Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 21. Dezember 2017 (720 17 175 / 336) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Verwertbarkeit von Observationsmaterial; Würdigung der Arztberichte Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Christof Enderle, Gerichtsschreiber Daniel Gfeller Parteien A.____ , Beschwerdeführer , vertreten durch Jan Herrmann , Recht s- anwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1961 geborene A.____ bezog seit 1. Februar 2 011 eine halbe Invalidenrente. Die Rentenzusprache erfolgte gestützt auf ein bidisziplinäres Gutachten von Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und von Dr. med. C. ____, FMH Innere Medizin, vom 1. Juni 2012. Die Gutachter diagnostizierten ein chronische s Schmerzsyndrom mit chronischem lum- bovertebralem bis lumbospondylogenem Schmerzsyndrom rechts. Aus rein somatischer Sicht wurde für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit eine maximal 20%ige Einschränkung der Leis- tungsfähigkeit attestiert. Aus psychiatrischer Sich t wurde eine dissoziative Bewegungsstörung Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht mit teilweise bewusster Aggravation diagnostiziert, aus welcher eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultierte. Gestützt auf diese med izinische Grundlage erfolgte mit Verfügung vom 18. März 2014 die Rentenzusprache gestützt auf einen IV-Grad von 57 % ab 1. Februar 2011. Aufgrund eines Wohnsitzwechsels von A.____ erhielt die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) im Mai 2014 das Dossier von der IV-Stelle V.____. In d er Folge leitete die IV-Stelle eine Obser- vation des Versicherten in die Wege, da in sämtlichen gut achterlichen Abklärungen eine Aggra- vation beschrieben worden war. Im Anschluss an die Observati on, welche im Zeitraum vom 10. September 2014 bis 12. Oktober 2015 stattfand, holte die IV-Stelle ein bidisziplinäres Gutach- ten bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherap ie, und Dr. med. E.____, FMH Neurologie, ein, welches am 19. Mai 2016 ohne Kennt nis der Observation erstattet wurde. Die Gutachter gelangten zum Schluss, dass dem Versicherten le ichte bis ab und zu mittelschwere körperliche Tätigkeiten ohne regelmässige und längere Zw angsstellungen insbesondere der LWS mit einem etwas vermehrten Pausenbedarf ganztags mi t einem Rendement von 80 % zumutbar seien. Die Gutachter hielten weiter fest, das s aufgrund der unpräzisen Aussagen des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht keine verlässliche n Angaben über den Zeitpunkt der Verbesserung der Beschwerden gemacht werden könnten, weshalb die aktuelle Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab dem Datum der psychiatrischen B egutachtung, also ab dem 20. April 2016, Gültigkeit habe. Nach Erstellung des Gutachtens liess die IV-Stelle den bei den Gutachtern das Observations- material zukommen. Dr. D.____ äusserte sich am 16. Juni 2 016 dahingehend, dass unter Be- rücksichtigung des Observationsmaterials nicht nur von einer bewusstseinsnahen Aggravation, sondern von einer Simulation gesprochen werden müsse. In der Folge verfügte die IV-Stelle am 25. August 2016 die sofortige Sistierung der Auszahlung der bisherigen Rente. Am 21. März 2017 nahm Dr. E.____ Stellung zum Observationsmaterial. Er hielt unter anderem fest, dass die Unzumutbarkeit von körperlich schweren Tätigkeiten und regelmässig körperlich mittelschweren Tätigkeiten nach wie vor bestehe. Hingegen könne aufgru nd des Observationsmaterials ein zusätzlicher Pausenbedarf und verminderte Effizienz in ei ner angepassten Tätigkeit nicht mehr angenommen werden. Auch eine Tätigkeit als Chauffeur erscheine zumutbar. Das Ausliefern von Getränken bleibe jedoch unzumutbar. Daraufhin hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. Mai 2017 die bisherige Rente rückwirkend per 1. September 2014 auf. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokat Jan Herrmann, mit Schreiben vom 6. Juni 2017 Beschwerde am Kantonsgerich t Basel-Landschaft, Abteilung Sozi- alversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, es s ei ihm über das Einstellungsdatum vom 1. September 2014 hinaus und bis auf Weiteres eine halbe Invalidenrente auszurichten. Es sei ausserdem festzustellen, dass für den Zeitraum ab 1. September 2014 bis zur Sistierung der Invalidenrente mit Verfügung vom 25. August 2016 kein u nrechtmässiger Bezug von Renten- leistungen vorliege und somit seitens der Beschwerdegegne rin kein Rückerstattungsanspruch bestehe. Eventualiter sei ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen; unter o/e-Kostenfolge. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht C. Mit Vernehmlassung vom 22. August 2017 beantragte d ie IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. D. Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 22. Septe mber 2017 an seinen Rechtsbe- gehren fest. E. Mit Duplik vom 23. Oktober 2017 hielt auch die IV-S telle an ihren Rechtsbegehren fest. F. Zu ergänzen bleibt, dass die IV-Stelle mit Verfügun g vom 16. Mai 2017 von A.____ – unter Hinweis auf die vorliegend angefochtene Verfügun g vom 8. Mai 2017 – die ihm im Zeit- raum vom 1. September 2014 bis 31. August 2016 ausger ichteten Renten (abzüglich eine Nachzahlung an die Ehefrau) im Gesamtbetrag von Fr. 22‘899.-- zurückgefordert hat. Auch ge- gen diese Verfügung liess A.____ durch seinen Rechtsver treter Jan Hermann Beschwerde beim Kantonsgericht erheben. Das betreffende Beschwerdeverfahren (Nr. 720 17 176) wurde in der Folge mit prozessleitender Verfügung vom 31. Juli 20 17 bis zur rechtskräftigen Erledigung des vorliegend zur Beurteilung stehenden materiellen R entenanspruchs des Versicherten sis- tiert. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 1.2. Die formellrechtliche Zulässigkeit eines Feststellung sbegehrens setzt als Sachurteils- voraussetzung ein schutzwürdiges Interesse der Beschwerdefü hrerin rechtlicher oder tatsächli- cher Natur an der verlangten Feststellung voraus, dass best immte Rechte oder Pflichten beste- hen oder nicht bestehen. Nur wenn ein unmittelbares und aktuelles Rechtsschutzinteresse in diesem Sinn vorliegt, sind Feststellungsbegehren zulässig. An einem schutzwürdigen Interesse am Erlass eines Feststellungsentscheides fehlt es namentlich dann, wenn das Rechtsschutzin- teresse der Beschwerdeführerin durch ein rechtsgestaltendes Urteil gewahrt werden kann (BGE 125 V 24 E. 1b mit Hinweisen, 122 V 30 E. 2b; F RITZ GYGI , Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 151 f.). Der Beschwerdeführer beantragt, es sei ihm über das Ein stellungsdatum vom 1. September 2014 hinaus und bis auf Weiteres eine halbe Invalidenre nte auszurichten (Rechtsbegehren Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ziff. 1). In Bezug auf dieses Leistungsbegehren ist ein Rechtsschutzinteresse zweifellos zu be- jahen, weshalb diesbezüglich auf die – im Übrigen frist - und formgerecht eingereichte – Be- schwerde eingetreten werden kann. Fraglich und zu prüfen ist, ob auch auf das Rechtsbegehren Ziff. 2 der Beschwerde, es sei fest- zustellen, dass für den Zeitraum ab 1. September 2014 bis zur Sistierung der Invalidenrente mit Verfügung vom 25. August 2016 kein unrechtmässiger Bez ug von Rentenleistungen vorliege und somit seitens der Beschwerdegegnerin kein Rückerstattungsanspruch bestehe, eingetreten werden kann. Es ist festzuhalten, dass es sich dabei eigentli ch um zwei Rechtsbegehren han- delt, nämlich: Es sei festzustellen, dass kein unrechtmässiger Bezug von Rentenleistungen vor- liegt (Teil 1), und dass seitens der Beschwerdegegnerin kein Rückerstattungsanspruch besteht (Teil 2). Dabei stellt sich die Frage, ob ein Rechtssch utzinteresse für diese Begehren geltend gemacht werden kann. Das Begehren, es sei festzustellen, dass für den Zeitraum ab 1. September 2014 bis zur Sistie- rung der Invalidenrente mit Verfügung vom 25. August 2 016 kein unrechtmässiger Bezug von Leistungen vorliege (Rechtsbegehren Ziff. 2 Teil 1), wi rd implizit durch die Beantwortung des oben genannten Leistungsbegehren (Rechtsbegehren Ziff . 1) entschieden. Wird ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente im angeführten Zeitra um bejaht, so ist der Bezug der Rente rechtmässig; wird ein Anspruch verneint, so ist der Bezug unrechtmässig. Auf dieses Feststel- lungsbegehren ist somit nicht separat einzutreten. In Bezug auf das Begehren, es sei festzustellen, dass kei n Rückerstattungsanspruch bestehe (Rechtsbegehren Ziff. 2 Teil 2), ist folgendes festzuhal ten: Die Beschwerdegegnerin hat in der hier angefochtenen Verfügung die Rückforderung der R entenleistungen mit separater Verfü- gung angekündigt. In der Folge hat die IV-Stelle mi t Verfügung vom 16. Mai 2017 die zu Un- recht ausgerichteten Rentenleistungen denn auch zurückgefordert. Diese Verfügung wurde vom Beschwerdeführer ebenfalls am Kantonsgericht angefochten und bildet Gegenstand des sistier- ten Verfahrens Nr. 720 17 176 (vgl. oben lit. F.). De mzufolge kann auch auf das Rechtsbegeh- ren, es sei festzustellen, dass seitens der Beschwerdegegner in kein Rückerstattungsanspruch bestehe, nicht eingetreten werden. 