Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 2. August 2018 (720 17 304 / 205) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Nichteintreten auf ein Leistungsgesuch: Anhaltspunkte für eine mögliche Ver- schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der versicherten Person bejaht. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Jgn az Jermann, Kantonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Gisela Wartenweiler Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Elisabeth Maier , Adv o- katin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente / Nichteintreten A. Die 1969 geborene A.____ meldete sich am 24. Jul i 1998 unter Hinweis auf starke Rü- ckenschmerzen nach einem Treppensturz vom 11. Oktob er 1997, starke Kopfschmerzen sowie Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Konzentrations- und Schlafstörungen erstmals bei der Eid genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 27. Oktobe r 2000 sprach die IV-Stelle Basel- Landschaft (IV-Stelle) der Versicherten für die Zeit vom 1. Oktober 1998 bis 28. Februar 1999 eine ganze und ab 1. März 1999 eine halbe Invalidenre nte zu. Die dagegen erhobene Be- schwerde der Versicherten hiess das Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht), mit seinem Urteil vom 10. Juli 2002 (20 01/227 Nr. 199) in dem Sinne gut, als für die Zeit vom 1. März 1999 bis 30. April 2001 die Ange legenheit zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückgewiesen und festgestellt wurde, dass die Versicherte ab 1. Mai 2001 An- spruch auf eine Viertelsrente habe. Im Rahmen eines im Jahr 2010 eingeleiteten Rentenrevisi- onsverfahrens gab die IV-Stelle zuerst ein Gutachten bei der B.____ und anschliessend ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatr ie und Psychotherapie, in Auf- trag. Gestützt auf die Gutachten der B.____ vom 5. April 2011 und von Dr. C.____ vom 21. Juni 2012 hob die IV-Stelle die Invalidenrente mit Verfüg ung vom 29. August 2014 per 30. Septem- ber 2014 auf. Diese Verfügung bestätigte das Kantonsge richt mit seinem Urteil vom 29. Januar 2015 (Verfahren-Nr. 720 14 301 / 21). B. Am 2. Februar 2017 meldete sich A.____ unter Hinwe is auf "Konzentrationsschwierig- keiten, Vergesslichkeit, Schmerzen überall, Kribbeln am Arm und in den Beinen" wiederum bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an. Nach durchgefüh rtem Vorbescheidverfahren trat die IV- Stelle mit Verfügung vom 17. August 2017 auf dieses neu e Leistungsbegehren nicht ein. Zur Begründung machte sie geltend, dass die Versicherte eine Verschlechterung ihres Gesund- heitszustandes nicht glaubhaft habe darlegen können, we shalb weiterhin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. C. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Elisabeth Maier, am 15. September 2017 Beschwerde ans Kantonsgericht. Darin beantragte sie, es seien ihr in Auf- hebung der angefochtenen Verfügung die gesetzlichen Le istungen auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die B eschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter o/e-Kostenfolge. Zudem sei der vorliegende Fall zusammen mit dem beim Kantonsgericht hängigen Verfahren Nr. 720 17 205 zu behandeln. In der Begründung führte sie im Wesentli- chen aus, dass die Berichte des Teamleiters des D.____ vom 24. Februar 2017, der Ärzteschaft der E.____ vom 28. Februar 2017, der Psychologin F.___ _ vom 3. August 2017, der G.____ vom 12. Juni 2014 und 12. April 2016, der beruflichen Abklärung Suva vom 4. Januar 1999 und des damaligen Spitals H.____ vom 8. Dezember 1976 mit dem notwendigen Beweismass der Glaubhaftmachung belegen würden, dass eine Gesundheitsver schlechterung eingetreten sei, die zu einer reduzierten Arbeitsfähigkeit der Versicherten geführt habe. D. In ihrer Vernehmlassung vom 16. November 2017 beantr agte die IV-Stelle mit Verweis auf die Berichte von Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie u nd Psychotherapie, Regionaler ärztli- cher Dienst (RAD), vom 3. April 2017 und 15. August 2017 die Abweisung der Beschwerde. E. In ihrer Replik vom 1. Dezember 2017 hielt die Versi cherte durch ihre Rechtsvertreterin an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den bisherigen Vorbringen fest. Zu- dem gab sie den neuropsychologischen Bericht von J.____, Fa chpsychologin für Neuropsycho- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht logie FSP, vom 22. November 2017 und den Arbeitsvertrag zwischen der Versicherten und dem E.____ vom 5. Oktober 2017 zu den Akten. F. Die IV-Stelle reichte mit Duplik vom 22. Januar 201 8 die Stellungnahme von Dr. I.____ vom 16. Januar 2018 ein und beantragte weiterhin die Abweisung der Beschwerde. G. Im Rahmen eines dritten Schriftenwechsels hielten die Versicherte mit Eingabe vom 22. März 2018 und die IV-Stelle mit Eingabe vom 7. Ma i 2018 mit Verweis auf die Stellungnah- me von Dr. I.____ vom 26. April 2018 an ihren bisher vertretenen Standpunkten fest. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.1 Im versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind g rundsätzlich nur Rechtsver- hältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen der zuständige Sozialversicherer vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung geno mmen hat. Insoweit bestimmt die Verfü- gung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgeg enstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurte ilsvoraussetzung, wenn keine Ver- fügung ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1, 125 V 414 E. 1a und b, je mit Hinweisen). 2.2 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens b ildet die Verfügung vom 15. September 2017, mit welcher die IV-Stelle auf da s Leistungsgesuch der Versicherten vom 2. Februar 2017 nicht eintrat. Damit hat das Gericht e inzig die Frage zu prüfen, ob die IV-Stelle auf das erneute Leistungsbegehren zu Recht nicht einge treten ist. Das Kantonsgericht darf da- her weder eine inhaltliche Prüfung eines allfälligen Leistungsanspruchs vornehmen, noch selbst auf das Leistungsbegehren eintreten und in diesem Rahm en weitere Abklärungen des medizi- nischen Sachverhalts anordnen. Bei einer allfälligen Gut heissung der Beschwerde kann das Kantonsgericht die IV-Stelle daher lediglich anweisen, ihrerseits auf das Leistungsbegehren einzutreten. Das Hauptbegehren der Versicherten, mit w elchem die Ausrichtung der gesetzli- chen Leistungen und das Eventualbegehren, mit welchem d ie Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren medizinischen Abklärungen an die Vorinstanz b eantragt werden, erfordern eine materielle Prüfung des Leistungsanspruchs. Demzufolge k ann mangels Anfechtungsgegen- standes darauf nicht eingetreten werden. Demgegenübe r ist der Subeventualantrag, es sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese auf das Leistungsbegehren eintrete und Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht weitere Abklärungen vornehme (vgl. Ziffer 5 der Beschwe rde vom 15. September 2017), einer richterlichen Überprüfung zugänglich. 3.1 Die IV-Stelle hat die Neuanmeldung eines Rentena nspruchs materiell zu prüfen, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung in einem für den Rentenans pruch erheblichen Mass verändert haben (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 der V erordnung über die Invalidenversicherung [IVV] vom 17. Januar 1961). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinwei- sen). Die Eintretensvoraussetzung nach Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV soll verhin- dern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 112 E. 5.3.1 und 130 V 71 E. 3.2.3, je mit Hi nweisen). Die Rechtskraft der früheren Ver- fügung steht einer neuen Prüfung so lange entgegen, wie der seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat (Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2016, 8C_325/2016, E. 2.1 mit Hinweisen). 3.2 Die Verwaltung verfügt bei der Beurteilung der Eintretensvoraussetzungen über einen gewissen Spielraum. So hat sie insbesondere zu berücksicht igen, ob eine frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt und ob an die Glaubhaftmachung dementspre- chend mehr oder weniger hohe Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hi nweisen). Ohnehin sind mit dem Beweis- mass des Glaubhaftmachens grundsätzlich herabgesetzte Anfo rderungen an den Beweis ver- bunden. Eine Tatsachenänderung muss also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 E. 5b) erstellt sein. Es genügt vielmehr, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (Urteile des Bundesgerichts vom 19. November 2014, 9C_523/2014, E. 5 und vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). 3.3 In erster Linie ist es Sache der versicherten Person, substanzielle Anhaltspunkte für eine allfällige neue Prüfung des Leistungsanspruchs darzu legen (vgl. auch bezüglich Nach- fristansetzung zur Einreichung ergänzender, in der Neu anmeldung lediglich in Aussicht gestell- ter Beweismittel: BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Wenn die d er Neuanmeldung beigelegten ärztlichen Berichte so wenig substantiiert sind, dass sich eine neue Prüfung nur aufgrund weiterer Er- kenntnisse allenfalls rechtfertigen würde, ist die IV-St elle unter Umständen zur Nachforderung weiterer Angaben gehalten. Dies ist jedoch nur dann de r Fall, wenn den Arztberichten konkrete Hinweise, wonach möglicherweise eine mit weiteren Er hebungen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt, entnommen werden können (Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2016, 8C_244/2016, E. 2.3 mit Hinweisen). Im Übrigen bede utet eine blosse Abklärung durch die Verwaltung, so das Einholen eines einfachen Arztberichte s, allein noch kein materielles Eintre- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ten auf die Neuanmeldung (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009, 9C_286/2009, E. 2.2.3 mit Hinweis). 3.4 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht. Vorliegend erfolgte die letzte materielle Prüfung de s Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin im Rahmen des Verfahrens, das zur rentenaufhebenden Ve rfügung vom 29. August 2014 führ- te. Demgemäss beurteilt sich die Frage, ob eine Änderun g in den tatsächlichen Verhältnissen erfolgt ist, die ein Eintreten auf die Neuanmeldung rechtfertigt, durch Vergleich des Sachver- halts, wie er im Zeitpunkt der Verfügung vom 29. August 2014 bestand, mit demjenigen im Zeit- punkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 17. August 2017. 4.1.1 In ihrer rentenaufhebenden Verfügung vom 29. August 2014 stützte sich die IV-Stelle bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wes entlichen auf die Gutachten der B.____ vom 5. April 2011 mit den Disziplinen Psychiatrie und Rheumatologie sowie von Dr. C.____ vom 21. Juni 2012. Darin gelangten sowohl das begutachtende Ärzteteam der B.____ als auch Dr. C.____ zur Auffassung, dass keine Diag nose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Keine Auswirku ngen auf die Arbeitsfähigkeit hätten ge- mäss der Gutachter der B.____ die anhaltende somatofo rme Schmerzstörung, die Persönlich- keitsakzentuierung mit histrionischen Zügen, das generali sierte chronische unspezifische Schmerzsyndrom, der chronic widespread pain mit rezidivier enden Kopfschmerzen, der subkli- nische Vitamin D-Mangel sowie der Status nach Treppenst urz am 11. Oktober 1997 und nach Autounfall in der Kindheit (1976) bzw. gemäss Dr. C._ ___ die anhaltende somatoforme Schmerzstörung und die Neurasthenie. Die Experten der B.____ führten in ihrer Beurteilung aus, dass aus somatischer Sicht die geklagten somatischen B eeinträchtigungen nicht objekti- viert werden könnten. Subjektiv im Vordergrund ständen andauernde Schmerzen hoher Intensi- tät. Die Schmerzangaben seien in Bezug auf Lokalisat ion und Intensität vage, diffus und nicht nachvollziehbar. Mehrfach erwähne die Versicherte, dass si e sich die Schmerzen nicht anmer- ken lasse und versuche, einen normalen Alltag zu leben, was ihr weitgehend gelinge. Diese Fähigkeit spreche jedoch gegen eine wesentliche Einschr änkung im Haushalt und Beruf. An- lässlich der psychiatrischen Untersuchung hätten sich erhebl iche Hinweise auf ein aggravatori- sches Verhalten ergeben. Aufgrund des bizarren Defizitpr ofils nach detaillierter Prüfung der kognitiv mnestischen Fähigkeiten und der Orientierung müss e am ehestens von einer Simulati- on ausgegangen werden. Mit dem Ausmass der geklagten Schw ere der Beschwerden wäre es der Versicherten nicht möglich, als Hausfrau und Mutter zu funktionieren und sich im Alltag zu- rechtzufinden. Es beständen auch keine Anhaltspunkte für eine relevante depressive Sympto- matik. Die Versicherte sei in ihrem angestammten Beruf als kaufmännische Mitarbeiterin voll arbeitsfähig. Für eine leichte bis mittelschwere Verweistätigkeit bestehe ebenfalls eine uneinge- schränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.1.2 Dr. C.____ legte in seinem Gutachten vom 21. Jun i 2012 dar, dass die Versicherte über eine Reihe von psychischen Beschwerden klage, die te ils kognitive (Vergesslichkeit, Kon- zentrationsstörungen) und teils affektive Aspekte (keine Leb ensfreude, Platzangst, Panikgefüh- le) beinhalteten. Sie könne kaum Fakten oder Zeitanga ben reproduzieren. Allerdings wirke sie dabei völlig desinteressiert, weshalb diese Schwäche mehr im Sinne einer intellektuellen Passi- vität als eines eigentlichen Defizits zu werten sei. So sei sie beispielsweise fähig gewesen, al- lein und rechtzeitig von Pratteln mit dem Tram anzureisen, obwohl sie angegeben habe, sich im Stadtteil des Untersuchungsortes nicht auszukennen. Eine relevante kognitive Störung liege nicht vor. Ansonsten wäre es ihr nicht möglich gewesen, in den vergangenen 13 Jahren zwei Kinder grosszuziehen und den Haushalt zu besorgen. Viel mehr sei davon auszugehen, dass die Explorandin ihre Kräfte auf die für sie wesentlich en Dinge bündle und anderes ausblende. Der Symptomenkomplex mit vermehrter Müdigkeit, Energiel osigkeit, Konzentrationsschwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Unwohlsein, Dep rimiertheit, Ängsten sowie leich- ter kognitiver Schwäche sei diagnostisch einer Neurasthen ie zuzuordnen. Für das Vorliegen einer depressiven Störung beständen keine Anhaltspunkte . Die Explorandin sei psychomoto- risch nicht gehemmt, zeige keine vitale Traurigkeit, weise keine Antriebsschwäche auf und äussere keine Suizidideen. Sie habe einen geregelten Tagesrhythmus, Freude an ihren Kindern und scheine in ihrer Ehe fest verankert zu sein. Des Weiteren zeige der Serumspiegel, dass sie die angegebenen Antidepressiva nicht einnehme. Daraus lasse sich schliessen, dass kein mas- siver Leidensdruck bestehe. Im Zusammenhang mit der Prü fung der Förster-Kriterien sei das Vorliegen einer psychischen Komorbidität zu verneinen. Weder liege eine affektive Störung von nennenswertem Ausmass noch eine Persönlichkeitsstörung noch e ine psychotische Entwick- lung noch eine chronische körperliche Begleiterkrankung vo r. Ein umfassender sozialer Rück- zug in allen Lebensbereichen könne nicht bestätigt werd en, habe die Explorandin doch Kontak- te zu ihren Angehörigen und Freundinnen in der Regio n. Sie sei zudem in der Lage zu reisen. Ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht ausgewiesen. S omit seien die Förster-Kriterien mehr- heitlich nicht erfüllt. Der Versicherten sei folglich ei n volles Arbeitspensum zuzumuten. Ange- sichts der hohen subjektiven Krankheitsüberzeugung seien berufliche Massnahmen nicht durchführbar. 4.1.3 Das Kantonsgericht kam in seinem Urteil vom 29. Januar 2015 zum Schluss, dass die Gutachten der B.____ vom 5. April 2011 und von Dr. C. ____ vom 21. Juni 2012 beweiskräftig genug seien, um darauf abstellen zu können. Die IV-St elle sei deshalb zu Recht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Auch die Würdig ung des medizinischen Sachverhalts anhand der (in der Zwischenzeit überholten) Förster-Kr iterien ergebe keine erheblichen funktio- nellen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten. 4.2.1 Im Rahmen der Neuanmeldung vom 2. Februar 201 7 und im Einsprache- bzw. Be- schwerdeverfahren reichte die Versicherte verschiedene Berichte ein. Darunter befindet sich die Beurteilung der E.____ vom 28. Februar 2017. Daraus geht hervor, dass sich die Versicherte vom 30. November 2015 bis 31. Oktober 2016 in der tage sklinischen Behandlung der E.____ befunden und dort anschliessend weiter ambulant behande lt worden sei. Die Versicherte habe zu Beginn der Behandlung ein sehr auffälliges Verhalt en mit einer ausgeprägten, übertrieben inszenierten Vergesslichkeit gezeigt. Zudem sei sie im Gesp räch sehr eingeengt und theatra- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht lisch auf ihre Schmerzen fixiert gewesen. In den testpsych ologischen Untersuchungen hätten aufgrund der Aggravation keine aussagekräftigen Ergebni sse erarbeitet werden können. Dies deute stark auf eine histrionische Persönlichkeitsstörung hin. Auch der Ehemann bestätige, dass die Versicherte im Alltag durch eine dramatische Sel bstdarstellung und eine erhöhte Kränkbarkeit auffalle. In den letzten Jahren hätten si ch die Vergesslichkeit und die schnelle Reizbarkeit deutlich zugespitzt, was zu einer zunehmende n sozialen Isolation geführt habe. Im Rahmen des Behandlungsprogramms der Tagesklinik habe aufg rund der Tagesstruktur eine Verbesserung der depressiven Symptomatik beobachtet werde n können. Die Versicherte sei deutlich motivierter, einer beruflichen Tätigkeit nachzu gehen. Ihr Arbeitspensum im E.____ ha- be ab 1. Januar 2017 von 3 auf 4 Vormittage gesteiger t werden können. Durch die psychische Stabilisierung und die Arbeitstätigkeit an einem geschü tzten Arbeitsplatz sei eine teilweise Er- werbsfähigkeit realistisch geworden. Erstmals habe im chronischen Krankheitsverlauf die starke Überzeugung der Versicherten, sie sei nur bei einer voll ständigen Beschwerdefreiheit arbeitsfä- hig, relativiert werden können. Als Diagnosen seien eine anhaltende somatoforme Schmerzstö- rung, eine damit zusammenhängende rezidivierende depressive Symptomatik sowie eine histri- onische Persönlichkeitsstörung festzuhalten. Die Persönli chkeitsstörung lasse sich mit der "Stimmung" der Versicherten, der Vergesslichkeit und den Schmerzen begründen, welche stark mit den "interaktionellen" Problemen im Zusammenhang ständen. 4.2.2 Gemäss der Einschätzung des Teamleiters des E.____ vo m 24. Februar 2017 sei der Einsatzbereich der Versicherten noch sehr eingeschränkt. Si e arbeite zurzeit 12 Wochenstun- den im Versand, in der Verpackung und in der Montage, wo sie nur für einfache Tätigkeiten eingesetzt werden könne. Arbeiten, die mit einer auch nur geringen körperlichen Belastung ein- hergehen und keinen Wechsel in der Bewegungsabfolge zul assen würden, führten schnell zu Schmerzen. Mit kurzen Bewegungspausen reduzierten sich diese auf ein verträgliches Mass. 4.2.3 Dr. I.____ führte in seiner Stellungnahme vom 3. April 2017 zu den Berichten der E.____ vom 24. und 28. Februar 2017 aus, dass die anhaltende somatoforme Schmerzstörung, die depressiven Phasen und das histrionische Verhalten be reits von Dr. C.____ in seinem Gut- achten vom 21. Juni 2012 beurteilt worden seien. Es lie ssen sich keine Hinweise für eine we- sentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes feststel len. Offenbar sei es der Versi- cherten mit Hilfe der Therapie in der E.____ gelunge n, sich trotz ihrer Beschwerden nicht mehr vollständig arbeitsunfähig zu fühlen und sich zur Arbeitsleistung zu motivieren. 4.2.4 Dem Bericht der Psychologin F.____ vom 3. August 2017 ist zu entnehmen, dass sie mit der Versicherten bis anhin 5 Sitzungen durchgeführt habe. An den ersten beiden Sitzungen sei sie jeweils von ihrer Schwester begleitet worden, wel che die anamnestischen Angaben der Versicherten habe ergänzen und bestätigen können. Die V ersicherte habe grosse Angst, sich draussen zu bewegen, habe Mühe mit der Orientierung und fühle sich nur in der Wohnung wirk- lich wohl und sicher. Sie könne sich im Gespräch kaum au f ein Thema fokussieren. Es sei auf- fällig, dass sie sich an viele Dinge in der Vergangenheit nicht erinnern könne und viele normale Alltagsfunktionen nicht kenne. Sie leide vor allem un ter andauernden Schmerzen, Ängsten und dem engen "Radius ihres Lebens". Erschreckend sei ihr Selb stbild; sie betrachte sich als häss- lich, dumm und meine, nichts zu können. Offenbar sei ihr Mann sehr abwertend ihr gegenüber. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sie werde von ihrer Herkunftsfamilie nicht unterstützt u nd die Kontakte seien sehr sporadisch. Seit dem schweren Unfall in ihrer Kindheit werde sie systematisch aus der Familie ausge- schlossen. Die Schwester habe bestätigt, dass sie das erste Ma l etwas für die Versicherte tue, indem sie sie hierher begleitet habe. Aus psychologischer und psychotherapeutischer Sicht sei anzunehmen, dass der schwere Unfall in der Kindheit, de r einen einmonatigen Spitalaufenthalt zur Folge gehabt habe, zusammen mit den psychischen Schwi erigkeiten und der mangelnden familiären Unterstützung ein sehr hohes Traumapotenti al besitze. Beim zweiten schweren Un- fall vor 20 Jahren habe sich die Versicherte ein Schädelhi rntrauma zugezogen. Seither sei ihre Gesundheit so sehr beeinträchtigt, dass sie in ihrem Lebe n nicht mehr richtig habe Fuss fassen können. Sie berichte auch von Impulsen, sich das Leben zu nehmen. Zudem stelle das Ablösen ihrer Töchter vom Elternhaus eine akute Suizidgefahr dar. 4.2.5 In seiner Stellungnahme vom 15. August 2017 ste llte sich Dr. I.____ auf den Stand- punkt, dass die Psychologin F.____ vorwiegend auf die subje ktiven Angaben der Versicherten abgestellt habe. Dass die Versicherte von ihrer Familie ausgeschlossen worden sei, treffe nicht zu. Aus der Sozialanamnese von Dr. C.____ gehe hervor, d ass die Versicherte Kontakte zu ihrer Verwandtschaft, ihren Eltern und ihren Schwestern pflege. Ausserdem habe sie – entge- gen der Behauptung der Psychologin – anlässlich des Verkeh rsunfalls im Jahre 1976 kein Schädelhirntrauma, sondern eine Commotio cerebri erli tten. Gleichermassen seien beim Trep- pensturz im Jahr 1997 in den Akten als Unfallfolgen ein Kopfanprall mit Rissquetschwunde und Kontusionen, aber kein Schädelhirntrauma vermerkt. Auch die übrigen Ausführungen der Psy- chologin beruhten mehrheitlich auf Spekulationen und Annahmen, wofür handfeste psychopa- thologische Befunde für eine massgebende Verschlechteru ng des Gesundheitszustandes fehl- ten. 4.2.6 Die Neuropsychologin J.____ diagnostizierte am 22. November 2017 eine mittelgradi- ge neuropsychologische Störung, einen Status nach Autounfa ll mit schwerer Contusio cerebri, remittiert, einen Status nach Treppensturz mit Contusio cerebri, ein chronifiziertes Schmerzsyn- drom und eine nicht näher bezeichnete behandlungsbedürftige psychopathologische Problema- tik. Die neuropsychologischen Untersuchungen zeigten mitt el- bis schwergradige Beeinträchti- gungen in den Bereichen Aufmerksamkeit und Schnelligkei t sowie leicht- bis schwergradige im Bereich des Gedächtnisses und in den exekutiven, visuell- räumlichen Funktionen. Das Aus- mass der objektivierten neuropsychologischen Befunde entspre che einer mittelgradigen neu- ropsychologischen Störung unklarer Ätiologie. Die objekti vierbaren geklagten Gedächtnis-, Konzentrations- und Exekutivprobleme seien am ehesten im Rahmen einer nicht näher bekann- ten, aber mit den in der Vergangenheit erlittenen T raumatisierungen zu erklären. Dabei sei das beim Autounfall und beim Treppensturz erlittene Schädelhirntrauma nicht ursächlich für die neu- ropsychologischen Beeinträchtigungen. Aggravationstendenze n seien aufgrund des Leidens- drucks der Versicherten nicht auszuschliessen. Da die geklagten Konzentrations- und Gedächt- nisstörungen jedoch glaubhaft seien, sei – in Überein stimmung mit den behandelnden Fachper- sonen - davon auszugehen, dass die Versicherte nicht simul iere. Aufgrund des Ausfallsprofils sowie der Art, Schwere und Dauer der Gedächtnisstörung bestehe der Verdacht auf eine disso- ziative Amnesie, welche psychiatrisch genauer untersucht werden sollte. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.2.7 Dr. I.____ führte am 16. Januar 2018 zu den A usführungen der Neuropsychologin J.____ aus, dass die Testungen gravierende Mängel aufwiesen. Aufgrund des aktenkundig sehr demonstrativen Verhaltens der Versicherten und den Hinwe isen auf eine Aggravation hätten mehrere Validitätsprüfungen durchgeführt werden müssen, um die Authentizität der festgestell- ten Minderleistungen beurteilen zu können. Die diagno stizierte mittelgradige neuropsychologi- sche Störung sei deshalb medizinisch nicht nachvollziehbar. Selbst die Neuropsychologin stelle die Validität ihrer Testergebnisse in Frage, spreche sich doch von einer Überlagerung der Test- ergebnisse durch eine affektive Problematik der Versicherten. Die Aussage, dass die Versicher- te affektiv schwingungsfähig sei, stehe zudem im Widerspruch mit der Diagnose einer relevan- ten affektiven bzw. depressiven Störung. Auch die sehr g rosse Mitteilungsbedürftigkeit der Ver- sicherten und die recht gut funktionierende Alltagsbewä ltigung widersprächen einer starken psychomotorischen Verlangsamung. Da der Verkehrsunfall im Jahr 1976 und der Treppensturz im Jahr 1997 aktenkundig nicht zu einem Schädelhirntra uma geführt hätten, könne - entgegen der Ansicht der Neuropsychologin – das neurologische Ausfa llprofil mit dem Hinweis auf den kleinen kortikalen Defekt nicht erklärt werden. An diese r Beurteilung hielt er mit Stellungnahme vom 26. April 2018 fest. 4.3 In Würdigung der vorliegenden Aktenlage ist mit D r. I.____ einig zu gehen, dass sich in somatischer Hinsicht aus den Berichten des damaligen H.___ _ vom 8. Dezember 1976, der beruflichen Kurzabklärung Suva vom 4. Januar 1999 sowie der G.____ vom 12. Juni 2014 und 12. April 2016 keine relevanten Anhaltspunkte für das Vorliegen eines psychoorganischen Hirn- syndroms ergeben. So zeigten sich wenige Monate nach de m Treppensturz vom 11. Oktober 1997 anlässlich der Untersuchung durch Dr. med. K.____, FMH Neurologie, keine wesentlichen auffälligen neurologischen Befunde, welche auf ein psyc hoorganisches Hirnsyndrom hingedeu- tet hätten (vgl. Berichte vom 16. Januar 1998 und 13. Februar 1998). Desgleichen stellte die behandelnde Ärzteschaft der L.____, wo sich die Versichert e vom 25. Februar 1998 bis 1. April 1998 stationär aufhielt, fest, dass die von der Versiche rten geklagten leichten kognitiven Ein- schränkungen in der Konzentrationsfähigkeit und im Frisch gedächtnis keinen Leidensdruck verursachten. Sie konnten im Laufe des Aufenthalts den n auch keine wesentlichen kognitiven Störungen feststellen, welche Abklärungen hinsichtlich e ines psychoorganischen Hirnsyndroms erforderlich gemacht hätten (vgl. Austrittsbericht vom 21. April 1998). Auch aus dem Bericht der kreisärztlichen Untersuchung vom 30. Juli 1998 ergeben sich keine Hinweise auf ein solches Syndrom. Schliesslich verneinte das Gutachterteam der B._ ___ nach einer eingehenden Aus- einandersetzung mit den Einschätzungen der Vorgutachter und ihren Befunden ausdrücklich das Vorliegen eines psychoorganischen Hirnsyndroms (vgl. Gutachten vom 5. April 2011, S. 18 und 23 f.). Der Kurzbericht der beruflichen Abklärung vom 4. Januar 1999 vermag keine andere Betrachtungsweise zu rechtfertigen. Die darin enthalte nen Ausführungen der ehemaligen Ar- beitgeberin, wonach die Versicherte bei der Arbeit sehr schnell überfordert gewesen sei, einfa- che und gleiche Arbeitsabläufe mit eindeutigen und kl aren Anweisungen benötigt und Mühe mit Sprache und Sprechen gehabt habe, sagen noch nichts üb er das Vorliegen eines psychoorga- nischen Hirnsyndroms aus. Für eine solche Diagnose bedarf e s objektivierbarer Befunde, wel- che hier gerade nicht vorliegen. So sah auch die bei der beruflichen Abklärung beteiligte Ärztin keinen Grund, aufgrund dieser Aussage weitere medizinisc he Abklärungen zu empfehlen. Schliesslich kam das Kantonsgericht in seinem rechtskräftigen Urteil vom 29. Januar 2015 zum Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schluss, es sei aufgrund der medizinischen Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erwiesen, dass die Versicherte nicht an einem psychoorganisc hen Hirnsyndrom leide (vgl. Er- wägung 16 des zitierten Urteils). Anhaltspunkte für ein e Verschlechterung des Gesundheitszu- standes der Versicherten aus anderen somatischen Gründen bestehen ebenfalls nicht. Es ist nicht davon auszugehen, dass der erst im vorliegenden Verf ahren bekannt gewordene, jedoch bereits mit den MRI- und MRA-Bildern vom 12. Juni 201 4 ausgewiesene kleine kortikale Defekt einen wesentlichen Einfluss auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Versicherten hat, konnte doch keine medizinische Fachperson bis anhin relevante som atisch bedingte Funktionsein- schränkungen feststellen. Es kann deshalb auf weitere die sbezügliche Abklärungen verzichtet werden (antizipierte Beweiswürdigung: BGE 132 V 393 E. 3.3, 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a). Die auf den Röntgenbildern vom 12. April 2016 diagn ostizierte sehr kleine Diskushernie auf der Höhe C5/6 und die Befunde auf der Höhe C6/7 sowie be i der Lendenwirbelsäule sind derart geringfügig, dass daraus keine massgebende Verschlechterung des Gesundheitszustandes abgeleitet werden kann. Diese Bildgebung bestätigt z udem im Wesentlichen die Befunde der Gutachter der B.____, welche anlässlich ihrer Untersuchu ng lediglich eine geringfügige Bewe- gungseinschränkung der Lendenwirbelsäule ohne Hinweis auf ein Reiz- oder sensomotorisches Ausfallsyndrom feststellten und keine Anhaltspunkte für eine zervikoradikuläre Problematik fan- den. Zudem konnten mit den bildgebenden Untersuchungen von April 2016 das Vorliegen von Foraminalstenosen, Spondylarthrosen, Verlagerungen und Kompressionen einer Nervenwurzel ausgeschlossen werden. Aufgrund dieser Umstände besteht kein Anlass, von der Einschätzung der asim-Experten, wonach die Versicherte aus somatischer Sicht in jeder leichten bis mittel- schweren Tätigkeit vollständig arbeitsfähig sei, abzuweichen. 4.4.1 An diesem Ergebnis vermag der zusammen mit ihrer R eplik eingereichten Bericht der Neuropsychologin J.____ vom 22. November 2017 nichts zu ä ndern. Nach ständiger Recht- sprechung hat das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässig keit der Verwaltungsverfügun- gen in der Regel nach dem Sachverhalt zu beurteilen, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlas- ses vorgelegen hat (BGE 130 V 140 E. 2.1, 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Ver- waltungsverfügung sein (BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b mit Hinweis). Daraus folgt, dass für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gr undsätzlich der (medizinische) Sach- verhalt massgebend ist, der am 17. August 2017, dem Zei tpunkt des Erlasses der Nichteintre- tensverfügung der IV-Stelle, vorgelegen hat. Soweit d ie Versicherte geltend macht, der Bericht belege, dass sie an einer mittelgradigen neuropsychologisch en Störung leide, ist daher im Rahmen des vorliegenden Verfahrens auf die Beurteilun g der Neuropsychologin nicht weiter einzugehen. Im Sinne einer Bemerkung wird jedoch an di eser Stelle darauf hingewiesen, dass die Ausführungen von Dr. I.____ zum Bericht der Neur opsychologin J.____ in seinen Stellung- nahmen vom 16. Januar 2018 und 26. April 2018 überze ugen. Die von der Neuropsychologin diagnostizierte mittelgradige neuropsychologische Störu ng beruht auf verschiedenen Testun- gen, die keiner Validitätsprüfung unterzogen wurden. Entgegen der Ansicht der Versicherten drängt sich eine solche angesichts der in den Vorakten me hrmals erwähnten Aggravationsten- denzen jedoch auf. Selbst die Neuropsychologin schliesst e ine Aggravation nicht aus, weshalb Vorbehalte hinsichtlich der Validität der Testergebnisse anzubringen sind. Der Bericht von Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht J.____ vom 22. November 2017 ist somit nicht geeignet, d as Vorliegen von neuropsychologi- schen Beeinträchtigungen glaubhaft machen zu können. 4.4.2 Schliesslich kommt den Arbeitsunfähigkeitszeugnissen des Hausarztes, Dr. med. M.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 15. Dezemb er 2016 und 26. Juni 2017 keine rechtsgenügliche Beweiskraft zu. Denn diesen lässt sich nich t entnehmen, aus welchen Grün- den die Versicherte für die Zeit vom 15. Dezember 201 6 bis 30. Juni 2017 sowie vom 26. Juni 2017 bis 31. Dezember 2017 zu 100 % arbeitsunfähig war. 4.5 Demgegenüber kann der Auffassung von Dr. I.____ und damit auch der IV-Stelle, wo- nach die Versicherte eine Verschlechterung ihres psychische n Zustandes nicht habe glaubhaft machen können, nicht ohne weiteres beigepflichtet werden. Wie oben (Erwägung 3.2) dargetan, genügt es für das Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV, dass für den geltend ge- machten rechtserheblichen Sachverhalt wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich eine solche Sachverhaltsdarstellung nicht erstellen lassen. Sol che Anhaltspunkte für eine mögliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Versich erten sind vorliegend insbesondere aufgrund des Berichts der E.____ vom 28. Februar 2017 zu bejahen. Zwar stellte Dr. I.____ richtig fest, dass sich der psychiatrische Gutac hter der B.____ und Dr. C.____ mit den von der behandelnde Ärzteschaft der E.____ gestell ten Diagnosen einer anhaltenden so- matoformen Schmerzstörung und einer rezidivierenden dep ressiven Symptomatik bereits in ihren Gutachten auseinandersetzten. Ob die Kriterien d er weiteren von den Fachpersonen der E.____ gestellten Diagnose einer histrionischen Persönli chkeitsstörung erfüllt sind, ist fraglich. Weitere diesbezügliche Abklärungen sind im vorliegende n Verfahren jedoch nicht notwendig. Denn für die Beurteilung der Frage des Eintretens au f das Leistungsgesuch sind nicht die Dia- gnosen ausschlaggebend, sondern die unterschiedlichen Beur teilungen der Auswirkungen der psychischen Leiden auf die Arbeitsfähigkeit durch die G utachter der B.____ und Dr. C.____ einerseits und die behandelnden Fachpersonen der E.__ __ andererseits. Während das Exper- tenteam der B.____ und Dr. C.____ die Versicherte als voll arbeits- und erwerbsfähig erachten, geht die Ärzteschaft der E.____ von einer aktuell fehl enden und zukünftig höchstens teilweisen verwertbaren Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsma rkt aus. Dem Bericht der E.____ vom 28. Februar 2017 ist zu entnehmen, dass die Versicherte das gleiche wie in den Vorakten be- schriebene auffällige Verhalten gezeigt habe. Die wei teren Beobachtungen der behandelnden Fachpersonen deuten jedoch darauf hin, dass sich dieses Ver halten der Versicherten seit der Untersuchung bei der B.____ und Dr. C.____ erheblich verstärkt hat. Unter Berücksichtigung von fremdanamnestischen Angaben wies die behandelnde Psych ologin der E.____ nun auf theatralische Wutausbrüche und eine zugespitzte Reizbar keit hin, was die Gutachter der B.____ und Dr. C.____ in ihren Gutachten noch nicht in dieser Form erwähnten (vgl. Gutachten der B.____ vom 5. April 2011, S. 19 und Gutachten von Dr. C.____ vom 21. Juni 2012, S. 10 f.). Des Weiteren ging sie von einer in den letzten Jahren zu genommenen Vergesslichkeit aus. Gegenüber der Psychologin F.____ äusserte die Versicherte zudem erstmals Suizidgedanken. In Kenntnis des auffälligen Verhaltens der Versichert en kamen die behandelnden Fachperso- nen der E.____ dennoch zum Schluss, die psychischen Beeintr ächtigungen der Versicherten beeinträchtigten ihre Arbeitsfähigkeit derart, dass zurzeit von einer fehlenden Verwertbarkeit auf Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dem ersten Arbeitsmarkt auszugehen sei. Auch wenn die Beu rteilung der E.____ vom 28. Feb- ruar 2017 in medizinischer Hinsicht nicht sehr ausführlich ist und teilweise auf Äusserungen der Versicherten beruht, ist darauf hinzuweisen, dass sie sich – im Gegensatz zu den Beurteilungen der Gutachter der B.____ und von Dr. C.____ – auf fr emdanamnestischen Angaben und auf eine mehrmonatige Untersuchungsperiode stützt. Unter diesen Umständen ist der Einschätzung der behandelnden Fachpersonen, wonach nicht nur von ein er eingeschränkten, sondern von einer fehlenden Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt auszugehen sei, eine rechtserhebliche Relevanz beizumessen. Mit dem Bericht der E.____ vom 28. Februar 2017 hat die Versicherte eine Verschlechterung ihrer psych ischen Situation in einer Weise glaubhaft gemacht, welche ein Eintreten der IV-Stelle auf ihr Leistungsbegehren erfordert. 4.6 Bei dieser Ausgangslage kann es die IV-Stelle nicht dabei bewenden lassen, die neu vorgelegten Arztberichte lediglich einer internen Prüfu ng durch den RAD zu unterziehen. Auf- grund des in Art. 43 ATSG statuierten Untersuchungsgru ndsatzes ist die IV-Stelle vielmehr ver- pflichtet, ergänzende Abklärungen von Amtes wegen anzuo rdnen. Die Angelegenheit ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese über den Lei stungsanspruch der Versicherten (berufliche Eingliederungsmassnahmen, Invalidenrente) materiell befindet. Obwohl die Frage, ob die Versicherte weiter medizinisch zu begutachten ist, nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet (vgl. E. 2.2 hiervor), ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass es sich im Rahmen der materiellen Prüfung aus Gründen ein er allfälligen Voreingenommenheit rechtfertigt, die Abklärung des psychischen Gesundheitszusta ndes von einer unabhängigen, bisher im Verfahren nicht involvierten psychiatrischen Fa chperson vornehmen zu lassen. Dabei ist zu beachten, dass der medizinische Sachverhalt im Licht e von der mit BGE 141 V 294 be- gründeten neuen Schmerzrechtsprechung zu prüfen ist. Au ch wenn die Versicherte im vorlie- genden Verfahren nicht hat glaubhaft darlegen können, dass sie an neuropsychologischen Stö- rungen leidet, steht es der psychiatrischen Fachperson frei , zur Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten als Ergänzung neurop sychologische Untersuchungen mit entsprechender Validitätsprüfung zu veranlassen. De mzufolge ist die Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden kann, in Aufhebung der Ve rfügung der IV-Stelle vom 24. Mai 2017 gutzuheissen und es ist die IV-Stelle anzuweisen, auf da s Leistungsbegehren der Versicherten vom 2. Februar 2017 einzutreten. 5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden Verfahrenskosten in der Regel der unter- liegenden Partei auferlegt; gegenüber der Vorinstan z bzw. den kantonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend di e Vorinstanz unterlegen ist, ist dem- nach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 5.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschw erde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Versicherte vorliegend o bsiegt, ist ihr eine Parteientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Versicherten machte in ihrer Honorarnote vom 28. Mai 2017 für das vorliegende Besch werdeverfahren einen Zeitaufwand von 11 Stunden und 20 Minuten geltend, was umfangmässig angesichts der sich stellenden Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sach- und Rechtsfragen nicht zu beanstanden ist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversi- cherungsprozessen für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausge- wiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 232.80. Der Versi cherten ist demnach eine Parteient- schädigung von Fr. 3'291.40 (11 Stunden und 20 Minuten à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 232.80 zuzüglich 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. 6.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesger icht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 6.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es sich somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheide t das Bundesgericht. Die nachste- hende Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 6.3 Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher P raxis die in einem Rückweisungs- entscheid getroffene (Kosten- und) Entschädigungsregelun g - wie die Rückweisung im Haupt- punkt selbst - einen Zwischenentscheid (Art. 93 Abs. 1 BGG ) darstellt, der in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt und damit nicht selbstständig beim Bundesgericht angefochten werden kann. Ihre Anfechtung ist erst mit Beschwerde gegen den Endentscheid möglich. Entscheidet d ie Instanz, an welche die Sache zurückgewiesen wurde, in der Hauptsache voll zu Gunsten d er Beschwerde führenden Person, so kann die Kosten- oder Entschädigungsregelung im Rückwei sungsentscheid direkt innerhalb der Frist des Art. 100 BGG ab Rechtskraft des Endentsche ids mit ordentlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (BGE 133 V 648 E. 2.2, bestätigt im Urteil des Bun- desgerichts vom 30. Oktober 2008, 9C_567/2008, E. 2 - 4 ; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, 9C_748/2007). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Soweit darauf eingetreten werden kann, wir d die Beschwerde gutg e- heissen und die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel - Landschaft vom 17. August 2017 aufgehoben. Die IV-Ste lle Basel - Landschaft wird angewiesen, auf das Leistungsbegehren d er B e- schwerdeführerin vom 2. Februar 2017 einzutreten. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der gelei stete Kostenvo r- schuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird der Beschwerdeführe rin zurüc k- erstattet. 3. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdefü hrerin eine Parte i- entschädigung in der Höhe von Fr. 3'291.40 (inkl. Ausl agen und 8 % bzw. 7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht