<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 143 S.617</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">617</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft3"><b>143 Waffentragbewilligung.</b></span><br/> <span class="ft3"><b>- Im Rahmen des für die Erteilung der Waffentragbewilligung unter</b></span><br/> <span class="ft3"><b>anderem zu erbringenden Bedürfnisnachweises ist glaubhaft zu</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">618</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft3"><b>machen, dass nur mit einer in der Öffentlichkeit auf dem Körper</b></span><br/> <span class="ft3"><b>getragenen, funktionsbereiten Faustfeuerwaffe einer tatsächlich be-</b></span><br/> <span class="ft3"><b>stehenden, konkreten persönlichen Gefährdung begegnet werden</b></span><br/> <span class="ft3"><b>kann (Erw. 2 a und b).</b></span><br/> <br/> <span class="ft4">Entscheid des Regierungsrates vom 22. März 2000 in Sachen M.G. gegen</span><br/> <span class="ft4">Polizeikommando.</span><br/> <br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. a) Mit dem gestützt auf Art. 40</span><span class="ft6"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">der Bundesverfassung der</span><br/> <span class="ft1">Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 (aBV) erlas-</span><br/> <span class="ft1">senen Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition</span><br/> <span class="ft1">(Waffengesetz, WG) vom 20. Juni 1997 hat das Tragen einer Waffe,</span><br/> <span class="ft1">d.h. das Recht von Personen, eine geladene Waffe auf sich, also auf</span><br/> <span class="ft1">ihrem Körper, zu tragen und zu jeder Zeit zum Einsatz bereitzuhal-</span><br/> <span class="ft1">ten, erstmals eine gesamtschweizerische Regelung erfahren. Zentral</span><br/> <span class="ft1">ist in diesem Zusammenhang die Regelung in Art. 27 WG. Gemäss</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 dieser Bestimmung benötigt eine Waffentragbewilligung nur,</span><br/> <span class="ft1">aber immerhin, wer in der Öffentlichkeit eine Waffe tragen will.</span><br/> <span class="ft1">Hievon ausgenommen sind Inhaberinnen und Inhaber einer Jagdbe-</span><br/> <span class="ft1">willigung, Jagdaufseherinnen und Jagdaufseher sowie Wildhüterin-</span><br/> <span class="ft1">nen und Wildhüter im Rahmen ihrer entsprechenden beruflichen</span><br/> <span class="ft1">Tätigkeiten (Art. 27 Abs. 4 WG), d.h. soweit die aufgezählten Perso-</span><br/> <span class="ft1">nengruppen nicht auch ausserhalb ihrer beruflichen Tätigkeiten eine</span><br/> <span class="ft1">Waffe tragen wollen. Klar abzugrenzen vom Waffentragen ist somit</span><br/> <span class="ft1">das blosse Mitführen einer Waffe zu zivilen oder militärischen Kur-</span><br/> <span class="ft1">sen, Übungen und Veranstaltungen von Schiess- und Jagdvereinen,</span><br/> <span class="ft1">welches gemäss Art. 28 WG keiner Waffentragbewilligung voraus-</span><br/> <span class="ft1">setzt, da - wie bei den vorgenannten beruflichen Tätigkeiten - unter</span><br/> <span class="ft1">dem Gesichtspunkt der Missbrauchsbekämpfung hiefür kein Hand-</span><br/> <span class="ft1">lungsbedarf besteht.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">619</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Nach Art. 27 Abs. 2 WG erhält diejenige Person eine Waffen-</span><br/> <span class="ft1">tragbewilligung, welche zum einen die folgenden Voraussetzungen</span><br/> <span class="ft1">für die Erteilung des Waffenerwerbsscheins nach Art. 8 Abs. 2 WG</span><br/> <span class="ft1">erfüllt: [1] vollendetes 18. Altersjahr; [2] keine Entmündigung; [3]</span><br/> <span class="ft1">kein Anlass zur Annahme, dass sie sich selbst oder Dritte mit der</span><br/> <span class="ft1">Waffe gefährdet; [4] kein ungelöschter Eintrag im Strafregister we-</span><br/> <span class="ft1">gen einer Handlung, die eine gewalttätige oder gemeingefährliche</span><br/> <span class="ft1">Gesinnung bekundet, oder wegen wiederholt begangener Verbrechen</span><br/> <span class="ft1">oder Vergehen (lit. a). Zudem muss die Person glaubhaft machen,</span><br/> <span class="ft1">dass sie - im Beruf oder in der Freizeit - eine Waffe benötigt, um sich</span><br/> <span class="ft1">selbst, andere Personen oder Sachen vor einer tatsächlichen Gefähr-</span><br/> <span class="ft1">dung zu schützen (lit. b) sowie schliesslich eine Prüfung über die</span><br/> <span class="ft1">Handhabung von Waffen und über die Kenntnis der rechtlichen Vor-</span><br/> <span class="ft1">aussetzungen des Waffengebrauchs bestanden haben (lit. c).</span><br/> <span class="ft1">Im Kanton Aargau entscheidet das Polizeikommando über die</span><br/> <span class="ft1">Erteilung der Waffentragbewilligung, nachdem die Bewerberin oder</span><br/> <span class="ft1">der Bewerber den Nachweis über die bestandene Prüfung erbracht</span><br/> <span class="ft1">hat (§ 8 der Vollziehungsverordnung zur Bundesgesetzgebung über</span><br/> <span class="ft1">Waffen, Waffenzubehör und Munition vom 25. November 1998). Zur</span><br/> <span class="ft1">Prüfung wird dabei allerdings nur zugelassen, wer die Voraussetzun-</span><br/> <span class="ft1">gen gemäss Art. 27 Abs. 2 lit. a und b WG erfüllt. Die Behörde prüft</span><br/> <span class="ft1">hiezu, ob die Angaben glaubhaft sind und insbesondere ob der Be-</span><br/> <span class="ft1">dürfnisnachweis gegeben ist (Art. 29 Abs. 2 der Verordnung über</span><br/> <span class="ft1">Waffen, Waffenzubehör und Munition [Waffenverordnung, WV] vom</span><br/> <span class="ft1">21. September 1998). Das Bedürfnis, eine Waffe zu tragen, kann</span><br/> <span class="ft1">gemäss § 6 Abs. 1 der kantonalen Vollziehungsverordnung ins-</span><br/> <span class="ft1">besondere gegeben sein bei Personen, die aufgrund ihrer beruflichen</span><br/> <span class="ft1">Stellung einer tatsächlichen Gefährdung ausgesetzt sind. Dazu ge-</span><br/> <span class="ft1">hören gemäss § 6 Abs. 2 der kantonalen Vollziehungsverordnung</span><br/> <span class="ft1">namentlich Personen, die im Sicherheitsdienst (lit. a) sowie</span><br/> <span class="ft1">Schmuck- oder Pelzwarenhandel (lit. b) tätig sind, oder Begleitper-</span><br/> <span class="ft1">sonen von Geld- und Wertsachentransporten (lit. c). Obwohl das</span><br/> <span class="ft1">kantonale Recht demzufolge lediglich eine beispielhafte, nicht ab-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">620</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">schliessende Präzisierung vorgenommen hat, ist sogleich festzuhal-</span><br/> <span class="ft1">ten, dass aus den Materialien zur Bundesbestimmung hervorgeht,</span><br/> <span class="ft1">dass bereits der Bundesgesetzgeber zwecks präventiver Bekämpfung</span><br/> <span class="ft1">des Waffenmissbrauchs einen engen Kreis der denkbaren Waffenträ-</span><br/> <span class="ft1">gerinnen und -träger im Auge hatte. Diese im Vergleich zur Frage des</span><br/> <span class="ft1">Waffenerwerbs restriktivere Haltung lässt sich darauf zurückführen,</span><br/> <span class="ft1">dass der Gesetzgeber die Gefährdung beim Waffentragen offen-</span><br/> <span class="ft1">sichtlich viel grösser als die Gefährdung beim blossen Erwerb einer</span><br/> <span class="ft1">Waffe einstufte (vgl. Botschaft zum Waffengesetz vom 24. Januar</span><br/> <span class="ft1">1996, BBl 1996 I, Art. 27, S. 1071).</span><br/> <span class="ft1">b) Im vorliegenden Fall erfüllt der Beschwerdeführer zwar die</span><br/> <span class="ft1">Voraussetzungen für die Erteilung des Waffenerwerbsscheins nach</span><br/> <span class="ft1">Art. 8 Abs. 2 WG. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz kommt</span><br/> <span class="ft1">der Regierungsrat zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer aber</span><br/> <span class="ft1">gerade nicht gelungen ist, in Bezug auf den für die Waffentragbewil-</span><br/> <span class="ft1">ligung zusätzlich verlangten Bedürfnisnachweis glaubhaft zu ma-</span><br/> <span class="ft1">chen, dass nur durch das Tragen einer Waffe einer konkreten Gefähr-</span><br/> <span class="ft1">dung begegnet werden kann. So ist es nicht aktenkundig und liegen</span><br/> <span class="ft1">auch keine ausreichenden Indizien dafür vor, dass der Beschwerde-</span><br/> <span class="ft1">führer in seinem Wohnumfeld tatsächlich einer konkreten persönli-</span><br/> <span class="ft1">chen Gefährdung oder Drohung ausgesetzt gewesen ist bzw. immer</span><br/> <span class="ft1">noch ist. Zumindest ist davon auszugehen, dass es sich bei den ge-</span><br/> <span class="ft1">schilderten Gefährdungsmomenten nicht um solche gehandelt hat,</span><br/> <span class="ft1">die das allgemein zumutbare Mass überstiegen haben und welchen</span><br/> <span class="ft1">nur mit einer in der Öffentlichkeit auf dem Körper getragenen, funk-</span><br/> <span class="ft1">tionsbereiten Faustfeuerwaffe entgegengetreten werden kann. Die in</span><br/> <span class="ft1">der Beschwerdeschrift geschilderten Situationen reichen auf jeden</span><br/> <span class="ft1">Fall nicht aus, den strengen gesetzlichen Anforderungen an den Be-</span><br/> <span class="ft1">dürfnisnachweis zu genügen. Vielmehr handelt es sich dabei um</span><br/> <span class="ft1">subjektive Einschätzungen des eigenen privaten Umfeldes, welche</span><br/> <span class="ft1">sich nicht schlüssig haben belegen lassen. Im Rahmen der vorgängi-</span><br/> <span class="ft1">gen polizeilichen Befragung hatte der Beschwerdeführer die Frage</span><br/> <span class="ft1">nach einer konkreten persönlichen Gefährdung denn auch ausdrück-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Waffenrecht</span> <span class="page_no">621</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">lich verneint (vgl. ...). Im Weiteren entspricht es nicht dem Sinn und</span><br/> <span class="ft1">Zweck der Waffengesetzgebung, durch die an erleichterte Vorausset-</span><br/> <span class="ft1">zungen geknüpfte Erteilung von Waffentragbewilligungen zum Auf-</span><br/> <span class="ft1">bau eigentlicher Bürgerwehren beizutragen, welche sich den bewaff-</span><br/> <span class="ft1">neten nachbarschaftlichen Schutz von Personen oder Sachen zur</span><br/> <span class="ft1">Aufgabe machen. Der Schutz der Allgemeinheit sowie einzelner</span><br/> <span class="ft1">gefährdeter Personen und Sachen vor konkreten Gefährdungen ge-</span><br/> <span class="ft1">hört nämlich nach wie vor zum eigentlichen Kernbereich der Polizei-</span><br/> <span class="ft1">aufgaben sowie allfällig noch zum Funktionsbereich speziell ausge-</span><br/> <span class="ft1">bildeter Berufsgruppen (vgl. § 6 der kantonalen Vollziehungsverord-</span><br/> <span class="ft1">nung); eine beliebige Ausweitung des in diesem Bereich tätigen Per-</span><br/> <span class="ft1">sonenkreises ist dagegen zur präventiven Vermeidung des Waffen-</span><br/> <span class="ft1">missbrauchs sowie allfälliger mit dem Waffentragen verbundener</span><br/> <span class="ft1">Unfälle abzulehnen. Schliesslich ist in diesem Zusammenhang darauf</span><br/> <span class="ft1">hinzuweisen, dass gerade auch die von den Gemeinden in letzter Zeit</span><br/> <span class="ft1">speziell eingesetzten Überwachungsgruppen unbewaffnet sind und</span><br/> <span class="ft1">lediglich Meldefunktionen ausüben. (...)</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>