<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2004 121 S.448</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">448</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>121 Betrieb einer Autowaschanlage am Sonntag; Kostenauflage an die</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Gemeinde.</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Die Gemeinden können aufgrund der ihnen verfassungsmässig ga-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rantierten Gemeindeautonomie das Autowaschen an Sonntagen un-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>ter § 6 des Gesetzes über die Feier der Sonn- und Festtage vom</b></span><br/> <span class="ft2"><b>7. November 1861 (SFG) subsumieren und diese Tätigkeit als werk-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>tägliche Arbeit verbieten (Erw. 3c).</b></span><br/> <span class="ft3">-</span> <span class="ft2"><b>Teilweise Kostenauflage an die verfügende Gemeinde wegen man-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>gelnder Begründung gestützt auf § 33 Abs. 2 Satz 3 des Gesetzes über</b></span><br/> <span class="ft2"><b>die Verwaltungsrechtspflege (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG)</b></span><br/> <span class="ft2"><b>vom 9. Juli 1968 (Erw. 7).</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Regierungsrates vom 25. August 2004 in Sachen C. AG ge-</span><br/> <span class="ft3">gen Baudepartement und Gemeinderat K.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">449</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft5"><i>Aus den Erwägungen:</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">3. c) aa) Gemäss § 1 SFG liegt es in der Pflicht der Gemeinde-</span><br/> <span class="ft1">behörde, für eine würdige Feier der Sonn- und Festtage zu sorgen.</span><br/> <span class="ft1">Während der ganzen Dauer der Sonn- und Festtage ist alles Arbeiten</span><br/> <span class="ft1">im Freien, in Werkstätten, Fabriken und andern industriellen Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitslokalen untersagt (§ 6 Abs. 1 SFG). Notarbeiten, die keinen</span><br/> <span class="ft1">Aufschub erleiden, sind hievon ausgenommen (§ 6 Abs. 2 SFG). Das</span><br/> <span class="ft1">Verwaltungsgericht hat sich bereits 1993 (AGVE 1993, S. 156 ff.) im</span><br/> <span class="ft1">Rahmen eines Normenkontrollverfahrens mit der Anwendung der</span><br/> <span class="ft1">vorerwähnten Bestimmung, bezogen auf eine Autowaschanlage, aus-</span><br/> <span class="ft1">einandergesetzt. In objektiv-geltungszeitlicher Auslegung von § 6</span><br/> <span class="ft1">SFG hat es insbesondere erwogen, dass Sinn und Zweck von § 6</span><br/> <span class="ft1">SFG die Wahrung der Sonntagsruhe sei, im Gegensatz zur werktägli-</span><br/> <span class="ft1">chen Geschäftigkeit. Unter § 6 SFG würden somit insbesondere Tä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeiten im Freien fallen, welche geeignet seien, die äussere Ruhe</span><br/> <span class="ft1">des Sonn- und Festtages zu stören, weil sie den Anschein werktägli-</span><br/> <span class="ft1">cher Betriebsamkeit erwecken würden. An Sonn- und Feiertagen</span><br/> <span class="ft1">solle gerade im öffentlichen Leben eine spürbare Unterbrechung des</span><br/> <span class="ft1">werktäglichen Arbeitsprozesses eintreten, der Konkurrenzdruck der</span><br/> <span class="ft1">Arbeitswelt solle möglichst weitgehend aufgehoben und es solle ge-</span><br/> <span class="ft1">währleistet werden, dass jeder Einwohner und jede Einwohnerin un-</span><br/> <span class="ft1">belastet von den Anstrengungen des Alltags seine Freizeit geniessen,</span><br/> <span class="ft1">seine Liebhabereien verfolgen und seinen seelischen, insbesondere</span><br/> <span class="ft1">auch religiösen Bedürfnissen nachgehen könne. Das Waschen von</span><br/> <span class="ft1">Autos, sei es maschinell oder manuell, stelle eine werktägliche Tä-</span><br/> <span class="ft1">tigkeit dar, die für den Betrieb des Fahrzeugs nicht von entscheiden-</span><br/> <span class="ft1">der Notwendigkeit sei, sondern in erster Linie dessen Werterhaltung</span><br/> <span class="ft1">und ästhetischen Bedürfnissen diene. Der Betrieb einer Autowasch-</span><br/> <span class="ft1">anlage wie auch das Autowaschen generell falle in den Regelungsbe-</span><br/> <span class="ft1">reich von § 6 SFG. Das Verwaltungsgericht trat in VGE ..., der Mei-</span><br/> <span class="ft1">nung des Regierungsrates entgegen, Selbstbedienungswaschanlagen</span><br/> <span class="ft1">gehörten nicht mehr zu den werktäglichen, erwerbsgerichteten Ar-</span><br/> <span class="ft1">beitsprozessen, sondern zur Musse der heutigen Freizeitgesellschaft.