Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 16. September 2014 (460 14 90) ____________________________________________________________________ Strafrecht Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richterin Helena Hess (Ref.), Richter Markus Mattle; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Erste Staatsanwältin, Grenzacherstrasse 8, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin B.____ , vertreten durch Advokatin Susanne Bertschi, Blumenrain 3, Post- fach, 4001 Basel, Privatklägerin A.____ , Privatkläger C.____ , Privatklägerin gegen D.____ , vertreten durch Advokat Fred M. Wagner, Eggstrasse 59, 4402 Frenkendorf, Beschuldigter Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Gegenstand Mehrfache, teilweise versuchte Vergewaltigung etc. (Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 18. September 2013) A. Mit Urteil vom 18. September 2013 erklärte das Stra fgericht Basel-Landschaft D.____ der Sachbeschädigung, des mehrfachen Führens eines Moto rfahrzeuges in fahrunfähigem Zu- stand, der versuchten Vereitelung von Massnahmen zu r Feststellung der Fahrunfähigkeit sowie der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln schuldi g und verurteilte ihn bei einer Probezeit von zwei Jahren zu einer bedingt vollziehbaren Geld strafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 90.-- sowie zu einer Busse von CHF 1'500.-- (bzw. zu eine r Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse); dies in Anwendung von Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 91 Abs. 1 SVG (in Verbindung mit Art. 55 Abs. 6 SVG und Art. 1 Abs. 2 der Verordnung der Bundesversammlung über Blutalkoholgrenzwerte im Str assenverkehr und teilweise in Verbin- dung mit Art. 19 Abs. 2 StGB), Art. 91a Abs. 1 SVG (in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 90 Ziff. 1 SVG (in Verbindung mit Art. 57 Abs. 5 lit. a SVG und Art. 3a Abs. 1 VRV), Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 SVG, 49 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB. Von der Anklage der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung, der versuchten Freiheitsberau- bung, der Tierquälerei und der Drohung wurde der Be schuldigte freigesprochen. Des Weiteren wurde D.____ bei seiner Anerkennung behaftet, B.___ _ CHF 34.95 als Schadenersatz für Wischblätter sowie der C.____ CHF 1'403.60 als Scha denersatz zu schulden. Die Mehrforde- rung von B.____ für Autoreparatur, Schadenersatz fü r Lohnausfall, Genugtuung und Parteient- schädigung wurde abgewiesen. Schliesslich wurde dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO von den Kosten des Vorverfahre ns von CHF 6'752.50 der Betrag von CHF 2'668.85 (Kosten der Polizei, Blut- und Urinpro ben, Arzt- und Gutachtenskosten sowie 10% der allgemeinen Verfahrenskosten) und von der p auschalen Gerichtsgebühr von CHF 8'000.-- der Betrag von CHF 800.-- auferlegt. D ie übrigen Verfahrenskosten im Umfang von CHF 4'083.65 betreffend die Kosten des Vorverfa hrens sowie CHF 7'200.-- betreffend die Urteilsgebühr gingen zu Lasten des Staates. Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nach- folgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erford erlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Entscheids eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaf t vom 18. September 2013 meldete die Staatsanwaltschaft mit Datum vom 1. Oktober 201 3 die Berufung an. In ihrer Berufungser- klärung vom 15. April 2014 stellte sie die folgende n Rechtsbegehren: Es sei im Fall 1 (Ziffer 1 der Anklageschrift) ein Schuldspruch gemäss Anklage zu fällen (Ziff. 1) und es sei eine teilbe- dingte Freiheitsstrafe auszusprechen, wobei zum Str afmass anlässlich der Berufungsverhand- lung Stellung genommen werde (Ziff. 2). Mit Schreib en vom 16. Juni 2014 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf das Einreichen einer Berufungsbegründung. C. Demgegenüber beantragte der Beschuldigte in seiner Berufungsantwort vom 1. Mai 2014 die Abweisung der Berufung und die Bestätigung des angefochtenen Urteils. D. Anlässlich der heutigen Verhandlung sind der Besch uldigte mit seinem Rechtsvertreter Advokat Fred M. Wagner sowie Eszter Tréfás als Vert reterin der Staatsanwaltschaft anwesend. Den Privatklägern wurde mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Straf- recht, vom 17. Juni 2014 das Erscheinen freigestell t. Auf die von den Anwesenden getätigten Ausführungen wird ebenfalls, soweit erforderlich, i m Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Erwägungen 1. Formelles / Verfahrensgegenstand 1.1 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgeric hts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung de r vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 li t. a EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlich er Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs . 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschl iesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und Ab s. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Er öffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 2 0 Tagen seit der Zustellung des be- gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklär ung einzureichen. Die Legitimation der Staatsanwaltschaft zur Ergreifung des Rechtsmittels schliesslich wird in Art. 381 Abs. 1 StPO normiert. Nachdem das angefochtene Urteil ein taugl iches Anfechtungsobjekt darstellt, die Staatsanwaltschaft berufungslegitimiert ist, eine zulässige Rüge erhebt und die Rechtsmittelfrist gewahrt hat sowie der Erklärungspflicht nachgekomme n ist, ist ohne Weiteres auf die Berufung einzutreten. 1.2 Aufgrund der Tatsache, dass lediglich die Staatsan waltschaft ein Rechtsmittel gegen das vorinstanzliche Urteil ergriffen hat und dieses aus drücklich nur gegen den Freispruch vom Vor- wurf der mehrfachen, teilweise versuchten Vergewalt igung, der sexuellen Nötigung und der versuchten Freiheitsberaubung gemäss Ziffer 1 der A nklageschrift richtet, sind auch nur diese Tatbestände und damit allenfalls im Zusammenhang st ehend die Strafzumessung sowie die Zivilforderungen der Privatklägerin B.____ Gegensta nd des vorliegenden Berufungsverfahrens. Nicht mehr zu beurteilen sind damit gestützt auf Ar t. 404 Abs. 1 StPO namentlich die Verurtei- lung wegen Sachbeschädigung (Ziffer 3 der Anklagesc hrift), mehrfachen Führens eines Motor- fahrzeuges in fahrunfähigem Zustand (Ziffer 5 und 6 der Anklageschrift), versuchter Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Ziffer 5 der Anklageschrift) und einfa- cher Verletzung von Verkehrsregeln (Ziffer 6 der An klageschrift) sowie der Freispruch vom Vorwurf der Tierquälerei (Ziffer 2 der Anklageschri ft) und der Drohung (Ziffer 4 der Anklage- schrift). 2. Stellungnahmen der Parteien 2.1 Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung ihrer Berufung im Wesentlichen aus, sie werfe der Vorinstanz eine falsche Beweiswürdigung, beruhend auf einer unrichtigen und unvoll- ständigen Feststellung des Sachverhaltes, vor. Inde m der Beschuldigte versucht habe, B.____ gegen deren Willen die zur Aufhebung der Fortbewegu ngsfreiheit geeigneten Handschellen mit Brachialgewalt anzulegen, um sie auf diese Weise an der Flucht vor seinen geplanten sexuellen Annäherungen zu hindern, habe er eine versuchte Fre iheitsberaubung begangen. Dass es sich dabei um sogenannte Spasshandschellen gehandelt habe, sei unerheblich, da sich auch solche Handschellen nicht mehr problemlos öffnen liessen, wenn sie einmal an beiden Handgelenken Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht angelegt seien. Überdies sei es nicht etwa dem frei willigen Ablassen des Beschuldigten von seinem Opfer, sondern dessen heftigen Gegenwehr zu verdanken, dass es lediglich beim Ver- such geblieben sei. Nachdem B.____ dem Beschuldigte n gegenüber klar geäussert habe, dass sie auf gar keinen Fall habe in Handschellen gelegt und von ihm habe in Ruhe gelassen werden wollen, habe dieser gewusst, dass er gegen ihren Wi llen gehandelt habe oder habe dies zu- mindest annehmen müssen. Den Tatbestand der versuchten Vergewaltigung erfülle er dadurch, dass er vor der Flucht von B.____ aus dem Haus nebs t den Handschellen mit dem Vibrator vor ihr erschienen sei und sich sein Vorsatz klarerweis e auf seine sexuelle Befriedigung gerichtet habe, welche im Beischlaf hätte kulminieren sollen. Der Beschuldigte habe das Opfer zu seiner sexuellen Befriedigung benutzen wollen, obwohl alle Zeichen eindeutig darauf hingedeutet hät- ten, dass B.____ sicher nicht mit ihm würde schlafe n wollen. Bezüglich des Tatbestandes der sexuellen Nötigung sei festzuhalten, dass der Besch uldigte nebst der Ausübung von körperli- cher Gewalt durch das Festhalten des Beines des Opf ers dieses durch die Missachtung ihres klar geäusserten Willens auch psychisch unter Druck gesetzt habe und in der Folge B.____ mit dem Vibrator an den äusseren Genitalien berührt und schliesslich ihre Scheide mit dem Vibrator seitenverkehrt penetriert habe. Der Beschuldigte habe überdies bereits anlässlich der vorgängi- gen tätlichen Auseinandersetzung körperliche Gewalt ausgeübt und B.____ nicht nur mit seinen Tritten und Schlägen, sondern auch mit seinem behar rlichen Verfolgen unter erheblichen psy- chischen Druck gesetzt. Der Beschuldigte habe zudem sehr genau gewusst oder habe zumin- dest annehmen müssen, dass das Opfer die sexuellen Handlungen nicht gewollt habe, trotz- dem habe er weiter gehandelt. Ausserdem habe er sein Ziel mit dem Festhalten des Beines des Opfers erreicht, womit die Kausalität zwischen der Nötigungshandlung und der sexuellen Hand- lung erfüllt sei. Hinsichtlich des Tatbestandes der Vergewaltigung sei zu bemerken, dass das Opfer im Verlaufe des Tatabends massive und völlig überraschende Gewalt erlebt habe und in deren Folge körperlich und seelisch vollkommen ersc höpft und nicht mehr im Stande gewesen sei, sich dem Ansinnen des Beschuldigten zu widerse tzen. Das Dulden des Geschlechtsver- kehrs sei nur aus diesem Grund erfolgt und nicht weil es plötzlich damit einverstanden gewesen sei. Es sei vollkommen unglaubwürdig, dass der Besc huldigte nicht wenigstens angenommen habe, dass B.____ den Beischlaf mit ihm nur aus Ang st vor weiteren Brutalitäten geduldet ha- be. Der Beschuldigte habe das Opfer am fraglichen A bend mit Schlägen gefügig machen wol- len, er habe versucht, es mit Handschellen widersta ndsunfähig zu machen, er habe gewaltsam dessen Bein gepackt und es mit dem Vibrator penetriert. Insofern habe der Beschuldigte sowohl Gewalt angewendet als auch das Opfer unter enormen psychischen Druck gesetzt, um sein Ziel zu erreichen. Dass es sich dabei nicht um Versöhnun gssex gehandelt habe, beweise die Tat- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht sache, wonach es nach dem Vorfall zu einer endgülti gen Trennung gekommen sei. Da der Be- schuldigte von Anfang an gewusst habe oder zumindest habe annehmen müssen, dass B.____ keinen Geschlechtsverkehr mit ihm gewollt habe, und sie gegen ihren mehrfach verbal und nonverbal geäusserten Willen trotzdem zum Beischlaf genötigt habe, habe er sich der vollende- ten Vergewaltigung schuldig gemacht. Der von B.____ am Morgen nach der Tat gesprochene Satz "Du hesch dir eifach Sex gno, ohni dass ichs ha welle" bedürfe keiner weiteren Erklärung. 2.2 Demgegenüber ist der Beschuldigte im Wesentlichen der Ansicht, die Situation habe sich nicht so dargestellt, wie sie nun von der Staatsanw altschaft geschildert werde. Dass die Privat- klägerin den Einsatz des Vibrators abgelehnt habe, bedeute nicht, dass sie per se auch den nachfolgenden Geschlechtsverkehr nicht gewollt habe . Es sei durchaus nicht aussergewöhn- lich, dass ein Paar zuerst Streit habe, sich dann w ieder versöhne und es schliesslich zum Sex komme. Das Paar sei seit Jahren zusammen gewesen un d in solchen Beziehungen sei es durchaus lebensnah, dass es zu Versöhnungssex gekom men sei. Das Sexspielzeug sei aus- serdem vom Paar zusammen gekauft worden und im Gebr auch davon könne kein Nötigungs- versuch gesehen werden. Der Beschuldigte habe mit dem Spielzeug lediglich versucht, die zwi- schenmenschlichen Probleme zu überwinden. Auch die Handschellen seien nur ein Spielzeug gewesen und zudem nur an einem Handgelenk übergestr eift worden. Der Beschuldigte hätte bereits aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit den Widerstand der Privatklägerin jederzeit unterdrücken können, wenn er dies denn gewollt hätte; stattdessen habe er sofort aufgehört, als sie ihn dazu aufgefordert habe. Auch der Vibrator h abe lediglich der Anregung gedient und sei sofort weggelegt worden, als dies nicht zum Erfolg geführt habe. Sowohl der Geschlechtsver- kehr als auch die Tätlichkeiten seien unbestritten, aber die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bezüglich der Vergewaltigung und der sexuellen Nöti gung seien nicht nachvollziehbar, nach- dem der Beschuldigte jeweils sofort aufgehört habe, wenn ihn die Privatklägerin dazu aufgefor- dert habe. Beim Geschlechtsverkehr habe sie keinen Widerstand erkennen lassen, und er habe dies fälschlicherweise als Freipass verstanden. Es sei nicht verständlich, weshalb die Privatklä- gerin nicht ein einziges Mal gesagt bzw. zu erkenne n gegeben habe, dass sie den Ge- schlechtsverkehr nicht gewollt habe, nachdem sie vo rher klar habe sagen können, dass sie die Handschellen und den Vibrator nicht gewollt habe. Es sei in diesem Zusammenhang festzustel- len, dass die Vorinstanz alle Zeugenaussagen sehr ausführlich gewürdigt habe. Bemerkenswert sei, dass die Privatklägerin monatelang keine Anzei ge gemacht habe und erst als ihr Auto be- schädigt worden sei, alles zusammen zur Anzeige geb racht habe. Des Weiteren sei nicht schlüssig, ob die Diagnose ihres Hausarztes überhau pt etwas mit dem angeblichen Vorfall zu Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht tun habe, nachdem sie diesem offenbar nicht einmal davon erzählt habe und Erschöpfungszu- stände generell nicht selten vorkämen. Aussergewöhnlich sei auch, dass A.____ zum Zeitpunkt des angeblichen Vorfalls unmittelbar vor Ort gewese n und zudem bereits emotional in die Sa- che involviert gewesen sei und sicherlich sofort eingegriffen hätte, wenn sie ihn zu Hilfe gerufen hätte. Unter Berücksichtigung aller Umstände habe d er Beschuldigte davon ausgehen dürfen, dass die Privatklägerin damals mit dem Geschlechtsv erkehr einverstanden gewesen sei. Seine später erfolgte Entschuldigung sei nicht auf die an gebliche Vergewaltigung bezogen gewesen, sondern auf die ganzen Geschehnisse des für alle Be teiligten sehr belastenden Abends. Der Beschuldigte sei in der Beziehung nicht dominant ge wesen, womit auch keine Veranlassung bestanden habe, dies ausgerechnet an jenem Abend zu tun. Ungeachtet dessen, dass er sicher der Kräftigere gewesen sei, habe er jeweils die Anw eisungen der Privatklägerin befolgt. Er komme heute auch ohne professionelle Hilfe gut zu r echt mit dem Alkohol. Selbst als er früher noch viel Alkohol konsumiert habe, sei er nie als gewalttätig wahrgenommen worden. 3. Tatbestand der versuchten Freiheitsberaubung (er ster Handlungsstrang) 3.1 Nach Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB wird m it Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden unrechtmässi g festnimmt oder gefangen hält oder je- mandem in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht. Geschütztes Rechtsgut ist die körperliche Fortbewegungsfreiheit einer Person, wob ei es bei der Freiheitsberaubung um die unrechtmässige Festsetzung des Opfers geht, d.h. es wird ihm die Möglichkeit entzogen, sich von einem bestimmten Ort fortzubewegen. Festnahme ist die Eingrenzung des Opfers an einem Ort und bedeutet die Aufhebung seiner Fortbewegungs freiheit. Gefangenhalten bedeutet das Aufrechterhalten eines Zustandes, in welchem das Op fer seiner Fortbewegungsfreiheit bereits beraubt ist. Die vom Täter für die Freiheitsberaubung einsetzten Mittel sind nicht eingeschränkt, denkbar sind Gewalt, mechanische und psychische Mittel etc. Die völlige Aufhebung der Bewe- gungsfreiheit ist für die Tatbestandsmässigkeit nic ht vorausgesetzt. Abgrenzungskriterium ist die physische oder psychische Unmöglichkeit der Fortbewegung. Bloss vorübergehende Hinde- rung an der freien Fortbewegung gegen den Willen de s Betroffenen stellt keine tatbestands- mässige Freiheitsberaubung dar, in der Praxis wird eine gewisse Intensität und Dauer verlangt. Was die Anforderungen an die Dauer betrifft, ist hi ngegen die Festlegung einer Grenze weder möglich noch sinnvoll. Eine blosse Erschwerung der Fortbewegung, z.B. durch die Wegnahme des Fortbewegungsmittels, genügt ebenfalls nicht. S ubjektiv ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht gefordert. Der Vorsatz des Täters muss sich nicht n ur auf den Freiheitsentzug, sondern auch auf die Unrechtmässigkeit als objektives Tatbestand smerkmal richten; fahrlässige Freiheitsbe- raubung erfüllt den Straftatbestand nicht (V ERA DELNON /B ERNHARD RÜDY , in: Basler Kommen- tar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 5, 10 , 20, 35 ff. zu Art. 183 StGB; mit zahlreichen Hinweisen). 3.2 Im vorliegenden Fall wird der inkriminierte Sachver halt in der Anklageschrift der Staats- anwaltschaft vom 1. März 2013 dahingehend umschrieb en, dass der Beschuldigte versucht habe, der zu diesem Zeitpunkt zusammengekrümmt auf der Matratze liegenden Privatklägerin die Handschellen anzulegen, um ihre Bewegungsfreihe it in unrechtmässiger Weise und gegen ihren Willen aufzuheben und somit leichter zu seine m Ziel zu kommen, mit B.____ den Bei- schlaf zu vollziehen. Es sei ihm gelungen, eines von B.____s Handgelenken in Handschellen zu legen, diese habe jedoch mit aller Kraft heftige Ge genwehr geleistet. Aus der erstinstanzlichen Verhandlung wird sodann erhellt, dass es sich bei d en zur Diskussion stehenden Handschellen offenbar um pinke Plüschhandschellen gehandelt hat (act. 1173, 1195). Nachdem sich aus den Akten diesbezüglich keine gegenteiligen Hinweise er geben, namentlich sind keine Bilder oder Beschreibungen zu den fraglichen Handschellen akten kundig, ist somit davon auszugehen, dass der Beschuldigte versucht hat, sogenannte Spas shandschellen als eine Art erotisches Spielzeug einzusetzen und nicht Handschellen im eigentlichen Sinne. Solche Plüschhandschel- len sind jedoch bereits von ihrer Bestimmung her ni cht geeignet, eine Person in ihrer körperli- chen Fortbewegungsfreiheit wirksam einzuschränken. Da praxisgemäss eine gewisse Intensität und Dauer für die Erfüllung des Tatbestandes verlan gt werden und weder eine bloss vorüber- gehende Hinderung an der freien Fortbewegung gegen den Willen des Betroffenen noch eine blosse Erschwerung der Fortbewegung hierfür genügen , wäre selbst dann, wenn es dem Be- schuldigten gelungen wäre, der Privatklägerin gegen deren Willen mit den Plüschhandschellen beide Hände zu fesseln, der objektive Tatbestand ni cht erfüllt, weil diese auch in dieser Situati- on ohne Weiteres in der Lage gewesen wäre, sich vom Ort des Geschehens zu entfernen. In diesem Zusammenhang hat die Privatklägerin in der U ntersuchung ausgeführt, der Beschuldig- te habe versucht, ihr die Handschellen anzulegen, s ie habe ihre Arme jeweils weggedreht und sei irgendwann aufgestanden und aus dem Haus gelaufen (act. 311). Die Privatklägerin ist also tatsächlich jederzeit fähig gewesen, einfach wegzug ehen. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte in casu unbestrittenermassen die Handschellen ledig lich um ein Handgelenk gelegt hat und es der Privatklägerin offenbar auch problemlos möglich gewesen ist, diese eigenständig und ohne Behinderung durch den Beschuldigten mit Hilfe eines angebrachten Hebels (act. 1199) zu ent- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht fernen. Gemäss diesen Erwägungen fehlt es somit ber eits auf der objektiven Tatbestandsseite an einem geeigneten Tatmittel. Darüber hinaus liege n nach Einschätzung des Kantonsgerichts keine Hinweise darauf vor, dass sich der Vorsatz de s Beschuldigten auf den Freiheitsentzug von B.____ im Hinblick auf den nachfolgenden Geschl echtsverkehr gerichtet hat, vielmehr hat er ganz offensichtlich die damalige Gemütslage der Privatklägerin nach dem Streit verkannt und relativ plump versucht, diese zunächst mit den Plüs chhandschellen und danach mit dem Vibra- tor zum Sex zu animieren. Insofern hat der Beschuld igte entgegen der Ansicht der Staatsan- waltschaft nicht gegen den offensichtlich erkennbar en Willen von B.____ versucht, dieser im Hinblick auf den Beischlaf mit Gewalt die Handschel len anzulegen. Vielmehr hat er mit Unter- stützung verschiedener sexueller Hilfsmittel versuc ht, seine sexuellen Absichten mit der Privat- klägerin als seiner Freundin in die Tat umzusetzen, wobei er aber mit seinem erfolglosen Vor- haben dann aufgehört hat, als sich diese aktiv dage gen zur Wehr gesetzt hat. In diesem Kon- text hat denn auch die Privatklägerin selbst die Si tuation wie in einem schlechten Sexfilm ein- geschätzt (act. 253) und nicht als Gefahr für ihre körperliche Fortbewegungsfreiheit. Wäre es dem Beschuldigten tatsächlich darum gegangen, die B ewegungsfreiheit der Privatklägerin auf- zuheben, um mit ihr den Beischlaf vollziehen zu kön nen, hätte er hierfür im Übrigen keine Ver- anlassung gehabt, Plüschhandschellen einzusetzen, da er sie zweifellos bereits aufgrund seiner deutlichen körperlichen Überlegenheit hätte festhalten können. Demnach ist auch der subjektive Tatbestand von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht e rfüllt und der Beschuldigte ist in Bestätigung des angefochtenen Urteils und dementsprechend in Ab weisung der diesbezüglichen Berufung der Staatsanwaltschaft vom Vorwurf der versuchten Freiheitsberaubung freizusprechen. 4. Tatbestand der versuchten Vergewaltigung (erster Handlungsstrang) 4.1 Nach Art. 190 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft, wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter ps ychischen Druck setzt oder zum Wider- stand unfähig macht. Praxisgemäss liegt Gewalt dann vor, wenn auf das Opfer mit chemisch oder physikalisch fassbaren Mitteln eingewirkt oder physisch in seine Rechtssphäre eingegriffen wird. Dabei schaltet der Täter entweder den Widerst and des Opfers aus oder verhindert eine allfällige Gegenwehr, bevor das Opfer reagieren kann. Eine gewisse Einwirkung auf den Körper des Opfers ist erforderlich, wobei die notwendige I ntensität nach relativen Kriterien zu bestim- men ist. Keine Rolle spielt, ob das Opfer Widerstan d leistet und dieser allenfalls gebrochen Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht wird. Drohung ist ihrem Wesen nach kompulsive Gewal t, da das Opfer in seiner Willensent- schliessung durch den Täter beeinflusst wird. Sie i st kaum vom Tatbestandsmerkmal des psy- chischen Drucks abgrenzbar. Der Drohende muss tatsächlich oder jedenfalls nach den Befürch- tungen des Bedrohten Herr des Geschehens sein und d ie Herbeiführung oder Verhinderung des angekündigten Übels muss tatsächlich oder schei nbar in seiner Macht stehen. Keine Rolle spielt, ob der Täter die Drohung wahrmachen kann oder will, solange das Opfer davon ausgeht, er meine es ernst. Ob eine Drohung vorliegt, ist immer nach den gesamten Umständen zu beur- teilen. Die Freiheit des Opfers muss derart eingesc hränkt werden, dass keine andere Möglich- keit auszumachen ist, als dem Willen des Täters zu gehorchen. Inhalt und Tragweite des Be- griffs des Unter-psychischen-Druck-Setzens sind ums tritten, ein namhafter Teil der Lehre lehnt das Tatbestandsmerkmal als solches ab. Praxisgemäss ist psychischer Druck gegeben, wenn sich die tatbestandsmässige Ausweglosigkeit der Sit uation ergibt, ohne dass der Täter eigentli- che Gewalt anwendet und dem Opfer ein Widersetzen n icht zugemutet werden kann. Die Tat- bestandsmässigkeit setzt grundsätzlich voraus, dass das Nachgeben des Opfers unter den konkreten Umständen als verständlich erscheint, wob ei die Beurteilung aufgrund einer Würdi- gung aller relevanten Umstände erfolgen muss. Erwac hsenen mit entsprechenden individuellen Fähigkeiten ist eine stärkere Gegenwehr zuzumuten a ls Kindern. Nicht jeder beliebige Zwang, nicht schon jedes den Handlungserfolg bewirkende ka usale Verhalten, auf Grund dessen es zu einem ungewollten Geschlechtsverkehr, zu einer beis chlafsähnlichen oder einer anderen sexu- ellen Handlung kommt, ist tatbestandsmässig. So gen ügt beispielsweise auch das Ausnützen allgemeiner Abhängigkeits- oder Freundschaftsverhältnisse für sich genommen nicht, um einen relevanten psychischen Druck im Sinne von Art. 189 Abs. 1 und Art. 190 Abs. 1 StGB zu be- gründen. Obschon auch diesbezüglich die Opfer einer seelischen Belastung ausgesetzt wer- den, wird die für die Sexualgewaltdelikte erforderl iche Intensität nicht erreicht. Hinsichtlich des Tatmittels Zum-Widerstand-unfähig-Machen ergibt sic h bereits aus den Materialien, dass für deren Anwendung kaum noch Möglichkeiten übrigbleibe n. Beischlaf wird definiert als eine Ver- einigung des männlichen und weiblichen Geschlechtst eils; das Einführen des Glieds in den Scheidenvorhof reicht aus, es spielt aber keine Rol le, ob es zu einer Ejakulation kommt. Die Tatmittel und der Beischlaf werden durch das ungesc hriebene Tatbestandsmerkmal der Kausa- lität verknüpft. Beim Tatbestand der Vergewaltigung handelt es sich um ein schlichtes Tätig- keitsdelikt, da der Versuch solange unvollendet ble ibt, bis es zur Vereinigung der Geschlechts- teile kommt. Auf der subjektiven Seite ist vorsätzl iches Handeln erforderlich, das sich auf die Tatbestandsmerkmale der Nötigung, des Beischlafs un d der Kausalität beziehen muss, wobei Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Eventualvorsatz genügt (P HILIPP MAIER , in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 19 ff. zu Art. 189 StGB und N 6 ff. zu Art. 190 StGB; mit zahlreichen Hinweisen). 4.2 Hinsichtlich des Tatbestandes der versuchten Verge waltigung im ersten Handlungsstrang wirft die Anklage dem Beschuldigten konkret vor, er sei vor der Flucht von B.____ aus dem Haus nebst den Handschellen mit dem Vibrator vor ih r erschienen und sein Vorsatz habe sich klarerweise auf seine sexuelle Befriedigung gericht et, welche im Beischlaf hätte kulminieren sollen, obwohl alle Zeichen eindeutig darauf hinged eutet hätten, dass B.____ sicher nicht mit ihm würde schlafen wollen. Diesbezüglich geht das K antonsgericht zunächst sowohl mit den Ausführungen der Staatsanwaltschaft als auch denjen igen der Vorinstanz einig, wonach der Beschuldigte beim Anlegen der Handschellen und beim Herumhantieren mit dem Vibrator zwei- fellos sexuelle Absichten gehegt hat. Sodann hat di e Vorinstanz jedoch entgegen der Ansicht der Anklage zu Recht erkannt (vgl. E 3.6.3c S. 43 f .), dass es bezüglich dieses Tatvorwurfs auf der objektiven Tatbestandsseite am vorausgesetzten Nötigungsmittel fehlt, nachdem das Vor- liegen des Tatbestandes der versuchten Freiheitsber aubung gemäss den vorstehenden Erwä- gungen zu verneinen ist (vgl. oben E. 3.2) und ein anderes Nötigungsmittel nicht Gegenstand der Anklage bildet. Insofern scheitert dieser Tatvo rwurf ebenfalls bereits am fehlenden Nöti- gungsmittel, womit es sich erübrigt, zu prüfen, ob die Kausalität zwischen Tatmittel und Tater- folg als weiteres Tatbestandsmerkmal auf der objektiven Tatbestandsseite zu bejahen gewesen wäre. Hinzuweisen ist an dieser Stelle jedoch darau f, dass wie bei der Anklage der versuchten Freiheitsberaubung konsequenterweise auch hier kein e Hinweise auf einen Vorsatz des Be- schuldigten auf einen Freiheitsentzug der Privatklä gerin im Hinblick auf einen Geschlechtsver- kehr zu erkennen sind. Demzufolge ist der subjektiv e Tatbestand von Art. 190 Abs. 1 StGB ebenfalls nicht erfüllt, und der Beschuldigte ist i n Bestätigung des angefochtenen Urteils und dementsprechend in Abweisung der diesbezüglichen Be rufung der Staatsanwaltschaft vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung freizusprechen. 5. Tatbestand der sexuellen Nötigung und der Vergew altigung (zweiter Handlungs- strang) 5.1 In Anwendung von Art. 189 Abs. 1 StGB wird mit Frei heitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer eine Person zur Duldung ei ner beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psy- Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht chischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig ma cht. Wie bereits vorgängig zum Tatbe- stand der Vergewaltigung ausgeführt (oben E. 4.1), kommen auch bei der sexuellen Nötigung als Tatmittel Gewalt, Drohung, Unter-psychischen-Dr uck-Setzen sowie Zum-Widerstand- unfähig-Machen in Frage. Tathandlungen sind beischl afsähnliche oder andere sexuelle Hand- lungen. Als beischlafsähnliche Handlungen gelten so lche Verhaltensweisen, bei denen das pri- märe Geschlechtsteil einer der beteiligten Personen mit dem Körper der anderen Person in en- ge Berührung kommt. Sexuelle Handlungen stellen unter anderem orale und anale Penetration, Einführen von Gegenständen in Vagina oder Anus, Reiben oder Berühren des Geschlechtsteils, aber auch Zungenküsse dar. Die Tatmittel (Gewalt, D rohung, psychischer Druck etc.) und der Taterfolg (sexuelle Handlung oder Beischlafshandlun g) werden durch das ungeschriebene Tat- bestandsmerkmal der Kausalität verknüpft. Der Täter muss das Nötigungsmittel einsetzen, um die Duldung oder Vornahme der sexuellen Handlung bzw. Beischlafshandlung zu erzwingen. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei nicht das Tatmi ttel an sich, sondern ob das Tatmittel der Erzwingung der sexuellen Handlung objektiv diente u nd nach Vorstellung des Täters auch die- nen sollte. Auf der subjektiven Seite wird Vorsatz bezüglich aller Tatbestandselemente verlangt. Der Täter muss um die Bedeutung des auf- bzw. abgen ötigten Verhaltens wissen, wozu auch gehört, dass er zumindest in Kauf genommen hat, sic h über den entgegen stehenden Willen des Opfers hinwegzusetzen (MAIER , a.a.O., N 48 ff. zu Art. 189 StGB, mit Hinweisen). 5.2 Bei der konkreten Würdigung des inkriminierten Sach verhalts ist in einem Fall wie dem vorliegenden, in welchem es um den Vorwurf der sexu ellen Gewalt in einer Partnerschaft geht, zunächst von Bedeutung, dass zwischen sozial wünsch barem Verhalten einerseits und strafba- rem Verhalten andererseits klar zu unterscheiden is t. Bereits die Vorinstanz hat zu Recht fest- gestellt, dass Sex, der nicht mit Freude geschehe, nicht gleichzusetzen sei mit Sex, der gegen den Willen der Betroffenen erfolge (vgl. E. 3.6.3c S. 44). Zu ergänzen ist diesbezüglich aller- dings, dass auch Sex, der gegen den Willen der Betr offenen erfolgt, noch nicht zwingend eine strafbare Handlung darstellt. Sowohl beim Tatbestan d der sexuellen Nötigung als auch bei demjenigen der Vergewaltigung sind dafür auf der objektiven Tatbestandsseite ein Tatmittel wie Gewalt, Drohung, Unter-psychischen-Druck-Setzen ode r Zum-Widerstand-unfähig-Machen so- wie das Tatbestandsmerkmal der Kausalität zwischen Tatmittel und Taterfolg Voraussetzung. In casu hat sich der Beschuldigte bezüglich des ihm im zweiten Handlungsstrang vorgeworfenen Verhaltens zweifelsohne nicht so aufgeführt, wie das in einer zwischenmenschlichen Beziehung aus moralischer und ethischer Perspektive zu erwart en wäre, er hat dabei aber nach Einschät- zung des Kantonsgerichts die Grenze zur Strafbarkei t nicht überschritten, was sich wie folgt Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht begründet: Hinsichtlich des Tatbestandes der sexuel len Nötigung wird dem Beschuldigten im Wesentlichen zur Last gelegt, er habe nebst der Aus übung von körperlicher Gewalt durch das Festhalten des Beines des Opfers dieses auch durch die Missachtung seines klar geäusserten Willens psychisch unter Druck gesetzt und in der Fo lge B.____ mit dem Vibrator an den äusse- ren Genitalien berührt und schliesslich ihre Scheid e mit dem Vibrator seitenverkehrt penetriert. Als Nötigungsmittel kommt bei diesem Tatvorwurf nur dasjenige der Gewalt ernsthaft in Be- tracht. Vom Beschuldigten wird in diesem Zusammenha ng nicht bestritten, dass er die Scheide der Privatklägerin mit dem Vibrator penetriert und dabei deren Bein festgehalten hat. Allein die- se Verhaltensweise führt aber mangels erforderliche r Intensität noch nicht dazu, dass das Vor- liegen des Tatmittels der Gewalt unter den konkrete n Umständen zu bejahen wäre. Da nicht bekannt ist, wo genau, wie fest und wie lange der B eschuldigte tatsächlich zugepackt hat, ist nicht erstellt, dass das Mass an körperlicher Kraft entfaltung, welches notwendig ist, um sich über die entgegenstehende Willensbetätigung der Pri vatklägerin hinwegzusetzen, tatsächlich vorgelegen hat (vgl. BGer 6B_834/2013 vom 14. Juli 2014 E. 2.1). Das Kantonsgericht geht zudem aufgrund der Beweislage davon aus, dass die P rivatklägerin trotz des einen festgehalte- nen Beines durchaus über das einmalige verbale Abwehren mit den Worten, sie wolle das nicht, in der Lage gewesen wäre, ihren Widerstand zu manif estieren und sich zu wehren, so wie sie sich den ganzen Abend hindurch im Verlaufe des Stre ites hat wehren können, sei es verstärkt verbal oder durch tatkräftige Handlungen. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte den An- weisungen der Privatklägerin auch ohne Weiteres gef olgt ist, als diese ihm untersagt hat, die Plüschhandschellen mit nach oben zu nehmen. In diesem Kontext ist denn auch von Seiten der Privatklägerin anerkannt, dass der Beschuldigte – a llenfalls zeitlich etwas verzögert – aufgehört hat, mit dem Vibrator zu hantieren, nachdem sie ihm gesagt hat, dass sie das nicht wolle. Die von der Privatklägerin geäusserte generelle Befürch tung vor einer allfälligen Verletzung, falls sie sich wehre, stellt für das Kantonsgericht ledig lich eine nicht abgestützte Vermutung dar, da weder Verletzungen nach den inkriminierten Vorkommn issen dokumentiert sind noch Hinweise darauf existieren, dass der Beschuldigte die Privat klägerin in der Vergangenheit je einmal ver- letzt hätte. Die von der Privatklägerin ebenfalls beschriebene konkrete Angst vor einer allfälligen Verletzung im Zusammenhang mit dem Einführen des Vi brators in ihre Scheide ist theoretisch zwar nachvollziehbar, kann aber praktisch bereits d eshalb nicht auf ihre Stichhaltigkeit geprüft werden, weil keine gesicherten Erkenntnisse zur Grö sse und Form des fraglichen Vibrators be- stehen; immerhin hat es sich offenbar gemäss ihren Aussagen um eine kleine Ausführung ge- handelt (act. 321). Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Bezüglich des von der Staatsanwaltschaft geltend ge machten Tatmittels des psychischen Drucks ist des Weiteren festzuhalten, dass die blosse Missachtung des (im Zusammenhang mit dem Vibrator einmal geäusserten) Willens keinesfall s einen von der Praxis geforderten mass- geblichen psychischen Druck zu erzeugen vermag. Vie lmehr stellt der psychische Druck dog- matisch das Nötigungsmittel dar, mit welchem der entgegenstehende Willen durchbrochen wird. Es ist ausserdem in Erinnerung zu rufen, dass es fü r einen psychischen Druck stets eine tatsi- tuative Zwangslage braucht und das Opfer zum Tatzei tpunkt keine zumutbaren Selbstschutz- massnahmen mehr haben darf. In casu hat die Privatk lägerin jedoch dem Beschuldigten ledig- lich einmal gesagt, dass er mit dem Vibrator aufhören solle (act. 319), danach hat sie gegen die folgenden sexuellen Handlungen keinerlei Widerstand mehr erkennen lassen. Dabei wäre ein körperlicher Widerstand oder das Rufen um Hilfe ang esichts des nur gerade ein Stockwerk tie- fer anwesenden A.____s keinesfalls vergeblich bzw. mit unverhältnismässigem Aufwand ver- bunden gewesen. Somit fehlt es auch bei der Anklage der sexuellen Nötigung am tatbeständli- chen Nötigungsmittel. Unter diesen Umständen kann w iederum offengelassen werden, ob die Kausalität zwischen einem allfällig vorliegenden Nö tigungsmittel und dem Taterfolg zu bejahen gewesen wäre und es ist zu erkennen, dass der objek tive Tatbestand nicht erfüllt ist. Gleiches muss im Ergebnis auch für den subjektiven Tatbestan d gelten. Zwar ist nicht erstellt, wann der Beschuldigte den Vibrator weggelegt hat, zumindest in dubio ist aber gesichert, dass er ihn entweder auf Geheiss der Privatklägerin zur Seite gelegt oder nachdem er festgestellt hat, dass er damit die Privatklägerin nicht in sexuelle Stimm ung hat bringen können. Beide Varianten deuten im Resultat nicht auf einen Vorsatz zu einem sexuellen Gewaltdelikt hin. Vielmehr geht das Kantonsgericht auch hier wie bereits in den Erw ägungen zur versuchten Freiheitsberau- bung (vgl. oben E. 3.2) davon aus, dass der Beschul digte ganz offensichtlich die damalige Ge- mütslage der Privatklägerin nach dem Streit verkann t und relativ plump versucht hat, diese zu- nächst mit den Plüschhandschellen und danach mit de m Vibrator zum Sex zu animieren. Dem- zufolge ist das angefochtene Urteil in Abweisung de r entsprechenden Berufung der Staatsan- waltschaft auch im Hinblick auf den Freispruch vom Vorwurf der sexuellen Nötigung zu bestäti- gen. 5.3 Bezüglich der theoretischen Erwägungen zum Tatbest and der Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB wird an dieser Stelle auf die bereits erfolgten Ausführungen hinsichtlich des ersten Handlungsstranges (oben E. 4.1) verwiesen. Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4 In casu ist unbestritten, dass es zwischen der Pr ivatklägerin und dem Beschuldigten in der Nacht vom 27. auf den 28. April 2008 zum Geschl echtsverkehr gekommen ist; fraglich ist hingegen, ob es sich dabei um eine Vergewaltigung i m Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB gehan- delt hat. Dass die Privatklägerin den Sex mit dem B eschuldigten zu jenem Zeitpunkt offenbar nicht gewollt hat, bedeutet nicht per se, dass dami t eine tatbestandsmässige Vergewaltigung vorliegt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten im Wesentlichen vor, die Privatklägerin habe den Geschlechtsverkehr lediglich deshalb gedul det, weil sie im Verlaufe des Tatabends massive und völlig überraschende Gewalt erlebt habe und in deren Folge körperlich und see- lisch vollkommen erschöpft und nicht mehr im Stande gewesen sei, sich dessen Ansinnen zu widersetzen. Als Nötigungsmittel steht damit einzig dasjenige des Unter-psychischen-Druck- Setzens zur Debatte. Praxisgemäss ist psychischer D ruck gegeben, wenn sich die tatbe- standsmässige Ausweglosigkeit der Situation ergibt, ohne dass der Täter eigentliche Gewalt anwendet und dem Opfer ein Widersetzen nicht zugemu tet werden kann, wobei die Tatbe- standsmässigkeit grundsätzlich voraussetzt, dass das Nachgeben des Opfers unter den konkre- ten Umständen als verständlich erscheint. Erwachsen en mit entsprechenden individuellen Fä- higkeiten ist eine stärkere Gegenwehr zuzumuten als Kindern und nicht jeder beliebige Zwang und nicht jedes den Handlungserfolg bewirkende kaus ale Verhalten, auf Grund dessen es zu einem ungewollten Geschlechtsverkehr kommt, ist tatbestandsmässig. Vorliegend hat die Privatklägerin zwar ausgeführt, sie habe den Geschlechtsverkehr nicht ge- wollt und sei dann einfach neben ihrem Körper gewes en bzw. sie habe wie ein Stück Fleisch auf dem Bett gelegen (act. 313, 317). Andererseits steht es fraglos fest, dass sie sich weder verbal noch sonst in irgendeiner Art gegen den Gesc hlechtsverkehr zur Wehr gesetzt hat (act. 313, 317, 1193). Entgegen der Ansicht der Sta atsanwaltschaft geht das Kantonsgericht nicht davon aus, dass für die Privatklägerin eine a uswegslose Situation im Sinne der Recht- sprechung vorgelegen hat und ihr ein Widersetzen ni cht mehr hätte zugemutet werden können. Die ursprünglich auf dem Hintergrund von sexuellem Kindsmissbrauch entwickelte Praxis zum psychischen Druck gilt zwar auch im Erwachsenenstra frecht, allerdings nicht generell und un- besehen, namentlich ist das bei der sexuellen Ausbe utung von Kindern zu berücksichtigende Gefälle zwischen Opfer und Täter bei Erwachsenen di fferenziert zu gewichten. In casu ist nicht dargelegt, dass in der Beziehung zwischen der Priva tklägerin und dem Beschuldigten eine fort- laufende Drangsalierung oder ein anhaltender Psycho terror ausgehend vom Beschuldigten stattgefunden und dies zu einem verständlichen Nach geben der Privatklägerin in der konkreten Situation geführt hätte. Vielmehr sprechen alle Anh altspunkte dafür, dass es sich bei der Part- Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht nerschaft der beiden um eine solche auf Augenhöhe g ehandelt hat, womit keine Rede sein kann von einem eigentlichen Machtgefälle zu Lasten der Privatklägerin. Von daher erschliesst sich dem Kantonsgericht nicht, inwiefern es der Pri vatklägerin bei vorliegendem Tatvorwurf nicht mehr möglich gewesen sein sollte, sich zu ver teidigen. Genauso wie sie sich zuvor bei den Anklagepunkten der versuchten Freiheitsberaubun g, der versuchten Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung entweder verbal oder durch i hr Verhalten hat wehren können, hätte sie in dieser Situation mehrere Optionen gehabt, den Be schuldigten von seinem Vorhaben abzu- bringen, angefangen mit einem einfachen, jedoch exp liziten "nein". Immerhin hat die Privatklä- gerin mit ihrer jeweiligen verbalen oder tatkräftigen Gegenwehr bei den übrigen Anklagepunkten den Beschuldigten jeweils dazu gebracht, seine ents prechende Absicht zu verwerfen, sei es im Hinblick auf die Handschellen oder sei es – allenfa lls mit Verzögerung – beim Einsatz des Vib- rators. In casu hat die Privatklägerin jedoch schli cht darauf verzichtet, ihren Widerwillen nach aussen kundzutun, ohne dass sie in einem Zustand ge wesen wäre, in welchem ihr dies verun- möglicht gewesen wäre. Nebst einer verbalen Gegenwe hr hätte die Privatklägerin auch einfach davongehen oder zumindest den ein Stockwerk tiefer anwesenden A.____ um Hilfe rufen kön- nen. Dass sie dies nicht getan hat, lag nicht an de r Zumutbarkeit, sondern an ihrem Willen. So hat sie gemäss ihren Aussagen vor dem Strafgericht deswegen nicht um Hilfe gerufen, weil sie sich geschämt habe, die Situation nicht unter Kontr olle zu haben (act. 1197). Was das von der Anklage ins Feld geführte beharrliche Verfolgen bet rifft, ist zunächst festzustellen, dass sich dem Kantonsgericht nicht eindeutig erschliesst, was darunter zu verstehen ist. Wenn die Staatsanwaltschaft damit meint, der Beschuldigte habe an jenem Abend seine Partnerin so lan- ge bearbeitet, bis diese sozusagen den Geschlechtsv erkehr über sich hat ergehen lassen, ist darauf hinzuweisen, dass diese Vorgehensweise unter Partnern auf Augenhöhe allenfalls einen moralischen Druck hat erzeugen können, aber sicherl ich nicht einen massgeblichen psychi- schen Druck in strafrechtlicher Hinsicht. Selbst wenn das Nötigungsmittel des Unter-psychischen-Druck-Setzens zu bejahen wäre – was aber ausdrücklich verneint wird – müsste der Beschu ldigte in einem weiteren Schritt im Sinne der Kausalität das Nötigungsmittel eingesetzt haben , um die Duldung der Beischlafshandlung zu erzwingen. In casu hat zweifellos eine tätliche Auseinandersetzung im Vorfeld stattgefunden, diese hatte aber nicht den Zweck, die Privatklägerin für den nachfolgenden Geschlechtsverkehr gefügig zu machen. Insofern sind denn auch keine Hi nweise ersichtlich, dass der Beschuldigte den Streit angezettelt hätte, um die Privatklägerin damit bewusst zu zermürben und zum Ge- schlechtsverkehr zu zwingen. Ganz offensichtlich hat der Streit seinen Ursprung in Beziehungs- Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht fragen und Eifersüchteleien gehabt und damit keiner lei Zusammenhang zum später tatsächlich erfolgten Beischlaf aufgewiesen. Lediglich die Tats ache, dass der Geschlechtsverkehr auf die tätliche Auseinandersetzung in zeitlicher Hinsicht gefolgt ist, vermag noch keine Kausalität her- zustellen. Damit fehlt es neben dem Nötigungsmittel auch an der Kausalität zwischen Tatmittel und Taterfolg. Des Weiteren ist auch der subjektive Tatbestand, wonach der (Eventual-)Vorsatz bezüglich aller Tatbestandselemente verlangt wird, nicht gegeben. Der Beschuldigte hat zwar erkannt, dass die Privatklägerin beim Geschlechtsve rkehr nicht gerade begeistert gewesen sei, was indes aus strafrechtlicher Sicht ohne Relevanz ist. Gemäss übereinstimmenden Aussagen der beiden Involvierten hat es in ihrer langjährige n Beziehung viel Streit, Trennungen und auch beidseitige Seitensprünge gegeben. In einer solchen von Höhen und Tiefen begleiteten Bezie- hung erscheint es für das Kantonsgericht durchaus l ebensnah, dass es nach einem Streit zu Versöhnungssex gekommen ist. Diesbezüglich hat die Privatklägerin vor Strafgericht ausge- sagt, dass Versöhnungssex nach Streitereien zwar ni cht üblich gewesen sei, sie hat dies aber auch nicht explizit ausgeschlossen (act. 1201). Ebe nso bedeutet der Umstand, wonach sie den Einsatz des Vibrators abgelehnt hat, nicht automati sch, dass sie sich auch jeglichen anderen sexuellen Handlungen gegenüber verschlossen hat. Na chdem die Privatklägerin unzweifelhaft zunächst den Beschuldigten angewiesen hat, den Vibrator wegzulegen, dann aber, nachdem er dies getan hat, in Bezug auf den Beischlaf keinerle i Abwehr mehr hat erkennen lassen, kann dem Beschuldigten nicht vorgeworfen werden, er habe zumindest in Kauf genommen, sich über ihren entgegenstehenden Willen hinwegzusetzen, da ein solcher Willen zum inkriminierten Zeit- punkt schlicht nicht erkennbar gewesen ist. An dies em Ergebnis ändert auch der Satz der Pri- vatklägerin "Du hesch dir eifach Sex gno, ohni dass ichs ha welle" nichts. Dieser verdeutlicht zwar, dass sie mit dem Geschlechtsverkehr nicht ein verstanden gewesen ist, hat aber gemäss den vorstehenden Ausführungen keinen Einfluss darau f, dass dies für eine Vergewaltigung in strafrechtlicher Hinsicht nicht ausreicht. Bei diesem Ergebnis ist lediglich im Sinne von Indi zien auch das sogenannte Nachtatverhalten der Privatklägerin und des Beschuldigten zu werten. So hat sie beispielsweise nach dem Vor- kommnis die restliche Nacht im gleichen Bett wie de r Beschuldigte verbracht, was bei einem sexuellen Gewaltdelikt eher nicht zu erwarten wäre. Überdies hat die Privatklägerin zwar bereits im September 2008 gegenüber ihrem Hausarzt Dr. med. E.____, FMH für Allgemeinmedizin in X.____, gemäss dessen Stellungnahme vom 26. Juli 20 10 von heftigen Beziehungsproblemen mit dem Beschuldigten und dabei auch von Schlägen berichtet, nicht aber von allfälligen sexuel- len Übergriffen (act. 285 f.). Grundsätzlich ist es natürlich ohne Weiteres denkbar, dass ein Op- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht fer aus Scham vor einer Anzeige wegen Vergewaltigung absieht; es ist aber nicht ganz einsich- tig, warum die Privatklägerin ihrem Arzt von körper lichen Übergriffen erzählt, nicht aber von sexuellen, sollten sie denn stattgefunden haben. Zu dem hat die Privatklägerin gemäss ihren Depositionen nicht aus Scham, sondern wegen gemisch ten Gefühlen und aus Angst, dass der Beschuldigte auf ihren neuen Freund losgehen könnte, zugewartet und erst nach der Beschädi- gung an ihrem Auto und dem Vorfall mit dem Hund ein er Bekannten Anzeige erstattet (act. 321). Dabei erfolgte die Anzeigeerstattung durch die Privatklägerin erst am 10. September 2008, mithin viereinhalb Monate nach dem inkriminie rten Vorfall, was als auffällig zu qualifizie- ren ist. Schliesslich ist es zumindest bemerkenswer t, dass eine vergleichsweise harmlose Sachbeschädigung Auslöser für eine Anzeige wegen se xueller Gewalt dargestellt hat und nicht der Vorfall an sich. Gemäss all diesen Erwägungen i st der Beschuldigte von der Anklage der Vergewaltigung freizusprechen, womit die Berufung d er Staatsanwaltschaft auch in diesem Punkt und damit in Bestätigung des angefochtenen Ur teils der Vorinstanz gesamthaft abzuwei- sen ist. 6. Strafzumessung und Entschädigungsforderungen der Privatklägerin Angesichts des mit vorliegendem Urteil zu bestätige nden Freispruchs des Beschuldigten vom Vorwurf der mehrfachen, teilweise versuchten Vergew altigung, der sexuellen Nötigung und der versuchten Freiheitsberaubung hat das Kantonsgerich t keine Veranlassung, hinsichtlich der Strafzumessung und der Entschädigungsforderungen de r Privatklägerin etwas am angefochte- nen Urteil zu ändern. 7. Kostenentscheid des Kantonsgerichts Bei diesem Verfahrensausgang – indem die Berufung d er Staatsanwaltschaft vollumfänglich abgewiesen wird – gehen nach Art. 428 Abs. 1 StPO d ie ordentlichen Kosten des Berufungs- verfahrens in der Höhe von CHF 10'700.-- (beinhalte nd eine Gebühr von CHF 10'500.-- [sieben Stunden Verhandlung zu jeweils CHF 1'500.-- pro Stu nde] sowie Auslagen von CHF 200.--) zu Lasten des Staates. Dem Rechtsvertreter des Beschul digten, Advokat Fred M. Wagner, wird zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung ein pauschales Honorar (zehn Stunden Auf- wand inklusive fünf Stunden Aufwand für die heutige Hauptverhandlung zu jeweils CHF 200.-- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht pro Stunde sowie CHF 160.-- Mehrwertsteuer) in der Höhe von insgesamt CHF 2'160.-- (inklu- sive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtskasse ausgerichtet. In Bezug auf die erstinstanzlichen Verfahrenskosten und deren Vertei lung erübrigen sich angesichts des zu be- stätigenden vorinstanzlichen Urteils an vorliegender Stelle weitergehende Ausführungen. Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landscha ft vom 18. September 2013, lautend: "1. D.____ wird der Sachbeschädigung, des mehrfach en Führens eines Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand, der ver- suchten Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit sowie der einfachen Verletzung von Verkehrs- regeln schuldig erklärt und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 90 Tagessätze n zu je Fr. 90.00, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 1'500.00, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tri tt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen, in Anwendung von Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 91 Abs . 1 SVG (i.V.m. Art. 55 Abs. 6 SVG und Art. 1 Abs. 2 der Ve rordnung der Bundesversammlung über Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr und teilw. i.V.m. Art. 19 Abs. 2 St GB), Art. 91a Abs. 1 SVG (i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 9 0 Ziff. 1 SVG (i.V.m. Art. 57 Abs. 5 lit. a SVG und Art. 3a A bs. 1 VRV), Art. 42 Abs. 1 und 4 SVG, 49 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB. 2. D.____ wird von der Anklage der mehrfachen, tei lweise ver- suchten Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung, der versuch- ten Freiheitsberaubung, der Tierquälerei und der Drohung frei- gesprochen. 3.a) D.____ wird bei seiner Anerkennung behaftet, B .____ Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht Fr. 34.95 als Schadenersatz für Wischblätter zu sch ulden, die Mehrforderung (Autoreparatur, Schadenersatz für Loh nausfall, Genugtuung sowie Parteientschädigung) wird abgewiesen. b) D.____ wird bei seiner Anerkennung behaftet, de r C.____ Fr. 1'403.60 als Schadenersatz zu schulden. 4. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten de s Vorver- fahrens von Fr. 6'752.50 und einer pauschalen Gerichtsgebühr von Fr. 8'000.00. Der Beurteilte trägt in Anwendung von Art. 426 Abs . 1 StPO von den Kosten des Vorverfahrens Fr. 2'668.85 (Kost en der Polizei, Blut- und Urinproben, Arzt- und Gutachtens kosten so- wie 10% der allgemeinen Verfahrenskosten), und von der pauschalen Urteilsgebühr Fr. 800.00. Fr. 4'083.65 d er Kosten des Vorverfahrens und Fr. 7'200.00 der Urteilsgebüh r gehen zu Lasten des Staates. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründe tes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgeric htliche Ge- bühr auf Fr. 4'000.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). In diesem Falle trägt D.____ Fr. 400.00 und der Staat Fr. 3'600.00. 5. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von insge- samt Fr. 12'116.50 (inkl. Auslagen) wird aus der Gerichtskasse entrichtet." wird in Abweisung der Berufung der Staatsanwaltscha ft vollumfän g- lich bestätigt. II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahren s in der Höhe von CHF 10'700.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 10'5 00.-- sowie Auslagen von CHF 200.--) gehen zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung wird dem Rechtsver- treter des Beschuldigten, Advokat Fred M. Wagner, e in pauschales Honorar in der Höhe von insgesamt CHF 2'160.-- (ink lusive Ausla- gen und Mehrwertsteuer) zu Lasten der Gerichtskasse ausgerichtet. Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann