Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 16. Juni 2016 (720 16 6 / 152) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung IV-Rente; Würdigung des Verwaltungsgutachtens, Überprüfung des Valideneinkommens sowie des leidensbedingten Abzugs Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Barbara Vögtli Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Daniel Altermatt , Recht s- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. A.____, geboren 1966, verunfallte am 27. Oktober 1992 und zog sich dabei Verletzun- gen am linken Knie zu. Die Schweizerische Unfallver sicherungsanstalt (SUVA) sprach dem Versicherten in der Folge ab 1. Dezember 1995 eine Invalidenrente auf der Basis einer Er- werbsunfähigkeit von 25 % und eine Integritätsentsc hädigung von 15 % zu. Mit Gesuch vom 3. September 1993 meldete sich der Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stellen de s Kantons Bern und des Kantons Basel- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Landschaft klärten den erwerblichen und gesundheitliche n Sachverhalt ab. Mit Verfügungen vom 7. März 1997 und vom 13. August 2003 lehnte die IV -Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) einen Rentenanspruch mangels rentenbegründendem IV-Gra d ab. Auch mit Verfügung vom 18. November 2015 verneinte die IV-Stelle nach Abklär ung der medizinischen Verhältnisse und nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens den Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem IV-Grad von 15 %. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Daniel Alter matt, Rechtsanwalt, mit Eingabe vom 7. Januar 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-L andschaft, Abteilung Sozialversi- cherungsrecht, und beantragte, es sei die Verfügung vom 1 8. November 2015 aufzuheben und es sei eine polydisziplinäre Begutachtung durch das Gerich t anzuordnen. Zudem sei dem Be- schwerdeführer auf den frühestmöglichen Zeitpunkt hin ei ne ganze Rente der Invalidenversi- cherung auszurichten; alles unter o/e-Kostenfolge. In ve rfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Verbeiständung mit Rechtsanwalt Daniel Altermatt. C. Mit Eingabe vom 10. Februar 2016 zog der Beschwerde führer sein Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung zurück. D. Mit Vernehmlassung vom 18. März 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab- weisung der Beschwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde vom 7. Januar 2016 ist demnach einzutreten. 2. Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwer degegnerin zu Recht einen An- spruch auf eine IV-Rente abgelehnt und von weiteren m edizinischen Abklärungen abgesehen hat. 3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätige n Versicherten ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Inval iditätsgrad aufgrund eines Einkommens- vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen , das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs, BGE 104 V 136 E. 2a und b). 3.3 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Be- einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundh eit bedingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumu tbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Die ärztlichen Stellungnahmen b ilden in diesem Zusammenhang eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbark eit, also der Frage, welche anderen Er- werbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbei t von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch verrichtet werden könne n (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.4 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Str eitfall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verf ügung zu stellen sind. Im Weiteren ist es Aufgabe der Ärztin bzw. des Arztes, dazu Stellung zu ne hmen, in welchem Umfang und be- züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbe itsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). 3.5 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vg l. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, au ch die geklagten Beschwerden be- rücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeb en worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesgerichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizini- scher Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweisw ürdigung aufzustellen (vgl. die aus- führlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungs- verfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztin nen und -ärzte, welche aufgrund ein- gehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstat- ten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweis- würdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht k onkrete Indizien gegen die Zuver- lässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 4.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteil ung des Gesundheitszustands und der Bemessung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh rers vollumfänglich auf das bidis- ziplinäre Gutachten von Dr. med. B.____, Facharzt FMH f ür Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. C.____, Facharzt FMH für Rheumatologie u nd Facharzt FMH für Innere Medizin, vom 25. Februar 2013/26. Februar 2013. Dr. B.____ st ellte in seinem psychiatrischen Fachgut- achten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä higkeit. Er diagnostizierte eine chroni- sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, die sich aber nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Somatisch wurden von Dr. C._ ___ in seinem rheumatologischen Teilgutachten eine medial betonte Gonarthrose links m it Knieinstabilität sowie eine funktionelle Beinschwäche links als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit genannt. Die funktionelle Schwäche im linken Bein sei neurologisch nicht erklärbar und psychogen einzuschätzen. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hält Dr. C.____ fest, dass der Explorand als Bodenleger und als Hilfsdachdecker nicht arbeitsfähig sei; als Bodenleger i nsbesondere aufgrund der zu hohen Belastungslimiten, als Hilfsdachdecker aufgrund der zentr alen Schmerzmedikation und des Umstands, dass gewisse körperliche Belastungselemente in di esem Beruf zu hoch seien. In Bezug auf eine Verweistätigkeit sei eine vorwiegend sitze nde Tätigkeit möglich, bei welcher die Möglichkeit bestehe, ab und zu aufzustehen und die Posit ion zu wechseln, bei der nur kurze Gehstrecken erforderlich seien und die ohne Zwangshalt ungen ausgeführt werden könne. Das Besteigen von Leitern oder Gerüsten sowie Arbeiten in absturzgefährdeten Positionen seien nicht möglich. Auch das Gehen auf unebenem Grund sei ni cht zumutbar. Es sei zudem nur möglich, Gewichte im leichten bis gelegentlich mittelschwe ren Bereich zu stossen, zu heben oder zu ziehen. Für eine derartige Tätigkeit bestehe e ine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Dieses Profil habe seit Jahren Gültigkeit. Anlässlich der Konsensbesprechung vom 25. Februar 2013 ka men die Gutachter zum Schluss, dass die rheumatologische Beurteilung als Gesamtbeurteil ung gelte, da aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit besteh en würden. Die Beschwerdegegnerin ging in der Folge gestützt auf diese gutachterliche Abkl ärung davon aus, dass dem Beschwer- deführer die Ausübung einer angepassten Tätigkeit im Umfang von 100 % zumutbar sei. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2 In der Beschwerde wird im Zusammenhang mit der Abkl ärung des gesundheitlichen Zustands und der Einschätzung der verbliebenen Restarbeit sfähigkeit gerügt, dass Dr. C.____ als Rheumatologe die urologischen Beschwerden nicht beurteilen könne. Weiter wird bestritten, dass der Beschwerdeführer in einer Verweistätigkeit zu 10 0 % arbeitsfähig sei; dies sei schon aufgrund der grossen Schmerzen, unter denen er leide, unmöglich. 4.3.1 Wie oben ausgeführt, ist den im Rahmen des Verwa ltungsverfahrens eingeholten Gut- achten externer Spezialärzte und –innen, die aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertisen sprechen. Das Gutachten von Dr. B.____ und Dr. C.____ weist wede r formale noch inhaltliche Mängel auf. Es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird ( vgl. Erwägung 3.5 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen und berücksichtigt die geklagten Beschwerden. Es ist in Kenntnis der Vorakten abg egeben worden und setzt sich mit den vorhandenen ärztlichen Einschätzungen auseinander. Das Gutachten leuchtet ausserdem in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. 4.3.2 Dr. B.____ prüfte zwar noch die (Foerster-)Krite rien gemäss BGE 130 V 352, welche seiner Einschätzung nach nicht erfüllt seien, weshalb sich die chronische Schmerzstörung nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Obwohl vom Beschwerdeführer nicht gerügt, ist auch in An - wendung der geänderten Rechtsprechung des Bundesgeri chts zu den somatoformen Be- schwerdebildern (BGE 141 V 281) zum Schluss zu kommen, dass das Gutachten in dieser Hin- sicht beweistauglich ist. Es bietet genügend Anhaltspunkte, um gestützt auf die Indikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen. Insbesondere ist festzustellen, dass eine schwer ausgeprägte chronische Schmerzstörung eindeut ig nicht vorhanden ist, denn Dr. B.____ hält fest, dass „eine gewisse psychische Überlagerung “ angenommen werden müsse (Teilgutachten, S. 19). Diese psychische Überlagerung bes teht seit Jahren und wurde von me- dizinischer Seite her mehrfach festgestellt. Da es zudem a n einer relevanten psychischen Komorbidität fehlt, ist gestützt auf die Beurteilung vo n Dr. B.____ auch weiterhin davon auszu- gehen, dass das psychische Leiden keine Arbeitsunfähigkeit b ewirkt. Aus diesem Grund muss die mit BGE 141 V 281 begründete Rechtsprechungsänderun g – auch mit Blick auf den Um- stand, dass Verwaltungsgutachten, die noch unter alter R echtsprechung erstellt worden sind, nicht per se ihren Beweiswert verlieren (BGE 1414 V 28 1 E. 8) – vorliegend nicht zwingend zu Weiterungen führen. 4.3.3 Dr. C.____ legt unter Auflistung der relevanten älteren ärztlichen Berichte und gut- achterlichen Abklärungen auf nachvollziehbare Art und We ise die Krankengeschichte des Be- schwerdeführers dar. Zusammengefasst musste sich der Beschwerd eführer diversen Eingriffen am linken Knie unterziehen, nachdem er im Oktober 1992 eine Läsion des vorderen Kreuzban- des am linken Knie erlitten hatte. Dabei blieben die Instabilität des Knies sowie eine Schmerz- problematik bestehen. In Bezug auf die funktionelle Be inschwäche links wird aufgrund der Aus- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht führungen von Dr. C.____ deutlich, dass die involvierte n Neurologen das ausgeprägte senso- motorische Defizit neurologisch nicht erklären können. In Bezug auf die Beckenbeschwerden legt Dr. C.____ ebenfalls nachvollziehbar dar, dass diese heute vor allem muskulär bedingt und auf eine Trochanterbursitis bds. zurückzuführen seien. Sei ne Schlussfolgerung, dass dieses Beschwerdebild eine Folge des veränderten Gangbildes aufgrund der Knieproblematik links sei, erscheint ebenfalls nachvollziehbar. Auch die zusammenfassen de Bemerkung, dass keine zu- sätzlichen Diagnosen zu den seit Jahren bekannten zu stellen seien und damit auch das Belas- tungsprofil seit Jahren von den Ärzten gleich eingeschätzt werde, erscheint schlüssig. 4.3.4 Der Beschwerdeführer moniert, dass die urologische Problematik nicht fachärztlich beurteilt worden sei, was den Beweiswert des Gutachtens schmälere. In Bezug auf die Prostata gab der Beschwerdeführer gege nüber Dr. C.____ an, an einer Ent- zündung gelitten zu haben. Daher sei er mit Antibiotika behandelt worden. Er verspüre auch nach dem Abklingen der Entzündung ein Brennen beim Wa sserlösen und müsse ca. alle zwei Stunden auf die Toilette gehen. Die Prostata sei vergrössert gewesen. Dr. C.____ listet die chronisch aktive Prostatitis NIH II IB bei Prostatavergrösserung bei den Di- agnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf . Dr. med. D.____, Facharzt für Urolo- gie und behandelnder Urologe des Beschwerdeführers, gi bt in der Stellungnahme vom 13. Au- gust 2015 auf Nachfrage des RAD an, dass er sich bei der vo rhandenen (urologischen) Diag- nose dem von Dr. C.____ formulierten Belastungsprofil anschliessen könne. Ein Widerspruch ist damit nicht ersichtlich. Hinzu kommt, dass Dr. C.____ als Internist durchaus in der Lage ist, Prostatabeschwerden hinsichtlich ihrer funktionellen Lim itierung einstufen zu können. Dieser Einwand des Beschwerdeführers vermag daher den Beweiswer t des Gutachtens von Dr. C.____ nicht zu schmälern. 4.3.5 In der Beschwerde wird zudem gerügt, dass kein st abiler Gesundheitszustand bestehe; dies insbesondere in Bezug auf die Frage, ob eine pr othetische Versorgung des linken Knies vorgenommen werden müsse. Daher hätte noch keine abschli essende Rentenprüfung vorge- nommen werden dürfen. Der Beschwerdeführer gab gegenüber Dr. C.____ an, da ss er seit dem ersten Eingriff am Knie die gleichen Beschwerden habe. Es besteht hier somit ei n stabiler Verlauf, der von Dr. C.____ auch so beschrieben wurde. Am 3. Januar 2015 zog sich de r Beschwerdeführer eine erneute Traumatisierung des linken Knies zu. In der Folge fand am 24. April 2015 im Spital E.____ eine Operation statt. Dabei wurden eine Arthroskopie, ein Débridement des vorderen Kreuzbandes, die Entfernung von Gelenkskörper, eine mediale und lat erale Teilmeniskektomie, eine Knorpel- glättung sowie eine Abrasionschondroplastik medialer Fem urkondylus vorgenommen. Dem Be- richt des Spitals E.____ vom 28. Oktober 2015, der nach einer Verlaufskontrolle erstellt wurde, ist zu entnehmen, dass der Patient Beschwerden im Kniege lenk medialbetont mit zusätzlicher Instabilität schildere. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Es bestehen somit nach wie vor die gleichen Beschwerden wie anlässlich der Begutachtung durch Dr. C.____. Zudem konnte auch Dr. med. F.____, Facharzt Neurologie FMH, anlässlich seiner neurologischen Untersuchung am 14. September 201 5 weder die Sensibilitätsstörung am Unterschenkel noch die Kraftlosigkeit der Fuss- und Z ehenheber objektivieren. Dem Bericht des Spitals E.____ vom 27. Januar 2016 ist ebenfalls zu e ntnehmen, dass ein unveränderter Zustand vorliege. Bisher hat sich der Beschwerdeführer n och nicht für eine prothetische Ver- sorgung entscheiden können. Es ist daher gestützt auf die neuen ärztlichen Berichte erstellt, dass bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung von einem st abilen Gesundheitszustand auszugehen ist. Auch der neue Unfall führte nicht zu ei ner anhaltenden Verschlechterung des Gesundheitszustands, weshalb weiterhin die Einschätzung von Dr. C.____ gilt. 4.4 Somit liegen keine konkreten Indizien vor, die ge gen den Beweiswert der bidisziplinen Begutachtung von Dr. C.____ und Dr. B.____ sprechen w ürden, weshalb zur Beurteilung der Invalidität des Beschwerdeführers darauf abzustellen ist. Aus diesem Grund ist mit der Be- schwerdegegnerin davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der medial beton- ten Gonarthrose links mit Knieinstabilität und der fu nktionellen Beinschwäche links die Aus- übung einer dem Leiden angepasste leichte bis mittelschwe re Verweistätigkeit zu 100 % zuge- mutet werden kann. 5.1 Zu prüfen ist, wie sich die eingeschränkte Arbeitsfäh igkeit auf die Erwerbsfähigkeit auswirkt. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass das A nforderungsprofil der Verweistätig- keit derart viele Einschränkungen umfasse, dass nicht meh r von einer verwertbaren Arbeitsfä- higkeit ausgegangen werden könne. 5.2 Im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei der Bestim mung des trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbaren Einkommen s darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann dort nicht von einer Arbeitsge- legenheit gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög- lich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch ni cht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbei tgebers möglich und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorneherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 2 .1; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) hält von sei ner Struktur her einen Fächer verschie- denartiger Stellen offen, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intel- lektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körpe rlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch im Rahmen der der versicherten Person auf einem au sgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten der Verwertung ihrer Restarbeit sfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gege benheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Es geht bei dieser Beurteilung um die Einschätzung der C hancen der versicherten Person, trotz der im Einzelfall einzuhaltenden Restriktionen bezüglich Arbeitsplatz, Arbeitshaltung, Arbeitszeit und Art der Tätigkeit von einem durchschnittlichen Ar beitgeber noch angestellt zu werden, das heisst um die für die versicherte Person realistischerweis e noch vorhandenen oder nicht mehr Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht vorhandenen Arbeitsmarktchancen (Urteil des Bundesgericht s vom 17. Dezember 2008, 9C_854/2008, E. 3.2). 5.3 Ausgehend von diesen Grundsätzen kann nicht von eine m IV-rechtlich erheblichen fehlenden Zugang des Beschwerdeführers zum Arbeitsmarkt i m Sinne des Art. 16 ATSG ge- sprochen werden. Die Einschränkungen, die der Beschwerdeführer aufgrund seiner Erkrankung erleidet, bestehen gemäss gutachterlicher Einschätzung im Erfordernis einer leichten bis mittel- schweren sitzenden Tätigkeit, bei welcher die Möglichkeit besteht, ab und zu aufzustehen und die Position zu wechseln, bei der nur kurze Gehstrecken erforderlich sind und keine Zwangshal- tungen nötig sind. Zudem ist das Besteigen von Leitern , das Arbeiten in absturzgefährdeten Positionen und das Gehen auf unebenem Gelände nicht mö glich. Diese Einschränkungen re- duzieren zwar die Möglichkeiten des Beschwerdeführers auf dem Arbeitsmarkt, lassen aber – insbesondere auch unter Berücksichtigung des Umstands, dass ei ne derartige Tätigkeit in ei- nem 100 % Pensum ausgeübt werden kann – eine Verwert barkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht völlig unrealistisch erscheinen. 6. Zu prüfen bleibt die Berechnung des IV-Grades. Wi e bereits in Erwägung 3.2 hiervor dargestellt, werden diese durch einen Einkommensvergleich ermittelt. 7.1 Der Beschwerdeführer geht mit der Beschwerdegegner in darin einig, dass das Vali- deneinkommen gestützt auf die Tabelle TA1 der Schweize rischen Lohnstrukturerhebung 2010, Total, Männer, erstellt vom Bundesamt für Statistik, zu berechnen ist. Streitig ist die Frage, auf welches Anforderungsniveau innerhalb der LSE-Tabelle 2 010 zur Ermittlung des Validenein- kommens abzustellen ist. Der Beschwerdeführer stellt sich a uf den Standpunkt, dass nicht das Anforderungsniveau 4, sondern das Anforderungsniveau 3 heranzuziehen sei, weil er vor sei- nem Unfall qualifizierte Arbeiten verrichtet habe. 7.2 In den LSE-Tabellenlöhnen werden je nach persön licher Qualifikation des Arbeitneh- mers vier Anforderungsniveaus von Tätigkeiten unterschieden. Bei der Frage, auf welchen Wert der LSE abzustellen ist, sind die Ausbildung, die Beru fserfahrung und der berufliche Werde- gang der versicherten Person zu berücksichtigen (vgl. Urtei le des Kantonsgerichts, Abteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV], vom 17. November 2011, 725 11 295/305, E. 3.3.4 und vom 29. September 2011, 725 11 190/262, E. 4.3.4). G egenüber Dr. B.____ berichtete der Be- schwerdeführer, dass er nach dem Schulabschluss keine Beru fsausbildung absolviert habe. Er sei nach seiner Einreise in die Schweiz im Jahre 1987 wäh rend fünf Jahren – bis zu seinem Unfall – als Bodenleger tätig gewesen. Danach sei er von 1992 bis 2006 keiner beruflichen Tä- tigkeit mehr nachgegangen. Bei der Firma X.____ habe er im Jahre 2006 mit einer Arbeit be- gonnen, die leicht gewesen sei (Teilgutachten S. 15 f.). Gegenüber Dr. C.____ gab er an, bei der Firma X.____ als Dachdecker gearbeitet zu haben (Teilgutachten, S. 26). Die Berufsbiographie des Beschwerdeführers zeigt auf, dass er weder über eine abgeschlosse- ne Berufsausbildung verfügt noch als Plattenleger oder als Dachdecker eine langjährige Be- rufserfahrung nachweisen kann. Eine auf dem Anforderun gsniveau 3 tätige Person muss sich jedoch über qualifizierte Fachkenntnisse oder langjähri ge Berufserfahrung ausweisen können. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht In Würdigung der dargelegten Umstände ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwer- degegnerin das hypothetische Valideneinkommen des Besch werdeführers gestützt auf das An- forderungsniveau 4 bestimmt hat. Allein der Umstand, dass die Unfallversicherung eine höhere Rente ausrichtet, vermag daran nichts zu ändern. 8.1 Gegen die Berechnung des Invalideneinkommens gestüt zt auf die LSE 2010, Tabelle TA1, Total, Männer, Anforderungsniveau 4, bringt der Beschwerdeführer nichts vor. Er rügt ein- zig die Höhe des leidensbedingten Abzugs. Nachdem sich aus d en Akten keine Hinweise erge- ben, dass im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes weg en durch das Gericht eine andere Einschätzung vorzunehmen wäre, erübrigt sich eine detai llierte Auseinandersetzung mit der Berechnung des Invalideneinkommens. Es kann diesbezüglich grundsätzlich vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdegegneri n in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Es ist deshalb – vor der Berücksichtigung des umstrittenen leidensbedingten Abzuges – von einem jährlichen Invalideneinkommen im Be trag von Fr. 62‘177.-- auszugehen. 8.2 Die Beschwerdegegnerin hat einen leidensbedingten Abzug in der Höhe von 15 % vor- genommen. Wird das Invalideneinkommen auf der Grundla ge von statistischen Durchschnitts- werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönl iche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjah re, Nationalität oder Aufenthaltskate- gorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohn höhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person d eswegen die verbliebene Arbeitsfä- higkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur m it unterdurchschnittlichem erwerbli- chem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). De r Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einze lfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25% nicht übersteigen (BGE 126 V 75 E. 5b/bb-cc, 134 V 322 E. 5.2). Bei der Überprüfung soll die kontrollierend e richterliche Behörde nicht ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzen. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er messen im Einklang mit den allge- meinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffe n hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetät igung der Vorinstanz eingegriffen wer- den, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gegeb enheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend e rscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Entscheid des EVG vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 8.3 Mit Blick auf die Einschränkungen des Beschwerdeführer s – vorwiegend sitzende leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit der Möglichkeit , ab und zu aufzustehen, die Position zu wechseln, ohne lange Gehstrecken, ohne Zwangshaltungen, ohne rezidivierendes Bücken, oh- ne Besteigen von Leitern oder Gerüsten und ohne Gehen auf unebenem Gelände – erscheint ein Abzug von 15 % als angemessen. Weitere Merkmale, d ie zu einer Reduktion führen müss- ten, sind nicht ersichtlich und werden vom Beschwerdeführ er auch nicht geltend gemacht. So- weit die Beschwerdegegnerin ein Invalideneinkommen von Fr. 52‘851.-- (Fr. 62‘177.-- x 0.85) berechnet hat, ist dies korrekt erfolgt. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. Stellt man das Valideneinkommen von Fr. 62‘177.-- dem Invalideneinkommen von Fr. 52‘851.-- gegenüber, resultiert ein IV-Grad von 15 %. Daraus folgt, dass die angefochtene Verfügung vom 18. November 2015 korrekt ist, weshalb di e dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstan den ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 600.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht