Seite 1 Entscheid vom 7. April 2017 (510 16 96) __________________________________________________ ___________________ Aufrechnung von Debitorenforderungen und einer Vermittlungsprovision Besetzung Steuergerichtspräsident C. Baader, Steuer richter M. Zeller, Steuerrich- terin M. Elbert, P. Salathe, S. Schmid, Gerichtsschreiberin I. Wissler Parteien A.____ AG Rekurrentin gegen Steuerverwaltung des Kantons Basel -Landschaft , Rheinstrasse 33 , 4410 Liestal, Rekursgegnerin betreffend Staatssteuer 2014 Seite 2 Sachverhalt: 1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2014 vom 25. August 2016 wurde die Pflichtige zu einem steuerbaren Ertrag von Fr. 375‘238.-- veranlagt. 2. Mit Schreiben vom 19. September 2016 erhob der Ve rtreter der Pflichtigen Einsprache und begehrte, die Abgrenzung von Fr. 90‘000.-- sowie die doppelte Besteuerung der Vermitt- lungsprovision von Fr. 50‘000.-- sei zu unterlassen. Zur Begründung führte er aus, zum Zeit- punkt des Abschlusses seien die finanziellen Verhältnisse d es Gläubigers derart schlecht ge- wesen, dass die Aktivierung der Fr. 90‘000.-- unverantwo rtlich gewesen wäre. Im Falle einer Aktivierung hätte gemäss der Revisionsstelle eine Einzelwert berichtigung in voller Höhe vorge- nommen werden müssen, weshalb keine Abgrenzung erfolgen dürfe. Hinsichtlich der Vermitt- lungsprovision von Fr. 50‘000.-- führte er aus, es könn e nicht sein, dass das gleiche Einkom- men einmal in B.____ und im Kanton Basellandschaft versteuert werden müsse. 3. Mit Einsprache-Entscheid vom 9. November 2016 wies di e Steuerverwaltung die Ein- sprache ab. Zur Begründung führte sie aus, es seien Rechnu ngen in Höhe von Fr. 16‘200.-- sowie Fr. 81‘000.-- nicht verbucht worden. Die Rechnunge n seien allesamt im Jahre 2015 voll- ständig beglichen worden. Im Zeitpunkt der Erstellung des Jahresabschlusses habe es bekannt sein müssen, dass die Rechnungen bezahlt worden seien. Ein e vollständige Einzelwertberichti- gung sei erst nach einem angemessenen Zeitraum und ents prechend erfolglosen Bemühungen des Gläubigers vorzunehmen. Für die Ertragssteuer sei der Betrag ohne Mehrwertsteuer in Hö- he von Fr. 90‘000.-- relevant. Die Einsprache diesbezü glich sei aufgrund der unvollständigen Bilanzierung bzw. geschäftsmässig nicht begründeten Einzelwertberichtigung abzuweisen. Was die Vermittlungsprovision an die C.____ betreffe, sei a nlässlich der Buchprüfung festgestellt und im Revisionsbericht festgehalten worden, dass es sich um eine objektiv nicht erbringbare oder fiktive Leistung handle, da die in der Rechnung vo m 31. Dezember 2014 aufgeführten Mandate bereits im Jahre 2013 bestanden und Frau D.__ __ erst seit Dezember 2014 für die C.____ AG tätig gewesen sei. An der A.____ AG sei Frau E.____ (vormals D.____) per 31. De- zember 2014 zu 66% kapitalmässig beteiligt. An der C.____ AG sei Frau E.____ ab dem 1. De- zember 2014 als einzige zeichnungsberechtigte Verwaltungsr ätin eingetragen und per 31. De- zember 2014 zu 100% beteiligt. Es handle sich somit bei d er A.____ AG und der C.____ AG um Schwestergesellschaften. Werde ein fiktiver Aufwand gegenüber einer Schwestergesell- Seite 3 schaft verbucht, handle es sich gemäss der Dreieckstheorie u m eine geldwerte Leistung ge- genüber der gemeinsamen Aktionärin (hier Frau E.____). 4. Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob der Vertre ter der Pflichtigen mit Schreiben vom 7. Dezember 2016 Rekurs mit dem sinngemässen Begehre n, auf die Aufrechnung der Be- träge in Höhe von Fr. 90‘000.-- betreffend Guthaben sowie die Vermittlungsprovision von Fr. 50‘000.-- sei zu verzichten. Zur Begründung führte er aus, der Mitarbeiter Herr D.____ (CEO bei F.____) sei über die katastrophalen finanziellen Verh ältnisse bei F.