Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Kammer II II 2021 15 Entscheid vom 16. Juni 2021 Besetzung Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident Dr.oec. Andreas Risi, Richter Dr.iur. Frank Lampert, Richter lic.iur. Prisca Reichlin Brügger, Gerichtsschreiberin Parteien A.________ GmbH, Beschwerdeführerin, gegen Amt für Arbeit, Lückenstrasse 8, Postfach 1181, 6431 Schwyz, Vorinstanz, Gegenstand ALV (Covid-19 Arbeitslosenversicherung; Kurzarbeitsentschädi- gung)2 Sachverhalt: A.Die seit dem 24. März 2000 im Handelsregister des Kantons Schwyz einge- tragene A.________ GmbH betreibt in B.________ eine Schreinerei mit einem breiten Angebotsspektrum. Die Schreinerei beschäftigt fünf Angestellte (vgl. Vi- act. 1 und 2). Mit Gesuch vom 18. August 2020 reichte die A.________ GmbH beim Amt für Arbeit eine Voranmeldung von Kurzarbeit ab dem 1. September 2020 bis voraus- sichtlich 31. Dezember 2020 ein mit der Begründung, aufgrund der Corona- Situation kämen weniger Aufträge herein. Die Kunden seien immer noch verunsi- chert und tätigten weniger Anschaffungen (Vi.act. 1). Nach Einholen weiterer Unterlagen und Auskünfte von der Gesuchstellerin erhob das Amt für Arbeit mit Verfügung vom 25. September 2020 Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung (nachfolgend KAE) (Vi-act. 7). B.Am 22. Oktober 2020 erhob die A.________ GmbH beim Amt für Arbeit Einsprache gegen die Verfügung vom 22. Oktober 2020 (Vi-act. 8). Mit Entscheid vom 22. Januar 2021 wurde die Einsprache vom Amt für Arbeit abgewiesen (Vi-act. 10). C.Mit Eingabe vom 18. Februar 2021 erhebt die A.________ GmbH gegen den Einspracheentscheid fristgemäss Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit dem sinngemässen Antrag, ein Anspruch auf Weiterführung von KAE (v.a. im Bereich des Sekretariats) ab dem 1. September 2020 sei zu be- jahen. Das Amt für Arbeit beantragt mit Vernehmlassung vom 11. März 2021 die Abwei- sung der Beschwerden. Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.1Arbeitnehmer, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz eingestellt ist, haben Anspruch auf KAE, wenn u.a. der Arbeitsausfall anrechen- bar ist (Art. 31 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits- losenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG, SR 837.0) und der Arbeitsausfall voraussichtlich vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass durch Kurzarbeit ihre Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG). Der Arbeitsausfall ist anrechenbar, wenn er auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art. 32 Abs. 1 lit. a AVIG) und je Abrech- nungsperiode mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden ausmacht, die von den 3 Arbeitnehmern des Betriebes insgesamt normalerweise geleistet werden (Art. 32 Abs. 1 lit. b AVIG). Der Bundesrat regelt für Härtefälle die Anrechenbarkeit von Arbeitsausfällen, die auf behördliche Massnahmen zurückzuführen sind (Art. 32 Abs. 3 AVIG). In Ausübung dieser Regelungskompetenz hat der Bundesrat in Art. 51 Abs.1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (Arbeitslosenversicherungsverordnung, AVIV; SR 837.02) statuiert, dass Arbeitsausfälle, die auf behördliche Massnahmen oder andere nicht vom Arbeitgeber zu vertretende Umstände zurückzuführen sind, an- rechenbar sind, wenn der Arbeitgeber sie nicht durch geeignete, wirtschaftlich tragbare Massnahmen vermeiden oder keinen Dritten für den Schaden haftbar machen kann. Als behördliche Massnahmen, welche zu anrechenbaren Arbeits- ausfällen führen, gelten beispielsweise Ein- und Ausfuhrverbote, Kontingentie- rungen von Rohstoffen, Sperrungen von Zufahrtswegen oder Einschränkungen der Energieversorgung (Art. 51 Abs. 2 AVIV). Durch die Behörde ergriffene Massnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie fallen ebenfalls un- ter die Sonderregelung von Art. 32 Abs. 3 AVIG und Art. 51 AVIV. Dies gilt auch für Massnahmen, die nur einzelne Branchen betreffen und für Massnahmen, die von kantonalen oder kommunalen Behörden angeordnet wurden (vgl. Weisung Nr. 2021/07 "Sonderregelung aufgrund der Pandemie" des Staatssekretariats für Wirtschaft, SECO, v. 20.4.2021, S. 10 f.). Nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall insbesondere dann, wenn er durch be- triebsorganisatorische Massnahmen wie Reinigungs-, Reparatur- oder Unter- haltsarbeiten sowie andere übliche und wiederkehrende Betriebsunterbrechun- gen oder durch Umstände verursacht wird, die zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers gehören (Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG) oder wenn er branchen-, berufs- oder betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungsschwankungen ver- ursacht wird (Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG). Damit will das Gesetz vor allem regel- mässig wiederkehrende Arbeitsausfälle von der KAE ausschliessen (ARV 1997 Nr. 12 S. 65, mit Verweisen). 1.2Die Rechtsprechung legt den Begriff der wirtschaftlichen Gründe in Berück- sichtigung des präventiven Charakters der KAE weit aus und versteht darunter sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Gründe insgesamt und nicht nur den Rückgang der Nachfrage nach den normalerweise von einem Betrieb angebote- nen Gütern und Dienstleistungen (Urteil BGer 8C_549/2017 v. 20.12.2017 E. 3.2 m.H.; BGE 128 V 305 E. 3a; Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schwei- zerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 2410 Rz. 479 f.). Gemäss Weisung Nr. 2021/07 des Seco v. 20. April 2021 ("Sonderregelungen aufgrund der Pandemie") kann eine Pandemie aufgrund des 4 jähen Auftretens, des Ausmasses und der Schwere nicht als normales, vom Ar- beitgeber zu tragendes Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG be- trachtet werden, selbst wenn unter Umständen jeder Arbeitgeber davon betroffen sein kann. Demnach sind Arbeitsausfälle aufgrund rückläufiger Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die auf die Pandemie zurückzuführen sind, in An- wendung von Art. 32 Abs. 1 lit. a AVIG anrechenbar. Der Arbeitgeber muss je- doch glaubhaft darlegen können, dass die in seinem Betrieb zu erwartenden Ar- beitsausfälle auf das Auftreten der Pandemie zurückzuführen sind (analog be- reits die der Version vom 20. April 2021 vorangehenden Weisungen des Seco betr. "Sonderreglungen aufgrund der Pandemie"). Der auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführende Arbeitsausfall muss unver- meidbar gewesen sein. Diese kumulativ erforderliche Voraussetzung ist Aus- druck der Schadenminderungspflicht. Vom Arbeitgeber kann verlangt werden, dass er zumutbare Vorkehren zur Abwendung des Arbeitsausfalls trifft. Vermeid- bar ist die Kurzarbeit jedoch nicht bereits deshalb, weil der Arbeitgeber ihr durch Personalentlassungen hätte vorbeugen können. Vielmehr muss sich die Annah- me der Vermeidbarkeit des Arbeitsausfalls auf hinreichend konkrete Gründe stüt- zen und die Verwaltung muss geeignete zumutbare Massnahmen nennen, die der Arbeitgeber zu ergreifen unterlassen hat (Nussbaumer, a.a.O., S. 2410 f. Rz 480 m.H.; Pra 77 Nr. 26). 1.3Die KAE hat die präventive Funktion, Ganzarbeitslosigkeit, d.h. Entlassun- gen zu verhindern und Arbeitsplätze zu erhalten. Neben sozialen und wirtschaft- lichen Überlegungen spielen dabei auch finanzielle Interessen der ALV mit hin- ein, weil Ganzarbeitslose höhere Kosten verursachen. Die Erhaltung der Arbeits- plätze liegt aber auch im Interesse des Arbeitgebers, indem der Produktionsap- parat über die Zeit der Kurzarbeit hinweg intakt und die Stammbelegschaft erhal- ten bleiben kann (Nussbaumer, a.a.O., S. 2401 Rz 566, BGE 123 V 234 E. 7a m.H.). Indessen ist nicht zu verkennen, dass die gesetzliche Regelung der KAE sich am Grundsatz der Verhältnismässigkeit orientiert und somit nicht jede Verkürzung oder Einstellung der Arbeitszeit entschädigt (vgl. Art. 31-35 AVIG). Überdies ist zu beachten, dass das Institut der KAE - entsprechend dem aus Art. 31 BV her- vorgehenden Grundsatz der Wettbewerbsneutralität (vgl. BGE 121 I 134 f. E. 3d) - dort seine Grenzen findet, wo es zur Erhaltung nicht mehr dem Markt entspre- chender Betriebsstrukturen eingesetzt wird (ARV 1985 Nr. 17 S. 109; ALV-Praxis 92/2). Auch die Bestimmungen des AVIG sind in diesem Sinne verfassungskon- form auszulegen (vgl. BGE 120 Ia 290 E. 2b; 119 V 130 E. 5b; Rhi-5 now/Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungs- band, Basel/Frankfurt a.M. 1990, Nr. 24 S. 76 ff.). 2.1.1In der Voranmeldung von Kurzarbeit vom 18. August 2020 wurde ein pro- zentualer monatlicher Arbeitsausfall von 65% geltend gemacht; es seien vier von insgesamt fünf Arbeitnehmenden betroffen (Vi-act. 1). Auf Nachfrage der Vor- instanz konkretisierte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 3. September 2020 ihr Gesuch und hielt fest, dass infolge der Corona-Situation die Auftragsla- ge im Vergleich zu früheren Jahren immer noch leicht rückläufig sei. Die Situation verbessere sich langsam. Aufgrund des kleineren Arbeitsvolumens sei ein Mitar- beiter, der per Sommer 2020 gekündigt habe, nicht mehr vollständig ersetzt wor- den. Ein weiterer Mitarbeiter befinde sich seit Anfang Juni bis Mitte September 2020 in unbezahltem Urlaub. Aufgrund eines grösseren Auftrages würden die allgemeinen Büroarbeiten voraussichtlich wieder aufwändiger, weshalb diese Teilzeitstelle erhalten bleiben könnte. Es sei für die jetzige Stelleninhaberin auf- grund ihres Alters (über 55-jährig) schwierig, eine neue Stelle zu finden. 2.1.2In den von der Beschwerdeführerin beigelegten Arbeitsrapporten für den Zeitraum April - August 2020 wird für drei Schreiner im Monat April ein Arbeits- ausfall von über 10% (14 - 29%) und für einen Schreiner im Monat Mai ein Ar- beitsausfall von über 10% (17%) ausgewiesen. In den übrigen Monaten besteht kein Arbeitsausfall oder ein solcher von unter 10%. Für die administrative Mitar- beiterin wird zwischen April und August 2020 demgegenüber durchgehend ein Arbeitsausfall von über 70% dokumentiert (Vi-act. 6). 2.2Im Einspracheentscheid vom 22. Januar 2021 führt das Amt für Arbeit aus, es werde von der Gesuchstellerin nicht erläutert, weshalb gerade in der Adminis- tration weniger Arbeiten anfallen würden. Die Bauindustrie und das Bauneben- gewerbe würden aufgrund des tiefen Zinsniveaus von einer anhaltend starken Nachfrage profitieren. Die Binnennachfrage sei auch im Sommer und Herbst 2020 recht hoch geblieben. Schwankungen in der Auftragslage im Jahresverlauf sowie Terminverschiebungen auf Wunsch von Auftraggebern oder aus anderen Gründen gehörten im Bauhaupt- und Baunebengewerbe zum Alltag. Der darauf zurückzuführende Arbeitsausfall sei betriebsüblich und nicht anrechenbar. Er stehe auch nicht in einem Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Andern- falls würde die Gesuchstellerin nicht davon ausgehen, dass sich die Situation in den nächsten Monaten ändern werde, obwohl die Pandemie bis dahin noch nicht ausgestanden sei. Ein allgemeiner Hinweis, dass aufgrund der Covid-19- Pandemie das Auftragsverhalten im Allgemeinen zurückgegangen sei, verfange 6 nicht. Die erwiesenermassen hohe Inlandnachfrage führe dazu, dass der Kon- sum konstant bleibe. 2.3Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Eingabe vom 18. Februar 2021 vor, der wirtschaftlich bedingte Arbeitsausfall in ihrem Kleinbetrieb liege noch bei ca. 15%, wobei sich dieser Ausfall vor allem noch auf den Teil Büro/Sekretariat aus- wirke und weniger auf die Produktion. Dies rühre daher, dass übliche sonst anfal- lende Arbeiten wie die Organisation von Events, die Mithilfe bei der Planung und der Erstellung von Offerten sowie Marketingaktivitäten zur Zeit stark reduziert seien. Ebenso würden Abrechnungen bei grösseren Aufträgen zeitverschoben erfolgen. Zwischenzeitlich seien die Privatkunden wieder vermehrt bereit, die Mitarbeitenden in ihre Räumlichkeiten zu lassen. Die Beschwerdeführerin führt des Weiteren aus, sie möchte den Abbau der Teilzeitstelle im Büro vermeiden, da die jetzige Stelleninhaberin die Abläufe im Geschäft bestens kenne. Sie sei auch bereits über 55 Jahre alt und es sei schwierig für sie, eine andere Stelle zu finden. 2.4Das Amt für Arbeit wendet vernehmlassend ein, während der Zeit des Lockdowns im März und April 2020 seien sicherlich Einschränkungen in Bezug auf die Zugänglichkeit von Objekten aufgetreten, welche aber mit den Massnah- menlockerungen zunehmend verschwunden seien. Schreinereibetriebe hätten in der Folge eine verstärkte Nachfrage verzeichnet. Beim Amt für Arbeit seien denn auch kaum Voranmeldungen für Kurzarbeitsentschädigung von Schreinereibe- trieben eingegangen. 3.1Wie bereits erwähnt stellt das Auftreten einer Pandemie kein normales, vom Arbeitgeber zu tragendes Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG dar. Arbeitsausfälle aufgrund rückläufiger Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die auf die Pandemie zurückzuführen sind, sind in Anwendung von Art. 32 Abs. 1 lit. a AIVG anrechenbar (vgl. Weisung Nr. 2021/07 "Sonderre- gelungen aufgrund der Pandemie" des Staatsekretariats für Wirtschaft [SECO] in der aktuellen Version vom 20.4.2021 oder analog Weisung Nr. 2020/10 v. 22.7.2020). Vorliegend ist umstritten, ob der Beschwerdeführerin ab August 2020 ein auf die Pandemie zurückzuführender oder ein allgemein auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführender Arbeitsausfall vorliegt bzw. dargelegt werden kann. Nicht geltend gemacht und auch nicht ersichtlich ist, dass behördliche Massnah- men im fraglichen Zeitraum zu einem Arbeitsausfall geführt haben. Die Be- schwerdeführerin war von keiner behördlich angeordneten Betriebsschliessung betroffen und auch behördliche Massnahmen zum Gesundheitsschutz hatten bzw. haben keine relevanten Auswirkungen auf den Arbeitsanfall.7 3.2Als zum normalen Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG gehörend und damit als nicht anrechenbar gelten jene Arbeitsausfälle, die erfah- rungsgemäss regelmässig und wiederholt auftreten, demzufolge vorhersehbar und in verschiedener Weise kalkulatorisch erfassbar sind (BGE 119 V 498 Erw. 1). Schwankungen in der Auftragslage im Jahresverlauf, z.B. ein Beschäftigungs- rückgang im Winter - aber auch zu anderen Jahreszeiten - sowie Terminver- schiebungen auf Wunsch von Auftraggebern oder allenfalls aus anderen Grün- den, die das mit der Ausführung der Arbeiten beauftragte Unternehmen nicht zu verantworten hat, sind im Baugewerbe durchaus üblich. Der darauf zurückzu- führende Arbeitsausfall gilt gemäss Rechtsprechung somit als betriebsüblich und ist deshalb nicht anrechenbar. Diese Praxis ist auch bei einer angespannten, re- zessiven Wirtschaftslage und dem damit verbundenen Risiko, dass die Möglich- keit, andere Aufträge vorzuziehen, nicht mehr oder nur in eingeschränktem Mas- se besteht, anwendbar. Beschäftigungsschwankungen auf Grund verstärkter Konkurrenzsituation stellen im Baugewerbe ein normales Betriebsrisiko dar. Die- se auf das Bauhauptgewerbe anwendbare Rechtsprechung gilt sinngemäss auch für das Baunebengewerbe (Urteil BGer C 237/06 v. 6.3.2007 E. 2 m.H. auf Urtei- le C 244/99 v. 30.4.2001, E. 3a und Urteil C 8/03 v. 4.12.2003, E. 3; Urteil BGer 62/02 v. 7.8.2002 E. 2a). Beschäftigungsschwankungen aufgrund eines enormen Wettbewerbs- und Konkurrenzdrucks gelten ebenfalls als betriebsüblich und sind nicht anrechenbar (vgl. Urteil BGer 8C_986/2012 v. 19.6.2013 E. 4.4). Ein Ar- beitsausfall muss daher aussergewöhnlich und erheblich sein, um als anrechen- bar im Sinne von Art. 32 Abs. 1 lit. a AVIG zu gelten. Andererseits kann eine rezessive Wirtschaftslage (unabhängig davon, ob durch eine Pandemie oder andere Gründe verursacht) ausreichen, dass Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Die damit verbundenen Arbeitsausfälle sind nicht mehr dem normalen Betriebsrisiko zuzurechnen, sofern der Arbeitgeber plausibel zu begründen vermag, dass die Arbeitsausfälle effektiv auf die rezessive Wirt- schaftslage zurückzuführen sind. Es ist somit ein adäquater Kausalzusammen- hang zwischen der rezessiven Wirtschaftslage und den Auftragseinbussen bzw. dem Arbeitsausfall darzulegen. Von einer rezessiven Wirtschaftslage ist insbe- sondere dann auszugehen, wenn Umsatzeinbussen oder Einbrüche im Auftrags- bestand verbunden mit negativen Wirtschaftsprognosen bei einer erheblichen Anzahl von Betrieben in der gesamten Wirtschaft oder von bestimmten Branchen vorliegen. Ein anrechenbarer Arbeitsausfall infolge rezessiver Wirtschaftslage kann etwa dann angenommen werden, wenn die Umsätze in den Monaten kurz vor der Voranmeldung eine Abnahme im Vergleich mit den entsprechenden Vor- jahreswerten zeigen, der KOF-Konjunkturbarometer deutlich rückläufig ist und die Anzahl Voranmeldungen von Kurzarbeit der fraglichen Branche im Vergleich 8 zum Vorjahr erheblich angestiegen ist (vgl. AVIG-Praxis KAE, Stand Januar 2021, D 6b). 3.3.1Während die Beschwerdeführerin im Rahmen der Voranmeldung von Kurzarbeit noch einen Arbeitsausfall von ca. 60% für vier der fünf Arbeitnehmer für die Dauer von vier Monaten (September bis Dezember 2020) geltend ge- macht hat, beschränkte sie im Laufe des Verfahrens die angemeldete Kurzarbeit im Wesentliche auf die 50%-Stelle in der Administration. Die eingereichten Ar- beitszeitrapporte für den Zeitraum April bis August 2020 belegen denn auch (wie bereits erwähnt) nur geringfügige Arbeitsausfälle für die angestellten Schreiner - wobei diese noch im Frühjahr 2020 angefallen sind - und lediglich im Bereich Administration einen durchgehenden Arbeitsausfall von über 70%. Aus den ein- gereichten Unterlagen ergibt sich im Weiteren, dass die Umsatzzahlen bereits in den zwei Jahren vor Einsetzen der Corona-Pandemie erheblichen Schwankun- gen unterlegen sind. Die Quartalsumsätze lagen 2018 und 2019 zwischen Fr. 124'561 (2. Quartal 2018) und Fr. 412'543 (3. Quartal 2019). Im Jahr 2020 wurde im ersten Quartal ein Umsatz von Fr. 318'770 und im zweiten Quartal ein Umsatz von Fr. 335'012 erzielt, was im oberen Bereich der in den zwei Vorjahren erzielten Quartalsumsätzen liegt. Im Juli 2020 wurde ein Umsatz von Fr. 62'809 erzielt, was ebenfalls im Rahmen der üblichen Umsatzschwankungen liegt. In den beiden Vorjahren lag der Umsatz in mehreren Monaten unter diesem Betrag (Feb., April, Mai, Juni, Sept. und Okt. 2018, Feb., April und Sept. 2019). Die Um- sätze des 1. und 2. Quartals 2020 lagen über den Umsätzen des 1. und 2. Quar- tals der beiden Vorjahre. Ein Umsatzeinbruch zum Zeitpunkt der Voranmeldung bzw. unmittelbar vorangehend ist somit nicht ausgewiesen. Ein eigentlicher Ein- bruch der Auftragslage oder in der Produktion, welcher über die üblichen Be- schäftigungsschwankungen hinausginge, kann nicht nachvollziehbar dargelegt werden. 3.3.2Gegen eine über die üblichen Auftragsschwankungen hinausgehenden ei- gentlichen Einbruch der Auftrags- und Beschäftigungslage sprechen auch die Konjunkturzahlen. Der Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) zeigte im April 2020 einen starken Rückgang, ab Juni 2020 dann aber eine stetige Erholung. In der Periode August bis Dezember 2020 wurden die Vorjahreswerte übertroffen (vgl. https://kof.ethz.ch/prognosen-indikatoren/ indika- toren/kof-konjunkturbarometer.html). Gemäss der Konjunkturanalyse der KOF für 2012/2022 ist der Bausektor trotz Einbussen solide durch das Jahr 2020 ge- kommen. Im dritten und auch vierten Quartal 2020 stiegen die Investitionstätig- keiten (vgl. KOF ETH Zürich, Konjunkturanalyse Prognose 2021/2022, 2021-03, S. 33). Die Vorinstanz verweist zudem auf ein Interview mit dem Zentralpräsiden-9 ten des Verbandes Schweizer Schreinermeister und Möbelfabrikanten in der Schreiner Zeitung vom 7. Januar 2021, gemäss dessen Aussagen es im März und April 2020 in Bezug auf Aufträge von Privaten zu einem deutlichen Einbruch gekommen sei. Nach wenigen Wochen habe der Wind allerdings um 180 Grad gedreht. Es habe plötzlich sehr viele Anfragen bei den Betrieben gegeben, auch von Privatkunden. 2020 sei insgesamt - zumindest in der Deutschschweiz - kein schlechtes Jahr gewesen (Vi-act. 11). Mithin sprechen nicht nur die von der Be- schwerdeführerin dargelegten Zahlen (Arbeitsstundenrapporte und Umsatzzah- len unmittelbar vor Geltendmachung von Kurzarbeitsentschädigung), sondern auch die vorstehend dargelegten Indizien zur allgemeinen Konjunktur und der Auftragslage im Schreinereigewerbe gegen einen adäquaten Kausalzusammen- hang zwischen der Corona-Pandemie bzw. deren wirtschaftlichen Folgen und dem geltend gemachten Arbeitsausfall im Bereich Administration der Beschwer- deführerin. 3.3.3Es ist im Übrigen nicht ersichtlich und wird auch nicht dargelegt, weshalb bei einem Rückgang der Auftragslage in einem kleineren bis mittleren Schreine- reibetrieb einzig im Bereich Administration ein Arbeitsausfall anfallen soll und dass dieser Arbeitsausfall in einem Zusammenhang steht mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Der Administrationsaufwand eines kleineren bis mittleren Handwerksbetriebes ist regelmässig abhängig vom Umfang der Produktion (Ar- beitsanfall in der Verarbeitung) und vom Umsatz (z.B. Personaladministration, Buchführung, Rechnungstellung, Beitragsabrechnungen usw.). Es ist nahelie- gend, dass bei einem ausserordentlichen Auftragseinbruch auch im Bereich Ad- ministration ein Arbeitsausfall anfällt. Es ist hingegen nicht nachvollziehbar, dass trotz voller oder weitgehend voller Beschäftigung im Bereich der Produkti- on/Verarbeitung in der Administration ein covid-bedingter Arbeitsausfall von über 70% über einen längeren Zeitraum bestehen soll. Dass im Bereich Marketing wegen schwieriger Auftragslage weniger Aufwendungen getätigt würden, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, steht im Widerspruch zum Umstand, dass das Marketing gerade einer Verbesserung der Auftragslage dient und Abstriche in diesem Bereich bei rückläufiger Auftragslage wohl nicht im Vordergrund ste- hen. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, im Bereich der Organisation von Kundenevents sei es zu einer Reduktion von Arbeiten gekommen, ist anzu- merken, dass der Arbeitsaufwand für solche Events bei einer kleineren bis mit- telgrossen Schreinerei von untergeordneter Bedeutung ist und den geltend ge- machten massiven Arbeitsausfall im Bereich Administration nicht zu begründen vermag. 10 3.4Insgesamt vermag die Beschwerdeführerin einen adäquaten Kausalzu- sammenhang zwischen dem geltend gemachten Arbeitsausfall im Bereich der Administration und den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie nicht über- zeugend darzulegen. Ein anrechenbarer Arbeitsausfall im Sinne von Art. 31 Abs. 1 AVIG liegt nicht vor; der geltend gemachte Auftragsrückgang geht nicht über die in den beiden Vorjahren vor Einsetzen der Pandemie üblichen Schwankun- gen hinaus. Die angefochtene Verfügung vom 25. September 2020 und der Ein- spracheentscheid sind daher nicht zu beanstanden. 4.Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen. Es werden keine Kosten erhoben (Art. 61 lt. fbis ATSG). 11 Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Kosten erhoben. 3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwer- de* in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht, Schwei- zerhofquai 6, 6004 Luzern, erhoben werden (Art. 42 und 82ff. des Bundes- gesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110] vom 17.6.2005). 4. Zustellung an: -die Beschwerdeführerin (R) -die Vorinstanz -und das Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, 3003 Bern (A) Schwyz, 16. Juni 2021 Im Namen des Verwaltungsgerichts Der Vizepräsident: Die Gerichtsschreiberin: *Anforderungen an die Beschwerdeschrift Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch, Ru- mantsch Grischun) abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat; der angefochtene Entscheid ist beizulegen. Versand: 22. Juni 2021