Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche- rungsrecht vom 12. Mai 2016 (725 16 53 / 117) ____________________________________________________________________ Unfallversicherung Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen verneint. Rückweisung an die Vorinstanz. Besetzung Präsidentin Eva Meuli, Kantonsrichter Dan iel Noll, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Pascal Acrémann Parteien A.____ , Beschwerdeführer gegen Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG , Bunde s- gasse 35, Postfach, 3001 Bern, Beschwerdegegnerin Betreff Leistungen A. Der 1958 geborene A.____ ist Geschäftsleiter der B____AG und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesel lschaft AG (Mobiliar) für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankhe iten versichert. Am 6. Februar 2015 stürz- te er beim Skifahren und zog sich dabei gemäss Beri cht des erstbehandelnden Arztes Dr. med. C.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, vom 17. März 2015 eine Schulterkontusion links zu. Die SUVA erbrachte in der Folge die geset zlichen Leistungen (Heilbehandlung). Nach- dem die Mobiliar erfahren hatte, dass am 17. Septem ber 2015 ein operativer Eingriff an der Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht linken Schulter geplant war, teilte sie dem Versicherte n am 3. September 2015 mit, dass die aktuellen Beschwerden an der linken Schulter gemäss der Einschätzung des beratenden Arztes Dr. med. D.____, FMH Chirurgie, nicht mehr auf das U nfallereignis vom 6. Februar 2015 zu- rückzuführen seien, weshalb sie die Leistungen per 16. Sep tember 2015 einstelle. Nach weite- ren Abklärungen verneinte die Mobiliar mit Verfügung vom 17. September 2015 ihre Leistungs- pflicht ab dem 17. September 2015. Daran hielt sie au ch auf Einsprache des Versicherten hin mit Entscheid vom 19. Januar 2016 fest. B. Hiergegen erhob A.____ am 12. Februar 2016 Beschwe rde beim Kantonsgericht, Abtei- lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte, in Gutheissung der Beschwerde sei die Mobiliar zu verpflichten, die Kosten der Operat ion vom 17. September 2015 zu über- nehmen. Die Beschwerde begründete er im Wesentlichen damit, dass die Schmerzen in der linken Schulter erst nach dem Unfall vom 6. Februar 201 5 aufgetreten seien und sowohl die behandelnden Ärzte als auch der beratende Arzt Dr. D. ____ den Kausalzusammenhang zwi- schen den Beschwerden und dem Unfall bejaht hätten. Di e Erforderlichkeit der Operation sei auf den Unfall zurückzuführen, was auch dadurch bestätigt werde, dass er seit dem Eingriff vom 17. September 2015 beschwerdefrei sei. C. Mit Vernehmlassung vom 18. März 2016 schloss die Mobi liar auf Abweisung der Be- schwerde. Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g : 1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes ü ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000, desse n Bestimmungen gemäss Art. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetze s über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 auf die Unfallversicherung anwendbar sind, kann gegen Einspracheent- scheide der Unfallversicherer beim zuständigen kantonalen V ersicherungsgericht Beschwerde erhoben werden. Zuständig ist nach Art. 58 ATSG das Ver sicherungsgericht desjenigen Kan- tons, in dem die versicherte Person zur Zeit der Beschwer deerhebung ihren Wohnsitz hat. Vor- liegend befindet sich dieser in X.____, weshalb die ö rtliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1 993 beurteilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden gegen Ein- spracheentscheide der Versicherungsträger gemäss Art. 56 A TSG. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Au f die – im Übrigen frist- und form- gerecht erhobene – Beschwerde vom 12. Februar 2016 ist einzutreten. 2. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob die Be schwerdegegnerin ihre Versicherungs- leistungen für die Folgen des Unfallereignisses vom 6. Februar 2015 zu Recht per 17. Septem- ber 2015 eingestellt hat. Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen Unfallversiche- rung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfäl- len, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewäh ren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehand- lung). Ist die versicherte Person infolge des Unfalles v oll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld . Dieses beträgt bei voller Arbeitsun- fähigkeit 80% des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entspre- chend gekürzt (Art. 17 Abs.1 UVG). Der Anspruch entsteht gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG am drit- ten Tag nach dem Unfalltag und er erlischt mit der Wie dererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. 3.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UV G setzt – unter anderem – voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem ein getretenen Schaden (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Integritätsschädigun g) ein natürlicher Kausalzusammenhang be- steht (BGE 129 V 181 E. 3.1). Ursachen im Sinne des n atürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetre tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zei t eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammen- hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitli- cher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereigni s zusammen mit anderen Bedin- gungen die körperliche oder geistige Integrität der ve rsicherten Person beeinträchtigt hat, das Ereignis mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund- heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die rechtsanwendende Behörde – die Verwaltung oder im St reitfall das Gericht – im Rahmen der ihr obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammen- hangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruch s nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). 3.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest bzw. ist die Unfallkausalität einmal mit der e rforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge- wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicher ers erst, wenn der Unfall nicht die natür- liche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt , wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Die s trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach d em schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder sp äter eingestellt hätte (Status quo si- ne), erreicht ist (Kranken- und Unfallversicherung - Re chtsprechung und Verwaltungspraxis [RKUV] 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenh ang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines G esundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad d er überwiegenden Wahrscheinlich- keit (BGE 134 V 125 f. E. 9.5 mit Hinweisen) nachgewi esen sein. Die blosse Möglichkeit nun- Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfa lles genügt nicht. Da es sich hier- bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, lie gt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu sammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (S ozialversicherungsrecht - Recht- sprechung [SVR] 2009 UV Nr. 3 E. 2.2; RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b). Der Bewe is des Wegfalls des Kausalzusammen- hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Bewei s zu verlangen, dass kein Gesund- heitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nu n bei voller Gesundheit sei. Ent- scheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeu- tung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil d es Bundesgerichts vom 29. Januar 2009, 8C_847/2008, E. 2 mit Hinweisen). 4.1 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der B eurteilung des Gesundheitszu- standes und der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person oder der Feststellung natürlicher Kau- salzusammenhänge im Bereich der Medizin – ist die rechtsa nwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Das Gericht hat diese medi- zinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsp rozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wi e alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Bewe ismittel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru chs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an zugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsich tlich des Beweiswertes eines Arztbe- richtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streit igen Belange umfassend ist, auf allsei- tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwe rden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar legung der medizinischen Zusammen- hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati on einleuchtet und ob die Schlussfolge- rungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). 4.2 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtspre chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf be stimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf zustellen (vgl. die ausführliche Zusam- menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 352 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu auch BGE 135 V 469 f. E. 4.4 und 4.5). So kommt bei spielsweise Berichten und Gutachten ver- sicherungsinterner Fachpersonen nicht derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten externer Fachpersone n oder gar wie einem Gerichtsgut- achten. An die Beweiswürdigung sind deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Ver- sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S chlüssigkeit der versicherungsinternen Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts v om 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5.3). 5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialve rsicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungs- pflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteil ung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bun desgerichts vom 6. Februar 2008, 8C_163/2007, E. 3.2). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 6. Für die Beurteilung der umstrittenen Fragen sind i m Wesentlichen folgende ärztliche Berichte zu berücksichtigen: 6.1 Im Zwischenbericht vom 8. Mai 2015 diagnostizierte D r. med. E.____, FMH Orthopädie und Sportmedizin, ein posttraumatisches subacrominales Im pingement bei Pulley-Läsion in der linken Schulter. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht attestiert. 6.2 Die Beschwerdegegnerin holte bei ihrem beratende n Arzt Dr. D.____ eine Stellungnah- me ein. Am 9. Juni 2015 diagnostizierte er in Bezug a uf das Ereignis vom 6. Februar 2015 eine Schulterkontusion links bei subakrominalem Impingement. Letzteres sei unfallfremd. Nach einer Schulterkontusion oder Distorsion sei der Status quo ante resp. sine mit überwiegender Wahr- scheinlichkeit nach drei bis vier Monaten erreicht. Die aktu ellen Schulterbeschwerden stünden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 6. Februar 2015. 6.3 Dr. F.____, FMH Radiologie, führte am 8. Juli 20 15 eine MRI-Untersuchung der linken Schulter durch (Bericht vom 15. Juli 2016). Er fand ei nen Reizerguss und eine Kapsulitis des AC-Gelenks, ein endostales Ödem im distalen Claviculaende, eine Teilruptur des Ligamentum naviculare mit langestreckter leichter Verdickung und opaquem Kontrastenhancement bei erhal- tener Kontinuität. Es gebe keine Hinweise auf eine AC -Subluxation und es bestünden ein ent- zündlicher Flüssigkeitsraum in der Regio subacromialis und subdeltoidea, vereinbar mit einem Impingementsyndrom, eine mediale Subluxation der lang en Bizebssehne bei Eintritt in den Sulcus intertubercularis. Im glenohumeralen Gelenk best ünde weder ein Reizerguss noch eine Kapsulitis. Eine SLAP-Läsion sei ebenfalls nicht festzustellen. 6.4 Im Operationsbericht vom 17. September 2015 diagn ostizierte Dr. E.____ ein subacro- minales Impingement bei transmural zentraler Supraspin atussehnen-Längsruptur mit AC- Arthralgie in der linken Schulter (abdominant). Er h ielt fest, dass sich der Versicherte diese Lä- sion durch einen Sturz beim Skifahren auf die linke Schu lter am 6. Februar 2015 zugezogen habe. Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 6.5 Am 6. Januar 2016 stellte Dr. D.____ eine Schulte rkontusion links am 15. Februar 2015 mit/bei Vorzustand mit subakrominalem Impingement und Läsion der Supraspinatussehne so- wie AC-Gelenkarthrose fest. Der behandelnde Arzt Dr. E.____ habe zwar ein posttraumatisches subacrominales Impingement bei Pulley-Läsion an der linke n Schulter diagnostiziert. Es sei aber bereits am 24. April 2015 eine Gelenksinfiltration mit einem Kortisonprodukt vorgenommen worden, was auf ein krankhaft-chronisches Leiden und nic ht auf eine traumatische Gelenksver- letzung hinweise. Nach traumatischen Gelenksverletzungen b estehe keine Indikation für Korti- soninfiltrationen. Nach der MRI-Untersuchung habe der b ehandelnde Arzt eine AC- Gelenksluxation Rockwood I-II mit subacrominalem Impingem ent bei LB-Tendinopathie links diagnostiziert und eine operative Sanierung als indizie rt erachtet. Da in den bisherigen ärztli- chen Berichten ein indolentes und stabiles AC-Gelenk besch rieben worden sei, sei nicht über- wiegend wahrscheinlich, dass sich der Beschwerdeführer am 6. Februar 2015 eine relevante AC-Gelenksverletzung zugezogen habe. Vielmehr seien die Veränderungen im AC-Gelenk im Sinne einer AC-Gelenksarthrose krankhafter Natur. Im O perationsbericht seien keine Hinweise auf traumatisch verursachte Veränderungen zu finden. Di e durchgeführte Synovektomie und Bursektomie seien Eingriffe, die bei chronisch krankhaft en Beschwerden vorgenommen wür- den. Beim subakrominalen Impingement handle es sich um e ine krankhaft-degenerative Verän- derung an der Rotatorenmanschette, die häufig mit Veränderungen des AC-Gelenks verbunden seien. Einrisse an der Rotatorenmanschette seien häufig degenerativ bedingt. Die seltene traumatische Läsion der Rotatorenmanschette sei praktisch immer mit einer nicht zu überse- henden Funktionseinbusse verbunden. Weder der Hausarzt Dr. C.____ noch der behandelnde Facharzt Dr. E.____ hätten aber eine relevante Funktion seinbusse, Kontusionsmarken, Weicht- eilschwellungen oder Hämatome beschrieben. Es habe ber eits vor dem Unfall vom 6. Februar 2015 eine AC-Gelenksarthrose und ein subacrominales Imp ingement bestanden. Im Rahmen dieses krankhaften Impingements sei es zu Veränderungen i n der Rotatorenmanschette ge- kommen. Dies sei im Alter des Beschwerdeführers häufig de r Fall. Am 6. Februar 2015 sei es im linken Schultergelenk zu einer Kontusion gekommen, ohne dass dabei eine relevante blei- bende Verletzung entstanden sei. Nach einer Schulter kontusion ohne bleibende Verletzungs- folgen könne nach zehn bis sechzehn Wochen der Status quo ante bzw. sine postuliert werden, sodass im vorliegenden Fall der Status quo sine spätestens vi er Monate nach dem Sturz am 6. Februar 2015 wieder erreicht worden sei. 7.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. Januar 2016 bei der Beurteilung der Unfallkausalit ät der Schulterbeschwerden links vollum- fänglich auf die Beurteilung ihres beratenden Arztes D r. D.____ vom 6. Januar 2015. Sie ging demzufolge davon aus, dass die Beschwerden mit überwiegend er Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf den Unfall vom 6. Februar 2015 zurückzuführen seien. Vielmehr sei anzunehmen, dass es beim Skiunfall nicht zu einer relevanten Verletzun g gekommen sei und der Status quo sine vel ante erfahrungsgemäss spätestens nach vier Monaten zu terminieren sei. Diese Einschätzung der Beschwerdegegnerin vermag nicht zu überzeugen, lässt doch die ab- weichende fachärztliche Beurteilung von Dr. E.____ Zwei fel an der Zuverlässigkeit und Schlüs- sigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen aufkommen, wie sich aus den nach- stehenden Ausführungen ergibt. Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 7.2 Den Ausführungen im Bericht von Dr. D.____ vom 6 . Januar 2016 ist zu entnehmen, dass als mögliche Ursache für den beim Beschwerdeführer m ittlerweile operativ sanierten Ge- sundheitsschaden grundsätzlich sowohl ein degeneratives als auch ein traumatisches Gesche- hen denkbar ist (vgl. E. 6.5 hiervor). In casu benennt er diverse Indizien, die seines Erachtens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für eine krankheit sbedingte Genese der Beschwerden sprechen. Demgegenüber geht Dr. E.____ – ohne weitere Begründung – von einer unfallbe- dingten Ursache der Gesundheitsschädigung aus (vgl. E. 6.4 hiervor). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin durfte sie bei dieser Sachlage nicht ohne weiteres auf die Einschät- zung des beratenden Arztes abstellen. Zunächst hat Dr. D .____ den Beschwerdeführer – im Gegensatz zu Dr. E.____ – nie persönlich untersucht. Zud em fällt ins Gewicht, dass Dr. E.____ den Beschwerdeführer nicht nur über längere Zeit beha ndelt, sondern am 17. September 2015 auch operiert und dabei die geschädigten Bereiche des Schultergelenks mit eigenen Augen gesehen hat. Es ist notorisch, dass die konkrete Beschaffen heit der Schäden Aufschluss dar- über geben kann, ob sie traumatisch oder degenerativ en tstanden sind. Daher ist davon auszu- gehen, dass Dr. E.____ hierzu konkret Stellung nehmen kan n. In seinem Operationsbericht ist aber dazu nichts Näheres zu entnehmen. Bei dieser Sachla ge hätte die Beschwerdegegnerin zur Klärung der Sachlage Dr. E.____ mit der abweichen den Einschätzung von Dr. D.____ kon- frontieren und ihn auffordern müssen, seine gegensätzl iche Einschätzung näher zu begründen. Demnach besteht ein Defizit bei der Ermittlung des rel evanten medizinischen Sachverhalts, welcher einer abschliessenden Beurteilung der streitig en Kausalitätsfrage entgegensteht. Wie oben ausgeführt (vgl. E. 4.2 hiervor), ist es zwar zulässig , dass ein Sozialversicherer ohne Ein- holung eines externen Gutachtens entscheidet. Bestehen aber auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ä rztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4 .4 am Ende, mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2015, 8C_879/2014, E. 5. 3). Vorliegend vermag die unter- schiedliche Beurteilung des behandelnden Arztes und Opera teurs Dr. E.____ Zweifel an der Einschätzung des beratenden Arztes Dr. D.____ zu begründen, weshalb für die Beurteilung der Unfallkausalität nicht auf dessen Einschätzung abgestellt werden kann. Vielmehr bedarf der medizinische Sachverhalt weiterer Abklärung, wobei zu prüfen sein wird, ob der Unfall überwie- gend wahrscheinlich zumindest eine indirekte Teilursache der gesundheitlichen Beschwerden ist. 8. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die Angel egenheit an die Beschwerdegeg- nerin zurückzuweisen. Gemäss neuer bundesgerichtlicher Recht sprechung können die Sozial- versicherungsgerichte zwar nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Be- gutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die Beschwerd einstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten einzuholen, wenn sie einen i m Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachtlich abkläru ngsbedürftig hält oder wenn eine Ad- ministrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an die Vorinstanz bleibt hingegen möglich, wenn sie all ein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist, oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzi- sierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl. BGE 137 V 263 ff. E. 4.4.1 ff). Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin – trotz der unterschiedlichen fachärztlichen Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht Beurteilungen hinsichtlich der Unfallkausalität der gekla gten Schulterbeschwerden links – nicht alle notwendigen Abklärungen zur Beurteilung der natü rlichen Kausalität vorgenommen (vgl. E. 7 hiervor). Da es nicht die Aufgabe der kant onalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfah- ren versäumte medizinische Abklärungen nachzuholen, steht einer Rückweisung an die Vo- rinstanz somit nichts entgegen. Demzufolge ist die Angel egenheit in Aufhebung des angefoch- tenen Einspracheentscheids vom 19. Januar 2016 zur weiter en Abklärung an die Beschwerde- gegnerin zurückzuweisen. Diese wird angehalten, Dr. E.__ __ mit der abweichenden Einschät- zung von Dr. D.____ zu konfrontieren und ihn aufzufordern, seine gegensätzliche Einschätzung näher zu begründen. Gegebenenfalls hat sie den Beschwer deführer durch einen unabhängigen versicherungsexternen Facharzt begutachten zu lassen. Die Be schwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. 9. Art. 61 lit. a ATSG hält fest, dass das Verfahren vor dem kantonalen Gericht für die Parteien kostenlos zu sein hat. Es sind deshalb für das vo rliegende Verfahren keine Kosten zu erheben. Die ausserordentlichen Kosten sind beim nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdefüh- rer wettzuschlagen. 10.1 Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesge richt (BGG) vom 17. Juni 2005 ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angel egenheiten an das Bundesgericht zuläs- sig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Sel bständig eröffnete Zwischenent- scheide sind - mit Ausnahme der Zwischenentscheide über d ie Zuständigkeit und über Aus- standsbegehren (vgl. Art. 92 BGG) - nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei- ten anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Besch werde sofort einen Endentscheid her- beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Ze it oder Kosten für ein weitläufiges Be- weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG ). Nach der bundesgerichtlichen Recht- sprechung handelt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BG G. Dies gilt auch für einen Rückwei- sungsentscheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiellrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (BGE 133 V 481 f. E. 4.2). 10.2 Beim vorliegenden Rückweisungsentscheid handelt es si ch somit um einen Zwischen- entscheid im Sinne des BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Vo- raussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind, entscheidet d as Bundesgericht. Die nachstehen- de Rechtsmittelbelehrung erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. Demgemäss wird e r k a n n t : ://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der Einsprache- entscheid vom 19. Januar 2016 aufgehoben und die Angelegenheit zur Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht erneuten Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Vo rinstanz zu- rückgewiesen wird. 2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen. http://www.bl.ch/kantonsgericht