B u n d e s v e rw a l t u n g s g e r i ch t T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i f f éd é r a l T r i b u n a l e am m i n i s t r a t i vo f e d e r a l e T r i b u n a l ad m i n i s t r a t i v fe d e r a l Abteilung IV D-6999/2014 U r t e i l v o m 2 1 . M ä r z 2 0 1 6 Besetzung Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérard Scherrer, Gerichtsschreiber Daniel Merkli. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan, vertreten durch B._______, (…) Beschwerdeführer, gegen Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM) Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des BFM vom 30. Oktober 2014 / N_________ D-6999/2014 Seite 2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der minderjährige Be schwerdeführer und sein Onkel C.______ (N_______) am 3. Oktober 2013 illegal in die Schweiz einreisten und am 4. Oktober 2013 um Asyl nachsuchten, dass am 24. Oktober 2013 im D._______ eine summarische Befragung des Beschwerdeführers stattfand, dass der Beschwerdeführer am 11. September 2014 in E.______ im Bei- sein seiner am 25. März 2014 ernannten Beiständin vom B FM vertieft zu seinen Asylgründen befragt wurde, dass er zur Begründung seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend machte, sein Vater sei verschollen und sein Onkel C.______ , mit dem er und seine Mutter und seine Geschwister in ihrem Heimatdorf F.______(Be- zirk G._______, Provinz H._______:) zusammen gelebt hätten, sei für die Amerikaner tätig gewesen und habe deswegen Schwierigkeiten mit den Taliban gehabt, dass er selbst wegen seines Onkels C._______ in der Schule als "Ungläu- biger" beschimpft worden sei (vgl. SEM-Protokoll A2 S. 7) und seine Mutter ihn aus Furcht, dass er "ebenfalls verloren gehe", ins Ausland geschickt habe (vgl. A19 S. 8), dass dem Onkel C.________ mit Entscheid des BFM vom 30. Oktober 2014 die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und ihm in der Schweiz Asyl ge- währt wurde, dass das BFM mit gleichentags erfolgtem, am 31. Oktober 2014 eröffnetem Entscheid feststellte, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen- schaft nicht, sein Asylgesuch ablehnte und dessen Wegweisung anord- nete, ihn indessen wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vor- läufig in der Schweiz aufnahm, dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit vorab per Te- lefax eingelangter Eingabe vom 1. Dezember 2014 Beschwerde gegen die- sen Entscheid erhob, wobei er i n verfahrensrechtlicher Hinsicht unter an- derem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Beizug des Asyldossiers von C.______ (N______) ersuchte, D-6999/2014 Seite 3 dass mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2014 das Gesuch um Ge- währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen und auf das Erheben eines Kostenvorschusses ver- zichtet wurde, dass im Weiteren das vorinstanzliche Dossier N______ antragsgemäss beigezogen und die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen wurde, dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2014 die Abweisung der Beschwerde beantragte, dass dem Rechtsvertreter diese Vernehmlassung am 22. Dezember 2014 zur Kenntnis gebracht wurde, und zieht in Erwägung, dass gemäss Art. 31 VGG das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG beurteilt und das BFM bzw. SEM zu den Behörden nach Art. 33 VGG gehört und daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts ist, dass e ine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Ar t. 32 VGG nicht vorliegt, womit das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde (Art. 105 AsylG, SR 173.320.2) ist und im Bereich des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG) entscheidet, (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes- verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG), dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs- weise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass somit auf die frist - und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu- treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 52 VwVG), D-6999/2014 Seite 4 dass mit Beschwerde im Geltungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermes- sens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser- heblichen Sachverhalts gerügt (Art. 106 Abs. 1 AsylG), und, soweit den Wegweisungsvollzug betreffend (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG [SR 142.20]), zu- dem die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5), dass gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt, dass als Flüchtling eine ausländische Person anerkannt wird, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei- len ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausge- setzt zu werden, dass als ernsthafte Nachteile namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnah men, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken, gelten (Art. 3 AsylG), dass begründete Furcht vor künftiger Verfolgung nur dann vorliegt, wenn konkreter Anlass zur Annahm e besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrschein lichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht und würde sich auch noch aus heutiger Sicht mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen, das eine b loss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung nicht genügt, sondern konkrete Indizien vorliegen müssen, welche den Ein tritt der erwarteten Benachteiligung als wahrscheinlich und dement sprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar er scheinen lassen, dass das BFM in der angefochtenen Verfügung die wesentlichen Vorbrin- gen des Beschwerdeführers, wegen seines für die Amerikaner tätigen On- kels C________ in der Schule als "Ungläubiger" beschimpft worden zu sein, zu Recht mangels erforderliche r Intensität als nicht asylrelevant er- achtet hat, dass es im Weiteren eine Reflexverfolgung des Beschwerdeführers wegen der Tätigkeit seines Onkels verneinte, D-6999/2014 Seite 5 dass in der Beschwerde geltend gema cht wird, die Vorinstanz habe die Frage der Reflexverfolgung "zu knapp abgehandelt", dass die berufliche Stellung des Onkels C_______ zu dessen Anerken- nung als Flüchtling geführt habe und deshalb auch im Rahmen des Asyl- verfahrens des Beschwerdeführers berücksichtigt werden müsse, dass einzelne Aussagen des Beschwerde führers hinsichtlich seines On- kels nicht erwähnt worden seien (so BFM-Protokoll A2 S. 7, A19 F 101), dass sich auch aus den Angaben von C______ ergebe, dass er den Be- schwerdeführer mit sich in die Schweiz genommen habe, um den Ältesten im Haushalt zu schützen, dass zur Rüge, die Vorinstanz habe einzelne Aussagen des Beschwerde- führers in seinem Entscheid nicht erwähnt, grundsätzlich darauf hinzuwei- sen ist, dass die verfügende Behörde sich nicht ausdrücklich mit jeder tat- beständlichen Behauptung und jedem rech tlichen Einwand auseinander- setzen muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän- ken kann, dass der wesentliche Inhalt der vom Beschwerdeführer geäusserten Be- füchtungen im angefochtenen Entscheid durchaus genügende Erwähnung gefunden haben, sei es ausdrücklich oder zumindest implizit, dass die Vorinstanz im Weiteren die Tätigkeit von C_______ für die Ame- rikaner in seiner Gesamtwürdigung durchaus berücksichtigt hat, indessen mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen hat, dass der Be- schwerdeführer deswegen einer Reflexverfolgung ausgesetzt sein werde, dass es dabei auch die Angaben von C.______ zur Gefährdungssituation seiner Familie und dabei insbesondere dessen Aussage, dass der jüngere Bruder des Beschwerdeführers namens O.______ mit dem Auto, offen- sichtlich von Taliban, überfahren worden sei (N________, A24 S. 11), mit- berücksichtigt hat, dass daher keine Veranlassung besteht, das Dossier zu weiteren Abklä- rung an die Vorinstanz zurückzuweisen, dass mit der Vorinstanz festzuhalten ist, dass auch durch die eingereichten Fotografien, welche offenbar O._______ verletzt im Krankenhaus zeigen, D-6999/2014 Seite 6 nicht nachweislich feststeht, dass es sich bei dem Autounfall um einen von Taliban verübten Anschlag handelt, dass, sollte der Beschwerdeführer mit seinen im Zeitpunkt der Ausreise zwölf Jahren, wie in der Beschwerde behauptet, tatsächlich älter als die eigenen Kinder von C._______ sein, diese geltend gemachte Tatsache al- lein nicht geeignet ist, von einer objektiv wahrscheinlichen Verfolgungsge- fahr auszugehen, zumal der Beschwerdeführer angab, seine Mutter habe keine Probleme mit den Taliban gehabt (vgl. A2 S. 7), dass das BFM somit entgegen der Einschätzung in der Beschwerde zu Recht und mit hinreichender Begründung eine begründete Furcht des Be- schwerdeführers vor künftiger Verfolgung verneint hat, dass daher die Ablehnung des Asylgesuchs zu bestätigen ist, dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichtein treten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz - lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. De - zember 2005 über die Ausländerinnen un d Ausländer [AuG, SR 142.20]) regelt, dass vorliegend die Wegweisung gemäss Ziff. 3 des Dispositivs der ange- fochtenen Verfügung mangels eines geltend gemachten Anspruchs auf Er- teilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung nicht mehr zu überprüfen ist und weitere Ausführungen zur Frage der Durchführbarkeit des Vollzuges sich erübrigen , da der Beschwerdeführer vorläufig aufge- nommen wurde, dass es demnach dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, darzutun, in- wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletze oder den rechts- erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten dem Beschwer- deführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG), D-6999/2014 Seite 7 dass indessen mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2014 das Ge- such um Gewährung der unentgeltlichen R echtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind. D-6999/2014 Seite 8 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber Bendicht Tellenbach Daniel Merkli Versand: D-6999/2014 Seite 9 Zustellung erfolgt an: – den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben) – das SEM, Abt. Asyl I / II, mit den Akten N________ (in Kopie) – das Migrationsamt des Kantons Zürich ad (…) (in Kopie)