<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 135 S.571</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">571</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>135 Baubewilligungsgebühr.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Ohne klare gesetzliche Grundlage können die Kosten der externen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bauverwaltung für die ordentliche Baugesuchsprüfung nicht auf die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bauherrschaft überwälzt werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Baudepartements vom 20.10.2000 in Sachen K.</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">8. d) aa) Der Gemeinderat F. hat die beim externen Ingenieur-</span><br/> <span class="ft1">büro X. im Umfang von Fr. 1'280.35 angefallenen Kosten zu</span><br/> <span class="ft1">Fr. 1'264.10 als Bewilligungsgebühr dem Beschwerdeführer</span><br/> <span class="ft1">auferlegt. Darüber hinaus verfügte er eine Kontrollgebühr von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 190.--. Gemäss seinen an der Augenscheinsverhandlung</span><br/> <span class="ft1">getätigten Aussagen lässt der Gemeinderat seit rund 15 Jahren einen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">572</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Grossteil der Baugesuche durch das Ingenieurbüro X. prüfen, da</span><br/> <span class="ft1">dieses ,,über mehr Zeit verfüge". Eine Überweisung erfolge</span><br/> <span class="ft1">insbesondere dann, wenn es ,,Diskussionen gebe" oder ein</span><br/> <span class="ft1">,,besonders schwieriger" Fall vorliege. Beim Ingenieurbüro handle es</span><br/> <span class="ft1">sich um einen ,,verlängerten Arm" resp. ,,um einen Zweig der</span><br/> <span class="ft1">Gemeindeverwaltung", ja um die eigentliche Bauverwaltung.</span><br/> <span class="ft1">bb) Baubewilligungsbehörde ist im Kanton Aargau der Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat. Die Gemeinden können dem Gemeinderat jedoch</span><br/> <span class="ft1">Hilfsorgane beigeben, die vor allem bei der Ermittlung und Prüfung</span><br/> <span class="ft1">der Bauvorhaben mitzuwirken haben. Diese Organe haben grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzlich keine eigene Entscheidungskompetenz, sondern nur die Auf-</span><br/> <span class="ft1">gabe der Vorbereitung, Prüfung und Begutachtung zuhanden des</span><br/> <span class="ft1">allein entscheidenden Gemeinderates. Ob und welche Hilfsorgane</span><br/> <span class="ft1">einzusetzen sind, hängt von den Bedürfnissen der einzelnen Gemein-</span><br/> <span class="ft1">den ab. Als Hilfspersonen können Baukommissionen oder Fachleute</span><br/> <span class="ft1">als Berater des Gemeinderates eingesetzt werden. In grösseren Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinden werden Bauverwaltungen eingesetzt. Es kommt aber auch</span><br/> <span class="ft1">vor, dass externe Fachleute, z.B. die Inhaber eines Planungsbüros, in</span><br/> <span class="ft1">einer Gemeinde nebenamtlich die Funktion der Bauverwaltung aus-</span><br/> <span class="ft1">üben (Erich Zimmerlin, Baugesetz des Kantons Aargau, 2. Aufl.,</span><br/> <span class="ft1">Aarau 1985, § 152 N 3; Protokoll des Regierungsrates [RRB] vom</span><br/> <span class="ft1">13. November 1996 i. S. R. G.; Entscheid des Baudepartements</span><br/> <span class="ft1">[BDE] vom 29. August 1995 i. S. W. K.).</span><br/> <span class="ft1">Die Zulässigkeit solcher Delegationen ergibt sich aus § 39</span><br/> <span class="ft1">Abs.1 und insbesondere § 3 Abs. 2 des Gesetzes über die Einwoh-</span><br/> <span class="ft1">nergemeinden (Gemeindegesetz) vom 19. Dezember 1978 und den</span><br/> <span class="ft1">Regelungen in den Bau- und Nutzungsordnungen (BNO) der betref-</span><br/> <span class="ft1">fenden Gemeinden. So hält auch § 56 der BNO der Gemeinde F.</span><br/> <span class="ft1">ausdrücklich fest, dass der Gemeinderat ,,Kommissionen mit bera-</span><br/> <span class="ft1">tender Funktion bestellen" und ,,für die Prüfung von Gesuchen und</span><br/> <span class="ft1">für Vollzugskontrollen externe Fachleute sowie regionale Stellen</span><br/> <span class="ft1">beiziehen" kann, womit er über die hiezu notwendige Gesetzes-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">573</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">grundlage verfügt. Der Beizug des Ingenieurbüros X. ist demnach</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">cc) Aus dem Gesagten ergibt sich allerdings nicht automa-</span><br/> <span class="ft1">tisch, dass die Auslagen der Gemeinde für den Beizug auswärtiger</span><br/> <span class="ft1">Fachleute ohne weiteres den Baugesuchstellern überbunden werden</span><br/> <span class="ft1">können. Ohne ausdrückliche, anderslautende gesetzliche Grundlage</span><br/> <span class="ft1">ist davon auszugehen, dass derartige Kosten in der Baubewilligungs-</span><br/> <span class="ft1">gebühr enthalten sind; ergibt sich für die Gemeinde ein Ausga-</span><br/> <span class="ft1">benüberschuss, so muss dieser aus den allgemeinen Steuermitteln</span><br/> <span class="ft1">gedeckt werden (vgl. RRB Nr. 2321 vom 13. November 1996 i.S.</span><br/> <span class="ft1">R.G. und Nr. 135 vom 18. Januar 1993 i.S. M. K. sowie BDE vom</span><br/> <span class="ft1">3. September 1997 i.S. E. und E. E.) oder aber die ordentlichen</span><br/> <span class="ft1">Baubewilligungsgebühren sind durch die Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">dergestalt anzupassen, dass aus ihnen auch die Kosten der</span><br/> <span class="ft1">Aufwendungen des Fachmannes bestritten werden können, welche</span><br/> <span class="ft1">nicht im Rahmen seiner Gutachtertätigkeit, sondern im Rahmen</span><br/> <span class="ft1">seiner Wahrnehmung von allgemeinen Bauverwaltungsaufgaben</span><br/> <span class="ft1">anfallen (BDE vom 18. Dezember 1991 i. S. Stockwerkeigentümer</span><br/> <span class="ft1">MFH J.-strasse, S. 3 f., BDE vom 18. September 1990 i. S.</span><br/> <span class="ft1">Baukonsortium W., S. 6 f., BDE vom 23. Februar 1990 i. S.</span><br/> <span class="ft1">Baukonsortium E., W., und T., S. 7). Eine Grenze bildet dabei aber</span><br/> <span class="ft1">allerdings stets das Äquivalenzprinzip (...).</span><br/> <span class="ft1">Wohl gibt es einige wenige Gemeinden, die bewusst einen an-</span><br/> <span class="ft1">deren Weg gegangen sind, so beispielsweise die Gemeinde Z., wel-</span><br/> <span class="ft1">che in Art. 16 Abs. 1 lit. b Lemma 1 ihrer BNO für bewilligte Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suche einerseits eine Gebühr von 2 des Brandversicherungswertes</span><br/> <span class="ft1">plus alle Zulagen, exkl. Umgebung, mindestens aber Fr. 100.-- ver-</span><br/> <span class="ft1">langt. Gleichzeitig wird aber ausdrücklich bestimmt:</span><br/> <span class="ft5">,,Die Kosten für Profilkontrolle, Publikation sowie der baupolizeili-</span><br/> <span class="ft5">chen Prüfung (einschliesslich Lärm-, Wärme- und Zivilschutz) und Bau-</span><br/> <span class="ft5">kontrollen nach Art. 18 Abs. 1 durch externe Fachleute sind von der Bau-</span><br/> <span class="ft5">herrschaft zusätzlich zu tragen".</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">574</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Dieser kommunale Gesetzgeber hatte offensichtlich das Be-</span><br/> <span class="ft1">streben, eine indirekte Subventionierung der Baugesuchsteller aus</span><br/> <span class="ft1">der allgemeinen Steuerkasse zu verhindern, was vom Regierungsrat</span><br/> <span class="ft1">und anschliessend vom Verwaltungsgericht nicht gerügt wurde (vgl.</span><br/> <span class="ft1">RRB Nr. 2321 vom 13. November 1996 i. S. R. G.; VGE III/81 vom</span><br/> <span class="ft1">8. Juni 1999 i. S. R. G.).</span><br/> <span class="ft1">Einer solchen verwaltungsgerichtlichen Überprüfung dürfte</span><br/> <span class="ft1">demnach auch das Gebührenreglement der Gemeinde D. standhalten.</span><br/> <span class="ft1">Dieses regelt in einer ersten Ziffer die promillemässig zu ermitteln-</span><br/> <span class="ft1">den Gebühren resp. die Mindestgebühren für bewilligte, abgelehnte</span><br/> <span class="ft1">und zurückgezogene Baugesuche sowie für Vorentscheide. In einer</span><br/> <span class="ft1">anschliessenden Ziff. 3 wird darüber hinaus - entsprechend der Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung in der BNO der Gemeinde Z. - ausdrücklich festgehalten,</span><br/> <span class="ft1">dass ,,die effektiven Kosten einer externen Bauverwaltung für Profil-</span><br/> <span class="ft1">kontrolle, die baupolizeilichen Prüfung und Bearbeitung des Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suches einschliesslich Brand-, Lärm-, Wärme- und Zivilschutz und</span><br/> <span class="ft1">die gesetzlich vorgeschriebenen Baukontrollen von der Bauherr-</span><br/> <span class="ft1">schaft zusätzlich zu ersetzen" sind. Die Zulässigkeit des Beizugs</span><br/> <span class="ft1">externer Fachleute für die Prüfung von Gesuchen ergibt sich aus § 38</span><br/> <span class="ft1">der BNO.</span><br/> <span class="ft1">Die Gemeinde F. hat demgegenüber keine entsprechende ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Grundlage, welche es erlauben würde, zusätzlich zur or-</span><br/> <span class="ft1">dentlichen Baugesuchsprüfungsgebühr die Kosten von extern beige-</span><br/> <span class="ft1">zogenen Fachleuten auf den Gesuchsteller zu überwälzen. § 57 BNO</span><br/> <span class="ft1">enthält lediglich den allgemeinen Verweis, wonach sich ,,die</span><br/> <span class="ft1">Gebühren und die weiteren Verfahrenskosten (Auslagen für externe</span><br/> <span class="ft1">Fachleute und regionale Stellen, Expertisen usw.)" nach dem</span><br/> <span class="ft1">Baugebührenreglement der Gemeinde richten. Dieses bestimmt was</span><br/> <span class="ft1">folgt:</span><br/> <span class="ft5">,,1. Baugesuchsgebühren</span><br/> <span class="ft5">(...) Der Gemeinderat legt die Gebühr unter Berücksichtigung des Prü-</span><br/> <span class="ft5">fungsaufwandes und der Bausumme fest. Dabei gelten folgende</span><br/> <span class="ft5">Ansätze als Richtlinien:</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">575</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft5">a) (...)</span><br/> <span class="ft5">b) für bewilligte Baugesuche:</span><br/> <span class="ft5">- 2,5 der geschätzten Bausumme, mindestens aber Fr. 100.-;</span><br/> <span class="ft5">- (...)</span><br/> <span class="ft5">2. Zusätzliche Mehraufwendungen</span><br/> <span class="ft5">Mehraufwendungen infolge mangelhafter Baugesuche, besonders</span><br/> <span class="ft5">aufwendige Prüfungen, spezieller Beaufsichtigungen, Messungen und</span><br/> <span class="ft5">Kontrollen oder Nichtbeachtung von Vorschriften sind nach Aufwand</span><br/> <span class="ft5">zu ersetzen.</span><br/> <span class="ft5">3. Publikation, Kontrollen</span><br/> <span class="ft5">3.1.</span> <span class="ft5">Die Kosten für die Publikation des Baugesuches und für</span><br/> <span class="ft5">Gutachten werden dem Verursacher in Rechnung gestellt. (...)"</span><br/> <span class="ft1">Unter Ziff. 3.1. lässt sich die mit Beschluss vom 21. Februar</span><br/> <span class="ft1">verfügte Gebührenrechnung deshalb nicht subsumieren, weil diese</span><br/> <span class="ft1">Bestimmung - entgegen der von der Gemeinde Z. gewählten Formu-</span><br/> <span class="ft1">lierung - lediglich erlaubt, die Kosten für die Publikation des Bauge-</span><br/> <span class="ft1">suches und für Gutachten dem Verursacher in Rechnung zu stellen.</span><br/> <span class="ft1">Im vorliegenden Fall jedoch nahm das Ingenieurbüro X. lediglich</span><br/> <span class="ft1">eine allgemeine Verwaltungsaufgabe wahr und nicht eine eigentliche</span><br/> <span class="ft1">Gutachter- oder Expertentätigkeit im Sinne der vorgenannten Be-</span><br/> <span class="ft1">stimmung. Eine solche ist nur dann anzunehmen, wenn Fragen zu</span><br/> <span class="ft1">beurteilen sind, welche ausserhalb des Rahmens der üblichen Bau-</span><br/> <span class="ft1">verwaltertätigkeiten liegen (vgl. BDE vom 3. September 1997 i.S. E.</span><br/> <span class="ft1">und E. E.), was für den vorliegenden Fall klar und auch seitens des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderates unbestrittenermassen zu verneinen ist.</span><br/> <span class="ft1">Die allgemeinen Aufwendungen müssen jedoch wie vorste-</span><br/> <span class="ft1">hend ausgeführt aus den ordentlichen Gebühreneinnahmen gedeckt</span><br/> <span class="ft1">werden und können - zumindest ohne ausdrückliche und klare ge-</span><br/> <span class="ft1">setzliche Grundlage - nicht dem Baugesuchsteller zusätzlich zur</span><br/> <span class="ft1">ordentlichen Baubewilligungsgebühr überbunden werden. Vermag</span><br/> <span class="ft1">der geltende Tarif diese Kosten nicht mehr zu decken, drängt sich</span><br/> <span class="ft1">eine entsprechende Anpassung durch die Gemeindeversammlung</span><br/> <span class="ft1">auf.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">576</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Auch Ziff. 1 lit. b Abs. 3 und Ziff. 2 der Gebührenverordnung</span><br/> <span class="ft1">bilden keine genügende Rechtsgrundlage, um die durch den Beizug</span><br/> <span class="ft1">des externen, als eigentliche Bauverwaltung für die Gemeinde F.</span><br/> <span class="ft1">tätigen Ingenieurbüros entstandenen Kosten auf den Baugesuchstel-</span><br/> <span class="ft1">ler zu überwälzen, weil es sich beim ,,Aufwand" und beim ,,Prü-</span><br/> <span class="ft1">fungsaufwand" resp. bei den ,,Mehraufwendungen" aufgrund der</span><br/> <span class="ft1">gewählten Formulierung der entsprechenden Bestimmung nur um</span><br/> <span class="ft1">den jeweiligen Aufwand des Gemeinderates, nicht aber des von ihm</span><br/> <span class="ft1">beigezogenen Ingenieurbüros handeln kann.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>