A bteilung V E -913/2007 koh/beu/ {T 0/2} U rteil vom 27. Juni 2007 M itw irkung: R ichterin Kojic, R ichter W eber, R ichter D ubey G erichtsschreiberin Beck Kadim a A._______, Serbien vertreten durch lic. iur. M auro G . M ora, (...), Beschw erdeführerin gegen B undesam t für M igration (B FM ), Q uellenw eg 6, 3003 Bern, Vorinstanz betreffend Verfügung vom 29. Januar 2007 in Sachen N ichteintreten auf A sylgesuch und W egw eisung / N (...) B u n d e s v e rw a ltu n g s g e ric h t T rib u n a l a d m in is tra tif fé d é ra l T rib u n a le a m m in is tra tiv o fe d e ra le T rib u n a l a d m in is tra tiv fe d e ra l2 D as B undesverw altungsgericht stellt fest, dass die Beschw erdeführerin – eine ethnische R om a aus B._______/autonom e Provinz Vojvodina/Serbien – am 17. D ezem ber 1997 in der Schw eiz ein erstes Asylgesuch stellte, w elches m it Verfügung des Bundesam tes für M igration (BFM ) vom 18. D ezem ber 1998 abgew iesen w urde, dass eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschw erde m it U rteil der früheren Schw ei- zerischen Asylrekurskom m ission (AR K) vom 13. D ezem ber 2001 abgew iesen w urde, dass die Beschw erdeführerin am 15. Septem ber 2003 ein zw eites Asylgesuch einrei- chte, auf w elches das BFM m it Verfügung vom 24. Septem ber 2003 nicht eintrat, dass die AR K m it U rteil vom 30. O ktober 2003 auf die am 25. Septem ber 2003 gegen diese Verfügung erhobene Beschw erde nicht eintrat, dass am 29. Januar 2004 eine kontrollierte R ückführung ins H eim atland statt fand, dass die Beschw erdeführerin eigenen Angaben zufolge am 10. D ezem ber 2006 ihr H ei- m atland gem einsam m it ihrem Bruder und dessen Fam ilie (R eferenznum m ern) w ieder verliess und am 13. D ezem ber 2006 in der Schw eiz ein w eiteres M al um Asyl ersuchte, dass sie zur Begründung ihres dritten Asylgesuches im R ahm en der Anhörungen durch das BFM vom 9. und 17. Januar 2007 im W esentlichen geltend m achte, aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit zur M inderheit der R om a m ehrfach von Seiten der lokalen Po- lizei behelligt w orden zu sein, insbesondere indem diese ihre W are beschlagnahm t habe, w elche sie als H ändlerin auf dem M arkt verkauft habe, dass sie, ihr Bruder und ihre Schw ägerin sodann im N ovem ber 2006 dreim al von der Polizei zu H ause aufgesucht und unter D ruck gesetzt w orden seien, für diese in der N acht W ahldokum ente zu verteilen, dass sie sich indessen gew eigert hätten, w eshalb ihr Bruder beim dritten Besuch der Polizei in H aft genom m en w orden sei, dass sie selbst hingegen nicht m isshandelt w orden sei (vgl. C 11, S. 4), dass sie einige Tage nach der H aftentlassung ihres Bruders, ohne Anzeige zu erstatten, gem einsam m it ihm und dessen Fam ilienangehörigen ausgereist sei, dass sie sich nicht in einen anderen Teil Serbiens begeben hätten, w eil sie vernom m en hätten, R om a w ürden im ganzen Land m it Sicherheitsproblem en konfrontiert, dass das BFM m it am selben Tag eröffneter Verfügung vom 29. Januar 2007 in Anw en- dung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das dritte Asylgesuch der Beschw erdeführerin nicht eintrat und die W egw eisung aus der Schw eiz sow ie den Vollzug anordnete, dass das BFM zur Begründung im W esentlichen anführte, die Lage der ethnischen M in- derheiten in Serbien habe sich im Zuge des dem okratischen W andels entspannt, dass auch die R om a als nationale M inderheit anerkannt w orden seien, dass vereinzelte Ü bergriffe durch D rittpersonen auf R om a und behördliche Schikanen 3 sow ie D iskrim inierungen zw ar nicht ausgeschlossen w erden könnten, diese Benachteili- gungen indessen in der R egel nicht eine asylrelevante Intensität erreichen w ürden, dass im W eiteren grundsätzlich die M öglichkeit bestehe, gegen fehlbare Beam te auf dem R echtsw eg vorzugehen und die zustehenden R echte bei höheren Instanzen einzu- fordern, w eshalb vom Schutzw illen und der w eitgehenden Schutzfähigkeit der ser- bischen Behörden auszugehen sei, dass die von der Beschw erdeführerin dargelegten Vorfälle in Serbien strafrechtlich zu verfolgende Straftatbestände darstellten, die auf Anzeige hin belangt w ürden, dass aus diesen G ründen die für den Zeitraum nach dem Abschluss des letzten Asylver- fahrens am 30. O ktober 2003 von der Beschw erdeführerin geltend gem achten Benach- teiligungen nicht geeignet seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder zur G e- w ährung vorübergehenden Schutzes zu führen, dass die Beschw erdeführerin m it Eingabe ihres R echtsvertreters vom 2. Februar 2007 (Poststem pel: 3. Februar 2007) gegen diesen Entscheid beim Bundesverw altungsgericht Beschw erde erhob und dabei unter anderem sinngem äss dessen Aufhebung und die R ückw eisung der Sache zum Eintreten auf ihr Asylgesuch an das BFM , sow ie eventuali- ter den Verzicht auf den Vollzug ihrer W egw eisung beantragte, dass die Vorinstanz in ihrer Vernehm lassung vom 12. M ärz 2007 an ihrem Entscheid festhielt und die Abw eisung der Beschw erde beantragte, dass diese Vernehm lassung der Beschw erdeführerin m it Zw ischenverfügung vom 15. M ärz 2007 zur Kenntnis gebracht w urde, und zieht in Erw ägung, dass das Bundesverw altungsgericht endgültig über Beschw erden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. D ezem ber 1968 über das Verw altungsverfahren [Vw VG , SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG , SR 142.31] i.V.m . Art. 31 - 34 des Verw altungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VG G , SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BG G , SR 173.110]), dass die Beschw erdeführerin legitim iert ist, w eshalb auf die frist- und form gerecht einge- reichte Beschw erde einzutreten ist (Art. 108a AsylG sow ie Art. 6 AsylG i.V.m . Art. 48 und 52 Vw VG ), dass m it Beschw erde an das Bundesverw altungsgericht die Verletzung von Bundes- recht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver- halts und die U nangem essenheit gerügt w erden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG ), dass die Beurteilung von Beschw erden gegen N ichteintretensentscheide, w elche in An- w endung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e gefällt w erden, praxisgem äss auf die Ü berprüfung der Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu R echt auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,4 dass die Beurteilungszuständigkeit der Beschw erdeinstanz som it darauf beschränkt ist, bei Begründetheit des R echtsm ittels die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückgehen zu lassen (vgl. die w eiter- hin zutreffende Praxis der AR K in Entscheidungen und M itteilungen der Schw eizerischen Asylrekurskom m ission [EM AR K] 2004 N r. 34 E 2.1. S. 240 f.), dass die Vorinstanz dem gegenüber die Frage der W egw eisung sow ie deren Vollzugs m ateriell geprüft hat, w eshalb dem Bundesverw altungsgericht einzig diesbezüglich volle Kognition zukom m t, dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten w ird, w enn Asylsuchende in der Schw eiz be- reits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen oder ihr G esuch zurückgezogen haben oder w ährend des hängigen Asylverfahrens in den H eim at- oder H erkunftsstaat zurück- gekehrt sind, dass diese Bestim m ung jedoch keine Anw endung findet, w enn die Anhörung H inw eise auf zw ischenzeitlich eingetretene Ereignisse ergibt, die geeignet sind, die Flüchtlingsei- genschaft zu begründen oder die für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes rele- vant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG ), dass sich die Prüfung von Verfolgungshinw eisen im Sinne dieser Bestim m ung insbe- sondere von der G laubhaftigkeitsprüfung im R ahm en einer m ateriellen Beurteilung un- terscheidet und gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG dann ein N ichteintretens- entscheid auszufällen ist, w enn die U nglaubhaftigkeit der Verfolgungshinw eise bereits auf den ersten Blick erkennbar ist (vgl. EM AR K 2005 N r. 2 E. 4.3., S. 16 f.; EM AR K 2000 N r. 14 E. 2c und d S. 104 f. m it w eiteren H inw eisen), dass im vorliegenden Fall unbestritten ist, dass die Beschw erdeführerin in der Schw eiz bereits zw ei Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat, dass sie im W eiteren angab, anlässlich der vorgebrachten Besuche der Polizei bei ihr und bei ihrem Bruder zu H ause persönlich nicht m isshandelt w orden zu sein (vgl. C 11, S. 4), dass sie ferner zu Protokoll gab, sich über die M isshandlungen ihres Bruders durch die Polizei w eder beschw ert noch eine Anzeige dagegen erstattet oder bei einer R om aorga- nisation um H ilfe ersucht zu haben (vgl. C 11, S. 4 und 5), dass das BFM im Ü brigen zu R echt darauf hinw ies, dass sich die Lage der R om a im Zuge des dem okratischen W andels in Serbien auch m it dem am 25. Februar 2002 in Kraft getretenen Bundesgesetz zum Schutz und zur Freiheit der nationalen M inderheiten entspannt hat und die serbischen Behörden sow ohl schutzfähig w ie auch schutzw illig sind, dass laut den Feststellungen des Ausschusses für Beziehungen zw ischen den Ethnien des R egionalparlam ents der nordserbischen Provinz Vojvodina ethnisch m otivierte Zw i- schenfälle Anfang 2004 zw ar zunahm en, nachdem die ultranationalistische Serbische R adikale Partei (SR S) bei den vorgezogenen Parlam entsw ahlen gute Ergebnisse erzielt hatte, dass indessen darauf hinzuw eisen ist, dass sich gem äss dem U ntersuchungsbericht dieses Ausschusses die m eisten Ü bergriffe gegen die ungarische und kroatische Volks- gruppe gerichtet hatten und die R om a erst an fünfter Stelle genannt w urden, 5 dass zudem diese Ü bergriffe bereits im darauf folgenden Jahr abgenom m en haben (vgl. H um an R ights W atch, M em orandum on the W estern Balkans vom 7. M ärz 2005, EU - Aussenm inistertreffen in Salzburg vom 10.-11. M ärz 2006) und konkrete Bem ühungen seitens des serbischen Innenm inisterium s sow ie des Ausschusses für Beziehungen zw i- schen den Ethnien des R egionalparlam ents in Zusam m enarbeit m it der O SZE (O rgani- sation für Sicherheit und Zusam m enarbeit in Europa) unternom m en w urden, um gegen diskrim inierendes Verhalten gegenüber jeglicher M inderheit vorzugehen, Angehörige der R om a als Polizeibeam te anzustellen und den D ialog zw ischen der Polizei und R om a-G em einschaften zu fördern, dass sich som it aus den Aussagen der Beschw erdeführerin offentsichtlich keine zw ischenzeitlich eingetretene Ereignisse ergeben, die geeignet w ären, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder die für die G ew ährung vorübergehenden Schutzes relevant w ären, dass das BFM dem nach zu R echt und m it ausreichender Begründung in Anw endung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das Asylgesuch der Beschw erdeführerin nicht einge- treten ist, dass das N ichteintreten auf ein Asylgesuch in der R egel die W egw eisung aus der Schw eiz zur Folge hat, vorliegend die Beschw erdeführerin w eder eine Aufenthaltsbew il- ligung besitzt noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen hat, w eshalb die verfügte W egw eisung im Einklang m it den gesetzlichen Bestim m ungen steht und zu bestätigen ist (Art. 44 Abs. 1 AsylG , Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]), dass zu prüfen bleibt, ob es G ründe gibt, die dem Vollzug der W egw eisung entgegen- stehen, da im Fall eines unzulässigen, unzum utbaren oder unm öglichen Vollzugs das Anw esenheitsverhältnis nach den Bestim m ungen des Bundesgesetzes über Aufenthalt und N iederlassung der Ausländer (AN AG ; SR 142.20) über die vorläufige Aufnahm e zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG ), dass der Vollzug der W egw eisung in Beachtung der m assgeblichen völker- und landes- rechtlichen Bestim m ungen zulässig ist, da die Beschw erdeführerin keine Verfolgung oder begründete Furcht vor N achteilen darzulegen verm ag, w elche geeignet w äre, ihre Flüchtlingseigenschaft zu begründen, und auch keine Anhaltspunkte für eine andere m enschenrechtsw idrige Behandlung ersichtlich sind, die ihr in ihrem tatsächlichen H ei- m at- oder H erkunftsstaat droht (Art. 14a Abs. 3 AN AG ), dass w eder den Akten noch der Beschw erdebegründung zu entnehm en ist, die M utter der Beschw erdeführerin verfüge in der Schw eiz über ein gefestigtes Aufenthaltsrecht im Sinne der bundesrechtlichen R echtsprechung zu Art. 8 der Konvention zum Schutze der M enschenrechte und G rundfreiheiten vom 4. N ovem ber 1950 (EM R K, SR 0.101; vgl. dazu die w eiterhin zutreffende Praxis der AR K in EM AR K 2001 N r. 21 E. 8), w eshalb der vom BFM angeordnete W egw eisungsvollzug auch unter dem Aspekt der in der Be- schw erdeschrift gerügten Trennung der Fam ilienm itglieder von ihrer M utter nicht zu beanstanden ist und es der Beschw erdeführerin zudem unbenom m en bleibt, bei den Frem denpolizeibehörden ein eigenständiges Verfahren um Bew illigung der Einreise in die Schw eiz zur W ohnsitznahm e im R ahm en eines Fam iliennachzugs einzureichen (vgl. EM AR K 2002 N r. 2 E. 5a, EM AR K 2001 N r. 24 E.6), dass ferner der Vollzug der W egw eisung der Beschw erdeführerin auch als zum utbar im 6 Sinne von Art. 14a Abs. 4 AN AG zu bezeichnen ist, dass die in der Beschw erdeschrift geltend gem achte, der Beschw erdeführerin angeblich drohende Traum atisierung nicht zu überzeugen verm ag, dass ferner die junge, gem äss Aktenlage gesunde Beschw erdeführerin im H eim atstaat m it ihrem Bruder und dessen Fam ilie - deren Beschw erde (E-911/2007) m it heutigem D atum ebenfalls abgew iesen und der Vollzug deren W egw eisung angeordnet w ird - über ein fam iliäres Beziehungsnetz verfügt, dass som it davon auszugehen ist, sie w erde gem einsam m it ihren Fam ilienangehörgen ihren Lebensunterhalt w ie vor ihrer gem einsam en Ausreise als M arkthändlerin bestrei- ten können, dass schliesslich das von der Beschw erdeführerin in ihrer R echtsm ittelschrift vorge- brachte Argum ent, der Vollzug ihrer W egw eisung w ürde die G esundheit ihrer sich in psychiatrischer Behandlung befindenden M utter noch w eiter beinträchtigen, nicht gehört w erden kann, da nach Art. 14a Abs. 4 AN AG eine konkrete G efährdung der Beschw er- deführerin selbst dargetan w erden m uss, dass sich aufgrund der Akten auch keine H inw eise auf das Vorliegen technischer Voll- zugshindernisse ergeben, w eshalb der Vollzug als m öglich erscheint (Art. 14a Abs. 2 AN AG ), dass es der Beschw erdeführerin dem nach nicht gelungen ist darzutun, inw iefern die an- gefochtene Verfügung Bundesrecht verletze, den rechtserheblichen Sachverhalt unrich- tig oder unvollständig feststelle oder unangem essen sei (Art. 106 AsylG ), w eshalb die Beschw erde abzuw eisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.-- (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VG G i.V.m . Art. 2 und 3 des R eglem entes über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverw altungsgericht vom 11. D ezem ber 2006 [VG KE]) der Beschw erdeführe- rin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 Vw VG ). (D ispositiv nächste Seite)7 D em nach erkennt das B undesverw altungsgericht: 1. D ie Beschw erde w ird abgew iesen. 2. D ie Verfahrenskosten, bestim m t auf Fr. 600.--, w erden der Beschw erdeführerin auferlegt. D ieser Betrag ist innert 30 Tagen zu G unsten der G erichtskasse zu überw eisen. 3. D ieses U rteil geht an: - den R echtsvertreter der Beschw erdeführerin (eingeschrieben; Beilagen: Verfü- gung des BFM vom 29. Januar 2007 im O riginal, Einzahlungsschein) - die Vorinstanz, Abteilung Aufenthalt und R ückführung m it den Akten N 333 160 - M igrationsam t des Kantons Aargau D ie R ichterin: D ie G erichtsschreiberin: Therese Kojic M uriel Beck Kadim a Versand am :