Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 15. Dezember 2015 (460 15 157) ____________________________________________________________________ Strafrecht Qualifizierte grobe Verletzung von Verkehrsregeln Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiber Dominik Haffter Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Berufungsklägerin gegen A.____, vertreten durch Advokatin Patricia Elmer, Gerbergasse 48, Postfach, 4001 Basel, Beschuldigter Gegenstand qualifizierte grobe Verletzung von Verkehrsregeln Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 20. April 2015 Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 20. April 2015 sprach das Strafgericht Basel-Landschaft A.____ der gro- ben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig und verurtei lte ihn zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 80.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren (Ziffer 1 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs). Ferner sprach die Vorinstanz A.____ vom Vorwurf der G e- fährdung des Lebens frei (Ziff er 2 des vor instanzlichen Urteilsdispositivs) und legte fest, dass das beschlagnahmte Motorrad B.____ nach Rechtskraft des Urteils unter Aufhebung der B e- schlagnahme gestützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO der C.____ AG ausgehändigt werde (Ziffer 3 des vor instanzlichen Urteilsdispositivs). Ausserdem auferlegten die Vorderrichter A.____ die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 7'073.60 (Ziffer 4 des vor instanzlichen Urteils- dispositivs) und schossen das Honorar der amtl ichen Verteidigung von Fr. 5'102.65 (inklusive Auslagen und 8% Mehrwertsteuer), unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beu r- teilten in Bezug auf die Hälfte der Verteidigerkosten, aus der Gerichtskasse vor (Ziffer 5 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs). Auf die Begründung dieses vorinstanzlichen Entscheids sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Urteils eing e- gangen. B. Gegen obgenanntes Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft mit Ei n- gabe vom 22. April 2015 Berufung an. In ihrer Berufungserklärung vom 9. Juli 2015 beantragte die Staatsanwaltschaft, es seien die Ziffern 1 und 2 des Urteils des Strafgerichts aufzuheben und der Beschuldigte wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung zu einer bedingt vol l- ziehbaren Freiheitsstrafe von 14 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren zu verurteilen. C. Der Beschuldigte, dannzumal vertreten durch Advokat Nicolas Rutschmann, teilte mit Eingabe vom 5. August 2015 mit, dass er keine Anschlussberufung erkläre und keinen Antrag auf Nichteintreten stelle. D. Mit Eingabe vom 24. August 2015 reichte der Beschuldigte, nunmehr vertreten durch Advokatin Patricia Elmer, das ausgefüllte Formular "Gesuch um amtliche Verteidigung" ein. E. Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 26. August 2015 aufgrund der bereits begründet eingereichten Berufungserklärung auf eine weitere schriftliche Begründung ihrer Berufung. F. Mit Verfügung vom 1. September 2015 wies der Präsident der strafrechtlichen Abte i- lung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft das Gesuch des Beschuldigten um amtliche Verte i- digung im Berufungsverfahren ab. G. Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung erschienen der Beschuldig te A.____ mit seiner Verteidigerin, Advokatin Patricia Elmer, sowie die Vertreterin der Staatsa n- Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht waltschaft. Die Staatsanwaltschaft begehrte, die Ziffern 1 und 2 des Urteils seien aufzuheben und der Beschuldigte sei wegen qualifizierter grober Verletzung vo n Verkehrsregeln sowie mehrfacher Gefährdung des Lebens schuldig zu sprechen, wobei Art. 90 Abs. 3 SVG vorgehe. Der Beschuldigte seinerseits beantragte, es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft vollu m- fänglich abzuweisen, unter o/e -Kostenfolge zu Lasten d er Staatsanwaltschaft. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eing e- gangen. Erwägungen I. Formelles 1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, S R 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollstä n- dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt w erden, wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zuste l- lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Das Ber u- fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urtei l nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 381 Abs. 1 StPO ist die Staats anwaltschaft legitimiert, sowohl zu Gunsten als auch zu Ungunsten der beschuldigten oder verurteilten Person ein Rechtsmittel zu ergreifen. 2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 20. April 2015 ange- fochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Mit Eingaben vom 22. April 2015 (Berufungsanmeldung) respektive vom 9. Juli 2015 (Berufungserklärung) hat die Staatsanw alt- schaft die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist ihrer Erklärungspflicht nachgekommen. Die Zustä n- digkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO, SGS 250). Die Berufung der Staatsanwaltschaft erfüllt somit sämtliche Formalien, weshalb auf diese einzutreten ist. II. Materielles 1. Gegenstand des Berufungsverfahrens Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rechtsschriften sowie der anlässlich der heut i- gen Hauptverhandlung gehaltenen Par teivorträge zeigt sich, dass der Freispruch vom Vorwurf Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht der Gefährdung des Lebens, die Ausfü hrungen, wonach die Tatbestandsmerkmale der qualif i- zierten groben Verletzung der Verkehrsregeln nicht erfüllt seien, sowie die Strafzumessung Ge- genstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bilden. Demgegenüber bleiben die Ausführu n- gen des Strafgerichts in Bezug auf den Schuldspruch wegen grober Verletzung der Verkehrsre- geln, das Beschlagnahmegut, die Verlegung der erstinstanzlichen Kosten sowie das Honorar der amtlichen Verteidigung unbestritten, weshalb diese nicht Gegenstand des vorliegenden Ver- fahrens bilden. 2. Allgemeines 2.1 Nach dem Grundsatz der freie n Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urte i- lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon- nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Art des Beweismittels. Auch besteht ke ine Rangfolge der Beweise. Massgebend ist allein deren Stichhaltigkeit (CHRISTOF RIEDO/GERHARD FIOLKA/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Strafprozes s- recht, 2011, Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Nach der bundesgerichtl ichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundes- verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist. Als Beweis- würdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver B e- trachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungs- regel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer mög- lich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der obje ktiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermes sensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1). 2.2 Im Rahmen der Beweiswürdigung ist die Aussage auf Glaubhaftigkeitsmerkmale b e- ziehungsweise Lügensignale hin zu analysieren. Die Aussage ist gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen Realkennzeichen zu beurteilen, wobei zwischen inhaltlichen Merkma len (Aussage- details, Individualität, Verflechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteu e- rung, Widerspruchsfreiheit beziehungsweise Homogenität) sowie Wiederholungs merkmalen (Konstanz, Erweiterung) unterschieden wird. Das Vorliegen von R ealitätskriterien bedeutet, dass die betreffende Person mit hoher Wahrscheinlichkeit über erlebnisfundierte Geschehnisse Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht berichtet. Zwar besitzt jedes Realitätskriterium für sich allein betrachtet meist nur eine geringe Validität, die Gesamtschau aller Indikatoren kann jedoch einen wesentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aussage haben, wobei sie in der Regel in solchen mit realem Erle b- nishintergrund signifikanter und ausgeprägter vorkommen als in solchen ohne ( MARTIN HUSSELS, Von Wahrheite n und Lügen – Eine Darstellung der Glaubha ftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 369 f.; ANDREAS DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 162 N 15). 3. Qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Art. 90 Abs. 3 SVG) 3.1 In seinem Urteil vom 20. April 2015 erwägt das Strafgericht, der Beschuldigte sei am 30. März 2014 um ca. 16.40 Uhr mit seinem Motorrad in D.____ auf der Hauptstrasse Richtung E.____ gefahren, wo er zunächst drei andere Motorräder überholt habe. Auf der Höhe des A b- zweigers F.____ habe er in der Folge in einer unübersichtlichen Rechtskurve einen Bus der Baselland Transport AG (nachfolgend: BLT) überholt, worauf er dem entgegenkommenden Mo- torrad nicht mehr habe ausweichen können und e ine seitliche Streifkollision mit diesem veru r- sacht habe. Dieser Sachverhalt erfülle allerdings die Voraussetzungen der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln nicht, zumal die Gegenfahrbahn auf weite Distanz hin einsehbar gewesen sei, so dass das vom Beschuldigten intendierte Manöver bei Beachtung der notwe n- digen Sorgfalt ohne weiteres hätte durchgeführt werden können, ohne den Gegenverkehr zu gefährden. Hinzu komme, dass der Beschuldigte glaubhaft versichert habe, vor Beginn des Überholmanövers die Gegenfahrbahn auf allfälligen Gegenverkehr hin überprüft zu haben. Dass der Beschuldigte beim Überholmanöver die notwendige Sorgfalt möglicherweise nicht aufgebracht beziehungsweise die Situation falsch eingeschätzt habe, ändere nichts daran, dass keine Hinweise dafür vorliegen würden, wonach er das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwe r- verletzten oder Todesopfern eingegangen sei. Mithin zeichne sich die Fahrweise des Beschu l- digten durch eine Fehleinschätzung der Situation aus, nicht durch Gleichgültigk eit beziehungs- weise Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Leben Anderer. Gleichwohl habe kein Freispruch zu ergehen, da derselbe Sachverhalt bei abweichender rechtlicher Würdigung zu einer Verurte i- lung wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln führe. 3.2 Mit Berufungserklärung vom 9. Juli 2015 sowie vor den Schranken des Kantonsg e- richts bringt die Staatsanwaltschaft vor, entgegen den Ausführungen des Strafgerichts sei die Gegenfahrbahn nicht auf weite Distanz einsehbar gewesen, zumal die Strasse nicht gerad e verlaufe und die Sicht ausserdem durch den Bus der BLT blockiert gewesen sei. Überdies sei der Beschuldigte selbst nicht sicher gewesen, ob er die Gegenfahrbahn geprüft habe, und habe eingeräumt, sollte er einen Kontrollblick gemacht haben, sei dieser al lenfalls zu kurz gewesen. Sodann sei auf der mittels Helmkamera des nachfahrenden Motorradfahrers erfolgten Vide o- aufzeichnung der letzten Augenblicke der Fahrt ersichtlich, wie der Beschuldigte in einem einz i- gen Manöver und damit ohne wieder auf seine Fahr bahn einzubiegen und sich erneut zu ve r- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht gewissern, dass kein Gegenverkehr herannahe, zunächst drei Motorräder und dann den Bus überhole. Zwar bestehe auf der Überlandstrasse kein Überholverbot, dennoch sei ein Überh o- len an dieser Stelle nur als leichtsinnig und damit waghalsig zu qualifizieren. Auch lasse sich aus der Aussage des entgegenkommenden Motorradfahrers, wonach der Beschuldigte ang e- sichts seines Auftauchens überrascht gewesen sei, nichts zu Gunsten des Beschuldigten able i- ten. Schliesslich sei der U mstand, dass der Beschuldigte über keine Vorgänge und Vorstrafen verfüge, als Argument, der Beschuldigte verhalte sich nicht rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, schlicht unbehelflich. Folglich sei der Tatbestand der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln erfüllt. 3.3 Der Beschuldigte seinerseits macht anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhan d- lung geltend, in Bezug auf die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz, wonach die Fahrbahn auf weite Distanz hin einsehbar gewes en sei, könne insbesondere auf den sich in den Verfa h- rensakten befindenden Kartenausschnitt (act. 171) verwiesen werden, welcher belege, dass die Strasse bloss leicht gekrümmt, aber dennoch weit einsehbar sei. Auch habe er nicht daran g e- dacht, dass nach der geraden Strecke eine Kurve komme. Aufgrund der Videoaufzeichnung sei ausserdem ersichtlich, dass der Beschuldigte die vier Fahrzeuge nicht in einem einzigen Man ö- ver überholt habe, sondern er zunächst an den drei Motorradfahrern vorbeigefahren und a n- schliessend wieder auf die rechte Fahrbahn hinter den Bus eingebogen sei. Angesichts der Umstände, wonach der Beschuldigte das Überholmanöver auf einer Strecke vorgenommen habe, die er in der Vergangenheit oft gefahren sei, die Strassen - und Sichtverhältnisse gut ge- wesen seien, er nach dem Überholen der Motorräder hinter dem Bus gefahren sei und einen erneuten Kontrollblick getätigt habe, könne nicht von einer qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln gesprochen werden. Sachverhaltsfeststellung 3.4 In tatsächlicher Hinsicht rügt die Staatsanwaltschaft, dass die Gegenfahrbahn nicht auf weite Sicht einsehbar gewesen sei und überdies der Beschuldigte die Fahrbahn nicht geprüft habe, bevor er den Bus der BLT überholt habe. Anlässlich der Einvernahme vom 31. März 2014 gab der Beschuldigte Folgendes zu Protokoll: "Ich hatte dann in G.____ 3 Motorräder vor mir und einen Bus. Ausserorts beschleunigte ich auf ca. 60 km/h. Dann überholte ich mal die Töf f- fahrer. Dann schaute ich nochmals nach vorne und dachte, i ch überhole den Bus nun auch noch. Als ich neben dem Bus war, sah ich, dass ein anderer Motorradfahrer entgegenkam. Ich sah wie der andere Lenker auswich und ich wich dann auch aus. Ich fuhr dann gegen das Bord und das war das letzte, an das ich mich erinn ern kann" (act. 131 ff.). Des Weiteren führte der Beschuldigte aus, er sei die Strecke schon oft gefahren. Zwischen dem letzten Sommer und Januar 2014 sei er während rund 6 Monaten die Strecke wöchentlich gefahren; seither noch drei bis vier Mal. Es habe n icht viel Gegenverkehr gehabt. Allgemein habe es eher weniger Verkehr gehabt, mithin habe er schon mehr Verkehr auf dieser Strecke erlebt (act. 135 ff.). So- dann legte der Beschuldigte auf die Frage, ob er beim Überholen des Busses nach vorne g e- schaut habe, um zu sehen, ob im Gegenverkehr ein anderer Verkehrsteilnehmer herannahte, Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht dar: "Ja. Ich schaute nach vorne, aber ich habe nichts gesehen. Als ich dann neben dem Bus war, ich kann nicht mehr sagen, auf welcher Höhe ich dann war. A.F.: In diesem Moment, al s ich nach vorne sah, sah ich nichts entgegenkommen" (act. 145). Ferner machte er geltend, er habe das entgegenkommende Motorrad das erste Mal gesehen, als er neben dem Bus gew e- sen sei, wobei er nicht mehr genau sagen könne, auf welcher Höhe dies gewesen s ei. Als er das Motorrad gesehen habe, sei dieses noch etwa 100 bis 200 Meter entfernt gewesen (act. 145). In der Befragung vom 24. November 2014 brachte der Beschuldigte sodann vor, er sei die Strecke schon oft gefahren und kenne diese. Die Strecke sei eigentlich übersichtlich und auch die Situation damals sei für ihn übersichtlich gewesen, weshalb er zum Überholmanöver angesetzt habe (act. 165). 3.5 Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vor dem Strafgericht vom 20. April 2015 führte der Beschu ldigte an, er habe sich grausam verschätzt und gemeint, dass er gut vorbeikomme. Auch sei es ruhig gewesen an jenem Tag und es habe nicht viel Gegenverkehr gehabt. Er könne sich nicht erklären, weshalb er den entgegenkommenden Motorradfahrer nicht gesehen habe. So wie er es in Erinnerung habe, sei es übersichtlich gewesen (act. 257 ff.). Ausserdem brachte der Beschuldigte vor, er habe wahrscheinlich auch rechts am Bus vo r- beigesehen. Ob er es wirklich gemacht oder ob er kurz geschaut habe, wisse er nicht mehr (act. 267). Der Zeuge H.____, mithin der dem Beschuldigten entgegenkommende Motorradfahrer, legte anlässlich der Hauptverhandlung des Strafgerichts dar, er sei etwa 150 Meter von der Kurve entfernt gewesen und der Beschuldigte habe den Bus überholt. Der Beschuldigte sei er- staunt gewesen, ihn zu sehen und sei nach links ausgewichen. Er denke, dass der Beschuldi g- te das Überholmanöver nicht gemacht hätte, wenn er ihn schon vorher gesehen hätte. Es habe sich um eine gerade Strecke und eine kleine Linksstrecke gehandelt (act. 261 ff.). 3.6 Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung brachte der Beschuldigte des Weiteren vor, er habe die Motorradführer überholt und sei dann ein bisschen zurück auf seine Fahrbahn. In der Folge habe er nach vorne gescha ut und gesehen, dass nichts komme, we s- halb er angefangen habe, den Bus zu überholen. Er kenne diese Strecke. Gleichwohl habe er in diesem Moment nicht realisiert, dass er nicht bis zur Kreuzung sehe. Mithin habe er gedacht, er sehe die ganze Strecke. Er habe nicht an die Kurve gedacht. Andernfalls hätte er nicht überholt (Protokoll der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung [nachfolgend: Protokoll KGer], S. 2 f.). 3.7 In Anbetracht der Aussagen des Beschuldigten, der Videoaufzeichnung der letzten Augenblicke der Fahrt sowie der Satellitenbilder betreffend die massgebliche Strecke ist ersicht- lich, dass der Beschuldigte die Strecke nicht komplett einsehen konnte. Dementsprechend führ- te der Beschuldigte anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhand lung selbst aus, er sei davon ausgegangen, die ganze Strecke zu sehen, wobei er allerdings nicht bedacht habe, dass die Strecke eine Rechtskurve habe. Folglich bringt auch der Beschuldigte vor, dass er aufgrund der Rechtskurve nicht die gesamte Strecke hab e einsehen können. Es ist daher – entgegen den Ausführungen des Strafgerichts, wonach die Gegenfahrbahn auf weite Distanz hin einse h- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht bar gewesen sei – festzustellen, dass die Fahrbahn für den Beschuldigten lediglich bis hin zur Rechtskurve einsehbar war, we shalb er nicht die gesamte Strecke, welche für eine sichere Durchführung des Überholmanövers einzusehen erforderlich war, überblicken konnte. 3.8 Soweit die Staatsanwaltschaft im Weiteren rügt, der Beschuldigte habe die Fahrbahn nicht geprüft, bevor er den Bus der BLT überholt habe, ist zunächst unter Hinweise auf die Da r- legungen des Beschuldigten zu konstatieren, dass dieser unmittelbar nach dem Unfall vom 30. März 2014, mithin anlässlich der Einvernahme vom 31. März 2014, ausgesagt hat, er habe nochmals nach vorne geschaut, bevor er den Bus überholt habe. Da er keinen Gegenverkehr gesehen habe, habe er den Bus überholt. Erst im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhan d- lung vom 20. April 2015, welche über ein Jahr nach dem Vorfall stattfand, gab er zu Pro tokoll, er habe wahrscheinlich auch rechts am Bus vorbeigesehen, wobei er nicht mehr genau wisse, ob er dies wirklich getan habe. Angesichts dieser Aussagen erhellt, dass sich der Beschuldigte lediglich in Bezug auf den Blick rechts am Bus vorbei unsicher war. Hingegen hat der Beschu l- digte durchwegs dargelegt, dass er nach dem Überholen der drei Motorradfahrer wieder auf die Normalspur eingebogen sei und links am Bus vorbei geschaut habe, ob die Gegenfahrbahn frei sei. Dasselbe führte der Beschuldigte schliesslich auch vor den Schranken des Kantonsgerichts aus. Sodann ist der Videoaufzeichnung der letzten Augenblicke der Fahrt ebenfalls zu entne h- men, dass der Beschuldigte, nachdem er die drei Motorräder überholt hatte, zurück auf die Normalspur fuhr, bevor er das Überholmanöver betreffend den Bus der BLT einleitete. Folglich untermauert die Videoaufzeichnung die Ausführungen des Beschuldigten, weshalb – entgegen der Vorbringen der Staatsanwaltschaft – den glaubhaften Aussagen des Beschuldigten zu fo l- gen ist. Somit ist als erstellt zu betrachten, dass der Beschuldigte, bevor er zum Überhol - manöver betreffend den Bus der BLT ansetzte, zunächst auf die Normalspur zurückfuhr, um mittels Kontrollblick erneut zu prüfen, ob ein Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn entgegenkommt. 3.9 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass in Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte nicht mit einem entgegenkommenden Fahrzeug gerec h- net hat. Vielmehr legte er durchwegs dar, er habe den entgegen kommende n H.____ nicht ge- sehen, andernfalls hätte er nicht überholt. Diese Ausführungen des Beschuldigten werden im Übrigen von den Depositionen des Zeugen H.____ untermauert, wonach der Beschuldigte e r- staunt gewesen sei, ihn zu sehen. Somit ist nachfolgend zu prü fen, ob der erstellte Sachverhalt den Tatbestand der qualifizierten groben Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 90 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG, SR 741.01) erfüllt. Rechtliches 3.10 Gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG macht sich der qualifizierten groben Verletzung von Ve r- kehrsregeln strafbar, wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch beso n- ders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgesc hwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen. Ferner regelt Art. 35 Abs. 2 Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht SVG, dass Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen nur gestattet ist, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert wird. Im Kolonnenverkehr darf nur überholen, wer die Gewissheit hat, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer Fah r- zeuge wieder einbiegen zu können. Wer überholt, muss auf die übrigen Strassenbenützer, n a- mentlich auf jene, die er überholen will, besonders Rücksicht nehmen (Art. 35 Abs. 3 SVG). In unübersichtlichen Kurven, auf und unmittelbar vor Bahnübergängen ohne Schranken sowie vor Kuppen darf nicht überholt werden, auf Strassenverzweigungen nur, wenn sie übersichtlich sind und das Vortrittsrecht anderer nicht beeinträchtigt wird (Art. 35 Abs. 4 SVG). 3.11 Art. 90 Abs. 3 SVG ist ein abstraktes Gefährdungsdelikt, mithin ist der Nachweis einer konkreten Gefährdung nicht erforderlich. Da man sich beim Überholen bei nicht r ichtungsge- trennten Strassen zeitweise auf der dem Gegenverkehr zugedachten Fahrbahn aufhält, zählt das Überholen an sich bereits zu den gefährlicheren Fahrmanövern. Waghalsig im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG sind hingegen nur Überholvorgänge, die im Vergleich als besonders gefähr- lich zu qualifizieren sind. Das Verhalten muss mithin bei objektiver Betrachtung als geradezu gemeingefährlich erscheinen. Die besondere Gefährlichkeit kann sich etwa aus besonders u n- günstigen Sicht - und Verkehrsverhältnissen, den St rassen- beziehungsweise Witterungsve r- hältnissen, dem Abstand zu anderen Fahrzeugen, der Verletzung weiterer Verkehrsregeln, aber allenfalls auch aus einer sehr hohen Geschwindigkeit ergeben. Der Überholvorgang muss auch in subjektiver Hinsicht als waghalsig und insofern skrupellos erscheinen (GERHARD FIOLKA, Bas- ler Kommentar SVG, 2014, Art. 90 N 132 ff.; PHILIPPE WEISSENBERGER, Kommentar Strasse n- verkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 90 N 140 f.). 3.12 Die qualifizierte grobe Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 3 SVG setzt voraus, dass der Täter das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern einging. Daraus ist abzuleiten, dass auch das Risiko vorsätzlich, zumindest eventualvorsät zlich verwirk- licht werden musste. Das Eingehen des Risikos impliziert zunächst dessen Kenntnis. Wer d a- von ausgeht, dass sich ein Risiko nicht verwirklicht, geht dieses Risiko nicht ein. Insofern en t- hält Art. 90 Abs. 3 SVG einen doppelten Vorsatz: Zum Vorsa tz der Verkehrsregelverletzung tritt derjenige der Risikoverwirklichung hinzu. Dieser Vorsatz des Eingehens eines Risikos liegt n a- he beim Gefährdungsvorsatz nach Art. 129 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0), unterscheidet sich jedoch von diesem insofern, als nicht nachgewiesen werden muss, dass der Täter den Vorsatz hatte, bestimmte beziehungswiese bestimmbare Personen zu gefährden. Die Formulierung von Art. 90 Abs. 3 SVG deutet insgesamt, aber auch was die Regelbeispiele anbelangt, darauf hin, dass der Tatbestand auch in subjektiver Hinsicht nur auf besonders verwerfliche, rücksichtslose Verhaltensweisen angewandt werden soll. Das Eing e- hen des hohen Risikos eines Verkehrsunfalls mit Todesopfern ist letztlich eine Verhaltensweise, in der eine besondere Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben und der körperlichen Unversehr t- heit anderer Verkehrsteilnehmer erblickt wird. Die Gleichgültigkeit entspricht letztlich dem, was in Art. 112 und 129 StGB als Skrupellosigkeit angesprochen wird. Skrupellos in diesem Sinne ist ein in schwerem Grade vorwerfbares, ein rücksichts - oder hemmungsloses Verhalten, ein Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Verhalten also, das auf eine besondere Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Leben anderer Menschen hindeutet (GERHARD FIOLKA, a.a.O., Art. 90 N 149 ff.). 3.13 Waghalsig ist in objektiver Hinsicht ein besonders gefährlicher Überholvorgang. In sub- jektiver Hinsicht tritt indes eine gewisse Risikoakzeptanz hinzu, eine bewusste – und insofern eben skrupellose – Inkaufnahme der Gefährdung anderer durch den Üb erholvorgang. Wer e i- nen Überholvorgang für ungefährlich hält, überholt nicht waghalsig, ebenso wenig wie derjen i- ge, der nicht abseits jeder Plausibilität hofft, die Gegenfahrbahn bleibe frei, bis sein Überholvo r- gang abgeschlossen sei ( GERHARD FIOLKA, a.a.O ., Art. 90 N 154). Demnach sind fahrlässig begangene Verkehrsregelverletzungen und Gefährdungen, die beispielsweise auf blosse Feh l- einschätzungen von Distanzen, Geschwindigkeiten oder Strassenverhältnissen beruhen, die auch pflichtbewussten Fahrzeuglenkern unterlaufen können und nicht Ausdruck einer krassen Gleichgültigkeit respektive Rücksichtslosigkeit sind, von Art. 90 Abs. 3 SVG nicht erfasst (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 90 N 142). 3.14 Angesichts der in Art. 90 Abs. 3 SVG verwendeten unscharf en Rechtsbegriffe, die z u- mindest das Legalitätsprinzip ritzen, der unklaren Abgrenzung zu anderen Strafbestimmungen und der für ein Gefährdungsdelikt ausserordentlich hohen Strafandrohung ist die Norm äusserst restriktiv auszulegen. Der Gesetzgeber wollte nur für krasse Fälle verantwortungsloser Fah r- zeuglenker die Strafen empfindlich verschärfen. Eine allgemeine Verschärfung der Strafen für andere Verkehrsdelikte war in der parlamentarischen Debatte hingegen nie ein Thema und wurde in der Botschaft zur "Via sicura" auch nicht angesprochen ( PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 90 N 108 f.). 3.15 Vorliegend ist zu prüfen, ob das Überholmanöver des Beschuldigten als waghalsig zu werten ist. Aufgrund des erstellten Sachverhalts zeigt sich in dieser Hinsicht, dass die Strassen- sowie Witterungsverhältnisse zum Tatzeitpunkt prinzipiell geeignet waren, um das entspr e- chende Fahrmanöver des Beschuldigten durchzuführen. Sodann fuhr der Beschuldigte nicht mit übersetzter Geschwindigkeit und widerhandelte, mit Ausnahme der unbestrittenermassen in casu verletzten Bestimmung gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG, gegen keine weiteren Verkehrsregeln, namentlich war das Überholen an der besagten Stelle grundsätzlich zulässig. Hinzu kommt, dass auf der Strasse kein übermässiges Verkehrsaufkommen herrschte, welches das Verhalten des Beschuldigten als geradezu gemeingefährlich erscheinen lassen würde. Hingegen ist in Bezug auf die Sichtverhältnisse festzustellen, dass die Sicht des Beschuldigten durch den Bus der BLT insoweit eingeschränkt war, als er die vor ihm liegende Strasse lediglich bis zur Rechtskurve einsehen konnte. Mithin war es dem Beschuldigten aufgrund des vor ihm fahre n- den Busses nicht möglich, den weiteren Strassenverlauf einzusehen. Dabei wäre dies jedoch namentlich hinsich tlich derjenigen Strecke notwendig gewesen, welche zum gefahrlosen A b- schliessen des Überholvorgangs benötigt wird. Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.16 In Bezug auf die subjektive Seite bedarf es einer besonders verwerflichen, rücksicht s- losen Verhaltensweise des Beschuldigten, mithin m uss der Überholvorgang geradezu skrupe l- los erscheinen. Folglich ist erforderlich, dass der Beschuldigte das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern einging. In diesem Zusammenhang ist dem als erstellt zu betrachtenden Sachverhalt zu entnehmen, dass der Beschuldigte, bevor er zum Überholman ö- ver betreffend den Bus der BLT ansetzte, zunächst auf die Normalspur zurückfuhr um mittels Kontrollblick erneut zu prüfen, ob ein Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn entgegenkommt. Mithin ist der Beschu ldigte nicht in einem Zug an den drei Motorradfahrern sowie dem Bus der BLT vorbeigefahren, sondern hat den Überholvorgang kurz unterbrochen. Gleichwohl setzte er a n- schliessend zum Überholmanöver des Busses an, obwohl er nicht die ganze für den Abschluss des Überholvorgangs benötigte Strecke einzusehen vermochte. Diesbezüglich ist aufgrund der glaubhaften Aussagen des Beschuldigten ersichtlich, dass dieser den Überholweg unterschät z- te, wobei er ungeachtet dieses Umstands den Überholvorgang allerdings nicht abbrach. Mass- gebend ist allerdings der dem Sachverhalt zu entnehmende Umstand, dass der Beschuldigte den entgegenkommenden Motorradfahrer vor dem Ansetzen zum Überholmanöver nicht ges e- hen und keineswegs mit einem entgegenkommenden Fahrzeug gerechnet hat. M ithin ging der Beschuldigte davon aus, dass er den Bus überholen zu können, ohne dass ihm andere Ve r- kehrsteilnehmer entgegenkommen werden. 3.17 Es zeigt sich somit, dass der Beschuldigte den Überholvorgang für ungefährlich geha l- ten hat, er mithin aufgrun d einer zumindest grobfahrlässigen Fehleinschätzung betreffend den Überholvorgang sowie seiner Sichtverhältnisse davon ausging, er könne das Überholmanöver gefahrlos abschliessen. Es fehlt somit aufgrund des Beweisergebnisses an einer bewussten Eingehung eines hohen Risikos eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern. Somit ist aufgrund des Verhaltens des Beschuldigten gerade nicht auf eine besondere Rücksichtslosi g- keit gegenüber dem Leben anderer Menschen zu schliessen, weshalb die Voraussetzung de r Skrupellosigkeit respektive Waghalsigkeit des Überholmanövers des Beschuldigten zu verne i- nen ist. Folglich erhellt, dass der Tatbestand der qualifizierten groben Verletzung von Verkehr s- regeln nach Art. 90 Abs. 3 SVG in casu nicht erfüllt ist. Die Berufun g der Staatsanwaltschaft ist in diesem Punkt daher abzuweisen. 3.18 Im Übrigen zeigt sich, dass die Ausführungen des Strafgerichts betreffend den Schul d- spruch wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Ve r- bindung mit Ar t. 35 Abs. 2 SVG unbestritten bleiben, weshalb auf diese verwiesen werden kann, zumal sie sich als durchwegs sachlich zutreffend erweisen. 4. Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB) 4.1 Die Vorinstanz führt aus, der Tatbestand der Gefährdung des Lebens setze eine unmit- telbare Lebensgefahr voraus, welche angesichts der durch den Beschuldigten verursachten Streifkollision mit einem entgegenkommenden Motorradfahrer zweifellos bestanden habe. Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ebenso sei die Kausalität zwischen dem Handeln des Beschuldigten u nd der Lebensgefahr nicht zu bestreiten. In subjektiver Hinsicht sei ein direkter Gefährdungsvorsatz erforderlich. Folglich wäre der subjektive Vorsatz vorliegend nur erfüllt, wenn der Beschuldigte das Übe r- holmanöver im Wissen darum eingeleitet hätte, dass ihm ein Verkehrsteilnehmer entgegeng e- fahren sei und es dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit mindestens zu einer Beinahekollision kommen würde. Davon könne jedoch nicht ausgegangen werden, weshalb der Beschuldigte vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens freizusprechen sei. 4.2 Demgegenüber bringt die Staatsanwaltschaft vor, der Beschuldigte habe nur hoffen, aber nicht wissen können, dass ihm während des Überholmanövers niemand entgegenkomme. Es sei einzig der Reaktion des entgegenkommenden Motorradfahrers z u verdanken, dass aus der Streifkollision keine Frontalkollision mit Schwerverletzten oder Toten geworden sei. De m- nach habe der Beschuldigte den entgegenkommenden Motorradfahrer sowie dessen Sohn auf dem Rücksitz in skrupelloser Art und Weise in unmittelba re Lebensgefahr gebracht. Dem B e- schuldigten sei die Selbstüberschätzung im Umgang mit dem Fahrzeug wichtiger gewesen als die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer. Wer trotz fehlenden oder ungenügenden Kontrol l- blicks ein Überholmanöver mehrerer Fahrzeuge e inleite, obwohl die Gegenfahrbahn befahren sei, handle klarerweise mit direktem Gefährdungsvorsatz. 4.3 Anlässlich der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung macht der Beschuldigten hinge- gen geltend, aus objektiver Sicht sei fraglich, ob überhaupt eine un mittelbare Lebensgefahr vorgelegen habe, zumal der entgegenkommende Motorradfahrer ohne grössere Mühe zur Seite habe fahren können. Hinzu komme, dass er über keinen direkten Gefährdungsvorsatz verfügt habe, da er nicht gesehen habe, dass ein Motorrad entge genkomme. Er habe deshalb keinen Vorsatz zur Gefährdung der ihm entgegenkommenden Personen gehabt. Sachverhaltsfeststellung 4.4 In tatsächlicher Hinsicht kann vollumfänglich auf die vorstehenden Ausführungen (Zi f- fer 3.4 ff. des vorliegenden Urteils) ver wiesen werden, zumal sich der Vorwurf der Gefährdung des Lebens auf denselben Sachverhaltskomplex bezieht wie der Schuldspruch wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln. Rechtliches 4.5 Gemäss Art. 129 StGB macht sich der Gefährdung des Lebens strafbar , wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt. Die Bestimmung bestraft als Verbrechen die ethisch missbilligte, gezielte Gefährdung des Lebens einer bestimmten Pe r- son oder eines bestimmten, klar umgrenzten Personenkreises. Der Erfolg besteht in einer ko n- kreten, unmittelbaren Gefahr für das Leben, nicht bloss für die Gesundheit. Die Gefahr muss zudem eine unmittelbare sein, nicht aber eine unausweichliche. Dies trifft nicht erst dann zu, wenn die Wahrscheinlichkeit des Todes grösser ist als die Wahrscheinlichkeit seiner Verme i- Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht dung, sondern schon dann, wenn überhaupt eine nahe Möglichkeit der Tötung vorliegt, über die wissentlich sich hinwegzusetzen als gewissenlos erscheint. Der subjektive Tatbestand verlangt direkten Gefährdungsvorsatz. Eventualdolus genügt nicht. Zudem muss der Täter skrupellos, das heisst gewissenlos, aus sittlich zu missbilligenden Motiven, gefährden. Verlangt wird eine besondere Hemmungslosigkeit oder Rücksichtslosigkeit, mithin ein qualifizierter Grad der Vor- werfbarkeit. Dies ist der Fall, wenn der Täter ohne jeden vernünftigen Grund menschliches L e- ben in Gefahr bringt. Skrupellos handelt der Täter, wenn die Lebensgefährdung nicht wenig s- tens teilweise einem legitimen Zweck dient ( STEFAN TRECHSEL/THOMAS FINGERHUTH, Praxi s- kommentar StGB, 2. Aufl. 2013, Art. 129 N 1 ff.; STEFAN MAEDER, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 129 N 8 ff. und 44 ff.). 4.6 Soweit der Beschuldigte seinerseits vorbringt, es habe keine unmittelbare Lebensg e- fahr bestanden, da der entgegenkommende Motorradfahrer ohne grössere Mühe habe auswe i- chen können, kann ihm offenkundig nicht gefolgt werden. Vielmehr ist unter Verweis auf die vorstehenden rechtlichen Ausführungen festzustellen, dass die Gefahr für das Leben bloss u n- mittelbar, aber nicht unausweichlich sein muss. Vorliegend konnte der entgegenkommende Motorradfahrer zwar knapp noch ausweichen, gleichwohl ist es zu einer Streifkollision zwischen ihm und dem Beschuldigten gekommen. Angesichts der Gegebenheiten, wonach der Beschu l- digte sowie der entgegenkommende Motorradfahrer jeweils mit einer Geschwindigkeit von rund 60 bis 80 km/h aufeinander zugefahren sind und sich aufgrund des Busses der BLT sowie der Rechtskurve überdies erst äusserst spät gegenseitig sehen konnten, ist jedoc h zweifellos von einer konkreten, unmittelbaren Gefahr für das Leben auszugehen. Angesichts der konkreten Umstände ist vielmehr von purem Glück auszugehen, dass sich die konkrete, unmittelbare G e- fahr für das Leben nicht verwirklicht hat. Der objektive Tatb estand von Art. 129 StGB ist daher erfüllt. 4.7 In subjektiver Hinsicht kann sodann aufgrund des als erstellt zu betrachtenden Sac h- verhalts nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte mit einem entgegenko m- menden Verkehrsteilnehmer gerechnet hat . Vielmehr hat der Beschuldigte den Überholweg unterschätzt und ist ausserdem davon ausgegangen, dass sein Kontrollblick ausreichend war, um allfällige entgegenkommende Fahrzeuge zu sehen. Insbesondere sah er den entgege n- kommenden Motorradfahrer nicht. Im Übrigen zeigt sich in Anbetracht der vorstehenden Au s- führungen betreffend die Waghalsigkeit des Überholmanövers (Ziffern 3.16 f. des vorliegenden Urteils), dass der Beschuldigte auch keineswegs skrupellos gehandelt hat. 4.8 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erhellt somit, dass er Tatbestand der Gefäh r- dung des Lebens gemäss Art. 129 StGB in casu nicht erfüllt ist, weshalb sich die Berufung der Staatsanwaltschaft als unbegründet erweist und daher auch in diesem Punkt abzuweisen ist. Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. Strafzumessung 5.1 In Bezug auf die Strafzumessung macht die Staatsanwaltschaft geltend, das Strafg e- richt habe das Verschulden des Beschuldigten unzutreffend als leicht eingestuft. Dabei sei das Strafgericht verharmlosend davon ausgegangen, dass der Beschuldigte einen ku rzen Moment die im Strassenverkehr erforderliche Sorgfalt habe vermissen lassen. Überdies sei die V or- instanz von einem unglücklichen Zufall ausgegangen, dass gerade beim Überholmanöver ein Motorrad entgegengekommen sei. Die Videoaufzeichnung des Vorfalls z eige jedoch, dass die Situation weit weniger harmlos gewesen sei, zumal der Beschuldigte zunächst drei Motorräder und anschliessend einen Bus der BLT vor einer unübersichtlichen Kurve überholte habe. Damit habe er sich zu keinem Zeitpunkt sicher sein könne n, dass kein Fahrzeug ihm entgegenfahren würde. Es könne daher nicht von Zufall oder einem kurzen Moment der Unachtsamkeit die R e- de sein. Im Gegenteil hätte ein vernünftiger Fahrer in derselben Situation an dieser Stelle nicht überholt. Hinzu komme, dass das Strafgericht im Rahmen seiner Erwägungen zu Art. 90 Abs. 2 SVG zum Schluss gekommen sei, dass ein schweres Verschulden vorliegen müsse. Das Ve r- schulden an der Streifkollision sei daher als erheblich einzustufen. 5.2 Der Beschuldigte seinerseits bringt an der kantonsgerichtlichen Hauptverhandlung vor, die Vorinstanz sei zu Recht von einem leichten Verschulden ausgegangen, da er das Überho l- manöver bei guten Sichtverhältnissen, ohne böse Absicht, mit 0.0 Promille, ohne eine Siche r- heitslinie zu überfahren und ohne dabei die Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten getätigt habe. Ausserdem zeige der Beschuldigte Reue und habe sich bei dem ihm entgegenkomme n- den Motorradfahrer entschuldigt. Die Strafzumessung des Strafgerichts sei daher vollumfän g- lich zu bestätigen. 5.3 Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der S chwere der Verlet- zung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den i n- neren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdun g oder Verletzung zu verme i- den (Abs. 2). Demgegenüber ist das Verschulden für die Wahl der Sanktionsart nicht von Rel e- vanz. Massgebliche Kriterien bilden die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventive Effi zienz (BGE 134 IV 97, E. 4.2; BGE 134 IV 82, E. 4.1). 5.4 Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der objektiven Tatschwere das Ve r- schulden zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Z u- messung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten hat – im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernde und welche verschuldenserhöhende Gründe im ko n- kreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gela n- gen (BGE 136 IV 55 , E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände au s- drücklich eingehen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzume s- sung als nicht massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007, E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzug e- ben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 , E. 5.6). Al- lerdings hat das Gericht das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschuldens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer A b- stufungen nach Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, seh r schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, inne r- halb des zur Ve rfügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wese ntlicher Täterkomponenten verä n- dert werden (BGE 136 IV 55 , E. 5.7). Die tat - und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des o rdentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber i n aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis ve r- breiteten Auffassung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs - oder Strafmilde- rungsgründe nicht automatisch erw eitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den übl ichen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, E. 5.8). Im Übrigen drängt das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung vermehrt darauf, dass die Formu- lierung des Ve rschuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011, E. 4.2; BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014, E. 4.2 f.). 5.5 Vorliegend wurde der Beschuldigte der groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen. Der entsprechende Strafrahmen beträgt gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG Freiheitsstra- fe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Die dem Verschulden angemessene Strafe ist entspr e- chend der vorgenannten bundesgerichtlichen Rechtsprechung innerhalb dieses ordentlichen Strafrahmens festzulegen. Tatkomponenten 5.6 Hinsichtlich der Tatkomponenten ist der Staatsanwaltschaft insoweit zuzustimmen, als der Umstand, dass während des Überholvorgangs dem Beschuldigten ein Motorrad entgege n- gekommen ist, nicht als unglücklicher Zufall zu werten ist. Im Gegenteil ist von Glück zu spr e- chen, dass es bloss zu einer Streifkollision gekommen ist und der dem Beschuldigten entg e- genkommende Motorradfahrer ohne zu stürzen ausweichen konnte. Im Übrigen erweisen sich die Erwägungen des Strafgerichts in Bezug auf die Tatkomponenten durchwegs als sachlich zu treffend, weshalb auf diese verwiesen werden kann. Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.7 Soweit die Staatsanwaltschaft in Bezug auf das Verschulden vorbringt, die Vor instanz sei im Rahmen ihrer Erwägungen zur groben Verletzung von Verkehrsregeln zum Schluss g e- kommen, dass ein schweres Verschulden vorliege, ist darauf hinzuweisen, dass das Verschu l- den im Sinne eines Tatbestandsmerkmals massgebend für die Frage ist, ob ein Tatbestand erfüllt ist oder nicht, hingegen das Tatverschulden seinerseits innerhalb des Strafrahmens des entsprechenden Tatbestands festzulegen ist. Demnach ist ein schweres Verschulden Vorau s- setzung des Tatbestands der groben Verletzung von Verkehrsregeln. Das Tatverschulden hi n- gegen ist nunmehr in Relation zu setzen zu anderen groben Verletzungen von Verkehr sregeln. Es ist also festzulegen, wie schwer die konkrete Tat in Beachtung anderer denselben Tatb e- stand erfüllender Taten wiegt. 5.8 Somit ist nunmehr das Verschulden des Beschuldigten innerhalb des Strafrahmens von Art. 90 Abs. 2 SVG festzulegen, wobei v on einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer), mithin könnte dieses Verschulden grundsätzlich ohne Weiteres leicht sein, ist es doch in Beachtung anderer groben Verletzungen von Verkehrsregeln festzulegen. Unter Beachtung sämtlicher Tatkomponenten ist das Verschulden in casu als nicht mehr leicht zu qualifizieren. Täterkomponenten 5.9 Das Strafgericht hat das Vorleben sowie die persönlichen Verhältnisse des Beschuldig- ten im angefochtenen Urteil (S. 9) grundsätzlich korrekt dargelegt, worauf an dieser Stelle ve r- wiesen wird. Sodann ist in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft zu Gunsten des B e- schuldigten zu werten, dass dieser Reue und Einsicht zeigt, zumal er sich beim anlässlich des vorliegend zu beurteilenden Vorfalls entgegenkommenden Motorradfahrer persönlich entschu l- digt hat. Somit ist aufgrund der Täterkomponenten ein bedeutender Abzug vorzunehmen. Strafmass, Strafart und Aufschub des Vollzugs 5.10 Angesichts des Strafrahmens v on Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe, innerhalb dessen die tat - und täterangemessene Strafe festzulegen ist, sowie in Beachtung sämtlicher Tat- und Täterkomponenten, namentlich des sicher nicht mehr leichten Verschuldens des Beschuldigten und des Abzugs aufgrund der zu seinen Gunsten zu wertenden Täterko m- ponenten, erachtet das Kantonsgericht eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen als tat- und täter- angemessen. 5.11 Im Übrigen kann auf die seitens der Parteien nicht bestrittenen und sachlich zutreffen- den Ausführungen des Strafgerichts betreffend die Sanktionsart sowie des Aufschubs des Vol l- zugs verwiesen werden. Demnach ist der Beschuldigte zu einer bedingt vollziehbaren Geldstr a- fe von 130 Tagessätzen zu je Fr. 80.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu verurteilen. Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht III. Kosten 1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfa h- rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht. Entspr e- chend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens, mithin der teilweisen Gutheissung der Ber u- fung der Staatsanwaltschaft betreffend einen Nebenpunkt, gehen von den Verfahrenskosten des Kantonsgeric hts in der Höhe von Fr. 3’900.--, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 3’750.-- (§ 12 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) und Auslagen von Fr. 150.--, 9/10 respektive Fr. 3'510.-- zu Lasten des Staates und 1/10 bezie- hungsweise Fr. 390.-- zu Lasten des Beschuldigten. 2. Abschliessend ist zu prüfen, ob der Beschuldigte Anspruch auf eine Parteientschäd i- gung für das Berufungsverfahren hat. Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich Ansprüche auf Entschädigung und Genugt uung im Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429 ff. StPO. Diesen Bestimmungen ist zwar keine Regelung im Sinne von Art. 428 Abs. 1 StPO zu entnehmen, des- sen ungeachtet hat sich indes auch der Anspruch auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens zu richten ( PATRICK GUIDON, Die Beschwer- de gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 578; NIKLAUS SCHMID, Praxi s- kommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 436 N 1; STEFAN WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, Basler Kommentar S tPO, 2. Aufl. 2014 , Art. 436 N 4). Angesichts des vorliegenden Verfahrensau s- gangs ist dem Beschuldigten daher ein um 2/10 reduziertes Honorar aus der Gerichtskasse zu entrichten. 3. Mit Honorarnote vom 15. Dezember 2015 macht die Verteidigerin des Beschu ldigten einen Aufwand von 11.16 Stunden à Fr. 200.-- geltend. Für die Teilnahme an der heutigen Hauptverhandlung vor den Schranken des Kantonsgerichts sind zusätzlich 3.5 Stunden (inklu- sive Weg) einzusetzen. Demnach ist der Verteidigerin des Beschuldigten, Advokatin Patricia Elmer, für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'382.10.-- (inklusive Auslagen) zuzüglich 8% Mehrwertsteuer von Fr. 190.55, insgesamt somit Fr. 2'572.65, aus der Gerichtskasse zu entrichten. Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel -Landschaft vom 20. April 2015, auszugsweise lautend: „1. A.____ wird schuldig erklärt der groben Verletzung der Verkehrsregeln und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 90 Tagessä t- zen à Fr. 80.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 90 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB sowie Art. 44 Abs. 1 StGB. 2. A.____ wird vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens freigesprochen. 3. Das beschlagnahmte Motorrad B.____ wird nach Recht s- kraft des Urteils unter Aufhebung der Beschlagnahme g e- stützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO der C.____ AG ausgehändigt. Der Berechtigten wird unter Androhung der Vernichtung im Unterlassungsfalle eine Frist von drei Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Urteils angesetzt, um den Gegenstand nach telefonischer Vorankündigung beim Fundbüro und Verwertungsdienst abzuholen. 4. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens in der H öhe von Fr. 4‘073.60 und der Gerichtsgebühr von Fr. 3‘000. --, gehen zulasten von A.____. Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerich t- liche Gebühr auf Fr. 1‘500.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 5. Das Honorar der amtlichen Verteidigung in Höhe von in s- gesamt Fr. 5‘102.65 (inkl. Auslagen und 8 % MwSt.) wird aus der Staatskasse vorgeschossen. A.____ wird dazu verpflichtet, die Hälfte der Verteidigerkosten an den Kan- Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht ton B asel-Landschaft zurü ckzuzahlen (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO)." wird in teilweiser Gutheissung der Berufung der Staatsanwal t- schaft in Ziffer 1 wie folgt abgeändert: 1. A.____ wird schuldig erklärt der groben Verletzung der Verkehrsregeln und verurteilt zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 130 Tages - sätzen à Fr. 80.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, in Anwendung von Art. 90 Abs. 2 SVG, Art. 34 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB sowie Art. 44 Abs. 1 StGB. Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts Basel -Landschaft vom 20. April 2015 bestätigt. II. Von den Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 3'900.--, beinhal- tend eine Gebühr von Fr. 3'750.-- sowie Auslagen von Fr. 150.--, gehen Fr. 3'510.-- zu Lasten des Staates sowie Fr. 390.-- zu Lasten des Beschuldigten. III. Der Verteidigerin des Beschuldigten, Advokatin Patricia Elmer, wird ein reduziertes Honorar von Fr. 2'382.10 (inklusive Auslagen) zuzüg- lich 8% Mehrwertsteuer von Fr. 190.55, insgesamt somit Fr. 2'572.65, aus der Gerichtskasse entrichtet.