A bteilung III C -1303/2006 {T 0/2} U rteil vom 13. Juni 2007 M itw irkung: R ichter Im oberdorf (Kam m erpräsident); R ichter Trom m er und Vuille; G erichtsschreiberin Kaufm ann. H ._______, Beschw erdeführer, gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz, betreffend Verw eigerung der Einreisebew illigung für M .________ und B._______. B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 Sachverhalt: A. D ie aus Kam erun stam m ende M .________ (im Folgenden: G esuchstelle- rin) beantragte am 11. Septem ber 2006 bei der Schw eizerischen Botschaft in Yaoundé für sich und ihre zw eijährige Tochter B._______ ein Visum für einen dreim onatigen Besuchsaufenthalt bei ihrer Schw ester R ._______ und ihrem Schw ager H ._______ (im Folgenden: G astgeber bzw . Be- schw erdeführer) in Zofingen (AG ). D ie Schw eizer Vertretung überw ies das G esuch in der Folge dem BFM zum Entscheid. B. N achdem das M igrationsam t Kanton Aargau beim G astgeber w eitere Aus- künfte eingeholt hatte, verw eigerte die Vorinstanz in einer Verfügung vom 21. N ovem ber 2006 die nachgesuchte Einreisebew illigung. D ies im W e- sentlichen m it der Begründung, die anstandslose und fristgerechte W ieder- ausreise könne angesichts der w irtschaftlichen und soziokulturellen Lage im H erkunftsland sow ie der persönlichen Verhältnisse der G esuchstellerin nicht als gesichert betrachtet w erden. C . M it Beschw erde vom 10. D ezem ber 2006 beantragte der G astgeber beim dam als zuständigen Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartem ent (EJPD ) die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung der Einreisebew illigung. Zur Begründung m achte er im W esentlichen gel- tend, die Vorinstanz gehe zu U nrecht davon aus, die W iederausreise nach einem Besuchsaufenthalt w äre nicht gesichert. Er garantiere dafür und w erde seine G äste zu diesem Zw eck persönlich auf den Flughafen beglei- ten. Er feiere im nächsten Jahr seinen 50. G eburtstag und m öchte seine Schw ägerin und deren Tochter an diesem Anlass dabei haben. D . D ie Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehm lassung vom 20. M ärz 2007 die Abw eisung der Beschw erde. E. D er Beschw erdeführer verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer R eplik. D as B undesverw altungsgericht zieht in Erw ägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM betr. Einreiseverw eigerung unterliegen der Be- schw erde an das Bundesverw altungsgericht (Art. 20 Abs. 1 des Bundesge- setzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer vom 26. M ärz 1931 [AN AG , SR 142.20], Art. 31 ff. des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]). 1.2 Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verw altungsgerichtsgesetzes bereits beim EJPD hängige R echtsm ittelverfahren w erden vom Bundesverw al- tungsgericht übernom m en. D ie Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah- rensrecht (Art. 53 Abs. 2 VG G ).3 1.3 G em äss Artikel 37 VG G richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverw al- tungsgericht nach dem Bundesgesetz über das Verw altungsverfahren vom 20. D ezem ber 1968 (Vw VG , SR 172.021), sofern dieses G esetz nichts an- deres bestim m t. D as Bundesverw altungsgericht urteilt endgültig (Art. 1 Abs. 2 VG G i.V.m . Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]). 1.4 D er Beschw erdeführer ist zur Beschw erde legitim iert; auf die frist- und form gerecht eingereichte Beschw erde ist einzutreten (Art. 20 Abs. 2 AN AG , Art. 48 ff. Vw VG ). 2. 2.1 D ie schw eizerische R echtsordnung gew ährt grundsätzlich keinen An- spruch auf Bew illigung der Einreise. D er Entscheid darüber ist – vorbehält- lich nachfolgend zu erörternder H inderungsgründe – von der Bew illigungs- behörde in pflichtgem ässer Ausübung ihres Erm essens zu fällen (Art. 4 und Art. 16 Abs. 1 AN AG , Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über Einreise und Anm eldung von Ausländerinnen und Ausländern vom 14. Januar 1998 [VEA, SR 142.211]; PETER U EBER SA X, Einreise und Anw esenheit, in: Peter U ebersax / Peter M ünch / Thom as G eiser / M artin Arnold (H rsg.), Auslän- derrecht, Ausländerinnen und Ausländer im öffentlichen R echt, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schw eiz, Basel/G enf/M ünchen 2002, S. 143; U R S BO LZ, R echtsschutz im Ausländer- und Asylrecht, Basel und Frankfurt a.M ., 1990, S. 29 m it w eiteren H inw eisen; PH ILIP G R AN T, La pro- tection de la vie fam iliale et de la vie privée en droit des étrangers, Basel usw . 2000, S. 24). 2.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schw eiz ei- nen Pass und ein Visum , sofern sie nicht aufgrund besonderer R egelung von diesem Erfordernis ausgenom m en sind (Art. 1 bis 5 VEA). 2.3 U m ein Visum zu erhalten, m üssen Ausländerinnen und Ausländer die in Artikel 1 Absatz 2 VEA aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Sie haben unter anderem G ew ähr für eine fristgerechte W iederausreise zu bieten (Art. 1 Abs. 2 Bst. c VEA). 3. 3.1 D ie G esuchstellerin und ihre Tochter benötigen aufgrund ihrer N ationalität zur Einreise in die Schw eiz nebst dem Pass ein Visum . D ie Vorinstanz ver- w eigerte die Erteilung eines solchen Visum s m it der Begründung, die an- standslose und fristgerechte W iederausreise erscheine nicht als hinrei- chend gesichert. 3.2 W enn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten W iederausrei- se erfüllt ist, m uss ein zukünftiges Verhalten beurteilt w erden. D azu lassen sich in der R egel keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen tref- fen. D abei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerin- nen und Bürgern aus Staaten oder R egionen m it politisch respektive w irt- schaftlich vergleichsw eise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein m it Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen 4 Fällen häufig nicht m it dem Ziel und Zw eck einer zeitlich befristeten Einrei- sebew illigung in Einklang steht. 3.3 In Kam erun sind breite Bevölkerungsschichten von vergleichsw eise schw ierigen ökonom ischen und sozialen Lebensbedingungen betroffen. In- nerhalb der Staaten der zentralafrikanischen R egionalorganisation C EM AC ist Kam erun zw ar das w irtschaftlich stärkste Land. D ennoch leben etw a 40% der Bevölkerung Kam eruns unter der Arm utsgrenze (Q uelle: http://w w w .ausw aertiges-am t.de, Länder- und R eiseinform ationen > Kam e- run > W irtschaft [Stand: M ärz 2007]). Entsprechend hoch ist der Anteil je- ner, die versuchen, nach Europa oder in andere Länder zu gelangen, in denen sie sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere Exis- tenz sichern m öchten. D er Trend zeigt sich erfahrungsgem äss dort beson- ders stark, w o durch die Anw esenheit von Verw andten oder Bekannten be- reits ein m inim ales soziales Beziehungsnetz im Ausland besteht. Im Falle der Schw eiz führt dies angesichts der restriktiven frem denpolizeilichen Zu- lassungsregelung nicht selten zur U m gehung ausländerrechtlicher Bestim - m ungen. 3.4 H inzu kom m t, dass Frauen in Kam erun zusätzlichen spezifischen Benach- teiligungen ausgesetzt sind. D ank der engagierten Arbeit von Frauengrup- pen entsteht zw ar ein w achsender W iderstand gegen althergebrachte Tra- ditionen und G ebräuche w ie der staatlich nach w ie vor gestatteten Polyga- m ie, der zulässigen Züchtigung der Ehefrau durch den Ehegatten, dem Brautpreis sow ie der M ädchenbeschneidung. N och deutet aber nichts dar- auf hin, dass sich die soziale Situation der Frauen in diesen Bereichen nachhaltig verbessern w ird. 4. Bei der R isikoanalyse sind aber nicht nur solch allgem eine U m stände und Erfahrungen, sondern auch säm tliche G esichtspunkte des konkreten Ein- zelfalles zu berücksichtigen. O bliegt einer G esuchstellerin oder einem G e- suchsteller im H eim atland beispielsw eise eine besondere berufliche, ge- sellschaftliche oder fam iliäre Verantw ortung, kann dieser U m stand durch- aus die Prognose für eine anstandslose W iederausreise begünstigen. U m - gekehrt m uss bei Antragstellerinnen und Antragstellern, die in ihrer H eim at keine besonderen Verpflichtungen haben, das R isiko für ein frem denpoli- zeilich nicht vorschriftsgem ässes Verhalten (nach bew illigter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt w erden. 5. 5.1 Bei der G esuchstellerin handelt es sich um eine 23-jährige, ledige Frau; al- lein erziehende M utter einer Tochter. Ü ber diese Fakten hinaus bestehen keine Erkenntnisse zu den persönlichen und fam iliären Verhältnissen vor O rt. D a ihre Tochter ebenfalls in die Schw eiz reisen w ürde, w ären som it keine besonderen Verpflichtungen persönlicher oder fam iliärer N atur er- kennbar, w elche die Prognose einer fristgerechten und anstandslosen W iederausreise begünstigen könnten. Aber auch in beruflicher und w irt- schaftlicher H insicht kann nicht von Verhältnissen ausgegangen w erden, die nachhaltig an einer Em igration hindern könnten. D ie G esuchstellerin geht keiner Erw erbstätigkeit nach, und es ist nicht bekannt, w ie sie ihren 5 Lebensunterhalt bestreitet und in w elchen w irtschaftlichen Verhältnissen sie lebt. Insgesam t sind vorliegend keinerlei Bindungen der G e- suchstellerin an ihr angestam m tes U m feld zu erkennen, die sie zu einer R ückkehr m otivieren könnten. D ie Tatsache, dass sie zusam m en m it ihrer Tochter gleich für volle drei M onate in die Schw eiz reisen m öchte, unter- streicht den Eindruck fehlender Bindungen. 5.2 D em gegenüber hat die G esuchstellerin einen starken fam iliären Bezug zur Schw eiz; denn hier lebt (nebst der G astgeberin) offenbar noch m indestens eine w eitere Schw ester, so aus den schriftlichen Auskünften des Be- schw erdeführers gegenüber dem kantonalen M igrationsam t zu schliessen. 5.3 Insgesam t sind vorliegend keine U m stände oder gar Verpflichtungen zu er- kennen, w elche die G esuchstellerin nachhaltig davon abhalten könnten, zusam m en m it ihrem Kind ins Ausland zu em igrieren. D ie Vorinstanz durfte vor dem aufgezeigten allgem einen und persönlichen H intergrund daher da- von ausgehen, dass keine hinreichende G ew ähr für eine fristgerechte und anstandslose W iederausreise der G esuchstellerin und des Kindes nach ei- nem Besuchsaufenthalt besteht. D iese Beurteilung kann durch die Zusi- cherungen des Beschw erdeführers nicht in Frage gestellt w erden. An sei- ner Integrität und seinem guten W illen zu zw eifeln besteht zw ar kein An- lass. Er kann aber aus naheliegenden G ründen nicht in rechtlich oder auch nur faktisch durchsetzbarer W eise für ein bestim m tes Verhalten seiner G äste einstehen. Letzteren selbst bleibt es anheim gestellt, ob sie sich an die deklarierten Vorgaben halten w ollen oder nicht. 6. Aus diesen D arlegungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 Vw VG nicht zu beanstanden ist. D ie Beschw erde ist deshalb abzuw eisen. 7. D em Ausgang des Verfahrens entsprechend w ird der unterliegende Be- schw erdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). D ie Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des R eglem ents über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver- w altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE, SR 173.320.2]). D ispositiv S. 66 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten von Fr. 600.-- w erden dem Beschw erdeführer aufer- legt. Sie sind durch den am 31. Januar 2007 in gleicher H öhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 3. D ieses U rteil w ird eröffnet: - dem Beschw erdeführer (Einschreiben) - der Vorinstanz (Einschreiben; Akten 2 258 116 zurück). D er Kam m erpräsident: D ie G erichtsschreiberin: A. Im oberdorf D . Kaufm ann Versand am :