B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6382/2013 U r t e i l v o m 24 . J u n i 2 0 1 4 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter William Waeber, Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiber Gert Winter. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2013 / N (…). D-6382/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat im März 2009 auf dem Landweg und gelangte am 21. Se p- tember 2009 via Frankreich und unkontrolliert in die Schweiz, wo er noch am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) M._______ ein Asylgesuch stellte. Anlässlich der Befragung vom 30. September 2009 zur Person (BzP) im EVZ M._______ sowie der Anhörung vom 3. Oktober 2013 durch das BFM machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel- tend, er sei afghanischer Staatsangehöriger und in Herat geboren. Am 23. März 2009 sei er in der Stadt Herat auf dem Heimweg nach dem Be- such einer Hochzeitsfeier von Unbekannten entführt, an einem ihm nicht genauer bekannten Ort drei Tage lang festgehalten und einmal sexuell misshandelt worden. An schliessend sei ihm die Flucht gelungen. Im Nachhinein habe er erfahren, dass es sich bei den Entführern um diese l- ben Personen g ehandelt habe, die bereits seinen Bruder B._______ (N 520 270) bedrängt hätten. Um allfälligen zukünftigen Übergriffen oder Entführungen zu entgehen, habe er schliesslich seinen Heimatstaat ver- lassen und sei in die Schweiz ge reist. Mittlerweile befinde si ch seine ge- samte Familie (Eltern, Geschwister) in der Schweiz. A.b Mit Entscheid vom 24. März 2010 trat das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ( Dublin-Verfahren) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete den Vollzug der Wegweisung nach Gri echenland an. Das Bundesver waltungsgericht hiess eine B e- schwerde gegen diesen Entscheid mit Urteil vom 9. April 2010 gut und wies die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurück. Am 11. Mai 2010 trat das BFM erneut in Anwendung der vorgängig genannten gesetzlichen Bestimmung auf das Asylgesuch nicht ein und ordnete seine Wegweisung nach Griechen land an. Am 25. Februar 2011 hob es diesen Entscheid wiedererwägungsweise auf und führte das nationale Verfahren weiter. A.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen liess der Beschwerdeführer die nachstehend aufgeführten Dokumente zu den Akten reichen: eine Kopie eines Schreibens vom 8. Juli 2010 der Sicherheitskommandatur von He- rat über die Suche nach ihm, eine Kopie des Schreibens vom 6. Juli 2010 der Hauptabteilung Nationale Sicherheit von Herat, einen Kaufvertrag der Eltern seines Schwagers, drei Fotos des Vaters seines Schwagers in der Stadt N._______ (Iran), diverse Internetartikel über die Lage in Afghani s- tan sowie Bestätigungen über Kursbesuche in der Schweiz. D-6382/2013 Seite 3 B. Mit Verfügung vom 10. Oktober 2013 – eröffnet am 15. Oktober 2013 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseige n- schaft nicht, lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Indessen schob das BFM den Wegweisung s- vollzug wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Zur Begründung ihres Entscheids machte die Vorinstanz im Wesen t- lichen geltend, der Beschwerdeführer habe sich im Verlauf des Verfa h- rens zu wesentlichen Punkten widersprüchlich geäussert. So habe er an- lässlich der BzP angegeben, die Augenbinde sei ihm erst am Haftort a n- gelegt worden, während er demgegenüber anlässlich der Bundesanh ö- rung behauptet habe, dies sei bereits während der Autofahrt zum Haftort geschehen. Zum einen habe er anlässlich der Bundesanhörung erklärt, er habe bei den Entführern eine Kalaschnikow gesehen, zum anderen habe er jedoch bestritten, dass letztere bewaffnet gewesen seien. Anlässlich der Bundesanhörung habe er ferner angegeben, er sei einmal während der Haftzeit von den Entfüh rern sexuell missbraucht worden. Im Verlauf der BzP habe er diesbezüglich nichts geltend gemacht und stattdessen auf konkrete Nachfrage hin andere spezielle Vorfälle während seiner En t- führungszeit bestritten. Aufgrund dieser Widersprüche und Ungereimthe i- ten kämen erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen auf. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer die angebliche Entführung im Jahre 2009 unsubstanziiert geschildert: Beschreibung der Entführer (B e- waffnung, Bekleidung, genaue Farbe der Kleidungsst ücke), Wagen (Typ, Farbe, Marke). Die Umstände seiner dreitägigen Haft habe er ebenfalls nur allgemein wiedergegeben: Tagesablauf, Beschreibung des Haftortes und -raumes. Die wenig detailliert ausgefallenen Aussagen verstärkten die Zweifel an der Glaubhaft igkeit seiner Kernvorbringen. Weitere Vo r- bringen des Beschwerdeführers widersprächen in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns. So habe er se i- ne angebliche Entführung mit den Problemen seines Bruders B._______ (BFM-Verfahrensnummer N 520 270) begründet. Insbesondere sei er von denselben Entführern mitgenommen worden, welche schon B._______ bedrängt und verfolgt hätten. Indessen seien die diesbezüglichen Vo r- bringen des Bruders B._______ im ablehnenden Asylentscheid des BFM vom 6. Juli 2009 als unglaubhaft erachtet worden. Dieser Entscheid sei in Rechtskraft erwachsen. Dieser Umstand stelle ein weiteres Indiz dafür dar, dass die diesbezüglichen Vorbringen - Verfolgung, Entführung wegen seines Bruders B._______ – nicht der Wahrheit entspr echen. Was die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel anbelange, so könne zu afghanischen Dokumenten Folgendes festgehalten werden: In Af gha-D-6382/2013 Seite 4 nistan seien alle möglichen D okumente einfach beschaffbar und käuflich erwerblich. Blankoformulare diverser Dokumente seien im Umlauf und könnten mit beliebi gen Inhalten versehen werden. Ebenfalls sei es mö g- lich, lokale Angestellte zu bestechen, um gewünschte Inhalt e auf Doku- menten bestätigen zu lasse n. Letztere nähmen in der Regel auch keine weiteren Abklärungen vor, um die Glaubhaftigkeit des bestätigten Sac h- verhalts vor Ort abzuklären. Daher komme afghanischen Dokumenten generell kein grosser Beweiswert zu. Anlässlich der Bundesanhörung habe er keine weitere n Informationen über diese beiden Dokumente erteilen können: Ausstellungsdatum, g e- naue Bezeichnung der ausstellenden Behörde, Inhalt. Ferner habe er nicht mitzuteilen vermocht, wie sein Vater konkret in den Besitz dieser Dokumente gelangt sei. Beide Dokume nte seien mit dem Vermerk "sp e- ziell und geheim" gekennzeichnet. Folglich sei nicht nachvollziehbar, wie- so diese "geheimen" bzw. für den internen Geb rauch der afghanischen Behörden bestimmte n "Such- bzw. V erhaftungsbefehle" überhaupt an Flüchtige bzw. deren Angehörige ausgehändigt würden. Schliesslich sei- en seine Asylvorbringen, auf welche sich diese Beweismittel stützten, nicht glaubhaft. Aufgrund dieser Ungereimtheiten wiesen die beiden eingereichten Dok u- mente die Kernvorbringen des Beschwerdeführers nic ht glaubhaft nach. Die anderen Beweismittel – Kaufvertrag, Fotos von N._______, Internet- artikel über die allgemeine Lage in Afghanistan und Iran, Bestätigungen über besuchte Sprach- und Integrationskurse in der Schweiz (vorinstan z- liche Akten A45/2, A51/3, Beweismittelcouvert Nr. 2, 3) seien nicht rel e- vant für die Beurteilung seiner Flüchtlingseigenschaft. Aufgrund der Akten ergäben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlic h- keit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. In- dessen erachte das BFM vorliegend den Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat oder in einen Drittstaat in Würdigung sämtlicher Umstände und unter Berücksichtigung der Aktenlage als im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zumutbar, weshalb der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei. C. C.a Mit Eingabe vom 14. November 2013 liess der Beschwerdeführer die nachstehend aufgeführten Rechtsbegehren stellen: Dem Beschwerdefüh-D-6382/2013 Seite 5 rer sei Einsicht in den – im Verfahren des Vaters – eingereichten USB- Memorystick zu gewähren. Nach der Gewährung der Einsicht in den ein- gereichten USB-Memorystick sei ihm eine angemessene Frist zur Einre i- chung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Die Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2013 sei aufzuheben und die Sache dem BFM zur vol l- ständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserhebl i- chen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung des BFM vom 10. Oktober aufzuheben und dem Be- schwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2013 aufzuheben, und es sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. C.b Zur Begründung seiner Beschwerdeschrift lässt der Beschwerdefü h- rer im Wesentlic hen geltend machen, das BFM habe die Ansprüche auf Akteneinsicht und rechtliches Gehör schwerwiegend verletzt. Zudem h a- be es den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig und richtig a b- geklärt und weitere Rechtsbestimmungen verletzt. Ferner habe sich das BFM über die Bestimmung von Art. 6 AsylV 1 hinweggesetzt, weil die A n- hörung nicht in einer Männerrunde stattgefunden habe. So seien bei der Erstbefragung eine, bei der Zweitbefragung zwei Frauen anwesend g e- wesen. Das BFM habe sich somit wider besseres Wissen über Art. 6 AsylV 1 hinweggesetzt, zumal eine Befragung in einer Männerrunde a b- solut notwendig gewesen wäre; diese Unterlassung stelle gleichzeitig e i- ne schwerwiegende Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts dar. Das BFM habe in die- sem Zusammenhang auch die Begründungspflicht verletzt, weil es übe r- haupt nicht erwähnt habe, aus welchen Gründen es keine weitere Anh ö- rung zu dieser geschlecht sspezifischen Verfolgung vorgenommen habe. Des Weiter en habe das BFM in Bezug auf den USB -Memorystick das rechtliche Gehör schwerwiegend verletzt. Zudem sei in diesem Zusa m- menhang festzuhalten, dass das BFM dem Beschwerdeführer vorwerfe, er habe die eingereichten Beweismittel nicht von sich aus beschreiben können, obwohl diese von seinem Anwalt eingereicht worden seien. Trotz Verlangen der Hilfswerkvertreterin, man solle dem Beschwerdeführer die Beweismittel zeigen, sei dies dem Beschwerdeführer durch die anwesen- de Befragerin verweigert worden. Ferner hätte d as BFM zwingend weit e- re Abklärungen betreffend die eingereichten Beweismittel vornehmen müssen, beispielsweise eine (interne oder externe) Dokumentenanalyse oder eine Botschaftsabklärung. Aufgrund der vom Beschwerdeführer g e- schilderten Anarchie in Afghanis tan erscheine es nicht verwunderlich, dass echte interne Akten in die Hände von Privaten gelangten und diesen D-6382/2013 Seite 6 zugespielt würden. Dies besage nichts über die Echtheit dieser Dok u- mente, weshalb deren Echtheit gerade abgeklärt werden müsse. Hinzu komme, dass das BFM die Vorbringen der Eltern des Beschwerdeführers zwar geglaubt habe, diesem Umstand jedoch bei der Würdigung der Vo r- bringen des Beschwerdeführers kein höheres Gewicht beigemessen h a- be als den als unglaubhaft beurteilten Vorbringen des Bruders. Im Üb ri- gen habe sich der Beschwerdeführer glaubhaft bzw. substanziiert geäu s- sert und seine Verfolgungssituation mit Beweismitteln belegt. D. D.a In ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2013 kam die Vorinstanz zum Schluss, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen er heblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Sie gebe trotzdem zu folgenden Bemerkungen A n- lass: Der Beschwerdeführer bemängle vorerst, dass ihm im Rahmen der Akteneinsicht die Speicherkarte aus dem V erweiserdossier seines Vaters A.M. (N 531 937) nicht zugestellt worden sei. Die darauf befindlichen F o- tos würden mitunter einen Beweis für die geltend gemachte Entführung des Beschwerdeführers liefern. Eine Auswertung der darauf befindlichen Bilder seite ns des BFM habe ergeben, dass zwei Jugendliche zu sehen seien, die von Drittpersonen verprügelt würden. Ob es sich bei einem der beiden Jugendlichen ta t- sächlich um den Beschwerdeführer handle, könne aufgrund des Bildm a- terials nicht mit absoluter Sicherheit festgestellt werden. Zudem lasse sich aus den Bildern auch nicht herleiten, d ass diese Aufnahmen in dem vom Beschwerdeführer gelt end gemachten Kontext – Entführung durch Drittpersonen am 23. März 2009 – entstanden seien. Die Bilder auf der Speicherkarte wiesen daher die geltend gemachte Ent- führung des Beschwerdeführers nicht glaubhaft nach. Im Weiteren habe sich der Beschwerdeführer bezüglich dieses Vorfalls widersprochen. Die diesbezüglichen Widersprüche seien in der Beschwerde nicht plausibel aufgelöst worden und bestünden demnach nach wie vor. Das BFM halte daher an seiner Schlussfolgerung im Asylentscheid fest, wonach die b e- hauptete Entführung des Beschwerdeführers und die dabei angeblich e r- folgte sexuelle Misshandlung durch Drittpersonen, die Entführer, nicht der Wahrheit entsprächen. Im Weiteren sei letztere als widersprüc hlich und nachgeschoben zu beurteilen, weil der Beschwerdeführer davon bei der BzP nichts erwähnt habe und auch die gesamten Umstände der Entfü h- rung nicht der Wahrheit entsprächen. Die diesbezüglichen Vorbringen D-6382/2013 Seite 7 seien daher gestützt auf Art . 7 AsylG nicht glaubhaft, so das s sich eine vertiefte Befragung zur ang eblichen sexuellen Misshandlung in einem Männerteam erübrigt habe. Die Flüchtlingseigenschaft hänge schliesslich davon ab, ob der geltend gemachten Verfolgung ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv gemäss Art 3 Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische Ansch auungen) zugrunde liege. Flüchtlingsrechtlich relevant werde eine Verfolgung erst dann, wenn sie wegen eines in der Person li egenden Merkmals, das untrennbar mit ihr oder ihrer Persönlichkeit verbunden sei, erfolge, mithin in diskriminiere n- der Weise an ein persönliches Merkmal, das sie "andersartig" mache, an- knüpfe. Vorliegend sei hinsichtlich der Frage, ob ein flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungsmotiv gegeben sei, unbestritten, dass der Beschwerdeführer nicht wegen seiner Rasse, seiner Religion oder seiner Nationalität einer Gefährdung ausgesetzt sei. Auch das Kriterium der "Zugehörigkeit zu e i- ner bestimmten sozialen Gruppe" sei vorliegend n icht erfüllt. Schliesslich sei auch das Verfolgungsmoti v der "politischen Anschauungen" zu ve r- neinen, weil der Beschwerdeführer auch in dieser Hinsicht nichts vorg e- bracht habe. Es lieg e somit kein Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG vor. Folglich wären die Vorbringen des Beschwerdeführers auch unter Be- rücksichtigung von Art. 3 AsylG nicht relevant. D.b Mit Eingabe vom 17. Dezember 2013 liess der Beschwer deführer ei- ne Replik zu den Akten reichen und ausführen, am Gesuch um Aktenei n- sicht betreffend den USB -Stick werde festgehalten. Es gehe nicht an, dass das BFM in einem ersten Schritt den USB-Stick nicht würdige und dem unterzeichneten Rechtsanwalt keine Einsicht in dieses Beweismittel ermögliche, um dann lapidar, in einer pausch alen, willkürlichen Weise festzuhalten, die Fotos auf dem USB -Stick seien nicht von Bedeutung. Zum Punkt der geschlechtsspezifischen Verfolgung sei Folgendes festzu- halten: Es sei sc hlicht nicht nachvollziehbar, wie das BFM die Glaubha f- tigkeit der geschlechtsspezifischen Verfolgung würdigen wolle, wenn die entsprechenden Aussagen nicht in einer "Männerrunde" präzisiert und frei besprochen werden könnten. Der Beschwerdeführer habe sich anlässlich der zweiten Befragung trotz erneuter Anwesenheit einer Frau dazu durch- ringen können, gewisse Punkte zu erwähnen. Danach wäre zwingend e i-D-6382/2013 Seite 8 ne ergänzende Anhörung in einer "Männerrunde" zur geschlechterspezifi- schen Verfolgung des Beschwerdeführers durch das BFM anzusetzen gewesen. D.c Mit Eingabe vom 16. Januar 2014 liess der Beschwerdeführer eine Erklärung einreichen, aus der das Einverständnis seines Vaters mit der Edition des USB -Sticks an seinen Sohn beziehungsweise an dessen Rechtsvertreter hervorgeht. D.d Mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2014 räumte der Instrukt i- onsrichter des Bundesverwaltungsgericht s dem Beschwerdeführer Gel e- genheit ein, die Daten auf dem ihm zugestellten Datenträger bis zum 5. März 2014 auf einen USB -Stick oder eine CD beziehun gsweise DVD zu kopieren und den neuen Datenträger dem Bundesverwaltungsgericht nebst einer Stellungnahme zum Inhalt des Datenträgers zukommen zu lassen. D.e Mit Eingabe vom 5. März 2014 liess der Beschwerdeführer die Beil a- gen 1/2014 – 4/2014 zu den Akten reic hen und machte in diesem Z u- sammenhang geltend, diese Beweismittel seien bezüglich der eindeut i- gen Erkennbarkeit des Beschwerdeführers sowie ihrer Brutalität und Ei n- deutigkeit verstörend. Umso erschreckender sei zudem der Umstand, dass das BFM diese Beweismittel, welche ohne Weiteres durch das simp- le Öffnen der entsprechenden Daten hätten ausgedruckt werden können und müssen – im vorliegenden Verfahren nicht gewürdigt habe. D.f In einer weiteren Vernehmlassung vom 24. März 2014 nahm das BFM zu den vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismitteln beziehung s- weise zur Replik vom 5. März 2014 wie folgt Stellung: Die Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich seiner angeblichen Entführung seien w i- dersprüchlich, wenig detailliert und realitätsfremd ausgefalle n. Die die s- bezüglichen Ungereimtheiten seien im Rekurs nicht plausibel aufgelöst worden und bestünden nach wie vor. Das BFM halte daher an seiner Schlussfolgerung fest, dass die Entführung und sexuelle Misshandlung des Beschwerdeführers im März 2009 nicht glaubhaft sei en. An dieser Schlussfolgerung ve rmöchten die neu eingereichten Fotos und Videos nichts zu ändern, zumal sich daraus nicht glaub haft herleiten lasse, dass letztere unter den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Umständen – Entführung durch Unbekannte im März 2009 – entstanden seien. Die Flüchtlingseigenschaft hänge schliesslich davon ab, ob der geltend D-6382/2013 Seite 9 gemachten Verfolgung ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Nationali tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische Anschauungen) zugrunde liege. Flüchtlingsrechtlich relevant werde eine Verfolgung erst dann, wenn sie wegen eines in der Person liegenden Merkmals, das untrennbar mit ihr oder ihrer Persönlichkeit verbunden sei , erfolge, mithin in diskriminiere n- der Weise an ein persönli ches Merkmal, das sie andersartig mache, a n- knüpfe. Vorliegend wäre hinsichtlich der Frage, ob ein flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungsmotiv gegeben sei, bei theoretischer Wahrunte r- stellung der geltend gemachten Entführung im März 2009 – unbestritten, dass der Beschwerdeführer nicht wegen seiner Rasse, seiner Religion oder seiner Nationalität einer Gefährdung ausgesetzt sei. Auch das Krite- rium der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gr uppe sei vorli e- gend nicht erfüllt. Schliesslich sei auch das Verfolgungsmotiv der "polit i- schen Anschauungen" zu verneinen, da der Beschwerdeführer auch in dieser Hinsicht nichts vorgebracht habe. Es läge somit auch kein Verfo l- gungsmotiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG vor. Folglich wären die Vor- bringen des Beschwerde führers auch unter Berücksichtigung von Art. 3 AsylG nicht relevant. Im Übrigen werde auf die Erwägungen in der ang e- fochtenen Verfügung verwiesen und an ihnen vollumfänglich festgehalten. D.g In seiner Duplik vom 9. April 2014 macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, es sei offensichtlich, dass es sich nicht um gestel l- te Aufnahmen handle. Eine derart massive Misshandlung würde von ke i- nem normalen Menschen gestellt, zumal die entsprechen den Misshand- lungen zu schwerwiegenden Verletzungen führen könnten und beim B e- schwerdeführer tatsächlich geführt hätten. Das BFM habe mit keinem Wort geltend gemacht, dass und weshalb Zweifel daran bestehen sollten, dass die entsprechenden Aufnahmen nicht u nter den geltend gemachten Umständen gemacht worden seien. Es bestünden schlicht keine Hinwe i- se darauf, dass die eingereichten Beweismittel anderweitig entstanden wären. Betreffend die Flüchtlingsgeigenschaft sei festzuhalten, es seien bei den afghanischen Behörden Verfahren gegen den Beschwerdeführer und andere Mitglieder seiner Familie anhängig gemacht worden. Wie b e- reits in der Beschwerde geschildert und vom BFM ignoriert, handle es sich dabei um eine politische Abrechnung gegen die Familie des B e- schwerdeführers. Bei den Verfolgern handle es sich um eine politisch ein- flussreiche Familie mit Kontakten bis in die höchsten Machtapparate und Behörden. Der erwähnten Verfolgerfamilie sei es demnach gelungen, die Sache auf die Ebene einer gezielten staatlichen V erfolgung aus Gründen einer politischen Abrechnung zu heben. Es stehe somit fest, dass es sich D-6382/2013 Seite 10 vorliegend sehr wohl um eine asylrelevante gezielte Verfolgungsmotivat i- on im Sinne von Art. 3 AsylG handle. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den B e- hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesve r- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen eines Au s- lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwa l- tungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.4 Die Schweizerische Bundesversammlung hat am 14. Dezember 2012 eine Revision des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 verabschiedet (AS 2013 4375), welche am 1. Februar 2014 in Kraft getreten ist. Gemäss Abs. 1 der diesbezüglichen Übergangsbestimmungen gilt für die im Zei t- punkt des Inkrafttretens hängigen Verfahren das neue Recht. D-6382/2013 Seite 11 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerüg t werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in si ch widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Vorab sind die zahlreichen formellen Rügen und damit verbundenen Rückweisungsanträge zu prüfen, welche auf Beschwerdeebene vorg e- bracht werden. 4.2 Seitens des Beschwerdeführers wird insbesondere geltend gemacht, sein Recht auf Akteneinsicht und damit sein Anspruch auf rechtliches Ge- hör sei verletzt worden, zumal ihm keine Einsicht in die Speicherkarte aus dem Verweiserdossier seines Vaters gewährt worden sei. Der Anspruch der Beschwerdepartei auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 VwVG) enthält nebst weiteren Verfahrensgarantien insbesondere auch das Recht auf Akteneinsicht, welches in Art. 26 ff. Vw VG konkretisiert wird. Gemäss Art. 26 VwVG hat die Partei oder ihr Vertreter – unter Vor- behalt der Ausnahmen gemäss Art. 27 Abs. 1 VwVG – grundsätzlich An- spruch darauf, sämtliche Aktenstücke einzusehen, welche geeignet sind, D-6382/2013 Seite 12 in einem konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen. Wird einer Par- tei die Einsichtnahme in ein Aktenstück verweigert, so darf darauf zum Nachteil der Partei nur abgestellt werden, wenn ihr die Behörden von se i- nem für die Sache wesentlichen Inhalt Kenntnis und ihr ausserdem Gel e- genheit gegeben hat, sich zu äussern oder Gegenbeweise zu bezeichnen (vgl. Art. 28 VwVG). Wie sich aus der Zwischenverfügung vom 18. Febru- ar 2014 ergibt, wurde dem Beschwerdeführer das Beweismittel aus dem Dossier seines Vaters, das in der Beschwerde als USB-Stick bezeichnet wird, zugestellt und Gelegenheit eingeräumt, zum Inhalt der Speicherka r- te Stellung zu nehmen, da offensichtlich kein Grund bestand, die Einsicht zu verweigern (vgl. dazu auch Art. 27 Abs. 3 VwVG). Indessen liegt in ca- su hinsichtlich dieser Speicherkarte keine Verletzung des Rechts auf Ak- teneinsicht vor, zum einen, weil sich die Karte im Dossier des Vaters b e- fand und der Beschwerdeführer zum anderen zwar von der Existenz einer Speicherkarte wusste und sie beiläufig erwähnte , indessen – erstaunli- cherweise – mit keinem Wort geltend machte, die Speicherkarte sei ein Beweismittel für seine Vorbringen (A1/14 Ziff. 15 S. 7) . Die Vorinstanz stellte im Übrigen bei ihrem Entscheid über das Asylgesuch nicht zum Nachteil des Beschwerdeführers auf besagte s Beweismittel ab. Ferner wäre grundsätzlich davon auszugehen, dass die Verfahrenspartei die von ihr selbst eingereichten Beweismittel kennt beziehungsweise sich zuha n- den ihrer eigenen Akten gegebenenfalls Kopien der eingereichten Unte r- lagen angefertigt hat. Da das Bundesverwaltungsgericht wie erwähnt da- für besorgt war, dass der Beschwerdeführer Einsicht in die Speicherkarte nehmen konnte und darüber hinaus Gelegenheit zur ergänzenden Ste l- lungnahme bekam, wäre im Übrigen selbst ein zu Recht gerügter Verfah- rensmangel im heutigen Zeitpunkt als geheilt zu erachten (vgl. dazu BVGE 2008/47 E. 3.3.4, mit weiteren Hinweisen). 4.3 Sodann wird vorgebracht, das BFM habe seine Pflicht, den rechtse r- heblichen Sachverhalt vollständig und richtig festzustellen, sowie die ihm obliegende Prüfungs- und Begründungspflicht verletzt, was letztlich eben- falls eine Verletzung des Gehörsanspruchs darstelle. 4.3.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter- lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und da r- über ordnungsgemäss Be weis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfes t- stellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig D-6382/2013 Seite 13 ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuch ungs- maxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berüc k- sichtigt wurden. Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschung en anzustellen. Z u- sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwV G], Zürich 2008, Rz. 15 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 28 zu Art. 49). Alle erheblichen Parteivorbringen sind sodann zu prüfen und zu würdigen (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 35 Abs. 1 VwVG) , wobei sich das Ergebnis der Würdigung in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. Art. 35 VwVG). Nach den von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die verfügende Behörde im Rahmen der Entscheidb e- gründung die Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begründung des Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachg e- recht anfechten kann. Die Behörde muss sich jedoch nicht mit jeder ta t- beständlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Mit der Pflicht zur Offenlegung der Entscheidgründe kann zudem in der Regel verhindert werden, dass sich die Behörde von unsachgemässen Motiven leiten lässt (vgl. dazu LORENZ KNEUBÜHLER in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄ- NER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsr echtspfle- ge des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, N. 629 ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6; BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1). 4.3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, das BFM habe es unterla s- sen, ihn in einer Männerrunde anzuhören. Gemäss Art. 6 AsylV 1 ist eine asylsuchende Person nämlich unter anderem dann von einer Person gleichen Geschlechts anzuhören, wenn konkrete Hinweise auf eine g e- schlechtsspezifische Verfolgung vorliegen. Wie diesbezüglich dem Proto- koll der BzP zu entnehmen ist, enthält es kein derartig es Indiz, verneinte der Beschwerdeführer doch ausdrücklich die Frage, ob während der En t- führungszeit sonst noch etwas geschehen sei, das er bis anhin noch nicht erwähnt habe (A1/14 Ziff. 15 S. 7). Aufgrund seiner Antwort, es sei nichts Besonderes vorgefallen, ausser der Tatsache, dass sie dort in einer Hütte eingesperrt gewesen seien (A1/14 a.a.O.), erübrigten sich allfällige An-D-6382/2013 Seite 14 schlussfragen zum Thema sexueller Missbrauch . Bei dieser Sachlage gab es keinen Anlass, für die Anhörung vom 3. Oktober 2010 ein re ines Männerteam einzusetzen. Anlässlich dieser Anhörung war im Übrigen – entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift – keine Befragerin zugegen, wie ein Vergleich der Unterschriften auf dem Anhörungsprot o- koll und der angefochtenen Verfügung zeigt. Die Anwesenheit einer wei- teren Frau hielt den Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung jedoch nicht mehr davon ab, den sexuellen Missbrauch verschiedentlich zu er- wähnen (A52/15 F 15 S. 3, F72 S. 8). Auf den Vorhalt hin, weshalb er den sexuellen Übergriff nicht schon anlässlich der BzP erwähnt habe, machte er dann geltend, er habe sich anlässlich der BzP ge schämt darüber zu sprechen (A52/15 F110 S. 12). Die Vorinstanz sah in der Folge davon ab, eine zusätzliche Anhörung in einer Männerrunde durchzuführen. D ies zu Recht, weil das BFM angesichts zahlreicher zu Recht festgestellter we- sentlicher Widersprüche und unsubstanziierter Vorbringen (siehe die E r- wägungen II.1 und II.2 der angefochtenen Verfügung) schon die vom Be- schwerdeführer geschilderte Entführung für unglaubhaft hielt. Im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung (vgl. dazu BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 357, mit weiteren Hinweisen) durfte sie davon ausgehen, dass eine Zusatzanhörung nicht zu einer veränderten Betrachtungsweise führen würde, weil angesichts der oben erwähnten Ausgangslage – der U n- glaubhaftigkeit der Entführung – allfällige Vorbringen des Beschwerdefüh- rers zum geltend gemachten sexuellen Missbrauch diesen nicht glaubhaf- ter erscheinen lassen, wenn sie in einer reinen Männerrunde vorgebracht werden. Aus dem gleichen Grund konnte die Vorinstanz in antizipierter Beweiswürdigung darauf verzichten, eine nachträgliche ergänzende Bo t- schaftsabklärung zur Echtheit der vom Beschwerdeführer eingereichten Dokumente oder anderweitige zusätzliche Abklärungen (z.B. eine interne oder externe Dokumentenanalyse) vorzunehmen. Wie sich nämlich au f- grund der Lektüre der angefochtenen Verfügung erschliessen würde, hat die Vorinstanz die Echtheit der eingereichten Dokumente nicht in Zweifel gezogen, sondern festgehalten, es sei in Afghanistan ohne Weiteres mög- lich, echte Dokumente zu beschaffen, Dokumente sollten indessen, auch dies ergäbe sich aus der Begründung der angefochtenen Verfügung, nicht nur echt sein, sondern darüber hinaus einen wahren Inhalt aufwe i- sen; andernfalls weisen sie keinen Beweiswert auf, wie dies für afghan i- sche Urkunden aus den in der Verfügung erwähnten Gründen der Fall ist. Im Übrigen ist der Sachverhalt a uch im heutigen Zeitpunkt als ausre i- chend erstellt zu erachten. Nach dem Gesagten ergibt sic h insgesamt, dass im vorliegenden Fall die Rügen, wonach das BFM den Sachverhalt D-6382/2013 Seite 15 ungenügend festgestellt und die Prüfungs- sowie Begründungspflicht ver- letzt habe, unbegründet sind. 4.3.3 In der Beschwerde wie insbesondere auch der Duplik wird ver- schiedentlich gerügt, das Vorgehen sowie die Argumentation des BFM seien willkürlich. Gemäss Lehre und Rechtsprechung liegt Willkür indes nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuziehen wäre, sondern nur dann, wenn ein Entscheid of- fensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Wide r- spruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S.11; ULRICH HÄFELI/WALTER HAL- LER/HELEN KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., Zürich 2012, N 811 f. S. 251 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, mit weiteren Hinweisen). Dabei muss die angeblich wil lkürliche Begründung rechtsgenüglich da r- gelegt werden (BGE 116 Ia 426 S. 428, mit weiteren Hinweisen). Im vo r- liegenden Fall wird jedoch beispielsweise nicht näher ausgeführt, inwi e- fern die seitens des Beschwerdeführers als willkürlich bezeichnete Wü r- digung afghanischer Urkunden unter die obgenannte Definition zu su b- sumieren ist. Vielmehr ist – auch unter Berücksichtigung der nachfolge n- den Erwägungen zum Asylpunkt – festzustellen, dass insbesondere das Ergebnis der seitens des Beschwerdeführers bemängelten R echtsan- wendung unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten sehr wohl vertretbar ist. Die Rüge, wonach das BFM das Willkürverbot verletzt habe, ist daher als unbegründet zu qualifizieren. 4.3.4 Nach dem Gesagten besteht somit keine Veranlassung, die Verf ü- gung des BFM aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Der entsprechende Antrag ist daher abzuweisen. 4.4 Die Vorbringen in der Beschwerdeschrift zur Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgungssituation vermögen nicht zu einer veränderten Be- trachtungsweise zu führen. Angesichts zahlreicher und wesentlicher W i- dersprüche im Zusammenhang mit der angeblichen Entführung sowie unsubstanziierter Vorbringen kann die geltend gemachte Verfolgungssitu- ation nicht geglaubt werden. Dies gilt gleichermassen für den angeblichen sexuellen Missbrauch. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann die s- bezüglich auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verf ü-D-6382/2013 Seite 16 gung verwiesen werden. Was den Inhalt des Speicherchips anbelangt, so handelt es sich nicht um einen Beweis für die geltend gemachte Verfo l- gungssituation. Weder ist der Beschwerdeführer einwandfrei erkennbar, noch ist belegt, dass es sich nicht um eine aufgenommene Inszenierung für die schweizerischen Asylbehörden handelt. 4.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG glaubhaft machen oder nachweisen kann. Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen, Behauptungen und Beweismittel in der Beschwerde einzugehen, da sie an der vorstehenden Feststellung nichts zu ändern vermögen. Das BFM hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgewiesen. 5. 5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 5.2 Der Bes chwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegw eisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 5.3 Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 10. Oktober 2013 vorläufig in der Schweiz aufgenommen, weshalb sich weitere Ausführu n- gen zur Frage der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs erübrigen. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG ). Die Beschwerde i st abzuweisen. 7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsg e- richt [VGKE, SR 173.320.2]). D-6382/2013 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Fulvio Haefeli Gert Winter Versand: