<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Lawsearch Cache - AGVE 2011 2 S. 39</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">39</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>8</b></span> <span class="ft2"><b>Art. 12 lit. i BGFA</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Verzögerte Rechnungsstellung: Gesundheitliche Probleme und Umzug in</b></span><br/> <span class="ft2"><b>andere Büroräumlichkeiten vermögen allenfalls eine geringfügige Ver-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zögerung der vom Klienten verlangten Rechnungslegung, nicht aber ei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nen elf bzw. achtzehnmonatigen Verzug zu rechtfertigen.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid der Anwaltskommission vom 26. Mai 2011 i.S. L.</span><br/> <span class="ft3">(AVV.2010.18).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2.</span><br/> <span class="ft1">2.1.</span><br/> <span class="ft1">Der Anzeiger erhebt zunächst den Vorwurf, er habe vom bean-</span><br/> <span class="ft1">zeigten Anwalt bis heute keine detaillierte Abrechnung erhalten. Er</span><br/> <span class="ft1">macht damit sinngemäss eine Verletzung von Art. 12 lit. i BGFA</span><br/> <span class="ft1">geltend.</span><br/> <span class="ft1">2.2.</span><br/> <span class="ft1">Nach Art. 12 lit. i BGFA ist der Anwalt verpflichtet, den Klien-</span><br/> <span class="ft1">ten auf Verlangen hin jederzeit über die Höhe des in diesem Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt geschuldeten Honorars zu informieren. Stellt der Klient ein</span><br/> <span class="ft1">entsprechendes Begehren, hat die Auskunft innert nützlicher Frist zu</span><br/> <span class="ft1">erfolgen. Unabhängig von solchen Auskunftsbegehren haben die</span><br/> <span class="ft1">Anwälte ihre Klienten unaufgefordert periodisch über die Höhe des</span><br/> <span class="ft1">geschuldeten Honorars zu unterrichten. Dies kann auch durch pe-</span><br/> <span class="ft1">riodische Zwischenrechnungen erfolgen. In welcher Kadenz solche</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">40</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Informationen zu erfolgen haben, lässt sich nicht allgemein sagen.</span><br/> <span class="ft1">Massgebend sind die Verhältnisse des Einzelfalls (Walter Fellmann</span><br/> <span class="ft1">in: Walter Fellmann / Gaudenz G. Zindel [Hrsg.], Kommentar zum</span><br/> <span class="ft1">Anwaltsgesetz, Zürich 2005, N 171 zu Art. 12 [zit. Name, BGFA-</span><br/> <span class="ft1">Kommentar]).</span><br/> <span class="ft1">Da Art. 12 lit. i BGFA nur von der Höhe des geschuldeten Ho-</span><br/> <span class="ft1">norars spricht, darf daraus keine Pflicht abgeleitet werden, in jedem</span><br/> <span class="ft1">Fall von sich aus detailliert Rechnung zu stellen. Art. 12 lit. i BGFA</span><br/> <span class="ft1">ändert aber nichts daran, dass der Klient jederzeit eine detaillierte</span><br/> <span class="ft1">Rechnung, auch eine detaillierte Zwischenabrechnung, verlangen</span><br/> <span class="ft1">kann. Ob die Abrechnung nach Meinung des Anwalts tunlich, not-</span><br/> <span class="ft1">wendig oder angebracht ist, bleibt ohne Bedeutung (Fellmann,</span><br/> <span class="ft1">BGFA-Kommentar, a.a.O., N 172 zu Art. 12, mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft1">Der Anwalt hat auf erstes Verlangen seines Klienten sobald als</span><br/> <span class="ft1">möglich und zweckmässig abzurechnen und Rechnung zu stellen.</span><br/> <span class="ft1">Eine Abrechnung, die erst eineinhalb oder gar zwei Monate nach der</span><br/> <span class="ft1">Aufforderung erfolgt, ist verspätet. Verzögerungen können nur aus-</span><br/> <span class="ft1">nahmsweise als gerechtfertigt erachtet werden (Fellmann, BGFA-</span><br/> <span class="ft1">Kommentar, a.a.O., N 173 zu Art. 12; Giovanni Andrea Testa, Die</span><br/> <span class="ft1">zivil- und standesrechtlichen Pflichten des Rechtsanwaltes gegenüber</span><br/> <span class="ft1">dem Klienten, Zürich 2001, S. 204 [zit. Testa]); AGVE 2007 11</span><br/> <span class="ft1">S. 53). Bei anzuerkennenden Gründen für eine Verzögerung der</span><br/> <span class="ft1">Rechnungslegung wie beispielsweise übermässige Arbeitsbelastung,</span><br/> <span class="ft1">Auslandsabwesenheit, EDV-Probleme, Zügeltermin oder wenn ein-</span><br/> <span class="ft1">zelne Spesen noch nicht feststehen, aber mit ihrer genauen Bestim-</span><br/> <span class="ft1">mung in naher Zukunft gerechnet werden kann, hat der Anwalt den</span><br/> <span class="ft1">Klienten zu benachrichtigen (Testa, a.a.O., S. 205).</span><br/> <span class="ft1">2.3.</span><br/> <span class="ft1">2.3.1.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.1.</span><br/> <span class="ft1">Nach den übereinstimmenden Ausführungen des Anzeigers und</span><br/> <span class="ft1">des beanzeigten Anwalts hat sich der Anzeiger Ende November</span><br/> <span class="ft1">2008/ Mitte Dezember 2008 betreffend den Betrag von Fr. (...) bzw.</span><br/> <span class="ft1">die Ausstellung einer detaillierten Abrechnung beim beanzeigten An-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Anwaltsrecht</span> <span class="page_no">41</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">walt gemeldet. Mit Schreiben vom 11. Dezember 2008 hat der bean-</span><br/> <span class="ft1">zeigte Anwalt bis Ende Dezember 2008 eine entsprechende Abrech-</span><br/> <span class="ft1">nung in Aussicht gestellt. Nach einem Betreibungsverfahren gegen</span><br/> <span class="ft1">den beanzeigten Anwalt (...) erfolgte mit Schreiben vom 30. Juli</span><br/> <span class="ft1">2009 eine erneute Aufforderung des Vertreters des Anzeigers, eine</span><br/> <span class="ft1">Abrechnung zu erstellen. Die schriftliche Abrechnung wurde dem</span><br/> <span class="ft1">Anzeiger schliesslich erst anfangs Juni 2010 und somit erst rund 18</span><br/> <span class="ft1">Monate nach der ersten Aufforderung bzw. rund 11 Monate nach der</span><br/> <span class="ft1">zweiten Aufforderung zugestellt. Die Zustellung der Abrechnung er-</span><br/> <span class="ft1">folgte demnach gestützt auf die oben dargelegte Lehre und Recht-</span><br/> <span class="ft1">sprechung (vgl. Ziff. 2.2 der Erwägungen) viel zu spät. Der bean-</span><br/> <span class="ft1">zeigte Anwalt räumt denn auch in seiner Stellungnahme vom 6. Au-</span><br/> <span class="ft1">gust 2010 (...) ein, er habe die Abrechnung "mit etwas Verspätung"</span><br/> <span class="ft1">erstellt.</span><br/> <span class="ft1">2.3.2.2.</span><br/> <span class="ft1">Der beanzeigte Anwalt weist in seiner Stellungnahme vom</span><br/> <span class="ft1">10. Mai 2011 darauf hin, dass er den Klienten im Jahre 2005, spätes-</span><br/> <span class="ft1">tens aber seit dem 10. Dezember 2008, in Bezug auf das Honorar</span><br/> <span class="ft1">mündlich detailliert aufgeklärt und klare Verhältnisse (der Klient ha-</span><br/> <span class="ft1">be kein Guthaben mehr zugute und der beanzeigte Anwalt verzichte</span><br/> <span class="ft1">auf eine Einforderung seines errechneten Resthonorars) geschaffen</span><br/> <span class="ft1">habe. Entgegen der Ansicht des beanzeigten Anwalts entbindet je-</span><br/> <span class="ft1">doch eine mündliche Aufklärung des Klienten bezüglich der Höhe</span><br/> <span class="ft1">des Honorars den Anwalt nicht von der Zustellung einer schriftlich</span><br/> <span class="ft1">detaillierten Abrechnung innert nützlicher Frist, sobald eine solche</span><br/> <span class="ft1">vom Klienten verlangt wird. Dasselbe gilt auch dann, wenn der An-</span><br/> <span class="ft1">walt auf sein Honorar verzichten will, denn ob die Abrechnung nach</span><br/> <span class="ft1">Meinung des Anwalts tunlich, notwendig oder angebracht ist, bleibt</span><br/> <span class="ft1">ohne Bedeutung (vgl. Ziffer 2.2. der Erwägungen). Der beanzeigte</span><br/> <span class="ft1">Anwalt war sich denn auch bewusst, dass er - trotz seiner Ansicht,</span><br/> <span class="ft1">der Klient sei betreffend das Honorar bereits genügend informiert</span><br/> <span class="ft1">worden - dem Anzeiger eine schriftliche Abrechnung zustellen muss-</span><br/> <span class="ft1">te. So hat er ihm doch mit diversen Schreiben eine detaillierte schrift-</span><br/> <span class="ft1">liche Abrechnung in Aussicht gestellt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2011</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">42</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">2.4.</span><br/> <span class="ft1">2.4.1.</span><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">2.4.2.</span><br/> <span class="ft1">Selbst wenn die obgenannten Behauptungen des beanzeigten</span><br/> <span class="ft1">Anwalts zutreffen sollten, vermöchten die genannten Umstände wie</span><br/> <span class="ft1">gesundheitliche Probleme und Umzug in andere Büroräumlichkeiten</span><br/> <span class="ft1">allenfalls eine geringfügige Verzögerung der Rechnungslegung, nicht</span><br/> <span class="ft1">aber einen elf- bzw. achtzehnmonatigen Verzug (im Vergleich zu den</span><br/> <span class="ft1">aus disziplinarrechtlicher Sicht noch tolerierbaren eineinhalb bis</span><br/> <span class="ft1">zwei Monaten) zu entschuldigen. Dass der Anzeiger ihn allenfalls</span><br/> <span class="ft1">verärgert hat, vermag im Übrigen überhaupt keine verzögerte Zu-</span><br/> <span class="ft1">stellung der Abrechnung zu rechtfertigen. Der Umstand, dass zwi-</span><br/> <span class="ft1">schen dem ehemaligen Klienten und dem beanzeigten Anwalt strittig</span><br/> <span class="ft1">war, ob sie sich im Jahre 2005 darüber geeinigt hätten, dass die Fr.</span><br/> <span class="ft1">(...) als Akontozahlung für andere Tätigkeiten des beanzeigten An-</span><br/> <span class="ft1">walts gelten sollen bzw. der beanzeigte Anwalt sinngemäss die Ein-</span><br/> <span class="ft1">rede der Verrechnung geltend macht, berührt einzig die Honorarstrei-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit, entbindet den beanzeigten Anwalt jedoch nicht von seiner</span><br/> <span class="ft1">Verpflichtung zur Rechnungsstellung innerhalb nützlicher Frist. Ein</span><br/> <span class="ft1">Zuwarten wie im oben festgestellten Ausmass ist somit aus diszi-</span><br/> <span class="ft1">plinarrechtlicher Sicht nicht akzeptierbar.</span><br/> <span class="ft1">2.5.</span><br/> <span class="ft1">Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der beanzeigte Anwalt</span><br/> <span class="ft1">seiner Verpflichtung zur detaillierten Rechnungsstellung verspätet</span><br/> <span class="ft1">nachgekommen ist. Er hat mit diesem Verhalten die Berufsregel ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Art. 12 lit. i BGFA verletzt.</span><br/> <br/> <br/></div> </div> </body> </html>