei. Gestützt hierauf wurde ein (gewerblich g enutzter) Training s- raum in einem Unterg eschoss als Arbeitsraum im Sinne von § 276 Abs. 1 PBG qualif i- ziert. Bei den in BEZ 1995 Nr. 3 auszugsweise publizierten Entscheiden war zu beurte i- len, ob in einem Untergeschoss befindliche Restaurant -Toiletten und Personalgard ero- ben als (für die Geschossza hl) relevante W ohn-, Schlaf - oder Arbeitsräume zu gelten haben, was bejaht wurde. In einem in BEZ 1995 Nr. 3 erwähnten weiteren Entscheid (VB 92/0125) hatte das Verwaltungsgericht ein an den Haupteingang im Untergeschoss anschliessendes Foyer eines Kirchge meindehauses zu beurteilen. Es qualifizierte di e- ses Foyer, welches nicht als Vorhalle zu irgendwelchen anrechenbaren Räumen in j e- nem Gebäudeabschnitt diente, als blossen Durchgangsraum auf dem W eg ins Erdg e- schoss. Das Gericht hielt fest, dass sich «weder v on einem Arbeitsraum noch von einem Raum sprechen (lasse), welcher sonst wie dem ständigen Aufenthalt von Menschen dient». Dass sich aus dieser Zugangsfläche im Untergeschoss die Anrechenbarkeit des letzteren (an die G eschosszahl) ergebe, wurde damit verne int. Das Verwaltungsgericht hat hierdurch insofern zwischen der Anrechenbarkeit an die Ausnützungsziffer (§ 255 PBG) und derjenigen an die Geschosszahl (§ 276 PBG) differenziert, als gemäss dem damals geltenden § 10 Abs. 2 aABV lediglich zu nicht anrechenb aren Räumen führende Korridore, was für das fragliche Foyer nicht zutraf, von der Anrechenbarkeit an die Au s- nützungsziffer ausgenommen waren. Die letztgenannte Regelung wurde anlässlich der Gesetzesrevision vom 1. September 1991 (im Sinne einer positiven A ufzählung) in § 255 Abs. 1 PBG überführt und gilt nach wie vor. Damit behält auch die in VB 92/0125 getroffene Feststellung ihre Gültigkeit. Verallgeme inernd lässt sich aus diesem En t- scheid der Schluss ziehen, dass ein Hauszugang in einem Untergeschoss, wi e er beim vorliegenden Streitobjekt gegeben ist, (noch) nicht zur Anr echenbarkeit dieses Gebä u- deabschnitts an die Geschosszahl führt. Dies erscheint auch durchaus sachgerecht, weil Korridore und Treppen im Sinne des vorstehend Gesagten nicht für die Ausübu ng menschlicher Tätigkeiten und damit nicht für den (längerfristigen) Aufen thalt von Me n- schen bestimmt sind. e) Letzteres trifft für Bastelräume, welche keinen von der Anwesenheit von Pers o- nen unabhängigen Sachzweck erfüllen, nicht zu. Das Vorhandensein v on Bastelräumen in Unter - oder Dachgeschossen führt daher zur Anrechenbarkeit des zugehörigen G e- bäudeabschnitts an die Geschosszahl. Ob dies sinnvoll sei, liesse sich zwar hinterfr a- gen. Entsprechend dem Vorbehalt in § 255 Abs. 3 PBG, wonach durch Verordnun g be- stimmte Nebenräume als (an die Ausnützungsziffer) nicht anrechenbar erklärt werden können, müsste jedoch auch mit Bezug auf die Geschosszahlvorschriften durch Veror d- nung klar bestimmt sein, inwiefern unter dem Aspekt der Ausnützungsziffer grundsät z- lich anrechenbare Räumlichkeiten bzw. Bewerbungsarten nicht als W ohn-, Schlaf- oder Arbeitsräume im Sinne von § 276 Abs. 1 PBG anzusehen seien. Beim vorliegend strei t- betroffenen Gebäude liegt aus diesen Gründen mithin bereits heute ein anrechenbares Untergeschoss vor. Hieran ändert sich nichts, wenn der rechtskräftig bewilligte Bastelraum stattdessen zu Fitnesszwecken verwendet wird. Zwischen einem (in Plänen vielfach auch Hobb y- raum genannten) Bastelraum und einem Fitnessraum besteht kein rechtserheblicher U n- terschied. «Basteln» (oder «Hobby») steht im weitesten Sinn für Freizeitbeschäftigu n- gen jeglicher Art und kann nicht dahingehend eingeschränkt werden, dass eine Tätigkeit ausgeübt werden müsse, welche zu irgendeinem physischen (Arbeits -)Resultat führe. So liesse sich etwa kaum verbieten, dass ein «Bastelraum» als PC -/Internet-Arbeitsplatz genutzt wird. Ähnliches muss für Betätigungen zur Stärkung der eigenen Physis gelten. - 3 - Als zulässiger Bestandteil eines Fitnessraums kann ohne weiteres auch (noch) eine z u- gehörige Nasszelle mit Dusche und W C qualifiziert werden. f) Im Sinne dieser Erwägungen erweist sich der Rekurs als teilweise begründet. Dispositivziffer 2 des angefochtenen Beschlusses ist insoweit aufzuheben, als die R e- kurrenten verpflichtet worden sind, im Grundbuch als Nutzungsbeschränkung einzutr a- gen, dass im fraglichen Bastelraum kein Fitnessraum mit Dusche/W C eingerichtet we r- den dürfe. g) Hingegen besteht kein Anlass, den Rekurrenten eine beliebige Nutzung des fraglichen Raums (etwa als separates Einz el- oder Gästezimmer) zu gestatten. Die den Rekurrenten nach dem Gesagten zu Unrecht erteilte Bewilligung für einen Bastelraum im Untergeschoss muss ungeachtet dessen, dass hierdurch ein anrechenbarer Gebä u- deabschnitt entstanden ist, auf den bewilligten Ve rwendungszweck (Freizeitbeschäft i- gung im weitesten Sinn) beschränkt bleiben. Dies nicht zuletzt deshalb, weil darin, ob der fragliche Raum bloss einen Annex der bauordnungsgemäss zulässigen W ohnfläche darstelle, oder ob letztere effektiv erweitert werde, e in wesentlicher Unterschied liegt. Bloss am Rande sei vermerkt, dass die Verwendung des in Frage stehenden Unterg e- schossraums zu Wohnzwecken schon daran scheiterte, dass dieser bezüglich Befenst e- rung den wohnhygienischen Anforderungen nicht genügt (§ 302 A bs. 2 PBG). Aus diesen Gründen ist die Anordnung in Dispositivziffer 2 des angefochtenen B e- schlusses, wonach der fragliche Raum im Untergeschoss des streitbetroffenen Gebä u- des nicht für W ohn-, Schlaf- und Arbeitszwecke genutzt werden dürfe und eine entspr e- chende Nutzungsbeschränkung im Grundbuch einzutragen sei, aufrechtzuerhalten. Insoweit erweist sich die streitige Anordnung daher als rechtsbeständig.