Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Geschäfts-Nr.: LA170004- O/U Mitwirkend: Oberrichterin Dr. L. Hunziker Schnider, Vorsitzende, Oberrichter Dr. H.A. Müller und Oberrichter lic. iur. M. Spahn sowie Gerichtsschreiberin lic. iur. P. Knoblauch Beschluss und Urteil vom 7. Juli 2017 in Sachen A._____ AG, Beklagte und Berufungsklägerin vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ gegen B._____, Kläger und Berufungsbeklagter betreffend arbeitsrechtliche Forderung Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts am Arbeitsgericht Pfäffikon vom 29. Juni 2016 (AH160002-H) - 2 - Rechtsbegehren: (Urk. 1, sinngemäss) 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Fr. 29'990.– zu be- zahlen. 2. Es sei festzustellen, dass die fristlose Kündigung ungerechtfertigt sei. Alles unter Kostenfolge zu Lasten der Beklagten. Urteil des Einzelgerichts am Arbeitsgericht Pfäffikon vom 29. Juni 2016: (Urk. 31 = Urk. 37) 1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 29'990.– brutto zu bezahlen. 2. Auf das klägerische Rechtsbegehren 2 wird nicht eingetreten. 3. Es werden keine Kosten erhoben. 4. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger eine reduzierte Parteientschädi- gung von Fr. 50.– zu bezahlen. 5. (Schriftliche Mitteilung). 6. (Rechtsmittelbelehrung: Berufung, 30 Tage Frist). Berufungsanträge: der Beklagten und Berufungsklägerin (Urk. 36): " 1. Das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon vom 29. Juni 2016 sei aufzuheben und die von der Beklagten ausgesprochene Kündi- gung gegenüber dem Kläger per 23. November 2015 sei als zu recht erfolgt zu bestätigen. 2. Evt. sei C._____ als Zeugin einzuvernehmen. 3. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger in Abgeltung seiner Lohnansprüche für die Zeit bis 23. November 2016 Fr. 13'011.85 zu bezahlen. 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers." - 3 - des Klägers und Berufungsbeklagten (Urk. 40): " 1. Bestätigung des Urteils vom Bezirksgericht Pfäffikon vom 29.06.2016 und die vom Beklagten ausgesprochene fristlose Kündigung gegenüber dem Kläger per 23. November 2015 als nicht gerechtfertigt. 2. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger seine offene Lohn- forderung Fr. 29'990.– zu bezahlen. 3. Die gestellten Ansprüche des Beklagten an den Kläger sind will- kürlich und völlig unbegründet. Die arbeitsvertragliche Grundlage war klar geregelt. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Be- klagten" Erwägungen: I. 1. Der Kläger und Berufungsbeklagte (fortan Kläger) war vom 1. Dezember 2013 bis zur fristlosen Kündigung durch die Beklagte und Berufungsklägerin (fort- an Beklagte) per 23. Novem ber 2015 für letztere als technischer Kaufmann/Bau- führer tätig. Der Arbeitsvertrag vom 28. November 2013 sah vor, dass der Kläger ab dem 1. Dezember 2013 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mit der B e- klagten stand, für welches im ersten Dienstjahr ei ne Kündigungsfrist von einem Monat und vom zweiten bis neunten Dienstjahr von zwei Monaten galt. Der Kläger war im Monatslohn angestellt (Urk. 4/1). Gemäss Ausführungen des Klägers ar- beiteten er und der einzige Verwaltungsrat der Beklagen (vgl. Urk. 46), D._____, bereits vor Dezember 2013 zusammen, namentlich im Betrieb von D._____ und dessen Sohn, E._____. Nachdem das Verhältnis zwischen Vater und Sohn z u- nehmend schwieriger geworden sei, habe D._____ den gemeinsamen Betrieb verlassen und ein eigenes Untern ehmen, die Beklagte, gegründet. Es habe sich um eine bösartige Trennung von Vater und Sohn gehandelt. Er selber sei auch - 4 - Teil dieses Konflikts geworden, da er auch aus dem damaligen Betrieb ausgesti e- gen sei und per Dezember 2013 bei der Beklagten zu arbeit en begonnen habe. Bereits im damaligen Konflikt mit dem Sohn habe er in der Folge seinen Lohnan- spruch einklagen müssen (Prot. I S. 10). 2. Am 3. Februar 2016 reichte der Kläger unter Beilage der Klagebewilligung des Friedensrichteramts F._____ (Urk. 3) bei der Vorinstanz die vorliegende ar- beitsrechtliche Klage ein, mit der er Lohnforderungen bzw. Schadenersatz geltend machte (Urk. 1). Betreffend den Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 31 E. I.= Urk. 37 E. I.). Am 29. Juni 2016 fällte die Vorinstanz den eingangs zitierten Entscheid (Urk. 37). 3. Gegen das vorinstanzliche Urteil erhob die Beklagte am 2. Februar 2017 rechtzeitig (Urk. 32/2) Berufung und stellte die eingangs wiedergegebenen A nträ- ge (Urk. 36). Die Berufungsantwort datiert vom 22. Februar 2017 (Urk. 40). Mit Beschluss vom 29. März 2017 wurde vorgemerkt, dass der vorinstanzliche En t- scheid insoweit in Rechtskraft erwachsen sei, als die Beklagte mit dessen Dispo- sitivziffer 1 verpflichtet worden sei, dem Kläger eine n Betrag von Fr. 13'011.85 zu bezahlen. Im gleichen Entscheid wurde, nachdem am 21. März 2017 über die B e- klagte der Konkurs eröffnet worden war, der Konkurs vorgemerkt und das Verfah- ren sistiert. Mit Urteil vom 4. Mai 2017 hiess die zweite Zivilkammer die B e- schwerde der Beklagten gegen das Urteil des Konkursrichters des Bezirksgerichts Pfäffikon vom 21. März 2017 betreffend Konkurseröffnung gut und hob das Urteil des Konkursrichters, mit welchem über die Schuldnerin der Kon kurs eröffnet wor- den war, auf (vgl. Urk. 46). Dementsprechend wurde die Sistierung des Ber u- fungsverfahrens aufgehoben (Urk. 47). Das Verfahren erweist sich als spruchreif. II. 1. Mit der Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige Sachverhaltsfeststellung gerügt werden (Art. 310 ZPO). Es gilt dabei insofern eine Rüge- und Begründungsobliegenheit, als dass die Berufung führende Partei sich mit den Erwägungen der Vorinstanz im Einzel nen auseinanderzusetzen und kon-- 5 - kret aufzuzeigen hat, was am angefochtenen Urteil oder am Verfahren der Vor in- stanz falsch war (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; OGer ZH LF140108 vom 24. März 2015, E. 2.1). Die Rechtsmittelinstanz muss nicht nach allen denkbaren mögli- chen Fehlern forschen (ZK ZPO -Reetz/Theiler, Art. 311 N 36; Hungerbühler, DI - KE-Komm-ZPO, Art. 311 N 30 ff.; ZWR 2014 S. 270, S. 271 f.). Vielmehr muss der Berufungskläger die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnen, die er anficht, sich inhaltlich mit diesen auseinandersetzen und mittels genügend präziser Ver- weisungen auf die Akten aufzeigen, wo die massgeblichen Behauptungen, Erkl ä- rungen, Bestreitungen und Einreden erhoben wurden bzw. aus welchen Akten- stellen sich der geltend gemachte Berufungsgrund ergeben soll (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 5A_751/2014 vo m 28. Mai 2015, E. 2.1). Was nicht oder nicht in einer den gesetzlichen Begründungsanforderungen genügenden Weise bean- standet wird, braucht die Rechtsmittelinstanz nicht zu überprüfen. Das gilt zumi n- dest solange, als ein Mangel nicht geradezu ins Auge spri ngt (BGer 4A_258/2015 vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom 1. September 2014, E. 5). 2. Die Beklagte beantragt im Rahmen ihrer Berufung die Aufhebung des (ge- samten) vorinstanzlichen Entscheids (vgl. Urk. 36 S. 2) . Mangels Beschwer ist i n- dessen auf die Berufung insoweit nicht einzutreten, als sie sich gegen Dispositi v- ziffer 2 des angefochtenen Entscheids richtet, mit welcher die Vorinstanz auf das klägerische Rechtsbegehren 2 (Feststellung des Vorliegens einer ungerechtfertig- ten fristlosen Kündigung) nicht eintrat. Auch hinsichtlich des Kostenentscheids gemäss Dispositivziffer 3 des angefochtenen Entscheids ist die Beklagte nicht be- schwert, weshalb diesbezüglich ebenfalls nicht auf die Berufung einzutreten ist. 3. Neue Tatsachen und Beweismittel sind im Berufungsverfahren nur zu b e- rücksichtigen, wenn sie – kumulativ – ohne Verzug vorgebracht werden (Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO). - 6 - III. 1. Streitgegenstand Die Vorinstanz ging gestützt auf die Parteiausführungen der Beklagten im vorin- stanzlichen Verfahren von drei geltend gemachte n Gründen für die fristlose Kün- digung aus. So prüfte die Vor instanz, ob die fristlose Kündigung aufgrund eines treuwidrigen Verhaltens des Klägers zu Lasten der Beklagten, der verschlechter- ten Arbeitsleistung des Klägers oder dessen Fernbleiben vom Arbeitsplatz trotz vorgängiger Verwarnung gerechtfertigt war (Urk. 37 E. III/2.4.1 ff.). Die Vorinstanz verneinte das Vorliegen eines wichtigen Grundes im Sinne von Art. 337 OR. Im Rahmen ihrer Berufung kritisiert die Beklagte die vorinstanzliche Sachverhalts- darstellung und macht geltend, sich bereits vor Vorinstanz auf den Standpunkt gestellt zu haben, dass am 23. November 2015 mit der SMS des Klägers an die Mitarbeiterin der Beklagten, C._____, ein wichtiger Grund für eine fristlose Künd i- gung gemäss Art. 337 OR vorgelegen habe (Urk. 36 Ziff. 1). Es sei einzig und al- leine um diese SMS vom 20. November 2015 gegangen, andere Kündigungs- gründe habe sie bewusst nicht aufgeführt (Urk. 36 Ziff. 2). In der Folge beschränkt die Beklagte ihre Ausführungen in der Berufungsschrift im Zusammenhang mit der fristlosen Kündigung auf diesen Kündigungsgrund und setzt sich mit den we i- teren vorinstanzlichen Erwägungen nicht auseinander. Deshalb ist im Berufungs- verfahren lediglich die Frage zu prüfen, ob die vom Kläger an die Mitarbeiterin C._____ gesandte SMS einen zureichenden Grund für ein e fristlose Kündigung darstellte. Dass diese SMS vom Kläger an C._____ gesandt wurde und sie den von der Beklagten geltend gemachten Wortlaut beinhaltete, ist unbestritten (vgl. Urk. 37 E. III/2.4.2 S. 15 ; Prot. I S. 13). Die SMS vom 20. November 2015 laut et wie folgt (Urk. 4/2, Abs. 3): "Hallo C._____, teile mir bitte mit, falls D._____ wieder irgendwelche Gemeinheiten plant oder du vorbereiten sollst. Diese Infos bleiben auch absolut unter uns. Mir gehen auf der Fahrt viele Dinge durch den Kopf. Habe ich mit seinem Sohn schon alles durch. …und du weisst, der Apfel….Ansonsten rollt der Verkehr, aber grausiges Wetter. Ich wünsche dir schon mal ein schönes WE und liebe Grüsse, B._____. " - 7 - 2. Fristlose Kündigung 2.1 In Bezug auf die SMS vom 20. November 2015 hi elt die Vorinstanz fest, dass ihr insbesondere keine Verbalinjurien zu entnehmen seien, welche au s- nahmsweise auch ohne Verwarnung zur fristlosen Kündigung berechtigen wü r- den. Zudem müsse aufgrund der Vorbringen der Parteien davon ausgegangen werden, dass der Kläger von den Verunglim pfungen zwischen D._____ und sei- nem Sohn, E._____, gewusst habe. So habe der Kläger nachvollziehbar angege- ben, die an bzw. gegen E._____ gerichteten, seitenlangen Schreiben gelesen zu haben. Auch sei der Kläger im Gerichtsverfahr en gegen E._____ von D._____ begleitet und sei das schwierige Verhältnis der beiden thematisiert worden. O f- fenbar habe der Kläger ein vergleichbares Vorgehen von D._____ gefürchtet. Im Umstand, dass der Kläger einer Mitarbeiterin, mit der er offenbar berei ts vorgän- gig über dieses Thema gesprochen habe, eine SMS mit dem erwähnten Inhalt gesandt habe, könne in Würdigung sämtlicher Umstände kein wichtiger Grund im Sinne von Art. 337 OR gesehen werden, welcher ohne vorgängige Verwarnung zur fristlosen Kündigung berechtigt hätte. Eine Weiterführung des Arbeitsverhäl t- nisses mit dem Kläger – allenfalls bis Ende der ordentlichen Kündigungsfrist – wä- re der Beklagten, so die Vorinstanz weiter, zuzumuten gewesen. Ein Beweisver- fahren, namentlich die Befragung der einzig angerufenen C._____ als Zeugin, er- übrige sich unter diesen Umständen (Urk. 37 E. III/2.4.2). 2.2 Die Beklagte rügt die Feststellung der Vorinstanz, wonach der SMS insbe- sondere keine Verbalinjurie zu entnehmen sei. Bereits der erste Satz , nämlich "Hallo C._____, teile mir bitte mit, falls D._____ wieder irgendwelche Gemeinhei- ten plant oder du vorbereiten sollst. ", sei mehr als eine Verbalinjurie. Das Wort "Gemeinheit" habe eine markant negative Bedeutung. Der Kläger habe dem G e- schäftsführer der Beklagten sogar unterstellt, wiederholt Gemeinheiten geplant zu haben, das heisst, dass er früher ber eits Gemeinheiten begangen, mit hin früher quasi perfid gehandelt habe, und nunmehr plane, dies wieder zu tun. Eine solche Ausdrucksweise sei für den Geschäftsführer der Beklagten mehr als beleidigend gewesen. Die SMS habe das Vertrauensverhältnis zwischen dem Kläger und der Beklagten unwiderruflich zerstört und dieser Vertrauensbruch hätte sich auch - 8 - durch eine Verwarnung nicht heilen lassen (Urk. 36 Ziff. 4). Die Beklagte lässt dem Kläger in ihrer Berufungsschrift sodann vorwerfen, mit dem zweiten Satz ("Diese Infos bleiben auch absolut unter uns." ) offensichtlich versucht zu haben, eine Allianz gegen den Geschäftsführer auf zubauen. Man könne es auch als Au f- wiegelung oder den Versuch einer Verschwörung gegen den Geschäftsführer der Beklagten bezeichnen. Insbesondere habe der Kläger mit diesem Satz C._____ am 20. November 2015 in ein Dilemma gestürzt. Ihr Dilemma habe in der Frage bestanden, wie sie sich inskünftig gegenüber ihrem Vorgesetzten, dem G e- schäftsführer der Beklagten, ver halten solle – loyal oder illoyal. Sie habe sich dann für ersteres entschieden und den versuchten Komplott des Klägers gegen den Geschäftsführer der Beklagten aufgedeckt (Urk. 36 Ziff. 4 S. 4). M it dem wei- teren Text ( "Mir gehen auf der Fahrt viele Dinge durch den Kopf. Habe ich mit seinem Sohn schon alles durch … und du weisst, der Apfel ..." ) habe der Kläger zum Ausdruck bringen wollen, dass D._____ die gleichen schlechten charakterli- chen Eigensc haften wie sein Sohn, E._____, aufweise. Eine solche , in hohem Masse beleidigende Qualifikation ihres Geschäftsführers habe sich die Beklagte nicht gefallen lassen müssen (Urk. 36 Ziff. 4 S. 4). 2.3 Hinsichtlich der Voraussetzungen, unter denen eine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu Recht erfolgt, kann – um Wiederholungen zu vermeiden – vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vor instanz verwiesen werden (Urk. 37 E. III/2.1). Zu ergänz en ist lediglich, dass nach einer erfolgten Verwar- nung ein weniger schwer wiegender Verstoss zur gerechtfertigten fristlosen Kü n- digung genügt. Es muss sich dabei nicht um einen Verstoss gleicher Art handeln. Allerdings fallen ähnliche Verstösse nach einer Verwarnung unter dem Aspekt von Treu und Glauben natürlich schwerer ins Gewicht. Zu betonen ist, dass auch nach einer Verwarnung nicht jede Kleinigkeit eine fristlose Entlassung zu rechtfe r- tigen vermag (Streiff/von Kaenel /Rudolph, Arbeitsvertrag, Praxiskom mentar zu Art. 319-362 OR, 7. Auflage, 2012, Art. 337 N 13 S. 1123). 2.4.1 Die SMS erweist sich unter den konkreten Umständen objektiv als ungeei g- net, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgehend zu erschüttern, dass der Beklagten als Arbeitgebe-- 9 - rin die Fortsetzung des Vertrages nicht mehr zuzumuten gewesen wäre. Vor Vor- instanz verwies D._____ für die Beklagte hinsichtlich der ihm in der SMS unte r- stellten Gemeinheiten auf die diesbezüglichen Ausführungen von C._____ (Prot. I S. 19) , welche in ihrer Stellungnahme vom 16. Juni 2016 wiederum festhielt, sie sei davon ausgegangen, dass der Kläger mit Gemeinheiten die Endabrechnung seiner Ferientage gemeint habe (Urk. 26). Im weiteren Verlauf der vor in- stanzlichen Verhandlung führte D._____ dann jedoch aus, er habe dem Kläger gesagt, dass wenn er noch einmal ohne Absprache einfach abhaue, es eine fris t- lose Kündigung geben werde. Er sei der Ansicht, dass der Kläger mit Gemeinhei- ten dies gemeint habe. Lese man den Text der SMS, sei das klar (Prot. I S. 24). Der Kläger selber erklärte bezüglich der erwarteten Gemeinheiten, er habe ge- spürt, dass ihm fristlos gekündigt werde. Zum Passus der SMS, wonach C._____ ihm mitteilen solle, falls D._____ wieder irgendwelche Gemeinheiten plane oder sie solche vorbereiten solle, erläuterte er, dass D._____ in der Vergangenheit immer jemanden gebraucht habe, der gewisse Dinge, wie zum Beispiel Schrif t- stücke, für ihn vorbereitet habe (Prot. I S. 14). Damit gehen beide Partei en – an- ders als die Mitarbeiterin C._____ – schlussendlich davon aus, dass mit "G e- meinheiten" die Aussprache einer fristlosen Kündigung gemeint war. Die Bitte e i- nes Arbeitnehmers ge genüber ei ner Arbeitskollegin um vorgängige Information, sollte ersterem eine fristlose Kündigung drohen, ist jedoch nicht geeignet, das ge- genseitige Vertrauen zwischen Arbeitgeberin und Arbeitnehmer zu zerstören oder schwer zu erschüttern. Auch nicht, wenn die Kündigung nicht als solche, sondern als Gemeinheit bezeichnet wird. Zwar wird der Beklagten dadurch ein unredliches Verhalten angelastet, indem ihr bzw. D._____ vorgeworfen wird, er plane, den Kläger ungerechtfertigt zu entlassen, weshalb eine Treuepflichtverletzung des Klägers nicht verneint werden kann. Vor dem Hintergrun d der dem Kläger am 17. November 2017 im Zusammenhang mit seinen Fahrten nach Berlin tatsäc h- lich in Aussicht gestellten fristlosen Kündigung (Urk. 37 E. III/2.2.2 S. 12) und der unbestritten gebliebenen Vorgeschichte mit dem Sohn von D._____ wiegt die Ver- letzung allerdings nicht schwer. Damit ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie feststellte, dass sich aus der SMS keine Verbalinjurie ergibt , welche eine fristlose Kündigung ohne vorgängige Verwarnung gerechtfertigt hätte. Die Feststellung der - 10 - Vorinstanz, dass hinsichtlich der geltend gemachten Verbalinjurie bzw. Diffami e- rung keine Verwarnung ausgesprochen worden sei (Urk. 37 E. III/2.4.2 S. 16 ), blieb ungerügt und trifft auch zu. Zu beachten ist jedoch, dass hinsichtlich des Fernbleibens vom Arbeitsplatz eine Verwarnung ausgesprochen worden war (vgl. Urk. 37 E. III/2.4.4) und nach einer erfolgten Verwarnung nicht ein Verstoss glei- cher Art vorausgesetzt wird (vgl. vorstehend E. III/2.3). Die Treuepflichtverletzung des Klägers aufgrund der unterstellten Gemeinheiten ist jedoch als geringfügig zu betrachten. Deshalb war die im Zusammenhang mit dem Fernbleiben des Klägers von der Arbeit – und damit einem völlig anderen Sachverhalt – ausgesprochene Verwarnung für eine fristlose Kündi gung, ohne Verwarnung im Zusa mmenhang mit dem unredlichen Verhalten gegenüber einem Vorgesetzten , nicht ausrei- chend. Nichts anderes würde gelten, wenn mit Gemeinheiten – wie dies von C._____ aufgefasst wurde – die Endabrechnung der Ferientage gemeint gewesen wäre. Vor diesem Hintergr und ist denn auch nicht zu beanstanden, dass die Vor instanz die von der Beklagten offerierte Zeugin, C._____, nicht einvernommen hat (vgl. Urk. 37 E. III/2.4.2 S. 17). Die Beklagte macht hierzu im Berufungsverfahren gel- tend, C._____ hätte zusätzlich die Wirkung der SMS auf sie persönlich aufzeigen können (Urk. 36 Ziff. 5). Dabei übersieht die Beklagte, dass es nicht oder zumi n- dest nicht ausschlaggebend um die Wirkung der SMS auf C._____ geht, sondern um die Auswirkung der SMS auf das Arbeitsverhältnis zwisc hen der Beklagten und dem Kläger. Wie bereits aufgezeigt, war die SMS aber objektiv nicht geeig- net, das Vertrauensverhältnis zwischen dem Kläger und der Beklagten zu zerst ö- ren oder so tief greifend zu erschüttern, dass der Beklagten nach Treu und Glau- ben eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zuzumuten gewesen wäre. 2.4.2 Die Beklagte unterstellt dem K läger in ihrer Berufungsschrift , er habe mit der SMS sodann sagen wollen, dass D._____ die gleichen schlechten charakterli- chen Eigenschaften habe wie sein Sohn, was eine im hohen Masse beleidigende Qualifikation sei. Diese Behauptung brachte die Beklagte erst im Berufungsver- fahren vor, was unzulässig ist (vgl. Art. 317 Abs. 1 ZPO), weshalb auf diese Au s-- 11 - führungen nicht einzugehen ist. Im vor instanzlichen Verfahren führte die Beklagte nicht aus, D._____ sei dadurch diffamiert worden, dass er mit seinem Sohn ve r- glichen worden sei (vgl. insbesondere Prot. I S. 19 und 21). 2.4.3 Gleiches gilt für den Vorwurf, der K läger habe eine Allianz ge gen den G e- schäftsführer der Beklagten aufzubauen versucht, was auch als Aufwiegelung oder den Versuch einer Verschwörung bezeichnet werden könne . Aufgrund der SMS habe sich die Mitarbeiterin C._____ in einem Dilemma wiedergefunden, ob sie sich gegenüber dem Ge schäftsführer loyal oder illoyal verhalten solle (Urk. 36 S. 3 f.) . Auch diese Ausführungen sind neu und im Hinblick auf Art. 317 Ab s. 1 ZPO unbeachtlich. Vor Vorinstanz wurde weder ein solches Dilemma noch ein versuchter Komplott geltend gemacht (vgl. insbesondere Prot. I S. 19). 2.5 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Verfehlung des Kl ä- gers, namentlich der Versand der im Streite liegenden SMS, nicht schwer genug wiegt, um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen. Der Beklagten wäre es z u- mutbar gewesen, ordentlich zu kündigen und das Arbeitsverhältnis noch gut zwei Monate aufrechtzuerhalten. Daran ändert auch der letzte Vorwurf der Beklagten, der Kläger habe sich mit dem Schlusssatz "Ansonsten rollt der Verkehr, aber grausiges Wetter. Ich wünsche dir schon mal ein schönes WE und liebe Grüsse, B._____." nach dem "derben Frontalangriff" auf den Geschäftsführer der Beklag- ten bei C._____ anbiedern wollen (Urk. 36 Ziff. 4 S. 4), nichts. Damit erweist sich die fristlose Kündigung vom 23. November 2015 als ungerecht- fertigt. Nach dem Gesagten verfängt denn auch die Kritik der Beklagten nicht, die Vorinstanz habe sich nur kurz mit der SMS auseinandergesetzt, um sich dann aber zur Hauptsache mit der engen finanziellen Lage der Beklagten und dem be- lasteten Verhältnis von D._____ und dessen Sohn zu befassen, und diese Punkte quasi als Entschuldigungsgrund für das dreiste Vorgehen des Klägers angeführt (Urk. 36 Ziff. 3) . Vielmehr ging die Vor instanz zu Recht davon aus, dass aufgrund der Gesamtumstände kein wichtiger Grund vorlag, welcher eine fristlose Künd i- gung gerechtfertigt hätte. - 12 - 3. Ansprüche aus ungerechtfertigter fristloser Kündigung/Verrechnung 3.1.1 Die Vorinstanz stellte fest, der Kläger mache Schadenersatzansprüche im Sinne von Art. 337c Abs. 1 OR geltend und beziffere den diesbezüglichen Sch a- den auf Fr. 36'466.65. Eingeklagt worden seien jedoch lediglich Fr. 29'990. –. Folglich könne dem Kläger keine Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR zug e- sprochen werden, auch wenn ihm eine solche zustehen würde, da dies eine Ver- letzung der Dispositionsmaxime darstellen würde. Da die Beklagte sich auch nach Ausübung der richterlichen Fragepflicht nicht zu den geltend gemachten Anspr ü- chen geäussert und sich vielmehr damit begnügt habe, den Standpunkt zu vertr e- ten, dass die Kündigung rechtmässig erfolgt sei und demzufolge keine Ansprüche seitens des Klägers bestünden, habe der eingeklagte Anspruch gemäss Recht s- begehren Ziffer 1 als unbestritten zu gelten (Urk. 36 E. III/3.2). 3.1.2 Auch im Berufungsverfahren setzt sich die Beklagte mit dem vom Kläger geltend gemachten Betrag nicht auseinander. Vielmehr nimmt sie weiterhin ledi g- lich eine Berechnung für den Fall einer rechtmässigen fristlosen Kündigung vor (vgl. Urk. 36 Ziff. 6). Damit rügt sie das von der Vor instanz festgestellte Quantita- tiv des klägerischen Anspruchs nicht. Dementsprechend bleibt es beim von der Vorinstanz festgehaltenen Betrag von brutto Fr. 29'990.–. 3.2 Bereits vor Vor instanz brachte die Beklagte drei Forderungen zur Verrec h- nung mit dem klägerischen Anspruch vor, namentlich eine solche aus fehlender Datensicherung, eine weitere aufgrund eines iPhone 5s und schliesslich eine sol- che für Fahrten mit dem Geschäftswagen (Prot. I S. 20 ff.; vgl. auch Urk. 37 E. III/4.1.1). Die Vorinstanz führte über mehrere Seiten aus, weshalb die Beklagte mit ihren Verrechnungsforderungen nicht dur chzudringen vermöge (Urk. 37 E. III/4.3 f.). Auf diese Erwägungen geht die Beklagte in ihrer Berufungsschrift mit keinem Wort ein, sondern begnügt sich damit, seine behaupteten Verrechnungs- forderung erneut aufzulisten. Damit erfüllt sie die Anforderungen an eine Ber u- fungsschrift (vgl. vorstehend E. II/1) wiederum nicht. Folglich ist nicht weiter auf die Verrechnungsforderungen einzugehen. - 13 - 4. Fazit Die Kündigung vom 23. November 2015 erweist sich als ungerechtfertigt. Der dem Kläger in Gutheissung der Klage zugesproc hene Betrag von brutto Fr. 29'990.– ist nicht zu beanstanden. Nach dem Gesagten i st die Berufung un- begründet und der Entscheid der Vorinstanz - soweit nicht in Rechtskraft erwach- sen - vollumfänglich zu bestätigen. IV. 1. Wie schon das erstinstanzliche Verfahren ist auch das Berufungsverfahren aufgrund des Fr. 30'000. – nicht übersteigenden Streitwerts kostenlos (Art. 114 lit. c ZPO). 2. Die Vorinstanz sprach dem Kläger eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 50.– zu (vgl. Urk. 37, Dispositivziffer 2). Die Beklagte beantragt im Berufungs- verfahren zwar die Aufhebung des (gesamten) vorinstanzlichen Entscheids, rügt die dem Kläger zugespr ochene Umtriebsentschädigung jedoch nicht explizit und setzt sich insbesondere auch nicht mit den diesbezüglichen Erwägungen der Vor - instanz auseinander. Vor diesem Hintergrund ist die zugesprochene Parteient- schädigung zu bestätigen. 3.1 Der Kläger verlangt auch für das Berufungsverfahren eine Parteientschädi- gung (Urk. 40 S. 2). 3.2 Gemäss Art. 95 Abs. 3 ZPO umfasst die Parteientschädigung den Ersatz notwendiger Auslagen (lit. a), die Kosten einer berufsmässigen Vertretung (lit. b) und wenn die Partei nicht berufsmässig vertreten ist in begründeten Fällen eine angemessene Umtriebsentschädigung (lit. c). Der Kläger hat keine notwendigen Auslagen geltend gemacht, ebenso hat er keinen berufsmässigen Vertreter man- datiert. In Frage kommt daher nur eine Um triebsentschädigung gemäss Art. 95 Abs. 3 lit. c ZPO. Eine solche ist als Ausgleich für den Verdienstausfall selbst- ständig erwerbender Personen gedacht (ZK ZPO -Suter/von Holzen, Art. 95 N 41; BSK ZPO-Rüegg/Rüegg, Art. 95 N 21 ZPO). Dabei ist jedoch im Auge zu behal-- 14 - ten, dass einer nicht durch ei nen Anwalt vertretenen Partei in der Regel, für nicht übermässigen Aufwand, keine Entschädigung zugesprochen wird; zu entsc hädi- gen ist nur ein hoher Aufwand bei einer komplizierten Sache mit hohem Streitwert (Urwyler/Grütter, DIKE-Komm-ZPO, Art. 95 N 2 5). Es ist dabei Sache der anspre- chenden Partei, die Entschädigung zu beantragen und dem Gericht sachlich überzeugende Gründe für die geltend gemachte Höhe der Umtriebsentschädi- gung vorzulegen (BSK ZPO-Rüegg/Rüegg, Art. 95 N 21 f.). 3.2 Im Berufungsverfahren machte der Kläger keine über den Antrag auf Rege- lung der Ent schädigungsfolgen hinausgehende Ausführungen zur Begründung seines Anspruchs auf Parteientschädi gung. Der Kläger hat somit einen Ve r- dienstausfall weder behauptet noch belegt. Weiter hat er nicht begründet, wes- halb sonst eine Entschädigung gestützt auf Art. 95 Abs. 3 lit. c ZPO gerechtfertigt wäre. Es rechtfertigt sich daher für das Berufungsverfahren nicht, ihm eine Um- triebsentschädigung beziehungsweise Parteientschädigung zuzusprechen. 3.3 Auch die Beklagte beantragt die Zusprechung einer Parteientschädigung (Urk. 36 S. 2). Ihr ist infolge ihres vollständigen Unterliegens jedoch keine solche zuzusprechen (vgl. Art. 106 ZPO). Es wird beschlossen: 1. Auf die Berufung wird insoweit nicht eingetreten, als sie sich gegen Disposi- tiv-Ziffern 2 und 3 des angefochtenen Entscheids richtet. 2. Schriftliche Mitteilung und Rechtsmittelbelehrung mit dem nachfolgenden Erkenntnis. Es wird erkannt: 1. Die Berufung wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird, und das Ur- teil des Arbeitsgerichts Pfäffikon vom 29. Juni 2016 wird, soweit es noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist, bestätigt. - 15 - 2. Für das zweitinstanzliche Verfahren werden keine Kosten erhoben. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Vorinstanz, je gegen Empfangsschein. Nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist gehen die erstinstanzlichen Akten an die Vorinstanz zurück. 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine vermögensrechtliche arbeitsrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert beträgt Fr. 16'888.15. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG. Zürich, 7. Juli 2017 Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer Die Vorsitzende: Dr. L. Hunziker Schnider Die Gerichtsschreiberin: lic. iur. P. Knoblauch versandt am: mc