Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 5. Dezember 2019 (720 19 270 / 308) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beurteilung des medizinischen Sachverhalts, Bemessung der Invalidität Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Beat Hersberger, Kantonsrichter Daniel Noll, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch André M. Brunner, Advo- kat, Hauptstrasse 55, Postfach 136, 4450 Sissach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente A. Der 1960 geborene A.____ war zuletzt vom 6. Februa r 2006 bis 30. Juni 2008 bei der B.____AG als Buchhalter angestellt. Am 30. Oktober 200 8 meldete er sich bei der Eidgenössi- schen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Mit Verfügungen vom 14. Juli 2015 resp. vom 26. August 2015 sprach ihm die IV-Stelle Bas el-Landschaft (IV-Stelle) für den Zeit- raum vom 1. November 2008 befristet bis 31. Januar 2011 gestützt auf einen IV-Grad von 49 % Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Viertelsrente zu. Hiergegen erhob A.____, vertre ten durch Advokat André M. Brunner, am 12. September 2015 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abte ilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht; Verfahren Nr. 720 15 287). Nachdem d ie IV-Stelle die angefochtenen Verfü- gungen lite pendente zwecks Durchführung weiterer medizin ischer Abklärungen aufgehoben hatte, schrieb die instruierende Präsidentin des Kantons gerichts, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht, das Beschwerdeverfahren mit Beschluss vom 21. Dezember 2015 infolge Gegen- standslosigkeit ab. Nachdem die IV-Stelle bei der asim B egutachtung (asim) ein polydisziplinä- res Gutachten (Expertise vom 5. März 2018; Ergänzungsgutach ten vom 12. März 2019) einge- holt hatte, lehnte sie mit Verfügung vom 24. Juni 201 6 einen Rentenanspruch von A.____ bei einem Invaliditätsgrad von 36 % ab. B. Hiergegen erhob A.____, weiterhin vertreten durch Advokat André M. Brunner, am 26. August 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht. Er bean tragte, in Gutheissung der Be- schwerde sei die Verfügung vom 24. Juni 2019 aufzuheben und es sei die ihm zustehende In- validenrente auszurichten; unter o/e-Kostenfolge. In ve rfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung gemäss Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vo m 4. November 1950. Zur Be- gründung führte er im Wesentlichen aus, dass der angef ochtene Entscheid auf unzureichenden medizinischen Unterlagen beruhe. Zudem sei bei der Bemessung des Invalideneinkommens ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen. C. Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 2 . Oktober 2019 auf Abweisung der Beschwerde. D. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung, an welch er der Beschwerdeführer befragt wurde, beantragte er, es sei die Verfügung vom 24. Ju ni 2019 aufzuheben und es sei ihm für die Zeit ab dem 1. November 2008 mit Ausnahme der Ze iten, in denen ihm IV-Taggelder aus- gerichtet wurden, eine Viertelsrente (nebst Kinderrenten) und für die Zeit ab 1. November 2015 eine halbe Rente auszurichten. Die rückwirkenden Rentenb etreffnisse seien korrekt zu verzin- sen; unter o/e-Kostenfolge. Die Beschwerdegegnerin hielt an ihrem Abweisungsantrag fest. Auf die Ausführungen der Parteien wird – soweit notwend ig – im Rahmen der Erwägungen einge- gangen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 26. August 2019 ist demnach einzutreten. 2.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht d ie Verletzung seines rechtlichen Ge- hörs, da sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht hinreichend mit seinen Einwänden auseinandergesetzt habe. 2.2 Die Verfügungen eines Versicherungsträgers über Lei stungen sind nach Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialve rsicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 zu begründen, wenn sie den Begehren d er Parteien nicht voll entsprechen. Aus einer mangelhaften Eröffnung einer Verfügung dar f der betroffenen Person kein Nachteil erwachsen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [ EVG; heute Schweizerisches Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 17. Juni 2005, I 3/05, E. 3). Die Begrün- dungspflicht steht im Zusammenhang mit dem in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 1999 statuierten Anspruch auf rechtli- ches Gehör. Danach muss der von einem Entscheid Betroffe ne in die Lage versetzt werden, diesen sachgerecht anfechten zu können (BGE 124 II 149) . Die verfügende Behörde muss da- her kurz ihre Überlegungen nennen, von denen sie sich l eiten liess, wobei es sich nicht mit je- dem Einwand einzelnen auseinanderzusetzen hat (BGE 136 I 184 E 2.2.1). 2.3 Die Beschwerdegegnerin legte in der angefochtenen Verfügung den massgebenden medizinsichen Sachverhalt ausführlich dar, indem sie die Beurteilung im Gutachten der asim vom 5. März 2018 und im Bericht zur handchirurgischen Nachbegutachtung vom 12. März 2019 wiedergab und sich zur Arbeitsfähigkeit äusserte. Zudem begründete sie, weshalb kein leidens- bedingter Abzug vorgenommen wurde. Dem angefochtenen Entscheid können somit die Über- legungen, welche zum gefällten Entscheid geführt haben, klar entnommen werden. so dass der Versicherte ohne Weiteres in der Lage war, diesen in voller Kenntnis der Sachlage beim Kan- tonsgericht anzufechten. Inwiefern die IV-Stelle die Begründungspflicht verletzt haben soll, ist unter diesen Umständen nicht ersichtlich. Eine Verletzun g des rechtlichen Gehörs des Be- schwerdeführers liegt demnach nicht vor. 3. Materiell streitig ist der Rentenanspruch des Beschw erdeführers. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 24. Juni 2019 entwi- ckelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemä ss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). 4. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person An spruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente , wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50 % und auf e ine Viertelsrente, wenn sie zu min- destens 40 % invalid ist. Als Invalidität gilt nach Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich blei- bende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilwei se Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität wird durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, der geist igen oder der psychischen Gesundheit Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht verursacht, wobei sie im IV-Bereich Folge von Geburtsgeb rechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG; Art. 3 und 4 ATSG). 5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrads bildet die Frage, in welchem Aus- mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig ist. 5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und insb esondere auch bei der Beurtei- lung der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person i st die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung und im Streitfall das Gericht – auf Unterl agen angewiesen, die vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Deren Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei- ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 E. 3c, 105 V 158 E. 1 in fine). Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, we lche anderen Erwerbstätigkeiten als die zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Perso n auf dem allgemeinen, ausgegliche- nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frag e kommenden Arbeitsmarkt zumutba- rerweise noch verrichtet werden können (ULRICH MEYER -BLASER , Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 20 f. mit Hinweisen). 5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach de m für den Sozialversicherungs- prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (v gl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an- deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förm liche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit- tel, unabhängig von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilun g des streitigen Rechtsanspruchs ge- statten. Insbesondere darf es bei einander widersprech enden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu- geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be ruht, auch die geklagten Beschwer- den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle- gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurte ilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Be- weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwalt ungsverfahrens eingeholten Gutachten Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlä ssigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 6. Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auc h der kantonale Sozialversiche- rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht vo n Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 7.1 Zur Beurteilung des vorliegenden Falls liegen zah lreiche medizinische Unterlagen vor, die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folge nden sollen indessen lediglich diejeni- gen Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welch e sich für den Entscheid als zentral erweisen. 7.2 Am 19. August 2017 diagnostizierte der behandelnde Arzt Dr. med. C.____, FMH Plas- tische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie sowie Hand chirurgie, eine DIP-Arthrose im Kleinfinger rechts. Der Versicherte klage über persistiere nde Schmerzen und Konzentrations- störungen. In seiner bisherigen Tätigkeit im kaufmännischen Bereich bestünde aktuell eine Ein- schränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 %. Die Frage, a b wann, in welchem Umfang und mit welchem Belastungsprofil eine behinderungsangepasste Tät igkeit möglich sei, beantwortete er nicht. 7.3 Die IV-Stelle veranlasste eine polydisziplinäre (in ternistisch-psychiatrisch- rheumatologisch-neurologisch-handchirurgische) Begutachtung bei der asim. Die untersuchen- de Ärzteschaft diagnostizierte am 5. März 2018 mit Einf luss auf die Arbeitsfähigkeit eine chroni- sche Insertionsdendiopathie am Os ischi rechts deutlich stärker als links seit 2007 (ICD-10 M54.98) ohne Hinweis auf eine Radikulopathie, einen chronischen Kopfschmerz vom Span- nungstyp (ICD-10 G44.2), zusätzlich ein möglicher Kopfschm erz bei Analgetika-Übergebrauch und eine Heberdan-Arthrose DIP Dig. V an der rechten Hand. Ohne Auswirkung auf die Arbeits- fähigkeit bestünden eine Dysthymia (ICD-10 F34.1), eine Akzentuierung von Persönlichkeitszü- gen (zwanghafte Züge, Selbstwertproblematik; ICD-10 Z7 3.1), eine arterielle Hypertonie, eine Tendenz zu diffusem weichteilrheumatischem Schmerzsyndrom m it positiven Fibromyalgie- Druckpunkten und positiven Kontrollpunkten, eine muskuläre Dysbalance am Schulter- und Be- ckengürtel beidseits und Spreizfüsse. Aufgrund der anamn estischen Angaben sowie der klini- schen und bildgebenden Untersuchungsbefunde seien die B eschwerden des Versicherten im Sinne einer lokalen chronischen Insertionstendinopathie am rechten Sitzbeinhöcker zu bestäti- gen. Das starke Ausmass der bildgebend nur diskreten Befu nde und klinisch nur wenig verkür- zen Knieflexoren weise aber auf eine gewisse Diskrepanz h in. Aufgrund der Schmerzen sei der Versicherte funktionell insofern stark eingeschränkt, als si tzende Tätigkeiten praktisch nicht Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr möglich seien. Diese Beurteilung stimme mit derj enigen des Vorgutachters Dr. med. D.____, FMH Rheumatologie und Allgemeine I nnere Medizin, überein. Aus rheumato- logischer Sicht kämen demnach primär wechselbelastende Tätigkeiten in Frage. In neurologi- scher Hinsicht bestünde in der bisherigen Tätigkeit als Buchhalter wegen der Spannungskopf- schmerzen ein erhöhter Pausenbedarf und damit eine Beei nträchtigung der Leistungsfähigkeit von 10 %. Diese sei nicht additiv zu anderen Einschränkung en zu werten. Aus handchirurgi- scher Sicht sei klinisch und radiologisch eine DIP-Arthrose am Kleinfinger rechts mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung objektivierbar. Funktionell ha be die Bewegungseinschränkung im DIP-Gelenk des Kleinfingers rechts nur Auswirkungen au f die Grobkraft beim versuchten Faustschluss oder der Manipulation von zwei Objekten in der gleichen Hand. Sonstige manuelle Tätigkeiten, welche durch abspreizen des Kleinfinger s in Schonposition ausgeführt werden können, sollten nicht betroffen sein. Die Vibrations- und Erschütterungsbeschwerden, welche der Versicherte angebe, seien nicht typisch für Patiente n mit DIP-Arthrose und liessen sich pa- thoanathomisch nur schwer nachvollziehen. Die vorhandenen akzentuierten Persönlichkeitszü- ge würden den Versicherten in der Funktionsfähigkeit n icht einschränken. Eventuell hindere die zwanghafte Neigung den Versicherten, sich der Schmerzsituation anzupassen. Es würden zahl- reiche psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen. So lei de der Sohn des Versicherten an ei- ner schweren psychischen Erkrankung. Der Versicherte selbst erachte sich wegen der Schmer- zen als nicht mehr arbeitsfähig und habe kein Einkommen mehr. Dies habe aber kein Krank- heitswert. Zudem würden zahlreiche soziale und intellekt uelle Ressourcen vorliegen und er ge- he Hobbies nach. Es bestünde eine gewisse Diskrepanz zwische n der beschriebenen Schmerzintensität und den lokalen Befunden in allen Unt ersuchungen. Die Beschwerden seien im Kern zwar gut nachvollziehbar. Das Ausmass und die dar aus subjektiv abgeleitete weitge- hende Einschränkung und die starke Fokussierung auf die Defizite seien jedoch nicht ohne Weiteres begründbar. Für die angestammte, rein sitzende Tätigkeit bestünde seit November 2010 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Körperlich leichte, wechselbelastende, vorwiegend gehende und stehende Tätigkeiten ohne höhere Gewichtsbelastungen seien bei voller zeitlicher Präsenz- und Leistungsfähigkeit zumutbar. Aus handchirur gischer Sicht seien Arbeiten ohne schwere und repetitive manuelle Tätigkeiten beidhändig möglich. Sonstige Einschränkungen liessen sich nicht begründen. 7.4 Auf Nachfrage der IV-Stelle hielt der ärztliche Le iter der asim, der die Fallführung inne- hatte, am 17. Juli 2018 fest, dass die im neurologische n Teilgutachten attestierte Beeinträchti- gung der Leistungsfähigkeit von 10 % im Hauptgutacht en zu wenig berücksichtigt worden sei. Es sei bei voller zeitlicher Präsenz generell von einer Leistungsminderung von 10 % auszuge- hen. Der handchirurgische Befund habe objektiv gesehen eine untergeordnete Bedeutung und führe zu einer primär qualitativen Limitierung, aber nicht zu einer nachvollziehbaren quantitati- ven Leistungsminderung. Es seien klare Aspekte der Sympto mausgestaltung und überwertiger Symptomwahrnehmung feststellbar, die primär vor dem H intergrund einer Akzentuierung von Persönlichkeitszügen und einer Dysthymie einzuordnen seien. Diese Diagnosen seien jedoch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. 7.5 Am 2. November 2018 hielten der ärztliche Leiter d er asim und der handchirurgische Gutachter fest, dass die Beantwortung von Rückfragen jewe ils vom fallführenden Gutachter Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht unterschrieben werde. Die medizinischen Fragen würden a ber grundsätzlich konsensual be- sprochen. Das interdisziplinäre sowie das handchirurgische Gutachten seien lege artis erstellt worden. Die geklagten Beschwerden in Form von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen am Kleinfinger rechts seien nicht im geltend gemachten A usmass und Umfang nachvollziehbar. Die geäusserte Limitierung im Alltag und Beruf sei bedingt durch die hohe Schmerzfixierung bei relativ geringem objektivem Befund in erster Linie subjektiv. 7.6 Am 21. Februar 2019 führte die asim eine handchi rurgische Nachbegutachtung durch. Im Bericht vom 12. März 2019 hielt der Gutachter fest, dass durch die DIP-Arthrose keine funk- tionell relevante Behinderung, sondern lediglich ein e Qualitätseinschränkung der Handfunktion vorliege. Es bestünden objektiv keine Arbeitszeiteinschränkungen und nur eine geringfügig qua- litative Einschränkung der Leistungsfähigkeit für die Arbeit eines Buchhalters. Die Leistungsein- busse bestünde v.a. aufgrund der Einschränkung beim Ti ppen auf der Tastatur. Ein 9-Finger- System sei aber zumutbar. Die Bedienung der Computerma us sei mit abgespreiztem Kleinfin- ger ebenfalls möglich. Die Beurteilung im handchirurg ischen Teilgutachten vom 28. November 2017 habe weiterhin Gültigkeit. 8.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen V erfügung vom 24. Juni 2019 bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfäh igkeit des Versicherten vollumfänglich auf die Ergebnisse im Gutachten der asim vom 5. März 20 18 und im Bericht zur handchirurgi- schen Nachbegutachtung vom 12. März 2019. Sie ging demzuf olge davon aus, dass dem Be- schwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Buchhalter ni cht mehr möglich ist, angepasste Tätig- keiten aber bei voller zeitlicher Präsenz und unter Ber ücksichtigung einer Leistungsminderung von 10 % zumutbar seien. Diese vorinstanzliche Beweiswürdi gung ist trotz der Kritik des Be- schwerdeführers am Gutachten (vgl. dazu die nachstehend en Erwägungen) im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie in Erwägung 5.3 hiervor ausgeführt, prüft das Gericht frei, ob die verfüg- baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des stre itigen Rechtsanspruchs gestatten. Hin- sichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streiti- gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchunge n beruht, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinische n Zusammenhänge einleuchtet und seine Schlussfolgerungen begründet sind. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die Anlass geben könnten, die Ergebnisse im Gutachten der vom 5. M ärz 2018 resp. der handchirurgi- schen Nachbegutachtung vom 12. März 2019 in Frage zu stell en oder gar davon abzuweichen. Es ist vielmehr festzuhalten, dass das Gutachten und das Nachgutachten die rechtsprechungs- gemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilu ngsgrundlage in jeder Hinsicht er- füllen. So weisen sie weder formale noch inhaltliche Mängel auf, sind – wie dies vom Bundes- gericht verlangt wird (vgl. E. 5.3 hiervor) – umfassend und beruhen auf allseitigen Untersuchun- gen. Der Versicherte wurde eingehend somatisch und psychi atrisch exploriert. Die entspre- chenden, vorstehend (vgl. E. 7.3 ff. hiervor) wiedergege benen Darlegungen in den Gutachten vom 5. März 2018 und im Nachgutachten vom 12. März 2019 vermögen zu überzeugen, sodass darauf verwiesen werden kann. 8.2.1 Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind nicht gee ignet, das vorstehende Beweis- ergebnis in Frage zu stellen. Wenn er zunächst eine Bef angenheit des handchirurgischen Gut- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht achters zu erkennen glaubt, kann ihm nicht gefolgt werd en. Befangenheit ist rechtsprechungs- gemäss anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die in obj ektiver Weise und nicht bloss auf- grund des subjektiven Empfindens der Partei geeignet si nd, Misstrauen in die Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person zu erwecken (Urteil des Bundesge- richts vom 22. Dezember 2009, 9C_893/2009, E. 1.1; BGE 132 V 109 E. 7.1 mit Hinweis). An- haltspunkte dafür, dass sich die Gutachter der asim nicht von objektiven Kriterien haben leiten lassen, sind aus den Akten nicht ersichtlich und werden auc h nicht substantiiert dargetan. Die vom Beschwerdeführer als Indizien vorgebrachten Feststellungen auf Seite 6 des handchirurgi- schen Ergänzungsgutachtens vom 12. März 2019, wonach es de m Versicherten (subjektiv) nicht möglich sei, sich mit vier Finger zu kratzen und eine Tasche oder ein Koffer zu tragen, lassen jedenfalls noch nicht auf mangelnde Objektivität schliessen. Vielmehr gehört es zur Auf- gabe des Gutachters, beobachtetes Verhalten zu beschrei ben, weshalb allein daraus nicht der Anschein der Befangenheit abgeleitet werden kann (vgl. Urteil vom 12. Oktober 2011, 8C_232/2011, E. 7.2.3 mit Hinweisen). Der Gutachter h at den Befund anhand der Klinik zu überprüfen und dessen Auswirkungen bei der Untersuchung und im Alltag substanziiert darzu- legen. Dazu gehören insbesondere auch Angaben zum beob achteten Verhalten und Feststel- lungen über die Konsistenz der gemachten Angaben (vgl. Urteil vom 11. Mai 2012, 8C_282/2012, E. 5). Eine unzulässige Vorbefassung lie gt auch nicht vor, wenn der Gutachter im Rahmen einer früheren Begutachtung zu einer für e ine der Parteien ungünstigen Schlussfol- gerung gelangt ist. Entscheidend ist, dass das Ergebnis der Begutachtung nach wie vor als of- fen und nicht vorbestimmt erscheint (vgl. Urteil des Bund esgerichts vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5.3.2 mit weiteren Hinweisen; R EGINA KIENER /M ELANIE KRÜSI , Die Unabhän- gigkeit von Gerichtssachverständigen, in: ZSR 2006 S. 50 6). Der Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit ist erst zu bejahen, wenn weitere Umstände hinzutre- ten, etwa, wenn das erste Gutachten nicht objektiv und sachlich gehalten ist (BGE 132 V 110 E. 7.2.2 mit weiteren Hinweisen; Urteile des Bundesge richts vom 22. August 2013, 8C_227/2013 und vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5 .3.2). Solche Umstände liegen nicht vor. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass der handchirurgische Gutachter nicht ergebnisoffen sei, da er den Versicherten bereits kenne , kann ihm ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Inwiefern die am 21. Februar 2019 durch den Handchirurgen erhobenen Befunde falsch und dessen Beurteilung nicht lege artis erfolgt se in soll, lässt sich aus den Ausführungen des Beschwerdeführers jedenfalls nicht hinreichend nachvollziehbar entnehmen. 8.2.2 Wenn der Beschwerdeführer weiter moniert, der handchirurgische Gutachter habe sich mit der abweichenden Beurteilung des behandelnden Ar ztes Dr. C.____ nicht auseinanderge- setzt, ist ihm entgegenzuhalten, dass die nicht weiter b egründete Beurteilung des behandeln- den Facharztes Dr. C.____ vom 19. August 2017, wonach der Beschwerdeführer in seiner bis- herigen Tätigkeit im kaufmännischen Bereich aktuell ei ne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % aufweise, die Beurteilung des asim-Gutachters ni cht in Frage zu stellen vermag. In diesem Zusammenhang ist in Erinnerung zu rufen, dass e s die unterschiedliche Natur von Be- handlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseit s (BGE 124 I 170 E. 4) ohnehin nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten ste ts in Frage zu stellen und zum An- lass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandeln den Arztpersonen bzw. Therapie- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht kräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Weite r ist zu beachten, dass eine Explo- ration von der Natur der Sache her nicht ermessensfre i erfolgen kann. Sie eröffnet den Gutach- tern praktisch immer einen Spielraum für verschiedene m edizinische Interpretationen, was zu- lässig und zu respektieren ist, sofern die Gutachter – wi e hier – lege artis vorgegangen sind. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweiche nde Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation e ntspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt gebliebe n sind (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2018, 8C_874/2017, E. 5.2.2). Der Beschwerdeführer legt nicht substanziiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass aus den vorliegenden med izinischen Berichte der behandelnden Ärzte und Vorgutachter Gesichtspunkte hervorgingen, die nicht auch im Rahmen des Gutach- tens der asim berücksichtigt worden wären. 8.2.3 Soweit der Beschwerdeführer weiter exemplarisch diverse Anforderungen an die rech- te Hand in Beruf und Alltag (etwa Maschinenschreiben, Körperpflege, diverse Arbeiten im Haushalt und Garten, Auto lenken, Hände schütteln, Te mperunterschiede, etc.) aufführt, und darauf hinweist, dass er angesichts seiner Beschwerden in sämtlichen denkbaren beruflichen Verweistätigkeiten in zeitlicher Hinsicht (auch mit dem Tragen einer Schiene) eine höhere Ein- schränkung aufweise, als von den asim-Gutachtern anerkann t, findet diese Auffassung in den vorliegenden medizinischen Unterlagen keine Stütze. Auch der Einwand, wonach der handchi- rurgische Gutachter im Ergänzungsgutachten vom 12. März 2 019 unzutreffenderweise keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Verweistätigkeit en enthalte, sondern einzig die nicht weiter begründeten Ausführungen im Gutachten vom 5. März 2019 wiedergebe, ist nicht stichhaltig. Vielmehr zeigte er auch im Rahmen der Nachbegutachtu ng – nach einer persönlichen Untersu- chung des Versicherten, zudem in Kenntnis der Ergebnisse der beruflichen Abklärungen und des bei den Akten liegenden „Tagebuchs“ des Versicherte n, worin er seine Beschwerden des rechten Kleinfingers im Alltag beschreibt – klar auf, da ss der Beschwerdeführer trotz der Be- schwerden am rechten Kleinfinger keine relevante Behin derung, sondern lediglich eine Quali- tätseinschränkung der Handfunktion aufweist. Vor diesem Hintergrund kann nicht gesagt wer- den, die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Zu mutbarkeit im Gutachten der asim vom 5. März 2018 und im Bericht zur handchirurgischen Nachbegutachtung vom 12. März 2019 basieren auf einem unzutreffenden Sachverhalt. Vielme hr differenzierten die Gutachter unter Berücksichtigung der Berichte der behandelnden Ärzte und der Angaben des Versicherten zwi- schen den subjektiv empfundenen Beschwerden und den objekt iv feststellbaren Befunden. Sie legten nachvollziehbar dar, weshalb im Zeitpunkt der B egutachtung trotz der Beschwerden und entgegen dem subjektiven Empfinden des Beschwerdeführer s bei voller zeitlicher Präsenz ins- gesamt von einer Leistungsminderung von 10 % in angepa ssten Verweistätigkeiten auszuge- hen ist. Bei dieser Sachlage kann darauf verzichtet werd en, auf die vom Beschwerdeführer de- tailliert beschriebenen zahlreichen Einschränkungen in Beruf und Alltag näher einzugehen. Nachdem die handchirurgische Nachbegutachtung keine neue n Erkenntnisse lieferte, erübrigte sich eine erneute Konsensbeurteilung, weshalb auch die ser Rüge des Versicherten nicht ge- folgt werden kann. Insgesamt ist das Gutachten der asim vom 5. März 2018 und der Bericht zur handchirurgischen Nachbegutachtung vom 12. März 2019 ein e genügende Grundlage für die Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers , weshalb gestützt darauf mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, d ass er bei voller zeitlicher Präsenz Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht eine Leistungsminderung von 10 % aufweist. Bei dieser S achlage und der Tatsache, dass es den Gutachtern möglich war, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen, kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 126 V 130 E. 2a mit zahlreichen Hinweisen) auf zusätzliche Abklärungen verzichtet werden 9.1 Die von der IV-Stelle vorgenommene Bemessung der V ergleichseinkommen aufgrund der Angaben des ehemaligen Arbeitgebers (Valideneinko mmen) resp. anhand der Tabellenlöh- ne (Invalideneinkommen) hat der Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten. Zu prüfen ist aber die Rüge, wonach im Hinblick auf das eingeschränkte Anfo rderungs- und Belastungsprofil bei der Bemessung des Invalideneinkommens ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen sei. 9.2.1 Von dem gestützt auf statistische Werte ermittel ten Invalideneinkommen sind praxis- gemäss verschiedene Abzüge zulässig. Damit soll der Tatsach e Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausm ass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie un d Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli chenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurch- schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 78 f. E. 5a). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen und darf 25 % nicht überstei gen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2, 126 V 79 f. E. 5b/aa-cc). Der gesamthaft vorzunehmende Abzug stellt eine Schätzung dar. Bei deren Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt. Hingegen ist zu beurteilen, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Er messen im Einklang mit den allge- meinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroff en hat, nicht zweckmässigerweise an- ders hätte ausfallen sollen. Soll in die Ermessensbetä tigung der Vorinstanz eingegriffen wer- den, muss sich die richterliche Behörde demnach auf Gege benheiten abstützen können, die eine abweichende Ermessensausübung als näher liegend ersche inen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2005, U 420/04, E. 2.3). 9.2.2 Vorliegend hat die Vorinstanz keinen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen. Begrün- dend hielt sie fest, dass dem Beschwerdeführer auf dem a usgeglichenen Arbeitsmarkt grund- sätzlich bei voller zeitlicher Präsenz und einer Leistung sminderung von 10 % weiterhin ein ge- nügend grosses Spektrum an möglichen Tätigkeiten offe n stehe. Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass das beeinträch tigte Kleinfingergelenk nicht nur eine Qualitätseinschränkung der Handfunktion, sondern über die in neurologischer Hinsicht at- testierte Einschränkung der Leistungsfähigkeit hinaus zu einer erheblichen Reduktion der Ar- beitsgeschwindigkeit und damit der Arbeitsleistung füh re, weshalb ein Abzug vom Tabellenlohn angezeigt sei. Dieser Auffassung ist nicht beizupflichten, wie sich aus den nachstehenden Aus- führungen ergibt. 9.2.3 Fest steht, dass dem Beschwerdeführer angepasste Arb eiten vollschichtig zumutbar sind, wobei er aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs aus neurologischen Gründen eine einge- schränkte Leistungsfähigkeit von 10 % aufweist. Demgegenüber verursachen die Beschwerden im rechten Kleinfinger keine funktionell relevante Be hinderung, sondern lediglich Qualitätsein- Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht schränkungen der Handfunktion, weshalb dem Beschwerdeführ er aus handchirurgischer Sicht angepasste Tätigkeiten ohne zeitliche Einschränkungen we iterhin zumutbar sind. Von einer faktischen Einhändigkeit bzw. Einsetzbarkeit der domina nten Hand nur noch als Zudienerhand kann nicht die Rede sein. Mit Blick auf die massgebende ä rztliche Zumutbarkeitsbeurteilung (vgl. E. 7.3 ff. hiervor) kann weder gesagt werden, di e Restarbeitsfähigkeit des gut ausgebilde- ten Versicherten sei wirtschaftlich nur noch sehr schwer zu verwerten, noch trifft es zu, dass nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reelle Chancen für eine Anstellung bestünden. Die Be- schwerdegegnerin weist in ihrer Vernehmlassung vom 2. Okt ober 2019 zutreffend darauf hin, dass sich bei grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähigen ve rsicherten Personen, die gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig sind, an sich kein Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2011, 8C_32 8/2011, E. 10.2). Hinreichende Gründe, die zu einer anderen Beurteilung Anlass geben würden, sind vorliegend nicht ersicht- lich. Vielmehr fällt ins Gewicht, dass die Beschwerden im rechten Kleinfinger nicht zu einer nachvollziehbaren quantitativen Leistungsminderung führ en. Sie schränken somit die Art der noch zumutbaren Verweisungstätigkeiten nicht (weiter) ein. Im Übrigen wirkt sich der aus neu- rologischen Gründen bedingte erhöhte Pausenbedarf au ch positiv auf den rechten Kleinfinger aus. Andere Gründe (Lebensalter, Dienstjahre, National ität oder Aufenthaltskategorie und Be- schäftigungsgrad), die für einen leidensbedingten Abzug sprechen, sind nicht ersichtlich. Daran ändern die vom Beschwerdeführer detailliert dargeleg ten Gründe und die zitierte Rechtspre- chung, die seines Erachtens für die Gewährung eines A bzugs vom Tabellenlohn sprechen, nichts. Vielmehr ist festzustellen, dass der Versicherte vo llzeitlich arbeitsfähig ist und aus medi- zinischer Sicht lediglich eine verminderte Leistungsfähigk eit aufweist, welche bereits im redu- zierten Pensum hinreichend berücksichtigt worden ist. Folgl ich ist aufgrund der vorliegenden Sachlage ein leidensbedingter Abzug grundsätzlich nicht in Betracht zu ziehen. Insgesamt ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt hat und es besteht bei dieser Sachlage – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – kein Grund, in ihr Ermessen korrigierend einzugreifen. 9.3 Da gegen die von der IV-Stelle vorgenommene Bemess ung der Vergleichseinkommen aufgrund der Angaben des ehemaligen Arbeitgebers (Va lideneinkommen von Fr. 84'500.--) resp. anhand der Tabellenlöhne (Invalideneinkommen von Fr. 53'981.--) keine weiteren Bean- standungen vorgebracht wurden, besteht kein Anlass für ei ne nähere Prüfung der Berechnung des Invaliditätsgrades von Amtes wegen. Selbst wenn de r Ansicht des Beschwerdeführer, wo- nach dem Grundsatz nach ein Abzug vom Tabellenlohn vo rzunehmen sei, gefolgt und ange- sichts der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ein minimaler Abzug vom Tabellenlohn von 5 % gewährt würde, resultiert bei einem Invaliditätsgrad von rund 39 % ([Fr. 84‘500.-- - Fr. 51‘282.--] : Fr. 84‘500.-- x 100) kein Anspruch auf eine Rente. Der Entscheid der IV-Stelle ist im Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde deshalb abzuweisen. 10. Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis Satz 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistung en vor dem kantonalen Versicherungs- gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ve rfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par- tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. Diese werden mit dem geleiste- ten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Bei diesem Ausgang des Verfah- rens wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- w erden dem Be- schwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Koste nvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. Gegen diesen Entscheid hat A.____ am 11. Mai 2020 Beschwerde beim Bundesgericht erho- ben (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_283/2020). http://www.bl.ch/kantonsgericht