Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht vom 14. Dezember 2016 (810 16 238) ____________________________________________________________________ Kindes- und Erwachsenenschutzrecht Errichtung von Vertretungsbeistandschaften Besetzung Präsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli, Kantonsrichter Stefan Schulthess, Claude Jeanneret, Niklaus Ruckstuhl, Beat Walther, Gerichtsschreiberin Chiara Piras Beteiligte A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch René Borer, Rechtsan- walt gegen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____, Vorinstanz C.____ und D.____, Beigeladene, vertreten durch E.____, Berufsbeistandschaft B.____ Betreff Errichtung von Vertretungsbeistandschaften gemäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB (Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ vom 7. Juli 2016) A. Am 28. November 2014 übermittelte das Kantonsspital Baselland, Standort F.____, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde B.____ (KESB) eine Gefährdungsmeldung: Während eines Spitalaufenthalts habe sich gezeigt, dass C.____ (geb. 1930) und seine Ehefrau, D.____ (geb. 1931), auf Unterstützung in der Lebens - und Alltagsbewältigung angewiesen seien. Beim Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Austritt aus dem Spital sei die Unterstützung durch die Spitex B.____, einen Mahlzeitendienst, Angehörige und eine Nachbarin vorerst zwar gewährleistet, in organisatorischen - administrativen Belangen bräuchten C.____ und D.____ jedoch wei tere Unterstützung. Nach Anhörung der Tochter von C.____ und D.____, A.____, verzichtete die KESB vorerst auf die Anordnung behördlicher Massnahmen. B. Am 2. Mai 2016 reichte Dr. med. G.____, Fachärztin für allgemeine innere Medizin in H.____, bei der KESB eine weitere Gefährdungsmeldung betreffend C.____ und D.____ ein, da diese wegen fortschreitender Demenz nicht mehr in der Lage seien, ihre Angelegenheiten sel b- ständig zu regeln. C. Am 3. Juni 2016 besuchte die Präsidentin der KESB das Ehepaar C.____ und D.____. Sie stellte dabei fest, dass C.____ und D.____ sehr ungepflegt seien, die Wohnung sich in e i- nem schlechten hygienischen Zustand befinde und der Kühlschrank fast leer, voller Mäusekot und mit Schimmel befallen sei. D. Am 13. Juni 2016 wurde A.____ zu einer allfälligen Errichtung von Vertretungsbe i- standschaften für ihre Eltern angehört. Sie stellte sich auf den Standpunkt, ihre Eltern seien gut versorgt und erklärte, in den letzten Wochen nicht bei ihnen gewesen zu sein, weil ihr der Fah r- ausweis entzogen worden sei. Einer Beistandschaft und der Ernennung von E.____ als Be i- ständin stimmte sie indes zu. Der Sohn von C.____ und D.____, I.____, wurde am 27. Juni 2016 angehört und erklärte sich mit der Errichtung einer Beistandschaft ebenfalls einvers tan- den. E. In zwei Arztberichten vom 20. Juni 2016 bestätigte Dr. med. G.____ ihre bisherige Ein- schätzung: D.____ leide an einer schweren Demenz des Alzheimertyps. Sie sei aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr urteilsfähig und könne sich nicht zu ihrer Lebenssituation bzw. zur Frage allfälliger Erwachsenenschutzmassnahmen äussern. Auch C.____ sei mittelschwer bis schw er dement und könne sich nicht mehr um seine Angelegenheiten kümmern. Beide benötigten de s- halb dringend Hilfe im Haushalt, beim Einkaufen und bei der Körperpflege. Die bisherigen U n- terstützungsmassnahmen durch die Spitex und die Tochter erachtete sie als ungenügend. F. Mit Entscheid vom 7. Juli 2016 verfügte die KESB für C.____ und D.____ Vertretungs- beistandschaften mit Vermögensverwaltung gemäss Art. 394 i.V.m. Art. 395 des Schweizer i- schen Zivilgesetzbuchs (ZGB) vom 10. Dezember 1907 (Ziff. 1). Als Manda tsträgerin wurde E.____, Sozialpädagogin FH, Abteilung Berufsbeistandschaft KESB B.____, eingesetzt (Ziff. 2). Die Beiständin erhielt insbesondere die Aufgabe, das Ehepaar C.____ und D.____ bei der Erle- digung der finanziellen Angelegenheiten zu vertreten u nd ihr Einkommen und Vermögen zu verwalten (Ziff. 3a), um ihr Wohl besorgt zu sein (Ziff. 3c), in Zusammenarbeit mit der Spitex sicherzustellen, dass der Haushalt gemacht werde (Ziff. 3d) und für eine geeignete Wohnsitu a- tion zu sorgen (Ziff. 3e). Einer all fälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entz o- gen (Ziff. 5) und die Verfahrenskosten zu Lasten von C.____ und D.____ auf Fr. 220.-- festge- legt (Ziff. 6). Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht G. Gegen den Entscheid der KESB erhob am 30. Juli 2016 A.____, vertreten durch René Borer, Rechtsanwalt, Beschwerde beim Kantonsgericht Basel -Landschaft, Abteilung Verfa s- sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht). Sie beantragt, der Entscheid der KESB sei vol l- umfänglich aufzuheben (Ziff. 1) und die Mandatsträgerin E.____ aus ihrem Amt z u entlassen (Ziff. 2); unter o/e-Kostenfolge (Ziff. 3). Sie macht im Wesentlichen geltend, sie könne sich be s- ser und persönlicher um ihre Eltern kümmern. Ferner rügt sie, die KESB sei von einem falschen Sachverhalt ausgegangen, da ihre Eltern weder verwahr lost seien, noch ihre bisherige Hilfe als ungenügend betrachtet werden könne. Des Weiteren verletze der angefochtene Entscheid die Grundsätze der Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit. Schliesslich sei sie von der KESB nicht vorgängig zur Errichtung der Beistandschaften angehört worden, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle. H. Die KESB liess sich am 5. Oktober 2016 vernehmen und schloss auf kostenfällige A b- weisung der Beschwerde. I. Mit Verfügung vom 27. Oktober 2016 wurde der Fall d er Kammer zur Beurteilung überwiesen. Gleichzeitig wurde der Beweisantrag der KESB auf Befragung diverser Auskunft s- personen abgewiesen. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde Beschwerde beim zuständigen Gericht erhoben werden. Gestützt auf Art. 450 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die Verfassungs - und Verwaltungsprozessord- nung (VPO) vom 16. Dezember 1993 u nd § 66 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Ei n- führung des Zivilgesetzbuchs (EG ZGB) vom 16. November 2006 ist das Kantonsgericht, Abte i- lung Verfassungs - und Verwaltungsrecht, für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit zuständig. Das Verfahren richtet sich nach den Art. 450 bis 450e ZGB. Im Übrigen sind die Bestimmungen des kantonalen Verwaltungsprozessrechts anwendbar (vgl. § 66 Abs. 2 EG ZGB). 1.2 Nach Art. 450 Abs. 2 ZGB sind Personen zur Beschwerde befugt, die am Verfahren beteiligt sind (Ziff. 1), die der betroffenen Person nahe stehen (Ziff. 2) oder die ein rechtlich g e- schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids haben (Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin ist Tochter der von den verfügten Vertretungsbeistandschaften betroffenen C.____ und D.____. Sie ist als ihnen nahe stehende Person zur Beschwerdeerh e- bung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen gemäss Art. 450 ff. ZGB i.V.m. § 66 Abs. 2 EG ZGB und § 43 ff. VPO erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 1.3 Gemäss Art. 450a Abs. 1 ZGB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen (Ziff. 1), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts (Ziff. 2) sowie die U n- angemessenheit (Ziff. 3) gerügt werden. Dem Kantonsgericht kommt bei der Beurteilung der Beschwerde somit volle Kognition zu. Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2. Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht die Verletzung des rechtlichen G e- hörs. Dies begründet sie damit, dass sie vor dem Entscheid der KESB nicht angehört worden sei. Auch kö nne dem angefochtenen Entscheid nicht entnommen werden, weshalb eine B e- treuung durch Verwandte oder Bekannte vorliegend nicht in Betracht komme. 3.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfa s- sung (BV) vom 18. April 1999. Er umfasst die Rechte der Parteien auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess der Entscheidfindung. In diesem Sinne dient das recht- liche Gehör einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung des Einze l- nen eingreift. Zum rechtlichen Gehör gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweise r- gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1; BGE 127 I 54 E. 2b; BGE 126 I 19 E. 2a; BGE 124 I 241 E . 2). Art. 29 Abs. 2 BV räumt keinen Anspruch auf persönliche Anhörung d er betroffenen Person ein ( BGE 134 I 140 E. 5.3). Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör wurde jedoch in Art. 447 ZGB au s- gedehnt, indem darin die persönliche Anhörung der betroffenen Person vorgeschrieben wird, soweit dies nicht als unverhältnismässig erscheint (vgl. auch § 70 Abs. 1 EG ZGB; CHRISTOPH AUER/MICHÈLE MARTI, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 6 zu Art. 447 ZGB). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV wird zudem die Pflicht der Behörde abgeleitet, ihre Entscheide so zu begründen, dass sie sachgerecht angefochten werden können. Die Begründung muss daher kurz die Übe r- legungen nennen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. Dagegen ist nicht erforderlich, dass sie sich mit jeder tatsächlichen Behauptung und mit jedem rechtlichen Einwand ausdrüc k- lich auseinandersetzt (BGE 138 I 232 E. 5.1; BGE 136 I 229 E. 5.2; Urteil des Bundesgeric hts 1C_205/2015 vom 29. Oktober 2015 E. 3.1 m.w.H.). 3.2 Der vorliegend angefochtene Entscheid der Vorinstanz betrifft die Eltern der B e- schwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin selbst ist vom Entscheid im Sinne von Art. 447 ZGB nicht direkt betroffen. In des geht – entgegen den Ausführung en der Beschwerdeführerin ( Be- schwerde vom 30. Juli 2016, Rz. 6) – aus den Verfahrensakten hervor, dass sie von der KESB über das laufende Verfahren informiert worden war und am 13. Juni 2016 eine Anhörung stat t- fand, an der sie über das Verfahren und die geplanten Ma ssnahmen orientiert wurde (Aktenno- tiz der KESB zur Anhörung vom 13. Juni 2016). Die Rüge der fehlenden Anhörung erweist sich daher als unbegründet. 3.3 Vorliegend geht auch die Rüge, es fehle an einer Begründun g, weshalb eine Betre u- ung durch Verwandte oder Bekannte nicht infrage komme, fehl. Aus dem Entscheid der V o- rinstanz ergibt sich, dass die KESB aufgrund der Gefährdungsmeldung von Dr. med. G.____ vom 18. April 2016, des Besuchs der Präsidentin der KESB beim Ehepaar C.____ und D.____ vom 3. Juni 2016 und der Arztberichte vom 20. Juni 2016 zum Schluss kam, dass die bereits bestehende Unterstützung durch die Beschwerdeführerin und die Spitex ungenügend und das Ehepaar C.____ und D.____ vielmehr auf eine umfasse nde Vertretung durch eine persönlich Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht und fachlich geeignete Person angewiesen sei. Im Übrigen ist festzustellen, dass sich vorgä n- gig sowohl die Beschwerdeführerin als auch ihr Bruder mit der Errichtung der Beistandschaft en einverstanden erklärt haben (Aktennotiz der KESB zur Anhörung vom 13. Juni 2016 und Akten- notiz der KESB zur Anhörung vom 27. Juni 2016). Der Vorinstanz kann deshalb vorliegend nicht vorgeworfen werden, diesen Punkt nicht vertieft ausgeführt zu haben. Insgesamt ist somit festzustellen, dass im angefochtenen Entscheid den Anforderungen an eine rechtsgenügliche Begründung Genüge getan wurde. 4.1 Die Beschwerdeführerin rügt ferner, die Vorinstanz habe in ihren Erwägungen ‟völlig deplatzierte” Schlüsse gezogen ( Beschwerde vom 30. Juli 2016, Rz . 5) und den Sachverhalt unrichtig festgestellt. So habe sich das Ehepaar C.____ und D.____ anlässlich des Besuchs der Präsidentin der KESB weder in einem Zustand ‟totaler Verwahrlosung” befunden, noch sei die Unterstützung durch die Spitex und die Beschwerdeführerin ungenügend gewesen. 4.2 Der angefochtene Entscheid würdigt insbesondere die Gefährdungsmeldung vom 18. April 2016, den Besuch der Präsidentin der KESB beim Ehepaar C.____ und D.____ vom 3. Juni 2016 und die Arztberichte vom 20. Juni 2016. Sow eit die Vorinstanz die Hilfe der B e- schwerdeführerin als ungenügend und den Zustand der Betroffenen als verwahrlost gewertet hat, ist dies weder faktenwidrig, noch stellt es eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung dar. Vielmehr stimmt diese Schlussfolgerun g mit den vorliegenden Verfahrensakten überein: Am 28. November 2014 ging bei der KESB eine erste Gefährdungsmeldung des Kantonsspitals Baselland ein (Schreiben des Kantonsspitals Baselland vom 28. November 2014). In der Folge tätigte die Vorinstanz erste Abklärungen. Die ehemalige Mieterin des Ehepaars C.____ und D.____ erklärte am 16. Dezember 2014 gegenüber der KESB, dass das Ehepaar schwer d e- ment sei un d dringend Hilfe benötige ( Aktennotizen der KESB, Eintrag vom 16. Dezember 2014). Mit Schreiben vom 8. Januar 2015 bat der Bruder der Beschwerdeführerin die KESB, eine neutrale Fachperson für die finanziellen Angelegenheit en der Eltern einzusetzen ( Schrei- ben des Bruders der Beschwerdeführerin vom 8. Januar 2015). Am 18. April 2016 reichte Dr. med. G.____ eine Gefährdungsmeldung bei der KESB ein. Darin wurde festgehalten, das Ehepaar C.____ und D.____ könne wegen fortschreitender Demenz seine Angelegenheiten nicht mehr selbständig erledigen und die aktuelle Hilfe durch die Spitex und die Tochter sei u n- genügend. Gespräche mit der Spitex und der Tochter hätten die Situation auch nicht verbe s- sert. Die Tochter habe zudem Mühe, sich durchzusetzen und habe auch während einer läng e- ren Abwesenheit ihrer Eltern nicht wie versprochen das Hausschloss ausgewechselt (Schreiben von Dr. med. G.____ vom 18. April 2016). Anlässlich des Hausbesuchs der Präsidentin der KESB vom 3. Juni 2016 sei ein verwahrlostes Haus vorgefunden worden. Der Kühlschrank sei fast leer und voller Schimmel und Mäusekot gewesen. Das Ehepaar C.____ und D.____ sei sehr ungepflegt gewesen und habe zum Essen in die Dorfbeiz gehen müssen, weil die B e- schwerdeführerin an diesem Tag kein Essen gebracht hätte ( Aktennotiz der KESB vom 3. Juni 2016). Dieser Eindruck wurde in den Arztberichten vom 20. Juni 2016 v on Dr. med. G.____ bestätigt: Die Ärztin wies darauf hin, dass das Ehepaar C.____ und D.____ an mittelschwerer bis schwerer Demenz des Alzheimertyps leide und nicht mehr urteilsfähig sei, dass die Wohns i- tuation schwierig und dass die Wohnung schmutzig sowi e unordentlich sei und sich die Küche sowie die Sanitäranlagen in einem hygienisch bede nklichen Zustand befänden ( Arztberichte Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht von Dr. med. G.____ vom 20. Juni 2016). Die Beschwerdeführerin zeigt hingegen nicht auf, inwiefern die Sachverhaltsfeststellung d er Vorinstanz unzutreffend sein soll. Auch die von ihr eingereichten, undatierten Fotos sind nicht geeignet, die Behauptungen der Beschwerdeführ e- rin zu belegen. Die von der Vorinstanz eingereichten Fotoaufnahmen vom 18. August 2016 ze i- gen ein anderes, sich mit den Eindrücken der KESB und des Medizin - und Pflegepersonals de- ckendes Bild der Wohnung der Ehe gatten C.____ und D.____ (Vernehmlassung vom 5. Okt o- ber 2016, Beilage 13). Aus diesem Grund sind auch die Beweisanträge der Vorinstanz auf g e- richtliche Erkundigung und Befragung von Zeugen und Auskunftspersonen abzuweisen, da von ihnen keine sacherheblichen Aussagen zu erwarten sind. Aufgrund der gesamten Umstände ist der Schluss der Vorinstanz, das Ehepaar C.____ und D.____ benötige aufgrund ihres gesund- heitlichen Zustands und der festgestellten, ungenügenden Hilfe durch die Spitex und die B e- schwerdeführerin, einer behördlichen Massnahme, nicht zu beanstanden. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass dem angefochtenen Entscheid keine unrichtige Sachverhaltsfeststellung zugrunde liegt. Die diesbezüglichen Rügen der Beschwerdeführerin sind deshalb unbegründet. 5.1 Die Beschwerdeführerin bringt ferner vor, di e Vorinstanz verletze die Grundsätze der Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit, weil sie vorschnell, ohne seriöse Abklärung und in unverhältnismässiger Art und Weise eingegriffen habe (Beschwerde vom 30. Juli 2016, Rz. 6). 5.2 Zweck der behördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes ist nach Art. 388 Abs. 1 ZGB, das Wohl und den Schutz hilfsbedürftiger Personen sicherzustellen. Gleichzeitig sollen die Massnahmen die Selbstbestimmung der betroffenen Person soweit wie möglich e r- halten und fördern (Art . 388 Abs. 2 ZGB). In Art. 389 ZGB unterstellt der Gesetzgeber alle b e- hördlichen Massnahmen des Erwachsenenschutzes den beiden Maximen der Subsidiarität und der Verhältnismässigkeit. Behördliche Massnahmen sind nach Art. 389 Abs. 1 ZGB nur dann anzuordnen, wenn die Unterstützung der hilfsbedürftigen Person durch die Familie, andere n a- hestehende Personen oder private oder öffentliche Dienste nicht ausreicht oder von vornherein als ungenügend erscheint (Ziff. 1) oder wenn bei Urteilsfähigkeit der hilfsbedürft igen Person keine oder keine ausreichende eigene Vorsorge getroffen worden ist und die Massnahmen von Gesetzes wegen nicht genügen (Ziff. 2). Jede behördliche Massnahme muss erforderlich und geeignet sein (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Ist die gebotene Unterstützung der hilfsbedürftigen Person auf andere Art – durch die Familie, andere nahestehende Personen oder private oder öffentl i- che Dienste – bereits gewährleistet, werden keine Erwachsenenschutzmassnahmen angeor d- net (Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB; BGE 140 III 49 E. 4.3.1; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 9. September 2015 [810 15 129] E. 2.2). Indessen muss solche Unterstützung durch Angehörige ak tuell sichergestellt sein ( HELMUT HENKEL, in: Honsell/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kommentar, ZGB I, 5. Aufl., Basel 2014, N 6 zu Art. 389 ZGB m.w.H.). 5.3 Verschiedene Bestimmungen (Art. 374 ff., Art. 377 ff., Art. 389 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB) wo l- len die Familiensolidarität stärken und gleichzeitig den Staat entlasten. Veränderte gesellschaft- liche Verhältnisse, die Lockerung familiärer Beziehungen, namentlich auch zwischen den Gene-Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rationen, die Anforderungen im Berufsleben, die höchst anspruchsvolle Verbindung zwischen Familie und Beruf, setzen dieser Solidarität auch objekt ive Grenzen. Verwandte mit der Fü h- rung eines Erwachsenenschutzmandats oder der Betreuung einer hilfsbedürftigen Person zu beauftragen, kann jedoch in gewissen Konstellationen auch als problematisch erscheinen. Die wichtigsten Gründe, die dagegen sprechen, sind die mit verwandtschaftlichen Beziehungen verbundenen emotionalen – positiven und konflikthaften – Bindungen, welche eine ungenügen- de Distanz zum Geschehen bewirken und Verwandte daran hindern können, sachgerechte und im Interesse der betroffenen Perso n liegende Entscheidungen zu treffen. So führt HÄFELI in ‟Private Mandatsträger (Prima) und Angehörige als Beistand” aus, dass ein ‟gekränkter Fami- lienstolz” Verwandte dazu verleiten könnte, die tatsächlichen Schwierigkeiten der betroffenen Person zu bagatellisieren und ihr nicht die nötige Betreuung zukommen zu lassen. Die gleiche Ausgangslage könnte andererseits auch dazu führen, dass die betroffene Person besonders hart angefasst wird und von ihr Leistungen verlangt werden, die sie aufgrund ihrer Schwäch e nicht erbringen kann. Auch handfeste Interessenkonflikte zwischen verwandten Betreuungspe r- sonen und der betroffenen Person können deren Wohl beeinträchtigen. Diese Gefahr besteht insbesondere, wenn erwachsene Nachkommen behördliche Massnahmen für die bet agten El- tern übernehmen und es an der nötigen persönlichen Fürsorge fehlen lassen, weil sie offen oder im Geheimen die Schmälerung des zu erwartenden Nachlasses befürchten (vgl. dazu CHRISTOPH HÄFELI, Private Mandatsträger [Prima] und Angehörige als Beist and, in: Zeitschrift für Kindes- und Erwachsenenschutz [ZKE], 3/2015, S. 198-214, S. 206; vgl. auch KGE VV vom 9. September 2015 [810 15 129] E. 2.3). 5.4 Kommt die Erwachsenenschutzbehörde zum Schluss, die vorhandene Unterstützung der hilfsbedürftigen P erson sei nicht ausreichend oder von vornherein ungenügend, so muss ihre behördliche Massnahme verhältnismässig, das heisst erforderlich und geeignet sein (Art. 389 Abs. 2 ZGB). Die Erwachsenenschutzbehörde hat deshalb nicht gesetzlich fest u m- schriebene, starre Massnahmen, sondern ‟Massnahmen nach Mass” zu treffen, das heisst so l- che, die den Bedürfnissen der betroffenen Person entsprechen (Art. 391 Abs. 1 ZGB; BGE 140 III 49 E. 4.3.1). Dies gilt auch für die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft mit V ermö- gensverwaltung nach Art. 394 i.V.m. Art. 395 ZGB. 6.1 Vorliegend unbestritten ist, dass die Ehegatten C.____ und D.____ an einer schweren bzw. mittelschweren Demenz leiden und damit ein Schwächezustand im Sinn von Art. 390 Abs. 1 ZGB vorliegt (vgl. Bo tschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [E r- wachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht] vom 28. Juni 2006, BBl 2006 7001 ff., S. 7043). Ebenfalls unbestritten ist, dass sie die eigenen Angelegenheiten nicht mehr hinre i- chend besorgen können und auf Hilfe in diversen Lebensbereichen (Zahlungen, Haushalt, Kö r- perpflege, Einkäufe, etc.) angewiesen sind. Vorliegend ist einzig umstritten, ob die Beschwerde- führerin geeignet ist, die erforderliche Unterstützung zu leisten bzw. ob die Errichtung der Ver- tretungsbeistandschaften mit Vermögensverwaltung zu Recht erfolgt ist. 6.2 Nach der ersten Gefährdungsmeldung ( Schreiben des Kantonsspitals Baselland vom 28. November 2014) versuchte die KESB, eine freiwillige Lösung mit der Beschwerdeführerin und der Spitex zu suchen und verzichtete vorerst darauf, behördliche Massnahmen anzuor d-Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht nen. Erst als sich im Mai 2016 zeigte, dass sich die bisherige Unterstützung der Ehegatten C.____ und D.____ aufgrund der übereinstimmenden Meldungen und Aussagen der betr euen- den Ärztin Dr. med. G.____ (vgl. E. 4.2 hiervor), d er Mitarbeiter der Spitex ( Aktennotizen der KESB, Eintrag vom 17. Mai 2016), des Brud ers der Beschwerdeführerin ( Aktennotizen der KESB, Eintrag vom 27. Juni 2016) sowie der Präsidentin der KESB (E. 4.2 hiervor) als ungenü- gend erwies, ordnete die Vorinstanz die notwendigen Massnahmen an. Als die Beschwerdefü h- rerin mit der Situation konfrontiert wurde (Aktennotiz der KESB vom 13. Juni 2016), verharmlos- te sie diese und stellte sich auf den Standpunkt, alle s sei übertrieben und sie habe in den let z- ten Wochen nur nicht vorbeigehen können, weil ihr der Fahrausweis entzogen worden sei. In der vorliegenden Beschwerde stellt sie ebenfalls in Abrede, dass die Körperpflege der Eltern vernachlässigt wirke und der wohnliche Zustand des Elternhauses prekär sei (Beschwerde vom 30. Juli 2016, Rz. 5). Als Ergebnis einer Gesamtbetrachtung wirkt das Verhalten der Beschwe r- deführerin als Bagatellisierung der Erkrankung ihrer Eltern. Insgesamt ergibt sich aus den Ve r- fahrensakten, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit der Spitex keine hinreichende B e- treuung und Pflege ihrer Eltern sicherstellte oder sicherstellen konnte. Vor diesem Hintergrund stellen die angeordneten Vertretungsbeistandschaften mit Vermögensverwaltung eine g eeigne- te und erforderliche Massnahme zum Wohl und zum Schutz der Ehegatten C.____ und D.____ dar. Die Errichtung der Vertretungsbeistandschaften mit Vermögensverwaltung steht folglich im Einklang mit den Grundsätzen der Subsidiarität und der Verhältnismäss igkeit, weshalb diese nicht zu beanstanden sind. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 7. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 VPO ist das Verfahren vor dem Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten umfassen die Gerichtsg ebühren und die Beweiskosten und werden in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Au s- mass auferlegt (§ 20 Abs. 3 VPO). Somit sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400.-- vorliegend der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem gele isteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400. -- zu verrechnen. Die Parteikosten sind in Anwendung von § 21 Abs. 1 und 2 VPO wettzuschlagen. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1‘400. -- werden der B e- schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1‘400.-- verrechnet. 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Präsidentin Gerichtsschreiberin