Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. August 2015 (710 15 100) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Beiträge: Dividendenausschüttungen sind nur dann als massgebender Lohn zu betrach- ten, wenn von einem offensichtlichen Missverhältnis zwischen der Arbeitsleistung und den bezogenen Löhnen ausgegangen werden muss. Bei berufstätigen Versicherten im Rentenalter ist der Rentnerfreibetrag in Höhe von Fr. 1‘400.-- pro Monat zu berücksichti- gen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Yve s Thommen, Kantonsrich- ter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Margit Campell Parteien A.____, Beschwerdeführer gegen Ausgleichskasse Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Beigeladener B.____ Betreff Beiträge (243'723 / 21463.0.0) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Die A.____ ist der Sozialversicherungsanstalt Basel-La ndschaft (nachfolgend: Aus- gleichskasse) als beitragspflichtige Arbeitgeberin ange schlossen. Am 11. November 2014 führ- te diese eine Arbeitgeberkontrolle durch. Den gestützt auf diese Kontrolle verfassten Revisions- bericht und die Abrechnung versandte die Ausgleichskasse a m 7. Januar 2015. Gleichentags erliess sie eine Nachtragsverfügung, mit welcher unter an derem Beiträge auf einen Teil der Di- videndenausschüttungen an B.____, welcher von 1997 bis 2 011 Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der A.____ war, geltend gemacht wurd en. Konkret erhob die Ausgleichskasse von der A.____ für die Kontrollperiode 2010 - 2012 A HV/IV/EO- sowie FAK- und ALV-Beiträge in Höhe von Fr. 13‘746.-- (inkl. Verwaltungskosten) sow ie Verzugszinsen von Fr. 2‘187.60. Die gegen die Nachzahlungsverfügung vom 7. Januar 2015 geri chtete Einsprache vom 28. Januar 2015 wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 13. Februar 2015 ab. B. Hiergegen erhob die A.____ am 10. März 2015 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht), und beantra gte die Aufhebung des angefoch- tenen Einspracheentscheids. Zur Begründung wurde im We sentlichen vorgebracht, die Aus- gleichskasse habe bei der Berechnung des Lohns von B.____ den AHV-rechtlichen Rentner- freibetrag in Höhe von Fr. 1‘400.-- pro Monat nicht berücksichtigt. Zudem habe sie nicht beach- tet, dass B.____ in den Jahren 2009 und 2010 sein Arbeitspensum von 100% auf 80% reduziert habe. Weiter argumentierte die Beschwerdeführerin, dass die Forderung für das Jahr 2010 ver- jährt sei. Schliesslich habe die Ausgleichskasse die Einspra che nicht korrekt behandelt, da die- se von derselben Person, welche auch die Nachtragsverfügung erlassen habe, bearbeitet wor- den sei. C. Mit Beschwerdeantwort vom 7. Mai 2015 beantragte di e Ausgleichskasse die Abweisung der Beschwerde. Eventualiter sei die Aufrechnung der Di videndenausschüttung unter Berück- sichtigung des Rentnerfreibetrages vorzunehmen. Betreffen d die Nichtberücksichtigung des Rentnerfreibetrags hielt die Ausgleichskasse fest, dass selbst bei Beachtung desselben das Einkommen von B.____ in den Jahren 2009 und 2010 imme r noch unter dem berechneten branchenüblichen Lohn gelegen habe. Weiter führte di e Ausgleichskasse aus, dass das be- hauptete Teilzeitpensum von B.____ in den Jahren 2009 und 2010 nicht belegt sei. D. Mit Verfügung vom 26. Mai 2015 lud das Kantonsge richt B.___ zum Beschwerdeverfah- ren bei. Am 12. Juni 2015 liess dieser sich zur Beschwerde vernehmen. Er bestätigte, dass er in den Jahren 2009 und 2010 80% gearbeitet und im Jah r 2011 sein Pensum auf 60% reduziert habe. Weiter machte er geltend, dass die Ausgleichskasse bei der Arbeitgeberrevision im De- zember 2014 sowohl die Buchhaltung als auch das Lohnsystem geprüft habe. Es leuchte unter diesen Umständen nicht ein, inwiefern die Pensenredukti on nicht nachgewiesen sei. Diese sei zudem aufgrund seines Übertritts ins Rentenalter und de s Verkaufs des Unternehmens logisch und nachvollziehbar. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Auf die form- und fristgerecht beim sachlich wie ör tlich zuständigen Gericht eingereich- te Beschwerde ist einzutreten. 1.2 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t der Einspracheentscheid der Be- schwerdegegnerin vom 13. Februar 2015. In der diesem En tscheid zugrunde liegenden Verfü- gung vom 7. Januar 2015 erhob die Ausgleichskasse neben d en vorliegend strittigen Beiträgen aus Dividendenausschüttung an den Beigeladenen auch Beit räge auf ausgerichtete Osterzula- gen des Jahres 2011 von insgesamt Fr. 53‘400.-- und auf Weihnachtsgelder im Jahr 2012 in Höhe von Fr. 6‘100.--. Diese Beiträge wurden von der Beschwerdeführerin anerkannt und sind daher vorliegend nicht zu prüfen. 2.1 Gemäss Art. 4 und 5 des Bundesgesetzes über die Alter s- und Hinterlassenenversi- cherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946 sind nur auf dem Erwerbseinkommen AHV-Beiträge geschuldet, nicht aber auf dem Vermögensertrag (BGE 1 22 V 178 E. 3b). Dividenden sind grundsätzlich beitragsfreier Vermögensertrag (vgl. Rz 2 011 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung [BSV] über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO [WML 1.09, Stand 1. Januar 2015]; zur Verbindlichkeit von Weisun gen für das Sozialversicherungsgericht: vgl. BGE 138 V 346 E. 6.2 S. 362; 137 V 1 E. 5.2.3 S . 8; 133 V 257 E. 3.2 S. 258 mit Hinwei- sen; vgl. 133 II 305 E. 8.1 S. 315). Aus diesem Grund mag es unter beitragsrechtlichem Ge- sichtswinkel vorteilhaft erscheinen, hohe Dividenden und e in tiefes Salär auszurichten (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 8. April 2015, 9C_837/2014, E. 1.1 mit Hinweis auf SZS 2013 S. 76 und Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2012, 9C_669/2011, E. 2.1). 2.2 Richtet eine Aktiengesellschaft Leistungen an Arbeit nehmer oder Arbeitnehmerinnen aus, die gleichzeitig gesellschaftliche Beteiligungsrechte besitzen, stellt sich bei der Festset- zung sowohl der direkten Bundessteuer als auch der Sozialversicherungsbeiträge die Frage, ob und inwieweit es sich um Arbeitsentgelt (massgebenden L ohn) oder aber um Gewinnausschüt- tung (Kapitalertrag) handelt. Letztere unterliegt be im Empfänger oder der Empfängerin der di- rekten Bundessteuer im Sinne von Art. 20 Abs. 1 lit. c de s Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. Dezember 1990, da sie ihren Grund in der Aktionärseigenschaft des Empfängers hat. Gemäss dessen Abs. 1 bis sind jedoch Dividenden seit Anfang 2009 nur zu 60% steuerbar, wenn die entsprechenden Beteiligungsrechte mindestens 10% des Grund- oder Stammkapitals einer Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft darstellen. 2.3 Nach der Rechtsprechung gehören Vergütungen, die als reiner Kapitalertrag zu be- trachten sind, nicht zum massgebenden Lohn. Ob dies zutr ifft, ist nach Wesen und Funktion einer Zuwendung zu beurteilen. Deren rechtliche oder wirtschaftliche Bezeichnung ist nicht ent- scheidend und höchstens als Indiz zu werten. Unter Umständen können auch Zuwendungen aus dem Reingewinn einer Aktiengesellschaft massgebender Lohn sein; dies gilt laut Art. 7 lit. h Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicheru ng (AHVV) vom 31. Oktober 1947 namentlich für Tantiemen. Es handelt sich dabei um Vergütungen, die im Arbeitsverhältnis ihren Grund haben. Zuwendungen, die nicht durch das Arbeitsve rhältnis gerechtfertigt werden, gehö- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht ren nicht zum massgebenden Lohn, sondern sind Gewinnaussch üttungen, welche eine Gesell- schaft ihren Gesellschaftern ohne entsprechende Gegenleist ung zuwendet, aber unbeteiligten Dritten unter den gleichen Umständen nicht erbringen w ürde (BGE 134 V 297 E. 2.1, mit weite- ren Hinweisen auf BGE 103 V 1 E. 2b; ZAK 1989 S. 147 , E. 2b, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] H 131/86; Pra 86/1997 Nr. 96 S. 520 f., E. 4b, H 241/96; Urteil d es EVG vom 19. November 2002, H 49/02, E. 4.1; siehe auch: PAUL CADOTSCH , Unternehmenssteuerreform II: Dividenden und AHV-Beiträge, in Steuerrevue [StR] 1/2009, S. 47 ff.). 2.4 In BGE 134 V 297, der auch nach Inkrafttreten der Unternehmenssteuerreform II gültig bleibt (Bundesgerichtsurteil vom 25. Oktober 2012, 9C_669/2011, E. 2.6), stellte das Bundesge- richt fest, praxisgemäss sei es Sache der Ausgleichskassen, selbstständig zu beurteilen, ob ein Einkommensbestandteil als massgebender Lohn oder als Ka pitalertrag zu qualifizieren sei. Es entspreche aber der in Art. 23 AHVV enthaltenen Ord nung, wonach sich die Kassen in der Re- gel auf die durch die Steuerbehörden akzeptierte Auft eilung zwischen Lohn und Dividenden hielten. Wie in der steuerrechtlichen Betrachtung sei so dann auch AHV-rechtlich von der durch die Gesellschaft vorgenommenen Aufteilung auszugehen un d davon nur abzuweichen, wenn ein offensichtliches Missverhältnis zwischen Arbeitsleistung un d Entgelt bzw. zwischen einge- setztem Vermögen und Dividende bestehe (E. 2.3). Dabei habe die Gesellschaft einen erhebli- chen Ermessensspielraum; den Steuerbehörden (und den A HV-Behörden) stehe es nicht zu, die Angemessenheit des Lohnes bzw. der Dividende frei zu überprüfen. Wie im AHV-Recht (E. 2.2), aber mit umgekehrten Vorzeichen, sei dabei auf einen Drittvergleich abzustellen: Es ist zu prüfen, ob unter Berücksichtigung aller objektiven und subjektiven Faktoren die gleiche Leis- tung auch einem aussenstehenden Dritten erbracht worde n wäre (dazu im Detail und mit zahl- reichen Hinweisen: BGE 134 V 297 E. 2.2). 2.5 Hinsichtlich der Frage, ob ein offensichtliches Missverh ältnis zwischen Arbeitsleistung und Lohn bzw. zwischen eingesetztem Vermögen und Dividend e besteht, hat sich eine Praxis entwickelt, die laut BGE 134 V 297 in modifizierter F orm bundesrechtskonform ist (sog. "Nidwaldner Praxis"). Demnach werden deklariertes AHV-E inkommen und branchenübliches Gehalt einerseits und Dividendenzahlung und Aktienwer t anderseits zueinander in Beziehung gesetzt, um zu bestimmen, ob ein Teil der ausgeschüttet en Dividende als beitragsrechtlich massgebendes Einkommen aufzurechnen ist. Vom Bundesgericht ist die genannte Praxis ledig- lich insofern korrigiert worden, als die Angemessenheit des (beitragsfreien) Vermögensertrags nicht in Relation zum Nennwert (Nominalwert), sondern zum effektiven wirtschaftlichen Wert der Aktien (Eigenkapital inkl. offene und stille Reserven) zu beurteilen ist (BGE 134 V 297 E. 2.8). 3.1 Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegn erin berechtigt war, auf die Differenz zwischen erzieltem Einkommen und branchenüblichem Durchsch nittslohn des Beigeladenen in den Jahren 2009 und 2010 Beiträge zu erheben. 3.2 Die Ausgleichskasse stellte im Rahmen der Arbeitgeb erkontrolle vom 11. November 2014 fest, dass der Beigeladene Dividenden bezogen hatt e. In der Folge kontrollierte sie des- sen Lohnbezüge der Jahre 2004 bis 2011 und stellte fest, dass er in den Jahren 2009 und 2010 Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht deutlich weniger verdiente (2004: Fr. 150‘000.--, 200 5: Fr. 165‘000.--, 2006: Fr. 162‘000.--, 2007: Fr. 171‘000.--, 2008: Fr. 182‘000.--, 2009: F r. 143‘000.--, 2010: Fr. 146‘000.--). Die Divi- dendenbezüge in diesen beiden Jahren betrugen Fr. 70 0‘000.-- (2009) und Fr. 162‘500 (2010). In einem nächsten Schritt verglich die Ausgleichskasse den Lohn des Beigeladenen in den Jah- ren 2009 und 2010 mit den branchenüblichen Löhnen un ter Berücksichtigung seiner Stellung und Verantwortung im Betrieb. Dabei ermittelte sie einen Lohn von Fr. 170‘000.--, welcher deut- lich über denjenigen lag, den der Beigeladene in die sen beiden Jahren bezogen hat. Unter die- sen Umständen sah sich die Ausgleichskasse gezwungen, die An gemessenheit der Dividende in Relation zum effektiven wirtschaftlichen Wert der Bete iligungsrechte unter Berücksichtigung des durch die Steuerbehörden ermittelten Steuerwerts zu bemessen. Der Beigeladene habe 100% der Namenaktien besessen und deren kantonaler Bru ttosteuerwert habe im Jahr 2009 Fr. 17‘568.-- und im Jahr 2010 Fr. 15‘330.-- pro Akt ie betragen. Gestützt auf diese Angaben habe die Dividende im Jahr 2009 39.84% und im Jahr 201 0 10.60% des Eigenkapitalertrags ausgemacht. Unter diesen Umständen sei die Differenz zw ischen dem tatsächlich bezogenen und dem branchenüblichen Lohn als massgebender Lohn nacherhoben worden. 3.3 Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber zunächst geltend, dass die Beschwer- degegnerin bei der Berechnung des Lohnes des Beigelade nen in den Jahren 2009 und 2010 den Rentnerfreibetrag von Fr. 1‘400.-- nicht berücksichtigt habe. Unter Aufrechnung dieses Be- trages habe der Lohn im Jahr 2009 Fr. 159‘182.-- und im Jahr 2010 Fr. 163‘419.-- betragen. Zwar habe diese Argumentation Eingang in den Einsprach eentscheid gefunden; der Forde- rungsbetrag sei aber nicht angepasst worden. Weiter m onierte die Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin die Reduktion des Arbeitspensums vo n 100% auf 80% des Beigela- denen in den Jahren 2009 und 2010 unbeachtet gelassen habe. Diese sei sowohl aufgrund der Lohnreduktion als auch durch den Auszug des Lohnsystems nachgewiesen. 4.1 Das Vorgehen der Ausgleichskasse zur Bestimmung der L öhne des Beigeladenen als solches ist nicht zu beanstanden. So ermittelte sie den L ohn des Beigeladenen gemäss den Weisungen, was - wie vorstehend in Erwägung 2.2 ff. un ter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts - rechtens ist. In der Folge ging die Beschwerdegegnerin jedoch von einem offensichtlichen Missverhältnis zwischen der Arbeitsleistung d es Beigeladenen und seinem Lohn aus. Diese Auffassung kann aus nachfolgenden Gründen nicht geschützt werden. 4.2 Zunächst steht fest und wird von der Beschwerdegegne rin in ihrem Eventualbegehren bestätigt, dass bei der Berechnung des Lohnes des Beige ladenen der Rentnerfreibetrag nicht berücksichtigt wurde. Gemäss Art. 3 Abs. 1 AHVG sind auch erwerbstätige Personen im Ren- tenalter grundsätzlich beitragspflichtig. Art. 6 quater AHVV besagt jedoch, dass Frauen, die das 64., und Männer, die das 65. Lebensjahr vollendet habe n, vom Einkommen aus unselbständi- ger Erwerbstätigkeit nur den Teil Beiträge entrichten müssen, der je Arbeitgeber Fr. 1‘400.-- im Monat bzw. Fr. 16‘800.-- im Jahr überstiegt. Vorliegen d wurde der 1944 geborene Beigeladene im Januar 2009 65 Jahre alt und trat ins Rentenalter ein; ab Februar 2009 bezog er eine ordent- liche Altersrente der AHV. Die Beschwerdegegnerin hätte deshalb im Jahr 2009 einen Rentner- freibetrag von Fr. 15‘400.-- (Februar 2009 bis Dezember 2009) und im Jahr 2010 einen solchen in Höhe von Fr. 16‘800.-- berücksichtigen müssen. Damit hätte die Beschwerdegegnerin bei der Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beitragsberechnung im Jahr 2009 von einem Einkommen von Fr. 158’400.-- (Fr. 143‘000.-- plus Fr. 15‘400.--) und im Jahr 2010 von Fr. 162‘800.-- ( Fr. 146‘000.-- plus Fr. 16‘800.--) ausgehen müssen. Dass der Beigeladene auch unter Berücksichtigung die ser Beträge den von der Be- schwerdegegnerin errechneten branchenüblichen Durchschni ttlohn von Fr. 170‘000.-- nicht er- zielte, ändert nichts daran. Der angefochtene Einsprach eentscheid ist daher in dieser Hinsicht fehlerhaft, weshalb er bereits aus diesem Grund aufzuheben ist. 4.3.1 Der Einspracheentscheid hält aber auch aus nachfol genden Gründen einer Überprü- fung nicht stand. Die Beschwerdeführerin beanstandete b ereits im vorinstanzlichen Verfahren, es sei der Tatsache keine Beachtung geschenkt worden, dass der Beigeladene ab dem Jahr 2009 sein ursprünglich 100%iges Arbeitspensum auf 80% und ab 2011 auf 60% reduziert habe. Die von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten Lohnzahlu ngen seien daher auf ein 100% Pensum umzurechnen, woraus Einkommen resultieren würden , welche über dem errechneten branchenüblichen Lohn von Fr. 170‘000.-- lägen. Die B eschwerdegegnerin hielt dieser Argu- mentation entgegen, dass eine Pensenreduktion nicht bewiesen sei. 4.3.2 Zur Untermauerung ihrer Behauptung reichte die Beschwerdeführerin einen Screens- hot aus der Lohnbuchhaltung ein, welchem zu entnehmen ist, dass ab 1. Januar 2009 das Pen- sum 80% und ab 1. Januar 2011 60% betragen habe. Der Systemauszug ist weder datiert noch weist er auf eine bestimmte Person hin. Einzig gestützt auf diese Angaben ist mit der Be- schwerdegegnerin einig zu gehen, dass die Behauptung, wo nach der Beigeladene im strittigen Zeitpunkt nur noch 80% gearbeitet habe, nicht mit üb erwiegender Wahrscheinlichkeit ausge- wiesen ist. Diese Pensenreduktion lässt sich aber aus der w eiteren Argumentation der Be- schwerdeführerin und des Beigeladenen schliessen. So wird von beiden darauf hingewiesen, dass der Beigeladene im Januar 2009 das 65. Lebensjahr erreicht und ins Rentenalter eingetre- ten ist. Glaubhaft wird festgehalten, dass dieser Umstand zum Anlass genommen wurde, beruf- lich kürzer zu treten und das Arbeitspensum zu reduzieren. Gleichzeitig wurde auch die Be- triebsnachfolge in die Wege geleitet und per November 2011 vollzogen. Ab diesem Zeitpunkt schied der Beigeladene aus dem operativen Bereich des Betriebes aus. Weiter ist zu beachten, dass der Lohn des Beigeladenen in den Jahren 2009 und 2010 um circa 20% tiefer lag als noch im Jahr 2008. So erzielte er im Jahr 2008 ein Einkommen von Fr. 182‘000.--. Im Jahr 2009 wur- de ihm noch ein Betrag von Fr. 143‘000.-- bzw. 78,6% des Vorjahreslohns und im Jahr 2010 ein solcher von Fr. 146‘000.-- bzw. 80,21% des im Jahr 2008 b ezogenen Lohnes ausbezahlt. Da aus den vorliegenden Akten keine anderen Gründe ersich tlich sind, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass diese Lohnredukt ion darauf zurückzuführen ist, dass der Beigeladene ab 2009 tatsächlich sein Arbeits pensum auf 80% reduzierte. Unter die- sen Umständen wäre die Beschwerdegegnerin jedoch verpfl ichtet gewesen, die von ihr festge- stellten Einkommen der Jahre 2009 und 2010 auf ein 10 0% Pensum umzurechnen und diese Beträge ihrer Berechnung zugrunde zu legen. Dies hätte für das Jahr 2009 einen Lohn von Fr. 178‘750.-- und für das Jahr 2010 einen solchen vo n Fr. 182‘500.-- ergeben, welche beide auch ohne Berücksichtigung der Rentnerfreibeträge über dem von der Beschwerdegegnerin errechneten branchenüblichen Durchschnittslohn von Fr. 170‘000.-- liegen. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdegeg nerin bei der Erhebung der Beiträge den Rentnerfreibetrag nicht berücksichtigt hat. Weiter kann nicht von einem offen- sichtlichen Missverhältnis zwischen der Arbeitsleistung des Beig eladenen und den von diesem in den Jahren 2009 und 2010 bezogenen Löhnen ausgegan gen werden. Da gemäss Recht- sprechung (BGE 134 V 297) die Umqualifikation einer D ividende in massgebenden Lohn nur zulässig ist, wenn kumulativ ein unangemessen tiefer Lohn mit einer im Vergleich zum einge- setzten Kapital unangemessen hohen Dividende einhergeht, braucht nicht zusätzlich geprüft zu werden, ob zwischen dem eingesetzten Vermögen und der a usgeschütteten Dividende ein sol- ches Missverhältnis besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2015, 9C_837/2014, E. 2.3). Unter diesen Umständen ist die Beschwerde gutzu heissen und der angefochtene Ein- spracheentscheid vom 13. Februar 2015 aufzuheben. Auf w eitere Ausführungen betreffend die übrigen Einwände der Beschwerdeführerin (Verjährung der Beitragsforderung für das Jahr 2009 verjährt und unkorrekte Bearbeitung der Einsprache durch die Beschwerdegegnerin) kann unter den gegebenen Umständen verzichtet werden. 5. Art. 61 lit. a ATSG bestimmt, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einsprach eentscheid der Ausgleichskasse Basel-Landschaft vom 13. Februar 2015 aufg ehoben und es wird festgestellt, dass die in der Nachtragsverfügu ng vom 7. Januar 2015 enthaltenen Aufrechnungen der Dividend enausschüt- tungen an B.___ in den Jahren 2009 und 2010 nicht al s beitragspflich- tiger Lohn angerechnet werden dürfen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht