Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 31. Januar 2013 (730 12 310 / 17) ____________________________________________________________________ Krankenversicherung Übernahme der Kosten von Spitex-Leistungen; Wirtschaftlichkeitsprüfung Besetzung Präsident Andreas Brunner, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kantons- richter Christof Enderle, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Markus Schmid, Rechtsanwalt, Lange Gasse 90, 4052 Basel gegen Helsana Versicherungen AG , Versicherungsrecht, Postfach, 8081 Zürich, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Die 1932 geborene A.____ ist bei der Helsana Versich erungen AG (Helsana) obligato- risch krankenpflegeversichert. Die Helsana erbringt Leistun gen für die Pflege zu Hause (Spi- tex). Nachdem sich der stundenmässige Pflegeaufwand in de r Periode vom 1. Dezember 2011 bis zum 31. Dezember 2011 gegenüber der bestehenden V erordnung erhöht hatte, erhob die Helsana vorsorglich Einsprache gegen die ärztliche Vero rdnung und forderte die vollständigen Unterlagen sowie eine angepasste Bedarfsmeldung ein. Mit Verfügung vom 22. März 2012 kündete die Krankenversicherung an, dass sie ab 1. Juli 2012 lediglich noch Kosten in der Höhe Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht von maximal Fr. 1'916.- pro Monat, entsprechend den Ko sten eines Pflegeheimaufenthalts, für die Hauspflege übernehmen werde. Eine weitergehende Kostenübernahme sei nicht vorgese- hen, da diese dem Gebot der Wirtschaftlichkeit widersp reche und eine Betreuung in einem Pflegeheim günstiger ausfallen würde als der Hauspfle gedienst. Übergangsweise gewährte die Helsana für den Zeitraum vom 1. April 2012 bis zum 30 . Juni 2012 Leistungen in der Höhe von Fr. 2'873.- pro Monat. Eine gegen diese Verfügung e rhobene Einsprache wies die Helsana mit Entscheid vom 11. September 2012 ab. Zur Begründung w urde ausgeführt, dass der effektive Spitex-Aufwand im Monat Dezember 2011 mit Fr. 4'779. 35 2.4-mal höher sei als die theoreti- schen Kosten im Pflegeheim. Da die Behandlung durch die Spitex weder als wirksamer noch als zweckmässiger gegenüber einer Behandlung in einem Pf legeheim anzusehen sei, könne die Wirtschaftlichkeit diesfalls nicht bejaht werden. B. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A.____, ve rtreten durch Advokat Markus Schmid mit Eingabe vom 10. Oktober 2012 Beschwerde b eim Kantonsgericht des Kantons Ba- sel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kanto nsgericht), und beantragt die Aufhe- bung des angefochtenen Entscheids und die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin, über den 1. April 2012 hinaus bis auf Weiteres vollen Kostenersat z für die ambulante Pflege zu Hause (Spitex) zu leisten, unter o/e-Kostenfolge. Die Beschwe rdeführerin bringt zur Begründung vor, dass sich die beanspruchten Vergütungen in den vergangen en Monaten gegenüber dem De- zember 2011 reduziert hätten. Die Kosten im Dezember 20 11 seien erhöht ausgefallen, da sie sich im November bzw. Dezember 2011 zwei Augenoperationen habe unterziehen müssen, die eine vorübergehende zusätzliche Belastung begründet hät ten. Die Beschwerdeführerin verbrin- ge viel Zeit damit, kleinere Hausarbeiten teilweise se lbstständig zu erledigen und soziale Kon- takte mit dem im gleichen Haus wohnenden Sohn zu pflege n. Darüber hinaus stehe sie in tägli- chem Kontakt zu ihrer Tochter, dem Grosskind und dem Sch wiegersohn, treffe sich mit Freun- dinnen und gehe mit dem Rollator spazieren. Die familiären und sozialen Kontakte seien für ihre psychische Verfassung wertvoll. Das Leben im eigenen Zuhau se ermögliche es ihr, ihre Per- sönlichkeit weiter zu entfalten. Die Spitex-Pflege sei in Anbetracht dieser persönlichen, familiä- ren und sozialen Umstände als zweckmässiger und wirksamer und ein Kostenfaktor von maxi- mal 2.4 demnach nicht als unverhältnismässig anzusehen. C. In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. November 2012 sc hliesst die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin s ei in fast allen Lebensbereichen massiv beeinträchtigt und benötige immer mehr Grundpfle ge. Die Beschwerdeführerin sei zu- nehmend ängstlich und überdies gangunsicher. Beziehungen könnten nur noch in sehr be- grenzter Weise gepflegt werden und soziale und gesellsch aftliche Aktivitäten seien nur noch in geringstem Mass möglich. Die Qualität der Pflege in ei nem Heim sei nicht schlechter als die Spitex-Pflege zu Hause, es dürfe daher nicht vermutet werden, dass die körperliche Gesundheit bei einem Pflegeheimaufenthalt Schaden nehmen würde. Es sei festzuhalten, dass die Pflege zu Hause und die in einem Pflegeheim gleichwertig seien. D. Mit Replik der Beschwerdeführerin vom 29. November 2 012 und Duplik der Beschwer- degegnerin vom 20. Dezember 2012 halten die Parteien im Wesentlichen an ihren Ausführun- gen fest. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenver sicherung (KVG) vom 18. März 1994 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 1 und A rt. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 kann gegen Verfügungen und Einspracheentscheide eines Sozialversicher ungsträgers beim zuständigen Versicherungsgericht innerhalb von 30 Tagen Verwaltung sgerichtsbeschwerde erhoben wer- den. Zuständig ist gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versicher ungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person zum Zeitpunkt der Beschwerd eerhebung ihren Wohnsitz hat. Vorliegend befindet sich dieser in B.____, womit die örtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft gegeben ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 b eurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Ka ntons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Damit ist das Kantonsge- richt auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschw erde befugt. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 2.1 Am 1. Januar 2011 ist die Neuordnung der Pflegefi nanzierung vom 13. Juni 2008 in Kraft getreten (AS 2009 3517, 6847). Gemäss dem neuen Art. 25a Abs. 1 KVG leistet die obli- gatorische Krankenversicherung lediglich noch einen Beitr ag an die Pflegeleistungen, die auf- grund ärztlicher Anordnung ambulant oder im Pflegehe im erbracht werden. Der versicherten Person dürfen von den nicht von Sozialversicherungen gedeckten Pflegekosten höchstens 20% des höchsten vom Bundesrat festgesetzten Pflegebeitrags übe rwälzt werden. Die Kantone re- geln die Restfinanzierung (Art. 25a Abs. 5 KVG). Die vo n den Krankenversicherungen zu erbringenden Beiträge sind in Art. 7a Abs. 1 und 2 i. V.m. Art. 7 Abs. 1 lit. a und b der Verord- nung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Kra nkenversicherung (Krankenpflege- Leistungsverordnung, KLV) vom 29. September 1995 frank enmässig festgehalten. Gemäss Abs. 2 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 13. Juni 2008 (Pflegefinanzierung) sind die bei Inkrafttreten dieser Änderung geltenden Tarif e und Tarifverträge innert drei Jahren an die vom Bundesrat festgesetzten Beiträge an die Pflege leistungen anzugleichen. Die Anglei- chung ist von den Kantonsregierungen zu regeln. Im Kan ton Basel-Landschaft galten die be- stehenden Tarife für ambulante Pflegeleistungen bis 31 . Dezember 2012 (vgl. § 1a und 2 der Verordnung über die Finanzierung von Pflegeleistungen vom 22. Februar 2011). Dies bedeutet auch, dass bis zu diesem Zeitpunkt der bisherige Kostent ragungsmodus ohne eine Kostenbe- teiligung der Patientinnen und Patienten galt. 2.2 Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts beurteilt sich die Rechtmässigkeit eines Verwaltungsaktes grundsätzlich nach der Rechtslage a m Tag des (Einsprache-) Entscheids. Eine Rechtsänderung, die während des Beschwerd everfahrens eintritt, ist grund- sätzlich unbeachtlich (BGE 129 II 522 E. 5.3.2, mit Hin weisen). Das Sozialversicherungsgericht hat ferner bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung bzw. des streitigen Einsprachee ntscheids eingetretenen Sachverhalt Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht abzustellen (BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 131 V 11 E. 1; jeweils mit Hinweisen). Vorliegend sind Leistungen der Beschwerdegegnerin ab dem 1. April 2012 strittig. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid vom 11. September 2012. Anwendbar sind somit für die vorliegende Beur- teilung die bis 31. Dezember 2012 geltenden Tarife u nd Bestimmungen für ambulante Pflege- leistungen und die entsprechende Rechtsprechung. Die neu e Pflegefinanzierungsordnung gilt im Kanton Basel-Landschaft hingegen erst für den Zeit raum ab 1. Januar 2013 und somit für Leistungen, über deren Erbringung und Wirtschaftlichke it die Beschwerdegegnerin unter Be- rücksichtigung der neuen Finanzierungsordnung noch nicht b efunden hat. Diese zukünftigen Leistungen bilden folglich nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. 3. Streitig und zu prüfen ist die Verpflichtung der B eschwerdegegnerin zur Kostenver- gütung der nach ärztlichen Anordnung erfolgten Spitex- Leistungen ab 1. April 2012 und damit zusammenhängend die Frage, ob die Beschwerdegegnerin b erechtigt ist, die Leistungen auf die Höhe der Pflegeheimtaxen zu kürzen. 4.1 Nach Art. 24 KVG übernimmt die obligatorische Kran kenpflegeversicherung die Kosten für die Leistungen gemäss den Art. 25-31 nach Massg abe der in den Art. 32-34 KVG festgelegten Voraussetzungen. Die Leistungen umfassen unte r anderem Untersuchungen, Be- handlungen und Pflegemassnahmen, die ambulant, bei H ausbesuchen, stationär, teilstationär oder in einem Pflegeheim durch Personen durchgeführt werden, die auf Anordnung oder im Auftrag eines Arztes oder einer Ärztin Leistungen erbri ngen (Art. 25 Abs. 2 lit. a Ziff. 3 KVG in der bis 31. Dezember 2010 geltenden und vorliegend au fgrund der kantonalen Übergangsfrist anwendbaren Fassung, vgl. Art. 25 Abs. 2 lit. a und A rt. 25a Abs. 1 KVG in der seit 1. Januar 2011 geltenden Fassung). 4.2 Bei Aufenthalt in einem Pflegeheim (Art. 39 Abs. 3 KVG) vergütet der Versicherer gemäss Art. 50 KVG die gleichen Leistungen wie bei amb ulanter Krankenpflege nach Art. 25a KVG. In Art. 7 KLV wird der Leistungsbereich bei Kra nkenpflege zu Hause, ambulant oder im Pflegeheim näher bestimmt. Die Revision der Pflegefina nzierung hat die Art der versicherten Leistungen nicht geändert, sondern bloss den Kostentrag ungsmodus (G EBHARD EUGSTER , Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht , Bundesgesetz über die Krankenversicherung, Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 25 N 4; vgl. auch: Urteil des Bundesgerichts vom 21. Septe mber 2012, 9C_940/2011, E. 2.1). Ge- mäss Art. 7 Abs. 1 KLV gelten als Pflegeleistungen die Untersuchungen, Behandlungen und Pflegemassnahmen, die aufgrund der Bedarfsabklärung au f ärztliche Anordnung hin oder im ärztlichen Auftrag unter anderem von Pflegefachfrauen und Pflegefachmännern oder Organisa- tionen der Krankenpflege und Hilfe zu Hause erbracht werden. Gemäss Art. 7 Abs. 2 KLV um- fassen die Leistungen im Sinne von Art. 7 Abs. 1 KLV Ma ssnahmen der Abklärung, Beratung und Koordination (lit. a), der Untersuchung und Beha ndlung (lit. b) sowie der Grundpflege (lit. c). 4.3 Als allgemeine Voraussetzung für die Leistungspflicht aus der obligatorischen Kran- kenpflegeversicherung verlangt Art. 32 Abs. 1 KVG, dass di e Leistungen nach Art. 25-31 KVG wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind. Zweckmässigkeit und Wirksamkeit der Leistung setzen voraus, dass die angeordnete Massnahme geeignet ist, das angestrebte Ziel, in casu die Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Pflege der Beschwerdeführerin, zu erreichen (Kranken- und Unfallversicherung – Rechtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a). Diese Frage beurteilt sich primär nach medizinischen Gesichtspunkten; persönliche Umstände (z.B. Familie, Erwerbstätigkeit, gesellschaftliche, soziale und politisch e Aktivitäten) sind indessen mit zu be- rücksichtigen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerich ts [EVG] vom 2. Dezember 2003, K 33/02, E. 2.1; RKUV 2001 Nr. KV 144 S. 26 E . 3b). Das Gebot der Wirtschaftlichkeit besagt, dass die Krankenversicherer die Leistungen auf da s Mass zu beschränken haben, das im Interesse des Versicherten liegt und für den Behand lungszweck erforderlich ist (Art. 56 Abs. 1 KVG). Demnach haben sie dort, wo gleichzeitig me hrere Massnahmen als wirksam und zweckmässig zu qualifizieren sind, grundsätzlich nur für die kostengünstigere dieser Massnah- men aufzukommen (vgl. RKUV 1999 Nr. KV 64 S. 67 f. E. 3a). 4.4 Nach der in BGE 126 V 334 ff. ausführlich dargele gten Rechtsprechung bedeutet das Gebot der Wirtschaftlichkeit der Behandlung nicht, dass die Krankenversicherer befugt sind, die Vergütung der Spitex-Dienste stets auf jene L eistungen zu beschränken, die sie bei Aufenthalt in einem Pflegeheim zu gewähren hätten. Die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit darf nicht anhand einer strikten Gegenüberstellung der dem K rankenversicherer entstehenden Kos- ten eines Spitex-Einsatzes einerseits und eines Pflegehei maufenthalts andererseits erfolgen. Wenn aber – bei gleicher Zweckmässigkeit der Massnahmen – zwischen den Kosten eines Spi- tex-Einsatzes und denjenigen des Aufenthalts in einem P flegeheim ein grobes Missverhältnis besteht, kann der Spitex-Einsatz auch unter Berücksichtigun g der berechtigten Interessen der versicherten Person nicht mehr als wirtschaftlich angesehe n werden. Dies hat auch dann zu gelten, wenn der Spitex-Einsatz im konkreten Fall als zwe ckmässiger und wirksamer zu be- trachten ist als ein an sich ebenfalls zweckmässiger und wirksamer Heimaufenthalt (BGE 126 V 338 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2012, 9C_940/2011, E. 2.3). 5.1 Der behandelnde Hausarzt, Dr. med. C.____, FMH A llgemeinmedizin, führt in seiner Beantwortung des Fragebogens der Beschwerdegegnerin vom 11. Februar 2012 aus, dass sich der Pflegebedarf der Beschwerdeführerin seit Oktober 2 010 stetig erhöht habe. Zu Beginn sei- en die Themen Inkontinenz und Handlungseinschänkungen we gen Schmerzen am Bewe- gungsapparat gewesen, im Verlauf sei die Unterstützu ng betreffend progredienter Demenz hin- zugekommen sowie Hilfe bei der Körperpflege und beim Anziehen. Die Strukturierung brauche bei der Beschwerdeführerin viel Zeit. Nach Angaben von Dr. C.____ lägen keine medizinischen oder pflegerischen Gründe vor, die gegen einen Aufenthalt in einer Institution für Langzeitpflege sprechen. Die Frage, ob die Beschwerdeführerin Aktivität en betreibe, die sie in einer Institution für Langzeitpflege nicht ausüben könnte, beantwortet er dahingehen, dass die Beschwerdefüh- rerin viel Zeit damit verbringe, kleinere Hausarbeite n teilweise selbstständig zu erledigen. Zu- dem sei ihr der Sozialkontakt zum Sohn, der im selben Haus wohne und mit dem sie täglich zu Abend esse, sehr wichtig. Dieser tägliche Kontakt und die Gebundenheit an das eigene Haus seien als nicht-medizinische Gründe anzusehen, die gegen einen Aufenthalt in einer Institution für Langzeitpflege sprächen. 5.2 Gemäss Leistungsplanungsblatt der Spitex vom 31. Dez ember 2011 sowie dem unda- tierten standardisierten Pflegeplan legt und pflegt bzw. kontrolliert die Spitex den Dauerkatheter Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Beschwerdeführerin, unterstützt sie bei der Körperpf lege und hilft beim An- und Auskleiden sowie beim Anlegen der Stützstrümpfe. Ausserdem richtet u nd verabreicht sie ihr die notwendi- gen Medikamente. Die Beschwerdeführerin sei in Bezug au f die Fortbewegung und Lagerung – teils unter Zuhilfenahme von Stöcken und einem Roll ator – selbstständig. Sie nehme den Mahlzeitendienst der Spitex in Anspruch, ernähre sich davo n abgesehen jedoch ohne Hilfe. Eine Überwachung sei nicht notwendig. Aus den eingerei chten Spitex-Akten wird zudem er- sichtlich, dass die Spitex zweimal täglich Einsätze leistet. 5.3 Gemäss RAI-HC Schweiz Assessment vom 15. Februar 2012 habe sich die Beschwer- deführerin im dreitägigen Beurteilungszeitraum leicht ablenkbar sowie bei der Fähigkeit für all- tägliche Entscheidungen, namentlich bei Entscheidungen bezüglich der Organisation des All- tags leicht beeinträchtigt gezeigt; zudem habe sie Epi soden unzusammenhängenden Spre- chens. Ebenfalls im Beurteilungszeitraum habe die Beschwe rdeführerin sich negativ geäussert, unrealistische Ängste und Sorgen um die eigene Gesundhei t gezeigt. Im Bereich psychosozia- les Wohlbefinden wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in der letzten Woche Aktivi- täten im Zusammenhang mit langjährigen Hobbys vorgenommen und im letzten Monat Besuche erhalten und getätigt sowie Telefon- bzw. E-Mail-Kon takt mit langjährigen Bekannten oder Fa- milienangehörigen gehabt habe. Dennoch habe in den letzten 90 Tagen zum Bedauern der Be- schwerdeführerin eine Reduktion der Anteilnahme an sozia len, religiösen oder anderen ge- schätzten Aktivitäten stattgefunden. Neben der Spitex-Pf lege erhalte die Beschwerdeführerin Unterstützung von ihrer Tochter bei der allgemeinen H ausarbeit, beim Einkaufen und bei der Geldverwaltung. Sie habe das Haus im dreitägigen Beu rteilungszeitraum nicht verlassen, gehe sonst aber regelmässig aus. Die Stunden körperlicher Aktivität seien auf zwei oder mehr täglich zu beziffern. 5.4 Die Beschwerdeführerin weist aufgrund der eingere ichten Akten der Spitex die Pflege- stufe BESA 7 des Kantons Basel-Landschaft auf. Für diese Pflegebedarfsstufe sieht der Kanton Basel-Landschaft bei stationärer Pflege seit Anfang 2011 einen Kostenbeitrag der Krankenver- sicherer von Fr. 63.- pro Tag vor. Die Kosten der ärztli chen Behandlung und Medikation sind dabei nicht eingeschlossen und werden von den Kassen nach den gesetzlichen Bestimmungen rückvergütet. Die Pflegekosten, die der Beschwerdegegneri n bei einem Pflegeheimaufenthalt der Beschwerdeführerin monatlich entstünden, belaufen sich somit auf gerundet Fr. 1'916.-. Die von der Beschwerdegegnerin erbrachten Leistungen an die Spitex-Pflege betrugen im Zeitpunkt des Einspracheentscheids pro Monat durchschnittlich rund Fr . 4'930.- (August 2011 bis Juli 2012 gemäss Aufstellung der Beschwerdegegnerin). Damit sind die durchschnittlichen Kosten der Spitex-Pflege 2.57-mal höher als die Pflege in ei ner stationären Einrichtung. Die Beschwer- degegnerin selbst stützt ihren Entscheid auf die Pflege kosten für die Periode vom 1. Dezember 2011 bis 31. Dezember 2011 in der Höhe von Fr. 4'779.35 ab und nimmt gerundet einen Faktor von 2.4 (tatsächlich 2.49) gegenüber den Kosten eines Pf legeheims an. Dieser Faktor wird sei- tens der Beschwerdeführerin grundsätzlich nicht in Frage gestellt, sie weist jedoch darauf hin, dass sich die Pflegekosten seit Dezember 2011 verringert hätten. 6.1 Umstritten und zu prüfen ist vorliegend, ob die um den Faktor 2.40 (bzw. 2.49 bis 2.57) höheren Spitex-Kosten noch als wirtschaftlich im S inne von Art. 56 Abs. 1 KVG gelten Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht können. Dazu ist zunächst zu beurteilen, ob sowohl die Pflege zu Hause wie auch die Pflege in einem Heim als geeignete und zweckmässige Massnahmen erscheinen. 6.2 Aus den eingereichten Pflegeunterlagen wird deutl ich, dass die Beschwerdeführerin insbesondere in der Behandlung der Blasenentleerungsst örung, namentlich betreffend den Dauerkatheter, sowie in der Körperpflege pflegebedür ftig ist. Daneben benötigt sie Unterstüt- zung beim An- und Auskleiden, dem Anlegen der Stützstrüm pfe sowie dem Richten und Vera- breichen der benötigten Medikamente. Aufgrund der ein gereichten Pflegedokumentation kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht von ei ner massiven Beeinträchtigung in beinahe sämtlichen Lebensbereichen ausgegangen werden. So sorgt die Beschwerdeführerin unter Inanspruchnahme des Mahlzeitendiensts der Spitex selbstständig für ihre Ernährung und bewegt sich mit Hilfsmitteln eigenständig fort. Eine Überwachung, insbesondere eine dauernde, ist nicht notwendig. Die Spitex nimmt denn auch bloss zwe imal täglich, morgens und abends, einen Einsatz vor. Ebenfalls nicht ohne Weiteres ersichtli ch sind einerseits die von der Be- schwerdegegnerin geltend gemachte und vom Hausarzt angeführte Erhöhung und andererseits die seitens der Beschwerdeführerin ab Dezember 2011 vorg ebrachte Verringerung des Pflege- aufwands. Vielmehr sind aus der von der Beschwerdegegnerin erstellten Aufstellung der Spitex- Kosten zwar Schwankungen erkennbar, jedoch keine kontin uierliche Entwicklung. Bei den be- schriebenen Pflegeleistungen handelt es sich durchwegs um typische Spitex-Dienste. Dem Pflegebedarf der Beschwerdeführerin kann folglich sowo hl von der Spitex wie auch in einem Pflegeheim Genüge getan werden. Aus pflegerischer Sich t erscheinen die Heimpflege und die Pflege durch die Spitex somit grundsätzlich als gleichwertig. 6.3 Der Hausarzt der Beschwerdeführerin führt in sein er Beantwortung des Fragebo- gens der Helsana vom 11. Februar 2012 ferner aus, dass k eine medizinischen Gründe gegen einen Pflegeheimaufenthalt sprächen. Aus dem Behandl ungsplan von Dr. C.____ vom 3. Oktober 2011 wird indessen ersichtlich, dass der Besch werdeführerin beruhigende, stim- mungsaufhellende, angstlösende und antidepressive Medi kamente zur täglichen Einnahme verschrieben worden sind. Im Zeitpunkt des RAI-HC Schweiz A ssessment vom 15. Februar 2012 hat die Beschwerdeführerin zumindest noch ein an gsthemmendes Medikament (sog. An- xiolytika) eingenommen. Aus der (undatierten) BESA-Einstufung der Spitex geht zudem hervor, dass die Beschwerdeführerin sehr ängstlich ist, oft beruh igt werden muss, unter depressiven Verstimmungen leide und deswegen Psychopharmaka einnehme. Eine Verstärkung dieser psy- chogeriatrischen Symptomatik bei einem Heimaufenthalt w ird als sicher angesehen. Die dro- hende Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands bei einem Pflegeheimeintritt gilt gemäss Rechtsprechung als Grund, der die Spitex-Pfl ege als (leicht) wirksamer und zweckmässiger erscheinen lässt (Urteil des EVG vom 2. Dezembe r 2003, K 33/02, E. 2.1, RKUV 2001 Nr. KV 162 S. 182 f. E. 3, Urteil des EVG vom 13. September 2001, K 201/00, E. 3b). Weshalb der behandelnde Hausarzt im Frageboge n der Beschwerdegegnerin vom 11. Februar 2012 die psychogeriatrische Symptomatik der B eschwerdeführerin nicht erwähnte, ist nicht nachvollziehbar. Die Frage kann letztlich jedoch offen gelassen werden, da ohne Wei- teres einleuchtend ist, dass sich die – wohl mit der Demen z zusammenhängenden – depressiven Verstimmungen und Ängste der Beschwerdeführ erin ausserhalb der gewohnten Umgebung ihres Zuhauses in massgeblicher Weise verschlimme rn würden. Vorliegend ist die Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Spitex-Pflege aufgrund der voraussehbaren Verschlechteru ng des psychischen Gesundheits- zustands der Beschwerdeführerin bei einem Pflegeheimeint ritt folglich als leicht wirksamer und zweckmässiger zu qualifizieren. 6.4 Zu würdigen sind ausserdem allfällige persönliche u nd soziale Gründe, die gegen einen Pflegeheimeintritt sprechen würden. Der Hausarzt der Beschwerdeführerin führt diesbe- züglich aus, dass die Beschwerdeführerin täglich mit ihre m Sohn, der im selben Haus wohne, zu Abend esse. Die Verlaufsberichte zeigen, dass die Beschwerdeführerin während des gesam- ten dokumentierten Zeitraums von September 2011 bis Fe bruar 2012 Spaziergänge, Ausflüge und Theaterbesuche unternahm sowie Besuch empfing oder si ch mit Bekannten verabredete. Hingegen scheint aus dem RAI-HC Schweiz Assessment vom 15. Februar 2012 hervorzuge- hen, dass eine Reduktion der sozialen und gesellschaftliche n Kontakte stattgefunden habe. Da aus den eingereichten Unterlagen nicht vollends klar w ird, in welcher Intensität die geltend ge- machten und im Verlaufsbericht der Spitex dokumentierten Kontakte und Aktivitäten stattfinden und ob bzw. inwiefern sie beim Eintritt in ein Pflege heim aufrecht erhalten blieben, sind diese persönlichen und sozialen Gründe für die ambulante Pfl ege lediglich sekundär zu berücksichti- gen. 6.5 Zu beurteilen bleibt die Wirtschaftlichkeit der He impflege. In Fällen, in denen – wie vorliegend – die Spitex-Pflege als leicht wirksamer und zweckmässiger als die Heimpflege qua- lifiziert wurde, hat das Bundesgericht in der Vergang enheit einen Anspruch auf Kostenüber- nahme bejaht bei 1.9-mal, 2.6- bis 2.9-mal sowie 2.87 -mal höheren Spitex-Kosten (Urteil des EVG vom 2. Dezember 2003, K 33/02, E. 2.2 mit vielen weiteren Hinweisen; RKUV 2001 Nr. KV 162 S. 182 f. E. 3; Urteil des EVG vom 13. September 2001, K 201/00, E. 3c). Bei Gleichwertig- keit der Spitex- und der Heimpflege hat das Bundesgerich t in einem jüngeren Entscheid bei rund 2.35-mal höheren Kosten die Spitex-Pflege als "gerade noch" wirtschaftlich qualifiziert (Ur- teil des Bundesgerichts vom 21. September 2012, 9C_940 /2011, E. 3.4). Hingegen hat es die Wirtschaftlichkeit verneint bei 3- bis 4-mal sowie bei 4 - bis 5-mal höheren Spitex-Kosten (Urteil des EVG vom 11. Mai 2004, K 95/03, E. 3.2, Urteil des EVG vom 5. Oktober 2000, K 61/00, E. 4, hingegen bei 3.5-mal höheren Kosten in BGE 12 6 V 342 f. E. 3b bejaht, da die Spitex- Pflege als erheblich zweckmässiger und wirksamer qualifiziert wurde). Unter Berücksichtigung der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung und d er konkreten Umstände des vorliegen- den Falls ist zwischen den Kosten der Pflege in einem Hei m und den 2.4- bzw. 2.49-, durch- schnittlich jedenfalls 2.57-fach höheren Kosten der Spite x-Pflege kein grobes Missverhältnis zu erkennen. Die Spitex-Pflege erweist sich zum Zeitpunkt d es vorliegenden Entscheids noch als wirtschaftlich. 7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend in Wü rdigung der gesundheitli- chen und persönlichen Umstände der Beschwerdeführerin di e ambulante Pflege durch die Spi- tex als leicht wirksamer und zweckmässiger als die stationäre Pflege in einem Heim anzusehen ist. Bei einem Kostenfaktor von 2.4 bis 2.57 kann die S pitex-Pflege rechtsprechungsgemäss noch als wirtschaftlich qualifiziert werden. Ob die bun desgerichtliche Rechtsprechung zur Wirt- schaftlichkeit der Spitex-Pflege unter der Herrschaft de r neuen Pflegefinanzierung an Bedeu- tung verliert oder beachtlich bleibt, wenn die vom Bu ndesrat festgesetzten Beiträge gemäss Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Art. 7a KLV für die ambulante Pflege einerseits und f ür den Aufenthalt in einem Pflegeheim an- dererseits stark divergieren, kann im vorliegenden Fall nach dem unter Erwägung 2.2 Ausge- führten offenbleiben (E UGSTER , a.a.O., Art. 25 N 31). Dies gilt wohl umso mehr, al s das Bun- desgericht in einem jüngst ergangenen Entscheid die F rage aufwirft, ob im Hinblick auf Art. 43a Abs. 5 des Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossensch aft vom 18. April 1999 überhaupt noch am bisherigen krankenversicherungsrechtliche n Begriff der Wirtschaftlichkeit, der sich lediglich auf die Kosten des Krankenversicherers be zieht, festgehalten werden könne (Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2012, 9C_940/2011, E. 3.4). 8. Für das vorliegende Verfahren sind gestützt auf Art. 61 lit. a ATSG keine Kosten zu erheben. Gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG hat die ob siegende beschwerdeführende Person An- spruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfa hrens entsprechend ist der Be- schwerdeführerin eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 29. November 2012 ausgewie sene Zeitaufwand von 8.2 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Hö- he von Fr. 192.-. Der Beschwerdeführerin ist deshalb e ine Parteientschädigung in der geltend gemachten Höhe von Fr. 2'421.35 (8.2 Stunden à Fr. 2 50.- + Auslagen von Fr. 192.- zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefoch tene Einsprache- entscheid vom 11. September 2012 aufgehoben und die Helsana Ver- sicherungen AG verpflichtet, der Beschwerdeführerin ab 1 . April 2012 die verordneten Spitex-Leistungen im gesetzlich vorgeschr iebenen Umfang zu bezahlen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Helsana Versicherungen AG hat der Beschwerdefü hrerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'421.35 (inkl. Auslagen und 8% MwSt.) zu bezahlen. Gegen diesen Entscheid wurde von der Beschwerdegegnerin am 7. Mai 2013 Beschwerde beim Bundesgericht (siehe nach Vorliegen des Urteils: Verfahren-Nr. 9C_343/2013 ) erhoben. http://www.bl.ch/kantonsgericht