B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-4168/2012/sps U r t e i l v o m 1 7 . J u n i 2 0 1 3 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A._______, geboren (…), Georgien, vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. Juli 2012 / N […]. D-4168/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland gemäss Stempel in dem von ihr im Asylverfahren eingereichten georgischen Reisepass am 23. Juni 2011 und gelangte in die Türkei, wo sie sich eigenen Angaben zufolge einige Monate aufhielt. In der Folge reiste sie über Griechenland und Italien am 14. April 2012 in die Schweiz ein, wo sie anlässlich der Grenzkontrolle um Asyl nachsuchte. Tags darauf reichte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asylgesuch ein, dort wurde am 20. April 2012 die summarische Befragung durchgeführt. Für die Dauer des Verfahrens wurde die Beschwerdeführerin dem Kanton C._______ zugewiesen. Am 13. Juni 2012 hörte das BFM sie gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ausführlich zu ihren Asylgründen an. Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, sie habe sich seit den 90 -er Jahren an den p oliti- schen Bewegungen in Georgien beteiligt, etwa für Sviad Gamsachurdia, anfangs auch für Micheil Saakash wili, schliesslich aber nur noch für O p- positionsparteien. Sie habe sich als Koordinatorin in ihrem Quartier eng a- giert. Im Oktober 2006 sei sie von zu Hause abgeholt und auf einen Pol i- zeiposten verbracht worden. Am nächsten Tag habe man sie wegen eines angeblichen Schlages gegen ein Polizeiauto sowie wegen Polizistenb e- leidigung zu einer Busse von 1 '500 Lari verurteilt. Als ihr (…) am (…) 2007 vor ihrem H ause in ein Auto gezerrt worden sei, habe sie sich ei n- gemischt und ein Fenster des Fahrzeuges eingeschlagen. Daraufhin sei auch sie auf den Polizeiposten mitgenommen worden, wo sie an den Haaren gezogen und beschimpft worden sei. Bis zur Gerichtsverhandlung am (…) 2007 sei sie in Untersuchungshaft verblieben, dann wegen Bele i- digung der Polizei und Beschädigung des Polizeiautos zu sieben Jahren Hausarrest und 25'000 Lari Busse verurteilt worden. Ende 2007 habe man sie aus der Haft entlassen. Ausschlaggebend für ihre Ausreise sei schliesslich gewesen, dass sie an den Demonstrationen vom Mai 2011 teilgenommen habe. In der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 2011 hätten Armee und Polizei die Demonstrierenden umkreist. Man habe ihr die Ohr- ringe abgerissen und sie habe einen Bluterguss unter dem rechten Auge davon getragen. Viele Leute seien festgenommen worden. Sie habe es geschafft wegzurennen und sei zunächst zu einer Freundin und hernach nach D._______ gefahren. Nachdem sie am (…) 2011 noch auf der ni e- derländischen Botschaft ihren Pass abgeholt habe – ihr Visumsantrag sei D-4168/2012 Seite 3 abgelehnt worden – habe sie am 23. Juni 2011 die georgische Grenze überquert. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin diverse Un- terlagen zu den Akten, zum Beleg ihrer Identität übergab sie dem BFM ih- ren georgischen Pass, die Identitätskarte sowie den Führerausweis (alle Dokumente im Original). B. Mit Verfügung vom 9. Juli 2012 – eröffnet am 10. Juli 2012 – stellte das Bundesamt fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Zur Begründung führte das BFM zusammengefasst aus, einerseits hielten die von der Beschwerdeführerin erlebten staatlichen Verfo lgungshand- lungen den Anforderungen an die asylrelevante Intensität nicht stand. Zwar sei die Beschwerdeführerin bei der Ausübung ihrer Geschäfte g e- stört und zweimal aufgrund zweifelhafter Vorwände verhaftet und veru r- teilt worden, doch habe sie sich mit ein er Busse freikaufen und vierei n- halb Jahre lang, ohne erneut festgehalten zu werden, in E._______ leben können. Auch bei den erlittenen Verletzungen anlässlich der Demonstr a- tion könne nicht von einer intensiven Verfolgung gesprochen werden, dasselbe gelte für weitere Schikanen und Belästigungen. Zwar unterstü t- ze die Beschwerdeführerin die Opposition, doch spiele sie dabei keine zentrale, sondern lediglich eine lokale Rolle als Quartier -Koordinatorin ei- ner oppositionellen Bewegung. Aus diesem Grund werde man in Geo r- gien noch nicht verfolgt. Anderseits seien auch keine asylrelevanten B e- fürchtungen künftiger asylrelevanter staatlicher Verfolgungsmassnahmen ersichtlich. Zwar seien zahlreiche Demonstranten Ende Mai 2011 verha f- tet und verurteilt worden, doch sei nichts über nachträgliche Verhaftungen in diesem Zusammenhang bekannt. Gegen die Gefahr einer Verfolgung der Beschwerdeführerin bei der Rückkehr spreche auch, dass sie die Grenze zur Türkei mit ihrer Ausreiseerlaubnis passiert habe und dabei nicht aufgehalten worden sei. Falls die Beschwerdeführerin dafür belangt würde, dass sie sich auch nach Ablauf ihrer Ausreiseerlaubnis noch im Ausland aufgehalten habe, würde es sich um ein legales Vorgehen der strafrechtlichen Behörden handeln, was nicht als Verfolgungsmassnahme gehört werden könnte. Auch hätte sie die Möglichkeit, sich an den O m- budsmann von Georgien zu wenden, welcher über unrechtmässige oder unverhältnismässige Strafen wache. Schliesslich seien die Vorbringen der D-4168/2012 Seite 4 Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer Gl aubhaftigkeit auch nicht über alle Zweifel erhaben. Es bestünden verschiedene Widersprüche betreffend die Haft der Beschwerdeführerin, sowohl zwischen ihren Angaben an der Summarbefragung und der Anhörung, als auch innerhalb der vertieften Anhörung. Weiter habe die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft erklären können, weshalb sie bereits im (…) 2011 eine Ausreiseerlaubnis habe ausstellen lassen und bei der holländischen Botschaft ein Visum bea n- tragt habe. Dies lasse vermuten, dass sie sowieso habe ausreisen w ollen und ihre Ausreise nicht s mit der Demonstration zu tun gehabt habe. A n- zumerken sei überdies, dass die Beschwerdeführerin noch mehr als ein halbes Jahr in der Türkei gelebt und das Asylgesuch in der Schweiz nur gestellt habe, nachdem sie von der Polize i auf dem Weg nach Belgien angehalten worden sei. Nicht nachvollziehb ar sei zudem, dass sie, die in der Schweiz um Schutz vor Verfolgung nachgesucht habe, am Nationa l- feiertag an den Festivitäten der georgischen Botschaft in F._______ teil- genommen und dabei noch das Wort gegen den georgischen Redner e r- hoben habe. Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Beweismittel erachtete das BFM als untauglich, da sie den asylrelevanten Sachverhalt nicht zu stützen vermöchten. Zusammenfassend kam die Vorinstanz zum Schluss, d ie Vorbringen hielten insgesamt den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und A rt. 7 AsylG nicht stand, und der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich. C. Mit Eingabe vom 8. August 2012 liess die Beschwerdeführer in durch i h- ren Recht svertreter Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erh e- ben und in materieller Hinsicht beantragen, der angefochtene Entscheid des BFM sei aufzuheben und es sei Asyl zu gewähren oder jedenfalls die Flüchtlingseigenschaft festzustellen; eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwerd e- führerin um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Auf die Begründung der Anträge wird, soweit für den Entscheid wesen t- lich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D. Der Instruktionsrichter teilte der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 13. August 2 012 mit, sie dürfe den Ausgang des Ver fahrens in der Schweiz abwarten, über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen D-4168/2012 Seite 5 Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensge- setzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden und auf die Erhebung eines Kostenvo r- schusses verzichtet. Zudem wurde das BFM zur Einreichung einer Ve r- nehmlassung eingeladen. E. Am 20. August 2012 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Bestät i- gung über die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführerin ein. F. Das Bundesamt beantrag te mit seiner Vernehmlassung vom 31. August 2012 die Abweisung der Beschwerde. G. Mit Verfügung vom 6. September 2012 wurde der Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnis gebracht und ihr Frist zur Einreichung einer Replik eingeräumt. Mit Eingabe vom 21. September 2012 machte die Beschwerdeführerin von ihrem Äus serungsrecht Gebrauch. H. Der Rechtsvertreter reichte mit Eingabe vom 26. September 2012 eine Bestätigung ( in georgischer und in englischer Sprache) sowie drei Zei- tungsartikel (in georgischer Sprache, je in Kopie) zu den Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs- gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher z u- ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslief e- rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Pe r- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-D-4168/2012 Seite 6 nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachw eisen oder zumindest glaubhaft machen. Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöp- fen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung wide r- sprechen. Darüber hinaus müssen Gesuchstellende persönlich glau b- würdig erscheinen, was insbeson dere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrücken oder bewusst falsch darstellen, im Laufe D-4168/2012 Seite 7 des Verfahrens Vorbringen auswechseln, steigern oder unbegründet nachschieben oder die nötige Mitwirkung am Verfahren verweigern. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Ei n- wände und Zweifel an den Vorbringen einer gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sac hver- haltsdarstellung sprechen, im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller El e- mente (übereinstimmende Angaben bezüglich des vorgebrachten Sac h- verhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Vorbringen, persönliche Glaubwürdigkeit) überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3 S. 826 f.; Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asyl- rekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin lässt den vorinstanzlichen Ausführungen auf Beschwerdeebene zunächst entgegenhalten, die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen sei vom BFM zu Unrecht verneint worden. Sowohl in der per- sönlichen Begegnung als auch bei der Durchsicht der Protokolle zeige sich, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Art und Weise äusserst verzet- telt und aufgewühlt erscheine. Die als Folge davon entstandenen Ung e- reimtheiten und die Verwechslung von Daten bedeuteten aber nicht, dass die Aussagen deswegen unglaubhaft seien. Das Vorgebrachte sei gegen- teils gesamthaft gesehen in den groben Zügen in sich stimmig und nac h- vollziehbar. Nicht in Abrede gestellt werde, dass die Angaben der B e- schwerdeführerin tatsächlich einige Male für Verwirrung gesorgt hätten und geklärt werden mussten. Daraus könne aber nicht der Schluss gez o- gen werden, dass das Vorgebrachte erlogen sei. Vielmehr habe die B e- schwerdeführerin zweimal erwähnt, sehr nervös zu sein, und sie sei i m- mer wieder in Tränen ausgebrochen. Nicht bestritten werden könne s o- dann, dass sie über äuss erst gute allgemeine Kenntnisse betreffend pol i- tischer Gegebenheiten und die Details der aktuellen Situation in Georgien verfüge. Hinsichtlich der vorinstanzlichen Vorbehalte im Einzelnen sei zunächst anzumerken, dass die Beschwerdeführerin zum Schutz ihres kranken Ehemannes keinen Kontakt mit diesem pflege. Insbesondere habe sie Angst, dass die Telefone abgehört würden. Der Vorwurf, ihre Aussagen anlässlich der ersten Anhörung würden nicht mit denjenigen der vertieften Anhörung übereinstimmen, sei angesichts des beschränkten Beweiswe r- tes der Summarbefragung zu relativieren. Weiter sei unverständlich, wie D-4168/2012 Seite 8 das BFM zum Schluss komme, die Beschwerdeführerin habe auf Seite 9 der Anhörung angegeben, nie im Gefängnis gewesen zu sein, dieser vor - instanzliche Vorwurf sei aktenwidrig. Zum Datum der Ausreiseerlaubnis hält die Beschwerdeführerin fest, aus dem Zusammenhang werde klar, dass vorliegend unterschieden werden müsse zwischen dem ausschla g- gebenden Ereignis, nämlich der Demonstration 2011, und de m eigentli- chen Grund für die Flucht, nämlich der im Jahr 2007 ausgesprochenen Gefängnisstrafe. Die Beschwerdeführerin habe anlässlich ihrer Anhörung erklärt, die Ausreiseerlaubnis sei eine Absicherung gewesen für den Fall, dass ihr an der Demonstration etw as passieren würde. Die Vorinstanz stelle zwar fest, dass die Erklärung als nicht glaubhaft erachtet werde, ohne dies aber zu begründen. Zu ihrem mehrmonatigen Aufenthalt in der Türkei hält die Beschwerdeführerin fest, das Verlassen der Türkei sei ihr nicht früher möglich gewesen, weil die Schlepper nur zwei bis drei Pers o- nen monatlich nach Europa bringen könnten. Ziel ihrer Flucht sei tatsäc h- lich Belgien gewesen, da dort viele georgische Landsleute lebten und die Beschwerdeführerin der Meinung sei, die problematische politische Situa- tion Georgiens sei in Belgien besser bekannt. Aus den Ereignissen a n- lässlich des georgischen Nationalfeiertages hätte das BFM sodann den Schluss ziehen müssen, dass es sich bei der Beschwerdeführerin ta t- sächlich um eine sehr eng agierte Oppositionelle handle , welche von i h- rem Recht auf Meinungsäusserung Gebrauch mache, anstatt ihr Handeln als nicht nachvollziehbar zu kritisieren. Schliesslich habe das Bundesamt die von der Beschwerdeführerin eingereichte Ausreiseerlaubnis zu U n- recht als von Anfang an untaugliches Beweismittel bezeichnet. Hinsichtlich der Flüchtlingseigenschaft wird eingewendet, die gegen die Beschwerdeführerin im Jahr 2007 ausgesprochene siebenjährige G e- fängnisstrafe sei angesichts des ihr zur Last gelegten Delikte s viel zu hoch. Die ausgefällte Strafe erscheine daher als politisch motiviert. Auch wenn die Beschwerdeführerin die Umwandlung in eine bedingte Strafe habe erkaufen können, stehe fest, dass die Strafe noch nicht abgelaufen sei. Der Verstoss gegen die Frist der Ausreiseerlaubnis werde mit grosser Sicherheit zu einer Inhaftierung führen, sollte sich die Beschwerdeführerin wieder in ihr Heimatland zurückbegeben. Die vorinstanzliche Ansicht, wo- nach es sich dabei um ein legales Vorgehen der strafrechtlichen Beh ör- den handeln würde, könne unter dem Gesichtspunkt eines Politmalus nicht geteilt werden. Dasselbe gelte für die Einschätzung, wonach die Beschwerdeführerin keine zentrale, sondern lediglich eine lokale Rolle als Quartier-Koordinatorin gespielt habe. Im von ihr betreuten "(…)" würden ungefähr 45'000 Personen leben und aus ihrem Ubani hätten in sgesamt D-4168/2012 Seite 9 1'000 bis 1'500 Personen an der Demonstration teilgenommen, weshalb ihr Einfluss als entsprechend gross bezeichnet werden müsse. In Bezug auf den vom BFM erwähnten Ombudsmann sei anzumerken, dass dieser zwar tatsächlich ein überdurchschnittlich hoh es Vertrauen geniesse. I n- dessen sei nicht realistisch, dass diese Institution in allen Einzelfällen Hi l- fe bieten könne. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass sich die B e- schwerdeführerin in der Schweiz exilpolitisch betätigt habe, indem sie a n- lässlich der Festivitäten der georgischen Botschaft das Wort gegen den georgischen Redner ergriffen habe. Von einer Freundin habe sie erfa h- ren, dass kurz darauf ihre Wohnung in Georgien versiegelt worden sei , weshalb von einem direkten Zusammenhan g auszugehen sei, m ithin sei der Auftritt der Beschwerdeführerin der georgischen Regierung nicht en t- gangen. Die Beschwerdeführerin würde von den georgischen Behörden demzufolge als latente Bedrohung betrachtet, weshalb eine grosse Wahr- scheinlichkeit dafür bestehe, dass sie i m Falle einer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte, mithin liege b e- gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung vor. 4.2 In seiner Vernehmlassung vom 31. August 2012 führte das BFM aus, entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin könne nicht von einem geringen Beweiswert der ersten Befragung ausgegangen werden. Beim fraglichen Widerspruch handle es sich um ein zentrales Vorbringen, näm- lich die Dauer und den Zeitpunkt der Haft. Es handle sich um einen e s- sentiellen Umstand der Vorbringen, weshalb von der Beschwerdeführerin erwartet werden könne, dies zweimal widerspruchsfrei wiederzugeben, auch wenn sie anlässlich der Anhörungen angeblich aufgewühlt gewesen sei. Falls das im Jahre 2007 ausgefällte Strafurteil der wahre Grun d der Ausreise und die Demonstration nur das letztlich ausschlaggebende E r- eignis gewesen sei, könne nicht nachvollzogen werden, wieso die B e- schwerdeführerin ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt habe ausreisen wo l- len. Die Situation habe sich ja seit dem Urteil nicht verändert, sie sei nicht in Haft gewesen und habe ein relativ normales Privatleben führen kö n- nen. Falls die Beschwerdeführerin bereits vor der Demonstration von 2011 als verfolgte Person gegolten habe, hätten die Behörden ihr die Aus- reiseerlaubnis niemals erteilt. Zudem bekräftigte das Bundesamt seinen Standpunkt, wonach die oppositionellen Tätigkeiten der Beschwerdefü h- rerin zu wenig bedeutungsvoll gewesen seien, als dass sie eine Verfo l- gung zu befürchten hätte. Auch wenn gewisse Mängel in der Demokra tie Georgiens anerkannt würden, sei die Meinungsfreiheit doch grundsätzlich gewährleistet. So seien auch regierungskritische Fernsehsender und Ze i- tungen erlaubt. Die Beschwerdeführerin selber gebe an, der Ombudsman D-4168/2012 Seite 10 Georgiens habe offiziell den Rücktritt de s Präsidenten gefordert. Er übe jedoch noch immer sein hohes Amt aus, auch wenn vielleicht mit b e- schränkter Einflussnahme, und fürchte keine Verfolgung. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin an der Unabhängigkeitsfeier der georg i- schen Diaspora in F._______ das Wort gegen den Redner ergriffen habe, führe deshalb zu keiner asylrelevanten Verfolgung und könne nicht als Nachfluchtgrund gewertet werden. Schliesslich fügte die Vorinstanz an, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin bei der Rückkehr für die Missachtung der Ausreiseerlaubnis bestraft würde, doch würde dies administrativrechtlich legitimen Zwecken dienen. Auch wenn die Haftbedingungen in Georgien nicht dem europäischen Standard entsprechen würden, wären ihr Leben und ihre physische Integrität d a- durch nicht bedroht. 4.3 Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik vom 21. September 2012 an ihren bisherigen Ausführungen fest. 5. 5.1 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides massgeblich. Ausgangspunkt der Prüfung ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Furcht vor einer bereits erfolgten oder absehbaren Verfolgung im Heimatstaat. Ve r- änderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch ste l- lenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 und BVGE 2007/31 E. 5.3, mit weiteren Hinweisen). Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss z udem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides n och aktuell sein (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.2 und dort zitierte Urteile). 5.2 Nach dem vorstehend Gesagten ist in einem ersten Schritt die Situ a- tion der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise zu beurteilen. 5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht nach Prüfung der Akten mit dem BFM davon aus, dass die von der Beschwerdeführerin geschilderten Schikanen und Belästigung en beziehungsweise Beleidigungen im Z u- sammenhang mit der Ausübung ihrer Geschäfte keine asylrelevante I n- tensität erreich ten. Dies gilt – unabhängig von der Frage der zeitlichen Kausalität – auch für den von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Vor- fall im O ktober 2006, wo sie von Polizeipatrouillen mitgenommen, über D-4168/2012 Seite 11 Nacht festgehalten und zu einer Busse von 1 '500 Lari verurteilt worden sei (vgl. BFM Akten A13/21 S. 4 f.). 5.2.2 Weiter gibt die Beschwerdeführerin an, sie sei im (…) 2007 erneut festgenommen worden, nachdem sie mit einem Gewicht stein die Fen s- terschreibe eines Polizeiautos eingeschlagen habe. Anlass für diese Tat sei gewesen, dass die Polizei völlig grundlos ihren (…) verhaftet habe, um sie ( Beschwerdeführerin) zu provozieren. Im November 2007 sei si e (nach wie vor in Haft) wegen Beleidigung der Polizei, Beschädigung des Polizeiautos und "hooliganischer" Handlung zu sieben Jahren Hausarrest sowie einer Busse von 25 '000 Lari verurteilt worden. Nach der Verurte i- lung sei sie freigelassen worden (vgl. A 13/21 S. 7 ff.). Das BFM erachtete dieses Vorbringen einerseits als nicht asylrelevant, wobei es argumentier- te, die Beschwerdeführerin habe sich mit einer Busse freikaufen und he r- nach viereinhalb Jahre in E._______ leben können, ohne erneut fes t- gehalten zu werden. Anderseits zweifelte die Vorinstanz an der Glaubhaf- tigkeit der Angaben, da verschiedene Widersprüche in ihren Aussagen zur Haft bestehen würden. Offensichtlich ist, dass eine mehrmonatige Untersuchungshaft sowie eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren für gemeinrechtliche Delikte wie Sac h- beschädigung (selbst wenn es sich um ein Polizeiauto handelte), Bea m- tenbeleidigung und ähnliches nach schweizerischer Rechtsauffassung weit überhöht erschein t. Indessen hat das BFM das Vorliegen eines s o- genannten Po litmalus implizit verneint, indem es ausführte, die B e- schwerdeführerin habe nach ihrer Verurteilung mehrere Jahre ohne e r- neute Festnahme in E._______ gelebt. Überdies zweifelte die Vorinstanz an der Glaubhaftigkeit der Angaben der Beschwerdeführerin. Im Ergebnis teilt das Gericht die vorinstanzliche Schlussfolgerung. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts erstaunt zunächst, dass die Beschwerde- führerin hinsichtlich ihrer angeblichen Verurteilung keinerlei Belege einzu- reichen vermochte. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich bei ihr um eine sehr gut ausgebildete Geschäftsfrau handelt (vgl. A 6/13 S. 4) und sie – eigenen Angaben zufolge (vgl. A 6/13 S. 2 und S. 9) – in jenem Verfahren anwaltlich vertreten war. Anlässlich der Befragung vom 20. April 2012 gab sie überdies zu Protokoll, sie verfüge noch über ein Dokument, wonach sie ein Jahr in Haft verbracht habe (vgl. A 6/13 S. 2). Dieses Dokument wurde jedoch nie eingereicht. Entgegen der auf B e- schwerdeebene vertretenen Auffassung muss sich die Beschwerdeführe- rin solche Angaben zu Fakten, auch wenn sie anlässlich der Summa r- befragung erfolgten, entgegen halten lassen. Es ist nicht ersichtlich, i n-D-4168/2012 Seite 12 wiefern Angaben über das Vorhandensein von Dokumenten oder über die Dauer einer Haft durch den summ arischen Charakter der ersten Befr a- gung beeinträchtigt sein sollten (vgl. zum Ganzen EMARK 1993 Nr. 3). Vor de m persönlichen Hintergrund der Beschwerdeführerin und ang e- sichts des Umstandes, dass Befragung sowie Anhörung erst rund ein Jahr nach ihrer Ausrei se aus dem Heimatland erfolgten, vermag denn auch ihre grosse Nervosität anlässlich der Anhörung als Erklärung für ihre teils verwirrenden und, wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, w i- dersprüchlichen Aussagen nicht recht einzuleuchten. Zutreffend ist aber die Kritik in der Beschwerdeschrift, dass die Beschwerdeführerin, entg e- gen der Darstellung in der angefochtenen Verfügung, am bezeichneten Ort nicht aussagte, nie in Haft gewesen zu sein. Vielmehr bejahte sie, nach dem Urteil im Jahr 2007 nie meh r im Gefängnis gewesen zu sein (vgl. A 13/21 S. 9). Mangels entsprechender Belege sowie konkreter A n- gaben der Beschwerdeführerin bleibt sodann auch die Ausgestaltung des angeblichen "Hausarrestes" unklar. Zwar behauptet sie, sie sei überwacht worden (vgl. A 13/21 S. 9), ohne dass sie jedoch offenbar an ihrer ange b- lichen oppositionellen Betätig ung gehindert worden wäre (vgl. A 13/21 S. 10 und S. 16). Allfällige Belästigungen und Schikanen von asylrelevan- tem Ausmass sind nicht ersichtlich. Insgesamt ergibt si ch aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin durchaus das Bild einer politisch int e- ressierten Person, allerdings beziehen sich ihre Angaben nicht selten auf allgemein bekannte und nicht konkrete, sie selber betreffende Begebe n- heiten. Der von ihr geschild erte Vorfall erscheint indessen realistisch. Wann dieser Vorfall passierte, dass sie in der Folge mehrere Monate festgehalten und zu einer Strafe im Sinne eines Politmalus verurteilt wo r- den sein soll, vermochte die Beschwerdeführerin indessen nicht glaubhaft darzulegen. Mit dem Bundesamt ist denn auch davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin allenfalls eine lokale Rolle als Quartier - Koordinatorin einer oppositionellen Bewegung spielte. Ihren Einfluss und das Interesse der Behörden an ihr als derart hoc h zu betrachten, wie sie auf Beschwerdeebene geltend macht (vgl. S. 8 f.), verbietet sich schon deshalb, weil ihr (angeblich) die Ausreiseerlaubnis trotz laufendem Haus- arrest erteilt und ihr überdies auch noch anfangs Mai 2011 (Ausstellda- tum: 4. Mai 2011) ein neuer Pass ausgestellt wurde. 5.2.3 Die Vorkommnisse rund um die Demonstrationen von Ende Mai 2011 vermögen am vorstehend Gesagten nichts zu ändern. Eine beso n- dere Gefährdungssituation der Beschwerdeführerin ist – entgegen ihrer Auffassung – nicht gegeben. Auf den eingereichten Fotos ist zunächst nicht erkennbar, dass es sich überhaupt um die Veranstaltungen vom Mai D-4168/2012 Seite 13 2011 handelte, umso weniger lässt sich daraus ableiten, dass sich die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der tatsächlichen Ausschreitungen, nämlich in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 2011, vor Ort befand. Für die von ihr behaupteten Verletzungen beziehungsweise deren ärztliche Behandlung (vgl. A 13/21 S. 14) wurde sodann ebenfalls kein Beleg ei n- gereicht. Da weder aus den eingereichten Fotos noch au s den Schild e- rungen ersichtlich ist, in welcher Art und Weise sich die Beschwerdeführe- rin anlässlich der fraglichen Demonstrationen besonders hervorgetan hät- te und deshalb von den Behörden zweifelsfrei erkannt worden sei, e r- scheinen ihre Behauptungen, man habe nach ihr gesucht, n icht überzeu- gend. Sodann findet sich im Pass der Beschwerdeführerin ein Stempel der niederländischen Botschaft in E._______ vom 8. Juni 2011. Die Be- schwerdeführerin gab dazu an, sie habe ihren Pass a n diesem Tag bei der holländischen Botschaft in E._______ abgeholt (vgl. A 13/21 S. 14). Mithin hat sie sich nach den Demonstrationen noch in E._______ auf- gehalten, wenn auch allenfalls nur kurze Zeit , ohne behelligt zu werden . Auch die legale Ausreise unter Verwendung ihres eigenen Passe s lässt, wie die Vorinstanz zutref fend erwog, darauf schliessen, die georgischen Behörden hätten im Zusammenhang mit den Demonstrationen nicht ernsthaft nach der Beschwerdeführerin gesucht. Sodann vermag nicht einzuleuchten, inwiefern die Ausreiseerlaubnis eine Absicherung der B e- schwerdeführerin hätte darstellen können, wenn anlässlich der Demons t- rationen "etwas passieren sollte". Wäre sie verhaftet oder schwer verletzt worden, hätte ihre Ausreiseerlaubnis kaum von Nutzen sein können. Schliesslich erweckt d as auf Beschwerdeebene eingereichte Bestät i- gungsschreiben des "DEMOCRATIC MOVEMENT UNITED GEORGIA" vom 21. September 2012 eher Zweifel an den Aussagen der Beschwer- deführerin, als es geeignet ist, diese zu stützen. Einerseits wird ein unzu- treffendes Geburtsdatum (September 17, 1960, recte: […]) aufgeführt, anderseits wird darin bestätigt, er ("he is member…") sei Mitglied der Demokratischen Bewegung. Das Schreiben ist deshalb als nicht authe n- tisch zu qualifizieren. Damit ist als Zwischenergebnis festzuhalten, dass es der Beschwerdefüh- rerin nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Georgien bestehende oder unmittelbar drohende asylrelevante Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 5.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschw erdeführerin durch ihr Ver- halten nach der Ausreise, namentlich durch das Missachten der Aufent- haltserlaubnis im Ausland und ihr Auftreten anlässlich der Festivitäten D-4168/2012 Seite 14 zum georgischen Nationalfeiertag in F._______, Grund für eine zukünftige Verfolgung durch die georgischen Behörden gesetzt hat und ihr deshalb die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen ist. 5.3.1 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat - oder Her- kunftsstaat oder wegen ihres Ver haltens nach der Ausreise eine Verfo l- gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjekt i- ven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 sowie BV GE 2009/29 E. 5.1, mit weiteren Hinweisen). Massg e- bend ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG befür chten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer b e- gründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG). Der Asylausschlus s- grund ist absolut zu verstehen und mithin unabhängig davon anzuwe n- den, ob Nachfluchtgründe missbräuchlich gesetzt wo rden sind oder nicht (vgl. EMARK 1995 Nr. 7 E. 7 S. 66 ff.; Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 73). Es ist daher nicht entscheidend, welchen mutmasslichen Zweck die asylsuchende Person durch ihre exilpolitischen Tätigkeiten zu erreichen versucht hat. 5.3.2 Die Beschwerdeführerin reichte anlässlich ihrer Anhörung vom 13. Juni 2012 ein grösstenteils in georgischer Sprache verfasstes Dok u- ment ein, wonach es ihr trotz laufender Probezeit erlaubt sei, sich vom (…). April 2011 bis (…). Oktober 2011 im Ausland aufzuhalten. Unbestrit- ten ist, dass in Georgien nach einer strafrechtlichen Verurteilung die Mög- lichkeit besteht, bei bedingter Entlassung beziehungsweise während la u- fender Bewährungsfrist eine Erlaubnis zu beantragen, sich während einer bestimmten Frist im Ausland aufhalten zu können (vgl. www.mcla.gov.ge). Indessen erscheinen dem Gericht hinsichtlich des eingereichten Dok u- mentes gewisse Vorbehalte zur Authentizität angebracht. Erstaunlich e r- scheint einmal, dass sich in d em in englischer Sprache verfassten Titel zwei Schreibfehler finden ("LAGAL" recte: legal, "TERITORIAL" recte: ter- ritorial). Dies erstaunt bei einem offiziellen Dokument insofern, als die englische Sprache nach den Erkenntnissen des Gerichts in Georgien e i- nen hohen Stellenwert besitzt, was sich auch daran zeigt, dass offizielle Internetseiten, wie die vorerwähnte, auch in englischer Sprache abrufbar sind. Ebenso ist wenig einsichtig, weshalb eine Datumsangabe han d- schriftlich eingetragen wurde , während der ( gleichlautende) Datumsei n-D-4168/2012 Seite 15 trag in der Mitte des Dokuments sowie die Fristangabe per Compute r- schrift erfolgte. Als wesentlich erweist sich aber, dass die Beschwerdefüh- rerin nur vage Befürchtungen bezüglich der Folgen einer Verletzung der Aufenthaltserlaubnis äusserte. Dass eine solche Verletzung grundsätzlich staatliche Sanktionen zur Folge haben kann, erscheint selbstverständlich und ist ohne Asylrelevanz. Allein der Umstand, dass es in Georgien ane r- kanntermassen zu – nicht tolerierbaren – Menschenrechtsverletzungen gegenüber inhaftierten Personen gekommen ist, wie dies die Beschwe r- deführerin mit ihren im Beschwerdeverfahren eingereichten Zeitungsart i- keln (Beschwerdeakten act. 7) geltend macht, ändert daran nicht s. Die vage Behauptung der Beschwerdeführerin, sie würde (wieder) in den Strafvollzug zurückversetzt, überzeugt nicht. Dies auch deshalb, weil die im letzten Herbst durchgeführten Parlamentswahlen in Georgien zu einer Niederlage der Partei Nationale Bewegung von Präsident Micheil Sa a- kaschwili führte, und diese beziehungsweise die Regierung vom Bündnis Georgischer Traum unter Bidsina Iwanischwili abgelöst wurde. Dass die Beschwerdeführerin nun bei dieser veränderten Ausgangslage einen "Po- litmalus" zu befürchten hätte, ist nicht anzunehmen. Die von der Be schwerdeführerin behauptete exilpolitische Betätigung an der Feier zum Unabhängigkeitstag in F._______ ist schliesslich ebenfalls nicht geeignet, einen subjektiven Nachfluchtgrund zu bilden. Bereits auf- grund der Einmaligkeit der exilpolitischen Wortmeldung kann nicht erns t- haft von einer Gefahr erheblicher Repressionsmassnahmen im Falle e i- ner Rückkehr nach Georgien ausgegangen werden. Im Übrigen ersche i- nen die Angaben der Beschwerdeführerin auch insoweit als nicht stimmig, indem sie einerseits angibt, keinen Kontakt mit ihrem Ehemann zu pfl e- gen, um ihn nicht zu gefährden, sie aber anderseits an einem georg i- schen Anlass, wo sie mit der Anwesenheit von (damals) regierungstreuen Personen rechnen musste, Kritik ausübte. Zudem erscheinen die konkre- ten Aussagen (vg l. A13/21 S. 18) auch nicht derart provokativ, als dass sie irgendwelche behördliche Massnahme nahelegen würden , zumal es sich beim angeblich kritisierten Redner um Konstantin Gamsachurdia, mithin einen Oppositionspolitiker, handelte. 5.3.3 Nach dem Gesagten ist demzufolge festzuhalten, dass die B e- schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft auch unter den Aspekten der subjektiven Nachfluchtgründe nicht erfüllt. D-4168/2012 Seite 16 5.4 Die Feststellung des BFM, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüch t- lingseigenschaft nicht, ist dementsp rechend zu bestätigen. Das Asylg e- such der Beschwerdeführerin wurde daher zu Recht abgelehnt. 6. 6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berü cksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer so l- chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet ( vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7. 7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (A rt. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gl eiche B e- weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenig s- tens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtlich e Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land g e- zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). D-4168/2012 Seite 17 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Ei d- genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überei n- kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher od er erniedr i- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar- auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non -Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche G e- fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Georgien ist d emnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus- schaffung nach Georgien dort mit bea chtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie je ner des UN -Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nac h- weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol- ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, U rteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgeme i- ne Menschenrechtssituation i n Georgien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem G e- sagten ist d er Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl - als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Si tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind . Wird eine konkrete G e- fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. D-4168/2012 Seite 18 7.4.1 Hinsichtlich der allgemeinen Lage in Georgien ist festzustellen, dass es Anfang der 1990-er Jahre sowie im August 2008 zu bewaffneten Au s- einandersetzungen zwischen russischen und georgischen Kampfverbä n- den in den georgischen autonomen Gebieten Abchasien und Südossetien gekommen und der Status dieser zwei Gebiete nach wie vor ungelöst ist. In Georgien herrscht indessen landesweit weder eine Bürgerkriegssituat i- on noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Im Weiteren liegen auch keine individuellen Gründe vor, welche gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen würden. Die B e- schwerdeführerin verfügt über ein (…)diplom sowie über eine Ausbildung als (…) (vgl. A 6/13 S. 4) und war jahrelang als selbstständige Unte r- nehmerin in der (…) und im (…) tätig (vgl. A 6/13 S. 4; A 13/21 S. 2), wo- bei sie eigenen Angaben zufolge ein gutes Einkommen erzielte (vgl. A 13/21 S. 4 und S. 17). Der Ehemann sowie die drei Geschwister der Beschwerdeführerin leben in Georgien (vgl. A 6/13 S. 6), wo die B e- schwerdeführerin überdies über Wohnei gentum sowohl in E._______ (vgl. A 13/21 S. 4 f.) als auch in D._______ (vgl. A 6/13 S. 4) verfügt. Ge- sundheitliche Probleme, welche einer Rückkehr entgegenstehen würden, werden von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht und sind aus den Akten auch nicht ersichtlich. Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass zur Annahme, die Beschwerdeführerin würde bei einer Rückkehr nach Georgien in eine existenzbedrohende Situation geraten. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 7.5 Schliesslich verfügt die Beschwerdeführerin über gültige Reisepapi e- re, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AuG). 8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be- schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. D-4168/2012 Seite 19 9. Da die Beschwerdeführerin mit ihrer Beschwerde vollumfänglich unterl e- gen ist, wären die Verfahrenskosten grund sätzlich ihr aufz uerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem aber aufgrund der Aktenlage nach wie vor von ihrer prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist (vgl. die Fürsorgebestätigung vom 7. August 2012) und die Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnte, ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) von einer Kostenauflage abzusehen. (Dispositiv nächste Seite) D-4168/2012 Seite 20 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird gut- geheissen. 3. Es werden keine Kosten auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand: