200 21 346 IV JAP/ISD/LAB Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung Urteil vom 19. August 2021 Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichterin Mauerhofer Gerichtsschreiber Isliker A.________ vertreten durch Rechtsanwalt B.________ Beschwerdeführerin gegen IV-Stelle Bern Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern Beschwerdegegnerin betreffend Verfügung vom 16. April 2021 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 2 Sachverhalt: A. Die 1963 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), Staatsangehörige von ... und seit dem 1. August 2016 in der Schweiz wohnhaft, gemäss eigenen Angaben gelernte … und …, zuletzt als … in der … im Stundenlohn beschäftigt, meldete sich im Dezember 2017 unter Hinweis auf einen Status nach Cholezystektomie, eine postoperative Lun- genembolie und eine Diskushernie C5/6 rechts bei der Invalidenversiche- rung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Be- schwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 2 f., siehe auch AB 15.3/35 ff.). Die IVB traf Abklärungen, namentlich holte sie ein vom 28. Januar 2021 datierendes polydisziplinäres Gutachten (AB 134.1) ein, und verneinte – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 136, 137, 140, 142) – mit Verfügung vom 16. April 2021 (AB 143) einen Anspruch auf IV-Leistungen mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens im Rechtssinne. B. Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 11. Mai 2021 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihr ab dem 1. Juni 2018 eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Beschwerde S. 2 Ziff. I). Daneben stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege un- ter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt (Be- schwerde S. 14 f. Art. 5). Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2021 beantragte die Beschwerde- gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 11. Juni 2021 reichte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen zu ihrem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein und er-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 3 suchte gleichzeitig um Einräumung einer Frist für die Abklärung einer allfäl- ligen Parteikostendeckung durch ihre Patientenrechtsschutzversicherung. Mit Eingabe vom 28. Juni 2021 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass durch ihre privaten Versicherungen keine Kostendeckung für das Be- schwerdeverfahren bestehe, womit sie ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege aufrechterhalte. Erwägungen: 1. 1.1Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche- rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats- anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ- gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal- tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be- schwerde einzutreten. 1.2Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 16. April 2021 (AB 143). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 4 1.3Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 1.4Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 2. 2.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau- ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er- werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand- lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er- werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar- beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar- beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe- reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er- werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge- glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig- keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). 2.2Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 ATSG). 2.2.1Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund- lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an- spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221). Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatori- schen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 5 2.2.2Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren lassen sich oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinne des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff klar zwischen dem Gesundheitsschaden, an dem die versicherte Person leidet, und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, welche durch soziale Um- stände verursacht werden und bei Wegfall der Belastung wieder ver- schwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Zwar kann einer fachge- recht diagnostizierten psychischen Krankheit der invalidisierende Charakter nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale Belas- tungssituation abgesprochen werden. Je stärker aber psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbst- ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlim- mern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (BGE 139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2). 2.2.3Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429). Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbe- einträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49, namentlich Aggravation, Simulation oder ähnliche Erscheinungen (vgl. auch BGE 127 V 294 E. 5a S. 299), standhält. Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Ge- sundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene an- hand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichti-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 6 gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreich- baren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Re- gelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardindikato- ren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien "funktionel- ler Schweregrad" (E. 4.3 S. 298) und "Konsistenz" einteilen lassen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Aner- kennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge- sundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi- katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6 S. 308). 2.3Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe- reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz- lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali- ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Der Rentenanspruch entsteht nicht, so- lange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 7 3. 3.1Die Beschwerdegegnerin veranlasste zur Klärung des medizini- schen Sachverhaltes eine polydisziplinäre versicherungsexterne Begutach- tung der Beschwerdeführerin durch die C.________ AG (nachfolgend: MEDAS). Im Gutachten vom 28. Januar 2021 (AB 134.1 [interdisziplinäre Gesamtbeurteilung]) diagnostizierten die Dres. med. D.________, Fachärz- tin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara- tes, E.________, Praktischer Arzt und Facharzt für Allgemeine Innere Me- dizin, und med. pract. F.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho- therapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.31) und eine Panikstörung (ICD-10: F41.0). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Sach- verständigen ein belastungsabhängiges Zervikalsyndrom ohne radikuläre Reizung, ein belastungsabhängiges pseudoradikuläres Lumbalsyndrom beidseits bei Fazettengelenksarthrosen von LWK4-SWK1, eine Adipositas Grad I (BMI 34.4 kg/m 2), Senk-Spreizfüsse beidseits, eine bronchiale Hyperreagibilität (DD Asthma bronchiale) bei fortgesetztem Nikotinabusus und leichten Bronchiektasen beidseits, eine rezidivierende Urtikaria bei unspezifischer Mastzellaktivierung, ein Zustand nach Cholezystektomie am 22. August 2017, ein Zustand nach Lungenembolie beidseits im September 2020 (recte: 2017) und einen Verdacht auf funktionelle gastrointestinale Beschwerden (AB 134.1/10 Ziff. 4.2). Aus psychiatrischer Sicht könnten unter Zugrundelegung der diagnosti- schen Kriterien gemäss ICD-10 eine somatoforme Schmerzstörung und eine Panikstörung diagnostiziert werden (AB 134.1/6 f.). Gemäss Mini-ICF zeige die Beschwerdeführerin in der Fähigkeit zur Planung und Strukturie- rung von Aufgaben, der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit und der Mo- bilitäts- und Verkehrsfähigkeit eine leichte Beeinträchtigung; ansonsten bestünden keine Beeinträchtigungen (AB 134.1/10 f. Ziff. 4.3). Es lägen Hinweise für eine Beschwerdebetonung hinsichtlich körperlicher Symptome vor. Betreffend die psychiatrischen Symptome könnte der angegebene Lei- densdruck aufgrund des niedrigen Escitalopramspiegels in Frage zu stellen sein. Allerdings werde aus gutachterlicher Sicht die Malcompliance in Be- zug auf die Medikamenteneinnahme eher auf eine mangelnde Krankheits-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 8 einsicht und ein starres somatisches Krankheitsmodell zurückgeführt (AB 134.1/12 f. Ziff. 4.6). Aus orthopädisch-traumatologischer Sicht liessen sich die von der Be- schwerdeführerin angegebenen Beschwerden anhand der aktuellen klini- schen und radiologischen Untersuchungsbefunden nur zu einem geringen Teil nachvollziehen. Eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vonseiten des Stütz- und Bewegungsapparates bestehe nicht (AB 134.1/8 Ziff. 4.1). Aufgrund des belastungsabhängigen pseudoradikulären Zervikal- und Lumbalsyndroms beidseits bestünden Einschränkungen der körperli- chen Belastbarkeit für mittelschwere Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Hals- und Lendenwirbelsäule (AB 134.1/10 Ziff. 4.3). Im Rahmen der orthopädisch-traumatologischen Untersuchung hätten erhebliche Hinweise auf Verdeutlichung seitens der Beschwerdeführerin bestanden, namentlich betreffend verschiedene Schmerzangaben, inkonsistent demonstrierte Be- wegungs- und Funktionseinschränkungen von Extremitäten und der Wir- belsäule sowie die angegebene und demonstrierte körperliche Kraftlosig- keit und Inaktivität (AB 134.1/12 Ziff. 4.6). Auf dem internistischen Gebiet liege eine bronchiale Hyperreagibilität vor, wohl in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Nikotinabusus. Betref- fend die Lunge bestehe zudem ein spezifischer Antikörpermangel, der sich allerdings mittels einer Pneumovax 23-Impfung gut beheben liesse. Bei rezidivierenden urtikariellen Beschwerden seien eine Mastozytose ausge- schlossen und ein hereditäres Angiödem als unwahrscheinlich erachtet worden. Es liege daher eine unspezifische Mastzellaktivierung mit rezidi- vierender Urtikaria vor. Die Ursache der im September 2017 erlittenen Lungenembolie sei der postoperative immobilisierte Zustand in Kombinati- on mit dem Zigarettenrauch gewesen. Aktuell bestehe eine Adipositas Grad 1. Für eine diabetische Stoffwechselstörung ergäben sich laborchemisch keine Anhaltspunkte. Die von der Beschwerdeführerin angegebenen Bauchbeschwerden in Form von morgendlichem Erbrechen, Durchfällen und rechtsseitigen Abdominalgien würden als funktionell eingeschätzt (AB 134.1/8 f. Ziff. 4.1). Das lebhaft geschilderte Beschwerdeerleben der Beschwerdeführerin werde von internistischer Seite als authentisch gewer- tet; es werde nicht von einer Symptomverdeutlichung oder Aggravation Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 9 ausgegangen. Nicht nachzuvollziehen sei derweil der von der Beschwerde- führerin selbst gezogene Schluss, die aktuellen Beschwerden – ganz vor- dergründig die Schmerzen am ganzen Körper – hätten ihren Ursprung in der Gallenblasen-Operation und der postoperativen Lungenembolie (AB 134.1/13 Ziff. 4.6). In der bisherigen Tätigkeit bestehe, bei einer uneingeschränkten zeitlichen Präsenz, aufgrund der ungünstigen Kombination der Panikstörung und der somatoformen Schmerzstörung mit sich gegenseitig verstärkender Sym- ptomatik und bei gleichzeitig fehlender Krankheitseinsicht eine Leistungs- minderung von 40 %, entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 60 %. Retro- spektiv habe zwischen Dezember 2016 und August 2017 eine uneinge- schränkte Arbeitsfähigkeit bestanden; ab dem 20. Juli 2017 sei die Arbeits- fähigkeit im Rahmen des symptomatischen Steinleidens, der Cholezystek- tomie und der nachfolgenden Lungenembolie aufgehoben gewesen. Spätestens ab dem 17. November 2017 liege eine Arbeitsfähigkeit von 60 % vor (AB 134.1/13 Ziff. 4.7). In einer leidensangepassten Tätigkeit be- stehe spätestens ab dem 17. November 2017, bei einem uneingeschränkt zumutbaren zeitlichen Pensum, eine Leistungsminderung von 20 %, ent- sprechend einer Arbeitsfähigkeit von 80 % (AB 134.1/13 f. Ziff. 4.8). Das Belastungsprofil umfasse leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen der Hals- und Lendenwirbelsäule. Op- timal adaptiert sei eine gut strukturierte Tätigkeit ohne besonderen Zeit- druck, mit der Möglichkeit zu verlängerten Pausen und ohne erhöhte An- forderung an die emotionale Belastbarkeit, mit wenig Kundenkontakt und regelmässigen Arbeitszeiten. Die Beschwerdeführerin sollte keinen inhala- tiven Noxen, Gasen, Dämpfen oder Rauch ausgesetzt sein. Tätigkeiten mit extremen Temperaturschwankungen seien nicht zu empfehlen (AB 134.1/11 Ziff. 4.5). 3.2Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu- chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt- nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 10 schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her- kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia- lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun- gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte- rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be- weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2019 IV Nr. 40 S. 128 E. 3, 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch täti- gen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestell- ten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein medizini- sches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die be- handelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpreta- tion entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3, 2017 IV Nr. 49 S. 148 E. 5.5). 3.3 3.3.1Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfü- gung vom 16. April 2021 (AB 143) in medizinischer Hinsicht auf das poly- disziplinäre MEDAS-Gutachten vom 28. Januar 2021 (AB 134.1). Das Gut- achten erfüllt die vorerwähnten Anforderungen der Rechtsprechung an eine beweiskräftige versicherungsmedizinische Expertise (vgl. E. 3.2 hiervor). Die darin enthaltenen Ausführungen und Feststellungen beruhen auf ein- gehenden fachärztlichen Abklärungen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Einschränkungen getroffen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 11 worden. Gestützt darauf haben die Gutachter die medizinischen Zusam- menhänge einleuchtend und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand sowie zur medizinisch-theoretisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und überzeugend dargestellt. Das Gutach- ten ist im Übrigen in sich widerspruchsfrei und schlüssig. Nichts daran än- dern die Einwände der Beschwerdeführerin. 3.3.2Die Beschwerdeführerin kritisiert vorab, dass im MEDAS-Gutachten die verschiedenen somatischen Diagnosen, namentlich auf dem orthopä- disch-traumatologischen Gebiet, lediglich als solche ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit betreffend die letzte Tätigkeit eingeordnet wurden (AB 134.1/10 Ziff. 4.2; Beschwerde S. 5 Ziff. III Art. 2 Ziff. 3). Diesbezüglich trifft zwar zu, dass die orthopädisch-traumatologische Sachverständige Dr. med. D.________ aufgrund des belastungsabhängigen pseudoradi- kulären Zervikal- und Lumbalsyndroms beidseits von einer Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit für mittelschwere Tätigkeiten mit Zwangshal- tungen der Hals- und Lendenwirbelsäule ausging. Indessen erachtete sie die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als … (vgl. dazu AB 16/7 Ziff. 5) als mit den bestehenden körperlichen Einschränkungen vereinbar und attestierte folg- lich – abgesehen von der Dauer der stationären Behandlung vom 24. bis 30. April 2018 (vgl. dazu AB 31/8 ff.) – weder für diese noch für andere leidensangepasste Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit (AB 134.3/13 f. Ziff. 7.1 und 8). In internistischer Hinsicht legte Dr. med. E.________ so- dann einleuchtend begründet dar, dass die bestehenden internistischen Gesundheitsprobleme per se keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten, wobei trotz fehlenden Einschränkungen der bronchialen Hyperrea- gibilität Rechnung getragen werden sollte (AB 134.5/8 f. Ziff. 7.1). Die gut- achterliche somatische Diagnostik ist damit insgesamt in sich schlüssig und die Einordnung der Diagnosen als solche ohne Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit überzeugend begründet. 3.3.3Was die Beschwerdeführerin weiter – im Wesentlichen unter Be- zugnahme auf verschiedene zum Gutachten divergierende Berichte der behandelnden Ärzte – gegen das MEDAS-Gutachten vorbringt (vgl. Be- schwerde S. 6 ff. Ziff. III Art. 2 Ziff. 4 ff.), vermag dessen Beweiskraft nicht in Zweifel zu ziehen. Die in der Beschwerde angeführten Arztberichte wa-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 12 ren den Gutachtern allesamt bekannt (vgl. AB 134.2) und daraus sind keine wichtigen – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte zu entnehmen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären (SVR 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3, 2017 IV Nr. 49 S. 148 E. 5.5). Im Einzelnen ist nicht einzusehen und wird nicht begründet, weshalb die im Bericht des Spitals G.________ vom 6. April 2020 (AB 107/1) festgehaltenen Allergien auf Penicillin und das Antide- pressivum Cymbalta (Wirkstoff Duloxetin) einen Einfluss auf die Arbeits- fähigkeit haben sollten, zumal die konkret verordnete Medikation die betref- fenden Allergene nicht enthält (vgl. AB 107/2 Ziff. 8, 134.3/5 Ziff. 3.2 bzw. 134.5/5 Ziff. 3.2, 134.7/1, 142/2). Soweit der behandelnde Psychiater (im Eidgenössischen Medizinalberuferegister unter dem Namen H.________ aufgeführt [vgl. www.medregom.admin.ch]; insoweit unzutreffend in Be- schwerdeantwort S. 3 lit. C Ziff. 7), Dr. med. I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im vorgenannten Bericht weiter einen Sta- tus nach Cholezysektomie im August 2017 mit konsekutiver Lungenembo- lie im September 2017 als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufführte (vgl. AB 107/2 Ziff. 3 drittes Lemma), fehlt auch diesbezüglich eine medizinische Begründung. Dr. med. I.________ bewegte sich dabei zudem ausserhalb seiner Fachdisziplin (zum Erfordernis einer entspre- chenden Fachausbildung bei Gutachtern vgl. etwa Entscheid des Bundes- gerichts [BGer] vom 14. Dezember 2016, 8C_309/2016, E. 4.3 mit Hinwei- sen). Hinsichtlich der weiteren somatischen Diagnosen verwies Dr. med. I.________ sodann in seinem Bericht vom 5. November 2019 (AB 77/4 Ziff. 2.5) auf den Austrittsbericht des Spitals G.________ vom 14. Januar 2019 (AB 49), wobei diesem Bericht keine näheren Angaben zur Arbeits- fähigkeit zu entnehmen sind. Anders als von der Beschwerdeführerin ver- treten (vgl. Beschwerde S. 6 Ziff. III Art. 2 Ziff. 4), sind auch dem Bericht des Spitals G.________ vom 5. März 2018 (AB 31/16-18) keine näheren Angaben zur Arbeitsfähigkeit zu entnehmen. Die von der Hausärztin, Dr. med. J.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Prakti- sche Ärztin, im Verlaufsbericht vom 9. September 2019 (AB 66/1-5) – bei fachfremden psychiatrischen Diagnosen (vgl. AB 66/2 Ziff. 3) und im We- sentlichen gestützt auf die unkritisch übernommenen subjektiven Be- schwerdeangaben (vgl. BGE 140 V 290 E. 3.3.1 S. 296) – aufgrund diffuser brennender Ganzkörperschmerzen attestierte vollständige Arbeitsunfähig-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 13 keit wurde von ihr weder weiter begründet noch anhand objektiver Befunde nachvollziehbar plausibilisiert (vgl. AB 66/3 Ziff. 6). Schliesslich kann die Beschwerdeführerin auch aus dem kardiologischen Bericht des Spitals G.________ vom 24. Februar 2020 (AB 101) nichts zu ihren Gunsten ablei- ten, da im besagten Bericht bei einem aus kardialer Sicht beschwerdefreien Zustand keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beschrieben wurde (AB 101/2 Ziff. 1.3 und 2.3). Die ohne entsprechende Herleitung bzw. Be- gründung erfolgte Zuordnung der diagnostizierten chronischen Schmerz- störung mit somatischen und psychischen Anteilen zu den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit durch Ärzte ohne entsprechende be- sondere fachärztlichen Ausbildung kann nicht nachvollzogen werden. 3.3.4Da dem Voranstehenden zufolge die verschiedenen somatischen Berichte weder aufgrund der Befundlage noch hinsichtlich die medizinisch- theoretisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit geeignet sind, konkrete Zweifel an den somatischen Teilgutachten respektive der interdisziplinären Konsens- beurteilung zu wecken, ist folglich auch nicht zu beanstanden (vgl. Be- schwerde S. 7 Ziff. III Art. 2 Ziff. 5), dass die Sachverständigen im Rahmen des ihnen zustehenden Ermessens (vgl. Entscheid des BGer vom 10. Juni 2020, 9C_256/2020, E. 3.2.2) auf eine vertiefte Auseinandersetzung mit ebenjenen Berichten verzichteten. Daran vermag insbesondere auch der nachgereichte Bericht des Spitals G.________ vom 25. März 2021 (AB 142/2 f.) nichts zu ändern, zumal diesem Bericht keine objektive Ver- änderung des somatischen Gesundheitszustandes zu entnehmen ist. Die darin von Dr. med. I.________ beschriebene Verschlechterung des psychi- schen Gesundheitszustandes ist nicht durch entsprechende objektive Be- funde unterlegt. Eine allfällige reaktive Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes im Nachgang zu negativen Behörden- bzw. Ren- tenentscheiden vermag zudem keine invalidisierende Beeinträchtigung zu begründen, ansonsten der gesetzliche Invaliditätsbegriff seine Konturen verlöre (vgl. Entscheid des BGer vom 16. Mai 2013, 9C_799/2012, E. 2.5 mit Hinweis auf BGE 127 V 294). 3.3.5Soweit die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit dem psych- iatrischen Teilgutachten kritisiert, dass sich med. pract. F.________ auf die Beschreibung und Beurteilung des psychiatrischen Sachverhaltes be-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 14 schränkte (vgl. Beschwerde S. 6 Art. 2 Ziff. 5), kann ihr nicht gefolgt wer- den. Die medizinischen Sachverständigen dürfen und sollen sich grundsätzlich auf ihre jeweilige medizinische Fachdisziplin fokussieren, während die gesamthafte Erfassung aller relevanten gesundheitlichen Be- einträchtigungen und die sich daraus ergebenden Teileinschränkungen anlässlich einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung mitwirkenden Fachärzte gerade den Zweck interdisziplinärer Gutachten darstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.4 S. 128; 137 V 210 E. 1.2.4 S. 224). Das Vorgehen der psychiatrischen Sachverständigen ist demnach nicht zu beanstanden. Da vorliegend die somatischen Diagnosen zudem für sich alleine die Arbeits- fähigkeit weder in der zuletzt ausgeübten noch in einer angepassten Tätig- keit einschränken (vgl. E. 3.3.3 hiervor), leuchtet ein, dass keine über die psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit hinausgehende Einschränkung attestiert wurde. Allfällige unter verschiedenen medizinischen Titeln aus- gewiesene Teilarbeitsfähigkeiten liessen sich zudem nicht unbesehen ad- dieren (SVR 2020 IV Nr. 22 S. 76 E. 4.1). Schliesslich nahm med. pract. F.________ selbst zur Frage der Komorbidität der verschiedenen psychia- trischen Gesundheitsschäden hinsichtlich der zumutbaren Arbeitsfähigkeit Stellung (vgl. AB 134.4/12 Ziff. 8). 3.3.6Es ist weiter nicht ersichtlich, dass den Gutachtern "bereits auf der Befundebene und in der Anamnese diverse Fehler" unterlaufen wären (vgl. Beschwerde S. 7 Ziff. III Art. 2 Ziff. 6). So ist nicht von Belang, ob der Zweck der Reise nach ... im Jahr 2018 Ferien oder ein Zahnarztbesuch war (vgl. AB 134.1/11 Ziff. 4.6, 134.4/4 Ziff. 3.2, 140/4 Ziff. 7). Vielmehr ent- scheidend ist die zutreffende gutachterliche Schlussfolgerung, dass der Beschwerdeführerin trotz der geltend gemachten gesundheitlichen Ein- schränkungen eine Flugreise möglich war. Unter diesen Umständen über- zeugt die im psychiatrischen Teilgutachten beschriebene, lediglich leichte Beeinträchtigung der Mobilitäts- und Verkehrsfähigkeit (AB 134.4/12 Ziff. 7.4 Nr. 12). Anders als in der Beschwerde (S. 11 Ziff. III Art. 3 Ziff. 4) dargestellt, wurde im MEDAS-Gutachten zudem nicht behauptet, die Be- schwerdeführerin würde ihren Haushalt alleine führen, sondern es wurde im Rahmen der Konsistenzprüfung lediglich festgehalten, dass sie körper- lich unter anderem dazu in der Lage wäre, ihren Haushalt mit zu versorgen (AB 134.1/11 f. Ziff. 4.6). Entsprechend resultierte in der Haushaltsführung Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 15 aus interdisziplinärer Sicht im Rahmen des medizinischen Zumutbar- keitsprofils keine massgebende Einschränkung der Beschwerdeführerin in der Haushaltsführung, wenn auch eine abschliessende Beurteilung man- gels Kenntnisse der tatsächlichen Haushaltsverhältnisse nicht möglich war (AB 134.1/14 f. Ziff. 4.10). Immerhin war den Gutachtern aber bekannt, dass die Beschwerdeführerin Unterstützung durch ihren Ehemann und eine Freundin erfährt (vgl. AB 134.3/4 Ziff. 3.2, 134.4/4 Ziff. 3.2, 134.5/4 Ziff. 3.2). Eine weitergehende Abklärung war unter diesen Umständen für den vorliegend zu beurteilenden Fall nicht erforderlich, wird die Beschwer- deführerin doch unbestrittenermassen als voll Erwerbstätige qualifiziert. Im MEDAS-Gutachten wurde weiter festgehalten, dass die Beschwerdefüh- rerin – diskrepant zu den angegebenen Schmerzen im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates – seit Mai 2018 keine entsprechende Behand- lung in Anspruch nehme (AB 134.1/12 Ziff. 4.6, 134.3/12 Ziff. 7.2 f.). In psychiatrischer Hinsicht wurde zudem auf eine Malcompliance in Bezug auf die Medikamenteneinnahme hingewiesen und eine Fortführung der ambu- lanten psychosomatischen Behandlung dringend empfohlen (AB 134.1/13 f. Ziff. 4.6 und 4.10). Diese gutachterlichen Überlegungen zu den bisherigen therapeutischen Bemühungen stellen keine aktenwidrigen Behauptungen, sondern vielmehr eine Würdigung der zurückliegenden Therapiebemühun- gen dar. Soweit schliesslich die fehlende Einholung von Drittauskünften, insbesondere von den behandelnden Ärzten, beanstandet wird (vgl. Be- schwerde S. 7 Ziff. III Art. 2 Ziff. 6), gilt es zu beachten, dass sich die Gut- achter auf eine medizinische Dokumentation stützen konnten (vgl. AB 134.2). Ob hierzu zusätzlich fremdanamnestische Auskünfte einzuholen waren, war dem fachärztlichen Ermessen der Gutachter anheimgestellt (Entscheid des BGer vom 27. Juni 2018, 8C_115/2018, 8C_129/2018, E. 6.2.2). Der Verzicht darauf gibt daher zu keinen Weiterungen Anlass. 3.3.7Die in der Konsensbeurteilung beschriebene, der auf dem Fachge- biet der Psychiatrie entsprechende (vgl. AB 134.1/14 Ziff. 4.9), unterschied- liche Beurteilung der Leistungseinschränkungen in der angestammten ei- nerseits und einer adaptierten Tätigkeit andererseits (AB 134.1/13 f. Ziff. 4.7 bzw. AB 134.4/12 Ziff. 7.4) wurde – entgegen der von der Be- schwerdeführerin vertretenen Ansicht (Beschwerde S. 8 Ziff. III Art. 2 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 16 Ziff. 8) – sehr wohl begründet. So ergibt sich gemäss med. pract. F.________ die 40%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als … aufgrund einer Reduktion der psychomentalen Belastbarkeit und des Zeitdrucks, während in einer optimal adaptierten, gut strukturierten Tätigkeit ohne besonderen Zeitdruck, mit der Möglichkeit zu verlängerten Pausen, ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale Be- lastbarkeit, mit wenig Kundenkontakt und regelmässigen Arbeitszeiten le- diglich eine Einschränkung von 20 % besteht (vgl. AB 134.4/S. 11 f. Ziff. 7.4). Diese psychiatrisch-gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähig- keit folgte einer einlässlichen Diskussion der psychiatrischen Vorakten (vgl. AB 134.4/134.4/8 ff. Ziff. 7.3). Die gestützt auf denselben psychiatrischen Sachverhalt (siehe zudem E. 3.3.3 hiervor) von den behandelnden Ärzten attestierte, von der gutachterlichen Einschätzung abweichende Arbeits- fähigkeit ist unter diesen Umständen rechtsprechungsgemäss nicht geeig- net, konkrete Zweifel am psychiatrischen Teilgutachten zu wecken (vgl. E. 3.2 hiervor). Es gilt denn auch bei der Beweiswürdigung zu beachten, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht er- messensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet der begutachtenden Psychiaterin daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen ver- schiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern die Expertin – wie vorliegend der Fall – lege artis vorgegangen ist (statt vieler: Entscheid des BGer vom 8. Januar 2021, 8C_720/2020, E. 4.2 mit Hinweisen). 3.4Dem Voranstehenden zufolge bilden das MEDAS-Gutachten vom 28. Januar 2021 (AB 134.1) bzw. die entsprechenden fachspezifischen Teilgutachten (AB 134.3-134.5) für den anspruchsrelevanten medizinischen Sachverhalt eine zuverlässige Grundlage, weshalb auf die gutachterlichen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit abzustellen ist. Der medizinische Sachverhalt erweist sich vor diesem Hintergrund als hinreichend abgeklärt, weshalb auf weitere Abklärungen verzichtet werden kann (antizipierte Be- weiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). Die Beschwerdeführe- rin war somit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als … ab dem 20. Juli 2017 vollständig respektive ab dem 17. November 2017 zu 40 % arbeitsun- fähig. In einer optimal angepassten Tätigkeit besteht spätestens seit dem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 17 17. November 2017 bei einer vollschichtig zumutbaren Präsenz eine Ver- minderung der Leistungsfähigkeit von 20 %, entsprechend einer Arbeits- fähigkeit von 20 % (AB 134.1/13 f. Ziff. 4.7 f.). Angesichts der aus psychiatrischer Sicht ausgewiesenen hohen Arbeits- fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (vgl. AB 134.4/12 bzw. 134.1/13 Ziff. 4.8) erübrigt sich vorliegend die Durchführung eines strukturierten Be- weisverfahrens nach Massgabe von BGE 141 V 281 und 143 V 209 (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3 S. 369; Entscheid des BGer vom 6. November 2018, 8C_445/2018, E. 5.5; E. 2.2.3 hiervor). Denn selbst unter der Annahme, dass aus rechtlicher Sicht ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden mit Krankheitswert bestände und auf die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer angepassten Tätigkeit abzu- stellen wäre, würde kein rentenbegründender IV-Grad resultieren (vgl. E. 4 hernach). Insoweit ist auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin zum strukturierten Beweisverfahren (vgl. Beschwerde S. 6 Ziff. III Art. 3) vorlie- gend nicht weiter einzugehen. Immerhin ist in diesem Zusammenhang dar- auf hinzuweisen, dass allfällige invaliditätsfremde psychosoziale Belas- tungsfaktoren (vgl. dazu BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2), wie etwa die Abgabe des Hundes, der negative IV- Vorbescheid, Eheprobleme und der Ablauf der Aufenthaltsbewilligung (vgl. AB 140/4 Ziff. 7, 142/2, 143/3; Beschwerdeantwort S. 2 lit. C Ziff. 4 erstes Lemma), nicht vorab und losgelöst von der Indikatorenprüfung, sondern in deren Rahmen im Gesamtkontext zu würdigen wären (Entscheid des BGer vom 3. März 2021, 8C_407/2020, E. 4.1). 4. 4.1Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe- ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222). Ausgehend von der Anmeldung zum Leistungsbezug im Dezember 2017 (vgl. AB 2/7) und unter Berücksichtigung der Karenzfrist Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 18 gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG fällt der frühestmögliche Rentenbeginn auf Juni 2018. Da in diesem Zeitpunkt gemäss dem im Gutachten beschriebenen retrospektiven Verlauf der Arbeitsfähigkeit (vgl. dazu AB 134.1/13 Ziff. 4.7) auch das Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG; siehe zu den verschiedenen Funktionen dieser Fristen: BGE 142 V 547 E. 3.2 S. 550 f.) erfüllt war, ist der Einkommensvergleich unbestrittenermassen auf diesen Zeitpunkt hin durchzuführen (vgl. auch Beschwerde S. 14 Ziff. III Art. 4; Beschwerdeant- wort S. 3 lit. C Ziff. 4 letztes Lemma). 4.2 4.2.1Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange- passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). 4.2.2Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BfS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange- zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3). Wird auf Tabellenlöhne abgestellt, sind grundsätzlich immer die im Zeitpunkt des angefochtenen Verwaltungsaktes aktuellsten statistischen Daten zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 2.3 S. 297; Entscheid des BGer vom 27. November 2019, 8C_64/2019, E. 6.2.1). Da den Tabellenlöhnen generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu Grunde liegt, ist eine Umrechnung auf eine betriebsübliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit erforderlich (BGE 126 V 75 E. 3b bb S. 76). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 19 zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch- schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei- nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). 4.3 4.3.1Die Beschwerdeführerin arbeitete seit August 2016 für die K.________ AG vollschichtig im Stundenlohn als … (AB 15.3/35-38, 16, 21/1). Es ist überwiegend wahrscheinlich, dass dieses Arbeitsverhältnis, welches krankheitsbedingt per Ende Januar 2018 aufgelöst wurde (AB 15.3/1), im Validitätsfall weitergeführt worden wäre. Mit Blick auf die Angaben der vormaligen Arbeitgeberin (AB 16/4 Ziff. 2.11) hätte die Be- schwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden im Jahr 2018 einen Jahres- lohn von Fr. 46'150.-- (Fr. 3'550.-- x 13) erzielt. Da dieser Lohn auf dem allgemeinverbindlichen GAV für die …branche in der Deutschschweiz ba- siert (vgl. BBl 2011 2427, 2018 6747; AB 15.3/35-38), entfällt eine Paralleli- sierung wegen Unterdurchschnittlichkeit (vgl. dazu BGE 141 V 1 E. 5.4 S. 3, 135 V 58 E. 3.1 S. 59; SVR 2018 UV Nr. 33 S. 115 E. 2.2) von vornher- ein (vgl. SVR 2017 UV Nr. 32 S. 105). Im Übrigen resultierte – wie die Be- schwerdegegnerin zu Recht vorbringt (vgl. Beschwerdeantwort S. 3 lit. C Ziff. 4 letztes Lemma) – selbst dann kein rentenbegründender Invaliditäts- grad, wenn auf den lohnstatistischen Totalwert der allgemeinen Lohntabelle von Fr. 4'371.-- (vgl. BfS, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirt- schaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor, Schweiz 2018, TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen) abgestellt würde (vgl. E. 4.4 hiernach). 4.3.2Für das Invalideneinkommen ist angesichts der nicht verwerteten medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit auf die LSE-Tabellenlöhne abzustellen (vgl. E. 4.2.2 hiervor). Ausgehend vom gutachterlichen Zumut- barkeitsprofil (vgl. AB 134.1/11 Ziff. 4.5) ist dabei auf den praxisgemäss anwendbaren Totalwert der allgemeinen LSE-Tabelle TA1 für Frauen (vgl. Entscheide des BGer vom 13. Juni 2018, 8C_212/2018, E. 4.4.1, und vom 4. April 2018, 8C_684/2017, E. 5.3) im Kompetenzniveau 1 abzustellen, entsprechend monatlich Fr. 4'371.-- (BfS, LSE 2018, Monatlicher Bruttolohn Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 20 [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, privater Sektor, TA1_tirage_skill_level, Kompetenzniveau 1, Frauen, Total). Daraus ergibt sich ein Jahresbruttolohn von Fr. 43'745.-- (Fr. 4'371.-- x 12 Monate / 40 Wochenarbeitsstunden x 41.7 Wochenarbeitsstunden [BfS, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, 2018] ./. 20 % Leistungseinschränkung). Ein Abzug vom Tabellenlohn (vgl. E. 4.2.2 hiervor) ist vorliegend angesichts des offen formulierten Zumutbarkeitspro- fils (vgl. AB 134.1/11 Ziff. 4.5) und der vollschichtig umsetzbaren Teil- arbeitsfähigkeit (vgl. Entscheid des BGer vom 12. Februar 2019, 8C_190/2019, E. 4) nicht angezeigt. Weitere Umstände, die einen Abzug zu rechtfertigen vermöchten, sind nicht ersichtlich. So wäre aufgrund einer allfällig erforderlichen verstärkten Rücksichtnahme vonseiten Vorgesetzter und Arbeitskollegen kein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt (Entscheid des BGer vom 11. April 2019, 9C_233/2018, E. 3.1). Auch unter dem Titel Alter oder Dienstjahre ist kein Abzug zuzulassen. Soweit das Validenein- kommen zu Gunsten der Beschwerdeführerin ebenfalls statistisch erhoben würde (vgl. E. 4.3.1 hiervor), wären diese invaliditätsfremden Gesichts- punkte ohnehin bei beiden Vergleichseinkommen gleichermassen zu berücksichtigen und damit von vornherein nicht massgebend (Entscheid des BGer vom 19. Januar 2009, 8C_42/2008, E. 5). 4.4Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiert ein abgerundeter (vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123) und rentenaus- schliessender (vgl. E. 2.3 hiervor) Invaliditätsgrad von 5 % ([Fr. 46'150.-- ./. Fr. 43'745.--] / Fr. 46'150.-- x 100). Selbst im für die Beschwerdeführerin günstigsten Fall änderte sich im Ergebnis nichts: Würde für beide Ver- gleichseinkommen auf denselben Tabellenlohn abgestellt, entspräche der Grad der attestierten Arbeitsunfähigkeit dem Invaliditätsgrad (vgl. dazu SVR 2018 UV Nr. 29 S. 103 E. 5.2; Entscheid des BGer vom 19. Juni 2017, 8C_148/2017, E. 4), mithin ergäbe sich ein Invaliditätsgrad von 20 % (vgl. AB 134.1/13 Ziff. 4.8; E. 3.4 hiervor). Die Abweisung des Rentengesuchs erfolgte demnach im Ergebnis zu Recht. Die Beschwerde ist abzuweisen.Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 21 5. 5.1Die Beschwerdeführerin beantragt die Bewilligung der unentgeltli- chen Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt (Beschwerde S. 14 f. Ziff. III Art. 5 Ziff. 1). 5.2Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts- begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun- gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti- gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1). 5.3Die prozessuale Bedürftigkeit ist aufgrund der gemachten Angaben sowie der eingereichten Unterlagen erstellt. Namentlich geht daraus hervor, dass die Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren keine Kostendeckung ihrer (Patienten-)Rechtsschutzversicherungen erhält (vgl. Eingabe der Beschwerdeführerin vom 28. Juni 2021; Beschwerdebei- lage [BB] 5 ff.) und gemäss Bestätigung des Sozialdienstes L.________ vom 23. April 2021 (BB 3, siehe auch BB 4) seit dem 1. Oktober 2019 von der Sozialhilfe unterstützt wird. Die Beschwerde ist sodann nicht als von vornherein aussichtslos zu qualifizieren und für das Verfahren erscheint der Beizug einer anwaltlichen Vertretung angezeigt. Demnach ist antrags- gemäss für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege un- ter Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt zu be- willigen. 6. 6.1Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab- hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule- gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden ent-Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 22 sprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Be- zahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 5.3 hiervor) wird sie – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) – jedoch von der Zahlungspflicht befreit (Art. 113 VRPG). 6.2Ausgangsgemäss besteht gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG (Umkehrschluss) kein Anspruch auf eine Parteientschädigung. 6.3Festzusetzen bleibt indes das amtliche Honorar für Rechtsanwalt B.________. 6.3.1Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwäl- tinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwert- steuer werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach den glei- chen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stun- denansatz Fr. 200.--. 6.3.2Die Kostennote von Rechtsanwalt B.________ vom 28. Juni 2021, in welcher er einen Arbeitsaufwand von 9.2 Stunden à Fr. 250.-- (total Fr. 2'300.--) geltend macht, ist nicht zu beanstanden. Somit ist der tarif- mässige Parteikostenersatz auf Fr. 2'538.40 (inkl. Auslagen von Fr. 56.90 und Mehrwertsteuer von Fr. 181.50) festzulegen. Entsprechend ist das amtliche Honorar auf Fr. 2'042.95 (Fr. 1'840.-- [9.2 Stunden à Fr. 200.--] zuzüglich Auslagen von Fr. 56.90 und Mehrwertsteuer von Fr. 146.05 [7.7% von Fr. 1'896.90]) festzusetzen und Rechtsanwalt B.________ aus der Gerichtskasse zu vergüten. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerin gegenüber dem Kanton Bern entsprechend den Voraussetzungen von Art. 123 ZPO (Art. 113 VRPG).Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 23 Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt wird gutgeheissen. 3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach- zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit. 4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Der tarifmässige Parteikostenersatz des amtlichen Anwalts wird in die- sem Verfahren auf Fr. 2'538.40 (inkl. Auslagen und MWST) festge- setzt. Davon wird Rechtsanwalt B.________ nach Eintritt der Rechts- kraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2'042.95 festge- setzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vorbehal- ten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO. 6. Zu eröffnen (R): - Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin - IV-Stelle Bern - Bundesamt für Sozialversicherungen - Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 3001 Bern Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19. Aug. 2021, IV/21/346, Seite 24 Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün- dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf- fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun- desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge- führt werden.