' B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung III C-476/2012 U r t e i l v o m 1 9 . J u l i 2 0 1 2 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richterin Ruth Beutler, Gerichtsschreiber Julius Longauer. Parteien A._______, Beschwerdeführer, vertreten durch lic. iur. Marcel Epper, Rechtsanwalt, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. C-476/2012 Seite 2 Sachverhalt: A. Der aus Pakistan stammende Beschwerdeführer (geb. 1973) gelangte im November 1996 in die Schweiz und ersuchte hier um Asyl. Ein Jahr sp ä- ter, am 14. November 1997, heiratete er in der Schweiz eine 24 Jahre äl- tere, in Deutschland wohnhafte Schweizer Bürgerin. Kurze Zeit später zog er zu ihr nach Deutschland, worauf sein Asylgesuch am 28. Januar 1998 durch Nichteintreten erledigt wurde. Im November 2001 kehrten die Ehegatten in die Schweiz zurück und nahmen im Kanton Thurgau Wohn- sitz. B. Als Ehegatte einer Schweizer Bürgerin ersuchte der Beschwerdeführer am 1. Juni 2004 um erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 des Bürge r- rechtsgesetzes vom 29. September 1952 (BüG, SR 141.0). Die Ehegatten unterzeichneten am 6. Dezember 2006 zu Handen des Einbürgerungsverfahrens eine Erklärung, wonach sie in einer tatsächl i- chen, ungetrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an derselben A d- resse zusammen lebten und weder Trennungs- noch Scheidungsabsich- ten bestünden . Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich zur K enntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich ist, wenn vor oder wä h- rend des Einbürgerungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung oder Scheidung beantragt hat oder keine tatsächliche eheliche Gemei n- schaft mehr besteht, und dass die Verheiml ichung solcher Umstände zur Nichtigerklärung der Einbürgerung führen kann. Am 5. Januar 2007 wurde der Beschwerdeführer erleichtert eingebürgert. Nebst dem Schweizer Bürgerrecht erwarb er die Bürgerrechte des Ka n- tons Tessin und der Gemeinde P ._______ (TI). C. Die Ehe des Beschwerdeführers wurde am 16. April 2010 geschieden. Kurz nach der am 18. Mai 2010 eingetretenen Rechtskraft des Sche i- dungsurteils heiratete er am 23. Mai 2010 in Pakistan eine 17 Jahre jü n- gere Landsfrau und stellte für sie am 28. Juli 2010 im Kanton Thurgau ein Familiennachzugsgesuch. Es folgte eine Überprüfung der von ihm vorge- legten pakistanischen Zivilstandsdokumente durch die schweizerische Vertretung in Pakistan. Den dabei gewonnenen Informationen zufolge soll der Beschwerdeführer in der Zeit vom 2. August 2005 bis 4. Februar 2009 C-476/2012 Seite 3 in Pakistan eine Zweitehe mit einer anderen pakistanischen Staatsang e- hörigen geführt haben. D. Am 21. März 2011 gelangte die Zivilstandsbehörde des Kantons Tessin an die Vorinstanz und orientierte über die Scheidung des Beschwerdefüh- rers von seiner Schweizer Ehefrau sowie die Erkenntnisse der schweize- rischen Vertretung in Pakistan im Zusammenhang mit der pakistanischen Zweitehe des Beschwerdeführers. Die schweizerische Vertretung in P a- kistan liess der Vorinst anz am 22. April 2011 weitere einschlägige Infor- mationen zu diesem Thema zukommen. E. Mit Schreiben vom 16. September 2011 teilte die Vorinstanz dem B e- schwerdeführer unter Gewährung des rechtlichen Gehörs mit, sie erwäge gestützt auf Art. 41 Abs. 1 BüG eine Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. Vom Recht auf Stellungnahme machte der Beschwerd e- führer am 2. und am 20. Dezember 2011 Gebrauch. Die Vorinstanz ihrer- seits zog die Akten des Scheidungsverfahrens bei und veranlasste eine Einvernahme der gesc hiedenen Ehefrau durch die Behörden des Ka n- tons Thurgau. Die Einvernahme erfolgte am 8. November 2011. F. Am 21. Dezember 2011 erteilte der Kanton Tessin als Heimatkanton des Beschwerdeführers seine Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichter- ten Einbürgerung. G. Mit Verfügung vom 23. Dezember 2011 erklärte die Vorinstanz die erleich- terte Einbürgerung des Beschwerdeführers für nichtig. H. Mit Rechtsmitteleingabe vom 26. Januar 2012 gelangte der Beschwerd e- führer an das Bundesverwaltungsgericht und ersuchte um er satzlose Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. I. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 24. April 2012 die Abweisung der Beschwerde. C-476/2012 Seite 4 J. Mit Replik vom 11. Juni 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinem Rechtsmittel fest. K. Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erw ä- gungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Verfügungen des BFM über die Nichtigerklärung einer erleichterten Einbürgerung unterliegen der Beschwerde an das Bundesverwaltungsge- richt (Art. 51 Abs. 1 BüG i.V.m. Art. 31 ff. des Verwaltungsgerichtsgese t- zes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesve r- waltungsgericht nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsv erfahren (VwVG, SR 172.021), soweit das Verwa l- tungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG). 1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert. Auf seine frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist ei nzutreten (Art. 48 ff. VwVG). 2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtse r- heblichen Sachverhal ts und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerd e- verfahren das Recht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG a n die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gu t- heissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 S. 4 mit Hinweis). 3. 3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte C-476/2012 Seite 5 Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz g e- wohnt hat (Bst. a), seit einem Jahr hier wohnt (Bst. b) und seit drei Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit dem Schweizer Bürger lebt (Bst. c). Die e r- leichterte Einbürgerung nach Art. 27 BüG setzt ferner voraus, dass die betroffene Person in die schweizerischen Verhältnisse eingegliedert ist, die schweizerische Rechtsordnung beachtet und die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (Art. 26 Abs. 1 BüG). Sämtliche Voraussetzungen müssen sowohl im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung als auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt se in. Fehlt es in s- besondere im Zeitpunkt des Entscheids an der ehelichen Gemeinschaft, darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden (BGE 135 II 161 E. 2 S. 164 f., BGE 130 II 482 E. 2 S. 484, BGE 129 II 401 E. 2.2 S. 403). Die Beweislast trä gt die gesuchstellende Person (Urteil des Bu n- desverwaltungsgerichts C-5286/2007 vom 4. November 2008 E. 3.2). 3.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft bedeutet mehr als das formel- le Bestehen einer Ehe. Verlangt wird eine tatsächliche Lebensgemei n- schaft, getragen vom beidseitigen Willen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten. Der Gesetzgeber wollte dem ausländischen Ehegatten eines Schweizer Bürgers die erleichterte Einbürgerung ermöglichen, um die Einheit des Bürgerrechts der Ehegatten im Hinb lick auf ihre gemeinsame Zukunft zu fördern (vgl. Botschaft des Bundesrats zur Änderung des Bü r- gerrechtsgesetzes vom 27. August 1987, BBl 1987 III 310). Zweifel am Bestand einer stabilen ehelichen Gemeinschaft sind beispielsweise a n- gebracht, wenn kurze Zeit nach der erleichterten Einbürgerung die Tre n- nung oder die Scheidung eingeleitet wird (vgl. dazu und zum vorang e- henden BGE 135 II 161 E. 2 S. 165 mit Hinweisen), der Gesuchstel ler während der Ehe ein aussereheliches Kind zeugt (Urteil des Bundesg e- richts 1 C_27/2011 vom 21. März 2011 E. 6.4.1) oder eine Zweitehe schliesst, der Prostitution nachgeht oder sich in einer anderen Weise ver- hält, die in grobem Widerspruch steht zum traditionellen Bild der Ehe als einer ungeteilten, von Treue und Beist and getragenen Geschlechterge- meinschaft zwischen Mann und Frau (vgl. Urteil des Bundesverwaltungs- gerichts C-3912/2008 vom 8. Juni 2009 E.3.2 mit Hinweisen). 4. 4.1 Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung des Heimatka n- tons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsc he Angaben oder Ve r- heimlichung erheblicher Tatsachen "erschlichen" (Art. 41 Abs. 1 BüG), d.h. mit einem unlauteren und täuschenden Verhalten erwirkt wurde. Ar g- list im Sinne des strafrechtlichen Betrugstatbestandes ist nicht erforde r-C-476/2012 Seite 6 lich. Es genügt, dass der Betroffene bewusst falsche Angaben macht bzw. die mit dem Einbürgerungsbegehren befasste Behörde bewusst in einem falschen Glauben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen zu haben, über eine erhebliche Tatsache zu informieren (vgl. BGE 13 5 II 161 E. 2 S. 164 f. mit Hinweisen). 4.2 Weiss der Betroffene, dass die Voraussetzungen für die erleichterte Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so muss er die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung in seinen Ver hältnissen orientieren, von der er weiss oder wissen muss, dass sie einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem Grundsatz von Treu und Glauben und aus der verfahrensrechtli- chen Mitwirkungspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde darf sich ihrerseits darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei passivem Verhalten des Gesuchstellers nach wie vor der Wirklichkeit entsprechen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.). 4.3 Die Täuschungshandlung des Gesuchstellers muss sich auf einen er- heblichen Sachverhalt beziehen. Erheblich im Sinne von Art. 41 Abs. 1 BüG ist ein Sachverhalt nic ht nur, wenn seine pflicht gemässe Offenl e- gung dazu geführt hätte, dass die mit der Einbürgerung befasste Behörde das Vorliegen einer Einbürgerungsvoraussetzung verneint und die Ei n- bürgerung verweigert hätte. Es genügt, wenn der Sachverhalt, wäre er der Behörde bekannt gewesen, begründete Zweifel am Vorliegen einer solchen Voraussetzung geweckt und die Einbürgerung ernsthaft in Frage gestellt hätte bzw. eine solche nicht ohne weitere Beweismassnahmen hätte verfügt werden können (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-5696/2008 vom 2. Mai 2011 E. 5.3 mit Hinweisen). 4.4 Gemäss Art. 41 Abs. 1 bis BüG, in Kraft seit 1. März 2011, muss die Nichtigerklärung innert zweier Jahre ab Kenntnisnahme vom rechtserheb- lichen Sachverhalt erfolgen, spätestens jedoch acht Jahre nach Erwerb des Schweizer Bürgerrechts. Zuvor galt nach Art. 41 Abs. 1 BüG in seiner ursprünglichen Fassung (AS 1952 10 87) eine einheitlich e Frist von fünf Jahren ab Einbürgerung. Die Rechtsänderung erfolgte ohne eine spezif i- sche übergangsrechtliche Ordnung. Auf der Grundlage allgemeiner übe r- gangsrechtlicher Grundsätze sind daher alle Einbürgerungsfälle, in denen nicht die altrechtliche fünfjährige Verwirkungsfrist vor Inkrafttreten des neuen Rechts abgelaufen ist, dem neuen Recht zu unterwerfen. Dabei ist die unter altem Recht abgelaufene Zeit an die absolute, achtjährige Frist anzurechnen. Was die relative zweijährige Fri st anbetrifft, so kann sie als C-476/2012 Seite 7 Neuerung ohne Gegenstück im alten Recht frühestens auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Rechts zu laufen beginnen (vgl. dazu BGE 134 V 353 E. 3.2 S. 356 f. mit Hinweisen). 5. In der vorliegenden Streitsache sind die f ormellen Voraussetzungen des Art. 41 Abs. 1 und Abs. 1 bis BüG erfüllt. Die von Abs. 1 geforderte Zu- stimmung des Heimatkantons liegt vor und die relative zweijährige sowie die absolute achtjährige Frist des Abs. 1bis wurden gewahrt. 6. Zu den materiellen Vora ussetzungen der Nichtigerklärung ist Folgendes zu bemerken: 6.1 Die vorliegende Streitsache ist so geartet, dass die Chronologie der Ereignisse keine besonderen Schlüsse auf den Zustand der ehelichen Beziehung zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürge rung zuläs st. Dafür ist der zeitliche Abstand von drei Jahren zwischen der am 5. Januar 2007 erfolgten erleichterten Einbürgerung des Beschwerdeführers und dem vom Dezember 20 09 bzw. Januar 20 10 datierten Scheidungsbegehren der Ehegatten zu gross. Auch wenn die näheren Umstände , wie sie sich aus den Akten ergeben bzw. von den geschiedenen Ehegatten behauptet werden, durchaus Fragen aufwerfen mögen (etwa der ausserordentlich grosser Altersunterschied zwischen den Ehegatten oder die ungewöhn- lich "Grossmütigkeit" der Ehefrau, als sie von den verborgenen Wü n- schen des Beschwerdeführers erfuhr), kann die Hypothese nicht als l e- bensfremd verworfen werden, beim Beschwerdeführer sei während di e- ser Zeit tatsächlich, wie behauptet, ein Kinderwunsch entstanden und gewachsen, den er zuvor nicht gehabt hätte und dem seine schweizer i- sche Ehefrau altersbedingt nicht habe entsprechen können, sodass die zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung noch intakte Ehe schlies s- lich an der Änderung der Lebensprioritäten gescheitert sei. 6.2 Allerdings ist den Akten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatland an 2. August 2005 die Ehe mit einer Landsfrau ei n- ging und mit ihr bis zur Scheidung am 4. Februar 2009 verheiratet war. Diese parallel zu seiner schweizerischen Ehe bestehende Beziehung leg- te er i m Verfahren auf erleichterte Einbürgerung nicht offen . Zu seiner Verteidigung macht der Beschwerdeführer geltend, in Pakistan sei kein rechtswirksamer Eheschluss zustande gekommen, weshalb er auch ke i- nen Anlass gehabt habe, dazu irgendwelche Aussagen zu machen. Ta t-C-476/2012 Seite 8 sächlich sei die Ehe von seinen Eltern und den Eltern der Braut arrangiert worden, ohne dass er dazu jemals seine Zustimmung erteilt hätte. Weder er noch seine Braut seien an der Heiratszeremonie persön lich anwesend gewesen, und schriftliche Dokumente zum Heiratsakt bestünden nicht. In der Folge habe er nie mit seiner pakistanischen Ehefrau zusammengelebt und seine Beziehung zur schweizerischen Ehefrau sei von der pakistan i- schen Ehe nicht beeinträchtigt gewesen. Er beruft sich auf die Aussagen seiner geschiedenen Ehefrau anlässlich ihrer Einvernahme, wonach die Ehe erzwungen gewesen sei, da die Eltern die Kinder einander verspr o- chen hätten und er davon überrascht worden sei. 6.3 Dem Beschwerdeführer ist entgegenzuhalten, dass er das Urteil da r- über, ob die pakistanische Zweitehe seiner Einbürgerung entgegensteht, den schweizerischen Behörden hätte überlassen müssen. Er hätte es nicht bei einer eigenen Bewertung der rechtlichen Wirksamkeit dieser Ehe bewenden lassen dürfen. Dass er spezifische rechtliche Überlegun- gen angestellt hätte, ist ohnehin unglaubwürdig. Nicht nur ist er jurist i- scher Laie und waren die Vorgänge in Pakistan für ihn von grosser prakti- scher Tragweite, wie seinen eigenen Angaben in der persönlich verfass- ten Stellungnahme vom 16. Dezember 2011 und vor allem auch denen seiner schweizerischen Ehefrau anlässlich ihrer Einvernahme vom 8. No- vember 2011 entnommen werden kann . Die Ausführungen des B e- schwerdeführers stehen darüber hinaus im Widerspruch zur Tatsache, dass er die angeblich von Anfang an unwirksame Ehe erst dreieinhalb Jahre später durch Scheidung auflöste und dass er dabei offensichtlich keine Widerstände seiner Verwandtschaft oder der Verwandtschaft seiner pakistanischen Ehefrau überwind en musste. Sie stehen auch im Wider- spruch zu einem pakistanischen Dokument, das er persönlich zuhanden des kantonalen Familiennachzugsverfahrens produzierte und zu dem er wohlweislich jede Stellungnahme vermeidet. In diesem Dokument, einem "Divorce Deed", datiert vom 29. März 2011, bestätigt der Beschwer - deführer den aus seiner Sicht angeblich rechtlich nicht existenten Eheschluss, stellt fest, dass aus der Ehe keine Kinder hervorgegangen seien, und erläutert, dass aufgrund fehlenden Verständnisses nach eini- ger Zeit Probleme zwischen den Eheleuten entstanden seien, die ein wei- teres Zusammenleben verunmöglich hätten. In der Folge habe er, der Be- schwerdeführer, die dreifache Scheidungsformel ausgesprochen, womit die Ehe aufgelöst worden sei . Dazu passt, dass gemäss den in Pakistan getätigten Abklärungen dieser Eheschluss des Beschwerdeführers von seiner heimatlichen Dorfgemeinschaft ohne weiteres als gültig anerkannt wurde. C-476/2012 Seite 9 6.4 Bei dieser Sachlage müssen die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Gründen, die ih n bewogen haben, die pakistanische Ehe im Ei n- bürgerungsverfahren nicht zu erwähnen, als klare Schutzbehauptungen bewertet werden. Es ist entgegen seinen Beteuerungen davon auszuge- hen, dass er den schweizerischen Behörden die in Pakistan geschloss e- ne Ehe bewusst verheimlichte, um seine anstehende erleichterte Einbür- gerung nicht zu gefährden. Der Beschwerdeführer beantragt zu diesem Thema zwar eine persönliche Befragung. Dazu besteht jedoch kein hi n- reichender Anlass. Zum einen besteht kein Anspruch auf mün dliche An- hörung (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148) . Parteivorbringen sind grund- sätzlich in Schriftform in das Rechtsmittelver fahren einzubringen ( vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 65 und 201 ). Dazu hatte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter hinre i- chend Gelegenheit. Zum anderen ist die Beweislage klar, sodass in ant i- zipierter Beweiswürdigung von weiteren Beweiserhebungen ohne Verlet- zung des rechtlichen Gehörs abgesehen werden kann (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f. mit Hinweisen). Da es sich bei der Zweitehe um einen Sach- verhalt handelt, die eine erleichterten Einbürgerung verhindert oder z u- mindest bis zum Abschluss weiterer Beweiserhebungen hinausgezögert hätte, er daher erheblich war (vgl. oben Ziff. 3.2 und 4.3), setzte der Be- schwerdeführer durch die unterlassene Aufklärung der schweizerischen Behörden den Nichtigkeitsgrund des Erschleichens im Sinne von Art. 41 Abs. 1 BüG . Gründe, die es ermessensweise rechtfertigen würden, auf die Rechtsfolge der Nichtigerklärung trot z Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen zu verzichten, sind nach dem definitiven Scheitern der Ehe des Beschwerdeführers mit der Schweizer Bürgerin keine ersichtlich. 7. Abschliessend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung ist im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird der unterliegende B e- schwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskos- ten sind auf Fr. 1'200. - festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]). C-476/2012 Seite 10 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.- werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (…) – die Vorinstanz (…) – Dipartimento delle istituzioni, Divisione degli interni, Sezione della p o- polazione, Casella postale 2170, 6501 Bellinzona – das Migrationsamt des Kanton Thurgau (…) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Julius Longauer C-476/2012 Seite 11 Rechtsmittelbelehrung: Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun- desgericht, 1000 Lausanne 14 , Beschwerde in öffentlich -rechtlichen An- gelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesg e- richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rech tsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren B e- gründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthal ten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: