<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2000 97 S.416</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">416</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>97</b></span> <span class="ft2"><b>Einkommenssteuer; Kauf einer Rente mit Kapitalzahlung aus beruflicher</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Vorsorge (§ 23 lit. k StG).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Für die Steuerfreiheit genügt es, wenn der Empfänger einer</b></span><br/> <span class="ft2"><b>Kapitalabfindung aus beruflicher Vorsorge vor oder unmittelbar</b></span><br/> <span class="ft2"><b>nach der Auszahlung durch den Abschluss eines Vertrages den Willen</b></span><br/> <span class="ft2"><b>zum Ausdruck bringt, dass er mit dem ausbezahlten Kapital eine</b></span><br/> <span class="ft2"><b>lebenslängliche Rente kaufen will; der Rentenfluss kann</b></span><br/> <span class="ft2"><b>aufgeschoben werden.</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">17. August 2000 in Sachen M., RV.2000.50084/K 7029</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">417</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">2. Der Rekurrent hat am 26. Juli 1999 von der "BVG-Sammel-</span><br/> <span class="ft1">stiftung der Rentenanstalt, B. AG, L." eine Kapitalzahlung von</span><br/> <span class="ft1">Fr. 359'394.-- erhalten. Er beantragt, es sei die darauf (abzüglich</span><br/> <span class="ft1">20 % eigene Beiträge) erhobene Jahressteuer zu 40 % des Tarifs B</span><br/> <span class="ft1">aufzuheben, weil diese Kapitalzahlung gleichzeitig zum Kauf einer</span><br/> <span class="ft1">Rente verwendet worden sei. Es liege ein Fall von § 23 lit. k StG vor.</span><br/> <span class="ft1">3. a) Gemäss § 23 lit. k StG sind u.a. Kapitalzahlungen aus be-</span><br/> <span class="ft1">ruflicher Vorsorge (Säule 2) nicht der Einkommenssteuer unterwor-</span><br/> <span class="ft1">fen, sofern der volle steuerbare Teil der Kapitalabfindung gleichzei-</span><br/> <span class="ft1">tig zum Kauf einer Rente verwendet wird, die vollumfänglich der</span><br/> <span class="ft1">Einkommenssteuer unterliegt.</span><br/> <span class="ft1">b) Für den Kauf der Rente ist mindestens der volle steuerbare</span><br/> <span class="ft1">Teil der Kapitalzahlung zu verwenden. § 28 des Gesetzes ist an-</span><br/> <span class="ft1">wendbar. Der steuerbare Teil der Kapitalzahlung gilt jedoch nicht als</span><br/> <span class="ft1">eigene Leistung der Rentenberechtigten (§ 11</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">StGV).</span><br/> <span class="ft1">4. a) Die Vorinstanz hat die Anwendung von § 23 lit. k StG</span><br/> <span class="ft1">verneint mit der Begründung, die Rente, die gleichzeitig besteuert</span><br/> <span class="ft1">werden könne, entspreche in keiner Art und Weise dem eingesetzten</span><br/> <span class="ft1">Kapital. Somit entfalle die Möglichkeit, auf die Besteuerung der</span><br/> <span class="ft1">Kapitalauszahlung (unter Höherbesteuerung der entsprechenden</span><br/> <span class="ft1">Rente) zu verzichten. Mit dieser unglücklichen Formulierung wollte</span><br/> <span class="ft1">die Vorinstanz zum Ausdruck bringen, dass § 23 lit. k StG vorliegend</span><br/> <span class="ft1">nicht anwendbar sei, weil die jährliche Rente vom 1. August 1999 bis</span><br/> <span class="ft1">zum 31. Juli 2006 lediglich Fr. 6'000.-- beträgt, und erst ab dem</span><br/> <span class="ft1">1. August 2006 eine jährliche Rente von Fr. 30'000.-- entrichtet wird.</span><br/> <span class="ft1">Sie ist offenbar der Auffassung, dass § 23 lit. k StG nur angewendet</span><br/> <span class="ft1">werden kann, wenn gleichzeitig mit der Auszahlung einer Kapitalab-</span><br/> <span class="ft1">findung aus 2. Säule ein Rentenvertrag abgeschlossen wird und so-</span><br/> <span class="ft1">fort eine dem Alter des/der Rentenberechtigten und dem investierten</span><br/> <span class="ft1">Kapital entsprechende, nach versicherungsmathematischen Grund-</span><br/> <span class="ft1">sätzen errechnete (ohne Berücksichtigung allfälliger Überschussan-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Steuerrekursgericht</span> <span class="page_no">418</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">teile in der Höhe grundsätzlich gleichbleibende) lebenslängliche</span><br/> <span class="ft1">Rente zu fliessen beginnt.</span><br/> <span class="ft1">b) In der ursprünglichen Fassung lautete § 23 lit. k StG wie</span><br/> <span class="ft1">folgt:</span><br/> <span class="ft6">"Der Einkommenssteuer sind nicht unterworfen Kapitalzahlungen aus</span><br/> <span class="ft6">beruflicher Vorsorge (Säule 2) ..., sofern das volle Kapital <b>sofort</b> zum Kauf</span><br/> <span class="ft6">einer Rente verwendet wird, welche vollumfänglich der Einkommenssteuer</span><br/> <span class="ft6">unterliegt."</span><br/> <span class="ft1">An der Sitzung vom 13. November 1987 der Grossratskommis-</span><br/> <span class="ft1">sion für die Revision des Steuergesetzes wollte Frau Dr. Mörikofer</span><br/> <span class="ft1">wissen, welche Bedeutung dem Wort "sofort" zukomme. Nach ihrer</span><br/> <span class="ft1">Auffassung sollte eine Frist genannt werden.</span><br/> <span class="ft1">Herr Dr. Rohr hielt dafür, das Wort "sofort" sei zu streichen. Es</span><br/> <span class="ft1">könnte falsch verstanden werden in Fällen, in denen das Kapital früh</span><br/> <span class="ft1">bezogen werde, aber die Rente erst ab 65 Jahren zu laufen beginne.</span><br/> <span class="ft1">Herr Dr. Strickler schlug vor, das Wort "sofort" durch den Ausdruck</span><br/> <span class="ft1">"gleichzeitig" zu ersetzen. Der Kapitalbezüger müsse sich im Zeit-</span><br/> <span class="ft1">punkt der Auszahlung im Klaren sein, ob er mit dem Kapital eine</span><br/> <span class="ft1">Rente kaufen wolle. Diese Aenderung von § 23 lit. k StG wurde</span><br/> <span class="ft1">stillschweigend genehmigt (vgl. Protokoll der 19. Sitzung vom</span><br/> <span class="ft1">13. November 1987).</span><br/> <span class="ft1">Aus diesen Voten ergibt sich, dass es nach dem Willen des Ge-</span><br/> <span class="ft1">setzgebers für die Anwendung von § 23 lit. k StG genügt, wenn der</span><br/> <span class="ft1">Empfänger einer Kapitalabfindung aus beruflicher Vorsorge vor oder</span><br/> <span class="ft1">unmittelbar nach der Auszahlung den Willen zum Ausdruck bringt,</span><br/> <span class="ft1">dass er mit dem ausbezahlten Kapital eine Rente kaufen will. Dieser</span><br/> <span class="ft1">Wille ist grundsätzlich durch den Abschluss eines Vertrages auf Ein-</span><br/> <span class="ft1">räumung einer lebenslänglichen Rente nachzuweisen. Es wird jedoch</span><br/> <span class="ft1">nicht zusätzlich vorausgesetzt, dass bereits unmittelbar nach der Ka-</span><br/> <span class="ft1">pitalauszahlung auch eine (aufgrund des Alters des Rentenempfän-</span><br/> <span class="ft1">gers und des einbezahlten Kapitals nach versicherungsmathemati-</span><br/> <span class="ft1">schen Grundsätzen berechnete) Rente zu fliessen beginnt. Der Ren-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2000</span> <span class="title">Kantonale Steuern</span> <span class="page_no">419</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">tenfluss kann nach dem Willen des Gesetzgebers auch aufgeschoben</span><br/> <span class="ft1">werden.</span><br/> <span class="ft1">Auch aus dem Passus "zum Kauf einer Rente verwendet wird,</span><br/> <span class="ft1">die <b>vollumfänglich der</b> <b>Einkommenssteuer unterliegt</b>" kann nicht</span><br/> <span class="ft1">abgeleitet werden, dass an Stelle der Kapitalzahlung sofort und unter</span><br/> <span class="ft1">Berücksichtigung der Lebenserwartung des Empfängers eine der</span><br/> <span class="ft1">Kapitalabfindung betragsmässig entsprechende Rente treten muss.</span><br/> <span class="ft1">Damit wird nur zum Ausdruck gebracht, dass die (zumindest) aus</span><br/> <span class="ft1">dem steuerbaren Teil der Kapitalzahlung (Auszahlung abzüglich</span><br/> <span class="ft1">anrechenbare eigene Beiträge) gekaufte Rente in der ordentlichen</span><br/> <span class="ft1">Einkommenssteuerveranlagung zu 100 % (also vollumfänglich),</span><br/> <span class="ft1">ohne Gewährung eines Freibetrages (wie bei der Jahressteuer), der</span><br/> <span class="ft1">Besteuerung unterliegt, denn der grundsätzlich steuerbare Teil der</span><br/> <span class="ft1">Kapitalzahlung gilt diesfalls nicht als eigene Leistung des Rentenbe-</span><br/> <span class="ft1">rechtigten (§ 11</span><span class="ft5"><sup>bis</sup></span> <span class="ft1">StGV).</span><br/> <span class="ft1">c) Das StRG kommt daher unter Berücksichtigung der Geset-</span><br/> <span class="ft1">zesmaterialien zum Schluss, dass im vorliegenden Fall einer soforti-</span><br/> <span class="ft1">gen, betragsmässig "gestaffelten" Rente, analog der in den Beratun-</span><br/> <span class="ft1">gen erwähnten aufgeschobenen Rente, § 23 lit. k StG anzuwenden</span><br/> <span class="ft1">ist, denn es ist auch in einem solchen Fall die verpönte doppelte Be-</span><br/> <span class="ft1">lastung von Kapitalzahlung und Rente zu vermeiden (vgl.</span><br/> <span class="ft1">Baur/Klöti/Koch/Meier/Ursprung, Kommentar zum Aargauer Steu-</span><br/> <span class="ft1">ergesetz, Muri-Bern 1991, N 65 zu § 23 StG). Die Kapitalzahlung</span><br/> <span class="ft1">aus 2. Säule von Fr. 359'394.-- ist demzufolge steuerfrei. Daran</span><br/> <span class="ft1">vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass im Falle des Todes</span><br/> <span class="ft1">beider Rekurrenten eine Rückgewährssumme ausbezahlt wird. Es</span><br/> <span class="ft1">kann offen gelassen werden, ob und allenfalls wie diese zu besteuern</span><br/> <span class="ft1">ist.</span><br/></div> </div> </body> </html>