2. In seiner Beschwerdebegründung relativiert der Beschw erdeführer im Übrigen sein Rechtsbegehren, es sei ihm über das Einstellungsdatum vom 1. September 2014 hinaus und bis auf weiteres eine halbe Invalidenrente auszurichten insofern, als er anerkennt, dass er nur bis und mit Juli 2017 Anspruch auf eine halbe Rente ha be und die IV-Stelle berechtigt sei, per 1. August 2017 die Rente aufzuheben. Strittig ist dem nach lediglich der Zeitpunkt der Renten- aufhebung. 2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs- fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein- gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen T eil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigk eit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be dingte, volle oder teilweise Unfä- higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut bare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in ei nem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunf ähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geist igen oder psychischen Gesundheit verur- sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederun g verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom menden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach dem im Rahmen der 5. IV-Revision am 1. Janua r 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be einträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über- windbar ist (Satz 2). 2.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Dabei ist zu betonen, dass im Kontext der rentenmässig ab zugeltenden psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch ein e psychische Gesundheitsbeeinträchti- gung verursachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also n icht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumut bar oder – als alternative Vorausset- zung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 1 65; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge- stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ga nze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist. 3.2 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die B estimmung des Invaliditätsgrades das Er- werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt d er Invalidität und nach Durchfüh- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eing liederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom- men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkomm ensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werde n. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä- higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und i m Beschwerdefall das Gericht) auf Un- terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls a uch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur- teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind di e ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbe itsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widerspreche nden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend , ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So ist den i m Rahmen des Verwaltungsverfahrens ein- geholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte , welche aufgrund eingehender Be- obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in d ie Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen ge langen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indi zien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle die dem Versicherten bisher ausgerichtete halbe IV-Rente zu Recht per Ende August 2014 aufgehoben hat. 5.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente aber auch revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebe nen Gesundheitszustandes erheb- lich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen). 5.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschät zung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu e iner materiellen Revision. Ausschliess- lich auf einer anderen Wertung beruhende, revisionsrech tlich unerhebliche Differenzen sind daher von revisionsbegründenden tatsächlichen Veränderun gen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von der früheren abweicht, obw ohl sich der beurteilte Gesundheitszu- stand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine u nterschiedliche Ausübung des medizini- schen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzu führen (Urteil J. des Bundes- gerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 5.