<h2>SubmittedText<h2><p>Offenbar nehmen jährlich rund 2000 Schweizer Jägerinnen und Jäger an fragwürdigen Jagdreisen im Ausland teil, wobei die Erlegung einer Trophäe als treibendes Motiv im Vordergrund steht. </p><p>Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er Auslandsjagden in Bezug auf folgende Punkte: </p><p>a. Tierschutz (insbesondere in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern, wo keine oder nur marginale Tierschutz- und Jagdgesetzgebungen existieren);</p><p>b. Ethik (Abschuss hoch sozialer "Tierpersönlichkeiten" wie Elefant oder Pavian, die nachweislich durch den Verlust von Herdenmitgliedern traumatisiert werden können, sowie Abschuss von vom Aussterben bedrohten Arten);</p><p>c. Artenschutz (insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, wo ein wissenschaftlich solides Bestandsmanagement selten gegeben ist und die Korruption die "nachhaltige Nutzung" von Tierbeständen und den Cites-konformen Umgang mit Tiertrophäen sabotiert);</p><p>d. Soziale Probleme (Landenteignung, -vertreibung); </p><p>e. Eingezäunte Jagdfarmen (Abschuss eingesperrter Tiere; Verhinderung natürlicher Tierwanderungen, Aussetzung gebietsfremder Arten zu Jagdzwecken, Überweidung)?</p><p>2. Wie stellt er sich zur Forderung eines Importverbots für Trophäen aus tierschutzwidriger Jagd oder von bestimmten Tierarten:</p><p>a. Spezifisch für bestimmte Tierarten (z. B. Elefant, Nashorn, Grosskatzen, Eisbär), die insgesamt und als Art besonders gefährdet sind (z. B. durch Wilderei, Lebensraumzerstörung, Klimawandel) oder mit deren Tötung besonders gewichtige ethische Probleme verbunden sind;</p><p>b. Generell für Trophäen aus Ländern ausserhalb der EU, weil deren Jagden im Allgemeinen nicht Schweizer Tierschutzrecht entsprechen;</p><p>c. Für Trophäen, die aus nicht tierschutzkonformer Jagd stammen (Bogenjagd, Helikopterjagd, Gatterjagd)?</p><p>3. Wie stellt er sich zur Tatsache, dass auch hierzulande (im Kanton Wallis) eine gemäss Jagdgesetz geschützte Art (Steinbock) an ausländische Jagdtouristen zum Abschuss verkauft wird, während sich Schweizer Jägerinnen und Jäger für solche Sonderabschüsse jahrelangen Wartezeiten und einer Auslosung unterwerfen müssen? </p><p>a. Ist ihm bekannt, wie viele geschützte Steinböcke hierzulande alljährlich von Jagdtouristen erlegt werden?</p><p>b. Ist ihm bekannt, wie viele Steinbock-Trophäen jährlich ausser Landes exportiert werden?</p><p>4. Wie viele Schweizer Jagdtouristen reisen pro Jahr ins Ausland zur Trophäenjagd?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Gewisse im Ausland praktizierte Formen der Jagd stossen in der Schweiz auf Unverständnis und entsprechen nicht unseren tierschutzrechtlichen und ethischen Massstäben. Im Ausland sind jedoch grundsätzlich die im jeweiligen Land geltenden Vorschriften massgebend. Der internationale Verkehr mit gewissen Jagdtrophäen und damit auch deren Einfuhr in die Schweiz unterliegen hingegen den Bestimmungen des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (Cites-Übereinkommen, SR 0.453), welches eine nachhaltige Nutzung der Bestände bezweckt. Jagdtrophäen von Tierarten, die im Cites-Übereinkommen aufgeführt werden, sind bei der Einfuhr in die Schweiz anzumelden und werden kontrolliert; der rechtmässige Verkehr muss mit entsprechenden Dokumenten nachgewiesen werden (Art. 1 und 7 der Verordnung des EDI vom 4. September 2013 über die Kontrolle des Verkehrs mit Tieren und Pflanzen geschützter Arten, SR 453.1, bzw. Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. März 2012 über den Verkehr mit Tieren und Pflanzen geschützter Arten, SR 453). Stellen die Kontrollorgane fest, dass der Nachweis der Rechtmässigkeit des Verkehrs fehlt, so werden die Exemplare beschlagnahmt.</p><p>2. Für eine Verbesserung des Tier- und Artenschutzes im Ausland sind international abgestützte Massnahmen im Rahmen von multilateralen Konventionen wie dem Cites-Übereinkommen zielführender als ein Importverbot der Schweiz. Die erwünschte Wirkung, eine generelle Verbesserung des Tier- und Artenschutzes in bestimmten Ländern oder für spezifische Tierarten, wird mit einem Importverbot eines einzelnen Staates kaum erreicht. International abgestützte Massnahmen erzeugen hier deutlich mehr Druck. So ist der Handel mit stark gefährdeten Arten wie Nashörnern und Elefanten (Arten des Anhangs I des Cites-Übereinkommens) streng geregelt. Die entsprechenden Vorschriften müssen vom Export- und vom Importland eingehalten werden. Die Schweiz setzt sich seit längerer Zeit für den internationalen Tierschutz ein; u. a. ist sie massgeblich an der Erarbeitung international anerkannter Standards betreffend tierschutzgerechte Tötung von Reptilien zur Ledergewinnung beteiligt.</p><p>3. Die Regulierung der Bestände der Steinböcke erfolgt durch die Kantone, nach Genehmigung der Abschussplanung durch das Bundesamt für Umwelt (Verordnung über die Regulierung von Steinböcken vom 30. April 1990, SR 922.27). Somit liegt die Vergabe der zum Abschuss bewilligten Steinböcke im Ermessen der Kantone. Dem Bund ist nicht bekannt, wie viele Steinböcke in der Schweiz von Jagdtouristen erlegt werden und wie viele Steinbocktrophäen jährlich exportiert werden.</p><p>4. Es liegen keine Zahlen dazu vor, wie viele Schweizer Jagdtouristen pro Jahr für eine Trophäenjagd ins Ausland reisen. Bei den durch Schweizer Jägerinnen und Jäger im Ausland erlegten und eingeführten Tieren handelt es sich fast ausschliesslich um Wildschweine, Rehe, Hirsche, Mufflons usw., welche aus den umliegenden EU-Staaten Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, Ungarn und Tschechien stammen. Die Trophäenjagd auf Tierarten wie Elefant, Nashorn, Grosskatzen und Eisbär wird von einem vergleichsweise kleinen Teil der Jagdtouristen ausgeübt.</p>  Antwort des Bundesrates.