Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 23. August 2012 (710 12 56) ____________________________________________________________________ Alters- und Hinterlassenenversicherung Sozialversicherungsrechtliche Stellung Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons- richter Michael Guex, Gerichtsschreiberin Marion Wüthrich Parteien A.____ , Beschwerdeführer, vertreten durch Serge Flury, Rechtsan- walt gegen Ausgleichskasse Basel-Landschaft , Beschwerdegegnerin Beigeladene B.____ AG C.____ AG Betreff Sozialversicherungsrechtliche Stellung A. A.____ war bei der Firma C.____ AG als Arbeitnehm er tätig. Per 31. Juli 2011 kündigte er diese Stelle. Bereits vor seiner Kündigung hatte A. ____ die Einzelfirma D.____ ins Handels- register des Kantons Basel-Landschaft eintragen lassen. Al s Firmenzweck nennt das Handels- Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht register "Durchführung, Planung, Projektleitung, Engin eering sowie Software-Entwicklung auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik. Erstellung der V alidierung, Qualifizierung und Doku- mentation. Inbetriebsetzung, Störungsbehebung und T ests der Steuerung und Anlagen im In- und Ausland". In der Folge ersuchte A.____ bei der So zialversicherungsanstalt Basel- Landschaft, Ausgleichskasse (Ausgleichskasse), um Anschluss als se lbständig Erwerbender und Eintrag ins Register. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2011 stellte die Ausgl eichskasse fest, dass bei der Arbeit, welche A.____ ausübe, die Merkmale für eine unselbständ ige Tätigkeit überwiegen würden. Seine Arbeitgeber seien deshalb verpflichtet, auf dem an A.____ entrichteten Lohn die paritäti- schen AHV-, IV-, EO-, ALV-Beiträge bei der für ihn zust ändigen Ausgleichskasse abzurechnen. Die Verfügung wurde auch der C.____ AG, der B.____ AG und der E.____ AG eröffnet. Die von A.____ gegen diese Verfügung erhobene Einsprac he wies die Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom 23. Dezember 2011 mit der Begründung ab, dass die Merkmale einer unselbständigen Erwerbstätigkeit überwiegen würden. A.____ trete gegenüber dem Endkunden nicht in eigenem Namen auf und stelle auch nicht direkt an den Endkunden Rechnung, sondern an die Auftraggeberin, sodass er kein Inkassorisiko trag e. Ferner sei A.____ an die Weisungen der Auftraggeberin gebunden und dieser auch arbeits organisatorisch untergeordnet. Im Weite- ren sei er für seine ehemalige Arbeitgeberin tätig und erbringe dieselben Dienstleistungen wie vorher als Arbeitnehmer. Schliesslich trage er auch seine Unkosten nicht selber, sondern stelle die Spesen der Auftraggeberin in Rechnung. B. Gegen den Einspracheentscheid vom 23. Dezember 2011 erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Serge Flury, am 14. Februar 2012 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel- Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgeri cht). Darin beantragte er, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und fe stzustellen, dass er sozialversiche- rungsrechtlich als selbständig erwerbend gelte; unter o /e-Kostenfolge zu Lasten der Beschwer- degegnerin. C. Mit Vernehmlassung vom 14. April 2012 schloss die Ausg leichskasse auf Abweisung der Beschwerde. D. Mit Verfügung vom 25. April 2012 lud das instruie rende Präsidium des Kantonsgerichts die C.____ AG sowie die B.____ AG zum Verfahren bei und räumte ihnen Gelegenheit zur Stel- lungnahme ein. Auf eine Einbeziehung der E.____ AG i n das Verfahren wurde verzichtet, da aktenkundig mit dem Beschwerdeführer noch keine Geschäftst ätigkeit stattgefunden hatte. Während die C.____ AG mit Eingabe vom 22. Mai 2012 a uf eine Stellungnahme verzichtete, bestätigte die B.____ AG mit Eingabe vom 23. Mai 2012 , dass eine Zusammenarbeit mit A.____ habe abgebrochen werden müssen, nachdem die Aus gleichskasse eine selbständige Tätigkeit von A.____ verneint habe. Für die B.____ A G sei für die fragliche Arbeit nur eine Be- auftragung eines selbständigen Subunternehmers in Frage gekommen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes übe r den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in V erbindung mit Art. 1 des Bundes- gesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (A HVG) vom 20. Dezember 1946 kann gegen Einspracheentscheide in jedem Kanton bei ei nem Versicherungsgericht als einzige Instanz Beschwerde erhoben werden. In Abweichung von Art . 58 Abs. 1 ATSG ist bei Be- schwerden gegen Verfügungen und Einspracheentscheide k antonaler Ausgleichskassen das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse zuständig ( Art. 84 AHVG). Im Kanton Basel- Landschaft ist gemäss § 54 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über d ie Verfassungs- und Verwaltungs- prozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 das Kantonsge richt, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht, als einzige gerichtliche Instanz für Beschwerde n gegen Verfügungen einer Aus- gleichskasse gemäss den Artikeln 84 und 91 AHVG zuständig. Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Kantonsgericht im Übrigen frist- und formger echt eingereichte Beschwerde vom 14. Februar 2012 ist demzufolge einzutreten. 2. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde t die Frage, ob die Arbeitsleistun- gen für die C.____ AG und die B.____ AG als eine sel bständige oder unselbständige Tätigkeit zu qualifizieren sind. 3.1 Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwer bstätiger richtet sich unter ande- rem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbseinkommen als solches aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit zu qu alifizieren ist (Art. 5 und 9 AHVG so- wie Art. 6 ff. der Verordnung über die Alters- und H interlassenenversicherung [AHVV] vom 31. Oktober 1947). Gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmt e Zeit geleistete Arbeit. Als Einkom- men aus selbständiger Erwerbstätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. 3.2 Die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder uns elbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, beurteilt sich praxisgemäss nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftli chen Gegebenheiten. Die zivilrechtli- chen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhal tspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein (BGE 122 V 171 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts vom 26. April 2007, H 102/06, E. 6.2). A ls unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgebe r in betriebswirtschaftlicher beziehungs- weise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und ke in spezifisches Unternehmerrisiko trägt (BGE 122 V 283 E. 2a, 119 V 161 E. 2, 110 V 78 E. 4). 3.3 Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos sind namentlich das Tätigen bedeutender Investitionen, das Einstehen müssen für Verluste, das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, das Beschaffen von Aufträgen, eigene Geschäftsräumlichkeiten und die Beschäftigung von Personal (Wegleitung über den ma ssgebenden Lohn [WML], gültig ab 1. Januar 2008, Stand 1. Januar 2012, Rz 1014). Gemä ss der Rechtsprechung besteht das Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht spezifische Unternehmerrisiko im Weiteren darin, dass bei einer selbständigen Erwerbstätigkeit unabhängig vom Arbeitserfolg Kosten anfallen, die der Versicherte selber zu tragen hat (P ETER FORSTER , AHV Beitragsrecht: Materiell- und verfahrensrechtliche Grundlagen; Abgrenzung zwi- schen selbständig und unselbständig erwerbstätigen Person en, Zürich/Basel/Genf 2007, S. 85 Rz 65 mit Hinweisen). Das Unternehmerrisiko zeigt sich schl iesslich auch darin, dass das In- kasso- und Delkredererisiko (beispielsweise das Einstehen m üssen für Verluste aus der Insol- venz von Kunden) sowie Verluste aus mangelhafter Lieferun g zu tragen sind und für die Man- gelhaftigkeit eines Werks sowie ungetreue und unsorgfält ige Ausführung eines Geschäfts ein- zustehen ist (PETER FORSTER , a.a.O., S. 84 Rz 62 mit Hinweisen). 3.4 Die arbeitsorganisatorische beziehungsweise wirtschaft liche Abhängigkeit äussert sich namentlich in der Weisungsgebundenheit des Erwerbstätig en, seiner Rechenschaftspflicht, sei- ner Eingliederung in eine fremde Arbeitsorganisatio n, der Pflicht zur persönlichen Aufgabener- füllung, einer Präsenzpflicht und in einem Konkurrenzv erbot (WML, a.a.O., Rz 1015; P ETER FORSTER , a.a.O., S. 84 Rz 63 mit Hinweisen). Selbständige Erwer bstätigkeit liegt indessen im Regelfall dann vor, wenn der Beitragspflichtige durch Einsatz von Arbeit und Kapital in frei be- stimmter Selbstorganisation und nach aussen sichtbar am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt mit dem Ziel, Dienstleistungen zu erbringen oder Produkte zu schaffen, deren Inanspruchnahme oder Erwerb durch finanzielle oder geldwerte Leistung en abgegolten wird (BGE 115 V 170 E. 9a). Zudem umfasst die unabhängige Stellung, dass d ie Arbeitszeit und die Arbeitsorganisa- tion frei gestaltet werden können. Auch selbständig E rwerbstätige haben sich jedoch an soge- nannte sachliche Weisungen zu halten. Hierbei handelt es sich um Weisungen des Bestellers oder Auftraggebers, die sich auf den Arbeitserfolg bezi ehen (PETER FORSTER, a.a.O., S. 84 f. Rz 63 mit Hinweisen). 3.5 Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen no ch keine einheitlichen, schema- tisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellu ng einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (WML , a.a.O., Rz 1016; BGE 123 V 162 f. E. 1, 122 V 171 E. 3a, 119 V 162 E. 2 mit Hinweisen). Den Elementen Unterneh- merrisiko und Abhängigkeitsverhältnis sowie ihren einzelne n Ausprägungen kann je nach Art der zu beurteilenden Umstände unterschiedliches Gewicht zu kommen (WML, a.a.O., Rz 1017). So hat das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; sei t 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilung) festgestellt, dass gewisse Täti gkeiten ihrer Natur nach nicht notwen- digerweise bedeutende Investitionen erfordern. Dies könn e etwa im Bereich der Dienstleistun- gen gelten. Der arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit sei in solchen Fällen gegenüber einem Investitionsrisiko erhöhtes Gewicht beizumessen (Urteil des EV G vom 14. August 2000, H 30/99, E. 6b mit Hinweisen). 4.1 Bei einer versicherten Person, die mehrere Tätigkeit en gleichzeitig ausübt, ist jedes Erwerbseinkommen einzeln dahingehend zu prüfen, ob es aus selbständiger oder unselbstän- diger Erwerbstätigkeit stammt. Es ist durchaus möglich, d ass jemand gleichzeitig bei einer Fir- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ma in einem Arbeitsverhältnis steht und für eine ander e selbständig erwerbstätig ist. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass eine versicherte Person in ve rschiedenen Sparten der gleichen Firma unterschiedliche sozialversicherungsrechtliche Stellungen einnimmt. Es kann daher nicht auf den überwiegenden Charakter der Gesamttätigkeit a nkommen. Eine solche Gesamtbeurtei- lung ist weder gesetzlich vorgesehen noch aus Gründen der Praktikabilität notwendig. Die ver- schiedenen Tätigkeiten sind vielmehr einzeln zu prüfen un d die betreffenden Beiträge sind ent- sprechend der Qualifikation dieser einzelnen Arbeitsbe reiche zu erheben (R ENÉ SCHAFFHAUSER / UELI KIESER [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV , St. Gallen 1998, S. 136 mit Hinweisen). Im vorliegend en Fall sind einerseits die Arbeitsleistun- gen des Beschwerdeführers für die C.____ AG und andere rseits für die B.____ AG zu beurtei- len. 4.2. Zunächst sind jedoch die weiteren mit der Ausübun g der beruflichen Tätigkeit in Zu- sammenhang stehenden Umstände − als Hilfskriterien − zu w ürdigen (PETER FORSTER , a.a.O., S. 434 Rz 50). Dazu gehört zunächst die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer zwecks Ausübung seiner Tätigkeit für die D.____ als Einzelfirma ins Handelsregister eintragen liess und dass er neben einer Berufshaftpflicht- auch eine Krankentaggeldversicherung abschloss. Ferner ist aktenkundig, dass der Beschwerdeführer über eigene Vi sitenkarten verfügt und im Namen der D.____ eigenständig Offerten, beispielsweise an die B.____ AG, ausstellte. Der Beschwer- deführer arbeitet denn auch nicht nur für eine Auftra ggeberin, sondern es bestanden neben seiner Tätigkeit für die C.____ AG ein bestätigter zwei ter Auftrag der B.____ AG und ein Auf- trag der E.____ AG war in Aussicht. Folglich hatte der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Ver- fügungserlasses zwar erst zwei Aufträge akquiriert und eine n dritten in Aussicht, es gilt jedoch zu beachten, dass der Beschwerdeführer seine Geschäftstäti gkeit im Rahmen der D.____ im Zeitpunkt der Verfügung vom 12. Dezember 2012 erst wä hrend vier Monaten ausübte. Nach Erlass der abschlägigen Verfügung verzichteten die Auftrag geberinnen auf eine weitere Ge- schäftstätigkeit mit dem Beschwerdeführer. Gesondert für sich betrachtet, sind diese Hilfskrite- rien für die Beurteilung, ob selbständige oder unselbst ändige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht entscheidend. Sie liefern jedoch zusätzliche Hinweise be ziehungsweise dienen dazu, die auf- grund der anderen Kriterien vorzunehmende Qualifizierung eines Erwerbstätigen zu bekräftigen (PETER FORSTER , a.a.O., S. 433 Rz 48). 4.3.1 Bezüglich der C.____ AG liegt dem Gericht ein s chriftlicher Werkvertrag zwischen der C.____ AG und dem Beschwerdeführer vom 6. Juli 2011 vor. Daraus geht hervor, dass es sich bei dem auszuführenden Werk um die Entwicklung einer St euerung für einen Coater inklusive der Lieferung einer Dokumentation und der Inbetrieb nahme handelte. Der Beschwerdeführer verpflichtete sich, das Werk innerhalb einer voraussichtlichen Dauer von acht Monaten fertigzu- stellen. Der abzurechnende Stundenansatz betrug währe nd der gesamten Projektdauer Fr. 73.-- pro Stunde. Grundlage für die Entschädigun g war dabei, dass das bereits erbrachte Teilwerk den Anforderungen der Kunden entspreche, was von diesen monatlich überprüft wur- de. Ferner wurde die verbrauchte Arbeitszeit pro Monat vom Endkunden erfasst und von die- sem durch seine Unterschrift visiert und bestätigt. Nach Er füllung dieser beiden Voraussetzun- gen erfolgte die Zahlung der Rechnung innert 15 Tage n. Die Bearbeitung des Werks war durch den Beschwerdeführer vorzunehmen. Die Anfertigung des Werks wurde an verschiedenen Stel- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht len ausgeführt, namentlich in den Räumlichkeiten des Beschwerdeführers, vor Ort auf der Bau- stelle für die Inbetriebnahme oder direkt bei den Kun den. Die Präsenzzeit war den örtlichen Gegebenheiten vor Ort (Wartungsintervalle, Störmeldun gen, Betriebsunterbrüche, Inbetrieb- nahmen, etc.) anzupassen, um eine termingerechte Fertigstellung des Werks zu gewährleisten. Für den Fall, dass der Beschwerdeführer die Arbeiten vorsätzlich nicht korrekt ausführen würde, haftete er für den angerichteten Schaden. Der Beschwerdeführer verpflichtete sich ferner, keine Informationen an Drittpersonen oder an den Wettbewer b weiterzugeben. Bei Verletzung der Geheimhaltung war eine Vertragsstrafe in Höhe von dre i durchschnittlichen Monatsabrechnun- gen, mindestens jedoch Fr. 20'000.--, vereinbart. Der Vertrag galt während der ganzen Zeit der Realisierung des Werks. Nur bei sehr schwerwiegenden Gründ en, beispielsweise schlechter Arbeit, Missachtung der Geheimhaltung oder längerem Au sfall des Beschwerdeführers, konnte der Vertrag unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist gekündigt werden. Die Ausfüh- rung weiterer Arbeiten für andere Auftraggeber war unter Einhaltung der Geheimhaltung gestat- tet. 4.3.2 Die Ausgleichskasse leitete aus dem Umstand, dass d er Beschwerdeführer für seine ehemalige Arbeitgeberin tätig war, eine unselbständig e Tätigkeit ab. Der Beschwerdeführer sei gegenüber den Endkunden nicht unter eigenem Namen auf getreten, habe kein Inkassorisiko getragen und sei für die Unkosten nicht selber aufgekommen. 4.3.3 Bei versicherten Personen, die weiterhin in bede utendem Umfang für den alten Arbeit- geber tätig sind, sind an die Anerkennung des Status al s Selbständigerwerbende in Bezug auf diese Tätigkeit insofern erhöhte Anforderungen zu stellen, als die hierfür sprechenden Merkma- le diejenigen unselbständiger Erwerbstätigkeit klar übe rwiegen müssen. Wenn und soweit sich an Art und Inhalt der Tätigkeit nichts Wesentliches im Vergleich zu früher geändert hat und es sich dabei um Arbeiten handelt, die aus Sicht des Betri ebes typischerweise durch Arbeitneh- mende ausgeführt werden, spricht eine natürliche Vermu tung für deren unselbständigen Cha- rakter. Umgekehrt schliesst der Umstand, (auch) für den f rüheren Arbeitgeber tätig zu sein, für sich allein genommen die Annahme einer selbständigen Tä tigkeit nicht a priori aus (WML, a.a.O., Rz 1018). 4.3.4 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer k eine grösseren Investitionen getätigt und keine Büroräumlichkeiten gemietet, sondern übte se ine Tätigkeit − sofern er nicht vor Ort auf der Baustelle für die Inbetriebnahme oder direkt bei den Kunden arbeitete − in einem Zim- mer seiner Privatwohnung aus. Dass sich die weiteren Inves titionen des Beschwerdeführers im Wesentlichen auf einen Drucker und einen Computer beschränkten, liegt aber auch daran, dass seine Tätigkeit keine grössere Infrastruktur beanspruchte und dass der Beschwerdeführer erst am Anfang seiner Geschäftstätigkeit stand. Wie hiervor d argelegt (E. 3.5) erfordern namentlich Tätigkeiten im Dienstleistungssektor im Regelfall keine hohen Investitionen. In diesen Fällen kann trotz fehlenden Investitionen auf eine selbständi ge Erwerbstätigkeit geschlossen werden (PETER FORSTER , a.a.O., S. 429 Rz 32). Ausschlaggebend ist diesfalls l etztlich das Mass der arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit. In diesem Zusamm enhang zu würdigen ist vorliegend insbesondere die vertragliche Vereinbarung zwischen den Parteien. In dem für die voraussicht- liche Dauer von acht Monaten abgeschlossenen Werkvertra g war die Benutzung eines Arbeits- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht platzes in den Räumlichkeiten der C.____ AG nicht vorge sehen. Auch eine inhaltliche Wei- sungsgebundenheit war nicht erwähnt, sondern lediglich d ie Verpflichtung, Stundenrapporte vom Kunden visieren zu lassen und monatliche Fortschritts- und Qualitätskontrollen des Kun- den zuzulassen, was jedoch nicht gegen eine Selbständigkei t spricht. So liegt es in der Natur gewisser Auftragsverhältnisse, dass die Auftraggebenden den beauftragten Personen ausführli- che Anordnungen erteilen. In solchen Verhältnissen gew innt das Element der Unterordnung seine Bedeutung erst dann, wenn es den Rahmen des für d ie betreffenden Verhältnisse übli- chen Masses übersteigt (WML, a.a.O., Rz 1019). Dies war vorliegend nicht der Fall. Der Be- schwerdeführer war gemäss Werkvertrag frei in der Wahl, wann er welche Arbeitsschritte wo vollzog. Mit dieser Argumentation kann daher nicht von e iner arbeitsorganisatorischen Abhän- gigkeit oder einer organisatorischen Einbindung des Besch werdeführers in die Betriebsstruktur der C.____ AG gesprochen werden. Dass der Beschwerdeführer ferner seine Honorarrechnung nicht an den Endkunden, für den er das Werk erstellte, richtete, sondern an die C.____ AG, ist – entgegen der Ansicht der Ausgleichskasse – keineswegs ein Indiz gegen die Selbständigkeit, schliesslich ist die C.____ AG ihrerseits Auftraggeberin b eziehungsweise Vertragspartnerin des Beschwerdeführers. Auch dass der Beschwerdeführer das Werk für einen Drittkunden und nicht für die C.____ AG erstellte, ist kein Indiz für Unselbständigkeit, da Unternehmen häufig bei Auf- tragslagen über der Kapazitätsgrenze ihre Kunden, um sie nicht zu verlieren, nicht abweisen, sondern selbständige Unterakkordanten, die im Namen de s Unternehmens auftreten, mit dem Auftrag betrauen. Im Weiteren sah der Werkvertrag auch vor, dass der Beschwerdeführer unter Wahrung der Geheimhaltung frei sei, auch für andere Auftraggeber tätig zu sein, was impliziert, dass bis zum Abgabetermin für das Werk keine Vollzeittätigk eit des Beschwerdeführers vor- ausgesetzt und eine andere Erwerbstätigkeit nicht ausgeschlossen war, was wiederum ein Indiz für eine selbständige Tätigkeit ist. Etwas ungewöhnlich für einen Werkvertrag war die vereinbar- te Kündigungsfrist von einem Monat bei Vorliegen beso nderer Voraussetzungen, da gemäss Art. 377 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR]) vom 30. März 19 11, der Besteller des Werks gegen Schadloshaltung des Unternehmers jederzeit vom Vertrag zurücktreten kann. Jedoch spricht gegen eine wirtschaftliche Abhängigkeit, dass beim Beschwe rdeführer bei Dahinfallen des Ver- tragsverhältnisses nicht dieselbe Situation eintritt, w ie dies beim Stellenverlust einer arbeitneh- menden Person der Fall wäre, da der Beschwerdeführer nicht nur für die C.____ AG tätig war, sondern noch ein Auftrag der B.____ AG vorlag. Entgegen dem Dafürhalten der Ausgleichskas- se trug der Beschwerdeführer auch ein Inkassorisiko und zw ar gegenüber der C.____ AG. Schliesslich ist auch der Umstand, dass der Beschwerdeführe r seine Auslagen nicht selbst ge- tragen hat, sondern der Auftraggeberin in Rechnung stellte, keineswegs ein Indiz für unselb- ständige Arbeit. Wie der Beschwerdeführer zu Recht einw endet, ist dies auch in klassischen selbständigen Dienstleistungsberufen wie beispielweise be i Anwälten durchaus üblich. Unter Würdigung der gesamten Umstände − namentlich der wirtsch aftlichen Unabhängigkeit und der Gegebenheit, dass die wirtschaftliche und arbeitsorganis atorische Abhängigkeit vorliegend mehr Gewicht erhält, da für die Tätigkeit des Beschwer deführers keine besonderen Investitio- nen anfallen − überwiegen die für eine selbständige T ätigkeit sprechenden Kriterien. Der Ent- scheid der Ausgleichskasse, die Tätigkeit des Beschwerdeführe rs bei der C.____ AG als un- selbständig zu qualifizieren, erweist sich somit als unzutreffend und ist aufzuheben. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 4.4.1 In Bezug auf die Tätigkeit für die B.____ AG ist eine schriftliche Offerte des Beschwer- deführers vom 2. November 2011 zu würdigen. Darin wurde die Vereinfachung der Projektquali- fizierungsdokumente als Ziel des Auftrags definiert. Der Liefertermin war im Januar 2012 und als Stundenansatzhonorar wurde ein reduzierter "Kenne nlern"-Stundenansatz in der Höhe von Fr. 80.-- vereinbart. Der voraussichtliche Zeitaufwand f ür die Anpassungsarbeiten wurde dabei auf 100 Stunden geschätzt. In Bezug auf die Verrechung wurde vereinbart, dass diese nach effektiven Aufwand gemäss visiertem Stundenrapport erfolg e. Als Arbeitsort waren wahlweise die Räumlichkeiten des Beschwerdeführers oder der B.___ _ AG vorgesehen. Diese Offerte genehmigte die B._____ AG am 8. Dezember 2011 ohne E rgänzungen oder Änderungen. Wie der Stellungnahme der B.____ AG vom 23. Mai 2012 zu e ntnehmen ist, wurde jedoch aufgrund der Verfügung der Ausgleichskasse die weitere Zusammena rbeit mit dem Beschwerdeführer abgebrochen. 4.4.2 Die Ausgleichskasse machte geltend, dass der Beschwer deführer an Weisungen ge- bunden und arbeitsorganisatorisch der Auftraggeberin u ntergeordnet gewesen sei. So sei ihm vorgeschrieben worden, mit welchem Zahlungsziel er seine Rechnungen stellen müsse (innert 30 Tagen statt innert 15 Tagen) und wie hoch der Stun denansatz sein dürfe. Zudem seien sei- ne Stundenrapporte von den Endkunden visiert worden. 4.4.3 Auch in der der B.____ AG unterbreiteten Offe rte ist kein Hinweis auf eine organisato- rische Eingliederung des Beschwerdeführers in den Betrie b der Auftraggeberin oder auf eine Weisungsgebundenheit zu entnehmen. Die Offerte entsp richt in ihrer Knappheit der typischen Offerte eines selbständigen Unternehmers. Die Vereinbar ung von Zahlungszielen ist dabei nichts ungewöhnliches und wie hiervor festgestellt (E. 4. 3.4) spricht auch die Verpflichtung, Stundenrapporte visieren zu lassen, nicht gegen eine sel bständige Tätigkeit. Zudem bringt der Beschwerdeführer nachvollziehbar vor, dass die Vereinbaru ng des Stundenansatzes das Er- gebnis von Vertragsverhandlungen gewesen und der verein barte Ansatz nicht etwa von der B.____ AG vorgeschrieben worden sei, weshalb nicht auf e ine arbeitsorganisatorische Abhän- gigkeit geschlossen werden könne. Der Beschwerdeführer ist folglich auch in Bezug auf die vereinbarte Tätigkeit für die B.____ AG als selbständig Erwerbender anzusehen. 4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Ausgleichskasse die Tätigkeiten für die C.____ AG und die B.____ AG zu Unrecht als unselbstän dig einstufte. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. 5. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass der Prozess vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vor- liegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Dem Ausgang des Verfah- rens entsprechend ist dem Beschwerdeführer deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Ausgleichskasse zuzusprechen. Der in der Honorarnote vom 30. Juli 2012 ausgewiesene Auf- wand erweist sich in Anbetracht der sich stellenden Sachve rhalts- und Rechtsfragen als ange- messen. Damit ist dem Beschwerdeführer für das vorliegen de Beschwerdeverfahren die in der Honorarnote geltend gemachte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'641.95 (6 Stunden Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht und 25 Minuten à Fr. 230.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 45.-- und 8% Mehrwertsteuer) zu Las- ten der Ausgleichskasse zuzusprechen. Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde werden der Einsp racheentscheid vom 23. Dezember 2011 und die Verfügung vom 12. Dezember 2011 auf- gehoben und festgestellt, dass die Tätigkeit für die C. ____ AG und jene für die B.____ AG selbständige Tätigkeiten sind. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Ausgleichskasse Basel-Landschaft hat dem Beschwerde führer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'641.9 5 (inkl. Auslagen und 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Vizepräsident Gerichtsschreiberin Gegen diesen Entscheid wurde vom Bundesamt für Sozialversi cherungen am 14. Dezember 2012 Beschwerde beim Bundesgericht, sozialrechtliche Abt eilung, (Verfahren-Nr. 9C_1029/2012 ) erhoben. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht http://www.bl.ch/kantonsgericht