Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 14. Juli 2022 (720 19 157 / 172) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenanspruch einer versicherten Person, welche an einer komplexen posttraumati- schen Belastungsstörung und einer depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode leidet. Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Gisela Warten- weiler Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Jürg Tschopp, Advokat, Simonius & Partner, Aeschenvorstadt 67, Postfach, 4010 Basel gegen IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1963 geborene A.____ meldete sich am 3. September 2013 unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbe- zug an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und beruflichen Verhältnisse verneinte die IV - Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Stelle Basel-Landschaft (IV -Stelle) nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 3. April 2019 einen Rentenanspruch von A.____. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Jürg Tschopp, mit Ein- gabe vom 20. Mai 2019 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine volle Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen; alles unter o/e-Kostenfolge, wobei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen sei. In der Begründung wurde im Wesentlichen die ausschlaggebende Beweiskraft des Gutachtens von Prof. Dr. med. B.____, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 29. März 2016 samt Er- gänzung vom 10. Mai 2016 bemängelt. C. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Juni 2019 beantragte die IV -Stelle unter Verweis auf die Stellungnahme von pract. med. C.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regi- onaler Ärztlicher Dienst (RAD), vom 4. Juni 2019 die Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 6. August 2019 wurde dem Versicherten die unentgeltliche Rechts- pflege bewilligt. E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten der Beschwerdeführer mit Replik vom 23. Oktober 2019 und die IV-Stelle mit Duplik vom 30. Oktober 2019 an ihren jeweils ge- stellten Anträgen fest. F. Am 16. Dezember 2019 liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter einen Be- richt vom 4. Dezember 2019 und eine E -Mail von Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 16. Dezember 2019 einreichen. G. Anlässlich der Urteilsberatung vom 12. März 2020 kam das Kantonsgericht zum Schluss, dass das Gutachten von Prof. B.____ vom 29. März 2016 und ihre ergänzende Stel- lungnahme vom 10. Mai 2016 nicht genügend beweiskräftig seien, um darauf abstellen zu kön- nen. Da auch den übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte n keine Beweiskraft zukomme, sei eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich. Es stellte deshalb den Fall aus und ordnete ein psychiat- risches Gutachten bei Dr. med. E.____ an. H. In ihrer Stellungnahme zum vorgesehenen Gutachtensauftrag vom 27. April 2020 bean- tragte die IV-Stelle gestützt auf den Bericht ihres RAD -Arztes pract. med. C.____ vom 27. April 2020, es sei angesichts der mehrfach von Prof. B.____ beschriebenen Aggravation und Inkon- sistenzen eine qualifizierte neuropsychologisch e Testung inkl. Symptomvalidierung vorzuneh- men. Der Versicherte stellte in seiner Eingabe vom 30. April 2020 den Antrag, es sei ein aktuel- ler Bericht seines behandelnden Psychiaters, Dr. D.____, einzuholen. Gegen eine Begutach- tung durch Dr. E.____ erhob er keine Einwände und verzichtete auf Zusatzfragen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht I. Mit Verfügung vom 14. Mai 2020 erteilte das Kantonsgericht Dr. E.____ definitiv den Gutachtensauftrag. Den Fragekatalog bzw. den Gutachtensauftrag ergänzte es dahingehend, als der Entscheid, ob die Einholung eines aktuellen Berichts von Dr. D.____ und eine qualifizier- te neuropsychologische Testung samt Symptomvalidierung notwendig sei, dem Gutachter über- lassen werde. J. Als dem Kantonsgericht das Gutachten von Dr. E.____ vom 28. Mai 2021 vorlag, gab es den Parteien mit Verfügung vom 14. Juni 2021 Gelegenheit zur Stellungnahme. Der Versicherte liess in seiner Eingabe vom 16. August 2021 durch seinen Rechtsvertreter ausführen, dass dem Gutachten von Dr. E.____ volle Beweiskraft beizumessen sei. Da ihm ge mäss der gutachterli- chen Beurteilung eine Arbeitstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht zumutbar sei, sei ihm eine ganze Invalidenrente sechs Monate ab der IV -Anmeldung vom 3. September 2013 zuzuspre- chen. Falls davon auszugehen sei, dass ihm in der freien Wirtschaft eine Erwerbstätigkeit zu- mutbar sei, sei gemäss Dr. E.____ von einer Arbeitsfähigkeit zwischen 40 % und 60 % auszu- gehen. Unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 20 % hätte er in diesem Fall Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. K. Die IV-Stelle kam in ihrer Stellungnahme zum Gerichtsgutachten vom 2. August 2021 gestützt auf die Beurteilung von pract. med. C.____ vom 30. Juli 2021 zum Schluss, dass eine volle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht nachvoll ziehbar sei. So- wohl die gutachterlich diagnostizierte komplexe posttraumatische Belastungsstörung als auch die mittelgrade depressive Episode stellten aufgrund der nicht sehr ausgeprägten Befunde kei- ne schweren psychiatrischen Störungen dar. Zudem seien di e Behandlungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft und es fehle an einer Prüfung der Standardindikatoren sowie an einer Stellung- nahme zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit seit Eintritt der gesundheitlichen Beschwerden. Da die von Dr. E.____ in seiner Zumutbarkeitsbeurteilung berücksichtigte Dekonditionierung invali- ditätsfremd sei, sollte die gutachterlich geschätzte medizinisch -theoretische Arbeitsfähigkeit Grundlage für den Rentenentscheid sein. Allenfalls seien Rückfragen an den Gutachter erfor- derlich. L. Das instruierende Präsidium des Kantonsgerichts forderte Dr. E.____ am 26. August 2021 auf, sein Gutachten mit einer Prüfung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 zu ergänzen. Ausserdem wurde um eine Stellungnahme zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit des Versicherten seit Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ersucht. Dieser Aufforderung kam Dr. E.____ am 8. November 2021 nach. Dabei stellte er klar, dass eine Arbeitsaufnahme zunächst im geschütztem Rahmen stattzufinden habe. Zum gegenwärtigen Z eitpunkt sei eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht gegeben. M. Die IV-Stelle stellte sich am 10. Januar 2022 mit Verweis auf eine weitere Stellungnah- me von pract. med. C.____ vom 6. Januar 2022 auf den Standpunkt, dass die Ergänzungen von Dr. E.____ nach wie vor nicht zu überzeugen vermögen. Der vom Gutachter attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt könne nicht gefolgt werden, da diese eine invaliditätsfremde Dekonditionierung berücksichtige. Es sei davon auszugehen , dass der Versi- cherte in einer Verweistätigkeit 55 % arbeitsfähig sei, was dem Mittelwert der von Dr. E.____ Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht festgestellten medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit zwischen 50 % und 60 % entspreche. Ausgenommen seien die Zeiten der Hospitalisationen vo m 22. Januar 2014 bis 27. Februar 2014 und vom 3. November 2015 bis 14. Februar 2016, während welchen eine 100%ige Ar- beitsunfähigkeit bestanden habe. N. Der Rechtsvertreter stellte sich in seiner Stellungnahme vom 21. Januar 2022 im Namen und Auftrag des Versicherten weiterhin auf den Standpunkt, dass dem Gerichtsgutachten voller Beweiswert zukomme. Der Versicherte habe deshalb Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab Februar 2014. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV -Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel -Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV -Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene –- Beschwerde des Versicherten vom 20. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. Die vorl iegend angefochtene Verfügung erging vor dem 1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 129 V 354 E. 1 mit Hinweisen) sind daher die Bestimmu ngen des IVG und diejenigen der Ver- ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fa ssung anwendbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). 2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtli ch bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV -Bereich Folge von Geburts- gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht durch Beeinträchtigung der körperlichen, ge istigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver- stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Fü r die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträc htigung der Arbeits - und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Ent- scheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG). Gemäss BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämt liche psychi- schen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterzie- hen. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in wel- chem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). 2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat eine versicherte Person Anspruch auf eine ganze Ren- te, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn si e zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. 3.1 Ausgangspunkt der Ermittlung eines Rentenanspruchs bildet die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsun- fähig ist. Nach Art. 6 ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der kör- perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). 3.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesonde re auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Auskünfte eine wichtige Grundlag e für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Bericht en den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Be urteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 4.1 Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass der Versicherte erstmals am 16. April 2013 aufgrund einer mittelgradigen depressiven Episode zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben wurde (vgl. Bericht von Dr. med. F.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 8. Oktober 2013). Danach fand in der G.____ eine ambulante und vom 22. Januar 2014 bis 27. Februar 2014 ei ne stationäre Behandlung statt. Als Diagnosen wurden eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (DD: eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten auf dem Hintergrund e iner andauernden Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung bei Gefängnisaufenthalt mit Folter in der X.____ im Alter zwischen 13 und 19 Jahren), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch, Probleme in der Beziehung zur Ehepartnerin, Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit und ein Status nach vorsätzlicher Selbstschädigung durch Erhängen im No- vember 2013 aufgeführt (vgl. Berichte der G.____ vom 17. März 2014 und 27. Oktober 2014). 4.2 Gestützt a uf die Empfehlung des RAD -Arztes pract. med. C.____ vom 26. Oktober 2015 beauftragte die IV -Stelle Prof. B.____ mit einer psychiatrischen Begutachtung. Diese konnte anlässlich ihrer Untersuchung vom 11. Februar 2016 als Diagnose lediglich einen schädlichen Gebrauch von Alkohol ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. In ihrem Gutachten vom 29. März 2016 merkte Prof. B.____ an, dass die Testung zweimal habe unterbrochen werden müssen, weil der Versicherte angeblich wegen Beschwerden im Rücken nicht lange sitzen könne. Immer wieder habe er nach der Dauer der Untersuchung gefragt. Als sich das Ende abgezeichnet habe, habe sich seine Stimmung gebessert und er habe begonnen zu lächeln. Dieses Verhalten hinterlasse ein ambivalentes Gefühl bezüglich der wahren Befind- lichkeit des Versicherten. Bei allen durchgeführten Testungen seien unterdurchschnittliche Leis- tungen aufgefallen. Die gezeigten Defizite seien jedoch nicht vereinbar mit der biografischen Schilderung von guten Schulleistungen, der Teilnah me am politischen Widerstand in seinem Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Heimatland und der Fähigkeit, mit einem gefälschten Pass aus dem Gefängnis mit Folter ent- flohen zu sein sowie mit dem Erwerb eines Führerausweises und der jahrelangen Ausübung eines Berufs im Transportwesen. Weiter hi elt Prof. B.____ fest, dass sich erhebliche Inkonsis- tenzen zwischen den geklagten Beschwerden, den in der Vergangenheit erbrachten testpsy- chologischen Leistungen, dem während der stationären Behandlungen beobachteten Verhalten und der Biografie ergäben. So lche Inkonsistenzen seien bereits der Ärzteschaft der G.____ aufgefallen, indem sie die festgestellte leichte Intelligenzminderung mit der Tätigkeit als Chauf- feur und Schichtführer als nicht vereinbar betrachtet habe. Es gebe bis auf die Albträume und die einzelnen Flashbacks keine Hinweise für das Vorliegen einer andauernden Persönlichkeits- änderung nach Extrembelastung oder eine posttraumatische Störung. Auch wenn die Erfahrun- gen in Haft traumatisierend gewirkt hätten, sei er danach in der Lage gewesen, eine Familie aufzubauen sowie eine langjährige Berufstätigkeit in einem fremden Land auszuüben. Dies sei bei einer posttraumatischen Störung nicht möglich. 4.3 Im Zeitpunkt der Begutachtung befand sich der Versicherte stationär in der G.____ (Aufenthalt vom 3. November 2015 bis 14. Februar 2016). Im Bericht der G.____ vom 20. April 2016 wurde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Epi- sode, eine Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und ängstlich vermeidenden Anteilen, eine leichte kognitive Störung (mittelschwere neuropsychologische Störung) mit im Vordergrund ste- henden fluktuierenden Aufmerksamkeitsleistungen und eine nicht näher bezeichnete Reaktion auf eine schwere Belastung diagnostiziert. Aufgrund der ins gesamt geringen Belastbarkeit und der herabgesetzten Leistungsfähigkeit bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr auf dem ersten Ar- beitsmarkt. Während des stationären Aufenthalts wurde der Versicherte am 28. Januar 2016 und 2. Februar 2016 im Spital H.____ neurologisch untersucht. In der Beurteilung vom 30. März 2016 führte die Ärzteschaft als Diagnosen eine mittelschwere neuropsychologische Störung und eine aktuell schwere depressive Episode auf. Im Vordergrund ständen die fluktuierenden Aufmerksamkeitsleistungen und eine Verlangsamung im Arbeitstempo. Zudem lägen Minder- leistungen in anderen kognitiven Bereichen vor. Die als formal grenzwertig zu bewertenden Er- gebnisse stellten eine unbewusste Symptomverdeutlichung im Rahmen der Depression dar, welche möglicherweise durch die Aufmerksamkeitsfluktuationen beeinflusst werde. 4.4 Nach Einsicht in den Bericht der G.____ vom 20. April 2016 führte Prof. B.____ in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 10. Mai 2016 aus, dass sich dadurch nichts an ihrer Beurtei- lung vom 29. März 2016 ändere. 4.5 Am 12. Mai 2017 teilten die behandelnden Ärzte der G.____ dem Rechtsvertreter des Versicherten mit, dass dieser an einer chronifizierten, leicht bis mittelgradigen Depression auf dem Hintergrund einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung leide. Im Vordergrund stehe eine Verhaltensstörung. Aufgrund der kognitiven Beeinträchtigungen, der inneren Unruhe, der Antriebslosigkeit, der Unfähigke it, Entscheide zu fällen und der geringen Verantwortungs- übernahme bestehe keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Persönlichkeitsän- derung nach Extrembelastung im Sinne einer Traumafolgestörung habe die Entstehung der depressiven Erkrankung begünstigt und zur Chronifizierung beigetragen (vgl. auch Bericht vom 3. März 2017). Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.6 In einer weiteren Stellungnahme zu den Vorbringen des Rechtsvertreters des Versi- cherten vom 16. Mai 2017 führte Prof. B.____ am 28. Februar 2018 aus, dass sie sich nach wie vor auf den Standpunkt stelle, dass die Kriterien für die Diagn ose einer andauer nden Persön- lichkeitsänderung nach Extrembelastung nicht erfüllt seien, beständen beim Versicherten doch keine Gefühle der Entfremdung und keine feindliche oder misstrauische Haltung der Welt ge- genüber. 4.7 Während die behandelnden Ärzte der G.____ am 30. April 2018 bis auf eine zuneh- mende Vergesslichkeit von einem mehr oder weniger gleichbleibenden psychischen Gesund- heitszustand berichteten, wies Dr. D.____ ein Jahr später am 3. Mai 2019 auf einen leicht ver- schlechterten psychischen Zustand seit 20 13 hin. Aktuell sei die chronifizierte Depression mit- tel- bis schwergradig ausgeprägt; der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig. Seinem Bericht vom 4. Dezember 2019 ist sodann zu entnehmen, dass er am 2. Dezember 2019 eine Mini-ICF- App-Testung durchgeführt habe, welche erhebliche Einschränkungen in sämtlichen getesteten Fähigkeiten ergeben habe. 4.8 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 3. April 2019 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts hauptsächlich auf das neur opsychologische Gut- achten von Prof. B.____ samt Ergänzungen sowie die Stellungnahmen ihres RAD . Sie ging demzufolge davon aus, dass beim Versicherten einzig ein Suchtleiden vorliege, welches keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden darstelle. 5.1.1 Dieser Ansicht konnte sich das Gericht anlässlich seiner Urteilsberatung vom 12. März 2020 nicht anschliessen (vgl. Beschluss vom 12. März 2020). Der von ihm beauftragte psychiat- rische Gutachter Dr. E.____ erhob in seinem sehr ausführlichen Gutachten vom 28. Mai 2021 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine komplexe posttraumatische Belas- tungsstörung (ICD-11 6B41; gemäss ICD -10: Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung F62.0) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel gradige Episode (ICD-10 F33.1). Die psychischen und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2) und der Status nach psychischen und Verhaltensstörungen durch Alk ohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1) beeinflussten die Arbeitsfähigkeit dagegen nicht. 5.1.2 Im Abschnitt "Diagnostische Diskussion und Stellungnahme zu divergierenden Diagno- sen anderer Behandler/Institutionen" wies Dr. E.____ einleitend darauf hin, dass sich zwischen den Behandlern, den verschiedenen Gutachtern und de r IV -Stelle eine Kontroverse darüber entwickelt habe, ob beim Versicherten eine krankheitswertige psychiatrische Störung vorliegen würde oder nicht und ob die von ihm präsentierten und vorgebrachten Beschwerden als Aus- druck einer krankheitswertigen psychia trischen Störung oder aber im Sinne einer Aggravation zu verstehen seien. In diesem Verfahren sei demnach hauptsächlich strittig, (1) ob die Be- schwerdeschilderung und Symptompräsentation des Exploranden als gültig und authentisch angesehen werden dürf ten oder ob eine Antwortverzerrung vorliege, (2) ob eine allfällige Ver- zerrung bewusst, bewusstseinsnah oder unbewusst erfolge und (3) ob die einer allfälligen Ver- zerrung zugrundeliegende Motivation bewusst, willentlich und reflektiert oder unbewusst sei. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach einer eingehenden Auseinandersetzung mit der medizinischen Aktenlage wies Dr. E.____ darauf hin, dass die Berichte wenig Aussagen über die Authentizität der Beschwerdeschilde- rung oder der Symptompräsentation ermöglichten. Die Beschreibungen fielen eher kna pp aus und zeichneten ein von Vermeiden und Passivität geprägtes Bild. Bei der neuropsychologi- schen Untersuchung durch Prof. B.____ habe sich ein Verhalten gezeigt, welches deutlich un- terhalb der Möglichkeiten liege, die der Versicherte tatsächlich entfalt en könnte. Er könne je- doch der Ansicht von Prof. B.____, wonach die Beschwerden und Symptome bewusst vorge- täuscht oder zumindest ausgeprägter dargestellt würden, um absichtlich einen finanziellen Ge- winn durch eine Berentung zu erzielen, nicht folgen. Unter Berücksichtigung, dass Simulation oder Aggravation eine Möglichkeit einer bewussten oder bewusstseinsnahen negativ en Ant- wortverzerrung darstelle , sei ein finanzieller Engpass als Grundlage für ein mögliches Motiv unzureichend, um daraus eine bewusste Moti vation abzuleiten. Gestützt auf seine Untersu- chungen gelange er vielmehr zum Schluss, dass zwar Hinweise auf eine nicht -authentische Symptompräsentation vorlägen, die jedoch nicht durchgängig, sondern nur in bestim mten Se- quenzen vorgeführt würde. Weiter hielt Dr. E.____ fest, dass der Versicherte auch bewusst fal- sche Antworten gebe und Verhaltensweisen zeige, die auf eine suboptimale Leistungsanstren- gung hindeuteten. Zudem sei aufgefallen, dass er oft angebe, sich nicht zu erinnern oder vage, unpräzise Angaben mache. Andere Antworten seien demgegenüber wieder sehr präzise. Diese Verhaltensweisen seien mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit teilweise bewusst oder be- wusstseinsnah, aber nicht planvoll oder auf ein eindeutig erkennbares äusseres Motiv, wie z.B. das Erlangen einer Rente, ausgerichtet. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass primär eine Verdeutlichungstendenz bestehe, welche sowohl bewusstseinsferne als auch bewusste bzw. bewusstseinsnahe Anteile beinhalte und Ausdruck eines primären und sekundären K rankheits- gewinns sei. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die gezeigten Fehlleistungen, insbesondere die fehlenden Erinnerungen, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine nur teilweise bewusste Ab- wehrformation im Sinne eines Schutzes vor traumatischen Affekten zurückzuführen seien. 5.1.3 Im Weiteren ging Dr. E.____ einlässlich auf die zur Diskussion stehenden psychiatri- schen Diagnosen ein. Dabei erläuterte er ausführlich, dass und weshalb beim Versicherten in erster Linie die Diagnose einer rezidivierenden dep ressiven Störung zu stellen sei. Zudem dis- kutierte er die Frage, ob beim Versicherten eine Traumafolgestörung vorliege. Dabei gelangte er zur Auffassung, dass von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD - 11 6B.41 auszugehen sei, welche zeitweise deutlich von einer sekundären depressiven Symp- tomatik überlagert werde. Dem Versicherten gelinge es offenbar, die traumatischen Erinnerun- gen mehr oder weniger zu unterdrücken, zum "Preis einer anhaltenden psychischen Arbeit", die sich in einer se kundären Symptomatik in Form einer chronischen oder chronisch rezidivieren- den Depressivität manifestiere. Die ICD -10 verfüge nach heutigem Forschungs - und Wissens- stand über keine diagnostische Kategorie, die geeignet wäre, eine komplexe Traumafolgestö- rung im Sinne einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD -11 adäquat abzubilden. Behelfsmässig könne im Rahmen der Klassifikation nach ICD -10 auf die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung F62.0 zurückgegriffen werden. 5.1.4 In einem nächsten Abschnitt befasste sich Dr. E.____ mit der Frage, inwieweit relevan- te psychosoziale Belastungsfaktoren zu beachten seien. Er hielt diesbezüglich fest, dass der Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Versicherte über eine nur geringe Schulbildung und keine Berufsausbildung verfüge, was inva- liditätsfremde Faktoren seien. Trotz fehlender Bildung sei es ihm schon kurz nach der Einreise in die Schweiz gelungen, eine Arbeitsstelle anzunehmen und über mehr als drei Jahrzehnte berufstätig zu bleiben, was als Ressource zu werten sei. Inzwischen sei der Versicherte 58 Jah- re alt, also in einem Alter, das mit eher schlechten Aussichten auf eine Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt verbunden sei und möglicherweise auch assoziiert mit kulturell geprägten Vorstel- lungen, alt zu sein, was wiederum invaliditätsfremde Faktoren seien. Für die Krankheitsentwick- lung von gewisser Relevanz dürften hingegen der Verkehrsunfall 2012, der Verlust der Arbeits- stelle, der missglückte Versuch, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, die Scheidung und der damit verbundene Verlust des Hauses sein. Die aufgeführten Verluste hätten das Identitätsge- fühl des Versicherten in relevantem Ausmass beeinträchtigt, was für sich genommen ausreiche, um eine depressive Krise anzustossen, im vorliegenden Fall aber darüber hinaus eine Abwehr- formation labilisiert haben dürfte, mit welcher der Versicherte die über Jahrzehnte bestehende Traumafolgestörung mehr oder weniger erfolgreich habe kompensieren können. Die aufgeführ- ten Ereignisse seien deshalb geeignet, eine verhängnisvolle ps ychische Fehlentwicklung aus- zulösen, weshalb sie als invaliditätsrelevante Faktoren anzusehen seien. 5.1.5 In seiner medizinischen Beurteilung der Funktionsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht hielt Dr. E.____ "unter Würdigung aller zur Verfügung stehenden Quellen und gestützt auf die diversen zusammengeführten Beurteilungsdimensionen" zusammenfassend Folgendes fest: Es handle sich beim Versicherten um eine Person, welche wenig Schuldbildung genossen habe und im späten Jugend - oder frühen Erwachsenenalter p olizeilicher Gewalt mit sechsmonatiger Inhaftierung und Folter ausgesetzt gewesen und erheblich traumatisiert worden sei. Im Alter von 19 Jahren sei er in die Schweiz eingereist und habe über drei Jahrzehnte in unterschiedli- chen Berufen gearbeitet. In den 90er-Jahren habe er eine Familie gegründet und die mehrfache Belastung als Vater, Ehemann, Vollzeitarbeitnehmer und zeitweise Arbeitgeber mehr oder we- niger ordentlich bewältigt. Er verfüge über eine einfache Persönlichkeitsstruktur ohne relevante psychopathologische Auffälligkeiten. Aufgrund der oben beschriebenen Verluste und Ereignisse sowie der möglicherweise einsetzenden Schwächung der Abwehr - und Kompensationsmecha- nismen habe sich eine relevante Störung des Identitätsgefühls, der Selbstwirksamkeits - und Selbstkohärenz eingestellt. Die hernach eingesetzte Krankheitsentwicklung im Sinne einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung mit sekundärer, chronifizierender depressiver Symptomatik sei von einem gewissen sekundären Krankheitsgewinn, nämlich d er Zuwendung von Teilen des Familiensystems, mitbeeinflusst. Wesentlich mehr geprägt sei der Krankheits- verlauf von einem erheblichen primären Krankheitsgewinn im Sinne einer dysfunktionalen, also an sich missglückten, psychisch jedoch entlastenden Konflikt bewältigung. In deren Kontext sei auch die unbewusste Identifikation mit einer Krankenrolle einzuordnen, die insgesamt eine aus- gesprochen stabile Abwehrformation darstelle. Als deren Abkömmling sei auch die teilweise feststellbare Tendenz zur nicht-authentischen Beschwerdeschilderung und Symptompräsentati- on sowie eine teilweise deutlich suboptimale Leistungsanstrengung bis hin zum möglichweise unbewussten Unterschreiten der eigenen Leistungsfähigkeit als ein primär unbewusstes und bestenfalls zu Teilen bewu sstseinsnahes Geschehen im Sinne einer Verdeutlichungstendenz zu verstehen. Durch die vorliegende Konstellation einer affektiven Störung auf dem Hintergrund einer schweren Traumafolgestörung, die durch die affektive und die spezifische Vermeidungs- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht symptomatik auf geringem Niveau stabil gehalten und in gewissem Grade durch das versor- gende Umfeld negativ verstärkt werde, bestehe eine insgesamt als mittelgradig anzunehmende Funktionsstörung bei vorhandener, aber nicht allzu ausgeprägter Reservekapazität. 5.1.6 Zur Frage der Arbeitsfähigkeit des Versicherten führte der Gutachter aus, in der bishe- rigen Tätigkeit bestehe aktuell aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsfähigkeit. Dabei sei zu berücksichtigen, dass zusätzlich zu r festgestellten krankheitsbedingten, m ittelgradigen Funk - tionsstörung eine nicht unerhebliche Dekonditionierung vorliege, habe der Versicherte doch seit nunmehr über acht Jahren nicht mehr in seiner angestammten Tätigkeit oder anderswo im ers- ten Arbeitsmarkt gearbeitet, sondern lediglich noch zeitweise – und nur in einem geringen Pen- sum – an einer geschützten Arbeitsstelle. Medizinisch -theoretisch lasse sich die krankheitsbe- dingte Arbeitsunfähigkeit auf 50 % bis 60 % beziffern, zusammengenommen mit dem Effekt der Dekonditionierung bestehe kein e Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Es spreche jedoch nichts gegen die Wiederaufnahme einer Tätigkeit im geschützten Rahmen im Umfang von zu- nächst zwei bis höchstens drei Tagen die Woche, wobei im Verlauf von ca. sechs Monaten und unter enger therap eutischer Begleitung unbedingt eine Steigerung auf vier bis fünf Halbtage sowie eine Ausdehnung der Präsenzzeit versucht werden sollte, entsprechend einem Pensum von 50 %. Im Erfolgsfall sollte ausreichend Zeit gewährt werden, um das Erreichte zu konsoli- dieren. Begleitend wäre über den Verlauf von sechs bis zwölf Monaten mit geeigneten thera- peutischen Massnahmen die vorhandene Reservekapazität zu fördern und im Rahmen der ge- schützten Tätigkeit im Sinne einer angepassten Belastungssteigerung zu überprüfen. U nter ordentlich günstigen Umständen dürfte so eine Restarbeitsfähigkeit von 40 % bis 50 % zu erzie- len sein. Diese Einschätzungen gälten auch für eine angepasste Tätigkeit. 5.1.7 Am Schluss seines Gutachtens ging Dr. E.____ auf die Frage ein, ob zur Vervo llstän- digung des medizinischen Sachverhalts eine neuropsychologische Begutachtung des Versi- cherten notwendig sei. Bekanntlich hatte die IV-Stelle in ihrer Stellungnahme zum Begutach- tungsauftrag um eine solche zusätzliche Expertise ersucht, da sich Aggravat ion und Simulation mit geeigneten Symptomvalidierungsverfahren objektiv auf einer verlässlichen Grundlage beur- teilen liessen. Dr. E.____ gelangte diesbezüglich aber zur Auffassung, dass die Notwendigkeit (und Eignung) einer neuropsychologischen Begutachtun g im vorliegenden Fall nicht gegeben sei. Er sei im Rahmen seiner Beurteilung ausführlich auf die strittige Frage der nicht - authentischen Beschwerdeschilderung und Symptompräsentation eingegangen. Aus einer neu- ropsychologischen Beurteilung dürften sich deshalb kaum neue Erkenntnisse gewinnen lassen, die geeignet wären, den festgestellten Sachverhalt in Frage zu stellen. Zu berücksichtigen sei auch, dass die geringe Schuldbildung und die geringen Deutschkenntnisse des Versicherten eine neuropsychologische Testung deutlich erschweren würden. 5.2.1 In seinem ergänzenden Gutachten vom 8. November 2021 nahm Dr. E.____ eine Prü- fung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 vor. Insbesondere wies er im Themen- komplex "Gesundheitsschädigung" wiederum darauf hin, dass beim Versicherten eine ausge- sprochen stabile Abwehrformation in Form von Vermeidungssymptomen anzutreffen sei. Dadurch könnten manifeste Beschwerden und Symptome in einem gewissen Umfang verhin- dert werden, jedoch zum "Preis einer erheblichen Einschränkung der psychischen Funktionalität Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht und Partizipation". Die gegenwärtig mittelgradig ausgeprägte depressive Störung sei als eine sekundär entstandene Begleiterkrankung zu verstehen. Die depressive Symptomatik und vor- mals auch das Suchtverhalten bewirkten eine Entlastung der Traumafolgestörung und dienten der Abwehr von traumatischen Inhalten dahingehend, dass sie auf die Gesamtheit des psychi- schen Gefüges – wenn auch dysfunktional – doch stabilisierend wirkten. Ergänzend sei zu be- tonen, dass eine Veränderu ng der äusseren Umstände, di e geeignet wäre , die Aufgabe oder eine Minderung der Vermeidungssymptome zu erzwingen, zu einer erheblichen psychischen Destabilisierung mit deutlicher Zunahme der Kernsymptomatik der posttraumatischen Belas- tungsstörung oder der Depressivität führen würde. Von pharmakotherapeutischen, apparativen und psychotherapeutischen Massnahmen seien eine geringe Wirkung zu erwarten, da auch bei einem sehr günstigen Behandlungsverlauf eine erhebliche und therapeutisch nicht weiter beein- flussbare Gesundheitsschädigung bestehen bleiben dürfte. 5.2.2 Im Rahmen der Prüfung des Komplexes "Persönlichkeit" stellte Dr. E.____ fest, dass es sich beim Versicherten um eine einfach strukturierte Persönlichkeit handle, welche mit einem geringen Spektrum von innerpsychischen Konfliktbewältigungsstrategien ausgestattet sei. Dies bedeute, dass er Veränderungen, Schicksalsschlägen und Konflikten mit wenig differenzierten innerpsychischen Ressourcen begegnen könne. Diese Ressourcen seien bereits vor Eintritt der krankheitsbedingten psychischen Störung um 2012 beschränkt gewesen. Im Laufe der Jahre seien sie derart beeinträchtigt worden, dass er nun über sehr deutlich begrenzte innerpsychi- sche Ressourcen verfüge. 5.2.3 Im Zusammenhangmit der Kategorie "Konsist enz" bemerkte er, dass sich insgesamt keine wesentlichen Diskrepanzen finden liessen. Die beschriebenen Defizite seien nicht ohne weiteres mit einer Willensanstrengung zu überwinden, da diese durch eine komplexe innerpsy- chische Abwehrformation bestimmt seien, die zu grossen Teilen unbewusst oder bewusstseins- fern sei. 5.2.4 Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, dass eine Arbeitstätigkeit auch unter optimal ange- passten Bedingungen zu einer Labilisierung der beschriebenen Abwehrformation und Exazer- bation des K rankheitsgeschehens führen könne. Eine Eingliederung in eine Verweistätigkeit dürfe nur unter engmaschiger, adäquater therapeutischer Begleitung erfolgen. Relevante Ein- schränkungen seien die deutliche Beeinträchtigung der Flexibilität sowie der Umstellungs - und der Durchhaltefähigkeit, welche eine gewisse äussere Struktur und Motivation erfordere, um Aufgaben angehen un d durchhalten zu können. Weiter seien die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie die Fähigkeit zu familiären und intimen Beziehungen schwer beeinträchtigt. Zudem bestehe eine relevante Störung des Vermögens, selbstständig Aktivitäten zu initiieren. Ausserdem würden die grundlegenden Ich -Funktionen und damit die Belastbarkeit durch die komplexe posttraumatische Belast ungsstörung deutlich beeinträchtigt. Aufgrund dieser Einschränkungen hätten bei der Ausübung einer optimal angepassten Ver- weistätigkeit Anleitung und Kontrolle der Aufgaben engmaschig zu erfolgen und die Arbeitsab- läufe klar und übersichtlich zu sein, damit der Versicherte nicht von sich aus nachfragen oder sich rückversi chern müsse. Die Arbeiten sollen eher repetitiv im Sinne von Routineaufgaben sein, ohne Anspruch auf eigene Initiative un d Flexibilität. Die Arbeit dürf e nur eine geringe Ei- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht genverantwortung voraussetzen und müss e regelmässige Arbeitszeiten beinhalten. Schichtar- beit sei nicht möglich. Zudem sei ein sehr stabiles, überschaubares Team ohne allzu viele per- sonelle Wechsel notwendig. Grundsätzlich seien dem Versicherten keine oder nur deutlich be- schränkte Kundenkontakte mit sehr klarer Regelung zumutbar . Da laute und plötzliche Geräu- sche traumatische Inhalte aktivieren könnten, sollte der Arbeitsplatz ruhig und eher reizarm ge- staltet sein und wenig Zeitdruck, ausreichend Ruhepausen sowie einen Ort für einen spontanen Rückzug beinhalten. Diese Bedingungen gälten auch nach schrittweisem, erfolgreichem Aufbau des Pensums. Das Pensum an einem geschützten Arbeitsplatz von zwei Stunden an zwei bis drei Tagen in der Woche dürfe anfänglich nicht überschritten werden. Ein höheres Pensum füh- re aufgrund der bestehenden Dekonditionierung , aber auch aufgrund der deutlich reduzierten Belastbarkeit und Flexibilität zu einer raschen Exazerbation des psychischen Leidens. Dies be- deute, dass die auf niedrigem Niveau etablierte Stabilität erschüttert und mit einer Zunahme der depressiven Symptomatik einhergehen würde mit möglicherweise vermehrtem Auftreten von traumatischem Wiedererleben oder kompensatorischer Symptomatik. Dr. E.____ betonte, dass im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht gegeben sei. 5.2.5 Dr. E.____ führte zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit aus, dass der Zustand des Versi- cherten seit 2012 mehr oder weniger gleichbleibend sei. Der Effekt der Dekonditionierung sei spätestens 2013 relevant hinzugetreten. Während der stationären Behandlungen in der G.____ vom 22. Januar 2014 bis 27. Februar 2014 und vom 3. November 2015 bis 14. Februar 2016 habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Am Schluss nahm Dr. E.____ ausführlich Stellung zu den Einwänden des RAD-Arztes. 6.1 Wie alle Beweismittel unterliegen Gerichtsgutachten der freien richterlichen Beweis- würdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden die Vollständigkeit, die Nachvollziehbarkeit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prüfen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sachverhalt stützt und den Befund ausreichend begrün- det. In Sachfragen weicht das Gericht jedoch "nicht ohne zwingende Gründe" von einer gericht- lichen Expertise ab. Aufgabe der medizinischen Expertin bzw . des medizinischen Experten ist es, ihre bzw. seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen be- stimmten Sachverhalt medizinisch erfassen zu können (BGE 125 V 351 E. 3b/aa). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Geri chtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerun- gen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzli- che Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 118 V 286 E. 1b, 112 V 30 E. 1a mit Hinweisen). 6.2 Nach Würdigung der vorliegenden medizinischen Aktenlage kommt das Gericht zum Schluss, dass dem Gerichtsgutachten von Dr. E.____ vom 28. Mai 2021 sam t Ergänzung vom 8. November 2021 volle Beweiskraft zuzumessen ist. Das Gutachten von Dr. E.____ ist ausser- ordentlich sorgfältig erstellt worden; es beruht nicht nur auf einer vierstündigen persönlichen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Untersuchung im Beisein eines Dolmetschers und den med izinischen Vorakten, sondern zu- sätzlich auf fremdanamnestischen Angaben der behandelnden Ärzte, Dr. D.____ und Dr. med. I.____, ehemaliger Oberarzt des Ambulatoriums und der Tagesklinik der G.____, bei welchem der Versicherte von April 2013 bis März 2019 i n ambulanter und teilstationärer Behandlung stand (vgl. Bericht der G.____ vom 13. August 2019 und Telefonat zwi schen Dr. I.____ und Dr. E.____ [vgl. Gutachten Seite 56 f. ]). Die Anamnese zeigt auf, dass der Versicherte einge- hend befragt und einlässlich au f seine Angaben eingegangen worden ist. Dadurch ergibt sich ein umfassendes Bild über seine Persönlichkeit und die Krankheitsentwicklung. Zudem beruhen die psychiatrischen Diagnosen auf einer ausführlichen diagnostischen Diskussion. Auch wenn das Gutachten äusserst ausführlich ist und dadurch an Übersichtlichkeit verliert, wird es der Komplexität des gesundheitlichen Leidens des Versicherten gerecht. Inhaltlich befasste sich Dr. E.____ unter anderem eingehend mit der hauptsächlich strittigen und kontrover s beurteilten Frage, ob die vom Versicherten präsentierten und vorgebrachten Beschwerden als Ausdruck einer krankheitswertigen psychiatrischen Störung oder aber im Sin- ne einer Aggravation oder Simulation zu verstehen seien. Dr. E.____ zeigte diesbezüglich überzeugend auf, dass Ersteres der Fall ist und beim Versicherten zwar Verdeutlichungsten- denzen bestehen, dass aber eine Aggravation verneint werden muss. Im Zusammenhang mit dieser Fragestellung setzte sich der Gutachter zudem ausgesprochen sorgfältig mit den – voll- ständig – abweichenden ärztlichen Beurteilungen der Gutachterin Prof. B.____ auseinander und legte schlüssig dar, weshalb auf deren Einschätzung nicht abgestellt werden kann. Über- zeugend ist sodann auch, wie Dr. E.____ die von ihm erhobenen Diag nosen begründet. In sei- nem Ergänzungsgutachten vom 8. November 2021 vervollständigte er sein Hauptgutachten, indem er die Standardindikatoren nach BGE 141 V 281 prüfte und sich mit dem Verlauf der Ar- beitsfähigkeit befasste. In dieser Hinsicht ist Dr. E.____ auf die von der IV -Stelle in ihrer Stel- lungnahme vom 2. August 2021 beanstandeten Punkte eingegangen. Zudem ergänzte er seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und erklärte, weshalb den Einwänden des zuständigen RAD - Arztes nicht gefolgt werden kann. Die p sychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und deren Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit kann gut nachvollzogen werden. Seine Begründung, dass der Versicherte gegenwärtig im freien Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sei, leuchtet ein. Damit bildet das psychiatrische Gutachten zusammen mit dem Ergänzungsgutachten eine rechtsgenügliche Grundlage, um den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten zuverlässig beurteilen zu können. In all diesen Punkten kann deshalb an dieser Stelle von weiteren Erörterungen abgesehen und stattdessen vollumfänglich auf die betreffenden Aus- führungen des Gutachters in seiner Expertise vom 28. Mai 2021 samt Ergänzung vom 8. No- vember 2021 verwiesen werden. 7.1 An der ausschlaggebenden Beweiskraft des psychiat rischen Gutachtens von Dr. E.____ vermögen die Einwände des RAD und der IV-Stelle nichts zu ändern. Der Gutachter befasste sich in seinem Ergänzungsgutachten vom 8. November 2021 mit den Einwänden des RAD-Arztes pract. med. C.____ in dessen Stellungnahme vom 30. Juli 2021. Den betreffenden Argumenten des Gutachters ist vollumfänglich zuzustimmen, sodass auf weitere Ausführungen zur vom RAD und von der IV-Stelle geäusserten Kritik verzichtet werden kann. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Auch die Vorbringen des RAD -Arztes in seiner Stel lungnahme vom 6. Januar 2022 geben keinen Anlass, an der Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. E.____ zu zweifeln. Nach wie vor hielt der RAD -Arzt daran fest, dass die Diagnose einer schweren komplexen posttrau- matischen Belastungsstörung aufgrund des Akte nverlaufs, des gleichzeitigen Vorliegens von starken psychosozialen Faktoren, der nicht durchgehend authentischen Symptompräsentation und der nur leicht- bis mittelgradigen, objektiv nicht stark ausgeprägten Befunde unwahrschein- lich sei. Dies umso mehr, al s gemäss den Feststellungen von Dr. E.____ sich eine Symptom- verschiebung in Richtung einer chronischen depressiven Störung ergeben habe. Da diese je- doch nur leicht - bis mittelgradig ausgeprägt sei, könne nicht von einer schweren psychischen Morbidität ausgegangen werden. In dieser Hinsicht ist Dr. E.____ zuzustimmen, dass sich Aus- prägung und Schwere einer psychiatrischen Erkrankung nicht allein aus den zu einem bestimm- ten Zeitpunkt vorliegenden Befunden und Symptomen erschliessen lassen. Es bedarf vielmehr deren umfassenden Würdigung im Gesamtkonte xt der Krankheitsentwicklung und der Funkti- onsfähigkeit (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juli 2022, 8C_53/2022, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Auch den weiteren Ausführungen von Dr. E.____ ist zu folgen. So überzeugt seine Feststellung, wonach eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung grundsätzlich eine schwere psychiatrische Erkrankung darstelle, welche wesentliche psychische Funktionen er- heblich einschränke. Wie schon mehrfach erwähnt, habe beim Versicherten eine nicht untypi- sche Verschiebung zu Vermeidungssymptomen stattgefunden, welche zusätzlich zu einer de- pressiven Störung geführt habe, die als sekundäre Begleiterkrankung der komplexen posttrau- matischen Belastungsstörung zu verstehen sei. Entsprechend sei die Psyche darauf ausgerich- tet, die traumatischen Inhalte, wenn immer möglich, zu unterdrücken und fernzuhalten, was mit überwiegend bewusstseinsfernen und unbewussten Abwehrstrategien geschehe. Eine Verän- derung der äusseren Bedingungen führe mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer erheblic hen Zu- nahme der Symptome. Mit dieser von Dr. E.____ beschriebenen Krankheitsentwicklung und deren Beurteilung befasste sich der RAD-Arzt nicht. 7.3 Das Vorbringen des RAD-Arztes, Dr. E.____ schliesse das Motiv eines möglichen Ren- tenbegehrens nicht aus, i st nicht geeignet, um an der ausschlaggebenden Beweiskraft des Gutachtens vom 28. Mai 2021 zu zweifeln. Der Gutachter setzte sich auf den Seiten 74 bis 77 seines Hauptgutachtens mit der Frage auseinander, ob ein finanzielles Motiv eine Rolle spiele (vgl. auch Erwägung 5.1.2). Er kam zum Schluss, dass ein Rentenbegehren als ein wesentli- ches Motiv nicht im Vordergrund stehe. Zwar ist mit dem RAD -Arzt einig zu gehen, dass eine fehlende kontuinierliche, stringente Symptompräsentation nicht zwingend gegen ein Re ntenbe- gehren spricht. Dr. E.____ legte jedoch überzeugend dar, dass sich der Versicherte deutlich zu wenig bemüht habe, ein durchgängiges und stimmiges Bild einer schwer beeinträchtigten Per- son abzugeben. So hätte er durchgehend versuchen müssen, z.B. antriebslos oder verlangsamt zu imponieren oder Erinnerungslücken zu zeigen, was aber nicht der Fall gewesen sei. 7.4.1 Aufgrund der Vorbringen des RAD -Arztes ist auf die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit näher einzugehen. Als Erstes ist festzus tellen, dass die IV -Stelle gestützt auf den RAD -Bericht vom 6. Januar 2022 in ihrer Stellungnahme vom 10. Januar 2022 fälschli- cherweise von einer zumutbaren Verweistätigkeit im Umfang von 55 % ausging. Der RAD -Arzt stellte aber fest, dass eine medizinisch-theoretische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht leidensbedingten Tätigkeit von gemittelt 55 % bestehe. Dieser Mittelwert entspricht auch der medizinisch-theoretischen Arbeits unfähigkeit von Dr. E.____ im Umfang von 50 % - 60 %. Demzufolge beträgt der Mittelwert der medizinisch -theoretischen Restarbeitsfähigkeit lediglich 45 %. 7.4.2 Weiter wies pract. med. C.____ darauf hin, dass Dr. E.____ eine vollständige Arbeits- unfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nur im Zusammenhang mit der an sich iv -fremden De- konditionierung sehe. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt eine Dekonditionie- rung infolge Abwesenheit vom Arbeitsmarkt grundsätzlich kein in der Invalidenversicherung versichertes Risiko dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2 022, 8C_793/2021, E. 5.3). Von der versicherungsrechtlich unbeachtlichen Dekonditionierung abzugrenzen ist aber die Frage, ob eine medizinisch -theoretische Arbeitsfähigkeit tatsächlich ohne Weiteres umsetz- bar ist. Bedingt die Ausschöpfung eines theoretisch en Erwerbspotenzials gemäss ärztlichen Feststellungen bestimmte Therapiemassnahmen, ist danach zu fragen, ob die notwendigen Schritte der versicherten Person allein überantwortet werden können. Wenn die versicherte Person das prinzipiell vorhandene erwerbl iche Potential aus Gründen, die mit dem Gesund- heitsschaden zusammenhängen, auch bei zumutbarer Willensanstrengung nicht in eigener Verantwortung realisieren kann, muss geprüft werden, ob es zur Aktivierung der grundsätzlich gegebenen Arbeitsfähigkeit noch der Durchführung weiterer – der Invalidenversicherung oblie- gender – Eingliederungsmassnahmen bedarf (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. März 2021, 9C_755/2020, vom 8. März 2021, E. 5.2, vom 19. September 2017, 8C_385/2017, E. 5.3.1 und vom 23. September 2015, 9C_432/2015, E. 5.2). Dabei sollen, etwa im Rahmen eines Arbeitstrainings, den Folgen des Gesundheitsschadens zugehörige, nicht aus eigenem Antrieb überwindbare Defizite in erwerbsrelevanten Fertigkeiten ausgeglichen oder etwa das krankheitsbedingt verlorene Vertrauen in die physische Belastbarkeit (im Umfang der objektiven Leistungsfähigkeit) wiederaufgebaut werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2015, 9C_432/2015, E. 5.2 mit Hinweisen). 7.4.3 Dr. E.____ stellte sich in seinem Gutachten vom 28. Mai 2021 auf den Standpunkt, dass die medizinische-theoretische Restarbeitsfähigkeit zusammen mit dem "Effekt der Dekon- ditionierung" dazu führe, dass keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vorliege. Auf den Seiten 127 und 156 seines Gutachtens führte er aus, dass der Versicherte seit über acht Jahren nicht mehr im ersten Arbeitsmarkt tätig gewesen sei, was eine gewisse Dekonditionie- rung mit sich bringe. In seinem Ergänzungsgutachten vom 8. November 2021 beschrieb Dr. E.____ sodann auf Seite 10, dass die Dekonditionierung von einer deutlich reduzierten Be- lastbarkeit und Flexibilität überlagert werde, welche zu einer raschen Exazerbation der psychi- schen Erkrankung führe, weshalb eine Arbeitsaufnahme zunächst im geschützten Rahmen stattzufinden habe. In diesem Zusammenhang stellte er klar, dass auf dem freien Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit bestehe und Eingliederungsmassnahmen "im engeren Sinn" verfrüht sei- en, was im Übrigen mit der Ansicht der behandelnden medizinischen Fachper sonen überein- stimmt. Jedoch spreche – so Dr. E.____ – nichts gegen die Aufnahme einer Tätigkeit im ge- schützten Rahmen. Ein beruflicher Wiedereinstieg im geschützten Rahmen habe mit einem bescheidenen zeitlichen Pensum von zunächst zwei bis höchstens drei H albtagen die Woche zu erfolgen. Könne der Versicherte dieses Pensum erfolgreich bewältigen, sollte dann im weite- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren Verlauf – nach wie vor in geschütztem Rahmen – eine Steigerung des Pensums auf 50 % angestrebt werden. Gelinge dies, müsse ihm ausreichend Zeit gewährt werden, um das Erreich- te zu konsolidieren. Unter "ordentlich guten Umständen" dürfte am Schluss eine Restarbeitsfä- higkeit von 40 % bis 50 % auf dem ausgeglichenen (ersten) Arbeitsmarkt zu erzielen sein. Dr. E.____ wies aber im Kapitel "Prognose /Therapieoptionen/Eingliederungsmassnahmen" auf Seite 157 f. seines Gutachtens darauf hin, dass eine wesentliche Verbesserung des psychi- schen Gesundheitszustandes zumindest kurz - bis mittelfristig höchst unwahrscheinlich sei. In- zwischen sei eine erhebliche Chronifizierung der psychischen Störungen eingetreten, welche von einer rigiden Abwehrformation getragen werde. Die Komorbidität zwischen einer affektiven Störung und einer chronifizierten Traumafolgestörung, die zum Teil durch die affektive Störung stabilisiert werde und von einer deutlichen Vermeidungssymptomatik geprägt sei, würden prog- nostisch nachteilig ins Gewicht fallen, ebenso wie die geringen bildungsmässigen, sprachlichen und psychosozialen Ressourcen. Prognostisch sei bei der Beurteilung der Arb eitsfähigkeit des- halb zu berücksichtigen, dass nicht nur von Bedeutung sei, ob es dem Versicherten gelinge, die verbliebenen Funktionsfähigkeiten zu nutzen und Reservekapazitäten zu fördern, sondern auch, in welchem Ausmass sich gewisse dysfunktionale Verh altensweisen im Laufe der Zeit nach und nach dem Bewusstsein des Versicherten entziehen und Teil seiner Abwehrformation würden. 7.4.4 Aus diesen gutachterlichen Ausführungen ergibt sich als Erstes, dass Dr. E.____ – entgegen der Ansicht des RAD -Arztes – die Nichtverwertbarkeit der medizinisch -theoretischen Arbeitsfähigkeit zwischen 40 % und 50 % nicht nur mit der Dekonditionierung, sondern auch mit der psychischen Erkrankung des Versicherten begründet. Schon allein aus diesem Grund durfte die IV -Stelle ni cht unter Verweis auf die invaliditätsrechtlic h unbeachtliche Dekonditionierung von der Fiktion einer zumutbaren Verwertung der (vorerst noch) rein medizinisch -theoretischen Arbeitsfähigkeit von 40 % bis 50 % ausgehen. Weiter ist dem Gutachten zu entnehmen , dass der Versicherte nicht in der Lage ist, seiner Selbsteingliederungspflicht nachzukommen. So er- klärte Dr. E.____, dass der Versicherte aufgrund seiner psychischen Erkrankung in seinem Vermögen, selbstständig Aktivitäten zu initiieren, wesentlich einge schränkt sei. Er verfüge hier- für auch nicht über die notwendigen Ressourcen. Die Persönlichkeitsstruktur des Versicherten und die bei ihm bestehenden Beeinträchtigungen seien derart erheblich, dass er sich nicht selbst in den Arbeitsmarkt eingliedern könne . Weiter geht aus seiner Beurteilung hervor, dass ein beruflicher Wiedereinstieg des Versicherten mit dem Ziel der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt vom Erfolg eines Arbeits - und Belastbarkeitstrainings von mehreren Monaten an einem geschützten Arbeitsplatz abhängt. Er mutete dem Versicherten auf den ersten Arbeits- markt ausgerichtete IV -rechtliche Eingliederungsmassnahmen noch nicht zu. Indem er aber eine Arbeitstätigkeit im geschützten Rahmen vorschlug, ist davon auszugehen, dass er die Durchführung von Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung gemäss Art. 14a IVG als eine Möglichkeit erachtete, den Versicherten in den ersten Arbeits- markt zu integrieren. Integrationsmassnahmen bezwecken, bei denjenigen versicherten Pers o- nen, die aktuell nicht eingliederungsfähig s ind oder deren Eingliederungsfähigkeit verloren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten (vgl. Bundesblatt 2005 4521 ff., 4564). Ein Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbe reitung auf die berufliche Eingliederung setzt gemäss Art. 4quater Abs. 1 IVV voraus, dass die versicherte Person fähig ist, Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht mindestens zwei Stunden täglich während mindestens vier Tagen pro Woche zu arbeiten (vgl. zum Sinn und Zweck der Mindestpräsenzzeit : SILVIA BUCHER, Die Integrationsmassnah- men zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach Art. 14a IVG, in: Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit, Festschrift für Erwin Murer zum 65. Geburtstag, Gabriele Riemer - Kafka/Alexandra Rumo-Jungo [Hrsg .], Bern 2010, S. 113 f.). Der Versicherte ist gegenwärtig jedoch lediglich in der Lage, zwei Stunden an zwei bis drei Tagen die Woche an einem ge- schützten Arbeitsplatz zu arbeiten. Solange es dem Versicherten gesundheitsbedingt nicht möglich ist, das erforderliche Mindestpensum gemäss Art. 4quater Abs. 1 IVV zu leisten, ist er als (noch) nicht eingliederungsfähig zu betrachten. Im Ergebnis muss daher im hier massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses von einer wirtschaftlichen Unverwertbarkeit der mediz inisch- theoretischen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. März 2021, 9C_755/2020, E. 5.4.2). Ist eine Restarbeitsfähigkeit aber wirtschaftlich nicht verwertbar, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, womit Anspruch auf eine ganze Inva- lidenrente besteht. Daran ändert auch nicht s, dass gegebenenfalls in einem späteren Zeitpunkt Eingliederungsmassnahmen zu prüfen sein werden. Denn ein Rentenanspruch kann entstehen, wenn die versicherte Person nach Ablauf der ei njährigen Wartezeit (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG) nicht oder noch nicht eingliederungsfähig ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts, vom 7. November 2019, 9C_309/2019, 4.2.1 und vom 5. Februar 2015, 8C_787/2014, E. 3.2 mit zahlreichen Hin- weisen). 7.5 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG setzt der Rentenanspruch unter anderem voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min- destens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (lit. b). Zudem bestimmt Art. 29 Abs. 1 IVG, dass de r Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis- tungsanspruchs entsteht. Vorliegend führte Dr. E.____ aus, dass die komplexe posttraumati- sche Belastungsstörung bzw. deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seit 2012 bestünden. Damit ist eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab 2012 ausgewiesen. Die IV-Anmeldung erfolgte am 9. September 2013 (Eingang bei IV -Stelle). Da mit der IV -Stelle davon auszugehen ist, dass das Wartejahr im Zeitpunkt der An meldung erfüllt war, hat der Ver- sicherte nach Ablauf von sechs Monaten nach der Anmeldung, d.h. ab 1. März 2014, Anspruch auf eine ganze Rente. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000. -- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800. -- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unter liegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten ihr aufzuerlegen sind. 8.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 entschieden hat, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung dem Versicherer zu überbinden (BGE 137 V 210 E. 4.4.2). Vorliegend war das Gericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 20. März 2020 zum Ergebnis gelangt, dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht möglich war. Es be- schloss deshalb, den Fall auszustellen und zur weiteren Klärung des medizinischen Sachver- halts ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Wi e sich anlässlich der heuti- gen Urteilsberatung gezeigt hat, war das in der Folge eingeholte Gerichtsgutachten von Dr. E.____ vom 28. Mai 2021 für eine abschliessende Beurteilung des medizinischen Sachver- halts unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind dem- nach die Kosten der Begutachtung der IV -Stelle aufzuerlegen. Diese Kosten belaufen sich ins- gesamt auf Fr. 6'886.--; sie setzen sich zusammen aus der Honorarrechnung von Dr. E.____ vom 7. Ok tober 2020 im Betrag von Fr. 6'500.-- für die Erstellung des Gutachtens sowie aus den Dolmetscherkosten in der Höhe von Fr. 386.--. 9.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da der Versicherte obsiegende Par tei ist, ist ihm eine Parteientschädi- gung zu Lasten der IV -Stelle zuzusprechen. Sein Rechtsvertreter machte in seinen beiden Ho- norarnoten vom 16. Dezember 2019 und 11. Februar 2022 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 13,6666 Stund en (Rechtsvertreter) à Fr. 200. -- sowie von 16,1 Stunden (Volontariat) à Fr. 135. -- geltend, was in Anbetracht der sich stellenden Sachver- halts- und Rechtsfragen angemessen ist. Nicht zu beanstanden sind die in den beiden Rech- nungen geltend gemachten Ausla gen von insgesamt Fr. 650.40. Dem Versicherten ist deshalb eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 5'985.15 ([13,6666 Stunden à Fr. 200.-- + 16,1 Stunden à Fr. 135.--] + Auslagen von Fr. 650.40 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Las- ten der IV-Stelle zuzusprechen. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 3. April 2019 aufgehoben und es wird festgestellt, dass der Beschwer- deführer Anspruch auf eine ganze Invalidenrente mit Wirkung per 1. März 2014 hat. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800. -- werden der IV -Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 3. Die Kosten für das gerichtliche Gutachten von Dr. med. E.____ in der Höhe von Fr. 6'886. -- werden der IV -Stelle Basel - Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat dem Beschwerdeführer eine Partei- entschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 5'985.15 (inkl. Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. http://www.bl.ch/kantonsgericht