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk- ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkunge n des Gesundheitszustandes) beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 75 ff. E. 3.2.3). Vorliegend sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 18. März 2014 gestützt auf ein bidisziplinäres Gutachten von Dr. B.____ und von Dr. C.____, FMH Innere Medizin, vom 1. Juni 2012 eine halbe IV-Rente ab 1. Februar 2011 zu. Die letzte einlässliche materielle Prüfung des Rentenan spruchs mit einer vertieften Abklärung des medizinischen Sachverhalts erfolgte somit im Rahmen d er Rentenzusprache im Jahr 2014 gestützt auf das Gutachten der Dres. B.____ und C.____ im Juni 2012. Zeitliche Vergleichsba- sis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 8. Mai 2017 eine Änderung in den tatsächlichen Ve rhältnissen eingetreten ist, die eine re- visionsweise Herabsetzung der bis anhin ausgerichteten h alben IV-Rente rechtfertigt, bildet demnach die Situation, wie sie im Jahr 2014 bestanden h at (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_1005/2009, E. 3.2 mit Hinweis). 6. Zur Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit sind die folgenden Unterlagen massge- bend: Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Im Gutachten vom 1. Juni 2012 diagnostizierten die Gutachter Dres. B.____ und C.____ ein chronisches Schmerzsyndrom mit chronischem lumbovertebralem bis lumbospondylogenem Schmersyndrom rechts. Aus rein somatischer Sicht wurde für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit eine maximal 20%ige Einschränkung der Leistun gsfähigkeit attestiert. Der Beschwer- deführer habe angegeben, dass es ihm nach der Rückenop eration vom 8. März 2010 schlech- ter gegangen sei als vorher. Er könne nichts mehr tun un d würde nur noch zu Hause sitzen. Insbesondere gab er an, das rechte Bein und den rechten Fuss nicht mehr bewegen zu können. Im Becken sei er blockiert und im rechten Fuss würde er kaum mehr etwas spüren. Seine Ehe- frau oder sein Sohn müsse ihn überall hinfahren. Diese Behauptungen seien durch ein sehr auffällig demonstriertes Gangbild verdeutlicht worden. Der Beschwerdeführer habe sich sehr langsam, kleinschrittig und mit schlürfendem Gang bewegt . Aus psychiatrischer Sicht wurde eine dissoziative Bewegungsstörung mit teilweiser bewusster Aggravation diagnostiziert. 6.2 Die von der IV-Stelle angeordnete Observation fan d im Zeitraum vom 10. September 2014 bis 12. Oktober 2015 statt. Der Abschlussbericht der Observation vom 13. November 2015 hält zusammenfassend folgendes fest: In der durchge führten Auftragsbearbeitung kann der Versicherte mehrmals im öffentlichen Raum festgeste llt werden. Dabei verlässt er den Wohnort immer alleine als Lenker in einem der bekannt en Personen- oder Lieferwagen. Nach mittleren oder auch längeren Fahrten sind beim Ein- u nd Aussteigen aus den Fahrzeugen beim Versicherten keine offensichtlichen körperlichen Probleme ersichtlich. Der Versicherte lenkt die Fahrzeuge im öffentlichen Strassenverkehr ohne ersichtlich e körperliche Probleme ruhig und übersichtlich. Der Versicherte kann während der Auftrags bearbeitung auch in einem Areal in der Gemeinde X.____ im Kanton Y.____ bei offensichtli chen Reparaturarbeiten am Personen- wagen VW Golf festgestellt werden. Dabei erledigt er die handwerklichen Arbeiten gebückt, liegend, kniend und stehend. Der Versicherte verlässt di e Wohnliegenschaft in Z.____ und da- nach in W.____ immer alleine als Lenker in einem der Fahrzeuge und hält sich dann auch allei- ne im öffentlichen Raum auf. Dies ist ein klarer Wider spruch zu den vom Versicherten im Auf- trag gemachten Aussagen. Es ist nie ersichtlich, dass der Ve rsicherte im öffentlichen Raum auf die Hilfe von Familienangehörigen oder anderen Drit tpersonen angewiesen ist. Der Versicherte kann auf dem Areal in X.____ oder bei einer Tankstelle in Z.____ bei freiwilligen aktiven Ge- sprächen und Unterhaltungen mit Drittpersonen festgestellt werden. Er ist auch bei Gesprächen mit Familienangehörigen im Garten oder im öffentlich en Raum zu sehen. Ein offensichtlicher sozialer Rückzug kann durch den Schreibenden nicht bestät igt werden. Am Versicherten kön- nen subjektiv gesehen keinerlei offensichtliche körperli che Behinderungen und Einschränkun- gen speziell im Bereich des rechten Beins festgestellt we rden. Er bewegt sich körperlich völlig normal und ohne ersichtliche Probleme. Das Gangbild ist subjektiv gesehen normal und es ist nie ein Hinken oder eine offensichtliche Schonhaltung ersichtlich. 6.3 Das in der Folge von der IV-Stelle in Auftrag ge gebene bidisziplinäre Gutachten wurde von den Gutachtern Dr. D.____ und Dr. E.____ am 19. Mai 2016 erstattet. 6.3.1 Dr. D.____ hielt insgesamt eine Verbesserung des Gesundheitszustandes fest. Der Be- schwerdeführer beklage keine Unfähigkeit mehr, das recht e Bein und den rechten Fuss zu be- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht wegen. Dr. D.____ attestierte deshalb lediglich eine r ezidivierende depressive Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Epi sode ohne somatisches Syndrom und insgesamt lediglich eine 20%ige Einschränkung der Arbei ts- und Leistungsfähigkeit in der zu- letzt ausgeübten Tätigkeit als Chauffeur, aber auch in einer Verweistätigkeit. 6.3.2 Dr. E.____ hielt aus somatischer Sicht wie bis an hin eine chronifizierte lumbovertebrale Schmerzsymptomatik rechts fest und attestierte dem Beschwerd eführer eine volle Arbeitsfähig- keit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unter Ber ücksichtigung eines um 20 % verminder- ten Rendements. 6.3.3 Konsensmässig hielten die beiden Gutachter fest, da ss aus bidisziplinärer Sicht dem Beschwerdeführer neurologisch begründet seine angestammte Tätigkeit als Chauffeur mit Aus- lieferung von Getränken seit 8. März 2016 nicht mehr z umutbar sei. Leichte bis ab und zu mit- telschwere körperliche Tätigkeiten ohne regelmässige und längere Zwangsstellungen, insbe- sondere der LWS, mit einem etwas vermehrten Pausenbeda rf seien dem Beschwerdeführer ganztags zumutbar mit einem Rendement von 80 %. Die G utachter hielten im Weiteren fest, dass aufgrund der unpräzisen Aussagen des Beschwerdeführer s aus psychiatrischer Sicht kei- ne verlässlichen Angaben über den Zeitpunkt der Verbesse rung der Beschwerden gemacht werden könnten, deshalb habe die aktuelle Beurteilun g der Arbeitsfähigkeit für eine Verweistä- tigkeit ab dem Datum der psychiatrischen Begutachtung, also ab 20. April 2016, Geltung. 6.4 Nach Vorlage des bidisziplinären Gutachtens liess die IV-Stelle den Gutachtern das Ob- servationsmaterial zukommen und bat diese um Stellungnahme. 6.4.1 Dr. D.____ äusserte sich am 16. Juni 2016 dahing ehend, dass aus dem Observations- material deutlich und unmissverständlich erkennbar sei, da ss der Beschwerdeführer sich völlig frei und ohne äusserlich sichtbare Behinderung bewegen kö nne, dies im Gegensatz zur gut- achterlichen psychiatrischen Untersuchung vom 20. April 20 16, wo der Beschwerdeführer sich langsam und kleinschrittig vorwärts bewegt habe. Unter Berücksichtigung des Observationsma- terials müsse insgesamt nicht nur von einer bewusstseinsnahen Aggravation, sondern von einer Simulation gesprochen werden. Die Diagnose einer rezi divierenden Störung könne nicht mehr bestätigt werden, da durch das Filmmaterial deutlich w erde, dass der Beschwerdeführer nicht nur kontaktfreudig sei, sondern auch lachen und fröhlich sein könne. Die gegenüber dem Gut- achter subjektiv beklagten Symptome der Lustlosigkeit und d er häufigen Traurigkeit und Mün- digkeit stünden im krassen Gegensatz zu den Videoaufnahmen. 6.4.2 Am 21. März 2017 nahm der neurologische Gutachte r Dr. E.____ Stellung zur Observa- tion. Er hielt fest, dass die Unzumutbarkeit von körper lich schweren und regelmässig körperlich mittelschweren Tätigkeiten aufgrund des Zustandes nach Rückenoperation nach wie vor beste- he. Hingegen könne aufgrund des Observationsmaterials ein zusätzlicher Pausenbedarf und verminderte Effizienz in einer angepassten Tätigkeit nich t mehr angenommen werden. Auch eine Tätigkeit als Chauffeur erscheine zumutbar, da di e Observation dokumentiert habe, dass der Beschwerdeführer teilweise stundenlang als Fahrer mi t Automobilen unterwegs gewesen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht sei. Das Ausliefern von Getränken bleibe jedoch unzumutb ar, wenn diese selber angenommen oder transportiert werden müssten. 7. Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass – wie auch der B eschwerdeführer anerkennt – mit oder ohne Einbezug des Observationsmaterials, allei n gestützt auf das bidisziplinäre Gut- achten von Dr. D.____ und Dr. E.____ vom 19. Mai 201 6, kein Rentenanspruch des Beschwer- deführers mehr besteht. Eine Invaliditätsbemessung gestützt auf eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder in einer Verweistätigkeit ergibt j edenfalls keinen Anspruch auf eine Invali- denrente, auch nicht auf eine Viertelsrente. Die Rente ist also jedenfalls aufzuheben. Die IV-Stelle ist nun aber der Ansicht, dass der Renten anspruch des Beschwerdeführers ab September 2014, dem Zeitpunkt des Beginns der Observati on, dahingefallen sei. Wie sich aus dem Observationsmaterial ergebe, habe bereits seit dies em Zeitpunkt aufgrund des verbesser- ten Gesundheitszustandes kein rentenrelevanter IV-Grad me hr vorgelegen. Der Beschwerde- führer seinerseits argumentiert, dass das Observationsmate rial nicht verwertbar sei und des- halb eine Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwe rdeführers erst ab Erstellung des Gutachtens vom 19. Mai 2016 angenommen werden könne. Werden die gutachterlichen Einschätzungen, die nach Ken ntnisnahme der Observationsergeb- nisse abgegeben worden sind und sich auf diese stützen, be rücksichtigt, so ist von einer rele- vanten Gesundheitsverbesserung ab September 2014 auszugehe n. Diese Gesundheitsverbes- serung hat sich im Übrigen während der gesamten Observationsdauer bestätigt. 8. Damit ist für den Ausgang des Verfahrens ausschlaggebe nd, ob das Observationsmate- rial im vorliegenden Verfahren Berücksichtigung finden darf. 8.1. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR ) hat in seinem Urteil vom 18. Oktober 2016 in Sachen Vukota-Bojic gegen die Schw eiz (61838/10) über die EMRK- Konformität einer Observation, die im Auftrag eines ( sozialen) Unfallversicherers durch einen Privatdetektiv erfolgt war, befunden. Er erkannte, dass e ine ausreichende gesetzliche Grundla- ge für eine Observation nicht bestehe, weshalb er auf eine Verletzung von Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privatlebens) schloss. Hingegen verneinte er eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Gebot eines fairen Verfahrens) durch die erfolg te Verwendung der Observationsergeb- nisse. Das Bundesgericht hat unter Berücksichtigung dieser Erwäg ungen des EGMR entschieden, dass es trotz Art. 59 Abs. 5 IVG auch im Bereich der Inva lidenversicherung an einer ausrei- chenden gesetzlichen Grundlage fehle, die die Observati on umfassend klar und detailliert re- gelt. Folglich verletzen solche Handlungen, seien sie d urch den Unfallversicherer oder durch eine IV-Stelle veranlasst, Art. 8 EMRK beziehungsweise d en einen im Wesentlichen gleichen Gehalt aufweisenden Art. 13 BV (BGE 143 I 377 E. 4). 8.2. Was die Verwendung des im Rahmen einer widerrecht lichen Observation gewonnenen Materials anbelangt, richtet sich diese allein nach schwe izerischem Recht. Das Bundesgericht hat im erwähnten Urteil im Wesentlichen erkannt, dass d ie Verwertbarkeit der Observationser- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht gebnisse (und damit auch der gestützt darauf ergangene n weiteren Beweise) grundsätzlich zu- lässig ist, es sei denn, bei einer Abwägung der tangiert en öffentlichen und privaten Interessen würden diese überwiegen (E. 5.1.1). Mit Blick auf die gebotene Verfahrensfairness hat es so- dann in derselben Erwägung (mit Hinweisen) eine weitere Präzisierung angebracht: Eine gegen Art. 8 EMRK verstossende Videoaufnahme ist verwertbar, solange Handlungen des Versicher- ten aufgezeichnet werden, die er aus eigenem Antrieb und ohne äussere Beeinflussung mach- te, und ihm keine Falle gestellt worden war. Ferner h at es erwogen, dass von einem absoluten Verwertungsverbot wohl immerhin insoweit auszugehen ist, als es um Beweismaterial geht, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetra gen wurde (E. 5.1.3; Urteil des Bun- desgerichts vom 25. August 2017, 8C_192/2017, E. 5.4.1 mit Hinweisen; zum öffentlich einseh- baren Raum: BGE 137 I 327). 9. Mit Blick auf diese jüngste Rechtsprechung steht fest, dass die streitbetroffenen Obser- vationen unzulässig waren, weshalb eine Verletzung von Art. 8 EMRK und Art. 13 BV festzu- stellen ist. Der angefochtene Entscheid ist damit insowe it bundesrechtswidrig, als er die Ver- wertbarkeit der Observationsergebnisse und der gestützt d arauf ergangenen weiteren Beweise betrifft und ohne weiteres deren Unbeachtlichkeit bei d er Beweiswürdigung anordnet. Es bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Verwertung erfüllt sind. Es ist darauf hinzuweisen, dass die vom Beschwerdeführer aufgeworfene – und von ihm ver- neinte – Frage, ob ein Versicherungsbetrug vorliege, ni cht Gegenstand des vorliegenden Ver- fahrens ist. Es ist lediglich zu prüfen, ob das vorliegende Observationsmaterial verwertbar ist. 9.1. Im vorliegenden Fall ist die Observation erstmals a m 10. September 2014 und letztmals am 12. Oktober 2015 erfolgt. Dabei wurde der gesamte Observationszeitraum in zwei Phasen, welche knapp 2 bzw. rund 3 ½ Monate dauerten und rund 8 Monate auseinander lagen, aufge- teilt. So wurde der Beschwerdeführer zuerst im Zeitraum vom 10. September bis 5. November 2014 und in einer zweiten Phase vom 30. Juni bis 12. Ok tober 2015 observiert. Er ist in seinen Handlungen nicht beeinflusst worden und somit liegt ke in Fall einer absoluten Unverwertbarkeit der rechtswidrigen Observation vor. 9.1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass bereits i m Gutachten der Dres C.____ und B.____, vom 1. Juni 2012, welches für die Rentenzuspra che entscheidend war, bei der psychi- atrischen Einschätzung eine dissoziative Bewegungsstörung mi t teilweiser Aggravation diag- nostiziert worden sei. Die neu zuständige IV-Stelle Base l-Landschaft sei deshalb nicht mehr berechtigt, die damals berücksichtigte Aggravation in ei nen Anfangsverdacht umzudeuten. Es liege demzufolge kein rechtsgenüglicher Anfangsverdacht vor. 9.1.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass die Observat ion in die Wege geleitet worden sei, weil die neu zuständige IV-Stelle Basel-Landschaft bei der Bearbeitung des Dossiers fest- gestellt habe, dass in sämtlichen ärztlichen Berichten e ine Aggravation des Beschwerdeführers beschrieben worden sei. So sei bereits in einem bidiszip linären Gutachten der Klinik W.____ vom 31. August 2011 das Vorliegen einer dissoziativen St örung abgelehnt worden und man sei davon ausgegangen, dass die demonstrierte Bewusstseinsstörung viel mehr mit einer bewusst- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht seinsnahen Aggravation zu erklären sei. Weiter verweist die IV-Stelle neben der bereits im Gut- achten der Dres. C.____ und B.____ beschriebenen Aggra vation auch auf ein Gutachten von Dr. med. F.____, FMH Neurologie, vom Mai 2013. Dr. F .____ habe festgestellt, dass sich trotz der vom Beschwerdeführer beschriebenen schweren und seit längerer Zeit bestehenden Pare- se keinerlei Atrophien entwickelt hätten. 9.2 Es ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle Basel- Landschaft die Observation in die Wege geleitet hat, obwohl bereits im für die Rentenz usprache relevanten Gutachten der Dres. C.____ und B.____ eine Aggravation berücksichtigt w orden war. Denn die Tatsache, dass die Aggravation auch in späteren Gutachten mehrmal s wieder beschrieben wurde, reicht aus, um die Anordnung der Observation als geboten ersch einen zu lassen. (vgl. zur objektiven Gebotenheit einer Observation Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2017, 9C_328/2017, E. 5.2 mit weiteren Hinweisen). Weiter ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer weder einer systematischen noch ständi- gen Überwachung ausgesetzt gewesen ist. Die Überwachung ist zwar gezielt und nicht nur zu- fällig erfolgt, dafür aber weder andauernd noch system atisch über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Beschwerdeführer wurde zwar insgesamt über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr, dabei jedoch in zwei Phasen, welche 2 bzw. 3 ½ Mo nate dauerten und 8 Monate ausei- nander lagen, beobachtet. Gesamthaft wurde er ledig lich an 15 Tagen und an einem Beobach- tungstag nie länger als acht Stunden – an einem Tag b etrug die Observationszeit zwar gesamt- haft 8 ¼ Stunden, der Beschwerdeführer selbst konnte jed och an diesem Tag nur während ca. 5 Stunden beobachtet werden – observiert. Damit un d vor allem mit Blick auf die aufge- zeichneten alltäglichen Verrichtungen und Handlungen kan n insgesamt, bei nur geringfügiger Tangierung der Privatsphäre, jedenfalls nicht von einer schweren Verletzung der Persönlichkeit ausgegangen werden. Dies gilt entgegen der Ansicht de s Versicherten auch bei der Observati- on des Beschwerdeführers in umfriedetem Gebiet bzw. im Garten seiner Liegenschaft. Die Ob- servation wurde – auch wenn sich der Beschwerdeführer in p rivatem Bereich aufhielt – immer von öffentlich zugänglichem Gebiet aus durchgeführt und d er Observationsraum war für jeder- mann einsehbar. Nicht berücksichtigt werden kann zudem die zur Diskussion stehende Ände- rung bzw. Ergänzung des ATSG in Bezug auf die Observation, welche zurzeit noch nicht einmal vom Parlament beschlossen ist. Dem privaten Interesse gegenüberzustellen ist das Interesse des Versicherungsträgers und der Versichertengemeinschaft, unrechtmässige Leistungsbezüge abzuwenden. Dieses ist unter den vorliegenden Umständen ganz eindeutig höher zu gewichte n als das Interesse des Beschwer- deführers an einer unbehelligten Privatsphäre. Weil auch der Kerngehalt von Art. 13 BV bei der Art der vorliegenden Überwachung und bei der damit ve rbundenen geringen Eingriffsschwere unangetastet geblieben ist, können im vorliegenden Fall die ohne ausreichende gesetzliche Grundlage erhobenen Observationsergebnisse in Form des entsprechenden Berichts sowie der Videoaufnahmen verwertet werden, Damit sind auch die gutachterlichen Stellungnahmen von Dr. D.____ vom 16. Juni 2016 und Dr. E.____ vom 21. März 2017 nach Kenntnisnahme der Observa tionsergebnisse verwertbar. Ge- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht stützt auf diese fundierten Angaben der Gutachter basie rend einerseits auf den Untersuchun- gen und andererseits dem Alltagsverhalten anhand des Ob servationsmaterials ist demgemäss von einer insgesamt 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer V erweistätigkeit auszugehen. Gestützt auf die Alltagsgestaltung und das beobachtete Verhalt en im Observationszeitraum vom 10. September bis 5. November 2014 und vom 30. Juni b is 12. Oktober 2015 steht fest, dass der Beschwerdeführer spätestens ab September 2014 in der Lage war, einer Verweistätigkeit im Umfang von 80 % nachzugehen. Die Verbesserung des Gesundheitszustandes hat sich im Übrige n während der gesamten Ob- servationsdauer bestätigt, konnte aber auch im Zeitpun kt der ersten Begutachtung durch die Dres D.____ und E.____ im April 2016 festgestellt werden. Wie sich aus den ergänzenden Stel- lungnahmen der Gutachter ergibt, hat sich im Observationsmaterial gezeigt, dass die Verbesse- rung des Gesundheitszustandes wesentlich eindrücklicher war, als sie anlässlich der Begutach- tung im April 2016 festgestellt werden konnte. 9.3 Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erf olgt nur dann rückwirkend ab Eintritt der Änderung, wenn die unrichtige Ausrichtung der Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder der ihm zumut baren Meldepflicht nicht nachge- kommen ist (Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV). Leistungsbere chtigte Personen unterstehen der Mel- depflicht. Sie haben jede Änderung, die den Leistung sanspruch beeinflussen kann – vor allem Änderungen des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder E rwerbsfähigkeit oder der persönli- chen und wirtschaftlichen Verhältnisse – umgehend der IV -Stelle zu melden (Art. 77 IVV). Mit Blick auf die wieder hergestellte Alltagsfunktional ität hätte der Beschwerdeführer die Ver- besserung des Gesundheitszustandes der IV melden müssen, wie dies Art. 77 IVV vorschreibt, und was auch jeweils auf den Rentenverfügungen und Mit teilungen in Erinnerung gerufen wird. Weil der Leistungsbezug zumindest ab September 2014 unr echtmässig gewesen ist und auf eine schuldhafte Meldepflichtverletzung zurückzuführen ist, ist die rückwirkende Einstellung der Rente nicht zu beanstanden. Die vorliegende Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. 10. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um di e Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensau fwand und unabhängig vom Streit- wert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Bei F ällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist und bei denen eine Urteilsberatung ohne vorgängige Parteiverhandlung erfolgt, setzt das Ge richt die Verfahrenskosten in Berück- sichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens seit 1. Juli 2016 einheitlich auf 800 Franken fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 10.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausga ng entsprechend wettzuschla- gen (Art. 61 lit. g ATSG). Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird – soweit darauf eingetret en werden kann – ab- gewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. Gegen diesen Entscheid wurde am 19. April 2018 Beschwerde beim Bundesgericht 9C_294/2018) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht