B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2160/2017 U r t e i l v o m 1 2 . J u l i 2 0 2 2 Besetzung Richterin Chiara Piras (Vorsitz), Richter William Waeber, Richter Walter Lang, Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 9. März 2017 / N (…). D-2160/2017 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) – ein sri-lankischer Staatsangehöriger – reiste eigenen Angaben zufolge am (…) 2015 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. A.b In Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der Verordnung über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnahmen im Asylbereich vom 4. September 2013 (TestV; SR 142.318.1 [gültig bis 29. September 2019]) wurde er am 19. Mai 2015 für den weiteren Aufenthalt und für das Verfah- ren dem Verfahrenszentrum B._______ zugewiesen. A.c Am 21. Mai 2015 wurde er summarisch befragt (Befragung zur Person [BzP]) und am 27. Mai 2015 fand – im Beisein seiner damaligen Rechts- vertreterin – ein beratendes Vorgespräch statt. Am 23. Juni 2015 wurde eine Anhörung zu seinen Asylgründen durchgeführt. In Bezug auf seinen persönlichen Hintergrund machte der tamilische Be- schwerdeführer geltend, er sei in C._______ (Distrikt D._______, Nordpro- vinz) geboren. Im Alter von (…) Jahren sei er zusammen mit seiner Familie nach E._______ gezogen, wo er anschliessend die (…) Klasse bis zum (…)-Level besucht habe. Bis am (…) 2013 habe er als (…) bei verschiede- nen Firmen gearbeitet. Während eines Aufenthaltes in F._______ sei er als (…) tätig gewesen. Zur Begründung sein es Asylgesuchs brachte er vor, im Jahr 2009 hätten seine Mutter und er die Parterrewohnung ihres Hauses in E._______ an drei Tamilen vermietet. Hierfür habe er ihnen vorschriftsgemäss Polizei- rapporte und Identitätskarten besorgt. Im (…) 2013 seien die drei Mieter wegen des Verdachts auf Verbindungen zu den Liberation of Tigers of Tamil Eelam (LTTE) von der sri-lankischen Polizei verhaftet worden. In der Folge hätten Polizisten auch ihre Wohnung durchsucht und ihn beschuldigt, Mit- gliedern der LTTE die Wohnung zur Verfügung gestellt zu haben und Mit- wisser ihrer terroristischen Aktivitäten gewesen zu sein. Als er sich gegen seine Verhaftung gewehrt habe, sei er bewusstlos geschlagen und in die- sem Zustand abgeführt worden. Er sei an einem ihm unbekannten Ort auf- gewacht. Dort sei er zwei Wochen lang festgehalten und wiederholt zu den Mietern und deren Verbleib befragt worden. Nachdem seine Mutter Geld bezahlt habe, sei er am (…) 2013 wieder freigelassen worden. Da er nach seiner Haftentlassung keine Arbeit mehr gefunden habe, vom Criminal In- vestigation Department ( CID) verfolgt worden sei und bei der Polizei zu D-2160/2017 Seite 3 Befragungen habe erscheinen müssen, habe er sich entschlossen Sri Lanka zu verlassen. Am (…) 2013 sei er mit einem gültigen (…) Visum und seinem eigenen Reisepass nach F._______ geflogen, wo er sich an- schliessend beim United Nations High Commissioner for Refugees ( UN- HCR) gemeldet habe. Da er davon ausgegangen sei, dass sich die Lage in Sri Lanka verbessert habe und sein (…) Visum abgelaufen sei, sei er am (…) 2015 nach Sri Lanka zurückgekehrt. Bei der Passkontrolle am Flug- haften in E._______ sei er erneut verhaftet und zwei Tage lang festgehal- ten worden, ehe er von Polizisten oder CID-Angehörigen an einen ihn un- bekannten Ort gebracht worden sei. Er sei zwei Monate lang eingesperrt worden, immer wieder zu seinem Aufenthalt in F._______ befragt und ge- schlagen worden. Nachdem seine Mutter wiederum seine Freilassung er- kauft habe, sei er unter der Auflage, sich zur Verfügung zu halten, entlas- sen worden. Vier Tage später sei er bei sich zu Hause von der Spezialein- heit "119" aufgesucht worden, wobei er daran erinnert worden sei, sich für allfällige Befragungen zur Verfügung zu halten. Am (…) 2015 sei er mit ei- nem gefälschten Pass mit unbekannten Personalie n und mit Hilfe eines Schleppers von E._______ via G._______ in die Türkei geflogen. Von dort aus sei er dann mit einem Personenwagen über durch ihm unbekannte Länder schliesslich in die Schweiz gelangt. A.d Am 1. Juli 2015 wurde er dem erweiterten Verfahren u nd am 2. Juli 2015 dem Kanton G._______ zugewiesen. A.e Am 26. Mai 2016 ersuchte das SEM die Schweizerische Vertretung in E._______ um Abklärungen in Bezug auf den Beschwerdeführer . Diese antwortete mit Schreiben vom 15. Juni 2016. A.f Im Rahmen der ergänzenden Anhörung vom 14. Dezember 2016 wur- den dem Beschwerdeführer unter anderem auch die wesentlichen Ergeb- nisse der Botschaftsabklärung offengelegt und ihm hierzu das rechtliche Gehör gewährt. A.g Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte er eine Identitäts- karte, einen Führerausweis, einen Schülerausweis, einen Studentenaus- weis, einen Arbeitsausweis sowie eine UNHCR Appointment Card F._______ (alle im Original) zu den Akten. B. Mit Verfügung vom 9. März 2017 – eröffnet am darauffolgenden Tag – ver- neinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, D-2160/2017 Seite 4 lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. C. C.a Mit Eingabe vom 22. März 2017 ersuchte der vom Beschwerdeführer neu mandatierte Rechtsvertreter – unter Vorlage der Anwaltsvollmacht vom 22. März 2017 – das SEM um vollständige Einsicht in die Verfahrensakten. C.b Mit Ausnahme der Aktenstücke der Editionsklasse A, B und C ge- währte das SEM dem Rechtsvertreter mit Schreiben vom 24. März 2017 entsprechende Akteneinsicht und liess ihm eine Kopie des Aktenverzeich- nisses sowie Kopien der gewünschten Akten zukommen. Die Einsicht in die erwähnten Aktenstücke verweigerte es mit der Begründung, wesentli- che öffentliche oder private Interessen würden die Geheimhaltung erfor- dern, es handle sich um interne Akten, welche nach der bundesgerichtli- chen Praxis dem Akteneinsichtsrecht nicht unterstehen würden und um Ko- pien von Akten anderer Behörden. D. Mit Eingabe vom 10. April 2017 (Datum Poststempel) erhob der Beschwer- deführer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragte er, es sei ihm unverzüglich das Spruchgremium mitzuteilen und dessen zufällige Auswahl zu bestätigen. Es sei ihm vollständige Einsicht in die ge- samten Akten des SEM, insbesondere in d ie Botschaftsabklärungen, zu gewähren. Ausserdem sei das SEM anzuweisen, die vom ihm eingereich- ten Beweismittel einzeln aufzulisten, einheitlich zu erfassen und ein korrek- tes Beweismittelverzeichnis zu erstellen. Anschliessend sei ihm eine ange- messene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen . Sodann sei die Verfügung des SEM vom 9. März 2017 wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör aufzuheben, allenfalls wegen Verlet- zung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die angefochtene Verfügung zur Feststel- lung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfü- gung aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventuell sei die angefochtene Verfügung betreffend die Dispositivziffern 4 und 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustel- len. Für den Fall einer materiellen Beurteilung durch das Gericht wurde ferner unter Ziffer 6 der Beschwerde (vgl. dort S. 36 f.) – neben der voll- ständigen Akteneinsicht – beantragt, der Beschwerdeführer sei zwingend D-2160/2017 Seite 5 erneut ausführlich anzuhören, dies durch eine Fachperson, welche über ausreichendes Hintergrundwissen zu Sri Lanka verfüge. Die Asyldossiers seiner Geschwister seien zur Beurteilung der vorliegenden Sache beizu- ziehen und ihm sei ebenfalls Einsicht in die entsprechenden Dossiers zu gewähren, wobei ihm eine angemessene Frist zur Stellungnahme anzuset- zen sei. Schliesslich sei ihm eine angemessene Frist zur Beibringung von Fotografien seiner Folternarben anzusetzen. Mit der Beschwerde wurden 21 Beilagen eingereicht. Darunter befanden sich unter anderem eine anonymisierte Verfügung des Bundesverwal- tungsgerichts vom 30. September 2016 aus dem Verfahren E-5901/2016, ein Rechtsgutachten zuhanden des SEM von Prof. Walter Kälin vom 23. Februar 2014, eine Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014, Stel- lungnahmen des Advokaturbüros Gabriel Püntener zu Lagebildern des SEM betreffend Sri Lanka, eine Zusammenstellung von Länderinformatio- nen inklusive Anhang (CD mit Quellen), diverse Zeitungsberichte, Berichte von internationalen Organisationen und UN-Behörden sowie die Kopie ei- nes Formulars des sri-lankischen Generalkonsulats zur Ersatzreisepapier- beschaffung (vgl. hierzu das Beilagenverzeichnis in der Beschwerde- schrift, S. 44 und die Beilagen 1–21). E. Mit Verfügung vom 13. April 2017 stellte die damals zuständige Instrukti- onsrichterin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Sie gab die Zusammensetzung des Spruchgremiums bekannt, verbunden mit dem Vorbehalt, dass dieses nachträgliche Änderungen erfahren könne, und bestätigte, dass der Spruchkörper mit Hilfe eines EDV -gestützten automatisierten Zuteilungs- systems nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden sei . Des Weiteren forderte sie den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu leisten, ansonsten auf die Beschwerde nicht einge- treten werde. Dieser wurde fristgerecht zugunsten des Bundesverwal- tungsgerichts einbezahlt. F. F.a Mit Verfügung vom 3. Mai 2017 wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. F.b In seiner Vernehmlassung vom 16. Mai 2017 hielt das SEM vollum- fänglich an seinen Erwägungen fest. D-2160/2017 Seite 6 G. G.a Mit Verfügung vom 16. Mai 2017 wurde dem Beschwerdeführer Gele- genheit gegeben, eine Replik einzureichen. G.b Mit Eingabe vom 31. Mai 2017 nahm dieser Stellung zur Vernehmlas- sung und hielt daran fest, dass das SEM anzuweisen sei, ein korrektes Beweismittelverzeichnis zu führen und ihm die Botschaftsabklärung voll- umfänglich offenzulegen. Weiter habe die Vorinstanz absurde Ausführun- gen zur ergänzenden Anhörung (SEM-Akte A35) gemacht, weshalb an de- ren rechtmässigen und zulässigen Charakter zu zweifeln sei. Sodann sei es die Aufgabe des SEM einen Sachverhalt vollständig und korrekt abzu- klären, weshalb es, wenn es daran zweifle, dass es sich bei seinen gut sichtbaren Narben um Folternarben handle, diese mit einem Gutachten ab- zuklären habe. Überdies beantragte er, es seien die unter dem Aspekt der Verletzung der Begründungspflicht gemachten Ausführungen in der Be- schwerdeschrift auch unter dem Blickwinkel der unrichtigen und/ oder will- kürlichen Beweiswürdigung zu prüfen. Mit der Replik wurden weitere 19 Beilagen ins Recht gelegt, darunter drei Fotos von Narben des Beschwerdeführers, ein ärztlicher Bericht des (…) in H._______ betreffend seine Mutter vom (…) 2017, ein Foto seiner Mutter sowie zahlreiche Berichte zur Sit uation in Sri Lanka (vgl. hierzu das Be- weismittelverzeichnis in der Replikeingabe, S. 10 und die Beilagen 22–40). G.c In der ergänzenden Stellungnahme vom 28. Juni 2017 führte der Be- schwerdeführer aus, mit Verfügung des SEM vom 29. Mai 2017 sei ihm Einsicht in die Akten seines in der Schweiz lebenden Bruders I._______ (N […]) gewährt worden. Weiter seien auch die Asyldossiers seiner sich ebenfalls in der Schweiz aufhaltenden Geschwister, J._______ (N […]) und K._______ (N […]), beizuziehen und es sei ihm Einsicht in deren Akten zu gewahren. Ferner ersuchte er darum, eine Frist zur Einreichung von Be- weismitteln hinsichtlich seines exilpolitischen Engagements anzusetzen. H. Am 5. Mai 2020 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein Update der durch ihn zusammengestellten Länderinformationen und einen neuen, ebenfalls von ihm verfassten, Länderbericht inklusive CD-ROM ein.D-2160/2017 Seite 7 I. I.a Mit Verfügung vom 11. Oktober 2021 hiess die damalige Instruktions- richterin das Akteneinsichtsgesuch teilweise gut und wies das SEM an, dem Beschwerdeführer Einsicht in die vorinstanzlichen Akten A18, A20, A21, A31 und A32 zu gewähren und ihm, nach Komplettierung des Beweis- mittelverzeichnisses, Einsicht in dieses sowie sämtliche darin enthaltenen, von ihm eingereichten Beweismitteln zu gewähren. Weiter wurde dem Be- schwerdeführer die Möglichkeit eingeräumt, innert 15 Tagen ab Erhalt der Akten eine ergänzende Stellungnahme einzureichen. Gleichzeitig wurde er hinsichtlich des Antrags auf vollumfängliche Einsicht in die Asylakten seiner Geschwister (N [...] und N […]) darauf aufmerksam gemacht, dass er beim SEM die entsprechenden Einwilligungserkläru ngen seiner beiden Ge- schwister zur Einsichtnahme in deren Akten einreichen könne. Das Gesuch um Ansetzung einer Nachfrist zur Einreichung von Beweismitteln zu sei- nem exilpolitischen Engagement wurde unter Verweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG abgewiesen. Schliesslich informierte die damals zuständige Instruktionsrichterin, dass sich der Spruchkörper – unter Vorbehalt allfälli- ger Wechsel bei Abwesenheiten – aus der Instruktionsrichterin Contessina Theis (Vorsitz), dem Richter William Waeber und dem Richter Walter Lang sowie der Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer zusammensetzt. I.b Das SEM komplettierte das Beweismittelverzeichnis am 8. Novem- ber 2021 und gewährte dem Beschwerdeführer gleichentags gemäss den Anweisungen des Bundesverwaltungsgerichts Einsicht in die Akten A18, A20, A21, A31 sowie A32. J. In seiner Eingabe vom 24. November 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur vom SEM getätigten Botschaftsabklärung vom 15. Juni 2016 und machte infolgedessen geltend, indem das SEM den sachverhaltsrele- vanten Aussagen seiner Mutter in der angefochtenen Verfügung keinerlei Beachtung geschenkt habe, verletzte es in willkürlicher Weise seinen An- spruch auf rechtliches Gehör und umgehe damit bundesrechtliche Beweis- regeln. Weiter behauptete er, mit Schreiben vom 27. Oktober 2021 sei beim SEM für seine beiden Geschwister (N […] und N […]) um Einsichts- gewährung in deren Akten ersucht worden, wofür von beiden entspre- chende Einwilligungserklärungen eingereicht worden seien. Diese Gesu- che seien vom SEM bisher nicht bearbeitet worden und entsprechend sei noch keine Einsicht in die jeweiligen Asyldossiers gewährt worden, wes- halb er erneut beantrage, das SEM sei anzuweisen, ihm Einsic ht in die D-2160/2017 Seite 8 entsprechenden Dossiers zu gewähren und ihm nach deren Einsicht- nahme eine angemessene Frist zur Stellungnahme einzureichen. Ferner wies er auf die weitere Verschlechterung der Sicherheits- und Menschen- rechtslage in Sri Lanka hin. Ausserdem wurde eine mündliche Parteiver- handlung als zwingend erachtet. Der Eingabe lagen diverse Fotos des Beschwerdeführers an Demonstrati- onen, einen Länderbericht zu Sri Lanka vom 16. August 2021, den Bericht des International Truth and Justice Project (ITJP) vom September 2021 "Sri Lanka: Torture & sexual violence by security forces 2020 -21" sowie eine Kostennote vom 24. November 2021 bei (vgl. hierzu das Beweismit- telverzeichnis des Schreibens, S. 11 und die Beilagen 45–48). K. Mit Verfügung vom 2. Dezember 2021 hielt die damals zuständige Instruk- tionsrichterin fest, dem Beschwerdeführer sei – unter der Voraussetzung, dass dem SEM die entsprechenden Vollmachten tatsächlich zugegangen sind – in geeigneter Weise und unter Beachtung von Art. 26 ff. VwVG Ein- sicht in die Akten der Asylverfahren seiner Geschwister (N […] und N […]) zu gewähren. L. Mit Schreiben vom 30. Dezember 2021 teilte der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit, seinem Rechtsvertreter seien mit Schrei- ben des SEM vom 13. Dezember 2021 diverse Akten und Aktenverzeich- nisse seine Geschwister betreffend (N […] und N […]) zugestellt worden, jedoch seien die zugestellten Akten in beiden Fällen unvollständig und das Aktenverzeichnis des Dossiers N […] sei stellenweise nicht entzifferbar ge- wesen. Infolgedessen beantragte er, das SEM sei anzuweisen, ihm Ein- sicht in die Akten zu gewähren und nach erfolgter Akteneinsicht sei ihm eine Nachfrist zur Einreichung einer Stellungnahme anzusetzen. Mit der Eingabe wurden Kopien der Aktenverzeichnisse der Asylakten der beiden Geschwister mit Markierungen ins Recht gelegt (vgl. hierzu das Be- weismittelverzeichnis, S. 2 und die Beilage 49). M. Mit Verfügung vom 11. Januar 2022 wurde die Vorinstanz aufgefordert, in- nert Frist Kopien des Akteneinsichtsgesuchs des Beschwerdeführers in die Akten seiner Geschwister und ihr Antwortschreiben vom 13. Dezem-D-2160/2017 Seite 9 ber 2021 einzureichen sowie Stellung zur Kritik an der Führung des Akten- verzeichnisses im Dossier N […] sowie der gewährten Akteneinsicht in die Dossiers N […] und N […] zu nehmen und gegebenenfalls das Aktenver- zeichnis des Dossiers N […] nachzuführen. Ferner wurde mitgeteilt, dass aus organisatorischen Gründen im Spruchkörper ein Wechsel der zustän- digen Instruktionsrichterin erfolgt sei. N. Mit Eingabe vom 20. Januar 2022 nahm die Vorinstanz innert Frist Stellung und führte aus, dass die beiden Vollmachten der Geschwister des Be- schwerdeführers für die Einsicht in deren Akten bis dato nicht bei ihr ein- gegangen seien, weshalb der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 13. Dezember 2021 letztmals aufgefordert worden sei, diese nachzureichen. Das Schreiben vom 13. Dezember 2021, womit dem Beschwerdeführer gemäss dessen Angaben zumindest teilweise Aktenein- sicht gewährt worden sei, liege ihr nicht vor, wobei es auch amtsintern nicht habe eruiert werden können. Zurzeit sei es nicht möglich, in Kenntnis aller Tatsachen Aussagen über die Vollständigkeit der Akteneinsicht zu machen. O. Mit Verfügung vom 25. Januar 2022 forderte die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer auf , innert Frist Stellung zur Eingabe des SEM vom 20. Januar 2022 zu nehmen und zudem dem Gericht die Kopien der Ge- suche um Einsicht in die Akten seiner Geschwister mitsamt deren Einver- ständniserklärungen sowie das entsprechende Antwortschreiben des SEM vom 13. Dezember 2021 einzureichen. P. In der Eingabe vom 9. Februar 2022 machte der Beschwerdeführer gel- tend, obwohl dem SEM das Akteneinsichtsgesuch betreffend K._______ (N […]) bereits seit dem 28. Oktober 2021 vorliege, sei dieses bisher nicht korrekt behandelt worden. Des Weiteren gestand er ein, dass er aufgrund einer Namensverwechslung am selben Tag nicht in die Akten von J._______ (N […]), sondern in diejenigen von I._______ (N […]) Einsicht verlangt und dessen Einwilligungserklärung eingereicht habe. Aus unbe- kannten Gründen habe J._______ (N […]) die Einwilligungserklärung bis- her noch nicht unterzeichnet, weshalb er um Ansetzung einer Nachfrist er- suche, damit diese nachgereicht werden könne. Anschliessend sei das SEM anzuweisen, ihm auch in diese Akten korrekte Einsicht zu gewähren. Nach korrekt gewährter Einsicht in beide Asyldossiers sei ihm schliesslich eine Frist zur Stellungnahme anzusetzen. D-2160/2017 Seite 10 Mit dem Schreiben reichte der Beschwerde führer sein ans SEM gerichte- tes Akteneinsichtsgesuch betreffend K._______ (N […]) vom 27. Okto- ber 2021, die Einwilligungserklärung von K._______ betreffend den Beizug ihrer Asylakten (N […]) vom 18. Oktober 2021, eine Kopie der Sendungs- verfolgung der Post sowie das Schreiben des SEM vom 13. Dezem- ber 2021, in welchem die Vorinstanz ausführte, die Vollmachten seien ihr – entgegen den Aussagen des Rechtsvertreters – bisher nicht zugeschickt worden, zu den Akten (vgl. hierzu das Beweismittelverzeichnis, S. 3 und die Beilagen 50–53). Q. Mit Verfügung vom 14. Februar 2022 wurde der Beschwerdeführer ange- wiesen, innert Frist eine Einwilligungserklärung für die Einsicht in die Akten seines Bruders (N […]) beim SEM einzureichen und dem Gericht eine Ko- pie zukommen zu lassen. Sodann wurde die Vorinstanz aufgefordert, nach Erhalt der Einwilligungserklärungen (N […] und N […]) über die Aktenein- sichtsgesuche zu befinden und dem Gericht eine Kopie zuzustellen. Schliesslich wurde dem Beschwerdefü hrer in Aussicht gestellt, dass ihm danach antragsgemäss die Gelegenheit gegeben wird, eine ergänzende Stellungnahme beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen. R. Mit Schreiben vom 2. März 2022 teilte der Beschwerdeführer mit, dass es ihm nicht gelungen sei, seinen Bruder (N […]) zu kontaktieren und eine Einwilligungserklärung zur Einsicht in dessen Asylakten zu beschaffen. Als- dann ersuchte er um Mitteilung, wann und aus welchen Gründen die In- struktionsrichterin im vorliegenden Verfahren ausgetauscht worden sei, in welchem System des Bundesverwaltungsgerichts (Bandlimat oder Juris) diese Änderungen vorgenommen worden seien, wer diese Änderungen vorgenommen habe und wie die übrigen Gerichtspersonen heissen wür- den. Ausserdem sei ihm das entsprechende Dokumen t der aktuellen Spruchkörperbildung offen zu legen. S. In ihrer Verfügung vom 8. März 2022 wies die Instruktionsrichterin das SEM an, innert Frist über das Akteneinsichtsgesuch des Beschwerdefüh- rers betreffend seine Schwester (N […]) zu befinden und dem Gericht eine Kopie zuzustellen. Ausserdem wurde dem Beschwerdeführer die Möglich- keit eingeräumt, innert 15 Tagen ab Gewährung der Akteneinsicht durch das SEM eine ergänzende Stellungnahme beim Gericht einzureichen . D-2160/2017 Seite 11 Schliesslich hielt die Instruktionsrichterin fest, dass über die weiteren An- träge und Begehren zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde. T. In seiner Eingabe vom 13. April 2022 bestätigte der Beschwerdeführer, dass ihm die Akten seiner Schwester (N […]) am 29. März 2022 vom SEM offengelegt worden seien. Ferner wiederholte er sein Ersuchen um Mittei- lung, wann und aus welchen Gründen die Instruktionsrichterin ausge- tauscht worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge- richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) ist das Bundesverwaltungsge- richt zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021) zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31] und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun- desgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG i n Kraft getreten (AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmungen gilt für das vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe- stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.4 Am 1. Januar 2019 wurde zudem das Ausländergesetz vom 16. De- zember 2005 (AuG; SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän- der- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwen- dende Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden. 1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be- schwerdeführer hat am Verfahren vo r der Vorinstanz teilgenommen, ist D-2160/2017 Seite 12 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz- würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvor- schuss wurde fristgerecht bezahlt (vgl. Bst. E hiervor). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylberei ch nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Vorab sind die vom Beschwerdeführer gestellten Anträge in Bezug auf die Spruchkörperbildung zu behandeln. 3.2 Dem in der Beschwerde gestellten Antrag des Beschwerdeführers auf Bekanntgabe des Spruchkörpers, der mit Hilfe eines EDV-basierten Zutei- lungssystems generiert wurde, wurde in der Verfügung vom 13. April 2017 entsprochen, verbunden mit dem Vorbehalt, dass der Spruchkörper bei Ab- wesenheiten Änderu ngen erfahren könnte (vgl. Bst. E hiervor). In der Folge wurde er mit Verfügungen vom 11. Oktober 2021 (vgl. Bst. I.a hier- vor) sowie vom 11. Januar 2022 (vgl. Bst. M hiervor) über die geänderte Zusammensetzung des voraussichtlich befassten Spruchgremiums infor- miert, wobei er diesen in seinen weiteren Eingaben nichts entgegenhielt. Im Übrigen ist im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der Spruchkörper- bildung im Wesentlich en auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3946/2020 vom 21. April 2022 E. 4 zu verweisen. Änderungen wurden vorliegend aufgrund objektiver und im Voraus bestimmter Kriterien vorge- nommen (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Geschäftsreglements für das Bundesver- waltungsgericht vom 17. April 2008 [VGR; SR 173.320.1]). Als objektive Kriterien in diesem Sinne gelten Amtssprache, Beschäftigungsgrad, Belas- tung durch die Mitarbeit in Gerichtsgremien, Vorbefassung, Kammerzu- ständigkeit, Austritt, Erweiterung des Spruchkö rpers, Ausstand, enger Sachzusammenhang, Abwesenheit sowie Ausgleich der Belastungssitua- tion. Der Spruchkörper wurde im Auftrag des Abteilungspräsidiums ge- mäss Art. 31 Abs. 3 sowie Art. 32 Abs. 1 VGR generiert. 3.3 Des Weiteren wurde in der Verfügung vom 13. April 2017 auch über die eingeforderte Bestätigung, dass der Spruchkörper nach dem Zufallsprinzip D-2160/2017 Seite 13 ausgewählt worden sei, befunden (vgl. Bst. E.a hiervor). Ergänzend ist da- rauf hinzuweisen, dass dem entsprechenden Antrag im heutigen Zeitpunkt – angesichts seitheriger Rechtsprechungsentwicklungen – keine Folge zu geben respektive nicht darauf einzutreten wäre ( vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 [in BVGE 2019 VI/6 nicht publizierte] E. 4; Urteil des BVGer D-1388/2018 vom 20. Juni 2019 E. 2.2). 3.4 Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Partei oder ihr Vertreter gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG Anspruch darauf haben, in ihrer Sache folgende Ak- ten einzusehen: Eingaben von Parteien und Vernehmlassungen von Be- hörden (Bst. a), alle als Beweismittel dienenden Aktenstücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfügungen (Bst. c). Das Recht auf Aktenein- sicht gemäss VwVG bezieht sich damit grundsätzlich auf alle für die Sach- verhaltsermittlung und Entscheidfindung erheblichen Akten. Der rubrizierte Rechtsvertreter wurde in anderen Verfahren (vgl. hierzu etwa Urteile des BVGer D -3427/2020 vom 7. März 2022 E. 2.2 oder D-4968/2021 vom 24. November 2021 S. 5 sowie jüngst das Grundsatzurteil D-3946/2020 vom 21. April 2022 E. 4.5) schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass die Software des Zuteilungssystems, mit der das Bundesverwaltungs- gericht den Spruchkörper, welcher die bei ihm eingereichten Rechtsmittel beurteilt, generiert beziehungsweise abbildet , als solche keine das kon- krete Verfahren betreffende Akte darstellt, in die Einsicht gewährt werden könnte. Sie bildet weder eine Grundlage für die Entscheidfindung, noch hat dieser Vorgang objektive Bedeutung für den zu beurteilenden Sachverhalt oder wäre hierfür die Mitwirkung der Rechtssuchenden zweckmässig (vgl. Grundsatzurteil D-3946/2020 vom 21. April 2022 E. 4.5.4). Damit handelt es sich bei den entsprechenden Auszügen respektive EDV -Dateien nicht um Akten, die dem Akteneinsichtsrecht unterstehen. Folglich ist der in der Eingabe vom 2. März 2022 enthaltene und im Schreiben vom 13. Ap- ril 2022 erneuerte Antrag, es sei dem Beschwerdeführer das entspre- chende Dokument zur aktuellen Spruchkörperbildung offen zu legen, ab- zuweisen. 4. 4.1 Der Beschwerdeführer rügte weiter eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, inklusive Begründungspflicht und Akteneinsichtsrech t, eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie eine unrichtige und/oder willkürliche Beweiswürdigung. Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Ver- fügung zu bewirken (vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, D-2160/2017 Seite 14 Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 4.2 4.2.1 In der Beschwerde sowie in der Replik wurden verschiedene Verlet- zungen des Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend gemacht. 4.2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) und Art. 29 VwVG ha- ben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieses umfasst insbe- sondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eine s solchen Ent- scheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör um- fasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräu- men sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Gel- tung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 und 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.). 4.2.3 4.2.3.1 Der Beschwerdeführer machte zunächst geltend , das SEM habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem es ihm keine Ein- sicht in die vorinstanzlichen Akten A16 bis A21, A31 und A32 gewährt habe. 4.2.3.2 Aus dem Akteneinsichtsrecht, welches auf dem Anspruch auf recht- liches Gehör fusst, folgt, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten offenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar be- treffenden Verfügung darauf abgestellt wird (vgl. BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung des Akteneinsichts - und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfügung betroffene Person setzt die Einhaltung der Akten- führungspflicht der Verwaltung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten festzuhalten haben, was zur Sache gehört und für den Ent- scheid wesentlich sein kann (vgl. BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). 4.2.3.3 Was die verweigerte Offenlegung der vorinstanzlichen Akten A16 bis A21 sowie A31 und A32 betrifft, hat ihm das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 11. Oktober 2021 die Einsicht in die Aktenstücke A18, A20, A21, A31 und A32 gewährt und bezüglich A16, A17 und A19 abge- wiesen (vgl. Bst. I.a hiervor). Gleichzeitig erhielt er Gelegenheit Stellung zu D-2160/2017 Seite 15 nehmen, wovon er in seiner Eingabe vom 24. November 2021 Gebrauch gemacht hat (vgl. Bst. J hiervor). Es handelt sich bei der unterlassenen Of- fenlegung der Akten A18, A20, A21, A31 und A32 um eine geringfügige Verletzung des Akteneinsichtsrechts, welche mit der Edition auf Beschwer- destufe und der Möglichkeit zur Stellungnahme durch den Beschwerdefüh- rer als geheilt betrachtet werden kann. 4.2.4 Unter Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 2C_327/2010 wurde in der Beschwerde weiter vorgebracht, die Vorinstanz habe kein korrekt registriertes und nummeriertes Beweismittelverzeichnis geführt. Dem An- hörungsprotokoll vom 14. Dezember 2016 lasse sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer drei Beweismittel zu den Akten gereicht habe. Abgese- hen vom UNHCR-Ausweis aus F._______, seien die beiden weiteren Be- weismittel (ein Arbeits- und ein Schülerausweis), weder im Beweismittel- verzeichnis aufgeführt worden noch seien sie in den Akten zu finden. Der Beschwerdeführer rügte berechtigterweise, dass das Beweismittelver- zeichnis unvollständig und die Aktenführung damit intransparent war, weil das SEM es unterlassen hatte, die von ihm eingereichten Beweismittel im Verzeichnis einzeln zu erfassen. Die Praxis des SEM, Identitätspapiere und weitere Beweismittel zum Teil regelmässig in der Sichttasche des N-Dos- siers abzulegen, ohne zumindest Kopien derselben und allfällig davon an- gefertigter Übersetzungen ins Akten - beziehungsweise Beweismittelver- zeichnis aufzunehmen, widerspricht dem Gebot der transparenten Akten- führung, auch wenn sie als solche nicht als rechtswidrig zu bezeichnen ist, wenn die Abgabe der Beweismittel an anderer Stelle aus den Akten her- vorgeht (vgl. SEM-Akte A19, Ziff. 4.01). Mit Verfügung vom 11. Okto- ber 2021 wurde die Vorinstanz dementsprechend angewiesen, die in der Sichttasche des N -Dossiers abgelegten Beweismittel zusätzlich in Kopie im Beweismittelumschlag abzulegen, sämtliche Beweismittel ins Beweis- mittelverzeichnis aufzunehmen, hinreichend detailliert zu beschreiben und zu nummerieren sowie dem Beschwerdef ührer danach vollständige Ein- sicht in das ergänzte Beweismittelverzeichnis und sämtliche Beweismittel gemäss besagtem Verzeichnis zu gewähren (vgl. Bst. I.a hiervor). In der Folge überarbeitet e das SEM das Beweismittelverzeichnis ( vgl. Bst. I.b hiervor). 4.2.5 4.2.5.1 Ferner rügte d er Beschwerdeführer, die während des beratenden Vorgesprächs geschilderten Asylgründe seien nicht protokolliert worden, jedoch sei aus dem entsprechenden Dokument sehr wohl ersichtlich, dass D-2160/2017 Seite 16 das SEM intern festgehalten habe, was er damals vor gebracht habe. An- lässlich der Zweitanhörung sei er dann mit seinen Aussagen in besagten Gespräch konfrontiert worden. Die angeblichen Widersprüche, welche sich aus den darauffolgenden Angaben ergeben haben sollen, seien vom SEM in der angefochtenen Verfügung zulasten der Glaubhaftigkeit seiner Aus- sagen ausgelegt worden. Aus den Akten sei zudem nicht ersichtlich, wel- che Rolle die damalige Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers im Rah- men des beratenden Vorgesprächs gespielt habe und ob diese in Verlet- zung ihrer gebotenen Unabhängigkeit und Interessenvertretung gar die Po- sition der Vorinstanz eingenommen habe. 4.2.5.2 Gemäss Art. 16 Abs. 3 TestV konnte das SEM die Asylsuchenden während der Vorbereitungsphase zu ihrer Identität, zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen befragen, warum sie ihr Land verlassen ha- ben. Dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer am 27. Mai 2015 zu sei- nen Ausreisegründen befragt hat (vgl. SEM-Akte A15), ist somit in der TestV explizit vorgesehen und nicht zu beanstanden. Dasselbe gilt für den Umstand, dass die Vorinstanz seine Angaben gleichentags in einer inter- nen Aktennotiz zusammengefasst hat (vgl. SEM-Akte A16). Vorliegend hat das SEM ein zusammenfassendes, rückübersetztes Protokoll des beraten- den Vorgespräches angefertigt, wobei dieses sowohl vom Beschwerdefüh- rer als auch von der damaligen Rechtsvertretung unterzeichnet worden ist (vgl. SEM-Akte A15). Anders als vom Beschwerdeführer behauptet, wurde weder in den nachfolgenden Anhörungen noch in der angefochtenen Ver- fügung ein Rückgriff auf die während des beratenden Vorgesprächs vorge- brachten Asylgründe gemacht. In der ergänzenden Anhörung wurde er le- diglich auf das im berat enden Vorgespräch protokollierte Ausreisedatum angesprochen (vgl. SEM-Akte A35, F143) und in der angefochtenen Ver- fügung wurde bezüglich seiner widersprüchlichen Angaben zur Zeitspanne zwischen seiner Freilassung und seiner Ausreise aus Sri Lanka lediglich auf die Erstbefragung respektive erste Anhörung sowie die ergänzende An- hörung verwiesen (vgl. dort E. II, Ziff. 1, S. 4). Soweit die Rolle der damali- gen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers während des beraten den Vorgesprächs in Frage gestellt wurde, sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, wonach diese nicht die Interessen ihres Mandanten vertreten hat . Dieses Vorbringen erweist sich demnach als haltlos. 4.2.6 4.2.6.1 Der Beschwerdeführer machte sodann eine Verletzung des An- spruchs auf rechtliches Gehör geltend, weil die erste Anhörung rund sieben D-2160/2017 Seite 17 Stunden und die ergänzende Anhörung mehr als vier Stunden gedauert habe. 4.2.6.2 Die Rechtsprechung geht davon aus, dass überlange Anhörungen in Asylverfahren mit Blick auf Art. 29 Abs. 1 BV problematisch sein können (vgl. Urteil des BVGer D-5017/2014 vom 7. April 2015 E. 5.2). Dies ist ins- besondere dann der Fall, wenn die Dauer einer Anhörung für die asylsu- chende Person eine unzumutbare Belastung darstellt und ihr dadurch ver- unmöglicht wird, ihren Standpunkt klar darzutun. Ob die Dauer einer Anhö- rung eine unzumutbare Belastung darstellt, lässt sich indes nur im Einzel- fall beurteilen, wobei neben der asylsuchenden Person auch die bei Anhö- rungen gesetzlich vorgesehene Hilfswerksvertretung (Art. 30 Abs. 1 AsylG) diesbezügliche Einwendungen zu Protokoll geben kann (Art. 30 Abs. 4 AsylG). Dass eine Anhörung länger gedauert hat, als dies in der Weisung des SEM vorgesehen ist, stellt für sich genommen noch keine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV dar, zumal es sich dabei um eine Verwaltungsverord- nung ohne Aussenwirkung handelt und eine asylsuchende Person daraus keine Rechte un d Pflichten ableiten kann (vgl. Urteil des BVGer E-1652/ 2016 vom 31. März 2016 E. 3.6). 4.2.6.3 In casu hat die erste Anhörung (inklusive Rückübersetzung) mehr als sieben Stunden gedauert (von 09:15 Uhr bis 16.20 Uhr), was auf den ersten Blick durchaus lang erscheint. Angesichts der drei Pausen (von 10:35 Uhr bis 11:00 Uhr, von 12:30 Uhr bis 13:00 Uhr und von 14:15 Uhr bis 14:25 Uhr) war die konkrete Anhörungsdauer für den Beschwerdefüh- rer jedoch zumutbar. Eine Durchsicht des Protokolls ergibt sodann keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer mit fortschreitender Dauer nicht mehr in der Lage gewesen wäre, adäquat mitzuwirken. Weder er noch seine Rechtsvertretung oder die anwesende Hilfswerksvertretung ha- ben entsprechende Einwände geäussert oder irgendwelche kognitiven Be- einträchtigungen vorgebracht. Die zweite Anhörung dauerte von 13:00 Uhr bis 17:30 Uhr und somit inklusive Rückübersetzung vier Stunden und 30 Minuten. Da während dieser Zeit von 14:35 Uhr bis 14:50 Uhr eine Pause eingelegt wurde, nahm die eigentliche Anhörung inklusive Rück- übersetzung nur unwesentlich mehr als vier Stunden in Anspruch. Dem An- hörungsprotokoll sind ebenfalls keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nicht mehr in der Lage gewesen wäre, dieser prob- lemlos zu folgen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt deshalb nicht vor. D-2160/2017 Seite 18 Im Übrigen ist festzuhalten, dass auch der zeitliche Abstand zwischen den beiden Anhörungen keine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellt, zu- mal es sich bei der Empfehlung, die Anhörungen möglichst zeitnah durch- zuführen, um keine justiziable Verfahrenspflicht handelt (vgl. Urteil des BVGer D-6560/2016 vom 29. März 2018 E. 5.2). Der Umstand, d ass die ergänzende Anhörung erst ein Jahr und sechs Monate nach der ersten An- hörung stattfand, ist auf die hohe Geschäftslast des SEM zurückzuführen und stellt weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs noch der Abklä- rungspflicht dar. Der Länge des zwischen den Befragungen verstrichenen Zeitraums ist indessen bei der Würdigung der Aussagen Rechnung zu tra- gen. 4.2.7 Eine weitere Verletzung des rechtlichen Gehörs wurde unter Verweis auf das Gutachten von Prof. Dr. Walter Kälin mit dem Erlass der Verfügung durch eine andere Person als diejenigen, welche die Anhörungen durchge- führt haben, begründet. Bei dem zitierten Rechtsgutachten handelt es sich lediglich um eine Emp- fehlung an das SEM, aus welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche ableiten kann. Dasselbe gilt für die Medienmitteilung des SEM vom 26. Mai 2014. Überdies ist nicht ersichtlich, inwiefern ihm aus der Behand- lung seines Falles durch verschiedene Personen ein Nachteil entstanden sein soll. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergeben sich keine Vor- gaben für die Vorinstanz, die Verfügung müsse durch die befragende Per- son verfasst werden. Die entsprechende Rüge geht somit fehl. 4.2.8 Auch die mit Eingabe vom 24. November 2021 vorgebrachte Rüge, das SEM verletze in willkürlicher Weise den Anspruch auf rechtliches Ge- hör und umgehe bundesrechtliche Beweisregeln, indem es den Aussagen seiner Mutter in seinem Asylentscheid keinerlei Beachtung geschenkt habe, stösst ins Leere. Entgegen den Behauptungen des Beschwerdefüh- rers ging das SEM in seiner Verfügung auf die Aussagen seiner Mutter, welche sie im Rahmen der Botschaftsabklärung durch die Schweizerische Vertretung in Colombo tätigte, ein (vgl. dort E. II, Ziff. 1). Damit wurde dem Anspruch auf rechtliches Gehör genüge getan. Die Kritik am Vorgehen der Vorinstanz ist vielmehr materiell-rechtlicher Natur. Dasselbe gilt hinsichtlich der geltend gemachten Verletzung von Beweisregeln, die ebenfalls Gegen- stand der materiell-rechtlichen Würdigung bilden. Des Weiteren bleibt fest- zuhalten, dass dem Willkürverbot (Art. 9 BV) in diesem Zusammenhang keine eigenständige Bedeutung zukommt. Vor diesem Hintergrund enthält D-2160/2017 Seite 19 sich das Bundesverwaltungsgericht einer eigenständigen Prüfung einer Verletzung von Art. 9 BV. 4.2.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Rüge, der Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, mit Ausnahme des Akteneinsichts- rechts und der Aktenführungspflicht ( Beweismittelverzeichnis), nicht ge- folgt werden kann. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vor- instanz (Rechtsbegehren 3 der Beschwerde) ist demnach abzuweisen, zu- mal der gerügte Mangel hinsichtlich der Gewährung der Akteneinsicht und der Führung des Beweismittelverzeichnisses auf Beschwerdestufe geheilt wurde. 4.3 4.3.1 In der Beschwerde wurde des W eiteren gerügt, das SEM habe mit der angefochtenen Verfügung die Begründungspflicht verletzt. 4.3.2 Die Begründungspflicht, als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs, gebie- tet, dass die betroffene Person den Entscheid gestützt auf die Begründung sachgerecht anfechten kann und sich sowohl die betroffene Person als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6; LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: Auer /Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge- setz über das VwVG, 2. Aufl., 2019, Rz. 5 ff. zu Art. 35 VwVG). 4.3.3 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung ausreichend darge- legt, weshalb es die Flüchtlingseigens chaft des Beschwerdeführers ver- neint und eine Rückkehr als zulässig und zumutbar erachtet. Damit ist das SEM den Anforderungen an die Begründungspflicht nachgekommen. Da- bei musste es sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behaup- tung und jedem r echtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränkten (vgl. BVGE 2008/ 47 E. 3.2). Sowohl der Beschwerdeführer als auch das Bundesverwal- tungsgericht konnten sich von der Tragweite des Entscheides und den we- sentlichen Überlegungen des SEM in Bild machen und dem Beschwerde- führer war es offensichtlich möglich, den Entscheid sachgerecht anzufech- ten. Ob der Begründung der Verfügung in allen Punkten gefolgt werden kann oder nicht, ist indes eine Frage der materiellen Beurteilung des Sach- verhalts. D-2160/2017 Seite 20 4.3.4 Die Vorinstanz hat beim Erlass der angefochtenen Verfügung nicht gegen ihre Begründungspflicht verstossen. Der diesbezügliche Antrag (Rechtsbegehren 4 der Beschwerde) ist abzuweisen. 4.4 4.4.1 In der Replik verlangte der Beschwerdeführer, die in der Beschwerde gelten gemachten Rügen hinsichtlich der Verletzung der Begründungs- pflicht seien zudem unter dem Blickwinkel einer unrichtigen und/oder will- kürlichen Beweiswürdigung zu prüfen. 4.4.2 Willkür liegt gemäss Lehre und Rechtspre chung nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuzie- hen wäre, sondern nur dann, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz klar verletzt oder in stossen- der Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. JÖRG PAUL MÜL- LER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, S. 11; BGE 133 I 149 E. 3.1, m.w.H.). Dabei muss rechtsgenüglich da rgelegt werden, inwiefern die beanstandete Begründung willkürlich sein soll (BGE 116 Ia 426 S. 428, m.w.H.). 4.4.3 Die geltend gemachte Verletzung des Willkürverbots ist nicht genü- gend substantiiert und vorliegend auch nicht ersichtlich. Eine andere Wür- digung des Sachverhalts als vom Beschwerdeführer gewünscht, bedeutet jedenfalls noch keine Willkür. 4.5 4.5.1 Ferner wurde geltend gemacht, die Vorinstanz habe im Zusammen- hang mit seinen individuellen Asylgründen und der Einschätzung der Lage in Sri Lanka den Sacherhalt unrichtig und unvollständig abgeklärt. 4.5.2 Im Asylverfahren gilt – wie in anderen Verwaltungsverfahren auch – der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. Sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendi- gen Unterlagen und das Abklären sämtlicher r echtsrelevanter Tatsachen (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 142; PATRICK KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER/FABIO BABEY, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxis- kommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl., 2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG). D-2160/2017 Seite 21 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 A bs. 1 Bst. b AsylG, Art. 49 Bst. b VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfü- gung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachver- halt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berück- sichtigt hat (vgl. CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Auer/Mül- ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal- tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl., 2019, Rz. 16 zu Art. 12 VwVG). 4.5.3 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass das SEM die individuellen Asyl- gründe des Beschwerdeführers genügend abgeklärt hat. Wie zuvor festge- stellt, konnte der Beschwerdeführer, der die Substantiierungslast trägt, seine Asylgründe im Rahmen der Befragungen im vorinstanzlichen Verfah- ren umfassend darlegen. Das SEM hielt im Sachverhalt denn auch alle wesentlichen Sachverhaltselemente fest. Nachdem der Beschwerdeführer nicht geltend gemacht hat, dass der angebliche Reichtum seiner Familie ernsthafte (im Sinne von Art. 3 AsylG) Auswirkungen auf ihn oder seine Fa- milie gehabt hat und Folternarben im Rahmen des erstinstanzlichen Ver- fahrens nicht erwähnt, sondern e rst auf Beschwerdeebene geltend ge- macht wurden, liegt in diesem Zusammenhang keine ungenügende Sach- verhaltsabklärung seitens des SEM vor. Das Gleiche gilt für die auf Be- schwerdeebene dargelegten exilpolitischen Aktivitäten. Es bestand somit auch in dieser Hinsicht für das SEM keine Veranlassung zu weiteren Ab- klärungen. Weiter würdigte das SEM die Ausführungen des Beschwerde- führers vor dem Hintergrund der – zum Verfügungszeitpunkt – aktuellen Lage in Sri Lanka. Dabei war es nicht gehalten, Nachforschungen zu Par- teibehauptungen anzustellen, die nicht im direkten Zusammenhang mit den persönlichen Vorbringen des Beschwerdeführers stehen. Alleine der Umstand, dass das SEM in seiner Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen als vom Beschwerdeführer vertreten Linie folgt , und es aus sachlichen Gründen zu einer anderen Wü rdigung der Vorbringen sowie einem ande- ren Ergebnis bei der Risikoanalyse gelangte als von diesem verlangt, stellt keine unvollständige und unrichtige Sachverhaltsfeststellung dar, sondern beschlägt die Frage der materiell-rechtlichen Würdigung. 4.5.4 Im Zusamme nhang mit den in der Schweiz lebenden und bereits 1991, 1998 beziehungsweise 2006 und 2002 respektive 2006 in die Schweiz eingereister Geschwistern des Beschwerdeführers hat letzterer D-2160/2017 Seite 22 im Rahmen der Befragung und der Anhörung nie geltend gemacht, vor sei- ner Ausreise irgendwelche Probleme gehabt zu haben. Ausserdem brachte er im Beschwerdeverfahren nicht konkret vor, inwiefern die Konsultation dieser Asylakten in seinem Fall die Entscheidung beeinflussen könnte. Bei dieser Sachlage ist nicht erkennbar, inwiefern das SEM seine Abklärungs- pflicht in Bezug auf den familiären Hintergrund der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorbringen verletzt haben sollte. Sodann ist festzuhal- ten, dass die Asyldossiers seiner Geschwister (N […], N […] und N […]), für die Beurteilung des vorliegenden Verfahrens beigezogen wurden, wo- mit dem entsprechenden Prozessantrag entsprochen wurde. Des Weiteren wurde dem Beschwerdeführer, nachdem er am 23. Mai 2017 mit der Ein- verständniserklärung seines Bruders vollumfänglic he Einsicht in dessen Asylakten (N […]) beantragte, Akteneinsicht gewährt. In der Folge nahm er in der ergänzenden Stellungnahme zur Replik ausführlich Stellung (vgl. BVGer-Akte 8). Hinsichtlich der beantragten Einsicht in die Akten der beiden anderen Geschwister (N […] und N […]) ist folgendes festzuhalten: Nachdem der Vorinstanz mit Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. Februar 2022 die Erklärung betreffend Beizug der Asylakten der Schwester des Beschwerdeführers vom 18. Oktober 2021 weitergelei tet wurde, gewährte sie dem Beschwerdeführer am 21. März 2022 Einsicht in deren Akten. Zu diesen nahm er mit seiner Eingabe vom 13. April 2022 Stellung (vgl. BVGer-Akte 21). Da es ihm bis dato nicht gelungen ist, eine Einwilligungserklärung seines Bruders J._______ zur Einsichtnahme in dessen vorinstanzlichen Akten (N […]) zu beschaffen, ist der Antrag auf vollumfängliche Einsicht in diese Akten dementsprechend abzuweisen. 4.5.5 Bei der vorgebrachten Rüge, die Vorinstanz habe nicht berücksich- tigt, dass er bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka unter den gegebenen Um- ständen mit einer Vorladung auf das sri-lankische Generalkonsulat zwecks Beschaffung der Reisepapiere und mit einer asylrelevanten Ver folgungs- gefahr zu rechnen habe (vgl. das eingereichte Formular zur Besc haffung von Ersatzreisepapieren bei einer Rückschaffung, BVGer-Akte 1, Bei- lage 7), handelt es sich nicht um bestehende Sachverhaltselemente, son- dern um hypothetische Zukunftsszenarien. Schon aus diesem Grund kann diesbezüglich keine ungenügende Sachverhalt sfeststellung seitens des SEM festgestellt werden. Für spezifische Abklärungen im Zusammenhang mit der Beschaffung von Reisepapieren bestand und besteht jedenfalls we- nig Veranlassung. Auch die Rüge unter Bezugnahme auf einen in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am Sonntag vom (…) 2016 veröffentlichen Bericht (vgl. BVGer-Akte 1, Beilage 8) läuft ins Leere. Die Ausführungen zu den Ereignissen bei den Ausschaffungen vom (…) 2016 betreffen nicht die D-2160/2017 Seite 23 Erstellung, sondern die materielle Würdigung des rechtserheblichen Sach- verhalts. Die Vorgehensweise der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde demnach richtig und vollständig fest- gestellt. 4.5.6 Schliesslich ist auch die Rüge, das SEM habe die Risikofaktoren im Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 nicht gemäss der aktuellen Recht- sprechung geprüft, sondern sich an einer veralteten Rechtsprechung und seinem Lagebild vom 16. August 2016 orientiert (vgl. hierzu BVGer-Akte 1, Beilagen 10 und 11), unberechtigt. Auch hier vermengt der Beschwerde- führer die Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache. Alleine der Umstand, dass das SEM zum einen in seiner Länderpra xis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt und diese auf andere Quellen stützt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und es zum anderen aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen gelangt, als von diesem verlangt, spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung (dasselbe gilt in Bezug auf die Begründungspflicht; vgl. E. 4.3.3 hiervor). Eine unvollstän- dige oder unrichtige Sachverhaltserstellung kann nicht erkannt werden. Hinsichtlich der seitens des Beschwerdeführers au f Beschwerdeebene konkret geltend gemachten Risikofaktoren wird auf die nachfolgende Prü- fung der Asylvorbringen verwiesen. 4.5.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der rechtserhebliche Sach- verhalt als erstellt zu erachten ist, weshalb auch dieser Rückweisungsan- trag (Rechtsbegehren 5 der Beschwerde) abzuweisen ist. 4.6 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das SEM das Asylverfahren gesetzeskonform durchgeführt hat. Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet. 5. 5.1 Der Beschwerdeführer stellte im Laufe des Beschwerdeverfahrens für den Fall einer materiellen Beurteilung seiner Beschwerde durch das Bun- desverwaltungsgericht mehrere Beweisanträge (vgl. BVGer-Akten 1, Ziff. 6, S. 36 f., 8, S. 3 und 11, S. 9). 5.2 Die Anträge betreffend Akteneinsicht, Führung eines korrekten Beweis- mittelverzeichnisses, Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einrei-D-2160/2017 Seite 24 chung einer Beschwerdeergänzung sowie betreffend Beizug der und Ein- sicht in die Asyldossiers seiner Geschwister sind gegenstandslos gewor- den (vgl. E. 4.2.3, E. 4.2.4 und E. 4.5.4 hiervor). 5.3 Soweit in der Beschwerde um Ansetzung einer Frist zur Einreichung von Fotos seiner Narben ersucht wurde, ist festzuhalten, dass sich der Be- schwerdeführer seit (…) 2015 in der Schweiz aufhält und damit genügend Möglichkeit und aufgrund seiner Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG auch die Pflicht zur Einreichung entsprechender Beweismittel gehabt hätte. Nachdem er mit Verfügung vom 16. Mai 2017 aufgefordert wurde, eine Replik und entsprechende Beweismittel einzureichen (vgl. BVGer-Akte 6) und er daraufhin unter anderem drei Fotos von seinen Narben zu den Akten reichte (vgl. BVGer-Akte 7, Beilage 22), erweist sich der diesbezügliche Antrag ebenfalls als gegenstandslos. 5.4 Sodann ist auch der Antrag, es sei dem Beschwerdeführer eine ange- messene Frist zur Beibringung von Beweismittel zu seinem exilpolitischen Engagement anzusetzen, durch die mit Eingabe vom 24. November 2021 eingereichten Fotografien (vgl. BVGer-Akte 11, Beweismittel 45) gegen- standslos geworden. 5.5 Der Antrag, der Beschwerdeführer sei durch eine Fachperson, welche über genügend Länderhintergrundinformationen verfüge, erneut ausführ- lich zu seinen Asylgründen anzuhören ist ebenfalls abzuweisen. Der Be- schwerdeführer wurde zweimal (vgl. SEM-Akten A24 und A35) eingehend zu seinen Asylgründen angehört und hatte somit genügend Gelegenheit, seine Vorbringen vollständig und substantiiert darzulegen. Zudem ist der Sachverhalt – wie bereits dargelegt (vgl. vorstehend E. 4.5) – als hinrei- chend erstellt zu erachten und er konnte im Beschwerdeverfahren Ergän- zungen und Berichtigungen anbringen sowie weitere Beweismittel nach- reichen, weswegen keine erneute Anhörung angezeigt ist (vgl. auch Art. 32 VwVG). 5.6 Schliesslich ist auch der Antrag, es sei eine mündliche Parteiverhand- lung durchzuführen, abzuweisen. Im Beschwerdeverfahren in Asylsachen besteht kein Anspruch auf eine öffentliche Parteiverhandlung, da weder das AsylG noch das VwVG einen solchen vorsehen und keine zivil - oder strafrechtliche Angelegenheit im Sinne von Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) zu klären ist (vgl. Art. 40 Abs. 1 VGG). D-2160/2017 Seite 25 6. 6.1 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt hat. 6.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachte ilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs- gericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da- rauf kann hier verwiesen werden (vgl. beispielsweise BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2 sowie 2010/57 E. 2.2 f., jeweils m.w.H.). 6.4 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte sub- jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss von Asyl, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge- setzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön- nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.D-2160/2017 Seite 26 7. 7.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Aussagen des Beschwerdeführers, wo- nach er verdächtigt worden sei, drei tamilische LTTE-Helfer beherbergt zu haben, und infolgedessen zwei Mal verhaftet und dabei misshandelt wor- den zu sein, seien logisch nicht nachvollziehbar. So habe er nicht plausibel erklären können, warum seine Mutter und er ausgerechnet Tamilen als Un- termieter hätten haben wollen, zumal sie damit hätten rechnen müssen, dass es sich bei ihnen um LTTE-Helfer handeln könnte. Weiter sei im Falle der Verhaftung von drei mutmasslichen Terrorristen davon a uszugehen, dass die sri-lankischen Behörden einen Durchsuchungsbefehl gehabt und dem Beschwerdeführer nicht gleich beim Eindringen in dessen Wohnung mitgeteilt hätten, er werde ebenfalls verdächtigt, die LTTE zu unterstützen. Ausserdem sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beamten ihn bei einem Terrorismusverdacht nicht in ihr Quartier oder zur zuständigen Einheit ge- bracht hätten, sondern ihn ohnmächtig geschlagen und dann an einen un- bekannten Ort gebracht haben sollen. Sodann habe er nicht plausibel er- klären können, warum er aufgrund seines Passes bei der Rückkehr nach Sri Lanka verdächtigt worden sei, zumal er legal ausgereist sei. Überdies sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Behörden ihn direkt nach seiner Frei- lassung im (…) 2015 etliche Male innert kürzester Zeit aufsuchen und vor- laden sollten, obwohl er davor monatelang intensiv befragt worden sei. Des Weiteren sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, seine In- haftierungen in den Jahren 2013 und 2015 konkret und differenziert darzu- stellen. Die Beschreibung der Räume sei klischeehaft ausgefallen und die Schilderung des Gefängnisalltags würden keine lebenstypischen Differen- zierungen und Details enthalten. Auch zu den zahlreichen Verhören habe er nur vage Aussagen gemacht. Ebenso wenig sei es i hm gelungen, die Ereignisse auf dem Polizeiposten in L._______ konkret zu beschreiben. Alsdann würden bezüglich dem Zeitpunkt seines letzten Verhörs vor seiner Freilassung im Jahr 2015 sowie der Zeitspanne zwischen seiner Freilas- sung im Jahr 2015 und seiner Flucht aus Sri Lanka Widersprüche beste- hen, welche er nicht überzeugend habe auflösen können. Die Botschafts- abklärung habe schliesslich die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen bestä- tigt, da sich zwischen seinen Aussagen und denjenigen seiner Mutter zahl- reiche Ungereimtheiten ergeben hätten. Insgesamt habe der Beschwerde- führer nicht glaubhaft machen können , vor der Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Vielmehr sei er bis D-2160/2017 Seite 27 im (…) 2015, also nach Kriegsende noch vier bezie hungsweise sechs Jahre, in Sri Lanka wohnhaft gewesen. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Aus- reise bestehenden Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden auszulösen vermocht. Aufgrund der Aktenlage sei nicht e rsichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der sri -lankischen Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. 7.2 In der Beschwerde wurde in Bezug auf die Glaubhaftigkeit der Vorbrin- gen zunächst ausgeführt, die drei tamilischen Mieter seien von einem Im- mobilienmakler vermittelt worden, weshalb der Beschwerdeführer davon ausgegangen sei, dass der Hintergrund dieser Personen abgeklärt worden sei. Spätestens nach der Ausstellung der Polizeibestätigung hätte e r je- doch annehmen dürfen, dass sie behördlich nicht verdächtigt oder gesucht worden seien. Zudem habe er klar vorgebracht, dass er tamilische Mieter bevorzugt habe, weil er als Tamile in einem singhalesischen Gebiet nur einen schlechteren Stand gehabt hätt e und sich gegenüber singhalesi- schen Mietern nicht hätten durchsetzen können respektive mit Problemen hätte rechnen müssen. Hinsichtlich der von der Vorinstanz vertretenen An- sicht, wonach man bei allen Tamilen aus dem Norden damit rechnen müsse, dass es sich bei diesen um LTTE-Helfer handle, sei dies als absolut unbegründete Unterstellung zu qualifizieren. Soweit für das SEM das Ver- halten der Beamten anlässlich der Festnahme des Beschwerdeführers nicht nachvollziehbar sei, sei entgegen zu halten, dass ein Verfolgter die Beweggründe und Motive seiner Verfolger nicht kennen könne und müsse. Zudem würden die vorinstanzlichen Ausführungen gesicherten Erkenntnis- sen zur Situation in Sri Lanka widersprechen, denn die sri-lankischen Si- cherheitskräfte würden sich gerade bei der Verfolgung von Terrorismusver- dächtigen nicht an die legalen Schranken halten. Ausserdem sch liesse eine legale Ausreise aus Sri Lanka nicht aus, dass bei einer Rückkehr mit Problemen gerechnet werden müsse, zumal bekannt sei, dass gerade Per- sonen, die im Zusammenhang mit einem Verdacht auf LTTE-Unterstützun- gen inhaftiert worden seien in Sri Lanka einer erhöhten behördlichen Über- wachung ausgesetzt seien. Hinsichtlich des Vorhalts des SEM , er habe seine Inhaftierungen nur wenig konkret, detaillierten und differenziert vor- gebracht, sei auf den Umfang der Befragungsprotokolle und insbesondere auf die Länge seiner freien Erzählungen zu verweisen, welche einen An- haltspunkt für seine ausführlichen, detaillierten und substantiierten Anga- ben bilden würden. Ferner würden seine Schilderungen dank der wieder- gegebenen freien Rede, der zahlreichen kleinen und un wichtigen Details, D-2160/2017 Seite 28 seinen mehrmaligen Emotionsausbrüche n aber auch aufgrund der teil- weise anachronischen Erzählweise extrem glaubhaft ausfallen. Das SEM werfe ihm sodann vor, seine Vorbringen bezüglich seines Aufenthalts in Sri Lanka nach seiner Freilassung im Jahr 2015 sowie bezüglich des Zeitpunk- tes des letzten Verhörs vor dieser Freilassung seien widersprüchlich aus- gefallen. Angesichts dessen, dass die ergänzende Anhörung hauptsäch- lich deswegen durchgeführt worden sei, damit überprüft werden könne, ob im Vergleich zur ersten Anhörung Widersprüche resultieren würden, der Länge der beiden vertieften Befragungen und deren zeitlichen Distanz, seien die kleineren zeitlichen Abweichungen von einigen Tagen vernach- lässigbar. Insoweit die Vorinstanz schliesslich aufgrund der Resultate der Botschaftsabklärung und insbesondere der Befragung seiner Mutter auf die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen schliesse, sei festzuhalten, dass seine Mutter keine direkte Zeugin sei, da sie die meisten Informationen zu seinen Problemen über das Höhensagen erhalten habe. Weiter sei ange- sichts ihres Gesundheitszustands stark anzuzweifeln, dass von der Ver- lässlichkeit ihrer Aussagen ausgegangen werden könne. Ferner wurde da- rauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer zahlreiche der im Referenz- urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15 Juli 2016 defi- nierten Risikofaktoren, die zur Annahme einer begründeten Furcht bei ei- ner Rückkehr nach Sri Lanka führen müssten, erfülle: behördlicher Ver- dacht der LTTE-Unterstützung, Reflexverfolgung wegen seines familiären Hintergrunds, Wahrscheinlichkeit der Registrierung auf einer "Stop - oder Watch-List", langjähriger Aufenthalt in der Schweiz und damit einem tami- lischen Diasporazentrum, Folternarben, Fehlen von gültigen Einreisepa- pieren und Reichtum der Familie. Bei dieser Konstellation würde es bei einer allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka am Flughafen in Colombo zu ei- ner näheren Überprüfung des Beschwerdeführers kommen, was entweder am Flughafen oder zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Ve rhaftung mit den entsprechenden asylrelevanten Folgen führen würde. 7.3 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, Narben könnten zahlreiche Ursachen haben und müssten nicht im Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorbringen stehen. Ausserdem würden Narben für sich alleine gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung kein Risikoprofil darstellen. Da d er Beschwerdeführer nicht habe glaubhaft machen können, dass er in Sri Lanka asylrele vante Probleme gehabt habe, würden allfälligen nachgereichten Bildern von Nar- ben deshalb kein Beweiswert zukommen. Zur angeblichen Gefährdung durch den Aufenthalt von Verwandten in der Schweiz sei zu betonen, dass D-2160/2017 Seite 29 die Asylgesuche seiner Geschwister abgelehnt und diese lediglich aus hu- manitären Gründen vorläufig aufgenommen worden seien beziehungs- weise Aufenthaltsbewilligungen erhalten hätten. Da die Ausreise n seiner Familienangehörigen schon viele Jahre zurückliegen würden, sie demnach in den letzten Jahren keine politischen Aktivitäten in Sri Lanka ausgeübt hätten, bestünde auch bezüglich der Verwandtschaft des Beschwerdefüh- rers kein Risikofaktor bei einer Rückkehr. Weiter werde er nicht durch die Behauptung, dass seine Familie in Sri Lanka reich sei, gefährdet, zumal er nicht glaubhaft habe machen können, dass er deshalb Probleme vor seiner Ausreise gehabt habe. 7.4 Mit der Replik reichte der Beschwerdeführer drei Fotos von seinen Nar- ben zu den A kten (vgl. BVGer-Akte 7, Beilage 22) und brachte vor, dass damit zweifelsfrei belegt werde, dass er über solche verfüge. Weiter sei klar, dass diese – unabhängig von deren Entstehungsgeschichte – bei ei- ner Rückkehr nach Sri Lanka anlässlich der Befragung durch die Polizei, den CID und der Terrorism Investigation Division (TID) zu Fragen und an- schliessend zu seiner Verfolgung führen würden. Ausserdem reichte er un- ter anderem einen ärztlichen Bericht betreffend seine Mutter vom (…) 2017 ins Recht (vgl. BVGer-Akte 7, Beilage 23), aus welchem hervorgehe, dass sie an einem (…), einer (…) und einer (…) leide. Angesichts ihrer gesund- heitlichen Beschwerden sei davon auszugehen, dass die Abklärung des SEM zwangsläufig Fehlergebnisse aufweise n würde und dementspre- chend auch in fragwürdigem Licht erscheine. Ferner wurden die aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka mit Verweis auf zahlreiche allgemeine Berichte erläutert (vgl. BVGer-Akte 7, Beilagen 25 bis 49). 7.5 In der ergänzenden Stellungnahme vom 28. Juni 2017 wurde ausge- führt, beim älteren Bruder des Beschwerdeführers, I._______ (N […]), handle es sich um einen Zwangsrekrutierten der LTTE, welcher nicht nur administrativ, sondern beim Kampf gegen die sri -lankischen Behörden im weitesten Sinne mitgewirkt habe. Der Umstand, dass er zur LTTE -Unter- stützung gezwungen worden sei, schmälere die Relevanz seiner Tätigkei- ten in keiner Weise, denn die sri-lankischen Behörden würden eine er- zwungen LTTE-Unterstützung gleich werten, wie wenn sie auf freiwilliger Basis erfolgt wäre. Weil der Beschwerdeführer damit in seiner nahen Ver- wandtschaft eine Verbindung zur LTTE aufweise, erfülle er klarerweise die Risikofaktoren bundesgerichtlicher Praxis und wäre bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt. Des Weiteren machte er geltend, er habe sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt. D-2160/2017 Seite 30 7.6 Mit Eingabe vom 24. November 2021 brachte der Beschwerdeführer vor, aus der Botschaftsabklärung ergebe sich, dass die Erzählung der Mut- ter mit seinen relevanten Vorbringen übereinstimmen würden. Damit sei der ungerechtfertigte Vorwurf des SEM, wonach seine Verfolgungsge- schichte unglaubhaft sei, widerlegt. Des Weiteren habe er sich mittlerweile in der Schweiz zu einem LTTE -Unterstützer entwickelt und an pro-tamili- schen Demonstrationen teilgenommen . Aus den eingereichten Fotos sei klar erkennbar, dass er sich für den tamilischen Separatismus und die Wie- derbelebung der LTTE eingesetzt habe. Ferner wies er auf eine erneute Verschlechterung der Sicherheits- und Menschenrechtslage in Sri Lanka hin. 7.7 Nach Offenlegung der Akten seiner Schwester führte der Beschwerde- führer in seiner Eingabe vom 13. April 2022 aus, dass sich daraus für das vorliegende Beschwerdeverfahren explizit keine zusätzlichen rechtserheb- lichen Erkenntnisse ergeben würden. Nichtsdestotrotz sei zu berücksichti- gen, dass seine Geschwister in der Schweiz leben würden und hier Schutz erhalten hätten. 8. 8.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung nachzuweisen oder zumin- dest glaubhaft zu machen. 8.2 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer – entgegen der An- sicht der Vorinstanz – durchaus nachvollziehbar erklären konnte, weshalb er und seine Mutter Tamilen als Untermieter bevorzugt hätten. So erklärte er auf entsprechende Nachfrage, dass sie als Tamilen in einem singhalesi- schen Gebiet zur Minderheit gehört hätten und sich gegenüber einem sin- ghalesischen Mieter nicht hätten durchsetzen können respektive mit Prob- lemen hätten rechnen müssen (vgl. SEM-Akte A35, F26–29). Da ihnen die drei Mieter von einem Immobilienbroker vermittelt wurden (vgl. SEM-Ak- ten A24, F66 und A35, F26) und sie diese vorschriftsgemäss bei der Polizei angemeldet hatten (vgl. SEM-Akten A25, F64 und A35, F30 f.), mussten sie nicht damit rechnen, dass es sich bei diesen um LTTE-Helfer handelte. 8.3 Demgegenüber konnte der Beschwerdeführer, welcher eigenen Anga- ben zufolge selber nie für die LTTE oder eine mit ihr verwandten Organisa- tion tätig war (vgl. SEM-Akte A25, F167), nicht glaubhaft machen, dass er im Zusammen hang mit den ihm unterstell ten LTTE -Verbindungen am (…) 2013 erstmals inhaftiert wurde. Zwar ist ihm insoweit zuzustimmen, als D-2160/2017 Seite 31 ihm gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung ein allfällig unlogisches oder inkohärentes Verhalten seiner Verfolger nur mit grosser Zurückhaltung angelastet werden kann (vgl. zur Zurückhaltung beim Krite- rium der Plausibilität von Verfolgungshandlungen Urteil des BVGer D - 7912/2016 vom 12. Februar 2015 E. 5.1 m.w.H.). Die Argumentation der Vorinstanz bezüglich der Vorgehensweise bei der Hausdurchsuchung und der anschliessenden Festnahme bleibt damit ohne entscheidendes Ge- wicht, weil sich über die übliche Vorgehensweise der sri-lankischen Sicher- heitsbehörden in solchen Fällen nur mutmassen lässt. Der Beschwerde- führer war allerdings nicht in der Lage , seine zweiwöchige Inhaftierung überzeugend darzulegen. So vermochte er weder ausführliche Angaben zu den Räumlichkeiten, in welchen er festgehalten wurde (vgl. SEM- Akte A24, F74 und F76) noch zum Tagesablauf (vgl. SEM-Akte A24, F78 f.) zu machen. Seine Beschreibungen der Haftbedingungen lassen je- denfalls nicht den Eindruck entstehen, als dass er die Ereignisse tatsäch- lich durchlebt hätte. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zu- treffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung des SEM verwie- sen werden (vgl. dort E. II, Ziff. 1, S. 4). Zwar brachte er anlässlich der Be- fragungen übereinstimmend vor, während seiner Haft vier Mal befragt wor- den zu sein, wobei das zweite Verhör besonders schlimm für ihn gewesen sei, weil die befragende Person streng gewesen sei und ihn getreten habe (vgl. SEM-Akten A24, F83 und F87 sowie A35, F52 und F55). Zudem be- schrieb er die Kleidung seines ersten Befragers detailliert (vgl. SEM-Ak- ten A24, F85 und A35, F53). Insgesamt blieben seine Ausführungen zu den Befragungen jedoch oberflächlich, enthielten keine weiteren wesentlichen Details und liessen den persönlichen Bezug vermissen. Sodann bestehen hinsichtlich seiner Freilassung Unstimmigkeiten, denn in der ersten Anhö- rung gab er an, er ha be eine weite Strecke laufen müssen (vgl. SEM- Akte A24, F89) , wohingegen er in der zweiten Anhörung vorbrachte, er habe nur eine kurze Strecke zu Fuss gehen müssen und sei dann zehn Minuten mit dem Fahrzeug transportiert worden (vgl. SEM-Akte A35, F56). Des Weiteren fielen seine Schilderungen zur anschliessenden behördli- chen Überwachung bis zu seiner Ausreise am (…) 2013 nicht nur inkonsis- tent, sondern auch oberflächlich und vage aus. So gab er in der ersten Anhörung an, er habe nach seiner Freilassung häufig festgestellt, dass er von unbekannten CID-Leuten verfolgt worden sei und zu Befragungen bei der Polizei habe erscheinen müssen (vgl. SEM-Akte A25, F64 und F94). In der ergänzenden Anhörung gab er diesbezüglich zu Protokoll, nach seiner Haftentlassung se ien Angehörige des CID immer wieder zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn auch einige Male auf der Strasse ange-D-2160/2017 Seite 32 halten. Ferner konnte er seine Festnahme und seinen eintägigen Aufent- halt auf dem Polizeiposten in L._______ nicht substantiiert darlegen (vgl. SEM-Akten A25, F95 f. und A35, F77 ff.), weshalb diesem die Glaub- haftigkeit abzusprechen ist. Sodann widerspricht es der allgemeinen Erfah- rung, dass sich der Beschwerdeführer, welcher unter Beobachtung der sri- lankischen Behörden gestanden haben soll, k eine Gedanken über mögli- che Konsequenzen machte, als er sich entschloss, Sri Lanka in Richtung F._______ zu verlassen (vgl. SEM-Akte A35, F82 f.). Die Tatsache, dass er mit einem gültigen (…) Visum und seinem eigenen Reisepass per Flug- zeug nach F._______ ausreisen konnte, spricht jedenfalls gegen ein be- stehendes Verfolgungsinteresse der sri -lankischen Behörden. Hätten die sri-lankischen Behörden ein Verfolgungsinteresse an ihm gehabt, wäre dies wohl kaum möglich gewesen, zumal eine Ausreise über den Flughafen elektronisch registriert wird (vgl. hierzu beispielsweise Urteil des BVGer D-5848/2016 vom 4. September 2017 E. 6.4.2). Im Übrigen spricht auch seine Rückkehr im (…) 2015 gegen eine subjektive Verfolgungsfurcht, da zu bezweifeln ist, dass sich eine tatsächlich verfolgte Person bedenkenlos und willentlich wieder in den Machtbereich des verfolgten Staates begeben würde. 8.4 Dadurch, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen konnte, vor seiner Ausreise nach F._______ wegen seinen Verbindungen zu LTTE- Helfer ins Visier der sri-lankischen Polizei geraten zu sein, ist folglich auch der geltend gemachten Festnahme am Flughafen nach seiner Wiederein- reise am (…) 2015 die Grundlage entzogen. Ergänzend ist festzustellen, dass er die Umstände seiner Festnahme am Flughafen in E._______ nach der Passkontrolle nur oberflächlich wiedergab (vgl. SEM-Akten A24, F64 und F99–F104 sowie A35, F88 f.). Seine Angaben zum Alltag in Gefangen- schaft fielen ebenfalls wenig substantiiert aus und lassen insbesondere persönlich geprägte Eindrücke vermissen (vgl. SEM-Akte A24, F64, F122 f., F128–132 und F149 f.), was bei einer angeblich durchgestande- nen zweimonatigen Haft durchaus zu erwarten gewesen wäre. Ebenso schilderte er die insgesamt 14 Verhöre während seiner Haft weitgehend gehaltlos und ohne persönlich geprägte Realkennzeichen (vgl. SEM-Ak- ten A24, F64 und F133–F147 sowie A35, F100 f., F103 f.). Dabei wäre zu erwarten gewesen, dass er detailliert, emotionsbehaftet u nd erlebnisba- siert vom (inhaltlichen) Verlauf der Befragungen, den dabei erlittenen Miss- handlungen sowie seinen Peinigern hätte berichten können, wenn er die Ereignisse tatsächlich auf die geschilderte Art und Weise erlebt hätte. Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festhielt, erscheint es zudem unwahrscheinlich, dass er direkt nach seiner Freilassung von der D-2160/2017 Seite 33 Spezialeinheit der sri-lankischen Polizei aufgesucht und zu weiteren Befra- gungen vorgeladen worden sein soll, obwohl er zuvor zwei Mo nate lang festgehalten und wiederholt unter Gewaltanwendung befragt worden sein soll. Insofern als er die Vermutung äusserte, die sri -lankischen Behörden hätten – nachdem für seine Freilassungen bereits zwei Mal Bestechungs- geld bezahlt worden sei – noch mehr Geld gewollt (vgl. SEM-Akten A25, F125 sowie A35, F132 und F179), ist entgegen zu halten, dass er nach seiner Haftentlassung gemäss Aktenlage weder erpresst noch bedroht wurde. Diesfalls wäre – unter Vorbehalt der Glaubhaftigkeit – ohnehin da- von auszugehen, dass es sich nicht um eine Verfolgung durch staatliche Behörden, sondern vielmehr um die kriminelle Tat von Privatpersonen, wel- che sich dadurch unrechtmässig bereichern wollten, handelt. Ein asylrele- vantes Motiv könnte darin jedenfalls nicht erblickt werden. Sodann fielen die Angaben des Beschwerdeführers zur Zeitspanne zwischen seiner Frei- lassung bis zu seiner Ausreise widersprüchlich aus. In der Anhörung er- klärte er, er habe nach seiner Haftentlassung noch vier Tage in Sri Lanka verbracht (vgl. SEM-Akte A24, F64 und F161), wohingegen er in der zwei- ten Anhörung angegeben habe, zwei oder drei Wochen in Sri Lanka gelebt zu haben (vgl. SEM-Akte A35, F139). Als er mit seinen widersprüchlichen Aussagen konfrontiert wurde, vermochte er diese nicht aufzulösen , son- dern verstrickte sich in weitere Ungereimtheiten (vgl. SEM-Akte A35, F141–F147). Soweit in der Beschwerde argumentiert wurde, dass es sich lediglich um eine unbedeutende Abweichung handle und zwischen den An- hörungen mehr als eineinhalb Jahre liegen würden, ist entgegen zu halten, dass es sich hierbei durchaus um eine gravierende Unstimmigkeit handelt, welche nicht nur ein nebensächliches Element des Sachvortrages des Be- schwerdeführers betrifft. Alsdann wurde offenbar bis heute nicht offiziell nach ihm gesucht, und es wurde auch kein Strafverfahren gegen ihn ein- geleitet; es lag insbesondere offenbar weder ein Haftbefehl gegen ihn vor noch wurde an seine Adresse eine Vorladung für eine weitere Befragung geschickt. Zwar gab er an, von seinem in Sri Lanka l ebenden Freund, mit welchem er weiterhin in Kontakt stehe, erfahren zu haben, dass in seinem Heimatland weiterhin nach ihm gesucht werde (vgl. SEM-Akte A24, F27), allerdings legte er hierfür keine Beweise vor. 8.5 Bezüglich der Botschaftsabklärung sieht das Gericht keinen Anlass, die Zuverlässigkeit der Ergebnisse in Zweifel zu ziehen. Dennoch sind die Aus- sagen der Mutter des Beschwerdeführers als Gefälligkeit zu qualifizieren, da es sich bei ihr um eine dem Beschwerdeführer nahestehenden Person handelt. Weiter räumte der Beschwerdeführer selber ein, dass sie seine Probleme nur vom Hörensagen her kenne und an Gedächtnisschwächen D-2160/2017 Seite 34 leide, weshalb sie keine taugliche Zeugin sei (vgl. BVGer-Akte 1, S. 9 und 7, S. 5 f.). Vor diesem Hintergrund vermag die Botschaftsabk lärung auf- grund des beschränkten Beweiswerts der Aussagen der Mutter des Be- schwerdeführers die geltend gemachte Gefährdungslage nicht zu stützen. Zudem gab seine Mutter zwar den Kerngehalt seiner Verfolgungsge- schichte übereinstimmend wieder, ihre Angaben e nthielten jedoch auch Ungereimtheiten, welche der Beschwerdeführer weder in der ergänzenden Anhörung (vgl. SEM-Akte A35, F162–F175) noch auf Beschwerdeebene (vgl. BVGer-Akte 11, S. 2 ff.) plausibel aufklären konnte. Um Wiederholun- gen zu vermeiden, ist auf die entsprechenden Ausführungen in der ange- fochtenen Verfügung des SEM zu verweisen (vgl. dort E. II, Ziff. 1, S. 4). 8.6 Schliesslich sind die weiteren eingereichten Beweismittel in Form von Berichten, welche die allgemeine Situation in Sri Lanka und nicht die kon- krete Gefährdung des Beschwerdeführers betreffen, nicht geeignet, die soeben gezogenen Schlüsse umzustossen. Auch aus den in der Be- schwerde geltend gemachten Ereignissen rund um den Ausschaffungsflug vom (…) 2016 und der Kritik an der Praxis des SEM sowie an der Recht- sprechung des Bundesverwaltungsgerichts bezüglich Rückschaffungen nach Sri Lanka kann nichts zugunsten der konkreten Situation des Be- schwerdeführers abgeleitet werden (vgl. hierzu insbesondere BVGE 2017/6 E. 4.3.3). 8.7 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Verfol- gung durch die sri -lankischen Behörden nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. 9. 9.1 Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer trotz fe hlender Verfol- gung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wegen des Bestehens eines Risi- koprofils aus anderen Gründen ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft wegen (subjektiver oder objektiver Nachfluch tgründe) anzuerkennen respektive ihm Asyl zu gewähren wäre. 9.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektiv e der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien D-2160/2017 Seite 35 (vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri- sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf- tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han- delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli- chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil- nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie- gen früherer Verhaftungen durch die sri -lankischen Behörden, üblicher- weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin- dung zu den LTTE (sogenannte stark r isikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor- derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs- weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sogenannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 f.). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub- haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson- dere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachtei- len im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Be- hörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Se- paratismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1). 9.3 Vorliegend ist nicht davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behör- den dem Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr eine Verbindung zu den LTTE im Sinne obiger Rechtsprechung unterstellen würden. Wie bereits dargelegt, vermochte er nicht glaubhaft darzulegen, dass er vor seiner Aus- reise ernsthaften Nachteilen seitens der heimatlichen Behörden ausge- setzt gewesen ist (vgl. E. 8 hiervor). Weiter wurde er keiner Straftat ange- klagt oder wegen einer solchen verurteilt und verfügt somit auch nicht über einen Strafregistereintrag. Ebenso wenig ergibt sich aus den Akten – ent- gegen den Behauptungen auf Beschwerdeebene – ein Risikoprofil, wel- ches die Annahme einer künftigen Verfolgung rechtfertigen würde. Soweit der Beschwerdeführer als Risikofaktor geltend machte, dass sein älterer Bruder von den LTTE zwangsrekrutiert worden sei, ist einzuwenden, dass er selber zu diesem Zeitpunkt sowie darüber hinaus noch bis im (…) 2015 in Sri Lanka lebte, ohne deswegen Probleme gehabt zu haben. Damit ist nicht ersichtlich, warum er aufgrund dieser Verwandtschaft einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein sollte, bei seiner Rückkehr inhaftiert zu werden. So- dann ist hinsichtlich seiner Geschwister darauf hinzuweisen, dass diese in der Schweiz nicht als Flüchtlinge anerkannt, sondern aus humanitären D-2160/2017 Seite 36 Gründen vorläufig aufgenommen wurden (vgl. N […], N […] und N […]). Da der Beschwerdeführer nicht vorbrachte, in diesem Zusammenhang Nach- teile seitens der sri-lankischen Behörden erlitten zu haben, ist dementspre- chend auch eine künftige Reflexverfolgungsgefahr aufgrund der Asylge- suchstellung seiner Geschwister in der Schweiz zu verneinen. Im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens machte er keine exilpolitischen Tätigkei- ten geltend. Das erstmals auf Beschwerdeebene erwähnte exilpolitische Engagement für die LTTE wurde nicht substantiiert aufgezeigt (vgl. BVGer- Akten 8, S. 3 und 11, S. 5). Aus den eingereichten Fotografien geht jeden- falls nicht hervor, dass er sich anlässlich der Kundgebungen in irgendeiner Art und Weise hervorgetan hätte (vgl. BVGer-Akte 11, Beilage 45). Eine solche exilpolitische Tätigkeit erreicht die Schwelle der objektiv begründe- ten Furcht vor Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG nicht, zumal davon auszugehen ist, dass die sri -lankischen Behörden blosse "Mitläufer" von Demonstrationen als solche identifizieren können und sie in Sri Lanka nicht als Gefahr wahrgenommen werden (vgl. da s Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.4). Es wird vom Beschwerdeführer denn auch nicht näher dargetan, inwiefern er sich durch dieses exilpolitische Wirken nun derart exponiert haben soll, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung haben müsste. Sodann liegen keine anderweitigen konkreten Hinweise für ein aktuell be- stehendes Verfolgungsinteresse seitens der sri -lankischen Behörden vor. Besteht – wie dies vorliegend der Fall ist – keine Verdacht auf ein risikobe- gründendes Verhalten seitens der asylsuchenden Person, reichen Narben alleine nicht aus, um bei einer Rückkehr nach Sri Lanka die Gefahr einer Verhaftung oder Folter zu begründen. So können Narben auch von ande- ren Ereignissen al s von staatlicher Misshandlung oder vom Bürgerkrieg stammen, was auch den sri -lankischen Behörden bewusst sein dürfte. Auch aus der Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, der Herkunft aus dem Norden des Landes, der mehrjährigen Landesabwesenheit, der Asylge- suchstellung in der Schweiz sowie des Fehlens ordentlicher Reisepapiere kann keine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung des Beschwerdefüh- rers abgeleitet werden (vgl. Referenzurteil des BVGer E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2). Weiter sind Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge- fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl. a.a.O. E. 8.3). Dass der Beschwerdeführer in einer "Stop- oder Watch-List" aufgeführt sein soll, er- scheint aufgrund des Gesagten höchst unwahrscheinlich. Unter Würdigung aller Umstände ist vorliegend nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass er von der sri -lankischen Regierung verdächtigt wird, bestrebt zu sein, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen, D-2160/2017 Seite 37 und so eine Gefahr für den sri -lankischen Einheitsstaat darzustellen. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene, wonach er als Angehöriger der Risi- kogruppe von Personen, die aus der Schweiz – einem tamilischen Diasporazentrum – nach län gerer Zeit zurückkehrten, verfolgt werden würde, gehen daher fehl. In Bezug auf den Reichtum seiner Familie ist festzustellen, dass es sich dabei um eine blosse, unbelegte Parteibehaup- tung handelt. Weiter stand die von ihm vorgebrachte Verfolgung in keinem Zusammenhang mit dem (angeblichen) Wohlstand seiner Familie (vgl. E. 8.4 hiervor), weshalb nicht anzunehmen ist, dass er heute in Sri Lanka wegen des Reichtums seiner Familie einem erhöhten Risiko unter- liegen würde, Opfer von Erpressungs - und Entführungsaktionen zu wer- den. 9.4 An dieser Einschätzung vermag die – wenn auch als volatil zu bezeich- nende – Lage in Sri Lanka nach den Terroranschlägen im April 2019 nichts zu ändern. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwech- sel in Sri Lanka Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka generell einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Insofern ist an der Lageeinschätzung des Referenzurteils E -1866/2015 vom 15. Juli 2016 weiterhin festzuhalten. Folglich ist weiterhin im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsident- schaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich sodann auch der neusten Verände- rungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Sicherheitslage aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zurzeit führen die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen nicht zur Annahme, dass ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Vorliegend ist diesbezüglich – wie sich aus den vorstehenden Er- wägungen ergibt (vgl. E. 8 hiervor ) – kein persönlicher Bezug zum Be- schwerdeführer ersichtlich. 9.5 Sodann kann dem Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Behörden an die sri -lanki- schen Behörden bei einer Rückkehr einer asylrelevanten Gefährdung aus- gesetzt, nicht gefolgt werden. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in BVGE 2017 VI/6 zur Frage geäussert, ob (allein) aufgrund einer Datenwei- tergabe im Zusammenhang mit dem Migrationsabkommen zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und er Regierung der Demokratischen Sozia- listischen Republik Sri Lanka vom 4. Oktober 2016 (Migrationsabkommen; SR 0.142.117.121) von einer Gefährdung auszugehen sei. Es hielt fest, D-2160/2017 Seite 38 dass es sich bei Art. 97 Abs. 3 AsylG und Art. 16 Bst. c Migrationsabkom- men um eine nicht abschliessende Aufzählung der Daten handle, die einer ausländischen Behörde für die Organisation der Ausreise der betroffenen Person übermittelt werden dürften. Bei der Ersatzpapierbeschaffung han- delt es sich, wie von der Vorinstanz festgestellt, um ein standardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren, bei dem nur die zuläs- sigen, zur Identifikation notwendigen Daten übermittelt werden. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer deshalb in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten wird (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3; vgl. ferner statt vieler Urteile des BVGer E -4795/2017 vom 22. Juli 2021 E. 4.5.2 und E-1824/2018 vom 7. Juli 2021 E. 4.5.7 m.w.H.). 9.6 Schliesslich sind die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweis- mittel, sofern sie überhaupt rechtserheblich sind, nicht geeignet, an der Würdigung der Vorbringen des Beschwerdeführers etwas zu ändern. So- fern nicht be reits auf diese eingegangen wurde, handelt es sich bei den übrigen grossmehrheitlich um Dokumente, welche die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschreiben, wobei diese keinen direkten, konkreten Bezug zur Person des Beschwerdeführers und dessen individuellen Asylvorbringen aufweisen. 9.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts vorgebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzu- weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat daher zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 10. 10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 10.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol- chen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9 je m.w.H.). Die Wegwei- sung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet. 11. 11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den D-2160/2017 Seite 39 gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Ausländer- und Integrationsgesetzes [AIG; SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 11.2 11.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entge genstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden ( vgl. Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK ; SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem- ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied- rigende Behandlung oder Strafe (FoK ; SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be- schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebli che Gefähr- dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 11.2.3 Sodann ergeben sich – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz und entgegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Ansicht – weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da- für, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener D-2160/2017 Seite 40 des UN -Anti-Folterausschusses müsste er eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass im Fall einer Rückschie- bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/ 06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. dazu das weiterhin einschlägige Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 12. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-1825/2020 vom 4. Juli 2022 E. 9.2.5). Aus den Akten ergeben sich sodann keine konkreten Anhalts- punkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die – wenn über- haupt – über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In - und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Dies gilt auch unter Berücksichti- gung der jüngsten wirtschaftlichen und (sicherheits-) politischen Entwick- lungen in Sri Lanka. 11.2.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 11.3 11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vol lzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr- dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläu- fige Aufnahme zu gewähren. 11.3.2 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allge- meiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ostprovinz zu- mutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (ins- besondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie- hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens - und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2 und D -3619/2016 vom 16. Okto- ber 2017 E. 9.5). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Zwar stellt sich die wirtschaftliche Situation in Sri Lanka aktuell sehr schwierig d ar. Allerdings können wirtschaftliche Schwierigkeiten, von welchen die vor Ort ansässige D-2160/2017 Seite 41 Bevölkerung generell betroffen ist, für sich allein keine konkrete Gefähr- dung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellen (vgl. Urteil des BVGer D-6824/2018 vom 20. Mai 2022 E. 9.3 mit Verweis auf EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1). 11.3.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu- mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Diesbezüglich ist auf überzeugen- den Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (vgl. dort E. III, Ziff. 2) zu verweisen. Der erneute Hinweis in der Beschwerde auf die Gefährdung des Beschwerdeführers ist auch unter dem Aspekt der Zumut- barkeit unbeachtlich. Im Übrigen wird den Erwägungen des SEM in indivi- dueller Hinsicht auf Beschwerdeebene nichts Wesentliches entgegenge- halten. 11.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug de r Wegweisung als zumutbar. 11.4 Der Beschwerdeführer verfügt über eine sri -lankische Identitätskarte und es obliegt ihm, sich bei der zuständigen Vertretung seines Heimatstaa- tes die für eine Rückkehr weiteren notwendigen Reisedokumente zu be- schaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bez eichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 11.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 12. Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver- fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich- tig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbe- züglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 13. 13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten infolge der sehr umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Bezug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Zur Begleichung der Verfahrenskosten ist der am 28. Ap-D-2160/2017 Seite 42 ril 2017 einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu verwen- den. Der verbleibende Restbetrag von Fr. 750.– ist dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. 13.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er- wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Obsiegt eine Partei nur teilweise, so ist die Partei- entschädigung zu kürzen (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Sind die Kosten verhältnis- mässig gering, kann von einer Parteientschädigung abgesehen werden (Art. 7 Abs. 4 VGKE). Als geringe Kosten gelten Aufwendungen von weni- ger als Fr. 100.– (analog zu Art. 13 Bst. b VGKE: als verhältnismässig hohe Kosten gelten Spes en von mehr als Fr. 100.–; v gl. zum Ganzen: ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl., 2013, Rz. 4.69). Hinsichtlich der Rüge der fehlerhaften Akteneinsicht hat der Beschwerdeführer teilweise obsiegt. Mit allen anderen Rechtsbegehren ist er unterlegen. Im vorliegen- den Verfahren ist der Aufwand für die Rüge der fehlerhaften Akteneinsicht als gering einzustufen, weshalb keine Parteientschädigung auszurichten ist. (Dispositiv nächste Seite) D-2160/2017 Seite 43 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden dem Beschwerdeführer auf- erlegt. Für deren Bezahlung wird der bereits einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– verwendet. Der verbleibende Restbetrag von Fr. 750.– ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Ge- richtskasse zu überweisen. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Migrationsbehörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Chiara Piras Kathrin Rohrer Versand: