<!DOCTYPE html> <html lang="de"><head><meta charset="utf-8"/></head><body><div class="content"> <div class="para"> </div> <div class="para">Bundesgericht </div> <div class="para">Tribunal fédéral </div> <div class="para">Tribunale federale </div> <div class="para">Tribunal federal </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <img height="74" src="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/displayimage.php?id=2024-12-10-1C_553-2023.1&amp;type=gif" width="95"/> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1C_553/2023</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Urteil vom 10. Dezember 2024</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>I. öffentlich-rechtliche Abteilung</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Besetzung </div> <div class="para">Bundesrichter Kneubühler, Präsident, </div> <div class="para">Bundesrichter Chaix, Haag, Müller, Merz, </div> <div class="para">Gerichtsschreiberin Gerber. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Verfahrensbeteiligte </div> <div class="para">Stadt Bern, </div> <div class="para">handelnd durch den Gemeinderat, </div> <div class="para">vertreten durch die Präsidialdirektion der Stadt Bern, Generalsekretariat, Erlacherhof, Junkerngasse 47, Postfach, 3000 Bern 8, </div> <div class="para">Beschwerdeführerin, </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <i>gegen</i> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern, </div> <div class="para">Nydeggasse 11/13, 3011 Bern. </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Gegenstand </div> <div class="para">Genehmigung des Interkommunalen Richtplans Abstimmung Siedlung und Verkehr für den Entwicklungsschwerpunkt Wankdorf, </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Beschwerde gegen den Beschwerdeentscheid der Direktion für Inneres und Justiz des Kantons Bern vom 11. September 2023 (2022.DIJ.6501 SAB). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Sachverhalt:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>A.</b> </div> <div class="para">Der "Interkommunale Richtplan Abstimmung Siedlung und Verkehr" für den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Wankdorf (nachfolgend: Richtplan ESP Wankdorf) wurde am 28. Oktober 2020 vom Gemeinderat Bern, am 7. Dezember 2020 vom Gemeinderat Ittigen und am 8. Dezember 2020 vom Gemeinderat Ostermundigen beschlossen. </div> <div class="para">Mit Verfügung vom 1. September 2022 genehmigte das Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) den Richtplan ESP Wankdorf mit gewissen Änderungen. Insbesondere wurde der unverbindliche Abschnitt 2.7.3 Bst. d auf S. 72 mit einem grau hinterlegten Genehmigungsinhalt und folgender Formulierung ergänzt: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">"In den nachgelagerten Nutzungsplanungen muss für sämtliche Planungsgebiete, welche von einem Konsultationsbereich (teilweise) überlagert werden, eine abschliessende Koordination mit der Störfallvorsorge vorgenommen werden. Die Planungsbehörden legen zudem fest, dass im Rahmen dieser Koordination ggf. Vorgaben und Schutzmassnahmen raumplanerischer oder baulicher Art geprüft, evaluiert und verbindlich festgeschrieben werden." </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>B.</b> </div> <div class="para">Mit Eingabe vom 30. September 2022 erhob die Stadt Bern Beschwerde bei der Direktion für Inneres und Justiz des Kantons Bern (DIJ) und beantragte, die angeordnete Ergänzung des Kapitels 2.7.3 Bst. d "Störfallvorsorge" sei wie folgt anzupassen: </div> <div class="para"> </div> <div class="para">"In den nachgelagerten Nutzungsplanungen muss für sämtliche Planungsgebiete, welche von einem Konsultationsbereich (teilweise) überlagert werden, eine <strike>abschliessende</strike> Koordination mit der Störfallvorsorge vorgenommen werden. Die Planungsbehörden legen zudem fest, dass im Rahmen dieser Koordination ggf. Vorgaben und Schutzmassnahmen raumplanerischer oder baulicher Art geprüft, evaluiert und <strike>verbindlich</strike> festgeschrieben werden." </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die DIJ wies die Beschwerde am 11. September 2023 ab. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>C.</b> </div> <div class="para">Dagegen hat die Stadt Bern am 12. Oktober 2023 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht erhoben. Sie beantragt, der Beschwerdeentscheid der DIJ sei aufzuheben und der Genehmigungsentscheid des AGR sei anzupassen, durch Streichung der Wörter "abschliessend" und "verbindlich". </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>D.</b> </div> <div class="para">Die DIJ beantragt Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werde. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) kommt in seiner Vernehmlassung zum Ergebnis, der vom AGR ergänzte, strittige Passus im Richtplan ESP Wankdorf sei mit dem übergeordneten Bundesrecht konform, durch dieses geboten und verhältnismässig. </div> <div class="para">Das AGR und das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) haben auf eine Vernehmlassung verzichtet. </div> <div class="para">In ihrer Replik vom 27. November 2024 äussert sich die Beschwerdeführerin zur Stellungnahme des BAFU und hält an ihren Rechtsbegehren fest. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>Erwägungen:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Angefochten ist ein Beschwerdeentscheid der DIJ. Diese entscheidet gemäss Art. 61a Abs. 3 des kantonalen Baugesetzes vom 9. Juni 1985 (BauG/BE; BSG 721.0) kantonal letztinstanzlich über die Genehmigung von Richtplänen; die Beschwerde an das Verwaltungsgericht Bern ist ausgeschlossen (vgl. Art. 76 Abs. 2 und Art. 77 lit. b des Bernischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 [VRPG/BE; BSG 155.21]). Die DIJ ging in ihrer Rechtsmittelbelehrung daher davon aus, ihr Entscheid könne direkt mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht angefochten werden (mit Verweis auf ZAUGG/LUDWIG, Baugesetz des Kantons Bern, Kommentar, Band II, 4. Aufl., 2017, Art. 61a N. 8). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.</b> Gemäss <span class="artref">Art. 86 Abs. 2 BGG</span> setzen die Kantone als unmittelbare Vorinstanzen des Bundesgerichts obere Gerichte ein. Für Entscheide mit vorwiegend politischem Charakter können sie anstelle eines Gerichts eine andere Behörde einsetzen (<span class="artref">Art. 86 Abs. 3 BGG</span>). <span class="artref">Art. 87 BGG</span> enthält eine Sonderregelung für kantonale Erlasse: Gegen diese ist unmittelbar die Beschwerde gemäss <span class="artref">Art. 82 lit. b BGG</span> an das Bundesgericht zulässig, sofern kein kantonales Rechtsmittel ergriffen werden kann (Abs. 1). Soweit das kantonale Recht ein Rechtsmittel gegen Erlasse vorsieht, findet <span class="artref">Art. 86 BGG</span> Anwendung (Abs. 2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.1.</b> Der Begriff "kantonale Erlasse" in <span class="artref"><artref id="CH/173.110/82/87" type="start"></artref><artref id="CH/173.110/82/b" type="start"></artref>Art. 82 lit. b und 87 BGG</span><artref id="CH/173.110/82/87" type="end"></artref><artref id="CH/173.110/87" type="end"></artref> umfasst sämtliche kantonalen Hoheitsakte mit rechtsetzendem Charakter (AEMISEGGER/SCHERRER REBER, in: Basler Kommentar zum BGG, 3. Aufl., 2018, N. 27 zu <span class="artref">Art. 82 BGG</span>). Dazu gehören auch kommunale Erlasse (Urteile 2C_161/2016 vom 26. September 2016 E. 1.1; 2C_1076/2012 und 2C_1088/2012 vom 27. März 2014 E. 2.1, nicht publ. in: <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-I-176%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page176">BGE 140 I 176</a>; Botschaft zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4319) sowie interkommunale Vereinbarungen mit rechtsetzendem Charakter (HEINZ AEMISEGGER, in: Spühler/Aemisegger/Dolge/Vock, Praxiskommentar BGG, 2. Aufl., 2013, N. 20 zu <span class="artref">Art. 82 BGG</span>). Direktbeschwerden gegen kommunale Erlasse sind allerdings selten, da viele Kantone die Möglichkeit einer abstrakten Normenkontrolle gegen sie vorsehen (AEMISEGGER/SCHERRER REBER, a.a.O., N. 48 zu <span class="artref">Art. 82 BGG</span>); dazu gehört auch der Kanton Bern (vgl. Art. 60 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 und Art. 74 Abs. 2 lit. b VRPG/BE). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.1.2.</b> Bedarf ein kommunaler Erlass der Genehmigung durch eine kantonale Behörde, so ist zu unterscheiden: Wird die Genehmigung erteilt, so ist Anfechtungsobjekt der genehmigte Erlass. Wird die Genehmigung dagegen verweigert, so tritt der Erlass nicht in Kraft, weshalb es an einem Anfechtungsobjekt im abstrakten Normenkontrollverfahren fehlt; die betroffene Gemeinde kann sich jedoch dagegen im Verfahren der Einzelaktanfechtung mit der Rüge der Autonomieverletzung wehren. Anfechtungsobjekt bildet dann der Nichtgenehmigungsentscheid (AEMISEGGER/SCHERRER REBER, a.a.O., N. 42 zu <span class="artref">Art. 82 BGG</span>). </div> <div class="para">Vorliegend wehrt sich die Stadt Bern gegen gewisse, vom AGR angeordnete Ergänzungen eines interkommunalen Richtplans und deren Bestätigung durch die DIJ. Ob ein solcher Entscheid einem Nichtgenehmigungsentscheid gleichzustellen oder der geänderte Richtplan Anfechtungsobjekt ist, kann vorliegend offenbleiben, wenn so oder so auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.</b> Richtpläne sind behördenverbindliche Planungsinstrumente. Da sie keine Rechte und Pflichten für Private begründen, können sie im Wesentlichen nur von Gemeinden (und ihnen gleichgestellten Organisationen) wegen Verletzung ihrer Autonomie und Verfahrensmängeln angefochten werden (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-I-36%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page36">BGE 146 I 36</a> E. 1.4<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-265%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page265">136 I 265</a></span> E. 1.3). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.1.</b> Richtpläne haben keinen rechtsetzenden Charakter, weshalb es sich materiell-rechtlich nicht um Erlasse i.S.v. <span class="artref">Art. 82 lit. b BGG</span> handelt. Dennoch werden kantonale Richtpläne nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts verfahrensrechtlich den Regeln der Erlassanfechtung unterstellt (<span class="artref"><artref id="CH/173.110/82/b" type="start"></artref>Art. 82 lit. b und 87 Abs. 1 BGG</span><artref id="CH/173.110/82/87/1" type="end"></artref>). Dies wird damit begründet, dass Richtpläne vom Kantonsrat festgesetzt werden, wobei im Wesentlichen die Grundsätze des kantonalen Rechtsetzungsverfahrens zur Anwendung kommen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-265%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page265">BGE 136 I 265</a> E. 1.1; bestätigt in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-I-36%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page36">BGE 146 I 36</a> E. 1.1; in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-I-433%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page433">BGE 147 I 433</a> nicht publ. E. 1.1). Zudem habe der kantonale Richtplan vorwiegend politischen Charakter, weshalb sich der Ausschluss eines kantonalen Rechtsmittels und damit die direkte Anfechtbarkeit beim Bundesgericht auch auf <span class="artref">Art. 86 Abs. 3 BGG</span> stützen könne (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-265%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page265">BGE 136 I 265</a> E. 1.1 S. 267<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-I-36%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page36">146 I 36</a></span> E. 1.2; in <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-I-433%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page433">BGE 147 I 433</a> nicht publizierte E. 1.2). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.2.</b> Es erscheint fraglich, ob diese Rechtsprechung auch auf kommunale und interkommunale Richtpläne anwendbar ist. Diese werden nicht vom Kantonsrat, sondern von den Gemeinden erlassen, und zwar i.d.R. im gleichen Verfahren wie kommunale Nutzungspläne (vgl. für den Kanton Bern Art. 58 ff. BauG/BE). Nutzungspläne unterliegen der Beschwerde gemäss <span class="artref">Art. 82 lit. a BGG</span> vor Bundesgericht, d.h. für sie gilt <span class="artref">Art. 86 BGG</span> und nicht <span class="artref">Art. 87 BGG</span>. Im Urteil 1C_537/2018 vom 28. Mai 2019 E. 1.1 (betreffend eine Autonomiebeschwerde der Gemeinde Ittigen gegen eine Ergänzung des Berner Inventars der Fruchtfolgeflächen [FFF-Inventar]) ging das Bundesgericht ebenfalls von einer Einzelaktanfechtung gemäss <span class="artref">Art. 82 lit. a BGG</span> (und nicht von einer Erlassbeschwerde) aus. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.2.3.</b> Die aufgeworfene Frage (Einzelakt- oder Erlassbeschwerde) kann vorliegend offenbleiben, weil <span class="artref">Art. 87 Abs. 2 BGG</span> auf <span class="artref">Art. 86 BGG</span> verweist, falls das kantonale Recht ein Rechtsmittel vorsieht. Dies ist hier der Fall, steht doch gegen kommunale und interkommunale Richtpläne bzw. den diesbezüglichen Genehmigungsentscheid des AGR die Beschwerde an die DIJ offen. Auf dieses Rechtsmittel findet <span class="artref">Art. 86 BGG</span> Anwendung, d.h. unmittelbare Vorinstanz des Bundes muss ein oberes Gericht sein (Abs. 2), sofern der Entscheid nicht vorwiegend politischen Charakter hat (Abs. 3). Dies ist im Folgenden zu prüfen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.</b> In Übereinstimmung mit den Materialien legen Lehre und Rechtsprechung die in <span class="artref">Art. 86 Abs. 3 BGG</span> enthaltene Ausnahme vom kantonalen Gerichtszugang restriktiv aus (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-I-146%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page146">BGE 149 I 146</a> E. 3.3.2<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-I-1%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page1">147 I 1</a></span> E. 3.3.2; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-436%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page436">136 II 436</a> E. 1.2<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-42%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page42">136 I 42</a></span> E. 1.5 mit weiteren Hinweisen). Der Begriff des vorwiegend politischen Charakters ist namentlich durch die mangelnde Justiziabilität sowie die spezielle Ausgestaltung der demokratischen Mitwirkungsrechte und die damit verbundenen Aspekte der Gewaltenteilung geprägt (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-I-146%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page146">BGE 149 I 146</a> E. 3.3.3; Urteil 2C_761/2012 vom 12. April 2013, in: ZBl 114/2013 683 und RDAF 2014 I 338, E. 2.2 mit Hinweisen). <span class="artref">Art. 86 Abs. 3 BGG</span> soll den Kantonen insbesondere die Möglichkeit einräumen, nicht justiziable, politisch bedeutsame Verwaltungsakte des Parlaments von der verwaltungsgerichtlichen Überprüfung auszunehmen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-436%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page436">BGE 136 II 436</a> E. 1.2 S. 439). Der politische Charakter eines Entscheids muss offensichtlich sein und allfällige rechtlich schutzwürdige Interessen als nebensächlich erscheinen lassen (<a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-I-146%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page146">BGE 149 I 146</a> E. 3.3.2<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-I-172%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page172">141 I 172</a></span> E. 4.4.1 S. 180<span class="artref">; <a class="bgeref_id" href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=30&amp;from_date=06.12.2024&amp;to_date=25.12.2024&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;top_subcollection_aza=all&amp;query_words=&amp;rank=0&amp;azaclir=aza&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-42%3Ade&amp;number_of_ranks=0#page42">136 I 42</a></span> E. 1.5.4 S. 46; je mit Hinweisen; zum Ganzen vgl. zuletzt zur amtlichen Publikation bestimmtes Urteil 2C_302/2023 vom 11. Oktober 2024 betr. Beschluss des Verkehrsrats des Zürcher Verkehrsverbunds, E. 1.1.2 mit Hinweisen). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.1.</b> Im bereits zitierten Urteil 1C_537/2018 vom 28. Mai 2019 E. 2.2 verneinte das Bundesgericht den überwiegend politischen Charakter des vom Berner Regierungsrat festgelegten FFF-Inventars. Es führte aus, darin würden alle Flächen ausserhalb der Bauzonen erfasst, welche die bundesrechtlichen Qualitätsanforderungen an FFF (Bodenqualität, Höhenlage, etc.) erfüllten. Ob diese Voraussetzungen vorlägen, könne im Streitfall ohne weiteres von einem Gericht überprüft werden. Gleiches gelte, wenn geltend gemacht werde, das Inventar verletze die Gemeindeautonomie, weil es eine angestrebte, richtplankonforme Nutzungsplanung negativ präjudiziere: Auch dies sei keine politische, sondern eine Rechtsfrage, die der gerichtlichen Kontrolle zugänglich sei. Das kantonale Recht bestimme, ob und inwiefern der Gemeinde bei der Einzonung von FFF Autonomie zustehe und inwiefern der Kanton diese bei der Richt- und Sachplanung bzw. im FFF-Inventar berücksichtigen müsse. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.3.2.</b> Analoges gilt im vorliegenden Fall. Der Interkommunale Richtplan ESP Wankdorf soll vor allem die Entwicklung von Siedlung und Verkehr im Planungsperimeter aufeinander abstimmen; dazu werden die in den nächsten Jahren zusätzlich vorgesehenen Nutzungen aufgezeigt. Es handelt sich um ein Koordinations- und Steuerungsinstrument für die kommunale Nutzungs- und Erschliessungsplanung, dem - wie dieser - keine vorwiegend politische Bedeutung zukommt. Ohnehin kann der interkommunale Richtplan lediglich von der Gemeinde oder einer ihr gleichgestellten öffentlich-rechtlichen Organisation angefochten werden. Dabei richtet sich die Beschwerde nicht gegen den (von der Gemeinde selbst festgesetzten) Richtplaninhalt, sondern den Genehmigungsentscheid des AGR, wenn dieser die Genehmigung ganz oder teilweise versagt oder (wie hier) den Richtplan abändert oder ergänzt. Ob dies die Gemeindeautonomie verletzt, ist eine Rechtsfrage, die der richterlichen Überprüfung zugänglich ist. Dies trifft auch auf die vorliegend streitige Frage zu, ob die Koordination mit der Störfallvorsorge abschliessend und verbindlich in der Nutzungsplanung geregelt werden muss (wie vom AGR festgesetzt) oder teilweise auf das Baubewilligungsverfahren verlagert werden darf (wie die Stadt Bern geltend macht). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.4.</b> Ist <span class="artref">Art. 86 Abs. 3 BGG</span> somit nicht anwendbar, muss der angefochtene Beschluss von einem oberen kantonalen Gericht überprüft werden, bevor dagegen Beschwerde an das Bundesgericht erhoben werden kann (<span class="artref">Art. 86 Abs. 2 BGG</span>). Hierfür kommt nur das Verwaltungsgericht des Kantons Bern in Betracht. Auf die Beschwerde ist daher nicht einzutreten und die Sache zuständigkeitshalber an das Verwaltungsgericht des Kantons Bern zu überweisen (<span class="artref">Art. 30 Abs. 2 BGG</span>). </div> <div class="para">Es sind keine Kosten zu erheben (<span class="artref">Art. 66 Abs. 4 BGG</span>) und keine Parteientschädigungen zuzusprechen (<span class="artref">Art. 68 BGG</span>). </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b> Demnach erkennt das Bundesgericht:</b> </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>1.</b> </div> <div class="para">Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. Die Streitsache wird dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern zum Entscheid überwiesen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>2.</b> </div> <div class="para">Es werden keine Kosten erhoben und keine Parteientschädigungen zugesprochen. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> <b>3.</b> </div> <div class="para">Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, dem Amt für Gemeinden und Raumordnung, der Direktion für Inneres und Justiz und dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, dem Bundesamt für Raumentwicklung, dem Bundesamt für Umwelt, der Einwohnergemeinde Ostermundigen sowie der Einwohnergemeinde Ittigen schriftlich mitgeteilt. </div> <div class="para"> </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Lausanne, 10. Dezember 2024 </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung </div> <div class="para">des Schweizerischen Bundesgerichts </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Der Präsident: Kneubühler </div> <div class="para"> </div> <div class="para">Die Gerichtsschreiberin: Gerber </div> </div></body></html>