<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 13 S.59</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">59</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>13</b></span> <span class="ft1"><b>§ 126 lit. b Ziff. 1 ZPO; Art. 111 ZGB.</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege bei der Scheidung auf ge-</b></span><br/> <span class="ft1"><b>meinsames Begehren. Die unentgeltliche Verbeiständung kann nicht mit</b></span><br/> <span class="ft1"><b>dem Argument verweigert werden, bei der Scheidung auf gemeinsames</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Begehren handle es sich generell um eine Streitsache mit einfacher</b></span><br/> <span class="ft1"><b>Rechtslage.</b></span><br/> <br/> <span class="ft2">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 4. Zivilkammer, vom 30. März 2004</span><br/> <span class="ft2">in Sachen M. A.</span><br/> <br/> <span class="ft3"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft4">1. b) Der Gesuchsteller reichte am 12. Februar 2004 beim Ge-</span><br/> <span class="ft4">richtspräsidium Bremgarten Klage ein, mit welcher er die Scheidung</span><br/> <span class="ft4">der Ehe beantragte. Formell handelt es sich somit um eine Schei-</span><br/> <span class="ft4">dungsklage. Der Gesuchsteller und seine Ehefrau haben sich indes-</span><br/> <span class="ft4">sen in einer Vereinbarung vom 12. Februar 2004 über die Beantra-</span><br/> <span class="ft4">gung der Scheidung und sämtliche Nebenfolgen geeinigt, so dass es</span><br/> <span class="ft4">sich materiell um ein gemeinsames Begehren der Scheidung nach</span><br/> <span class="ft4">Art. 111 ZGB handelt. In einem solchen Fall hat sich das Gericht</span><br/> <span class="ft4">lediglich davon zu überzeugen, dass das Scheidungsbegehren und die</span><br/> <span class="ft4">Vereinbarung auf freiem Willen und reiflicher Überlegung beruhen</span><br/> <span class="ft4">und die Vereinbarung voraussichtlich genehmigt werden kann</span><br/> <span class="ft4">(Art. 111 Abs. 1 ZGB). Bestätigen beide Ehegatten nach einer zwei-</span><br/> <span class="ft4">monatigen Bedenkzeit seit der Anhörung schriftlich ihren Schei-</span><br/> <span class="ft4">dungswillen und ihre Vereinbarung, so spricht das Gericht die Schei-</span><br/> <span class="ft4">dung aus und genehmigt die Vereinbarung (Art. 111 Abs. 2 ZGB).</span><br/> <span class="ft4">Mithin liesse sich argumentieren, es handle sich bei der Scheidungs-</span><br/> <span class="ft4">klage auf gemeinsames Begehren um eine Streitsache mit einfacher</span><br/> <span class="ft4">Rechtslage, welche eine Rechtsvertretung vor Gericht nicht notwen-</span><br/> <span class="ft4">dig erscheinen lasse. Damit aber würde der Realität nicht angemes-</span><br/> <span class="ft4">sen Rechnung getragen. Denn es ist davon auszugehen, dass die</span><br/> <span class="ft4">scheidungswilligen Eheleute in der Regel nicht in der Lage sind, die</span><br/> <span class="ft4">sich bei einer Scheidung stellenden und in einer Scheidungskonven-</span><br/> <span class="ft4">tion zu regelnden Probleme wie die Bemessung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Obergericht/Handelsgericht</span> <span class="page_no">60</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4">Unterhaltsbeiträge, die güterrechtlichen Fragen oder die Teilung der</span><br/> <span class="ft4">Austrittsleistungen der beruflichen Vorsorge ohne die Hilfe eines</span><br/> <span class="ft4">rechtlichen Beistands sachlich und rechtlich korrekt zu lösen. Aus</span><br/> <span class="ft4">diesem Grund ziehen die Eheleute regelmässig einen Anwalt oder</span><br/> <span class="ft4">eine Anwältin bei. Auch die Gerichte sind bei Scheidungen auf</span><br/> <span class="ft4">gemeinsames Begehren auf die Mitwirkung der Anwälte angewiesen,</span><br/> <span class="ft4">insbesondere was die Vollständigkeit der Scheidungsvereinbarung</span><br/> <span class="ft4">und die Einreichung der entsprechenden Belege betrifft. Es wäre</span><br/> <span class="ft4">daher unbillig, eine unentgeltliche Verbeiständung mit dem</span><br/> <span class="ft4">Argument zu verweigern, bei der Scheidung auf gemeinsames</span><br/> <span class="ft4">Begehren handle es sich generell um eine Streitsache mit einfacher</span><br/> <span class="ft4">Rechtslage. Demnach ist die Bestellung eines unentgeltlichen</span><br/> <span class="ft4">Rechtsvertreters auch bei Scheidungen auf gemeinsames Begehren</span><br/> <span class="ft4">wie im vorliegenden Fall grundsätzlich gerechtfertigt.</span><br/></div> </div> </body> </html>