____ bestens informiert ge- wesen. Es spiele keine Rolle, ob doch noch bezahlt worden sei, da es um die zeitliche Betrach- tung (per 31.12.2014) gehe. Hinsichtlich der Vermittlungsprovision werde unterstellt, dass diese fiktiv gewesen sei. Richtig sei, dass Frau E.____ die C.____ AG Ende 2014 gekauft habe und in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der G.____ AG von d er A.____ AG einen Auftrag gehabt habe, neue Mandate zu suchen. Gefunden worden sei F._ ___ und, da die A.____ AG nur eine Provision nach einer Mindestlaufzeit von einem Jahr zahle , sei diese Ende 2014 fällig gewor- den. Ob es widerrechtlich sei das Frau E.____ die Provisio n auf die C.____ AG anstatt auf die G.____ AG habe einzahlen lassen, könne nicht beurteilt werden. Da die Steuerverwaltung des Kantons B.____ mitgeteilt habe, dass die Veranlagung der C.____ nicht beanstandet werde und somit von ihnen keine Rückzahlung zu erwarten sei, sei ma n nicht bereit dieses Geld nochmals zu versteuern. 5. Mit Vernehmlassung vom 22. Februar 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei- sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie u.a. aus, in der Buchhaltung 2014 der A.____ AG seien die der F.____ AG von Januar bis Juni 2014 in Rechnung gestellten Mandatshonora- re über total Fr. 86'650.-- normal verbucht worden. Die für das 2. Semester 2014 in Rechnung gestellten Mandatshonorare seien hingegen im Abschluss 2 014 nicht erfasst und somit nicht periodengerecht abgegrenzt worden. Ein Nachweis für fi nanzielle Schwierigkeiten der F.____ AG sei nicht erbracht worden. Ebenso erscheine die Erfüllung der Forderung nicht als unsicher, da die Rechnungen vollständig beglichen worden seien. Im Zeitpunkt der Erstellung der Bilanz und Erfolgsrechnung (25. September 2015) bzw. Abgabe der Steuererklärung (30. September 2015) sei bereits bekannt gewesen, dass die Forderunge n beglichen worden seien. Am 1. De- zember 2014 habe Frau E.____ die C.____ AG übernomme n. Bei der A.____ AG handle es sich um eine Schwestergesellschaft der C.____, da Frau E .____ auch Miteigentümerin der A.____ AG sei. Die Rechnungen der A.____ AG würden sich auf einen Mandatsvertrag vom 26. Seite 4 März 2014 beziehen. Zu diesem Zeitpunkt sei die C.____ AG noch gar nicht unter der Führung von Frau E.____ gestanden. Ebenso fehle der Nachweis, dass die in Rechnung gestellten Leis- tungen überhaupt von der C.____ AG erbracht worden s eien. Vielmehr erscheine es als wahr- scheinlich, dass das Mandat (fiktiv) über die C.____ abgewi ckelt werde. Daher sei der Aufwand als geschäftsmässig nicht begründet aufzurechnen. 6. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Das Steuergericht zieht in Erwägung: 1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu- ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurt eilung des vorliegenden Rekurses zu- ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstritt ener Steuerbetrag wie im vor- liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stell enden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten. 2. Der Beurteilung unterliegt vorliegend, ob die Ste uerverwaltung der Pflichtigen zu Recht nicht verbuchte Debitorenforderungen in Höhe von Fr. 90‘000.-- sowie eine Vermittlungsprovisi- on in Höhe von Fr. 50‘000.-- zum steuerbaren Gewinn aufgerechnet hat. a) Die Buchführung bildet nach Art. 957a des Bundesg esetzes betreffend die Er- gänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1911 (OR) die Grundlage der Rechnungslegung. Sie erfa sst diejenigen Geschäftsvorfälle und Sachverhalte, die für die Darstellung der Vermögens-, Finanzierungs- und Ertragslage des Un- ternehmens (wirtschaftliche Lage) notwendig sind. Sie folgt den Grundsätzen ordnungsmässiger Buchführun g. Namentlich sind zu beachten: 1. die vollständige, wahrheitsgetreue und systematische Erfassung der Geschäftsvor- Seite 5 fälle und Sachverhalte; 2. der Belegnachweis für die einzelnen Buchungsvorgänge; 3. die Klar- heit; 4. die Zweckmässigkeit mit Blick auf die Art und Grö sse des Unternehmens; 5. die Nach- prüfbarkeit (Abs. 2). b) Für die Rechnungslegung sind nach Art. 958c Abs. 1 OR insbesondere die fol- genden Grundsätze massgebend: 1. Sie muss klar und verstä ndlich sein. 2. Sie muss voll- ständig sein. 3. Sie muss verlässlich sein. 4. Sie muss das Wesentliche enthalten. 5. Sie muss vorsichtig sein. 6. Es sind bei der Darstellung und der B ewertung stets die gleichen Massstäbe zu verwenden. 7. Aktiven und Passiven sowie Aufwand und Er trag dürfen nicht miteinander verrechnet werden. c) Aufwände und Erträge müssen nach Art. 958b Abs. 1 OR voneinander in zeitli- cher und sachlicher Hinsicht abgegrenzt werden. Mit der zeitlichen Abgrenzung soll sichergestellt werd en, dass ungeachtet der Geldflüsse die Aufwendungen und Erträge periodengerec ht zugeordnet werden. Aufwände und Erträge, die zeitraumbezogen anfallen (z.B. Erträge u nd Aufwendungen aus Mieten, Zinsen, Lizenzen, Serviceverträgen, Provisionen usw.), sind in der Leistungsperiode zu erfassen (HWP, Buchführung und Rechnungslegung, 43; Boemle/Lutz, 129; Böckli, Aktienrecht, § 8 Rz 181). Als Beispiel dient eine monatliche, nachschüssig zu bezahlend e Miete für eine Geschäftsliegen- schaft. Der Mieter erfasst den Mietaufwand im Dezember des vergangenen Kalenderjahres und bezahlt den geschuldeten Betrag im Januar des Folgejahres. Die sachliche Abgrenzung verlangt, dass der für die Er zielung des Ertrages an- fallende Aufwand in derselben Periode erfasst wird. D ieses Prinzip wird auch als „Matching of Cost and Revenue“ bezeichnet (HWP, Buchführung und Re chnungslegung, 43; Boemle/Lutz, 130; Böckli, Aktienrecht, § 8 Rz 182). Als Beispiel dient der Verkauf von Gütern aus dem Vor- ratsvermögen. Der Verkäufer erfasst den Nettoerlös aus Li eferung und Leistung auf der Basis der gelieferten und vom Käufer erhaltenen Güter. Gle ichzeitig erfasst der Verkäufer den Wa- renaufwand, der durch den Abgang der gelagerten Güte r aus dem Warenlager entsteht. Die zeitliche und sachliche Abgrenzung wird ggf. durch das in engem Zusammenhang mit dem Vor- sichtsprinzip stehende Imparitätsprinzip (vgl. Art. 958c Ab s. 1 Ziff. 5) durchbrochen. Danach erfolgt eine Ungleichbehandlung von erwarteten Gewin nen und Verlusten. Erträge und insb. Gewinne dürfen erst dann erfasst werden, wenn sie als realisiert betrachtet werden können. Hingegen sind erwartete Verluste bzw. Aufwände sofort zu erfassen, wenn sie erkennbar wer- den (BSK OR II - Neuhaus/Suter, Art. 958b N 4). Seite 6 3. a) Für die steuerrechtliche Gewinnermittlung jurist ischer Personen wird gemäss Art. 58 Abs. 1 lit. a DBG explizit und gemäss Art. 24 Abs. 1 StHG implizit auf die handelsrechtliche Bilanz und Erfolgsrechnung abgestellt, woraus der Grund satz der Massgeblichkeit der Han- delsbilanz zunächst für den Bereich der Besteuerung der juristischen Personen abgeleitet wer- den kann. Das Steuerrecht kennt keine eigenen Rechnungslegungsvorschriften, weshalb es auf die handelsrechtlichen Vorschriften, insbesondere auf di e allgemeinen Rechnungslegungsbe- stimmungen des Obligationenrechts abstellt. Um den unterschiedlichen Zielen der steuerrechtli- chen Gewinnermittlung gegenüber der handelsrechtlichen Gewinnermittlung Rechnung zu tra- gen, wird sodann der handelsrechtlich korrekt ausgewiesen e Saldo der Erfolgsrechnung durch steuerliche Korrekturen (Art. 58 Abs. 1 DBG und Art. 2 4 Abs. 1 StHG) punktuell verändert. (vgl. von Ah, Die Besteuerung Selbständigerwerbender, Zürich/Basel/Genf 2011, S. 70). b) Die Gewinnermittlung erfolgt nach Massgabe steuerre chtlicher Bewertungsprin- zipien. Der handelsrechtliche Erfolg wird allenfalls ber ichtigt um steuerlich nicht zulässige Auf- wendungen z.B. um geschäftsmässig nicht begründete Aufwen dungen oder um übermässige Wertberichtigungen. Aus steuerlicher Sicht überhöhte Wer tberichtigungen sind recht häufig; sie entstehen aus den unterschiedlich angesetzten Bewertun gsgrenzen von Handelsrecht und Steuerrecht (Treuhand Kammer [Hrsg.], Schweizer Handb uch der Wirtschaftsprüfung, Bd. 1, Zürich 2009, Ziff. 10.2.3). Die Anknüpfung der schweizerischen Steuerpraxis an die handelsrechtliche Bi- lanz, welche auch steuerrechtlich verbindlich ist (Massgebli chkeitsprinzip der Handelsbilanz), sofern bei deren Errichtung nicht gegen zwingende Bestim mungen des Handelsrechts verstos- sen wurde und sofern nicht spezielle steuerrechtliche Vo rschriften für die Gewinnermittlung zu beachten sind, wirkt sich für den Steuerpflichtigen auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht aus: Der Steuerpflichtige muss sich nach diesen Vorschriften grundsätzlich bei der von ihm in seinen ordnungsgemäss geführten Büchern erscheinenden Darstellun g der Vermögenslage und des Jahresergebnisses behaften lassen (vgl. BGE Nr. 2C_515/201 0 vom 13. September 2010, E. 2.2). c) Im Zusammenhang mit der zeitlichen Zuordnung von Auf wand und Ertrag stützt sich das Bundesgericht jeweils auf das Periodizitätsprinzi p im Sinne einer steuerrechtlichen Korrekturvorschrift. Nach dem Periodizitätsprinzip sind Au fwand und Ertrag „periodengerecht“ zuzuweisen, insbesondere sind Aufwendungen in zeitlicher Hi nsicht den entsprechenden Erträ- gen zuzuordnen. Ausgaben, die Erträge späterer Perio den generieren, müssen aktiviert und Ausgaben späterer Perioden, die Erträgen der Bericht speriode zuzurechnen sind, passiviert Seite 7 werden. Um diesen Forderungen Nachachtung zu verschaffe n, bedarf es allerdings keiner Kor- rekturvorschrift, denn sie ergeben sich bereits aus den Gr undsätzen ordnungsmässiger Buch- führung (Reich, Steuerrecht, 2. A. § 15 N84; vgl. auch Entscheid des Steuergerichts [StGE] 510 2014 33 vom 3. Oktober 2014, E. 3c, www.bl.ch/steuergericht ). So führt das Bundesgericht in seinem Urteil vom 9. A ugust 2011 denn aus, es dürfen also nicht nach freiem Belieben die Ergebnisse d er Geschäftsperioden untereinander ausgeglichen werden, indem diejenigen einer Periode zugunsten oder zulasten einer andern vermindert oder erhöht werden. Dasselbe ergibt sich aus d en handelsrechtlichen Buchhal- tungsvorschriften, in deren Rahmen das Prinzip unter der Bezeichnung "umfassender Periodi- sierungsgrundsatz" und im Einklang mit dem Realisierungsgr undsatz in dem Sinne gilt, dass sämtliche Ertrags- und Kostenelemente, die in eine besti mmte Buchhaltungsperiode fallen, die- ser Periode auch tatsächlich zuzuschreiben sind. Weiter hält es fest, der Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit darf also nicht in dem Sinne verstande n werden, dass es dem Pflichtigen freigestellt wäre, den steuerbaren Ertrag nach seinem individuellen und subjektiven Gutdünken zu bestimmen. Genauso wenig kann das sog. Totalgewinnpr inzip systematisch über den Perio- dizitätsgrundsatz gestellt werden; der Gesetzgeber ha t dieses Prinzip nur insoweit berücksich- tigt, als er die Verrechnung von Verlustvorträgen unter den Voraussetzungen von Art. 67 DBG zugelassen hat (vgl. BGE Nr. 2C_429/2010 vom 9. August 2011, E. 2.1). d) In Bezug auf die Beweislast ist schliesslich festzuhal ten, dass der Nachweis für steuerbegründende Tatsachen der Steuerbehörde, der Be weis für steueraufhebende oder steuermindernde Tatsachen grundsätzlich aber dem Steue rpflichtigen obliegt; dieser hat steu- ermindernde Tatsachen nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 140 II 248, E. 3.5; Blumenstein/Lo cher, System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl., Zürich 2016, S. 519; vgl. auch Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steu- erverfahrensrecht, § 19 Rz. 8ff.). 4. Gemäss dem Revisionsbericht Nr. 2016-180 vom 21. Jul i 2016 hat die A.____ AG am 28. Juli 2014 und am 4. Dezember 2014 für erbrachte Leistungen betreffend das Jahr 2014 ge- genüber der Firma F.____ AG insgesamt Fr. 90‘000.-- f akturiert. Diese Debitorenforderungen sind nicht verbucht worden. Die Steuerpflichtige beru ft sich nun in Bezug auf das Steuerjahr 2014 einerseits auf das Massgeblichkeitsprinzip und ander erseits darauf, dass diese Forderun- Seite 8 gen am Bilanzstichtag nicht werthaltig gewesen seien und die Revisionsstelle deshalb auf eine vollständige Wertberichtigung gedrängt habe. a) Wertberichtigungen sind Korrekturposten zu Aktiven fü r bereits eingetretene Entwertung oder zu erwartende Vermögenseinbussen zwecks Einhaltung der Bewertungs- vorschriften. Wertberichtigungen können - allerdings ehe r selten - auch Korrekturbeträge zu Passivposten darstellen. Wertberichtigungen kommen, da sich die Bewertungsvorgänge auf die gesamte Bilanz beziehen, nahezu für alle Aktiven vor. Au snahmen dazu bilden Kassabestände in Schweizer Franken und Berichtigungsposten zur Passivse ite einschliesslich eines als Akti- vum ausgewiesenen Bilanzverlusts. Das Delkredere weist eine Besonderheit auf: In der P raxis ist das Delkredere vielfach Wertkorrektur zu verschiedenen Forderungs- und forderungsähnlichen Posten. So hat es etwa Ausfälle in den Forderungen aus Lieferungen u nd Leistungen zu decken, dann aber auch Risiken in anderen Guthaben, ferner Regressrisiken a us zedierten Forderungen oder aus weitergegebenen Wechseln und allenfalls auch Risiken au s noch nicht eingelösten Checks. Neben einzelnen konkretisierten Bewertungsrisiken hat da s Delkredere auch das allgemeine Kreditrisiko zu decken (vgl. Schweizer Handbuch der Wirtsc haftsprüfung, Bd. 1, Treuhand Kammer [Hrsg.], Zürich 2009, Ziff. 6.19). b) Grundsätzlich sind Debitoren-Fakturen zunächst in der Buchhaltung vollständig zu erfassen. Notwendige Wertbeeinträchtigungen wären e rst anschliessend bei der Fest- setzung des Delkredere zu berücksichtigen. Die Nichterfassung d ieser Fakturen hat zur Folge, dass die Grundsätze „Vollständigkeit“ und „Periodenabgren zung“ nicht eingehalten sind und die Steuerverwaltung berechtigt ist, derartige Abweichung en fallweise zu prüfen und allenfalls in Abweichung zur Jahresrechnung richtig zu stellen. Die Re vision der Steuerverwaltung hat zu- dem ergeben, dass die in der Buchhaltung nicht erfasste Rechnung vom 28. Juli 2014 über Fr. 16'200.-- (netto Fr. 15'000.--) bereits am 11. Febru ar 2015 beglichen worden ist. Die Faktura vom 4. Dezember 2014 über Fr. 81'000.-- (netto Fr. 7 5'000.--) ist mittels Teilzahlungen vom 2. April 2015, 19. Mai 2015 sowie 4. September 2015 eb enfalls beglichen worden. Die Behaup- tung, es sei aus handelsrechtlichen Gründen notwendig g ewesen, dass diese Forderungen vollumfänglich im Wert zu berichtigen seien, ist angesicht s der recht zeitnahen Zahlungen vom 11. Februar 2015 und vom 2. April 2015 nicht haltbar. Zudem datieren die Steuererklärung und der Jahresabschluss vom 25. September 2015 (Abgabe am 30. September 2015), womit davon auszugehen ist, dass diese auch erst zu diesem Zeitpunkt erste llt worden ist. Damit hatte die Pflichtige volle Kenntnis darüber, dass alle Zahlungen geleistet worden sind und es diesbezüg- Seite 9 lich weder einer Wertberichtigung noch eines Delkredere s bedurfte. In Anbetracht dieser Sach- lage ist die steuerliche Aufrechnung zwecks Umsetzung des auch im Steuerrecht massgeben- den Periodizitätsprinzips gerechtfertigt. Aus den bisherig en Erwägungen folgt, dass der Rekurs in diesem Punkt abzuweisen ist. 5. Im Weiteren ist zu untersuchen, ob die Aufrechnung der Vermittlungsprovision in Höhe von Fr. 50‘000.-- zum steuerbaren Gewinn der A.____ AG zu Recht erfolgt ist. a) Gegenstand der Ertragssteuer ist nach § 53 Abs. 1 S tG der steuerbare Reiner- trag. Dieser setzt sich zusammen aus (a) dem Saldo der E rfolgsrechnung unter Berücksichti- gung des Saldovortrages des Vorjahres; (b) allen vor Be rechnung des Saldos der Erfolgsrech- nung ausgeschiedenen Teilen des Geschäftsergebnisses, di e nicht zur Deckung geschäfts- mässig begründeter Aufwendungen verwendet werden, wie insbesondere Aufwendungen für die Herstellung, Anschaffung oder Wertvermehrung von Ge genständen des Anlagevermögens, geschäftsmässig nicht begründete Abschreibungen und Rückstellungen, Einlagen in die Reser- ven, Einzahlungen auf das Eigenkapital aus Mitteln der juristischen Person, offene und verdeck- te Gewinnausschüttungen und geschäftsmässig nicht begründet e Zuwendungen an Dritte, (c) den der Erfolgsrechnung nicht gutgeschriebenen Erträgen, mit Einschluss der Kapital-, Liquida- tions- und Aufwertungsgewinne, vorbehältlich § 32. Inha ltlich übereinstimmende Vorschriften enthalten auch Art. 24 Abs. 1 lit. a StHG sowie Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG. b) Zum steuerbaren Reingewinn gehören namentlich Zuw endungen der Gesell- schaft an die Anteilsinhaber oder ihnen nahestehende Dr itte, die einem Aussenstehenden nicht oder zumindest nicht im gleichen Mass gewährt würden. De r Grundtatbestand solcher geldwer- ter Leistungen ist nach der Rechtsprechung immer dann a nzunehmen, wenn (a) die Gesell- schaft keine oder keine gleichwertige Gegenleistung erhäl t, (b) der Aktionär direkt oder indirekt (z.B. über eine ihm nahestehende Person oder Unterne hmung) einen Vorteil erhält, der einem Dritten unter gleichen Bedingungen nicht zugebilligt w orden wäre, die Leistung also insofern ungewöhnlich ist, und (c) der Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar war (BGE 131 II 593 E. 5.1 S. 607; Urteile 2C_272/2 011 vom 5. Dezember 2011 E. 3.1 und 3.2.1; 2C_265/2009 vom 1. September 2009 E. 2.1, in : StR 64/2009 S. 915; 2A.204/2006 vom 22. Juni 2007 E. 6, in: RtiD 2008 I pag. 946; je mit Hinweisen; 2C_414/2012 vom 19.11.2012, E. 3). Seite 10 Als geldwerte Vorteile aus Beteiligungen gelten dem entsprechend alle durch Zahlung, Überweisung, Gutschrift, Verrechnung oder au f andere Weise bewirkten in Geld messbaren Leistungen, die der Inhaber gesellschaftlicher B eteiligungsrechte unter irgendeinem Titel aufgrund dieser Beteiligung von der Gesellschaft erhält und welche keine Rückzahlung der bestehenden Kapitalanteile darstellen. Dazu gehören insbesondere sog. verdeckte Gewinnaus- schüttungen, d.h. Zuwendungen der Gesellschaft, denen keine oder keine genügenden Gegen- leistungen des Anteilsinhabers entsprechen und die eine m an der Gesellschaft nicht beteiligten Dritten nicht oder nur in wesentlich geringerem Umfa ng erbracht worden wären. Das ist mit ei- nem Drittvergleich zu ergründen (sog. Prinzip des "deali ng at arm's length"), bei dem alle kon- kreten Umstände des abgeschlossenen Geschäfts zu berücksichtigen sind (vgl. BGE 138 II 57, E. 2.2). Als Indizien, die dafür sprechen, dass ein Drit ter einen Kredit nicht gewährt hätte und damit ein simuliertes Darlehensverhältnis vorliegt, fall en diverse Kriterien in Betracht (vgl. BGE 138 II 57 E. 3.2 S. 60 f. mit umfassenden Hinweisen au f Rechtsprechung und Literatur; BGE A.124/1982 vom 25. November 1983 E. 3 ff., in: ASA 5 3 S. 54 ff., 58 ff.; vgl. BGE 2C_1023/2013 vom 8. Juli 2014 E. 3.4). c) Die verdeckten Gewinnausschüttungen bzw. geldwerten Lei stungen unterliegen der Gewinnsteuer der Kapitalgesellschaft, der Einkommen ssteuer beim Anteilsinhaber sowie der Verrechnungssteuer, die von Inländern zurückgeford ert werden kann. Die Terminologie ist in dem Sinne uneinheitlich, als dass das Bundesgericht e rsteren Anfang der 90-er Jahre zwar weitgehend aufgegeben hat, diesen aber verschiedentlich noch verwendet und auch das Recht der direkten Bundessteuer den Begriff der verdeckten Gewi nnausschüttung kennt (vgl. Reto Heuberger, Die verdeckte Gewinnausschüttung aus Sicht des Aktienrechts und des Gewinn- steuerrechts, Diss. Bern 2001, S. 2). Eine verdeckte Gewin nausschüttung findet in erster Linie statt, wenn die Unternehmung Privataufwand (Lebenshaltungskosten) des Anteilsinhabers usw. aus eigenen Mitteln deckt und diesen als geschäftlichen Auf wand verbucht oder wenn sie Ge- schäftsvermögen für Privatzwecke zur Verfügung stellt. Dazu gehört auch die Belastung von Aufwand dessen Empfänger und Leistungsgrund nicht bekann t sind. Die häufigste Form der verdeckten Gewinnausschüttung besteht darin, dass die Kapi talunternehmung aufgrund eines Rechtsgeschäfts (z.B. Arbeits-, Darlehens-, Mietvertrag usw.) an Anteilsinhaber oder naheste- hende Personen zulasten eines Aufwandkontos Leistungen erbringt (z.B. Lohn, Zins), welche im Verhältnis zu der von ihnen erbrachten Gegenleistung offensichtlich übersetzt sind. Das ist dann der Fall, wenn die Leistung der Kapitalunterneh mung höher ist als jene, die sie einem un- beteiligten Dritten in jedem Fall höchstens zugestanden hätte (maximales marktkonformes Ent- Seite 11 gelt) (vgl. Höhn/Waldburger, Steuerrecht Band 1, 9. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 2001, § 18 N 106). d) Auch im Bereich der geldwerten Leistungen gilt d ie Grundregel, dass die Steuer- behörde die Beweislast für steuerbegründende und -erhö hende Tatsachen trägt, die steuer- pflichtige Gesellschaft dagegen diejenige für all das, was die Steuer aufhebt oder mindert. Der Behörde obliegt insbesondere der Nachweis dafür, dass die Gesellschaft eine Leistung erbracht hat und dieser keine oder keine angemessene Gegenleistung gegenübersteht. Hat die Behörde ein solches Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistun g dargetan, so ist es Sache der steuerpflichtigen Gesellschaft, die damit begründete V ermutung zu entkräften. Gelingt ihr das nicht, trägt sie die Folgen der Beweislosigkeit. Das gilt insbesondere dann, wenn sie Zahlungen leistet, die weder buchhalterisch erfasst noch belegt sin d (zum Ganzen vgl. BGE 2C_414/2012 vom 19. November 2012; vgl. auch Reich, Steuerrecht, 2. A. § 13 N 113ff.). 6. a) Sowohl der Vertreter Herr D.____, welcher Mit arbeiter der A.____ AG ist, als auch die Tochter E.____ sind Aktionäre der A.____ AG . Einzige Verwaltungsrätin der C.____ AG, welche der A.____ AG eine Vermittlungsprovision i n Höhe von Fr. 50‘000.-- in Rechnung gestellt hat, ist die Tochter E.____. Der Vertreter f ührte in seinem Rekurs aus, dass Frau E.____ in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der G.____ AG einen Auftrag gehabt habe, neue Mandate zu suchen. Was nicht beurteilt werden könne i st, ob es widerrechtlich gewesen sei, dass Frau E.____ die Provision auf die C.____ AG anstatt auf die G.____ AG habe einzahlen lassen. b) Den Kontoblättern der Buchhaltung des Jahres 2014 der A.____ AG ist zu ent- nehmen, dass sowohl die F.____ AG als auch die H.____ AG bereits seit Januar 2014 in einer geschäftlichen Beziehung (Mandatsverhältnis) zur A.____ AG gestanden haben. Dies ergibt sich auch aus der Rechnung Nr. 20-14 der A.____ AG an di e F.____ AG vom 28. Februar 2014, aus welcher explizit hervorgeht, dass die A.____ AG ihre damaligen Leistungen aufgrund eines Mandatsvertrages vom 20. Dezember 2013 verrechnet hat. In den Akten befindet sich zudem auch ein neuer Mandatsvertrag zwischen der F.____ AG und der A.____ AG vom 26. März 2014 für die Zeit ab dem 1. April 2014. Die C.____ AG hat der A.____ AG mit Datum vom 15. Dezember 2014 eine Pro- vision von pauschal Fr. 50‘000.-- für die Vermittlung de r F.____ AG und der H.____ AG als Kunden in Rechnung gestellt, ohne irgendeinen Vermit tlungsvertrag vorzulegen. Aufgrund der Seite 12 Beweislastverteilung wäre es an der A.____ AG gewesen e ine derartige Vereinbarung vorzule- gen, was bis heute nicht erfolgt ist. Dagegen findet sich in der Rechnung der „I.____“ vo m 6. Dezember 2014 über Fr. 35‘000.-- ein Nachweis, dass die F.____ AG durch d ie „I.____“ vermittelt worden ist und nicht durch die C.____ AG. Gemäss der Belastungsanzeige der Bank J.____ ist diese Rech- nung bereits am 11. September 2014 beglichen worden. Der Vertreter der Pflichtigen führte an der heutigen Verhandlung aus, dass sowohl die I.____ als auch die C.____ AG vermittelt hätten und dafür Provisionen bezahlt worden seien. Aufgrund d er Zusammenarbeit mit Frau E.____ habe auch sie die Firma F.____ AG gekannt. Auch die I .____ habe die F.____ gekannt. Ein schriftlicher Vermittlungsvertrag liege aber nicht vor. D ie A.____ AG sei eine kleine Firma, wo- bei man häufig mündliche Abmachungen treffe. Es ist weder nachvollziehbar, dass die Tochter und ein zige Verwaltungsrätin der C.____ AG den Auftrag hatte, ein Mandat zu suchen und zu vermitteln, noch dass Frau E.____ dies in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der G.____ AG getan haben soll. Schriftliche Ver- einbarungen oder Verträge wurden keine eingereicht, w eshalb davon auszugehen ist, dass auch keine derartigen Vereinbarungen aus der betreffe nden Zeit vorliegen. Das Vorbringen, es habe mündliche Vereinbarungen gegeben, wird den Bew eisanforderungen nicht gerecht. Es erscheint zudem wenig glaubhaft, dass zwei verschiedene Fir men die gleiche Kundenbezie- hung vermitteln können. Genau diesen Sachverhalt hätte die A.____ AG hingegen darlegen und erklären müssen. Ohne weitere, stichhaltige Nachweis e dafür, dass diese Rechnung der C.____ AG über Fr. 50‘000.-- an die A.____ AG tatsä chlich geschäftsmässig begründet gewe- sen ist, ist die Schlussfolgerung der Steuerverwaltung, e s handle sich um eine geldwerte Leis- tung, nicht abwegig. Dies vor allem deshalb nicht, da die C.____ AG seit dem 1. Dezember 2014 von der Tochter des Vertreters übernommen wurde. Damit ist festzustellen, dass Organe und Aktionäre in beiden Gesellschaften identisch sind un d als nahestehend qualifiziert werden müssen, weshalb die Steuerverwaltung zu Recht eine steue rbare geldwerte Leistung ange- nommen und aufgerechnet hat. Damit erweist sich der R ekurs auch in diesem Punkt als unbe- gründet und ist abzuweisen. 7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat die Re kurrentin Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1‘500.-- zu bezahlen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]). Seite 13 Demgemäss w i r d e r k a n n t : ://: 1. Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Die Rekurrentin hat gemäss § 130 StG i.V.m. § 20 VPO die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘500.-- (inkl. Auslagen von pauschal Fr. 100.--) zu bezahlen, welche mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden. 3. Mitteilung an die Rekurrentin (1), die Gemeinde K.____ (1) und die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft (3). Gegen diesen Entscheid wurde am 28. Juli 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht (Verfahrensnummer 810 17 199) erhoben.