Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 25. Oktober 2016 (460 16 78) ____________________________________________________________________ Strafrecht Mehrfacher, teilweise versuchter Diebstahl etc. Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref. ), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger Parteien Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft , Rheinstrasse 55, 4410 Liestal, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin Privatklägerschaft gegen A.____ , vertreten durch Advokat Reto Gantner, Kasernenstrasse 22a, Post- fach 569, 4410 Liestal, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Mehrfacher, teilweise versuchter Diebstahl etc. Berufung gegen das Urteil des Jugendgerichts Basel- Landschaft vom 12. Januar 2016 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Sachverhalt A. Das Jugendgericht Basel-Landschaft entschied mit U rteil vom 12. Januar 2016 unter an- derem Folgendes: "1. a) A.____ wird des Raubes, des mehrfachen, teilweise v ersuchten Dieb- stahls, der unrechtmässigen Aneignung, der mehrfach en Sachbe- schädigung, des betrügerischen Missbrauchs einer Da tenverarbeitungs- anlage, der Hehlerei, des Hausfriedensbruchs, der f alschen Anschuldi- gung, der Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch, des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung, des Missbrauchs von Ausw eisen und Schil- dern, des Fahrens in fahrunfähigem Zustand, der meh rfachen Wider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und der W iderhandlung gegen das Waffengesetz schuldig erklärt, in Anwendung von Art. 140 Ziff. 1 StGB, Art. 139 Zi ff. 1 StGB (teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 137 Ziff. 1 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 147 Abs. 1 StGB, Art. 160 Ziff. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 303 Ziff. 1 StGB, Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG, Art. 94 Abs. 1 SVG , Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG, Art. 97 Abs. 1 lit. a und lit. g SVG, Art. 19 Ziff. 1 lit. c und lit. d BetmG, Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. d WG) sowie Art. 34 JStG. 2. a) Die Verfahren - im Fall 1 wegen mehrfacher Widerhandlung gegen da s Betäubungs- mittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG und für den Zeitraum bis zum 12. Januar 2013 wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Ziff. 1 lit. c und lit. d BetmG; - im Fall 15 wegen einfacher Verletzung der Verkehr sregeln; - im Fall 16 wegen Widerhandlung gegen das Waffenge setz für den Zeitraum bis zum 12. Januar 2013; werden wegen Verjährung eingestellt. b) Das Verfahren im Fall 4 wegen Hausfriedensbruchs wi rd mangels gülti- gen Strafantrages eingestellt. 3. A.____ wird im Fall 2 von der Anklage der falschen Anschuldigung frei- gesprochen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Es wird eine Unterbringung in einer geschlossenen E inrichtung gemäss Art. 15 Abs. 2 JStG i.V.m. Art.16 Abs. 3 JStG angeo rdnet, verbunden mit einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 14 JStG. 5. Zudem wird A.____ zu einem Freiheitsentzug von 9 Monaten verurteilt, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungsha ft vom 17. bis 25. März 2014 von insgesamt 9 Tagen, in Anwendung von Art. 25 Abs. 1 JStG, Art. 34 JStG sowie Art. 51 StGB (i.V.m. Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG). 6. a) Die beschlagnahmten Gegenstände: - Bajonet mit Scheide zu Sturmgewehr 90 (ohne Serienn ummer, Wenger) - Miniwaage Swisscheck 100 - Skelett Gesichtsmaske - Handy Nokia 300, inkl. Akku ohne rückseitige Abdeckung - Metallpfeil (Entgrater), mit Etui schwarz - Teleskop-Schlagstock, defekt (Einzelteile) - Schachtel (Ipad) mit div. gebrauchten Minigrips - kugelschreiberartiges Werkzeug mit spitziger, auswe chselbarer Spitze - Handschellenschlüssel werden in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 S tGB (i.V.m. Art. 1 Abs. 2 lit. d JStG) zur Vernichtung eingezogen. b) Sämtliche im vorliegenden Verfahren forensisch gesi cherten Daten, wel- che sich unter der GK-Nummer 141115 bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-Forensik, befinden, werden nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht. 7. […] 8. a) Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 15‘866.15, den Kosten des Sachverständigen in H öhe von Fr. 450.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.--, gehen in A nwendung von Art. 425 StPO (i.V.m. Art. 44 Abs. 2 JStPO) sowie § 4 Abs. 3 GebT zufol- ge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. b) Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 10‘222.45 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) wird, unter Vorbe- halt der Rückzahlungsverpflichtung von A.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO (i.V.m. Art. 25 Abs. 2 JStPO), aus der Gerichtskasse entrichtet." B. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, vertr eten durch Advokat Reto Gantner, mit Eingabe vom 25. Januar 2016 die Berufung an. Mi t Berufungserklärung vom 2. Mai 2016 stellte er folgende Rechtsbegehren: "1. Es sei Ziffer 4 des angefochtenen Urteils vom 12.01.2016 wie folgt abzuändern: „Es wird eine Unterbringung in einer offenen Einric htung gemäss Art. 15 JStG i.V.m. Art. 16 Abs. 3 JStG angeordnet, verbunden mi t einer ambulanten Behand- lung gemäss Art. 14 JStG.“ 2. Eventualiter sei Ziffer 4 des angefochtenen Urteils vom 12.01.2006 wie folgt ab- zuändern: „Es wird eine Unterbringung gemäss Entscheid der Vo llzugsbehörde in einer of- fenen Einrichtung gemäss Art. 15 JStG oder geschlos senen Einrichtung nach Art. 15 Abs. 2 JStG i.V.m. Art. 16 Abs. 3 JStG ange ordnet, verbunden mit einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 14 JStG.“ 3. Unter o/e Kostenfolge bzw. unter Aufrechterhaltung der amtlichen Verteidigung" C. Die Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft beantragte in ihrer Anschlussberufungserklä- rung zu Gunsten des Beschuldigten vom 10. Mai 2016, es sei eine offene Unterbringung nach Art. 15 Abs. 1 JStG anzuordnen. D. Mit ihren Eingaben vom 8. Juli 2016 reichten der Be schuldigte sowie die Jugendanwalt- schaft die Berufungsbegründung bzw. Anschlussberufungsbegründung ein. E. Was die wesentlichen verfahrensleitenden Verfügunge n des Kantonsgerichts Basel- Landschaft, Abteilung Strafrecht, betrifft, wurde m it Verfügung vom 8. Juni 2016 dem Beschul- digten die amtliche Verteidigung mit Advokat Reto G antner für das zweitinstanzliche Verfahren bewilligt. Mit gleicher Verfügung wurde festgestell t, dass die Privatkläger weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. Mit Verfügung vom 14. Juli 2016 wurde das MAZ Arxhof, Massnahmenzentrum für junge Erwachsene, 4435 Nieder dorf (nachfolgend: Massnahmenzent- rum Arxhof), ersucht, dem Kantonsgericht einen aktu ellen Führungsbericht über den Beschul- digten zuzustellen, wobei sich dieser Bericht insbesondere auch zum Verhalten des Beschuldig- ten, seinen bisherigen Fortschritten, zur derzeitig en Flucht- und Fortsetzungsgefahr sowie zur richtigen Massnahmeninstitution zu äussern hatte. Im Übrigen wurden mit nämlicher Verfügung die Beweisanträge des Beschuldigten gemäss seiner B erufungserklärung vom 2. Mai 2016 im Sinne der Erwägungen abgewiesen. Mit Verfügung vom 21. September 2016 wurden die Anträ- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ge des Beschuldigten gemäss seiner Eingabe vom 19. September 2016 abgewiesen und es wurde festgehalten, dass die auf den 25. Oktober 2016 angesetzte Berufungsverhandlung statt- findet. Schliesslich wurden mit Verfügung vom 30. S eptember 2016 die Beweisanträge des Be- schuldigten gemäss seiner Eingabe vom 28. September 2016 grundsätzlich gutgeheissen und in der Folge bei der B.____ Basel ein Verlaufsberic ht über die bisherige Platzierung des Be- schuldigten eingeholt. Überdies wurde bei C.____, M Sc, Psychologe FSP, ein Verlaufsbericht über die aktuelle Behandlung des Beschuldigten eing eholt, wobei es dem Therapeuten frei- stand, dem Bericht einzelne Empfehlungen für das weitere Vorgehen anzufügen. F. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsger icht, Abteilung Strafrecht, vom 25. Oktober 2016 erscheinen der Beschuldigte mit se inem Vertreter, Advokat Reto Gantner, sowie D.____ als Vertreterin der Jugendanwaltschaft. Sowohl der Beschuldigte als auch die Jugendanwaltsc haft halten an den bereits gestellten An- trägen fest. G. Auf die Aussagen des zur Person und zur Sache eing ehend befragten Beschuldigten sowie auf die Plädoyers des amtlichen Verteidigers und der Jugendanwaltschaft wird im Übri- gen, soweit erforderlich, nachfolgend in den Erwägungen eingegangen. Erwägungen I. Formelles Gemäss Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 40 Abs. 1 lit. a JStPO i.V.m. Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher G erichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Recht sverletzungen, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unan gemessenheit gerügt werden, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Das Urteil des Jugendg erichts Basel-Landschaft vom 12. Januar 2016 ist demgemäss mit Berufung anfechtbar. Die Zus tändigkeit der Dreierkammer des Kan- tonsgerichts, Abteilung Strafrecht, zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 7 Abs. 1 lit. d JStPO i.V.m. Art. 40 Abs. 1 lit. a JStPO sowie aus § 16 Abs. 1 des kantonalen Einführungsgesetzes vom 23. September 2010 zur Schw eizerischen Jugendstrafprozessord- nung (EG JStPO; SGS 242). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Ge- richt innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils sc hriftlich oder mündlich anzumelden und da- nach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interes- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht se an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat, ist zur Berufung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 401 Abs. 1 StPO richtet s ich die Anschlussberufung sinngemäss nach Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO. Die Frist beträgt 20 Tage ab Empfang der Berufungserklä- rung der Gegenpartei (vgl. Art. 400 Abs. 3 lit. b S tPO sowie LUZIUS EUGSTER , Basler Kommen- tar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 401 N 1). Vorliegend hat der Beschuldigte mit Eingabe vom 25. Januar 2016 fristgerecht die Berufung angemelde t. Das vorinstanzliche Urteil wurde ihm in der Folge am 12. April 2016 schriftlich begründet e röffnet, woraufhin er mit Eingabe vom 2. Mai 2016 die Berufungserklärung beim Kantonsgericht einreichte. Am 10. Mai 2016 hat zudem die Jugendanwaltschaft innert der gesetzlichen Frist von 20 Tagen seit Zustellung der Berufungserklärung (Eingang bei der Jugendanwaltschaft am 4. Mai 2016) die Anschlussberufung erklärt. Die Berufung sowie die Anschlussberufung sind somit rechtzeitig und formgerecht erhoben worden (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). Die von den Parteien erhobe- nen Rügen sind zulässig und sowohl der Beschuldigte als auch die Jugendanwaltschaft sind ihrer Erklärungspflicht nachgekommen, weshalb auf d ie Berufung des Beschuldigten sowie auf die Anschlussberufung der Jugendanwaltschaft einzutreten ist. II. Materielles A. Gegenstand des Berufungsverfahrens Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungs gericht das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Die vorgenommene Beschrä nkung der Berufung auf einzelne Ur- teilspunkte hat zur Folge, dass sich das Berufungsg ericht (unter Vorbehalt der Berufung einer anderen berufungslegitimierten Partei bzw. einer An schlussberufung gemäss Art. 401 StPO) nur mit den angefochtenen Aspekten zu beschäftigen hat, das Gericht also nicht darüber hin- ausgehend andere, nicht angefochtene Punkte überprü fen darf (vgl. N IKLAUS SCHMID , Praxis- kommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 399 N 16 und Art. 404 N 1). Im vorliegenden Fall hat der Beschuldigte Berufung und die Jugendanwaltschaft Anschluss- berufung zu Gunsten des Beschuldigten erhoben. Aufg rund des Berufungsgegenstandes ge- mäss der Berufungserklärung des Beschuldigten vom 2 . Mai 2016 und der Anschlussberu- fungserklärung der Jugendanwaltschaft vom 10. Mai 2 016 steht in casu einzig die Frage der Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung (s o Dispositiv-Ziffer 4 des Urteils des Ju- gendgerichts vom 12. Januar 2016), verbunden mit ei ner ambulanten Behandlung, oder die Unterbringung in einer offenen Einrichtung (so der Beschuldigte und die Jugendanwaltschaft), verbunden mit einer ambulanten Behandlung, zur Disk ussion. Demgegenüber sind alle übrigen Erkenntnisse des jugendgerichtlichen Urteils vom 12 . Januar 2016 nicht mehr Gegenstand des kantonsgerichtlichen Verfahrens. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezüglich der Massnahme bilden das Vorliegen der Vo raussetzungen zur Anordnung einer sta- tionären Massnahme im Sinne einer Unterbringung, de ren Notwendigkeit, die Massnahmefä- higkeit des Beschuldigten nicht Gegenstand der Beru fung, ebenso wenig wie die Anwendbar- keit des Jugendstrafgesetzes. Des Weiteren werden d ie Notwendigkeit einer ambulanten The- rapie nach Art. 14 JStG, die Anwendung von Art. 16 Abs. 3 JStG sowie die vorinstanzliche Feststellung, dass sich die geschlo ssene Unterbringung nach Art. 15 JStG in der Schweiz durchführen lässt, nicht beanstandet. D ementsprechend ist vorab davon Vormerk zu nehmen, dass die soeben aufgezählten Aspekte des Urteils des Jugendgerichts vom 12. Januar 2016 in Rechtskraft erwachsen sind. B. Allgemeines Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 8 2 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des i n Frage stehenden Sachverhalts auf die Be- gründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dies er beipflichten. Hingegen ist auf neue tat- sächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzu gehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (D ANIELA BRÜSCHWEILER , Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 82 N 9). C. Massnahme 1.1 In seinem Urteil vom 12. Januar 2016 führt das Juge ndgericht zusammengefasst aus, aufgrund des erheblichen Umfangs der von gutachterl icher Seite als erforderlich erachteten Massnahmen leuchte ohne weiteres ein, dass diese nu r im Rahmen einer stationären Unter- bringung im Sinne von Art. 15 JStG gewährleistet we rden können. Die Gutachter sowie die Ju- gendanwaltschaft und der Verteidiger seien der Ansi cht, dass die Voraussetzungen zur Unter- bringung in einer geschlossenen Einrichtung erfüllt seien, seitens der Parteien werde jedoch im Sinne einer letzten Chance der Weiterverbleib im Ma ssnahmenzentrum Arxhof, d.h. in einer offenen Anstalt, beantragt. Aufgrund der Äusserunge n des Beschuldigten selbst sowie der Ein- schätzung des Gutachters an der Parteiverhandlung k omme bei ihm indes einzig die Unterbrin- gung in einer geschlossenen Einrichtung in Frage. S o habe der Beschuldigte an der Verhand- lung ausgesagt, er brauche etwas "schwarz auf weiss" für den Fall einer nächsten Entweichung. Diese letzte Chance habe er jedoch bereits gehabt, werde doch im Ergänzungsgutachten des E.____ vom 2. September 2015 ausgeführt, dass ein V erbleib in der Massnahmenanstalt Arxhof bis zur Gerichtsverhandlung als Bewährungsph ase zu betrachten sei. Diese letzte Be- währungsphase habe der Beschuldigte mit seiner erne uten Flucht klar nicht erfüllt. So werde denn auch vom Gutachter anlässlich der jugendgerich tlichen Hauptverhandlung darauf hinge- wiesen, dass ein Sinneswandel des Beschuldigten nic ht ersichtlich sei, deckten sich doch des- sen heutige Aussagen mit denjenigen vom letzten Som mer. Mit seiner wiederholten Flucht vor der Gerichtsverhandlung habe der Beschuldigte aufge zeigt, dass für ihn Freundin, Familie etc. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wichtiger gewesen seien als das Fortkommen im thera peutischen Prozess, für welchen er im Massnahmenzentrum Arxhof hätte bleiben müssen. Demz ufolge sei gegenüber dem Beschul- digten gestützt auf Art. 15 Abs. 2 JStG die Unterbr ingung in einer geschlossenen Erziehungs- einrichtung, die in der Lage ist, die erforderliche erzieherische Hilfe zu leisten, anzuordnen. Un- ter Berücksichtigung der vom Beschuldigten ohne die se empfohlenen Massnahmen ausgehen- den Rückfallgefahr sei die Anordnung der Unterbring ung nach Art. 15 Abs. 2 JStG überdies als verhältnismässig zu bezeichnen. 1.2 Mit den Verfügungen vom 16. September 2016 und 26. September 2016 wurde von der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft in Anwendung vo n Art. 26 Abs. 1 lit. c JStPO i.V.m. Art. 15 JStG und Art. 42 JStPO auf Antrag des Besch uldigten entschieden, dass die bisher an- geordnete vorsorgliche Unterbringung im Massnahmenz entrum Arxhof per sofort in der B.____ in Basel vollzogen wird. Zudem wurde die Weiterführ ung der bereits verfügten ambulanten Be- handlung (forensische Psychotherapie) neu bei C.___ _, MSc, Psychologe FSP, angeordnet. Der Beschuldigte wurde im Zusammenhang mit den verf ügten vorsorglichen Schutzmassnah- men die Weisung erteilt, bis auf weiteres seine ihm zugewiesene Wohnung in der B.____ nicht zu verlassen, wobei der Sozialdienst der Jugendanwa ltschaft sowie die Vollzugsstelle Electro- nic Monitoring die Ausnahmen regeln. 1.3 Die Verteidigung stellt sich zusammengefasst auf d en Standpunkt, der Beschuldigte wei- se zwar unbestreitbar eine hohe Anzahl an Entweichu ngen aus den bisherigen Massnahmenin- stitutionen auf, aber die Abstände zwischen den Kur vengängen hätten markant zugenommen. Seit den Taten vom 24. Oktober 2014 seien überdies keine weiteren Delikte mehr bekannt bzw. gesichert. Der Beschuldigte habe sich nunmehr zwar spät, aber auf umso eindrücklichere Art und Weise, auf die Massnahme eingelassen. So habe e r sich nach seinen wiederholten Fluch- ten nun selbst gestellt, eigenständig seinen Aufent halt in der B.____ Basel organisiert und selbst C.____ als Therapeuten vorgeschlagen, was es als äusserst positive Entwicklung zu würdigen gelte. Es habe kein Anlass für die Vorinst anz zur Annahme bestanden, eine ge- schlossene Unterbringung sei für den Schutz Dritter vor schwerwiegender Gefährdung durch den Beschuldigten notwendig. Der Gutachter habe übe rdies anlässlich der Hauptverhandlung vor Jugendgericht vom 12. Januar 2016 seine eigene frühere Empfehlung gemäss Ergän- zungsgutachten vom 2. September 2015, wonach bei Ni chtbewährung im Rahmen der letzten Bewährungsprobe eine geschlossene Unterbringung ang ezeigt sei, inzwischen relativiert. Des Weiteren habe der Experte sowohl einer offenen als auch einer geschlossenen Unterbringung gleichrangige Erfolgsaussichten eingeräumt. 1.4 Der Beschuldigte selbst bekundet anlässlich der kan tonsgerichtlichen Hauptverhandlung den Wunsch, für das nächste Jahr in der B.____ zu b leiben und eine Lehrstelle zu suchen. Da diese Institution ohnehin offen sei, müsse er von d ort nicht entweichen. Es komme für ihn nicht in Frage, in das Massnahmenzentrum Arxhof zurückzuk ehren. Überdies hat der Beschuldigte Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht offengelegt, dass sein Aussageverhalten im bisherig en Verfahren mehrheitlich taktischer Natur gewesen sei (vgl. Protokoll der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung [fortan: Prot. KGer] S. 6 ff.). 1.5 Die Jugendanwaltschaft schliesst sich den schriftli chen Anträgen der Verteidigung an. Demnach wird von ihr beantragt, das angefochtene Ur teil dahingehend abzuändern, als eine Unterbringung in einer offenen Einrichtung gemäss Art. 15 JStG i.V.m. Art. 16 Abs. 3 JStG, ver- bunden mit einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 14 JStG, angeordnet werden soll. Der Vorteil einer Beibehaltung von C.____ als Therapeut sei, dass dieser nicht vollkommen neu anfangen müsse, sondern den Beschuldigten schon gut kenne. Bezüglich des Abschlussbe- richts des Massnahmenzentrums Arxhof vom 29. Septem ber 2016 betont die Jugendanwältin, dass diese Informationen – insbesondere die Empfehl ung der anfänglichen Geschlossenheit – zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügungen vom 16. September 2016 bzw. vom 26. Septem- ber 2016 noch nicht vorgelegen hätten. 2.1 a) Art. 2 Abs. 1 JStG hält fest, dass der Schutz und d ie Erziehung des Jugendlichen für die Anwendung des Jugendstrafgesetzes wegleitend si nd. Dieser Grundsatz ist auch in Art. 4 Abs. 1 JStPO verankert. Das schweizerische Jugendst rafrecht wird somit in erster Linie vom Erziehungsgedanken geleitet und der Gesetzgeber bri ngt in genanntem Artikel den spezialprä- ventiven Charakter des Jugendstrafrechts zum Ausdru ck. Die Jugendanwaltschaft hat sich so- mit in allen Verfahrensstadien an diesem gesetzgebe rischen Grundauftrag zu orientieren. Dazu gehört, dass die angeordneten Schutzmassnahmen stet s überprüft und bei veränderten Ver- hältnissen angepasst werden (Art. 18 Abs. 1 JStG). Sinn und Zweck von Art. 18 JStG ist, dass die Jugendanwaltschaft – bis zur Vollendung des 22. Altersjahres eines Jugendlichen (Art. 19 Abs. 2 JStG) – die angeordneten Schutzmassnahmen au f die Bedürfnisse des Jugendlichen anpassen kann, da sich diese im Laufe der Zeit verä ndern, weil sich der Jugendliche in der Entwicklung befindet. Es ist unabdingbar und gesetz geberisch gewollt, dass diese Anpassun- gen zeitnah und damit auch vorsorglich erfolgen kön nen (vgl. M ARCEL RIESEN -KUPPER , StGB- Kommentar, 19. Aufl. 2013, Art. 18 N 6; HANSUELI GÜRBER /C HRISTOPH HUG /P ATRIZIA SCHLÄFLI , Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 18, N 4) . Art. 10 Abs. 1 JStG hält fest, dass die nach den Umständen erforderlichen Schutzmassnahmen gemäss Art. 12 ff. JStG anzuordnen sind, sofern der Jugendliche eine mit Strafe bedroh te Tat begangen hat und die Abklärung ergibt, dass er einer besonderen erzieherischen Bet reuung oder therapeutischen Behandlung bedarf, unabhängig davon, ob er schuldhaft gehandelt hat. b) Die Schutzmassnahmen für Jugendliche sind in den Art. 12 ff. JStG geregelt. Sie umfassen unter anderem die offene und die geschlossene Unter bringung (Art. 15 JStG). Kann die not- wendige Erziehung und Behandlung des Jugendlichen n icht anders sichergestellt werden, so ordnet die urteilende Behörde die Unterbringung an. Diese erfolgt namentlich bei Privatperso- nen oder in Erziehungs- oder Behandlungseinrichtung en, die in der Lage sind, die erforderliche erzieherische oder therapeutische Hilfe zu leisten (Art. 15 Abs. 1 JStG). Die urteilende Behörde Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht darf die Unterbringung in einer geschlossenen Einri chtung nur anordnen, wenn sie für den per- sönlichen Schutz oder für die Behandlung der psychi schen Störung des Jugendlichen unum- gänglich oder für den Schutz Dritter vor schwerwieg ender Gefährdung durch den Jugendlichen notwendig ist (Art. 15 Abs. 2 JStG). Nach Art. 15 Abs. 3 JStG ordnet die urteilende Behörde vor der Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtun g eine medizinische oder psychologische Begutachtung des Jugendlichen an, falls eine solche nicht bereits erstellt wurde. Als für den Schutz des Jugendlichen unumgänglich (i.S.v. Art. 15 Abs. 2 lit. a JStG) kann sich eine vorsorg- liche stationäre Massnahme etwa erweisen, wenn er w ährend einer laufenden Schutzmass- nahme immer wieder entweicht, da insoweit nur mitte ls Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung sichergestellt werden kann, dass der Jugendliche die erforderliche psychotherapeu- tische Behandlung erhält (Urteil 1B_32/2011 vom 15. Februar 2011 E. 2.7; GÜRBER /H UG /S CHLÄFLI , a.a.O., Art. 15 JStG N 13). 2.2 Mit Verweis auf die in casu seitens des Beschuldigt en sowie der Jugendanwaltschaft unbestrittenen und zutreffenden Ausführungen des Ju gendgerichts (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 32; Art. 82 Abs. 4 StPO) kann festgestellt werden, dass die allgemeinen Voraussetzungen für eine Massnahme gemäss Art. 10 Abs. 1 JStG beim Besc huldigten auch im heutigen Zeitpunkt nach wie vor klarerweise vorliegen. Es stellt sich, wie bereits dargelegt wurde, vorliegend einzig die Frage, ob nebst einer ambulanten Behandlung zus ätzlich eine Unterbringung in einer ge- schlossenen Einrichtung gemäss Art. 15 Abs. 2 JStG oder lediglich in einer offenen Einrichtung (vgl. Art. 15 Abs. 1 JStG) anzuordnen ist. 2.3 Das Gericht darf in Fachfragen nicht ohne triftig en Gründe von Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen. Das Abstellen auf ein nicht schlüssiges Gutachten kann Art. 9 BV verletzen, wenn gewichtige, zuverlässig b egründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschütt ern (BGE 133 II 384 E. 4.2.3 S. 391 mit Hinweisen; 129 I 49 E. 4 S. 57 f.; Urteil 6B_798/20 10 vom 6. Januar 2011 E. 1.2.4). Dies trifft etwa zu, wenn der Experte die an ihn gestellten Fra gen nicht beantwortet, wenn seine Schluss- folgerungen in sich widersprüchlich sind oder wenn die Expertise sonst wie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich und auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind, dass sie das kantonale Gericht nicht hätte übersehen dürfen (Urteil 6B_580/2010 vom 26. Juli 2010 E. 1.3). 2.4 Die Vorinstanz hat die wesentlichen Elemente des fo rensischen Gutachtens des E.____ über den Beschuldigten vom 11. September 2014 (act. 115 ff.) sowie dessen Ergänzungsgut- achten vom 2. September 2015 (act. 279.39 ff.) korr ekt wiedergegeben, worauf vorliegend zu- nächst verwiesen werden kann (vgl. Urteil der Vorinstanz, S. 31 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). a) Hervorzuheben ist bezüglich des Gutachtens vom 11. September 2014, dass der Gutach- ter, C.____, MSc, Psychologe FSP, Leiter der Psycho logischen Abteilung E.____, bezüglich der Frage des Vollzugs der Erziehungsmass nahme zum Schluss kam, in Anbetracht der beim Beschuldigten festgestellten Problem- und Risikokonstellation sowie der mangelnden Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erfolge bisheriger Interventionsversuche lägen durc haus Voraussetzungen vor, welche für ei- nen Massnahmenvollzug in einer Einrichtung für junge Erwachsene im Sinne eines hochstruktu- rierten Massnahmenzentrums sprechen würden. Im Gutachten wurde jedoch noch für die Unterbringun g in einer offenen Einrichtung plädiert, allerdings mit dem Hinweis, dass es sich dabei "um eine letzte und an Auflagen gebundene Chance“ handle. Diese Auflagen betrafen unter ander em, dass der Beschuldigte weder seine Unterbringung noch seine beruflichen Perspektiven g efährde (act. 257). Zu beachten gilt es, dass dem Experten im Zeitpunkt der Begutachtung der am 26. Juli 2014 zum Nachteil von F.____ in Basel begangene Raub noch gar nicht bekan nt war. Die im Gutachten genannten Auflagen und die damit verbundene letzte Chance hat der Beschuldigte in der Folgezeit jedoch nicht einmal ansatzweise erfüllt. So hat er sich in der Folge in der B.____, im Massnahmenzent- rum Arxhof und auch während des Berufungsverfahrens wiederholt und mit aller Deutlichkeit nicht bewährt. b) Im Ergänzungsgutachten vom 2. September 2015 le gte der Experte dar, der bisher stän- dige Kreislauf zwischen Entweichung, Haft und Rückf ührung müsse durchbrochen werden, womit sich eine offene Unterbringung letztlich nicht als zielführend erweisen würde. Vor diesem Hintergrund könne sich eine geschlossene Unterbring ung sowohl zur Sicherstellung der Be- handlung als auch zur Gewährleistung einer möglichs t günstigen Persönlichkeitsentwicklung und insofern auch zum Selbstschutz als notwendig er weisen. Die Unterbringung in der B.____ Basel komme nicht Frage, weil es dort an der für den Beschuldigten notwendigen Struktur fehle. Des Weiteren spricht sich der Experte im Ergänzungs gutachten zunächst für das Festhalten an der Unterbringung im Massnahmenzentrum Arxhof und d as Ansetzen einer Bewährungsphase bis zur Gerichtsverhandlung aus, gleichzeitig sei j edoch bereits eine Platzierungsanfrage beim Massnahmenzentrum Uitikon vorzunehmen und die Eintr ittsmodalitäten zu klären. Damit eine hinreichende Entscheidungsgrundlage vorliege, empfehle sich eine Bewährungszeit von rund 6 Monaten (act. 279.95 ff.). Es ist indes darauf hinz uweisen, dass der Experte im Zeitpunkt der Gutachtenserstellung von den nächsten 4 Entweichungen (vgl. hierzu den Abschlussbericht des Massnahmenzentrums Arxhof vom 29. September 2016, S . 3) des Beschuldigten noch nichts wusste, wobei dessen erste Flucht schon knapp 8 Woc hen nach Erstellung des Ergänzungs- gutachtens erfolgte. Ebenso beurteilt der Sachverst ändige im genannten Ergänzungsgutachten die Voraussetzungen, aufgrund derer eine geschlossene Unterbringung auch zum Schutze Drit- ter vor schwerwiegender Gefährdung als angezeigt zu erachten ist, als gegeben (act. 279.95). c) An der Parteiverhandlung vor Jugendgericht führ t der Gutachter unter anderem aus, er sehe nur die konsequent durchgeführte Therapie bzw. die Auseinandersetzung mit sich selbst als Chance, um Rückfälle längerfristig zu verhinder n. Wenn er den Beschuldigten an der Ver- handlung gehört habe, erkenne er jedoch keine namha fte Veränderung und er gehe nach wie vor von einem Risiko von weiteren Entweichungen aus . Für ihn sei ein Sinneswandel bei A.____ nicht ersichtlich gewesen. Dessen aktuelle A ussagen deckten sich vielmehr mit seinen Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Depositionen vom letzten Sommer. Für den Beschuldig ten seien Freundin, Familie etc. stets wichtiger gewesen als das Fortkommen im therapeutis chen Prozess, für welchen er ja im Mas- snahmenzentrum Arxhof hätte bleiben müssen. Der Bes chuldigte sei von den kognitiven Fähig- keiten her massnahmefähig, doch könne bei häufigen Entweichungen zwangsläufig keine The- rapie stattfinden, weshalb die Massnahmefähigkeit b eschränkt sei bzw. fehle. Wenn sich der Beschuldigte nicht auf die Therapie einlasse, dann sei die Ablenkung zu gross, was für eine geschlossene Unterbringung spreche (act. 3225 ff.). Demnach favorisiert der Gutachter auch vor Jugendgericht die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung. d) Zusammenfassend gehen die gutachterlichen Empfe hlungen allesamt für den nunmehr eingetretenen Fall der Nichtbewährung des Beschuldi gten klarerweise in Richtung Platzierung in einer geschlossenen Einrichtung. e) Bezüglich des Verlaufsberichts vom 18. Oktober 2016 von C.____, MSc, Psychologe FSP, gilt es zunächst einmal zu beachten, dass dies er nunmehr nicht mehr als Gutachter, son- dern als behandelnder Therapeut im vorliegenden Ver fahren Stellung nimmt. Aufgrund dieses Umstandes hat der obgenannte Verlaufsbericht, in we lchem sich C.____ sehr vorsichtig aus- drückt, klarerweise nicht das gleiche Gewicht wie s eine vorangehenden gutachterlichen Ein- schätzungen. Seinen Beurteilungen in der Stellung a ls Gutachter misst das Gericht vorliegend deutlich höheres Gewicht bei. Im Verlaufsbericht vo m 18. Oktober 2016 führt C.____ aus, im Hinblick auf die Etablierung einer therapeutischen Beziehung und der seitens des Beschuldig- ten propagierten Behandlungsbereitschaft könne aus therapeutischer Sicht die begonnene am- bulante Behandlung versuchsweise fortgeführt werden und die äusserst einschneidende Mass- nahme in einem geschlossenen Rahmen vorerst im Sinn e des Subsidiaritätsprinzips noch auf- geschoben werden, wobei als sinnvoll erachtet wird, die ambulante Massnahme und Stabilisie- rung des Beschuldigten zumindest initial mittels de s bereits eingeführten Electronic Monitorings zu unterstützen. f) Gemäss Verlauf- und Abschlussbericht der B.____ Basel vom 10. Juli 2015 zeigte der Beschuldigte punkto Ausbildung und Arbeit mehrmals das genau gleiche Verhalten: Zuerst ha- be er sich eine gewisse Zeit lang motiviert gezeigt, dann aber jegliche Lust verloren, so dass es zum Abbruch der Beschäftigung gekommen sei (Krankme ldungen, Verspätungen, unentschul- digte Absenzen, unmotiviertes Mitwirken bei Anwesenheit). g) Sodann ist der Beschuldigte gemäss Abschlussberi cht des Massnahmenzentrums Arxhof vom 29. September 2016 im Zeitraum zwischen dem eigentlich fixierten Eintrittstag (7. Juli 2015) und dem 19. August 2016, also währen d rund eines Jahres, nicht weniger als 7 Mal entwichen. Mit Schreiben vom 21. Januar 2016 an seinen Anwalt führte der Beschuldigte folgendes aus: "Ich habe mich entschieden für die B erufung. Ich habe mich weiter für den Arxhof entschieden" (act. 3453). Darauf meldete sei n Verteidiger mit Eingabe vom 25. Januar 2016 die Berufung an. Am 1. Februar 2016 wurde vom Beschuldigten eine schriftliche Verein- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht barung unterzeichnet, dass er nicht mehr flüchten werde; bereits im Juli 2015 hielt der Beschul- digte gegenüber dem Massnahmenzentrum Arxhof in sch riftlicher Form fest, nicht mehr auf die Flucht zu gehen. Dies alles hat der Beschuldigte wi ederum – wie bereits in früheren Zeiten – nicht eingehalten: Er flüchtete am 23. Juni 2016 wä hrend des laufenden Berufungsverfahrens zum 6. Mal aus dem Massnahmenzentrum Arxhof. Überdi es konnte die am 19. August 2016 geplante Wiederaufnahme nicht stattfinden, da der B eschuldigte aus dem Transportfahrzeug entwich (= 7. Flucht). Hervorzuheben ist, dass im e rwähnten Abschlussbericht enge Strukturen empfohlen werden und aufgrund der gezeigten Behandl ungsvermeidung durch Flucht und der wiederholten kollaborativen Aufnahme im Elternhaus eine anfängliche Geschlossenheit der Be- handlung als unumgänglich angesehen wird (vgl. Absc hlussbericht des Massnahmenzentrums Arxhof vom 29. September 2016, S. 10). h) Schliesslich fällt der aktuelle Kurzbericht der B.____ vom 21. Oktober 2016 für den Be- schuldigten durchzogen aus. So wird darin ausgeführt, dass die Eigenschaft des Beschuldigten, überzeugend Unwahrheiten zu erzählen, bekannt sei. Ob sein bisher gutes Mitwirken längerfris- tig anhalte und seine momentane Motivation echt sei , könne nicht mit Sicherheit beurteilt wer- den. 2.5 a) Der Beschuldigte erscheint weitgehend von einer hedonistischen, unreflektierten Grundhaltung geprägt und seine Konzessionen sind in erster Linie rein taktisch begründet, mit- hin werden sie vom ihm jeweils sofort relativiert, wenn er meint, sie seien nicht mehr nötig. So gestand er – nachdem er seinem Verteidiger quasi de n Auftrag zur Erhebung der Berufung ge- geben hatte, um im Massnahmenzentrum Arxhof zu blei ben (vgl. act. 3453) – anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung explizit ein, der von ihm geäusserte Wunsch, im Mass- nahmenzentrum Arxhof zu bleiben, sei in erster Linie taktischer Natur gewesen, eigentlich habe er gar nie dort bleiben wollen (vgl. Prot. KGer S. 9). Aus dem blossen Umstand, dass er vor der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung einen Monat l ang in der B.____ ohne grössere Proble- me untergebracht war, kann der Beschuldigte aufgrun d der kurzen Zeitperiode augenscheinlich nichts Entscheidendes zu seinen Gunsten ableiten. E in eigentlicher Sinneswandel, verbunden mit einer definitiven Abkehr von seinem bisher an d en Tag gelegten konsequenten Verhalten, ist für das Kantonsgericht – wie schon für die Vori nstanz – beim Beschuldigten klarerweise nach wie vor nicht ersichtlich. Die Einsicht des Be schuldigten in seine Massnahmebedürftigkeit erscheint immer noch als gering. b) Aus all den genannten Gutachten und Berichten g eht deutlich hervor, dass die notwen- dige Erziehung und Behandlung des Beschuldigten – i n Anbetracht seines fortgesetzten reni- tenten Verhaltens – nur durch eine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung sicherge- stellt werden kann. Vorliegend liegt nach der klaren Überzeugung der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts kein Grund – geschweige denn ei n triftiger – vor, diese Ergebnisse des Gutachtens sowie der gutachterlichen Stellungnahmen in Zweifel zu ziehen. Die ausführlichen Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Darlegungen und Schlussfolgerungen des Experten sin d inhaltlich ohne weiteres nachvollzieh- bar, plausibel und kohärent begründet, weshalb vollumfänglich darauf abzustellen ist. c) Angesichts des vom Beschuldigten über Jahre hin weg dokumentierten Verhaltens und der Vielzahl an Entweichungen wäre es höchst illuso risch anzunehmen, die von ihm benötigte Therapie könne erfolgreich im Rahmen einer offenen Anstalt durchgeführt werden. Hierfür braucht es vielmehr Stabilität und Kontinuität, d.h . eine längerfristig angelegte forensische The- rapie in einem hoch strukturierten Rahmen. Die heutige Situation in der B.____ Basel entspricht diesen Anforderungen – insbesondere mangels genügen der Struktur – augenscheinlich nicht. Der Beschuldigte erscheint geradezu als klassischer Fall eines Jugendlichen, der während lau- fenden Schutzmassnahmen immer wieder entweicht, sod ass nur mittels Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung sichergestellt werden kann, dass er die für ihn erforderliche psycho- therapeutische Behandlung erhält. Bei dieser Ausgangslage ist die Unterbringung in ei ner geschlossenen Einrichtung für die Be- handlung der psychischen Störung des Beschuldigten unumgänglich, weshalb eine solche ge- mäss 15 Abs. 2 lit. a JStG anzuordnen ist. d) Die Bestimmung von Art. 15 Abs. 2 lit. b JStG, w onach die Unterbringung in einer ge- schlossenen Einrichtung angeordnet werden kann, wen n für den Schutz Dritter vor schwerwie- gender Gefährdung durch den Jugendlichen notwendig ist, steht im Verhältnis der Alternativität zu Art. 15 Abs. 2 lit. a JStG. Da in casu, wie darg elegt wurde, Art. 15 Abs. 2 lit. a JStG bereits erfüllt ist, kann demnach offenbleiben, ob sich ein e Unterbringung in einer geschlossenen Ein- richtung ebenfalls auf Art. 15 Abs. 2 lit. b JStG stützen könnte. Diesbezüglich sei im Sinne eines obiter dictums angemerkt, dass diese Frage vorliege nd wohl eher zu verneinen wäre, da der Beschuldigte immerhin seit nunmehr 2 Jahren keine w eiteren Straftaten mehr begangen hat und von den zahlreichen von ihm verübten Delikten e in nicht qualifiziert begangener Raub am schwersten wiegt, mithin der Beschuldigte zwar erhe bliche kriminelle Energie entwickelt hat, jedoch nicht in der höchsten Gefährlichkeitsstufe e inzuordnen ist. Auch wenn gemäss Thera- pieverlaufsbericht der G.____ vom 21. April 2015 da s Risiko für Delikte, die den Anlasstaten ähneln, aufgrund des ungünstigen Verlaufs der ambul anten Behandlung beim Beschuldigten deutlich erhöht ist (act. 279.27), würde alleine das Schutzbedürfnis Dritter vor schwerwiegender Gefährdung demnach zum heutigen Zeitpunkt die Anord nung einer Massnahme i.S.v. Art. 15 Abs. 2 lit. b JStG nicht rechtfertigen. e) Die von der Vorinstanz angeordnete ambulante Beh andlung steht vorliegend nicht im Streit, wobei nach Möglichkeit die bereits laufende ambulante Therapie bei C.____, MSc, Psy- chologe FSP, weitergeführt werden soll. f) Im Lichte dieser Darstellung ist vorliegend – in Abweisung der Berufung des Beschuldig- ten sowie der Anschlussberufung der Jugendanwaltsch aft Basel-Landschaft und in Bestätigung Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Urteils der Vorinstanz – eine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung gemäss Art. 15 Abs. 2 JStG i.V.m. Art. 16 Abs. 3 JStG, ver bunden mit einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 14 JStG, anzuordnen. g) Weil die notwendige Erziehung nicht anders siche rgestellt werden kann, namentlich da keine milderen Massnahmen zur Behandlung der psychi schen Störung des Beschuldigten er- sichtlich sind, sind diese Massnahmen denn auch ohne weiteres als verhältnismässig zu erach- ten. h) Der Vollständigkeit halber erwähnt sei, dass de r Vollzug der Massnahme gemäss Art. 17 JStG der Vollzugsbehörde obliegt. Diese erlässt die nötigen Weisungen, legt fest, wie häufig ihr Bericht zu erstatten ist und kann die angeordneten Schutzmassnahmen bei veränderten Ver- hältnissen anpassen (Art. 18 JStG). 2.6 Gemäss Art. 404 Abs. 2 StPO kann das Berufungsgeri cht zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüfen, u m gesetzwidrige oder unbillige Entschei- dungen zu verhindern. In Ziffer 8 b) des vorinstanzlichen Urteilsdisposit ivs wurde das Honorar der amtlichen Verteidi- gung in Höhe von insgesamt CHF 10‘222.45 (inkl. Aus lagen und 8% Mehrwertsteuer), unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von A.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO (i.V.m. Art. 25 Abs. 2 JStPO), aus der Gerichtskasse entrichtet. Ar t. 135 Abs. 4 StPO normiert, dass eine be- schuldigte Person, die zu den Verfahrenskosten verurteilt wurde, verpflichtet werden kann, dem Kanton die Entschädigung der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen. Diese genannten Vor- aussetzungen sind beim Beschuldigten indessen nicht erfüllt, da ihm in Dispositiv-Ziffer 8 a des Urteils des Jugendgerichts vom 12. Januar 2016 kein e Verfahrenskosten auferlegt wurden, sondern diese vielmehr in Anwendung von Art. 425 St PO (i.V.m. Art. 44 Abs. 2 JStPO) sowie § 4 Abs. 3 GebT zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates ausgesprochen wurden. Bei dieser Ausgangslage ist der Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von A.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO (i.V.m. Art. 25 Abs. 2 JStPO) von Amtes wegen aus der Dispositiv-Ziffer 8 b des Urteils des Jugendgerichts vom 12. Januar 2016 zu entfernen. III. Kosten 1. Gemäss Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Gestützt auf § 12 Abs. 2 i.V.m. § 3 der Verordnung vom 15. November 2010 über die Gebühren der Gerichte (SGS 170.31) ist die Urteilsgebühr für das kantonsgerichtliche Verfahren auf Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 9‘000. ‒ festzusetzen; hinzu kommen Auslagen in der Höhe vo n CHF 1‘000. ‒. Entspre- chend dem Prozessausgang, wonach sowohl die Berufun g des Beschuldigten als auch die An- schlussberufung der Jugendanwaltschaft abgewiesen w urden, rechtfertigt es sich in Anwen- dung von Art. 428 Abs. 1 StPO, die ordentlichen Kos ten des Berufungsverfahrens je hälftig zu Lasten des Beschuldigten (CHF 5‘000. ‒) und des Staates (CHF 5‘000. ‒) zu verlegen. 2. Dem Beschuldigten ist präsidialiter die amtliche V erteidigung für das zweitinstanzliche Verfahren mit Advokat Reto Gantner gewährt worden. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung reicht der Rechtsvertreter des Bes chuldigten seine Honorarnote vom 25. Oktober 2016 ein, welche ohne kantonsgerichtlic he Hauptverhandlung einen Aufwand von 38 Stunden ausweist. Dieser Aufwand erscheint im Hi nblick auf die im vorliegenden Verfahren notwendigen und angemessenen Arbeiten als insgesamt zu hoch, zumal die Berufung thema- tisch einzig auf die Frage der Unterbringung in ein er geschlossenen Einrichtung, verbunden mit einer ambulanten Behandlung, oder die Unterbringung in einer offenen Einrichtung, verbunden mit einer ambulanten Behandlung, beschränkt war. Dementsprechend ist der geltend gemachte Aufwand auf angemessene 30 Stunden (inklusive kanto nsgerichtliche Hauptverhandlung) zu reduzieren, weshalb dem Rechtsvertreter des Beschul digten für seine Bemühungen im Beru- fungsverfahren eine Parteientschädigung von pauscha l CHF 6‘000. ‒ (inklusive Auslagen) zu- züglich 8% Mehrwertsteuer von CHF 480. ‒, insgesamt somit CHF 6‘480. ‒, aus der Gerichts- kasse zu entrichten ist. Der Beschuldigte ist zur R ückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung an den Kanton im Umfang von 50% verpfl ichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Jugendgerichts Basel-Landschaft vom 12. Januar 2016, aus- zugsweise lautend: "1. a) A.____ wird des Raubes, des mehrfachen, teilweise v ersuchten Diebstahls, der unrechtmässigen Aneignung, der mehr fachen Sachbeschädigung, des betrügerischen Missbrauchs ei ner Da- tenverarbeitungsanlage, der Hehlerei, des Hausfried ensbruchs, der falschen Anschuldigung, der Entwendung eines Fa hrzeugs zum Gebrauch, des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung, des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, des Fahren s in fahr- unfähigem Zustand, der mehrfachen Widerhandlung geg en das Betäubungsmittelgesetz und der Widerhandlung gegen das Waf- fengesetz schuldig erklärt, in Anwendung von Art. 140 Ziff. 1 StGB, Art. 139 Zi ff. 1 StGB (teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 137 Zi ff. 1 StGB, Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 147 Abs. 1 StGB, Art. 16 0 Ziff. 1 StGB, Art. 186 StGB, Art. 303 Ziff. 1 StGB, Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG, Art. 94 Abs. 1 SVG, Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG, Art. 97 Abs. 1 lit. a und lit. g SVG, Art. 19 Ziff. 1 lit. c und lit. d B etmG, Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. d WG) sowie Art. 34 JStG. 2. a) Die Verfahren - im Fall 1 wegen mehrfacher Widerhandlung gegen da s Betäu- bungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG und für den Zeitraum bis zum 12. Januar 2013 wegen mehrfacher W ider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Ar t. 19 Ziff. 1 lit. c und lit. d BetmG; - im Fall 15 wegen einfacher Verletzung der Verkehr sregeln; - im Fall 16 wegen Widerhandlung gegen das Waffenge setz für den Zeitraum bis zum 12. Januar 2013; werden wegen Verjährung eingestellt. b) Das Verfahren im Fall 4 wegen Hausfriedensbruchs wird mangels gültigen Strafantrages eingestellt. 3. A.____ wird im Fall 2 von der Anklage der falschen Anschuldi- gung freigesprochen. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4. Es wird eine Unterbringung in einer geschlossenen E inrichtung gemäss Art. 15 Abs. 2 JStG i.V.m. Art.16 Abs. 3 JSt G angeord- net, verbunden mit einer ambulanten Behandlung gemä ss Art. 14 JStG. 5. Zudem wird A.____ zu einem Freiheitsentzug von 9 Mo naten ver- urteilt, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungsha ft vom 17. bis 25. März 2014 von insgesamt 9 Tagen, in Anwendung von Art. 25 Abs. 1 JStG, Art. 34 JStG sowie Art. 51 StGB (i.V.m. Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG). 6. a) Die beschlagnahmten Gegenstände: - Bajonet mit Scheide zu Sturmgewehr 90 (ohne Serien- nummer, Wenger) - Miniwaage Swisscheck 100 - Skelett Gesichtsmaske - Handy Nokia 300, inkl. Akku ohne rückseitige Abdeckung - Metallpfeil (Entgrater), mit Etui schwarz - Teleskop-Schlagstock, defekt (Einzelteile) - Schachtel (Ipad) mit div. gebrauchten Minigrips - kugelschreiberartiges Werkzeug mit spitziger, auswe chsel- barer Spitze - Handschellenschlüssel werden in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 S tGB (i.V.m. Art. 1 Abs. 2 lit. d JStG) zur Vernichtung eingezogen. b) Sämtliche im vorliegenden Verfahren forensisch gesi cherten Da- ten, welche sich unter der GK-Nummer 141115 bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-Forensik, befinden, werden nac h Rechts- kraft des Urteils unwiderruflich gelöscht. 7. […] 8. a) Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfah- rens von Fr. 15‘866.15, den Kosten des Sachverständ igen in Hö- he von Fr. 450.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 1' 000.--, gehen in Anwendung von Art. 425 StPO (i.V.m. Art. 44 Abs. 2 JStPO) Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht sowie § 4 Abs. 3 GebT zufolge Uneinbringlichkeit zu Lasten des Staates. b) Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt Fr. 10‘222.45 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer ) wird, unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung von A.____ nach Art. 135 Abs. 4 StPO (i.V.m. Art. 25 Abs. 2 JStPO), aus der Ge- richtskasse entrichtet." wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten sowie d er An- schlussberufung der Jugendanwaltschaft Basel-Landschaft in der ange- fochtenen Dispositiv-Ziffer 4 vollumfänglich bestätigt. Dispositiv- Ziffer 8 b) wird von Amtes wegen wie folgt korrigiert: 8. b) Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insgesamt Fr. 10‘222.45 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer ) wird aus der Gerichtskasse entrichtet. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 9‘000. ‒, zuzüglich Auslagen von CHF 1‘000. ‒, werden je hälftig zu Las- ten des Beschuldigten (CHF 5‘000. ‒) und des Staates (CHF 5‘000. ‒) verlegt. Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, Advokat Reto Gantner, wird für das Berufungsverfahren ein reduziertes Honorar in d er Höhe von pauschal CHF 6‘000. ‒ (inkl. Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer (CHF 480. ‒), somit insgesamt 6‘480. ‒, aus der Gerichtskasse ausgerichtet. Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädig ung der amtlichen Ver- teidigung an den Kanton im Umfang von 50% verpflich tet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Marius Vogelsanger