B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung V E-6349/2019 U r t e i l v o m 2 9 . J u n i 2 0 2 1 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richterin Esther Marti, Richterin Muriel Beck Kadima, Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien 1. A._______, geboren am (…), 2. B._______, geboren am (…), 3. C._______, geboren am (…), 4. D._______, geboren am (…), Iran, alle amtlich verbeiständet durch lic. iur. Monika Böckle, (…), Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 29. Oktober 2019 / N (…). E-6349/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin 2 reiste am (…) August 2018 zusammen mit ihren Kindern (Beschwerdeführende 3 und 4) in die Schweiz ein und stellte am 10. August 2018 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ ein Asylgesuch. Am 28. August 2018 fand ihre summarische Befragung zur Person (BzP) im EVZ und am 27. August 2019 eine Anhörung zu den Asyl- gründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt. B. B.a Die Beschwerdeführerin 2 gab zur Begründung ihres Asylgesuchs zu Protokoll, sie habe sich im Jahr 1388 (2009/2010 gemäss gregorianischem Kalender) von ihrem ersten Ehemann, dem Vater ihrer Tochter (Beschwer- deführerin 3), scheiden lassen. Das Sorgerecht für die gemeinsame Toch- ter sei, entsprechend der iranischen Gesetzgebung, zunächst ihr, nach Er- reichen des siebten Altersjahres des Kindes aber dessen Vater zugespro- chen worden. Sie habe sie aber regelmässig sehen können . Ihr Ex-Ehe- mann habe sie bedroht und geschlagen , nachdem er h erausgefunden habe, dass sie einen anderen Mann kennengelernt und beabsichtigt habe, diesen zu heiraten. Sie und ihr jetziger Ehemann hätten zunächst am (…) 2011 eine Ehe "auf Zeit" geschlossen und zwei Jahre später, am (…) 2013, offiziell geheiratet. Ihr Ex -Ehemann habe sie öfters an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht, bedroht und zusammengeschlagen. Einmal habe er sie mit ei- nem Messer verletzt, ein and eres Mal auf de m Motorrad hinter sich her geschleift; einmal habe er ihr mehrere Zähne ausgeschlagen. Zudem habe er auch ihren jetzigen Ehemann bedroht. Dieser sei mehrmals mitgenom- men und gefoltert worden. Ih re Tochter sei von ihrem Vater derart unter Druck gesetzt worden, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitten habe. Ab dem Monat (…) 1391 ([…] 2012) habe sie zusammen mit ihrem heutigen Ehemann in F._______ gelebt. In der Folge seien sie mehrmals in andere Landesteile umgezogen, weil ih r Ex-Mann jeweils ihre neuen Wohnorte in Erfahrung gebracht habe. Er habe schliesslich eine Strafan- zeige gegen sie wegen Entführung ihrer Tochter eingereicht. Er habe auch gedroht, ihr die Tochter wegzunehmen und ihren Sohn zu töten. Sie sei wegen dieser Strafanzeige im Jahr 2013 oder 2014 während zwei Tagen in Haft gewesen, dann aber gegen Zahlung einer Kaution freigelassen wor- den. Ausserdem sei sie wegen ihrer damals vorehelichen Beziehung zu ihrem jetzigen Partner zu Peitschenhieben und einer Geldstrafe verurteilt worden. Nachdem sie mithilfe eines Rechtsanwalts eine Beschwerde ge-E-6349/2019 Seite 3 gen dieses Urteil erhoben habe, sei dieses zu einer blossen Geldstrafe ab- gemildert worden. Sie habe im Jahr 1392 (2013) ebenfalls mehrere Straf- anzeigen gegen ihren Ex -Ehemann eingereicht, weil er sie misshandelt habe sowie weil er das ihr damals zustehende Sorgerecht für ihre Tochter missachtet habe. Er habe aber mittels Geldzahlungen jeweil s eine Verur- teilung abwenden können. Ihr Ex-Mann habe schon während ihrer Ehe mit dem Etelaat (Geheimdienst) zusammengearbeitet und über Kontakte zu einflussreichen Personen verfügt. Sie habe sich auch öfters an eine Fami- lienberatungsstelle gewandt; deren Bemühungen aber auch erfolg los ge- blieben seien. Vor der Ausreise hätten zwei Männer i n Zivil sie zu Hause abgeholt, ihr die Augen verbunden und sie in einem Auto an einen ihr un- bekannten Ort gefahren. Dort hätten die Männer sie beschuldigt, regie- rungsfeindliche und blasphemische Aussagen gemacht zu haben und sie durch Schläge und Misshandlungen dazu gezwungen, ein entsprechendes schriftliches Geständnis zu unterzeichnen. Sie habe die Nacht dort verbrin- gen müssen, und am nächsten Tag sei ihr Ex -Mann erschienen. Er habe sie aufgefordert, sich wöchentlich mit ihm zu treffen und gedroht, andern- falls das von ihr unterzeichnete Geständnis gegen sie zu verwenden. Er habe auch damit gedroht, ihren Sohn zu töten und sie sowie ihren jetzigen Ehemann inhaftieren zu l assen. Unter dem Eindruck di eser Drohungen habe sie seinen Forderungen zugestimmt. Ein paar Tage später habe ihr Ex-Ehemann sie aufgefordert, zu ihm zu kommen. Sie habe ihn dazu brin- gen können, ihr ihre Tochter zu bringen . Ein oder z wei Tage später seien sie ausgereist. Sie und ihr Ehemann hätten sich zur Ausreise entschlossen, weil sie sich aufgrund der genannten Probleme nicht mehr sicher gefühlt und befürchtet hätten, dass die Familie auseinandergerissen werde. Im Üb- rigen seien sie und ihr zweiter Mann auch von dessen Familie unter Druck gesetzt worden, da es dieser missfallen habe, da ss er eine Beziehung zu einer geschiedenen Frau mit einem Kind aus erster Ehe pflege. B.b Sie sei zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Kindern am (…) 2017 legal auf dem Luftweg in die Türkei gereist, wo sie sich während (…) Tagen aufgehalten hätten. Sie habe von ihrer Schwester erfahren, dass ihr Ex - Mann sich bei dieser nach ihrem Verbleib erkundigt und sie ihm gesagt habe, sie würden sich in der Türkei aufhalten, worauf er ihnen dorthin nach- gereist sei. Aus diesem Grund hätten sie während ihres dortigen Aufen t- halts mehrmals den Aufenthaltsort gewechselt. Dann seien sie mit einem Boot zur griechischen Insel G._______ gereist. Nach einem Aufenthalt in verschiedenen Flüchtlingslagern in Griechenland von rund einem Jahr sei sie zusammen mit ihren Kindern mithilfe eines Schleppers mit einem ge- fälschten Reisepass nach Italien und von dort in die Schweiz weitergereist, E-6349/2019 Seite 4 während ihr Ehemann vorerst in Griechenland verblieben sei . Nach ihrer Einreise in die Schweiz habe sie zum christlichen Glauben konvertiert und sich taufen lassen. C. Der Beschwerdeführer 1 reiste am (…). Juni 2019 in die Schweiz ein und stellte am gleichen Tag ein Asylgesuch. Am 7. Juni 2019 führte das SEM eine Personalienaufnahme durch. Am 5. Juli 2019 fand eine Erstbefragung gemäss Art. 26 Abs. 3 AsylG und am 22. Juli 2019 eine weitere Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 AsylG statt. D. Der Beschwerdeführer 1 verwies zur Begründung seines Asylgesuchs ebenfalls auf die Drohungen und Repressalien seitens des Ex-Ehemannes seiner Frau. Dieser habe ihn psychisch und physisch schikaniert und ge- foltert. Zunächst sei er wiederholt telefon isch bedroht worden. Im Monat (…) 1390 ([…] 2011) hätten ihn zwei Personen vom Etelaat mit verbunde- nen Augen an einen unbekannten Ort verbracht. Dort sei er befragt, be- droht und geschlagen worden, wobei er sich Verletzungen (…) zugezogen habe. Er sei beschuldigt worden, sich "in eine politische Situation eingemischt" zu haben und aufgefordert wor- den, die Beziehung zu seiner Ehefrau zu beenden. Zwei Monate später, im Monat (…), habe es einen weiteren dera rtigen Vorfall gegeben, wobei er während dreier Tage festgehalten und noch heftiger geschlagen , sexuell belästigt und beschimpft worden sei. Dabei seien (…) verletzt worden. Im Monat (…) 1390 ([…] 2011) hätten er und seine E hefrau sich "auf Zeit" vermählt und im Jahr 1392 (2013/14) habe dann die offizielle Eheschlies- sung stattgefunden. Sie seien aber weiterhin durch den Etelaat bedroht und belästigt worden. Sie seien zunächst in den Süden des Landes umge- zogen, jedoch wieder i n den Norden zurückgekehrt, nachdem unter fal- schen Anschuldigungen ein Gerichtsverfahren gegen sie eingeleitet wor- den sei. Aufgrund von Strafanzeigen des Ex -Manns seiner Eh efrau sei ihnen die Entführung der Tochter sowie das Führen einer rechtswidrigen ausserehelichen Beziehun g vor- geworfen worden. Wegen letzterem Vorwurf seien sie vom Kriminalgericht (…) im (…) 1392 ([…] 2013) zu je (…) Peitschenhieben verurteilt worden; sie hätten aber mithilfe eines Rechts - anwalts die Umwandlung der Strafe in eine Geldstrafe erreichen können. Ausserdem seien sie auch zu Unrecht beschuldigt worden, in einen Auto- unfall verwickelt gewesen zu sein; es sei deswegen jedoch kein Verfahren E-6349/2019 Seite 5 gegen sie eingeleitet worden. Danach hätten sei ihr en Wohnort gewech- selt, seien aber weiterhin belästigt worden. Er sei noch mehrere Male vom Etalaat mitgenommen und gefoltert worden, das letzte Mal etwa zwei Wo- chen vor der Ausreise. Bei diesem Vorfall sei er während zweier Tage fest- gehalten worden. Man h abe ihn beschuldigt, Aussagen gegen den Islam und gegen die iranische Regierung gemacht zu haben, und er sei zum wie- derholten Male sexuell missbraucht worden. Ausserdem sei ihm eine mehr- jährige Gefängnisstrafe aufgrund der neu gegen ihn erhobenen Anschuldi- gungen angedroht worden . In der darauffolgenden Woche hät ten diese Leute auch seine Ehefrau mitgenommen und dieselben Anschuldigungen gegen sie erhoben. Ferner habe kurz vor ihrer Ausreise ein Mann in einem Park in der Nähe ihre s Hauses versucht, seinen Sohn zu entführen, was dort anwesende Leute aber hätten verhindern können. Im Übrigen sei er auch von seiner eigenen Familie verstossen worden und habe weder von dieser noch von den iranischen Behörden Unterstützung erhalten. E. Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden folgende Beweismittel ein: − Identitätsausweise [Schenasname] aller Beschwerdeführenden in Kopie − Scheidungsurkunde der Beschwerdeführerin 2 (Original) − Urkunde der Ehe auf Zeit vom (…) 2011 (Kopie) − Urkunde der offiziellen Heirat der Beschwerdeführenden (Original) − Strafanzeige der Beschwerdeführerin 2 gegen ihren Ex-Ehemann vom (…) 2013 (Kopie) − Strafanzeige des Ex-Mannes gegen die Beschwerdeführerin 2 vom (…) 2013 (beglaubigte Kopie) − Gerichtsvorladung vom (…) 2013 (Original) − Gerichtsurteil betreffend das Sorgerecht vom (…) 2010 (Original) − Gerichtsurteil betreffend das Sorgerecht vom (…) 2014 − Taufurkunde der (…)kirche E._______ für die Beschwerdeführerin 2 vom 18. November 2018 (Kopie) − Empfehlungsschreiben H._______, (…), vom 26. August 2019 − Empfehlungsschreiben I._______, (…), vom 19. August 2019 − Militärausweis des Beschwerdeführers 1 (Original) − Führerscheine der Beschwerdeführenden 1 und 2 (Original) E-6349/2019 Seite 6 F. Mit Verfügung vom 25. Juli 2019 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh- rer 1 mit, dass die Prüfung seines Asylverfahrens weiterer Abklärungen be- dürfe und dieses deshalb gemäss Art. 26d AsylG fortan im erweiterten Ver- fahren behandelt werde. G. Mit Verfügung vom 23. September 2019 teilte die Vorinstanz dem Be- schwerdeführer 1 mit, der asylrelevante Sachverhalt werde als erstellt er- achtet, weshalb sich eine weitere Befragung als unnötig erweise. Zudem wurde er um eine Mitteilung innert drei Wochen ersucht, falls er der Ansicht sei, er habe nicht alle seine Asylgründe darlegen können , und entspre- chende Beweismittel einreichen wolle. Der Beschwerdeführer 1 liess sich in der Folge nicht vernehmen. H. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2019 (eröffnet am 31. Oktober 2019) stellte die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtling sei- genschaft nicht erfüllen, wies ihre Asylgesuche ab und ordnete die Weg- weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. I. Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 2. Dezember 2019 erhoben die Beschwerdeführenden gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungs- gericht Beschwerde und beantragten die Aufhebung des Asylentscheids sowie die Anerkennung ihrer Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls; e ventualiter sei die Sache zur Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter sei ihnen die Flüchtlingseigenschaft aufgrund subjektiver Nachflucht- gründe zuzusprechen und ihnen wegen Unzulässigkeit des Wegweisungs- vollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren ; s ubsubeventualiter sei ihnen wegen Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungs- vollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren. I n verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten die Beschwerdeführenden die Gewährung der unent- geltlichen Prozessführung und Verbeiständung unter Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Schliesslich sei ihnen die Zusam- mensetzung des Spruchkörpers bekanntzugeben. E-6349/2019 Seite 7 J. Mit Eingabe vom 4. Dezember 2019 reichten die Beschwerdeführenden eine Mittellosigkeitsbestätigung des Durchgangsheims für Asylsuchende Frauenfeld gleichen Datums, eine Kostennote ihrer Rechtsvertretung so- wie drei Konsultationsberichte der Praxis Dr. J._______, K._______, vom 18. Juni 2019, 25. Juni 2019 und 30. Juli 2019 betreffend den Beschwer- deführer 1 ein. K. Mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2019 teilte der Instruktionsrich- ter den Beschwerdeführenden antragsgemäss die voraussichtliche Zu- sammensetzung des Spruchgremiums mi t. Ferner hiess er die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um unentgeltliche Verbeiständung gemäss aArt. 110a AsylG beziehungsweise Art. 102m AsylG gut, setzte antragsgemäss MLaw Monika Böckle als un- entgeltliche Rechtsbeiständin ein und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Schliesslich wurde die Vorinstanz zur Einreichung ei- ner Vernehmlassung eingeladen. L. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019 hielt die Vorin stanz an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde M. Mit Eingabe vom 10. Januar 2020 machten die Beschwerdeführenden von dem ihnen (mit Instruktionsverfügung vom 30. Dezember 2019) einge- räumten Recht zur Replik Gebrauch, wobei sie vollumfänglich an den Aus- führungen in der Beschwerdeeingabe festhielten. N. Mit Eingabe vom 12. Februar 2020 wurde eine aktualisierte Kostennote eingereicht. E-6349/2019 Seite 8 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver- waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei- det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie- ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per- son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 2016 3101); für das Verfahren der Beschwerdeführenden 2–4, das mit den Asylgesuchen vom 10. August 2018 eingeleitet worden war, gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbes timmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). Der Beschwerdeführer 1 hat sein Asylgesuch nach Inkrafttreten der Gesetzesrevision gestellt, weshalb inso- weit das neue Recht zur Anwendung kommt. 1.4 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom- men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände- rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG resp. Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 so- wie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). E-6349/2019 Seite 9 3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung Folgendes aus: 3.1.1 Es werde nicht bezweifelt, dass die Beschwe rdeführerin 2 sich von ihrem ersten Ehemann habe scheiden lassen und in der Folge ein Streit um das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter entbrannt sei. Den einge- reichten Gerichtsunterlagen lasse sich jedoch entnehmen, dass das Ge- richt in diesem Fall zugunsten der Beschwerdeführerin 2 entschieden habe. Eine von ihrem Ex -Mann eingereichte Klage mit dem Ziel, ihr das Sorgerecht wegen des Führens ein er unerlaubten Beziehung als Unver- heiratete entziehen zu lassen, sei, ebenso wie die gegen dieses Urteil eingereichte Berufung, abgewiesen worden. Die Rechte der Beschwerde- führerin 2 seien gewahrt worden und es sei nicht ersichtlich, dass ihr Ex - Mann bevorteilt worden wäre. Dass die Beschwerdeführenden in einem früheren Gerichtsverfahren im (…) 2013 zu (…) Peitschenhieben verurteilt worden seien, erscheine realitätsfern, angesichts dessen, dass das Gericht im folgenden Sorge rechtsstreit zum Schluss gekommen sei, es würden keine genügenden Hinweise für eine unerlaubte Bezi ehung vorliegen. Es gebe auch hier keine Hi nweise dafür, dass das Gericht zu Ungunsten der Be schwerdeführenden entschieden habe. Betreffend die angeblichen Anzeigen der Beschwerdefü hrerin 2 gegen ihren Ex -Ehe- mann seien keine Unterlagen einger eicht worden. Ihre Aussagen und die eingereichten Dokumente würden sich mit der aktuellen iranischen Rechts- praxis decken, wonach die Rechte der Frauen geschützt würden und eine Bestrafung gewalttätiger Ehemänner ermöglicht werde. Gemäss offiziellen Statistiken würden im Iran bis zu einem Drittel aller Ehen geschieden und die allgemeine Akzeptanz von Ehescheidungen habe zugenommen. Unter diesen Umständen könne davon ausgegangen werden, dass die ira ni- schen Behörden schutzfähig und schutzwillig seien. Falls die Beschwerde- führenden von Drittpersonen oder einzelnen Beamten des Sicherheits - apparats bedroht worden seien, hätten sie die Möglichkeit, diese anzuzei- gen. 3.1.2 Gemäss den Angaben der Beschwerd eführerin 2 wisse im Iran nur ihre Halbschwester von ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben, und sie habe keine Probleme wegen dieses Umstands geltend gemacht. Es bestünden insbesondere keine Hinweise dafür, dass die iranischen Be- hörden Kenntnis von ihrer Konversion hätten. Selbst wenn diese nachträg- lich davon erfahren würden, wäre nicht von einer zu befürchtenden Verfol- gung auszugehen, da sie sehr wohl zwischen einem ernsthaften Profil und E-6349/2019 Seite 10 opportunistischen Verhaltensweisen zu un terscheiden wüssten. Der Be- weiswert der einger eichten Bestätigungsschreiben sei zu relativieren, da es sich dabei um Parteiaussagen handle. 3.1.3 Im Übrigen erscheine die Asylbegründung der Beschwerdeführenden nicht plausibel. Es stelle sich die Frage, weshalb sie erst im Juli 2018 aus- gereist seien, obwohl sie angeblich schon seit 2011 massive Probleme mit dem Ex-Mann der Beschwerdeführerin 2 gehabt hätten. Fraglich sei zu- dem auch das Verfolgungsinteresse der Behörden bei der Strafanzeige wegen Blasphemie im Zusammenhang mit dem Sorgerechtsstreit. Es falle auf, dass die Beschwerdefüh renden zahlreiche Gerichtsdokumente zum Sorgerechtsstreit eingereicht hätten, nicht jedoch zu dem behaupteten Ver- fahren wegen Blasphemie oder Ehebruch ; angeblich, weil diese Doku- mente auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland verloren gegan- gen seien. Äusserst fragwürdig erscheine auch ihre Darstellung, dass der Ex-Mann der Beschwerdeführerin 2 über derart enge Beziehungen zum Staatsapparat verfüge, dass es ihm möglich gewesen sei, Geheimdienst- mitarbeiter für seinen privaten Rachefeldzug einzuspannen. Angesichts seiner behaupteten Verbindungen zum Geheimdienst sei es ausserdem erstaunlich, dass er nicht in Erfahrung habe bringen oder verhindern kön- nen, dass die Beschwerdeführerin 2 für ihre Tochter einen Reisepass be- schafft habe und die Beschwerdeführenden legal auf dem Luftweg ausge- reist seien. Ferner stelle sich die Frage, ob, falls die Beschwerdeführerin 2 ihre Tochter ohne Einwilligung des Kindsvaters ausser L andes gebracht habe, obwohl diesem das Sorgerecht zumindest teilweise zustehe, hieraus nicht eine legitime st aatliche Verfolgung erwachsen würde. Demnach würden die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG sowie an das Glaubhaft- machen gemäss Art. 7 AsyIG nicht standhalten. 3.1.4 Im Weiteren würden sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass den Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Weder die in ihrem Heimatstaat herrschende politische Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit der Rückführung in den Heimatstaat sprechen. Die Be- schwerdeführenden seien beide bei guter Gesundheit und hätten eine so- lide Schulbildung sowie jahrelange Arbeitserfahrung. Zudem verfügten sie über ein breites Beziehungsnetz im Iran. E-6349/2019 Seite 11 3.2 3.2.1 Die Beschwerdeführenden hielten in ihrer Beschwerdeeingabe an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen fest. Sie hätten zunächst davon abge- sehen, ihr Heimatland zu v erlassen, weil sie g ehofft hätten, dass der Ex - Partner der Beschwerdeführerin 2 aufhören werde, sie zu bedrohen. Dieser habe als (…) viele einflussreiche und bedeutende Personen als Kunden gehabt und auch durch seine Tätigkeit als (…) über Beziehungen zu den Behörden verfügt. Ausserdem seien ihre äusserst bildhaften, sub- stanziierten und erlebnisnahen Schilderungen be treffend ihre Entführun- gen und Misshandlungen zu berücksichtigen, die überdies inhaltlich über- einstimmen würden. Die Einschätzung der Vorinstanz, dass sie den Schutz der iranischen Behörden in Anspruch nehmen könnten, sei unzutreffend. Die anfänglich private Verfolgung habe sich zu einer staatlichen Verfolgung durch den Geheimdienst Etelaat entwickelt, welcher sie mehrmals entführt, festgehalten und gefoltert habe. Durch die einger eichten ärztli chen Be- richte sei belegt, dass der Beschwerdeführer 1 nach wie vor unter den Fol- gen der Folter leide und auf eine physio - therapeutische Behandlung angewiesen sei. Es sei davon auszugehen, dass sie (die Beschwerdeführenden) im Falle einer Rückkehr in den Iran erneut ins Visier des Etelaat und der iranischen Behörden geraten würden. Die anhaltende Verfolgung werde durch den Umstand illustriert, das s sie von der Schweste r der Beschwerdeführerin 2 erfahren hätten, dass zwi- schenzeitlich ihre Eigentumswohnung enteignet worden sei. Eine inner- staatliche Fluchtalternative stehe ihnen nicht zur Verfügung, da der Etelaat landesweit tätig sei. Aus diesen Gründen würden sie die Flüchtlingseigen- schaft erfüllen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. 3.2.2 Weiter wurde gerügt, dass dem Beschwerdeführer 1 während seiner Anhörung vom 22. Juli 2019 keine Fragen betreffend die von ihm erwähnte geschlechtsspezifische Verfolgung gestellt worden seien und die Vor - instanz auch nicht auf seine Aussagen eingegangen sei, wonach er kör- perlich und psychisch stark misshandelt und in der Folge deswegen mehr- fach operiert worden sei. Ferner sei ihm im Rahmen dieser Befragung mit- geteilt worden, es werde eine zusä tzliche Anhörung stattfinden und auch seine Rechtsvertretung habe auf die Notwendigkeit ein er solchen hinge- wiesen, um ihn namentlich zu den Ausreisegründen, der Verfolgung durch die iranischen Behörden und die geschlechtsspezifische Verfolgung zu be- fragen. Schliesslich sei ihm aber mit Schreiben vom 23. September 2019 schriftlich mitgeteilt worden, dass keine ergänzende Anhörung nötig sei, und er sei um schriftliche Mitteilung gebeten worden, falls er eine ergän- zende Anhörung wünsche. Da keine Rückmeldung erfolgt sei, habe die E-6349/2019 Seite 12 Vorinstanz aufgrund der Aktenlage entscheiden. D as Schreiben vom 23. September 2019 sei jedoch nur ihm persönlich, nicht aber der ihn ver- tretenden akkreditierten Rechtsberatungsstelle zugestellt worden, obwohl er schriftlich seine Ei nwilligung dazu erklärt habe, dass das SEM die zu- ständige R echtsberatungsstelle über zukünftige Verfahrensschritte infor- miere. Er habe das Schreiben inhaltlich nicht verstanden. Mit ihrem Vorge- hen habe die Vorinstanz seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Hinzu komme, dass das SEM sich in seiner Verfügung vom 29. Oktober 2019 inhaltlich nicht mit den Vorbringen der Beschwerdeführenden ausei- nandergesetzt habe. Die Folgerung, dass der iranische Staat schutzfähig und schutzwillig sei und sie deshalb nicht auf den Schutz der Schweiz an- gewiesen seien, sei nicht begrün det worden. Zudem habe die Vorin stanz nicht Bezug genommen auf die asylrelevanten Geschehnisse ab dem Jahr 2014, insbesondere die Entführungen und Misshandlungen durch den Ge- heimdienst Ettelaat. Auch ihre Vorbringen betreffend die Misshandlungen der Tochter C._______ sowie der Verletzung des Kindeswohls seien nicht thematisiert worden. Damit habe das SEM auch die Begründungspflicht verletzt. Zudem sei das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe nicht aus- reichend berücksichtigt worden. Der Sachverhalt sei nicht vollständig er- stellt worden, und die rudimentäre Begründung des Entscheids verunmög- liche es den Beschwerdeführenden , die genauen Gründe für die Ableh- nung ihres Asylgesuchs nachzuvollziehen und dementsprechend auch den Entscheid sachgemäss anzufechten. Dementsprechend sei die Sache eventualiter an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese sei anzuweisen, sich umfassend mit den Asylgründen des Beschwerdeführers 1 und insbe- sondere mit der geschlechtsspezifischen Verfolgung und der Bedrohung durch den Etelaat auseinanderzusetzen. 3.2.3 Der Beschwerdeführer 1 betätige sich in der Schweiz politisch aktiv, indem er an Kun dgebungen gegen das iranische Regime teilnehme. Von einem iranischen Fernsehsender seien Aufnahmen veröffentlicht worden, auf denen er zu sehen sei. Die Beschwerdeführerin 2 sei zum christlichen Glauben konvertiert und missionari sch tätig. Sie besuche regelmässig Gottesdienste sowie eine private Bibelgruppe und teile ihren Glauben aktiv und öffentlich in ihrer unmittelbaren Umgebung. Im Wei teren könnte ihr eine staatliche legitime Verfolgung drohen, weil sie ihre Tochter ohne Ein- willigung ihres Vaters ausser Landes gebracht habe, obwohl diesem das Sorgerecht zustehe. Aus di esen Gründen sei ihnen zumindest wegen subjektiver Nachfluchtgründe die vorläufige Aufnahme als Flüchtlinge zu gewähren. E-6349/2019 Seite 13 3.2.4 Schliesslich würden sie entgegen der Argumentation der Vorinstanz im Iran über kein Beziehungsnetz verfügen. Die Eltern der Beschwe rde- führerin 2 seien verstorben, und sie habe keinen Kontakt mehr zu ihren Halbgeschwistern und weiteren Verwandten. Die Familienangehörigen des Beschwerdeführers 1 habe den Kontakt zu ihnen abgerochen, weil sie mit ihrer Beziehun g nicht einver standen sei en Durch die Enteignung ihrer Wohnung sei ausserdem ihre Wohnsituation nicht gesichert. 3.3 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung namentlich aus, es treffe zwar zu, dass die Beschwerdeführenden die angeblichen Befragungen und Misshandlungen durch den Etel aat ausführlich und substan ziiert geschil- dert hätten. Für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft reiche es jedoch nicht aus, wenn nur Teilaspekte der Vorbringen als glaubhaft zu erachten seien. Die Vorbringen müssten in ihrer G esamtheit stimmig und kohärent sein, was vorliegend nicht der Fall sei. Es existierten zahlrei che Berichte ehemaliger iranischer Häftlinge, die wohl auch der iranischen Be- völkerung bekannt seien. E s sei ferner durchaus möglich, dass die Be- schwerdeführenden selbst bereits Hafterfahrungen gemacht oder in ihrem Bekanntenkreis Personen mit entsprechenden Erfahrungen hätten. Solche Berichte könnten leicht adaptiert werden. Die Arztberichte seien nicht geeignet, die vorgebrachten Misshandlungen zu belegen, da sie nur eine (…) dokumentieren würden. Die angebliche Konfiskation der Wohnung der Beschwerdeführenden sei nicht belegt. Im Weiteren sei nicht davon aus- zugehen, dass der Beschwerdeführer 1 wegen einer blossen Teilnahme an exilpolitischen Kundgebungen ernsth afte Massnahmen d er heimatlichen Behörden zu erwarten habe. Den Akten können keine Hinweise darauf ent- nommen werden, dass die iranischen Behörden vom Engagement des Be- schwerdeführers 1 Kenntnis genommen oder gestützt darauf gar Mass- nahmen zu seinem Nachteil eingeleitet hät ten. Es sei nicht davon auszu- gehen, dass er wegen seiner Aktivitäten als ernsthafte Bedrohung für das iranische Regime wahrgenommen werde. Er habe gemäss den Angaben in der Beschwerdeschrift lediglich zweimal an Kun dgebungen teilgenom- men. Zudem falle auf, dass er das politische Engagement erst nach Erhalt des negativen Asylentscheids begonnen habe und im erstinstan zlichen Verfahren keine entsprechenden Aktivitäten vorgebracht worden seien. Es handle sich bei ihm nicht um eine überdurchschnittlich politisch engagierte Person in exponierter Stellung. Im Weiteren sei der Beschwerdeführer 1 im Zeitpunkt des Versands des Schreibens vom 23. September 2019 bereits dem Kanton zugeteilt gewesen und es habe noch keine schriftliche Voll- macht der neuen Rechtsvertretung vorgelegen. Aus di esem Grund sei E-6349/2019 Seite 14 diese Verfügung an seine Wohnadr esse zugestellt worden. Die Gesuch- steller würden vor dem Austritt in den Kanton jeweils informiert, dass da- nach eine neue Rechtsvertretung das Mandat übernehme. E s wäre dem Beschwerdeführer 1 demnach zuzumuten gewesen, sich bezüglich der Stellungnahme an seine neue Rechtsvertretung zu wenden. 3.4 In der R eplik wurde ausgeführt, die A rgumentation der Vorinstanz, wonach die Vorbringen der Beschwerdeführenden trotz ihrer ausführlichen und substanziierten Darstellung der Verfolgung du rch den Etalaat nicht stimmig und kohärent seien, vermöge nicht zu überzeugen. Es handle sich hierbei um ihr zentrales, asylrelevantes Vorbringen. Schon allein aufgrund der Tatsache der Glaubhaftigkeit derselben müsse ihnen Asyl gewährt werden. Zudem seien diese Ausführungen eingebettet in ihre Schilderun- gen zahlreicher weiterer Erlebnisse und Geschehnisse. Ihre Anhörungen seien sehr ausführlich gewesen. Jedoch seien keine Widersprüche in ihren Aussagen festzustellen; ihre Vorbringen seien vielmehr schlüssig, plausi- bel und nachvollziehbar. Hinzu komme, dass das SEM in der Vernehmlas- sung nicht begründet habe, weshalb ihre Vorbringen in ihrer Gesamtheit nicht stimmig und kohärent seien. Die beiden Kundgebungen, an welchen der Beschwerdeführer 1 in der Schweiz teilgenommen habe, hätten ein grosses mediales Echo ausgelöst, weshalb davon auszugehen sei, dass die iranischen Behörden von seinen politischen Aktivitäten Kenntnis ge- nommen hätten und ihn deshalb im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat bestrafen würden. Schliesslich habe die Vorin stanz sich in der Vern ehm- lassung mit mehreren in der Beschwerdeeingabe formulierten Argumenten nicht auseinandergesetzt. Unter anderem habe es nicht zu der der Be- schwerdeführerin 2 drohenden Verfolgung wegen ihrer Konversion zum Christentum sowie der Verbringung der Tochter ins Ausland Stellung ge- nommen. 4. 4.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidungsfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der von der Verfügung Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen E-6349/2019 Seite 15 können. Die verfügende Behörde kann sich auf die wesentlichen Gesichts- punkte beschränken, hat aber wenigstens kurz die Überlegungen anzufüh- ren, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid ab- stützte. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs- gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe- nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In- teressen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung verlangt wird. Indes- sen ist nicht erforderlich, dass die Behörde sich in der Begründung mit je- der tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand einläss- lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider- legt (vgl. LORENZ KNEUBÜHLER / RAMONA PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schind- ler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 2019 , Art. 35 Rz. 7 ff.; BGE 136 I 184 E. 2.2.1, BVGE 2013/34 E. 4.1, 2008/47 E. 3.2 und 2007/30 E. 5.6). 4.2 Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz diesen Anforderun- gen im vorliegenden Verfahren Genüge getan: 4.2.1 Das SEM hat sich mit den wesentlichen Vorbringen der Beschwerde- führenden und den von ihnen eingereichten Beweismitteln in erforderli- chem Umfang auseinandergesetzt, in der angefochtenen Verfügung die Überlegungen genannt, welche seinem Entscheid zugrunde lagen und sich in seiner Begründung auf die vo n ihnen vorgebrachten Asylgründe gestützt. Insbesondere wurde entgegen der Auffassung der Beschwerde- führenden die Folgerung, dass sie den Schutz der iranischen Behörden beanspruchen könnten, mit dem Hinweis auf die offi zielle Haltung im Iran gegenüber Ehescheidungen sowie die von ihnen eingereichten Gerichts- dokumente hinreichend begründet. Wie die Beschwerdeschrift zeigt, war es ih nen denn auch ohne Weiteres möglich, den vorin stanzlichen Ent- scheid sachgerecht anzufechten. 4.2.2 Eine vertieftere Auseinandersetzung mit den von den Beschwerde- führenden vorgebrachten körperlichen Übergriffen erübrigte sich , soweit die Frage der Asylgewährung und der Flüchtlingseigenschaft betreffend, weil diesen – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – die asylrechtliche Relevanz abzusprechen ist (vgl. E. 6.3). Auf eine Rückweisung zur aus- führlicheren Würdigung dieser Sachverhaltselemente im Rahmen der Prü- fung von Wegweisungshindernissen kann in Anbetracht des Ausgangs des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ebenfalls verzichtet werden. E-6349/2019 Seite 16 4.3 Das Mandat der dem Beschwerdeführer 1 im erstinstanzlichen Verfah- ren zugewiesenen Rechtsvertretung dauerte bis zum Entscheid des SEM vom 25. Juli 2019, das Verfahren im erweiterten Verfahren durchzuführen (vgl. Art. 102h Abs. 3 A sylG). Entsprechend erklärte die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Vertretungsmandat mit Schreiben vom 30. Juli 2019 als beendet. Die Beschwerdeführenden mandatierten ihre derzeitige Rechtsvertretung mit Vollmacht vom 25. Oktober 2019. Hieraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer 1 im Zeitpunkt, als ihm vom SEM mit Verfü- gung vom 23. September 2019 Gelegenheit eingeräumt wurde, allfällige weitere Asylgründe und Beweismittel vorzubringen, keine Rec htsvertre- tung hatte. Dass dieses Schreiben ihm persönlich zugestellt wurde, ist demnach ebenso wenig zu beanstanden, wie dass die Vorinstanz, nach dem er sich innert der eingeräumten Frist nicht vernehmen liess, von einem vollständig erhobenen Sachverhalt ausging und auf eine weitere Anhörung verzichtete. 4.4 Für die eventualiter beantragte Rückweisung der Sache an die Vor - instanz besteht nach dem Gesagten keine Veranlassung. 5. 5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychis chen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entsta nden sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat - oder Herkunftsstaat bestehen- den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom- mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). E-6349/2019 Seite 17 5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 6. 6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge- nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehre n oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan- ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhö- rung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü- che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe- sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstel lt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus- wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir- kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge- gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzus tellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundes - verwaltungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 5). 6.2 6.2.1 Eine Durchsicht der Befragungsprotokolle ergibt, dass die Beschwer- deführenden ihre Asylgründe , name ntlich die geschilderten Übergriffe durch den Ex -Mann der Beschwerde führerin sowie Angehörige des E-6349/2019 Seite 18 Geheimdiensts Etelaat sehr detailliert , ausführlich und substanziiert ge- schildert haben; dies wurde auch von der Vorinstanz in ihrer Vernehmlas- sung ausdrücklich bestätigt. Ausserdem sind in ihren Aussagen sowohl in sich selbst als auch untereinander keine Widersprüche feststellbar , und diese enthalten auch weitere Realkennzeichen, wie logische Konsistenz, die authentische Wiedergabe von Gesprächen, sowie Schilderungen von nebensächlichen Details u nd von Emotionen , die auf ein tatsächliches Erleben hindeuten (vgl. dazu REVITAL LUDEWIG, DAPHNA TAVOR, SONJA BAUMER, Zwischen Wahrheit und Lüge, in: "Justice – Justiz – Giustizia" 2012/2., S. 10 ff.). Die nicht weiter ausgeführte Argumentation der Vor- instanz, die Aussagen der Beschwerdeführenden seien nicht stimmig und kohärent, vermag angesichts dieser Feststellungen nicht zu überzeugen. 6.2.2 Dass die zuständigen iranischen Gerichtsbehörden im Verfahren be- treffend das Sorgerecht für die Tochter zu einer anderen Einschätzung hin- sichtlich der Legitimität der Beziehung der Beschwerdeführenden kamen als im vorangegangenen (auf eine Strafanzeige des Ex -Ehemannes hin eingeleiteten) Strafverfahren, erscheint nicht unplausibel, da sie gemäss ihren Aussagen in der Zeit zwischen den beiden Verfahren geheiratet hat- ten. Auch wenn die Intensität der geschilderten Repressalien eher unge- wöhnlich erscheint und letztlich nicht ganz nachvollzogen werden kann, wie der Ex-Mann der Beschwerdeführerin 2 die Unterstützung des Etelaat beziehungsweise von Angehörigen dieser Behörde bei seinen Verfol- gungsbemühungen gegen die Beschwerdeführenden zu gewinnen ver- mochte, rechtfertigt es sich angesichts der obigen Feststellungen nicht, diese Vorbringen deshalb als offensichtlich realitätsfremd zu bezeichnen. 6.2.3 Aufgrund einer Gesamtwürdigung der Akten gelangt das Gericht demnach zum Schluss, dass die von den Beschwerdeführenden geschil- derten Übergriffe durch den Ex-Mann der Beschwerdeführerin 2 sowie den Etelaat vor ihrer Ausreise als glaubhaft zu qualifizieren sind. 6.3 In einem nächsten Schritt ist die asylrechtliche Relevanz dieser Vor- bringen zu prüfen: 6.3.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beacht- licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so- fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefü gt worden sind, respektive E-6349/2019 Seite 19 zugefügt zu werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staat- lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausrei- chenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 6, 2008/12 E. 7.2.6.2 und 2008/4 E. 5.2). 6.3.2 Vorliegend ist festzustellen, dass den durch die Beschwerdeführen- den geltend gemachten Bedrohungen durch den Ex-Mann der Beschwer- deführerin 2 infolge innerfamiliäre r Auseinandersetzungen (aufgrund des Streits um das Sorgerecht für die Tochter und ihrer Beziehung zum Beschwerdeführer 1) kein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv im Sinne dieser Bestimmung zugrunde liegt (vgl. hierzu etwa die Urteile des BVGer E-1399/2019 vom 17. April 2019 E. 6.3, E-974/2019 vom 12. März 2019 S. 9 oder E-4434/2017 vom 5. September 2019 E. 7.4 S. 9). 6.3.3 Auch die geltend gemachten Drohungen und Misshandlungen sei- tens des Etelaat sind mangels eines Verfolgungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsylG als asylrechtlich nicht relevant zu bezeichnen. Hieran vermag auch nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführenden n ach ihren Angaben regierungsfeindlicher und blasphemischer Aussagen b eschuldigt wurden und die Beschwerdeführerin 2 gezwungen wurde, ein entsprechendes Ge- ständnis zu unterzeichnen. Das erzwungene Geständnis sollte augen- scheinlich dem Ex-Mann der Beschwerdeführerin als Mittel zu ihrer Erpres- sung dienen. Es besteht deshal b kein stichhaltiger Grund zur Annahme, dass die Beschwerd eführenden in diesem Zusammenhang mit einer systematischen Verfolgung durch die iranischen Behörden aus asylrecht- lich relevanten Gründen zu rechnen haben. Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass sie in ihrem Heimatstaat aktuell gesucht werden oder neue Gerichtsverfahren gegen sie eingeleitet worden wären. Zuzustimmen ist der Einschätzung der Vorinstanz, wonach der Ausgang der auf Veranlassung des Ex -Mannes gegen sie eingeleiteten Gerichtsverfahren wegen unehelicher Beziehung respektive des Sorge- rechts für die Tochter darauf schliessen lässt, dass diesen Strafverfol- gungsmassnahmen keine asylrelevante Verfolgungsmotivation der Behör- den zugrunde lag. 6.3.4 Bei der Frage, ob die iranischen Behörden fähig und bereit wären, den Beschwerdeführenden Schutz vor zukünftigen Nachstellungen durch den Ex -Mann der Beschwerdeführerin zu bieten, beschränkt sich das E-6349/2019 Seite 20 Bundesverwaltungsgericht auf die Feststellung, dass ein allenfalls ein - geschränkter Schutzwille nach dem soeben Gesagten ebenfalls nicht flüchtlingsrechtlich relevant motiviert wäre. 6.4 Den Akten lassen sich demnach keine stichhaltigen Anhaltspunkte da- für entnehmen, dass die Beschwerdeführenden vor ihrer Ausreise Nach- teile im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten, oder dass sie begründete Furcht haben, solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft zu erleiden. 7. 7.1 Die Beschwerdeführenden machten inhaltlich das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend, indem sie eine Kon- version zum christlichen Glauben in der Schweiz (Beschwerdeführerin 2) respektive ein exilpolitisches Engagem ent (Beschwerdeführer 1) geltend machen, weshalb sie bei einer Rückkehr in den Iran Verfolgung seitens der iranischen Behörden befürchten müssten. 7.2 Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asyl - suchende Person erst durch die unerlaubte Ausrei se aus ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nachfluchtgründe können insbesondere unerwünschte exilpolitische Betätigungen, illegales Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland gelten, wenn sie die Ge- fahr einer zukünftigen Verfolgung begründen. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1, BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.). 7.3 7.3.1 Die politische Betätigung für staatsfeindliche Organisationen im Aus- land ist seit der Neufassung des iranischen Strafrechts im Jahr 1996 unter Strafe gestellt. Einschlägigen Berichten zufolge wurden in der Vergangen- heit denn auch bereits Personen verhaftet, angeklagt und verurteilt, welche sich unter anderem im Internet kritisch zum iranischen Staat äusserten (vgl. SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE, "Iran: Illegale Ausreise / Situation von Mitgliedern der PDKI / Politische Aktivitäten im Exil", 16. November 2010, S. 7 ff., m.w.H.). Es ist zwar bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitäten ihrer Staatsbürger im Ausland überwachen und er- fassen (vgl. dazu etwa die Urteile des BVGer E -3923/2016 vom 24. Mai E-6349/2019 Seite 21 2018 E. 5.2 und D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2, je m.w.H.). Jedoch bleibt es praxisgemäss im Einzelfall zu prüfen, ob die exilpolitischen Aktivi- täten bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran mit überwiegen der Wahr- scheinlichkeit ernsthafte Nachteile im flüchtlingsrechtlichen Sinne nach sich ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist dabei da- von auszugehen, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfas- sung von Personen konzentrieren, die über die massentypischen, niedrig- profilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausstechen und als ern sthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen. Dabei darf davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheits- behörden zu unterscheiden vermögen zwischen tatsächlich politisch enga- gierten Regimekritikern und Exil-Aktivisten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht in ihrem Gastland zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3; Urteil des BVGer D-830/2016 vom 20. Juli 2016 E. 4.2). 7.3.2 Auf den eingereichten Fotos von zwei Kundgebungen ist der Be- schwerdeführer 1 nur als einfacher Teilnehmer ohne besonders exponierte Funktion zu erkennen. Es ist ihm demnach nicht gelungen, eine politische Tätigkeit in der Schweiz vorzubringen, welche mehr darstellt, als die massentypischen Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste zahlreicher iranischer Staatsangehöriger in der Schweiz und anderen europäischen Staaten. Auch wenn die iranischen Sicherheitskräfte die genannten Ver - anstaltungen durch die diesbezügliche Bericht erstattung möglicherweise zur Kenntnis genommen haben, ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich durch die blosse Teilnahme in derartiger Weise exponiert, dass er damit rechnen müsste, vom iranischen Geheimdienst als ernsthafter Oppositi oneller wahrgenommen und entsprechend regis- triert worden zu sein. Zu berücksichtigen ist insbesondere auch, dass kein Grund zur Annahme besteht, er sei den heimatlichen Behörden bereits vor seiner Ausreise als Regimekritiker bekannt gewesen. 7.4 7.4.1 Der Übertritt zu einer anderen Glaubensrichtung alleine führt im Iran grundsätzlich noch nicht zu einer (individuellen) staatlichen Verfolgung. Die diskrete und private Glaubensausübung ist im Iran grundsätzlich möglich (vgl. Urteil des BVGer D -4399/2017 vom 15. März 2018 E. 6.3). Mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung durch den iranischen Staat auf- grund einer Konversion ist nur dann zu rechnen, wenn sich die Person E-6349/2019 Seite 22 durch eine missionierende Tätigkeit exponiert und Aktivitäten des Konver- titen vorliegen, di e vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden (vgl. Urteil des BVGer D -4795/2016 vom 15. März 2019 E. 6). Ein Glaubenswechsel vermag somit dann flüchtlingsrechtlich relevante Massnahmen auszulösen, wenn die christliche Glaubensausübung in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen – allenfalls gar missionierende Züge annehmenden – Glaubens- ausübung erfährt und die asylsuchende Person d enunziert. Eine Verfol- gung durch den iranischen Staat ist somit dann zu erwarten, wenn der Glaubenswechsel bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im Ausla nd muss daher bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaubhaftigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentli- chen Bekanntheit für die betroffene Person in Betracht gezogen werden. Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden nicht vor der Überwachung ihrer Staatsbürger im Ausland zurückschrecken; es finden sich auch Hin- weise darauf, dass konvertierte Iranerinnen und Iraner im Ausland von ih- rem Heimatstaat überwacht werden (vgl. zum Ganzen : BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f. sowie etwa die Urteile des BVGer D -2862/2020 vom 28. Sep- tember 2020 E. 4.3 D -6908/2019 vom 18. September 2020 E. 6, E-5337/2018 vom 25. Juli 2020 E. 6.2, mit weiteren Hinweisen). 7.4.2 Die Konversion der Beschwerdeführerin 2 zum christlichen Glauben ist aufgrund der eingereichten Taufurkunde als erstellt zu erachten. Die von ihr geltend gemachten Gottesdienstbesuche und die Teilnahme an christli- chen Treffen als einfaches Gemeindemitglied sind indessen praxisgemäss nicht als aktive, von den iranischen Behörden als potenziell staatsgefähr- dend erachtete Glaubensausübung anzusehen (vgl. in diesem Sinne etwa Urteile des BVGer E-6175/2017 vom 28. Mai 2019 E. 6.2.3, D-490/2017 vom 7. Mai 2019 E. 5.7.2, E-3795/2018 vom 14. Februar 2019 E. 5.3.3). Auch aus dem Umstand, dass sie ihren Glauben "aktiv und öffentlich in ihrer unmittelbaren Umgebung" teile (vgl. Bestätigungsschr eiben Hess vom 17. November 2019), lässt sich nicht darauf schliessen, dass sie sich in nennenswerter Weise missionarisch betätigt . Es liegen überdies keine konkreten Hinweise darauf vor, dass die Abkehr de r Beschwerdeführerin vom muslimischen Glauben in ihrem heimatlichen Umfeld, respektive bei den iranischen Sicherheitsbehörden, bekannt geworden ist. E-6349/2019 Seite 23 7.5 Eine allfällige Einleitung eines Strafverfahrens gegen die Beschwerde- führenden wegen der Verbringung der Tochter der Beschwerdeführerin 2 ins Ausland ohne Zustimmung des Kindsvaters, welchem das Sorgerecht zukam, wäre als eine rechtsstaatlich grundsätzlich legitime Strafverfolgung anzusehen, welcher keine flüchtlin gsrechtliche Rele vanz beigemessen werden kann. Konkrete Anhaltspunkte für einen allfälligen Malus oder eine in diesem Zusammenhang drohende Verletzung von Art. 3 AsylG sind nicht ersichtlich. 7.6 Unter Berücksichtigung dieser Umstände ergibt sich, dass die Be- schwerdeführenden auch die Voraussetzungen für die Anerkennung von subjektiven Nachfluchtgründen im Sinn von Art. 54 AsylG nicht erfüllen. 8. Zusammenfassend ist es den Beschwerdeführenden somit nicht gelungen, eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG beziehungs- weise Art. 54 AsylG darzutun. Das SEM hat folglich zu Recht ihre Flücht- lingseigenschaft verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 9. 9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 9.2 Die Bes chwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegw eisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 10. 10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). E-6349/2019 Seite 24 10.2 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar- keit, Unmöglichkeit) sind alternativer Natur: Sobald eines von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 11. 11.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflicht ungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 11.2 11.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da- rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge- fährdung nachzuweisen oder glaubhaf t zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver- fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat wäre demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 11.3 11.3.1 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De- zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er- niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri- gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 11.3.2 Art. 3 EMRK enthält ein absolutes Verbot von Folter sowie von un- menschlicher und erniedrigender Strafe oder Behandlung. Damit eine Be- handlung oder Strafe in den Schutzbereich von Art. 3 EMRK fällt, muss sie ein bestimmtes Mindestmass an Schwere erreichen. In die Beurteilung, ob E-6349/2019 Seite 25 dieses Mindestmass an Schwere erreicht ist, müssen alle relevanten Um- stände des Einzelfalles einbezogen werden, insbesondere die Art und die Umstände der Behandlung oder Strafe, die Art und Weise ihrer Ausführung, ihre Dauer, deren physische und psychische Auswirkungen und in gew is- sen Fällen das Geschlecht, das Alter und der Gesundheitszustand der be- troffenen Person (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- rechte [EGMR] Soering gegen das Vereinigte Königreicht vom 7. Juli 1989, Beschwerde Nr. 14038/88, § 100, m.w.H.). 11.3.3 Die betroffene Person muss gemäss Praxis des EGMR zu Art. 3 EMRK eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft ma- chen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung eine von dieser Bestimmung verbotene Massnahme mit erheblicher Wahrscheinlichkeit droht. Dabei sind die allgemeine Situation im betreffenden Staat einerseits und die per- sönlichen Umstände der betroffenen Person andererseits massgebliche Kriterien (vgl. EGMR [Grosse Kammer] Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, § 130, m.w.H.). 11.3.4 Das Verbot der Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Strafe oder Behandlung gemäss Art. 3 EMRK in Verbindung mit Art. 2 und 3 FoK ist – als Schutzbestimmung für elementarste Werte demokrati- scher Gesellschaften – absolut und zwingend (vgl. u.a. General Comment No. 2 des UN -Ausschusses gegen Folter [CAT] vom 24. Januar 2008). Im Zusammenhang mit der Ausweisung oder Rückschiebung einer auslän- dischen Person bedeutet dies, dass auf eine solche zu verzichten ist, wenn sie eine konkrete Gefahr einer nach d iesen Bestimmungen verbotenen Massnahme schlüssig dartun kann. Der absolute Charakter des Folter - verbots wird auch vom EGMR regelmässig betont. In sämtlichen Fällen be- dingt eine Verletzung von Art. 3 EMRK jedoch eine gewisse Schwere der zugefügten Leiden, welche mittels Gesamtwürdigung sämtlicher Umstände zu eruieren ist. Die zu berücksichtigenden Parameter sind dabei vor allem die Dauer des Eingriffs, die physischen und psychischen Auswirkungen auf den Betroffenen, dessen Gesundheitszustand, der Zweck der Massnahme und die Absicht der Beamten sowie die Umstände, in welchen der Eingriff stattgefunden hat (vgl. BVGE 2014/21 E. 5.4 mit weiteren Hinweisen). 11.3.5 Den Ausführungen der Beschwerd eführenden ist zu entnehmen, dass sie vor ihrer Ausreise Opfer massiver Übergriffe durch den Ex-Mann der Beschwerdeführerin 2 sowie durch Beamte des iranischen Geheim- diensts (Etelaat) wurden, die − insbesondere soweit es sich um körperliche Misshandlungen handelte – zweifellos als unmenschliche Behandlung im E-6349/2019 Seite 26 Sinne von Art. 3 EMRK zu qualifizieren sind. Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Gründe für diese Repressalien – der Streit mit dem Ex-Mann der Beschwerdeführerin 2 aufgrund ihrer Beziehung zum Beschwerdeführer 1 sowie wegen des Sorgerechts für die Tochter – wei- terhin bestehen; demnach sind die Beschwerdeführenden einem erhebli- chen und konkreten Risiko ausgesetzt, im Falle ihre Rückkehr erneut der- artige Übergriffe zu erleiden. Dies umso mehr, als der sorgeberechtigte Kindesvater durch die ir anischen Grenzbeamten von der Wiedereinreise seiner Tochter in Kenntnis gesetzt werden dürfte. Da die geschilderten Übergriffe auch von Behördenvertretern ausgingen , erscheint fraglich, ob die Beschwerdeführenden den Schutz der iranischen Behörden in An- spruch nehmen könnten. Aus den Akten ergeben sich zwar keine Anhalts- punkte, dass die iranischen Behörden im Rahmen der Gerichtsverfahren, welche der Ex-Mann der Beschwerdeführerin 2 gegen die Beschwerdefüh- renden angestrengt hatte, im Rahmen des iranischen Rechts nicht korrekt gehandelt hätten. Hieraus kann aber nicht ohne Weiteres abgeleitet wer- den, dass sie sich auch gegen Übergriffe durch den Geheimdienst durch eine Anrufung der Justizbehörden zur Wehr setzen könnten. Es ist zu be- rücksichtigen, dass im Iran ein Klima der Straflosigkeit für Staatsbediens- tete herrscht. Anwendungen von Gewalt durch Sicherheitskräfte werden nicht unabhängig und transparent untersucht (vgl. AMNESTY INTERNATIONAL Report, 2020 /21, Länderbericht Iran; US DEPARTMENT OF STATE, 2020 Country Report on Human Rights Practices: Iran, S. 11). 11.4 Demzufolge erweist sich der Wegweisungsvollzug aufgrund der spe- zifischen Umstände des vorliegenden Einzelfalles als unzulässig im Sinne des Art. 83 Abs. 3 AIG und die Besch werdeführerin 2 ist in der Schweiz vorläufig aufzunehmen (Art. 83 Abs. 1 AIG). 11.5 Die Beschwerdeführenden 1, 3 und 4 sind in Respektierung des Grundsatzes der Einheit der Familie ( Art. 44 AsylG) praxisgemäss in die vorläufige Aufnahme ihrer Ehefrau beziehungsweise Mutter einzubezie- hen, nachdem keine dagegen sprechenden Gründe ersichtlich sind (vgl. bereits EMARK 1995 Nr. 24 E. 10 f.). 12. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die Ver- fügung vom 29. Oktober 2019 ist im Wegweisungsvollzugspunkt aufzuhe- ben. Das SEM ist anzuweisen, die vorläufige Aufnahme der Beschwerde- führenden in der Schweiz anzuordnen. E-6349/2019 Seite 27 13. Bei diesem Verfahrensausgang wären die Verfahrenskosten zur Hälfte den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischen- verfügung vom 12. Dezember 2019 gutgeheissen wurde und den Akten keine Hinweise auf eine relevante Veränderung ihrer finanziellen Verhält- nisse zu entnehmen sind, ist jedoch von einer Kostenauflage abzusehen. 14. 14.1 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres teilwei- sem Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine praxisge- mäss um die Hälfte reduzierte Entschädigung für die ih nen notwendiger- weise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen . Der in der Kostennote vom 12. Februar 2020 ausgewiesene zeitliche Vertretungsaufwand er- scheint grundsätzlich angemessen. Die reduzierte Parteientschädigung, die durch das SEM zu vergüten ist, ist auf der Basis des in der Honorarnote ausgewiesenen Stunden ansatzes von Fr. 200.– somit auf insgesamt Fr. 1162.– (inkl. die Hälfte der Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzu- legen. 14.2 Mit der Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2019 wurde ausser- dem das Gesuch der Beschwerdeführenden um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG beziehungsweise Art. 102m AsylG) und ihre Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Diese hat, soweit d ie Beschwerdeführenden im Verfahren unterlegen sind, An- spruch auf Übernahme notwendigerweise erwachsenen Vertretungskosten durch das Bundesverwaltungsgericht (vgl. Art. 8–14 VGKE). Wie in der Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2019 angekündigt, ist bei anwaltli- chen Rechtsbeiständen von einem Stundenansatz von maximal Fr. 150.– auszugehen. Demzufolge ist der amtlichen Rechtsbeiständin ein Gesamt- betrag von Fr. 899.– (inkl. die Hälfte der Auslagen und Mehrwertsteuer - anteil) durch das Gericht zu vergüten. (Dispositiv nächste Seite) E-6349/2019 Seite 28 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit den Vollzug der Wegweisung betreffend, gut- geheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2. Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung vom 29. Oktober 2019 werden aufgehoben und das SEM angewiesen, die Beschwerdeführenden und ihre Kinder wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzu- nehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4. 4.1 Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfah- ren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine red uzierte Parteientschädi- gung von Fr. 1162.– auszurichten. 4.2 Das verbleibende Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin wird auf Fr. 899.– bestimmt und durch die Gerichtskasse vergütet. 5. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Nicholas Swain Versand: