B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3909/2014 U r t e i l v o m 1 3 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Einzelrichter Martin Zoller, mit Zustimmung von Richter François Badoud; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren (…), Staatsangehörigkeit unbekannt, angeblich Eritrea, vertreten durch Alfred Ngoyi wa Mwanza, BUCOFRAS, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 5. Juni 2014 / N (…). D-3909/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Der Beschwerdeführer reiste am 5. Dezember 2011 in die Schweiz ein, wo er am folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 16. Dezember 2011 be- fragte ihn das BFM im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ summarisch zu seinen Personalien, seinem Reiseweg und den Asylgründen. Die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen führte das BFM am 23. Januar 2013 durch. Dabei machte der Beschwerdefü h- rer im Wesent lichen geltend, er sei Eritreer und in C._______ geboren worden. Er sei im Alter von vier Jahren zusammen mit seinen Eltern s o- wie seiner Schwester nach Add is Abeba in Äthiopien gezogen. Im Jahr 1997 seien seine Eltern und seine Schwester nach Eritrea zurückgekehrt, während er selbst in Addis Abeba zurück geblieben sei, wo er bei einem Freund seines Vaters, D._______, gelebt und bis im Jahr 2007 zehn Ja h- re lang die Schule besucht habe. Er sei in Äthiopien nie registriert gew e- sen. Zwischen 2005 und 2009 habe er in Addis Abeba keinen festen Wohnsitz mehr gehabt, sondern in der Umgebung des Busbahnhofs in verschiedenen Unterkünften gelebt. Zuletzt habe er bei ein em privaten E._______ als F._______ gearbeitet. Im Verlauf des Jahres 2009 sei er von Äthiopien nach G._______ gereist, wo er ungefähr zwei Jahre lang gelebt habe, bevor er im Dezember 2011 in die Schweiz gelangt sei. Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des erstinstanzlichen Verfa h- rens keine Reise- oder Identitätspapiere zu den Akten. Er legte einzig die Kopie der angeblichen eritreischen Identitätskarte seines Vaters aus dem Jahre 1992 sowie ein im Ja hr 1996 ausgestelltes Original eines äthiopi- schen Mit gliedausweises eines Kampfsport -Trainingscenters mit einem Foto ein, das ihn darstellen dürfte. B. Am 24. Januar 2013 ersuchte das BFM die Schweizer Botschaft in Addis Abeba um weitergehende Abklärungen im Zusammenhang mit der Pe r- son des Beschwerdeführers. C. Am 20. Februar 2013 teilte die Schweizer Botschaft dem BFM mit, dass die bisherigen Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Wohnadresse in Addis Abeba und der von ihm dort besuchten Schulen nicht genügten, um Recherchen zu seiner Person in die We ge leiten zu können. D-3909/2014 Seite 3 D. Mit Schreiben vom 27. Februar 2013 forderte das BFM den Beschwerde- führer zu präziseren Angaben hinsichtlich der Personalien seiner Eltern, seiner Wohnadressen in Addis Abeba, der dort von ihm besuchten Sch u- len sowie seiner beruflichen Tätigkeiten auf. E. Am 14. März 2013 teilte der Beschwerdeführer der Vorinstanz mit, die Geburtsdaten seiner Eltern H._______, Mutter und I._______, Vater) sei- en ihm nicht bekannt. Weiter machte er weitere Angaben hinsichtlich sei- ner verschiedenen Wohnadressen in Addis Abeba sowie bezüglich der beiden zwischen 1998 und 2009 dort von ihm besuchten Schulen. A b- schliessend hielt er fest, er sei in Addis Abeba während drei er Jahre bei einem J._______ angestellt gewesen, der einen K._______ besessen habe und L._______ geheissen habe. Dabei habe er während der Fah r- ten die Fahrtkosten von den Passagieren eingezogen. F. Am 20. März 2013 ersuchte das BFM die Schweizer Botschaft in Addis Abeba gestützt auf die ergänzenden Auskünfte des Beschwerdeführers vom 14. März 2013 um weitere Abklärungen. G. Die Schweizer Botschaft in Addis Abeba verfasste am 15. April 2013 in vorliegender Angelegenheit eine Botschaftsauskunft zuhanden des BFM. Darin hielt sie namentlich fest, die Untersuchungen vor Ort hätten keine Hinweise a uf eine äthiopische Staatsangehörigkeit des Beschwerdefü h- rers ergeben. Es erstaune aber, dass der Beschwerdeführer zehn Jahre lang äthiopische Schulen habe besuchen können, ohne in diesem Land registriert gewesen zu sein. Weder der Beschwerdeführer noch D._______ seien im Einwohnerregister von Addis Abeba vermerkt, auch wenn anzufügen