Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 2019 I/3 BVGE / ATAF / DTAF I 27 2019 I/3 Auszug aus dem Urteil der Abteilung I i.S. A. gegen Kommando Operationen, Gruppe Verteidigung A–3627/2018 vom 14. März 2019 Ordentliche Kündigung während der Probezeit. Neue Probezeit bei internem Stellenwechsel. Unzulässigkeit einer zweiten Probezeit. Art. 5 Abs. 2 BV . Art. 6 Abs. 2, Art. 8 Abs. 1, Art. 12 Abs. 2 BPG. Art. 335b OR. Art. 25 Abs. 3 Bst. a, Art. 29 Abs. 2, Art. 30a Abs. 1 BPV . 1. Neue Probezeit bei internem St ellenwechsel. Schliessen dieselben Parteien einen neuen Arbeitsvertrag ab, ist in Analogie zum OR und der dazugehörigen Praxis eine zweite Probezeit nur aus- nahmsweise zulässig (E. 4). 2. Verhältnismässigkeit einer zweiten Probezeit: Das Interesse der betroffenen Arbeitnehmerin am ordentlichen Kündigungsschutz ist höher zu gewichten als das Interesse der Vorinstanz an einer kurzen Kündigungsfrist. Die Vereinbarung einer neuen Probezeit war demnach auch nicht zumutbar und erweist sich als unverhält- nismässig (E. 5). Résiliation ordinaire pendant la période d'essai. Nouvelle période d'essai en cas de mutation interne. Inadmissibilité d'une seconde pé- riode d'essai. Art. 5 al. 2 Cst. Art. 6 al. 2, art. 8 al. 1, art. 12 al. 2 LPers. Art. 335b CO. Art. 25 al. 3 let. a, art. 29 al. 2, art. 30a al. 1 OPers. 1. Nouvelle période d'essai en cas de mutation interne. Par analogie avec les dispositions du CO et au vu de la pratique en la matière , lorsque les parties concluent un nouveau contrat de travail, une seconde pé riode d'essai n'est ad mise qu'à titre exceptionnel (consid. 4). 2. Proportionnalité d'une seconde période d'essai: l'intérêt de l'em- ployé à bénéficier de la protection contre les licenciements prévaut sur l'intérêt de l'autorité inférieure à bénéficier d'un délai de rési- liation raccourci. Par conséquent, la convention introduisant une 2019 I/3 Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 28 I BVGE / ATAF / DTAF nouvelle période d'essai était pas admissible et s'avère dispropor- tionnée (consid. 5). Disdetta ordinaria durante il tempo di prova. Nuovo periodo di prova in caso di trasferimento interno. Inammissibilità di un secondo perio- do di prova. Art. 5 cpv. 2 Cost. Art. 6 cpv. 2, art. 8 cpv. 1, art. 12 cpv. 2 LPers. Art. 335b CO. Art. 25 cpv. 3 lett. a, art. 29 cpv. 2, art. 30a cpv. 1 OPers. 1. Nuovo periodo di prova in caso di trasferimento interno. Se le stes- se parti concludono un nuovo contratto di lavoro, un secondo pe- riodo di prova è ammissibile soltanto in via eccezionale, in applica- zione analogica delle disposizioni del CO e della relativa prassi (consid. 4). 2. Proporzionalità di un secondo periodo di prova: l'interesse del di- pendente interessata a beneficiare della protezione dalla disdetta ordinaria deve prevalere sull 'interesse dell 'autorità inferiore di poter beneficare di un termine di disdetta breve. Di conseguenza, la concertazione di un nuovo periodo di prova era inammissibile e si rivela sproporzionata (consid. 5). A., geboren 1969, trat per 13. Juni 2016 als « Sachbearbeiterin Kontroll- stelle » in den Dienst der Luftw affe (Einsatz Luftwaffe), Gruppe Ver - teidigung, Kommando Operationen , ein. Die dreimonatige Probezeit absolvierte sie erfolgreich. Ihre Gesamtleistung für den Rest des Beur - teilungszeitraums im Jahr 2016 sowie für den Beurteilungszeitraum im Jahr 2017 wurde jeweils mit einer 2 (« genügend ») bewertet. Nach diver- sen Standortgesprächen mit der Leiterin Kontrollstelle im Zusammenhang mit der eher mässig zufriedenstellenden Arbeitsleistung von A. fand am 30. November 2017 ein weiteres Gespräch mit ihrem zukünftigen Chef (ab 1. Januar 2018) und der HR-Beraterin statt. A. unterzeichnete am 5. März 2018 einen neuen Arbeitsvertrag und trat die Stelle als « Sachbearbeiterin Operationszentrale LW » per 1. März 2018 an. Das Arbeitsverhältnis wurde unbefristet abgeschlossen und die Partei- en vereinbarten eine Probezeit von drei Monaten, welche bis zum 31. Mai 2018 dauerte. Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 2019 I/3 BVGE / ATAF / DTAF I 29 Gestützt auf die Feedbackgespräche während der Probezeit vom 12. März 2018 und vom 5. und 19. April 2018 eröffnete A.s V orgesetzter ihr am 19. April 2018, dass sie die Pro bezeit nicht bestanden habe und das Ar - beitsverhältnis deshalb während der Probezeit aufgelöst werden müsse. Mit Schreiben vom 7. Mai 2018 unterbreitete ihr das Kommando Opera - tionen einen Entwurf für die einvernehmliche Auflösung des Arbeits - verhältnisses, den sie innert der gesetzten Frist jedoch nicht unterzeichnet retournierte. Infolgedessen wurde ihr im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs mit Schreiben vom 15. Mai 2018 Gelegenheit gegeben, sich zur beabsichtigten Auflösung bis am 22. Mai 2018 zu äussern. A. nahm mit Schreiben vom 22. Mai 2018 gegenüber dem Kommando Operationen Stellung. Sie brachte darin vor, dass selbst wenn eine Probe - zeit zulässig gewesen wäre, die Schutzfristen von Art. 336c OR gelten würden. Dies e rgebe sich bereits aus Art. 29 Abs. 2 der Bundespersonal - verordnung vom 3. Juli 2001 (BPV , SR 172.220.111.3), der interne Über- tritte in eine andere Verwaltungseinheit zum Gegenstand habe. V orliegend liege kein interner Übertritt in eine andere Verwaltungseinheit vor, sondern ein seit dem 13. Juni 2016 bestehendes Arbeitsverhältnis mit derselben Verwaltungseinheit. In der Folge verfügte der Chef Kommando Operationen am 23. Mai 2018 die Auflösung des Arbeitsvertrags vom 5. März 2018 während der Probe - zeit unter Berücksichtigung einer Kün digungsfrist von sieben Tagen per 31. Mai 2018. Gegen diese Verfügung des Kommandos Operationen (nachfolgend: V or- instanz) erhebt A. (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 22. Juni 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, es sei festzu- stellen, dass die Verfügung der V orinstanz vom 23. Mai 2018 nichtig sei, und die V orinstanz sei anzuweisen, sie weiter zu beschäftigen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die V orinstanz sei zu verpflichten, ihr eine Entschädigung in der Höhe von acht Monatslöhnen wegen sachlich nicht gerechtfertigter Kündigung ohne Abzug der Sozialversicherungsbei- träge auszubezahlen. Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. 2019 I/3 Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 30 I BVGE / ATAF / DTAF Aus den Erwägungen: 4. Im vorliegenden Fall stellt sich zunächst die Frage, ob die V orin- stanz im Arbeitsvertrag vom 5. März 2018 mit der Beschwerdeführerin eine neue Probezeit von drei Monaten vereinbaren durfte. 4.1 Um diese Frage beantworten zu können, ist vorab zu klären, ob der neue Arbeitsvertrag vom 5. März 2018 gültig zustande gekommen ist. 4.1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 BPG (SR 172.220.1) entsteht das Arbeits- verhältnis des Bundespersonals durch den Abschluss eines schriftlichen öffentlich-rechtlichen Arbeitsvertrags, wobei zum Mindestinhalt des schriftlichen Arbeitsvertrags namentlich die Festlegung der Lohnklasse und des Lohns gehört (Art. 25 Abs. 2 Bst. f BPV). Diese Formvorschrift dient der Rechtssicherheit (vgl. HARRY NÖTZLI, in: Bundespersonalgesetz [BPG], 2013, Art. 13 N. 5; PETER HÄNNI, Personalrecht des Bundes, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. I Teil 2, 2. Aufl. 2004, Rz. 52). Ferner bedarf auch jede Änderung des Arbeitsvertrags zu ihrer Gültigkeit der schriftlichen Form (Art. 13 BPG und Art. 30 Abs. 1 BPV; vgl. Urteil des BVGer A–7560/2015 vom 18. Mai 2016 E. 4.1). 4.1.2 Die Parteien haben vorliegend am 5. März 2018 einen schriftli - chen öffentlich -rechtlichen Arbeitsvertrag mit Angaben zur Lohnklasse und zum festgelegten Lohn vereinbart. Weder die Beschwerdeführerin noch die Vorinstanz bestreiten, dass dieser Arbeitsvertrag gültig zustande gekommen ist. Es kann deshalb offenbleiben, ob es sich dabei um eine (einseitige) interne Versetzung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 Bst. a BPV handelt, wonach der Arbeitgeber ohne Kündigung des Arbeitsvertrags un- ter Einhaltung der Fristen nach Art. 30a Abs. 1–3 BPV Änderungen der Funktion beziehungsweise des Arbeitsbereichs und des Arbeitsorts oder nach Art. 25 Abs. 2 Bst. b BPV Änderungen der organisatorischen Ein - gliederung im Zusammenhang mit einer Umstrukturierung oder einer Re- organisation vornehmen kann. Auch die Frage, ob es sich dabei allenfalls um eine von der V orinstanz ausgesprochene (einseitige) Änderungskündi- gung handelt (vgl. hierzu die in der privatrechtlichen Rechtsprechung ent- wickelten Grundsätze STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, Arbeitsvertrag, 7. Aufl. 2012, Art. 336 N. 4; ferner REHBINDER/STÖCKLI, in: Berner Kommentar, Arbeitsvertrag, 2014, Art. 335 N. 2; Urteil des BVGer A–2498/2016 vom 11. April 2017 E. 3.3), muss nicht beantwortet werden, haben sich die Parteien doch gemeinsam auf einen neuen Arbeitsvertrag geeinigt. Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 2019 I/3 BVGE / ATAF / DTAF I 31 4.2 Nachfolgend ist allerdings zu prüfen, ob es rechtmässig ist, dass der neue Vertrag wiederum eine Probezeit von drei Monaten vorsieht. 4.2.1 Das Probearbeitsverhäl tnis soll es dem Arbeitnehmer ermögli - chen, einen Eindruck vom Arbeitsumfeld zu gewinnen , und aufseiten des Arbeitgebers dient es der Überprüfung der Eignung und der Fähigkeiten des Arbeitnehmenden. Nach Art. 12 Abs. 2 BPG in Verbindung mit Art. 30a Abs. 1 BPV kann das öffentlich -rechtliche Arbeitsverhältnis in der Bundesverwaltung während der Probezeit mit einer Kündigungsfrist von sieben Tagen ordentlich gekündigt werden. Art. 6 Abs. 2 BPG statuiert sodann, dass für das Arbeitsverhältnis sinngemäss die ei nschlägigen Bestimmungen des OR gelten, soweit dieses Gesetz und andere Bundesgesetze nichts Abweichendes bestimmen (Urteile des BVGer A–1058/2018 vom 27. August 2018 E. 4.1; A–6870/2017 vom 11. Juni 2018 E. 4.1 und A–3949/2012 vom 29. Januar 2013 E. 5.5.3). 4.2.2 Aus Art. 29 Abs. 2 BPV geht implizit hervor, dass auch bei inter- nen Übertritten eine Probezeit vereinbart werden kann. Wann bei einem neuen Arbeitsvertrag mit dem gleichen Arbeitgeber eine neue Probezeit zulässig ist, ergibt sich aus dem Bundespersonalrecht hingegen nicht. Die Frage ist deshalb vorab in Analogie zum OR und der dazugehörigen Praxis zu beantworten. Schliessen dieselben Parteien einen neuen privaten Ar - beitsvertrag ab, so soll demnach grundsätzlich keine neue Probezeit laufen und kann eine solche auch nicht vereinbart werden (PORTMANN/RUDOLPH, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 6. Aufl. 2015, Art. 335b N. 5; STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., Art. 335b N. 3 S. 927 m.w.H.). Andernfalls könnten die Schutzbestimmungen zugunsten des A rbeit- nehmers leicht umgangen werden. Eine neue Probezeit ist im privaten Arbeitsrecht dann zulässig, wenn von einem neuen Arbeitsverhältnis zwi- schen den Parteien auszugehen ist, insbesondere nach einer längeren Un - terbrechung oder infolge Übernahme einer völlig andersgearteten Funk - tion durch den Arbeitnehmer. Eine neue Probezeit ist weiter dann zulässig, wenn ein Temporärarbeiter für einen anderen Einsatzbetrieb tätig wird (BGE 117 V 248 E. 3) oder wenn die Probezeit des ursprünglichen Ver - trags noch nicht abgelaufen ist und die Parteien im neuen Arbeitsvertrag deren Fortsetzung vereinbart haben ( PORTMANN/RUDOLPH, a.a.O., Art. 335b N. 5 m.H.). Eine zweite Probezeit mit demselben Arbeitgeber ist also nur ausnahmsweise zulässig. 5. Bei der Frage der Zulässi gkeit einer zweiten Probezeit im Bun - despersonalrecht ist sodann das Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten. 2019 I/3 Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 32 I BVGE / ATAF / DTAF 5.1 Das in Art. 5 Abs. 2 BV verankerte Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass eine staatliche Massnahme für das Erreichen des im öffent - lichen Interesse liegenden Ziels geeignet und erforderlich sowie bezüglich Eingriffszweck und -wirkung ausgewogen, mithin der betroffenen Partei zumutbar ist (BGE 141 I 1 E. 5.3.2; 140 II 194 E. 5.8.2; Urteile des BVGer A–1625/2018 vom 4. Januar 2019 E. 4.3; A–5034/2015 vom 11. April 2016 E. 5 und A –6361/2015 vom 27. April 2016 E. 7.1; TSCHANNEN/ ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 21). Dieser Grundsatz gilt auch für die V orinstanz, soweit sie staatliche Auf- gaben wahrnimmt beziehungsweise als öffentlich-rechtliche Arbeitgeberin handelt, was vorliegend ohne Weiteres der Fall ist (vgl. Art. 35 Abs. 2 BV , Art. 6 Abs. 1 BPG sowie statt vieler Urteil A–6361/2015 E. 7.1). Geeignet ist eine verwaltungsrechtliche Massnahme dann, wenn mit ihr das angestrebte Ziel erreicht wird oder sie zu dessen Erreichung einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag leisten kann, das heisst, wenn sie mit Blick auf das angestrebte Ziel Wirkungen entfaltet und dessen Erreichung erleichtert (sog. Zwecktauglichk eit). Die Erforderlichkeit liegt vor, wenn mit keiner gleichermassen geeigneten, aber für die betroffene Partei weni- ger einschneidenden Massnahme der angestrebte Erfolg ebenso erreicht werden kann. Die Massnahme ist schliesslich nur dann gerechtfertigt, wenn eine angemessene Zweck-Mittel-Relation (sog. Zumutbarkeit) zwi - schen der Massnahme und dem Erfolg besteht. Der damit verbundene Ein- griff in die Rechtsstellung der betroffenen Partei soll im Vergleich zur Be- deutung des verfolgten öffentlichen Interesses nicht unvertretbar schwerer wiegen (BGE 140 I 353 E. 8.7; 140 I 2 E. 9.2.2; zum Ganzen Urteile des BVGer A–6699/2015 vom 21. März 2016 E. 6.3 und A–6956/2013 vom 16. September 2014 E. 5.1.1 m.w.H.). 5.2 Bezüglich der erneut vereinbarten Probezeit zwischen der V orin- stanz und der Beschwerdeführerin ist zunächst festzuhalten, dass eine Pro- bezeit durchaus geeignet war, um der Beschwerdeführerin die Möglichkeit zu geben, ihr neues Arbeitsumfeld kennenzulernen. Auch der V orinstanz diente diese Zeit dafür, die Fähigkeiten der Beschwerdeführerin und deren Eignung in der neuen Funktion überprüfen zu können. 5.3 Um beurteilen zu können, ob eine zweite Probezeit auch erforder- lich war, sind die beiden Funktionen, die die Beschwerdeführerin ausübte, zu vergleichen. 5.3.1 Die ur sprüngliche Stelle der Beschwerdeführerin als « Sachbe- arbeiterin Kontrollstelle » ist der Lohnklasse 12 zugeteilt und für ein Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 2019 I/3 BVGE / ATAF / DTAF I 33 50 %-Pensum erhielt die Beschwerdeführerin gemäss Arbeitsvertrag vom 3. Juni 2016 einen Lohn in der Höhe von Fr. (…) pro Jahr. D ie An - forderungen an die Stelle sind unter anderem eine abgeschlossene kauf - männische Ausbildung, Handelsschule oder eine vergleichbare Grund - ausbildung. Als Spezialausbildung werden gemäss Pflichtenheft eine Weiterbildung im Bereich Versicherungen/Sozialv ersicherungen, gute Buchhaltungskenntnisse, Kenntnisse im Bereich Finanz - und Rechnungs- wesen sowie sehr gute EDV -Kenntnisse (Office -Produkte, SAP er - wünscht) verlangt. Schliesslich erfordert die Stelle gemäss Angaben der V orinstanz ein ausgesprochenes Zahlenflair und eine äusserst exakte Arbeitsweise. Im Vergleich dazu wird die Stelle « Sachbearbeiterin Opera- tionszentrale LW » in der Lohnklasse 13 eingestuft und für ein 50 - %- Pensum erhält die Beschwerdeführerin Fr. (…) pro Jahr. Dabei wird ein Berufsabschluss mit 2–3 Jahren funktionsrelevanter Erfahrung (kaufmän- nische Ausbildung, Handelsschule oder gleichwertige Ausbildung) als Grundausbildung vorausgesetzt. Die EDV -Anwendungen (Word, Excel, PowerPoint, SAP iGeko) werden als Spezialausbildung gefordert. Sodann sind fundierte PC-Kenntnisse, sehr gute Deutschkenntnisse, Kenntnisse im Rechnungswesen, Erfahrung in der Protokollführung und eine strukturier- te, selbstorganisierte Arbeitsweise erwünscht. 5.3.2 Der Aufgabenbereich und die Kompetenzen der « Sachbearbeite- rin Kontrollstelle » beinhalten unter anderem , dass die Stelleninhaberin verantwortliche Ansprechstelle des Miliz - und Profipersonals (Sprung - und Flugdienst) in sämtlichen Versicherungsfragen ist. Dies umfasst zum Beispiel die Beratung bei sämtlichen Versicherungsfragen aller fliegenden und springenden Besatzungen. Sie trägt sodann die Verantwortung für die gesamte Administration der Kollektiv -Versicherungspolicen (Prämienbe- rechnung, -verrechnung und -abrechnung). Sie ist zuständig für die Über - wachung der Rechnungen für externe Angehörige des Flug - und Sprung- dienstes (armasuisse, Armeestab, GS VBS) und der finanziellen Abläufe im Zusammenhang mit den Pauschalversicherungsbeträgen der fliegenden Besatzungen und Passagiere sowie für die Abwicklung der U mbuchun- gen/Rückerstattungen zugunsten der Finanzen der Luftwaffe. Zusätzlich war die Beschwerdeführerin als « Sachbearbeiterin Kontroll - stelle » zuständig für die Personaladministration und -sachbearbeitung zugunsten des Milizpersonals. Dabei war sie vera ntwortlich für die Be - rechnung und die Abrechnung der Quellensteuer, für alle Arbeiten im Zu- sammenhang mit den Familienzulagen und die Erstellung der Lohnabrech- nungen und Lohnausweise. Zudem umfasste die Stelle die Administration 2019 I/3 Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 34 I BVGE / ATAF / DTAF der Finanzen, das heisst die Erstellung von Monats- und Jahresabschlüssen der Versicherungen, die Kontrolle, Verifizierung, Bearbeitung und Ab - wicklung im elo-Workflow von Landetaxenrechnungen, die Erstellung der AHV-Rechnungen oder die selbstständige Abwicklung und Betreuung der entsprechenden Revisorenkontrollen der AHV . Schliesslich war sie Super- userin für das « FIS LW » sowie verantwortlich für die Definition der An- forderungen für das EDV-System « TVneu » und sie veranlasste Korrektu- ren, Überarbeitungen und Fehlerkontrollen mit der Herstellerfirma und wickelte Testläufe ab. 5.3.3 Die Aufgaben und Kompetenzen der neuen Stelle « Sachbear- beiterin Operationszentrale LW » umfassen demgegenüber die Erstellung des Budgets Op Zen LW in direkter Zusammenarbeit mit den Bereichslei- tern sowie dessen Bewirtschaftung und Überwachung. Zudem erledigt die Sachbearbeiterin die delegierten Tätigkeiten im Rechnungswesen und ist für das Führen der Kasse verantwortlich. Sie leitet das Sekretariat des C Op Zen LW und stellt den Betrieb innerhalb des Sekretariats sicher, ko- ordiniert die Postverteilung innerhalb der Op Zen LW und führt die Pen - denzen- und Terminkontrolle für den C Op Zen LW. Sie ist zudem zustän- dig für Dienstreiseanträge und die Beschaffung und V orbereitung von Unterlagen und holt Informationen ein und organisiert Besuche im Air Op- eration Center (AOC). Sie bearbeitet Sachgeschäfte im Auftrag des C Op Zen LW (Korrespondenz, Sitzungsunterlagen, Protokolle, Terminlisten etc.) und ist verantwortlich für die Geschäftssteuerung. Sie pfle gt zudem die personellen Daten im Bereich Miliz in Absprache mit den Bereichs - leitern und organisiert und koordiniert Dienstreisen, Sitzungen und Rap - porte. 5.3.4 Der Vergleich der beiden Stellen ergibt, dass das Anforderungs - profil der Stelle « Sachbearbeiterin Operationszentrale LW » deutlich geringer ausfällt als jenes der von der Beschwerdeführerin ursprünglich innegehabten Stelle « Sachbearbeiterin Kontrollstelle ». Dies zeigt sich insbesondere hinsichtlich der spezifischen Kenntnisse im Bereich der (Sozial-)Versicherungen sowie der guten Buchhaltungskenntnisse. Im Be- reich der Grundausbildung sind die zwei Stellen ohne Weiteres vergleich- bar beziehungsweise identisch, da für beide eine kaufmännische Ausbil - dung, Handelsschule oder eine gleichwertige Ausbildu ng verlangt wird. Auch die Entlöhnung ist praktisch identisch. Dass die neue Stelle in einer höheren Lohnklasse eingereiht ist, hängt gemäss eigenen Angaben der V orinstanz lediglich mit den Hierarchiestufen der entsprechenden Verwal- tungseinheiten zusammen. V on den Aufgaben und Kompetenzen her stellt Bundespersonal. Kündigung während Probezeit 2019 I/3 BVGE / ATAF / DTAF I 35 die Stelle « Sachbearbeiterin Operationszentrale LW » eine klassische Sekretariats- beziehungsweise Assistenztätigkeit dar, die deutlich weniger komplex und anspruchsvoll ist als die Tätigkeiten bei der Stelle « Sachbe- arbeiterin Kontrollstelle ». Weshalb beim Abschluss des neuen Arbeitsver- trags erneut eine Probezeit erforderlich gewesen sein soll, ist deshalb nicht ersichtlich. V onseiten der V orinstanz wären vielmehr weniger einschnei- dende Massnahmen für die Beurteilung der Beschwerdeführerin denkbar gewesen, wie beispielsweise die Durchführung von regelmässigen Zwi - schengesprächen. Die Vereinbarung einer zweiten Probezeit war demzu - folge nicht erforderlich. 5.4 Die Beschwerdeführerin war seit Mitte Juni 2016, also etwas mehr als zwei Jahre, bei der V orinstanz tätig. Dabei profitierte sie seit Ab- lauf der Probezeit Mitte September 2016 vom ordentlichen Kündigungs - schutz. Zudem wurde der Beschwerdeführerin gemäss ihren unbestritten gebliebenen Angaben in ihrer St ellungnahme vom 11. Februar 2019 die neue Stelle angeboten. Unter diesen Umständen ist das Interesse der Be - schwerdeführerin am ordentlichen Kündigungsschutz gemäss Art. 10 Abs. 3 BPG höher zu gewichten als das Interesse der V orinstanz an einer kurzen Künd igungsfrist. Die Vereinbarung einer neuen Probezeit war demnach auch nicht zumutbar und erweist sich auch deshalb als unverhält- nismässig. 5.5 Als Zwischenergebnis kann folglich festgehalten werden, dass die Vereinbarung einer erneuten Probezeit für die Stelle « Sachbearbeiterin Operationszentrale LW » unzulässig war. Der Arbeitsvertrag vom 5. März 2018 erweist sich insofern als rechtswidrig und ist anzupassen. Infolge - dessen ist auch die mit einer Kündigungsfrist von sieben Tagen erfolgte Kündigung als rechtsw idrig einzustufen. Eine Kündigung wäre lediglich unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist gemäss Art. 30a Abs. 2 BPV bei V orliegen eines sachlich hinreichenden Grundes (Art. 10 Abs. 3 BPG) und einer vorangehenden Mahnung (vgl. statt vieler Urteil des BVGer A–169/2018 vom 23. Januar 2019 E. 4.3) zulässig gewesen. Diese V oraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt.