<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE - Archiv</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">213</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> <span class="ft1"><b>VIII. Gesundheitsrecht</b></span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft2"><b>40 Medikamentenabgabe;</b></span> <span class="ft2"><b>Normenkontrollverfahren.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Für die Besserstellung von Ärzten der medizinischen Grundversor-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gung bei der Selbstdispensation gemäss § 24 Abs. 3 HBV besteht</b></span><br/> <span class="ft2"><b>keine zureichende gesetzliche Grundlage.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Weil eine erleichterte Zulassung der Ärzte zur Medikamentenabgabe</b></span><br/> <span class="ft2"><b>auch keine Grundlage in den Massnahmen zur Sicherstellung der</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ärztlichen Grundversorgung im ambulanten Bereich (§ 40 GesG)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>findet, ist § 24 Abs. 2 HBV aufzuheben.</b></span><br/> <br/> <span class="ft5">Urteil des Verwaltungsgerichts, 4. Kammer, vom 25. Mai 2010 in Sachen H.</span><br/> <span class="ft5">gegen Kanton Aargau (WNO.2010.1).</span><br/> <br/> <span class="ft6"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft7">4.2.</span><br/> <span class="ft7">Am 1. Januar 2002 ist das Bundesgesetz über Arzneimittel und</span><br/> <span class="ft7">Medizinprodukte vom 15. Dezember 2000 (Heilmittelgesetz, HMG;</span><br/> <span class="ft7">SR 812.21) in Kraft getreten, womit der Bund die Vorschriften im</span><br/> <span class="ft7">Rahmen seiner Zuständigkeiten gemäss Art. 118 Abs. 2 BV erlassen</span><br/> <span class="ft7">hat. Art. 24 Abs. 1 lit. a HMG sieht als Regel die Abgabe von ver-</span><br/> <span class="ft7">schreibungspflichtigen Arzneimitteln durch die Apotheker vor. Die</span><br/> <span class="ft7">Abgabe durch die Ärzte (weitere Medizinalpersonen) erfolgt nach</span><br/> <span class="ft7">den Bestimmungen über die Selbstdispensation (Art. 24 Abs. 1 lit. b</span><br/> <span class="ft7">HMG). Als Grundsatz gelten sodann gemäss Art. 26 Abs. 1 HMG,</span><br/> <span class="ft7">dass bei der Verschreibung und der Abgabe von Arzneimittel die an-</span><br/> <span class="ft7">erkannten Regeln der medizinischen und pharmazeutischen Wissen-</span><br/> <span class="ft7">schaften beachtet werden müssen. In den Bestimmungen des KVG</span><br/> <span class="ft7">wird zwischen der Abgabeberechtigung der Apotheken als primäre</span><br/> <span class="ft7">Leistungserbringer für Medikamente und der Selbstdispensation der</span><br/> <span class="ft7">Ärzte differenziert. Art. 37 Abs. 3 KVG weist die Regelung der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">214</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Selbstdispensation den Kantonen zu (vgl. BGE 131 I 198 Erw. 2.5</span><br/> <span class="ft7">mit Hinweisen). Dabei wird das Hauptkriterium dieser Regelung</span><br/> <span class="ft7">vorgegeben, nämlich die Möglichkeit des Zugangs von Patienten zu</span><br/> <span class="ft7">einer öffentlichen Apotheke.</span><br/> <span class="ft7">Nachdem der Bundesgesetzgeber auch in den Ausführungsver-</span><br/> <span class="ft7">ordnungen auf eine Normierung der Selbstdispensation verzichtete,</span><br/> <span class="ft7">haben die Kantone die entsprechenden Bestimmungen zu erlassen</span><br/> <span class="ft7">(Art. 83 Abs.1 lit. b HMG; vgl. Moritz W. Kuhn/Tomas Poledna,</span><br/> <span class="ft7">Arztrecht in der Praxis, 2. Aufl., 2007, S. 475). Die Bestimmungen</span><br/> <span class="ft7">über die Selbstdispensation sind damit selbstständiges kantonales</span><br/> <span class="ft7">Recht.</span><br/> <span class="ft7">4.3.</span><br/> <span class="ft7">Gemäss § 44 Abs. 2 GesG kann der Kantonsarzt Ärzten die</span><br/> <span class="ft7">Führung einer Privatapotheke in Ortschaften ohne öffentliche Apo-</span><br/> <span class="ft7">theke bewilligen, wenn die rasche und für jedermann mögliche Ver-</span><br/> <span class="ft7">sorgung mit Arzneimitteln nicht durch eine öffentliche Apotheke</span><br/> <span class="ft7">einer nahe gelegenen Ortschaft gewährleistet ist.</span><br/> <span class="ft7">Im Rahmen der Totalrevision des Gesundheitsgesetzes war die</span><br/> <span class="ft7">Selbstdispensation umstritten. Dem Vernehmlassungsentwurf vom</span><br/> <span class="ft7">5. September 2007 ist zu entnehmen, dass die neue Bestimmung</span><br/> <span class="ft7">(§ 45 E-GesG heute: § 44 GesG) die bisherige Ordnung in § 32</span><br/> <span class="ft7">Abs. 1 und 2 aGesG unverändert übernehme (Botschaft des Regie-</span><br/> <span class="ft7">rungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat vom 21. Mai</span><br/> <span class="ft7">2008, Gesundheitsgesetz [08.141], nachfolgend: Botschaft 1 GesG,</span><br/> <span class="ft7">S. 77). Anlässlich der 1. Beratung im Grossen Rat am 16. Septem-</span><br/> <span class="ft7">ber 2008 plädierte die Mehrheit für die Beibehaltung der bisherigen</span><br/> <span class="ft7">Ordnung (Theres Lepori-Scherrer ["...Beibehaltung des bisherigen</span><br/> <span class="ft7">Medikamentenversorgungssystems..."]; Dr. Rudolf Jost ["...dass an</span><br/> <span class="ft7">diesem bewährten System nicht gerüttelt werden soll"]; Hans Dös-</span><br/> <span class="ft7">segger ["...beim bewährten System Aargau zu bleiben,..."];</span><br/> <span class="ft7">Dr. Andreas Brunner ["Die bisherige Lösung (...) hat sich be-</span><br/> <span class="ft7">währt"]). Anträge im Parlament auf Lockerung der bisherigen</span><br/> <span class="ft7">Ordnung, darunter auch der Prüfungsantrag von Dr. Robert Rhiner</span><br/> <span class="ft7">betreffend Wahlfreiheit der Patienten beim Medikamentenbezug,</span><br/> <span class="ft7">welcher Unterstützung von Susanne Hochuli erhielt, wurden ab-</span><br/> <span class="ft7">gelehnt. Regierungsrat Ernst Hasler verwies auf die gefestigte und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">215</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">jahrelange Praxis zur Bedeutung der Begriffe "rasch" und "für jeder-</span><br/> <span class="ft7">mann zugänglich" (vgl. 141. Sitzung, Art. 1869-1871; AGVE 2001,</span><br/> <span class="ft7">S. 127 Erw. 6a; vgl. auch VGE III/121 vom 12. September 2000</span><br/> <span class="ft7">[BE.1999.00160] Erw. 7b, bestätigt in: Urteil des Bundesgerichts</span><br/> <span class="ft7">vom 24. Oktober 2001 [2P.52/2001] = ZBl 2002, S. 322). Der Grosse</span><br/> <span class="ft7">Rat hat die Regelung des Selbstdispensationsverbots in der Schluss-</span><br/> <span class="ft7">abstimmung praktisch wortwörtlich (ausser: "Arzneimittel" statt</span><br/> <span class="ft7">"Medikamente") vom aGesG übernommen. Es darf daher davon</span><br/> <span class="ft7">ausgegangen werden, dass die langjährig entwickelte Praxis zu den</span><br/> <span class="ft7">Begriffen der "raschen" und "für jedermann mögliche Versorgung"</span><br/> <span class="ft7">bestätigt wurden. Aus den Materialien nicht ersichtlich ist, ob der</span><br/> <span class="ft7">Gesetzgeber von einer abschliessenden Regelung im Gesetz ausging,</span><br/> <span class="ft7">wie dies der Gesuchsteller behauptet.</span><br/> <span class="ft7">Im Rahmen einer Ausführungs- und Vollziehungsverordnung</span><br/> <span class="ft7">können im Interesse der Rechtsgleichheit eine Verwaltungspraxis</span><br/> <span class="ft7">festgehalten oder unbestimmte Rechtsbegriffe konkretisiert werden.</span><br/> <span class="ft7">Von dieser Befugnis hat der Regierungsrat mit Bezug auf die Abgabe</span><br/> <span class="ft7">von Medikamenten in § 24 Abs. 2 HBV Gebrauch gemacht und die</span><br/> <span class="ft7">Voraussetzungen der Selbstdispensation näher umschrieben. Dem-</span><br/> <span class="ft7">nach gilt die rasche und für jedermann mögliche Versorgung mit Arz-</span><br/> <span class="ft7">neimitteln durch eine öffentliche Apotheke in einer nahe gelegenen</span><br/> <span class="ft7">Ortschaft als gewährleistet, wenn der Zeitaufwand für den einfachen</span><br/> <span class="ft7">Weg bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in der Regel nicht</span><br/> <span class="ft7">mehr als eine Stunde beträgt und ungefähr stündlich ein öffentliches</span><br/> <span class="ft7">Verkehrsmittel zur Verfügung steht. Die Parteien sind sich einig, dass</span><br/> <span class="ft7">mit dieser Bestimmung die unter dem früheren Recht entwickelte</span><br/> <span class="ft7">und vom Verwaltungsgericht bestätigte Praxis, rechtsatzmässig ver-</span><br/> <span class="ft7">ankert wurde und zum Ausdruck bringt, dass das Selbstdispensa-</span><br/> <span class="ft7">tionsverbot nach der bisherigen Praxis (...) vollzogen wird. Damit ist</span><br/> <span class="ft7">auch erstellt, dass für die Konkretisierung der Voraussetzungen für</span><br/> <span class="ft7">den Betrieb einer Privatapotheke durch Ärzte gemäss § 44 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">GesG für den Gesetzgeber der Zeitaufwand von nicht mehr als einer</span><br/> <span class="ft7">Stunde zur Beschaffung eines Medikaments massgebend war. Die</span><br/> <span class="ft7">Zeitlimite muss zudem unter Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel</span><br/> <span class="ft7">erfüllbar sein (AGVE 1993, S. 246 mit Hinweisen; AGVE 2001,</span><br/> <span class="ft7">S. 142). Mit der Ausführungsbestimmung in § 24 Abs. 2 HBV</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">216</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">wurden die inhaltlichen Vorgaben der gesetzlichen Regelung zur</span><br/> <span class="ft7">Selbstdispensation umgesetzt und mit dieser Verordnungsbestim-</span><br/> <span class="ft7">mung hat der Regierungsrat die generelle Ermächtigung zum Erlass</span><br/> <span class="ft7">von Ausführungsvorschriften (§ 57 GesG) hinsichtlich der Selbst-</span><br/> <span class="ft7">dispensation auch ausgeschöpft.</span><br/> <span class="ft7">Ein Vorbehalt oder eine Differenzierung des gesetzlichen Distri-</span><br/> <span class="ft7">butionsmodells nach Art der Arztpraxen (Grundversorgung) oder der</span><br/> <span class="ft7">Ausbildung der Ärzte (§ 29 Abs. 1 lit. a-d GesV) findet sich im Ge-</span><br/> <span class="ft7">setz nicht. Die Regelung der Ausnahmen zum Selbstdispensations-</span><br/> <span class="ft7">verbot sieht auch keine weiteren Lockerungsmöglichkeiten bzw.</span><br/> <span class="ft7">"Ausnahmen von der Ausnahme" bei der Abgabe von Medikamenten</span><br/> <span class="ft7">durch Ärztinnen und Ärzte vor. Ein Handlungsspielraum im Sinne ei-</span><br/> <span class="ft7">ner Lockerung der Voraussetzungen für die Bewilligung einer Privat-</span><br/> <span class="ft7">apotheke für bestimmte Arztpraxen geht über die im Gesetz um-</span><br/> <span class="ft7">schriebenen Grundzüge der Selbstdispensation hinaus. Die gesetzli-</span><br/> <span class="ft7">chen Vorgaben schliessen auch eine unterschiedliche Auslegung der</span><br/> <span class="ft7">unbestimmten Rechtsbegriffe nach Ärztekategorien aus.</span><br/> <span class="ft7">Für eine Besserstellung von Ärzten der medizinischen Grund-</span><br/> <span class="ft7">versorgung bei den Voraussetzungen der Selbstdispensation besteht</span><br/> <span class="ft7">in § 44 GesG keine gesetzliche Grundlage. Die Kompetenz zum Er-</span><br/> <span class="ft7">lass von Ausführungsvorschriften in § 57 GesG erlaubt kein Abwei-</span><br/> <span class="ft7">chen von der gesetzlichen Ordnung der Selbstdispensation. Die Ein-</span><br/> <span class="ft7">führung einer erleichterten Selbstdispensationsbewilligung für be-</span><br/> <span class="ft7">stimmte Ärzte(-gruppen) tangiert auch den Grundsatz, wonach nur</span><br/> <span class="ft7">die Möglichkeit der Patienten zum Zugang zu Medikamenten das</span><br/> <span class="ft7">Kriterium für eine Bewilligung ist (Erw. II./4.2).</span><br/> <span class="ft7">4.4.</span><br/> <span class="ft7">4.4.1.</span><br/> <span class="ft7">Der Ausnahmetatbestand in § 24 Abs. 3 HBV stützt sich nach</span><br/> <span class="ft7">Darstellung des Regierungsrates auf § 40 Abs. 3 GesG. Diese Be-</span><br/> <span class="ft7">stimmung ist im Ingress der HBV auch aufgeführt.</span><br/> <span class="ft7">Zur Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung im ambu-</span><br/> <span class="ft7">lanten Bereich trifft der Kanton Massnahmen (§ 40 Abs. 1 GesG). Zu</span><br/> <span class="ft7">diesem Zweck kann der Kanton finanzielle Mittel für Massnahmen</span><br/> <span class="ft7">im Bereich der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzten, der Orga-</span><br/> <span class="ft7">nisation des Notfalldiensts und weiteren Anreizmassnahmen, die der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">217</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">Förderung der ärztlichen Grundversorgung dienen (§ 40 Abs. 2 lit. a</span><br/> <span class="ft7">bis c GesG), einsetzen. Die Delegationsnorm (§ 40 Abs. 3 GesG)</span><br/> <span class="ft7">überträgt dem Regierungsrat die Regelung der Einzelheiten.</span><br/> <span class="ft7">Die in Buchstabe a (Aus-, Weiter- und Fortbildung) und b (Or-</span><br/> <span class="ft7">ganisation Notfalldienst) erwähnten Massnahmen kommen als ge-</span><br/> <span class="ft7">setzliche Grundlage für die besondere Regelung der Selbstdispensa-</span><br/> <span class="ft7">tion nicht in Betracht. Zu prüfen ist, ob sich die umstrittene, modifi-</span><br/> <span class="ft7">zierte Ausnahme vom Selbstdispensationsverbot als "weitere Anreiz-</span><br/> <span class="ft7">massnahme, die der Förderung der ärztlichen Grundversorgung</span><br/> <span class="ft7">dient", auf § 40 GesG stützen kann.</span><br/> <span class="ft7">4.4.2.</span><br/> <span class="ft7">Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Be-</span><br/> <span class="ft7">stimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Inter-</span><br/> <span class="ft7">pretationen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht</span><br/> <span class="ft7">werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente. Abzustel-</span><br/> <span class="ft7">len ist dabei namentlich auf die Entstehungsgeschichte der Norm und</span><br/> <span class="ft7">ihren Zweck, auf die dem Text zu Grunde liegenden Wertungen so-</span><br/> <span class="ft7">wie auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Be-</span><br/> <span class="ft7">stimmungen zukommt. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht un-</span><br/> <span class="ft7">mittelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der</span><br/> <span class="ft7">Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren Texten kommt den Ma-</span><br/> <span class="ft7">terialien eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstände oder</span><br/> <span class="ft7">ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger na-</span><br/> <span class="ft7">helegen. Das Bundesgericht hat sich bei der Auslegung von Erlassen</span><br/> <span class="ft7">stets von einem Methodenpluralismus leiten lassen und nur dann al-</span><br/> <span class="ft7">lein auf das grammatische Element abgestellt, wenn sich daraus</span><br/> <span class="ft7">zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergab (BGE 133 V 10 f. mit</span><br/> <span class="ft7">Hinweisen; vgl. auch AGVE 2003, S. 191 f. mit Hinweisen).</span><br/> <span class="ft7">4.4.3.</span><br/> <span class="ft7">Nach dem Wortlaut in § 40 GesG geht es um Massnahmen zur</span><br/> <span class="ft7">Sicherstellung einer ärztliche Grundversorgung im ambulanten Be-</span><br/> <span class="ft7">reich (Marginale und Abs. 1) und bei den Massnahmen handelt es</span><br/> <span class="ft7">sich um den Einsatz von finanziellen Mitteln für zweckorientierte</span><br/> <span class="ft7">Anreize (Abs. 2). Diese Beschränkung der Massnahmen auf den Ein-</span><br/> <span class="ft7">satz staatlicher Mittel findet sich in den Materialien bestätigt. Ge-</span><br/> <span class="ft7">mäss Botschaft wurden im Rahmen eines Pilotprojekts seit 2008 und</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">218</span></div> <div class="page" id="S6"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">mit Mitteln des Lotteriefonds (Ausbildungs-) Beiträge für Praxisassi-</span><br/> <span class="ft7">stenzen in Hausarztpraxen finanziert. Das neue Gesundheitsgesetz</span><br/> <span class="ft7">sah für diese Massnahmen die Finanzierung aus dem ordentlichen</span><br/> <span class="ft7">Staatshaushalt vor. Was den Einsatz finanzieller Mittel für weitere</span><br/> <span class="ft7">Anreizmassnahmen zur Förderung der ärztlichen Grundversorgung</span><br/> <span class="ft7">gemäss § 40 Abs. 2 lit. b GesG angeht, geht es nach Darstellung des</span><br/> <span class="ft7">Regierungsrates vor allem um die Erteilung eines entgeltlichen Leis-</span><br/> <span class="ft7">tungsauftrags an den Aargauischen Ärzteverband für die Organisa-</span><br/> <span class="ft7">tion der notfalldienstlichen Grundversorgung (Botschaft 1 GesG,</span><br/> <span class="ft7">S. 73).</span><br/> <span class="ft7">Der Delegationsvorbehalt in § 40 Abs. 3 GesG umfasst daher</span><br/> <span class="ft7">den Einsatz finanzieller staatlicher Hilfe an die ärztliche Grundver-</span><br/> <span class="ft7">sorgung und beschränkt sich auch auf solche Anreize. Einen Hand-</span><br/> <span class="ft7">lungsspielraum zu andern Massnahmen als den Einsatz finanzieller</span><br/> <span class="ft7">Mittel lässt sich dem Gesetz nicht entnehmen. Insbesondere fehlt je-</span><br/> <span class="ft7">der Bezug oder Hinweis zur Marktordnung für die Abgabe von Me-</span><br/> <span class="ft7">dikamenten. Aus der systematischen Stellung von § 40 GesG ergeben</span><br/> <span class="ft7">sich keine Anhaltspunkte für eine andere Auslegung. Die Förderung</span><br/> <span class="ft7">der ärztlichen Grundversorgung ist im Kapitel 7 (Versorgungssicher-</span><br/> <span class="ft7">heit) geregelt, während die kantonalen Bestimmungen über das Heil-</span><br/> <span class="ft7">mittelwesen in einem separaten Kapitel 8 zusammengefasst sind. Ge-</span><br/> <span class="ft7">rade die Antwort des Regierungsrats auf das Postulat der SP-Fraktion</span><br/> <span class="ft7">betreffend Strategie gegen Ärztemangel bestätigt, dass die Förderung</span><br/> <span class="ft7">der Hausarztmedizin finanzielle Massnahmen und nicht strukturpoli-</span><br/> <span class="ft7">tische Massnahmen im Medikamentenhandel beinhaltet. Der Re-</span><br/> <span class="ft7">gierungsrat sieht vor, die Entwicklung der Hausarztmedizin in den</span><br/> <span class="ft7">kommenden Jahren aufmerksam zu verfolgen und bei Bedarf von</span><br/> <span class="ft7">den im kantonalen Kompetenzbereich liegenden Möglichkeiten Ge-</span><br/> <span class="ft7">brauch zu machen (vgl. Entgegennahme des Postulats der SP-Frak-</span><br/> <span class="ft7">tion vom 31. März 2009 [GR.09.106]). In der Sache fraglich er-</span><br/> <span class="ft7">scheint, ob eine Lockerung der Medikamentenabgabe nicht eher die</span><br/> <span class="ft7">Versorgung mit Medikamenten als die ärztliche Grundversorgung</span><br/> <span class="ft7">fördert.</span><br/> <span class="ft7">4.5.</span><br/> <span class="ft7">Ob dem Regierungsrat in § 40 GesG die Befugnis zu andern</span><br/> <span class="ft7">Massnahmen als die im Gesetz erwähnten finanziellen Leistungen</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2010</span> <span class="title">Gesundheitsrecht</span> <span class="page_no">219</span></div> <div class="page" id="S7"> <div role="main"><br/> <span class="ft7">eingeräumt wurde, muss im vorliegenden Fall nicht abschliessend</span><br/> <span class="ft7">beurteilt werden. Die Regelung der Selbstdispensation in § 44 Abs. 2</span><br/> <span class="ft7">GesG lässt - auch aus Gründen der Rechtsgleichheit - unterschied-</span><br/> <span class="ft7">liche Voraussetzungen für Grundversorger oder Arztpraxen im länd-</span><br/> <span class="ft7">lichen Gebiet nicht zu. Eine Förderung der ärztlichen Grundversor-</span><br/> <span class="ft7">gung mittels einer erleichterten Zulassung der Ärzte zur Medikamen-</span><br/> <span class="ft7">tenabgabe überschreitet die Grenzen der gesetzlichen Befugnisse des</span><br/> <span class="ft7">Regierungsrates aus § 40 GesG und die (Förder-) Massnahme in der</span><br/> <span class="ft7">Verordnung verletzt die Grundordnung der Selbstdispensation in § 44</span><br/> <span class="ft7">GesG und damit den Grundsatz der Gewaltenteilung.</span><br/></div> </div> </body> </html>