Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Dezember 2019 (720 19 332 / 316) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Volle Beweiskraft eines verwaltungsinternen Gutachtens. Kein leidensbedingter Abzug beim Invalideneinkommen. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Daniel N oll, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Stephan Paukner Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Anna Arquint, Rechts- dienst Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1991 geborene A.____ verfügt über keinen Beruf sabschluss. In der Vergangenheit hat er sporadisch unter anderem als Karrosserie-Lackierer gearbeitet. Unter Hinweis auf ein Asper- ger-Syndrom hat er sich am 18. Oktober 2012 erstmals bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet. Nach gescheiterten beruflichen Massnahmen hat die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) am 27. August 2014 die Gewä hrung beruflicher Massnahmen abge- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht lehnt und mit Blick auf eine allfällige Neuanmeldung den Nachweis eines dreimonatigen Arbeits- einsatzes ohne Fehlzeiten sowie eine dreimonatige und regelmässige psychotherapeutische Be- handlung verlangt. B. Unter Hinweis auf die Erfüllung dieser Bedingung en und eine neu diagnostizierte Nar- kolepsie hat sich der Versicherte am 17. Mai 2015 bei de r IV erneut zum Leistungsbezug ange- meldet. Nach wiederum gescheiterten beruflichen Massnah men sowie nach Abklärung der ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse, namentlich nach Einholung eines neurologisch- psychiatrischen Gutachtens bei Dr. med. B.____, FMH Neuro logie, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hat die IV-Stelle gestützt auf einen ermittelten IV-Grad von 36% nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren den Leistungsanspruch des Versicherten mit Verfü- gung vom 29. August 2018 abgelehnt. C. Gegen diese Verfügung hat der Versicherte, vertret en durch Anna Arquint vom Rechts- dienst des Behindertenforums, am 30. September 2019 B eschwerde beim Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), erhoben und beantragt, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit zur Durchfüh- rung weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen sei. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Zur Begründung liess er im Wesentlichen geltend machen, dass sich die IV-Stelle zu Unrecht einzig auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. B.____ und C.____ abgestellt habe, ohne die Berichte über die wiederholt gescheiterten beruflichen Massnahmen zu berücksichtigen, welche ihn auf dem ersten Arbeitsmarkt a ls nicht mehr vermittelbar bezeichnet hätten. Ebenso wenig habe die IV-Stelle die Einschätzu ng des behandelnden Neurologen be- rücksichtigt, der von einer um 50% beeinträchtigten Lei stungsfähigkeit ausgehe. Gemäss dem gutachterlichen Leistungsprofil sei ausserdem eine regelrechte Leistung des Versicherten im Um- fang von weniger als 50% einer regulären Arbeitszeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zugestanden worden. Ferner sei der bei der Bemessung des Invalideneinkommens gewährte leidensbedingte Abzug von 5% zu gering ausgefallen. In psychiatrischer Hin sicht sei schliesslich festzustellen, dass die krankheitsbedingte Persönlichkeitsveränderung nicht abschliessend untersucht worden sei. Namentlich sei der Status nach übermässigem Alkoholko nsum als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit taxiert worden, was im Hinblick a uf die neue bundesgerichtliche Rechtspre- chung im Zusammenhang mit Suchterkrankungen nicht angehe. Es seien vielmehr auch diesbe- züglich vertiefende Abklärungen vorzunehmen sowie bei der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit sowohl das starke Schielen als auch die verminderte Belastbarkeit des linken Daumens mit ein- zubeziehen. D. Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 24. Okt ober 2019 auf Abweisung der Be- schwerde. E. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 6. November 2 019 bewilligte die instruierende Prä- sidentin des Kantonsgerichts die unentgeltliche Prozessführung und verzichtete in der Folge auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist soweit notwendig in den nachfolgenden Erwägun- gen einzugehen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwer- den gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die frist- und f ormgerecht erhobene Beschwerde des Versicherten vom 30. September 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei- nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig ge- wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussich tlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre- chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). U nter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be- einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allge meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraf t gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG aus- schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus ob jektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Gr ad der Invalidität wie folgt abgestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente , wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindes- tens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 128 V 29 E. 1, 104 V 136 E. 2a u nd b). Insoweit die fraglichen Er- werbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werde n können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und si nd die so gewonnenen Annäherungs- werte miteinander zu vergleichen. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrade s bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person ist die rechtsanwendende Behörde – die Ver- waltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterla gen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurtei- len und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beur- teilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt aus- geübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgeglichenen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutbarer-weise noch ver- richtet werden können (U LRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschät- zung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen d er Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 3.4 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf Berichte von be- handelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfahr ungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Bei der Abschät- zung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen aller- dings auch die potentiellen Stärken der Berichte beh andelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung von den beha ndelnden Ärztinnen und Ärzten stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen länge- ren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wert- volle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behand- lungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes eine rseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des Eidge- nössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, i n denen sich eine abweichende Beurtei- lung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Inter- pretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rah men der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen). 3.5 Nach ständiger Rechtsprechung hat das Sozialversicher ungsgericht die Gesetz-mässig- keit angefochtener Verwaltungsverfügungen in der Rege l nach dem Sachverhalt zu beurteilen, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vorgelegen hat (BGE 130 V 140 E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Daraus folgt, dass für die Beurt eilung der künftig massgebenden Verhält- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht nisse grundsätzlich jener medizinische Sachverhalt massgebend ist, wie er im Zeitpunkt des Er- lasses der vorliegend angefochtenen Verfügung der IV-St elle vom 29. August 2019 vorgelegen hat. 4.1 Die IV-Stelle hat bei der Beurteilung der gesun dheitlichen Verhältnisse des Beschwer- deführers im Wesentlichen auf die Ergebnisse des von ihr eingeholten bidisziplinären Gutachtens der Dres. B.____ und C.____ vom 27. August bzw. 13. September 2018 abgestellt. Im neurolo- gischen Teilgutachten vom 27. August 2018 diagnostiziert Dr. B.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Narkolepsie und ein leichtes Thorakovertebralsyndrom bei Fehlhaltung des Achsenskeletts. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien ein divergentes und komplexes Schielen sowie eine Adduktionsparese des linken Auges sowie eine Visusverminderung links bei Status nach einer Schieloperation als Kind, ferner anamnestisch ein Status nach Tonsillektomie 2017, anamnestisch ein Status nach operativ versorgter F raktur oder Fissur am linken Daumen 2017 und anamnestisch eine Pollenallergie zu erheben. Die Diagnose einer Narkolepsie könne aus neurologischer Sicht eindeutig gestellt werden. Die Kriterien der Tagesschläfrigkeit mit Tag- schlafepisoden, Schlaflähmungen morgens, teilweise mit h ypnagogen Halluzinationen, der ver- kürzten Einschlaf-Latenz beim multiplen Schlaflatenz-Test sowie des vorzeitigen REM-Schlafes in der Polysomnographie seien erfüllt. Auch die erreicht en Werte in der Epworth-Schläfrigkeits- skala seien damit vereinbar. Das Kriterium der Kataplexie sei unsicher, ein typischer Auslöser in Form einer Emotion sei nicht angegeben worden. Für e ine entsprechende Diagnose sei dieses Symptom aber nicht vorausgesetzt. Der Explorand habe auf die medikamentöse Primärtherapie nicht angesprochen, hingegen sehr wohl auf Concerta, wa s etwas unklar bleibe, da Ritalin und Concerta dieselbe chemische Substanz aufwiesen. Er berichte aber, dass er unter regelmässiger Einnahme von Concerta zumindest unter der Woche nie mehr tagsüber eingeschlafen sei, auch die morgendlichen Schlaflähmungen und die hypnagogen Halluzinationen seien verschwunden. Die aktuellen Werte der Epworth-Schläfrigkeitsskala unt er Einnahme von Concerta würden für eine eindeutige Besserung sprechen. Anlässlich der Explo ration hätten sich keinerlei Hinweise auf kognitive Defizite ergeben, ebenso wenig seien wäh rend der Untersuchungszeit anfangs Nachmittag Ermüdungserscheinungen zu beobachten gewesen. Der Explorand berichte aber, nach spätestens fünf Stunden nach wie vor unter belast ungsunabhängigen Konzentrationsstö- rungen zu leiden. Die ersten Symptome der Narkolepsie seien wahrscheinlich schon im Jahr 2010 aufgetreten, die erste Diagnosestellung sei jedoch erst im Jahr 2015 erfolgt. Die medikamentöse Behandlung sei nach erfolgter Diagnose mit überwiegender Wahrscheinlichkeit längere Zeit nur unregelmässig befolgt worden, auch ärztliche Termine s eien wiederholt verpasst worden. Der mangelnde Erfolg der Eingliederungsmassnahmen beruhe a uf Unpünktlichkeit, Verspätungen und unentschuldigten Absenzen, die gemäss dem Exploran den krankheitsbedingt seien. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass auch krankheitsfremde Gründe eine Rolle ge- spielt hätten, nachdem im Jahr 2016 mittels Aktigraphie objektiv habe nachgewiesen werden können, dass der Versicherte an den meisten Tagen zwischen sieben und neun Uhr habe auf- stehen können. Wahrscheinlich würden auch eine mangelnde Motivation und möglicherweise psychische Probleme eine Rolle spielen. Die bisherige Th erapie sei aus neurologischer Sicht zweifellos angemessen. Eine sichere Prognose bezüglich der Narkolepsie könne nicht gestellt werden. Es handle sich um eine lebenslange Erkrankung. Di e bestehenden Einschränkungen Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht würden auch künftig mehr oder weniger unverändert bestehen bleiben. Konsistenz und Plausibi- lität der Krankheitssymptome seien aus neurologischer Sicht zu bejahen. Die Symptome würden mit den Untersuchungsergebnissen übereinstimmen. Die Ko operationsbereitschaft des Versi- cherten sei längere Zeit mangelhaft gewesen. Eine körp erliche Schwerarbeit sei nicht mehr zu- mutbar. In einer angepassten Verweistätigkeit sei ihm aus neurologischer Sicht jedoch eine An- wesenheit von sieben Stunden täglich zumutbar, so insbeso ndere etwa ab neun bzw. zehn Uhr morgens bis 12 bzw. 13 Uhr mittags und ab 13 bzw. 14 Uh r nachmittags bis 17 bzw. 18 Uhr abends. Es müsse jedoch damit gerechnet werden, dass die Leistungsfähigkeit nach drei bis vier Stunden bedingt durch die Einschränkungen der Konzentr ationsfähigkeit abnehme. Auf ein 100%-Pensum bezogen könne die Arbeitsfähigkeit somit au f 70% eingeschätzt werden. Diese Leistungsfähigkeit habe seit etwa 2015 Bestand. Eine g ewisse Verbesserung durch eine Do- sissteigerung von Concerta sowie auch dessen frühere Einnahme morgens sei möglich. Dem psychiatrischem Teilgutachten vom 13. September 2018 von Dr. C.____ ist zu entnehmen, dass sich aus psychiatrischer Sicht keine Krankheit mit Auswi rkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizieren lasse. Ohne Auswirkungen auf die Arbeit sfähigkeit seien der Verdacht auf ein Asperger-Syndrom sowie ein Status nach schädlichem Gebra uch von Alkohol zu erheben. Auf- grund der geklagten Müdigkeit sowie der Wirksamkeit von Concerta lasse sich differentialdiag- nostisch an eine Depression, an ein ADHS-Syndrom und an eine Krankheit aus dem dissoziativen Formenkreis denken. Da es aber keine weiteren Hinweise ge be und aus somatischer Sicht un- zweifelhaft die Diagnose einer Narkolepsie gestellt wer de, seien diese möglichen Differentialdi- agnosen zu verwerfen. Hinweise auf ein Asperger-Syndrom seien zwar vorhanden. Während der Exploration seien diesbezüglich aber keine typischen Symptome festgestellt worden. Obwohl der Explorand lieber alleine seinen Tätigkeiten nachgehe, sei er teamfähig und werde bei der Arbeit dafür auch gelobt. Die Diagnose eines Asperger-Syndroms lasse sich daher nicht mit Sicherheit stellen. Er habe bis Ende 2017 offenbar 0,5 bis 2 Liter Bier pro Tag konsumiert. Seit drei Monaten konsumiere er nur noch an den Wochenenden drei bis vier Halbliterdosen Bier und sei unter der Woche abstinent. Die aktuelle Laboruntersuchung habe bestätigt, dass kein regelmässiger Alko- holkonsum mehr vorliege. Auch der Urin-Drogenscreen-Test sei negativ ausgefallen, so dass es keine Hinweise auf einen Drogenkonsum gebe. Seit 2015 nehme der Explorand zur Behandlung seiner Narkolepsie Concerta ein, allerdings zeige die a ktuellen Blutkonzentrationsbestimmung Werte an, die sich unterhalb des unteren Normbereichs be wegten. Die von der der UPK im Mai 2017 erhobene Diagnose einer Persönlichkeitsveränderu ng aufgrund körperlicher Erkrankung lasse sich nicht bestätigen. Die Eingangskriterien für diese Diagnose seien nicht erfüllt. Das Scheitern der Integrationsmassnahmen lasse sich aus psychia trischer Sicht nicht begründen. Auch die subjektive Einschätzung des Exploranden, wonac h seine Arbeitsfähigkeit zu 50% ein- geschränkt sei, lasse sich nicht objektivieren. Es sei kein ausgewiesener Leidensdruck feststell- bar. Seit 2018 sei er nicht mehr in psychiatrischer Beh andlung. Ohnehin habe die Behandlung nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Anordnung des Strafgerichts stattgefunden. Insofern könne nicht von einer Inanspruchnahme einer psychiatrisc hen Behandlung ausgegangen wer- den. Als vorhandene Ressourcen seien namentlich die vielen Hobbies zu nennen. Der Explorand zeichne und male gerne, lese Romane und koche gerne. Er sei sozial gut eingebettet, pflege gute Kontakte zu den Pflegeeltern, zu seinen Geschwistern un d zu langjährigen Freunden. Eine schwerwiegende Komorbidität liege nicht vor. Das Fähigkeitsniveau sei insgesamt nicht relevant Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht eingeschränkt. Ebenso wenig könnten allfällige Funktionseinschränkungen genannt werden. Aus psychiatrischer Sicht habe zu keinem Zeitpunkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestan- den. In der interdisziplinären Konsensbeurteilung kamen die beiden Gutachten überein, dass aufgrund fehlender Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht die n eurologische Beurteilung in gesamt- medizinischer Hinsicht massgebend sei. 4.2 Der Beschwerdeführer rügt den Beweiswert dieses Ve rwaltungsgutachtens. Er wendet ein, dieses ignoriere die Ergebnisse der beruflichen M assnahmen, und es blende aus, dass er auf dem ersten Arbeitsmarkt als nicht vermittelbar eingeschätzt worden sei. Dieser Einwand ver- fängt nicht. Es ist festzustellen, dass das neurologische Teilgutachten von Dr. B.____ überaus ausführlich auf den Verlauf der bisher durchgeführte n beruflichen Massnahmen eingeht und für das Scheitern dieser Massnahmen unter anderem krankheit sfremde Gründe wie insbesondere eine mangelhafte Motivation anführt. Der Gutachter weist auch darauf hin, dass mittels einer Ak- tigraphie nachgewiesen worden sei, dass der Versicherte an den meisten Tagen zwischen sieben und neun Uhr habe aufstehen können. Die Schlussfolgerung, wonach seinen Absenzen und Un- pünktlichkeiten, die letztlich zum Scheitern der berufli chen Massnahmen geführt hatten, keine krankheitsbedingten Ursachen zu Grunde liegen, ist bei dieser Aktenlage durchaus nachvollzieh- bar. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass der neurologi sche Gutachter die Medikamenten-Com- pliance über eine längere Zeit als zweifellos mangelha ft bezeichnet hat (a.a.O., S. 22, ad Ziffer 7.4). Diese Compliance war anlässlich der Exploration anfangs Juli 2018 noch immer verbesse- rungswürdig und suboptimal, weil die Blutwerte aufge zeigt hatten, dass der fragliche Wirkstoff unterhalb des unteren Normbereichs gelegen hat. Insgesa mt ist damit festzustellen, dass die gutachterliche Zumutbarkeitsbestimmung unter Berücksichtigu ng der gescheiterten beruflichen Massnahmen ohne Weiteres nachvollziehbar ist. 4.3 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass sich da s neurologische Teilgutachten von Dr. B.____ nicht mit der abweichenden Einschätzung sei nes behandelnden Neurologen ausei- nandersetze. Er bezieht sich dabei insbesondere auf den Bericht von Dr. med. D.____, FMH Neurologie, vom 14. September 2017 (IV-Dok 192), wona ch es zwar von Vorteil sei, wenn der Versicherte eine Tätigkeit ausführe, die Arbeitsfähig keit aber vorerst bei 50% belassen werden sollte. Demgegenüber hält Dr. B.____ in seinem Gutach ten zu Recht fest, dass Dr. D.____ in seinem Bericht vom 10. Januar 2017 (IV-Dok 157) zuvor von einer Einschränkung der Arbeitsfä- higkeit im Umfang von 30% ausgegangen war, was mit der gutachterlichen Einschränkung über- einstimmt. Weiter führt Dr. B.____ aus, dass der behandelnde Neurologe erst nachdem der Ver- sicherte seine Arbeitsleistung nicht über 60% habe steige rn können, die verbleibende Restar- beitsfähigkeit auf 50% korrigiert hat. Dabei hat Dr. D.____ keine objektive Einschätzung der me- dizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit vorgenommen, sond ern seine Beurteilung lediglich den aktuell tatsächlich erbrachten Leistungen seines Patienten angepasst. Einerseits hält Dr. D.____ in seinen beiden Berichten wiederholt fest, dass die Lei stungen des Versicherten unter subopti- maler bis gar fehlender Compliance und unter einer f raglichen Motivation zustande gekommen sind. Diese Ursachen sind nicht krankheitsbedingt (oben, E rwägung 4.2). Andererseits handelt es sich bei der Angabe des behandelnden Neurologen nicht um eine eigentliche Einschätzung, Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht sondern lediglich um einen Vorschlag, um dem Versicherten mit Blick auf seine aktuell sozial ungünstige Entwicklung ohne begleitende IV-Massnahmen und ohne feste Tagestruktur offenbar etwas mehr Luft zu verschaffen. Für die Einschätzung seine r objektiven Leistungsfähigkeit sind diese psychosozialen Komponenten jedoch nicht massgeblich. 4.4 Der Beschwerdeführer bringt ferner vor, dass das g utachterlich attestierte Anforderungs- profil nicht auf eine Restarbeitsfähigkeit von 70% sch liessen lasse. Auch diese Rüge ist nicht stichhaltig. Dr. B.____ definiert in seinem neurologischen Teilgutachten eine Präsenzzeit vormit- tags von drei und nachmittags von vier Stunden. Diese t äglich zumutbare Arbeitspräsenz von sieben Stunden entspricht auf der Basis einer durchschnittlichen Tagesarbeitszeit von 8,34 Stun- den (durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden durch fünf Tage) einem Pensum von 84%. Nachvollziehbar und zusätzlich zu berücksichtigen ist, dass die Leistung des Beschwerde- führers nach einer Tätigkeitsdauer von drei bis vier Stunden abnimmt. Indem der Gutachter aber – wie bereits zuvor auch der behandelnde Neurologe in dessen Bericht ursprünglich vom 10. Januar 2017 (IV-Dok 157) – von einer Arbeitsfähigkeit v on lediglich 70% ausgeht, hat er diese Leistungsminderung im Rahmen einer zusätzlichen Arbeitsunfähigkeit von 14% angemessen mit- berücksichtigt. Dem steht weder entgegen, dass der Versicherte seine Arbeit am Morgen verzö- gert aufnehmen sollte, noch, dass er eine einstündige M ittagspause einlegen sollte. Diese zu- sätzlichen Anforderungen sind, soweit sie überhaupt ein sozial übliches Mass übersteigen, je- denfalls nicht derart einschränkend, dass sie gegen die von Dr. B.____ attestierte Restarbeitsfä- higkeit sprechen würden. 4.5 Was sodann das psychiatrische Teilgutachten von Dr. C.____ betrifft, lässt der Be- schwerdeführer einwenden, dass seine krankheitsbedingte Persönlichkeitsänderung nicht ab- schliessend untersucht worden sei. Namentlich sei der S tatus nach übermässigem Alkoholkon- sum als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit taxie rt worden, was der neuen bundesge- richtlichen Rechtsprechung zur Suchterkrankung nicht Sta nd halte. Es seien diesbezüglich ver- tiefende Abklärungen vorzunehmen, und es seien auch sein starkes Schielen sowie die vermin- derte Benutzbarkeit seines linken Daumens mit in die er neute Beurteilung der Restarbeitsfähig- keit einzubeziehen. Es ist zwar zutreffend, dass die Universi tären Psychiatrischen Kliniken X.____ (UPK) im Mai 2017 eine Persönlichkeitsveränderung aufgrund körperlicher Begleiterkran- kung unter den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbe itsfähigkeit des Versicherten erhoben haben (IV-Dok 176). Konkrete Befunde für eine solche D iagnose sind diesem Bericht jedoch keine zu entnehmen. Auch anlässlich der Exploration durch Dr. C.____ konnten keine solchen Befunde erhoben werden. Wenn der psychiatrische Gutachter in seinem psychiatrischen Teilgut- achten erläutert, dass sich diese Diagnose nicht bestätigen lasse, weil es an den hierfür erforder- lichen Eingangskriterien fehle, ist seine Schlussfolgerung mithin schlüssig. Weitere Abklärungen in diesem Zusammenhang erübrigen sich deshalb. Betref fend die postulierten Abklärungen im Hinblick auf die neue Suchtmittelrechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts 9C_724/2018 vom 11. Juli 2019) gilt das Gleiche. In diesem Entscheid ist das Bundesgericht zum Schluss gekom- men, dass einem fachärztlich einwandfrei diagnostizierte n Abhängigkeitssyndrom beziehungs- weise einer Substanzkonsumstörung nicht mehr zum vornherein jegliche IV-rechtliche Relevanz abgesprochen werden kann und deshalb wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen nach einem strukturierten Beweisverfahren (BGE 141 V 281) zu ermitteln ist, ob und gegebenenfalls Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigk eitssyndrom im Einzelfall auf die Ar- beitsfähigkeit auswirkt. Im vorliegenden Fall aber fehlt es an der Grundvoraussetzung einer ein- wandfrei diagnostizierten Suchmittelabhängigkeit. Im Gegenteil wurde beim Versicherten ledig- lich ein Status nach übermässigem Alkoholkonsum diagnostizie rt. Diese Erhebung deckt sich einerseits mit den anamnestischen Angaben im psychiatrisch en Gutachten von Dr. C.____ und wird andererseits durch aktuelle Blutuntersuchungsergebnisse objektiviert, wonach gerade keine Hinweise auf einen regelmässigen Alkohol- oder Drogenkonsum festgestellt werden konnten. Ist eine aktuelle Suchtmittelproblematik mithin auszuschliessen, erübrigen sich auch allfällige Wei- terungen unter dem Aspekt der zitierten neuen Bundesgerichtsrechtsprechung. In Bezug auf das Schielen des Versicherten und die eingeschränkte Beweglichkeit seines linken Daumens hat der neurologische Gutachter sodann klar und nachvollziehbar festgehalten, dass diese Diagnosen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben. Das Erfordernis weiterer Abklärungen ist deshalb auch in diesem Zusammenhang nicht gegeben. 4.6 Wie zuvor erwähnt (oben, Erwägung 3.4) ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -är zte, welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang en, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper- tise sprechen. Dem Gesagten zufolge liegen solche In dizien in Bezug auf das Verwaltungsgut- achten der Dres. B.____ und C.____ keine vor. Die Gutachter haben den Versicherten persönlich untersucht und eine umfassende Anamnese erhoben. Sie gehen einlässlich auf die Angaben und die Beschwerden des Versicherten ein und setzen sich fundiert mit den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten auseinander. Die beiden Teilgut achten sind umfassend, und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die jewei ls vorgenommenen Schlussfolge- rungen sind nachvollziehbar und überzeugend dargelegt w orden. Es ist deshalb nicht zu bean- standen, dass die Beschwerdegegnerin dem Gutachten von Dr . B.____ und Dr. C.____ vollen Beweiswert zuerkannt und vollumfänglich darauf abgestel lt hat. In Anbetracht dieser Aktenlage drängen sich weitere medizinische Abklärungen, wie sie der Beschwerdeführer verlangt, nicht auf. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge zu stellen, und - als Korrelat - die Pflicht der Behörde zur Beweisabn ahme. Beweise sind im Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsa chen abzunehmen, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt da s Gericht bei pflichtgemässer Beweis- würdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges Bild des rele- vanten Sachverhalts ergeben, und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann auf ein bean- tragtes Beweismittel verzichtet werden (BGE 141 I 60 E. 3.3, 122 V 157 E. 1d). Dies ist dem Gesagten zufolge hier der Fall. Als Zwischenergebnis ist demnach festzustellen, dass die IV- Stelle zu Recht von einer Restarbeitsfähigkeit des Versich erten im Umfang von 70% in einer körperlich nicht schweren Verweistätigkeit ausgehen durfte. 5.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen di eser gesundheitlichen Beeinträchti- gung. Wie oben ausgeführt (oben, Erwägung 2.4), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. E s kann in dieser Hinsicht auf Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht die zwischen den Parteien unbestritten gebliebene und zutreffende Bemessung der beiden Ver- gleichseinkommen in den angefochtenen Verfügungen der IV-Stelle vom 29. August 2019 ver- wiesen werden. Aus der Gegenüberstellung von Valideneinkommen (Fr. 65‘595.--) und Invaliden- einkommen (Fr. 44’323.--) resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 25’272.-- und damit ein Invali- ditätsgrad von rund 36%. 5.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen einzig vor, d ass der beim Invalideneinkommen vorgenommene leidensbedingte Abzug von 5% zu gering au sgefallen sei. Dieser ehemals nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich mit der Zeit zu einem allgemeinen be- hinderungsbedingten Abzug (BGE 134 V 322 E. 5.2). Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Le- bensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltska tegorie und Beschäftigungsgrad Auswir- kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/aa), und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen ihre verbliebene Arbeitsfähig keit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlich erwerblichem E rfolg verwerten kann (Urteil des Bun- desgerichts vom 15. November 2010, 9C_721/2010, E. 4.2). Ohne für jedes zur Anwendung ge- langende Merkmal separat quantifizierte Abzüge vorzunehme n, ist der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und gesamthaft auf maximal 25% zu beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/bb). 5.3 Der Beschwerdeführer begründet seinen Einwand dam it, dass der der gewährte Abzug von 5% im Vergleich zu seinen ganztags vorhandenen Einsch ränkungen zu gering ausgefallen sei. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Wie bereits erwähnt, haben die Gutachter bei einer bereits reduzierten Restarbeitsfähigkeit von täg lich noch sieben Stunden eine zusätzliche Leistungsminderung im Umfang von rund 14% wegen der nach drei bis vier Stunden einsetzen- den Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit ein geräumt (oben, Erwägung 4.4). Diese Be- hinderung darf nicht doppelt berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 7. März 2014, 9C_841/2013, E. 4.6). Da eine Verweistätigkeit den gutachterlichen Ausführungen zufolge ganz- tags zumutbar ist, verbietet sich auch ein Abzug wegen der Verrichtung von Teilzeitarbeit (Urteil des Bundesgerichts 8C_639/2011 vom 3. November 2011, E. 5.3.1). Auch der Verlust der Mög- lichkeit zur Verrichtung von Schwerarbeit führt nicht zu einem zusätzlichen Abzug (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. März 2009, 9C_492/2008, E. 3.3). Ebenfalls nicht als eigenständiger, ab- zugsfähiger Umstand gilt eine verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskolle- gen, soweit sie aufgrund der reduzierten Konzentrations schwierigkeiten allenfalls überhaupt er- forderlich wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014, E. 4.2 mit Hinweis auf SVR 2010 IV Nr. 28, E. 2.3.2). Weitere Kriterien, die eine Erhöhung des Abzuges vom Tabellen- lohn rechtfertigen würden, sind ebenfalls nicht ersichtlich. So nehmen sowohl die Bedeutung des Alters als auch diejenige der Dienstjahre der Versicherten ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist, weshalb diese Faktoren bei einfachen und repetitiven, dem Kompetenzniveau 1 (vormals An- forderungsprofil 4) der LSE entsprechenden Tätigkeite n in der Regel keinen Anlass zu einem (weiteren) Abzug vom Tabellenlohn geben (BGE 126 V 79 E. 5a/cc). Auch ist davon auszugehen, dass die für das Anforderungsniveau 1 massgebenden Arbeiten auf dem Arbeitsmarkt altersun- abhängig nachgefragt werden (vgl. Urteil B. des EVG vom 5. August 2005, I 376/05, E. 4.2), und Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Versicherte mit Jahrgang 1991 altersbedingt nicht be nachteiligt sein wird. Unter Würdigung dieser Umstände lässt sich die Vornahme eines über 5% hina usgehenden Abzuges jedenfalls nicht begründen. Damit bleibt es bei einem IV-Grad un ter 40%, weshalb die Beschwerde im Er- gebnis abzuweisen ist. 6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be- willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemes- senem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdefüh rer unterliegende Partei, weshalb ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. Ihm ist allerdings mit Verfügung vom 6. November 2019 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund werden die Verfah- renskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. Der Beschwerdeführer wird jedoch aus- drücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Feb- ruar 2001 aufmerksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgan g entsprechend wettzuschla- gen. Eine Entschädigung für die Bemühungen der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers aus der Gerichtskasse entfällt, da § 22 Abs. 2 VPO den Kreis der Personen, die als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt werden können, auf Anwältinnen und Anwälte beschränkt. Diese Voraus- setzung liegt hier nicht vor. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.