<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">[AZA] </div> <div class="para">C 452/99 Ca </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>III. Kammer </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesrichter Schön, Spira und Bundesrichterin Widmer; </div> <div class="para">Gerichtsschreiber Maillard </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Urteil vom 22. März 2000 </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">in Sachen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">R.________, 1941, Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">gegen </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, St. Gallen, Beschwerde- </div> <div class="para">gegner, </div> <div class="para">und </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, St. Gallen </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> A.- Mit Verfügung vom 6. Juni 1996 forderte die Kanto- </div> <div class="para">nale Arbeitslosenkasse St. Gallen von der 1941 geborenen </div> <div class="para">R.________ zu Unrecht bezogene Arbeitslosenentschädigung im </div> <div class="para">Betrag von Fr. 5812.15 zurück. Nachdem die gegen diese Ver- </div> <div class="para">fügung erhobene Beschwerde abgewiesen worden war, stellte </div> <div class="para">R.________ ein Gesuch um Erlass der Rückerstattung, welches </div> <div class="para">das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA; neu Amt </div> <div class="para">für Arbeit) St. Gallen, mit Verfügung vom 5. Mai 1998 ab- </div> <div class="para">wies. </div> <div class="para"> B.- Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen </div> <div class="para">wies die hiegegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom </div> <div class="para">4. November 1999 ab, soweit darauf einzutreten war. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> C.- R.________ führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit </div> <div class="para">dem sinngemässen Begehren, der vorinstanzliche Entscheid </div> <div class="para">sei aufzuheben und das Erlassgesuch gutzuheissen. Nach Ein- </div> <div class="para">zahlung des geforderten Kostenvorschusses ersucht sie wei- </div> <div class="para">ter um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. </div> <div class="para"> Das Amt für Arbeit schliesst auf Abweisung der Verwal- </div> <div class="para">tungsgerichtsbeschwerde, während sich das Staatssekretariat </div> <div class="para">für Wirtschaft (seco) nicht vernehmen lässt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 1.- Da es sich bei der angefochtenen Verfügung nicht </div> <div class="para">um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleis- </div> <div class="para">tungen handelt, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht </div> <div class="para">nur zu prüfen, ob das vorinstanzliche Gericht Bundesrecht </div> <div class="para">verletzt hat, einschliesslich Überschreitung oder Miss- </div> <div class="para">brauch des Ermessens, oder ob der rechtserhebliche Sachver- </div> <div class="para">halt offensichtlich unrichtig, unvollständig oder unter </div> <div class="para">Verletzung wesentlicher Verfahrensbestimmungen festgestellt </div> <div class="para">worden ist (Art. 132 in Verbindung mit Art. 104 lit. a und </div> <div class="para">b sowie <span class="artref">Art. 105 Abs. 2 OG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 2.- Die Vorinstanz hat die massgebliche Gesetzesbe- </div> <div class="para">stimmung über die Voraussetzungen für den Erlass der Rück- </div> <div class="para">erstattung zu Unrecht bezogener Arbeitslosenentschädigung </div> <div class="para">(<span class="artref">Art. 95 AVIG</span>) zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen </div> <div class="para">werden. </div> <div class="para"> 3.- Während das kantonale Gericht der Beschwerdeführe- </div> <div class="para">rin den guten Glauben zuerkannt hat, hat es die zweite Vor- </div> <div class="para">aussetzung der grossen Härte mit überzeugender Begründung, </div> <div class="para">der das Eidgenössische Versicherungsgericht nichts beizufü- </div> <div class="para">gen hat, verneint. Daran ändert der Hinweis der Beschwerde- </div> <div class="para">führerin auf <span class="artref">Art. 79 Abs. 1quater AHVV</span> nichts, wonach bei </div> <div class="para">Vorliegen der Gutgläubigkeit die Rückerstattung unabhängig </div> <div class="para">davon, ob eine grosse Härte vorliegt, zu erlassen ist, wenn </div> <div class="para">die Rückerstattungsschuld den Betrag der halben jährlichen </div> <div class="para">Minimalrente (im Zeitpunkt der Verfügung Fr. 5970.-) nicht </div> <div class="para">übersteigt. In dem noch nicht veröffentlichten Urteil H. </div> <div class="para">vom 21. Januar 2000, C 301/98, hat das Eidgenössische </div> <div class="para">Versicherungsgericht nämlich erkannt, dass <span class="artref">Art. 79 </span></div> <div class="para">Abs. 1quater AHVV gesetz- und verfassungswidrig und daher </div> <div class="para">nicht anwendbar ist (Erw. 3c und d). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> 4.- Das Verfahren vor dem Eidgenössischen Versiche- </div> <div class="para">rungsgericht ist kostenpflichtig, weil Streitigkeiten über </div> <div class="para">den Erlass der Rückerstattung unrechtmässig bezogener Ver- </div> <div class="para">sicherungsleistungen nach ständiger Rechtsprechung nicht </div> <div class="para">unter die in <span class="artref">Art. 134 OG</span> für die Bewilligung oder Verwei- </div> <div class="para">gerung von Versicherungsleistungen vorgesehene Ausnahmere- </div> <div class="para">gelung fallen. </div> <div class="para"> Nach Gesetz (<span class="artref">Art. 152 OG</span>) und Praxis sind in der Regel </div> <div class="para">die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen </div> <div class="para">Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess </div> <div class="para">nicht aussichtslos erscheint, die Partei bedürftig und die </div> <div class="para">anwaltliche Verbeiständung notwendig oder doch geboten ist </div> <div class="para">(<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=20&amp;from_date=22.03.2000&amp;to_date=10.04.2000&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-201%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page202">BGE 125 V 202</a> Erw. 4a mit Hinweisen). </div> <div class="para"> Bedürftig im Sinne von <span class="artref">Art. 152 Abs. 1 OG</span> ist eine </div> <div class="para">Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre </div> <div class="para">Familie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, </div> <div class="para">die Prozesskosten zu bestreiten. Massgebend sind die wirt- </div> <div class="para">schaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Entscheidung </div> <div class="para">über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (BGE 108 V </div> <div class="para">269 Erw. 4). Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit ist das </div> <div class="para">Einkommen beider Ehegatten zu berücksichtigen (BGE 115 Ia </div> <div class="para">195 Erw. 3a, 108 Ia 10 Erw. 3, 103 Ia 101 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> Bei den aktenkundigen günstigen finanziellen Verhält- </div> <div class="para">nissen der Beschwerdeführerin und ihres Ehegatten kann von </div> <div class="para">Bedürftigkeit keine Rede sein, womit das Gesuch um unent- </div> <div class="para">geltliche Rechtspflege im Sinne der Befreiung von den Ge- </div> <div class="para">richtskosten abzuweisen ist. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <u>Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: </u> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">I.Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">II.Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abge- </div> <div class="para"> wiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">III.Die Gerichtskosten von Fr. 800.- werden der Beschwer- </div> <div class="para"> deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kosten- </div> <div class="para"> vorschuss verrechnet. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">IV.Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsge- </div> <div class="para"> richt des Kantons St. Gallen, der Kantonalen Arbeits- </div> <div class="para"> losenkasse St. Gallen und dem Staatssekretariat für </div> <div class="para"> Wirtschaft zugestellt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Luzern, 22. März 2000 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen des </div> <div class="para">Eidgenössischen Versicherungsgerichts </div> <div class="para">Der Präsident der III. Kammer: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Gerichtsschreiber: </div> </div></body></html>