Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 27. September 2021 (720 21 176 / 266) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Abweisung der Beschwerde; Aufgrund des vorliegenden Beschwerdebilds wird eine bi- disziplinäre Begutachtung einer polydisziplinären B egutachtung vorgezogen. Bezüglich der ausgewählten Gutachter sind keine Ausstands-, A usschliessungs- oder Ableh- nungsgründe ersichtlich. Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Gerichtsschrei berin Jeannine Gass Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch D aniel Altermatt, Rechts- anwalt, Neuarlesheimerstrasse 15, Postfach 435, 4143 Dornach gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Beschwerdegegnerin Betreff Gutachten A. Der 1984 geborene A.____ meldete sich am 30. März 2 011 unter Verweis auf Schul- terschmerzen aufgrund eines Arbeitsunfalles bei der Eidge nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach einem weiteren Unfal l im Mai 2014 leistete die IV-Stelle Ba- sel-Landschaft (IV-Stelle) diverse berufliche Massnahmen und richtete A.____ für die Dauer der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Massnahmen ein IV-Taggeld aus. Infolge erfolgloser Beendigung der Umschulung leitete die IV- Stelle das Dossier zur Prüfung weiterer Ansprüche intern weiter. Zwischenzeitlich lehnte die Suva einen allfälligen Rente nanspruch aus der obligatorischen Un- fallversicherung mit Verfügung vom 14. Juli 2017 ab. Mit Urteil vom 19. Dezember 2019 wurde die Ablehnung gerichtlich bestätigt (Urteil des Kantonsgerichts 725 19 135 / 323). B. Am 15. Dezember 2020 kündigte die IV-Stelle A.__ __ eine bidisziplinäre Begutachtung bei Dr. med. B.____, FMH Rheumatologie sowie Allgem eine Innere Medizin, und Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, an. In der Folge erklärte sich der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Altermatt, mit de r Wahl der Gutachter nicht einverstanden und verlangte eine anfechtbare Verfügung. Nach Rücksp rache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Zwischenverfügung vom 30. April 2021 mit, an der Wahl der Gutachter festzuhalten. C. Hiergegen erhob A.____, erneut vertreten durch Re chtsanwalt Daniel Altermatt, am 3. Juni 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilun g Sozialversicherungsrecht (Kantons- gericht). Er beantragte, in Aufhebung der Zwischenverfü gung vom 30. April 2021 sei die IV- Stelle unter o/e-Kostenfolge zu verpflichten, ein polyd isziplinäres Gutachten (insbesondere mit den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Rheumat ologie, Orthopädie und Psychiatrie) einzuholen. Eventualiter seien andere Gutachter für die Erstellung eines bidisziplinären rheuma- tologisch-psychiatrischen Gutachtens zu beauftragen. D. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Juni 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g : 1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV- Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als e inzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stel le. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf d ie im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutreten. 1.2 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsid ierende Person der Abteilung durch Präsidialentscheid über Beschwerden gegen selbständig an fechtbare prozess- und verfahrens- leitende Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesg esetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Bei der vorliegend angefochtenen Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zwischenverfügung der IV-Stelle vom 22. Januar 2019 hand elt es sich um eine solche verfah- rensleitende Verfügung im Sinne der genannten Bestimmung. Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt somit in die Kompetenz der präsidieren den Person des Kantonsgerichts, Ab- teilung Sozialversicherungsrecht. 2. Streitig ist zunächst, ob die IV-Stelle zu Recht ei ne bidisziplinäre Begutachtung ange- ordnet hat. 2.1 Laut Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versich erungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt di e erforderlichen Auskünfte ein. So- weit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Be urteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). 2.2 Die medizinische Abklärung der objektiven Gesundheitssc häden ist eine unabdingbare gesetzlich verankerte Voraussetzung für die Zusprache ei ner Leistung der Invalidenversiche- rung (Art. 7 Abs. 2, Art. 16, Art. 43 Abs. 1 ATSG). Der Versicherer befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Im Rahmen der Verfahrensleitung hat er einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich Notwendigkei t, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtsla- ge. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat der Ve rsicherer den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegen- den Wahrscheinlichkeit (vgl. dazu BGE 126 V 360 E. 5b) e ntscheiden kann. Dabei kommt Sachverständigengutachten eine massgebende Rolle zu (Ur teil des Bundesgerichts vom 12. März 2010, 9C_28/2010, E. 4.1 mit Hinweisen). 2.3 Um zu prüfen, ob eine polydisziplinäre oder bloss bid isziplinäre Expertise einzuholen ist, müsste die vorliegende medizinische Aktenlage auf ihre Vo llständigkeit und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass der Endentscheid im Hinblick auf die Beurte ilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Unter Berücksichtigung, dass die Verfahrenshoheit bis zum Ab- schluss des Verwaltungsverfahrens bei der IV-Stelle liegt und ihr deshalb im Rahmen der Ver- fahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich N otwendigkeit, Umfang und Zweck- mässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vor liegenden Verfahren die rich- terliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plausibilitäts- resp. Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die der Beschwer- deführer für die Notwendigkeit weiterer medizinischer A bklärungen anführt, plausibel erschei- nen. Demnach greift das Gericht bei der Frage der Not wendigkeit einer Begutachtung in das Ermessen der mit der Abklärung betrauten Verwaltung nu r dann ein, wenn klar erkennbare Fehleinschätzungen vorliegen, eine Begutachtung von vor nherein untauglich angelegt wäre oder Anhaltspunkte bestehen, dass sich die IV-Stelle bei ihrem Entscheid von sachfremden Motiven leiten liess (vgl. Urteile des Kantonsgerichts, A bteilung Sozialversicherungsrecht [KGE SV] vom 10. Mai 2012, 720 11 393 E. 3 und 720 11 441 E.3). Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 2.4 Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an den en drei oder mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, haben nach dem Wortlaut von Art. 72 bis Abs. 1 der Verordnung über die Invaliden- versicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 bei einer Gutach terstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbar ung getroffen hat. Gemeint sind die MEDAS im Sinne von Art. 59 Abs. 3 IVG. Die Vergabe d er Aufträge erfolgt nach dem Zufalls- prinzip (Art. 72 bis Abs. 2 IVV). Zu dessen Umsetzung hat das BSV die webbasi erte Vergabe- plattform SuisseMed@P eingerichtet, über welche der ge samte Verlauf der Gutachtenseinho- lung gesteuert und kontrolliert wird (vgl. SuisseMed@P: Handbuch für Gutachter- und IV-Stellen = Anhang V des Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], Stand 1. Januar 2017; http://www.suissemedap.ch). Bei mono- und bidisziplinären Gutachten dagegen werden die Aufträge nicht nach diesem System vergeben. Damit ist der Kreis der in Frage kommenden Sachverständigen hier weitaus grösser (z.B. Un iversitätskliniken, frei praktizieren- de Ärzte und Gutachter; BGE 137 V 210 E. 3.1.1). 2.5 Es existieren keine festen Kriterien zur allgemein gültigen Abgrenzung der Anwendungs- felder der verschiedenen Kategorien von Expertisen. Die grosse Vielfalt von Begutachtungssi- tuationen erfordert Flexibilität. Nach neuerer Rechtsp rechung (BGE 139 V 352 E. 3.2) lassen sich jedoch die jeweiligen Einsatzbereiche wie folgt umre issen: Die umfassende administrative Erstbegutachtung wird regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sein; eine direkte Auftragserteilung soll die Ausnahme bleiben. Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar blos s als auf eine oder zwei medizini- sche Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert ist. In begründeten Fällen kann von einer polydisziplinären Begutach- tung abgesehen und lediglich eine mono- oder bidiszip linäre Exploration durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete be- schlägt und ausserdem weder weitere interdisziplinäre Bezüge (z.B. internistischer Art) notwen- dig sind noch ein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. ein gliederungsbezogener Klärungsbe- darf besteht (zur Interdisziplinarität der Begutachtung vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.4). Diese Vo- raussetzungen sind nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung vor allem bei Verlaufsgutachten erfüllt (BGE 139 V 352 E. 3.2). 3.1 Der Beschwerdeführer führt an, dass durch eine rheu matologisch-psychiatrische Begut- achtung nicht sämtlichen gesundheitlichen Problemen (wie bspw. der diagnostizierten Diabetes mellitus, Typ 2) Rechnung getragen würde. Weiter sei e s auch Aufgabe eines Gutachtens zur Frage Stellung zu nehmen, ob der Gesundheitszustand du rch medizinische Massnahmen ver- bessert werden könne, was in den Fachbereich der Orthopädie falle. 3.2 Die IV-Stelle hält dem entgegen, dass sich weder e ine internistische noch eine orthopä- dische Begutachtung aufdrängen würde. Dabei stützt sie si ch in ihrer Zwischenverfügung vom 30. April 2021 auf die Beurteilungen des Regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) beider Basel vom 9. Juni 2021. Nach Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D._ ___, Facharzt für Allgemeinmedi- zin, sei gemäss dem Bericht von Dr. med. E.____, FMH Psych iatrie und Psychotherapie, vom 2. November 2020 die Diagnose Diabetes mellitus, Typ 2 , komplikationslos und den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuzuordnen. Au ch im Bericht der Klinik F.____ in Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht X.____ vom 9. Juni 2020 werde die Diagnose als nicht en tgleist bezeichnet und lediglich als Nebendiagnose aufgeführt. Von versicherungsmedizinischer Seite her könne daher mit Sicher- heit gesagt werden, dass die erwähnte Diabetes mellit us keine quantitativen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe, bei entsprechender Compli ance sehr gut behandelbar sei und somit keine Notwendigkeit einer polydisziplinären Abklärung bestehe. Weiter würden Beschwerden im Bereich der Schulter und des Fersenbeins in den Fachbereich eines Rheumatologen fallen, während die Orthopädie eher im Zusammenhang mit der hier nicht interessierenden Frage der Therapie zuständig sei. Die Notwendigkeit eines orthopädischen Gutachtens in Ergänzung einer rheumatologischen Begutac htung werde aus versicherungsme- dizinischer Sicht nicht gesehen, da es im Wesentlichen um die Feststellung der funktionellen Ressourcen und Defizite gehe, um daraus die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit abzuleiten. Zusammenfassend fänden sich aus medizinischer Sicht keine Gründe für eine Ausdehnung der gutachterlichen Abklärung. 3.3 Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin kann gefo lgt werden. Bezüglich der Not- wendigkeit einer internistischen Begutachtung stützt sich die IV-Stelle zu Recht auf die Berichte von Dr. E.____ vom 2. November 2020 und der Klinik F. ____ vom 9. Juni 2020 gemäss wel- chen es sich bei der vorliegenden Diabetes mellitus, Typ 2 (gemäss Austrittsbericht der Klinik F.____ Typ 1 [recte Typ 2]), lediglich um eine Nebendi agnose ohne Auswirkungen auf die Ar- beitsfähigkeit handle. Argumente, welche für eine int ernistische Begutachtung sprechen, wer- den mit Ausnahme, dass eine Diabetes mellitus, Typ 2, vor liege, vom Beschwerdeführer nicht vorgebracht. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit du rch die vorliegende Diabetes mellitus Typ 2 wird zudem nicht behauptet. Mithin kann den Ausf ührungen der Beschwerdegegnerin gestützt auf den Bericht von Dr. D.____ gefolgt werden , wonach sich eine internistische Begut- achtung nicht aufdrängt. Auch bezüglich der geforderten orthopädischen Begutach tung ist der Beschwerdegegnerin zu- zustimmen. Wie das Bundesgericht im Urteil vom 6. Juni 201 1, 9C_134/2011, E. 3.3 ausführt, stehen die Disziplinen Orthopädie und Rheumatologie nicht etwa für unterschiedliche Konzepte. Vielmehr scheint sich – im Sinne einer praktischen Aufga benteilung – für die Einschätzung der funktionellen Auswirkungen von Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates, welche für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit relevant sind, der B eizug der Rheumatologie durchzusetzen, während die Orthopädie eher im Zusammenhang mit Frag en der Therapie zuständig ist. Da es invalidenversicherungsrechtlich grundsätzlich einzig auf die Auswirkungen einer Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit ankommt, nicht auf die Therapiemö glichkeiten einer Erkrankung, und dies mit einem rheumatologischen Gutachten geklärt werden kann, ist eine orthopädische Begutach- tung vorliegend nicht unerlässlich. 4. Als Zwischenergebnis bleibt festzuhalten, dass die IV-S telle zu Recht eine bidisziplinäre rheumatologische und psychiatrische Begutachtung angeordnet hat. 5. Streitig ist im Weiteren, ob die beauftragten Gut achter Dr. B.____ und Dr. C.____ für die Erstellung eines bidisziplinären Gutachtens im vorliegenden Fall geeignet sind. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.1 Da bidisziplinäre Gutachtensaufträge nicht nach den Vorgaben von Art. 72 bis Abs. 1 IVV zu erfolgen haben, ist die IV-Stelle grundsätzlich frei in der Wahl eines unabhängigen Gutach- ters des jeweiligen Sachgebiets (vgl. E. 3.4 hiervor). 6.2 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverha lts ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei, deren oder dessen Na- men bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen oder Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). Als triftige Gründe kommen unte r anderem die Ausschliessungs- und Ablehnungsgründe nach Art. 34 des Bundesgesetzes über da s Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 sowie nach Art. 36 Abs. 1 ATSG in Betra cht. Wegen der herausragenden Bedeu- tung der Unabhängigkeit der Sachverständigen sind im S ozialversicherungsverfahren triftige Gründe auch in weiteren Fällen zu bejahen, etwa wenn es einem Gutachter oder einer Gutach- terin im konkreten Fall an der erforderlichen Kompete nz fehlt, wenn die begutachtende Person aus persönlichen Gründen als nicht geeignet erscheint ode r nicht über die erforderliche Sach- kenntnis verfügt (U ELI KIESER , ATSG-Kommentar, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020 , Art. 44 Rz. 510 f.). 6.3 Der Beschwerdeführer macht bezüglich der vorgesehene n Begutachtung durch Dr. B.____ geltend, dass sich dieser auf seiner Homepage zwar als zertifizierter Medizinischer Gutachter der Swiss Insurance Medicine (SIM) bezeichne, al lerdings nicht im Online Register der SIM aufgeführt sei, weshalb kein Nachweis vorliege, dass Dr. B.____ die Aus- bzw. Weiter- bildungsvorschriften der SIM erfülle. Daher werde bestritten, dass Dr. B.____ nach wie vor zerti- fizierter medizinischer Gutachter SIM ist. Er sei somit nicht geeignet, die Begutachtung durchzu- führen. Zudem werde bezweifelt, dass Dr. B.____ über d ie notwendige Kompetenz bzw. Sach- kenntnis verfüge, um die Folgen eines implantatassoziiert en Infekts und eines Komplexen Re- gionalen Schmerzsyndroms (CRPS) beurteilen zu können. Im Weiteren werde auch Dr. C.____ als Gutachter abgelehnt, da dieser nicht mehr klinisch tätig sei und daher nicht zur Begutachtung befähigt sei. 6.4 Für die fachliche Kompetenz ist massgebend, dass der G utachter oder die Gutachterin nach bestem sachverständigem Wissen vorgeht (KIESER, a.a.O., Art. 44 Rz. 51). Relevant dafür ist die Ausbildung des Gutachters oder der Gutachterin , sowie deren Fachkenntnisse im zu be- gutachtenden Gebiet, welche sich anhand von absolvierten Fort- bzw. Weiterbildungen sowie anhand der veröffentlichten Publikationen und der bish erigen Tätigkeit als Gutachter/in beurtei- len lässt. Die Mitgliedschaft bei der SIM ist nicht vorau sgesetzt. Den Ausgangspunkt bei jeder Auftragserteilung bildet die Prüfung, ob die gutachterlich zu bearbeitenden Fragen dem Fachbe- reich entsprechen, den die beauftragte sachverständige P erson in besonderem Masse kennt. Bei der Auftragsvergabe besteht für die IV-Stelle bei bidisziplinären Gutachten ein relativ gros- ser Ermessensspielraum, in den das Gericht nicht ohne Not eingreift. Im Gegenzug hat die sachverständige Person das Recht bzw. die Pflicht, einen entsprechenden Antrag abzulehnen, wenn sie aus fachlichen oder sonstigen Gründen nicht in der Lage ist, den Auftrag entspre- chend auszuführen (B ABIC IVANA , Das psychiatrische Gutachten im Strafverfahren, unter B e- Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht rücksichtigung rechtlicher, medizinischer und ethischer Aspekt e, Zürich/Basel/Genf 2019 [= ZStStr 101], S. 95). 6.5 Dr. B.____ verfügt über zwei Facharzttitel FMH für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, eine eigene Praxis und umfassende Erfahrung als Gutachter im Fachgebiet der Rheumatologie. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Gutachter kam er – wie dem Kantonsbericht bekannt ist – bereits mehrfach mit der Diagnose eines C RPS in Kontakt. Im Weiteren ist auf- grund der langjährigen Erfahrung von Dr. B.____ als Arzt und Gutachter davon auszugehen, dass er Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparats, di e in den Fachbereich der Rheu- matologie fallen, würdigen und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ordentlich abschätzen kann. Schliesslich bleibt anzumerken, dass für Dr. B.____ die Pflicht besteht, einen Auftrag ab- zulehnen bzw. darauf hinzuweisen, sollte die Beurteilung der vorliegenden medizinischen Prob- lematik seine Beurteilungskompetenz übersteigen. Insgesamt sind keine Anhaltspunkte ersicht- lich, die die Kompetenz von Dr. B.____ bezüglich der Be urteilung der Beschwerden des Be- schwerdeführers in Frage stellen. Soweit der Beschwerdeführer die Eignung von Dr. C.____ für die psychiatrische Beurteilung in Frage stellt, kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dr. C.____ ist ein SIM zertifizier- ter medizinischer Gutachter mit Facharzttitel FMH in Psyc hiatrie und Psychotherapie. Voraus- setzung um ein SIM Zertifikat zu erhalten, ist die rege lmässige Fortbildung zum Zweck des Er- halts des Fachwissens sowie fachbezogener Fähigkeiten und Fertigkeiten. Der Fortbildungs- nachweis muss alle fünf Jahre erbracht werden (https:// www.swiss-insurance- medicine.ch/de/zertifizierte-fachpersonen/rezertifizierung zuletzt besucht am 31. August 2021). Die Mitgliedschaft bei der SIM belegt somit die Befäh igung von Dr. C.____ als Gutachter tätig zu sein, auch wenn aktuell keine klinische Tätigkeit ausgeübt wird. 6.6 Zusammenfassend sind somit keine Ausstands-, Ausschliessun gs- oder Ablehnungs- gründe ersichtlich, die gegen eine Begutachtung durch Dr. B.____ und Dr. C.____ sprechen. 7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- - bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorl iegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskoten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 4 00.- fest. Nach § 20 Abs. 3 des kan- tonalen Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsproz essordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in an- gemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist der Beschwerd eführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm zu auferlegen sind. D iese werden mit dem geleisteten Kos- tenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 7.2 Dem Prozessausgang entsprechend hat der Beschwerdefüh rer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgeri cht (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde i n öffentlich-rechtlichen Angelegen- heiten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzum achenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endent- scheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläu- figes Beweisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Beim vorliegenden Entscheid handelt es sich um einen selbständig eröffneten Zwische nentscheid im Sinne des BGG. Dem- nach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtl ichen Angelegenheiten an das Bundes- gericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehe nde Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 400.-- w erden dem Beschwer- deführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 400.-- verrechnet. 3. Eine Parteientschädigung wird nicht ausgerichtet. http://www.bl.ch/kantonsgericht