sei, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gew e- sen sei, die fragliche Hausnummer an seinem früheren Wohnort a n- zugeben. Die beiden vom Beschwerdeführer genannten Schulen existier- ten tatsächlich. Sein dortiger Schulbesuch habe nicht verifiziert werden können, da die Schülerdaten dort nicht computermässig erfasst seien. Im Einwohnerratsbüro des vom Beschwerdeführer bewohnten Stadtteils h a- be sich niemand gefunden, welcher etw as über den Beschwerdeführer, dessen Familie beziehungsweise D._______ gewusst oder über diese Personen gehört hätte. D-3909/2014 Seite 4 H. Mit Begleitschreiben vom 16. April 2014 stellte das BFM dem Beschwe r- deführer die Anfrage des BFM und den entsprechenden Bericht der Schweizerischen Vertretung vom 15. April 2013 unter Abdeckung der g e- heim zu haltenden Stellen zu und räumte ihm die Gelegenheit ein, sich hierzu bis zum 1. Mai 2014 schriftlich zu äussern. I. Am 30. April 2014 gab der Beschwerdeführer eine entsprechende Ste l- lungnahme ab . Darin hielt er namentlich fest, der Umstand, dass sein Name in den beiden von ihm besuchten Schulen nicht vermerkt sei, rühre mutmasslich daher, dass ihn D._______ dort nicht unter seinem richtigen Namen A._______, sondern unter demjenigen von (…) angemeldet habe. D._______ sei ursprünglich möglicherweise in einer anderen Kebele als an seinem Wohnort angemeldet gewesen, was erkläre, dass die entspr e- chenden Abklärungen in der Kebele (…) ergebnislos verlaufen seien. J. Mit Verfügung vom 5. Juni 2014 – eröffnet am 11. Juni 2014 – stellte das BFM fest, de r Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung und forderte ihn – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis am 31. Juli 2014 zu verlassen. Zur Begründung führte das BFM namentlich aus, es sei dem Beschwe r- deführer nicht gelungen, seine eritreische Herkunft beziehungsweise Staatsangehörigkeit glaubhaft darzulegen. So habe er keine Angaben da- zu machen können, wo sich seine Eltern nach deren Rückkehr nach Eri t- rea im Jahr 1997 genau aufgehalten hätten. Ferner habe er erklärt, nicht zu wissen, ob seine Familienangehörigen überhaupt noch am Leben se i- en. Seine Behauptung, keine Möglichkeit zu haben, die Familienan gehö- rigen in Eritrea ausfindig zu machen, habe er ebenfalls nicht glaubhaft darzulegen vermocht: Seine diesbezügliche Behauptung, er habe in der Schweiz erfolglos mehrere eritreische Personen nach dem Verbleib se i- ner Familie befragt, beziehungsweise, er ha be verschiedentlich mittels des Freunds seines Vaters in Äthiopien versucht, den Kontakt zu seinen Eltern herzustellen, muteten vage und pauschal an, weshalb der Schluss nahe liege, der Beschwerdeführer habe zu keinem Zeitpunkt versucht, seine Familienange hörigen in Eritrea ausfindig zu machen beziehung s- weise diese zu kontaktieren. D-3909/2014 Seite 5 Ferner wirke auch seine nicht näher erläuterte Behauptung, seine Familie habe ihn bei ihrer im Jahr 1997 erfolgten Rückkehr nach Eritrea bei ei- nem Freund ihres Vaters in Addis Ab eba zurückgelassen, wenig glaub- haft. Diese Einschätzung werde durch den Umstand bestärkt, dass er, obwohl er während acht Jahren bei besagtem Freund in Addis Abeba g e- wohnt habe, dort nie von seinen Eltern kontaktiert worden sei, und diese bei ihrer Abreise nach Eritrea auch keine Kontaktdaten hinterlassen hä t- ten. Im Weiteren seien auch seine Angaben zu Äthiopien und insbesondere zu Addis Abeba, wo er seit seinem siebten Lebensjahr gelebt haben wolle, dürftig ausgefallen, weshalb der Eindruck entstehe, er ve rsuche, einen Sachverhalt darzulegen, der nicht seiner tatsächlichen Lebensgeschichte entspreche. So habe er beispielsweise behauptet, in Äthiopien über keine Ausweisschriften und über keine Aufenthaltsgenehmigung verfügt zu h a- ben und dort auch nicht regis triert gewesen zu sein. Gleichzeitig habe er angegeben, in Addis Abeba während zehn Jahren zwei öffentliche Sch u- len besucht zu haben. Es sei indessen unwahrscheinlich, dass eine Pe r- son, die sich illegal in Äthiopien aufhalte, dort über zehn Jahre hinweg zwei öffentliche Schulen hätte besuchen können. Weiter falle auf, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen sei, die genaue Adresse des Freundes seines Vaters anzugeben, bei dem er während rund acht Jahren gelebt haben wolle. Auch seine Angaben, wonach er später in Addis Abeba ohne festen Wohnsitz an verschiedenen Orten gelebt habe, seien gesamthaft betrachtet nichtssagend und unte r- schiedlich ausgefallen. Ganz abgesehen davon habe er im Rahmen se i- ner (späteren) schriftlichen Eingabe vom 14. März 2013 mit keinem Wort erwähnt, dass er zu diesem Zeitpunkt keinen festen Wohnsitz gehabt h a- be, sondern für diesen Zeitraum vielmehr eine einzige Adresse angeführt, an der er alleine gelebt habe. Auch die von ihm eingereichten Dokumente seien nicht geeignet, seine angebliche eritreische Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen. So habe der Beschwerdeführer einerseits die Farbkopie einer eritreischen Ident i- tätskarte eingereicht, die ange blich seinem Vater gehören solle. Diesb e- zügliche Dokumente seien jedoch leic ht käuflich zu erwerben, was ihren Beweiswert reduziere. Das gelte umso mehr für blosse Kopien entspr e- chender Dokumente. Ferner vermöge die Kopie besagter eritreischer Identitätskarte keineswegs zu belegen, dass deren Inhaber tatsächlich der Vater des Beschwerdeführers sei. In diesem Zusammenhang sei a n-D-3909/2014 Seite 6 zumerken, dass dem Beschwerdeführer das auf der Identitätskarte ve r- merkte Geburtsdatum seines angeblichen Vaters nicht bekannt gewesen sei. Demgegenüber sei dem Mitgliedsausweis eines äthiopischen Kampf - sport-Trainingscenters, auf dessen Foto der Beschwerdeführer abgebildet sei, zu entnehmen, dass dessen Inhaber ein "Äthiopier" sei. Ausserdem laute dieser Mitgliedsausweis auf einen Namen, der weder demjenigen entspreche, den der Beschwerdeführer den schweizeri schen Asylbehör- den gegenüber als den seinigen angegeben habe ( A._______), noch demjenigen, unter welchem der Freund seines Vaters ihn angeblich in Äthiopien an der Schule habe registrieren lassen ((…), vgl. act. A25/2). Die Abklärungen seitens der Schweizer Vertretung in Addis Abeba hätten zwar ergeben, dass die Angaben des Beschwerdeführers über die beiden äthiopischen Schulen und deren Schuldirektor den Tatsachen entspr e- chen würden. Es erstaune aber, dass er diese Schulen ohne Registri e- rung in Äthiopien h abe besuchen können. Im Weiteren habe weder sein Name noch derjenige des Freundes seines Vaters als ehemalige Bewo h- ner an der angegebenen Adresse ausfindig gemacht werden können. Sein diesbezüglicher Einwand, die ergebnislosen Abklärungen der Bo t- schaft sei en darauf zurückzuführen, dass der Freund seines Vaters ihn sowohl an seinem damaligen Wohnsitz als auch an der Schule nicht unter seinem richtigen Namen ( A._______), sondern unter einem anderen ( …) habe registrieren lassen, sei allein schon deswegen unbehelflich, weil der Beschwerdeführer diesen Umstand während des bisherigen Asylverfa h- rens nie erwähnt habe. Aus den dargetanen Gründen sei es ihm nicht gelungen, seine behaupt e- te eritreische Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen. K. Mit Eingabe vom 10. Juli 2014 (Datum des Poststempels) erhob der Be- schwerdeführer mittels seines Rechtsvertreters beim Bundesverwa l- tungsgericht Beschwerde und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei hinsichtlich der Feststellung der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufzuheben, und es sei ih m eine vorläufige Au f- nahme zu gewähren (vgl. Beschwerde S. 1/ I. i.V.m. S. 3/ IV. Abs. 1) . In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellte er den Antrag, er sei von der Bezah- lung der Verfahrenskosten und von der Leist ung eines Kostenvorschu s- ses zu befreien. D-3909/2014 Seite 7 Auf die Beschwerdebegründung wird, soweit entscheiderheblich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. L. Mit Schreiben vom 1 4. Juli 2014 bestätigte das Bundesverwaltungsg e- richt den Eingang der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vori nstanz teilg e- nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsw eise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist folglich einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m . Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2. Die im Beschwerdeverfahren möglichen Rügegründe und die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts ergeben sich aus Art. 106 Abs. 1 AsylG, soweit das AsylG zur Anwendung gelangt, beziehungsweise aus Art. 112 AuG [SR 142.20] i.V.m. Art. 49 VwVG, soweit das AuG zur Anwendung gelangt. 3. 3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterl i- cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vo r-D-3909/2014 Seite 8 liegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summ a- risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durc h- führung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. Gemäss den Rechtsbegehren richtet sich die Beschwerde ausschliesslich gegen den angeordneten Vollzug der Wegweisung. Die Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung (Feststellung der fehlenden Flüchtlingseigenschaft, Ablehnung des Asylgesuchs und Wegweisung aus der Schweiz) sind demnach mangels Anfechtung rechtskräftig geworden. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer rügt vorab in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe es vorliegend unterlassen, die Herkunft des Beschwerdeführers mit- tels Anordnung eines Lingua-Gutachtens zu eruieren. Damit habe sie den massgeblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt und überdies ihre Untersuchungspflicht und Bundesrecht, insbesondere den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV, verletzt. Aus diesen Gründen sei die vorliegende Angelegenheit zwecks nachträglicher Durchführung eines Lingua -Tests sowie der Gewährung des rechtlichen Gehörs zu dessen Ergebnissen vorgängig eines erneuten materiellen Entscheides an die Vorinstanz zurückzuweisen (v gl. B e- schwerde S. 4/ IV. Abs. 3 und 4). 5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ande r- seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ei n- greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor E r- lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Bewe i- se beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen B e- weisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher B e- weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah- ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 S. 293; BVGE 2009/35 E. 6.4.1, m.w.H.). Dazu gehört auch die D-3909/2014 Seite 9 Pflicht, den Entscheid in genügender Weise zu begründen (Begrü n- dungspflicht). 5.3 Der Beschwerdeführer verkennt mit seiner Rüge, die Vorinstanz habe mangels Erstellung eines Lingua -Gutachtens den Untersuchungsgrun d- satz verletzt, die Tatsache, dass der Gesetzgeber keine Pflicht zur Erstel- lung von Sprachgutachten für die Abklärung des rechtlich relevanten Sachverhalts vorsieht. Im Grundsatz werden mit dem vorgebrachten Ei n- wand nicht Verfahrensmängel, sondern es wird die Beweiswürdigung der Vorinstanz gerügt (vgl. zum Gan zen Urteil des Bundesverwaltungsg e- richts E-2450/2014 vom 22. Mai 2014, E. 5.3 S. 8) . Dies ergibt sich letzt- lich aus dem Vorwurf an die Vorinstanz, diese stütze ihre Zweifel an der vom Beschwerdeführer geltend gemachten (eritreischen) Herkunft letz t- lich auf reine Spekulationen (vgl. Beschwerde S. 4/ IV. Abs. 3 in fine). Auf die entsprechende Rüge ist somit bei der Beweiswürdigung einzugehen. 5.4 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte für eine Gehörsverletzung oder für eine Verletzung des Untersuchung s- grundsatzes vorliegen. Die entsprechenden Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegründet. Der Antrag auf Rückweisung zur Neube- urteilung ist deshalb abzuweisen. 6. 6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutba r oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Au s- ländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt g e- mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vo r- gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüch t- lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte B e- weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Au s- länderrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.148; BVGE 2012/31 E. 7.1 S. 588, 2011/50 E. 3.2 S. 998, 2011/24 E. 10.2 S. 502). 6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat -, Herkunfts - oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Der Vollzug kann für Ausländerinnen oder Ausländer unz u-D-3909/2014 Seite 10 mutbar sein, wenn sie in Situatio nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat - oder Herkunftsstaat ko n- kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den Heimat - oder in den Her kunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin g e- bracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.3 Der Beschwerdeführer vertritt den Standpunkt, er sei eritreischer Staatsangehöriger und in C._______ geboren, wo er auch bis zu seiner Ausreise nach Äthiopien im Jahr 1994 gelebt habe (vgl. act. A3/9 S. 4 Ziff. 2.01, act. A12/11 S. 7 A 60 und Beschwerde S. 2/3). 6.3.1 Der Beschwerdeführer machte auf Rechtsmittelebene vorab ge l- tend, er habe plausible Gründe dafür, weshalb er nicht in der Lage gew e- sen sei, seine e ritreische Staatsangehörigkeit mittels einer persönlichen Identitätskarte zu belegen, habe er doch seine Heimat bereits im Alter von vier Jahren verlassen, ohne jemals dorthin zurückgekehrt zu sein (vgl. Beschwerde S. 3 unten). Wie das BFM in seiner Verfügung indessen zu Recht erwogen hat, bleibt unerfindlich, weshalb die Eltern zusammen mit ihrer Tochter 1997 nach Eritrea hätten zurückkehren sollen, ohne den Beschwerdeführer mitzunehmen. Auch auf Beschwerdeebene schweigt sich der Beschwerdeführer über die Hintergründe aus, die dazu geführt haben, dass seine Familie ihn im Jahr 1997 allein bei einem Onkel (vgl. act. A9/3 S. 7 oben) beziehungsweise bei einem Freund seines Vaters (vgl. act. A12/11 S. 5 F und A 37–42 und S. 7 F und A 61 f.) in Addis Abe- ba zurückliess, was zumindest erstaunt, da sein Onkel ihn im Verlaufe ih- rer gemeinsamen Zeit in Addis Abeba wohl über die Gründe für das Ve r- halten seiner Eltern in Kenntnis gesetzt hätte. Weiter erwecken auch die stereotypen Aussagen des Beschwerdeführers in Bezug auf den Verbleib seiner Eltern beziehungsweise hinsichtlich seiner Bemühungen , ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen, nicht den Eindruck, dass er sich ta t- sächlich darum bemüht hätte, einen Kontakt zu ihnen herzustellen. In diesem Zusammenhang fällt übe rdies auf, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung zur Person behauptete, nicht genau zu wissen, wo seine Familie sei. Er wisse nur, dass sie in Eritrea sei (vgl. act. A3/9 S. 5 Ziff. 3.01), um erst anlässlich der Anhörung am 23. Januar 2013 zu behaupten, er wisse nicht, ob seine Familie heute überhaupt noch am Leben sei (vgl. act. A12/11 S. 5 F und A 36). Ferner war er nicht in der Lage, die genaue Wohnadresse des Freundes seines Vaters in Addis Abeba zu bezeichnen, wiewohl er dort insgesamt ach t Jahre gelebt h a- ben will. Sein diesbezüglicher Erklärungsversuch, er wisse die genaue D-3909/2014 Seite 11 Hausnummer nicht, weil jener dort nur als Untermieter gelebt habe (vgl. act. A12/11 S. 5 F und A 40), erscheint konstruiert und daher als unb e- helfliche Schutzbehauptung. All diese Überlegungen sprechen dafür, dass die Behauptung des Beschwerdeführers , als eritreischer Staatsangehöri- ger im Alter von vier Jahren nach Äthiopien gezogen und seither nie mehr in seine Heimat zurückgekehrt zu sein, nicht den Tatsachen entsprechen dürfte. Bezüglich weitergehender Einzelheiten kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz (vgl. Sachverhalt Bst. J) verwiesen werden. So besehen sind keine plausiblen Gründe ersichtlich, die es dem B e- schwerdeführer verunmöglicht haben könnten, den Schweizer Asylbehör- den seine eritreische Identitätskarte einzureichen, falls er tatsächlich die eritreische Staatsangehörigkeit besitzen sollte. Der Vorwurf in der B e- schwerde, die Vorinstanz gründe ihre Zweifel an der eritreischen Staat s- angehörigkeit auf reine Spekulationen, erweist sich aufgrund des Gesa g- ten als haltlos. 6.3.2 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Vorinstanz habe es unterlassen, hinsichtlich seiner Person ein Lingua-Gutachten zu erstellen, womit es seine Untersuchungspflicht verle tzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt und das rechtliche Gehör des B e- schwerdeführers verletzt habe (vgl. Beschwerde S. 4 Abs. 3 und 4). In diesem Zusammenhang ist nochmals darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer bis heute keine Dokumente eingereicht hat, die geei g- net sind, seine Identität nachzuweisen. Zudem sind den Akten keine Hi n- weise dafür zu entnehmen, dass die Schriftenlosigkeit des Beschwerd e- führers auf Gründe zurückzuführen ist, die er nicht zu vertreten hätte. Bei dieser Sachlage geht das Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss d a- von aus, es würden einer Wegweisung aus der Schweiz keine Vollzug s- hindernisse im Sinne von Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 bis 4 AuG entgegenstehen. Diese Annahme ist deshalb gerechtferti gt, weil die b e- züglich solcher Hindernisse grundsätzlich bestehende Untersuchung s- pflicht der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asyl suchenden Person findet (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substan- tiierungslast trägt (Art. 7 Asyl G). Verunmöglicht der Asylsuchende durch die Verheimlichung seiner Nationalität den Asylbehörden, sinnvoll zu pr ü- fen, ob ihm im tatsächlichen Heimat - oder Herkunftsstaat Gefahr drohe, so kann es unter diesen, vom Asylsuchenden selber herbeigeführten Um- ständen nach Treu und Glauben nicht Sache der Asylbehörden sein, nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Heimat - oder Herkunftsländern zu forschen (vgl. WALTER KÄLIN, Grundriss des D-3909/2014 Seite 12 Asylverfahrens, 1990 S. 262 f.). Vielmehr hat der As ylsuchende die Fo l- gen seiner mangelhaften Mitwirkung zu tragen, indem in solchen Fällen ohne Weiteres angenommen werden kann, seine Rückschiebung habe keine Verletzung von Art. 3 EMRK oder anderer Bestimmungen (insb. Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 7 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politi- sche Rechte [UN-Pakt II, SR 0.103.2] sowie Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmensc h- liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105], welche in ihrer Tragweite aber ohnehin nicht über Art. 3 EMRK hinausgehen [vgl. dazu BGE 124 I 235 f. E. 2a; EMARK 2004 Nr. 7 E. 5c.dd S. 49]) , zur Folge. Desgleichen ist in solchen Fällen davon auszugehen, dass der Vollzug der Wegweisung in den tatsächlichen Heimat - oder H erkunfts- staat für den Beschwerdeführer nicht unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG ist, weil unter diesen Umständen praxisgemäss die Verm u- tung besteht, dass er dort nicht als Folge eines Krieges, Bürgerkrieges oder allgemeiner beziehungsweise ihm als Individuum unmittelbar dr o- hender Gewalt konkret gefährdet wäre, eine absolut notwendige mediz i- nische Versorgung nicht erhielte oder – aus objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiede r- bringlich in völlige Armut gestossen würde, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung seines Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wäre (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1 S. 504 f.; 2009/52 E. 10.1 S. 756 f.; 2009/51 E.5.5 S. 748; 2009/28 E . 9.3.1 S. 367). Nach dem Gesagten besteht im vorliegenden Fall kein Raum für die Anordnung einer Lingua -Analyse, zumal diese ohnehin nicht geeignet gewesen wäre, die vom Beschwerdeführer behauptete, indessen nicht glaubhaft gemachte eritreische Staatsangehörigkeit zu belegen. Die R ü- gen, die Vorinstanz habe durch die unterlassene Anordnung einer Lingua- Analyse ihre Untersuchungspflicht verletzt beziehungsweise, den recht s- erheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt , erweisen sich nach dem Gesagten als unbegründet. 6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, für sich bei der z u- ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwend i- gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vol lzug der We g- weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten D-3909/2014 Seite 13 fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme aus ser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG) und nicht un angemessen ist (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 49 Bst. c VwVG ). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. Bei dieser Sachlage wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 8. Aufgrund obiger Erwägungen ist das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen, da die Begehren als aussichtslos zu bezeic h- nen sind, weshalb die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgelt- lichen Rechtspflege nicht erfüllt sind. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwa l- tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite) D-3909/2014 Seite 14 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird a b- gewiesen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 600. – werden dem Beschwerdeführer au f- erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugun s- ten der Gerichtskasse zu überweisen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständ i- ge kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Martin Zoller Philipp Reimann Versand: