<h2>SubmittedText<h2><p>Im Jahre 1993 bewilligten die eidgenössischen Räte einen Verpflichtungskredit von 27,6 Millionen Franken für den Bau des Tiefmagazins Ost der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB). Dieses Magazin konnte 1997 bezogen werden und hat auf sieben Geschossen eine theoretische Kapazität von 90 000 Regallaufmetern. 1996 bewilligten die eidgenössischen Räte einen Verpflichtungskredit von 35 Millionen Franken für die Renovation und den Umbau des Hauptgebäudes der SLB. Am 1. Januar 2001 konnte das renovierte und umgestaltete Gebäude bezogen werden. Mit diesem Umbau wurde das bisherige Magazin im Bücherturm einer anderweitigen Nutzung zugeführt, was den Verlust von rund 12 000 Regallaufmetern zur Folge hat.</p><p>In der Zusammenstellung des Bundesamtes für Bauten und Logistik über die voraussichtlichen Kredite im Zivilen Bauprogramm 2004 (Behandlung 2003) ist ein weiterer Verpflichtungskredit in der Höhe von 28 Millionen Franken für den "Neubau II Tiefmagazin West" der SLB enthalten, und es ist von einem dritten Tiefmagazin die Rede.</p><p>Es stellen sich in diesem Zusammenhang folgende Fragen:</p><p>1. Ist der vorgesehene Neubau eines zweiten Tiefmagazins nötig und dringlich?</p><p>2. Wenn ja, wie gross sind die zurzeit vorhandenen Archivflächen? Welches ist der Bedarf und wie gross ist die jährliche Zunahme des Bedarfs?</p><p>3. Ist in absehbarer Zeit mit weiteren baulichen Investitionsbegehren im Bereich der SLB zu rechnen? Wenn ja, wie sieht das mittel- und langfristige Investitionsprogramm aus?</p><p>4. Liesse sich allenfalls der offenbar dauernd steigende Bedarf an Archivraum der SLB durch andere als bauliche Massnahmen (elektronische Archivierung; Änderung des Sammlauftrages der SLB usw.) einschränken?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das bauliche Gesamtkonzept als Teil der Reorganisation der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB)</p><p>Der Bau eines zweiten Tiefspeichers für die SLB bildet Bestandteil eines Gesamtkonzeptes für den Ausbau und die bauliche Sanierung der SLB aus dem Jahr 1992. Dieses Gesamtkonzept sieht die Bereitstellung von 125 000 Stellmetern Magazinraum in einem Planungszeitraum bis 2020 vor. Zunächst war beabsichtigt, dem Parlament eine Gesamtvorlage für neue Magazinbauten und die Sanierung des Hauptgebäudes zu unterbreiten. Die Verschlechterung der Finanzlage des Bundes ab 1992 liess jedoch, im Einklang mit den zuständigen Kommissionen der eidgenössischen Räte, ein etappenweises Vorgehen als angezeigt erscheinen. Das Gesamtkonzept beruht auf einer räumlichen Machbarkeitsstudie, deren Resultat zur Beibehaltung des heutigen Standortes führte.</p><p>Die im Zusammenhang mit der hier zur Diskussion stehenden dritten Bauetappe aufgeworfenen Fragen sind wie folgt zu beantworten:</p><p>1. Notwendigkeit</p><p>Im zwischen 1994 und 1997 realisierten ersten Magazin, das hinsichtlich Bauqualität und Ausrüstung rasch grosse internationale Beachtung fand und sich bislang im Betrieb ausgezeichnet bewährt hat, sind in erster Linie die Bestände aus dem ehemaligen Magazin, dem so genannten Bücherturm von 1930, untergebracht. Ausserdem sind Bestände, die ab 1984 im neuen Speicher des Bundesarchivs zwischengelagert waren, welches für diese Flächen dringenden Eigenbedarf angemeldet hatte, und von kleineren Standorten zusammengeführt worden. Das neue Magazin ist damit zu etwa 95 Prozent belegt und bietet noch Reserven bis etwa 2005.</p><p>Der Bau des ersten Tiefmagazins bedeutete somit die Deckung eines Nachholbedarfes und erlaubte die Leerung der ehemals verwendeten Lagerflächen, was erklärt, weshalb das neue Magazin kurze Zeit nach seiner Fertigstellung bereits wieder an seine Platzlimite stossen wird. Dem Verzicht auf diese ehemaligen Lagerflächen liegen konservatorische Überlegungen zugrunde: die Verwendung des ehemaligen Magazins für die dauernde Aufbewahrung von Dokumenten wäre nur mit unverhältnismässigen Investitionen für eine Vollklimatisierung möglich gewesen. Deshalb wurde dieser Bau von 1930 stattdessen für eine erweiterte Publikumszone, für die längst fällige Verbesserung und Sanierung der Infrastruktur (Anlieferung, Werkstätten, Haustechnik) sowie für das bisher stets in Provisorien untergebrachte Eidgenössische Archiv für Denkmalpflege zweckmässig umgenutzt. Fachleute aus dem In- und Ausland haben sich anlässlich von Besichtigungen immer höchst anerkennend nicht nur über den gelungenen Umbau mit dem neuen Magazin, sondern ebenso sehr über die optimale Ausnützung der zur Verfügung stehenden Flächen ausgesprochen.