<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die Verwendung von Tropenholz an bundeseigenen Bauten?</p><p>2. Wieviel des für den Neubau der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) verwendeten Tropenholzes stammt nachweislich aus nachhaltiger Nutzung?</p><p>3. Ist der Bundesrat bereit, verbindliche Weisungen und Vorschriften zu erlassen, welche wenigstens für die Bundesbetriebe die Verwendung von Tropenholz verbieten oder wenigstens auf ein Minimum beschränken?</p><p>4. Wieviel Tropenholz wird jährlich in der Schweiz vermarktet? Wie ist die Tendenz der letzten Jahre?</p><p>5. Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat, um auch ausserhalb der Bundesbetriebe die Verwendung von Tropenholz einzuschränken? Was hat er diesbezüglich in der letzten Zeit unternommen und was gedenkt er zu tun?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat hat Vorschläge für eine generelle Beschränkung der Einfuhr von Tropenhölzern aus folgenden Gründen stets abgelehnt:</p><p>- Nicht die Holznutzungen für den Export, sondern das Abbrennen von Wald zur Gewinnung von landwirtschaftlichem Boden oder die Nutzung der Wälder für die Befriedigung lokaler Bedürfnisse (vor allem Brennholz) sind die Hauptursachen der Waldzerstörungen.</p><p>- Unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Entwicklung und der langfristigen Walderhaltung in den tropischen Ländern muss man den Handel mit Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern nicht verbieten, sondern fördern: Verliert nämlich das Holz durch Handelsbeschränkungen seinen kommerziellen Wert, bestehen keine Anreize mehr, die Wälder zu schützen.</p><p>- Da unsere Tropenholzimporte sehr gering sind, hätten einseitige Massnahmen kaum globale Wirkung, sie könnten jedoch unsere Bemühungen um einen Dialog mit den Produzentenländern beeinträchtigen.</p><p>- Einseitige Handelsbeschränkungen sind mit unseren internationalen Verpflichtungen, namentlich im Rahmen der WTO, nicht zu vereinbaren.</p><p>Diesbezügliche und weitere Überlegungen hat der Bundesrat in den Stellungnahmen zur Interpellation der grünen Fraktion vom 9. März 1988, "Tropenholzimport und einheimische Waldwirtschaft", und zu den gleichlautenden Motionen Wick (Nationalrat) sowie Simmen (Ständerat) vom 16. Dezember 1992, "Deklarationspflicht für Importhölzer", dargelegt.</p><p>Beantwortung der einzelnen Fragen</p><p>1. Das Amt für Bundesbauten hat 1993 (im Mitteilungsblatt "Erfa/Info" 3/93) in Zusammenarbeit mit Buwal, Bawi, DEH und Empa begründet, weshalb ein undifferenzierter Verzicht auf den Import von Tropenholz nicht opportun sei. Im Hinblick auf Waldzertifizierung und Holzlabelling, die sich bereits damals abzeichneten, wurde bewusst die Möglichkeit offengelassen, Tropenholz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung einzusetzen. Zitat: "Bei allen Hölzern unterstützen wir die Einführung eines Öko-Labels. Tropische Hölzer sollen dann wieder mehr verwendet werden, wenn durch ein Label deren Herkunft aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern nachgewiesen wird." Da es schwierig sein kann, diesen Nachweis zu erbringen, wurde im gleichen Mitteilungsblatt auf die Möglichkeiten der Substitution von Tropenhölzern durch einheimische Holzarten hingewiesen.</p><p>2. Entgegen der Aussage in der Interpellation wurden beim Empa-Neubau in St. Gallen insgesamt 15 Kubikmeter und nicht 41,6 Kubimeter Tropenholz verwendet: 12 Kubikmeter für Türen und Schachtabschlüsse, 3 Kubikmeter als Unterlagshölzer für die Sonnenstorenbefestigung an der Nordwestfassade des Laborgebäudes. Dazu kommen noch 1,6 Kubikmeter Ökume-Holz für die Tische im Mehrzweckraum und in der Cafeteria.</p><p>Die Anforderungen seitens Brandschutz liessen bei den Türen und Schachtabschlüssen eine Ausfertigung in Eiche oder in einem gleichwertigen Tropenholz zu. Für Eiche wurde ein Mehrpreis von 76 500 Franken offeriert.</p><p>Für das verwendete Tropenholz liegt ein vom zaïrischen Minister für Umweltschutz, Bewahrung der Natur und Tourismus am 14. März 1994 unterschriebenes Ursprungszeugnis vor, wonach das gelieferte Tropenholz aus nachhaltig bewirtschafteten Waldbeständen stammt.</p><p>3. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Empfehlungen gemäss "Erfa/Info" 3/93 (herausgegeben durch das Amt für Bundesbauten, die PTT und SBB) immer noch genügen, und er erachtet restriktivere Bestimmungen als nicht opportun. Im Rahmen der Möglichkeiten wird er einer intensiven Kontrolle an Ort und Stelle seine volle Aufmerksamkeit schenken.</p><p>4. 1995 wurden insgesamt 8188 t Tropenholz als Rundholz und weitere 7846 t in Form von Schnittwaren, Furnieren und Sperrholz eingeführt, insgesamt also 16 034 t. Gegenüber 1993 (insgesamt 11 320 t) sind die Importe zwar gestiegen, aber im langjährigen Vergleich ist die Tendenz eindeutig sinkend: Im Jahresdurchschnitt 1976-1980 wurden beispielsweise rund 43 400 t Rundholz und rund 18 300 t Halbfabrikate aus Tropenholz importiert.</p><p>Eine von der International Tropical Timber Organisation Itto in Auftrag gegebene Studie (Stichting Bos en Hout, Wageningen NL, 1995) ermittelt den Endverbrauch an Tropenholz in der Schweiz im Jahr 1993 wie folgt: Aussentüren: 4000 Kubikmeter; Innentüren: 1000 Kubikmeter; Fenster: 1300 Kubikmeter; Treppen: 2000 Kubikmeter; Möbel, Innenausbau: 1060 Kubikmeter; Sperrholz für diverse Zwecke: 12 570 Kubikmeter, was eine Gesamtmenge von rund 22 000 Kubikmetern ergibt. Daraus lassen sich für das Jahr 1993 folgende Relationen ableiten:</p><p>- Der Tropenholzanteil am Holzprodukte-Endverbrauch (ohne Papier/Karton, ohne Restholz aus der Holzverarbeitung und ohne das energetisch genutzte Holz) von insgesamt 2,6 Millionen Kubikmetern beträgt rund 0,9 Prozent (1991: 1,8 Prozent);</p><p>- Gemessen am gesamten Holzverbrauch von 6,2 Millionen Kubikmetern Rundholzäquivalenten macht der Anteil des Tropenholzes rund 0,4 Prozent aus (1991: 0,6 Prozent).</p><p>5. Aufgrund der eingangs zusammengefassten Hintergründe der Waldzerstörung und angesichts der bescheidenen Tropenholzimporte der Schweiz, aber auch aus Rücksicht auf unsere aussenhandelsvertraglichen Verpflichtungen, sieht sich der Bundesrat nicht veranlasst, die Verwendung von Tropenholz einzuschränken. Statt dessen setzt der Bund seine bisherige Tätigkeit in internationalen Gremien fort (z. B. im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit oder der Rio-Nachfolgeaktionen), um seine Kenntnisse nachhaltiger Waldbewirtschaftung permanent weiterzugeben. So engagiert sich die Schweiz im Rahmen der Itto für die Förderung der nachhaltigen Bewirtschaftung der Tropenwälder. In diesem Sinne hat sie aktiv an der Aushandlung politischer Leitlinien mitgearbeitet sowie seit 1987 insgesamt 33 Forstprojekte mitfinanziert. Stark engagiert hat sich die Schweiz im Rahmen des "Intergovernmental Panel on Forests", das die Umsetzung der forstrelevanten Rio-Beschlüsse koordiniert. Die zwei Sitzungen dieses Panels, welche in diesem Jahr in Genf stattfinden, stellen eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, am Beispiel des Schweizer Waldes Wege zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung aufzuzeigen.</p>  Antwort des Bundesrates.