B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-3415/2013 U r t e i l v o m 8 . A p r i l 2 0 1 4 Besetzung Richterin Esther Karpathakis (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Bruno Huber, Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. Parteien A._______, Sri Lanka, vertreten durch Johannes Mosimann, Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Mai 2013 / N (…). E-3415/2013 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Die Beschwerdeführerin, eine Staatsangehörige Sri Lankas tamil i- scher Ethnie und (…) Religionszugehörigkeit mit letztem Wohnsitz in B._______, verliess Colombo am (…) per Flugzeug und gelangte von e i- nem ihr angeblich unbekannten Land her kommend am (…) 2009 mit dem Auto in die Schweiz, wo sie gleichentags im Empfangs- und Verfah- renszentrum (EVZ) Basel um Asyl nach suchte. Dort wurde sie am 6. Mai 2009 summarisch zu den Personalien, zum Reiseweg und zu den Ausrei- segründen (vgl. Protokoll in den Akten BFM : A1/10) befragt. Am 12. Juni 2009 fand die Anhörung zu den Asylgründen (vgl. Protokoll in den Akten BFM: A12/19) statt. In persönlicher Hinsicht gab die Beschwerdeführeri n an, seit (…) verheiratet zu sein und zwei Kinder zu haben. Ihr Ehemann sei (…) entführt worden; seither habe sie mit ihren beiden Kindern und ih- rer (…) Mutter alleine gelebt. A.b Zu ihren Asylgründen brachte die Beschwerdeführerin im Wesentl i- chen vor, sie sei als freiwillige Helferin im Gesundheitssektor tätig gew e- sen. Seit (…) habe sie für mehrere Nichtregierungsorganisationen (NGO) – von (…) für die (…) und ab (…) für die (…) – gearbeitet; daneben sei sie, zusammen mit ihrem Mann, in der (…) tätig gewesen. In ihrem Dorf habe sie Bewohner, aber auch Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) medizinisch betreut und mit Medikamenten versorgt. Ihr Mann habe während rund (…) Jahren für die sri-lankische Polizei ge- arbeitet, bis er auf Druck der LTTE hin damit aufgehört und sie daraufhin in der (…) unterstützt habe. Am (…) sei ihr Mann nachts von Unbekann- ten mit Armeeuniformen in einem weissen Kastenwagen entführt worden; diese hätten gedroht, sie dürften nirgends von der Entführung erzählen, sonst würden sie alle umgebracht. Sie seien der Verbindungen zu den LTTE verdächtigt worden, einerseits weil ihr Mann seine Tätigkeit als Po- lizist aufgegeben habe und andererseits weil die Beschwerdeführerin z u- sammen mit ihrem Mann Verletzte, darunter auch LTTE-Mitglieder, be- handelt habe. Seit der Entführung habe sie nichts mehr von ihrem Mann gehört. Ebenfalls vermisst sei ihr Bruder ; dieser sei bereits (…) von der sri-lankischen Armee (SLA) mitgenommen worden. Ihre Tätigkeit für die (...) habe unter anderem darin bestanden, der Org a- nisation Personen zu melden, die gesucht, entführt oder erschossen wor- den seien; dazu habe sie jeweils persönlich im Büro der (...) in der Stadt vorsprechen müssen. Die LTTE hätten genau wissen wollen, was sie dort E-3415/2013 Seite 3 erzähle, sie unter Druck gesetzt und von ihr jeweils verlangt , aus der Stadt Medikamente für die Bewegung mitzubringen. Als die SLA das LTTE-Gebiet eingenommen habe, habe sie die Quittungen der Medik a- mente, auf ihren Namen lautend, gefunden. Deshalb sei sie am (…) fest- genommen und befragt worden. Bei diesem Vorfall sei sie misshandelt und geschlagen worden; auch einen Zahn habe man ihr ausgeschlagen; sie habe niemandem über diesen Vorfall erzählen können , und bei der Freilassung hätten sie gesagt, wenn sie jemandem erzähle, was in der Haft passiert sei, würden sie ihre Mutter und Kinder umbringen. Sie mü s- se in Zukunft der SLA immer mitteilen, wenn Angehörige der LTTE k ä- men. Sie habe sich dann wöchentlich ins Armeecamp (…) zur Unterschrift b e- geben müssen . Auch dort habe sie jeweils mit den Sicherheitskräften Probleme gehabt , es sei ja bekannt, wie es sei, wenn eine Frau ohne Mann lebe . Im (…) sei sie, anlässlich der Wahrnehmung ihrer Meld e- pflicht, nochmals festgenommen worden . Sie könne sich an diesen Tag nicht mehr erinnern. Sie sei wiederum geschlagen und misshandelt sowie gefragt worden, weshalb sie keine Informationen liefere und den anderen immer noch helfe. V or ihren Augen hätten sie einen Jungen erschossen, ihr gesagt, das werde nun auch ihr passieren, die Leiche dann über den Boden geschleift un d sie gezwungen , das Blut aufzuwischen. Sie hätten ihr dann gesagt, sie müsse Informationen über die LTTE liefern, sonst würden sie und ihre Kinder dasselbe erleben. Rund eine Woche später sei sie nochmals zu Hause aufgesucht worden; die Armeeangehörigen hätten ein Gewehr auf sie gerichtet, ihre Tochter vor ihren Augen ge schlagen und ihrer Mutter und ihrem Sohn die Hände auf dem Rücken gefesselt. Sie hätten ihr gesagt, sie solle sofort mit ihrer Arbeit aufhören und melden, wenn die LTTE-Leute kämen. Sie habe dann einen (…) um Hilfe gebeten, dieser habe ihren Sohn zu sich genommen; ihre Tochter habe erklärt, sie wolle zur Bewegung gehen, um vor weiteren Schlägen geschützt zu sein. Später, nach der Ausreise der Beschwerd e- führerin, sei sie, die Tochter, zu ihrer Grossmutter zurückgekehrt. Ein wei- teres Mal als sie zu Hause gesucht worden sei, habe sich nur ihre Mutter dort aufgehalten und sei wiederum geschlagen worden. Über ei nen (…) habe die Mutter ihr geraten, nicht mehr nach Hause zu kommen. Darau f- hin habe sie sich bei (…) versteckt, der ihr geholfen habe, die Flucht in die Schweiz zu organisieren. E-3415/2013 Seite 4 B. Gemäss den vorinstanzlichen Akten wurde die Beschwerdeführerin am (…) 2009 notfal lmässig ins Spital überwiesen, nachdem sie zunächst über (…) in der rechten Stirnhälf te geklagt und danach zusammengebr o- chen war. C. Mit Verfügung vom 14. Mai 2013 stellte das BFM fest, die Beschwerd e- führerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht , lehnte das Asylgesuch ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung führte das BFM namentlich aus, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genügten oder ihnen keine Asylrelevanz zukomme. Da ihren Aussagen nicht geglaubt werden könne, erw eise sich die Furcht der Beschwerd e- führerin als ehemalige Mitarbeiterin von Nichtregierungsorganisationen vor zukünftigen Verfolgungsmassnahmen im Heimatland bei objektivierter Betrachtungsweise als unbegrün det. Davon sei auch aufgrund der mar- kanten Verbesserung der allgemeinen Sicherheitslage in Sri Lanka seit dem Ende des Bürgerkrieges im Mai 2009 auszugehen. Entsprechend sei auch die Furch t der Beschwerdeführerin vor geschlechtsspe zifischen Übergriffen unbegründet, zumal davon ausgegangen werden könne, dass der Schutz vor Behelligungen seitens Dritten durch die heimatlichen B e- hörden sichergestellt sei und dessen Inanspruchnahme der Beschwerd e- führerin auch zugemutet werden könne. Letztlich seien weder allgemeine noch individuelle Gründe ersichtlich, welche gegen den Vollzug der We g- weisung sprechen würden. D. Gegen diese Verfügung liess die Beschwerdeführerin am 17. Juni 2013 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einreichen. Darin beantra g- te sie, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei sie vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie namentlich den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Ansetzung einer Frist zur Einreichung eines ärztlichen Berichts. Zur Begründung der Rechtsmitteleingabe machte sie insbesondere ge l- tend, sie sei als glaubhaft zu betrachten und die vom BFM genannten Widersprüche liessen sich vor allem durch die Folgen ihrer Traumatisie-E-3415/2013 Seite 5 rung erklären. Als ehemalige Mitarbeiterin von verschiedenen Menschen- rechtsorganisationen, welche verdächtigt werde, mit den LTTE in Verbin- dung zu stehen , sowie als Opfer und Zeug in von durch sri -lankische Si- cherheitskräfte begangener Menschenrechtsverletzungen erfülle sie in mehrerer Hinsicht ein Profil, aufgrund dessen sie in ihrem Heimatland mit zukünftige Verfolgungshandlungen zu rechnen habe. Zusammen mit der Beschwerde reichte die Beschwerdeführerin nebst Quellenausschnitten zur Situation in Sri Lanka sowie zu aussagepsych o- logischen Erkenntnissen betreffend traumatisierte Opfer folgende B e- weismittel ein: – Arztbericht von C._______, Ex terne Psychiatrische Dienste Bruder- holz, vom 17. September 2010 (in Kopie) – drei Arbeitsbestätigungen von (...) (im Original, undatiert) und der O r- ganisation (…) (im Original, vom 8. März 1996) – Kündigungsschreiben des (…) (im Original, vom 12. Juli 2002). E. Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2013 hiess die Instruktionsrichterin den Antrag de r Beschwerdeführerin auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschu s- ses und forderte sie auf, einen ausführlichen ä rztlichen Bericht einzure i- chen. F. Mit Eingabe vom 19. Juli 2013 liess die Beschwerdeführerin einen Abklä- rungsbericht der Psychiatrie Baselland , D._______, vom 16. Juli 2013 einreichen. Darin wird der Beschwerdeführerin eine Posttraumatische Belastungsst ö- rung (PTBS, ICD-10 F43.1) mit Verdacht auf dissoziative Anfälle, epilepti- sche Anfälle sowie eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Bezüglich der Anamnese führt der Bericht unter anderem aus, dass die Beschwerdeführerin sich sehr niedergeschlag en und verzweifelt fühle. Sie sei sehr vergesslich geworden und wisse manchmal nicht mehr, wa s sie am Vortag mit den Leuten besprochen habe. Diese Symptome hätten seit ihrem negativen Asylentscheid Mitte Juni 2013 massiv zugenommen. Sie habe wieder vermehrt Albträume, in denen sie schweissgebadet au f- wache, und schrecke jedes Mal zusammen, wenn sie das Geräusch von Helikoptern höre, weil sie das an den Krieg in Sri Lanka erinnere. Gena u-E-3415/2013 Seite 6 so würden Polizisten in Uniformen grosse Angstzustände auslösen, b is sich die Patientin bewusst werde, dass die Polizisten in der Schweiz nicht gefährlich seien. Bezüglich der körperlichen Gesundheit stellt der Arztbericht anamnestisch traumatisch bedingte Ohrschäden und Knochenbrüche am Schädel sowie an der Nase fest. Der ärztliche Befund weist schliesslich daraufhin, dass die Beschwerd e- führerin in der Auffassung verlangsamt und Konzentrations -, Merkfähi g- keits- und Gedächtnisstörungen, auch für länger zurückliegende Erei g- nisse, angegeben habe. Ihre Gedankengänge seien formal logisch und kohärent, fielen allerdings sehr weitschweifig, teilweise vorbeiredend und auf die Kriegsproblematik in Sri Lanka und die traumatischen Erlebnisse eingeengt aus, wobei anamnestisch auch aufdrängende Nachhallerinn e- rungen (Flashbacks) auft räten. Die posttraumatische sowie depressive Symptomatik habe sich seit dem negativen Asylentscheid stark zugespitzt und äussere sich neben der P TBS aktuell in der Diagnose einer depre s- siven Episode mittelgradigen Ausmasses. G. G.a Am 24. Juli 2013 lud das Bund esverwaltungsgericht das BFM zum Schriftenwechsel ein. G.b Das BFM folgte der Einladung mit Vernehmlassung vom 26. Juli 2013. Es beantragte die Abweisung der Beschwerde und führte aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder B e- weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen wü r- den, weshalb auf die früheren Erwägungen verwiesen werde, an welchen vollständig festgehalten werde. G.c Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 29. Juli 2013 zur Kenntnis gebracht. E-3415/2013 Seite 7 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig , ausser bei Vorliegen ei- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG ). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bun desverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefoch tene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ( Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen beurteilen sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen g rund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaf ten Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen E-3415/2013 Seite 8 psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründete r- weise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Ve r- folgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz e rwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5 sowie die vom Bundesverwaltungsgericht fortge- führte Rechtsprechung der ARK in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 2 E. 3a, 2006 Nr. 18 E. 7–10 und Nr. 32 E. 8.7). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in w esentli- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Das Bundesamt begründet die Ablehnung des Asylgesuche s im W e- sentlichen damit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht als glaubhaft zu erachten seien oder ihnen keine Asylrelevanz zukomme. Das BFM gründet diesen Schluss namentlich darauf, dass in den Auss a- gen der Beschwerdeführerin diverse Widersprüche aufgetreten seien und damit der Eindruck entstanden sei, dass es sich beim geschilderten Sachverhalt um eine konstruierte Geschichte handle. Ungereimtheiten habe das BFM unter anderem in den zeitlichen Angabe n der Beschwe r- deführerin ausgemacht. So habe sie in der Befragung angegeben , die erste Festnahme im (…) habe zwei Wochen gedauert, wogegen sie in der Anhörung ausgeführt habe , sie sei nach zweieinhalb Stunden freigela s- sen worden. Auf den Widerspruch angesp rochen, habe sie angegeben, die zweite Verhaftung im (…) habe zwei Wochen angedauert, wobei sie später in der Verhandlung abweichend davon gesprochen habe, dass sie bei der zweiten Verhaftung nur ein paar Stunden festgehalten worden sei. Des weiteren habe sie unterschiedliche Angaben darüber gemacht, ob sie nach der Entlassung aus der zweiten Haft von Seiten der Behörden E-3415/2013 Seite 9 nochmals belangt worden sei. Einmal habe sie gesagt, dass sie sich im (…) bei Bekannten in B._______ versteckt habe, weil die Behörden im (…) angefangen hätten sie zu schlagen. Später habe sie dann zu P roto- koll gegeben, dass sie nach der Entlassung aus der Haft im (…) von Sei- ten der Behörden nicht mehr geschlagen worden sei. Schliesslich entspräche die geschilderte Verhaltensweise auch nicht dem Verhalten einer tatsächlich v erfolgten Person. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin bei der angeblichen B e- drohungslage weit erhin Tätigkeiten für die Organisation (...) ausgeführt habe. Des weiteren könne davon ausgega ngen werden, dass die Behörden die Beschwerdeführerin aufgegriffen und verhaftet hätten während sie sich in B._______ versteckt gehalten habe, wenn die Armee tatsächlich nach ihr gesucht bzw. tatsächlich ein ernsthaftes Verfolgungsinteresse gehabt hät- te. Insgesamt seien die Aussagen der Beschwerdeführerin damit u n- glaubhaft, wobei auch die eingereichten Beweismittel nichts an dieser Einschätzung ändern würden. 4.2 Der Rechtsvertreter hielt den Erwägungen des BFM in der Beschwe r- de insbesondere entgegen, dass bei der Beurteilung der Aussagen der Beschwerdeführerin auf deren Glaubhaftigkeit hin die ärztlich diagnost i- zierte PTBS zu beachten sei , wel che sich aufgrund der erlebten Folt e- rung, Vergewaltigung sowie Todesdrohungen entwickelt habe. PTBS er- schwere es betroffenen Flüchtlingen massiv, ihre Verfolgungsgeschichte chronologisch geordnet und kohärent wiederzugeben. Dass die B e- schwerdeführerin die Zeitdauer der ersten und zweiten Verhaftung ve r- wechselt habe, erscheine unter diesen Umständen nachvollziehbar un d spreche nicht gegen ihre Glaubhaftigkeit. Vielmehr stelle die Verwech s- lung aufgrund der ärztlich attestierten PTBS gerade ein Indiz für ihre Glaubwürdigkeit dar, zumal sie die traumatisierenden Geschehnisse w i- derspruchsfrei habe schildern können . Ähnliches gelte auch bezüglich des Widerspruchs hinsichtlich der Schläge nach der Festnahme. Die Aussage, welche das BFM der Beschwerdeführerin entgegenhalte, sei am Ende einer langwierigen und aufwühlenden Befragung gefallen und widerspreche sämtlich en vorangehenden Äusserungen im Rahmen der ansonsten durchgehend inhaltlich konsistenten Ausführungen der B e- schwerdeführerin. Auch deshalb lasse sich die Unstimmigkeit mit der zu- nehmenden Verwirrtheit der Beschwerdeführerin sowie de s beschriebe- nen Einflusses der PTBS erklären. Die Deutung solcher Inkonsequenzen E-3415/2013 Seite 10 als Hinweis auf eine konstruierte Geschichte sei lebensfremd und mit den heutigen Erkenntnissen der Aussagepsychologie unvereinbar. Letztlich spreche auch der Ein wand, es sei nicht nachvollziehbar , dass die B e- schwerdeführerin trotz der Drohungen weiterhin für die NGO tätig gew e- sen sei, nicht gegen ihre Glaub würdigkeit, sei ihr doch von der Armee nicht verboten worden , weiterhin für die Organisation zu arbeiten, so n- dern sie sei lediglich angehalten worden, Informationen an sie weiterzu- leiten. Dass Einschüchterungen und Misshandlungen sodann zwangs läu- fig zu sofortiger und völliger Fügsamkeit des Opfers führen müssten, stel- le eine stereotype Unterstellung der Vorinstanz dar. Auch die Festste l- lung, dass es in einer Stadt nicht gelingen könne, sich zu verstecken bzw. die Beschwerdeführerin sicherlich aufgegriffen und festgenommen wo r- den wäre, entbehre jeglicher Grundlage; zudem habe die Ausreise zuerst organisiert werden und die Beschwerdeführerin mangels Alternativen die- ses Risiko eingehen müssen. 4.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM zu Recht zum Schluss g e- langte, die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien unglaubhaft. 4.3.1 Grundsätzlich sind die Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie gen ü- gend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehre n und auch nicht den Tatsachen oder der allge meinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er seine Vorbringen auf g e- fälschte oder verfälschte Beweism ittel abstützt, aber auch dann, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nach- schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwi r- kung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtig keit der Sachverhalts- darstellung des Gesuchstellers sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2010/57 E.2.3; EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 a, mit weiteren Hinweisen). 4.3.2 Eine Durchsicht der Prot okolle ergibt, dass die Schilderung der E r- eignisse seitens der Beschwerdeführerin den dargestellten Anforderu n- gen durchaus zu genügen vermag. Zwar ist es richtig, dass sie sich bei E-3415/2013 Seite 11 den vom BFM aufgeführten Punkten in Ungereimtheiten verstrickte, der wesentliche Kern der Aussagen stimmt jedoch in beiden Befragungen überein und die Beschwerdeführerin weiss auch detailliert darüber zu be- richten. So gibt sie insbesondere ihre Rolle bei den Menschenrechtsor- ganisationen, die beiden Festnahmen mit Datum sowie die dortigen Ge- schehnisse widerspruchsfrei wieder. Auch deutet sie bereits in der ersten Befragung an, dass daneben auch sexuelle Übergriffe auf sie stattgefu n- den hätten (vgl. A12/19. S. 7, A1/10, S. 6). Insgesamt sind die geltend gemachten Geschehnisse mit wenigen Aus- nahmen durchwegs konsistent und nachvollziehbar und die Angaben weichen im Kern der Asylbegründung – mithin betreffend das Verschwin- den ihres Mannes, der auf Druck der LTT E hin seine Polizeitätigkeit au f- gegeben habe, die beiden Festnahmen aufgrun d ihrer Tätigkeit bei de n NGO bzw. aufgrund der Unterstützung von verwundeten Personen, inklu- sive LTTE-Mitgliedern, die auferlegte Meldepflicht beim Militär nach der Freilassung aus der Haft , die Schläge und anderen körperlichen Miss- bräuche, das Erschiessen eines anderen Häftlings in ihrer Anwesenheit und das Androhen, ihr und ihren Kindern werde dasselbe passieren – nicht voneinander ab. Dem ärztlichen Bericht vom 16. Juli 2013 (vgl. Sachverhalt Ziff. F) sind im Übrigen unter Ziffer 2.4 die Angaben zu en t- nehmen, die von der Beschwerdeführerin offenbar im Rahmen einer m e- dizinischen Behandlung im Jahr 2010 betreffend ihre Lebensgeschichte gemacht wurden. Auch wenn es sich dabei einzig um eine Wiedergabe der damaligen Anamnese handelt, fällt auf, wie gut das dort Berichtete zu den im Rahmen des Asylverfahrens geltend gemachten Vorbringen passt. Darüber hinaus enthalten die Protokolle in den Vorakten zahlreiche Rea l- zeichen und zeugen von einer erheblichen psychischen Not der Be- schwerdeführerin bei der Erzählung ihrer Asylvorbringen. Mehrfach ent- halten sie Hinweise der befragenden Person, dass die Beschwerdeführe- rin – teilweise sogar heftig – weine, bzw. aufgewühlt sei oder sich wieder- hole. Dies zum Beispiel während sie ausführte, ihr Mann sei entführt wor- den (vgl. A1/10 S. 2) oder dort, wo sie angibt, man habe ihr gesagt, die ganze Familie werde vernichtet, wenn sie etwas von dem Vorgefallenen erzähle oder wo sie sagt, die Personen hätten sogar ihre alte Mutter g e- schlagen (vgl. A12/19 S. 7 sowie weitere Stellen mit entsprechende n Hinweisen: A12/19 S. 8, 10, 16; A1/10 S. 6 und 7). Als Realzeichen in den freien Erzä hlungen ist etwa zu werten, als sie der B efragerin spontan Narben auf ihrem Arm zeigt während sie ausführt, man habe sie geschla- gen und behauptet, dass sie gelogen habe, sie hätten sie gefesselt und E-3415/2013 Seite 12 mit Strom ihren rechten Arm verletzt und sie mit einem Schlauch g e- schlagen, oder als sie angibt, sie sei so sehr geschlagen worden, dass sie Menstruationsblutungen bekommen habe, was sie in de r Erstbefr a- gung nicht habe sagen können, weil der Dolmetscher ein Mann gewesen sei (vgl. A12/19 S. 7). Nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts liegen damit hinrei- chend Anhaltspunkte vor, um anzunehmen, dass es sich bei dem von der Beschwerdeführerin Erzählten um tatsächlich Erlebtes handelt. Dabei ist festzustellen, dass aufgrund der traumatisierenden Erlebnisse bzw. der später diagnostizierten PTBS – an den entsprechenden fachärztlichen Ausführungen ist vorliegend nicht zu zweifeln – eine gewisse Ungenauig- keit in der Erinnerung der Beschwerdeführerin nachvollziehbar ist. Zwar entfaltet der Nachweis einer PTBS, bei welcher das traumatisierende Er- lebnis Voraussetzung für die Diagnosestellung ist, für sich alleine ges e- hen keine direkte Beweis kraft für das tatsächliche Vorliegen des vor der Asylbehörde vorgebrachten Ereignis ses, die psychische Krankheit kann sich jedoch auf das Aussageverhalten der traumatisierten Person auswir- ken und ist entsprechend bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen zu beachten. Dass die Beschwerdeführerin tatsächlich unter Erinnerungsproblemen leidet, zeigt sich im Übrigen bereits anlässlich der Befragungen, an denen sie sich mehrfach dahingehend äussert, dass ihr, seit sie geschlag en worden sei , oft schwindlig sei und sie deshalb Mühe habe, Sachen ohne Verwechslungen wiederzugeben (vgl. z.B. A12/19 S. 6, 9, 13, 15). Bereits an der Erstbefragung hatte sie angegeben, sich an den Tag, als sie das zweite Mal festgenommen worden sei, nicht mehr er- innern zu können (vgl. A1/10 S. 14), und die später folgenden Schwieri g- keiten bei der Festlegung der zeitlichen Dauer der beiden Festnahmen sind auch in diesem Licht zu würdigen. Schliesslich zeigen sich Schw ä- chen in der Erinnerungsfähigkeit der Be schwerdeführerin auch im Aussa- geverlauf selbst, so etwa als sie in der Anhörung von der Erschiessung eines Mannes bei der zweiten Festnahme und dem Androhen, ihr würde dasselbe geschehen, berichtet und anfügt, "das habe sie beim letzten Mal nicht erzählt" (vgl. A12/19 S. 14), obschon sie dies bereits zuvor in der Anhörung (vgl. A12/19 S.7) sowie auch bei der Erstbefragung zu Protokoll gegeben hatte (vgl. A1/10 S. 6) . Auch dieses Aussageverhalten bzw. die dadurch entstandene Ungereimtheit weis t daraufhin, dass die kognitive Leistungsfähigkeit tatsächlich beeinträchtigt war. Zu berücksichtigen gilt schliesslich, dass Opfer von Vergewaltigungen – eine solche wird zwar vorliegend nicht geltend gemacht, dass es zu massiven sexuellen Übe r- griffen gekommen ist erachtet das Gericht aber als wahrscheinlich − be-E-3415/2013 Seite 13 kanntermassen in aller Regel grosse Probleme haben, über die erlittenen Übergriffe zu reden; diese können – unter anderem auch abhängig vom kulturellen Umfeld der Opfer – durch Gefühle von Schuld und Scham so- wie durch die vom Opfer entwickelten Selbstschutzmechanismen erklärt werden (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.1). Solches ist vorliegend auch in B e- rücksichtigung des kulturellen Hintergrundes der Beschwerdeführerin a n- zunehmen. Die vom BFM aufgezeigten Wider sprüche, welche die Beschwerdeführ e- rin im Übrigen nicht bestreitet, reichen unter diesen Umständen nicht aus, um an der Glaub würdigkeit der Beschwerdeführerin grundsätzlich zu zweifeln. 4.3.3 Insgesamt besteht für das Gericht kein Anlass, daran zu zweifeln, dass die Beschwerdeführerin im (…) sowie im (…) von sri-lankischen Be- hördemitgliedern wegen des Verdachts von Handlungen zugunsten der LTTE festgenommen und geschlagen sowie sexuell miss handelt worden ist, zumal sich die im Arztbericht umschriebenen Symptome sowie die Di- agnosen ohne Weiteres in dieses Bild einfügen lassen. Aber auch die üb- rigen Vorbringen der Beschwerdeführerin erachtet das Gericht als in sich stimmig, und sie passen schliesslich ohne Weiteres in den zu jenem Zeit- punkt herrschenden politischen Kontext in Sri Lanka. Das Gericht geht nach dem Gesagten von der Glaubhaftigkeit des unter Ziffer A.b zusa m- mengefassten Sachverhalts aus. 5. 5.1 Nach den vorangehenden Erwägungen ist festzustellen, dass die Be- schwerdeführerin in Sri Lanka ernsthafte Nachteile erlitten hat, die ihr ge- zielt aus mindestens einem Motiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG (u n- terstellte politische Anschauung bzw. Unterstützung der LTTE und ethn i- sche Zugehörigkeit) zugefügt wurde n. Angesichts dieser Nachteile sowie der damals in Sri Lanka herrschenden Verhältnisse hatte die Beschwe r- deführerin subjektiv und objektiv begründete Furcht vor weiteren asy l- rechtlich relevanten Nachteilen. Zwischen der glaubhaft gemachten Ve r- folgung und der kurz darauf erfolgten Ausreise bestand schlie sslich s o- wohl in zeitlicher als auch in sachlicher Hinsicht ein hinreichend enger Kausalzusammenhang. Eine valable innerstaatliche Fluchtalternative stand ihr im damaligen Zeitpunkt nicht offen. Demzufolge erfüllte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Heimatstaat die Flüchtlingseigenschaft. E-3415/2013 Seite 14 5.2 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist jedoch nicht allein die Situation im Zeitpunkt der Ausreise massgebend, sondern entsche i- dend ist vielmehr, ob die Verfolgung heute noch andauert oder die Furcht vor Verfolgung aktuell noch begründet erscheint. Mit der Beendigung der Kriegshandlungen in Sri Lanka ist dabei insbesondere die eingetretene Veränderung der objektiven Situation seit der Ausreise der Beschwerde- führerin zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.3 mit Hinweisen), mit welcher sich das Bundesverwaltungsgericht bereits ausführlich auseina n- dergesetzt hat (vgl. BVGE 2011/24). Für das Vorliegen einer begründeten Furcht muss die Bedrohung aktuell und konkret sein (vgl. BVGE 2011/50, E. 3.1.1 und 3.1.2). 5.2.1 Die Beschwerdeführerin konnte darlegen, dass sie seit (…) für meh- rere Menschenrechtsorganisationen tätig war, so unter anderem für die internationale Organisation (...) sowie die lokale Organisation (...). Dieses Engagement wird von der Vorinstanz nicht bestritten. Darüber hinaus brachte die Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene auch Belege vor, die bestätigen, dass sie für das (...) tätig war. Dabei hat sie über mehrere Jahre hinweg nicht nur Kriegsverwundete verpflegt und medizinisch u n- terstützt, sondern wurde in ihrer Tätigkeit bei (...) zu einem späteren Zeit- punkt auch als Beobachterin und Informantin von Verschleppungen, T ö- tungen sowie Verhaftungen von Personen eingesetzt. Ihre Tätigkeiten standen damit unter anderem in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Verüben von Menschenrechtsverletzungen durch , sri-lankische Siche r- heitskräfte. Nebst unter dem Verdacht, die LTTE – insbesondere mit me- dizinischen Hilfeleistungen – zu unterstützen, was auch zutraf, wurde sie gerade auch in diesem Zusammenhang festgenommen . Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass ihr Mann verdächtigt wurde, mit den LTTE in Verbindung zu stehe n, unter anderem nachdem er früher der sri - lankischen Polizei ang ehörte und nach Kriegsausbruch die Tätigkeit ni e- dergelegt hatte. 5.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass gewisse Pe r- sonen trotz verbesserter Sicherheitslage seit Beendigung des militär i- schen Konflikts immer noch einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sein können. Als besonders gefährdet sieht es unter anderem Personen an, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu ste hen oder gestande n zu haben, insbeso n- dere auch Menschenrechtsaktivisten und regimekritische N GO-Vertreter, Personen, die Opfer oder Zeuge schwerer Menschenrechtsverstösse wurden oder diesbezüglich juristische Schritte einleiten sowie Rückkehrer E-3415/2013 Seite 15 aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterste llt werden (vgl. BVGE 2011/24 E 8). Präzisierend erwähnt das Urteil international und lokal tätige Vertreter von NGOs, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen respe k- tive entsprechende Verstösse kritisieren, als gefährdet (vgl. a.a.O. E 8.2). Bezüglich Personen, welche Zeuge von Menschenrechtsverletzungen geworden sind, verweist es als Beispiel auf die Festnahme von fünf Är z- ten, die im Verlaufe der bewaffneten Konflikte Augenzeugen von Tötu n- gen unter der Zivilbevölkerung geworden sind. Sodann stellt es in diesem Zusammenhang fest, dass auch die Gewalt gegenüber Frauen durch die Intensivierung der Kampfhandlungen in der Schlussphase des Konfliktes, insbesondere im Norden und im Osten des Landes, zugenommen hat, und trotz Beendigung der militärischen Feindseligkeiten nach wie vor von sexuellen Übergriffen respektive geschlechtsspezifischer Gewalt gege n- über Frauen berichtet wird (vgl. a.a.O. E 8.3). Hinsichtlich der Gefährdung von abgewiesenen Asylbewerbern muss im Einzelfall geprüft werden, ob ihnen nahe Kontakte zu LTTE-Kadern unter- stellt werden könnten, was eine konkr ete Gefährdung bedeuten könnte (näher dazu vgl. a.a.O. E.8). Die Furcht der Beschwerdeführerin, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu werden, erweist sich nach dem Ge- sagten als begründet. Einerseits war sie bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt und hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere subjektive Furcht (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E. 6 mit weiter en Hinweisen). Andere r- seits besteht in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bunde s- verwaltungsgerichts auch aus objektiven Gesichtspunkten eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit weiteren Verfolgungshandlungen seitens der sri - lankischen Behördenmitglieder zu rechnen hat. Dabei ist anzumerken, dass sich die allgemeine Sicherheitslage in Sri Lanka zwar verbessert hat, doch offensichtlich noch nicht von einer Rückkehr zu normalen rechtsstaatlichen Verhältnissen die Rede sein kann. Darüber hinaus wur- de die Beschwerdeführerin bereits Opfer von körperlicher, insbesondere sexueller Gewalt, wobei sie durch den Verlust ihres Ehemannes als a l- leinstehende Frau d iesbezüglich – auch im heutigen Zeitpunkt – beson- ders gefährdet erscheint. Die Bedrohung ist demzufolge konkret und a k- tuell. E-3415/2013 Seite 16 5.3 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht unter Be- rücksichtigung sämtlicher Risikofaktoren zum Schluss, dass die B e- schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in naher Zukunft und mit der notwendigen erheblichen Wahrscheinlichkeit mit Verfolgung im Sinne der massgeblichen Bestimmungen zu rechnen hat. Der Beschwer- deführerin ist somit – nicht zuletzt aufgrund der erlittenen Vorverfolgung – auch heute noch eine begründete Furcht v or Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu attestieren. Die Flüchtlingseigenschaft ist ihr daher anz u- erkennen und es ist ihr Asyl zu gewähren. Gründe für eine Verweigerung des Asyls beziehungsweise einen Ausschluss aus der Flüchtlingseig en- schaft liegen nicht vor (Art. 53 AsylG). 6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung verletzt Bundesrecht (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und ist aufzuh e- ben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen und ihr in der Schweiz Asyl zu gewähren. 7. 7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bu n- desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In der Kostennote vom 17. Juni 2013 weist der Rechtsvertreter einen zeit- lichen Aufwand von 15 Stunden zu Fr. 150.− sowie Auslagen (inkl. Do l- metscherkosten) von insgesamt Fr. 120. − und eine Dossiereröffnung s- pauschale von Fr. 50.− aus. Letztere wird praxisgemäss vom Bundesver- waltungsgericht nicht entschädigt. Der in Rechnung gestellte Aufwand er- scheint darüber hinaus nicht vollumfänglich angemessen und ist entspr e- chend zu kürzen. Der Beschwerdeführerin ist unter Berücksichtigung der Aufwendungen bis Verfahrensabsc hluss aufgrund der Bemessung s- grundsätze nach Art. 7 ff. VGKE eine Parteientschädigung zu Lasten des BFM in der Höhe von Fr. 1620.− (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite) E-3415/2013 Seite 17 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2. Die Verfügung vom 14. Mai 2013 wird aufgehoben. Das BFM wird ang e- wiesen, der Beschwerdeführerin Asyl zu erteilen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1620.− auszurichten. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona- le Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Esther Karpathakis Sibylle Dischler Versand: