Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. März 2019 (720 18 188 / 64) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Abweisung der Beschwerde / 100 %-ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Bea t Hersberger, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin i.V. Neslihan Kalayci Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Die 1966 geborene A.____ arbeitete seit dem 21. Juni 1995 als Mitarbeiterin im Reini- gungsdienst des B.____. Am 11. August 2017 meldete sie sich unter Verweis auf eine Krank- heit und der Behandlung eines Rückenleidens bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der gesu ndheitlichen und erwerblichen Verhält- nisse stellte die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) mit Vorbescheid vom 15. November 2017 die Abweisung des Leistungsbegehrens aufgrund eines ermittelten Invaliditätsgrades von 18 % Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht in Aussicht. Dagegen erhob A.____ am 5. Dezember 2017 Einwand. Am 4. Mai 2018 erging die dem Vorbescheid gleichlautende Verfügung. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durc h Advokat Daniel Altermatt, am 4. Juni 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht des Kantons B asel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht), wobei die Beschwerd ebegründung am 25. Juni 2018 nachgereicht wurde. Sie beantragte, dass die Verfügung vom 4. Mai 2018 aufzuheben und ihr mit Wirkung auf den frühestmöglichen Zeitpunkt eine ganze Rente zu gewähren sei. Zur Be- gründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass aufgru nd der verschiedenen Beschwerden eine medizinische Begutachtung hätte durchgeführt werd en müssen. Die Beschwerdeführerin sei auch in einer Verweistätigkeit nicht mehr vollumfäng lich arbeitsfähig. Zudem sei das Vali- deneinkommen falsch ermittelt worden und beim Invalide neinkommen hätte auf jeden Fall ein leidensbedingter Abzug von 25 % gewährt werden müssen. C. In ihrer Vernehmlassung vom 23. August 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Entgegen der von der Beschwerdeführerin vertretenen Auffassung sei der medizi- nische Sachverhalt umfassend abgeklärt worden. Die IV-St elle habe zu Recht auf die Beurtei- lung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) betreffend die Arbeitsfähigkeit abgestellt. Auch seien die Validen- und Invalideneinkommen richtig ermi ttelt worden, weshalb der Einkommens- vergleich nicht zu beanstanden sei. Da die Beschwerdef ührerin in einer leichten Verweistätig- keit voll arbeitsfähig sei, rechtfertige es sich im Übr igen nicht, einen leidensbedingten Abzug von 25 % zu gewähren. D. Mit Replik vom 19. Dezember 2018 hielt die Beschwerd eführerin an ihren Rechtsbe- gehren fest. Der medizinische Sachverhalt sei durch die B eschwerdegegnerin nicht genügend abgeklärt worden. Es sei keine medizinische Begutachtung erfolgt; die angebliche Arbeitsfähig- keit von 100 % in einer Verweistätigkeit stütze sich lediglich auf eine Aktenbeurteilung des RAD. E. In ihrer Duplik vom 10. Januar 2019 schloss die IV-Stel le wiederum auf Abweisung der Beschwerde. Sie führte aus, dass ihre RAD-Ärztin in ihre r Stellungnahme vom 2. Januar 2019 erneut festgehalten habe, dass es anhand der dokumenti erten gesundheitlichen Situation kei- nen medizinischen Grund für eine zeitliche Limitierung der Arbeitsfähigkeit in einer qualitativ an die Belastungsgrenzen angepasste Verweistätigkeit gebe . Seitens der behandelnden Ärzte herrsche Übereinstimmung, dass die Reinigungstätigkeit, welche nur teilweise als leidensange- passt eingestuft werden könne, von der Beschwerdeführe rin nur noch zu 50 % durchgeführt werden könne. In einer ideal angepassten Tätigkeit ohn e Belastungen für die Schulter und den Rücken sei die Beschwerdeführerin in der Lage, ganztags z u arbeiten. Der medizinische Sach- verhalt sei umfassend abgeklärt worden, sodass auf eine ausreichende Aktenlage abgestellt werden könne. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über d ie Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und formgerecht erhobene Be- schwerde vom 4. Juni 2018 ist einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähi gkeit. Sie kann im Bereich der Invali- denversicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit o der Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigu ng der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behan dlung und Eingliederung verblei- bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichke iten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 2.3 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wär e (Valideneinkommen). Aus der Ein- kommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkom- mensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Invaliditätsgr ades bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheit lichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Massgebend ist dabei der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 4. Mai 2018 entwickelt hat. Dieser Zeitpu nkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist di e Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (A rt. 59 Abs. 2bis IVG). Die RAD kön- nen bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versi cherten durchführen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Art. 49 Abs. 2 d er Verordnung über die Invalidenver- sicherung vom 17. Januar 1961 [IVV]). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst wer den; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RA D-Berichten keine Wirkung (vgl. BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258; Urteil 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1). 3.5 Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Ab s. 2 IVV ist mit jenem externer me- dizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforde- rungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5 .1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings ist hin- sichtlich des Beweiswerts zu differenzieren: Stützt sich der angefochtene Entscheid aus- schliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen – zu denen die RAD-Berichte gehören –, sind an die Beweiswürdigung strenge Anford erungen zu stellen. In solchen Fällen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht sind bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Fest- stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; zum Ganzen auch: Urteil des Bundesge richts vom 30. November 2015, 9C_627/2015, E. 2 mit weiteren Hinweisen). 3.6 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie au ch der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). 4. Zur Beurteilung des vorliegenden Falls sind folgend e medizinische Unterlagen von Re- levanz: 4.1 Dr. med. C.____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap- parates, führte in seinem Bericht vom 20. Juni 2017 di e Diagnosen Status nach Arthroskopie Schulter links mit Bizepstenotomie, Bursektomie und Acromioplastik am 8. Mai 2017 bei chroni- schem Impingement und degenerativer Pulley-Läsion Schulte r links auf. Die Beschwerdeführe- rin könne ihre Arbeitstätigkeit im Reinigungsdienst ab August 2017 im Umfang von 50 % wieder aufnehmen. Bei unauffälligem Verlauf sei sie ab 15. August 2017 zu 100 % arbeitsfähig. 4.2 In seinem Bericht vom 11. September 2017 führte Dr. med. D.____, FMH Allgemeinme- dizin, folgende Diagnosen auf: Status nach Schulterart hroskopie (8. Mai 2017), lumboradikulä- res Syndrom L5 links seit Jahren, Hyperthyreose, Arthralgien Knie links, gynäkologische Opera- tion (15. Februar 2017), Status nach Dekompression/par tielle Diskektomie L4/L5 links (21. September 2009). Weiter geht aus dem Bericht hervor, dass bei der Patientin eine körperli- che Einschränkung im Bereich des linken Schultergelenks be stehe. Die bisherige Tätigkeit als Reinigungskraft sei ihr im Umfang von 50 % zumutbar. 4.3 Dr. C.____ hielt in seinem Bericht vom 15. Septem ber 2017 fest, dass bei der Patientin seit Mai 2016 Schulterbeschwerden und seit April 2016 r echtsseitige Ellbogenbeschwerden bestünden. An der Schulter seien das seitliche Anheben, das Tragen von Gegenständen und das monoton repetitive Arbeiten schmerzhaft gewesen. Am Ellbogen seien die Schmerzen ins- besondere beim Putzen aufgetreten. Die Patientin hab e teilweise auch über Schmerzen in der Nacht geklagt. Aufgrund persistierender Schmerzen und de m nicht nachhaltigen Ansprechen auf die konservativen Therapiemassnahmen sei entschiede n worden, eine Operation an der Schulter durchzuführen. Seither habe sie kontinuierlich e Fortschritte in der Beweglichkeit ge- macht. Bei monoton repetitiven Belastungen komme es noch zu Schmerzen am proximalen Oberarm. Bei der klinischen Untersuchung bestehe noch e ine Reizung der ventralen Gelenks- kapsel. Es zeige sich eine diskrete Versteifung, die Bewe glichkeit sei aber nur gering einge- schränkt. Weiter geht aus dem Bericht hervor, dass der Besc hwerdeführerin die bisherige Tä- tigkeit als Reinigungskraft aus medizinischer Sicht noch zumutbar sei. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Aus dem Bericht der RAD-Ärztin Dr. med. E.____, F MH Physikalische und Rehabilitative Medizin, vom 13. November 2017 geht hervor, dass die Besch werdeführerin in der Lage sei, leichte wechselbelastete Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten und repetitive Arbeiten mit erhobe- nen Armen über der Horizontalen, ohne Heben/Tragen vo n Lasten, ohne Wirbelsäule- Zwangshaltungen und wiederholtes Bücken, ohne Knien/Ho cken/Kauern und ohne Steigen auf Gerüsten/Leitern, auszuüben. Die Arbeitsfähigkeit in e iner solchen Verweistätigkeit betrage 100 %. Aufgrund der eingeschränkten Belastbarkeit der linken Schulter und aufgrund des de- generativen Lumbovertebralsyndroms sei sie qualitativ für Tätigkeiten, welche nicht dem oben- genannten Verweisprofil entsprechen, eingeschränkt. Die Tätigkeit als Reinigungskraft könne sie nur noch zu 50 % verrichten. 5. In seinem Bericht vom 10. Januar 2018 hielt Dr. D .____ fest, dass er – nach der glei- chentags genommenen Rücksprache mit Dr. C.____ – nach w ie vor an seiner Beurteilung, dass es der Beschwerdeführerin zumutbar sei, in ihrer angestam mten Tätigkeit als Reinigungskraft im Umfang von 50 % zu arbeiten, festhalte. 6. Die IV-Stelle stützte sich bei der Beurteilung der A rbeitsfähigkeit der Versicherten im Wesentlichen auf die Ergebnisse, zu denen Dr. E.____ in ihrer Beurteilung vom 13. November 2017 gelangt ist. Sie ging demzufolge davon aus, dass de r Versicherten die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten und repetitive Arbeiten mit erhobenen Armen über der Horizontalen, ohne Heben/Tragen von L asten, ohne Wirbelsäule- Zwangshaltungen und wiederholtes Bücken, ohne Knien/Ho cken/Kauern und ohne Steigen auf Gerüsten/Leitern im Umfang von 100 % zumutbar sei. Di ese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – ni cht zu beanstanden. 7. Wie bereits ausgeführt (vgl. oben E. 3.5), darf ein medizinischer Sachverhalt ohne wei- teres auch gestützt auf einen RAD-Bericht beurteilt werden, solange keine – auch nur geringe – Zweifel an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 471 E. 4.7). Vorlie- gend besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Einschä tzung der RAD-Ärztin zu zweifeln. Die- se verfügt über die notwendigen fachlichen Qualifikatio nen, um die Auswirkungen der diagnos- tizierten Gesundheitsbeeinträchtigungen auf die Arbei tsfähigkeit der Versicherten zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Januar 2010, 9C_736/ 2009, E. 2.1). Ihr Bericht vom 13. November 2017 erfüllt sodann alle Voraussetzungen an eine taugliche medizinische Beur- teilungsgrundlage: Er weist insgesamt weder formale no ch inhaltliche Mängel auf und ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird – für die streitige n Belange umfassend; er berücksichtigt alle Beschwerden der Versicherten und setzt sich hinreic hend mit den übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen auseinander. Somit entspricht die vorinstanzliche medizi- nische Abklärung durchwegs den von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung formulierten Anforderungen. 8. Daran vermögen auch die Vorbringen der Beschwerdefü hrerin nichts zu ändern. Diese bestreitet, dass die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit im Umfang von 100 % gegeben sei, da sie aufgrund ihrer schweren Beeinträchtigungen keine sfalls mehr vollschichtig arbeiten kön- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht ne. Sie leide unter Schulter- und Rückenbeschwerden, au sstrahlend in die Beine. Weiter hätte sich Dr. D.____ betreffend die Verweistätigkeit nicht g eäussert. Dr. C.____ habe lediglich An- gaben bezüglich der möglichen Tätigkeit gemacht, je doch nicht angegeben, in welchem Um- fang diese Tätigkeit möglich sei. Diesen Einwendungen ist entgegenzuhalten, dass sowohl die behandelnden Ärzte Dres. D.____ und C.____ als auch die RAD-Ärztin Dr. E.____ zum Schluss gekommen sind, dass die Beschwerdeführerin in ihrer ang estammten Tätigkeit nur noch in der Lage ist, im Umfang von 50 % zu arbeiten. Insgesamt li egen keinerlei ärztliche Beurteilungen vor, welche der Beurteilung der RAD-Ärztin entgegenstehen. Daher ist es nachvollziehbar, dass sie in der Lage ist, in einer – im Vergleich zur physisch anstrengenden Reinigungsarbeit – leich- ten wechselbelasteten Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten und repetitive Arbeiten mit erhobenen Armen über der Horizontalen, ohne Heben und Tragen von Lasten, ohne Wirbelsäulenzwangs- haltungen und wiederholtes Bücken, ohne Knien, Hocken, Kauern und ohne Steigen auf Gerüs- te oder Leitern im Umfang von 100 %, nachzugehen. 9. Zusammenfassend resultiert, dass die Einwendungen der Beschwerdeführerin nicht geeignet sind, auch nur geringe Zweifel an der Beweiskr aft der regionalärztlichen Beurteilung durch Dr. E.____ vom 13. November 2017 zu wecken. Bei de r Beurteilung des medizinischen Sachverhalts kann vielmehr vollumfänglich auf deren Erge bnisse abgestellt werden. Damit ist zugleich gesagt, dass die vorliegenden medizinischen Unte rlagen einen genügenden Auf- schluss über die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdefü hrerin ermöglichen und eine zuverlässige Beurteilung ihrer verbleibenden Arbeitsfähi gkeit zulassen. Somit liegt insgesamt ein umfassendes und widerspruchfreies Bild des Gesundheitszu standes der Beschwerdeführe- rin vor. Deshalb kann in antizipierter Beweiswürdigung ( BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auch auf allfällige zusätzliche Abklärungen ve rzichtet werden. Insgesamt resultiert in medizinischer Hinsicht, dass der Beschwerdeführerin in einer ihren Leiden angepassten (leichten) Verweistätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit im Umfang von 100 % verbleibt. 10. Die Beschwerdeführerin stellt sich sodann auf den S tandpunkt, dass auf dem Arbeits- markt keine Stellen existieren würden, welche ihren Beschwerden angepasst seien. Dieser Auf- fassung kann jedoch nicht gefolgt werden, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird. 11. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abz ustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittel t werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftl ich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4, Urteil des EV G vom 16. Juni 2004, I 824/02, E. 2.2.1 zu Art. 28 Abs. 2 aIVG). Gemäss der oben (vgl . E. 2.2 hiervor) zitierten Bestimmung von Art. 16 ATSG ist bei der Bestimmung des Invalidität sgrades deshalb von einer ausgegli- chenen Arbeitsmarktlage auszugehen. Der Begriff umfasst einerseits ein gewisses Gleichge- wicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen; andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer ve rschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflic hen und intellektuellen Voraussetzun- gen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglich keit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht verwerten (BGE 110 V 273 E. 4b, ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Das erwerbliche Leistungsvermögen hat sich somit in einem fiktiven Arbeitsmarkt zu bewähren , der definitionsgemäss unter ande- rem konjunkturell ausgeglichen ist (Urteil des EVG vom 17. Dezember 2002, I 601/01, E. 4.3; RUDOLF RÜEDI , Im Spannungsfeld zwischen Schadenminderungspflicht und Zumutbarkeits- grundsatz bei der Invaliditätsbemessung nach einem ausgeg lichenen Arbeitsmarkt, in: Schaff- hauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 35). Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertba rkeit der Restarbeitsfähigkeit darf aller- dings nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausg egangen und insbesondere dort nicht von einer Arbeitsgelegenheit gesprochen werden, w o die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichen e Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegen kommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprec henden Stelle deshalb zum Vornhe- rein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerich ts vom 23. Oktober 2007, 9C_610/2007, E. 4.1 mit Hinweisen). Zu berücksichtigen ist zudem, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) auch sogenannte Nischenarbei tsplätze umfasst, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem so zialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil 9C_95/2007 vom 29. August 2007 E. 4.3 mit Hinweisen). 12. Vorliegend geht aus den Akten hervor, dass die Besch werdeführerin tatsächlich meh- rere gesundheitliche Beschwerden hat. Diese sind jedoch nicht derart gravierend, dass sie ihre Möglichkeiten, eine Stelle zu finden, massiv einschränken. Mit der ihr zumutbaren Verweistätig- keit (vgl. oben E. 4.4) ist es möglich, dass sie Arbeitstäti gkeiten wie z.B. Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten oder einer Fliessbandarbeit nachgeht. Weiter geht aus den Akten hervor, dass sie nebst ihrer Muttersprache, Portugiesisch, auch üb er sehr gute Sprachkenntnisse in Französisch und Italienisch verfügt. Diese Sprachkenntnisse erhöhen ihre Chancen bei der Su- che nach einer neuen ihren Leiden angepassten Tätigkei t auf dem Arbeitsmarkt. Somit ist es durchaus möglich, dass sie eine Arbeitstätigkeit finden wi rd, in der gute Sprachkenntnisse vo- rausgesetzt werden. Dem Gesagten zufolge kann der Auffass ung der Beschwerdeführerin, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Stellen exi stieren würden, die ihre gesund- heitliche Einschränkungen zuliessen, nicht gefolgt werden . Vielmehr ist festzustellen, dass auf dem fiktiven Arbeitsmarkt genügend Stellen existieren, we lche dem Leistungs- und Eigen- schaftsprofil der Beschwerdeführerin entsprechen. 13. Die Beschwerdeführerin moniert sodann die Ermittl ung des Invalideneinkommens. Ein Abzug von lediglich 5 % werde ihren gesundheitlichen Be schwerden in keiner Weise gerecht. Daher müsse in jedem Fall der volle leidensbedingte Abzug von 25 % gewährt werden. 14. Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von st atistischen Durchschnittswer- ten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert all enfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versic herte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsscha- dens auch für leichtere Arbeiten nur mehr beschränkt ein satzfähig sind, in der Regel das ent- sprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbei ter nicht erreichen. Der ursprüng- lich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwicke lte sich in der Folge zu einem allge- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht meinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechts prechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Auf enthaltskategorie sowie Beschäftigungs- grad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automa- tisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall An haltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Mer kmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsma rkt nur mit unterdurchschnittlichem Ein- kommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen u nter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchst ens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (BHE 134 V 327 f. E. 5.2 mit Hinweis). Die Frage, ob ein (behinderungsbedingt oder anderweitig begründeter) Leidensabzug vom Tabellenlo hn vorzunehmen sei, ist eine Rechts- frage (BGE 137 V 72 f. E. 5.1 mit Hinweis). Demgegen über stellt die Frage nach der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn eine typische Ermessensfrage dar (BGE 132 V 399 E. 3.3). 15. Vorliegend wurden die gesundheitlichen Beschwerden und die damit verbundene be- einträchtigte Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführeri n bereits in ihrem Verweisprofil hinrei- chend berücksichtigt. Eine zusätzliche Veranschlagung dieser Einschränkungen unter dem Titel des leidensbedingten Abzugs im Sinne von BGE 126 V 75 würde zu einer unzulässigen doppel- ten Anrechnung desselben Faktors führen. Zudem haben di e Merkmale Lebensalter, Dienstjah- re, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäf tigungsgrad im vorliegenden Fall keine massgebende Auswirkung auf die Lohnhöhe im veranschlagte n Kompetenzniveau 1 der Tabel- le TA1, Privater Sektor Total. Dies wird denn auch von der Beschwerdeführerin nicht so vorge- bracht. Deshalb ist der von der IV-Stelle vorgenommene leidensbedingte Abzug von 5 % vom Tabellenlohn in Würdigung der gegebenen Umstände sow ie unter Berücksichtigung aller in Be- tracht fallenden Merkmale nicht zu beanstanden. 16. Schliesslich wendet die Beschwerdeführerin ein, dass das Valideneinkommen bezogen auf die LSE-Tabelle des Jahres 2014 ermittelt worden se i. Das Rentengesuch sei jedoch erst im August 2017 gestellt worden, sodass der früheste Rente nbeginn (und damit der Zeitpunkt, auf welchen hin das Valideneinkommen ermittelt werden müsse) der Februar 2018 sei. Mit die- ser Argumentation kann sie jedoch nichts zu ihren Gunst en ableiten. Denn es ist allgemein be- kannt, dass das Bundesamt für Statistik die LSE-Tabellen zeitlich verzögert publiziert. Im Verfü- gungszeitpunkt (4. Mai 2018) waren die LSE-Tabellen von Februar 2018 noch nicht publiziert. Somit musste die IV-Stelle das Valideneinkommen gestüt zt auf die aktuellste veröffentlichte LSE-Tabelle berechnen. Hinzu kommt, dass sie sich sowohl b ei der Berechnung des Validen- wie auch des Invalideneinkommens auf die LSE-Tabellen vom Jahr 2014, unter Berücksichti- gung der Nominallohnerhöhung für das Jahr 2015, abge stützt hat. Somit ist ihr Vorgehen nicht zu beanstanden. 17. Insgesamt ist auf die Beurteilung von Dr. E.____ a bzustellen und der Beschwerdefüh- rerin die Ausübung einer ihrer Leiden angepassten Tätigkeit im Rahmen von 100 % zuzumuten. Die Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens er folgte korrekt, weshalb die Verfügung Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht vom 4. Mai 2018 keinen Anlass zur Beanstandung gibt und die IV-Stelle zu Recht die Ausrich- tung einer Rente ablehnte. Die Beschwerde ist damit abzuweisen. 18. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festge legt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsbera- tung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Be- rücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens seit 1. J uli 2016 einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- wer den der Be- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kos tenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. http://www.bl.ch/kantonsgericht