200 18 935 IV SCJ/BRM/SEE Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 20. November 2019 Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichter Schütz Gerichtsschreiber Braune A.________ gesetzlich vertreten durch B.________ vertreten durch C.________, D.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 6. November 2018 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 2002 geborene A.________ wurde unter Hinweis auf das Geburtsge- brechen GG 497 Anhang zur Verordnung vom 9. Dezember 1985 (GgV Anhang; SR 831.232.21) am 25. Oktober 2002 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (Akten der IV-Stelle Bern [IVB; act. II und act. IIA], act. II 1). Nach entsprechenden Abklärungen wurden ihr me- dizinische Massnahmen für die GG 247, GG 395, GG 390 sowie GG 427 (act. II 6, 13, 27, 47), Leistungen für heilpädagogische Früherziehung (act. II 21) und für verschiedene Hilfsmittel (act. II 22, 33, 38, 45, 51, 64, 75, 84, 87, 90) sowie eine Hilflosenentschädigung wegen leichter Hilflosigkeit (act. II 40) zugesprochen. Mit Verfügung vom 25. August 2009 wurde der An- spruch revisionsweise auf eine Entschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit erhöht; gleichzeitig sprach die IVB bei Aufenthalt zu Hause zusätzlich einen Intensivpflegezuschlag für einen Betreuungsaufwand von sechs Stunden und bei Heimaufenthalt einen Kostgeldbeitrag von Fr. 56.-- pro Übernach- tung zu (act. II 136). Gestützt auf einen neuerlichen Abklärungsbericht Hilf- losenentschädigung für Minderjährige vom 14. Januar 2013 (act. II 226) bestätigte die IVB diese Leistungen revisionsweise mit Verfügung vom 14. Januar 2013 (act. II 227). Im Rahmen einer weiteren Revision betreffend die Hilflosenentschädigung holte die IVB einen entsprechenden Abklärungsbericht vom 5. Juli 2016 ein (act. IIA 343) und bestätigte – nach Durchführung des Vorbescheidverfah- rens (act. IIA 344) – mit Verfügung vom 20. September 2016 die Entschä- digung wegen schwerer Hilflosigkeit; gleichzeitig passte sie den Intensiv- pflegezuschlag per Januar 2016 auf einen Betreuungsaufwand von acht Stunden an (act. IIA 348). B. Im Dezember 2017 wurde abermals eine Revision der Hilflosenentschädi- gung eingeleitet (act. IIA 403) und zu diesem Zweck ein aktualisierter Ab-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 3 klärungsbericht Hilflosenentschädigung/Intensivpflegzuschlag vom 16. Juli 2018 eingeholt (act. IIA 443). Aufgrund des darin ermittelten Pflegeaufwan- des von sechs Stunden und drei Minuten stellte die IVB der Versicherten mit Vorbescheid vom 2. August 2018 bei Weiterausrichtung einer Entschä- digung wegen schwerer Hilflosigkeit die Reduktion des Intensivpflegezu- schlages in Aussicht (act. IIA 446). Hiergegen liess die Versicherte, vertre- ten durch die C.________, Rechtsanwalt D.________, am 12. September 2018 Einwand erheben und geltend machen, dass mangels einer massge- blichen Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen kein Revisionsgrund für eine Herabsetzung des Intensivpflegezuschlages gegeben sei und auch die Einführung neuer Höchstgrenzen für den anrechenbaren Mehraufwand per 1. Januar 2018 keinen solchen Revisionsgrund darstelle. Angesichts der Ausrichtung des Intensivpflegezuschlages höchsten Grades habe bis- her nicht diskutiert werden müssen, dass sich die Versicherte ohne dau- ernde Überwachung überwiegend wahrscheinlich selbst oder Drittpersonen gefährden würde, wofür der Abklärungsbericht zahlreiche Hinweise enthal- te. Zudem werde zu Unrecht der behinderungsbedingte Mehraufwand für das Toilettentraining sowie für den Transfer ins Auto oder ins Postauto nicht mehr angerechnet. Vor Erlass einer entsprechenden Verfügung sei es angezeigt, den Sachverhalt und die Höhe des Intensivpflegezuschlages nochmals umfassend zu prüfen (act. IIA 451). Die IVB holte beim Abklärungsdienst eine Stellungnahme zu den vorge- brachten Einwänden ein (act. IIA 455) und verfügte am 6. November 2018 entsprechend dem Vorbescheid (act. IIA 458). C.Hiergegen erhob die Versicherte, weiterhin vertreten durch die C.________, Rechtsanwalt D.________, am 10. Dezember 2018 Be- schwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 6. November 2018 sei auf- zuheben und der Beschwerdeführerin sei neben der Hilflosenentschädi- gung schweren Grades ein Intensivpflegzuschlag der höchsten Stufe (ab 8 Stunden) zuzusprechen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegne- rin habe sich der Zeitaufwand für die Fahrten in die Therapien seit dem letzten Entscheid nicht verändert; die in diesem Zusammenhang berück- sichtigten Fahrten für die Therapie in ... seien auf acht Wochen befristet Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 4 und im Zeitpunkt der letzten Verfügung vom 20. September 2016 bereits seit elf Monaten abgeschlossen gewesen. Ferner stellten auch die von der IVB ins Feld geführte Gesetzesänderung (Erhöhung des Intensivpflegezu- schlages) sowie die vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) neu festgelegten Maximalwerte für die altersentsprechende Hilfe bei der Fest- setzung des Intensivpflegezuschlages keinen Revisionsgrund dar. Eine Praxisänderung dürfe nur dann auf laufende Fälle angewendet werden, wenn eine Tatsachenveränderung vorliege, die zu einer ordentlichen Revi- sion führen könnte; im Abklärungsbericht finde sich nirgends eine solche fallbezogene Begründung. Sollte dennoch ein Revisionsgrund angenom- men werden, müsse berücksichtigt werden, dass die Versicherte – ent- sprechend zahlreichen Hinweisen im Abklärungsbericht – der dauernden Überwachung bedürfe. Beanstandet wird sodann, dass der behinderungs- bedingte Mehraufwand für das Toilettentraining sowie für den Transfer ins Auto oder ins Postauto nicht mehr angerechnet werde. In ihrer Beschwerdeantwort vom 24. Januar 2019 beantragt die Beschwer- degegnerin unter Hinweis auf die Ausführungen in der angefochtenen Ver- fügung die Abweisung der Beschwerde. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 5 und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 6. November 2018 (act. IIA 458), mit welcher die weitere Ausrichtung einer Entschädigung für eine schwere Hilflosigkeit revisionsweise bestätigt und der Intensivpflege- zuschlag bei einem Betreuungsaufwand von neu sechs Stunden ab 1. Ja- nuar 2019 reduziert wurde. Streitig ist einzig die Ausrichtung eines Inten- sivpflegezuschlags bzw. dessen Umfang ab 1. Januar 2019. 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9 ATSG) sind, haben Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (Art. 42 Abs. 1 IVG). Als hilflos gilt eine Per- son, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Le- bensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa- chung bedarf (Art. 9 ATSG). Es ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). 2.2Die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag er- höht; dieser Zuschlag wird nicht gewährt bei einem Aufenthalt in einem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 6 Heim. Der monatliche Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invali- ditätsbedingten Betreuungsaufwand von mindestens acht Stunden pro Tag 100 %, bei einem solchen von mindestens sechs Stunden pro Tag 70 % und bei einem solchen von mindestens vier Stunden pro Tag 40 % des Höchstbetrages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 des Bundesge- setzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversi- cherung (AHVG; SR 831.10). Der Zuschlag berechnet sich pro Tag. Der Bundesrat regelt im Übrigen die Einzelheiten (Art. 42 ter Abs. 3 IVG, in der seit 1. Januar 2018 gültigen Fassung). 2.2.1Eine intensive Betreuung im Sinne von Art. 42 ter Abs. 3 IVG liegt bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge Beeinträchti- gung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens vier Stunden benötigen (Art. 39 Abs. 1 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Gemäss Art. 39 Abs. 2 IVV ist der Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters als Betreuung anrechenbar. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen. Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Art. 39 Abs. 3 IVV). 2.2.2Im Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invaliden- versicherung (KSIH; Stand: 1. Januar 2018) des Bundesamtes für Sozial- versicherungen (BSV) wird u.a. der in Art. 39 Abs. 2 IVV geregelte Tatbe- stand konkretisiert (KSIH Rz. 8074-8077.2; vgl. zur Bedeutung von Verwal- tungsweisungen BGE 144 V 195 E. 4.2 S. 198). 2.3Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge- hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Auch jede andere formell rechtskräftig zuge- sprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen oder auf Gesuch hin er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 7 höht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 ATSG). Die bei der Revision von Renten entwickelten Grundsätze gelten bei der Anpassung von Dauerleistungen im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG analog (vgl. UELI KIESER, Kommentar zum ATSG, 3. Aufl. 2015, Art. 17 N. 68). 2.3.1Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 S. 10; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1). 2.3.2Unerheblich unter revisionsrechtlichem Gesichtswinkel ist nach ständiger Praxis die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 S. 11; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1). Auch eine neue Verwal- tungs- oder Gerichtspraxis rechtfertigt grundsätzlich keine Revision des laufenden Rentenanspruchs zum Nachteil des Versicherten (BGE 135 V 201 E. 6.4 S. 210, 115 V 308 E. 4a bb S. 313). 2.3.3Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit- punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). 2.3.4Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren- tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag- gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali- ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1). 2.4Für den Beweiswert eines Abklärungsberichts sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumli- chen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge- benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Anga- ben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Mei- nungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 8 schliesslich muss plausibel begründet und bezüglich der einzelnen Ein- schränkungen angemessen detailliert sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Ab- klärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein- schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63). Diese Rechtsprechung ist auf Abklärungs- berichte für Ansprüche auf Hilflosenentschädigung, Intensivpflegezuschlag, Hilfsmittel oder Assistenzbeitrag analog anwendbar. Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Leistung ist eine enge, sich ergän- zende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erforderlich (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63). 3. 3.1Zu prüfen ist vorab, ob hinsichtlich des für den Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag massgebenden Sachverhalts ein Revisionsgrund gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG vorliegt (vgl. E. 2.3.3 hiervor). Zu vergleichen ist dabei der Sachverhalt im Zeitpunkt der Verfügung vom 20. September 2016, mit welcher der bisherige Intensivpflegezuschlag für einen Betreu- ungsaufwand von sechs Stunden gemäss Verfügung vom 14. Januar 2013 (act. II 227) mit Wirkung ab 1. Januar 2016 auf einen Betreuungsaufwand von acht Stunden erhöht worden ist (act. IIA 348), mit demjenigen bei Er- lass der hier angefochtenen Verfügung vom 6. November 2018 (act. IIA 458). 3.2Zum Vorliegen eines Revisionsgrundes machte der Bereich Ab- klärungen der Beschwerdegegnerin in der Stellungnahme vom 3. Oktober 2018 einerseits geltend, dass Art. 42 ter Abs. 3 IVG per 1. Januar 2018 an- gepasst worden sei; diese Gesetzesänderung stelle gemäss Rz. 5005.1 KSIH einen Revisionsgrund dar (act. IIA 455 S. 3). Der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt werden: Die Änderung der rechtlichen Grundlagen stellt keinen Revisionsgrund im Sin-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 9 ne von Art. 17 ATSG dar. Denn Rechtsänderungen vermögen keine Ver- änderung des einzelfallbezogenen Sachverhalts, sondern allenfalls andere daraus ableitbare Rechtsfolgen zu bewirken. Ob ein bestehendes Rechts- verhältnis aufgrund einer Rechtsänderung an das neue Recht anzupassen ist, bestimmt sich nicht nach revisionsrechtlichen, sondern nach intertem- poralrechtlichen Bestimmungen. Revisionsgründe nach Art. 17 ATSG be- schlagen dagegen – schon nach seinem Wortlaut – die Frage, ob sich der Sachverhalt nachträglich verändert hat. Abgesehen davon erfolgte die Überprüfung der Hilflosenentschädigung sowie des Intensivpflegezuschla- ges letztlich nicht wegen der erwähnten Änderung der gesetzlichen Grund- lagen, sondern – wie in der Verfügung vom 20. September 2016 (act. IIA 348) vorgesehen – im Rahmen einer im Dezember 2017 eingeleiteten Re- vision von Amtes wegen (act. IIA 403). 3.3Andererseits wurde ausgeführt, im Rahmen von Art. 39 Abs. 2 IVV seien auf den gleichen Zeitpunkt hin auch neue Maximalwerte für den an- rechenbaren zeitlichen Mehraufwand festgelegt worden (vgl. Rz. 8074 so- wie Anhang IV KSHI). Die Beschwerdegegnerin sei an die Verwaltungswei- sungen gebunden und habe diese im Abklärungsbericht vom 10. Januar 2018 sowie in der angefochtenen Verfügung umgesetzt. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass der von der Beschwerde- gegnerin bei gewissen Lebensverrichtungen jeweils vorgenommene Abzug aufgrund des per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Anhangs IV KSIH, gemäss welchem Maximalwerte an Mehraufwand im Vergleich zur alters- entsprechenden Hilfe bei der Bemessung des Intensivpflegezuschlages definiert wurden, ebenfalls nicht auf einer Änderung der tatsächlichen Ver- hältnisse, sondern auf einer neuen Verwaltungspraxis beruht, was revisi- onsrechtlich irrelevant ist (vgl. E. 2.3.2 hiervor). Vorliegend wurde in den Bereichen Ankleiden/Auskleiden sowie Aufste- he/Absitzen/Abliegen einzig wegen der neuen Verwaltungsweisungen eine Anpassung beim Mehraufwand vorgenommen, d.h. der von den Eltern an- gegebene zeitliche Aufwand um insgesamt 75 Minuten gekürzt (vgl. act. IIA 443 S. 2 f. Ziff. 2.1.1 und 2.1.2). Die Eltern der Beschwerdeführerin hatten anlässlich der Abklärung vom Mai 2016 in den oben genannten Bereichen einen behinderungsbedingten Mehraufwand von 95 bzw. 92.48 Minuten Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 10 angegeben, während sie in derjenigen vom Januar 2018 hierfür 87 bzw. 90 Minuten geltend machten. Ebenso wurde im Bereich Verrichten der Not- durft der Zusatzaufwand für das Toilettentraining an den neuen Maximal- wert angepasst, was zu einer Kürzung von 75 Minuten führte. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass sich der effektive Aufwand seit der vorangegangenen Erhebung vor Ort nur unwesentlich verändert hat. Ein Revisionsgrund ist somit unter dem Aspekt einer tatsächlichen und relevan- ten Veränderung in den genannten Bereichen nicht gegeben und eine Re- vision aufgrund der angepassten Verwaltungsweisungen nicht zulässig. Im Übrigen wurde mit BGE 137 V 424 E. 3.3.3.2 S. 431 f. die – auch hier interessierende – Frage, ob der bei der minderjährigen Versicherten mass- gebende Mehraufwand im Vergleich zu nichtbehinderten Gleichaltrigen bei Erreichen einer gewissen Altersgrenze eine Sachverhaltsänderung zu be- wirken vermag, dahingehend entschieden, dass bei mehr als 14-jährigen Versicherten das Älterwerden keinen sachlichen Grund mehr darzustellen vermag, den Anspruch auf Hilflosenentschädigung ohne Vorliegen einer relevanten Änderung der Verhältnisse im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG materiell zu prüfen. 3.4Schliesslich bringt die Beschwerdegegnerin vor, ein Revisionsgrund sei aufgrund des geänderten Zeitaufwandes für die Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen gegeben. Im Abklärungsbericht vom 10. Januar 2018 wurde – gleich wie in demjeni- gen vom 14. Januar 2013 (vgl. act. II 226 S. 9) – ein Zeitaufwand für die Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen von neun Minuten berücksich- tigt (act. IIA 443 S. 7), während im Bericht vom 5. Juli 2016 ein solcher von 16.22 Minuten angerechnet worden ist (act. IIA 343 S. 10). Die Erhöhung des Zeitaufwandes im letztgenannten Bericht gegenüber dem Vorange- gangenen war im Wesentlichen in den Begleitfahrten im Rahmen des stati- onären Aufenthaltes der Beschwerdeführerin im Spital E.________ in der Zeit vom 24. August bis zum 16. Oktober 2015 (vgl. act. IIA 388) begrün- det. Nun war der fragliche Aufenthalt aber – worauf in der Beschwerde zu- treffend hingewiesen wird – bereits im Zeitpunkt der auf den Erhebungen im Abklärungsbericht vom 5. Juli 2016 basierenden Verfügung vom 20. September 2016 seit elf Monaten abgeschlossen, sodass – entgegen der Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 11 beschwerdegegnerischen Auffassung – auch diesbezüglich kein Revisi- onsgrund vorliegt. 3.5Aus den Akten sind schliesslich keine Anhaltspunkte dafür ersicht- lich, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse im vorliegend massgebenden Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung anderweitig in revisionsrechtlich relevanter Weise verändert hätten. Insbesondere hat auch die RAD-Ärztin Dr. med. F.________, Fachärztin für Neurologie, in ihrer Stellungnahme vom 24. Januar 2018 ausdrücklich festgehalten, dass sich derzeit aus me- dizinischer Sicht keine neuen Aspekte ergäben (act. IIA 408 S. 2). Auch aus den von der Beschwerdeführerin im Rahmen des Vorbescheidverfah- rens eingereichten Schulberichten der Jahre 2017 und 2018 (act. IIA 451) ergeben sich keine Hinweise auf eine Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen und somit ist auch in dieser Hinsicht kein Revisionsgrund gegeben. 4.Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Reduktion des Inten- sivpflegezuschlages per 1. Januar 2019 mangels intertemporalrechtlicher Anwendbarkeit des neuen Rechts auf bestehende Rechtsverhältnisse und wegen Fehlens eines Revisionsgrundes der richterlichen Prüfung nicht Stand hält. Insofern ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verwaltung anzuweisen, ab 1. Januar 2019 und weiterhin den Intensivpflegezuschlag im bisherigen Umfang auszurichten. Die in der angefochtenen Verfügung ebenfalls angeordnete weitere Aus- richtung einer Entschädigung für eine Hilflosigkeit schweren Grades ist nicht zu beanstanden. 5. 5.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 12 Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor- schuss von Fr. 800.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechts- kraft des Urteils zurückzuerstatten. 5.2Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge- setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit- sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts wird der Parteikostenersatz bei gemeinnützig tätigen Rechtsberatungsstellen sowie Rechtsschutzversi- cherungen, Gewerkschaften und Berufsverbänden aufgrund eines allge- meingültigen pauschalisierten Stundenansatzes festgesetzt, welcher im konkreten Fall mit dem gebotenen Aufwand multipliziert wird. Der Stunden- ansatz wird je nach fachlicher Qualifikation der Vertretung festgelegt, wobei als fachlich qualifizierte Vertretung diejenige durch Juristinnen und Juristen sowie durch eidgenössisch diplomierte Sozialversicherungsexpertinnen und -experten gilt. Als fachlich nicht qualifizierte Vertretung gelten alle übri- gen Parteivertreterinnen und -vertreter (vgl. Rundschreiben der Sozialver- sicherungsrechtlichen Abteilung und der Abteilung für französischsprachige Geschäfte des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dezember 2009, abrufbar unter www.justice.be.ch). Im Falle der Vertretung durch eine gemeinnützig tätige Rechtsberatungsstelle im Sinne der Rechtsprechung (BGE 135 I 1 E. 7.4.1 S. 4) wird der Stundenansatz bei einer fachlich quali- fizierten Vertretung auf Fr. 130.-- und bei einer fachlich nicht qualifizierten Vertretung auf Fr. 80.-- festgelegt. In der Kostennote vom 7. Februar 2019 macht Rechtsanwalt D.________ ein Honorar von Fr. 1‘118.-- (8.6 Std. à Fr. 130.--) sowie Auslagen von Fr. 70.60 (Fr. 60.-- Kopien + Fr. 10.60 Portokosten) und die Mehrwertsteuer (MWSt.) von Fr. 91.50 (7.7 % auf Fr. 1‘188.60) geltend. Diese Beträge sind Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Nov. 2019, IV/18/935, Seite 13 nicht zu beanstanden. Der gesamte Parteikostenersatz wird somit auf Fr. 1‘280.10 (inkl. Auslagen und MWSt.) festgesetzt. Diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu ersetzen. Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 6. November 2018 insoweit aufgehoben, als der In- tensivpflegezuschlag für einen Betreuungsaufwand von acht Stunden pro Tag ab 1. Januar 2019 weiterhin auszurichten ist. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihr nach Rechtskraft des Urteils zurückerstattet. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 1‘280.10 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu ersetzen. 4. Zu eröffnen (R): - C.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber: Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.