Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 18. September 2014 (720 14 178) ____________________________________________________________________ Invalidenversicherung Beweisthema der Rentenrevision; Anforderungen an das medizinische Gutachten; Ver- besserung des Gesundheitszustands in casu nicht ausgewiesen Besetzung Vizepräsident Christof Enderle, Kantonsri chter Jgnaz Jermann, Kan- tonsrichter Yves Thommen, Gerichtsschreiberin Tina Gerber Parteien A.____ , Beschwerdeführerin , vertreten durch Doris Vollenweider , Advokatin, Gitterlistrasse 8, Postfach 215, 4410 Liestal gegen IV -Stelle Basel -Landschaft , Hauptstrasse 109 , 4102 Binningen , Beschwerdegegnerin Betreff IV-Rente (756.8777.4695.96) A. Die 1968 geborene, zuletzt als Hilfsarbeiterin b ei der B.____ AG in Basel und als Haus- angestellte in Allschwil tätig gewesene A.____ meld ete sich am 5. September 2000 unter Hin- weis auf ein psychisches Leiden bei der Eidgenössis chen Invalidenversicherung (IV) zum Be- zug von Leistungen an. Die IV-Stelle Basel-Landscha ft (IV-Stelle) klärte in der Folge die ge- sundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab. Au fgrund der festgestellten fehlenden Ver- wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit und der Tätigk eit der Versicherten an einem geschützten Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht Arbeitsplatz ermittelte die IV-Stelle einen Invalidi tätsgrad von 93%. Gestützt auf dieses Ergeb- nis sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 17. Jul i 2003 rückwirkend ab 1. September 2000 eine ganze Rente zu. Dieser Anspruch wurde im Ra hmen von zwei in den Jahren 2004 und 2009 von Amtes wegen vorgenommenen Revisionen bestätigt. Im Februar 2012 leitete die IV-Stelle von Amtes weg en eine erneute Überprüfung des Renten- anspruchs der Versicherten ein. Aufgrund ihrer Abklärung en gelangte die IV-Stelle zur Auffas- sung, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten verbessert habe. Nach Durchführung eines Vorbescheidverfahrens setzte sie deshalb die laufe nde ganze Rente von A.____ mit Ver- fügung vom 16. Mai 2014 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf eine halbe Rente herab. B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten dur ch Advokatin Doris Vollenweider, am 17. Juni 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abtei lung Sozialversicherungsrecht (Kan- tonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die Verfügu ng vom 16. Mai 2014 aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Invalidenrente zuzüglich K inderrenten auszurichten. In verfahrens- rechtlicher Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin zu dem, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und es sei der Beschwerde di e aufschiebende Wirkung zu erteilen. Ausserdem seien vom Gericht die gesamten IV-Akten beizuzie hen; alles unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, da ss auf das bei Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eingeholte Gutachten vom 2 8. Oktober 2013 nicht abgestellt werden könne, da dieses herabsetzend, unvollständig und widersprüchlich sei. C. In ihrer Vernehmlassung vom 7. Juli 2014 beantragt e die Beschwerdegegnerin zunächst die Ablehnung des Antrags auf Wiederherstellung der au fschiebenden Wirkung. Des Weiteren schloss sie auf Abweisung der Beschwerde in materieller Hi nsicht. Sie habe zu Recht auf die Beurteilung von Dr. C.____ abgestellt. D. Mit Verfügung vom 21. Juli 2014 lehnte das Kantonsg ericht den Verfahrensantrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab. E. Nachdem die Beschwerdeführerin ergänzende Unterlag en zu ihrer finanziellen Situation eingereicht hatte, bewilligte das Kantonsgericht ihr mit Verfügung vom 24. Juli 2014 für das vor- liegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung u nd die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Doris Vollenweider als Rechtsvertreterin. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes üb er die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV -Stellen direkt vor dem Versiche- rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werde n. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig- keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. La ut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO ) vom 16. Dezember 1993 beur- teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als ein zige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stell e. Es ist somit auch sachlich zur Be- handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht erhobene – Beschwerde vom 17. Juni 2014 ist demnach einzu treten. 2.1 Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesge setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 die voraussichtlich bleibende oder län- gere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfäh igkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach- te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver- lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Diese Definitionen entsprechen den vor Inkrafttreten des ATSG per 1. Januar 2003 von der Rechtsprechung entwickelten Begriffen in der Invalidenversicherung (BGE 130 V 343 ff.). 2.2 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychi schen Gesundheitsbeeinträchti- gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Dia gnose nach einem wissenschaftlich an- erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 50 E. 1. 2, 130 V 398 ff. E. 5.3 und E. 6). Zu betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzuge ltenden psychischen Leiden belas- tenden psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umstän den kein Krankheitswert zu- kommt. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psych ische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versi cherten Person trotz des Leidens wil- lensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 299 E. 5a mit Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheits- beeinträchtigung verursachten Erwerbsunfähigkeit genüg t es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend erwerbstätig ist; entscheidend i st vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder – als alterna- tive Voraussetzung – sogar für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 298 E. 4c in fine). 2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person A nspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 50% und auf eine Vi ertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätig en Versicherten ist Art. 16 ATSG an- wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach ist der Invalid itätsgrad aufgrund eines Einkommensver- gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, da s die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der med izinischen Behandlung und allfälliger Ein- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktla- ge erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden w äre (Valideneinkommen). Der Einkom- mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol gen, dass die beiden hypothetischen Er- werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt un d einander gegenübergestellt wer- den. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditä tsgrad bestimmen (allgemeine Me- thode des Einkommensvergleichs; bereits für den Zeitraum vor 1. Januar 2003: BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b). 3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende IV-Renten f ür die Zukunft zu erhöhen, herab- zusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesen tliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad u nd damit den Rentenanspruch zu beein- flussen. Zu denken ist dabei in erster Linie an eine we sentliche Änderung des Gesundheitszu- standes der versicherten Person. Darüber hinaus ist die Rente unter anderem revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5 mit Hinweisen; vgl. auch: BGE 117 V 199 E. 3b mit weiteren Hinweisen; RUDOLF RÜEDI , Die Verfügungsanpassung als verfahrensrechtliche Grund- figur namentlich von Invalidenrentenrevisionen, in: Schaf fhauser/Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 16 f.). 3.2 Die abweichende medizinische oder rechtliche Einschätz ung von im Wesentlichen un- veränderten tatsächlichen Verhältnissen führt in der Re gel nicht zu einer materiellen Revision (vgl. aber die hier nicht interessierende Bestimmung a der Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 [6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket]) . Bloss auf einer anderen Wer- tung beruhende, revisionsrechtlich unerhebliche Differe nzen sind daher von revisionsbegrün- denden tatsächlichen Veränderungen abzugrenzen. Eine ärztliche Schlussfolgerung, die von der früheren abweicht, obwohl sich der beurteilte Gesun dheitszustand effektiv nicht verändert hat, ist meist auf eine unterschiedliche Ausübung des me dizinischen Ermessens (vgl. dazu BGE 137 V 253 E. 3.4.2.3) zurückzuführen (Urteil des B undesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). 3.3 Zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer ans pruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspru chs mit rechtskonformer Sachverhalts- abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einko mmensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; vgl. auch BGE 130 V 7 ff. E. 3 .2.3). Vorliegend sprach die Beschwer- degegnerin der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 17. Juli 2003 gestützt auf einen Invalidi- tätsgrad von 93% rückwirkend ab 1. September 2000 eine ganze Rente zu. In der Folge wurde dieser Anspruch zweimal im Rahmen von amtlich eingelei teten Revisionsverfahren bestätigt, nachdem jeweils ein Bericht des behandelnden Psychiaters e ingeholt wurde. Eine umfassende materielle Anspruchsprüfung fand indessen seit der urspr ünglichen Rentenzusprache nicht statt. Somit beurteilt sich die Frage, ob eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen einge- Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht treten ist, die eine revisionsweise Herabsetzung der bis a nhin ausgerichteten ganzen Rente rechtfertigt, durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Renten- verfügung vom 17. Juli 2003 bestanden hat, mit demjen igen im Zeitpunkt der vorliegend ange- fochtenen Verfügung vom 16. Mai 2014. 