JAAC68.145 Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 19. Januar 2004 i.S. I.K., Serbien und Montenegro [Kosovo], auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 12 Art.44al.1LAsi. Unitédelafamille. Exceptionauprincipedel’inclusiondesmembresdelafamilledans lestatutdel’étrangeradmisprovisoirement(JICRA1995n°24= JAAC 60.34),danslescasoùlelienmatrimonialestdissousdefacto. Art.44Abs.1AsylG.EinheitderFamilie. AusnahmevomGrundsatzdesEinbezugsindievorläufigeAufnahme derübrigenFamilienangehörigen(EMARK1995Nr.24= VPB60.34),da dieEhefaktischgetrenntwar. Art.44cpv.1LAsi. Unitàdellafamiglia. Eccezionealprincipiodell’inclusionedeglialtrimembridellafamiglia nellostatutodellostranieroammessoprovvisoriamente(GICRA1995 n.24= GAAC60.34)nelcasod’assenza,neifatti,diunlegamedegnodi tutela. 1ZusammenfassungdesSachverhalts: Zwischendem31.Oktober1991unddem18.Oktober1999hieltsichder BeschwerdeführerzusammenmitseinerFamilieinderSchweizauf,zunächst alsAsylgesuchstellerundseitEndeJuni1994alsvorläufigAufgenommener. Am24.März1998wurdediekollektivverfügtevorläufigeAufnahmedes BeschwerdeführersundseinerFamilieaufgehobenundihmsowieder FamilieFristzurAusreisebisEndeApril1999angesetzt. Am18.Oktober 1999verliessderBeschwerdeführerdieSchweizalleineundreistezurück indenKosovo. SeitherkommtseineEhefraualleinefürdenUnterhalt dervierköpfigenFamilieauf. Am11.September2000reichtediesezudem eineEhescheidungsklageein. GestütztaufdenBundesratsbeschlussvom 1.März2000betreffenddieHumanitäreAktion2000wurdedieinder SchweizverbliebeneEhefraumitdenKindernam20.März2001vorläufig aufgenommen. Am25.Dezember2002reistederBeschwerdeführererneutindieSchweiz einundersuchteam15.Januar2003umAsyl. Ermachtegeltend,erhabedas Heimatlandausschliesslichdeshalbverlassen,weilersichmitseinerhierin derSchweizlebendenFamilievereinigenmöchte. TrotzseinerBemühungen seiesihmnichtgelungen,imKosovofürsichundseineFamilieeineneue Existenzaufzubauen. MitVerfügungvom4.Februar2003tratdasBundesamtfürFlüchtlinge (BFF)aufdasAsylgesuchnichtein. GleichzeitigordneteesdieWegweisung undderenVollzugausderSchweizan. DieseVerfügungfochtder BeschwerdeführermitEingabevom5.Februar2003beiderSchweizerischen Asylrekurskommission(ARK)an. DieARKweistdieBeschwerdeab,soweitsiedaraufeintritt. AusdenErwägungen: 7.a. ImWeiterenistzuprüfen,obderBeschwerdeführerausArt.44Abs.1 desAsylgesetzesvom26.Juni1998(AsylG,SR142.31)einAufenthaltsrecht fürsichableitenkann. DiesePrüfungwurdevonderVorinstanzzuUnrecht nichtvorgenommen. DerARKkommthinsichtlichderFragedesVollzugsder WegweisungdievolleKognitionzu,weshalbsieimFolgendendiesePrüfung selbstvornimmt. b. NachdemWortlautvonArt.44Abs.1AsylG(Art.17Abs.1desAsylgesetzes vom5.Oktober1979[AsylGvon1979],AS 1980 1718)istbeiderWegweisung undderenVollzugderGrundsatzderEinheitderFamiliezuberücksichtigen. DerBeschwerdeführer,seineEhefrauundseineKinderfallenohne weiteresunterdenBegriffderFamilie. DieEhefrauunddiedreiKinderdes Beschwerdeführerswurdenam21.Mai2001imRahmender«Humanitären Aktion2000»inderSchweizvorläufigaufgenommen. Bisheutewurdedie vorläufigeAufnahmederEhefrauundderKinderdesBeschwerdeführers nichtaufgehoben;siesinddemnachzumweiterenAufenthaltinder Schweizberechtigt. DieBestimmungvonArt.44Abs.1AsylGgeht,wiein EntscheidungenundMitteilungenderSchweizerischenAsylrekurskommission [EMARK]1995Nr.24[= VPB60.34]festgestelltwurde,überdieTragweite vonArt.8derKonventionvom4.November1950zumSchutzeder MenschenrechteundGrundfreiheiten(EMRK,SR0.101)hinausundbeinhaltet, dassdievorläufigeAufnahmedeseinenFamilienmitglieds«inderRegel»auch 2zurvorläufigenAufnahmedessenFamilieführt. VordiesemHintergrundist nachfolgendzuprüfen,obderVollzugderangeordnetenWegweisungdes Beschwerdeführersdennochstatthaftist. c. ImGrundsatzurteilEMARK1995Nr.24[= VPB60.34]wurdebereits angezeigt,dasseinAbweichenvomGrundsatzderEinheitderFamiliein gewissenAusnahmefällendenkbarsei. DieARKerwog,eswerdedieAufgabe derPraxissein,anhandkonkreterFälledarzulegen,welcheGründezu einerAusnahmevomGrundsatzdesArt.44Abs.1AsylGführenkönnten, unterwelchenUmständenalsoeinFamilienmitgliednichtindievorläufige AufnahmederganzenFamilieeinbezogenwerde. AlsdenkbarenFallführte dieARKdieSachlagean,beiderdasbetreffende,nichtindievorläufige AufnahmeeinzuschliessendeFamilienmitgliedwegenseinerDelinquenz dieVoraussetzungenvonArt.14aAbs.6desBundesgesetzesvom26.März 1931überAufenthaltundNiederlassungderAusländer(ANAG,SR142.20) erfülle,oderbeieigentlichenMissbrauchsfällen,wobeidieblosseTatsache, dassweitereFamilienmitgliederein(erfolgloses)Asylgesuchstellten,fürsich alleinnichtgenüge,umdiesbezüglicheinerechtsmissbräuchlicheUmgehung derVorschriftenüberdenFamiliennachzuganzunehmen. d. DerBeschwerdeführerhatseinAsylgesucheinzigmitder Familienvereinigungbegründet. Wievorstehendausgeführt,rechtfertigt dieseTatsachealleinkeineAusnahmevomGrundsatzderEinheitderFamilie. VielmehrmüssenweitereGründegegebensein,dieeinsolchesAbweichen rechtfertigen,wasimFolgendenzuprüfenseinwird. aa. InderRechtsmitteleingabewirdausgeführt,dererfolgloseVersuchdes Beschwerdeführers,inseinerHeimatnachdemKriegwiederFusszufassen undsichamWiederaufbauzubeteiligen,dürfenichtzumAusschlussvom EinbezugindievorläufigeAufnahmeführen,zumalervorseinerAusreise bereitsvorläufigaufgenommengewesensei. bb. AufgrundderAktenergibtsich,dassderBeschwerdeführeram30.Juni 1994gestütztaufdenBundesratsbeschlussvom18.Dezember1991über dievorläufigeAufnahmevonRefraktärenundDeserteurenvorläufig aufgenommenwurde,weildieRückkehrindenHeimatstaatimdamaligen Zeitpunktalsnichtzumutbarerachtetwordenwar. Am24.März1998wurde danndievorläufigeAufnahmedesBeschwerdeführersundseinerFamilie aufgehobenundihnenFristzurAusreisebisEndeApril1999gesetzt. Am 18.Oktober1999verliessderBeschwerdeführerdieSchweizallein. Die EhefrauunddieKinderdesBeschwerdeführersverbliebenalleininder Schweiz. Am11.September2000reichtedie[EhefraudesBeschwerdeführers] dieScheidungsklageein. Darinführtesiean,imLaufederJahrehabesich dieEhezunehmendzerrüttetundimHerbst1999habederEhemanndie Möglichkeit,nachdemKosovo-KriegwiederinsHeimatlandreisenzukönnen mitderGelegenheitverbunden,sichvonderFamiliezutrennen. Demnach istfestzustellen,dassdieFamilieneinheitinderSchweizeinmalbereits bestandenhatundvomBeschwerdeführerundseinerFamilieaufgrundder zerrüttetenEhefreiwilligaufgegebenwurde. Insoweitpräsentiertsichder vorliegendeFallgrundlegendandersalsjenerimbereitsmehrfacherwähnten UrteilderARK.EinemFamilienmitgliedstehtesnichtfrei,beliebiginsein Heimatlandauszureisen,zueinemspäterenZeitpunktohneNotwendigkeit 3wiederindieSchweizzurückzukehrenundunterBerufungaufdenGrundsatz derFamilieneinheitnachArt.44Abs.1AsylGeinevorläufigeAufnahmezu erwirken. 4Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali JAAC 68.145 - Auszug aus dem Urteil der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 19. Januar 2004 i.S. I.K., Serbien und Montenegro [Kosovo], auch erschienen in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. ... In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione Jahr 2004 Année Anno Band 68 Volume Volume Seite --- Page Pagina Ref. No 150 006 338 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.