<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2006 8 S.42</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">42</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>8</b></span> <span class="ft2"><b>§ 196c ZPO; § 196g Abs. 1 ZPO in Verbindung mit § 189 ZPO.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Bleibt bei einer Teileinigung im Scheidungsverfahren gemäss Art. 112</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ZGB ein Ehegatte mit der Stellung von Anträgen zu den streitigen Neben-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>folgen (Art. 112 Abs. 3 ZGB; § 196c ZPO) säumig, ist ihm gemäss § 196g</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 1 ZPO in Verbindung mit § 189 ZPO eine 10-tägige Nachfrist zur</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Antragstellung einzuräumen mit der Androhung, dass er bei erneuter</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Säumnis mit den entsprechenden Anträgen ausgeschlossen ist, soweit es</b></span><br/> <span class="ft2"><b>sich nicht um Streitsachen handelt, wo der Richter von Amtes wegen zu</b></span><br/> <span class="ft2"><b>handeln hat.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Zivilkammer, vom 22. August 2006</span><br/> <span class="ft3">i.S. V.N.-E. ca. Ch.N.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">43</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3.</span><br/> <span class="ft1">3.1. (...)</span><br/> <span class="ft1">3.2. Bei der Scheidung mit Teileinigung gemäss Art. 112 ZGB</span><br/> <span class="ft1">stellt jeder Ehegatte Anträge zu den Scheidungsfolgen, über die sie</span><br/> <span class="ft1">sich nicht einig sind (Art. 112 Abs. 3 ZGB). Daraus folgt, dass</span><br/> <span class="ft1">bezüglich der streitigen Scheidungsfolgen ein kontradiktorisches</span><br/> <span class="ft1">Verfahren stattfindet. Dieses streitige Verfahren untersteht den schei-</span><br/> <span class="ft1">dungsrechtlichen Verfahrensvorschriften der Art. 135 ff. ZGB sowie</span><br/> <span class="ft1">- soweit diese keine abschliessende Regelung enthalten - dem kanto-</span><br/> <span class="ft1">nalen Prozessrecht (Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen</span><br/> <span class="ft1">Scheidungsrecht, Zürich 1999, N 39 zu Art. 112 ZGB; Gloor, Basler</span><br/> <span class="ft1">Kommentar, 3. A., Basel/Genf/München 2006, N 10 zu Art. 112</span><br/> <span class="ft1">ZGB; Fankhauser, in: FamKomm Scheidung, Bern 2005, N 20 zu</span><br/> <span class="ft1">Art. 112 ZGB; Botschaft über die Änderungen des schweizerischen</span><br/> <span class="ft1">Zivilgesetzbuches [Personenstand, Eheschliessung, Scheidung, Kin-</span><br/> <span class="ft1">desrecht, Verwandtenunterstützungspflicht, Heimstätten, Verwandt-</span><br/> <span class="ft1">schaft und Ehevermittlung] vom 15. November 1995, Separatdruck,</span><br/> <span class="ft1">S. 89).</span><br/> <span class="ft1">Hinsichtlich der Antragstellung bezüglich der streitigen Schei-</span><br/> <span class="ft1">dungsfolgen enthalten die bundesrechtlichen Vorschriften über das</span><br/> <span class="ft1">Scheidungsverfahren (Art. 135 ff. ZGB) mit Bezug auf die güter-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Nebenfolgen keine Regelung. Es ist daher allein auf das</span><br/> <span class="ft1">kantonale Prozessrecht abzustellen. Gemäss § 196c Abs. 1 und 2</span><br/> <span class="ft1">ZPO setzt der Richter nach Vorliegen der Bestätigung (des Schei-</span><br/> <span class="ft1">dungswillens und der Teilvereinbarung) beiden Gesuchstellern</span><br/> <span class="ft1">gleichzeitig Frist an zur Antragstellung und Begründung der stritti-</span><br/> <span class="ft1">gen Scheidungsfolgen und stellt die Eingaben beider Gesuchsteller</span><br/> <span class="ft1">der jeweiligen Gegenpartei zur Erstattung einer Stellungnahme zu,</span><br/> <span class="ft1">womit der Schriftenwechsel beendet ist. Gemäss § 196c Abs. 3 ZPO</span><br/> <span class="ft1">kann der Richter, wo es die Umstände rechtfertigen, anstelle der</span><br/> <span class="ft1">schriftlichen Antragstellung und Stellungnahme die Mündlichkeit des</span><br/> <span class="ft1">Behauptungsverfahrens anordnen, wobei jeder Partei zwei Vorträge</span><br/> <span class="ft1">zustehen. Schliesslich kann der Richter auch bestimmen, dass bezüg-</span><br/> <span class="ft1">lich der strittigen Scheidungsfolgen anstelle des vorstehenden</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Obergericht</span> <span class="page_no">44</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Verfahrens das Behauptungsverfahren nach den §§ 167 ff. ZPO erfol-</span><br/> <span class="ft1">gen soll. Im Übrigen gelten gemäss § 196g Abs. 1 ZPO für das Ehe-</span><br/> <span class="ft1">scheidungsverfahren die Regeln der Zivilprozessordnung über das</span><br/> <span class="ft1">ordentliche Verfahren sinngemäss.</span><br/> <span class="ft1">In § 196c ZPO ist nicht geregelt, was zu geschehen hat, wenn</span><br/> <span class="ft1">eine Partei die Frist gemäss § 196c Abs. 1 ZPO zur Antragstellung</span><br/> <span class="ft1">und Begründung der strittigen Scheidungsfolgen unbenützt verstrei-</span><br/> <span class="ft1">chen lässt. Gemäss der allgemeinen Verfahrensbestimmung von § 97</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 ZPO hat die Versäumnis einer Prozesshandlung, sofern das</span><br/> <span class="ft1">Gesetz nichts anderes bestimmt, nur zur Folge, dass das Verfahren</span><br/> <span class="ft1">ohne diese durchgeführt wird, d.h. die säumige Partei geht der Vor-</span><br/> <span class="ft1">teile verlustig, die sie durch die Ausführung der betreffenden Hand-</span><br/> <span class="ft1">lung hätte gewinnen können; diese Handlung kann nicht mehr</span><br/> <span class="ft1">nachgeholt werden, und das Verfahren wird ohne Rücksicht auf sie</span><br/> <span class="ft1">fortgesetzt (Bühler/Edelmann/Killer, Kommentar zur aargauischen</span><br/> <span class="ft1">Zivilprozessordnung, Aarau/Frankfurt am Main/Salzburg 1998, N 6</span><br/> <span class="ft1">zu § 97 ZPO). Da das Gesetz für das Verfahren in Ehescheidungs-</span><br/> <span class="ft1">und Ehetrennungssachen gemäss §§ 196a ff. ZPO nicht ausdrücklich</span><br/> <span class="ft1">etwas anderes bestimmt, erscheint es nicht von vornherein unzutref-</span><br/> <span class="ft1">fend, die Säumnisfolgen bereits an die erste Säumnis zu knüpfen, so</span><br/> <span class="ft1">dass erst nach Fristablauf eingereichte Anträge zu den streitigen Ne-</span><br/> <span class="ft1">benfolgen der Scheidung unzulässig und damit unbeachtlich wären.</span><br/> <span class="ft1">Es ist indessen zu beachten, dass die Zivilprozessordnung da, wo die</span><br/> <span class="ft1">Handlung einer Partei für den Fortgang des Verfahrens als nötig er-</span><br/> <span class="ft1">scheint, und vor allem dort, wo besondere Nachteile drohen, ein</span><br/> <span class="ft1">zweistufiges Vorgehen vorsieht und die Säumnisfolgen erst nach der</span><br/> <span class="ft1">zweiten Säumnis eintreten lässt (Bühler/Edelmann/Killer, a.a.O.,</span><br/> <span class="ft1">N 7, 8 zu § 97 ZPO). Angesichts der grossen Bedeutung, welcher der</span><br/> <span class="ft1">Antragstellung und Begründung der strittigen Scheidungsfolgen im</span><br/> <span class="ft1">Prozess zukommt, erscheint es angezeigt, in Anwendung von § 196g</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 ZPO, der für das Ehescheidungsverfahren "im Übrigen" die</span><br/> <span class="ft1">sinngemässe Geltung der Regeln der ZPO über das ordentliche</span><br/> <span class="ft1">Verfahren vorsieht, § 189 Abs. 1 und 2 ZPO betreffend die Säumnis</span><br/> <span class="ft1">mit der Antwort oder Widerklageantwort sinngemäss anzuwenden,</span><br/> <span class="ft1">weshalb bei Säumnis mit der Antragstellung und Begründung der</span><br/> <span class="ft1">strittigen Scheidungsfolgen der säumigen Partei eine letzte Frist von</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2006</span> <span class="title">Zivilprozessrecht</span> <span class="page_no">45</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">10 Tagen anzusetzen ist mit der Androhung, dass sie bei erneuter</span><br/> <span class="ft1">Säumnis mit entsprechenden Anträgen ausgeschlossen ist, soweit es</span><br/> <span class="ft1">sich nicht um Streitsachen handelt, wo der Richter von Amtes wegen</span><br/> <span class="ft1">zu handeln hat (§ 189 Abs. 3 ZPO; vgl. Urteil der 2. Zivilkammer des</span><br/> <span class="ft1">Obergerichts vom 1. Juni 2006 i.S. L. [ZOR.2006.29] Erw. 4.2.2).</span><br/> <span class="ft1">3.3. Da der Klägerin im vorliegenden Fall keine letzte Frist un-</span><br/> <span class="ft1">ter Androhung der Säumnisfolgen im Sinne von § 189 Abs. 1 ZPO</span><br/> <span class="ft1">angesetzt worden ist, vermochte die Nichtbeachtung der ihr mit</span><br/> <span class="ft1">Verfügung vom 16. November 2004 angesetzten Frist keine Säum-</span><br/> <span class="ft1">nisfolgen eintreten zu lassen, weshalb die von ihr erst mit der Stel-</span><br/> <span class="ft1">lungnahme vom 11. März 2005 gestellten Anträge zur güterrechtli-</span><br/> <span class="ft1">chen Auseinandersetzung zu berücksichtigen und demgemäss zu be-</span><br/> <span class="ft1">urteilen sind. Vorab ist dem Beklagten gemäss § 196c Abs. 2 ZPO</span><br/> <span class="ft1">Gelegenheit zur Stellungnahme dazu einzuräumen und ein allenfalls</span><br/> <span class="ft1">erforderliches Beweisverfahren durchzuführen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>