4. Im Folgenden ist demnach zu prüfen, ob und inwiefer n sich der Gesundheitszustand und – damit einhergehend – der Grad der Arbeitsunfä higkeit der Versicherten seit der ursprüng- lichen Rentenzusprache in anspruchserheblicher Weise verbessert hat. 5.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insb esondere auch bei der Beur- teilung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person i st die Verwaltung – und im Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fach- leute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund- heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4 f. mit weiteren Hinweisen). 5.2 Das Gericht hat diese medizinischen Unterlagen nach d em für den Sozialversiche- rungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigu ng (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas- send und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass d as Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objekti v zu prüfen und danach zu entschei- den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässi ge Beurteilung des streitigen Rechtsan- spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander wide rsprechenden medizinischen Berich- ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Bewe ismaterial zu würdigen und die Grün- de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach e ntscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anam nese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in d er Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen d er Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund sätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten od er in Auftrag gegebenen Stellung- nahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 5.3 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem G rundsatz der freien Beweiswürdi- gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen me dizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 ff. E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltu ngsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund e ingehender Beobachtungen und Unter- suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun- de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswür digung volle Beweiskraft zuzuer- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässi gkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). 5.4 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind in Revisio nsfällen bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhalts ausserdem zus ätzliche Besonderheiten zu beachten (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010). 5.4.1 Da die Feststellung einer revisionsbegründenden V eränderung durch eine Gegenüber- stellung eines vergangenen und des aktuellen Zustandes er folgt (vgl. E. 4. hiervor), bildet Ge- genstand des Beweises das Vorhandensein einer entscheidu ngserheblichen Differenz in den – den medizinischen Gutachten zu entnehmenden – Tatsachen. Die Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und seiner funktionellen Auswir kungen ist zwar Ausgangspunkt der Beurteilung; sie erfolgt aber nicht unabhängig, sondern wird nur entscheidungserheblich, soweit sie in tatsächlicher Hinsicht einen Unterschied zum frü heren Zustand wiedergibt. Der Beweis- wert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen medi- zinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalig e Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre (vgl. dazu BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a), mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich d ie (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspri cht, inwiefern eine effektive Verände- rung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbeha lten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich ve rändert haben (Urteil des Bundes- gerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.2). 5.4.2 Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrech tlichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit d enen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in i hrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Bloss nominelle Diff erenzen diagnostischer Art begrün- den dabei keine massgebliche Veränderung. Die Feststellu ng über eine seit der früheren Beur- teilung eingetretene tatsächliche Änderung ist hingegen genügend untermauert, wenn die ärztli- chen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichts punkte in der Krankheitsentwick- lung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer n euen diagnostischen Beurteilung und/oder ihrer neuen Einschätzung des Schweregrades der Störun gen geführt haben. Ein Sachverstän- diger kann die betreffende Entwicklung regelmässig nich t aus eigener Wahrnehmung beschrei- ben (ausser er sei schon als Vorgutachter tätig gewesen) . Daher ist es erforderlich, dass er sich, soweit verfügbar, mit den Fakten fundiert auseinan dersetzt, wie sie sich aus den für den früheren Entscheid massgebenden medizinischen Vorakten e rgeben. Dem Gutachten, welches die medizinischen Vorakten unzureichend berücksichtigt, f ehlt die erforderliche Überzeugungs- und Beweiskraft selbst dann, wenn die Schlussfolgerunge n, welche auf der Grundlage der vom Sachverständigen selber erhobenen Befundtatsachen gezog en worden sind, an sich einleuch- ten und vom Rechtsanwender prüfend nachvollzogen wer den können (vgl. Urteil des Bundes- gerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5.4.3 Je mehr medizinisches Ermessen bei der Stellung ei ner Diagnose und der ärztlichen Einschätzung der Funktionseinschränkungen im Spiel ist, de sto wichtiger ist es, den gutachtli- chen Befund einer Veränderung möglichst solide auf klini sche Feststellungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten zu stüt zen und diese Elemente in Bezie- hung zu den medizinischen Vorakten und den dort gesetzt en Anknüpfungstatsachen zu brin- gen. Nur so kann dem Gutachten hinreichend zuverlässig entnommen werden, dass die in den Schlussfolgerungen beschriebene Differenz nicht wesentli ch einer unterschiedlichen Wertung zuzuschreiben ist. Auf der anderen Seite darf die Notwe ndigkeit, eine bloss andere Beurteilung nicht als Anlass einer materiellen Revision gelten zu lasse n, nicht dazu führen, dass die Anfor- derungen an den Nachweis einer Veränderung so hoch ang esetzt werden, dass die ursprüngli- che Festlegung praktisch perpetuiert wird. Dies gilt insbe sondere für psychiatrische Beurteilun- gen, bei denen praktisch immer ein Spielraum besteht, innerhalb dessen verschiedene medizi- nische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Hier können die Beurteilungen nicht i mmer lückenlos mit Tatsachenschilde- rungen unterlegt werden. Bei einer stark ermessensgepr ägten Einschätzung, die weniger auf Messung und anderweitig normierter Feststellung als auf interpretationsbedürftigen Befundtat- sachen beruht, kann etwa eine Auseinandersetzung mit der Genese des Gesundheitsschadens, den das Krankheitsgeschehen unterhaltenden Faktoren, für den Nachweis einer tatsächlichen Veränderung besondere Bedeutung erlangen (Urteil de s Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/2010, E. 4.4 mit weiteren Hinweisen; vgl. auc h Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2013, 9C_698/2012, E. 2.2). 6. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerdef ührerin sind im Wesentli- chen die folgenden medizinischen Unterlagen zu berücksichtigen: 6.1 Im Rahmen der ursprünglichen Rentenzusprache stützte sich die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arb eitsfähigkeit der Versicherten im We- sentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med . D.____, FMH Psychiatrie und Psy- chotherapie, vom 20. Dezember 2002. Darin diagnostizier te dieser eine anhaltende affektive Störung (ICD-10 F34), die im Jahr 2000 von einer leich ten depressiven Episode mit somati- schem Syndrom (ICD-10 F32.1) überlagert gewesen sei; ei ne Bulimia nervosa (ICD-10 F50.2); eine chronische Paarproblematik (ICD-10 Z63.0, Z59); P robleme durch negative Kindheitser- lebnisse (ICD-10 Z61.2, Z61.5) sowie ein Status nach S uizidversuch mit einem Antidepressi- vum (ICD-10 X61). Im Befund zeige sich die Explorandin verunsichert, ängstlich und depressiv. Sie sei im Affekt schwingungsfähig, spreche jedoch mit monotoner, körperloser Sprache in stark gebrochenem Deutsch und stehe phasenweise den Tränen na he. Früh im Leben habe die Ex- plorandin soziale Ängste, insbesondere eine Angst, dass üb er sie geredet werde, entwickelt. Nach Scheitern der beruflichen Massnahmen der IV müsse d ie Explorandin im erwerbsmässi- gen Rahmen als zu 70% arbeitsunfähig betrachtet werde n. Weitere medizinische Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit seien nicht gegeb en, die Explorandin befinde sich seit Jahren in fachpsychiatrischer Behandlung. Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht In der Folge stellte die Beschwerdegegnerin fest, dass es der Beschwerdeführerin nicht zumut- bar sei, einer Erwerbstätigkeit in der freien Wirtschaf t nachzugehen. Unter Berücksichtigung des Einkommens aus der Tätigkeit an einer geschützten Arb eitsstelle ermittelte die Beschwer- degegnerin einen Invaliditätsgrad von 93% und sprach d er Versicherten eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu. 6.2 Im Rahmen der aktuellen Revision holte die Beschwer degegnerin zunächst einen Be- richt des behandelnden Psychiaters ein. Mit Bericht vom 24. August 2012 hielt Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine seit Jahren bestehende Bulimie mit narzisstisch-depressiver Neurose fest. Die Patientin sei seit über zwölf Jahren zu 100% arbeitsunfähig. Der Gesundhei tszustand sei stationär. Die Patientin leide unter depressiven Gefühlen und Phasen von Esssucht und Erbrechen, die jedoch seltener geworden seien. Sie sei nicht mehr suizidal. Sowohl in den Beziehungen zu den heranwach- senden Kindern wie auch gegenüber ihrem neuen Partner fühle sie sich schnell überfordert. Die Prognose sei im Moment unsicher bis schlecht. Zwar habe di e Patientin in den letzten ein bis zwei Jahren eine gewisse Stabilität gezeigt, ob dies ei nen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt er- laube, sei aber wegen der Verletzlichkeit der Patienti n und ihrer Unfähigkeit, mit Konflikten um- zugehen, sehr fragwürdig. Die Patientin stünde einer Integration sehr ambivalent gegenüber und habe Angst zu scheitern. Eine Erwerbstätigkeit sei e ventuell durch ein Arbeitstraining zu- mutbar. 6.3 In seiner Stellungnahme vom 21. September 2012 fü hrte Dr. med. F.____, FMH Psy- chiatrie und Psychotherapie, des Regionalen Ärztlichen Di enstes (RAD) der IV aus, es sei auf- grund der Akten ersichtlich, dass sich an den gestellten Dia gnosen und der attestierten Arbeits- unfähigkeit seit dem Gutachten von Dr. D.____ nichts We sentliches verändert habe. Aus medi- zinischer Sicht könne es sinnvoll sein – allseitige Mitwir kung vorausgesetzt – der Versicherten einen geeigneten Arbeitsplatz anzubieten, die dortig e Leistung zu erfassen und allenfalls eine eingliederungsorientierte Rentenrevision in Erwägung zu ziehen. 6.4 Nach dem Scheitern eines Arbeits- und Belastungstrain ings im Frühjahr 2013 gab die Beschwerdegegnerin bei Dr. C.____ ein psychiatrisches Gut achten in Auftrag. Das Explorati- onsgespräch vom 26. September 2013 dauerte zweieinh alb Stunden und wurde unter Beizug einer italienisch sprechenden Dolmetscherin durchgeführt . In seinem Gutachten vom 28. Oktober 2013 (Eingang) diagnostiziert Dr. C.____ m it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine histrionische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.4) mit Status nach Selbstverletzungsten- denzen, differenzialdiagnostisch eine emotional instabil e Persönlichkeit des Borderline Typus (ICD-10 F60.31); ein Status als Zielscheibe feindlicher Diskriminierung und Verfolgung (ICD-10 Z60.5) bei Stalking durch den Freund; eine rezidivier ende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit Status nach rezidivierenden Suizidversuch en (ICD-10 F33.0) sowie eine Bulimia nervosa (ICD-10 F50.2) mit Status nach Laxanti en-Abusus im Jahr 2006, aktuell eher Tendenz zur Anorexie. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsf ähigkeit seien verschiedene weitere Z-Diagnosen zu stellen. Die Explorandin beklage Essproblem e, Schwindelerscheinungen, Gleichgewichtsstörungen und zeitweiliges Zittern am ganz en Körper. Sie habe Angst vor allem und Mühe mit Leuten; sie wolle immer alleine sein. Seit 2006 sei die Bulimie nicht mehr so aus- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht geprägt wie früher, unterdessen habe sie aber eine An orexie entwickelt. In den Ferien im Som- mer 2013 in Italien sei sie mehrmals zusammengebrochen. S ie habe keine Freude und Lust mehr, sei immer wieder gestresst. Bei den Schwierigkeiten in den Ferien habe sie einen Suizid- versuch unternommen. Die Explorandin habe den Austrittsbericht des Spitals G.____, Abteilung für psychische Gesundheit, vom 14. August 2013 mitgebra cht. Darin ist festgehalten, dass die Beschwerdeführerin vom 10. August 2013 bis zum 14. Augu st 2013 nach einer Medikamenten- überdosis hospitalisiert gewesen sei. Die Patientin ha be am 14. August 2013 die Klinik auf ei- genen Wunsch verlassen. Im Befund hielt Dr. C.____ fest, dass die Explorandin zu Beginn der Untersuchung über die Lebensbiographie und das innere Erleben kaum Auskunft habe geben können und über fünfzig Mal angegeben hätte, etwas nich t zu wissen oder sich nicht mehr da- ran zu erinnern. In der Folge habe sie jedoch über e ine Stunde lang romanartig und uferlos über aktuelle Beziehungskonstellationen und Traumata spre chen können. Es sei aufgefallen, dass sie über diese Ereignisse völlig ruhig, beinahe abgesp alten berichtet habe, bezüglich der Denkleistungsfähigkeit aber konsistent geblieben sei. Die Affekte hätten sich über weite Stre- cken immer wieder aufgehellt, wobei die Explorandin me hrmals plötzlich affektlabil reagierte und unerwartet wechselhafte Affekte gezeigt habe. We itgehend habe sie jedoch anhedon, sto- isch, roboterhaft, wenig fassbar und gespannt gewirkt. S ie habe einen sehr histrionischen Ein- druck gemacht und sich effektiv immer als Opfer inszeniert, weshalb nicht nur von einer narziss- tischen, sondern von einer histrionischen Persönlichkeitsstör ung auszugehen sei. Im Beneh- men sei sie korrekt gewesen, habe jedoch ratlos, scheu und unsicher sowie deutlich selbstunsi- cher gewirkt. Es seien weder formale Denkstörungen noch W ahrnehmungsstörungen festzu- stellen. Bezüglich des inhaltlichen Denkens lägen deutlic he Zwangsgedanken im Zusammen- hang mit Essen vor, die aber nicht mit der Explorandin hätten erarbeitet werden können. Bezüg- lich Ich-Störungen lägen offenbar Depersonalisationsphänomene vor. In der Ich-Identität sei die Explorandin überhaupt nicht spürbar oder fassbar und w irke fassadär. Sie habe keine eigene Identität. Die Explorandin sei deutlich ängstlich, klini sch jedoch nur subdepressiv bis leicht de- pressiv. Das Antriebsverhalten und die Vigilanz seien intak t. Aufmerksamkeits- und Merkleis- tungen seien recht gut gewesen. Die Realitätsprüfung und Urteilsbildung hingegen seien deut- lich defizitär und schwer prüfbar. Die Beziehungsfähigke it und die Kontaktgestaltung seien vor- handen, jedoch ängstlich, misstrauisch und histrionisch gefä rbt. Die Affektsteuerung und Im- pulskontrolle seien anamnestisch mittelgradig gestört; die Explorandin handle, ohne die Konse- quenzen reiflich zu überlegen. Die Selbstwertregulation und Regressionsfähigkeit seien deutlich defizitär. Aufgrund des Befunds und angesichts des Verlaufs in den le tzten Jahren sowie der Gesamtbi- ographie müsse gesichert nicht nur von einer Depression mit Bulimie, sondern von einer schwe- ren Persönlichkeitsstörung ausgegangen werden. Es erstaun e, dass diese Diagnose bisher in keinem psychiatrischen Bericht erwähnt sei. Gesichert liege ausserdem eine schwere Bulimie vor, die wechselhaft bezüglich Intensität auftrete, gegenüber der schwersten histrionischen Per- sönlichkeitsstörung aber in den Hintergrund trete. Was d ie Beziehungsfähigkeit zu Mitmen- schen anbelange, müsse eine schwerste Störung angenommen werden. Die Art und Weise, wie die Explorandin über ihre Mitmenschen berichte, spreche für eine schwere Persönlichkeitsstö- rung, auch mit borderlinehaften Zügen. Sie fühle sich fremdbestimmt, lasse eine Fremdbestim- mung jedoch auch zu und verfüge nicht über eine genüge nd gefestigte Identität, um das Leben Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht alleine zu meistern. Aufgrund des guten kognitiven Funktionierens der Explorandin während der Untersuchung sei indessen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar. Da es ihr immerhin gelinge, den Haushalt mit den bald volljährigen Zwillingen zu führen, sei weiterhin von einer gewissen Sozialkompetenz und lebenspraktischer Kompete nz auszugehen. Die Explo- randin sei vermindert belastbar, vermindert stressresistent und könne nicht unter dauernder Hektik eingesetzt werden. Sie sei etwas vermindert flexibel und umstellfähig. Ausserdem sei sie nur beschränkt im Team einsetzbar und könne nicht dauer nd im Kundenkontakt tätig sein. In Tätigkeiten, wo interpersonelle Beziehungsgestaltung wi chtig ist, sei sie ungeeignet. Sie dürfte zeitweilig auch unzuverlässig und inkonstant beim pünktli chen Erscheinen sein. In den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten in einer Wäscherei sowie als pri vate Hausangestellte sei sie vollschich- tig arbeitsunfähig. In einer einfachsten und überschaub aren Hilfarbeitertätigkeit, ohne Hektik oder Stress und bei kognitiv nicht hoch anforderungsreichen Tätigkeiten sei die Explorandin vier Stunden täglich einsetzbar. Sie könnte beispielsweise pr ivate Reinigungsarbeiten verrichten. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes könne ab 2013 angenommen werden. 6.5 Mit Stellungnahme vom 29. Oktober 2013 hielt Dr. F.____ fest, dass das Gutachten von Dr. C.____ den Beweisanforderungen genüge und emp fahl, den Entscheid der IV-Stelle darauf abzustützen. Die Verbesserung des Gesundheitszustan ds betreffe einen Teilbereich im Sinne einer Teilarbeitsfähigkeit für angepasste Tätig keiten mit nur geringen Anforderungen an die Sozialkompetenz und an die emotionale Belastbarkei t. Das im Frühjahr 2013 durchgeführte Arbeitstraining habe gezeigt, dass die Versicherte in r uhiger und geordneter Umgebung eine gute Arbeitsqualität leiste. Die attestierte Verbesser ung sei angesichts der durchgängig attes- tierten Stabilisierung nachvollziehbar. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Beurteilu ng des aktuellen medizinischen Sachverhalts und bei ihrem Entscheid über die Frage, ob seit der ursprünglichen Rentenzu- sprache eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustand s der Beschwerdeführerin eingetreten sei, vollumfänglich auf die Ergebnisse des Gu tachtens von Dr. C.____ vom 28. Oktober 2013. Sie ging demzufolge davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Be- schwerdeführerin in psychischer Hinsicht deutlich verbessert h abe und ihr aus medizinischer Sicht die Ausübung einer angepassten Tätigkeit mit nur geringen Anforderungen an die Sozial- kompetenz und die emotionale Belastbarkeit im Umfang von 47.96% (vier Stunden täglich) zu- mutbar sei. 7.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass aus verschieden en Gründen nicht auf das Gutachten von Dr. C.____ abgestellt werden könne. In formeller Hinsicht beanstandet sie ins- besondere, dass das Gutachten voller persönlich gefärbter und herabsetzender Bemerkungen sei und der Gutachter offensichtlich keinen Zugang zur P ersönlichkeit der Beschwerdeführerin gefunden habe. Wiederholt bezeichne er ihre Ausführun gen als unglaubwürdig und konstruiert. Ihre Angaben, etwas nicht zu wissen, würden ihr zum Vor wurf gemacht. Verschiedene Formu- lierungen im Gutachten sprächen überdies für eine persönlich gefärbte, herabsetzende Betrach- tungsweise des Gutachters. Diesem Vorwurf der Beschwerdef ührerin kann nicht gefolgt wer- den. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 7. Juli 2014 unter Hinweis auf die Stellungnahmen ihres RAD-Arztes Dr. F.____ zutreffe nd ausführt, sind gerade die – nach Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht Ansicht der Beschwerdeführerin ihr zum Vorwurf gemachten – Aussagen und Verhaltensweisen für das beschriebene dysfunktionale, psychopathologische Leiden der Beschwerdeführerin ty- pisch und für die Krankheitsdefinition einer histrion ischen Persönlichkeitsstörung von massge- bender Bedeutung. Tatsächlich gehört es zur Aufgabe des Gutachters, solche Aussagen und Verhaltensweisen im Gutachten wiederzugeben, um sie an schliessend zu beurteilen. Darin ist keine Voreingenommenheit oder mangelnde Objektivität zu erblicken. Das Gutachten weist damit keine formalen Mängel auf. In Bezug auf Befun derhebung und Diagnosestellung genügt das Gutachten von Dr. C.____ grundsätzlich auch den inha ltlichen Anforderungen. Die Befun- derhebung und Diagnosestellung beruhen – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 5.2 hiervor) – auf allseitigen Untersuchungen. Das Gutachten berücksichtigt ferner die ge- klagten Beschwerden und ist in Kenntnis der Vorakten abg egeben worden. In Bezug auf die Befunderhebung und die Diagnosestellung sind die Ausführungen des Gutachters schlüssig. 7.3 Wie bereits in Erwägung 5.4 hiervor ausgeführt, gelten jedoch bei der Erhebung und Würdigung des medizinischen Sachverhalts in Revisionsfällen besondere Anforderungen an die Beweistauglichkeit. Beweisthema dieser Gutachten ist nicht bloss die Feststellung des aktuellen Gesundheitszustands und seiner funktionellen Auswirkungen , sondern insbesondere auch der Vergleich dieses Befunds mit dem früheren Gesundheitszusta nd. Spricht sich ein solches Gut- achten nicht hinreichend darüber aus, inwiefern eine ef fektive Veränderung des Gesundheits- zustands stattgefunden hat, mangelt es ihm in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweis- wert, es sei denn, dass die Änderung der gesundheitlich en Verhältnisse ohnehin evident ist (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 9C_418/ 2010, E. 4.2; vgl. auch Urteil des Bundesgericht vom 26.August 2014, 8C_157/2014, E. 5.2.2). In Bezug auf diese revisionsrecht- liche Fragestellung vermag das Gutachten von Dr. C.____ nicht zu überzeugen. Das Gutachten nimmt weder eine Beschreibung der Entwicklung des Gesund heitszustands noch einen Ver- gleich zwischen dem früheren und dem jetzigen Gesundheitszu stand vor, sondern beschränkt sich darauf, den aktuellen Gesundheitszustand zu beschreibe n und zu beurteilen. Lediglich am Ende des Gutachtens findet sich ein Hinweis auf eine, auf das aktuelle Jahr datierte, Verbesse- rung des Gesundheitszustands. Diese Verbesserung wird jed och nicht begründet. Das Gutach- ten von Dr. D.____ vom 20. Dezember 2002, das im Rah men des Revisionsverfahrens als Ver- gleichsbasis hinzuzuziehen gewesen wäre, wird lediglich in der Anamnese erwähnt, was den Verdacht nahelegt, dass es sich bei der Einschätzung von Dr. C.____ in erster Linie um eine neue, von der Vergangenheit unabhängige Würdigung de s Gesundheitszustands der Be- schwerdeführerin handelt. Nach dem Ausgeführten ist zunä chst festzuhalten, dass sich das Gutachten von Dr. C.____ – wohl nicht zuletzt aufgrun d der entsprechend unvollständigen Fra- gestellung durch die IV-Stelle – über das eigentliche Beweisthema der Rentenrevision, nament- lich die anspruchsrelevante Verbesserung des Gesundheit szustands, nicht genügend aus- spricht. Damit fehlt es dem Gutachten am rechtlich erforderlichen Beweiswert. 7.4 Eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands ist fe rner auch nicht aus den Befunden oder den gestellten Diagnosen im Gutacht en vom 28. Oktober 2013 evident. Vielmehr beschreibt Dr. C.____ einen psychiatrischen Untersuchungsbefund, der in weiten Tei- len dem von Dr. D.____ im Jahr 2002 erhobenen entsp richt. So stellen beide Gutachter fest, dass die Beschwerdeführerin monoton bzw. roboterhaft un d abgespaltet berichte. Sowohl Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht Dr. C.____ wie auch Dr. D.____ halten eine plötzlich e Affektlabilität sowie eine (leicht) depres- sive Grundstimmung fest. Auch in Bezug auf die deutlich e Ängstlichkeit und (Selbst-) Unsicherheit finden sich im Wesentlichen übereinstimmend e Befunde. Darüber hinaus hält Dr. C.____ jedoch auch verschiedene zusätzliche bzw. neue Befunde fest, die als Hinweise für eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin gewer- tet werden können. So wurden von Dr. D.____ weder Dep ersonalisationsphänomene noch Identitätsstörungen festgehalten. Auch in der Realitätsprüfung und in der Urteilsbildung erkann- te Dr. D.____ im Gegensatz zu Dr. C.____ keine Defizite . Gestützt auf diese Befunde diagnos- tiziert Dr. C.____ eine bisher in den Akten nicht erw ähnte (schwere bis schwerste) histrionische Persönlichkeitsstörung und eine erstmals als selbstständige Erkrankung festgehaltene depres- sive Störung. Der aktuellen Beurteilung von Dr. C.____ können nach dem Ausgeführten jeden- falls keine Anhaltspunkte entnommen werden, dass sich der g esundheitliche Zustand der Be- schwerdeführerin verbessert hätte. Die von Dr. C.____ at testierte höhere Arbeitsfähigkeit ver- mag an diesem Ergebnis nichts zu ändern, handelt es sich dabei doch bloss um eine unter- schiedliche Wertung eines gleichgebliebenen oder gar sich verschlechternden Gesundheitszu- stands. Ohnehin ist fraglich, ob die von Dr. C.