B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-545/2014 U r t e i l v o m 2 2 . A u g u s t 2 0 1 4 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Esther Karpathakis, Richter Hans Schürch, Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren (…), gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik), (…), Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 9. Januar 2014 / N (…). D-545/2014 Seite 2 Sachverhalt: A. Die Beschwerdeführerin gelangte gemäss eigenen Angaben am 10. Ok- tober 2013 in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. B. Sie wurde am 4. November 2013 zu ihrer Person und summarisch zum Reiseweg sowie den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). C. Am 11. November 2013 wurde sie über ihr Alltagswissen hinsichtlich ihrer angeblichen Herkunftsregion befragt. D. Am 2. Dezember 2013 wurde sie vertieft zu den Gründen ihres Asylg e- suchs angehört und ihr das rechtliche Gehör zu den Ergebnissen der Evaluation des Alltagswissens gewährt. Die Beschwerdeführerin begründete ihr Gesuch im Wesentlichen damit, dass sie Tibeterin sei und protibetische Parolen an d as Gemeindebüro geschrieben habe, weswegen sie nun von den chinesischen Behörden verfolgt werde. E. Mit Verfügung vom 9. Januar 2014 (Eröffnung am 14. Januar 2014) lehnte das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die Wegweisung und den Vollzug an, wobei der Wegweisungsvoll zug nach China explizit ausgeschlossen wurde. F. Diese Verfügung focht die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 31. J a- nuar 2014 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht an und bea n- tragte die Aufhebung der Dispositivziffern 1, 2, 3, 4 und 6 sowie die G e- währung von Asyl. Eventualiter sei eine vorläufige Aufnahme als Flüch t- ling, subeventualiter eine vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzug s anzuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. D-545/2014 Seite 3 G. Mit Zwischenverfügung vom 6. Februar 2014 hiess das Bundesverwa l- tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfl e- ge gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. H. Am 16. Juni 2014 liess sich das BFM zur Beschwerde vernehmen. Die Beschwerdeführerin äusserte sich mit Replik vom 24. Juni 2014 zur Ve r- nehmlassung. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht B e- schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bu n- desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltung sgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen e i- nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerd e- führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 1.3 Die Beschwerde ist frist - und formgerecht eingereicht. Die Be- schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Int eresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änd e- rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich D-545/2014 Seite 4 Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grun d- sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, National i- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die G e- fährdung des Leibes, des Lebens oder d er Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezif i- schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für g e- geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentl i- chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ve r- fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 4. 4.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch damit, dass sie ti- betischer Ethnie sei und aus dem Dorf B._______, Gemeinde C._______, Bezirk D._______, Präfektur E._______ (Volksrepublik China) stamme. Sie sei nie zur Schule gegangen, habe mit ihrem Vater, ihrem Bruder und ihrem Grossvater zusammengelebt und habe sich um den Haushalt g e- kümmert. (…) 2013 hätten chinesische Beam te bei einer Versammlung im Dorf die Tibeter erniedrigt, woraufhin sie (die Beschwerdeführerin) z u- sammen mit mehreren jungen Frauen am Abend protibetische Parolen an die Wand des Gemeindebüros geschrieben h abe. Am darauffolgenden Tag habe sie erfahren, dass das Büro kameraüberwacht sei und sie de s- wegen identifiziert worden sei . Daher sei sie zwei Tage später von ihren Familienangehörigen fortgeschickt worden. Sie sei mit ihrem Bruder nach F._______ gefahren und von dort weiter nach G._______ gelangt. Dort habe sie illegal die Grenze nach Nepal überquert, wo sie etwa sieben Monate bei einer Familie gelebt habe. Am (…) sei sie per Flugzeug und Bahn in die Schweiz gereist. D-545/2014 Seite 5 4.2 Das BFM gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Sch luss, die Evaluation des Alltagswi ssens habe nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für die Annahme ergeben , dass die Beschwerdeführerin im von ihr be- haupteten geografischen Raum gelebt habe. So seien ihre Kenntnisse der geografischen Gegebenheiten der Heimatregion gering und sie habe weder d ie Umge bung ihres Dorfes noch die Wetterbedingungen zutre f- fend beschreiben können. Sie habe ferner keine landwirtschaftlichen Pro- dukte nennen können, obwohl ihre Familie gemäss ihren Angaben Land- wirtschaft betrieben habe. Sie habe weder das in ihrem Wohnge biet be- nutzte Brennmaterial noch die an Feiertagen getragenen Kleider zutre f- fend beschreiben können und sie habe nicht nachvollziehbare Aussagen über die Schulbildung in ihrem Dorf gemacht. Hinsichtlich der Sprache habe der Experte beobachtet, dass die Beschwerdeführerin kein Chine- sisch spreche und Wörter benutze, welche von den in Indien lebenden Tibetern verwendet würden. Diese Feststellung werde durch die Aussage in der BzP bestätigt, wonach ihr Vater ihr geraten habe, zu fliehen und nach Indien zurückzukehren. Eine nachvollziehbare Erklärung dieser Aussage habe sie nicht zu liefern vermocht, wodurch davon auszugehen sei, dass es sich bei d ieser Aussage um einen ungewollten Versprecher gehandelt habe. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs habe sie ausw ei- chend und oberflächlich auf die Ergebnisse des Alltagswissenstests ge- antwortet, was dessen Befund nicht zu widerlegen vermöge. Durch die Feststellung, dass sie nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit im von ihr behaupteten geografischen Raum gelebt habe, sei den Asylgründen jegli- che Grundlage entzogen. Dieser Schluss werde durch die unsubstanziierten, widersprüchlichen und realitätsfremden Aussagen zu den Vorfluchtgründen bestätigt. Die Teil- nahme an der chinesischen Veranstaltung, welche sie dazu bewoge n ha- be, Parolen an das Gemeindebüro zu schreiben, habe sie äusserst obe r- flächlich beschrieben. Sie habe ferner die Gründe, welche sie zu dieser Protestaktion veranlasst hätten, nicht nachvollziehbar darzulegen ve r- mocht. Obwohl sie mehrfach aufgefordert wor den sei, ihre persönlichen Erlebnisse zu schildern, seien die Ausführungen pauschal ausgefallen und hätten sich auf die Nacherzählung des Ereignisablaufs beschränkt. Es sei nicht verständlich, wieso sie nicht wisse, wie viele Frauen an der Aktion teilgenommen hätten. In der Anhörung habe sie zuerst ausgesagt, es hätten sieben bis acht andere Frauen teilgenommen, während im sp ä- teren Verlauf der Anhörung von acht bis zehn Frauen die Rede gewesen sei. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass sie nicht gewusst h abe, wer D-545/2014 Seite 6 diese jungen Frauen seien, zumal angeblich alle aus ihrem Dorf stammen würden. Schliesslich sei der Reiseweg oberflächlich und widersprüchlich b e- schrieben worden. Die Schilderung des Grenzübertritts nach Nepal en t- halte keine Substanz und auch die Fahrt zur Grenze habe nicht detailliert beschrieben werden können. Ausserdem seien die Ausführungen wide r- sprüchlich, indem sie anlässlich der BzP ausgeführt habe, die Grenze mit einem Personenwagen erreicht zu haben, während sie in der A nhörung einen Lastwagen erwähnt habe . Die Ausführungen zur Reise von Nepal in die Schweiz seien gehaltlos und sie habe keine näheren Auskünfte über die Route, die Fluggesellschaften sowie die verwendeten Reised o- kumente geben können. 4.3 Diesen Ausführungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegengehal- ten, die Beschwerdeführerin habe im Rahmen des rechtlichen Gehörs sämtliche Fragen richtig beantworten können. Dies sei ihr erst dort gelu n- gen, da sie anlässlich des Telefoninterviews sehr nervös gewesen sei und das erste Mal Kopfhörer getragen habe, worunter ihre Konzentrationsf ä- higkeit merklich gelitten habe. Entgegen dem Vorwurf des BFM habe sie sich nie dahingehend versprochen, in Indien gelebt zu haben. Aus dem Protokoll der BzP ergebe sich klar, dass es sich dabei um ein Missve r- ständnis handle. Ihr Vater habe sie ins Ausland schicken wollen, egal ob nach Indien oder Nepal. Das Wort "zurück" habe sie aber nie benutzt. Hierbei müsse es sich vielmehr um einen Übersetzungsfehler handeln. Sie verwende auch keine indischen Wörter, sond ern habe in Nepal, wo sie neun Monate gelebt habe, lediglich einige nepalesische Begriffe au f- geschnappt. In Indien sei sie aber nie gewesen. Ihre geringen Kenntnisse der chinesischen Sprache seien kein zwingendes Indiz dafür, dass sie nie in Tibet gelebt h abe. In ihrem Dorf hätten ausschliesslich Tibeter gelebt und es sei ein sehr abgelegenes Dorf. Die Schule habe sie gemieden und die Chinesen hätten nur mittels Dolmetschern mit ihnen gesprochen . Be- rücksichtige man diese Ausführungen, so sei der Alltagswiss enstest nicht geeignet, die tibetische Herkunft auszuschliessen. Sie habe auch keinen Einblick in die Herkunftsanalyse erhalten, um nachvollziehen zu können, welche indischen Wörter sie benutzt habe und welche falschen Angaben sie gemacht habe. Hinsichtlic h des fluchtauslösenden Ereignisses habe sie sich nicht widersprochen. So habe sie die Anzahl der Teilnehmerinnen der Aktion anlässlich der Anhörung auf sieben bis acht respektive acht bis zehn geschätzt, während sie in der BzP keine Zahl genannt habe. Bei so vielen Teilnehmerinnen sei es nicht möglich, eine exakte Anzahl zu ne n-D-545/2014 Seite 7 nen. Die Ausreise sei entgegen der Ansicht des BFM detailreich geschi l- dert worden, indem sie die gewählte Route und den Weg genau b e- schrieben habe und auch die Ortschaften habe nennen können. Den Aus- führungen des BFM könne denn auch nicht entnommen werden, was an ihren Ausführungen genau oberflächlich sein solle. Gemäss Grundsatzur- teil EMARK 2005 Nr. 1 sei sie als chinesische Staatsangehörige tibet i- scher Ethnie konkret gefährdet, selb st wenn sie in Nepal oder Indien g e- lebt hätte, da nicht davon ausgegangen werden könne, die betreffende Person könne ohne Weiteres die dortige Staatsangehörigkeit erwerben. Ohne anderweitige Anhaltspunkte könne eine andere Staatsangehörigkeit somit nicht a ngenommen werden. Das BFM habe ihre tibetische Ethnie denn auch nie in Frage gestellt, wodurch von der chinesischen Staatsan- gehörigkeit auszugehen sei. Aufgrund der Vorkommnisse im Heimatstaat sei sie als Flüchtling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren. Zumin- dest habe sie aufgrund der illegalen Ausreise subjektive Nachfluchtgrü n- de gesetzt, wodurch sie als Flüchtling vorläufig aufzunehmen wäre. 5. 5.1 Zuerst ist auf den in der Beschwerde erhobene n Einwand einzuge- hen, die Beschwerdeführerin habe keinen Einblick in die Herkunftsanal y- se erhalten, um nachvollziehen zu können, welche indischen W örter sie benutzt und welche falschen Angaben sie gemacht habe. Damit rügt sie sinngemäss eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör g e- mäss Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV. Der Einwand erweist sich j e- doch als unbegründet. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgericht s, welche auf EMARK 2004 Nr. 24 zurückgeht, ist in einen Alltagswissen s- test aufgrund entgegenstehender öffentlicher Interessen keine vollständi- ge Einsicht zu gewähren. Vielmehr genügt es, wenn im Rahmen der G e- währung des rechtlichen Gehörs die angeblich falschen oder unzure i- chenden Antworten so detailliert aufgezeigt werden, dass hierzu konkrete Einwände vorgebracht werden können (vgl. EMARK 2004 Nr . 24 E. 7b S. 183). Dies ist vorliegend geschehen, zumal die konkreten Themenb e- reiche, zu welchen sich die Beschwerdeführerin unzutreffend geäussert hat, anlässlich der Anhörung in genügender Weise offengelegt wurden , und der Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Stellungnahme geboten wurde. 5.2 Auch in materieller Hinsicht ist der angefochtenen Verfügung im E r- gebnis zuzustimmen. D-545/2014 Seite 8 Im Länderurteil BVGE E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Praxis gemäss EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen würden, vermutungsweise d a- von auszugehen sei, dass keine flüchtlings - oder wegweisungsvollzugs- beachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bi sherigen Aufent- haltsort sprächen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmö g- liche eine tibetische Asylsuchende durch die Verletzung ihrer Mitwi r- kungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status sie in Nepal respek- tive in Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE E -2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.9 f.). 5.3 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass die B e- schwerdeführerin ihre wahre Herku nft zu verschleiern versucht. Dabei kann zur Hauptsache auf die Evaluation des Alltagswissens verwiesen werden. Diese stammt von einer qualifizierten Person und vermag im E r- gebnis zu überzeugen, wohingegen es der Beschwerdeführerin im Ra h- men des rechtlichen Gehörs nicht gelungen ist, die dortigen Schlussfolge- rungen zu entkräften. So beschrieb sie die landschaftlichen Gegebenhei- ten ihrer Heimatregion unzutreffend. Obwohl ihre Familie angeblich in der Landwirtschaft tätig sei, vermochte sie keine Auskunft darüber zu geben, was ihre Familie jeweils angebaut habe und erklärte ihr Nichtwissen ge- genüber dem Alltagsspezialisten damit, dass ihr Vater für die Bepflanzung verantwortlich sei respektive dass sie als Frau das Haus nicht habe ve r- lassen dürfen, was als Erklärung nicht zu überzeugen vermag. In gleicher Weise nicht zu überzeugen vermag der Erklärungsversuch anlässlich des rechtlichen Gehörs, sie habe nicht richtig antworten können, da ihr so vie- le Fragen gestellt worden seien (vgl. act. A18 F108) . Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist die mangelnde Kenntnis lokaler Spezialitäten, zumal die Beschwerdeführerin angab, im Haushalt tätig gewesen zu sein und dabei auch gekocht zu haben . Die dafür angebrachte Erklärung, nie in E._______ gewesen zu sein und daher auch die dortigen Spezialitäten nicht zu kennen (vgl. ebd. F110), geht an der Sache vorbei. Auch das von der Beschwerdeführerin an geblich verwendete Brennmateri al entspricht nicht den örtlichen Gegebenheiten und schliesslich vermochte sie auch keine zutreffende Auskunft über die an Festlichkeiten üblicherweise g e-D-545/2014 Seite 9 tragene Kleidung zu geben. Ihr Erklärungsversuch anlässlich der Gewäh- rung des rechtlichen Gehörs, die Expertin nicht richtig verstanden und daher stets mit "ich weiss es nicht" geantwortet zu haben (vgl. ebd. F112), widerspricht dem Alltagswissenstest, zumal sie darin sehr wohl – wenn auch falsche – Ausführungen zu den Kleider n gemacht hat. Schliesslich ist zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin kein Chinesisch spricht, was ebenfalls als gewichtiges Indiz zu werten ist. So ist davon auszug e- hen, dass sie im Rahmen ihres Alltags mit anderen Leuten in Kontakt g e- kommen und dabei mit dem in der Umgangssprache gebräuchlichen Ch i- nesisch konfrontiert worden wäre und sich mit dieser Sprache schliesslich auch vertraut gemacht haben dürfte. Jedenfalls ist festzuhalten, dass für das Fehlen von einfachstem Chinesisch keine nachvollziehbare n Gründe angebracht wurden, zumal die Erklärung, in ihrem abgelegenen Heimat- dorf gebe es nur wenige Personen, die Chinesisch beherrschen würden (ebd. F119), und sie habe keine Schule besucht (ebd. F115), in Anbe - tracht der nicht unwesentlichen Durchdringun g der Alltagssprache durch das Chinesische, zu kurz greift. Die Erklärung, nicht zur Schule gegangen zu sein, vermag vor dem landesspezifischen Hintergrund sowie den v a- gen Aussagen der Beschwer deführerin zur Schulbildung und der Schule in ihrem Heimatdorf, ohnehin nicht vollends zu überzeugen. Ferner wird die Annahme einer Täuschung über die tatsächliche Herkunft durch die Unglaubhaftigkeitsmomente in den Aussagen hinsichtlich der Vorfluchtgründe bekräftigt. So schilderte die Beschwerdeführerin die Ve r- sammlung, welche Auslöser für ihre Protestaktion gewesen sein soll, trotz mehrmaliger Aufforderung zur Präzisierung oberflächlich (vgl. act. A18 F54, F58 bis F61 und F91). Gleich verhält es sich mit der Schilderung der nächtlichen Protestaktion (vgl. ebd. F61 b is F84). Nur schwer nachvoll- ziehbar ist es schliesslich, wieso die Beschwerdeführerin nicht weiss, wer sich – abgesehen von ihren drei bis vier Freundinnen – genau an der Ak- tion beteiligt haben soll (vgl. ebd. F85 f.). Zum Schluss weist das BFM auch zu Recht darauf hin, dass die Ausreise ohne Details geschildert wor den sei. So erschöpft sich insbesondere die Beschreibung des Grenzübertritts nach Nepal in allgemein gehaltenen Aussagen, die keine Besonderheiten aufweisen, welche auf ein tatsächl i- ches Erleben schliessen lassen würden (vgl. ebd. F21 bis F30). Überdies erstaunt es, dass die Beschwerdeführerin überhaupt keine Angaben zur Flugreise machen konnte, zumal die Flughäfen und Fluglinien sowohl im Flugzeug als auch vor Ort immer wieder bei Ansa gen und auf Anzeigeta- feln namentlich erwähnt werden. D-545/2014 Seite 10 5.4 Gestützt auf eine Gesamtwürdigung dieser Elemente ist in Überei n- stimmung mit dem BFM festzustellen , dass die Beschwerdeführerin über ihre Herkunft täuschende Angaben gemacht hat. In Anwendung der in BVGE E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10 entwickelten Rechtspr e- chung ist das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mithin abzulehnen, die Wegweisung zu bestätigen und der Vollzug für zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. 5.5 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und damit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – wiederum in Bez ug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29), ist an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung, (nochmals) darauf hinzuweisen, dass für alle Exil -Tibeterinnen und -Tibeter und somit auch für die Beschwerdeführerin ein Vollzug der We g- weisung nach China auszuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 6. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 7. Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Si n- ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 6. Februar 2014 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. (Dispositiv nächste Seite) D-545/2014 Seite 11 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die zustä n- dige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger Versand: