A bteilung IV D -299/2007 gar/geg {T 0/2} U rteil vom 8. M ai 2007 M itw irkung: R ichter G alliker, W espi, Valenti G erichtsschreiber G eisser A._______, Afghanistan, vertreten durch Johan G öttl, Beschw erdeführer gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 14. D ezem ber 2006 i.S. W egw eisung B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschw erdeführer seinen H eim atstaat ge- gen Ende des Jahres 1998 auf dem Landw eg, um über Pakistan in den Iran zu gelangen. D ort habe er w ährend rund sieben Jahren gelebt, bevor er den Iran am 16./17. N ovem ber 2005 in R ichtung Türkei verlassen habe und über G riechenland, Italien und Frankreich am 13. D ezem ber 2005 unter U m gehung der G renzkontrol- len in die Schw eiz gelangt sei. G leichentags sprach der Beschw erdeführer im Em pfangszentrum Basel vor, m achte – ohne ein zur Identifikation genügendes Papier vorzuw eisen – die rubrizierten Angaben zu seiner Person und ersuchte um G ew ährung des Asyls. D as Bundesam t erhob am 16. D ezem ber 2005 seine Perso- nalien und befragte ihn sum m arisch zum R eisew eg und zu den G ründen für das Verlassen des H eim atlandes. N ach diesen Erhebungen w urde der Beschw erdeführer für die D auer des Verfahrens dem Kanton B._______ zuge- w iesen. D ie zuständige Behörde dieses Kantons hörte ihn am 18. Januar 2006 zu seinen Asylgründen an. Anlässlich der Befragungen m achte der Beschw erdeführer im W esentlichen geltend, er sei ethnischer H azara, stam m e aus dem Bezirk C ._______, w elcher zur Provinz G hazni gehöre sow ie Teil des traditionellen Siedlungsgebiets der H azara (H azarajat) sei. Er habe dort bis zu seinem vierten Lebensjahr gelebt. Sein Vater habe dam als für die kom m unistische R egierung von Präsident Karm al gearbeitet, w eshalb seine Fam ilie seitens der dortigen (aufständischen) Bevölke- rung zunehm end Feindseligkeiten ausgesetzt gew esen sei. Im Jahr 1986 sei seine Fam ilie - m it Ausnahm e seiner Schw ester, w elche im H eim atbezirk verheiratet gew esen sei - nach Kabul geflüchtet und habe dort bis 1991 gelebt, w o er seine Prim arschulzeit (erste bis fünfte Klasse) verbracht habe. Sein Vater sei in Kabul als Q uartiervorsteher tätig gew esen. Angesichts der Intensivierung der Kam pfhandlungen zw ischen den dam aligen Bürgerkriegsparteien habe sich sein Vater entschieden, Kabul zu verlassen, um m it seiner Fam ilie nach "M azar" [M azar-e Scharif, Provinz Balkh] zu ziehen. Sein Vater habe in "M azar" für die W ahdat-Partei gearbeitet; er selbst habe dort die sechste bis zur neunten Schulklasse besucht, bis der Krieg seine Schulzeit vorzeitig beendet habe. N ach dem Tod seiner M utter und aus Angst, als ethnischer H azara von den dazum al in "M azar" siegreichen Taliban verfolgt zu w erden, sei er im Jahre 1998 in den Iran geflüchtet, w ährend sein Bruder Afghanistan in R ichtung Schw eden verlassen habe. Im Iran habe er beim dortigen Sitz der W ahdat-Partei erfahren, dass sein Vater im Jahre 1999 von Käm pfern der Taliban um gebracht w orden sei. D ie Zeit im Iran habe er zurückgezogen im Kreise einer W ohngem einschaft m it anderen Afghanen und m it finanzieller U nterstützung seines Bruders, w elcher ihm von Schw eden aus jew eils G eld in den Iran geschickt habe, verbracht. W ährend rund neun M onaten habe er dort zudem als H ausw ächter gearbeitet. Als Afghane ohne gültigen Aufenthaltstitel sei er jedoch zunehm end unter D ruck der iranischen Behörden geraten - unter anderem sei er von der Polizei m ehrm als festgenom m en w orden - und habe befürchten m üssen, nach Afghanistan ausgeschafft zu w erden. W eil ihm in seiner H eim at als nahe Angehörige jedoch einzig die Schw ester 3 geblieben sei, zu der er seit 1998 keinen Kontakt m ehr gehabt und die m it ihrem M ann im Bezirk C ._______ gelebt habe, w ohin er w egen der dortigen, seiner Fam ilie gegenüber w eiterhin hasserfüllten Bevölkerung nicht habe zurückkehren können, habe er sich entschlossen, den Iran in R ichtung W esteuropa zu verlassen. Für den Inhalt der w eiteren Aussagen w ird auf die Akten verw iesen. B. M it Verfügung vom 14. D ezem ber 2006 stellte das BFM fest, der Beschw erdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylge- such ab. G leichzeitig verfügte es die W egw eisung aus der Schw eiz und ordnete den Vollzug an. Als G rund für die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und der Verw eigerung des Asyls führte es im W esentlichen an, die Vorbringen des Be- schw erdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gem äss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG , SR 142.31) nicht stand. W eiter hielt das BFM fest, w eil der Vollzug der W egw eisung sich als zulässig, zum utbar und m öglich erw eise, stehe seiner Anordnung nichts entgegen. C . M it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht vom 12. Januar 2007 (Post- stem pel) beantragte der Beschw erdeführer, der Entscheid des Bundesam tes vom 14. D ezem ber 2006 sei im W egw eisungspunkt aufzuheben; ihm sei die vorläufige Aufnahm e zu gew ähren. Im W eiteren ersuchte er um G ew ährung der unentgelt- lichen R echtspflege gem äss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren (Vw VG , SR 172.021) und um Ver- zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zusam m en m it der Beschw erdeschrift reichte der Beschw erdeführer ein G utachten der Schw eizerischen Flüchtlingshilfe (SFH ) "Afghanistan – Sicherheit und R ück- kehrsituation für H azara nach Kabul" vom 18. N ovem ber 2003 und eine Sozialhilfebestätigung der O rganisation für R egie- und Spezialaufträge (O R S Ser- vice AG ) vom 10. Januar 2007 im Auftrag der G em einde D ._______ zu den Akten. H ierauf sow ie auf die Begründung der Beschw erdebegehren w ird, sow eit für das U rteil von Belang, in den nachfolgenden Erw ägungen eingegangen. D . M it Zw ischenverfügung vom 25. Januar 2007 stellte der Instruktionsrichter des Bundesverw altungsgerichts die Berechtigung des Beschw erdeführers zur Anw e- senheit bis zum Abschluss des Verfahrens fest. Im W eiteren verzichtete er an- tragsgem äss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verw ies den Ent- scheid über das G esuch um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege auf ei- nen späteren Zeitpunkt. D ie Akten überw ies er der Vorinstanz zur Vernehm lassung. E. D ie Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehm lassung vom 31. Januar 2007 die Ab- w eisung der Beschw erde, da diese keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be- w eism ittel enthalte, w elche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Am 5. Februar 2007 stellte der Instruktionsrichter dem Beschw erdeführer die Vernehm lassung der Vorinstanz ohne R eplikrecht zu.4 D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 G em äss Art. 31 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VG G , SR 173.32) beurteilt das Bundesverw altungsgericht Beschw erden gegen Verfügungen nach Art. 5 Vw VG , sofern keine Ausnahm e nach Art. 32 VG G vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VG G genannten Behörden. D azu gehö- ren Verfügungen des BFM gestützt auf das AsylG ; das Bundesverw altungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG ; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.2 M it Beschw erde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll- ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die U nangem essen- heit gerügt w erden (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). 2. D ie Beschw erde ist form - und fristgerecht eingereicht; der Beschw erdeführer ist le- gitim iert (Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. Vw VG ). Auf die Beschw erde ist m ithin einzutreten. 3. D er Beschw erdeführer beantragte in seiner R echtsm ittelschrift lediglich die Aufhebung der angefochtenen Verfügung im W egw eisungspunkt. In Bezug auf die Frage der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls (Ziffn. 1 und 2 des D ispositivs) ist die Verfügung des BFM vom 14. D ezem ber 2006 unangefochten in R echtskraft erw achsen, w om it G egenstand des vorliegenden Beschw erdeverfahrens einzig die angeordnete W egw eisung und deren Vollzug bilden. 4. D er Beschw erdeführer verfügt w eder über eine frem denpolizeiliche Aufenthaltsbe- w illigung noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. D ie W egw eisung (Ziff. 3 des D ispositivs der vorinstanzlichen Verfügung) - w elche vom Beschw erde- führer im Ü brigen substanziell nicht bestritten w ird - steht som it im Einklang m it den gesetzlichen Bestim m ungen und ist zu bestätigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission (AR K) [EM AR K ] 2001 N r. 21). 5. 5.1 Ist der Vollzug der W egw eisung nicht m öglich, nicht zulässig oder nicht zum utbar, so regelt das Bundesam t das Anw esenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be- stim m ungen über die vorläufige Aufnahm e von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG ; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20]). 5.2 D er Vollzug ist nicht m öglich, w enn der Ausländer w eder in den H erkunfts- oder in den H eim atstaat noch in einen D rittstaat verbracht w erden kann. Er ist nicht zuläs- sig, w enn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schw eiz einer W eiterreise des Aus-5 länders in seinen H eim at-, H erkunfts- oder einen D rittstaat entgegenstehen. D er Vollzug kann insbesondere nicht zum utbar sein, w enn er für den Ausländer eine konkrete G efährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 AN AG ). 5.3 N iem and darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezw ungen w erden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem G rund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die G efahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezw ungen w ird (Art. 5 Abs. 1 AsylG ). 5.4 G em äss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schw eizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Ü bereinkom m ens vom 10. D ezem ber 1984 gegen Folter und andere grausam e, unm enschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101) darf niem and der Folter oder unm enschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterw orfen w erden. 6. 6.1 D ie Vorinstanz erachtet den Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers in den H eim atstaat als zulässig, zum utbar und m öglich. Insbesondere beurteilt das BFM unter Berücksichtigung der gegenw ärtigen Lage eine R ückführung des Beschw erdeführers in den H eim atstaat als zum utbar. D ie Sicherheitslage sei zw ar nach w ie vor nicht in allen Provinzen, insbesondere in den südlichen, hinreichend stabil. D ennoch könne nicht von einer konkreten G efährdung der Bevölkerung in Afghanistan im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG ausgegangen w erden. D er R egie- rung Karzai sei es gelungen, die Situation in Afghanistan insgesam t zu stabilisieren und durch die Einbindung eines G rossteils der lokalen M achthaber ihren Einflussbereich w esentlich über Kabul hinaus auszudehnen. D ie Am tseinset- zung des Parlam ents sei ein w eiterer w ichtiger Schritt in R ichtung Stabilisierung der Situation des Landes. Zudem w erde die R egierung zur G ew ährung der Sicher- heit für die Bevölkerung von der internationalen Schutztruppe ISAF unterstützt, und auch die W iederaufbauteam s (PR Ts) seien w eiterhin operationell tätig. D ie Teilnehm er der internationalen Afghanistan-Konferenz von Anfang 2006 hätten zudem beschlossen, den W iederaufbau des Landes w eiterhin zu fördern und diesem in den kom m enden fünf Jahren eine internationale W iederaufbauhilfe zuzusprechen. Zudem sprächen auch keine individuellen G ründe gegen die Zum utbarkeit eines W egw eisungsvollzuges des Beschw erdeführers. D ieser habe erklärt, H azara zu sein und seinen letzten W ohnsitz im H azarajat gehabt zu haben. N ach überein- stim m ender aktueller Einschätzung aus Expertenkreisen gehöre das H azarajat im innerafghanischen Vergleich zu den sichereren R egionen des Landes, zum al seit dem Sturz der Taliban in dieser R egion – m it Ausnahm e einzelner Vorfälle in der Provinz D ay Kundi – keine nennensw erten terroristischen oder m ilitärischen Aktivitäten registriert w orden seien. D eshalb könne im H azarajat nicht von einer perm anent instabilen Lage gesprochen w erden. D er Beschw erdeführer verfüge dort zudem über ein soziales beziehungsw eise fam iliäres Beziehungsnetz. D em Beschw erdeführer stehe es ferner grundsätzlich offen, eine innerstaatliche 6 W ohnsitzalternative w ahrzunehm en und sich beispielsw eise im G rossraum Kabul niederzulassen, w o er m ehrere Jahre gelebt habe und zur Schule gegangen sei. Es lägen keine Berichte über ethnisch oder religiös m otivierte Ü bergriffe auf H azara in Kabul vor, w o diese eine bedeutende M inderheit bildeten und über entsprechende N etzw erke verfügten. D er Beschw erdeführer habe som it nicht zu befürchten, auf G rund seiner ethnischen Zugehörigkeit im G rossraum Kabul O pfer asylrelevanter N achteile zu w erden. Zw ar w erde er allgem ein schw ierige w irtschaftliche Bedingungen antreffen. D ank der im Ausland erw orbenen Erfahrungen und Kenntnisse anlässlich eines m ehrjährigen Aufenthalts im Iran habe er gegenüber anderen in Kabul lebenden H azara jedoch einen deutlichen Vorteil. 6.2 D er Beschw erdeführer entgegnet in seiner Beschw erdebegründung, eine R ückkehr nach Afghanistan sei unzum utbar. Er sei der Ethnie der H azara zugehörig, stam m e aus dem Teil des traditionellen, über m ehrere Provinzen verteilten Siedlungsgebietes der H azara (H azarajat), w elcher der Provinz G hazni zuzuordnen sei. D ie Lagebeurteilung des BFM im hier angefochtenen Entscheid, w onach im H azarajat - und dam it auch in den von H azara besiedelten G ebieten von G hazni - nicht m ehr von einer perm anent instabilen Lage gesprochen w erden könne, stehe im W iderspruch zur Einschätzung der Situation der AR K in EM AR K 2006 N r. 9. Für die Provinz G hazni und die w eiteren Siedlungsgebiete der H azara habe die in EM AR K 2003 N rn. 10 und 30 form ulierte Einschätzung w eiterhin G ültigkeit. Es sei nach w ie vor davon auszugehen, dass in diesen G ebieten eine Situation allgem einer G ew alt und Instabilität herrsche. Eine R ückkehr des Be- schw erdeführers in die Provinz oder eines anderen Siedlungsgebietes der H azara sei dem nach - unabhängig von den individuellen U m ständen - als existenzbedrohend und unzum utbar zu qualifizieren. Zu seiner Schw ester habe er letztm als 1998 Kontakt gehabt. Er w isse nicht, ob sie noch in der H erkunftsregion G hazni lebe. D as gleiche gelte für seine Tante und seinen O nkel. Andere Ver- w andte w ürden dort nicht m ehr leben. Es könne som it entgegen der Auffassung des BFM auch nicht davon ausgegangen w erden, dass der Beschw erdeführer im Fall der R ückkehr in seine H erkunftsprovinz auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen könne. H insichtlich einer allfälligen innerstaatlichen W ohnsitzalternative m üsse die Frage der Zum utbarkeit im Einzelfall sorgfältig geprüft w erden. M assgebend seien insbe- sondere die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes sow ie konkrete M öglichkeiten der Sicherung der Existenz und der W ohnsituation. Er habe tatsächlich in Kabul gelebt, allerdings nur als Kind in den Jahren 1986 bis 1991. D ieser w eit zurückliegende Aufenthalt im Kindesalter w erde ihm im H inblick auf die "Existenzgründung" kaum m ehr etw as nützen. Er habe in Kabul w eder Fam ilienan- gehörige noch Bekannte, die ihm bei der Bew ältigung des Ü berlebenskam pfes beistehen könnten. Es fehle som it ein tragfähiges Beziehungsnetz. W ohnraum stehe ihm keiner zur Verfügung, w eshalb auch die W ohnsituation nicht gesichert sei. Er habe zw ar die Schule bis zur neunten Klasse besucht, verfüge aber darü- ber hinaus abgesehen von spärlichen Englischkenntnissen über keine speziellen Kenntnisse, w elche sein berufliches Fortkom m en erleichtern w ürden. W ährend seines Aufenthalts im Ausland habe er im Iran als H ausw ächter und in der Schw eiz kurze Zeit als Küchenangestellter in einem R estaurant gearbeitet. Bei 7 diesen w enig qualifizierten Tätigkeiten handle es sich entgegen der Auffassung des BFM nicht um Erfahrungen und Kenntnisse, w elche ihm gegenüber anderen vor O rt lebenden H azara hinsichtlich der "Existenzgründung" einen deutlichen Vorteil verm itteln w ürden. Schliesslich irre die Vorinstanz, w enn sie schreibe, dass es keine Berichte über ethnisch oder religiös m otivierte Ü bergriffe in Kabul gebe, w eshalb der Beschw erdeführer auch keine asylrelevanten N achteile zu gew ärtigen hätte. Laut einer Stellungnahm e der SFH vom 18. N ovem ber 2003 zur "Sicherheit und R ückkehrsituation für H azara nach Kabul" [vgl. vom Beschw erdeführer zu den Akten gelegte Stellungnahm e] w ürden nach Kabul zurückgekehrte H azara häufig O pfer von G ew alt rivalisierender G ruppen. Städtische G ebiete, einschliesslich Kabul, könnten nicht als hinreichend sicher gelten. Som it bestehe durchaus die reale G efahr, dass er neben den fehlenden w irtschaftlichen M öglichkeiten der "Existenzgründung" auch asylrelevante Ü bergriffe zu gew ärtigen habe. Aus all diesen G ründen w erde klar, dass er auch in Kabul existenziell bedroht sein w ürde und es ihm som it nicht zuzum uten sei, sich dort niederzulassen. 7. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das Bundesam t den Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers nach Afghanistan zu R echt angeordnet hat. Vorab ist dabei festzustellen, dass die unter Erw ägung 5 einleitend erw ähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der W egw eisung – U nzulässigkeit, U nzum utbarkeit, U nm öglichkeit – alternativer N atur sind: Ist eine dieser Voraussetzungen erfüllt, so ist der Vollzug der W egw eisung als undurchführbar zu erachten und die w eitere Anw esenheit in der Schw eiz gem äss den Bestim m ungen über die vorläufige Aufnahm e zu regeln (vgl. EM AR K 2001 N r. 1 E. 6a S. 2, 2006 N r. 6 E. 4.2. S. 54 f.). W eil sich vorliegend der Vollzug der W egw eisung aus den nachfolgend aufgezeigten G ründen als unzum utbar erw eist, ist auf die Erörterung, ob w eitere Vollzugshindernisse vorliegen, zu verzichten. 7.1 Aus hum anitären G ründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schw eiz, w ird auf den Vollzug der W egw eisung als unzum utbar verzichtet, w enn die R ückkehr in den H eim atstaat für den Betroffenen eine konkrete G efährdung darstellt. Eine solche G efährdung kann angesichts der im H eim atland herr- schenden allgem einen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation allgem einer G ew alt kennzeichnet, oder aufgrund anderer G efahrenm om ente, w ie beispielsw eise einer notw endigen m edizinischen Behand- lung, angenom m en w erden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asyl- verfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668). 7.2 G estützt auf eine um fassende Lageanalyse kam die AR K in EM AR K 2003 N r. 30 zum Schluss, dass eine R ückkehr in die Provinz G hazni angesichts der prekären Sicherheits- und Versorgungslage generell - ohne Berücksichtigung individueller U m stände - als existenzbedrohend und dam it unzum utbar zu qualifizieren ist (vgl. daselbst insbesondere E. 6c S. 193 f.). D iese R echtsprechung w urde im Jahr 2006 bestätigt (vgl. EM AR K 2006 N r. 9). D as Bundesverw altungsgericht vertritt die Auffassung, dass die von der AR K getroffenen Lageeinschätzungen w eiterhin G ültigkeit haben, w eshalb die R ückkehr von afghanischen Asylbew erbern in die Provinz G hazni w eiterhin als existenzbedrohend und m ithin unzum utbar zu erachten ist.8 N ach dem G esagten ist für den aus C ._______ - als dem H azarajat zugehöriger Teil der Provinz G hazni - stam m enden Beschw erdeführer entgegen der Einschätzung der Vorinstanz eine R ückkehr dorthin zum heutigen Zeitpunkt nicht zum utbar. 7.3 Zu prüfen bleibt dam it, ob es dem Beschw erdeführer allenfalls zuzum uten ist, sich in einer anderen R egion Afghanistans niederzulassen: 7.3.1 In EM AR K 2003 N rn. 10 und 30 äusserte sich die AR K eingehend zur Situation in Kabul und stellte einen Vergleich zw ischen der Lage im G rossraum Kabul und der- jenigen in anderen R egionen Afghanistans an. Infolge der vergleichsw eise günstigeren Situation erachtete sie den W egw eisungsvollzug nach Kabul unter be- stim m ten strengen Voraussetzungen, insbesondere einem tragfähigen Bezie- hungsnetz sow ie konkreten M öglichkeiten der Sicherung des Existenzm inim um s und der W ohnsituation, als zum utbar. In EM AR K 2006 N r. 9 bestätigte und er- gänzte die AR K ihre R echtsprechung aus dem Jahr 2003. Zusätzlich zu Kabul er- achtete sie den W egw eisungsvollzug in R egionen Afghanistans als grundsätzlich zum utbar, in w elchen es seit dem Jahr 2004 zu keinen nennensw erten m ilitä- rischen Aktivitäten m ehr gekom m en ist, respektive w elche nicht einer perm anenten Instabilität ausgesetzt sind. D ies ist neben Kabul unter anderem auch bei einer R ückkehr in die Provinz Balkh, insbesondere in den G rossraum M azar-e Scharif, der Fall, w obei auch dort die unter EM AR K 2003 N r. 10 aufgezählten strengen Bedingungen (tragfähiges Beziehungsnetz, Sicherung des Existenzm inim um s und der W ohnsituation) erfüllt sein m üssen (vgl. EM AR K 2006 N r. 9 E. 7.5.7. und 7.8.). D as Bundesverw altungsgericht sieht vorderhand keine Veranlassung, von dieser R echtsprechung abzuw eichen. 7.3.2 Für den vorliegenden Fall ist zw ar zunächst festzuhalten, dass der Beschw erde- führer jung, unabhängig und – sow eit aktenkundig – ausser eines einseitigen irreversiblen G ehörschadens gesund ist. In Bezug auf das Erfordernis eines sozialen R ückhalts in Afghanistan ist indessen anzunehm en, dass er trotz m ehrjähriger Aufenthalte in Kabul und M azar-e Scharif gem äss Aktenlage an beiden O rten über kein tragfähiges Beziehungsnetz m ehr verfügt. W as Kabul anbelangt, kann entgegen der Einschätzung der Vorinstanz einzig von einem Aufenthalt w ährend der Jahre 1986 bis 1991 (erste bis fünfte Prim arschulklasse) nicht auf ein heute noch bestehendes Beziehungsnetz geschlossen w erden, zum al im Ü brigen nichts aktenkundig ist, w as auf dort noch lebende, nahe Angehörige oder Bekannte hindeutet. Bezüglich M azar-e Scharif kann sodann auf die glaubhaften - von der Vorinstanz unbestrittenen - Angaben des Beschw erdeführers verw iesen w erden, w onach seine dorthin gezogenen Eltern inzw ischen beide verstorben seien (vgl. A 17, S. 5 und 15). Auch sonstige Bezugspersonen, w elche dem Beschw erdeführer aus seiner Zeit in M azar-e Scharif von 1992 bis 1998 geblieben sein könnten, sind aus den Akten keine ersichtlich. Schliesslich verfügt der Beschw erdeführer w eder über nennensw erte Berufserfahrung noch über ausgesprochene berufliche Q ualifikationen, w elche ihm , ohne sozialen R ückhalt, die Sicherung eines Existenzm inim um s in Afghanistan erlauben w ürden. Es m uss daher davon ausgegangen w erden, dass der Beschw erdeführer im Falle des Vollzugs der W egw eisung nach Afghanistan w eder in Kabul noch in einer anderen der relativ sicher eingestuften R egionen (nam entlich M azar-e Scharif) eine zum utbare Aufenthaltsalternative zur Verfügung steht.9 7.4 Aufgrund einer G esam tw ürdigung erachtet das Bundesverw altungsgericht den Vollzug der W egw eisung des Beschw erdeführers nach Afghanistan im heutigen Zeitpunkt als unzum utbar im Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG . 8. N ach dem G esagten ist die Beschw erde, sow eit die W egw eisung (Ziffer 3 des D is- positivs der Verfügung des BFM vom 14. D ezem ber 2006) betreffend, abzuw eisen. Bezüglich des Vollzugs ist sie gutzuheissen, die Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der angefochtenen Verfügung sind aufzuheben und die Vorinstanz ist anzuw eisen, den Beschw erdeführer vorläufig aufzunehm en (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 14a Abs. 1 bis 4 AN AG ). 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens w ären dem Beschw erdeführer die hälftigen Verfahrenskosten in der H öhe von Fr. 300.-- aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D a sich die Beschw erde nach dem G esagten im Vollzugspunkt nicht als aussichtslos darstellte und der Beschw erdeführer gestützt auf die Akten fürsorgeabhängig ist, sind in G utheissung des G esuchs um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 Vw VG keine Verfah- renskosten aufzuerlegen. 9.2 G em äss Art. 64 Abs. 1 Vw VG kann die Beschw erdeinstanz der ganz oder teilw eise obsiegenden Partei von Am tes w egen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erw achsenen notw endigen und verhältnism ässig hohen Kosten zusprechen. D a der R echtsvertreter bis anhin keine Kostennote einreichte und die notw endigen Vertretungskosten aufgrund der Akten zuverlässig abschätzbar sind, ist die hälftige vom BFM auszurichtende Parteientschädigung in Anw endung der Bem essungs- grundsätze gem äss Art. 7 ff. des R eglem ents vom 11. D ezem ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht (VG KE, SR 173.320.2) von Am tes w egen auf Fr. 400.-- (inkl. aller Auslagen, M w St) festzulegen. (D ispositiv nächste Seite)10 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird gutgeheissen, sow eit sie sich gegen den angeordneten Voll- zug der W egw eisung richtet. Im Ü brigen w ird sie abgew iesen. 2. D ie Ziffern 4 und 5 des D ispositivs der Verfügung des BFM vom 14. D ezem ber 2006 w erden aufgehoben. 3. D as BFM w ird angew iesen, den Beschw erdeführer infolge U nzum utbarkeit des W egw eisungsvollzugs vorläufig aufzunehm en. 4. In G utheissung des G esuchs um G ew ährung der unentgeltlichen R echtspflege w erden keine Verfahrenskosten auferlegt. 5. D as BFM w ird angew iesen, dem Beschw erdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 400.-- zu entrichten. 6. D ieses U rteil geht an: - den Beschw erdeführer durch Verm ittlung seines R echtsvertreters (eingeschrie- ben, 2 Expl.; über die H erausgabe der bei der Vorinstanz eingereichten Be- w eism ittel [Arztzeugnisse] entscheidet das BFM auf Anfrage) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückkehrförderung, zu den Akten - das E._______ des Kantons B._______ (Kopie) D er R ichter: D er G erichtsschreiber: R obert G alliker G regor G eisser Versand am :