____ att estierte verwertbare Arbeitsfähigkeit zu überzeugen vermag. Die angenommene lebenspraktische Ko mpetenz und Sozialkompetenz der Beschwerdeführerin geht weder aus der Anamnese noch aus dem gescheiterten Belastbar- keitstraining im Frühjahr 2013 hervor. Selbst wenn die Arbeitsfähigkeit von vier Stunden täglich bejaht werden könnte, wäre eine Verwertbarkeit auf d em freien Arbeitsmarkt aufgrund des sehr engen Anforderungsprofils, der mangelhaften Kontakt - und Beziehungsfähigkeit sowie der Un- zuverlässigkeit und Unpünktlichkeit der Beschwerdeführerin zw eifelhaft. Mit der Beschwerde- führerin ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass be reits die angestammten, heute je- doch unbestrittenermassen unzumutbaren Tätigkeiten de m von Dr. C.____ festgehaltenen An- forderungsprofil entsprachen. 7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass eine anspruchserh ebliche Verbesserung des Gesundheitszustands nicht ausgewiesen ist. Das Gutachten g enügt den revisionsspezifischen Beweisanforderungen nicht und eine Verbesserung des Ge sundheitszustandes ist nicht evi- dent. Vielmehr muss offensichtlich von einem unveränderte n bzw. sich verschlechternden Zu- stand ausgegangen werden. Auch aus den übrigen Akten e rgeben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich der Gesundheitszustand oder dessen erwerbl ichen Auswirkungen verbessert hätten, weshalb von weiteren (gerichtlichen) Abklärunge n abgesehen werden kann. Daran ver- mögen auch die ergänzenden Ausführungen der Beschwerd egegnerin bzw. ihres RAD-Arztes nichts zu ändern. Die unter Hinweis auf die Berichte von Dr. E.____ angeführte Stabilisierung der psychischen Beschwerden erscheint aufgrund des im Somme r 2013 vorgenommenen Sui- zidversuches nicht aktuell. Im Übrigen ist in den Berichten von Dr. E.____ mehrheitlich bloss von einem stabilen (schlechten), nicht jedoch von einem stabilisierten Gesundheitszustand die Rede. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin hat sich nach dem Ausgeführten nicht verändert bzw. sich gar verschlechtert. Die abweichenden g utachterlichen Schlussfolgerungen sind nicht auf eine Veränderung des Gesundheitszustands, son dern letztlich auf eine unter- schiedliche Ausübung des medizinischen Ermessens zurückzuführe n. Eine solche abweichen- de, bloss auf einer anderen Wertung beruhende medizini sche Einschätzung von im Wesentli- chen unveränderten tatsächlichen Verhältnissen kann aber nicht zu einer materiellen Revision Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht führen (vgl. E. 3.2 hiervor). Entgegen der Auffassung der IV-Stelle fällt demnach im vorliegen- den Fall eine revisionsweise Herabsetzung der Invalidenr ente der Beschwerdeführerin ausser Betracht. In Gutheissung der Beschwerde ist deshalb di e angefochtene (Revisions-)Verfügung vom 16. Mai 2014 aufzuheben und es ist festzustellen, da ss die Beschwerdeführerin über den 30. Juni 2014 hinaus weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat. 8. Es bleibt über die Kosten zu befinden. 8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige- rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs gericht kostenpflichtig. Die Verfah- renskosten werden gestützt auf § 20 Abs. 3 des kantonale n Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 in der Regel in angemesse- nem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. In casu hätte deshalb die Beschwerdegeg- nerin als unterliegende Partei grundsätzlich die Verfah renskosten zu tragen. In diesem Zusam- menhang ist allerdings zu beachten, dass laut § 20 Abs. 3 Satz 3 VPO den Vorinstanzen – vorbehältlich des hier nicht interessierenden § 20 Abs. 4 VPO – keine Verfahrenskosten auf- erlegt werden. Dies hat zur Folge, dass für den vorlieg enden Prozess keine Verfahrenskosten erhoben werden. 8.2 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende besch werdeführende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Der Beschwerdeführerin als obsieg ende Partei ist demnach eine Par- teientschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. De r in der Honorarnote vom 1. September 2014 für das vorliegende Verfahren gelt end gemachte Zeitaufwand von 12.85 Stunden erweist sich in Anbetracht der sich stellen den Sachverhalts- und Rechtsfragen als angemessen. Nicht zu beanstanden sind sodann die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen in der Höhe von Fr. 193.90. Der Beschwerdeführerin ist demnach eine Parteientschä- digung in der Höhe von Fr. 3‘678.90 (12.85 Stunden à Fr. 250.– + Auslagen von Fr. 193.90 zu- züglich 8% Mehrwertsteuer) zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefoc htene Verfügung vom 16. Mai 2014 aufgehoben und es wird festgestellt, dass d ie Beschwer- deführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente de r Invalidenver- sicherung hat. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin e ine Parteient- schädigung in der Höhe von Fr. 3‘678.90 (inkl. Auslagen und 8 % Mehrwertsteuer) zu entrichten. http://www.bl.ch/kantonsgericht