</span><br/> <span class="ft1">Es trat auch der regierungsrätlichen Auffassung entgegen, § 6 SFG</span><br/> <span class="ft1">sei innerhalb des Kantonsgebietes einheitlich anzuwenden. Dies wi-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">450</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">derspreche der in § 106 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Aargau</span><br/> <span class="ft1">vom 25. Juni 1980 (KV) verankerten Anweisung an den Gesetzgeber,</span><br/> <span class="ft1">den Gemeinden möglichst weiten Handlungsspielraum zu gewähren.</span><br/> <span class="ft1">Gerade die Wahrung der Sonntags- und Festtagsruhe sei ein Feld, auf</span><br/> <span class="ft1">dem unterschiedlichen religiösen Empfindungen usw. durchaus noch</span><br/> <span class="ft1">Rechnung getragen werden solle.</span><br/> <span class="ft1">bb) Die Gemeinden können somit aufgrund der ihnen verfas-</span><br/> <span class="ft1">sungsmässig garantierten Gemeindeautonomie das Autowaschen an</span><br/> <span class="ft1">Sonntagen unter § 6 SFG subsumieren und diese Tätigkeit als werk-</span><br/> <span class="ft1">tägliche Arbeit gestützt auf diese Bestimmung verbieten. Es steht</span><br/> <span class="ft1">ihnen aber auch nach Massgabe von § 106 Abs. 2 KV frei, das</span><br/> <span class="ft1">sonntägliche maschinelle und manuelle Waschen von Autos in einer</span><br/> <span class="ft1">Autowaschanlage im Sinne einer uneinheitlichen Anwendung von</span><br/> <span class="ft1">§ 6 SFG zuzulassen, sofern sie der Auffassung sind, eine solche Re-</span><br/> <span class="ft1">gelung laufe den religiösen Empfindungen und dem Ruhebedürfnis</span><br/> <span class="ft1">der Bevölkerung der Gemeinde nicht zuwider (vgl. Kurt Eichenber-</span><br/> <span class="ft1">ger, Verfassung des Kantons Aargau, Textausgabe mit Kommentar,</span><br/> <span class="ft1">Aarau/Frankfurt/Salzburg 1986, § 106 N 10 f.).</span><br/> <span class="ft1">cc) Der Gemeinderat K. hat diese Problematik nach seinen An-</span><br/> <span class="ft1">gaben im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens geprüft und ist</span><br/> <span class="ft1">aufgrund verschiedener Überlegungen bezüglich Verkehrsaufkom-</span><br/> <span class="ft1">men, Lärm, Ladenöffnungszeiten, Sonntagsruhe und des Studiums</span><br/> <span class="ft1">der zugehörigen Rechtsgrundlagen zum Schluss gekommen, den</span><br/> <span class="ft1">Ruhebedürfnissen der Bevölkerung unter Anwendung von §§ 1 und 6</span><br/> <span class="ft1">SFG Nachdruck zu verleihen; er führt insbesondere aus, seit jeher am</span><br/> <span class="ft1">Sonntag als eigentlichem Ruhetag festzuhalten und an dieser Praxis</span><br/> <span class="ft1">auch in Zukunft festhalten zu wollen.</span><br/> <span class="ft1">dd) Der Regierungsrat hat eine solche Beurteilung aufgrund des</span><br/> <span class="ft1">den Gemeinden zukommenden weiten Handlungsspielraumes in der</span><br/> <span class="ft1">Anwendung von § 6 SFG zu respektieren. Insofern ist die Haltung</span><br/> <span class="ft1">des Gemeinderates K., das Autowaschen in der fraglichen Auto-</span><br/> <span class="ft1">waschanlage an Sonntagen nicht zuzulassen, nicht zu beanstanden.</span><br/> <span class="ft1">Insbesondere ist das finanzielle Interesse der Beschwerdeführerin,</span><br/> <span class="ft1">die Autowaschanlage nur bei einem 7-Tage-Betrieb wirtschaftlich er-</span><br/> <span class="ft1">folgreich führen zu können, dem öffentlichen Interesse, welches die</span><br/> <span class="ft1">Gemeinde K. der Sonntagsruhe zuerkennt, unterzuordnen.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Bau-, Raumplanungs- und Umweltschutzrecht</span> <span class="page_no">451</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">(...)</span><br/> <span class="ft1">7. a) In den Beschwerdeverfahren sind in der Regel der unter-</span><br/> <span class="ft1">liegenden Partei die Kosten, bestehend aus einer Gebühr und den</span><br/> <span class="ft1">Auslagen, aufzuerlegen (§ 33 Abs. 2 VRPG). Die Privaten tragen</span><br/> <span class="ft1">grundsätzlich auch das Risiko für ,,Fehlentscheide" der Vorinstanzen;</span><br/> <span class="ft1">das Gemeinwesen soll nach aargauischem Recht kostenmässig mög-</span><br/> <span class="ft1">lichst wenig belastet werden. Von dieser Regel wird bei den Verfah-</span><br/> <span class="ft1">renskosten nur dann abgewichen, wenn (abgesehen vom Fall der</span><br/> <span class="ft1">,,Saumseligkeit in der Vorinstanz" nach § 33 Abs. 2 Satz 3 VRPG)</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz einen formellen Fehler begangen hat, durch den das</span><br/> <span class="ft1">Verfahren ganz oder im Wesentlichen veranlasst worden ist (vgl.</span><br/> <span class="ft1">AGVE 1994 S. 468, 1996 S. 384; VGE ...). Die Kosten können ganz</span><br/> <span class="ft1">oder teilweise dem Obsiegenden auferlegt werden, wenn er durch</span><br/> <span class="ft1">Saumseligkeit in der Vorinstanz das Beschwerdeverfahren verursacht</span><br/> <span class="ft1">hat (§ 33 Abs. 2 Satz 3 VRPG). § 33 Abs. 2 Satz 3 VRPG stellt einen</span><br/> <span class="ft1">Ausfluss des ,,Verursacherprinzips" dar. Nach konstanter Praxis liegt</span><br/> <span class="ft1">,,Saumseligkeit" stets dann vor, wenn der Obsiegende durch sein</span><br/> <span class="ft1">Verhalten das Beschwerdeverfahren überhaupt notwendig gemacht</span><br/> <span class="ft1">hat oder zumindest wesentlich mitverursacht hat; der Fall der</span><br/> <span class="ft1">,,Saumseligkeit" ist nicht als Einschränkung des Verursacherprinzips,</span><br/> <span class="ft1">sondern bloss als Exemplifizierung des typischen Sachverhalts auf-</span><br/> <span class="ft1">zufassen (AGVE 1976, S. 307 ff.; VGE ...).</span><br/> <span class="ft1">§ 36 VRPG sieht vor, dass im Beschwerdeverfahren vor Regie-</span><br/> <span class="ft1">rungsrat dem Obsiegenden eine angemessene Entschädigung für die</span><br/> <span class="ft1">Kosten der Vertretung, Verbeiständung oder Beratung durch Anwälte</span><br/> <span class="ft1">und weitere Sachverständige zuzusprechen ist, sofern der Beizug</span><br/> <span class="ft1">dieser Personen nicht offensichtlich unbegründet war. § 33 Abs. 2</span><br/> <span class="ft1">Satz 3 ist auf die Parteikosten analog anwendbar (AGVE 1994,</span><br/> <span class="ft1">S. 468; 1976, S. 310 f.). Es gilt mit anderen Worten weitgehende</span><br/> <span class="ft1">Parallelität der Regelungen über Kostenauflage und Parteient-</span><br/> <span class="ft1">schädigung (AGVE 1983, S. 233 f.; 1982, S. 306 f.; VGE ...).</span><br/> <span class="ft1">b) Wie erwähnt, ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.</span><br/> <span class="ft1">Die Beschwerdeführerin wäre damit vollumfänglich kostenpflichtig.</span><br/> <span class="ft1">Zu berücksichtigen ist allerdings der festgestellte Verfahrensfehler</span><br/> <span class="ft1">der fehlenden Begründung des angefochtenen Entscheides durch den</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderat K. Aufgrund des festgestellten Mangels aber war es der</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2004</span> <span class="title">Verwaltungsbehörden</span> <span class="page_no">452</span></div> <div class="page" id="S5"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführerin nicht möglich, in voller Kenntnis der Entscheid-</span><br/> <span class="ft1">gründe die Rechtmässigkeit des Betriebsverbotes an Sonntagen zu</span><br/> <span class="ft1">beurteilen, über die Opportunität der Beschwerdeerhebung zu befin-</span><br/> <span class="ft1">den und die erhobene zu begründen. Insofern war die mangelnde Be-</span><br/> <span class="ft1">gründung für die Beschwerdeerhebung und den im Beschwerdever-</span><br/> <span class="ft1">fahren entstandenen Aufwand kausal. Andererseits hat die vom Ge-</span><br/> <span class="ft1">meinderat K. im Beschwerdeverfahren nachgereichte Begründung</span><br/> <span class="ft1">und das daraufhin erfolgte Festhalten der Beschwerdeführerin an</span><br/> <span class="ft1">ihrer Beschwerde gezeigt, dass wohl auch Beschwerde erhoben wor-</span><br/> <span class="ft1">den wäre, wenn das Betriebsverbot an Sonntagen bereits in der Bau-</span><br/> <span class="ft1">bewilligung ordentlich begründet worden wäre. Unter diesen Um-</span><br/> <span class="ft1">ständen ist es angezeigt, der Beschwerdeführerin die Hälfte der</span><br/> <span class="ft1">Verfahrenskosten aufzuerlegen und die andere Hälfte dem Gemein-</span><br/> <span class="ft1">derat K. bzw. der Einwohnergemeinde K. zu belasten. Gleichzeitig</span><br/> <span class="ft1">hat die Einwohnergemeinde K. der Beschwerdeführerin die Hälfte</span><br/> <span class="ft1">der Parteikosten zu ersetzen.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>