B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-3102/2016 U r t e i l v o m 2 . M ä r z 2 0 1 7 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Markus König, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Marcel Bosonnet, Rechtsanwalt, Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 13. April 2016 / N (…). D-3102/2016 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a Der Beschwerdeführer, ein sri -lankischer Staatsangehöriger tamili- scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ (Eastern Province), ver- liess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge Ende 2006 und gelangte zunächst nach Malaysia. Dort sei er zwei Jahre lang geblieben, bevor er Ende 2008 nach Indien weitergereist sei. Am 13. November 2011 sei er von Indien aus via ein arabisches Land in die Schweiz geflogen. Der Beschwer- deführer reiste am 14. November 2011 illegal in die Schweiz ein, stellte am 21. November 2011 im Empfangs - und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ ein Asylgesuch (nach schriftlicher Vorankündigung vom 18. No- vember 2011 durch seinen damaligen Rechtsvertreter), wurde dort am 13. Dezember 2011 summarisch befragt und in der Folge für die Dauer des Verfahrens dem Kanton D._______ zugewiesen. Am 28. Juni 2012 hörte das vormalige Bundesamt für Migration (BFM) den Beschwerdeführer ge- stützt auf Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) ausführlich zu seinen Asylgrün- den an. A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er habe im Jahr 2004 einen Computerkurs besucht und in dieser Zeit bei seiner Tante gewohnt. Zwei ihrer Söhne seien Anhänger der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewesen und hätten manch- mal LTTE -Kollegen nach Hause geb racht. Eines Tages habe er so D._______ kennenlernt, den Leiter des Geheimdienstes der LTTE für den Bezirk B._______. D._______ habe ihn ermuntert, ein Internetcafé zu er- öffnen, und habe ihm seine Unterstützung zugesichert. Daraufhin habe er noch im selben Jahr zusammen mit zwei Angestellten ein eigenes Internet- und Kommunikationslokal, (…) Netcafé, eröffnet. Dieses sei auch von Sol- daten und Polizisten rege besucht worden. In der Folge habe er als Mittels- mann jeweils von drei Militär - respektive Polizeiangehörigen (E._______, F._______ und G._______), welche insgeheim für die LTTE spioniert hät- ten, Briefumschläge und CDs erhalten, welche er an die LTTE, das heisst an D._______ oder dessen Kollegen H._______, weitergeleitet habe. Manchmal habe er umgekehrt Geld oder CDs an die drei Spitzel weiterlei- ten müssen; dieses Geld habe er jeweils in einem anderen Geschäft abho- len gehen müssen. Ende 2006 hätten eines Tages, als er sich gerade zum Einkaufen in Colombo aufgehalten habe, zwei Singhalesen in Zivil in sei- nem Geschäft nach dem Geschäftsinhaber I._______, das heisst nach ihm, erkundigt. Am selben Abend hätten unbekannte Personen bei seiner D-3102/2016 Seite 3 Tante nach ihm gefragt. Er sei am folgenden Tag nach Hause zurückge- kehrt und daraufhin zur Arbeit gegangen. Dort hätten ihn zwei Personen gefragt, ob der Geschäftsinhaber I._______ da sei. Er habe dies verneint. Später sei J._______, einer der für die LTTE tätigen Soldaten, vorbeige- kommen und habe ihm mitgeteilt, dass die Armee einen LTTE-Spion fest- genommen hätte und dieser ihn (den Beschwerdeführer) verraten habe. Man kenne seinen Namen und seine Adresse und werde ihn entführen res- pektive befragen oder erschiessen. In der Folge habe er mit D._______ telefoniert, welcher ihn angewiesen habe, nach Malaysia zu gehen. Er sei daher Ende 2006 nach Malaysia gereist und sei dort zwei Jahre lang für K._______, einen Mitarbeiter des LTTE -Geheimdienstes, tätig gewesen, indem er den Untergebenen von K._______ Geld ausbezahlt und diese bespitzelt habe. Zunächst habe er für zwei Monate ein Visum gehabt, da- nach habe er sich beim UNHCR angemeldet, um ein Bleiberecht zu erhal- ten. K._______ sei dann eines Tages verschwunden; vermutlich sei er fest- genommen worden. Er selber habe sich daraufhin zur Flucht nach Indien entschlossen. Von Ende 2008 bis im November 2011 habe er sich illegal in Chennau, Tamil Nadu, aufgehalten, u nd sei dort vom LTTE -Mitglied L._______, einem Black Tiger, unterstützt worden. L._______ sei dann aber ebenfalls verschwunden. Der sri -lankische sowie der indische Ge- heimdienst hätten auch in Indien nach ehemaligen LTTE -Mitgliedern ge- sucht, weshalb er am 13. November 2011 mit einem indi schen Pass aus Indien ausgereist und in die Schweiz geflüchtet sei. Einen Monat nach sei- ner Ausreise nach Malaysia hätten Angehörige des Criminal Investigation Department (CID) beziehungsweise Singhalesen in Zivil zuhause nach ihm gefragt und gedroht, sie würden seinen Vater mitnehmen, falls er sich nicht melde. Im Juni 2008 sei sein Vater dann plötzlich verschwunden, er habe seither nichts mehr von ihm gehört. Er wolle nicht nach Sri Lanka zurück- kehren, da er sich vor der Armee fürchte und seines Lebens dort nicht mehr sicher sei. A.c Der Beschwerdeführer reichte seine Identitätskarte, einen Identitäts- ausweis für den Distrikt B._______, eine Kopie seines Reisepasses, einen UNHCR-Ausweis, seinen Führerschein, eine Kopie aus seinem See- mannsbüchlein sowie Unterlagen zum Verschwinden seines Vaters (Ver- misstenmeldung an die Human Rights Commission [HRC] B._______, eine Bestätigung des Dorfvorstehers, eine Anzeige an die HRC sowie eine Be- stätigung eines Gerichts, alle in Kopie) zu den Akten. B. D-3102/2016 Seite 4 B.a Das BFM verneinte mit Verfügung vom 17. Juli 2012 die Flüchtlingsei- genschaft, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. Der Beschwerdeführer liess die- sen Entscheid mit Beschwerde vom 24. August 2012 beim Bundesverwal- tungsgericht anfechten. Im Verlauf des Beschwerdeverfahrens wurden fol- gende weitere Beweismittel zu den Akten gereicht: eine Rechnung und drei Quittungen von Sri Lanka Telecom, eine polizeiliche Vorladung der Sahar Police Station Mumbai vom 11. September 2009, ein Rechtshilfegesuch der Bundesanwaltschaft vom 5. Januar 2010 ink l. Auszug aus einer Tele- fonliste (Kopie) sowie eine SIM-Karte. B.b Mit Urteil D-4418/2012 vom 19. Dezember 2013 hiess das Bundesver- waltungsgericht die Beschwerde gut, hob die vorinstanzliche Verfügung auf und wies die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Für den weiteren Inhalt des ersten Beschwerdeverfahrens ist auf die Akten zu verweisen. B.c Nach Abschluss des Beschwerdeverfahrens wurden mit Eingabe vom 22. Oktober 2013 weitere Beweismittel eingereicht: ein Auszug aus dem Information Book der M._______ Polizeistation vom 19. April 2013 (inkl. Übersetzung), sowie eine Anzeige von N._______ bei der HRC in B._______ vom 19. April 2013 (inkl. Übersetzung). C. Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe an das BFM vom 2. Oktober 2014 vorbringen, seine Mutter leide seit dem Verschwinden seines Vaters unter psychischen Problemen. Im Weiteren sei t der Beschwerdeführer Mitglied des Tamil Coordinating Committee (TCC). Diese Organisation stelle bei po- litischen und kulturellen Veranstaltungen den Ordnungsdienst; sie fungiere auf der von den sri-lankischen Behörden erlassenen „black list“ von verbo- tenen Organisationen. Für Mitglieder der auf dieser Liste erwähnten Orga- nisationen bestehe im Falle ihrer Rückkehr nach Sri Lanka eine asylrele- vante Gefährdung. Der Beschwerdeführer habe an mehreren exilpoliti- schen Veranstaltungen teilgenommen (am Gedenktag vom 18. Mai 2012, an einer Demonstration vor dem UNHCR-Gebäude in Genf sowie an einem tamilischen Sporttag in Winterthur). Auf den diesbezüglich eingereichten drei Fotos sei er in der Uniform der Tamil Guard abgebildet. D-3102/2016 Seite 5 Der Eingabe lagen folgende Unterlagen bei: ein Bestätigungsschreiben ei- nes Spitals in B._______, inkl. Übersetzung und Briefumschlag, ein Schrei- ben des Swiss Tamil Coordinating Committee (STCC) vom 8. September 2014 sowie drei Fotos. D. Am 24. Februar 2015 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine er- gänzende Anhörung durch. Dabei führte der Beschwerdeführer aus, er sei im Wesentlichen bei seiner Tante aufgewachsen. Deren zwei Söhne hätten sich bei den LTTE engagiert. Im Jahr 2003 habe er die Schule beendet und sei dann im Jahr 2004 mit seinem On kel nach Indien gepilgert. Nach der Rückkehr im Jahr 2004 habe er einen Computerkurs besucht. Seine bei- den Cousins seien in dieser Zeit häufig nach Hause gekommen, da damals Waffenstillstand geherrscht habe. Seine Cousins hätten mehrere LTTE - Kollegen nach Hause mitgebracht, so beispielsweise D._______, den Ge- heimdienstchef für B._______, L._______, ein Mitglied der Sea Tigers, so- wie H._______. Auf Anregung von D._______ habe er in einem benach- barten Gebäude ein Internetcafé eröffnet. D._______ habe ihm sogar den Internetanschluss beschafft. Er habe das Geschäft nach dem Namen des Sohnes seiner Cousine (...) Netcafé genannt. Er habe zwei Angestellte ge- habt und abgesehen vom Internetzugang auch Telefon-Dienstleistungen, Getränke und Prepaidkarten verkauft. Ein es Tages habe ihn D._______ gebeten, ihm zu helfen. Er habe sich bereit erklärt, Briefe und CDs entge- genzunehmen und diese später an D._______ auszuhändigen respektive umgekehrt gewisse Unterlagen von D._______ anzunehmen und an an- dere Personen weiterzuleiten. D._______ habe ihm ausserdem aufgetra- gen, ihm verdächtige Personen oder Telefongespräche zu melden. Letzte- res habe er jedoch nie gemacht, weil ihm nie etwas Derartiges aufgefallen sei. In der Folge habe ihm D._______ mehrere Personen vorgestellt: G._______, O._______ und P ._______. Diese Personen seien bei der Po- lizei beziehungsweise bei der Armee tätig gewesen. D._______ habe ihm ausserdem eine SIM -Karte gegeben und ihm gesagt, er solle eine SMS schreiben, wenn er von den drei Personen etwas erhal ten habe. In der Folge habe er einige Male diesen Job als Mittelsmann erledigt. Eines Tages im Jahr 2006, als er sich gerade in Colombo aufgehalten habe, hätten zwei unbekannte Personen im Geschäft nach ihm gesucht. Gleichentags hätten sie auch bei seiner Tante nach ihm gefragt. Am nächsten Tag sei er mor- gens von Colombo nach Hause gekommen und daraufhin ins Geschäft zur Arbeit gegangen. Gegen Abend sei P ._______ vorbeigekommen und habe ihm gesagt, sein Büro habe den Auftrag erhalten, ihn (den Beschwerdefüh-D-3102/2016 Seite 6 rer) zu befragen. P ._______ habe für die Regierung gearbeitet, mutmass- lich für den CID. Er habe ihm geraten, wegzugehen. Daraufhin habe er zunächst mit H._______ und später auch noch (telefonisch) mit D._______ gesprochen. Dieser habe ihm mitgeteilt, eine Person sei verhaftet worden, er solle weggehen. Daher sei er Ende 2006 nach Malaysia gegangen. Er sei mit seinem eigenen Reisepass aus Sri Lanka ausgereist. D._______ habe ihm den Kontakt zu K._______ (beziehungsweise K._______) ver- schafft. Dieser sei ebenfalls für die LTTE tätig gewesen, er wisse aber nicht, in welcher Funktion. Er habe in der Folge für K._______ gearbeitet, indem er den sieben Untergebenen von K._______ jeweils Geld für Kleidung und Essen überbracht habe. Während seines Aufenthalts in Malaysia – einein- halb Monate nach seiner Ankunft dort – sei er zu Hause gesucht worden. Seine Mutter sei gewarnt worden, man werde an seiner Stelle seinen Vater mitnehmen. Mitte 2008 sei sein Vater dann spurlos verschwunden. Seine Tante habe das bei mehreren Stellen (Polizei, Menschenrechtskommis- sion) gemeldet. Er sei dann Ende 2008 mit einem gefälschten Pass nach Indien gegangen, da K._______ im Jahr 2007 plötzlich verschwunden sei und er sich Sorgen um seine Sicherheit gemacht habe, zumal er sich illegal in Malaysia aufgehalten habe. In Indien habe er bei L._______ gewohnt, einem Befreiungstiger, welchen er bereits aus Sri Lanka gekannt habe. Sie hätten Medikamente eingekauft, für den Transport nach Sri Lanka verpackt und die Pakete an einen Strand gebracht. L._______ habe ihm jedoch ge- raten, nicht in Indien zu bleiben, und habe ihn mit Q._______ bekannt ge- macht. Dieser habe ihm gesagt, er organisiere die Flucht nach Frankreich. Am Flughafen von Bombay sei er jedoch verhaftet und intensiv befragt wor- den. Der tamilische Übersetzter habe ihn den Behörden gegenüber als mi- litanten Sri Lanker dargestellt, worauf er wegen Mitführens eines ihm nicht zustehenden Reisepasses für drei Monate inhaftiert worden sei. Die indi- sche Polizei habe einen Brief an die Adresse seiner Tante in Sri Lanka ge- schickt, wonach er verhaftet würde, falls er in Indien erneut aufgegriffen würde. Nach seiner Freilassung habe er L._______ kontaktieren wollen, dieser sei jedoch verschwunden gewesen. In der Folge habe er sich bei Bekannten von Q._______ aufgehalten. Im Jahr 2011 sei er dann von In- dien in die Schweiz gereist. Der Beschwerdeführer machte im Weiteren geltend, er sei seit seiner Ankunft in der Schweiz im Jahr 2011 Mitglied des TCC. Im Dezember 2011 habe er am Märtyrertag teilgenommen. Er habe dies in der Anhörung vom 28. Juni 2012 nicht erwähnt, weil man ihn nicht danach gefragt habe. Die sri -lankischen Behörden würden das TCC als Organisation der LTTE betrachten. Die eingereichten Fotos seien teilweise im Internet aufgeschaltet (auf lankasri.com und tamilwin.com), er habe sie D-3102/2016 Seite 7 heruntergeladen. Er sei ungefähr viermal pro Jahr für das TCC als Ord- nungskraft tätig (am jährlichen Sportanlass im Sommer in Winterthur, an der Menschenrechtskonferenz im März, am Märtyrer - beziehungsweise Heldentag und an einem weiteren Menschenrechtsanlass in Genf). Der Be- schwerdeführer fügte ausserdem an, seine Mutter in Sri Lanka leide an psychischen Problemen im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Vaters. Der Beschwerdeführer wurde sodann nochmals zu seiner Tätigkeit für D._______ befragt und machte geltend, die Armeeangehörigen seien abwechslungsweise zwei- bis dreimal pro Monat zu ihm ins Geschäft ge- kommen. Er könne es nicht mehr genau sagen, da dies lange her sei. Er sei zu Hause zuletzt im Jahr 2013 ge sucht worden, und zwar bei seiner Tante, von unbekannten Personen in Zivil. Die Rechtsvertretung des Be- schwerdeführers verwies am Ende der Befragung auf den in der Be- schwerde vom 24. August 2012 gestellten Antrag, es seien zwei in der Schweiz befindliche L TTE-Mitglieder zu befragen, zu welchen der Be- schwerdeführer in Indien und Sri Lanka Kontakt gehabt habe. E. Das SEM stellte mit Verfügung vom 13. April 2016 – eröffnet am 15. April 2016 – fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft und/oder nicht asylrelevant. Demzufolge verneinte es die Flüchtlingseigen- schaft und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei- sung aus der Schweiz sowie den Vollzug. F. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Mai 2016 liess der Beschwerdeführer beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzu- heben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu ge- währen. Eventuell sei R._______ zur Person und Verfolgungssituation des Beschwerdeführers zu befragen, wobei ihr vollständiges Asyldossier bei- zuziehen sei. Zudem seien auch S._______ sowie T._______ zur Person respektive zur Tätigkeit des Beschwerdeführers für die LTTE zu befragen. Subeventuell sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustel- len, und er sei vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der vollumfänglichen unentgeltlichen Rechtspflege mit Beiord- nung des Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: eine Kopie der angefoch- tenen Verfügung vom 13. April 2016, eine Vollmacht (Kopie) sowie eine Fürsorgebestätigung vom 2. Mai 2016. D-3102/2016 Seite 8 G. Mit Verfügung vom 26. Mai 2016 stellte der Instruktionsrichter fest, der Be- schwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar- ten. Ausserdem hiess er das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um amtliche Verbeistän- dung wurde gestützt auf Art. 110 a Abs. 1 AsylG ebenfalls gutgeheissen, und dem Beschwerdeführer wurde antragsgemäss Rechtsanwalt Marcel Bosonnet als amtlicher Rechtsbeistand beig eordnet. Im Weiteren wurde das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist aufgefordert. H. Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 21. Juni 2016 vollumfänglich an seiner Verfügung fest. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers replizierte darauf mit Eingabe vom 20. Juli 2016 und bestätigte dabei die in der Beschwerde gestellten Anträgen. I. Mit Eingabe vom 29. Juli 2016 wurde ein ärztliches Schreiben von Dr. med. T. L. vom 24. Juli 2016 eingereicht. Mit Eingaben vom 5. August und 1. September 2016 wurde ausserdem ein Bestätigungsschreiben der Tante des Beschwerdeführers vom 28. Juli 2016 (inkl. Übersetzung) betreffend den früheren Wohnort des Beschwerdeführers zu den Akten gereicht. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, w elche von einer Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des BFM bzw. SEM, welche in An- wendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). D-3102/2016 Seite 9 1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer- deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In- teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu- treten. 2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus- länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer be stimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi- schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge- schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings- eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss- bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft D-3102/2016 Seite 10 machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H., und 2009/29 E. 5.1). D-3102/2016 Seite 11 4. 4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe in einigen Punkten wi- dersprüchliche Angaben gemacht, so beispielsweise bezüglich der Frage, wie viele Personen nach ihm gefragt hätten, als er sich in Colombo aufge- halten habe, und welcher Institution diese a ngehört hätten, bezüglich des Zeitpunkts der Entführung seines Vaters oder auch bezüglich der Frage, welche Informationen die von ihm weitergeleiteten CDs und Couverts ent- halten hätten. Ferner habe er zunächst gesagt, einer der Informanten habe ihn gewarnt, dass man ihn entführen wolle. In der ersten Anhörung habe er stattdessen gesagt, er hätte erschossen oder befragt werden sollen. In der zweiten Anhörung sei nur noch von einer Befragu ng die Rede gewesen. Aufgrund dieser Widersprüche bestünden Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Sodann sei nicht nachvollziehbar, dass er den Perso- nen, welche nach I._______ gefragt hätten, keine Identitätskarte habe zei- gen müssen. Zudem sei davon auszugehen, dass das Militär ihn unter sei- nem richtigen Namen gesucht hätte , zumal er angeblich auch bei seiner Tante gesucht worden und überdies der offizielle Besitzer des Internetcafés gewesen sei. Im Weiteren weise seine offenbar problemlose Ausreise mit dem eigenen Reisepass darauf hin, dass die sri-lankischen Behörden nicht nach ihm gesucht hätten. Die eingereichten Beweismittel seien nicht ge- eignet, an diesen Feststellungen etwas zu ändern. Die Anzeigen und Be- stätigungen von Menschenrechtsorganisationen hätten nur einen geringen Beweiswert und könnten ohnehin nur die geltend gemachte Entführung des Vaters belegen. Aus dem eingereichten Flüchtlingsausweis des UNHCR gehe nicht hervor, aus welchen Gründen dieser Ausweis ausge- stellt worden sei, weshalb er nicht geeignet sei, die Asylvorbringen zu be- legen. Betreffend die eingereichte SIM-Karte sei festzustellen, dass diese den Angaben des Beschwerdeführers zufolge nicht auf seinen Namen re- gistriert sei, sondern er sie von jemandem erhalten habe. Es sei nicht be- legt, dass er sie tatsächlich benutzt habe, zumal er sie erst elf Monate nach seiner Einreise in die Schweiz abgegeben habe. Es sei davon auszugehen, dass sie nicht im Besitz des Beschwerdeführers gewesen sei und die sri - lankischen Behörden somit auch keine Verbindung zwischen ihm und der darauf enthaltenen Telefonnummern hätten herstellen können. Es sei un- klar, wie der Beschwerdeführer in den Besitz dieser SIM-Karte gekommen sei und wer diese benutzt habe. Sie könne daher die vom Beschwerdefüh- rer geltend gemachten Aktivitäten für die LTTE nicht belegen. Im Übrigen sei es Sache des Beschwerdeführers, gegebenenfalls die darauf gespei- cherten Daten durch einen Bericht eines forensischen Instituts offenzule- gen. Die eingereichten Rechnungen von Sri Lanka Telecom seien sodann D-3102/2016 Seite 12 zwar ein Hinweis darauf, dass er ein Internetcafé geführt habe, würden aber die geltend gemachte Verfolgung nicht belegen. Bei der Vorladung der indischen Behörden handle es sich um eine offensichtlich manipulierte Kopie, weshalb deren Echtheit zu bezweifeln sei. Zudem werde dem Be- schwerdeführer diesem Dokument zufolge Dokumentenfälschung und Be- trug etc. vorgeworfen, womit seine Asylvorbringen ebenfalls nicht belegt würden. Bezüglich des Antrags der Rechtsvertretung, wonach zwei LTTE- Angehörige zu befragen seien, sei festzustellen, dass der Beschwerdefüh- rer deren Namen – im Gegensatz zu vielen anderen Namen – weder in der Befragung in der Empfangsstelle noch in den beiden Anhörungen erwähnt habe. Daher könne auf die Aussagen dieser Drittpersonen verzichtet wer- den. Zu den geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten in der Schweiz führte das SEM aus, der Beschwerdeführer sei auf den im Internet veröf- fentlichen Fotos kaum identifizierbar, da die Fotoqualität sehr schlecht sei. Das dritte Foto habe er privat erhalten. Das Bestätigungsschreiben des STCC sei als Gefälligkeitsschreiben zu erachten, da der Beschwerdeführer angeblich bereits seit dem Jahr 2011 für diese Organisation tätig gewesen sei, dies jedoch erst in der Eingabe vom 2. Oktober 2014 geltend gemacht habe. Er werde im Schreiben zudem nicht als Mitglied bezeichnet, sondern es werde darin lediglich auf seinen Wunsch seine ehrenamtliche Tätigkeit als Sicherheitspersonal bestätigt. Insgesamt seien die geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten nicht asylrelevant. Demzufolge sei die Flücht- lingseigenschaft des Beschwerdeführers zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. Den Wegweisungsvollzug erachtete das SEM unter Berück- sichtigung der Menschenrechts- und Sicherheitslage am Herkunftsort des Beschwerdeführers (Ostprovinz) und nach Würdigung seiner individuellen Verhältnisse (Beziehungsnetz, Wohnsituation, Ausbildung, Arbeitserfah- rung, Gesundheitszustand) als zulässig, zumutbar und möglich. 4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen vorgebracht, der Beschwer- deführer sei bei seiner Tante aufgewachsen , da seine Mutter psychisch krank gewesen sei. Dort hätten auch seine beiden Cousins gelebt, welche für die LTTE tätig gewesen sei en. Ausserdem habe seine Cousine R._______ (Name nach der Ehe schliessung mit U._______) dort gelebt. Diese sei bereits im Jahr 1999 in die Schweiz geflüchtet und habe hier Asyl erhalten, vermutlich weil sie aufgrund der Tätigkeit ihrer Brüder für die LTTE verfolgt worden sei. Der Beschwerdeführer habe darauf verwies en, dass seine Cousins für die LTTE gearbeitet hätten und er durch sie andere LTTE-Mitglieder (D._______, L._______) kennengelernt habe. Er sei somit bei hochrangigen LTTE -Mitgliedern aufgewachsen, welche politisch ver- folgt worden seien und weiterhin verfolgt würden. Im Jahr 2013 hätten sich D-3102/2016 Seite 13 die Behörden letztmals bei der Tante nach dem Beschwerdeführer erkun- digt. Daher sei das Asyldossier von R._______ beizuziehen, und sie sei als Zeugin zu befragen. Bezüglich der vom SEM behaupteten Widersprüche in den Aussagen des Beschwerdeführers sei zu berücksichtigen, dass Wi- dersprüche zwischen den Aussagen in der Befragung zur Person (BzP) und denjenigen in der Anhörung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur dann herangezogen werden dürften, wenn in wesentlichen Punkten dia- metrale Abweichungen bestünden oder zentrale Vorbringen nicht bereits in der BzP erwähnt würden. Das SEM habe erwogen, der Beschwerdeführer habe sich bezüglich der geltend gemachten Suche nach ihm am Tag, an welchem er sich in Colombo aufgehalt en habe, widersprochen. Zunächst habe er gesagt, ein Soldat habe nach ihm gefragt, in der ersten Anhörung habe er dann erklärt, zwei Personen hätten nach ihm gefragt, und er wisse nicht, von welcher Institution diese gewesen seien. Es treffe jedoch nicht zu, dass der Beschwerdeführer gesagt habe, diese Personen hätten wie Soldaten ausgesehen. Vielmehr habe er ausgesagt, er wisse nicht, von welcher Behörde diese gewesen seien. Betreffend des zweiten Besuchs am darauffolgenden Tag habe er dann ausgesagt, die beiden Personen hätten wie Soldaten der Armee ausgesehen, „wie trainierte Leute“. Die Schilderung des Beschwerdeführers in der BzP und in der Anhörung stimme weitgehend überein, mit Ausnahme der Anzahl der Personen, wel- che nach ihm gefragt hätten (ein Soldat vs. zwei Personen). Dieser Unter- schied erlaube es jedoch nicht, die Glaubhaftigkeit der Vorbringen in Frage zu stellen, zumal der Beschwerdeführer im fraglichen Zeitpunkt selber gar nicht anwesend gewesen sei. Als er dann am nächsten Tag selber im Ge- schäft gewesen sei, habe er die beiden zivilen Personen dem Militär zuge- ordnet, da sie „wie trainierte Leute“ ausgesehen hätten. Der Beschwerde- führer habe bereits in der Anhörung zum vermeintlichen Widerspruch Stel- lung genommen und erklärt, dass er vermutet b eziehungsweise geglaubt habe, es seien Soldaten gewesen. Insgesamt sei nicht ersichtlich, weshalb die Aussagen zu den beiden Vorsprachen nicht glaubhaft sein sollten. Viel- mehr werde dadurch belegt, dass die sri -lankischen Behörden den Be- schwerdeführer erns thaft gesucht hätten. Dies sei glaubhaft, da er für „D._______“ wichtige Kurierdienste geleistet habe und sich bei einer Fami- lie mit LTTE-Mitgliedern aufgehalten habe. Ausserdem sei dem Beschwer- deführer mitgeteilt worden, dass er fliehen solle, da jemand verhaftet wor- den sei. Er vermute, dass es sich dabei um „E._______“ oder „G._______“ gehandelt habe. Die Schilderungen des Beschwerdeführers seien plausi- bel und glaubhaft. Den angeblichen Widerspruch betreffend des Zeitpunkts der Entführung des Vaters habe der Beschwerdeführer sodann bereits in D-3102/2016 Seite 14 der zweiten Anhörung aufgeklärt und bestätigt, dass zwischen der Bedro- hung seiner Eltern und dem Verschwinden des Vaters ungefähr eineinhalb Jahre vergangen seien. Die Entführung des Vaters könne angesichts der eingereichten Dokumente nicht ernsthaft bestritten werden. Es sei zu be- merken, dass das SEM die Asylgesuche aus Sri Lanka in letzter Zeit nicht mehr sachgerecht prüfe. Bezüglich der Frage des Inhalts der CDs und Couverts liege entgegen der Darlegung des SEM kein Widerspruch vor. Der Beschwerdeführer habe deren genauen Inhalt nicht gekannt, sei je- doch aus naheliegenden Gründen davon ausgegangen, dass sie auch Auskünfte über die Bewegungen des Militärs enthalten hätten. Das SEM habe ferner angenommen, dass das Mili tär den richtigen Namen des Be- schwerdeführers hätte kennen müssen, als sie nach ihm gesucht hätten. Dies treffe jedoch nicht zu. Man habe zunächst bei seiner Tante nach ihm gesucht. Aus deren Familiennamen könne sein richtiger Name jedoch nicht hergeleitet werden. Zudem sei es bei Tamilen nicht ungewöhnlich, dass sie sich untereinander nicht unter dem richtigen Namen kennen würden, son- dern unter einem Kurznamen. Es sei daher nicht verwunderlich, dass le- diglich nach „I._______“ gefragt worden sei. Demnach sei es auch nach- vollziehbar, dass der Beschwerdeführer mit seinem eigenen Pass habe ausreisen können. Es sei durchaus möglich, dass im damaligen Zeitpunkt noch nicht landesweit nach ihm gefahndet worden sei. Zudem könnten Grenzbeamte bestochen werden; unter diesem Gesichtspunkt sei sogar die problemlose Ausreise einer landesweit gesuchten Person realistisch. Entgegen den Ausführungen des SEM müsse sodann anerkannt werden, dass die eingereichten Beweismittel die Aussagen des Beschwerdeführers stützten. Das SEM habe geltend gemacht, Dokumente von Menschen- rechtsorganisationen könnten ohne weiteres unrechtmässig erworben wer- den. Diese Aussage ohne jeglichen Beweis stelle eine Beleidigung gegen- über Menschenrechtsgruppierungen in Sri Lanka dar. In der Beschwerde wird sodann darauf hingewiesen, dass die Bundesanwaltschaft den sri-lan- kischen Justizbehörden am 5. Januar 2010 eine Liste mit Telefonanschlüs- sen gesandt habe, welche in Kontakt mit dem LTTE-Büro in Zürich gestan- den hätten. Auf dieser Liste befinde sich auch die Nummer des Beschwer- deführers. Auf der Telefonliste der Bundesanwaltschaft seien unter dieser Nummer dreizehn Telefonkontakte verzeichnet. Die Sicherheitsbehörden von Sri Lanka hätten den Käufer der SIM -Karte ausfindig ge macht. Auf- grund dieser Informationen sei davon auszugehen, dass der Beschwerde- führer bereits in Sri Lanka und später in Malaysia für den Geheimdienst der LTTE tätig gewesen sei. In Indien habe er eng mit den Sea Tigers zusam- mengearbeitet. Er habe seine konkreten Tätigkeiten für die LTTE zu Beginn D-3102/2016 Seite 15 des Asylverfahrens teilweise verschwiegen, da er aufgrund der Verhaftun- gen von „ V._______“ und „ W._______“ in der Schweiz im Jahr 2010 be- fürchtet habe, er könnte ebenfalls in das Verfahren der Bundesanwalt- schaft miteinbezogen werden. Das SEM bezweifle, dass der Beschwerde- führer die eingereichte SIM -Karte benutzt habe, mache jedoch nicht gel- tend, diese sei nicht für die Kontaktaufnahme mit dem LTTE -Büro in der Schweiz verwendet worden. Aufgrund der auf der SIM-Karte gespeicherten Daten seien die Kontakte des Inhabers feststellbar. Demnach würde sich überprüfen lassen, ob die Aussagen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Kontakte zum LTTE -Büro in der Schweiz belegt seien. Er müsse seine Vorbringen lediglich glaubhaft machen. Er sei ohne die SIM-Karte in die Schweiz eingereist. Als er dann erfahren habe, dass die Randdaten der Telefongespräche der LTTE-Schweiz durch die Bundesanwaltschaft erho- ben wurden, habe er seine LTTE-Kollegen in Indien ersucht, die SIM-Karte in die Schweiz zu schicken. Dies habe einige Zeit gedauert. Eine Auswer- tung der Daten durch ein forensisches Institut könnte zur Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers beitragen. Der Beschwerdeführer könne eine solche Auswertung aus finanziellen Gründen nicht vornehmen lassen. In Bezug auf die eingereichten Rechnungen der Sri Lanka Telecom sei festzustellen, dass dadurch belegt werde, dass der Beschwerdeführer im fraglichen Internetcafé gearbeitet habe. Diese Arbeit sei ihm durch die LTTE vermittelt worden und stehe im Zusammenhang mit seiner Kuriertä- tigkeit für die LTTE. Dies wiederum belege seine politische Verfolgung. Ins- gesamt sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits in Sri Lanka und dann in Malaysia für den LTTE-Geheimdienst gearbeitet habe. In Indien habe er mit den Sea Tigers zusammengearbeitet; deren Chef L._______ habe ihm Anweisungen erteilt. Zahlreiche LTTE-Mitglieder, mit denen er zusammengearbeitet habe, seien inzwischen verhaftet worden und hätten ihn zweifellos belastet. Daher sei er bei einer Rückkehr gefähr- det. Zudem habe er in einer Familie mit aktiven LTTE -Mitgliedern gelebt, deren Tochter in der Schweiz Asyl erhalten habe. Sein Vater sei aus politi- schen Gründen entführt worden. Damit sei er einer besonders gefährdeten Risikogruppe zuzuordnen. Seit seiner Einreise in die Schweiz sei er zudem für das TCC tätig. Seine Flüchtlingseigenschaft sei damit gegeben, und es sei ihm Asyl zu gewähren. Zumindest sei der Wegweisungsvollzug als un- zulässig zu erachten. Gegen den Beschwerdeführer sei in Indien ein Straf- verfahren wegen Mitgliedschaft bei den LTTE eingeleitet worden, welches zu einer Anklage geführt habe. Es sei davon auszugehen, dass die sri-lan- kischen Behörden davon Kenntnis hätten. Bei einer Rückkehr müsse er daher mit einer Verhaftung sowie einer damit einhergehenden unmensch- lichen Behandlung rechnen. Auch im Zusammenhang mit der Übermittlung D-3102/2016 Seite 16 der Telefonnummer des Beschwerdeführers an die sri -lankischen Behör- den durch die Bundesanwaltschaft müsse er in Sri Lanka mit einer Verhaf- tung rechnen. In der letzten Zeit sei es in Sri Lanka wieder vermehrt zu Verhaftungen von aus dem Ausland zurückkehrenden Tamilen gekommen, welche in der Vergangenheit Verbindungen zur LTTE gehabt hätten. Zu- rückkehrende Tamilen würden zudem überwacht. In der Beschwerde wird zur Untermauerung dieses Vorbringens auf Berichte verschiedener Orga- nisationen (SFH, Amnesty International, International Truth and Justice Project Sri Lanka, International Crisis Group) verwiesen und gefolgert, es bestehe di e Gefahr, dass der Beschwerdeführer im Falle des Wegwei- sungsvollzugs nach Sri Lanka misshandelt würde, weshalb der Vollzug un- zulässig sei. 4.3 Das SEM weist in seiner Vernehmlassung darauf hin, dass der Be- schwerdeführer weder in der BzP noch in den beiden Anhörungen geltend gemacht habe, er sei wegen der psychischen Erkrankung seiner Mutter bei der Tante aufgewachsen. Dem eingereichten Schreiben eines sri -lanki- schen Spitals sei zudem zu entnehmen, dass die Mutter an posttraumati- schen Störungen leide, die auf den Verlust ihres Ehemannes zurückzufüh- ren seien. Dieser Vorfall habe sich jedoch erst nach der Ausreise des Be- schwerdeführers ereignet und belege das vorerwähnte Vorbringen daher nicht. Der Beschwerdeführer habe an der BzP nicht seine Tante als Be- zugsperson erwähnt, sondern seine Mutter. Seinen Angaben in der ersten Anhörung zufolge habe er sich zeitlich begrenzt während des Besuchs ei- nes Computerkurses bei seiner Tante aufgehalten. Erst in der zweiten An- hörung habe er angegeben, er habe die ganze Kindheit bei der Tante ver- bracht, weil er sich dort wohl gefühlt habe. Angesichts dieser unterschied- lichen Aussagen sowie dem untauglichen Beweismittel sei zu bezweifeln, dass der Beschwerdeführer tatsächlich grosse Teile seiner Kindheit im Um- feld seiner angeblich bei der LTTE aktiven Cousins verbracht habe. Betref- fend den Antrag, es sei das Asyldossier von R._______ beizuziehen und sie als Zeugin zu befragen, stellt das SEM insbesondere fest, es sei zwei- felhaft, dass eine Person, die sich seit dem Jahr 1999 in Schweiz aufhalte, die Lage des Beschwerdeführers besser darlegen könne als er selber. So- dann wird ausgeführt, es stelle durchaus einen diametralen Unterschied dar, ob man von einem Soldaten oder von zwei Personen unbekannter Herkunft gesucht werde. Dasselbe gelte für die Frage, ob der Vater des Beschwerdeführers eine Woche oder über ein Jahr nach der Suche nach dem Beschwerdeführer verschwunden sei. D-3102/2016 Seite 17 4.4 In der Replik wird entgegnet, es gehe aus verschiedenen Aussagen des Beschwerdeführers hervor, dass er einen grossen Teil seiner Kindheit bei seiner Tante verbracht habe. Der Rechtsvertretung gegenüber habe er präzisiert, er habe bis zur dritten Klasse bei der Mutter gewohnt und an- schliessend bei der Tante. Dies sei auch aus seinen Angaben in der BzP zum Schulbesuch ersichtlich. Der Beschwerdeführer habe sodann be- schrieben, dass die beiden Söhne der Tante bei der LTTE gewesen seien und jeweils zu Besuch gekommen seien, und dass er so weitere LTTE - Mitglieder kennengelernt habe. Der Beschwerdeführer habe so bereits während seiner Schulzeit Freundschaften zu LTTE-Mitgliedern geschlos- sen, weshalb er sich später dazu entschlossen habe, ebenfalls für die LTTE tätig zu sein. Unter Anleitung und mit Unterstützung von D._______, dem Geheimdienstschef der LTTE in B._______, habe er einen Computerkurs besucht und ein Internetcafé eröffnet, das den LTTE gedient habe. Bezüg- lich des Antrags, wonach die Cousine R._______ zu befragen sei, sei an- zufügen, diese könne darlegen, ob der Beschwerdeführer ab dessen neun- ten Altersjahr im Haus der Tante aufgewachsen sei. Die Aussage einer Zeugin diene der Überprüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Be- schwerdeführers. Das SEM sei gehalten, den Sachverhalt abzuklären und dabei die vorhandenen Beweise abzunehmen. Eine mündliche Anhörun g sei dabei ebenfalls möglich, und der Beizug von konnexen Asyldossiers entspreche der allgemeinen Praxis. Bezüglich des angeblichen Wider- spruchs betreffend die Anzahl Personen, welche nach ihm gesucht hätten, sowie deren Behördenzugehörigkeit werde an den Ausführungen in der Beschwerde festgehalten. Es sei sodann eine Tatsache, dass der Vater des Beschwerdeführers von sri-lankischen Behördenmitgliedern entführt wor- den sei; dies sei durch die eingereichten Dokumente belegt. Es sei zudem glaubhaft, dass die Entführung einen Zusammenhang mit der politischen Tätigkeit des Beschwerdeführers aufweise. Schliesslich wird vorgebracht, der Beschwerdeführer leide an schweren Depressionen, da er Angst vor einer Abschiebung nach Sri Lanka habe. Er sei nun an die (…) überwiesen worden, die Behandlung könne jedoch erst im August 2016 erfolgen. 5. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das SEM betreffend die geltend gemachten Vorfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 und 7 AsylG zu Recht verneint hat. 5.1 Der Beschwerdeführer bringt zunächst vor, er habe in Sri Lanka die LTTE unterstützt und sei von den Behörden gesucht worden, weshalb er ins Ausland geflüchtet sei. Bezüglich dieser Vorfluchtgründe ist Folgendes D-3102/2016 Seite 18 festzustellen: Aufgrund der Aktenlage, der eingereichten Beweismittel und des antragsgemäss beigezogenen N-Dossiers der Cousine des Beschwer- deführers, X._______ geb. X._______ (N […]), ist es als grundsätzlich glaubhaft zu erachten, dass zwei Cousins des Beschwerdeführers aktive LTTE-Mitglieder waren. Ebenfalls glaubhaft ist, dass der Beschwerdeführer an seinem Herkunftsort ein Internetcafé betrieben hat. Es erscheint bei die- ser Sachlage auch durchaus denkbar, dass er dadurch weitere LTTE-Mit- glieder kennengelernt hat. Zudem kann nicht ausg eschlossen werden, dass mit ihm befreundete respektive verwandte LTTE -Mitglieder sein Ge- schäft beziehungsweise ihn selber mehrmals zum Austausch von Informa- tionen benutzt haben. Hingegen hat der Beschwerdeführer mehrfach be- stätigt, dass er selber nicht Mitglied der LTTE gewesen sei. Zudem beste- hen aufgrund der Aktenlage keine konkreten und glaubhaften Hinweise da- rauf, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus Sri Lanka auf- grund eines Verdachts auf LTTE-Verbindungen ins Visier der Sicherheits- behörden geraten ist, respektive dass diese damals überhaupt von seiner (marginalen) Unterstützungstätigkeit für die LTTE gewusst haben. In Bezug auf die Verwandten des Beschwerdeführers ist zunächst festzustellen, dass die beiden Cousins offenbar schon seit dem Jahr 1990 LTTE-Mitglie- der waren (vgl. N […], A5 S. 12 ), und seine Cousine X._______ wegen eigener Unterstützung der LTTE (Verteilen von Flugblättern und Büchern) verfolgt wurde, im Jahr 1999 in die Schweiz flüchtete und Asyl erhielt. Der Beschwerdeführer machte in den Anhörungen jedoch nicht geltend, er sei von den sri-lankischen Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit seinen Cousins respektive seiner Cousine je behelligt worden, obwohl er eigenen Angaben zufolge zeitweilig sogar bei seiner Tante wohnte. Falls ihn die Be- hörden damals effektiv aufgrund seiner Verwandtschaft zu den Kindern sei- ner Tante verdächtigt hätten, hätten sie ihn mit Sicherheit schon vor dem Jahr 2006 überwacht und gegebenenfalls befragt und inhaftiert. Dies ist aber offensichtlich nicht geschehen, weshalb davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus dem Heimatland keiner ent- sprechenden Reflexverfolgung ausgesetzt war. Sodann erscheint es un- glaubhaft, dass der Beschwerdeführer, wie von ihm geltend gemacht wird, wegen seiner Unterstützungstätigkeit für die LTTE in Sri Lanka vor seiner Ausreise von sri-lankischen Sicherheitskräften gesucht wurde. Seinen Aus- sagen zufolge wurde er von einem verhafteten Militärangehörigen, welcher ein LTTE-Spitzel gewesen sei, verraten, worauf in seinem Geschäft sowie bei seiner Tante nach ihm gesucht worden sei. Der Beschwerdeführer brachte zunächst vor, man habe ihm gesagt, es sei geplant, ihn zu entfüh- ren (vgl. A12 S. 7). In der Anhörung gab er dagegen im Widerspruch dazu D-3102/2016 Seite 19 zu Protokoll, J._______/J._______ habe ihm mitgeteilt, es gebe einen Be- fehl, ihn entweder zu befragen oder zu erschiessen (vgl. A29 S. 10). In der ergänzenden Anhörung erwähnte er sodann nicht mehr, dass man ihn habe erschiessen wollen (vgl. A49 S. 6). Zudem machte er widersprüchli- che Angaben zu J._______, indem er zunächst erklärte, dieser habe für die Armee gearbeitet (vgl. A29 S. 5 und 11), später jedoch vorbrachte, J._______ sei möglicherweise Polizeibeamter beim CID (vgl. A49 S. 6). Sodann erscheint es nicht plausibel, dass der Beschwerdeführer unter dem Namen „I._______“ oder „I._______“ gesucht wurde. Zwar hat er sein In- ternetcafé offenbar „ I._______“ (vgl. A29 S. 11) beziehungsweise „ (...)“ (vgl. A49 S. 3) genannt, jedoch ist davon auszugehen, dass das Geschäft unter seinem richtigen Namen registriert war (vgl. dazu auch die einge- reichten Unterlagen von Sri Lanka Telecom). Den Behörden hätte der rich- tige Name des Geschäftsinhabers somit bekannt sein müssen, weshalb sie kaum nach einem „I._______“ gesucht hätten. Zudem ist es realitätsfremd, dass die Personen, welche ihn angeblich im Geschäft antrafen und nach dem Geschäftsinhaber suchten, ihn nicht aufforderten, sich zu identifizie- ren (vgl. dazu A29 S. 10), sondern ihm ohne weiteres glaubten, als er sich ihnen als blosser Teilzeitmitarbeiter vorstellte. Auffallend ist zudem, dass der Beschwerdeführer die zweite Suche nach ihm im G eschäft (nach sei- ner Rückkehr aus Colombo) in der ergänzenden Anhörung nicht mehr er- wähnte (vgl. A49 S. 6). Aus diesen Gründen ist die geltend gemachte Su- che der Behörden nach dem Beschwerdeführer im Jahr 2006 als unglaub- haft zu erachten. Gegen die vorgebrachte Suche nach ihm spricht zudem auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer Ende des Jahres 2006 mit seinem eigenen Reisepass via den Flughafen von Colombo aus Sri Lanka ausgereist ist und dabei eigenen Angaben zufolge keinerlei Probleme hatte (vgl. A29 S. 11). Er machte im Übrigen auch nicht geltend, er habe die Grenzbeamten bestechen müssen, um unbehelligt ausreisen zu können . Wäre er im damaligen Zeitpunkt tatsächlich wegen Verbindungen zu den LTTE von den Sicherheitsbehörden gesucht worden, wäre er m it grosser Wahrscheinlichkeit beim Versuch, das Land zu verlassen, angehalten oder gar verhaftet worden. Insgesamt ist es daher nicht glaubhaft, dass der Be- schwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka Ende 2006 von den Behörden aus den von ihm genannten Gründen in asylrelevanter Weise verfolgt wurde. An dieser Einschätzung vermag im Übrigen auch der eingereichte UNHCR-Ausweis aus Malaysia nichts zu ändern, zumal dar- aus nicht hervorgeht, aus welchen Gründen dem Beschwerdeführer dieser Ausweis abgegeben wurde. Der Antrag auf Anhörung der Cousine des Be- schwerdeführers als Zeugin betreffend seine angebliche Verfolgung im D-3102/2016 Seite 20 Heimatland ist nach dem Gesagten abzuweisen, zumal nicht plausibel dar- gelegt wird, dass beziehungsweise inwiefern die bereits im Jahr 1999 aus Sri Lanka ausgereiste Cousine in der Lage wäre, dazu relevante Angaben machen könnte. 5.2 Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend die angebliche Suche nach ihm nach seiner Ausreise im Jahr 2006 ist nicht geeignet, die geltend gemachte Vorverfolgung glaubhaft zu machen. Diesbezüglich ist anzufügen, dass die Behörden, falls sie tatsächlich ernsthaft nach ihm ge- sucht hätten, mit Sicherheit in Erfahrung gebracht hätten, dass der Be- schwerdeführer Ende 2006 ausgereist ist, da er das Land wie erwähnt mit dem eigenen Reisepass legal verlassen hat. Es ist daher auch aus diesem Grund nicht plausibel, dass nach seiner Ausreise seitens der Behörden bei seinen Angehörigen nach ihm gesucht wurde. Ausserdem ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer zu diesem Punkt teilweise widersprüchlich äusserte. So brachte er beispielsweise in der BzP vor, CID-Beamte hätten eine Woche vor der Entführung des Vaters bei seinen Angehörigen nach ihm gefragt und mit der Entführung des Vaters gedroht (vgl. A12 S. 8). In der ersten Anhörung erklärte er dagegen, er (beziehungsweise seine Mut- ter) wisse nicht, von welcher Behörde die Personen gewesen seien, sie seien in Zivil gekommen, und zwar einen Monat nach seiner Ausreise. Sein Vater sei dann im Juni 2008 verschwunden (vgl. A29 S. 13). Aufgrund der eingereichten Beweismittel betreffend den Vater erscheint es somit zwar glaubhaft, dass dieser im Jahr 2008 verschwunden ist, jedoch besteht kein konkreter und glaubhafter Hinweis darauf, dass dieses Ereignis einen Zu- sammenhang mit dem Beschwerdeführer aufweist. Auch die angebliche erneute Suche nach dem Beschwerdeführer im Jahr 2013 ist nach dem Gesagten als unglaubhaft zu erachten; jedenfalls kann nicht geglaubt wer- den, dass der Beschwerdeführer im Jahr 201 3 – nota bene sieben Jahre nach der letzten angeblichen Suche nach ihm im Jahr 2006 (vgl. dazu auch A29 S. 13) – plötzlich erneut aus denselben Gründen von unbekannten Personen gesucht wurde. Auch die kurz nach Abschluss des ersten Be- schwerdeverfahrens eingereichten Unterlagen (ein Auszug aus dem Infor- mation Book eines Polizeipostens vom 19. April 2013 mit einer angeblichen Aussage seiner Tante sowie die Anzeige seiner Tante beim HRC Sri Lanka vom 19. April 2013) sind offensichtlich nicht geeignet, die behördliche Su- che nach dem Beschwerdeführer glaubhaft zu machen, zumal darin gel- tend gemacht wird, der Beschwerdeführer sei zwischen den Jahren 2004 und 2006 von einer unbekannten bewaffneten Bande gesucht worden, was den Angaben des Beschwerdeführers anlässli ch den Anhörungen wider- spricht. Es besteht daher die starke Vermutung, dass es sich dabei um D-3102/2016 Seite 21 Dokumente handelt, welche explizit zwecks Verwendung im Asylverfahren des Beschwerdeführers fabriziert wurden. 5.3 Insgesamt ist daher festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrelevante Vorverfolgung glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers daher zu Recht ab- gelehnt. 6. Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka aus anderen Gründen flüchtlingsrechtlich rele- vante Verfolgungsmassnahmen zu befürchten hätte. 6.1 In seinem publizierten Leitentscheid BVGE 2011/24 hat das Bundes- verwaltungsgericht verschiedene Risikogruppen definiert, welche bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen und damit begründete Furcht haben, zukünftig ernsthaften Nachteilen (Art. 3 Abs. 2 AsylG) ausgesetzt zu werden. Dazu gehören namentlich Per- sonen, die auch nach Beendigung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu sein, sowie allgemein Personen, die der politischen Opposition verdächtigt werden. Einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt sehen sich im Wei- tern auch kritisch auftretende Journalisten und Medienschaffende, Men- schenrechtsaktivisten und Vertreter von regimekritischen Nichtregierungs- organisationen, Personen, die Opfer oder Zeuge schwerer Menschen- rechtsverstösse wurden oder diesbezügli ch juristische Schritte einleiten sowie Rückkehrer aus der Schweiz, denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden beziehungsweise die über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen. Innerhalb der Risikogruppen muss jeweils im Einzelfall unter- sucht werden, ob die individuellen Begebenheiten eine asylrelevante Ver- folgungsgefahr zu begründen vermögen. In Bezug auf die Kategorie der Rückkehrer aus der Schweiz hat das Bundesverwaltungsgericht sodann in seinem jüngsten Referenzurteil zu Sri Lanka verschiedene Kriterien aufge- stellt, welche ein Verfolgungsrisiko begründen (vgl. das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert], E. 8.5). Eine geltend gemachte Verbindung zu den LTTE vermag demnach dann eine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im asylrechtlichen Sinn zu be- gründen, wenn der betroffenen Person aus Sicht der sri-lankischen Behör- den ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zu- geschrieben wird (a.a.O., E. 8.5.3). Eine solche Zuschreibung kann insbe-D-3102/2016 Seite 22 sondere auf familiären Verbindungen zu LTTE-Mitgliedern und vergange- nen Hilfeleistungen für die LTTE beruhen (a.a.O., E. 8.4.1). Exilpolitische Aktivitäten vermöchten ebenfalls dann eine relevante Furch vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen, wenn der betroffenen Person seitens der sri-lankischen Behörden ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamilischen Separatismus zugeschrie- ben werde. Neben der Teilnahme an regimekritischen Veranstaltungen und der Mitwirkung bei regimekritischen Publikationen sei auch an die Verbin- dung zu einer von der sri-lankischen Regierung verbotenen exilpolitischen Organisation zu denken (Verweis auf The Gazette of the Democratic Soci- alist Republic of Sri Lanka, Part I: Section [I] – General, Government No- tifications, The United Nations Act. No. 45 of 1968, Amendment to the List of Designated Persons under Regulation 4[7] of the United Nations Regu- lations No. 1 of 2012, 20. November 2015; vgl. dazu a.a.O., E. 8.5.4). 6.2 Für den vorliegenden Fall ist gestützt auf die bestehende Aktenlage (vgl. dazu auch vorstehend E. 5.1) festzustellen, dass der Beschwerdefüh- rer glaubhaft ausgesagt hat, dass mehrere Personen in seiner näheren Verwandtschaft (zwei Cousins und eine Cousine) aktive LTTE -Mitglieder waren respektive die LTTE unterstützten. Es ist ebenfalls als glaubhaft zu qualifizieren, dass er während einer gewissen Zeit im Hau shalt dieser Cousins gelebt und durch seine Verwandten weitere LTTE-Mitglieder ken- nengelernt hat. Auch das Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer am Herkunftsort ein Internetcafé betrieben hat, ist als glaubhaft zu erachten, und es erscheint überdies realistisch, dass er dabei – wie von ihm geltend gemacht – von den LTTE unterstützt wurde und in der Folge gewisse Ge- genleistungen in der von ihm beschriebenen Art (Ermöglichung des Inf or- mationsaustausches in seinem Geschäftsl okal) erbracht hat . Ebenfalls grundsätzlich glaubhaft sind die insgesamt detailliert ausgefallenen Aussa- gen des Beschwerdeführers, wonach er auch in Malaysia und Indien Kon- takte zu LTTE-Mitgliedern gepflegt und für diese Personen Handlangertä- tigkeiten ausgeführt habe. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass nach Beendigung des Bürgerkriegs in Sri Lanka im Jahr 2009 unzählige ehema- lige LTTE-Kämpfer in sogenannten Rehabilitierungscamps unter oftmals menschenrechtswidrigen Bedingungen inhaftiert und verhört wurden, um von ihnen Geständnisse und Informationen über soziale und politische Netzwerke von Tamilen und Tamilinnen zu erhalten (vgl. dazu ACCORD - Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Documen- tation: Anfragebeantwortung zu Sri Lanka: Aktueller Status der Li beration Tigers of Tamil Eelam [LTTE]; Behandlung von einfachen und ehemaligen LTTE-Mitgliedern [a -9117], 15. April 2015, abgerufen auf D-3102/2016 Seite 23 http://www.ecoi.net/local_link/301506/438368_de.html, Zugriff am 20. Feb- ruar 2017; vgl. auch ADRIAN SCHUSTER, Auskunft der SFH-Länderanalyse vom 16. Juni 2015, Sri Lanka: Gefährdung rückkehrender tamilischer Per- sonen, S. 5). Zudem fielen den sri-lankischen Streitkräften gegen Ende des Bürgerkriegs mutmasslich grosse Aktenbestände der LTTE in die Hände. Aus diesen Gründen ist nicht auszuschliessen, dass der sri-lankische Ge- heimdienst nach der Beendigung des Bürgerkriegs auf den Namen des Beschwerdeführers gestossen ist und von der relativ engen Verbindung des Beschwerdeführers zu seinen in der LTTE aktiven Cousins, seiner Be- kanntschaft mit weiteren LTTE-Mitgliedern sowie seiner Unterstützungstä- tigkeit für die LTTE erfahren hat. 6.3 Der Beschwerdeführer hält sich zudem nun bereits über fünf Jahre in der Schweiz auf und ist hier exilpolitisch tätig, indem er nachweislich Mit- glied der TamilGuard, eines vom STCC aufgebauten Ordnungsdi enstes, ist, und als Ordnungshüter aktiv bei tamilischen Veranstaltungen in der Schweiz auftritt (vgl. dazu das eingereichte Bestätigungsschreiben des STCC). Damit besteht immerhin eine eindeutige Verbindung des Be- schwerdeführers zum (S)TCC, einer Organisation, welche auf der Liste der von der sri-lankischen Regierung verbotenen exilpolitischen Organisatio- nen steht (vgl. http://fiusrilanka.gov.lk/docs/USCR/List/1941_44(SL)/ 1941_44(E).pdf). 6.4 Im Weiteren hat der Beschwerdeführer eine SIM-Karte eingereicht, die seinen Angaben zufolge die Telefonnummer (…) (eine Mobil-Nummer des sri-lankischen Telekom-Anbieters DIALOG) trägt, welche mit einer der von der schweizerischen Bundesstaatsanwaltschaft ermittelten Telefonnum- mern identisch ist, mit welcher Anrufe auf das LTTE-Büro in Zürich getätigt wurden. Selbst wenn nicht erwiesen ist, dass der Beschwerdeführer diese SIM-Karte tatsächlich je selber benutzt hat, so weist der Umstand, dass diese SIM-Karte eingereicht wurde, darauf hin, dass der Beschwerdeführer bis heute Beziehungen zu mutmasslich relativ einflussreichen LTTE -Mit- gliedern in der Schweiz und/oder im Ausland verfügt. 6.5 Nach dem Gesagten besteht angesichts der spezifischen Verfahrens- umstände ein ernsthaftes Risiko, dass die sri-lankischen Behörden den Be- schwerdeführer im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka verdächtigen wür- den, ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zu haben. Demnach ist gestützt auf die vorstehenden Erwägungen insgesamt davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem er- höhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und die Zufügung ernsthafter D-3102/2016 Seite 24 Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte. Damit erfüllt er die Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Flüchtlingskonvention (vgl. Art. 3 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu das Urtei l des Bundesverwaltungsgerichts E-4192/2013 vom 5. Februar 2014 E. 5.2). Die vom Beschwerdeführer gel- tend gemachten subjektiven Nachfluchtgründe sind somit geeignet, eine relevante Verfolgungsfurcht im Sinne von Art. 54 AsylG zu begründen. Er ist als Flüchtling zu anerkennen; hingegen schliesst Art. 54 AsylG die Ge- währung von Asyl aus. 7. 7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Weg weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Da der Beschwerdeführer weder über eine aus- länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er- teilung einer solchen verfügt, wurde die Wegweisung zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 7.2 Allerdings ist im Sinne einer Ersatzmassnahme das Anwesenheitsver- hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf- nahme zu regeln, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Ab s. 1 AuG [SR 142.20]). Die genannten Vollzugshindernisse sind alternativer Natur: Ist eines von ihnen erfüllt, ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführ- bar zu erachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Für den vorliegenden Fall ergibt sich aus den vorstehen- den Erwägungen, dass der Beschwerdeführer eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte. Der Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka erweist sich daher wegen drohender Verletzung des flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non-Refoule- ments (Art. 5 AsyG; Art. 33 Abs. 1 FK) sowie auch mit Blick auf Art. 3 EMRK als unzulässig, da davon ausgegangen werden muss, dass der Beschwer- deführer im Falle seiner Rückkehr ins Heimatland mit beachtlicher Wahr- scheinlichkeit einer menschenrechtswidriger Behandlung ausgesetzt wäre. 8. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit damit die Ge- währung von Asyl beantragt wurde. Hingegen ist die Beschwerde gutzu- heissen, soweit damit die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung sowie die Anordnung der vor- läufigen Aufnahme beantragt wurden. Die vorinstanzliche Verfügung vom D-3102/2016 Seite 25 13. April 2016 ist demnach aufzuheben, soweit damit die Flüchtlingseigen- schaft verneint und der Vollzug angeordnet wurde (Dispositivziffern 1, 4 und 5), und das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 9. 9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens (teilweises Obsiegen des Be- schwerdeführers) wären die reduzierten Kosten grundsätzlich dem Be- schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 26. Mai 2016 gutgeheissen worden ist, sind vorliegend keine Verfahrenskosten zu erheben. 9.2 Mit Verfügung vom 26 . Mai 2016 wurde ausserdem das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gestützt auf Art. 110a Abs. 1 AsylG gutge- heissen und dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt Marcel Bosonnet als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Die Festsetzung der Entschädi- gung erfolgt in Anwendung der Art. Art. 8-13 des Reglements vom 21. Feb- ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vo r dem Bundesverwal- tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2 ). Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote zu den Akten, weshalb die auszurichtende Entschädigung auf- grund der Akten festzulegen ist (vgl. dazu bereits die entsprechenden Aus- führungen in der Zwischenverfügung vom 26. Mai 2016, S. 3, sowie Art. 14 Abs. 2 VGKE). Gestützt auf die erwähnten Bemessungsfaktoren ist die volle Entschädigung im vorliegenden Fall auf Fr. 2‘000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Praxisgemäss ist im vorliegenden Fall von einem Obsiegen zu zwei Dritteln auszugehen. Demnach ist das SEM anzuweisen, dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für das Verfah- ren vor dem Bundesv erwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1‘334.– auszurichten. Das zusätzliche amtliche Honorar für den als amt- lichen Anwalt eingesetzten Rechtsvertreter im Umfang des verbleibenden Drittels von Fr. 666.– geht zulasten der Gerichtskasse des Bundesverwal- tungsgerichts. (Dispositiv nächste Seite) D-3102/2016 Seite 26 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit damit die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling bean- tragt wurden. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 2. Die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 13. April 2016 werden aufgehoben, und das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4. Das SEM wird angewiesen, dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für das teilweise Obsiegen im Beschwerdeverfahren eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1‘334.– auszurichten. Das amtliche Honorar für den als amtliche r Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter beträgt Fr. 666.– und geht zulasten der Kasse des Bundesverwaltungsgerichts. 5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut Versand: