Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 6. Januar 2022 (725 21 204 / 03) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Bemessung des Integritätsschadens Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Christina Markiewicz Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Anouck Zehntner, Advo- katin, Indemnis Rechtsanwälte, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen Suva , Rechtsabteilung, Postfach 4358, 6002 Luzern, Beschwerde- gegnerin Betreff Leistungen A. Der 1963 geborene A.____ war seit dem 20. Juli 20 15 bei der B.____ zu 100 % als Rollenschneider tätig und über seine Arbeitgeberin bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 22. Mai 2017 stürzte er auf einer Treppe und verletzte sich an der linken Schulter und am Rücken. Die Erstbehandlung fand gleichentags au f der Notfallstation des C.____ statt. Vorerst wurde einzig eine AC-Gelenksluxation festgestellt. Die am 25. August 2017 durchgeführte MRT-Arthrographie der linken Schulter ergab sodann eine transmurale höhergradige Partialruptur der Sehne des Musculus subscapularis, eine Tendinopathie der langen Bizepssehne und eine Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht AC-Gelenksarthrose. Es folge am 8. Dezember 2017 ein op erativer Eingriff am linken Schulter- gelenk, wobei auch eine laterale Acromioplastik erstellt wurde. Gleichzeitig fand eine AC- Gelenksresektion sowie eine Rekonstruktion der Supraspina tussehne statt. Der Heilverlauf ge- staltete sich schwierig. Aufgrund der anhaltenden Schmerzsituation wurden in der Folge weitere MRT-Arthrographien und Infiltrationen am linken Schultergelenk vorgenommen. Mit Verfügung vom 4. August 2020 stellte die Suva ih re Leistungen ein und verneinte einen An- spruch von A.____ sowohl auf eine Invalidenrente als a uch auf eine Integritätsentschädigung. Die dagegen geführte Einsprache wurde im Rahmen ein er neuen Verfügung vom 13. Januar 2021 insofern gutgeheissen, als dem Versicherten ab dem 1 . September 2020 eine auf einem Invaliditätsgrad von 13 % basierende Invalidenrente zugesprochen wurde. Die Gewährung einer Integritätsentschädigung wurde weiterhin abgelehnt. Auch gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokatin Anouck Zehntner, Einsprache und beantragte eine Erhöhung der Inva- lidenrente sowie die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung. Mit Einspracheentscheid vom 8. Juni 2021 hiess die Suva die Einsprache teilweise gut, indem sie A.____ neu eine Invalidenrente von 14 % zusprach. Eine Integritätsentschädigung wurde nach wie vor abgelehnt. B. Dagegen erhob A.____, vertreten durch Advokatin An ouk Zehntner, substitutionsweise vertreten durch Advokat Dominik Zehntner, mit Eingabe vom 30. Juni 2021 Beschwerde ans Kan- tonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht. Er bea ntragte, der angefochtene Einsprache- entscheid vom 8. Juni 2021 sei insofern abzuändern, als ihm eine Integritätsentschädigung von mindestens 15 % zuzusprechen sei. Eventuell sei die Sache zur Überprüfung des Anspruchs auf eine Integritätsentschädigung an die Suva zurückzuweisen. Die Invalidenrente, welche auf 14 % erhöht worden sei, werde akzeptiert, womit die Anfecht ung nicht für diesen Punkt gelte. Diese richte sich lediglich und ausschliesslich gegen den Umstand, dass ihm keine Integritätsentschä- digung ausgerichtet worden sei. Im vorliegenden Fall hätten mehrere Ärztinnen und Ärzte die Frage des Anspruchs auf eine Integritätsentschädigung i n einer voneinander abweichenden Art beurteilt. So seien Kreisärztin Dr. med. D.____, Fachä rztin für Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med. E.____, Fachärztin für Chirurgie, FMH MAS Versicherungsmedizin, FA Vertrauensärztin SGV, der Auffassung, dass ein Integritätsschaden von 15 % gegeben sei und ihm eine darauf basierende Entschädigung zustünde (Berichte vom 16. Sept ember 2019 und vom 30. August 2020). Die Kreisärzte Dr. med. F.____ und Dr. med. G.____, beide Fachärzte für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, seien dagegen zum Schluss gekommen, dass ihm keine Integritätsentschädigung zustünde (Berichte vom 26. Mai 2020, vom 16. Novem- ber 2020 und vom 26. Mai 2021). Besonders unbefriedige nd sei, dass keine persönliche Unter- suchung stattgefunden habe. Ferner gründe die Beurteilung von Dr. G.____ auf Resultaten, die vor zwei Jahren und offensichtlich nicht im Hinblick auf die Bemessung eines Integritätsschadens erhoben worden seien. Sollte das Gericht nicht auf die übereinstimmende Einschätzung von Dr. D.____ und Dr. E.____ abstellen, sei die Suva anzuweise n, eine versicherungsexterne Beurtei- lung des Integritätsschadens einzuholen. C. Mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2021 beantragte die Suva die Abweisung der Be- schwerde. Vorliegend sei auf die Beurteilung von Dr. G.____ abzustellen. Gemäss der massge- benden Suva-Tabelle 1 sei zur Beurteilung der Frage des unfallbedingten Integritätsschadens Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht einzig entscheidend, ob der Versicherte in der Lage sei, seinen linken Arm aktiv mehr als 30° über die Horizontale zu bewegen. Diese Frage sei gemä ss Dr. G.____ gestützt auf die Berichte des C.____ vom 18. April 2019 und 9. September 2019 und den dort erhobenen Bewegungspa- rametern ohne weiteres zu bejahen, weshalb kein zu entschädigender unfallbedingter Integritäts- schaden vorliege. Der Einwand des Versicherten, Dr. G.____ habe auf Resultate abgestellt, die zwei Jahre zurücklägen, weshalb sie den gegenwärtigen St atus nicht abbildeten, gehe fehl. Ei- nerseits habe Dr. G.____ bei seiner Einschätzung die ganze medizinische Aktenlage berücksich- tigt und weiter sei im Bericht des C.____ vom 9. September 2019 festgehalten worden, dass der Endzustand erreicht sei. Folglich sei dies der Zeitpunkt g ewesen, um die Rentenfrage und die Frage einer Integritätsentschädigung zu prüfen. Bei diesem Ergebnis erübrige sich die Einholung eines externen Sachverständigengutachtens. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, de ssen Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bunde sgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einsprache- entscheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantona len Versicherungsgericht Be- schwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 AT SG das Versicherungsgericht desjeni- gen Kantons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in H.____, weshal b die örtliche Zuständigkeit des Kantons- gerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs . 1 lit. a des Gesetzes über die Verfas- sungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kantons- gericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtlich e Instanz des Kantons Beschwerden ge- gen Einspracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Ar t. 56 ATSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde des Versicherten vom 3 0. Juni 2021 ist demnach einzutre- ten. 2. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf e ine Integritätsentschädigung hat. Die Höhe der Invalidenrente ist demgegenüber unbestritten (vgl. BGE 144 V 354 E. 4.3 zur Teil- rechtskraft). 2.1 Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versi- cherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). 2.2 Erleidet die versicherte Person durch den Unfall e ine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, s o hat sie Anspruch auf eine angemes- sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Nac h Art. 36 der Verordnung über die Un- fallversicherung (UVV) vom 20. Dezember 1982 gilt der Integritätsschaden als dauernd, wenn er Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht. Er ist er- heblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbs- fähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Abs. 1). 2.3 Der Integritätsentschädigung liegt das Konzept zugr unde, dass sie sich abstrakt-egalitär, d.h. allein nach der Schwere des medizinischen Befundes bemisst. Die Bemessung des Integri- tätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umstän den des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, so ndern um die medizinisch-theoretische Er- mittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Fakto- ren ausser Acht zu lassen sind. Die Bemessung der Integri tätsentschädigung obliegt deshalb vorwiegend den Medizinerinnen und den Medizinern, welche zum einen objektiv festhalten müs- sen, welche funktionellen Defizite die versicherte Person erleidet, und zum anderen, auf wie viel sich die daraus ergebende Beeinträchtigung der Integrität beläuft (Urteil des Sozialversicherungs- gerichts Zürich vom 24. Februar 2020, UV.2019.00100, E. 1.3 mit weiteren Hinweisen). 2.4 Die Integritätsentschädigung wird laut Art. 25 UV G in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Verdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschade ns abgestuft (Abs. 1). Der Bundesrat regelt die Bemessung der Entschädigung (Abs. 2). Von d ieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung der Integritäts- entschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in einer als gesetzmässig anerkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 218 E. 2a) häufig vorkommende und ty- pische Schäden prozentual gewichtet (BGE 124 V 29 E. 1 b mit Hinweisen). Die Entschädigung für spezielle und nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Ska- lenwert abgeleitet. In diesem Zusammenhang hat die Suva in Weiterentwicklung der bundesrät- lichen Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinraster) erarbeitet. Diese stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für da s Gericht nicht bindend. Soweit sie je- doch Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet wer- den soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, Urteil des Bundes- gerichts vom 22. Mai 2017, 8C_18/2017, E. 4.2). Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integ- ritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall d em angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1), wobei im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben möglich sind (BGE 116 V 156 E. 3a). Voraussehbare Verschlimme- rungen des Integritätsschadens werden angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Aus- nahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Art. 36 Abs. 4 UVV). 3.1 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro- zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizin ische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 und 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 3.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspr echung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. So ist den im Rahmen des Ver- waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezi alärztinnen und -ärzte, welche auf- grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nic ht konkrete Indizien gegen die Zu- verlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Dagegen sind bei Entscheiden gestützt auf versicherungsinterne ärztliche Beurteilungen, die im Wesentli- chen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozial versicherungsträger stammen, an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. B estehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATS G oder ein Gerichtsgutachten anzu- ordnen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).). 3.3 Beratende Ärzte und Vertrauensärzte sind, was den Beweiswert ihrer ärztlichen Beurtei- lung angeht, versicherungsinternen Ärzten gleichzusetzen (U rteile des Bundesgerichts vom 6. März 2020, 8C_646/2019, E. 4.3 und vom 25. Juni 2018 , 8C_281/2018, E. 3.2.2 mit weiteren Hinweisen). Auf Aktenberichte kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilu ng eines an sich feststehenden medizini- schen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2020, 9C_11/2020, E. 5.1.2). 4.1 Die Kreisärztin Dr. D.____ beurteilte den Integri tätsschaden am 16. September 2019, nachdem aus dem Bericht des C.____ vom 9. September 20 19 hervorging, dass in Bezug auf die linke Schulter, 21 Monate postoperativ, vom medizinischen Endzustand auszugehen sei. Dr. D.____ erachtete eine Funktionsstörung der linken Schulter bei persistierendem subacromialem Impingement-Syndrom und Zustand nach Rotatorenmanschetten-Re-Re-Ruptur (anteriore Sup- raspinatussehne transmural) und bei differenzialdiagnostischem Low grade-Infekt als unfallkau- sal. Es liege ein Status nach Arthroskopie, lateraler Acromioplastik, subacromialer Dekompres- sion, AC-Gelenksresektion, Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion, kranialer Labrum-Refixation, Bizepstenodese Mini-Open am 8. Dezember 2017 bei tra umatischer Rotatorenmanschetten- Ruptur, symptomatischer AC-Gelenksarthrose und Bizepsten dinopathie infolge Treppensturzes Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht am 22. Mai 2017 vor. Ferner bestehe ein Status nach offener, transossärer Rotatorenmanschet- ten-Repair nach Autounfall vor 20 Jahren. Der Versiche rte leide an einer schweren und andau- ernden Funktionsstörung des linken Schultergelenkes nach Unfallereignis vom 22. Mai 2017. Die therapeutischen Massnahmen seien ausgeschöpft und der medizinische Endzustand erreicht. Es resultiere eine Funktionseinschränkung bis zur Horizontal en. Die resultierende Bewegungs- amplitude (range of motion) im linken Schultergelenk sei dem aktuell vorliegenden Abschlussbe- richt des C.____ vom 9. September 2019 zu entnehmen. Danach liege die globale aktive Schul- terbeweglichkeit links (rechts) für die Anteversion bei 150 % (160 %) und ab 80° bis 140° bestehe ein Painful arc. Die passive glenohumerale Beweglichkeit betrage bei Abduktion 85° (100°). Die Impingementtests seien stark positiv. Gemäss Suva-Tabelle 1 sei der Integritätsschaden dem- nach auf 15 % zu schätzen. 4.2 Dieser Einschätzung widersprach Kreisarzt Dr. F.____ in seiner Beurteilung vom 26. Mai 2020. Er verwies auf die Ergebnisse der zwischenzeitlich in der I.____ am 29. und 30. April 2020 durchgeführten Evaluation der funktionellen Leistungsf ähigkeit (ELF) und führte aus, dass rein formal bei den vom Versicherten demonstrierten funktio nellen Einschränkungen im Bereich der betroffenen Schulter sich eine Integritätsentschädigun g rechtfertigen liesse. Allerdings sei auf- grund der ELF nachgewiesen, dass bei besserer Anstreng ung eine deutlich bessere Funktion und Leistung erwartbar gewesen wären; es sei eine erhe bliche Symptomausweitung diagnosti- ziert worden. Die vom Versicherten demonstrierte, eingeschränkte Beweglichkeit im Bereich der linken Schulter mit einer Abduktion/Adduktion von nunmehr 55°/0°/10°, einer Anteversion/Retro- version von 65°/0°/30° und einer Aussenrotation/Innen-rotation von 10°/0°/70° sei mit den nach- gewiesenen objektiven Befunden nicht hinreichend erklärbar. Deshalb seien die vom Versicher- ten demonstrierten Einschränkungen der Funktion auch n icht für die Schätzung des Integritäts- schadens verwertbar. 4.3 Im Rahmen der Einsprache vom 4. September 2020 re ichte der Beschwerdeführer eine medizinische Beurteilung von Dr. E.____ vom 30. August 2020 ein. Die initiale kreisärztliche Be- urteilung des Endzustandes und der geschätzte Integrität sschaden von 15 % durch Dr. D.____ entsprächen den echtzeitlich und repetitiv dokumentierten Einschränkungen gemäss Bericht des C.____ vom 9. September 2019. Die Ende April 2020 an der I.____ durchgeführte ELF habe zu keinen neuen medizinischen Erkenntnissen geführt. Trotzdem habe die Suva mit Verfügung vom 4. August 2020 gestützt auf unbegründete, medizinisch-theoretische Vermutungen ohne Vorbrin- gen von objektiven Argumenten und ohne Berücksichtigung der kreisärztlichen Beurteilung vom 16. September 2019 sowohl das Zumutbarkeitsprofil verändert als auch einen Integritätsschaden aberkannt. Dies sei nicht korrekt. Dem Versicherten seien überdies lediglich leichte Tätigkeiten bis zur Horizontalen zumutbar und nicht selten leichte Arbeiten über Schulterhöhe, wie im Bericht der I.____ vom 17. April 2020 attestiert. Der Integr itätsschaden betrage analog Suva-Tabelle 1 "Schulter – bis zur Horizontalen beweglich" 15 % gestützt auf die Ergebnisse im Bericht des Kan- tonsspitals Baselland vom 9. September 2019. 4.4 Aufgrund der unterschiedlichen Auffassungen beauftra gte die Suva den versicherungs- internen Experten Dr. G.____, die Sachlage zu beurt eilen. Mit Bericht vom 16. November 2020 führte er aus, dass der Versicherte gemäss den Arztberichten des C.____ vom 18. April 2019 und Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 9. September 2019 eine globale aktive Schultergelenksb eweglichkeit links bei Anteversion (Be- wegung der oberen Extremität nach ventral über den Kop f) von 150° bzw. 160° aufgewiesen habe. Weiter sei in beiden Berichten ein Painful arc ab 80° vermerkt und eine passive glenohu- merale Abduktion links mit 85° bzw. 90° beschrieben worden. Der Painful arc sei ein Zeichen für ein subacromiales Impingement bzw. einen Engpass zwischen dem Schulterdach und dem Ober- armkopf. Dieses Impingement sei schmerzhaft, schränke aber nur in seltenen Fällen die Beweg- lichkeit des Schultergelenkes ein. Im vorliegenden Fall sei eine aktive Anteversion deutlich über Schulterhöhe möglich gewesen. Die Suva-Tabelle 1 für I ntegritätsschäden bei Funktionsstörun- gen an den oberen Extremitäten gewähre bei einer Bew eglichkeit des Schultergelenkes bis 30° über die Horizontale eine Integritätsentschädigung von 10 %, bei einer Beweglichkeit bis zur Ho- rizontalen eine Integritätsentschädigung von 15 %. Dabei sei nicht auf die passive glenohumerale Funktion abzustellen, sondern auf das globale aktive Bewegungsvermögen. Dieses habe gemäss den erwähnten Berichten des C.____ bei 150° bzw. 160° für das linke Schultergelenk gelegen. Dieser Wert übersteige deutlich die geforderten 120° für eine Integritätsentschädigung von 10 %. Somit liege nach Suva-Tabelle 1 am linken Schultergelenk des Versicherten kein Integritätsscha- den vor, der die Erheblichkeitsgrenze übersteige. Der von Dr. E.____ angeführte Wert des Painful arc zwischen 80°und 140° habe für die Integritätsentschädigung keine Bedeutung, da er das glo- bale Bewegungsausmass des Schultergelenkes nicht vermindere. Da aber jede Bewegung über Schulterhöhe infolge des Impingements Schmerzen im Schu ltergelenk provoziere, sei die Ar- beitsfähigkeit des Versicherten temporär oder dauerhaft beeinträchtigt. Daher sei das Zumutbar- keitsprofil im Bericht der I.____ vom 17. April 2020 in diesem Punkt zu modifizieren. Zumutbar für den allgemeinen Arbeitsmarkt seien dem Versicherten leic hte bis mittelschwere Arbeiten ganz- tags ohne Arbeiten mit dem linken Arm über Schulterhöhe und ohne Besteigen von Leitern oder Gerüsten. Zu vermeiden seien ferner Vibrations- und Stossbelastungen des linken Armes. 4.5 Am 25. Januar 2021 nahm Dr. E.____ zu den Ausführu ngen von Dr. G.____ Stellung. Die Funktion der Anteversion links sei zwar intakt, hingeg en bestehe eine Einschränkung der Abduktion mit einem schmerzhaften Bogen ab 80°. Die li nksseitige Schulterfunktion sei somit durch das Impingement eingeschränkt, welches überwiegend wahrscheinlich unfallkausal sei bei Re-Re-Ruptur der Supraspinatussehne links. Dr. G.____ habe demzufolge das Zumutbarkeits- profil entsprechend angepasst. Zusammenfassend sei eine volle Schulterfunktion links bei ein- geschränkter Abduktion bis 80 °nicht mehr gegeben. Diese Einschränkung sei erheblich und dau- erhaft. Somit sei die linke Schulter knapp bis zur Ho rizontalen beweglich, womit ein Integritäts- schaden von 15 % vorliege. 4.6 Schliesslich äusserte sich Dr. G.____ am 26. Mai 2021 nochmals zum strittigen Integri- tätsschaden. Er führte aus, dass sich die Suva-Tabelle 1 ausschliesslich auf das Bewegungsaus- mass des Schultergelenkes, nicht aber auf Schmerzen bei Bewegungen beziehe. Die Schmerzen seien rein subjektiv und von Fall zu Fall unterschiedlich. Im vorliegenden Fall sei beim Versicher- ten eine erhebliche Symptomausweitung, insbesondere der Schmerzen, nachgewiesen worden. Funktionell seien in Bezug auf die Schulter nur zwei von fünf Kriterien zu prüfen; zum einen die Beweglichkeit bis 30° über die Horizontale und zum and eren bis zur Horizontalen. Es sei nicht definiert, welche Bewegungsrichtung massgeblich sei. Daher gälten die Kriterien sowohl für die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht globale Abduktion resp. Elevation, also die seitliche Abspreizfähigkeit über die Horizontale hin- aus, wie auch für die Anteversion, resp. Flexion, also die Bewegung des Armes nach vorne über die Horizontale bzw. Schulterhöhe. Die passive glenohumerale Abduktion sei allerdings eindeutig definiert. Das Schultergelenk lasse ohne Bewegung des S chulterblattes eine Abspreizung des Armes kaum über 90° zu. Daher werde der Wert eben kaum über 90° hinausgehen. Die passive glenohumerale Abduktion sei jedoch kein Kriterium für die Beurteilung nach Suva-Tabelle 1. Den beiden Arztberichten des C.____ vom 18. April 2019 und 9. September 2019 sei zu entnehmen, dass der Versicherte den Arm aktiv bis 150° bzw. 160° unter Schmerzangabe habe anheben können. Somit sei eine Integritätseinbusse hinsichtlich der Beweglichkeit nicht gegeben. Auch die Argumentation des Painful-arc greife nicht, da dieser bei einer Abduktion zwischen 80° und 140° vorgelegen habe. Das bedeute, dass der Versicherte den Arm sicher über 140° habe abspreizen können. Somit erreiche die Integritätseinbusse im vorli egenden Fall die Erheblichkeitsgrenze nicht. Theoretisch diskutiert werden könnte eine Beurteilung unter dem Kriterium einer Periarth- rosis humeroscapularis. Diese beziehe eine schmerzhafte Beweglichkeit mit ein. Allerdings werde hier seitens der Suva-Tabelle 1 eingeschränkt, dass bei der Beurteilung des Integritätsschadens bei der Periarthrosis humeroscapularis von einer vergleichbaren Schwere wie bei einer Omarth- rose ausgegangen werden soll. Gemäss dem letzten MRT-Bericht und nach eigener Beurteilung der MRT-Aufnahmen vom 10. Juli 2018 im Vergleich zu den Aufnahmen vom 23. Januar 2019 liege unfallkausal keine namhafte glenohumerale Arthrose vor. Die beschriebenen Schädigungen am ventralen Glenoid wie auch an der unteren Zirkumfer enz der Humerus-Gelenkfläche seien als leicht zu bezeichnen und entsprächen einem Stadium I nach dem Kellgren-Lawrence Score. Insgesamt habe der Unfall vom 22. Mai 2017 mit überwi egender Wahrscheinlichkeit zwar eine dauernde, nicht aber eine erhebliche Schädigung der körperlichen Integrität herbeigeführt. 5.1 Da sich die Suva im angefochtenen Einspracheentscheid vom 8. Juni 2021 auf die Be- urteilung des versicherungsinternen Experten Dr. G.____ stützte, genügen bereits geringe Zwei- fel an der Richtigkeit der Einschätzung, um deren Beweistauglichkeit aufzuheben. Der Beschwer- deführer erhebt gegen die Beurteilung von Dr. G.____ zunächst den Einwand, sie stütze sich auf ärztliche Untersuchungsergebnisse, welche schon zwei Jahre zurücklägen, so dass nicht die ak- tuelle gesundheitliche Situation berücksichtigt worden sei. Es trifft zu, dass sich Dr. G.____ er- klärtermassen auf die Untersuchungsergebnisse des C.____ vom 18. April 2019 und 9. Septem- ber 2019 abstützte. Im Bericht vom 9. September 2019 w ird nun aber klar ausgeführt, dass von einem erneuten operativen Eingriff an der linken Schu lter keine Besserung der Beschwerden mehr zu erwarten und dass 21 Monate postoperativ vom medizinischen Endzustand auszugehen sei. Dass der Endzustand eingetreten ist, wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten, im Gegen- teil, hat er doch die Rentenverfügung, die bezüglich Zumutbarkeit auf diesen Untersuchungser- gebnissen basiert, als korrekt akzeptiert. Ebenso wenig wi rd geltend gemacht, dass sich sein Gesundheitszustand seither, namentlich in Bezug auf die Beweglichkeit und die Schmerzsituation der linken Schulter, verschlechtert habe. Somit stützt sich die Beurteilung des Integritätsschadens zwar auf Untersuchungsergebnisse, die mehr als zwei Jahre alt sind; Hinweise dafür, dass diese Ergebnisse nicht mehr aktuell sind, gibt es hingegen ni cht. Im Übrigen stützen sich auch Dr. D.____ und Dr. E.____ in Bezug auf die Ermittlung de s Integritätsschadens von 15 % auf die erwähnten Berichte des C.____. Der Einwand des Beschwerdeführers ist somit nicht stichhaltig. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.2 Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, d ie Beurteilung des Integritätsscha- dens sei eine reine Aktenbeurteilung. Dr. G.____ habe ihn nie persönlich untersucht, was als Mangel zu qualifizieren sei. Wie die Suva zutreffend eingewendet hat, sind gemäss bundesge- richtlicher Praxis reine Aktenbeurteilungen dann zulässi g, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. Im vorliegenden Fall geht es in er ster Linie um die Beurteilung der Befunde gemäss den Berichten des Kantonsspitals Baselland vom 18. April 2019 und 9. September 2019. Diese wurden korrekt und vollständig erhoben, was nicht bestritten wird. Ferner sind sie immer noch aktuell, sodass von einem feststehenden medizinischen Sachverhalt auszugehen ist. Unter diesen Umständen erweist sich eine reine Aktenbeurteilung als zulässig. 5.3 Die diskrepante Einschätzung des Integritätsschadens von Dr. G.____ / Dr. F.____ und Dr. E.____ / Dr. D.____ ist letztlich nicht auf unter schiedliche objektive Untersuchungsbefunde zurückzuführen, sondern einzig darauf, dass Dr. G.____ auf die objektiv mögliche Restbeweg- lichkeit der linken Schulter ohne Berücksichtigung der Schm erzsituation abstellt, während Dr. E.____ bei der Beurteilung der Funktionalität der Schulter die Schmerzsituation miteinbezieht und für die Beurteilung der Restbeweglichkeit nur die schme rzfreie Funktion der linken Schulter be- rücksichtigt. Anlässlich der orthopädischen Untersuchung vom 3. September 2019 im Kan- tonsspital Baselland wurde in Bezug auf die linke Schulter eine Beweglichkeit in der Anteversion von 150° gemessen, der Painful arc wurde vom Beschwerde führer ab 80° bis 140° angegeben (Bericht des C.____ vom 9. September 2019). Der Versicherte konnte somit den Arm bis zu einem Winkel von 150° anheben, ab einem Winkel von 80° hat er aber Schmerzen in der linken Schulter verspürt. Gemäss der für Integritätsschäden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten massgeblichen Suva-Tabelle 1 ist für eine Schulter, die nur noch bis zur Horizontalen, also nur noch bis zu 90°, beweglich ist, eine Integritätsentschädigung von 15 % geschuldet. Ist die Schul- ter noch bis zu 30° über die Horizontale, also bis zu 120°, beweglich, ist noch eine Integritätsent- schädigung von 10 % geschuldet. Im vorliegenden Fall kann der Beschwerdeführer seinen linken Arm noch bis zu 150° anheben, schmerzfrei gelang ihm aber nur noch ein Anheben des Arms auf 80°. Während Dr. G.____ von einer objektiven Beweglic hkeit von mehr als 120° ausgeht und daher einen Integritätsschaden verneint, nimmt Dr. E. ____ einen Integritätsschaden von 15 % an, da der Beschwerdeführer den linken Arm schmerzfrei nur noch bis zu einem Winkel von 80°, also nicht mehr bis zur Horizontalen, anheben kann. Ker nfrage ist somit, ob die Suva-Tabelle 1 mit der Restbeweglichkeit die objektiv mögliche Beweglichkeit oder die schmerzfreie Beweglich- keit meint. 6.1 Für eine objektiv mögliche Beweglichkeit als massgeb enden Faktor spricht, dass – wie Dr. G.____ in seiner letzten Stellungnahme vom 26. Ma i 2021 ausführte – das Schmerzempfin- den stark subjektiv geprägt ist und die Beurteilung der Funktionsstörung sich dadurch schwierig gestalten kann. Sofern Dr. G.____ jedoch von einer er heblichen Symptomausweitung des Be- schwerdeführers ausgeht, kann dies allenfalls bezogen auf die Werte der ELF (Bericht der I.____ vom 17. April 2020) angenommen werden, nicht jedoch bezogen auf die unbestrittenen Befunde der Abschlussuntersuchung im C.____ vom 3. September 201 9 (Bericht vom 9. September 2019), welche als Grundlage für die Bemessung des Inte gritätsschadens dienten. Für eine Mit- berücksichtigung der Schmerzen bei der Bemessung des Int egritätsschadens spricht hingegen, Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass die volle Schulterfunktion links gemäss Dr. E.____ infolge der Schmerzhaftigkeit jeder Bewegu ng über 80° in der Abduktion gar nicht mehr gegeben ist. Dr. G.____ anerkennt denn auch, dass d ie Arbeitsfähigkeit des Versicherten durch den schmerzhaften Bogen beeinträchtigt ist und Arbeiten über Schulterhöhe mit dem linken Arm nicht zumutbar sind. Zwar ist die Einschätzung des Int egritätsschadens losgelöst vom Zu- mutbarkeitsprofil zu beurteilen. Die Feststellungen bezüglich Einschränkungen in der Ausführung der Bewegungen können aber nicht per se ausgeblendet werden. 6.2 Gemäss Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2020 (8C_756/2019) ist namentlich in Bezug auf die Beurteilung der Integritätseinbusse zu bedenken, dass versicherte Personen mit Funktionsstörungen an der Schulter häufig unter Schmerzen leiden würden, was sich insbeson- dere auch auf das Ausmass der Bewegungseinschränkung niederschlage. Diese bilde denn auch das Hauptkriterium bei der tabellarischen Festsetzung eines solchen Integritätsschadens, womit auch die Schmerzen mit dem entsprechenden Prozentwert abgegolten seien. Im gegebenen Fall wurde festgehalten, dass der geschätzte Wert von 20 % für Funktionsstörungen der Schulter ge- mäss Suva-Tabelle 1 einerseits auf der subjektiven Schmerzangabe des Versicherten sowie auf dem anlässlich der medizinischen Untersuchung dokumentier ten Bewegungsumfang basiere. Die Schätzung berücksichtige andererseits aber auch den Qu ervergleich mit Zuständen, die ei- nen höheren Wert begründen könnten (hier: schwere Form einer Periarthrose humeroscapularis, die nicht gegeben war; E. 4.3 und E. 4.4). 6.3 Im vorliegenden Fall berücksichtigten Dr. D.____ un d Dr. E.____ die Schmerzangaben des Versicherten (Painful arc) im Sinne des vorgenannten Bundesgerichtsentscheids. Dr. G.____ hingegen klammerte den Painful arc aus, nahm aber eine n Quervergleich zur Periarthrosis humeroscapularis vor, welche eine schmerzhafte Beweglichkeit miteinbeziehe. Allerdings werde seitens der Suva-Tabelle 1 eingeschränkt, dass die Periarthrosis humeroscapularis eine gewisse Schwere aufweisen müsse, die gemäss den bildgebenden Befunden beim Versicherten nicht vor- liege. Folglich lasse sich auch mit diesem Quervergleich kein Integritätsschaden begründen. Denn eine leichte Form der Periarthrosis humeroscapularis werde mit 0 % beziffert. 6.4 Der Beurteilung von Dr. G.____ kann mit Blick auf das Urteil des Bundesgerichts vom 11. Februar 2020 nicht zweifelsfrei gefolgt werden. I m Zusammenhang mit dem von ihm vorge- nommenen Quervergleich stellt sich ferner die Frage, o b die Berücksichtigung der Schmerzen nicht wenigstens auch in Analogie zu den arthrotischen Veränderungen gemäss Suva-Tabelle 5 hätte diskutiert werden müssen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 7. Juni 2016 [UV 2014/75], E. 3.2 und Entscheid des Sozialversi cherungsgerichts Zürich vom 17. März 2021 [UV.2020.00123], E. 3.6). Beim Beschwerdeführer wurde weiter eine symptomatische AC- Gelenksarthrose diagnostiziert. Ebenso ist den Diagnosen zu entnehmen, dass eine AC- Gelenksresektion vorgenommen wurde. Gemäss Suva-Tabelle 5 berechtigt eine AC-Arthrose al- lein erst dann zu einer Integritätsentschädigung von 5-10 %, wenn sie schwer ist. Über den Schweregrad der AC-Gelenksarthrose des Beschwerdeführers geben die medizinischen Akten keine Auskunft. Da aber bei einer AC-Gelenksresektion gemäss Suva-Tabelle 5 bloss eine Arth- rose verlangt ist, damit Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von 5 % besteht, ohne dass die Arthrose einen bestimmten Schweregrad erreichen mu ss, erscheint nicht ausgeschlossen, Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass hierfür eine Integritätsentschädigung geschuldet ist (Entscheid des So-zialversicherungsge- richts Zürich vom 17. März 2021 [UV.2020.00123], E. 3.1). 7. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass gestützt auf die vorliegenden Ent- scheide, wonach bei der Einschätzung der Funktionsstörungen an der Schulter die Schmerzan- gaben der versicherten Person berücksichtigt worden sind oder doch zumindest im Rahmen von Quervergleichen auf die Impingementproblematik in Analogie zu den Arthrosen (Suva-Tabelle 5) eingegangen worden ist, Zweifel an der Beurteilung vo n Dr. G.____ bestehen. Ferner fehlt eine Bewertung der diagnostizierten Arthrose in punkto Schwere. Und schliesslich bleibt zu prüfen, ob die AC-Gelenksresektion einen Integritätsschaden darstellt. Da Dr. D.____ und Dr. E.____ diese Punkte ebenfalls nicht behandelt haben, kann auf ihre Einschätzungen nicht abgestellt werden. Der Einspracheentscheid ist folglich aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung des Integritätsschadens mittels eines verwaltungsexternen orthopädischen Fachgutachtens nach Art. 44 ATSG unter Berücksichtigung der Rechtsprechung an die Suva zurückzuweisen. 8.1 Es bleibt über die Kosten zu befinden. Nach Art. 6 1 lit. f bis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Da das UVG keine grundsätzliche Kostenpflicht vorsieht, sind für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. 8.2 Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Besch werde führende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung. Gemäss Honorarn ote vom 9. August 2021 werden ein Aufwand von 8 Stunden à Fr. 250.-- und Auslagen von Fr. 44.10 geltend gemacht, was angemes- sen ist. Dem Beschwerdeführer wird folglich eine Parteie ntschädigung in der Höhe von Fr. 2'201.50 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zugespro- chen. 9. Nach Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig e röffnete Zwischenentscheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtli chen Angelegenheiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtli chen Rechtsprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschlies- senden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sonder n um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) be- antwortet wird (BGE 133 V 477 E. 4.2). Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich som it um einen Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesg ericht. Die nachstehende Rechtsmittel- belehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid der Suva vom 8. Juni 2021 in Bezug auf die Integ- ritätsentschädigung aufgehoben und die Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Suva hat dem Beschwerdeführer eine Parteientsc hädigung in der Höhe von Fr. 2'201.50 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteu er) auszurich- ten.