Urteil vom 9. Juli 2014 Strafkammer Besetzung Bundesstrafrichter Walter Wüthrich, Vorsitz, Daniel Kipfer Fasciati und Miriam Forni, Gerichtsschreiberin Anne Berkemeier Keshelava Parteien BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Lienhard Ochsner, Staatsanwalt des Bundes, gegen E., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Daniele Timbal, Gegenstand Rückweisungsurteil des Bundesgerichts Kosten- und Entschädigungsfolgen, Genugtuung B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l Geschäftsnummer : SK.2014.5 - 2 - Anträge des Gesuchstellers: 1. Es sei Herrn E. eine Entschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 306'354.75, zu- züglich Zinsen zu 5 % ab 1. März 2014, zuzusprechen. 2. Es sei Herrn E. eine Genugtuung in der Höhe von mindestens Fr. 36'750.--, zuzüglich Zinsen zu 5 % ab 1. März 2014, zuzusprechen. 3. Weiter seien Herrn E. – neben seinen Anwaltskosten für das vorliegende Verfahren – Fr. 91'176.--, plus 5 % Zins seit mittlerem Verfallsdatum, d.h. Fr. 28'121.69, für die Aufwendung von Fürsprecher Franz Müller im Verfahren SK.2008.18 sowie Fr. 63'000.--, plus 5 % Zins seit Rechnungsstellung, d.h. Fr. 14'700.--, für die Aufwen- dungen von Rechtsanwalt Daniele Timbal im Verfahren SK.2008.18 zu ersetzen. 4. Es seien Herrn E. die Verfahrenskosten von Fr. 3'000. -- aus dem Verfahren gemäss Urteil des Bundesgerichts 6B_609/2009 vom 22. Februar 2009 zu erstatten. 5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Eidgenossenschaft. Anträge der Bundesanwaltschaft: Die Bundesanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 25. März 2014 auf eine Ste l- lungnahme. Sachverhalt: A. E. wurde mit Urteil SK.2011.5 vom 21. März 2012 der Strafkammer des Bunde s- strafgerichts (nachfolgend: Urteil der Strafkammer) von allen gegen ihn erhob e- nen Vorwürfen freigesprochen. Die ihn betreffenden Verfahrenskosten wurden ihm auferlegt und er wurde verpflichtet, der Eidgenossenschaft für die Kosten der amtlichen Verteidigung Ersatz zu le isten. Eine Entschädigung wurde nicht zue r- kannt. Die geleistete Kaution und beschlagnahmten Vermögenswerte wurden zur Kostendeckung zurückbehalten. Sowohl die Bundesanwaltschaft als auch (u.a.) der Gesuchsteller legten Beschwerde dagegen beim Bundesgerich t ein ( TPF 2 984 003 ff.). B. Das Bundesgericht hob mit Urteil 6B_241/2013 vom 13. Januar 2014 in Guthei s- sung der Beschwerde des Gesuchstellers das Urteil der Strafkammer in den Punkten Dispositiv Ziff. VIII/2.2 (Verwendung der Kaution), Ziff. VIII/3 (Kostenauf- lage), VIII/4.3 (Verpflichtung des Beschwerdeführers, der Eidgenossenschaft für die Entschädigung der am tlichen Verteidigung Ersatz zu leisten) und Ziff. VIII/5 (Verweigerung der Entschädigung) auf (TPF 7 100 001 ff.). - 3 - C. Mit Beschluss SN.2014.4 vom 11. Februar 2014 entschied die Strafkammer des Bundesstrafgerichts über Dispositiv Ziff. VIII.2.2 und gab die K aution in der Höhe von Fr. 200'000.-- per sofort frei (TPF 7 955 001 ff.). D. Mit Verfügung SK.2014.1 vom 28. Januar 2014 wurde der Gesuchsteller dazu aufgefordert, seine allfälligen Ansprüche zu beziffern und zu belegen (TPF 7 160 003 f.). E. Innert erstreckt er Frist reichte Rechtsanwalt Timbal mit Eingabe vom 13. März 2014 namens des Gesuchstellers sein Entschädigungsgesuch ein (TPF 7 529 005 ff.). F. Die Bundesanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 25. März 2014 auf eine Stellungnahme (TPF 7 510 001). G. Nach präzisierender Aufforderung durch das Gericht vom 3. April 2014, detaillier- te Honorarnoten der Verteidiger (Rechtsanwalt Timbal und Fürsprecher Franz Müller) zu übermitteln ("zeitlich und leistungsmässig nicht aufgeschlüsselte H o- norarnoten von Verteidigern können die behaupteten Leistungen nicht belegen"; TPF 7 729 003), reichte Rechtsanwalt Timbal am 10. April 2014 für sich eine pauschal begründete Kostennote ein und für Fürsprecher Franz Müller diverse Kostennoten, beinhaltend Detaillierungen bezüglich Le istungsart mit Datum der Leistung und Spesenaufwand, jedoch ohne Angaben im einzelnen zu dazugeh ö- rendem stundenmässigem Aufwand. Der Stundenaufwand wurde wiederum nur im Total angegeben (TPF 7 729 006 ff.). H. Der Aufforderung, seine Kostennote für das En tschädigungsverfahren in detai l- lierter Version einzureichen, folgte Rechtsanwalt Timbal innert erstreckter Frist mit Schreiben vom 24. Juni 2014 (TPF 7 729 032 ff. ). Im gleichen Schreiben leg- te er dem Gericht eine Kopie des in der Zwischenzeit beim Gesuchs teller einge- gangenen Schreibens des Bundesgerichts vom 19. Mai 2014 vor, worin dieses die Verfahrenskosten von Fr. 3'000. --, welche im Urteil 6B_609/2009 vom 22. Februar 2011 zu Lasten des Gesuchstellers gelegt wurden, einfordert, und verlangte deren Rückerstattung (TPF 7 729 037). - 4 - Die Strafkammer erwägt: 1. Prozessuales 1.1 Nimmt das Bundesstrafgericht einen Fall nach Rückweisung durch das Bundesge- richt wieder auf, so wird eine weitere Hauptverhandlung nur durchgeführt, wenn dies zur Ve rvollständigung des Sachverhalts (Entscheid der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2005.5 vom 19. Oktober 2005 E. 1.3) oder zur Wahrung des rechtlichen Gehörs der Parteien (Entscheid der Strafkammer des Bunde s- strafgerichts SK.2006.25 vom 12. Juni 2007 E. 1.4) nötig erscheint. Diese Voraus- setzungen sind vorliegend nicht erfüllt. In Bezug auf das rechtliche Gehör ist anzu- fügen, dass dem Gesuchsteller Gelegenheit gegeben wurde, sich schriftlich zu den K osten- und Entschädigungspunkten zu äussern, und die Bundesanwal t- schaft zu den entsprechenden Begehren des Gesuchstellers Stellung nehmen konnte. 1.2 Anwendbar ist vorliegend das neue Recht (vgl. SK.2011.5 E. 8; Art. 453 Abs. 2 StPO). 2. Das Bundesgericht hob das Urteil der Strafkammer in Bezug auf die Kostenaufl a- ge auf (vgl. E. B vorstehend). In diesem Zusammenhang stellte es fest, dass nicht ersichtlich bzw. nicht hinreichend begründet worden sei, inwiefern welches Verhal- ten des freigesprochenen Gesuchstellers normwidrig war und inwiefern respektive in welchem Umfang durch welches normwidrige Verhalten das Verfahren eingelei- tet beziehungsweise dessen Dur chführung erschwert wurde (TPF 4 100 007, …009). Die Umstände, die im aufgehobenen Urteil der Strafkammer zur Kostenauflage gegenüber dem Gesuchsteller geführt hatten, sind dort genannt (Urteil der Stra f- kammer E. 9.2.4, 9.2.5, 9.2.6 und 9.2. 14). Sie beziehen sich insbesondere auf Handlungen oder Verhalten des Gesuchstellers, welche die Einleitung des Verfah- rens (im Sinne von Art. 426 Abs. 2 StPO) bewirkt hatten, und somit die anklagere- levante Zeit von ca. 1993 bis 2002 betreffen. Eine weiter gehende Begründung, wie vom Bundesgericht gefordert, ist heute nicht mehr möglich. Insoweit ist fes t- zustellen, dass die von der Strafkammer geltend gemachten Gründe für eine Kos- tenauflage materiell nicht genügen. Die Verfahrenskosten sind daher auf die Staatskasse zu nehmen. - 5 - 3. Im Zusammenhang mit d iesem Entscheid entfällt auch die in der vom Bundesge- richt aufgehobenen Dispositivziffer VIII/4.3 statuierte Verpflichtung des Beschwe r- deführers, der Eidgenossenschaft für die Entschädigung der amtlichen Verteid i- gung Er satz zu leisten, denn die Entschädigung ist Teil der Verfahrenskosten (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO). 4. Der Gesu chsteller verlangt eine Entschädigung aus verschiedenen Titeln (TPF 7 591 005 ff.), namentlich für ausgestandene Untersuchungshaft (E. 6 nac h- folgend), Fahr -, Unterbringungs- und Verpflegungskosten anlässlich von Einve r- nahmen, Besprechungen mit seinem Anwal t und während der Hauptverhandlung (E. 7 nachfolgend), die Erstattung von Anwaltsspesen (E. 8 nachfolgend) sowie eine Genugtuung für weitere Persönlichkeitsrechtsverletzungen (E. 11 nachfo l- gend). Er beantragt ausserdem die Zahlung von Verzugszinsen und Bet reibungs- kosten (E. 9 nachfolgend) und die Erstattung von Verfahrenskosten aus bunde s- gerichtlichem Verfahren (E. 10 nachfolgend). 5. Gemäss Art. 429 StPO hat die beschuldigte Person bei vollständigem oder tei l- weisem Freispruch oder bei Einstellung des Verfahre ns Anspruch darauf, für ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (lit. a) s o- wie für die wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b), entschädigt zu werden und eine Genug- tuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, in s- besondere bei Freiheitsentzug, zu erhalten (lit. c). Art. 429 StPO regelt die En t- schädigungs- und Genugtuungsansprüche der beschuldigten Person für den Fall von vollständigem oder teilweisem Freispruch oder von Einstellung des Strafve r- fahrens gegen sie. D as Gesetz begründet eine Kausalhaftung des Staates. Der Staat muss den gesamten Schaden wieder gutmachen, der mit dem Strafverfa h- ren in einem Kausalzusammenhang im Sinne des Haftpflichtrechts steht ( GRIES- SER, in Donatsch/H ansjakob/Lieber, Kommentar zur S chweizerischen Strafpr o- zessordnung, Zürich 2010, Art. 429 StPO N. 2). 6. Haftentschädigung 6.1 Mit Art. 429 Abs. 1 lit . c StPO ist e ine schwere Verletzung anzunehmen und eine Genugtuung zuzusprechen, wenn sich die beschuldigte Person in Unters u- chungshaft befand (Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 1329; WEHRENBERG/BERNHARD, Basler Komme n- tar, Basel 2011, Art. 429 StPO N. 27; GRIESSER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 429 StPO N. 7; Urteil - 6 - des Bundesgerichts 6B_53/2013 vom 8. Juli 2013 E. 2.2 ). Der ungerechtfertigte Freiheitsentzug ist ein Unterfall einer Persönlichkeitsverletzung, bei der die Dauer das wesentliche und zudem ein objektives Bemessungskriterium darstellt ( HÜT- TE/DUCKSCH/GUERRERO, Die Genugtuung, Eine tabellarische Übersicht über G e- richtsentscheide, 3. Aufl., Zürich 2005, Tabelle XI/1 Austausch 8/05, Ziff. 1). Zur Bemessung der Genugtuung bei sich nachträglich als ungerechtfertigt erwe i- sender Untersuchungshaft existiert eine umfangreiche bundesgerichtliche Rech t- sprechung (z.B. Urteil des Bundesgerichts 6B_53/2013 vom 8. Juli 2013 E. 3.2, 1P.589/1999 vom 31. Oktober 2000 E. 4, je mit weiteren Hinweisen; Entscheid der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts BK.2011.13 vom 19. September 2011 E. 2.2.1, BK.2007.2 vom 30. August 2007 E. 3.2, je mit weiteren Hinweisen). Zur Festlegung der Genugtuungshöhe wird auf die Sch were der Persönlichkeit s- rechtsverletzung analog Art. 49 Abs. 1 OR abgestellt (Urteil des Bundesgerichts 6B_53/2013 E. 3.2; BGE 135 IV 43 S. 47 E. 4.1; 113 IV 93 S. 98 E. 3a). Die Fest- legung der Höhe der Genugtuung beruht auf richterlichem Ermessen. Bei dessen Ausübung kommt den Besonderheiten des Einzelfalls grosses Gewicht zu ( WEH- RENBERG/BERNHARD, a.a.O., Art. 429 StPO N. 28). Allgemein gilt der Grundsatz, dass es genugtuungserhöhende sowie -vermindernde Faktoren gibt. Solche sind z.B. der Grund des Freihe itsentzuges (d.h. das vorgeworfene Delikt und dessen Schwere), die Haftempfindlichkeit (d.h. empfundene Kränkungen, Schmerzen und Verminderung der Lebensfreude, der seelischen Integrität, Haft über Weihnac h- ten, am Geburtstag, etc.), das soziale Umfeld (d.h . z.B. Verhaftung am Arbeit s- platz, Verhaftung brachte viel Publizität etc.), die Unbescholtenheit (d.h. Le u- mund), das Verschulden (d.h. ob der Beschuldigte durch sein notorisches delikt i- sches Verhalten die Inhaftierung geradezu provoziert oder verlängert h at). Z u- sammenfassend muss bei der Ermittlung der Genugtuung und deren Höhe auf die Schwere der tatsächlichen erfolgten Verletzung der Persönlichkeit des Geschädig- ten in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht abgestellt werden. Die Gel d- summe ist unab hängig von (finanziellem) Umfeld oder Intelligenz festzulegen (HÜTTE/DUCKSCH/GUERRERO, a.a.O., S. 105 ff. ; WEHRENBERG/BERNHARD, a.a.O., Art. 429 StPO N. 28). Das Bundesgericht erachtet bei kürzeren Freiheitsentzügen Fr. 200.-- pro Tag als angemessene Genugtuung, sofern nicht aussergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine höhere oder eine geringere Entschädigung zu rechtfertigen vermögen (Urteil des Bundesgerichts 6B_745/2009 vom 12. November 2009 E. 7.1; 8G.12/2001 vom 19. September 2001 E. 6b/bb) . Psy chische Belastungen im Ausmass, wie sie wohl mit jedem Strafverfahren verbunden sind, genügen für die Erhöhung des Tagessatzes nicht ( SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich/ St. Gallen 2013 , Art. 429 StPO N. 11 ). Bei längerer Unters u- chungshaft (von mehreren Monaten Dauer) ist der Tagessatz in der Regel zu sen-- 7 - ken, sog. degressive Erhöhung , da die erste Haftzeit besonders schwer ins Ge- wicht fällt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_574/2010 vom 31. Januar 2011, E. 2.3; 6B_745/2009 vom 12. November 2009, E. 7.1, je mit weiteren Hinweisen). Gemäss Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts wird dabei in der Regel ein T a- gessatz von Fr. 100. -- angenommen (vgl. Entscheid des Bundesstrafgerichts SK.2010.14 vom 23. März 2011, E. 37; BK.2006.14 vom 12. April 2007, E. 2.2). Des Weiter en setzt ein Genugtuungsanspruch einen adäquaten Kausalzusa m- menhang zwischen der Tätigkeit des Staates und der immateriellen Unbill voraus, was bei Haft ohne Weiteres als gegeben erachtet wird (Entscheid des Bunde s- strafgerichts SK.2009.5 vom 28. Oktober 2009, E. 6.3; BK.2009.5 vom 19. Juni 2009, E. 3.1, je mit weiteren Hinweisen). 6.2 Der Gesuchsteller befand sich vom 31. August 2004 bis 5. März 2005 (VA BA 6.5.1 pag. 5 und 6.5.2 pag. 92 ff.) in Untersuchungshaft, d.h. 187 Tage lang. Er macht eine Entschädigung von Fr. 300. -- pro Hafttag geltend; Total Fr. 56'100.--. Sein Rechtsbeistand begründet die Höhe der beantragten Genugtuung mit der damaligen Einkommenslage des Gesuchstellers, seinem Alter, seiner nicht guten Gesundheit während der Untersuchungshaft, den Isolationsbedingungen aufgrund der Sprache sowie den Schwierigkeiten, die der Gesuchsteller hatte, die geforder- te Kaution aufzutreiben (TPF 7 529 005). Er verlangt einen Schadenszins von 5% ab dem Tag der Haftentlassung bis heute. Das ergibt eine Summe von Fr. 25'245.-- (TPF 7 529 006). 6.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Gesuchsteller bei Haftantritt unter Gelen k- rheuma und Herzbeschwerden litt. Zu jener Zeit musste er zwei verschiedene Medikamente – Lyphandil und Surmontil – einnehmen. Während seiner ersten Einvernahme am 31. August 2004 gab der Gesuchsteller an, im Jahre 1987 eine starke Depression erlitten und einen Selbstmordversuch unternommen zu haben (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13.6 pag. 5 Z. 22 ff.). Er sei b ei Dr. F., Psy- chiater und Psychotherapeut in Z., in Behandlung wegen seiner Depressionen und damit einverstanden, dass der Gefängnisarzt mit seinem Psychiater Kontakt aufnehme (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13.6 pag. 11 Z. 2 ff.). Einem für die Justi zbehörden ausgestellten Attest von Dr. F. vom 31. August 2004 ist zu entnehmen, dass der Gesuchsteller seit dem Jahre 2001 wieder, nachdem er b e- reits in den Jahren 1987 -1988 ambulant und stationär behandelt worden war, bei ihm in ambulanter Behandlung war und Antidepressiva erhielt (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 63). In einem weiteren Dokument vom 1. September 2004 attestierte Dr. G., Herzchirug, dem Gesuchsteller Angina pectoris bei Stress und Anstrengung. Als Risikofaktoren nannte der Arz t das Überwicht des G e- suchstellers, seinen Zigarettenkonsum von mehr als 20 Zigaretten pro Tag, erhöh- te Blutfettwerte (in Behandlung) sowie seinen latent depressiven Zustand mit grossem Stress (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 61 ). In den Akten - 8 - findet sich ein drittes Attest von Dr. H., Internist und Hausarzt des Gesuchstellers, vom 1. September 2004, der dem Gesuchsteller einen Bandscheibenvorfall, eine Fettstoffwechselstörung sowie Augenmigräne attestierte (VA BA Gerichtspol. E r- mittlungsverf. 6.5.1 pag. 62). Am 2. September 2004 bestätigte der Haftrichter Ju- ra Bernois -Seeland die Untersuchungshaft (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 24 ff.). Dagegen erhob der Gesuchsteller am 7. September 2004 B e- schwerde bei der Beschwerdekammer d es Bundesstrafgerichts (VA BA G e- richtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 29 ff.). Anlässlich der Einvernahme des G e- suchstellers vom 9. September 2004 wies dessen Anwalt gleich zu Beginn darauf hin, dass dieser aufgrund seiner psychischen und physischen Verfa ssung kaum einvernahmefähig sei. Sein Mandant habe schon einen Suizidversuch verübt und trage sich auch aktuell mit Selbstmordgedanken (VA BA Gerichtspol. Ermittlung s- verf. 13.6 pag. 16 Z. 4 ff.). In der Familie des Gesuchstellers gebe es eine Vorb e- lastung; sein Grossvater habe sich erschossen und sein Vater – der den Toten fand – sei daraufhin über 20 Jahre lang depressiv gewesen (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13.6 pag. 17 Z. 7 ff.). Der Gesuchsteller beschrieb seinen Z u- stand so, dass er psychisch und physisch erschöpft sei, was zur Folge habe, dass er weder essen noch schlafen könne. Ausserdem habe er ständig Schmerzen in der Brust und Rückenschmerzen von der Gefängnispritsche (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13.6 pag. 17 Z. 25 ff.). Er habe heute (am Tag der Einvernahme) weder gegessen noch getrunken. Die Tage zuvor konnte er nicht essen und musste sich übergeben (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13. 6 pag. 18 Z. 19). Der Gesuchsteller bestätigte, Suizidgedanken zu haben und teilte mit, bereits Plä- ne in diese Richtung gemacht zu haben (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13.6 pag. 18 Z. 26). Er fühle sich in der Untersuchungshaft nicht gut behandelt (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13.6 pag. 19 Z. 7 f.). Die Verfahrensleitung wollte Abklärungen über den Gesundheitszustand und die Einvernahmefähigkeit des Gesuchstellers noch für denselben Tag veranlassen (VA BA Gerichtspol. Ermit t- lungsverf. 13.6 pag. 19 Z. 14 ff.). Der Gesuchsteller war vom 9. bis 23. September 2004 wegen eines akut suizidalen Zustandes in der Bewachungsstation des Insel- spitals Bern hospitalisiert (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 252; …13.6 pag. 29 Z. 27 ff.). Er wurde als nicht hafterstehungs -, jedoch einvernahme- fähig, beurteilt, wobei die behandelnden Ärzte von einer psychischen Stabilisi e- rung in den nächsten Wochen ausgingen (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 3 pag. 26). Anlässlich seiner Einvernahme vom 17. November 2004 teilte der G e- suchsteller mit, dass er immer noch Termine beim Psychiater habe und weiterh in Medikamente gegen Depressionen einnehme (VA BA Gerichtspol. Ermittlung s- verf. 13.6 pag. 28 Z. 5 ff.). Mit Urteil der Beschwerdekammer BK _H 142/04 vom 29. September 2004 wurde die Haftbeschwerde des Gesuchstellers abgewiesen (VA BA Gerichtspol. Ermittlun gsverf. 6.5.1 pag. 253 ff.). Am 2. November 2004 verfügte die Bundesanwaltschaft dessen V erlegung vom Regionalgefängnis Biel in das Regionalgefängnis Bern mit der Begründung, dass dort die medizinisch - 9 - psychiatrische Betreuung für den Gesuchsteller optimal erfüllt werden könne und das Inselspital im Notfall auch nicht weit sei (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 271). Mit Beschwerde vom 3. November 2004 legte der Rechtsbeistand des Gesuchstellers Beschwerde gegen die Abweisung der Haftbeschwerde durch die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ein (VA BA Gerichtspol. Ermit t- lungsverf. 6.5.1 pag. 277 ff.). Mit Urteil des Bundesgerichts 1S_12/2004 vom 1. Dezember 2004 wurde diese abgewiesen (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 313 ff.). Mit Schreiben vom 2. Februar 2005 stellte die Bundesanwal t- schaft in Aussicht, den Antrag zu stellen, dass der Gesuchsteller nach Hin terle- gung einer Kaution von Fr. 200'000.-- freigelassen würde (VA BA Gerichtsp ol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 36 f.). Diesem Antrag der Bundesanwaltschaft gab der Eidgenössische Untersuchungsrichter am 3. Dezember 2004 statt (VA BA G e- richtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 47 ff.). Am 14. Februar 2005 wurde der G e- suchsteller in die Haftanstalt I., verlegt, nachdem sein Anwalt um die Verlegung in eine Haftanstalt näher am Wohnort des Gesuchstellers ersucht hatte (VA BA G e- richtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 53, 55 und 64 f.). Am 4. März 2005 wurde die Kaution über Fr. 200'000.-- auf das Konto der Bundesanwaltschaft überwiesen (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 87 ff.). Mit Verfügung vom 5. März 2005 wurde der Gesuchsteller aus der Haft entlassen (VA BA Gerichtspol. Ermit t- lungsverf. 6.5.2 pag. 92 f.). 6.4 Der Gesuchsteller brachte bereits bei Haftantritt schwere gesundhe itliche Vorbe- lastungen mit (Gelenkrheuma, Herzbeschwerden), wobei die starken Depressi o- nen seit 1987 auftraten und er darum seither beinahe durchgehend in Behandlung war. Demnach war der Gesuchsteller psychisch vorbelastet. Am 19. Oktober 2004, während sei ner Haftzeit, schrieb der Gesuchsteller einen Brief an seine Frau, der Andeutungen zu Planungen zum Selbstmord enthielt ( VA BA G e- richtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 192 f.). Die Bundesanwaltschaft ersuchte, nachdem ihr der Inhalt des Briefes bekannt wor den war, den zuständigen Ps y- chiater, soweit aus medizinischer Sicht angezeigt, die notwendigen psychother a- peutischen Massnahmen anzuordnen ( VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 191). Der Gesuchsteller wurde während seiner gesamten Haftzeit psycho lo- gisch betreut und – als er einen Nervenzusammenbruch erlitt – in der Bew a- chungsstation des Inselspitals hospitalisiert. War sowohl der psychische wie auch der allgemeine Gesundheitszustand des Gesuchstellers schon vor der Untersu- chungshaft beeinträchtigt, ist die Haft nicht Auslöserin der Beschwerden gewesen. Indessen hat die Untersuchungshaft den gesundheitlichen Zustand des G e- suchstellers sicher nicht verbessert und die vorbestehenden Beschwerden sind Faktoren für eine erhöhte Haftempfindlichkeit, die s ich genugtuungserhöhend auswirkt. Das Aushalten der Haft ist unter solchen psychisch und physisch ang e- schlagenen gesundheitlichen Bedingungen schwerer zu ertragen. Eine leichte Genugtuungserhöhung bewirkt die Haft an Weihnachten. - 10 - Zwischen Wohn- (Y.) und Haftort (zunächst Biel, dann Bern) bestand –zumindest bis zu seiner Verlegung in die Haftanstalt I. – offensichtlich eine grössere Distanz; Kontakt zur Familie war dem Gesuchsteller dennoch möglich und dieser bestand auch. Er erhielt oft Besuch von Ehefrau (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 136 f., 151, 160 und 168), Sohn ( VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 146, 159 und 165), Tochter ( VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 143, 151, 162), auch zusammen mit seinem Enkel ( VA BA Gerichtspol. Er- mittlungsverf. 6.5.2 pag. 186), sowie einmal von seinem Bruder ( VA BA Ge- richtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 7). Ab 15. Dezember 2004 verfügten Ehefrau, Sohn und Tochter des Gesuchstellers über eine Dauerbesuchsbewilligung (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 172 ff.). Demnach bringt dieser Aspekt keine Erhöhung der Genugtuun g. Genugtuungsreduzierende Aspekte sind keine auszumachen. Im Zeitpunkt der Inhaftierung war der Gesuchsteller 51 Jahre alt. Dabei handelt es sich nicht um ein hohes Alter, das als zusätzlicher genugtuungserhöhender Faktor in Frage käme. Ebenso wenig sind seine damalige Einkommenslage sowie die Schwierigkeiten, die Kaution aufzutreiben, vorliegend relevant. Auch die Tatsache, dass er sich – zumindest während der Haftzeit im Bieler und Berner Regionalg e- fängnis – nicht in einem frankofonen Umfeld befand, kann sich nicht genu g- tuungserhöhend auswirken. Die Höhe der Genugtuungssumme für die im Zusammenhang mit der Unters u- chungshaft erlittenen Unbill lässt sich naturgemäss nicht berechnen, sondern nur abschätzen. Allgemein gültige Ansätze aufzustellen, ist unmöglich (vgl. E. 6.1 vor- stehend). Ausgehend von einem Tagessatz von Fr. 200. -- und unter Berücksichti- gung sowohl der als genugtuungserhöhend zu qualifizierenden gesundheitlichen – insbesondere psychischen – Probleme des Gesuchstellers und der Haft über Weihnachten als auch der degressiven Erhöhung der Summe aufgrund der 187 Tage währenden Haft des Gesuchstellers, ist eine Haftentschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 32'000.-- zuzusprechen. 7. Fahr-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten 7.1 Gemäss Art. 10 des Regl ements des Bundesstrafgerichts über die Kosten, G e- bühren und Entschädigungen im Bundesstrafverfahren vom 31. August 2010 (BStKR; SR 173.713.162) sind auf die Berechnung der Entschädigung der ganz oder teilweise freigesprochenen beschuldigten Person, der Wa hlverteidigung, der gänzlich oder teilweise obsiegenden Privatklägerschaft und der Drittperson im Sinne von Artikel 434 StPO die Bestimmungen über die Entschädigung der amtl i- chen Verteidigung anwendbar. Für Reisen in der Schweiz werden die Kosten e i-- 11 - nes Halbtax-Bahnbillets 1. Klasse vergütet (Art. 13 Abs. 2 lit. a BStKR), für Mittag- und Nachtessen (Art. 13 Abs. 2 lit. c BStKR) die Beträge gemäss Art. 43 der Ve r- ordnung des EFD vom 6. Dezember 2001 zur Bundespersonalverordnung (VBPV, SR 172.220.111.31), d.h. Fr. 27.50 für das Mittag - oder Nachtessen (Art. 43 Abs. 1 lit. b VBPV). Für Übernachtungen einschliesslich Frühstück werden g e- mäss Art. 13 Abs. 2 lit. d BStKR die Kosten für ein Einzelzimmer in einem Dre i- sternhotel am Ort der Verfahrenshandlung vergütet. 7.2 Der Gesuchsteller macht 6 Fahrten von seinem damaligen Wohnort Y. nach Zü- rich und zurück (1. Klasse, ohne Ermässigung, total: Fr. 1'560. --) zu Einverna h- men sowie je eine Mahlzeit an jedem Einvernahmetag (total Fr. 180.--) zum Ersatz geltend. Erwähnt, aber nicht berechnet, sind zudem die Fahrt zur Einvernahme nach Lausanne vom 23. August 2006 und die Verpflegung an diesem Tag (TPF 7 529 006). Weiter beantragt der Gesuchsteller die Rückerstattung seiner Kosten für 12 Fahr- ten von Y. nach Lugano und zurück (1. Klas se, ohne Ermässigung, to tal Fr. 4'512.--) zu Besprechungen mit Rechtsanwalt Daniele Timbal im Zeitraum 11. Dezember 2008 bis 21. Januar 2014 und für 10 weitere Fahrten von Y. nach Bern und zurück (1. Klasse, ohne Ermässigung, total Fr. 1'300.--) zu Besprechun- gen mit Fürsprecher Franz Müller sowie für eine Mahlzeit an jedem Bespr e- chungstag (total Fr. 660.--) (TPF 7 529 006 f.). Schliesslich ersucht er für die Teilnahme an der Hauptverhandlung im Verfahren SK.2008.18 mit 19 auf 7 Wochen v erteilten Verhandlungstagen um Erstattung seiner Reisekosten für 7 Fahrten von Y. nach Bellinzona und zurück (1. Klasse, ohne Ermässigung, total Fr. 2'436. --). Für die gleiche Hauptverhandlung ersucht er um Erstattung seiner Kosten für 19 Übernachtungen à Fr. 120.-- (= Fr. 2'280.--) und für je zwei Mahlzeiten pro Verhandlungstag (total Fr. 1'140. --). Für die Tei l- nahme an der Hauptverhandlung im Verfahren SK.2011.5 (6 Verhandlungstage) ersucht er um Erstattung seiner Reisekosten für 2 Fahrten von Y. nach Bellinzona und zurück (1. Klasse, ohne Ermässigung, total Fr. 696.--), seiner Übernac h- tungskosten (5 x Fr. 120. -- = Fr. 600. --) und 11 Mahlzeiten (to tal Fr. 330.--) (TPF 7 529 007). Auf alle Spesenvergütungen verlangt der Gesuchsteller zudem einen Zins zu 5% seit einem mittleren Verfalldatum. 7.3 Ermessensweise zwei der Fahrten Y.-Lugano in der Zeitspanne, als Rechtsanwalt Daniele Timbal nebst Fürsprecher Franz Müller ohne gerichtliche Zulassung als zweiter Verteidiger tätig war, werden nicht entschädigt, weil die Doppelverteidi- gung aus gerichtlicher Sicht nicht notwendig war (vgl. unten E. 8.8). Dem entspre-- 12 - chend und dem in E. 7.1 Gesagten zufolge stehen dem Gesuchsteller für die 6 Fahrten Y.-Zürich retour je Fr. 130. --, d.h. total Fr. 780. -- zu, für die Fahrt Y.- Lausanne retour Fr. 15.60, für die 10 Fahrten Y.-Bern retour je Fr. 65. --, d.h. total Fr. 650.--, für 10 Fahrten Y.-Lugano retour Fr. 188.--, d.h. total Fr. 1'880.-- sowie für die 9 Fahrten Y.-Bellinzona retour je Fr. 174. --, d.h. gesamt Fr. 1'566. --. Die Reiseentschädigung beträgt somit total Fr. 4'891.60. Insgesamt 24 Übernachtungen sind wie beantragt mit je Fr. 120. -- bzw. total Fr. 2'880.-- zu entschädigen. Für die Tage anlässlich welcher 6 Einvernahmen in Zürich und eine in Lausanne stattfanden sowie im Zusammenhang mit den 20 als entschädigungsberechtigt anerkannten Besprechungen mit seinen Anwälten in Lugano und Bern stehen dem Gesuchsteller Fr. 27.50 für je eine Hauptmahlzeit zu, für die 25 Verhand- lungstage in Bellinzona die 49 geltend gemachten Hauptmahlzeiten à Fr. 27.50, d.h. total Fr. 2'090.--. 7.4 Der Gesuchsteller verlangt die Verzinsung der Spesenentschädigung ab mittlerem Verfall. Die abschliessende Regelung in Art. 13 und 14 BStKR sieht eine Verzi n- sung der gehabten Auslagen nicht vor, obwohl aufgrund von Art. 421 Abs. 1 StPO fest steht, dass die Auslagenvergütung immer erst mit – teilweise grosser – Ver- zögerung nach dem Endentscheid erfolgt. Die Reise -, Übernachtungs- und Ver- pflegungsentschädigung ist daher nicht zu verzinsen. 7.5 Somit beträgt da s Entschädigungstotal für Reise -, Übernachtungs - und Verpfl e- gungskosten Fr. 9'861.60. 8. Anwaltskosten Der Gesuchsteller verlangt – nebst der Entschädigung für das vorliegende Verfah- ren (siehe unten E. 13 ) – die Erstattung folgender Anwaltshonorare (TPF 7 529 008 f., …014 - 025 und 7 729 034 ff.):  Fr. 91'176 plus 5% Zins seit 1. Januar 2008 (mittlerer Verfall seit Za h- lung), d.h. Fr. 28'121.69, Honorar und Spesen für Fürsprecher Franz Müller von Mai 2006 bis 6. März 2009;  Fr. 63'000. -- plus 5% Zins seit Rechnu ngsstellung, d.h. Fr. 14'700. -- Honorar und Spesen für Rechtsanwalt Daniele Timbal vom 11. D e- zember 2008 bis 29. April 2009. - 13 - Zur Begründung seiner Forderung eines Zinssatzes von 5% führt der Gesuchstel- ler an, dass diese Rechnungen alle mit Hilfe von Darleh en seitens seiner Eltern beglichen worden seien (TPF 7 529 008). 8.1 Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat die beschuldigte Person bei vollständ i- gem oder teilweisem Freispruch oder bei Einstellung des Verfahrens unter ande- rem Anspruch darauf, für ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ih- rer Verfahrensrechte entschädigt zu werden. Der hier gemeinte Anspruch b e- zieht sich vornehmlich auf die Kosten einer frei gewählten Verteidigung, während die Kosten der amtlichen Verteidigung zu den Verfahrenskosten gez ählt werden. Mit der Formulierung "für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte" knüpft das Gesetz an die Rechtsprechung an, wonach der Staat die Kosten nur übernimmt, wenn der Beizug des Rechtsbeistands angesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität notwendig war und das Ausmass und damit der Aufwand der Verteidigung mit den im Straffall anstehenden Problemen in einem vernünftigen Verhältnis stand ( GRIESSER, in Donatsch/Hansjakob/Lieber, Ko m- mentar zur schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 429 StPO N. 4). Sowohl aus Art. 429 Abs. 2 StPO als auch aus Art. 12 Abs. 2 BStKR folgt, dass das Gericht die Entschädigung für die angemessene Ausübung der Verfahren s- rechte nach pflichtgemässem Ermessen festsetzt, soweit ihm trotz Auffor derung keine ausreichende Kostennote vorgelegt wird. 8.2 Der Gesuchsteller war während des bisherigen Verfahrens wie folgt verteidigt:  amtliche Verteidigung von 31. August 2004 bis 28. Juli 2006 durch Rechtsanwalt Jean -Marc Carnicé (VA BA 16.5.1 pag . 1 f.; VA URA 16.5.1 pag. 152 ff.);  erbetene Verteidigung durch Fürsprecher Franz Müller von 31. Mai 2006 (Vollmacht; VA URA 16.5.2 pag. 2) bis 27. April 2009 (Entzug des Mandats durch den Gesuchsteller; TPF 529 325; TPF 219 002);  zusätzliche erbetene Verteidigung durch Rechtsanwalt Daniele Timbal gemäss Schreiben des Gesuchstellers vom 13. Januar 2009 (TPF 529 059) und Zulassung desselben als zweiter erbetener Verteidiger au s- schliesslich für die Hauptverhandlung gemäss Verfügung der Verfa h- rensleitung vom 26. Januar 2009; Entzug des Mandats durch den G e- suchsteller per 27. April 2009 (TPF 529 327; TPF 219 002);  amtliche Verteidigung durch Fürsprecher Franz Müller zusammen mit Rechtsanwalt Daniele Timbal ab 30. April 2009; die Substitution von - 14 - Fürsprecher Franz Müller durch Fürsprecherin Manuela Fürst und Fü r- sprecher Daniel Bohne sowie die Substitution von Rechtsanwalt Danie- le Timbal durch Rechtsanwältin Aurelia Schröder wurde mit Rahme n- bedingungen – d.h. soweit Rechtsanwältin Schröder betreffend, au s- schliesslich zur Assistenz oder Substitution während der Hauptve r- handlung – genehmigt. Diese entgegenkommende Lösung wurde wäh- rend bereits laufender Hauptverhandlung getroffen, um nach den Ma n- datsentzügen zur Unzeit die planmässige Weiterführung des Proze s- ses nicht zu gefährden (TPF 219 001 ff.; SN.2009.9; Urteil der Stra f- kammer SK.2008.18 vom 8. Juli 2009, lit. N, Seite 25);  amtliche Verteidigung allein durch Rechtsanwalt Daniele Timbal ab 9. November 2011 (TPF 2 219 006). 8.3 Sämtliche Entschädigungen für die amtliche Verteidigung des Gesuchstellers (inkl. Substitution und Assistenz) wurden mit Teilurteil der Strafkammer vom 13. Juli 2011, Dispositiv VIII.5 und Urteil vom 21. März 2012, Dispositiv VIII.4/1 und 4/2 (SK.2011.5) rechtskräftig festgesetzt. 8.4 Für die Zeiträume, in denen der Gesuchsteller amtlich verteidigt war, besteht kein Grund, zusätzlich eine Entschädigung für eine erbetene Verteidigung auszu- richten, solange keinerlei Anhaltspunkte bestehen, wonach die jeweiligen amtl i- chen Verteidiger dessen Verfah rensrechte nicht angemessen wahrgenommen hätten. Nun ist aber aktenkundig, dass eine angemessene Verteidigung durch den amtlichen Verteidiger Carnicé ab April 2006 nicht gewährleistet war und die Strafbehörden diesen Umstand kannten. Eine parallel installi erte private Verte i- digung ab dem 31. Mai 2006 hatte daher ihre Berechtigung (VA URA 16.5.2. pag. 1 ff.). 8.5 Gestützt auf Art. 35 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechtspfl e- ge vom 15. Juni 1934 (BStP; BS 3 303) hat die Verfahrensleitung in ihrer V erfü- gung vom 26. Januar 2009 Rechtsanwalt Daniele Timbal im Sinne einer Au s- nahmeregelung ausschliesslich für die Hauptverhandlung (in Anbetracht der la n- gen Dauer der Hauptverhandlung) und ausdrücklich nicht für das Instruktion s- stadium (Phase zwischen Ankla geerhebung und Beginn der Hauptverhandlung) als zweiten erbetenen Verteidiger zugelassen ( TPF 430 0051). Seit dem Schre i- ben der Verfahrensleitung vom 16. Dezember 2008 ( TPF 810 0003) war den Parteien bekannt, dass das Gericht am 1. und 2. April 2009 ledigl ich über Vo r- fragen und Beweisanträge zu verhandeln beabsichtigte und die Hauptverhan d- lung erst rund ein Monat später mit dem Beweisverfahren und den Parteivortr ä- gen fortgesetzt werden sollte. Angesichts all dieser Umstände hat die Entschäd i- gung für eine angemessene Verteidigung nur für die durch Rechtsanwalt Daniele - 15 - Timbal verursachten Kosten als erbetener Verteidiger für die beiden ersten Ve r- handlungstage vom 1. und 2. April 2009 zu erfolgen, ohne Berücksichtigung von bereits beim Aufwand von Fürsprecher F ranz Müller abgegoltenem Vorbere i- tungsaufwand. 8.6 Im Ergebnis ist also dem Gesuchsteller eine angemessene Entschädigung für die durch Fürsprecher Franz Müller für die Zeit vom 31. Mai 2006 bis 27. April 2009 und für die durch Rechtsanwalt Da niele Timbal am 1. und 2. April 2009 erbrachten Leistungen auszurichten. 8.7 Die Entschädigungsansätze der amtlichen Verteidiger wurden – bestätigt vom Bundesgericht als gerade noch innerhalb des Ermessens liegend (z.B. Urteil 6B_106/2010 vom 22. Februar 2011, E. 3.3.2) – für die hier interessierende P e- riode bis zum Urteil der Strafkammer SK.2008.18 vom 8. Juli 2009 wie folgt fes t- gelegt:  Honorar Fr. 260.-- pro Stunde;  Reisezeit Fr. 200.-- pro Stunde. Auch wenn im Rückweisungsverfahren (Urteil der Strafkammer SK.2011.5 vom 21. März 2012, E. 11.3) das Stundenhonorar der amtlichen Verteidiger auf Fr. 280.-- erhöht wurde, ist vorliegend im Sinne der Gleichbehandlung der Ve r- teidiger von Fr. 260.-- für die Zeit des Vorverfahrens und des ersten Prozessve r- fahrens (SK.2008.18) auszugehen. Der seit dem 1. Januar 2011 in Kraft stehe n- de Art. 10 des Reglements des Bundesstrafgerichts über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen im Bundesstrafverfahren vom 31. August 2010 (BStKR; SR 173.713.162) erklärt für die Entschädigungen an die Par teien die Besti m- mungen über die Entschädigung an amtliche Verteidiger anwendbar und Gle i- ches galt bereits unter dem früheren Recht (Art. 1 des Reglements über die En t- schädigungen in Verfahren vor dem Bunde sstrafgericht vom 26. Septe m- ber 2006; AS 2006 4467). 8.8 Um die Berechnungsbasis für eine angemessene Entschädigung für Anwaltskos- ten zu schaffen, sind an den von Fürsprecher Franz Müller verfassten "Zw i- schenabrechnungen", die einen pauschal begründeten totalen Aufwand (inkl. Substituten) von 274,8 Stunden auf listen und daher keine detaillierte Prüfung ermöglichen, folgende Korrekturen vorzunehmen:  Verteidiger und deren Substituten werden für Arbeitsstunden einhei t- lich mit Fr. 260. -- für anwaltliche Leistungen und mit Fr. 200. -- für Rei- sezeiten entschädigt; - 16 -  geltend gemachte Aufwendungen von Fürsprecher Franz Müller im Zeitraum vom 17. Mai bis 30. Mai 2006 werden nicht entschädigt, da noch keine Bevollmächtigung desselben vorlag. Es hat ein pauschaler Abzug von einer Stunde zu erfolgen;  Leistungen der Kanzlei sin d im anwaltlichen Stundenhonorar abgego l- ten. Verfügt ein Anwaltsbüro nicht über eine Kanzlei bzw. Kanzle i- dienste Dritter und führt der Rechtsanwalt selbst Sekretariatsarbeiten aus, sind diese nicht mit einem anwaltlichen Stundenansatz, der für rechtliche F achtätigkeiten gedacht ist, zu vergüten. Die "Leistung s- nachweise" von Fürsprecher Franz Müller enthalten zahlreiche Ind i- zien, wonach Sekretariatsleistungen zusätzlich in den anwaltlichen Stundenaufwand eingeflossen sind, so zum Beispiel "Akten kopieren"; "KB UR; Kopieren und Versand"; "Kurzbrief an Klient"; "Combox Klient"; "Anrufsversuch BA Lenz"; "4 Briefe des Staatsanwaltes sowie des Bundesgerichts in Kopie an Kl. [inkl. CD]"; "Kopie Verfügung BStrGer betr. Prozessleitung etc. an Timbal und Bohne". Hierf ür ist ein pauschaler Abzug von 3,8 Stunden zu machen;  sowohl Fürsprecher Franz Müller als auch der Gesuchsteller mussten bereits bei Mandatsübernahme bzw. -erteilung wissen, dass ein Grossteil der nicht übersetzten Akten in italienischer Sprache verfasst war. Fürsprecher Franz Müller spricht gemäss Entschädigungsgesuch vom 13. März 2014 (Seite 4) kein Italienisch. Der durch diese Konste l- lation verursachte Mehraufwand ist vom Gesuchsteller verschuldet und nicht zu entschädigen. Eine beträchtliche Anzahl von Eintragungen im "Leistungsnachweis" indiziert den Kontakt von Fürsprecher Franz Mü l- ler mit italienisch sprechenden Anwaltskollegen zwecks Aufarbeitung der Akten. Somit sind unter diesem Aspekt weitere 5 Anwaltsstunden bei der Entschädigung in Abzug zu bringen;  im Zusammenhang mit der Teilnahme an Einvernahmen und Bespr e- chungen sind die Reisezeiten nicht ausgeschieden . Es sind pauschal 27 Stunden (Reisen nach Zürich, Lausanne, Bellinzona, innerhalb von Bern) als Reisezeit zu entschädigen. Als Zwischenergebn is resultiert, dass von den geltend gemachten total 274,8 Stunden vorerst 9,8 Stunden in Abzug zu bringen und 27 Stunden als Reisezeit à Fr. 200. -- abzugelten sind, sodass 238 Stunden à Fr. 260. -- für anwaltliche Leistungen verbleiben. Die Auslagen sind in einem Totalbetrag von Fr. 2'500. -- zur Entschädigung a n- zuerkennen. Ein pauschaler Abzug von Fr. 33.85 vom geltend gemachten Total resultiert daraus, dass der verrechnete Preis der Fotokopien sich ohne Konstanz - 17 - um 30 bis 35 Rappen pro Kopie bewegt. Gemäss Art. 13 Abs. 2 lit. e BStKR sind in concreto 20 Rappen pro Kopie zu entschädigen. Somit ergibt sich eine Entschädigung für den Aufwand von Fürsprecher Franz Müller, ausgehend von Fr. 61'880.-- für anwaltliche Leistung, Fr. 5'400.-- für Rei- sezeit und Fr. 2'500.-- für Auslagen sowie in Berücksichtigung der Meh r- wertsteuerpflicht, von gerundet total Fr. 75'100.--. 8.9 Die eingereichte Honorarnote von Rechtsanwalt Daniele Timbal bezieht sich auf Tätigkeiten im Zeitraum vom 11. Dezember 2008 bis 29. April 2009 (TPF 7 529 025 f.). Die geltend gemachten 185 Stunden, welche bei einem Stundenansatz von Fr. 297.30 zum geltend gemachten Honorar von Fr. 55'000.-- plus MWSt führen, sind wie folgt zu korrigieren:  Der Entschädigungsansatz beträgt Fr. 260.--;  gemäss Hauptverhandlungsprotokoll SK.2008.18 betrug die Verhan d- lungszeit am 1. und 2. April 2009 insgesamt (3 Std. 10 Min. Verhan d- lungspausen nicht eingerechnet) 8 Std. 40 Min. In Berücksichtigung des Umstands, dass an den Verhandlungstagen wie angekündigt nur Vorfragen und neue Beweisanträge zur Debatte standen und der G e- suchsteller mit Fürsprecher Franz Müller ausreichend verteidigt war, rechtfertigt es sich, bloss die Verhandlungszeit von (aufgerundet) 9 Stunden à Fr. 260. -- und die Reisezeit (zweimal Lugano -Bellinzona retour) von 4 Stunden à Fr. 200. -- plus Fr. 34.80 Reisespesen (2 T a- geskarten Arcobaleno 1. Klasse) zu vergüten. I n Berücksichtigung der Mehrwertsteuer ergibt dies gerundet Fr. 3'400.--. Für den weiteren Prozess wurde Rechtsanwalt Daniele Timbal als amtlicher Verteidiger entschädigt. In einem Bundesstrafverfahren ist von den Rechtsbe i- ständen die Beherrschung der Verfahrenssprache in aktiver und der Vollamtssprachen zumindest in passiver Hinsicht zu erwarten. Sprac h- liche Hilfestellungen an Fürsprecher Franz Müller vor dem 1. April 2009 wegen d essen mangelnden Italienischkenn tnissen sind selbst ve r- schuldet (vorne E. 8.8). 8.10 Der Gesuchsteller verlangt auf die Anwaltskostenentschädigung 5% Zins – ab 1. Januar 2008 soweit Kosten von Fürsprecher Franz Müller betreffend (mittleres Verfallsdatum ab Zahlung) und ab 26. September 2009 so weit die Kosten von Rechtsanwalt Daniele Timbal betreffend (Rechnungsdatum). Die zeitliche Verzögerung zwischen anwaltschaftlicher Leistung u nd deren B e- zahlung beträgt branchenüblich oft Monate. Die Daten der Zahlungen sind nicht belegt, ebensowenig Verzugszinsen oder Darlehenszinsen an die Eltern, welche - 18 - der Gesuchsteller zu zahlen gehabt hätte. Es ist also insoweit kein Schaden nachgewiesen. Ausfälle bei den Anwälten zufolge Zahlungsverzögerungen oder solche bei Darlehensgebern sind zudem keine Aufwendung des Gesuchstellers und daher nicht nach Art. 429 StPO zu entschädigen. 9. Verzugszinsen und Betreibungskosten 9.1 Der Gesuchsteller macht Fr. 8'954.75 Verzugszinsen und Betreibungskosten ge l- tend, welche zufolge ungerechtfertigter Beschlagnahme seines Vermögens ang e- fallen seien. Er gibt eine Zusammenstellung des Betreibungsamts X. zu den A k- ten, aus welcher ersichtlich ist, dass die Eidgenossensch aft und der Kanton Waadt dreimal für Steuerbeträge Betreibung erhoben haben (TPF 7 529 009). 9.2 Aus den eingereichten Dokumenten geht weder der Schuldner, noch die Fälligkeit der Schuld hervor und auch nicht, ob eine Zahlung erfolgt ist und gegebenenfalls, wann. Ein Schaden ist schon aus diesem Grund nicht bewiesen. Hinzu kommt, dass das Gericht nie einen Antrag des Gesuchstellers, beschlagnahmte Beträge zum Bezahlen von Steuerschulden freizugeben, abgewiesen hat. Vielmehr hat es mehrmals begründete Zahlungsersuchen des Gesuchstellers bewilligt (TPF 365.1; 365.2; 365.8), sodass er wissen konnte bzw. wusste , dass die Vermögensb e- schlagnahme unumgängliche Zahlungen nicht verunmöglicht. Verzugszinsen und Betreibungskosten sind daher selbst verschuldet und kein vom Staat verursachter Schaden. 10. Erstattung von Verfahrenskosten aus bundesgerichtlichem Verfahren 10.1 Der Gesuchsteller ersucht um Erstattung der ihm im bundesgerichtlichen Verfa h- ren 6B_609/2009 (Urteil vom 22. Februar 2009) auferlegten Verfahrenskosten von Fr. 3'000.-- (TPF 7 729 033 und …037). 10.2 Ein Zahlungsbeleg wurde nicht eingereicht. Indessen sind Kosten aus einem a n- deren Verfahren hier nicht zu entschädigen. Sie wurden entsprechend den in j e- nem Verfahren geltenden Kriterien auferlegt. 11. Genugtuung 11.1 Der Gesuchsteller ersucht um eine Genugtuung dafür, dass er zahlreiche Hau s- durchsuchungen und andere Zwangsmassnahmen über sich ergehen lassen musste. Aufgrund einer Meldepflicht habe er sich 5 Jahre lang wöchentlich bei der - 19 - Polizei melden müssen und wegen einer Pass sperre seine Eltern, die in Fran k- reich leben, nicht besuchen können. Sodann dauere d as Verfahren mittlerweile schon über 10 Jahre (TPF 7 529 010). Ferner sei er vom damaligen Unters u- chungsrichter als Mafioso gebrandmarkt worden und es sei in den Medien (Ze i- tung, TV, Radio, Internet) über mehrere Jahre lang über den "Mafiaprozess" und ihn, teilweise mit Fotos , die ihn abgebildet haben , berichtet worden. Ausserdem habe die Bundesanwaltschaft mit der Anklageerhebung ein Communiqué herau s- gegeben, in dessen Überschrift von der "mafia italo-suisse des cigarettes" die Re- de gewesen sei. Dies sei eine Vorverurteilung und habe genau wie die weiteren vorstehend genannten Faktoren dazu beigetragen, dass der gute Ruf des G e- suchstellers, sowohl auf beruflicher als auch persönlicher Ebene, durch das Straf- verfahren und die Medien völlig zerstört worden sei. Weiter verlange er Genu g- tuung für die verheerenden Auswirkungen auf seine psychische und physische Gesundheit. Er sei in den letzten Jahren mehrmals wegen Depressione n und stressbedingter kardiologischer Insuffizienz hospitalisiert worden. Das Strafverfah- ren und sein prekärer psychischer Gesundheitszustand habe auch zur Scheidung von seiner damaligen Frau geführt (TPF 7 529 011). Schliesslich sei er aufgrund der Beschl agnahme seines gesamten Vermögens jahrelang auf die (finanzielle) Unterstützung von Verwandten angewiesen gewesen (TPF 7 529 012). Für die vorstehend dargelegte erlittene Unbill sei ihm eine Genugtuung von mindestens Fr. 30'000.--, plus Schadenszins von Fr. 6'750.--, zuzusprechen (TPF 7 529 012). 11.2 Wie in Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO verankert, muss eine besonders schwere Verlet- zung der persönlichen Verhältnisse vorliegen, damit eine Anspruchsgrundlage für eine Genugtuung vorhanden ist. Was unter einer "beson ders schweren Verle t- zung der persönlichen Verhältnisse" gemeint sein ka nn, wird z.B. durch den Art. 28 Abs. 2 ZGB oder Art. 49 OR definiert ( WEHRENBERG/BERNHARD, a.a.O., Art. 429 StPO N. 27). Gemäss Art. 49 OR hat derjenige Anspruch auf Leistung e i- ner Geldsumme als Genugtuung − sofern die Schwere der Verletzung es rechtfer- tigt und diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist −, der in seiner Persö n- lichkeit widerrechtlich verletzt wurde. Art. 49 OR kommt zur Anwendung, wenn der Schadensverursacher aufgrund einer anderen Gesetzesbestimmung rechtswidrig gehandelt hat und aus Verschulden oder kausal haftet (BGE 126 III 161 S. 167 E. 5 b). Die Verletzung der Persönlichkeit gilt stets als unerlaubte Handlung (BREHM, Berner Kommentar, Obligationenrecht, Die Entst ehung durch unerlaubte Handlungen, Art. 41-61 OR, 4. überarbeitete Aufl., Bern 2013, Art. 49 OR N. 13). Genugtuung kann erhalten, wer an Leib und Leben, seiner persönlichen oder Handels- und Gewerbefreiheit, der Ehre, seiner persönlichen Sphäre, in seinem geistigen Eigentum, durch Vertragsverletzung oder in seiner Psyche verletzt wu r- de (vgl. Aufzählung bei BREHM, a.a.O., Art. 49 OR). Jedoch wird nicht jede Verle t- zung der Persönlichkeit entschädigt. Vielmehr muss eine gewisse Schwere der Verletzung vorliegen (BREHM, a.a.O., Art. 49 OR N. 14a). Eine gleichzeitige A n-- 20 - wendung von Art. 47 und 49 OR ist möglich, da die Tatbestände beider Besti m- mungen in einem Fall gleichzeitig eintreten können (z.B. Urteil des Bundesg e- richts 1C.1/1998 vom 5. März 2002; der Kläger e rhielt für eine zu Unrecht erfolgte Verhaftung, die eine psychische Krankheit zur Folge hatte, nach seinem Fre i- spruch eine Genugtuung aufgrund von Art. 47 OR wegen der Erkrankung und e i- ne solche wegen der unbegründeten Verhaftung aufgrund von Art. 49 OR). 11.3 Aktenmässig erstellt ist, dass der Gesuchsteller im Jahre 2001 in einem Bericht (Doc. ...; Beilage Anklageordner 1 Ziffer 1 - Ziffer 2 - Fn 1) einer Untersuchung s- kommission ("Commissione parlamentare d'inchiesta sul fenomeno della mafia e delle altre associazioni criminali similari") des italienischen Parlaments über das "Fenomeno criminale del contrabbando di tabacchi lavorati esteri in Italia e in E u- ropa", welcher Exponenten krimineller Organisationen mafiöser Ausprägung, n a- mentlich "Latitanti" der S .C.U. und Camorra (S. ...), am Zigarettenschmuggel b e- teiligt sieht (S. ...), an zwei Stellen mit vollem Namen (S. ...) genannt wird. Der Gesuchsteller wurde als Mitarbeiter ("coadiuvato", S. ...) bzw. Untergebener ("sot- toposto", S. ...) von J. bezeichnet, wobei letzterer als ein Unterlizenznehmer am Zigarettenschmuggel von Montenegro über Apulien in die EU beteiligt gewesen sei. Den Akten ist (einzig) ein weiterer Zeitungsartikel den Gesuchsteller betre f- fend zu entnehmen. Es handelt sich um einen Artikel in "La Regione/Ticino" vom xx.xx.xxxx mit der Überschrift " ...", in dem u.a. zu lesen ist, dass der mit Namen, Staatsbürgerschaft sowie aktuellem Wohnort genannte Gesuchsteller (und andere namentlich genannte Personen) als die Köpfe einer Geldwäscher - und Schmugg- lerorganisation bezeichnet wurden (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 17 pag. 23). Das vom Rechtsvertreter des Gesuchstellers angeführte Pres secommu- niqué der Bundesanwaltschaft vom 6. Oktober 2008 enthält keine namentliche Erwähnung des Gesuchstellers (TPF 7 529 033 f.). Das gegen den Gesuchsteller durch die schweizerischen Strafbehörden ang e- strengte vorliegend massgebende Strafverfahren nahm seinen Anfang erst im Jahre 2003 (Eröffnung des Strafverfahrens am 7. Januar 2003 gegen Unbekannt wegen Mitgliedschaft/Beteiligung an einer kriminellen Organisation und Geldw ä- scherei bzw. Ausdehnungsverfügung vom 5. Juni 2003 u.a. auf den Gesuchste l- ler; VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 1, 2, 4 pag. 1 ff.). Daraus erhellt, dass der Gesuchsteller schon weit vor E röffnung des Strafverfahrens in der Schweiz in It a- lien mit organisierter Kriminalität, (Zigaretten -)schmuggel und Geldwäscherei in Verbindung gebracht wurde. Die Berichterstattung rund um den Prozess im sog. "K."-Verfahren (hauptsächlich in den Jahren 2009 - 2013) in der schweizerischen Presse ist gerichtsnotorisch. Im Zusammenhang mit diesem Verfahren war von "Zigarettenschmuggel", "Zigarettenmafia", "Mafiageschäften" etc. die Rede. Vor allem in Tessiner Medien wurden die vollständigen Namen sämtlicher Bes chuldig- ten wiederholt publiziert, doch auch gesamtschweizerisch fand der Prozess B e-- 21 - achtung. Im Hinblick auf das vorstehend Dargelegte ist allerdings nicht erstellt, dass das schweizerische Strafverfahren kausal dazu beigetragen hat, dass der Gesuchsteller als (Zigaretten-)Mafioso bezeichnet wurde. Sicher ist, dass der G e- suchsteller bereits Jahre vor Eröffnung des St rafverfahrens in der Schweiz in ita- lienischen amtlichen Berichterstattungen mit Zigarettenschmuggel, kriminellen Or- ganisationen und der Mafia in Verbindung gebracht wurde, und sein Ruf, Ansehen und seine Stellung in der Gesellschaft bereits dadurch angegriffen bzw. besch ä- digt gewesen sind. Die Berichterstattung, die das Verfahren gegen ihn in der Schweiz nach sich zog, hat sein Ansehen sicherlich auch tangiert und ist als ru f- schädigend zu bezeichnen, jedoch waren Ruf und Ansehen des Gesuchstellers zu diesem Zeitpunkt bereits (nachhaltig) beschädigt. Grundsätzlich ist beim G e- suchsteller aufgrund der oben genannten Gründe eine verminderte Rufempfin d- lichkeit auszumachen. Den Akten ist in Bezug auf die Schriften - und Passsperre sowie die Meldepflicht folgendes zu entnehmen: Mit Verfügung vom 5. März 2005 ordnete die Bunde s- anwaltschaft, abgesehen von der Haftentlassung des Gesuchstellers , auch die Beschlagnahme seiner Identitätskarte sowie eine wöchentliche Meldepflicht an (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 92 f.). Die Meldepflicht wurde zum ersten Mal am 16. März 2005 erfüllt (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.2 pag. 103 ff.). Mit Verf ügung des Untersuchungsrichters vom 18. Dezember 2006 wurde die wöchentliche Meldepflicht in eine 14tägige umgewandelt (VA URA Pa r- teien 16.5.2 pag. 201 f.). Mit Dispositiv Ziff. VIII.2 des Urteils SK.2008.18 der Strafkammer des Bundesstrafgerichts vom 8. J uli 2009 wurden die Pass - und Schriftensperre sowie die wöchentliche Meldepflicht aufgehoben. Die Ausweisp a- piere wurden dem Rechtsvertreter des Gesuchstellers a m 14. Juli 2009 zugestellt (TPF 480.78) und die zur Überprüfung der Meldepflicht des Gesuchstell ers z u- ständige Polizeibehörde wurde mittels auszugsweiser Zustellung des Dispositivs am 13. Juli 2007 über die Aufhebung der Meldepflicht informiert (TPF 480.72). Der Gesuchsteller unterlag demnach mehr als 4 Jahre lang einer Meldepflicht und e i- ner Pass- und Schriftensperre. Aufgrund dieser Tatsache waren ihm Reisen ins Ausland in dieser Zeit grundsätzlich verwehrt. Als er a m 14. Mai 2007 um eine Ausreisebewilligung nach Frankreich für den 6. und 7. Juli 2007 ersuchte, da sei- ne Eltern an diesem Datum ihren 60. Hochzeitstag feiern würden (VA URA Partei- en 16.5.2 pag. 244 f.), wurde ihm dies mit Verfügung des Untersuchungsrichters vom 31. Mai 2007 gestattet (VA URA Parteien 16.5.2 pag. 249 ff.). Mit Schreiben vom 20. Juni 2007 trat der Gesuchsteller von seinem Antrag auf Ausreise am 6. und 7. Juli 2007 aus persönlichen Gründen zurück (VA URA Parteien 16.5.2 pag. 272), woraufhin mit Verfügung des Untersuchungsrichters vom 22. Juni die Ausreisebewilligung wieder aufgehoben wurde (VA URA Parteien 16.5.2 pag. 273 f.). Der Gesuchsteller hat aufgrund dieser Massnahmen zweifelsohne eine jahr e- lange Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit erdulden müssen. Bei der Umse t-- 22 - zung der Meldepflicht sowie der Pass - und Schriftensperre waren die Behörden, wie dargelegt, kulant, was j edoch auch auf die 100% Einhaltung dieser Auflagen durch den Gesuchsteller zurückzuführen ist. Zum Genu gtuungsanspruch hiezu wird auf E. 11.4 nachfolgend verwiesen, Der Gesuchsteller hat seit dem Jahre 1987 mit Depressionen zu kämpfen (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 13.6 pag. 5 Z. 22 f.). Im gleichen Jahr verübte er e i- nen Selbsttötungsversuch aufgrund von finanziellen und familiären Problemen (TPF 7 529 028). In den Jahren rund um das Jahr 2000 hat sich der Gesuchsteller (wie er seiner behandelnden Psy chiaterin Dr. L. gegenüber äusserte) in einem ihm bis anhin unbekannten Milieu bewegt, in dem mit grossen Geldsummen gea r- beitet wurde. Er habe in dieser Zeitspanne unter der Woche im Tessin in einer von Geld, Luxusleben und Nachtclubs geprägten Umgebung gelebt, was zu einer Ent- fremdung zwischen den Eheleuten und schweren Eheproblemen seither geführt habe (TPF 7 529 029). Der Gesuchsteller wurde seit 2001 und somit bereits vor seiner Verhaftung im August 2004 wegen seiner psychischen Probleme medik a- mentös sowie ambulant und/oder stationär behandelt (VA BA Gerichtspol. Ermit t- lungsverf. 6.5.1 pag. 63). Attesten von Hausarzt und behandelndem Herzchiru r- gen, beide vom 1. September 2004, ist zu entnehmen, dass der Gesuchsteller un- ter einem Bandscheibenvorfall, eine r Fettstoffwechselstörung und Augenmigräne sowie Angina pectoris bei Stress und Anstrengung leidet und erschwerend als R i- sikofaktoren sein Übergewicht, sein hoher Zigarettenkonsum, seine erhöhten Blut- fettwerte sowie sein latent depressiver Zustand dazukäme n (VA BA Gerichtspol. Ermittlungsverf. 6.5.1 pag. 61 und 62). Im Juni 2005 wurde der Gesuchsteller – nachdem er bereits während der Zeit in Untersuchungshaft wegen Depressionen behandelt wurde – erneut wegen Depression hospitalisiert und machte von Juli 2005 bis April 2006 eine ambulante Psychotherapie. Danach erfolgte eine erneute Verlegung ins Krankenhaus wegen eines Selbsttötungsversuchs aufgrund eines depressiven Zustands wegen seiner Eheprobleme und Problemen mit der Justiz. Im August 2006 erneute Hosp italisation wegen Erschöpfungszuständen und Schlaflosigkeit aufgrund von Eheproblemen und Problemen mit der Justiz. Im September 2006 begab sich der Gesuchsteller wieder ins Krankenhaus wegen Erschöpfung und Selbstmordgedanken; es wurde eine r ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD F 33.2) mit Anpassungsproblemen bei Veränderung der Lebensumstände (Z 60.0), Störungen im Familienleben durch Trennung (Z 63.5) und anderen Problemen im sozialen Umfeld, in ca su: Probleme mit der Justiz (Z. 60.8), diagnostiziert (TPF 7 529 029). Die mit TPF -Pagina zitierten Sachverhalte stammen aus einem Bericht von Dr. L., Assistenzärztin im Hôpital Psychiatrique de W. vom 27. Mai 2009, aus dem ebenfalls hervorgeht, dass der Gesuchsteller zu diesem Zeitpunkt weiter am- bulant dort behandelt wurde (TPF 7 529 029). Einem weiteren Attest vom 27. Mai 2013 besagter Assistenzärztin ist zu entnehmen, dass der Gesuchsteller minde s-- 23 - tens bis zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines chronisch depr essiven Zustands mit Antidepressiva behandelt wurde (TPF 7 529 030). Vom 14. März bis 16. April 2013 musste der Gesuchsteller erneut wegen Selbstmordtendenzen stationär b e- handelt werden (TPF 7 529 030). Vom 22. bis 24. September 2013 kam der G e- suchsteller notfallmässig wegen Herzinsuffizienz ("insuffisance cardiaque d'origine indéterminée avec FEVG 35% et hypokinésie diffuse dyspnée à l'effort NYHA III depuis juillet 2013") ins Krankenhaus (TPF 7 529 036). Aus dem oben dargelegten Sachverhalt erhellt, dass der Gesuchsteller nunmehr seit über 25 Jahren unter ernsten psychischen Problemen und seit mindestens zehn Jahren ebenfalls unter physischen Problemen leidet. Das Aushalten des von 2004 bis Ende 2013 dauernden Strafverfahrens mit diesen gesundheitlichen Vo r- belastungen war ohne Zweifel erhöht belastend für den Gesuchsteller. Diese Si - tuation hat sicherlich nicht zu einer Verbesserung insbesondere seiner psych i- schen Gesundheit geführt und war der Genesung seiner physischen Gesundheit nicht förderlich. Es ergi bt sich jedoch aus dem oben gezeichneten Bild, dass der Gesuchsteller psychisch bereits etliche Jahre vor Eröffnung der Strafuntersuchung gegen ihn stark vorbelastet war und in Bezug auf seine körperliche Gesundheit, insbesondere die Herzinsuffizienz, Faktoren die mit seinem persönlichen Leben s- wandel zusammenhängen (wie das Übergewicht oder der hohe Zigarettenko n- sum) kausal für die Erkrankung gewesen sind. Den Eheproblemen sowie der Scheidung des Gesuchstellers liegen wie oben ausgeführt hauptsächlich die E nt- fremdung der Eheleute anfangs der 2000er Jahre und die depressiven Zustände des Gesuchstellers zugrunde. Das Strafverfahren kam ab August 2004 als weit e- rer belastender Faktor dazu, kann jedoch nicht als ausschlaggebend für die Ze r- rüttung der Ehe angesehen werden. Die (finanzielle) Unterstützung, die der Gesuchsteller durch seine Verwandten e r- hielt, ist für die Bemessung der Genugtuung irrelevant. 11.4 Dem Gesagten zufolge ergibt sich, dass der Gesuchsteller durch die Darstellung seiner Person als (Zigaretten -)Mafioso und das Publizieren seines vollständigen Namens in den schweizerischen Medien, der grossen Medienresonanz, die stra f- prozessualen Zwangsmassnahmen (Meldepflicht, Pass - und Schriftensperre, Hausdurchsuchungen), die Dauer des Verfahrens, die unmittel baren Auswirkun- gen des Strafverfahrens auf seine bereits angeschlagene psychische und phys i- sche Gesundheit sowie auf sein Privatleben in seiner Persönlichkeit verletzt wurde und er demzufolge zu entschädigen ist. Es ist ihm jedoch entgegenzuhalten, dass die schweizerischen Behörden − wie in E. 11.3 dargestellt − nicht kausal dafür verantwortlich gewesen sind, dass der Gesuchsteller in einen Zusammenhang mit mafiösen Vereinigungen gebracht wurde. Genauso wenig lassen sich seine g e- sundheitlichen sowie privaten Probleme (allein) auf das Strafverfahren zurückfü h-- 24 - ren. Aus den genannten Gründen und unter Berücksichtigung der verminderten Rufempfindlichkeit ist die Genugtuung auf Fr. 10'000.-- festzusetzen. 12. Schadenszins 12.1 Der Gesuchsteller macht für die Haftentschädigung (Fr. 56'100.--) zusätzlich einen Schadenszins von 5% seit dem Tag der Haftentlassung am 5. März 2005 bis heu- te (entsprechend 9 Jahre) geltend, d.h. Fr. 25'245.-- (TPF 7 529 006). Für die wegen Rufschädigung, etc. geforderte Genugtuung (Fr. 30'000.--) macht der Gesuchsteller einen Schadenszins von 5% ab dem Tag der Haftentlassung bis zum mittleren Verfallsdatum (in concreto: 1. September 2009) geltend und kommt auf ein Total von Fr. 6'750 (TPF 7 529 012). 12.2 In der schweizerischen Praxis hat der Geschädigte das Wahlrecht, ob er eine Ge- nugtuung nach den Bemessungskriterien am Verletzungstag samt Zins einklagen oder nach den Ansätzen am Urteilstag ohne Verzinsung geltend machen will (BREHM, a.a.O., Art. 47 OR N. 94 ff.). Von diesem Wahlrecht hat der Gesuchst el- ler zugunsten der Verzinsung Gebrauch gemacht. Der Zins beträgt 5 % pro Jahr (Art. 73 OR). Bei laufenden Kosten, wird ein mittleres Fälligkeitsdatum gewählt oder es werden die halben Kosten ab Verletzungstag verzinst (BGE 82 II 25 S. 35 E. 6; BREHM, a.a.O., Art. 41 OR N. 101d). 12.3 Aus dem Gesagten folgt, dass dem Gesuchsteller für die Haftentschädigung (Fr. 32'000.--) Fr. 14'400.-- Zins auszuzahlen sind . Der Zins auf der Genugtuung (Fr. 10'000.--) beträgt Fr. 2'250.--. 13. Entschädigung des amtlichen Verteidigers 13.1 Die Auslagen für die amtliche Verteidigung gelten als Verfahrenskosten (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO), nehmen aber bezüglich Kostenauflage nach Art. 135 StPO e i- nen von den übrigen Verfahrenskosten abweichenden Weg. Die amtliche Verte i- digung aus den Verfahren SK.2008.18 und SK.2011.5 dauert an. Daher wird en t- gegen dem gestellten Antrag des Gesuchstellers dieser für die Verteidigerkosten im Verfahren SK.2014.5 nicht entschädigt, sondern der Verteidiger direkt durch den Bund bezahlt. - 25 - Die amtliche Vert eidigung wird nach dem Anwaltstarif des Bundes entschädigt. Das urteilende Gericht legt die Entschädigung am Ende des Verfahrens fest (Art. 135 Abs. 1 und 2 StPO). Sie umfasst das Honorar und den Ersatz der no t- wendigen Auslagen, namentlich für Reise -, Verpflegungs- und Unterkunftskosten, Porti und Telefonspesen (Art. 11 Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendigen und ausgewiesenen Zeitaufwand des Anwalts oder der Anwältin bemessen. Der Stundenansatz beträgt mindestens Fr. 200. -- und höchstens Fr. 300.-- (Art. 12 Abs. 1 BStKR). 13.2 Rechtsanwalt Daniele Timbal legt für das Entschädigungsverfahren SK.2014.5 eine Kostennote im Total von Fr. 8'300.90 vor, basierend auf 22 Arbeitsstunden à Fr. 300. -- plus Spesen und Mehrwertsteuer (TPF 7 729 029; 7 729 034 ff .). Er vermerkt im Begleitschreiben vom 24. Juni 2014, dass er nur 22 Stunden anstatt der auf den eingereichten Buchhaltungs -Fichen ausgewiesenen fast 27 Stunden in Rechnung stelle. Auch habe er die Kostennote trotz der seit der letzten Fichen - eintragung b is zum Datum der Einreichung zusätzlich investierten 4,5 Stunden nicht mehr erhöht (TPF 7 729 032 f.). 13.3 Der im Detail geltend gemachte Verteidigeraufwand ist wie folgt zu korrigieren:  Der Entschädigungsansatz beträgt wie im Verfahren SK.2011.5 (Urteil der Strafkammer vom 21. März 2012 E. 11.3) Fr. 280.--;  Aufwendungen aus den bundesgerichtlichen Verfahren wurden dort abschliessend abgegolten (Urteile des Bundesgerichts 6B_238/2013 vom 22. November 2013, Dispositiv Ziff. 3 und 6B_241/2013 vom 13. Januar 2014, Dispositiv Ziff. 5). Die übrigen Kosten der amtlichen Verteidigung im Verfahren SK.2011.5 wurden im Urteil der Strafka m- mer vom 21. März 2012, Dispositiv Ziff. VIII.4 rechtskräftig festgelegt. Somit betreffen mindestens der Aufwand im Zeitraum vom 4. Deze m- ber 2013 bis 16. Januar 2014, d.h. 3.4 Std., sowie der Aufwand im Z u- sammenhang mit dem Urteilsvollzug (Kontakte zu Banken, verfahren s- fremden Anwälten, der Abteilung Urteilsvollzug der Bundesanwal t- schaft, der Schweizer Botschaft in Ottawa) d.h. im Total sch wach ge- rechnete 3.25 Std., das Entschädigungsverfahren nicht. Diese Zeit ist nicht zu entschädigen;  im Entschädigungsverfahren spielt einzig der Anspruch des G e- suchstellers eine Rolle (Art. 429 StPO), sodass jeder Kontakt mit A n- wälten, welche nicht mit der Verteidigung desselben befasst waren, unnötig und hier nicht zu entschädigen ist. Der Abzug beträgt 0.6 Std. unter diesem Titel; - 26 -  unter den Stichworten "fax a TPF proroga termine" und "fax e lett a TPF proroga termine" aufgeführte Zeiten (0.75 Std.) sind z u streichen, da nicht aktenkundig ist, welche Leistungen an den beiden Da ten (3. und 27. Februar 2014) ausser den grundsätzlich nicht zu entsch ä- digenden Fristerstreckungsgesuchen erbracht worden sein sollen. Bei den Akten befindet sich weder ein Fax noch e in Brief vom 3. oder 27. Februar 2014 mit weitergehendem Inhalt als den Fristerstr e- ckungsgesuchen. Somit sind die geltend gemachten 22 Anwaltsstunden um 8 Stunden auf 14 Stunden à Fr. 280.-- zu reduzieren. Gesamthaft nicht zu entschädigen sind die unter de r Spalte "Scritturazioni" aufge- listeten Beträge im Total von Fr. 972.--, da hierfür eine Entschädigungsbasis nach Art. 13 BStKR fehlt. Die in der Rubrik "tel. e postali" aufgeführten Beträge werden von Fr. 187. -- pau- schal auf Fr. 100. -- gekürzt, da sie sic h zum Teil auf Leistungen ausserhalb des vorliegenden Verfahrens beziehen und zudem zu grossem Teil nicht nachvol l- ziehbar sind (z.B. diverse Male jeweils Fr. 5.-- für Email). 13.4 Im Zusammenzug errechnet sich die Entschädigung für die amtliche Verteidigung im Verfahren SK.2014.5 mit Fr. 4'341.60 (Fr. 3'920. -- Anwaltshonorar und Fr. 100.-- Auslagen plus 8% MWSt auf Fr. 4'020. --). In Berücksichtigung nicht in Rechnung gestellter Stunden, welche nach Plausibilitätsüberlegungen dieses Ver- fahren nur teilweise betref fen können, erfolgt eine pauschale Aufrundung auf Fr. 4'400.--. 14. Die Kosten für dieses Urteil bleiben der Begründung von E. 2 hievor entsprechend bei der Eidgenossenschaft. - 27 - Die Strafkammer erkennt: 1. Die E. betreffenden Verfahrenskosten (inkl. Kosten der amtlichen Verteidigung) in den Fällen SK.2008.18 und 2011.5 gehen zu Lasten der Eidgenossenschaft. 2. E. erhält von der Eidgenossenschaft ausbezahlt: 2.1 eine Haftentschädigung (inkl. Zins) von Fr. 46'400.--; 2.2 für Verpflegungs- und Reisekosten Fr. 9'861.60; 2.3 als Entschädigung für Aufwendungen für die Ausü bung der Verfahrensrechte Fr. 78'500.--; 2.4 eine weitere Genugtuung (inkl. Zins) von Fr. 12'250.--. 3. E. erhält keine Entschädigung für Verzugszinsen und Betreibungskosten. 4. E. erhält keine Entschädigung für Kosten aus dem bundesgerichtlichen Verfahren 6B_609/2009. 5. Rechtsanwalt Daniele Timbal wir d für die amtliche Verteidigung im Verfahren SK.2014.5 von der Eidgenossenschaft mit Fr. 4'400.-- (inkl. MWSt) entschädigt. 6. Es werden keine Kosten erhoben. 7. Dieses Urteil wird den Parteien schriftlich eröffnet. Im Namen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts Der Vorsitzende Die Gerichtsschreiberin - 28 - Eine vollständige schriftliche Ausfertigung wird zugestellt an - Bundesanwaltschaft - Fürsprecher Timbal Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an - Bundesanwaltschaft als Vollzugsbehörde (vollständig) Rechtsmittelbelehrung Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie die Verfahrenshandlungen der Strafkammer des Bundesstrafge- richts als erstinstanzliches Gericht, ausgenommen verfahrensleitende Entscheide, kann innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts geführt werden (Art. 393 Abs. 1 lit. b und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen schriftlich und b e- gründet Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). Mit der Beschwerde können gerügt werden: a. Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung; b. die unvollständige oder u n- richtige Feststellung des Sachverhalts; c. Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 StPO). Beschwerde an das Bundesgericht Gegen verfahrensabschliessende Entscheide der Strafkammer des Bundesstrafgerichts kann beim Bunde s- gericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Ausfertigung Beschwer- de eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG). Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a und b BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Versand: 10. Juli 2014