Abteilung IV D-4135/2006/wif {T 0/2} U r t e i l v o m 2 4 . J u n i 2 0 0 9 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. A._______ und dessen Ehefrau B.______, China, C._______ Beschwerdeführende, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Asyl; Verfügung des BFM vom 8. Dezember 2005 / N_______ B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i f f é d é r a l T r i b u n a l e a m m i n i s t r a t i v o f e d e r a l e T r i b u n a l a d m i n i s t r a t i v f e d e r a l Besetzung Parteien GegenstandD-4135/2006 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin verliess nach eigenen Angaben ihren Her- kunftsort D._______ (andere Schreibweise: E.______), Provinz F.______, ungefähr im Oktober 2001 und gelangte über G.______ innerhalb eineinhalb Monate nach Nepal und von dort auf dem Luftweg und schliesslich in einem Auto am 12. Dezember 2001 in die Schweiz, wo sie gleichentags ein Asylgesuch stellte. Anlässlich der Erstbefragung in der H._______ vom 13. Dezember 2001 und der Anhörung durch die zuständige kantonale Behörde vom 27. Mai 2002 machte die Beschwerdeführerin ohne Einreichung von Identitätsdokumenten im Wesentlichen geltend, chinesische Staatsan- gehörige tibetischer Volkszugehörigkeit zu sein und sich von ihrer Ge- burt an bis zu ihrer Ausreise im Oktober 2001 ständig im Dorf D.______aufgehalten zu haben. Ohne sich politisch betätigt zu haben und – abgesehen von gelegentlichen behördlichen Kontrollen – ohne weiter behelligt worden zu sein, habe sie wegen den grundsätzlich eingeschränkten Freiheiten unter der chinesischen Oberherrschaft zusam men mit ihrem Bruder und mit Hilfe eines Schleppers ihren Herkunftsort verlassen. In G.______habe sie ihre Identitätskarte („Sepenthi“), die vor langer Zeit auf Antrag ihrer Eltern ausgestellt worden sei, dem Schlepper abgeben müssen (vgl. BFM- Protokoll A3, S. 3). B. Der Beschwerdeführer verliess nach eigenen Angaben seinen Her- kunftsort D.______ ungefähr im August/September 2002 und gelangte über G.______ innerhalb zirka eines Monates via I._______und K._______ auf dem Luftweg nach Europa und schliesslich mit einem Auto am 6. Oktober 2002 in die Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Anlässlich der Erstbefragung im L._______ vom 24. Ok tober 2002 und der Anhörung durch die zuständige kantonale Behörde vom 22. Juli 2003 machte der Beschwerdeführer, ebenfalls ohne Einreichung von Identitätsdokumenten, im Wesentlichen geltend, chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Volkszugehörigkeit zu sein und sich von seiner Geburt an bis zur Ausreise im September 2002 ständig im Dorf D.________ aufgehalten zu haben. Er habe, ohne sich politisch betä- Seite 2D-4135/2006 tigt zu haben und jemals festgenommen worden zu sein, unter der chi- nesischen Herrschaft, insbesondere der damit verbundenen fehlenden Religionsfreiheit, gelitten. Im Weiteren hätten ihn chinesische Beamte nach der Ausreise seiner Ehefrau zweimal während seiner Abwesen- heit zuhause aufgesucht und sich bei seinem Vater nach deren Ver- bleib erkundigt. Später seien die chinesischen Sicherheitsbeamten auch in seiner Anwesenheit nach Hause gekommen und hätten ihn und seinen Vater unter dem Vorwurf, sie seien wie die Verschwundene reaktionär und hätten diese zum Dalai Lama nach Indien geschickt, geschlagen (vgl. A11, S. 5). Aus Furcht vor einer Festnahme oder wei- teren Misshandlungen sowie aufgrund der allgemeinen schwierigen Si- tuation habe er sich zur Ausreise entschlossen. Als er, seine Eltern und seine beiden Kinder das Haus Richtung G.______ verlassen hätten, habe er an der Tür und an der Wand Posters mit Parolen für den Dalai Lama befestigt. Während seine Familienangehörigen vorerst versteckt in G.______ geblieben seien (vgl. A11, S. 5), sei er mit einem Bekannten via I.______ nach K._______ und von dort mit dem Flugzeug nach Europa gelangt. Er habe nie einen Pass besessen und zuvor Zawa nie verlassen; eine Person in G._______, welche ihn mitgenommen habe, habe für ihn Ausweise machen lassen (“sipenten“ und „tangshiten“), ihm diese dann gegeben und in Nepal wieder abgenommen (vgl. A11, S. 3). C. Am 24. und 25. August 2004 führte ein Experte der Fachstelle Lingua im Auftrag des BFM mit den Beschwerdeführenden eine sprachlich- länderkundliche Herkunftsanalyse durch und gelangte in seinem Gut- achten vom 3. November 2004 zum Schluss, die Beschwerdeführen- den seien eindeutig tibetischer Ethnie, indessen sei eine zur Hauptsa- che ausserhalb Tibets erfolgte Sozialisierung beziehungsweise ein län- gerer Aufenthalt ausserhalb Tibets wahrscheinlich. D. Die Beschwerdeführenden nahmen im Rahmen des rechtlichen Ge- hörs mit Schreiben vom 12. Oktober 2005 Stellung zur Herkunftsanaly- se vom 3. November 2004. E. Mit Schreiben vom 20. und 25. Oktober 2005 reichten die Beschwerde- führenden tibetische Identitätskarten, ausgestellt am 30. November 2000 beziehungsweise 31. Dezember 2000, im Original ein mit dem Seite 3D-4135/2006 Hinweis, sie hätten diese über die Familie der Beschwerdeführerin erhalten. F. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2005 wies das BFM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden teils wegen fehlender Asylrelevanz, teils wegen Unglaubhaftigkeit ab, ordnete indessen wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs deren vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. G. Mit Beschwerdeeingabe vom 28. Dezember 2005 an die damals zu- ständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) beantragten die Beschwerdeführenden, der Entscheid des BFM sei aufzuheben und ihnen sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesge- setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten- vorschusses ersucht. H. Mit Verfügung vom 16. Januar 2006 verzichtete der damals zuständige Instruktionsrichter angesichts des bestehenden Sicherheitskontos auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. I. Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens erkannte die Vorinstanz mit neuer Verfügung vom 7. Februar 2006 in teilweiser Wiedererwä- gung der angefochtenen Verfügung (vgl. Art. 58 Abs. 1) den Beschwer- deführenden die Flüchtlingseigenschaft zu und bestätigte – nunmehr wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs – deren vorläufige Aufnahme. K. Eine Anfrage des Instruktionsrichters der ARK vom 8. Februar 2006, ob die dadurch nun teilweise gegenstandslos gewordene Beschwerde in den restlichen Punkten allenfalls zurückgezogen werde, liessen die Beschwerdeführenden unbeantwortet. Seite 4D-4135/2006 L. Mit Verfügung des BFM vom 18. August 2006 wurden die beiden Kin- der der Beschwerdeführenden, M._______und N._______nach erteilter Einreisebewilligung in die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden als Flüchtlinge einbezogen. M. Am 21. November 2008 wurde den Beschwerdeführenden vom O.______ – mit Zustimmung des BFM – eine Aufenthaltsbewilligung B erteilt, womit das Beschwerdeverfahren auch in den Punkten 3 – 7 der angefochtenen Verfügung gegenstandslos wurde. N. Aufgrund dieser veränderten Sachlage erhielten die Beschwerdefüh- renden mit Verfügung vom 14. April 2009 erneut Gelegenheit, sich bis zum 30. April 2009 über einen allfälligen Rückzug ihrer Beschwerde zu äussern. Diese Frist liessen die Beschwerdeführenden unbenutzt ver- streichen. Seite 5D-4135/2006 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen des BFM, welche in Anwendung des Asylgesetzes ergangen sind; das Bundesverwaltungsgericht entschei- det in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2 Die bei der ARK am 31. Dezember 2006 noch hängigen Be- schwerdeverfahren wurden per 1. Januar 2007 durch das Bundesver- waltungsgericht übernommen und werden durch dieses weitergeführt; dabei findet das neue Verfahrensrecht Anwendung (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; die Be- schwerdeführenden sind legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4 Der Gegenstand des Beschwerdeverfahrens ist nach Zuerken- nung der Flüchtlingseigenschaft und Erteilung einer kantonalen Auf- enthaltsbewilligung auf die Frage der Asylgewährung (Ziff. 2 der ange- fochtenen Verfügung) beschränkt. 1.5 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen- heit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner- kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei- ner bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An- schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Seite 6D-4135/2006 Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei- sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein- lichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider- sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3. 3.1 Das BMF stellte in der angefochtenen Verfügung fest, zum Einen seien die von den Beschwerdeführenden angegebenen allgemeinen Benachteiligungen und Diskriminierungen der Tibeter in China (wie die vorliegend geltend gemachten Hausdurchsuchungen und Kontrollen), mangels erforderlicher Intensität nicht asylrelevant. Zum Anderen seien die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführen- den, sich von ihrer Geburt an bis zu ihrer Ausreise im Oktober 2001 beziehungsweise Spätsommer 2002 ständig im Dorf D.______ aufge- halten zu haben und nach der Ausreise der Beschwerdeführerin er- höhtem behördlichem Druck ausgesetzt gewesen zu sein, nicht als glaubhaft zu erachten. So müssten aufgrund des Herkunftsgutachtens vom 3. November 2004, wonach zwar von einer Erstsozialisation der Beschwerdeführen- den in Tibet auszugehen sei, jedoch eine längere Aufenthaltsdauer ausserhalb von Tibet sehr wahrscheinlich erscheine, deren Angaben hinsichtlich ihrer Ausreisen aus Tibet im Jahre 2001 beziehungsweise 2002 bezweifelt werden. Die Entgegnungen im Rahmen des rechtli- chen Gehörs seien nicht geeignet, das Ergebnis des Herkunftsgutach- tens in Frage zu stellen. Zudem seien die Angaben zu den Identitäts- dokumenten widersprüchlich ausgefallen. So sei die nachträglich ein- gereichte Identitätskarte des Beschwerdeführers am 30. November 2000 ausgestellt worden, indessen habe der Beschwerdeführer ange- geben, er habe bis zu seiner endgültigen Ausreise aus Tibet im Sep- tember 2002 D.______ nie verlassen und erst durch eine Person in G.______eine Identitätskarte erhalten. Auch die Beschwerdeführerin habe im Widerspruch zum Ausstellungsdatum auf der nachträglich Seite 7D-4135/2006 eingereichten Identitätskarte (31. Dezember 2000) angegeben, sie könne sich, da schon lange zurückliegend, nicht mehr daran erinnern, wann ihre Identitätskarte ausgestellt worden sei. Schliesslich sei das geltend gemachte Verhalten des Beschwerdeführers, vor seiner Aus- reise aus seinem Heimatstaat Posters mit Parolen für den Dalai Lama sowie für ein unabhängiges Tibet an den Türen und an den Wänden seines Hauses aufgehängt zu haben, angesichts der drakonischen Strafen, welche in Tibet für oppositionelles Verhalten zum Teil verhängt würden und der Tatsache, dass die Kinder des Beschwerdeführers so- wie seine Eltern vorerst in Tibet zurückbleiben sollten, nicht nachvoll- ziehbar. 3.2 In ihrer Beschwerde wiesen die Beschwerdeführenden unter ande- rem darauf hin, dass entgegen der Auffassung des BFM von der Be- schwerdeführerin nicht erwartet werden könne, dass diese das Aus- stellungsdatum ihrer Identitätsdokumente auswendig kenne. Im Weite- ren sei die nachträglich eingereichte Identitätskarte des Beschwerde- führers im Jahre 2000 in D._______ ausgestellt worden, weshalb die Aussage des Beschwerdeführers, bis 2002 nie ausserhalb von D._______ gewesen zu sein, hierzu nicht im Widerspruch stehe. Schliesslich sei es nie, wie vom BFM vermutet, von vornherein die Ab- sicht des Beschwerdeführers gewesen, alleine, ohne seine Eltern und Kinder, zu flüchten, weshalb sein Verhalten, vor seiner Ausreise poli- tisch heikle Poster und Parolen an seinem Haus aufzuhängen, nicht derart realitätsfremd erscheine wie vom BFM angenommen. Hinsicht- lich der Feststellung im Herkunftsgutachten vom 3. November 2004, die Beschwerdeführenden würden nicht den reinen Dialekt der Ge- gend von D._______ sprechen, sei von Bedeutung, dass die Be- schwerdeführenden zum Zeitpunkt der Sprachuntersuchung bereits drei Jahre in der Schweiz gelebt hätten und sich daher ihr Dialekt durch den Kontakt mit anderen Tibetern entsprechend 'weiter verwäs- sert' gehabt habe. 3.3 Aus den nachfolgenden Erörterungen ergibt sich, dass die Vor- instanz zu Recht die Ausreise der Beschwerdeführenden in der gel- tend gemachten Weise und aus den damit verbundenen angegebenen Gründen in Zweifel gezogen hat. Zum Einen legte der Experte der Fachstelle Lingua in seiner sprach- wissenschaftlichen Herkunftsanalyse vom 3. November 2004 in nach- vollziehbarer und überzeugender Weise dar, weshalb zwar klarerweise Seite 8D-4135/2006 davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführenden tibetischer Ethnie seien, indessen eine zur Hauptsache ausserhalb Tibets erfolgte Sozialisierung beziehungsweise ein längerer Aufenthalt ausserhalb Ti- bets wahrscheinlich erscheine. Diese Einschätzung wird durch die nicht überzeugenden Erklärungen im Rahmen des rechtlichen Gehörs und in der Beschwerde nicht in Frage gestellt. Aufgrund der in der Herkunftsanalyse zahlreich aufge- führten Beispiele zu fehlenden Kenntnissen hinsichtlich der behaupte- ten Herkunftsregion und dort ausgeführten Tätigkeiten ist darauf zu schliessen, dass der Experte, wie vom BFM in der angefochtenen Ver- fügung festgehalten, entgegen der Behauptung der Beschwerdefüh- renden, nur allgemein zu ihrer Herkunftsregion und ihrer früheren Tä- tigkeit gefragt worden zu sein, den Beschwerdeführenden genügend detaillierte Fragen und Rückfragen gestellt hat, um anhand der Ant- worten den Wahrheitsgehalt der behaupteten Herkunft zuverlässig überprüfen zu können. Im Weiteren wird im Gutachten ausführlich dar- gelegt, weshalb die Beschwerdeführerin ihre Aussprache nur ausser- halb der behaupteten Herkunftsgegend (Osttibet) erlernt haben könne. Die Entgegnung, wonach sie aus einer Familie stamme, deren Mitglie- der viele verschiedene Dialekte gesprochen hätten, vermag den gänz- lich fehlenden D._______-Dialekt in ihrer Aussprache keineswegs plausibel zu erklären. Auch die Entgegnung in der Beschwerde, die Beschwerdeführenden hätten zum Zeitpunkt der Sprachuntersuchung im Rahmen der Herkunftsanalyse bereits drei Jahre in der Schweiz ge- lebt, weshalb sich ihr Dialekt durch den Kontakt mit anderen Tibetern entsprechend 'weiter verwässert' gehabt habe, ist als unbehelflicher Erklärungsversuch zu erachten. Zum Anderen stehen die im Rahmen der Anhörungen gemachten An- gaben der Beschwerdeführenden zu ihren Identitätspapieren überwie- gend im Widerspruch zu den Angaben auf den nachträglich einge- reichten tibetischen Identitätskarten. Zwar soll nach der Behauptung in der Beschwerde die Identitätskarte des Beschwerdeführers in D._______ ausgestellt worden sein, womit die Angabe des Beschwerdeführers, D.________ nie verlassen zu ha- ben – sollte die Behauptung in der Beschwerde zutreffen – nicht in Frage gestellt würde; indessen wird durch die Argumentation in der Beschwerde der weitere Widerspruch, wonach der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörungen angab, nie Identitätsdokumente besessen Seite 9D-4135/2006 und erst bei seiner Ausreise 2002 in G.______ Ausweispapiere erhalten zu haben (vgl. A11, S. 3), obwohl auf der nachträglich eingereichten Identitätskarte der 30. November 2000 als Ausstellungsdatum angegeben ist, nicht beseitigt. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht, wie in der Beschwerde behauptet, der Beschwerdeführerin nur die fehlende Kenntnis des Ausstellungs- datums der Identitätskarte vorgehalten hat. Die Beschwerdeführerin gab anlässlich der Anhörungen vielmehr an, ihre Identitätskarte sei vor so langer Zeit auf Antrag ihrer Eltern in G.______ausgestellt worden, dass sie sich nicht mehr daran erinnere (vgl. BFM- Protokoll A3, S. 3), obwohl aus der nachträglich eingereichten Identitätskarte ersichtlich ist, dass diese am 31. Dezember 2000 und damit nicht einmal ein Jahr vor der Ausreise ausgestellt wurde. Schliesslich ist festzuhalten, dass das geltend gemachte Verhalten des Beschwerdeführers, vor seiner Ausreise aus seinem Heimatstaat Pos- ters mit Parolen für den Dalai Lama sowie für ein unabhängiges Tibet an den Türen und an den Wänden seines Hauses aufgehängt zu ha- ben – auch, wenn, wie in der Beschwerde angeführt, es nie von vorn- herein die Absicht des Beschwerdeführers gewesen sein sollte, allei- ne, ohne seine Eltern und Kinder, auszureisen – nicht dem Verhalten eines Flüchtenden entspricht, der noch nicht wissen kann, ob die ge- meinsame Flucht gelingen wird. In der Folge sind denn auch nach An- gaben des Beschwerdeführers die Kinder und Eltern des Beschwerde- führers, wenn auch versteckt, nach seiner alleinigen Ausreise in G.______ geblieben. 3.4 In Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre- kurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1 wurde im Weiteren festgestellt, dass Angehörige der tibetischen Minderheit in China keiner Kollektiv- verfolgung unterliegen. Die allgemeinen Benachteiligungen und die Diskriminierungen, denen die Tibeter in China ausgesetzt sein können, sind entweder von verhältnismässig geringer Intensität oder hängen vom Verhalten des Einzelnen ab, sodass sie nicht unter dem Titel der Kollektivverfolgung abgehandelt werden können. Diese Lageeinschät- zung wird durch die Aussagen der Beschwerdeführenden, wonach sie in ihrer Heimat – abgesehen von den geschilderten Ausreisegründen, welche jedoch vorliegend, wie vorstehend erörtert, als unglaubhaft zu erachten sind – keinerlei relevante Schwierigkeiten erlitten hätten, ex- emplarisch bestätigt. Seite 10D-4135/2006 3.5 Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass es den Beschwer- deführenden nicht gelungen ist, eine individuelle, asylrechtlich relevan- te Verfolgung, die sie in ihrer Heimat erlitten hätten oder in begründe- ter Weise zukünftig hätten befürchten müssen, nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat die Asylgesuche der Be- schwerdeführenden demnach zu Recht abgelehnt. 4. Da das BFM den Beschwerdeführenden im Rahmen des Vernehmlas- sungsverfahrens in teilweiser Wiedererwägung der angefochtenen Ver- fügung wegen subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt hat und im Weiteren den Beschwerdeführenden vom Kanton O.______ am 21. November 2008 eine Aufenthaltsbewilligung B erteilt wurde, ist die nunmehr auf die Frage der Asylgewährung (Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung) beschränkte Beschwerde abzuweisen. 5. 5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens – zufolge Unterliegens im Asyl- punkt – sind den Beschwerdeführenden grundsätzlich die hälftigen Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent- schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR .320.2]). In der Beschwerdeeingabe wurde indessen um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde jedoch der Nachweis der Bedürftigkeit nicht erbracht. Daher ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege abzuweisen und den Beschwerdeführenden sind die reduzierten Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.– aufzuerle- gen. 5.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zuspre- chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass den nicht vertretenen Beschwerdeführenden durch das Abfassen ihrer Beschwerde notwendige und verhältnismässig hohe Kosten erwachsen sind, weshalb keine Parteientschädigung zu entrichten ist. Seite 11D-4135/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit nicht gegenstandslos geworden, abge- wiesen. 2. Die reduzierten Verfahrenskosten von Fr. 300.– werden den Beschwer- deführenden auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Es wird keine Parteientschädigung entrichtet. 4. Dieses Urteil geht an: - die Beschwerdeführenden (Einschreiben; Beilagen: Einzahlungs- schein und die vorinstanzliche Verfügung vom 8. Dezember 2005 im Original) - das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N______ (per Kurier; in Kopie) - (....) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: Seite 12