B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-2046/2019 U r t e i l v o m 1 3 . A u g u s t 2 0 2 0 Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer, mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer; Gerichtsschreiberin Bettina Hofmann. Parteien A._______, geboren am (…), Bosnien und Herzegowina, dessen Ehefrau B._______, geboren am (…), und deren Kinder C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle Iran, Beschwerdeführende, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des SEM vom 27. März 2019 / N (…). D-2046/2019 Seite 2 Sachverhalt: A. A.a A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) und B._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) – gemäss eigenen Angaben Kon- kubinatspartner – suchten am 11. Juli 2016 in der Schweiz um Asyl nach. A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentral- einheit Eurodac) vom 14. Juli 2016 ergab, dass die Beschwerdeführenden bereits am 7. Juli 2016 in Ungarn um Asyl ersucht hatten. A.c Am 20. Juli 2016 wurden sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in E._______ getrennt zu ihrer Person, zu ihrem Reiseweg und summarisch zu ihren Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Im Rahmen dieser Befragungen gewährte ihnen das SEM auch das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Ungarns zur Durchfüh- rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens und zu einem allfälligen Nicht- eintretensentscheid. B. B.a Mit zwei separaten Verfügungen vom 19. August 2016 trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylge- suche der Beschwerdeführenden nicht ein, verfügte die Wegweisung in den für sie zuständigen Dublin-Mitgliedstaat Ungarn und ordnete den Voll- zug an. B.b Gegen diese Entscheide erhoben die Beschwerdeführenden mit E in- gaben vom 6. September 2016 beim Bundesv erwaltungsgericht Be- schwerde. Im Laufe des Beschwerdeverfahrens kam am (…) ihr erstes ge- meinsames Kind C._______ zur Welt. Sodann reichten sie am 18. Mai 2017 und 22. Juni 2017 weitere Unterlagen ins Recht: Die Geburtsurkunde des Beschwerdeführers (im Original) und betreffend die Beschwerdeführe- rin ihre Shenasnameh (iranische Personenstandsurkunde; im Original und inklusive englischer Übersetzung) sowie einen Taufschein der evangelisch- reformierten Kirchgemeinde in F._______ vom 19. März 2017 (ausgestellt durch Pfarrer G._______; in Kopie). B.c Mit Urteil D-5374/2016 und D-5392/2016 vom 29. Juni 2017 hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerden insofern gut, als es die Sache zur weiteren Abklärung und erneuten Ent scheidung an das SEM zurück- wies. D-2046/2019 Seite 3 C. C.a Nach Beendigung des zuvor eingeleiteten Dublin-Verfahrens wurde der Beschwerdeführer am 4. Dezember 2018 und die Beschwerdeführerin am 12. Februar 2019 einlässlich zu den Asylgründen angehört. C.b In Bezug auf seinen persönlichen Hintergrund und zu seinen Gesuchs- gründen brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er sei bosnisch-herzegowinischer Staatsangehöriger bosniakischer Ethnie und stamme aus H._______ (Republik I._______). Ende November 2015 sei er – nach Erhalt eines dreimonatigen Touristenvisums – von K._______ via L._______ in den Iran geflogen. Dort habe er zu Beginn seines Aufenthal- tes in M._______ die Beschwerdeführerin kennengelernt, welche zum da- maligen Zeitpunkt eine sog enannte «Ehe auf Zeit» mit einem anderen Mann geführt habe. Trotz dieses Umstandes hätten sie sich ineinander ver- liebt, nach zweimonatiger Beziehung geheiratet und entschieden, zusam- men in seinem Heimatstaat leben zu wollen. Als sie daran anschliessend auf der bosnisch-herzegowinischen Botschaft in N._______ ein Visum für die Beschwerdeführerin beantragt hätten, sei dies aber mangels des Nach- weises über ausreichende finanzielle Mittel abgelehnt worden. Danach hät- ten sie weiterhin bei den (...) der Beschwerdeführerin in M._______ gelebt, bis sie Ende Februar 2016 von ihrem Zeitehemann bei einem sogenannten «Schäferstündchen» erwischt respektive auf offener Strasse gesehen wor- den seien und es eine lautstarke Auseinandersetzung gegeben habe. Aus Angst um ihr Leben hätten sie sich umgehend auf dem Land respektive bei einer (...) der Beschwerdeführerin in M._______ versteckt, bis sie zirka zehn Tage später mittels eines Schleppers aus dem Iran ausgereist seien. In der Folge hätten sie drei Monate lang illegal in d er O._______ gelebt, bevor sie in die Schweiz weitergereist seien. Nach Bosnien und Herzego- wina sei er nicht zurückgekehrt, weil die Beschwerdeführerin über kein ent- sprechendes Visum verfügt habe und die wirtschaftliche Lage dort ohnehin schlecht sei. C.c Die Beschwerdeführerin machte ihrerseits – im Beisein des Pfarrers G._______ – geltend, sie sei eine iranische Staatsangehörige persischer Ethnie und stamme aus M._______ (in der gleichnamigen Provinz). Ihr (…) sei aufgrund der Konversion zu den Bahai im Jahre 2012 durch den Etelaat festgenommen und getötet worden. Ferner sei ihr (...) politisch aktiv gewe- sen, weshalb Behördenmitglieder das Haus der Familie wiederholt durch- sucht und entweder ihren (…) oder ihre (…) vorübergehend auf den Poli- zeiposten mitgenommen hätten. Im Sommer 2015 sei auch sie zweimal D-2046/2019 Seite 4 wegen Verstösse gegen die Kleiderordnung für jeweils drei- bis vier Stun- den auf den Polizeiposten mitgenommen worden. Dabei sei ihre Identität kontrolliert worden und sie habe eine Verpflichtungserklärung unterschrei- ben müssen. Aufgrund dieser Vorkommnisse habe sie kaum das Haus ver- lassen. Sodann habe sie unter Zwang für ein- beziehungsweise drei Jahre eine Zeitehe mit einem staatlichen Beamten eingehen müssen. Er habe ihr gedroht, ansonsten ihrer Familie Pr obleme zu bereiten. Während der Dauer dieser Zeitehe habe sie im Dezember 2015 den Beschwerdeführer kennengelernt und diesen am 14. Februar 2016 (iranischer Kalender: 25. Bahman 1394) zivilrechtlich geheiratet, was in ihrer Shenasnameh fest- gehalten worden sei. Kurz darauf habe sie – in Begleitung des Beschwer- deführers – im Haus des Zeitehemannes persönliche Dokumente holen wollen, wobei sie beim Verlassen des Hauses überraschend auf letzteren getroffen seien. Der Zeitehemann habe Todesdrohungen ausgesproche n und es sei zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen respektive habe der Zeitehemann den Beschwerdeführer am Kragen gepackt. Als sie angefangen habe zu schreien und Passanten den Zeitehemann zurückge- halten hätten, sei ihnen die Flucht gelungen. Aus Angst um ihre Leben seien sie unmittelbar respektive am darauffolgenden Tag bei ihrer (...) in P ._______ (Provinz Q._______) untergetaucht. Nach weiteren zwei - bis drei Tagen seien sie mit Hilfe eines Schleppers Ende Februar 2016 aus dem Iran ausgereist. D anach hätten sie zwei Monate illegal in der O._______ gelebt, bevor sie in die Schweiz weitergereist seien. In der Schweiz habe sie sich am 19. März 2017 taufen lassen und gehöre seit- dem dem evangelisch-reformierten Glaubensbekenntnis an. Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin diverse Un- terlagen im Zusammenhang mit dem Übergriff auf ihren (…) und den Be- helligungen ihrer (…) (jeweils in Kopie und in persischer Sprache) ins Recht. D. Mit Verfügung vom 27. März 2019 – eröffnet am 2. April 2019 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. E. Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden mit Ei ngabe vom 30. April 2019 (Datum des Poststempels) Beschwerde beim Bundes-D-2046/2019 Seite 5 verwaltungsgericht und beantragten, die angefochtene Verfügung sei auf- zuheben und der Beschwerdeführerin unter Zuerkennung der Flüchtlings- eigenschaft Asyl zu gewähren. Sodann seien der Beschwerdeführer und das gemeinsame Kind in die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführe- rin einzubeziehen und ihnen Familienasyl zu gewähren . Eventualiter sei die Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ver- fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltli- chen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor- schusses sowie um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes. Nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung lagen der Beschwerde folgende Unterlagen bei: - Schreiben der Steuerverwaltung der Republik I._______ vom 15. April 2019 betreffend Bescheinigung , dass der Beschwerdeführer nicht im Einheitssystem zur Registrierung, Kontrolle und Vereinnahmung von Beiträgen registriert sei, welches von ihnen verwaltet werde (im Origi- nal und inklusive deutscher Übersetzung), - Schreiben der bosnisch -herzegowinischen B otschaft in R._______ vom 25. April 2019 betreffend die Voraussetzungen für den Erhalt eines nationalen Visums Typ D (langfristige und geregelte Aufenthalte in Bos- nien und Herzegowina [von mehr als 180 Tagen bis zu einem Jahr]; in Kopie). F. Mit Zwischenver fügung vom 13. Mai 2019 stellte der Instruktionsrichter fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beiordnung eines amtliche n Rechts- beistandes sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und forderte die Beschwerdeführenden auf, bis zum 28. Mai 2019 einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– einzubezahlen, andernfalls auf die Be- schwerde nicht eingetreten werde. G. Am (…) kam das zweite gemeinsame Kind D._______ zur Welt. D-2046/2019 Seite 6 H. Am 27. Mai 2019 ging der Kostenvorschuss fristgerecht beim Bundesver- waltungsgericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführenden sind als Ver- fügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Das zweite gemein- same Kind der volljährigen Beschwerdeführenden ist in das Beschwerde- verfahren einzubeziehen. 2. 2.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Frage nach der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, der Asylpunkt sowie die Wegweisung (einschliesslich der Vollzugsfrage). Soweit die Verfügung des SEM vom 27. März 2019 die Verneinung der originären Flüch tlingseigen- schaft des Beschwerdeführers betrifft, ist diese unangefochten in Rechts- kraft erwachsen. 2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü- gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver- fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) und ohne Weiterungen zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 AsylG). D-2046/2019 Seite 7 4. 4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be- gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken ; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa- chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge- richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver- schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 4.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat - oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte sub- jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge- setzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön- nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. 5. 5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin hielten weder den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Ar t. 7 AsylG , noch denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand. D-2046/2019 Seite 8 Bezüglich der geltend gemachten Verfolgung durch ihren Zeitehemann habe sie im Verlauf des Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschied- liche Angaben gemacht. So habe sie anlässlich der BzP erklärt, die Zeitehe sei für ein Jahr vereinbart gewesen. In der Anhörung habe sie hingegen vorgebracht, diese für einen Zeitraum von drei Jahren eingegangen zu sein. Sodann habe sie in der Anhörung ausgesagt, der Zeitehemann habe ihre Beziehung mit dem Beschwerdeführer entdeckt, als sie zusammen mit letzterem das Haus des Zeitehemannes habe verlassen wollen. Diesbe- züglich widerspreche sie aber dem Beschwerdeführer, welcher in der BzP zunächst zu Protokoll gegeben habe, bei einem sogenannten «Schäfer- stündchen» vom Zeitehemann erwischt worden zu sei n, und in der Anhö- rung behauptet habe, dem Zeitehemann auf offener Strasse begegnet zu sein, als er mit der Beschwerdeführer in in die Stadt habe gehen wollen. Darüber hinaus habe die Beschwerde führerin in der BzP erklärt, der Be- schwerdeführer und sie seien beide vom Zeitehemann geschlagen wor- den. In der Anhörung habe sie hingegen vorgebracht, dieser habe den Be- schwerdeführer lediglich am Kragen gepackt, aber nicht geschlagen. Dar- über hinaus seien ihre Aussagen auch vage und undifferenziert ausgefal- len. So habe sie die Situation mit ihrem Zeitehemann bloss in einigen we- nigen Sätzen und praktisch ohne Details geschildert. Ausserdem habe sie diese zentrale Situation ihrer Fluchtgeschichte weitgehend ohne emotio- nale Anteilnahme beschrieben. Angesichts dieser widersprüchlichen und unsubstantiierten Darlegung sei davon auszugehen, dass die Vorbringen bezüglich der Verfolgung durch den Zeitehemann konstruiert seien. Hinsichtlich der geltend gemachten wiederholten Hausdurchsuchungen und der Mitnahme ihrer (...) auf den Polizeiposten sei festzuhalten, dass dieser Umstand kein menschenwürdiges Leben im Iran verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert habe. So würden sich die davon unmit- telbar betroffenen Personen – ihre (...) – weiterhin an der angegebenen Adresse aufhalten. Bereits deshalb könne die wiederholte behördliche Überwachung nicht unmittelbar dazu geführt haben, dass sie einem uner- träglichen psychischen Druck ausgesetzt gewesen sei, der sie zur Flucht veranlasst habe. Ausserdem habe sie den Iran erst verlassen, nachdem sie den Beschwerdeführer geheiratet habe. Hätte sie tatsächlich einen solch unerträglichen psychischen Druck verspürt, wäre sie deutlich früher aus ihrem Heimatstaat ausgereist. Darüber hinaus habe sie den Beschwer- deführer in der Stadt kennengelernt, was zeige, dass sie sich offenbar öf- ters – und auch unbegleitet – ausser Haus begeben habe. Dies wiederum widerspreche ihrer Aussage, sie habe aus Angst vor Verfolgung kaum das D-2046/2019 Seite 9 Haus verlassen. An dieser Einschätzung würden auch die in diesem Zu- sammenhang eingereichten Beweismittel bezüglich der geltend gemach- ten Verfolgung des verstorbenen (...) und der (...) nichts zu ändern vermö- gen, da sich diesbezüglich keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen betreffend ihre Person ableiten liessen. Was die geltend gemachten Festnahmen im Zusammenhang mit der Ver- letzung der Kleidervorschriften anbelange, habe sie selber ausgeführt, ihr sei währenddessen nichts bezüglich ihrer persönlichen Integrität widerfah- ren, womit es den Festnahmen an der nötigen Intensität der Verfolgung mangle. Zudem seien von den Kleidervorschriften und allfälligen Festnah- men wegen Verstösse dagegen alle im Iran lebenden Frauen betroffen, sodass es diesbezüglich auch an der Gezieltheit fehle. Weiter könnten Personen, die im Iran eine Beziehung eingingen, ohne ver- heiratet zu sein, alleine aufgrund dieses Umstandes zwar asylrelevant ge- fährdet sein. Allerdings habe die Beschwerdeführerin ihre Partnerschaft noch in ihrem Heimatstaat durch Heirat legalisiert und somit nicht gegen islamische Normen verstossen. Sodann führe alleine der Umstand, dass der Beschwerdeführer nicht iranischer Staatsangehöriger sei, für sich ge- nommen ebenso wenig dazu, dass sie eine asylrelevante Verfolgung zu befürchten habe. Ausserdem seien auch keine weiteren Gründe betreffend Binationalität bekannt, die zu einer asylrelevanten Verfolgung führen könn- ten. Vielmehr hätten die iranischen Behörden durch den Eintrag der Ehe in ihrer Shenasnameh ihr Einverständnis für die binationale Ehe gegeben. Im Hinblick auf die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten sub- jektiven Nachfluchtgründe erwog die Vorinstanz, dass die blosse Glau- bensausübung als Christin im Iran nicht zu asylrelevanten Verfolgungs- massnahmen führe. Die gemäss Art. 13 der iranischen Verfassung ge- währleistete Glaubensausübung durch Christen werde toleriert, solange sie diskret erfolge und weder missionarisch noch auf andere Weise die öf- fentliche Aufmerksamkeit provoziere. Die Beschwerdeführerin sei in der Schweiz zum christlichen Glauben konvertiert und nehme gemäss eigenen Angaben gelegentlich an kirchlichen Veranstaltungen teil. Sie sei ein ein- faches Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche und habe sich in ihrer Funktion weder besonders exponiert, noch habe sie missioniert. Somit sei sie bei einer Rückkehr in den Iran nicht auf eine asylrelevanten Weise ge- fährdet. D-2046/2019 Seite 10 5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe bringen die Be schwerdeführenden unter Wiederholung des Sachverhaltes dagegen vor, dass die Beschwerdefüh- rerin aufgrund der in der Schweiz erfolgten Konversion zum Christentum bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran gravierende Schwierigkeiten zu befürchten habe. Gemä ss dem Bericht der Schweizerischen Flüchtlings- hilfe (SFH) «Iran: Gefährdung von Konvertierten» vom 7. Juni 2018 müss- ten sich Konvertierte bei der Rückkehr einer Befragung unterziehen, im Rahmen derer es immer wieder zu physischen und psychischen Misshand- lungen komme. Derselbe Bericht halte ferner fest, dass Konvertierte ihren Glauben im Iran nicht frei ausleben könnten und es regelmässig zu willkür- lichen Verhaftungen durch die iranischen Behörden komme. Darüber hin- aus weise sie aufgrund der Vorgeschichte ihrer Familie, der Probleme mit dem ehemaligen Zeitehemann sowie der Ehe mit einem ausländischen Staatsangehörigen ein erhöhtes Gefährdungsprofil auf. 6. 6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Die Beschwerdeführenden ma- chen geltend, die Vorinstanz habe die Kumulation der verschiedenen ge- fährdungserhöhenden Faktoren in Bezug auf die Beschwerdeführerin (Vor- geschichte der Familie, Probleme mit dem ehemaligen Zeitehemann, aus- ländischer Ehepartner, Konversion zum Christentum) nicht berücksichtigt. Damit rügen sie eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes. 6.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Dabei muss die Behörde die für das V erfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen be- schaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber ord- nungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachum- stände berücksichtigt hat (vgl. daz u CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BIN- DER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16). D-2046/2019 Seite 11 6.3 Die Rüge ist unbegründet. Die Beschwerdeführenden vermengen da- bei die sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende Frage der Fest- stellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die materielle Entscheidung über die vorge- brachten Asylgründe betrifft. Alleine der Umstand, dass die Beschwerde- führenden die Auffassung und Schlussfolgerungen der Vorinstanz nicht tei- len, stellt somit keine ungenügende Sachverhaltsfeststellung dar. 6.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor - instanz zurückzuweisen. Der entsprechende Subeventualantrag ist abzu- weisen. 7. 7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten so- dann in materieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Er- wägungen zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen der Beschwerdefüh- rerin genügten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG respektive an die Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG nicht. Auf die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. die Zu- sammenfassung der entsprechenden Erwägungen in E. 5.1 des vorliegen- den Urteils) kann mit nachfolgenden Ergänzungen verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene führen zu keiner anderen Betrach- tungsweise. 7.2 Hinsichtlich der Fluchtvorbringen hat die Vorinstanz in ihrer Verfügung eingehend dargelegt, welche Gründe auf die fehlende Glaubhaftigkeit be- ziehungsweise fehlende Asylrelevanz schliessen lassen. Mit dem Wieder- holen des aktenkundigen Sachverhaltes in der Rechtsmitteleingabe und dem nicht näher substantiierten Festhalten am Wahrheitsgehalt ihrer Aus- sagen respektive an der Asylrelevanz ihrer Vorbringen hält die Beschwer- deführerin der Argumentation der Vorinstanz nichts Konkretes entgegen, weshalb die vorinstanzlichen Ausführungen in diesen Punkten vollumfäng- lich zu bestätigen sind. 7.3 Sodann ist hinsichtlich der Konversion der Beschwerdeführerin zum Christentum das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu prüfen. 7.3.1 Bei einer christlichen Glaubensausübung von iranischen Asylsuchen- den im Ausland ist gemäss Pra xis des Bundesverwaltungsgerichts die D-2046/2019 Seite 12 christliche Überzeugung der Person im Einzelfall, soweit möglich, einer nä- heren Überprüfung zu unterziehen (vgl. hierzu und zum Folgenden insbe- sondere BVGE 2009/28 E. 7.3.4 und E. 7.3.5; Urteile des EGMR A. gegen die Schweiz vom 19. Dezember 2017, 60342/16; EGMR [grosse Kammer] F.G. gegen Schweden vom 23. März 2016, 43611/11; Urteil des BVGer D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5 m.w.H.). Allein der Übertritt vom muslimischen Glauben zum Christentum führt grundsätzlich zu keiner (in- dividuellen) staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glaubensaus- übung vermag gegebenenfalls dann flüchtlingsrechtlich relevante Mass- nahmen auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und nach aussen sicht- bar praktiziert wird und im E inzelfall davon ausgegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar mis- sionierende Züge annehmenden Glaubensausübung erfährt. Eine Verfol- gung durch den iranischen Staat kommt somit erst dann zum Tragen, wenn der G laubenswechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfal l neben der Glaubhaf- tigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit für die betroffene Person in Betracht gezogen werden. 7.3.2 Die Beschwerdeführerin untermauert ihre christliche Glaubensaus- übung hierzulande mit einem Taufschein der evangelisch -reformierten Kirchgemeinde in F._______ (vgl. Prozessgeschichte, Bst. B.b) und nimmt gemäss eigenen Angaben gelegentlich an kirchlichen Veranstaltungen teil (vgl. A33/18 F 61-64). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Taufe und der gelegentliche Besuch christlicher Veranstaltungen in der Schweiz keine aktive Glaubensausübung im Sinne der genannten Rechtsprechung dar- stellen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-6037/2019 vom 29. April 2020, E. 6.3.2). Ferner sind weder den vorinstanzlichen Akten noch der Rechts- mitteleingabe konkrete Hinweise für Aktivitäten zu entnehmen, die vom Re- gime als Angriff auf den Staat angesehen werden könnten. An dieser Ein- schätzung vermag auch der in der Rechtsmitteleingabe vorgenommene Verweis auf den SFH -Bericht zur Konversion im Iran vom 7. Juni 2018 nichts zu ändern, zumal dies er keinen konkreten Bezug zur Person der Beschwerdeführerin und deren individuellen Asylvorbringen aufweist. 7.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder Vor- noch Nachflucht- gründe ersichtlich sind. D as SEM hat die Flüchtlingseigenschaft der Be- schwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylgesuch folgerichtig abge-D-2046/2019 Seite 13 lehnt. Folglich sind in Bezug auf den Beschwerdeführer und die gemeinsa- men Kinder die Voraussetzungen für die Zuerkennung der derivativen Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Familienasyls nach Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht gegeben. 8. 8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegw eisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli- che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 9. 9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 9.2 Bezüglich des Geltendmachens von Wegweisungsvollzugshindernis- sen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be- weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaf t; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 10. 10.1 Die Vorinstanz beurteilt den Wegweisungsvollzug in den Iran bezie- hungsweise nach Bosnien und Herzegowina in ihrer angefochtenen Verfü- gung als zulässig, zumutbar und möglich. Sie erwägt unter anderem, dass eine Ausländerin, die mit einem Bürger aus Bosnien und Herzegowina ver- heiratet sei, aufgrund der Familienzusammenführung einen vorübergehen- den Aufenthalt erhalten könne. Die Bedingungen und das Verfahren für die Genehmigung eines vorübergehenden Aufenthalts auf der Grundlage der Familienzusammenführung würden durch das Ausländergesetz («Amts- blatt für Bosnien und Herzegowina» Nr. 88/15) und das Gesetz ü ber die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern («Amtsblatt für Bosnien und Herzegowina» Nr. 25/16) geregelt. Die Beschwerdeführerin habe somit ein D-2046/2019 Seite 14 Anrecht auf einen Aufenthaltstitel in Bosnien und Herzegowina und es sei ihr unbenommen, sich darum zu bemühen. 10.2 Dem halten die Beschwerdeführenden entgegen, dass die Beschwer- deführerin kein Einreisevisum für Bosnien und Herzegowina erhalte. Wie dem beiliegenden Schreiben der bosnisch -herzegowinischen Botschaft entnommen werden könne, müsste der Beschwerdefüh rer hierfür in sei- nem Heimatstaat über ein regelmässiges Einkommen und eine familienge- rechte Wohnsituation verfügen. Da beide Voraussetzungen nicht gegeben seien, könne der Beschwerdeführerin kein Visum ausgestellt werden. So- dann hätten sie bereits im Iran vergebens versucht, ein Visum für die Be- schwerdeführerin zu beantragen. Der Familie sei es somit nicht möglich, gemeinsam in Bosnien und Herzegowina zu leben. Die Wegweisung des Beschwerdeführers ohne die restliche Familie würde gegen Art. 8 EMRK verstossen. 11. 11.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 11.2 Vorliegend kommt den Beschwerdeführenden keine Flüchtlingseigen- schaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an- dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandl ung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 und 8 EMRK). 11.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde - führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Iran beziehungsweise nach Bosnien und Herze- gowina dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran beziehungsweise in Bosnien und Herzegowina lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen ; Bosnien und Herzegowina ist D-2046/2019 Seite 15 vom Bundesrat als verfolgungssicherer Staat gemäss Art. 6a Abs. 2 AsylG bezeichnet worden. 11.4 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei- sungsvollzugs (insbesondere aus Art. 8 EMRK) ergeben sich schliesslich weder aus den Akten noch aus der Rechtsmittelschrift. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann sich jemand nur dann auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK berufen, wenn eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung zu ei- ner in der Schweiz gefestigt anwesenheitsber echtigten Person besteht (vgl. BGE 139 I 330 E. 2.1 m.H.). Ein gefestigtes Aufenthaltsrecht liegt vor, wenn die betroffene Person über das Schweizer Bürgerrecht, eine Nieder- lassungsbewilligung oder eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, welche ih- rerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (vgl. BGE 130 I 281 E. 3.1. m.w.H.). Wie bereits dargelegt (vgl. E. 8.2), verfügen die Beschwer- deführenden über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht. Die Voraussetzungen für eine Berufung auf Art. 8 EMRK sind daher nicht erfüllt. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass Bosnien und Her- zegowina Signatarstaat der EMRK ist und davon ausgegangen werden darf, dieser Staat komme seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver- pflichtungen nach. Im Übrigen obliegt e s dem Beschwerdeführer, bei Be- darf bei den zuständigen heimatlichen Behörden den Schutz des Familien- lebens nach Art. 8 EMRK (gegebenenfalls auf dem Rechtsweg) durchzu- setzen, selbst wenn das diesbezügliche Prozedere langwierig sein sollte. 11.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 12. 12.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf- grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me- dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 12.2 Weder im Iran (statt vieler Urteil des BVGer D-860/2020 vom 17. März 2020 E. 7.3.2) noch in Bosnien und Herzegowina (statt vieler Urteil des BVGer D-506/2020 vom 4. Februar 2020, E. 7.3.3) herrscht eine Situation D-2046/2019 Seite 16 von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rück- kehr generell unzumutbar wäre. Überdies hat der Bundesrat mit Beschluss vom 25. Oktober 2017 Bosnien und Herzegowina per 1. Januar 2018 als Heimat- oder Herkunftsstaat bezeichnet, i n den eine Rückkehr gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG und Art. 18 VVWAL (SR 142.281) in der Regel zumutbar ist. 12.3 Da die Beschwerdeführenden gemäss eigenen Angaben vor ihrer Ausreise im Iran lebten, wird vorab ein Wegweisungsvollzug in dieses Land geprüft. Die Beschwerdeführenden lebten vor ihrer Ausreise in der Stadt M._______, zusammen mit den (…) der Beschwerdeführerin und einem ihrer (…) (vgl. A6/11 Ziff. 1.17.04; A33/18 F16; A34/14 F43). Damit verfü- gen sie dort über ein bestehendes familiäres Beziehungsnetz. Vor ihrer Ausreise konnte die Beschwerdeführerin, welche über einen guten Schul- abschluss verfügt, von der Unterstützung ihrer (…) leben (vgl. A6/11 Ziff. 1.17.04 f.; A33/18 F16-24). Bei einer Rückkehr ist davon auszugehen, dass sie erneut auf finanzielle Unterstützung seitens ihrer (…) zurückgrei- fen kann, mithin nicht in wirtschaftliche Not geraten wird. Ferner ist es ihr – wie auch dem Beschwerdeführer, welcher über langjährige Berufserfah- rung als (…) auf dem (…) verfügt (vgl. A6/12 Ziff. 1.17.05; A34/14 F15-22) – zuzumuten, sich um eine Arbeit sstelle zu bemühen. Damit sollte ihnen der Aufbau einer neuen wirtschaftlichen Existenz möglich sein. Ausserdem leiden die Beschwerdeführenden (inklusive ihrer Kinder) den Akten zufolge an keinen nennenswerten gesundheitlichen Problemen (vgl. A6/11 Ziff. 8.02; A6/12 Ziff. 8.02; A34/14 F92-94; A33/18 F33-37). Etwas anderes wird in der Rechtsmitteleingabe auch nicht vorgebracht. 12.4 Darüber hinaus liegen auch keine individuellen Gründe vor, welche gegen einen Wegweisungsvollzug nach Bosnien und Herzegowina spre- chen und die erwähnte Regelvermutung umzustossen vermöchten. Der Beschwerdeführer lebte vor seiner Ausreise in der Stadt H._______, zu- sammen mit seiner (…) und seinem (…) (vgl. A6/12 Ziff. 3.01; A34/14 F23- 24). Damit verfügen die Beschwerdeführenden auch dort über ein beste- hendes familiäres Beziehungsnetz. Sodann war der Beschwerdeführer – wie bereits erwähnt – bis zur Ausreise als (…) auf dem (…) beruflich er- folgreich (vgl. A6/12 Ziff. 1.17.05; A34/14 F15-22), was ihm beim Aufbau einer neuen wirtschaftlichen Existenz entgegen kommen wird. Ferner sollte auch der Beschwerdeführerin aufgrund der zu erwartenden Unterstützung D-2046/2019 Seite 17 sowie ihrer guten Schulbildung eine wirtschaftliche Integration möglich sein. Hinsichtlich der Bedingungen und des Verfahrens für die Genehmigung ei- nes vorübergehenden Aufenthalts auf der Grundlage der Familienzusam- menführung wird vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (vgl. die Zusammenfassung der entsprechenden Erwägungen in E. 10.1 des vorliegenden Urteils). An die ser Einschätzung vermögen auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Unterlagen (vgl. Prozessge- schichte, Bst. E.) nichts zu ändern. Gemäss dem eingereichten Schreiben der bosnisch -herzegowinischen Botschaft in R._______ vom 25. April 2019 ist für den Erhalt eines nationalen Visums Typ D zugunsten der Be- schwerdeführerin – welches Voraussetzung für die spätere Beantragung eines vorübergehenden Aufenthaltes auf der Grundlage der Familienzu- sammenführung bildet – unter anderem eine Unterkunft in Bosnien und Herzegowina sowie ein finanzieller Nachweis (in Form eines regelmässi- gen Einkommens oder einer finanziellen Sicherheit) seitens des Beschwer- deführers erforderlich. Mit der Wohnung seiner (...) verfügt der Beschwer- deführer über eine Unterkunft im Heimatstaat. Sodann ist hinsichtlich der Erbringung des finanziellen Nachweises zunächst festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gemäss dem Schreiben der Steuerverwaltung der Re- publik I._______ vom 15. April 2019 zwar nachweislich über keine finanzi- ellen Vermögenswerte im Heimatstaat verfügt. Allerdings konnte er vor sei- ner Ausreise genügend finanzielle Mittel erwirtschaften, um damit über die Lebenshaltungskosten hinaus einen dreimonatigen Aufenthalt im Iran zu finanzieren (vgl. A6/12 Ziff. 2.05; A34/14 F30). Es ist davon auszugehen, dass dies auch weiterhin der Fall sein dürfte und die obgenannten Voraus- setzungen – entgegen der Beschwerde – in naher Zukunft erbracht werden dürften. Nach dem zuvor Dargelegten kann zwar eine kurzzeitige Trennung der Familie zwecks Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen nicht ausgeschlossen werden, daraus lässt sich aber kein Vollzugshindernis ab- leiten. 12.5 Sodann ist auch aus dem Kindeswohl gemäss Art. 3 des Übereinkom- mens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) kein Vollzugshindernis abzuleiten. Aufgrund des jungen Alters ([...] und [...]) sind die Kinder in erster Linie an ihren Eltern orientiert, sodass der Vollzug der Wegweisung auch unter dem Aspekt des Kindeswohls als zumutbar zu erachten ist. D-2046/2019 Seite 18 12.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 13. Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zuständi- gen Vertretung ihres jeweiligen Heimatstaates die für eine Rückkehr not- wendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der V ollzug der Wegw eisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 14. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu- figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 15. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 16. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde- führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und au f insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser Betrag ist mit dem am 27. Mai 2019 in glei- cher Höhe einbezahlten Kostenvorschuss zu begleichen. (Dispositiv nächste Seite) D-2046/2019 Seite 19 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden auferlegt. Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Be- zahlung der Verfahrenskosten verwendet. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto- nale Migrationsbehörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Simon Thurnheer Bettina Hofmann Versand: