Seite 1 http://www.bl.ch/kantonsgericht Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 19. August 2020 (460 19 262) ____________________________________________________________________ Strafrecht Versuchte vorsätzliche Tötung Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.), Richterin Susanne Afheldt, Richter Beat Hersberger, Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft , Allgemeine Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz, Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin A.____ , vertreten durch Rechtsanwalt Julian Herzog, Neuarlesheimerstrasse 18, Postfach 435, 4143 Dornach, Privatkläger gegen B.____ , vertreten durch Rechtsanwältin Eveline Roos, Bielstrasse 8, Postfach 663, 4502 Solothurn, Beschuldigter und Berufungskläger Gegenstand Versuchte vorsätzliche Tötung etc. (Berufung des Beschuldigten und Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 2. September 2019) Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht A. Mit Urteil vom 2. September 2019 erklärte das Strafger icht Basel-Landschaft B.____ der versuchten vorsätzlichen Tötung, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel- gesetz sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig und verurteilte ihn ‒ unter Anrechnung der vom 8. Februar 2018 (22:30 Uhr ) bis zum 9. Februar 2018 (11:05 Uhr) und vom 10. März 2018 bis zum 10. Juni 2018 ausgest andenen Untersuchungshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs vom 11. Juni 2018 bis zum 2. September 2019 von insgesamt 543 Tagen ‒ zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Mo naten sowie zu einer Busse von CHF 300.-- (bzw. zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse); dies in Anwendung von Art. 111 StGB (in V erbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 19 Abs. 1 lit. d und l it. g BetmG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB (Ziff. 1). Demgegenüber wurde das Verfahren gegen B.____ betreffend den Konsum von Betä ubungsmitteln für den Zeitraum bis zum 2. September 2016 aufgrund des Eintritts der Verjä hrung gemäss Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StPO eingestellt (Ziff. 2). Des Weiteren wurde B.____ in Anwendung von Art. 66a StGB für die Dauer von zwölf Jahren des Landes verwiesen. Di esbezüglich wurde zudem erkannt, dass die angeordnete Landesverweisung gemäss Art. 20 der N-SIS-Verordnung im Schengener Informationssystem eingetragen wird (Ziff. 3). Ferner wurde B.____ dazu verurteilt, A.____ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 10‘000.-- zuzüglich Zin s von 5 % seit dem 9. März 2018 zu bezahlen (Ziff. 4). Sodann wurden diverse beschlagnahm ten Gegenstände entweder gestützt auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO dem Privatkläger u nd dem Beschuldigten zurückgegeben oder in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB bzw. mit dem Einverständnis des Be- schuldigten zur Vernichtung eingezogen; ausserdem wurde da s beim Beschuldigten beschlag- nahmte Bargeld in der Höhe von CHF 577.90 gemäss Art. 442 Abs. 4 StPO in Verbindung mit Art. 268 StPO an die Verfahrenskosten angerechnet (Ziff. 5). Weiter wurde verfügt, dass sämtli- che gegen den Beschuldigten forensisch gesicherten Daten nach Rechtskraft des Urteils unwi- derruflich gelöscht werden (Ziff. 6). Schliesslich wurd e erkannt, dass der Beschuldigte in An- wendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vor- verfahrens von CHF 28‘111.15, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 1‘700.-- und der Gerichtsgebühr von CHF 10‘000.--, zu tragen ha t (Ziff. 7), sowie dass das Honorar des amtlichen Verteidigers in der Höhe von CHF 13'945.-- gleichermassen wie dasjenige des un- entgeltlichen Rechtsbeistandes in der Höhe von CHF 4'689.70 aus der Gerichtskasse entrichtet wird (Ziff. 8 und 9). Auf die Begründung dieses Urtei ls sowie der nachfolgenden Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht B. Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 2. September 2 019 meldete der Beschuldigte mit Schreiben vom 9. September 2019 die Berufung an. In s einer Berufungserklärung vom 11. No- vember 2019 teilte der Berufungskläger mit, dass das Urt eil vollumfänglich angefochten werde, und er im Sinne seiner Anträge gemäss dem erstinstanzliche n Verfahren einen vollumfängli- chen Freispruch unter den gesetzlichen Kosten- und Entsch ädigungsfolgen beantrage. In der Berufungsbegründung vom 17. Februar 2020 brachte der Beschuldigte in Abweichung zur Be- rufungserklärung folgende Rechtsbegehren vor: Das ang efochtene Urteil sei hinsichtlich der Dispositiv-Ziffern 1, 3, 4, 5c und 7 aufzuheben (Ziff. 1). Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der versuchten Tötung, der versuchten schweren Körperverl etzung sowie der einfachen Kör- perverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand freizusp rechen (Ziff. 2.a). Eventualiter sei er der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen G egenstand schuldig zu sprechen, und die Strafe sei in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 StGB zu mildern (Ziff. 2.b). Weiter sei der Beru- fungskläger der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waf fengesetz und der mehrfachen Wi- derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig zu sprechen (Ziff. 3). In der Folge sei er zu einer Geldstrafe von maximal 100 Tagessätzen sowie z u einer Busse von CHF 300.-- zu verurteilen (Ziff. 4.a). Eventualiter sei der Berufungskläger zu einer Geldstrafe von 180 Tagess- ätzen sowie zu einer Busse von CHF 300.-- zu verurteilen ( Ziff. 4.b). Ferner seien die ausge- standene Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Strafvoll zug an die ausgefällte Strafe anzu- rechnen (Ziff. 5). Abhängig vom Strafmass sei dem Beruf ungskläger eine angemessene Ent- schädigung für die zu Unrecht ausgestandene Untersuchun gshaft bzw. den vorzeitigen Straf- vollzug auszurichten (Ziff. 6). Ausserdem sei die Genugtuu ngsforderung des Privatklägers ab- zuweisen, eventualiter sei diese auf den Zivilweg zu verwe isen (Ziff. 7). Sodann seien die erst- instanzlichen Gerichtskosten sowie die Verfahrenskosten nach Ermessen der Berufungsinstanz neu zu verlegen (Ziff. 8). Im Übrigen sei das angefoch tene Urteil zu bestätigen (Ziff. 9); dies alles gelte unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates (Ziff. 10). C. Mit Eingabe vom 26. November 2019 erklärte die Staat sanwaltschaft die Anschlussberu- fung und begehrte dabei, es sei die Berufung des Beschu ldigten vollumfänglich abzuweisen (Ziff. 1), und es sei dieser in Abänderung von Ziffer 1 des angefochtenen Urteils zu einer Frei- heitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten zu verurt eilen (Ziff. 2); im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen (Ziff. 3). Mit Schreiben vom 3. Januar 2020 teilte die Staats- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht anwaltschaft ihren Verzicht auf eine ergänzende Begründung der Anschlussberufungserklärung mit. D. Mit Datum vom 4. Dezember 2019 reichte der Privatkläg er eine Stellungnahme ein und beantragte dabei, es sei die Berufung des Beschuldigte n vollumfänglich abzuweisen (Ziff. 1), und es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewä hren (Ziff. 2); dies alles unter o/e Kos- tenfolge (Ziff. 3). Mit weiterer Eingabe vom 20. Janu ar 2020 liess der Privatkläger der Beru- fungsinstanz im Hinblick auf sein Begehren um Bewilligun g der unentgeltlichen Rechtspflege diverse Unterlagen zukommen. In seiner Berufungsantwort vom 18. März 2020 stellte der Pri- vatkläger sodann folgende Rechtsbegehren: Es sei die Berufung des Beschuldigten vollumfäng- lich abzuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätig en (Ziff. 1). Eventualiter sei die An- schlussberufung der Staatsanwaltschaft gutzuheissen und di e dem Berufungskläger auferlegte Freiheitsstrafe auf sieben Jahre und sechs Monate zu erhöhen (Ziff. 2); dies alles unter o/e Kos- tenfolge zu Lasten des Beschuldigten (Ziff. 3). E. In ihrer Berufungsantwort vom 17. April 2020 nahm die Staatsanwaltschaft Stellung zur Berufungsbegründung des Beschuldigten, ohne jedoch explizit Rechtsbegehren zu formulieren. F. Der Beschuldigte verzichtete seinerseits auf die Einreich ung einer Anschlussberufungs- antwort. G. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abte ilung Strafrecht, vom 5. Dezember 2019 wurde dem Beschuldigten die amtliche V erteidigung für das Berufungsver- fahren bewilligt. Mit weiterer Verfügung vom 21. Janu ar 2020 wurde dem Privatkläger die un- entgeltliche Rechtspflege für das zweitinstanzliche Ver fahren gewährt. Ferner wurde mit Verfü- gung des Kantonsgerichts vom 21. April 2020 der Antrag des Beschuldigten auf Durchführung einer Tatrekonstruktion gemäss Berufungsbegründung vom 17. Februar 2020 abgewiesen. H. Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 18. August 2020 sind der Beschuldigte B.____ mit seiner Rechtsvertreterin Rechtsan wältin Eveline Roos, der Rechtsver- treter des Privatklägers, Rechtsanwalt Julian Herzog, sowie Ludovica Del Giudice als Vertrete- rin der Staatsanwaltschaft anwesend. Auf die Darlegung en der Anwesenden wird wiederum, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht Erwägungen 1. Formalien und Verfahrensgegenstand 1.1 Die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beru- fungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsmitt el ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit li t. b EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einsc hliesslich Überschreitung und Miss- brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtene n Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnu ng des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des be- gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung e inzureichen. Die Anschlussberufung ist Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO folgend innerhalb von 20 Tagen seit Empfang der Berufungserklä- rung schriftlich zu erklären. Die Legitimation des Besc huldigten zur Ergreifung des Rechtsmit- tels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert und dieje nige der Staatsanwaltschaft in Art. 381 Abs. 1 StPO. Nachdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt dar- stellt, sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwa ltschaft berufungs- bzw. anschlussberu- fungslegitimiert sind, zulässige Rügen erheben und die Rechtsmittelfristen gewahrt haben so- wie der Erklärungspflicht nachgekommen sind, ist im Fo lgenden ohne Weiteres auf die beiden Rechtsmittel einzutreten. 1.2 Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 2. September 20 19 haben sowohl der Beschuldig- te als auch die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel ergr iffen. Dabei begehrt der Beschuldigte in seiner Berufung was folgt: einen Freispruch vom Vorwu rf der versuchten Tötung bzw. der ver- suchten schweren Körperverletzung sowie der einfachen K örperverletzung mit einem gefährli- Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen Gegenstand (eventualiter wird eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand und eine Milderung der Strafe in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 StGB beantragt), einen Schuldspruch wegen mehrfacher W iderhandlung gegen das Waffenge- setz und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmi ttelgesetz, eine Verurteilung zu einer Geldstrafe von maximal 100 Tagessätzen sowie zu einer Busse von CHF 300.-- (eventua- liter zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen sowie zu ei ner Busse von CHF 300.--), eine An- rechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft sowie des v orzeitigen Strafvollzugs an die ausgefällte Strafe, eine angemessene Entschädigung fü r die zu Unrecht ausgestandene Unter- suchungshaft bzw. den vorzeitigen Strafvollzug, die Abweisu ng der Genugtuungsforderung des Privatklägers (eventualiter die Verweisung auf den Zivil weg) sowie eine Neuverlegung der erst- instanzlichen Gerichtskosten und der Verfahrenskosten nach E rmessen der Berufungsinstanz. Demgegenüber begehrt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anschlussberufung eine Bestätigung der Schuldsprüche und eine Erhöhung des Strafmasses auf sieben Jahre und sechs Monate Frei- heitsstrafe. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO sind nur die genannten Punkte Gegenstand der Berufungsverhandlung. Nicht mehr zu beurteilen sind dam it namentlich die Schuldsprüche we- gen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmitt elgesetz (mit Ausnahme desjenigen nach Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG) sowie wegen mehrfa cher Widerhandlung gegen das Waffen- gesetz, die Auferlegung einer Busse in der Höhe von CH F 300.--, die Verfahrenseinstellung betreffend den Konsum von Betäubungsmitteln für den Zeitraum bis zum 2. September 2016 aufgrund des Verjährungseintritts, die Entscheide der V orinstanz hinsichtlich der beschlag- nahmten Gegenstände und der unwiderruflichen Löschung sämtlicher forensisch gesicherten Daten nach Rechtskraft des Urteils sowie schliesslich die e rstinstanzlichen Entscheide bezüg- lich der auszurichtenden Honorare an den damaligen amtlichen Verteidiger und den unentgeltli- chen Rechtsbeistand. 2. Ausführungen der Parteien 2.1.1 a) (…). b) (…). Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht c) (…). d) (…). e) (…). 2.1.2 (…). 2.2.1 a) (…). b) (…). 2.2.2 a) (…). b) (…). c) (…). 2.3 a) (…). b) (…). c) (…). 3. Beweiswürdigung und Sachverhalt 3.1 a) Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urteilen- de Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner p ersönlichen Überzeugung aufgrund ge- Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht wissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Ge- richt trifft sein Urteil unabhängig von der Zahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tat- sache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Form des Beweismi ttels (R OBERT HAUSER / ERHARD SCHWERI / KARL HARTMANN , Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2005, § 54 N 3 f., mit Hinweisen). Nach der bundesge richtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV (bzw. Art. 4 aBV) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldi g ist (Art. 10 Abs. 1 StPO). Als Be- weiswürdigungsregel besagt die Maxime ausserdem, dass sich d er Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachver halts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Art. 10 Abs. 3 StPO). Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wen n der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute G ewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrücke nde Zweifel handeln, d.h. um sol- che, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen ( BGE 124 IV 87 E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Insgesamt steht dem Sachgericht im Be reich der Beweiswürdigung praxisge- mäss ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132 E. 4.2; 129 IV 6 E. 6.1). b) Der in Art. 29 Abs. 2 BV gewährleistete Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörden die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsäch- lich hören, prüfen und in der Entscheidfindung berücksicht igen. Die Behörde darf sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte und Leitlinien beschränken un d braucht sich nicht mit jedem sachverhaltsdienlichen oder rechtlichen Einwand auseinanderzusetzen (BGE 137 II 266 E. 3.2, mit Hinweisen; BGer 6B_627/2012 vom 18. Juli 2013 E. 2.5). 3.2 a) Bei der nachfolgenden Ermittlung des rechtserhebliche n Sachverhalts sind namentlich folgende Beweise und Indizien zu würdigen: die Deposit ionen des Beschuldigten anlässlich seiner Einvernahme zur Person durch die Staatsanwaltschaft vom 11. März 2018 (act. 97 ff.) und anlässlich der Hafteröffnungseinvernahme durch die S taatsanwaltschaft vom 11. März 2018 (act. 343 ff.), anlässlich der Einvernahme durch die Polizei Basel-Landschaft, Spezialisier- ter Ermittlungsdienst, vom 11. März 2018 (act. 1371 f f.), anlässlich der Sitzung des Zwangs- Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht massnahmengerichts Basel-Landschaft vom 14. März 2018 (ac t. 383 ff.), anlässlich der Einver- nahme durch die Polizei Basel-Landschaft, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 30. Mai 2018 (act. 877 ff.), anlässlich der Einvernahme durch die Po lizei Basel-Landschaft, Allgemeiner Er- mittlungsdienst 1, vom 8. Juni 2018 (act. 945 ff.), a nlässlich der Einvernahme durch die Staats- anwaltschaft vom 19. November 2018 (act. 981 ff.), anlä sslich der erstinstanzlichen Verhand- lung vom 2. September 2019 (act. S 145 ff.) sowie vor dem Kantonsgericht (Protokoll KG), die- jenigen des Privatklägers anlässlich dessen Einvernahme als Auskunftsperson durch die Staatsanwaltschaft vom 19. März 2018 (act. 1393 ff.), d ie Zeugenaussagen von C.____ anläss- lich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 19 . März 2018 (act. 1407 ff.), die Zeu- genaussagen von D.____ anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 22. März 2018 (act. 1447 ff.), die Zeugenaussagen von E. ____ anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 25. April 2018 (act. 14 59 ff.), die Videosequenzen der Über- wachungskamera aus dem F.____-Shop in G.____ vom 9. März 2018 betreffend den Zeitraum zwischen 19:50 Uhr und 20:10 Uhr, die diesbezügliche Fo todokumentation der Polizei Basel- Landschaft, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 28. M ärz 2018 (act. 1035 ff.), der Bericht der Polizei Basel-Landschaft, Forensik, vom 4. Juli 2018 (act . 1123 ff.), die Austrittsberichte des Kantonsspitals Baselland vom 9. März 2018 und vom 25. April 2018 betreffend den Privatkläger (act. 1303 f., 1307 ff.), der medizinische Bericht des U niversitätsspitals Basel, Neurochirurgie, vom 5. April 2018 betreffend den Privatkläger (act. 12 61 ff.), das rechtsmedizinische Gutachten des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Basel (IR M) vom 26. Mai 2018 betreffend den Privatkläger (act. 1283 ff.), das rechtsmedizinische Gutachten des IRM vom 3. Mai 2018 betref- fend den Beschuldigten (act. 1235 ff.), das forensisch-t oxikologische Gutachten des IRM vom 10. April 2018 betreffend den Beschuldigten (act. 1337 ff.) sowie schliesslich das psychiatrische Gutachten von Dr. med. H.____, FMH Neurologie sowie FM H Psychiatrie und Psychotherapie in I.____, vom 27. Juli 2017 [recte: 27. Juli 2018] betreffend den Beschuldigten (act. 159 ff.). b) aa) Gestützt auf die vorgängig zitierten Beweise und Indizi en kommt das Kantonsgericht zum Schluss, dass der inkriminierte Sachverhalt, auch in Nach achtung der Maxime "in dubio pro reo", gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft v om 8. April 2019 erstellt ist. Dies wird vom Beschuldigten denn auch nicht ernsthaft bestritten. Der Berufungskläger macht in diesem Zusammenhang in seiner Berufung lediglich geltend, er habe das Wort "Motherfucker" nicht direkt zum Privatkläger, sondern bloss vor sich hingesagt, de r Privatkläger sei nach dem ersten Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht Schlag in das Gesicht des Beschuldigten vor dem F.____-Sh op mit der Absicht auf ihn zuge- kommen, ihn erneut zu schlagen bzw. der Privatkläger hab e in kampfbereiter Stellung vor dem Eingang des Ladens auf ihn gewartet, und er habe fern er mit dem Messer einmal in Richtung des Armes bzw. der Schulter des Privatklägers zugestochen und diesen nur deshalb im Bereich der linken Schläfe getroffen, weil sich dieser geduckt habe. bb) Diesen Einwendungen des Beschuldigten ist Folgendes zu e ntgegnen: Trotz dessen Be- streitung im Rahmen des Berufungsverfahrens, das Wort "Motherfucker" direkt zum Privatkläger gesagt zu haben, ist gestützt auf die zahlreichen diesb ezüglichen Aussagen davon auszuge- hen, dass der Beschuldigte dies aufgrund des subjektiv of fenbar als herablassend empfunde- nen Verhaltens des Privatklägers sehr wohl getan hat. So hat der Beschuldigte anlässlich der Einvernahme durch die Polizei, Spezialisierter Ermittlun gsdienst, vom 11. März 2018, ausge- sagt, der Privatkläger habe mit den Fingern eine Beweg ung gemacht, er solle ihm die Hand geben. Er habe dann dem Unbekannten gesagt, er kenne i hn nicht, warum sollte er "Hallo" sa- gen. Daraufhin habe der Unbekannte aufstehen wollen, sei aber von einem Kollegen zurückge- halten worden. Er habe ihm dann gesagt, er sei ein "M otherfucker" (act. 1373 f.). Ferner hat er anlässlich der Sitzung des Zwangsmassnahmengerichts vom 14. März 2018 ausgeführt, der Privatkläger habe ihn aufgefordert, ihn zu grüssen. Er habe ihn "Motherfucker" genannt und sei in den F.____-Shop gegangen (act. 385). Weiter hat e r anlässlich der Einvernahme durch die Polizei, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 30. Mai 2 018 deponiert, soweit er sich erinnern könne, habe der Privatkläger zum J.____ vermutlich etwas Schlechtes über ihn gesagt. Er habe ihm dann "Motherfucker" gesagt und sei weggegangen ( act. 907). In der gleichen Einvernahme hat er zudem zu Protokoll gegeben, der Privatkläger hab e ihn zu sich gewinkt, er sei hingegan- gen und habe ihn gefragt, ob sie sich kennen würden. Di eser habe "nein" gesagt, worauf er ihn mit dem Wort "Motherfucker" betitelt habe (act. 911 f .). Zudem hat er anlässlich der Einvernah- me durch die Polizei, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 8. Juni 2018 zugegeben, zum Pri- vatkläger "Motherfucker" gesagt zu haben, nachdem dieser auf seine Frage, ob er ihn kenne, nicht geantwortet habe (act. 983). Schliesslich hat der Beschuldigte anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 19. November 2018 depon iert, er hätte auch verneinen kön- nen, dass er den Privatkläger "Motherfucker" genannt habe (act. 991). Selbst wenn es nicht erstellt wäre, dass der Beschuldigte das Wort "Motherfu cker" direkt zum Privatkläger gesagt hat, wäre immer noch unbestritten, dass das fragliche Wo rt im Rahmen des zwischen dem Be- schuldigten und dem Privatkläger geführten Disputs im An schluss an die vom Berufungskläger Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht als Beleidigung empfundene Aufforderung des Privatkläge rs, ihn zu grüssen, gefallen ist und Letzterer ihm wegen dieser Beschimpfung nachgelaufen i st sowie ihn im Laden deswegen ge- schlagen hat. In Bezug auf die Behauptung, der Privatkläger sei vor de m F.____-Shop mit der Absicht auf ihn zugekommen, ihn erneut zu schlagen bzw. dieser habe in k ampfbereiter Stellung vor dem Ein- gang des Ladens auf ihn gewartet, steht für das Kantons gericht fest, dass der Privatkläger zweifellos vor dem Laden auf den Beschuldigten gewarte t hat; demgegenüber bestehen keine Hinweise, dass er ihn tatsächlich einseitig noch einmal t ätlich angegangen haben soll. Diesbe- züglich hat der Zeuge C.____ anlässlich der Einvernahme d urch die Staatsanwaltschaft vom 19. März 2018 ausgesagt, sowohl der Beschuldigte als auch der Privatkläger seien dort gestan- den und hätten kämpfen wollen bzw. seien kampfbereit g ewesen (act. 1413). Der Zeuge D.____ hat anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 22. März 2018 depo- niert, vor dem Eingang des F.____ sei er dazwischen gega ngen, da er gesehen habe, dass die zwei hätten kämpfen wollen wie Boxer. Aber sie hätten dann nicht gekämpft, sondern der Be- schuldigte habe das Messer hervorgeholt und zugestochen (a ct. 1453). Auch der Beschuldigte hat wiederholt bestätigt, dass der Privatkläger ledigli ch gewartet hat. So hat er anlässlich der Sitzung des Zwangsmassnahmengerichts vom 14. März 2018 aus geführt, der Privatkläger sei draussen gewesen und habe wie ein Profiboxer gewarte t (act. 385). Er habe Angst gehabt, dass der Privatkläger noch einmal auf ihn zukommen würde, weshalb er das Messer mit der rechten Hand aus der rechten Jackentasche genommen und die Klinge mit der linken Hand aufgeklappt habe (Einvernahme vom 30. Mai 2018, act. 909). Es habe so ausgesehen bzw. er sei davon ausgegangen, dass er ihn noch einmal habe sch lagen wollen (Einvernahme vom 30. Mai 2018, act. 913). Bevor er mit dem Messer zugesto chen habe, sei der Privatkläger draussen am Warten gewesen (Einvernahme vom 19. Novem ber 2018, act. 985). Der Privat- kläger sei bereit gewesen zu kämpfen und habe in einer Boxerhaltung dagestanden; er habe Angst gehabt, dass dieser weitermachen würde (Protokoll KG S. 6). Im Hinblick auf das Argument des Beschuldigten, er habe in Richtung des Armes bzw. der Schulter des Privatklägers zugestochen und diesen nur de shalb im Bereich der linken Schläfe getroffen, weil sich dieser geduckt habe, ist festzustell en, dass der Wahrheitsgehalt und insbe- sondere die daraus fliessende Folge dieser Behauptung in erster Linie im Rahmen der nachfol- genden rechtlichen Subsumption zu prüfen ist. Bereit s an dieser Stelle ist aber festzuhalten, Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht dass es sich bei der Auseinandersetzung offensichtlich nich t um ein statisches Geschehen ge- handelt hat. Abgesehen davon, dass einer tätlichen Beg egnung wie der vorliegenden generell eine gewisse Dynamik inhärent ist, hat auch der Beschuld igte unter anderem zu Protokoll ge- geben, der Privatkläger sei vor ihm geblieben und habe getänzelt, die Hände wie ein Boxer (Einvernahme vom 11. März 2018, act. 345). Er sei immer noch draussen gewesen und habe die Hände wie ein Boxer oben gehabt. Er habe wie ei n Boxer getänzelt (Einvernahme vom 11. März 2018, act. 1375). Er habe gesehen, wie der Pr ivatkläger ständig wie ein Boxer herum- getänzelt sei (Einvernahme vom 30. Mai 2018, act. 90 9). Es habe so ausgesehen, dass der Privatkläger ihn noch einmal habe schlagen wollen. Er se i sehr aggressiv gewesen und habe herumgetänzelt (Einvernahme vom 30. Mai 2018, act. 913 ). Er habe den Privatkläger in seiner Hand gehabt. Dieser habe sich vor ihm bewegt, er selber sei am Warten gewesen (Einvernah- me vom 19. November 2018, act. 987). Ebenfalls zu konstat ieren ist in diesem Kontext zudem, dass es sich beim Messerstich des Beschuldigten nicht um ein e Abwehrbewegung gehandelt hat, sondern um eine aktive Führung des Messers gegen den Körper des Privatklägers mit ei- ner nicht unerheblichen Wucht bei der Stichbeibringung , welche annähernd senkrecht zur Kör- peroberfläche erfolgt ist (Gutachten des IRM vom 26. Mai 2018, act. 1293). cc) Demnach ist bei der rechtlichen Würdigung von folgen dem massgeblichen Sachverhalt auszugehen (vgl. auch die entsprechenden Feststellungen im angefochtenen Urteil E. I.2.2.A S. 4 ff.): Am 9. März 2018, ca. um 19:50 Uhr, hat sich der Beschuldigte in G.____ an der K.____strasse 1 beim Bahnhof SBB zum dortigen lmbisswagen begeben, wo sich zum genann- ten Zeitpunkt an einem Bistrotisch mehrere Personen aufg ehalten haben, darunter der Privat- kläger sowie die beiden späteren Zeugen D.____ und C .____. Nachdem der Beschuldigte C.____ mit der Hand begrüsst hatte, hat sich auch der P rivatkläger an den Berufungskläger gewendet und diesen mit Handzeichen aufgefordert, sich ihm zu nähern und ihn ebenfalls zu begrüssen. Alsdann ist es zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger zu einem Wort- wechsel gekommen, in dessen Verlauf Ersterer Letzteren als "Motherfucker" beschimpft hat. ln der Folge hat sich der Beschuldigte von der Gruppe entf ernt und sich in den im Bahnhofsge- bäude untergebrachten F.____-Shop begeben. Aufgebrach t von der zitierten Beschimpfung ist der Privatkläger ‒ trotz der Versuche von D.____, ihn zurückzuhalten ‒ dem Beschuldigten bis zum Eingangsbereich des Shops hinterhergelaufen. Als der Beschuldigte dies bemerkt hat, hat er sich umgedreht und aus der linken Westentasche ein ni cht automatisches, einhändig be- dienbares Klappmesser mit einer Klingenlänge von 8,6 Zentimetern und einer Klingenbreite von Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 1,6 Zentimetern hervorgeholt und dieses in geschlossenem Zustand in seine rechte Westenta- sche gesteckt. Daraufhin hat der Privatkläger dem Beschuldigten im Eingangsbereich im Innern des Ladens unvermittelt mit der linken Hand bzw. mit der linken Faust ins Gesicht geschlagen. Ob es sich dabei um einen relativ heftigen Schlag geha ndelt hat, wie dies von der Vorinstanz erkannt worden ist (vgl. E. I.2.2.A.b S. 6), erscheint aufgrund der komplett fehlenden Verlet- zungsfolgen beim Berufungskläger (Gutachten des IRM vom 3. Mai 2018, act. 1239) zumindest als fraglich, kann aber vorliegend zufolge fehlender Rel evanz offengelassen werden. Im An- schluss an diesen Schlag hat wiederum D.____ zu schlichte n versucht, indem er zwischen die Streitenden getreten ist und den Beschuldigten von vor ne festgehalten hat. Dieser jedoch hat sich losgerissen, vor dem Shop-Eingang das Messer aus der rechten Westentasche geholt, die Klinge aufgeklappt und ohne weitere vorgängige tätli che Auseinandersetzung sowie ohne Vor- warnung einmal mit nicht unerheblicher Wucht auf den dort auf ihn wartenden Privatkläger ein- gestochen und diesen dabei an der linken Schläfe getrof fen. Anschliessend hat sich der Be- schuldigte zu Fuss vom Tatort entfernt und ist im Verlauf e des Abends zusammen mit Kollegen zum Feiern in den Ausgang in L.____ gegangen (Protoko ll KG S. 7). Am darauffolgenden Tag ist der Beschuldigte schliesslich um ca. 19:00 Uhr verhaftet worden. dd) Während der Beschuldigte durch den Schlag des Privatkläg ers keine Verletzungen erlitten hat, ist Letzterer durch den Messerstich potentiell lebe nsgefährlich verletzt worden. Im Einzel- nen steht aus medizinischer Sicht in Bezug auf den Berufun gskläger Folgendes fest: Gemäss dem Gutachten des IRM vom 3. Mai 2018 hätten bei der rechtsmedizinischen Untersuchung des Beschuldigten am 10. März 2018 ‒ d.h. einen Tag nach dem inkriminierten Geschehen ‒ keine Verletzungen festgestellt werden können. Hautrötu ngen, die z.B. nach Schlägen mit der flachen Hand ins Gesicht entstünden, würden sich in der Regel innerhalb weniger Stunden zu- rückbilden. Demgegenüber seien Haut- und Schleimhautu nterblutungen, welche regelmässig nach Faustschlägen beobachtet werden könnten, bis zu ihre r Abheilung meist mehrere Tage sichtbar. Das Fehlen morphologisch fassbarer Verletzungsfolgen einen Tag nach der dokumen- tierten Gewalteinwirkung schliesse die Entstehung relevanter Verletzungen praktisch aus. ee) Im Hinblick auf die Verletzungsfolgen auf Seiten des P rivatklägers als Resultat der Ausei- nandersetzung zwischen diesem und dem Beschuldigten sind i n erster Linie der medizinische Bericht des Universitätsspitals Basel, Neurochirurgie, vo m 5. April 2018 sowie das rechtsmedi- zinische Gutachten des IRM vom 26. Mai 2018 zu beachten: Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht Nach dem Bericht des Universitätsspitals vom 5. April 2018 s ei beim Eintritt des Privatklägers auf der Notfallstation eine Stichverletzung durch Haut und Knochen am Kopf temporal links von ca. 1,5 bis 2 Zentimetern festgestellt worden. Das Messe r sei entlang der Schädelbasis bis fast an die Arteria cerebri media eingetreten. Perioperativ habe festgestellt werden können, dass die Messerspitze ca. 1 Millimeter von der Arteria cerebri media entfernt eingedrungen sei. Eine Ver- letzung dieses Gefässes hätte zu einer lebensbedrohlich en, ausgeprägten Blutung mit beglei- tendem Schlaganfall linkshemisphärisch geführt mit in d er Folge schweren neurologischen De- fiziten. Glücklicherweise seien beim Betroffenen aber ke ine tiefen Hirnstrukturen oder Gefässe verletzt worden, weshalb er sich ohne neurologische Defizi te erhole; auch seien keine bleiben- den Schäden zu erwarten. Trotz der Tatsache, dass die gen annte Verletzung generell lebens- gefährlich sei, sei der Betroffene zu keinem Zeitpunkt in unmittelbarer Lebensgefahr gewesen. Ohne ärztliche Versorgung wäre hingegen die Infektions gefahr sehr gross gewesen mit mög- licherweise lebensgefährlichen Folgen. Laut dem Gutachten des IRM vom 26. Mai 2018 sei die Ve rletzung beim Privatkläger durch das Haut-Weichteil-Gewebe (Kopfschwarte) bis durch den Schä delknochen und die harte Hirnhaut in das Schädelinnere zu verfolgen gewesen, womit definitionsgemäss ein offenes Schädel-Hirn- Trauma vorgelegen habe. In der Gesamtschau sei von ei ner Stichverletzung zu sprechen, bei der das Tatwerkzeug annähernd senkrecht zur Körperoberfläche geführt worden sei. Die Tatsa- che, dass der Schädelknochen durchstossen worden sei, sprec he zum einen für eine aktive Führung des Messers gegen den Körper und zum anderen fü r eine nicht unerhebliche Wucht bei der Stichbeibringung. Trotz des stichbedingten offe nen Schädel-Hirn-Traumas seien rele- vante Verletzungen des Hirngewebes, der Hirnkammern o der auch Gefässläsionen nicht fest- zustellen gewesen. Streng genommen könne damit eine a kute Lebensgefahr nicht bejaht wer- den. Es sei aber unbedingt zu betonen, dass sowohl die E indringtiefe (Stichkanallänge) wie auch die exakte Lokalisation und damit die entstehenden Verletzungen für den Angreifer, der im Rahmen eines dynamischen Tatgeschehens eine zum Körper h in gerichtete Stichbewegung ausführe, praktisch nicht steuerbar seien. Hinzu komme im konkreten Fall, dass auch Spätkom- plikationen auftreten könnten. Hier sei zum einen an s ekundäre Hirnschäden im Sinne einer generalisierten Hirnschwellung durch Wassereinlagerunge n (Hirnödem) oder Druckerhöhung infolge einer volumenrelevanten Blutung zu denken, die ebenfalls zu vital bedrohlichen oder tödlichen Hirndrucksteigerungen führen könnten. Zum an deren sei bei einem offenen Schädel- Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hirn-Trauma das Risiko deutlich erhöht, dass Keime in di e Schädelhöhle eintreten und dort zu vital bedrohlichen oder tödlich verlaufenden Entzündungen der Hirnhäute oder des Gehirns füh- ren könnten. Alle diese Komplikationen hätten sich im g egenständlichen Fall nicht realisiert. Eine potentielle Lebensgefahr sei aber aus rechtsmedizinischer Sicht gegeben gewesen. In Würdigung dieser medizinischen Unterlagen ist im Sinne einer Zusammenfassung zu konsta- tieren, dass der Privatkläger zwar nicht in tatsächlicher akuter Lebensgefahr gewesen ist und auch keine bleibenden Schäden zu erwarten hat, da ke ine tiefen Hirnstrukturen oder Gefässe verletzt worden sind, dass aber aufgrund des offenen Schäd el-Hirn-Traumas eine potentielle Lebensgefahr bestanden hat und zudem die Messerspitze le diglich rund 1 Millimeter von der Arteria cerebri media entfernt eingedrungen ist, wob ei eine Verletzung dieses Gefässes zu ei- ner lebensbedrohlichen, ausgeprägten Blutung mit be gleitendem Schlaganfall linkshemisphä- risch mit in der Folge schweren neurologischen Defiziten geführt hätte. 4. Tatbestand der (versuchten) vorsätzlichen Tötung 4.1 a) Nach Art. 111 StGB wird mit Freiheitsstrafe nicht unt er fünf Jahren bestraft, wer vorsätz- lich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen der nachfolgen- den Artikel zutrifft. Geschütztes Rechtsgut ist das Lebe n eines Menschen, Angriffsobjekt ist ein anderer lebender Mensch. Als Tathandlung genügt jede A rt der Verursachung des Todes eines lebenden Menschen, wobei der Täter beliebige Tatmittel einsetzen kann. Der Erfolg kann durch physische oder psychische Einwirkung auf das Opfer bewirkt w erden. Auf Seiten des subjekti- ven Tatbestandes erforderlich ist der Vorsatz im Sinne vo n Art. 12 Abs. 2 StGB, der sich einzig auf die Herbeiführung des Todes beziehen muss. Eventualvo rsatz genügt gemäss der explizi- ten Regelung von Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB. b) aa) Eventualvorsatz ist praxisgemäss (vgl. zum Ganzen BGer 6B_ 724/2017 vom 21. Juli 2017 E. 1.2) gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erf olgs beziehungsweise die Tatbestandsver- wirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall des Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch un erwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 134 IV 26 E. 3.2.2; 131 IV 1 E. 2.2; 130 IV 58 E. 8 .2; je mit Hinweisen). Vorsätzlich handelt mit- hin bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Für den Nachweis der Inkaufnahme des ta tbestandsmässigen Erfolgs kann sich das Gericht ‒ soweit der Täter nicht geständig ist ‒ regelmässig nur auf äussere Umstände und Erfahrungsregeln stützen, die Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser beziehungsweise schwerer diese sind, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge- nommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; 130 IV 58 E. 8.4; j e mit Hinweisen). Zu den relevanten Um- ständen können auch die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung gehören (BGE 130 IV 58 E. 8.4, mit Hinweisen). Das Gericht kann vo m Wissen des Täters auf dessen Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufgedrängt hat, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernün ftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3, mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbesta ndsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich gewese n ist. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Beschuldigten um die Möglichkeit des Erfolgseint ritts auf dessen Inkaufnahme ge- schlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzuk ommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1; 133 IV 1 E. 4.5). Solche Umstände sind beispielsweise d arin zu sehen, dass der Täter das Tö- tungsrisiko in keiner Weise kalkulieren oder dosieren kann , das Ausbleiben des Erfolgs als zu einem grossen Teil von Glück und Zufall abhängig ist, od er das Opfer keinerlei Abwehrchancen hat (BGer 6B_33/2012 vom 15. Februar 2013 E. 3.5; 6B _808/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.2.3). Der Umstand, dass rückblickend für das Opfer zu keiner Zeit akute Lebensgefahr bestanden hat und die erlittenen Verletzungen nur leicht gewes en sind, schliesst einen Eventualvorsatz bezüglich einer Tötung nicht aus (BGer 6B_73/2015 vom 25. November 2015 E. 1.3.3; 6B_221/2016 vom 20. Mai 2016 E. 3.1; C HRISTIAN SCHWARZENEGGER / JASMINE STÖSSEL , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 7 zu Art. 111 StGB, mit Hinweisen). bb) Eventualdolus ist exemplarisch zu bejahen, wenn der Täte r mit einem Messer gezielt auf den Brustbereich des Opfers einsticht (BGer 6B_177/201 1 vom 5. August 2011 E. 2.10; 6B_527/2010 vom 30. September 2010 E. 4.2; 6B_239/2 009 vom 30. Juli 2009 E. 2.4), bei un- kontrolliertem Stechen mit einem Messer von sieben Zenti metern Klingenlänge in den Bauch des Opfers während einer dynamischen und aggressiven Ausein andersetzung (BGer Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6B_991/2015 bzw. 6B_998/2015 vom 24. Mai 2016 E. 3.4) , bei Stechen in den Hinterkopf mit einem Taschenmesser von achteinhalb Zentimetern Klingen länge (BGer 6B_661/2014 vom 13. Januar 2015 E. 3), bei einem unkontrollierten Me sserstich in den mittleren Unterbauch des Opfers während einer dynamischen Auseinandersetzung (BGer 6B_475/2012 vom 27. Novem- ber 2012 E. 3) sowie bei einem Stich mit einem Küch enmesser in den Oberkörper des Opfers im Rahmen einer Schlägerei (BGer 6B_230/2012 vom 18. September 2012 E. 2; SCHWARZENEGGER / STÖSSEL , a.a.O., N 1 ff. vor Art. 111 StGB sowie N 4 ff. zu A rt. 111 StGB, jeweils mit Hinweisen). Wer in einer dynamischen Ausein andersetzung mit grosser Wucht un- kontrolliert mit einem Messer in den Bauch bzw. Unterle ib eines Menschen sticht und nicht ge- nau steuern kann, wo und wie tief er das Opfer verlet zt ‒ womit es letztlich nur dem Zufall zu verdanken ist, dass die eindringende Messerklinge keine inn eren Organe und Blutgefässe le- bensgefährlich getroffen hat ‒ muss in aller Regel mit schweren Verletzungen rechnen. Das Risiko einer tödlichen Verletzung selbst bei einer eher kurzen Messerklinge ist generell als hoch einzustufen. Unter diesen Umständen hat eine Todesfolge im allgemein bekannten Rahmen des Kausalverlaufs gelegen, was auch dem Täter bewusst g ewesen sein muss und damit von seinem Vorsatz erfasst gewesen ist (BGer 6B_808/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3). c) Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eine s Verbrechens oder Vergehens be- gonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende od er tritt der zur Vollendung der Tat gehören- de Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten , so kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Nach dem Wortlaut der Norm mu ss der Täter mit der Ausführung der Tat begonnen haben. Dies erfordert implizit, dass er zuvor ei nen auf ihre Begehung gerichteten Entschluss gefasst hat. Vom vollendeten Delikt unterscheid et sich der Versuch dadurch, dass der objektive Tatbestand nur zum Teil verwirklicht wird, während der subjektive Tatbestand hier wie dort erfüllt sein muss. Zum Tatentschluss gehört stet s der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. Erfordert der Tatbestand zusätzlich subjektive Un rechtsmerkmale, so müssen nach einhelliger Auffassung auch sie gegeben sein. Nach der Praxis des Bundesgerichts wird zum Beginn der Ausführung jede Tätigkeit gerechnet, die nach dem Plan, den sich der Täter ge- macht hat, auf dem Weg zum Erfolg den letzten entschei denden Schritt darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusse rer Umstände, die eine Weiterverfol- gung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1; M ARCEL ALEXANDER N IGGLI / STEFAN MAEDER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Base l 2019, N 1 ff. zu Art. 22 StGB, mit Hinweisen). Art. 22 Abs. 1 StGB umfasst sowohl den taugli- Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht chen wie auch den untauglichen Versuch und stellt alle Ve rsuchsarten in der Rechtsfolge gleich, mit Ausnahme des untauglichen Versuchs aus grobem Unverstand, welcher nach Art. 22 Abs. 2 StGB straflos bleibt (NIGGLI / MAEDER , a.a.O., N 44 zu Art. 22 StGB). 4.2 a) aa) Gestützt auf den inkriminierten Sachverhalt steht zweif ellos fest, dass der Beschuldigte im Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung ‒ nachdem ihm der Privatkläger als Antwort auf eine durch den Berufungskläger diesem gegenüber geäusserten Beleidigung als "Motherfucker" einen Schlag ins Gesicht verpasst hatte ‒ mit einem sehr scharfen (Einvernahme vom 19. No- vember 2018, act. 985) Messer mit einer Klingenlänge vo n 8,6 Zentimetern und einer Klingen- breite von 1,6 Zentimetern mit nicht unerheblicher Wu cht einmal auf das Opfer eingestochen und diesem dabei ein offenes Schädel-Hirn-Trauma zugefügt hat. Gleichermassen nicht fraglich ist, dass es sich bei der Stichbeibringung nicht um eine A bwehrbewegung zufolge eines neuer- lichen tätlichen Angriffs seitens des Opfers gehandelt hat, sondern um einen Überraschungs- angriff gegenüber dem vor dem Laden wartenden Privatkl äger mit einer aktiven, annähernd senkrecht zur Körperoberfläche erfolgten Führung des Me ssers. Ferner ist es erstellt, dass es sich bei der Konfrontation zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger insofern um ein dynamisches Geschehen gehandelt hat, als Letzterer beim War ten auf den Berufungskläger herumgetänzelt ist. bb) Wie bereits das Bundesgericht festgehalten hat (vgl. BGe r 6B_177/2011 vom 5. August 2011 E. 2.10), bedarf es keiner besonderen Intellige nz, um zu erkennen, dass Messerstiche in Brust oder Bauch eines Menschen dessen Tod zur Folge habe n können. Dieses Fazit gilt selbstredend umso mehr für Messerstiche in den Kopf eines Menschen. Diese generelle Er- kenntnis ist ohne Weiteres auf den vorliegenden Fall üb ertragbar, nachdem auch im Gutachten des IRM vom 26. Mai 2018 festgehalten wird, dass ‒ abgesehen von den in concreto möglich- erweise auftretenden Spätkomplikationen ‒ sowohl die Eindringtiefe (Stichkanallänge) wie auch die exakte Lokalisation und damit die entstehenden Verl etzungen für den Angreifer, der im Rahmen eines dynamischen Tatgeschehens eine zum Körper h in gerichtete Stichbewegung ausführe, praktisch nicht steuerbar seien. Offensichtlich i st es denn ausschliesslich dem Zufall zu verdanken, dass das Opfer keine gravierenden oder gar le talen Verletzungen (wie bei- spielsweise Verletzungen des Hirngewebes, der Hirnkammern oder Gefässläsionen) erlitten Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht hat. Wäre nämlich die Messerspitze lediglich rund 1 Mill imeter versetzt in den Schädel einge- drungen, wäre die Arteria cerebri media betroffen g ewesen, wobei eine Verletzung dieses Ge- fässes zu einer lebensbedrohlichen, ausgeprägten Blutung mit begleitendem Schlaganfall links- hemisphärisch mit in der Folge schweren neurologischen D efiziten geführt hätte. Ob der Privat- kläger vor der fraglichen, unvermittelten Attacke des Beschuldigten das Messer gesehen hat, ist im Übrigen in casu nicht von Bedeutung, da fraglos fe ststeht, dass er durch den Stich über- rascht worden ist und keine Abwehrchancen gehabt hat. cc) Soweit der Beschuldigte vorbringt, er habe den Priva tkläger lediglich an der Schulter tref- fen wollen und der Stich in den Kopf sei bloss deshalb e rfolgt, weil sich das Opfer unerwarte- terweise geduckt habe, ist festzustellen, dass es sich hierb ei offenbar um eine durch keine ob- jektivierbaren Indizien belegte Schutzbehauptung handel t. Selbst wenn aber tatsächlich davon auszugehen wäre, dass der Beschuldigte im Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung nicht mit Abwehr- oder Ausweichmanövern seines Kontrahenten re chnen müsste, würde das angeb- lich unerwartete Wegducken nur in aller Deutlichkeit aufzeigen, dass der Beschuldigte aufgrund des dynamischen Tatgeschehens den Messerstich weder in Bezug a uf dessen Lokalisierung noch im Hinblick auf die Eindringtiefe hat kontrolli eren und infolgedessen ganz offensichtlich das Tötungsrisiko in keiner Weise kalkulieren oder dosiere n können. Dies wiederum ist aber nach der vorstehend zitierten Praxis des Bundesgerichts (vg l. BGer 6B_808/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3) ein klarer Hinweis darauf, dass dem Beschu ldigten die mögliche Todesfolge des Opfers bewusst und damit von seinem Vorsatz erfasst gewesen sein muss. dd) Gestützt auf diese Erwägungen steht fest, dass der Beschu ldigte unter den vorliegenden Umständen zweifellos damit hat rechnen müssen, dass das Op fer durch den von ihm zugefüg- ten Messerstich in den Kopf hätte sterben können. Für da s Kantonsgericht bestehen keine Zweifel, dass der Beschuldigte die Todesfolge des Priva tklägers in Kauf genommen hat, womit der Eventualvorsatz hinsichtlich des Anklagepunktes der vorsä tzlichen Tötung ohne Weiteres zu bejahen ist. Nachdem sodann die übrigen Tatbestands elemente ebenso wenig zu Diskussi- onen Anlass geben wie die Tatsache, dass der Taterfolg offensichtlich und ohne Zutun des Be- schuldigten ausgeblieben ist, sind sowohl der objektive a ls auch der subjektive Tatbestand im Hinblick auf den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung erfüllt. Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht b) aa) Bezüglich der vom Beschuldigten geltend gemachten Rech tfertigungs- und Schuldaus- schliessungsgründe ist Folgendes festzuhalten: Wird jemand ohne Recht angegriffen oder un- mittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Ange griffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemessenen Weise abzu wehren (Art. 15 StGB). Überschrei- tet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mild ert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB). Überschreitet er die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 StGB). Notwehr erfasst nur, was zur Abwehr des Angriffs notwend ig ist. Geht der Täter über das not- wendige Mass hinaus, handelt er nicht mehr in Abwehr de s Angriffs, weshalb sein Handeln auch nicht mehr rechtmässig ist und Art. 15 StGB nich t greift. Diese sogenannten Notwehrex- zesse stellen keine Notwehr dar, sind also nicht rechtmässig , werden aber entschuldigend be- rücksichtigt. Ob eine Notwehrsituation bestanden hat, wir d ex post bestimmt. Der Angriff muss unmittelbar sein, was bedeutet, dass er bereits begonnen hat und noch andauert. Der Angegrif- fene braucht nicht auf eine Verletzung zu warten, son dern darf sich bereits wehren, wenn der Angriff unmittelbar droht. Von der Notwehr nicht ged eckt sind Abwehrhandlungen, bevor der Angriff unmittelbar droht, sowie nachdem er beendet worden ist. Derartige Fälle sind entspre- chend nicht als Notwehrexzess zu behandeln, da keine Notwehrsituation besteht. Umstritten ist, was gelten soll, wenn der Täter mit einer Provokatio n den unrechtmässigen Angriff ausgelöst hat (MARCEL ALEXANDER NIGGLI / CAROLA GÖHLICH , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufla- ge, Basel 2019, N 7 ff. zu Art. 15 StGB). Gemäss der Praxis des Bundesgerichts kann sich der Angegriffene nicht auf Notwehr berufen, wenn er die Notwehrsituation provoziert, mithin den Angriff absichtlich herbeigeführt hat, um den Angreife r gleichsam unter dem Deckmantel der Notwehr etwa zu töten oder zu verletzen (BGer 6B_706/2011 vom 3. April 2012 E. 3.1.2). Nach der Rechtsprechung (vgl. zum Ganzen BGE 136 IV 49 E. 3.2 f.; BGer 6B_873/2018 vom 15. Februar 2019 E. 1.1.3) muss die Abwehr in einer Notwehrsituation nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen vor allem die Schwere des An- griffs, die durch den Angriff und die Abwehr bedroht en Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche Verwendung. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situ- ation zu beurteilen, in der sich der rechtswidrig Ange griffene im Zeitpunkt seiner Tat befunden hat. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überleg ungen darüber angestellt werden, ob der Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, wen iger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen. Besondere Zurückhaltu ng ist bei der Verwendung von ge- fährlichen Werkzeugen zur Abwehr (Messer, Schusswaffen et c.) geboten, da deren Einsatz stets die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzunge n mit sich bringt. Angemessen ist die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlich en und zumutbaren Mitteln hätte abge- wendet werden können, der Täter womöglich gewarnt wor den ist und der Abwehrende vor der Benutzung des gefährlichen Werkzeugs das Nötige zur Verm eidung einer übermässigen Schä- digung vorgekehrt hat. Auch ist eine Abwägung der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter uner- lässlich. Doch muss deren Ergebnis für den Angegriffenen , der erfahrungsgemäss rasch han- deln muss, mühelos erkennbar sein. Das Gesetz regelt nur den quantitativen, intensiven Not wehrexzess, bei dem der Täter auf ei- nen unmittelbar drohenden Angriff übermässig reagiert . Es regelt nicht auch den qualitativen, extensiven Exzess, bei welchem der Täter in einem Zeitpunkt handelt, in dem ein Angriff noch nicht oder nicht mehr unmittelbar droht (BGer 6B_724/ 2017 vom 21. Juli 2017 E. 2.1). Ein Not- wehrexzess ist entschuldbar, wenn die Aufregung oder die Bestürzung des Täters allein oder zumindest vorwiegend auf den rechtswidrigen Angriff zurü ckzuführen ist. Überdies müssen Art und Umstände des Angriffs derart sein, dass sie die Aufre gung oder die Bestürzung entschuld- bar erscheinen lassen. Nicht jede geringfügige Erregung oder Bestürzung führt zu Straflosigkeit. Das Gericht hat einen umso strengeren Massstab anzulegen, j e mehr die Reaktion des Täters den Angreifer verletzt oder gefährdet. Erforderlich i st, dass es dem Täter aufgrund der Aufre- gung oder Bestürzung über den Angriff nicht möglich gewesen ist, besonnen und verantwortlich zu reagieren. Insoweit besteht trotz der absoluten Form ulierung ein gewisses Ermessen (BGer 6B_873/2018 vom 15. Februar 2019 E. 1.1.3). Ein Fall von Putativnotwehr liegt vor, wenn der Täter irrtümlich annimmt, es sei ein rechtswidri- ger Angriff im Sinne von Art. 15 StGB gegenwärtig od er unmittelbar bevorstehend. Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverha lt, so beurteilt das Gericht die Tat gemäss Art. 13 Abs. 1 StGB zugunsten des Täters nach dem Sachve rhalt, den sich dieser vorgestellt hat (6B_873/2018 vom 15. Februar 2019 E. 1.1.3). Übe rschreitet der vermeintlich einen Angriff Abwehrende die Grenzen der zulässigen Notwehr, handelt es sich um einen Putativnotwehrex- zess (NIGGLI / GÖHLICH , a.a.O., N 44 zu Art. 15 StGB). Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht bb) Im vorliegenden Fall macht der Beschuldigte zusammen gefasst geltend, er habe sich in einer Notwehrsituation befunden, nachdem der Privatklä ger die Ursache für die Auseinander- setzung gesetzt habe, und der rechtswidrige Angriff hab e auch nach dem Schlag angedauert, indem der Privatkläger vor dem Ausgang in kampfbereite r Stellung gewartet habe, wodurch er habe davon ausgehen müssen, dass der Privatkläger weitere Male zuschlagen werde und ihm erhebliche Verletzungen drohten. Soweit das Gericht jed och der Auffassung sein sollte, dass objektiv keine Notwehrsituation vorgelegen hätte, wär e festzustellen, dass der Berufungskläger zumindest subjektiv von einer solchen habe ausgehen dürfen, da er Angst vor dem Privatkläger gehabt und sich habe verteidigen müssen. Schliesslich bliebe, selbst wenn davon ausgegangen werden sollte, dass die Abwehr unverhältnismässig gewes en wäre, Art. 16 StGB anwendbar, weil er sich nach dem Faustschlag in einer Aufregung üb er den Angriff und das Fortbestehen desselben befunden habe. Diesen Ausführungen ist zu entgegnen, dass in casu nach Überzeugung des Kantonsgerichts ohne Zweifel weder rechtfertigende (Art. 15 StGB) no ch schuldausschliessende (Art. 16 StGB) Gründe vorliegen. Im Einzelnen ist zu konstatieren, da ss nicht der Privatkläger, sondern der Beschuldigte mit der Beschimpfung "Motherfucker" die na chfolgende Auseinandersetzung initi- iert hat. Seine Behauptung, wonach der Privatkläger i hn mit der Aufforderung zum Grüssen zuerst provoziert habe, ist nicht belegt und wäre darübe r hinaus auch kein nachvollziehbarer Grund für die folgende Eskalation. Falsch ist sodann, dass der Schlag ins Gesicht des Beschul- digten seitens des Privatklägers ursächlich gewesen sein sol l für die Auseinandersetzung. Der betreffende Schlag ist vielmehr die Reaktion des Privatkl ägers auf die durch den Beschuldigten erfolgte Beleidigung gewesen. Damit ist bereits fragl ich, ob sich der Beschuldigte überhaupt noch auf das Notwehrrecht berufen kann, zumal aufgrund der gesamten Umstände der Ver- dacht naheliegt, dass er die Konfrontation absichtlich provoziert hat, um dem Privatkläger eine Lektion zu erteilen, weil er sich von diesem seiner Mein ung nach herablassend behandelt ge- fühlt hat (vgl. Gutachten von Dr. med. H.____ vom 27. Juli 2018, act. 211); ansonsten er im Übrigen auch keine Veranlassung gehabt hätte, bereit s vor dem Schlag des Privatklägers den nachfolgenden Einsatz des Messers durch den Wechsel von de r linken in die rechte Jackenta- sche vorzubereiten. Aber auch wenn allein durch die verbale Provokation de s Beschuldigten diesem noch nicht das Recht abgesprochen werden sollte, sich gegen einen körpe rlichen Angriff zur Wehr zu setzen, Seite 23 http://www.bl.ch/kantonsgericht ist festzustellen, dass objektiv betrachtet keine Notwehrsi tuation bestanden hat. Entscheidend ist hierbei, dass nach dem einzelnen Schlag ins Gesicht des Beschuldigten ohne jegliche Ver- letzungsfolge im Eingangsbereich des F.____-Shops kein gegenwärtiger oder unmittelbar be- vorstehender Angriff seitens des Privatklägers gedroht hat. Vielmehr hat sich dieser nach draussen begeben und vor dem Laden auf den Beschuldigte n gewartet. Der Beschuldigte wie- derum hat sich von D.____, welcher den Streit hat schli chten wollen und zu diesem Zweck den Berufungskläger im Inneren des Ladens festgehalten hat, losgerissen, ist trotz bestehender, mühelos erkennbarer Handlungsalternativen aktiv auf de n wartenden Privatkläger zugegangen und hat diesem unvermittelt und ohne Vorwarnung in d en Kopf gestochen. Sollte der Beschul- digte tatsächlich Angst vor dem ihm körperlich unterleg enen Privatkläger gehabt haben, wäre nicht einsichtig, weshalb er den Shop nicht durch den unbestrittenermassen vorhandenen zwei- ten Eingang verlassen oder die allenfalls noch andauer nde Konfrontationssituation durch den bereits involvierten D.____ beruhigen lassen hat. Das Kantonsgericht ist überzeugt davon, dass der Beschuldig te denn auch subjektiv keine Ver- anlassung gehabt hat, sich ernsthaft bedroht zu fühlen. Diesem ist es nicht darum gegangen, sich aus Angst vor dem Privatkläger physisch zu wehren, wie in der Berufung behauptet wird. Das Motiv für den Messerstich ist nicht der Wille gewesen, d ie körperliche Integrität zu verteidi- gen; vielmehr ist es dem Beschuldigten um Vergeltung ge gangen und das Bestreben, seinen Ruf auf der Strasse zu wahren. Dies hat er eindrücklich anlässlich seiner Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 19. November 2018 dargele gt, bei welcher er Folgendes deponiert hat: "Er ist mir hinterher. Und die ganzen Leute drau ssen haben das gesehen. Was wäre aus meinem Ruf geworden? Die Leute würden denken, ich ka nn mich nicht verteidigen. (…). Auf der Strasse muss man einen guten Ruf haben. Z.B. dass die Leute sagen, lege Dich nicht mit ihm an, es ist besser, weil er sich nicht alles gefallen l ässt" (auf die Frage, warum er, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, sich einer weiteren Konf rontation zu entziehen, sich z.B. nicht in den Shop zurückgezogen habe; act. 989). "Ich hatte Ang st, ich war böse. Es war eine Ausei- nandersetzung. (…)" (auf die Frage, weshalb er gleich z ugestochen habe; act. 989). "Es waren Leute dort, die gesehen haben, was passiert ist. Wenn ich es einfach zugelassen hätte, dass A.____ mich schlägt, dann hätten diese Leute mir immer wieder Probleme bereitet. (…)" (auf die Frage, ob es noch Bemerkungen zur Auseinandersetzun g mit dem Privatkläger gebe; act. 991). Auch die psychiatrische Sachverständige Dr. med. H.____ hat in ihrem Gutachten vom 27. Juli 2018 (act. 159 ff.) in diesem Zusammenhang festgehalten, die Beschreibungen Seite 24 http://www.bl.ch/kantonsgericht des Beschuldigten zu seinem Erleben liessen daran denken , dass sein gewalttätiges Verhalten zum Tatzeitpunkt durch den Wunsch motiviert gewesen sei, seinen "Status/Selbstwert" bzw. seine "Ehre" zu sichern. Sein gewalttätiges Verhalten sei sicherlich auch durch Gefühle von Ärger motiviert gewesen (act. 211). Nachdem ohne Frage keine Notwehrsituation bestanden ha t, erübrigt es sich, zu prüfen, ob allenfalls ein Notwehrexzess vorliegen könnte. Infolged essen ist nur am Rande zu bemerken, dass es als völlig unverhältnismässig zu bezeichnen wäre, nach einem einzelnen Schlag ins Gesicht ohne jegliche Verletzungsfolge (zumal nach vorau sgegangener eigener verbaler Pro- vokation) mit einem scharfen Messer im Bereich des Oberkörp ers mit Wucht zuzustechen. Be- züglich einer allfälligen Putativnotwehrsituation, d.h. der irrtümlichen Annahme, die tatsächli- chen Voraussetzungen der Notwehr seien erfüllt, ist festzu stellen, dass der Beschuldigte nicht ansatzweise plausibel machen kann, worin der hierfür vorausgesetzte Sachverhaltsirrtum be- standen haben soll. Ganz im Gegenteil hat er exemplarisch anlässlich seiner Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 19. November 2018 die sbezüglich zu Protokoll gegeben: "Nein, ich hatte ihn in meiner Hand. Er war wie ein kleines Baby. Ich hätte ihn zwei- oder drei- mal mit dem Messer stechen können. Ich hätte damals alles mit ihm machen können. (…)" (auf den Vorhalt, er habe durch den Messerstich in den Kopf dem Privatkläger eine tödliche Verlet- zung zufügen wollen; act. 985). Nachdem also sowohl der objektive wie auch der subjektive Tatbestand im Hinblick auf den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung erfüllt sind und weder rechtfertigende noch schuldausschliessende Gründe vorliegen, ist der Beschuldigte in Abweisung seiner diesbezüg- lichen Berufung und demnach in Bestätigung des angefocht enen Urteils der versuchten vor- sätzlichen Tötung nach Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu erklä- ren. 5. Tatbestand der Widerhandlung gegen das Betäubung smittelgesetz 5.1 Der Beschuldigte macht unter diesem Titel in seiner B erufung geltend, dass er (lediglich) nach Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG, nicht aber gemäss Art . 19 Abs. 1 lit. c und lit. g BetmG schul- dig zu sprechen sei. Nach Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren Seite 25 http://www.bl.ch/kantonsgericht oder Geldstrafe bestraft, wer Betäubungsmittel unbefugt veräussert, verordnet, auf andere Wei- se einem andern verschafft oder in Verkehr bringt. Gleic hermassen wird gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG bestraft, wer Betäubungsmittel unbefugt besitzt, aufbewahrt, erwirbt oder auf ande- re Weise erlangt. Schliesslich wird nach Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG ebenso bestraft, wer zu ei- ner Widerhandlung nach den Buchstaben a-f Anstalten trifft. Die Vorinstanz hat den Beschuldig- ten nach Art. 19 Abs. 1 lit. d (Kauf und Besitz) sowie lit. g (Anstaltentreffen zum Verkauf) BetmG schuldig erklärt und gleichzeitig festgestellt, dass der Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG nicht erfüllt sei. Gestützt auf diese Feststellungen ist we der der Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG (zufolge Freispruchs durch das Strafgericht u nd mangels Anfechtung durch die Staatsanwaltschaft) noch derjenige von Art. 19 Abs. 1 l it. d BetmG (zufolge erstinstanzlicher Verurteilung und mangels Anfechtung durch den Beschuldi gten) zu prüfen. Gegenstand des Berufungsverfahrens kann damit diesbezüglich nur sein, ob neben dem unbestrittenen Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG auch die Bestimmung von Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG erfüllt ist. In casu steht mithin die konkrete Frage im Zentrum, ob der Beschuldigte Anstalten getroffen hat zur unbefug- ten Veräusserung von Betäubungsmitteln (nach Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG). 5.2.1 (…). 5.2.2 (…). 5.3.1 Der Tatbestand des Anstaltentreffens erfasst sowohl den Versuch wie auch darüber hin- aus gewisse qualifizierte Vorbereitungshandlungen vor d er Stufe des Versuchs. Die Bestim- mung erlaubt die Bestrafung eines Delikts gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. a-f BetmG, soweit dieses tatbestandsmässig nicht erfüllt ist. Anstalten trifft nu r, wer nach seinem Plan eine Straftat nach Art. 19 Abs. 1 lit. a-f BetmG selber als Täter oder M ittäter verüben will. Allein der Entschluss, eine Tat gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. a-f BetmG zu begehe n, ist nicht strafbar. Blosse Absichten und Pläne erfüllen den Tatbestand des Anstaltentreffen s noch nicht. Anstalten im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG sind nur gegeben, wenn s ich der Entschluss des Täters in bestimm- ten Handlungen äussert, wobei dieser kein endgültiger zu sein braucht. Erkundigt sich der Täter beispielsweise nach Bezugsquellen, nimmt er Kontakt mit dem Drogenmilieu auf und bespricht gar Drogenart, Menge, Qualität und Preis, so erfüllt jede dieser mit der Absicht eines späteren Drogenverkaufs begangenen Handlungen den Tatbestand de s Anstaltentreffens (T HOMAS FINGERHUTH / STEPHAN SCHLEGEL / OLIVER JUCKER , Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, Seite 26 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3. Auflage, Zürich 2016, N 97 ff. zu Art. 19 BetmG, m it Hinweisen; BGer 6B_273/2013 vom 4. November 2013 E. 2.3). 5.3.2 Im vorliegenden Fall steht gestützt auf die Akten fest, dass der Beschuldigte anlässlich seiner Einvernahme durch die Polizei, Verkehrsaufsicht 1, vom 9. Februar 2018 (act. 1673 ff.) auf die Frage, ob die bei ihm anlässlich einer Kontrolle am 8. Februar 2018 um ca. 22:30 Uhr in G.____ aufgefundene Menge von 100 Gramm Marihuana nur für ihn gedacht gewesen sei, Fol- gendes deponiert hat: "Hauptsächlich schon, aber einen Teil wollte ich auch weiterverkaufen. Also ich hätte selber mehr als die Hälfte für mich beh alten." Auf diese Aussage angesprochen, hat der Beschuldigte ferner dargelegt: "Da ich mit d en meisten Leuten, welche mir Marihuana geben, Streit habe, habe ich mir gedacht, dass ich ein e grössere Menge kaufe. Dann habe ich genug für mich und ich kann vielleicht auch noch etwas ve rkaufen, dass ich wieder Geld habe für neue Betäubungsmittel." Des Weiteren hat er anlä sslich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht ausgeführt, seinen Drogenkonsum habe er finanziert, indem er für andere Leute Drogen organisiert habe; er habe aber keinen Drogenha ndel betrieben. Es gebe Leute, die Drogen nähmen, aber keine Zeit hätten, sie selber zu besorgen. Die würden ihn anrufen, und er würde dann schauen, ob er für sie etwas auftreiben könn e (Protokoll KG S. 4). Die fragliche Menge von 100 Gramm Marihuana habe er für sich selbst b rauchen wollen. Einen Teil hätte er vielleicht weiterverkauft, damit er wieder Geld für neue Drogen gehabt hätte (Protokoll KG S. 8). Aus den gesamten Umständen ergibt sich für das Kantonsge richt, dass es sich bei diesen Aus- sagen nicht bloss um eine vage Bekundung der Absicht, einen Teil des Marihuanas verkaufen zu wollen, gehandelt hat; vielmehr geht es dabei um da s vom Beschuldigten bewusst betriebe- ne Geschäftsmodell bzw. dessen Finanzierungsstrategie. Da d ieser als Asylant lediglich CHF 56.-- pro Woche bzw. CHF 8.-- Nothilfe pro Tag e rhalten (act. 1681) und über keine weite- ren legalen Einkünfte verfügt hat, ist es ihm gar nicht anders möglich gewesen, seinen eigenen beträchtlichen Betäubungsmittelkonsum von rund 5 Gramm M arihuana pro Tag (plus zwei- bis dreimal Kokain pro Woche, act. 1677) zu finanzieren, al s entweder durch seine Vermittlungs- dienste oder dann eben durch den Weiterverkauf eines Teils der von ihm im grossen Umfang erworbenen Drogen. In diesem Zusammenhang ist denn auch nicht ersichtlich, welche zusätzli- chen Handlungen in concreto erforderlich gewesen sein sollten, um den Tatbestand des Anstal- tentreffens zu bejahen. Indem der Beschuldigte die fraglichen 100 Gramm Marihuana erworben hat, mit der Absicht, einen Teil hiervor zu einem spät eren Zeitpunkt weiterzuveräussern, hat er bereits mit dem Erwerb den Tatbestand des Anstaltentr effens zum Verkauf erfüllt. Der nächste Seite 27 http://www.bl.ch/kantonsgericht denkbare Schritt wäre nur noch der tatsächliche Verkauf des Marihuanas und damit die Erfül- lung von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG gewesen. Daraus folgt, dass der Beschuldigte in Abweisung seiner di esbezüglichen Berufung und in Be- stätigung des angefochtenen Urteils zusätzlich zu der vo n ihm anerkannten Verurteilung nach Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG auch in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG schuldig zu spre- chen ist. 6. Strafzumessung 6.1.1 Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerf lichkeit des Handelns, den Beweg- gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wi e weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage gewesen ist, die Ge fährdung oder Verletzung zu vermei- den (Abs. 2). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh- rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn d as Gericht zu der Strafe der schwersten Straf- tat und erhöht sie angemessen (Art. 49 Abs. 1 StGB). 6.1.2 Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der objektiven Tatschwere das Verschul- den zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung f estzuhalten hat – im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernde und welche verschuldenserhöh ende Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatv erschuldens zu gelangen (BGE 136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschie- denen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht a uf Umstände ausdrücklich ein- gehen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen o der Prozenten anzugeben, wie es die ein- zelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings hat das Ge- richt das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesa mteinschätzung des Tatverschul- Seite 28 http://www.bl.ch/kantonsgericht dens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Versch ulden entspricht, innerhalb des zur Ver- fügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so erm ittelte Strafe kann dann gegebenen- falls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Tä terkomponenten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7). Die tat- und täterangemessene Str afe ist grundsätzlich innerhalb des or- dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden S trafbestimmung festzusetzen. Die- ser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr we it gefasst worden, um sämtlichen kon- kreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer a uch in der Praxis verbreiteten Auffas- sung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses ne uen Rahmens die Strafe nach den übli- chen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Der ordentli che Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Für die Bildung einer Gesamtstrafe hat das Gericht in einem ersten Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und sodann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Umstände, innerhalb dieses Strafra hmens festzusetzen. Bei der Bestim- mung des Strafrahmens für die schwerste Straftat ist von der abstrakten Strafandrohung aus- zugehen. In einem zweiten Schritt hat das Gericht diese Einsatzstrafe unter Einbezug der ande- ren Straftaten zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei es wiederum den jeweiligen Umstän- den Rechnung zu tragen hat. Die Bildung einer Gesamt strafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verh ängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Das Gericht kann somit auf eine Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm- verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (BGE 138 I V 120 E. 5.2). Im Übrigen drängt das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung vermehrt darauf, dass die Formulierung des Verschul- dens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (BGer 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2; vgl. auch BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 4.2 f.). 6.1.3 Grundsätzlich kann das Gericht nur auf eine Gesamtfreiheitsstrafe erkennen, wenn es für jede Tat eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (konkret e Methode, BGE 138 IV 120 E. 5.2, mit Seite 29 http://www.bl.ch/kantonsgericht Hinweisen). Das Bundesgericht (vgl. zum Ganzen BGer 6B_ 523/2018 vom 23. August 2018 E. 1.2.2) hält in seinem Entscheid 6B_483/2016 vom 3 0. April 2018 unter Hinweis auf den Ge- setzgeber auch nach der Änderung des Sanktionenrechts aus drücklich am Prinzip der Zuläs- sigkeit einer Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Straf en unter Anwendung der konkreten Me- thode fest (E. 3.3.4 und E. 3.5.4). Weiter bekräftigt das Bundesgericht die Ungleichartigkeit von Freiheitsstrafe und Geldstrafe (E. 3.3.3). Zum metho dischen Vorgehen präzisiert das Bundes- gericht, dass in einem ersten Schritt die Einzelstrafen für die konkreten Delikte festzulegen sind und anschliessend geprüft werden muss, aus welchen Einzelst rafen Gesamtstrafen zu bilden sind. Im Rahmen der Gesamtstrafenbildung ist auch dem Verhältnis der einzelnen Taten unter- einander, ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder ge ringeren Selbständigkeit sowie der Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehensweisen Rechnung zu tragen. Dabei gilt der Grundsatz, dass der Gesamtschuld beitrag des einzelnen Delikts geringer zu veranschlagen ist, wenn Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammen- hang stehen (BGer 6B_483/2016 vom 30. April 2018 E. 3 .5.4, E. 4.1 und E. 4.3). Gleichzeitig bestätigt das Bundesgericht im Urteil 6B_483/2016 grund sätzlich die Zulässigkeit von Ausnah- men von der konkreten Methode im Einzelfall gemäss seiner jüngeren Rechtsprechung (E. 2.4 mit Hinweisen und E. 4.3), so wenn – unter Beachtung d es Verhältnismässigkeitsprinzips im Rahmen von Art. 41 StGB – bei der Bildung einer Gesa mtstrafe als Einsatzstrafe für die schwerste Straftat eine Freiheitsstrafe festgesetzt und de ren Dauer für die weiteren Delikte an- gemessen erhöht wird (BGer 6B_849/2016 vom 9. Dezembe r 2016 E. 1.3.2; 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.3), oder wenn verschiedene Straf taten zeitlich und sachlich derart eng mit- einander verknüpft sind, dass sie sich nicht sinnvoll auftr ennen und für sich allein beurteilen lassen (BGer 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4). 6.2.1 Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung beantragt der Beschuldigte, ausgehend von der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ge mäss Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG als schwerstem Delikt und einer Einsatzstrafe hierfür von 80 Tagessätzen, wobei sich die Wider- handlung gegen das Waffengesetz und die Mehrheit der D elikte straferhöhend auswirkten, eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen und eine Busse von CHF 30 0.-- für den mehrfachen Konsum von Betäubungsmitteln. Eventualiter sei von einer einf achen Körperverletzung mit einem ge- fährlichen Gegenstand als schwerstem Delikt auszugehen, hi erfür eine Geldstrafe von 180 Ta- gessätzen als Einsatzstrafe einzusetzen, diese auf Grund des Notwehrexzesses um einen Drit- tel zu mildern und hiernach zufolge der Widerhandlu ngen gegen das Betäubungsmittelgesetz Seite 30 http://www.bl.ch/kantonsgericht und das Waffengesetz wieder auf 180 Tagessätze zu erhöhe n (plus Busse von CHF 300.-- für den mehrfachen Konsum von Betäubungsmitteln). Nachdem d er Beschuldigte allerdings mit vorliegendem Urteil wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig erklärt wird, ist von vornhe- rein klar, dass seinem Begehren nicht gefolgt werden kan n. Im Gegensatz zum Beschuldigten fordert die Staatsanwaltschaft eine Erhöhung des Stra fmasses auf siebeneinhalb Jahre Frei- heitsstrafe, ausgehend von einer Strafe von sechseinha lb Jahren Freiheitsstrafe für das Haupt- delikt, von einem halben Jahr Freiheitsstrafe für die N ebendelikte plus angemessener Straf- schärfung für die zahlreichen Vorstrafen. Gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinstanz ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche ersetzt. Dabei ha t sie die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen und muss sich nicht daran orientiere n, wie die erste Instanz die einzel- nen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B _298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). Im vorliegenden Fall ist der Beschuldigte ges tützt auf das Urteil des Strafgerichts vom 2. September 2019 und den vorliegenden Entscheid der versuchten vorsätzlichen Tötung (Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StG B) sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 lit. d und lit. g BetmG sowie Art. 19a Ziff. 1 BetmG) und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 lit. a WG) schuldig zu sprechen. Nach Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 StGB liegt dabei der ordentliche Strafrahmen bei einer Freiheitsstrafe zwisch en fünf und 20 Jahren. Die Delikts- mehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist aber innerhalb des ordentlichen Rahmens strafschärfend z u gewichten. In Anwendung von Art. 22 Abs. 1 StGB kann sodann der Versuch milder bestraft werden. 6.2.2 aa) Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kanton sgericht für die Bildung einer Gesamtstrafe nunmehr in einem ersten Schritt den Straf rahmen – ausgehend von der abstrak- ten Strafandrohung – für die schwerste Straftat zu be stimmen und sodann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und str afmindernden Umstände, innerhalb die- ses Strafrahmens festzusetzen. In casu weist der Tatbe stand der versuchten vorsätzlichen Tö- tung offensichtlich die höchste Strafdrohung aus, wesha lb dieses Delikt die schwerste Straftat darstellt. bb) Bei der Festlegung der Einsatzstrafe für die versuchte v orsätzliche Tötung ist auf der Sei- te der objektiven Tatkomponenten erheblich verschuldense rhöhend zu würdigen, dass der Be- Seite 31 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldigte aus nichtigem Anlass – nämlich beim Bestreben , seinen Ruf auf der Strasse zu wah- ren, nachdem er vorgängig die Auseinandersetzung mit der Beschimpfung seines Kontrahenten als "Motherfucker" initiiert und hierfür einen Schlag ins Gesicht ohne jegliche Verletzungsfolge erhalten hatte – das Leben eines Menschen extrem gefährd et und dessen Tod in Kauf genom- men hat, indem er dem Privatkläger mit dem Stich eines sehr scharfen Messers in den Kopf ein offenes Schädel-Hirn-Trauma zugefügt hat. Obgleich der Privatkläger im Ergebnis zwar nicht in tatsächlicher akuter Lebensgefahr gewesen ist und auch keine bleibenden Schäden zu erwar- ten hat, nachdem keine tiefen Hirnstrukturen oder Gefäss e verletzt worden sind, ist festzustel- len, dass immerhin eine potentielle Lebensgefahr bestan den hat. Selbst wenn man den Mes- serstich als eine infolge der physischen Attacke des Privatklägers von Angst mitgeprägte Reak- tion anerkennen würde, müssten der Angriff mit dem Messe r als komplett unverhältnismässig und das Verhalten des Beschuldigten als egoistisch und üb er alle Massen rücksichtslos qualifi- ziert werden. Dies deutet auf eine massive Geringschätzung menschlichen Lebens durch den Berufungskläger hin. Der Beschuldigte hätte mehrere re ale Möglichkeiten gehabt, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Stattdessen hat er es aber offen bar darauf angelegt, dem Privatkläger vor den Augen der Anwesenden eine Lektion zu erteilen , was eine gesteigerte Kaltblütigkeit manifestiert. Obwohl es sich bei Art. 22 Abs. 1 StGB bl oss um eine sogenannte "Kann- Bestimmung" handelt, ist auf der anderen Seite praxisge mäss zu Gunsten des Beschuldigten zu werten, dass kein Taterfolg eingetreten und es insofern lediglich beim Versuch geblieben ist, wenngleich in casu der Beschuldigte hierfür nicht viel beigetragen hat. So ist es denn offensicht- lich ausschliesslich dem Zufall oder grossem Glück zu verdanken, dass das Opfer keine gravie- renden oder gar letalen Verletzungen (wie beispielswei se Verletzungen des Hirngewebes, der Hirnkammern oder Gefässläsionen) erlitten hat. Wäre näm lich die Messerspitze lediglich rund 1 Millimeter versetzt in den Schädel eingedrungen, so w äre die Arteria cerebri media betroffen gewesen, wobei eine Verletzung dieses Gefässes zu einer l ebensbedrohlichen, ausgeprägten Blutung mit begleitendem Schlaganfall linkshemisphärisch mit in der Folge schweren neurologi- schen Defiziten geführt hätte. Für den Beschuldigten spr icht sodann, dass sich seine kriminelle Energie in diesem Zusammenhang auf die Ausführung ein es einzelnen Messerstichs be- schränkt hat. Bei der Bewertung der subjektiven Tatschwere ist dem Beschuldigten zugute zu halten, dass ihm hinsichtlich des inkriminierten Tatbesta ndes keine direktvorsätzliche Willens- richtung angelastet werden kann. So hat sein Ziel ni cht in der Tötung des Privatklägers, son- dern darin bestanden, diesen für die seiner Meinung n ach herablassende Verhaltensweise im Rahmen der Begrüssung zu bestrafen und Vergeltung für den Schlag ins Gesicht in Anwesen- Seite 32 http://www.bl.ch/kantonsgericht heit anderer Personen zu üben; allerdings hat er den T od des Privatklägers zweifellos in Kauf genommen. cc) In Würdigung aller im vorliegenden sowie im erstinsta nzlichen Urteil geschilderten tatbe- zogenen Umstände erachtet das Kantonsgericht im Ergebnis das Tatverschulden in Bezug auf den Tatbestand der versuchten vorsätzlichen Tötung als mi ttelschwer im unteren Bereich. Dies hätte in Anbetracht des abstrakten Strafrahmens zur Fol ge, dass dem vorgängig definierten Verschulden entsprechend eine hypothetische Freiheitsstraf e für das vollendete Delikt im Be- reich von acht Jahren zu verhängen wäre. Unter Berücksic htigung der Tatsache, wonach es in concreto lediglich beim Versuch geblieben ist, sowie des Um standes, dass dem Beschuldigten nur eine eventualvorsätzliche Tatbegehung anzulasten ist , ist diese an und für sich angemes- sene Strafe um insgesamt zwei Jahre zu reduzieren, woraus im Sinne eines Zwischenergebnis- ses eine Einsatzstrafe von sechs Jahren Freiheitsstrafe resultiert. 6.2.3 aa) In einem zweiten Schritt hat das Kantonsgericht diese Einsatzstrafe von sechs Jahren unter Einbezug der weiteren Straftaten zu einer Gesam tstrafe zu erhöhen, wobei es wiederum den jeweiligen Umständen Rechnung zu tragen hat. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sowohl für den Tatbestand der Widerhandlung gege n das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1 (lit. d und lit. g) BetmG als auch für denjenigen der Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 (lit. a) WG die Verh ängung einer Geldstrafe aufgrund der abstrakten Strafandrohung zwar möglich wäre, angesichts d er an den Tag gelegten kriminellen Energie des Beschuldigten und des engen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhangs der ein- zelnen Taten untereinander sowie insbesondere unter B erücksichtigung des Umstandes, wo- nach bei der Wahl der Sanktion in casu auf die Zweckmässi gkeit, die Auswirkungen auf den Beschuldigten sowie die präventive Effizienz zu achten ist , für das Kantonsgericht jedoch nur die Ausfällung einer Freiheitsstrafe in Frage kommt, womit im Ergebnis das Asperationsprinzip zur Bildung einer Gesamtstrafe ohne Weiteres anwendbar ist. Hiervon ausgenommen ist natür- lich die Verurteilung wegen mehrfachen unbefugten vor sätzlichen Konsums von Betäubungs- mitteln im Zeitraum zwischen September 2016 und März 20 18, welche nach Art. 19a Ziff. 1 BetmG eine Übertretung darstellt und zwingend mit ein er Busse zu sanktionieren ist, wobei in diesem Zusammenhang mangels Anfechtung ohne Weiteres d ie erstinstanzlich ausgesproche- ne Busse von CHF 300.-- (samt Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen) bestätigt werden kann. Seite 33 http://www.bl.ch/kantonsgericht bb) Im Hinblick auf den Anklagepunkt der mehrfachen Widerha ndlung gegen das Waffenge- setz nach Art. 33 Abs. 1 lit. a WG steht unbestrittenerm assen fest, dass der Beschuldigte am 29. Januar 2018 in M.____ in seiner Jackentasche unerlaub terweise einen Schlagring mit einer integrierten, einhändig bedienbaren bzw. automatisch a ufklappbaren Klinge von 9,5 Zentime- tern Länge und 2,5 Zentimetern Breite mit sich gefüh rt hat und sodann am 10. März 2018 in G.____ unerlaubterweise im Besitz eines Nunchaku gewesen ist. Dabei steht ausser Frage, dass der Berufungskläger direktvorsätzlich gehandelt hat. B ezüglich des Vorwurfs der Zuwider- handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, welche recht lich als Vergehen im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d und lit. g BetmG zu qualifizier en ist, ist unstrittig, dass der Beschuldigte am 8. Februar 2018 in G.____ angehalten worden ist und dabei unbefugterweise rund 100 Gramm Marihuana in seinem Besitz gehabt hat, welches er zuvo r in J.____ erworben hatte und von dem er einen Teil an Drittpersonen hätte veräussern wollen. Auch hier ist die direktvorsätzliche Begehungsweise nicht fraglich. Nicht zu verkennen ist jed och, dass zumindest der Tatbestand der Widerhandlung gegen das Waffengesetz teilweise inh altlich mit demjenigen der versuchten vorsätzlichen Tötung verknüpft ist und diesem gegenüber sodann die beiden fraglichen Tatbe- stände nur von untergeordneter Bedeutung sind, weshalb sich unter dem Titel der Asperation lediglich eine leichte Straferhöhung im Umfang von einem Monat Freiheitsstrafe rechtfertigt. 6.2.4 aa) Diese Gesamtstrafe ist in einem dritten Schritt aufgru nd der besonderen Täterkomponen- ten, welche in casu in erster Linie im Hinblick auf den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tö- tung massgebend sind, anzupassen. In Bezug auf die massgeb lichen Faktoren Vorleben, per- sönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren ist unter Verweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (vgl. E. II.3.3 S. 29 ff.) zusammenfassend festzuhalten, dass der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben in N.____ im Kr eise seiner Familie in ordentlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dort die Schule bis zu r 12. Klasse besucht und anschlies- send seinem Vater im Familienrestaurant ausgeholfen hat. Angeblich aufgrund politischer Schwierigkeiten ist er am 18. Oktober 2012 in die Sch weiz eingereist. Das Bundesverwaltungs- gericht hat sodann mit rechtskräftigem Urteil vom 3. Deze mber 2015 erkannt, dass das Asylge- such des Beschuldigten abgelehnt und dieser aus der Schweiz weggewiesen wird; dies mit Frist zum Verlassen der Schweiz bis zum 4. Februar 2015. Ungea chtet dieses Urteils ist der Be- schuldigte in der Folge in der Schweiz verblieben. Hie r in der Schweiz hat der Berufungskläger Seite 34 http://www.bl.ch/kantonsgericht offenbar eine rund dreijährige Tochter, welche er abe r bis anhin noch nie gesehen hat und zu deren Mutter er keinen Kontakt pflegt. Eine besonder e Strafempfindlichkeit, welche praxisge- mäss nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen ist ( vgl. H ANS WIPRÄCHTIGER / STEFAN KELLER , in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Bas el 2019, N 150 zu Art. 47 StGB, mit Hinweisen), ist nicht zu erkennen. Einer Erw erbstätigkeit geht der Beschuldigte nicht nach, als finanzielle Unterstützung erhält er eine Not hilfe von CHF 56.-- pro Woche bzw. CHF 8.-- pro Tag. Gemäss Auszug aus dem Betreibungsregist er vom 22. Februar 2019 (act. 103 ff.) existieren acht Betreibungen mit einem Gesamtbetrag von CHF 9'122.75 sowie sechs Verlustscheine im Umfang von CHF 7'740.25. Hinsicht lich des Gesundheitszustandes des Beschuldigten liegen keine Dokumente vor, welche An lass zu Bemerkungen geben wür- den. Ernsthafte Einsicht oder Reue werden nicht vorge bracht. Dies alles ist soweit neutral zu werten. bb) Eindeutig negativ ins Gewicht fällt hingegen, dass der Beschuldigte innerhalb der kurzen Zeit von nicht einmal vier Jahren mehrfach und teilweise einschlägig vorbestraft ist (darunter mehrere unbedingte Freiheitsstrafen), was einen qualif izierten Eindruck der Unbelehrbarkeit sowie eine ausgeprägte Geringschätzung der hiesigen Re chtsordnung offenbart. Im Einzelnen sind folgende Vorstrafen aktenkundig: - Eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 20.--, bed ingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie eine Busse von CHF 300.-- wegen m ehrfacher Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung, mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und Unge- horsams gegen amtliche Verfügungen; verhängt mittels Str afbefehls der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 20. März 2014. Der bedingte Vollzug ist am 31. August 2015 durch den Amtsge- richtspräsidenten Olten-Gösgen widerrufen worden. - Eine Freiheitsstrafe von 50 Tagen sowie eine Busse v on CHF 300.-- wegen Gewalt und Dro- hung gegen Behörden und Beamte, Missachtung der Ein- o der Ausgrenzung sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz; dies ge mäss Strafbefehl der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 2. März 2015. - Eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 30.-- we gen Widerhandlung gegen das Be- täubungsmittelgesetz, versuchter Nötigung sowie Sachentziehung; dies gemäss Strafbefehl der regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 29. April 2015. - Eine Freiheitsstrafe von acht Monaten und zehn Tage n (unter Berücksichtigung der Untersu- chungshaft von 183 Tagen) sowie eine Busse von CHF 250.- - wegen mehrfacher Gewalt und Seite 35 http://www.bl.ch/kantonsgericht Drohung gegen Behörden und Beamte, Missachtung der Ein - oder Ausgrenzung sowie mehrfa- cher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz; di es gemäss Urteil des Amtsgerichts- präsidenten Olten-Gösgen vom 31. August 2015. - Eine Freiheitsstrafe von acht Monaten (unter Berücksi chtigung der Untersuchungshaft von neun Tagen) sowie eine Busse von CHF 300.-- wegen Angri ffs, Diebstahls, mehrfacher Miss- achtung der Ein- oder Ausgrenzung sowie mehrfacher Wider handlung gegen das Betäubungs- mittelgesetz; wiederum gemäss Urteil des Amtsgerichtspr äsidenten Olten-Gösgen, dieses Mal vom 16. November 2015. - Eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten wegen Sachbe schädigung sowie Sachbeschädigung mit einem grossen Schaden; dies gemäss Strafbefehl der St aatsanwaltschaft Solothurn vom 28. Juli 2017. Ebenfalls zu seinen Ungunsten zu gewichten ist das Nachtat verhalten, indem er, unmittelbar nachdem er beinahe einen Menschen getötet hätte, mit seinen Kollegen in den Ausgang zum Feiern gegangen ist. Insgesamt sind somit die Faktoren Vorleben, persönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren gest ützt auf diese Darlegungen in ihrer Ge- samtheit als klar negativ zu werten, weshalb sich aufgrund der besonderen Täterkomponenten eine weitere Erhöhung der tatbezogenen Einsatzstrafe um sechs Monate aufdrängt. cc) Im Ergebnis ist somit eine tat- und täterangemessene Strafe von sechs Jahren und sieben Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. Bei diesem Strafma ss ist der bedingte Strafvollzug be- reits aus formellen Gründen ausgeschlossen. Einer Anrechn ung der ausgestandenen Untersu- chungshaft bzw. des vorzeitigen Strafvollzugs steht nach Art. 51 StGB hingegen nichts im We- ge. Hinzu kommt die bereits erstinstanzlich festgelegte un d nicht angefochtene Busse in der Höhe von CHF 300.-- (inklusive Ersatzfreiheitsstrafe von d rei Tagen bei schuldhafter Nichtbe- zahlung der Busse) für den mehrfachen unbefugten vorsät zlichen Konsum von Betäubungsmit- teln. dd) Demzufolge ist in Abweisung der Berufung des Beschuldi gten und in teilweiser Gutheis- sung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sowie in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils B.____ der versuchten vorsätzlichen Tötung, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der mehrfachen Widerhand lung gegen das Waffengesetz schul- dig zu erklären und – unter Anrechnung der vom 8. Febr uar 2018 (22:30 Uhr) bis zum 9. Februar 2018 (11:05 Uhr) und vom 10. März 2018 bi s zum 10. Juni 2018 ausgestandenen Seite 36 http://www.bl.ch/kantonsgericht Untersuchungshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs vom 11. Juni 2018 bis zum 19. August 2020 von insgesamt 894 Tagen – zu einer unbedingten F reiheitsstrafe von sechs Jahren und sieben Monaten sowie zu einer Busse von CHF 300.-- (wobei im Falle schuldhafter Nichtbezah- lung der Busse an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen tritt) zu verurteilen. 7. Landesverweisung / Eintrag ins SIS Schengen-Syst em In Bezug auf die in Anwendung von Art. 66a StGB erst instanzlich ausgesprochene Landesver- weisung für die Dauer von zwölf Jahren sowie die nach Art. 20 der N-SIS-Verordnung verfügte Eintragung der angeordneten Landesverweisung im Scheng ener Informationssystem ist zu konstatieren, dass zwar in den Rechtsbegehren der Berufun gsbegründung vom 17. Februar 2020 beantragt worden ist, es sei das angefochtene Urte il hinsichtlich der diesbezüglichen Dis- positiv-Ziffer 3 aufzuheben, danach aber weder in den Erwägungen der Berufungsbegründung noch in den Ausführungen im Rahmen des Plädoyers vor dem Kantonsgericht eine irgendwie geartete entsprechende Substantiierung dieses Begehren s erfolgt ist. Gestützt auf den vorlie- genden Verfahrensausgang besteht angesichts der zu bestätig enden Verurteilung wegen ver- suchter vorsätzlicher Tötung und der Erhöhung des Strafmasse s auf sechs Jahre und sieben Monate Freiheitsstrafe selbstredend keine Veranlassung, das angefochtene Urteil in diesem Punkt abzuändern. Nur am Rande ist diesbezüglich anzum erken, dass bereits das Bundesver- waltungsgericht den Beschuldigten mit rechtskräftigem Urt eil vom 3. Dezember 2015 aus der Schweiz weggewiesen hat. 8. Zivilforderungen 8.1.1 In Anwendung von Art. 122 Abs. 1 StPO kann die gesch ädigte Person zivilrechtliche An- sprüche aus der Straftat als Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend ma- chen. Nach Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO entscheidet das G ericht über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spr icht. Die Zivilklage wird gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat. Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilan- spruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz Seite 37 http://www.bl.ch/kantonsgericht nach entscheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg v erweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Nach Praxis und herrschender Lehre soll das Strafgericht, wenn immer möglich, selbst und zusam- men mit dem Strafurteil über die Zivilklage befinden. Genugtuungsansprüche können und sollen in der Regel sofort entschieden werden (A NNETTE DOLGE , in: Basler Kommentar, Schweizeri- sche Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 1 u nd N 45 zu Art. 126 StPO, mit Hinwei- sen). Die materielle Beurteilung der Adhäsionsklage ist , unter Vorbehalt der gesetzlichen Aus- nahmen von Abs. 2 bis 4, zwingend und muss vollständig se in (vgl. Botschaft vom 21. Dezem- ber 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1174 Ziff. 2.3.3.4; BGer 6B_604/2012 und 6B_613/2012 vom 16. Januar 2014 E. 6 .2.2, mit Hinweisen); sie steht nicht im Ermessen des Gerichts (BGer 6B_75/2014 vom 30. September 2014 E. 2.4.4). 8.1.2 Nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganzen BGer 6B_1070/2015 vom 2. August 2016 E. 1.3.2) kann gemäss Art. 47 OR der R ichter bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung unter Würdigung der besonderen Umstän de der verletzten Person oder den Angehörigen des Getöteten eine angemessene Geldsumme a ls Genugtuung zusprechen. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene seelische Unbill. Ihre Bemessung richtet sich im Wesentlichen nach der Art und Schwere der Verletz ung, der Intensität und Dauer der Aus- wirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, dem G rad des Verschuldens des Haftpflichti- gen, einem allfälligen Selbstverschulden des Geschädigte n sowie der Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags (B Ger 6B_857/2015 vom 21. März 2016 E. 3.2; 6B_768/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 141 IV 97). Die Festsetzung der Höhe der Genugtuung ist eine Entscheidung nach B illigkeit und beruht auf richterlichem Ermessen. Sie ist nicht schematisch vorzunehmen, sondern m uss dem Einzelfall angepasst werden. Dabei kann in zwei Phasen vorgegangen werden, indem zuerst ein Basisbetrag festge- legt und anschliessend die besondere individuelle Situation berücksichtigt wird (BGE 132 II 117 E. 2.2.3; vgl. zur Bemessung der Genugtuungssumme auch WILLI FISCHER , in: Kommentar zu den schweizerischen Haftpflichtbestimmungen, Zürich / St. Gallen 2016, N 48 ff. zu Art. 47 OR, mit Hinweisen; R OLAND BREHM , in: Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Obli- gationenrecht, Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen, 4. Auflage, Bern 2013, N 62 ff. zu Art. 47 OR, mit Hinweisen; C HRISTIAN JAEGGI , Die aktuellen Entwicklungen im Genugtuungs- recht, plädoyer 3/14, S. 28 ff., mit Hinweisen). 8.2.1 (…). Seite 38 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.2.2 (…). 8.2.3 (…). 8.2.4 In casu ist das primäre Argument des Beschuldigten, wona ch er in Notwehr gehandelt habe und deshalb der Eingriff nicht rechtswidrig gewe sen sei und er folglich keine Genugtuung schulde, unter Berücksichtigung der vorgängigen Darlegung en zur versuchten vorsätzlichen Tötung (s. oben E. 4.2) von vornherein nicht stichhaltig. Vielmehr sind bei vorliegendem Verfah- rensausgang gestützt auf die vorstehenden Ausführungen zum Tatbestand von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowohl eine w iderrechtliche (und schuldhafte) Handlung seitens des Beschuldigten wie auch ein Kausalzusammenhang zwischen diesem Verhalten und dem Erfolgseintritt gleichermassen ohne Zweifel zu be jahen wie die für einen Genugtuungsan- spruch geforderte immaterielle Unbill. Bezüglich der ko nkreten Höhe der Genugtuung ist darauf hinzuweisen, dass das Kantonsgericht generell nicht ohne Not in das Ermessen der Vorinstanz eingreift, solange sich diese in ihrem Entscheid mit de n wesentlichen Umständen auseinander- setzt, was vorliegend geschehen ist. In diesem Zusammenha ng ist namentlich von Bedeutung, dass der Beschuldigte die ganze Auseinandersetzung mit dem Privatkläger durch die Be- schimpfung "Motherfucker" initiiert und diesen danach aus nichtigem Anlass mit einem Messer- stich in den Kopf lediglich mehr aus Zufall nicht getöte t hat. Zwar sind gemäss den medizini- schen Gutachten keine bleibenden gesundheitlichen Schäden zu erwarten, abgesehen von den behaupteten Schmerzen im Einstichbereich, allerdings ist das Messer offenbar bloss einen ein- zigen Millimeter von der Arteria cerebri media entfernt in den Schädel eingedrungen, wobei eine Verletzung dieses Gefässes zu einer lebensbedrohlichen, a usgeprägten Blutung mit begleiten- dem Schlaganfall linkshemisphärisch mit in der Folge schw eren neurologischen Defiziten ge- führt hätte. Dass der Privatkläger unter diesen Umständen , zumal er immerhin sieben Tage im Spital verbracht hat, Angst um sein Leben gehabt hat und heute noch unter psychischen Folge- schäden leidet, ist ohne Weiteres nachvollziehbar. Damit erscheint die vom Strafgericht zuge- sprochene Genugtuung im Betrag von CHF 10'000.--, zuzü glich Zins von 5 % seit dem 9. März 2018, durchaus als angemessen, womit die Berufung des Be schuldigten auch in diesem Zu- sammenhang in Bestätigung des angefochtenen Urteils abzuweisen ist. Seite 39 http://www.bl.ch/kantonsgericht 8.3 Der guten Ordnung halber ist darauf hinzuweisen, dass d ie vom Beschuldigten für sich selbst geforderte Genugtuung als Folge der gestützt auf das begehrte Strafmass von 100 Ta- gessätzen Geldstrafe angeblich erlittenen Überhaft an gesichts der mit vorliegendem Urteil aus- gesprochenen Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sieben Monaten ohne weitere Darlegungen abzuweisen ist. 9. Kostenfolge 9.1.1 Bei diesem Verfahrensausgang ‒ indem einerseits die Berufung des Beschuldigten voll- umfänglich abgewiesen und andererseits die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in dem Sinne teilweise gutgeheissen wird, als die erstinstanzlich ausgesprochene, unbedingte Frei- heitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sieben Monaten erhöht wird ‒ rechtfertigt es sich nach Art. 428 Abs. 1 StPO, die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von insgesamt CHF 20'800.-- (bein- haltend eine Gebühr von CHF 20'625.-- [achteinvierte l Stunden Hauptverhandlung zu jeweils CHF 2'500.--/h] sowie Auslagen von CHF 175.--) im Um fang von 80 % (= CHF 16'640.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umfang von 20 % (= CHF 4'160.--) zu Lasten des Staates zu verteilen. 9.1.2 aa) In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten des Berufu ngsverfahrens ist zu erkennen, dass zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung de r Rechtsvertreterin des Beschuldigten, Rechtsanwältin Eveline Roos, ein Honorar zu Lasten des S taates ausgerichtet wird. Gleicher- massen wird auch dem Rechtsvertreter des Privatklägers, Re chtsanwalt Julian Herzog, zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ein Hon orar zu Lasten des Staates ausgerichtet. Hinsichtlich der jeweiligen Höhe gilt was folgt: bb) Das Honorar der amtlichen Verteidigerin wird, ausge hend von ihrer Honorarnote vom 18. August 2020, beim geltend gemachten Aufwand von 4 5 Stunden pauschal um einen Drittel auf 30 Stunden Aufwand gekürzt. Dazugerechnet wird ein Aufwand von neun Stunden für die Hauptverhandlung inklusive Weg und Urteilseröffnung. Di es ergibt einen anrechenbaren Auf- wand von 39 Stunden zu jeweils CHF 200.-- pro Stunde. Zu dieser Zwischensumme von Seite 40 http://www.bl.ch/kantonsgericht CHF 7'800.-- werden die aufgeführten Auslagen von CHF 1'474.70 sowie die Mehrwertsteuer von CHF 714.15 addiert, woraus im Total eine Entschädig ung in der Höhe von CHF 9'988.85 resultiert. Gestützt auf Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO wi rd der Beschuldigte zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Umfang vo n 80 % (= CHF 7'991.10) an den Kan- ton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird, aus gehend von seiner Honorarnote vom 18. August 2020, ebenfalls beim geltend gemachten Aufwand pauschal gekürzt, und zwar auf einen Aufwand von insgesamt 15 Stunden (inklusive H auptverhandlung, Weg und Urteilser- öffnung). Dieser anrechenbare Aufwand von 15 Stunden zu jeweils CHF 200.-- pro Stunde ergibt eine Zwischensumme von CHF 3'000.--. Hierzu werden die ausgewiesenen Auslagen von CHF 70.40 sowie die Mehrwertsteuer von CHF 236.40 addiert, woraus im Total eine Entschädi- gung in der Höhe von CHF 3'306.80 resultiert. cc) (…). 9.2 Nachdem schliesslich die Berufung des Beschuldigten im kan tonsgerichtlichen Verfahren in Bestätigung des angefochtenen Urteils vollumfänglich abgewiesen wird, besteht keine Veran- lassung, an der erstinstanzlichen Kostenverteilung eine Änderung vorzunehmen. Seite 41 http://www.bl.ch/kantonsgericht Demnach wird erkannt: ://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft v om 2. September 2019, lautend: "1. B.____ wird der versuchten vorsätzlichen Tötung, der mehrfa- chen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz so- wie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengese tz schuldig gesprochen und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 3 Monaten, unter Anrechnung der vom 8. Februar (22.30 Uhr) bis zum 9. Februar 2018 (11.05 Uhr) und vom 10. März 2018 bi s zum 10. Juni 2018 ausgestandenen Untersuchungshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs vom 11. Juni 2018 bis zum 2. Sep- tember 2019 von insgesamt 543 Tagen, und zu einer Busse von Fr. 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 111 StGB (i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 19 Abs. 1 lit. d und g BetmG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB sowie Art. 106 StGB. 2. Das Verfahren gegen B.____ betreffend den Konsum von Betäubungsmitteln für den Zeitraum bis zum 2. Septemb er 2016 wird aufgrund des Eintritts der Verjährung gem äss Art. 329 Abs. 4 und Abs. 5 StPO eingestellt. 3. B.____ wird in Anwendung von Art. 66a StGB für die Dauer von 12 Jahren des Landes verwiesen. Die angeordnete Landesverweisung wird gemäss Art. 20 d er N-SIS-Verordnung im Schengener Informationssystem eing e- tragen. 4. B.____ wird dazu verurteilt, A.____ eine Genugtuun g in Höhe von Fr. 10‘000.-- zuzüglich Zins von 5% seit dem 9. März 2018 zu bezahlen. Seite 42 http://www.bl.ch/kantonsgericht 5. a) (…) b) (…) c) (...) d) (…) 6. Sämtliche im vorliegenden Verfahren gegen B.____ for ensisch gesicherten Daten, welche sich unter der GK-Nummer 1.__ __ bei der Polizei Basel-Landschaft, IT-Forensik, befinden, wer- den nach Rechtskraft des Urteils unwiderruflich gelöscht. 7. Der Beurteilte trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver- fahrens von Fr. 28‘111.15, den Kosten des Zwangsmassnah- mengerichts von Fr. 1‘700.-- und der Gerichtsgebühr vo n Fr. 10‘000.--. 8. Das Honorar des amtlichen Verteidigers lic. iur. Thoma s Zajak in Höhe von insgesamt Fr. 13‘945.-- (wovon Fr. 9‘430.4 5 für den Aufwand vor der Anklageerhebung sowie Fr. 4‘514.5 5 für den Aufwand nach Anklageerhebung; inkl. Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer) wird aus der Gerichtskasse entrichtet. 9. Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsbeistandes MLaw Julian Herzog von insgesamt Fr. 4‘689.70 (wovon Fr. 1‘917.40 für den Aufwand vor der Anklageerhebung sowie Fr. 2‘7 72.30 für den Aufwand nach Anklageerhebung; inkl. Auslagen) w ird aus der Gerichtskasse entrichtet." wird in Abweisung der Berufung des Beschuldigten und in teilwei ser Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft i n Zif- fer 1 wie folgt geändert : 1. B.____ wird der versuchten vorsätzlichen Tötung, der me hrfa- chen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz so- wie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengese tz Seite 43 http://www.bl.ch/kantonsgericht schuldig gesprochen und verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 7 Monaten , unter Anrechnung der vom 8. Februar (22.30 Uhr) bis zum 9. Februar 2018 (11.05 Uhr) und vom 10. März 2018 bi s zum 10. Juni 2018 ausgestandenen Untersuchungshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs vom 11. Juni 2018 bis zum 19. Au- gust 2020 von insgesamt 894 Tagen , und zu einer Busse von CHF 300.--, im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen, in Anwendung von Art. 111 StGB (i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 19 Abs. 1 lit. d und g BetmG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB sowie Art. 106 StGB. Im Übrigen wird das angefochtene Urteil bestätigt . II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von insgesamt CHF 20'800.-- (beinhaltend eine Gebühr von CHF 20'625.-- sowie Auslagen von CHF 175.--) gehen im Umfang von 80 % (= CHF 16'640.--) zu Lasten des Beschuldigten und im Umfang von 20 % (= CHF 4'160.--) zu Lasten des Staates. III. Zufolge Bewilligung der amtlichen Verteidigung für das Berufungs- verfahren wird der Rechtsvertreterin des Beschuldigten, Rechtsan- wältin Eveline Roos, ein Honorar in der Höhe von insge samt CHF 9'988.85 (inklusive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 714.15 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Der Beschuldigte wird zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Umfang von 80 % (= CHF 7'99 1.10) an den Kanton Basel-Landschaft verpflichtet, sobald es sei ne wirt- schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Seite 44 http://www.bl.ch/kantonsgericht Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beru- fungsverfahren wird dem Rechtsvertreter des Privatklägers, R echts- anwalt Julian Herzog, ein Honorar in der Höhe von in sgesamt CHF 3'306.80 (inklusive Hauptverhandlung, Auslagen und CHF 236.40 Mehrwertsteuer) zu Lasten des Staates ausgerichtet. Präsident Dieter Eglin Gerichtsschreiber Pascal Neumann