<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2005 101 S.444</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">444</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>101 Ausschaffungshaft; Auswirkungen einer CAT-Beschwerde</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- CAT-Beschwerde stellt ein besonderes Hindernis im Sinne von Art. 13b</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Abs. 2 ANAG dar (Erw. II/3).</b></span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">445</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft2"><b>- Im aktuellen Zeitpunkt liegt kein Haftbeendigungsgrund vor, da mit</b></span><br/> <span class="ft2"><b>dem CAT-Entscheid innert der maximal zulässigen Haftdauer gerech-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>net werden kann, sofern das Eidgenössische Justiz- und Polizei-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>departement seine Stellungnahme innert 20 Tagen einreicht. Hingegen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rechtfertigt sich eine Haftverlängerung angesichts dieser speziellen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Situation lediglich um drei Monate (II/6-7).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Präsidenten des Rekursgerichts im Ausländerrecht vom</span><br/> <span class="ft3">16. September 2005 in Sachen Migrationsamt des Kantons Aargau gegen A.E.</span><br/> <span class="ft3">betreffend Haftverlängerung/Haftentlassung (HA.2005.00044).</span><br/> <br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">II. 3. Der Gesuchsteller stützt seine Haftanordnung auf Art. 13b</span><br/> <span class="ft1">Abs. 1 lit. c und Abs. 2 ANAG. Mit Urteil vom 1. Juli 2005</span><br/> <span class="ft1">(HA.2005.00034) wurde der Haftgrund der Untertauchensgefahr als</span><br/> <span class="ft1">erfüllt betrachtet. Es besteht kein Anlass zu einer anderen Beurtei-</span><br/> <span class="ft1">lung im heutigen Zeitpunkt. Dies umso weniger als ein Ausschaf-</span><br/> <span class="ft1">fungsversuch am renitenten Verhalten des Gesuchsgegners scheiterte.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem ein Entscheid seitens des CAT (Committee against Torture)</span><br/> <span class="ft1">pendent ist und das BFM auf Empfehlung des CAT die Aussetzung</span><br/> <span class="ft1">der Ausschaffung verfügte, stehen dem Vollzug der Wegweisung be-</span><br/> <span class="ft1">sondere Hindernisse i.S.v. Art. 13b Abs. 2 ANAG entgegen. Auch</span><br/> <span class="ft1">diesbezüglich sind die Voraussetzungen für eine Haftverlängerung</span><br/> <span class="ft1">erfüllt.</span><br/> <span class="ft1">6. Gemäss Art. 13c Abs. 5 lit. a ANAG ist die Haft zu beenden,</span><br/> <span class="ft1">wenn sich erweist, dass der Vollzug der Weg- oder Ausweisung aus</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen oder tatsächlichen Gründen undurchführbar ist.</span><br/> <span class="ft1">Nachdem der Gesuchsgegner beim CAT eine Beschwerde ein-</span><br/> <span class="ft1">reichte und das BFM den Vollzug der Ausschaffung einstweilen aus-</span><br/> <span class="ft1">setzte, stellt sich die Frage, ob der Vollzug der Ausschaffung inner-</span><br/> <span class="ft1">halb der maximal möglichen Haftdauer von 9 Monaten durchgeführt</span><br/> <span class="ft1">werden kann.</span><br/> <span class="ft1">Einer Eingangsbestätigung des CAT an den Rechtsvertreter des</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsgegners vom 9. September 2005 ist zu entnehmen, dass die</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">446</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Schweiz zwei Monate Zeit hat, um sich zur Zulässigkeit der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde zu äussern und sechs Monate, um inhaltlich Stellung zu</span><br/> <span class="ft1">nehmen.</span><br/> <span class="ft1">Auf Anfrage des Migrationsamtes hin teilte der Sektionschef</span><br/> <span class="ft1">der Abteilung Asylverfahren IV des Bundesamtes für Migration nach</span><br/> <span class="ft1">Rücksprache mit dem Bundesamt für Justiz am 13. September 2005</span><br/> <span class="ft1">mit, es sei sehr schwierig, Angaben zur durchschnittlichen Verfah-</span><br/> <span class="ft1">rensdauer von Beschwerden beim CAT zu machen. Einige seien in-</span><br/> <span class="ft1">nert zweier Monate erledigt, andere dauerten Jahre.</span><br/> <span class="ft1">Auf schriftliche Anfrage des Präsidenten des Rekursgerichts an</span><br/> <span class="ft1">den Chef des Bundesamtes für Migration liess dieser mitteilen, dass</span><br/> <span class="ft1">das Bundesamt für Justiz für die Beantwortung der Beschwerden</span><br/> <span class="ft1">beim CAT zuständig sei, wobei das BFM vorgängig intern um Stel-</span><br/> <span class="ft1">lungnahme ersucht werde. Die Frage, wann die Antwort der Schweiz</span><br/> <span class="ft1">beim CAT eingehen werde, wurde nicht beantwortet. Das CAT könne</span><br/> <span class="ft1">nicht gezwungen werden, das Verfahren zu beschleunigen. Aller-</span><br/> <span class="ft1">dings könne man das CAT unter Hinweis auf die laufende Haft ersu-</span><br/> <span class="ft1">chen, das Verfahren rasch zu behandeln. Gegen die Schweiz seinen</span><br/> <span class="ft1">bislang vor dem CAT zwei Verfahren betreffend den Sudan ange-</span><br/> <span class="ft1">strebt worden. Die Beschwerden seien nach zwei Jahren bzw. nach</span><br/> <span class="ft1">einem Jahr und fünf Monaten abgewiesen worden. Bei beiden sei ein</span><br/> <span class="ft1">materieller Entscheid gefällt worden.</span><br/> <span class="ft1">Aus dem Gesagten erhellt klar, dass mit einer Rückführung des</span><br/> <span class="ft1">Gesuchsgegners in den nächsten sechs Monaten nur dann gerechnet</span><br/> <span class="ft1">werden kann, wenn die Eingabe der Schweiz an das CAT einerseits</span><br/> <span class="ft1">rasch erfolgt und wenn das CAT anderseits rasch entscheidet. Ge-</span><br/> <span class="ft1">mäss Homepage des "Office of the United Nations High Commissio-</span><br/> <span class="ft1">ner for Human Rights" tagt das CAT zwei Mal jährlich im November</span><br/> <span class="ft1">und Mai. Die nächste Sitzung findet vom 7. bis 25. November 2005</span><br/> <span class="ft1">statt (http://www.ohchr.org/english/bodies/cat/sessions.htm). Geht</span><br/> <span class="ft1">man davon aus, dass das CAT einer Verfahrensbeschleunigung zu-</span><br/> <span class="ft1">stimmt und geht man weiter davon aus, dass die Eingabe der</span><br/> <span class="ft1">Schweiz dem Beschwerdeführer mit einer kurzen Frist von 20 Tagen</span><br/> <span class="ft1">zur Stellungnahme zu unterbreiten ist, kann das CAT nur dann wäh-</span><br/> <span class="ft1">rend seiner nächsten Sitzung über die Beschwerde des Gesuchsgeg-</span><br/> <span class="ft1">ners entscheiden, wenn die zuständige Schweizer Behörde ihre Ant-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">447</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">wort an das CAT innert 20 Tagen einreicht. Nachdem das BFM be-</span><br/> <span class="ft1">reits zwei Mal über die Vollziehbarkeit der Ausschaffung befunden</span><br/> <span class="ft1">hat und dabei zwangsläufig auch eine allfällige Foltermöglichkeit be-</span><br/> <span class="ft1">urteilte, dürfte es für die zuständige Schweizer Behörde kein Prob-</span><br/> <span class="ft1">lem darstellen, die Antwort an das CAT in den nächsten 20 Tagen</span><br/> <span class="ft1">einzureichen. Reicht die zuständige Schweizer Behörde ihre Antwort</span><br/> <span class="ft1">in den nächsten 20 Tage beim CAT ein, besteht durchaus die</span><br/> <span class="ft1">Möglichkeit, dass das Verfahren durch das CAT in der Novemberses-</span><br/> <span class="ft1">sion erledigt wird. Allerdings wird das CAT für die Redaktion des</span><br/> <span class="ft1">Entscheides eine gewisse Zeit benötigen.</span><br/> <span class="ft1">Reicht die zuständige Schweizer Behörde ihre Antwort hinge-</span><br/> <span class="ft1">gen nicht innert der nächsten 20 Tage ein, ist ein Entscheid des CAT</span><br/> <span class="ft1">innerhalb der nächsten sechs Monate und damit auch eine Ausschaf-</span><br/> <span class="ft1">fung in den nächsten sechs Monaten unwahrscheinlich. Dies ist bei</span><br/> <span class="ft1">der Bestätigung der Haft zu berücksichtigen.</span><br/> <span class="ft1">Ein Haftbeendigungsgrund liegt unter diesen Umständen nicht</span><br/> <span class="ft1">vor, weshalb das entsprechende Gesuch abzulehnen ist.</span><br/> <span class="ft1">7. Der Gesuchsteller beantragt die Verlängerung der Ausschaf-</span><br/> <span class="ft1">fungshaft um weitere sechs Monate. Diesem Antrag kann zurzeit</span><br/> <span class="ft1">nicht stattgegeben werden. Sollte das CAT in der Novembersession</span><br/> <span class="ft1">über die Beschwerde entscheiden, ist zwar damit zu rechnen, dass die</span><br/> <span class="ft1">Redaktion des Entscheides noch eine gewisse Zeit beansprucht. Liegt</span><br/> <span class="ft1">jedoch in den nächsten drei Monaten kein Entscheid des CAT vor,</span><br/> <span class="ft1">kann im Moment nicht davon ausgegangen werden, dass die Aus-</span><br/> <span class="ft1">schaffung des Gesuchsgegners in den nächsten sechs Monaten erfol-</span><br/> <span class="ft1">gen kann. Es wird in diesem Falle dem Gesuchsteller obliegen, das</span><br/> <span class="ft1">Gegenteil zu belegen und eine weitere Haftverlängerung zu beantra-</span><br/> <span class="ft1">gen.</span><br/> <br/> <span class="ft1">Demgemäss wird erkannt:</span><br/> <span class="ft1">1. Das Haftentlassungsgesuch wird abgelehnt.</span><br/> <span class="ft1">2. Die Ausschaffungshaft wird unter Vorbehalt von Ziffer 3 des</span><br/> <span class="ft1">vorliegenden Dispositivs um drei Monate, d.h. bis zum</span><br/> <span class="ft1">29. Dezember 2005, verlängert.</span><br/> <span class="ft1">3. Sollte im Verfahren betreffend CAT-Beschwerde die Antwort</span><br/> <span class="ft1">der Schweizer Behörden an das CAT nicht innert 20 Tagen,</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2005</span> <span class="title">Rekursgericht im Ausländerrecht</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">d.h. bis zum 6. Oktober 2005, abgesandt werden, ist der Ge-</span><br/> <span class="ft1">suchsgegner am 8. Oktober 2005 aus der Ausschaffungshaft</span><br/> <span class="ft1">zu entlassen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>