Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 11. April 2019 (720 18 323 / 100) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Rentenrevision; keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes; Würdigung der zugrundeliegenden medizinischen Unterlagen Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Beat Her sberger, Kantonsrich- ter Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Elisabeth Maier, Advoka- tin, Hauptstrasse 104, 4102 Binningen gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be- schwerdegegnerin Betreff IV-Rente A.1 Der 1976 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 1 . Februar 2000 bis 30. November 2009 als Lagerist bei der B.____ AG in C.____. Am 28. April 2010 meldete er sich bei der Eidge- nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Mit Verfügung vom 9. Mai 2012 sprach die zuständige IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) dem Versicherten gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 46% eine Viertelsrente mit Wirkung ab 1. November 2010 zu. Diese Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verfügung erwuchs – nach Beschwerdeerhebung – mit Urte il des Kantonsgerichts vom 20. Sep- tember 2012 in Rechtskraft. In der Folge wurden diverse berufliche Massnahmen zugesprochen, die jedoch ohne Erfolg blieben. Mit Mitteilung vom 14. April 2014 wurde ferner nach Durchführung eines Revisionsverfahrens festgestellt, dass sich der Gesund heitszustand nicht verändert habe und weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente bestehe. A.2 Mit Eingabe vom 3. März 2016 machte der Beschwerde führer, nunmehr vertreten durch Advokatin Elisabeth Maier, eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend und bean- tragte sinngemäss die Durchführung eines Revisionsverfahr ens. Nachdem die IV-Stelle die erwerblichen und gesundheitlichen Verhältnisse abgeklärt und ein Vorbescheidsver- fahren durchgeführt hatte, lehnte sie mit Verfügung vom 4. September 2018 eine Erhöhung der Rente ab. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durc h Advokatin Maier, am 1. Oktober 2018 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicheru ngsrecht (Kantonsgericht). Er be- antragte, es seien ihm in Aufhebung des angefochtenen Entscheides die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, eventualiter sei der Sachverhalt im Rahm en eines Gerichtsgutachtens abzuklä- ren; unter o/e-Kostenfolge. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde die Bewilligung der unentgelt- lichen Prozessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit Advokatin Maier als Rechts- vertreterin beantragt. Zur Begründung liess er im Wes entlichen ausführen, dass die Beschwer- degegnerin ihre Untersuchungspflicht verletzt habe, da dem im Revisionsverfahren bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein geholten psychiatrischen (Verlaufs- )Gutachten vom 8. Dezember 2016 keine Beweiskraft zukomme. So sei zwischen dem Gutachter und dem Beschwerdeführer kein Vertrauensverhältnis entst anden. Auch sei der Gutachter zu Unrecht und ohne Einholung fremdanamnestischer Angaben von einer bewusstseinsnahen Ag- gravation ausgegangen. Die behandelnden Ärzte würden indessen ein anderes Zustandsbild be- schreiben und stellten die Validität der Beschwerden nicht in Frage. C. In ihrer Vernehmlassung vom 17. Dezember 2018 schloss di e Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2018 wurde dem Besch werdeführer die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokatin Maier als unentgeltliche Rechtsvertreterin bewilligt. E. Am 24. Januar 2019 reichte der Beschwerdeführer se ine Replik ein, wobei er an seinen Rechtsbegehren und Ausführungen in der Beschwerde vollumfänglich festhielt. Die Beschwerde- gegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anf echtungsobjekt des vorliegenden Verfah- rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan- tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor- liegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Be- schwerde vom 1. Oktober 2018 ist demnach einzutreten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgese tzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im Bereich der Invaliden- versicherung Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung u nd Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten au f dem in Betracht kommenden allge- meinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens der Erwerbsunfähigkeit sind nach dem mit der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück- sichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem n ur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psych ischen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1.2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltend en psychischen Leiden belastenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen ke in Krankheitswert zukommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob u nd inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwar- tet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinwei- sen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbe einträchtigung verursachten Er- werbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Ve rwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alternative Voraussetzung – sogar für die Gesell- schaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalidi tätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein- tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizi nischen Behandlung und allfälliger Einglie- derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit be i ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommens- vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein- kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einan der gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Ein- kommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflus- sen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Auf- gabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund figur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg .], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 3.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision. Bloss auf einer anderen Wertung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differenzen sind daher von revisi- onsbegründenden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesundheitszustand effektiv nicht ver- ändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil des Bun desgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ansp ruchserheblichen Änderung des In- validitätsgrades bildet die letzte (der versicherten Perso n eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab- klärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkomm ensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 7 ff. E. 3.2.3). Vor liegend sprach die IV-Stelle dem Beschwer- deführer mit Verfügung vom 9. Mai 2012 rückwirkend ab 1. November 2010 eine Viertelsrente zu. Im folgenden Revisionsverfahren in den Jahren 2013/201 4 wurde der Anspruch auf eine ganze Rente jeweils formlos bestätigt. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsäch- lichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerich- teten Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht (auf einer vollständigen materiellen Anspruchsprüfung beruhenden) Rentenverfügung vom 9. Mai 2012 bestanden hat, mit demjenigen im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 4. September 2018. 4. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob und inwief ern sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsunfähigkei t des Beschwerdeführers seit der Renten- zusprache am 9. Mai 2012 in anspruchserheblicher Weise verändert hat. 4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und in sbesondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu- stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in w elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. I m Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande- ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmli che Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfe n und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat- ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa- rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinis che These abstellt. Hinsichtlich des Be- weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, o b dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück- sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me- dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Expert en begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt- linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahre ns eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs- sigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen ausschliesslich Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdigung strenge Anfor- derungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits be i geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. Ur- teil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). 4.4 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten dar f und soll das Gericht der Erfah- rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver- trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih rer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi- zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; U rteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau- tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben F älle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 4.5 Bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen S achverhaltes in Revisionsfällen im Sinne des Art. 17 ATSG ist überdies Folgendes zu beachten: Da die Feststellung einer revisi- onsbegründenden Veränderung durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des ak- tuellen Zustandes erfolgt, bildet Gegenstand des Beweis es das Vorhandensein einer entschei- dungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gu tachten zu entnehmenden –Tatsa- chen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesent- lich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sach- verhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet voll ständigen, nachvollziehbaren und schlüssi- gen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenbe- rechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, w enn sich die (von einer früheren abwei- chende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Ver- änderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorb ehalten bleiben Sachlagen, in de- nen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben (Urteile des Bun- desgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2, und vom 26. März 2015, 9C_710/2014, E. 2). 5. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerd eführers liegen zahlreiche me- dizinische Unterlagen vor, die vom Gericht allesamt gewür digt wurden. Im Folgenden sollen in- dessen lediglich diejenigen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als zentral erweisen. 5.1 Die IV-Stelle stützte den ursprünglichen Rentenent scheid auf das Gutachten von Dr. med. E.____, FMH Physikalische Medizin und Rehabilit ation sowie Rheumatologie, vom 8. Juli 2011 und das Gutachten von Dr. D.____ vom 18. Juli 2011 ab. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Der rheumatologische Fachgutachter hatte keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig- keit feststellen können. Dr. D.____ diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Epi- sode. Anamnestisch würden sich die Symptome wie Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Müdigkeit, verminderte Energie, bedrückte und häufig a ggressive Stimmung, Vergesslichkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit, Freud- und Lustlo sigkeit, schlechter Appetit sowie ein manchmal auftretendes Gefühl allgemeiner Sinnlosigkeit und Suizidgedanken eruieren lassen. Diese Symptome würden die Kriterien einer depressiven Ep isode erfüllen. An der heutigen Un- tersuchung hinterlasse der Versicherte einen bedrückten, jedoch nicht aggressiven Eindruck. Zu keinem Zeitpunkt der Exploration habe er gelächelt; d ie affektive Modulationsfähigkeit und die Vitalität seien eingeschränkt. Zudem lasse sich eine psychomotorische Verlangsamung feststel- len. Der Gedankengang sei in formaler Hinsicht langsam und zeitweise gehemmt und es bestän- den kognitive Beeinträchtigungen. Die Blutentnahme habe ergeben, dass der Versicherte zumin- dest ein Medikament nicht regelmässig einnehme. Eine schnelle Aufdosierung der Psychophar- maka vor dem Untersuchungstermin sei nicht auszuschliessen . Ein solches Vorgehen wäre mit der Diagnose einer mittel- bis schwergradigen Depressio n aufgrund des dabei zu erwartenden Leidensdruckes nicht vereinbar. Während der Untersuchung habe er keine Zunahme der Müdig- keit feststellen können. Am Ende der Untersuchung sei der Versicherte sogar vitaler als zu Beginn gewesen. Als es um die Anzahl der in der Originalverpackung vorhandenen Tabletten gegangen sei, sei er zeitweise plötzlich hellwach und völlig präsen t gewesen. In solchen Augenblicken sei er auch zum ersten Mal in aufrechter Körperhaltung und ohne gesenkten Kopf im Stuhl gesessen. Er habe den Blickkontakt auch problemlos halten können un d seine Stimmung sei nicht mehr bedrückt gewesen. Diese abrupte Stimmungsveränderung, die Vigilanz und die Körperhaltung entsprächen nicht einem schweren Grad einer Depression. Der Versicherte leide deshalb höchs- tens an einer mittelgradigen depressiven Episode. Dazu komme, dass es trotz der Therapien zu keiner wesentlichen Veränderung der Beschwerden gekommen sei. Ein solcher unverändert mit- telgradiger bis schwerer Verlauf einer Depression sei schwer nachvollziehbar. Desgleichen seien die Verweigerung, Angaben über seine Gedanken und Ge fühle zu machen, und die fehlende Einwilligung, fremdanamnestische Angaben einzuholen, nicht mit einer schwergradigen Depres- sion vereinbar, da eine Verweigerungshaltung Energien benötige, die bei einer schweren Depres- sion kaum mobilisiert werden könnten. Darüber hinaus se ien die Angaben des Versicherten oft inkonsistent und zum Teil widersprüchlich (z.B. Kündigungsg rund, Beziehung zu den Kindern). Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sei differentia ldiagnostisch an eine bewusstseinsnahe ausgeprägte Aggravationstendenz zu denken. Dazu passend wäre die Tatsache, dass sich bis auf die Kündigung des Arbeitsplatzes keine weiteren aktuellen, den Versicherten belastende Um- stände nachweisen lassen würden, welche in einem ursächl ichen Zusammenhang zur Depres- sion stehen könnten. Allerdings sei der Versicherte in ungünstigen familiären Verhältnissen auf- gewachsen. Es wäre daher auch möglich, dass diese frühere Belastung durch die Kündigung reaktiviert worden sei. Diesfalls wäre jedoch ein höherer als der vom Versicherten bisher geäus- serte Leidensdruck zu erwarten. Die Kopfschmerzen seien a m ehesten als chronische Span- nungskopfschmerzen zu betrachten. Eine solche Diagnose müsste aber aus neurologischer Sicht Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gestellt und gewürdigt werden. Differentialdiagnostisch könnte allenfalls eine anhaltende soma- toforme Schmerzstörung in Betracht gezogen werden. Aufgrund der fehlenden Schmerzauswei- tung schliesse er aber eine solche aus. Der Versicherte we ise zudem akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge auf, welche die Arbeitsfähigkeit nicht beeinflussten. Aufgrund der höchstens mittelgradigen depressiven Episode sei der Versicherte seit März 2009 bis auf weiteres in seiner Arbeitsfähigkeit um 40% eingeschränkt. Dr. D.____ wies jedoch darauf hin, dass aufgrund der bewusstseinsnahen, ausgeprägten Aggravationstendenz Zweife l an dieser Beurteilung bestän- den. Die Gutachten wurden im rechtskräftigen Entscheid des K antonsgerichts vom 20. September 2012 als beweiskräftig beurteilt. 5.2 Die damals behandelnde Psychiaterin Dr. med. F.__ __, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, diagnostizierte in ihrem ausführlichen Bericht an die IV-Stelle vom 11. September 2013 eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F 32.1) so wie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4), beide bestehend ca. Mä rz 2009; ferner akzentuierte Persön- lichkeitszüge, am ehesten histrionisch, eventuell zudem nar zisstisch. Sie habe ab dem 5. Mai 2011 die Behandlung des Patienten übernommen. Seither sei es zu keinen wesentlichen Verän- derungen in der subjektiven und objektiven Befindlichkei t gekommen. Die von der IV-Stelle ge- wünschte Erhöhung der Sitzungsfrequenz habe keine Veränderung des Zustandes gebracht, viel- mehr habe zum Patienten kein therapeutischer Zugang ge funden werden können. Er spreche leise, zum Teil stockend oder gepresst und nehme nur zeit weise Blickkontakt auf. Im Gespräch sei er dennoch bewusstseinsklar, präsent und wach. Entgeg en seinen Angaben würden sich keine Hinweise auf Konzentrationsstörungen ergeben. Der Patient habe sich anhaltend bedrückt, antriebsgemindert und auf die Schmerzen eingeschränkt präsentiert, welche seinen Angaben zu- folge durch jegliche Aktivitäten verstärkt würden. Die Mimik sei lebhaft im Sinne eines oft schmerzverzerrten Gesichtes und erhöhtem Leidensdruck. Es beständen Ein- und Durchschlaf- störungen. Hinweise auf eine Suizidalität beständen nicht. Die Prognose sei angesichts des chro- nifizierten Zustandsbildes und der hohen subjektiven Kra nkheitsüberzeugung als ungünstig zu betrachten. Der Patient sei für eine psychiatrisch-psychot herapeutische Behandlung nicht zu- gänglich und letztlich auch nicht motiviert. Durch die Symptomatik sei er in jeglichen Tätigkeiten derart eingeschränkt, dass die Wiederaufnahme der bisher igen Tätigkeit sowie jeder anderen Arbeit nicht zumutbar sei. 5.3 Mit Schreiben vom 27. September 2013 berichtete Dr . med. G.____, FMH Neurologie, über die neurologische Behandlung vom 11. September 2009 bis 12. August 2013 ein. Abschlies- send wurde darin festgehalten, dass Klagen über chronisch e Kopfschmerzen abgeklärt worden seien, ohne dass eine organische Ursache habe eruiert werden können. Das Bild habe sich wäh- rend der Behandlungsdauer trotz diversen antidepressiven Medikationen kaum verändert. Der Patient klage weiterhin über leichtere bis mässige diffuse drückende Kopfschmerzen ohne jegli- che Fluktuation, tags und nachts identisch vorhanden, kombiniert mit gelegentlichen stechenden Kopfschmerzen (ice-pick-headache). Zu diagnostizieren seie n Spannungskopfschmerzen mit ice-pick-headache im Rahmen einer depressiven Symptomatik, ohne Hinweise auf medication overuse-headache, bei unauffälligem Neurostatus und normalem CT, CT-Angiogramm und MRI Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Neurokraniums. Ausserdem sei ein depressives Syndrom schw eren Ausmasses festzustel- len. 5.4 Im Rahmen des vorliegend umstrittenen Revisionsverfa hrens holte die Beschwerdegeg- nerin zunächst beim behandelnden Psychiater Dr. med. H .____, FMH Psychiatrie und Psycho- therapie, einen Bericht ein. Am 8. April 2016 führte dieser darin aus, dass der Patient psychothe- rapeutisch nicht behandelbar sei. Er komme ca. sechswöchentlich in die Therapie und schleiche dabei ins Zimmer. Gespräche oder Fragen würden bei ihm Kopfschmerzen auslösen; der Patient sei praktisch nicht ansprechbar. Er sei seit Herbst 2009 bis „für immer“ zu 100% arbeitsunfähig. Die Prognose sei chronisch schlecht. 5.5 Die Beschwerdegegnerin gab in der Folge bei Dr. D.____ ein psychiatrisches Verlaufs- gutachten in Auftrag. Im Gutachten vom 8. Dezember 2016 diagnostizierte dieser mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung mit chronischem Verlauf und ge- genwärtig mittelgradiger Episode (ICD-10 F 33.11). A namnestisch seien die Symptome der an- dauernden Müdigkeit, Energielosigkeit, Interessenlosigk eit sowie Freud- und Lustlosigkeit, der verminderten Konzentrationsfähigkeit und Vergesslichkeit sowie ein sporadisch auftretendes Ge- fühls allgemeiner Sinnlosigkeit festzuhalten. Diese Symptome erfüllten die zur Diagnosestellung einer depressiven Episode notwendigen Kriterien. In ursächlicher Hinsicht sei auf die andauern- den Kopfschmerzen zu verweisen. Der Explorand habe zu Be ginn der Untersuchung einen be- drückten, müden und wie verladenen Eindruck hinterlassen, gegen Ende der Untersuchung habe sich die Stimmung aufgehellt und der Explorand habe deutlich vitaler und präsenter gewirkt. Hin- gegen seien die affektive Modulationsfähigkeit und die Vitalität als eingeschränkt zu beurteilen. Die subjektiv beklagte verminderte Konzentrationsfähigkei t habe sich klinisch nicht feststellen lassen. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren und aufgrund der längeren Dauer sei die oben- genannte Diagnose zu stellen. Gegen einen schweren Grad der Depression sprächen einerseits die fehlenden Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie, dass sich die Präsenz und Vitalität des Exploranden im Laufe der Untersuchung gebessert habe. Anamnestisch seien keine gereizt-aggressive oder bedrückt traurige Stimmungen oder ausgeprägte Ängste nachgewiesen. Ebenfalls spreche die psychosoziale Funktionsfähigkeit in den Beziehungen zur Ehefrau, den Kindern, dem Halbbruder, der Stiefmutter sowie eine m Cousin gegen eine schwergradige De- pression. Sozial sei der Explorand jedoch als lediglich mässig integriert zu betrachten. Im Vergleich mit den Befunden des Gutachtens vom 18. Juli 2011 sei es zu keiner wesentlichen Veränderung gekommen. Der Explorand hinterlasse in der aktuellen Untersuchung einen wech- selhaften Eindruck; er wirke einerseits müde und insbesondere zu Beginn wie verladen und ver- meide stets den Blickkontakt, andererseits sei er jedoch he llwach und präsent, wenn er eine Frage nicht auf Anhieb verstanden habe, und könne dabe i auch problemlos den Blickkontakt herstellen. Eine Veränderung lasse sich insoweit feststellen, als der Explorand anlässlich der ak- tuellen Untersuchung nicht mehr eine bedrückt-traurige oder gereizt-aggressive Stimmung be- klagt. Diesbezüglich sei es im Vergleich zum Jahr 2011 zu einer Verbesserung gekommen. Es sei erwähnt, dass die Angaben des Exploranden nicht immer konsistent, zum Teil widersprüchlich und schwer nachvollziehbar seien. Eine durchgeführte Blu tkonzentrationsbestimmung der ver- Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht ordneten Psychopharmaka habe Werte innerhalb des Normbe reichs ergeben. Auffallend sei je- doch, dass er sich den Behandlern zufolge nicht wirklich auf irgendeine Therapie eingelassen habe. Unter Berücksichtigung der genannten Inkonsistenzen und Widersprüche könne eine be- wusstseinsnahe ausgeprägte Aggravationstendenz nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Aufgrund des bisherigen therapieresistenten Verlaufs im ambulanten Bereich, aber auch zur Be- obachtung unter stationären Verhältnissen, könne eine psychiatrische Hospitalisation empfohlen werden. Ferner seien – wie im Gutachten vom 18. Juli 2011 – a kzentuierte (histrionische) Persönlichkeits- züge festzustellen, die jedoch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit blieben. Anlässlich der aktuellen Untersuchung habe sich auch ein Schmerzsyndrom mit andauernden Kopfschmerzen nachweisen lassen. Den somatischen Akten se i zu entnehmen, dass diagnos- tisch von Spannungskopfschmerzen auszugehen sei. Aus psychiatrischer Sicht sei festzuhalten, dass sich keine aktuellen Belastungen vorfänden, die schwe rwiegend genug seien, um einen ursächlichen Zusammenhang mit den Schmerzen zu begründen. In einer VAS-Skala von null bis zehn gebe der Explorand eine meist vorhandene Schmerzin tensität von über zehn an. Diesbe- züglich entstehe ein Eindruck des Dramatisierens und Aggra vierens, zumal die Kopfschmerzen lediglich mit einer Schmerztablette täglich behandelt, seit dem Jahr 2009 in unveränderter Inten- sität angegeben würden und ohne äussere Belastung auf getreten seien. Weiter würden weder Mimik noch Gestik anlässlich der aktuellen Untersuchung auf ein Schmerzgeschehen hinweisen. Da es ausserdem bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu einer Schmerzausweitung gekommen sei, könne die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt werden. Schwerwiegende andere somatische oder psychische Komorbiditäten hätten sich nicht nachwei- sen lassen. Festzustellen seien in allen vergleichbaren L ebensbereichen gleichmässige Ein- schränkungen des Aktivitätenniveaus. Behandlungsanamnestisch l asse sich ein Leidensdruck nachweisen. Die Prognose sei offen. Aufgrund der Beschwerden und Funktionseinschränkungen von Seiten der rezidivierenden depressiven Störung mit ch ronischem Verlauf und gegenwärtig mittelgradiger Episode sei von einer verminderten psychophysischen Belastbarkeit und einer Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der zuletzt au sgeübten wie auch in einer alternativen Tätigkeit von höchstens 40% auszugehen, ohne zusätzliche Ve rminderung der Leistungsfähig- keit. Wie bereits schon im Jahr 2011 festgehalten, sei diese Einschätzung aufgrund der differen- tialdiagnostisch in Betracht zu ziehenden bewusstseinsnahen erheblichen Aggravationstendenz anzuzweifeln. 5.6 Mit Schreiben vom 15. Februar 2017 nahm der behan delnde Psychiater Dr. H.____ zum Gutachten vom 8. Dezember 2016 Stellung. Er führte aus, dass er den Patienten seit November 2013 behandle und nie den Eindruck gehabt habe, dass ihm dieser etwas vorspielen würde. Er leide sehr unter seinem Zustandsbild und eine jahrelange Vorspiegelung sei kaum möglich. Laut dem neuen amerikanischen DSM-5 könnte die Diagnose ei ner somatischen Belastungsstörung gestellt werden. Dr. H.____ reichte zu dieser Diagnose zwei Fachartikel ein. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Auf Rückfrage der IV-Stelle hin äusserte sich Dr. D. ____ zur Kritik von Dr. H.____. In seiner Stellungnahme vom 16. September 2017 erklärte er, dass beim Versicherten keine soma- tische Belastungsstörung nach DSM-5 vorliege, da es am Diagnosekriterium der weitreichenden Einschränkungen bis zur Invalidisierung in allen wichtigen Alltagsbereichen durch die Schmerzen fehle. Der Versicherte habe über eine weitgehend int akte psychosoziale Funktionsfähigkeit be- richtet. Ausserdem bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen der angegebenen Schmerzin- tensität und der Menge eingenommener Analgetika. Der behandelnde Psychiater scheine unbe- sehen auf die subjektiven Angaben des Patienten abzuste llen, ohne diese zu validieren oder kritisch zu hinterfragen. Er halte deshalb an den gutach terlichen Ausführungen vollumfänglich fest. 5.8 Am 6. April 2018 nahm Dr. D.____ zu verschiedenen Einwänden des Beschwerdefüh- rers Stellung. So führte er aus, dass aufgrund des Verlaufs und der Akten nicht von einem medi- cation overuse-headache ausgegangen werden könne. Es sei deshalb schwer nachvollziehbar, dass der Versicherte trotz der angegebenen Intensität der Schmerzen lediglich ein Analgetikum täglich nehme. Entgegen der Auffassung des Beschwerdef ührers sei die psychosoziale Funkti- onsfähigkeit auch aufgrund seiner eigenen Angaben zu bejahen. Fremdanamnestische Angaben seien für diese Einschätzung nicht zwingend notwendig gewesen, da sie nach langjähriger Erfah- rung – insbesondere von nahestehenden Personen – als n icht sehr ergiebig erwiesen hätten. Der behandelnde Arzt habe selbst keine Befunde erhoben oder eine Beschwerdevalidierung vor- genommen, weshalb die aufgeworfene Frage einer Aggravation nicht gesichert verneint werden könne. Trotz Vorliegen verschiedener Inkonsistenzen und Widersprüchlichkeiten sei im Gutach- ten vorsichtshalber eine weitere psychiatrische Hospitalisatio n empfohlen worden. Insgesamt sehe er sich nicht veranlasst, aufgrund der Einwände der Rechtsvertreterin eine Änderung am Gutachten vom 8. Dezember 2016 vorzunehmen. 6.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefo chtenen Verfügung vom 4. Septem- ber 2018 bei der Beurteilung des medizinischen Sachverh alts vollumfänglich auf das Verlaufs- gutachten von Dr. D.____ vom 8. Dezember 2016. Sie gi ng demzufolge davon aus, dass dem Versicherten eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 60% zumutbar sei. Wie unter Erwägung 4.3 hiervor ausgeführt, ist dem im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Solche Indizien liegen nicht vor. Das Gutachten von Dr. D.____ ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 4.2 hiervor) – für die streitigen Belange umf assend, beruht auf allseitigen Untersuchun- gen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizi- nischen Situation ein, setzt sich ausführlich mit den be i den Akten liegenden (abweichenden) fachärztlichen Einschätzungen auseinander und ist in den Schlussfolgerungen überzeugend. Ins- besondere legt der Gutachter auch nachvollziehbar dar, inwiefern sich die erhobenen Befunde und Diagnosen von denjenigen unterscheiden bzw. nicht unterscheiden, die im Rahmen der ur- sprünglichen Rentenzusprache im Jahr 2011 vorlagen. So führt Dr. D.____ nachvollziehbar aus, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass weiterhin eine mittelgradige depressive Episode vorliegt und verneint eine Verschlechterung zu einer schwergradigen Depression überzeugend. Eine Verb esserung hält er insoweit fest, als der Explorand nicht mehr konkret über eine bedrückt-traurige oder aggressiv-gereizte Stimmung klage. Diesbezüglich sei es zu einer (unwesentlichen) Verbesserung gekommen. Auch das Vor- liegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung wird von Dr. D.____ – wie bereits im Gutachten vom 18. Juli 2011 –nachvollziehbar verneint. Insgesamt weist Dr. D.____ überzeu- gend aus, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführ ers seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht wesentlich verändert hat. Das Gutachten entspricht damit auch den bun- desgerichtlichen Vorgaben zur Beurteilung des medizinisch en Sachverhalts in Revisionsfällen (vgl. E. 4.5 hiervor). Es lässt damit eine zuverlässige Beu rteilung der Arbeitsfähigkeit des Versi- cherten zu, weshalb die Beschwerdegegnerin bei der Beur teilung der medizinischen Sachlage darauf grundsätzlich abstellen durfte. 6.2 Daran vermögen auch die Vorbringen des Beschwerdef ührers nichts zu ändern. Er macht zunächst in formeller Hinsicht geltend, dass es dem Gutachter nicht gelungen sei, ein an- gemessenes Vertrauensverhältnis aufzubauen, weshalb eine ordentliche Exploration nicht mög- lich gewesen sei. Tatsächlich ist festzuhalten, dass die Kooperation durch den Exploranden von Dr. D.____ als mässig gut bis mangelhaft bezeichnet wurde und ein affektiver Rapport sich kaum habe herstellen lassen. Diese Einschätzung widerspiegelt sich in den Ausführungen der behan- delnden Ärzte, die verschiedentlich festhielten, dass der Patient nicht zugänglich sei, nicht mit- wirke und nicht behandelbar sei. Hätte die passive Hal tung des Beschwerdeführers jedoch eine ordentliche Begutachtung gänzlich verunmöglicht, so wäre dies von Dr. D.____ festgehalten wor- den. Da es ihm jedoch augenscheinlich gelungen ist, den Beschwerdeführer zu verschiedenen Angaben über seine Beschwerden, seine Beziehungen, seine n Tagesablauf und teilweise über eine Anamnese zu bewegen, kann nicht von einem derart mangelhaften Verhältnis ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer moniert weiter, dass sich der Gutachter nicht mit der Möglichkeit einer psychosomatischen Belastungsstörung nach DSM-5 ausein andergesetzt habe. Indessen hat Dr. D.____ in der Beantwortung der Rückfrage vom 16. September 2017 dazu explizit Stel- lung genommen und überzeugend begründet, weshalb diese Diagnose seiner Ansicht nach nicht gestellt werden könne. Soweit der Beschwerdeführer Ausführungen zur von Dr. D.____ diskutier- ten Aggravation macht, ist ihm entgegenzuhalten, dass diese – wie bereits beim ersten, beweis- kräftigen Gutachten vom 18. Juli 2011 – lediglich im Sinne einer Differentialdiagnose gestellt wor- den ist, welche letztlich keine Auswirkungen auf die zur Bemessung des Invaliditätsgrades rele- vante Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hatte. Insofern erweisen sich die Ausführungen des Be- schwerdeführers für die vorliegend strittigen Fragen als nicht zentral, zumal die Verneinung einer gesicherten, bewusstseinsnahen Aggravation nicht bedeutet , dass unkritisch auf die Angaben des Exploranden abzustellen wäre. Vielmehr dürfen und müssen die Angaben des Beschwerde- führers im Rahmen der Exploration auch aufgrund einer Verdeutlichungs- oder Dramatisierungs- tendenz kritisch gewürdigt werden. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nennt das Gutachten vom 8. Dezember 2016 auch diverse Einschränkungen und Ressourcen, die im Rah- men einer Indikatorenprüfung berücksichtigt wurden (vgl . dazu auch die RAD-Stellungnahme vom 26. Januar 2017). Auch die divergente Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den behan- delnden Psychiater Dr. H.____ vermag keine Zweifel an d er Einschätzung von Dr. D.____ zu Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht wecken. Dessen Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten ohne Endda- tierung („für immer“) wird ohne Angabe von Symptombe funden oder ICD-Diagnosen gemacht und überzeugt nicht. Letztlich ist jedoch insbesondere festzuhalten, dass auch die behandelnden Ärzte nicht von einer Verschlechterung des Gesundheitszust andes an sich ausgehen, sondern vielmehr einen gleichbleibenden Verlauf dokumentieren. Weshalb daraus eine höhere als die be- reits bei der ursprünglichen Rentenzusprache angenommene Arbeitsunfähigkeit resultieren soll, wird nicht begründet. 6.3 Zusammenfassend ist nach dem Ausgeführten festzuhalte n, dass sich der Gesundheits- zustand des Beschwerdeführers gemäss der beweistauglichen Einschätzung von Dr. D.____ seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht wesentlich verä ndert hat. Lassen die vorhandenen medizinischen Unterlagen nach dem Gesagten eine zuverlässige Beurteilung des aktuellen Ge- sundheitszustandes des Versicherten und den Einschränkungen im Erwerbsbereich zu, so kann auf die von ihm beantragte Anordnung eines Gerichtsguta chtens bzw. Rückweisung an die Vo- rinstanz zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen verzichtet werden (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. dazu BGE 131 I 153 E. 3, 126 V 130 E. 2a, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). Demzufo lge ist davon auszugehen, dass der Be- schwerdeführer in jeder Tätigkeit im Umfang von 60% arbeitsfähig ist, ohne zusätzliche Vermin- derung der Leistungsfähigkeit. 7. Zu prüfen sind damit die erwerblichen Auswirkungen d er gesundheitlichen Beeinträchti- gungen. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Ver- sicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 4. September 2018 zur Ermittlung des Invaliditätsgrades den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Dabei hat sie anhand der Gegenüberstellung von Validen- und zumutbarem Invalideneinkommen (beide anhand der T abellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung [LSE] des Bundesamtes für Statistik ermittelt) und unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 5% einen Invaliditätsgrad von 43% ermittelt. Aus den Akten oder Angaben der Parteien ergeben sich keinerlei Hinweise dafür, dass diese Berechnung nicht korrekt erfolgt ist. 8. Zusammenfassend folgt aus dem Ausgeführten, dass die Be schwerdegegnerin zu Recht von einem im Wesentlichen unveränderten Invaliditätsgrad ausgegangen ist und die Erhöhung der zugesprochenen Invalidenrente verneint hat. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 9. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO in der R egel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, wes- halb die Verfahrenskosten, die praxisgemäss auf Fr. 800.-- festgesetzt werden, ihm zu auferlegen sind. Dem Beschwerdeführer ist jedoch mit Verfügung vom 27. Dezember 2018 die unentgeltliche Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten zu Lasten der Gerichtskasse. 9.2 Gemäss dem Ausgang des Verfahrens wird keine Partei entschädigung zugesprochen (§ 21 Abs. 1 VPO). Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung wird der Rechtsver- treterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘706.40 (inklusive Auslagen von Fr. 178.90 und 7,7% Mehrwertsteuer) entsprechend dem in der Honorarnote vom 4. April 2019 ausgewiesenen Aufwand (11 Stunden und 40 Minuten à Fr. 200.--) aus der Gerichtskasse aus- gerichtet. 9.3 Der Beschwerdeführer wird ausdrücklich auf § 53a Abs. 1 des Gesetzes über die Orga- nisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufm erksam gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zu r Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung werden die Ver- fahrenskosten vorläufig auf die Gerichtskasse genommen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständu ng wird der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Honorar in der Höhe von Fr. 2‘706.40 (inklusive Auslagen und 7,7% Mehrwertsteuer) aus der Ge- richtskasse ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht