<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"/><meta content="Weblaw AG Bern - https://weblaw.ch " name="publisher"/> <meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="Content-Type"/> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="last-modified"> <meta content="Die, 01 Okt 2019 10:37:43 CEST" http-equiv="date"> <meta content="AGVE 2018 - Band 72" name="description"/> <title>AGVE 2018 - Band 72</title> </meta></meta></head> <body> <!-- AGVE_PAGE_NR 1 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">520</span> </div> <div class="page" id="S520"> <span class="text"><b>72 </b> <b>Nächtliches Parkieren: Gebühren für gesteigerten Gemeingebrauch </b></span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Das Abstellen eines Fahrzeugs während mehrerer Stunden auf</b></span><br/> <span class="text">öffentlichem Grund ist gesteigerter Gemeingebrauch und kann mit</span><br/> <span class="text">entsprechender gesetzlicher Grundlage der Gebührenpflicht unter-</span><br/> <span class="text">stellt werden (Erw. 3.). </span><br/> <span class="text">-</span><br/> <span class="text"><b>Inzidente Normenkontrolle eines kommunalen Gebührenreglements</b></span><br/> <span class="text">auf seine Verfassungsmässigkeit (Erw. 4) </span><br/> <span class="text">Aus dem Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom</span><br/> <span class="text">23. März 2018 (EBVU 17.391).</span><br/> <span class="text"><i>Aus den Erwägungen </i></span><br/> <span class="text">3. Gesetzliche Grundlagen</span><br/> <span class="text">3.1</span><br/> <span class="text">Die öffentlichen Strassen dürfen im Rahmen ihrer Zweckbe-</span><br/> <span class="text">stimmung, ihrer Gestaltung, der örtlichen Verhältnisse und der</span><br/> <span class="text">geltenden Vorschriften durch jedermann unentgeltlich und ohne</span><br/> <span class="text">besondere Erlaubnis benutzt werden. Der Gemeingebrauch kann all-</span><br/> <span class="text">gemein verbindlichen Einschränkungen unterstellt werden, nament-</span><br/> <span class="text">lich zur Wahrung der Sicherheit, zur Gewährleistung der Ausübung</span><br/> <span class="text">von Grundrechten sowie zum Vollzug der Umweltschutzvorschriften</span><br/> <span class="text">(§ 102 BauG). § 103 Abs. 1 BauG hält fest, dass jede über den Ge-</span><br/> <span class="text">meingebrauch hinausgehende Benutzung einer öffentlichen Strasse</span><br/> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 2 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">521</span> </div> <div class="page" id="S521"> <div role="main"> <span class="text">nur mit Bewilligung und gegen Gebühr zulässig ist. Die Bewilligung</span><br/> <span class="text">setzt voraus, dass ein beachtliches, auf andere Weise nicht oder nur</span><br/> <span class="text">mit unverhältnismässigen Kosten zu befriedigendes Bedürfnis be-</span><br/> <span class="text">steht und weder für die Strasse noch für den Verkehr schwerwie-</span><br/> <span class="text">gende Nachteile erwachsen (§ 103 Abs. 2 BauG). Den Gemeinden</span><br/> <span class="text">steht des Weiteren gemäss § 103 Abs. 3 BauG die Möglichkeit offen,</span><br/> <span class="text">das dauernde Abstellen von Fahrzeugen auf öffentlichem Grund von</span><br/> <span class="text">einer Bewilligung abhängig zu machen und gebührenpflichtig zu</span><br/> <span class="text">erklären. Die Gemeinden sind zudem befugt, für das zeitlich be-</span><br/> <span class="text">grenzte Abstellen Gebühren festzusetzen. Sofern die Gemeinden Ge-</span><br/> <span class="text">bühren der erwähnten Art erheben wollen, haben sie dies in einem</span><br/> <span class="text">kommunalen Erlass festzuhalten (vgl. ANDREAS BAUMANN in: Kom-</span><br/> <span class="text">mentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, § 103 N 13).</span><br/> <span class="text">Die Einwohnergemeindeversammlung hat am 16. Juni 2005 ge-</span><br/> <span class="text">stützt unter anderem auf § 103 Abs. 3 BauG ein Reglement über das</span><br/> <span class="text">Parkieren (nachfolgend: Reglement) erlassen, in welchem die</span><br/> <span class="text">Bewilligung und Gebührenerhebung für das nächtliche Dauerparkie-</span><br/> <span class="text">ren auf dem öffentlichen Grund geregelt ist. Das besagte Reglement</span><br/> <span class="text">trat am 1. Oktober 2005 in Kraft, wobei die Gebühren erst seit dem</span><br/> <span class="text">1. Januar 2006 erhoben werden können (§ 15 des Reglements). Das</span><br/> <span class="text">Reglement regelt das zeitlich beschränkte Parkieren von Motorfahr-</span><br/> <span class="text">zeugen und Anhängern auf öffentlichen und privaten Strassen und</span><br/> <span class="text">Plätzen, die dem Gemeingebrauch gewidmet sind (§ 2 Abs. 1 des</span><br/> <span class="text">Reglements). In räumlicher Hinsicht werden durch das Reglement</span><br/> <span class="text">die Gebühren für das Parkieren auf dem öffentlichen Grund des ge-</span><br/> <span class="text">samten Gebiets der Gemeinde normiert (§ 2 Abs. 1 und § 3 des</span><br/> <span class="text">Reglements). Für das nächtliche Dauerparkieren kann bei der Abtei-</span><br/> <span class="text">lung Finanzen der Gemeinde eine Parkkarte bezogen werden, welche</span><br/> <span class="text">jedoch keinen Anspruch auf einen speziell bezeichneten Abstellplatz</span><br/> <span class="text">einräumt. Die Parkkarte berechtigt lediglich dazu, das Fahrzeug im</span><br/> <span class="text">Rahmen der geltenden Vorschriften auf dem öffentlichen Grund zu</span><br/> <span class="text">parkieren (§ 6 Abs. 1 des Reglements). Die Kriterien, welche eine</span><br/> <span class="text">Gebührenpflicht für das nächtliche Dauerparkieren auf dem öffent-</span><br/> <span class="text">lichen Grund auslösen, werden in § 7 Abs. 1 des Reglements folgen-</span><br/> <span class="text">dermassen umschrieben:</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 3 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">522</span> </div> <div class="page" id="S522"> <div role="main"> <span class="text">Als regelmässiges gebührenpflichtiges Parkieren auf öf-</span><br/> <span class="text">fentlichem Grund gilt ein mindestens zweimaliges Ab-</span><br/> <span class="text">stellen pro Woche während der Nachtstunden (zwischen</span><br/> <span class="text">24.00 Uhr und 06.00 Uhr).</span><br/> <span class="text">Die Gebühr für das nächtliche Parkieren beträgt gemäss § 8</span><br/> <span class="text">Abs. 1 des Reglements für Motorfahrzeuge und Anhänger bis 3,5 t</span><br/> <span class="text">Gesamtgewicht Fr. 80.- pro Monat. ...</span><br/> <span class="text">3.2.3</span><br/> <span class="text">... Auch lässt sich die gemeinderätliche Auslegung von § 7</span><br/> <span class="text">Abs. 1 des Reglements - entgegen der Auffassung des Beschwerde-</span><br/> <span class="text">führers - ohne Weiteres mit dem Sinn und Zweck des Reglements</span><br/> <span class="text">bzw. der übergeordneten Bestimmungen von § 103 BauG vereinba-</span><br/> <span class="text">ren. Dabei lässt sich aus diesen Bestimmungen - wie auch aus den</span><br/> <span class="text">übrigen Bestimmungen des Reglements - zunächst in keiner Weise</span><br/> <span class="text">ableiten, dass die Gebührenpflicht lediglich für jene Personen beste-</span><br/> <span class="text">hen soll, die über keinen eigenen Parkplatz verfügen. Grund für die</span><br/> <span class="text">Gebührenpflicht ist die über den Gemeingebrauch hinausgehende</span><br/> <span class="text">Inanspruchnahme des öffentlichen Grunds (gesteigerter Gemeinge-</span><br/> <span class="text">brauch). Wenn der Beschwerdeführer unter Berufung auf § 103</span><br/> <span class="text">BauG geltend macht, Voraussetzung für den gesteigerten Gemeinge-</span><br/> <span class="text">brauch bzw. die Gebührenerhebung sei eine regelmässige und dau-</span><br/> <span class="text">ernde Nachtparkierung ... und eine solche liege erst ab einem regel-</span><br/> <span class="text">mässigen zweimaligen Parkieren pro Woche vor, verkennt er das We-</span><br/> <span class="text">sen des gesteigerten Gemeingebrauchs. Diesbezüglich kann auf die</span><br/> <span class="text">umfangreiche Rechtsprechung zu Art. 82 Abs. 3 der Bundesverfas-</span><br/> <span class="text">sung (vormals Art. 37 Abs. 2 aBV) zurückgegriffen werden</span><br/> <span class="text">(vgl. zum Folgenden: BGE 122 I 279, 283 ff., mit zahlreichen</span><br/> <span class="text">Hinweisen). Gemäss Art. 82 Abs. 3 BV ist die Benützung</span><br/> <span class="text">öffentlicher Strassen gebührenfrei. Nach ständiger Praxis und einhel-</span><br/> <span class="text">liger Lehre gewährleistet Art. 82 Abs. 3 BV die Gebührenfreiheit nur</span><br/> <span class="text">für den gemeinverträglichen Verkehr bzw. den Verkehr im Rahmen</span><br/> <span class="text">des Gemeingebrauchs. Zum gebührenfreien Verkehr gehört nach</span><br/> <span class="text">ständiger Praxis nicht nur der rollende, sondern in gewissem Umfang</span><br/> <span class="text">auch der ruhende Verkehr. Das Bundesgericht hat dies damit be-</span><br/> <span class="text">gründet, dass der rollende Verkehr in der Regel die Erreichung eines</span><br/> <span class="text">Ziels zum Zweck habe und daher auch die Vornahme der mit diesem</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 4 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">523</span> </div> <div class="page" id="S523"> <div role="main"> <span class="text">Zweck verbundenen Vorrichtungen zum gemeingebräuchlichen Ver-</span><br/> <span class="text">kehr gehöre. Das Anhalten und kurzfristige Stationieren sei somit</span><br/> <span class="text">notwendige Ergänzung des rollenden Verkehrs. So hat das Bundesge-</span><br/> <span class="text">richt das ungefähr einstündige Abstellen von Fahrzeugen, um einen</span><br/> <span class="text">Arzt- oder Kundenbesuch zu tätigen oder Einkäufe zu machen, als</span><br/> <span class="text">zum Gemeingebrauch gehörig betrachtet, nicht aber ein Parkieren</span><br/> <span class="text">während der halb- oder ganztägigen Arbeitszeit oder während der</span><br/> <span class="text">ganzen Nacht, für das die öffentlichen Strassen so wenig bestimmt</span><br/> <span class="text">seien wie für die Aufstellung von Wagen zum Warenverkauf oder zu</span><br/> <span class="text">andern gewerblichen Zwecken (vgl. BGE 89 I 533, 539, E. 4c, mit</span><br/> <span class="text">Hinweisen; ebenso BGE 108 Ia 111 E. 1b S. 113). In einem nicht</span><br/> <span class="text">publizierten Entscheid aus dem Jahre 1991 wies das Bundesgericht</span><br/> <span class="text">darauf hin, dass nebst der Zeitdauer auch die örtlichen Gegebenhei-</span><br/> <span class="text">ten einen Einfluss auf die Abgrenzung zwischen kurzfristigem und</span><br/> <span class="text">Dauerparkieren haben; je nachdem könnten bereits Höchstpar-</span><br/> <span class="text">kierungszeiten von 15 bis 30 Minuten die Regel sein; eine obere</span><br/> <span class="text">Grenze für das Kurzparkieren dürfte bei 120 Minuten anzusetzen</span><br/> <span class="text">sein (nicht veröffentlichtes Urteil i.S. F. vom 1. Juli 1991, E. 4b).</span><br/> <span class="text">Auch in der Lehre wird darauf hingewiesen, dass sich die Abgren-</span><br/> <span class="text">zung zwischen gemeingebräuchlichem und Dauerparkieren nicht</span><br/> <span class="text">generell, sondern nur unter Berücksichtigung der örtlichen Verhält-</span><br/> <span class="text">nisse festlegen lässt. Dabei ist den zuständigen Behörden ein ge-</span><br/> <span class="text">wisser Ermessensspielraum in der Beurteilung der örtlichen</span><br/> <span class="text">Gegebenheiten zuzubilligen. Als obere Grenze des gemeinverträg-</span><br/> <span class="text">lichen Parkierens wird in der älteren Lehre unter Hinweis auf die</span><br/> <span class="text">bundesgerichtliche Praxis eine Dauer von einer Stunde bezeichnet.</span><br/> <span class="text">Die neuere Lehre ist jedoch mehrheitlich der Ansicht, dass in städti-</span><br/> <span class="text">schen Zentrumsgebieten bereits eine Parkierungsdauer von mehr als</span><br/> <span class="text">15 bis 30 Minuten als gesteigerter Gemeingebrauch zu betrachten</span><br/> <span class="text">sei. In BGE 122 I 279 beurteilte das Bundesgericht eine Parkdauer</span><br/> <span class="text">von mehr als 30 Minuten in der Stadt Zürich als nicht mehr gemein-</span><br/> <span class="text">verträglich.</span><br/> <span class="text">Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das</span><br/> <span class="text">Parkieren während mindestens sechs Stunden in der Nacht nicht</span><br/> <span class="text">mehr gemeinverträglich ist und daher gesteigerter Gemeingebrauch</span><br/> <span class="text">darstellt (vgl. auch BAUMANN, a.a.O., § 103 N 11). Die Auffassung</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 5 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">524</span> </div> <div class="page" id="S524"> <div role="main"> <span class="text">des Beschwerdeführers, wonach lediglich ein regelmässiges zwei-</span><br/> <span class="text">maliges Parkieren während mehrerer Stunden auf öffentlichem</span><br/> <span class="text">Grund gesteigerten Gemeingebrauch darstelle, findet weder in der</span><br/> <span class="text">Rechtsprechung noch in der Lehre Zuspruch. Bereits ein einmaliges</span><br/> <span class="text">Parkieren während mehrerer Stunden auf öffentlichem Grund stellt</span><br/> <span class="text">gesteigerten Gemeingebrauch dar, der - eine entsprechende gesetzli-</span><br/> <span class="text">che Grundlage vorausgesetzt - der Gebührenpflicht unterstellt wer-</span><br/> <span class="text">den darf. Wenn die Gemeinde mithin ein bereits zweimaliges Parkie-</span><br/> <span class="text">ren in einer Woche als gebührenauslösend beurteilt, so lässt sich dies</span><br/> <span class="text">in Anbetracht der vorstehenden Ausführungen nicht beanstanden. Die</span><br/> <span class="text">gemeinderätliche Auslegung von § 7 Abs. 1 des Reglements steht so-</span><br/> <span class="text">mit ohne Weiteres in Einklang mit dem Sinn und Zweck des Regle-</span><br/> <span class="text">ments, der Gebührenerhebung für den gesteigerten Gemeingebrauch</span><br/> <span class="text">von öffentlichem Grund durch nächtliches Parkieren. Es lässt sich</span><br/> <span class="text">mithin nicht beanstanden, dass der Gemeinderat § 7 Abs. 1 des</span><br/> <span class="text">Reglements so auslegt, dass bereits ein zweimaliges Parkieren in</span><br/> <span class="text">einer Woche ein im Sinne des Reglements gesteigerter und damit ge-</span><br/> <span class="text">bührenpflichtiger Gemeingebrauch ist. ...</span><br/> <span class="text">4. Verfassungsrechtliche Prinzipien</span><br/> <span class="text">4.1</span><br/> <span class="text">Gemäss § 2 Abs. 2 VRPG sind Regierungs- und Verwaltungs-</span><br/> <span class="text">justizbehörden gehalten, Erlassen die Anwendung zu versagen, die</span><br/> <span class="text">Bundesrecht oder kantonalem Verfassungs- oder Gesetzesrecht</span><br/> <span class="text">widersprechen. Kommunales Recht ist von den Behörden aller Stu-</span><br/> <span class="text">fen vorfrageweise zu überprüfen. Mit dieser Bestimmung wird mit</span><br/> <span class="text">anderen Worten die Verpflichtung der Behörden statuiert, Gemeinde-</span><br/> <span class="text">erlasse im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens inzident zu überprü-</span><br/> <span class="text">fen (vgl. AGVE 2002, S. 165, mit Hinweisen; 1987, S. 348). Die</span><br/> <span class="text">inzidente Normenkontrolle besteht in der vorfrageweisen Überprü-</span><br/> <span class="text">fung eines anzuwendenden generellen Rechtssatzes unterer Stufe im</span><br/> <span class="text">Zusammenhang mit einem konkreten Rechtsanwendungsakt auf die</span><br/> <span class="text">Übereinstimmung mit Normen höherer Stufe (AGVE 2002, S. 165;</span><br/> <span class="text">1996, S. 165; ULRICH HÄFELIN / WALTER HALLER / HELEN KELLER /</span><br/> <span class="text">DANIELA THURNHEER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, Zürich</span><br/> <span class="text">2016, 9. Auflage, Rz. 2070 ff.).</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 6 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">525</span> </div> <div class="page" id="S525"> <div role="main"> <span class="text">4.2</span><br/> <span class="text">4.2.1</span><br/> <span class="text">Als bei der Gebührenerhebung zu beachtende, aus der Bundes-</span><br/> <span class="text">verfassung abgeleitete Prinzipien sind insbesondere das Kostende-</span><br/> <span class="text">ckungs- und das aus dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit flies-</span><br/> <span class="text">sende Äquivalenzprinzip zu beachten.</span><br/> <span class="text">Nach dem Kostendeckungsprinzip soll der Gesamtertrag der</span><br/> <span class="text">Gebühren die Gesamtkosten des Gemeinwesens für den betreffenden</span><br/> <span class="text">Verwaltungszweig oder die betreffende Einrichtung nicht überstei-</span><br/> <span class="text">gen. Das Kostendeckungsprinzip gilt nach der Rechtsprechung aber</span><br/> <span class="text">nicht uneingeschränkt. Der Überprüfung nach diesem Grundsatz ent-</span><br/> <span class="text">ziehen sich namentlich die vorliegend in Frage stehenden Benut-</span><br/> <span class="text">zungsgebühren für gesteigerten Gemeingebrauch, sofern diese auf</span><br/> <span class="text">einer formell-gesetzlichen Grundlage beruhen (vgl. BGE 122 I 279,</span><br/> <span class="text">289 f., E. 6; 104 Ia 116; 100 Ia 140, E. 6c; ferner MAX IMBODEN /</span><br/> <span class="text">RENÉ RHINOW, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 5. Auf-</span><br/> <span class="text">lage, Bd. II, S. 779; RENÉ RHINOW / BEAT KRÄHENMANN, Schwei-</span><br/> <span class="text">zerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990,</span><br/> <span class="text">Nr. 110 B/IV, S. 339). Nachdem die vorliegend strittige Gebühr in</span><br/> <span class="text">einem durch die Einwohnergemeindeversammlung erlassenen</span><br/> <span class="text">Reglement und damit in einem formellen Gesetz festgelegt ist, ist das</span><br/> <span class="text">Kostendeckungsprinzip in casu nicht tangiert.</span><br/> <span class="text">4.2.2</span><br/> <span class="text">Nach dem Äquivalenzprinzip soll die Höhe der einzelnen Ge-</span><br/> <span class="text">bühr in einem angemessenen Verhältnis zu der vom Gemeinwesen</span><br/> <span class="text">erbrachten Leistung stehen. Die Gebühr darf zum objektiven Wert</span><br/> <span class="text">der Leistung nicht in ein offensichtliches Missverhältnis geraten und</span><br/> <span class="text">muss sich in vernünftigen Grenzen bewegen (vgl. BGE 122 I 279,</span><br/> <span class="text">289; 121 I 230, 238, E. 3g/bb; 106 Ia 241, 243 f.). Dafür kann</span><br/> <span class="text">namentlich auf Vergleiche mit privatwirtschaftlich angebotenen Gü-</span><br/> <span class="text">tern abgestellt werden. Bei den Parkierungsgebühren ist zudem zu</span><br/> <span class="text">berücksichtigen, dass die Parkierenden nicht etwa hoheitlich ver-</span><br/> <span class="text">pflichtet werden, die Gebühr zu bezahlen; vielmehr steht es ihnen</span><br/> <span class="text">frei, auf private Parkplätze auszuweichen (und allenfalls dort einen</span><br/> <span class="text">privatrechtlich festgelegten Preis zu bezahlen), öffentliche Verkehrs-</span><br/> <span class="text">mittel zu benützen oder sonstwie auf die Benützung gebühren-</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 7 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">526</span> </div> <div class="page" id="S526"> <div role="main"> <span class="text">pflichtiger öffentlicher Parkplätze zu verzichten. Sollte die von der</span><br/> <span class="text">Gemeinde festgelegte Gebühr höher liegen als der Marktwert der</span><br/> <span class="text">Parkplatzbenützung, würde eine erhebliche Zahl von Verkehrsteil-</span><br/> <span class="text">nehmern darauf verzichten. Somit besteht ein gewisser Mechanis-</span><br/> <span class="text">mus, der die Abgabenhöhe nach marktwirtschaftlichen Prinzipien</span><br/> <span class="text">reguliert (vgl. BGE 122 I 279, 290; 121 I 230, 239, E. 3g/dd).</span><br/> <span class="text">Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, eine</span><br/> <span class="text">Parkierungsgebühr von Fr. 80.- für ein zweimaliges Parkieren für die</span><br/> <span class="text">Dauer von je 6 Stunden sei ein Wucherpreis und niemals akzeptier-</span><br/> <span class="text">bar. Zwar lässt sich feststellen, dass die Gebühr von Fr. 80.- pro Mo-</span><br/> <span class="text">nat, die gemäss der Regelung des Reglements bereits ab einem zwei-</span><br/> <span class="text">maligen Parkieren in einer Woche bezahlt werden muss, im inter-</span><br/> <span class="text">kommunalen Vergleich eher hoch angesetzt ist. Im Vergleich mit pri-</span><br/> <span class="text">vatwirtschaftlich angebotenen Alternativen steht die von der Ge-</span><br/> <span class="text">meinde festgelegte Gebühr allerdings nicht in einem offensichtlichen</span><br/> <span class="text">Missverhältnis. Auch privat lassen sich Parkplätze in der Regel ledig-</span><br/> <span class="text">lich für einen ganzen Monat mieten und die Mietpreise bewegen sich</span><br/> <span class="text">in vergleichbarem Rahmen, jedenfalls steht eine Gebühr von Fr. 80.-</span><br/> <span class="text">nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis dazu. Ob eine Gebühr</span><br/> <span class="text">in dieser Höhe für ein lediglich zweimaliges Parkieren während 6</span><br/> <span class="text">Stunden noch verhältnismässig wäre, braucht vorliegend allerdings</span><br/> <span class="text">nicht abschliessend beantwortet zu werden. Nach dem Gesagten ist §</span><br/> <span class="text">7 Abs. 1 des Reglements im vorliegenden Verfahren lediglich im</span><br/> <span class="text">Rahmen der inzidenten Normenkontrolle, d.h. in Bezug auf den kon-</span><br/> <span class="text">kreten Anwendungsfall auf seine Übereinstimmung mit höherrangi-</span><br/> <span class="text">gem Gesetzes- und Verfassungsrecht zu überprüfen. Die Bestimmung</span><br/> <span class="text">ist mit anderen Worten nicht auf alle möglichen (hypothetischen)</span><br/> <span class="text">Konstellationen hin, sondern nur unter dem Gesichtswinkel des kon-</span><br/> <span class="text">kreten Falls zu prüfen (vgl. HÄFELIN / HALLLER / KELLER /</span><br/> <span class="text">THURNHEER, a.a.O., Rz. 2070a, mit Hinweis auf BGE 128 I 102, E. 3</span><br/> <span class="text">sowie 132 I 49, E. 4). Dabei zeigt sich, dass der Beschwerdeführer</span><br/> <span class="text">sein Fahrzeug im Mai 2017 nicht lediglich zwei Mal auf öffent-</span><br/> <span class="text">lichem Grund parkiert hat. Seinen eigenen Angaben zufolge parkiert</span><br/> <span class="text">er sein Fahrzeug regelmässig in der Nacht von Dienstag auf</span><br/> <span class="text">Mittwoch auf der Strasse ..., im Monat Mai zusätzlich einmal von</span><br/> <span class="text">Mittwoch auf Donnerstag. Er hat sein Fahrzeug folglich im Monat</span><br/> </div> </div> <!-- AGVE_PAGE_NR 8 --> <div class="header"> <span class="year">2018</span> <span class="title">Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">527</span> </div> <div class="page" id="S527"> <div role="main"> <span class="text">Mai 2017 während insgesamt sechs Nächten auf öffentlichem Grund</span><br/> <span class="text">parkiert. Eine Gebühr von Fr. 80.- für sechs Nächte ist klarerweise</span><br/> <span class="text">nicht unverhältnismässig bzw. steht nicht in einem offensichtlichen</span><br/> <span class="text">Missverhältnis zu vergleichbaren privatwirtschaftlichen Angeboten.</span><br/> <span class="text">Entsprechendes macht der Beschwerdeführer zu Recht auch nicht</span><br/> <span class="text">geltend. Das Äquivalenzprinzip ist damit vorliegend ebenfalls nicht</span><br/> <span class="text">verletzt.</span><br/> <span class="text"></span><br/> </div> </div> </body> </html>