Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 25. September 2015 (720 13 340) ___________________________________________________________________ Invalidenversicherung Einkommensvergleich. Zur Ermittlung des Validenlohns sind nicht die Tabellenlöhne der schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamte s für Statistik heranzuziehen, sondern es ist von einem mutmasslich erzielbaren Lo hn von Fr. 7‘000.-- auszugehen, aufgrund der bisherigen und der zu erwartenden künf tigen Lohnverhältnisse. Beim Inva- lideneinkommen ist zu berücksichtigen, dass die Ver wertung der Restarbeitsfähigkeit im angestammten Beruf zumutbar ist. Im Ergebnis result iert ein Anspruch auf eine Dreivier- telsrente. Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Christina Mar- kiewicz Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durc h Dominik Zehntner, Advokat, Spalenberg 20, Postfach 1460, 4001 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.4210.0280.78) Seite 2 A. Die 1971 geborene A.____ war als Optikerin tätig. Am 4. August 2003 erlitt sie bei einer Bergwanderung einen offenen Beinbruch, als eine Steinplatte bei einem Steinschlag ihren rech- ten Unterschenkel traf. In der Folge waren mehrere op erative Eingriffe notwendig. Am 17. August 2004 meldete sich A.____ bei der Invalidenver sicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung des medizinischen und erwerblichen Sachverh alts sprach die IV-Stelle A.____ mit Verfügung vom 8. Februar 2006 eine befristete gan ze IV-Rente vom 1. August 2004 bis 31. August 2005 zu. Die IV-Stelle prüfte daraufhin beruf liche Massnahmen, stellte diese gemäss Schreiben vom 24. Januar 2007 in Berücksichtigung des von der Unfallversicherung eingehol- ten Gutachtens von Dr. med. B.____, FMH Orthopädische Chirurgie, vom 27. Januar/12. Mai/26. Juni 2006 ein. Weitere medizinische Abklärungen wurden von der IV-Stelle als notwen- dig erachtet und eine Begutachtung durch das C.____ in orthopädischer und psychiatrischer Hinsicht veranlasst. Gemäss Gutachten vom 19. August 2009 ka men die Experten zum Schluss, dass die Versicherte in einer angepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei. Ein spä- ter beim C.____ eingeholtes neurologisches Gutachten vom 26. August 2010 ergab eine Teilar- beitsfähigkeit der Versicherten von 70%. Mit Verfügung vom 22. Oktober 2012 sprach die IV- Stelle A.____ eine vom 1. September 2005 bis 30. Novem ber 2007 befristete ganze IV-Rente zu. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Dominik Zehntner, Be- schwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsre cht. Sie beantragte, die Verfü- gung sei dahingehend abzuändern, dass ihr eine unbefri stete ganze IV-Rente zuzusprechen sei. Zur Begründung wurde im Wesentlichen geltend gem acht, dass das neurologische Zusatz- gutachten des C.____ vom 19. August 2009 nicht beweistau glich und demnach unbrauchbar sei. Es sei deshalb ein Gerichtsgutachten einzuholen, um die Schmerzsituation und die daraus sich ergebende Arbeitsfähigkeit korrekt zu beurteilen. W eiter sei ein zu tiefes Valideneinkom- men berücksichtigt worden. In ihrem letzten Vorbescheid vom 7. Dezember 2012 habe die IV- Stelle das Valideneinkommen der Beschwerdeführerin zu Unrecht auf den Tabellenlohn der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik in der Höhe von Fr. 67‘388.-- (TA 1, Sektor 33, Anforderungsniveau 3) herabgesetzt. Im Vorbescheid vom 27. Oktober 2009 belief sich dieses noch auf jährlich Fr. 119‘925.--. C. Mit Vernehmlassung vom 5. Februar 2014 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführ erin erfülle das neurologische Gut- achten vom 19. August 2009 die beweisrechtlichen Vorausse tzungen, weshalb darauf abge- stellt werden könne. Ein Gerichtsgutachten sei nicht not wendig. Beim Validenlohn habe die IV- Stelle auf die Tabellenlöhne der LSE abgestellt, we il nicht davon ausgegangen werden könne, dass die Versicherte weiterhin ein Gehalt erzielt hätte wie zum Zeitpunkt des Unfalls. Die Be- schwerdeführerin habe den neuen Arbeitsvertragsentwurf gemäss Änderungskündigung nie unterzeichnet. Abgesehen davon habe sie auch keinen Umsa tz mehr erzielt, der zu einem Ein- kommen von monatlich Fr. 7‘500.-- oder zur Ausrichtung e iner Provision geführt hätte. Beim Seite 3 Invalideneinkommen habe die IV-Stelle auf den gleiche n Tabellenwert wie beim Validenein- kommen abgestellt, da die Versicherte weiterhin zu 70% als Optikerin arbeiten könnte. D. Am 28. März 2014 fand die Urteilsberatung vor dem K antonsgericht, Abteilung Sozial- versicherungsrecht, statt. Das Gericht kam zum Schluss, dass ein e abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizini sche Aktenlage nicht möglich sei und ordnete ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten bei der D.____ an (vgl. Beschluss des Kan- tonsgerichts vom 28. März 2014). E. Mit Gutachten vom 31. Dezember 2014 diagnostizierte n die Fachärzte der D.____ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere Funkt ionsstörung der rechten unteren Extre- mität, ein persistierendes neuropathisches Schmerzsyndrom, eine reaktiv depressive Entwick- lung im Sinne einer Dysthymie bei vorherigen Diagnosen (ICD-10 F34.1) sowie ein leichtgradi- ges kognitives Defizit. Für den angestammten Beruf als Op tikerin bestehe sowohl aufgrund des orthopädisch-neurologischen Krankheitsbildes als auch aufgrund der psychischen Symptomatik bleibend keine Arbeitsfähigkeit. Für körperlich angepasste Tätigkeiten gemäss orthopädischem, neurologischem und psychiatrischem teildefiniertem Belastu ngsprofil liege die Arbeitsfähigkeit gesamthaft gesehen bei 50%. F. Im Nachgang zu den bei den Parteien eingeholten St ellungnahmen vom 20. Februar 2015 und 17. März 2015 unterbreitete das Gericht der D.____ am 26. März 2015 drei Ergän- zungsfragen, welche mit Schreiben vom 27. April 2015 beantwortet wurden. G. Abschliessend erachtete die Beschwerdeführerin eine Ar beitsfähigkeit von 50% in einer angepassten Tätigkeit als zumutbar (vgl. Eingabe vom 2. Juni 2015). Die IV-Stelle vertrat dage- gen die Ansicht, dass von einer 50%igen Tätigkeit in d er angestammten Tätigkeit als Optikerin auszugehen sei (vgl. Schreiben vom 1. Juli 2015). Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdefüh- rerin Anspruch auf eine unbefristete ganze IV-Rente hat. 1.2 Als Invalidität gilt die voraussichtlich bleibende od er längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Di e Invalidität wird durch eine Beein- trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge sundheit verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] vom 19. Juni 1959, Art. 3 und 4 ATSG). Seite 4 1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine V iertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. 2.1 Gemäss der Legaldefinition von Art. 6 ATSG ist Arbe itsunfähigkeit die durch eine Beein- trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit b edingte, volle oder teilweise Unfähig- keit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem and eren Beruf oder Aufgabenbereich be- rücksichtigt (Satz 2). 2.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde - die Verwaltung und im Streitfall das Gericht - auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen S tellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozi- alversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 2.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung ( vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an- deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme Seite 5 als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; AHI-Praxis 2001 S. 113 E. 3a). 2.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung des Bundesg erichts mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu stellen (vgl. die ausführlichen Zusam- menstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3 b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit zahlreichen Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingehol- ten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, wel che aufgrund eingehender Beobach- tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die A kten Bericht erstatten und bei der Er- örterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex- pertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weitere n Hinweisen). Diese im Bereich der Un- fallversicherung entwickelten Grundsätze finden für das I V-Verwaltungsverfahren sinngemäss Anwendung (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht s vom 9. August 2000, I 437/99 und I 575/99, E. 4b/bb). 3.1 Nachdem weder auf das polydisziplinäre Gutachten des C.___ vom 19. August 2009 noch auf dessen neurologisches Gutachten vom 26. August 2010 abgestellt werden konnte, beauftrage das Gericht die D.____ mit der Begutachtun g der Versicherten in psychiatrischer, neurologischer und orthopädischer Hinsicht (vgl. Beschluss de s Kantonsgerichts, Abteilung So- zialversicherungsrecht vom 28. März 2014). Die Fachärzte di agnostizierten mit Gutachten vom 31. Dezember 2014 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigke it eine schwere Funktionsstörung der rechten unteren Extremität, ein persistierendes neuropa thisches Schmerzsyndrom (ICD-10: G62.9), eine reaktiv depressive Entwicklung im Sinne einer Dysthymie bei Diagnosen 1 und 2 (ICD-10 F34.1) und ein leichtgradiges kognitives Defi zit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit stellten sie einen Status nach Pethidin-Abhängigkei t, intermittierende Rückenschmerzen, eine Schlafstörung sowie eine konstitutionelle Spreizfu ss- und Hallux valgus-Anlage links fest. In der Konsensbesprechung kamen die Experten zum Schluss , dass die Tätigkeit als Optikerin infolge der schweren Funktionsstörung der rechten unteren Extremität mit ausgeprägtem neu- ropathischem Schmerzsyndrom und aufgrund der psychiatrische n Symptomatik dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden könne. Für körperlich angepasste T ätigkeiten, die überwiegend im Sit- zen ausgeübt werden könnten, ohne die Erfordernis einer rechtsseitigen Pedalbedienung, ohne Wärmebelastung und ohne zwischenzeitlichem Tragen von Ge wichten über 5 kg bestehe aus gesamtmedizinischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50% . Eine Verweistätigkeit müsse ohne Nacht- oder Schichtdiensttätigkeit, ohne Arbeiten mit anspruchsvollem Publikumsverkehr und ohne Arbeiten mit Zeitdruck erfolgen. Die Restarbeit sfähigkeit in optimal angepasster Tätigkeit könne gesamthaft gesehen spätestens ab dem Zeitpunkt d es Abschlusses der Nachbehand- lung der erfolgten Metallentfernung ab Juli 2011 angenommen werden. Seite 6 3.2. Mit Erläuterung vom 27. April 2015 ergänzte die D.____, dass die 50%ige Arbeitsunfä- higkeit nicht allein mit den Defiziten auf psychiatrischem Gebiet begründet werde. Die psychiat- rische Einschätzung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten resultiere zu einem Teil aus den kognitiven, im Rahmen der neuropsychologischen auswärtigen Testung aus dem Jahr 2010 nachgewiesenen Defiziten. Darüber hinaus b estehe zusätzlich eine depressive Entwicklung, die als langdauernde Fehlanpassung bei beste hendem chronisch- neuropathischem Schmerzsyndrom zu werten sei. Aus neurol ogischer Sicht liege die Arbeitsfä- higkeit bei maximal 50-60% und aus orthopädischer Sicht bei 50%. Letztlich handle es sich bei der attestierten 50%igen Arbeitsfähigkeit um eine ges amtmedizinische Würdigung aller vorlie- genden Defizite und Funktionseinschränkungen. Zumutbar seien vorwiegend körperlich leichte Tätigkeiten, die überwiegend im Sitzen ausgeübt werd en könnten, ohne besondere Anforde- rung an die untere rechte Extremität, ohne Wärmebela stung, ohne Tragen von Gewichten über 5 kg, ohne längeres Gehen und Stehen, ohne Besteigen von Leitern, Treppen und Gerüsten, mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung sowie Einlegen von Pausen. Ungünstig seien Tätig- keiten unter Zeitdruck, Tätigkeiten mit erhöhten psychisch en Stressfaktoren wie häufigem Kun- denkontakt, der Notwendigkeit einer länger auf eine b estimmte Tätigkeit gerichteten Aufmerk- samkeit und Konzentration sowie Tätigkeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr an Maschinen. 3.3 Die Ausführungen der Fachärzte gemäss Gutachten vom 31. Dezember 2014 sind in Bezug auf die Diagnosen, die geschätzte Arbeitsfähigke it von 50% sowie das Belastungsprofil nachvollziehbar und werden nach der Erläuterung vom 27. April 2015 zu Recht nicht mehr in Frage gestellt. Strittig ist hingegen, ob die angestam mte Tätigkeit als Optikerin dem Belas- tungsprofil der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit entspr icht oder diesbezüglich lediglich eine an- gepasste Verweistätigkeit in Frage kommt. 4. Nachdem die Fachärzte im Gutachten vom 31. Dezember 2 014 vorerst davon ausge- gangen waren, dass die angestammte Tätigkeit als Optike rin nicht mehr ausgeübt werden kön- ne, präzisierten sie mit Erläuterung vom 27. April 2015 diese Einschätzung. Sie seien ursprüng- lich davon ausgegangen, dass das definierte Belastungspr ofil nicht im Tätigkeitsbereich einer Optikerin umsetzbar sei, da dafür längeres Stehen und Gehen und eine hohe Konzentrationsfä- higkeit Voraussetzung seien. Sofern die Arbeiten als Op tikerin dem Belastungsprofil angepasst werden könnten, sei eine 50%ige Restarbeitstätigkeit jed och auch im ursprünglich ausgeübten Beruf als Optikerin denkbar. 4.1 Die Beschwerdeführerin erachtet eine Tätigkeit i n ihrem angestammten Berufsfeld als nicht mehr zumutbar, da einerseits die Voraussetzung des seltenen Gehens und Stehens nicht zu erfüllen sei und andererseits die Konzentrationsfähi gkeit in Anbetracht der ausgeprägten neuropathischen Schmerzen zu stark eingeschränkt sei. Angesichts der Anforderungen an Prä- zision in diesem Beruf sei sie weder einem Arbeitgeber noch den Kunden zumutbar. Dies gelte unter Berücksichtigung der mit Eingabe vom 20. Februar 2015 dokumentierten Sehstörung noch in vermehrtem Mass. Die IV-Stelle geht dagegen da von aus, dass die Ausübung des Be- Seite 7 rufes als Optikerin zu 50% zumutbar sei. Diese Tätigkeit könne überwiegend in sitzender Posi- tion ausgeführt werden, längeres Stehen und Gehen könn ten vermieden werden und Pausen ohne weiteres eingelegt werden. Zudem sei ein häufige r Kundenkontakt nicht zwingend not- wendig, fielen doch auch verschiedene administrative Tätigkeiten an. 4.2 Die Tätigkeit als Optikerin ist vielfältig und bei nhaltet verschiedene Arbeitsfelder wie Verkauf, Beratung, Brillen- und Linsenanpassungen, Seht ests und Kontrollen, Einkauf sowie allgemeine administrative Tätigkeiten. Einige diese Tät igkeiten sind mehrheitlich im Sitzen durchführbar (wie Beratungen) und andere in Wechselposi tionen mit Sitzen/Stehen und Gehen (Sehtests, Kontrollen). Aufgrund des grossen Arbeitsfe ldes und der Berufserfahrung der Versi- cherten sollte es – insbesondere in einem grösseren Opti kergeschäft - möglich sein, den Ar- beitsplatz so einzurichten, dass sie nicht längere Zeit stehen und gehen muss, sondern mehr- heitlich sitzende Arbeiten ausführen kann und weniger T ätigkeiten mit Kundenkontakt über- nimmt, dafür mehr administrative Tätigkeiten im Hinte rgrund erledigt und so ein Pensum von 50% leisten kann. Denn gerade in der angestammten Tät igkeit als Optikerin bestehen grössere Freiräume für individuelle Anpassungen als in einem ti eferen Anforderungsprofil oder anderem Arbeitsfeld (handwerklichen oder industriellen). Es ist deshalb mit der IV-Stelle darin einig zu gehen, dass das vorgegebene Belastungsprofil grundsätzlich auch im Rahmen einer Tätigkeit als Optikerin umzusetzen sein sollte und dass die Beschwerde führerin ihre Restarbeitsfähigkeit im angestammten Berufsfeld verwerten kann. Es stellt si ch nun die Frage, ab wann die attes- tierte 50%ige Arbeitsfähigkeit gilt. 5. Die IV-Stelle geht in Bezug auf den Beginn der Te ilarbeitsfähigkeit vom 1. August 2007 aus (vgl. Eingabe vom 1. Juli 2015). Dem kann nicht gefol gt werden. Gemäss Gutachten der D.____ vom 31. Dezember 2014 war die Beschwerdeführer in ab dem 4. August 2003 (Unfall- zeitpunkt) vollständig arbeitsunfähig. Aus psychiatrischer S icht konnte von einem stabilen Ge- sundheitszustand und einer Teilarbeitsfähigkeit ab 2007 bzw. ab erfolgreichem Pethidin-Entzug gesprochen werden. Aus orthopädischer Sicht konnte eine T eilarbeitsfähigkeit dagegen erst ab 1. Juli 2011 attestiert werden. Prof. Dr. med. E.__ __, FMH Orthopädische Chirurgie und Trau- matologie des Bewegungsapparates, begründete dies dami t, dass erst nach der Metallentfer- nung am 3. Mai 2011 und nach einer gewissen Erholungszei t sowie dem Verzicht auf weitere operative Massnahmen am rechten Fuss eine relative Stabilisierung des Gesundheitszustandes habe erreicht werden können, welche eine angepasste 50% ige Arbeitsfähigkeit zulasse (vgl. auch orthopädisches Fachgutachten von Prof. E.____ vom 13. November 2014 sowie das Gut- achten von Dr. B.____ vom 27. Januar/12. Mai/26. Juni 2006). In der Konsensbesprechung setzten die D.____-Gutachter den Beginn der 50%igen A rbeitsfähigkeit in einer leidensange- passten Tätigkeit sodann gesamthaft auf den 1. Juli 2011. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdef ührerin bis zum 30. Juni 2011 zu 100% arbeitsunfähig war und sei dem 1. Juli 2011 in einer angepassten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig ist. Seite 8 6. Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entschei dend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdie- nen würde. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der rea- len Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpf t, weil es der Erfahrung ent- spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschade n fortgesetzt worden wäre. Aus- nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 325 f E. 4.1 mit Hinweis). 6.1 Die IV-Stelle ging bei der Berechnung des Validen einkommens in ihrer Verfügung vom 8. Februar 2008 von einem Jahreseinkommen von Fr. 117‘000.-- (13 x Fr. 9‘000.--) für das Jahr 2004 und in ihrem Vorbescheid vom 27. Oktober 2009 von einem Jahreseinkommen im Jahr 2005 in der Höhe von Fr. 119‘925.-- für das Jahr 2005 aus (13 x Fr. 9‘000.-- für das Jahr 2003 und einer Nominallohnentwicklung von 2,5%, basierend au f den Angaben ihres ehemaligen Arbeitgebers Optic F.____). Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2012 ermittelte die IV-Stelle das Valideneinkommen in Abweichung der Verfügung vom 8. Februar 2008 und des Vorbescheids vom 27. Oktober 2009 neu unter Beizug der Tabellenlöhne der LSE. Sie begründete dies damit, dass eine Anfrage beim früheren Arbeitgeber vom 18. O ktober 2011 ergeben habe, dass das Arbeitsverhältnis mit der Optic F.____ eine Woche vor de m Unfallereignis auf Ende 2004 vor- sorglich gekündigt worden sei, um neue Lohnverhandlunge n durchführen zu können. Vorgese- hen sei ein jährliches Einkommen von Fr. 60‘000.-- plu s Umsatzbeteiligung ab Januar 2005 gewesen. Demnach hätte die Versicherte auch ohne Unfall eine neue Stelle suchen bzw. eine erhebliche Erwerbseinbusse beim bisherigen Arbeitgeber hinnehmen müssen. Folglich sei das Valideneinkommen neu anhand der LSE 2004 zu berechnen. Gemäss Tabelle TA 1, Sektor 33, Herstellen von med. oder opt. Geräten, Anforderungsni veau des Arbeitsplatzes 3, Spalte Frau- en, betrage das monatliche Einkommen, basierend auf 40 Wochenstunden Fr. 5‘142.--. Nach Anpassung dieses Betrages an die betriebsübliche wöchentli che Arbeitszeit von 41,9 Stunden (Die Volkswirtschaft, Ausgabe 3/2007, S. 90, Tabelle B 9.2) mal 12 Monate resultiere ein jährli- ches Einkommen von Fr. 65‘604.--. Im Jahr 2007 liege de r Jahreslohn bei Fr 67‘388.--, dies nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung von 2.7% ( Bundesamt für Statistik, T1.2.93 Nominallohnindex Frauen 1993-2007). In ihrer Verfügu ng vom 22. Oktober 2013 hielt die IV- Stelle an ihrer Berechnung fest. 6.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht dagegen geltend, dass die sachver- haltlichen Feststellungen der IV-Stelle teilweise richtig und teilweise unrichtig seien. Richtig sei, dass der ehemalige Arbeitgeber der Beschwerdeführerin i m August 2003 eine als Änderungs- kündigung bezeichnete Vertragskündigung zugestellt habe, damit verbunden aber gleichzeitig einen neuen Vertrag angeboten habe (vgl. Schreiben vom 10. Juli 2003). Ein neuer Arbeitsver- trag habe von den Parteien wegen des Unfallereignisses nicht unterzeichnet werden können, habe jedoch im Entwurf zum Inhalt gehabt, dass die Be schwerdeführerin einen Jahreslohn von Fr. 7‘500.-- erhalten hätte. Zudem wäre ihr eine Gr atifikation von Fr. 9‘000.-- beim Erreichen Seite 9 eines Zielumsatzes von Fr. 600‘000.-- entrichtet worde n, so dass ein Jahreseinkommen von Fr. 99‘000.-- bereits im Angebot für den anzupassenden Vertrag enthalten gewesen wäre. Eine Verhandlung hätte wohl ein Ergebnis über Fr. 100‘000 .-- als Jahreseinkommen ergeben. Die Angaben des Arbeitgebers im Schreiben vom 18. Oktober 2011, dass eine Lohnsumme von Fr. 60‘000.-- plus Umsatzbeteiligung zur Diskussion gestan den sei, sei nachweislich falsch wie sich aus dem Vertragsentwurf ergebe, weshalb nicht darauf abgestellt werden dürfe. 6.3 Vorab ist festzuhalten, dass keine Bindungswirkung de r IV-Stelle an frühere Einschät- zungen besteht, weder an die Verfügung von 2006 noch an spätere Vorbescheide. Der Be- schwerdeführerin ist jedoch darin beizupflichten, dass bezüglich Validenlohns das Abstellen auf die Tabellenlöhne der LSE den bisherigen und den zu erwartenden künftigen Lohnverhältnissen nicht gerecht wird. Auch kann nicht auf die Ausführungen des Arbeitgebers gemäss Schreiben vom 18. Oktober 2011 abgestellt werden, da sie dem zeitnahen Vertragsentwurf widersprechen. Der Arbeitgeber erklärte denn auch, dass seine Angaben unvollständig sein könnten, da er nach dieser langen Zeit nicht mehr über alle Unterla gen verfüge. Zum Zeitpunkt des Unfalles am 4. August 2003 war die Änderungskündigung vom 10. J uli 2003 per 31. Oktober 2003 be- reits ausgesprochen worden. Daraus ergibt sich klar, dass der Arbeitgeber damals mit Umsatz- rückgängen zu kämpfen hatte und deshalb das Gehalt der Be schwerdeführerin anpassen woll- te. Ein neuer Vertrag wurde offeriert, jedoch kam es aufgrund des Unfallereignisses nicht zum Abschluss. Wie aus seinem Schreiben vom 14. November 2003 h ervorgeht, hoffte der Arbeit- geber angesichts der guten Leistungen der Beschwerdefüh rerin noch auf ihre Rückkehr, wes- halb er vorerst von einer Kündigung absah. Zwar musste er aus geschäftlichen Gründen schliesslich per Ende Februar 2004 die Kündigung aussprech en, gleichzeitig bot er ihr aber die Wiedereinstellung an, wenn sie wieder mindestens 50% a rbeitsfähig sei (vgl. auch Kündigung vom 24. November 2003). Fest steht aber, dass eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses im Gesundheitsfall nur mit geringerem Lohn erfolgt wäre . Gemäss Vertragsentwurf bot der Arbeit- geber der Beschwerdeführerin einen Monatslohn von Fr. 7 ‘500.-- bei Erreichen eines Zielum- satzes von Fr. 500‘000.-- an und eine Gratifikation von Fr. 9‘000.-- bei einem Zielumsatz von Fr. 600‘000.--. Wegen der rückläufigen Geschäftslage ist – w ie die IV-Stelle in ihrer Vernehmlas- sung vom 5. Februar 2014 zurecht gelten macht - fraglich , ob die Beschwerdeführerin einen Umsatz von Fr. 500‘000.-- erreicht und einen Lohn von Fr. 7‘500.-- verdient hätte. Denn bereits im Zeitpunkt der Änderungskündigung lag der Umsatz unter Fr. 500‘000.-- bei Fr. 469‘000.--. Aufgrund der ausgezeichneten Qualifikationen und Leistungen darf jedoch mit der IV-Stelle (vgl. Vernehmlassung, S. 5) davon ausgegangen werden, dass si e mit tieferen Umsatz ein Gehalt von Fr. 7‘000.-- erhalten hätte, wenn auch ohne Grat ifikation (umsatzbedingt) und 13. Monats- gehalt (finanzielle Situation des Geschäfts). Somit dar f mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass sie ein Jahreseinkommen von Fr. 84‘000.-- für das Jahr 2003 er- reicht hätte. Angepasst an die Nominallohnentwicklung b is ins Jahr 2011 (0,5 % [2004], 1,6 % [2005], 0,9 % [2006], 1,8 % [2007], 1,8 % [2008], 2 ,9 [2009], 0,6 [2010], 0,6 % [2011]; Nominal- lohnindex 2002-2009, Sektor 30-33 und 2011-2014, Sektor 26/27) resultiert ein Validenlohn von Fr. 93‘394.--. Seite 10 6.4 In Bezug auf das Invalideneinkommen ist von einer zu mutbaren Tätigkeit ab Juli 2011 als Optikerin auszugehen. Gemäss LSE 2010, TA 1, Sektor 26, Herstellen von med. oder opt. Geräten, Anforderungsniveau 3, Frauen, liegt das mona tliche Einkommen bei 40 Wochenstun- den bei Fr. 5‘639.--. Angepasst an die wöchentliche Ar beitszeit von 41,2 (Die Volkswirtschaft, Ausgabe 9-2014, Tabelle B 9.2, C, verarbeitendes Gewe rbe, 2011) sowie die Nominallohnent- wicklung von 0,6 % für das Jahr 2011 ergibt sich ein monat liches Einkommen von Fr. 5‘843.-- beziehungsweise ein Jahresverdienst von Fr. 70‘116.-- bei einem Pensum von 100% und folg- lich ein Einkommen von Fr. 35‘058.-- bei einem Pensum von 50%. 6.5 Vom anhand der Tabellenlöhne der LSE erhobenen Invalideneinkommen sind praxis- gemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsach e Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Abzu g ist unter Würdigung der Umstän- de im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaf t zu schätzen. Er darf 25 % nicht übersteigen. 6.6 Auch wenn davon ausgegangen werden darf, dass di e Beschwerdeführerin ihre Restar- beitsfähigkeit in ihrem angestammten Beruf als Optike rin noch verwerten kann, sind aufgrund des Zumutbarkeitsprofils Einschränkungen vorhanden, die si ch auf die Lohnhöhe auswirken. Insbesondere muss die Versicherte infolge der somatischen Beschwerden die Möglichkeit ha- ben, Pausen einzulegen. Darüber hinaus sollte sie nich t unter Zeitdruck arbeiten müssen und häufigen Kundenkontakt vermeiden. Zudem ist die Konzent rationsfähigkeit wesentlich einge- schränkt. All diese Einschränkungen rechtfertigen einen le idensbedingten Abzug von 10% (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_79 6/2013, E. 3.4). Demnach resul- tiert ein Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 31‘552.--. 6.7 Setzt man im Einkommensvergleich für das Jahr 2011 das Invalideneinkommen von Fr. 31‘552.-- dem Valideneinkommen von Fr. 93‘394.-- gegenüber, so ergibt sich daraus eine Erwerbseinbusse von Fr. 61‘842.--, was einen IV-Grad von 66,21 % bzw. gerundet von 66 % ergibt (vgl. zur Rundungspraxis: BGE 130 V 121) und so mit Anspruch auf eine Dreiviertelsrente begründet. Die Beschwerdeführerin hat folglich vom 1. September 20 05 bis 30. September 2011 Anspruch auf eine ganze IV-Rente (unter Berücksichtigung der drei monatigen Übergangsfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV) und ab 1. Oktober 2011 Anspruch a uf eine Dreiviertelsrente. Die Be- schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen und die angefoc htene Verfügung der IV-Stelle vom 22. Oktober 2013 aufzuheben. Seite 11 7.1 Laut Art. 69 Abs. 1bis Satz 1 IVG ist das Beschwerde verfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Nach § 20 Abs. 3 des Gesetzes über die Ve rfassungs- und Verwaltungspro- zessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden Verfahre nskosten in der Regel der unter- liegenden Partei auferlegt, gegenüber der Vorinstan z bzw. den kantonalen Behörden werden indes keine Verfahrenskosten erhoben. Da vorliegend di e Vorinstanz unterlegen ist, ist dem- nach auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet. 7.2 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord- net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Ma ssnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden h at, sind in den Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick au f die Wahrung der Verfahrens- fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung den IV- Stellen aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht wei ter, mit der zitierten Bestimmung von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f . E. 4.4.2). Vorliegend war das Kan- tonsgericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 28. März 2014 zum Ergebnis gelangt, dass die von der IV-Stelle eingeholten C.____-Gutachten vom 19. August 2009 und 26. August 2010 den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an bewei staugliche Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a) nicht erfüllten. Da ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vor- handene Aktenlage nicht möglich war, beschloss das Kant onsgericht, die erforderliche zusätzli- che Abklärung des medizinischen Sachverhaltes im Rahmen ei nes Gerichtsgutachtens vor- nehmen zu lassen. Das in der Folge eingeholte polydiszipl inäre D.____-Gerichtsgutachten vom 31. Dezember 2014 war mit anderen Worten für eine a bschliessende Beurteilung des Renten- anspruchs der Versicherten unerlässlich. Zudem bildet das Gerichtsgutachten, wie sich anläss- lich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, massgebl iche Grundlage für den vorliegenden Rentenentscheid. Im Lichte der geschilderten bundesgerich tlichen Rechtsprechung sind dem- nach die Gutachtenkosten der D.____, welche sich insgesamt auf Fr. 11‘566.70.-- belaufen, der IV-Stelle aufzuerlegen. 7.3 Gemäss Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführ erin Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter macht nach Honorarnote vom 21. August 2015 19 Stunden und 45 Minuten sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 184.80 geltend, was an- gemessen ist. Die IV-Stelle hat der Beschwerdeführerin somit ein Honorar von Fr. 5‘734.60 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) auszurichten. Seite 12 Seite 13 Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen , als die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 22. Oktobe r 2013 auf- gehoben und festgestellt wird, dass die Beschwerdeführ erin vom 1. September 2005 bis 30. September 2011 Anspruch auf eine ganze IV-Rente und ab 1. Oktober 2011 Anspruch auf eine Dr eiviertelsrente hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschu ss in der Höhe von Fr. 600.-- zurückerstattet. 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in de r Höhe von Fr. 11‘566.70 werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerde führerin eine Par- teientschädigung in der Höhe von Fr. 5‘734.60 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Präsident Gerichtsschreiberin http://www.bl.ch/kantonsgericht