2015 Kantonale Steuern 123 Migrationsrecht 123 lung des Vermögenssteuerwerts des Wohnteils sein Bewenden haben. Das führt zur Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einge treten werden kann. 18 § 42 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG Ausbildungsabzug bei Ausbildungsunterbruch (Tochter schloss Erstaus - bildung im August 2012 ab, absolvierte Sprachaufenthalt in den USA, be - gann Zweitausbildung im folgenden Sommer); für 2012 kein Aus bil- dungsabzug Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 22 . September 2015, i.S. X. gegen KStA (WBE.2014.423). Aus den Erwägungen 1. 1.1. Für jedes volljährige Kind in Ausbildung, für dessen Unterhalt die Steuer pflichtigen zur Hauptsache aufkommen, werden gemäss § 42 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG bei der Steuerberechnung vom Reinein - kommen Fr. 9'500.00 abgezogen. Die steuerpflichtige Person kommt für ein Kind dann zur Hauptsache auf, wenn sie mehr als die Hälfte des Unterhaltes bestreitet (§ 27 StGV). 1.2. Die Gewährung des Kinderabzuges als Sozialabzug, die Ausge- staltung als Steuerfreibetrag, gleicht auf schematische Weise die durch Kinder erhöhten Lebenshaltungskosten bzw. die dadurch redu- zierte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Eltern aus ( DANIEL AESCHBACH, in: MARIANNE KLÖTI-WEBER/DA VE SIEGRIST/DIETER WEBER, Kommentar zum Aargauer Steuergesetz [Kommentar StG], 4. Auflage, Muri-Bern 2015, § 42 N 13). Der Kinderabzug knüpft an 124 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2015 das Zivilrecht, an die Wirkungen des Kindes verhältnisses gemäss ZGB an (AESCHBACH, Kommentar StG, § 42 N 24). 1.3. Nach Art. 277 Abs. 1 ZGB dauert die Unterhaltspflicht der El - tern bis zur Mündigkeit des Kindes. Hat es dann noch keine ange - messene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, bis zum ordentlichen Abschluss der entspre chenden Ausbildung für seinen Unterhalt weiterhin aufzukommen (Art. 277 Abs. 2 ZGB). Als Ausbildung gilt die unmittelbare oder mittelbare systematische berufliche Ausbil - dung, wie Anlehre, Berufslehre, Mittel- und Hochschule, ein allfällig notwendiges Praktikum oder ein notwendiger Kurs. Eine Anstellung zur Ausbildung kann nur dann als berufliche Aus bildung anerkannt werden, wenn ein Lehrvertrag abgeschlossen worden ist. Der Besuch einer Schule gilt in der Regel nur dann als Ausbildung, wenn er min- destens halbtags stattfindet und sich ohne Unterbruch auf wenigstens ein halbes Jahr erstreckt (vgl. FELIX RICHNER/WALTER FREI/STEFAN KAUFMANN/HANS ULRICH MEUTER, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl., Zürich 2013, § 34 N 33). Die Ausbildung ist grundsätzlich dann abgeschlossen, wenn sie die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit er möglicht und das Kind einen angemessenen Lebensunterhalt zu verdie nen in der Lage ist ( AESCHBACH, Kommentar StG, § 42 N 26 mit Hinweisen; PETER LOCHER, in: Kommentar zum DBG, Basel 2001, Art. 35 N 32). Unter Art. 277 Abs. 2 ZGB fällt grundsätzlich nur der Abschluss der beruflichen Erstausbildung, auch wenn eine Zweitausbildung, Weiterbildung und Zusatzausbildung als nützlich angesehen werden können (BGE 118 II 97). 1.4. Die steuerliche Berücksichtigung einer Zweitausbildung wird von Lehre und Rechtsprechung unterschiedlich beurteilt. Nach der einen Auffassung entfällt der Kinderabzug, wenn seitens der Eltern keine gesetzliche Unterhaltspflicht mehr besteht (StE 2002 BE/DBG B 29.3 Nr. 19). Insoweit die angemessene Ausbildung nach Art. 277 Abs. 2 ZGB auch eine Zweitaus bildung umfasst – sie erweitert die Grundausbildung, vertieft sie oder setzt sie zw ingend oder alternativ 2015 Kantonale Steuern 125 Migrationsrecht 125 voraus –, ist auch die steuerliche Berücksich tigung über den Kin - derabzug gewährleistet (StE 2001 ZH B 29.3 Nr. 17; vgl. auch RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., § 34 N 33). Das Ver - waltungsgericht des Kantons Luzern hat auch bei fehlender Ver - pflichtung der Eltern auf die Gewährung eines Kinderabzuges bei einer Zweitausbil dung erkannt, sofern es sich dabei nur nicht um eine blosse Weiterbil dung, sondern um die Erlernung eines neuen Berufs handelt (StE 1995 LU B 29.3 Nr. 13). Gemäss den Weisungen der Eidgenössischen Steuer verwaltung bleibt der Kinderabzug bei Aufnahme einer Zweitausbildung dann möglich, wenn sachliche Gründe dafür sprechen, um danach eine angemessene berufliche Tätigkeit auszuüben (Kreisschreiben Nr. 30 vom 21. Dezember 2010, Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem Bun desgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], S. 20). Das V orliegen von sachlichen Gründen bzw. einer angemessenen Ausbildung beurteilt sich nach den Neigungen und Fähigkeiten des Kindes, den Verhältnissen de r Eltern, allfälligen Absprachen, aber auch nach den Verhältnissen am Arbeitsmarkt (vgl. IVO P. BAUMGARTNER, in: MARTIN ZWEIFEL/ PETER ATHANAS, Kommentar zum DBG, 2. Auflage 2008, Art. 35 N 8, insbes. N 8a und c). Nach der Praxis des KStA schliess lich, die sich auf die Rechtsprechung der V orinstanz stützt, berechtigt grundsätzlich auch die Zweitausbildung zum Kinderabzug (RGE vom 20. Dezember 2012, 3-RV .2012.113, mit Hinweisen). Der steuerrechtliche Abzug knüpfe weni ger an die familienrechtliche Unterhaltsverpflichtung, als an die einge schränkte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Leistenden an ( DANIEL AESCHBACH, Kom - mentar StG, § 42 N 26a mit Hinweisen). 1.5. Die Berechtigung zum Kinderabzug beurteilt sich nach den Ver- hältnissen am Stichtag, am Ende der Steuerperiode, nicht jedoch nach denjenigen während der Steuerperiode. Wurde die Berufsausbil- dung noch vor Ablauf der Steuerperiode abgeschlossen, besteht am Stichtag kein Anspruch mehr auf den Kinderabzug, auch wenn alle übrigen V oraussetzungen während der Periode erfüllt gewesen sind, insbesondere der Leistende überwiegend oder gar ausschliesslich für den Unterhalt des Auszubilden den aufgekommen ist. Sind aber am 126 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2015 Stichtag die V oraussetzungen (noch) erfüllt, besteht Anspruch auf den vollen Kin derabzug, unabhängig von der effektiven Dauer der Ausbildung und der Höhe der Auslagen. Findet ein Ausbil dungs- unterbruch statt, schadet es nicht, wenn er bloss vorüber gehend ist und aus objektiven Gründen erfolgt, wie Krankheit oder Militär - dienst ( PETER LOCHER, a.a.O., Art. 36 N 34). Ist der Unterbruch dagegen subjektiv bedingt, in der Person des Auszubil denden be - gründet, schliesst dies die Gewährung des Kin derabzuges regelmäs- sig aus. Statt dessen können die V oraussetzungen des Unter stüt- zungsabzuges im Sinne von § 42 Abs. 1 lit. b StG erfüllt sein. 1.6. Die Gewährung des Kinderabzuges hängt letztlich auch davon ab, dass der Leistende für den Unterhalt des Kindes in überwiegen - dem Mass, zu mehr als der Hälfte aufkommt (§ 27 StGV). Erzielt ein volljähriges Kind eigene Einkünfte, so muss der Beitrag der Eltern selbige übersteigen ( DANIEL AESCHBACH, Kommentar StG, § 42 N 28). Massgebend sind diesbezüglich die Verhältnisse in der ganzen Steuerperiode und nicht alleine jene am Stichtag. 2. 2.1. Die Tochter der Beschwerdeführerin hat unstreitig ihre berufli - che Erstausbildung als Fotofachfrau, welche ihr die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit ermöglichte, am 9. August 2012 abgeschlossen. Dem Eintritt ins Berufsleben zog sie aber zunächst einen kn app drei- monatigen Sprachaufenthalt in den USA vor. Am 22 . Juli 2013 be- gann sie mit der Lehre als Kauffrau im E -Profil, einer dreijährigen beruflichen Grundausbildung, welche mit einem eidgenössischen Fä- higkeitszeugnis abschliesst und den Einstieg in e ine höhere Berufs - bildung ermöglicht, eine Zweitaus bildung. Erst - und Zweitaus bil- dung stehen in keinem sachlichen Zusam menhang, die zweite Ausbildung ist weder notwendige noch logische Folge der Erst aus- bildung. Ebenso wenig besteht ein notwendiger oder zwingen der Zusammenhang des Sprachaufenthalts zur einen oder ande ren Be - rufslehre. 2.2. 2.2.1. 2015 Kantonale Steuern 127 Migrationsrecht 127 Am Stichtag war die Tochter der Beschwerdeführerin an keiner Lehrstätte eingeschrieben. Nach den Behauptungen der Beschwerde - führerin will sich ihre Tochter jedoch der Sprachnachbereitung gewidmet haben. Zu entscheiden ist damit die Frage, ob sich ihre Tochter – noch bzw. bereits wieder – in Ausbildung bzw. in einem objektiv bedingten Ausbildungsunterbruch befunden hat und demge - mäss (weiterhin) Ans pruch auf einen Kinderabzug bestand, sofern bei einer Zweitausbildung ein solcher zu gewähren ist (zur Kontro - verse vgl. vorne Erw. 1.5). 2.2.2. Festzuhalten ist zunächst, dass die Tochter der Beschwer de- führerin ihre Erstausbildung, welche ihr den Einst ieg ins Erwerbsle- ben ermöglichte, im August 2012 abgeschlossen hatte. Der Erstausbildung folgte der Be ginn der Zweitausbildung nicht unmit - telbar. Die Beschwerdeführerin be gründet dies damit, dass der Be - ginn der Zweitlehre wegen zeitlicher Überschneidung nicht im direk- ten Anschluss an die Erstlehre möglich ge wesen sei. Dass ihre Toch- ter aber bereits im Sommer 2012 zur Zweitausbildung als Kauf frau entschlossen gewesen war und sich, wenn auch vergeblich, um eine Sonderregelung bemüht hatte, wird weder belegt, noch auch nur gel - tend gemacht. Zur Unterzeich nung des Lehrvertrages kam es am 12. April 2013. 2.2.3. Im dreimonatigen Sprachaufenthalt ist keine systematische Fortsetzung der Erstausbildung und auch keine planmässige V orbe- reitung der Zweitausbildung zu erblicken. Daran ändert auch die behauptete Sprachnachbereitung nach der Rückkehr in die Schweiz nichts, welche der prophy laktischen V orbereitung der Prü fungs- wiederholung gedient haben soll für den Fall, dass das in den USA absolvierte Examen misslungen wäre. Zudem war der Sprachau - fenthalt weder eine notwendige V oraussetzung für die Zweit lehre noch eine not wendige Ergänzung der Erstlehre. Damit fehlt es auch an objektiven Gründen für den Ausbildungsunterbruch; dieser erfolgte vielmehr aus subjektiven Gründen. 2.2.4. 128 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2015 In der Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosengeldern und der Erzielung eines Zwischenverdienstes kommt zum Ausdruck, dass die Tochter der Beschwerdeführerin zur Erzielung eines Erwerbseinkom- mens willens und entschlossen war. Damit hat sie die Ausbildung – einstweilen – zurückgestellt. 2.2.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass in der Phase zwischen dem Abschluss der Erst - und dem Beginn der Zweitausbildung von kei - nem objek tiv bedingten Ausbildungsunterbruch gesprochen werden kann. Die Gründe waren subjektiver Natur, sie dienten der berufli - chen Neuorientierung der Tochter. Eine Berechtigung zum Kinderab- zug nach § 42 Abs. 1 lit. a StG per Stichtag 31 . Dezember 2012 be- steht danach nicht. Damit fehlt es auch an den V ora ussetzungen für die Anwendung des Tarifs B gemäss § 43 Abs. 2 StG. 2.3. Aufgrund des belegmässigen Nachweises erhellt, dass die Be - schwerdeführerin für ihre Tochter überwiegend aufgekommen ist. Dies führt dazu, dass ihr zu Recht der Unterstützungsabzug gemäss § 42 Abs. 2 StG zugebilligt worden ist. 19 Dreieckstheorie - Steuerbarkeit der an den Dritten erbrachten Leistung bei der Drei - eckstheorie (Leistungsfluss: zuerst an Aktionär, dann von diesem an Dritten) - Verneinung der in Literatur und Rechtsprechung vertretenen Auf - fassung, wonach eine Schenkung zu vermuten ist - Die Beweislast, dass eine Schenkung vorliegt, liegt bei fehlender Nähe zwischen Aktionär und Drittem beim Dritten. Urteil des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 17 . November 2015, i.S. A.X. und B.X. gegen KStA (WBE.2015.72).