<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN"> <html> <head> <title>AGVE 2001 82 S.384</title> <meta charset="utf-8"/><meta content="text/html; charset=utf-8" http-equiv="CONTENT-TYPE"/> <meta content="Weblaw - www.weblaw.ch" name="Publisher"/> </head> <body> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">384</span></div> <div class="page" id="S1"> <div role="main"><br/> [...]<br/> <br/> <span class="ft2"><b>82 Feststellungsverfügung.</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Zulässigkeit einer Feststellungsverfügung zum Zweck des Verjäh-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>rungsunterbruchs (Erw. 7).</b></span><br/> <span class="ft2"><b>- Verzicht auf Rechtsmittelbelehrung, wenn Zulässigkeit des Rechts-</b></span><br/> <span class="ft2"><b>mittels zweifelhaft? (Erw. 7/d)</b></span><br/> <br/> <span class="ft3">Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 20. Juni 2001 in</span><br/> <span class="ft3">Sachen M. K. und A. AG gegen Entscheid des Baudepartements.</span><br/> <br/> <br/> <br/> <span class="ft4"><i>Sachverhalt</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">Die Gemeinde A. hatte versehentlich bei verschiedenen Liegen-</span><br/> <span class="ft1">schaftseigentümern während Jahren keine Kanalisationsbenützungs-</span><br/> <span class="ft1">gebühren erhoben. Im März 1999 erliess der Gemeinderat Feststel-</span><br/> <span class="ft1">lungsverfügungen des Inhalts, dass die Kanalisationsbenützungsge-</span><br/> <span class="ft1">bühren ab 1994 geschuldet seien und zu einem späteren Zeitpunkt</span><br/> <span class="ft1">mit separater Verfügung erhoben würden. Zweck dieses Vorgehens</span><br/> <span class="ft1">war, die (Mitte 1999 eintretende) Verjährung der Gebühren für 1994</span><br/> <span class="ft1">zu verhindern. Die zu zahlenden Beträge wurden im August 1999</span><br/> <span class="ft1">verfügungsweise festgesetzt.</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">385</span></div> <div class="page" id="S2"> <div role="main"><br/> <span class="ft4"><i>Aus den Erwägungen</i></span><br/> <br/> <span class="ft1">7. a) Gemäss § 78a Abs. 3 lit. b VRPG wird die Verjährungsfrist</span><br/> <span class="ft1">durch die Schuld feststellende Verfügungen und Entscheide unter-</span><br/> <span class="ft1">brochen. Eine inhaltlich mit § 78a VRPG übereinstimmende Rege-</span><br/> <span class="ft1">lung enthielt bereits § 7 des (alten) Baugesetzes vom 2. Februar</span><br/> <span class="ft1">1971. Sie wurde beim Erlass des neuen Baugesetzes ins VRPG über-</span><br/> <span class="ft1">geführt, um klarzustellen, dass sie nicht nur im Bereich des Bau-</span><br/> <span class="ft1">rechts, sondern im öffentlichen Recht generell gilt, soweit keine</span><br/> <span class="ft1">Sonderbestimmungen bestehen (vgl. Botschaft des Regierungsrats</span><br/> <span class="ft1">vom 21. Mai 1990 zum neuen Baugesetz, S. 55 f.).</span><br/> <span class="ft1">b) Die Beschwerdeführer machen geltend, beim Schreiben des</span><br/> <span class="ft1">Gemeinderats vom 10. März 1999 handle es sich nicht um eine Ver-</span><br/> <span class="ft1">fügung, da eine Feststellungsverfügung unzulässig gewesen sei und</span><br/> <span class="ft1">da, wie vom Gemeinderat ausdrücklich betont, dagegen keine Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerde möglich gewesen sei.</span><br/> <span class="ft1">c) Die Unterbrechung der Verjährung für öffentlich-rechtliche</span><br/> <span class="ft1">Ansprüche ist nach Rechtsprechung und Lehre gegenüber der zivil-</span><br/> <span class="ft1">rechtlichen Regelung von Art. 135 OR stark erleichtert. Es wird als</span><br/> <span class="ft1">genügend erachtet, wenn die Behörde dem Abgabepflichtigen in</span><br/> <span class="ft1">unzweideutiger Weise mitteilt, dass ein bestimmter Tatbestand der</span><br/> <span class="ft1">Abgabepflicht unterworfen sei (AGVE 1993, S. 293; 1979, S. 178;</span><br/> <span class="ft1">Fritz Gygi, Verwaltungsrecht, Bern 1986, S. 300; René A. Rhi-</span><br/> <span class="ft1">now/Beat Krähenmann, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,</span><br/> <span class="ft1">Ergänzungsband, Basel/Frankfurt a.M. 1990, B 34 IV c, alle mit</span><br/> <span class="ft1">weiteren Hinweisen). Dabei werden keine Einschränkungen ange-</span><br/> <span class="ft1">bracht, wonach derartige verjährungsunterbrechende Mitteilungen</span><br/> <span class="ft1">nur zulässig wären, solange keine Gestaltungsverfügung möglich ist.</span><br/> <span class="ft1">Dies verwundert umso weniger, als die Subsidiarität der feststellen-</span><br/> <span class="ft1">den im Vergleich zur gestaltenden Verfügung in erster Linie im Zu-</span><br/> <span class="ft1">sammenhang mit der Frage betont wird, ob der Private <i>Anspruch</i> auf</span><br/> <span class="ft1">Erlass einer Feststellungsverfügung habe (BGE 125 V 24; 123 II</span><br/> <span class="ft1">362; 121 I 91 f.; 114 V 203; ZBl 90/1989, S. 482 f.; Rhinow/Krä-</span><br/> <span class="ft1">henmann, a.a.O., Nr. 36 III d; Michael Merker, Rechtsmittel, Klage</span><br/> <span class="ft1">und Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über</span><br/> <span class="ft1">die Verwaltungsrechtspflege [Kommentar zu den §§ 38-72 VRPG],</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsgericht</span> <span class="page_no">386</span></div> <div class="page" id="S3"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">Diss. Zürich 1998, § 38 N 27 f.; Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar</span><br/> <span class="ft1">zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl.,</span><br/> <span class="ft1">Zürich 1999, § 19 N 62; Alfred Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungs-</span><br/> <span class="ft1">verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich</span><br/> <span class="ft1">1998, Rz. 207 f.). Soweit es um die Möglichkeit einer Behörde geht,</span><br/> <span class="ft1">Feststellungsverfügungen zu erlassen, werden, soweit ersichtlich,</span><br/> <span class="ft1">kaum Einschränkungen befürwortet. Wohl wäre eine Feststellungs-</span><br/> <span class="ft1">verfügung unzulässig, wenn sie für den betroffenen Privaten unzu-</span><br/> <span class="ft1">mutbare Nachteile mit sich brächte, doch ist eine solche Konstella-</span><br/> <span class="ft1">tion kaum denkbar. Ohnehin wird eine Behörde nicht am unnötigen</span><br/> <span class="ft1">Aufwand für eine Feststellungsverfügung interessiert sein, wenn sie</span><br/> <span class="ft1">statt dessen bereits eine Gestaltungsverfügung erlassen kann.</span><br/> <span class="ft1">Das aargauische Recht ist bezüglich der einzuhaltenden <i>Form</i></span><br/> <span class="ft1">strenger, indem nicht eine blosse Mitteilung genügt, sondern eine</span><br/> <span class="ft1">formelle Verfügung verlangt wird (vgl. Erich Zimmerlin, [Kommen-</span><br/> <span class="ft1">tar zum alten] Baugesetz des Kantons Aargau, 2. Aufl., Aarau 1985,</span><br/> <span class="ft1">§§ 7/8 N 4: "qualifizierte Form der Geltendmachung"). Es besteht</span><br/> <span class="ft1">aber keinerlei Grund zur Annahme, der Gesetzgeber habe die Verjäh-</span><br/> <span class="ft1">rungsunterbrechung - in Abweichung von der allgemeinen Anschau-</span><br/> <span class="ft1">ung - gleichzeitig noch stärker einschränken wollen, indem diese</span><br/> <span class="ft1">ausschliesslich dann möglich sein sollte, wenn noch keine Gestal-</span><br/> <span class="ft1">tungsverfügung erlassen werden kann. Vielmehr reicht zur Unterbre-</span><br/> <span class="ft1">chung nicht nur eine unmittelbar auf Erfüllung des Anspruchs ge-</span><br/> <span class="ft1">richtete Massnahme (im Sinne von § 78a Abs. 3 lit. a und c VRPG)</span><br/> <span class="ft1">aus, sondern auch ein anderer der Verfolgung des Anspruchs dienen-</span><br/> <span class="ft1">der Verwaltungsakt, solange nur dem Schuldner klar eröffnet wird,</span><br/> <span class="ft1">ein bestimmter Tatbestand begründe eine Forderung (AGVE 1979,</span><br/> <span class="ft1">S. 178; Zimmerlin, a.a.O.); andernfalls wäre das Vorgehen im Ver-</span><br/> <span class="ft1">gleich zum Zivilrecht (wo gemäss Art. 135 Ziff. 2 OR die Schuldbe-</span><br/> <span class="ft1">treibung genügt) ohne Grund erheblich erschwert. Die Meinung der</span><br/> <span class="ft1">Beschwerdeführer, es sei unzulässig gewesen, am 10. März 1999</span><br/> <span class="ft1">eine Feststellungsverfügung mit dem Zweck der Verjährungsunter-</span><br/> <span class="ft1">brechung zu erlassen, ist deshalb abzulehnen.</span><br/> <span class="ft1">d) Die Verfügung des Gemeinderats vom 10. März 1999 war</span><br/> <span class="ft1">äusserlich klar als solche bezeichnet. Es unterliegt keinem Zweifel,</span><br/> <span class="ft1">dass der Gemeinderat sie als förmliche Verfügung ansah. Den Ver-</span><br/></div> </div> <div class="header"><span class="year">2001</span> <span class="title">Verwaltungsrechtspflege</span> <span class="page_no">387</span></div> <div class="page" id="S4"> <div role="main"><br/> <span class="ft1">zicht auf eine Rechtsmittelbelehrung begründete er (in der Verfügung</span><br/> <span class="ft1">selber) damit, dass es sich um eine Zwischenverfügung handle, die</span><br/> <span class="ft1">nicht gesondert anfechtbar sei, weil sie keinen nicht wiedergutzuma-</span><br/> <span class="ft1">chenden Nachteil bewirke. Dies mag zutreffen oder nicht. Mit Si-</span><br/> <span class="ft1">cherheit lässt sich daraus nicht ableiten, dass deswegen die formellen</span><br/> <span class="ft1">Anforderungen an eine Verfügung (§ 23 Abs. 3 VRPG: Rechtsmit-</span><br/> <span class="ft1">telbelehrung) nicht erfüllt seien. Es gibt zahlreiche Verfügungen, die</span><br/> <span class="ft1">nicht angefochten werden können, beispielsweise weil es an der Be-</span><br/> <span class="ft1">schwerdelegitimation mangelt; die Behauptung, dann handle es sich</span><br/> <span class="ft1">nicht um Verfügungen, wäre abwegig. Es wäre aber auch nicht ver-</span><br/> <span class="ft1">tretbar (weil nur zu Täuschungen des Empfängers führend), von der</span><br/> <span class="ft1">Behörde in einem solchen Fall das Anfügen einer Rechtsmittelbeleh-</span><br/> <span class="ft1">rung zu verlangen. Wenn die verfügende Behörde in einem Zweifels-</span><br/> <span class="ft1">fall zum Schluss kommt, es sei kein Rechtsmittel gegeben, erweist</span><br/> <span class="ft1">sich das Vorgehen, wie es vorliegend gewählt wurde, im Gegenteil</span><br/> <span class="ft1">als sinnvoll. So wird der Empfänger orientiert und es steht ihm frei,</span><br/> <span class="ft1">doch Beschwerde zu erheben, wenn er seinerseits der Meinung ist,</span><br/> <span class="ft1">deren Voraussetzungen seien gegeben.</span><br/> <br/></div> </div> </body> </html>