</p><p>Die SLB als nationale Archivbibliothek kann ihren Zuwachs nicht steuern, d. h., die in ihren Sammelauftrag fallende Produktion von Dokumenten wird durch externe Faktoren bestimmt, z. B. Zuzug oder Wegzug eines Verlages in der Schweiz. Sie ist auch gesetzlich verpflichtet, den ganzen Bestand stets den verschiedenen Ansprüchen aus Politik, Wirtschaft und Kultur uneingeschränkt zur Verfügung zu halten. Ihre Leistungsfähigkeit in nicht vorhersehbaren Situationen hat sie u. a. bei der Bereitstellung von Dokumenten zur Haltung der Schweiz zum Dritten Reich unter Beweis gestellt. Auch bei anderen Gelegenheiten hat sich die Einzigartigkeit und Vollständigkeit ihrer Sammlungen eindrücklich gezeigt.</p><p>2. Belegung</p><p>Nachfolgend einige Zahlen zur Belegung: Von den zurzeit zur Verfügung stehenden Regalflächen von 56 000 Laufmetern (Gesamtnutzfläche: 5660 Quadratmeter) sind etwa 95 Prozent gefüllt. Die übrigen Aufbewahrungseinrichtungen (Planschränke für Plakate, Portraits, Karten, Nonbooks usw.) werden im Rahmen der personellen Möglichkeiten nach heute gültigen konservatorischen Prinzipien sukzessive belegt.</p><p>Der jährliche berechenbare Zuwachs benötigt etwa 1400 Laufmeter Platz, sodass im Laufe des Jahres 2005 die vorhandenen Reserven restlos erschöpft sind. Nicht eingerechnet sind dabei spontan eintreffende Nachlässe oder Schenkungen.</p><p>Weitere Zahlen sind aus der "Vorinformation Investitionsabsichten Landesbibliothek" vom 8. April 2002 und der dort enthaltenen Grafik ersichtlich.</p><p>3. Zukunftsperspektiven</p><p>Der Bau eines zweiten Tiefspeichers wird den laufenden Stellraumbedarf der SLB bis mindestens 2020 decken können. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung mittelfristig nicht beanspruchte Flächen würden temporär in erster Linie durch das Bundesarchiv, dessen Archivraumsituation sich ähnlich kritisch präsentiert, oder andere Institutionen genutzt. Interessenten sind jedenfalls vorhanden. Baulich gliedert sich das geplante zweite Magazin fast symmetrisch in den bestehenden Gebäudekomplex ein. Vorsorglicherweise wurde 1992 von der Burgergemeinde Bern ein Baurecht für die unterirdische Nutzung des Gartens des benachbarten Naturhistorischen Museums erworben, was eine ideale Erweiterung der Nutzfläche bei konstanter Infrastruktur ermöglicht. Diese bedeutende Vorinvestition von über 1,5 Millionen Franken sollte möglichst bald genutzt werden.</p><p>Die Machbarkeitsstudie enthält als vorläufig letzten Ausbauschritt nach 2020 die Nutzung der Parkfläche auf der Südseite, allenfalls gemeinsam mit dem Kanton als Eigentümer des Gymnasiums Kirchenfeld. Erste Sondierungsgespräche haben vor Jahren stattgefunden, damals noch mit der Bau- und Planungsdirektion der Stadt Bern. Über Umfang und Kosten sind noch keine Überlegungen angestellt worden; immerhin ist diese Option bei der Planung des Umbaus von 1999/2000 mitberücksichtigt worden. Das Vorhaben müsste demnach Bestandteil der langfristigen Investitionsplanung im Kulturbereich des Bundes bilden.</p><p>4. Alternativen</p><p>Der stets zunehmende Lagerraumbedarf ist allen Institutionen auf der ganzen Welt mit gesetzlichen oder anderswie verankerten Sammelaufträgen gemeinsam. Dazu zählen insbesondere auch die Nationalbibliotheken oder die Staatsarchive. Seit einigen Jahren wird zwar überall die Frage geprüft, ob das Papier als Archivierungsmittel nicht durch elektronische Informationsträger ersetzt werden kann. Technisch sind die Möglichkeiten gegeben, doch ist die längerfristige Haltbarkeit digitaler Datenträger noch eine offene Frage. Es ist ferner zu bedenken, dass digitale Informationen meist nicht als Ersatz konventioneller, sondern zusätzlich als Resultat neuer technischer Möglichkeiten produziert werden. Kurz: der vielzitierte "Untergang des Buches" oder der Einzug des "papierlosen Büros" haben nicht stattgefunden, ganz im Gegenteil. Der Anteil der gedruckten Information wächst weltweit weiterhin mit zweistelligen Zuwachsraten.</p><p>Der Sammelauftrag der SLB erstreckt sich gemäss Bundesgesetz vom 18. Dezember 1992 über die Schweizerische Landesbibliothek über sämtliche gedruckte und auf anderen Informationsträgern gespeicherte Informationen. Dieser Auftrag war bereits im ursprünglichen Gesetz von 1911 festgehalten und hat sich nicht zuletzt durch seine klare Beschränkung auf "Helvetica" bewährt.</p><p>Eine Änderung des Sammelauftrages der SLB mit dem Ziel einer Reduktion des Zuwachses bedingt eine Änderung dieses gesetzlichen Auftrages, der einen langen Prozess zur Neudefinition der Aufgaben der SLB voraussetzt. Dieser hat im Kontext einer nationalen Sammlungs- und Memopolitik zu erfolgen.</p><p>Die Feststellung sei gewagt, dass eine Neuorganisation der nationalen Sammel- und Archivierungstätigkeit, zumindest auf dem Gebiet der Printmedien, unter dem Strich trotz baulicher Investitionen teurer zu stehen kommt als die seit mehr als hundert Jahren als restriktiv zu bezeichnende Sammlungspraxis der SLB.</p>  Antwort des Bundesrates.