9. Oktober 1992 N 2155 Motion Vollmer #ST# 92.3083 Motion Vollmer Verbesserung der Schweizerischen Arbeitskräfte-Erhebung und der Arbeitslosenstatistik Développement des statistiques sur l'emploi et le chômage Wortlaut der Motion vom 11. März 1992 Der Bundesrat wird beauftragt, die statistische Erhebung über die Erwerbstätigkeit und die Erwerbslosigkeit (Schweizeri- sche Arbeitskräfte-Erhebung) zu verbessern und aussagekräf- tiger zu machen. Dazu sind die Daten mindestens vierteljähr- lich zu erheben, wobei sowohl die regionalen wie die kantona- len Unterschiede zu berücksichtigen sind. Der Oeffentlichkeit sollen aktuelle, regional differenzierte Statistiken über die Er- werbsbeteiligung und Arbeitslosigkeit zur Verfügung stehen, welche auch international vergleichbar sind. Texte de la motion du 11 mars 1992 Le Conseil fédéral est chargé d'améliorer les relevés statisti- ques sur l'emploi et sur le chômage (Enquête suisse sur la po- pulation active) afin qu'ils soient plus révélateurs. A cet effet, il fera en sorte que les données nécessaires soient relevées au moins tous les trimestres et il tiendra compte des différences tant cantonales que régionales. Il veillera enfin à fournir au pu- blic des statistiques par région sur la participation à la vie ac- tive et sur le chômage qui soient récentes, mais aussi compa- rables à celles des autres pays. Mitunterzeichner - Cosignataires: Bäumlin, Bircher Silvio, Bo- denmann, Bundi, Caspar-Mutter, Danuser, Fankhauser, von Feiten, Goll, Gross Andreas, Haering Binder, Hafner Ursula, Hämmerle, Herczog, Hubacher, Jori, Ledergerber, Leemann, Leuenberger Ernst, Leuenberger Moritz, Mauch Ursula, Rech- steiner, Steiger, Züger (24) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Mit der Publikation der statistischen Ergebnisse der Schweize- rischen Arbeitskräfte-Erhebung ist zum ersten Mal deutlich ge- worden, wie es in Tat und Wahrheit um die Arbeitslosigkeit in der Schweiz steht Sie ist mindestens doppelt so hoch als bis- heroffiziell zugegeben, nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass die Erwerbsbeteiligung der Frauen bisher in den amtlichen Verlautbarungen stark unterschätzt wurde. Die jetzt nach den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation zur Messung von Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit durchgeführten Er- hebungen belegen, dass die bisher veröffentlichten Zahlen der Biga-Statistik aufgrund der Meldungen der Arbeitsämter nicht befriedigen können. Obwohl die Informationen der Arbeitskräfte-Erhebung sowohl wirtschafts- wie sozialpolitisch von erstrangiger Bedeutung sind, können sie die konjunkturelle Entwicklung erst ungenü- gend darstellen, da vor allem der Aktualitätsgrad völlig unzu- reichend ist Die benötigten Statistiken stehen zudem nur für die Schweiz als Ganzes, nicht aber für die Regionen und Kan- tone zur Verfügung. Die Arbeitsmarktlage ist jedoch gerade re- gional sehr unterschiedlich. Die international vergleichbare Ar- beitslosigkeit dürfte zum Beispiel in der Westschweiz und im Tessin wesentlich höher liegen als in den Kantonen der Deutschschweiz. Um über aktuelle und differenzierte Statistiken zu verfügen, muss die Arbeitskräfte-Erhebung mindestens vierteljährlich durchgeführt werden. Alle anderen Efta-Staaten (mit Aus- nahme von Island) führen mindestens vierteljährliche Erhe- bungen durch. Schweden und Finnland ermitteln die entspre- chenden Daten sogar monatlich. Ein Ausbau, insbesondere eine vierteljährliche Durchführung der Schweizerischen Arbeitskräfte-Erhebung, ist deshalb vor- dringlich. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 19. August 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral du 19 août 1992 Die vom Biga erhobenen und am Ende eines jeden Monats verfügbaren Verwaltungsdaten über die eingeschriebenen Ar- beitslosen und die Kurzarbeit enthalten alle relevanten Anga- ben für das schweizerische Arbeitslosenversicherungssystem und die öffentliche Arbeitsvermittlung. Sie sind vom Gesetzge- ber bei der Beratung der beiden betreffenden Gesetze in die- ser Form beschlossen und bei den jüngsten Revisionen bestä- tigt worden und erfüllen sowohl die Anforderungen der Ar- beitsmarkt- sowie diejenigen der Konjunkturpolitik. 1991 wurde unter der Bezeichnung SAKE (Schweizerische Ar- beitskräfte-Erhebung) erstmals in der Schweiz eine Stichpro- benerhebung nach den Standards des Internationalen Ar- beitsamtes, der OECD und der EG durchgeführt Sie schliesst die Verbindung zwischen Bevölkerungs- und Wirtschaftsstati- stik und hat bedeutsame Veränderungen in der Erwerbsstruk- tur und im Erwerbsverhalten aufgezeigt. Die Daten stehen heute allerdings nur jährlich und nur für die Schweiz als Gan- zes zur Verfügung. Entsprechend den internationalen Normen erfasst die SAKE neben den eingeschriebenen Arbeitslosen, die in der Regel Leistungen der Arbeitslosenversicherung beanspruchen, auch die «übrigen Erwerbslosen». Diese beziehen keine Gel- der der Arbeitslosenversicherung und bemühen sich ohne Vermittlung der öffentlichen Arbeitsämter um eine Arbeit Es handelt sich vorwiegend um jüngere Personen, die neu in den Arbeitsmarkt eintreten, um Wiedereinsteigerinnen, aber auch um Ausgesteuerte. Der grössere Teil sind Frauen, die sich überdurchschnittlich häufig um eine Teilzeitstelle bemühen. Im Rahmen des wirtschaftsstatistischen Revisionsprogramms des Bundes nehmen die Themen Erwerbsleben und Arbeits- markt eine zentrale Rolle ein. Auch in der EG gewinnen Ar- beitskräfte-Erhebungen immer mehr an wirtschafts-, sozial- und regionalpolitischer Bedeutung. Zudem ist in der EG die Regionalisierung der Arbeitskräfte-Erhebung auf der zweiten Regionalisierungsstufe (NUTS II) obligatorisch. Dies würde im Falle der Schweiz mindestens fünf Regionen entsprechen, für welche Ergebnisse mit demselben Genauigkeitsgrad verlangt werden, wie er heute von der SAKE für die ganze Schweiz er- reicht wird. Der Uebergang zu einer quartalsweisen Erhebung ist in der EG erst in Diskussion. Allerdings führen die Nachbarstaaten der Schweiz (Frankreich, Italien, Oesterreich) und (mit Aus- nahme von Island) sämtliche nordischen Staaten bereits heute mindestens quartalsweise Erhebungen durch (z. T. sind die Arbeitskräfte-Erhebungen sogar monatlich). Diese Entwicklungen dürften sich in den neunziger Jahren eu- ropaweit durchsetzen. Sie werfen jedoch eine Reihe von kon- zeptionellen, finanziellen und personellen Fragen auf, die nur ein schrittweises Vorgehen zulassen. Der Bundesrat beab- sichtigt, vorerst die regionale Gliederung der Ergebnisse und die Genauigkeit der einzelnen Indikatoren durch eine Erhö- hung der Stichproben zu verbessern. Aufgrund der bereits eingeleiteten Revisionsarbeiten und der Notwendigkeit eines schrittweisen Vorgehens beantragen wir, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln. Ueberwiesen als Postulat-Transmis comme postulatSchweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion Vollmer Verbesserung der Schweizerischen Arbeitskräfte-Erhebung und der Arbeitslosenstatistik Motion Vollmer Développement des statistiques sur l'emploi et le chômage In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1992 Année Anno Band V Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3083 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 09.10.1992 - 08:00 Date Data Seite 2155-2155 Page Pagina Ref. No 20 021 670 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.